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Full text of "Goethe-Jahrbuch"

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Tafel II. 




Goethe-Jahrbuch. 



Herausgegeben 



VON 



Ludwig Geiger. 



'lERUNDZWANZIGSTER BAND. 



Mit dem achtzehnten Jahresbericht 



DER 



Goethe-Gesellschaft. 




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Frankfurt VM. 

Literarische Anstalt 

RüTTEN & LoENING. 

1903. 






Mit 3 Tafeln 

zu Philostrats Gemälden. 

(vgl. zu S. 174—182.) 



Druckerei von August Osteirieth in Frankfurt a. M. 



Vorwort. 




ch constatire gern in der Vorrede, daß der vorige 
Band des Goethe-Jahrbuchs in weiten Kreisen große 
Theilnahme erregte. Fast niemals noch habe ich so viele 
Auszüge und Hinweise in poHtischen Zeitungen gefunden 
wie diesmal. Theils in kleinen Entrefilets, theils in selbst- 
ständigen Artikeln wurden die Erinnerungen Carl Alexanders 
von Weimar oder die Briefe König Ludwigs behandelt. 
Die hervorragendsten deutschen Organe, selbst die Beilage 
zur Allgemeinen Zeitung, die sonst für derartiges zu vor- 
nehm ist, beschäftigten sich ausführlich mit den erwähnten 
Actenstücken. Auch die Charakteristik Goethes durch einen 
Zeitgenossen (Bd. 23 S. 70) wurde von einer Berliner Zeitung 
(Der Tag, 20. Juni) abgedruckt. 

Als ein ferneres gutes Zeichen für das Interesse, das 
die Studien finden, denen dieses Jahrbuch gewidmet ist, 
möchte ich die Thatsachen erwähnen, daß das Ausland 
sich in hervorragender Weise betheiligt (vergl, S. 4—39, 
ferner die Abhandlung von Calvin Thomas, S. 132—150, 
bei deren Durchsicht mein College, Herr Prof. J. Imelmann 
thätige Hilfe leistete), daß ferner einzelne Mittheilungen 
aus freien Stücken von den Einsendern, einem Archivar 
in Kopenhagen, einem hohen Beamten des preußischen 
Kriegsministeriums überschickt worden (vergl. S. 76—81, 
106 fg.), endlich daß ein Archäologe und ein klassischer 
Philologe, die bisher den Goethestudien fremd waren, sich 
infolge ihrer Facharbeiten auch unseren Studien zuwandten 

a 



IV Vorwort. 

(vergl. S. 167 — 203). Wenn die letztere dieser Abhandlungen 
manchem Leser etwas fremdartig und schwierig erscheinen 
mag, so wird gewiß Jeder durch die lichtvollen Dar- 
stellungen zweier hervorragender Juristen gefesselt werden, 
die meiner Aufforderung, sich außerhalb ihrer Fachorgane 
über ein schwieriges Problem auszusprechen, gerne folgten 
(vergl. S. 113 — 130- Solche Thatsachen sind deswegen 
so erfreuUch, weil sie bew^eisen, daß das Goethe-Jahrbuch 
keineswegs ausschließhch ein Organ für deutsche Goethe- 
Philologen ist, sondern die Verehrer des Meisters aus allen 
Ländern, und aus den verschiedensten Studiengebieten zu 
einer großen Gemeinde zusammenschließt. 

Das Goethe -Nationalmuseum in Weimar, das den 
vorigen Band so glänzend auszustatten wußte, ist leider 
diesmal nicht durch einen selbständigen Beitrag, sondern 
nur dadurch vertreten, daß einige künstlerische Beigaben 
ihm entnommen sind, über die hier nicht besonders ge- 
handelt zu werden braucht, da sie in Försters Aufsatz ge- 
nauer beschrieben werden. Der Beitrag aus dem Goethe- 
und Schiller-Archiv hält sich in mäßigen Grenzen. Diese 
Beschränkung bedeutet jedoch in keiner Weise einen Ab- 
bruch oder auch nur eine Lockerung der bisherigen engen 
und für das Goethe-Jahrbuch so gedeihlichen Verbindung; 
daß diese vielmehr nach wie vor fest bleibt, ist von Bern- 
hard Suphan S. 4 so deutUch auseinandergesetzt, daß ich 
dieser Darlegung nichts hinzuzusetzen habe. 

Für die Ueberlassung der ungedruckten Stücke aus 
diesem Archiv, für die ertheilte Erlaubniß, einzelne Vor- 
lagen aus dem Goethe-Nationalmuseum verwerthen zu 
dürfen, sei dem hohen Besitzer dieser Anstalten, Sr. König- 
lichen Hoheit dem Großherzoge Wilhelm Ernst von 
Sachsen ehrerbietiger Dank gesagt. 

Da der Beschluß des Vorstandes der Goethe-Gesell- 
schaft, den Festvortrag diesmal ausfallen zu lassen, erst am 
23. März gefaßt wurde, so mußte, um dem Bande doch die 
übliche Ausdehnung zu geben, während des Drucks ein 
Beitrag eingeschoben werden (S. 204—213); ein solcher 
Einschub konnte jedoch, da der Druck schon zu weit vor- 
geschritten war, nicht an der richtigen Stelle geschehen. 



Vorwort. 



Die Aufzählung einiger englischen Goethe-Publikationen 
in meiner Bibliographie finde ihre Erklärung und Entschuldi- 
gung in der Thatsache, daß beim Eintreffen der englisch- 
amerikanischen Bibliographie die meinige nicht mehr in 
meinen Händen war. 



Der nächste Band wird das fünfte Lustrum abschließen. 
Ein Vierteljahrhundert ist dann seit der Begründung des 
Goethe-Jahrbuchs verflossen. 

Diese erste größere Feier des Jahrbuchs sollte der 
Mann nicht erleben, der dem Unternehmen viele Jahre 
hindurch eine kräftige Stütze war. Ludolph St. Goar, 
Prokurist und Geschäftsführer der Literarischen Anstalt, 
ist am 22. März nach längerer Krankheit am Herzschlage 
gestorben. Seit dem Tode Heinrich Oswalts (vergl. Bd. 
XIII, S. V) hatte der Genannte regen Antheil an der Her- 
stellung des Goethe-Jahrbuchs. Seine eifrige Mitarbeit an 
der Bibliographie ist zuerst Bd. XV, S. 321 erwähnt; der 
Dank, der in jedem Bande den Helfern ausgesprochen 
wurde, richtete sich in erster Linie an ihn. Aber auf die 
Beschaffung von MateriaHen zur Bibliographie beschränkte 
sich sein Antheil nicht. Er war es vielmehr, der die ge- 
sammte Korrespondenz in Sachen des Jahrbuchs mit dem 
geschäftsführenden Ausschuß und mit dem Herausgeber 
zu führen hatte. Er sorgte mit Verständniß und Eifer für 
die technische Herstellung des Werkes und las aufs Ge- 
wissenhafteste mit peinlicher Vergleichung der Manuscripte 
Correcturen und Revisionen jedes einzelnen Bogens. Länger 
als ein Jahrzehnt war er ein regelmäßiger Besucher der 
Generalversammlungen der Goethe-Gesellschaft; mehrere 
Jahre in Begleitung seiner anmuthigen Gattin, die ihm 
einige Zeit im Tode voranging. Durch seine Liebens- 
würdigkeit und Hilfsbereitschaft war er Vielen lieb ge- 
worden. Mir wird er sehr fehlen; ich bewahre ihm ein 
treues Gedenken. 

Berlin, Anfang April 1903. 

LUDWIG Geiger. 



Inhalt. 



Seite 



5-4 



4-59 



Neue Mittheilungen. 

I. Mittheilungen aus dem Goethe- u. Schiller-Archiv. 

1. Barbara Schulthess an Goethe. Herausgegeben 
von Bernhard Suphan 

2. Carlyle und Eckermann. Herausgegeben von 
Ewald Flügel 

Materialien aus dem Goethe- und Schiller-Archiv sind ferner 
benutzt II, B. 8 (S. I07ff.), III, 13 (S. 2441?.), 'S (S- 260 fg.) 

II. Verschiedenes. 

A. Briefe Goethes. 

. I . Vierzehn BriefeGoethes, einer Heinrich Meyers 
meist an K. E. Heibig, zwei an Voigt, je 
einer an Kräuter und an Karl August ge- 
richtet. Herausgegeben von Ludwig Geiger 40— s6 

2. Die Goethe-Autographen der Münchner Hof- 
und Staatsbibliothek. Mitgetheilt von Erich 

Petzet 56—63 

3. An Frau von Heygendorf, Mitgetheilt von 

Albert Pick 63—64 

B. Mittheilungen von Zeitgenossen über Goethe. 

1. Briefe von Lise v. Türckheim (Goethes Lili) 

an Lavater. Mitgetheilt von Heinrich Funck 65—75 

2. P. A. Heiberg an K. L. Rahbek. Mitgetheih 

von L. BoBE 76—79 

3. Georg Wilhelm v. Valentini an Berenhorst. 
Mitgetheilt von Gustaf Lehmann . . . 79— 81 

4. Zu den Weimarer Maskenzügen 1809 und 

18 10. Mitgetheilt von Ludwig Geiger . . 81—92 

5. Therese Huber über Goethe. Ergänzungen 
zu Bd. 18, 120 ff. Mitgetheilt von Ludwig 

Geiger 95-96 



VIII Inhalt. 

6. Aus dem Varnhagen-Chamissoschen Kreise. Seite 
Mitgetheilt von Ludwig Geiger .... 97 — 106 

7. Fr. V. Matthisson an C. V. v. Bonstetten. 
Mitgetheilt von L. BoBt 106—107 

8. Ein Brief A. Kestners und anderer römischer 
Freunde an Friedrich Preller aus Olevano. 
Mitgetheilt von Fritz Scholl 107— 1 10 

II. Abhandlungen. 

1. E. Lakdsberg, J. Kohler: Fausts Pakt mit 
Mephistopheles in juristischer Beleuchtung 11 j — 151 

2. Calvin Thomas: Emersons Verhältniss zu 

Goethe 132 — 152 

3. Friedrich Noack: Aus Goethes römischem 

Kreise, Thomas Jenkins 153 — 166 

4. Richard Foerster: Goethes Abhandlung 

über die Philostratischen Gemälde . . . 167 — 184 

5. C.Ritter: Anwendung der Sprach-Statistik 
auf die Recensionen in den Frankfurter 
Gelehrten Anzeigen von 1772 185 — 203 

6. Ludwig Geiger: Zwei Briefe von Bettine 

von Arnim 204 — 213 

III. Miscellen, Chronik, BibHographie. 
I. Miscellen. 

A. Einzelnes zu Goethes Leben und Wirken. 

i. Sagengeschichtliches zur Helena. Von E. 

V. Lippmann 217—219 

2. Parallelstellen zu Faust. Von E. V. Lippmann 219—221 

3. Die Quellen des Faustischen Papiergeldes. 

Von W. Cohn-Antenorid 221—224 

4. Der Parallelismus in Goethes dramatischem 
Prosastil. Von Franz X. Tippmann . . 224—229 

5. Goethe über Euripides. Von Lothholz . 229—230 

6. Goethe auf dem Stuttgarter Hoftheater unter 
Herzog Karl und König Friedrich. Von 
Rudolf Krauss 231-233 

7. Wolframs Faust. Von Otto Neurath . 235—235 

8. Zu Schäfers Klagelied. Von A. R. Hohlfeld 236—239 

9. Zu den Gedichten »Gott und Welt«. Von 

E. V. Lippmann 239—241 

10. Ein unbekannter Druck der Stanzen 1798. 

Von Max Morris 241 

11. Goethe und Daudet. Von Max Morris . 242—243 



Inhalt. IX 

12. Zu Goethes Gedicht »Muth«. Von E. Hoff- Seite 

mann-Krayer 245—244 

15. Goethe und das Arabische. Von Herman 

Krüüer-Westend 244—248 

14. Goethe und die arkadische Gesellschaft. Von 

L. G 248-252 

15. Ein eigenhändiges Pseudonym Goethes. 

Von Heisterbergk 253 — 254 

16. Goethe und Gotha. Von Karl Obser . . 254—255 

17. Zu Goethes Briefen an Christiane von der 
Teplitzer Reise 181 3. Von Adolf Strack 255 — 256 

18. Ein wenig bekannter Freund Goethes. Von 
Ludwig Geiger 256—261 

19. Zu Goethes Gesprächen. VonLuDwiG Geiger 261 — 266 

20. Meyer von Lindau. Goethes Tischgenosse 

in Strassburg. Von Thomas Stettner . 266—276 

21. Güldenapfel über Goethes Leitung der Uni- 
versitäts-Bibliothek zu Jena (18 17 f.). Von 
Theodor Distel 276—278 

22. Carl Stahr über »Dichtung und Wahrheit«. 

Von Ludwig Geiger ' . . 27S — 281 

23. Adolf Stahr über den Goethe-Schillerschen 
Briefwechsel. Von Ludwig Geiger . . . 281—285 

B. Nachträge und Berichtigungen 283—284 

Chronik. 
Nekrologe: 

Albert Bielschowsky. Von G. Witkowski . 285—289 
Gustav Woldemar Freiherr von Biedermann. 

Von Adolf Stern 289—295 

Bibliographie. 
L Schriften. 

A. Weimarer Goethe-Ausgabe 296 

B. Neue Ausgaben der Werke 296—297 

C. Ungedrucktes. Briefe. Gespräche . . . 297— 29S 

D. Einzelschriften. 

i . Allgemeines, Critisches, Bibliographisches, 

Sprachliches, Cataloge, Varia .... 298—300 

2. Dramen 300—304 

3. Gedichte 304—305 

4. Prosaschriften 505 — 306 

E. Uebersetzuugen 306—307 

IL Biographisches. 

A. Allgemeines 307—508 

ß. Biographische Einzelheiten 308 



X Inhalt. 

Seite 

C. Goethes Verwandte 509 

D. Goethes Verhältniss zu Vorgängern, Zeit- 
genossen, Nachfolgern, sowie zu Frauen . 309 — 312 

E. Stellung zu Kunst, Literatur, Politik, Religion, 
Wissenschaft 313 — 315 

F. Notizen von Zeitgenossen über Goethe . . 316 
III. Verschiedenes. 

A. Ausstellungen, Bilder, Büsten, Statuen, Feiern, 
Gedenkplätze, -Tafeln, -Stätten, Sammlungen 316 — 317 

B. Dichtungen über Goethe, Compositionen, 
Illustrationen, Parodieen, Nachdichtungen 
Goethischer Werke 317 — 319 

Anhang: Englisch- Amerikanische Bibliographie. 
Zusammengestellt von RuD. Tombo. 
I. Neue Ausgaben, Uebersetzungen etc. von 

Goethe 319—320 

II. Hinweise in Büchern 321 

III. Recensionen 521 — 322 

IV. Zeitschriften 322—323 

Register 324—342 



Achtzehnter Jahresbericht der Goethe-Gesellschalt. 
Mit^Heder-Verzeichniss. 




i. Neue Mittheilungen. 



Goethe-Jahr £LCH XXIV. 




I. Mittheilungen aus dem Goethe- 
UND Schiller-Archiv. 



I. BARBARA SCHULTHESS AN GOETHE. 

Dein Brief Mein lieber war mir eine so Seltne als 
Liebe Erscheinung — — 

Du weißest wohl nicht daß ich immer die gleiche bin 
und seyn werde — — 

Dein wilhelm soll mir aus deiner Hand lieb und Will- 
komm seyn — daß ich bin wie die Kinder deines werthers 
verzeihst du mir! — 

ich habe eben am morgen da mir dein Brief kam 
mein Exemplar wilh: verschenkt — u: so kam mir die' 
ansage von dir so hübsch — Geßner ist noch nicht da — 

ich reise morgen mit meinen Töchtern und der lieben 
Niege nach Pfefers — ach das arme Weibchen steht da — 
eine welkende Rose — 

Sie war der über wiegende grund meines Entschlusses 
— möge es nur gelingen — 

möchtest Du mir bald etwas sagen — unsrer Bäben 
Bäbeli wächst herrHch heran. 

geht es den Deinen wohl? — 

adieu — schreibe mir bald — Du beschenkest mich 
immer — und ich bin arm und habe keine solche gaben — 
dafür* bist Du Seelig — 



d 10 July 95. 



Lebe wohl 
Seh. 



* Darnach gestrichen: gäbe aus. ^ Ueber gestrichnem »darum«. 

I* 



Neue Mittheilungen. 



Zu den Briefen der »Immergleichen«, die ich vor neun 
Jahren der Goethe-Gesellschaft mit einer geschichtlichen Dar- 
stellung ihrer Freundschaft zu dem Dichter vorgelegt habe, 
füge ich den einen hinzu, der sich so lange verborgen gehalten 
hat und erst vergangenen Sommer entdeckt worden ist. ' Wer 
an dem matten Schimmer dieser ächten Perlen Gefallen findet, 
wird nun auch das nachgefundene Stück gern in das Ge- 
schmeide einreihen. Er findet seine Stelle zwischen Nr. 4 
und 5 und seine ausreichende Erläuterung im Zusammenhange 
und in dem Wenigen, was zu den zeitlich benachbarten 
Stücken von mir bemerkt worden ist. Man kann hier also 
der gelehrten Zuthat völlig entrathen, ohne die sich leider 
auch heute noch mancher Fachmann eine Brief-Publication 
gar nicht vorstellen kann. Unbeschwert gehe der Brief als 
Gruß des Archivs an das Jahrbuch und zugleich als Zeichen 
und Unterpfand eines Zusammenhaltens, das nicht gelockert 
scheinen mag, wenn wir einmal mit kleinerer Beisteuer uns 
einfinden; zu einer umfänglicheren haben es die Pflichten 
gegen die Goethe-Ausgabe heuer nicht kommen lassen. 

Es trifft sich gut, daß im Beginn dieses Jahres auf Goethes 
Freundin von berufenster Stelle das Interesse frisch hingelenkt, 
und daß ihr lieblich-ernstes Antlitz wieder ins Licht gestellt 
worden ist. Ich meine das Züricher Neujahrsblatt (LXVI) für 
1903: »Frau Barbara Schultheß zum Schönenhof, die Freundin 
Lavaters und Goethes von Georg von Schultheß-Rechberg.« 
Ein bisher nicht gekanntes Conterfei Bäbe's schmückt das an 
neuen Nachrichten reiche Heft als Titelbild, und auch im 
Texte oder als Beigabe wird der Anschauung Werthvolles zu- 
geführt: Seite 4 das »Haus zum Schönenhof«, Seite 22 Philipp 
Christoph Kayser, der Musiker, Seite 62, 63 die lieblichste 
Gabe, das »Facsimile der Originalhandschrift des Gesangs der 
Geister über den Wassern«. — 

31. Januar 1903. Bernhard Suphan, 



2. CARLYLE UND ECKERMANN. 

Zur Einführung. 

Das Hauptstück der folgenden Mittheilung, Carlyles Brief, 
trägt auf der vierten Seite, von welcher der Schreibende jeden 
verfügbaren Raum noch für den Text benutzt hat, die Adresse 
»Sr. Wohlgeboren Herrn Doctor Eckermann (sonst bey dem 

» Von Carl Schüddekopf bei Anlegung des Zettelkataloges der Briefe 
an Goethe. Wegen der abgekürzten Unterschrift war er ursprünglich 
unter falschem Namen verzeichnet. 



Carlyle und Eckermann. 



sei. H. von Goethe) in Weimar«. Das Siegel, in schwarzen 
Lack eingedrückt, zeigt in zarterer Ausführung jenes Symbol, 
das Carlyle in das von den »//ü^z/zehn Freunden in England« 
(nicht: neunzehn) dem Dichter zu seinem letzten Geburtstage 
bescherte Petschaft hatte graviren lassen, jenen sichtbar ge- 
machten Lebens-Spruch Goethes »Wie das Gestirn« (3, 247 
Weim. Ausg.): den Stern umgeben von der kreisrunden, in 
sich zurückkehrenden Schlange; rings um ihn die Legende 
»Ohne Hast, aber ohne Rast«. Das Siegel, ein Ausdruck der 
Gesinnung, der beständigen, immer gleichen, die allein dem 
Leben des Einzelnen Dauer verleiht, wehrt, als klares Be- 
kenntniß zum Ewigen, die Vorstellung ab, es sei möglich, 
daß ein Z^<^^«^verhältniß durch äußere Umstände, durch den 
Tod endlich, seine Endschaft erreiche. In dem Erbgange 
unsrer brieflichen Urkunde ist der nämliche Gedanke wirk- 
sam gewesen. Aus Eckermanns Hinterlassenschaft erwarb 
ihn Dr. James Marshall, der in langjährigem treuem Dienste 
bewährte Secretär und Schatzmeister der Erbgroßherzogin, 
dann Großherzogin Sophie. Der jüngste Sohn des am 28. De- 
cember i88x in Weimar verstorbenen trefflichen Mannes, 
Dr. William Marshall, Naturforscher, a. o. Professor an der 
Universität Leipzig, ließ ihn aus dem Nachlasse des Vaters 
nach Weimar zurückgehen. »Das Weimarische Fürstenhaus«, 
lauten die begleitenden Zeilen vom 20. März 1882 an die 
Frau Großherzogin, »hat das moralische Recht auf ein solches 
Document, und so glaube ich im Sinne meines Vaters zu 
handeln, wenn ich es der hohen Repräsentantin desselben, 
seiner gnädigsten Herrin, überantworte«. Die Großherzogin 
Sophie hat es jenem Dienst- und Treueverhältniß entsprechend 
gefunden, das ihr dargebrachte literarische Kleinod als Privat- 
eigenthum zu bewahren, auch nachdem sie Besitzerin des 
Goethischen Archivs geworden war. So ist es in ihrem Nach- 
laß von Marshalls Nachfolger, dem auch um das Goethe- und 
Schiller-Archiv und seine Geschäfte und Arbeiten hoch ver- 
dienten Geh. Hofrath Robert Küchling, aufgefunden und durch 
Verfügung des Großherzogs Carl Alexander mit andern Werth- 
stücken in das Goethe- und Schiller-Archiv gelangt, zu Anfang 
des Jahres 1900, und war dann, drei Jahre nach dem Tode 
der Fürstin, in der zu ihrem Gedächtniß veranstalteten Aus- 
stellung zur Schau gestellt, März bis Mai 1900. Wiederum 
nach drei Jahren wird es dem weiteren Kreise der Goethe- 
Gesellschaft zugeführt. 

Auch die Großherzogin Sophie ist uns eine »Immer- 
gleiche« gewesen. »Fest auf Einem Sinn«, ich erneue das Wort 
Erich Schmidts. Es ist ein schönerer Ruhm, als was Carlyle 
von ihr, der jungen Fürstin, prädicirt hat : »die gescheite 
und ausgezeichnete Dame«. Etwas anderes aber noch muß 



Neue Mittheilukgek. 



hier, um ihr Wesen auszusprechen, laut werden. Es hat unter 
den Deutschen ihrer Zeit wenige mit Welt-Horizont gegeben, 
Sie hatte ihn, damals schon, als dies noch eine große Selten- 
heit selbst bei den Höchsten der Nation war. Auch bei der 
Begründung des Goethe- und Schiller-Archivs ist ihr Blick 
weit über Deutschland hinausgegangen. Ihr wäre es eine 
Genugthuung gewesen zu erfahren, daß die Beziehungen 
ihrer Anstalt von London und Kopenhagen nach Paris und 
Rom gehen, daß junge japanische Gelehrte sich beeifern, 
die Uebersetzungen Goethischer Werke (Reineke Fuchs, 
Hermann und Dorothea u. a.) in ihre Muttersprache der Bücher- 
sammlung des Archivs zuzuführen, daß in den Eintragungen 
der Besucher das Contingent des Auslandes, hauptsächlich 
von Amerika, in stetem Wachsthum befindlich erscheint. Sie 
würde die Stunde gelobt haben, in der ich ihr das wohl aus- 
gestattete Buch »Das Goethe-Schiller-Denkmal in San Francisco, 
California«, als Spende an die Bibliothek, unter die Augen 
gebracht, und daraus die Rede Etuald Flügels zur Enthüllung 
jenes Ebenbildes unserer Weimarer Dioskuren vorgelesen hätte,' 
die nun auch dort im »Golden Gate Park« den Siegespreis 
geistigen Ringens, den Kranz, emporhalten über dem Getriebe 
der Menge und ihrem Ringen und Kämpfen ums Dasein. 

In solchem Gedenken habe ich dem Freunde, der dort 
an Stanford University, Palo Alto, für deutsche Sprache und 
Literatur wirkt, als uns nach langer Trennung ein frohes 
Wiedersehen erst hier auf der »Altenburg« und danach zu 
Elgersburg bei der »Massenmühle«, im »anmuthigen Thale« 
gegönnt war, den Antrag gemacht, Carlyles Brief für die Goethe- 
Gesellschaft mit den nothwendigen Erläuterungen auszustatten, 
und mich seiner fröhlichen Zusage erfreut. Wem hätte ich dies 
Geschäft lieber anvertrauen sollen als dem Verfasser des Buches 
»Thomas Carlyles religiöse und sittliche Weltanschauung«. * 
Um dieselbe Zeit hatte ich einen jungen amerikanischen Goethe- 
freund und Literaturforscher kennen gelernt, Mr. Leonard 
L. Mackall, den der Gang seiner Studien zu »Goethe und 
Carlyle«, einschließlich des getreuen Eckermann geführt hatte. 
Mr. Mackall, der zur Zeit, wo ich diesen Vorbericht verfasse, 
als willkommener Gast im Goethe- und Schiller-Archiv weilt, 
hat sich der zugehörigen Materialien zu Gunsten unserer 

' Das Vorwort von Charles Bundschu, dem Präsidenten der 
Denkmal-Gesellschaft, dem ich für das Geschenk des Werkes zu danken 
habe, ist unterzeichnet: San Francisco, December 1901. 

* Leipzig. Fr, Wilh. Grunow 1887. Gleichzeitia; erschien von 
Flügel in den Grenzboten II, 1887, die Studie: »Der Briefwechsel 
zwischen Goethe und Carlyle« (S. 81 — 88). Er sollte uns noch eine 
deutsche Sammlung von Carlyles Gof//;f-Aufsätzen geben; ich wüßte 
keinen besseren Uebersetzer für diese als ihn. 



Carlyle und Eckermann. 7 



Publication freundwillig entäußert. Wir sind in der Lage das 
jus talionis zu üben. Das Goethe- Jahrbuch von 1904 wird die 
Studie Mr. Mackalls über Goethes Beziehungen zu seinen 
nächsten amerikanischen Freunden, Joseph G. Cogswell u. A. 
bringen, auch über des Dichters Verhältniß zum Harvard College 
und das Geschenk seiner Werke an dasselbe. Aus den Hand- 
schriften-Beständen des Archivs bietet sich reichliche Beisteuer 
dazu dar. So wird der eingeschlagene Curs weiter gehalten. 
IG. Februar 1903. Bernhard Suphan. 



Von dem Briefwechsel zwischen Eckermann und Carlyle 

waren bisher sieben Nummern bekannt, nämlich die Briefe : 

I. von E. an C. vom 15. Juni 1S28 (Corr.' XV, p. 104; 

C. bestätigt den Empfang an Goethe am 25. Sept. 

1828, Corr. XVIII, p. 127); 

IL von E. an C. vom 2. Juli 1828 (Corr. XX, p. 139; 

C. bestätigt den Empfang an Goethe am 3. Nov., 

Corr. XXn, p. 159); 

III. von C. an E. vom 20. März 1830 (eb. XXIV, p. 165); 

IV. von E. an C. vom 6. Dec. 1830 (eb. XXXIII, p. 242); 
V. von E. an C. vom 20. Oct. 1832 (eb. Appendix, 

p. 328; enthält Anspielung auf den bisher unbekannten, 
unten als No. VIII angeführten »lieben« Brief von 
C. an E. ; vgl. C. an seinen Bruder John am 2. Dec. 
1832, Froude 2, 54); 
VI. von E. an C. vom i o. Nov. 1833 (Corr. Appendix, p. 334) ; 
VII, von C. an E. vom 6. Mai 1834 (nur in Eckermann's 
Uebersetzung erhalten ; aus Kanzler von Müller's 
Papieren von mir veröffentlicht in den Grenz- 
boten 1885; 3, 562 ff.; daraus abgedruckt Corr. 337 ; 
mit einer Nachschrift vom 14. Mai, eb. 342). 
Zu diesen Nummern sind wir jetzt in der glücklichen 
Lage noch zwei weitere fügen zu können, nämlich : 

VIII. einen langen, inhaltreichen Brief von C. an E. vom 
27. Juli 1832,^ über dessen Provenienz der vom 
Director des Goethe- und Schiller-Archivs erstattete 
Vorbericht die nöthige Auskunft enthält ; und 

' Die Briefe der Correspondenz zwischen Goethe und Carlyle 
sind nach Nummern citirt, die hinzugefügte Seitenzahl bezieht sich auf 
die englische Ausgabe : Correspondence between Goethe and Carlyle 
edited by Gh. E. Norton, London 1887. 

Die Citate aus Froude's Th. Carlyle sind nach der Franklin 
Square Edition, New York, Harper Brothers, April 1882 gegeben, die 
Briefe Carlyle's sind citirt nach: Letters of Th. C. 1826— 1836 edited 
by Ch. E. 'Norton, London 1888. 2 Bde. 

* Anspielung darauf im Briefe C.'s an seinen Bruder John vom 
31. Juli 1832: »I wrote to Eckermann last week« u. s. w. 



8 Neue Mittheilungek. 



IX. eine kurze Note von E. an C. vom 28. Mai 1834, 
deren Original Mr. Leonard L. Mackall in den Sumner 
Autographs der Harvard University Library entdeckt 
und eine Abschrift davon dem Goethe-Archive liebens- 
würdiger Weise zur Verfügung gestellt hat. 
Nummer VIH, eine kostbare Bereicherung der Carlyle'- 
schen Briefliteratur und ein besonders werthvolles Dokument 
für die Geschichte von Carlyle's Beziehungen zu Goethe, ist 
eigentlich als ein erster Entwurf zu Carlyle's ergreifender 
Trauerrede auf Goethe zu betrachten und zeigt gerade, weil 
er nicht unmittelbar nach Empfang der Nachricht von Goethes 
Tode geschrieben ist, wie nachhaltig der Eindruck derselben 
auf Goethes »Schülerc war, wie andauernd diesen die herzliche 
Trauer um den Verlust seines »Freundesa, seines »Lehrers«, 
seines »geistigen Vaters« erfüllte. Ist Carlyle doch so gewaltig 
erregt, daß er, der bibelfeste, gleich zu Anfang in seinem 
Bibelcitat die Feuersäule mit der Wolkensäule verwechselt ! 
Wenn Eckermann in seinem Brief vom 20. Oct. 1832 
auf den Inhalt dieses Schreibens eigentlich nur mit den Worten 
eingeht : »Ihr lieber Brief hat mir die Versicherung gegeben, 
daß unsere schon seit Jahren bestehende Verbindung fort- 
bestehen und vielleicht noch inniger geknüpft werden wird«, 
so läßt er Carlyle's warmem Herzenserguss und seiner Freund- 
schaftshoffnung keine volle Würdigung zu theil werden, was 
man freilich bei dem überbürdeten Briefschreiber wenigstens 
erklären und theilweise entschuldigen kann. 

Carlyle's Brief vom 27. Juli ist ferner noch von Wichtig- 
keit, weil er uns Kunde von zwei Briefen gibt, welche in der 
Goethe- Carlyle -Correspondenz fehlen. Er enthält erstens 
die Anspielung auf einen Brief von Goethe an Carlyle, den 
dieser im December 1831 oder Januar 1832 erhielt, welcher 
aber verloren ; und ferner erwähnt er einen Brief Carlyle's 
an Goethe, den letzten, den C. überhaupt an Goethe schrieb 
»in der Zeit um den 20. März« 1832 herum.' Carlyle gibt 
den Inhalt dieses verlorenen Briefes zum Theil wörtlich an 
und erwähnt ihn auch im Tagebuch vom 19. April 1832 
(nicht in Froude ; Corr. 298): »[Die Nachricht von Goethes 
Tode] came to me at Dumfries, on my first return thither 
[nämlich von London]. I had written to Weimar asking for 
a Letter to welcome me home [nämlich in Craigenputtock] ; 



' C. hatte ihn seinem Verleger Fräser zur Besorgung anvertraut, 
in den Tagen des theuren Briefportos, und schreibt an seinen Bruder 
John am 31. Juli 1832: »Fräser, to all appearance, has also wasted my 
last letter to Goethe; at least, no message yet reaches me from Weimar, 
and I wrote to Eckermann last week on'that hypothesis. Fie, tie, the 
foolish Fräser!« Froude 2, eh. XII, p. 46. 



Carlyle und Eckermakn. 



and this was it. My Letter would never reach its address: 
the great and good Friend was no longer there ; had departed 
some seven days before.« 

Es ist wohl wenig Hoffnung vorhanden, daß diese ver- 
lorenen Stücke des Goethe-Carlyle-Briefwechsels wieder auf- 
gefunden werden könnten. 

Da die Anmerkung zu derjenigen Stelle in Carlyle's Briefe 
vom 27. Juli, welche sich auf die englischen Zeitungsberichte 
von Goethes Tode bezieht, allzusehr angeschwollen ist, wird 
sie in einem besonderen Anhange gegeben. 

Die englischen Zeitungen, soweit sie sich nicht gegen- 
seitig ausschreiben, kopiren anfänglich meist französische, 
später auch deutsche Berichte. Von den französischen Berichten 
ist derjenige im Journal des Debats besonders tüchtig und 
wichtig, weil er auf ein Gespräch hinweist, welches der 
anonyme Verfasser zwei Jahre vor Goethes Tode mit diesem 
hatte, und darin sogar einige von Goethes Worten anführt, 
auf ein Gespräch, welches bei Freiherrn von Biedermann 
übersehen worden ist. 



I. 

Brief Carlyles an Eck ermann. 

(27. Juli 1832.) 

Craigenputtock, Dumfries, 27'^ July 1832. 

M}' Dear Eckermann, 

It was the will' of one now departed, but ever dear 

to both of US, that our intimacy should not cease wüth his 

death, but be drawn closer thereby : let his will, in this 

as in all things, be done ! To me whatsoever has pertained 

to him becomes now doubly precious; his glorious Exist- 

ence, which I nowise figure as terminated or terminable', 

but only as withdrawn from our bodily sight, still walks 

before me as my Pillar of Fire by day and Pillar of Cloud 

by night' hallowing with quite peculiar sacredness all that 

environs it. In the whole living world, there is perhaps 

no man that loves him more faithfully than we two: shall 

not this be a bond between us; a holy memorial, when- 

soever, thro' what yet remains of our pilgrimage, Destiny 

may bring us near each other? Germany is now grown 

to me almost a Necropolis, and silent Gottesacker , with 



10 Neue Mittheillngen. 



onh^ the tombs of my loved ones left for me there: 
among its many busy millions, still working and Walking 
alive, there are few I have so much to do with as with 
yourself. Let me hear of you, from time to time; let us 
see each other, if either of us ever cross the German 
Channel: let us both live mindful of our spiritual Father'*, 
mindful also of one another as bis common sons, and above 
all, worthy of such a relation! 

For the last three months, I have been in constant 
expectation of a letter from some of you: but now begin 
to suspect that there has been some misfortune on my 
own side of the Correspondence. My last letter from the 
Poet^ was received in London eight or nine months ago: 
I continued there (joined by my wife) all winter ; in such 
an uncertain State of bustle^ and excitement that spring 
and the time of my return was at band, before I could 
compose myself to write an Answer. A long answer^, 
however, was written, some time about the twentieth of 
March«; wherein all that I had been doing and considering 
was sketched out: my sad astonishment at much I had 
Seen in London, active and speculative; my joy to escape 
out of it, and think my own thought, and go my own 
path, once more among the mountains. I concluded, I 
remember, by earnestly requesting a Letter; said »I should 
not feel at home^ again tili a Weimar message and wel- 
come"* reached me there.« Alas ! there were no more 
such messages appointed me. I was met at Dumfries " by 
tidings that my Friend had gone into Eternity; that I 
should hear bis voice »no more again at all forever.« 
My letter should have reached Weimar about a week after 
his decease; at the hour of that great event, I was about 
Liverpool'' on the road hither. It seemed to me, that 
day the news found me, as if a Sun had gone out'^: I 
did not weep; my feeling was not sad only"^, but high 
and solemn, not of mourning only, but of victory and 
triumph. »5o stirbt ein Held: anbetungsvoll la 

The public mind, even in England, agitated as we are 
with politics'^ and what not, was nowise insensible to this 
occurrence : within the next three days, I had three several 



Carlyle und Eckermakn. I I 

applications'^, to write upon it, from Editors of Periodicals. 
My mood, at the time, was not for writing or speech '^, 
but for Silence. After some weeks '^ I relieved myself and 
gratihed some friends \vith a little funeral o ration. published ^"^ 
in the New Monthly Lon don Maiazine, which I wish I had 
any means of sending you. It is entitled »Deaih of Goethe,<x 
and Stands, I think, in the May or June Number. Of late I 
have occupied m3"self in writing '^ a long rhapsodical Essay 
under the rubric ^Goethes IVorksv. for the Foreign Ouarterly / 
Review : it will be in Germany ere long, and may perhaps 
come under vour e3'e. My other speculations^°, since you 
last heard of me, have been mostly on English topics; 
tho', I hope, somewhat in the German spirit. 

As no message arrives from any one in Weimar, I 
now begin to believe that my last letter, which could never 
reach the band it was addressed to, has altogether mis- 
carried*'; and both to you and to Madam von Goethe my 
silence must seem questionable. Let this hurried sheet 
deliver us from such misunderstanding : assure the now 
doubly widowed Ottilie of our deepest sympath}'; sav, on 
m}^ wife's part and mine, that her welfare will always be 
a matter of heartfelt interest to us; that it were a true 
satisfaction could she write to us, and so, by the imperfect 
medium of letters, the best that is open for us, keep up 
a triendly neighbourhood. 

For yourself, you must not neglect to write, and that 
soon, How much have you to teil me ! All, all is quite 
unknown ; nothing beyond one short paragraph in the 
Newspapers", about an event that must be forever im- 
portant to me! A lady^' copies me a letter from Germany, 
with details of the Death-hour, which I dwell on with a 
sad joy, which you must confirm or correct for me. 
Nothing, no smallest matter, that relates to bim can be | 
too small for me. Teil me his last word, if you know \ 
it; assure me that his Departure was soft and blessed**, 
as of one entering into that land of hght whither his 
earthly hfe had been a faithful journeying. 

As to me I am once more settled here, and at my 
work; minded to follow it as faithfullv as I may, let the 



12 Neue Mittheilungen. 



times be never so contradictory. Contradiction*'' is the lot 
of man; out of contradiction he is here to bring Reconcile- 
(P ment. I had a Manu script wh h_me_iti Londonii; purposing 
t^3JaiixeJl__CQm:£rij£d-4nto ^^ook. So distracted was the 
State of literature*^, as I found it, that I desisted* from 
this enterprise; and my Manuscript is again here with 
me still Manuscript. I have some thoughts of taking it to 
Edinburgh ^^ this winter, and there printing it at my own 
charges^^. Our Bookselling world is evidently drawing to 
its latter end; and it will be long before a neiu method 
can establish itself, tho' establish itself it must. So soon 
as I get into print, you if possible shall have a copy. 

During these present days I have been revising an old 
translation'° of Das Mährchen, and attempting to com- 
ment on it a little; wüth intent to send it forth to our 
World ''. The number of minds to whom it will have some 
significance in this country is constantly and rapidly in- 
■ creasing. To me it seems one of the noblest Poems or 
Prophecies produced for many ages; inexhaustible in 
meaning, deeper every new time I look into it. If you 
know any Commentary in German worth looking at, 
neglect not to point it out to me. The kind Author once 
promised my wife such a one'*: but now from his hand 
it can never come. — Write to me soon, and forget me 
not. My wife unites with me in truest regards to you, to 
Ottilie and her Children, and all that were dear to him. 
His Portrait still hangs beside us": she says, he does not 
seem dead, but only removed to a greater distance and 
become immortal. Wie das Gestirn, ohne Hast, aber ohne 
Rast!^' So be it. 

I remain ever — your affectionate 

T. Carlyle. 

Pray send me your correct Address. Teil me what 
you are specially employed in; whether still in expounding 
German to the English'% or in what; and whether I can 
in any way serve you. If Madam do not write, speak also 
of her and hers. 



Handschrift: were desisted. 



Carlyle und Eckermann. 



If you have any communication with Hitzig ^^ and the 
Berlin Gesellschaft für ausländische Litteratiir, send me tidings 
of them, assure them of my remembrance. 

I gave a ^•oung Englishman, Henry Reeve ''', a card to 
you; whom doubtless you will receive without unwillingness, 
and treat as you find possible and suitable. I reckoned 
him a worthy youth, and knoiu bis friends to be wortby. 

Anmerkungen. 

' Vgl. Goethe an C, 15. Juni 1828 (Corr. XIV, p. 94): 
»Dr. Eckermann, der sich bey uns aufhält und den ich als 
Hausgenossen anzusehen habe. Er macht die hier studiren- 
den jungen Engländer mit der deutschen Literatur auf eine 
sehr einsichtige Weise bekannt, und ich muß wünschen, daß 
er auch mit Ihnen in ein Verhältniß trete« ; in Bezug auf 
diesen Wunsch C. an G., 25. Sept. 1828 (Corr. XVIII, p. 127): 
[Dr. Eckermann] »is known to me by his writings and by 
report, as an able and amiable man; for whose acquaint- 
ance I should heartily thank you. Meanwhile be pleased to 
assure him of my regard and purpose to direct it expressly.« 
Eine Aeußerung, daß die Intimität nach Goethes Tode noch 
wachsen sollte, ist in diesen Worten nicht enthalten und von 
C. wohl erfunden. 

* Vgl. Death of Goethe (Critical and Mise. Essays 4, 50) : 
»His earthly years have been numbered and ended, but of 
his Activity, for it stood rooted in the Eternal, there is 
no end.« 

' Vgl. über diese Verwechselung das oben S. 8, Z. 17 f. 
Gesagte. 

'* C. ist unerschöpflich in den Ausdrücken seiner Dank- 
barkeit gegenüber Goethe; er nennt ihn: The First of the 
Modems (Reminiscences ed Norton II, 179. 180); Our Greatest 
(Essay : Death of Goethe, a. a. O. 42), Master (Corr. 7), 
Loadstar (eb. 35), Teacher and Benefactor (eb. 35); er scheut 
sich nicht im Briefe an Goethe vom 15. April 1827 von seinen 
Gefühlen zu sprechen, Goethe gegenüber, als die »of aDisciple 
to his Master, nay of a Son to his spiritual Father« (eb. 7}. 

5 u. 7 Vgl. die einführenden Worte vor diesem Briefe. 

^ Vgl. den Brief an seine Mutter vom 30. Januar 1832: 
»the tumult of this chaos« u. s. w. 

^ C. verließ London am 25. März, vgl. Froude a. a. O. 45, 

9 Daheim — nämlich in Craigenputtock. Vgl. Brief an 
seinen Bruder Alick vom 19. Febr. 1832 (Froude a. a. O. 45): 
»We are coming home as early as possible in the month of 
March . . . We are also minded to try if we cannot be a 
little more domesticated arnong the moors of Puttock.« 



14 Neue Mittheilungex. 



'° Vgl. die Tagebuchsnotiz vom 19. April 1832, mit- 
getheilt in den einführenden Worten vor diesem Briefe 
(»I had written to Weimar asking for a letter to welcome 
me home« u. s. w.). 

" Wohl nicht in der Grafschaft sondern in der Stadt 
Dumfries? Auch in der soeben erwähnten Tagebuchsnotiz findet 
sich D. als der Ort angegeben, wo ihn die Nachricht traf. 
Froude ist demnach wohl im Irrthum, wenn er sagt (a. a. O. 45) : 
»They stayed a fortnight [offenbar vom 3. oder 4. bis zum 
15. April] at Scotsbrig, [einer Farm, 3 Meilen von Eccle- 
fechan in der Grafschaft Dumfries, bei Carlyle's Mutter] 
where they heard the news of Goethe's death.« Ueber die 
Reiseroute berichtet Froude a. a. O.: »They returned to 
Scotland by Liverpool, staying a few days . . and then going 
on as they had come by the x\nnan steamer . . . (for economy's 
sake) .... At the middle of April they were on the moor 
[d. h. in Craigenputtock] once more, and Carlyle was again 
at his work.cf 

" Liverpool ist ein Versehen; tvenn Froude's Angabe 
correct ist, waren sie noch 3 Tage in London nach Goethes 
Tode, s. Anm. 8. 

'' Wie tief dieses Gefühl ihn ergriffen hatte, geht daraus 
hervor, daß er diesen Vergleich festhielt und so wunderbar 
schön ausführte im »Death of Goethe.« 

"* Grit, and Mise. Essays 4, 43 : »The death of Goethe . . . 
is not a thing to be lamented over, is to be viewed in his 
own spirit, as a thing füll of greatness and sacredness . . . 
If his course . . was like the Sun's, so also was his going 
down . . . Goethe's life too, . . is well represented in that em- 
blem of a solar Day. Beautifully rose our summer sun, gorgeous 
in the red fervid east, scattering the spectres and sickly 
damps . . strong, benignant in his noonday clearness, . . and 
now, mark also how he sets! So stirbt ein Held, anbetungs- 
volUv. Vgl. die Uebersetzung einzelner Stellen dieser Trauer- 
rede in meinem Büchlein »Carlyle's Sittlich-Religöse Ent- 
wicklung« 59 ff. 

'5 Es war die Zeit der Reform-bill und der Cholera, und 
die Zeitungen jener Tage sind voll davon und haben keinen 
Platz für andere Neuigkeiten. Carlyle's Worte, »no wise in- 
sensible« ist beinahe zuviel gesagt ! C. verhielt sich ziemlich 
gleichgültig gegen die politische Gährung jener Zeit und 
schreibt u. a. an seinen Bruder John (2. Juli 1832, Froude 
a. a. O. 50''): »Reform-billing is the universal business, not 
mine.« Vgl. Justin Mc. Carthy's History of our own Times i, 90; 
Pauli's Geschichte Englands seit den Friedensschlüssen 2. Bd. 
(1867). 

'^ Eines dieser Journale war jedenfalls das New Monthly 



Carlyle und Eckermanx. I 5 

Magazine, herausgegeben von Bulwer; die anderen wohl 
Fraser's Magazine und die Foreign Quarterly Review. 

'7 Vgl. »These are no days for speaking of Goethe.« Brief 
an John v. 31. Juli (Froude a. a. O. 47). 

'* C. hatte die y>Trauerredev. fertig vor dem 22. Mai, 
denn an diesem Tage schreibt er (vgl. Froude a. a. O. 46) 
an seinen Bruder John (damals in Neapel): »I have written 
two things — a short Funeral Oration on Goethe : it is for 
Bulwer's Magazine of June (the ,New Monthly') and pleases 
the lady much better than me ; then a paper on certain 
Corn-law Rhymes . . . (das gleiche Citat in den Letters No. XC ^, 
p. 39). C. schreibt am 2. Juli an seinen Bruder (Froude a. a. 0. 50) : 
»a Trauerrede, also often mentioned on the y>Death o/Goethea, 
printed in Bulwer's Magazine, never yet paid for, or seen by 
me in print.« Im Briefe an seine Mutter vom 21. August 
(Letters II, 53) heißt es: »The paper on Goethe, I see, is 
published in London last week; it will be here before long, 
after which I will send Scotsbrig a reading of it.« — C.'s 
y)Death of Goethea ist wohl der schönste all seiner Goethe - 
Aufsätze, aus dem New Monthly Magazine (Juni) No. 138 
(p. 507 — 511) abgedruckt in den Critical and Mise. Essays 4, 42. 
Eckermann tibersetzte den »Artikel« ins Deutsche und schreibt 
darüber an C. am 20. Oct. 1832 (Corr. p. 328): »er wird in 
diesen Tagen im Morgenblatt erscheinen.« Die Uebersetzung 
erschien daselbst anonym 1832 Nr. 244 — 247. 

'9 C. fing ungefähr am 18. Mai an, denn an diesem Tage 
schreibt er ins Tagebuch (Froude a. a. O. 47): »About be- 
ginning an essay on Goethes life. All still dark, or rather 
all void ; yet thin films, of bulk enough had they become 
substances hover here and there. Have been well ntgh idle 
again for a fortnight« [nämlich, nach der Vollendung der 
Trauerrede, deren Abschluß hiernach auf den Anfang Mai 
verschoben wurde]. Am 2. Juli schreibt C. an seinen Bruder 
John (Froude a. a. O. 50): »finally this thing I am now at 
the thirtieth page of, y)Goethe's JVorksv, a baroque, in- 
congruous concern, which I am principally anxious to get 
done with« ; und am 31. Juli an denselben (a. a. O. 47): 
»I have finished y)Goethe''s IVorksa and corrected the proof of 
it since I wrote — a long, desultory, rhapsodic [vgl. den 
gleichen Ausdruck in unserem Briefe] concern of forty-four 
pages in the F. Q. Review. These are no days for speaking 
of Goethe.« C. war nie zufrieden mit diesem Aufsatze, vgl. 
Brief vom 31. August an John (Froude 51): »My article works 
are all published and away from me. The y)Goel/iea, which was 
the last of them, went off in a printed shape to Catlinns on 
Wednesday. It is a poor, fragmentary thing; some of it was 
put into Teufelsdröckh's rnouth and I had a letter from London 



l6 Neue Mittheilungen. 

since asking where Teufelsdröckh's great work (Die Kleider^) 
was to be fallen in with!« Auch das englische Publicum war 
unzufrieden, vgl. Tagebuch von Mitte Sept. (Froude 52): 
»Opinions of the article y)Goethev., Cochrane writes nie, are 
all »eminently unfavourable«. The yyeinine/itlya he has in- 
serted on second thought by means of a caret.a 

Der Aufsatz erschien in der Foreign Quarterly Review 
No. 19 (August, pp. I — 44) und ist wieder abgedruckt Critical 
and Mise. Essays 4, 132 — 183; Eckermann schreibt, daß Cotta 
ihn übersetzen lassen würde (Corr. 328). Ursprünglich scheint 
C. von Hayward dazu angeregt worden zu sein (Mitte Januar 
1832, Froude a. a. O. eh. XI, p. 42): »Hayward was anxious 
that a final article should be written on Goethe to punish 
AVilson for his outrages against the great German in the 
Noctes Ambrosia naes( 

^° Nämlich Biography (April 1832) und BoswelV s Johnson 
(Mai) in Fraser's Mag. April ; Corn-Law Rhymes in der 
Edinburg Review (Juli); vgl. Flügel Carlyle's Sittl. Rel. Ent- 
wicklung p. 241. 

*' Fräser hatte den Brief übernommen, aber verloren gehen 
lassen, vgl. die einleitenden Bemerkungen vor dem Briefe, Anm. 

^* Vgl. den Anhang r)Englische Zciiungsbc?-ichte über 
Goethes Todu. 

^' Diese Dame war wohl Mrs. Sarah Austin, wenigstens 
schreibt C. an seinen Bruder John 2. Juli 1832 (Froude 50): 
»Mrs. Austin wrote lately Goethes last words were, Macht die 
Fensterladen auf, damit ich mehr Licht bekomme ! Glorious man ! 
Happy man ! I never think of him but with reverence and pride«. 

^^ »A beautiful death . . . Beautiful ; what we might call 
a Classic sacred-death ; if it were not rather an Elijah-trans- 
lation, in a chariot, not of fire and terror, but of hope and 
soft vernal sunbeams!« Death of Goethe 42. 

^5 C. hatte den Begriff des »Widerspruchs«, wie den des 
»offenbaren Geheimnisses«, des »Stillen« u. s. w. von Goethe 
übernommen, vgl. mein Büchlein über Carlyle's Religiös- 
Sittliche Entwickelung 221 u. s. f. 

^^ Es war das Ms. des Sartor, für welches er keinen 
Verleger finden konnte, vgl. den Brief an seinen Vater vom 
13. Dec. 1831 (Froude eh. XI, 41): »I cannot get on with 
the Publishing of my book. Nobody will so much as look 
at a thing of the sort . . .« ; und an seinen Bruder John (vom 
20. Dec? a. a. O. 42): »As to Teufelsdröckh himself, hope 
has not yet risen for him ; nay, rather, certainly begins to 
show itself that he has no hope.« (vgl. Corr. 285.) 



' Vgl. Grit. Essays 4, 137 (Die Kleider . . . Weißnichtvvo, Still- 
schweign'sche Buchhandlung, 1830). 



Carlyle und Eckermann. 17 

'■^ Carlyle's Briefe und Tagebücher sind voller Auslassungen 
über die schlechten Zeiten des Buchhandels, z. B. 11. Jan. 
1827: truly if you heard the Bookselling tribe talk about 
the badness of the Times u. s. w. ; 14. Sept. 1831: for the 
present as he [nämlich der Buchhändlerfürst Murray] altogether 
piteously vvaileth, not a book, not a Volume of any sort can 
he seil ; it is all dead and done and gone to the Devil — 
as it ought to be; 15. Oct. 183 1 : My poor Book cannot be 
printed at present for this piain reason, all Bookselling is 
at an cnd, tili once this Reform Bill of theirs be passed; 
25. Dec. 1831: at present everything is kept stagnant by 
their Reform-bill : indeed the whole business of Literature is 
a sort of Bedlam-broke-loose, and must soon alter, or utterly 
disappear; vgl. 27. Jan. 1833; 17. Mai 1833: The Book-trade 
being still dead, and as I reckon forever; 37. Mai 1833: 
Most probably you recoUect the Ms. Book I had with me in 
London, and how during that Reform hurly-burly ... I failed 
to make any bargain about it; 17. Juni 1834: Bookselling 
is still at its lovvest ebb; und die Stoßseufzer im Tagebuch 
vom 22. Juli 1832: Homer's Iliad would have brought the 
author, had he offend it to Mr. Murray on the half-profit 
System, say five and twenty guineas . . . ; Sept. 1832 (Froude 52) : 
Bibliopoly, Bibliopoesy in all branches are sick, sick, hastening 
to death and new genesis. (vgl. Corr. 290.) 

'* Vgl, Notebook (Sept. 1832, Froude 52): »I must to 
Edinburgh in winter; the solitude here, generally very irksome, 
is threatening to get injurious, to get intolerable« ; Froude, 
a. a. O. 53 : »The winter they meditated spending in Edin- 
burgh« (sie gingen in der zweiten Woche des Januar 1833 
dahin, Journal vom 12. Januar a. a. O. 55). 

^^ Vgl. Brief an seinen Bruder John vom 31. Juli 1832 
(a. a. O. 47): »As to »Dreck« he lies here quite calm, bound 
up in twine. My partial purpose is to spend another 50 1. 
on him, and have hi m pr inje d by- and-by myself .... One 
thing I imagine to be clear enough, that bookselling, slain 
by puffery, is dead, and will not come alive aqain, though 
Worms may for some time live in the carcase. [!] What 
methods writers who have something to write shall next take, 
is now the question. In a generation or two the answer 
(summed up from the procedure of wise, inventive men) will 
be forthcoming. To us, anyway, martyrdom is the thing 
appointed.« 

^° Vgl. a. a. O. 47: »Since I returned I have been em- 
ployed in translating a little piece named y)Novelle(<. from the 
fifteenth volume of Goethe, and revising an old translation 
of the Mährchen, with intent to add some commentary and 
oifer both papers to James Fräser.« 

Goethe-Jahrbuch XXIV. 2 



Neue Mittheilungen. 



'' Es erschien: The Tale in Fräsers Magazine Oct. 1832, 
Novelle, eb. November 1832, vgl. die genauen bibliogra- 
phischen Angaben in Flügel, Carlyles Rel. Sittl. Entwickelung 
241. Abgedruckt in Grit. & Mise. Essays 4, Appendix I. 

'* C. an Goethe 23. Mai 1830 (Gorr. 185): »that glorious 
Mährchen . . a true Universe of Imagination ... in regard 
to the manifold, inexhaustible significance of which . . I was 
ofiener applied to for exposition than I could give it; and at 
last, to quiet importunities, was obliged to promise that I 
would some day write a commentary on it, as on one of the 
deepest, most poetical things even Goethe had ever written.« 
Goethe verspricht 6. Juni 1830: »zwey Auslegungen« die er 
aufsuchen und an G. schicken will; aber am 31. August er- 
innert G. »womöglich ohne zu belästigen« an die versprochene 
Auslegung. Vgl. Froude's Anm. zum 12. Gap. (p. 45). 

5' Das Bild war wohl kaum das von Fräser verpfuschte 
Stielersche, sondern dasjenige über welches G. am 25. Sept. 
1828 an G. schreibt: nThe Poet, as Vogel has drawn him, 
will look down upon us, vvhile we listen, with a friendly 
monition, that if yesterday and to-day have been spent in 
wise activity, we »may also hope for a Morrow which shall 
not be less happy« ; die meisten Goethe-Porträts, die Garlyle 
besaß, sind jetzt wieder im Garlyle House, vgl. G. H. Gata- 
logue 1900. [L. L. Mackall bemerkt, daß an unserer Stelle 
das Stielersche von G.'s Bruder aus München geschickte, in 
den »Remarks« (vgl. G.-J. 9, 241) das Vogelsche Bild ge- 
meint sei.] 

''' Vgl. Goethe an Zelter 20. Aug 1831. G. G. Gorr. 29 2 ff. 

55 Vgl. Goethes Brief an G. 15. Juni 1828. 

'^^ Vgl. Hitzigs Brief vom 28. Jan. 183 1. G. G. Gorr. 260. 

5'^ Vgl. Eckermann an G. 20. Oct. 1832: Mr. Reeve ist 
zwey Tage hier gewesen etc. ; Ueber Henry Reeve (1813—95), 
Journalist (schrieb für die Times 1840 — 55, gab die Edinburgh 
Review heraus 1855—95), vgl. das Dictionary of National 
Biography 47,407 ff. Geboren zu Norwich, früh auf Reisen 
geschickt, machte er 1831 die Bekanntschaft Garlyles (mit 
welchem er später keine Beziehungen unterhält). »After a 
tour in Italy with Krasinski, he took up his abode in Munich, 
attended Schellings lectures and frequented Gourt Society. 
He nursed Michael Beer, father of Meyerbeer, through his 
last illness in 1833 and at Dresden heard Tieck read Romeo 
and Juliet.« (D. N. B.) Er hielt ein gastfreies Haus, und unter- 
hielt besonders nahe Beziehungen zu den literarischen und 
politischen Größen Frankreichs. Er ist u. a. der Uebersetzer 
von De Tocqueville's Democracy in America 1835 — 40; 
Guizot's Washington 1840; Graf Vitzthums Reminiscences 1887. 
Sein bekanntestes Werk ist: Royal and Republican France 1872. 



Carlyle und Eckermann. 19 

II. 

Brief Ecker manns an Carlyle. 
(28. Mai 1834. •) 

Weimar d. 28. May 1834. 
Mein theurer Freund! 
Ich habe Ihren Brief erhahen* und bin glücklich Sie 
nun in London zu wissen.' 

Ich werde ausführUch mit der Post antworten. 
Heute benutze ich eine schnell sich darbietende Ge- 
legenheit nach Hamburg um Ihnen von Seiten des Herrn 
Geheimenrath v. Müller die ersten 10 Bände der Nach- 
gelassenen Werke zu senden. Ich habe Herrn v. Müller* 
Ihren Brief in einer Übersetzung mitgetheilt, worüber er 
sehr froh ist und Ihnen die herzHchsten Grüße sendet. Er 
fragt ob Sie Herren Hayward* kennen und seine Verdienste 
um den Faust. 

Von mir habe ich Ihnen sehr vieles mitzutheilen, doch 
dieses sehr bald in einem ausführlichen Briefe. Heute nur 
meinen flüchtigen Glückwunsch zu Ihrer Ankunft in London. 

Freundlichst der Ihrige 

Eckermann. 



' Der oben mitgetheilte Brief wurde von Mr. Mackall 
unter den Sumner Autographs der Harvard University Library 
(Cambridge, Mass.) I, 107, gefunden und freundlich zur Ver- 
fügung gestellt. 

* Der im Original verloren gegangene Brief Carlyles; 
die von Eckermann besorgte, im Nachlaß des Kanzlers von 
Muller erhaltene Uebersetzung wurde von mir in den Grenz- 
boten 1885, III, 562 veröffentlicht und darnach von Norton 
in der Corr. 337 ff. wiedergegeben. 

' Carlyle's Nachschrift war von London aus datirt. 

* C. hatte MüUer's Schrift erhalten und schreibt am 
2, December 1832 darüber an seinen Bruder John (Froude 
a. a. O. 54, Corr. Appendix II, 333): »a gilt cream-coloured 
Essay on Goethes Practische Wirksamkeit by one F. von 
Müller, a Weimar Kunstfreiuid and intimate of the deceased's, 
with an inscription on it by bim«. Auch Mrs. Austin be- 
richtet über dieses Buch am 25. December 1832 an Mrs. 
Carlyle (Froude c. 13, p. 54). 

2* 



20 Neue Mittheilungek. 



5 Ueber Abraham Hayward (iSoi — 84) s. Selections 
from the Correspondence of A. Hayward ed. by H. E. Carlisle 
1886, 2 Bde., und Dictinonary of National Biography 25, 
2ü8 — 311. Er war Jurist, Essayist, geistreicher Gesellschafts- 
und Lebemann, der von 1828 — 1844 das »Law Magazine 
or Quarterly Journal of Jurisprudence« herausgab. 1831 ging 
er zuerst nach Deutschland (Göttingen) und verkehrte viel 
mit Carlyle in den ersten Monaten des Jahres 1832. Carlyle 
wurde von ihm u. a. zu dem letzten Aufsatz über Goethe 
veranlaßt (s. gegen Schluß der Anm. 19 zum vorigen Briefe) 
und verdankt Hayward eine Einführung zu Lardner, für den 
C. eine Geschichte der deutschen Litteratur schreiben sollte. 
Aus diesen Plänen wurde zwar schließlich nichts, aber C. 
war Hayward »damals und immer dankbar« (vgl. Froude 
a. a. O. eh. XI, p. 42). Carlyle's Briefe und Tagebücher 
enthalten manche Anspielungen auf Hayward, z. B. der Brief 
an seinen Bruder John vom 10. Januar 1832 (Letters ed. 
Norton I, 389 ff.) ; hier sei aus seinem Tagebuch (wohl vom 
13. Januar 1832, Froude a. a. O. eh. X, p. 39) eine Stelle 
angeführt, welche Hayward's Kreis und Carlyle's scharfes 
Urtheil über die gastfreundlichen Bemühungen des berühmten 
Feinschmeckers zeigt: »Hayward of the Temple [der be- 
rühmten Londoner Juristeninnung], a small [C. meint diesmal 
geistig sowohl als körperlich!] but active and vivacious little 
■amati of the timea, by a stränge impetus takes time ; the 
first time, they say, he ever did such a thing, being one 
that lives in a chiaroscuro dement of which good-humoured 
contempt is the basis. Dined in his rooms (over Dunning's) 
with a set of Oxonian Templars, stupid (in part), limited 
(wholly), conceited. A dirty evening; I at last sunk utterly 
silent.« (Ueber Hayward's berühmte Dinners vgl. Dict. Nat. 
Biogr.) Von Hayward's zahlreichen Schriften (D. N. B. hat 
27 Nummern) war die erste eine Uebersetzung »Of the 
Vocation of our age for Legislation and Jurisprudence trans- 
lated from the German of F. C. von Savigny«, London 1831, 
und die berühmteste seine Prosaübersetzung des Faust, deren 
erste Ausgabe als Privatdruck (Jan. 5') 1833 erschien: Faust, 
a Dramatic Poem by Goethe, translated into English Prose, 
with Remarks on former Translations and Notes 8° for pri- 
vate distribution [D. N. B.]; (wiederholt 25. Febr. 1833'); 
nach dem D. N. B. erschien die »second edition, to which 
is appended an abstract of the continuation , with an 
account of the story of Faust, and the various produc- 
tions in literature and art founded on it« London, 1834 
[Jan.']. Von den zahlreichen späteren Auflagen gibt uns 



' Wie Mr. Mackall mittheilt. 



Carlyle und Eckermann. 21 

Mr. Mackall folgende Einzelheiten: 3. Aufl. Dec. 1838; erste 
amerikanische Ausg. (nicht erwähnt im Brit. Mus. Catalog, 
Engel, Heinemann, Oswald): Lowell, Mass. und New-York, 
April 1840. Demselben Gelehrten verdanken wir folgendes, 
meist aus der uns nicht zugänglichen Correspondence of 
A. Hayward 1886 (pp. 16, 17, 18—19): »Hayward got the 
first Suggestion of the idea of making a translation from 
Charles Lamb, and on his return from Germany his work 
was published by Moxon in Feb. 1833. In the autumn of 
1833 he went again to Germany, and having there received 
aid from Goethe's family and Ottilie published a second edition 
in Jan. 1834.« Im Vorwort dieser Ausgabe sagtH.: »Amongst 
those, for instance, whom I have to thank for the kindest 
and most flattering reception, are Tieck, von Chamisso, Franz 
Hörn, the Baron de la Motte Fouque', Dr. Hitzig, Retzsch, 
and Madame de Goethe. M. Varnhagen von Ense and Dr. 
Eckermann . . . whom I unfortunately missed seeing, have each 
favoured me with suggestions or notes.« 

Anhang. 

ENGLISCHE UND FRANZÖSISCHE ZEITUNGSBERICHTE 
ÜBER GOETHES TOD. 

De Quincey schließt seinen Essay über Goethe, ^ welcher 
zwar bis zu ihrer vorletzten Ausgabe die große Encyclopaedia 
Britannica schmückte und auf diese Weise mehr als ein 
Menschenalter dem englischen Publicum Goethe interpretirte,''^ 
aber dennoch der elendeste aller elenden Goetheartikel ist, 
welcher in den dreißiger Jahren in England verbrochen 
wurden, mit den Worten: »Wir wollen den Fall setzen, daß 
Goethe vor 50 Jahren gestorben wäre, im Jahre 1785, was 
wäre wohl der allgemeine Eindruck dieser Nachricht gewesen? 
Würde Europa den Schlag gefühlt haben? Würde Europa 
dies Ereignis überhaupt nur gemerkt haben? Nicht im Ge- 
ringsten ! Der Todesfall wäre in den obscuren Landblättchen 
Deutschlands angeführt worden, als der Tod eines Novellisten, 
der vor 10 Jahren einigen Erfolg gehabt hätte. Im Jahre 
1832 wurde dieser Tod von den Posthörnern ganz Europas 
gemeldet,* als derJTod des Verf assers von Wilhelm Meiste r, 
Iphi^enie, Faust ; des Mannes, den emige seiner Bewunderer 
auf densellDen Thron wie Homer und Shakespeare erhoben, 
den sie die dritte Person der heiligen Trinität des Genius 
nennen.« 



Works of De duincey, Globe Edition, Boston 1881; 6, 441. 
By the post-horns of all Europa, ib. 



22 Neue Mittheiluxgen. 



Einige Posthörner brachten die Nachricht auch nach Eng- 
land; aber, wie Carlyle in dem oben wiedergegebenen Brief 
sagt, es waren nur dürftige Notizen, meist von wenigen Zeilen. 
Die Zeit war erfüllt von politischen Interessen, die Reform- 
bill bewegte alle Gemüther, und füllte die Spalten der Tages- 
presse. Und außer der Reformbill war es das Gespenst der 
Cholera, welches von Paris bis in die kleinen schottischen 
Landstädtchen die Herzen erschreckte, und über welche die 
Berichte ängstlich verfolgt wurden. 

In dieser Beziehung, kann man beinahe sagen, kam die 
Nachricht von Goethes Tode für England zur ungelegenen 
Zeit und in dieser Beziehung möchte man geneigt sein die 
Kürze der Berichte wenigstens zu entschuldigen. 

Die ersten Nachrichten über das Ereigniß erschienen am 
2. April, und kamen, wie die Times ehrlich gesteht, aus 
Frankreich, und waren aus dem Journal des Debats über- 
setzt, welches unter dem 29. März bereits mit der Nachricht 
einen trefflichen Leitartikel über Goethe gebracht hatte. 

Der Moniteur Universel schweigt von dem Ereigniß, der 
Constitutionnel (vom 29. März) begnügt sich mit der kurzen 
Nachricht, daß der berühmte Dichter im Alter von beinahe 
90 Jahren gestorben sei.' 

Der Mortiing Herald vom 2. April behauptet zwar 
deutschen Zeitungen zu folgen, in seiner lobenden aber sonst 
ziemlich farblosen Notiz, aber die Hamburger Post scheint 
erst im Laufe des 2. Aprils nach London gelangt zu sein, 
und deshalb bezweifeln wir die Zuverlässigkeit dieser Nach- 
richt. Erst am folgenden Morgen, 3. April, bringen die 
Morgenblätter, Morning Herald und Morniug Post, zwei 
Berichte aus Weimar (vom 22. März) und Frankfurt (25. März). 
Die Morning Post fügt zu diesen zwei Berichten noch ein 
paar Sätze, welche aus dem Journal des Debats übersetzt 
sind. 

Die Abendblätter drucken die Morgenzeitungen nach ; 
der Courier bringt die Nachricht vom Tode des Hofmannes 
Goethe, bezeichnend für eine damals beliebte Auffassung von 
Goethes Character (vgl. De Quincey!), unter der Rubrik: '»Mode 
und Verschiedenes^. (Fashion and Varieties). 

In diesen ersten Tagen hatte sich wenigstens noch kein 
Mißklang in den Zeitungen hörbar gemacht, da kam aber 
am 6. April, als die Titnes (die sich mit der Nachricht vom 
2. einstweilen erschöpft hatte!), mit directer Beziehung auf 
die gefährlichen Philogermanen, eine Frankfurter Zeitung vom 
26. März copirte und auf das große Zeichen der Zeit hin- 
wies, die Nemesis der öffentlichen fiN'ichtachtunga, welche 

' Der Glohe und der Teinps waren mir leider nicht zugänglich. 



Carlyle und Eckermann. 23 

einen so ausgesprochenen Feind des politischen Fortschrittes 
wie Goethe, erreicht habe ! 

Soweit ich sehen kann, ist dies das letzte Mal, daß die 
Times, dieses leitende englische Blatt, einen Anflug nimmt, 
einen wenigstens theilweise selbständigen Paragraphen über 
Goethe zu bringen, in der Folgezeit copirt sie, ' meist aus 
dem Athenaeum. 

Den ersten selbständigen, ausgezeichneten Leitartikel 
brachte die von Leigh Hunt begründete, berühmte Zeitschrift 
The Examiner, am 8. April; einen Artikel, dessen Urheber 
man gern kennen möchte, und zu dessen Entdeckung die 
am 25. März, bei anderer Gelegenheit gegebenen Initialen, 
A. B, vielleicht führen könnten. Dieser A. B. besprach am 
25. März An Outline of Sematology (1831) und sagte zum 
Schluß : 

»Es gibt in der That Männer von einer solchen Tiefe 
und Feinheit der Empfindung, und solcher umfassender Kraft 
der Phantasie, daß sie in ihrem eignen Innern alle Schattirungen 
des Gefühls hervorbringen können, deren der Mensch fähig 
ist. Sie können, wenn sie es wünschen, jeden Gegenstand 
betrachten, wie ihn Menschen von verschiedensten Tempera- 
menten betrachten würden, und auf diese Weise vermögen 
sie die menschliche Natur in all ihrer Verschiedenheit [von 
innen heraus] zu verstehen und mit ihr zu fühlen. Solche 
Männer waren Shakespeare, Goethe und vielleicht ein oder 
zwei Männer außer diesen, seit der Erschaffung der Welt. 
Im allgemeinen ist das menschliche Vermögen sich in die 
Lage eines anderen zu versetzen und sich mit dessen Ge- 
fühlen und Gedankenart zu identificiren, wenn diese von den 
eignen verschieden, sehr gering.« 

Ein Satz, der dem Anonymus einen hervorragenden Platz 
in der damaligen, sehr kleinen englischen Goethegemeinde 
zuweist, der zeigt, daß der Anonymus »ein Auge hatte, 
und sah.« 

Nach diesem trefflichen Artikel vca Examiner vom 8. April, 
kommen wir zu dem ganz infamen Citat aus The Atlas, 
welches der Globe vom 9. April bringt. Da selbst das British 
Museum vom Atlas nur eine Nummer aufbewahrt (Nr. 152 
vom Jahre 1829), ist es mir nicht möglich gewesen das Citat 
zu verfolgen. Leigh Hunt schrieb den Table Talk für dieses 
Blatt und sein darin enthaltener ziemlich dürftiger Goethe- 



' Nämlich am 20. April über Goethes letztwillige Bestimmung, 
alles in seinem Hause bis 1850 unverändert zu lassen, und über die 
Medaille, geprägt zu Goethes Andenken (Ad astra rediit &.). Am 
2. Mai copirt sie aus dem Aihenaeum den Brief aus Weimar vom 
31. März über Goethes Bestattung; und am 25. Juni bringt sie eine 
Notiz über die Goethemedaille. 



24 Neue Mittheilungen. 



artikel stammt daher, es ist wohl aber nicht anzunehmen 
und jedenfalls nicht zu hoffen, daß der von mir so scharf 
bezeichnete Artikel vom 9. April von Leigh Hunts Feder 
stammte. Sollte dies doch der Fall sein, so wären seine Ent- 
schuldigungsworte in der Vorrede zur Sammlung des Table 
Talk vom Jahre 1851 nur eine geringe Sühne.' 

Am 14. April bringt dann das Atkenaeum, welches seit 
1830 meist wohl von derMrs. Austin oder aus dem Kreis ihrer 
Correspondenten, immer wohlwollende kleine Nachrichten von 
Interesse für die englische Goethegemeinde gegeben hatte,* 
einen geradezu thöricht zu nennenden Erguß y)On the Influence 
of the Writings of Goethe«.. 

Dieser Aufsatz war so recht darauf angelegt, den Goethe- 
bewunderern, diesen überspannten Philogermanen, den Todes- 
stoß zu versetzen. Nur war er, leider, von jemand geschrieben, 
der von Goethe gar nichts wußte, und dessen allgemeine 
Bildung auch sonst ihn nicht zu dieser Heldenthat befähigte 
(vgl. den Meißel des Xeuxis, sie !). W. Menzel und unbestimmte 
Gerüchte vom Jungen Deutschland waren dem anonymen 
Kampf hahn zu Kopfe gestiegen, er war in der »respectabelsten« 
Gesellschaft aufgewachsen und hatte eine Extradose von 
moralischen Prinzipien genommen, ehe er sich niedersetzte, 
um darauf los zu schreiben von den »verderblichen« Ein- 
flüssen des unmoralischen Goethe, den all seine Meisterschaft 
der Form nicht retten konnte. Schließlich ist dieser Anony- 
mus auch ein guter Politiker und verdammt Goethe auch 
aus diesem Gesichtspunkte. 

Man muß derartige Aeußerungen selbst lesen, um so 
recht zu würdigen, was Carlyle mit seinen Goetheschriften 
für England geleistet hat. Wie wunderbar erscheint sein 
»Death of Goethe« in dem Tumulte des thörichten Geschwätzes 



' Tahle-Talk, Preface VI : On correcting the sheets for press, I am 
not aware of any remark that I should particularly wish to modify, 
with the exception of something, that is said of Germany in the course 
of the articie on »Goethe« [sie!]. I have since become better acquainted 
with the great intellects of that nation [nämlich seit er 1834 Carlyles 
Nachbar in Chelsea geworden war!]; which has unquestionably pro- 
duced the leading thinkers of the Century. The world has yet to' learn 
the extent of its obligations to such men as Goethe and Schiller, to 
Lessing, to Kant, to Herder, Richter, Fichte, and others. 

* 1830, p. 378 [Brief vom 19. Juni aus Weimar über pilgrims to 
the shrine of Goethe &.] ; p. 458 [24. Juli, Notiz über das Chaos]; 
p. 507 [v. 14. Aug.; über G., Schiller u. Madame de Stael]; p. 620 
[2. Oct., Brief aus Weimar vom 29. August über die Feier von Goethes 
Geburtstag]. 183 1, p. 507 [Copie von Goethes Brief an Reid v. 18. Oct. 
1829]; p. 508 [Beschreibung von Salter's Desk u. Siegel]; 619 [Sept. 24., 
enthält Brief aus Weimar vom 3. Sept. mit Schilderung von Goethes 
letztem Geburtstag]. Das Athenaeiun verdiente systematisch ausgezogen 
zu werden. 



Carlyle und Eckermaxx. 25 

jener Tage ! Wie gerechtfertigt erscheinen die Worte, die er 
am 16. Februar 1832 aus London, wo er gerade damals mit 
Hayward in seiner Weise in Goethe geschwelgt hatte, an 
seinen Bruder John schreibt : »Among Goethe's admirers here, 
I find no one possessed of almost the smallest feeling of what 
lies in him. They heve eyes, but see not; hearts, but under- 
stand not ; as indeed the whole world almost has.« 

Worte, die auch auf die Besseren ein eigenthümliches 
Licht werfen ! 

Der aus dem Joiirtial des Debats angeführte Bericht 
beleuchtet den Unterschied der englischen und französischen 
Presse. Wichtig und bezeichnend auch in Bezug auf das, 
was in dem Auszuge daraus, den die Times am 2. April 
brachte, weggelassen. Die Times wollte offenbar das eng- 
lische Publicum ja nicht in Versuchung führen, mehr von 
Goethe zu hören, und eine gerechtere Würdigung anbahnen 
helfen. Oder, was gleich schlimm wäre, glaubte ihr Redac- 
teur, daß der Gegenstand nicht genügend wichtig sei ? George 
Borrow's: »I don't think very highly of German poetry. 
I don't admire the Germans. I don't admire them in any 
point of view« (1821), ist der Grundton dieser allgemeinen 
Zeitstimmung in England. Wie ganz anders die französische 
Zeitung ! Mit vielleicht mehr Eleganz als Tiefe, im Stile einer 
anmuthigen Plauderei, werden wir zu Son Excellence ein- 
geführt. Wie hübsch plaudert der Verfasser von Ottiliens 
zarter Sorge, von ihrer »heiligen Pflicht dem Vaterlande 
gegenüber« (hörte der Verfasser das von Ottilie selbst ?), von 
Goethes glücklichem Leben, von der »friedlichen Majestät« 
seiner Herrschaft, von Goethe als »Meister seiner selbst«, 
von seiner Riesen -Einbildungskraft — »wie der Spiegel eines 
schönen Sees« — »vaste et varie comme l'univers.« 

Man mag mit dem Schluß dieses Artikels über die »neue 
Epoche« und ihren Character übereinstimmen oder nicht, 
man hat sich in der Gesellschaft eines gebildeten und geist- 
reichen Berichterstatters befunden und ist ihm dankbar selbst 
für die allzukurze Wiedergabe eines Gesprächs mit dem Alt- 
meister, den er — wohl nach der schlimmen letzten November- 
woche des Jahres 1830? — recht gealtert fand, dessen Züge 
sich aber belebten, als er auf seine Pläne zu sprechen kam. 
Man wünschte nur, daß der Berichterstatter mehr über die 
»deux ou trois sujets d'ouvrages« erzählt hätte ! 

a) Englische Berichte. 
I. The Times, April 2. (Monday). 

The French Papers of Thursday leave no doubt of the 
existence of cholera in the French capital .... The Jourrial 
des Dibats promises .... The Constittiiionnel mentions .... 



26 Neue Mittheilungen. 



These papers announce a death which may almost be 
considered an event in politics as well as in literature, — the 
celebrated GOETHE died at Weimar on the 2 ad. ult. He 
expired, without any apparent suffering, in his arm-chair, 
having a few minutes previously called for paper for the purpose 
of writing, and expressed his delight at the arrival of spring. 
He had, however, for the last two years enjoyed little of his 
usual health, and had fallen off greatly in personal appearance. 
We believe that he had passed his 82d. year. AU Europe 
knows the literary era of Germany which commenced with 
this distinguished man, which ends with him, and which may 
be considered as identified with his personal history. 

The bin for re-establishing the law of divorce, which 
passed the Chamber of Deputies .... 

2. The Morning Herald, April 2. 

The German Papers announce the demise of two indi- 
viduals, whose names have no connection with the fleeting 
and fiery history of Politics, but belong to that record which 
will endure when the little and paltry altercations which go 
by that name shall have been long forgotten. They State 
that Goethe, the venerable Nestor of European literature, and 
Berzelius, the great Swedish chemist, had both paid the debt 
of nature, after having lived to a great age prolonged and 
most usefuUy employed, and very nearly about the same time. 

Goethe died at Weimar upon the 2 2d. of March, at 
the age of 83. His death is said to have been occasioned 
by a severe cold which he had caught; but a long-standing 
infirmity, and a recent severe domestic calamity, are sup- 
posed to have hastened it. It is a cursious coincident that 
he died in the same month with Crabbe, the father of English 
literature. 

The Claims of Berzelius to high distinction in the analy- 
tical pursuits to which he had devoted himself are confessed 
by all the scientific men of Europe, and must confer, reflec- 
tively through him, fresh honour upon the country to which 
Linnaeus already belonged. 

These Papers contain otherwise no intelligence of any 
importance .... 

5. The Morning Herald, April 3. 

Unter der Ueberschrift : Hamburg and German Papers. 

Weimar. 

March 22. Though Goethe had attained to advanced 

an age, he still seemed so vigorous that the news of his death 

caused a great shock and general regret. A week before his 



Carlyle und Eckermann. 27 

death he was perfectly well. On the i5th the Grand Duchess 
paid him her usual Thursday's visit. The next day he had a 
fit of fever, which soon passed over, bat returned on the 
following day with greater violence. Two days before his 
death it appeared he could not recover. He died with great 
composure, though he did not think his end so near, and 
continued to hope that the fine weather would benefit him. 
He dit not die in bed, but in his easy chair. 

Frankfort. 
March 25. The mortal remains of Goethe are to be 
deposited to-morrow, the 26 th in the vault of the Grand 
Ducal family, where Schiller also reposes. On that day the 
theatre at Weimar, which is closed on account of the melan- 
choly event, which is deplored by every body, will be re-opened 
with the representation of Tusso. Goethes death was without 
pain. After the bodily pain which he had feit at times had 
left him, he feil into a slumber the night before his death, 
and his mind seemed to be cheered by pleasing visions, 
chiefly happy scenes of his past life. This continued tili the 
morning, when, in the füll possession of his faculties, he con- 
versed cheerfully with his daughter-in-law, grandchildren and 
friends. About 10 o'clock he drank a glass of wine, and 
then continued to move his hands in the air, as if writing or 
drawing, still, as it were, embodying the creations of his 
fancy, tili growing weaker and weaker, his band dropped on 
his knee, where it continued to move, as in the act of writ- 
ing, tili the angel of death summoned him away. 

4. The Morning Post, April 2. 

The German Papers announce the death of the celebrat- 
ed Goethe, at Weimar, on the 2 2d ult., in consequence of 
a cold. He was in the eighty-third year of his age. 

5. April 3. 

Death of Goethe. 

Weimar, March 22. Though Goethe . . . wie im Morning 
Herald vom gleichen Datum, bis . . . summoned him away 
(Hamburgh Reporter). Dazu aber noch hinzugefügt (aus dem 
Journal des Debats vom 29. März?): Goethe retained his facul- 
ties to the last. Though more than eighty years of age, he 
still meditated literary projects, and talked of completing his 
Faust, and of executing other elaborate works, with as much 
confidence as if he was in the vigour of his youth and genius. 

Few men, in the walk where Goethe had shone so con- 
spicuously, enjoyed more happiness than he did. His superior- 
ity no one attempted to dispute. He maintained a tranquil 



Neue Mittheilungen. 



empire over the literature of his country, which was implicitly 
acquiesced in by every candidate for literary fame. In his 
intercourse with the world Goethe acted as a man of practical 
good sense. His enthusiasm and romanticism he reserved 
entirely for his productions. He Hved to see his name universally 
worshipped; and upon ^Veimar, the place of his residence, he 
has conferred an undying interest. 

ö. The Courier (Abendblatt vom) April 3. 

(Unter der Rubrik: Fashio7t and Varieties. — /) 

Frankfort, March 25. The mortal remains of Goethe &. 

death summoned him away. Goethe retained &c . . . 

.... undying interest, [Also das ganze aus der Morning Post 
ausgeschnitten!] 

7. The G lobe, April 3. 

Death of Goethe. 

WEIMAR, March 22. Although Goethe had attained so 
advanced an age &. [Nun folgt der gleiche Artikel wie im 
Morning Herald, bis zu den Worten: death summoned him 
away. — Aber angefügt ist:] 

ANOTHER ACCOUNT. 
Goethe has just expired at Weimar. During the last two 
years, and particularly since the death of his son, his spirit 
lost its energy, and he was but the shadow of that which he 
once had been. To his daughter-in-law he was indebted for 
that tenderness and assiduity which soothed his faculties to 
the last. Though more than eighty years of age, he still 
meditated literary projects &. [folgen dieselben Angaben 
wie in der Morning Post vom gleichen Datum, bis zu den 
Schlußworten: an undying interest. Dazu geftlgt wird:] The 
death of Goethe cannot be regarded as an event of impor- 
tance merely to the literary world; it marks distinctiy the 
termination of one era, and the commencement of another. 
He expires with the literary age of his country, at the instance 
almost when its political existence begins. [Aus dem Journal 
des Debats zusammengeschnitten! s. unten] 

8. The Times, April 6. 

GOETHE. The veneration in which the Memory of 
Goethe is held in Germany in not so universal and unqualifi- 
ed as some tourists and critics pretend. The admiration ot 
his extraordinary powers as an author has not, it seems, 
been sufficient to overcome the objections to which his 
character is liable on poJitical_grounds. A letter from Frank- 



Carlyle und Eckermakn. 29 

fort, dated March 26., in the Allgemeine Zeitung says — 
»The news of Goethe's death appears to have made very 
little impression on the majority of the inhabitants of this 
place. 'An _old aristocrat the less', was the expression to 
which the event gave utterance in a large mixed Company. 
Goethe knew the opinion of his native city, and was of 
course far from being proud of it.« — The fact is that 
Goethe lived among Princes, and shared their antipathies to 
populär sights and free institutions. The Government of 
Weimar, bepraised as it has been for the liberal encourage- 
ment of literature and the fine arts, is as forward as any of 
the petty despotisms of Germany in its decrees against the 
political liberty of the press. But the feeling which, according 
to the letter from Frankfort appears to prevail in German 
Society, is one of the signs of the times which should not 
escape Observation. It shows that in the present age, the 
highest talents of any kind, military or literary, will not 
save the possessor from disrespect, from the disrespect even 
of those who would, by a very natural prejudice, be most 
inclined to exalt him, if he declares hostility to the greatest 
interest of mankind — political improvement. 

g. The Examiner (No. 1262, Sonntag April 8.) p. 235. 

GOETHE. The most celebrated literary man of modern 
tirnes, John Wolfgang von Goethe, died on the 2 2d ultimo, 
at Weimar, at the mature old age of 83 years and 7 months. 
By a private letter we have seen, from Weimar, it appears 
that apoplexy was the cause of his death, and that he expired 
in his arm-chair about eleven o'clock in the morning, 
without suffering. Singularly enough, the German papers 
that we have seen contain nothing but the briefest mention 
of his death; and the daily Lojidon papers have followed their 
example scrupulously. 

A debt of justice and of boundless gratitude to the 
illustrious dead, however, will not permit us to confine our 
notice of him within such brief space. Goethe was born at 
Frankfort &. [Nun folgt eine kurze Lebensgeschichte, aus 
der die folgenden Sätze angeführt seien :] 

... In 1786 the affair of Marie Antoinette's jewels so 
completely took possession of his mind, that his friends, for 
a long time, thought him delirious. His remedy in this, as 
in every other ardent affection of mind, was to embody his 
feelings in song, or rather in poetry — for the distinction 
between poetry and prose is not to be found in his works 
of imagination .... 

In 1768, he left Leipsic, and after a short tour, settled 
for some little time in Alsace, where the beautiful Gretchen 



30 Neue Mittheilvngen. 



won his heart, and obtained for herseif, in Faust and Egmont, 
a more lasting monument than brass . . . 

. . . Such a production [nämhch Werther] by a young 
man 23 years of age, at once placed Goethe at the head of 
his country's literature, a place which he preserved undis- 
puted, undisputable to the hour of his death. His mind in- 
deed never seems to have grown old, but to have presented 
a new phasis at each stage of his existence. 

Having breathed forth his feelings, in every species of 
poetry, he loved to measure his gigantic mind with the ab- 
strusest problems in science, with the sarae pleasure no 
doubt (as Hume remarks) that men of great muscular power 
seek occasion for exertion. 

Comparative anatomy, geology, botany, the theory of 
colours, &. were all studied by him most unweariedly, and 
most of them written on. A complete edition of his works, 
however, never having been published, there are many of 
his scientific treatises that we have never seen, and amongst 
others, his most celebrated — the Farbenlehre. 

To all these qualities of mind and varied acquisitions, 
Goethe joined a most courteous and affable baring. Although 
his, and his friend Schiller's, Xe7iien kept all the literary 
pretenders of Germany in fear and trembling, he never evinced 
the slightest jealousy of literary merit. Of this a complete 
testimony is afforded by his correspondence with Schiller, 
which affords a rare instance of the cordiality and intimacy 
with which two great writers laid themselves open to one 
another. The grandeur of Goethe's intellect is also vividly 
set forth in this corres])ondence, through which we may 
observe Schiller's noble mind »Contending with low wants 
and lofty will«, and cowering before the superiority of his 
friend. 

It may add to the interest attending Goethe, to know 
that he was as richly gifted in person as in mind, and that, 
in the words of a native of Weimar, now over here, »his eyes 
were like two lights«. 

Only one thing in Goethe we may regret, — that he 
was no politician; but this the character of his mind for- 
bade. A_chilling^epticism, as to the progressive improve- 
ment of man, runs through all his writings, and of course 
prevented all attempts to make human institutions more pro- 
ductive of human happiness. 

The death of Goethe seems in a manner to mark the 
close of a social aera, and to sever one of the latest links 
between the past and the present. His name has long been 
associated in our minds with the impression of a mighty 
moral influence over European society; and the moment 



Carlyle und Eckermanx. 31 

when that influence has for ever ceased to be personal, 
siiggests inquiry what was its mode and character? 

Some have made epoch in intellectual history by 
])ublishing a new revelation in morals or religion; others by 
addressing themselves to patriotic impulses; while others 
again have been followed as the guiding lights of philosophy, 
or of practical or scientific culture. None of all these in- 
fluences was preeminently exerted by Goethe: (his enthusiasts 
have claimed for him the praise of embracing and wielding 
all.) His muse was neither that of devotion, philosophy, 
nor patriotism, though flowers from each and all of these 
fields have been cuUed to grace his poetical wreath; and a 
future age will edify or amuse itself with the spectacle of 
one who was an intellectual giant in his generation, yet 
indulged himself in a sort of semi-sceptical »aloofness« from 
all the mystic influences which have given prophets and 
poets their empire. 

His spirit was essentially that of an artist — and an 
artist not entranced in the dreams of more than earthly 
grandeur or beauty, but one to take from common life his 
forms and materials, and privileged to find in all things 
some poetical side or aspect. 

He has sometimes been charged with temporising and 
courtier-like propensities, for keeping the even tenour of his 
intercourse and writings, acquiescing alike in the Holy Roman 
Empire, that of Napoleon, or the »thoroughly illustrious 
Deutsche Bund«. But a painter might as well be accused of 
similar propensities, for fixing his camp-stool and desk at a 
picturesque and prudent distance from the seat of con- 
flagration, or battle, and studying the effects of the scene, 
instead of its results. 

It was too late in the eighteenth Century, to restore the 
broken charm of an exploded faith and feelings — too early 
to replace it from new Springs of inspiration. Goethe could 
not be a Dante, and he would not be a Voltaire. What was 
he then at last? Why, he was Goethe. 

By the way, it is rather amusing to hear would-be ad- 
mirers of Goethe in England talk of his writings as of wild 
and mystical flights, while just the opposite charge — of an 
excessive tendency, namely, to the unromantic real, has been 
the subject of blame insisted on with most colour in Germany. 

70. The Globe. April Q druckt folgenden Artikel ab: 
From the »Atlas«. 
We announce, in a preceding column, the death of the 
Patriarch of German literature, a man whose name has lived 
through half a century of fame. This seems to be the proper 



32 Neue Mittheilungen. 



occasion for saying, in a few words, that which we honestly 
tJnink of Goethe's pretensions to fill the high place which 
the tacit acquiescence of his contemporaries assigned to him. 
We fuUy appreciate the hazard of venturing to deny Goethe's 
Claims to the reputation he has enjoyed; but as we know 
that the applause of the mass of mankind is no better than 
a deep-mouthed echo, we do not care to say that there was 
more cant than truth in Goethe's admirers. He turned the 
tide, or, if it must be so, he created a new character of 
taste, in Germany. His first work — that which made his 
name — was the Sorrows of Werter [sie!]. It was translated 
into every living language, ran through a multitude of editions 
in an incredibly short space of time, and turned the heads 
of half the dress-makers and idle young men in the civilised 
cities of Europe. People who had been accustomed to a 
different style were taken on the sudden with the false senti- 
raent, profound nonsense, and morbid immorality of that 
book. The crisis sufficed to raise Goethe into immediate 
popularity, which the good-nature of the world continued 
to him by sufferance until the hour of his death. 

As a critic, Goethe was slavish and dogmatical; as a 
philosopher he was less intelligible than Bentham, and more 
theoretical that Godwin; and as a poet, he was only capable 
of occasional flashes of genius, which, however, will redeera his 
reputation, although they will not justify the applauses of 
his disciples. His Faust is a very unequal Performance, besides 
that the design is not only incomplete, but so incomplete 
that it would now be impossible to shadow forth its probable 
issue. Wilhelm Meiste)-' s Apprenticeship, in the common-place 
language of the Anglo-German critics, is a masterpiece of 
knowledge, wit and genius, [but] who has read it to the 
end with pleasure? We have never met the reader. Who 
can fathom its darkness? The truth is, the book has obtained 
much lip-praise, but has rarely in this country, received the 
approbation of the heart or the understanding. The cele- 
brated criticism on Hamlet is in a monkish spirit — not that 
it is not füll of a spirit of recognition of Shakespeare's 
greatness, but that it cast a veil of impenetrable mystery 
over the metaphysical portrait whose lineaments it affects to 
describe. 

With Goethe, we have no doubt, will pass away much 
of the humbug of the German school. We hope that the 
age of simple and severe truth will return, and that ever 
those who chatter over his mausoleum will at last be per- 
suaded to admit that he did not advance the happiness, or 
promote the real interests of mankind. 



Carlyle und Eckermann. 33 

II. Athenäum, Saturday, April 14. 1832 (p. 242 ff.). 
On the Influence of t?e Writings of Goethe. 

Brief biographical notices of Goethe having appeared in 
all the daily papeis, we must presume that our readers know 
already that he was born in 1 749, at Francfort on the Main, 
of respectable parents ... It is not, therefore, our intention 
on this occasion, to touch on these matters or even to enter 
into any critical review of the relative merit of his different 
works: but rather to take an enlarged view of the general 
character of the writings of this extraordinary man, and the 
influence they had on his age and country. 

A shrewd German critic (Wolfgang Menzel) has described 
the mass of modern poetry, in contradistinction to that of 
the ancients and of the middle ages, as a theatrical poetry. 
Formerly, he observes, men wrote from an irresistible im- 
pulse; their hearts were füll, and the melody of verse seemed 
but to express these involuntary feelings; but now, with few 
exceptions, it is a matter of calculation — men sit down and 
ask themselves, What shall I write to amuse the public"? VVhat 
( haracter shall I assumeV What feelings shall I awaken? 
They are never in earnest, and hence the varying fashion 
in the world of letters, and the Proteus-like character which 
many literary men have assumed. In all this we fully agree, 
as well as in the critic's opinion, that Goethe's literary pro- 
ductions are essentially of this theatrical character. 

Goethe was unquestionably a man of vast talent; his 
intuitive perception was perhaps unequalled by any modern 
writer ; whatever he saw, made an indelible impression on his 
mind, and he possessed a power of reproducing such im- 
pressions, or, if it be considered the same thing, of poetic 
creation perhaps uneciualled. All his fortns too, to use the 
language of the sister art, are as perfect as if they had been 
shaped by the chisel of a Xeuxis, and are at the sarae time 
eminently endowed with organic life. But when we compare 
them to those of the great Greek sculptor we only refer to 
their completeness, to their plastic finish, — not to the 
grandeur of the conception ; for Goethe's finest poetical 
creations hardly assume that high character. 

His habit of viewing nature with the eye of an artist. 
made a flowery meadow as interesting to him as the starry 
heavens or the boundless ocean; a hovel as attractive as the 
palaces of »Babylon and great Alcairo and all their gloriescc; 
a group of children eating bread and butter [vide Werther], 
as armies ranged in battle to decide the fate of empires — 
provided they offered scope for picturesque or poetical re- 
presentation, which his magic power seems always to have 

GoF.THE-jAHRCtCH XNIV. ^ 



34 Neue Mittheilungek. 



rendered possible, and the consciousness of this, perhaps mainly 
influenced him in selecting his subjects. We do not blame 
him for this, any more than we object to a lilac tree, because 
it has not expanded itself into an cedar: althoug we prefer 
Raphael to Jan Steen, we do not reject the »pictures in littlea 
of the honest Fleming, because they do not inspire us with 
the same subUme emotions which we feel in the contemp- 
lation of the creations of the immortal ItaHan, But we cannot 
/ persuade^ o urselves t ha t Goethe ^s particularity for low lifej and 
we may add low vi^e, was in accordan^e~with~lfüe^ taste ; or 
that the constant recurrence of such scenes in some of his 
most celebrated works, can be conducive to the true ends 
of poetry — which are, to reveal man to himself, to strengthen 
his moral faculties, and to teach him that nature must bow 
before the divine power which is in him, and may be moulded 
by his virtuous will, which alone entitles him to the distinctive 
and high character of lord and master of creation. We admit 
that the faults we allude to, do not exist in his Hermann 
and Dorothea, his Tasso, his Iphigenia, and several of his 
minor productions : we grant that in all his writings the 
mighty hand of the Master is evident, and that even the 
most objectionable scenes are treated with a delicacy that 
removes much of the disgust which they would otherwise 
excite, Nor can it be denied, that, from the consummate 
skill with which he has traced human frailty through all its 
tortuous ramifications, much wisdom may be learned. In this 
and many other respects, he has, no doubt, operated bene- 
ficially on German literature, for through his influence and 
example, literary men were induced to study nature more 
attentively, their views became more acute and universal, and 
their style acquired an elegance and polish, which before his 
time were almost unknown. But the moral effects produced 
by Goethe's works, must, in the main, have been pernicious. 

Readers do not examine writings as works of art, or to 
use the language of German critics, in an resthetical point of 
view. They judge from feeling — that which powerfuUy 
affects, powerfully influences them — eise why was it that 
Schillers »Robbers« brought highwaymen into vogue, and 
from the »Sorrows of Werthera was reaped (?) a harvest of 
suicides? Even the reprobation pronounced by authors against 
the vicious persons and actions embodied forth in their works, 
will scarcely prevent this perverse misapplication of fiction, 

What then must have been the effects of Goethe's 
writings, when with an epic indifference, he narrates the most 
revolting scenes of debauchery, when he covers with the 
irresistible charm of his magic diction, characters füll of 
selfishness, weakness, sloth and servility ? 



Carlvle und Eckermann. 35 

What virtuous resolution was strengthened in the young 
heart, seeing that all this wretchedness was represented as an 
indispensable ingredient — nay, the essence of human natura ? 
What power was given to rouse them from the degradation 
of sensuality, when, under its baneful sway, in some works 
of this all-admired master, the hero perishes ingloriously and 
without a struggle; when, in others, no Solution whatever is 
offered to the difficulties which beset life ; and in others 
again, a sort of universal dilettantism is called in as the 
mediating divinity which in its influenae is to modify this 
World of temptation and strife. 

Let US not be misunderstood: we do not, of course, desire 
that a poet should become a preacher, and sermonise everlast- 
ingly upon the moralities — but that he should indirectly 
by character, as example, or by sentiment, by the tone of 
feeling awakened in the heart of the young enthusiast, 
encourage and strengthen the moral faculties. 

We do not object even, when bis hero appears under 
the dominion of great vices, provided the power be made 
manifest, by which, if turned into a different Channel, equally 
great virtues would have characterized him; — but the bane 
of literature, in our opinion, is the display of weak egotism, 
without object but the gratification of its grovelling impulses, 
and without a god but its own miserable seif. 

W' e do not, of course, charge Goethe with having wilfuUy 
laboured at the corruption of the age : still less do we join 
in the insane cry of some of his countrymen, that he told 
himself for this purpose to the great of the earth, whose 
wish, they say, it is, to degrade the people by lulling them 
with poetical Opiates into apathy and selfish enjoyment. 

We believe, Goethe, with all his genius and learning 
was »of the earth earthy«, that he took a tone frojii rather 
than gave it to his age. His countrymen desired worldly 
wisdom, and he taught it better than any other man — they 
wanted to be amused and he amused them with more ex- 
quisite and graceful trifling than either his predecessors or 
contemporaries. 

But the name of Goethe will not perish — it has not 
been written on water. His works will always be resorted 
to as a mine of psychological knowledge; they will always 
be admired for their plastic beauty, their elegance, and the 
mastery of skill displayed throughout. But their influence is 
rapidly passing away with the circumstances which called 
them into being. The mighty events of the last forty years 
have conjured up, in Germany, a spirit which demands other 
nourishment than elegant sentimentality, other lessons than 
those of epicurean wisdom. That this present generation, 



36 Neue Mittheiluxgen. 



young Germany, is not the Germany of Goethe, is evident 
from the reception of all bis later works. 

These great and eventful times were prepared by the 
genius of a Herder, a Schiller, a Fichte; Goethe neither 
foresaw their coming nor desired to produce or hasten them. 

When, from the years 1813 to 1815, Germany roused 
its giant strength, and with a mighty effort, shattered the 
bonds which foreign violence had succeeded in riveting, 
while it good-naturedly slumbered and dreamt, Goethe made 
a late attempt to speed the wheel of time, and add to the 
general enthusiasm by the publication of his nEpime/iides' 
Awakingi.(. But it was a cold and feeble work; and, as it 
came when it was no longer wanted, it passed unheeded. 
Latterly, he partially succeeded in regaining some little in- 
fluence by his scientific works, and the more questionable 
expedient of standing Sponsor to the indifferent productions 
of obscure writers: but he had long outlived the idolatry of 
which he was once the object ; the reign of sentimentality is 
over, and patriotism, virtue and religion are once more the 
themes by which alone the German nation can be influenced. 

b) Aus französischen Blättern. 

1. Le Constitutionnel, Jeudi 29 Mars 1832: 

Une lettre deWeymar, arrivee aujourd'hui ä Paris, annonce 
la Mort de l'illustre poete allemand Goethe, II etait äge de 
pres de 90 ans, et s"etait occupe jusqu'ä ses derniers instans 
de poesie et de sciences. 

2. Journal des Debats, 29 Mars 1832: 

On lit dans la Gazette de Weimar, du 22 Mars: 
»Les craintes qu'avait fait naitre une indisposition qu"e'- 
prouvait M. le conseiller intime de Goethe, a la suite d'un 
refroidissement, se sont malheureusement realisees et une 
grande faiblesse senile s'etant jointe ä la maladie, a amene 
tout d'un coup une crise mortelle. Son Exe. a rendu le 
dernier soupir ce matin, ä onze heures, assis dans son fauteuil; 
sa mort a ete douce et sans douleur; il a conserve sa pre'sence 
d'esprit jusqu'ä son dernier moment, qui fut precede d'un 
assoupissement au cornmencement duquel un mouvement 
machinal de sa main semblait indiquer qu'il voulait ecrire. 
II n'avait aucun pressentiment de sa fin; car il se rejouissait 
ce matin de l'approche du printemps et s'etait fait apporter 
plusieurs livres. 

On apprend que les restes mortels du defunt seront 
depose's, lundi prochain, dans le caveau de la famille grand- 
ducal, ä cote du cercueil de Schiller.« 



Carlyle und Eckermank. 37 

Goethe vient de mourir ä Weimar. Depuis deux ans, 
et surtout depuis la mort de son fils, il languissait et n'etait 
plus que l'ombre de lui-meme. C'est ä sa belle-fille, M'"^ de 
Goethe, qu'il a du les consolations et les soins pieux qui ont 
adouci ses jours de vieillesse. M'"^ de Goethe avait pour lui 
un respect plus que filial, un respect religieux auquel se melait 
le sentiment de Tadmiration que Goethe inspirait ä l'Allemagne 
et ä TEurope. Elle sentait que ce vieillard illustre etait une 
Sorte de depot sacre dont eile etait responsable envers sa patrie. 

II y a deux ans, nous le vimes ä Weimar, il etait dejä 
fort abattu par Tage; son corps et son genie meme pliaient 
sous le poids de la vieillesse; le front etait encore beau et 
grand, mais les yeux etaient ternes et la bouche profondement 
ridee. Dans la conversation l'homme superieur reparaissait 
encore de temps en temps; c'etait surtout en parlant de lui- 
meme, de ses ouvrages et surtout de ses projets (car il en 
avait encore ä 80 ans passes), qu'il etait interessant ; il me 
disait: Je veux d'abord finir les intermedes de mon Faust, en 
suite je ferai ceci; et il m'indiqua de suite deux ou trois sujets 
d'ouvrages. Chose touchante que d'entendre un pareil vieillard 
parier sans cesse au futur, comme s'il avait encore la vie et 
le genie ä sa disposition! 

Peu de personnes, peu d'ecrivains surtout, ont vecu aussi 
heureusement que Goethe. Aucune voix depuis longtemps 
ne s'elevait en Allemagne pour contester sa gloire et sa 
preeminence. II regnait avec une paisible majeste sur l'Alle- 
magne litteraire; il etait l'objet d'une espece de culte, il s'etait 
prete volontiers ä ce role de divinite. Du reste, peu accessible, 
ä titre de dieu sans doute, aux passions tumultueuses des 
horaraes, il n'avait de ces passions que ce qu'il lui fallait de 
verve et de chaleur pour animer ses ouvrages. Poete autant 
qu'on peut l'etre, mais poete maitre de lui, son genie ne 
s'enflammait que dans ses livres. Dans sa vie, dans le monde, 
ce genie etait discret et docile. 

Goethe gardait son enthousiasme pour ecrire et son bon 
sens pour se conduire dans la vie. Homme de genie, qui 
oserait le nier? Ce n'etait pas un de ces hommes que leur 
genie inquiete et devore; ce n'etait pas un J. J. Rousseau, 
victime de son imagination, et que consume interieurement 
le divin flambeau qu'il fait briller devant les yeux des hommes. 
Goethe a eu le genie, l'imagination ; mais le sort ne les lui 
a pas vendus, comme ä tant d'autres, au prix du malheur et 
de la souffrance. II a 6t6 admire et il a ^te heureux. 

Admire et heureux, c'est ainsi que Goethe a vecu jusqu'ä 
ses derniers jours. Rien ne l'a averti du declin que Tage 
amene pour tout le nionde. Aucun blaspheme n'a troubl^ le 
dieu dans sa majeste ; ce roi de la litterature a regne jusqu'ä 



38 Neue Mittheilungen. 

son dernier jour. Weymar etait sa cour. II fallait voir avec 
quel respect son nom etait prononce; sa maison etait comme 
le temple et le palladium de cette petite ville, Dernier reste 
de ces petites capitales de l'Allemagne du 18= siede, Weymar, 
dans Goethe, gardait avec un soin religieux le dernier debris 
aussi du grand sifecle litteraire. Weimar etait faite pour 
Goethe, le piedestal pour la statue. Jamais accord ne fut 
plus parfait, et Weimar, c'dtait encore les habitudes, les idees, 
le ton du dix-huitifeme siecle; c'etait une ville d'un autre äge, 
oü vivait aussi un homme d'un autre äge. Goethe, en effet, 
n'est pas du dix-neuvieme siecle, de ce siecle agite et violent 
oü Ton se bat et oü Ton meurt pour des idees; c'est un 
homme du dix-huitieme siecle, c'est l'homme de lettres par 
excellence, indifferent en politique, se souciant peu du fond 
des choses, mais amoureux de la forme, artiste plutot que 
philosophe. II ne se devoue pas, comme Voltaire, au triomphe 
d'une idee, il ne poursuit pas un but social. Goethe est le 
chantre de toutes les idees. Son imagination, comme le 
miroir d'un beau lac, refle'chit tour a tour les nuages qui 
passent dans le ciel de Tesprit humain, toutes les nuances 
de nos opinions. L'antiquite et le moyen-äge, la liberte et 
le pouvoir, la foi et l'ironie, tout cela est beau, tout cela 
est le monde: voilä ce que Goethe chante dans son admirable 
langage. II est vaste et varie comme l'univers, cela est 
vrai; mais l'univers que Dieu gouverne a une pensee et un 
but: Goethe, selon nous, n'en a pas. Qu'a-t-il voulu faire, 
qu'a-t-il fait? quel but social et politique a-t-il donne ä la 
litterature de sa patrie? Aucun. La litte'rature francaise au 
dix-huitieme siecle a fait la revolution de 89; c'a ^te son 
dernier et son plus bei ouvrage. De quel evenement, de 
quelles institutions la litterature allemande pourra-t-elle dire 
qu'elle a pris l'initiative? 

Goethe me disait que le merite qu'il revendiquait, c'est 
que dans scs etudes et dans ses livres il cherchait et trouvait 
toujours l'idee neuve, le point nouveau: c'etaient ses ex- 
pressions. Ce jugement juste et ingenieux revient ä ma pensee. 
II est nouveau sur toutes choses, parce qu'il n'a de parti pris 
sur rien. Jamais esprit ne fut moins systematique ; jamais 
esprit aussi ne fut plus independant et plus varie. 

La mort de Goethe n'est pas seulement un Evenement 
litteraire; cette mort marque pour l'Allemagne la fin d'une 
ere et le commencement d'une autre. Goethe meurt avec 
l'ere litteraire de sa patrie, au moment oü son ere politique 
commence. La litterature qui descend au tombeau avec 
Goethe, etait l'admirable expression de cet esprit de diversite 
et d'isolement qui fut longtemps le caractere de l'Allemagne 
et qui fit sa destinee politique. Aujourd'hui un autre esprit. 



Carlyle und Eckermann. 



l'esprit d'unite, anime et echauffe l'Allemagne. La vieille 
litt^rature meurt avec Goethe ä l'avenement de ce nouvel 
esprit. En Allemagne aujourd'hui, comme en France depuis 
longtemps dejä, c'est la libertd de la presse qui remplace la 
litterature ; c'est la pensee de tous qui remplace la pensee 
de quelques-uns, Dans un pareil ^tat de l'esprit, la mort de 
Goethe est donc en quelque sorte un ^venement politique : 
c'est la cloture officielle d'une epoque; c'est l'ouverture d'une 
ere nouvelle ; c'est un coup de plus porte ä l'ancienne Alle- 
magne qui vacille sur ses bases. Goethe mort, voilä encore 
un prestige qui lui est enlev^, et un de ses plus beaux. 

j. ib. S Avril 1832: Saxe. Leipzig 28 Mars. 

Le Journal la Patrie, une des meilleures feuilles de Saxe, 
contient les details suivans sur Goethe. 

»Goethe laisse trois petits-fils en bas-äge .... Peu de 
jours avant sa mort, il avait recu avec un vif plaisir des 
fragmens d'antiquite que lui envoyait de Naples le docteur 
Zahn, qui termine en ce moment son ouvrage sur les anti- 
quites de Pompei.« 

Weimar 26 Mars. 

Aujourd'hui, entre cinq et six heures de l'apres-midi, ont 
eu Heu ici avec toute la pompe convenable les funerailles de 
notre immortel Goethe. Ewald Flügel. 





IL Verschiedenes. 



Ä. Briefe Goethes. 

I. VIERZEHN BRIEFE GOETHES, EINER HEINRICH 

MEYERS MEIST AN K. E. HELBIG, ZWEI AN VOIGT, 

JE EINER AN KRÄUTER UND AN KARL AUGUST 

GERICHTET. 

Herausgegeben von Ludwig Geiger. 

I. 

An \'oigt. 10. Juli 1794. 

Indem ich Ihnen und Ihrer Frau GemahUn glückÜche 
Reise und einen guten Effect der Cur wünsche, lege ich 
noch 100 unterschriebene Quittungen und einen Katalog 
bey der wann er nicht interessant ist doch im Bade brauch- 
bar sein könnte. 

Leben Sie recht wohl, gedenken mein und kommen 
recht munter zu alten und neuen Arbeiten zurück und 
bleiben meiner lebhaften Theilnahme an allem was Sie 
betrifft versichert. W. d. 10. Jul. 1794. 

Goethe. 



An Heibig. 



27. Dez. 1820. 



Nachstehende Wünsche des Professor Posselt in Jena, 
bezüglich auf Witterungskunde, bei Gelegenheit der aus- 
zufertigenden Instructionen gefällig zu berücksichtigen. 

»Ich nehme mir die Freiheit die Windscala beizulegen, 
welche, wenn ich nicht irre, schon von der Manheimer 
Gesellschaft in Vorschlag gebracht worden ist, und nach 



Vierzehn Bkiefe Goethes. 41 

welcher in Halle und hier die Stärke des Windes angegeben 
wird. Wenn darnach auch in Schöndorf aufgezeichnet 
w'ürde, so könnte eine Vergleichung Statt finden. Die 
früheren Angaben unter der Rubrik: Stärke des Windes 
könnten beibehalten werden, es wäre nur noch erforderUch, 
daß in der Rubrik Richtung des Windes, die nach der 
erwähnten Windscala entsprechenden Zahlen beigesetzt 
w^ürden. — In Beziehung auf die Rubrik : Größe der Be- 
wölkung erlaube ich mir die Bemerkung, daß gewöhnUch 
diese so angegeben wird, wie sie sich im Momente der 
Beobachtung zeigt. Es kann aber gerade in diesem Augen- 
blick, z. B. helles Wetter seyn, während es am übrigen 
Theile des Tages bedeckte Luft war. Wäre es daher nicht 
paßender die Zahlen jener Rubrik so anzugeben, daß sie 
die Größe der Bewölkung zwischen zwei auf einander 
folgenden Beobachtungszeiten, so genau wie möglich aus- 
drückten.« 

Weimar d. 27. Dcbr ergebenst 

1820. Goethe.' 

3- 
An Heibig. 27. Jan. 1821. 

Ew. Wohlgeb. 

nehmen gefällig von beyliegendem Akten Fascikel 

einige Kenntniß, und schenken mir in diesen Tagen das 

Vergnügen Ihres Besuchs, da ich denn das Weitere in dieser 

Sache, die sich ganz nach den Wünschen unseres gnädigsten 

Herrn anläßt, umständlicher zu besprechen wünschte. 

Mit besonderer Hochachtung 

Weimar 

den 27« Jan. ergebenst 

182 1. JW V. Goetiie. 

4- 

An Heibig. 18. Juni 1821. 

Ew. Wohlgeb. 
betrachten und überdenken gefällig beykommende Aut- 
sätze und Tabellen und beurtheilen inwiefern sie mit Sere- 



' Dem Briefe hat der Adressat dasselbe Datum als Tag der Präsen- 
tation beigeschrieben und dazu bemerkt : »Resol. Sr. Königl. Hoheit 
des Großherzogs. Die Wünsche des Herrn Professor Posselt sollen 
bey Entwerfung einer neuen Instruction berücksichtigt werden. H.« 



42 Neue Mittheilun'Gen. 



nissimi Höchsten Intentionen allenfalls übereinkommen 
möchten und ob die Tafeln wie sie vorliegen gestochen 
werden könnten. Nach beliebiger Unterredung würde man 
bald einen Entschluß faßen können. 

Das Beste w^inschend 
Weimar 
den i8. Juny ergebenst 

1821. JW V. Goethe.' 

An Kräuter. 31. Okt. 1821. 

Betrachtung und Vorschlag. 
Nachdem die sorgfältig ausgearbeitete und geprüfte 
Instruction für diejenigen Personen, welchen in dem Groß- 
herzogthum Weimar die Wetterbeobachtung aufgetragen 
ist, bey mir in mundo eingereicht und sorgfältig geprüft 
worden, so finde einiges Bedenken solche in dem Augen- 
blick zu publiciren. Sie qualificirt sich nämUch vorerst zu 
einem Regulativ wornach man das Geschäft weiter zu leiten 
hat, und könnte, wegen ihrer Ausführlichkeit und den 
mancherley darin aufgestellten Forderungen, eher Anlaß 
geben, diejenigen zu verwirren, die ohne physikalische 
Kenntniß und als Nebensache das Geschäft betreiben. Mein 
Vorschlag wäre daher: erst die Tabellen auszutheilen: mit 
dem Bedeuten : Die Beobachter möchten die Columnen 
wie sie solche bisher ausgefüllt künftighin in der nun 
gegebenen Ordnung ausfüllen, diejenigen Columnen aber, 
wozu sie weder Instrumente in Händen noch hinlängliche 
Aufklärung haben, einstweilen leer laßen. 

Hier würde sich nun bald zeigen daß die Jenaische, 
Schöndorf er und IVeimarische Tabelle die vollständigsten seyen 
und das Mangelnde in den übrigen könnte man, als Nach- 
trag zu der ersten Instruction, einzeln beybringen und so 
vorerst Conformität, sodann aber Vollständigkeit erz wecken; 
da es im Gegentheil einem Unstudirten und Unvorbereiteten 
immer schwer fallen müßte einen so bedeutenden, compli- 



' Nachschrift von Heibig. »Se Excellenz wolle nach einer mündl. 
Unterredung den Stich und Druck der Tafeln selbst besorgen. H.« 



Vierzehn Briefe Goethes, 45 



cirtcn und umfaßenden Aufsatz ohne besondere x^nleitung 
zu verstehen und zu befolgen. 
Jena den 31. October 

1821. JW V. Goethe. 

6. 
Meyer an Heibig. Weimar den 18. Februar 1822. 

Ew. Wohlgeb. 

melde hiermit: daß ich mich gestern wieder mit 
Hh. St. M. V. Goethe unterredet habe in Beziehung auf die 
Gemälde Zeichnung. Kupferstiche u. s. w^ deren Verkauf 
Ew. Wohlgeb. bewerkstelligen sollen; und wür haben uns 
gänzHch zu der Meinung gewendet: daß, mag man die 
Sache betrachten von w-elcher Seite man will; es immer 
das Beste sey sich damit nach Leipzig zu wenden. — 

Eine neue Uebersicht des Vorhandenen meint auch 
Hr. St. M. V. Goethe sey unnöthig weil ich theils die Sachen 
schon kennte, theils weil er ja die Auctions Catalogen 
jedesmal von Leipzig erhalte und so mag denn unser ver- 
abredeter Gang nach dem Jägerbause unterbleiben. 

Nicht nur gestattet Hr. St. M. v. Goethe daß Ew. 
Wohlg. wenn Sie in dieser Angelegenheit an den Herrn 
Proclamator Weigel nach Leipzig schreiben wollen sich 
auf ihn berufen sondern wüll auch woferne es ihnen ge- 
fällig vorläufig selbst an denselben Schreiben und ihm die 

Sache empfehlen. 

Ergebenst 

Ihr 

Meyer. 

7. 
An Heibig. 9. April 1822. 

(Auszug aus des Universitäts Proklamator Weigel zu Leipzig. 

Schreiben v. 6. April 1822.) 

»Ich sollte glauben daß sich Jagemanns Sammlung hier 

ganz gut verkaufen würde. Wollten Ew. pp. hochgeneigtest 

veranstalten, daß die Sammlung nach der Ostermesse hieher 

gesendet würde, so könnte mein Sohn bey etwas ruhigerer 

Zeit den Katalog darüber schreiben. Er läßt sich für den 

gedruckten Bogen 5 Thlr. zahlen ; ein sehr massiger Preis, 



44 Neue Mittheilungen. 



da die Arbeit mühsam ist, und ein Bogen viele Nummern 
faßt. Der Abzug bey der Auction ist an Kosten, den Druck 
inbegriffen, 3 gr. vom Thaler, noch immer derselbe Abzug 
als 1782 wie Rost diese Auctionen anfing, die an manchen 
Orten Nachahmung aber keinen Fortgang fanden. Die 
Ursache mag in der Localität, zum Theil aber auch darinnen 
liegen, daß die Unternehmer Kaufleute waren, wobey sich 
die Sammler nicht immer zufrieden gestellt finden konnten.« 

Da auf den Bogen ungefähr 300 Nummern gehen so 
kann man sich die Rechnung voraus machen. Mich dünkt 
die Forderung billig, denn es ist viel Arbeit dabey. 

Mögen Ew. Wohlgeb. sich nun deshalb weiter mit 
Weigeln benehmen so wird diese Angelegenheit mit wenigem 
abzuthun seyn. 

Mit den besten Wünschen 
Weimar ergebenst 

den 9. April JW v. Goethe. 

1822.' 

8. 
An Karl August. 20. Juni 1827. 

Ew. Königl. Hoheit. 

muß freylich zuvörderst die Betrübniß melden welche 
Hh. Grafen Sternberg und uns alle betrofen hat daß dieser 
edle Freund höchstdenenselben Hier nicht aufwarten 
können. Es bedurfte einiger Zeit uns zu erholen und in 
eine Art von Gleichgewicht zu versetzen. 

Höchstihro Frau Gemahlin sorgte jedoch alsobald aur 
das gnädigste für ihn, und er fand sowohl hier als in 
Belvedere die beste Aufnahme und Unterhaltung; auch war 
ich beflißen mit allem Naturgeschichtlichen und was mir 
sonst zu Gebote stand ihm die übrige Zeit angenehm und 
nützlich vorbeyzuführen. 

Indeßen habe ich die gnädigsten durch ein günstiges 
Schreiben vom 10. d. M. erhaltenen Aufträge ungesäumt 
zu besorgen getrachtet. Das Werk von Villefosse deutsch 
ist schon den 16" Juni nach Altenberg abgegangen; denn, 

' Heibig antwortete, wie er darunter bemerkte, am 30. Mai, daß 
auf die Bedingungen eingegangen sei und daß die Kunstsachen über- 
sandt werden sollten. 



Vierzehn Briefe Goethes. 45 

des alten Wortes gedenk: daß der Schnellgebende doppelt 
giebt, entschloß ich mich, um dasselbe ohne Weiteres 
baldigst fortzuschaffen das auf der Bibliothek befmdliche 
Exemplar dahin zu verwenden; und ich glaube nicht Tadel 
zu verdienen daß. Höchstdero Chiff'er sich darauf gedruckt 
findet. Ein wohlwollendes unmittelbares Geschenk, wird 
wie mich dünkt, hiedurch gar freundlich ausgesprochen. 

Ferner habe die naturwissenschaftlichen Hefte, worin ich 
meiner wunderlichen Tour auf Zinnwalde und Altenberg, und 
vorzügUch der dabey genossenen Gefälligkeit eines jungen 
Mannes, Friedr. Aug. Schmidt dankbarlichst erwähne, sodann 
ein paar Medaillen beyzulegen für annehmlich erachtet. Das 
alles war begleitet von einem ausführlichem Briefe, im Sinne 
der Dankbarkeit, besonders auch gegen ein paar hi'ibsche 
Kinder welche Höchstdenenselben den einigermaßen ein- 
samen Kuraufenthalt durch ihre Anmuth erheiterten. 

Das große Bild steht vorsorgUch eingepakt noch im 
i\.ttelier. Wegen des Transports sind wir noch nicht im 
reinen; der gewöhnliche nach Leipzig gehende Fuhrmann 
will es nicht mitnehmen, die andern können sich nicht 
entschließen und fordern hohen Preis, doch wird sich 
solches in wenigen Tagen wohl geben. 

Zu melden darf ich denn auch nicht unterlassen daß 
die Ankunft des Grafen mich bewogen aus dem Garten 
heraufzuziehen, damit ich ihm jedesmal zur Hand sevn 
möchte; wozu ich mich um desto eher zu entschließen 
hatte als bey fortdauerndem Regen mein dortiger Aufent- 
halt unzugänglich und ungenießbar geworden. Leider muß 
ich, bey meinem Glauben an eine gleiche Verbreitung solcher 
Witterungserscheinungen, vermuthen daß es auch über den 
Gebirgen eben so regnig und für den Kurgast unerfreulich 
aussehen möchte. 

Einige Beylagen besagen das Weitere. Nees von Esen- 
beck sandte einen Blumischen Brief (A.) nebst den letzten 
Heften des botanischen Werkes, mit 15, Kupfern, welche 
sämmtlich auf Höchstihre Bibliothek abgeliefert worden. 
Eine gnädige Aufmerksamkeit dagegen wird Blumen gewiß 
höchlich erfreuen, nicht weniger für die Folge ganz er- 
sprießlich wirken. 



46 Neue Mittheilungen. 



Den Schreiher des zweyten Briefes (B.) Ritter v. Kirchhojf 
in Antwerpen, kennen Ew. Königl. Hoheit persönlich, mir 
ist er als ein Höchst thätiger Vermittler wissenschafthcher 
Bestrebungen, besonders aber als Förderer einer ausge- 
breiteten Korrespondenz zwischen allen gelehrten Gesell- 
schaften bekannt geworden; ich bin durch ihn mit Neu- 
York und Batavia befreundet, ob wir gleich mit jenen 
fernen Gegenden sobald nicht in thätige Wechselwirkung 
kommen möchten. 

Auf Ihre Königl. Hoheit gnädigstes Zeugniß, daß meine 
fünf Bändchen zu einiger Unterhaltung gedient, wodurch 
ich Höchlichst erfreut worden, habe geglaubt unsern werthen 
Gast mit einer kleinen Reisebibliothek ausstatten zu müssen. 
Ich wünsche daß auch an ihm beykommende Inschrift 
sich bewahrheite. 

Wie ich denn durchaus gesucht, insofern es glücken 
wollen, ihn, durch einige Mittags- und Abendgesellschaften, 
mit hiesigen bedeutenden Männern bekannt zu machen, 
und überhaupt alles gethan was mögUch war, besonders 
bey versetztem Hoflager nach Dornburg, wohin er heute 
früh, nach freundHchstem Abschied abgegangen. Er wird 
alsdann über Jena und Gera sich weiter verfügen ; vielleicht 
hat er noch das Glück Höchstdieselben in Töplitz an- 
zutreffen. 

Schließlich möge sodann noch ein Auszug aus einem 
Briefe des Präs. Nees v. Esenbeck (C.) Platz finden, der 
schon einige Zeit bey mir liegt und sich auf eine frühere 
Anfrage, deren sich Höchstdieselben wohl erinnern werden, 
bezogen hatte. 

Allem und Jedem gnädige Aufnahme und mir fort- 
dauernde Hulden und Gnaden andringHchst erbittend 

Verehrend 
Weimar den 20" Juny unterthänigst 

1827. JW V. Goethe. 

9- 
An Heibig. 9. Apr. 1828. 

Ew\ Hochwohlgeb. 
erhalten hiebey die besprochenen Papiere zu weiterer 
gefälligen Betrachtung. Nicht weniger das Koncept der 



ViERZEHxS Briefe Goethes. 47 

Tabelle, indem die Correciur des Mundums länger als ich 
dachte aufhalten müßte. Auch so ist sie schon vollkommen 
brauchbar und vielleicht lassen Serenissimus davon eine 
Reinschrift nehmen; wobey nur zu beobachten, daß sie auf 
einen größeren Bogen, zu besserer Übersicht, auf Eine Seite 
geschrieben werde. 

Mich bestens empfehlend 
Weimar ergebenst 

den 9. April. JW v. Goethe. 

1828. 

10. 

An Heibig. 11. Apr. 1828. 

Ew. Hochwohlgeb. 

haben die Geneigtheit unserm gncädigsten Herrn aus 
beyliegendem kleinen Acten-Fascikel unterthänigsten Vor- 
trag zu thun, wie es mit unserer Restaurations Angelegen- 
heit gegenwärtig stehe, und wie auf diese Weise fortfahrend 
man wohl gesichert seyn könne daß das Beabsichtigte zur 
Ausführung komme. 

Die gestellte Rechnung ist höchst billig und so möcht 
es wohl auch künftig zu halten seyn. Wollten Sie aber 
dem guten Künstler zu seiner Aufmunterung vielleicht noch 
ein Gratial verschaffen, so könnte man ihn desto ernstlicher 
anhalten sich diesem Geschäft mit Fleiß zu widmen; wie 
er denn überhaupt so zu stellen wäre, daß er nicht nöthig 
hätte sich nach anderweitem Verdienst umzusehen. 

Mich bestens empfehlend 
Weimar den 11. April ergebenst 

1828. JW V. Goethe. 

II. 
An Heibig. , 22. Okt. 1828. 

Ew. Hochwohlgeb. 
ersuche höflichst um eine Abschrift der wenigen Zeilen, 
wodurch Sers. p. d. sich Piatina von Petersburg ausbat. 
Ich bedarf dieses Höchsten Anlaßes zu meinen Acten. 

Weimar 
den 22. Oktbr. ergebenst 

1828. JW V. Goethe. 



4^ Neue Mittheilukgek. 



12. 

An Heibig. 21. Juli 1829. 

Ew. Hochwohlgeb. 
wünsche über die Angelegenheit unserer Sternwarte 
und Schröns Situation in diesen Tagen zu sprechen. 
Wollten Sie einen heitern Abend wählen und eine Tasse 
Thee bey mir trinken, so soll es mir höchst angenehm 
seyn; es eignet sich ja wohl sonst noch manches zu freund- 
licher Unterhaltung 

Weimar Hochachtungsvoll 

den 21. Jul. ergebenst 

1829. 'jW V. Goethe. 

13- 

An Heibig. 30. Oktober 1829. 

Ew. Hochwohlgeb. 
würden mir eine besondere Gefälligkeit erzeigen, 
wenn Sie mir abermals vier Flaschen Try Madeira gegen 
unmittelbare Bezahlung aus Großherzogl. Hofkellerey 
wollten verabfolgen lassen. 

Mich zum schönsten und besten empfehlend 
Weimar 
den 30. October ergebenst 

1829. JW V. Goethe. 

14. 
An Heibig. 22. Nov. 1830. 

Ew. Hochwohlgeb. 

habe schuldigst zu vermelden, daß Ihre Kaiserl. H. 
die regierende Frau Großherzogin geruht haben, das von 
dem Landschaftsmaler Kaiser zur Ausstellung eingesendete 
Bild sich anzueignen und dafür an mich Einhundert Thlr 
Conv. auszahlen lassen. Diese Summe würde sogleich Ew : 
Hochwohlgeb. zu weiterer geneigter Besorgung gegen 
Quittung zu übergeben seyn. 

Wobey ich denn dieselben zugleich ersuchen wollte 
mir, mit wenigem schriftlich, das was für Demsl. Facius 
errichtet worden mitzutheilen, da ich denn sogleich die 
Verordnung an unseren Cassierer erlassen würde, die dies- 
seitig zugestandene Summe von 200 Thlr. an dieselbe, 
von Zeit zu Zeit, wie sie verlangt wird, auszuzahlen. 



Vierzehn Briefe Goethes. 49 

Unter den besten Wünschen mich angelegentlich 
empfehlend 

Weimar ergebenst 

den 22. Nov. JW Goethe. 

1830. 

15- 
An Voigt. Okt. 1808? 

Ew. Exzel. 
communicire schuldigst einen Aufsatz nebst Schreiben 
die ich an den Fürsten Primas zu erlassen im Begriff bin. 
Die darinn enthaltnen Vorschläge fanden den Beyfall des 
Ministers Grafen von Böse, der mich aufmunterte, sie an 
den Fürsten Primas zu bringen, welcher sie gleichfalls 
biUigte, von mir eine Note verlangte und die Sache so- 
gleich zu initiren versprach. Zu dieser meiner Privathandlung 
erbitte mir Ew. Exzellenz freundliche Beystimmung. G. 



Die vorstehend abgedruckten Briefe und Billete Goethes 
entstammen der Sammlung des Herrn Hofraths Professor 
Dr. C. Beyer in Wiesbaden und sind mir von dem Besitzer in 
Abschriften zugestellt worden. Die Originale selbst wurden 
s. Z. durch Herrn St. Goar eingesehen, die Abschriften durch 
Herrn Hofrath Beyer, wie von dessen Sekretär nachgeprüft 
so daß sie mir »so authentisch als möglich« bezeichnet 
werden durften. 

1. Der erste Brief gehört zu den schier unzähligen, die 
Goethe an seinen Amtsgenossen, den Geheimen Hofrath von 
Voigt richtete. In den gedruckten Briefen an Voigt ist vom 
26. Juni bis 3. December 1794 eine ziemliche Lücke; das hier 
rnitgetheilte Schreiben kann diese nur sehr unvollkommen 
ausfüllen. Es ist ein Abschiedsgruß zu einer Badereise des 
Collegen; die Quittung könnte eine ähnliche sein wie die in 
dem Briefe W. A., Band X, S. 168 erwähnte, vielleicht auch 
eine solche für Bergwerks-Kuxen. Den Catalog vermag ich 
nicht nachzuweisen. 

2. Der Adressat der meisten übrigen Schriftstücke Karl 
Emil Heibig, über den weder in der Allgemeinen Deutschen 
Biographie noch in Goethes Gesprächen etwas zu finden ist, 
über den Goethes Werke und seine Biographien schweigen 
und an den bisher ein einziger Brief Goethes gedruckt war 
(23. Januar 1832 in der Schrift »Goethe in amtUchen Ver- 
hältnissen«, der auch in die Berliner Sammlung übergegangen, 
vergl. Strehlkes Verzeichniß), ist ein in der Goethe-Literatur 
fast ganz unbekannter Mann. In früheren Bänden dieses Jahr- 

Goethe-Jahrbuch XXIV. 4 



50 Neue Mittheilungex. 



buches wurde er nur an zwei Stellen erwähnt: in der einen 
ist von dem zum Verkauf stehenden Originale des schon an- 
geführten Briefes die R.ede, in der anderen (i6. August 1828 
Band II S. 353) wird er als ein zuverlässiger Geschäftsmann 
genannt. Als solcher erscheint er in sehr vielen Stellen des 
Briefwechsels zwischen Goethe und Karl August. Seit dem 
Anfang der 20er Jahre galt er als Vertrauensmann des Groß- 
herzogs, der für Privat- und Amtsgeschäfte Goethe als der 
Mann angegeben wurde, der die aufgetragenen Angelegen- 
heiten erledigte. Er stieg in der Gunst seines fürstlichen 
Herrn immer höher. Im Jahre 1S27 schrieb Karl August: 
»Der Geheime Kammerrat Heibig hat die Gefälligkeit gehabt, 
neben seinen Geschäften des Hofmarschallamtes noch die 
meiner Schatulle, nebst der Besorgung aller dazu gehörigen 
Privatissima zu übernehmen und zwar ä dato. Beliebe ihm 
also fortwährend, so wie bisher, dein Zutrauen zu bezeugen.« 
Da Heibig nun kein bloßer Cassenmensch war, sondern In- 
teresse für die Sachen erlangte, mit denen er sich beschäftigte, 
so erwarb er sich auch naturwissenschaftliche Kenntnisse. 
Schon am 6. Februar 1822 schrieb der Fürst, er wolle Heibig 
die Aufsicht über die Edelsteinsammlung anvertrauen und fügte 
hinzu: »Er besitzt schon etwas Kenntnis in dieser Sache.« Vergl. 
dazu Tagebuch 17. Februar. »Rat Heibig, welchen ich mit 
der bisherigen Arbeit bekannt machte und ihm die Sammlung 
in der gegenwärtigen Lage vorzeigte.« 

Der erste an ihn gerichtete Brief ist mehr die Ueber- 
sendung eines fremden Schreibens, als eines Goetheschen 
Scriptums. Der Gelehrte, der dazu Veranlassung gab, Johann 
Friedrich Posselt wurde am 7. December 1794 geboren und 
starb am 30. März 1823.' Er war 1820 nach Jena berufen 
worden, nachdem er in Göttingen 1S18 sein Doctorexamen 
gemacht und seine Dissertation veröffentlicht hatte. Goethe 
interessirte sich sehr für den jungen Mann, den er nach ein- 
gezogenen Erkundigungen berufen hatte. Von diesem Interesse 
geben 3 bereits gedruckte Briefe aus den Jahren 1820 — 22 
Zeugniß. Posselt hatte die Ehre, den Großherzog mit seinen 
Enkelinnen bei der Sonnenfinsterniß am 7. September 1820 
zu geleiten. Gerne ging er auf Goethes Intentionen ein. — 
Ueber die wissenschaftliche in unserem Briefe behandelte An- 
gelegenheit, nämlich die Wind-Scala (\\'indstärkemesser), vergl. 
naturwissenschaftliche Schriften W. A. II, XII S. 208, 224 ff. — 
Die Mannhei>ner meteorologische Gesellschaft wurde durch den 



' Der Goethe-Jahrbuch Bd. XII S. 295 erwähnte gleichnamige 
ist der Historiker Ernst Ludwig Posselt. — Die im Folgenden benutzten 
Stellen sind naturwissenschaftliche Correspondenz Bd. II S. 190. Vergl. 
ferner Strehlke, Goethes Briefe, Bd. II S. 45. Für die Nachrichten über 
Mannheim bin ich Herrn Bürgermeister F. Martin zu Dank verpflichtet. 



Vierzehn Briefe Goethes. 5 r 

Kurfürsten Karl Theodor im Anschluß an die dortige Akademie 
1780 gegründet. Ihre Leistungen waren hochbedeutend; sie 
legte ein ganzes Netz von Beobachtungsstationen in deutschen 
und außerdeutschen Ländern an. Die Witterungsberichte, die 
von den 39 Stationen bei der Centrale Mannheim einliefen, 
wurden von der Gesellschaft (unter Redaction Hemmers) in 
den »Ephemerides Societatis Meteorologicae Palatinae« Mann- 
heim 1783 bis 1795 ^""^ Druck veröffentlicht. (Vergl. Hellmann, 
Repertorium der deutschen Meteorologie Leipzig 1883, und 
Traumüller »Die Mannheimer meteorologische Gesellschaft«, 
Leipzig 1885.) Traumüller sagt S. 42: »Die in den 12 stattlichen 
Quartbänden der Ephemeriden enthaltenen Beobachtungen 
bildeten bis in die erste Hälfte unseres Jahrhunderts fast d'e 
einzige Quelle zuverlässiger meteorologischer Beobachtungen. 
Leopold V. Buch und Wahlenberg leiteten aus den Mannheimer 
Ephemeriden ihre Naturgesetze ab, und A. v. Humboldt hatte, 
als er 1817 die vergleichende Witterungskunde schuf, außer 
seinen eigenen und etlichen neueren nur die in den Epheme- 
riden enthaltenen benützen können.« — In Schöndorf bei 
Jena ist das Observatorium, von dem z. B. in der angeführten 
Correspondenz mit Posselt mehrfach die Rede ist. 

3. Aus dem Briefwechsel mit dem Großherzog läßt sich 
die Sache, die hier besprochen werden soll, nicht erkennen ; 
aus dem Tagebuch zu demselben Tage geht hervor, daß es 
sich um meteorologische Acten handelt ; der gewünschte 
Besuch wurde von dem mit der Aufforderung Beehrten am 
29. Januar abgestattet. 

4. 5. Beziehen sich auf dieselbe Angelegenheit. »Die 
meteorologische Rolle an Rath Heibig«, heißt es im Tagebuch 
18. Juni; die Unterredung fand am 25. statt, wie wiederum 
das Tagebuch meldet, »Herr Rath Heibig wegen der meteoro- 
logischen Tafeln«. Daß Nr. 5 nicht an Heibig, sondern an 
Kräuter gerichtet ist, ergibt sich aus dem Tagebuch 31. Oc- 
toberi82i »an Secretär Kräuter promemoria wegen der neuen 
meteorologischen Instruction«. Es wurde damals nämlich eine 
neue » Wetterinstnictiona bearbeitet und zwar von Schrön. 
Vergl. Tgb. 20. 21. 24. October 1821 und Annalen von dem- 
selben Jahre; dazu gehört die Wetterbeobachtung, Natur- 
wissenschaftliche Schriften, Band XII, 218 ff. Eine ältere 
Instruction, zunächst für die Meteorologen des Ettersbergs, 
war am 14. December 1817 entworfen worden. Vergl. Briefe 
an Karl August von demselben Datum. Ob die Instruction, 
Naturwissenschaftliche Schriften XII, S. 203 ff. die ältere oder 
die jüngere ist, soll hier nicht entschieden werden. 

6. 7. Die von Meyer hier erwähnte Unterredung bezieht 
sich auf einen Verkauf der Jagemannschen Sammlung in der 
Leipziger, von dem Auctionator Weigel veranstalteten Auction. 

4* 



52 Neue Mittheilungen. 



Hofrath Meyer war laut Tagebuch am 17. Februar bei Goethe ; 
von unserem Briefe vom 9. April gibt das Tagebuch unter 
demselben Datum Kunde. Es handelt sich um den künstleri- 
schen Nachlaß des Hofraths Ferdinand Jagemann, des Bruders 
der später noch zu erwähnenden Schauspielerin, der am 
9, Januar 1820 gestorben ist. 

8. Der Brief an den Großherzog ist einer der zahlreichen, 
der in der gedruckten Correspondenz fehlt. Obwohl er nichts 
eigentlich Geschäftliches enthält, kam er mit manchen anderen 
Privat-AktenstUcken in die Hände des treuen Verwalters. Ein 
Brief des Fürsten, auf den der unserige die Antwort wäre, 
ist bisher nicht bekannt; das letztgedruckte Billetchen ist nur 
eine Resolution in geschäftlich-künstlerischen Fragen. Gemeint 
ist sicher das im Tagebuch vom 16. Juni 1827 angeführte 
Schreiben von Teplitz, das, wie die Tagebuchnotiz besagt, 
manche Aufträge enthielt. Unser Brief ist also auch nach 
Teplitz gerichtet. — GxdS Sternher g, der alte böhmische Freund, 
der diesmal den Großherzog verfehlte, war am 11. Juni in 
Weimar angekommen, seidem täglich mit Goethe, oft mehr- 
mals an demselben Tage theils in seinem Hause, theils in 
der Bibliothek, theils auf Spazierfahrten in Belvedere und in 
größerer Gesellschaft zusammen, wie das Tagebuch auf das 
genaueste beweist. Am 19. reiste er wieder ab. 

Das angeführte Werk ist das von Heron de Villefosse 
ȟber den Mineralreichthum", deutsch bearbeitet von Karl 
Hartmann, Sondershausen 1822. Es war laut Tagebuch am 
16. Juni an den Berg- und Gegenschreiber Schmid in Alten- 
berg geschickt, das ist eben der in unserem Schreiben er- 
wähnte F. A. Schmidt, dessen Goethe in der Schilderung des 
»Ausfluges nach Zinnwalde und Altenberg« [18 13] in dem 
Aufsatz »zur Kenntnis der Gebirge nichtböhmischer Ländercf 
gedenkt (Werke W. A. Abtheilung II, 9, 147). 

Goethes Hefte »zur Naturwissenschaft überhaupt be- 
sonders zur Morphologie« erschienen seit 181 7 in zwangloser 
Folge. Das »große Bild« läßt sich aus den Tagebuchnotizen 
nicht bestimmt feststellen. Die am 19. Juni aus Leipzig ge- 
sandten Kupferstiche können ebensowenig gemeint sein, wie das 
am 10. erwähnte Porträt Goethes, das die Gräfin Julie von 
Egloffstein zeichnete. Vielleicht ist das vom Großherzog am 
30. April 1827 erwähnte Bild des Lucas Cranach aus Merse- 
burg gemeint, das Schmeller copirte. 

Von Nees v. Esenbeck, dem eifrigen Correspondenten 
ist gerade aus jener Zeit kein Brief gedruckt ; der vom 30. April 
1827 kann nur am Schluß unseres Briefes, S. 46, Z. 13 v. u, 
nicht vorher S. 45, Z. 7 v. u. gemeint sein. 

Dr. Blum wird in Goethes und in den an ihn gerichteten 
naturwissenschaftlichen Briefen mehrfach genannt. Carl Ludwig 



Vierzehn' Briefe Goethes. 53 

Bliiiii 1796 — 1862, geb. in Braunschweig, lebte lange in Jena, 
war später Professor in Leiden. Er war ein Freund von Nees 
V. Esenbeck, Verfasser eines Aufsatzes über javanische Vögel 
(1823, naturwissenschaftliche Correspondenz II, 56), Director 
des botanischen Gartens zu Buitenzorg auf Java (1825, II, 128), 
berichtet tlber die Baduis in Java (II, 148). 1826 erhielt er 
ein Diplom der geologischen Gesellschaft (Band I, 278). Er 
übersandte Samen nach Weimar und erhielt dafür die goldene 
Verdienstmedaille vom Großherzog (1827, II, 179). Diese 
Medaille ist gewiß die Anerkennung, die Goethe in unserem 
Briefe anregte. Seine übrigen zahlreichen botanischen Schriften, 
bedürfen hier keiner Erwähnung. 

Die Stelle über Kirckhoff ist eine schöne Ergänzung zu 
G.-J. XVIII. 159 f.; der dort abgedruckte Brief ist Tgb. X, 205 
unter dem 17. Juni gebucht. — Die am Schluß erwähnten 
j Bändchen sind eine Lieferung der Ausgabe letzter Hand. 
Der Großherzog hatte sie bereits am 30. Mai 1827 in Empfang 
genommen (Tgb.). Daß sie als Reisebibliothek mit einem 
Verschen dem Grafen Sternberg übergeben wurden, wird am 
17. Juni berichtet (Tgb.). Das Verschen dazu steht W. A. 
4, 278. 

9. IG. Es sind zwei verschiedene geschäftliche Angelegen- 
heiten, die fast unmittelbar aufeinanderfolgen. Zur Erklärung 
dienen die folgenden Tagebuchnotizen vom 9., 11., 12., 
14. April 1828. »Herrn Geheimen Hofrat Heibig die Heinrich 
Müller'schen Acten und die auf Salzwerke bezüglichen Tabellen 
für Serenissimus. — Die Acten wegen der Restauration ge- 
heftet und geordnet. — Lieber, mit demselben die Restaurations- 
Angelegenheit durch und durchgesprochen. — Kam Lieber 
wegen den zu restaurierenden Bildern, deren ihm einige über- 
geben wurden.« 

11. Das Billet ist unterm richtigen Datum im Tagebuch 
erwähnt, Heibig daselbst am 19. unter den Besuchern ge- 
nannt. Leider versagt von nun an eine der wichtigsten Quellen 
zur Erklärung der Billette, nämlich der Briefwechsel mit Karl 
August. Der Fürst war bekanntlich im Juni gestorben. Der 
von nun an erwähnte Herrscher ist sein Nachfolger Karl 
Friedrich. 

12. Diese Nummer ist im Tagebuch erst unterm 22. Juli 
erwähnt, der erwähnte Besuch fand erst am 7. August statt. 
»Herr Geh. Hofrat Heibig wegen der Schrön'schen Angelegen- 
heit, ein Schreiben von Gotha vorlegend.« Ludwig Schrön, 
1799 — 1875, war seit 1820 Gehülfe an der Sternwarte zu Jena 
und wurde 1829 Inspector des Observatoriums. Um diese 
Stellung handelt es sich gewiß in unserem Billet; »er bildete 
sein Talent immer mehr aus« heißt es schon 1821 bei seiner 
einzigen Erwähnung: in den Annalen. 



54 Neue Mittheiluxgex. 



13. Das Billet, im Tgb. nicht besonders gebucht, mag 
als kleine Ergänzung zu Goethes Weinbestellungen betrachtet 
werden, die in der Festschrift der Gebrüder Rammann »Eine 
kleine Erinnerung aus der klassischen Zeit« 1901 zusammen- 
gestellt wurden. 

14. Zur Erklärung der beiden hier behandelten An- 
gelegenheiten gewährt leider das Buch »Goethe und Maria 
Paulowna« kein Material. Dort wird nur einmal Seite 54 
der Maler Kaiser erwähnt, aber nicht in der in unserem 
Briefe erwähnten Angelegenheit. Er kommt vielfach im Tgb. 
iroethes 1831 vor. Adolph Kaiser, geboren 1804, war wie 
Preller Stipendiat des Großherzogs und lebte mit dem ge- 
nannten Ktlnstler, nachdem beide sich 1826 in München 
getroffen, gemeinsam in Italien, in Mailand, am Comer- 
see u. s. w. Er erhielt jährlich 300 Thaler, die ihm gewährte 
Unterstützung blieb auch nach dem Tode Karl Augusts be- 
stehen ; wenn nöthig, sprang auch Goethe mit seinen Mitteln 
ein. Eine Landschaft des Malers, der während seines 
italienischen Aufenthalts oft kränklich war, wurde durch 
Goethes Vermittlung nach Dresden für 100 Thaler verkauft. 
In einem wenig bekannten Briefe Goethes an Quandt (Uhde, 
Goethe, Qaandt u. s. w. Stuttgart 1878) vom 27. Mai 1830 
wird eine Reihe Notizen über unseren Künstler gegeben, deren 
ganze Art so charakteristisch ist, daß sie hier folgen mag: 

»Das Nähere von dem Künstler welcher die übersendete 
Landschaft verfertigt hat. 

Name und Vorname . . . Kaiser, Adolph, 

Geburtsort Geisa, Eisenachischen Kreises 

sonst Fuldaisch. 

Alter etwa 26 Jahre. 

Anfängliche Studien . . . Cassel, Fulda und Braunschweig 

Eigentliches Fach Landschaftsmalerey, 

Aufenthalt in Italien . . . Von 1826 — i. April 1829, 

also fast drey Jahre, 
Nach seiner Rückkehr, 
wie lange in München . . Vierzehn ]\Ionate. 
Wird gegenwärtig in Weimar erwartet.« 

Viel bekannter in der Goethe-Litteratur, auch im G.-J. 
mehrfach erwähnt, ist Angelika Facius, geboren am 14. Ok- 
tober 1S06, über deren vom Weimarer Hofe unterstützte und 
geförderte Berliner Ausbildung der Goethe-Zeltersche Brief- 
wechsel willkommene Auskunft bietet. Sie war die Tochter 
des Hofmedailleurs Friedrich Wilhelm Facius, der seit 17 88 
in Weimar lebte. Ueber ihre Thätigkeit findet man besonders 
reiche Nachweise bei P. v. Bojanowski, »140 Jahre weimarischer 
Geschichte in Medaillen, 1756 — 1896« (Weimarische Festschrift 
zum 24. Juli 1898). Ihr Erstlingswerk war eine Medaille zum 



Vierzehn Briefe Goethes. 55 

Jubiläum Karl Augusts 1825, in demselben Jahre machte sie 
eine auf Goethe, später verschiedene zu Ehren Schillers, 
Herders, der Maria Paulowna u. a. 

15. Schien zuerst ein unlösbares Rätsel zu bieten, der 
Adressat ist nicht genannt. Heibig kann es nicht sein ; nach 
Analogie von No. i und einigen anderen in unserem Nachlaß 
befindlichen Schriftstücken könnte es Voigt sein; ein Datum 
ist nicht angegeben. Da indessen der Fürst Primas genannt 
Tt'ird, so muß man die Zeit von 1807 — 18 10 als die Ursprungs- 
zeit annehmen, denn nur in ihr führte Karl Theodor von 
Dalberg den angegebenen Titel. Auch der Inhalt des Briefes 
ist nicht klar: die Sache, um die es sich handelt, wird aus- 
drücklich als Privathandlung angegeben und doch wird ein 
IVIinister als Mitwisser bezeichnet und eine Excellenz zu Rathe 
gezogen. Durch diesen Minister wird dann zugleich die Zeit 
näher bestimmt. Friedrich \Vilhelm August Karl v. Böse 
nämlich kann kaum ein anderer sein, als der 1753 geborene 
und 1809 gestorbene sächsische Cabinets-Minister , der als 
sächsischer Unterhändler bei Napoleon große Gunst fand und 
bis zu seinem Tode dem Imperator treu, gefügig und unter- 
würfig blieb. Gerade wegen dieser Gesinnungsgemeinschaft 
mag er mit Dalberg in naher Beziehung gestanden haben. 
Indessen lassen zur weiteren Erklärung unseres Billets Goethes 
Briefe, Gespräche, Annalen vollkommen im Stich ; die bisher 
bekannten Briefe Goethes an Dalberg gehören der Frühzeit 
des Letztern, jedenfalls nicht der Periode seiner großen 
politischen Stellung an. Endlich boten die Tgb. einen Hin- 
weis. Am 7. Oktober 1808 heißt es nach Erwähnung der 
Besuche französischer Großen : 

»Nachher Graf Böse, sodann Gegenvisite, sprach mit 
Fürst Primas bei Frau von Wolzogen, nach dessen Abreise 
zu Ziegesar's«. 

Man darf daher die Vermuthung aussprechen, daß 
es eine mit Dalberg mündlich verhandelte Angelegenheit 
war, die vielleicht wegen der Curialien dem zufällig an- 
wesenden, in diesen Dingen bewanderten Grafen Böse vor- 
gelegt wurde. Steht dieses Datum fest, so kann man auch 
die Angelegenheit, auf die sich der Brief bezog, vermuthen. 
Frau Rath Goethe war am 13. Sept. 1808 gestorben, Christiane 
nach Frankfurt gereist (jedenfalls vor dem 4. Okt. vgl. W. A. 
Briefe 20, 172) zur Ordnung der Erbschaftsangelegenheit und 
zur Regulirung des Nachlasses. Goethe hatte zwar an 
J. T. H. Schlosser und G. B. Melber, denen er gleich nach 
dem Tode der Mutter für die ihr erzeigte Freundlichkeit ge- 
dankt hatte, Helfer; doch meinte er, daß es nicht schaden 
würde, wenn er sich eines mächtigeren Schutzes, desjenigen 
des Fürsten Primas versicherte. 



5 6 Neue Mittheilungen. 



Sind die vorstehend abgedruckten und commentirten 
Briefe auch keine Sammlung ersten Ranges, so enthalten sie 
doch manches zur Aufhellung der weitverzweigten Beziehungen 
und der unendlichen Thätigkeit des Dichters. Der würdige 
Aufbewahrer der Sammlung, Herr Hofrath Beyer, verdient 
daher für die Ueberlassung der Schriftstücke herzlichen Dank ; 
nicht geringern Herr Ludolph St. Goar, durch dessen Ver- 
inittlung die Abschriften an den Herausgeber gelangten. 




2. DIE GOETHE -AUTOGRAPHEN DER MÜNCHNER 
HOF- UND STAATSBIBLIOTHEK. 

Mitgetheilt von Erich Petzet. 

Neben den Schätzen von Goethe-Autographen in Weimar 
und Leipzig werden die Sammlungen anderer Bibliotheken 
und Privatsammler immer einen recht dürftigen Anblick ge- 
währen; der geringere Besitz aber wird im einzelnen von dem 
minder Begünstigten um so höher geschätzt werden, und so 
bedarf die folgende Zusammenstellung der Münchner Bestände, 
die ich, von der Direction der k. Hof- und Staatsbibliothek 
mit der Ordnung und Catalogisirung unserer Autographen- 
sammlung beauftragt, vornahm, wohl keiner weiteren Recht- 
fertigung, zumal sich einige, freilich bescheidene Stücke als 
bisher unveröffentlicht herausgestellt haben. 

Die einzige Dichtung Goethes, welche die Münchner 
Hof- und Staatsbibliothek handschriftlich besitzt, ist »Stella«, 
noch als »Schauspiel für Liebende« ohne den tragischen Aus- 
gang. Es ist diese Handschrift (Cod. germ. 5122) eine Rein- 
schrift von Goethes Diener Philipp Seidel, die der Dichter 
eigenhändig durchcorrigirt und später dem Philosophen 
Friedrich Heinrich Jacobi geschenkt hat. Aus dessen Nach- 
laß gelangte sie in den Besitz von Friedrich Roth, dessen 
Sohn, der Jurist Professor Paul Roth, sie im Juni 1863 der 
k. Hof- und Staatsbibliothek (nicht, wie irrthümlich die 
Weimarer Ausgabe I. Abth. Bd. 11, S. 407 berichtet, der 
Universitätsbibliothek) als kostbares Geschenk überwies. Sie 
ist die einzige erhaltene Handschrift der »Stella«. 

Wie diesen Codex, konnte die Weimarer Goethe-Ausgabe 
schon mehrere der in München aufbewahrten Briefe Goethes 
verwerthen. Die vier Briefe an Wolfgang Heribert und Carl 
Theodor von Dalberg, in denen von dem Maler Müller, von 
den »Mitschuldigen« und der »Iphigenie« gesprochen wird, 
sind unter Nr. 822, 833, 902 und 926 nach den Originalen 



Die Goethe-Autographen der Münchner Staatsbibliothek. 57 

in dem berühmten Sammelbande cod. germ. 4830, der eine 
noch immer nicht ausgeschöpfte Fülle interessanter Briefe von 
Dichtern, Musikern und Schauspielern an den Mannheimer 
Theaterleiter in sich schließt, mitgetheilt. Unter Nr. 5438 finden 
wir nach einer buchstabentreuen modernen Copie unseren 
Brief an einen unbekannten Adressaten vom 19. October 1807 
mit Anfragen zur Farbenlehre, unter Nr. 6780, ebenfalls nach 
einer Copie O. Jahns, den Brief über Radlofs sprachlich- 
patriotische Bestrebungen vom 20, März 1814, dessen Original 
verloren zu sein scheint (vergl. Weimarer Ausgabe IV. Abth., 
Bd. XXIV, S. 371), von dem aber auch in der Staatsbiblio- 
thek eine andere völlig mit jenem Druck übereinstimmende 
Copie vorliegt, die man beinahe nicht für eine Abschrift, 
sondern für das Concept Goethes zu halten sich versucht fühlen 
könnte. Den Brief aus Frankfurt vom 10. September 1815, der an 
von Leonhard gerichtet und jetzt als Nr. 7167 eingereiht ist, hat 
Fr. Strehlke in seinem verdienstlichen Werke »Goethes Briefe« 
(Berlin 1882/84.) Bd. II, S. 455 zuerst gedruckt; denjenigen 
vom 15. Juni 1824 an Alexander Macco C. A. H. Burkhardt in 
den »Grenzboten« vom Jahre 1874 (Nr. 31). Ueber Goethes 
Verhältniß zu diesem Münchner Maler habe ich an anderem 
Orte (in Max Kochs »Studien zur vergleichenden Literatur- 
geschichte« 1902 II. Bd., S. 288 — 303) eingehender berichtet. 
Bedeutsamer noch aber waren Goethes Beziehungen zu zwei 
anderen Malern, die in der Geschichte der Münchner Kunst 
eine hervorragende Rolle gespielt haben, zu den beiden 
Langer, Vater und Sohn. Die Weimarer Goethe- Ausgabe 
enthält bis jetzt zehn Briefe an diese beiden Künstler; einen 
elften vom 4. Juli 181 7 hat nach Strehlkes Angabe, die mir 
Herr Dr. C. Schüddekopf freundlich bestätigt, Hermann Uhde 
in seinen Denkwürdigkeiten der Malerin Luise Seidler (2. Aufl. 
1875, S. 137/^39) abgedruckt. Von all diesen Briefen sind 
in dem handschriftlichen Nachlaß der beiden Langer, der als 
»Langeriana« in der Hof- und Staatsbibliothek Aufstellung 
gefunden hat und gar manches kunst- und localgeschichtlich 
WerthvoUe enthält, Copien aufbewahrt; die Originale fanden 
sich nur von drei Briefen vor, von denen zwei nach dein 
Concept in Weimar (als Nr. 4548 a und 6806) veröffentlicht 
sind, einer aber bisher unbekannt geblieben ist. Der Druck 
in der Weimarer Ausgabe bedarf nach den hiesigen Originalen, 
die erst jetzt auftauchen, keiner Correctur; im Gegentheil er- 
fährt der abgesandte Brief vom 28. April 181 4 nach dem 
Concept eine Ergänzung, indem der Wortlaut: »Bei Wieder- 
herstellung der allgemeinen Nationalität« in dem Briefe sicher 
nur durch Flüchtigkeit an die Stelle von »der allgemeinen 
deutschen Nationalität« getreten ist. Dagegen ist das Datum 
des Briefes Nr. 4548a vom 27. nun in den 28. Juli 1802 zu 



5S Neue Mittheilcngen:. 



ändern. Der ungedruckte Brief aber, der von Schreiberhand 
geschrieben, doch mit Goethes eigenhändiger Unterschrift 
versehen ist, lautet: 

Ew. Wohlgeboren 
erhalten hierbev die Zeichnuns;en Ihres Herrn Sohnes 
zurück mit vielem Danke, daß Sie mir solche so lange 
anvertrauen wollen. Mir ist es sehr angenehm auch im 
Laufe des Jahres manchen durchreisenden Freund mit den 
Arbeiten talentvoller, lebender Künstler bekannt zu machen. 
Emptehlen Sie mich bestens nach Rom. Mich verlangt 
sehr, nach der Rückkunft Ihres Herrn Sohnes, von seiner 
Arbeit zu sehen und zu bemerken, welchen Einfluß jene 
Kunstschätze auf ihn gehabt haben. Leben Sie recht wohl 
und überzeugen Sich von meinem fortdauernden Antheile 
so wie von meiner vollkommenen Hochachtung. 
Weimar Ew. Wohlg. 

den 20. September ergebenster Diener 

1805. J. W. Goethe. 

Der Antheil Goethes an den künstlerischen Bestrebungen 
der beiden Langer datirte in der That schon seit längerer 
Zeit. Bereits im Jahre 1789 hatte er die Copie Johann Peter 
Langers nach Marc Antons Stichen von Raphaels Christus 
und den 12 Aposteln mit überwiegendem Lobe im »Deutschen 
Merkur« angezeigt. J. P. Langer seinerseits (geb. 1756), seit 
1789 Director der Academie und seit 1801 auch der Gemälde- 
Gallerie in Düsseldorf, mußte als überzeugter Klassizist Werth 
darauf legen, mit Weimar in Fühlung zu kommen und seinen 
Sohn Robert (1783 — 1846) in den Geist der Weimarer Kunst- 
freunde einzufuhren. Im J. 1797 übersandte er selbst seine 
»IVIuse«, im Jahre iSoi der Sohn seine »Lucretia« nach 
Weimar mit dem Erfolge, daß Goethe im Namen der W. K. F. 
mit anerkennendem Lobe erwiderte. Jedes Jahr brachte nun 
bis 1804 mehrere Zeichnungen des unter der Anleitung seines 
Vaters fortschreitenden jungen Malers zu den Weimarer Aus- 
stellungen, nach einem Verzeichniß in den Langeriana (Nr. 13) 
1802 : Virginius, dem man seine Tochter entreißen will ; Oedipus 
und Antigene vor Theseus; Fulvia entdeckt dem Cicero die 
Verschwörung des Catilina; Cato auf Selbstmord sinnend; 1803: 
Coriolans Abschied; Kampf um Patroklos Leiche; Apotheose 
des Homer; Orpheus in der L-nterwelt; 1804: Gruppe aus 
einer L'eberschwemmung; ein strandendes Schiff; ein Kind 
aus dem Wasser gerettet; Moses ruft Wasser aus dem Felsen. 
Die freundliche Aufnahme, wie sie in den Urtheilen der W. K. F. 



Die Goethe-Autographex der Münchner Staatsbibliothek. 59 

und den Briefen Goethes zum Ausdruck gelangt, entsprach 
durchaus dem ermunternden Anfang, wenn Robert Langer 
auch keinen der Weimarer Preise errang. Eine Auszeichnung 
war es für den jungen Künstler, daß Goethe es nicht ver- 
schmähte, den »Cato« für seine eigene Sammlung anzunehmen, 
und herzliche Glückwünsche des verehrten Gönners begleiteten 
ihn, als er im Herbste 1804 seine italienische Studienreise 
antrat, von der uns das säuberlich ausgearbeitete Tagebuch 
erhalten ist (Langeriana Nr. 4 — 6). Trotzdem ging der Wunsch 
Goethes, daß sich nach R. Langers Rückkehr die alten Be- 
z'ehungen lebhaft erneuern möchten, nicht in Erfüllung, wenn 
auch der Faden zwischen ihnen nicht abriß. Im October 1805 
kam Robert wieder nach Düsseldorf; bereits im Februar 1806 
aber reiste er mit seinem Vater nach München ab, wo den 
beiden in der Organisation der neu zu errichtenden Academie 
der Künste eine große und mühevolle Aufgabe gestellt war. 
Zum Director ernannt, wirkte hier J. P. von Langer, seit 1813 
geadelt, bis zu seinem Tode (1824) in seinem streng klassi- 
zistischen Sinne als erbitterter Widersacher der neueren roman- 
tischen Kunstbestrebungen, unterstützt von seinem Sohne, der 
als Professor und (1820 — 26) Generalsekretär der Academie 
thätig war, nach dem Tode des Vaters aber der Zeitströmung 
nicht mehr zu widerstehen vermochte und 1827 der Lehr- 
thätigkeit entsagen mußte, um als Vorstand des Handzeich- 
nungskabinets und seit 1841 General-Galleriedirector, hinter 
Cornelius und den Seinen zurückzutreten. In der Blüthezeit 
ihrer viel gerühmten Lehrthätigkeit aber wandte sich Goethe, 
der in hohem Grade mit ihren künstlerischen Anschauungen 
sympathisirte, wiederholt an sie, um ihnen Freunde und Schütz- 
linge erfolgreich zu empfehlen und ihres Antheils an seinen 
eigenen Bestrebungen sich zu versichern. — 

In einen ganz anderen Interessenkreis Goethes, in den 
naturwissenschaftlichen, führt uns ein weiterer Münchener 
Goethebrief, der ebenfalls bisher ungedruckt geblieben ist : 

Ew. Hochwohlgeb. 
würden mich nunmehr höchlich verpflichten wenn Sie 
mir Tag und Stunde gefäUig anzeigen wölken die mir das 
Glück verschaffen sollen Ihro Hochfürstliche Durchl. bey mir 
zu verehren und die neu aufgestellte, ziemlich vollständige 
Sammlung unterthänigst vorzuzeigen, Fortdaurender Ge- 
wogenheit mich angelegentlichst empfehlend 

C. B. 
d. 18. May gehorsamst 

1S20. " ' J- W. Goethe. 



6o Neue Mittheilungex. 



Die Adresse, wie das ganze Briefchen von Goethes eigener 
Hand geschrieben, lautet: »Des Herren Geheimerath von Schäfer 
Hochwohlgeb.a Das Tagebuch Goethes klärt uns über diese 
Persönlichkeit als den Leibarzt des Fürsten von Thurn und 
Taxis auf; es ist Jacob Christian Gottlieb von Schäffer 
(1752 — 1S26), einer der drei berühmten Aerzte Schäffer, die 
weit über ihre Vaterstadt Regensburg hinaus, der Vater 
(1720 — 1795) sowohl wie die beiden Söhne, durch ihre segens- 
reiche Praxis und ihre wissenschaftlichen Arbeiten das höchste 
Ansehen gewonnen hatten. 

Am 29. April 1820 war Goethe zur Kur in Karlsbad 
eingetroften. Wie schon auf der Reise, beschäftigte er sich 
hier wieder mit Vorliebe mit der Sammlung von Mineralien, 
deren Ordnung und Verpackung er schon vom 10. Mai an 
betrieb. Am 13. ging die erste Kiste davon nach Weimar 
ab; am 15. aber ließ sich der Fürst von Thurn und Taxis, 
der seit dem 6. ebenfalls in Karlsbad weilte, anmelden, um 
die Mineralien-Sammlung zu sehen ; »da sie schon fortgeschickt 
war, notirt Goethe, entschloß man sich eine neue zusammen 
zu legen, womit der Morgen hingebracht wurde.« Das Interesse 
des Fürsten war wohl durch seinen Leibarzt angeregt worden, 
der bereits am 13. bei Goethe gewesen war. Am 18. konnte 
Goethe die obige Meldung machen; am 19. legte er die 
Steinsammlung noch weiter auseinander und empfing am 20. 
den angekündigten Besuch des Fürsten und seines Gefolges. 
Vom 23. bis 25. Mai wird wieder von der Beschäftigung 
mit den gesammelten Steinen gemeldet, am 26. endlich gehen 
die Kisten ab. Am 28. verläßt Goethe selbst den Kurort 
wieder, ohne, wie es scheint, mit Schäffer und seinem Fürsten 
vorher noch einmal zusammengetroffen zu sein. 

Wie in dieser kleinen Episode den Mineralogen, so sehen 
wir in dem kurzen, aber vollständig eigenhändigen, theüweise 
schwer lesbaren Concept, das aus der Freiherrlich v. Hauch- 
schen Autographensammlung in Schloß Haunsheim bei Lauingen 
in den Besitz der Münchener Hof- und Staatsbibliothek ge- 
langt ist, den Botaniker an der Arbeit. In der Weimarer 
Goethe-Ausgabe ist S. 261 — 263 des 6. Bandes der natur- 
wissenschaftlichen Schriften (Abth. II) nach dem ältesten 
Drucke von 1831 und einer Reinschrift von John, der kurze 
Aufsatz mitgetheilt, in dem sich Goethe, die Wirkungen seiner 
Arbeiten zur Morphologie besprechend, mit den »Elementa 
philosophiae botanicae« von H. F. Link (Berlin 1824) aus- 
einandersetzt. Mit Hinweglassung des Citates aus Link, das 
dort in deutscher Uebersetzung gegeben ist, entspricht dieser 
Aufsatz unserem Concepte, das aber so beträchtliche Varianten 
dazu bietet, daß es als die ursprünglichste Fassung dieser 
Polemik Goethes bekannt zu werden verdient. 



Die GoETHE-AUfOGRAPHEN DER MÜNXHKER STAATSBIBLIOTHEK. 6l 

H. F. Link führt auf S. 244 f. seines Buches aus: 
»Metamorphosin plantarum optime Goethe exposuit (Ver- 
such die Metamorphose der Pflanzen zu erklären. Gotha 1790. 
Zur Morphologie, i. Bd., Stuttg. u. Ttlbingen 1817). Plantam 
sistit uti alternationem expansionis et contractionis. FIos in 
genere contractionis momentum constituit. Sed dum in calyce 
contractio regnat, iterum expanditur corolla, staminibus, 
antheris et polline rursus et maxime contractis, pericarpio 
denuo expanso, usque ad summam embryonis contractionem. 
Haec naturae oscillatio non solum in Mechanicis, pendulo 
scilicet, undis etc. sed quoque in corporibus vivis, vitaeque 
periodis animadvertitur.« 

Dagegen wendet sich nun Goethe in folgender Weise : 

»Diese, ob schon ehrenvolle Aufnahme unsrer Be- 
mühungen mußte uns doch bedenklich scheinen indem da 
wo von Gestalt und Umgestaltung eigentlich zu sprechen 
ist' nur die letzte bildlose subhme Abstraktion angeführt 
und das höchst organische* den völlig formlosen allge- 
meinsten Natur Erscheinungen zugesellt wird. 

Bis zur ßetrübniß aber steigerte sich unser Gefühl da 
wir obige "Worte völlig als fremde^ Eindringhnge in dieses 
Werk eingeklemt sahen. Denn"^ nicht allein braucht der 
Verfasser das Wort Metamorphose früher ^ in einem ganz 
andern Sinne als es von uns und andern gebraucht worden 
und wo es ihm selbst nicht recht passen wülH (S. ) son- 
dern er fügt jedes mal die Anamorphose hinzu wodurch der 
eigentliche Sinn abgelenkt und ins unsichre getrieben wird.^ 
Das unglückHchste [?] jedoch ist daß er zuletzt alle Bildg 
auf Linnes unhaltbare Prolepsis zurückzuführen denkt, 
wobey er nicht Eine sondern ein Duzze Prolepsen nothig, 
und um das Vorausverwenden künftiger Jahre in Blüthe* 
und Frucht sich an dauernde Bäume halten ^ und hinzu- 
fügen muß (Der Zweige [?] aber) 



' zuerst: die Rede passen würde oder man. 
* Ursprünglich: sie so zu den 
5 Zuerst: als einen 

4 Ursprünglich: da 

5 Ursprünglich: Metamorphose in einem 

^ Zuerst: und zwar da wo es gar. Die Seitenzahl fehlt in der (). 
" Ursprünglich: unsicher gemacht wird. 

8 Aus: Blume 

9 Zuerst : von dauernden Bäumen sprechen. 



62 Neue Mittheilungex. 



Wie verhält sichs dann aber mit der einjährigen Pflanze 
welche nichts vorauszunehmen hat? Hier wird sagen wir 
durch eine sich schnell steigernde Metamorphose das ver- 
gängliche Wesen die zunächst dem Untergang bestimmte 
Pflanze in den Stand gesetzt zu Hunderten und Tausenden 
vorauszugeben was zwar so vergänglich wie sie aber eben 
so fruchtreich seyn und werden soll nicht also eine 
Prolepsis sollte mans nennen sondern eine Prodosis und 
so würde man sich an einem richtig ausdrückenden Wort 
belehren und erfreuen können.' Doch [?] genug ja zu 
viel ! Mit dem Irrthum sollen wir nicht streiten ihn 
anzeig[en] ist hinleng[lich].« — — 

Schließlich sei hier Goethes Brief mitgetheilt, der dem 
Cod. germ. 3586 vorgeheftet ist. Dieser Codex in groß Folio 
hat ein stattliches Titelblatt: Facsimile aus dem Jenaischen 
Codex der Minnesinger. Sr. Majestaet dem Koenig von Baiern 
Maximilian Joseph bey Aller -Hoechst -Dero Anwesenheit auf 
der Universitaets Bibliothek zu Jena in tiefster Ehrfurcht über- 
reicht, [bl.: Jena im May 1823.] und enthält nur 2 Blätter, 
deren erstes die 3 ersten Strophen des Liedes: »Ez ist eyn 
lobeliche kvnst . . .« von dem Unverzagten (in K. K. Müllers 
Facsimile-Ausgabe der »Jenaer Liederhs.« Jena 1896. Bl. 40), 
deren zweites aber 2 Strophen des Meister Rumsland: »Ich 
en kan des vursten edelicheit geliche nicht gemezzen« . . . 
(K. K. Müller Bl. 58) und 2 Strophen des Meissner: »Eyn 
kuninc wilen in grozer wunne« . . . (K. K. Müller Bl. 100) 
in sorgfältiger Facsimile-Abschrift, wenn auch gegenüber dem 
Original mit verändertem Abbrechen von Seite und Columne 
vorführt. Der Brief Goethes ist an den Großherzog gerichtet 
und lautet: 

Königl. Hoheit 
in Erwartung des Glücks Ihro Majestät in Jena zu ver- 
ehren hat man sich daselbst schuldigst vorbereitet. Unter 
andern versuchte der Bibhothekschreiher Compter die Ge- 
schickhchkeit zu zeigen, womit er Facsimiles alter Manu- 
scripte aus freyer Hand nachzubilden weiß; er copirte einige 
Seiten aus dem Mannessischen berühmten Codex, deren 



' Dieser letzte Absatz, von »in den Stand gesetzt« an, ist auf dem 
hier schon vorher von anderer Hand beschriebenen Blatte zwischen und 
gelegentlich auf den schon vorher vorhandenen Zeilen niedergeschrieben 
worden. 



An Frau von Heygendorf. 63 

erstes Gedicht der zweyten Seite in Bezug auf einen edlen 
Bayerischen Fürsten gesungen ist. Möge durch Ew. Hoheit 
günstige Vermittelung von einem großen Kenner und Be- 
sitzer solcher Schätze diese Probe allergnädigst aufgenommen 
werden und wir alle zu fortdauernden Hulden angelegent- 
lichst empfohlen seyn. 

unterthänigst 

Weimar den 18. May 1823 J. W. Goethe. 

Die Geschicklichkeit Corapters, die Goethe wiederholt 
anerkennt (vergl. Schüddekopf im Goethe- Jahrbuch XXI, 
S. 78 ff. und Burkhardt in der Chronik des Wiener Goethe- 
Vereins XII, Nr. 9) hat in der That in dieser Abschrift eine 
rühmliche Probe gegeben, die wohl als Geschenk- und Schau- 
stück dienen konnte. Interessanter ist uns aber an dem Codex 
heute der Brief Goethes, der uns in seine amtliche Thätigkeit 
als Curator der Bibliothek einen kleinen Einblick thun läßt. 
Er ergänzt damit die Vorstellung, die uns die Münchner 
Goethe-Autographen, so geringfügig an Umfang und so zu- 
fällig zusammengewürfelt sie sind, auch in ihrem bescheidenen 
Umfange von der unvergleichlichen Universalität seines 
Geistes erwecken. 



3. AN FRAU VON HEYGENDÖRF. 

Mitgetheilt von 

Albert Pick. 

Wir wünschten schöne, hebe Dame, die Befreyung der 
fürtrefFhchen Königinn von Schottland in unserm Hause 
gleichfalls zu feyern. Wäre es Ihnen recht; so könnte 
es Mittwochs nach dem Schauspiele geschehen. Diese Ihre 
Einwilligung wünschten wir heute zu haben um das Nöthige 
vorzubereiten. Morgen frühe käme meine Frau das Übrige 
zu verabreden. Dankbar für gestern, auf heut Abend voll 
Hoffnung! Goethe. 

Aeußere Adresse: 
[An Frau 
V. Heygendorf 
Gnaden] 
[Quart-Briefbogen mit einem kronenähnlichen Wasserzeichen nebst 
Posthorn und den durchscheinenden Buchstaben F H F]. 



64 Neue Mittheilungen. 



[Ueber die Adressatin des vorstehenden von Herrn Ober- 
lehrer A. Pick aus dem Besitz des Herrn Landgerichtspräsi- 
denten Chuchul zu Meseritz mitgetheilten Billets braucht an 
dieser Stelle kaum weiter gehandelt zu werden. Die schöne 
als Schauspielerin und Sängerin gefeierte, auch dem Goethi- 
Echen Hause nahestehende, später durch ihre Intriguen ihm 
entfremdete Frau ist im G.-J. oft genug erwähnt. Nur über 
die Datirung des im Original undatirten Billets sei ein Wort 
gesagt. Es kann nur in die Zeit vom S06 — 1816 gehören, d. h. in 
die Jahre, in denen Christiane anerkannte Gattin Goethes war. 

Es ist klar, daß sich das Billet auf ein Theaterereigniß 
beziehen muß, denn von einem politischen Factum kann 
schon deswegen nicht die Rede sein, da man seit 1707, seit 
der vollzogenen Vereinigung Schottlands mit England von 
einer schottischen Königin nicht mehr sprechen kann. Aber 
auch ein theatralisches Vorkommniß läßt sich nicht mit Evi- 
denz nachweisen. Von den Stücken, an die man allenfalls 
denken könnte, Maria Stuart, Graf von Essex, die Verbannung 
des Grafen von Rochester, ist keines in der Zeit von 1806 
bis 1816 zuerst aufgeführt, zudem war Goethe bei mehreren 
Aufführungen der erwähnten Stücke gar nicht in Weimar, 
oder wenn er da war, sah er, soweit das Tagebuch uns 
unterrichtet, Frau v. Heygendorf nicht. Nur eines Falles sei 
gedacht, wo eine Aufführung des Schillerschen Stücks mit 
einem Zusammensein Goethes mit Frau v. Heygendorf zu- 
sammentrifft. Am 14. Mai 18 14 fand die Vorstellung statt 
(Burkhardt, Repertoire S. 92, 140); am 13. ein Besuch bei 
Frau V. Heygendorf (Tgb. 5, 107); aber ein abendliches 
Beisammensein kann weder an jenem noch dem folgenden 
Tage stattgehabt haben, da Goethe am 13. nach Berka ging. 
Ausserdem ist es mir und gewiß manchen Lesern zweifelhaft 
genug, ob man die Titelheldin des Schillerschen Stücks schlecht- 
weg als eine )'>fürtreffliche Königin« bezeichnen kann; von 
einer »Befreiung« könnte man nur insofern reden, wenn eine 
Entfernung aus dem »irdischen Jammer« gemeint sein sollte. 
Eine andere Tagebuchnotiz lockt gleichfalls, aber auch bei ihr 
will Vieles nicht stimmen. Am 11. Juni 1814 wurde die alte 
Oper Richard Löwenherz gespielt — hier käme nur England, 
nicht Schottland in Betracht — am 12. Juni 181 4 heißt es 
im Tagebuch »die Frau v. Heygendorf« und dieselbe wird 
am 14. Juni als Mittagsgast erwähnt. Freilich war Goethe 
damals in Berka, während unser Brief Weimar als Aufenthalt 
des Briefschreibers und der Adressatin anzunehmen scheint. — 
Ich vermag daher ausser diesen vagen Vermuthungen nichts zu 
äußern, was die Datirung unseres Briefchens bestimmt. L. G.] 






Briefe von Lise v. Türckheim an Lavater. 65 

B. Mittheilungen von Zeitgenossen über Goethe. 

I. BRIEFE VON LISE V. TÜRCKHEIM (GOETHES LILI) 
AN LAVATER. 

Mitgetheilt von 

Heinrich Funck. 

»Die herzlichste Bekanntschaft, die ich in Straßburg 
machte« — notirt Lavater aus Zürich in seinem Reisetage- 
buch aus dem Jahr 1783 — »war die neue mit der Frau 
Lise Türckheim, geb. Schönemann.« »Eine liebenswürdige 
Trübheit, über ihr gerades, bescheidenes, denkendes Gesicht 
verbreitet, gab ihr in meinen Augen einen hohen geistigen 
Werth. Sie schien sehr gedrückt, doch fühlte sie etwas von 
meiner treuen und warmen Zuneigung.« Bald nach seiner 
Heimkehr schrieb der schweizerische Gottesmann an Frau 
y. Türckheim; dieser sein erster Brief an sie schließt bedeut- 
sam mit dem Zuruf: »Leide und genieße als Lise Schönemann 
und als Lise Türckheim.« Lavaters zweiter Brief an Lili endigt 
mit dem Satze: »Ohne Leiden werden wir nicht gut und groß, 
ohne Gedrücktheit nicht frei.« Sein dritter Brief endlich 
(vom 13. Februar 1784) beginnt mit den Worten: »Die Hand, 
die diese Zeile schreibt, trocknete gern dann und wann eine 
Thräne von dem sanften Auge der edeln Türckheim, drückte 
gern dann und wann ihre Hand und stärkte ihre sinkende 
Liebe mit dem Bruderworte: Es ist Ehre tragen zu können, 
zu wollen, zu tragen das Unveränderliche, anbethend leiden 
und durchs Müssen zum Genießen sich erheben.« Lange 
besinnt sich Lili, bis sie ihrerseits an den Allerweltsbeicht- 
vater in Zürich eine Zeile richtet. Ihr erster Brief an Lavater 
ist im Jahr 1785, im siebenten Jahr ihrer Ehe geschrieben. 
Das interessante Schreiben, das mit andern Originalbriefen 
von ihr sich in Lavaters handschriftlichem Nachlaß in Zürich 
erhalten hat, giebt uns über das unabänderliche Leid, dem 
die Thränen der Frau von Türckheim galten, in überraschen- 
der Weise Aufschluß. Es lautet: 

den 23 Mertz 85. 
Unmöglich ist es mir, lieber Freund, diesen brief 
ohne eine Zeile an sie abgehen zu lassen. Wie es mir 
aber bis jetz möglich war diese erlaubtnüß unbenutzt zu 
lassen, ließ sich von einem sie so zärtlich, und aufrichtig 
liebenden geschöpf als ich, nicht begreifen. Auch wagte 
ich es nicht nur ein wort davon zu sagen entschuldigte 
mich nicht mein Hertz, und ihre Freundschaft. 

'■ eines Straßburger Lavater-Freundes. 

Goethe-Jahrbuch XXIV. 5 



66 Neue Mittheilungen. 



Bey ihnen, meinem Hertzen so nahen Freund, darf ich 
ohne umschweif einen rath begehren, denn mir ihre Liebe 
so oft anbot. Sie allein sollen und können in einer sache 
sprechen, die mir sehr wichtig durch sich selbst, und ihre 
wirckungen ist: über die nothwendigkeit, oder das glück 
des einsamen, oder geselschaftlichen lebens. Sie wissen 
bester Freund wie viel ich im Hause durch alte, gegen 
mich gefaßte vorurtheile, zu leiden habe, wie anhaldent 
ich bewacht, und getadelt werde, und wie der schönste 
theil meines lebens durch beständiges stosen und Drucken, 
dahin fliest. Noch habe ich das glück nicht genosen 
augenblickliche Zufriedenheit, über meine oder meiner 
kinder auführung zu bemercken. ich hofte viel von der 
Zeit, und meiner bemühung, aber umsonst. 

Die Unglücke meiner Familie erweckten, und ver- 
stärckten die eingeschläferte aufmercksamkeit, und ich leide 
dopelt, durch das unglück selbst, und die der eindruck 
hervorbringende wirckungen. Ich entsagte aus eigenem 
gefühl allen erholungen und Zerstreuungen, weil mir jeder 
genuß, im augenbhck der schweren leiden meiner / Bruder, 
quäl, und Vorwurf gewesen wäre, aber nicht allein ich 
entsagte allem, es wurde mir alles entsagt, ich wurde 
aufmercksamer, schärfer beurtheilt und die stelle der ersten 
magt im Haus blieb in Meines schwiegers Vatters äugen 
die, welche ich mich am eifrigsten bemühen solte zu ver- 
sehen. Diesen Winter gaben, die neuen aufmunterungen 
in geselschaft zu gehen neuen stoft zu heohachtungen. wir 
wurden so dringend geladen das es mir schwer wurde zu 
wiedersagen. Mein Mann, und die obligenheiten seines 
Standes gewährten mir neue hinternüße. aber Mein Hertz, 
und die erinerung meiner pflichten gaben mir muth genug 
jeder lockung entschlossen zu wiederstehen. Ich kenne 
das glück in freundschaftlichen Verbindungen zu leben, und 
fühle das leere meiner existenz um desto mehr, da mein 
Hertz das bedürfnüß der hebe kante, aber itzt da mir das 
glück, heilung, und starckung verleihen könt, jetz da mein 
Hertz durch den druck der leiden geschlosen, der tröstenden 
Freundschaft bedörfte jetzt wird mir jeder Umgang er- 
schwert, jede zestreung getadelt, und doch fühle ich das 



Briefe von Lise v. Türckheim an Lavater. 67 

mir die zu grose einförmigkeit schädlich, das sie meine 
von natur zum leiden gestirnte Seele, in einer gewissen 
untähtigkeit erhält, von deren ich einst meinen kindern 
vor Gott rechenschaft geben muß. aber wie kann, wie 
darf ich dies ändern? im Haus meiner Schwiegerältern. 
Von ihnen abhängend, durch sie bemerckt, und beurtheilt, 
wie darf ich es wachen stoff zu neuen entzweyungen 
zu gäben! nicht nur jede handlung, sondern auch jede 
depense, jeder besuch denn ich gäbe, und bekomme, alles, 
alles wird getadelt. O! ich mögte gerne nicht klagen, 
gerne ruhig, und zufrieden, ohne gepäck, und gepräng 
denn weeg gehen denn mich die Forsehung gehen heist. 
aber oft gehet es mir auch wie dem unzufriedenen Wanderer, 
der über Unbequemlichkeit des weegs klagt. Ach! lassen 
sie mich ihnen edler, menschenliebender Freund das 
gestandnüß ineiner schwäche ablegen, ich unterlige oft 
der geringsten last; nicht mürisch, und unzufrieden mögt€ 
ich klagen, aber traurig, und wehmüthig mich vor Gott 
hinwerfen, und um kraft, und Selbständigkeit bitten, aber 
auch dazu bedarf ich oft aufmunterung. und wer könte 
mir die besser gäben, wer mit so vieler Wahrheit und 
reinheit, vom Seegen des Gebets sprechen, als der, der so 
wahr, und so rein vor Gott tretten kann als sie. O! theilen 
sie mir ein wort nur des Göttlichen trostes mit und lassen 
sie mich zum voraus schon Gott danken, in ihnen den 
Tröster, und führer gefunden zu haben, der denn weeg der 
Wahrheit, und Seehgkeit führen kann. 

Noch ein wort muß ich hinzu setzen; denn kränckend 
würde mir der gedancken sein meinen Mann als mitursach 
meiner öftern leiden anzugäben, er selbst leidet durch den 
Druck meiner Seele, und darinnen nur sind wir ver- 
schiedener meinung, das er wünscht, mich, durch nicht 
noditz nehmen an allen zumuthungen frey zu machen, 
welches mir gegen Altern, zu schwer wird, sein wünsch 
so guth meinend er ist, schein mir zu einseitig, und von 
ihnen bester, Heber erwarte ich die, mich determinirende 
aussage, in erwartung derer ich bin, ihre gewis gantz 
ergebene, gantz aufrichtige 

Lili von Türckheim. 
S* 



68 Neue Mittheilungen. 



An den trüben Stimmungen der Frau von Türckheim, auf 
die Lavater in seinen Briefen an sie wiederholt zu reden 
kommt, war also die Familie schuld, in die sie hineingeheirathet 
hatte. Diese Antwort auf die Frage nach Lilis Kummer ist ganz 
neu und untrüglich, weil sie von ihr selbst gegeben wird. 

Aus einem Brief vom Juni 1785, den Lili ausdrücklich 
als ihr zweites an Lavater gerichtetes Schreiben bezeichnet, 
sei hier folgende schöne Stelle hervorgehoben: 

»Ja schwer und viel sind der mutter leiden, und 
schmertzen, aber tausend mahl tausend der Freuden die 
ihnen der gäber alles Guttes, durch kinder gewärt, und 
nur so wie der siegende Gerechte sich über überstandene 
leiden freuet, und sich ihrer erinert, auch so gedenckt die 
Zärtliche mutter der leiden die ihr zur ewigen quele un- 
endlicher Freuden wurde. Lieber Freund mann muß so 
lieben wie sie, ich wünschte sagen zu dörfen wie wihr, 
um so gantz bestimt über die Liebe der Altern vor ihre 
kinder sprechen zu dörfen. Ich tatele mich oft über meine 
zu grose anhänglichkeit an diese liebe kleine, denn ich 
muß aufrigtig gestehen, ich habe keinen Sinn vor nichts; 
auser dem glück vor sie zu Leben, und mich vor sie und 
mit ihnen zu beschäftigen, kenne ich keines, es ist auserst 
Sumarisch berechnet der inbegrif meiner gedancken und 
beschäftigungen, und jeder Weeg der mich von dem Zweck 
scheint zu entfernen würde mir beschwerlich, so wie auf 
der andern seite alles was mich ihm nähren kann, am 
wichtigsten ist. Der weeg aber der schönste denn mir 
meine empfindung je gebildet wird durch unmoglig zu ver- 
ändernte neben weeg so beschwerlich und unangenehm 
das ich oft über die unbequemligkeit desselben klagen 
mögte, doch wichtig soll, und muß es mir bleiben ihn zu 
gehen, und mit jedem schrit desselben meine kinder Gott 
und Christus zuzuführen, aber auch dazu bedarf ich hülfe, 
darf ich diese von ihnen zu Zeiten erbeten? so einfach 
diese lehre seyn solte so schwer wird es glaube ich, sie so 
gantz zu gäben, und zu lehren wie sie solte gelehrt werden, 
gönen sie mir hirüber ihre gedancken.« 

Fünf Jahre vergehen, bis Frau von Türckheim sich wieder 
an ihren geistlichen Freund in Zürich wendet. Sie sucht einen 
Hauslehrer und hofft mit Lavaters Hülfe einen Erzieher nach 
ihrem Herzen zu finden. 



Briefe vok Lise v. Türckheim an Lavater. 69 

»Liebe« — schreibt sie in dieser Angelegenheit am 
22. April 1790 — »ist das erste das wesentlichste das ich 
von einem Erzieher verlange, reinheit der Sitte Thätigkeit, 
Ordnung u. Religion. Doch aber nicht Scholastische, pe- 
dantische, nicht zu Schwärmerische, sondern die Religion 
des Herzens die uns gegen Egoismus, u. unthätigkeit schütz, 
indem sie unsere Liebe anfacht, u. die uns jede stunde des 
Traurens durch den reinen genus des Gebethes versüst. 
— aber es ist nicht genug eigene gefühle zu haben, nicht 
genug sie in einer gewissen Form eingehült andere mit- 
theilen zu wollen, die Art u. Form die man wählt muß 
angenehm muß den erkentnüß fähigkeiten des kindes an- 
gemessen seyn. ich glaube noch mehr in betracht auf ge- 
beth mit denselben sagen zu dörfen, man muß den augen- 
blik einer guthen Stimmung wählen um auf das Herz zu 
wirken, u. ihre moralität zu entwikkeln, u. das erst angenehm 
zu machen suchen, was ihnen in der folge der zeit zur 
heiligen pflicht werden soll, sollte es aber möglich seyn 
das eine Liebreiche, schonende behandlungs art nicht gleich 
würke so wünschte ich unserem neuen Freund Standhaftig- 
keit genug um in seinen Edlen bemühungen nicht zu 
ermüden. 

Ich bin aber vollkommen überzeugt das ein nicht ganz 
verdorbenes Kind unmöglich seyn Herz dem liebreichen 
u. vertrauten Umgang eines Tugendhaften Mannes ganz 
verschHesen kann, es wird augenblike der Reue, u. der 
Erkentlichkeit, Liebe u, Rührung blikken lassen u. diese 
wird der Menschen Freund benutzen, er wird des Kindes 
rührung theilen, mit ihm Gott um Beystand anruffen, u. 
Gott wird ihn erhöhren — Liebe Gottes setze ich als Haupt 
quelle alles Glükes vorraus. Liebe des Nächsten wäre als 
unmittelbare folgen der ersten anzusehen. Religion, u. 
Freundschaft beseeligen das Herz! aber können beyde ohne 
Thätigkeit, arbeitsamkeit gedacht werden oder bestehen? 
u. ist nicht diese betriebsamkeit das kräftigste verwahrungs 
mittel gegen alle Laster? also auch Fleis, u. eine gewisse 
Pünktlichkeit u. Ordnung in allen geschäften ist zum Glüke 
nöthwendig. O! wie viel hat der voraus der solche als 
Kind lernt. 



70 Neue Mittheiluxgen. 



Das resultat von diesem allem wäre also das wir 
wünschen unsere Kinder zu Religiösen, guthen, Thätigen, 
Ordnung liebenden Menschen zu bilden, gerne wollen wir 
alle dahin zwekkende Mittel ergreiffen. Wir räumen daher 
dem erzieher dieselbe rechte über unsere Kinder ein die wir 
über sie haben u. verpflichten uns ihm in allen gelegenheiten 
beyzustehen u. zu unterstützen, wir machen es uns zur 
pflicht in Gegenwart der Kinder alles Guth zu heisen was 
er thun wird, er mag belohnen oder bestraffen behalten uns 
aber zugleich das recht vor über das was Veränderungen 
erfordert uns Freundschaftlich zu besprechen.« 

Lavater findet die Anforderungen, dieLili an die Persönlich- 
keit des Gesuchten stellt, zu hoch, zu ideal. Er antwortet ihr: 
»Nur, liebe Menschin, suchen Sie doch keinen übermensch- 
lichen Menschen unter so vielen kaum menschlichen Menschen. 
Jeder, wer er immer sey — hat Adams Fleisch und Blut 
an sich.« 

Im nächsten Jahr verliert das Türckheimsche Ehepaar ein 
Kind durch den Tod. Da wendet sich Lili in ihrem Herze- 
leid wieder an Lavater, den Verfasser des seiner Zeit viel- 
gelesenen Buches »Aussichten in die Ewigkeit« in folgendem 

Brief: 

Strasburg den i. hebruar 1791. 

Es gelang mir einige wochen lang das verlangen zu 
bekämpfen an Sie Edler Freund zu schreiben, um mir bey 
dem Tod eines innigst gehebten Kindes, ihre Meinung 
über das wiederfinden in einer bessern Welt auszubitten. — 
jetzt vermag ich es nicht mehr zu schweigen, mein Be- 
dürfnüß nach trost ist zu gros, und nur Sie können es 
befriedigen. Heute 3 wochen wurde mir ein sehr sanfter, 
unbeschreiblich Uebreicher, tnich mehr als meine übrige 
Kinder hebender Knabe durch den Tod entrissen. Der 
Schmerz dieser trennung war gros, aber ich fühhe dabey 
die Güthige Unterstützung des mich gewis liebenden 
Vatters, der mir ihn gab, und nahm; ich konnte weh- 
müthig weinend auf den blikken, von dem ich begnadigung 
für mein Kind erflehte, und stumleidend ihn den Allgüthigen 
anbethen. Wir konnten mein Mann und ich gerne bey 
der Leiche verweilen u. bethen, es war uns aufmunterung 
auch auf dem Toden Knaben den abdruk von Ruhe, und 
Liebe zu sehen, der uns bey seinem Leben so oft ent- 



Briefe von Lise v. Türckheim an Lavater. 7^ 

zükt; Troßt war es für die gebeugte Eltern hoffen zu 
dörfen, ihn einst aus Gottes Hand gereinigt wieder zu 
finden. — gerne hieng ich in diesem augenbHk des Traurens 
dem gedanken nach, daß die Empfindungen, und Hand- 
lungen dieses Lebens in unzertrennbarem Zusammenhang 
mit dem zukünftigen seyen, und ich konnte mir den zustand 
der verstorbenen nicht anders als in der genauesten Ver- 
bindung mit dem vergangenen denken. Derselbe begriff 
Hes mich vermuthen, hoffen, daß die Bande der reinsten 
Freundschaft u. Liebe nicht auf immer zerrissen bleiben 
wmrden. Das ahnden eines frohen wiederfindens war mir 
eine reiche Quelle von Troßt, über welchen ich mich 
gerne mit jedem religiösem Geschöpfe unterhielt, um gleich- 
sam immer mehr, u. neue Bew^eise über meine vermuthungen 
zu samlen. Wie sehr betrübte mich aber die vor einigen 
Tagen erhaltene antwort eines sehr vernünftigen Mannes, 
welcher behauptet, daß wir in der Ewigkeit, in der an- 
bethung Gottes so vertieft, daß unser staunen, und die 
bewunderung der mannigfaltigkeit seiner Werke uns so 
ganz absorbieren würde, daß wir gleichsam nicht zeit 
hätten uns mit jedem anderen Gegenstandt zu beschäftigen 
u. das errinnerung an Freunde, u. lieblinge um so viel 
weniger statt finden könne, w^eil unsere Liebe allgemein, 
u. nicht individuel seyn würde. 

So erhaben der begrif von einer allgemeinen Liebe 
seyn kann; so sehr ich den Menschen Ehren, u. bewundern 
müßte, der in jedem einzelnen Menschen seinen Bruder 
erkennen, u. ihm als solchem dienen würde; so wenig 
kann ich mir ihn; u. eine Vollkommene gleichheit der Em- 
pfindungen denken. In der Natur ist sich nichts ganz 
gleich! Selbst in der Liebe zu meinen Kindern existirt 
Verschiedenheit, nach den Bedürfnüßen u. mittheilungen 
eines jeden. Wie sollte es möglich seyn daß ich in einer 
beßeren Welt, den rohen, ganz Sinnlichen Menschen, der 
hier für mich so gar keine berührungspunkte hatte, mit 
eben der Wärme Liebe mit welcher ich die Hebreiche 
Hand Seegnen werde, die mich vom Verderben gerettet 
hat? — der Wohlthätige einfluß der Eltern auf ihre kinder; 
ihr bemühen Sie Gott näher zu bringen, u. die errinerung 



Neue Mittheilungen. 



an jede aufopferung solte mit dem Tod völlig zernichtet 
seyn? Gott solte das band der Liebe so fest geknüpft 
haben, u. es zernichten wollen? fern von mir sey dieser 
Gedanken; mein Geist kann ihn nicht fassen, u, mein Herz 
würde ihn nicht tragen. Muthlos müßte ich sonst mein 
Geschäft verlassen, u. mich bemühen jene Edle Empfindungen 
der Liebe u Freundschaft mit einer kalten gleichgültigkeit 
zu verwechseln suchen. O! Freund, lassen Sie mich auch 
in diesem augenblik meine Zuflucht zu ihnen nehmen! ein 
wort antwort sey mir in diesem augenbhk des Grausamen 
Zweifels, was mir Lavaters Schriften in den ersten, heftigsten 
augenbliken des Schmerzens waren, Aufmunterung, Trost. — 
Die lezte worte meines sterbenden Kindes war der 
zuruf, papa hilf, ach mama komm; er strekte seine Arme 
nach mir aus, legte sich sanft hinein, und entschlief mit 
eben der ruhe; mit eben der Zuversicht, in welcher er jeden 
abend mit dem Gedanken seine Eltern wieder zu sehen 
einschlief, u. wir solten uns nie wiedersehen? nie , . . der 
gedanken wäre grausam. — Wen er wohl bey seinem 
erwachen mag gefunden haben? welcher wohltätigen leitung 
er nun anvertraut seyn mag ? gewis einer güthigen, die 
viel beser, u. geschwinder jede anläge seiner Seele ent- 
wiklen, u. sein bedürfnüß nach liebe befriedigen wird, aber 
gewis wird auch die, zu seinen Eltern nicht ganz erlöschen. 
Liebe bessert, und beseeliget den Menschen indem sie ihn 
Gott nähert u. ich sollte mich nicht einst Freuen, Freunde, 
u. Kinder hier geliebt zu haben? auch ihrer Schonung will 
ich mich Freuen, u. gemeinschaftlich mit so vielen, dort 
danken für jeden zuruf des Trostes den Sie ihren Freunden 
so gerne gäben. — gedenken Sie in liebe 

Ihrer aufrichtigen Freundin 
Lise von Turckheim.. 

Im Anfang des Jahres 1794 mußten Türckheims vor der 
Revolution aus Straßburg flüchten. Auf der Rückreise aus 
dem Exil im September 1795 wurde Lili durch eine Erkrankung 
ihrer Kinder in Zürich aufgehalten und lernte dort Lavaters 
Familie, Verwandten- und Freundeskreis kennen.' Im ersten 



' Den 18. September 1795 schrieb sich Frau v. Turckheim mit 
ihrer Tochter Lili und dem Hauslehrer Redslob in Lavaters Fremden- 
buch ein. — Lavaters Schwiegersohn Georo- Geßner notirt in seinem 



Briefe von Lise v. Türckheim an Lavater. 73 

Brief, den sie nach ihrer Heimkehr wieder an Lavater richtete, 
schrieb sie am 17. Februar 1797: 

»Wie lange dachte ich mir das Glük in Ihrer nähe, 
und in dem Kreiß Ihrer FamiUe zu Leben, als ein ideal 
von menschlicher Glükseeligkeit! und wie schwer wurde 
es dem besorgten Mutter Herz frey und froh zu genießen? 
und doch wie viele wohlthätige Gefühle, erfüllten meine 
Seele! das Andenken Ihrer Liebe, und das freundschaftliche 
Betragen Ihrer ganzen FamiHe wird meinem Herzen so 
wohlthätig als unvergeslich bleiben. 

Herrn Rath Herr Lavater, und Madame Schuhes, ein 
Wort der erkentHchen Freundschaft — Die Versicherung 
der reinsten Verehrung für Sie — von Elise Türckheim.« 

Der nächste Brief (vom 4. Mai 1797) führt uns LiHs Kinder 
vor. Wir lesen hier: 

»Ich lebe glüklich in dem engen kreiß meiner lieben, 
und genieße die reineren Freuden, die nur das Mutter Herz 
wünschen, nur Sie allein gäH:^ genießen kann. Meine 
Tochter vereint mit einem guthen Herzen, einen sehr 
selbständigen Charakter und ziemlich glükliche Anlagen 
zu allen Talenten; Sie fühlt lebhaft was Umständte über- 
haupt, aber besonders die individuelle Laage Ihrer Eltern 
ihr auflegen, fühlt daß Sie, die ihr manglende Vortheile 
einer ausgezeigneten Bildung, durch andere Vortheile er- 
kaufen muß, und bildet sich nach, und nach zu einem 
thätigen, wohlwollenden, und ich hoffe wohlthätigen Ge- 
schöpf. Sie ist meinem Herzen nahe, und der liebling 
des Vatters. — Friz der älteste, ein offener, reiner, guther, 
ganz aus mittheilung und Wohlwollen zusamen gesezter 
Knabe, änderte seine frey geiuählte laufbahn die Studien 
mit derjenigen, die ihn seinem Vatter nüzlicher, und näher 
bringen kann, und wird ein Kaufmann, zusammen Treffen 
der Umständte, veranlassen eine reiße nach Paris dieser 

Tagebuch 1795, den 15. September: »Ging ins Pfarrhaus, wo ich 
Türckheims geistreiche Frau sah. Man sprach meist von der Revolution. 
\'om Streite der Vernunftsätze mit der Praxi.« Den 50. Septeinber: 
»Mama erwartete Frau Türckheim.« Den 5. October: »Frau Türckheim 
kam. Mit ihr gingen wir in den Schönenhof üeber die in Straßburg 
verübten Revolutions-Greuel. Dann die Türckheim begleitet. Sie sprach 
von ihrem Mann, von dem Besondern ihrer Führungen.« 



r4 Neue Mittheilungen. 



Haupstalt der Welt, in Gesellschaft von unserm Freund 
Heisch, ich schmeichle mir gerne, ihn rein, und um etwas 
selbständiger wieder zusehen, mein Herz bluthet ob der 
trenung, mein Verstandt gebiethet, und wünscht sie. — 
Karl der zweite bedarf keiner andern apologie als die, daß 
er uns noch keine einzige trübe stunde gemacht hat. Vor 
2 tage empfieng er zum ersten mahl das Abendmahl, und 
gab uns auch bev dieser Gelegenheit, anlaß zu den glük- 
lichsten erwartungen Gott wird ihn Seegnen. — Willhelm, 
ein kraftvoller, derber Junger, der viele fähigkeiten, mit 
einem eisernen Fleiß vereint, wird nie kein mittelmäßiger 
Mensch werden, nosh hat er nicht das liebende und an- 
schließende seiner Geschwister, ich hoffe es erkünstlen 
und, wenn ich so sagen darf, erlieben zu können denn 
sein Herz ist guth. — und der jüngere Heinrich, der hebUng 
der Natur, durch eine angenehme Bildung sowohl, als mehr 
noch durch die vortrefflichkeit seiner Anlagen, ist ein vor- 
treffliches Kind, ganz aus liebe zusamen gesezt, und durch 
Sie allein beglükt. wie viel wnrd er zu leiden, und zu 
genießen haben nach der feinen Organisation die Gott ihm 
gab. oft ahndet mein Herz er könnte mir entrissen, 
und seine Erziehung einer geübteren Hand übergäben 
werden, und mein geist beugt sich wehmüthig bey diesem 
vermuthen, der zu lebhaft liebenden Mutter. — Gott leite 
und Seegne Sie alle, die mein Herz so innig, und so einzig 
liebt, und verzeihe mir meine Fehler, und Schwachheiten, 
besonders daß zu feste anschliesen an Sie. — aber zu spät 
erst merke ich daß ich mich durch meinen lieblings gegen- 
standt habe hinreißen lassen und nur bey dem Vatter und 
Mutter Herz des Edlen lieben Lavaters kann entschuldigung 
suchen, und finden, verzeihen Sie, nicht meinen Fehler, 
aber mein Zutraun, und sagen Sie mir GelegentHch ein 
Wort der beruhigung und des Zutrauens, von den heben 
Ihrigen das mir zum Troßt, und meinem Herzens zur stutze 
dienen kann.« 

Von ihrem Gatten schreibt Frau von Türckheim in dem- 
selben Briefe: 

»Türckheim wünscht sich ihrem Andenken empfehlen 
zu können, und trägt mir auf Ihnen seine reinste empfin- 



Briefe von Lise v. Türckheim an Lavater. 75 

düngen zu übertragen, und Sie seiner innigsten Hochachtung 
zu versichern. — Der liebe, guthe ist glüklicher weiße so 
beschäftigt, daß ihm wenig zeit zum nachdenken übrig 
bleibt, er arbeitet frühe, und späht, und denkt beym resultät 
immer mehr für andere, als für sich; wenig Menschen nur 
haben den grad von Uneigennützigkeit, und reinheit als er, 
weniger noch vermögen so viel zu gäben, u. so wenig 
wieder zu begehren.« 

Im folgenden Jahr erfolgte in der Schweiz der Umsturz 
der Verfassung. Immer mehr nahm daselbst der Terrorismus 
der republikanischen Regierung zu. Lavater, der unablässig 
und furchtlos mit Wort und That dagegen kämpfte, wurde im 
Frühjahr 1799 nach Basel deportirt und konnte erst im August 
wieder in seine Vaterstadt gelangen. Hier traf ihn, den 
nimmer müden Patrioten, am 26. September des genannten 
Jahres die tödtliche Kugel eines trunkenen Soldaten. 

»Wir haben oft,« — schrieb ihm Lili am 20. November 
1799 — »und mit gleich lebhafter Theilnahme, Nachrichten 
von Ihnen, Edler Freund, und Ihren jedesmaligen Verhält - 
nüßen, durch Basler Freunde erhalten, und mit Ihnen alle 
Gefühle getheilt, die durch Freud und Leid bewirkt, ihre 
Seele abwechselnd gebeugt, und erhoben haben. Gott 
schenke Ihnen ferner Kraft, und Muth, und mindere das 
Maaß von übel, daß so verheerend sich über Sie und ihre 
mitleidente ergossen hat. 

Mein lieber Mann, dessen Gesinnungen und Gefühle 
Sie, Verehrungwürdiger kennen, empfiehlt sich Ihnen auf 
das angelegentUchste; wir beyde Schätzen das Glük Ihrer 
Freundschaft, und erbitten uns Ihr geneigtes Andenken.« 

Das Schreiben, welches diese Zeilen enthält, war das letzte, 
das Lavater von seiner Straßburger Freundin empfing. Er 
erlag seiner Wunde am zweiten Tage des Jahres i8oi. 

Aus den hier zum erstenmal mitgetheilten Briefen und 
Briefstellen strahlen ausgezeichnete Eigenschaften ihrer Ver- 
fasserin uns entgegen. Und was wird immer und immer wieder 
von Goethebiographen aus Goethes Lili gemacht! Besonderes 
Interesse aber bietet unsere Briefreihe deshalb, weil sie zur 
größeren Hälfte bis in eine Zeit zurückreicht, aus der Briefe 
der Frau v. Türckheim, geb. Schönemann, bisher nicht bekannt 
geworden sind. 



76 Neue Mittheilukgen. 



2. P. A. HEIBERG' AN K. L. RAHBEK.^ 

Mitgetheilt von L. B o B e. 

Weimar, 2. July 1802. 
Jean Paul ist von Weimar, wie ich glaube nach Alten- 
burg gezogen, und Falk wohnt eine Meile von hier in 
Ettersburg, doch glaube ich, daß er im Winter in Weimar 
lebt. Zweimal spazierte ich hinaus zu ihm und fand ihn 
sehr liebenswürdig, doch mit Ausnahme seiner Gewohnheit 
des, wie der Franzose sagt »arroser la conversation«. Da 
er fast unaufhörlich spricht, ist es recht unangenehm be- 
ständig Gesicht und Kleider überspritzt zu bekommen, was 
ich jedoch mit großer Ruhe ertrug, bis es mir zu arg 
wurde und ich es ihm sagte, als er sogar ein Stück Brot 
bespuckte, welches ich in der Hand hielt. Er erzählte mir, 
wie er sich selbst ausgebildet habe, daß er in Danzig ge- 
boren und bestimmt war, Perrückenmacher zu werden. Als 
Kind schon empfand er eine unbändige Lust zum Reisen, 
versuchte fortzulaufen und bot sich allen englischen Schiffern 
im Hafen an, um ihnen zu folgen. In seinem elften Jahre 
hatte er einige Verse verfaßt, welche Talent verrieten, 
unter anderen las er mir einige sehr gefühlvolle Zeilen vor 
an die Zugvögel, die im Herbst in großen Scharen Danzig 
passieren, worin er sie bittet ihn mitzunehmen, und dies 
mit einer Naivität, welche mich zu Thränen rührte. End- 
lich traf er einen Schullehrer, der ihm aber nichts anderes 
als einen unentgeltlichen Unterricht geben konnte. Dieser 
lehrte ihn schreiben und englisch. Das erste Buch, welches 
er las, oder richtiger gesagt, welches er abschrieb, da es 
ihm an Geld fehlte, es zu kaufen, war Ossian. Er hatte 
in Halle studirt, wo er beinahe von Friedrich Wilhelm 
dem Dicken verurtheilt wäre, Spießruthen zu laufen, wegen 
einer Komödie, die er geschrieben und vor einem zahl- 
reichen Auditorium aufführen ließ und die gegen Wöllner 



' Peter Andreas Heiberg, 1758 — 1841, dänischer satirischer Schrift- 
steller, ging 1800 in die Verbannung, starb in Paris. Dort war er 
Departementssekretär unter Talleyrand. 

^ Knud Lyhne Rahbek, 1760— 1850, Schriftsteller, Direktor der 
Nationalbühne zu Kopenhagen, Professor. 



P. A. Heiberg an K. L, Rahbek. 77 

und Hermes gerichtet war, sowie infolge einer gleichfalls 
gegen dieselben gerichteten Parodie der Marseillaise. Von 
Natur aus mit einer starken Konstitution begabt, hat er 
dieselbe indessen durch viel nächthches Studiren unter- 
graben, indem er, um sich wach zu erhalten, die Füße in 
kaltes Wasser setzte, wodurch ihm das Blut zur Brust 
drang, und er nun sehr strenge Diät halten muß. Er ist 
verheirathet und scheint eine sehr angenehme Frau zu haben. 
Sie besitzen einen Sohn von 2Y2 Jahren. Sein Lieblings 
Verfasser ist Aristophanes und eine seiner Schwärmereien, 
alle nützlichen Kenntnisse müßten dramatisiert werden, um 
rechten Eingang zu linden, doch bemerkt er, die Monologen, 
d. h. die akademischen Lehrer, haben stets die Dialoge 
gehaßt und verfolgt, doch tröstet es ihn, daß die Zeit der 
Monologe jetzt vorüber. Seine Schwärmerei für den Fort- 
schritt der menschHchen Vernunft, der großen neuen Periode, 
welche die neue Dichtkunst versteht, für die Kräfte und 
Ökonomie der Natur, etc. geht in's Unbegrenzte, ist aber 
sehr interessant. Ich hörte mit großem Vergnügen seinen 
Ideen zu über die Natur, wie sie jedes Geschöpf, das sie 
hervorbringt, entwickele, wie jedes Element seinen Produk- 
ten nur das giebt, was es selbst hat. So behauptet er, 
daß das Wasser, als ein schweres Element, seinen Geschöpfen 
nur schwere und unschöne Formen mittheilt, die Luft dagegen 
vermöge ihrer Leichtigkeit nur eine einzige Form hervor- 
bringen könne, indem er annimmt, daß es nur einen ein- 
zigen Vogel giebt und alle die verschiedenen Arten nur 
kleine Abweichungen seien, da alle ohne Unterschied nur 
zwei Beine, Flügel, Schnabel, Federn u. s. w^ haben. Die 
Luft also, indem sie diese hervorbrachte, ihnen nur gab, 
was sie selbst besitzt oder ihren Grundstoff ausmacht, wie 
Farben, Gesang, leichte Formen u. s. w. Ein geringer Zu- 
satz von Alkali oder Sauerstoff zu unserer atmosphärischen 
Luft demgemäß das Aussehen und die Eigenschaften aller 
Geschöpfe vollständig verändern würde. 

Falk ist mit Goethe sehr intim, und bewies mir klar, 
wie dieser aus Prinzip stolz ist, w-enn er repräsentirt oder 
sich in Gesellschaft von Leuten befindet, mit denen er 
nicht harmonirt, dagegen ungemein Hebenswürdig ist unter 



Neue Mittheilungen. 



denen, die er kennt u. schätzt, Wieland kennt er auch 
genau und verehrt ihn sehr. Er erklärte mir Wielands 
Inkonsequenzen. Er sagt, daß Wieland sowohl wie Goethe 
und alle Menschen zwei Seiten haben, eine Schatten- und 
eine Lichtseite; was dazwischen liegt, sei nur bestimmt 
die Person aufrecht zu halten, oder sie zusammenfallen zu 
lassen. Das was die beiden Seiten zusammenhält, nennt 
er anima Candida, wo dieses fehlt, müßen Licht und 
Schattenseiten voneinander fallen. Diese anima Candida 
sieht er im höchsten Grade bei Wieland ausgebildet und 
findet es deshalb durchaus nicht wunderlich, noch weniger 
verachtet er ihn gar wegen seiner Inkonsequenzen, die ihn 
bald als Jakobiner, bald als Fürstendiener erscheinen lassen. 
So lange seine einmal angenommenen Grundsätze zum 
Guten ausschlagen, folgt er ihnen, überzeugt er sich vom 
Gegentheil, folgt er den entgegengesetzten mit gleicher 
Ehrlichkeit. Dementsprechend, läßt er in seinem späteren 
Werke Aristipp sagen, daß ein Mensch seinem Vaterlande 
nichts schulde und gegen Cyrene keine größeren Pflichten 
als gegen Athene habe, daß er reich sei und daher sein 
Vaterland finden könne wo er wolle, während später der- 
selbe Aristipp die Flucht des Sokrates aus dem Gefängniß 
vertheidigt, sagend, dieser schulde seinem Vaterlande und 
den Gesetzen zu bleiben. Wieland ist, meint Falk, der 
erste, der den Horaz recht verstanden hat, weil er ahnte, 
daß ihr Charakter derselbe sei, dieselben Inkonsequenzen, 
dieselben Licht- und Schattenseiten, dieselbe anima Candida, 
welche sie beide vor dem Zusammenbrechen bewahrte. 
Ich könnte Dir noch viel von diesem Manne erzählen, wenn 
ich alles sammeln könnte, was er sagte, denn er spricht 
unaufhörlich; ein paar mal in der Woche möchte ich ihn 
aber wohl reden hören. Trotzdem er Goethes sehr guter 
Freund ist, folgt er doch nicht blind allen dessen Ansichten, 
sondern persiflirt oft, was Goethe lobt und vice versa. 
Schlegels Alarcos fiel vollständig durch auf dem Weimarer 
Theater, trotz der Protektion Goethes. Als dieser Falk fragte, 
wie er über das Stück denke, antwortete er: Schlegel habe 
größere Ursache zufrieden als unzufrieden zu sein. »Sie 
wissen ja, daß Schlegel stets über die feine undurchdring- 



P. A. Heiberg an K. L. Rahbek. 79 

liehe Ironie redet. Nun ist Alarcos durch und durch nichts 
anderes. Das feinere Publikum fühlte dies, lächelte und 
lachte schon von Anfang an, das war ein Triumpf für 
Schlegel, verstanden worden zu sein, doch nun kam der 
minder gebildete Theil des Publikums, der nicht die feinen 
Ironien verstand und pfiff und trampelte, wodurch das 
Vergnügen der Ersteren gestört wurde, und Schlegel 
wiederum Ursache hatte, unzufrieden zu sein.« Bei der Auf- 
führung hatte ein unbekannter Mann neben Falk geseßen. 
Der fragte ihn, ob er nicht finde, diese beständigen Morde 
und Todesfälle kämen zu schnell aufeinander. Durchaus 
nicht, antwortete Falk ihm, denn da das Stück nur 2 Akte 
hat, muß alles was vor sich gehen soll, schnell oder gar- 
nicht geschehen. Sie haben Recht, sagte der Mann, von 
der Seite habe ich die Sache nicht betrachtet. Falk ist im 
Übrigen durchaus kein Freund des französischen Ge- 
schmackes in der Litteratur; darin sind wir sehr uneinig. 
Fräulein von Imhoff^s Urtheil über Goethe und Schiller ist 
so charakteristisch, daß ich es Dir mitteilen muß. »Wenn 
ich jemanden Goethe's Werke tadeln höre, schweige ich 
und streite niemals, weil ich bestimmt weiß, kein Mensch, 
ja selbst kein Gott vermöchte es, mich glauben zu machen, 
diese seien anders, als sie sein müßten. Tadelt man da- 
gegen Schiller's Arbeiten, ärgert es mich und ich vertheidige 
sie, weil ich denke, es Heße sich doch möglicherweise etwas 
dagegen einwenden.« 



3. GEORG WILHELM V. VALENTINI AN BERENHORST. 

Mitgetheilt von Gustaf Lehmann. 

Glatz den 22st. October 1808. 
. . Am 3. August langte ich in Karlsbad an, und lebte- 
daselbst fast vier Wochen (bis zum 28sten), in dem ange- 
nehmsten Nichtsthun, aber sehr glückfich. Es hat mir noch 
nie eine Gegend so gefallen, als das wilde und doch freund- 
Hche Thal der Töpel. Dazu kam, daß sich gerade in 
Karlsbad viel interessante und gute Menschen zusammen- 
fanden, und daß ein äußerst freundlicher Gesellschafrston 



8o Neue Mittheilukgen. 



daselbst herrschte. Man findet in diesem Stück einen auf- 
fallenden Unterschied gegen TöpHtz, und das rührt glaube 
ich, daher, daß nach diesem letzteren Bade größtentheils 
lahme und gichtbrüchige Gäste kommen, die in der Regel 
übler Laune sind. Karlsbad hingegen ist mehr der Zufluchtsort 
der Hypochondristen, an denen ich bemerkt habe, daß sie 
im Umgange keine üble Leute sind, wenn sie durch Ge- 
schäftslosigkeit und angenehme Umgebungen die Ursachen 
ihrer Krankheit von sich entfernen. Auch ist Karlsbad keine 
Räuberhöle der Spieler. Unter den interessanten Fremden 
in Karlsbad muß ich Göthen wohl obenanstellen. Eine 
Bestellung, die mir der Herzog von Weimar an ihn auf- 
getragen hatte, verschafi'te mir Eingang bei ihm, und so 
habe ich ihn einigemal besucht, und mich an seinem 
caustischen Humor, mit welchem er auch die neusten 
Weltbegebenheiten betrachtet, ergözt. Er ist auch der 
Meinung, daß nichts Neues heut zu Tage geschehe. Als 
ich mich über die kleinen Könige aufhielt, die aus dem 
Schlamm unseres Zeitenstroms erwachsen, hat er mich an 
den Agamemnon erinnert. Von diesem Heros unserer 
Dichter kann man mit Recht sagen, daß er das Leben zu 
genießen versteht. Er hat einen reinen Sinn für die Schön- 
heiten der Natur, und findet Interesse an so Manchem, vor 
welchem man gewohnt ist gleichgültig vorüberzugehn. 
Seine Beschäftigung in Karlsbad, wo er sich fast den ganzen 
Sommer hindurch aufhält, ist Landschaftsmahlen und 
Mineralogie, welche beide ihn viel ins Freie hinaustreiben. 
Was sein Geist zu Tage fördert, das entsteht so lebendig 
in ihm, daß es ihn nicht an den Schreibtisch fesselt. Auch 
diktirt er meistens nur. — Frau von Reck und Herr Tiedge, 
waren nur in der letzten Woche meines Aufenthalts in 
Karlsbad, zugegen, und kamen von Eger. Ich habe die 
gute Elisa mit allen ihren guten Eigenschaften wieder- 
gefunden, und glückUcherweise ihre Gesundheit besser als 
sonst, auch ihren Umgang umso interessanter, da ihre 
Reise in Italien und ihre ausgestandenen Abentheuer, den 
Stoff zur Unterhaltung gaben. Sie hat mich einen seltenen 
Originalcharakter von roher Tugend und unausgebildetem 
Talent kennen lehren, den Prinzen von Philippsthal, Ver- 



Zu DEN Weimarer Maskenzügen. 



theidiger von Gaeta. Ich würde das Lob, welches sie 
diesem ritterhaften hors d'oeuvre unserer Zeit zollt, für 
eine Wirkung ihres Enthusiasmus halten, wenn nicht Tiedge 
ganz damit einstimmte. Diesen Tiedge habe ich recht Heb 
gewonnen; ich kannte ihn zwar schon von Berlin her, aber 
nicht genau genug, um seinen Kopf und sein Herz zu 
würdigen. Seine Urania kannte ich nur sehr oberflächlich, 
und es ist mir Heb, indem einige Fragmente derselben, die 
ich in Karlsbad auf eine seltene Art vortragen hörte, mich 
nun um so stärker ergriffen. Himmel, der sie komponirt 
hat, war nemlich auch anwesend, und trug sie selbst auf 
dem Claviere vor, unter Begleitung mehrerer Stimmen, und 
Tiedge selbst, abwechselnd mit Frau von Reck, lasen die 
Theile des Gedichts, die nicht von Musik begleitet warden. 
Dieser Vortrag war eine Art von Gottesdienst, der seines 
Eindrucks auf keinen der Anwesenden verfehlte . . . 

Der Schreiber vorstehenden Briefes ist Georg Wilhelm 
von Valentini, dessen Besuche Goethe in seinem Tagebuche 
von 1808 zweimal erwähnt. Er war damals Major im General- 
stabe und gehörte zu unsern ausgezeichnetsten Offizieren. 
1813 im Generalstabe Yorcks, 181 3/1 4 Chef des Generalstabes 
bei Yorck, dann bei Bülow, welche Stellung er 181 5 eben- 
falls bei Bülow bekleidete. Später war er General-Inspekteur 
des Militär-Erziehungs- und Bildungswesens und ist 1834 
gestorben. Der Adressat ist der bekannte Militärschriftsteller 
Berenhorst. Das Original des Briefs befindet sich im 
preußischen Kriegsministerium. 



wr 



4. zu DEN WEIMARER MASKENZÜGEN 1809 und 1810.' 

Mitgetheilt von 

Ludwig Geiger. 

Unter den Weimarer Maskenzügen sind zwei besonders 
berühmt geworden: die von 1810 und 181 8, beide durch 
große Dichtungen Goethes gefeiert. 

* Ueber den Maskenzug 3. Februar 1809 vgl. zunächst den Bei- 
trag Goethes Hempelsche Ausgabe Bd. 11, i. Abth., S. 371 ff., dazu 
Löpers Bemerkungen S. 365 ff., vgl. jetzt W. A. 16, S. 213 fg., 456 fg. 
Manches, besonders in einem Bericht des Journals des Luxus und der 
Moden bringt Düntzer, Goethes Maskenzüge, Leipzig 1886, S, 56 ff. — 

GOETHE-J AURBUCH XXIV. 6 



82 Neue Mittheilukgen. 



Der, von dem hier zunächst die Rede sein soll, empfing 
diese Ehre nicht, sondern nur einige kleine Verse ; er war 
auch sonst einfacher und schlichter als die von Goethe ein- 
gerichteten. Dennoch lohnt es sich die Aufmerksamkeit auf 
ihn zu lenken, weil er nach den schweren Zeiten, die man 
durchlaufen hatte, wieder die erste Kundgebung friedlicher 
Ruhe, die Antheilnahme an kleinen Freuden Avar. Es war 
der erste Maskenzug seit 1802. 

Während er sonst vielfach zum Geburtstag der Herzogin 
(30, Januar) veranstaltet wurde, fand er 1S09 am 3. Februar 
statt. Zur Ehrung jenes ersten Tages ließ Goethe, der un- 
mittelbar vorher schwere Differenzen wegen der Theaterleitung 
zu überstehen gehabt hatte und deswegen nicht in der Taune 
war, frohe Feste vorzubereiten, Rochlitzens Bearbeitung der 
Antigone aufführen. Die künstlerische und dichterische Leitung 
für die Redoute übernahm Falk (und Riemer), der Erstere 
allein wird in Goethes Tagebuch seit dem 22. Januar 1809 
mehrfach genannt als der, mit dem Unterhaltungen wegen 
der Redoute gepflogen werden. Auch Landkammerrath Ber- 
tuch (vgl. auch dessen Mittheilung G.-J. X, 153) und Mad. 
Schopenhauer werden unter den Hauptbetheiligten genannt. 
Daß Goethe mit der Redaction der Gedichte zum Masken- 
zuge sich beschäftigte, geht aus den ausdrücklichen Tagebuch- 
Aufzeichnungen vom 31. Januar und 10. Februar hervor. 
Auch sonstige Vorbereitungsgeschäfte und Besorgungen zur 
Redoute werden in Goethes Tagebuch in den ersten Februar- 
tagen genannt ; am Tage selbst machte er morgens auf dem 
Stadthause die nöthigen Veranstaltungen und betheiligte sich 
Abends an der Redoute selbst. Auf seinen Vorschlag wurde 
ein kleiner Laden aufgeschlagen zum Verkauf von Masken 
und Kleinigkeiten zu Geschenken, seinem Sohn ließ er durch 



Benutzt sind ferner Goethes Briefe W. A. Bd. 20, Tagebücher W. A. 
Bd. 4. — Der nachfolgende Bericht ist entnommen der Berl. Königl. 
Bibl. Varnh. Samml. Das ganze ist eine Abschrift von Frau von 
Hohenhausen an Varnhagen geschenkt. Darüber steht von Böttigers 
Hand: Auszug eines Briefes von Mad. Schopenhauer an Herrn v. K. 
Dazu ist mit Bleistift bemerkt: Kügelgen? Der Bericht der Johanna 
Schopenhauer scheint gänzhch unbekannt zu sein; Düntzer in seiner 
großen Abhandlung »Goethes Beziehungen zu Johanna Schopenhauer« 
(Abhandl. zu Goethes Leben und Werken i, 181) gedenkt seiner nicht. 
Der Adressat des Berichts ist gewiß der bekannte Maler Gerhard von 
Kügelgen, den zu ehren und öffentlich bekannt zu machen Frau Johanna 
mehrfach versuchte. 1809 ließ sie im Journal des Luxus und der 
Moden einen Aufsatz über Kügelgens Portraits Goethes und der 
Weimarer Großen, 1810 daselbst 2 Briefe über G. v. K. und Friedrich 
in Dresden erscheinen. Die Vorstellung Johannas bei der Herzogin 
hatte keine unmittelbaren Folgen, erst 181 1 scheint sie an den Hof 

fekommen zu sein (vgl, die von Düntzer a. a. O. 185 angeführte 
teile). 



Zu DEM Weimarer Maskenzügen. 85 



die Gattin eine Relation zugehn und versicherte ilin, daß 
seiner gedacht und er manchmal herbeigewünscht worden sei. 

Der poetische Beitrag Goethes bestand aus Huldigungs- 
versen an die Herzogin Luise. Die einen hatte ein Stern- 
deuter; die anderen: Landleute, Gärtner, Hirten zusprechen. 
Letztere priesen die Fürstin, sich selbst in seltsamen Ver- 
gleich zu den Anbetern des Jesuskindes setzend, ersterer be- 
klagte sich, daß die \ier 1801 — 1807 entdeckten Planeten 
einzeln gefunden und benannt worden seien ; er hätte ge- 
wünscht, daß sie zusammen entdeckt und mit dem Namen 
Luise bezeichnet worden wären. 

Ueber das ganze Fest gibt der nachfolgende Brief einen 
anschaulichen Bericht. 

Johanna Schopenhauer an G. v. Kugel gen. 

Weimar, 4. Febr. 1809. 
»Ich schicke Ihnen hier alle unsere Verse, werden Sie 
nicht böse über das große Packet. Sie müssen sie doch 
haben, es sind gar herrliche Sachen darunter, besonders 
die von Werner, Goethe selbst ist davon entzückt. Er hat 
wunderbar gut den Ton gehalten, so daß man davon irre 
werden könnte. Auf dem Maskenzug finden Sie was wir 
waren ; wer jede Rolle hatte, und wie wir gekleidet waren 
habe ich dabei gekritzelt; gebe der Himmel, daß Sie es 
lesen können. Wir gingen gerade in der Ordnung wie wir 
dort aufgezeichnet sind, die Elemente zwei und zwei, ihre 
Diener auch, so auch die übrigen; die einzelnen Figuren, 
als den Sterndeuter, den Genius, den Morgenstern und den 
Ruprecht ausgenommen, die allein gingen. Wir Könige 
gingen alle drei in einer Reihe, vor uns der Morgenstern 
und hinter uns den fürchterhchen Ruprecht, so beschlossen 
wir den Zug. Hinter Ruprecht kam die elegante Zeitung, 
von der ich Ihnen mehr erzähle. Adele war unter den 
glänzenden Masken die hübscheste, ich hatte auch nach der 
Art der Mutter alles angewendet um das kleine Ding recht 
aufzuputzen und hatte große Freude daran. An mich selbst 
dachte ich wenig, ich konnte in der Kleidung nicht anders 
als häßhch sein, obgleich ich sehr glänzend und prächtig 
aussah. Riemer war so schön, daß ich noch immer nicht 
begreife, wie es zuging. Ich hätte nie geglaubt, daß seine 
Gestalt sich so machen könnte, er hatte einen goldenen Helm 
wie Ulyss abgebildet wird, eine sehr schöne Maske bloßen 

6* 



84 Neue Mittheilungen. 



Hals, der ihm sehr gut ließ, Trikot an Arm und Beinen, eine 
kurze braune Tunike, einer feuerfarbenen Draperie drüber, 
und Sandalen an den Füßen. Er schien wirklich der schönste 
Mann auf dem ganzen Balle zu sein, so vortheihaft war 
ihm die Kleidung. Als (!) ließ das Feuer sich gern von 
ihm bedienen. Auch der Sterndeuter ging nicht leer aus, 
und Alles war in schönster Ordnung bis es entdeckte, 
daß Oken der Morgenstern wäre. Dieser macht jetzt viel 
Aufsehen und wird recht berühmt, auch war es was Neues 
und also wurden die beiden bald verlassen und Alles an- 
gewendet um den neuen AnkömmUng zu bezaubern. Dieser 
ließ sich das in aller Ruhe gefallen und spottete hernach 
mit Goethen darüber, daß er dem Feuer so nahe gekommen 
wäre, er hatte sich ich weiß nicht durch welchen Zufall, 
wirklich ein Loch im Flügel gebrannt. 

Sie glauben nicht, wie alles dies uns seit Ihrer Abreise 
beschäftigt hat, besonders Falk und Goethe und da fast alles 
bei mir verabredet und versucht ward, so bin ich selbst die 
Zeit über fast zu keinem ruhigen Augenblick gekommen, 
denn fast immer war irgend jemand da, der zu fragen oder 
zu klagen hatte. Gewissermaßen w^ar es gut, daß es gleich 
nach Ihrer Abreise so kam^ ich fühlte die Einsamkeit 
weniger. Falk hatte unendlich zu thun, w^eil er Alles ein- 
richtete und für so viele Masken anzugeben auch zu be- 
sorgen hatte, auch gab es in der Welt nichts Geschäftigeres 
als ihn, Goethe gab ihm wenig nach und Falk war oft recht 
ärgerlich, daß dieser ihm immer auf den Fersen war und 
so sehr auf Zucht und Ehrbarkeit hielt, wenn Falk gern ein 
wenig [hier ist in der Abschrift ein Wort ausgelassen] 
gemacht hätte. Schade, daß Sie nicht mehr bei uns waren 
Sie hätten eine rechte Freude an dem Wesen gehabt. In 
der Nacht vom 30. zum 31. war ein entsetzlicher Sturm' 
und um 6 Uhr brach Feuer im Erbprinzen aus. Denken 
Sie meinen Schrecken, da ich mit dieser Nachricht geweckt 
ward. Glückhcherweise brannte nur der Schornstein. Der 
Herzog selbst war gleich da und es ward glückhch und 
schnell gelöscht. Wäre dies nicht geschehen, so wäre 



Auch in Goethes Tagebuch notirt. 



Zu DEN Weimarer Maskenzügen. 85 

Weimar vermutlich jetzt ein Aschhaufen, denn der Sturm 
war entsetzHch. Man erzählt von Falk, daß er nur gleich sein 
Schattenspiel und seine Maskeradensachen zusammengerafft 
habe und dann gesagt habe, nun gehe es wie Gott will. . . 
Den Dienstag Abend waren Falk, Riemer und Werner bei mir, 
wie ich Ihnen geschrieben habe um Nußverse zu machen, da 
trat plötzlich Goethe unter uns, wie Peter der Große unter 
die verschworenen Strelitzen, er sollte eigentlich nichts von 
den Nüssen wissen, denn wir w^ußten wohl, daß er viel 
dagegen einwenden würde, aber der treue Werner, der sich 
vor Freude wieder in Gunst zu stehen nicht zu lassen weiß, 
hatte es ihm verraten. Er redete uns so sanft und väterlich 
zu und berief sich dabei auf seine Erfahrung, daß wir, ob- 
gleich ungern, ihm folgen mußten. Jetzt sehe ich wohl, 
wie recht er hatte; wir sind von zu ernsthaften [Leuten] 
umgeben, man versteht weder Spaß zu machen, noch zu 
nehmen ; hätten wir uns auf der Redoute nicht untereinander 
Spaß gemacht, es wäre wenig geworden. Aber wir Heßens 
nicht fehlen, wir machten eigentlich die Redoute, die Andern 
waren bunt angezogen und sahen zu. Mit den Nüssen wars 
also aus; nur einige wenige wurden gerettet, z. B. die an 
die schönste in Weimar, die Sie in Falks eleganter Zeitung 
finden, von welcher 12 Exemplare an 12 verschiedene Damen 
verteilt wurde. Auch Mad. Wolff bekam die ihre und mit 
großem Recht. Goethe fuhr den Abend so gewaltig gegen 
Falken auf, der eine kleine Unschicklichkeit beging, daß ich 
sehr erschrak, doch der Sturm legte sich, ich und Adele 
versuchten unsere Anzüge, wir gefielen Goethen gar sehr, 
das stimmte uns wieder froh und so blieben wir bis Mitter- 
nacht zusammen in Lust und Freude und Goethe w^ar gar 
liebenswürdig und gesellig. Den Freitag fuhr ich dann 
um V29 nach dem Stadthause und fand in einem für uns 
von Goethen bestimmten Zimmer den größten Teil unserer 
Gesellschaft schon versammelt und Goethen mit Uniform 
und Ordensband mitten drunter voll Leben und Feuer. Er 
musterte jeden einzelnen, obs noch wo fehle. Hernach hat 
er uns exercirt, arangirt, commandirt nach Herzenslust, ich 
habe ihn nie so lebendig gesehen, wir alle wurden von 
seinem gewaltigen Leben ergriffen, die fremde Kleidung, 



86 Neue Mittheilungen. 



die Erwartung, alles stimmte uns hoher, ich wollte Sie wären 
da gewesen. Mit einem Male öffnete sich die Thür ein 
wohlgekleideter incroyahh mit hohen schwarzen Backenbart 
und Hahnenkamm, einen gewaltigen Sturmhut unterm Arm, 
übrigens hübscher Figur, schlank und gewandt, aber durch 
eine sehr gut gemachte Maske, die hübsch, frech, ver- 
rucht und artig zugleich war, ganz unkenntlich gemacht, 
trat herein. Es war Falk, hinter ihm wandelte ein recht 
hübsches Schreibbureau mit einer Büste oben darauf, die 
klägliche Mienen machte, unten stand die Inschrift »Mel- 
pomene«, auf der Rückseite des Bureaus mit goldenen 
großen Buchstaben »elegante Zeitung«, ein blau atlasner 
Vorhang bedeckte die Füße des Bureaus und des Mannes 
der es trug, und der oben den Kopf als Melpomene heraus- 
steckte. Im Saal machte Falk dann nun tausend Spaß. Er 
holte aus seinem Hut einen kleinen zusammengelegten 
dreibeinigen Stuhl hervor, ließ sich häusUch nieder, schloß 
sein Bureau auf, theilte seine Zeitung aus, schrieb tolle Ein- 
fälle, die er an die Umstehenden austheilte, kurz niemand 
spielte seine Rolle den ganzen Abend durch wie er. Auch 
wußte Goethe nicht, wie er ihn genug preisen sollte. Das 
Bureau war allerliebst gemacht, auch hatte er Tinte, Feder, 
Papier, Siegellack, kurz alles Nötige zum Schreiben drinne. 
Endlich war die Herzogin da. Goethe ließ uns bei sich vorbei- 
defiliren und war doch wieder eher unten als wir. Im Saal 
waren Leute gestellt, die lange Stangen horizontal hielten, 
so daß ein breiter Weg für uns gemacht war und wir von 
allem Gedränge frei waren und gut gesehen werden konnten. 
Da marschirten wir denn ganz gravitätisch durch in der 
vorgeschriebenen Ordnung. Die 3 Könige' in ihrer Pracht 

' Aus dem Bericht im Morgenbl. 1809, 28. Febr., Nr. 52 ergibt 
sich, daß die heihgen drei Könige: Frau und Frl. Schopenhauer, Mad. 
Falk waren, Ruprecht: Werner. Unter Falks Liedern lautete eines: 

Das Sterndrehers Liedchen. 
Was wünschen wir Goethen zum neuen Jahr? 
Er sey unser Stern, wie er's immer war. 
Der schöne, der leuchtende Morgenstern! 
Die dankbare Mitwelt sie sieht ihn so gern, 
Und die späteste Nachwelt, sie stimmt mit uns ein: 
Er soll der fröhlich leuchtende Morgenstern seyn. 



Zu DEN Weimarer Maskenzügen. 87 



und so klein und zierlich und hinterher der Riese Ruprecht, 
der auf seinen Coturnen gewaltig schwer auftrat, erregte 
allgemeinen Beifall. Hinterm Ruprecht kam die elegante 
Zeitung, um Alles gleich aufzunotiren. Goethe im schwarzen 
Tabaro und Maske war überall und sorgte, daß wir ordent- 
hch und in gehöriger Distanz gingen. So machten wir 
zweimal die Tour um den Saal und begrüßten die Herzogin, 
die vorn auf der Estrade stand. Wie wir fertig waren, 
steUte uns Goethe in zwei Reihen innerhalb der Stangen 
und nun zog ein Zug vom Theater durch, der sehr hübsch 
war, voran die Jagemann als Thekla mit allen ihren 
Juwelen geschmückt, — dies dünkte mir frech, sie mußte 
sich der Herzogin heute nicht präsentiren — , Strohmeyer 
als Max, die Jungfrau Mad. Wolff, Wolff als Lionel, den Be- 
schluß machten Becker und Mad. Becker als ein Paar Kari- 
katuren. Jedes sagte der Herzogin ein Paar Worte aus seiner 
Rolle, die man aber nicht verstand. Wie das aus war, wurde 
die Stange fortgenommen, alles ging durcheinander und es 
war eine Redoute wie andere. Es war entsetzlich voll, 
viele hübsche Charactermasken, aber kaum drei, die ihren 
Character soutenirten. Wir gingen gleich wieder in unsere 
Zimmer, um die ganzen beschwerlichen Masken gegen halbe 
zu vertauschen, die beschwerlichen Scepter, Körbe u. s. w. 
abzulegen. Wie ich wieder herunterkam, fand sichs, daß 
Einsiedel mich überall suchte, die Herzogin verlangte mich 
zu sprechen, um mir selbst zu danken, die beiden andern 
Könige mußten mir folgen und so führte mich Einsiedel 
denn hin. Die Herzogin kam mir gleich entgegen und 
war über die Maßen artig und gesprächig. Adele gefiel 
ihr, sie fragte, ob Arthur auch da wäre, ob ich Nachricht 
von Ihnen hätte u. s. w. Es war zum ersten Male, daß 
ich sie sprach, und ich finde wirklich, daß sie in der Nähe 
gewinnt. Wie sie sich aber zum Spiel setzte, kam die 
Wolzogen gar freundlich zu. mir, die Neugier lockte meine 
übrigen Bekannten unter den Damen am Hofe herbei und 
so bHeben wir auf der Estrade und hatten den Vortheil alles 
bequem zu sehen, ohne ins Gedränge zu kommen. Nach- 
dem wir lange dem tollen Wesen zugesehen hatten, ging 
ich mit Oken, Riemer hinauf, am uns ein wenig mit Speis 



88 Neue Mittheiluxgen. 



und Trank zu stärken. Da finden wir Frau v. Goethe mit 
ihrer Gesellschaft, einem Offizier Deng (?) in wilder Lustig- 
keit bei Tische. Der Champagner tobte in den Köpfen, 
die Pfropfen knallten, die Damen quiekten und Goethe 
stand still und ernsthaft in einer Ecke. Wie er uns sah, 
ließ er gleich einen Tisch und das Nötige besorgen, setzte 
sich zu uns, es kamen noch mehr aus unserm Zirkel, jener 
wilde Schwärm ging herunter zum Tanz und wir blieben 
ein Stündchen gar gesellig und fröhlich oben. Goethe war 
über die Maßen zufrieden. Wie wir hinunterkamen, hatten 
die mehrsten Masken sich schon verlaufen und wir blieben 
noch bis 3 Uhr auf der Estrade, sahen dem Tanz zu und 
hatten unseren Spaß untereinander und mit einigen der 
übrigen Masken. Es ist fast beispiellos, daß Goethe so 
lange aufblieb, aber er war gar zu froh über das Ganze. 

Was sagen Sie zu dieser unendhchen Relation, ich 
wundere mich selbst darüber, aber ich bin nun einmal ins 
Schwatzen gekommen und da ich Sie so gern dabei gehabt 
hätte und so oft den Abend im Herzen Ihrer gedachte, so ist 
ja natürlich, daß ich Ihnen alles ausführlich erzählen mußte, 
besonders, da Sie es verschiedene mal von mir verlangten. 
Nehmen Sie so vorheb und lesen Sie sich das beste heraus. 

Nun noch ein Paar Worte von der Antigone. Sie ward 
den Montag den 30. und den Mittwoch darauf gegeben. Ich 
war beide mal da und habe kein Schauspiel mit mehr Ver- 
gnügen gesehen. Es bewegte nicht mein ganzes Innere, wie 
an jenem Abend der Wallenstein, aber es war das reine An- 
schauen eines vollendeten Kunstwerks, wo man sich und alle 
seine Leiden und Freuden vergißt und nur in dem herrlichen 
Meisterwerk lebt und empfindet. Das Stück ward ganz in 
der alten griechischen Form gegeben mit dem Chor der die 
ganze Vorstellung durch da bfieb und der mir wenigstens 
nichts fremdes in Verbindung mit der Handlung hatte. Die 
Wolff als Antigone übertraf sich selbst, so alle Übrigen, 
auch Graf, der den alten blinden Tiresias spielte. Sie 
müssen sich das Stück vorlesen lassen, die hier gegebene 
Übersetzung ist noch Manuscript. Aber es giebt eine andere 
die vortreffhch sein soll. Wollf war der erste Führer des 
Chors; er hatte treff"liche Sachen zu sagen, aber er sprach 



Zu DEN Weimarer Maskenzügen. 89 

sie auch darnach. Das Ganze war etwas, so man nur in 
Weimar sehen kann.« 

Wie zum Maskenzug von 1809, so kann auch zu dem 
des Jahres 1810' ein Beitrag geUefert werden. 

Voigt nämlich gehörte mit zu denen, die sich an den 
poetischen Arbeiten jenes Tages betheihgten. Er machte gern 
seinen Vers. Proben seiner lateinischen metrischen Kunst sind 
jüngst (Zeitschr. f. vergl. Litgesch. N. F. XI) gedruckt ; deutsche 
Verse, als Ergänzung zu den von O. Jahn beigebrachten, sind 
in meinem Buche »Aus Alt-Weimar« (Berlin 1900) S. 268 ff., 
287 mitgetheilt ; auch in dem gleich folgenden Briefe werden 
deutsche Verse von ihm erwähnt. Er schrieb nämlich am 
19. Februar 1810 an Böttiger: 

»Nach mancherlei lustigen Tagen, deren Vorbereitung, 
Erfolg, Relation (Kostenliquidation) mich auch ein wenig 
zerstreut haben, komme ich daran, Ihnen etwas mitzutheilen. 
Der Niemand ist Falk. Niemand würde sonst so etwas 
wagen. Die kleinen Dichtungen sind von Goethe (die 
Russenlieder, die bei einem Aufzuge Russischer Völker- 
schaften gesungen wurden), Knebel, Einsiedel und einigen 
anderen Freunden. Es wurde Ernst und Scherz gefordert, 
sonst würden Sie den Buchstaben V. nicht finden. Heute 
sind die obotritischen Prinzen fort; übrigens ist die Beilage 
eine Seltenheit, da sie wenig gedruckt und die ganze kleine 
Auflage gleich im Saale zerstreut wurde, unter denen die 
zum Zugreifen kühne genug waren.« 

Zur Erklärung dieser wenigen Zeilen ist Manches zu sagen. 
Zwei große Feste fanden in den dem obenmitgetheilten Briefe 
vorangehenden Wochen in Weimar statt. Am 30. Januar 18 10, 



' Für das Folgende ist benutzt die schon oben S. 81, Anm. genannte 
Literatur. Ueber den Maskenzug 1810 2 Schriften, die ich aus der 
Großh. Bibl. in Weimar benutzen durfte. »Beschreibung der Maskenzüge 
am 50. Januar und 16. Februar 1810 in Weimar: i. die Romantische 
Poesie, 2. die Völker-Wanderung. Mit 2 colorirten Kupfern« [außer- 
dem 2 Notenbeilagen]. Weimar. Im Verlage des H. S. pr. Landes- 
Industrie-Comptoirs. 1810. 26 SS. 8°. (Das Ganze ist ein Abdruck 
zweier Artikel aus dem Journal des Luxus und der Moden, März und 
April 1810, der erste unterzeichnet: F. Majer.) — »Völkerwanderung- 
Poesieen gesammelt bey einem Maskenzug aufgeführt den sechzehnten 
Februar.« Weimar 1810. 20 Seiten liegend 4°. Bei Hirzel, Verzeichniß 
S. 68 werden außer unsern Stücken 2 Drucke der Goethischen Stanzen 
zur Erklärung des Maskenzugs vom 30. Januar genannt, die natürlich 
hier nicht gemeint sein können. Vgl. ferner Knebels Briefwechsel mit 
seiner Schwester Henriette. S. 409—416. 



90 Neue Mittheilukgek. 



am Geburtstage der Herzogin, ward der Alaskenzug »Die 
romantische Poesiea veranstaltet, zu dem Goethes kekannte 
Stanzen gedichtet wurden, lieber diese Dichtung und das 
ganze Fest schrieb Voigt 4. Februar 18 10 an denselben: »Un- 
erachtet meiner prosaischen Existenz sollen E.W. doch wieder 
etwas Poetisches hierbei finden. Die Um ist nicht erfroren und 
die Musen wandeln zuweilen noch an ihrem Ufer. Goethe hat 
einen Maskenzug gedichtet, der in der Natur selbst ein so 
zauberisches Ganze bildete, als die Dichtung aller der hetero- 
genen Masken demunerachtet eine consequente Zusammen- 
stellung gehalten hat. Weil die Prinzen von Mecklenburg, 
Coburg, Schleiz, eine Menge Herren und Damen von Gotha 
hier waren, so mußte etwas Fröhliches geboten werden. Ich 
hatte nichts auszusetzen als die Verschwendung in mehreren 
Masken , weil die aufgezogenen Herren und Damen eins 
immer prächtiger als das andere erscheinen wollte.« Dieser 
Zug ward, da er außerordentlichen Beifall gefunden hatte, 
kaum zwei Wochen später, am 16. Februar vor einer größeren 
Versammlung wiederholt. Diesmal aber wurde eine andere 
Feier, die der Großfürstin Maria Paulowna, mit jener ersten 
verbunden. Ihr galt ein neuer Zug und wurden neue Gedichte 
gewidmet, wobei denn auch der Vermählung der Prinzessin 
Caroline, der Gönnerin und Freundin Charlottes von Schiller 
gedacht wurde. Denn ihr Bräutigam mit den Seinen (die 
obotritischen = mecklenburgischen Prinzen) waren nebst einer 
stattlichen Zahl anderer Fürstlichkeiten bei dem Feste zugegen. 
Die Sammlung der dem Feste zu Ehren gedichteten Verse 
enthielt zunächst drei von Goethe gedichtete Lieder, die in 
seine Werke übergegangen sind (jetzt Weim. Ausg. Werke 16, 
228 ff., vgl. 466 ff.): Festlied, Brautlied, Gastlied; sodann noch 
II Gedichte, deren Autoren nur zum Theil bekannt sind. 
Aus Knebels Brief wissen wir, daß das »Idylla von ihm, 
»Text und Glosse« von Gries, die Charade mit der Auflösung 
»Augenlider« von Luise Herder ist. 7 Lieder aber bleiben 
übrig, deren Verfasser nicht bekannt sind. Loeper nannte Ein- 
siedel, Voigt, v. Müller, Riemer als Verfasser, fügt aber »u. A.« 
hinzu ; die beiden erstem werden durch unsern Brief bestätigt. 
Riemers Antheil ist durch eine Aeußerung Goethes an Knebel 
(Briefe W. A. 21, 181, Z. 9 fg.) bezeugt. Das von Düntzer S. 91 
erwähnte Sonett »verwandelte Gruppen« muß separat erschienen 
sein (s. u.) — in der Sammlung: »Völkerwanderung« steht es 
nicht. Goethe, der, wie er selbst sagt, die Gedichte redigirte 
(Briefe a.a.O. 1S2, 20), forderte auch Wieland direct zur Mit- 
arbeit auf (182 fg.). Hat aber Wieland einen Beitrag geliefert? 
Und wer sind die Anderen? Goethe sagt selbst (an 
Wieland a. a. O.) »die Gedichte werden nicht unterzeichnet. 
Das Rathen wer sie gemacht, ist unterhaltend«. 



Zu DEN Weimarer Maskenzügem. 91 



Aber es gibt außer den in der »Völkerwanderung« ge- 
sammelten noch andere zu jenem Tage bestimmte und im 
Festsaal vertheilten Gedichte. Ein Goethisches Gedicht (jetzt 
aufgenommen W. A. 16, 232), von Caroline von Egloffstein 
für italienische Tänzer und Tänzerinnen erbeten (gedruckt in 
der »Beschreibung der MaskenzUge« S. 2 5fg.), wurde in einem 
Einzeldruck auf einem Foliostreifen vertheilt; und in dem 
Quellenschriftchen wird ferner berichtet, daß ein gleichfalls 
dort mitgetheiltes »der spanischen Romanze nachgebildetes 
Lied« übergeben wurde, ebenso ein größeres Gedicht von 
dem damals anwesenden alten Dichter v. Thümmel. 

Doch auch sonst »regnete« es wirklich literarische Gaben. 
In jenem Bericht heißt es nämlich : »Aus der Luft kamen 
auf einmal eine Menge gedruckter Gedichte geflogen, die 
Niemand gemacht hatte und als man sich über die närrische 
Erscheinung die Köpfe zerbrach, löste der Niemand das 
Räthsel, in Gestalt eines grauen Männchens mit silberweißer 
Perrücke«. 

Daß der »Niemand« J. D. Falk ist, der auch schon bei 
dem Maskenzug von 1809 seine Spässe machte (vgl. oben 
S. 86) wußte man schon vor unserm Briefe. (Vgl. Düntzer 
S. 91.) Nach den Worten Voigts könnte man nun annehmen, 
daß unter diesen »Niemandliedern« ein solches mit V. be- 
zeichnetes gewesen sei ; aber die Zusammenstellung dieses 
seines Gedichtes mit dem Goethischen u. A. weist doch mehr 
darauf hin, daß Voigt seinen Antheil an den Gedichten der 
»Völkerwanderung« gehabt habe. Welches indessen von ihm 
ist, vermag ich nicht zu sagen. Da diese Sammlung selten 
genug ist und nur wenige Seiten in Anspruch nimmt, so 
würde sich ein Neudruck lohnen. 

Hier kann er nicht versucht werden. Doch sei es ge- 
stattet, die beiden letzten Seiten (19 und 20) abzudrucken. 
Sie enthalten etwas zum Kopfzerbrechen; vielleicht sind die 
Leser in der Lösung glücklicher als der Herausgeber. Sie 
lauten : 

Räthsel. 
Auf sieben Füßen komm" ich fort. 
Von sieben Dingen spricht mein Wort, 
Es ist das Wort, das heute gilt 
Und den Pallast mit Freude füllt. 
Man stelle sieben Fragen auf. 
So giebt das Wort die Antwort drauf. 

Wer kommt geladen zu dem Spiel ? 
Was ist gesunder Nahrung Ziel ? 
Was bringet trocken über Flut ? 
AVem ist das treue Weibchen gut ? 



92 Neue Mittheilungen. 



Womit frischt die Zitrone auf? 
Was hemmt im Wald des Rosses Lauf? 
Was lehrt die Thaten dunkler Zeit ? 
Auf alles geb' ich den Bescheid. 

(Das Wort steht auf der folgenden Seite.) 



Parasit. 



Hier ist der rechte Platz dem Hunger abzuwehren ! 
Mein alter Tischfreund mag den Kohl allein verzehren, 
Ein Kreis von Tafeln zeigt der leckern Speisen Tracht, 
Des Füllhorns Ueberfluß erscheint in voller Pracht. 
Hier steh' ich meinen Mann — wer doch zwei Magen hätte! 
Ich koste alles durch, ich trinke um die Wette. 
Der schöne Festtag soll für mich kein Fasttag seyn, 
Und wenn ich flinker war', so tanzt' ich obendrein ! 

Die beiden Gedichte füllen je eine Seite; schlägt man 
S. 19 um, so liest man auf S. 20 das Wort: Parasit. Sieben- 
buchstabig ist es zwar ; daß es aber des Räthsels Lösung 
sein soll, ist ganz unmöglich, denn es gibt auf keine der 
gestellten Fragen Antwort. Aber »was ist das Wort, das 
heute gilt und den Pallast mit Freude füllt?« An y)Ntemand(.<i, 
das schon einmal gebrauchte mysteriöse Wort (s. oben S. 86) 
hat man gewiß auch nicht zu denken, trotz seiner 7 Buch- 
staben ; das einzige derartige Wort der nächsten Seite außer 
»Parasit«, nämlich »Festtag«, kann gleichfalls nicht in Be- 
tracht kommen. Denkt man an die Namen, so sind die 
der Gefeierten: „Louise, Maria Paulowna, Caroline« nicht 
blos deshalb ausgeschlossen, weil sie weniger oder mehr als 
7 Buchstaben haben , sondern weil sie von allem anderen 
abgesehen, doch nicht auf die Frage : »Wem ist das teure 
Weibchen gut?« Bescheid geben können. — Was ist also 
des Räthsels Lösung ? Und was hat das Gedicht : Parasit, 
das aus dem Rahmen der ganzen Sammlung völlig heraus- 
zufallen scheint, mit den übrigen zu thun ? 



Therese Huber über Goethe. 93 

5. THERESE HUBER ÜBER GOETHE. 

Ergänzungen zu Bd. 18, 120 fF. 

Mitgetlieilt von 

Ludwig Geiger. 
An Reinhold, Johannistag 1808. 

— Welche Ansicht Sie haben mögen, so muß 

Ihnen der götthche Reichthum dieses Geistes theuer sein. 
Die neuen Theile des Faustes haben mir ein unbegränztes 
Vergnügen gemacht. Die Ruhe in dem Prolog, die Klar- 
heit, der Muthwille, der Uebermuth — und die Erschöpfung 
des Schrecklichen in den letzten Scenen — diese letzten 
Zeilen halte ich allein für neuerdings gedichtet, — das 
Warum Hegt in meinem Gefühl. Ich las ihn am 3 Jun. 
ein paar lieben Menschen und Emilen vor, Nachts auf 
einem Berg an der Donau in einem einsamen Garten- 
häuschen, bei einem Ungeheuern Gewitter, das in einer 
großen Weite keinen höhern Gegenstand hatte wie unser 
kleines Dach. Um halb 2 Uhr gingen wir nach Hause, 
und obschon ichs zum zweiten mal las, w^ar mir der Kopf 
doch so voll, daß ich nicht wußte ob ich nicht auch vom 
Bloxberg kam. 

An ihre Tochter Therese Forster. 

den 12. II. 1812. 

Ce second Vol. de la vie de Goethe me 

fait un plaisir extreme, parce que l'homme s'y exprime 
plus ouvertement que je ne m'y etois attendu, et tout ä 
fait comme je me l'etois figure. Superieur en tout, accom- 
pagne de tous les faibles qui restent attaches ä la condition 
humaine — mais son ame est tellement developpe qu'il ne 
craint pas de se degrader par des erreurs, il sent en lui la 
force de se relever avec assurance. II a mis une devise ä 
la tete du Vol. dont l'expHcation qu'il en donne est d'une 
moralite sublime. Was wir in der Jugend wünschen, wird 
uns im Alter zur Genüge (es ist nicht wörtlich, aber der 
Sinn ists.) Tous tes Geschwister commentoient ces mots 
et ne les trouvoient pas justifi^s par l'exp^rience, Goethe 
les explique en disant: que ce n'6toit le desir personnel, 
qui etoit toujours satisfait, mais le bien en abstraction qu'on 
avoit desire qu'on obtenoit bien souvent, II dit, que dans 



94 Neue Mittheilungex. 



sa jeunesse il avoit sacrifie un temps considerable ä etudier 
et pröner et recommander l'architecture gothique, et que 
maintenant qu'il etoit vieux il voyoit avec la plus grande 
satisfaction que cette architecture occupoit les meilleures 
tetes artistes de notre temps qu'ainsi les efforts de notre 
jeunesse se trouvoient souvent recompenses sans que nous 
y eussions contribue dans le moment de leur accomplisse- 
ment, qu'il ne s'agissoit que de sacrifier le personnel et de 
placer notre interet dans l'avantage general, dans la chose 
meme, non dans la part que nous y prenons. Je vois 
d'avance que les jeunes lecteurs n'y verront que les folies, 
les ecarts d'un grand homme ä imiter, que les satten Weisen 
regretteront que Göthe nicht gründlicher analysirt, que les 
Pharisäens feront la croix et le plus petit nombre admirera 
la richesse de cette ame, la Force de la raison qui ne peut 
se former sans orienter le coeur et consolider la volonte 
du vrai et de l'honncte. Un de ceux qui ont ecrit sur Foxe 
disoit: qu'il etoit devenu meilleur de plus en plus — et 
qu'avec son esprit il auroit fini par devenir tout moral. 
Tel auroit fait Göthe — ou il le fera, car je ne le connois 
plus ä present. 

An ihre Tochter Therese Forster. 1815. 

Lies im Morgenblatt' aus diesem Monat was Göthe 
über Shakespear sagt — Das ist wie Sonnenschein — Da 
darf er wieder 3 solche Epimenides-Monstrümmel com- 
poniren — die schöne Partien haben. 

An ihre Tochter Therese 1822. 

Je te recommande le V'^"'^ Vol. de Goethe. Je ne 
saurois nier qu'il emouvera aussi un peu les loyaux Prussiens 
— non que G. parloit autrement qu'ä leur louange, non, 
il est monarchiste de coeur et d'ame, mais ce Vol. contient 
la campagne de la Champagne, et c'est un sujet scabreux. 
Quant ä ce livre tes gens principaux * le Hront eux memes 
avec interet — cet illustre vieillard nous communique dans 
un des chapitres la maniere dont il regarde son propre 



' Nr. 113, 12. Mai, Shakespeare und kein Ende. 
^ Die Tochter war damals Erzieherin bei der Fürstin v. Sonders- 
hausen. 



Therese Huber über Goethe. 95 

developpement — en arrivant chez Jacobi ä Pempelfort, 
apres lo annees d'absence, il rend compte des changements 
qui s'etoient fait en lui. C'est une des plus belles choses que 
j'aie Jamals lu, cela est d'une clarete, d'une humanite si noble, 
d'un repos d'ame, qui m'enchante, qui vaut des sermons. 

An ihre Tochter 26. Sept. 1823. 

Hast Du denn schon die erste Lieferung von Schiller 
mit 6 Bänden? Du bekommst deren noch 2, sie sind alle 
bezahlt. Hast Du nun Geld, so kauf dir einen Goethe — 
dann hast du mehr wie ich, denn ich habe den Goethe 
nicht ganz. Das ist ein honnettes mouvement daß man 
Goethes Geburtstag so allgemein gefeyert hat. Man hat 
damit die Indignation beweisen wollen, welche seine Gegner 
durch ihren unwürdigen Tadel einflößten. Fy ! wie sind 
wir schlechtes Pack! wir wissen bloß in Dreck zu ziehen, 
an den Großen uns zu erheben wissen wir nicht. Selbst 
Las Gases vermag nicht diese Sucht zu zähmen — es ist 
gar zu süß nur seines Gleichen um sich zu haben. 

Therese Huber, undatirt 

(an Hufnagel, wie es scheint. Der Name steht mit Rothstift auf der 
anderen Seite). 

Die Redaction hat dero Blätter über die Feier von 
Goethes Geburtsfest mit lebhaftem Antheil gelesen und 
wird sie unverzüglich benutzen. Nur bittet sie Ew. Wohl- 
gebor, ein paar Abkürzungen gut zu heißen, deren Gründe 
Ihr Zartgefühl unzweifelhaft annehmen wird, wenn Sie 
gefälligst sich auf einen allgemeinen Standpunkt stellen 
mögen. Von diesem aus schien es uns dem verehrten 
Dichter nicht sehr angenehm sein zu können, wenn man 
bei Gelegenheit seines Festes seiner Vaterstadt und seinen 
Zeitgenossen eine Menge so unangenehmer Dinge sagt. 
Die Theilnahme an dem schönen Feste, der Genuß an 
dem schönen Gedicht ward von der Darlegung so sehr 
menschlicher Blößen schmerzhaft gestört. Unser Wunsch 
aber ging dahin, Ihnen- den Dank unsrer Leser für das 
Geschenk dieses Aufsatzes ungetrübt zollen zu lassen. 
Für Ihre in jedem andern Betracht richtigen Bemerkungen 
finden Ew. Wohlgeboren gewiß bei einem anderen Anlaß 
eine genügende Stelle. 



96 Neue Mittheilungen. 



An Usteri, 11, Sept. 1826. 

Herder und Luise gingen nach 4 Tagen nach dem nur 
5 Stunden entlegenen Weimar — ich bheb noch bei meinen 
Geschwistern. An Herders Sippschaft lag mir nichts und 
eine Wallfahrt nach Goethe," gestehe ich, ist nicht meine 
Sache. Ich war mit Goethe in 3 Epochen beisammen, er 
ist in meinen Augen der Napoleon der Lit. Welt, aber von 
dem Sojähr. Goethe erwarte ich keine Uebermenschlich- 
keit, um vor ihm Weihrauch zu streuen, ging ich nicht 
hin. Wie er jung und lebendig war — dankend und ge- 
rührt die Trümmer betrachten, das könnte ich; damit aber 
wäre ihm nicht gedient. So Heß ichs bleiben. Luise, die 
in Weimar war, besuchte ihn, fand ihn ministeriell höf- 
lich, einen schönen Greis in höfischer Umgebung, aber 
ohne einen Funken Gemüth noch Erinnerung der Ver- 
gangenheit, wo Herder sein Mitbuhler an Celebrität, und 
ich — ein hübsches Weib w^ar. Betrifft es Trümmer, so 
sehe ich die der Vorzeit lieber als der Mitzeit. 

An Caroline Pichler, 29. Jan. 1827. 

. . . Luise war bei Goethe in Jena und ist mit Wemuth 
erfüllt über den Mann. Sein Körper hat der Zeit wider- 
standen — es soll ein prächtiger Greis sein ! Sein Geist 
ist nicht getrübter wie die Natur es unerbittlich bedingt 
in hohen Jahren, aber Egoismus und Hochmuth haben ihn 
mit kaltem Hauche gelähmt, so daß er sich von seinen 
Schmeichlern und Speichelleckern täuschen läßt und sich 
selbst das Trugbild eines geistvollen Alten spielt. Höflich 
und abgemessen repräsentirend und von seiner Wichtigkeit 
überzeugt, wird um ihn die Bewunderung in jeder Form: 
als knechtische Aufwartung, zärtliche Empfindsamkeit, 
ästhetische Rauchwolke — Luise saß eine Viertelstunde 
mit schwerem Herzen bei dieser Komödie und ging 
weinend davon. Dem starb das Herz zuerst ab, und spukt 
noch der verwitterte Geist. — 






Aus DEM Varnhagen-Chamissoschen Kreise. 97 

6. AUS DEM VARNHAGEN-CHAMISSOSCHExV KREISE.' 

Mitgetheilt von Ludwig Geiger. 

Fouque an Rahel, 30. November 1809. 

Nur noch einige Worte über Goethes Wahlverwand- 
schaften. So etwas herrliches finde ich hat der Alte Meister 
noch nicht erschaffen, diese tiefe künstlerische Besonnenheit 
bei diesem jugendinnigen Gefühl und stillem heiligen 
Glauben ! Ich habe mich noch nie so zu ihm hingezogen 
gefühlt. Daß nun der Mann Excellenz sein muß, ich ein 
Schriftsteller und vor allem daß viele der besten Worte 
durch unwürdigen Gebrauch, nichtsnutzig geworden sind 
oder gar verdächtig — das thut mir jetzt recht von Herzen 
leid. Ich glaube ich schriebe ihm sonst. Ist es aber nicht 
eben so viel, wenn ich mich vor ihm neige und im stillen 
Gemüte sage: Lieber alter Vater Du bist doch viel mal 
mehr als wir anderen Alle zusammengenommen, die wir 
heutzutage der Dichtkunst pflegen. 

Varnhagen an Fouque. Teplitz 18 Aug. 1814. 

Ich habe Dir höchst erfreuliche Sachen über Goethe'n 
mitzutheilen: du weißt wol noch nicht, daß er mit größter 
Bewunderung den Sigurd gelesen und sich in den ehrendsten 
Ausdrücken über den Verfasser ausgesprochen hat? er hatte 
sich bis dahin wenig um die Dichtungen bekümmert, in 
denen er einen bloßen Nacheiferer der Schlegel erwartet 
hatte und war wohl sehr erstaunt, etwas so ganz anderes 
zu finden! Laß uns der Himmel noch lange diesen göttlichen 
Geist zum erhabenen Vorbilde hier! Aber ich zittere für 
den 65jährigen Dichter jetzt täglich mehr, da der 51jährige 
Fichte starb mit welchem, wie Rahel sagte, Deutschland 
sein eines Auge geschlossen hat! Ich lebe hier sehr nah 
mit Jemanden, der den lebhaftesten und innigsten Brief- 
wechsel mit Goethe führt und mir sehr viel von ihm erzählt. 

Ich schicke dir beiliegend eine Rezension des dritten 
Theils von Goethes Leben für die Musen, weil es nun 
schon gewissermaßen meine Pflicht ist das Werk rezen- 
sirend zu begleiten. Meinen früheren Aufsatz »Antheil und 



' Die Originale der im Folgenden abgedruckten Stücke befinden 
sich in der Varnhagenschen Sammlung der Berliner königl. Bibliothek. 

Goethe-Jahreuch XXIV. 7 



98 Neue Mittheilungen. 



Meinung« wirst du durch Hitzig bekommen haben. Ich 
denke, sobald alles abgedruckt ist, das Ganze Goethen zu- 
zuschicken mit einem Schreiben, worin ich ihm noch Vieles 
zu sagen hätte. 
Yarnhagen an Neu mann 6. Juli 18 17. 

Goethes zweites Heft am Rhein und Main enthält einen 
Aufsatz über neuchristliche patriotisch-altdeutsche Kunst, 
der unseren Friedrich Schlegel wird blasen machen; einen 
anderen, das Rochusfest zu Bingen, worin alles Goethe ist, 
ein Gebilde, das ich mit Schleiermachers Weihnachtsfeier 
zusammenstellend an lebendigem Gehalt und Kunstmeister- 
schaft viel höher setzen muß. 

Varnhagen an Neumann Juni 1821. 

[Schickt die Wanderjahre und bittet dringend um einen Beitrag 
zu unserer »Gallerie von Stimmen«.] 

Nun aber wieder zu bitten. Du möchtest doch nur ja 
ganz unbefangen aus Dir selbst schreiben, und Dich ganz 
allein Rahein gegenüber denken, als wolltest Du nur eben 
ihr sagen, was Dir zu Sinn ist, dann schmeichelt sich Rahel 
würde Dir nichts peinliches schwieriges dabei sein können. 

Chamisso an Rahel Juni 182 1. 

[Ohne Datum und Unterschrift. Varnhagen hat dabei bemerkt: 
»gedruclct«. Der Brief Chamissos wird hier abgedruckt, obgleich er — 
was freihch bisher noch keiner bemerkt hat — in den »Briefen über 
Willielm Meisters Wanderjahre« »Gesellschafter« 1821, Nr. 157, S. 638 fg. 
gedruckt ist. Allerdings ist die Aufschrift derart, daß man ihn nicht 
als Chamissos Eigenthum erkennen konnte: »Albert an Friederike« 
d. h. Adelbert an Rahel. Ferner hat Varnhagen Manches ausgelassen 
und zwar gerade das, was sich auf Chamissos Erlebnisse bezieht, ferner 
den ganzen Brief stilistisch zurecht gemacht.] 

Da die Wanderjahre sich für ein Buch und zwar für 
einen Roman ausgeben, halte ich mich wie der klügste 
Phihster berechtigt, sie wenigstens darauf anzusehen. Man 
hat gesagt, daß sein Wilhelm in seinen Wanderjahren nach- 
irägig zugezogen, was ihm mit Karl Unangenehmes wider- 
fahren.' Wie kommt der, der nichts ist, seit er etwas, 

' Bezieht sich auf die Abenteuer des falschen Wilh. Meister in 
dem Roman »Karls Versuche und Hindernisse« (1808). Darauf gehn 
auch einzelne Bemerkungen S. 99 und loi. Das dort über den zweiten 
Theil jenes Romans Gesagte kann an dieser Stelle nicht erörtert werden. 



Aus DEM VaRNHAGEN-ChAMISSOSCHHX KKtlSE. 99 

nchmlich ein Schauspieler werden zu wollen, aufgegeben, 
dazu, dieser Schau- und Schandbühne seiner Nichtigkeit 
seinen Namen zu geben? Er leihte allem Geist- und Kunst- 
vollen blos das Ohr und muß ab und zu Boten laufen. 
Das ist alles. Ich verehre, soweit bin ich durch die Aestethik 
hindurchgekommen, erst da den Künstler, wo er Leben, 
selbständiges Leben erzeugt, das mich als solches ergreifen 
muß, kann sein Werk schön oder häßlich sein u. s. w. 
Aber wo sind hier lebendige wirkende oder duldende 
Menschen, wo Leben als in den ablösbaren Teilen ? jedes 
Wort, jede Zeile ist von Goethe. Gut, aber warum sollte, 
wer Hermann und Dorothea, wer Werther erschaffen hat, 
solche Worte und Zeilen nach Art der Serapions Brüder 
und des Phantasus (der Dekameron gehört nicht hierher) 
aneinander reihen? Also nachdem der schlechte Faden aus 
der köstlichen Perlenschnur herausgezogen zu dem was 
mir in den Schooß fällt, und schnell zu den drei Ehrfurchten 
und den drei wahren Religionen und der alleinigen wahren, 
die aus jenen gesammten hervorgeht, denn da wollen Sie 
mich doch haben. Ich kann wiederum nicht umhin es 
ganz phihstermäßig zuvörderst von außen her anzugreifen. 
Ich gestehe Ihnen, daß mir die Form sehr zuwider ist. 
Ich lasse gerne die Mark-Pfennige der Fabel in der Algebra 
der Poesie wie A und B, x und y gelten, weigere mich 
aber sie ins Hauscontobuch mir für schlechte Groschen 
einzuschreiben. Mir sind alle diese Freimaurereien, die 
Mächte des Thurmes, das Band, vor allem aber dieses Er- 
ziehungsutopien, das die Wurzel zu jenen blühenden Zweigen 
sein soll, im Grunde des Herzens verdriesslich. Ich gehe 
in letzteres ein. Ich glaube nicht, daß sich fabrikmäßig 
Anlagen zu Menschen zu eigentümlichen selbständigen 
solchen kneten lassen, es müßten denn die Erzieher Götter 
sein, und dann trete die Provinz aus ihren Gränzen und 
wir hätten, was war eben haben, die Welt wne sie ist. Ich 
gehe weiter und leugne das Prinzip. Ich glaube der Mensch 
hat und bringt mit sich, die Ehrfurcht, glaube er könne 
sie sich wohl abstreifen, keineswegs hingegen anbilden 
lassen. Und verzeihen Sie dem, den Sie zur Polemik ge- 
reizt, welche albernen Mittel diese Mysterien Gerade der 

7* 



100 Neue Mittheiluxgex. 



Weihe und Zeichen ? Lassen Sie übrigens Glaubenssache 
bei mir sein, (es würde uns zu weit führen) was sich 
gewissermassen auf Erfahrung gründet. Zurückgehen in 
meine eigene Kindheit, Anschauungen kindhafterer Menschen- 
stämme, mit denen ich vertraut gelebt u. s. w. Aber ich 
hätte wohl gern unsern wundervollen Altmeister die drei 
wahren ReUgionen in der Form eines platonischen Gesprächs 
gemächlich und verweilend abhandeln hören. Welche Herr- 
lichkeit! Es dünkte mich, hier müßte das geistige Herz 
zu suchen sein, dessen fortgepflanzter Pulsschlag die zufällig 
scheinenden Glieder zu Gliedern eines organischen Ganzen 
vereinigen könne. Aber ich habe auch nicht den Pulsschlag 
in den Extremitäten fühlen können und ich muß immer 
noch erst die neue Melusine (mein Lieblingsstück), Wo 
steckt der Verräter, Die pilgernde Thörin, Den Mann von 
50 Jahren, Das nußbraune Mädchen, Die Flucht nach 
Egypten, die Aussprüche über dramatische Kunst, Das Fern- 
rohr? die starren Felsen (die unterhaltender als die Menschen 
sind, weil sie nicht zu begreifen) alle die Kunstwerke, Bilder, 
Bruchstücke, Betrachtungen, Lehrsätze als fliegende Blätter 
vereinzeln, um in ihnen unserem Proteus sondergleichen 
mit gewohnter Ehrfurcht zu begegnen und ich erwarte in 
keinem zweiten Bande einen Schlußstein zu einem Gewölbe, 
das ich im ersten nicht angelegt finde. Und hier, verehrte 
Freundin, lassen Sie mich abbrechen, Sie haben bereits was 
Sie gewollt, obgleich nicht was Sie erwartet. Um ein 
Urtheil über Goethe ist es Ihnen nicht zu thun, sondern 
um eins über mich, darüber sind wir einverstanden. Und 
in diesem Bruchstück einer ganz gewöhnhchen Recension 
habe ich Ihnen gutmüthig genug die Akta zum Spruch 
vorgelegt. Sie werden aus diesem Briefe lernen, fürder 
keine Weintrauben auf einem Epheu zu suchen. 

Varnhagen an Chamisso. 21. Juni 1821. 

[Dieser Brief Varnhagens ist theilweise gedruckt »Gesellschafter« 
1821 Nr. 138 S. 642, vgl. aber unten S. loi, A. In den Chamisso- 
Briefen ist das Original dazu nicht erhalten. Daß auch Rahel, an die 
vorstehende Nummer gerichtet war, antwortete, geht aus den ersten 
Worten des folgenden Schreibens hervor. Ich gebe hier nur den 
wichtigeren Brief Varnhagens wieder. Die paar Briefe von Rahel an 



Aus DEM Varnhagen'-Chamissoschen Kreise. 10 r 

Cluimisso, die aufbewahrt sind, aus den Jahren 1808 — 25 stammend, 
enthahen Fragen, Bestellungen, kurze Bemerkungen über zurückgegebene 

Bücher.] 

Zu dem nachfolgenden Briefe, dem ich im allgemeinen 
ganz beistimme, will ich noch Folgendes besonders hinzu- 
fügen: Du hast, mein lieber Freund, den Wilhelm Meister 
der »Wanderjahre« auf den der »Versuche und Hindernisse« 
bezogen. Das thut mir sehr leid. Denn ich sehe wohl, 
Du hast von letzterem Werke nicht den zweiten Theil ge- 
lesen, sonst würdest Du wissen, woher der unter dem Namen 
Wilhelm Meister auftretende Mensch stammt, und seine 
sauberen Reisegefährten, der Markese nichts sind, als ein 
paar »dreiste Betrüger«, die mit falschem Namen falsche 
Pässe führen, aber entlarvt und bestraft worden sind; die 
in den Pässen gebräuchliche Beschreibung der Person läßt 
gar keinen Zweifel. Die auf den echten Meister lautenden 
finden sich an dem unechten nicht vor und was dieser thut 
und erleidet, kann jenen nicht schmähen. 

Die Striezelmeier, Focks, Jean Paul, Warner u. s. w. 
sind von demselben Schlage wie jener Wilhelm. Es wird 
ihnen nicht besser ergehen. Aber ihre Vorbilder, denen 
sie nachahmen, bleiben in Ehre und Ansehen. Du selbst 
aber, möchtest Du nach dem Adelbert, den die Dichtung 
aus einem ewigen Studenten in einen zeitlichen Philister 
umgewandelt, gemessen sein? Du würdest den Brief, den 
die Verfasser der »Versuche und Hindernisse« für ihren 
zweiten Theil, jenen Philister am 20. Juni schreiben ließen, 
für nichts anderes gelten lassen, als etwa ein solches 
Stück, wie in Gestalt von Selbstbiographie, Steckbrief, Con- 
fession u. s. w. im ersten Theil schon vorkommen. Daß 
einer sich auf sein Philisterrecht beruft, mag ihm unverwehrt 
sein, sobald er wirklich ein Philister ist. Aber nicht jeder 
darf sich diesen Namen anmaßen. Man glaubt ihm nicht 
auf das Wort, wenn er betheuert, er sei keiner; ebensowenig 
wenn er sich für einen ausgiebt. Die Zeugnisse, die Du 
beibringst, achte ich nicht für zureichend. Das ' PhiHster- 



' Varnhagens Brief ist bis zu dieser Stelle ungedruckt, alles Vor- 
stehende bezieht sich auf den oben S. 98 A. genannten Roman. — Das 
Folgende ist zwar gedruckt a. a. O. S. 642 fg., aber gleichfalls stark geändert. 



102 Neue Mittheilungen. 



recht ist ein Vorrecht wie das Armenrecht, das ein Ver- 
mögender nicht ansprechen darf. Einem Phihster wird man 
vergebens empfehlen nochmals zu überdenken und allen- 
falls nachzulesen was ein Roman sei; denn er hat sich 
darum noch niemals recht bekümmert. Dem Philister wäre 
nie einzuwenden, daß sein kritischer Blick nicht nur das 
neueste Werk Goethes, sondern auch alle früheren, den Don 
Quixote und Persiles dazu, den Ofterdingen und Sternbald 
und wie sie alle heissen, verdammen müßte, denn allerdings 
hat er alle diese schon verdammt und auch in den Gesprächen 
Piatons von jeher ganz genau wie hier nichts gutes finden 
wollen, als etwa die »ablösbaren Theile«, die einzelnen Reden 
nämlich und Mythen, das übrige aber, das eigentliche Ge- 
spräch für müßige und sogar unbeholfene Ausfüllung erklärt^ 
bis neuere Geister ihn mit höheren Beweisen von Einheit 
und Zusammenhang aufgeschreckt. Der Phihster würde nie 
zu überzeugen sein, daß Wilhelm, den er so gern als sein 
vermeintes Ebenbild, dessen er sich schämen zu müssen 
glaubt, verleugnet, keineswegs Aehnhchkeit mit ihm habe. 
Denn die edle Schönheit, -gleichmäßige Ausbildung, die 
hohe Reinheit betrachtenden Sinnes, die unseren Helden 
mehr verherrhchen als Thaten und Kunstwerke, die ihm 
beigelegt würden, es vermöchten, kann von dem Alltags- 
sinne nicht begriffen werden, dem alles Große und Schöne 
in der Nähe erhscht. Der Philister würde über Gewalt 
und Tollheit schreien, wenn man ihm zumuthete, die 
Ansicht der altbetretenen Gänge seiner angebauten Nach- 
bargegend mit dem Anblick der erhabenen naturwilden 
Waldgebirge, oder die gewohnte Enge seines Viertels mit 
der Labyrintespracht eines Riesenschlosses zu vertauschen. 
Dies alles aber giebt mir Dein Brief die Zuversicht getrost 
an Dich zu richten und Dir zuzumuthen. Im Leben wünscht 
sich jeder die Dinge nach seinem Sinne, bildet sich Vor- 
stellungen von schöner Ordnung, trefflicher Auswahl, Fülle, 
Einfachheit, glücklichem Zusammenhange in seinen Thätig- 
keiten und Ereignissen; aber er muß die Reihenfolge der 
Tage nehmen, wie sie kommen in vielfachem Wechsel und 
seltsamem Gemisch, und gerade wenn sie uns das Schönste 
und Wichtigste endUch zuführen, richten sie sich im 



Aus DEM Varnhagen-Chamissoschen Kreise. 103 

wenigsten nach unseren Vorstellungen und Wünschen. Die 
Dichter scheinen es von jeher auch so gehalten zu haben. 
Wir müssen nehmen, was sie geben und wie sie es geben, 
und nur froh sein, das beste wenn auch nicht allein, doch 
mitbekommen zu haben. 

Die Lebensgestalten in denWanderjahren sind in gleichem 
Falle wie das ganze Werk und wie auch, wenn wir uns 
nicht durch vieljährig vertrauten Umgang täuschen lassen, 
die Lehrjahre selbst. Wir müssen sehen, was sich mit 
diesen Personen anfangen, wie sich mit ihnen fertig werden 
läßt. Mir sind die hier vortretenden nicht ohne selbständiges 
und beziehungsvolles Leben; um nur einige und keine der 
Vornehmeren zu nennen, so würde ich Fitz und den Barbier 
mit jedem poetischen Preise für nicht zu hoch bezahlt 
glauben. Die Gesellschaft im Ganzen ist mir mierkwürdig 
und anziehend und ich darf in ihr auf keine Weise irgend 
ein Glied, am allerwenigsten aber Wilhelmen selbst für 
nichtig oder unbedeutend halten. Ich erwarte, daß diesem 
großen Vereine von Menschen noch viel begegnet, daß 
die wunderbarsten Entwickelungen sich aus ihren Neigungen 
und Verhältnissen ergeben, die überraschendsten Einheiten 
aus den scheinbar auseinanderlaufenden Beziehungen hervor- 
gehen: aber ich erwarte nicht, daß dies alles in den Wander- 
jahren, selbst in den Meisterjahren ausdrücklich vorkommen 
wird, sondern die Fortsetzung und Vollendung eines solchen 
Werkes kann nur im Leben selbst geschehen und durch 
das Leben, welches auch den größten Dichter ergänzen 
muß! Für diesen ist es genug, daß er alles auf die Bahn 
gebracht, die tausend Anregungen und Gebilde, die über 
das Gebiet jeder Dichtung hinauswogen und im Leben 
selbst ihre Verbindungen und Auflösungen suchen. Das 
Werk ist in die Nation gelegt und wir alle haben an ihm 
durch Gedanken, Empfindungen, Weiterbildung und Ver- 
ständniß zu arbeiten und zu genießen. 

Herzl. Gruß 
Berlin, den 21. Juni 1821. 



104 Neue Mittheilukgek. 



Varnhagen an Neu mann. 27. Dezember 1832. 

[Auf dem Original findet sich ein kleiner rother Kreis, wie bei 
den Briefen, die gedruckt oder mindestens abgeschrieben worden sind; 
doch kann ich nicht angeben, ob und wo eine Verwerthung unseres 
Schriftstückes stattgefunden hat.] 

Sieh da die Antwort Bettinens' auf meinen katholischen 
Brief* über Goethe! Sie schreibt darin, das schönste was 
gesagt werden kann, weil sie mit tiefem Ernst und leben- 
diger Aufrichtigkeit aus dem wahren Innern schöpft. Für 
ein in sich geschlossenes liebevolles Gemüth ist auch die 
Einsiedlerschaft, in welche sie sich zu finden weiß, Sicher- 
stellung und Befriedigung genug. Allein, die Sache hat 
auch eine andere Seite, die der Wissenschaft und des öffent- 
lichen Urtheils, und da muß der Kampfplatz behauptet und 
der Feind, wenn er zu dreist und zahlreich wird, mit tüch- 
tigen Schlägen getroffen werden. Mein Brief war dazu 
eingerichtet, daß die eitlen Frömmler und fürwitzigen 
Schwächlinge, welche über Goethes Seligkeit und wiefern 
er ein Christ heißen dürfe, salbungsvolle Streitigkeiten 
führen, sich auf die Lippen beißen sollten. Wie kann aber 
Frau von Arnim zweifeln, ob ich in Ironie oder Ernst ge- 
schrieben, wenn ich einen Harnisch, den ich zu tragen 
weder pflege noch jetzt gesonnen bin, mir umschnalle und 
damit in Gesellschaft trete, so ist diese Ritterspielerei freilich 
nicht ernst. Schießt aber jemand tückisch eine Kugel mir 
auf den Leib und sie prallt an dem Harnisch ab, der für 
diesen Fall fest genug war, so hat sich Ernst genug dazu 
gesellt und mir sehr angenehmer. Ebenso ist es mit meinem 
katholischen Auftreten. Für diese kleinen sinnigen Angriffe 
reicht solche Waffe zur Abwehr hin und ich behalte die 
schärfere, deren sie nicht werth sind unbeschmutzt in der 
Scheide. Wollen die Leutchen auf ihren Kirchenstühlen 
sitzend Goethen richten und verdammen, so ist es am 
besten, ihnen zu zeigen, daß ein anderes Gericht auf noch 
festerem Autoritätsboden sie sammt und sonders wie ihr 
ganzes Lehren und Richten mitverdammt. Und sie müssen 

' 26. Dez. 1832 in »Briefe v. Stägemann u. A. Aus Varnhagens 
Nachlass. Leipzig 1865« S. 311 -314. 
* 21. Dez. 1832 das. S. 308—311. 



Aus DEM Varnhagen-Chamissoschen Kreise. 105 

mir das Recht zu solchem Glauben und Behaupten in ihrer 
eigenen Meinung zugestehen. Allerdings hat Frau von 
Arnim darin recht, daß sie die Spitze als auf sie gerichtete 
nicht verstehen und annehmen will. Aber die Spitze soll 
auch garnicht auf sie gerichtet sein, sie soll das Heft davon 
fassen und die Spitze gegen andere wenden, die es verdienen, 
daß man sie ritze oder ängstige. Das Blatt erbitte ich 
zurück. Leider bin ich zu angegriffen durch meine Krank- 
heit, als daß ich in dieser Art mit Bettinen den Brief- 
wechsel fortsetzen könnte. Es ist schade, denn gewiß 
kämen ihrerseits die artigsten Dinge an den Tag, Von 
Steffens verdrießt mich die engherzige Beschränkung am 
meisten. Er kann so großsinnig und geistesfrei sein. Aber 
da läßt er sich von Gunst und Furcht bethören! daß er 
schon vor Jahren verschiedentlich äußerte, er sei recht 
neugierig, wie Goethe einmal sterben würde, hat mir immer 
sehr mißfallen. Wie klein und unkundig! Als wenn nicht 
tausend Ungläubigen, Freigeistern und sogar Bösewichtern 
der Tod leicht geworden wäre und dagegen tausend fromme 
ganz in die Rehgion versenkte Gemüther auf die Kirche 
mit völHgem Vertrauen gestützte Seelen nicht in der Todes- 
stunde hart gerungen hätten! Wäre Goethe der Muth ge- 
sunken, hätte er sich (was man nennt) zuletzt bekehrt, den 
Heiland angerufen, wäre daraus ein Triumph für Steffens 
und seine Freunde herzuleiten gewesen oder hätten sie eine 
besondere Genugthuung darin finden wollen, wenn Goethe 
in großen Kämpfen und Aengsten dahingeschieden wäre? 
Nun ist der Herrliche so schön gestorben, wie niemand 
es schöner für ihn hätte ausdenken können. Die gütige 
Gottheit hat ihre Gunst auch seinen letzten AugenbUcken 
sichtlich geschenkt und da quälen sich die Lieblosen mit 
neidischen Bemerkungen und hämischer Auslegung! Doch 
ihre Pfeile treffen ihn wie im Leben nicht, auch im Tode 
nicht. Er ruht in Frieden und kann ihnen nicht einmal 

verzeihen, weil er nichts von ihnen weiß. 

Dein V. 

Neumann an Varnhagen. 31. Dezember 1833. 

Der dritte Theil des Goethe-Zelterschen Briefwechsels 
hat mich wahrhaft erquickt. Er ist voll kräftigen Ursprung- 



I06 Neue Mittheilungen. 



liehen Lebens und man weiß nicht, ob der alte Zelter seine 
Adern mit jungen Goetheblut gefüllt oder Goethe sich den 
Zelter als einen dritten Arm hat anwachsen lassen . . 

Neumann an Varnhagen. 12. August 1834. 

In diesen Tagen habe ich den fünften Theil des Goethe- 
Zelterschen Briefwechsels erhalten, wofür ich herzlich danke.. 
Es sind ganz kapitale Sachen drin. 



7. FR. V. MATTHISSON AN C. V. v. BONSTETTEN.^ 

Mitgetheilt von L. Bob6. 

Wörlitz d. 14. Jun. 1824. 

In Weimar (d. 15. May) war mein erster Gang 

zu Göthe, der so eben von Jena zurückkam, wo er seinen 
ältesten und besten Freund Knebel (den trefflichen Ueber- 
setzer des Lukrez) besucht hatte. 

Kräftig und mit völlig gerader Haltung trat mir der 
alte Dichterkönig entgegen. Jede Spur der schweren Krank- 
heit war verschwunden. Selten schuft die Natur wol ein 
Auge aus gediegenerem Feuerstoft, als das Auge Göthe's,. 
das trotz der schwarzen Schatten des Alters seinen Glanz 
eben so klar und ungetrübt erhalten hat, wie das Deine. 
Dein Latium* ist ihm besonders lieb. Ich soll Dich seiner 
vieljährigen Achtung versichern. Er wäre Dir so gern im 
Leben begegnet. Unser Gespräch begann mit Dir, dann 
ging es über auf die verschiedenen Epochen, in welchen 
Göthe und ich seit 1783 einander begegnet waren. Auf 
meine Frage, ob er nichts weiter für den Faust thun werde? 
war die Antwort : »Das ist größtentheils schon geschehen.« 
Schon hatte ich Abschied genommen, als ihm plötzhch 
noch etwas einzufallen schien. »O warten Sie noch einen 



' Original, ungedruckt, unter den Papieren der Friederike ßrun, 
geb. Munter, im Besitze des Hofjägermeisters Brun, Kopenhagen. 

* Bonstetten, Voyage sur la scene des six derniers livres de rEneide^^ 
suivi de quelques observations sur le Latium moderne. Geneve 1805- 



Ein' Brief A. Kestxers an Friedrich Prellfr. lO';; 



Augenblick! Ich muß Sie noch einem ahen Freunde vor- 
führen.« Nun ging er einen Schlüssel zu holen und öffnete 
ein Zimmer, wo mir Knebels ähnliches Bild ein gar freund- 
liches : Willkommen! zulächelte. Lieber, lieber Knebel! 
rief ich aus, und Göthe schien sich meiner Ueberraschung 
zu freuen. — 



!^ 



8. EIN BRIEF A. KESTNERS 

UND ANDERER RÖMISCHER FREUNDE 

AN FRIEDRICH PRELLER 

AUS OLEVANO. 
Mitgetheilt von Fritz Scholl. 

Den 28. August 183 1. 
Lieber Freund ! 
Lange sehnte ich mich nach einem Briefe von Ihnen ; 
aus keinem Grunde mehr, als um Ihnen in der Antwort 
zu sagen, wie sehr ich Sie vermisse. Und was mir nur 
von Liebeszeichen zu Gebote steht, will ich diesem Blatte 
übergeben. Ein Gruß ist schon das Datum dieses Briefes, 
das man in anderen Briefen zu schreiben pflegt, für dieses 
Mal gemalt, vom Freunde Lucas, Ihr Lieblingsort in Ihrem 
Lieblingslande, gemalt an dem Geburtstage unsres Wohl- 
thäters und Ihres Hauptbeschützers, die Unterschriften unter 
diesem Briefe bezeichnen Ihnen wie viele Freundes Gedanken 
mit diesem Blatte zu Ihnen eilen; und um nach Freundes 
Art in wenigen Zeichen viel zu sagen, feyern wür diesen 
Tag darin, daß wnr uns zu einem Briefe an Sie heute ver- 
banden, solchen Ihnen und uns wichtigen Ort und Zeit 
erwählend, um die Erinnerung an Sie zu feyern. In dem- 
selben Zimmer, wo am 28 August vor zwey Jahren unter 
mehreren auch Ihr Bildniß an die Wand gemalt wurde, 
ließen wir Goethen und Ihnen die Gläser erklingen. Ich 
hoffe, der große Dichter wird es gütig aufnehmen, wenn 
wir durch Sie Ihm diese Zeichen unserer Verehrung über- 
senden. Ich bedaure daß nicht auch Meister Anton unter 



Io8 Neue Mittheilungex. 



den Unterschriften Sie begrüßt; doch während wir hier- 
durch Ihr Andenken zu uns rufen, kann es nicht anders, 
als auch auf ihn sich richten. Wenn ich die trübe Stimmung 
der Entbehrung erwäge, welche mich in Ihrem Briefe be- 
trübte, so sehe ich wohl, daß ich Ihnen durch diesen Brief 
eine Freude mache, welche Schwermuth in ihrem Gefolge 
hat; aber wenn wir im Wandel unsrer Schicksale etwas 
Festes suchen, um unsre Seele daran zu halten, so kann 
ich Ihnen zum Tröste gewiß nichts besseres als die Freund- 
schaft vor Augen führen, und die meinige zu Ihnen be- 
rechtigt mich dazu. 

Seit beynahe 14 Tagen bin ich glückhch in diesen 
glänzenden Gipfeln, Thälern und Schatten. Mit Lucas und 
Ahlborn kam ich her, nachdem ich mit diesen eine Woche 
in Laricia und Marino zugebracht hatte. Wir brachten 
auch den Taubstummen Siebert mit, einen sehr gutartigen 
Jüngling, von gutem Talent. Wir fanden hier Nerl}-, 
Weller und zwey Dänen. So sind wir freylich sehr schlecht 
logirt, aber Sie wissen daß hier dergleichen Unvollkommen- 
heiten nicht zählen, wenn gleich der Sommer weniger 
schön ist, als Sie ihn hier kennen. Die täglichen Gewitter 
erzeugen dafür schöne Effecte. Dräger und DessuUawy 
versprachen zu kommen, aber haben noch nicht Wort ge- 
halten. Erst morgen kommen wir dazu, einige Streifzüge 
zu machen, die mit Subjaco beginnen sollen. Viel Glück 
wünsche ich und wir alle zu den schönen Bestellungen 
der Frau Großfürstin, aber nicht gar zu viel folgende 
wünsche ich, es sey denn, daß Ihnen gestattet, oder auf- 
getragen wird, sie in Italien auszuführen. Sie sagen mir 
nicht, ob zu den Tempera-Arbeiten Aussicht ist, zu denen 
wir uns Hoffnung machten — auch nicht, ob Sie die 
Romulus und Remus für Herrn Härtel angefangen haben. 
Vergessen Sie auch nicht, mir von irgend einer guten Hand 
eine leichte Zeichnung Ihres Profils zu schicken, wie Sie 
versprachen. Denn von der hiesigen Zimmerwand kann 
ich diesen Mangel nicht etwa selbst ersetzen. Dem Herrn 
von Goethe sagen Sie, daß ich so eben seinen letzten 
Brief hier erhalten, und, so bald ich Thorwaldsen wieder 
gesehen, wieder schreiben würde. 



Ein Brief A. Kestners an Friedrich Preller. 109 

Die freundlichsten Grüße der gemeinschaftlichen Ver- 
fasser dieses Schreibens erblicken Sie in nachstehenden 
Unterschriften. 

Federico Nerly Kestner 

Für Weller, der eben zur Stadt ge- AugUSt Lucas 

gangen, und unterschreiben wollte. ,,,.,, . , ,, 

u r ^ Wilh. Ahlborn 

Kestner. 

Als ich an der Spitze des letzten Goethe-Jahrbuchs »Einen 
Brief Goethes an" Friedrich Preller nebst Briefen Prellers« 
an ihn, Carl August und A. Kestner veröffentlichen durfte,' 
da vermißte ich schmerzlich, wie weitere Briefe Goethes an 
den jungen Maler, so die Antwortschreiben Kestners und 
insonderheit den Brief von »ihm und allen Freunden aus 
Olevano«, den Goethe im Original »seinen römischen Sachen 
beigefügt« und dem Empfänger nur in einer Copie belassen 
hatte (vgl. a. a. O. S. 12 u. S. 25 Anm. i). Eine (oder die?) 
Abschrift dieses Briefes war seinerzeit mit anderen Schrift- 
stücken Otto Roquette für seine Biographie Prellers anver- 
traut worden und weiterhin wurde dies Material Herrn Justiz- 
rath Dr. Julius Gensei in Leipzig übergeben, der einst in 
jungen Jahren Prellers Unterricht genossen hatte, seitdem 
dem Meister und seinen Söhnen in treuster Freundschaft ver- 
bunden blieb und jetzt zu unserer und Anderer Freude ihm 
eine, wohl bald zu erhoffende Monographie widmen will. 
Herr Dr. Gensei hatte nun die Freundlichkeit, alsbald nach 
dem Erscheinen des Goethe-Jahrbuchs eine genaue Abschrift 
jenes Briefes an das Goethe- und Schiller-Archiv zu über- 
senden und sich mit mir wegen der Veröffentlichung ins 
Benehmen zu setzen. 

Das Datum und der Inhalt des Briefes macht das, dem 
Empfänger immerhin schmerzliche Vorgehen »des herrlichen 
alten Mannes« sofort erklärlich: und überhaupt bedarf unsere 
Mittheilung nur weniger Worte der Erläuterung. Die Be- 
ziehungen zu dem vorausgehenden und folgenden Briefe von 
Preller an Kestner ergeben sich ohne Weiteres ; die erwähnten 
Bilder, sowie »die Tempera-Arbeiten« (für Dr. Hermann Härteis 
»Römisches Haus« in Leipzig) sind früher genauer bezeichnet 
worden; auch betreffs der erwähnten und betheiligten Künstler 
genügt es für August Lucas, Meister Anton (Dräger), Wilhehn 
Ahlborn, Federigo Nerly (Friedrich Nehrlich) auf unsere kurzen 
Notizen a. a. O. S. 31 zu verweisen. So erübrigt nur ein 

' In diesem Artikel ist S. 35, Z. 6 die Bezeichnung Friedrich 
Prellers des Jüngeren »zuletzt noch als Director« der Kunstacademie in 
Dresden zu streichen, da sie auf einem Mißverständniß beruhte. Ferner 
ist S. 50, Z. 14 »Dr. Hermann Härtel« zu lesen statt »Dr. Robert Härtel«. 



HO 



Neue Mittheilukgex. 



A\'ort über die drei erst hier auftretenden Persönlichkeiten. 
»Der Taubstumme 6'/^(^^;'/(( (Adolph) war 1806 in Halberstadt 
geboren und 1830 mit dem academischen Preis aus Berlin 
nach Italien gekommen, den er sich mit dem Bilde „Juppiter 
und Merkur bei Philemon und Baucis« erworben hatte. 
Besonders bekannt ist noch sein »Heiliger Lucas die Madonna 
malend« (im Königlichen Schlosse Bellevue zu Berlin) und 
»der Abschied des jungen Tobias« — aber der talentvolle 
junge Maler starb schon 1832 in Rom. Theodor Leopold 
Weiler war geboren zu Mannheim 1802 und starb daselbst 
als Galleriedirector 1880, in Rom weilte er, ein Schüler 
Langers in München, 1825 — 1833, und gewann mit seinen 
Bildern aus dem römischen Volksleben, wie sich solche u. A. 
im Besitz des Königs von Würtemberg und des Großherzogs 
von Baden befinden, verhältnißmäßig große Beliebtheit. End- 
lich T. Dessoulavy ' war ein englischer Landschafter, der lange 
in Rom lebte und sich durch römische Ansichten, besonders 
durch sein Bild vom Cäsarenpalast, bekannt machte. 

Zu dem erwähnten Goethebrief kann ich keine Erläuterung 
geben : denn nach einer gütigen Mittheilung der Archiv- 
Direction wird in den Briefen an Kestner 1830/31, deren 
Concepte vorhanden sind, Thorwaldsens Name nicht genannt. 



' In der Abschrift »Dessiil/au'y«; dort auch »Xerle«, »Thorwaldson« 
und »der Taubstmime Siebert«, was sicher — wie jenes vielleicht — 
verschrieben ist. 




IL Abhandlungen. 



I. 



Fausts Pakt mit Mephistopheles 

IN JURISTISCHER BELEUCHTUNG. 




VORBEMERKUNG. 

nfang 1902 richtete mein College Richard M. Meyer 
folgendes Schreiben an mich : »Die Goethegemeinde 
interessirt sich augenscheinlich besonders lebhaft für 
die Streitfrage, ob Fausts Rettung gerechtfertigt ist; ich er- 
halte darüber mehr Briefe aus dem Publikum als über alle 
anderen Faustthemata zusammen. Wie wäre es, wenn man 
ein paar Juristen veranlaßte, sich zu der Frage zu äußern ? 
Ich würde vorschlagen, im Goethe-Jahrbuch etwa unter dem 
Titel »Fausts Pakt mit Mephistopheles in juristischer Beleuch- 
tung« ein paar Gutachten zu veröffentlichen. Ich bin gewiß, 
daß diese Behandlung, für die man sich auf Ayrers Processus 
Jures berufen könnte, lebhaften Antheil erregen würde.« 

Dem Vorschlag des verehrten Collegen entsprechend, 
wandte ich mich an drei Herren: Professor J. Kohler von 
der Berliner Universität, der schon mehrmals poetische Fragen 
juristisch behandelt hat, Professor E. Landsberg, den genauesten 
Kenner der Rechtsanschauung zu Goethes Zeiten, und an 
einen Frankfurter Rechtsanwalt, der analoge Fälle des Rechts- 
lebens anzuführen in der Lage war. An alle drei Herren 
richtete ich ein wesentlich gleichlautendes Schreiben, in dem 
es über die Wette Fausts mit Mephistopheles etwa folgender- 
maßen hieß: 

»Die Wette zwischen Faust und Mephistopheles tritt als 
ein durchaus legaler Pakt auf, unter juristischen Formalitäten 

Goethe-Jahrbuch XXIV. 8 



114 Abhandlungen. 



vollzogen, die durch ihre parodistische Anwendung doch 
nicht ganz ihre Bedeutung einbüßen können. Ich möchte 
deshalb anregen, daß Kenner der juristischen Verhältnisse 
der Goethezeit von rein rechtlichem Standpunkte aus die 
Frage erörtern, ob nach dem im Drama vorliegenden That- 
bestand Mephistopheles seine mit Faust abgeschlossene Wette 
als gewonnen betrachten darf. Natürlich könnte man dabei 
von denjenigen Anschauungen ausgehen, die besonders zu 
der Zeit herrschend waren, als der junge Rechtsanwalt Goethe 
noch selbst prakticirte und die bis zur Vollendung des Werkes 
wohl kaum eine Aenderung erfahren haben. Die Darstellung 
müßte natürlich bei dem beschränkten Raum des Goethe- 
Jahrbuches sich auf das Wesentlichste beschränken. Von einer 
litterar-historischen Besprechung der Frage müßte natürlich 
ganz abgesehen werden«. 

Leider konnte der Frankfurter Jurist aus Mangel an Zeit 
meinen Wünschen nicht entsprechen; die beiden Universitäts- 
lehrer kamen der gegebenen Anregung bereitwilligst ent- 
gegen. Natürlich konnte ich zwei so hervorragenden Kennern 
keine bindenden Vorschriften, weder über die Form, noch 
über die Art ihrer Bearbeitung machen. So kommt es, daß 
die eine Antwort in Brief-, die andere in Abhandlungsform 
gegeben wird. Nur über die Ausdehnung konnten bestimmte 
Abmachungen getroffen werden. 

Ich halte es nicht für meines Amtes, die Gutachten zu 
analysiren und auf ihren Unterschied oder ihre Ueberein- 
stimmung hinzuweisen. Diese Arbeit mag die Leser selbst be- 
schäftigen ; aber ich bin überzeugt, daß sie an den feinsinnigen 
Ausführungen des gelehrten Verfassers der deutschen Rechts- 
geschichte und des allseitig thätigen Berliner Juristen ihre 
Freude haben und mit mir den Verfassern, sowie dem Anreger 
zu diesen Arbeiten, lebhaften Dank zollen werden. L. G. 

a) GUTACHTEN VON E. LANDSBERG. 

Sie fragen bei mir an, ob wohl, nach juristischer Auf- 
fassung, Faust oder Mephisto die zwischen beiden zu Beginn 
des Dramas abgeschlossene Wette gewonnen habe? Ob 
besonders nach den juristischen Anschauungen, die herrschten, 
als Goethe seine juristischen Studien machte und als junger 
Rechtsanwalt prakticirte — da sein juristisches Denken 
später wohl kaum mehr wesentliche Aenderung erfahren 
haben werde. 

Ich kann nicht leugnen, daß ich für die juristische 
Begriflswelt und Praxis, wie sie so etwa in der zweiten 
Hälfte des i8. Jahrhunderts lagen, durch meine Studien 
über die damalige Geschichte der Rechtswissenschaft eine 



Fausts Pakt mit Mephistopheles. I15 

Art von Specialist geworden bin. Deshalb kann ich mich, 
als Sachverständiger dafür in Anspruch genommen, eines 
Gutachtens nicht wohl weigern. Wennschon ich ernsthafte 
Bedenken hege, ob nicht Ihr Leserkreis den Juristen, der 
sich an solche Probleme heranwagt, ohne Weiteres als 
Banausen ablehnen wird. Dafür müssen Sie aber schon, als 
Herausgeber einer Zeitschrift schlimmere Dinge gewohnt, 
freundlichst die Verantwortung übernehmen. Sie haben 
den Rechtsstandpunkt gewollt; also mögen wir denn nun 
uns auf diesen Standpunkt stellen. 

Ich soll die Wette zwischen Faust und Mephisto recht- 
hch beurtheilen. Rechtliche Beurtheilung setzt ein Recht 
voraus, nach dem man urtheilt. Als solche Rechte können 
zwei in Betracht kommen. Das Naturrecht jener Zeit und 
das positive gemeine Privatrecht jener Zeit. Glücklicher- 
weise stimmen beide im Allgemeinen oft und so in den 
Punkten, die hier in Betracht kommen, fast ganz überein. 
Entscheidende Autoren sind auf jenem Gebiete die Pufen- 
dorf und Nachfolger, bis etwa auf Feder; auf dem anderen, 
positiveren Gebiete, die Lauterbach, Stryk, Heineccius, 
Leyser, bis etwa auf Hellfeld. Ich habe mich in deren 
Folianten, um Ihrem Wunsche nachzukommen, wieder 'mal 
umgesehen. Dabei hat sich ergeben, wie der Kundige fast 
bestimmt vorher annehmen konnte, daß sie untereinander 
und mit der bis 1900 herrschenden gemeinrechtlichen Doktrin 
im Wesentlichen einig sind, selbstverständlich nur, soweit 
es uns hier interessirt. Ich denke, Einzel-Citate dürfen wir 
uns also sparen. Auf Verlangen können solche in beHebiger 
Menge nachgeliefert werden. 

Ganz gewiß ist der Vertrag zwischen Faust und 
Mephisto ungültig, nichtig, unwirksam. Darüber brauchte 
man eigentlich kein Wort zu verheren. Es handelt sich 
um einen Vertrag, der unsittlich ist ; und überdies um einen 
Vertrag, in dem der eine Vertragsschließende, Faust, ver- 
fügt über ein Gut, über das ihm Verfügungsgewalt nicht 
zusteht, nämlich über seine Seele, sein ewiges Heil. Solche 
Verträge sind nicht einmal nach Naturrecht bindend, das 
doch sonst, in Bezug auf die verbindliche Kraft der Ver- 
träge, schranken- und voraussetzungslosen Anschauungen 
huldigt, um nämhch darauf Staat und Recht aufzubauen. 
So weit kann man aber selbst nach diesem Phantasie-Recht 
(das als solches interdämonial wüe international gelten mag) 
nicht kommen. Leyser erzählt einmal ausdrücklich das 
Geschichtlein von den zwei Rom-Pilgern, die, von dort zu- 
rückgekehrt, die dort erhaltene päpstliche Sünden-Vergebung 
als Spiel-Einsatz verw^enden. Das war gültig, fährt der ver- 
bissene Lutheraner fort, wenn sie an eine solche Vergebung 



I I 6 Abhandlungen. 



nicht glaubten und durch jenes Spiel bloß ihre Verachtung 
dafür darthun wollten. Hielten sie es aber für eine heiUge 
Sache, so wars ungültig. Wollte man danach den Vertrag 
zwischen Faust und Mephisto retten, so müßte man gleich- 
falls annehmen, daß sie beide nicht ernsthaft »daran 
glaubten«; meinen Sie nicht, ein Faust-Interpret würde 
dafür Belege rasch bei der Hand haben ? Aber ich möchte 
nicht auf so glatten Boden mich vorwagen; auch die letzte 
Zuflucht möchte ich nicht aufsuchen, daß Gottes ausdrück- 
liche und besondere Zulassung hier eingreife und alle 
Nichtigkeiten heile. Bescheiden wir uns doch besser dabei, 
die Gültigkeit als gegeben vorauszusetzen. All zu juristisch 
darf hier nicht einmal der Jurist als solcher sein wollen, 
sonst hätte er bald ausgespielt. Prüfen wir das Wolken- 
gebilde nicht auf seine derbe Körperlichkeit hin, sondern 
nur daraufhin, wie die Dinge sich, Körperlichkeit hinzu- 
gedacht, weiter gestalten würden. 

Dabei werden Sie mir freilich noch eine Vorfrage ge- 
statten müssen. Welcher Vertrag liegt vor? Um den Aus- 
gang zu bestimmen, werden wir uns vorher hierüber einigen 
müssen. 

Ich antworte: eine Wette, im streng juristisch-gemein- 
rechtlichen Sinn. Keine Dienstmiethe, wie in allen älteren 
Ueberlieferungen und Verarbeitungen der Faust-Sage, soweit 
mir als Laien solche bekannt sind. Da heißt es überall 
einfach: Du dienst mir hier, dafür zahle ich mit meiner 
Seele. Dabei mag es auch ursprünglich bei Goethe sein 
Bewenden gehabt haben. Dann aber wirds hier aus dem 
klaren, festen, gegenseitigen Vertrag zum sog. aleatorischen 
Vertrage, der ein Risiko, eine Ungewißheit des Ausganges 
in sich schließt. Erst dadurch wird die Frage möglich: 
wer hat gewonnen ? 

Solcher aleatorischer Verträge unterscheiden Katurrecht 
und altes gemeines Recht (unser neues Bürgerliches Gesetz- 
buch so nicht mehr) hauptsächHch zwei : Spiel und Wette. 
Spiel, wenn es den Parteien wesentlich auf die zu ent- 
wickelnde Thätigkeit ankommt, wozu der Einsatz nur einen 
gewissen Reiz bieten soll; Wette, wenn es sich den Parteien 
wesentlich darum handelt, »die Intensivität der eigenen 
Ueberzeugung zu erhärten«, wie Windscheid treffend for- 
mulirt, wie sachhch aber bereits das ganze i8. Jahrhundert 
wesentHch lehrt. Letzteres scheint mir hier der Fall zu 
sein. Nicht um die zu erwartenden Genüsse handelt es 
sich wesentlich für Faust; nicht um den Reiz des Spieles 
handelt es sich vorwiegend für Mephisto, obschon dieser 
solchem Reize bekanntlich keineswegs unzugängUch ist; 
sondern um den Sieg entgegengesetzter Behauptungen. 



Fausts Pakt mit Mephistopheles. I17 

»Mich zu befriedigen, mir auch nur einen Augenblick voller 
innerer Befriedigung zu verschaffen, kann Niemand und 
Nichts gelingen. Du wirst es gewiß nicht leisten können« 
— so sagt Faust dem Teufel; der Teufel behauptet das 
Gegentheil: »es wird mir gelingen«. Wette: es geUngt 
nicht — es gelingt. Einsatz: Fausts Seele. 

»Die Wette biet ich!« (Offerte.) 

»Top.« (Accept.) 

»Und Schlag auf Schlag«! (Bestätigung, daß durch 
die vorangehenden Willenserklärungen der Vertrag zu Stande 
gekommen ist.) 

Was vorangeht, die Dienst-Verpflichtung u. dgl, hat 
nur nebensächliche Bedeutung. Was Alles Parteien sich 
über ihre Intentionen einige Zeit vor oder nach Vertrags- 
Abschluß mittheilen, kann nur allenfalls ergänzend, erläuternd 
in Betracht kommen. Das Wesen des Vertrages bestimmt 
sich aus den Worten des Vertrags. Der Vertrag ist eine 
Wette. 

Und so geht es denn nun an deren Erledigung. Dazu 
muß Mephisto sich wacker mühen und abplagen. Es wird 
ihm nicht bequem gemacht. Aber alle diese seine Dienst- 
leistungen erklären sich nicht aus einem Dienst-Versprechen, 
wenigstens in der heutigen, fertigen Faust-Tragödie nicht 
mehr. Sie erklären sich nur daraus, daß er seine Wette 
gewinnen will. Wie andererseits Faust, als ehrlich Wetten- 
der, zu den Experimenten, die Mephisto mit ihm anstellt, 
um die Wette zu gewinnen, sich seinerseits ehrlich her- 
geben muß. Er darf sich nicht dolos dazu verhalten. Er 
muß mitmachen. So ziehen sie, die beiden Vertrags-Parteien, 
durch kleine und große Welt, durch Liebe und Leben, 
durch Mittelalter, Antike und socialpolitische Neuzeit. Da, 
alt, blind, nachdem er soeben noch das arme alte Ehe- 
pärchen so traurig seinen großen Plänen geopfert hat — 
da kommt Faust zu dem Augenbhck, wo er gestehen muß : 

»Im Vorgefühl von solchem hohen Glück, 
Genieß ich jet:(t den höchsten Augenblick«. 

Ich glaube, verehrter Herr Kollege, hier ist der Jurist 
am Ende seiner Betrachtungen angelangt. Wennschon nur in 
Folge des Umstandes, daß ernsthaft zugesehen der Vorgang 
eben auf ganz anderen Gebieten sich abspielt. Da, auf jenem 
mir verschlossenen Gebiete, ist ja wohl entscheidend, zu 
welcher Art von Genuß, zu welcher Denkart, zu welchem 
Streben Faust sich durchgerungen hat. Die Wette des Herrn 
mit dem Teufel war unverherbar, sie ist gewonnen. Darum 
mag nun füghch der Herr interveniren und dem Teufel 
den Einsatz, den dieser von Faust gewonnen hat, wieder 



Il8 Abhandlungen. 



abnehmen. Dagegen ist nichts zu sagen, mag auch Mephisto 
sich übel überlistet vorliommen; aber das ist für uns hier 
res inter alios acta. Mag Mephisto seiner Gegenpartei 
Befriedigung wie auch immer verschafft haben; nicht in der 
WirkUchkeit, sondern bloß in einer vorweggenommenen 
Vorstellung; nicht indem er seinen Wünschen nachkam, 
sondern indem er seine Blindheit ausnutzte, um statt des 
Grabens und statt der Erdaufschüttungen ein Grab herstellen 
zu lassen, erstere Arbeiten ihm bloß vorzutäuschen; falls es 
sich um einen Dienst- oderWerkvertrag handelte, könnte man 
aus derlei Umständen vielleicht herleiten, daß Mephisto seinen 
Lohn nicht verdient hätte; hier ist all dies unwesentlich. 

Hier, anders als bei der Wette zwischen dem Herrn 
und dem Teufel, kann es auch nicht darauf ankommen, 
welche Art von Befriedigung Faust empfindet, obschon man 
vielleicht einen Anklang daran in dem Vertragstexte finden 
könnte. Aber doch nicht entschieden genug; nur einleitend 
und stilistisch (»Faulbett«, »belügen« und »betrügen«); das 
Entscheidende ist doch: »daß ich mir selbst gefallen mag«; 
daß Faust zum AugenbUck sage: Verweile doch! du bist 
so schön. Genau das empfindet, genau das sagt er — er 
hat seine Wette im juristischen Sinn verloren, mag er sie 
noch so sehr in einem andern, in einem höheren, in einem 
dichterisch -transcendenten Sinne gewonnen haben. Ich 
wüßte keine Rechtslage, keinen Rechtszweifel anzugeben, 
keinen Punkt, in Bezug auf den nach der Gesetzgebung 
oder nach der Rechtsauffassung verschiedener Zeiten eine 
verschiedene Antwort wenigstens denkbar wäre. Hat A 
dem B etwas vertraglich versprochen unter der Bedingung 
»falls ich einen AugenbHck verweilend wünsche«; hat B 
dieses Versprechen vertraglich angenommen; hat endlich 
A später erklärt: ich wünsche diesen Augenblick verweilend: 
so hat B die Wette gewonnen. Darüber kann ich nicht 
hinaus. Wenn Faust schließhch doch gerettet wird, gerettet 
ist, so handelt es sich um eine höhere, als um die juristische 
Gerechtigkeit. 

Als solche bin ich, sehr geehrter Herr Kollege, durch- 
aus bereit anzuerkennen nicht nur die göttliche, sondern 
auch die poetische Gerechtigkeit. Sollte ich mich im Verlauf 
dieses Briefes gegen letztere vergangen haben, so kann ich 
weiter nichts thun, als demüthig und nachträglich hiermit 
um Verzeihung zu bitten: Ich liege nun einmal an der 
juristischen Kette. Und mit der Kette, die man trägt,, 
rasselt man. 



Fausts Pakt mit Mephistopheles. II9 



b) GUTACHTEN VON J. KOHLER. 

Man mag es vermessen erachten, wenn die Rechts- 
wissenschaft sich an den Worten des dichterischen Genius 
vergreift, und hat mir deshalb seinerzeit wegen des Shake- 
speare vor dem Forum der Jurisprudenz reichhche Vorwürfe 
darüber gemacht, daß ich das Poetische als unpoetisch 
und das Unpoetische als poetisch behandelt habe. Mit 
Unrecht. Die Majestät der Rechtsordnung darf sich in 
Gegenwart der Götter und Dichter sehen lassen, und die 
sociale Gewalt, die alle Welt regiert, reicht auch in den 
Kreis der Dichtung hinein. Zwar ist es dem Dichter ge- 
stattet, eine Welt für sich aufzubauen, mit neuen Natur- 
gesetzen und neuer socialer Ordnung; doch thut er dies 
nur in der ungemessensten Phantasie. Gewiß hat er es 
meist mit der menschlichen Ordnung und mit natürlichen 
Gesetzen zu thun, wobei er zu Grunde legt, was dem 
Menschen als Volksgenossen, auch ohne besondere Fach- 
bildung erfaßbar ist. Naht sich solchen Schöpfungen der 
Fachgelehrte, so wird er oft feststellen können, daß der 
Dichter als einer der tiefsinnigsten seines Geschlechtes mit 
seiner Intuition ganz besonders feine Züge erhascht und 
ganz besonders tiefe Blicke in die Welt des Lebens und der 
Natur gethan hat. Nicht selten hat die dichterische Intuition 
erreicht, was der langen Arbeit des Gelehrten kaum zu- 
gänglich geworden ist. 

Wie darum die Dichtung nicht ohne Seelenlehre, so 
ist sie auch nicht ohne die Kenntniß der socialen Ordnung 
verständlich, und dies vermittelt das dichterische Werk 
mit der Wissenschaft der socialen Dinge, mit der Juris- 
prudenz. Dabei muß allerdings festgehalten werden : nicht 
nothwendig heftet sich der Dichter an das Recht einer be- 
stimmten Periode, nicht nothwendig an das Recht derjenigen 
Zeit, in welcher das Stück spielt; wäe dem Dichter Ana- 
chronismen in anderer Weise zu verzeihen sind, so auch 
im Gebiet des Rechts; und ist sein Stück überhaupt ein 
Mysterium, zeitlos gedacht als eine Ausstrahlung der Ewig- 
keit,' ohne Beziehung auf ein bestimmtes Jahrhundert oder 
Jahrtausend, so wird er mit der socialen Ordnung, die er 
schafft, mehr als ein anderer frei schalten dürfen. Dies ist 
vorauszuschicken. Es wäre ein vergebliches Bemühen, die 
Menschenordnung des Dichters eines Mysteriums nach 
römischem oder germanischem Rechte zu beurtheilen oder 
gar in das Bürgerliche Gesetzbuch oder den Code civil 
nineinbauen zu wollen, und wenn sich die Rechtswissen- 



' »den Poeten bindet keine Zeit«. 



120 Abhandlungen. 



schafr einmal rechte Blößen geben wollte, so könnte sie 
es am besten dadurch thun, daß sie etwa die Artikel eines 
bestimmten Gesetzbuchs in den Faust hineinzulegen ver- 
suchte. Wohl aber wird man annehmen müssen, daß der 
Dichter, soweit nicht besondere Gründe im Wege stehen, sich 
von dem allgemein bekannten, ihn umgebenden, seine Zeit 
beherrschenden Rechte inspiriren ließ, so daß mehr oder 
minder dessen Züge in seiner Schöpfung zu Tage treten. 
Wenn er kaufen und verkaufen, miethen und vermiethen, ein 
Darlehn aufnehmen, Bürgen sich verschreiben läßt; wenn 
Zeugen bei ihm aussagen oder Eide schwören, so wird er 
mehr oder minder die Züge seines allgemeinen Kulturrechts 
in Betracht ziehen, soweit er nicht absichtlich den Stoff 
alterthümlich gestalten will, wie Schiller in der Bürgschaft 
und Shakespeare im Kaufmann von Venedig. 

Daher wird die Rechtswissenschaft an solchen Gebilden 
nicht vorüber gehen können, wenn auch nur um zu zeigen, 
daß auch hier der Dichter mit einer gewissen Freiheit ge- 
schaffen hat, und wenn er mit den Anforderungen der 
Wissenschaft mehr oder minder in Widerspruch tritt, eben 
damit nur eine feste bestimmte Lebensanschauung wieder- 
gibt. Gilt doch das gleiche, wie von der Psvchologie 
oder der Psychiatrie, die ebenfalls bei der Beurtheilung von 
Dramen nicht zu entbehren sind. Allerdings wird man 
hier entgegnen, die Gesetze des Seelenlebens blieben die 
gleichen, während die Gesetze der socialen Ordnung 
schweren Umgestaltungen unterworfen seien. Dies ist un- 
richtig: auch das Seelenleben hat seine Wandlungen durch- 
gemacht; der moderne Mensch fühlt anders als der Mensch 
Homers, das 20. Jahrhundert anders als die Helden Cal- 
derons. Eine Reihe mächtiger seelischer Motive muß mit 
der Zeit verschwinden, und es ist also auch hier ebenso 
eine gewiße Relativität gegeben, wie bei dem Rechte. 
Auch was die Psychosen betrifft, so muß man wohl be- 
rücksichtigen, daß die Seelenerkrankungen in verschiedenen 
Zeiten verschieden sind und mit den Lebensanschauungen 
und den Interessen einer bestimmten Zeit kommen und ver- 
schwinden, und daß auch die Art und Weise wie sich die 
Seelenstörung äußert, nothwendig nach Zeit und Ort 
wechseln wird. Auch hier haben wir daher nichts absolutes 
vor uns; man wird aber auch hier im Zweifel annehmen 
müssen, daß der Dichter im allgemeinen die Züge seines 
Kulturlebens wiedergibt, und damit ist die Stellung des 
Psychologen, Psychiaters, Juristen gegenüber dem Drama 
von selbst gegeben. 

Eines ist noch hervorzuheben : der Jurist und der Psycho- 
loge können angegangen werden, um das dichterische 



Fausts Pakt mit Mephistopheles. I2I 

Schaffen von ihrem Standpunkt aus zu beleuchten und 
dadurch zum Verständniß und zur Würdigung des Dichters 
beizutragen; sie können aber auch selbst für ihre Wissen- 
schaft dadurch manches gewinnen: denn, wie bermerkt, ver- 
mag des Dichters Intuition häufig die Beschränkung gewöhn- 
licher Beobachtungen zu durchbrechen und Licht zu bringen 
in eine Welt der Dinge, die auch dem Gelehrten und ForscTier 
kaum in einem neblichen Dämmer erkennbar ist. Ein An- 
haltspunkt genügt ihm oft, um das Licht des Geistes hinein 
in Tiefen zu werfen, die der Wissenschaft noch in schwarzem 
Dunkel entgegenstarren. Der Dichter gleicht dem Zauberer, 
der die Welt durchsichtig macht und im Innern der Erde 
Schätze und Goldadern erleuchten läßt, die auf dem Wege 
des Schürfens erst in Jahrzehnten gehoben werden. So ist 
Shakespeare für die Seelenlehre, namentUch für die Kunde 
der \'erhrecherseele, eine Schatzkammer ersten Ranges, und 
was er für die Jurisprudenz geleistet, habe ich anderwärts 
gezeigt. 

Mit Vergnügen habe ich darum die Aufforderung an- 
genommen, über die Verschreibung Fausts Einiges vom 
juristischen Standpunkte auszuführen, und diese Aufgabe 
erscheint um so dankenswerther, als wir in Goethe ja 
selbst einen Berufsjuristen vor uns haben. Die Jurisprudenz 
lag in seiner FamiUe: nicht nur der Kaiserliche Rath Johann 
Kaspar Goethe war Jurist, sondern auch von Mutterseite 
sind Juristen zu verzeichnen; war doch sein Ururgroß- 
vater Johann Wolfgang Textor (f 1701) ein s. Z. ge- 
schätzter PubUcist. (Vgl. über ihn Landsberg, Geschichte 
der Rechtswissenschaft, III. i, S. 42, und III, 2, S. 22 f.) 
Allerdings von der Tiefe seiner juristischen Studien dürfen 
wir uns keine allzugroße Vorstellung machen. Das ist 
auch verzeihHch, begreiflich: die Rechtswissenschaft jener 
Tage wMr auf dem allerniedrigsten Standpunkte. Bis auf 
Savigny war ja eine solche Oede zu verzeichnen, daß ein 
so jähes Emporschießen, wie der Ruf Savignys, nur be- 
greiflich wird, wenn man sein Licht mißt an dem Dunkel 
der Unkenntniß und Unbildung und an der Dürftigkeit 
des Geistes, die zur Zeit seines Emporkommens herrschte. 
Höchstens in der Rechtsprechung der Hansestädte waltete 
damals noch ein gewisser großer Zug; sonst war ein solcher 
Tiefstand der Wissenschaft eingetreten, daß es schien, als 
habe man alle Geister früherer Tage, einen Bartolus und 
Baldus, einen Cujaz und Donell vergessen. Noch kannte 
man das an sich nicht untüchtige Werk des Holländers 
Foet, noch wurde Leyscr, Wernher, und Ludovici genannt 
(vgl. den Schriftsatz bei Kriegk, Goethe als Rechtsanwalt, 
S. 405) ; noch wurde Stryk gelesen, aber zu neuem Schaffen 



122 Abhandlungen. 



fehlte die Kraft, und ein Geistesprodukt, wie das Werk 
von Heineccius, elementa juris civilis secundum ordinem 
institutionum, beherrschte auf mehrere Jahrzehnte hindurch 
die Rechtsbildung und erlebte mehr Auflagen, als den 
besten Werken heutiger Jurisprudenz je beschieden sein 
werden; außerdem wurde die Zeit von den trostlosen, 
theilweise schrecklichen Erzeugnissen eines Nettelbladt,^ HeJl- 
feld ausgefüllt, und nur Koch, Westphal und Höpfner leisteten 
etwas besseres, namentlich Höpfner, zu dem Goethe später 
in nähere Beziehung trat;' Hoppe' s Examen institutionum 
aber war und blieb der Trost der Studirenden. 

Was wir von dem Rechtsstudenten und Rechtsanwalt 
Goethe zu erwarten haben, ergibt sich aus seiner Selbst- 
biographie deutlich:* in Leipzig und in Straßburg lernte er 
das Nothdürftigste; ein Paukbuch wie Hoppe' s Examen 
institutionum imperialium' und die Hefte eines Straßburger 
Repetenten waren seine Wegweiser^ und noch dazu lebte 
er der Ueberzeugung, auf diesem Gebiete schon viel zu 
viel zu wissen; 5 denn einiges vom praktischen Recht hatte 
ihm sein Vater beigebracht. Im Uebrigen hatte er sich 
eine Uebersicht über die Rechtswissenschaft und ihr Fach- 
werk verschafft, hatte etwas von dem braven Leyser kennen 
gelernt, der ihm zeigte, daß man mit seinem Menschen- 
verstand ziemlich durchkomme, hatte sich die Uebung er- 
worben, im Corpus juris nachzuschlagen, und promovirte 
am 6. August 177 1, nachdem er einen staatskirchenrecht- 
lichen Aufsatz geschrieben hatte.^ So finden wir denn auch 
in seinen Frankfurter Advokatenschriften von 177 1 bis 1775, 
daß er sich die gewöhnlichen Handgriffe zu eigen gemacht 
hatte, wobei ihm sein Vater gewiß recht behilflich war: er 
bringt die clausula desuper am Ende der Anwaltschrift 
(Kriegk, S. 303), d. h. die Clausel, daß der Richter ergänzen 
solle, was etwa fehlt (desuper implorando officium iudicis, 



' Aus meinem Leben, III, 12. lieber ihn, sein Verhältniß zum 
Goetheschen Kreise und die Literatur hierüber vgl. Landsberg, Ge- 
schichte der deutschen Rechtswissenschaft, III, i, S. 442 und III, 2, S. 284. 

* Aus meinem Leben, II, 6; über seine practische juristische 
Thätigkeit vg]. ebenda IV, 17; vgl. namentlich aber die erwähnte Dar- 
stellung Kriegks: Goethe als Rechtsanwalt. 

5 Es hat viele Auflagen erlebt; mir liegt vor die dritte Auflage 
1693 und ein Editio nova (Frankfurt an der Oder) von 1726. 

♦ Hierüber heißt es 11,9: »Er (der Repetent) übergab mir hierauf seine 
Hefte, welche in Fragen und Antworten geschrieben waren und woraus 
ich mich sogleich ziemlich konnte examiniren lassen, vi-eil Hopps kleiner 
juristischer Katechismus mir noch vollkommen im Gedächtniß stand...« 

> »Ich wußte gerade schon so viel, als uns der Lehrer zu über- 
liefern für gut fand.« Aus meinem Leben, II, 6. 

6 Aus meinem Leben, III, 11. 



Fausts Pakt mit Mephistopheles. 123 

ut suppleat); er spricht von dispositio parentum inter liberos 
TKriegk, S. 279), von dem fatale introducendae provocationis 
(Kriegk, S. 335), von contractus simulatus (Kriegk, S. 363), 
von desertio causae (Kriegk, S; 363, auch 37off.), voii bona 
iides, justus titulus, praescriptio longissimi temporis (Kriegk, 
S. 390). Wir finden Erörterungen über das Notorische 
(Kriegk, S. 308), er erwähnt die Frankfurter Reformation 
mehrmals (Kriegk, S. 328, 366, 474), er spricht vom Besitz 
cum animo domini (Kriegk, S. 391), von der plena und 
semiplena probatio (Kriegk, S. 415), von der »praetoria- 
nischen« Clause!, si qua alia causa iusta videbitur' (Kriegk, 
S. 371); er spricht davon, daß das Vermögen nur mit 
Berücksichtigung der Schulden gedacht werden könne 
(Kriegk, S. 472). Im Uebrigen tritt er in allen diesen 
Schritten als ein selbstbewußter unternehmender junger 
Mann hervor, der tüchtig ins Zeug geht, die Advokaten- 
schriften als Gelegenheit benutzt, um dem Gegner recht 
gründlich heimzuleuchten, der mächtig perorirt, sich ge- 
waltig in die Rolle des Rechtsverbesserers hineinspielt und 
die Hauptsache der Advokatenthätigkeit in einer recht 
scharfen Abkanzlung des unglücklichen Gegenparts erblickt. 

Nichts in diesen Schriftsätzen zeugt von eigentlich 
juristischem Geist, von civilistischer Bildung, von einem 
Sichversenken in juristische Fragen, von einer Freude an 
der juristischen Construction, die die Auszeichnung des 
wahren Juristen bildet. Sie reichen, abgesehen von den 
Geschäftsausdrücken, die sich schließlich jeder tüchtige 
Schreiber aneignen kann, nicht über das Dilettantische hinaus 
und entsprechen nicht den Anforderungen, die wir an eine 
Uebungs- oder Examenarbeit zu stellen pflegen. 

Viel haben ihn daher seine Rechtsstudien in der Kennt- 
niß der socialen Dinge nicht gefördert; was ihm das Fach- 
studium brachte, war höchstens eine gewisse Reife des 
Urtheils in social-geschichtlichem Sinne, die die Beschäftigung 
mit dem Rechte dem denkenden Geiste ohne weiteres ge- 
währt, mag der Inhalt des Rechts, mit dem er sich be- 
schäftigt, sein wie er wolle. Einige Fhcken aus dem Rechts- 
studium finden wir im Faust; so das Wort von den zwei 
Zeugen, die der Frau Martha Schwerdtlein den Tod ihres 
Mannes bekunden sollen : 

Durch zweier Zeugen Mund 

Wird allerwegs die Wahrheit kund,' 



' Es ist die clausula generalis der in integrum restitutio. 
^ Bekanntes Rechtsprichwort, vgl. Hillehrand, Rechtsprichwörter 
S. 214, Graf und Dietherr, Rechtsprichwörter S. 455. 



1 24 Abhandlungen. 



und so kehren die Satzungen der goldenen Bulle über das 
ius de non appellando' und über die Untheilbarkeit der 
Kurfürstenthümer^ in den Bestimmungen des Kaisers an 
die Fürsten wieder, die im zweiten Theile des Faust! enen 
Kampf um den Kaiserthron abschUeßen. In staatsrecht- 
lichen publicistischen Sachen scheint sich sein Geist viel 
lieber bewegt zu haben; er las für seinen Götz das noch 
jetzt bedeutsame Werk von Datt, de pace pubhca, erfreute 
sich an Mosers patriotischen Phantasien und interessirte 
sich wesentlich für die Aufklärungsliteratur. ' 

In der Verschreibung des Faust aber können wir nirgends 
einen Anklang an das besondere Recht jener Zeit finden, 
dagegen allerdings LichtbHcke in die Rechtsentwicklung, 
die uns mit Erstaunen erfüllen. Mit Ueberraschung liest 
der Rechtshistoriker die wunderbaren Worte über die Un- 
veränderlichkeit der Versprechensgebundenheit gegenüber 
dem ständig sich wandelnden Menschenleben : 

Ist's nicht genug, daß mein gesprochnes Wort 
Auf ewig soll mit meinen Tagen schalten? 
Rast nicht die Welt in allen Strömen fort. 
Und mich soll ein Versprechen halten? 
Doch dieser Wahn ist uns ins Herz gelegt; 
Wer mag sich gern davon befreien? 
Beglückt, wer Treue rein im Busen trägt, 
Kein Opfer wird ihn je gereuen! 
Allein ein Pergament, beschrieben und beprägt, 
Ist ein Gespenst, vor dem sich alle scheuen. 
Das Wort erstirbt schon in der Feder, 
Die Herrschaft führen Wachs und Leder. 

Wie könnte treffender der große Widerspruch gekenn- 
zeichnet werden, der zwischen der Rechtsgebundenheit und 
zwischen der in allen Fugen sich neu bildenden Zeit be- 
steht! wie könnte treffender die Treupflicht hervorgehoben 
werden, die diesen großen Gegensatz zu versöhnen bestimmt 
ist! Und des weiteren, wie tief ist die Ehrfurcht der Völker 
gegenüber der Schriftform ausgedrückt, in der man eine 
Art von Heiligthum, eine Art von götthcher Sicherung 
erblickte, weil aus den Runen das Verderben und der Fluch 
gegen jeden hervorgehe, der das Versprechen bricht! 

Das waren aber Erwägungen, die Goethe jedenfalls 
nicht im CoUeg gehört und nicht in den damaligen juris- 
tischen Büchern gelesen hatte. Wie hoch steht diese rechts- 



* Goldene Bulle C. ii. 

* Goldene Bulle C. 25. 

^ Aus meinem Leben III 12, III 13, III 15. 



Fausts Pakt mit Mephistopheles. 12 J 

philosophische Betrachtung über den seichten Produkten 
der damahgen Naturrechtslehrer z. B, gegenüber den Aus- 
führungen von IVolf, jus naturae IV 4, §3 57 f.! 

Aber auch sonst zeigt sich bei ihm die Tiefe der 
Rechtsbeobachtung, wie das Folgende ergibt. 

Die Verschreibung des Faust entspricht der altdeutschen 
Sage. Zwei große Motive hat Goethe vereint: das Motiv 
der Teufelverschreibung und das Motiv des geprellten 
Teufels; beide Motive bilden die Achse, um die sich das 
ganze Faustmysterium dreht. 

Welche Bedeutung aber der Dichter der Faustver- 
schreibung zumißt, läßt sich nur aus seinem Prolog im 
Himmel erkennen. Ohne diesen ist das ganze Problem 
unverständlich. Die Hauptfrage ist: kann Faust sein Seelen- 
heil verschreiben? Gewiß nur, soweit die Gottheit dies 
zuläßt; sie überantwortet aber den Denker und Forscher 
dem Teufel nur auf dieser Erde: 

So lang' er auf der Erde lebt, 

So lange sei dir's nicht verboten. 

Es irrt der Mensch, so lang' er strebt. 

Denn die Gottheit weiß, daß der Teufel den Geist 
trotz aller seiner Verführung nicht dauernd vom wahren 
Wege ablenken kann. 

Wenn er mir jetzt auch nur verworren dient, 
So w^erd' ich ihn bald in die Klarheit führen — — 
Ein guter Mensch in seinem dunkeln Drange 
Ist sich des rechten Weges wohl bewußt. — 

Auch Mephisto ist mit diesem Vorschlag äußerlich 
vöUig einverstanden ; mit den Todten will er nichts zu 
thun haben, und sein Triumph soll es nur sein, daß der 
hohe Geist in Niedrigkeit versinkt und Staub »frißt«, wie 
die Schlange nach dem Sündenfalle. 

Was der Teufel sonst bei sich denkt, ist geheimer 
Vorbehalt, der nicht nur nach den Grundsätzen unseres 
Rechts, sondern nach den Grundsätzen jeder verständigen 
socialen Rechtsordnung bedeutungslos bleibt. 

Mithin kann die Verschreibung den Helden seinem 
Gotte nicht entführen : wie hätte denn auch Goethe der 
Gottheit eine solche Erniedrigung zuschreiben können! 
Daß sie den Helden auch nur im Leben dem Teufel über- 
geben kann, müßte auffallend erscheinen, wüßten wir nicht, 
daß die Versuchung des Teufels ein nothwendiges Element 
menschlicher Bildung ist und daß nur aus tiefer Irrung 
die Wahrheit hervorgeht; der ewigen Liebe aber kann er 



126 Abhandlungen. 



dadurch nicht entzogen werden. Wunderbar ist dies in 
den Worten ausgedrückt : 

Des Menschen Thätigkeit kann allzu leicht erschlaffen, 

Er liebt sich bald die unbedingte Ruh ; 

Drum geb' ich gern ihm den Gesellen zu, 

Der reizt und wirkt und muß als Teufel schaffen. 

Wenn Mephisto sich etwas anderes denkt, wenn auch 
Faust bei seiner Verschreibung etwas anderes im Sinne 
hat, so ist dies nach der von dem Dichter angenommenen 
socialen Weltordnung ohne Bedeutung. Eine rechtsgültige 
Verschreibung der Seele hatte eine frühere Zeit angenommen. 
Wir haben Urkunden genug, worin Jemand für den Fall 
der Nichterfüllung des Versprechens sich selbst den Qualen 
der Hölle opfert, worin er erklärt, in diesem Fall beim 
jüngsten Gericht unter den Böcken zur Linken des Herrn 
stehen oder gar mit Judas Ischarioth die tiefste Hölle theilen 
zu wollen.' Wir haben Verschreibungen genug, wo Jemand 
für den Fall der Nichterfüllung des Versprechens die 
Excommunication auf sich lädt : es ist derselbe Gedanke, 
wie ehedem die Verschreibung des Kopfes, der GUedmaßen, 
der Freiheit, von der ich in meinem Shakespeare vor dem 
Forum der Jurisprudenz ausführlich gehandelt habe. Er 
beruht auf der altgermanischen Idee der Selbmundschafc, 
des Rechts der Verfügung über seine eigene Person. Diese 
Idee hat das neuzeitige Recht seit dem 15. und 16. Jahr- 
hundert zerstört, und das war einer der gewaltigsten Rechts- 
fortschritte ; es hat sie gründhch zerstört, und unserer An- 
schauung ist eine derartige Selbstverpfändung fern. Wenn 
daher Goethe den Faust sich mit Blut verschreiben und 
sein Seelenheil preisgeben läßt, so hätte er diese Ver- 
schreibung nur dann als gültig betrachten können, wenn 
er das Ganze in Zeiten des tiefen Mittelalters hätte ver- 
setzen und die damalige Rechtsordnung als maßgebend 
erklären wollen. Das ist aber nicht der Fall: der Dichter 
appelhrt an unser Herz, an unsere Anschauung, er bringt 
uns den deutschen Geist, wie wir ihn empfinden und wüe 
er in uns lebt; es ist undenkbar, daß er etwas als gültig 
erachtet, was nicht nur unserem heutigen Recht, sondern 
auch unserem heutigen Sittlichkeitsgefühl vollkommen ent- 
gegen steht. Es wäre zwar gewiß kein Fehler, wenn in 
einem Mysterium etwaige nebensächliche Dinge in einer 
unserer Sittlichkeitsanschauung Mädersprechenden Weise be- 



' Vgl. z, B. meine Veroneser Urkunden II, S. 24 und die dortigen 
Belege : cum Nathan et Abiron et cum Juda traditore . . . ante tribunal 
eterni judicis exinde habeant racionem judicii 



Fausts Pakt mit Mephistopheles. 127 

handelt würden ; völlig verkehrt aber wäre es, euien solchen 
Widerspruch in dem zu Tage treten zu lassen, worin die 
ganze beele des Stückes, die Achse seines Wesens Hegt: 
der ganze Schwerpunkt der Dichtung wäre auf einen Grund 
gebaut, den unser tiefstes Empfinden ablehnen müßte. Die 
Folge wäre, daß in unserm Herzen eine Leere und ein 
Mißbehagen übrig bliebe, welches dem ästhetischen Genüsse 
im Wege stünde. Wollte man hier noch Zweifel hegen, 
so ist ja gerade der Prolog im Himmel ein leuchtender 
Zeuge, wie die Verschreibung gemeint ist : sie kann nur 
darin bestehen, daß der Teufel auf der Erde Macht haben 
soll über den Menschen; was weiter mit seiner Seele ge- 
schieht, ist der göttlichen Gnade überlassen, denn ihr kann 
sie nie und nimmer entzogen werden. 

Auf diesem Standpunkt ist es klar, daß, welches auch 
immer der Ausgang der Sache ist, wie auch immer nach 
der Verschreibung das Lebensschicksal Fausts sich wendet, 
die Zurückweisung des Teufels und die ihn ablehnende 
Haltung des Himmels völlig gerechtfertigt ist. Keine Ver- 
schreibung kann die götthche Liebe hindern, dem Sünder 
entgegenzukommen : nur die Würdigung seines Lebens 
kann für das Schicksal seiner Seele bedeutsam sein. Die 
Würdigung aber geht dahin, daß er sich ständig strebend 
bemüht habe und darum erlösungsfähig ist. 

Wie gewöhnlich, heftet sich der geprellte Teufel an 
Worte, und sein blutbeschriebenes Pergament hält er für 
erfüllt; wie gewöhnhch täuscht er sich gründUch. Dies 
führt uns auf einen andern Punkt. Wollte man auch die 
Verschreibung als gültig betrachten, so wäre doch zu sagen, 
dass in keinem Fall die Bedingung eingetreten ist, unter 
welcher Faust seine Seele der Hölle verpfändet hat. Aller- 
dings erklärt er, zu den Todten gehen zu wollen, wenn 
er dem Augenblicke sage : 

Verweile doch ! Du bist so schön ! 

Dann möge die Uhr stehen, der Zeiger fallen und die Zeit 
für ihn vorbei sein. 

Und er erläutert die Verschreibung noch mit folgenden 
treffenden Worten: 

Ich habe mich nicht freventlich vermessen. 
Wie ich beharre, bin ich Knecht, 
Ob dein, was frag' ich, oder wessen. 

Mit anderen Worten: wenn er sich dem Genußleben hin- 
gebe, dann sei er überhaupt nicht mehr sein eigen Ich, 
und dann könne er ebenso gut des Teufels Diener sein, 
wie eines andern. 



128 Abhandlungen. 



Nun spricht er am Schlüsse semes Lebens wirkhch 
die Worte: 

Zum Augenblicke dürft' ich sagen: 
Verweile doch, du bist so schön ! 

Doch, zunächst sagt er dies nur hypothetisch; denn er 
denkt sich eine Zeit, wo sein Werk so großartig er- 
wachsen ist, daß er den Augenblick preisen könne. 
Dem fügt er allerdings bei : 

Im Vorgefühl von solchem hohem Glück 
Genieß' ich jetzt den höchsten Augenblick. 

Hiernach scheint es, als ob die Seele, die sich dem Taumel 
des Strebens und Genießens hingegeben und jeden Moment 
ruhelos erhaschen will, zu einem gewissen Behagen und 
einer gelassenen Selbstgefälhgkeit gelangt sei. Aber solche 
Aeußerlichkeiten dürfen Niemanden täuschen. Käme es 
darauf an, daß eine solche glückliche Ruhepause die Seele 
des Helden verwirkte, so wäre die Uhr des Lebens schon 
viel früher abgelaufen, und der Teufel hätte schon längst 
sein Recht geltend machen können. Viel bedenklicher, als 
jene Scene, ist ja die Stimmung des Helden, wo er Helena 
zuerst erschaut: 

Verschwinde mir des Lebens Athemkraft, 
Wenn ich mich je von dir zurückgewöhne! 

Viel bedenklicher ist seine Stimmung in jener arkadischen 
Scene, wo er mit ihr im Verein lebt und Worte ausspricht,, 
die zum Schönsten gehören, was die deutsche Sprache 
kennt: 

Nun schaut der Geist nicht vorwärts, nicht zurück, 

Die Gegenwart allein 
(was Helena ergänzt:) ist unser Glück. 

Und sodann 

So ist es mir, so ist es dir gelungen; 
Vergangenheit sei hinter uns gethan! 
O fühle dich vom höchsten Gott entsprungen! 
Der ersten Welt gehörst du einzig an. 
Nicht feste Burg soll dich umschreiben! 
Noch zirkt in ewiger Jugendkraft 
Für uns, zu wonnevollem Bleiben, 
Arkadien in Spartas Nachbarschaft. 
Gelockt auf sel'gem Grund zu wohnen, 
Du flüchtetest ins heiterste Geschick! 
Zur Laube wandeln sich die Thronen, 
Arkadisch frei sei unser Glück! 



Fausts Pakt mit Mephistopheles. 129 

Aber auch hier wird Niemand die große Seele, den Sturm 
und Drang des Heroen verkennen. Nur für den Fall hat 
er seine Seele verschrieben, daß er niedrig und gemein 
wird, daß er sich zu leichtem Genußleben versteht, daß 
er sich auf ein Faulbett legt. Das thut er aber nicht in 
dem Augenblick, wo er sich aus dem Reiche der That, 
vom Kaiserhof weg, aus den Gefilden der griechischen 
Schemen, unter denen Homunculus entzwei gegangen ist, 
aus jener gewaltigen Schöpfungsgeschichte griechischen 
Stiles einen Augenblick in arkadische Zustände flüchtet, 
wo er als Heros mit dem einzig seiner würdigen Weibe 
weilt. 

Aber noch viel weniger thut er es zu jener Zeit, wo er 
seinen Kaiser wiedergefunden, wo er den Boden Germaniens 
betreten und zum Kolonisator wird und wie ein amerikanischer 
Ansiedler der Menschheit neue Stätten gründet zum unaut- 
hörlichen Schaffen und Gestalten. Im Augenblick seines 
Todes hat er eben neue Anordnungen getroffen, eine fieber- 
hafte Thätigkeit durchbebt ihn, und nur im Vorgefühl der 
unendlichen socialen Wohlthat seines Lebens, daß er ein 
freies Volk geschaffen, ein Volk, wie die Ansiedler der 
Vereinigten Staaten, sich täglich sein Dasein neu erobernd, 
nur in diesem Vorgefühl genießt er die Wonne des Schöpfers 
und des Wohlthäters der Menschheit, natürlich in stetem 
Mitschaffen und Mitringen. 

Hier wäre es eine Seelenverkennung, von einer faulen 
Ruhe zu sprechen. Er bleibt so jugendlich, wie es Goethe 
war, der die Wandlungen mitgemacht hat von dem Pseudo- 
klassicismus Ende des 18. Jahrhunderts zur Zeit der natur- 
wissenschaftlichen Entdeckungen und zur staunenswerthen 
amerikanischen Entwicklung des 19. Jahrhunderts. Hätte er 
unsere Tage erlebt, sicher hätte Faust die Woge des Meeres, 
deren vergebliches Rauschen ihn ärgert, zum Triebmittel 
gemacht für die ungeheuren dem Menschen dienstbaren 
Wirkungen der elektrischen Kraft! 

Wenn daher der Teufel glaubt, die Verschreibung ge- 
wonnen zu haben, so irrt er sich gründlich; von einem 
Siege des bösen Geistes, von einem Recht auf die Seele 
des Helden kann in keiner Weise die Rede sein. Faust 
ist lediglich nach seinen Thaten zu beurtheilen, und diese 
vereigenschaften ihn zur Erlösung und empfehlen ihn der 
sühnenden Gnade des Himmels. 

Daß der alte schlimme Teufel noch mit Hohn über- 
gössen wird, daß die Blumen enthaltsamer Büsserinnen in 
ihm jene i riebe entfachen, die die Büsserinnen verschmäht, 
daß unwürdige Gelüste sein teutelhaftes Empfinden er- 
wecken, wobei die kostbare Seele ihm entschwebt, das ist 

Güethe-Jahrevch XXIV. q 



1^0 7\BHANDLUNGEX. 



der Humor der Sache: der Teufel ist der in seiner Schlechtig- 
keit gefoppte Teufel, für den Niemand Mitleid empfindet. 

Daher bleibt unsere Stimmung völlig rein; kein Hauch 
sittlicher Kränkung und seelischen Anstoßes befällt uns, 
wenn wir den Ausgang des gewaltigen Mysteriums be- 
trachten, und Niemand fühlt ein Mißbehagen, das uns be- 
schleichen müßte, wenn man sich sagen könnte: es sei doch 
das Vertragsrecht gebrochen und in der Weltordnung sei 
eine sittliche Anforderung nicht erfüllt, die Weltregirung 
sei auch nur von einem Hauche moralischer Erniedrigung 
gestreift. 

Dies ist die Betrachtungsweise des Juristen. Noch sei 
mir als Dantisten gestattet, hervorzuheben, daß der Schluß 
des Mysteriums die deutUche Einwirkung Dantes verräth.' 
Das Gebet des Doctor Marianus entspricht dem Flehen 
des heiligen Bernhard von Clairvaux im 33. Buch des 
Paradiso.* 

Der Satz, daß alles Vergängliche nur ein Gleichniß 
sei, entspricht dem herrlichen 4. Canto des Paradiso, worin 
es heisst: 

Cosi parlar conviensi al vostro ingegno, 
Perocche solo da sensato apprende 
Cio che fa poscia d'intelletto degno. 

Parad. IV 40 f. 

Der Chor der Kinder erinnert an Paradiso 32: 

Tutti questi sono spirti assolti 
Prima ch'avesser vere elezioni. 

Parad. XXXII, 44 f.; 

und der ganze Gedanke der Erlösung durch das Weib zeigt 
den Einfluß der großartigen Schöpfung Beatricens, der 
g^rößten Frauengestalt, die je einer Dichtung gelungen ist. 
Einige haben dem deutschen Dichter Vorwürfe gemacht, 

■ Vgl. darüber auch Erich Scbiiiidt im Arch. f. neuere Sprachen C VII 
S. 241 f., wo jedoch S. 249 als Gegenpart des hl. Franziscus nicht 
Thomas von Aquin, sondern der hl. Dominicus zu nennen ist. 

^ Man vergleiche folgende Züge: 
Perche tu ogni nube gli disleghi 1 Lasse mich im blauen 

Di sua mortalitä co' preghi tuoi, Ausgespannten Himmelszelt 

Si, che il sommo piacer gli si dispieghi | Dein Geheimniß schauen! 
Parad. XXXIII, 31!'. 



Vergine madre, 

aha piü che creatura 

Ancor ti prego, Regina, che puoi 
Ciö che tu vuoli. 

Parad. XXXIII, i f., 3 4 f. 



Jungfrau, rein im schönsten Sinn, 
Mutter, Ehren v^'ürdig. 
Uns erwählte Königin, 
Göttern ebenbürtis; ! 



Fausts Pakt mit Mephistopheles. 13^ 

daß er uns einen Himmel ohne Christus darstelle; aber sie 
haben nicht bedacht, daß auch im Paradiso die Dreieinig- 
keit in einer Höhe ragt, die weit über den Heiligen schwebt; 
und die letzte Schau, die Schau des dreieinigen Gottes kann 
dem Helden erst nach seiner vollen Verklärung zu Theil 
werden. Der Dichter mußte den Heros zunächst im Kreise 
der Heiligen weilen lassen, wo er seiner Sühnung entgegen- 
geht, um dann in der Schau Gottes alles Vergängliche ab- 
zustreifen und sich mit der Gottheit so zu vereinigen, wie 
€s Dante am Schluß des Paradiso thut. Diese letzte Ver- 
tiefung gehörte als Schluß in Dantes heilige Reise; sie ge- 
hört nicht in das Mysterium des Faust: dieses endet mit 
der Entsühnung. 




Emersons Verhältniss zu Goethe. 



Von 

Calvin Thomas. 




in bedeutender Einfluß Goethes auf die Geistes- 
richtung oder Lebensideale Emersons läßt sich im 
einzelnen nicht erweisen. Wohl hat der ameri- 
kanische Idealist von dem deutschen Dichter gelernt. 
Emerson berichtet/ die Schriften Goethes seien ihm eine Zeit 
lang so lieb gewesen, daß er kein anderes Buch jemals nöthig 
zu haben wähnte. Anführungen Goethescher Worte, Aeuße- 
rungen über Goethe u. s. w. finden sich in seinen Werken 
zwar nicht häufig, doch in genügender Menge, um eine 
nachhaltige Beschäftigung zu constatiren. Dazu haben wir 
den längeren Aufsatz über Goethe den Schriftsteller, welcher 
ein Capitel des Buches »Representative Men« bildet und 
vor vierzig Jahren von Herman Grimm verdeutscht wurde. 
Offenbar war Emerson bestrebt, den Geist Goethes zu er- 
fassen; und man wird wohl schwerhch irren, wenn man 
annimmt, daß das Erfaßte ihm hier und da in Fleisch und 
Blut übergegangen ist. Wer Goethe wirkHch kennt, wird 
von ihm in der Regel mehr oder weniger umgebildet. 

Dennoch ist es äußerst schwer, diese naheliegende 
Vermuthung wissenschaftlich zu begründen, denn Intimes 



' In dem Essai »Experiencew. Die Stelle lautet: »Once I took 
such delight in Montaigne that I thought I should not need anv other 
bock; before that, in Shakspere; then in Plutarch, then in Plotinus; 
afterward in Goethe; even in Bettine; but now I turn the pages of 
either of them with languid interest, whilst I still cherish their genius«. 



Emersons Verhältn'iss zu Goethe. 1 3 3 

beichtet Emerson nicht gern. Auch verweilt er, wie die 
oben citirte Stelle andeutet, nicht lange bei seinen lite- 
rarischen Lieblingen. Er gehörte überhaupt nicht zu den 
Männern, die sich leicht unterordnen oder auf die Worte 
eines Meisters schwören. Seiner Naturanlage nach war er 
«in starker, vorwärtsdringender Geist, der von vornherein 
nach einer selbständigen, ursprünglichen Weltbetrachtung 
strebte. Er scheute sich gewissermaßen vor dem Druck 
der Ueberlieferung. Es war sein Princip, den Geist aller 
großen Männer auf sich rein wirken zu lassen, ihre An- 
schauungsweise zu prüfen, ihre Eigenart zu würdigen, aber 
durchaus ohne etwas von seiner eignen Selbständigkeit 
preiszugeben. Jener Ton andächtiger Verehrung, wie man 
ihn z. B. in mancher Aeußerung des jungen Carlyle über 
Goethe wahrnimmt, war ihm völlig fremd. Und nicht 
weniger fremd war ihm der Ton geringschätzender Ueber- 
legenheit. Wo nichts zu lernen, nichts Ersprießliches zu 
beobachten war, hat er einfach geschwiegen oder seinen 
Zorn in allgemeinen Ausdrücken über die menschliche 
Dummheit ergehen lassen. 

Und zu dieser unabhängigen Stellung hatte er sich 
schon auf eigne Hand durchgekämpft, als er mit den Schriften 
Goethes bekannt wurde. Darin liegt zum Theil der große 
Werth seiner Lebensgeschichte. Zu einer Zeit — ich spreche 
von den dreißiger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts — , 
da das amerikanische Geistesleben außerhalb des politischen 
Gebiets noch arm und unfrei war, wo man Bücher und 
Gedanken fast allein von der Alten Welt bezog und gegen- 
über dem europäischen, namentlich dem englischen Urtheil 
äußerst scheu und emprindlich war, trat dieser Neu-Eng- 
länder auf mit seinem Evangelium vom Werthe der eignen 
Persönlichkeit, der eignen Umgebung. 

Goethe hat bekanntlich von sich selbst gerühmt, daß, 
wer seine Werke mit Verständniß lese, ein gewisses Gefühl 
der innerlichen Freiheit davontragen werde. Wenn wir 
ihn nun unter diesem Gesichtspunkte betrachten, das heißt, 
als den Befreier KaT'eEoxnv, so ist es für die hier vorliegende 
Aufgabe von einiger Wichtigkeit, zu wissen, daß Emerson 
die große Lehre nicht erst von Goethe zu empfangen 
brauchte. Er war im weitesten Sinne bereits ein Befreiter, 
als er mit dem deutschen Geiste in Berührung kam. 

Ein anderes Moment, welches die wissenschaftliche 
Lösung unseres Problems ungemein erschwert, liegt im 
Stile Emersons und im Charakter seiner Schriften. Er 
bewegt sich nämlich mit Vorliebe in der dünnen Luft der 
höchsten Abstractionen. Er liebt das Paradoxe, Sprunghafte, 
Ungereimte. Er spricht gern in orakelhaften Sätzen mit 



134 Abhandlungen. 



dunklem, esoterischem Sinn. Nichts in der Gedankenwelt 
ist ihm lieber als das scheinbar unmögliche oder sogar 
sinnlose Apercu. Ich meine keineswegs etwa, er irrlichtelire 
die Kreuz und Quer, wie einer, der keine Logik kenne; er 
hat nur seine eigne Logik, fliegt mit bedächtiger Schnelle 
von Gipfel zu Gipfel seiner Reflexion und verachtet die da- 
zwischenliegenden Niederungen, die der gewöhnliche Ver- 
stand erst durchwandern muß, um ihn zu begreifen. Außer- 
dem kümmert er sich blutwenig um die sogenannte 
Consequenz im Denken. Er meint ausdrücklich, eine große 
Seele habe mit der Consequenz einfach nichts zu thun.' 
Er spricht seinen Gedanken mit rednerischer Wucht oder 
mit dichterischer Uebertreibung aus und läßt die Gegen- 
seite, die nöthige Einschränkung, außer Acht; er übersieht 
diese wahrscheinlich nicht, aber er schiebt sie auf, um sie 
vielleicht am anderen Tage in einem anderen Zusammen- 
hange zu behandeln. Seine große Angelegenheit ist die 
progressive Bildung; und da er immer den jüngst gewonnenen 
Gesichtspunkt, die Ansicht von heute, wiedergeben will, 
kommt es öfters vor, daß seine Aeußerungcn sich in Einzel- 
heiten widersprechen. Wer ihn daher beim Worte nimmt, 
um einen beliebigen Satz genau zu prüfen oder etwa zu 
widerlegen, der hat eine mißliche Aufgabe; denn es ent- 
stehen immer Zweifel, ob man ihn am Ende richtig ver- 
standen hat, und ob, bei weiterer Lektüre, eine andere 
Stelle nicht vielleicht eine andere Lehre aufweisen wird. 
Wie aus der Bibel, so kann man aus Emerson alles und jedes 
beweisen, wenn man zu sehr auf den Wortlaut einzelner 
Stellen und nicht genug auf den Geist des Ganzen achtet. 
Diesen einleitenden Bemerkungen, die die Eigenart 
unseres Problems beleuchten sollen, sei nun Folgendes aus 
der Biographie Emersons hinzugefügt. Es versteht sich, 
daß wir mit seiner äußeren Lebensgeschichte* nur insofern 
zu thun haben, als diese sein Verhältniß zu Goethe bedingt 
oder erklärt. 



' Im Essai »Self-Reliance« sagt er: »A foolish consistency is the 
hobgoblin of liule niinds, adored by liule statesmen and philosophers 
and divines. With consistency a great soul has simply nothing to do. 
He may as well concern himself with his shadow on the wall. Speak 
what you think now in hard words, and to-morrow speak what to-morrow 
thinks in hard words, though it contradict everything you said to-day«. 

^ Ich verweise zunächst auf die Biographien von Cabot, Conway 
und E. VV. Emerson; ferner auf die »Lectures at the Concord Schoo'l 
of Philosophy« (von 1884), die 1885 unter '^'^"'' ^^^^^ »Genius and 
Character of Emerson« veröffentlicht wurden. Die geistreichen Auf- 
sätze Herman Grimms über Emerson, wie auch die einsichtsvolle 
Abhandlung A. E. Schönbachs in seinem Buche »Ueber Lesen und 
Bildung« brauche ich wohl kaum zu erwähnen. 



E.MERSONS VeRHÄLTNISS ZU GOETHE 135 

Ralph Waldo Emerson wurde 1803 in Boston geboren. 
Väterlicnerseits gehörte er einer tüchtigen Famihe an, die 
sich in der Geschichte des amerikanischen Pnritanismus 
rühmUch hervorgethan hatte. Mehrere Ahnherren waren 
Geisthche gewesen. Als Kind verlor er seinen Vater, einen 
gebildeten Prediger von der unitarischen Richtung, und 
wuchs nun in sehr bescheidenen Verhältnissen unter der 
weisen Leitung seiner geistvollen Mutter zum Jüngling 
heran. Hs waren fünf Brüder. Der Familientradition gemäß 
wollte der älteste, William, anfangs Prediger werden, und 
in dieser Absicht machte er das obhgate Curriculum des 
Harvard College durch und ging dann zu seiner weiteren 
Ausbildung — unter den Pionieren eines langen Pilger- 
zugs — nach Deutschland, wo er Goethe besucht haben soll. 
Aber sei es die Berührung mit der deutschen Speculation, 
oder sei es nur die natürliche Entfaltung seines Geistes in 
einer Atmosphäre der immer zunehmenden Heterodoxie, 
jedenfalls wurde William Emerson seinem jugendlichen Plane 
untreu. Nach kurzer Lehrthätigkeit wurde er Advokat. 

Diesen unschuldigen Verrath an der Familiengewohnheit 
sollte nun der zweite Bruder, Ralph Waldo, wieder gut 
machen. Nach genügender Vorbildung in der vorzüglichen 
Lateinschule seiner Vaterstadt bezog er 1817 Harvard College, 
wo er die vorschriftsmäßigen vier Jahre zubrachte. Von 
seinen damaligen Studien ist wenig bekannt. Sein Haupt- 
interesse galt jedenfalls der schönen Literatur und der 
Beredsamkeit. Er las begierig in griechischen, lateinischen, 
englischen, auch, wie es scheint, in französischen Büchern, 
ohne jedoch mit der deutschen Sprache bekannt zu werden. 
Gelegentlich träumte er von einer Professur der Belletristik. 
Nach seiner Graduirung widmete er sich dem theologischen 
Fache und erhielt als 23Jähriger Jüngling seine Approbation 
als Prediger. Die Unitarier hatten kein festes, schriftlich 
ausgeprägtes Glaubensbekenntniß und gestatteten innerhalb 
der Gemeinde die größtmögliche Meinungsfreiheit. Ihr 
Sinn war auf das Ethische gerichtet. Sie verlangten eine 
philosophische, von aller kirchlichen Mystik losgelöste 
ReHgion der Vernunft. Dagegen hielten sie gewisse Formen 
fest, z. B. das öffentliche Gebet und das Sakrament des 
Abendmahls, deren Werth und Bedeutung von Emerson 
schon früh bezweifelt wurden. 

Heutzutage denkt man an Emerson den Geistlichen 
mit ähnlichem Gefühl zurück wie an Goethe den Advokaten. 
In beiden Fällen ein mühsam vorbereitetes Mißverhältniß, 
welches beseitigt werden mußte, ehe die Natur des Mannes 
sich finden konnte. Wenn je ein Mensch, so war Emerson 
ein tiefreligiöses Wesen, aber sein Gefühl bewegte sich gar 



136 Abhandlukgen. 



nicht innerhalb der überHeferten Formen. Ihm war es Be- 
dürfniß, seinem Gott einen eignen Altar zu bauen. Das 
Gebet hat er einmal definirt als die Betrachtung der Dinge 
vom höchsten Gesichtspunkte. Und in andern Punkten 
waren seine Ansichten selbst dem linken Flügel der Uni- 
tarier vorausgeflogen. Trotzdem lag er sechs Jahre (1826 
bis 1832} hindurch den Pflichten seines gewählten Berufes 
ob, predigte an verschiedenen Orten und erwarb sich den 
Ruf eines angenehmen, wenn auch tiefsinnigen Redners. 
Im Jahre 1833 k^™ es zum Durchbruch. Damals an einer 
Bostoner Kirche angestellt, erklärte er seiner Gemeinde, 
er habe keine Sympathie mehr mit dem herkömmlichen 
Sakramente des Abendmahls. Er wölke die »sinnlichen Ele- 
mente« und den Anspruch auf göttliche Autorität einfach 
abschaffen. Für die Gemeinde war dieser Vorschlag doch 
zu radikal; ein Comite erklärte sich dagegen, und Emerson 
entschloß sich von seinem Amte zurückzutreten. Es geschah 
ohne Bitterkeit, sogar mit himmlischer Sanftmuth. Sein 
Abschiedswort lautete: »Es ist mein Wunsch, als Geistlicher 
nichts zu thun, was ich nicht mit ganzem Herzen thun 
kann. Das ist meine ganze Opposition. Diesem Institute 
gegenüber bin ich nicht feindlich gesinnt, nur sympathielos. 
Ich bin wohl zufrieden, wenn es bis ans Ende der Welt fort- 
besteht, so es Gott und den Menschen gefällt, und an allem 
Guten, was daraus entsteht, werde ich meine Freude haben«. 

Von nun an war Emerson ein unabhängiger Prophet, der, 
unbekümmert um Sekte, Schule oder Partei, das freie Wort 
redete, wie es ihm der Geist eingab. Zunächst galt es 
aber, einen Bhck in die weite Welt zu thun. Infolge seines 
aufregenden Zwistes mit der Kirche, und noch mehr infolge 
des schmerzlichen Verlustes seiner jungen Frau, hatte sein 
Körper stark gelitten, und man rieth ihm zu einer längeren 
Reise. Im Frühjahr 1833 f'^'^i' ^^ nach Europa ab, durch- 
reiste Italien, Sicilien, Frankreich und England und besuchte 
mehrere Schriftsteller, die ihn besonders interessirt hatten. 
Es waren Landor, Coleridge, Wordsworth, und vor allen 
Carlyle, der noch in Craigenputtock lebte. 

In einem viel später geschriebenen Bericht über diese 
Reise bemerkt Emerson, daß es hauptsächlich diese Männer 
waren — er nennt auch De Quincey — die er in Europa 
sehen wollte, und fügt hinzu, daß er auch nach Deutsch- 
land hätte wandern können, wäre Goethe noch am Leben 
gewesen. Das klingt beinahe, als ob er schon 1833 ^i"^ 
Art inneres Verhältniß, etwa den Trieb der Dankbarkeit, 
zu dem großen Weimaraner empfunden hätte. Allein das 
war sicherlich nicht der Fall. Aus einem später zu citirenden 
Briefe an Carlyle wissen wir, daß er damals eine sehr 



Emersons Verhältniss zu Goethe. 137 

oberflächliche Kenntniß und demgemäß eine ziemhch 
schlechte Meinung von unserm Dichter gehabt hat. Für 
seinen Geist und sein Herz kann Goethe zu jener Zeit 
schlechterdings nichts bedeutet haben. Aber es war Touristen- 
mode, ihn zu besuchen. 

Von Europa zurückgekehrt, betrat Emerson sofort seine 
neue Laufbahn, die des »Lecturers« und Schriftstellers. 
Mit seiner zweiten Frau gründete er 1835 ein neues Heim 
in Concord, von dem ein stiller, doch in der Folge un- 
ermeßlicher Einfluß ausging. Er hatte jetzt Zeit und Muth 
zu eingehenden Studien der großen Denker aller Nationen. 
Ueber seine Lektüre und Reflexion führte er ein ausführ- 
liches Tagebuch, und dieses Tagebuch wurde die Quelle, 
■oder sagen wir lieber das Rohmaterial seiner Schriften. 
Auf dem Katheder war er bis in den fernen Westen eine 
beliebte Erscheinung, obgleich man ihn sicherlich nur höchst 
unvollkommen verstanden hat. Seine tiefsinnigen Essais 
und seine geistsprühenden, wenn auch keck herausfordernden 
Vorträge, die er bei festlichen Gelegenheiten hielt, machten 
ihn bald zu einer nationalen, allmählich zu einer inter- 
nationalen Berühmtheit. 

Man könnte jetzt wohl eine Charakteristik seiner Denk- 
weise erwarten, aber das wäre eine heikle Aufgabe, zu 
■der ich mich wahrlich nicht berufen fühle. Außerdem 
müßte der Versuch entweder äußerst knapp und ober- 
flächlich ausfallen, oder aber zu weit vom Pfade abführen. 
Aus den oben angedeuteten Gründen ist es so gut wie 
unmöglich, seine Meinungen unter ein System zu bringen 
-oder auch nur systematisch darzustellen. Sein Standpunkt 
ist ein ewig wechselnder. Man nennt die geistige ße- 
'wegung, in deren Mitte er stand, den Transcendentalismus, 
aber das unbehilfliche Wort besagt am Ende nicht eben 
vieL Er war durchaus Idealist und Optimist, doch kein 
schulmäßiger Denker, weshalb der Versuch, seine »Philo- 
sophie« schulmäßig zu beschreiben, nothwendig scheitern 
muß. Er verkehrt am liebsten nicht mit den großen 
'Systematikern, sondern mit solchen Denkern, die einen 
Hang zur Mystik haben, oder in denen ein Stück Dichter 
lebt, wie vor allen Piaton. Die Mystik Swedenborgs, der 
Neuplatoniker und der persischen Dichter sagte ihm be- 
sonders zu. Er war selbst ein bedeutender Dichter, viel- 
leicht der größte, den die Neue Welt bis jetzt hervorge- 
bracht hat, obwohl sein Haß gegen alles Conventionelle 
und Verzierte in der Poesie ihn manchmal dazu verleitete, 
Zeilen von fast unglaublicher Härte in seine Gedichte auf- 
zunehmen. Unter allen deutschen Denkern scheint er mir 
am ehesten mit dem jugendlichen Herder geistesverwandt 



I ^8 Abhandlungen. 



doch führt er Herder niemals an und scheint von ihm 
sehr wenig gewußt zu haben. — Von einer weiteren 
Charakteristik an dieser Stelle muß ich im Interesse meines 
eigentlichen Themas absehen. 

Beginnen wir mit dem oben erwähnten Briefe an 
Carlyle vom 20. November 1834. Emerson schreibt: 

»Weit, weit besser scheint mir die Unbeliebtheit dieses 
philosophischen Gedichts, wenn ich es so nennen darf (es 
ist von »Sartor Resartus« die Rede), als die Lobhudelei, 
die Ihren berühmten Freund Goethe begleitet hat. Mit 
diesem werde ich besser bekannt, doch muß meine Be- 
wunderung eine bedingte sein. Es ist eine sonderbare Gut- 
müthigkeit von Ihnen, den Mann zu vergöttern. Ich kann 
es nur als ein Unglück betrachten, mit offenbar bösem 
Einfluß auf sein Genie, das sammetweiche Leben, das er 
führte. Welche Ungereimtheit für das Genie, dem Demuth 
und Haß als Zierde und Erleichterung geziemen, fünfzig 
Jahre hindurch auf Staatspolstern zu ruhen! Und wie 
schade, daß sein Herzog ihn nicht köpfte und dadurch vor 
dem erbärmlichen Ende (verzeihen Sie) bewahrte, sich von 
dem städtischen Weihrauch zurückzuziehen, um seine Ge- 
schenke und Medaillen geschmackvoll zu ordnen ! Außer- 
dem will der Puritaner in mir keine Apologie für das 
Laster von solchen Männern wie er gelten lassen. In einer 
herrlichen Natur, die mit der brutalen Mehrheit um ein 
menschliches Princip kämpft, können wir das Laster 
dulden. Die durch ihre Mannheit und ihr Unglück her- 
vorgerufene Sympathie läßt auch ihre Fehler gelten; allein 
das verhätschelte, anerkannte, gekrönte Genie kann unsere 
Sympathie nur dadurch behalten, daß es dieselbe Kraft, 
die früher gegen äußerliche Feinde gerichtet wurde, jetzt 
gegen innerliche wendet und die Fahne des Oromasdes 
so und so viel Meilen weiter ins neidische Dunkel vor- 
wärtsträgt. Wenn es dies unterläßt, verliert es seine Natur 
und wird, nach der Definition, zum Talente, das heißt, zur 
bloßen Gewandtheit in der Erreichung gemeiner Ziele. 
Ein gewisser wunderlicher Freund von mir sagte, ein falscher 
Priester sei die schlimmste aller Falschheiten. Aber w^as- 
macht den Priester? Das Kleid? O Diogenes! Oder die 
Kraft und daher der Beruf, die menschliche Pflicht zu 
lehren, wie sie vom Uebernatürlichen herfließt? Wer die 
Uebermenschlichkeit schaut und verkündigt, wer einmal 
wissend die Worte »Selbstentsagung«, »unsichtbarer Leiter«,, 
»himmliche Mächte der Trauer« u. s. w. ausgesprochen 
hat, ist der ihnen nicht auf ewig verpflichtet? 

»Uebrigens ist sybaritisch schreiben nicht dasselbe wie- 
svbaritisch leben, sondern ein neues und schlimmeres \'er- 



Emersons Verhältniss zu Goethe. 1^9 

fehen. Es deutet auch auf einen geistigen Mangel, nämlicli 
as Nichteinsehen, daß der gegenwärtige verderbte Zustand 
der Menschennatur, den diese buhlerische Muse fortsetzen 
hilft, ein vorübergehender oder oberflächlicher ist. Das 
gute Wort dauert ewig ; das unreine kann sich nur in dem 
uns jetzt umgebenden faulen Gas emporhalten, und wird 
ganz zu Boden sinken, wie dieses im ewigen Streben 
Gottes sich aufklärt«. 

Das klingt uns heute wie eine höchst schiefe Beurthei- 
lung. Goethe hat kein sammetweiches Leben geführt, 
sondern ein sehr mühevolles. Wer seine Tagebücher kennt, 
der weiß, wie es mit jenem 50jährigen Ausruhen auf Staats- 
polstern eigentlich beschaffen war. Kein moderner Mensch 
hat fleissiger gearbeitet oder das Leben ernster genommen. 
Von Luxus hat er sich geflissentlich fern gehalten; er 
konnte sich nie damit befreunden. Seine Kunstschätze 
waren ihm ein Mittel zu geistiger Freude. Der Gunst des 
Publikums gegenüber war er wohl nicht so gleichgiltig 
wne er selbst zuweilen meinte, denn er wollte großartig 
wirken; aber er hat nie darum gebuhlt, noch weniger sich 
davon leiten lassen. Die Huld der Großen hat er in der 
Regel mit bewunderuno;swürdigem Gleichmuth ertragen. 
Daß seine Lebensumstände in Weimar, im Ganzen betrachtet, 
einen schädlichen Einfluß auf sein Dichtergenie ausgeübt 
hätten, ist unbeweisbar; und w^er in seine Schriften, etwa 
in Wilhelm Meister oder die Wahlverwandschaften, eine 
Apologie für das Laster hineinliest, der hat ihn gründlich 
verkannt. 

Die Irrthümer Emersons beruhten zum Theil auf bloßer 
Unkenntniß, zum Theil auf einem durch Abstammung und 
Umgebung bedingten Temperamente, welches von dem 
Goethes grundverschieden war. Der Quelle derselben in 
seiner englischen Leetüre nachzuspüren, würde sich der 
Mühe nicht lohnen, denn ähnliche Urtheile aus der gleich- 
zeitigen deutschen Kritik sind nur zu gut bekannt. Wer 
sich der Expectorationen eines Menzel erinnert, wird wohl 
geneigt sein, unserm Emerson seine weit milderen Sünden 
zu verzeihen. 

Carlyle hat seinen neugewonnenen Freund mit liebens- 
würdiger Schonung zurechtgewiesen. Er schrieb am 
3. Februar 1835: 

»Ihre Bedenken gegen Goethe sind natürlich, bringen 
Sie mir sogar näher; dennoch bin ich keineswegs sicher, 
ob es nicht weise von Ihnen wäre, mit der Erlernung der 
deutschen Sprache anzufangen und zwar hauptsächlich in 
der Absicht, ihn zu studieren. Ich behaupte das nicht, 
würde aber nicht erstaunt sein, wenn es richtig wäre. 



140 Abhandlukgen. 



Glauben Sie mir, Sie können unmöglich mehr Puritaner 
sein als ich es bin ; in der That ist es mir manchmal, als 
ob ich zu sehr Puritaner Wcäre. Aber John Knox selber, 
hätte er die ruhige, unüberwindliche Treue jenes Mannes 
sehen können, und wie auch für ihn die Pflicht unendlich 
war, — Knox wäre an ihm mit Verwunderung, aber ohne 
Vorwürfe vorbeigegangen. Ich will Ihnen mit einem Worte 
sagen, warum ich Goethe lieb habe. Sein Geist war der 
einzige gesunde Geist von Bedeutung, den ich viele Gene- 
rationen hindurch in Europa entdeckt habe. Er war es, 
der mir zuerst überzeugend verkündete (überzeugend, denn 
ich sah es geschehen) : Siehe! selbst unter diesem verruchten, 
skeptisch-epicureischen Geschlechte, dem alles außer dem 
Hunger und der Heuchelei verloren gegangen, ist es dem 
Menschen noch möglich, Mensch zu sein. Und für dieses 
Evangelium, die Bekräftigung und Wiederherstellung aller 
anderen möglichen Evangelien, kann ich nie zu dankbar 
sein. Kurz, ich vermuthe, daß Sie bisher nur Goethe den 
Heiden kennen ; aber hernach werden Sie Goethe den 
Christen kennen lernen und diesen weit lieber haben. Rieh 
zeigte mir neulich eine Compilation in grünem Einbände, 
die Sie übers Meer bestellt hätten.' Bitte, lesen Sie den 
vierten Band derselben, und dann soll ein Mann von Ihrer 
Klarheit des Gefühls einmal sagen, ob das ein Parasit oder 
ein Prophet gewesen. Was übrigens das Elend betrifft, 
und den sonstigen schwarzen Hintergrund, worauf Sie das 
Genie gemalt wissen wollen, — ach, erwägen Sie, ob das 
Elend nicht auch eine Krankheit; ob das Glück nicht 
schwerer zu ertragen als das Unglück; und überhaupt, ob 
der herrliche, heitere Sommer nicht größer als der wildeste 
Orkan ist — wie das Licht, nach den Physikern, tausendmal 
stärker als der Bhtz ist. Und so appellire ich an den 
nüchternen Philipp«. 

Emerson scheint dem Rathe Carlyles bald gefolgt zu 
sein, denn in einem Briefe vom 17. September 1836 
schreibt er: 

»Ich lese Goethe und neuerdings die nachgelassenen 
Schriften mit großem Interesse. Ein Freund von mir, der 
gewissenhaft sein Leben studiert, möchte gern wissen, was 
für Aufzeichnungen über seine ersten zehn Jahre in Weimar 
vorhanden, und welche Bücher über ihn in Deutschland 
zu haben sind — außer Heine und dem, w^as Mrs. Austin 
gesammelt hat. Können Sie es mir sagen .^« 

Wie die neuen Studien auf den Geist Emersons ein- 



' Bezieht sich auf Carlyles »German Romance«,. wovon der vierte 
Band sich mit Goethe bescfiäftigte. Rieh war der Spediteur. 



Emersons Verhältniss zu Goethe. 14 1 

wirkten, läßt sich am besten aus einer gleichzeitigen Vor- 
lesung über Literatur herausfühlen. Ehe wir dazu über- 
gehen, will ich aber beiläufig eine interessante Briefstelle 
aus dem Jahre 1838 erwähnen. Vom Beginn ihrer Freund- 
schaft an war Emerson bestrebt gewesen, seinen Freund 
Carlyle nach der Neuen Welt herüberzuziehen. Bedingungen 
und Aussichten waren vielfach hin und her discutirt worden. 
Im Juli 1838 hielt Emerson seine berühmte Rede an die 
Abiturienten des Divinity College in Cambridge, worin er 
seinem Radicalismus in starken Ausdrücken Luft machte. 
Die Folge war ein Aufruhr der öffentlichen Meinung. 
Darüber schrieb er am 17. October 1838: »In einem Briefe 
des vergangenen Jahres habe ich Sie dringend gebeten, 
uns in Amerika und in Concord zu besuchen. Ich habe 
geglaubt, Sie würden eines Tages kommen, und ich glaube 
es noch. Allein, wenn Sie großmüthig und hebevoll genug 
gegen Ihre hiesigen Freunde sind, oder begierig genug 
unsre Gesellschaft kennen zu lernen, um den Wunsch zu 
haben, zu uns zu kommen, so fürchte ich, Sie werden die 
Befriedigung Ihrer Freundschaft und Ihrer Neugierde noch 
aufschieben müssen. In diesem Augenblick möchte ich Sie 
um nichts in der Welt hier haben. Die VeröffentUchung 
meiner Rede ans Divinity College, von der ich Ihnen 
Exemplare schickte, hat in allen unsern leitenden Lokal- 
blättern einen Aufschrei gegen meine Ungläubigkeit und 
gegen meinen Pantheismus und Atheismus hervorgerufen. 
Die Skribenten warnen alle Menschen vor mir und vor 
allem, was mit meiner Denkart zusammenhängen soll, — 
vor dem Transcendentalismus, vor Goethe und vor Carlyle. 
Es thut mir herzlich leid, diese letztgenannte Phase unseres 
Lokalgewitters zu beobachten ; denn da Carlyle gar nicht 
schuldig ist und mit seiner eignen Unpopularität zu thun 
hat, möchte ich ihn auf keine Weise in meine parochialen 
Zwistigkeiten verwickeln«. 

Also war Goethe damals in Neu-England, wie auch 
in Alt-England und zum Theil in Deutschland, zum Popanz- 
der Kirchlichgesinnten geworden. Man wußte nur wenig 
von ihm und war nicht im Stande, seine großartige künst- 
lerische und wissenschafthche Thätigkeit zu würdigen. 
Man hielt ihn für einen gottlosen Philosophen und warf 
ihn mit den deutschen Transcendental-Metaphysikern zu- 
sammen, die allerlei Arges in der religiösen Welt ange- 
stiftet haben sollten. Es hätte keinen Zweck, länger bei 
dem »Lokalgewitter« — Emerson nennt es »the storm in 
our washbowl« — zu verweilen. Es war auch bald vorüber. 

Die oben erwähnte Vorlesung wurde im Winter 1838 
bis 1839 gehalten und im folgenden Herbst in dem neu- 



142 Abhandlukgen. 



gegründeten Dial anonym verötientlicht. Da dieselbe in 
die Werke Emersons erst neuerdings aufgenommen worden 
ist und aus dem längst verschollenen und schwer zugäng- 
Hchen Organ der Transcendentalisten gewiß nur Wenigen 
bekannt sein dürfte, will ich einiges, und zwar lieber zu 
viel als zu wenig, aus der Besprechung Goethes anführen: 

»Derjenige unter allen, der die Tendenzen der Zeit in 
sich vereinigt hat, und zwar im allerhöchsten Grade, ist der 
deutsche Dichter, Naturforscher und Philosoph Goethe. 
Alles, was das Zeitalter überkommen oder erfunden hat, 

machte er sich zu eigen Wäre dessen zweimal so 

viel gewesen, er hätte es ebenfalls brauchen können. Geolog, 
Handwerker, Kaufmann, Chemiker, König, Umsturzmann, 
Maler, Komponist, — alle arbeiteten für ihn, und tausend 
Menschen schienen durch seine Augen zu sehen. Er 
lernte so leicht wie andre athmen. Von allen Menschen 
dieser Zeit schien kein andrer so darin zu Hause zu sein 
wie er. Er fürchtete sich nicht vor dem Leben. Er war 
ein Wissender, er war tapfer, er war frei von aller Engig- 
keit. Er hat vollkommenen Anstand und Geschmack, — 
eine bei deutschen Schriftstellern keineswegs gewöhnliche 
Eigenschaft 

»Dieses feine Element von Egoismus in Goethe scheint 
allerdings seine Schriften nicht zu entstellen, wohl aber 
den sittlichen Einfluß des Menschen zu beeinträchtigen. Er 
unterscheidet sich von allen Großen durch einen gänz- 
lichen Mangel an Oftenheit. Wer Shakespeare sah, wer" 
Milton sah, der sah sie unter ihren Brüdern ihr Bestes geben 
und ihr ganzes Herz mannhaft aussprechen. Goethe durfte 
niemand Bruder nennen. Er verbarg sich und arbeitete 
stets, um Erstaunen zu erregen, und das ist Egoismus und 
deshalb klein. 

»Wenn wir Goethe an den gewöhnlichen Maßstäben der 
Kritik messen, möchten wir sagen, daß sein Denken von 
großer Höhe und immer gleichem Niveau ist, — keine 
Gipfelreihe, sondern ein asiatisches Hochland. Dramatische 
Kraft, das seltenste Talent in der Literatur, besitzt er nur 
in geringem Maße. Er hat ein Auge, das stets auf die 
Thatsachen des Lebens gerichtet ist, und nimmer ruht in 
seinem Fortgang; aber die großen Treffer, die Wunder 
der Poesie, hat er niemals. Alles ist bei ihm Absicht, 
richtige Auffassung, geschulter Ausdruck, Analyse, An- 
spielung, Beispiel, wie sie Kenntniß und correctes Denken 
darbieten; allein von Shakspere, von der transcendentalen 
Muse, keine Silbe. Doch vor dem gewöhnlichen Gericht 
und Gesetz, und wenn wir von absoluten Maßstäben ab- 
sehen, beanspruchen wir für ihn das Lob der Wahrhaftig- 



Emersons Verhältniss zu Goethe. 143 



keit, der Treue gegen seine geistige Art. Er ist der König 
aller Gelehrten. In diesen Tagen und in unserm Lande, 
wo die Gelehrten gering an Zahl und müßig sind, wo man 
leichte Bücher liest und nach dem Mittagessen schlätt, 
scheint es, als ob kein anderes Buch jungen Männern so 
gefahrlos in die Hände gegeben werden könnte als die 
Briefe Goethes, die bezeugen, wie dieser Mensch in einer 
endlosen Manniofaltigkeit der Studien, mit stets gleicher 
Heiterkeit und Geistesgröße, bis zum achtzigsten Jahre un- 
ermüdlich thätig gewesen ist. Man kann sie nicht lesen, 
ohne beschämt iniTleiß mit ihm zu wetteifern. Laßt ihm 
das Lob der Wahrheitsliebe zu theil werden .... 

»Nun aber, damit wir der von allen Menschen gestellten 
Frage nicht ausweichen zu wollen scheinen, und damit wir 
einem großen Manne nicht das schlechte Compliment 
machen, ihn nur in conventioneller und relativer Sprache zu 
loben, wollen wir jetzt unsre Meinung über den Gesammt- 
werth und -einfluß dieses Genius aussprechen. Repräsentirt 
er nicht nur die Errungenschaft des Zeitalters, in dern er 
lebte, sondern auch das, was es werden wollte und jetzt 
wird? Und was sollen wir denken von jener Abwesenheit 
der moralischen Emptindung, jener auffäUigen Gleichwertig- 
keit von gut und böse im Handeln, die bei den Reinen 
seine Schriften in Mißcredit bringt? 

»Alle großen Männer haben mit Stolz geschrieben und 
Erläuterungen verschmäht. Sie wußten, daß der einsichts- 
volle Leser schließlich kommen und ihnen danken würde. 
So hat es Dante gemacht, so Machiavelli. Goethe hat es 
im Wilhelm Meister gethan. Wir können uns vorstellen, 
daß er zu sich selber sagte: , Dichter des Idealen gibt es 
genug; ich will das Wirkliche malen, wie es nach langen 
Träumen weisen Menschen erscheinen und immer wieder 
erscheinen wird. Daß mit der Zeit alles sich zurecht legt, 
darf ich wohl annehmen, und mein Roman kann auch 
darauf warten. Das Zeitalter, das ihn als falsch und irre- 
leitend verdammen kann, wird einsehen, daß er mit_ dem 
Genius und der Geschichte aller Jahrhunderte in tiefem 
Einklang ist. Ich habe meinen Charakteren eine Neigung 
zum Irrthum gegeben; die Menschen haben sie. Ich habe 
Mißgeschick anstatt des Glücks eintreten lassen; es geschieht 
tagtäglich. Und aus vielen Fehlern und Unglücksfällen habe 
ich einen großen Erfolg entstehen lassen, wie ich es an 
mir selbst und in vielen anderen Beispielen erfahren hatte. 
Grimmige Kirchenmänner und weichhche Streber mögen 
meinen Namen schelten und hassen, jeder scharfe Beobachter 
des Lebens wird meine Wahrhaftio;keit anerkennen und 
mich freisprechen von der Beschuldigung, der Sache der 



J44 Abhandlungen'. 



Menschheit dadurch präjudicirt zu haben, daß ich sie mit 
dieser traurigen Treue male. Ist nicht herbe Wahrheit für 
tiefe Seelen die süßeste Schmeichelei?' .... 

»ja, o Goethe, allein das Ideale ist wahrer als das 
Wirkhche. Dieses ist vergängHch, jenes unwandelbar. 
Ferner, da die Natur morahsch ist, kann nur derjenige 
Geist sehen, in dem dieselbe Ordnung durchaus herrscht. 
Wahrheit, Schönheit und Güte, vertauschbar und einander 
durchdringend, müssen die Säfte eines Auges bilden, das 
Ursachen, die ihre letzte Wirkung erreichen und die Welt 
auf ewig erneuern, erkennen will. Die geringste Ungleich- 
heit der Mischung, das Vorherrschen des einen Elementes 
über die anderen, vermindert um soviel die Durchsichtig- 
keit der Dinge, macht die Welt dem Beobachter unerkennbar 
und vernichtet insoweit den Werth seiner Erfahrung. Keine 
besonderen Gaben können diesen Mangel aufwiegen. Wenn 
ich Wilhelm Meister lese, entzückt mich die Weisheit; mit 
Ben Jonson zu reden, das Buch ist mit Leben vollgestopft 
(rammed with Hfe). Ich finde da wirkliche Mcänner und 
Frauen, ja zu lebenswahr geschilderte. Ich werde ferner 
von der Möglichkeit einer hochgebildeten Gesellschaft unter- 
richtet, und wie großes Talent und hohe Bildung unter 
einem grauen Rock existiren kann. Aber das ist alles. Die 
Schranken einer künstlichen Gesellschaft bleiben immer 
sichtbar. Die fehlerhaften Conventionen, die uns wie 
Gefängnißmauern einzwängen und die der Dichter durch 
seine Berührung sprengen sollte, stehen in derselben Geltung 
wie in der Zeitung. Ich werde niemals über mich selbst 
erhoben, nie über die Herrschaft der Sinne hinausgetragen; 
ich werde weder mit einer unendlichen Liebe beglückt, 
noch mit einem großen Vertrauen ausgerüstet. 

»Goethe muß daher als der Dichter des Actuellen, 
nicht des Ideellen, bezeichnet werden; als der Dichter der 
Begrenzung, nicht der Möglichkeit; als der Dichter dieser 
Welt, nicht der Religion und der Hoffnung; kurz, wenn 
ich so sagen darf, als der Dichter der Prosa und nicht der 
Poesie. Er nimmt die niedrige Lehre vom Fatum an 
und liest die Freuden auf, die noch sporadisch außer dessen 

Banne stehen Die Dichtung ist daher für ihn die 

Vergoldung der Kette, die Milderung seines Schicksals; 
aber seine Muse wagt niemals jene Donnertöne, die Mond 
und Sonne erbeben lassen, mit schrecklicher Melodie all 
dieses eiserne Gitterv^^erk der Umstände zerreißen und den 
alten Himmel und die alte Erde vor dem freien Willen, 
vor der Gottheit des Menschen, vernichten. Daß Goethe 
kein seinen andern Vermögen entsprechendes sittliches 
Empfinden hatte, ist demnach kein unwesentlicher Umstand, 



E.MERSONS VeRHÄLTNISS ZU GOETHE. 145 

wie wir von einem iMenschen sagen, er habe keinen Sinn für 
Ton oder Farbe; nein, es ist die Cardinalthatsache der 
Gesundheit oder Krankheit. Denn da es ihm daran fehhe, 
konnte er kein Schöpfer im großen Sinne sein, und, mit 
göttlichen Gaben ausgestattet, sinkt er nach unabänder- 
lichem Urtheilsspruch in die gewöhnUche Geschichte des 
Genies zurück. Er war es zufrieden, ins Geleise gewöhn- 
licher Dichter zu fallen und seine herrlichen Fähigkeiten 
für gewöhnliche Zwecke zu verschwenden, und er hat ver- 
zichtet auf das Amt, das dann und wann in vielen 
Jahrhunderten einem Menschen kraft seines Genius zu 
teil wird, ein Erlöser des menschUchen Geistes zu sein. 
Er hat besser als andre Dichter geschrieben, nur weil 
sein Talent subtiler war; aber den Ehrgeiz des Schöpfers 
hat er abgelehnt. Das Leben ist, dank ihm, hübscher, 
leichter, weiser, decenter geworden, es hat etliche Edel- 
steine mehr auf seinem Kleide ; aber die alte, ewige Bürde 
ist nicht leichter .geworden, und kein Tropfen gesünderen 
Blutes fließt in unsern Adern. So ziehe er vorüber! Die 
Menschheit muß noch am Rande des Weges ihren Arzt 
erwarten und, da dieser ausscheidet, gestehen, daß die, die 
in der unschuldigen Hoffnung ihres Herzens versicherten, 
ein Arzt würde kommen, ihr doch besser gedient haben als 
dieser majestätische Künstler mit allen Schätzen des Geistes, 
der Wissenschaft und der Macht, die ihm zu Gebote standen«. 
Also Emerson im Jahre 1840. Der Goethekenner von 
heute wird gestehen, daß die Würdigung im Ganzen eine 
höchst geistreiche, in vielen Punkten auch eine treffende 
war. FreiUch wird er auch manches daran auszusetzen 
haben. Es ist zum Beispiel sonderbar, wenn Emerson bei 
einem Dichter, der selber seine Werke für Bruchstücke 
einer grossen Confession erklärte, einen gänzlichen Mangel 
an Offenheit findet und das Gegentheil davon gerade bei 
Shakspere entdeckt haben will. Auch können wir seinen 
moralischen Ausführungen nur zum kleinen Theil bei- 
stimmen, denn sie beruhen auf einer Vermengung des 
moralischen mit dem künstlerischen Gesichtspunkte. - Sie 
beruhen eigentlich auf dem Satze, daß das Unsittliche 
künstlerisch darstellen selbst unsittlich sei, — eine jetzt 
altmodisch kUngende Lehre, die in der modernen Kritik 
eine große Rolle spielt. Mancher andre als Emerson hat 
sich mit den losen Liebschaften Wilhelm Meisters nicht 
befreunden können, — dem Dichter Wordsworth waren 
sie bekanntlich ein Greuel. Merkwürdig ist aber, daß diese 
strengen Richter Goethes in neun von zehn Fällen nichts 
als unbedingtes Lob für Homer und Shakspere haben. Als 
ob diese immer keusch und erbaulich wären! 

GOETHE-jAHREtCU XXIV. 10 



146 Abhandlungen. 



Aber Marianne und Philine tragen nicht die ganze 
Schuld an diesem moralischen Groll gegen den deutschen 
Dichter. Für Emerson und seinen Kreis galt es als aus- 
gemacht, daß Goethe ein unsittliches Leben geführt habe. 
Im Dial befaßte man sich vielfach mit ihm und war 
namentlich bestrebt, ihn gegen Wolfgang Menzel zu ver- 
theidigen, dessen »Deutsche Literatur« 1840 in einer eng- 
lischen Uebersetzung von C. C. Feiton erschienen war. 
In der dritten Nummer des ersten Jahrgangs findet sich ein 
längerer, nur mit dem Buchstaben P unterzeichneter Aufsatz 
über »German Literature«. Zweck und Tendenz des Artikels 
ist, die deutsche Literatur gegen Angriffe der Ignoranz 
und des Vorurtheils in Schutz zu nehmen. Der Verfasser 
widmet dem Menzelschen Buche mehrere Seiten und schreibt 
unter anderem Folgendes: »Daß Goethe als Mensch in 
sehr hohem Grade selbstsüchtig gewesen, ein Wüstling 
(debauchee) und feingebildeter Epikureer, der mit dem 
Höchsten im Menschen wenig Sympathie hatte, so lange 
er sich selbst mit Rosen bekränzen konnte, wollen wir 
zugeben«. Das findet sich — man vergesse es nicht — in 
einer Vertheidigung Goethes gegen ungebührhche Herab- 
setzung! Es ist die Aeußerung eines belesenen, liberalen 
Schriftstellers, dem man jedenfalls keine antideutsche 
Tendenz zuschreiben darf, denn er nennt die deutsche »die 
schönste, originalste, frischeste, religiöseste Literatur aller 
neueren Zeiten«. Ich bemerke nebenbei, daß die Aus- 
drücke »Wüstling« und »Epikureer« für die hochbegabte 
Herausgeberin des Dial, Margaret Füller, zu viel waren; 
denn in derselben Nummer bringt sie einen eignen Aufsatz, 
»Menzel's View of Goethe« betitelt, worin sie schon im 
ersten Satze mit der Meinung herausplatzt, daß Menzels 
Ansicht von Goethe die eines Philisters sei. 

Bei Emerson und seinem Freundeskreis herrschte, trotz 
allem Radikalismus in rein konfessionellen Dingen, das 
Moralische entschieden vor. Er sagt freilich, das Höchste 
bestehe indem vollkommenen Gleichgewicht der moralischen, 
ästhetischen und wissenschaftlichen Einsicht ; und dieses 
Gleichgewicht finden wir in eminentem Maße gerade bei 
Goethe. Daß Emerson es nicht gefunden hat, erklärt sich 
zum Theil daraus, daß es in seiner eignen Natur nicht 
vorhanden war. Der Abkömmling einer langen Reihe von 
Puritanern und Predigern, konnte er den Morahsten nie- 
mals richtig im Zaum halten. Er hat die ganze Welt 
moralisiren wollen. Man erinnere sich des Satzes, daß die 
Natur selbst moralisch sei. Anderswo behauptet er, der 
Anblick der Natur sei fromm; sie stehe, wie die Figur des 
Jesus, mit gebeugtem Kopf, die Hände auf der Brust ge- 



Emersons Verhältniss zu Goethe. 147 

faltet. Das ist allerdings eine Ansicht, die Goethe nicht 
getheilt hat. Für ihn lag das Sittliche im Menschen. Das 
»Hauptfundament« desselben war der gute Wille; die 
Hauptlugend war des Lebens ernstes Führen. Wer diese 
besaß, war im höchsten Sinne ein sittlicher Mensch und 
durfte sich den conventionellen Formen gegenüber mit 
einiger Freiheit bewegen. 

Allein für Emerson war es anders. In derselben Vor- 
lesung, die ich oben citirte, worin er seine Forderung des 
geistigen Gleichgewichts als Bedingung des höchsten Genies 
so emphatisch ausspricht, findet sich folgende Stelle, die 
damit eigentUch im Widerspruch steht: »Die höchste Klasse 
von Büchern besteht aus denjenigen, welche das moralische 
Element ausdrücken; darauf folgen die Werke der Ein- 
bildungskraft, und darauf die wissenschaftHchen«. Demnach 
sitzt äas Moralische doch schließlich auf dem Throne. 
Und für Emerson lag dieses Moralische in der absoluten 
Erkenntniß. Für Goethe aber, besonders in seinen späteren 
Jahren, lag es vielmehr in der social-sittUchen Entwicklung 
der menschlichen Gesellschaft. Deshalb fühlt sich das heutige 
Geschlecht, so weit es überhaupt philosophische Interessen 
hat, weit mehr von der praktischen Lebensweisheit Goethes 
angezogen als von der mystisch-transcendentalen Denkweise 
Emersons. 

Die Weiterentwickelung der Ansichten Emersons läßt 
sich nicht mehr chronologisch verfolgen. Eine Zeit lang 
meinte er, wie es scheint, mit Goethe fertig zu sein. Noch 
im Jahre 1840 schreibt er an Carlyle: 

»Sie fragen, ob ich deutsch lese. Es ist mir gelungen, 
beinahe alle Bände von Goethe zu lesen, deren ich fünf- 
undfünfzig habe; sonst aber habe ich nichts gelesen. Auch 
Goethe selbst habe ich längst nicht mehr eingesehen«. 

Allein in der Folgezeit kam er öfters auf ihn zurück, 
und seine einmal gefaßte Meinung blieb nicht unberührt 
von Zweifel und Bedenken. Der Essai »Nominalist and 
Realist« enthält folgende höchst interessante Stelle : 

»Kritisirst du ein großes Genie, so ist zu wetten, daß 
du deine Rechnung verloren hast und anstatt des Dichters 
bloß deine eigene Karikatur von ihm bekrittelst. Denn 
es ist in jedem Menschen, besonders in jedem Genie, etwas 
Sphärales und Unendliches, was, wenn du ihm sehr nahe 
kommst, mit all deinen Beschränkungen spielt. Denn eigent- 
lich ist jeder Mensch ein Kanal, durch den der Himmel 
fließt, und indem ich ihn zu kritisiren wähnte, beurtheilte 
oder definirte ich nur meine eigene Seele. Nachdem ich 
Goethe als Höfling, ungläubig, konventionell, weltlich, 
taxirt hatte, nahm ich dieses Buch, Helena, in die Hände 



148 Abhandlungen. 



und fand in ihm einen Indianer der Wildniß; ein Stück 
reiner Natur, wie einen Apfel oder eine Eiche; groß wie 
der Morgen oder die Nacht und tugendhaft wie eine Rose«. 
Ist das nicht tief und richtig empfunden, daß jede 
Kritik eines großen Dichters von tausendfältiger Gefahr 
bedroht ist und schließlich nur den Beurtheiler selbst zur 
Schau trägt? Ist es dagegen nicht sonderbar, beinahe bis 
zur Grenze des Komischen, daß ein fein gebildeter und in 
der Weltliteratur gut bewanderter Mensch an allen andern 
Werken Goethes vorbeigegangen ist, ohne die Natur in 
ihrer Frische und Reinheit darin zu entdecken, um dann 
diesen seltenen Vogel gerade im zweiten Theil des Faust 
aufzutreiben ? Aber Emerson hatte eine Vorliebe für den 
zweiten Theil, und das macht mir selbst seine Grillen 
theuer, denn ich bin längst von derselben Krankheit ange- 
steckt. Nur vermag ich in dem Dichter der Helena keine 
Rothhaut zu entdecken — eher in der ßrockenscene, wenn 
man überhaupt den Indianer gelten lassen will. 

Bevor wir nun das Gebiet der kleineren Aeußerungen 
betreten, verweilen wir einen Augenblick bei dem eigen- 
thümlichen Gedicht »Test and Solution«, worin Emerson 
gewissermaßen sein Glaubensbekenntniß über die Haupt- 
größen der Literatur ablegt. Die Muse spricht — wohl 
die obenerwähnte transcenaentale Muse — : 

I hung my verses in the wind, 

Time and tide their faults may find. 

All were winnowed through and through, 

Five lines lasted sound and true .... 

Have you eyes to find the five 

Which five hundred did survive? 
Also fünf Zeilen aus dem ganzen Corpus der Weltdichtung,, 
will sagen, fünf Dichter aus der zahllosen Menge, haben 
sich als unsterblich bewährt. Welche sind das? Die Muse 
antwortet, sie habe lange Zeit allein gesessen, das Haupt 
mit Sternen bekränzt, und habe Aeonen hindurch versucht,, 
die leblose Erde mit Gedanken zu zünden. Ihr Gesang 
habe über den »spawning slime« gesiegt; die grimmigen 
Elemente seien gezähmt worden, die Wölfe hätten ihre 
Zähne verloren, die Erde habe gelächelt, als der Mensch 
geboren ward. Zunächst seien die Hirtenvölker Asiens und 
die Aegypter mit ihren Granitbauten vorangegangen, worauf 
der vollkommene Grieche aufgetreten sei : 

That wit and joy might find a tongue 

And earth grow, civil Homer sung. 

Nun erklärt die Muse, wie sie von Griechenland nach 
Italien geflogen sei und lange Zeit geschwiegen habe, da 



Emersons Verhalthiss zu Goethe. 149 

sie auf Wunsch und Geheiß nicht habe singen können. 
Schheßlich sei der zweite Mann gekommen: 

So I folded me in fears, 

And Dante searched the triple spheres, 

Moulding nature at his will, 

So shaped, so colored, swift or still, 

And, sculptor-like, his large design 

Etched on Alp and Apennine. 

Dann nach kurzem Zwischenräume der dritte: 

Seethed in mists of Penmanmaur, 

Taught by Plinlimmon's Druid power, 

England's genius fiUed all measure 

Of heart and soul, of strength and pleasure, 

Gave to the mind its emperor, 

And life was larger than before; 



Nor sequent centuries could hit 
Orbit and sum of Shakspeare's wit. 



So weit wäre alles wohl in der Ordnung. Nun aber, 
da sie ihren vierten Liebling ankündigen will, wird die 
Muse excentrisch: 

Far in the North, where polar night 

Holds in check the frolic light. 

In trance upborne past mortal goal 

The Swede Emanuel leads the soul. 

Through snows above, mines Underground, 

The inks of Erebus he found; 

Rehearsed to men the damned wails 

On which the seraph music sails. 

In spirit-worlds he trod alone, 

ßut walked the earth unmarked, alone. 

Der fünfte Liebling ist Goethe: 

In newer days of war and trade, 
Romance forgot and faith decayed, 
When Science armed and guided War 
And Clerks the Janus-gates -unbar, 
When France, where poet never grew, 
Halved and dealt the globe anew, 
Goethe, raised o'er joy and strife, 
Drew the firm lines of Fate and Life 
And brought Olympian wisdom down 
To court and mart, and gown and town; 
Stooping his finger wrote in clay 
The open secret of to-day. 



150 Abhandlungen. 



Es fällt mir gewiß nicht ein, diese poetische Literatur- 
geschichte weitläufig zu commentiren. Sie hat Werth in 
so fern sie den Geist Emersons kennzeichnet. Wohl kein 
anderer Mensch, der je gelebt, würde den schw^edischen 
Träumer in eine solche Compagnie der Unsterblichen ein- 
gereiht haben. Was die Schätzung Goethes betrifft, so 
haben wir in dem Gedicht denselben Grundgedanken wie 
vorhin in der Vorlesung über Literatur, nämlich, daß er 
par excellence der Dichter des vielseitigen, kenntnißreichen, 
aber tief unpoetischen modernen Lebens sei. 

Die kürzeren Beziehungen auf Goethe, Erwähnungen, 
Citate u. s. w., die sporadisch in den Werken Emersons 
vorkommen, sind nicht besonders lehrreich. Mehrmais 
citirt er Goethesche Sätze — Verszeilen nur höchst selten — 
um einen eignen Gedanken zu beleuchten oder zu be- 
kräftigen. In der berühmten Rede »The American Scholar« 
bemerkt er, daß die Einsicht in den Werth des Gemeinen 
fruchtbar an Entdeckungen sei, und fügt hinzu, daß Goethe, 
gerade in dieser Hinsicht der modernste aller Modernen, 
uns doch wie keiner vor ihm mit dem Genius der Alten 
bekannt gemacht habe. Im Essai »Uses of Great Men« 
nennt er Goethe, zugleich mit Piaton, Shakspere und 
Swedenborg, einen, der sein Auge für die Gesetze der 
Identität und der Reaction stets offen gehalten habe. Im 
Essai »Plato, or the Philosopher« erwähnt er ihn neben 
Augustin, Copernicus, Newton, Böhme und Swedenborg, 
als Schuldner Piatons, dem er »es habe nachsagen müssen«. 
Anderswo nennt er Piaton »jenen ältesten Goethe«. Im 
Essai über Montaigne spricht er ablehnend von Byron und 
Goethe als Dichtern des Skepticismus. Von Shakspere 
redend, lobt er Goethe und Coleridge als »die einzigen 
Kritiker, die unsre Ueberzeugungen mit einiger Treue aus- 
gedrückt haben«. An einer anderen Stelle nennt er Goethe 
»einen der besten Köpfe, die je gelebt haben«. Im Essai 
»Greatness« meint er, Goethe glänze nicht in seinem Brief- 
wechsel mit dem Großherzog von Weimar; der Fürst sei 
offenbar im Vortheil gegenüber dem Olympischen Genie. 

Urtheile über einzelne Werke kommen auffallend selten 
vor. Nur Faust und Tasso, wenn ich nichts übersehen 
habe, werden berührt. In dem Essai »Prudence« meint 
Emerson, daß Goethes Tasso ein ziemlich gutes ge- 
schichtliches Portrait sein dürfte, und daß darin die wahre 
Tragödie liege. Die Stelle über Faust — sie findet sich 
in dem Essai »Poetry and Imagination« — lautet wie folgt: 

»Ich finde den Faust ein wenig zu modern und ver- 
ständlich. Ein solches Fabrikat können wir in mehreren 
Mühlen finden, obwohl in etwas schlechterer QuaHtät. Faust 



Emersons Verhältniss zu Goethe. 151 

ist reich an Widerwärtigem. Das Laster darin ist geil, 
angelernt, parisisch. In Gegenwart Jupiters darf Priapus 
als Gegengewicht erscheinen, hier aber ist er ein gleicher 
Held. Der Egoismus, der Witz, sind berechnet. Das Buch 
ist unleugbar von der Hand eines Meisters und steht in 
einem bedauerlichen Verhältniß zur ganzen modernen Welt, 
aber es bildet ein sehr widerwärtiges Capitel der Literatur, 
das den Verfasser sowohl als die Zeiten anklagt«. 

Die kritische Sippe derjenigen, welche die Schönheiten 
des ersten Theils als Rosen gebrauchen, um damit die 
Teufel des zweiten Theils zu bekriegen, ist längst bekannt. 
Hier dagegen ist einer, der die Gretchentragödie für ge- 
macht, berechnet und abstoßend hält, den zweiten Theil 
dagegen natürhch und reizvoll findet. Man freue sich jeden- 
talls an der Seltenheit dieser Meinung. Von der »Helena«, 
wie Emerson schlechthin den zweiten Theil des Faust 
nennt, schreibt er im Essai »History« : 

»Man beachte in Goethes Helena dasselbe Verlangen, 
daß jedes Wort ein Ding sein soll. Diese Figuren, möchte 
er sagen, Chiron, die Greifen, Phorkyas, fielena, Leda, 
sind wirklich etwas und üben einen specifischen Einfluß 
auf den Geist. In dem Grade also sind sie ewige Wesen 
und ebenso wirklich heute als in der ersten Olympiade. 
Lange Zeit über sie sinnend, schreibt er seinen Humor 
unbefangen aus und verkörpert die Gestalten seiner 
Imagination gemäß. Obwohl unbestimmt und phantastisch 
wie ein Traum, ist dieses Gedicht doch anziehender als 
die regelmäßigen Stücke desselben Verfassers, und zwar 
aus dem Grunde, daß es eine wunderbare Erleichterung 
des an die routinemäßigen Bilder gewohnten Gemüths be- 
wirkt und durch die wilde Freiheit des Planes und die nie 
aufhörenden Ueberraschungen die Einbildungskraft und 
Phantasie des Lesers wach erhält«. 

Man wird Emerson gewiß darin beistimmen, daß die 
klassische Walpurgisnacht eine reizvolle Dichtung ist. 
Allein wir wollen ihre Eigenart Heber für sich gelten lassen, 
ohne sie auf Kosten der Iphigenie und des Tasso zu be- 
loben, die doch ihre eignen Vorzüge haben. 

Und somit wären wir bei dem bekannten Capitel in 
«Representative Men« angelangt. Aber eben weil dieses 
Capitel bekannt ist, und zwar auch dem deutschen Publikum 
durch die schöne Uebertragung Grimms, kann ich von der 
sonst gebührenden Besprechung desselben absehen. Ein paar 
Worte sollen genügen. Emerson faßt Goethe als »writer« 
auf, das heißt, als Berichterstatter oder Reporter höheren 
Stils. Darin liegt schon etwas Bedenkliches, denn Goethe 
war doch vor allem Dichter. Aber im Plane Emersons 



I 52 Abhandlukgen. 



war die Rubrik des Dichters schon von Shakspere vor- 
weggenommen. Die Folge ist, daß Goethe von einem 
Gesichtspunkte betrachtet wird, welcher zwar lehrreich ist, 
aber das Thema bei weitem nicht erschöpft. Wie er steht, 
gehört der Aufsatz keineswegs zu den besten im Buche. 
Die Capitel über Piaton und Shakspere sind weit besser 
gelungen. Namentlich lassen die Bemerkungen über einzelne 
Werke — z. B. über Wilhelm Meister und Dichtung und 
Wahrheit und über »Helena«, welche noch einmal berührt 
wird — viel zu wünschen übrig. Das, was die Uterarischen 
Urtheile Emersons vom Standpunkte unsrer heutigen Wissen- 
schaft theils unbefriedigend, theils geradezu verkehrt er- 
scheinen läßt, ist der vöUige Mangel an historischer Kritik. 
Die Werke werden besprochen, als ob sie fertig vom 
Himmel gefallen wären — ohne alle Rücksicht auf einen ge- 
schichtlichen Entwickelungsproceß. Aber historische Kritik 
war eben nicht seine Sache. Er gehörte jenem älteren 
Geschlechte an, welches gewohnt war, über alle geistigen 
Erscheinungen vom Standpunkte einer vermeintlich höheren 
Erkenntniß abzuurtheilen. 

Andrerseits aber enthält der Aufsatz eine Menge herr- 
licher Gedanken, die uns durch ihre wunderbare, orakel- 
hafte Tiefe noch heute anmuthen. Mit einer kleinen Schnur 
solcher Perlen schUeße ich diesen Aufsatz: »Er scheint 
zu sehen, als wäre jede Pore seiner Haut ein Auge« .... 
»Er ist ganz Auge und wendet sich instinktmäßig dahin, 
wo die Wahrheit liegt« .... »Er war die Seele seines 
Jahrhunderts« .... »Nichts blieb ihm verborgen, nichts 
vorenthalten; die lauernden Dämonen saßen ihm zum Bilde, 
und die übernatürlichen Elemente wurden zu leibhaftigen 
Gestalten« .... »Der alte, ewige Geist, welcher die Welt 
baute, senkte sich in diesen Mann tiefer als in irgend 
einen andern«. 




Aus Goethes römischem Kreise. 
Thomas Jenkins. 



Von 

Friedrich Noack. 




nter den Menschen, denen Goethe in Rom näher 
trat, ist der Engländer Jenkins einer der wenigst 
bekannten; wir sind bis jetzt nur sehr dürftig über 
ihn unterrichtet. Der Dichter selbst erwähnt ihn in der 
ItaHenischen Reise gar nicht und nur zweimal im zweiten 
römischen Aufenthah; eine auf Jenkins bezüghche Bemerkung 
in einem Brief an Frau v. Stein vom 25. Januar 1787 ist in 
die ItaHenische Reise nicht aufgenommen worden. Jene 
beiden Erwähnungen betreffen die Einladung des Engländers 
zu dem bei Goethe im Sommer 1787 veranstalteten Concert 
und die Villeggiatur in Castelgandolfo, wo der Dichter in 
Jenkins' Landhaus die flüchtige Herzensbeziehung zu der 
schönen Mailänderin anknüpfte, deren Bruder Prokurist bei 
Jenkins war. Dann wird der Engländer in Goethes Werken 
noch ein einziges Mal genannt, aber ohne jegliche persön- 
liche Beziehung zum Dichter, nämhch in der Lebensbe- 
schreibung Hackerts. Man darf daraus nicht schließen, daß 
Jenkins im römischen Verkehr Goethes nur eine neben- 
sächliche Rolle gespielt habe. Vielmehr weist schon die 
Art jener beiden Erwähnungen gerade auf das Gegentheil 
hin. Die Thatsache allein, daß Goethe und seine Haus- 
genossen Jenkins zu einem Fest ihres engeren Freundes- 
kreises zuzogen, könnte als Beweis für nahe und gute 
Beziehungen genügen, auch wenn die ausdrückliche An- 



154 Abhandlungen. 



spielung auf gesellschaftliche Verpflichtungen nicht sofort 
folgte.' Auf einen gewissen Grad von Vertrautheit in ihrem 
Verkehr weist aber erst recht der Sommeraufenthalt hin, 
den Goethe als Jenkins' Gast in dessen Landhaus zu Castel- 
gandolfo nahm;* auch die Erzählung von dem humoristischen 
Zwischenfall mit den Pilzen, die Herrn Jenkins eine gewisse 
pedantische Gastgeberwürde verleiht, kann nur als Beleg 
dafür dienen. Haben also während des Dichters Aufenthalt 
in Rom häufige persönliche Berührungen zwischen beiden 
stattgefunden, obschon sie nicht ausdrücklicher in seinen 
Aufzeichnungen erwähnt sind, so wurde die Beziehung auch 
nach Goethes Scheiden von Rom nicht völlig gelöst, in 
geschäftlicher Form bestand sie jedenfalls noch weiter, so 
lange Weimarer Gäste am Tiber weilten. Goethe besaß- 
ein Guthaben in Jenkins' Bankgeschäft, worauf Bury im 
December 1788 hundert Zechinen erhob, um alte Bilder zu 
kaufen, und Heinrich Meyer Zahlung für die Zeichnungen 
erhielt, die er der Herzogin Amalie überlassen hat.' 

Dieser Mann, einer der wenigen Nichtdeutschen, denen 
Goethe in Rom näher trat, war schon ein bejahrter Herr 
und länger als ein Menschenalter dort ansässig, als der 
Dichter die ewige Stadt besuchte. Nach der Angabe eines 
neueren Künstlerlexicons '* soll Thomas Jenkins 1730 in der 
Grafschaft Devonshire geboren sein. Die Ortsangabe scheint 
zu stimmen, ^ die Jahreszahl ist anfechtbar ; denn mehrfache 
Angaben der römischen Pfarr-Register weisen überein- 
stimmend auf 1722 als Geburtsjahr hin.^ Nach dem ge- 
nannten Künstlerlexicon war er ein Schüler des Bildniß- 
malers Hudson in London »und zog mit dem Landschafts- 
maler Richard Wilson nach Rom, wo er 1763 lebte. Da 
ihm bei der Malerei der Erfolg ausblieb, verlegte er sich 
auf den Antiquitätenhandel und wurde später Bankier«. 

* Goethe sagt; »Die Herren Jenkins, Volpato und wem wir sonst 
eine Artigkeit schuldig waren«. 

' Das Gebäude scheint noch heute kaum verändert erhahen zu 
sein. Es Hegt vor dem Eingang zum Dorf vom Bahnhof her, rechts 
der Straße unterhalb der päpstlichen Villa, bevor der Weg sich theilt. 
um links in den Ort hinauf und rechts unter dem Namen Galleria di 
sotto nach Albano zu führen. 

3 Harnack »Zur Nachgeschichte der Italienischen Reise«, S. in, 
Brief Burys an Goethe, 11. Dec. 1788; S. 182, Brief Goethes an Meyer, 
21. August 1789; S. 193, Brief Meyers an Goethe, 24. Sept. 1789. 

4 Müller-Singer »Allgemeines Künstler-Lexicon«, Bd. II, 268. 
> S. u. die Notiz über seine Nichte. 

6 Stato delle Anime von S. Maria del Popolo: 1758 Tomaso 
Jenchins di Londra, qm. Guglielmo (d. h. Sohn des verstorbenen 
William J.), eretico, 36 (Jahre alt); 1765 Tommaso Gianchenz di Londra, 
pittore, protestante, 43; 1774 Tom« Gianchenz inglese protestante, 
negoziante, 52. 



Aus Goethes römischem Kreise. 155 



Auch diese Angaben lassen sich aus römischen Acten er- 
gänzen und berichtigen. Jenkins findet sich mit Wilson 
zusammenwohnend im Frühjahr 1753 verzeichnet,' und 
zwar in einem Haus des spanischen Platzes zwischen dem 
Eingang zu den Straßen Croce und Carrozze, neben dem 
von fremden Kunstfreunden und Künstlern vielbesuchten 
Caffe Inglese. Danach müßten die beiden jungen Künstler 
mindestens schon mit Beginn des Winters 1752— 1753 in 
Rom gewesen sein, wahrscheinUch aber schon eher, da 
Richard Wilson schon 1749 nach Italien ging, zuerst nach 
Venedig, und in Rom noch unter dem Einfluß Joseph 
Vernets stand, der gerade im Jahre 1753 nach Frankreich 
zurückkehrte," Im Frühjahr 1758 finden wir Jenkins rnit 
dem englischen Maler John Pfimer zusammen wohnen im 
oberen Theil des Corso, vom Thor kommend links, ein 
paar Häuser über das Goethehaus hinaus.' Plimer hauste 
bis 1760 mit ihm zusammen, vom Frühjahr 176 1 an bis 
1764 ist Jenkins allein in derselben Wohnung aufgeführt. 
Er wird während dieser Zeit und auch noch später bis 1773 
ausdrückhch als Maler bezeichnet. Dieser Umstand ist nicht 
belanglos. Es wird nämlich auf Grund der Charakteristik, 
die ein Zeitgenosse von Jenkins um 1790 entwarf, ver- 
schiedentlich behauptet, er habe zur rechten Zeit die Un- 
zulänglichkeit seines Talents erkannt und sich darum dem 
einträglicheren Kunsthandel und Bankgeschäft gewidmet.'* 
Mir scheint dadurch seine Persönlichkeit in ein falsches 
Licht gerückt zu sein; denn es ist nicht gleichgültig, ob 
sich Jemand aus Freude an archäologischen Studien, oder 
aus bloßer Gewinnsucht, oder weil er in einem anderen Beruf 
nichts leisten konnte, dem Kunsthandel widmet. Nun ist 
durch die römischen Pfarrei-Register bewiesen, daß Jenkins 
sich bis zu seinem 51. Lebensjahre stets als Maler bezeichnen 
ließ; daß er auf diesem Feld nicht gerade ein Stümper 
war, wird durch seine um 1760 erfolgte Ernennung zum 
»Accademico di merito« von S. Luca bezeugt.^ So lange 



' Stato delle Anime von S. Lorenzo in Lucina 1755: »Tomaso 
Ginkins« und »Riccardo Wilshon« (mit einem conventionellen Zeichen 
für Nichtkatholiken). 

* Müller-Singer a. a. O. IV, 104 f; 509. 

3 Stato delle Anime von S. Maria del Popolo 1758 bis 1764. 

♦ Vergl. außer der obigen Stelle bei Müller-Singer auch Justi 
»Winckelmann und seine Zeitgenossen«, 2. Aufl. Bd. II, 303 und 
Harnack »Deutsches Kunstleben in Rom im Zeitalter der Classik« S. 48. 

5 In dem 1762 veröffentlichten Mitglieder -Verzeichniß von S. Luca 
wird unter den neu ernannten »Accademici di merito« Tomaso Jenkins 
inglese pittore aufgeführt, zusammen mit dem Architekten Robert Mylne 
und dem Maler Gavin Hamilton, der damals neben Mengs der be- 
rühmteste fremde Maler in Rom war. 



156 Abhandlungen. 



wir keine eigenen Arbeiten von Jenkins' Pinsel kennen, 
müssen wir dieser Aufnahme unter die Academiker von 
S. Luca einen gewissen Werth als Beurtheilungsmaterial 
für seine künstlerischen Fähigkeiten beilegen. Mag man 
die Bedeutung jener Academie hoch oder niedrig ein- 
schätzen, so wird man doch nicht die einige Jahre früher 
erfolgte Aufnahme von Raphael Mengs als eine hohe Aus- 
zeichnung und zugleich die Ernennung Jenkins' zu demselben 
Grade als eine gleichgültige Förmlichkeit ansehen können. 
Es wurden ja wohl Päpste, Kardinäle und Fürsten, ohne 
daß sie malen konnten, zu Ehrenmitgliedern der Academie 
ernannt, aber bei einem Privatmann, und noch dazu einem 
Ausländer, kann doch die Aufnahme unter die »Academiker 
von Verdienst«, wie die der Academie angehörigen Berufs- 
künstler genannt wurden, nur als ein Zeugniß dafür an- 
gesehen werden, daß er in seiner Kunst der Anerkennung 
werthe Leistungen aufzuweisen hatte. Um jene Zeit machte 
Winckelmann Jenkins' Bekanntschaft; er nennt ihn in seinen 
Briefen ausdrücklich als Maler, bemerkt aber auch, daß er 
nicht nöthig hatte, diesen Beruf für seinen Lebensunterhalt 
zu betreiben.' Ob der Engländer von Hause aus reich war 
oder seine gesicherte materielle Lage einem gewissen Hollins 
verdankte, der von ihm als Stifter seines Glücks verehrt 
wurde,* mag dahingestellt bleiben; jedenfalls erfreute sich 
Jenkins damals schon so günstiger Lebensumstände, daß er 
nicht für Geld zu malen brauchte und sich bereits der 
kostspieligen Sammelliebhaberei widmen konnte. Seine 
Beziehungen zu Winckelmann erwuchsen aus dem gemein- 
samen Interesse für antike Kunstdenkmäler; das geht aus 
dem Dutzend Briefstellen, wo der deutsche Archäologe 
seiner gedenkt, deutlich hervor, während darin niemals 
von einer Bankierthätigkeit die Rede ist. Diese gehört 
einer späteren Zeit an. Alterthümer sammeln und wieder 
verkaufen war damals ein auch von Künstlern beliebter 
ästhetischer Sport, Jenkins' Landsleute in Rom betrieben 
ihn fast alle, und Gavin Hamilton verdankt ihm die Hälfte 
seines Ruhms. Jenkins scheint sich von Anfang an vor 
vielen Mitbewerbern in der Sammelleidenschaft durch Eifer, 
Glück und Verständniß ausgezeichnet zu haben, Winckel- 
mann beneidete ihn mehr als einmal um seine Errungen- 
schaften. So im Februar 1764 um die Kamee mit dem 
Kopf des Caligula, »welches der schönste hochgeschnittene 
Kopf ist, welchen ich unter vielen Hunderten gesehen 



' Briefe Winckelmanns an Muzel-Stosch, 7. Dec. 1763; an Riedesel, 
18. Febr. 1764; an Muzel-Stosch 7. Dec. 1764. 

* Vergl. den ersten der in voriger Anmerkuns: genannten Briefe. 



Aus Goethes römischem Kreise. 157 



habe«, ' Bald darauf begeistert sich Winckelmann über alle 
Maßen für eine Venus, die der Engländer in einem 
römischen Haus gefunden hat ; sie dünkt ihm schöner als 
die mcdiceische und ist allein die Reise nach Rom werth!" 
Dann ist es ein von Jenkins erworbener Pallaskopf, den 
Winckelmann »für die höchste Schönheit unter der Sonne« 
hält,' und im Herbst 1766 fühlt er sich gar als päpstlicher 
Commissar der Alterthümer zum Einschreiten verpflichtet, 
damit Jenkins nicht die beiden schönen Barberinischen 
Candelaber nach England verkauft;"^ sie schmücken heute 
die Galleria delle Statue im Vatican. 

Wer den Briefwechsel unseres großen Archäologen 
aufmerksam gelesen hat, der weiß, daß er gar leicht über 
Fachgenossen und Mitbewerber geringschätzig und miß- 
günstig urtheilt. Wenn Winckelmann von Jenkins dagegen 
immer nur mit hoher Achtung und Anerkennung spricht, 
obwohl ihm dieser im Kunsthandel mehr als einmal in die 
Quere kam, so können wir daraus nur folgern, daß der 
Engländer nicht nur mit seinem Reichthum, sondern auch 
mit seinem Charakter, Wissen und Kunstverständniß dem 
deutschen Gelehrten mächtig imponirte. 

Man wird daher der Wahrheit wohl am nächsten 
kommen, wenn man annimmt, daß weder gewöhnhcher 
Geschäftsgeist, noch die Erkenntniß mangelnder künst- 
lerischer Befähigung den Maler zum Kunsthändler gemacht 
haben, sondern eine mit gründlichen Studien verbundene 
Vorliebe für die Werke der alten Kunst. So faßt auch 
Justi den Engländer auf, dem er unter den römischen 
Kunsthändlern und Sammlern einen ehrenvollen Platz an- 
weist, und dem er eine eingehende Charakteristik widmet. ^ 
Da der wesentlichste Theil der Justischen Charakteristik 
ein Auszug aus der ausführlichen Schilderung ist, die ein 
Zeitgenosse von Jenkins entworfen hat, so verlohnt es 
sich, diese wörtlich wiederzugeben, dabei aber auch der 
Eigenthümlichkeiten ihres Verfassers nicht zu vergessen. 
Dieser w\ar ein gewisser Gorani, ein etwas abenteuerlicher 
Italiener, der gleich manchen Zeitungsschreibern unserer 
Tage die Hauptaufgabe seiner Kunst darin fand, auf Kosten 
anderer Leute geistreich zu sein und sein loses Mundwerk 
spielen zu lassen. Er hascht geradezu nach Gelegenheiten, 



' Brief Winckelmanns an Riedesel, 18. Februar 1764. 
^ Briefe Winckelmanns an Wiedewelt, 24. Mai 1764; an Riedesel 
23. Juni 1764. 

3 Briefe Winckelmanns an Riedesel, 16. Juli 1764; an Francke 
18. August 1764; an Riedesel 22. Februar 1765. 

4 Brief Winckelmanns an Muzel-Stosch. 4. October 1766. 

5 Justi »Winckelmann und seine Zeitgenossen«, 2. Aufl., Bd. II, 303. 



I 58 Abhandlungen. 



die Menschen, von denen er in seinem Bucli über Rom 
redet, lächeriicli zu maclien. Man darf das nicht aus dem 
Auge lassen, wenn man seinen Abschnitt über Jenkins 
unter der Ueberschrift »Der Bankier, wie es wenige gibt« 
liest, um so mehr, als diese Schilderung neben den Auf- 
zeichnungen in Winckelmanns Briefen die einzige Grund- 
lage zu sein scheint, auf der alle späteren Beurtheilungen 
Jenkins' aufgebaut wurden. Gorani sagt : ' »Thomas Jenkins, 
ein berühmter Bankier zu Rom und Engländer von Geburt, 
verdient wohl eine Rubrik in diesem Werk einzunehmen. 
Nachdem er sich einige Zeit auf die Malerei gelegt, wurde 
er inne, daß er es niemals in dieser Kunst weit bringen 
würde; er begnügte sich also zu sein, was man einen 
einsichtsvollen Kenner nennt, der in dem Theoretischen 
von allem, was Bezug auf die Zeichnungskünste hat, sehr 
erfahren war. Er versteht sich vollkommen auf Münzen, 
Cameen, geschnittene Steine u. s. w.; er ist sehr gut in 
der Geschichte bewandert; kein Mensch kann besser als 
er eine raisonnirende Notiz von irgend einem BasreUef, 
Bildsäule, Büste geben, so sehr sie auch durch den Zahn 
der Zeit beschädigt sein mögen ; und um sein Lob in 
wenig Worten zu vollenden, er wurde oft in Sachen der 
Malerei und Bildhauerkunst von drei sehr berühmten 
Kennern und Künstlern, dem Kardinal Albani, dem ge- 
lehrten Winckelmann und dem großen Maler Raphael 
Mengs um Rath gefragt. Er fing mit einem Handel in 
Gemälden, Statuen und Münzen an und verband damit in 
der Folge das Geschäft eines Bankiers, wodurch er sich 
ein großes Vermögen erwarb; an ihn werden alle Fremden 
von Distinction adressirt. Jenkins hat eine echt originelle 
Art, die verschiedenen Dinge, wiomit er handelt, an den 
Mann zu bringen. Ist es eine Münze, die man kaufen will, 
so detaillirt er dem Käufer den Zug aus der Geschichte, 
auf welchen sie sich bezieht, und preist in einer prunk- 
haften Lobrede und feurigem Vortrag die Seltenheit und 
Merkwürdigkeit des Stückes, für welches er einen beträcht- 
lichen Preis fordert. Er fängt an zu weinen, wenn er sie 
nun dem Käufer für den übereingekommenen Preis über- 
lassen muß. Ein Vater könnte bei der Abreise seiner ein- 
zigen Tochter nach einem fernen Land keinen lebhafteren 
Schmerz bezeugen. Ich war manchmal bei dergleichen Ver- 
käufen gegenwärtig, und der Ausdruck seiner Betrübniß 
machte mich so weich, daß es mir unwillkührlich Thränen 
kostete. Mein Herr, pflegte er zum Käufer beim Abschied 
zu sagen, wenn Ihnen der getroffene Kauf reuen sollte, 



* Gorani »Rom und seine Einwohner«, Riga 1794. S. 31 ff. 



Aus Goethes römischem Kreisf. 159 



so bringen Sie mir diese Münze wieder, und Ihr Geld soll 
parat sein ; indem Sie mich wieder in den Besitz dieses 
unschätzbaren Stückes setzen, geben Sie mir den Trost 
und die Zufriedenheit meines Lebens wieder. Zuweilen 
hat man ihn beim Wort gehalten und ihm wiedergebracht, 
was er verkauft hatte, und dann hat Jenkins nie verfehlt, 
sein Wort zu halten, und das Geld unter Bezeugung der 
lebhaftesten Freude auf der Stelle zurückgegeben. Er hat 
sogar die Person, die ihm das verkaufte Stück zurück- 
brachte, zum Essen gebeten. Noch keinen Schauspieler 
habe ich Rührung und Betrübniß ausdrucksvoller und mit 
einer richtigeren Pantomime schildern sehen, als Jenkins 
bei dergleichen Gelegenheiten zu thun pflegte. Er könnte 
Stoff zu einem herrlichen Lustspiel liefern. Vielleicht geht 
ihm seine Betrübniß von Herzen, vielleicht hat er wirklich 
diese Anhänglichkeit für die Kunstwerke seines Handels; 
ist es aber bei ihm bloß ein merkantilischer Kunstgriff", so 
muß man bekennen, daß er es darin zur höchsten Stufe 
der Vollkommenheit gebracht hat, die man erreichen kann«. 

Wenn man neben dieses amüsante Feuilleton Goranis 
die Briefe Winckelmanns hält, in denen ausdrücklich die 
Würdigkeit des damals um 30 Jahre jüngeren Jenkins ge- 
rühmt und er dem Muzel-Stosch für den Verkauf der 
Gemmensammlung als ein ehrlicher Mann empfohlen wird, 
der unentgeltlich dienen werde, und dem man sich durch 
das Geschenk eines geschnittenen Steines erkenntlich zeigen 
könne, so hält es nicht schwer, aus Goranis Darstellung 
die kleinen Bosheiten auszumustern, die keine thatsächliche 
Begründung haben und nur als pikante Würze dienen sollen. 

Schon in Winckelmanns Briefen, also aus der ersten 
Zeit von Jenkins' römischem Aufenthalt, finden wir An- 
deutungen, daß der englische Maler durch seine Sammler- 
thätigkeit in Berührung mit hervorragenden Romreisenden 
kam und Verkäufe an Londoner Kunstfreunde besorgte. 
So wmrde seine schöne Venus, »die des Praxiteles würdig 
ist«, durch den englischen Consul in Livorno 1765 für den 
englischen König Georg IIL angekauft.' Der Wortlaut 
dieser Notiz läßt erkennen, daß der Maler Jenkins um 
diese Zeit noch ein einfacher Privatmann war; er blieb es 
aber nicht lange. Die durch den Kunsthandel mit dem 
englischen Hof eröff'nete Verbindung brachte ihm bald die 
amthche Eigenschaft eines englischen Agenten oder Consuls 
in Rom, und im Zusammenhang mit dieser Stellung dürfte 
auch die Eröffnung seines Bankgeschäfts gestanden haben. 
Das Jahr seiner Ernennung zum britischen Agenten habe 

' Brief Winckelmanns an Schlabrendorf, 22. Juni 1765. 



:6o Abhaxdlukgek. 



ich nicht ausfindig machen können; die Stellung selbst 
war um jene Zeit, als England noch keine Gesandtschaft 
in Rom hatte, ungleich bedeutender, als der Titel annehmen 
läßt, denn thatsächlich war Jenkins der alleinige amtliche 
Vertreter des mächtigen Inselreichs in Rom. 

Die Pfarrei -Register von S. Maria del Popolo führen, 
wie bereits erwähnt, noch im Jahre 1773 den »pittore« 
Jenkins auf; erst 1774 wird er zum erstenmal als Kaufmann 
bezeichnet. Er war damals 52 Jahre alt und bewohnte seit 
1765 den ersten Stock eines stattlichen Hauses am Corso. 
Casa Celli, ganz nahe der Kirche und dem Hospital 
S. Giacomo. Das Gebäude liegt dem Goethehaus schräg 
gegenüber und trägt heute die Nummer 504.' Jenkins 
war unvermählt. Seit 1778 wohnte sein 24Jähriger Neffe, 
der Maler John Jenkins, mit ihm zusammen, und 1781 
kam noch ein zweiter Neffe James als Hausgenosse hinzu. 
Von 1782 an finden war in den Pfarrei-Registern den alten 
Jenkins wieder allein mit seiner Dienerschaft aufgeführt: 
seine Behausung hat sich aber mit dem steigenden Wohl- 
stand und dem Wachsthum seiner Sammlungen ausgedehnt, 
er bewohnte seit diesem Jahre den ersten und zweiten 
Stock des genannten Palazzo. 

Das erste Zeugniß für Jenkins' Diplomateneigenschaft 
liegt aus dem Jahre 1772 vor.* Damals kam König Georgs 
jüngerer Bruder William Henry, Duke of Glocester, nach 
Rom und hielt sich 56 Tage dort auf. Das römische halb- 
amtliche Wochenblatt berichtet, daß der Herzog am Nach- 
mittag des 25. Februar aus der Wohnung des Herrn Jenkins 
gegenüber der Kirche Gesü e Maria das Carnevalsrennen 
der Barberi über den Corso angeschaut hat, und daß die 
Fürsten Aldobrandini und Odescalchi ihm dort ihre Auf- 
wartung machten. Die Vorstellung von Jenkins' vornehmem 
Hause, die hierdurch erweckt wird, findet eine Erweiterung 
durch die Nachricht, daß ein anderer Bruder des Königs, 
Henry Frederick, Duke of Cumberland und britischer Ad- 
miral» während eines Aufenthalts zu Rom am 29. März 1774, 
begleitet von dem Fürsten Aldobrandini, die päpsthche Flotte 
in Civita Vecchia besichtigte und darauf mit seinem Gefolge 
in dem dortigen Landhaus des Herrn Jenkins das Diner, 
»uno splendido pranzo« einnahm.^ Die Geschenke, die diese 
fürstlichen Besucher zur Erinnerung an ihren Aufenthalt in 
Rom vertheilten, gingen durch die Hand ihres Vertreters 
Jenkins, die goldnen Dosen sowohl, die das Herzogspaar 



' Stato delle Anime von S. Maria del Popolo von 1765 an. 
* Diario ordinario von Chracas, Nr. 8350, 7. März 1772. 
5 Chracas, Nr. 8366, 2. April 1774. 



Aus Goethes römischem Kreise. i6i 

von Cumberland der Marchesa Massimi, dem Fürsten Aldo- 
brandini und dem päpstlichen Flottenkommandanten ver- 
ehrten, wie die 14 Kisten anatomischer Präparate und medi- 
zinischer Instrumente, die der Herzog von Glocester durch 
seinen Leibarzt Adair dem päpstlichen Hospital S. Spirito 
stiftete, und die Jenkins dem Papst zu überreichen hatte.' 
Das römische Wochenblatt, das uns über solche Geschäfte, 
die Jenkins für den englischen Hof zu besorgen hatte, 
berichtet, gibt ihm zum erstenmal ausdrücklich den Titel 
Agent im Jahre 1777, als er dem Ospedale delle Donne in 
Via Ripetta eine Entschädigung von 200 Scudi auszahlte, 
weil der Herzog von Glocester krankheitshalber von einem 
Miethsvertrag zurücktreten mußte, den er in Aussicht einer 
abermaligen Romreise über einen, jenem Hospital gehörigen 
Palast abgeschlossen hatte.^ 

So hat die Sammelliebhaberei für Antiken dem eng- 
lischen Maler ehrenvolle Beziehungen zu den höchsten Stellen 
seines mächtigen Heimathsreichs gebracht; aber nicht im 
Vaterland allein, auch in Rom selber, das ihm zweite Heimath 
geworden war, fand er Hochschätzung, vor allem wegen 
seiner Kennerschaft in der alten Kunst. Die Tagespresse 
und die wissenschaftlichen Zeitschriften beschäftigten sich 
mit ihm. Die wiederholt angeführte halbamtliche Wochen- 
chronik des päpstlichen Rom findet neben Hof- und Kirchen- 
nachrichten auch der Mühe werth, zu melden, daß im April 
1774 Herr Jenkins eine schöne Statue des Kaisers Pertinax 
erworben hat, die sehr gut erhalten ist und in seiner 
Wohnung von vielen Fachleuten bewundert wird.' Ein- 
zelne Stücke seiner Sammlung gaben den Archäologen 
Anlaß zu gelehrten Abhandlungen, wie z. B. eine von ihm 
in Neapel erworbene Vase aus Statuenmarmor, die eine 
Rehefdarstellung der Hochzeit des Paris und der Helena 
enthielt;'* und in den Besprechungen, die die vornehmste 
litterarische Zeitschrift des damaligen Rom den Monu- 
menti antichi inediti Winckelmanns widmete, wird hervor- 
gehoben, daß Jenkins zwei Reliefs mit scherzenden Faunen 
und Satyrn und ein Relief mit einem prächtigen Bacchuszug 
besaß und daß er in der Villa Barberini zu Castelgandolfo 
die sitzende Statue des Zeus gefunden hat.^ Wo sich in 
und um Rom Gelegenheit bot, gute und werthvolle Antiken 



' Chracas, Nr. 28; 8. April 1775 und Nr. 70; 2. September 1775., 

^ Chracas, Nr. 300; 15. November 1777. 

3 Chracas, Nr. 8574; 30. April 1774. 

■♦ Efemeridi letterarie Nr. 51; 23. December 1775: »Le Nozze di 
Paride cd Elena rappresentate in un vaso antico del museo del Sig. 
Tommaso Jenkins gentiluomo inglese,« von Orlandi. 

5 Efemeridi letterarie, Nr. 16; 2. April 1787 und Nr. 46; 15. XI. 1806 

GotTHi-J.VHRliLCU XXIV. II 



l62 Abhandlungen. 



zu erwerben, da war er immer in der ersten Reihe der 
Käufer; beim Verkauf des Skulpturenschatzes der von Papst 
Sixtus V, angelegten Villa Montalto-Negroni im Sommer 
1784 scheint er alle Mitbewerber geschlagen zu haben, er 
erwarb die besten Sachen: die beiden sitzenden Porträt- 
statuen Menanders und Posidipps, einen Hermes und die 
Figur eines Siegers im Wagenrennen, die sich jetzt alle im 
Vatikan befinden, die drei ersteren in der Gallerie der 
Statuen, die letztere im Saal der Biga.' Auch andere Male 
haben die Leiter des vatikanischen Museums sich an Jenkins 
wenden müssen, um hervorragende Stücke für das neue 
Museo PioClementino zu gewinnen; so kaufte lySoWinckel- 
manns Nachfolger Giov. Batt. Visconti für den Vatikan von 
ihm den mit Epheu bekränzten Silen, der in einer Tenuta 
an der Via Pränestina gefunden worden war und jetzt im 
Saal der Musen steht.* Als im Jahre 1781 im Garten des 
Marchese Muti Ausgrabungen vorgenommen wurden, ließ 
Jenkins es sich 1790 Scudi kosten, um einen Amor, 'einen 
Faun, eine Muse, einen Herakles, Bacchus und eine nackte 
männliche Figur ohne Kopf, aber von sehr schöner Arbeit, 
zu erwerben.^ 

Kein Wunder, daß Jenkins' Sammlung neben den großen 
öflentlichen Museen als eine Sehenswürdigkeit galt, die 
kein fürstlicher Romreisender aufzusuchen unterließ. Das 
römische Wochenblatt berichtete über manche dieser Be- 
suche; da war im Frühjahr 1776 die kunstsinnige, selbst 
in der Malerei erfahrene Tochter Maria Theresias, die Erz- 
herzogin Maria Christina, die bei dem Engländer einige 
»Statue particolari« sehen wollte;* 1782 machte der Groß- 
fürst von Rußland, nachmalige Kaiser Paul I., mit seiner 
Gemahlin mehrere Besuche in Jenkins' Cabinet und scheint 
auch Einkäufe gemacht zu haben ;' und zwei Jahre später 



* Chracas, Nr. loio; 4. September 1784. — Heibig, »Führer durch 
die Sammlungen klassischer Alterthümer in Rom,« Bd. I, 120 ff. ; 134 f.; 
219 f. — In der Gallerie der Statuen stehen auch die beiden Kande- 
laber aus dem Palazzo Barberini, die Winckelmann dem Jenkins für 
die päpstliche Sammlung abgejagt hat. Wegen der Preise der Antiken 
aus Villa Montalto ist ein Vergleich mit Chracas Nr. 1520, 25. August 
1789 interessant. Die ganze Villa mit allem, was darin war, wurde 
für 49,000 Scudi an einen gewissen Staderini verkauft, der dann die 
einzelnen Bestandtheile des Besitzes verwerthete. Für die beiden sitzenden 
Statuen »mit einigen anderen Sachen« zahlte der Papst fünf Jahre später 
an Jenkins 15,000 Scudi, als dieser schon im Begriff stand, dieselben 
an einen fremden Hof zu verkaufen. 

^ Chracas, Nr. 546; 25. März 1780. 

-" Chracas, Nr. 652; 20. Januar 1781. 

^ Chracas, Nr. 132; 6. April 1776. 

5 Chracas, Nr. 748; 2. März 1782. — Nr. 750; 9. März 1782. 



Aus Goethes römischem Kreise. 163 

finden wir dort den König Gustav III. von Schweden.' 
'Auch als Sacliverständiger für antike Statuen wurde Jenkins 
lierangezogcn, wenn man ein zuverlässiges, unparteiisches 
Urtheil haben wollte; der König von Neapel ließ 1787 
durch ihn und den Bildhauer Sposini die von Albacini 
restaurirten Statuen aus dem Palazzo Farnese prüfen. ^ Daß 
die Reisehandbücher für Rom die fremden Kunstfreunde 
auf den englischen Sammler aufmerksam machten, erscheint 
danach selbstverständlich, J. J. Volkmann, der 1758 in Rom 
war und dort wohl durch Winckelmann in persönliche 
Berührung mit Jenkins kam, sagt in der 1777 erschienenen 
2. Auflage seiner historisch -kritischen Nachrichten von 
Italien bezüglich der Fundstellen von antiken Statuen : 
»Die meisten und kostbarsten findet man aber beim eng- 
lischen Antiquar Jenkins«. 

So wurde Goethe schon durch den Reiseführer, dessen 
er sich in ItaUen bediente, auf Jenkins' Autorität in antiken 
Kunstsachen hingewiesen; weitere Anregung zum Verkehr 
mit ihm gab Rath Reifi'enstein, dessen Bekanntschaft mit 
dem Engländer noch aus Winckelmanns Zeiten stammte, 
und vor allem AngeUka Kaufimann, die vielleicht auch 
von ihrem ersten Besuch in Rom her sich Jenkins' erinnerte, 
aber jedenfalls durch ihren Gatten und durch ihren eigenen 
längeren Aufenthalt in London lebhafte Beziehungen zu 
guten englischen Kreisen hatte. Es kann keinem Zweifel 
unterliegen, daß der Dichter schon in den ersten Wochen 
nach seiner Ankunft in Rom das kleine gewählte Museum 
Jenkins besucht hat. In seiner Italienischen Reise findet 
sich keine Erwähnung dessen ; doch sagt er in einem Brief 
an Frau v. Stein am 25. Januar 1787, als er vom Ankauf 
antiker Kunstgegenstände spricht : »Auf Münzen kann ich 
mich nicht einlassen, das Uebrige ist meistens Kinderei, 
wenn ich die Sachen ausnehme, die Jenkins besitzt, der 
einen Ungeheuern Preis auf sie legt«.' Auf Prachtstücke 
wie die beiden sitzenden Dichterfiguren oder den sieg- 
reichen Wagenlenker der Villa Montalto konnte Goethe 
allerdings sein Auge nicht werfen, und so konnte er den 
alten Sammler nicht auch als Händler kennen lernen, wie 
Gorani ihn schildert; aber als Kenner antiker Kunst ist 
Jenkins neben Reiffenstein und Hirt gewiß eine wichtige 
römische Bekanntschaft gewesen, wennschon Goethe es 
nicht ausdrücklich erwähnt. Es wurde schon eingangs be- 

' Chracas, Nr. 948; 31. Januar 1784. 

' Goethe, »Philipp Hackert« ; Abschnitt über die farnesische Ver- 
lassenschaft. 

' Goethes Tagebücher und Briefe an Frau v. Stein; Schriften 
der Goethe-Gesellschaft, II, 268. 



164 Abhandlungen. 



merkt, daß die Art, wie Goethe an zwei Stellen seiner 
römischen Aufzeichnungen Jenkins nennt, zu der Folgerung 
zwingt, dass ein regerer Verkehr zwischen ihnen bestand, 
hätte sich derselbe auch nur auf Zusammentreffen im Salon 
der AngeUca Kauffmann und Besuche des Dichters in der 
Antikensammlun^ des Bankiers am Corso Nr. 504 be- 
schränkt. Daß Jenkins nach Goethes Scheiden von Rom 
noch Geldgeschäfte für ihn und die Herzogin Amalie be- 
sorgte, ist oben schon bemerkt worden. 

Ueber Jenkins' Schicksale in späterer Zeit habe ich 
noch folgende Nachrichten gefunden. Als Prinz Friedrich 
August, Earl of Sussex, ein Sohn des Königs Georg III., 
als Jüngling zum erstenmal nach Rom kam, übte der 
»Agente« völlig die Funktionen eines englischen Gesandten 
beim Vatikan aus; mit dem Hofmeister des Prinzen, 
Baron v. Hanstein, begab er sich zum Kardinal-Staats- 
sekretär Zelada wie zu Papst Pius VI., um die Ankunft 
des Prinzen zu melden; am 27. November 1791 gab Jenkins 
dem Prinzen mit seinem Gefolge ein Mahl von 18 Ge- 
decken; als der Prinz im April 1792 von einem Abstecher 
nach Neapel nach Rom zurückgekehrt war, stattete er 
seinem Geschäftsträger einen zweistündigen Besuch ab.' 
Im Jahre darauf empfing Jenkins die Prinzessin Sofie 
Albertine, Schwester des Schwedenkönigs Gustav III., die 
seine Statuen und werthvollen Sachen, insbesondere sein 
Museo dei Camei besichtigte.* Wiederholt meldet in dem- 
selben Jahre das halbamthche Wochenblatt Roms das Ein- 
treffen englischer Kuriere bei Herrn Jenkins, sowie die 
Uebergabe von Geschenken im Namen des Prinzen Fried- 
rich August an vatikanische Persönlichkeiten.' Im März 
1794 nahm derselbe britische Königssohn wieder einen 
Aufenthalt in Rom, wo Jenkins den Palazzo Correa für 
ihn hat einrichten lassen.'* In dasselbe Jahr fällt die Ver- 
mählung einer Nichte des englischen Agenten, die seit 
1788 bei ihm wohnte. Es war Anna Maria Jenkins, Tochter 
von Wilhelm Jenkins aus Devon, die einen vornehmen 
jungen Römer Giovanni Martinez, Sohn von Ferdinando 
Martinez und Maria Bourbon del Monte, heirathete; der 
Oheim des Bräutigams, ein Monsignore Pio Martinez, be- 
wohnte den Nachbarpalast neben Jenkins.^ Diese Ver- 
mählung kann als charakteristischer Beleg für die ge- 



' Chracas, Nr. 1764; 26. Nov. 1791; — Nr. 1766; 3.Dec. 1791; — 
Nr. 1810; 5. Mai 1792. 

2 Chracas, Nr. 1900; 16. März 1793. 

3 Chracas, Nr. 1936; 20. August 1793. 

4 Chrac3s, Nr. 2004; 15. März 1794. 

5 S. Maria del Popolo; Liber Matrimoniorum 1794. 



Aus Goethes römischem Kreise. 165 

sellschaftliche Stellung dienen, die sich der frühere 
Maler, dann Kunsthändler, Bankier und diplomatische 
Agent, in Rom erworben hat. Die letzte Kunde, die ich 
von Jenkins finde, ist eine Bemerkung im Tagebuch 
der geistvollen Romschwärmerin Friederike Brun.' Sie 
erzählt von einem Besuch, den sie am 23. Januar 1796 mit 
Graf Reventlow^ beim »Bankier und Antikenmakler Jenkins« 
machte, wo sie eine Sammlung von Gemmen und Intaglj 
besahen. Besonderen Eindruck machten ihr darunter ein 
Heroenkopf in Onvx, ein Germanikus, eine Venus im Bade 
und ein Ganj^meJ mit dem Adler. Aus der Sammlung 
von antiken Statuen und Büsten in demselben Haus, »die 
Herr Jenkins aus Gefälligkeit Fremden überläßt«, hebt die 
Besucherin hervor: einen Plato oder indischen Bacchus, 
Commodus, Antoninus,Trajan, Amor und Psyche und Urania, 

Die französische Revolution, die am Anfang des 
Jahres 1798 auch Rom überfluthete, scheint die Jenkinssche 
Sammlung zerstreut und seinem fast fünfzigjährigen Auf- 
enthalt in der ewigen Stadt ein jähes Ende bereitet zu 
haben. Im Jahre 1797 ist er noch als Bewohner der beiden 
Stockwerke am Corso 504 aufgeführt, im folgenden Jahre 
ist sein Name aus dem Pfarrei-Register von S. Maria del 
Popolo verschwunden. Anderwärts findet sich die Mit- 
theilung,* bei der Einnahme Roms durch die Franzosen 
habe er seinen Besitz verloren, sei nach England geflohen 
und in Yarmouth gestorben. Ich habe diese Nachrichten 
nicht auf ihre Richtigkeit prüfen können. Die Nichte 
Anna Maria Jenkins-Martinez ist noch 1803 in Rom nach- 
weisbar; sie wohnte damals mit ihrem Gatten, Cav. Giovanni 
Martinez, nahe der Kirche S. Maria d'Itria in Via del Tritone.' 

Die hier gesammelten Nachrichten über Thomas Jenkins, 
die ein glückhcher Zufall vielleicht noch weiter ergänzen 
kann, lassen gewiß erkennen, daß unter Goethes römischen 
Bekannten dieser Engländer eine der bedeutendsten, in 
Bezug auf sociale Stellung gewiß die hervorragendste 
Persönlichkeit war. In der ganzen deutschen Colonie Roms 
zu jener Zeit gab es Niemand, der mit künstlerischem 
Interesse und Fähigkeiten, archäologischem Wissen und 
Verständniß auch nur annähernd in gleichem Maße weli- 
männischesWesen, Besitz und angesehene öff'entUche Stellung 
vereinigt hätte; auch nicht unter den diplomatischen Ver- 
tretern, denn der kaiserfiche Gesandte war ein tschechischer 
Kardinal, der Agent des Königs von Preußen einMonsignore 



' Friederike Brun »Tagebuch über Rom«, Zürich 1800; S. 227. 
* Müller-Singer »Allgemeines Künstlerlexicon«, Bd. II, 268. 
3 S. Niccolö in Arcione, Stato delle Anime 1803. 



Abhandlungen. 



aus Neapel die Vertreter der kleineren deutschen Staaten 
durcS taliener. iMan wird aus der obigen Darstelung 
woh auch zu dem Schluß gelangen daß man der Indi- 
vidnaliJät Tenkins' nicht gerecht wird, wenn man m ihm 
nicht as-' ein n trocken^en Geschäftsmann sieht der die 
Kunst an den Nagel gehängt habe, um im Handel mehr 
fu 4rdTenen W?nn fenkinl in Goethes ita lenischen Auf- 
zeichnungen nur flüchtig genanm wird, so hegt es gewiß 
niiht dafan daß er dem Dichter umer den romischen 
Äitn als eine untergeordnete gleichgültige Figur ge- 
gölten hätte. 




Goethes Abhandlung 
ÜBER DIE Philostratischen Gemälde. 



Von 

Richard Eoerster. 



nter den antiken Schriftstellern, zu denen Goethe 
ein inneres Verhältniß gewonnen hat, nehmen die 
Philostrate, die Verfasser der »Gemälde«, eine 
besondere Stellung ein. Ursprünglich von ihm nur als 
Mittel benutzt, in das Kunstleben seiner Zeit einzugreifen, 
machten sie so nachhaltigen Eindruck auf ihn, daß manches, 
verknüpft mit anderem, sich bei ihm selbst zum dichteri- 
schen Bilde ausgestaltete. Das Einschläferungslied der 
Geister im ersten Theile des Faust, vergUchen mit den 
»Andriern« und den »Inseln« der »Gemälde« gibt Zeugniß 
davon.' Aber mit diesem poetischen Niederschlage ist die 
Wirkung der »Gemälde« keineswegs erschöpft. Goethe kehrt 
aufs neue zu ihnen in der ausgesprochenen Absicht einer 
»Wiederherstellung« zurück. Und auch mit der Veröffent- 
lichung der Früchte dieser Untersuchung ist die Arbeit 
nicht abgeschlossen ; es folgen Nachträge, und die nach- 
gelassenen Papiere! zeigen, daß er die liebevolle Beschäf- 
tigung mit ihnen bis in die letzten Tage seines Lebens 
fortgeführt hat. 



' Vgl. Wickhoff, Jahreshefte des Oesterr. Arch, Instit. I, 1 1 1 ff. 



I 68 Abhandlungen. 



Vermuthlich ist es Heinrich Meyer gewesen, der zuerst 
seine Aufmerksamkeit auf die »Gemälde« gelenkt hat. Die 
Anfänge der Beschäftigung mit ihnen stehen wohl mit den 
Preisausschreiben der Weimarischen Kunstfreunde in Zu- 
sammenhang. Zwar soll nicht behauptet werden, daß die 
Preisausschreiben für 1801 : »Achill unter den Töchtern 
Lykomeds, entdeckt durch Ulyß und Diomed«, für 1802: 
»Perseus und Andromeda«, für 1805: »aus dem Leben des 
Hercules vom ersten Augenblicke an, da er als Kind ein 
Schlangenpaar erwürgte« u. s. \v. direct durch die ent- 
sprechenden »Gemälde« der Philostrate (Jun. i. Sen. i, 29. 
Jun. 5) hervorgerufen oder beeinflußt worden seien, denn 
es fehlt bei diesen Aufgaben an einer bestimmten Be- 
ziehung zu den »Gemälden«. Aber in dem kleinen Aufsatze 
»Letzte Kunstausstellung« bezeugt Goethe selbst, er habe 
mit Meyer die Philostratischen Gemälde studirt, um sich 
durch dieselben zur Beurtheilung der für die siebente und 
letzte Kunstausstellung (1805) eingelieferten Arbeiten über 
Thaten des Hercules recht vorzubereiten.* Und so ver- 
zeichnet auch das Tagebuch des Jahres 1804 sowohl zum 
17. Januar wie zum 21. November (Tagebuch 3, S. 95 
und 109) Studium des »Philostrat«. Da die Arbeit über 
die Reconstruction der polygnotischen Wandgemälde (Sep- 
tember bis December 1803) unmittelbar vorangegangen 
war, Hegt es nahe zu vermuthen, daß Goethe schon damals 
auch der Frage nach der Reconstruction der philostrati- 
schen Gemälde nähergetreten ist. Versprach er sich doch 
von der »Restauration verlorener Kunstwerke nach Be- 
schreibungen« und nun gar von der Verknüpfung derselben 
zu »epischen und dramatischen Folgen« für die Förderung 
der Zwecke der Kunst das Höchste und verhieß in dem Nach- 
trage zu dem Aufsatze über Polygnots Gemälde* geradezu: 
» Um ;^// diesem schönen Zweck das Mögliche bei:^ntragen, werden 
wir unsere künftigen Aufgaben dahin lenken und indessen durch 
successive Bearbeitung des Pausanias und Plinius, besonders 
auch der Philostrate, die Künstler :(^u fördern suchend^. 

Doch kam die Arbeit zu keinem Abschluß. Erst nach 
neun Jahren nahm er sie wieder auf. Denn zum 8. und 
ri. Januar 1813 verzeichnet das Tagebuch (5, S. 3 u. 4): 
^^Philostrats Gemüldei<^ und zum 10. desselben Monats: 
^) Professor Riemer blieb yU Mittag. Nach Tische Philostrats 
Gemälde. Die Seyboldische Ueberset:^iing und meine Redaction 
mit de?n Griechischen verglichen(.<.. 



' Goethes Werke, W. A. 36, 265. 

* Extrabeilage zur Jenaischen Allg. Literaturzeitung 1804. Erstes 
Heft, S. XXIII. 



Goethes Abhandlung über die Philostratischen Gemälde. 169 

David Christoph Seybold, Rector des Gymnasiums zu 
Grünstadt, vorher (1770) Professor in Jena, hatte zuerst 
den schwierigen, auch ihm nicht ganz gelungenen, Ver- 
such einer deutschen Uebersetzung der »Gemälde« der 
Philostrate gemacht in: »Die Werke derPhilostrate, aus dem 
Griechischen übersetzt, zweyten und letzten Bandes zweyte 
Abtheilung. Welche die Beschreibung der Gemälde der 
beyden Philostrate, des Kallistratus Beschreibung der 
Statuen und die Briefe des altern Philostrat enthält. 
Lemgo 1777«. Aus den Worten des Tagebuchs folgt, 
daß eine Redaction Goethes vorlag, ehe er die Sey- 
boldsche Uebersetzung kennen lernte. Sie konnte beruhen 
auf der lateinischen Uebersetzung, welche der Ausgabe 
von Gottfried Olearius, Philostratorum quae supersunt 
omnia, Lipsiae 1709 p. 755 — 907 beigegeben ist, oder auf 
der ersten französischen Uebersetzung von Blaise de 
Vigenere, welche zuerst unter dem Titel: Les Images ou 
tableaux de platte-peinture de Philostrate Lemnien Sophiste 
Grec. Mis en Francois Par Blaise De Vigenere. Avec des 
Argumens et Annotations sur chacun d'iceux. A Paris, 
chez Nicolas Chesneau. MDLXXXVIII gedruckt worden 
ist.' Goethe erwähnt selbst letztere, aber nicht, wo der 
Platz dafür war, d. h. in der Schrift über die Philostrati- 
schen Gemälde, sondern erst 1830 in der Anzeige von 
Zahn, die schönsten Ornamente und merkwürdigsten Gemälde 
aus Pompeji (Wiener Jahrb. der Litteratur, Bd. 51 = 
Werke 49, i, 178), so daß es scheint, er habe sie erst 
später kennen gelernt : » IFer unterrichtet sein will, wie wunder- 
lich man in der Hälfte des sieh:iehnten Jahrhunderts sich jene 
rhetorisch beschriebenen Bilder vorgestellt hat, welche uns 
durch die Philostrate überliefert worden, der schlage diefran:(ö- 
sische Uebersetiung dieser Autoren nach, welche von Artus 
Thomas, Sieur d'Embry mit schät:<^enswerthen Notizen, jedoch 
mit den unglücUichsten Kupferstichen versehen; man findet 
seine Einbildungskraft luiderwiiriig ergriffen und weit von 
dem Ufer antiker Einfalt, Reinheit und Eigenthiimlichkeit 
V er Schlagern'.. Zwar erscheint hier Artus Thomas d'Embry 
als Name des Uebersetzers, aber in Wahrheit ist dieser — 
auch nach Ausweis des Titels : avec des Epigrammes sur 
chacun d'iceux par Artus Thomas Sieur d'Embry — nur 
der Verfasser der den einzelnen Bildern beigegebenen 
Epigramme. Und so ist es am wahrscheinlichsten, daß der 
ersten »Redaction« Goethes die lateinische Uebersetzung von 

' Eine Edition nouvelle reveue corrigee et augmentee de beaucoup 
par le translateur erschien Paris 1597. Diese ist auf der Weimarer 
Bibliothek vorhanden. Beiden Ausgaben fehlen die Illustrationen, 
welche erst den Ausgaben von 161 5, 1630 und 1657 beigegeben sind. 



170 



Abhandlungex. 



Olearius zu Grunde lag, zumal er auch den griechischen 
Text in dessen Ausgabe eingesehen haben wird. Denn die 
Ausgabe von Jacobs und Welcker erschien erst 1825. Bei 
der Benützung des Griechischen aber bediente er sich des 
Rathes von Riemer.' Dieser war es vermuthlich auch, 
w^elcher ihn aut Heynes Arbeiten zu den »Gemälden« hin- 
wies. Zuerst in Festschriften der Universität Göttingen 
von 1796 — 1800 unter dem Titel »Philostrati Imaginum 
illustratio« einzeln ausgegeben, waren sie vom Verfasser 
im 5. Bande der Opuscula academica, Gottingae 1802, 
p. I — 225, zusammengefaßt worden. Am 2. December 
1813 entheh Goethe diesen Band der Weimarer Bibliothek 
und zum 4., 5. und 6. December merkt das Tagebuch 
(III 5, S. 86; an: »Heyne>is Pbilostratv, zu den beiden letzten 
Tagen steht voran: y^Rieiuerv. Das Ziel, welches Heyne 
verfolgte, war ähnHch demjenigen, welches Goethen vor- 
schwebte, und wie sehr sich Goethe durch Heynes Abhand- 
lung in seinen Ansichten bestärkt fühlte, und mit welchem 
Nutzen er sie las, kann die Vergleichung folgender Stellen 
lehren : 



Goethe 

An historisch-politischen Ge- 
genständen seine Kunst :^u üben, 
war schon Hingst dem Sophisten 
untersagt; moralische Probleme 
waren bis ~um Ueberdrnß 
durchgearbeitet und erschöpft; 
nun blieb das Gebiet der Kunst 
noch übrig, luohin man sich 
mit seinen Schülern flüchtete, 
um an gegebenen harndosen 
Darstellungen seine Fertig- 
keiten :iu :{eigen und ~/i cnt- 
ivickeln. 

S. 65. Hieraus entsteht aber 
für uns die große Schiuierig- 
keit, :(u sondern, ivas jene 
heitere Gesellschcift wirtdich 
angeschaut und was wohl 
rednerische Zuthat sein möchte. 



Heyne 

S. II sophistae et rhetores 
umbratici, qui artem dicendi ita 
tradebant. ut pro praeceptis ex- 
empla bene dicendi sua decla- 
niatione proponerent, postquain 
argumenta sollennia e forensi- 
bus caussis petita vel adum- 
brata ad taediuni oninium ite- 
rata decantaverant, ut oratio- 
nem variarent, argumenta ad- 
optarunt cum alia tum descrip- 
tiones et enarrationes tabu- 
larum pictarum et statuarum. 

S. 16 nunc magna plerumque 
sagacitate opus est, interdum 
sola ariolatione as sequi licet, 
quod verum tabulae argumen- 
tum fuerit. 



' Der »junge, in diesem Fache viel versprechende deutsche Philo- 
loge, welcher eine kritische Ausgabe vorbereitete und zu diesem Zwecke 
in Paris mehrere Handschriften verglich« (Entw,-urf zum Schluß des 
Aufsatzes über Philostrats Gemälde, Werke 49, 2, 211), war Friedrich 
Osann, geb. 22. August 1794 in Weimar, 1821 Professor in Jena. Vgl. 
Jacobs, Phil. Imag. p. XXXVI. 



Goethes Abhandlung über die Philostratischen Gemälde. 17 1 

Insbesondere werden Heynes Ausführungen nicht wenig 
dazu beigetragen haben, Goethe in seiner Ansicht von der 
»Grundwahrhaftigkeit jener rhetorischen Beschreibungen« 
zu bestärken. 

Der Grundstock der Abhandlung Goethes wird in jene 
Zeit fallen. Denn als Wiederaufnahme der alten Vorar- 
beiten bezeichnet er selbst, was er im Jahre 1818 thut, in 
einem Briefe vom i. Mai d. J. an Sulp. Boisseree: »Z)/ß 
famose Bildergallerie der Philostrate beschäftiget mich schon 
seit vielen Jahren, ivobei Meyer redlich mitwirkte, ich habe die 
alten Vorarbeiten jet^t ivieder aufgenommen, sie sollen im 
vierten Stück redigirt erscheinen^. ' 

In der That erschien die Abhandlung oder genauer 
gesagt, der erste Theil derselben unter dem Titel : »Philo- 
strat's Gemähide«, in der Zeitschrift: Ueber Kunst und 
Alterthum, 2. Band, i. Heft (1818), S. 27ff. und 145 ff. 
(= Werke 49, i, S. 61 ff.). 

Er spricht es bald im Anfange aus, daß das eigentliche 
Ziel der Arbeit der Weimarer Kunstfreunde an den philo- 
stratischen Gemälden dasselbe gewesen sei wie an den 
polygnotischen Wandgemälden, nämlich eine Reconstruction : 
»So haben denn auch die Weimar ischen Kunstfreunde sich an 
der Fhilostratc Schilderungen vielfach geübt, und würden eine 
Folge derselben mit Kupfern herausgegeben haben, wenn die 
Schicksale der Welt und der Kunst das Unternehmen nur 
einigermaßen begünstigt hätten; doch jene ivaren ^u rauh 
und diese ;^/i iveich, und so mufjte das frohe Große und das 
heitere Gute leider lurückstehemf. Sie müssen sich mit 
Worten begnügen, hoffen aber, daß diese Künstler zu 
Thaten anregen werden. Daran, daß die Gemälde, ja 
die ganze Gallerie existirt habe, wird nicht gezweifelt; 
aber das »WirkHche« muß vom »Rhetorischen gesondert« 
werden.' Dazu dient vor allem der Vergleich mit er- 
haltenen antiken Wandgemälden und Mosaiken ; aber auch 
die Heranziehung von neueren Werken, deren Künstler die 
philostratischen Beschreibungen gekannt haben, besonders 
des Giulio Romano. Durch nichts jedoch ist eine Wirkung 
der »Gemälde« so gehemmt worden als durch »^/e Fer- 
luorrenheit, in ivelcher die Bilder hinter einander aufgeführt 
werdenv. So mußte es Goethes erste Sorge sein, Ordnung zu 
schaffen durch Verbindung des Gleichartigen. Er zerlegt 
die »Gemälde« in neun Gruppen : 



' Sulpiz Boisseree II 215. 

* Anzeige von Wilh. Zahn, Die schönsten Ornamente (Werke 49, 
I, 179)- 



172 Abhandlungen'. 



1. Hoch-heroischen, tragischen Inhalts; 

2. Liebes- Annäherung und Bewerbung; 

3. Geburt und Erziehung; 

4. Hercules; 

5. Kämpfen und Ringen; 

6. Jäger und Jagden ; 

7. Poesie, Gesang und Tanz; 

8. See- und Wasserstücke, Landschaften ; 

9. Stillieben. 

Darauf folgt ein nach diesen Klassen geordnetes Ver- 
zeichniß der »Gemälde«. An dieses schließt sich die 
»weitere Ausführung«, d. h. die ausführliche Beschreibung 
der einzelnen »Gemälde« nach den ersten 4 Klassen; denn 
weiter ist die Abhandlung nicht geführt. 

Die Fortsetzung unter der Ueberschrift : »Nachträg- 
liches« in »Kunst und Alterthum«, 2. Bd., 3. Heft, S. 159 f. 
brachte Nachträge zu den ersten vier und nur wenig Neues 
zur 7. und 8. Klasse. 

Hatte Goethe die überheferte Reihenfolge der Gemälde 
vöUig aufgelöst, so hielt er sich in der Beschreibung der 
einzelnen mehr an die Vorlagen, wenn er nicht auch hier 
wie in den Liebesgöttern (I 6) im Interesse der Ueber- 
sichthchkeit den Gang der Beschreibung änderte. Hauptsache 
und vortrefflich gelungen ist ihm die Hervorhebung der 
Hauptzüge, was sich schon in den charakterisirenden Bei- 
wörtern zeigt, welche er den Namen der Dargestellten in 
dem vorausgeschickten »Verzeichniß« der Gemälde gibt. 
Seine Beschreibungen sind bald freie Uebersetzungen, bald 
sinngetreue Auszüge. Nur selten sind erhebliche sachhche 
Abweichungen, wenn er gleichsam von der Stärke der in 
ihm selbst lebenden Empfindung fortgetragen wird^ wie in 
Neptun und Amymone (S. 89). Doch ist auch hier der 
Ton der philostratischen Schilderung vortrefflich getroffen. 
Im- Wortlaut selbst ist ein weitgehender Anschluß 
an Seybolds Uebersetzung zu konstatiren, was bei 
Untersuchungen über Goethes Wort- und Sprachgebrauch 
nicht aus den Augen zu lassen sein wird. Jedenfalls hat 
seine »Redaction« eine starke Annäherung an diese Ueber- 
setzung erfahren. Doch kann ich dies hier nicht verfolgen. 

Die Lösung des wissenschafthchen Problems, die Frage 
nach der »Grundwahrhaftigkeit« der »Gemälde« konnte 
Goethe nicht gelingen, wie sie auch unsrer Zeit noch nicht 
gelungen ist. Aber es war ein richtiger Gedanke, zur Fest- 
stellung des wahrhaften Kernes aus dem Alterthume er- 
haltene Gemälde heranzuziehen. Als solche boten sich ihm 
in erster Linie die Wandi^ e m aide der verschütteten 



Goethes Abhandlung über die Philostratischek Gemälde. 173 

cam panischen Städte dar, welche er kurz als Hercu- 
lanische bezeichnet. Die Abbildungen, welche er benützt, 
sind, w'ie sich aus der Verwendung von rechts und links 
ergibt, nicht die des italienischen Originalwerks »Le pitture 
antiche d' Ercolano«, Band I von «Le antichitä di Ercolano 
esposte«, Napoli 1757, sondern die der dürftigen in Deutsch- 
land erschienenen Ausgabe, welche zwar denselben italie- 
nischen Titel: »Le antichitä di Ercolano« u. s. w. an der 
Spitze, danach aber den Sondertitel trägt : »Abbildungen 
der Gemälde und Alterthümer, welche seit 1738, sowohl 
in der verschütteten Stadt Herkulanum, als auch in den 
umliegenden Gegenden an das Licht gebracht worden, 
nebst ihrer Erklärung, von Christoph Gottlieb von 
Murr. Erster Theil 50 Kupfertafeln. Nach den Original- 
Kupferstichen in Contorni, verfertigt und herausgegeben 
von Georg Christoph Kilian, Augsburg 1777«. Die Ge- 
mälde umfassen 4 Bände. Es sind Umrißstiche im Gegen- 
sinn nach den italienischen Originalstichen. 

So findet er in »Hercul. Alterth. Th. II, Tab. 16« die 
»buchstäbliche Nachbildung« des philostratischen Bildes der 
schlafenden Ariadne (I 15); ähnlich in »Hercul. Alterth. 
Th. I, Tab. 8« dasselbe wie in Philostrats (II 2) Achill 
von Chiron erzogen; Hercul. Alterth. Th. IV, Tab. 61 
wie Philostr. Jun. 12 Hesione. Aber er trägt auch kein 
Bedenken, solche Wandgemälde ganz wie philostratische zu 
behandeln, indem er sie in Reih und Glied stellt und wie 
jene beschreibt, wenn sie nur inhaltlich zu der betreffenden 
Klasse passen. So (18) Venus, dem Meer entsteigend, auf der 
Muschel ruhend (Hercul. Alterth. Th. IV, Tab. 33; (43) Hylas, 
untergetaucht von Nymphen (Hercul. Alterth.Th. IV, Tab. 6); 
(44) Hercules als Vater (Ebend. Th. I, Tab. 6). Ja von 
dem Wandgemälde »Theseus und die Geretteten« (Herc. 
Alt. I, 5) redet er so (S. 91), als wäre es auch von den 
Philostraten geschildert: yiGlii Mich erweise, wenn schon durch 
ein großes Unheil, ward uns dieses Bild nicht bloß in redne- 
rischer Darstellung erhalten; noch jet::^t ist es mit Augen ^u 
schauen unter den Schät:{en vo?i Portici und im Kupferstich 
allgemein hekanntv. 

Aber auch ein Werk, wie das Nil- Mosaik von 
Palestrina, entzieht sich seiner Erinnerung nicht, als er 
(70) an das Bild des Niles, umgeben von Kindern (I, 5) 
kommt.' Und das ist um so bemerkenswerther, als das- 
selbe in die Klasse derjenigen Werke gehört, welche, wie 
die fortschreitende Forschung erkannt hat, eine engere Be- 
rührung mit den philostratischen Gemälden aufweisen, als 



' Vgl. auch die »Vorarbeiten«. Bd. 49, 2. S. 209. 



174 Abhandlungen. 



die Wandgemälde der campanischen Städte. Steht es doch 
auch zeitHch denselben näher als diese. Er besaß ' den 
großen Stich, welchen Girolamo Frezza nach einer Zeichnung 
von Joseph Sincerus im Jahre 1721 in Rom veröffentlicht 
hatte (Lithostrotum Praenestinum Josephus SincerusPraenest. 
delineavit. Jo. Hieronvmus Frezza sculp. Romae super, 
permiss. anno 1721). Und wenn, wie ich glaube, Wickhoft* 
Recht hat, steht auch 

Decken die Laube, 
Wo sich fürs Leben, 
Tief in Gedanken, 
Liebende geben. 
Laube bei Laube! 
Sprossende Ranken ! 

im Einschläferungsliede der Geister im Faust unter dem 
Eindrucke desselben.' Aber auch ganz andre Arten von 
antiken Kunstwerken tauchen bei gewissen Bildern in 
seiner Erinnerung auf. 

So beim »Hercules in Windeln« (38. »der Halbgott 
Sieger als Kind«. Jun. 15) eine Münze: »A^/nz ^inii Zeug- 
niß, wie die Alien aus der Fülle der Umgebung den Haupt- 
moment heraus :(U heben und ein:(eln dar:;jisteUen das Glück 
gehabt, erwähnen wir einer sehr kleinen antiken Mün:(e von 
der größten Schönheit, deren Raum das tüchtige Kind mit den 
Schlangen im Conflict bis an den let:(ten Rand vollkommen 
ausfüllte (S. 116). Nun findet sich der Schlangen würgende 
Hercules als Münztypus von vielen griechischen Städten : 
(Tarent, Kroton, Theben, Lampsakos, Samos, Prusa)^ aber 
da Goethe von einer sehr kleinen Münze spricht, kann 
kein Zweifel sein, daß er den Typus von Tarent meint.^ 
Auf ihn triff"t auch die »größte Schönheit« und die »voll- 
kommene Raumfüllung«, wie die Abbildung auf Tafel I, i 
zeigt, welche nach einem Herrn Director Professor Dr. 



' Schuchardt, Goethes Kunstsammlungen I, S. 37, Nr. 336. 

^ Jahreshefte d. Oesterr. Arch. Inst. I, iii. 

5 Das betreflende Fragment des Originals ist heute im K. Museum 
zu Berlin. Vgl. Engelmann Arch. Zeit. 32. Jahrg. (1874), Taf. 12, 
S. 127 f; und über das ganze Marucchi, Bull, della Comm. arch. 
comunale di Roma XXIII (Roma 1895), t. II-III, p. 26sq. Lucas Mitth. 
des Arch. Inst, in Rom XVII, S. 128. 

4 Vgl. Heydemann Arch. Zeit. 1868, 34. Mylonas, Mitth. des 
Arch. Inst, in Athen III (1878) 267. 

5 Zwar verzeichnet und bildet Mionnet Descr. de Med. I (Paris 
1806), p. 152 Nr. 498 und Recueil des planches (1808) 64, 2, eine solche 
Münze auch unter Heraclea Lucaniae ab, aber, wie ich der freund- 
lichen Mittheilung des Herrn Kollegen Dressel entnehme, mit Unrecht: 
die Münze gehört nach Tarent. 



Tafel I. 




Goethes Abhandlung über die Philostratischen Gemälde. 175 

Dressel verdankten Gypsabdruck eines gut erhaltenen 
Exemplars des Berliner Cabinets gemacht ist. Goethe 
kannte die Münze vermuthlich aus der Abbildung von 
Mionnet. 

Ebenso erinnert er sich bei dem 62. Gemälde 
»Orpheus; Thiere, ja Wälder und Felsen heranziehend«. 
(Jun. 6), welches er in »Nachträgliches«, 3, S. 146 be- 
schreibt, einer Gemme, von welcher er emen Abdruck 
besaß. Er w^idmet ihr schon im Inhaltsverzeichniß unter 
62a einige Worte: ^Orpheus entset:;J sich (jenem Zauber- 
lehrling ' ähnlich) vor der Menge von Thieren. Ein unschätz- 
barer Gedanke, für den engen Raum des geschnittenen Steines 
geeignet. Antike Geninie^^, gibt aber eine ausführliche Be- 
schreibung erst »NachträgUches« S. 136: y)Orpheus, auf 
einem be^iueigten Baumstamm sit~end, hat durch seine Melodieen 
manche Thiere herbeige:{0gen, deren her andringende Menge 
ihn :(;U ängstigen scheint. Die Hand ist ihm von den Saiten 
herabgefallen, er stützt sich auf sie. Gebückt und gleichsam 
zurückweichend, drückt er sich gegen die linke Seite des ge- 
schnittenen Steines. Das Angesicht ist scheu, die Haare wild. 
Seine ziisammengezogeiie Stellung ^jert den Raum aufs voll- 
kommenste und gibt Gelegenheit, daß Leier und Thiere das 
übrige Leere geschmack- und bedeutungsvoll ausfüllen. Die 
Thiere sind klein gehalten; und höchst geistreich ist der Ge- 
danke, daß ein Schmetterling, gleichfalls angezogen, wie nach 
einem Lichte so nach den Augen des Sängers hinßattert(.(.. Ich 
fand die Gemme bei der Durchsicht' der vielen Tausende 
von Gemmenabdrücken, welche Goethe besaß, in der Samm- 
lung Stosch unter Nr. 48. Das Original, eine Glaspaste, 
befindet sich heute im Antiquarium des Königl. Museums 
in Berlin unter Nr. 9853. Einen Abdruck verdanke ich 
dem Directorial- Assistenten, Herrn CoUegen Dr. Pernice. 
Die nach diesem gemachte Abbildung (Taf. I, 2) zeigt, 
wie trefl'end Goethes Beschreibung und Würdigung des 
kleinen Kunstwerkes ist. 

Aber auch Gemälde neuerer Künstler zieht er zum 
Vergleich heran; von keinem häufiger als von Giulio 
Romano. Seine Beobachtung: (»Nun aber zßigt Julius 
Roman allein in seinen Werken deutlich, dajj er die Philo- 
strate gelesen, wefjhalb auch von seinen Bildern manches an- 
geführt und eingeschaltet zuirdv), daß Giulio Romano die 
philostratischen Gemälde benützt habe, ist durchaus rich- 

' d. h. dem des Lucian und danach Goethes. 

^ Es ist mir angenehmste Pflicht Herrn Geh. Hofrath Dr. Ruland 
meinen aufrichtigen Dank zu sagen für die große Güte, mit welcher 
er diese und alle andern Untersuchungen im Goethe- Museum ermög- 
licht und gefördert hat. 



176 Abhandlungen. 



tig, auch, wie ich anderwo darthun werde, von ihm 
durch zwei sichere Belege von Reconstruction gestützt : 
I. Pasiphae ' (30). 2. Hercules und die Pygmäen (47). 
Welche Bewandtniß es mit »Meleager und Atalanta« hat, 
welche er hinter 51 (Jun. 15) als 51a mit dem Zusatz 
»Das Gleiche, von Julius Roman« einschiebt, weiß ich 
nicht ; denn ich kenne diese Composition nicht. Goethe 
besaß den Stich von Lonsing.' 

Aber wie bei den herculanensischen Bildern, so schiebt 
er auch hier Compositionen ein, welche mit den philo- 
stratischen direct überhaupt nur wenig, wie der Delphins- 
fang (74a mit I, 13), oder gar nichts zu thun haben, sondern 
höchstens in den Rahmen der Klasse fallen, wie Leda (20 c), 
Hj'las (43 b), »Cephalus und Prokris«, von welcher Com- 
position er in Nachträgliches 11, S. 144 eine besonders aus- 
führliche Schilderung gibt.' 

Besonders angethan hat es ihm der Peneus, obwohl 
er im losesten Verhältniß zu einem der philostratischen 
Gemälde (»Nr. 72: Thessalien; Neptun nöihigt den Peneus 
Tji schnellerem Lauf. Das Wasser fällt, die Erde grünt 
IJ 14«) steht und nicht einmal in das Inhaltsverzeichniß 
aufgenommen ist. Es handelt sich um das eine und zwar 
das letzte der 4 vom Meister mit dem WürfeH gestochenen 
Blätter einer Composition: »Geschichte des Apoll und der 
Daphne«, welche im Nachstich des Philippus Thomassinus 
nut Giulio Romano (Julius Romanus ifiventor) zurückgeführt 
wird. Blatt i) stellt dar die Tödtung des Drachen Python 
durch Apoll; 2) den Abschied der Daphne von ihrem 
Vater Peneus; 3) die Verfolgung der Daphne durch 
Apoll; 4) — das ist unsere Composition ^ — die 
Tröstung des Peneus durch die Götter seiner Nebenflüsse. 
Unsrer Abbildung liegt eine Photographie zu Grunde, 
welche das Dresdener Kupferstichkabinet von seinem vor- 
trefflichen Exemplare in liebenswürdigster Weise zur Ver- 
fügung stellte (Tafel III, 2). Auf die Nebenfiguren, den 
trauernd in seiner Höhle zurückgebliebenen Flußgott Inachus, 
den Jupiter, welcher sich zu lo, der Tochter des Inachus, 
herabläßt, ist Goethe nicht eingegangen. Seiner geist- 



' In den »Vorarbeiten« (W. 49, 2, S. 207) ist sogar richtig ge- 
sagt : » Von Julius Roman Villa Madama«. 

^ Schuchardt S. 80, Nr. 771. 

5 Vgl. Dollmayr, Giulio Romano und das class. Altertum (Jahrb. 
d. Kunsthist. Samml. des Allerhöchst. Kaiserhauses Bd. 22, Heft 4, 
Wien (1901), S. 216 f., Taf. 30. 

4 Bartsch Peintre Graveur XV p. 179, n. 19—22. Passavant Peintre 
Graveur VI p.98. Goethe besaß die Originalstiche (Schuchardt Nr. 762 ff.). 

s Sie findet sich auch auf Majohken wiederholt. 



Goethes Abhandlung über die Philostratischen GEMÄLot. 177 

vollen Deutung der Hauptfiguren aber nachzugehen ist 
eine Freude, tu Wenn man fragt, wie denn eigentlich ein 
Flußgott trauere, so wird jedermann antworten: indem er 
seicht fließt; getröstet wird er dagegen, luenn ihm frische 
Wasser zugeführt werden. Das Erste, als nicht bildnerisch, 
vermied Julius Roman. Peneus liegt traurig ausgestreckt über 
seiner noch reichlich fließenden Urne; aber das :(weite Motiv 
des Tröstens, des Ermuthigens, Frischbeiebens ist dadurch so 
köstlich als deutlich ausgedrückt, daß vier untergeordnete 
Flußgötter ::jiniichst hinter ihm ihre Urnen reichlich ausgießen, 
so daß ihre Wasser ihm selbst über die Füße schwellen und 
er also aufgefordert ist, stol:(er und muthiger als sonst sich 
strömend :(u ergießen. Der eminente Geist des Julius Roman 
:(eigt sich auch hier in seiner Gloriev. 

Einer Composition Raffaels hat Goethe nur einmal 
gedacht und zwar des »Cyclop und Galatea«, indem er die 
Beschreibung des philostratischen Gemäldes mit den Worten 
schließt (S. 107): y>Bedeutend ist es für unsere Zwecke, 
wenn wir mit dieser Beschreibung zusammenhalten , was 
Raphael, die Carrache und andere an demselben Gegenstand 
gethan. Eine solche Vergleichung wird uns den alten und 
neuen Sinn, beide nach ihrer gan:(en Würdigkeit, aufschließen((.. 
Zu einer solchen Vergleichung ist es nicht gekommen. 
Doch möchte ich hervorheben, daß aus seinen Worten 
nicht folgt, er habe die Ansicht Neuerer, zuletzt Wick- 
hofFs, gehabt, daß die Fresken Raffaels in der Farnesina 
und des Ann. Caracci im Palazzo Farnese auf das philo- 
stratische Gemälde zurückgehen.' Er würde eine bezüg- 
liche Bemerkung kaum im Inhaltsverzeichniß hinter Nr. 29 
weggelassen haben. Auch den flötenden Olympus des 
Ann. Caracci* hat er — mit Recht — nur zum Vergleich 
mit Phil. I, 21 herangezogen (576), nicht in dem Sinne, 
daß er auf Philostrat beruhe. Schon die Anwesenheit des 
Pan schließt dies aus. 

Auffallend ist die Nichterwähnung Tizians, dessen 
Erotenfest in neuester Zeit besonders häufig mit einem 
der philostratischen Gemälde in Verbindung gebracht 
worden ist. Goethe hat es bei den »Vorspielen der Liebes- 
götter« (S. 86) übergangen, obwohl er den Stich von 
Giov. Andrea Podesta in zwei Abdrücken besaß.' Die 
Ansicht der Herausgeber der Stuttgarter Ausgabe (30. Theil, 

' Ich selbst habe diese Ansicht immer bekämpft, zuletzt Repert. 
f. Kunstw. 23, I ff. 

^ Er besaß von den Fresken der Caracci im Pal. Farnese die Stiche 
von Pietro Aquila, von der Galatea auch den Stich des Cunego 
(Schuchardt Nr. 229 und 233). 

3 Bartsch XX 172, Nr. 8. Schuchardt S. 93, Nr. 902. 

GoETHt-jAHRBUCH XXIV. 12 



I 78 Abhandlungen. 



S. 360), daß die Abweichung Goethes in der Schilderung 
von der Philostrats durch die Bezugnahme auf Tizians Bild 
veranlaßt sei, ging völlig fehl. 

Um so interessanter war es mir zu sehen, daß doch 
auch ihm wenigstens nachträglich die Erkenntniß der 
Abhängigkeit des Tizianischen heute in Madrid befind- 
lichen Gemäldes von dem philostratischen gekommen ist. 
Wie Heinr. Meyer berichtet, hatte Goethe einen Aufsatz 
»Künstlerische Behandlung landschaftlicher Gegenstände« 
für das dritte Heft des letzten (6.) Bandes der Zeitschrift : 
»lieber Kunst und Alterthum« vorbereitet, wurde aber an 
der Ausarbeitung durch den Tod verhindert. So gab Meyer 
den Aufsatz in dieser Zeitschrift 1832, S. 433 — 453, heraus. 
Der Abhandlung Goethes hatte ein Blatt beigelegen, »zvekhes 
:(war wahrscheinlich früher geschrieben, doch seinem Inhalt 
nach sich auf dieselbe ^u beliehen scheinet und ihr daher schick- 
lich vorangelM. Auf diesem Blatt nun — das Original ist, 
wie ich im Goethe-Archiv feststellen konnte, nicht mehr 
erhalten — findet sich die Notiz: y^Ti^ian kennend die 
Philostrate<f.. Daß sie von Goethes Hand herrührt, bemerkt 
Meyer. Doch läßt die vorangehende Bemerkung: y>Und 
so mögen Ein~elheiten hier gegeben sein, wie ich sie gegen- 
wärtigen und abwesende?! Freunden mitgetheilt oder von ihnen 
etnpfangeuff. es zweifelhaft, ob die Beobachtung von Goethe 
selbst gemacht oder ihm von einem Freunde mitgetheilt 
worden ist. Nicht von Goethe aber, sondern von Meyer 
scheint herzurühren die an die obige Notiz » Ti:(ian kennend 
die Philostrate(.i sich anschließende Erläuterung: y> Scheinet 
sich hauptsächlich auf landschaftliche Darstellungen von Tizian 
und vornehmlich auf die Staffagefiguren in denselben :(u be- 
:^iehen, von denen sich allenfalls behaupten läßt, sie seien ver- 
wandten Geistes mit jenen Gemälden, welche wir bei Philostratus 
beschrieben finden; auf die großen historischen Bilder und 
Bildnisse von Tizian aber wäre solches nicht anwendbare. 
Wer so schrieb, w^ar in den Sachverhalt der Abhängigkeit 
des Tizianischen Bildes von Philostrat nicht eingedrungen. 
Dafür aber, daß der Ausgangspunkt für die Beobachtung 
»Tizian kennend die Philostrate« das Erotenfest war, möchte 
ich noch geltend machen, daß Goethe im Aufsatz über die 
Behandlung landschafthcher Gegenstände selbst gerade dieses 
Bild berücksichtigt, wenn er (unter Tizian) sagt : ^^Auch 
legte er seine schönen Kinder ohne Bedenken gan^ nackt unter 
freien Himmel ins Grasa. 



Tafel III. 





Hr,r PfriMf. ,1.. UUs rM«U/mir 



(Mrcun/fenft/,„„„a/„. prf/r.lr 



Goethes Abhandlung über die Philostratischen Gemälde. 179 

Goethe hat aber auch eine Anzahl Kunstwerke, weiche 
in noch ioserem Verhältniß zu den phiiostratischen Bildern 
stehen, in den Kreis seiner Betrachtung gezogen, und auch 
dieser Theil seiner Ausführungen hat vollen Anspruch auf 
unsere Würdigung. 

So hat er eine meines Erachtens schlagende Deutung 
einer auf GiulioRomano zurückgeführten Composition ge- 
geben, welche er aus dem Stiche der Diana Ghisi kannte* 
und welche wir hier nach einer dem Königl. Kupferstich- 
kabinet in Dresden verdankten Photographie veröffent- 
Hchen (Tafel III, i). Man sah in ihr »Aspasia bei Tische 
mit Sohrates und einem andern Philosophen Rede wechselnd. 
Die Männer scheinen erstaunt über die Gewalt ihrer Argu- 
menten. Goethe erkannte, daß es sich um die Verleug- 
nung des Petrus auf Grund von Ev. Luc. 22, 5 5 ff. handelt. 
In der That darf man nicht sagen, die Männer seien er- 
staunt über die Gewalt der weiblichen Argumente, viel- 
mehr: der zur Rechten — er gleicht durchaus nicht dem 
Sokrates — verwahrt sich, wie das sich sträubende Haar 
und die gespreizten Finger beweisen, aufs äußerste gegen 
die Behauptung der weiblichen Figur. Es ist Petrus. Der 
andere blickt die Magd an, weist aber mit dem Finger auf 
ihn, »bekräftigt« mithin ihre Behauptung, wie es im Ev. 
Luc. 22, 59 heißt. Daß die Magd hier nicht, wäe dort, den 
Petrus sitzen sieht, sondern selbst mit ihm am Tische 
sitzt, ist ohne Belang. Die »Flamme« schlägt hier aus 
einem bankartigen Becken. 

Mit diesem Bilde sind wir aus der Profan- in die 
heilige Geschichte getreten. Noch mehr mit einem zweiten, 
auf welches Goethe durch die phiiostratischen Bilder der 
dritten Klasse, »Geburt und Erziehung«, geführt worden 
ist. Nachdem er die Zuneigung des Vaters oder Erziehers 
zum Kind oder Pflegling erörtert hat, fährt er fort: y^Das 
höchste dieser Art vielleicht ist Sinieon, ent:(ückt über das ihm 
dargebrachte Jesuskind. Ein schön motivirtes Bild davon ist 
uns vorgekommen. Der Priester überläßt sich seinem prophe- 
tischen Entzücken; das Kind, gleichsam davon erregt, wendet 
sich von ihm ab, und indem es naiv die Hand ausstreckt, 
scheint es die Gemeinde ;{m segnen. Die knieende Mutter biegt 
sich vor und breitet die Arme aus, den Wunderknaben wieder 
:^u empfangen. Die reiche Umgebung erlaubt, von den ernst 
hetrac lotenden Priestern und Leviten bis ^ur gleichgültigsten 
Gegenwart Geschenke tragender Kinder, eine vollkommene 
Stufenreihe dar:(ustellen. Glücklicherweise hat Raphael diesen 

' Bartsch XV, p. 446, Nr. 32. Nagler, Die Monogrammisten II, 
Nr. II 61 n. 17. Schuchardt S. 78, Nr, 745. 



l8o Abhandlungen. 



Gegenstand nicht behandelt, und so bleibt dem Künstler die 
Gelegenheit, ohne Vorbild nach dem Höchsten ~ii streben^. 

Der Gegenstand ist von der christlichen Kunst unend- 
lich oft behandelt worden. Welches Bild meinte Goethe? 
Von denen, welche er selbst in Stichen besaß, kommen 
vier in Betracht : 

i.Agost. Caracci (Schuchardt Nr.802). Aber weder 
kann man von prophetischem Entzücken Simeons reden, 
noch streckt das Kind seine Hand aus, noch kniet Maria, 
noch wäll sie das Kind wieder empfangen: sie bringt es 
erst dar. 

2. Moroni, weiß gehöhte Tuschzeichnung in Me- 
daillon,' gestochen von A. Scacciati (Schuchardt Nr. ^33). 
Aber auch hier fehlt die Hauptsache: das prophetische 
Entzücken Simeons, desgleichen Geschenke bringende 
Kinder und eine reiche Umgebung. 

3. JacopoChimenti daEmpoli (1604), von dem- 
selben A. Scacciati gestochen (Schuchardt Nr. 266).* Aber- 
mals fehlt das prophetische Entzücken Simeons; desgleichen 
reiche Umgebung, Geschenke bringende Kinder, ernst be- 
trachtende Priester und Leviten; statt ihrer ist der Donator 
mit seiner Frau angebracht. 

Dagegen zweifle ich nicht, daß er im Sinne hatte 

4. Das Bild des Orazio Samachini, welches er 
über einem Altar von S. Giacomo in Bologna gesehen 
hatte und ebenfalls in einem Stich besaß (Schuchardt 
Nr. 803). Die nach letzterem gegebene Abbildung (Taf. II) 
überhebt mich einer ausführlichen Beschreibung. Das Bild 
muß tiefen Eindruck auf Goethe gemacht haben. Denn 
nach der Erinnerung, nicht an der Hand des Stiches selbst, 
scheint er seine Schilderung entworfen zu haben. Denn 
ich kann nicht annehmen, daß angesichts desselben Goethe 
gesagt haben würde, das Kind scheine die Gemeinde 
zu segnen. Sein Hnker Arm ist an die Brust gelegt, der 
rechte an der Brust Simeons entlang geführt. Vielleicht 
wairde er durch das Bild des Jacopo da Empoli, in welchem 
das Kind diese segnende Bewegung macht, in seiner 
Erinnerung irregeführt. 

Ein anderes Bild, auf welches Goethes Beschreibung 
genau paßte, kenne ich nicht. 

Hervorstechend und für Goethe charakteristisch ist die 
Hervorhebung des Hercules. Ihm hat er den verhält- 



' Als Gegenstück dient die Geißelung Christi. 
^ Es ist das zweite in der Folge von 4 Blättern, deren erstes 
die Geburt Christi ist. 



Goethes Abhandlung über die Philostratischen Gemälde. l8l 

nißmäßi^ größten Theil seiner Arbeit gewidmet (S. 112 f.), 
aber auch in »Nachträgliches« (S. 137) zieht er noch ein 
Kunstwerk heran, obwohl es mit Philostratus nichts zu 
thunhat: »eine geschnittene Muschel: der junge Hercules 
von der Tugena als einer Malrone die Keule empfangend. 
Dieser Gedanke scheint uns glücklichi.^. Denn lolgerichtig sei, 
daß Hercules nicht schon mit der Keule an den Scheide- 
weg komme, sondern sie erst von der Tugend erbitte. 
Der Cameo enthielt nur zwei Figuren : »Auf unserm Camee 
componiren nur die :^iuei Figuren mit einander; luie allenfalls die 
dritte hin:^u:iufi'igen, davon kann die Rede sein, wenn wir auf 
diesen Gegenstand ::urückkehren, der alle Betrachtung verdient, 
indem er, eigentlich rhetorischen Ursprungs, gleichfalls der 
Poesie und bildenden Kunst gewissermafjen :iusagti<.. Was als 
dritte Figur zu denken sei, kann nicht zweifelhaft sein: 
die lockende Wollust. Goethe ist auf die Frage nicht 
zurückgekommen. Welchen Cameo aber meinte er? Unter 
den Abdrücken, welche er selbst besaß, ist keiner, der in 
Frage kommen könnte, wie Herr Geheimrath Dr. Ruland 
gütigst für mich festgestellt hat. Aber auch in der vor- 
handenen Literatur finde ich nur einen, auf welchen Goethes 
Beschreibung paßt, nämlich in der Dactyhotheca Lippertiana 
(1763) chilias III n. 348. Lippert besaß in seiner großen 
Sammlung den Abdruck eines Bergkrystalls aus dem Cabinet 
Praun.' Dieser Abdruck ist heute im Königl. Museum in 
BerHn; ich verdanke seine Benützung Herrn Kollegen Dr. 
Pernice und habe nach ihm die Abbildung auf Tafel I, 3 
machen lassen. Man sieht: er konnte leicht als geschnittene 
Muschel bezeichnet werden. Auch wird man nicht ein- 
wenden wollen, daß in Wahrheit Hercules die Keule nicht 
erst empfange, sondern bereits halte, und daß es scheine, 
als sollte er von Virtus bekränzt werden. Denn Goethe 
hat eine genaue Beschreibung der Darstellung augenschein- 
lich nicht beabsichtigt. 

Besondere Beachtung verdient, was er über den Hercules- 
Typus im Allgemeinen sagt. »A^»r unmittelbare Thatv, so 
führt er in einer zwischen 2 Bildern eingeschobenen »Be- 
trachtung« aus (S. 120), »sollte den Halbgott verherrlichen^. 
Darauf kommt er alsbald mit einer Einschränkung zurück 
S. 128: »Wenn ivir uns in dem Forigen für unfähig erklärt 
haben, die Gestalt des Hercules als eines Herrschenden, Ge- 
bietenden, Antreibenden in unserer Einbildungskraft hervor- 
:iHbringen, und wir ihn dagegen nur als dienend, luirkend, leistend 



' Vgl. A descriptive catalogue of a general collection of engraved 
gems taken from the most celebrated cabinets in Europe by Tassie, 
described by Raspe vol. I (London 1791) p. 340 n. 5677. 



l82 Abhandlungen. 



anerkennen luollten, so gestehen luir doch gegenwärtig ohne 
Beschämung, daß der Genius alter Kunst unsere Fähigkeiten 
weit überflügelt, _ und dasjenige, zu as jene für unthunlich hielten, 
schon längst geliefert hat. Denn zuir führen uns :(iir Erinnerung, 
daß vor dreißig Jahren sich in Rom der Abguß eines nach 
England gewanderten Kopfes befand, den Hercules vorstellend, 
von königlichem Ansehen. In der gan:(en Form des Hauptes, 
so wie in der Bestimmung einzelner Gesichts:;üge war der 
höchste Friede ausgedruckt, den Verstand und klarer Sinn 
allein dem Antlitz des Menschen verleihen mag. Alles Heftige, 
Rohe, Gewaltsame luar verschiuunden, und jeder Beschauende 
fühlte sich beruhigt in der friedlichen Gegemuart. Diesem 
huldigte man unbedingt als seinem Herrn und Gebieter, ihm 
vertraute man als Gesetzgeber, ihn hätten wir in jedem Falle 
:{um Schiedsrichter gewählte. Gerade die in den letzten 
Worten »Gesetzgeber« und »Schiedsrichter« ausgesprochene 
Charakteristik des Kopfes schließt den Gedanken an den 
jugendHchen Heraklestypus aus, der früher mit Praxiteles, 
in neuester Zeit mit Skopas in Verbindung gebracht worden 
ist/ wie er vertreten ist in dem 1777 bei Genzano gefun- 
denen Kopfe, der aus der Sammlung Townley ins British 
Museum übergegangen ist,* und läßt nur an den älteren 
bärtigen Typus denken. 

Vor dreißig Jahren, also 1788, war der Kopf nur noch 
im Abguß in Rom, das Original war schon nach England 
gewandert. Dies trifft — so viel ich sehe, allein — auf 
zwei Kolossalköpfe der Sammlung von Charles Townley, 
welche von 1765 — 1772 in Rom entstanden, in letzterem 
Jahre aber nach England überführt worden war. Sie be- 
finden sich heut beide im British Museum. Der erste, von 
Gavin Hamilton, dem Freunde Townleys, in der Villa 
Hadrians zu Tivoli gefunden, ist abgebildet in Specimens 
of antient sculpture selected from different coUections in Great 
Britain by the Society of Dilettanti vol. I (London 1809) 
pl. IX und X. Er macht den Eindruck großer Ruhe, aber 
der Mangel an Bedeutung und geistiger Bewegtheit macht 
es recht unwahrscheinlich, daß Goethe an ihn gedacht 
habe. Dagegen paßt Goethes Schilderung recht wohl auf 
den andern Kopf. Nach Townleys ^ Angabe war er 1769 



' Wolters Arch. Jahrb. I, 55 f. Furtwängler in Roschers Lexikon 
der griech. und röm. Mythol. s. v. Herakles I, S. 2171. Graef, Mitth. 
des Arch. Inst, in Rom, IV., 190 f. L. v. Sybel, Ztschr. f. bild. K. 
N. F. IL, 253 ff. O verbeck, Gesch. d. griech. Plastik, IL, 24 ff. Fig. 142a. 

* Ellis, The British Museum. The Townley Gallery vol. I 
(London 1836), p. 326. 

3 Townley Gallery I, 329 ff. 



Goethes Abhandlung über die Philostratischen Gemälde. 183 



von demselben Gavin Hamilton gefunden' und ist in den 
Specimens of antient sculpture vol. II (London 1835) pl. 42,^ 
veröffentlicht. Im Text (p. 81) heißt es: it presents one 
of the best specimens which we possess of the bold and 
grand character which the ancients, in the best time of 
the art, gave to their ideal Hercules ; in whom, more than 
in any other subject of sculpture, the sublimity of the god 
was combined with the vigour and endurance of man. 
Auch A. S. Murray schreibt mir auf meine Frage über 
diesen Kopf : it answers best to Goethes description. Diesem 
meinem Freunde verdanke ich auch die Photographie des 
Kopfes, nach welcher unsere Tafel I, 4 gemacht ist. Es ist 
im allgemeinen der zuletzt auf Lysipp zurückgehende Typus 
des Farnesischen und Steinhäuserschen Herakles, aber feiner 
abgestimmt und abgeklärter als diese beiden Exemplare. 

Dem Herculesmythus gehört endhch auch das einzig 
völlig frei erfundene Bild an: Hercules bei Admet; 
im Inhaltsverzeichniß unter 45 a als : tu schiuelg ender Gast im 
Tranerhausea charakterisirt und mit dem Zusätze » JV. K. F.« 
versehen.' In der Beschreibung selbst'^ heißt es S. 133: 
:»Ein treulich mitwirkender Kunstfreund entwarf es vor Jahren, 
:(um Versuch in wie fern man sich der antiken Behandlungs- 
weise solcher Gegenstände einigermaßen nähern können. _ Es 
war dies natürlich kein andrer als Meyer. Die aquarellirte 
Zeichnung ist noch heut im Goethe-National-Museum er- 
hahen.^ Es trägt in der linken Ecke die Unterschrift: 
jhr. iSoj. Goethe beschreibt es nicht nur eingehend, 
sondern spendet ihm auch reichstes Lob: »Drt weder die 
wohldurchdachte Composition, noch die Anmuth der Ein:(el- 
heiten, noch weniger das Glück, zuomit Licht und Schatten, 
von Farbe begleitet, einander entgegengeset:(t sind, sich keines- 
wegs durch Worte aussprechen lassen, so wünschen wir ge- 
dachtes Blatt den Kunstfreunden gelegentlich nachgebildet mit- 
:^utheilen, um die früheren Absichten durch ein Beispiel aus- 
:{usprechen und wo möglich :(it rechtfertigen^. 



* Nach Specimens of antient sculpt. II, p. 81 ist er dem British 
Museum durch William Hamilton geschenkt worden. 

* Auch in Müller-Wieselers Denkmälern Alter Kunst I, 38, 155. 
' Es ist das letzte Bild der Abhandlung, und nicht am wenigsten 

an dieses scheint Zelter zu denken, wenn er am 4. Febr. 183 1 an Goethe 
schreibt: (Briefwechsel zwischen Goethe und Zelter VI, 130) »in be- 
quemster Lage die Gemälde Philostrats nach einander durchmustert, 
wo denn der alte Freund Herakles mich zu ruhigem Schlafe bereitet hat«. 

* Der Stoff ist aus Eur. Alkestis 541 ff und 747 ff entlehnt. 

5 Schuchardt Nr. 460. Ein zweites, wenig verändertes Exemplar 
befindet sich im Großherzogl. Museum in Weimar. 



184 Abhandlungen. 



Und dies ist die Stelle, an welcher wir Goethe nicht 
beistimmen können. Sein Urtheil ist durch die VorUebe 
für den Menschen getrübt. Die Zeichnung zeigt auch nicht 
einen Hauch vom Geist der Antike. Sie ist fast plump zu 
nennen. Und es war gut, daß die Absicht, das Blatt den 
Kunstfreunden zugänglich zu machen, unterbheb. Es verhält 
sich zu der gleichen Composition Moriz von Schwunds 
wie die Nacht zum Tage. Dabei war diese lediglich aus 
Goethes Beschreibung geschöpft. 

Die Wirkung, welche Goethe mit seiner Schrift auf 
die Künstler seiner Zeit übte, w^ar gleich Null; um so er- 
freulicher aber ist die Nachwirkung, welche er auf einen 
so gottbegnadeten Künstler wie Schwind übte._ Davon, 
hoffe ich, werden sich bald Alle aus der in Vorbereitung be- 
findhchen Wiedergabe der philostratischenGemäldeSchwinds 
überzeugen. 




5- 

Anwendung der Sprach-Statistik 

AUE DIE RECENSIONEN IN DEN 

Frankfurter Gelehrten Anzeigen 

VON 1772. 

Von- C. Ritter. 




on den 35 Recensionen der Frankfurter Gelehrten 
Anzeigen, die Goethe später als sein Eigenthum 
angesehen und in die Sammlung seiner Schriften 
aufgenommen hat, sind in der neuesten kritischen Ausgabe 
von Witkowski (Kürschner, Deutsche Nationalliteratur, 
Band 107) 15 als unecht behandelt. Auch unter den übrigen 
20 sind noch mehrere, deren Echtheit verschiedentUch an- 
gezweifelt worden ist. Da Goethe sich erst im Jahre 18 12 
daran gemacht hat — und zwar ohne irgend welche 
äußeren Anhaltspunkte — aus den ihm übersandten Jahr- 
gängen 1772 und 1773 jener Zeitschrift seinen Antheil aus- 
zuscheiden, ist nicht zu verwundern, daß ihm dabei Ver- 
wechslungen begegnet sind: um so weniger wenn man 
bedenkt in welcher Weise nach seinem eigenen Bericht 
(Dichtung und Wahrheit 12. Buch) viele der Recensionen 
entstanden waren, unter gemeinsamer Betheiligung der ver- 
sammelten Mitglieder des Freundeskreises, der sich um 
Merck, den eigentlichen Herausgeber der Zeitschrift, ge- 
bildet hatte. Eben wegen dieses Zusammenarbeitens der 
Freunde wird es auch nicht mehr mögUch sein, die ein- 



l86 Abhandlungen. 



zelnen Arbeiten alle auf einen bestimmten Urheber zurück- 
zuführen. Doch ist begründete Aussicht, die Ermittlung 
des Urhebers viel weiter auszudehnen, als das bisher ge- 
schehen ist. Viele der Mitarbeiter sind ja auch sonst 
literarisch thätig gewesen; wir haben Stoff genug an Auf- 
sätzen von ihnen, die auch den 70er Jahren angehören, 
um durch vero;leichendes Studium Merkmale herauszufinden, 
die den Stil der einzelnen kennzeichnen und von einander 
unterscheiden lassen. Wer jemals solche kritischen Stil- 
untersuchungen getrieben hat, wird zum Voraus überzeugt 
sein, daß sie hier sich fruchtbar erweisen müssen; ander- 
seits ist wegen der Kürze der einzelnen Stücke, über die 
entschieden'werden soll, zu erwarten, daß man zahlreiche 
kleine Kriterien zur Entscheidung brauchen und daß also 
deren Auffindung recht viel Zeit und Sorgfalt erfordern 
werde. Ob der schließhch zu gewinnende Ertrag die Mühe 
lohnen werde, das ist eine Frage, deren Ernst wohl manchen 
schon von der Untersuchung abgeschreckt hat. Am zu- 
versichtHchsten hatte sie einst Scherer angegriffen, der 1883 
in der Vorrede zum Neudruck des Jahrgangs 1772 p. XC 
wie folgt sich äußert: »Ich halte es für möglich, soweit 
stilistische und sachhche Gründe überhaupt führen können, 
die sämmtHchen Beiträge ihren Verfassern zuzuweisen. Aber 
dazu gehört mehr Raum und Zeit als mir jetzt zu Gebote 
steht«. Seit seinem Tod scheint die Arbeit ziemlich Hegen 
geblieben zu sein. Witkowskis schon erwähnte Ausgabe 
der angebUch Goethischen Recensionen athmet nicht mehr 
solche Zuversicht. Seite 47 sagt er: »eine philologische 
Ermittlung Goethischer Beiträge über die wenigen aus- 
drücklich bezeugten hinaus scheint unmögUch« und Seite 48 : 
»es bleibt selbst da, wo Scherer und v. Biedermann über- 
einstimmen, und wo nach unserem eigenen Urtheil ihre 
Vermuthungen richtig sind, doch berechtigtes Mißtrauen 
zurück. In Bezug auf die Urheberschaft dieser Recen- 
sionen müssen wir sagen: Ignoramus und wohl auch: 
Ignorabimus!(f Ich selbst stehe der Goethephilologie bisher 
ganz fern und bin fast zufäUig auf das Problem gestoßen. 
Das Studium der Schriften Platons hat mich den Mangel 
zuverlässiger Angaben über ihre zeitliche Folo;e aufs Lästigste 
empfinden lassen, und indem ich die Mittel, welche andre 
Forscher zur Feststellung derselben angewandt haberi, nach- 
prüfte, habe ich die Sprachstatistik als weitaus das Sicherste 
und Zuverlässigste erkannt. Auch für die Sichtung des 
Echten und Unechten unter den angeblich platonischen 
Schriften erwies sie sich als ganz zweckdienUch. Nun 
v;urden aber grundsätzHche Einwendungen gegen den Werth 
der ganzen Methode erhoben. Vor allem forderte Eduard 



AXWENDUKG DER SpRACH-StATISTIK. I 87 

Zeller ihre Bewährung an Werken moderner Schriftsteller 
und empfahl namentlich Goethe zu einem entscheidenden 
Probeversuch. Ich habe mich entschlossen, seiner Auf- 
forderung zu folgen. Und so habe ich zuerst durch auf- 
merksames Lesen größerer Abschnitte von Goethes pro- 
saischen Schriften aus verschiedenen Zeiten mir den Blick 
geschärft zur Wahrnehmung solcher sprachlichen Er- 
scheinungen, in denen sich sein Stil allmählich verändert. 
Eine Uebersicht darüber, die im »Euphorien« veröffentlicht 
wird, umfaßt etwa 50 Einzelheiten, und im Anschluß an 
diese habe ich gezeigt, wie allein mit den Thatsachen, die 
sie verzeichnet, eine ganz sichere Eintheilung der Prosa- 
schriften Goethes in zeithche Gruppen gegeben werden 
könnte, die genau zusammenfallen mit denen, welche die 
auf der Kenntniß von Goethes Lebensentwicklung beruhende 
Biographie unterscheidet. Damit aber die sprachstatistische 
Metnode auch noch nach einer anderen Seite ihre Erprobung 
linde, habe ich mich die weitere Mühe nicht verdrießen 
lassen, sie an die anonymen Verfasser der Frankfurter Ge- 
lehrten Anzeigen heranzubringen. Und so fordere ich durch 
meine Mittheilungen darüber das Urtheil der Leser über 
die Brauchbarkeit der Methode selbst heraus. Dabei muß 
ich dann freilich um einige Nachsicht bitten. Erschöpfend 
soll meine Arbeit nicht sein. So tief zu graben, daß allen 
Zweifeln über Einzelheiten die Wurzel abgeschnitten würde, 
dazu fehlte mir die Zeit. Und auch die nöthige stoffliche 
Grundlage dazu konnte ich mir in ländhcher Zurückgezogen- 
heit nicht verschaffen, trotz allen bereitwilligen Entgegen- 
kommens der Kgl. LandesbibUothek in Stuttgart. Mein 
Zweck ging aber auch nicht weiter als davon zu überzeugen, 
daß auf dem Wege, den ich eingeschlagen, das Ziel, die 
Verfasser der einzelnen Recensionen zu ermitteln, erreicht 
werden könne. Und zur Begründung dieser Ueberzeugung 
glaube ich genug bieten zu können. 

Vor allem muß ich aus dem im »Euphorien« aus- 
führhch Mitgetheilten einiges ausziehen, was für die 
gegenwärtige Aufgabe nutzbar zu machen ist. Auf etwa 
325 Seiten Text (Cottaischen Druckes) aus den Jahren 
1770 — 1775' habe ich die Wörter und Wortverbindungen 
beinahe, Mos, da doch (= obwohl), dermalen, durchaus, 
genugsam, jedoch, meistens, ja sogar, nicht finden können, 
sondern nur gleichbedeutende an ihrer Stelle, während ich 
auf 265 Textseiten der Jahre 1812 — 1827 allen diesen Formen 



' Sie vertheilen sich auf Briefe, Werther, Aufsätze über Kunst, 
dramatisirte Geschichte Gottfriedens von Berlichingen, Clavigo, Satyros, 
Götter, Helden und Wieland. 



Abhandlungen. 



begegnet bin und einige davon dort nicht selten mir auf- 
stießen: so jedoch 54 mal, durchaus 20 mal. Beinahe und 
hJos haben sich mir dann allerdings fast ungesucht nach- 
träglich je an einer über jenen Zusammenhang hinaus 
liegenden Stelle der aus jenen Jugendjahren stammenden 
Briefe dargeboten; doch wird dadurch die Wahrnehmung 
nicht aufgehoben, daß diese Wörter hinter fast und nur 
bei dem jungen Goethe sehr zurücktreten. Weiter habe 
ich festgestellt, daß abermals, höchst und vollhonimen in der 
Frankfurter Zeit bei ihm nur äußerst spärHche Anwendung 
finden. Abermals liest man auf jenen 325 Seiten i mal, 
höchst 2, vollkommen 3 mal, während das erste dieser Wörter 
auf den verghchenen 265 Seiten der späteren Zeit 17 mal, 
das zweite 21 mal, das dritte 48 mal zu finden ist; — dann, 
daß die Relativform welcher in der Jugend, abgesehen von 
amthchen Schriftstücken und Briefen, die scherzhaft den 
Kanzleistil nachahmen, von Goethe noch recht selten ge- 
braucht wird: 15 solchen Formen stehen 1042 des kurzen 
Relativstamms der gegenüber, während infolge der Ueber- 
siedelung des Dichters nach Weimar das Verhältniß all- 
mählich ein ganz anderes wird; daß derjenige und derselbe 
ebenfalls in jener frühen Zeit recht spärlich vertreten sind. 
Die übrigen Wörter meiner Liste, die zur Unterscheidung 
des Jugend- und Altersstils dienen, haben für die Echtheits- 
frage der Frankfurter Recensionen keine Bedeutung. 

Von jenen aus aber erheben sich gegen manche unter 
den 35, die Goethe als sein Eigenthum ansah, theils leichtere, 
theils schwerere Bedenken. Unberührt von solchen bleiben 
die Nummern [5.]' 6. 7. 8. 11. 12. 13. [15.] [17.] 22. 25. 
30. 33. 34, ebenso die kurze Erklärung, die Goethe einmal 
im Jahr 1775 noch in eigener Sache in den Frankfurter 
Gelehrten Anzeigen abzugeben Veranlassung nahm, sowie 
die von ihm selbst später übersehene, aber durch brief- 
liches Zeugniß Lavaters für ihn gesicherte Besprechung der 
Geßneriscnen Idyllen; aber verdächtig kommen mir vor 
die Nummern a) [2.] 4. 9. 14. [16.] 23. [28.] 32; ver- 



dächtiger b) [i.] [3. 
unannehmbar c) 10. 



[24.] 29; äußerst verdächtig oder gar 
j8.][i9.] [20.] [21.] [26.] 27. [31.] 35. 
Meme Verdachtsgründe sind folgende: 

a) in Nr. 2 begegnet uns ein ivclche, das unter nur 
2 Formen des kurzen Relativstamms steht; der Verdacht 



' Die Recensionen sind hier nach der Reihenfolge nummerirt, die 
sie in Goethes gesammelten Werken einnehmen (Cotta Band 52, S. 3 — 35) 
und in der sie z. B. auch Witkowski abdruckt. Die von Witkowski 
für unecht gehaltenen, in seiner Ausgabe klein gedruckten sind hier 
eingeklammert, z. B. [5.] [i.]. 



Anwendung der Sprach-Statistik. 189 

wird erheblich verstärkt durch ein beinahe (während fast 
fehlt) — 

in Nr. 4 für die luelche neben einem einzigen der — 

in Nr. 9 ein bloß ("während das dem jungen Goethe ge- 
läufige niir^ allein fehlt) — 

in Nr. 14 ein meistens (die von Goethe in früheren 
Jahren gebrauchte Form ist meist), allerdings — 

in Nr. 16 ein demjenigen . . was und beinahe — 

in Nr. 23 außer welches (= was) ein vollkommen — 

in Nr. 28 dasselbe — 

in Nr. 32 ein bloß (nur fehlt) — 

b) in Nr. i (abgesehen von einem Citat, dessen Worte 
sich von Goethes Weise deutlich unterscheiden) von der- 
jenigen Seite, wohin; 2 dasjenige luas und i beinahe (neben 
einem fast) — 

in Nr. 3 aus luelchem und 2 durchaus — 

in Nr. 24 jedoch — 

in Nr. 29 an welche und 2 durchaus — 

c) in Nr. 10 unter 7 relativischen Fürwörtern i welche 
und I lu ivelcher, außerdem ein sonst bei Goethe von 
mir nirgends bemerktes, seinem Jugendstil gewiß fremdes 
welche = irgendwelche, solche. In den Frankfurter Gelehrten 
Anzeigen habe ich dieses Indefinitum S. 422, 30 in einer 
Recension Herders, außerdem S. 380, 3 in einer solchen 
Bahrdts gelesen; dann noch in einem der Briefe Herders 
rWagner S. 31) und mehrfach auch in Schriften Bahrdts. 
(Auch z, B. bei Lenz kommt es vor.) 

in Nr. 18 unter 3 Relativen auf einer Seite i tu elcher 
und überdem i desselben — 

in Nr. 19 unter 5 Relativen /;/ welcher, ?nit luelcher; dazu 
I bloß (kein nur) — 

in Nr. 20 i welcher gegenüber 8 der, die u. s. w. ; dazu 
derselben, bloß, ja . . sogar, dermalen — 

in Nr. 21 von luelchen, lu eiche, welcher gegenüber 5 der, 
die u. s. w.; dazu i vollkommen — 

in Nr. 26 i luelche gegenüber 5 der u. s, w.; desselben, 
höchst, bloß, da doch — 

in No, 27 welcher, in welchem, an welchem, welche, ohne 
luelches neben 5 der, die u. s. w., meistens, bloß — 

in Nr. 3 1 welche, welches neben 3 der u. s. w., desselben — 

in Nr. 35 an welcher, diejenigen welche neben 3 der u. s. w. 
Ich bilde mir nicht ein, ein einzelnes der hier auf- 
geführten Wörter sei stark genug, um den Beweis der 
Unechtheit zu tragen. (Eine genauere grundsätzliche Er- 
örterung über die sprachstatistische Methode findet hier 
keinen Raum, kann aber in meinem Aufsatz in Ilberg und 
Gerths N, Jahrb. f d. class. Altert, von 1903 nachgesehen 



190 Abhandlungen. 



werden.) Und vollends ist mir klar, daß das bloße Nicht- 
anstoßen gegen die Schranken meiner Wortkriterien für den 
kurzen Text einer Recension — manche darunter nimmt ja 
nicht mehr als eine halbe Seite ein — noch entfernt keinen 
Beweis der Echtheit abgeben kann. So fällt es mir gar nicht 
ein, die Nummern 5, 15, 17, welche die neuere Kritik Goethe 
aus guten Gründen abspricht, für ihn zurückverlangen zu 
wollen. Die nur ganz leichten sprachlichen Anstände, die sich 
bei den unter a) vereinigten Nummern herausgestellt haben, 
gäben mir niemals den Muth, sie gegen innere, sachliche 
Gründe, die für die Echtheit sprechen, geltend zu machen; 
nur wo schon solche gegen Goethe zeugen, meine ich, 
dürfen sie mit angeführt werden. Für möglich halte ich 
allerdings immer, daß sich in ihnen die Mitwirkung anderer 
bei Herstellung des Wortlauts der Recension kundgibt: im 
wesentlichen, daran zweifle ich nicht, ist es Goethes Stimme, 
die wir in Nr. 4 und Nr. 32 hören, aber vielleicht schlagen 
dazwischen hinein einzelne Worte eines mitberathenden 
Freundes aus dem versammelten Kreise an unser Ohr. So 
erkläre ich mir auch die für den jungen Goethe so be- 
fremdhchen durchaus in Nr. 3 und 29 ; denn ich kann 
V. Biedermann und Witkowski nicht bestreiten, daß sich 
in diesen Nummern Goethes Art ausspreche. Aber wenn 
auch für Nr. 27 von diesen beiden Gelehrten ebenso wie 
von Scherer und so viel ich sehe allen früheren Forschern 
Goethes Eigenthumsansprüche schlankweg anerkannt werden, 
so muß ich hier widersprechen. Ich erkläre es sprachlich 
für unmöghch, daß Goethe im Jahre 1772 so geschrieben, 
wenn er nicht absichtlich in fremde Formen sich hüllen 
wollte, um seine Urheberschaft zu verstecken: das aber 
hätte hier keinen Sinn. — Bei Nr. 10 und Nr. 35 trifft mein 
Einspruch mit den inhaltlichen Bedenken v. Biedermanns 
zusammen, der ja jedenfalls zu den feinsinnigsten Beurtheilern 
dieser Dinge zählt. Auf ihn darf ich mich auch berufen, 
wenn ich Nr. 9 nicht als echt annehmen will; und was 
Nr. 35 betrifft, so glaube ich, er hätte nach Kenntnißnahme 
von meinen Zusammenstellungen ein anderes Endurtheil 
über die Recension gesprochen. Seine Worte: »Der Mangel 
aller Hahnenfüße' allein dürfte vielleicht nicht für ausreichend 
angesehen werden, da sie einmal in den Werken' steht,« 
sind ja gewiß eher gegen, als für Goethe zu verwerthen. 
Nr. 23 hat, wie ich bei Witkowski finde, Minor unter 



' Bezieht sich auf den Satz, mit dem Herder später die Recen- 
seutenweise des jungen Goethe gekennzeichnet hat: »meist ein junger 
übermüthiger Lord mit entsetzHch scharrenden Hahnenfüßen«. 

* Goethe-Forschungen S. 333. 



Anwendung der Sprach-Statistik. 19 1 

Scherers Zustimmung »aus stilistischen Gründen« für 
Herderisch erklärt, v. Biedermann meint, »obschon metho- 
discher gehalten, als die meisten anderen Recensionen 
Goethes, so entspricht doch diese Entwicklung der aus Zwo 
wichtige bibhsche Fragen uns bekannten; der Ernst des 
Gegenstandes bestimmte den abweichenden Stil«. Mich 
bestimmt der ganze Ton, mich gegen Goethe zu erklären. 
Und ich werde nachher zeigen, daß einige kleine Aeußer- 
lichkeiten für Merck sprechen. Gegen Nr. 14 hat wieder 
V. Biedermann Bedenken erhoben. Witkowski will sie ab- 
weisen; mich gewinnt er nicht. Doch von meinem sub- 
jektiven Urtheil wäll ich nicht reden. Aber ich mache 
einstweilen noch darauf aufmerksam, daß wir anstatt des 
Goethischen Schäckspear , welche Form eben Witkowski bei 
dem Streit um Nr. 15 so scharf betont, hier Schackefpear 
lesen. 

Noch 2 Stücke, die für Goethisch gelten, habe ich zu 
beleuchten: die den »Herrn Jakobi und sein gutes Herz« 
verhöhnende Recension von Klotzens Lebensbeschreibung in 
Nr. IUI S. 670' und die »Nachrede statt der versprochenen 
Vorrede« in der Schlußnummer, über die Goethe an Kestner 
schreibt, daß er darin das PubUkum »turlupiniert« habe. 
Jene Recension enthält i höchst und i da doch. Es ist 
wahr, daß Fritz Jakobi, welcher an Wieland schreibt »von 
Doktor Goethe, dem Verfasser des infamen Artikels gegen 
meinen Bruder in den Frankfurter Gelehrten Anzeigen von 
1772« nur diese Recension meinen kann. Aber damit ist 
nur bewiesen, daß er Goethe für den Verfasser hält. — 
Und nun die »Nachrede«: Witkowski sagt, man müsse 
»der Ansicht Seufterts zustimmen, daß der erste Absatz 
nicht zum folgenden paßt. Er wird wahrscheinlich ebenso 
wie die beiden letzten Absätze von Deinet* als captatio 
benevolentiae für die Fortsetzung im folgenden Jahre hinzu- 
gefügt sein«. Ich habe zu erinnern, daß auch der zweite 
Satz in ja sogar und genugsam Spuren einer fremden Hand 
zeigt. Der Kern ist auch für mich unanfechtbar, und den 
vorletzten Satz, den Witkowski von ihm losschälen will, 
halte ich noch für echt: inskünftige ist ein von dem jungen 
Goethe bevorzugter Ausdruck. 

Es fällt bei der oben gegebenen Zusammenstellung in 
die Augen, daß das verdächtigende Zeugniß, das aus meinen 
sprachlichen Kriterien abzuleiten ist, ganz überwiegend solche 
Stücke belastet, die auch aus anderen Gründen angefochten 
oder Goethe mit Sicherheit aberkannt worden sind, und 



' Ich citire stets nach dem Neudruck von 1885. 
* Dem Verleger der Zeitschrift. 



192 Abhandlungen. 



außerdem, daß es nur den geringeren Theil der Goethe 
bestimmt nicht zugehörigen Stücke verschont läßt. Dies 
ist um so bemerkenswerther, als jene Kriterien nicht ge- 
flissentlich zum Zweck der Sichtung, sondern zu dem 
chronologischer Gruppirung von Goethes Schriften von 
mir zugerichtet worden sind. Für 4 unter den 35 Recen- 
sionen der Goethischen Zusammenstellung ist uns durch 
erhaltene Briefe ein anderer Verfasser deutlich bezeugt, 
nämHch für Nr. i, 2 und 17 Merck, für Nr. 26 Bahrdt. Im 
übrigen fehlt es an äußeren Zeugnissen. 

Treten wir aber der heiklen Frage näher, wer unter 
den Mitarbeitern der Frankfurter Gelehrten Anzeigen auf 
die strittig oder herrenlos gewordenen Stücke begründetere 
Ansprüche erheben dürfte, so werden wir vor allem die 
Genossen des Merckischen Kreises uns näher ansehen müssen. 

Schon dem oberflächhchen Blick fällt der Mangel an 
einer einheitlichen Orthographie auf. Seuffert als Herausgeber 
des Neudrucks äußert darüber p. XCVIII »weder die Redac- 
tion noch die Druckerei hat eine einheitliche Orthographie 
durchgeführt. In den verschiedenen Schreibweisen der ein- 
zelnen Autoren offenbaren sich also Eigenthümlichkeiten 
der betreffenden Recensenten, welche noch mehr dazu be- 
hülflich wären, den gemeinsamen Verfasser mehrerer Urtheile 
zu entdecken, wenn nicht auch innerhalb einzelner Besprech- 
ungen Wechsel statt hätte. Solche Unebenheiten mögen 
zum Theil bestätigen, daß manche Recensionen aus den 
Gutachten mehrerer Referenten zusammengesetzt sind; aber 
sichere Anhaltspunkte hierfür bieten sie bei der bekannten 
Willkür der jungen Schriftsteller jener Jahre nicht.« Der letzte 
Satz klingt wie eine Warnung vor dem Versuch, hier die 
Sonde der Kritik anzusetzen. Und wie ich das doch ver- 
suchte, schien es mir zu meinem Schaden sich zu bewähren, 
daß sie recht behalte. Da nur für ganz wenige Recensionen 
die Verfasser zum Voraus feststehen, sah ich mich genöthigt 
mir eine breitere Grundlage der Untersuchung dadurch zu 
schaffen, daß ich über die Frankfurter Gelehrten Anzeigen 
hinausgriff. Was ich noch weiter herbeiziehen konnte ist 
folgendes: für Herder und Merck den von Wagner heraus- 
gegebenen Briefwechsel von 1838, für Schlosser die von 
L. Hirzel im Neuen Reich 1879, IX S. 273 ff. und von 
Dechent im Goethe-Jahrbuch X Seite 176 ff. veröffentlichten 
Briefe sammt der Sammlung seiner kleinen Schriften (in 
denen ich I, i bis 56 und wenige Seiten aus Band IV ge- 
lesen) nebst den Briefen und Briefauszügen der Genannten, die 
von Scherer in die Einleitung zum Neudruck aufgenommen 
worden sind. Obgleich ärgerlicherweise die verschiedenen 
betheiligten Druckereien auf die Orthographie offenbar etwas 



Anwendung der Sprach-Statistik. 193 

eingewirkt haben, glaube ich doch endlich auf einige feste 
Punkte gekommen zu sein, die nicht nachgeben. Und wenn 
dem so ist, so darf ich nachher die Schreibung mancher 
Wörter wenigstens als Beigewicht in die Wagschale werfen. 
Mit nämlich, iiähndich und neinlich, nehmlich, mit Mos und 
bloß, groser und großer, mit änserst und äußerst kann ich 
in der That nichts anfangen: sie scheinen sich in voller 
Willkürlichkeit zu kreuzen; aber z. B. für die Wechsel- 
formen Känntniß und Kenntniß (nebst den Zusammen- 
setzungen Er-Be-känntniß u. s. w.) ist ähnliche Willkür des 
Gebrauchs doch nur bei einem Theil der Recensenten 
zu treffen. Für Merck scheint sich herauszustellen, daß 
er stets Kenntniß} geschrieben. Die Formen uiigejahr und 
ungefehr scheinen mit Bestimmtheit auf Schlosser zu deuten; 
sonst finde ich nur ohngefähr (was indeß auch bei Schlosser 
die häufigste Form bleibt) und ohngefehr. Herder eigen- 
thümlich ist, so viel ich sehe, die Form dörfen, dörfte 
statt dürfen, dürfte. Weiteres gilt nur mit Einschränkungen 
und ohne strenge Folgerichtigkeit. So schreibt Schlosser 
fast ohne Ausnahme so wie wir heute: wirken, luirklich, 
IVirhing u. s. w., nur im 4. Band der kleinen Schriften 
habe ich bei ihm ein luürklich gefunden : wahrscheinlich 
weil die Druckerei es so wollte. Dagegen Merck schreibt 
die Formen dieses Stammes nur ganz vereinzelt einmal 
mit i, nämlich Seite 77, 18 und Seite 605, 4: in der 
unendlich überwiegenden Mehrzahl der Fälle ersetzt er 
hier i durch ü. Schlosser braucht mit Vorliebe die Form 
kan anstatt kann: aber nicht ohne Ausnahme; und mehr 
als einmal ist kan auch bei anderen (^z. B. Merck) nach- 
weisbar. Außerdem ist es hauptsächlich Schlosser, der h 
in langen Silben zur Dehnung anzuwenden Hebt : wie kost- 
bahr, dreyniahl, verliehren und gebohren. Es ist mir nicht 
erinnerlich, daß ich der Endung bahr und mahl auch außer- 
halb der Schlosserschen Texte begegnet wäre; doch kann 
ich auf diese Beobachtungen nicht viel Gewicht legen, da 
sonst in Anwendung des Dehnungs-h sich allgemeine Un- 
sicherheit zeigt. Bei Schlosser ist mir auch mehrfach die 
Schreibung ßodern aufgefallen (so in Nr. GG')\ übrigens 
schreibt gelegenthch auch Bahrdt auffodern. Ich halte für 
der Mühe werth, daß auch diese Schreibung scharf be- 
achtet werde. Weiter sind mir verschiedene Wörter auf- 
gefallen, in denen sich bei ihm an Stelle von ü das alte u 
erhalten hat: mich dankt, miißig, nnt/^en. Ob wohl auch 
andere unter unsern Bekannten dann und wann so schreiben? 
Beachtenswerth ist gewiß auch die Schreibung vortreflich, 
vortrefflich und ßirtreflich. Ich erinnere mich irgendwo die 
Behauptung gelesen zu haben, daß der junge Goethe aus- 

GotTHr-jAHRBLCH XXIV. 13 



194 Abhakdlungex. 



nahmslos der letzteren Form sich bedient habe: dies trift't für 
seine Recensionen in den Frankfurter Gelehrten Anzeigen 
nicht zu. Die unzweifelhaft echt Goethische Besprechung 
von Geßners Idyllen gibt S. 448, 33 vortreflich und diese 
Schreibung überwiegt überhaupt im ganzen Jahrgang 1772 
ganz ungeheuer, aber z. B. S. 428, 36 u. 563, 16, was sicher 
nicht von Goethes Hand geschrieben ist, lesen wir fiir- 
treflicb; in der Goethischen Nr. 26, die Bahrdt gehört, 
druckt wenigstens Witkowski S. 126, 17 fürtrefflicb. Daß 
Schlosser gern luarrlich geschrieben, daß aber auch Goethe 
diese Form vertraut war, ist schon länger bekannt. Immer- 
hin ist diese Schreibung für uns wichtig, da sie vielleicht 
doch nur eben die Wahl zwischen den beiden Genannten 
frei läßt. Witkowski legt (S. 92) großen Nachdruck darauf, 
daß Goethe in dieser Zeit stets Schäckefpear geschrieben. 
Seine Behauptung wird aber durch das, was er selber vorher 
(S. 15; vgl. S. 19. 23. 24) beibringt, widerlegt. Die Schreibung 
Scbäckespear findet sich auf S. 492 f. des Neudrucks (= 
Nr. 12 der Goethischen Zusammenstellung) 8 mal; die nah 
verwandte Form Scbäkespear begegnet uns S. 564, 32. 650, 21. 
Daneben kommt 17 mal Sbakefpear vor: in 5 verschiedenen 
Recensionen, von denen 2 für Merck gesichert sind; in 
einer 6ten 2 mal Sbakespear; dann 2 mal Shakefpeare (in 
verschiedenen Stücken, die wahrscheinlich doch auch von 
Merck sind) und je i mal Scbakefpear (219, 10) und Scbackefpear 
(519, 10).' 

Auf der Grenze der Orthographie und Flexion lassen 
sich noch weitere Beobachtungen machen, die von Belang 
sind. Die Formen i1:(t, it:^o, it::^!^ überwiegen bei Schlosser 
über die mit je beginnenden. Außer bei ihm ist mir nur 
eine einzige solche Form aufgefallen, nämlich ein /V^/ in 
einem Briefe Mercks. Dagegen zeigt Merck eine ebenfalls 
bemerkenswerthe Vorliebe für jet^^o (oder ;V<o), das ich 
sonst nur vereinzelt bei Herder gefunden. (Von Goethe, 
dessen Jugendstil es bekanntlich auch angehört, sehe ich 
bei gegenwärtiger Vergleichung ganz ab.) Und wieder ein 
Kennzeichen Herders, das hier festgestellt werden muß, ist, 
daß er bic loid da sagt, nicht wie die anderen bier und 
da, und entsprechend in Zusammensetzungen biediircb 
(Nr. 61), bievon (Nr. 85). (Merck und Schlosser schreiben 
wie Goethe bier und da, bierber, bier^u u. s. w.) Die Formen 
meist und mtistens kommen in verschiedenen Recensionen 
neben einander vor. Merck und Schlosser sind offenbar 

' In einem Brief des Jahres 1771 schreibt Merck an Herder einmal 
Shakespeare (S. 27) und Herder an Merclv bedient sich derselben Form 
(S. 30. 6 V. u.); später im Jahre 1791 schreibt Merck (an Schleier- 
macner) Sbakespear. 



Anwendung der Sprach-Statistik. 195 

beide mundojerecht gewesen; dagegen scheint Herder zu 
jener Zeit nur meistens zu brauchen. Scherer p. LVI hebt 
von Schlosser die Formen jenial und niemal hervor ; auch 
lianiahl habe ich zweimal aus seinen kleinen Schriften notirt; 
da er aber doch auch ehemals schreibt und Herder neben 
der Form damal ein abermals hat (Merck abennal und aber- 
inalen), so wird es sehr fraglich, ob diese Formen zur 
Unterscheidung der Verfasser taugen. Auch nirgend ist 
Schlosserisch, dagegen finde ich bei Merck nirgends: daß 
aber jeder der beiden nur die eine Form verv/ende, das 
kann ich noch nicht bestimmt behaupten. Herder schreibt 
vergeblich und ebenso Schlosser mehrmals: sonst erinnere 
ich mich in den Recensionen nur vergebens gelesen zu haben. 
Der Beachtung werth scheint mir auch mehr, mehre, mehrere; 
ferner oft, öfter, öfterer (!) und öfters; ehe und eher. 

Auch die Beachtung der verschiedenen Formen darin, 
darinne, hierinne, worinnen u. dergl. könnte sich vielleicht 
lohnen. Formen mit der Endung inne sind Goethe, Herder, 
Merck gehäufig, fehlen aber möglicherweise bei Schlosser, 
der seinerseits neben den allgemein üblichen auf — inn 
wohl am häufigsten solche auf — innen besonders luorinnen, 
anwendet. 

Auf Eigenthümlichkeiten der Flexion habe ich wenig 
geachtet; von denen, die mir bemerklich geworden sind, 
dürften folgende für unsern Endzweck verwerthbar sein, 
i) Mit Ausnahme von sähe und seinen Compositis finden 
sich Präterita von Verbis starker Flexion mit nach- 
geschlagenem e nur bei Schlosser (und einem mir noch 
ganz unbekannten anderen Recensenten) und ich halte sie 
für eines der sichersten Kennzeichen seiner Feder. Es 
werden uns nachher in der Einzeluntersuchung zahlreiche 
Beispiele vorkommen. Schon Scherer hebt p. LVI die 
Form bände heraus und zieht aus einer größeren Schrift 
Schlossers ein fände zum Vergleich herbei.^ 2) Formen der 
3. sing, indic. praes. und des part. praeteriti wie siehet, 
saget, suchet, genecket, verbannet smd Herder am geläufigsten, 
aber auch Schlosser vertraut genug; bei Merck hingegen 
finden sie sich recht selten (wohl "noch erheblich seltener 
als bei dem jungen Goethe). 

Die zahlreichsten Unterscheidungsmerkmale müßte die 
\'ergleichung des Wörter- und Phrasenschatzes ergeben: 
aber nur dem unermüdlich Nachspürenden. Wie Ich in 
nieinen anderen sprachstatistischen Arbeiten gezeigt habe, 
ist es namentlich die Auswahl unter Adverbien und 
Konjunktionen gleicher Bedeutung, worin persönliche Ge- 
schmacksverschiedenheiten gleichzeitiger Schriftsteller sich 
verrathen. Was ich darüber zusammengestellt habe, ist aber 

13* 



196 Abhandlungen. 



erst ein Nothbehelf. Ich erachte es für zweckmäßig meine 
noch vereinzelten Beobachtungen in der Form anzubringen, 
daß ich nun die Männer, deren Stil zu kennzeichnen ist, 
nacheinander vorbeigehen lasse. 

Herder soll zuerst an die Reihe kommen. Auf ihn 
sind mit Sicherheit die zu Beginn der Zeitungsnummern 
54, 60, 61, 64, 69, 77, 84, 85, 87 stehenden Besprechungen 
zurückzuführen. 

Außer dem was ich über den Gebrauch der Form 
dürfen, über hie und da, meistens schon angemerkt, kann 
ich noch hervorheben, daß Herder die Formen des ein- 
silbigen Relativstammes ebenso wie Goethe sehr entschieden 
vor denen des zweisilbigen bevorzugt (das Verhältniß ist 
in diesen Recensionen 104:1, in den Briefen 70:2; die 
drei längeren Formen immer nach Präpositionen); daß 
derjenige sich hier nirgends findet, daß Herder rt//i'nf/;/^^ 
— aber und freylich — aber häufiger braucht als :;^iuar — 
aber. Das Wort allerdings kann ich überhaupt nur bei Herder 
und Schlosser nachweisen. Ein Herderisches Lieblingswort 
ist insonderheit (6 Mal hier nachzuweisen, außerdem ver- 
einzelt wie wir sehen werden bei Merck) ; ebenso tuenigstens 
und geiviß, von dem ich 13 Beispiele gezählt habe. Eigent- 
lich habe ich mir 5 Mal bei ihm notirt; auch doch ist 
häufig und begegnet besonders in den Verbindungen, doch 
geiviß, doch einmal, der doch, doch auch; schon, vielleicht, 
endlich, etiua kommen wohl öfter bei Herder vor als bei 
anderen. Genau habe ich freilich darauf nicht geachtet und 
augenfälliger ist der zahlreiche Gebrauch von nur imnier^ 
(5 + Br. 3) oder immer nur (2) noch immer (5), icahrlich 
(3) luahrhajlig (3 + Br. 2). — Von dem jungen Goethe 
insbesondere unterscheidet sich Herder durch ausgedehnten 
Gebrauch von bloss, das als Adjektiv vorkommt (3) und als 
Adverbium häufig ist (ob den 7 negativen nicht bloss die 
unter der ganzen Zahl der 15 Adverbia sind — in den 
Briefen findet sich ein W'eiteres — ein einziges nicht nur 
oder nicht allein gegenüber stehe ist mir fraglich); ferner 
durch den Gebrauch von beinahe (3), das ein Drittel so 
oft vorkommt als fast, durch häufige Anwendung von der- 
selbe (4 4- Bi'- 5)5 durch abermals (i). 

Unter seinen Adjektiven ist mir das von Goethe her 
bekannte heilig, munter, sonderbar und süss aufgefallen, 
ferner beträchtlich, damalig. Als Steigerungsmittel braucht 

' Die eingeklammerten Zahlen geben an, wie oft ich die Wörter 
in den oben bezeichneten Recensionen, wenn Br. vorgesetzt ist, wie oft 
ich sie in den Briefen von Merck gezählt habe. Dazu muß icli be- 
merken, daß ich die meisten der betr. Wörter durch die Briefe gar 
nicht verfolgt liabe. 



Anwendung der Sprach-Statistik. 197 



Herder ganz überwiegend sehr, z. B. auch in der Ver- 
bindung V^t/z^'c// luir sehr (= gerne, fest); außerdem un- 
gemein (3), geivaltig (i), völlig (2 + Br. i), durchaus (2), 
)iiißersl, vorzüglich (i 4" Br. i). Manches davon theilt er 
gewiß mit anderen (so findet sich vor:(ügIich auch bei Merck 
und Schlosser); vielleicht sind auch folgende Wörter und 
Wortverbindungen ihm nicht eigen; aber sie sind mir ver- 
einzelt bei ihm aufgefallen und könnten, weiter verfolgt, 
etwa bedeutsam werden: minder, im }nindesten — unstreitig 
— schlechthin — gemeiniglich — hoffentlich — deutlich — 
offenbar — wiederum — unhetrachtei daß — luenn . . . 
gleich (4) — lumal. Wie Goethe fängt Herder gern Sätze 
mit Und (Und nun, Und denn) an: ich habe dafür 16 Bei- 
spiele; in den Goethischen von mir unbezweifelten Stücken 
zusammen 18. — Von Formeln seine Ansicht als Recensent 
kund zu geben benützt Herder neben einander dünkt uns, 
dünkt mich, es scheint uns; den Kritisirten bezeichnet er gern 
als den Autor (so 3 mal in Nr. 54, i mal in Nr. 84 und Nr. 85). 

Ueber Merck und Schlosser muß ich mich kürzer 
fassen, weil der für meine Beobachtungen zur Verfügung 
gestellte Raum nicht ausreichen will. Als gesicherte Grund- 
lage zur Charakterisirung von Mercks Stil dienen mir die 
Goethischen Nummern i. 2. 15. und 17 in Nr. 12. 15. 13. 
gi der Zeitschrift, außerdem Nr. 8 S. 49 ff. und die zur Ein- 
führung des Jahrgangs 1772 auf der ersten Seite gegebene 
»Nachricht an das Publikum«, sowie die oben bezeichneten 
Briefe. Ich notire daraus folgendes. 

Anstatt, wie Herder, von dem Autor, redet Merck hier 
wiederholt (im ganzen 3 mal) von dem rerf asser, zum 
Theil mit der üblichen i\.bkürzung; auch das Publikum, 
von dem 2 mal die Rede ist, und unsere Leser (Nr. 8) 
sind Ausdrücke, die mir der Beachtung werth scheinen. 
Um seine eigene Meinung einzuführen, braucht Merck es 
scheint uns (Nr. 13. 91.), wir dächten (Nr. 91): ein dünkt 
uns, das wir bei Herder gefunden und bei Schlosser be- 
sonders zahlreich finden werden, fehlt (ebenso wie Goethes 
däucht ufts}. Gegen derjenige hat Merck keine Abneigung 
(es ist in Nr. 12 3 mal enthalten, in Nr. 8 2 mal); auch 
welcher ist bei ihm nicht so ganz vereinzelt. Das Zahlen- 
verhältniß, in dem die beiden Relativstämme der und 
tuelcher zu einander stehen, ist, wenn ich recht gezählt 
habe, 89:3, also rund 30:1. Mit Herder theilt Merck u.a. 
den Gebrauch von ungemein, das er auch als Adjektiv 
verwendet. Allein kommt häufig bei ihm vor; in Nr. 12 
nicht weniger als 8 mal: doppelt so oft als hier aber ge- 
setzt ist. Auch völlig, sodann (Briefe), höchst (Br.), un- 
endlich, insonderheit, insbesondere, vollkommen (sämmtlich aus 



198 Abhandlukgen. 



Nr. 8) und das Adjectiv meisterhaft will ich nicht unerwähnt 
lassen. Besondere Aufmerksamkeit aber verdient das Wort 
allzeit. Es findet sich zwar in dem zu Grunde gelegten 
Text nur 3 mal. Aber je eingehender ich die Recensionen 
studirt habe, desto mehr hat sich mir die Ueberzeugung 
befestigt, daß a}]:{eit als eines der wichtigsten Leitwörter 
zur Ermittlung des Verfassers dienen könne. Wenn es 
vielleicht auch nicht ganz auf Mercks Arbeiten beschränkt 
ist und mindestens in der Nebenform alle:^eit auch Leuchsen- 
ring geläufig war (s. S. 58, 13. 18 u. vergl. damit Scherers 
Einleitung p. XXXI, 8 v. u., wo wir es doch wohl mit 
Merck selbst und nicht mit Deinet zu thun haben), so 
scheint mir das Wort jedenfalls Herder und Schlosser ebenso 
fremd zu sein, wie dem jungen Goethe. 

Für Schlosser haben wir eine sichere Grundlage außer 
den Briefen und Aufsätzen, die ich von außen herangezogen 
(s. oben S. 62) vorerst nur an den 2 Recensionen in Nr. 66 
und Nr. 69. 

Vor allem kommt mir bedeutsam vor, daß hier die 
li'elcher erheblich häufiger auftreten, als sie uns bisher 
begegnet sind. In den von Hirzel abgedruckten Briefen 
stehen gegen 52 der, die, das, 10 luelcber, welche, ivelches. 
Das Zahlenverhältniß ist also 5,2:1, und nach Ausschaltung 
eines steif formelhaften Briefes, der nur die längere Relativ- 
form benützt, immer noch 10,4:1. — So scheinen mir 
zahlreichere luclcher, so lang nur unter den Angehörigen des 
Goethe-Merckischen Freundeskreises die Wahl ist, immer 
für Schlosser zu sprechen. — Auch derselbe ist weit häufiger 
bei ihm als bei einem der anderen Mitglieder dieses Kreises: 
ich habe es in den hier zu Grunde gelegten Stücken 9 mal 
gezählt. — Derjenige ist etwa gleich häufig wie bei Merck. 
— Von einzelnen Wörtern hebe ich heraus: dennoch, jedoch, 
desivegen (das in den Briefen 4 von 6 Folgerungssätzen ein- 
leitet), folglich, schlechterdings, vernuithlich, nothiuendig und 
notlnvendigenueise, vornehmlich, etlichemal, vordem, mehrfach 
sich wiederholendes sogar (und das Adjectiv eckelhaft). 
Bemerkenswerth erscheint mir auch: der Herr Ferf asser in 
Nr. 66. Besonders augenfällig aber ist mir das häufige 
mich dünkt und dünkt mich geworden. Es wiederholt sich 
z. B. auf einigen Seiten von Schlossers Schrift über die 
Wudbianer 8 mal hintereinander, ohne je durch eine andere 
Formel gleicher Bedeutung abgelöst zu werden. Auf anderes 
hat schon Scherer p. LIV aufmerksam gemacht. — Als 
Eigenthümlichkeiten, die Schlosser mit Herder theilt, ver- 
zeichne ich den häufigeren Gebrauch von bloß, den Gebrauch 
der alten Formen ;^u'0 und ::^ween, die ich wenigstens bei 
Merck vergeblich gesucht habe; von wahrhaftig neben 



Anwendung der Sprach-Statistik. 199 

seinem gewöhnlichen, von Scherer gar zu sehr betonten 
luarrlich ; von allerdings, iiuiial, äußerst, unstreitig, wenn . . 
gleich (geu'iß, vielleicht, lueuigstens) ; als solche, die er mit 
iMerck theilt : insbesondere, höchst, unendlich, ungleich (vor 
einem Comparativ). 

Schon mit Hilfe dieser Merkmale muß es gelingen, 
eine größere Zahl bisher zweifelhafter Recensionen für 
Schlosser zu sichern und iür andere seine Autorschaft mit 
Sicherheit abzulehnen. Ich habe alle die Stücke genau 
gemustert, bei denen Scherer in der Einleitung zum Neu- 
druck auf Schlosser räth. Und fast durchweg hat sich 
Scherers Vermuthung vor der sprachstatistischen Kritik be- 
stätigt. Von Schlossers Hand muß in der That ge- 
schrieben sein: Nr. 9 S, 60, Nr, 30 S. 196, Nr. 41 S. 266, 
Nr. 56 S. 371, Nr. 70 S. 465, Nr. 78 S. 513, Nr. 99 S. 651. 
Wenigstens für zwei dieser Stücke darf ich hier die Beweis- 
gründe mittheilen: Nr. 9 S. 60 ff. enthält luirldichcn — it~igen, 
it:{0 — luarrlich — stunde, verhielte — /^iehet — Mos (4) — 
ivie uns dünkt — menschenfreundlich (2)* — luahrhaftig — 
unstreitig — nothwendig, notlrwendigenueise — sogar — der 
Herr Verfasser oder der Herr Verf. (zusammen 4) — der- 
selbe — 9 welcher gegen 7 der. Nr. 70 Seite 465 ff. enthält 
zi'irklichen — itiigen — ivarrlich — stunde — :(iehet, ge- 
schiehet, gehet — blos (4) — zuie uns dünkt — menschen- 
freundlich (2) — defJwegen — der Herr Verf. — derselbe (2) 
— 2 welcher gegen 9 der. 

Mit großer Wahrscheinlichkeit ist auch Nr. 48 S. 313, 
Nr. 52 S. 345, Nr. 57 S. 377 für Schlosser in Anspruch 
zu nehmen; und gegen die Vermuthung, daß Nr. 102 S. 676 
ihm gehöre, habe ich wenigstens aus der halben Seite, auf 
welche die ganze Besprechung sich einschränkt, nichts 
Triftiges vorzubringen. Es bleibt so nur eine einzige 
Nummer übrig, bezüglich der ich Scherer widersprechen 
möchte, nämlich Nr. 85 S. 563 f. Es ist nur eine Seite 
Text. Und so bieten sich wenig Anhaltspunkte, von denen 
keiner ganz fest ist. Als solche sehe ich an: zuahrlich — 
(ihreutwegen — Hauß — ) völlig — (das ist — ) der Ver- 
fasser (3) — das einzig vorkommende Relativum die. Der 
höfliche Schlosser pflegt einem Verfasser, wie wir schon 
mehrlach gesehen, Herr vorzusetzen. Ob er jemals völlig 
gebraucht, ist mir fraglich. Auch der Ton ist für ihn wohl 
zu lebhaft. Hier kann man an Herder oder auch an 
Goethe denken. Wenn dieser das Stück in die Zusammen- 
stellung für seine Werke aufgenommen hätte, ich zweifle, 
ob Jemand den Muth hätte, es ihm entreißen zu wollen, 

■ Siehe unten S. 200. 



200 Abhandlungen. 



Nach Herders Meinung wäre auch die lange Recension 
Nr. i6, 17 S. 102 — 114 von Schlosser verfaßt. Scherer 
p. UV erklärt, keinen Grund zu dieser Annahme zu finden 
und will jene Lebret zuschreiben. Auch hier muß ich ihm 
beipflichten. Wenigstens glaube ich beweisen zu können, 
daß die Recension nicht von Schlosser (und auch nicht 
etwa von Merck, an den man noch denken könnte) ge- 
schrieben sein kann. Ich erwähne hier nur, daß 2 mal 
wiirldich sich findet, 3 mal jei:{0, 7 mal besonders, i scheint 
uns (nicht aber dünkt uns) mehrfaches nur (nicht blos). 

Die Durchmusterung dieser Stücke läßt übrigens noch 
einige weiteren Liebhabereien Schlossers erkennen, so für 
das Wort menschoifreundlich und das Adverbium sonderlich. 

Nicht so leicht wie über Schlossers Ansprüche ist über 
solche Mercks und Herders mit bloßen Stilkriterien von 
der eng umgrenzten Grundlage aus, auf der wir hier fußen, 
zu entscheiden. Doch sollen auch mit Bezug auf sie die 
in Scherers Einleitung ausgesprochenen Muthmaßungen hier 
kurz nachgeprüft werden. Es ergibt sich mit Bestimmtheit, 
daß Merck folgende Stücke gehören: Nr. 2 S. 14, Nr. 6 
S. 36, Nr. 14 S. 91; Herder Nr. 35 S. 232. Höchst wahr- 
scheinlich gehört Merck auch Nr. 2 S. 12, Nr. 7 S. 48, 
Nr. 30 S. 198; Herder wahrscheinlich noch Nr. 29 S. 187, 
Nr. 34 S. 220, Nr. 94 S. 619' Der Leser mag sich nach 
den oben gegebenen Winken die Beweisgründe heraus- 
stellen, wenn er nicht etwa erwarten will, bis irgend eine 
Zeitschrift mir für Vorlegung des ganzen gesammelten 
sprachstatistischen Materials ihre Spalten öff"net. — Soweit 
bestätigten sich also auch hier nur ältere, meist eben von 
Scherer ausgesprochene, Vermuthungen. 

Dagegen Nr. 38 S. 247 kann als Ganzes genommen 
nicht von Merck sein; höchstens könnte man annehmen, 
er habe als Herausgeber einige Zusätze zu der Recension 
eines anderen zu machen sich erlaubt. So fände ein aU::^eit 
im Schlußsatz seine zureichende Erklärung. Die Formen 
(Visahe, ivarc, ließe neben seye, bedienet u. s. w. und einiges 
andere scheint auf Schlosser zu weisen. Die Schwankung 
der Schreibart in Wirksamkeit (3) und IVürkung (2), luiirkt 
könnte man auch daraus erklären, daß eine Schlosserische 
Recension noch von Merck ergänzt worden sei. Das Wahr- 
scheinlichste ist aber gew-iß, daß wir es eben hier mit einem 
uns bisher noch nicht näher bekannten Recensenten* zu 
thun haben. — Bei Nr. 89 S. 585 und Nr. 91 S. 599 scheint 
mir mit Unrecht auf Herder serathen worden zu sein. 



' Nr. 66 S. 453 bietet mir in seiner Kürze keine Anhaltspunkte. 
^ vgl. S. 195 Z. 19 V. u. 



Anwendung der Sprach-Statistik. 201 

Das erste dieser Stücke wird vielmehr von Merck sein: 
besonders allzeit spricht für ihn, aber nicht dies allein ; an 
Herder zu denken verbietet schon die Form hier und da. 
Der Verfasser des 2. Stücks scheint mir identisch mit dem 
Recensenten von Nr. 38 S. 247, über dessen Person wir 
im Unklaren geblieben sind. Es sind Werke desselben 
Autors Hemsterhuys, die hier und dort besprochen werden. 
Und auch in dieser zweiten Besprechung zeigt sich z. B. jenes 
Schwanken zwischen der Schreibung tuirkeii und u'iiiken. 
Gegen Herder zeugt hier besonders entschieden derjenigen, 
die — dasjenige, -was — diejenige, ivelche (und ein weiteres 
luelcher neben 10 Formen von der\ — Auch Nr. 87 S. 575 
kann wohl nicht von Herder sein, an den Passavant dabei 
dachte, obgleich Scherer p. LXVI dessen Vermuthung noch 
näherer Prüfung für werth erklären konnte ; sondern das 
Stück wird, wie von anderer Seite angenommen worden ist, 
ebenfalls Merck gehören. 

Nach diesen Voruntersuchungen dürfen wir hofien, 
auch ohne große Umständlichkeit und Schwierigkeit die 
Frage zu entscheiden, welcher Antheil den einzelnen Freun- 
den Goethes an den Recensionen zukomme, die wir aus 
der Zusammenstellung Goethischer Werke als unecht aus- 
scheiden mußten. Wir wollen uns dabei vorläufig aul die 
Stücke des Jahres 1772 beschränken. Da mit Jahresschluß 
der ganze Goethische Kreis die Beziehungen zu der Zeit- 
schrift aufgab, deren Leitung in die Hände des ihm wider- 
wärtigen Dr. Bahrdt gerathen war, ist ja gerillte Aussicht, 
daß wir jenseits dieser Grenze noch viel antreffen könnten, 
das aus diesem Kreise hervorgegangen wäre. Von einer 
der Nummern des Jahres 1773, in der Goethe sein Eigen- 
thum zu erkennen glaubte (Nr. 26), wissen wir zutällig, 
daß sie Bahrdt selbst gehört. Es kommen nun bei Be- 
schränkung auf das Jahr 1772 nur die Nummern 9, 10, 14, 
16, 22, 23, 24, 27, 35 für uns in Betracht. Wir wollen sie 
nacheinander ansehen. 

9 = Nr. 46 S. 305 : Scherer p. LXXXI hebt daraus 
hervor: Der Raum erlaubt uns nicht Beweise anzuführen und 
räth deshalb fragend auf Schlosser. Ich füge noch \)t\ bloß , 
das mich gegen Goethe einnimmt — nirgend — g^^'-'iß — 
:(iimal (des Herrn Blum — Publikum — wahre Poesie). 

Wahrscheinlich hat auch hier Scherer richtig gesehen. 
Immerhin möchte man annehmen, gegen das Ende (im 
vorletzten Satz namentlich) sei Goethe das Wort vergönnt 
gewesen. 

10 = Nr. 35, S.230: hau — erjande, schnitte (alslndicativ) 
— uns dünkt überhaupt — der Herr Fei f. neben je 2 maligem 
Hr. B. und Hrn. B. — freylich . ., aber — dem bloßen IFity. — 



202 Abhandlungen, 



Unter den von uns schärfer ins Auge gefaßten Männern 
kann nur Schlosser als Verfasser in Betracht kommen. Ob 
er es wirklich ist? 

14 = Nr. 78 S. 518: Außer Schakefpear und allerdings 
und meistens die ich schon als Zeugnisse gegen Goethe 
oben beibrachte, kann ich aus dem kurzen Stück kaum etwas 
anführen. Die Verfasser — fürs Publikum — just — 2 
u'enigslens: das alles hilft zu keiner Entscheidung. Man 
kann an Herder denken, ebenso gut an Merck. 

16 = Nr. 86 S. 565 des Erkenntnisses, Welthenntniß 
(2) — kan — gebühret — hier und da — es scheint nun 
einmal — aU::^eit (2) — meisterhaft — demjenigen was — 
beynahe — jemals — abermalen — der Verf. (6) — unsere 
Leser {2). — Als Relativum nur der (14). 

Die Recension ist von Merck ; wie trüher auch Scherer 
annehmen wollte, 

22 = Nr. 27 S. 174: luarrliih — Offenbahrung — 
darin (2) — 3 maliges allein (kein aber) — öfters — darum 

— (hauptsächlich — öfters) — der Verfasser (2), der Verf., 
der Herr Verf. (der Herr Präsident, 2 mal) — dem höchsten 
IVcsen anständig: ganz ebenso S. 50, 9 von Mercks Hand. 

Wenn luarrlich auch sonst bei Merck nachzuweisen 
ist, steht der Annahme, dieser sei der Verfasser, nichts im 
Wege. (Die Schreibart Offenbahrung erklärt sich aus dem 
Titel des recensirten Werks.) 

23 = Nr. 49 S. 319: hierinn — einem grossen Publikum 

— der Verf. — Unsre Leser erlauben uns, den Leser — 
vollkommen — (lallen) — menschenfreundlich. 

Auch hier kann man am ehesten an Merck denken, doch 
bleiben starke Zweifel. Die beiden gegen Goethe ange- 
führten Anstände, die in welcher und vollkonunen liegen, 
sprechen ebenso gegen Herder. 

24 = Nr. 72 S. 473: Kenntniß — Wilrkung — ivarr- 
lich — 0'odcrn — mürrischen) — Herr Dr. Munter (3), Hr. 
D. Mitnter (3), Hrn. Dr. Münlers — jedoch — i)isbesondere 

— nienschenfreundlich — ;///;- immer — ivenigstens (3) — 
geiuijj nicht — all^u — 

Manches spricht für Schlosser, außer dem viel be- 
sprochenen warrlich vor allem das gegen Goethe zeugende 
jedoch. Auch ^r//-// finde ich häufig gerade bei jenem. In 
einem Briefe Petersens heißt es, daß diese Recension 
»einen Rechtsgelehrten in Frankfurt zum Verfasser haben 
soll«: Witkowski bemerkt dazu, daß damit Goethe hier 
nicht gemeint sein könne, und läßt es also auch als einen 
Hinweis auf Schlosser gelten. Ich erinnere noch daran, 
daß der Schlußsatz an die Ausführungen des Schriftsatzes 
anklingt, den Schlosser als Vertheidiger Deinets gegen 



Anwendung der Sprach-Statistik. 203 

die Klagen der Frankfurter Geistlichkeit einreichte, s. G.-Jb. X, 
S. 187 f. Der Versuch Dechents, die Recension noch für 
Goethe zu retten (eben dort S. 182 f.) ist jedenfalls un- 
glücklich.' 

27 = Nr. 103 S. 678. luirken (2), Wirkung — druckt 
ans — diinkct — darinnen — mcisl (2) und meistens — hlos 
— ob . . gleich (2) — dihdd uns (2) — insbesondere — 
folglich — überhaupt — eigentlich — freylich — vielleicht — 
gewiß nicht — ivenigstens (2) — Herr Alexander von Joch, 
Hr. V. Joch, Alexander von Joch — 

Die Recension wird von Schlosser sein. 

35 = Nr. 23 S. 151. :;^wo, ^lueen — der Verf. (2), der 
Verfasser — Grundmaxime seiner menschenfreundlichen Moral. 

Hier wage ich keinen Namen zu nennen. 

Die Nr. 102 S. 670 abgedruckte Recension, welche den 
»Herrn Jakobi und sein gutes Herz« verhöhnt, gilt heute* 
für echt Goethisch. So lang mir höchst und da doch nicht 
aus dessen Jugendschriften nachgewiesen wird, glaube ich 
hier an einen Irrthum der Literarhistoriker. Verstand denn 
keiner der anderen Recensenten diesen höhnischen Ton 
anzuschlagen ? Merck gewiß auch. Man sehe sich doch 
die 3 Nummern Merck s an, in welchen Goethe seine 
eigenen Worte wiederzuerkennen glaubte, besonders Nr. 91 
(= Goethe 17). Freilich gerade Merck versichert (Scherers 
Einl. p. XXXllI) den Bruder des Verhöhnten mit dem 
Ausdruck lebhaftesten Bedauerns, daß er an dem »Anfall« 
nicht den geringsten Antheil habe und »von Herzen er- 
schrocken« sei, als er diese Recension gelesen. Und trotzdem 
daß eben Jacobi von Mercks Charakter nicht viel hält 
(p. XLIV) und trotz Scherers in anderem Zusammenhang 
(p. XLVl) gegebenen Erinnerung, wie leicht man es im 
vorigen Jahrhundert mit dem Ableugnen der Autorschaft 
genommen, ist Merck keine so bestimmt und feierlich aus- 
gesprochene Lüge über die Geschichte zuzutrauen. Aber 
warum soll nicht Bahrdt der Verfasser sein ? Am Ende 
des Jahres muß ja der Mann die Hände doch wohl wieder 
im Spiel gehabt haben, dem nach dessen Schluß der Ver- 
leger die ganze Leitung der Zeitschrift übergab. Auch 
Schlossers Autorschaft ist nicht von vorn herein unglaublich. 

' Zu dem Satze »geradezu entscheidend dürfte der Umstand sein, 
daß Goethe selbst als Anwalt in diesem Processe mitgewirkt hat« 
u. s. w., vergleiche man die wenige Seiten vorher (179 oben) ab- 
gegebene Erklärung Schlossers, der offenbar eben deßhalb früher eine 
Vertheidigung Deinets übernahm, weil er an der gerügten Recension 
keinen Antheil hatte und so ganz unparteiisch auftreten konnte, 

^ s. S. 191. 




Zwei Briefe von Bettine v. Arnim/ 



MiTGETHEILT VON 

Ludwig Geiger. 




ii|as Goethe-Jahrbuch hat das Recht und die Pflicht, 
Dokumente aus dem Goethekreise zu veröff'ent- 
lichen, auch wenn sie nicht an Goethe gerichtet 
sind oder ausschUeßUch von ihm reden. Daher bedarf der 
Abdruck der zwei folgenden prächtigen Briefe keiner Recht- 
fertigung, um so weniger als sie beide allgemeines hiteresse 
bieten, der zweite wichtige Beiträge zu Bettinens Selbst- 
characteristik, der erste eine eigenartige Schilderung ihres 
Verhältnisses zu Goethe enthält. 

Die Briefe, deren Originale sich im Nachlasse Adolf 
Stahrs befinden, deren Benutzung mir durch Frau Consul 
Marie Stahr in Berlin gestattet worden ist, lauten so: 

Bettine an Adolf Stahr. [ii. April 39.] 

Guter Herr Doktor Stahr (denn der sind Sie mir, in- 
dem Sie mit beharrlichem Vertrauen das ich böslich ver- 
nachlässigte, sich mir zuwenden). 

* Das Folgende sollte ursprünglich, seinem Inhalt entsprechend, 
unter den Mittheilungen Platz linden. Es mußte, ebenso wie einige 
Miscellen, zurückgelegt werden, um den Umfang des Bandes nicht zu 
groß zu machen! Nachdem jedoch durch den am 25. März gefaßten 
Beschluß der Goethe-Gesellschaft, den Vortrag ausfallen zu lassen, Raum 
zur Verfügung stand, wurde Obiges eingeschoben, konnte aber nur an 
diese Stelle kommen, da die früheren Bogen bereits gedruckt waren. 



Zwei Brilfe von Bettine von Arnim. 205 

Ich bitte um Verzeihung meiner Vernachlässigung, 
nicht der Gabe, denn die hab ich genossen, aber des 
Gebers denn der Brief der ihm treschrieben war, wie 
einer an Herrn v. Beaulieu sind beiue auf meinem Schreib- 
tisch unter andern Papieren verloren geblieben, erst vor 
wenig Tagen wo sie der Zufall ans Licht brachte, hab ich 
sie zum Feuer und mich zu ev^-igem Schweigen verdammt. — 
Durch Ihre Nachsicht entsühnt, darf ich dies Schweigen 
brechen Ihnen meinen verspätheten Dank zu sagen. — 
Zum Glück, — ich sage : zum Glück, weiß ich nicht das 
geringste von Merck ; denn wüßte ich von ihm so würde 
mich mein Gewissen drängen abermals einen neuen Kanal 
zu bauen deren schon so unzählige mich in Anspruch 
nehmen, daß Tag und Nachtgleiche für ewig für mich aus 
den Angeln gehoben ist. — Wie ein Spreewald aus un- 
zähligen Inseln bestehend, deren jede eines Kunstgänners 
bedarf um ihre Früchte auf künstlichem Roste gedeihen 
zu machen ist mein Leben ausgefüllt. — Essen und trinken 
kann ich nur im Flug, an Erneuung meiner Gewände 
kann ich nimmer gedenken, dies paßt zum Einsiedlerleben. 
Kommen die Menschen zu mir so mach ichs kurz und fall 
mit der Thür ins Haus, um in aller Eil ihnen zu sagen 
was sie sonst nur nach dem ersten Scheffel Salz sich wollen 
gefallen lassen zu hören. — Mit Goethe hab ich nicht von 
verschiednem gesprochen, unsere Rede war wie unsere 
Blicke in einander conzentrirt; also )jMerck« war ein fremder 
Ton in unsrer Sprache gewesen; — aber einmal sagte doch 
Goethe zu mir: »Merck — Dirs, daß wenn Du künftig bei 
der Sterne Licht meiner gedenkend, ich bei ihrem Leuchten 
Deiner gedenkend Dir pp. p« — 

Die Momente die Wir mit einander lebten waren 
Thautropfen in deren jedem die Sonne sich spiegelte und 
ihre Strahlen in unserer Stimmung Farbe brach. — Ich 
fand einmal im Frühlingsthau eine Heidelbeere und zählte 
auf dem Sträuchlein aus dessen Blätterreichthum sie hervor- 
guckte hundertmal das Bild der Morgensonne in hundert 
Thautropfen die die kleine Heidelbeere umstrahlten; da 
merkt ich nichts von allem was um mich her noch war, 
ich war versunken ins Paradies der Heidelbeere die in- 
mitten unzähliger Spiegelungen des Sonnengotts unter dem 
Morgenduft ihrer Reife entgegenwuchs. — So wars grad 
mit mir, — noch vom Duft der Kindheit gedeckt, sonst 
hätt' ich seinen Glanz nicht aushalten können, strahlte 
der Dichter in unzähligen Geistestropfen rein wie der 
Morgenthau um mich her. — Und war ein Merck oder 
sonst etwas aus der Tageswelt bemerkt worden, ich hätte 
es für Schatten gehalten, der zwischen mich und meinen 



2o6 Abhandlungen. 



Gott fiele, wovor sein Bild mich nicht anstrahlen könne; 
gewiß war mein Geist verstummt, und mein Begriff er- 
storben für alles, auch für Merck, den ich nimmer hätte 
fassen können mit sammt allem außer ihm. 

Böttchers Klatschereien! — von denen weiß ich gar 
nichts. — Hat er über mich gesprochen? — üherGoethe?_ — 
ich kenne ihn nicht, ahne ihn nicht, Goethe hat mir ihn 
nie erwähnt; daraus schließe ich daß er nicht zu den 
Liebesgöttern gehöre. — Das »Merck, Goethes frühster 
Jugendgenosse«, läßt sich eher hören; denn als ich zuerst 
in' dieses Planeten Kreis eintrat, da hatte er 59 mal den 
Frühling des Jahres wieder erobert, und in meinem AnbUck 
entschwang sich seine Seele jener früheren gewohnten 
Bahn, ungewohntes regte seinen Geist sich neu zu befie- 
dern, und zärtlich deckte der junge Flaum sein Herz, daß 
es in der Wärme himmlische Gluth ausströmte. Da war 
ich also sein ältester und einziger Jugendgefährte und 
andrer die noch in des Uranos Zeiten mit ihm verkehrten 
wurde nicht gedacht. — 

»Der reiche Schaff meiner Erinneningena^ ist also nicht 
wie Sie erwähnen geeignet den Wust in » Umlauf gesetzter 
Klatschereiemi aufzuräumen. — Zur Strafe für den Mißgriff 
den Ihr Geist hier gemacht hat, verurtheile ich Sie, diesen 
meinen Brief dem Herrn von Beaulieu vorzulesen, mir 
Verzeihung zu erwirken daß kein Danksagungsschreiben 
auf seine Sendung und bescheidne Bitten erfolgte; ja wenn 
ers fordert und darauf besteht, so^ar diesen meinen un- 
wichtigen Schreibezettel in zwei Theile zu zerreißen, und 
ihm die eine Hälfte davon als authographisches Denkmal zu 
überlassen, da ich weiß daß die Menschen jezo einen 
Narren an solchen Dingen gefressen haben. Unterdessen 
unterzeichne ich mit Hochachtung 
Berlin am iiten April Bettine Arnim 

Dieser Brief ist leider auch unter dem Papierwust 
4 Wochen verdeckt gebheben zugleich mit ihm kam der 
erste wieder ans Licht. — 

B e 1 1 i n e an Adolf S t a h r. 

Bärwalde bei Dahme, d. 2. Febr. 40. 

Ich komme späth zum Schreiben und kann nur wenig 
Zeit dran wenden, da sie jezt so geitzig mit mir ist, daß 
sie mir kein Plätzchen zum freien Aufathmen gönnt. Und 
trotz meinem Einkommen um Urlaub um einem gütigen 
Mann, ein paar freundliche Worte zu sagen wegen traurigen 
Ereignissen wurd ich abgewiesen, und der Bescheid ertheilt, 



Zwei Briefe von Bettine von Arnim. 207 

die Zeit werde es selbst übernehmen eine vollkommene 
Heilung aller Schmerzen bei jenem zu bewirken und ich 
sollte also ruhig bei meiner Arbeit bleiben, die mir von der 
Zeit auferlegt ist. — Obschon ich nun noch nicht mit 
dieser zu Rande bin, so habe ich mir eine Störung des 
gewöhnlichen Lebensgang zu nutzen gemacht eine Schuld 
die mich drückt hier unter der Hand abzutragen. Die Zeit 
wird ihre Milde Ihnen reichlich zugewendet haben. Deß 
bin ich gewiß Sie haben Anrecht daran, da Sie ihr wertli 
sein müssen, mehr wie Andre, weil Sie Ihren Raum mit 
Würdigem ausfüllen. 

Ihr Brief fand sich zugleich mit Ihrer Rezension ein 
die ich mit großer Freude wieder gelesen habe. 

Was Sie mir von Ihrem Freunde Büttel mittheilen ist 
mir ein Tröstender Beweiß daß es Ihnen Gott nicht an 
der Schätze größtem und auch seltenstem hat ermangeln 
lassen. Sie haben einen Freund in so naher Nähe des 
Geistes wie persönlich, und ist dies nicht ein Gut aller 
Güter? — »Seelig wer sich vor der Welt ohne Haß ver- 
schließt« ; — Alles aber was Herr von Büttel über mich sagt 
kann ich nicht auf mich beziehen, aus dem einfachen Grund, 
weil ich nie traurig hin. Sie schreiben mir aber: »ein Hauch 
bitterer Trauer habe Sie aus meinem Brief angeweht.« — 
ich wußte nicht mehr was ich geschrieben hatte, allein das 
kann ich wohl betheuern daß ich in der heitersten Stimmung 
war — Die Kinder führten abends um 1 1 Uhr ein Conzert 
mit nachgemachten Instrumenten auf worin sie die be- 
deutendsten Künstler nachahmten, sie ließen mir keine Ruh 
ich mußte den Schreibtisch verlassen um ihrer Vorstellung 
beizuwohnen und selbst eine Rolle dabei zu übernehmen, 
wir lachten alle so herzlich, nur in den Zwischenacten 
schrieb ich an meinem Brief, nachher zeichneten wir Bilder 
wo die Figur des zweiten immer der des ersten einen Streich 
spielte und ihre tragische Repräsentation ins Lächerliche 
zog. Das ganze mußte etwas completes vorstellen zum 
Beispiel einen Jahrmarkt, oder das Theater von Policinell. — 
Unter allen diesen Anforderungen denen ich zu genügen 
hatte ward jener Brief fertig. Wir kamen erst gegen 3 Uhr 
Morgens zu Bett, und als die Bothenfrau am andern Morgen 
kam mußte ich geweckt werden um meine Briefe zu 
schließen. Ich hatte keine Zeit zum überlesen, und rechnete 
auf Ihre Güte, wenn er allenfalls eines Inhalts sein möchte 
der Ihnen nicht genügt ; jedoch von Melancholie ahnete ich 
nicht daß er auch den geringsten Hauch enthalte. — Sie 
sehen also wie es mit Briefen geht, man schreibt sie in 
einem Sinn der andre liest sie in einem andern. Zu einem 
Briefw^echsel der sich verdient machen soll, gehört eine 



2o8 Abhandlungen. 



glückliche Constellation. Die Sterne müssen es wollen daß 
alles Mittheilen sich in einander fort pflanze, die müssen 
den Schall dazu im Herzen wecken oder ich weiß nicht 
wie sich ihre Stimme vernehmlich mache. — Die Stelle 
aus dem Briefe Ihres vortrefflichen Freundes verneine ich 
gänzlich, er ahnet eine Trauer in mir »nicht um irdischer 
Verluste, sondern in und um mich selber — darum weil die 
Seele im eignen Selbstvernehmen nicht mehr wie einst 
den vollen Frieden finde«. — Ich mußte drüber lachen weil 
das alles auf mich paßt wie die Faust aufs Auge. — Ich 
wähle expreß diesen trivialen Ausdruck denn er hat den 
Vorzug daß er in mehr als einem Sinn auf mich paßt. 
Wenn ich Ihnen sage ich bin trivial so nehmen Sie dies 
nicht in einem gemeinen Sinn, aber suchen Sie es mit dem 
was Sie von mir gutes glauben zu vereinen so werden Sie 
mich besser verstehen, als durch das Voraussetzen hoher 
Eigenschaften und geistiger Bedürfnisse von deren Befriedi- 
gung mein Glück abhängt. Vergleichen Sie mich mit einem 
Sperling, der einen lauen Tag als Frühling begrüßt ohne 
sich zu grämen, daß am andern wieder Schnee fallt, so 
unterzeichne ich mit Vergnügen. Das haben mir die ver- 
dammten Briefe gethan daß die Leute mich für erhaben 
halten oder für eine strebende Natur. Ich kann wohl 
strebend sein; aber in dem sinnlichen Sinn meines Geistes 
nicht im reflectirenden. — z. B. ich freu mich unendlich 
darauf, in Berlin mit einem Grifl'el auf eine große Schiefer 
Tafel zu zeichnen was ich jezt schon längere Zeit gänzlich 
entbehren mußte was ich allein mit vollem Genuß meines 
Geistes thue, was mich zwar von allem was ich vornehme 
am meisten anstrengt, aber auch mich am leidenschaft- 
lichsten einnimmt. — Und alles andre was ich vornehme 
ist mir nur Zwischen-Arbeit wobei ich nicht weilen mag, 
aber jenes ist mir eine heimathliche Existenz. — Dies 
nenne ich die sinnliche Natur meines Geistes. — Wenn also 
Ihr Freund schreibt »der Geist, mächtig über seine Natur- 
bestimmtheit kann in den Kampf der Vermittelung ein- 
gehen wollen« so ist das eben die Faust auf meinem Auge. 
— Und wenn er sagt »ein solches Bedürfniß scheint der 
Brief der Fr. v. Arnim durchweg zu athmen«, so lach ich 
ihn aus, weil dumme Menschen oft über etwas ernstes 
was sie nicht verstehen lachen, und weil ich dumm bin. — 
Und wenn er ferner sagt »es drücke sich in meinem Brief 
eine gewisse zögernde und widerwillige Angst vor der 
Menschenvv'eisheit aus«, so muß ich ihn wieder auslachen, 
denn wo hätte ich mich je vor etwas gefürchtet, als blos 
vor meinem eigenen Schatten und das blos vor innerem 
Grauelplaisir und mein Schatten hat nichts gemein mit 



Zwei Briefe von Bettine von Arnim. 209 

»xMenschenwitz mit Menschensinn«, ich bin mit dieser 
Weisheit noch nie in Kampf gerathen, mag sie sein wie 
und was sie will, die Ehre werd ich ihr nicht abschneiden 
als ob sie vor mir nichts gelte, aber Furcht hab ich des- 
wegen nicht vor ihr wie ein Blinder, auch nicht vor einem 
Wolf der des Wegs kommt, denn bekanntlich fällt der 
Wolf kein lebend Wesen an was nicht die Flucht ergreift 
oder sich zur Wehr setzt. — Wenn also jene zu mrch- 
tende Lebensweisheit wie ein »Nachtfrost zu fürchten ist 
für die zarten Blüthen des Erhabnen und Schönen« so bin 
ich eine Distel der es eins ist wie der Wind sie dreht und 
deren Bestimmung es ist daß die Esel sie fressen, worüber 
ich Distel mich gar nicht gräme, wenn ich nur mit meinem 
Stachelbärtchen ihren Gaumen kitzle. — Sehen Sie, ich 
undankbare Distel, mache mich drüber lustig daß bessere 
und tiefer denkende Menschen als ich bin mich gern zu 
den ihren zählen wollen, statt daß ich mich schämen 
sollte so unnützer und gemeiner Art zu sein. — Nehmen Sie 
also meine Ansicht über die Sinnlichkeit des Geistes so, 
daß ich so albern bin zu glauben, daß alle Menschen die 
nicht so sind wie ich, nehmlich die nicht in den Tag 
hineinleben und mit ihren Geistes Sinnen dies kurze Erden- 
leben durchschwimmen, mit heiterer munterer Lebensbegier 
»wies Fischlein auf dem Grund«, endlich aufs trockene zu 
sitzen kommen, dieser ungeheure Aberwitz von mir ist 
nun aber jener triviale Grund meines Characters zu dem 
ich mich bekenne. — Und wenn Ihr Freund abermals von 
mir sagt »Es will am steigenden Tage der Geist selber in 
sich walten und weben, frei und wirft von sich die ersten 
zarten Windlen der Kindheit, zersprengt Bild und Glauben 
und Vorstellung worin er hieroglyphisch seine Jugend ver- 
lebte« so muß ich hiermit aus eben jenem trivialen Grund 
meiner Seele dies verneinen, denn es kommen mir Ge- 
danken und Bilder daher gerennt wie die Hasen und 
Hirsche auf einer Klapperjagd, ich hab genu^ zu thun, 
mein Gewehr schußfertig zu halten um so viel möglich 
dies Wild zur Beute zu machen. Es geht mir aber auch 
damit wie Friedrich Wilhelm dem isten, der so viel wilde 
Schweine auf einmal erlegte daß er nicht wußte wohin 
damit, die Juden wurden daher gezwungen sie zu kaufen 
und da sie nicht wußten wo aus noch ein damit wenn der 
Sabat vor der Thür war so gaben sie noch Geld dazu 
wenn einer sie ihnen abnehmen wollte. Will ich nun 
meine Weisheit zu markte bringen, wo sind da die Juden 
die etwas dazu geben um sie los zu werden? — Schießen 
will ich wohl meinen Witz aber ihn selber genießen dazu 
hab ich keine Zeit, denn die Jagd ist mein Hauptplaisir. — 

Goethk-Jahrulcu XXIV. I4 



210 Abhandlukgen. 



Und ich kann keinen Moment entbehren um das Wild ab- 
zuledern. Nun erlaube ich Ihnen beiden von Herzen gern 
daß zwei Weise über einen so vollkommnen Narren wie 
ich bin lächeln, Sie selber werden einsehen und zwar ohne 
Verdruß zugeben daß der Narr ganz ohne Erlaubniß über 
die zwei Weisen lache und zwar aus voller Brust. Denn 
das ist Narrenweise, er verstehts nicht besser. Der denkt 
nicht dran »in seinem heiligsten Besitzthum sich verlezt 
zu empfinden«. Gott bewahr in seinem dichten Baerenfell 
verlieren sich alle Kugeln spielend in der Wolle. — also : 
Nichts von y) Zwiespalt eines weiblichen Heizens das zugleich 
mit dem Zuge verdoppelter Natiirgewalt in seinem heiligsten 
Besitzthum sich verwundet ßndeta wenn nicht das unver- 
antwortliche Lachen meiner Narrheit Ihr Ohr treffen soll, 
und Sie überzeugt daß Hopfen und Malz an mir verloren 
sei. — Wenn meine Jagdgerechtigkeit mir nicht geschmälert 
wird, aus dem geschossenen Wildpret mache ich mir 
nichts und erlauben Sie, daß ich hier mit ein paar Zeilen 
schließe, die ich in meinem lyten Jahr an die Günderode 
schrieb und die noch heute auf mich passen und meine 
ganze Natur characterisieren wie denn überhaupt mein 
Briefwechsel mit der Günderode mein ganzes Innere viel 
gründhcher bethätigt als der mit Goethe es vor den Augen 
der Welt thun kann, die darunter allerhand leidenschaft- 
liche Gefühle vermuthet welche nicht w^aren. — Mein Geist 
ist feurig aber kalt reimen Sie das wie es Ihnen beliebt 
aber sein Sie überzeugt daß ich nie Mitleid mit mir 
empfunden habe also auch die Rückwirkung der Trauer 
um mein Selbst willen mich nie berührte. Gott hat mich 
con amore geschaffen behauptet der Schleiermacher von 
mir, wie sollte ich da im mindesten mich gegen dieses 
con amore auflehnen. Gefall ich ihm so gefall ich mir 
noch besser, und sehne mich keines Wegs aus meiner mir 
sehr bequem sitzenden Natur heraus. — Die Worte die 
ich damals an die Günderode schrieb, sind folgende: »Noth 
lehrt beten! denn ich möchte platzen vor Sehnsucht nach 
einem Menschen dem ich was weiß machen könnte«. — 
Sie sehen wo meine Sehnsucht hinaus wollte. — Am I5ten 
Februar geh ich nach BerUn um dort meine Kinder bei 
Hof vorzustellen, mein Buch drucken zu lassen meine 
Zeichnungen zu corrigiren sie stechen zu lassen, Musika- 
lien zu revidiren eine französische Übersetzung meiner 
Goethebriefe zu fördern, eins wird das andre verschlingen, 
und so bleibt vielleicht nichts von allem übrig als ver- 
lorne Zeit, wir wollen es nicht hoffen. Das Bild was in 
der Grimschen Kupferstichsamlung [meinen Namen] trägt 
gleicht eben so gut als die Sclnlderung Ihres Freundes 



Zwei Briefe von Bettine von Arnim. 211 



dem ich viel Schönes von mir zu sagen bitte. — Aller 
guten Dini^e sind Drei, und hier sind Sie und Er und ich. 
benn ich bin Ihnen beiden von Herzen gut also zähle ich 
diesmal mit. Bettine, 

Die vorstehenden Briefe bilden nur einen kleinen Theil 
der zwischen Bettine und dem auch in Goethekreisen be- 
kannten Critiker, Kunst- und Literarhistoriker Adolf Stahr 
geführten Correspondenz. Sie umfaßt die Jahre 1839—44 
und ist im Ganzen intact erhalten. Bettinens Briefe sind 
in dem schon erwähnten Nachlasse sorgsam aufbewahrt, 
Stahrs Antworten sind, wie so viele Schriftstücke aus 
Bettinens Handschriftenschatz als ihre freiwiUige Gabe an 
Varnhagen gekommen. Jene sind voll intimen Reizes und 
sollen in einem noch 1903 erscheinenden Werke »Aus 
Adolf Stahrs Nachlaß« möghchst vollständig veröffentlicht 
werden; diese, zumeist hterarische Mittheilungen und 
Aeußerungen hochgesteigerter Verehrung enthaltend, be- 
dürfen kaum der Pubhkation. Was sich davon zur Ver- 
werthung eignet, Aktenstücke und Notizen, die sich auf 
Bettinens hochbedeutsame Schrift »dies Buch gehört dem 
Könige« (1843) ^^""^ ^^^ Stahrs zu einer Brochüre ange- 
wachsene Recension dieses Werks: »Bettine und ihr Königs- 
buch« beziehen, ist in meiner Schrift: »Bettine von Arnim 
und Friedrich Wilhelm IV. Frankfurt a. M. 1902« benutzt 
und abgedruckt worden. 

In eine frühere Zeit, als die dort besprochene, führen 
unsere Briefe. Sie entstammen der Frühzeit dieser Ver- 
bindung, den Jahren in denen Bettine auf dem Höhepunkt 
ihres Ruhms stand, vielleicht die gefeiertste Frau Deutsch- 
lands war. Dieser Umstand hatte wohl dazu beigetragen, 
Adolf Stahr zu bewegen, sich an sie zu wenden. Aber es 
war außer dem Drang, sich der berühmten Frau zu nahen, 
in dem jüngeren Schriftsteller ehrliche Begeisterung für 
die Schriften der hochbegabten Frau und herzliche An- 
erkennung ihres Geistes und Muths. Er hatte noch nicht 
das rechte Organ für seinen Thatendrang, noch nicht das 
wirksame Mittel gefunden, sein vielseitiges Talent zu be- 
thätigen. Die gelehrten philologischen, speciell aristo- 
telischen Arbeiten, mit denen er debutirt und sich, selbst 
bei Männern wie Gottfr. Herrmann und Ad. Trendelenburg 
einen geachteten Namen erworben hatte, erschienen ihm 
nicht mehr als Ziel seiner Lebensthätigkeit. Eine Zeit und 
Kräfte raubende Wirksamkeit als Lehrer, häusliche Sorgen, 
schwere Kränklichkeit versagten ihm die Möglichkeit zu 
anhaltenden Studien. Er schwankte zwischen der Lust, 
literarische Inedita oder Seltenheiten herauszugeben — eine 

14* 



212 Abhakdlungen. 



Handschrift der »Iphigenie«, Mercks kleine Schriften — der 
Neigung, politische Tagesfragen kühn zu beleuchten und 
dem Verlangen, das ästhetische Urtheil seiner Nation durch 
Critiken, Analysen bedeutsamer Werke zu bestimmen. Wie 
so viele seiner Zeitgenossen iühlte er sich durch Bettinens 
sibyllinisches Wesen, durch die gewaltige Dichternatur, die 
sich in ihrem Briefwechsel mit Goethe kundgab, mächtig 
angezogen. Durch eine etwas verspätete Besprechung ihres 
Buches kam er, wie es scheint, zuerst in den Gesichtskreis 
der berühmten Frau. Ihr Interesse gewann er durch frei- 
willige Hingabe an ihre sonstige Thätigkeit, z. B. durch 
seine Theilnahme an den von ihr geförderten Gedichten 
des Ph. Nathusius und verstärkte es durch einen Besuch, 
den er in Begleitung seines jüngeren, frischen, geistvollen 
Bruders Karl 1839 bei ihr machte. In Folge davon kam 
es zu einem Briefwechsel. Er beschäftigte sich mit Politik, 
je intensiver Bettinens Theilnahme an den öffentlichen 
Angelegenheiten wurde und nahm einen persönlich-intimen 
Charakter an, so daß Stahr es wagen durfte. Bettine zur 
Pathenschaft für eines seiner Kinder aufzufordern. 

Im Ganzen aber sprach Bettine in ihren Briefen mehr 
von sich als von anderen. Die oben mitgetheilten Schrift- 
stücke geben davon das beste Zeugniß. Die Briefe selbst 
bieten keinen Stoff zu einem großen Commentar; der eine 
der ausdrücklich benannten Oldenburger Freunde, Carl v. 
Beaulieu-Marconnay, lebte später Jahrzehnte lang in Weimar, 
zuletzt in Dresden (gest. 1889), war von 1886 an bis zu 
seinem Tode Vorstandsmitglied der Goethe-Gesellschaft, 
mehrfach Mitarbeiter am Jahrbuch; der zweite, nicht ge- 
nannte, dessen Analysirung von Bettinens Wesen durch diese 
lustig zurückgewiesen wird, dürfte Hr. von Büttel sein, der 
damals Stahr mit am nächsten stand. Der Verlust des 
Letztgenannten ist wohl der eines Kindes. 

Bis zum Jahre 1844 dauerte der briefliche Verkehr 
zwischen Oldenburg und Berlin. Große Pausen traten ein; 
bei einer zweiten persönlichen Begegnung erklärte Bettine 
geradezu, sie könne wegen ihrer Vielbeschäftigung und 
gerade, weil sie den Freund nicht zur Masse rechne, die 
nun einmal von ihr befriedigt werden wolle, nicht mehr 
schreiben; in der That richtete sie nur noch einen einzigen 
Brief nach Oldenburg. 

In Stahrs Leben erfolgte bald darauf durch die Bekannt- 
schaft mit Fanny Lewald die große Umwälzung. Es ist mög- 
lich, daß Bettine, die irreguläre Verhältnisse nicht liebte, 
Stahrs Abwendung von seiner ersten Frau, ihrer Gevatterin, 
nicht gern sah; m einem frühern Briefe hatte sie die Ge- 
dichte der Mutter dieser Frau anerkannt und daher auch 



Zwei Briefe von Bettine von Arnim. 



213 



die geistige Ebenbürtigkeit dieser Gefährtin nicht bezweifelt. 
Sicher ist, daß sich seit 1845 keine Spur einer Verbindung 
nachweisen läßt, daß auch Stahr in seinen zahlreichen 
Briefen und Veröffentlichungen der ehemals Hochgepriesenen 
nicht mehr gedenkt. Aus merkwürdigen Briefen Carls an 
Adolf (Oct. 1847) geht hervor, daß damals Bettine ihren 
ersten Besuch Fanny Lewald abstattete; der Eindruck, den 
der zufällig Anwesende von der Besucherin empfing, war 
ein wesentlich ungünstiger, grundverschieden von dem 
Enthusiasmus, der wenige Jahre früher auch den jüngeren 
Bruder erfüllt hatte. Für zwei so entgegengesetzte Frauen 
hatte Stahr nicht Platz in seinem Herzen: die Vergangen- 
heit mußte der Gegenwart weichen. Wenn er früher nur 
wenige Tage in Berlin weilte, hatte Stahr den Weg in 
Bettinens Heim gefunden; in den Jahren, die sie gemein- 
sam in der preußischen Residenz zubrachten, fühlte er kein 
Bedürfniß sich ihr zu nähern. Ihren Tod ließ er unbeachtet. 
Als er sein Buch über »Goethes Frauengestalten« schrieb, 
hätte es ihm nahe gelegen, Bettinens zu gedenken; er zog 
es vor, aus vergilbten Papieren und Ueberlieferungen, die 
ihm von Fremden zugetragen wurden, als Erster das Bild 
von Wilhelmine Herzlieb zu gestalten, statt aus seiner 
lebendigen Kenntniß schöpfend das »Kind« zu zeichnen, 
das eine Zeit lang auch ihm in seinem vollen Zauberglanz 
erschienen war. 




III. MiscELLEN, Chronik, 
Bibliographie. 



I. Mtscellen. 



A. Einzelnes zu Goethes Leben und Wirken. 

I. Sagengeschichtliches zur Helena. 
Schon dem frühen AUerthume war der Mythus geläufig, 
Paris habe ein bloßes Scheinbild der Helena nach Asien ent- 
führt, während diese selbst von den Göttern in Aegypten 
verborgen worden sei, wo sie, in Frömmigkeit und Keusch- 
heit lebend, das Ende des trojanischen Krieges abwartete; 
diese Sage liegt bereits der »Helena« des Euripides zu Grunde, 
deren Heldin gleich anfangs (V. ^-^ von der, dem Paris feind- 
lichen Hera berichtet : »Nicht mich gewährt' sie, sondern webt' 
ein lebendes — Gebilde, das mir ähnlich war, aus Aether- 
stoff«. Ueberlieferungen solcher Art, deren u. A. auch Piaton 
im »Phädros« fcap. 20) und in der »Republik« (IX, cap. 10), 
sowie Sextus Empiricus (Adv. Mathem. VII, 180 u. 255) ge- 
denken, durften den Anlaß dazu gegeben haben, daß Helena 
für Einige den Charakter einer unter dem Schutze der Götter 
stehenden Idealfigur, für Andere den einer der Verwandlung 
fähigen Zaubergestalt annahm ; da aber auch die Erinnerung 
an das ihr ursprünglich zugeschriebene erotische Naturell 
lebendig blieb, so flössen später diese Züge in oft seltsamer 
Weise zusammen, und daß die Tradition gerade Aegypten, 
dieses Vaterland der Magie und ihrer Geheimkünste, als Zu- 
fluchtsstätte der Helena bezeichnete, dürfte in dieser Hinsicht 
von nicht zu unterschätzendem Einfluß gewesen sein. 

Der Kirchenvater Tertullianus, der um 200 n. Chr. schrieb, 
erwähnt in einem seiner Hauptwerke, »De anima« (cap. 34 
u. 57), den aus der A})Ostelgeschichte (VIII, 9 — 24) bekannten 
Simon Magus, den schon Irenäus (I, 27) den »Meister und 
Urvater aller Ketzer« nennt; dieser Mann, »einer der Zauberer, 
die den Aposteln entgegentraten« und die »das dämonische 



2l8 MiSCELLEN. 

Blendwerk des Citirens der Seelen Abgeschiedener verstanden«, 
ein Mann, »dessen Schüler, die Simonianer, sich noch jetzt 
rühmen, sie vermöchten selbst die Seelen der Propheten aus 
der Unterwelt zu beschwören«, habe »durch die Kraft seiner 
Kunst . . . eine gewisse Helena aus Tyrus, . . . eine Buhlerin, 
zu wunderbaren Gaukelspielen gezwungen ; ... sie trieb 
sich viele Jahre lang in wechselnden weiblichen Gestalten 
umher, und soll auch die für Priamus und später für das 
Auge des Stesichoros so verhängnißvolle Helena gewesen 
sein«. — Dem nämlichen Simon Magus begegnet man in 
den vermuthlich um 250 n. Chr. redigirten »Homilien« des 
sog. Clemens Romanus;' über ihn, der in Aegypten, wo die 
Zauberei und die Seelenbeschwörung zu Hause war, die Magie 
erlernte (I, 5 ; II, 24), der auch künstliches Gold gemacht und 
den Homunculus in einer Retorte dargestellt haben soll 
(II, 26 u. 32), wird berichtet, daß er zum Gefolge Johannes 
des Täufers gehörte (II, 24), und ein »Helena« genanntes 
Wesen höheren Ursprunges, ein »Idol«, mit sich führte 
(II, 23 u. 25).' 

In welchem Sinne das »Idol« zu nehmen sei, deutet 
Clemens Romanus selbst an, und spätere Legenden (s. Lecky 
»Geschichte des Geistes der Aufklärung«, Leipzig 1885, 125 
u. 356) bestätigen es: Helena war zum Ideale vollendeter 
geistiger Schönheit, ja geradezu zum Symbole des Trägers 
dieser Schönheit, der Seele, umgedeutet worden. In diesem 
Sinne sind die mittelalterlichen allegorischen Auslegungen 
des trojanischen Krieges zu verstehen, in denen Troja als 
Hölle dargestellt wird, Ulysses als Christus, Achilles als der 
heilige Geist, Helena als menschliche Seele, und Paris als 
der Teufel ; um die Rückkehr der »Helena« in den Himmel 
zu verhindern, soll der Teufel es verstanden haben, sich 
ihrer völlig zu bemächtigen, und so wird es begreiflich, 
daß sie als in seiner Gewalt stehend angesehen wurde, und 
daß es Dem, der den Teufel zu zwingen verstand, gegeben 
Avar, durch seine Vermittlung auch die Helena zu erlangen. 



* Siehe Krüger »Geschichte der altchristlichen Literatur« (Freiburg 
1895, 235). 

^ Eusebius (gest. 540) meldet in seiner »Kirchengeschichte« (lib. 2, 
cap. 13), daß sich noch zu seiner Zeit die Simonianer vor den Bild- 
nissen des Simon und seiner Helena niederwarfen, und ihre Idole mit 
Räuchern und Opfern verehrten. — Keine antike Ueberlieferung be- 
richtet von Helenas Tode, wohl aber so manche von ihrer Entrückung 
oder Vergötterung (s. Euripides »Orest«, V. 1620 ff.) Vom Idole der 
Helena erzählen Stesichoros und schon ein Fragment des Hesiod; in 
der Kunst, solche Idole zu beschwören, thaten sich die Aegypter ganz 
besonders hervor, (s. Rohde »Psyche«, 1905, I, 61 u. 80; II 370. »Der 
griechische Roman«, 1900, 468). 



MiSCELLEN. 219 

Die Beschwörung der Helena an Faustens Fahrt zu den 
»Müttern« zu knüpfen, lag bekanntlich nicht in Goethes 
ursprünglichem Plane, vielmehr erwuchs diese Episode erst 
aus dem 182 1 wieder aufgenommenen Studium des Plutarch 
(Biographie des Marcellus, cap. 20, und besonders »Vom 
Verfalle des Orakel«, cap. 22); doch mögen hierbei auch 
Erinnerungen an Lehren des Paracelsus im Spiele gewesen 
sein, der an verschiedenen Stellen seiner »Philosophischen 
Werke« von den »Müttern« spricht, als von den »unsicht- 
lichen« und lebengebenden Bewahrerinnen der Urbilder jener 
Seelen und Geister, die dem Wesen alles Sichtbaren und 
Seienden zu Grunde liegen.' E. v. Lippmann, 



2. Parallelstellcn zu Faust. 

V. 862: y)Wenn hinten, weit, in der Türkei 
Die Völker auf einander schlagen.oi 

Ein meikwürdiger Anklang findet sich in dem, um 1600 
verfaßten, vielgelesenen Romane »Argenis« des Barclay: »Das 
Aufeinanderschlagen fernab wohnender Völker machte den 
Erzählern ebensoviel Vergnügen als den Zuhörern« (III, 16; 
übers. Waltz, München 1891, 103). 

V. II 12: fiZwei Seelen tvohnen, ach! in meiner Brust.a 

Die älteste Belegstelle für den Gebrauch dieses Gleich- 
nisses* ist wohl die in Xenophons »Kyropädie«, woselbst 
Araspas sagt (Hb. 6, cap. i): »Offenbar, Cyrus, beherberge 
ich in mir zwei Seelen; . . . hat die Edle die Oberhand, so 
geschieht das Gute, herrscht aber die Böse vor, so wird das 
Schlechte begangen.« 

V. 3714: »/t// 7cieiß mich trefflich mit der Polizei, 

Doch mit de^n Blut bann schlecht mich abzufindemi. 

Dem Hinweise des Mephistopheles auf die Polizei liegt 
die mittelalterliche Tradition zu Grunde, dass in der Regel 
vor Polizei und Gericht jede höllische Kunst zu Schanden 
werde, weil anderenfalls die von Gott gebotene Verfolgung 
und Bestrafung von Zauberern , Hexen u. s. f., unmöglich 
wäre. Näheres siehe bei Mannhardt »Zauberglaube und Ge- 
heimwissen« (Leipzig 1897, 2r5 u. 206). Der berüchtigte 
»Hexenhammer« (Frankf. 1580) sagt ausdrücklich: »Die teuf- 



' Einige Citate bringt Erdraann's »Grundriß der Geschichte der 
Philosopliie« (1896; I, 570). 

^ S. meine Notiz im Goethe-Jahrbuch IX, 238. — Ueber Platon's 
Vergleich der Seele mit einem Zwiegespann, aus einem edlen und einem 
gemeinen Rosse bestehend, s. dessen »Phädros«, cap. 25fif, 



220 MiSCELLEX. 

lische Macht der Zauberei weicht augenblickhch vor der Justiz«. 
Auf diesen Aberglauben spielt auch Iromermann in dem satiri- 
schen Abschnitte »Die Poltergeister in und um Weinsberg« 
des »Münchhausen« an (IV, cap. lo): »(So erfahrt Ihr) . . . 
die merkwürdige Thatsache auf dem Gebiete der höheren 
Welt : in Gegenwart der Polizei erscheint weder Dämon noch 
Engel«, 

V. 4937 : ))Das alles liegt im Boden, still begrabe fi, 

Der Boden ist des Kaisers, der soll's haben«. 

Im »Sachsenspiegel« (Buch I, Artikel 35) ist zu lesen: 
»Alle Schätze, unter der Erde begraben, tiefer denn der Pflug 
gehet, gehören zu der kaiserlichen Gewalt«. Die Bedeutung 
dieses Rechtsgrundsatzes erörtert noch Adam Smith in »Wealth 
of nations« (Bd. II, cap. i; Bd. IV, cap. 3). 

V. 6484 : » Von Schönheit ward von jeher viel gesungen, 

Wem sie erscheint wird aus sich selbst entriickt(x. 

Dieser Gedanke ist fast wörtlich bei Piaton zu finden, 
in dessen Dialoge »Phädros« es im 30. Capitel heißt : »Wem 
aber ein (irdisches) Abbild (jener überirdischen Schönheit) 
erscheint, der wird (von Verwunderung) hingerissen und aus 
sich selbst entrückt«. 

V. 6771: »//;/ Deutschen lügt man, wenn man höflich isla. 

L. Fulda führt in seinem Sammelwerke »Die Gegner der 
zweiten schlesischen Schule« (II, 538) ein Epigramm (Nr. 40) 
von Christian Wernike an, das lautet: 

»Thrax denkt: Wer hochdeutsch spricht, der müss' unfehlbar 

lügen, 
Daß der, der höflich ist, ihn suche zu betrügen« . . . 

^- 9375" »Doch ist am sichersten wir iihens gleich. 
Die Wechselrede lockt es, ruft's hervor ^i. 

Nach einer von Hörn, in seinem Werke »Geschichte der 
persischen Literatur« (Leipz. 1901, 47) erwähnten neupersi- 
schen Sage sollen Dichtkunst und Reim aus dem Gespräche 
zweier Liebenden hervorgegangen sein, indem dem Sassaniden- 
fürsten Bechram (420 — 438 n. Chr.) und seiner Geliebten 
Dihiräm sich Rede und Wechselrede unwillkürlich zu Rhythmus 
und Reim gefügt habe. Ist die Vermuthung gerechtfertigt, 
daß Goethe diese Sage gekannt und sie in der Scene zwischen 
Helena und Faust verwerthet habe? 

V. 9939. -i) Ein altes Wort beivährt sich leider auch an mir : 
Daß Glück und Schönheit dauerhaft sich nicht 
vereinttx. 



MiSCELLEN. 221 

Anklänge an diesen Spruch, dessen endgiltige Fassung 
Goethe bekanntlich so große Schwierigkeit bereitete, finden 
sich bei Juvenal (Satire X, 297): 

)) . . . rara est concordia formae 
Atque pudicitiae . . . « 
sowie bei Petronius (Satyricon, cap. 94) : 

»Raram facit mixturam cum sapientia forma«. 
In Calderons »Fegefeuer des h. Patricius« sagt Ludovicus 
zur verwundeten Polonia (Akt II, Scene 2): 

»Der Schönheit Antheil, der gepries'nen, ach, 

Die größten Leiden scheinen. 

Da Glück und Schönheit sich nicht dauernd einen«. 

V. 10319: nlVas se/i' ich dort was Waffen trägt, 
Hast Du das Bergvolk aufgeregt ?<(. 

Agrippa von Nettesheim schreibt 1528 aus Paris, daß er 
gehört habe, »wie ein Zauberer in den Bergen eine Unmasse 
von Wagen und Pferden, ja ein ganzes Heer habe erscheinen 
lassen« (s. auch die hierzu passende Beschreibung V. 10547 ff.). 
Ueber das Herbeizaubern von Soldaten und Reitern, um 
Schrecken zu erregen und sich den Sieg zu verschaffen, be- 
richtet Näheres Schindler »Der Aberglaube des Mittelalters« 
(Breslau 1858, 38).' E. v. Lippmann. 



j. Die Quellen des Faustischen Papiergeldes. 

Die »Papiergeld-Scene« (Faust IL Theil, i. Akt) wurde 
dem Dichter wohl eingegeben durch die Erinnerung an die 
Gründung der berüchtigten Zettelbank des Schotten John Law, 
sowie an die traurigen Folgen der französischen Assignaten- 
wirthschaft in Deutschland. Aber auch literarische Quellen 
wirkten ein. 

Wie mir Herr von Bojanowski freundlichst mittheilt, 
findet sich im Ausleihebuch der Großherzoglichen Bibliothek 
zu Weimar bereits unterm 8. Januar 1790 für Herder ein- 
getragen: Smith I vom Reichthum der Nationen. Damit ist 
unzweifelhaft das dort noch vorhandene Buch gemeint: 
»Untersuchung | der Natur und Ursachen | von | National- 
reichthümern | von ] Adam Smith, | Beyder Rechte Doktor, 
Mitglied der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu 
London und ehemaligem Lehrer der Moralphilosophie auf 



' Vorspiegelung eines großen Heeres durch Zaubertrug findet sich 
auch schon in Bojardo's »Verliebtem Roland« (i486), Ges. 22, Str. 47 
und 31, Str. 34. 



222 MiSCELLEX. 

der Universität zu Glasgow. | Aus dem Englischen]' Leipzig 
bey Weidmanns Erben und Reich i 776.« Es steht zwar nicht 
fest, wann Goethe in diesem Buch gelesen oder von seinem 
Inhalt Kenntniß bekommen hat, jedenfalls aber dürfte er im 
Laufe des letzten Jahrzehnts des Jahrhunderts vor dem Abbruch 
der Verbindung mit Herder, wenn auch vielleicht unbewußt, 
aus dieser litterarischen Quelle geschöpft haben (gleichwie sich 
ihm einzelne Verse des Hafis bei der Durchsicht von Hammers 
Uebertragung einprägten), als er vom Papiergeld die Aus- 
sprüche that: 

»Ein solch Papier, an Gold und Perlen statt, 
Ist so bequem, man weiß doch, was man hat« 
und 

»So sehr mich"s wundert, muß ich's gelten lassen 
Unmöglich war's die Flüchtigen einzufassen.« 

Bei Smith heißt es nämlich Bd. I, S. 433: »Die Ein- 
führung des Papiers, anstatt des Gold- und Silbergeldes, 
ersetzt ein sehr kostbares Werkzeug des Handels, mit einem 
weit wohlfeilem und bisweilen eben so bequemen.^. Ferner 
ist auf S. 481 zu lesen: »Man muß aber doch zugestehen, 
daß , obgleich die Handlung und Industrie des Landes 
dadurch um etwas vermehrt werden, sie doch dagegen, 
wenn sie solchergestalt auf den dädalischen Schwingen des 
Papiergeldes gleichsam in der Luft schiueben, nicht ganz so 
sicher sind, als wenn sie auf dem zuverläßigern Grunde des 
Goldes und Silbers umlaufen.« Der Ausdruck luings of paper 
vioncy in der englischen Ausgabe von M'Cullort als Anklang an 
jenes Goethesche Wort war übrigens schon dem holländischen 
Doctoranden Vissering bei einer sinologischen Arbeit auf- 
gefallen, ohne ihn jedoch zu einem längeren Ausflug auf 
germanistisches Gebiet zu veranlassen. Wenn wir endlich 
auf S. 484 von der »Circulation der zehn und fünf Schilling 
Bankzettel« lesen, so fallen uns gleich die Verse ein 

Zehn, Dreißig, Fünfzig, Hundert sind parat. 

Ihr denkt euch nicht, wie wohl's dem Volke that 

und bei dem »Zettel eines Banquiers« auf S. 4S6 die kurz 
vorher stehenden 

Zu wissen sei es jedem, der's begehrt 
Der Zettel hier ist tausend Pfenn'ge wert. 

Außerdem fand Goethe die Abbildung einer älteren 
Banknote, die gerade einen solchen numerischen Werth dar- 
stellte, im zweiten Band von Du Haldes Ausführlicher Be- 
schreibung des chinesischen Reiches, ein Werk, auf dessen 
Benutzung bereits Biedermann aufmerksam gemacht hat. Dies 
führt uns auf »Goethes Umcans mit dem Orient.« 



MiSCELLEN. 223 

Auf eine andere hier in Betracht kommende orientalistische 
Quelle hat nämlich meines Wissens in diesem Zusammenhang 
auch noch kein Goetheforscher hingewiesen. Schon Lessing, 
welchen Goethe »gar hoch schätzt«, wie er im Mai 1820 zu 
Herrn von Conta äußerte, hatte Marco Polo aus einer Hand- 
schrift ergänzt und so steht im dreizehnten Theil seiner 
sämmtlichen Schiiften [Berlin 1793]: »Die Nachrichten, welche 
Marco Polo, zu Ende des dreyzehnten Jahrhunderts, von den 
orientalischen Ländern bekannt machte, die er in Diensten 
des Kublaikhan selbst zu bereisen, oder sonst näher kennen 
zu lernen, Gelegenheit gefunden hatte, haben das besondere 
Lob, daß sie mit der Zeit immer mehr und mehr bestätiget 
werden.« Diese Stelle schwebte wohl Goethe vor, als er in 
den Noten und Abhandlungen zum West-Oestlichen Divan, 
welcher im Jahre 1819 zu »Besserem Verständniß« erschienen, 
poetisch beschrieb, daß Marco Polo uns »wie auf einem 
Zaubermantel« über die Länder fortträgt. Er spricht dann 
ausdrücklich von Gold, Perlen und andern in der Residenz 
des Kublai aufgehäuften Kostbarkeiten, »indessen sich die 
übrigen Millionen von Unterthanen wechselseitig mit einer 
Scheinmünze abzufinden haben.» 

So bleibt von nun in allen Kaiser-Landen 
An Kleinod, Gold, Papier genug vorhanden. 

Unter den Ausgaben des Marco Polo, zu welchen nach 
einer weiteren freundlichen Mittheilung des genannten Herrn 
Oberbibliothekars der Weimarer Bibliothek auch das italienische 
Sammelwerk des Ramusio gehört, hat Goethe nach Düntzer im 
April 181 9 die einzige dort vorhandene deutsche eingesehen, 
nämlich »Marco Paolo's | Reise in den Orient, | während der 
Jahre 1272 — 1295. Nach den | vorzüglichsten Original-Aus- 
gaben verdeutscht ( und | mit einem Kommentar begleitet | 
von I Felix Peregrin. Ronneburg und Leipzig | bei August 
Schumann, 1802. Nachdem der Herausgeber in der Vorrede 
auf Forsters auszugsweise Wiedergabe in der »Geschichte der 
Entdeckungen und Schiffahrten im Norden« aufmerksam ge- 
macht hat, was den Dichterfürsten interessiren mußte, heißt 
es auf S. 121 von den chinesischen Bearbeitern der Papier- 
baumrinde : sie »drücken auf diese die Wappen des Chans, 
ein«, wobei wir an das Wort des Goetheschen Schatzmeisters 
denken 

So stempelten wir gleich die ganze Reihe. 

Auf der folgenden Seite ist dann weiter zu lesen : »Zu- 
weilen befiehlt der Chan sogar den zu Cambalu lange Zeit 
sich aufhaltenden Fremden, ihr Gold, Silber und ihre Perlest 
in seinen Schatz abzuliefern, und dafür, nach dem wahren 
Werthe jener Artikel, sein Geld zu nehmen. Die Kaufleute 



224 MiSCELLEN. 

indes sollen hierbei nichts verlieren.« Ferner: »Aus diesem 
Grunde mag es schwerlich einen Monarchen in der Welt 
geben, der in Hinsicht der Schätze mit dem Kublai Chane 
eine Vergleichung aushalten kann; denn für nichts erhält 
er in jedem Augenblicke so viel Gold und Silber, als er nur 
immer haben will.« 

Daß Goethe seinen Namen unter zahlreiche Bergwerks- 
Cuxe zu schreiben hatte, ist bekannt. Auch wissen wir durch 
Eckermann, worauf Schröer wieder verwiesen hat, daß sein 
Sohn mit ihm von preußischen Tresorscheinen sprach, die 
man über ihren Werth bezahle. Nichtsdestoweniger scheint 
aus der obigen Zusammenstellung von Parallelstellen hervor- 
zugehen, daß das Papiergeld im »Faust« außer den Anregungen 
der Praxis auch literarischen Quellen und zwar national - 
ökonomischen und ethnographischen Büchern seinen Ursprung 
verdankt. W. Cohn-Antenorid. 



V- Der Farallclisinits in Goethes dramatischem Prosastil. 

Bekanntlich beruht die Theorie der deutschen Stilistik, 
soweit ihre Terminologie und die formale Auffassung der 
sprachlichen Erscheinungen in Betracht kommt, fast ganz auf 
der griechischen und römischen Stilistik, wie auch die deutsche 
Grammatik seit Clajus »in der Zwangsjacke der Lateinischen« 
gesteckt hatte, bis sie erst durch Adelung davon endgiltig 
befreit wurde« (R. Heinzel) und wie Aehnliches von der 
deutschen Metrik gilt, deren accentuirendes Princip lange 
über dem (juantitirenden der antiken Sprachen vernach- 
läßigt wurde. Wenn auch hinsichtlich der Stilistik der Unter- 
schied nicht so fundamental ist wie etwa bei der Metrik, so 
fehlt uns noch immer ein Adelung oder Opitz einer specifisch 
deutschen Stilistik und Poetik. Auf den tieferen Grund der 
Discrepanz hat J. Minor hingewiesen, daß es nämlich bei 
einer modernen Sprache vor allem auf das gesprochene Wort 
ankommt, auf jenes Gefühl für die Sprache, welches aus dem 
lebendigen Erfassen der Situation entspringend, sich in der 
richtigen Betonung des laut werdenden Wortes äußert, wäh- 
rend der klassische Philologe bei dem geschriebenen Wort- 
laut seines Textes stehen bleibt, weil bei einer toten Sprache 
»Wörterbuch und genaueste Kenntniß der Realien niemals 
das lebendige Sprachgefühl ersetzen« können. 

Eine weitverbreitete sprachliche Erscheinung, die Rede- 
figur des Parallelismus von Satzgliedern oder ganzen Sätzen, 
blieb aus dem eingangs erwähnten Grunde bisher in der 
deutschen Stilistik unberücksichtigt, obwohl das TTdpiCTGV der 
antiken Rhetorik eine Analogie darbot und der Parallelismus 



MiSCELLEN. 225 

in den poetischen Partien der Bibel wie überhaupt in der 
Metrik der semitischen Völker eine wichtige Rolle spielt. 
Roethes Bemerkungen über das Vorkommen des Parallelis- 
mus in Goethes dramatischem Fragment »Das Mädchen von 
Oberkirch« (Nachrichten der Gesellschaft der Wissenschaften 
zu Göttingen. Philologisch-historische Klasse. 1895. S. 492 ff.) 
gab Veranlassung, die Verwendung dieses Stilmittels an sämmt- 
lichen Prosadramen Goethes zu studiren und dadurch zu 
einem bisher unberücksichtigt gebliebenen Punkte der deutschen 
Stilistik einen kleinen Beitrag zu liefern. Es sei gestattet, 
hier einstweilen den weiten Kreisen der Goethefreunde von 
den Resultaten dieser Untersuchungen, deren ausführlichere 
Veröffentlichung später erfolgen soll, einige Mittheilungen zu 
bieten, die als Beitrag zur Erkenntniß Goethischer Sprach- 
kunst ein mehr als bloß philologisches Interesse erwecken 
dürften. 

Als Parallelismus bezeichnen wir die unmittelbare Auf- 
einanderfolge von analog gebauten, ähnlich klingenden Satz- 
gliedern oder Sätzen, deren einzelne analoge Glieder in 
derselben Reihenfolge auftreten. Z. B.' go 55, 7. 8 »zu thätig 
um ein Gelehrter, zu unlenksam ein Weltmann zu sein«. 
cl 104, 9 »der Schöpfer in seiner Natur, der König in seinem 
Staate»; tue 105, 18 »durch ihre herrliche Gestalt, durch ihr 
sanftes Wesen». In Sätzen: gt 151, 14 »So kniete die arme 
Frau wie du kniest, und so stund der Wütrich wie ich stehe«. 
st 170, 16 »Wir hätten uns das alles erspart! Stella! wir 
hätten ihr diese Schmerzen erspart«. Dreigliedriger Parallelis- 
mus: gt 81, 7 »eure Schlösser verheert, euer Geschlecht ver- 
trieben, eure Besitzthümer öde !« 

Durch einen solchen Parallelismus wird in die Satzreihen 
oder in einzelne größere Wortgruppen eine Gliederung ge- 
bracht, die den Bau der Rede durchsichtiger heraustreten 
läßt oder zu einer Steigerung des Ausdrucks und Hervor- 
hebung des Bedeutsamen angewendet werden kann. Diese 
gliedernde Wirkung des Parallelismus wird hauptsächlich 
durch 2 Momente erreicht: durch ein logisches: analoge 
Stellung gleichartiger Satzglieder und Sätze, ferner durch ein 
akustisches: Gleichklang, Wiederholung derselben oder ähn- 



' Verzeichniß der angewendeten Siglen: au Die Aufgeregten, h 
Bürgeneral, cl Clavigo, eg Egmont, elp Elpenor, erw Erwin und Elmire, 
fi Die Fischerin, ge Die Geschwister, go Götz (1773), gl Geschichte 
Gottfriedens (1771), g\ Götz, Bühnenbearbeitung (1804), gh Götter, 
Helden und Wieland, ipr Iphigenie (I. Fassung), iph Iphigenie(V. Fassung), 
jer Jery und Bätely, // Lila, st Stella, Ir Triumph der Empfindsamkeit, 
«//Urraust, viU Claudine von Villa Bella, %i'as Was wir bringen, we Wette, 
\ Zauberflöte, II. Theil. — Sämmtliche Citate sind nach der Weimarer 
Ausgabe gegeben. 

Goethe-Jahrbuch XXIV. IJ 



226 • MiSCELLEK. 

lieh klingender Worte. Erst das Zusammenwirken des for- 
malen und des materiellen Faktors läßt den Parallelismus 
als eine besondere Figur erscheinen, der in der Stilistik einer- 
seits zwischen den auf der Form und dem Klang beruhenden 
Redefiguren im engeren Sinn und andererseits den auf der 
Schönheit des Gedankens beruhenden Tropen eine Stelle zu- 
zuweisen ist. 

Diese parallelistische Gliederung der Rede kommt in der 
rhetorischen, erzählenden und dramatischen Prosa aller 
Schriftsteller vor, ebenso wie unendlich häufig in der Poesie, 
wo sie sich aber in den regelmäßigen Wellenbewegungen des 
rhythmischen Stromes weniger bemerkbar macht, als in den 
logischen Sprechtakten der prosaischen Rede. Parallelistisch 
gebaute Perioden kann man sehr oft bei Rednern und Pre- 
digern beobachten, die ohne vollständig ausgearbeitetes Con- 
cept sprechen, da diese Redefigur bei der improvisatorischen 
Formulirung der Gedanken für die übersichtliche Gruppirung 
ähnlicher oder contrastirender Begriffe sehr bequem verwend- 
bar ist und zur Anwendung eines rednerischen Kunstmittels 
Anlaß gibt, bei den einzelnen parallelen Gliedern durch 
eine Steigerung der Sprechstärke, durch eine Erhöhung der 
Stimmlage eine effectvoUe Steigerung der Declamation zu 
erreichen. 

Aus der Definition des Parallelismus ergibt sich, daß zu 
dem logischen Moment noch ein akustisches (der Gleichklang 
einzelner Worte) kommen muß. Als Beispiel für den Einfluß 
des Gleichklangs auf die Ausprägung des Parallelismus führen 
wir go 31, 14 an: »die ihre Unterthanen auf allen Straßen 
anfallen, ihre Dörfer und Schlösser verheeren?« In ^;; 216, 5 
ist der größeren Deutlichkeit zuliebe eine Aenderung vorge- 
nommen, bei welcher durch Aufgeben des auf dem Wort 
»ihre« beruhenden Gleichklangs der Parallelismus wegfiel: 
»die den fürstlichen Unterthan auf allen Straßen anfallen, 
Dörfer und Schlösser verheeren?« 

Da der Gleichklang am Beginn von Sätzen oder Satz- 
gliedern am stärksten hervortritt, ergibt sich die überaus 
häufige Verbindung von Parallelismus und Anapher, so daß 
die überwiegende Mehrzahl der Fälle von zwei- und drei- 
gliedrigem Parallelismus anaphorisch ist, wobei fast immer 
auch das Asyndeton auftritt, das bei kurzen Satzgliedern so- 
gar nothwendig ist, wenn sie als Parallelismus empfunden 
werden sollen. Charakteristisch für den Einfluß des Asyndeton 
ist eine Stelle aus eg 192, 2 »Sein niederländischer Adel und 
sein golden Vließ vor der Brust stärken sein Vertrauen, seine 
Kühnheit«. Der Parallelismus am Anfang des Satzes fällt bei 
weitem nicht so stark ins Gehör wie der am Ende, weil das 
Asyndeton beim Sprechen unwillkürlich eine kleine Pause zu 



MiSCELLEN. 227 

machen zwingt, wodurch die gliedernde Wirkung des Parallelis- 
nius mehr hervortritt, während sie sich ohne das Asyndeton 
weniger vernehmhch macht. 

Außer der gewöhnlichen Verbindung mit Anapher und 
Asyndeton kommt der Parallelismus auch in einzelnen Fällen 
mit andern Redefiguren verbunden vor; auf solche und auf 
einige besondere Anwendungen des ParalleUsmus sei hier 
kurz hingewiesen. Die demselben zu Grunde liegende Ana- 
logie der grammatischen Construction bringt es mit sich, 
daß er oft bei verwandten Begriffen und synonymen Aus- 
drücken zur Anwendung kommt, z. B. ipli 80, 1828 »dem 
harten Worte, dem rauhen Ausspruch«, eg 268, 25 »um 
jeden seiner Wünsche befriedigen, ieden seiner Gedanken 
ausführen zu können«. Vergl. ferner gz 344, 14. cl. 72, 5. 
eg 296, I. Auch contrastirende Begriffe erscheinen oft durch 
den Parallelismus verbunden: gh 24., 26 »eine Sprache, deren 
Worte ich vernehme, deren Sinn ich nicht fasse«. Vergl. 
auch ipr 352, 2. cg 267, 16. In gleicher Weise wie über- 
haupt bei verwandten Begriffen wird der Parallelismus an- 
gewendet, wenn diese in einer Steigerung vom Geringeren zum 
Bedeutenderen angeführt werden. (Verbindung mit Klimax) 
z. B. gt 93, 27 »ihr überwandet .nicht nur meinen Arm, ihr 
überwandet mich«. Andere Beispiele: tr 8, 8. st 194, 9. 

Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß der Gleich- 
klang in der Regel am Anfang der parallelen Glieder erscheint, 
bisweilen ist er aber auch am Ende derselben vorhanden (Ver- 
bindung mit Epipher) z. B. gt 76, 21 »wir bückten uns alle, 
sie danckte uns allen«, st 167, 19 »achtete ich nicht, fühlte 
ich nicht«. 

Der Haupteffekt und die Bedeutung des Parallelismus 
als künstlerisches Stilmittel liegt darin, daß er in die Rede 
eine der Schönheit und üebersichtlichkeit des Ausdrucks 
dienende Gliederung bringt und so eine Art Architektonik 
bildet, welche die einzelnen Glieder verbindet, indem sie sie 
trennt, zum Theil kommt dies auch dadurch zur Geltung, daß 
sich das letzte Wort des 2. Gliedes auf beide Glieder bezieht, 
sie umfassend und verbindend, z. B. eg 295, i »Was rührt, 
was bekümmert dich?« Vergl. auch cl 10. // 76, 20. 
Eine no< h mehr verzweigte Gliederung wird durch eine be- 
sondere Anwendungsform hervorgebracht, die man »Parallelis- 
mus innerhalb Parallelismus« nennen kann, wobei der eine 
der parallelen Sätze wieder einen neuen Parallelismus unter 
seinen Satzgliedern aufweist, z. B. erio 79, 14 »könnt" ich ihn 
kränken, konnte ihm mit Kaltsinn, mit anscheinender Ver- 
achtung begegnen«, oder cl 100,14 »alles vorbei, alles so steif, 
so ängstlich«, Vergl. auch vill 186, 5. gz 345, 2. Mitunter 
erscheint der Parallelismus dialogisch vertheilt : st 178, 8. 

15* 



228 MiSCELLEN. 

Stella: »Ich bin deine Stella!« Fernando: »Du bist meine 
Stella!« z 208, 522. Papageno: »Wir hören, es sieht hier sehr 
übel aus«, Herr: »Und wir hören, es sieht bei euch sehr gut 
aus«. Andere Beispiele: eg 233, 10. jer 6, 15. fi 97, 12. 

Im Gegensatz zu den massenhaften Fällen von Parallelis- 
mus kommen auch vereinzelte Stellen vor, wo er mit Absicht 
vermieden scheint, meist gerade in Sätzen, deren Begriffsinhalt 
eine parallele Gliederung nahegelegt hätte. Das Streben nach 
Abwechslung im Ausdruck bestimmt den Dichter, diese Figur 
in Fällen, wo der Gleichklang als Einförmigkeit empfunden 
würde, zu vermeiden, theils durch Anwendung anderer Worte, 
theils durch chiastische Umstellung der analogen Satzglieder, 
z. B. ipr 353, 4 »mein Name ist Amphion, Laodamas der 
seine«, ti- 51, 2 »daß der Prinz gegen uns so unempfindlich 
blieb, so verachtend von uns wegging!« elp 375,15 »war sie 
allein gewesen, sie hätte schärfer zugeritten, und ich wohl 
auch, war ich allein gewesen«. 

Inwiefern die einzelnen Dramen Goethes eine specielle 
charakteristische Verwendung des Parallelismus aufweisen, hier 
eingehend darzustellen, würde zu weit führen, doch seien 
zum Schlüsse einige diesbezügliche Beobachtungen beispiels- 
weise angeführt. Der »Clavigou zeigt an 2 Stellen eine be- 
sonders starke Häufung von Parallelismen: 87 — 89, in der 
großen Rede des Clavigo, in der er Marien um Verzeihung 
bittet und von neuem um ihre Liebe wirbt. Da scheint sich 
dem Dichter die parallelistische Gliederung der Sätze unwill- 
kürlich stärker zum natürlichen Ausdruck einer tiefen Gemüths- 
bewegung aufgedrängt zu haben. Eine ähnliche Häufung von 
Parallelismen tritt gegen Ende des 4. Acts in den leiden- 
schaftlichen Reden des Beaumarchais auf, die selbst in der 
gemilderten Fassung seit der Göschenschen Ausgabe den kraft- 
strotzenden Stil der Stürmer und Dränger in überschwäng- 
licher Weise zum Ausdruck bringen. 

Bezüglich der ^)SteIla(.i ist es auffällig, daß in den Reden 
der Heldin die Parallelismen besonders zahlreich erscheinen, 
so daß ihre Reden in jedem Act ungefähr ebenso viele Fälle 
enthalten, als die Reden der andern 3 Hauptpersonen zu- 
sammen. Der 5. Act beginnt mit einem großen Monolog 
Stellas, auf dessen rhythmischen Tonfall bereits H. Henkel 
(Goethe-Jahrb, XXI. 265) aufmerksam machte. Dicht zu- 
sammen gedrängt erscheinen hier Parallelismen, in denen 
Stellas leidenschaftliche Erregung und ihr sentimentaler Cha- 
rakter einen bezeichnenden Ausdruck gewinnt. Der Schluß 
des Monologs verliert sich in ein Gestammel, worin die 
Geminatio (unmittelbare Wiederholung desselben Wortes) vor- 
herrscht. Auch sonst kommt in den Reden der Heldin die 
Geminatio sehr häufig vor ; geradezu charakteristisch Ist sie 



MiSCF.LLEN. 229 

(neben der Figur des Parallelismus) in der leidenschaftlich 
aufgeregten Schlußscene des 4. Actes, wo die Auseinander- 
setzung zwischen den beiden Frauen erfolgt; die Aufregung 
läßt sie ihre Worte in einemfort verdoppeln. 

Franz X. Tippmann. 



5. Goethe über Eiiripides. 

In den Gesprächen Eckermanns mit Goethe wird oft der 
alten Dichter, des Aeschylus, Sophocles und Euripides gedacht. 
»W. Schlegel, sagt Goethe, ist gegen Aeschylus und Sophocles 
gerecht; allein dies scheint nicht sowol zu geschehen, weil 
er von ihrem ganz außerordentlichen Werthe lebendig durch- 
drungen wäre, als weil es bei den Philologen herkömmlich ist, 
beide sehr hoch zu stellen; denn im Grunde reicht doch 
Schlegels eigenes Personellen nicht hin, so hohe Naturen zu 
begreifen und gehörig zu schätzen. Wäre dies, so müßte er 
auch gegen Euripides gerecht sein und auch gegen diesen 
ganz anders zu Werke gehen als er gethan. Von diesem 
weiß er aber, daß die Philologen ihn nicht eben sonderlich 
hoch halten und er verspürt daher kein geringes Behagen, 
daß es ihm, auf so große Autorität hin, vergönnt ist, über 
diesen großen Alten ganz schändlich herzufallen und ihn zu 
schulmeistern, wie er kann.« 

»Ich habe nichts dawider, daß Euripides seine Fehler habe; 
allein er war von Sophocles und Aeschylus doch immerhin 
ein sehr ehrenwerther Mitstreiter. Wenn er nicht den hohen 
Ernst und die strenge Kunstvollendung seiner beiden Vor- 
gänger besaß und dagegen als Theaterdichter die Dinge ein 
wenig läßlicher und menschlicher tractirte, so kannte er 
wahrscheinlich seine Athenienser hinreichend, um zu wissen, 
daß der von ihm angestimmte Ton für seine Zeitgenossen der 
rechte sei. Ein Dichter aber, den Socrates seinen Freund 
nannte, den Aristoteles hochstellte, den Menander bewunderte 
und um den Sophocles und die Stadt Athen bei der Nachricht 
von seinem Tode Trauerkleider anlegte, mußte doch wohl in 
der That etwas sein. Wenn ein moderner Mensch, wie 
Schlegel, an einem so großen Alten Fehler zu rügen hätte, 
so sollte er es billig nicht anders thun als auf den Knien.' 

Zur Ergänzung dieser bekannten Stelle sei Folgendes 
mitgetheilt: 

Der berühmte Jenenser Philolog Göttling, der, wie Riemer, 
Heinrich Voß und Franz Passow u. a. dem Dichter Goethe oft 



' Eckermanns Gespräche 21. März 1827. Vgl. A. W. Schlegels 
Vorlesungen über dramatische Kunst und Literatur, I. Th., II. Ausg., 
1817, S. i98fg. 



230 MiSCELLEN. 

philologischen Beirath leistete, erzählte seinem Freunde und 
Schüler, dem Oberschulrath Müller in Rudolstadt folgendes: 
»Bei einem Gespräch über Euripides, dessen Fragmente des 
Phaethon Goethe von neuem so interessirten, daß er eine aber- 
malige Revision der Herstellung verhieß, sagte er unter andren: 
Sie wissen, daß mir Hermann seine Ausgabe der Iphigenie 
dedicirt hat? Es hat mich gefreut, auch darum, daß ihr Philo- 
logen in euern Urtheilen constant bleibt: er nennt mich tenuem^ 
spiritum Grajae Camenae Germanis monstrator: damit scheint 
er mir fast mit haben andeuten zu wollen, daß ihm Euripides 
nicht sehr hoch stehe; aber so seid ihr, weil Euripides ein 
Paar schlechte Stücke wie Elektro und Helena geschrieben und 
weil ihn Aristophanes^ gehudelt hat, so stellt ihr ihn tiefer 
als andere, aber nach seinen besten Produkten muß man 
einen Dichter beurtheilen, nicht nach seinen schlechtesten. 
Ueberhaupt seid ihr Philologen, obgleich ihr einen gewissen 
unverächtlichen Geschmack habt und durch euere solide 
stämmige Bildung immer einen großen Einfluß auf die Literatur 
haben werdet, doch eine Art Wappenkönige; wie diese nun 
das für ein gutes Geschlecht halten, was seit Jahrhunderten 
dafür gegolten hat und wie sie deshalb z. B. meinen Stamm 
für einen schwachen halten würden, so ihr in der Literatur 
mit Euripides; weil er seit langer Zeit angefochten wird, 
fechtet ihr ihn auch an. Und was für prächtige Stücke hat 
er doch gemacht ! Für sein schönstes halte ich die Bakchen. 
Kann man die Macht der Gottheit vortrefflicher und die Ver- 
blendung der Menschen geistreicher darstellen als hier ge- 
schehn ist? Das Stück gibt die fruchtbarste Vergleichung 
einer modernen dramatischen Darstellbarkeit der leidenden 
Gottheit in Christus mit der antiken Darstellung eines ähn- 
lichen Leidens, um desto mächtiger daraus hervorzugehen, 
im Dionysus«. 

Vorstehendes Gespräch ist eine Niederschrift K. Göttlings, 
der, wie bekannt, dem Dichter auch bei der Fertigstellung 
des Druckes seiner Ausgaben (1825) thätigen Beistand leistete. 
Dem Nachlaß des trefflichen Oberschulrath Dr. Müller, Director 
des Rudolstadter Gymnasiums, entstammt die Niederschrift. 

LOTHHOLZ. 



' tenuem ist oanz correct: fein. 

^ In der Komödie »Die Frösche« hat der große Komiker Aristo- 
phanes entschieden die Absicht gehabt, den Taoesoeschmack d. h. die 
Vorliclw für Ein ipidei sehe Dicbiiiin^^ zu verspotten und auf eine Kritik 
derselben in Vergleich zu der Würde des äheren Dramas hinzuweisen. 
Aristoph. ran. 855 fg. ^ 



MiSCELLEN. 231 

6. Goethe auf dem Stuttgarter Hoftheater unter Herzog Karl 
und König Friedrich. 

Es ist eine bekannte Thatsache, daß sich Goethes Dramen 
— etwa von »Clavigo« abgesehen — sehr langsam auf der 
deutschen Schaubühne durchgesetzt haben. So lange, wie in 
Stuttgart, zögerte man freilich nicht überall. Dort währte es 
bis zum Jahre 1807, bis man die Schauspiele des größten 
deutschen Dichters systematisch dem Spielplane einverleibte. 
Am II. Februar 1780 hatte zur Feier von Herzog Karls Ge- 
burtstag jene denkwürdige, von Zöglingen der Karlsschule 
veranstaltete Liebhaber - Aufführung des »Clavigo« statt- 
gefunden, in der Friedrich Schiller als tobender Titelheld 
seine vollständige Unfähigkeit zum darstellenden Künstler so 
unwiderleglich nachwies. Auf der öffentlichen Stuttgarter 
Bühne wurde das Trauerspiel Freitag den 7. März 1794 zum 
erstenmale nebst einer »Tanzbelustigung« gegeben; die Ein- 
nahmen an der Tageskasse betrugen 74 Gulden. Schon am 
II. Februar 1784 war als Festvorstellung zu Herzog Karls 
Geburtstag »Claudine von Villa Bella« in unbekannter Ver- 
tonung aufgeführt worden. Obgleich der Kassenrapport die 
für damalige Verhältnisse ansehnliche Summe von 116 Gulden 
44 Kreuzer ergab, kam es doch zu keiner Wiederholung des 
Singspiels. 

Das Stuttgarter Hoftheater erlebte in den letzten Zeiten 
des sparsam und gegen die Kunst gleichgiUig gewordenen 
Herzogs Karl sowie unter den kurzen Regierungen seiner 
beiden Nachfolger trostlose Zeiten. Wurde es doch sogar 
schließlich einem Pächter überlassen. Erst nachdem Herzog 
Friedrich, der nachmalige Kurfürst und König, 1802 die Hof- 
bühne in eigene Regie zurückgenommen hatte, begann sie 
wieder rasch emporzublühen. Der Monarch, der sich um 
alle Einzelheiten des Kunstbetriebs persönlich bekümmerte, 
war vor allem auf eine Erneuerung des Spielplans in Oper 
wie Schauspiel bedacht. Auf seine unmittelbare Veranlassung 
geschah es offenbar, daß die Theater-Oberintendanz Anfang 
Dezember 1804 unter anderem auch wegen der Einstudirung 
von »Clavigo«, »Egmont« und »Stella« bei der Theater- 
direction anfragte. Kammerherr und Geheimer Legationsrath 
Freiherr von Röder, damals mit den Geschäften der Intendanz 
betraut, gab am 8. Dezember 1804 folgende Erklärungen ab: 

», Clavigo' ist seit 15 Jahren (in VVahrheit waren es, wie 
wir oben gesehen haben, nur 10) nicht mehr gegeben und 
ganz unbesetzt, auch keine ausgeschriebene Rolle mehr vor- 
handen. 

, Egmont' ist hier nie gegeben und gar nicht beim Theater 
vorhanden, auch mir völlig unbekannt. 



232 MiSCELLEN. 

,Stella' ist hier noch nie gegeben, müßte in Rollen ge- 
schrieben und ganz einstudirt werden«. 

Die Abgeneigtheit des Herrn Intendanten, der von der 
Existenz »Egmonts« nichts wußte, verursachte denn auch 
wirklich noch eine weitere Zögerung. Erst im Jahre 1807 
wurde der Bann gebrochen, und nun schritt Jahr um Jahr 
eine Goethesche Neuheit über die Stuttgarter Hofbühne. 
»Tankred, Trauerspiel in 5 Acten nach Voltaire von Goethe« 
eröffnete den Reigen, Sonntag den 19. Juli 1807 im kleinen 
Theater zum erstenmale gegeben und am 4. September des- 
selben Jahres zum erstenmale wiederholt. Nach Jahresfrist 
kam endlich »Götz von Berlichingen« an die Reihe. Die 
Premiere fand im großen Opernhaus Sonntag den 10. Juli 
1808 statt. Man legte vermuthlich die zweite gekürzte 
Bühneneinrichtung zu Grunde, die am 8. Dezember 1804 
erstmals in Weimar gespielt worden war. Vierzehn Tage 
darauf, wiederum an einem Sonntag, fand die zweite Vor- 
stellung des Trauerspiels statt, am 30. November 1808 die 
dritte und zwar zum Benefiz des ausgezeichneten Vertreters 
der Titelrolle, Hofschauspielers und Regisseurs Miedke. 

Das Cottasche Morgenblatt für gebildete Stände, das 
einzige Blatt, das damals von Zeit zu Zeit Referate über die 
Stuttgarter Bühne brachte, bemerkt am 23. November 1808 
(Nr. 282): »Herr Miedke gab den schlichten, biederherzigen, 
tückehassenden Götz con amore«. Aus den verhältnißmäßig 
häufigen Wiederholungen und dem Umstand, daß das Drama 
meist auf dem großen Theater dargestellt wurde, zu schließen, 
muß es wie allenthalben auch in Stuttgart gewaltige Wirkung 
gethan haben. Die nächsten Aufführungen vermerkt der 
Spielplan für den 12. März 1809, den 2. März 1810 und den 
26. August 1810. 

Der 3. April 1809 brachte das Lustspiel »Die Mit- 
schuldigen« (zusammen mit einer einaktigen komischen Oper 
»Der Ritt auf den Blocksberg« von dem Stuttgarter Lokal- 
komponisten Sutor). Es hatte bei dieser einmaligen Dar- 
stellung sein Bewenden, denn Tags darauf ordnete König 
Friedrich an, »daß das gestern aufgeführte Stück »Die Mit- 
schuldigen« wegen Unsittlichkeit von dem Repertorio weg- 
gelassen werde, auch künftighin kein neues Stück mehr in 
das Repertorium aufgenommen werde, ohne daß es vorher 
durch den Bücherfiskal, Hofrath Lehr, eingesehen und als 
unschädlich erkannt worden sei«. Aus demselben Grunde 
dürfte damals auch die Absicht, die »Stella« einzustudiren, 
aufgegeben worden sein. 

Sonntag den 28. October 18 10 wurde »Clavigo« wieder 
in den Spielplan aufgenommen. Das Stück »wirkte«, wie 
das Morgenblatt (a. a. O.) bündig mittheilt. Im nächsten 



MiSCELLEN. 233 

Jahre folgte in Neueinstudirung Goethes dreiaktige Oper 
»Claudine von Villa-Bella« nach. Die erste Aufführung war 
am 10. März, die erste Wiederholung am 25. März 1811 zum 
Benefiz des Componisten Johann Christoph Kienlen (ca. 
1770 — 1830), eines Polen von Geburt, kgl. baierischen Musik- 
direktors in München. Der Kritiker des Morgenblattes (27. April 
181 1 Nr. loi) äußert sich über diese Vertonung des Goethe- 
schen Librettos also: », Claudine von Villa-Bella' bürgt aller- 
dings für das Talent des Compositeurs, Herrn Kühnle (sie !), 
denn die Musik hat anerkannt mehrere treffliche Partien, 
nur stehen sie nicht immer am rechten Orte, gute Gedanken 
werden ohne Noth zu oft wiederholt, und die Instrumentirung 
ist größtentheils so stark, daß man die Singenden unmöglich 
verstehen kann, was dem Totaleindrucke schadet.« 

Am 12. Dezember 181 2 erlebte »Egmont« mit der 
Beethovenschen Musik — wiederum zu Miedkes Benefiz — 
in Stuttgart die erste Vorstellung ; man wird mit der Ver- 
muthung schwerlich fehlgehen, daß die Einstudirung haupt- 
sächlich dem Betreiben des damaligen Hofkapellmeisters 
Konradin Kreutzer zu danken war. Das Morgenblatt vom 
18. Februar 181 3 (Nr. 42) glitt über die Aufführung mit 
folgenden nichtssagenden Bemerkungen hinweg: »In »Egmont« 
war der ungemeine Fleiß und die im ganzen herrschende 
Präzision aller Spielenden nicht zu verkennen und die Deko- 
rationen zu Klärchens Erscheinung trefflich«. Am 4. October 
181 3 reihte sich die Premiere der »Geschwister« an, und 
damit war der Cyklus Goethescher Dramen am Stuttgarter 
Hoftheater zu seinem vorläufigen Abschluß gebracht. 

Rudolf Krauss. 



7. Wolframs Faust. 

Unter den Faustbearbeitungen ist die Wolframs meines 
Wissens bisher nicht gewürdigt worden. 

Ueber das Leben dieses Mannes ist nur sehr weniges 
bekannt. Er soll 1S07 zu Schkeuditz in Sachsen geboren sein 
und fand nach einem abenteuerlichen, phantastischen Leben 
sein Ende im Hospital des Correctionshauses St. Georg in 
Leipzig. Seine Schriften sind sehr selten geworden und nur 
mit Muhe aufzutreiben. Seine Hauptschrift erschien im Jahre 
1839 bei Ludw. Herm. Bösenberg unter dem Titel: Faust. 
Ein dramatisches Gedicht in drei Abschnitten von F. Marlow. 
Seiner Weltanschauung nach ist der Verfasser Schellingianer; 
als Dichter ist er wohl unter die Romantiker zu rechnen. 
Er zeichnet sich durch eine reiche, zuweilen etwas wirre, 
kühne Phantasie aus. Er beherrscht die Sprache in hervor- 
ragender Weise und weist manche neue Wortbildung auf. 



234 MiSCELLEN. 

Auch finden sich bei ihm Versmaße aller Art, sowie ver- 
schiedene Arten des Strophenbaues und zwar läßt sich eine 
gewisse Absichtlichkeit bei dieser Mannigfaltigkeit keineswegs 
verkennen. 

Die Faustidee ist originell im Sinne der christlichen Mystik 
unter Schellingschem Einfluß dargestellt und philosophisch 
erfaßt. Das geheimnißvolle, nächtige Verhältniß von Mensch 
und Natur, das Räthsel des A\'erdens und Vergehens, die Ver- 
einigung des Menschen mit der Gottheit, sind die Gedanken, 
welche hauptsächlich unsern Dichter erftillen. 

Seine Eintheilung des Dramas in die drei Abschnitte: 
»Natur, Leben, Kunst«, vertheidigt Wolfram mit den Worten: 

». . von der Natur hebt alles Geistige an, aber die Natur 
ist auch das Nächtige; das Leben saugt aus ihr seinen Frieden 
und seine Verzweiflung, seine Seligkeit und seine Verdammniß; 
aber die Kunst ist es, die zuletzt Alles versöhnt«. Man er- 
kennt wohl unschwer, daß diesen Worten die Grundgedanken 
der Schellingschen Philosophie zu Grunde liegen. ' Während 
Wolfram gegen »Jung-Deutschland« heftig loszieht, spricht 
er voll Verehrung von »tief-einsamen Geistern, die über dem 
heiligen Mythus des Welterlösers und der Welterlösung brüten 
und forschen«. 

Ueberhaupt finden sich in W'olframs Faust eine Menge 
Anspielungen auf die zeitgenössische Literatur und Philo- 
sophie — wenn auch nicht immer zum Vortheil der Dichtung. 

Einen großen Raum gewährt Wolfram in seinem Ge- 
dichte dem Dämonischen, Geheimnißvollen. Mit Betrachtungen 
über Sein und Vergehn und die ersten Grundprobleme der 
Philosophie beginnt die Dichtung. In mehrfacher Variation 
wird der Gedanke Mohini Chatterdys: »Zwischenrasten nur 
kennt die Natur, und Leben selbst bleibt Weitenwandern von 
Existenz zu Existenz« erörtert. Ein Gespräch mit dem Schatten 
Hamlets weist Faust auf eine tiefere Betrachtung der Natur 
und des Menschendaseins, die aus anderen Motiven als »alt- 
weiberhafter Neugier« erfolgen soll. Phantastischer Scenen- 
wechsel führt uns bald auf eine Insel im stillen Ocean, wo 
Faust mit Heraklit zusammentrifft, der in der Meerestiefe zum 
Mystiker geworden ist und nun Faust zu seiner Ansicht be- 
kehren will, doch dieser, von der iV<?/?/r^<;/'/'//^// verfolgt, kann 
nichts entgegnen, denn sie sind in eine Höhle gelangt, in 
der Jeder, welcher der »seelischen Naturgewalt« Fesseln trägt,. 
versteint wird und dieses Schicksal trifft Faust. 

Im zweiten Theil »Leben« wird durch die Bemühungen 
des Satans Faust in den Strudel der Liebe gerissen, nachdem 

* Vgl. Schelling, «Svstem des transcendentalcn Idealismus.«, iSoo, 
S, 47). 



MiSCELLEN. 235 

ihn geheimnißvolle Mächte aus seiner Todesstarre befreit haben, 
wobei der Dichter Gelegenheit hat, Betrachtungen im budd- 
histisch-pessimistischen Sinne anzustellen. Aus den Banden 
dieser sinnlichen Liebe befreit den Faust ein Strahlenritter 

»/;// Na?nen heiiger Dichtung, die 
die ganze Welt durchdringt«.. 

Den Geist Faustens will er retten, den der Seele Trägheit 
hinabzuziehen droht. 

Die Unterscheidung von Geist, Seele und Leib, die sich 
schon bei den Stoikern' findet, ist sehr wichtig, denn auf 
ihr baut sich die weitere Entwicklung der Dichtung auf. 
Faust wendet sich nun von dem finstern Grübeln ab und 
will in der eigenen Brust, im eigenen Leben die Ideale suchen. 
Im Handeln sieht er nun sein Ziel. Aus Liebe zu einem 
Weibe verschreibt er sich dem Satan, der ihn dadurch in 
seine Hand bekommt. Nach dem Tode seiner ersten Geliebten 
wandelt sich Faust in die Figur des Don Juan, die Handlung 
spielt in Spanien. Endlich eilt er, an Gottes Barmherzigkeit 
verzweifelnd, in die Berge um zu sterben. Er, für den das 
Leben eine ewig marternde Versuchung geworden, trifft dort 
Ahasverus, für den das Leben »eines Wanderns Ewigkeit«. 
Philosophische und religiöse Betrachtungen erfüllen diesen 
Theil, wie das ganze übrige Stück. In der nächsten Scene 
stirbt Faust frommen Sinnes; den Satan, der erscheint, ver- 
treibt der »Strahlenritter«, der Faust seine Erlösung ankündigt. 
Der Leib soll dem Teufel zufallen, ebenso die Seele — als 
bildendes und belebendes Naturprincip — der Geist aber sei 
Gottes. 

In der dritten Abtheilung findet die harmonische Auf- 
lösung der irdischen Gegensätze in der »unsichtbaren Kirche« 
statt, durch die Anbetung des dreieinigen Gottes im »licht- 
heiligen Lilienblumenkreuzeswunder Poesie«. Eine Zusammen- 
fassung der mystischen Gedanken der Dichtung folgt. Nach- 
dem nun der Pontifex die beiden wundersamen Seiten der 
Natur, die »heitere, selige« und die »nächtige« besprochen 
hat, spricht er den Grundgedanken der ganzen Dichtung aus, 
daß das Emporringen aus dem Nachtsein der Natur, der Gott- 
heit geheimnißvollen Dichtung zum Glauben, zum beivußten 
Schauen und Erkennen der Gottheit des Menschen Ziel sei 
und schließt das Drama mit den Worten : 

» Verdammt sei Leib und SeeT — 
Geist ist gerettet ! — « 

Otto Neurath. 

' Vgl. Mark Aurel, übers, v. F. C. Schneider, S. 12, I. Buch. 
Und. Lib. III, 16. . . . Idj|ua, vpux'lt '^ö'; etc. Schneider, S. 31. 



236 MiSCELLEN. 

8. Zu Schäfers Klagelied. 

Dem reinen Genuß des Gedichtes steht bei mir schon 
seit langen Jahren der Umstand entgegen, daß die nattlrHche 
Sinnfolge mir an einer Stelle gestört, ja geradezu verkehrt 
erscheint. Ich meine die Schlußzeile der vierten Strophe: 
nDoch alles ist leider ein Traum.« Das durch den Druck 
hervorgehobene nDocha ist mir der Stein des Anstoßes, um 
den ich nicht herum kann. 

Der Gedankengang des Gedichtes ist kurz der folgende: 
Von Sehnsucht ergriffen, vergißt der Schäfer immer und immer 
wieder, daß die Geliebte schon längst die Stätte ihres früheren 
Aufenthalts verlassen hat. In Gedanken folgt er wie früher 
der weidenden Heerde vom Berge hinab ins Thal, bricht 
Wiesenblumen zum Strauß und läßt im Schutze des Baumes 
Regen, Sturm und Gewitter über sich ergehen, während er 
unverwandt nach dem lieben Hause hinüberblickt, ob sich 
die Thüre nicht vielleicht noch öffnen, die Geliebte noch sich 
zeigen möchte. Endlich aber kommt er zur Besinnung: die 
Thüre muß ihm ja verschlossen bleiben, denn die Geliebte 
ist weit fort, und alles ist nur ein Traum, dessen Täuschung 
ihn wieder und immer wieder gefangen hält. 

Das Gedicht stellt also in seinem ersten Theil eine 
Täuschung dar, der durch das Erwachen zur Wirklichkeit ein 
plötzliches Ende bereitet wird. Wo aber setzt dieser Um- 
schwung der Empfindung ein? 

Sehen wir uns das Gedicht in der überlieferten Form an, 
so scheint auf den ersten Blick die mit einem deutlichen 
adversativen »doch« einsetzende letzte Zeile der vierten Strophe 
den Uebergang zu bilden : »Doch alles ist leider ein Traum«. 
Falls dem aber so ist, so muß die vorhergehende Zeile noch 
zur Traumtäuschung gehören : »Die Thüre dort bleibet ver- 
schlossen«. Diese Zeile, die noch dazu durch einen Punkt 
vom Vorhergehenden und nur durch ein Semikolon vom 
Nachfolgenden getrennt ist, bezeichnet aber, falls sie nicht 
ganz ohne Gefühlswerth sein soll, schon selbst das Einsetzen 
der Ernüchterung und nicht mehr ein Moment der erwartungs- 
vollen Selbsttäuschung. Nicht die Hoffnung auf das Oeffnen 
der Thüre kommt in der Zeile zum Ausdruck, sondern die 
traurige Gewißheit, daß sie verschlossen bleibt, sich nie mehr 
wie früher öffnen wird. Darnach aber ist es logisch unmöglich, 
daß die nächste Zeile mit adversativem »doch« darauf hin- 
weisen soll, daß alles leider ein Traum sei. Das gerade 
Gegentheil, ein causales »denn« oder allenfalls ein einfach 
verbindendes »und«, verlangt der Gedankengang. Denn diese 
letzte Zeile drückt eben den Grund für das Verschlossen- 
bleiben der Thüre aus, wahrlich keinen Gegensatz dazu. Das 



MlSCELLEN. 237 

adversative »doch« könnte, wenn irgendwo in der Strophe, 
nur vor der vorletzten Zeile einen Platz finden, eben um 
den Umschwung der Stimmung zu kennzeichnen, der da vor 
sich geht. 

Das einfachste Mittel, sich von der Richtigkeit dieser Aus- 
führung zu überzeugen, besteht wohl in der Einsetzung der 
logisch richtigen Bindewörter: 

Und Regen, Sturm und Gewitter 
Verpaß' ich unter dem Baum. 
Doch die Thüre dort bleibet verschlossen ; 
Denn alles ist leider ein Traum. 

Daß diese schroffe Bezeichnung der logisch richtigen 
Beziehungen, die ich wahrlich nicht als Emendation vorschlage, 
nicht gerade poetisch wirkt, gebe ich gern zu. Mir kommt es 
jedoch zunächst nur aufklare Darlegung eben dieses logischen 
Zusammenhanges an, und damit auf den Beweis, daß das 
»doch« in der letzten Zeile nicht etwa nur undeutlich oder 
zweifelhaft, sondern geradezu sinnwidrig ist. Und während 
die Dichtung wohl das unbestrittene Recht hat, zur Erreichung 
höherer Werthe die rein logischen Beziehungen der Sprache 
zu verhüllen oder nur andeutend wiederzugeben, so kann 
dieser Umstand sicher nicht zur Vertheidigung direkt sinn- 
widriger Lesarten angeführt werden. 

Bis zum Jahre 1895 war uns nun Schäfers Klagelied, das 
zuerst im Cottaschen Taschenbuch auf das Jahr 1804 erschienen 
war, in handschriftlicher Fassung nicht zugänglich. In jenem 
Jahre jedoch theilte Reinhold Steig' aus einem Briefe eines 
Jenenser Studenten Namens Wrangel an Brentano (Jena, den 
20. Juli 1802) eine handschriftliche Gestalt unsres Gedichtes 
mit, die von der vulgaten Druckgestalt in manchen Einzel- 
heiten abweicht. Zugleich macht es Steig durchaus wahr- 
scheinlich, daß der erwähnte Brief aus der Feder eines zu- 
verlässigen und gewissenhaften Menschen geflossen sei, und 
er selbst kommt in Bezug auf die Lesarten der von ihm mit- 
getheilten Fassung zu dem Schluß : »diese Abweichungen sind 
echter Herkunft und fallen keineswegs einem Irrthum Wrangeis 
zur Last«. In dieser Fassung nun erscheint zu Eingang der 
vierten Zeile der vierten Strophe nicht »doch«, sondern das 
logisch richtige »denn«. 

Die volle Bedeutung dieser einen Abweichung der 
Wrangeischen Niederschrift ist Steig allerdings entgangen; 
denn er sagt nur : »Das handschriftliche denn, Strophe 4 "*, 
scheint schärfer zu sein als das doch der Druckgestalt«. Die 
Einsetzung einer causalen Partikel für eine adversative, oder 



* Euphorien 2, 81 5 ff. 



238 MiSCELLEN'. 

umgekehrt, kann jedoch nie einen bloßen Gradunterschied 
ausmachen, wie Steigs »schärfer« andeutet, sondern sie stellt 
nothwendigerweise eine volle Umkehrung des Zusammenhangs 
dar, so daß bei einer gegebenen logischen Sinnfolge ein Aus- 
tausch von »doch« und »denn« für unmöglich angesehen 
werden muß. 

Hiernach kann wohl kein Zweifel sein, daß das Wrangeische 
»denn« die richtige, ursprüngliche Lesart ist, während das 
sinnentstellende »doch« der Vulgata ein späteres, wohl dem 
Drucker zur Last fallendes Versehen ist. 

In welch weitgreifender Weise unberechtigte Aenderungen 
sich in einem Goetheschen Text einbürgern konnten, ist ja 
erst kürzlich wieder am Werther nachgewiesen worden durch 
Seufferts beherzigenswerthe »Philologische Betrachtungen« im 
7, Bd. des Euphorion.' Und daß selbst die sinnwidrigsten 
Dinge, nachdem sie einmal gedruckt sind, der Aufmerksam- 
keit leicht entgehen können, beweist ebenda^ der von Seuffert 
nach Bernays' Vorgang angeführte Fall, der mit dem unsrigen 
Aehnlichkeit genug besitzt, um hier zur psychologischen Er- 
härtung kurz angeführt zu werden. 

Im Druckmanuskript der zweiten Fassung des Werther 
heißt es (im Briefe vom 15. Aug.): »Heute war ich hinaus- 
gegangen, Lottens Ciavier zu stimmen; denn die Kleinen 
verfolgten mich um ein Mährchen,« wozu Seuffert bemerkt: 
»Diesen sinnlosen Causalsatz ließen der Schreiber, Goethe, 
Charlotte v. Stein, Herder (auch diese haben ja die Hand- 
schrift durchgesehen) und alle die wohlgeschulten Setzer und 
Korrektoren einschließlich des genauen Professors Göttling 
unbeanstandet.« Allerdings handelt es sich hier um den 
Ausfall des Zwischensatzes der älteren Drucke, »ich konnte 
aber nicht dazu kommen«, nicht um eine direkte Verwechs- 
lung von »denn« und »doch«. Die sich ergebende Thatsache 
ist aber beinahe die gleiche, nämlich daß in allen späteren 
Drucken ein sinnloses causales »denn« unbeanstandet hin- 
genommen wurde, während doch, sowie der Text einmal 
vorlag, ein adversatives »doch« oder »aber« das einzig 
Richtige gewesen wäre. 

In unserem Falle liegt außerdem möglicherweise noch 
ein besonderer Grund für das Versehen vor. »Doch« kann 
ja allerdings causalen Werth haben, wenn es im Inneren 
des Satzes nach voraufgehender Fragestellung gebraucht wird. 
»Ist alles doch leider ein Traum« würde dem Sinn nach dem 
\\ rangelschen »Denn alles ist leider ein Traum« recht gut 
entsprechen. Es ist also leicht möglich, daß Goethe die 



Euphorion 7, i — 48. 
Euphorion 7, 10. 



MiSCELLEN. 239 

letztere ursprüngliche Fassung, um das etwas unpoetisch 
wirkende, scharf causale »denn« zu vermeiden, in »Ist alles 
doch leider ein Traum« umänderte. Dabei konnte dann 
durch das Versehen eines Abschreibers oder Druckers die 
vulgate Druckgestalt »Doch alles ist leider ein Traum« nur 
allzuleicht entstehen. 

Das so erschlossene »Ist alles doch leider ein Traum« 
ist jedoch nur Vermuthung, während die Fassung »Denn alles 
ist leider ein Traum« durch Wrangeis Brief handschriftlich 
erwiesen ist und demnach unzweifelhaft den Vorzug verdient. 
Jedenfalls glaube ich nicht, daß die vulgate Fassung der Zeile 
sicK den obigen Ausführungen und der ^^'rangelschen Nieder- 
schrift gegenüber halten läßt. A. R. Hohlfeld. 



g. Zu den Gedichten nGott und JPe/fu. 

Wir verdanken Brunnhofer (Goethe- Jahrbuch \TI, 241) 
den Nachweis des sehr engen Zusammenhanges zwischen 
mehreren der Gedichte dieses Abschnittes (und auch einiger 
Stellen in den ältesten Theilen des Faust) und leitenden Ge- 
danken, die sich in dem lateinischenTehrgedichte »De immenso« 
des Giordano Bruno vorfinden; Goethe beschäftigte sich mit 
diesem Werke aufs Neue 181 2, und aus demselben Jahre 
stammen seine Hinweise auf Bruno als den »außerordent- 
lichen . . . wunderbaren Mann« und »Apostel der Originalität« 
(Briefe an Schlosser, »Werke« IV, Bd. 22, 258 u, 309). Aber 
auch in den italienischen Schriften Brunos, von denen Goethe 
schon 1770 den Dialog »De la causa«, und später nach Singer 
(Goethe-Jahrbuch VII, 279) auch den »De l'infinito« kannte, 
fehlt es nicht an merkwürdigen Beziehungen gleicher Art. 

So heißt es in letzterem Dialoge (s. »Le opere italiane di 
G. B.«, ed. Lagarde, Gott. 1888, S. 302, Zeile 20 ff.) : ». . . Dieß 
ist der Grund, der uns der Furcht überhebt, daß sich irgend 
ein Wesen völlig auflöse, daß irgend ein vorhandenes Theil- 
chen verschwinde, gänzlich vergehe, oder sich in das Leere 
verliere und dort in Nichts zerfalle. Dieß ist die Erklärung 
dafür, daß sich das All in ewig wechselnder Wandlung be- 
findet ; . . . aber während sich in dieser Unendlichkeit alles 
unaufhörlich regt, beharrt ihr Wesen als Ganzes völlig un- 
veränderlich. ... So werden wir den wahren Weg zur 
Sittlichkeit finden, als getreue Beobachter jener Gesetze der 
Natur, die wir in uns selbst eingezeichnet finden, und als 
wahrhafte Vollstrecker jener göttlichen Gebote, die im Innersten 
(nel centro) unseres Herzens eingegraben stehen.« Man ver- 
gleiche hiermit die Verse: 



240 MiSCELLEN. 

»Kein Wesen kann in Nichts zerfallen, 
Das Ewge regt sich fort in Allen, 
Am Sein erhalte dich beglückt ; 
Das Sein ist ewig ; denn Gesetze 
Bewahren die lebend'gen Schätze 
Aus welchen sich das All geschmückt.« 

»Sofort nun wende Dich nach innen. 
Das Centrum findest Du da drinnen, 
Woran kein Edler zweiflen mag. 
Wirst keine Regel da vermissen; 
Denn das selbstständige Gewissen 
Ist Sonne Deinem Sittentag.« 

Den nämlichen Gedanken, daß kein Wesen vernichtet 
werden, keines vergehen könne, und daß dem scheinbar end- 
losen Zerfalle der Einzeldinge in Wahrheit das dauernde 
Beharren eines unvergänglichen Ewigen (eterna sustanza) zu 
Grunde liege, äußert Bruno auch im Dialoge »Spaccio della 
bestia trionfante« (a. a. O. ; S. 409, Zeile 6 ff.) ; Goethe 
kleidet ihn in die Worte: 

»Das Ewge regt sich fort in Allen ; 
Denn alles muß in Nichts zerfallen. 
Wenn es im Sein beharren will.« 

In demselben Dialoge (ebd. Zeile 25) heißt es: »Der 
Geist aber ist ein den Körper von Innen bewegendes und 
formendes Princip . . ., ein Werkmeister der nicht von außen 
sondern im Innern (da entro) wirkt, . . . der den Weberbaum 
regiert, das Gewebe aufzieht, und die Fäden einordnet . . .« 
Dies erinnert an das Gedicht »Was war' ein Gott, der nur 
von außen stieße«, zugleich aber auch an Mephistopheles' 
Wort vom »Weber-Meisterstück« (Faust, V. 1923). 

Erwähnt sei noch, daß im dritten Theile dieses Dialoges 
(a. a. O., S. 504) die beiden ersten Strophen des Schluß- 
chores aus dem ersten Akte von Tassos Schäferspiel »Amintas« 
citirt werden, deren schöne Beschreibung des goldenen Zeit- 
alters mit den Worten endigt : »Erlaubt ist was gefällt« ; eine 
Paraphrase dieser Schilderung, bis genai/ zur nämlichen Steile, 
hat Goethe bekanntlich dem Tasso in den Mund gelegt 
(»Tasso« II, i). 

Zu : » Willst Du immer weiter schiveifen, 
Sieh' das Gute liegt so nah.(<. 

In Giordano Brunos Dialog: »De Tinfinito« (ed. Lagarde, 
S. 302, Zeile 38) heißt es: ». . . So sind wir frei von Neid, 
frei von eitler Sorge, und ledig der thörichten Sucht, aus 
der Ferne das Gute zu begehren, das uns so nachbarlich 
nahe liegt.« Uebrigens nennt schon Pindar in der 3. pythischen 



MiSCULLEN. 241 

Ode, V. 31 ff. »thöricht Den, der, das Naheliegende ver- 
schmähend, nach der P'erne ausschaut.« 

Zu: Es ließe sich Alles trefflich schlichten, Könnt' man 
die Sachen zweimal verrichtend. In den »Schutzflehenden« 
des Euripides heißt es V. 1065: 

»Warum vergönnen Götter nicht dem SterbHchen, 
Zweimal ein Jüngling, und ein Greis zweimal zu sein? 

. . . dann verbesserte 
Das zweite Leben manchen Fehl des Früheren«. 
(Uebersetzung von Donner, Leipzig 1876; III, 331.) 

Zu : -oDenn ich bin eifi Mensch gewesen., Und das heißt 
ein Kämpfer seimx. Die unmittelbare Quelle ist wohl das 
Buch Hiob, in dem es (VII, i) heißt: »Militia est vita hominis 
super terram«. I3ieser Spruch findet sich in älterer und 
neuerer Zeit oft citirt. Calderon sagt im Festspiele : »Was von 
Gott den Menschen trennt« (übers. Lorinser, 1883 ; VII, 342): 

»Job bezeugt's in seinen Reden 
Daß ein Kampf das Erdenleben«, 

Aegidius Albertinus führt in »Lucifers Königreich und Seelen- 
gejaidt« (16 16) im Abschnitte »Von der Schläffrigkeit« (III, 7) 
Hiobs Rede an: »Unser Leben auf Erden ist ein Kriegswesen«, 
und Angelus Silesius (ed. Hartleben 1896, 55) verkündigt: 

»Ein Kampfplatz ist die Welt ; das Kränzlein und die Krön' 
Trägt keiner, der nicht kämpft, mit Ruhm und Ehr' davon«. 

Eine zweite Quelle fließt aber aus der antiken Literatur. 
So heißt es bei Euripides in den »Schutzflehenden«, V. 541 : 
»Ein steter Kampf ist unser Leben«, und bei Seneca in den 
»Briefen« (Nr. 96): »Vivere, mi Lucili, militare est«; eine 
ausführliche Erörterung letzteren Satzes gibt Montaigne in 
den »Essays« (III, cap. 13). E. v. Lippmann. 



10. Ein unbekannter Druck der Stanzen 1798. 
Im »Taschenbuch fürs Theater, auf 1798 und 1799. 
Herausgegeben von D. Schmieder. Mainz und Hamburg bei 
Gottfried Vollmer« findet sich S. 34 ff. ein in der Weim. Aus- 
gabe (16, 454) nicht verzeichneter Druck der Stanzen zum 
30. Januar 1798, mit der Ueberschrift : »Gedicht, überreicht 
der regierenden Frau Herzogin zu Sachsen Weimar zu ihrem 
Geburtstage, von einem theatralischen Aufzuge auf der Redoute 
zu Weimar, den 26. Jänner 1798« und der Unterschrift 
»Göthe«. Außer unbedeutenden Abweichungen in der 
Schreibung enthält der Druck keine Varianten. 

Max Morris. 



Gof.the-Jahrblch XXIV. l6 



242 MlSCELLEX. 

II . Goethe und Daudet. 

In der Novelle rt Die guten Weiber ii. heißt es : »Zufällig hinter- 
ließ Cardano einer Dame in dem Moment, als ein genaues 
Verhältniß abbrach, einen kleinen schönen Lövvenhund; er 
schaffte sich einen neuen und schenkte diesen einer andern, 
eben da er sie zu meiden gedachte, und von der Zeit an 
ward es Vorsatz, einer jeden Geliebten zum Abschied ein 
solches Hündchen zu hinterlassen. Ferrand wußte um diese 
Posse, ohne daß er jemals besonders aufmerksam darauf ge- 
wesen wäre.« Ferrand findet dann später ein solches Löwen- 
hUndchen bei seiner Frau als ein Geschenk Cardanos. 

Ganz ähnlich in Daudets »Rois en exil« : »Mais oui, j'ai 
remar(iue, tous ceux qui voient le roi de pres savent comme 
moi que lorsqu'une liaison commence a le fatiguer, il envoie 
un de ses ouistitis P. P. C. . . . Une facon ä lui de faire la 
grimace ä ce qu'il n'aime plus . . . Au grand club on ne 
dit plus lächer une maitresse, mais lui envoyer son ouistiti.« 
Das erzählt der Adjutant des exilirten Königs arglos seiner 
eigenen Frau, die wenige Tage zuvor von dem Könige ein 
solches Bisamäffchen erhalten und sich über das hübsche 
Geschenk ihres erlauchten Liebhabers gefreut hat. 

Die auffällige Uebereinstimmung ist längst bemerkt, und 
Daudet selbst hat auf Befragen erklärt, die guten Weiber 
nicht zu kennen. Erich Schmidt sagt deshalb in einer grund- 
sätzlichen Erörterung über Werth und Unwerth von Form- 
und Motivparallelen (Urfaust ' XXVI) : »Daß Daudet in den 
Rois en exil unabhängig von Goethes »Guten \\'eibern« das- 
selbe aparte Geschenkmotiv gefunden hat, steht fest.« 

Im Folgenden soll nun an Verhältnisse erinnert werden, 
die eine solche übereinstimmende Erfindung begreiflich er- 
scheinen lassen. Eine bestimmte Quelle, aus der Goethe und 
Daudet geschöpft haben, könnte trotzdem immer noch ge- 
funden werden. 

Es war im 17. und 18. Jahrhundert galante Sitte, Hündchen 
an Damen zu schenken, um deren Gunst man warb. In einem 
Briefe vom i. April 1672 erzählt Madame de Sevigne, wie 
ein Cavalier seiner ehemaligen Geliebten, die die Verlassene 
spielen will, zeigt, wie wenig Veranlassung sie dazu habe: 
»Nous nous sommes aimes, nous ne nous aimons plus. La 
constance n'est pas une vertu des gens de notre age ; il vaut 
bien mieux que nous oublions le passe, et que nous reprenions 
las tons et les manieres ordinaires. Voilä un joli petit chien; 
qui vous l'a donne?« Er schließt also aus der Anwesenheit 
eines ihm unbekannten Hündchens, daß die Dame auch 
ihrerseits Trost gesucht und gefunden hat. Das Hündchen 
als Verräther erscheint noch eindrucksvoller in der folgen- 
den Geschichte: »Apres le diner, je menai la compagnie qui 



MlSCHLLEN. 243 

m'etait restee, et qui n'etait pas fort nombreuse, voir les 
appartemenls Interieurs du grand-duc et de moi. Arrives 
dans mon cabinet, un petit chien de Bologne, que j'avais, 
vint au-devant de nous et se mit ä aboyer fortement contre 
le comte Hörn; mais quand il aperrut le comte Poniatowsky, 
je crus que le chien allait devenir fou de joie. Comme le 
cabinet etait fort petit, hormis Le'on Narichkine, sa belle- 
sceur et moi, personne ne vit cela; mais le comte Hörn ne 
fut pas trompe, et tandis que je traversais les appartements 
pour revenir dans la salle, le comte Hörn tira le comte 
Poniatowsky par l'habit et lui dit: Mon ami, il n'y a rien 
d'aussi terrible qu'un petit chien de Bologne; la premiere 
chose que j'ai toujours faite avec les femmes que j'ai aimees, 
c'est de leur en donner un, et c'est par eux que j'ai toujours 
reconnu s'il y avait quelqu'un de plus favorise que moi.« 
Diese Stelle aus den Memoires de l'imperatrice Catherine II 
(London 1859, S. 254) findet sich auch in einem Aufsatz 
citirt, den Sainte-Beuve 1862 tiber die Memoiren der Kaiserin 
veröffentlichte und war Daudet gewiß bekannt. 

Der vornehmen Gesellschaft des i8. Jahrhunderts war 
also das Hündchen als galantes Geschenk an galante Damen 
und dadurch als Verräther galanter Geheimnisse geläufig. Wie 
leicht konnte auf dieser traditionellen Grundlage die Nuance 
entstehen: das Hündchen als gewohnheitsmäßiges Abschieds- 
geschenk und dadurch als Verräther. Max Morris, 

12. Zu Goethes Gedicht nMuthn. 
(VVeim. Ausg. W. I, 67.) 
Am Schlüsse des Liedchens scheint Goethe eine in Volks- 
liedern mehrfach vorkommende Wendung angebracht zu haben. 
So enthält das -»Liederbuch der Frau Ottilia Fenchlerin 
von Straßburg (f. (angefangen 1592)' u. A. die Strophen:* 
Krach herz vnd brich nit 
biss statt vnd weich nitt. 
biss statt vnd vnverkertt, 
weyl leyb vnd seel werth. 



und: 



O herz, krach vnd brich nicht, 

denn ich gern het, der wUrt mir nicht, 

vnd denn ich nicht mag, 

desselbig würt mir alle tag. 

Siehe erst für dich, 

Trew ist mißlich. 



' S. Erk-Böhnie, Deutscher Liederhorst I, S. XIX, Nr. 24. 
^ Nach Alemannia I, 26. 38. [Vgl. übrigens Ztschr. f. d. d. U. 
15,270 fg. L. G.] 

16* 



244 MiSCELLEN. 

Das niederrheinische Liederbuch von 1574,' Bl. 60a: 

Krach junges Hertz und brich nicht, 
Die ich will begert meiner nicht, 
Die ich nicht woll vermagh, 
Die bgegnet mir al den tagh.* 

Goethe braucht den Ausdruck »kracht's gleich, bricht's 
doch nicht« freilich in anderem Sinne ; es ist aber nicht 
unmöglich, daß ihm die Wendung aus Volksliedern (von 
Straßburg her?) geläufig war. E. Hoffmann-Kra\'er. 



13. Goethe und das Arabische. 

Für den Orient hat bekanntlich schon der junge Goethe 
ein reges Interesse gezeigt. Man denke nur an die be- 
geisterten Rezensionen in den »Frankfurter gelehrten An- 
zeigen.« Nicht minder gewaltigen Einfluß übte der (iründer 
des Islams auf den Dichter aus — denken wir an den 
jugendlichen dramatischen Entwurf Mahontet am Schluß des 
XIV. Buches in »Dichtung und Wahrheit«, dessen Schönheit 
»Mahomet« [D.j.G. II, 28 ff.] und der »Gesang« [D.j.G. II, 3off.] 
ahnen lassen. Goethe hätte sich sicherlich nicht mit einer 
Voltaireschen Uebersetzung begnügt, wenn der jugendliche 
Idealist Muhammed, dessen Wege »anstatt zum Heil, vielmehr 
zum Verderben führen«, nicht am Ende seiner Tage ein 
platter Realist geworden wäre, wie alle idealistischen Schwärmer. 
Sozialpsychologische Probleme, die auf der Bühne wirkungs- 
voll wären, bilden den Kern des Lebens jenes Großen von 
Mekka. 

Als nun Goethe an der Schwelle seines Greisenalters 
noch einmal Führer der Jungen ward, da atmete er wieder 
die frische Luft seiner frohen Jugend, er erlebte eine Ver- 
jüngung seines reifen Geistes in der Divanszeit. Goethe liebte 
Marianne von Willemer »wie man die Sterne liebt«, und un- 
vergeßliche Tage waren die auf der Gerbermühle. 

Es war der Anfang des vorigen Jahrhunderts eine Zeit, 
in der vieles »aus dem Orient unserer Sprache treulich an- 
geeignet« ward, wie Goethe selbst sagt. An der Spitze der 
Orientalisten stand Baron de Sacy. Goethes Universalgenie 
konnte sich diesem Einflüsse nicht entziehen. Er studirte die 
charakteristische Sprache Arabiens. Harmonische Studien hat 
er allerdings nicht getrieben, und da konnte er freilich kein 



« S. Erk-Böhme I, S. XXII, Nr. 63. 

^ Nach Kopp in Zeitschr. d. Ver. für Volkskunde 12, 55, wo noch 
einige andere Parallelstellen. 



MlSCELLEN. 245 

orientalischer Philologe werden, sondern »im Fluge« hat er 
sich das Interessanteste des Arabischen angeeignet. Ange- 
fangen, Arabisch zu treiben, hat er bereits in früheren Jahren, 
wie er dem Professor Stickel in Jena mittheilte. Dennoch 
darf nicht angenommen werden, daß Goethes Kenntniß des 
Arabischen nur oberflächlich war. Sein Interesse für den 
Koran tritt uns in seinen Schriften oft entgegen. Bekanntlich 
ist die Grundlage des Divans der Koran. Nur einige der 
vielen Beispiele anzuführen, begnüge ich mich : 

»Gottes ist der Orient ! 
Gottes ist der Okzident!« 

ist dem Koran entnommen, wo es Sura II, 109 heißt: 

»Und Allahs ist der Westen und der Osten etc.« 

Dem Gedicht: 

»Hans Adam war ein Erdenkloß, 
Den Gott zum Menschen machte; 
Doch bracht' er aus der Mutter Schoß 
Noch vieles Ungeschlachte etc.« 

liegt Sura XV, 26 zu gründe: »Und wahrlich, erschaffen 
haben wir den Menschen aus trockenem Lehm, aus ge- 
formtem Schlamm.« 

»Wißt ihr denn, auf wen die Teufel lauern 
In der Wüste, zwischen Fels und Mauern?« 

Zu gründe liegt Sura XXVI, 221: »Soll ich euch künden 
von denen, auf welche die Satane herniederstiegen?« 

Die schönen Worte, die Muhämmed nach der Schlacht 
bei Bedr [er. 624] unterm Sternhimmel spricht: »Berechtigte 
Männer« sind in ihren Einzelheiten auf den Koran [Sura 2, 
3, 23, 17, 55, 56, 37 u. a.] zurückzufuhren. Ferner beruht 
der erste Theil der Legende »Siebenschläfer« auf dem Koran : 
Sura 18. Doch fand Goethe diese auch bei J. G. Rieh, »The 
Story of the seven sleepers.« 

Wie hoch Goethe die vorislamischen Gedichte, nament- 
lich die Muallakats, aus dichterischen Wettkämpfen hervor- 
gegangene Erzeugnisse des alten Arabiens, denen man einen 
Ehrenplatz in der Kaaba gönnte, schätzte, erfahren wir 
deutlich in den »Noten und Abhandlungen zu besserem Ver- 
ständniß des West-östlichen Divans.« [vgl. »Araber« VI, lofif.] 

Das mit echt orientalischem Triumph abschließende Ge- 
dicht: »Unter den Felsen am Berge etc.« ist eine Uebertragung 
der altarabischen Ballade, die Goethe an seinen Rathgeber 
in orientalischen Dingen, Professor Kosegarten in Jena am 
23. September 1S18 sandte. Goethe interpretirt diese Ballade 



246 MiSCELLEN. 

selbst in den »Noten und Abhandlungen«. Allerdings lag die 
deutsche Uebersetzung bereits vor: Michaelis in der Vorrede 
seiner arabischen Grammatik [Göttingen 1781] und Freytag 
»Carmen arabicum« [Göttingen 1814]. Nach Michaelis wird 
sich Goethe nicht gerichtet haben; denn dessen Handlungs- 
weise war dem Dichter »unerträglich«. Goethe hat das Ge- 
dicht nicht einer Reisebeschreibung, wie er sich in einem 
Brief an Kosegarten [23. September 1818] äußert, entnommen, 
sondern nach Baur [vgl. Zeitschr. d. deutsch, morgenl. Ge- 
sellsch. X, S. 96 ff.] soll der Bearbeitung Goethes die von 
Freytag zu gründe liegen. Freytag übersetzt: 

»In einem Weg, der unter dem Gebirge ist, 

Dort, wahrlich! liegt getötet einer, 

Sein Blut wird nicht bethaut vom Himmel.« 

Michaelis dagegen : »In einem Thal, über dem ein Fels 
hänget, liegt ein Erschlagener, auf dessen Blut kein Thau fällt.« 
Goethe wird aber das Original durch Kosegarten kennen 
gelernt und auch daraus übersetzt haben. Später gab Kose- 
garten das Gedicht selbst heraus. [»The Hudsailiam Poems« 
London 1854.] Goethe ist allerdings im Irrthum, wenn er 
die Entstehung dieses Gedichtes in die Zeit Muhammeds ver- 
legt, während es erst zwei Jahrhunderte später Taabbata 
Sarran dichtete. Stickel lobt die Ucbertragung Goethes sehr. 
Da es sich hier also um eine Uebersetzung handelt, so muß 
Goethe das Original, also das klassische Arabisch verstanden 
haben. Er hat seine Aufgabe meisterhaft gelöst. Haben 
Michaelis und Freytag auch wortgetreuer übersetzt, dafür 
waren es Arabisten, so mangelt ihnen doch der dichterische 
Schwung, den man bei Dichtungen des Orients gewöhnt ist 
— sie sahen die arabische Ballade nur durch die Philologen- 
brille; auch werden sie sich sicherlich mehr um die Bedeutung 
eines jeden einzelnen Verbums abgequält haben als Goethe, 
der hier, wie im ganzen Divan, vornehmlich seine gereifte 
Dichterphantasie walten läßt. Goethe wollte keine wörtliche 
Uebersetzung liefern, sondern lediglich ein literarisches Er- 
zeugniß, das im märchenumwobenen Arabien geboren, dem 
deutschen Leser verständlich machen. IJebrigens sind die 
Abweichungen der Goetheschen Uebertragung nur die, die 
wir stets finden und immer wieder finden werden, wenn ein 
Dichter übersetzt. Besitzen wir doch heut eine musterhafte 
Uebersetzung des Korans von Henning — doch wird dadurch 
der \\'erth und die specielle Schönheit der Koranübersetzung 
Rückerts keineswegs in den Schatten gestellt. 

Wir besitzen einige Proben von Goethes Arabisch. A\"ie 
mir B. Su^jhan mittheilte, befinden sich im Goethe-Schiller- 
Archiv in den Vorarbeiten zu den »Noten und Abhandlungen« 



MiSCELLEN. 247 

zum Divan eigenhändige Aufzeichnungen (Deklinations- und 
Konjugationsübungen etc.) Goethes. Auf dem Titelblatt der 
ersten Ausgabe des »West-östlichen Divans« (Stuttgart bei 
Cotta 181 9) finden wir eine arabische Ueberschrift. In allen 
andern Ausgaben ist der arabische Titel fortgelassen. In 
der von G. von Loeper besorgten Divansausgabe (Berlin bei 
Hempel) und in der \\'eimarer Ausgabe ist er wieder auf- 
genommen. Der Titel lautet: 

addiwanu "ssarcjiiju lilmuwallifi 'Igharbiiji : 

die östliche Gedichtssammlung vom westlichen Verfasser. 

addiwanu das Register, der Divan, die Gedichtssamm- 
lung ; von dawwana registriren. 

saräqiijun Ort, wo die Sonne aufgeht, Osten, östlich; 
von saraqa spalten, aufgehen. 

muwallifun Autor eines Buches; von alifa sich gewöhnen; 
hier Partizipium Akt. vom IL Stamm allifa verfassen, zu- 
sammenfügen ; Genetiv infolge der Präposition li. 

gharbiijun Ort, wo die Sonne untergeht, Westen, west- 
lich; von gharaba weggehen, untergehen. 

Als eine schöne Blüthe der arabischen Sprachstudien 
Goethes besitzen wir das Silvestre de Sacy gewidmete Gedicht : 

»Unserm Meister, geh, verpfände 
Dich, o Büchlein, traulich-froh ! 
Hier am Anfang, hier am Ende, 
Oestlich, westlich, A und O.« 

Silvestre de Sacy. 
ja aijuhä 'Ikitabu sir illa saijidunä alaghzu 
fassalmu alaihi bihadihi 'Iwaraqatu 
allati hija awwalu 'Ikitabi wa 'achiruhu 
ja 'ani awwaluhu fi "Imusriqi wa 'achiruhu fi 'Imaghribi: 

O Buch, geh zu unserm herrlichsten ]\Ieister und Gruß 
sei über ihm mit diesen Blättern, welche sind das Erste des 
Buches und sein Letztes ; das bedeutet : sein Anfang ist im 
Orient und sein Ende im Okzident. 

ja oh (aijuhä verstärkend). 

kitäbun Buch, Schrift; von kataba schreiben. 

sir Imperativ von sära gehen, reisen. 

illa zu, hin zu, bis an. 

saijidunä unser INIeister. 

ghazza mächtig sein, herrlich (hier Elativ). 

salmun Frieden ; von sallima IL Stamm bewahren, grüßen. 

alaihi über ihm. 

hadihi diese, fem. von hadä ; bi mit. 



248 MiSCELLEN. 

waraqun Blätter, 
allati welche, fem. von alladi. 
hija fem. von huwa: hier als Kopula, 
awwalu Erste, Anfang. 
Ava und. 

alächiru das Spätere, das Letzte, das Ende; von achchara 
später setzen, verzögern. 

ja'ani Imperfektum von 'ana betreffen, bedeuten, 
fi in mit Genetiv. 

Daß dieses arabische Gedicht unvokalisirt ist, zeigt 
"schon, daß Goethe Arabisch gelernt hatte, wie ja auch die 
eigenhändigen Uebungen im Goethe- und Schiller-Archiv ein 
Zeugniß seiner arabischen Studien sind. Die beiden ange- 
führten Proben, die durchaus ein correctes Arabisch auf- 
weisen, sind uns ein Beweis, daß sich der große Dichter 
auch in der arabischen Sprache heimisch fühlte. Er hat das 
klassische Arabisch, wie es zur Zeit des Propheten Muhämmed 
gesprochen wurde, verstanden. Herman Krüger-Westend. 



14. Goethe und die arkadische Gesellschaft. 
Die erste Kunde der merkwürdigen frühsten Jugendbriefe 
Goethes an Buri (W. A. IV., Band i. S. i bis 6) erhielt 
man durch einen Aufsatz in einer Freimaurerzeitschrift 1873; 
ihrem Wortlaut nach wurden sie erst im »neuesten Verzeich- 
niß« von S. Hirzel 1874 mitgetheilt. Unter den größeren 
Goethebiographien gehen die von Weissenfeis und R. M. Meyer 
auf die Sache garnicht ein ; Bielschowsky und Düntzer 
bringen einen Theil der Briefe zum Abdruck ; jener meint, 
Wolfgang scheine in Folge der Briefe Schweizers in den 
Bund nicht aufgenommen worden zu sein; dieser weist auf 
die neuen Bestimmungen und die Altersgrenze der Aufzu- 
nehmenden hin und stellt die Sache etwas unbestimmt dar, 
indem er sagt, daß der Archon in Folge dieser Bestimmung 
den Bewerber abweisen konnte. Erst kürzlich gelang es 
J. R. Dieterich die Originalakten der Gesellschaft von 1759 
bis 1765 zu finden; daraus veröffentlichte er unter dem Titel 
»Phylandria, ein Culturbild aus Goethes Jugendzeit«, drei Auf- 
sätze in der Beilage zur Allgemeinen Zeitung No. 80 bis 82 
8. bis IG. April 1902. Da diese für die Jugendgeschichte 
Goethes wichtig sind, gewiß aber den wenigsten Lesern des 
Goethe-Jahrbuches zur Hand kommen, gebe ich hier einen 
gedrängten Auszug der neuen und äußerst werthvollen Mit- 
theilung unter Abdruck der bisher unbekannten von Goethe 
geschriebenen und an ihn gerichteten Actenstücke, mit noch- 
maligem ausdrücklichen Hinweis auf die Quelle, der ich 
diese Beiträge entnehme. 



MiSCELLEN. 249 

Die Gesellschaft, 1759 gestiftet, gewann 1762, seitdem 
Ludwig Ysenburg von Buri (geb. 1749) als unumschränkter 
Herrscher waltete (Argon wie er sich unterschrieb, statt des 
richtigen Archen) eine erhöhte Bedeutung. Er verwandelte 
ihren literarischen Charakter in einen maurerischen, sodaß 
der Verein in den von November 1764 bis Januar 1765 ab- 
gehaltenen Versammlungen zu einer vollkommenen Loge 
erwuchs. Aus dieser entwickelte sich allmählich die Darm- 
städter Freimaurer- Loge. Noch vor dieser Umwandlung 
meldete sich Goethe am 23. Mai 1764 in dem allgemein 
bekannten Briefe. Darauf lief folgende Antwort ein: 

Ludwig Ysenburg von Buri an Goethe. 

Neuhof den 26. May 1764. 
Mein Herr ! 

Ihr Schreiben mußte mir notwendig unerwartet kommen 
da mir weder Hand noch Siegel noch auch selbsten der 
Nähme bekandt war; dennoch war es mir höchst angenehm. 

Meine Freunde meynen es zu gut mit mir, indem Sie 
eine Sache von mir vorgeben, die Sie, ob sie wohl zu meinem 
Vorteil dient, nicht verantworten können. Sie legen mir 
Eigenschaften bey, die sie nicht endeckt und Verdienste die 
sie nie gekandt haben; zum wenigsten bey mir. Meine 
Freunde mögen es gut meynen Sie thun aber im Grund be- 
trachtet, sich und mir Schaden : Sich, da sie den Leuten 
etwas vormahlen, und am Ende vor Windmacher gehalten 
werden müssen; Mir, indem sie durch unverdiente Lobes- 
erhebungen, andere auf meine Bekandtschaft neugierig machen, 
bei denen ich wUrcklich in gehöriger Entfernung mehr würde 
gewonnen haben. 

Allein genug hiervon ich will zum Zwecke schreiten. 
Sie tragen, wie ich aus ihrem Schreiben ersehe ein Verlangen 
in unsere Gesellschaft aufgenommen zu sein. Es wird der- 
selben zu besonderem Vergnügen gereichen Sie, mein Herr! 
darunter aufzunehmen; allein Sie würde mirs auch sehr ver- 
dencken wenn ich Sie sogleich ohne weitere Untersuchung 
und Nachfrage zu einem Mitglied dieser Gesellschaft auf- 
nehmen wollte. Ich binn eben so offenherzig als Sie. Sie 
gestehen auch den geringsten ihrer Fehler und ich bin eben 
so wenig ein Freund der Verstellung. Ich hätte ihnen leicht 
ein Blendwerk vormachen können allein da würd ich mich 
auf einmahl ihrer gantzen Hochachtung verlustig gemacht 
haben. Ich kann also nicht umhin sie zu bitten sich erstlich 
bey Herrn Alexis der ein Aufseher der Gesellschaft ist, zu 
stellen, damit ich von ihm die gehörige Nachricht einziehen 
könne, um mich nicht der grausamen Verantwortung bey 
der Gesellschaft auszusetzen. Werde ich von diesem die 



250 MiSCELLEN. 

Nachricht erhalten haben, weßwegen ich auch heute noch an 
ihn schreiben werde, so soll ihre Aufnahme nicht einen 
Augenblick verschoben bleiben. Sie werden mir hoffentlich 
diese Vorsichtigkeit vergeben, wenn sie die Ursachen der- 
selben recht erwegen. 

Ich mache mir ein großes Vergnügen daraus ihre Be- 
kandtschaft, und wenn wir uns zusammen schicken, ihre 
Freundschaft zu erlangen. Ich bin aber eben so vorsichtig 
in der Wahl meiner Freunde als in der Aufnahme der Mit- 
glieder in die Gesellschaft. Denken sie was sie immer wollen 
von meiner Klugheit, die fast der Vorsichtigkeit des Herrn 
von Abgrundes im Schlegel, gleichkommt; nennen sie sie 
unnütz, übertrieben, törigt mißtrauisch, oder wie es ihnen 
gefallen wird ; glauben sie ich sey ein ungesitteter, unhöflicher 
J.andjuncker ; genug ich finde meine Behutsamkeit nötig. Wer 
einmahl betrogen ist laßt sich nicht gerne wieder fangen. 
^Vie kann ich von ihnen versichert seyn da ich weder die 
Ehre habe sie zu kennen, noch auch etwas von Ihnen gehört 
zu haben. Verzeihen sie mir also meinen, vielleicht zu 
offenhertzigen Brief. Allein der Hof hat meine Sitten und 
meine Aufrichtigkeit noch bisher nicht beleidigt. Ich kann 
es Herrn Alexis nicht verzeihen daß er mich ihrer werten 
Bekandtschaft bißherr beraubt hat ich hoffe aber in der Folge 
das versäumte nachzuhohlen und habe die Ehre zu seyn etc. 

Ludwig Ysenburg von Buri. 

Der in dem Brief genannte Alexis ist Karl Schweitzer, 
Sohn eines aus Leipzig stammenden Juristen, der 1808 in 
Frankfurt starb. Dieser Alexis berichtete am 29. Mai aufs 
Ungünstigste über den neuen Kandidaten und erzählte, daß 
er ihn, als sich jener bei ihm gemeldet, seiner Laster wegen 
abgewiesen habe, und stellte dem Vorsitzenden weitere münd- 
liche Auskunft in Aussicht. Diese mündliche Besprechung 
zwischen Buri und Schweitzer fand am 6. Juni statt. Unter- 
dessen war Goethes bekannter zweiter Brief vom 2. Juni 
eingelaufen. Mehr als drei Wochen später antwortete Buri 
gegen seine wirkliche Ueberzeugung, um die Sache hin- 
zuhalten, denn er wußte selbst am besten, daß er als Archon 
selbständig vorgehen konnte und an die Beschlüsse der Ge- 
sellschaft nicht gebunden war. Seine Antwort lautete : 

L. Y. v. Buri an Goethe. 
Mein HerrI 
Verzeihen sie mir daß ich ihren Brief welchen ich durch 
den Herrn Schweizer erhalten nicht eher beantwortet habe ; 
er kann mir aber bezeugen, daß ich bißher in größter Un- 
ruhe und Unordnung gelebt habe. Der Zuspruch vieler 



MiSCELLEN. 251 

Herrschaften war die Ursache dieser Unordnung und meine 
Nachlässigkeit eine Folge davonn. Nach dem Bild welches 
mir ihr Freund von Ihnen gemacht hat kann ich nicht anderß 
als sie würdig halten in unsre Gesellschaft mit aufgenommen 
zu werden. Nun ist es aber meine Schuldigkeit daß ich der 
Gesellschaft erstlich Nachricht davon gebe und die Geneh- 
migung zu ihrer Aufnahme erwarte. Diese wird mir, aller 
Vermutung nach, nicht fehlen und dann werde ich sie ohne 
Aufschub annehmen. Die Zeit kann ich aber noch nicht be- 
stimmen. Ich bin etc. 

Neuhof den 26. Juni 1764. L. Ysenb. von Buri. 

(Eigenhändiges Konzept ßuris.) 

Dieses Schreiben konnte der Adressat nur in dem 
günstigsten Sinne auffassen und antwortete demgemäß in 
folgendem bisher unbekannten Briefe : 

Auszug Schreibens des Herrn Göthe an den Argon 
Mir tili, d. d. Frankfort den 6. Julii 1764. 
Ich bin meinem Freunde sehr verbunden, daß er ihnen 
eine so vorteilhafte ATeynung von mir beygebracht hat. Wenn 
sie mich sehen und dieselbe beybehalten so soll es mir an- 
genehm seyn. Ich fürchte sehr daß mein äuserliches — doch 
was hat man nötig von sich selbst zu schwäzen. Sie werden 
mich schon sehen. Dennoch wünsche ich daß es geschähe 
ehe ich aufgenommen würde. Da es aber nicht wahrschein- 
lich ist, daß sie so balde zu uns kommen und noch unwahr- 
scheinlicher daß sie mich balde bey ihnen sehen, so wollte 
ich anfragen, ob sie es nicht vor genehm hielten einen Ort 
der zwischen uns beyden ist zu bestimmen wo wir uns mit 
einander besprechen könnten. Dieses mein Herr ist nur, ein 
ohngefährer Vorschlag den sie nach Belieben annehmen oder 
abschlagen können. 

Nun will ich das was die Gesellschaft über mich ver- 
hänget erwarten. Nur will ich gebeten haben daß sie mich 
manchesmahl wenn es ihre Geschäfte zu lassen mit einigen 
Zeilen vergnügen. Und wenn sie auch gleich nichts anders 
zu schreiben wissen als wie sie sich befinden: so wird es den- 
noch stets angenehm seyn dem der stets bleiben wird 

Mein Herr 

dero 

aufrichtigst ergebenster 

Diener 

J. W. Göthe. 

Nichstdestoweniger that der Briefschreiber, wie aus einem 
Billet Schweitzers an Buri vom 10. Juli ersichtlich ist. Schritte 
bei Johann Andre (dem er also nicht erst 1774 bekannt wurde. 



252 MlSCELLEN. 

wie man gewöhnlich annimmt, sondern schon zehn Jahre 
früher), um mit Buri in Offenbach zusammenzutreffen. Darauf- 
hin wandte sich Buri an Andre 16. Juli um ihn zu warnen; 
»Goethe sei der Ausschweifung und vielen anderen mir un- 
angenehmen Fehlern ergeben.« Zwei Tage darauf berichtete 
der also Gewarnte über eine mit Goethe geführte Theater 
und Musik betreffende Unterhaltung: »Er hat mehr ein gutes 
Plapperwerk als Gründlichkeit.« Von dieser selben Unter- 
redung gab Buri an Schweitzer den 20. Juli einen Bericht und 
faßte seine Meinung über den »lästigen Herrn« eine »solche 
untugendhafte Person« in die Worte zusammen: »Er soll nun 
nicht in die Gesellschaft kommen, er mag es anfangen, wie 
er will.« 

Auf diese Darstellung konnte sich Schweitzers Antwort 
beziehen, »den Herrn Goethe haben Sie gut abgefertigt.« 
Eine wirkliche definiti\e Abweisung kann nämlich bis dahin 
nicht erfolgt sein, weil Buri am 24. Juni an Schweitzer schrieb: 
»Ich sinne jetzo beständig auf ein Mittel, den Herrn Goethe 
ganz .abzuweisen.« Am i. September äußerte sich derselbe 
an denselben: 

»Herr Goethe schweigt ganz still und ich hoffe auch, daß 
er sich weiter nicht melden wird. Sollte er aber doch so 
unverschämt seyn sich noch einmal zu melden, so habe ich 
mir bereits vorgenommen ihn nicht einmal einer Antwort zu 
würdigen « 

Damit sind Goethes Beziehungen zu den Arkadiern als 
Gesellschaft zu Ende. Sein Verkehr mit den Frankfurter 
Freunden und Freundinnen scheint ihm die Lust genommen 
zu haben, sich mehr als es bisher geschehen war, an die etwas 
anspruchsvollen Herrn zu drängen. Persönlich verkehrte er 
mit Schweitzer, von dessen übeler Auskunft er gewiss nicht 
genau unterrichtet war, noch bis 1772 in Wetzlar und Frankfurt 
(Vergl. Briefe Band i S. 21. Band 2. S. 23). Sehr ansprechend 
dagegen ist Dieterichs Vermuthung, daß 1775 die Offenbacher 
Loge, die Fortsetzung jener arkadischen Gesellschaft, um ihn 
buhlte, während er sie abwies. (Dichtung und Wahrheit 
17. Buch W. A. Bd. 29. S. 65. Z. 14. ff.) Noch tragischer 
hat die Nemesis über den strengen Archonten gewaltet. Er, 
mit dem Goethe einmal 1774 in Neuwied zusammenkam, wo- 
bei er ihm einige neue Gedichte mittheilte, ging einsam 
seinen wenig sonnenbeschienenen Weg. Er lebte als Officier 
in bescheidener Stellung bis 1806 und hatte als lyrischer und 
dramatischer Dichter einen nur sehr mäßigen Erfolg. Wie 
oft mag er neidvoll nach Weimar geblickt haben, wo als ein 
großer Mensch, hochberühmter Dichter und nebenbei als 
Minister der Mann lebte, den er hochmüthig aus seinen Kreisen 
fortgewiesen hatte. L. G. 



MiSCELLEN. 253 

/j. Eiti eigenhändiges Pseudonym Goethes. 

Bei einem Besuche in Clausthal machte mich mein 
Schwiegersohn, Prof. Bergeat, darauf aufmerksam, daß sich 
im Archiv der Berghauptmannschaft ältere Fremdenbücher 
befänden, in die sich die Besucher der dortigen Gruben ein- 
geschrieben haben, unter ihnen auch Goethe. Bei Besprechung 
der winterlichen Harzreise des Dichters, deren poetisches 
Ergebniß in dem Gedichte: »Dem Geier gleich« vorliegt, 
erinnerten wir uns, daß er diese unter fremden Namen ge- 
macht habe. Goethes Briefe an Frau von Stein, die zur 
Hand waren, ergaben das Nähere. Im Briefe aus Goslar, 
6. December 1777 schreibt er: »Ich heise Weber, bin ein 
Mahler, habe jura studirt oder ein Reisender überhaupt, be- 
trage mich sehr höflich gegen jedermann, und bin überall 
wohl aufgenommen.« Daß er auf dieser Reise auch die 
Gruben besucht hat, ergibt das »Tagebuch vom i.— 9. De- 
cember 1777,« wo es unter dem 8. heißt: »Früh eingefahren in 
der Carolin und Dorothee. Schlug ein Stück Wacke vor mir den 
Geschwornen nieder, ohne Schaden als die Streifrizze. Nach- 
mittags durchgelogen. Spazieren und Spas mit den Fremden.« 
Im Briefe vom »9. Dezember Abends .... au« (Altenau) ist 
dieses Abenteuer in der Grube noch näher geschildert. 

Nach diesen Erörterungen nahmen wir nun mit um so 
größerem Interesse Einsicht von dem »Fremdenbuch der Grube 
Dorothea bei Clausthal« (Syst. A. V Nr. 49). Die berühmten 
Besucher sind auf vorgehefteten Blättern unter Ziffern ver- 
zeichnet, als Nr. 13 Goethe. Die mit dieser Zahl bezeichnete 
Einschreibung bezieht sich aber auf eine spätere Befahrung, die 
Goethe als Begleiter des Herzogs Carl August mit diesem unter- 
nahm, Sie lautet, im Text von des Herzogs Hand herrührend: 
den 13. August 1784 zur Caroline eingefahren, und 
zur Dorothee ausgefahren, (.^^, ^^^^^^ ^ ^ g_ 

Goethe. 
Dagegen befindet sich auf Blatt 25b des Fremdenbuchs 
die Einzeichnung: 

Johann Wilhelm Weber aus Darmstadt 

d. 8. Dez. 1777. 

Wenn schon aus dem Zusammenhalt mit obigen Briefen 

mit Sicherheit zu entnehmen ist, daß dieser Johann Wilhelm 

Weber niemand Anderes ist, als Johann Wolfgang Goethe, 

so ergibt sich dies vollends aus den Zügen der Schrift, 






254 MiSCELLEN. 

von der mit freundlicher Genehmigung des Herrn Berghaupt- 
mann von Detten eine Photographie — s. das vorstehende 
Facsimile — genommen worden ist. Daß wir es hier mit der 
Handschrift Goethes zu thun haben, kann niemand zweifelhaft 
sein, der die Schrift beispielsweise mit dem im Goethe-Jahr- 
buch 1896 vor Seite 209 im Facsimile befindlichen, aus un- 
gefähr derselben Zeit (1773 — 1775) stammenden Paralipomenon 
zum Faust vergleicht. Der Name Weber lag dem Dichter 
nahe als der seiner Mutter (Textor), von seinen Vornamen^ 
behielt er den ersten ganz bei und vom zweiten wenigstens 
den Anfangsbuchstaben. Darmstadt konnte er um so leichter 
als seine Heimath bezeichnen, als er dem Frager über diese 
ihm wohlbekannte Stadt jede Auskunft geben konnte. Soweit 
das aber nicht der Fall war, wird er sich nach seinem eigenen 
Bericht brav »durchgelogen« und daran seinen »Spas« gehabt 
haben. Heisterbergk. 

16. Goethe und Gotha. 
In den Briefen des preußischen Gesandten in Petersburg, 
Grafen Joseph Eustach von Görtz, an seine Gemahlin aus 
dem Jahre 17 81 (gräfl. Rechbergisches Archiv zu Donzdorf) 
finden sich einige Bemerkungen über Goethes Beziehungen 
zum Gothaer Hofe, die hier folgen mögen. Die Nachrichten 
darüber gehen wohl in beiden Fällen auf die Gemahlin des 
Gothaischen Geheimraths Friedrich Karl von Lichtenstein 
zurück. Der Gothaische Minister Sylvius Friedrich Ludwig 
von Frankenberg und die kluge, vielseitig gebildete Ober- 
hofmeisterin Juliane Franziska von Buchwald, die »alte 
Mama«, wie Goethe sie gelegentlich scherzweise nennt, — 
sind aus dem Briefwechsel des Dichters bekannt. Goethes 
Besuch in Gotha fällt in die Tage vom 2. — 12. Oktober; er 
folgte einer Einladung des Herzogs um so lieber, als sie ihm 
Gelegenheit bot, Melchior von Grimm kennen zu lernen, der 
vorübergehend als Gast an dem kleinen Hofe verweilte. 
(Werke, Abt. 3, I, 132; Abt. 4, V. 198.) 

Graf Görtz an die Gräfin. 

_^ , 24 Juli „ 

Petersburg — V 1781 

4 Aug. 

. . . J' ai eu ces jours-ci une lettre de la Lichtenstein 

de Lahm. ' C'est presque la seule qui m'ecrit encore . . . Elle 

me dit cjue tout Gotha sans excepter la maman Buchwald 

etait dans l'admiration pour Goethe qui faisait l'homme 

d'etat. Que Franckenberg etait ä la tete. Je voudrais pour- 

tant bien voir cet homme d'etat. II doit etre assez plaisant. 

Retires du monde, nous admirerons un jour cela de loin . . . 

' Dorf in Oberfranken, Stammsitz der Familie von Lichtenstein. 



MiSCELLEN. 255 

Graf Görtz an die Gräfin. 

^ , 27 Oct. _ 

Petersburo;, — — 1701 

* 7 Nov. 

. . . Goethe a ete pendant 15 jours avec Grimm ä Gotha 
et a lu toutes les nuits jusqu'ä i heures ä madame de Bouch- 
wald. . . . Karl Obser. 



77. Zu Goethes Briefen an Christiane 
von der Teplitzer Reise iSij. 
Die im G.-J. XX, 37 ff. und dann im 23, Band der 
Weimarer Briefausgabe mitgetheilten Briefe Goethes an 
Christiane lassen sich mit Hilfe der Tagebücher zum Theil 
genauer datiren, als geschehen ist. Sie umfassen zunächst 
ein Tagebuch der Reise von Weimar nach Teplitz vom 
17. — 26. April, d. h. die Nummern 6554 (mit Ausn. von S. 331, 
9 — 17)' und 6563 bis S. 348, 23. Nur diese Partieen sind 
nach Goethes eigner Bezeichnung als Reisetagebuch zu be- 
trachten. Der dritte Bericht (Br. XXIII S. 326, 21 ff.) ist laut 
Eintrag ins Tagebuch am 22. April aufgezeichnet worden. Am 
25. schrieb Goethe nur die Zeilen S. 331, 9 — 17 und übergab 
oder übersandte das Tagebuch Hauptmann Verlohren zur 
Besorgung (s. Tageb. V, S. 36, 107. S. 38, 4 u. 24 f.). Die 
Fortsetzung des Tagebuchs, umfassend die Zeit vom 23. bis 
zum 26. April, dem Tage der Ankunft in Teplitz ist, wie es 
scheint, am 27, April vollständig niedergeschrieben, nicht 
erst am 21. Mai (Tageb. V, S. 39, 12 f.). Diesen Schluß des 
Reisetagebuchs übersendet Goethe erst am 24. Mai seiner 
Frau durch den Stallmeister Sievers oder Sieber, wie ihn die 
Tagebücher nennen (s. Tageb. V S. 49, i u. 19 ff. Br. 23, 
361, 18 f.) zusammen mit einer »Nachricht von den bisherigen« 
(Tageb. V, 49, 23 f.), womit nur der Brief vom 21. Mai ge- 
meint sein kann, und einigen Begleitzeilen (Br. S. 350, 26 ff.), 
die wohl noch am 22. Mai geschrieben sind, da an diesem 
Tage bereits das Packet für Sievers, dessen Abreise sich dann 
um 2 Tage verzögerte, gemacht wurde (Tageb. V, 49, i), 
und da von einem Brief an August von Goethe und von der 
»wackelnden Glocke« in jenen Zeilen noch keine Rede ist 
(Br. S. 351, 8 — 12). Am Abend des 22. Mai entstand das 
genannte Gedicht (Br. S. 352, i ff. u. Tageb. V, 49, 4) und 
wurde sofort mit einigen Zeilen an August der »schon ge- 
schlossenen« Sendung beigefügt. Im Tagebuch wird dieses 
letzteren Briefes erst bei der definitiven Expedition am 24. 
gedacht. Sollte sich das »blaue Landschäftchen« (Rr. S. 352, 8) 



' Ich citire nach dem 23. Bd. der Weimarer Briefausgabe. 



256 MiSCELLEN. 

auf das russische Hauptquartier beziehen (Tageb. V, 49, 24) ? 
Der Brief 6559 vom 10. Mai ging über Karlsbad und Eger 
durch Vermittlung der Frau von der Recke, die ihn am 
19. Mai mit den G.-J. XX. S, 89 abgedruckten Zeilen be- 
gleitete (Br. 339, 20 f.; 349, 2 f. u. Tageb. V, 44, 10 f.). 
Nr. 6560 ist schon am 11. Mai begonnen worden (S. 339, 20 
»gestern«). Der erste Theil von Nr. 6570 ist am 10. Juni 
geschrieben, an welchem Tage Goethe laut Tagebucheintrag 
zum 36. Mal badete. Nr. 6584 ist im Tagebuch am 15. Juli 
erwähnt (V, 62, 27 f.); das Briefdatum »d. 16. Juli« wird 
also wohl ein Versehen Goethes sein. — Unter den Briefen 
fehlt der am 21. April durch Verlohren an Christiane ab- 
gesandte (Tageb. V, 35, 27 f.); das Reisetagebuch vom gleichen 
Tage (Tageb. V. 36, 3) ist damit nicht zu verwechseln. 

Adolf Strack. 



18. Ein wenig bekannter Freund Goethes. 
»Der Besuch von Berliner Freunden, Staatsrath Hufeland 
und Langermann, Varnhagen von Ense, blieb mir, wie die 
Frommen sich auszudrücken gewohnt sind, nicht ohne Segen : 
denn was kann segensreicher sein als wohlwollende, ein- 
stimmende Zeitgenossen zu sehen, die auf dem Wege sich 
und andere zu bilden, unaufhaltsam fortschreiten,«' schreibt 
Goethe in den Annalen 1817. Von den also Gerühmten 
sind nur der erste und letzte als nahe Bekannte Goethes uns 
vertraut. Der berühmte Arzt Hufeland, Schwager des Ministers 
Voigt und schon dadurch, mehr noch durch seine frühere 
Thätigkeit mit Weimar eng liiert und Varnhagen von Ense, 
der als Goethes Freund und Verehrer viel genannt und 
allgemein bekannt ist. Langermann hingegen ist in der 
Goethe-Literatur so gut wie ein Fremder: in den Werken 
kommt er mit Ausnahme der oben angeführten Stelle nicht 
vor, in den Gesprächen wird er nicht erwähnt. Briefe Goethes 
an ihn oder von ihm an Goethe sind bisher nicht gedruckt; 
im Goethe- Jahrbuch wird er ein einziges Mal genannt XXII, 1 16 
im Bericht von Lili Parthey, einer Berlinerin. Aber auch 
in den wichtigeren Briefwechseln Goethes findet man von ihm 
selten eine Erwähnung.* 



" Zur Ergänzung die Notizen im Tagebuch: Hufeland 6. und 
13. Oct., Varnhagen 19. Nov. (v^l. G.-J. XIV, 129), Langermann 15.0«. 
»Kam gegen i Uhr Staatsrath Langermann, erzählte von seiner Reise 
nach Niedersachsen, Helgoland, Holstein. Gegen 4 Uhr ging er ab.« 

* Hier kommen natürlicherweise nur diejenigen Briefwechsel in 
Betracht, von denen es zum Glück ja eine ganze Anzahl giebt, die ein 
Register besitzen. 



AIlSCELLEN, 257 

Von seinem Gesang und seinen Mittheilungen über Berliner 
Wesen berichtet Knebel in seinem Briefe an Goethe 27. October 
181 7. Zwei kurze Erwähnungen in der naturwissenschaft- 
lichen Korrespondenz I, 9, II, 329 sind unbedeutend und be- 
weisen nur, daß der Genannte zu dem Goethekreise zu rechnen 
ist. Ausführlicher ist der Zelter'sche Briefwechsel, von dem 
gleich eingehend zu handeln ist.' 

Johann Gottfried Langermann ist geboren am 5. August 
176S und gestorben in Berlin am 5. September 1832. Er 
studirte zuerst Jura, ward Hauslehrer und wandte sich später 
der Medizin zu. 1797 kam er als Arzt nach Bayreuth. Ein 
specielles Interesse zog ihn zu der Irrenheillehre. Er erwarb 
sich um diese große Verdienste und wurde auf Grund der 
letzteren, nachdem Bayreuth bairisch geworden war, 1810 
nach Preußen gezogen und zwar nach Berlin als Staatsrath 
ins Ministerium des Innern berufen. 181 7 erhielt er die Re- 
organisation der Thierarzneischule anvertraut, zuletzt wurde 
er Chef des ganzen preußischen Medicinalwesens. Wie in 
seinen wissenschaftlichen Arbeiten, so wendete er auch in 
dieser Stellung der Organisation des Irrenwesens seine haupt- 
sächliche Aufmerksamkeit zu und hatte die Freude, zwei An- 
stalten nach dem neuen System im Gegensatz zum Stil der 
alten Narren- und Tollhäuser erstehen zu sehen. Er schwankte 
zeitlebens zwischen der wissenschaftlichen und Beamtenlauf- 
bahn. Je länger er lebte, um so größere Unlust empfand er 
an seiner Beamtenthätigkeit. Sein Wunsch sich zurtlckzu- 
ziehen, in Pretsch eine Irrenanstalt zu begründen, scheiterte ; 
die Thierarzneischule war wider sein Erwarten zurückge- 
blieben; das ganze Medicinalwesen durch Rust zum Sinken 
gebracht und so die Hoffnung seines Lebens vernichtet. Langer- 
mann begnügte sich nicht als Beamter, blos den Dingen zu 
leben, sondern wandte sich auch den Menschen zu. Er suchte 
manchen Einzelnen zu fördern. »Wo er irgend ein wissen- 
schaftliches Bestreben bei einem jungen Manne sah,« hat 
einer gesagt, der in dem hohen Staatsbeamten zuerst seinen 
Feind sah, später aber seinen eifrigsten Gönner erkennen 
lernte, »da sah er sich verpflichtet, ihn nach Kräften zu 
unterstützen und zu ermuntern.« Er war ein sehr freisinniger 
Mann, ein Gegner des Magnetismus. Er liebte es, einen 
frohen Kreis um sich zu sehen oder in einem solchen zu er- 



' Für das Folgende ist benutzt: Bandorf in der Allg. Deutschen 
Biographie, Bd. 17, S. 822 fg., ferner G., wahrscheinlich Gurlt in Hirsch's 
biographischem Lexicon der hervorragenden Aerzte 1886, Bd. III, S. 605 S. 
Sodann Lorinser: Eine Selbstbiographie, vollendet und herausgegeben 
von seinem Sohne Franz Lorinser, 2 Bände, Regensburg 1864. — Der 
Goethe-Zeltersche Briefwechsel ist nach den Daten citirt. Schulz, Die 
thierärztliche Hochschule in Berlin, 1890 bietet wenig Neues. 

Goethe-Jahrbuch XXIV. I7 



25 B MiSCELLEX. 

scheinen. Außer Zelter, der die ausführlichsten Berichte 
über ihn erstattet hat, verkehrten Schinkel und Wolf bei ihm 
in besonderer Intimität. 

Daß ein Mann von solcher Bedeutung, der zugleich in 
so intimem Verhältniß zu Goethes Freunden stand, auch dem 
Meister nicht unbeachtet bleiben konnte, läßt sich denken. 
Es ist freilich höchst unwahrscheinlich, daß er, wie das 
biographische Lexicon der Aerzte zu berichten weiß, schon 
als Student und Mitarbeiter der Jenaischen Litteraturzeitung 
sich enger an Goethe und Schiller angeschlossen habe ; 
wenigstens wird weder in der Schillerschen Korrespondenz 
noch in Goethes Briefen bis 1805, nicht einmal in dem Brief- 
wechsel mit Eichstädt sein Name genannt. 

Die Verbindung scheint vielmehr erst ziemlich spät ein- 
getreten zu sein. Das erste Zeugniß dafür ist die folgende 
Aeußerung Zelters vom Q.September 181 2: »Wie beneide ich 
Langermann und so viele Andere, welche Sie diesen Sommer 
genießen können.« Für dieses Zusammentreffen ist nun das 
Goethesche Tagebuch die ergiebigste Quelle. (Vergl. Goethes 
Tagebücher W. A. Bd. 4 Einzeichnungen vom 2 . August, 15 — 17, 
21. August bis 4. September täglich, manchmal mehrere Male.) 
Es ist, wie die Reisetagebücher überhaupt, etwas ausführlicher, 
berichtet aber gerade über unseren Berliner weit eingehender, 
als über die meisten anderen Besucher und Unterredungen. 
Goethe sprach mit ihm »über Berliner Universitäts-, Finanz- 
und Societätsverhältnisse, über Staatsrath Schultz, über ver- 
schiedene Preußische und Berliner Verhältnisse, über die 
Möglichkeit, praktische Schulen einzurichten, wo die allzuweit 
ausgedehnte Theorie und das zu sehr ins Detail gehende 
Wissen abgelehnt und in jedem Fache Künstler gebildet 
würden.« 

Die Unterredung drehte sich ferner um Musik, wobei 
durch den Genannten Zelter'sche Lieder vorgetragen wurden, 
aber ebenso wurden »Gegenstände der medizinischen Praxis, 
Tollhäuser, Bordelle, Berliner Vergiftungsgeschichte, Misch- 
Masch der verschiedenen Stände, Religion und Sitten und 
die Berliner Verhältnisse der Juden« berührt. Desgleichen 
wurde über die Materie der Karlsbader Quellen gesprochen, 
»inwiefern sie sich in der Nähe befänden oder ob man sie 
auf Wernerische Weise in der Ferne zu suchen habe;« über 
das Berliner Theater, ȟber chirurgische Schulen auf Technik 
und Praktik eingerichtet und die Schwierigkeit, in allen 
Fächern concentrirte Lehrbücher zu erhalten, über die An- 
stalten gegen die Viehseuchen, über das Contagium, welches 
die von Osten kommenden Rindviehheerden mit sich bringen.« 
Außer diesen so vielfachen practischen und wissenschaftlichen 
Angelegenheiten, die mehr der Competenz des neuen Freundes 



MiSCELLEM. 259 

unterlagen, bildeten auch zweiHerzensangelegenheitenGoethes, 
Fragen der bildenden Kunst und der Metamorphose der 
Pflanzen Gegenstände der Unterhaltung. 

Bei dieser ungeheuren Vielseitigkeit der Gespräche war 
es natürlich, daß Goethe von dem Berliner einen guten Ein- 
druck bekam; er bezeugte es in dem Briefe an Zelter 2. Sept. 
181 2. Von nun an gehört daher der Berliner Staatsrath, der 
schon frtiher in den Briefen Zelters (1809 fg.) als derjenige 
angedeutet wurde, der ihm gegen sehr schöne Vergeltung 
seine Exemplare Goethe'scher Werke ausführte, zu den Mit- 
gliedern der Goethe-Gemeinde. Er wurde dem Musiker um so 
vertrauter, als er seit 18 18 ganz in seiner Nähe wohnte. Er 
las viel mit ihm : Goethe'sche Gedichte und klärte ihn über 
Manches auf. (23. Febr. 181 4.) Von seinen Krankheiten 
wird berichtet, 7. April 1818, selbst von seiner unförmlichen 
Dicke, die derart war, daß er beinahe aller Bewegung ab- 
sagen müsse. (23. Juni 1825). Da er beiden, Zelter und 
Goethe ergeben war, so sandte er 1825 des ersteren Büste 
nach Weimar und bemühte sich mit den anderen Berliner 
Getreuen einen Arzt nach Weimar zu schicken (1826). 

Aber nicht blos durch Zelter wird eine gewisse Intimität 
Langermanns mit Goethe bezeugt: Als August von Goethe 
von des Vaters Krankheit berichtete — 26. Februar 1823 — 
wird Langermann ausdrücklich unter den theilnehmenden 
Freunden genannt; er empfängt von August und den Seinen 
besondere Grüße, 16. März 1823, auch von Goethe selbst 
wird er vorher und nachher gelegentlich erwähnt, meist mit 
einem guten Beiwort wie »theuer« oder ähnlichen geschmückt. 

Bei einer solchen Schätzung Langermanns von Seiten 
Goethes ist eine briefliche Verbindung beider höchstwahr- 
scheinlich, obgleich von einer solchen bisher keine Probe 
bekannt ist.' 

»Wie mir Langermann sagt, hast Du Besuch von hier 
aus gehabt«, diese Worte Zelters 1820 brauchen nicht un- 
bedingt auf eine directe Verbindung zu gehen. Langermann 
konnte einen solchen Plan auch von Berliner Bekannten ge- 
hört haben. Indessen ein ganz deutliches Zeugniß einer 
Correspondenz gibt Goethe, indem er schreibt 30. October 1824 
»eine Sendung an Langermann hat er wohl mitgetheilt«. 
Daß dieser Brief wichtig war, ergibt sich nicht nur aus den 
eben angegebenen Worten, sondern auch aus einer Stelle 
des Tagebuches i6. October 1824: »Herrn Geheimen Staats- 
rath Langermann wie aus dem Concept ersichtlich nach Berlin«; 



' In Biedermanns Goethe-Forschungen I, 359 wird er bereirs 
unter denjenigen Adressaten Goethes genannt, die sich nur aus Druck- 
schriften nachweisen lassen. 

17* 



260 MlSCELLEX. 

denn so oft abgesandte Briefe im Tagebuch erwähnt werden, 
so sind Zusätze, wie der durch Kursivdruck hervorgehobene, 
überaus selten. 

Auf diesen Brief bezieht sich nun aber die folgende 
merkwürdige Notiz, die Lorinser in seiner oben angeführten 
Selbstbiographie gegeben hat. Er schreibt: (I, i8i) »Ich er- 
schrak beinahe, als Langermann in einer anderen vertraulichen 
Stunde, von religiösen Ueberzeugungen sprechend, rnir beim 
AVeggehen einen unlängst angelangten Brief von Goethe mit- 
gab, damit ich daraus die geheimste Weisheit des großen 
Mannes kennen lerne. Dieser Brief, der niemals gedruckt 
worden ist, könnte alle diejenigen enttäuschen, die verblendet 
genug sind, in Goethe noch einen Fond von positivem 
Christentum oder aber ein vorherrschend katholisches Element 
zu vermuten. Ich habe davon keine Abschrift genommen 
und weiß von dem Hauptinhalt nur soviel: »daß es mit der 
Bibel nichts ist,« auf welche noch Langermann etwas geben 
wollte.« 

Daß Langermann zu antworten gedachte, meldet Zelter 
am 13. Juni 1825. Vielleicht ist diese Antwort diejenige, 
von der Goethe am 20. September 1825 dem Getreuen be- 
richtet. Nur müßte man freilich annehmen, daß die Antwort 
etwa I Jahr später ist, als die Ansprache. Diese für das 
Verhältniß beider Männer außerordentlich wichtige Stelle 
lautet: 20. September 1825: »Unserem treuen Langermann 
danke allerschönstens für sein wichtiges Blättchen; er soll 
doch ja einmal wieder einige Stunden an mich wenden. Sein 
gerader Sinn in dieser Vollkommenheit des Um- und Durch- 
schauens ist nicht genug zu bewundern.« 

Nun muß die Verbindung gestockt haben, denn Zelter 
schreibt am 13. September 1827: »Langermann hast Du wohl 
vergessen.« Es ist denkbar, daß sie dann wieder aufgenommen 
wurde, denn am 2. Juli 1829 wünscht Goethe zu wissen, wann 
Langermann die neuen Wanderjahre gelesen, und fährt fort: 

»Ich schreibe ihm sogleich, er wird leicht rathen aus 
welchem Anlaß.«' Ein Zettelchen, das freilich im Goethe- 
Zelterschen Briefwechsel nicht mit abgedruckt ist, lag seinem 
Brief vom 7. Januar 1830 bei. 

Von allen hier angedeuteten Schriftstücken vermag ich 
leider keines vorzulegen. Dagegen bin ich durch das freund- 
liche Entgegenkommen der Dirertion des Goethe- und Schiller- 
Archivs in den Stand gesetzt, das folgende, einzig erhaltene 
Schreiben Langermanns, gerichtet an August v. Goethe bei 
dessen Berliner Aufenthalt mitzutheilen. Es lautet: 



' Sollten sich diese Worte etwa auf die medicinischen Stellen der 
»Wanderjahre« II. Buch 11. Cap., III. Buch, 3. Cap. beziehen? 



MiSCELLEN. 261 

Die beyden anl. Blätter enthalten einige Notizen über 
Casp. Friedr, Wolf aus der Erinnerung unsres würdigen alten 
Mursinna, dessen Handschrift im 2^ Blatte zugleich ein Beytrag 
zu den Autographis seyn wird. 

Unser Zelter — auch ein rares Berliner Frücht'chen — 
sollte beydes an unsern Hochverehrten in Weimar senden. 
Jetzt erkenne ichs dankbar, daß Sie die Güte haben wollen, 
es zu überbringen. Sagen Sie Ihrem Herrn Vater dabey auch 
ein Wörtchen von der großen liebevollen Verehrung, die ich 
für ihn im Herzen trage — und von dem Danke dafür, daß 
er uns vergönnt hat, wenigstens seinen geliebten Kindern zu 
sagen, wie theuer er uns ist, bis uns vergönnt seyn wird, es 
ihm selbst zu beweisen. Beym Herannahen der Stunde die 
uns trennen soll halte ich fest an der Hoffnung, daß wir uns 
bald wiedersehen werden. Hochachtungsvoll 
Berlin, den i. July 1819 Ihr 

Langermann. 
Ludwig Geiger. 



ig. Zu Goethes Gesprächen. 
Weder in den 23 Bänden des Goethejahrbuches noch in 
Biedermanns Werk »Goethe-Gespräche« ist der Name Joh. 
Nep. v. Ringseis zu finden. Von den Beziehungen dieses 
hervorragenden Arztes zu dem Altmeister weiß die Goethe- 
Literatur so gut wie nichts zu melden und doch bestand 
eine solche nicht nur, sondern das sehr merkwürdige Zeugniß 
dafür ist bereits seit 27 Jahren in einer Zeitschrift und seit 
17 Jahren in einem Buche gedruckt.* An der angegebenen 
Stelle schildert Ringseis seine im April 1814 von Berlin aus 
nach Thüringen unternommene Wanderung. Sie ging über 
Halle, Jena nach Weimar. Bei der Schilderung seines dortigen 
Aufenthalts weiß er nur von Goethe zu berichten. Sein Be- 
richt lautet so: »Clemens Brentano hatte mich durch einen 
Brief an Goethe empfohlen [dieser Einführungsbrief vom 
II. März 1814 steht in den Schriften der Goethe-Gesellschaft 
Band XIV S. 82], ich gab das Schreiben ab. Er ließ im 
Gasthaus fragen, wie lange ich bliebe und beschied mich für 
den folgenden Tag. Im Vorzimmer fand ich Danneckers 
kürzlich eingetroffene Schillerbüste, dann ward ich in das 
jeden Schmuckes, auch des künstlerischen entbehrende Zimmer 
geführt, wo der in Erscheinung und Wesen imponirende 
Dichter mich sehr freundlich empfing. Das etwa einstündige 

' Lebenserinnerungen an Joh. Nep. v. Ringseis, herausgegeben 
von Emilie v. Ringseis. Der erste Druck erfolgte in den Hist. pol. BlI. 
München 1875, Ba. 76, S. 597. Er entspricht durchaus dem späteren 
in den ^Erinnerungen«, Regensburg 1886, Bd. I, 209 ff. 



262 MiSCELLEN'. 

Gespräch spann sich im gemeinsamen Auf- und Niedergehen 
ab. Eine der ersten Fragen Goethes war: »Was macht mein 
Freund Clemens?« «Er befindet sich in Gemütsaufregung.« 
»Wie das ?« »Er beginnt an seinem Unglauben irre zu werden, 
er nähert sich wieder dem Christentum.« Ein unmutiges 
Zurückwerfen des Hauptes und ein halb unterdrückter Laut 
der Ungeduld entfuhren dem Dichter ; galten diese Zeichen 
der Umkehr Brentanos an und für sich, oder entsprangen sie 
dem Zweifel an dem Meinungsernst in des ruhelosen Freundes 
Gemüth, das muß ich dahin gestellt sein lassen. Nachdem 
wir von anderen Berliner Freunden gesprochen, gerieth die 
Rede auf die in München lebenden Schelling und Baader und 
er äußerte über letzteren : »Ich fühle, daß an dem Mann 
Bedeutendes ist, aber ich verstehe ihn nicht.« Von Görres 
und Arndt aber meinte er: »Diese Männer haben die Kluft 
zwischen dem nördlichen und südlichen Deutschland noch er- 
weitert.« Man wird sich erinnern, daß Görres damals den 
Rheinischen Merkur herausgab und in der vorangegangenen 
Napoleonischen Epoche die bairische Regierung und ihren 
selbstsüchtigen, einseitigen Partikularismus befehdet hatte; 
über Arndt habe ich selber mich weiter oben ausgesprochen, 
— Seit dieser Begegnung blieb ich mit Goethe in mineralo- 
gischem Verkehr und Tauschgeschäft. Als in späteren Jahren 
Kanzler Müller aus Weimar einst mich und meine Frau be- 
suchte, fragte er diese: »Was haben Sie zu Goethes aller- 
liebstem Distichon gesagt ?« Sie wußte nicht, was er meine. 
»Nun Ringseis hat doch bei meiner letzten Abfahrt von hier 
mir in einer Schachtel, die Sie herbeigebracht, ein Mineral 
für Goethe mitgegeben; es stand noch auf dem Deckel: So 
und soviel Pfund Bamberger Pfläumchen, das Pfund zu so und 
soviel Kreuzer. Diese Schachtel hat Goethe benutzt, um 
Ringseis ein anderes Mineral als Gegengeschenk zu senden 
und besagten Worten ein reizendes Distichon hinzugesetzt.« 
Meine Frau, wohl derUebersendung aber keines Rückempfanges 
bewußt, lief und durchstöberte Wohnung und Dachboden ; 
aber ich hatte im mineralogischen Eifer, so scheint es, den 
klassischen Deckel verworfen. Goethe, durch Müller von ihrem 
Leidwesen unterrichtet, sandte ihr zur Entschädigung ein 
Exemplar von Hermann und Dorothea mit artiger Widmung, 
doch meinte sie, das verlorene Gelegenheitsverschen hätte 
noch größeren Wert für sie gehabt.« 

Zu Baader macht Ringseis folgende lange Anmerkung: 
»In späterer Zeit kam in München ein Fräulein von R., 
weimarische Hofdame, für welche Goethe sich warm interessirte, 
in meine ärztliche Behandlung. Sie zeigte mir ein Album 
mit Handzeichnungen von Goethe und erlaubte mir sogar, 
es länger in meinem Hause zu behalten, wo u. A. Cornelius 



MlSCELLEN'. 263 

und Franz von Baader es durchstöberten. Ersterer lächelte: 
»So verstehen wir auch zu dichten.« Letzterer entrüstete 
sich über ein Blatt, auf welchem Gänse am Fuße eines 
Kreuzes weideten. Glimpflich ausgelegt, möchte man dies 
etwa auf bestimmte Persönlichkeiten deuten; Baader faßte 
es aber als Hohn auf und äußerte in einer Brochüre, für den 
Gänseverstand sei das Kreuz allerdings etwas Unbegreifliches. 
Als ich bei einem späteren Aufenthalt des Fräulein von R. 
in München sie bat, das Album nochmals besichtigen zu 
dürfen, fand ich das in Rede stehende Blatt nicht mehr vor, 
vielleicht hatte Goethe selber diese Entfernung veranstaltet.« 

Diese Erinnerungen, die Geschehnisse aus dem Jahre 1815, 
den 20 er und 30er Jahren zusammenfassen, sind freilich nicht 
zu der Zeit, in welcher diese Ereignisse sich vollzogen, nieder- 
geschrieben. Die Herausgeberin erzählt in der Vorrede ihres 
Buches, daß sie und ihre Geschwister die Erzählungen dem 
Vater abgelauscht, sie niedergeschrieben und ihm vorgelesen 
hätten, wobei manches von ihm berichtigt worden sei. Nimmt 
man an, daß diese Niederschrift in den 60er Jahren erfolgte, 
so liegt freilich eine Zeit von 30 — 50 Jahren zwischen Er- 
lebniß und Aufzeichnung. Doch wird man im allgemeinen 
die Mittheilungen für authentisch halten dürfen. 

Daß in der That eine Art von Briefwechsel zwischen 
Goethe und dem Ringseis'schen Ehepaar bestand, findet man 
durch folgendes Zeugniß bestätigt : In Kanzler Müllers Unter- 
haltungen II. Aufl. Seite 167, 9. Januar 1S25 heißt es: »artiger 
Brief der Frau von Ringseis wegen der Medusa Rondanini« 
und im Tagebuch i. Januar 1828 wird ein Brief Goethes an 
Frau jNIedizinalrath Ringseis notirt. Freilich wird weder in 
den naturwissenschaftlichen Schriften Goethes noch in der 
naturwissenschaftlichen Correspondenz der Name des besonders 
als Arzt hervorragenden Mannes genannt. Auch das kleine 
Gedicht und die Zeichnung, von der die Rede ist, sind nicht 
weiter bekannt. 

Ein ganz bestimmtes Datum für seinen Aufenthalt in Weimar 
giebt Ringseis nicht an: er erzählt nur, er habe »im April« 
die Heimreise von Berlin aus angetreten, meist zu Fuß, und 
sich in Halle, Naumburg, Jena, an letzterem Orte zwei Tage 
aufgehalten, doch braucht das angegebene Datum, da die 
Mitteilungen aus späterer Erinnerung geschrieben sind, nicht 
ganz verläßlich zu sein. Da Friedmund v. Arnim am 9. Februar 
18 14 geboren, die Taufe, bei der Ringseis zugegen war, also 
wahrscheinlich wenig später ist, so könnte die Abreise schon im 
März stattgefunden haben; für diese VorrUckung des Termins 
würde auch der Empfehlungsbrief von Clemens sprechen, der 
wie schon erwähnt vom 11. März 1814 ist. 

Dafür, daß Goethe damals Görres las, besitzen wir ein 



264 MiSCELLEN. 

Zeugniß im Tagebuch 7, Mai 1814. »Reinecke Fuchs durch 
Görres veranlaßt;« Görres hatte im Rheinischen Merkur ein 
Motto aus Reinecke Fuchs gebracht. Sonstiges politisches 
Interesse gerade zu jener Zeit für eine Schrift vonSartorius über 
die Reichsverfassung ebenso wie für politische Brochüren 
vonMiltitz wird durch die Briefe bezeugt. (Band 24 S. 212 ff 2 17.) 
Wenn auch die Annalen Goethes sowohl in diesem Jahre 
wie überhaupt von Görres und Arndt schweigen, so muß 
Goethe damals für politische Schriften von Görres einiges 
Interesse gehabt, ja manches gelesen haben. Goethe er- 
widert nämlich auf Thibauts Entgegnung,' er habe in der 
Vertheidigung von Görres voriges Jahr, also 1814, Unrecht 
gehabt : »Ja, lehren Sie mich die Welt nicht kennen. Ich 
habe gleich, als der Enthusiasmus losging, den Fluch des 
Bischofs Arnulphos über alles deutsche politische Gerede aus- 
gesprochen und mir dadurch die Qual vom Halse gehalten. 
Wie sie mir nun davon anfingen, hub ich gleich an : ich ver- 
fluche Euch. Da wurden sie bald still und ließen mich un- 
geschoren.« 

Freilich was Ringseis Goethe über Görres und Arndt 
sagen läßt, stimmt nicht. Eine Befehdung des bairischen 
Partikularismus konnte eine Kluft zwischen dem Norden und 
Süden nicht hervorrufen. Mir scheint, daß Goethe bei dieser 
Stelle wohl daran dachte, daß das zu starke Wettern der 
beiden Genannten gegen Frankreich nur dem Norden diente, 
aber nicht, wie er voraussetzte, französische Sympathien des 
Südens verletzte. Durch solche Thätigkeit würde dann nach 
seiner Meinung eine Spaltung des kaum geeinten Vaterlandes 
hervorgerufen worden sein. 

Auch einzelnes Andere, was Ringseis berichtet, will nicht 
ganz stimmen. 

Die am Anfange stehende Notiz von der colossalen 
Schillerbüste, die damals eingetroffen sei, enthält die mannig- 
fachsten Irrthümer: eine solche Büste stand nie im Goethe- 
hause, sie war auch nicht 18 14 nach Weimar gekommen, 
sondern bald nachdem sie (1793) gefertigt worden war ; nach 
Schillers Tode hatte sie in der Weimarer Bibliothek einen 
Platz gefunden. 

Für Anderes läßt sich aus dem Goethe-Schiller-Archiv 
leider keine Bestätigung erlangen, wenn auch dadurch die 
Glaubwürdigkeit der Angaben durchaus nicht erschüttert wird. 
An dem genannten Ort hat sich weder Goethes Vers, noch 
ein von ihm an Ringseis gerichteter, noch ein von diesem 
nach Weimar geschriebener Brief erhalten. Auch die Familie 
Ringseis besitzt kaum ein Zeichen des schriftlichen Verkehrs ; 

' Für das Folgende vgl. Gespräche III, 240. 



MiSCELLEN. 265 

Frl. Bettina Ringseis, an die ich mich wandte, schreibt mir: 
»Das einzige Goetheandenken, das ich habe, ist ein Exemplar 
von Hermann und Dorothea mit der Zueignung Goethes an 
meine Mutter.« (Vgl. oben S. 262, Z. 10 v. u.) 

Dagegen läßt sich leicht beweisen, daß die von Ringseis 
erwähnte Goethesche Zeichnung existirte, die in München so 
großen Anstoß erregte. 

Riemer, worauf mich zuerst C. Ruland freundlich auf- 
merksam machte, erzählt in den Mittheilungen über Goethe 
I. 393 Folgendes: 

»Als wir eines Mittags in Zwote dem Dine entgegen- 
harrten und ich unterdessen am Fenster stehend mich in der 
Gegend umsah, gewahrte ich unter demselben gegenüber ein 
großes Crucifix, wie dergleichen in Böhmen und Schlesien 
an den Landstraßen und Feldern genug zu sehen sind, unter 
welchem eben einige Gänse weideten, andere ausruhten. 
Immer den Kopf voll von lateinischen und griechischen 
Vocabeln, rief ich auf einmal aus: Anseres Christicolae ! Goethe 
kam, sah, lächelte und wiederholte mit seinem gewöhnlichen 
asserirenden und gutheißenden Tone, wie ein Responsorium: 
Anseres Christicolae. Ein Geschäft, am Wagen etwas zu 
untersuchen, nöthigte mich hinauszugehen; bei meiner Rück- 
kunft fand ich ein hübsch componirtes Bildchen mit der 
Feder gezeichnet, eben jene andächtigen Gänschen, das mich 
nicht wenig überraschte und erfreute. Es wurde hierauf mit 
etwas Biester und Tusche angewaschen, und ist noch unter 
seinen Zeichnungen mit obiger Unterschrift Anseres Christicolae 
anzutreffen.« 

Aus den Tagebüchern (IV, 122, Z. 8) kann man das 
genaue Datum feststellen: »19, Mai 1810 bis Zwota. Daselbst 
zu Mittag gegessen. Anseres christicolae« und dazu die Be- 
stätigung der Nachricht durch Riemers Tagebuch (das. 381). 

Ueber die Hofdame Frl. v. R. habe ich nur eine, aber 
nicht ganz ungegründete Vermuthung: es könnte Frl. v. 
Reizenstein sein. Die Nachrichten über sie sind mühsam 
zusammenzubringen, Sie mag aus dem v. Reizensteinschen 
Hause in Weimar' stammen, dessen Herrin vielleicht Frau 
Sophie v. R. war, eine nicht unbekannte Dichterin.* Ob sie 
oder ihre Tochter (vgl. unten) Falks Freundin war,' bleibe 
dahingestellt; sie dürfte auch die Frau v. R. sein, in deren 
Hause Goethe verkehrt* (5. Febr. 181 2). 



' Charl. V. Schiller und ihre Freunde I, 616. 
^ Schillers Briefe ed. Jonas III, 325 fg., 423 fg., Goedeke, Grund- 
riß V, 310. 

3 Charl. v. Schiller I, 623, Anm. 

4 a. a. O. I, 619. Das Tgb. von dem genannten Datum meldet 
nichts, ist aber für jene Zeit außerordentlich kurz. 



266 MiSCELLEX. 

Ihre Tochter Tinette dürfte das obengenannte Fräulein von 
Reizenstein sein, von der ich freilich nicht nachweisen kann, 
ob sie Weimarische Hofdame war — auch Anfragen in Weimar 
ergaben nichts, zeigen doch aber, daß sie zu Goethe in 
Beziehungen stand. Sie wird es wohl gewesen sein, die bei 
dem Maskenzug vom 30. Jan. 1798 (12 oder i3jährig, oder 
1785 oder 86 geboren) eine der Genien darstellte.' Es dürfte 
dieselbe sein, die nach einem Bericht das Urbild der Luciane 
in den Wahlverwandtschaften war^ — sie zählte damals 1809 
höchstens 24 Jahre — und die dann 1812 mehrfach in der 
Nähe der Charlotte von Schiller auftrat, mit der sie auch 
einmal bei Goethe war, ^ dann aber verschwindet in den 
Goethequellen jede Spur von ihr;"* unter den so zahlreichen 
Damen, die bei dem Maskenzug von i8i8 mitwirkten, erscheint 
sie nicht, ^ dies Fehlen läßt darauf schließen, daß sie damals 
nicht in Weimar war. 

Es ist ganz wohl möglich, daß eine Weimarer Dame 
durch Familienbeziehungen nach München gelangte und sich 
dort bei einem bekannten Arzte in eine Kur begab, und nach 
den beigebrachten Notizen nicht ausgeschlossen, daß sie im 
Besitz eines Albums mit Goetheschen Zeichnungen war. 
Vielleicht helfen diese Zeilen, jenem Album oder wenigstens 
der Zeichnung: Gänse am Kreuz, anseres christicolae, auf 
die Spur zu kommen. Ludwig Geiger. 



20. Meyer von Lindau. 
Goethes Tischgenosse in Straßburg. 

Von allen Theilnehmern an der Lauthschen Tafelrunde 
ist keine Gestalt Goethe mehr gegenwärtig geblieben und 
keine hat er uns in ihrer Erscheinung wie ihrem Wesen so 
anschaulich geschildert wie den Mediciner Meyer von Lindau. 

Nicht als ob ihm dieser besonders nahe gestanden wäre: 
aber ihn interessirte offenbar psychologisch die Mischung von 
Widersprüchen, die in jenem vereinigt waren; er gibt uns 
eine so ausführliche Analyse aller widerstreitenden Elemente, 
der Licht- und Schattenseiten seines Charakters, daß auch 
unser Interesse für den übermüthigen Studenten erregt wird 
und wir zu hören verlangen, was das Leben aus diesen An- 



' G.-J. IV, 3 55; 

^ Gespräche IX, 112. 

3 Gespräche III, 3 7 fg. aus dem A. i angezogenen Werke. 

♦ Die bei R. M. Werner, Goethe und Gräfin O'Donnel S. 197 
genannte Oberhofmeisterin Baronin Reizenstein vom k. sächs. Hofe ist 
natürlich nicht mit ihr zu verwechseln. 

5 Werke, W. A. 16, 482 ft". 



MiSCELLEN. 267 

lagen gemacht hat. Für die Zeit bis zu seiner Uebersiedelung 
nach England ist dieser Wunsch namentlich durch Froitzheims 
Forschungen erfüllt ; von da an verlor sich bisher seine Spur 
im Dunkel. Und doch zeigt eben sein Mannesalter, daß die 
Reifezeit die lichten Seiten seines Lebens entfaltete und daß 
aus dem gährenden Most der Straßburger Zeit sich klarer 
Wein entwickelte. Dann wird die Kenntniß jener Zeit die 
beste Vertheidigung seines Andenkens sein Denjenigen gegen- 
über, die aus Goethes Worten allzusehr nur den Tadel heraus- 
hören, zugleich aber auch gegen ein etymologisches Mißverständ- 
niß, unter welchem sein Bild am meisten gelitten hat. Goethe 
tadelt nämlich an ihm seine «unbändige Liederlichkeit« — 
ein verhängnißvoUer Ausdruck ! Nach dem jetzt noch lebendigen 
Sprachgebrauch enthält das Wort keinen moralischen Vorwurf, 
sondern rügt nur sein bequemes, um Aeußerlichkeiten sich zu 
wenig kümmerndes Wesen — Dinge, die dem Schüler des 
exacten Salzmann doppelt anstößig erscheinen mochten. Es ist 
das Gleiche, was Goethe vorher mit den Worten »Schlottrig- 
keit in seinem ganzen Wesen« bezeichnet — oder in der Be- 
merkung rügt, daß Meyer »lieber auf gut Deutsch schlenderte, 
als daß er sich auf gut Französisch hätte zusammennehmen 
sollen«. Da aber jenes Wort durch die veränderte Schreib- 
weise »lüderlich« allmählich ausschließlich eine moralisch 
tadelnde Bedeutung annahm, wurde in diesem Wandel Goethes 
Bemerkung zu einem Makel an Meyers Andenken und wo 
im Straßburger Kreis ein Sündenbock nöthig war, wurde er 
in dem »lüderlichen« Studenten leicht gefunden. Die Wissen- 
schaft hat den heiligen Crispinus, den ein ähnliches sprach- 
liches Mißverständniß zu einem Dieb gemacht hat, von diesem 
Vorwurf befreit — so soll auch am Bilde von Goethes 
Genossen dieser unverdiente Flecken nicht haften bleiben. 
Die Geschichte seines an Streben und Erfolgen reichen späteren 
Lebens wird auch den Jüngling am besten vertheidigen. 

Meyer ist in Lindau am Bodensee am 28. December 1749 
geboren. Der Eintrag im Taufbuch lautet: Eltern: Herr 
David Meyer von Gottlieb (Gottlieben am Untersee) Frau 
Judika geb. Schielinin. Name: Johannes. Pathen: Herr 
Johann Schielin vom Hof, Senator. Frau Elisabeth Schielinin, 
geb. Juntin. Froitzheim gibt den 25. Februar 1743, unter 
welchem im Taufbuch auch ein Johannes Meyer verzeichnet 
ist, als Datum der Geburt an, und da in der Matrikel der 
philosophischen Facultät der Universität Straßburg am 
20. October 1764 die Aufnahme eines Johannes Meyer 
Lindaviensis eingetragen ist, scheint dieses Datum das richtige. 
Aber der Necrolog gibt den 27. December 1749 an — so 
müssen wir annehmen, daß er sehr jung die philosophischen 
Studien begann, oder daß der Eingetragene der 1743 geborene 



268 MiSCELLEN. 

Meyer ist, der dann in der Schaar seiner Namensgenossen 
für die Nachwelt verschwand. Das gesicherte Datum seiner 
Promotion 1771 stimmt gut zum Geburtsjahr 1749. Da der 
Vater Principal der großen Bankfirma Meyer & Hey zu Wien 
war, verlegte er wohl bald seinen Wohnsitz in die größere 
Stadt und so kommt es, daß Meyer als Student bald als 
Lindauer, bald als Wiener bezeichnet wird. 

Am 2. October 1770 wird er in die Mediciner-Matrikel 
in Straßburg eingetragen, er hatte jedoch schon früher unter 
Lobstein dort studirt und kam jetzt zurück, um Licentiat der 
Medicin zu werden. Am 12. März 1771 erlangt er durch 
eine Disputation de Fistula ani diese Würde — am 
26. September 177 1 wird er »absens« zum Doctor promovirt. ' 

Bei seinem leidenschaftlichen Interesse für Literatur und 
die schönen Künste überhaupt lag es nahe, daß er sich dem 
Salzmannschen Kreise anschloß; und damit beginnt die Zeit 
seines Lebens, die uns am meisten von Interesse ist. Aus 
Goethes Schilderung im 9. Buch des II. Theils von Dichtung 
und Wahrheit sehen wir, daß er ein muthwilliger, aber tief- 
gutmüthiger Geselle war, eine der Naturen, über die man 
sich wohl bisweilen ärgern, denen man aber nicht böse sein 
kann. Seiner Gestalt und seinem Gesicht nach hätte man 
ihn ohne das »Schlottrige seines ganzen Wesens« für den 
schönsten Menschen halten können; sein offenes, frohes Ge- 
sicht, ein allerliebster Mund, reichentwickelte Werkzeuge der 
Sinne und zusammengewachsene Augenbrauen verleihen seiner 
Erscheinung einen eigenthümlichen, gewinnenden Ausdruck. 
Seine Aufrichtigkeit und Gutmüthigkeit, Ausfluß seines »köst- 
lichen« Gemüthes, gewannen ihm die Liebe aller Menschen. 
Daneben ist der Tadel, daß »unglaublicher Leichtsinn« und 
»unbändige Liederlichkeit« seine herrlichen Naturgaben ver- 
unstaltet hätten, sicher nicht tragisch zu nehmen. Daß Salz- 
mann einen »lüderlichen« Burschen nicht in seinen Kreis 
aufgenommen hätte, ist wohl klar; noch mehr aber ent- 
kräftet der bei aller Ehrerbietung vertraute Ton der Briefe 
Meyers an den geliebten Actuarius den Verdacht, daß er 
ein moralisch minderwerthiges Glied jenes Kreises gewesen 
sei. Ja an einer Stelle gebraucht Meyer selbst das ominöse 
Wort, offenbar auf den Vorwurf scherzend anspielend, den 
er in dieser Form wohl oft hatte hören müssen. Er schreibt 
nämlich in seinem Brief an Salzmann von Wien aus: »Wollen 
Sie meine Lebensart wissen? Wie kann sie anders sein als 
liederlich?« und meint damit offenbar, daß er seine Zeit 
zwischen Arbeit und der geliebten Musik etwas unregelmäßig 
vertheilte. 



' Froitzheim: Goethe und H. L. Wagner, pag. 40. 



MiSCELLEN. 269 

Wäre ein moralischer Vorwurf in dem Worte enthalten, 
hätte er sicher seinem verehrten Mentor gegenüber es nicht 
lachenden Mundes zu wiederholen gewagt. Da wir wissen, 
wie peinlich der Actuarius auf sein Aeußeres hielt, sodaß 
»den Hut aufzusetzen bei ihm eine außerordentliche Hand- 
lung war« und wie er auch Goethe, der doch seit Leipzig 
des Guten hierin fast zu viel that, noch in dieser Neigung 
bestärkte, können wir uns leicht denken, wie oft der unver- 
besserlich formlose Meyer dies Wort der Rüge zu hören 
bekam — aber es betraf die Schale, nicht den Kern ! 

Jung-Stilling erwähnt in seiner Schilderung des Salz- 
mannschen Kreises Meyer nicht mit Namen, doch ist die 
Vermuthung Gödekes, daß er unter dem Wiener Mediciner 
Waldberg gemeint sei, so ansprechend, daß sie für sicher 
gelten kann. Jung wollte die Scene, wo er wegen seiner 
altvaterischen Tracht von jenem verspottet wird, nicht ver- 
schweigen, denn sie war bezeichnend für die Schwierigkeit 
seines Eintritts in jenen Kreis und höchst ehrend für seinen 
Freund Goethe, der sich seiner so energisch annahm; ander- 
seits aber wollte er nicht das Andenken Meyers, den er sicher 
trotz all seines Uebermuthes auch gern hatte, im Kreise derer, 
die ihn sonst nicht kannten, durch diese Episode in ein un- 
günstiges Licht setzen. So wählte er einen Phantasienamen, 
der aber durch die Beifügung »ein Wiener Mediciner« den 
Freunden leicht verständlich war. Es hätte aber auch nichts 
Auffallendes, wäre er gar nicht erwähnt. 

Ganz anderer Art ist die Unterdrückung des Namens 
bei einem anderen Glied der Gesellschaft. »Noch einer fand 
sich ein, der sich neben Goethe hinsetzte ; von diesem will 
ich nicht mehr sagen, als daß er — ein guter Rabe mit 
Pfauenfedern war«. Erich Schmidt bezieht diese Worte auf 
Leopold Wagner und fand damit allgemeinen Beifall. Goethe 
machte diesem den Vorwurf, für seine Kindsmörderin Motive 
verwendet zu haben, die er ihm aus seinem geplanten Faust 
mitgetheilt hatte. Jung war natürlich auf Goethes Seite. 
Die Verschweigung des Namens hat nur dann Sinn, wenn 
er von den Lesern errathen werden konnte: denn der 
Schleier der schonenden Anonymität besteht ja meist darin, 
daß man den Namen nicht nennt, den Ungenannten aber so 
genau bezeichnet, daß der neugierig gemachte Leser ihn mit 
Leichtigkeit erkennt. All dies paßt vortrefflich und un- 
gezwungen auf Wagner. Dessen Kindsmörderin erschien 
1776, Jung-Stillings Wanderschaft 177S; Goethe machte gewiß 
aus seinem Unmuth über das vermeintliche Plagiat kein Hehl 
und Stilling wußte sicher um denselben. So paßt der Ver- 
gleich mit dem Raben, wie auch die ausweichende Art der 
Erwähnung gut auf Wagner, während ein Nichterwähnen 



270 MiSCELLEN. 

desselben auffallend wäre. Da indessen Wagners Zugehörigkeit 
zu jener Tafelrunde nicht erwiesen ist, steht Jedem sein Urtheil 
frei und für uns wäre die Frage völlig gleichgültig, hätte sie 
nicht Froitzheim veranlaßt, Meyers Andenken in ungerechter 
Weise anzugreifen. In seinem, für die Detailforschung über 
jenen Kreis sonst sehr verdienstlichen Buch : Goethe und 
H. L. Wagner — sucht er diesen vom Vorwurf des Plagiates 
zu reinigen; dabei ist ihm sehr unerwünscht, daß Stillings 
angeführte Worte, auf Wagner bezogen, beweisen würden, 
daß die Straßburger Genossen Goethes Vorwurf für begründet 
hielten. So muß denn Meyer herhalten. Die Argumentation 
ist folgende : Da er sich mit der Gelehrsamkeit der Professoren 
»brüstet«, paßt der Vergleich mit der Krähe auf ihn. Jung- 
Stillings Ausdruck »ich will nicht mehr sagen«, beweist, daß 
er noch einen schlimmeren Vorwurf auf dem Herzen hatte, 
was auf "\^'agner sicher nicht passe. Die Bemerkung, daß 
Lerse die Gabe besaß, in Gegenwart des Lasters die treffendste 
Satyre hinzuwerfen, geht auf Meyer, dessen Liederlichkeit 
Stilling mit dem Mantel christlicher Nachsicht bedeckt. Die 
oben angeführte Stelle aus dem Brief an Salzmann: »wollen 
Sie meine Lebensart wissen?« wird hier als Ausfluß seines 
Cynismus hingestellt. 

Hätte Stilling diese Ansicht von Meyer gehabt, hätte er 
ihn sicher nicht als »guten« Raben bezeichnet. Aber es ist 
überhaupt unmöglich, das Bild auf ihn anzuwenden. Denn 
der übermüthige Student, der sein unglaubliches Gedächtniß 
dazu benützt, die Vorträge seiner Professoren in buntscheckiger 
Abwechslung in komischen Monologen und Dialogen bei der 
Mittagstafel zur Unterhaltung der Genossen nachzuäffen, 
»brüstete« sich nicht mit der Gelehrsamkeit von jenen und 
gleicht dann auch nicht der Krähe mit den fremden Federn. 
Ebensowenig richtig ist aber auch die übrige Schilderung 
Meyers an dieser Stelle. 

Zwischen dem 12. März 1771, an dem er disputirte, 
und dem 17. Mai, an dem er aus Wien an Salzmann einen 
(leider verlorenen) Brief mit Grüßen an die Freunde, auch 
Goethe, schickt,' fällt sein Abschied von Straßburg. 

Für den Aufenthalt daselbst, wie für die Zeit bis zur 
Uebersiedelung nach London sind uns fast ausschließliche 
Quelle die 4 Briefe,* die uns aus seiner Correspondenz mit 
Salzmann erhalten sind — Zeugnisse von der innigen Freund- 
schaft, aber auch der hohen Verehrung, mit der des Kreises 



' Froitzheim G.-J. XXIII, pag. 219. 

'Abgedruckt in A. Stöber: »Der Actuar Salzmann«. Die 
Originale gingen beim Brand der Straßburger Bibliothek mit Salz- 
manns Nachlaß zu Grunde. 



MiSCELLEN. 27 1 

Genossen zu ihrem Actuarius hinaufsahen. »Ja, einen Salz- 
mann in Wien — wie viel angenehmer müßte mir nicht der 
hiesige Aufenthalt werden« — schreibt er einige Monate nach 
dem Abschied. Als Ersatz für das Zusammensein bittet er, 
oft schreiben zu dürfen — »Gewiß ! der war entweder ein 
Liebhaber oder ein Freund, der den ersten Brief geschrieben.« 
Am schönsten bezeugt aber wohl der Schluß des 1781 ge- 
schriebenen Briefes, mit welcher Treue und sorgender An- 
hänglichkeit er am Mentor der Straßburger Tage hing. Er 
hatte, scheint es, bei einem neueren Aufenthalt in Straßburg 
den Actuar kränklich und in widrigen Verhältnissen getroffen 
— darauf schreibt er: 

»Daß ich Ihrer täglich, auch in meinem Gebet, gedenke ; 
daß mich's kümmert, wenn ich überlege, daß Ihre Gesundheit 
zerrüttet war, wie ich mich in Straßburg befand; daß ich 
überzeugt bin, daß Sie sich in einer Lage befinden, wo Sie 
von den meisten, theils aus Dummheit, Unwissenheit, theils 
aus Scheelsucht verkannt werden ; an diesem Allem, bester 
Freund, weiß ich gewiß, zweifeln Sie nicht. Aber dagegen 
weiß ich auch, daß Ihre Augen auf's Zukünftige gerichtet 
sind, daß Ihr größter Trost der ist, Gutes, auch öfters un- 
bemerkt, gestiftet zu haben; auch lohnt Ihnen die Thräne 
des Empfindenden, des redlichen Herzens mehr als der Beifall 
und das Händeklatschen der Menge. Gott, die ewige Liebe, 
segne Sie«. — 

Da klingt vom tlbermüthigen Studenten nichts nach; 
wohl aber sehen wir, daß der junge Arzt auch ein Arzt der 
Seele sein wollte und zu sein verstand. 

Ueber die Straßburger Tage erfahren wir aus ihnen vor 
Allem, daß Meyer ein leidenschaftlicher Freund des Theaters 
war und auch selbst in der Musik sich ausübend bethätigte. 
Eine Oper, die er geschrieben, »Aveugle de Palmyre« (eine 
»komische« Oper, wie F. Hiller angibt) sollte in Straßburg 
aufgeführt werden — wenigstens spricht er im i. Brief, nach- 
dem er die damaligen Theatergrößen Abt und Marchand 
genannt, davon. Erhalten ist sie (wie Herr Dr. Benndorf 
und Dr. Eitner festzustellen die Güte hatten) nicht, auch 
können wir uns keinen Begriff von ihr aus den Erwähnungen 
machen; offenbar hatte er den Text dazu in Straßburg ver- 
faßt und suchte sie in der ersten Wiener Zeit zum Abschluß 
zu bringen, indem er »etwas Schönes von Arien zusammen- 
sucht«. Wunderlich muthet uns aber die Frage an Salzmann 
an, ob ihm Arien aus ernsthaften Opern anständiger wären 
als aus komischen ? Wir haben demnach also seine Arbeit nur 
als das Abfassen eines Librettos aufzufassen. Das Instrument, 
das er spielte (»das Stekenpferd, auf dem er so weidlich 
herumgalloppierte, daß den Nachbarn die Ohren davon 



272 MiSCELLEW 

gellten«) war die Flöte, auf der er es offenbar zu großer 
Fertigkeit gebracht; denn von Bretschneider schreibt an 
Nicolai, daß er außer Friedrich den Großen Niemand so 
habe auf der Flöte blasen hören.' 

Auch Goethes thut er in diesem Brief Erwähnung, aller- 
dings nicht in einer Weise, die ein ahnungsvolles Verständniß 
für seine zukünftige Größe verriethe. Schon die Gedanken- 
verbindung, die ihn auf jenen führte, ist bedenklich. Nach- 
dem er die Liebesabenteuer eines Marquis erwähnt und auf 
ihn den Vergilschen Vers : O Corydon ! Corydon ! quae te 
dementia cepit? angewendet hat, fährt er fort: »Nach der 
Kette, nach welcher unsere Ideen zusammenhängen sollen, 
fällt mir bei Corydon und dementia der närrische Goethe 
ein. Er ist doch wohl wieder in Frankfurth ? ich habe schon 
vor ohngefähr einem Monat einen Brief dahin adressirt«. 

Das war also wohl das Urtheil der Fernerstehenden über 
den jungen Goethe; da er ja ihnen seine ernsten, auf zu- 
künftige hohe Bahnen gerichteten Bestrebungen geflissentlich 
und sorgfältig verbarg, kann uns dies nicht so sehr 
wundern. Von einer Correspondenz zwischen beiden ist 
nichts weiter bekannt. 

Sonst handelt der Brief von Neuigkeiten aus dem 
Studenten- und Musikleben Straßburgs und gibt Bericht von 
der Verwendung seiner Zeit, die er zwischen Medicin und 
schöne Wissenschaften mit eingestreuten »Spazierreisena theilt. 

Sehr herzlich ist der zweite Brief vom 2. November 17 71. 
Er berichtet, daß er fast keine Gesellschaften besuche, weil 
er den in Straßburg gefaßten, bisher festgehaltenen Grund- 
satz, nicht zu spielen, dort nicht durchführen könne. Dann 
spricht er von den Wiener Theaterverhältnissen und tadelt 
sehr witzig die Uebertreibungen in der Vergötterung einzelner 
Schauspieler. Am Schluß ist eine kurze Charakteristik Kaiser 
Josefs angefügt. 

Zwischen diesem und dem nächsten Brief liegen 10 Jahre 
— eine ereignißvoUe Zeit für den jungen Arzt. Zuerst ver- 
vollständigte er unter des tüchtigen Baron Quarin's Leitung 
in den Wiener Krankenhäusern seine Ausbildung und wurde 
dann dessen Privatassistent. Von einer Studienreise, auf der 
er die bedeutendsten medicinischen Schulen des Festlands 
besuchte und die ihn auch das erstemal nach London brachte, 
rief ihn die Erkrankung seines Vaters zurück. Nach einem 
dreijährigen Aufenthalt in Paris suchte er London zum zweiten- 
mal auf und dies sollte für sein weiteres Leben entscheidend 
werden. 



' Die Notizen aus Nicolais Nachlaß veröffentlichte Froitzheim in 
der Straßburger Post 1890, No. 352. 



MiSCELLEN. 273 

Ueber die Verhältnisse seines Vaterhauses hören wir in 
einem Brief des edlen Straßburger Theologen J. Lorenz 
Blessig.' Der hatte auf einer Reise mit dem Graecisten 
Brunk 1772 dort Gastfreundschaft genossen und war von 
Meyers Vater zu einer Reise nach Venedig eingeladen worden: 
er hatte dabei soviel Freundlichkeit erfahren, daß er in seiner 
akademischen Antrittsrede nochmals öffentlich für sie dankte. 
In seinem Reisejournal wünscht er Meyer, »den er schon zu 
Straßburg gekannt und geliebt« noch lange den Anblick des 
besten Vaters. Noch auf seinem Totenbette erinnerte er 
sich dankbar der genossenen Freundschaft und bat seine 
Gattin, sie von seinem Tod zu benachrichtigen und noch- 
mals seinen warmen Dank abzutragen. — Aus dieser Stelle 
der Lebensbeschreibung Blessigs von C. M. Fritz erfahren 
wir beiläufig, daß auch der ältere Bruder Meyers als Banquier 
in London war. Auch G. Hufeland (der spätere Professor 
in Landshut) berichtet an Salzmann (Stöber 1. c. pag. 91) von 
Wien aus, daß er die beiden Brüder lieb gewonnen habe 
und rühmt ihre gastfreie Freundlichkeit. 

Ein Brief Bretschneiders an Nicolai vom 11. October 
^7 75 gibt uns ein werthvolles Zeugniß eines völlig unbe- 
fangenen Beurtheilers über den jungen Arzt. Er kündigt ihn 
Nicolai mit folgenden Worten an : »Außer ein wenig zuviel 
Empfindlichkeit, die von seinem feurigen Temperament und 
seiner Jugend herrührt, besitzt dieser Mensch eine unzählige 
Menge Verdienste in Absicht auf sein Herz und seine Kennt- 
nisse. Würdigen Sie ihn, wenn ich bitten darf, einer gütigen 
Aufnahme, Seines Vaters Haus ist in Wien ein offener Tempel 
aller Fremden und an seinen Tisch kann sich ein jeder ehr- 
liche Mann ohne Umstände setzen und essen. Er ist ein 
Protestant«. Im Empfehlungsschreiben selbst rühmt er sein 
rechtschaffenes Herz, seine Gelehrsamkeit und seinen guten 
Geschmack und bittet, ihn mit H. Ramler, Moses, Eberhard, 
Sulzer u. d. A. bekannt zu machen. Nichts kann besser 
zeigen, wie hoch der Briefschreiber den jungen Mann ein- 
schätzte, als letztere Bitte! 

Bei seinem zweiten Aufenthalt in England 1780 führte 
er eine Tochter des Landes als Frau heim. Hufeland, der 
sie 1783 in Wien sah, rühmt sie als eine liebe Frau, und sie 
bereitete ihrem Gatten eine so schöne Häuslichkeit, daß er 
sein Haus nur verließ, wenn der Beruf ihn aus demselben 
rief. Das junge Paar reiste vor allem nach Italien, dann 
nach Wien. 1781 ging er »die Luft zu verändern und die 
Grillen zu zerstreuen« nach Venedig, wo er jedoch mit seiner 
Frau zwei Monat schwer am Fieber krank lag. Seinem 



' Froitzheim, Straßburger Post 1891, No. 18. 

Gobthe-Jahbbuch XXIV. 



274 MiSCELLEN. 

Wunsche, sich in Wien als Arzt niederzulassen, stand anfangs 
der Umstand, daß er Protestant war, im Weg; als eine Ver- 
ordnung Kaiser Josefs dieses Hinderniß beseitigte, hatte er 
sich schon in London verpflichtet und siedelte 1784 end- 
gültig dahin tlber. Nach längerem Aufenthalt in Lindau 
reisten sie über Frankfurt und die Niederlande nach England 
»so bequem, als wären wir von Straßburg nach Rappolds- 
weiler gefahren«. Ob er in dieser Zeit wieder in Straßburg 
war, ist nicht ersichtlich ; vielleicht geht der Eintrag in 
Pfeffels Fremdenbuch nach dem 2. October 1778: M. Doct. 
Joh. Meyer — auf ihn und bezöge sich die Bemerkung, daß 
er Salzmanns Gesundheit zerrüttet fand, auf diese Zeit. 

Am 25. Juni 1784 wurde er Mitglied des College of 
Physicians zu London' und damit begann für ihn eine 
glänzende Laufbahn, die ihn bald zum gesuchtesten Arzt 
Londons machte. Die Zeit des Sturms und Drangs war 
vorbei und in seiner glücklichen Häuslichkeit wurde er bald 
so seßhaft, daß, wie sein Necrolog in Gentleman's Magazine 
vom October 1825 berichtet, er in 40 Jahren nur einmal 
nicht zu hause schlief. Trefflich paßt hierzu die Bemerkung 
J. Ch. Ehrmanns, des Sohnes des von Goethe hochgeschätzten 
Professors Ehrmann in Straßburg, der dem Genossen des 
Lenzischen Kreises Joh. von Türckheim auf dessen Frage 
nach Meyer am 18. April 1809 von Frankfurt aus schreibt:* 
»Dr. Meyer, Lindaviensis, .... vor 20 Jahren sah ich ihn hier 
zum letztenmale. Seitdem ist er auf seiner Insel hermetisch 
sigillirt«. Daß er sehr rasch im neuen Ort sich einen ge- 
achteten Namen erwarb, bezeugt Johanna Schopenhauer in 
ihrem »Tugendleben und Wanderbilder«.' Sie hatte beschlossen, 
da ihre Niederkunft nahe war, den Winter in London zu 
verbringen und schreibt, daß sie mit diesem Entschluß völlig 
ausgesöhnt wurde durch die Theilnahme und geistreiche 
Unterhaltung Dr. Meyers, eines in London hochgehaltenen 
deutschen Arztes. — Da aber ein anderer Arzt ihre Be- 
denken wegen der Reise zerstreute, erblickte ihr berühmter 
Sohn in Danzig das Licht der Welt. 

Neben seiner Berufsthätigkeit vergaß er aber auch die 
Pflege seiner künstlerischen und literarischen Neigungen 
nicht; die Theorie und Praxis der Musik übte er bis an 
sein Lebensende, mit ganzem Herzen aber hing er vor allem 
am Studium der antiken Klassiker. Selbst in den Zeiten 
seiner angestrengtesten Thätigkeit als Arzt wußte er es mög- 



' Dieses Datum, das mir die Möglichkeit weiterer Forschung gab, 
verdanke ich der Güte des Herrn R. Garnett in London. 

2 G.-J. XXIIl 220. 

3 Ebenda. 



MiSCELLEN'. 



^, ) 



lieh zu machen, eine Stunde unter seinen geliebten Alten zu 
verbringen, und seine Bibliothek war mit den besten Aus- 
gaben derselben angefüllt. Durch einen ausgedehnten Brief- 
wechsel mit den hervorragendsten auswärtigen Gelehrten, 
besonders denen seines Vaterlandes, blieb er mit den Fort- 
schritten der Kritik auf dem Gebiete der Klassiker stets ver- 
traut. Diese gelehrte Bildung, im Verein mit den feinsten 
Formen, gründlicher Kenntniß des menschlichen Lebens und 
Charakters und großer gesellschaftlicher Veranlagung, machten 
seine Unterhaltung zu einer sehr anregenden und genuß- 
reichen. Als er sich entschloß, seinem Berufe zu entsagen 
und den Abend seines Lebens in Ruhe zu genießen, freuten 
sich deshalb alle Freunde darauf, seine Gesellschaft nun un- 
gestört durch berufliche Geschäfte zu genießen. Aber diese 
Freude sollte ihnen nicht werden. Im Juli 1825 entschloß er 
sich, für einige Monate zur Erholung nach Brighton zu gehen, 
als Uebergang zur völligen Loslösung vom Beruf. Nachdem 
er von seinen Patienten Abschied genommen, verließ er sein 
Haus in London anscheinend in guter Gesundheit. Aber 
kaum war er in seinem neuen Wohnsitz angelangt, als eine 
innerliche Entzündung auftrat. Er war sich seines nahen Endes 
rasch bewußt geworden und nahm mit Ruhe und Fassung von 
seinen Verwandten und Freunden einen ergreifenden Abschied 
— am 30. Juli 1825 endete sein langes, so nutzbringendes 
Leben. Neben seiner Gattin und den Freunden, sowie den 
Vielen, denen seine ärztliche Kunst Hilfe gebracht, trauerten 
an seiner Bahre die wissenschaftlichen Kreise seines neuen, 
wie seines alten Vaterlandes. Am lautesten aber ertönte die 
Klage der Armen, in deren Dienst er mit uneigennützigstem 
Eifer nicht nur sein Können stellte, sondern denen er auch 
in materiellen Dingen mit aufopfernder That diente, stets so, 
daß die Linke nicht wußte, was die Rechte that. Es war ein 
köstliches Leben gewesen, was hier geendet : voll Mühe und 
Arbeit, aber auch voll Erfolg. — 

Daß er Goethes Wahrheit und Dichtung, deren be- 
treffender Theil 181 2 erschien, gelesen hat, dürfen wir für 
sicher annehmen; wie mag der reife, ernste Mann gelächelt 
haben, daß sein Bild als das des übermüthigen Studenten, in 
dessen Kopf und Herz die widerstreitenden Elemente gährten 
und kämpften, durch den »närrischen Goethe« verewigt sein 
sollte! Froitzheim meint, daß er wohl Anstoß genommen 
habe an der »außergewöhnlich starken Hervorhebung von 
Schwächen« und der einseitigen Darstellung des Studien- 
genossen, die seine literarischen Neigungen und musikalischen 
Fähigkeiten verschweige. Wir halten diesen Vorwurf nicht für 
begründet. Goethe konnte nicht wissen, welches der streitenden 
Elemente die Oberhand gewinnen werde im reiferen Leben, 

iS* 



276 MiSCELLEM. 

also konnte er als gewissenhafter Berichterstatter nur diese 
selbst aufzählen, und die Erwähnung seines köstliclien Ge- 
müthes, seiner Aufrichtigkeit und Gutmüthigkeit, seiner Be- 
liebtheit bei allen Menschen schließt die Absicht aus, dem 
Andenken des Genossen zu schaden. Das war überhaupt 
Goethes (zumal des älteren Goethe!) Sache nicht. Wie 
schonend spricht er über H. L, Wagner, trotzdem er sich über 
ihn geärgert und trotzdem er nach der Schilderung Anderer 
ein unerträglicher, übellauniger Geselle war ; und auch Jung- 
Stillings Schilderung wird gewiß Niemand anmerken, daß er 
Goethes Herzen damals nicht mehr nahestand. Die Gestalt 
aber von Lenz, der ungerecht beurtheilt scheint, ist so ins 
Dunkel gehüllt, daß ein bestimmtes Urtheil nicht möglich ist. 
Uns scheint die Richtigkeit und Unparteilichkeit des 
Berichtes über Meyer durch alle anderen Mittheilungen über 
ihn voll erwiesen zu sein. Dies ist nicht nur für die Gestalt 
Meyers wichtig. Man ist durch die Forschungen über die 
Arbeitsweise Goethes in den ersten Büchern von Dichtung 
und Wahrheit leicht geneigt anzunehmen, daß er auch in den 
späteren die »Wahrheit«, wo das Gedächtniß nicht reichte, 
durch »Dichtung« vervollständigte; aber gerade die so aus- 
führliche, sich in allem als wahr erweisende Schilderung 
Meyers, der für ihn wohl seit 40 Jahren verschollen war, 
beweist, wie treu in Goethes Gedächtniß die Personen und 
Ereignisse der Jugendzeit hafteten. — Da keine Zeit von 
Goethes Leben so leidenschaftlichem, seinen Character und seine 
Persönlichkeit innerlichst berührendem Streit der Meinungen 
unterworfen ist wie die Straßburger Zeit, so dürfte die Fest- 
stellung der Wahrheit seines Berichtes, wenn er auch nur eine 
Nebenperson betrifft, nicht ganz bedeutungslos sein. 

Thomas Stettner. 



21. Güldenapfel über Goethes Leitung der Universitäts- 
Bibliothek zu Jena (iSijf.). 

Aus den »Annalen« und den Gesprächen mit Eckermann 
kennen wir Goethe bereits als energischen Leiter der Uni- 
versitätsbibliothek zu Jena. Am letzteren Orte ist u. a. auch 
dem Professor und Bibliothekar Johann Gottlieb Güldenapfel' 
ein Denkmal gesetzt worden. Bezügliche Schreiben dieses 
an seinen »Lehrer« Böttiger enthält dessen reicher Briefwechsel 
der königlichen öffentlichen Bibliothek zu Dresden (Band 66, 

' Zu dessen, mit einer Vorrede von F. Ast 1802 herausgegebenen 
Uebersetzung »Leukippe«. Ein Roman aus dem Griechischen des Achilles 
Tatios, von der Goethe ein Exemplar erhalten haben dürfte, sowie dem 
Versuche einer metrischen der Aulularia von Plautus (I., i) — 1805 — 
vs;l. man vielfache Notizen aus Böttigers Nachlaß. 



MiSCELLEN. 277 

Nr. 6 f.). Was daraus in diese Blätter gehört, folgt hier, 
als roher — Baustein : 

»1820, Juni 30. 

)) — — — In höchstem Auftrage Seiner König- 
lichen Hoheit, unseres verehrten Herrn Großherzogs, erlaube 
ich mir eine litterarische Anfrage über einige Kunstdenkmale 
auf unserer Universitätsbibliothek, welche gegenwärtig unter 
der Leitung des Herrn Staatsministers von Goethe bedeutend 
erweitert, verschönert und von Grund aus neu organisirt 
wird. Herr Geheimer Hofrath Eichstädt ist seit November 181 7 
von den Geschäften dispensirt, sowie der akademische Senat. 
Seitdem stehe ich unmittelbar unter Goethe, und bin damit 
beschäftigt, die seither in einzelne Bibliotheken getrennten 
Bücherschätze, welche durch die Büttnerische Bibliothek ver- 
mehrt worden sind, zusammen zu vereinigen, systematisch 
aufzustellen und neue Kataloge anzufertigen. Mit den Natur- 
wissenschaften, der Medicin und Glottik bin ich zu Stande ; 
jetzt ist die Theologie an der Reihe. Der Kunst und Wissen- 
schaft liebende Fürst und sein allgepriesener Minister wett- 
eifern gleichsam miteinander, diese wissenschaftliche Universal- 
Anstalt zu heben. Doch dies beiläufig. 

In unserer Bibliothek befinden sich mehrere Missalia oder 
Chorbücher, auf Pergament geschrieben, in Imperial-Folio 
(das eine von ganz ungewöhnlicher Größe), mit vortrefflichen 
Gemälden, welche, der Tradition nach, dem berühmten Lucas 
Cranach zugeschrieben werden. Die Gemälde sind eines 
großen Meisters würdig, aber Cranachs Zeichen findet sich 
nirgends. Seine Exzellenz, der Herr Staatsminister von Goethe 
vermuthet, daß die Gemälde von einem niederländischen 
Meister herrühren, und des Großherzogs Königliche Hoheit 
waren deshalb der Meinung, die Missalien seien vielleicht, 
wie eine Anzahl französischer Handschriften mit Gemälden, 
aus der fürstlich clevischen Familie nach Sachsen gekommen. 
Allein jene französischen Handschriften sind früher, die Ge- 
mälde haben einen anderen Charakter, und die Tradition 
weiß von solcher Einwanderung der Missalien nichts. Mir 
scheinen letztere, wenn nicht in Sachsen, doch für Sachsen, 
wahrscheinlich für ein reiches Stift (für ein gewöhnliches 
Kloster sind sie zu kostbar), gemalt worden zu sein. Dies 
deutet das sächsische Wappen an, das mehrmals darin vor- 
kommt, das Bildniß Friedrichs des Weisen u. s. w., wiewohl 
auch das englische, kaiserliche u. a. Wappen, die Gemsen- 
Jagd von Maximilian sich darin finden. Nach den Wappen 
zu urtheilen, gehören die Gemälde in den Anfang des sech- 
zehnten Jahrhunderts. 

Wie ließe sich dem Urheber dieser Gemälde auf die 
Spur kommen? Welches sind die niederländischen Künstler, 



278 MiSCF.LLEK. 

welche gegen Ende des fünfzehnten oder zu Anfange des 
sechzehnten Jahrhunderts Missalia oder Chorbücher gemalt 
haben? Giebt es noch andere Missalien aus jener Zeit, welche 
von niederländischen oder deutschen Meistern gemalt sind? und 
wo? vielleicht in Dresden, das so viele Kunstdenkmale besitzt? 
Von Ihrer ausgebreiteten Bekanntschaft mit den Künst- 
lern der Vorzeit erwarten Seine Königliche Hoheit am 
sichersten Aufschluß über diese Seltenheiten, für welche 
Höchstdieselben sich vorzüglich interessiren « 

1823, Juli 4. 

» Noch fortwährend sitze ich täglich, die 

Sonntage nicht ausgenommen, in der Bibliothek, und nur der 
Gedanke, ein gutes Werk zu stiften, das von der Nachwelt 
mehr als von den Zeitgenossen anerkannt werden wird, giebt 
mir Muth, die herculische Arbeit durchzuführen. Goethe und 
der Großherzog sind vielleicht die einzigen, welche die Arbeit 
gehörig schätzen: dies ist genug, mich im Begonnenen nicht 
wankend machen zu lassen. — Ich habe noch die Geschichte 
zu ordnen und zu revidiren und hoffe mit diesem freilich 
starken Fache dieses Jahr zu Ende zu kommen. Alle übrigen 
Fächer sind bereits geordnet. — Am Schlüsse gebe ich einen 
Generalbericht, den der Großherzog vielleicht drucken läßt, 
vielleicht mit Goethes Zusätzen. 

Erst dann komme ich zur genaueren Durchsicht der 
Manuscripte. Von den Missalien — Reisende versichern, sie 
haben in ganz Nord- und Süddeutschland nicht so viele 
Manuscripte mit Gemälden und so schöne gefunden — weiß 
ich nur so viel, daß sie für die Schloßkirche in Wittenberg 
gemalt wurden, die Friedrich der Weise bauen ließ, daß für 
diese Kirche Lucas Cranach, Albrecht Dürer und mehrere 
italienische und niederholländische Künstler malten. Letzteres 
weiß ich aus einer lateinischen Dedicationsschrift an Lucas 
Cranach (der Titel des Buchs fällt mir in dem Augenblicke 
nicht bei) vom Jahre 1508, die ich beim Revidiren zufällig 
fand und die vielleicht für die Geschichte von Lucas Cranach 
einen neuen Abdruck verdient « Theodor Distel. 



22. Carl Stahr über y^ Dichtung und Wahrheita^ 
Der Schreiber des nachfolgenden Briefes ist der schon 
oben S. 212 fg. genannte jüngere Bruder Adolf Stahrs, Carl 
Ludwig Stahr, 1812 — 1863. Er war, wie sein Bruder, von 

' Nr. 22 und 25 wurden nachträglich eingefügt, da die Miscelle, 
der dieser Platz zugewiesen war, unmittelbar vor der Drucklegung 
zurückverlangt wurde. Sie mußten an diese Stelle gesetzt werden, 
weil der Bogen, in den sie gehört hätten, schon gedruckt war. 



MiSCELLEK. 279 

der classischen Philologie ausgegangen, Lehrer wie jener, 
mannigfach geistig angeregt, politisch freisinnig. Aber ihm 
fehlte das Talent des Ersteren, rasch sein Urtheil zu fixiren, 
schnell zu produciren, leicht und gefällig darzustellen. Er 
hatte kein BedUrfniß nach der Oeffentlichkeit, er gab sich in 
geselliger Unterhaltung und in Briefen aus. Diese Briefe, 
von denen eine kleine Auswahl in dem oben S. 211 ge- 
nannten Buche erscheinen sollen, zeigen die unermüdliche 
geistige Arbeit des kränklichen, in seinem Lehrberuf über- 
mäßig angestrengten und nicht völlig befriedigten Mannes, 
seine warme Anerkennung des wahrhaft Bedeutenden neben 
der Abweisung der Tagesgötzen, sein Hochhalten echter 
Bildung und sein Bemühen, in das Verständniß der Größten 
einzudringen. 

Eine solche Betrachtung über »Dichtung und Wahrheit« 
mag hier folgen: 

Carl Stahr an Adolf. Stettin, den 11. Juli 1854. 

— — »Ich lese ganze Morgen Goethes Dichtung 

und Wahrheit, und erfrische mich an diesem Meisterwerke 
und an der Betrachtung dieses geliebtesten Menschenbildes. 
Daß Du in dem »Weimar und Jena« seines Wesens Mensch- 
lichkeit nach allen Seiten entwickelt, ist mir fortwährend 
eine nährende Genugthuung. Ich habe das mit meinen 
Ferienanfängen immer so gehalten, und denke durch ihn 
weiser und glücklicher zu werden, abgesehen von der reinen 
Luft, die man fühlt, wenn man ihn liest. Und das ist ein 
Trost, daß man durch ihn leben lernen und in so manchem 
köstlichen Betracht an seine Seite treten kann, da sonst es 
ihm gleich zu thun für mich eine Unmöglichkeit ist. — Ein 
noch nicht gelösetes Räthsel ist sein Stil — denn das was 
jemand die Holländische Reinlichkeit desselben nicht ohne 
Glück genannt hat,' ist glücklich gefunden, aber nicht er- 
schöpfend. Ich glaube entdeckt zu haben, daß ein Theil 
seines Reizes darin liegt, daß er an die Heroengestalten des 
16"" Jahrhunderts (dieses schönsten Jahrhunderts für die Welt 
und für Deutschland insbesondere) erinnert, die zu dem was 
sie waren durch eine stetige, durch keinen Monstrekrieg (wie 
nachher der 30 jährige sich erwies,) gestörte Entwicklung 
gelangt waren. Ich verdanke diese Entdeckung (denn ich 
bin fest davon überzeugt, daß es eine ist, und obschon ich 
sie nicht überschätze, so schätze ich sie natürlich) dem Zufall 
und dem Ohr, und das erklärt mir auch, warum noch kein 
podex auctoritatis et poeseos Teutonicae darauf verfallen, 
weil es denenselben ebenso an günstigen Gestirnen, wie an 
guten Ohren gemangelt. Man nehme Wahrheit und Dichtung 

' Bekanntlich L. Börne. 



280 MiSCELLEN. 

in die Hand und lese seine lustig begütigenden Worte, mit 
welchen er den Zorn Basedows, des nach Bier lechzenden, 
dämpft — von den Worten: »Vater ihr habt mir großen 
Dank zu sagen« an, und man wird mich verstehen. Das 
erinnert an Luther und Hütten. Das merkwürdige Volk, dem 
wir angehören, war einem Baume gleich, dessen mächtige 
Krone sich schon zu wölben begann, als durch diesen Pfaffen- 
und Fürstenkrieg die Wurzeln durchschnitten wurden, welche 
sich unter der Erde weit fortgezweigt hatten. Seitdem sind 
wir von unserer Vorzeit abgeschnitten, verstehen sie nicht 
mehr, und die Phantasterei der Romantiker, hätte ihr poli- 
tisches Credo sie auch nicht um allen Kredit gebracht, konnte 
in ihren Wiederbelebungsversuchen kein Glück haben, weil 
sie doch eigentlich nicht geschickt genug waren, die Vater- 
mörder unter die »Halsberge« zu verstecken. Bei Fouques 
Figuren — »von Eisen und Gemüth, aber ohne Fleisch und 
Verstand« — und er ist viel bedeutender für meinen Ge- 
sichtspunkt als die Tektosagenkritik unseres guten Rugiers ' 
selbst Wort haben will — ist nichts von dem damals 
vollendeten deutschen Wesen jener Epoche anzutreffen, das 
ebenso weit entfernt von allem gedunsenen Heldenwesen, als 
von neckischen Kobolden und altnordischer Unfaßbarkeit ist. 
Bei Fouqu^ ist alles durch das Medium des Preußischen 
Majors gegangen, und in dem Augenblick da es an Otto 
von Trautwangen »heruntergirrt nach Turteltauben Art« beim 
Anblicke Gerdas riecht es nach Lack und Bartwichse. Die 
grammatischen und Orthographienarren, burschenschaftelnde 
Wissenschafter — so mit vil not den ritter mit dem lewen 
und teutsche lider und leiche herausgeben — können nun 
vollends nichts. Goethe aber ist so eine Wurzel, die von 
dem Eisen verschont geblieben, und seine gigantische Natur, 
zusammenfassend, nachholend, und schnell sich wandelnd und 
erneuernd, bildet für uns einen jener Pfade, die über die 
Trennungskluft unseres Einst und Jetzt hinüberleiten und 
Vergangenheit und Gegenwart verbinden. — 

Es scheint mir ferner ein überlieferter Litteraturge- 
schichtenjargon, daß Goethe keinen historischen Sinn und 
kein historisches Talent gehabt haben solle. Hätte er sich 
nur damit abgeben wollen, il s'en serait tire comme un autre 
und noch besser. Schon sein erhaltendes, pflegendes, wohl- 
wollendes Gemüth muß uns hier bedenklich machen; wo 
dies sich findet, da ist auch der historische Sinn, vielleicht 
auch das Talent nicht weit ab. Für meine Art zu denken, 
ist das ausgemacht. Und dann dies sein Leben, es ist die 



' Gemeint ist Arnold Rüge; Tectosagen mit Beziehung auf die 
Studentenverbindung, der Carl Stahr angehört hatte. 



MiSCELLEN. 28 1 

schönste, reinste Historie, im Ganzen wie im Einzelnen. Wie 
geistvoll, wie streng und wie wahr erklärt er die Richtungen 
und Eigenthümlichkeiten seines Jahrhunderts, wie geschickt 
bringt er das vereinzelt unerklärliche in einen lichten Zu- 
sammenhang, und das mit einer Leichtigkeit, die den Leser 
zur Verzweiflung bringt, wenn er zur Probe, ob er auch ge- 
lernt, was da geschrieben, die Hand aufs Buch legt, und 
sich nun examinirt, ob er auch richtig und ununterbrochen 
das Vorgedachte nachdenken könne. Beweise : Darstellung 
des Göttingischen Dichterbundes, die den Thucydides über- 
trifft und woraus ein Stück Pommerischer Litteraturgeschichte 
Dukatengoldig — breitgeschlagen worden.' Beweise: Die 
Darstellung und Beurtheilung des Deutschen Reichskammer- 
gerichtes ; Beweise : Die wundervolle Erklärung einer Er- 
scheinung, wie Spinoza, wobei ich vor Lust aufgejauchzt, 
obschon ich das sonst 10 mal schon gelesen hatte, aber 
nie zu Ferienanfang und gleich nach dem Baden und nie 
bei türkischem Tabak aus köstlichem Weichselrohr gesogen. 
Ja ! Umstände verändern die Sache. Beweise : Die spielende 
leicht vollzogene Verbindung des bekannten »Naturwwesens 
jener Epoche mit dem nicht minder bekannten, aber damit 
gleichwohl niemals verbundenen, sondern nur durch gelehrte, 
geistlose Juxtaposition angeklebten Geniewesens. Beweise: 
jede Zeile in Cottas Ausgabe. Es ist der schönste Abschnitt, 
das stattlichste Denkmal, der Torso deutscher — ach was 
sag ich deutscher — aller Historiographie.« 

Ludwig Geiger. 

2J. Adolf Stahr über den Goethe-Schillerschen Briefwechsel. 
Die nachfolgende Betrachtung scheint mir der Veröffent- 
lichung werth. Der Adressat ist der älteste Sohn des oben 
mehrfach genannten Schriftstellers; die Quelle, der unser 
Aktenstück entnommen wurde, ist dieselbe, wie die oben 
S. 204 und 211 erwähnte. Ein besonderer Anlaß zur Lektüre 
des Briefwechsels läßt sich nicht angeben. Daß er einem so 
belesenen Autor wie Stahr damals zuerst bekannt geworden, 
wie aus der Stelle unten S. 283 Z. 12 wohl geschlossen wer- 
den muß, ist merkwürdig. Eine neue, die zweite Ausgabe 
des Briefwechsels (28 Jahre nach dem Erscheinen der ersten!), 
war 1856 herausgekommen. Diese Thatsache oder die Ent- 
hüllung des Goethe- und Schiller-Denkmals im September 1857 
mochten die Sammlung, in der beide Dichter gemeinsam vor 
das deutsche Volk traten, der allgemeinen Aufmerksamkeit 
wieder empfohlen haben. 

' Anspielung auf R. Prutz, des Pommern, Werk, über denselben 
Ge2:enstand. 



282 MiSCELlEW 

Der Brief lautet: 
Adolf Stahr an Alwin. Stuttgart 9. Aug. 185S. 

»Wir sind noch immer hier, und die Tage vergehn, man 
weiß nicht wie. Gethan wird meinerseits nichts, allenfalls 
etwas gelesen, wie ich denn den Goethe-Schillerschen Brief- 
wechsel gestern beendet habe. Dabei ist mir denn wieder 
eine Bemerkung aufgefallen, die ich zu formuliren versuchen 
will. Sie betrifft den Ungeheuern Unterschied zwischen den 
antiken, zumal den griechischen und den modernen Dichtern. 
Diese letzteren von Homer an, sind mit der sie umgebenden 
Welt, mit ihrer Nation, ihrem Publikum, eng und innig ver- 
bunden. Sie dichten aus dem allgemeinen Geiste heraus und 
in denselben hinein, Goethe und Schiller dagegen erscheinen 
fast völlig losgelöst von diesen Bedingungen. Sie schaffen 
und dichten eigentlich nur für Einzelne, Wenige, Befreundete, 
genau genommen nur für einander. Zwischen ihnen und dem 
Publikum ihrer Zeit und Nation liegt eine unermeßliche Kluft, 
ja, sie kommen dahin, das Publikum gründlich zu verachten. 
Genau besehen erscheinen in dem ganzen Briefwechsel nur 
etwa Wilh. v. Humboldt und Körner als Verstehende, als 
Leser, deren Urtheil in einigen Betracht kommt ; alles übrige 
ist' numerus, ist plattes Volk, philisterhaft, stumpfsinnig und 
unfähig, Sinn und Wesen der Productionen beider richtig zu 
würdigen. Ich will hier nicht untersuchen, wie weit die beiden 
großen Menschen hierin Recht hatten oder nicht; aber die 
Thatsache, daß sie so empfanden, daß sie so fühlten und 
dachten steht fest, und diese Thatsache ist ein großes Un- 
glück. In dem Bewußtsein dieser Isolirung vertieften sie sich 
immer mehr und mehr in die abstrakte Spekulation, in das 
Philosophiren über ihr Thun und Leisten, und man kann es 
bei der Lektüre dieses Briefwechsels ordentlich mit Händen 
greifen wie zumal bei Schiller »Unternehmungen voll Mark 
und Nachdruck [von] des Gedankens Blässe angekränkelt 
wird«. Ich komme dabei auf meinen alten Satz zurück, daß 
die deutsche Kultur wesentlich eine künstliche Pflanze ist, 
und daß die Rolle, welche unsere großen Dichter von Les- 
sing an dabei spielen, eine dem normalern Bildungsgange 
der andern Kulturvölker entgesetzte ist, denn Homer und 
die Homeriden, Alcäus und Sappho, Aeschylus, Sophokles und 
Euripides bei den Griechen, Cervantes und Calderon und 
ihre Genossen bei den Spaniern , Dante und Boccaccio, 
Petrarca und Tasso bei den Italienern, Corneille, Racine, 
Voltaire bei den Franzosen, Shakespeare und Milton bei 
den Engländern sind die Blüten ihrer Zeit und deren Kultur, 
während unsre Lessing, Goethe und Schiller im eigentlichen 
Sinne des Wortes Wunder sind in ihrer Zeit und ihres Volkes, 
dessen Kultur sie erst erschaffen mußten. Bei Lessing ist 



MiSCELLEN. 283 

das auch dem blödesten Auge sichtbar und bei den andern 
ist es gleichfalls nicht schwer nachzuweisen, daß sie ihr 
eigentliches Publikum im Grunde erst in unsern Tagen zu 
haben beginnen. Aber ist es nicht überaus traurig zu sehen, 
wie Goethe selbst in dem hochgepriesenen Ilm-Athen von 
Weimar fortwährend tlber gänzlichen Mangel an aller poetischen 
Anregung und Theilnahme klagt ? Am Abende seines Lebens 
kam er dahinter, was ihm gefehlt hatte: eine Nation, nationales 
Leben und nationale geschichtliche Thaten, »Im eigentlichen 
Volke blieb alles stille!« Ich habe das in meinem »Weimar 
und Jena« klar zu machen versucht und hätte aus dem 
Sch.-Goethe'schen Briefwechsel noch mehr Belege dazu bei- 
bringen können. Was Schiller betrifft, so ist er durch Goethe 
recht eigentlich von seinem ursprünglichen Wege abgeführt 
worden und die gänzliche Verleugnung und Abweisung seiner 
Zeit und das überwiegende Hinneigen zum antiken Geiste und 
zu dessen Stylgesetze zeigt sich nirgends schlagender, als in 
dem Briefe (Th. II. S. 118.), wo er die Breite und Redselig- 
keit seiner Personen im Wallenstein eingesteht und mit Hin- 
weisung auf Goethe's Vorgang und auf Aristoleles zu recht- 
fertigen sucht. Dies Perhorresciren der lebendigen Gegen- 
wart und Wirklichkeit und ihrer Bedürfnisse, ihres Empfindens 
führt ihn dahin, den Satz aufzustellen, »daß im Draina doch 
eigentlich alle Personen symbolische Wesen sind und als 
poetische Gestalten immer das Allgemeine der Menschheit 
darzustellen und auszusprechen haben«, womit denn das 
Spezifisch - Charakteristische, Individuelle in Shakespeare 
schwerlich bestehn kann. Ja, er verlangt sogar, daß im Drama, 
auch bei den gewaltsamsten Zuständen immer eine gewisse 
Ruhe und Gemütlichkeit vorherrsche, die man eben durch 
jene breitere und vollere Behandlungsweise hervorbringe ! — 
Da kann man es denn begreifen, daß er sich die ungeheure 
Weltbewegung der französischen Revolution, wie Goethe vom 
Leibe hielt und daß in dem elfjährigen (1794 — 1S05) Brief- 
wechsel selbst der Name Napoleon Bonaparte nicht ein ein- 
ziges Mal zwischen beiden Männern genannt wird. — — — « 

Ludwig Geiger. 



B. Nachträge und Berichtigungen. 
G.-J. XXIII, S. 200: Bei dem Versuch, die Frage, ob 
Götz von Berlichingens eiserne Hand die rechte oder linke war, 
auf Grund des Konkretums selbst zu entscheiden, ist mir ein 
bedauerliches Mißgeschick begegnet, indem ich einer Ab- 
bildung der eisernen Hand, die mir im Sommer 1901 zufällig 
in die Hand fiel, unbedenklich Vertrauen schenkte. Sie findet 
sich in der Illustrirten Zeitung Über Land und Meer 1869, 



284 MiSCELLEN. 

Band XXI, S. 354. Es fiel mir auf, daß es eine linke Hand 
war, denn ich hatte sie mir bisher immer als rechte gedacht, 
und das Original hatte ich seit 1886 nicht mehr gesehen. 
Aber ich hatte keinen Grund, an der Richtigkeit der Ab- 
bildung zu zweifeln, da in dem begleitenden Text kein Wort 
davon stand, daß dieselbe verkehrt geraten sei! Wer ließe 
sich auch träumen, daß ein Blatt von dem Ansehen des ge- 
nannten sich eine solche Täuschung seiner Leser beigehen 
ließe, und wohin kämen wir, wenn wir uns auf keine Ab- 
bildung mehr verlassen dürften, die uns als treue dargeboten 
wird ? Ich glaubte daher eher meiner Erinnerung als der Ab- 
bildung mißtrauen zu müssen und legte mir nur nochmals die 
Frage vor, ob der Text der Selbstbiographie Götzens die 
Auffassung zulasse, daß es die linke war, die er im Gefecht 
bei Landshut verlor. Diese Frage mußte angesichts des ver- 
meintlichen Konkretums nothwendig bejahend ausfallen. Was 
ich zur Begründung dieser Auffassung vorbrachte, hat dabei 
immer noch seine Berechtigung. Thatsache ist, daß sich aus 
der Beschreibung Götzens nicht mit Sicherheit ermitteln läßt, 
ob er die Rechte oder die Linke verlor, daß man also Beides 
darin finden kann. Thatsache ist ferner, daß er seine Hand, 
wie ich zum Schluß hervorhob, nicht im Handgemenge verlor, 
sondern in einer Gefechtspause. Weitere Worte zu verlieren 
hat keinen Werth, nachdem festgestellt ist, daß die eiserne 
Hand eine Rechte ist. Daß ich das Opfer einer Täuschung 
geworden bin und dadurch auch andere irregeführt habe, 
kann niemand mehr bedauern als ich selbst. 

Paul Weizsäcker, 

G.-J. XXIII: Der S. 30 u. 310 vorkommende Dr. Härtel, 
der Gönner Prellers, hieß Hermann, und nicht Robert, 

G.-J. XXIII, S. 221 fg. : G. hat den Besuch Webers doch 
der Aufzeichnung werth gehalten. Im Tagebuch 1812 findet 
sich unterm 27. Octob. die Notiz »Herr Kapellmeister von 
Weber«, die wohl nur auf Carl Maria gehen kann. Am i. Nov. 
reiste dann, wie Weber an Lichtenstein berichtet, Goethe nach 
Jena. Vgl. Tagebuch IV, p. 334.19 und 335.25. 




Chronik. 



Albert Bielschowsky. 
* 3. Januar 1847. f 21. October 1902. 

Am 21. October 1902 ist Albert Bielschowsky vorzeitig, 
mit 55 Jahren, dem Leiden erlegen, das seit langer Zeit seine 
Kraft gelähmt hatte. Es war ihm nicht mehr vergönnt, den 
Schluß seines Lebenswerkes der Oeffentlichkeit zu übergeben. 
Ein hartes Schicksal; und doch, wenn wir auf dieses Dasein 
zurückblicken, scheint es uns, als sei ihm ein besonderes 
Glück beschieden gewesen, das sich freilich, wie jedes echte 
menschliche Glück, mit dem Verdienst untrennbar verkettet 
hat. Unbeengt durch amtliche Pflichten, durfte Bielschowsky 
der Erfüllung einer selbstgestellten hohen wissenschaftlichen 
Aufgabe leben, auf der Grundlage ausgebreiteter fremder und 
eigener Forschung einen künstlerischen Bau mit hingebender 
Muße errichten. Und als er den vollendeten ersten Theil 
den Blicken preisbot, wurde ihm in der Anerkennung der 
Nation die Sicherheit, daß er ein Werk von ungewöhnlicher 
Anmuth und Würde geschaffen hatte, ein Werk, das weit 
über den Erfolg des Augenblicks hinaus bestehen wird. 

Jeder weiß, daß ich von seinem »Goethe« rede. Für 
einen Einzelnen erscheint es fast unmöglich, den großen 
Dichter und Denker, den vielseitigen Gelehrten, den Menschen, 
dem nichts Menschliches fremd war und der zugleich von 
oben herab auf das Treiben zu seinen Füßen zu blicken 
schien, in voller Lebensfülle und streng wahrhaftig den Nach- 
geborenen zu zeigen, die äußeren und inneren Bedingungen 
seines Werdens und Wachsens zu entwickeln, seinem Wirken 
nach allen Richtungen hin gerecht zu werden. Wie schwer 
ist es schon, den Standpunkt hoch genug zu nehmen, um 
den jährlich höher wachsenden Wall der Goethe-Literatur zu 



286 Chroxik. 

überschauen, das Auge bis zu der Erscheinung selbst vor- 
dringen zu lassen, die von den Weihrauchnebeln der Ver- 
ehrung, dem trockenen Staube einer oft allzu kleinlichen 
Forschung, ja auch von den giftigen Dünsten des gemeinen 
Hasses umnebelt wird. 

Bielschowskys reiner, durch liebevolle Verehrung des 
Genius und tiefgründende Beschäftigung mit seinen Werken 
geschärfter Blick hat das Bild Goethes in strahlender Rein- 
heit aufgenommen. Nicht in dem niedrigen Sinne, daß er 
seinen Helden zu verklären suchte, indem er die irdischen 
Schwächen leugnete. Das hätte nur ein marmorkaltes Bild 
ohne Wärme ergeben. Er war Künstler genug, um die Ein- 
heit der Persönlichkeit im schlimmen und guten, im großen 
und kleinen zu erfassen, stark genug, aus den Tausenden 
von Einzelheiten die zusammenschließenden Umrißlinien der 
Persönlichkeit und ihres Schicksalsweges kräftig hervortreten 
zu lassen. 

Gerade wegen dieser seltenen Eigenschaften ist, wie ich 
schon bei einer früheren Gelegenheit gesagt habe, über Biel- 
schowskys Lebenswerk kein endgültiges Urtheil zu fällen, 
ehe es abgeschlossen vorliegt. Denn wie jede künstlerische 
Komposition strebt es auf bestimmte Endziele und Gesammt- 
wirkungen hin, die der Leser des ersten Bandes wohl ahnen, 
aber noch nicht deutlich erkennen kann. Nur das läßt sich 
schon jetzt behaupten, daß diese Goethe-Biographie zu den 
seltenen Erscheinungen zählt, die Fachleute und Laien mit 
gleicher Freude begrüßen dürfen. Die Ergebnisse der wissen- 
schaftlichen Arbeit sind vollauf verwerthet, mit eigenem 
Forschen und selbständigem Urtheil bereichert. Das wohl- 
thuende Gefühl höchster Zuverlässigkeit in den Thatsachen 
verläßt uns nie; aber sie und der aus ihnen sich zusammen- 
fügende äußere Lebenslauf sind Bielschowsky nicht die Haupt- 
sache. Er gibt mehr Zustandsbilder als eine Kette von Er- 
eignissen, jedes seiner Kapitel rundet er zu einem Gemälde 
ab, für das er gemäß dem Stoffe Beleuchtung und Farbe 
wählt, und mit leichtem Schwünge leitet er den Leser zu 
dem folgenden Bilde hinüber, wenn das erste seine Wirkung 
gethan hat. 

Mit architektonischem Feinsinn baut er die Schilderung 
auf. Nirgends stört eine unangemessene Breite, und nur da 
geht die Darstellung mehr ins einzelne, wo die Bedeutung 
der Erlebnisse und der künstlerischen Thaten Goethes für 
die Gesammterscheinung es rechtfertigt. Die Einzelzüge sind 
aus der Fülle des Materials überall bezeichnend ausgewählt, 
und es verdient nur Billigung, daß oft Worte Goethes und 
seiner Zeitgenossen eingeflochten sind, da Bielschowsky diese 
Zuthaten mit hohem schriftstellerischem Geschick in seine 



Chronik. 287 

Darstellung zu verweben weiß. Sie erhält dadurch erhöhten 
Glanz und Farbenreichthum, der das Auge erfreut und der 
von innen ausstrahlt, nicht von aufgesetzten grellen Lichtern 
herstammt. 

Zumal für die Charakteristik der Persönlichkeiten erweist 
sich dieses Mittel als überaus vortheilhaft. Am glänzendsten 
ist die Reihe der Portraits des Weimarer Kreises gelungen. 
Hier verbindet sich Knappheit mit hoher Anschaulichkeit; 
andere, wie z. B. das Bild Lavaters, treten weniger klar hervor. 

Auf allseitige Billigung wird freilich keine Goethe -Bio- 
graphie rechnen dürfen, die sich nicht auf trockene Daten 
beschränkt. Schon die Grundfrage, ob in der Gestaltung 
dieses wundersam anmuthenden Daseins dem Willen oder 
dem unbewußten, von der Natur eingepflanzten Trieb die 
Hauptrolle zufalle, läßt eine doppelte Antwort mit gleichem 
Rechte zu. Und bedenkt man, wie zahlreich die strittigen 
Punkte namentlich in der inneren Geschichte der ersten 
Jahrzehnte Goethes und der damals entstandenen Werke noch 
sind, so ergibt sich für den Biographen, der sich zumeist für 
eine Auffassung entscheiden muß, die Unmöglichkeit, es Allen 
recht zu thun. Indessen ist doch allenthalben anzuerkennen, 
daß Bielschowsky stets auf Grund völliger Beherrschung des 
Materials und eingehender scharfsinniger Erwägung Partei 
ergreift. 

Hier und da wünschte man Ergänzungen. Das religiöse 
Element in Goethes Entwicklung ist zu wenig berücksichtigt; 
die literarischen Traditionen könnten stärker betont werden; 
die Behandlung der fugendlyrik und des derselben Zeit ent- 
stammenden Urfausts fehlt noch, weil sie für den zweiten Theil, 
der mit der Rückkehr aus Italien einsetzen soll, aufgehoben ist. 

Bielschowsky hat, wie verlautet, diesen zweiten und 
letzten Band seines Werkes fast abgeschlossen hinterlassen, 
und wir dürfen hoffen, daß es, vollendet, sich als würdiges 
Denkmal des Großen, dem es geweiht ist, als ein Vermittler 
zwischen ihm und seinem Volke auf lange Zeit hinaus be- 
währen wird. 

Zugleich wird dadurch auch sein Schöpfer im Gedächt- 
niß der Späteren fortleben. Mit dankbarer Theilnahme 
werden die Leser seinem Leben und Schaffen einen Blick der 
Erinnerung schenken und mehr von ihm zu erfahren wünschen, 
als der bescheidene Meister, der ganz hinter seiner Arbeit 
zurückgetreten ist, ihnen durch diese selbst verrathen hat. 
Das wird ihnen zu Bewußtsein gekommen sein : kein unedler, 
kleiner Geist konnte Goethe so umfassen, dieses vornehme 
und zugleich lebenswarme Bildniß entwerfen. Keine flüchtige, 
schnell dahinfliegende Feder hat diese einfache, schöne Form 
geschaffen. Kein einseitig gebildeter, unselbständiger Forscher 



288 Chronik. 

konnte der Eigenart des mannigfaltigsten schöpferischen 
Genies so in die Tiefen nachgehen. Aber nicht in einer 
Ftllle von großen Arbeiten, einer glänzenden, äußerlich ehren- 
vollen Laufbahn haben sich die Eigenschaften Bielschowskys, 
die ihn zu einem würdigen Biographen Goethes stempelten, 
bekundet. 

Zu Namslau in Schlesien am 3. Januar 1847 geboren, 
verbrachte er, nachdem er als Hauptfach klassische Philologie 
studiert hatte, sechzehn Jahre im Schuldienst, kurze Zeit am 
Philanthropin in Frankfurt a. M., zumeist aber in dem 
heimathlichen Brieg. Dann siedelte er, als 1886 seine Schule 
aufgelöst wurde, nach Berlin über, um hier für seine Studien 
reichere Hilfsmittel zu gewinnen. Als ihre ersten Früchte 
waren damals bereits eine Schrift über »Friederike Brion« 
(Brieg 1880) und eine Programmabhandlung über dasSchwieger- 
lingsche Puppenspiel von Dr. Faust (Brieg 1882) erschienen. 
Die erste bezeugte die Fähigkeit, feinfühlend, ohne Ueber- 
schwang und widerliches Betasten die Geheimnisse des Dichter- 
herzens zu entschleiern, die zweite erfreute durch die Gründ- 
lichkeit und Exactheit des wissenschaftlichen Denkens, mit 
der sie in die dunkle Geschichte des alten Volksschauspiels 
eindrang und aus der verderbten späten Form des alten 
Spiels die verlorene Urgestalt zu erschließen suchte. 

Noch weiter griff in die Vergangenheit die Studie über 
Neithart von Reuenthal (Berlin 1891) zurück, die als erster 
Theil einer Geschichte der deutschen Dorfpoesie im 13. Jahr- 
hundert von dem Ursprung der Gattung ausging, und dort, 
wo die Thatsachen im Dunkel lagen, vorsichtig aber bestimmt 
ihre oft kühnen Hypothesen aufbaute. 

In den letzten zehn Jahren gehörte die ganze, nur zu 
bald abnehmende Schaffenskraft Bielschowskys dem »Goethe«. 
Es wäre ihm ein Leichtes gewesen, bei geringerem Aufwand 
Zeit für anderes zu gewinnen, der Verführung nachzugeben, 
die zu vielfältiger, durch häufigeren Beifall und höheren 
materiellen Entgelt belohnter Arbeit lockt; aber gerade darin 
zeigte sich die Lauterkeit und der heilige Ernst, mit dem 
er seine Aufgabe erfaßt hatte, daß er sich ihr völlig hingab. 
So entstanden nur noch einige wenige Parerga: eine sorgsame 
Untersuchung »Ueber Echtheit und Chronologie der Sesen- 
heimer Lieder« (im Goethe-Jahrbuch 1891), die schwierigen 
Fragen höherer Kritik der Lösung beträchtlich näher führend, 
und einige biographische Skizzen aus dem Goethe-Kreise, 
unter denen die Neubearbeitung der liebenswürdigen Bio- 
graphie Elisabeth Schönemanns, »Lillis Bild« (München 1894), 
hervorragt. 

Stärkung für sein unablässiges Schaffen, dem auch das 
Leiden keinen Halt gebieten durfte, gewährte ihm jeden 



Chronik. 289 

Sommer die heilsame Kraft der Engadiner Berge und Quellen. 
Wer dort noch in den letzten Jahren die edle männliche 
Erscheinung Bielschowskys in ihrer milden Ruhe, der freilich 
der Ausdruck des Leidens aufgeprägt war, erblickte, der 
konnte nicht ahnen, daß ihm das Ende so nahe war, und 
mit doppelter Wehmuth wird er die Kunde vernommen haben, 
daß wieder einer aus der geringen Zahl der stillen wissen- 
schaftlichen Männer hinweggegangen sei, die ganz ohne 
Rücksicht auf Aeußeres der hohen Göttin, der sie sich ge- 
weiht haben, dienen. G. Witkowski. 
(Aus der Beilage zur Allgemeinen Zeitung, 10. Dec. 1902.) 



Gustav IVoldeinar Freiherr von Biedermann. 
* 5. März 1817. t 6. Februar 1903. 

Mit dem am 6. Februar dieses Jahres zu Dresden ver- 
storbenen W. von Biedermann ist einer der Veteranen der 
Goetheerkenntniß und »Goethewissenschaft« aus einem langen 
und erstaunlich thätigen Leben geschieden. Biedermann war 
zugleich der Vertreter eines ganz besondern litterarischen 
Typus, dessen Eigenthümlichkeit und dessen Zusammenhang 
mit älteren Ueberlieferungen eingehend zu untersuchen und 
zu schildern Reiz und Werth haben würde. Der Uebergang 
vom Schöngeist alten Stils zum poetischen Sprach- und 
Formenkenner, vom Sammler und Polyhistor zum ernsten 
Specialisten, vom Schriftsteller mit lokalen und provinziellen 
Interessen zum Schriftsteller mit großen allgemeinen Gesichts- 
punkten und Zielen, hatte sich in der Entwickelung und der 
Lebensarbeit Biedermanns in natürlicher und gewinnender 
Weise vollzogen. Dazu waltete in der Persönlichkeit des 
Mannes eine höchst glückliche Mischung von sachlichem Eifer 
und gutmüthigem Behagen, von nimmermüder ernster Theil- 
nahme an nahezu allen geistigen Bestrebungen und Fragen 
und von beinahe kindlichem Frohsinn, die höchst anziehend 
wirkte. Auch dem alten Herrn, den die Besucher der Jahres- 
versammlungen der Goethe-Gesellschaft alle kannten, war 
eine gewisse jugendlich rasche Beweglichkeit geblieben. 

Woldemar von Biedermann war als Sprößling einer alten 
sächsischen Familie und als Sohn des Amtshauptmanns Gustav 
Heinrich von Biedermann am 5. März 181 7 zu Marienberg 
im Erzgebirge geboren. Sein Vater, einer der Studiengenossen 
Theodor Körners auf der Freiberger Bergakademie, hatte bis 
181 6 die Stellung eines Bergamtsassessors beim Bergamt 
Marienberg bekleidet, war dann, nachdem er sich durch An- 
kauf des Ritterguts Niederforchheim die gesetzliche Vorbe- 
dingung zur Amtshauptmannschaft verschafft hatte, zum Amts- 

Goethe-Jakrblch XXIV. I9 



290 Chronik. 

Hauptmann ernannt worden, und verlegte 1819 seinen Wohn- 
sitz auf das genannte Gut. Biedermanns Mutter, die Tochter 
des Marienberger Mädchenschullehrers Toß, war eine be- 
rühmte Schönheit. Seine Knabenjahre verbrachte er bis 1830 
auf dem genannten Gute, wurde von verschiednen Haus- 
lehrern unterrichtet und im August 1830 ins Cadcttencorps 
zu Dresden aufgenommen, das damals als allgemeine Bil- 
dungsanstalt für junge Adelige galt. Schon zwei Jahre später 
änderte sich dies, das Cadettencorps wurde nach den Reformen 
von 1832 ausschließlich Offiziersschule, und der junge Bieder- 
mann, der keine soldatischen Neigungen verspürte, besuchte 
nach längerem Aufenthalt auf dem väterlichen Gute andert- 
halb Jahre hindurch das Gymnasium zu Freiberg und wurde 
schließlich abermals durch einen etwas genial veranlagten 
Hauslehrer Veit Frege zur Maturitätsprüfung, die er am Gym- 
nasium zu Annaberg ablegte, vorbereitet. Ostern 1835 bezog 
er zum Studium der Rechte und der Cameralwissenschaften 
die Universität Leipzig, die er Ostern 1836 mit Heidelberg 
vertauschte. Die Collegien bei Thibaut, Zachariae und Mitter- 
meier (den er erst im letzten Semester hörte) steigerten sein 
bis dahin nur mäßiges Interesse für die Jurisprudenz, den 
außerordentlichen Vorzug der damaligen Heidelberger vor der 
damaligen Leipziger juristischen Fakultät wußte er in den 
Briefen an seinen Vater nicht genug zu rühmen und war 
deshalb froh, den Aufenthalt in Heidelberg bis zu Ende des 
Jahres 1837 verlängern zu dürfen. Mit guten Empfehlungen 
ausgerüstet, fehlte es ihm auch nicht an geselligen Eindrücken 
und Genüssen, am i. Februar 1837 konnte er seinem Vater 
brieflich berichten : »Ich habe, da von Deiner Seite keine 
Contreordre erfolgte, meine Ballreisen nach Mannheim öfters 
wiederholt. Außer auf jenen beiden Bällen, wovon ich Dir 
schon im letzten Briefe schrieb, bei Hofe (d. h. am Hofe der 
verwittweten Großherzogin Stephanie von Baden) und bei 
Graf Ingelheim, bin ich noch bei Graf Luckner, bei der 
Fürstin Isenburg und gestern wieder bei Hofe gewesen. Auch 
war ich hier auf einem Balle bei Hofrath Pucholt und bin 
Donnerstag wieder zu Graf Oberndorf eingeladen, wohin ich 
aber nicht gehen werde, da ich schon vorher eine Einladung 
zu einem Balle in einem englischen Hause in Heidelberg, bei 
Mrs. Mitchel, angenommen hatte«. Das große Ereigniß seiner 
Heidelberger Studienzeit war die Ferienreise nach Paris, die 
ihn im August 1836 rheinabwärts bis Köln, über Aachen nach 
Brüssel und Antwerpen, von Brüssel nach Paris führte. Bei 
der Fahrt von Brüssel nach Antwerpen sah Biedermann zum 
erstenmal eine Eisenbahn, ohne Ahnung, wie nahe ihn sein 
eignes Lebensgeschick mit der neuen weltumwälzenden Er- 
findung verknüpfen sollte. Von Paris aus unternahm er einen 



Chronik. 291 

Ausflug über Rouen nach Hävre und von Hävre eine kleine 
Seereise nach Honfleur. Mitte Oktober wurde die Rückreise 
über Chalons, Nancy und Straßburg angetreten. In Paris 
hatte er jede Stunde ausgenützt, sogar einem heftigen Un- 
wohlsein dabei getrotzt ; der Gewinn an Welteindrücken und 
Kunstanschauungen dünkte ihm beträchtlich. Anfang 1S38 
kehrte der Rechtsstudent nach Leipzig zurück, meldete sich 
schon jetzt zum Acceß beim Leipziger Stadtgericht, widmete 
sich mit allem Eifer dem Abschluß seiner Studien und wurde 
Ende 1839 zu den damals bestehenden juristischen Prüfungen 
zugelassen. Das Jahr 1840 gehörte den Arbeiten für diese 
Prüfungen, das Advokatenspecimen (damals die schriftliche 
Staatsprüfung der sächsischen Juristen) Biedermanns erhielt 
die erste Censur, die Nachricht davon kam ihm in Neapel 
zu. Denn im März 1841 hatte er, in Gemeinschaft mit seinem 
Alters- und Studiengenossen, dem nachmaligen Präsidenten 
des sächsischen Oberlandesgerichts von Weber, eine Reise 
nach Italien angetreten, die ihm sein Vater als Belohnung 
für die glücklich zu Ende geführten Studien gewährte. Ueber 
Wien, Triest und Venedig zogen die jungen Reisenden nach 
Bologna, Florenz, Rom und Neapel. Es war wirklich noch 
eine italienische Reise alten Stils, man gelangte mit dem 
Vetturino bis Rom, genoß die altitalienischen Polizeifreuden 
und Paßscherereien (Biedermanns Paß wies mehr als fünfzig 
Visa aufl), man nächtigte und rastete zwischen Florenz und 
Rom noch in Cortona, Spoleto und Terni, man begrüßte 
noch meilenweit von Rom in der Campagna die auftauchende 
Kuppel von St. Peter mit frohem Jauchzen. Während des 
römischen Aufenthaltes lernte Biedermann noch Veteranen 
des deutschrömischen Künstlergeschlechts aus dem Beginne des 
neunzehnten Jahrhunderts, wie den Landschafter Chr. Reinhart 
und den Bildhauer Martin Wagner kennen, feierte das Cervara- 
fest des Ponte-Molle-Vereins unter dem Präsidium Robert 
Reinicks mit, erhielt den halben Bajoccoorden am rothen Bande, 
besuchte das Atelier Thorwaldsens, sah von der Loggia der 
Laterankirche aus Papst Gregor XVI. Stadt und Erdkreis 
segnen, saß die Abende mit Künstlerfreunden in der alt- 
römischen Kneipe zur Chiavica, kurz, genoß neben den Herr- 
lichkeiten, die auch dem heutigen Reisenden geblieben sind, 
ein gut Stück eines seitdem bis auf den letzten Rest ver- 
schwundenen Lebens. Nach mehrmonatlichem Aufenthalt in 
Rom brach er mit seinem Freunde von Weber nach Neapel 
auf, von wo die üblichen Ausflüge nach dem Vesuv, den Golf- 
inseln, Sorrent und Salerno so wenig unterlassen wurden als 
von Rom aus der Besuch des Albaner- und Sabinergebirges. 
Von Neapel fuhren die deutschen Reisenden mit dem Dampfer 
nach Genua, benutzten den Aufenthalt in Livorno zu einem. 

19* 



292 Chroxik. 

Besuch Pisas und wandten sich endlich zu den norditalienischen 
Seen, um über die Schweiz, Heidelberg, Frankfurt und Leipzig 
heimzukehren. Im nächstfolgenden Jahre 1842 ließ sich Bieder- 
mann als Advokat in Dresden nieder, trat aber als Referendar 
bei der Kreisdirektion zu Dresden am 7. Januar 1845 in den 
Staatsdienst, gehörte vorübergehend den Kreisdirectionen zu 
Bautzen und Zwickau an und ward 1849 '^^^'^ Directorium 
der damaligen Chemnitz-Riesaer Eisenbahngesellschaft als 
Regierungskommissar mit dem Wohnsitz in Döbeln zuge- 
ordnet. Am I. Januar 1851 trat die genannte Gesellschaft 
ihr Eigenthumsrecht an den sächsischen Staat ab, der den 
Fortbau und die Vollendung der Bahn übernahm, Biedermann 
trat als Director an die Spitze der neu errichteten staatlichen 
Direction und erhielt seinen Sitz in Chemnitz. Er betrieb 
mit Eifer die Vollendung der Bahn, die am i. Oktober 1853 
dem vollen Betriebe übergeben ward. Im Jahre 1858 wurden 
die sächsischen Staatseisenbahnen zwei Hauptdirectionen in 
Leipzig und Dresden unterstellt, Herr von Biedermann zum 
stellvertretenden Vorsitzenden bei der Direction der west- 
lichen Staatseisenbahnen in Leipzig ernannt. Hier verblieb 
er ein volles Jahrzehnt, als aber im Juli 1869 die sämmtlichen 
sächsischen Staatseisenbahnen eine gemeinsame General- 
direction erhielten, trat er mit dem Titel eines Geheimen 
Finanzraths, als Vorstand der zweiten technischen Abtheilung 
und als Stellvertreter des Generaldirectors, in diese hohe Be- 
hörde ein und hatte fortan seinen Wohnsitz in Dresden. Bald 
nach seiner Uebersiedlung erkaufte er das in der Hohen 
Straße gelegene Gartengrundstück mit einem bescheidnen 
Hause, in dem er über dreißig Jahre wohnte. Durch seine 
Verheirathung mit Antonie von Trützschler hatte er sich ein 
glückliches Familienleben geschaffen und wenn bei dem zahl- 
reichen Kinderkreis, der ihn umgab, naturgemäß Freud und 
Leid wechselten, so bewährte der im innersten Kern seines 
W^esens tapfere Mann eine wundersame elastische Kraft 
gegenüber dem Auf und Ab des Lebens. In seinen amtlichen 
Verhältnissen erwarb er durch seine Pflichttreue und unermüd- 
liche Thätigkeit immer höheres Ansehen, hatte an der glänzen- 
den Entwicklung des Verkehrswesens im Königreich Sachsen 
entscheidenden Antheil, galt auf dem Gebiete des Expro- 
priationswesens (auch litterarisch) als erste Autorität und ließ 
sich durch seine Lieblingsstudien und litterarischen Neigungen 
von seinen Aufgaben als Beamter niemals abziehen. 

Denn freilich, so vortrefflich und thätig W. von Bieder- 
mann die Forderungen seiner äußeren Lebensstellung erfüllte, 
so gab es keine Zeit in seinem Leben, in der diese äußere 
Stellung ihm genügt hätte. Schon als Schüler und Student 
hatte er eine fast leidenschaftliche Theilnahme an allen Dar- 



Chronik. 293 

bietungen der Kunst an den Tag gelegt, poetische Versuche 
gemacht und dem Rückertschen Spruche gemäß, daß Sprachen- 
kunde das Mittel zur Weltverständigung sei, früh und spät 
auf »Sprachenbändigung« gesonnen. In Heidelberg suchte 
er des Englischen Herr zu werden, verstand und las neben 
dem Französischen, Italienischen und Spanischen auch Dänisch 
und Schwedisch, Polnisch und Russisch, trieb Sanskrit und 
Arabisch, Malaiisch und Chinesisch, wurde mit dem Finnischen, 
Esthnischen und Magyarischen so weit vertraut um es lesen 
und übersetzen zu können, noch in seinen letzten Lebens- 
jahren beschäftigte er sich um der Lieder willen mit der 
Suahelisprache. Mit erstaunlicher Raschheit und Leichtigkeit 
bemächtigte er sich der Grammatik und der lautlichen Eigen- 
art jeder Sprache, alle Resultate der vergleichenden Sprach- 
forschung nahmen durch ein halbes Jahrhundert hindurch 
seine verständnißvolle Aufmerksamkeit in Anspruch, ohne 
ihn jemals seinem eigentlichen Lebensinteresse, der Theil- 
nahme an der Literatur, den großen Dichtererscheinungen 
und vor allem an unserem größten Dichter abwendig zu 
machen. Als junger Mann veröffentlichte er unter dem 
Namen Ottomar Föhrau die Dichtung »Eine Sängerjugend« 
(Dresden 1847), fuhr auch später fort, in lyrischen Gedichten 
seinen persönlichsten Gefühlen Ausdruck zu geben, bethätigte 
sich aber vorwiegend als Uebersetzer fremder Lyrik und 
trachtete sich ihres Formenreichthums zu bemächtigen, wie er 
denn schon als Ottomar Föhrau das malaiische Pantun für 
deutsche Nachbildung gewinnen wollte. Als seit den fünfziger 
Jahren die unablässige Beschäftigung mit Goethes Leben und 
Wirken mehr und mehr in den Mittelpunkt seiner Studien 
und literarischen Arbeiten trat, machte er auch seine poetischen 
Antriebe dieser alles beherrschenden Neigung dienstbar. Der 
Versuch, in einem Schauspiel »Doktor Goethe in Weimar«, 
das unter dem Pseudonym Einem (Leipzig 1864) als Hand- 
schrift für Bühnen gedruckt ward, Goethes früheste Erlebnisse 
an Karl Augusts Hofe dichterisch zu behandeln, erwies mehr 
seine völlige Vertrautheit mit den Menschen und Zuständen 
der Weimarischen Genieperiode, als dramatisches Talent. 
Seine letzte größere poetische Arbeit, die Ausführung des 
Goetheschen Elpenor, dessen dritten bis fünften Act er mit 
feiner Nachempfindung der dichterischen Lebensanschauung 
wie des poetischen Stils seines großen Vorbildes ergänzte, 
wurde ein bleibendes Zeugniß dafür, wie tief sich Biedermann 
in den Dichter hineingelebt hatte, der ihm der Höhepunkt 
aller neueren Kultur blieb. 

Lange Jahre mehrte Biedermann seine Sammlungen, seine 
Kenntnisse und seine Einsichten, trat nur mit einzelnen 
interessanten Nachrichten und Aufsätzen in die Oeffentlichkeit, 



294 Chronik. 

ließ, gleich Salomon Hirzel und Anderen, einzelne fliegende 
Blätter für die Goethegemeinde drucken, und gelangte erst 
seit den sechziger Jahren zum Abschluß größerer Arbeiten. 
In den Büchern »Goethes Beziehungen zum sächsischen Erz- 
gebirge und zu Erzgebirgern« (Leipzig 1862), «Goethe und 
Leipzig« (Leipzig 1865), »Goethe und Dresden« (Leipzig 1875) 
verband sich seine lebendige Anschauung des Dichters und seines 
ganzen Lebens mit heimathlichen Ueberlieferungen, mit um- 
fassender Kenntniß sächsischer Menschen und Zustände. 
Vieles was in diesen Schriften Vergangenheit schien, war für 
ihn in einem gewissen Sinne noch Gegenwart. In den 
sechziger Jahren begannen auch einzelne der Studien und 
Erläuterungen hervorzutreten, die später in den drei Samm- 
lungen seiner »Goethe-Forschungen« (Frankfurt a. M. 1879 
und 1886; Leipzig 1899) vereinigt wurden, Forschungen, von 
denen besonders die Nachweise über Quellen und Anlässe 
der dramatischen Dichtungen Goethes zu allgemeiner Schätzung 
gelangten. Selbständig blieb die Schrift »Zu Goethes Gedichten« 
(Leipzig 1870), die der Verfasser durch spätere Nachträge fort- 
gesetzt zu ergänzen bemüht war. Die Herausgabe von 
»Goethes Briefen an Eichstädt« (Berlin 1872), von »Goethes 
Briefwechsel mit Rochlitz« (Leipzig 1887), die »Erläuterungen 
zu den Tages- und Jahresheften« (Leipzig 1S94), die Be- 
theiligung an den Hempelschen Goethe-Ausgaben, für die er 
als 29. Band die Goethischen Aufsätze zur Literatur redigirte, 
die zahlreichen Aufsätze Biedermanns im »Goethe-Jahrbuch«, 
in der »Wissenschaftlichen Beilage der Leipziger Zeitung« er- 
wiesen die immer weitere Ausdehnung seiner Thätigkeit auf 
diesem Felde. Für die Weimarische Ausgabe der »Briefe 
Goethes« gab Biedermann die beiden ersten Bände, die Briefe 
von 1764 — 17 71 »Frankfurt, Leipzig, Straßburg« und die 
Briefe von 1771 — 1775 »Frankfurt, Wetzlar, Schweiz« um- 
fassend (Weimar 1887) heraus. 

Im Jahre 1887 trat Biedermann, mit dem Titel eines 
Geheimraths und dem Komturkreuz des sächsischen Ver- 
dienstordens ausgezeichnet, in den Ruhestand. Da ihm jetzt 
die noch übrige Lebenszeit ausschließlich für seine litterarischen 
Arbeiten gehörte, so nahm er sofort die längst geplante und 
vorbereitete große Sammlung von »Goethes Gesprächen« 
(Leipzig 1889 — 1898) in Angriff, eine Sammlung, über deren 
Bedeutung und Verdienst an dieser Stelle oft genug berichtet 
worden ist und für die G. von Loeper das gewichtigste 
Zeugniß ablegte. Seit der Gründung der Goethe-Gesellschaft 
gehörte Biedermann dieser mit allem liebenswürdigen Eifer 
seines Naturells an, 1892 ward er in den Vorstand der Ge- 
sellschaft, 1894 zu einem der beiden Vicepräsidenten gewählt. 
Die Jahresversammlungen besuchte er regelmäßig. Ihm be- 



Chrokik. 295 

deutete, wie ich im Auftrag und Namen der Gesellschaft an 
seinem Sarge mit voller Wahrheit sagen durfte: die Goethe- 
Gesellschaft die reife Frucht nach langer Aussaat, an der er 
thätig und freudig Antheil genommen hatte, die Erfüllung 
langgehegter Hoffnungen und Wünsche, die kräftige Zu- 
sammenfassung lange vereinzelt gebliebener Bestrebungen. 
Ihr Gedeihen war ihm Herzenssache und gern hätte er, wäre 
dazu irgend Aussicht gewesen, die Vollendung der großen 
Weimarischen Ausgabe von Goethes Werken noch erlebt. 

Bis in seine letzten Lebensjahre arbeitslustig, geistig 
regsam, blieben ihm leider die Gebrechen des höheren Alters 
und die Leiden längerer Krankheit nicht erspart. Die Ge- 
fahr einer Erblindung wurde noch im Jahre 1901 durch eine 
glückliche Operation wieder beseitigt, aber das alte kräftige 
Lebensbehagen wollte nicht wiederkehren, auch als er noch- 
mals an den Zusammenkünften der Dresdner Vierzehner- 
gesellschaft und des kleinen Dresdner Goethevereins, dessen 
Ehrenpräsident er war, Antheil nahm. Aber auch in den 
letzten Tagen seines Lebens verleugnete sich seine liebens- 
würdige Güte und seine selbstlose Hingebung an geistige 
Interessen nicht. Am 6. Februar starb er, am 9. wurde er 
nach schlichter, aber unter großer Theilnahme stattfindender 
Trauerfeier auf dem alten Annenfriedhof zu Dresden bestattet. 

Adolf Stern. 




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Bibliographie. 



I. Schriften. 

A. WEIMARER GOETHE-AUSGABE. 

Im Jahre 1902 und im Anfang des Jahres 1903 sind 
folgende Bände erschienen: I. Abtheilung, Band 34: Sanct 
Rochusfest zu Bingen. Im Rheingau, Herbsttage. Kunst und 
Alterthum am Rhein und Main. Aus einer Reise in die 
Schweiz, bearbeitet von Eckermann. Band 41, i. Abtheilung: 
Aufsätze zur Literatur 1807 — 1822. III. Abtheilung, Band 13: 
Goethes Tagebücher 1831, 1832. IV. Abtheilung, Band 26: 
Goethes Briefe, Mai 1815 bis April 1816. Band 27: Goethes 
Briefe, Mai 18 16 bis Februar 181 7. 

Der Bericht über die Lieferungen 1902 und 1903 erfolgt 
im Jahrbuch 1904. B. Suphan. 



B. NEUE AUSGABEN DER WERKE. 



Goethes sämtliche Werke. 
Jubiläums-Ausg. in 40 Bdn. 
Hrsg. V. Eduard v. d. Hellen. 
I. Gedichte. Mit Einleit. von 
Ed. V. d. Hellen, i. Th., XXX, 
384 SS. m. I Taf. — 6. Reineke 
Fuchs, Hermann u. Dorothea, 
Achilleis. Mit Einl. v. Herrn. 
Schreyer. — 12. Iphigenie auf 
Tauris. — Torquato Tasso. — 
Die natürl. Tochter. Mit Ein- 



leit. V. Albert Köster. XXXII, 
367 SS. Stuttgart, Cotta. Geh. 
M.i.2o,Geb. jeM. 2.— u. 3. — . 
Goethes Werke. Unter Mit- 
wirkung mehr. Fachgelehrter. 
Hrsg. von Karl Heinemann. 
5. Bd.: Faust I. IL, bearb. v. 
O. Harnack. 583 SS. — 6. Bd. 
Dramen in Versen: Iphigenie 
auf Tauris, Tasso, Natürliche 
Tochter, Mitschuldigen, Laune 



' Vgl. im Allgemeinen Bd. XVI, 274, XXI, 294. 



Bibliographie. 



297 



des Verliebten, bearb. von 
K. Heinemann. 487 SS. — 
7. Bd.: Dramen in Prosa: 
Götz V. Berlichingen, Egmont, 
Clavigo, Stella, Geschwister, 
Groß-Cophta, Bürgergeneral, 
bearb. v. Th. Matthias 5 19 SS. 
— XIII, Dichtung u. Wahrheit, 
II. — 20. Buch, Biogr. Einzel- 
heiten mit Sachregister zu 
Bd. XII u. XIII, bearb. von 



K. Heinemann. Leipzig, Bib- 
liograph.Institut.Geb.äM.2. — . 
Goethes sämmtl. Werke in 
36 Bdn. Berlin, Th. Knaur 
Nachf. In 9 Lwdbdn. VIII, 
439; VI, 441; V, 384; III, 
492; III, 436; III, 381; III, 
479. 389. 428; III, 367, 446, 
471; IV, 393; VI, 397, IV, 
375; IV, 480; IV, 391 u. VII, 
478 SS. M. 14. — . 



C. UNGEDRUCKTES. 

BRIEFE. GESPRÄCHE. 



Goethes Briefe. Ausgew. u. 
in chronolog. Folge m. Anra. 
Hrsg. V. E. von der Hellen. 
Band II (i 780—88). Stuttgart, 
Cotta. Lwd. M. i.— . 

Goethes Briefe. Ausgew. u. 
in chronolog. Folge m. Anm. 
Hrsg. V. Ed. von der Hellen. 
Band I. Cottas Handbibliothek 
Nr. 26. VII, 314 SS. M. —.70. 

Goethe -Briefe. Mit Einleit. 
u. Erläut. V. Ph. Stein. Bd. II. 
Weimarer Sturm und Drang. 
1775—83. Mit Goethes Bild- 
niß aus d. J. 1776 n. d. Gem. 
v. G. M. Kraus gest. v. Chodo- 
wiecki. Berlin, O. Eisner. XVI, 
312 SS. M. 3.—. 

Goethe-Briefe. Mit Einleit. 
u. Erläut. Hrsg. v. Ph. Stein. 
Band III. Weimar u. Italien. 
1784— 1792. Mit Goethes Bild- 
niß a. d. J. 1786 n. d. Gem. 
von J. W. Tischbein. Berlin, 
Otto Eisner. XV, 313 SS. 
M. 3.-. 

Sternberg, Kaspar v. : Aus- 
gew. Werke. Hrsg. v. A. Sauer. 
Bd. I. Briefw. zwischen J. W. 
v. Goethe u. K. v. Sternberg. 



1820—32. M. 3 Bild. Prag, 
Calve. XLI u. 434 SS. M. 4.—. 

Goethe u.Oesterreich. Briefe 
mit Erläut. Hrsg. v. August 
Sauer. Mit zwei Lichtdrucken, 
(Schriften der Goethe-Gesell- 
schaft. Im Auftrage des Vor- 
standes hrsg. V. Erich Schmidt 
und Bernhard Suphan. 17. Bd.) 
Weimar, Verlag der Goethe- 
Gesellschaft. CXXV u. 368 SS. 

A.S(auer): EinBriefGoethes 
an Zach. Werner. (Euphorion 
IX, I, S. 212.) 

Verz. d. Abweichungen des Orig. 
2. Mai 1808 von dem Concept. 
W. A. 20, 56 f. 

B. Suphan: Der Agamemnon 
d.Aeschylus. Ein unbekannter 
Brief Goethes an Wilhelm von 
Humboldt, den Uebersetzer 
der Tragödie. (Frkf. Ztg. 362, 
I. Mgbl.) 

Goethes Brief an Metternich 
vom 30. Juli 181 7. (Mit einem 
vierseitigen Facsimile als be- 
sondere Beilage.) (Chronik des 
Wien.Goethe- Vereins, Bd.XVI, 
Nr. II — 12, 24. Dez.) 

Jakob Caro: Zwei Briefe 
A. v. Humboldts u. Goethes. 



298 



Bibliographie. 



(Studien zur vergleichenden 
Litteraturgesch. I, 4. Berlin, 
A. Duncker.) 

E. Petzet: Goethe u. Macco. 
Mit Briefen von Alexander 
Macco u . Friedrich v. Müller. 

Maler Macco (geb. 1767 und 
f 1852) lieferte eine Oelskizze des 
»Charon«, auf den Goethe die 
Maler hingewiesen hatte. Brief- 
wechsel mit Kanzler Müller. Goethe 
an Macco (1824, Juni 15.), bereits 
»Grenzboten« 1874, 11, i, 189 f. 
gedruckt, hier jedoch nach dem 
Original berichtigt. Macco an 
Goethe (1824, Mai 17., Juni 11., 
1828, Sept. 30.) S. 299. An Macco. 
(»O schöner Traum, wer ruft dich 
mir in's Leben«), wahrscheinlich 
von Kanzler Müller. (Studien zur 
vergleichend. Litteraturgesch. 
II, 3. Berlin, A. Duncker.) 

Th. Achelis: Der junge 
Goethe. (Ueber Goethe-Briefe, 
herausg. von Philipp Stein. I, 
(Das Magazin für Litteratur. 
LXXI. S. 53-57-) 

A. Härlin : Goethe als Brief- 
schreiber. (Leipzig. Tagbl. 
436.) 



Felix Poppenberg : Goethe- 
wege (Ueber Goethes Briefe. 
Hrsg. von E, v. d. Hellen.) 
(Neue deutsche Rundschau, 

XIII, s. 957-963) . 

J. V. AVidmann : Beim Lesen 
Goethe'scher Briefe. (Die 
Nation. Nr. 36, 7. Juni.) 

J. Sittard: Weimarer Sturm 
u. Drang. (Hamb. Corr. 229,) 

W.Lauser: Goethe in seinen 
Briefen. (Nordd.Allg.Ztg.115.) 



Eckermanns Gespräche mit 
Goethe in den letzten Jahren 
seines Lebens. 3 Thle. in i Bd. 
mit Einleitung, Anmerk. und 
Register, Hrsg. v. L. Geiger. 
Mit 2 Bildn. u. Facs. Leipzig, 
Hesse. XXXV, 675 SS. Br. 
M. 1.25, geb. M. 1.75. 

Otto Julius Bierbaum: Ein 
deutsches AVeihnachtsbuch. 
(Goethes Gespräche, hrsg. v. 
Woldemar, Freiherr v. Bieder- 
mann.) (Die Sonntags-Zeit, 
Bell. Beil. zu Nr. 83 der »Zeit«. 
21. Dez.) 



D. EINZELSCHRIFTEN. 

ALLGEMEINES, CRITISCHES, BIBLIOGRAPHISCHES, 
SPRACHLICHES, CATALOGE, VARIA. 



Goethe-Studien von Max 
Morris. 2 Bände, Zweite ver- 
änderte Aufl. Berlin, C.Skopnik, 
VII, 340; III, 297 SS. M. 6.—. 

Enthält: (Die mit einem * ver- 
sehenen Aufsätze sind zum ersten 
Mal gedruckt.) Bd. I.: *Die Form 
des Urfaust. — Swedenborg im 
Faust. — Die geplante Disputations- 
scene im Faust. — Die Walpurgis- 
nacht. — Faustquellen. — *Gemälde 
und Bildwerke im Faust. — Die 
Faustparalipomena. — Faustmotive 
in Goethes übriger Dichtung. — 



*Prometheus und Hanswurst. — 
Pandora. — DerSchuhu in Goethes 
Vögeln. — Frau von Stein und die 
Königin der Nacht. — Schillers 
Totenfeier. — Bd. IL: Herzogin 
Luise in Goethes Dichtung. — 
Christiane Vulpius in Goethes 
Dichtung. — Christus in Rom. — 
*Hermann und Dorothea und das 
Fähnlein der sieben Aufrechten. — 
Die Achilleis. — Ueber die Quelle 
der Wahlverwandtschaften. — 
Goethes Gedicht: Flieh, Täubchen, 
flieh! — Zu Goethes Gedicht: 
Deutscher Parnaß. — Die Weis- 



Bibliographie. 



299 



sagungen des Bakis. — Goethe 
und der Genius anderer Welten. — 
*Mittheilung aus Handschriften. — 
*Zur Textkritik. — Zur Datierung 
Goethescher Briefe. — Von den 
Miscellen sind neu: Zu Epimenides. 

— Das Urbild des Satyros. — 
Zum Titel: Dichtung und Wahr- 
heit. — An den neuen St. Antonius. 
Eine Theaterrede Goethes. 

Jahresberichte für neuere 
deutsche Litteraturgeschichte. 
]Mit besonderer Unterstützung 
von Erich Schmidt, hrsg. von 
J. Elias, M. Osborn, W. Fabian, 
C. Alt, F. Gotthelf. 9. Bd. J. 
1898. 3. u. 4. (Schluß-)Abth. 
Berlin, B. Behr. Lex.-8°. VIII, 
159 SS. M. 8.—. 

IV. 8 b. Strack A., Goethes Leben. 

— IV, 8 c. Pniower O., Goethes 
Lyrik. — IV, Bd. Alt C., Goethes 
Epos. — IV, 8e. Weißenfels R., 
Goethes Drama. 

Chronik des Wiener Goethe- 
Vereins. 16. Jahrg. Im Auftr. 
d. Aussch. d. Wiener Goethe- 
Vereins redig. v. Rudolf Bayer 
von Thurn. Wien, Wiener 
Goethe-Verein. 12 Nummern. 
58 SS. in 4*'. 

[Die selbständigen Aufsätze und 
Mittheilungen sind einzeln erwähnt. 
Unerwähnt bleiben geschäftliche 
Notizen, Kassenbericht, Bemer- 
kungen üb. Goethe-Abende, Biblio- 
thek, Denkmal, Recensionen. Be- 
sondere Hervorhebung verdient die 
in den letzten Nummern abge- 
druckte Goethe-Bibliographie von 
A. L. Jellinek, die im Folgenden 
benutzt ist.] 

Goethekultur, nicht Goethe- 
kultus. Ein Mahn- u. Weckruf. 
Frankfurt a. M., Englert & 
Schlosser. M. — 60. 

Die Wartburg. Goethe- 
Nummer. Jahrg. I. Nr. 22. 
29. August. München, J. F. 
Lehmann. 



Zur Charakteristik Goethes 
von J. Kohler. — (VomLebens- 
pfad. Ges. Essays.) Mannheim, 
Bensheimer. S. 124 — 128. 

Theodor Lessing: Ueber 
Goethe. (Die neue Zeit, Stutt- 
gart. XX, S. 572— 576, 604— 
608.) 

H. Schoeler: Ueber den 
Begriff des Dämonischen bei 
Goethe. — (Die Grenzboten, 
Bd. 2, S. 318 — 325, 364—370.) 

K. W. Goldschmidt: Der 
Kampf mitGoethe. (Der Osten, 
Görlitz, XI, Nr. 5.) 

Th. D[iste]l : Zu Goethes Ge- 
burtstag. Zwei glückliche Tage 
auch Goethes. (Dresdner An- 
zeiger 237, 28. August.) 

W. Bode: Die neun Musen 
Goethes (Liebe, Jugend, Ein- 
samkeit, Sammlung etc.) (Ber- 
liner Tageblatt, Der Zeitgeist, 
Nr. I.) 

Alliterirende Wortverbin- 
dungen bei Goethe. Von 
Wilhelm Ebrard. 2. Th. (Progr 
des Alten Gymnasiums in 
Nürnberg. 1902. 8^ 31 SS.) 

Fernand Baldensperger: Zu 
Goethe in Frankreich : Notes 
sur la prononciation francaise 
du nom de Goethe. (Euphorion, 
Bd. IX, 2. u. 3. Heft, S. 423— 
426.) 

Matthias: Goethe und die 
Fremdwörter nach den Neu- 
bearbeitungen seiner Werke. 
(Zeitschrift des Allg. Deutsch. 
Sprachvereins. 17. Jahrgang. 
Nr. 3, März.) 

Richard M. Meyer : Goethe- 
Schriften. (Das litterarische 
Echo. IV. Jahrg., Nr.9, Februar- 
Heft, Spalte 591 — 596.) 

Richard M. Meyer : Goethe- 
Schriften. (Das litterarische 



300 



Bibliographie. 



Echo. V. Jahrg., Nr. 4. Zweites 
November-Heft, Sp. 234-243.) 

Hans Benzmann: Goethe- 
Literatur. (Südwestdeutsche 
Rundschau. II, 19. S.351-354.) 

Alfred Klaar: Goethe- 
Schriften. (Voss. Zeitung, 26. 
27. Juni.) 

Ausführlich über das G.-J. 

Paul Alicke in Dresden: 
Antiquariats-Catalog Nr. 32. 
Faust-Literatur Nr, 726 — 774. 

— Bibliothek Ewald ßöcker, 
Kosen. Antiquariats-Catalog 
Nr. 41, S. 13 — 21. Goethe. 

— S. Calvary & Cie., Antiq.- 
Catalog Nr. 213. Goethe. 
S. 46 — 53. 177 Nummern. — 
Otto Ficker, Leipzig, Nr. 6, 
Deutsche Sprache u. Literatur 
(mit einem seltenen Konvolut 
Goetheana.) — Rudolf Heger 
in Wien : Catalog Nr. 25. Ger- 
manistik, Deutsche Sprache u. 



Literatur. Nr. 1487 — 1877. 
Goethe-Literatur. — List & 
Francke in Leipzig: Auto- 
graphen-Auct. Schwender in 
Dresden v. 14. April u. ff.: 
J. W. V. Goethe Nr. 721—36. 
Uebrige Goethesche Familien- 
glieder Nr. 731 — 736. — Hugo 
Streisand, Berlin (erste Aus- 
gaben). — Süddeutsches Anti- 
quariat, München, Cat.XXXIV. 
Bibliothek Görres III, Goethe, 
S. 25 — 33. 226 Nummern. — 
Adolf Weigel Nr, 64. Deutsche 
Literatur, Goethe, ca. 400 
Nummern. Gesammt-Einzel- 
Ausgaben,Biogr. .Erläuterungs- 
schriften, Bildliches, v. Zahn u. 
Jaensch, Antiquariat, Dresden. 
Nr. 138. Goethe und Schiller 
u. die Literatur der classischen 
Periode. Goethe. S. 8—34, 
58 — 60. 901 Nummern. 



2. DRAMEN. 



Egmont. Mit Einleit. von 
K. Goedeke. Cotta'sche Hand- 
bibliothek Nr. 23. 82 SS. 
M. — .20. 

Egmont. F. d. Schulgebrauch 
hrsg. V, K. Hoeber. Münster, 
Aschendorff, 139 SS. Gbd. 
M. —.95. 

Egmont. Von J. Stoffel. 
(Deutsche Dramen u. epische 
Dichtungen für den Schul- 
gebrauch erläutert. VIII.) 
Langensalza, H.Beyer&r Söhne. 
III, 80 SS. M. —.80. 

Armin Seidl: Wieder ein- 
mal Goethes Egmont. (Zeit- 
schrift f. d. deutschen Unter- 
richt. 16. Jahrgang, 4. Heft, 
15. April.) 



E. Kolbe : Goethes Gretchen 
und Klärchen, (Monatsblätter 
f. deutsche Litteratur. 6. Jahrg. 
Heft II.) 

KarlLöschhorn : Anspielung 
auf die «allgem. Humanität« 
und die »Logen« in Goethes 
»Epimenides Erwachen«. (Zeit- 
schrift f. d. deutschen Unter- 
richt. 16. Jahrg., Heft 8.) 

Götz von Berlichingen. Mit 
Einleitung von K. Goedeke. 
Cotta'sche Handbibliothek Nr. 
24. 104 SS. M. — .25. 

Götz von Berlichingen. Mit 
Erläut. für den Schulgebrauch 
V. J. Heuwes. 5. Aufl. Pader- 
born, F. Schoeningh. 194 SS. 
M. 1.40. 



Bibliographie. 



501 



Götz von Berlichingen mit 
der eisernen Hand. Ein Schau- 
spiel, hrsg. von M. Schmitz- 
Mancy. Münster, Aschendorf. 
176 SS. M. 2.—. 

Götz von Berlichingen. Von 
J. Stoffel. (Deutsche Dramen 
u. epische Dichtungen erläutert. 
IX.) Langensalza, Beyer & 
Söhne. IV, 74 SS. M. —.80. 

Götz von Berlichingen. Von 
Jaro Pawel. Veranlassung, 
Abfassung, Aufnahme u. Auf- 
fassung. (Progr. der Staats- 
Realschule in Wien. I. 40 SS.) 

Adolf Palm: Götz v. Berli- 
chingens eiserne Hand. (N. 
Fr. Pr, Nr. 13650, 24. Aug.) 

Julius Pistor: Ein Capitel 
aus d. Lebensgeschichte Götz 
von Berlichingens. (Histor. 
Jahrbuch. XXIII, S. 51 7 — 532.) 

Goethes dramat. Meister- 
werke in 2 Bdn. Leipzig, Hesse. 
Lwd. (244 u. 242 SS.) M. 1.20. 

t Faust I. u. II, von C. Nohle. 
Bielefeld, Velhagen & Klasing. 
1900 (?) 1 24 u. 156 SS. M. — .75 
und M, — .90. 

Goethes Faust von Kuno 
Fischer. Goethe-SchriftenBd.6. 
4. durchgesehene und ver- 
mehrte Aufl., Bd. I : Die Faust- 
Dichtung vor Goethe. Heidel- 
berg, C.Winter. 240 SS. M. 4. — . 

Goethes Faust von Kuno 
Fischer. Goethe-Schriften Bd.7 . 
4. durchgesehene u. vermehrte 
Aufl. Band II: Entstehung, 
Idee und Composition des 
Goethesch. Faust. Heidelberg, 
C. Winter. 272 SS. M. 4.—. 

Vorträge üb. Goethes Faust. 
Von Robert Petsch. (Würz- 
burger Hochschulvortr., Bd. I.) 
Würzburg, Ballhorn & Gramer 
Nachf. V, 198 SS. M. 2.—. 



Eine neue Faust-Erklärung. 
Von Hermann Türck. 3. Aufl. 
Berlin, O. Eisner. VII, 150 SS. 
M. 2.—. 

J.Herzfelder: UeberGoethes 
Faust. Vortrag. (Monatsblätter 
des Goethebundes in Augs- 
burg, Nr. I und 2.) 

Der Gang der Handlung in 
Goethes Faust. Von Otto 
Harnack. Darmstadt, Berg- 
straesser. 28 SS. M. — .40. 

Der dramatische Inhalt von 
Goethes Faust. Von Karl 
Wellen. Wien, C. Konegen. 
V, 183 SS. M. 3.-. 

Goethes Faust als einheit- 
liche Dichtung. Erläutert von 
Hermann Baumgart. Zweiter 
Band. Die Erklärung d. zweiten 
Theiles des Faust. Königs- 
berg i.Pr., Wilh Koch. 513 SS. 
M. 5.- (6.-). 

Mehr Licht. Die Klarstellung 
desGrundgedankens inGoethes 
Faust II. Theil von Richard 
Gorter. Leipzig, Ed. Wartigs 
Verlag. VIII, 176 SS. M. 2.—. 

Volksthümliche Erklärung 
von Goethes Faust i. u. 2. Th. 
Von Maria Pospischil. 266 SS. 
Hamburg, Ernst Hirt. M. — .50. 

R. Woerner: Fausts Ende. 
Antrittsrede. Freiburg i. Br., 
C. Troemer. 28 SS. M. —.80. 

A. Bossert: Le »Faust« de 
Goethe. Les origines et ses 
formes successives. (Revue 
des deux mondes. LXXI, IL 
S. 614 — 630.) 

C. Alt: Der Gedanke der 
Theodicee in Goethes Faust. 
(Preuss. Jahrbuch. April-Heft.) 

MaxHeynacher: Wie spiegelt 
sich die menschliche Seele in 
Goethes Faust? (Beilage zum 
Jahresberichte des Königl. 



302 



Bibliographie. 



Gymnasiums Andreanum zu 
Hildesheim, Ostern.) 

V. Müller: lieber die grund- 
legenden Ideen von Goethes 
Faust. (Das Wissen für Alle. 
II, S. 404—405.) 

Herm.Türck: NeueSpinoza- 
Elemente imFaust. (DieKultur, 
i.Jahro;., Heft 2, Zweites Juli- 
Heft.) " 

C. Klein: Die Lösung des 
Faustproblems. (Hann. Cour. 
23703.) 

Georg Brandes: Raslicnie 
Stili W. Fauste' Gete. Perewod 
s. damskago W. Spassky. 
(Verschied. Stilarten inGoethes 
Faust. Uebersetzt aus dem 
Dänischen von W. Spassky.) 
Pod Snamenem Nanki. (Unter 
dem Banner der Wissenschaft. 
Festschrift f. N. J. Slovozenko. 
Moskau, Wassiljew. S.565-579.) 

Eugen Reichel: Vorstudien 
zum »Faust« -Styl. Eine Gott- 
sched-Betrachtung z. 2. Febr. 
(Die Gegenwart. LXI, S. 70-74.) 

Goethes Faust als Bild seiner 
esoterischen Weltanschauung. 
Von Rud. Steiner. Berlin, 
F. Grunert. 32 SS. M. —.50. 

F. Baldensperger: Le Faust 
de Goethe et le Romantisme 
francais. (Mercure de France, 
Paris. Nr. 145.) 

A. Eloesser : Erlebnisse 
Fausts in Frankreich. (Voss. 
Zeitung, 89.) 

W. von Biedermann: Ur- 
Faust. (Dresdner Anzeiger, 
Montags-Beilage, 2. Jahrgang, 
Nr. 17, 28. April.) 

E. Tr.: Vor dem Thore. 
(Frkf. Ztg. 309, Abdbl.) 

Ernst Kraus: Breite Bettel- 
suppen. (Euphorion, Bd. IX, 
2. und 3. Heft, S. 41 7 fg.) 



Viktor Junk: »Krystallisirtes 
Menschenvolk«. (GoethesFaust 
IL Theil »Laboratorium.«) 
(Euphorion, Bd. IX, 2. und 
3. Heft, S. 327—331.) 

Max Rieger: Zum letzten 
Akte des Faust. (Euphorion, 
Bd. IX, 2. u. 3. Heft, S. 331 — 

338.) 

Richard M. Meyer : Cardinal 
Consalvi in Goethes Faust. 
(Chronik des Wiener Goethe- 
Vereins. Bd. XVI,^ Nr. 9 — IG, 
15. October.) 

Robert F. Arnold: Zur Er- 
klärung einer Goetheschen 
Textstelle. (Chronik d. Wiener 
Goethe-Vereins, Band XVI, 
Nr. 3—4, 15. März.) 

t Goethes Faust auf dem 
deutschen Theater. Von Georg 
Witkowski. (Bühne und Welt, 
IV. Jahrg., Nr. i, 2, 3, Oct.- 
Heft, I u. 2 ; Nov.-Heft 1. 1901.) 

E.Mentzel: Zwei interessante 
Faust-Zettel der alten Frank- 
furterMarionettenbühne. (Frkf. 
Gen.-Anz. 264.) 

P. G. Konody : The »Faust« 
revival at the Lyceumtheatre 
with Sketches by Nico Jung- 
mann. (The Artist N. S. I, 
S. 121- 125.) [Wills Bearbeitung 
des Goetheschen Faust.] 

R. Simonini: Mefistofele e 
Giobbe. (Rivista Moderna, 
I. October.) 

F. von Feldegg: Der neue 
Faust. Drama. Linz, Oest. 
Verlagsanstalt. 158 SS. 

Eduard Castle: Der ge- 
schichtliche Faust. (Nord und 
Süd. CII, S. 98—108.) 

Faust in Erfurt. Von Albert 
Pick. Eine kulturgeschichtliche 
Untersuchung. Leipzig, Gustav 
Fock. 48 SS. M. I.—. 



Bibliographie. 



303 



Siegfried Robert Nagel: 
Helena in der Faustsage. 
(Euphorion, Bd. IX, i. Heft, 

s. 43-69-) 

f K. F. Aug. Kellner: Theater 
in Neapel. (Faust als Zauber- 
stück.) (Bühne und Welt, IV. 
Jahrg., Nr. 3, Nov.-Heft i, 
1901.) 

Die Sage vom Doctor Hein- 
rich Faust. Der Jugend und 
dem Volke erzählt. Von Otto 
Berthold. Leipzig, K. G. Th. 
Scheffer. XIII, 259 SS. 

Hermann Stanger: Der Ein- 
fluß Ben Jonsons auf Ludwig 
Tieck. IL Der Anti- Faust. 
(Studien zur vergleichenden 
Litteraturgesch.il. Bd., i.Heft.) 

Iphigenie. Mit Einleit. von 
K. Goedeke. Cotta'sche Hand- 
bibliothek Nr. 25. 70 SS. 
M. —.20. 

Iphigenie auf Tauris. Für 
den Schulgebrauch. Herausg. 
V.K.Junker. 2. Abdr. Leipzig, 
G.Freytag. 96SS. Geb.M.— .60. 

Aesthetische Erklärung von 
Goethes Iphigenie auf Tauris. 
Von Martin Wohlrab. Dresden, 
Ehlermann. XIII, 84SS. M.i .50. 

Die Heilung des Orest in 
Goethes Iphigenie von Hans 
Laehr. Berlin, Georg Reimer. 
86 SS. M. 2.—. 

E.: Goethes Iphigenie in 
ihrer Bedeutung f. d. moderne 
Frau. (Die Wartburg, Goethe - 
Nummer, Jahrgang I, Nr. 22, 
29. August.) 

Die erste französische Auf- 
führung V. Goethes »Iphigenie« 
in Brüssel am 23. Januar, 
(Frkf. Ztg., Nr. 26.) 

Robert Kohlrausch : Ein 
Jubiläum der Iphigenie. (Hann. 
Courier, Nr. 23767.) 



Schauspielhaus u. Gerichts- 
hof. Von Siegfried Mondthal. 
Königsberg, Härtung. M. — .75. 

III. Die Mitschuldigen V. Goethe. 

Alexander von Weilen : 
Proserpina. (Chronik d. Wien. 
Goethe-Vereins. Band XVI, 
Nr. 3—4, 15. März.) 

Theodor Matthias: Herder- 
Satyros. (Zeitschrift für den 
deutschen Unterricht, 16. Jahr- 
gang, 2. Heft, 110 — 128.) 

Torquato Tasso. Ein Schau- 
spiel. Für den Schulgebrauch. 
Hrsg. V. S. Widmann. Münster, 
Aschendorff. 160 SS. Geb. 
M. 1.05. 

Le Tasse public avec un 
avant-propos, un argument 
analytique et des notes en 
francais par B. Levy. Paris, 
Lahure. XVI, 166 SS. Fr. 1.80. 

H. Steuding: Wie vergeistigt 
Goethe in seinen Dramen die 
der griechischen Mythologie 
entlehnten Motive ? (Zeitschrift 
für den deutschen Unterricht, 
16. Jahrg., 12. Heft. S. 729 — 

744-) 

A. Koch : Ueber den Vers- 
bau in Goethes Tasso und 
Natürliche Tochter. (Beilage 
zum Jahresber. des Friedrich- 
Wilhelm-Realgymnasiums zu 
Stettin. Ostern. 22 SS.) 

Max F. Hecker : Der Triumph 
d. Empfindsamkeit. Zum 24. Mai 
1902. Weimar, Hermann 
Böhlaus Nachfolger. M. — .25. 

Felix Poppenberg : Der 
Triumph der Empfindsamkeit. 
(Das litterarische Echo, 4.Jhrg., 
Nr. 9, Febr.) 

Das alte Frankfurter Schau- 
spielhaus und seine Vor- 
geschichte von E. Mentzel. 
Mit Abbild, desselben und 



304 



Bibliographie. 



20 Portraits. Frankfurt a. M., 
Literarische Anstalt, Rütten & 
Loening. 202 SS. M. 2. — . 
Dramaturgie des Schauspiels 
V. H. Bulthaupt. i. Bd. (Lessing, 
Goethe, Schiller.Kleist). 9. Aufl. 



Oldenburg, Schulze. XXIV, 
557 SS. M. 6.—. 

R. K(rauss): Goethe auf der 
Stuttgarter Bühne unter König 
Friedrich. (Frankf. Zeitung, 
No. I, 2. Mgbl.) 



3. GED 

Gedichte. Mit Einleit. von 
S. M. Prem, Goethes Bildn. u. 
Facs. 2 Tille. Leipzig, Hesse. 
XV, 208 u. 232 SS. Hlwd. 
M. -.85. 

Gedankenlyrik. Für Schule 
u. Haus. Hrsg. v. A. Matthias. 
Leipzig, G. Freytag. 118 SS. 
Gbd. M. —.80. 

Eduard von der Hellen: 
Goethes Lyrik. (Jahrbuch des 
Fr. D. H. I, S. 325-343-) 

Das deutsche Lied im 18. 
Jahrhundert. Quellen und 
Studien. Mit 350, theils ge- 
stochenen, theils in den Text 
gedruckten Musikbeispielen. 
Hrsg. von Max Friedlaender. 
L Band, 1. Abtheilung: Musik. 
LX, 384 SS. M. 8.—. 2. Ab- 
theilung: Musikbeispiele. VIII, 
360 SS. M. 12.—. IL Band: 
Dichtung. HI, 632 SS. M. 1 2.—. 
Stuttgart, Cotta. 

HeinrichBuck: Handschrift- 
liches aus dem West-östlichen 
Divan. I. IL (Chronik des 
Wiener Goethe-Vereins. XVI, 
Nr. 5-6, 7—8.) 

R. Sprenger: Zu Goethes 
»Der getreue Eckart.« (Zeit- 
schrift für den deutschen Unter- 
richt. 16. Jahrgang, 4. Heft. 
15. April.) 

O. Heuer: Ergo bibamus 
(mit Facsimile). (Jahrbuch des 
Fr. D. H. I, S. 35I-355-) 



I C H T E. 

Zur Erklärung von Goethes 
Gedicht: »Das Göttliche.« Von 
Emil Grosse. Berlin, Weid- 
mann. 28 SS. M. — .50. 

Paul V. Bojanowski: Goethe 
im Gesangbuch. (National- 
zeitung, Nr. 377.) 

»Wanderers Nachtlied« unter 
dem Titel »Friede und Freudigkeit 
in Gott« in einem Bremischen 
Gesangbuch. 

H, Draheim : Die wandelnde 
Glocke inLoewesComposition. 
(Zeitschrift für den Deutschen 
Unterricht, Jahrg. 16. 5. u. 6. 
(Doppel-)Heft. 20. Juni.) 

Albert Müller: Goethe und 
Epicharm. (Philologus, LXI, 
S. 312—313.) 

üebereinstimmung der Verse 
»Wie du mir, so ich dir« in der 
Sammlung »Epigrammatisch« mit 
Epicharm. Fragm. 118. 

t Albert Fries: Goethes 
Achilleis, Anhang. Berlin, 
E. Ebering, 1901. 17 SS. 

Albert Fries: — u. Hebbel 
als Sänger Achills. (Sonntags- 
Blatt des Reichsboten, Nr. 41, 
12. October.) 

TitiTosi: L'Achilleide di— . 
(Atene eRoma, V, S. 721-735.) 

Hermann u. Dorothea. Mit 
Einl. V. K. Goedeke. Cotta'sche 
Handbibliothek,Nr. 22. 166 SS. 
M. — .20. 

Hermann und Dorothea. 
Edit., with Notes, by C, A. 



Bibliographie. 



305 



Buchheim and Emma S. Buch- 
heim. With an Introd. by Ed- 
ward Dowden. 12 mo, pp. 192. 
Oxford, Clarendon Press. 3 sh. 

Hermann und Dorothea. 
Für den Schulgebrauch. Hrsg. 
V. A. Hauffen. 2. verb. Aufl. 
Leipzig, G. Freytag. 112 SS. 
Geb. M. —.60. 

Hermann und Dorothea. 
Herausg. von Dr. K. Mack. 
(Kleine Bibliothek, Nr. 78.) 
Hamm, Breer & Thiemann. 
VIII, 190 SS. M. —.30. 

Hermann und Dorothea. 
Erklärt und gewürdigt von 
J, Stoffel. 2. Aufl. (Deutsche 
Dramen und epische Dich- 
tungen für den Schulgebrauch 
erläutert. II.) Langensalza, H. 
Beyer und Söhne. IV, 92 SS. 
M. — .90. 

Hermann und Dorothea. 
Von Ferdinand von Saar. 
Idyll in 5 Gesängen. Kassel, 
G. Weiß. 86 SS. M. 1.50. 



Aufgaben aus Hermann u. 
Dorothea. Von H. Heinze u. 
W. Schröder. 3. Aufl. (Auf- 
gaben aus class. Dramen. 6.) 
Leipzig, W. Engelmann. 105SS. 
M. I.—. 

— epische Kunst u. Lebens- 
weisheit in Hermann und 
Dorothea. Von A. Biese. 
(Progr. Neuwied. 21 SS.) 

Der Apotheker in Hermann 
u. Dorothea. Von ? (Progr.d. 
Gymnas. in Landsberg. 23 SS.) 

L. Szoell: Hermann und 
Dorothea in Gera? (Frkf. Ztg. 
213, 2. Mgbl.) 

Reineke Fuchs. Text ge- 
sichtet f. d. Jugend v. Fraun- 
gruber, Illustrationen v. K. 
Fahringer. Wien, M. Gerlach & 
Co. 1 89 SS. 2 Bde. geb. M. 3.—. 

Erläuterungen zu Reinecke 
Fuchs von Karl Trenkner. 
(Königs Erläuterungen zu den 
Classikern. 61.) Leipzig, H. 
Beyer. 78 SS. M. —.40. 



4. PROSASCHRIFTEN. 



Aus meinem Leben. Dich- 
tung u. Wahrheit. Schulausg. 
v. J. Dahmen. 4. Aufl. mit 
8 Abbildung. Paderborn, F. 
Schoeningh. VIII, 178 SS. 
M. i.io. 

Aus meinem Leben. Dich- 
tung u. Wahrheit. Auswahl. 
Für d. Schulgebrauch. Hrsg. 
v. A. Egen. Münster, Aschen- 
dorfif. 403 SS. mit 12 Bild. 
Geb. M. 1.80. 

Dichtung und Wahrheit. 
Illustr. Ausg. unt. Mitwirk. v. 
J. Vogel u. J. Zeitler. Hrsg. 
V. Richard Wülker. Leipzig. 
H. Seemann Nachfolg. VIII, 
533 SS. InPrachtbd. M. 15.— . 

Goethe-Jahrbuch XXIV. 



Daniel Jacoby: Die Frank- 
furter Gelehrten Anzeigen und 
Christian Garve. (Euphorion, 
IX, Heft I.) 

Das Märchen. Mit 10 color. 
Bildern v. Hermann Hendrich. 
(Illustr. Ztg., Leipzig, Nr. 3 1 o i .) 

Mignon. Auszug ausWilhelm 
Meisters Lehrjahren v. Goethe. 
Zum Schulgebrauch. Hrsg. v. 
Dr. Lörcher. Velhagen & 
Klasing. M. — .80. 

Robert F. Arnold : Wilhelm 
Meisters Meisterjahre. (Chron. 
des Wiener Goethe-Vereins, 
Wien. Bd. XVI, Nr. 9—10.) 

Die Leiden des jungen 
Werther. (Pantheon-Ausgabe.) 



3o6 



Bibliographie. 



Textrevision und Einleit. von 
O. Pniower. Berlin, S. Fischer. 
XXVIII, 207 S3. mit Titelbild. 
Geb. M. 2.50. 

Louis P. Betz: Ein west- 
schweiz. Werther-Roman, Ben- 
jamin Constant's »Adolphe«. 
(Neue Züricher Zeitung 1902, 

Nr. 35-) 

Paul Seliger: Unbekannte 
Nachahmungen von Goethes 
Werther. (Zeitschr. f. Bücher- 
freunde, 5. Jahrg., II. Heft, 
S. 421 — 431.) 

Alfred Kappelmacher : 
Goethe als Homerübersetzer 
u. Homerinterpret. (Ztschr. f. 
österr.Gymn. 52. Jahrg., 12.H., 
S. 1057 — 1062). 



Albert Fries: Goethes 
Schema zur Ilias. (Wissensch. 
Beilage der Leipziger Zeitung 
Nr. 126, 21. Oct.) 

Albert Fries: Zu Goethes 
Iliasstudien. (Chron. d. Wien. 
G.-V. Band XVI, Nr. 11 — 12.) 

Josef Strzygowski : Hat 
Goethe Leonardos Abendmahl 
richtig gedeutet? Ein Beitrag 
zur Methodik der Kunst- 
betrachtung. (Euphorion, Bd. 
IX, Heft 2 u. 3. S. 316—327.) 

Aufgaben aus Goethes Prosa. 
Von P. Prohasel u. J. Wahner, 
(Aufgaben aus der deutschen 
Prosalectüre der Prima. Bd. 3.) 
Leipzig, W. Engelmann. VIII, 
76 SS. M. I.—. 



E. ÜBERSETZUNGEN. 



Goethe, Faust. [Vertaald 
door] J. J. L. ten Kate. 
[Nieuwe uitgaaf.JGe'i'Uustreerd. 
Leiden, A. W. Sijthoff. (X, 
229 blz, m. 8 pltn.). Geb., 
linn. I fl. 90 c, led. 2 fl. 5c c. 

Faustus. A. Dramatic Mys- 
tery. Transl. by J. Asher. 
London. Univ. Library. 2 54 SS. 

Goethe's Faust. Von R. W. 
Deering. The Chautauquan, 
Cleveland, Ohio. 

Faust. Tragedie i to Dele 
af Goethe. Oversatoglndeedet 
af P. Hansen. Med Vignetter 
efter Moritz Retschs, Teg- 
ninger. Folkendgave, Köben- 
havn Gyldendalske Boghandels 
Forlag. Fr.BaggesBogtrykkeri. 
592 SS. In 9 Lieferungen. 

Goethes Faust. Von C. 
Koch. Kopenhagen, Schön- 
berg. 



Goethe, Faust. reTe.^ayCTi). 
Tpare;i,iii b-l S-xt ji;'tHCTB. 
Ilep. A. $eTa. 2 ^acTH. Hsji,. 
MapKCa. Petersburg. 929 SS. 
R. 1.75. 

Goethe,Faust. FeTe-^aycTi.. 
Tpareji;ia. Bi. nepenoji.'fe n 
oötflCHemn A. JI. CoKOJiOBa. 
Petersburg, Buchdr. Brüder 
Pantelejew. 384 SS. 

Die französischen Ueber- 
tragungen von Goethes Faust. 
Von Martha Langkavel. Ein 
Beitrag zur Geschichte der 
französischen Uebersetzungs- 
kunst. Straßburg, K.J.Trübner. 
IV, 156 SS. M. 4.—. 

E.Wilhelm: Der französische 
Faust. (Uebersetzung V.Georg 
Graß.) (Der Tag, Nr. 285.) 

Goethe poems; selected and 
ed. with introd. and notes, by 
Julius Goebel. New York, 



Bibliographie, 



307 



H: Holt & Co. c. 19-J-244 p. 
S, cl., 80 c. 

— Visor och dikter, Öfver- 
satta af C. Snoilsky. 87 sid, 
Stockholm, Hugo Geber. 2 kr. 
25 öre, inb. 3 kr. 50 öre, hfrb. 
4 kr. 75 öre. 

— Hermann und Doro- 
thea. Fexe, B. FepMaHHi. n 
^opoTeji. BüH^ecKaü noaiaa. 
Ilep. CL H^M. lOffiHO-pyccK. 
KHHroHSji,. $. loraHCOHa. Kiew. 
95 SS. 25 Kop. 

t — Reineke fuchs: the first 
five cantos; ed., with notes, 
by L. A. Holman; il. from 
designs by W. von Kaulbach. 
New York 1 90 1 , H. Holt & Co. 
c. 19-1-71 p. S. cl., 50 c. 

— Reineke Fuchs. Byx- 
KOBCKiö, S.. PefineKe-JlHCi). 

SaHMCTBOBaHO HS-B n03MH 

FeTe. St. Petersburg, Jerr- 
dokimeow. 

Truth and fiction relating 
to my life, tr. by John Oxen- 
ford, ed. by Nathan Haskell 
Dole. Boston, F. Niccolls & Co. 



— Wilhelm Meister's ap- 
prenticeship; tr. by T. Carlyle; 
ed. by N. H. Dole. Ed. de luxe. 
Boston, F. A. Niccols & Co, 
c. 2 V. pl. 12". 

— Wilhelm Meister's travels; 
and The recreations of the 
German emigrants; tr. by T. 
Carlyle; ed. by N. H. Dole. 
Edition de luxe. Boston, F. A. 
Niccolls & Co. c. 380 p. pl. cl. 

t — Las afinidades electivas 
(Novela), traducciön directa 
del alemän de L. J. Garcia de 
Luna. Madrid 1901, Impr. 
de A. Marzo. Sin a. 320 pägs. 
3 pes. 50 c. 

The sorrows of young 
Werther. Elective affinities, 
tr. by R. D. Boyion ed. by 
Nathan Haskell, Dole. Boston, 
F. A. Niccolls & Co. V, 

515 SS. 

John Louis Haney : Goethes 
Werther in England in: Ger- 
man literature in England 
before 1790. (Americana Ger- 
manica. IV, S. 144 — 154.) 



IL Biographisches. 



A. ALLGEMEINES. 



Goethe. Vorlesungen an der 
königl. Universität zu Berlin. 
Von Herman Grimm. Siebente 
Auflage. 2 Bände. IV, 350 u. 
344 SS. Stuttgart und Berlin. 
Cotta. M. 7.50. 

Goethes Leben u. Wirken. 
Von Heinr. Stiehler. (Eine 
Biographie.) (Aus: »Goethes 



Werke.«) Berlin, A. Weichert. 
57 SS. M. I.—. 

Goethes Leben und Werke. 
Von G. H. Lewes. Neu über- 
setzt und mit literarischen u. 
critischen Anmerkungen ver- 
sehen von O. Lippert. 7. Aufl. 
Berlin, Neufeld und Henius. 
XVIII,55ou.XV,62iSS.M.7.5o. 

20* 



3o8 



Bibliographie. 



Goethe. Sein Leben u. seine 
Werke. Von Albert Biel- 
schowsky. Band I. Mit Titel- 
photograv. 3. durchges. Aufl. 
München, Beck. IX, 522 SS. 
Lwd. M. 6.—. 



H. Rocholl: J. W. Goethe. 
In L. Weber: Die religiöse 
Entwicklung der Menschheit. 
Einzelbild., Gütersloh. Bertels- 
mann. M. 6. — . 



B. BIOGRAPHISCHE EINZELHEITEN. 



J. R. Dieterich : Phylandria. 
(Beil. zur Allg. Ztg. 80—82.) 

(Vgl. oben S. 248—252.) 

J. Froitzheim : Goethes 
Doktor-Promotion in Straß- 
burg. (Frankf. Ztg., 190, 
I. Morgenbl., 11. Juli.) 

Goethe en Champagne par 
Arthur Chuquet. Etudes de 
Litterat. Allemande. Deuxieme 
Serie. S. 72 — 130. Paris, Lib- 
rairie Plön. 

Adolf Hauffen : Zu Goethes 
Tagebuch, August 1823. (Eu- 
phorion, Bd. IX, 2. u. 3. Heft. 
S. 421—423.) 

F. Meyer: Goethe in seinen 
Beziehungen zu Berlin. (Arch. 
der Brandenburgia. IX, S. 
97—103.) 

Goethe in Darmstadt. (Frkf. 
Ztg. 70, 2. Mgbl.) 

Rudolf Richter: Beziehung. 
Goethes zu Elbogen. Ein Vor- 
trag. (Deutsche Arbeit, Prag- 
München. I, 3.) 

Wilh. Stieda: Ilmenau und 
Stützerbach. Eine Erinnerung 
an die Goethezeit. Leipzig, 
Herm. Seemann Nachf 97 SS. 
mit I Tafel. M. 2. — . 

Julius Riffert: Auf Goethes 
Spuren in Ilmenau. (Wiss. 
Beilage der Leipz. Ztg. 74.) 



Arth. Brandeis: Auf Goethes 
Spuren von Verona bis Rom. 
I. II. (Chr. d. Wien. Goethe- 
Vereins, XVLBd., Nr. 9 — 10, 

I I 12.) 

Deutsche in Rom. Studien 
und Skizzen aus elf Jahr- 
hunderten, V. G. V. Graevenitz. 
Leipzig, E. A. Seemann. XII. 
307 SS. M. 8.—. 

Ein Kapitel über den römischen 
Kreis Goethes in Rom. 

Wilhelm Holzamer: Auf 
Goethes Spuren. (Beilage zur 
Allg. Zeitung, 112.) 

Julius Riffert: Goethe in 
Rom. (Wissenschaftl. Beilage 
zur Leipziger Zeitung, 20.) 

G. R. Kruse: Ein classisches 
Sommertheater. (Lauchstedt.) 
(Berl. Tgbl. 318.) 

Friedrich Fischl : Vor acht- 
zig Jahren. (Goethes zweiter 
Aufenthalt in Marienbad.) 
(Marienbader Tagebl, XI, 14.) 

Emil Schulze: Goethe in 
Mühlhausen. (Mühlhäuser Ge- 
schichtsblätt. III. S. 16.) 

A. Trinius: Eine Goethe- 
stätte Thüringens (Wilhelms- 
thal.) (Hamburg. Nachrichten, 
Belletr.-Litter. Beilage, Nr. 28.) 

Goethe in Wiesbaden. (Frkf. 
Ztg. 215, I. Mgbl.) 



Bibliographie. 



309 



C. GOETHES VERWANDTE. 



Carl Kertsch: Goethes 
Ahnentafel, zusammengestellt, 
(Der deutsche Herold, Nr. 10.) 
(Auch Sonderdruck, 3 SS.) 

M.: Shakespeare-Feier bei 
dem »Herrn Rath« in Frank- 
furt. (Frkf. Ztg. 81, I. Mgbl.) 

Briefe der Frau Rath an 
ihre lieben Enkeleins. Hrsg. 
von Baronin von Brockdorff. 
Schleswig, L. Detlefsen. 22 SS. 
mit 6 Portr. M. 2. — . 

La mere de Goethe. Par 
Paul Bastier. D'apres sa 
correspondance. Paris, Perrin 
et Cie. 264 p. Fcs. 3.50. 

F.: Ein Besuch bei der 
Frau Rath. (Landolt.) (Frkf. 
Ztg. 29, Abdbl.) 



Cornelia die Schwester 
Goethes. VonGeorgWitkowski. 
Mit ihren zum Theil unge- 
druckten Briefen u. Tagebuch- 
blättern, einem Bildniß und 
ein. Facsimile. Frankfurt a. M., 
Literarische Anstalt, Rütten& 
Loening. VII, 290 SS. M. 5.50. 

Arth.Chuquet: DieSchwester 
Goethes. (Minerva, i .u. 1 5 .Mai.) 

Adolf Heilborn : Goethe 
und Cornelia. (Hann. Courier, 
Sonntagsbeilage, Nr. 613.) 

MathieuSchwannrChristiane 
Goethe. (Frkf Ztg. 81, i.Mgbl.) 

Alma von Goethe. (Frkf. 
Ztg. 292, Abdbl.) 

S. M.: Ottilie von Goethe. 
(Pester Lloyd 56.) 



D. GOETHES VERHÄLTNISS ZU VORGÄNGERN, 
ZEITGENOSSEN, NACHFOLGERN, SOWIE ZU FRAUEN. 



Goethe u. Beethoven. Von 
Willibald Nagel. Vortrag. 
(Musikalisches Magazin, 6.) 
Langensalza, H.Beyer &Söhne. 
25 SS. M. — .40. 

Willibald Nagel: Goethe u, 
Beethoven. (Blätter fttr Haus- 
u. Kirchenmusik. VI, Nr. 7.) 

J. Gebeschus: Goethe und 
Beethoven. (Die Umschau, 
Frankfurt a. M. VI, 22.) 

Goethe u. Beethoven. (Frkf. 
Ztg. 81, Abdbl.) 

Friedrich Justin Bertuch. 
Ein Beitrag zur Geschichte der 
Goethezeit. Von Dr. Wilhelm 
Feldmann. Mit der Rede des 
Kanzlers v, Müller auf Bertuch. 
Saarbrücken, Commissions- 
verlag von Carl Schmidtke. 
VII, 120 SS. M. 2.40. 



t Frau von Branconi. Von 
W. Rimpan. (Zeitschrift des 
Harzvereins für Geschichte u. 
Alterthumskunde, 33. Wernige- 
rode 1900. 176 SS. Mit 24 
Abbildung, u. ein. Stammtafel.) 

Bettine von Arnim und 
Friedrich Wilhelm IV. Un- 
gedruckte Briefe und Akten- 
stücke. Hrsg. u. erläut. von 
Ludwig Geiger. Frankfurt a.M., 
Literarische Anstalt, Rütten & 
Loening. XIV, 220 SS. M. 4.80. 

Martin Donel: BettinaBren- 
tano, Goethe und Beethoven. 
(Revue blanche, i. Novemb.) 

Storozenko,N.J.: Junosches, 
kaja Ljubow Gete. (Eine 
Jugendliebe Goethes, Friede- 
rike Brion.) Is Oblastjt Lite- 
raturi. (Aus dem Bereiche der 



10 



Bibliographie. 



Literatur.) Moskau, Wassiljew. 
S. 120—135. 

Fedor von Koppen: Ein 
Besuch in Sesenheim. (Monats- 
blätter für deutsche Litteratur. 
Leipzig. VI, 2, 3.) 

Joh. Froitzheim: Noch ein- 
mal Friederike Brion und das 
Straßburger Goethedenkmal. 
(Die Gegenwart. XXX, 40.) 

Niederschriften des Herzogs 
Carl August von Sachsen - 
Weimar über den Schutz der 
Demarcationslinie, den Renn- 
weg (1796) und die Defension 
Thüringens. Mit einer Karte 
der Südgrenze Thüringens aus 
dem J. 1796 nach Gässefeld. 
Hrsg. von P. v. Bojanowski. 
Weimar, H.Böhlau, VII, 7 3 SS. 

C(arl) R(uland) : Goethe u. 
Dumas. (Frkf.Ztg. 2 3i,Abdbl.) 

H. C. Kellner: Heinrich 
Düntzer. (Wissenschaftl. Beil. 
der Leipziger Ztg., 12. Juli, 
Nr. 83.) 

Eckermann und Brockhaus. 
(Das litt. Echo. Erstes Dec- 
Heft.V.Jhrg.,Nr. 5. [Notizen].) 

Ein Gleichniß von Joh. 
Peter Eckermann. (Heimath- 
glocken. Beil. der Winsener 
Nachrichten, Nr. 44, Sept.) 

Johann Peter Eckermann. 
Zu seinem iiojähr. Geburts- 
tage. (Winsener Nachrichten, 
Nr. 113, 19. Sept.) 

Otto Heuer: Goethe und 
»die Hofdame« und Brief- 
wechsel zwischen Goethe und 
F. von Elsholtz. (Jahrbuch 
des Fr. D. H. I, S. 236—265.) 

M. Landau: Der Neffe des 
»Prinzeßchens«(geb.Filangieri 
verh. an den Fürsten von 
Satriano.) (Allg. Ztg., Beil., 
12. Dezember, Nr. 283.) 



A. B.: Goethe und Franz 
Josef Gall. (Frankf. Zeitung, 
Nr. 166.) (Vgl. Nr. 170: Brief 
Galls an Frz. Brentano.) 

F. J. Gall über Goethes 
Kopf. (Reichenberger Zeitg., 
26. Juni.) 

Gustav Friedrich Wilhelm 
Großmann, ein Beitrag zur 
deutsch. Literatur- u. Theater- 
geschichte. Von JosephWolter. 
(Inaugural-Dissertation.) Köln, 
J. Wolter. 

Th. Distel : Hahnemann u. 
Goethe. (Medicin. Wochen- 
schrift Nr. 25.) 

Eleonore von Bojanowski: 
Herder u. die Herzogin Luise. 
(Deutsche Rundschau, Januar. 
S. 119— 137.) 

M. : Goethe u. A. v. Hum- 
boldt als Mitglieder der War- 
schauer Gesellsch. der Freunde 
der Wissenschaften. (Frkf.Ztg. 
361, Abdbl.) 

O. Heuer: HeinrichSebastian 
Hüsgen. (Jahrbuch des Fr. 
D. H. I, S. 347-350-) 

Max F. Hecker: Amalie v. 
Helwig, geb. v. Imhoff. (Preuß. 
Jahrbücher, Bd. 107, Heft 3.) 

Ernst Hellern : Goethe und 
Jung Stilling. (Rhein. -West- 
fälische Zeitung, Nr. 608.) 

J. L. Klarmann : Geschichte 
der Familie von Kalb auf 
Kalbsrieth. Mit besond. Rück- 
sicht auf Charlotte v. Kalb u. 
ihre nächsten Angehörigen. 
N. d. Quellen bearb. Erlangen, 
Fr. Junge. XII, 576 SS. mit 
15 Bild. u. Kart. M. 10.—. 

Friedrich Jodl: Goethe u. 
Kant. (Zeitschr. f Philos. u. 
phil. Kritik, Bd. 120, H. i, 
S. 12 — 20, zuerst erschienen 
engl, im Monist, Jan. 1901.) 



Bibliographie, 



^11 



Robert Drill: Hie Kant, 
hie Goethe. (Frkf. Ztg. 254, 
I. Mgbl.) 

ErichSchniidt:LotteKestner 
u. Sprickmann. (Chronik des 
Wiener Goethe-Vereins. XVI, 
Nr. 7—8, 24. Mai.) 

Otto Heuer : Friedrich 
Maximilian Klinger. (Jahrbuch 
des Fr. D. H. I, S. 309 — 321.) 

Eduard Engel: Goethe und 
Theodor Körner. (Voß. Ztg., 
Sonnt. -Beil. 29.) 

R. Schlösser: Goethes per- 
sönliches u. literarisches Ver- 
hältniß zu Kotzebue, (Wester- 
manns Monatshefte. Bd. XCII, 
S. 835-845.) 

Alb. Heiderich : (Kotzebue.) 
Expektorationen. (Sonntags- 
ßeilage derVoss. Ztg. 40 — 42.) 

L. Braun: Kotzebue und 
Goethe. (Voss. Ztg. Nr. 109.) 

Johann Caspar Lavater. 
1741 — 1801. Denkschrift zur 
100. Wiederkehr seines Todes- 
tags. Hrsg. von der Stiftung 
von Schnyder von Wartensee. 
Mit 2 Taf. u. 33 Bild. Zürich, 
A. Müller. VIII u. 504 SS. 4°. 
M, 10. — . 

Eduard von der Hellen: La- 
vaters Physiognomik. (Wester- 
manns Monatshefte, Septemb.- 
Heft 552.) 

Eduard Haug : Goethe und 
Lavater, (Allg. Ztg., Beilage, 
Nr. 117.) 

Ludwig Geiger: Goethe u. 
Lavater. (Voss. Ztg. 75.) 

Albrecht Thaer: Leisewitz 
und Goethe. (Magdeburger 
Zeitung (Beiblatt), Nr. 20.) 

A. Kirschner: Goethe und 
U. v. Levetzow. Reliquien. 
(Elbe-Zeitung. XXIX, Nr. 102.) 

Mörike und Goethe: Eine 



literarische Studie von Hein- 
rich Ilgenstein. Berlin, Rieh, 
Schröder. 144 SS. M. 2. — . 

Hans Benzmann : Goethe 
und Ed. Mörike. (Berl. N, 
Nachrichten 195.) 

Goethe und der italienische 
Dichter Vincenzo Monti. (Die 
Grenzboten. LXI, 4 S. 255 — 
261.) 

Wilhelm Girschner: PhiHpp 
Moritz, der Freund Goethes 
und Mentor Jean Pauls, 
(Monatsblätter für deutsche 
Literatur. VI, S. 59—68.) 

Julius Duboc: Goethe und 
Plessing. In : Streiflichter, 
Leipzig, O. AVigand. VIII, 
263 SS. M. 3.— , S. 174—180. 

Adolf Kohut: Johann Fried- 
rich Reichardt und Wolfgang 
Goethe. Gedenkblatt z. 150, 
Geburtstag Reichardts. (Illustr. 
Zeitung. 3098. S. 735/36-) 

E. Schubert: Goethes Schöne 
Mailänderin. (Riggi.) (Ueber 
Land und Meer, Nr. 32.) 

OttoWaser: GoetheswSchöne 
Mailänderin.« (Die Schweiz, 
VI, Nr. I.) 

Carletta: gli amori romani 
di Goethe, (Rivista moderna 
2, Serie. Nr. 4. S. 115 — 128.) 

Johann Christoph Rost. 
Ein Beitrag zur Geschichte d. 
deutsch. Literatur im 1 8. Jahr- 
hundert. Von Gust. Wahl. 
Leipzig, Hinrichs. VII, 181 SS. 
M, 3.20. 

Deutsche Größe. Ein un- 
vollendetes Gedicht Schillers, 
1801. Nachbildung der Hand- 
schrift, im Auftrage des Vor- 
standes der Goethe-Gesellsch. 
Hrsg. u. erläut. von Bernhard 



Suphan. Weimar. Fol. 
und 20 SS. 



Ell. 



12 



Bibliographie. 



A. Bielschowsky: Goethes 
Freundschaftsbund m. Schiller, 
(Frkf. Ztg. 335, i. Mgbl. u. 
336, I. Mgbl.) 

Goethe u. Schiller imWerden 
der Kraft. Von Julius Burg- 
graf. Stuttgart, C. Krabbe. 
468 SS. M. 5.—. 

Otto Lyon: Goethes Ver- 
hältniß zu Schiller. (Zeitschr. 
für den deutschen Unterricht. 
16. Jahrg., 8, Heft. S. 465— 
470.) 

H. G. Graf: Zu Goethes 
angeblich. Haß gegen Schiller. 
(Weimarische Zeitg., Nr. 266, 
13. Nov.) 

Ernst Wilms : Schiller u. der 
5. März 1802. (Wien. Ostd. 
Rundsch. 6;^.) 

Eugen Isolani: Der ver- 
unglückte 5. März. (Rhein. 
Westph. Zeitung 174.) 

Hans Benzmann: Goethes 
und Schillers Einfluß auf die 
Gegenwart. (Hann. Courier, 
24071.) 

Laura Frost: Johanna 
Schopenhauer und Goethe. 
(Dokumente der Frauen, Wien. 
VII, 6, S. 153-159-) 

Bernhard Suphan : Corona 
Schröter. Ansprache am Grabe 
der Künstlerin, gehalten bei 
der Gedächtnißfeier d. Goethe- 
Gesellschaft. Ilmenau, den 
25. Mai 1902. (Weimarische 
Zeitung Nr. 123, 29. Mai.) 

Fünf Volkslieder, componirt 
von Corona Schröter. Mit der 
ursprüngl. Clavierbegleitung. 
Hrsg. von M. Friedländer. 
(Zum 25. Mai 1902.) Sep. Dr. 

Das Grabmal der Corona 
Schröter in Ilmenau. Von H. 
Burkhardt. (Zum 25. Mai 1902.) 
Sep. Dr. 



H. C. Kellner: Corona 
Schröter. Mittheilungen aus 
dem Goetheverein zu Zwickau. 
(Beibl. zum Zwickauer Tage- 
blatt, 23. Aug., Nr. 12.) 

Aufsätze üb.CoronaSchröter. 
Von Wilhelm Bode (Der Tag 
393). L. Kellner (Leipz. Ztg. 
Wiss. Beil. loi). Paul Legband 
(Berl. Tagebl. 425, Bühne u. 
Welt IV, 21). A. V. Muralt 
(Berl. N. N. 393). Egon Nosca 
(Nordd. Allg. Ztg. 397). L. 
Salomon (Post 390). Adelheid 
von Schorn (Frkf. Ztg. 231). 
J.Sittard (Hamb. Corresp.394). 
A. Semerau. (Voss. Ztg. 393). 
Robert Kohlrausch (Hann. 
Cour. 33937). Erwiderung 
(Hann. Cour. 33943, vgl. auch 
33940). Paul Pasig. (Allg. 
Ztg. 231). 

Die literarischen u. persön- 
lichen Beziehungen Sir Walter 
Scotts zu Goethe. Ein Beitrag 
zu Studien üb. das Verhältniß 
der deutschen Literatur zur 
englischen am Ende des 18. 
und zu Beginn des 19. Jahr- 
hunderts, von Ludwig Karl 
Roessel, Leipzig. Diss. 

Hans Hofmann: Goethe u. 
Johann Konrad Seekatz. (Frkf. 
Ztg. 237, I. Mgbl.) 

Sophie Eben-Lederer : Am 
Grabe Charlotte von Steins 
zu Weimar. (Berliner Neueste 
Nachrichten, Nr. 55.) 

L. Werner : (Zelters) Bericht 
an Goethe über München 
sowie Augsburg und sein 
Theater. (Augsburger Abend- 
Zeitg., [Der Sammler], Nr. 75.) 

E. J. : Goethe u. Zumsteeg. 
(Frkf. Ztg. 5, 2. Mgbl.) 

Bernhard Suphan: Goethe, 
ein Kinderfreund. Weihnachts- 



Bibliographie. 



313 



Epistel an eine Freundin. 8 SS. 
Weimar, Druck der Hof buch- 
druckerei. 

Goethes ältere Zeitgenossen. 
Von L. Sevin. (Literatur- 
geschichtliches Lesebuch 2.) 



Karlsruhe, J. J. Reiff. 112 SS. 
M. —.60. 

Ernst Jenny: Goethe-Feinde 
um 1830. (Monatsblätter für 
deutsche Litt. Berlin. VI, 5.) 



E. STELLUNG ZU KUNST, LITERATUR, POLITIK, 
RELIGION, WISSENSCHAFT. 



Robert Hering: Der Einfluß 
des klassischen Alterthums auf 
den Bildungsgang des jungen 
Goethe. (Jahrb. des Fr. D. H. 
I, S. 199—235.) 

Eugen WolfF: Von Shake- 
speare zu Zola. Zur Entwick- 
lungsgesch. des Kunststils in 
der deutsch. Dichtung. Berlin, 
H. Costenoble. M. 5. — . 

Enth. : Goethe an der Arbeit. 

Fritz Schuhmacher: Goethe 
in der Architektur. (Leipz. 
Tageblatt 596.) 

Heinrich Pallmann: Goethes 
Beziehungen zu Kunst und 
Wissenschaft in Bayern und 
besonders zu König Ludwig I. 
(Jahrbuch des Fr. D. H., I, 
S. 182 — 198.) 

H. Henkel: Weitere Nach- 
träge zu »Goethe u. die Bibel« 
(Studien i, 120 fg.) (Studien 
z. vgl. Litgesch., Bd. i, H. 4.) 

Reinhard Piper: Goethe u. 
die Bibel des mod. Menschen. 
(Die Freistatt, München, IV, 
Nr. 28.) 

Ueber die bildende Kunst 
zur Zeit Goethes. (Frkf. Ztg. 
Nr. 69, Abdbl.) 

Anton Lindner: Goethe als 
Buddhist und Okkultist. 
(Fremdenblatt, Wien 93.) 

H. Brunnhofer: Goethes u. 
Schillers Anklänge an Brah- 



manismus und Buddhismus. 
(Der ferne Osten, Shanghai. 
Deutsche Druckerei u. Verlags- 
anstalt I. I.) 

Goethe u. das Christenthum 
v.Bernh. Spies. Frankfurt a.M., 
Englert und Schlosser, VIII, 
72 SS. M. I.—. 

Bruno Ankermann: Goethes 
Stellung zum Christenthum. 
Königsberg, F. Beyer. 25 SS. 
M. —.50. 

Karl Thieme : Die Ehrfurcht 
vor dem, was unter uns ist. 
(Die christlicheWelt, 16. Jahrg., 
Nr. 20, 15. Mai.) 

Paul Wernle: Die dreifache 
Ehrfurcht bei Goethe. (Die 
christliche Welt, 16. Jahrg., 
Nr. 23, 5. Juni.) 

W. von Oettingen: Goethe 
und Diderot (sur la peinture) 
(Der Türmer IV, Heft 7.) 

F. Lentner: Wie Goethe 
über das Duell dachte. (N. 
Wiener Tagbl. 229.) 

Adolf Metz: Ethische Fragen 
und Folgerungen im Anschluß 
an Goethe. (Preußische Jahr- 
bücher, CIX, S. 483—519.) 

P. Schärfifenberg: Goethes 
Farbenlehre. (Tägl. Rund- 
schau 201.) 

Erich Ebstein: Goethe über 
die Fettleibigkeit. (Medicin. 
Wochenschrift.) 



314 



Bibliographie. 



J. D, C: Goethe en de 
Folklore. (Volkskunde, XIV, 
S. 182 — 190.) 

Th. Mathias: Goethe und 
die Fremdwörter nach den 
Neubearbeitungen sein. Werke. 
(Zeitschrift des Allg. Deutsch. 
Sprachvereins. 17. Jahrgang, 
Nr. 3, S. 254 fg.) 

Theodor Lessing : Goethes 
Haus- und Finanzwirthschaft. 
(Frkf. Ztg. 215, I. Mgbl.) 

Karl Muthesius: Goethe — 
ein Kinderfreund. Berlin, E. S. 
Mittler & Sohn, IX, 230 SS. 
M. 2.—. 

Goethes Lebensanschauung 
von Samuel Eck. Tübingen, 
J. C.B.Mohr. 195 SS. M. 3.20. 
W. Bode: Goethes Lebens- 
kunst. 3. Aufl. Mit I Bildniß 
Goethes nach C. A. Schwerdt- 
geburth. Berlin, E.S.Mittler & 
Sohn. VII, 367 SS. M. 2.50. 
t S. Kalischer: Nochmals 
Goethe und die Mathematik. 
(Berl. Tagebl. 12. 9. 1901. 
Morgen-Ausg. Nr. 463.) 

(Widerlegung der mißverständ- 
lichen Auffassung als ob G. ein 
Feind der Mathematik gewesen 
wäre.) 

S. Kalischer : Warum er- 
scheint uns der Himmel blau ? 
(Das Weltall. Illustrirte Zeit- 
schrift für Astronomie u. ver- 
wandte Gebiete. Hrsg. von 
F. S. Archenhold. 2. Jahrg., 
20. Heft, 15. Juli. S. 254.) 

(Goethe hatte bereits die rich- 
tige Auffassung über die blaue 
Himmelsfarbe, als Folge trüber 
Mittel, die durch die neuesten 
physikalischen Forschungen be- 
stätigt wird.) 

P. Vogler: Goethes Meta- 
morphose der Pflanzen. (Neue 
Zürich. Ztg. 242.) 



Matthieu Schwann : Die 
Goethe-Sphinx. (Goethes Ent- 
wicklungsidee.) (Voss. Ztg., 
Sonntagsbeilage, Nr. i, 2.) 

Rudolf Lothar: Goethe u. 
die Moderne. (Chr. d. Wien. 
Goethe-Vereins. Bd. XVI, Nr. 
II — 12, 24. Dez.) 

Th. Stettner: Goethe und 
die Münchner Lithographie. 
(Zeitschrift für Bücherfreunde, 
1902/1903, S. 196 — 201.) 

B. Estlander: Goethe und 
die nationale Bewegung in 
Deutschland. (Finsk Tidskrift, 
26. Jahrg., Heft V.) 

The Treatment of nature 
in German literature from 
Günther to the appearance of 
Goethe's Werther. Chicago, 
University of Chicago Press. 
IV, 112 SS. I D. 

M. Seiling: Noch einmal 
Goethe und der Okkultismus. 
(Psychische Studien, XXIX. 
Jahrg., V. Heft, S. 290 — 297, 
Mai,VI.Heft,S.352— 36o,Juni.) 
W. Schmidt: Goethe als 
Pädagog. (Lehrerzeitung für 
Thüringen und Mitteldeutsch- 
land. XV, Nr. 42.) 

Gotthard Deutsch : Das 
pädagogische Ideal, Goethe- 
Vortrag, gehalt. bei d. Goethe- 
Gedenkfeier des Deutschen 
Literarischen Clubs in Cin- 
cinnati am 22. März 1899. 
Die Deborah. Neue Folge, 
2. Jahrg., Heft 7. Juli. 

t Richard v. Muth: Goethes 
Bedeutung für die Schule und 
Erziehung. (Christliche Schul- 
und Elternzeitung, Nr. 8.) 

Ch. P. : Die heutige Schule 
im Lichte Goethescher Ge- 
danken. (Blätter für deutsche 
Erziehung, Jahrg. 4, Heft i.) 



Bibliographie. 



315 



Edgar Steiger: Goethe als 
Philister. (Freistatt, Jahrg. IV, 
Heft 27, 6. Juli.) 

Präludien. Aufsätze und 
Reden zur Einleitung in die 
Philosophie von Wilh. Windel- 
band. 2. verm. Aufl. Tübingen, 
J. B. Mohr. V u. 396 SS. M. 6.60. 

S. 187— 21 1 : Aus Goethes Philo- 
sophie. (Neudr. aus den Straßb. 
Vorträgen.) 

Goethe als Denker von 
H. Siebeck. (Frommanns 
Klassiker der Philosophie, hrsg. 
von R. Falckenberg, XV, 
Stuttgart, Fr. Frommann. 
244 SS. M. 2.50.) 

Rudolf Eucken : Siebecks 
Goethe. (Die Zukunft, X, 40.) 

E. Wolff : Goethe als Denker 
(nach dem gleichnamigen Buch 
von Herm. Siebeck). (Beil. 
zum Hamb. Corresp. 21.) 

O. Weissenfeis: Die philo- 
sophischen Elemente unserer 
klassischen Literaturperiode 
nach ihrer Verwendbarkeit für 
die Schule. II. Goethe, Schiller. 
(Das humanist. Gymnasium. 

s. 18—26, 57-69-) 

Em. Caro: La Filosofia de 
Goethe. Obra premida por 
laAcademia Francesa. Madrid, 
La Espana Moderna. 296 SS. 

Karl Löschhorn : Goethes 
Urtheile über Prellerei in Gast- 
höfen. (Zeitschr. f. d. deutsch. 
Unterricht, 16. Jahrg., 9. Heft.) 

Goethe als Prophet. (Frkf. 
Ztg. 16, 2. Mgbl.) 

Karl Trost: Goethe und der 
Protestantismus des 20. Jahr- 
hunderts. Berlin, A. Duncker. 
84 SS. M. I.—. 

Siegfried Türkei: Goethe als 
Psychiater. (W.Morg.Ztg. 290.) 



Theodor Vogel: Goethes 
Selbstzeugnisse über seine 
Stellung zur Religion und zu 
religiös -kirchlichen Fragen. 
In zeitlicher Folge zusammen- 
gestellt. 3. Aufl., VI u. 262 SS. 
Geb. Leipzig. B. G. Teubner. 

Goethe und das kirchliche 
Rom. Von Arthur Böhtlingk. 
Zum 28. VIII. 1902. Historisch- 
politische Abhandlung. Frank- 
furt a. M., Neuer Frankfurter 
Verlag. 30 SS. M. —.50, 

Carl Fey: Wie sich Goethe 
in dem Grundrisse einer ultra- 
montanen Literaturgeschichte 
ausnimmt. (Die Wartburg, 
Goethe-Nummer, Jahrgang I, 
Nr. 22, 29. Aug.) 

Picus: Goethe u. das päpst- 
liche Rom. (Die Wartburg, 
Goethe-Nummer, Jahrgang I, 
Nr. 22, 29. Aug.) 

Kalas, W. W.: Russkya Ot- 
nosenia Gete. (Die russischen 
Beziehungen Goethes.) Pod 
Snamenem Nanki. (Unter dem 
Banner der Wissenschaft. Fest- 
schrift für N. J. Storozenko.) 
Moskau, Wassiljev. S. 178 — 
184, 738. 

P. Mitschke : Weimars Klas- 
siker u. die Stenographie. (Fest- 
schrift zur X. Bundesversamm- 
lung des Thüringer Steno- 
graphenbundes Stolze-Schrey 
in Weimar.) 

Osk. Steinel: Goethes Ur- 
theile über die wichtigsten 
Tagesfragen des 20. Jahrh. 
In wörtlichen Auszügen nach 
Eckermann zusammengestellt. 
Erlangen, Fr. Junge. II, 75 SS. 
M. —.75. 



3i6 



Bibliographie. 



F. NOTIZEN VON ZEITGENOSSEN ÜBER GOETHE. 



C. Fasola: Sieben Tage in 
Weimar im August des Jahres 
1797. (Euphorion, Bd. IX, 
2. und 3. Heft, S. 418 — 421.) 

M. Wilh. Meyer : Ein Besuch 
bei Schiller und Goethe. (N. 
Wien. Tgbl. 170.) 

Richard Maria Werner : Ein 
Besuch beiGoethe. (Euphorion, 
Bd. IX, 2. u. 3. Heft, S. 338-341.) 
(Vgl. Frkf. Ztg. 290, 5. Mgbl.) 

Julius Duboc: Ein Besuch 
bei Goethe. (August Kestner, 
30. Aug. 181 5.) (Streiflichter, 
Leipzig, O. Wigand, S. 1 69- 1 7 3.) 



James Taft. Hatfield: Wil- 
helm Müllers unveröffentlichtes 
Tagebuch u. seine ungedruckt. 
Briefe. (Deutsche Rundschau, 
28. Jahrg., Heft 6, März.) 

S. 378. Brief W.Müllers an seine 

Frau, 26. Aug. 1826 »Was 

soll ich Dir von Goethe sagen? 
Er war freundlich, aber, wie immer 
bei der ersten Zusammenkunft mit 
Fremden, etwas befangen, ja fast 
verlegen, so daß er mich mehr 
sprechen ließ als er selbst sprach. 
Alles das läßt sich besser münd- 
lich wiedergeben.« 



III. Verschiedenes. 

A. AUSSTELLUNGEN, BILDER, BÜSTEN, STATUEN, 

FEIERN, GEDENKPLÄTZE, -TAFELN, -STÄTTEN, 

SAMMLUNGEN. 



Faust. 12 Zeichnungen zum 
2. Th. V. Fr. Stassen. (Theuer- 
dank, 18. — 22. Folge.) Berlin, 
Fischer und Franke, 12 Bl. 
M. 2.50. 

Kügelgen, Goethe. Mit erläut. 
Text. Ttlrmers Bilderschatz, 
Blatt 3. 27,5x22 cm. Stuttgart, 
Greiner & Pfeiffer. M. — .50. 

W. V. Goethe. Brustbild von 
vorne gesehen. N. d. Gem. v. 
J. Zuber in färb. Druck auf 
grauem Carton. M. Facs. 31 
u. 23V2 cm. München, F. A 
Ackermann. M, 1.50, 

Hermann Torggler: Goethe 
Kopf in Vierfarbendruck. Bild 
große 23^/2X31 cm. München 
F. A. Ackermann. M. 1.50 

Wolfgang V. Goethe : Brust 
bild in mittleren Jahren. Gez 
u. rad. von Hans Weyl. Chines 



Papier. 40 Y2 und 32^2 cm. 
Berlin, R. Schuster. M. 15. — . 

Kaulbachs Goethe-Gallerie 
in Postkarten. 11 Nummern. 
München, F. A. Ackermann. 
ä M. — .10. 

W. V. Goethe. Brustbild nach 
links blickend, mit weißem 
Halstuch. Färb. Original-Stein- 
zeichnung von K. Bauer. Ge- 
druckt von Karl & Weizmann. 
60 u. 50 cm. Leipzig, B. G. 
Teubner. M. 3. — . 

Goethe-Portrait. Original- 
Lithographie von Karlbauer, 
Bildgr. 30X34 cm. Weimar, 
Hermann Große. M. 6. — . 

Beethoven und Goethe in 
Teplitz, 181 1. N. d, Gemälde 
von Carl Rohling in Photo- 
grav., 26x1 9 V2 cm. Berlin, 
Photogr. Gesellschaft. M. 3. — . 



Bibliographie. 



317 



Goethe- u. Schiller-Denk- 
mal in Weimar. N. d. Orig.- 
Modell von E, Rietzschel in 
Photograv. Chin. Pap. 37 u. 
26 cm. München, F. Hanf- 
staengl. M. 8.—. 

Das Goethe-Schiller-Denk- 
mal in San Francisco, Cali- 
fornia. Erinnerungen an den 
»deutschen Tag« der Cali- 
fornia Midwinter International 
Expositioni 894, and. »Goethe- 
Schiller-Fest« 1895 u. an die 
»Enthüllung des Denkmals« 
im Golden Gate Park 1901. 
Gewidmet allen Freunden des 
californischen Deutschthums 
von der Goethe-Schiller-Denk- 
mal-Gesellschaft in San Fran- 
cisco. 114 SS. San Francisco, 
Druck von C, Leidecker & Co. 

ago : Das Goethe-Denkmal 
fürRom. (Frkf.Ztg. 43, a.Mgbl.) 

Wo soll das Goethe-Denk- 
mal in Rom aufgestellt werden '? 
(Rundfragen.) (Berliner Tage- 
blatt Nr. 80.) 

»Jugendstil und Goethe- 
Denkmal« von Georg Hirth. 
Kleinere Schriften. München, 
Verl. d. »Jugend«. S. 235-237. 

Richard Rothe: Der Park 
und die Gewächshäuser zu 



Belvedere beiWeimar, (Garten- 
flora.) 

O. Heuer : Das Goethe- 
häuschen auf d. Frankf. Mühl- 
berg und seine Erinnerungen. 
(Frkf. Ztg. 31, I. Mgbl.) 

A. Hammeran : Mühlberg 
oder Gerbermühle. (Frankf. 
Ztg. 38, Abdbl.) 

A. Trinius: Eine Goethe- 
stätte Thüringens. (Hamb. 
Nachr., Belletr.-Lit. Beil. 28.) 

Weimar. Ein Gedenkbuch. 
Wanderungen durch Ver- 
gangenheit und Gegenwart. 
Von Eduard J. L. Müller. 
Weimar, Herm. Große. VI, 
223 SS. M. 2.—. 

Josef Flach: Weimar (od- 
bitka z. Przegladu polskiego.) 
(Abdruck aus der »Polnischen 
Rundschau«.) Krakau. Druck 
des »Czas«. 47 SS. 2 K. 

K. Walther: Tiefurt, der 
Herzogin Anna Amalia Musen- 
heim. Ein Führer und Er- 
innerungsblatt mit Plan und 
Lichtbild. Weimar, H. Böhlaus 
Nachf. IV, 63 SS. Geb.M. i.— . 

t Die Goethe-Scheune im 
Pfarrhof v. Sesenheim. (Garten- 
laube 1901, Nr. 49, 2. Beil.) 



B. DICHTUNGEN ÜBER GOETHE, COMPOSITIONEN, 

ILLUSTRATIONEN, PARODIEEN, NACHDICHTUNGEN 

GOETHISCHER WERKE. 



F. H. Augustin: Schiller u. 
Goethe. Duette f. S. u. A. m. 
Pianof. Wien, J.Eberle.M. 1.20. 

L. V. Beethoven : Egmont. 
Klavierauszug f. Pianof. -Solo. 
(Kienzl.) Wien, Universal- 
Edition. M. 1.50. 



Eiche: Deutsche Lieblings- 
gesänge der deutsch. Männer- 
gesangvereine. Nr. 412 : C. G. 
Reissiger, Wanderers Nacht- 
lied. Leipzig, E. Eulenburg. 

Ch. Gounod : Walzer aus 
Margarethe (Faust) f. Blech- 



3i8 



Bibliographie. 



musik arr. von L. Lehmann. 
Berlin, Bote & Bock. M. 4.—. 

Karl Kühn: Op. 38, Nr. i. 
Wanderers Nachtlied für eine 
Singstimme m. Pianof. gesetzt. 
Frankfurt a. O., Bratfisch. 
M. —.80. 

R. Kühnel-Engelsberg : Op. 
10. Nocturne über Goethes 
Gedicht »An den Mond« für 
Pianof. Troppau, Buchholz & 
Diebel. M. 3.—. 

Aug. Ludwig: Die Spröde 
von Goethe. Op. 35, Nr. 14. 
Berlin, A. Ludwig. M. i. — . 

Aug. Ludwig : Die Bekehrte 
von Goethe. Op. 45, Nr. 12. 
Berlin, A. Ludwig. M. i. — . 

Schubert : Erlkönig-Walzer. 
Leipzig, Steingräber. M. i. — . 

Repertoire, neues, f. deutsche 
Militärmusik. Nr. 5. A.Thomas, 
Ouv. Mignon. (A. Parlow.) 
M. 6.—. Nr. 6. A. Thomas, 
Fantasie über Melodien aus 
»Mignon.« (A.Urbach.)M.6. — . 
Leipzig, O. Junne. 

RichardWagner: Eine Faust- 
Ouverture für Militärmusik. 
Leipzig, Breitkopf & Härtel. 
M. II.-. 

Herm. Hans Wetzler: Op. 2. 
Fünf deutsche Lieder, f. eine 
Singstimme U.Klavier. Leipzig, 
H. Seemann Nachf. M. 2. — . 

Nr. 5. Goethe, Beherzigung. 

Hugo Wolf: Prometheus v. 
Goethe. Partitur. Mannheim, 
K. F. Heckel. M. 2.-. 

Carl Goldmark: Götz von 
Berlichingen. Oper in 5 Acten 
Wien, E. Berte & Cie. Klavier 
auszug mit Text M. 15. — 
Potpourri I, 2/ms M. 3. — 
» II, 2/ms M. 3.— 

Vorspiel 2/m. M. 2.50. 
» 4/m. M. 4.25. 



Narkissos : Der neueWerther, 
eine hellenische Passions- 
geschichte. Leipzig, M. Spohr. 
99 SS. M. 2.—. 

M. Hehrmann : Werther. 
Ein lyr. Drama v, J. Massenet. 
Dichtung nach Goethe von 
E. Blau, P. Milliet und G. 
Hartmann. Für die deutsche 
Bühne bearb. v. M. Kalbeck. 
Leipzig, H. Seemann Nachf. 
30 SS. M. —.50. 

Robert Müsiol: Götz von 
Berlichingen in der Musik. 
(Neue Zeitschrift für Musik. 
LXIX, S. 142—143.) 

Una canzonetta italiana ed 
una imitazione del Goethe 
von Ildegarde Occella. Turin, 
Tipogr. Paravia. 4°. 17 SS. 

Rob. Müsiol: Franz Liszt 
als Goethe-Componist. (Neue 
Zeitschrift für Musik. LXIX. 
S. 302—303, 318—320.) 

Rob. Müsiol: R. Wagners 
Faust-Ouverture und ihre Auf- 
führungen. (Neue Zeitschrift 
für Musik. LXIX. S. 322— 

324.) 

XVII. Generalversammlung 
der Goethe-Gesellschaft 1902, 
Festgabe der Stadt Ilmenau. 
(Druck v.G. Reiter in Ilmenau.) 

Willkommengruß der Ge- 
meinde Gabelbach an die er- 
lauchte Goethe -Gesellschaft 
am 25. Mai 1902. 

Besuch der Goethe-Gesell- 
schaft in Ilmenau. (Die Henne. 
Jahrgang 59, Nr. 121, 122, 
25., 27., 28. Mai 1902.) 

Paul Pasig: Goethe und 
Ilmenau. Der Goethe-Gesell- 
schaft gewidmet. (Die Henne. 
Jahrg. 59, Nr. 120, 25. Mai.) 

Walter Paetow : Goethetage. 
(Tägl. Rundschau 120.) 



Bibliographie. 



319 



Max Osborn: Vom Weimarer 
Goethetage. (Nat.-Ztg. 331.) 

W. von Scholz: Goethetage 
in Weimar. (Der Tag, 247.) 

Weimarer Goethetage. (Chr. 
des Wiener Goethe-Vereins. 
XVI. Bd., Nr. 9—10, 15. Oct.) 

English Goethe society. (The 
Queen, the ladys news paper. 
Nr. 2875, Vol. III, I. Febr.) 

Alfred Friedmann : Ein 
Goethe -Scherz aus Frank- 
furt a.M. zum 28. August 1902. 
(Der Weltspiegel-, Nr. 69, 
28. Aug.) 

Das Buchhändler-Lehrbuch. 
Ein Dialog frei nach der 



Schülerscene im Faust. Per- 
sonen Mephisto, als Faust ver- 
kleidet. Der Schuler. 8°. 
8 Seiten. Parodie. S. 8 unter- 
zeichnet M. W. (Druck von) 
J. B. Hirschfeld. Leipzig. Nicht 
im Buchhandel. Eine Festgabe 
zur Osterkantate des Börsen- 
vereins deutscher Buchhändler 
Leipzig. 

C. Knapp: D'r »Schiller« 
in d'r Krutenau. Parodien 
bekannter Balladen v. Schiller, 
Goethe, Uhland, Chamisso in 
Straßburger Mundart, 2. Aufl. 
Straßburg,Schlosser&Schweik- 
hardt. 48 SS. M —.80. 



Anhang. 



Englisch-Amerikanische Bibliographie. 



Zusammengestellt 



VON 



Dr. Rudolf Toimbo, jun., Columbia University 
1902. ' 

I. NEUE AUSGABEN, ÜBERSETZUNGEN etc. 
VON GOETHE. 



Goethes Werke ; new library 
edition; 5 vols. Estes, Dana& 
Co., Boston, Mass. 1901. 

The Works of Johann Wolf- 
gang von Goethe. Göttingen 
edition. With an introduction 



by Thomas Carlyle, and with 
photogravure plates on Japan 
paper, includingthe celebrated 
Goethe gallery of William von 
Kaulbach. Translated byHenry 
W. Longfellow, Thomas Car- 



' Dieser Anhang enthält auch diejenigen während 1900 und 1901 
erschienenen Bücher und Artikel, welche voriges Jahr (Bd. XXJII, 
302—305) nicht angegeben wurden. Die folgenden Druckfehler er- 
schienen in der Bibliographie für 1900— 1901 (a. a. 0.): Tr. anstatt 
Jr. (junior) mehrere Male; Siracuse anstatt Syracuse; Hold anstatt 
Holt; Etited anstatt Edited; The Macmillan anstatt The Macmillan Co. 



;2o 



Bibliographie. 



lyle, Sir Walter Scott, Bayard 
Taylor, Anna Swanwick, and 
others. lo vols., small 8**. J. H. 
Moore & Co., Philadelphia, 
Pa. 1901. 

Wilhelm Meister's Appren- 
ticeship ; translated by Thomas 
Carlyle ; edited by Nathan 
Haskell Dole. 2 vols. F. A. 
Niccolls & Co., Boston, Mass. 
1901. 

Wilhelm Meister's Travels, 
etc. 2 vols. New Athenaeum 
Library. No. 21. H. M. Cald- 
well Co., Boston, Mass. 1901. 

Letters from Switzerland; 
translated by the Rev. A. J. 
W. Morrison, M. A. ; edited 
by N. H. Dole. F. A. Niccolls 
& Co., Boston, 1902. 

Truth and Fiction relating 
to my life ; translated by John 
Oxenford; ed. by N. H. Dole. 
2 vols. F. A. Niccolls & Co., 
Boston. 1902. 

Goethe's Egmont, together 
with Schillers essays : Des 
Grafen Lamoral von Egmont 
Leben und Tod, and Ueber 
Egmont, Trauerspiel v. Goethe. 
Edited with Introduction and 
Notes by Max Winkler. Ginn 
& Co., Boston, Mass. The 
Athenaeum Press. 1902. 

Goethe's Faust ; translated 
by John Anster. Universal 
Library. Routledge & Sons, 
London. 1902. 

Faust; translated by Albert 
G. Latham. Temple Classics. 
J. M. Dent & Co., London; 



The Macmillan Company, New 
York. 1902. 

The Tragedy of Faust. Vol. I, 
translated by Sir Theodore 
Martin; edited by N. H. Dole. 
F. A. Niccolls & Co., Boston. 
1902. 

The Tragedy of Faust. Vol. 
II, translated by Sir Theodore 
Martin. Clavigo, Egmont, and 
The Wayward Lover ; ed. by N. 
H. Dole. F. A. Niccolls & Co., 
Boston. 1902. 

Goethes Poetical Works ; 
translated by Samuel Taylor 
Coleridge, John Storer Cobb, 
Anna Swanwick and others; 
ed. by N. H. Dole. 2 vols. 
F. A. Niccolls & Co., Boston. 
1902. 

Iphigenia in Tauris; trans- 
lated by Anna Swanwick and 
Sir Walter Scott; ed. by N. H. 
Dole. F. A. Niccolls & Co., 
Boston. 1902. 

The Sorrows of Young 
Werther. Elective Affinities. 
Translated by R. D. Boylan; 
ed. by N. H. Dole. F. A. 
Niccolls & Co., Boston. 1902, 

Wilhelm Meister's Travels. 
TheRecreations oftheGerman 
Emigrants. Translated by 
Thomas Carlyle; ed. by N. H. 
Dole, F. A. Niccolls & Co., 
Boston. 1902. 

Life of Goethe ; by George 
Henry Lewes; ed. by N. H. 
Dole. 2 vols. F. A. Niccolls 
& Co., Boston. 1902, 



Bibliographie. 



321 



IL HINWEISE IN BÜCHERN. 



History of German Litera- 
ture. By Robert Webber 
Moore. Colgate University 
Press, Hamilton, N. Y. 1900. 
Chapter IX: Goethe and 
Schiller. 

The Romantic Triumph, 
By T. S. Omond. Chas. Scrib- 
ner's Sons, New York. 1900. 
Goethe: 35, 36, 4c, 43, loi, 
162, 193, 199, 205, 217, 277, 
281 — 286, 288 — 291, 293, 294, 
298, 299, 302—304, 306, 318, 

324. 342, 349'. 35^ 392. 

The Beginnings of Poetry. 
By Francis B. Gummere. Mac- 
millan, New York andLondon. 
1901. Goethe: 2, 49, 73, 
116— 118, 315, 410, 433. 

Essays Theological and 
Literary. By Charles Carroll 
Everett. Houghton, Mifflin 
& Co., New York. 1901. The 
Faust of Goethe: 248 — 303. 

The Influence oflndia and 
Persia on the Poetry ofGer- 
many. By Arthur F. J. Remy. 
Columbia University Press, 
New York. 1901. Chapter IV: 
Goethe. 

Life in Poetry : Law in 
Taste. By William John Court- 
hope. Macmillan, London and 
New York. 1901. Goethe: 174, 
253. 255, 259, 261, 262, 266, 
267, 270 — 272, 290, 295, 400. 

Shakespeare and Goethe on 



Gresham's Law and the Single 
Gold Standard. By Benjamin 
E. Green. Dalton, Ga. 1901. 

The Stage in America, 
1897 — 1900. ByNormanHap- 
good. Macmillan, New York 
and London. 1901. Chapter 
XII: Goethe, Schiller, Lessing. 

A Grand Duchess and Her 
Court. By Frances Gerard. 
With 42 illustrations and por- 
traits. 2 vols. Vol. I, XII, ' 
306; II, XI, 275, E.P. Button 
& Co., New York. 1902. The 
Life of Anna Amalia, Duchess 
ofSaxe-Weimar-Eisenach, and 
the Classical Circle of Weimar. 

A History of German Lite- 
rature. By John G. Robertson. 
Edinburgh and London : Wil- 
liam Blackwood and Sons; 
New York: G. P. Putnam's 
Sons. 1902. Goethe: 308-322, 
348—360, 367—369, 374— 
386, 443—457. 

The Life and Works of 
Friedrich Schiller. By Calvin 
Thomas. Henry Holt & Co., 
New York. 1902. (Student's 
Edition.) Goethe: Cf. pp. G.- 
J. XXIII, 305. 

The Treatment of Nature 
in German Literature from 
Günther to the Appearance 
of Goethe's Werther. By Max 
Batt. University of Chicago 
Press, Chicago, 111. 1902. 



III. RECENSIONEN. 



Bourcke, Goethes Idea of 
Polarity and ItsSources ; paper 
read at the 19. annual meeting 
of the Modern Language Asso- 

Goethe-Jahrblch XXIV. 



ciation of America: Mod. 
Lang. Notes, XVII, 131. 

Buchheim (C. A. and E. S.), 
Hermann u. Dorothea: Athe- 



322 



Bibliographie. 



naeum, London. 1902, 1:268 
(March i.). 

Geiger, Goethes Leben und 
Werke: Athenaeum, 1902, 
1:530 (April 26.). 

Gerard, A Grand Duchess 
and Her Court: The Inde- 
pendent, New York, LIV, 
II 87 — II 88; The Literary 
World, Boston, XXXIII, 67; 
New York Times Staturday 
Review of Books and Art, 
May 10, 1902; etc., etc. Eng- 
lish Edition: The Literary 
^^ orld, London, LXV, 235 — 
237; The Spectator, London, 
July 26, 1902, 117 — 118, Aca- 
demy, London, LXII,295 — 296 
(March 22, 1902); etc. 

Goebel, Goethe's Poems ; 
Journal of German Philology, 
IV, 259-264. 

Goebel, The Authenticity 
of Goethe's Sesenheim Songs; 



paper read at the 7. annual 
meeting of the Central Division 
of the Mod. Language Asso- 
ciation of America: Mod. Lang. 
Notes, XVII, 201 — 202. 

Graf, Goethe über seine 
Dichtungen : Mod. Lang. Notes 
(A. Gerber), XVII, 434—436. 

Hohlfeld, The Opening 
Monolog of Goethe's Faust, 
with special reference to lines 
418 — 429; paper read ad the 
7. annual meeting of the Cen- 
tral Division of the Modern 
Lang. Association of America. 
Mod. Lang. Notes, XVII, 194; 
Publ. Mod. Lang. Association, 
XVII, 4. 

Von Klenze, Goethe's Pre- 
decessors in Italy ; paper read 
at the same meeting : Mod. 
Lang. Notes, XVII, 195 ; Publ. 
Mod. Language Association, 
XVII, 4. 



IV. ZEITSCHRIFTEN. 



Goethe; poem. (A. C.Hall.) 
New England Magazine, N. S., 
XXVII, 159 (October, 1902). 

Goethe. Gedicht gesprochen 
gelegentlich der Goethe-Feier 
in Indianopolis, Ind. (H. H. 
Fick.) Pädagogische Monats- 
hefte. I, I, 24 — 25. (Dec. 
1899.) 

Goethe's Ethical and Reli- 
gious Views. (A. B. Faust.) 
Methodist Review, New York. 
September, 1902. 

Goethe als Pädagog. (P. S. 
Stollhofen.) Pädagog. Monats- 
hefte, II, 193 — 199 (April, 
1901), 228—232 (May, 1901); 
Referat: 211 — 213. 



Goethes Vermächtniß an 
Amerika. (Kuno Francke.) 
Ibid., I, I, 26 — 32 (Dec. 1899); 
I, 2, 2 — 6 (Jan. 1900). 

The Goethian Ideal. (Alfred 
Jordan.) Gentleman's Maga- 
zine, London. January, 1902. 

Erlkönig. (Aus »Deutsche 
Schulpraxis«.) Für die literatur- 
kundliche Behandlung. Päd. 
Monatshefte, II, 361 — 363 
(Nov. 1901). 

Critical Studies in German 
Literature. III. Goethe's Faust. 
Part I . (RobertWalter Deering.) 
The Chautauquan, Cleveland, 
O. XXXV, 66—75 (April, 
1902.) Cf. also 85—86. 



Bibliographie. 



323 



Critical Studies in German 
Lit. IV, Goethe's Faust. Part 2. 
(R. W. Deering.) Ibid., 170 — 
177 (May). Cf. also 192. 

Faust. (W. H. Rosenstengel.) 
Päd. Monatshefte, I, 7, 12—15 
(June, 1900). 

Goethe's Faust. The Plan 
and Purpose of the Completed 
Work. By A. R. Hohlfeld. 
Vanderbilt University Quar- 
terly, I, 250 — 271. 1901. Re- 
print. Nashville, Tenn., pp. 24. 

German Literature in Eng- 
land before 1790. (Goethes 
Werther in England.) (J. L. 
Haney.)Americana Germanica. 
1902, IV, 144 — 154. 

The Faust Revival at the 
Lyceum Theater, withsketches 
by Nico Jungmann. (P. G. 
Konody.) The Artist. 1902. 
N. S., I, 121 — 125. 

Faust at the Lyceum, Lon- 
don ; Sir Henry Irving's revival 
of the Version by W. G. Wills. 



(Arthur Symons.) Academy, 
London, LXII, 462 (May 3, 
1902). 

Goethe und Schiller. Fest- 
rede, gehalten bei der Ent- 
hüllung des Goethe-Schiller- 
denkmals in San Francisco am 
II. August, 1901. (Julius 
Goebel.) Päd. Monatshefte, II, 
352—359 (Nov. 1901). 

Goldsmith and the Notions 
»Grille« and »Wandrer« in 
Werthers Leiden, (Robert 
Ferguson.) Mod. Lang. Notes, 
XVII, 346-356, 411-418. 

English Goethe Society. The 
Literary World, London. LXV, 
51, 133; LXVI, 510. Reports 
of meetings. 

Head of Goethe, from the 
monument at Vienna. Goethe 
in his 83. year, from a portrait 
bySchwerdgeburth. TheChau- 
tauquan, XXXV, 85 and 87 
(April, 1902). 




Register zu Band xxiv. 



I. Personen-Register. 



Die hinter den cursiv gedruckten Namen stehenden Zahlen gehen die 

Seiten an, auf denen Abhandhingen oder Mittheilungen des Betreftenden 

s:edruckt sind. 



Abt 271. 

Achehs, Th. 298. 

Adair 161. 

Adelung 224. 

Agrippa von Nettesheim 221. 

Ahlborn, Wilh. 108 fg. 

Albacini 163. 

Albani, Kardinal 158. 

Albertinus, Aegidius 241. 

Alcäus 282. 

Aldobrandini, Fürst 160 fg. 

Alexis s. Schweitzer. 

Alicke, Paul 300. 

Alt, C. 299. 301. 

Andr^, Johann 251 fg. 

Angelus Silesius s. Scheffler. 

Ankermann, Br. 313. 

Anster, John 520. 

Aquila, Pierro 177. 

Archenhold, F. S. 514. 

Aristophanes 77. 230. 

Aristoteles 211. 229. 283. 

Arndt, E. M. 262. 264. 

Arnim, Bettine von s. Brentano, 

Bettine von. 
Arnim, Kinder der vor. 210. 
Arnim, Friedmund von 263. 
Arnold, Rob. F. 302. 303. 
Asher, J. 306. 
Aescliylus 229. 282. 297. 
Ast, F. 276. 
Augustin 150. 
Augustin, F. H. 317. 
Austin, Sarah 16. 19. 24. 140. 
Ayrer 113. 



B. A. 510. 

Baader, Franz von 262 fg. 

Baden, Stephanie Großherzogin 

von 290. 
Bahrdt, C. F. 189, igiff. 201. 203. 
Baiern, Ludwig I. König von 313. 
Baiern, Max Joseph König von 62. 
Baldensperger, Fernand 299. 302. 
Baldus 121. 
Bandorf 257. 271. 
Barclay 219. 
Bartolus 121. 
Bartsch, K. 176 fg. 179. 
Basedow 280. 
Bastier, Paul 309. 
Batt, Max 321. 
Bauer, K. 316. 
Baumgart, Hermann 301. 
Baur 246. 

ßeaulieu von 205 fg. 212. 
Bechräm, Sassanidenfürst 220. 
Becker, Schauspieler und Frau 87. 
Beer, Michael 18. 
Beethoven, L. van 233. 309. 3 16 fg. 
Ben Johnson 144. 303. 
Bentham 32. 

Benzmann, Hans 300. 3 1 1 fg. 
Berenhorst, Brief von G. W. 

Valentini an — 79 — 81. 
Bergeat, Prof. 253. 
Bernays, M. 238. 
Berthold, Otto 303. 
Bertuch, Fr. J. 82. 309. 
Berzelius 26. 
Bettine s. Brentano. 



Personen-Register. 



325 



Betz, Louis P. 306. 

Beyer, C. 49. 56. 

Biedermann, Antonie von, geb. 

Trützschler 292. 
Biedermann, G. H. von 289 fg. 

Seine Frau, geb. Toss 290. 
Biedermann,W. von 9. 186. i9ofg. 

222. 259. 261. 298. 502. Nekrolog 

auf — 289—295. 
Bielschowsky, A. 248. 308. 512. 

Nekrolog 'auf — 285—289. 
Bierbaum, Otto Jul. 298. 
Biese, A. 305. 
Blau, E. 318. 
Blessig, J. Lorenz 273, seine 

Frau 273. 
Blum 201. 

Blum, C. L. 45. 52 fg. 
Bobe, L. j6 — 79. 106 fg. 
Boccaccio 99. 282. 
Böcker, Ewald 300. 
Bode, W. 299. 312. 314. 
Böhme 150. 
Böhtlingk, A. 315. 
Bojardo 221. 
Boisseree, Sulp. 171. 
Bojanowski, Eleonore von 310. 
Bojanowski, P. von 54. 221. 225. 

304. 310- 
Bonstetten, Brief von Matthisson 

an — 106 fg. 
Börne, Ludwig 279. 
Borrow, George 25. 
Böse, Graf von 49. 55. 
Bösenberg, Lud. Herrn. 233. 
Bossert, A. 301. 
Boswell 16. 
Böttiger, C. A. 82. 90. 206. 276. 

Brief von Voigt an — 89. 
Boyion, R. D. 307. 320. 
Bourcke 321. 
Branconi, Frau von 309. 
Brandeis, Arth. 308. 
Brandes, Georg 302. 
Braun, L. 311. 
Brentano, Bettine 104 fg. 132. 309. 

Zwei Briefe von Bettine von 

Arnim (an Ad, Stahr) 204-213. 
Brentano, Gl. 237. 261 ff. 
Brentano, Frz. 310. 
Bretschneider, von 272 fg. 
Brion, Friderike 288. 309 fg. 
Brockdortf, Baronin von 309. 
Brockhaus 310. 
Brun, Friederike 106. 165. 
Brun, Hofjägermeister 106. 



Brunk 273. 

Brunnhofer, H. 239. 315. 

Bruno, Giordano, 239 f. 

Buch, Leop. von 51. 

Buchheim, C. A. 305. 321. 

Buchheim, Emma 305. 321. 

Buchwald, Juliane Franziska von 

254 fg. 
Bück, Heinrich 304. 
Buff, Lotte s. Kestner. 
Bülow, General 81. 
Bulthaupt, H. 304. 
Bulwer 15. 
ßundschu, Charles 6. 
Burggraf, Jul. 312. 
Buri, Ludwig Ysenburg von 248 ff. 

Briefe an Goethe von — 249 ft. 

Brief von Goethe an — 251. 
Burkhardt, C. A. H. 57. 63 fg. 312. 
Bury 154. 

Büttel, Chr. D. von 207 IT. 212. 
Büttnerische Bibliothek 277. 
Byron 150. 



C. J. D. 314. 

Cabot 134. 

Calderon 120. 221. 241. 282. 

Calvary, S. & Co. 300. 

Carracci, Agostino 177. 180. 

Carracci, Annibale 177. 

Carletta 311. 

Carlisle, H. E. 20. 

Carlyle, Alick 13. 

Carlyle, John 7 fg. 14 ff. 19 fe. 25. 

Carlyle, Th. 133. 136. 138. ff 147. 

307, 3i9fg. u. Eckermann 4—39- 
Carlyle, Frau d. vor. 10 ff. 19. 

Mutter 13 ff. Vater 16. 
Caro, Em. 315. 
Caro, Jakob 297. 
Carthy, Justin Mc. 14. 
Castle, Ed. 302. 
Cervantes 102. 282. 
Chamisso, A. von 21. 97. 319. 

Brief an Rahel 98 ff. Brief von 

Varnhagen an — 100 ff. 
Chatterdy, Mohini 134. 
Chimenti, Jac. da Empoli 180. 
Chodowiecki 297. 
Chuchul 64. 
Chuquet, A. 308 fg. 
Clajus 224. 
Clemens, Romanus 218. 



326 



Personen-Register. 



Cobb, John St. 320. 

Coburg, Prinzen von 90. 

Cochrane 16. 

Cogswell, Joseph G. 7. 

Cohn-Antenorid, IV. 221 — 224. 

Coleridge 136. 150. 

Coleridge, Sam. T. 320. 

Compter 62. 

Consalvi, Cardinal 302. 

Constant, Benj. 306. 

Conta, von 223. 

Conway 134. 

Copernicus 150. 

Corneille 282. 

Cornelius, P. 59. 262. 

Cotta, 16. 187. 232. 237. 247. 281. 

296 fg. 500. 303 fg. 
Courthope W. J. 321. 
Crabbe 26. 

Cranach, Lucas 52. 277 fg. 
Cujaz 121. 
M'CuUort 222. 
Cunego 177. 



Dahmen, J. 305. 

Dalberg, K. Th. von (Fürst Primas) 

49- 5 5 fg- 
Dalberg, W. H. von 56. 
Dannecker 261. 

Dante 31. 130 fg. 143. 149. 282. 
Datt 124. 

Daudet, Goethe und 242 fg. 
Dechent, H. 192. 203. 
Deering, R. W. 306. 322 fg. 
Deinet 191. 198. 202 fg. 
Deng (?) Offizier 88. 
Dessoulavy 108. iio. 
Detten, von 254. 
Deutsch, Gotthard 314. 
Deutschland, Maximilian I. Kaiser 

von 277. 
Diderot 313. 

Dieterich, J. R. 248. 252. 508. 
Distel, Theodor 276 ff. 
Distel, Th. 299. 310. 
Dole, N. H. 307. 320. 
Dollmayr 176. 
Donel, 'Martin 309. 
Doneil 121. 
O'Donnell, Gräfin 266. 
Donner 241. 
Dowden, Edward 305. 
Dräger, Anton 107 ff. 



Draheim, H. 304. 

Dressel, Prof. Dr. 174 fg. 

Drill, Rob. 311. 

Duboc, Julius 311. 316. 

Dumas, A. 310. 

Düntzer, H. 81 fg. 90fg. 223. 248. 

310. 
Dürer, Albrecht 278. 
Dyk 64 (Graf Essex). 



Eberhard 273. 
Eben-Lederer, Sophie 312. 
Ebrard, W. 299. 
Ebstein, Erich 313. 
Eckermann, J. P. 224. 229. 276. 
296. 298. 310. 315. Carlyle und 

— 4-39- 

Eck, Samuel 514. 

Egen, A. 305. 

Egloffstein, Caroline von 91. 

Egloffstein, Julie von 52. 

Ehrmann, J. Chr. 274. 

Ehrmann, Prof. 274. 

Eiche 317. 

Eichstädt 258. 294. 

Einem s. Biedermann, W. von. 

Einsiede!, H. von 64. (Die Ver- 
bannung des Grafen v. Rochester) 

87. 89 rg. 

Eitner 271. 

Elias, J. 299. 

Ellis 182. 

Eloesser, A. 302. 

Elsholtz, F. von 310. 

Emerson, E. W. 1 34. 

Emerson, Ralph Waldow — s. Ver- 

hältniss zu Goethe 132—152. 
Emerson, Eltern d. vor. 135. Erste 

Frau 136. Zweite Frau 137. 
Emerson, William 155. 
Empoli, Jac. Chimenti da, siehe 

Chimenti. 
Engel, Ed. 311. 
Engel, K. 21. 
Engelmann 174. 
England, Friedrich August Prinz 

von, Earl of Sussex 164. 
England, Georg III. König von 

i59fg. 164. 
England, Henry Frederick, Duke 

of Cumberland 160 fg. Seine 

Frau 161. 



Personen-Register. 



327 



England, William Henry, Prinz von 
—Duke of Glocester 160 fg. 

Epicharm 304. 

Erdmann 219. 

Erk-Böhme 243 fg. 

Estländer, B. 314. 

Eucken, Rud. 315. 

Euripides 183. 2i7fg. 241. 282. 
Goethe über— 229 fg. 

Eusebius 218. 

Everett, Ch. C. 321. 



Fabian, W. 299. 

Facius, Angelika 48. 54 fg. 

Facius, F. W. 54. 

Fahringer, K. 305. 

Falckenberg, R. 315. 

Falk, J. D. 76. 82. 84 ff. 89. 91. 265. 

Falk, Frau d. vor. 77. 86 fg. Sohn 77. 

Fasola, C. 316. 

Faust 302. 

Faust, A. B. 322. 

Feder 115. 

Feldegg, F. von 302. 

Feldmann, Wilh. 309. 

Feiton, C. C. 146. 

Fenchlerin, Ottilia 243. 

Ferguson, R, 323. 

Fey, Carl 315. 

Fichte 24. 36. 97. 

Fick, H. H. 322. 

Ficker, Otto 300. 

Filangieri,Prinzessin (Prinzesschen) 

verheirathet an den Fürsten von 

Satriano 310. 
Fischer, Kuno 301. 
Fischl, Fr. 308. 
Flach, Jos. 317, 
Flügel, Ewald 7—39. 
Flügel, Ewald 6. 16. 18. 
Föhrau, Ottomar s. Biedermann, 

W. von. 
Forster, G. 223. 
Förster, Richard 167 — 184. 
Forster, Therese, Briefe von Therese 

Huber an — 93 ff. 
Fouque, de la Motte 21. 280. Brief 

an Rahel 97. Brief von Varn- 

hagen an — 97 fg. 
Fox 94. 
Francke 157. 
Francke, Kuno 322. 
Frankenberg, Sylvius Fr. L. von 254. 



Frankreich, Marie Antoinette, 

Königin von 29. 
Fräser 8. 15 ff. 
Fraungruber 305. 
Frege, Veit 290. 
Freytag 246. 
Frezza, Girolamo 174. 
Friedlaender, Max 304. 312. 
Friedmann, Alfred 319. 
Friedrich (Maler) 82. 
Fries, Albert 304. 306. 
Fritz, C. M. 273. 
Froitzheim 267 fg. 270. 273. 275. 

308. 310. 
Frost, Laura 312. 
Froude 7 fg. 13 ff. 
Fulda, L. 220. 
Füller, Margaret 146. 
Funck, Heinrich 65 — 75. 
Furtwängler 182. 



Gall, Fr. Jos. 310. 

Garcia de Luna, L. J. 307. 

Garnett, R. 274. 

Gebeschus, J. 309. 

Geiger, Ludwig 40—56.64. 81 — 106. 

113 fg. 204—213. 248 ff. 256 ff. 

278. 296—319. 
Geiger, L. 298. 309. 311. 322. 
Gensei, Julius 109. 
Gerard, Francis 321 fg. 
Gerber, A. 322. 
Gerth 189. 

Gessner, Georg 3. 72. 
Gessner, Sal. 188. 194. 
Ghisi, Diana 179. 
Görschner, Wilh. 311. 
Goebel, Jul. 306. 322 fg. 
Goedeke, K. 265. 269. 300. 303 fg. 
Godwin 32. 
Goldmark, Carl 318. 
Goldschmidt, K. W. 299. 
Goldsmith 323. 
Gorani I57ff. 165. 
Görres, Guido 300. 
Görres, Jos. von 262 ff. 
Gorter, Richard 301. 
Görtz, Jos. Ernst Graf von 254fg. 

Briefe an seine Frau 254 fg. 
Gotha, Herzog von 254. 
Goethe, August von 28. 37. 82. 

224. 255. 259fg. Brief von 

Langermann an — 261. 



328 



Personen-Register. 



Goethe, Catharina Elisabeth (Frau 

Rath) 55. 254. 309. 
Goethe, Christiane 55. 63 fg. 83. 

88. 255 fg. 298. 309. 
Goethe, Corneha 309. 
Goethe, Johann Kaspar 121 fg. 509. 
Goethe, Ottilie von 11 fg. 21. 25. 

27%' 37- 309. Ihre Kinder 12. 39. 
Gotthelf, F. 299. 
Götthng, K. W. 229 fg. 238. 
Gottsched, J. Chr. 302. 
Gounod 317. 
Graef, B. 182. 
Graf, H. G, 312. 322. 
Graf, Schauspieler 88. 
Graf und Dietherr 123. 
Graß, G. 306. 
Graevenitz, G. von 308. 
Green, Benj. E. 321. 
Gregor XVI, Papst 291. 
Gretry 64 (Richard Löwenherz). 
Gries 90. 

Grimm, Herman 132. 134. 151. 307. 
Grimm, Ludwig 210. 
Grimm, Melchior von 254 fg. 
Grosse, Emil 304. 
Großmann, G. F. W. 310. 
Guizot 18. 
Güldenapfel, Joh. G., über Goethes 

Leitung der Univers.-Bibliothek 

zu Jena (1817 f.) 276 ff. 
Gummere, Francis B. 321. 
Günderrode, Caroline von 210. 
Günther, Joh. Chr. 314. 321. 
Gurlt, A. 257. 



Hafis 222. 

Hahnemann 310. 

Du Halde 222. 

Hall, A. C. 322. 

Hamilton, Gavin 155 fg. 182 fg. 

Hamilton, William 183. 

Hammer 222. 

Hammeran, A. 317. 

Haney, John Louis 307. 325. 

Hansen, P. 306. 

Hanstein, Baron von 164. 

Hapgood, N. 321. 

Härlin, A. 298. 

Harnack, Otto 154 fg. 296. 301. 

Härtel, Hermann 108 fg. 284. 

Hartleben 241. 

Hartmann, G. 318. 

Hartmann, Karl 52. 



Hattield, James Taft 316. 

Hauch, von 60. 

Hauffen, A. 305. 308. 

Haug, Ed. 311. 

Hayward, Abraham 16. 19 fg. 25. 

Hebbel, Fr. 304. 

Hecker, Max F. 303. 318. 

Heger, Rud. 300. 

Hehrmann, M. 318. 

Heiberg, P. A. Briefe an K. L. 
Rahbeck 76—79. 

Heiderich, Alb. 311. 

Heilborn, A. 309. 

Heine, H. 140. 

Heineccius 115. 122. 

Heinemann, Karl 296 fg. 

Heinemann, W. 21. 

Heinze, H. 305. 

Heinzel, R. 224. 

Heisch 74. 

Heisterhergk 25 3 fg. 

Heibig, K. E. 40 Briefe von Goethe 
an — 40 ff. 46 ff. Briefe von 
H.Meyer an — 43. Erläuterungen 
dazu 49 ff". 

Heibig, Kunsthistoriker 162. 

Hellen, Ed. von der 296 ff. 304. 311. 

Hellern, Ernst 310. 

Hellfeld 115. 122. 

Hellmann 51. 

Helwig, Amalie von, s. Imhoff. 

Hemmer 51. 

Hemsterhuvs 201. 

Hendrich, H. 303. 

Henkel, H. 228. 313. 

Henning 246. 

Herder, Emil von 93. 96. 

Herder J. G. von 24. 36. 55. 96. 
i57fg. i89ff. 22ifg. 238. 303.310. 

Herder, Luise von 90. 96. 

Hering, Rob. 313. 

Hermes 77. 

Herrmann, Gottfried 211. 230. 

Herzfelder, J. 301. 

Herzlieb, Wilhelmine (Minchen)2 1 3. 

Hesiod 218. 

Heuer, O. 304. 3iofg. 317. 

Heuwes, S. 300. 

Heydemann 174. 

Heygendorf, Frau von 52. 87. Briefe 
von Goethe an — 63. Erläute- 
rungen dazu 64. 

Heynacher, Max 301. 

Heyne 170 fg. 

Hillebrand, K. 123. 

Hiller, F. 271. 



Personen-Register. 



329 



Himmel 81. 

Hirsch 257. 

Hirt 163. 

Hirth, G. 317. 

Hirzel, L. 192. 198. 

Hirzel, S. 89. 241. 248. 294. 

Hitzig, Ed. 13. 18. 21. 98. 

Höber, K. 300. 

Hoffmann, E. T. A. 99 (Serapions- 

brüder). 
Hoffmann, Hans 312. 
Hoffniann-Krayer, E. 245 fg. 
Hohenhausen, Frau von 82. 
Hohlfeld, A. R. 2 36 fg. 
Hohlfeld, A. R. 322 fg. 
Hollins 156. 
Holman, L. A. 307. 
Holzamer, Wilh. 308, 
Homer 17. 21. 120. 145. 148. 282. 

306. 
Höpfner 122. 
Hoppe 122. 
Horaz 78. 
Hörn, Franz 21. 
Hörn 220. 
Hörn, Graf 243. 

Huber, Therese üb. Goethe 93 — 96. 
Hudson, Maler 154. 
Hufeland 256. 
Hufeland, G. 273. 
Hufnagel 95. 

Humboldt, A. von 51. 297. 310. 
Humboldt, W, von 282. 297. 
Hume 30. 

Hüsgen, H. Seb. 310. 
Hütten, Ulrich von 280. 



J. E. 312. 

Jacobi, F. H. 56. 95. 191. 203. 

Jacobi, Joh. G. 191. 203. 

Jacobs 170. 

Jacoby, Daniel 305. 

Jagemann, Ferd. 43. 5ifg. 

Jagemann, Caroline s. Heygendorf, 

Frau von. 
Jahn, O. 57. 89. 
Jean Paul (Richter) 24. 76. 311. 
Jellinek, A. L. 299. 
Jenkins, Anna Maria 164 fg. 
Jenkins, James 160. 
Jenkins, John 160. 
Jenkins, Thomas 1 5 3 ff. 
Jenkins, William 154. 
Jenkins, William, Soiin d. vor. 164. 



Jenny, Ernst 313. 

Ilberg 189. 

Ilgenstein, H. 311. 

Imhoff, Amalie von 79. 310. 

Immermann, K. 220. 

Ingelheim, Graf 290. 

Joch, AI. von 203. 

Jodl, Fr. 310. 

John 60. 

Johnson 16. 

Jonas, Fr. 265. 

Jordan, A. 322. 

Irenäus 217. 

Irving, Henry 323. 

Isenburg, Fürstin 290. 

Isolani, Eugen 312. 

Jungmann, Nico 302. 323. 

Jung-StiUing, J. H, 269 i'g. 276. 310. 

Junk, Viktor 302. 

Junker, K. 303. 

Justi 155. 157- 

Juvenal 221. 



Kaiser, Adolf 48. 54. 

Kala^^, W. W. 315. 

Kalb, Charlotte von 310. 

Kalb auf Kalbsrieth, Familie 310. 

Kalbeck, M. 318. 

Kalischer, S. 314. 

Kallistratus 169. 

Kant J. 24. 3 10 fg. 

Kappelmacher, A. 506. 

Karlbauer 316. 

Karl und Weitzmann 316. 

Kate, J. J. L. ten 306. 

Kauffmann, AngeUka 163 fg. Ihr 

Mann 163. 
Kaulbach, W. v. 307. 316. 319. 
Kayser, Ph. Chr. 4. 
Keller, Gottfr. 298. 
Keller, K. F. Aug. 303. 
Kellner, H. C. 310. 312. 
Kellner, L. 312. 
Kertsch, Carl 309. 
Kestner, A. 316. Brief an Fr. Preller 

107 ff. Erläuterungen dazu lo^fg. 
Kestner, Charlotte (Lotte) 311. 
Kestner, J. Ch. 191. 
Kienlen, Joh. Chr. 253. 
Kienzl 317. 
Kilian, G. Chr. 173. 
Kirckhoff, Ritter von 46. 53. 
Kirschner, A. 311. 
Klaar, Alfred 300. 



330 



Personen-Register. 



Klarmann, J. L. 310. 

Klein, C. 302. 

Kleist, H. von 304. 

Klenze, von 522. 

Klinger, Fr. M, 311. 

Klotz 191. 

Knaur, Th. 297. 

Knebel, Henriette 89. 

Knebel, K. L, von 89%. 106 fg. 257. 

Knapp, C. 319. 

Knox, John 140. 

Koch, A. 305. 

Koch, C. 306. 

Koch, Jurist 122. 

Koch, Max 57. 

Kohler, J. 119 — 131. 

Kohler, J. 113. 299. 

Kohlrausch, Rob. 303. 312. 

Kohut, Ad. 311. 

Kolbe, E. 300. 

König 305. 

Konody, P. G. 302. 323. 

Kopp 244. 

Koppen, Fedor von 3J0. 

Körner, Chr. G. 282. 

Körner, Th. 289. 311. 

Kosegarten 245 [g. 

Köster, A. 296. 

Kotzebue 311. 

Krasinski 18. 

Kraus, Ernst 302. 

Kraus, G. M. 297. 

Krauss, Rudolf 231 ff. 

Krauss, R, 304. 

Kräuter 40. Brief von Goethe an — 

42 fg. Erläuterungen dazu 51. 
Kreutzer, Konradin 233. 
Kriegk 121 ff. 
Krüger 218. 
Krüger, Hennaii 244 ff. 
Kruse, G. R. 308. 
Küchling, Robert 5. 
Kügelgen, G. von 82. 316. Brief 

von Johanna Schopenhauer an — 

83 ff. 
Kühn, Karl 318. 
Kühnel-Engelsberg, R. 518. 



Lagarde 2 39 fg. 
Laehr, Hans 303. 
Lamb, Charles 21. 
Landau, M. 310. 
Landolt 303. 
Landor 136. 



Landslerg, E. 1 1 4 — 1 1 8. 
Landsberg, E. 113. 121 fg. 
Langer, Joh. P. von 57ff. 1 10. 

Brief von Goethe an — 58. 
Langer, Rob. 5 7 ff. 
Langermann, Joh. Gottfr. 2 56 ff. 

rEin wenig bekannter Freund 

Goethes.) 
Langkavel, Martha 306. 
Lardner 20. 
Las Gases 95. 
Latham G. 320. 
Lauser, W. 298. 
Lauterbach 115. 
Lauth, Jungfern 266. 
Lavater 4. 188. 287. 311. Briefe 

von Lise von Türckheini an — 

65-75- 

Law, John 221. 

Lebret 200. 

Lecky 218. 

Legband, Paul 312. 

Lehmann, Gustaf 79 — 81. 

Lehmann, L. 318. 

Lehr, Hofrath 232. 

Leigh, Hunt 23 fg. 

Leisewitz 311. 

Lentner, F. 313. 

Lenz, J. M. R. 189. 274. 276. 

Leonardo da Vinci 306. 

Leonhard von 57. 

Lerse 270. 

Lessing, G.E. 24. 223. 282. 304.321. 

Lessing, Theodor 299. 314. 

Leuchsenring 198. 

Levetzow, Ulrike von 311. 

Levy, B. 303. 

Lewald, Fanny 212 fg. 

Lewes, G. H. 307. 320. 

Leyser 115. 1 2 1 fg. 

Lichtenstein, Fr. K. von 254. Seine 

Frau 254. 
Lichtenstein, Heinrich 284. 
Lieber 53. 

Lili, s. Türckheim, Elisabeth von. 
Lindner, A. 513. 
Link, H. F. 60 ff. 
Linnaeus (Linne) 26. 61. 
Lippert 181. 
Lippert, O. 307. 
Lippmann, E. von 217 ff. 239 ft. 
List und Francke 300. 
Liszt, Franz 318. 
Lohstein 268. 

Longfellow, Henry W. 319. 
Lonsing 176. 



Personen-Register. 



331 



Loeper, G. von 81. 90. 247. 294. 

Lörcher 305. 

Lorinser 257. 260. 

Lorinser, Franz 241. 257. 

Löschhorn, K. 300. 315. 

Lothar, Rud. 314. 

Lothholi 22^ fg. 

Loewe 304. 

Lowell 21. 

Lucas, August 107 fg. 

Lucas 174. 

Lucian 175. 

Lucrez 106, 

Luckner, Graf 290. 

Ludovici 121, 

Ludwig, A. 318. 

Luther, Martin 280. 

Lyon, Otto 312. 

Lysipp 183. 



M. 3 09 fg. 

M. S. 309. 

Macchiavelli 143. 

Macco, AI. 57. 298. 

Mack, K. 305. 

Mackall, Leonard L. 6 ff. 18 ff. 

Mahomet 244. 246. 248. 

Majer, F. 89. 

Manesse (Handschrift) 62. 

Mannhardt 219. 

Marc Anton 58. 

Marc Aurel 235. 

Marchand 271. 

Marshall, James 5. 

Marshall, William 5. 

Martin, Paul 51. 

Martin, Theodore 520. 

Martinez, Ferdinando 164. Seine 

Frau Maria, geb. Bourbon del 

Monte 164. 
Martinez, Giovanni 164. Seine 

Frau s. Anna Maria Jenkins. 
Marucchi 174. 
Massenet 318. 
Massimi, Marchesa 161. 
Matthias, A. 304. 
Matthias, Th. 297. 299. 503. 314. 
Matthisson, Fr. von, Brief an Bon- 

stetten 106 fg. 
Mecklenburg, Prinzen von 90. 
Meiss, Frau, geb. Schinz 3. (Nichte 

von Barbara Schulthess.) 
Meissner, der 62. 
Melber, G. B. 55. 



Menander 229. 

Mengs, R. 155 fg. 158. 

Mentzel, E. 302 fg. 

Menzel, W. 24. 33. 139. 146. 

Merck, J. G. 185. 191 ff. 200fg. 
205 fg. 212. 

Metternich 297. 

Metz, Ad. 313. 

Meyer, F. 308. 

Meyer, J. Heinrich 40. 154. 168. 
171. 178. 183. Brief an Heibig 
von — 45. Erläuterungen dazu 
51 fg. 

Meyer, M. Wilh. 316. 

Meyer, Richard M. 1 1 3. 248. 299.302. 

Meyer, von Gottlieb, David 267. 
272%. Seine Frau Judica, geb. 
Schielinin 267. 

Meyer von Lindau, Goethes Tisch- 
genosse in Strassburg (Wald- 
berg?) 266 — 276. Sein Bruder 
273. Seine Frau 273. 275. 

Meyerbeer, Giac. 18. 

Michaelis 246. 

Miedke, Schauspieler 2 32 fg. 

Milliet, O. 318. 

Miltitz 264. 

Milton 142. 282. 

Minor, J. 190. 224. 

Mionnet 174 fg. 

Mitchel, Mrs. 290. 

Mitschke, P. 315. 

Mittermeier 290. 

Mondthal, Siegfr. 303. 

Montaigne 132. 150. 241. 

Monti, Vincenzo 311. 

Moore, Rob. W. 321. 

Mörike, E. 311. 

Moritz, K. Ph. 311. 

Moroni 180. 

Morris, Max 241 ff. 

Morris, Max 298. 

Morrison, A. J. W. 320. 

Moser 124. 

Moses 273. 

Moxon 21. 

Müller, Albert 304. 

Müller, Ed. J. L. 317. 

Müller, Heinrich 53. 

Müller, Kanzler von 7. 19. 90. 
262 fg. 298. 309. 

Müller, K. K. 62. 

Müller, Maler 56. 

Müller, O. 183. 

Müller, Oberschulrath 230. 

Müller, V. 302. 



:>)■ 



Personen-Register. 



Müller, Wilh. 316. 
Müller, Frau d. vor. 316. 
Müller-Singer, Künstlerlexicon 

i54fg. 165. 
Munter 202. 
Muralt, A. von 312. 
Murr, Chr. G. von 175. 
Murray, A. S. 183. 
Murray, Buchhändler 17. 
Mursinna 261. 
Müsiol, Rob. 318. 
Muth, R. von 314. 
Muthesius, K. 314. 
Muti, Marchese 162. 
Muzel-Stosch 156 fg. 159. 
Mylne, Robert 155. 
Mylonas 174. 



Nagel, Siegfried Rob. 303. 

Nagel, Willibald 309. 

Nagler 179. 

Napoleon I. 31. 55. 262. 283. 

Narichkine, Leon 243. Seine 
Schwägerin 243. 

Narkissos 318. 

Nathusius, Ph. 212. 

Neapel, König von 163. 

Nees von Esenbeck 45 fg. S2fg. 

Neithart von Reuenthal 288. 

Nerly, Fed. (Friedrich Nehrlich) 
108 ff. 

Nettelbladt 122. 

Neumann, W, Briefe von Varnhagen 
an — 98. 104 fg. Briefe an Varn- 
hagen von — 105 fg. 

Neurath, Otto 233 fg. 

Newton 150. 

Nicolai 272 fg. 

Noack, Friedrich 153 — 166. 

Nohle C. 301. 

Norton, Ch. E. 7. 13. 19 fg. 

Nosca, Egon 312. 

Novalis 102 (Ofterdingen). 



Oberndorf, Graf 290. 
Obser, Karl 2 54 fg. 
Occella, Ildegarde 318. 
Odescalchi, Fürst 160. 
Oken, L. 84. 87. 
Olearius, Gottfried 169 fg. 
Omond, T. S. 321. 
Opitz, M. 224. 



Orlandi 161. 

Osann, Friedrich 170. 

Osborn, M. 299. 319. 

Ossian 76. 

Oesterreich, Josef II., Kaiser von 
272. 274. 

Oesterreich , Maria Theresia, 
Kaiserin von 162. 

Oesterreich, Maria Christine, Erz- 
herzogin von 162. 

Oswald, E. 21. 

Oettingen, W. von 313. 

Overbeck 182. 

Oxenford, John 507. 320. 



P. Ch. 314. 

Pallmann, H. 313. 

Palm, Ad. 301. • 

Paracelsus 219. 

Parlow, A. 318. 

Parthey, Lili 256. 

Pasig, Paul 312. 318. 

Passavant 176. 

Passavant, Joh. Karl 201. 

Passow, Franz 229. 

Paetow, W. 318. 

Pauli 14. 

Pausanias 168. 

Pawel, Jaro 301. 

Payer von Thurn, Rud. 299. 

Peregrin, Felix 223. 

Pernice, Dr. 175. 181. 

Petersen 202. 

Petrarca 282. 

Petronius 221. 

Petsch, Rob. 301. 

Petzet, Erich 36—63. 

Petzet, E. 298. 

Pick, Albert 63. 

Pick, Alb. 302. 

Pindar 240. 

Pius VI., Papst 164. 

Pfalz,KarlTheodor Kurfürst v.d. 51. 

Pfeffel 274. 

Philippsthal, Prinz von 80. 

Philostratische Gemälde, Goethes 

Abhandlung über die— 167—184. 
Pichler, Caroline, Brief von Therese 

Huber an — 96. 
Picus 315. 
Piper, Reinh. 313. 
Pistor, Jul. 301. 
Piaton 102. 137. 150. 152. 186. 

217. 219 fg. 



Personen-Register. 



333 



Plautus 276. 

Plessing 311. 

Plimer, John 155. 

PHnius 168. 

Plotinus 132. 

Plutarch 132. 219. 

Pniower, O. 299. 306. 

Podesta, Giov. Andr. 177. 

Polo, Marco 223. 

Polygnot 168. 

Poniatowsky, Graf 243. 

Poppenberg, Fei. 298. 303. 

Pospischil, Maria 301. 

Posselt, E. L. 50. 

Posselt, Joh. Fr. 40 fg. 50 fg. 

Praun, Cabinet 181. 

Praxiteles 159. 182. 

Preller, Fr. 54. 284. Brief von 
A. Kestner an — 107 flf. Er- 
läuterungen dazu 109 fg. 

Preller, Söhne d. vor. 109. 

Prem, S. M. 304. 

Preußen, Friedrich II.,Königvon272. 

Preußen, Friedrich Wilhelm I., König 
von 209. 

Preußen, Friedrich Wilhelm II., 
König von 76. 

Preußen, Friedrich Wilhelm IV., 
König von 309. 

Prohasel, P. 306. 

Prutz, Rob. 281. 

Pucholt, Hofrath 290. 

Pufendorf 115. 



Quandt, J. G. 54. 
Quarin, Baron 272. 
De Quincey 21 fg. 136. 



Racine 282. 

Radlof 57. 

Rahbeck, K. L., Brief von P. A. 

Heiberg an — 76 — 79. 
Rahel s. Varnhagen. 
Ramler, K. W. 273. 
Rammann, Gebr. 54. 
Ramusio 223. 
Raphael 34. 58. 177. 179. 
Raspe, E. 181. 

Recke, Elisa v. d. 80 fg. 256. 
Redslob 72. 
Reeve, Henry 13. 18. 
Reichardt, Joh. Fr. 311. 
Reichel, Eugen 302. 



Reid 24. 

Reiffenstein, Rath 163. 

Reinhart, Chr. 291. 

Reinhold, Brief von Therese Huber 

an — 93. 
Reinick, Rob. 291. 
Reissiger, C. G. 317. 
Reizenstein, Baronin 266. 
Reizenstein, Sophie von 265. 
Reizenstein, Tinette von 262 fg. (?) 

265 fg. 
Remy, A. F. J. 321. 
Retschs, Moritz 306. 
Retzsch 21. 
Reventlow, Graf 165. 
Rieh, J. G. 245. 
Rieh, Spediteur 140. 
Richter, Rud. 308. 
Riedesel 156 fg. 
Rieger, Max 302. 
Riemer 82 ff. 87. 90. 168. 170. 229. 

26). 
Rietzschel, E. 317. 
Riffert, Jul. 308. 
Riggi, Maddalena 311. 
Rimpan, W. 309. 
Ringseis, Bettine von 265. 
Ringseis, Emilie von 261. 263. 
Ringseis, Joh. Nep. von 261 — 266 

(zu Goethes Gesprächen). 
Ringseis, Frau d. vor. 262 fg. 
Ritter, C 185—203. 
Robertson, John G. 521. 
Rochlitz 82. 294. 
Rocholl, H. 308. 
Röder, Frhr. von 231 fg. 
Rohde, E. 218. 
Rohling, Carl 316. 
Romano, Giulio 171. 175 ff. 179. 
Roquette, Otto 109. 
Röscher 182. 
Rosenstengel, H. W. 323. 
Rössel, L. K. 312. 
Rost, Auctionator 44. 
Rost, Joh. Chr. 311. 
Roth, Fr. 56. 
Roth, Paul 56. 
Rothe, Richard 317. 
Roethe G. 225. 
Rousseau, J. J. 37. 
Rückert, Fr. 246. 293. 
Rüge, Arnold 280. 
Ruland, C. 175. 181. 265. 310. 
Rumsland, Meister 62. 
Rußland, Katharina, Kaiserin von 

243. 



334 



Personen-Register. 



Rußland, Pauli., Kaiser von 162. 

Seine Frau 162. 
Rußland, Peter der Große, Czar 

von 85. 
Rust 257. 



Saar, Ferd. von 505. 

Sachsen, Friedrich der Weise, 
Kurfürst von 277 fg. 

Sacy, Silvestre de 244. 247. 

Sainte-Beuve 243. 

Salomon, L. 512. 

Salter 24. 

Salzmann 267 ff. 

Samachini, Orazio 180. 

Sappho 282. 

Sartorius 264. 

Sauer, A. 297. 

Savigny, F. C. von 20. 121. 

Scacciati, A. 180. 

Scopas 182. 

Schäflfer, J. Chr. G. 60. Brief von 
Goethe an — 59. 

Schäffer, Vater u. Bruder d. vor. 60. 

Schärffenberg, P. 315. 

Scheffler, Joh. (Angelus Silesius) 
241. 

Schelling 18. 233 fg. 262. 

Scherer, Wilhelm 186. i90ft'. 195. 
198 ff. 203. 

Schielin vom Hof, Johann 267. 

Schielinin,Elisabeth, geb. Juntin 267. 

Schiller, Charlotte von 90. 265. 

Schiller, Friedrich von 24. 26. 30. 
34. 36. 5). 64. 70. 88. 95. 120. 
231. 258. 261. 264ff. 298. 300. 
304. 313. 315 fg. 317. 3i9ff. 323. 
Adolf Stahr über den Goethe- 
Schillerschen Briefwechsel 281 — 
283. Deutsche Größe. Nach- 
bildung der Handschrift 3 1 1 
(BibL). Verhältniss zu Goethe 
312 (Bibl.). 

Schindler 221. 

Schinkel 258. 

Schlabrendorf 159. 

Schlegel, A. W. von 78 fg. 229. 

Schlegel, Fr. von 97 fg. 

Schlegel, J. E. 250. 

Schleiermacher 98. 194 210. 

Schleiz, Prinzen von 90. 

Schlosser, J. F. H. 53. 239. 

Schlosser, Joh. G. 192 ff. 

Schlösser, R. 311. 



Schmidt, Erich 5. 130. 242. 269. 
297. 299. 311. 

Schmidt, Fr. A. 45. 52. 

Schmidt, W. 314. 

Schmieder, D. 241. 

Schmitz-Mancy, M. 301. 

Schneider, F. C. 235. 

Schnyder von Wartensee 311. 

Schöler, H. 299. 

Scholl, Friti 107 — lio. 

Scholz, W. von 319. 

Schönbach, A. E. 134. 

Schönemann, Elisabeth, s. Türck- 
heim. 

Schönemann, Bruder der vor. 66. 

Schopenhauer, Adele 85. 8 5 ff". 

Schopenhauer, Arthur 87. 274. 

Schopenhauer, Johanna 82. 274. 312. 
Brief an G. v. Kügelgen 8 3 ff. 

Schorn, Adelheid von 312. 

Schröder W. 305. 

Schröer, K. J. 224. 

Schrön, 48. 51. 53. 

Schröter, Corona 312. 

Schubert, E. 311. 

Schubert, Fr. 318. 

Schuchardt 174. 176 fg. 179 fg. 

Schüddekopf, Carl 4. 57. 63. 

Schuhheß, Barbara 73. Brief an 
Goethe von — 3. Erläuterungen 
dazu 4. Ihre Töchter, Enkelin 
und Nichte 3. 

Schultheß-Rechberg, Georg von 4. 

Schultz, Staatsrath 258. 

Schulz 257. 

Schulze, Emil 308. 

Schumacher, Fritz 313. 

Schumann, Aug. 223. 

Schwann, Matthieu 309. 314. 

Schweden, Gustav III., König von 
163 fg. 

Schweden, Sofie Albertine, Prin- 
zessin von 164. 

Schweitzer, Karl 248 ff. 

Schwender 300. 

Schwerdtgeburth, C. A. 314. 323. 

Schwiegerling 288. 

Schwind, Moritz von 184. 

Scott, WaUer 312. 320. 

Scotsbrig 15. 

Seekatz, Joh. Konr. 312. 

Seidel, Philipp 56. 

Seidl, Armin 300. 

Seidler, Luise 57. 

Seiling, M. 314. 

Seliger, Paul 306. 



Personen-Register. 



335 



Semerau, A. 312. 

Seneca 241. 

Seuffert, B. 191 fg. 238. 

Sevigne, Mad. de 242. 

Sevin, L. 313. 

Seybold, D. Chr. 168 fg. 172. 

Sextus, Empiricus 217. 

Shakespeare 18. 21, 23. 32. 94 

ii9ff. 126. 142. 145. i49ff. 191. 

194. 202. 282fg. 309. 313. 321. 
Siebeck, H. 315. 
Sieber, s. Sievers. 
Siebert, Ad. 108. iio. 
Sievers (Sieber), Stallmeister 255. 
Simon, Magus 2i7fg. 
Simonini, R. 302. 
Sincerus, Joseph 174. 
Singer 239. 
Sittard, J. 298. 312. 
Sixtus V., Papst 162. 
Slovozenko, N. J. 302. 
Smith, Adam 220 fl". 
Snoilsky, C. 307. 
Socrates 229. 

Sondershausen, Fürstin von 94. 
Sophokles 82. 88. 229. 282. 
Spaßky, W. 302. 
Spies, Bernh. 315. 
Spinoza 281. 302. 
Sposini, Bildhauer 165. 
Sprenger, R. 304. 
Sprickmann 311. 
Staderini 162. 
Stael, Frau von 24. 
Stägemann, von 104. 
Stahr, Adolf. Zwei Briefe von 

Bettine vonArnim an — 204 — 2 1 3. 

Brief von Carl Stahr an — 

279 — 281. — über den Goethe- 

Schillerschen Briefwechsel 281 — 

283. 
Stahr, Marie, Frau d. vor. 212 fg. 
Stahr, Alwin 281. Brief von Ad. 

Stahr an — 282 fg. 
Stahr, Carl 212 fg. — über Dichtung 

und Wahrheit 278—281. 
Stahr, Frau Consul Marie 204. 
Stanger, Herrn. 303. 
Stassen, Fr. 316. 
Steen, Jan 34. 
Steffens 105. 
Steig, Reinhold 2 37 fg. 
Steiger, Edgar 315. 
Stein, Charlotte von 153. 163. 238. 

253. 298. 312. 
Stein, Ph. 297 fg. 



Steinel, Oskar 315. 

Steiner, Rud. 302. 

Steinhäuser 183. 

Stern, Adolf 289-295. 

Sternberg, Kaspar v. 44 fg. 5 2 fg. 297 

Stesichoros 218. 

Stettner, Tho?nas 266 ft'. 

Stettner, Th. 314. 

Steuding, H. 503. 

St. Goar, Lud. 49. 56. 

Stickel, Prof. 245 fg. 

Stieda, Wilh. 308. 

Stiehler, Heinrich 307. 

Stieler 18. 

Stöber, A. 270. 273. 

Stoffel, J. 300 fg. 305. 

Stollhofen, P. S. 322. 

Storozenko, N. J. 309. 315. 

Stosch, Sammlung 175. 

Strack, Adolf 255 fg. 

Strack, A. 299. 

Strehlke, 49 fg. 57. 

Streisand H. 300. 

Strohmeyer, Schauspieler 87. 

Stryk 115. 121. 

Strzygowski, Jos. 306. 

Suher 273. 

Suphan, Bernhard 3—7. 296. 

Suphan, Bernhard 246. 297. 311 fg. 

Sutor 232. 

Swanwick, Anna 320. 

Swedenborg 137. 149 fg- 298. 

Sybel, L. v. 182. 

Symons, A. 323. 

Szoell, L. 305. 



Taabbata Sarran 246. 

Tassie 181. 

Tasso, Torquato 240. 282. 

Talios, Achilles 276. 

Taylor, Bayard 320. 

Tertullianus 217. 

Textor, Joh. Wolfgang 121. 

Thaer, Albrecht 311. 

Thibaut 264. 290. 

Thieme, Karl 313. 

Thomas, A. 318. 

Thomas, Artus, Sieur d'Embry 169. 

Thomas, Calvin 132 — 152. 

Thomas, Calvin 321. 

Tliomassinus, Philippus 176. 

Thorwaldsen 108. iio. 291. 

Thucydides 281. 

Thümmel von 91. 



336 



Persoken-Register. 



Thurn und Taxis, Fürst von 59%. 

Tieck, Ludwig 18. 21. 99 (Phan- 
tasus) 102 (Sternbald) 503. 

Tiedge 80 fg. 

Tippmann, Frani X. 224—229. 

Tischbein, J. W. 297. 

Tizian 177 fg. 

Tocquevilie de 18. 

Tombo, Rudolf 319—523. 

Torggler, Herrn. 316. 

Tosi, Titi 304. 

Townley, Cliarles 182. 

Tr. C. 302. 

Traumüller 51. 

Trendelenburg, Ad. 211. 

Trenkner, Karl 305. 

Trinius, A. 308. 317. 

Troost, K. 315. 

Trützschler, Antonie von, s. Bieder- 
mann, von. 

Türck, Hermann 301 fg. 

Türckheim,Elisabeth (Lise, Lili) 288. 
Briefe an Lavater von — 65 — 75. 

Türckheim, Mann d. vor. 66 fg. 70. 
73ff. Kinder 66 ff. 7off. Schwieger- 
eltern 66 fg. 

Türckheim, Joh. von 274. 

Türkei, Siegfr. 515. 



Uhde, H. 54. 57. 
Uhland, L. 319. 
Urbach, A. 318. 

Usteri, Brief von Therese Huber 
an — 96. 



Valentini, Georg W. Brief an 

Berenhorst 79 — 81. 
Varnhagen, Rahel 97 fg. 100 fg. 

Brief von Fouque an — 97. 

Brief von Chamisso an — 98 ff. 
Varnhagen von Ense 21. 82. 97. 

211.256. Brief an Fouque von — 

97 fg. Briefe an Neumann 98. 

I04fg. Brief an Chamisso looff. 

Briefe von Neumann an — 10 j fg. 
Verlohren, Hauptmann 255 fg. 
Vernet, Jos. 155. 
Vigenere, Blaise de 169. 
Villefosse, Heron de 44. 52. 
Virgil 272. 

Visconti, Giov. Batt. 162. 
Vissering 222. 
Vitzthum, Graf 18. 
Voct 121. 



Vogel, J. 305. 

Vogel, Maler 18. 

Vogel, Th. 315. 

Vogler, P. 314. 

Voigt, Chr. G. 40. 90 fg. 256. 

Briefe von Goethe an 40. 49. 

Erläuterungen dazu 49. 55. Brief 

an Böttiger 89. 
Voigt, Frau d. vor. 40. 
Volkmann, J. J. 163. 
Vollmer, Gottfried 241. 
Volpato 154. 

Voltaire 31. 38. 232. 244. 282. 
Voß, Heinrich 229. 



W. M. 319. 

Wagner, H. L. 268 ff. 276. 

Wagner, Karl 189. 192. 

Wagner, Martin 291. 

Wagner, Richard 318. 

Wahl, Gust. 311. 

Wahlenberg 51. 

Wahner, J. 306. 

Walther, K. 317. 

Waltz 219. 

Waser, Otto 311. 

Weber, L. 308. 

Weber, Carl Maria von 284. 

Weber, von, Jurist 291. 

Weigel, Ad. 300. 

Weigel, Proclamator 43 fg. 51. 
Sein Sohn 45. 

Weilen, AI. von 303. 

Weimar, Anna Amalie, Herzogin 
von 154. 164. 317. 321 ig. 

Weimar, Caroline, Prinzessin von 
90. 92. 

Weimar, Carl Alexander, Groß- 
herzog von 5. 

Weimar, Carl August, Großherzog 
von 40 ff. 50 fg. 5 3 ff. 80. 84. 
138. 150. 253. 277fg. 293. 310. 
Brief von Goethe an — 44 ff. 
62 fg. Erläuterungen 52 fg. 

Weimar, Karl Friedrich, Groß- 
herzog von 47. 55. 

Weimar, Luise, Großherzogin von 
44. 82 fg. 86 fg. 90. 92. 241. 
298. 310. 

Weimar, Maria Paulowna, Groß- 
herzogin von 27. 48. 54 fg. 90. 
92. 108. 

Weimar, Sophie, Großherzogin von 
3%- 



Goethe-Register. 



337 



Weißenfels, O. 315. 

Weißenfels, R. 248. 299. 

Weizsäcker, Paul 285 fg. 

Welcker 170. 

Wellen, Karl 301. 

Weller, Th. L. 108 ff. 

Werner, Geologe 258. 

Werner, L. 312. 

Werner, Richard M. 266. 316. 

Werner, Z. 83. 85 fg. 297. 

Wernher 121. 

Wernike, Christian 220. 

VVernle, Paul 313. 

Westphal, Jurist 122. 

Wetzler, Herrn. Hans 318. 

Weyl, Hans 316. 

Wickhoff, 167. 174. 177. 

Widmann, J. V. 298. 

Widmann, S. 303. 

Wiedewelt 157. 

Wieland, Chr. M. 78. 90. 191. 

Wieseler 183. 

Wilhelm, E. 306. 

Willemer, Marianne von 244. 

Wills, W. G. 302. 323. 

Wilms, Ernst 312. 

Wilson 16. 

Wilson, Richard 1 54 (g. 

Winckelmann 156 ff. 161 ff. 

Windelband, W. 315. 

Windscheid 116. 

Winkler, Max 320. 

Witkmuski, G. 285—289. 

Witkowski, G. 185 fg. 188. I90fg. 

194. 202. 303. 309. 
Wohlrab, M. 303. 
Wolf, Casp. Friedr. 261. 
Wolf, F. A. 258. 



Wolf, Hugo 318. ■ 

Wolf, Jurist 125. 

Wolff, Amalie 85. 87 fg. 

Wolff, Eugen 313. 315. 

Wolff, P. A. 87 fg. 

Wolfram (F. Marlow) — 's Faust 

233 ff. 
Wöllner 76. 
Wolter, Jos. 310. 
Wolters 182. 

Wolzogen, Frau von 55. 87. 
Wordsworth 136. 145. 
Wörner, R. 301. 
Wrangel, Student 237 ff. 
Wülker, Rieh. 305. 
Württemberg, Friedrich, König von 

231 fg. 304. 
Württemberg, Karl, Herzog von 231. 



Xenophon 219. 
Xeuxis s. Zeuxis. 



Yorck, General 81. 



Zachariae 290. 

Zahn, Wilh. 39. 169. 171, 

V. Zahn und Jaensch 300. 

Zeitler, J. 305. 

Zelada, Kardinal-Staatssekretär 164. 

Zeller, Ed. 187. 

Zelter 18. 54. 105 fg. 183. 257 ff. 312. 

Zeuxis (Xeuxis) 24. 34. 

Ziegesars, Familie 55. 

Zola 315. 

Zuber, J. 316. 

Zumsteeg 312. 



II. Register über Goethes Werke und Leben, 



I. Biographische Schriften. 

Annalen 51. 53. 55. 256. 264. 
276. 294. 

Campagne in Frankreich 94. 

Dichtung und Wahrheit 93. 97. 
122. 124. 152. 185. 244. 252. 
299. Meyer von Lindau, Goethes 
Tischgenosse in Straßburg 266 — 
276. Carl Stahr über — 278 — 
281. Neue Ausgabe 297 (Bibl.) 

Goethc-Jahpbuch XXIV. 



505 (Bibl.) Uebersetzung 307 
rßibl.) 320 (Bibl.). 

Italiänische Reise 153. 163. 

Römischer Aufenthalt, zweiter 153. 

Tagebücher 50 ff. 60. 64. 82. 84. 
139. 163. i68ff. 253. 254ff. 
2 58 ff. 263 ff. 284. Weimarer 
Ausgabe 296. Zu Goethes Tage- 
buch 308 (Bibl.). 

Tag- und Jahreshefte s. Annalen. 



338 



Goethe-Register. 



2. Briefe an: 

Buri, Ludwig Ysenburg von 251. 

Heibig, K. E. 40 ff. 46 ff. Er- 
läuterungen dazu 49. 

Heygendorf, Frau von 63. Er- 
läuterungen dazu 64. 

Kräuter 42 fg. Erläuterungen dazu 

51- 

Langer, Joh. P. j8. 

Schäfer, J. Chr. G. 59. 

Voigt, Chr. G. 40. 49. Erläute- 
rungen dazu 49. 55. 

Weimar, Carl August, Großherzog 
von 44 ff. 62 fg. Erläuterungen 
dazu 52 fg. 



Christiane, zu Goethes Briefen an — 

von der Teplitzer Reise 181 3. 
Neue Ausgaben i^jfg. (Bibl.). 
Schiller-Goetheschen Briefwechsel, 

Adolf Stahr über den — 255 fg. 

281 — 283. Weimarer Ausgabe 

296. 



3. Briefe an Goethe von: 

Buri, Ludwig Ysenburg von 249 ff. 
Schulthess, Barbara 3. 



Neue Ausgaben 297 fg. (Bibl.) 
Schiller-Goetheschen Briefwechsel, 
Adolf Stahr über den — 281—283. 



4. Dramen und dramatische 
Pläne und Entwürfe. 

Aufgeregten, die 225. 

Bürgergeneral, der 225. Neue Aus- 
gabe 297 (Bibl). 

Claudine von Villabella 225. 227. 
231. 233. 

Clavigo 187. 225. 227 fg. 231 fg. 
Neue Ausgabe 297 (Bibl.). 

Egmont 30. 22 5 ff. 2 3 1 ff. 317. Neue 
Ausg. 297 (Bibl.), 300 (Bibl.) 
32o(Bibl.). Abhandlungen über — 
300 (Bibl.). 

Elpenor 225. 228. 293. 

Epimenides, des, Erwachen. 36. 94. 
299. 300. 

Erwin und Elmire 225. 227. 



Faust 21. 27. 30. 32. 37. 93. 106. 
239fg. 254. 269. 300. 317 ff. 322. 
Haywards Uebersetzung 19 ff. 
Fausts Pakt mit Mephistopheles 
in juristischer Beleuchtung 113 — 
131. Emerson über 147 fg. 150 ff. 
Einschläferungslied,Th.1, 167.174. 
Sagengeschichtliches zur Helena 
217 ff. Parallelstellen zu Faust 
219 ff. Die Quellen des Faustschen 
Papiergeldes 221 ff. Urfaust 225. 
242. 287. 298. Wolframs Faust 
233 ff. Neue Ausgaben 296 (Bibl.) 
301 (Bibl.) Abhandlungen über 
298 (Bibl.) 301 (Bibl.) 322 fg. 
(Bibl.). Uebersetzungen in fremde 
Sprachen 306 (Bibl.) 320 (Bibl.). 
Zeiclmungen zu 316 (Bibl.). 

Fischerin, die 225. 228. 

Geschwister, die 225. 235. Neue 
Ausgaben 297 (Bibl.). 

Götter, Helden und Wieland 187. 
225. 227. 

Götz von Berlichingen 124. 225 ff. 
232. 318. 

Gottfriedens von Berlichingen, 
dramatis. Geschichte 187. 225. 227. 
War G. V. B. eiserne Hand die 
rechte oder die linke? 283 fg. Neue 
Ausgaben297(Bibl.).30ofg.(Bibl.). 
Abhandlungen über 301 (Bibl.). 

Großkophtha, der 29. Neue Aus- 
gabe 297 (Bibl.). 

Hanswursts Hochzeit 298. 

Jery und Bätely 225. 228. 

Iphigenie aufTauris 21. 34. 56. 151. 
212. 225. 227 fg. Neue Ausgaben 
296 (Bibl.) 303 (Bibl.). Abhand- 
lungen über — 303 (Bibl.). 

Laune des Verliebten. Neue Aus- 
gabe 296 (Bibl.). 

Lila 225. 227. 

Mädchen, das, von Oberkirch 225. 

Mahomet 244. 

Mahomet (Plan) 244. 

Maskenzüge 1809 und 1810, zu den 
81 — 92. 1798, 266. Ein unbe- 
kannter Druck der Stanzen 1798, 
241. — 1818, 266. 

Mitschuldigen, die 56. 232. 303. 
Neue Ausgabe 296 (Bibl.). 

Natürliche Tochter, die 303. Neue 
Ausgabe 296 (Bibl). 

Pandora 298. 

Prometheus 298. 

Satyros 187. 299. 303. 



Goethe-Register. 



339 



Stella 225. 227 ff. 231 fg. Hand- 
schrift 56. Neue Ausgabe 297 
(ßibl.). 

Tankred 232. 

Tasso 27. 34. i^ofg. 240. Neue 
.\usgaben 296 (Bibl.) 303 (Bibl.) 
Abhandlungen über 303 (Bibl.) 

Triumph der Empfindsamkeit 225. 
227 fg. 303. 

Vögel, die 298. 

Was wir bringen 223. 

Wette, die 225. 

Zauberflöte, der, zweiter Theil 225 . 
228. 298. 

Neue Ausgaben und Abhandlungen 

3 00 ff. 
Parallelismus, der, in Goethes 

dramatischem Prosastil 224 — 229. 
Stuttgarter Hoftheater, Goethe auf 

dem, unter Herzog Karl und 

König Friedrich 23ifl'. 

5. Episches. 

Achilleis 298. Neue Ausgabe 296 
(Bibl). 304 (Bibl.). 

Hermann und Dorothea 6. 34. 99. 
262. 265. 298. 322 (Bibl.). Neue 
Ausgaben 296 (Bibl.) 304 (Bibl). 
Abhandlungen über 303 — (Bibl.). 
Uebersetzung 307 (Bibl.). 

Reineke Fuchs 6. 264. Neue Aus- 
gaben 296 (Bibl.). 305 (Bibl). 
Uebersetzungen 507 (Bibl.). 

6. Erzählendes. 
Felsen, die starren 100. 
Flucht nach Egypten, die 100. 
Guten Weiber, die 242 fg. (Goethe 

und Daudet). 
Mann, der, vor 50 Jahren 100. 
Märchen, das 12. 17 fg. 305. 
Melusine, die neue 100. 
Novelle 17 fg. 

Nußbraune Mädchen, das 100. 
Thörin, die pilgernde 100. 
Wahlverwandtschaften 97. 1 39. 266. 

298. Uebersetzungen 307 (Bibl.). 
Werthers Leiden 3. 30. 3 2 ff. 99. 

187. 238. 318. Neue Ausgaben 

305 fg. (Bibl). Abhandlungen 

über 306 (Bibl.) 321. 325 (Bibl.). 

Uebersetzungen 307 (Bibl.) '320 

(Bibl). 



Wilhelm Meister 3. 21. 139. 143 ff. 
132. Lehrjahre 32. Wanderjahre 
98. 260. Chamisso über — 98 ff. 
Varnhagen über — loi ff. Ab- 
handlungen über — 305 (Bibl.). 
Uebersetzungen 307 (Bibl.) 320 
(Bibl.). 

Wo steckt der Verräther? 100. 



7. Gedichte. 

An den Mond 318. 

Bakis, Weissagungen des 299. 

Beherzigung 318. 

Bekehrte, die 318. 

Brautlied 90. 

Deutscher Parnaß 298. 

Eckart, der getreue 304. 

Epigrammatisch, Wie du mir, so 

ich dir 304. 
Ergo bibamus 304. 
Erlkönig 318. 322. 
Festlied 90. 
Fischer, der 209. 
Flieh, Täubchen, flieh 298. 
Gastlied 90. 
Gesang der Geister über den 

Wassern 4. 
Gott und Welt, zu den Gedichten — 

239 ff. 
Göttliche, das 304. 
Harzreise im Winter 253. 
Liegt dir gestern klar u. offen 18. 
Mignon 318. 

Muth, zu Goethes Gedicht — 243 fg. 
Prometheus 318. 
Schäfers Klagelied, zu — 236ff. 
Sesenheimer Lieder 288. 322. 
Spröde, die 318. 
Wandelnde Glocke 255. 304. 
Wanderers Nachtlied 304. Com- 

positionen 5 17 fg. (Bibl.). 
West-östlicher Divan 244 ft". 304. 

Noten und Abhandlungen zum — 

223. 245 ff'. 
Xenien 30. 
Zahme Xenien, Wie das Gestirn etc. 

5. 12. 
Zauberlehrling, der 175. 



Compositionen 3 17 fg. (Bibl.). 
Neue Ausgaben 296 (Bibl.) 304 

(Bibl.). 
Uebersetzungen in fremde Sprachen 

306 fg. (Bibl.). 



340 



Goethe-Register. 



8. Kunst. 

Abendmahl von Leonardo da Vinci 
306. 

Hackert, Philipp 155. 163. 

KunstundAlterthum98. lyifg. 178. 

Künstlerische Behandlung land- 
schaftlicher Gegenstände 178. 

Letzte Kunstausstellung 168. 

Neudeutsche religiös - patriotische 
Kunst 98. 

Philostrats Gemälde, Goethes Ab- 
handlung über die — 167 — 184. 

Polygnots Gemälde 168. 

Rhein- und Maynhefte s. Kunst 
und Alterthum, 



Aufsätze über Kunst 187. 



9. Naturwissenschaftliches. 

Farbenlehre 30. 57. 315. 

Metamorphose der Pflanzen 61. 314. 

Morphologie zur. H. F. Link 
Elementa philosophiae botanicae 
60 ff. 

Naturwissenschaftliche Correspon- 
denz 50. 53. 257. 263. 

Naturwissenschaftliche Schriften 
50 fg. 263. 

Zur Kenntniß der Gebirge nicht- 
böhmischer Länder 45. 52. 

ZurNaturwissenschaft überhaupt 5 2. 



10. Sonstige prosaische 
Schriften. 

Frankfurter Gelehrten Anzeigen, 
Recensionen in den 244. 305. An- 
wendung der Sprach-Statistik auf 
die 185—203. 

Homer, Arbeiten über, Abhand- 
lungen 306 (Bibl.). 

Literatur, Aufsätze zur, Weimarer 
Ausgabe 296. 

Rhein und Main, Kunst und Alter- 
thum am 296. 

Rheingau, Herbsttage im 296. 

Rochusfest, das, zu Bingen 98. 296. 

Schweiz, aus einer Reise in die 296. 

Zwo wichtige biblische Fragen 191. 



II. Biographische Einzel- 
heiten, Lebensbeziehungen, 
Verhältnisse (persönliche und 
literarische) zu: 

Ahnentafel Goethes, zusammen- 
gestellt 389 (Bibl.). 
Arabische, Goethe u. das 244—248, 
Arkadische Gesellschaft, Goethe 

und die 248 — 252. 
Arnim, Bettine von 309 (Bibl.). 
Zwei Briefe von — an Adolf 
Stahr 204—213. 
Baiern, Goethes Beziehungen zu 
Kunst und Wissenschaft in — 
313 (Bibl.). 
Beethoven 309 (Bibl.). 
Berlin, Goethe in seinen Be- 
ziehungen zu — 308 (Bibl.). 
Bertuch, Fr. Just. 309 (Bibl.). 
Branconi, Frau von 309 (Bibl.). 
Brion, Friderike 309 fg. (Bibl.). 
Carlyle und Eckermann 4 — 39. 
Chamisso über Goethe 299 (Bibl.). 
Champagne, Goethe en — 3o8(Bibl.). 
Charakteristik, zur, Goethes 290 

(Bibl.). 
Dämonischen, Ueber den Begriff 

des bei Goethe 299 (Bibl.)." 
Darmstadt, Goethe in 308 (Bibl.). 
Daudet, Goethe und 242 fg. 
Diderot 313 (Bibl.). 
Duell, wie Goethe über das — 

dachte 313 (Bibl). 
Dumas 310 (Bibl.). 
Eckermann 310 (Bibl.). Carlyle 

und — 4 — 59- 
Elbogen, Beziehung Goethes zu 

308 (Bibl.). 
Elsholtz 310 (Bibl.). 
Emersons Verhältniß zu Goethe 

132—152. 
Euripides, Goethe und 229 fg. 
Falk über Goethe 77 ff. 
Feinde, Goetlie- um 1830. 315 

(Bibl.). 
Fouque über Goethe 97. 
Frankreich, zu Goethe in 299 (Bibl.). 
Fremdwörter, Goethe und die 299 

(Bibl.). 
Gall, Franz Jos. 510 (Bibl.). 
Görtz, Graf Jos. Ernst über Goethe 

2 54%. 
Goethe, Alma von 309 (Bibl.). 
Goethe, Christiane 309 (Bibl.). 
Goethe, Cornelia 309 (Bibl.). 



Goethe-Register. 



341 



•Goethe, Shakespeare-Feier bei dem 
»Herrn Rath« in Frankfurt 309 
(Bibl.). Briefe der Frau Rath an 
ihre Heben Enkeleins 309 (Bibl.). 
la mere de Goethe 309 (Bibl.). 
Ein Besuch bei der Frau Rath 
309 (Bibl.). 
Goethe, Ottilie von 309 (Bibl.). 
Gotha, Goethe und 25 4 fg. 
Großmann, G. Fr. W. 310 (Bibl.). 
Güldenapfel, Joh. G., über Goethes 
Leitung der Universitäts-Biblio- 
thek zu Jena (1817 fg.) 276—278. 
Hahnemann 310 (Bibl.). 
Haus- u.Finanzwirthschaft Goethes 

314 (Bibl). 
Heiberg, P. A. an K. L. Rahbeck 

76-79. 
Heibig, Brief von Heinrich Meyer 

an 43. 
Hehvig, Amalie von 310 (Bibl.). 
Herder 510 (Bibl.). 
Huber,Therese über Goethe 93 — 96. 
Humboldt, A. von 310 (Bibl.). 
Hüsgen, H. S. 310 (Bibl.). 
Jenkins, Thomas (Aus Goethes 

römischem Kreise) 155 — 166. 
Ilmenau undStützerbach 30S(Bibl.). 
Auf Goethes Spuren in Ilmenau 
30S (Bibl.). 
Jung-Stilling 310 (Bibl.). 
Kalb, Familie 310 (Bibl.). 
Kant 310 fg. (Bibl). 
Kestner, August 316 (Bibl.) — über 

Goethe 95—96. 
Kestner, Lotte 311 (Bibl). 
Kinderfreund, Goethe ein 312 fg. 

(Bibl.). 314 (Bibl.). 
Klinger, F. M. 311 (Bibl.). 
Körner, Theodor 311 (Bibl.). 
Kotzebue 311 (Bibl.). 
Lauchstedt. Ein klassischesSommer- 

theater 308 (Bibl.). 
Langermann, Joh. Gottfr. 256 — 261 . 
(Ein wenig bekannter Freund 
Goethes). 
Lavater 311 (Bibl.). 
Lebensanschauung 314 (Bibl.). 
Lebenskunst 314 (Bibl.). 
Leisewitz 311 (Bibl.). 
Levetzow, Ulrike von 311 (Bibl). 
Lili, s. Türckheim, Lise von. 
Marienbad, Goethes zweiter Aufent- 
halt in 308 (Bibl). 
Maskenzügen 1809 und 1810, zu 
den Weimarer 81 — 92. 



Matthisson über Goethe 106 fg. 
Meyer, Heinrich, Brief an Heibig 43. 
Mever von Lindau, Goethes Tisch- 
genosse in Straßburg 266 — 276. 
Monti, Vincenzo 3 1 1 (Bibl). 
Mörike 311 (Bibl). 
Moritz, K. Ph. 511 (Bibl). 
Mühlhausen, Goethe in 308 (Bibl). 
Müller, Wilhelm 316 (Bibl). 
\eumann über Goethe 105 fg. 
Phylandria 308 (Bibl). 
Plessing 311 (Bibl). 
Prinzesschen 310 (Bibl). 
Pseudonym, ein eigenhändiges, 

Goethes 253 fg. 
Reichardt, Joh. Fr. 311 (Bibl). 
Riggi, Maddalena 311 (Bibl). 
Ringseis, Joh. Nep. von 261 — 266. 

(Zu Goethes Gesprächen.) 
Rom, auf Goethes Spuren von 
Verona bis — 3o8(Bibl.),Deutsche 
in — 308 (Bibl), Goethe in — 
308 (Bibl). 
Rost, Joh. Chr. 311 (Bibl). 
Schiller 311 fg. (Bibl). 
Schopenhauer, Johanna 312 (Bibl), 

Briefe an Kügelgen 85(1. 
Schröter, Corona 312 (Bibl). 
Scott, Walter 312 (Bibl). 
Seekatz, Joh. Konr. 312 (Bibl). 
Stein, Charlotte von 312 (Bibl). 
Straßburg, Goethes Doktor-Pro- 
motion 308. 
Stuttgarter Hoftheater, Goethe auf 
dem., unter Herzog Karl und 
König Friedrich 251 fg. 
Türckheim, Lise von (Lili), Briefe 

an Lavater 65 — 75. 
Valentini, G. W. von, an Beren- 

horst 79-81. 
Varnhagen über Goethe 77 fg. 99 tt. 
Voigt, Brief an Böttiger 89. 
Weimar, Herzogin, Anna AmaHa 

von 321 ff. (Bibl). 
Weimar, Herzogin Luise von 5 10 

(Bibl). 
Wiesbaden, Goethe in 308 (Bibl). 
Wilhelmsthal (Eine Goethestätte 

Thüringens) 308 (Bibl). 
Zeitgenossen, ältere 513 (Bibl). 
Zelter 312 (Bibl). 
Zumsteeg 312 (Bibl). 



342 



Goethe-Register. 



12. Verschiedenes. 

Alterthums, der Einfluß des klassi- 
schen, auf den Bildungsgang des 
jungen Goethe 3 1 3 (Bibl.). 

Arbeit, Goethe an der 313 (Bibl). 

Architektur, Goethe in der 313 
(Bibl.). 

Archiv in Weimar, Mittheilungen 
aus dem 5 — 39. 

Aufgaben aus Goethes Prosa 306 
(Bibl.). 

Ausgabe letzter Hand 53. 

Autographenkataloge 300 (Bibl.). 

Bibel, Goethe und die 513 (Bibl). 

Biedermann, Woldemar Freiherr 
von, Nekrolog auf 289—295. 

Bielschowskv, Albert, Nekrolog auf 

— 285—289. 
Bilder 3 16 fg. (Bibl). 
Brahmanismus und Buddhismus 

Goethes und Schillers Anklänge 

an 313 (Bibl.). 
Büchercataloge 300 (Bibl.). 
Buddhist und Okkultist, Goethe als 

313 (Bibl.). 
Christenthum, Goethe und das 3 1 3 

(Bibl.). 
Compositionen 317 fg. (Bibl.). 
Denker, Goethe als 315 (Bibl.). 
Denkmäler 317 (Bibl.). 
Düntzer, Heinrich 310 (Bibl.). 
Entwickelungsidee 314 (Bibl.). 
Ethische Fragen und Folgerungen 

im Anschluß an Goethe 5 1 3 

(Bibl.). 
Fettleibigkeit, Goethe und die 315 

(Bibl). 
Folklore, Goethe en de 314 (Bibl). 
Fremdwörter, Goethe und die 314 

(Bibl). 
Gespräche 298 (Bibl). 
Goethe- Gesellschaft, Berichte über 

die Goethe-Tage 518 fg. (Bibl). 
Hempelsche Ausgabe 294. 
Himmel, warum erscheint uns der 

— blau 314 (Bibl). 
Jahresberichte für neuere deutsche 

Litteraturgeschichte 299 (Bibl). 
Kultur, Goethe-, nicht Goethekultus 

299 (Bibl). 
Kunst, die bildende, zur Zeit 

Goethes 313 (Bibl). 



Lebensbeschreibungen etc. 3 07 fg. 

(Bibl.) 520 (Bibl). 
Mathematik, Goethe und die 314 

(Bibl). 
Moderne, Goethe und die 5 1 4 (Bibl). 
Münchener Hof- u. Staatsbibliothek, 

die Goethe- Autographen der 

56-63. 
Münchener Lithographie 3i4(Bibl). 
Musen, die neun — Goethes 299 

(Bibl). 
Nachträge u. Berichtigungen 283 fg. 
Nationale Bewegung, Goethe und 

die 314 (Bibl). 
Natur, die Behandlung der 314 

(Bibl). 
Neue Ausgabe der Werke 296 fg. 

(Bibl), 319 (Bibl). 
Neue Schriften über Goethe 298 ff. 

(Bibl). 
Okkultismus, noch einmal Goethe 

und der — 314 (Bibl). 
Pädagog, Goethe als 314 (Bibl.) 

322 (Bibl) 
Parodieen 319 (Bibl). 
Philister, Goethe als 315 (Bibl). 
Philosophie Goethes 315 (Bibl). 
Prophet, Goethe als 315 (Bibl). 
Protestantismus, Goethe und der 

315 (Bibl). 
Psychiater, Goethe als 315 (Bibl). 
Religion, Goethes Stellung zur 315 

(Bibl) 322 (Bibl). 
Rom, Goethe und das kirchliche 

315 (Bibl). 
Russische Beziehungen 315 (Bibl). 
Schule, Goethe und die 314 (Bibl). 
Stenographie 315 (Bibl). 
Tagesfragen, Goethes Urtheile über 

die wichtigsten 315 (Bibl). 
Wartburg, die, Goethe-Nummer 

299. 
Weimar, Carl August, von, Nieder- 
schriften etc. 310 (Bibl). 
Weimarer Ausgabe 56 tg. 295. 

Bibliographie 296. 
Wiener Goethe-Vereins, Chronik 

des 299 (Bibl). 
Zeitungsberichte, Englische und 

französische über Goethes Tod 

21-39. 



Achtzehnter Jahresbericht 

DER 

Goethe-Gesellschaft. 








ie 17. Generalversammlung der Goethe-Gesellschaft 
fand in Weimar am 24. Mai statt, nachdem Tags 
vorher der Vorstand zu einer Sitzung zusammen- 
getreten war. Der in üblicherweise festlich geschmückte Saal 
der »Erholung« war von den überaus zahlreich erschienenen 
Mitgliedern gefüllt. Der erhabene Protektor der Gesellschaft, 
Seine Königl. Hoheit der Großherzog Wilhelm Ernst von 
Sachsen, der von Weimar abwesend war, hatte durch ein 
an den Präsidenten, Geh. Hofrath Dr. Ruland gerichtetes 
Kabinetschreiben Höchstsein Bedauern aussprechen lassen, 
daß er der Versammlung beizuwohnen verhindert sei. Ihre 
Königl. Hoheit die Frau Erbgroßherzogin Wittwe von 
Sachsen war, aus Gesundheitsgründen zu einem verlängerten 
Aufenthalt im Süden genöthigt, dadurch nicht in der Lage, 
die diesmalige, ebenso wie die früheren Versammlungen 
mit Höchstihrer Gegenwart zu beehren. Der Vorsitzende 
eröffnete die Tagung mit einer begrüßenden Ansprache, 
worauf Herr v. Bojanowski Namens des Geschäftsführenden 
Ausschusses den Jahresbericht erstattete. Herr Professor 
Dr. F. Paulsen-Berlin hatte die Güte gehabt, den Fest- 
vortrag zu übernehmen. Seine in den innersten Kern der 
Wesenheit des Dichters einführende Rede über Goethes 
ethische Anschauungen ist den Mitgliedern im Wortlaut 
im letzten Bande des Jahrbuchs geboten worden. An 
dieser Stelle haben wir nur unseren Dank auszusprechen 
für seine geistvollen und erhebenden Ausführungen. Nach 
der Pause legte Herr Geh. Finanzrath Dr. Nebe die Finanz- 
verhältnisse der Gesellschaft dar, während die Herren Geh. 
Hofrath Dr. Suphan und Geh. Hofrath Dr. Ruland die 



— ^ 4 ^— 

Berichte über das Goethe- und Schiller-Archiv und die 
Bibliothek der Gesellschaft, sowie über das Goethe-National- 
museum vortrugen. Da weitere Verhandlungen nicht be- 
liebt wurden und die Tagesordnung nunmehr erschöpft 
war, konnte die Versammlung mit Worten des Dankes 
durch Herrn Geh. Hofrath Dr. Ruland geschlossen werden. 
Auch diese Berichte sind in Band XXIII des Jahrbuchs 
bereits veröffentlicht worden. 

Eine angeregte gemeinschafthche Festtafel vereinigte 
am Nachmittag einen großen Kreis von Herren und Damen, 
die am Abend, der Einladung des Herrn General-Intendanten 
von Vignau folgend, der Festvorstellung im Großherzog- 
lichen Hoftheater als Gäste Sr. Königl. Hoheit des Groß- 
herzogs beiwohnten. Goethes dramatische Grille »Der 
Triumph der Empfindsamkeit« mit den charakteristischen 
und eindrucksvollen Compositionen des Herrn General- 
musikdirectors Dr. Lassen ward in vorzüglicher Weise zur 
Darstellung gebracht. 

Das Programm für die Versammlung hatte eine Er- 
weiterung erfahren durch die Aufnahme einer Gedächtniß- 
feier für Corona Schröter, die anläßlich des am 30. August 
bevorstehenden Jahrhunderttages ihres Todes am Grabe 
der Künstlerin in Ilmenau abgehalten ward. Der Ausflug 
dorthin am 25. Mai, die Feier auf dem Friedhof, w^o Herr 
Geh. Hofrath Dr. Suphan in schönen Worten das Andenken 
der mit der Goethe-Zeit unlöslich verbundenen Corona 
erneuerte, der Besuch der Goethestätten, vor Allem des 
Goethe-Häuschens auf dem Kickelhahn, nahm den besten 
Verlauf. Alle Theilnehmer schieden von dem anmuthigen 
Bergstädtchen mit herzlichem Dank für die dort verlebten 
Stunden und die in mannigfaltigen Veranstaltungen be- 
zeugte gastliche Aufnahme Seitens seiner Bewohner. Auch 
hier sei diesem Dank noch einmal Ausdruck gegeben. 



Die seit der letzten Tagung verflossenen Monate 
w'eisen, was den Gang der Geschäfte betrifft, keine Vor- 
kommnisse von besonderer Bedeutung auf. Die wesent- 
Uche Aufgabe des Geschäftsführenden Ausschusses war 



— &* 5 ^ — 

die Fürsorge für die Ausführung der Beschlüsse, die Seitens 
des Vorstandes, bezw. der Generalversammlung gefaßt 
worden waren. Demgemäß ist dem Ausschuß für Er- 
richtung eines Corona Schröter-Denkmals in Guben ein 
Beitrag von 500 Mk. überwiesen, ferner für eine Summe 
von 1000 Mk, die einzigartige, guterhaltene Sammlung von 
Musenalmanachen aus dem Nachlaß des Directors Redlich 
in Hamburg für die Bibliothek der Gesellschaft erworben 
worden. 

Seit dem 15. October sind die Bureaus der Goethe- 
Gesellschaft in das Schillerhaus übergesiedelt gegen Ent- 
richtung einer mäßigen Entschädigung an den Vorort der 
Deutschen Schillerstiftung; dadurch ist eine für die Ge- 
schäftsführung sehr wünschenswerthe Centralisirung er- 
reicht worden. 

Der Dichter-Denkmal-Stiftung, die im verflossenen 
Jahre gegründet worden ist zu dem Zwecke, die Schöpfungen 
deutscher Dichter durch Verbreitung ihrer Werke zu sehr 
mäßigen Preisen im weitesten Sinne zum Gemeingut der 
Nation zu machen, ist die Goethe-Gesellschaft zunächst 
auf drei Jahre mit einem Mitgliedsbeitrag von 500 Mark 
beigetreten. Es läßt sich kaum eine ähnliche Aufgabe 
denken, die in gleichem Maße wie dies hochherzige und 
wichtige Unternehmen Anspruch auf die thatkräftige Unter- 
stützung Seitens der Goethe-Gesellschaft und der Goethe- 
Freunde erheben kann: dasselbe fördern, heißt ganz im 
Sinne Goethes handeln. 

Vom Jahrbuch ist Band XXIII bald nach der Ver- 
sammlung im Juni v. Js. zur Vertheilung gekommen. Im 
December konnte den Mitgliedern eine schon früher be- 
schlossene besondere Veröfl"entlichung überwiesen werden l 
eine unvollendet gebliebene Dichtung Schillers in photo- 
graphischer Nachbildung der Handschrift, unter dem Titel 
»Deutschlands Größe«. Wir sind sicher, daß diese von 
B. Suphan mit feinsinnigen und geistvollen Erläuterungen 
versehene Veröff^entlichung, durch welche die Goethe-Ge- 
sellschaft sich aufs Neue als die berufene Pflegerin auch 
des Andenkens Friedrich Schillers bezeugt, von unseren 
Mitgliedern mit herzlicher Freude begrüßt worden ist.. 



— ^ 6 *C— 

Band XVII der Schriften der Gesellschaft: »Goethe und 
Oesterreich«, erster Theil, herausgegeben von Herrn 
Professor Dr. Sauer-Prag, konnte in Folge von unvorher- 
gesehenen Umständen erst im Februar d. J. zur Versendung 
gelangen. Auch diese inhaltsvolle, in die Beziehungen 
Goethes zu Oesterreich viele neue und bemerkenswerthe 
Einblicke gewährende Schrift wird den Mitgliedern eine 
willkommene Gabe gewesen sein. Es sei gestattet, den 
Herren Suphan und Sauer für ihre Publikationen den Dank 
der Gesellschaft auszusprechen. Im Anschluß hieran ist 
zu bemerken, daß der anastatische Neudruck der beiden 
ersten Bände der Schriften, die längst vergriffen waren, 
vollendet ist. Noch lenken wir die Aufmerksamkeit darauf 
hin, daß auf dem mit dem letzten Band der Schriften zur 
Versendung gelangten Auszug aus den Satzungen sich ein 
Verzeichniß der von der Gesellschaft bisher herausge- 
gebenen Veröffentlichungen befindet. Dieses Verzeichniß 
wird von drei zu drei Jahren ergänzt werden, damit die 
Mitglieder sich jeder Zeit leicht einen Ueberblick über 
Alles, was die Gesellschaft herausgegeben hat, verschaffen 
können. 

Einige besondere Erwerbungen haben auch in diesem 
Jahre stattgefunden: für die Bibliothek der Gesellschaft 
durch den Ankauf der Bücher aus dem Nachlaß Jul. Grosses, 
für das Goethe-Nationalmuseum durch den Ankauf einer 
eigenhändigen Skizze Corona Schröters zu ihrem Selbst- 
portrait. 

Noch ist der ehrenvollen Einladung zu gedenken, die 
die Universität Dorpat anläßlich der Jahrhundertfeier ihres 
Bestehens eingedenk der Beziehungen zwischen einigen 
Mitgliedern ihres Lehrkörpers, namentlich des Professors 
Morgenstern zu Goethe, an den Vorstand der Gesellschaft 
gerichtet hat. Ihr Folge zu leisten gestatteten Jahreszeit 
und Entfernung nicht. Sie ward mit einem wie die Zu- 
schrift in lateinischer Sprache verfaßten herzUchen Dank- 
schreiben beantwortet. 

Auch im Laufe dieses Jahres hat die Gesellschaft 
manches werthe Mitglied durch den Tod verloren. Wir 
betrauern vor Allem den Heimgang unseres verehrten zweiten 



— ^ 7 ^— 

Vicepräsidenten, des Geheimen Rathes v. Biedermann- 
Dresden. Er hat der Goethe-Gesellschaft seit ihrer Be- 
gründung, dem Vorstand und dem Präsidium seit dem ii. Juni 
1S92 angehört. Das Andenken an den unermüdlichen, hoch- 
verdienten Arbeiter auf dem Gebiete der Goethe-Forschung 
wird dankbar bewahrt werden von dem Vorstand und 
Allen, die mit ihm zu diesem Zw^ecke thätig gewesen sind, 
aus seinen Forschungen Nutzen gezogen haben und sich 
seiner Hilfe erfreuen durften. Auf Ansuchen des Vorstandes 
vertrat Herr Professor Dr. Stern die Gesellschaft bei der 
Bestattung seiner sterblichen Reste und' legte mit herzHchen, 
seine Verdienste würdigenden Worten einen Kranz am 
Sarge nieder. 

Die Zahl der durch Tod aus der Gesellschaft ge- 
schiedenen Mitglieder beträgt 52. Gleichwohl zählt die 
Gesellschaft zu Ende des Jahres 2836 Mitglieder; es sind 
also durch den Beitritt neuer Mitglieder nicht nur die 
Lücken ausgefüllt worden, sondern wir dürfen gegenüber 
dem Bestände zu Ende 1901 von 2815 Mitgliedern noch 
eine ansehnliche Zunahme verzeichnen. 

Wir lassen nunmehr die Berichte des Herrn Geh. 
Finanzraths Nebe (A) über die financiellen Verhältnisse,, 
des Herrn Geh. Hofraths Dr. Suphan (ß) über die Bibliothek 
der Gesellschaft, des Herrn Geh. Hofraths Dr. Ruland (C) 
über das Goethe-National-Museum folgen. 

A. 

Das Kapitalvermögen der Gesellschaft hat im ver-- 
flossenen Jahre in stetem Anwachsen nahezu die Summe 
von M. 90,000 erreicht: der Nennwerth der Werthpapiere, 
in denen das Vermögen angelegt ist, beUef sich am Schlüsse 
des Jahres auf M. 89,844 (Kurswerth M. 86,354.57). Die 
Jahresrechnung schließt mit einem beträchtlichen Ueber- 
schusse ab, aus dem ein Betrag von etwas über M. 3000- 
dem Kapitalvermögen zugefügt wurde. Ein Betrag von, 
über M. 3500, der zur Deckung von voranschlagsmäßigen 
Ausgaben (für die Herstellung von Theil I der XVII. Schrift: 
Goethe und Oesterreich) bestimmt gewesen war, die in, 



-der Jahresrechnung von 1902 nicht mehr eingestellt werden 
konnten, wurde auf die neue Rechnung übertragen. 

Die Mitgliederzahl war am Schlüsse des Jahres 1902 
auf 2836 gestiegen. Darunter befanden sich 33 Mitglieder 
auf Lebenszeit. 

Bei Einziehung der Beiträge und Vertheilung der Jahr- 
bücher und Schriften unterstützten in gewohnter und be- 
währter Weise uns die Herren: 

Hofbuchhändler Th. Ackermann, München, 
Buchhändler Dr. G. Fischer, Jena, 
Buchhändler Lucas Gräfe, Hamburg, 
Commerzienrath Paul Kurtz, Stuttgart, 
Buchhändler Ernst Lemcke, New -York, 
Hofbuchhändler G. Liebermann, Karlsruhe, 
Rentier Ferdinand Meyer, BerHn, 
Buchhändler Dr. Max Niemeyer, Halle a. S., 
Bankier Bernhard Rosenthal, Wien, 
Bankier Paul Strasburger, Wiesbaden, 
A. Strauss-CoUin, London, 
Buchhändler E. Wohlfarth, Breslau, 
Buchhändler von Zahn &: Jaensch, Dresden, sowie 
die Leipziger Buchbinderei-Aktien-Gesellschaft, 

Leipzig und 
die Literarische Anstalt, Rütten & Loening, 

Frankfurt a. M. 

Wir sprechen ihnen für ihre freundliche Mühewaltung 
unsern verbindlichen Dank aus. Die Mitglieder der Gesell- 
schaft aber in den oben aufgeführten Städten ersuchen wir, 
ihre Beiträge bis zum i. März zur Einziehung durch die 
genannten Stellen bereit zu halten. 

Gleichzeitig bemerken wir, daß alle Zahlungen der 
Mitglieder (Jahresbeiträge u. s. w.), soweit sie nicht durch 
obengenannte Herren, bezw. Firmen eingezogen werden, 
zu leisten sind an die: 

Privatbank ^;< Gotha, Filiale IVeimar, in Weimar. 



— ^ 9 -»4— 

B. 

Die Bibliothek der Goethe- Gesellschaft hat aus dem letzten 
Jahre bedeutende Vermehrungen zu verzeichnen. Im Juni 
1902 vollzog sich der vom Vorstande auf den Antrag 
Erich Schmidts genehmigte Ankauf des werthvollsten 
Theils von Carl Redlichs (f 27. Juli 1900, s. Jahrbuch 1902 
S. 229, 231) Bibliothek, der besten und vollständigsten 
Sammlung von Musen-Almanachen, die z. Z. in Deutsch- 
land unter einer Hand zusammengebracht war, insgesammt 
326 Bändchen. Auf einer anderen Seite wuchs der Bestand 
durch die Erwerbung eines beträchtlichen Theils von Julius 
Grosses (f 9. Mai 1902) nachgelassenen Büchern: am 
wichtigsten darunter die Gesammtwerke von Autoren aus 
nachgoethischer Zeit (Hebbel, Rückert, Heinrich Kurz, 
Auffenberg) in schönen Exemplaren; aber auch außerdem 
viele werthvolle Stücke der neueren Literatur, dramatische 
Manuscriptdrucke und dergl. Die in dieser Weise nach 
MögUchkeit als ein Ganzes erhaltene Privatbibliothek bleibt 
nun, in Verbindung mit den im Goethe- und Schiller- 
Archiv aufbevv'ahrten Originaldrucken und Handschriften 
von Grosses eigenen Werken, ein Denkmal des hochver- 
dienten, auch von vielen Freunden in der Goethegemeinde 
geschätzten Sekretärs der Deutschen Schillerstiftung. Neben 
den umfassenden Erwerbungen ist die durch die nächsten 
Zwecke unserer Bibliothek gebotene Erweiterung immer- 
fort betrieben worden. Wie in allen früheren Jahren hat 
auch ein stetig anwachsender Kreis von Freunden und 
Gönnern dazu beigetragen. Mit bestem Danke für ihre 
Zuwendungen werden die Namen der Geber angeführt: 

G. Barchudarjanz (Tiflis), Geh. Hofrath P. von Boja- 
nowski (Weimar), Dr. H. Devrient (Weimar), Archivrath 
Dr. J. Distel (Blasewitz), W. Dreher (Mexiko?), Dr. W. 
Feldmann (München), Dr. L. Fränkel (München), Franz 
(Weimar), Prof. Dr. L. Geiger (BerHn), Gesellschaft zur 
Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Litteratur 
in Böhmen (Prag), Dr. M. Hecker (Weimar), Prof. Dr. 
Heydenreich (Mühlhausen i. Th.), Director Dr. M. Hey- 
nacher (Hildesheim), Th. Heyse (St. Petersburg), Director 



— 4* 10 +!• — 

Dr. W. Kahl (Pfalzburg), Prof. Dr. S. Kalischer (Berlin), 
Kellermann (Schönebeck a. E.), Prof. Dr. G. Kettner (Schul- 
pforta), Prof. A. Koch (Stettin), Frl. Dr. Martha Langkavel 
(Hamburg), Prof. Dr. O. Linn-Linsenbarth (Kreuznach), 
Literarische Anstalt Rütten & Loening (Frankfurt a. M.),, 
H. Marbach (Meiningen), Dr. M. Morris (Charlottenburg), 
Dr. F. Noack (Köln), Dr. E. Petzet (München), Dr. M. Rieger 
(Aisbach), Frau J. Rodenberg (Berlin), Oberkirchenrath 
Dr. W. Spinner (Weimar), Prof. Dr. Th. Stettner (München)^ 
Geh. Hofrath Prof. Dr. B. Suphan (Weimar), W. Tobler- 
Meyer (Zürich), Dr. E. Wechssler (Halle a. S.). 

An diesen Bericht, den der Director des Goethe- und 
Schillerarchivs ehrenamtlich als Verwalter der Gesellschafts- 
Bibliothek erstattet, reihen sich nach Gewohnheit die Mit- 
theilungen über das Archiv selbst. An die vorjährigen An- 
gaben anknüpfend, ist unter den Vermehrungen des Hand- 
schriften-Bestandes zunächst die in der letzten Bericht- 
erstattung (S. 14) bereits angekündigte Spende Ihrer Ex- 
cellenz der Frau Staatsminister StichUng zu Weimar als 
vollzogene zu benennen: es sind dies 82 Briefe und Billette 
von Herders fünf Söhnen und seiner Tochter Luise an den 
in Italien weilenden Vater; außerdem 7 Briefe der Kinder 
an den dem Herderschen Hause nahe befreundeten Gleim, 
mit Nachschriften der Mutter, und einige einzelne Blätter. 
Die weiteren Zuwendungen sollen nun der Zeitfolge nach 
aufgeführt werden; Allen, die das Archiv mit ihren Zu- 
wendungen bereichert haben, ist pflichtmäßig im Namen 
Seiner Königlichen Hoheit, des Großherzogs Wilhelm 
Ernst, des hohen Eigenthümers und Protectors der An- 
stalt, der Dank für ihren werkthätigen Antheil ausgerichtet 
worden. Herr Alexander Meyer Cohn in BerHn spendete die 
Handschrift von August Graf von Platens Gedicht »An den 
Dichter der Renata, Friedrich von Heyden«; Herr Justiz- 
rath Dr. Gensei in Leipzig vier Briefe an Rochlitz: von 
Carl Maria von Weber, Ed. Jacobs (Gotha), Raupach, 
Fouque, nebst Abschrift eines CoUectivbriefes der Römischen 
Freunde Nerly, Kestner, Lucas und Ahlborn an Friedrich 
Preller; Frau Justine Rodenberg in Berlin die Handschrift 
von E. Dohm, Predigt über Lucas 7, n — 17; Herr Gotthilf 



- -> II +1— 

Weisstein in Berlin ein Actenfaszikel »Memoriae filii desi- 
deratissimi Christiani Gottlob de Voigt non intermoriturae 
moestissimus pater 1813«. Fräulein Charlotte Krackow in 
Weimar überwies einen bis dahin noch ungedruckten Brief 
Goethes an Schnauß vom 29. März 1788 (in einer von 
Amalie v. Voigt geb. Ludecus gemachten Abschrift), zwei 
Gedichte Goethes an Frau von Stein und Briefe Herders 
an die Herzogin Anna Amalia, einen Auszug aus dem im 
Kirms'schen Besitz befindlichen Theatermanuscript des 
»Wallenstein«, einen (unvollständigen) Auszug aus Goethes 
Berichten ins Morgenblatt über den Umbau des Theaters 
und die Eröffnung desselben mit »Wallensteins Lager« 
(1798), Schillers Gedicht »Mach auf Frau Griesbach«, den 
Brief von Goethes Eltern an den Consul Schönborn, den 
Entwurf einer Ansprache an Friedrich de la Motte-Fouque 
— alle diese Stücke in Abschriften resp. Niederschriften 
von der Hand von Amalie v. Voigt, geb. Ludecus, aus 
deren Nachlaß sie stammen; ferner Briefschaften der- 
selben sowie einen Brief von unbekannter Hand, Zach. 
Werners »Luther oder die Weihe der Kraft« betreffend, 
eine Abschrift von Goethes Gedicht »In Hygieas Form«, 
ein satirisches »Repertoire der Stücke, welche im Jahre 
1806 neu einstudirt gegeben wurden«, sowie endlich Auf- 
zeichnungen Schillerscher Gespräche durch Christiane von 
Wurmb (in Abschrift von Charlotte Krackow, der Kammer- 
frau von Anna Amalia) und Goethes Gedicht »Wir kommen 
in vereinten Chören« auf Seidenband gedruckt. Herr Joseph 
Lewinsky, k. und k. Hofschauspieler in Wien, schenkte 
die Handschrift von Friedrich Hebbels »Prolog zur fest- 
lichen Feier des Verfassungstages« ; Frau Oberst Clara 
Ewald geb. v. Zaborowski in Weimar den handschriftlichen 
Nachlaß des klassischen Philologen und Dichters Theodor 
Kock, darunter mehrere Dramen (Merope, Iphigenie in 
Delphi) und zwei Briefe Max v. Schenkendorfs; Frau 
Hedwig Abeken geb. v. Olfers in Berlin Briefe der Famihe 
von Wurmb nebst Silhouetten, Auszüge, Abschriften, Briefe 
in Beziehung auf Goethe gesammelt und anderes; Viscount 
Goschen in London die Copie eines ungedruckten Briefes 
von Schiller an Göschen; Frau Amalie Rudolph geb. Batsch 

Goetbe-Jauriuch XXIV. 23 



— ^ 12 *^— 

in Weimar Briefe des Jenaischen Botanikers August Batsch 
(1783 — 1787) und verschiedene Reisejournale von dessen 
Sohn Fritz, Herr Leonard L. Mackall aus Baltimore über- 
wies die Abschrift eines Briefes von Goethe an Cogswell, 
Abschriften von Briefen Eckermanns an Carlyle, nebst einer 
Anzahl von Abschriften, Durchzeichnungen und CoUationen 
Goethischer Billette und Abschriften einiger Goethes Be- 
ziehungen zu Amerika betreffender Schriftstücke. Durch 
Fräulein Antonie Grosse in Berlin wurden dem Archiv über- 
geben: der handschriftliche Nachlaß Julius Grosses, sowie 
sämmtHche gedruckte und herausgegebene Buchausgaben 
seiner Werke und die noch nicht als Buch erschienenen 
aber als Manuscript gedruckten Stücke und Novellen. Im 
Augenblick des Abschlusses kommt noch ein erfreuliches 
Geschenk von Frau Justine Rodenberg in Berlin : die vor- 
trefflich gelungene photographische Nachbildung eines 
Landschafts-Aquarells von Gottfried Keller, datirt Berlin 
1855, "^it poetischer Widmung an Frau Rodenberg, datirt 
Zürich, 29. August 1878. 

Unter Vorbehalt des Eigenthumsrechts wurden folgende 
Handschriften dem Archiv in Verwahrsam gegeben: Reise- 
pässe von Goethe, Meyer und Rehbein aus den Jahren 
1816, 1818, 1819 (Goethe-Nationalmuseum); der eigen- 
händige Brouillon eines Briefes von Goethe, die Prägung 
einer Medaille auf Carl August betreffend, eine eigenhändige 
naturwissenschaftliche Aufzeichnung, die eigenhändige 
Niederschrift der 2, Strophe von Goethes »Rattenfänger« 
(wahrscheinlich aus der Handschrift des ganzen Gedichts 
herausgeschnitten) und sechs herausgeschnittene Zeilen 
aus dem Demetrius-Manuscript, i. Act (Eigenthum der 
Goethe-Gesellschaft). 

Der Dank, der an dieser Stelle auszusprechen ist, er- 
streckt sich ferner auf eine ansehnhche Zahl von Zu- 
wendungen, welche der besonderen Büchersammlung des 
Archivs zu Theil geworden sind; er ist an folgende Spender 
namenthch auszurichten: 

Ihre Könighche Hoheit die Frau Erbgroßherzogin- 
Wittwe von Sachsen, das Bibliographische Institut (Leipzig), 
Geh. Hofrath P. v. Bojanowski (Weimar), Fräulein Eleonore 



—'^ 13 ^ — 

von Bojanowski (Weimar), die Verlagshandlung Cottas 
Nachfolger (Stuttgart), Herr Geh. Regierungsrath Dr. Dihle 
(Quedlinburg), Direction der Stadtbibliothek in Hamburg, 
E. Ebstein (Göttingen), Dr. T. Fujishiro (Tokyo), General- 
direction der Königl. Sächsischen Hoftheater (Dresden), 
Gesellschaft zur Förderung deutscherWissenschaft, Kunst und 
Litteratur in Böhmen (Prag), Viscount Goschen (London), 
Stadtschultheiß Haffner (Marbach a. N.), Prof. Dr. K. Heine- 
mann (Leipzig), Dr. E. v. d. Hellen (Stuttgart), Hetze! 
(Fürstenwalde), Oberstlieutenant a. D. J. L. Klarmann 
(Dankenfeld), Literarische Anstalt Rütten & Loening (Frank- 
furt a. M.), Prof. Dr. H. Meurer (Weimar), Seminarlehrer 
K. Muthesius (Weimar), Dr. E. Petzet (München), Prof. 
Dr. R. Steig (Berlin), Dr. T. Suga (Tokyo), Prof. Dr. C. 
Varrentrapp (Marburg i. H.), Dr. von den Velden (Weimar), 
Prof. Dr. R. M. Werner (Lemberg). 

Es würde noch mancher Name hier mit Dank zu ver- 
zeichnen sein; denn Mitwirkung, freiwillige wie erbetene, 
ist der Anstalt und ihren Arbeiten von vielen Seiten und 
in vielfacher Weise zu Theil geworden. Unter denen, die 
uns durch Darleihung von Handschriften förderlich gewesen 
sind, ist dieses Mal in erster Linie Graf Voß auf Groß- 
Giewitz in Mecklenburg zu nennen. Andrerseits betrachtet es 
die Anstalt als eine Pflicht, Theilnahme zu beleben und 
Verständniß in weiteren Kreisen zu erwecken, und so hat 
die Direction auch in dieser Absicht die Gedächtnißaus- 
stellungen an Herders Geburtstag (25. August) und an 
Klopstocks hundertjährigem Todestage (14. März) ver- 
anstaltet, die von Auswärtigen wie von Einheimischen 
reichhch besucht worden sind. 

c. 

Ueber das Goethe- National- Museum haben wir aus dem 
abgelaufenen Jahre nicht viel, aber doch manch Erfreuliches 
zu berichten. Die Anfragen von außen, die Bitten um 
Unterstützung der auswärtigen Forscher durch Auskünfte 
wie die Benützung für die Arbeiten des Goethe- und 
Schiller-Archivs bringen einen regen Verkehr mit nahen 
und fernen Goethefreunden. Der Bestand der Sammlungen 

23* 



— ^ 14 ^— 

hat durch Ankäufe wie durch Geschenke auch im ver- 
flossenen Jahre werthvolle Bereicherungen erfahren. 

Aus den Mittehi des Museums wurde ein von dem 
Nürnberger Architekten und Maler Karl von Heideloff am 
S.September 1829 in Tusche nach dem Leben gezeichnetes 
Profilbildniß Goethes (Zarncke No. 54) erworben. Des- 
gleichen der Probeabschlag einer Goethe-Medaille von 
Brandt, ein Versuch aus dem Frühjahr von 1826, die von 
den Weimarischen Kunstfreunden verworfene Jubiläums- 
Medaille nach deren Wünschen umzugestalten. 

Von der Goethe-Gesellschaft wurden angekauft und unter 
Vorbehalt des Eigenthumsrechtes im Goethe-National- 
Museum deponirt : ein von Professor Ehregott Grünler in 
Zeulenroda 1829 gemaltes lebensgroßes Oelbild, Goethe in 
Betrachtung von Schillers Schädel versunken (Zarncke 
^^o. 53), — sowie ein Selbstportrait Corona Schröters^ 
lebensgroß in schwarzer Kreide gezeichnet. Beide Bilder 
waren vor fast 30 Jahren schon in Weimar vorübergehend 
ausgestellt gewesen, die Versuche sie zu erwerben waren 
damals gescheitert, um so erfreuHcher ist es, daß die 
Goethe-Gesellschaft sie jetzt der treuen Hut des Hauses 
am Frauenplan übergeben konnte. 

An Geschenken, theils zu den Sammlungen, theils zur 
BibHothek, verzeichnen wir nur die wichtigsten: ein von 
5. K. H. dem Großher^og überwiesener Bronceabguß des 
Originalentwurfs von R. Marschall in Wien für die Plakette 
zur Erinnerung an die Enthüllung des Hellmerschen Goethe- 
denkmals in Wien; — von Herrn A. Krüger, dem jetzigen 
Inhaber der bekannten Loos'schen Medaillen-Münze in Berlin, 
mit deren Gründer Goethe so oft freundschaftHch ver- 
kehrt hatte, ein Exemplar der von ihm zur Feier des 
125jährigen Bestehens der Anstalt herausgegebenen Pla- 
kette; — von dem Maler Karl Bauer in München ein von 
ihm auf Stein gezeichnetes lebensgroßes Brustbild Goethes; 
— von Seminarlehrer K. Muthesius in Weimar sein Buch 
»Goethe als Kinderfreund« ; — von Geh. Hofrath Prof. 
Dr. R. Walker in Leipzig der erste Band seiner monu- 
mentalen Quartausgabe von Dichtung und Wahrheit; — 
von Dr. Cornel von Fabric^ in Stuttgart seine Monographie 



— ^ 15 ^— 

über Italienische Portraitmedaillen des 15. und 16. Jahrh.; 
— von der Literarischen Anstalt (Rütien & Loening) in 
Frankfurt a. M. der XXIII. Band des Goethe-Jahrbuchs, und 
Prof. Dr. Georg Witkowskis Werk über CorneUa Goethe. 

Prof. Karl Donndorf jun. in Stuttgart schenkte einen 
Abguß seiner Büste des hochsehgen Großherzogs Carl 
Alexander, der in dem Directionszimmer des Goethe- 
National-Museums zum Gedächtniß an die vielen von dem 
Verewigten in dem kleinen Zimmer verbrachten Stunden 
seine Aufstellung gefunden hat. 

Es ist der Direction eine angenehme Pflicht, allen den 
gütigen Gebern und Gönnern auch an dieser Stelle den 
wärmsten Dank des Museums auszusprechen. 



Auch diese Berichte bestätigen einen erfreulichen und 
gleichmäßigen Fortschritt in der Entwickelung unserer 
Gesellschaft und lassen frohgemuth in ihre Zukunft blicken. 

Weimar, April 1903. 

Im Auftrage des Geschäftsführenden Ausschusses : 
P. von Bojanoiuski. 



-•4* i6 -^ — 



Mitglieder -Verzeichnis 

DER 

Goethe-Gesellschaft. 

(Abgeschlossen Mai 1903.) 



Protector: 

Seine KönigL Hoheit der Grossherzog Wilhelm Ernst 
von Sachsen- Weimar-Eisenach. 



Vorstand: 

Präsident : 

Geh. Hofrat Dr. C. Rtäaiid, Director des Großh. Museums 
und des Goethe-National-iMuseums in Weimar. 



Vice-Präsident : 

Professor Dr. Erich Schmidt in Berlin. 



Vorstands-Mitglieder : 

Freiherr Alexander von Bernus auf Stift Neuburg b. Heidelberg. 
Geh. Hofrat P. von Bojanoiuski, Oberbibliothekar in Weimar. 
Geh. Staatsrat Dr. Eggeling, Curator der Universität in Jena. 
Wirkl. Geh. Rat Professor Dr. Ktino Fischer, Excellenz, 

in Heidelberg. 
Dr. Paid Heyse in München. 
Professor Dr. Ernst Martin in Straßburg i. E. 
Wirkl. Geh. Rat Dr. Carl von Streinayr, Präsident des 

K. K. obersten Gerichtshofes a. D., Excellenz, in Wien. 
Geh. Hofrat Professor Dr. B. Snphan, Director des Goethe- 

und Schiller-Archivs in Weimar. 



—^ 



17 ■»€— 



G e s c h ä f t s f ü h r e n d e r A u s s c h u s s 
in Weimar: 



Vorsitzender: Geh. Hofrat, Oberbibliothekar 

P. von Bojanoiush. 
Stellvertreter: Geh. Hofrat, Archivdirector 

Dr. H. Burkhardt. 
Schriftführer: Geh. Finanzrat Dr. K. Nebe. 
Stellvertreter: Bürgermeister Dr. M. Donndorj. 



Kammerherr, Cabinetssecretär Dr. H. Reichsfreiherr 

von und :;ii Eglojfstein. 
Geh. Staatsrat Dr. K. Kuhn. 
Commerzienrat Dr. R. Morit:^. 
Geh. Hofrat Professor Dr. B. Siiphan. 
Kammerherr, General-Intendant H. v. Vignau, Major z. D, 
Ober-Schloßhauptmann Wirkl. Geh. Rat Graf O. v. Wedel, 
Excellenz. 



— ^ iS ^— 

Mitglieder: 
Seine K. u. K. Majestät Wilhelm IL, Deutscher Kaiser 

und König von Preussen. 
Ihre K. u. K. Majestät Augusta Victoria, Deutsche Kaiserin 

und Königin von Preussen. 
Seine K. u. K. Apost. Majestät der Kaiser von Oester- 

reioh, König von Ungarn. 
Seine Majestät der König von Schweden und Norwegen. 
Ihre Majestät die Königin Witwe Margherita von Italien. 
Ihre Majestät die Königin Marie von Neapel 
Ihre Majestät die Königin Ehsabeth von Eumänien. 
Ihre Kaiserliche Hoheit die Frau Grossfdrstin Elisabeth 

Maurikiewna von Eussland. 
Seine Königliche Hoheit der Grossherzog von Baden. 
Ihre Königliche Hoheit die Frau Grossherzogin von Baden. 
Seine Königliche Hoheit der Grossherzog von Oldenburg. 
Seine Königliche Hoheit der Grossherzog von Sachsen. 
Ihre Königliche Hoheit die Frau Erbgrossherzogin- Witwe 

von Sachsen. 
Ihre Königliche Hoheit die Frau Herzogin Carl Theodor 

in Bayern. 
Ihre Königliche Hoheit die Frau Herzogin Amahe von Urach. 
Ihre Königliche Hoheit die Frau Prinzessin Ludwig 

Ferdinand von Bayern. 
Seine Königliche Hoheit Alexander Friedrich, Landgraf 

von Hessen. 
Ihre Königliche Hoheit die Frau Gräfin von Flandern. 
Seine Hoheit der Herzog von Sachsen-Altenburg. 
Ihre Kaiserhch Königliche Hoheit die Frau Herzogin 

Witwe Marie von Sachsen- Coburg und Gotha, 

Herzogin von Edinburg, Grossfürstin von Eussland. 



—^ 19 -»4— 

Seine Grossherzogliche Hoheit Prinz Max von Baden. 

Ihre Hoheit die Frau Herzogin Witwe Alexandrine von 
Sachsen-Ooburg und Gotha. 

Seine Durchlaucht Fiirst Heinrich XIV. Keuss j. L. 

Seine Durchlaucht Fürst HeinrichXXrV.j. L. Reuss-Koestritz. 

Ihre D urchlaucht Fürstin Heinrich XXIV. j .L. Reuss-Koestritz . 

Seine Hoheit der Erbprinz von Sachsen-Meiningen. 

Seine Hoheit der Herzog Johann Albrecht von Mecklenbui'g- 
Schwerin. 

Ihre Hoheit die Frau Herzogin Johann Albrecht von 
Mecklenburg-Schwerin. 

Seine Durchlaucht der Prinz Heinrich VII. Reuss. 

Ihre Hoheit Frau Prinzessin Heinrich VII. Reuss. 

Ihre Hoheit Frau Prinzessin Moritz von Sachsen- Altenburg. 

Ihre Hoheit Frau Prinzessin Helene von Sachsen-Alten- 
burg, Herzogin von Mecklenburg-Strelitz. 

Ihre Hoheit Prinzessin Marie von Sachsen-Meiningen. 

Seine Hoheit Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen. 

Seine Hoheit Prinz Friedrich von Sachsen-Meiningen. 

Seine Durchlaucht Erbprinz Heinrich XXVII. Reuss j. L. 

Seine Hoheit Prinz Friedrich Carl von Hessen. 

Ihre Hoheit die Frau Fürstin zu Schaumburg-Lippe. 

Ihre Hoheit die Frau Erbpiinzessin Leopold von Anhalt. 

Seine Hoheit der Herzog Ernst Günther zu Schleswig-Holstein. 

Ihre Durchlaucht Frau Prinzessin Heinrich XIII. Reuss. 



— <^ 20 ^ — 



Mitglieder auf Lebenszeit: 

Seine K. u. K. Apostol. Majestät der Kaiser von Oesterreich, 

König von Ungarn. 
Ihre K. K. Hoheit die Frau Her^ogiti Witwe Marie von Sachsen- 
Cohurg und Gotha, Herzogin von Edinburg, Großfürstin 
von Rußland. 
Seine K. Hoheit Alexander Friedrich, Landgraf von Hessen. 
Berlin: von Dirksen, IV., Geh. Legationsrat. 

Friedländer , Frau Professor. 
Liebermann, Dr. Felix, Professor. 
Maas, Heinrich, Fabrikbesitzer und 

Handelsrichter. 
Manheimer, Ferdinand, Commerzien- 

rat. 
Manheimer , Dr. Victor. 
Raschdau, Geh. Legationsrat. 
von Rheinbabcn, Geh. Ober -Regie- 
rungsrat. 
Budapest: Frau Anna Jägernnyer. 

Kornfeld, Sigmund, Director der 
Ungarischen Allgem. Creditbank. 
Sturd:(a, Demetrius, Kgi. rumän. 
Staatsminister a. D., Excellenz. 
Frau Geh. Commerzienrat E. Spaeter. 
Frau Kreisrichter M. Führung. 
Masing, Dr. Woldemar, Docent a. d. 

Universität. 
Keyl, Georg Albert. 
Frau Lucy Hoesch. 
von Dehn, Adolf Axel, Dr. jur. 
Heine, Paul. 

Paia von Peirovics, Redacteur. 
Meyer, Lothar, Rittergutsbesitzer. 
Fräulein Marie von Ritter. 



Bukarest : 

Coblenz: 
Dallau (Baden): 
Dorpat: 

Frankfurt a. M.: 
Godesberg bei Bonn 
Hamburg : 
Hannover : 
Hildburghausen : 
Klein-Eichholz : 
München ; 



—h 21 ■^— 



Nieder-Ingelheim : 

Nikolajew: 

Rathenow: 

Schlitz: 

Shanghai: 

Weimar : 

Wien: 



Zehlendorf: 



Frau Baronin von Erlanger-Benms. 

Reyher, Rudolf PVolfgang. 

Frau Clara Rhein. 

Gört:^ von Schiit^, Graf, Erlaucht. 

Schütze, Hermann. 

Frau Marie von Goeben. 

Vulpius, Dr. Walther, Arzt. 

Ihre Durchlaucht Frau Fürstin M. ^u 

Hohenlohe - Schillings für st , geb. 

Prinzessin Wittgenstein. 
Frau Rosa von Gerold, geb. Henneberg. 
Laehr, Dr. Hans, Arzt. 




^\:^ 



— •^ 22 +4» — 

Die Namen der Mitglieder auf Lebenszeit sind in der nach- 
stehenden Liste nochmals cursiv abgedruckt. 



DEUTSCHES REICH 

Aachen. 



Brockhort-Hoesch, Frau Paula. 

Messow, Franz G. 

Stadtbibliothek. 

V. Wagner, Frau Geh. Rat Marie. 

Ächern i/Baden. 
Wagner, Gustav, Privatier. 

Allenstein i/Ostpr. 
Grass, Franz, Rechtsanwah. 
Rhode, Justizrat. 
Schey, S., Rechtsanwalt. 
Szost'akowski, Amtsgerichtsrat. 

Altenburg 

(Sachsen-Ahenburg). 

Friedrichs-Gvmnasium, Herzogl. 
Höfer, Dr. Arno, Rechtsanwalt. 
Landesbibliothek, Herzogliche. 
Mehnert, Karl, Rechtsanwalt. 

Alt-Münsterol i/Elsass. 
Frankenstein, L., Kaufmann. 

Altona. 

Kahler, C., Pastor. 
Lehmann, O., Museums-Director. 
Rauchfuß,FrauWally, gb.Rauchfuß. 
Sieveking, Carl, Rechtsanwalt und 
Notar, Justizrat. 

Amtitz i/Lausitz (Kr. Guben). 
Heinrich, Prinz zu Carolath-Schön- 
aich, Durchlaucht, Freier Stan- 
desherr und Majoratsherr. 

Anklam (Vorpommern). 
Brodrück, Georg, Oberstleutnant. 

Annettenhöh b/Schleswig. 
V. Brockdorff, Frau Baronin. 



Apolda. 

Miltsch, Frau Commerzienrat Anna. 
Opel, Louis, Fabrikant, Commer- 
zienrat. 
Wiedemann, Johannes, Fabrikant. 

irnsberg (Westf.). 
Baltz, Fräulein Johanna, Schrift- 
stellerin. 

Schloss Arnshaugk 
b/Neustadt a/Orla. 

V. Mohl, Ottmar, Kgl. Kammer- 
herr, Geh. Leg.-Rat, derz. in 
Cairo (Egypten). 

Arnstadt. 

Maempel, Major a. D. 

Ars a/Mosel (Lothringen). 
Carlebach, Dr. Ed., Notar. 

Augsburg. 

Bauer, Ludwig, Justizrat. 
Enderlein, Friedrich, Landgerichts- 
präsident. 
Flesch, Gustav, Bankier. 
Herzfelder, J., Justizrat. 
Stadtbibliothek. 

Baden-Baden. 

Steinitzer, Paul, K. K. österr. 

Major a. D. 
V. Ysselstein, Paul, Reg.-Rat z. D. 

Bamberg. 

Marschalk v.Ostheim.Freiherr Emil. 
Reber, Dr. Jos., Kgl. Seminar- 
Director. 

Barby a/Elbc. 
Thierbach, Otto. 



— ^ 23 ^- 



Barmen. 

Hinsberg, Dr. jur. A., Reclnsanwalt. 
Liedtke, Dr. Heinrich, Oberlehrer. 
Nordhaus, Hermann, Kaufmann. 
Stadtbibliotheli. 

Bautzen. 

Fritzsche, Georg, Gymnasial-Ober- 
lehrer. 

Hucho, Dr. Heinrich, Landgerichts- 
Director. 

Klee, Dr. Gotthold, Professor, 
Gymnasial-Oberlehrer. 

zur Lippe, Graf Clemens, Regie- 
rungs-Assessor. 

Bayreuth (Bayern). 
Gymnasialbibliothek. 
Wagner, Siegfried. 
Würzburger, Frau Jenny, Rechts- 
anwaltswitwe. 

Bellin b/Bärwalde (Neu-Mark). 
V. Kahle, Fräulein Julie. 

Bemerode b/Hannover. 
Schmidt, Frau Dr. Julian. 

Bensheim (Hessen). 
Lugenbühl, Frl. Helene, Rentnerin. 

Berlin. 

Alexander, FeHx, Procurist. 

Andresen, Waldemar. 

Arnheim, Fräulein Amalie. 

Ascher, Hugo. 

Aschkinass, Frau Elisabeth. 

V. Asten, Fräulein Julie. 

Bach, Rudolf, Amtsgerichtsrat. 

Bading, Gurt. 

Baervvald, S. 

Bamberg, Kaufmann. 

Bardt, Dr. C., Gymnasialdirector. 

Barschall, Dr. M., Geh. Sanitätsrat. 

Baruch, Rieh., Kaufmann. 

Baumann, Dr., Oberlehrer. 

Becherer, Dr., Rechtsanwalt. 

Bechstein, Edwin, Pianoforte- 
Fabrikant. 

Becker, Carl, Beamter der Handels- 
gesellschaft. 

V. Beckerath, A. 

Behrend, Adolf, Buchhändler. 

Behrendt, Severin, Rechtsanwalt. 



Berlin. 

Bellermann, Dr. L., Director des 
Berlinischen Gymnasiums zum 
Grauen Kloster. 
V. Benckendorf und v. Hindenburg, 
Frau, geb. Gräfin zu Münster- 
Derneburg. 
Benjamin, Frau Therese, Rentiere. 
Berg, Karl, Amtsgerichtsrat. 
V. Bergmann, Frau Geh. Rat. 
Bernhard, Arthur, Bankier. 
Bernhard, Stud. phys. Ludwig. 
Bernstein, Frau Professor Dr. C. 
Bibliothek, Königliche. 
Bibliothek, Städtische der Goeritz- 

Lübeck-Stiftung (O. Goeritz). 
Bibliothek d. Kgl. Realgymnasiums. 
Bibliothek des Kgl. ' Wilhelms- 
Gymnasiums. 
Bielschowsky, Frau Dr. Anna. 
Birnbaum, Georg, Schriftsteller. 
Block, Paul, Redacteur des Berliner 

Tageblatts. 
Blumenthal, Dr. Oskar, Director 

des Lessing-Theaters. 
Bock, Hugo, Commerzienrat. 
Bodländer, Rechtsanwalt. 
Borchardt, Dr. Oskar. 
Borchardt, Fräulein Helene. 
Boretius, Fräulein Charlotte. 
Brahm, Dr. Otto, Director des 

Deutschen Theaters. 
Brasch, Dr. Martin, Nervenarzt. 
Braumüller, Dr., Professor, Ober- 
lehrer. 
Braun, Landgerichtspräsident. 
V. Braunschweig, Kaiserl. Ge- 
sandter z. D. 
Breiderhoff, Frau Dr. 
Breslauer, Bernhard, Justizrat. 
Broicher, Otto, Kammergerichtsrat. 
V. Brühl, Gräfin Hedwig, Palast- 
dame, Exe. 
Buchholtz, Dr. Arend, Bibliothekar. 
V. Bülow, Gräfin, geb. Prinzess 

Camporeale, Exe. 
Bunsen, Fräulein Marianne. 
V. Bunsen, Fräulein Marie. 
Burdach, Dr. Konrad, Professor. 
Bürgner, Hedwig, gepr. Sprach- 
lehrerin. 
Busse, Moritz, Kaufmann. 
Cahn, Carl. 

Cahn, Dr., Kaiserl. Geh. Legations- 
rat. 
Cahn, Frau Geh. Legationsrat. 



— ^ 24 ^— 



Berlin. 

Caro, Dr. Georg_. 

Carrenno, Frau Teresa, Künstlerin. 

Casper, Jacques. 

Cassirer, Fritz, Kapellmeister. 

Cohn, Albert, Buchhändler. 

Cohn, Alexander Meyer, Bankier. 

Cohn, Alfred, Bankier, 

Cohn, Frau Dr. Anna. 

Cohn, Dr. Heinrich, Rechtsanwalt. 

Cohn, Dr. jur. Martin, Referendar. 

V. Cramm-Burgdorf, Freiherr, Her- 
zog!. Braunschweig. Gesandter, 
Excellenz. 

Crome, Rechtsanwalt und Notar. 

Daffis, Dr. Anton. 

V. Daliwitz, Frau W., geb. v. Gräfe. 

Darmstädter, Dr. Ludwig, Fabrik- 
besitzer. 

V. Decker, Frau. 

Delbrück, Ludwig, Bankier. 

Delbrück, Frau Geh. Commerzien- 
rat Luise. 

V. Dirksen, IV., Geh. Legationsrat. 

Dohme, Frau Geh.-Rat. 

V. Donop, Dr. L., Professor. 

Douglas, Frau Gräfin. 

Douglas,Theob., Bergwerksbesitzer. 

Eger, W. 

Eggers, Fräulein Auguste. 

V. Eichhorn, VVirkl. Geh. Legations- 
rat. 

Elias, Dr. phil. Julius. 

Elias, Max, Rentier. 

EUinger, Dr. Georg, Oberlehrer. 

Eloesser, Dr. phil. Arthur. 

Eisner, Georg, Verlagsbuchhändler. 

Ende, H., Professor, Geh.-Rat. 

Engel, Fritz, Redakteur. 

Epstein, Dr. M., Gerichtsassessor. 

V. Erdberg, Dr. Robert. 

Euchel, Frau Justizrat Agnes. 

Eulenburg-Prassen, Graf, Exe. 

Feist, Richard, Referendar. 

Fischer, Balduin, Kaufmann. 

Flatow, Max, Rechtsanwalt. 

Flinsch, Alexander, Kaufmann. 

Fränkel, Dr. Max, Professor. 

Fraenkel, Max, Maurermeister. 

V. Frankenberg, Rittmeister im 
Garde-Kürassierregiment. 

Franzos, K. E., Schriftsteller. 

Frenkel, H., Bankier. 

Frenzel, Frau Bertha. 

Frenzel, Dr. Karl, Professor, Re- 
dacteur der Nationalzeitung. 



Berlin. 

Fresenius, Dr. August. 
Freund, Ernst. 
Freund, Hubert, Oberlehrer. 
Frey, Dr. Karl, Professor. 
Friedeberger, stud. phil. Hans. 
Friedländer, Frau Professor. 
Friedländer, Max, Amtsgerichtsrat. 
Friedländer, Dr. phil. Max, Privat- 

docent der Musikwissenschaft. 
Friedmann,Dr.Alfred,Schriftsteller. 
Fromberg, Frau Martha. 
Geiger, Dr. Ludwig, Professor. 
Geiger, Frau Professor Martha. 
Gerb, Fräulein Franziska. 
Gernsheim, Friedr., Professor. 
Gerstenberg, O., Generaldirector 

der »Victoria«. 
Geschke, Karl, Justizrat. 
Gesenius, Stadtältester, Director 

des Berliner Pfandbrief-Amtes. 
V. Glasenapp, Geh. Ober-Finanzrat. 
Glaue, Arthur, Buchhändler. 
Gloeden,Lehrer an d.Sopliienschule. 
V. Gneist, Dr., Regierungs-Rat. 
Goldbeck, Dr. Ernst, Gymnasial- 

Oberlehrer. 
Goldberg, Alfred, Kaufmann. 
Gottheiner, Fräulein Marie. 
Gottheiner, P., Stadt-Bauinspector. 
Gotthelf, Cand. phil. Friedrich. 
Gotthelf, M. 

Grisebach, Hans, Architect. 
Gubitz, Frau Maria, Buchh.- u. 

Schriftst.-Wittwe. 
Günther, Franz, Hofgoldschmied. 
Günther, Dr. jur. Fritz, Gerichtsass. 
Güterbock, Stud. phil. Eduard. 
V. Guldencrone, Frau Baronin. 
Guttmann, Albrecht, Kaufmann. 
Gwinner, Arthur, Director der 

Deutschen Bank. 
Hamburger, Dr. phil. Paul. 
Härder, Frau Dr. Carola. 
Hartleben, Otto Erich, Schriftsteller. 
Hartmann, Dr. jur. Adolf, Amts- 
gerichtsrat. 
Heinemann, Stud. jur. Franz. 
Heinitz, Frau Anna. 
Heitmüller, Dr. phil. Ferdinand. 
Henning, Theodor, Architect. 
Henschel, Stud. Ernst. 
Herold, Hugo. 
Herrmann, Dr. phil. Max, Privat- 

docent an der Universität. 
Herz, Cand. phil. Max. 



— ^ 25 >f- 



Berlin. 

Herzfeld, Dr. phil. Georg. 

Hesse, D., Rentier. 

Heydemann, Dr. phil. V. 

von der Heydt, Carl, Commerzien- 
rat. 

Keyfelder, Stud. phil. Erich. 

Hildebrandt, Dr. phil. Edmund. 

Hiller v.Gaertringen, FreiherrDr.F., 
Professor. 

V. Hochberg, Graf, Exe. 

Hoffmann, Dr. Ed.,Geh.Ober-Reg.- 
Rat. 

Hofraann, Rudolf, Verlagsbuch- 
händler. 

V. Hohenthal und Bergen, Graf, 
Kgl. Sachs. Gesandter, Exe. 

Hollaender, Felix, Schriftsteller. 

V. Holst, Mathias, Baumeister. 

Horsfall, Charles. 

Hübler, Dr. jur. Bernhard, Pro- 
fessor, Geh. Ober-Reg.-Rat. 

V. Hülsen, G., Generalintendant, 
Kammerherr. 

V. Hutten-Czapski, Graf, Mitglied 
des Herrenhauses. 

Jacobi, Leopold, Kaufmann und 
Stadtverordneter. 

Jacobs, Dr. phil. Montague. 

Jacoby, Dr. Daniel, Gymnasial- 
Professor. 

Jacoby, Edmund, Kaufmann. 

Jacquet, Dr. med. W., Sanitäts- 
rat. 

Jahns, Frau Oberstleutnant Marie, 
geb. Tannhäuser. 

Jahns, Fräulein Hildegard. 

faffe, Frau Dr. Helene. 

Jahn, Dr. phil. Kurt. 

Ihne, Frau Geh. Rat. 

Ilberg, Frau Oberstabsarzt Dr. 

Imelmann, Dr. J., Professor am 
Joachimstlialschen Gymnasium. 

Joachim, Prof. Dr. Joseph, Director 
der Kgl. Hochschule für Musik. 

Jonas,Dr.Fr.,Städt.Schul-Inspector. 

Jonas, Frau Clara. 

Jutrosinski, Dr. Richard, Arzt. 

Kalischer, Dr. S., Professor. 
Kapp, Fräulein Ida. 
Karpeles, Dr. Gustav. 
Kaskel, Frau Carl. 
Kastan, Dr. Albert. 
Kastan, Dr. Isidor. 
V. Kaufmann, Dr., Professor, Geh. 
Regierungs-Rat. 



Berlin. 

Kaufmann, Carl, Fabrikbesitzer. 

Kaufmann, Otto. 

Kekule v. Stradonitz, Dr. Reinhard, 

Professor, Geh. Reg.-Rat. 
Kerb, Robert, Fabrikbesitzer und 

Handelsrichter. 
Kette, Fräulein Marie. 
Klein, Adolf, Schauspieler, 
von dem Knesebeck, Kammerherr 

u.Vice-Oberceremonienmeister. 
Koch, Rudolph, Director der 

Deutschen Bank. 
Koehne, Frau Clara. 
Koenigs, Fräulein Elise. 
Koffka, Dr. J., Justizrat. 
Kraft, Bernhard, Rechtsanwalt. 
Kraft, Dr. med. Ludwig. 
Krieger,Dr.Bogdan,Bibliothekarder 

Hausbibliothek S. M. des Kaisers. 
Kronecker, Fräulein Elisabeth. 
Kronenberg, Dr. M., Redacteur der 

»Ethischen Kultur«. 
Kronfeld, Dr., Rechtsanwalt. 
Kronheim. Georg. 
Kubier, Dr., Professor, Director 

des Wilhelm-Gymnasiums. 
V. Kühlewein, Regierungsrat. 
Landeker, Director. 
Lange, Director. 

Lassar, Dr. med. Oscar, Professor. 
Lautenburg, Sigmund, Director. 
Leffmann, Gustav, Kaufmann. 
Leffson, A., Cand. phil. 
Lehmann, Georg, Kaufmann. 
Lehmann, Gustav, Wirkl. Geh. 

Kriegsrat. 
Lehmann, Paul, Buchhändler. 
Leppmann, Cand. phil. Franz. 
v. Lerchenfeld-Köfering, Graf, Kgl. 

bayr. Gesandter, Exe. 
Leske, Dr., Geh. Justizrat. 
Lesse, Justizrath, Rechtsanwalt und 

Notar. 
Lesser, Paul Ph. 
Lessing, Frau Alma, geb. Marschall 

V. Biberstein. 
Lessing, C. R., Geh. Justizrat. 
Lessing, Dr. phil. Oscar. 
Levin, Dr. Moritz, Prediger. 
Levinstein, Dr. phil. Kurt. 
Levy, Martin. 
Lev}', Norbert, Kaufmann. 
Levy, Richard, Bankier. 
Lewald, Dr. Felix, Geheim. Ober- 
Finanzrat. 



— -1* 26 -^ — 



Berlin. 

Lewald, Theodor, Geheimer Ober- 
Regierungsrat. 
Lewin, Frau AHce. 
Lewy, JuHus, Kaufmann. 
V. Leyden, Frau Geh. Rat. 
V. der Leven, Dr., Wirkhch. Geh. 

Ober-Regierungsrat. 
Liehennann, Dr. Felix, Professor. 
Liebreich, Dr. O., Prof., Geh. 

Medicinalrat. 
Liepmannssohn, Leo, Buchhändler. 
Lindau, Dr. Paul. 
Lipman -Wulf, Dr. jur. Franz, 

Rechtsanwalt. 
V. Lipperheide, Freiherr Franz. 
Lippstreu, Dr. Otto, Privatdocent 

a. d.Königl.Techn. Hochschule. 
Lisco, Dr. Hermann, Geh. Justizrat. 
Lisco, Walter, Rechtsanwalt. 
Lobe, Frau Magda. 
Lochner, M., Geh. Baurat. 
Maas, Heinrich, Fabrikbesitzer und 

Handelsrichter. 
Maass, Dr. Felix, Rechtsanwalt. 
Mackall, Leonard L. 
Magnus, Frau Geh. Reg.-Rat Bertha. 
Magnus, Frau Regierungsrat Nina. 
Magnus-Levj, Dr. med. Adolf. 
Malachowski , Frau Regier.-Bau- 

meister Rose. 
Manasse, Julius, Kaufmann. 
Manasse-Waldeck . 
Manheimer, Ferdinand, Commer^ien- 

rat. 
Manheimer, Dr. Victor. 
Marckwald, Fräulein Marie. 
Martins, Frau Margarethe, geb. Veit. 
Marx, S. 
Matthiae, Dr. Otto, Professor, 

Oberlehrer. 
Mayer, Alfred, Privatier. 
Mayer, Fräulein Ellen. 
Mayer, Stud. jur. et cam. Karl. 
Meäer, Louis, Kunsthändler. 
V. Meier, Dr. jur. Ernst, Geh. 

Ober-Reg.-Rat, Universitäts- 

Curator a. D. 
Meirowsky, Frau Ernestine, geb. 

Soutowsky. 
Mendelssohn-Bartholdy,FrauMarie. 
Menzer, Dr. phil. Paul. 
Meydam, Frau General Marie, Exe. 
Meyer, Fräulein Alice. 
Meyer, Carl, Fabrikant. 
Meyer, Frau Commerzienrat Ernst. 



Berlin. 

Meyer, Ernst Joachim, Commerzien- 
"rat. 

Meyer, Georg Heinrich, Verlags- 
buchhändler. 

Meyer, Dr. Ludwig. 

Meyer, Ludwig, Kaufmann. 

Meyer, Paul, Rechtsanwalt. 

Meyer, Dr. Richard M., Professor. 

Meyerhof, Felix, Kaufmann. 

Meyer-Michaelis, Frau Elise. 

Michaehs, Dr. Carl Theodor, 
Director. 

Michel, Dr. phil. Herrn. 

Mirauer, Frau Zerline. 

Möbius, Dr. Karl, Professor, Geh. 
Regierungsrat, Director der 
zool. Abth. des Museums für 
Naturkunde. 

Möller, Dr. W., Professor am 
Königstädtischen Gymnasium. 

Morsch, Dr. Hans, Professor. 

Mosse, Dr. med. Max, Arzt. 

Mosse, Max, Rechtsanwalt. 

Müller, Adolf, Gerichtsassessor. 

Müller, Conrad, Oberlehrer am 
Joachimsthalsclien Gymnasium. 

Müller-Grote, Carl, Verlagsbuch- 
händler. 

Munck, W,, Landrichter. 

Munk, Frau Professor Pauline. 

Muth, J. F., Hauptmann. 

Nathan, Dr. P. 

Naumann, Dr., Geh. Ober-Reg.-Rat. 

Nehring, K., Professor am König- 
städtischen Gymnasium. 

Nelke, Dr., Rechtsanwalt. 

Nelke, Frau Emma. 

Neubauer, Dr.Richard,Professor am 
Gymnasium zumGrauenKloster. 

Neubner, Stud. rer. techn. Alfred. 

Neumann, Dr. H., Rechtsanwalt. 

Neumann-Hofer, Otto, Director am 
Lessing -Theater. 

V. Oettingen, Dr. Wolfgang, Prof. 

Ohmstede, Adolf, Director einer 
höheren Knabenschule. 

Osborn, Dr. phil. Max. 

Paetel, Elwin, Verlagsbuchhändler, 
Commerzienrat. 

Paetel, Dr. phil. Georg. 

Pasch, Max, Hofbuchhändler. 

Paulssen, Dr., Geh. Legationsrat. 

Peters, Wirkl. Geh. Ober-Reg.-Rat, 
Präsident des Oberverwaltungs- 
gerichts. 



•^ 27 ^- 



Berlin. 

Petersen, Stud. phil. Julius. 

Pfaff, Albert, Commerzienrat. 

Pfaff-Beringer, Otto. 

Philipp, Fräulein Marie. 

Pietsch, Ludwig, Professor. 

Pietsch, Dr. P., Professor. 

Pilger, Dr., Geh. Reg.- u. Schulrat. 

Pincus, Frau Johanna. 

Pinn, Georg, Rechtsanwalt. 

Pitsch, Fräulein Charlotte. 

Plehn, Fräulein Gabriele, Schul- 
vorsteherin. 

Plessner, Dr., Sanitätsrat. 

Pniower, Dr. phil. Otto. 

Pochhammer, Paul, Oberstleutnant 
z. D. 

Pollack, Dr., pract. Arzt. 

Posner, Dr. med. Karl, pract. Arzt. 

Preuss, Dr. R., Bibliothekar an der 
Kgl. Bibliothek. 

Prinz Heinrich-Gymnasium, Kgl. 

Rading, F. 

V. Radowitz, Frau Bertha, General- 
leutnants-Witwe, Exe. 

Raehmel, Dr. jur. Wilhelm, Refe- 
rendar. 

Raschdau, Geh. Legationsrat. 

Raschdau, Frau Geh. Legationsrat. 

vom Rath, Fräulein Adi. 

vom Rath, Adolf. 

vom Rath, Frau Anna. 

Rathenau, Stud, rer. techn, Kurt. 

Ravoth, Max, Baumeister. 

Regensburger, Dr. Arthur, Rechts- 
anwalt. 

Reichau, Geh. Ober-Justizrat. 

Reimann, Rud., Fabrikbesitzer. 

Reschke, Max, Schiffskapitän a. D. 

Reschke, Oskar. 

Reuleaux, Dr.Prof., Geh. Reg.-Rat. 

Rewoldt, Dr., Justizrat, Rechts- 
anwalt am Kammergericht. 

V. Rheinbahen, Geh. Ober-Reg.-Rat. 

Rhenius, Dr. jur., Kaiserl. Reg.-Rat. 

Richter, Frau Professor. 

Richter, Otto E. 

V. Richthofen, Freifrau, geb. 
Mendelssohn-Bartholdy. 

V. Richthofen, Freifrau, geb. Freiin 
V. Richthofen. 

Riesenfeld, Hugo, Kaufmann. 

Riesser, Frau Justizrat Dr. 

Rodenberg, Dr. Julius, Professor. 

Roeber, Frau Prof. Ernst. 

Rödiger, Dr. Max, Professor. 

Goethe-Jahrbuch XXIV. 



Berlin. 

Roethe, Fräulein Elisabeth. 
Rohde, John, Director. 
Rosenthal, Alex, Kaufmann. 
Rothstein, Dr. Max, Privatdocent. 
Rubensohn, Hermann. 
Ruperti, Joh., Kaufmann. 
Sachs,Hugo,Justizrat,Rechtsanwalt. 
Saegert, Fräulein Anna. 
Schaper, Fritz, Professor, Bildhauer. 
Schaum, Frau Professor Clara. 
v.Schelling, Dr.,Staatsminister, E.xc. 
Schelske, Dr. R., Privatdocent. 
Schiff, Alfred, Privatgelehrter, 
Schiff, Frau Anna. 
Schiff, Georg, Assessor, 
Schienther, Amtsgerichtsrat, 
Schlesinger, Frau Alice. 
Schlesinger, Fräulein Martha Hel- 

muthe, Schriftstellerin. 
Schlesinger, P., Oberlehrer. 
Schlesinger-Trier, Frau C. 
v. Schlippenbach, Frau Gräfin. 
Schmidt, Dr. Erich, Professor. 
Schmidt, Dr. Max C. P., Professor 

am Äskanischen Gymnasium. 
Schmidtlein, Dr. med. C, Arzt. 
Schmieden, Kgl. Baurat. 
Schmoller, Dr. Gustav, Professor. 
Schneider, Dr. E. 
Schocken, Fräulein Gertrud. 
Schöffel, E., Fabrikbesitzer. 
Scholl, Robert, Geh. Legationsrat. 
Schöne, Dr., Wirkl. Geheimer 

Rat, Generaldirector der Kgl, 

Museen, Exe. 
Schröder, Dr. Otto, Professor am 

Joachimsthalschen Gymnasium. 
Schroeder, Dr. 
Schulhoff, Fräulein Else. 
Schultzen- v. Asten, Frau Professor. 
Sehwabach, Frau Geh. Rat, Hen- 
riette. 
Schweitzer, Eugen, Kaufmann. 
Schwieger, Dr. Paul, Oberlehreram 

Friedrich- Wilhelm-Gymnasium. 
Seckt, Dr. Felix, Oberlehrer am 

Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, 
v. Seil, Freiin Sophie. 
Sello, Dr. F., Rechtsanwalt. 
Seminar, Kgl,, für Germanistische 

Philologie, 
Siemenroth, Franz, Verlagsbueh- 

händler. 
v. Siemens, C. H. 
V. Siemens, Wilhelm. 
24 



•5* 28 ^- 



Berlin. 

Silberstein, Dr. Max, Rechtsanwalt. 

Simon, Dr. Hermann Veit, Rechts- 
anwalt. 

V. Simson, Aug., Justizrat undNotar. 

V. Simson, Fräulein Elisabeth. 

V. Simson, Georg. 

V. Simson, Fräulein Margarethe. 

Sobernheim, Siegfried, Aeltester 
der Kaufmannschaft. 

Spannagel-Karthaus, Frau Auguste. 

Stählin, Dr. Karl, Oberleutnant a. D. 

Stechow, Dr., Generaloberarzt. 

Stein, Philipp, Redacteur. 

V. Steinau- Steinrück, Frau Dr. 
Martha. 

Stengel, Dr. Paul, Professor am 
Joachimsthalschen Gymnasium. 

Stern, Dr. med. E. 

Stern, Dr. med. Julius. 

Stettenheim, Julius, Schriftsteller. 

Stettiner, Frau Mathilde. 

Strassmann, Dr. med. P., Privat- 
docent und Frauenarzt. 

Strauss, Frau Hermine. 

Studt, Dr., Staatsminister, Exe. 

van Tets van Goudriaan, Kgl. 
Niederl. Gesandter, Exe. 

Thoms, Dr. Hermann, Professor. 

Thost, Dr. Robert, i. Firma Gebr. 
Bornträger, Verlags-Buchhand- 
lung. 

Thür, Fräulein Anna. 

Tiktin, Dr. Paul. 

Tille, Dr. Alexander. 

Tobias, Dr. Ernst, Arzt. 

Tobler, Dr. A., Professor. 

Toeche, Dr. Theodor, Königlicher 
Hofbuchhändler. 

Ullrich, Dr. phil. Richard, Ober- 
lehrer am Berlinischen Gym- 
nasium zum Grauen Kloster. 

Universitätsbibliothek, Königliche. 

Vahlen, Dr., Professor, Geh. Re- 
gierungsrat. 

Victoria-Lyceum. 

Violet, Dr. Franz, Gymnasial-Ober- 
1 ehr er. 

Vogeler, Julius, Schuldirector. 

Vogeler, Richard, Director einer 
Höheren Mädchenschule. 

Vollert,Ernst,Verla^s-Buchhändler. 

Waetzoldt, Dr., Professor, Geh. 
Regierungsrat. 

Wagner, Dr. A., Professor, Geh. 
Resierungsrat. 



Berlin. 

Wagner, Dr. B. A., Professor. 

Weber, Otto, Landgerichtsrat. 

V. Wedel, Frau, Exe. 

V, Wedel, Graf E., Kaiserl. Ober- 
stallmeister, Exe. 

Wehrenpfennig, Frau Geheimrat 
Emilie, geb. Kopp. 

Weigert, Dr. Max, Stadtrat. 

Weinhagen, Ernst. 

Weissenfeis, Dr. phil. Rieh., Prof. 

Weisstein, Gotthilf, Schriftsteller. 

Wellmann, Dr. E., Professor, 
Director des Königstädtischen 
Gj'mnasiums. 

Welti, Dr. Heinrich, Schriftsteller. 

Wertheim, Albert, Rechtsanwalt. 

Wesendonck, Dr. Carl. 

Wesselhoeft, Walter, Arzt. 

Wessely, Dr. Hermann. 

Wetzel, Johannes.Gymnasiallehrer. 

White, Andrew D., Amerik. Bot- 
sehafter, Exe. 

White, Mrs., Exe. 

V. Wildenbruch, Dr. Ernst, Geh. 
Legationsrat. 

Wilmanns, Dr. A., Geh. Ober-Reg.- 
Rat, Generaldireetor der Kgl. 
Bibliothek. 

Wilmersdörffer, Rechtsanwalt. 

Winkler, Siegfried, Director. 

V. Wittich, Frau Luise. 

Woeiflin, Dr. Pofessor. 

Wolff, Frau Adelheid. 

Wolff, Charles. 

Wolff, Fräulein Ella. 

Wolff, Frau Coneertdirector. 

Wolff, Dr., Oberstabsarzt. 

Wolff, Dr. phil. |ames. 

Wolff, Dr. Richard, Rechtsanwalt. 

Wolle, George, Fabrikbesitzer. 

Wrede, Dr. jur. Riehard, Leiter 
der Journalisten-Hochschule. 

Wunderlieh, Dr. Hermann, Prof. 

Zimmermann, Dr. Joachim. 



Bernburg. 

Lehrerbibliothek des Herzogl. Karls- 
Gymnasiums. 
Karls-Realgvmnasium, Herzogl. 
A.-H. Verband des Literar. Vereins. 



Beuthen 0/L. 

Krevssig, Fräulein Marie, Lehrerin. 



•I+ 29 ■»^- 



Bielefeld. 

Loebell'sche Bibliothek. 
Ransohot^", Dr, pliil. Georg. 

Blankenburg a/Harz. 
Wellmer, Arnold, Schriftsteller. 

Blankenese a Elbe. 
Passow, Frau Professor. 

Bogenhausen b/München. 
Weigand, Wilhelm, Schriftsteller. 

Schloss Börln bei Dahlen. 
(Sachsen.) 
V. Zech-Burkersroda, Frau Gräfin, 
geb. V. Lüttichau. 

Bonn. 

Drescher, Dr. phil. Carl, Professor. 
Franck, Dr. Joh., Professor. 
Frank, Max, Landgerichtsrat. 
Gräfe, Dr., Professor. 
Hüffer, Dr. Hermann, Professor, 

Geh. Justizrat. 
Kayser, Dr. H., Professor. 
Leo, Fräulein Therese. 
Litzmann, Dr. B., Professor. 
Loeschke, Dr. G., Professor, 
Prym, Dr. Eugen, Professor. 
Rosenmund, Dr. phil. Richard, 

Privatgelehrter. 
Schultze, Dr. Fr., Prof., Director der 

med. Klinik, Geh. Medicinalrat. 
Seminar, Kgl. germanistisches der 

Universität. 
Stier-Somlo, Dr. Fritz, Gerichtsass. 

u. Privatdocent a. d. Univers. 
Univershäts-Bibliothek, Königliche. 
Usener, Dr. Hermann, Professor, 

Geh. Regierungsrat. 
Walter, Oberpostdirector a. D., 

Geh. Ober-Postrat. 
W^ilmanns, Dr. W., Professor, Geh. 

Regierungsrat. 
Wygodzinski, Dr. phil. W. 
Zitehnann, Dr. Ernst, Professor. 

Schloss Bothmer bei Klütz. 
(Mecklenburg-Schwerin.) 

v. Bothmer, Frau Gräfin Bertha. 

Brandenburg a/Havel. 
Köpke, Fräulein Suse. 
Ullrich, Dr. phil. Herrn., Oberlehrer. 



Braunschweig. 

Aronheim, Dr. med. Feli.K. 

Bergmann, Ernst, Gymnasial-Ober- 
lehrer. 

Bibliothek desGymnasiumsMartius- 
Katharineum. 

Blasius, Dr. Wilhelm, Professor, 
Geh. Hofrat. 

Flechsig, Dr. phil. Eduard. 

Glaser, Dr. Adolf, Redacteur. 

Grundner, Dr. F., Kammerrat. 

Helle, Carl. 

Huch, Dr. jur. Richard, Rechts- 
anwalt und Notar. 

Magnus, Carl, Bankier. 

Magnus, Dr. Otto, Justizrat. 

V. Pawel-Rammingen, Wirkl. Geh. 
Rat, Excellenz. 

Stadtbibliothek. 

Westermann, Friedrich, Verlags- 
buchhändler. 

Wolff, Hermann, Commerzienrat. 

Breechen b/Jarmen. 
(Vorpommern.) 
V. Hevden-Breechen, Ernst, Ritter- 
gu'ts-Pächter. 

Bremen. 

Frese, Fräulein Anna. 

Hackfeld, Frau M., geb. Pflüger. 

Hartlaub, Fräulein Franziska. 

Krug, E., Director der Deutschen 
Bank. 

Matthaei, Kgl. Eisenbahnbau- und 
Betriebs-Inspector. 

Oppenheim, Fritz, Kaufmann. 

Pauli, Dr. jur., Senator, Bürger- 
meister. 

Rassow, Dr., Geh. Oberschulrat. 

Rassow, Gustav. 

Stadtbibliothek. 

Stettenheim, Dr. phil. Ludwig. 

Breslau. 

Aust, Dr. Rudolf, Oberlehrer. 

Breslauer Dichterschule. 

Cassirer, Ludwig. 

Cohn, Dr. Hermann, Professor, 
Augenarzt. 

Enslin, Dr. med. Fritz, Assistenzarzt. 

Fielitz, Dr. W., Professor. 

Franck, Fräulein A. H. 

Friedenthal, Adolf, Kaufmann. 

Germanistisches Seminar der Uni- 
versität. 

Goldstein, Cand. med. Kurt. 
24* 



50 ^^ — 



Breslau. 

Haertel, Fräulein Emmy. 

Henry, Felix, Architect. 

Hensel, Frau Stadtgerichtsrat Selma. 

Heyne, Alfred, Eisenbahn-Secretär. 

Hirt, Dr. med. Ludwig, Professor. 

Jänicke, Karl, Stadtrat. 

Immerwahr, Leopold, Kaufmann. 

Koch, Dr. Max, Professor. 

Ladenburg, Frau Geheimrat, Pro- 
fessor M. 

Lucee, C, Buchhändler. 

Milch, Dr. phil. Louis, Professor. 

Molinari, Frau Geh. Rat. 

Neisser, Dr. med., Professor, Geh. 
Medicinalrat. 

Nösselt, Dr. jur. Hermann, Ver- 
sicherungs-Inspector. 

Partsch, Dr. med. Carl, Professor. 

Pinder, Frau Caroline. 

Ponfick, Emil, Prof., Medicinalrat. 

Richter, Dr., Professor. 

Roesler, Frau Marie, geb. Skohr. 

Siebs, Dr. Theodor, Professor. 

Simonson,FrauOberlandesgerichts- 
rat Gertrud, geb. Mende. 

Stadtbibliothek. 

Tietze, Dr. Alexander, Privatdocent 
für Chirurgie. 

Trewendt & Graniers Buchhand- 
lung (Alfred Preuss). 

Universitäts-Bibliothek, Kgl. 

Wendriner, Dr. phil. R. 

Zimpel, Frau Professor Helene. 

Bückeburg. 

Gerlach, Dr. O., Oberlehrer. 

Büdesheim (Oberhessen). 
V. Oriola, Frau Gräfin M. 

Burgsteinfurt (Westfalen). 
Eschmann, Dr. Gustav. 

Calw (Württemberg). 
Weizsäcker, Dr. phil. Paul, Rektor. 

Cassel. 

Büding, Friedrich, Referendar. 
Förster, Fräul. Auguste, Lehrerin. 
Landesbibliotheck, Ständische. 
Stölting, G., Consistorialrat. 

Celle. 

Echte, Oberlandesgerichtsrat. 



Charlottenburg. 

Abraham-Römer, Dr. jur., Schrift- 
steller, Herausgeber d. Corresp. 
für Kunst und Wissenschaft. 

Auerbach, Dr. Siegmund. 

Beiger, Dr. Chr., Professor. 

Bergengrün, Frau Elisabeth, geb. 
V. Dieckhoff. 

Brandis, Dr. phil. K. 

V. Bremen, Geh. Oberregier. -Rat. 

Cornicelius, Dr. phil. Max. 

Daffis, Dr. E., Gerichtsassessor. 

Erdmann, Dr. Hugo, Professor. 

Fulda, Dr. L., Schriftsteller. 

V. Gersdorflf, Freiherr Wolf. 

Goering, Dr. Robert, Chemiker. 

Groebenschütz, Oberverwaltungs- 
gerichtsrat. 

Heinitz, Franz, Rechtsanwalt, 

Hildebrandt, Frau Louise, geb. 
Gruson. 

Hirschfeld, Dr. Otto, Professor. 

Jablonski, Berthold. 

Kehrbach, Dr. phil. Karl, Professor. 

Knöfler, Dr. Oscar. 

Krähe, Stud. phil. Ludwig. 

Krause, Frau Marie. 

Kühlstein, Frau Ernst. 

Lehrerbibliothek des Kaiserin 
Augusta-Gymnasiums. 

Lessmann, Otto, Herausgeber der 
Allg. Deutschen Musik- Zeitung. 

Meyer, Dr. Alfred Gotthold, Prof. 

Mommsen, Dr. Theodor, Professor. 

Morris, Dr. Max, pract. Arzt. 

Plessner, Landgerichtsrat. 

Poppenberg, Dr. phil. Felix, Schrift- 
steller. 

Scherer, Frau Geh. Reg. Rat Marie. 

Spielhagen, Friedrich, Schriftsteller. 

Strehlke, Frau Director Marie. 

Strützki, Ed., Kammergerichtsrat 
a. D., Geh. Justizrat. 

Stücklen, Frau Margarete. 

Stümcke, Chefredacteur. 

Weber, Dr. jur. M., Stadtrat von 
Berlin. 

Wittkopf, Paul Kurt, Bankbeamter. 

Wolff, Frau Geh. Medic.-Rat Prof. 
Anna. 

Wolff, Julius. 

Zabel, Dr. Eugen, Redacteur der 
Nationalzeitung. 

Zickel, Dr. Martin, Oberregisseur. 

Zimmermann, Frau Generalmajor 
Johanna. 



Chemnitz. 

Bibliothek des Kgl. Gymnasiums. 
Kirchner, Dr. Carl,' Professor, 

Oberlehrer. 
Kühn, Dr. Bernhard, Landgerichts- 
rat. 
Morell, Georg. 
Stadtbibliothek. 
Wächter, Dr. med. R., Hofrat. 

Coblenz. 

Deiters, Dr. Hermann, Geh. Reg.- 

Rat. 
Leber, Engelbert, Ingenieur. 
Spaeter, Frau Geh. Commerijeiirat E. 
Wahl, Gg., Professor. 

Coburg. 

Beck, Dr. Heinrich, Schulrat, Gym- 
nasialdirector. 

Colmar i/Elsass. 
Weber, Dr. Wolf, Oberlandesge- 
richtsrat. 

Cöln a/Rhein. 

Curtius, Dr. Rud., Reg.-Rat. 

Deichmann, Carl Theodor. 

Deichmann, Frau Otto. 

Feist, Fräulein Marie. 

Herstatt, Arthur, Landgerichtsrat 
a. D. 

Herstatt, Eduard, Bankier. 

Heuser, Frau Eugenie, geb. Nico- 
lovius. 

Heuser, F. Robert. 

Heuser-Nicolovius, Frau Commer- 
zienrat Robert. 

Joest, Frau Geheimrat W. 

Jungbluth, Dr. Rieh., Gymnasial- 
Öberlehrer. 

Meuser, Paul, Rechtsanwalt. 

V. Mevissen, Fräulein Mathilde. 

Peill, Frau Wilhelm. 

Pfeifer-Schnitzler, Frau Paula. 

vom Rath, Emil, Commerzienrat. 

vom Rath, Frau Julius. 

vom Rath, Frau Wilhelmine. 

Schneider, Frau Professor Lina. 

Schnitzler, Frau Geheimrat Clara. 

Schnitzler, Dr. jur. Victor, Rechts- 
anwalt. 

Schach, Paul, Regierungsrat. 

Schuch, Frau Paula, geb.Deichmann. 

Stein, Frau Elise, geb. v. Mevissen. 



Cöln a Rhein. 

Vorster , Julius, Fabrikbesitzer, 
Commerzienrat. 

Wieruszowski , Alfred , Landge- 
richtsrat. 

Zanders, Frau Fabrikant Hans. 

Cöthen (Anhalt). 
Friedrichs-Realschule, H erzogl. 
Ludwigs-Gymnasium, Herzogl. 
Schrader, Fräulein Else, Lehrerin. 

Cottbus (Lausitz). 
Reyersbach, Waldemar, Kaufmann. 
Matzdorflf, O., Direktor d. Augusta- 
schule. 

Crefeld. 
Peltzer, Dr. jur. Rudolf. 

Cüstrin. 

v. Wurmb, Frau E., geb. Gräfin 
v. Bothmer. 

Dallau (Baden). 

Führling, Frau Kreisrichter M. 

Danzig. 

Bibliothek des städt. Gymnasiums. 
Dasse, Dr., Kaufmann. 
Löschins Bibliothek des Real- 
gymnasiums zu St. Johann. 
Stadtbibliothek. 

Danzig-Langfuhr. 

Lemcke, Dr. Ernst, Oberlehrer. 

Darmstadt. 

Bibliothek der Grossherzoglichen 
Technischen Hochschule. 

Edward, Hugo, Hofrat. 

Harnack, Dr. Otto, Professor. 

Hepp, C. 

Hilsz, Karl, Kaufmann. 

Hofbibliothek, Grossherzogliche. 

Literarischer Verein. 

Merck, Dr. phil. C. E. 

Merck, Dr. Louis, Geheimer Com- 
merzienrat. 

Merck-MoUer, Frau Geh. Com- 
merzienrat. 

Miilberger, Dr. F. 

Rieger, Dr. Max. 

Weber, Frau Geh. Justizrat Dr. 

Wulckow, Dr., Director. 



S2 <— 



Degerloch hei Stuttgart. 
Käst, Adolf, Verlagbsuchhändler, 

Dessau. 

Antoinettenschule, Herzogliche. 

Extor, Pastor z. D. 

Faehndrich, Frau Oberingenieur, 

Marie. 
Friedrichs-Gymnasium, Herzogl. 
Meinen, Carl, Fabrikbesitzer. 
V. Oechelhäuser, Generaldirektor 

der deutschen Kontinental-Gas- 

gesellschaft. 

Detmold. 

Gymnasium Leopoldinum. 
v.Meysenbug, Freiherr, Major a. D. 
und Kammerherr. 

Deutsch-Neudorf. 

Gobiet, Dr. Otto, Arzt. 

Deutsch-Wilmersdorf b/Berlin. 
Bismarck-Gymnasium. 
Coste, Dr. David, Professor, Gym- 

nasialdirector. 
Genthe, Dr. Theodor. 
V. Pritzbuer, Fr., Redacteur. 
Stöcker, Fräulein Dr. phil. Helene. 

Döbern b/Forst. 
Gülke, Frau Auguste, geb. Vulpius. 

Dölitz b/Leipzig. 
Dodel, Friedr. Wilh., Kaufmann. 

Donaueschingen. 

Hofbibliothek, Fürstlich Fürsten- 
bergische. 

Dortmund. 

Gymnasial-Curatorium. 

Nagel, Bernhard, Amtsgerichtsrat. 

Dresden. 

Amen, Frau Dr. 

Arndt, Jul. Max, Grosskaufmann. 
Aulhorn, Stud. med. Ernst Rud. 
V. Biedermann, Freifrau Antonie, 

geb. V. Trützschler. 
Bienert, Erwin, Mühlenbesitzer. 
Bondi, Dr. Felix. 
V. Boxberg-Zschorna, Frau Oswine, 

geb. Keil. 



Dresden. 

Buüf-Giessen, Hans, Kammersänger. 

Diestel, Dr., Professor. 

Droste, Carlos, Musik-Schriftsteller. 

Ehlermann, Dr. phil. Erich, Ver- 
lagsbuchhändler. 

Erdmann, Carl O., Oberlehrer. 

Fleischhauer, Ernst, Rechtsanwalt. 

Förster, Dr. med. Fritz. 

Förster, Dr. med. Richard, Hofrat. 

Franz, Richard, Hofschauspieler. 

Gmeiner-Benndorf, Frau Commer- 
zienrat Rosa. 

Götze, Dr. Edmund, Professor beim 
Kadetteiicorps, Hofrat. 

Hasper, Dr. Theodor, Professor. 

Hassel, Dr. Paul, Geh. Reg.-Rat, 
Director des Hauptstaatsarchivs. 

Henckel v. Donnersmarck, Frau 
Gräfin, Exe. 

Heyl, Frau Anna, geb. Hübler. 

Jaensch, Emil, Buchhändler (i. Fa. 
V. Zahn & Jaensch). 

Kettembeil, Dr. jur. Joh., Land- 
richter. 

Knoop, Wilhelm, Consul. 

Körner-Museum der Stadt Dresden. 

Koetschau, Dr. K. K., Director des 
Königl. historischen Museums. 

Krausse, Robert, Maler, Professor. 

Lehrs, Dr. Max, Professor, Direct. 
d. Königl. Kupferstichcabinets. 

Leopold, Dr., Professor, Geheimer 
Medicinalrat. 

Lewinger, Ernst, Oberregisseur. 

V. Lindenfels, G., Kgl. Oberförster. 

Lücke, Dr. Herm., Professor. 

V. Malapert-Neufville,Freifrau M.C. 

V. Mangoldt, Fräulein Helene. 

Mannl, Johannes. 

Meinert, Dr. med. E. 

Meyer, Dr. Wolfgano; Alexander, 
Hofrath, Kgl. Hofdramaturg. 

Michaelsen, Heinrich, Rechtsanwalt. 

Müller, Dr. Theodor, Landgerichts- 
präsident. 

V. Nostitz-Drzewiecki, Hans Gott- 
fried, Legationsrat im Königl. 
Ministerium. 

V. Nostitz-Drzewiecki, Frau Le- 
gationsrat. 

V. Overbeck, Fräulein Camilla. 

Pechwell, Dr. jur. Alfred, Königl. 
Sachs. General-Auditeur a. D. 

von der Planitz, Edler, Referendar. 

Posse, Dr. phil, Regierungsrat. 



^— 



Dresden. 

Rachel, Dr. Paul, Professor. 
Rhode, Fräulein Helene. 
Ritter, Dr. med. 
Ritterstädt, Dr., Geh. Rat und 

Ministerial-Director. 
Rüger, Dr. jur. C. W., Staats- u. 

Finanzminister, Exe. 
Sauer, Frau Dr. Alarie. 
Schanze, Dr. jur. Oscar, Professor, 

Kaiserl. Reg.-Rat a. D. 
Scheidemantel, K., Kammersänger. 
Schnorr v. Carolsfeld, Dr. Franz, 

Professor,Kgl.Oberbibliothekar. 
V. Schölten, Fräulein Grete. 
V. Schultzendorff, Frau verwitwete 

Kammerherr. 
Sendig, Rudolf, Hotelbesitzer. 
Steinbach, Frl. Margarethe. 
Stern, Dr. A., Professor. 
Stürenburg, Dr. H. , Professor, 

Rector der Kreuzschule. 
Vasmagides, Dr. jur. Kimon. 
Vasmagides, Frau Sophie. 
Villers, Dr. Alexander. 
Vogel, Dr. Theodor, Professor, 

Geh. Schulrat. 
Vollmöller, Dr. Karl, Professor. 
Vorländer, H., Rentner. 
V. Weber, Freifrau verwitwete 

Oberstleutnant. 
Wiecke, Paul, Königl. Hofschau- 
spieler. 
Woermann, Dr. Karl, Prof., Director 

der Kgl. Gemäldegalerie. 
Würzburger, Dr. Eugen, Director 

des Stadt. Statistischen Amtes. 
V. Zahn, Robert, Buchhändler (i.Fa. 

V. Zahn & Jaensch). 
Zschille, Frau Geh. Commerzienrat 

Therese, geb. v. Einsiedel. 

Droyssig b/Zeitz. 
Bibliothek d. Königl. Erziehungs- 
u. Bildungsanstalten. 

Duisburg a/Rh. 

Feller, W., Professor, Gymnasial- 
Oberlehrer. 

Mauritz, Dr. jur. Julius. 

Schmitz, Dr. jur. Karl, Land- 
gerichtsrat. 

Vij^en, Dr. jur. Max, Landrichter. 

Weismann, Dr. jur. Robert, Staats- 
anwalt. 



Dulzen b/Preuss. Eylau. 
Rosenow, Frau Johanna, geb. Fre- 
denhagen, Rittergutsbesitzerin. 

Düren (Rheinland). 
Schoeller, Frau Guido. 

Dürkheim (Pfalz). 
Chally, P., Kgl. Gymnasiallehrer. 

Düsseldorf. 

BönInger,Ferdinand,Fabrikbesitzer. 
Cauer, Dr. Paul, Gymnasialdirector. 
Giemen, Dr. Paul, Professor und 

Provinzialconservator. 
Künstler-Verein »Malkasten«. 
Menn, Fräulein Magdalena. 

Eberswalde. 

Berendes, Amtsgerichtsrat. 

Egern (Baiern), 
zu Savn -Wittgenstein - Berleburg, 
PrinzOtto,Durchlaucht,General- 
leutnant, General ä la suite. 

Eisenach. 

Apelt, Dr. phil. O., Hofrat, 
Gymnasialdirector. 

Hissbach, Dr. phil. Oberlehrer am 
Realgvmnasium. 

Hossfeld, Dr. Carl, Professor, Ober- 
lehrer am Gymnasium. 

Kieser, Dr. theol. Hugo, Super- 
intendent. 

Michels -Schnitzler, Anna, Frau 
Kaufmann Julius. 

Nicolai, Dr. Wilhelm, Oberlehrer 
am Realgymnasium. 

Reinhardt, Dr. med, Gh., Arzt. 

v.Richthofen, Freiherr D., Kammer- 
junker, Landrichter. 

Streck, Carl, Apotheker. 

Eisenberg (Sachsen-Altenburg). 
Gymnasial-Bibliothek. 

Elberfeld. 

Blank, Frau Alexander. 
Böttinger, Dr. Henry P., Mitglied 

des Abgeordnetenhauses. 
Gräfe, Frau Hermann. 
Martens, Dr. Ludwig, Professor, 
Gymnasial-Oberlehrer. 



--^ 34 ^- 



Elberfeld. 

Peill, Conrad. 

Simons, Walter, Commerzienrat. 
Springmann, Ed., Fabrikant. 
Weychardt, Conrad. 
Zurnellen, Frau Justizrat. 

Emden. 

Bibliothek des Königl. Wilhelms- 
Gymnasiums. 

Freytag, Dr. Hans, Oberlehrer am 
Königl. Wilhelms-Gymnasium. 

Emmendingen. 

Feldbausch, Dr, Otto,Medicinalrat. 

Erdmannshain b/Leipzig. 
Lustig, Dr. Max. 

Erfurt, 

Barth, M., Regierungsrat. 

V. Dewitz, Kurt, Regierungs- 
präsident. 

V. Dewitz, Frau Regierungs- 
präsident Lina. 

Gymnasium, Königl. 

Haupt, Hans, Schriftsteller und 
Redacteur. 

Heinzelmann, Dr. Wilhelm, Prof. 
am Kgl. Gymnasium. 

Kalau vom hofe, Gymnasial- 
Oberlehrer. 

Kürsten, Dr. phil. Otto. 

Lorenz, Dr. phil. Theodor. 

Lucius, Ferd., Geh. Commerzienrat. 

Realgymnasium, Königl. 

Realschule, städtische. 

Stürcke, Hermann, Geh. Commer- 
zienrat. 

Wilson, Karl, Landgerichtsrat. 

Erlangen. 

Rosenthal, Dr. J., Professor. 
Universitäts-Bibliothek, Königliche. 
Vogel, Frau Professor Dr. W. 

Essen a/Ruhr. 
Becher, Frau Präsident. 
Krupp'sche Bücherhalle. 

Falkenhof b/Bensheim. 
V. Marx, Heinrich. 

Finsterwalde i/Neumark. 
Rhode, Fräulein .\nnn. 



Flensburg. 

Crespel A., Rechtsanwalt. 
Graef, Dr. phil. Fritz, Oberlehrer. 
Pindter, Dr. jur. Ludwig, Kriegs- 
gerichtsrat. 

Flonheim (Rheinhessen). 
Knell, Dr. Karl, pract. Arzt. 

Frankenthal (Rheinpfalz). 
Baum, W., Landgerichts-Präsident. 
Mündler, Albert, Landgerichtsrat. 

Frankfurt a/M. 

Stadt Frankfurt a/M. 

Abendroth, Moritz, Buch- und 
Kutisthändler. 

Albert, Frau Elisabeth. 

Auerbach, Fritz. 

Baer, Simon Leopold, Buchhändler. 

Baerwald, Dr. Hermann, Realschul- 
Director. 

de Bary, Dr. med. Joh. Jacob, 
Sanitätsrat. 

Beil, Dr. med. W. 

Beit, Frau Eduard. 

Benkard, Dr. jur. E., Justizrat. 

Berghoeffer, Dr., Bibliothekar der 
Freiherrl. Carl von Rothschild- 
schen öffentlichen Bibliothek. 

Bertuch, August, Professor. 

v.Bethmann, Freiherr SimonMoritz. 

Bibliothek des Freien Deutschen 
Hochstifts. 

Bibliothek der Polytechnischen Ge- 
sellschaft. 

Bibliothek, Freiherrl. Carl v. Roth- 
schildsche öffentliche. 

Binswanger, Rudolf, Kaufmann. 

Boehler, Ludwig. 

Braunfels, Otto. 

V. Brüning, Frau Dr. Clara. 

Bürgerverein. 

Burghold, Dr. Julius, Rechtsanwalt. 

Cahn-Blumenthal, Hch., Kaufmann. 

Detloff, Adolf, Verlagsbuchhändler. 

Donner- V.Richter, Otto, Historien- 
maler. 

Dotter, Fräulein Doris. 

Dreyfus, Stud. phil. Albert. 

Dreyfus, Georges. 

Ehler, Frau Rosa. 

Eckhard, Frau Dr., Oberlandes- 
gerichtsrat-Wwe. 

Ehlers, Dr. R., Consistorialrat. 



^ 35 ^— 



Frankfurt a/M. 

Ellissen, August. 

Emden, Heinrich. 

Flauaus, Robert, iMaler. 

Flersheim, Robert. 

Frankfurter Zeitung (Redaction). 

Friedländer, Dr. Adolph, Gerichts- 
Assessor. 

Fries, Jacob, Ingenieur u. Fabrikant. 

Geiger, Dr. Berthold, Rechtsanwalt, 
Justizrath. 

Goldschmidt, Dr. jur. Hermann. 

Goldschmidt, Marcus Moritz, 
Bankier. 

Günther, Ferdinand, Kunsthändler. 

Hammeran, Dr. phil. A. 

Hanau, Heinrich A. 

Hartmann-Kempf,Eugen,Professor. 

Hellfeld, Frau Lina. 

Hering, Dr. Robert Eugen. 

Herxheimer, Frau Sanitätsrat. 

Heuer, Dr.Otto, Professor, General- 
secretär des Freien Deutschen 
Hochstifts. 

Hoffmann, Frau Dr. Therese, Geh. 
Sanitätsrats-Wwe. 

Jensen, Paul, Intendant. 

Jung, Dr. phil. Rudolf,Stadtarchivar. 

Jungmann, Eduard. 

Kahn, Bernhard, Bankier. 

Kahn, Julius. 

Keylj Georg Albert. 

Koch, Frau Anna Louise, geb. 
V. St. George. 

Koch, Louis, Hofjuwelier. 

Küchler, Eduard. 

Küchler-Genth, Frau. 

Küchler, Fräulein Sofie. 

Kulimann, Frau Rosa, geb. Salin. 

Levy, Felix, Director. 

Lietmann, Dr., Rechtsanwalt. 

Lucius, Dr. Eugen. 

Marsson, Dr. jur. Rieh., Ober- 
landesgerichtsrat. 

May, Eduard Gustav. 

Mayerfeld, Anton, Kaufmann. 

Meister, Frau C. F. Wilhelm. 

Melber, Walter Wolfgang. 

Merian-Genast, Dr. Hans, Ober- 
lehrer am Goethe-Gymnasium. 

Merton, W., Kaufmann. 

Meyer, Ferdinand, Rentier. 

Möbius, Dr. Martin, Professor. 

V. Mumm, P. Hermann. 

Neher, Ludwig, Architect. 



Frankfurt a/M. 

Neumann, Dr, jur. Paul, Rechts- 
anwalt. 

Ochs, Richard, Kaufmann. 

Osterrieth, Alexander, Kaufmann. 

Osterrieth-Laurin, August. 

Oswalt, Frau Wwe. Brandine, Ver- 
lagsbuchhändlerin. 

Oswalt, Dr. jur. H., Rechtsanwalt, 
Justizrat. 

Oswalt, W. E., Verla^sbuchhändler. 

Peschel, Frau Prof. Dr., geb. Kamp. 

Pfeiffer, C. W. 

Phillippi, Fräulein Helene. 

Pinner, Dr. Oscar, Arzt. 

Posen, Sidney. 

Qijincke, Wolfgang, Schauspiel- 
regisseur der verein. Stadttheater. • 

vom Rath, Walter. 

Rebner, Adolf, Violinist. 

Reinhardt, Dr. phil. Carl, Geh. 
Regierungsrat, Director des 
Goethe-Gymnasiums. 

Reitz & Köhler, Buchhandlung. 

Rosenmeyer, Dr. med. Ludwig. 

Rumpf, Karl, Bildhauer. 

Schacko, Frau Hedwig, Opern- 
sängerin. 

Scharff-Fellner, Julius, Kaufmann. 

Schmidt-Metzler, Dr. Moritz, Geh. 
Sanitätsrat. 

Scholderer, Dr. Emil, Director. 

Scholz, Dr. Bernhard, Professor. 

Schott, Sigmund. 

Schulz-Euler, Frau Sophie. 

Sommer,Frau Landgerichtsrat Dr.S. 

Sondheim, Moritz, Buchhändler. 

Speyer, Georg, Bankier. 

Stern, Dr. jur. Hans, Referendar. 

Stern, Frau Theodor. 

Stiebel, Heinrich, Kaufmann. 

Stockhausen, Frau Prof. Clara. 

Strasburger, Paul, Bankier. 

Textor, C. W. 

Trommershausen, Dr. E., Ober- 
lehrer am Gymnasium. 

Valentin, Frau Professor. 

Varrentrapp, Dr. A., Bürgermeister. 

Vohsen, Dr. med. Carl. 

Völcker, Georg, Buchhändler. 

Weib-Ritter, Frau Architect. 

Werner, Julius. 

Wohl, Jacques. 

Wurzmann, Dr. Leo, Rechtsanwalt, 

Ziegler, Frau, geb. Pfaff. 

Ziegler, Carl, Ingenieur. 



■^ 



36 ^ 



Frankfurt a/O. 
Bachmann, Dr. Prof., Oberlelirer 
am Königl, Friedrichs-Gymnas. 
Hoffmann, Paul, Lehrer. 
Klaerich, Rechtsanwalt. 
Kühn-Schuhmann, Frau Antonie. 
Scheller, Fräulein Emilie. 

Freiberg i/S. 
Heisterbergk, Ulrich, Justizrat. 

Freiburg i/Br. 

Cohn, Dr. phil. Jonas, Privatdocent. 

Cornelius, Dr. phil. Carl, Professor. 

Gellin, Stud. phil. Philipp. 

Hettler, Eugen, Fabrikant u. Kauf- 
mann. 

Heyfelder, Dr. phil. Victor. 

Höcker, Heinrich, Professor, 

Jaenisch, C, Geh. Reg.-Rat. 

Kluge, Dr. F., Professor, Hofrat. 

Manz, Dr. med. Otto, Privatdocent. 

Rümelin, Dr., Professor. 

V. Simson, Dr. B., Professor. 

Universitäts-Bibliothek, Grossher- 
zogliche. 

Wetz, Dr. Wilhelm, Professor. 

Woerner, Dr. Roman, Professor. 

Freiburg i/Schlesien. 
Realschule. 

Freienwalde a/Oder. 
Aegidi, Frau Geh. Legationsrat. 
duedefeld, Dr. G., Professor, Gym- 
nasial-Oberlehrer. 

Freiste« b/Kehl. 

(Baden.) 

Christlieb, Dr. phil. Max, Pfarrer. 

Friedberg (Hessen). 
Trapp, Carl, Commerzienrat. 

Friedenau b/Berlin. 
Dahms, Dr. Rudolf, Professor. 
Düsel, Dr. Friedrich, Redacteur d. 
Westermannschen Monatshefte. 
Fuchs, Dr. phil. Max, Oberlehrer. 
Grunwald, Max, Schriftsteller. 
Kleiber, Dr. Ludwig, Oberlehrer. 
Langmann, Frau Dr. Amalia. 
Marwitz, Dr. Bruno, Rechtsanwalt. 
Meyer, Dr. jur. Alexander. 
Meyer, Frau Dr. Hedwig. 



Friedenau b/Berlin. 

Paetow, Dr. phil. Walter, Redacteur 
der Deutschen Rundschau. 

Raabe, Dr. phil. Richard. 

Roenneherg, Frau Melida, Schul- 
vorsteherin. 

Steig, Dr. Reinhold, Gymnasial- 
Öberlehrer, Professor. 

Trippel, Frau Marie, verw. Bau- 
meister, geb. Gutike. 

Friedrichstein b/Löwenhagen 
(O.-Pr.). 
Doenhoff, Graf August, Wirkl. 
Geh.-Rat. 

Fürstenau (Hannover). 
Graef, Frau Dr. 

Fulda. 

Landesbibliothek, Ständische. 

Fürth i/Bayern. 
Besels, Heinrich, Kaufmann. 

Georgengarten b/Dessau. 
v. Ditfurth, Fräulein Else, Hofdame 
1. H. der Erbprinzessin Leopold 
von Anhalt. 

Gera (Reuss j. L.). 

Büttner, Dr. jur. Gustav, Rechts- 
anwalt. 

Gymnasial- und Landesbibliothek, 
Fürstliche. 

V. Meysenbug, Freiherr, Ober- 
Hofmarschall, Excellenz. 

Schlotter, Dr. jur. Alfred, Rechts- 
anwalt und Notar. 

Schrader, Dr. med., Augenarzt. 

Gernsbach i/B. 
Funck, Heinrich, Professor. 

Giehren (Schlesien). 
Loeffler, Ludwig, Gutsbesitzer. 

Giessen. 

Behaghel, Dr. Otto, Professor. 
Bock, Alfred, Schriftsteller. 
Collin, Dr. J., Professor. 
Gaffky, Dr., Professor, Geh. Med.- 

Rat. 
Höhlbaum, Dr., Professor. 



-4+ 37 ^- 



Giessen. 

Jung, Dr. Erich, Professor. 

Kinkel, Dr. Walter, Privatdocent. 

Oncken, Dr. Wilhelm, Professor, 
Geh. Hofrat. 

Schmidt, Dr. jur. Arthur, Pro- 
fessor, Geheimer Justizrat. 

Siebeck, Dr. H., Prof., Geh. Hofrat. 

Strack, Dr. Adolf, Professor. 

Universitäts-Bibliothek, Grossh. 

V. Wagner, Dr. F., Professor. 

Bergisch-Gladbach. 

Zanders, Frau Maria. 

M.-Gladbach. 

May, Fräulein Julie, Rentnerin. 
Quack, Wm., Commerzienrat. 

Glogau i/Schl. 
Diehl, Dr. phil. Ernst. 

Glückstadt. 

Gymnasium, Königliches. 

Godesberg b/Bonn. 
Hoesch, Frau Lucy. 
Hoesch-Pfeifer, Frau G. 
Rohlfs, Frau Gerhard. 

Godeeberg-Plittersdorf b/ßonn. 
Dernen, Hermann, Director. 

Göppingen. 

Einstein, Richard. 

Gutmann, Frau Fabrikant Bernhard. 

Görlitz. 
Drevin, Helmuth, Apotheker. 
Rörig, A., Kgl.Eisenbahn-Verkehrs- 
Inspector a. D. 

Gotha. 

Bibliothek des Gymnasium Ernesti- 
num. 

Bibliothek, Herzogliche. 

V. Ebart, Freiherr P., Kammerherr. 

Hentig, Wirkl. Geh. Rath, Staats- 
minister, Exe. 

Liebenam, Dr. W., Professor. 

Purgold, Dr. K., Geh. Reg.-Rat, 
Director des Herzogl. Museums. 

Rohrbach, Dr. phil. Carl E. M., 
Realschuldirector. 



Göttingen. 

Coehn, Dr. phil. Alfred, Professor. 
Dilthey, Dr. Karl, Professor. 
Droysen, Dr. med. Felix, Professor 

und pract. Arzt. 
Ehlers, Dr., Professor. 
Frensdorff, Dr. F., Professor, Geh. 

Justizrat. 
Gymnasium, Königl. 
Heinroth, Frau Präsident. 
Hentze, Dr. Kr., Professor. 
Lehmann, Max, Professor. 
Leo, Dr. F., Professor. 
Lexis, Dr., Professor. 
Meyer, Dr. Leo, Professor, Kaiserl. 

Russ. Wirkl. Staatsrat. 
Schlote, Fräulein Helene, Lehrerin. 
Schröder, Dr. Edward, Professor. 
Schulze, Dr. W., Professor. 
Seminar, Königliches, für deutsche 

Philologie. 
Universitäts-Bibliothek, Königliche. 

Greifswald. 

Berg, Dr. phil. Otto. 

Bibliothek des germanistischen Se- 
minars. 

Gebeschus, Fräul., Schriftstellerin. 

König, Walter, Professor. 

Reifferscheid, Dr. A., Professor, 
Geh. Rat. 

Universitäts-Bibliothek, Königliche. 

Greiz. 

Stier, Paul, Geh. Reg.-Rat. 

Griesheim a/Main. 
Lepsius, Dr. Bernhard, Professor. 

Grimma b/Leipzig. 
Fürsten- und Landesschule. 

Gross-Cammin. 

zu Stolberg -Wernigerode, Gräfin 
Udo, Exe. 

Gross-Flottbeck b/Altona. 
Kahler, Julius, Rentier. 

Grosskarben (Hessen), 
v. Leonhardi, Freiherr Moritz, Guts- 
besitzer. 



-h 38 ^- 



Gross-Kochberg (Thüringen). 
V. Stein, Freifrau Anna, geb. 
von Holtzendorff. 

Gross-Lichterfelde b/Berlin. 

Booth, Fräulein Esther. 

de Gruyter, Dr. Walter, Verlags- 
buchhändler. 

V. Hopfen, Dr. Hans, Schriftsteller. 

Jaffe, Rechtsanwalt und Notar. 

Kekule von Stradonitz, Dr. jur. utr. 
et phil. Stephan, Fürstl. Schaum- 
burg-Lippescher Kammerherr. 

Müller, Paul, Gymnasialoberlehrer. 

Quincke, Walter, Kaufmann. 

Rudorff, Ernst, Professor an der 
Kgl. Hochschule für Musik. 

Sommerfeld, Otto, Fabrikbesitzer. 

Grüngräbchen, Post Schwepnitz 

(Sachsen). 
Seidel, Rudolf, Rittergutsbesitzer. 

Grunewald b/Berlin. 
Böckh, Dr. R., Professor, Geh. Rat. 
Bondi, Dr. phil. Georg. 
Danneel, Geh. Admiralitätsrat. 
Danneel, Frau Margarethe. 
Dernburg, Friedrich, Schriftsteller. 
Goldschmidt, Dr. jur. Oskar. 
Grandke, Frau Ministerialdirector 

Meta, geb. Hempel. 
Gumbert, Friedrich Moritz, Bankier. 
Mauthner, Fritz, Schriftsteller. 
Schmid, Dr. jur. Aurelius. 
Voss, Dr. Georg, Professor. 

Guben. 

Hoemann, Rechtsanwalt u. Notar, 
Justizrat. 

Mende, Albert, Landgerichtsrat. 

Schwarze, Fräulein Elisabeth, Schul- 
vorsteherin. 

Gurabinnen (Ostpr.). 
Bibliothek des Kgl. Gymnasiums. 
Moldaenke, Gymnasiallehrer, Prof. 

Haggn (Schloss) b/Bogen a/Donau. 

V. Schrenck-Notzing, Freiherr Leo- 
pold, Kgl. bayr. Hauptmann 
a. D. und Rittergutsbesitzer. 

Halberstadt. 

Zimmer, Frau Rittmeister. 



Haiensee b/Berlin. 
Gottschalk, Gustav, Kaufmann. 
Gräbner, Dr. phil. Walther. 



Halle a/S. 

Belling, Frau Oberlehrer Dr. Marie. 

Berent, Fräulein Selma. 

Berger, Dr. Arnold E., Professor. 

Bertram, Frau Constanze, Ober- 
bürgermeisterswitwe. 

Bethke, L., Bankier. 

Bibliothek der Höheren Mädchen- 
schule in den Francke'schen 
Stiftungen. 

Bibliothek des Stadtgymnasiums. 

Fränkel, Dr. Carl, Professor. 

Friedberg, Dr. R., Professor. 

Fries, Dr., Professor, Director der 
Francke'schen Stiftungen. 

v. Fritsch, Dr. K., Professor, Geh. 
Reg.-Rat. 

Genzmer, Dr. A., Professor. 

Goeschen, Assessor. 

Grenacher, Dr. H., Professor. 

Gründig, A., Administrator der 
Buchdruckerei d. Waisenhauses. 

Harnack, Dr. Erich, Professor. 

Hessler, Dr. H., Professor, Ohren- 
arzt. 

Hiller, Frau Professor Dr. E. 

Holstein, Dr. Prof., Gymnasial- 
Director a. D. 

Kohlschütter, Dr. E., Professor. 

Kühn, Dr. J., Geh. Regierungsrat. 

Lehmann, Heinrich, Bankier. 

Leser, Dr. Edmund, Privatdocent. 

V. Lippmann, Dr.Edmund, Professor. 

Lothholz, Dr., Professor, Gvm- 
nasialdirector a. D. 

Mekus, Dr., Arzt. 

Niemeyer, Fräulein Marianne. 

Niemeyer, Dr. Max, Verlagsbuch- 
händler. 

Pott, Dr. jur. R., Professor. 

Rachfahl, Dr. Felix, Professor. 

Radlauer, Amtsgerichtsrat. 

Rausch, Dr. Alfred, Gymnasial- 
director. 

Robert. Dr. Karl, Professor. 

Ross, Frau Professor Emma, geb. 
Schwetschke. 

Saran, Dr. phil. Franz, Privatdocent. 

Schmeitzer, Geh. Ober-Finanzrat. 

Schulze, August, Director der 
ZuckerrafHnerie. 



_4. ^^C) ^- 



Halle a/S. 
Schwarz, Dr. E., Professor. 
Strauch, Dr. Philipp, Professor. 
Universitäts-BibHothek,KönigHche. 
Vaihinger, Dr. H., Universitäts- 
Professor. 
V. Voss, Frau Geh. -Rat. 
Wagner, Dr. Albrecht, Professor. 



Hamburg. 

Arndt, Oskar (i/Fa. Arndt & Cohn). 

Barth, Ricliard, Professor. 

Behn, Dr. jur. Hermann. 

Behrmann, Dr. theo!. G., Senior, 
Hauptpastor. 

V. Berenberg- Gossler, John, 
Bankier. 

Bertheau, Dr. theol. Carl, Pastor. 

Brackenhoeft, Dr. jur. E., Rechts- 
anwalt. 

Daffis, Alfred Th., Ingenieur. 

V. Dehn, Dr. Jur. Adolf Axel. 

Ehlers, Frau Emilie, Oberin im 
St. Georg Schmilinski-Stift. 

Elkan, Ed. Ferdinand. 

Engel-Reimers, Frau Dr. A. 

Erdmann, Dr. H., Privatgelehrter. 

Fertsch, F. (i/F. Fertsch & Laeisz). 

Gerstenberg, Dr. phil. Heinr., Ober- 
lehrer. 

Gloede, Dr. phil. Hermann. 

Goldschmidt, Dr. phil. Adolf. 

Gräfe, Lucas, Buchhändler. 

Groothoff, H., Architect. 

Grüner, Dr. Th. W. 

Güssefeld, Dr. phil. O. E., Kauf- 
mann. 

Hahn, Emil. 

Hartmann, Dr. jur.K.,Rechtsanwalt. 

Hertz, Dr. G., Senator. 

Heylbut, Dr. phil. G. 

Hottenroth, Hans, General-Agent. 

Ikl6, Fräulein Elsa. 

Johler, A. B. Gustav (i/Fa. Mühl- 
meister & Johler). 

Köster, Paul, Kaufmann. 

Kreusler, Fräulein L. 

Lappenberg, Dr. Joh., Rechtsanwalt. 

Lehmann, Frau Dr. Emil. 

Levy, Dr. H. B. 

Lewandowsky, A. 

Lippert, Dr. jur. Ludwig J., Kaufm. 

Marcus, Frau Adele. 

Martens, Hermann, Kaufmann. 

Mav, Anton. 



Hamburg. 

Meissner, jun., Otto, Buchhändler. 

V. Melle, Dr. Werner, Senator. 

Metz, Adolf, Lic. theol., Professor 
am Johanneum. 

Mönckeberg, Dr. Rudolf. 

Newman, Fräulein Julie. 

Oehrens, Dr. med. Wilhelm. 

V. Oeynhausen, Frau Gräfin S. 

Oppenheim, Emil. 

Oppenheim, Frau Marie. 

Paul,Albert,SchauspieleramThalia- 
Theater. 

Petersen, Rudolf, Director. 

Pflüger, Dr. M. 

Polack, Dr. phil. Alfred. 

Pospischil, Maria, Schauspielerin. 

Rebattu, Dr. Albert, Pastor zu St. 
Gertrud. 

Redlich, Frau Director. 

Rosenhagen, Dr. phil. Gustav, 
Oberlehrer. 

Rudolph, G. A., Buchhändler. 

Sasse, Wilhelm. 

Scharlach, Dr. jur., Advokat. 

Schemmann, K. U., Senator. 

Schifl", Fräulein Jenny. 

Schroeder, Dr., Senator. 

Schnitze, Dr. Ernst. 

Sieveking, Dr. med. Wilhelm. 

Sohle, Dr. jur. Martin. 

Sokolowsky, Dr. phil. Rudolf. 

Sommer, Frau Gustav. 

Stadtbibliothek. 

Stemann,Dr., Landgerichtsdirector. 

Suse, Dr. Theodor. 

Thöl, Dr., Oberlandesgerichtsrat. 

Tietgens, Hermann, Kaufmann. 

Vering, Dr. jur. Carl, Gerichts- 
assessor a. D. 

Warburg, Aby S. 

Westphal, Dr. Ed., Rechtsanwalt. 

Wohlwill, Dr. Adolf, Professor. 

Wolffson, Dr. Albert. 



Hamm i/Westf. 
Hanow,OberIandesgerichts-Senats- 

Präsident. 
Litten, Dr., Geh. Justizrat. 



Hanau. 

Hosse, Georg. 
Zimmermann, Frau Emma. 



— > 40 ^— 



Hannover. 

ßerding, Stud. phil. Friedrich. 

Breul, Dr. med. Ludolf, Arzt. 

Ewert, Dr. Max, Oberlelirer. 

V. Goldbeck, Hofkammer-Präsid. 

Graetzel v. Graetz, Dr. P., Ober- 
lehrer. 

Heine, Paul. 

Hüncke, Herrn., Kaufmann. 

Hüpeden, Fräulein Minna. 

Juncken, Frau Johanna, geb. Maudt. 

Meissner, Richard, Landgerichtsrat. 

V. Phiiipsborn, Ernst, Regierungs- 
Präsident. 

Schaefer, H., Professor, Gymnasial- 
Direktor. 

Schläger, Frau verw. Sanitätsrat. 

Schmor! u. v. Seefeld Nachf., Buch- 
händler. 

Seeligmann, Sigmund, Direktor. 

Spiegelberg, Frau Elsbeth, geb. 
Frank. 

Hattenheim i/Rheingau. 
Wilhelmy, A., Obergerichts- 
Procurator. 

Heidelberg. 

Abbott, Frau Dr. 

V. Bernus, Freiherr Alexander. 

Braune, Dr. W., Hofrat. 

Buhl, Dr. H., Hofrat. 

Daecke, K. F., Fabrikant. 

Erb, Dr. Wilhelm. Prof., Geh. Rat. 

Erdmannsdörffer, Frau Geh. Hofrat. 

Fischer, Dr. Kuno, Professor, Wirkl. 

Geh. Rat, Exe. 
Fürbringer, Dr. M., Professor, 

Geh. Hofrat. 
Fürst, Dr., Rechtsanwalt. 
Gegenbaur, Dr. Karl, Professor, 

Geh. Rat. 
Germanisch-Romanisches Seminar 

an der Universität. 
Gernandt, Dr. phil. Carl, Professor. 
Groos, Karl, Buchhändler. 
Hausrath, Dr. Adolf, Professor, 

Geh. Kirchenrat. 
Hoffmeister, H., Lederfabrikant. 
Jannasch, Dr. Paul, Professor. 
Kahn, Dr. Franz, Amtsrichter a. D. 
Knaps, Fräulein Anna. 
Koehler, Dr. Karl, Professor. 
V. Lilienthal, Dr. Carl, Hofrat. 
Marcks, Dr. Erich, Professor, Geh. 

Hofrat. 



Heidelberg. 

Meyer, Frau Geh. Rat Georg. 

Pet'ters, Otto, Buchhändler. 

Scholl, Dr. F., Professor, Geh. 
Hofrat. 

Schwinger, Dr. phil. Richard. 

Thode, Dr. Henry, Geh. Hofrat. 

Thomas, Phil., Architect. 

Universitäts-Bibliothek, Grossher- 
zoglich Badische. 

V. Waldberg, Freiherr, Dr. Max, 
Professor. 

Heidenheim. 

Meebold , Frau Geheime Rat 
Natalie, geb. Guyet. 

Heilbronn. 

Harmonie-Gesellschaft. 
Jaeckh, Dr. phil. Ernst, Chef- 
redakteur der Neckarzeitung. 
Sigmund, Gottlob, Kaufmann. 

Heinrichau b/ßreslau. 
Eberhardt, Julius, Generaldirector. 

Heinrichsdorf b/Wilhelmsfelde 
(Reg.-Bez. Stettin). 
Lenke, Fräulein Jenny. 

Hildburghausen. 

Gymnasium Georgianum, Herzog- 
liches. 
V. Petrovics, Paia. 

Hildesheim (Hannover). 
Gymnasium Andreanum, Königl. 
Ohrmann jr., Hermann. 

Hochdahl bei Düsseldorf. 
Sudhoff, Dr. Karl, Sanitätsrat. 

Hoerde (Westf.). 
Vohwinkel, Dr. med. Karl, prakt. 
Arzt. 

Hof (Bayern). 
Hümmerich, Dr. Franz K., Gym- 
nasiallehrer. 

Hofgeismar b/Cassel. 
V. Ulrich, Frau Ilse. 



— ^ 41 ■^ — 



Hohenfichte (Sachsen). 
Hauschild, Max E., Geheimer 
Commerzienrat. 

Hohen-Pähl, Schloss b/Wilzhofen 

(Oberbayern). 
Czermak, Ernst, Gutsbesitzer. 

Homburg v. d. H. 

Schmidt-Leda, Dr., KaiserHcher 
Gesandter z. D. 

Husum (Schleswig-Holstein). 
Tönnies, Fräulein Elisabeth. 

Jena. 

Anding, Carl, Kaufmann. 

Binswanger, Dr., Professor, Hofrat. 

Boeckh, Oberstleutnant a, D. 

V. Brüger, Dr., Oberlandesgerichts- 
Präs., Wirkl. Geh. -Rat, Exe. 

Buchholz, Frau Malvina, geb. v. 
Knebel. 

Delbrück, Dr. B., Professor. 

Dinger, Dr. Hugo, Privatdocent. 

Eggeling, Dr. A., Geh. Staatsrat, 
Curator der Universität. 

Eichhorn, Dr. med. Gustav, pract. 
Arzt. 

Eucken, Dr. R., Professor, Geh. 
Hofrat. 

Fischer, Dr.G.,Verlagsbuchhändler. 

Gerland, Dr. H., Privatdocent. 

Götz, Dr., Professor, Geh. Hofrat. 

Haeckel, Dr. Ernst, Professor. 

Jobst, Major a. D. 

Kniep, Dr., Professor. 

Knorr, Dr. L., Professor. 

Leitzmann, Dr. Albert, Professor. 

Liebmann, Dr. Otto, Professor, 
Geh. Hofrat. 

Lorenz, Dr. O., Professor, Geh. 
Hofrat. 

Ludewig, Fräulein Antonie, Vor- 
steherin der höheren Mädchen- 
schule. 

Michels, Dr. Victor, Professor. 

Noack, Dr. Ferdinand, Professor. 

Rein, Dr. Wilhelm, Professor. 

Richter, Dr. G., Gymnasialdirector, 
Geh. Hofrat. 

Rosenthal, Dr. Eduard, Professor. 

Scheer, Oberstleutnant a. D. 

Schlösser, Dr. Rudolf, Professor. 

Schulz, Dr. med. Friedr., Professor. 



Jena. 

Singer, Oberbürgermeister. 

Stoy, Dr. Heinrich, Privatdcoent. 

Stoy, Dr. Stephan, Privatdocent. 

Türck, Dr. phil. Hermann. 

Universitäts-Bibliothek. 

Unrein, Dr. Otto, Oberlehrer am 

Gymnasium. 
Urban, Arno, Rittergutsbesitzer. 
V. Vogel-Fromannshausen, Frau 

Anna, k. k. Regierungsrats- 

u. o. ö. Professors-Witwe. 
Vogt, Aug., Landkammerrat. 
Wagenmann, Dr., Professor, Direct. 

der Augenklinik. 
Walther, Dr. phil. Johannes, 

Professor. 
Wilhelm, Dr. Eugen, Professor. 

lUenau b/ Achern. 
Schule, Dr. H., Geh. Hofrat. 

Ilmenau. 

»Gemeinde Gabelbach« , Gesell- 
schaft. 

Insterburg. 

Bibliothek des Kgl. Gymnasiums. 

Kappeln (Schleswig-Holstein). 
Thomsen jun., Dr. med. Julius, 
pract. Arzt. 

Karlsruhe i/B. 

Bernays, Ulrich. 

Bielefeld, Jos., Verlagsbuchhändler, 
K. K. öster.-ungar. Consul. 

Boeckh, Stadtrat. 

Bürklin, Dr. jur. Albert, General- 
Intendant d. Grossherzogl. Hof- 
theaters. 

V. Chelius, Rieh., Geh. Kabinets- 
rat, Kammerherr. 

V. Edelsheim, Freiherr, Grossh. bad. 
Obersthofmeister, Exe. 

V. Eisendecher, Frau, geb. Freiin 
V. Eickstedt, Exe. 

Eller, Dr. Carl, Oberlandesgerichts- 
rat. 

Ettlinger, Fräulein Anna. 

Ettlinger, Dr. Emil. 

von und zu Gemmingen, Freiherr, 
Oberstkammerherr, Exe. 

Göller, L., Geh. Ober-Finanzrat. 

Hauser, Joseph, Grossh. badischer 
Kammersänger. 



12 ■^- 



Karlsruhe i B. 

Heinsheimer, Frau Oberlandesge- 
richtsrat. 

Hof- und Landesbibliothek, Grossh. 

Kilian, Dr. Eugen, Regisseur am 
Hoftheater. 

Kircher, Dr. Erwin. 

Liebermann, Gustav (i/Fa. A. Biele- 
feld's Hof buchhandlung). 

Mainzer, Fräulein Helene. 

Ministerium der Justiz, des Kultus 
und Unterrichts. 

Mottl, Felix, Generalmusikdirector. 

V. Oechelhäuser, Dr. A., Hofrat, 
Professor am Polytechnikum. 

Ordenstein, Heinrich, Director des 
Conservatoriums für Musik. 

Regensburger, Fräulein Marie. 

Schnorr von Carolsfeld, Frau Mal- 
vina, königl. bayr. Kammer- 
sängerin. 

Seubert, Emil, Geh. Rat. 

Weltzien, Alexander. 

Wendt, Dr. Gustav, Geh. Hofrat. 

Eaukehmen (Ostpreussen). 
Meyerowitz, Max, Amtsrichter. 

Kennenburg b/Esslingen a.Neckar. 
Landerer, Dr. med. Paul, Hofrat, 
Director der Heilanstalt. 

Kiel. 

v. Ahlefeldt-Dehn, Baron Louis. 

Deussen, Dr. Paul, Professor. 

Gering, Dr. H., Professor. 

Kauffmann, Dr. Fr., Professor, 

Kirchhoff, Frau Admiral. 

Mühlau, Dr. F., Professor. 

von Müller, Hans. 

Niepa, Alexander, Chefredacteur. 

Scheppig, Dr. phil. Richard, Pro- 
fessor, Oberlehrer. 

Schlossmann, Dr., Professor. 

Schöne, Dr. Alfred, Professor, Geh. 
Rat. 

Siemerling, Dr. E., Professor. 

Stange, H., Professor. 

Toeche, Paul, Hofbuchhändler. 

Universitäts-Bibliothek, Königliche. 

Kirchrode b/Hannover. 
Marie, Gräfin Wilhelm zu Solms- 
Laubach, Prinzessin z. Stolberg- 
Wernigerode, Durchlaucht. 



Klein-Eichholz, Post Prieros 
(Mark). 

Meyer, Lothar, Rltlergutshesltier. 

Kleinhänchen b/Uhyst (Sachsen). 
Hanowsky, O., Regier.-Rat a. D. 

Klein-Oels b/Ohlau i/Schlesien. 
Yorck v. VVartenburg, Graf Hans. 
Yorck v.Wartenburg, Graf Heinrich. 

Koberwitz (Kr. Breslau), 
vom Rath, Carl, Geh. Commer- 
zienrat. 

Kohlhöhe b/Gutschdorf (Schles.). 
v. Richthofen-Damsdorf, Freiherr, 
Ober-Reg.-Rat. 

Königsberg i/Pr. 

Alscher, Dr. Walther, Rechtsanwalt. 

Baumgart, Dr. Hermann, Professor. 

Bibliothek der städtischen Real- 
schule. 

Bibliothek des Altstädtischen Gym- 
nasiums. 

Bibliothek des KneiphöfischenGym- 
nasiums. 

Bibliothek des Königl. Friedrichs- 
Collegiums. 

Bibliothek des städtischen Real- 
gymnasiums. 

Bibliothek des Königl. Wilhelms- 
Gymnasiums. 

Brode, Max, Professor, Dirigent 
der Kgl. Sinfonie-Konzerte. 

Frohmann, Dr. med. Julius, pract. 
Arzt. 

Gerber, Dr. med. P. H., Privat- 
docent. 

Gruenhagen, Dr., Professor, Ge- 
heimrat. 

Güterbock, Dr. jur. , Professor, 
Geheimrat. 

Gyssling, Robert, Rechtsanwalt. 

Hecht, Dr. Max, Professor. 

Jacoby, Albert, Fabrikbesitzer. 

Jacoby, Frau Sophie. 

Kammer, Dr., Professor, Ober-Reg.- 
Rat, Prov.-Schulrat. 

Kochendörffer, Dr. Karl, Ober- 
bibliothekar der Königl. und 
Universitäts-Bibliothek. 

Königin Luise-Schule. 

Königl. u. Universitäts-Bibliothek. 



-^ 43 ♦^- 



Königsberg i/Pr. 

Lehnert, Dr. phil. Max, Gymnasial- 
Oberlehrer. 

Rosenfeld, Ernst, Kaufmann. 

Scherschewski, Dr. jur., Kaufmann. 

Schöndörffer, Dr. Otto, Gymnasial- 
lehrer. 

Seelig, Dr. med. Albert, pract. Arzt. 

Stern, Frau Dr. Agnes, geb. Wiehler. 

Teppich, Frau Emil. 

Vogel, Rudolf, Justizrat. 



Wenzel, 



Eönigswinter. 

Amtsgerichtsrat. 



Schloss Eönitz i/Thüringen, 
Reiss, Dr. Wilhelm, Geh. Reg.-Rat. 

Eonslanz. 

Binswanger, Dr. med. Robert. 
Brandes, Wilhelm, Bankdirector. 
Fischer, Dr. med. Gg., Hofrat. 
Mathy, Joh. Wolfg. 
Ottendörfer, Dr. Hermann, Land- 
gerichtsrat. 
Smidt, Dr. H., pract. Arzt. 

Bad Kosen. 

Neumann, Hauptmann a. D. 
Schütze, Dr. med. Carl. 

Krotoschin (Posen). 
Bibliothek des Königl. Wilhelms- 
Gymnasiums. 

Lahr i/Baden. 
Stadtbibliothek. 

Landau (Pfalz). 

Zahn, August, Kgl. Landgerichts- 
director. 

Landeshut i/Schlesien. 
Realgymnasium, Städtisches. 

Langenhurg (Württemberg), 
zu Hohenlohe-Langenburg, Frau 
Fürstin Leopoldine, Grossher- 
zogliche Hoheit. 

Bad Langenschwalbach. 

Schwarz, Heinrich, Amtsrichter. 

GoETHt-jAHRBtCH XXIV. 



Lauban i/Schlesien. 
Bibliothek des Kgl. Gymnasiums. 

Leer i/Ostfriesland. 
Lücke, Dr. O., Gymnasialdirector. 

Leipzig. 

Adam, Richard, Landrichter. 

V. Bahder, Dr. Karl, Professor. 

Baur, Fräulein Marie. 

Beer, Dr. Rudolph, Professor, 
Gymnasial-Oberlehrer. 

BerIit,Georg, Professor,Gymnasial- 
Oberlehrer. 

Bibliographisches Institut. 

Bibliothek des Kgl. Gymnasiums. 

Bibliothek des Nikolaigymnasiums. 

Bibliothek desThomasgymnasiums. 

Binding, Dr. Karl, Professor. 

Brockhaus, Dr. Eduard, Verlags- 
buchhändler. 

Brockhaus, Rudolf, Verlagsbuch- 
händler. 

Brugmann, Dr. Oskar, Professor, 
Oberlehrer am Nicolai -Gym- 
nasium. 

Bruns, Eduard, Kaufmann. 

Curschmann, Dr. med., Professor, 
Geh. Medicinal-Rat. 

Deetjen, Dr. phil. Werner. 

Degenkolb, Dr., Professor. 

Dietz, Reichsgerichtsrat. 

Dürr, Alphons F., Stadtrat. 

Dürr, Dr. Alphons, Verlagsbuch- 
händler. 

Francke, Erich, Pharmazeut. 

Friedberg, Dr. Emil, Professor, 
Geh. Hofrath. 

Geibel, Frau Leonore, geb. Weisz. 

Geibel, Frau Marianne. 

Gensei, Dr. jur. Julius, Justizrat. 

Georgi, Dr., Rechtsanwalt. 

Giesecke, Dr. Alfred, Verlagsbuch- 
händler. 

Goetz, Ernst. 

Goetze, Fräulein Auguste, Kammer- 
sängerin. 

Haarhaus, Julius R., Redacteur und 
Schriftsteller. 

V. Hahn, Alban, Schriftsteller. 

V. Hahn, Frau Präsident. 

Hahn, Stud. jur. Gustav. 

Harrwitz, Dr. jur. Paul, Director 
der Allg. Deutsch. Creditanstalt. 

V. Hase, Dr. Oskar, Verlagsbuchh., 
Hofrat. 

25 



— ^ 44 ^— 



Leipzig. 

Heinemann,Dr.phil. Karl, Professor. 

Herbst, Günther, Kaufmann. 

Hildebrand, Dr. pliil. Rudolf, Real- 
schul-Oberlehrer. 

Hirsch, Frau Dr. Aenni, geb. Görz. 

Hirzel, Georg, Verlagsbuchhändler. 

Jäckel, Dr. phil. Fritz. 

llberg, Dr. Johannes, Oberlehrer 
am Kgl. Gymnasium. 

Junck, Dr. jur. Joh., Rechtsanwalt. 

Jungmann, Dr., Professor, Rector 
zu St. Thomae. 

Kippenberg, Dr. phil. Anton. 

Köhler, K. F., Buchhändler. 

König, Wilhelm. 

Köster, Dr. Albert, Professor. 

Krüger, Generalleutnant z. D., Exe. 

Kunz, Dr. Heinrich, Staatsanwalt. 

Lange, Dr. phil. Robert. 

»Leipziger Presse«, Verein. 

Lemke, Julius, Director. 

Leskien, Dr. A., Professor. 

Liebisch, Bernhard, Buchhändler. 

Limburger,- Dr. jur. Walther, Rechts- 
anwalt. 

Lipsius, Dr. Hermann, Professor, 
Geh. Hofrath. 

Lorentz, Alfred, Buchhändler. 

Maync, Dr. phil. Harry. 

Meyer, Friedrich Heinrich, Buch- 
händler und Antiquar. 

Möller, Dr. phil. Heinrich. 

Nachod, Frau Consul Marie. 

Prüfer, Dr. jur. et phil. Arthur, 
Professor. 

Rabe, Max, Obersecretär beim 
Reichsgericht. 

Reclam, H. H., Verlagsbuchhändler. 

Reisland, O.R., Verlagsbuchhändler. 

Romberg, Dr. O. L., Geh. Justizrat. 

Rost, Adolph, Buchhändler (J. C. 
Hinrichs'sche Buchhandlung). 

Scheibner, Dr. Wilhelm, Professor, 
Geh. Hofrath. 

Schmidt, Reinhard Benno, Referend. 

Schneider, Dr. Arthur, Professor. 

Schneider, Carl, Kaufmann. 

Schreiber, Dr. Theodor, Professor. 

Schröder, Martin, Kaufmann. 

Schulz, Dr. phil. Hans, Bibliotkekar 
beim Reichsgericht. 

Schulz, Hermann, Buchhändler. 

Schunck, Fräulein Cornelia. 

Schuster, Dr. phil. Hermann, In- 
stitutsdirector. 



Leipzig. 

Schwabe,FrauSusanne,geb.Klemm. 

Schweitzer, Dr.Viktor,Verlagsbuch- 
händler. 

Seemann, Arthur, Verlagsbuch- 
händler. 

Seminar, Königl. Deutsches. 

Sievers, Dr. E., Professor. 

Simon, Dr. jur. Gustav Wilhelm, 
Rechtsanwalt. 

Simon, Frau Stadtrat Hedwig. 

Simon, Fräulein Louise. 

Stadtbibliothek. 

Staegemann, M., Geh. Hofrat, 
Director des Stadttheaters. 

Steche, Frau Elisabeth. 

Steffen, Dr. Georg, Professor, 
Gymnasial-Oberlehrer. 

V. Tauchnitz, Bernhard, Freiherr, 
Verlagsbuchhändler. 

Titze, Adolf, Verlagsbuchhändler. 

Tröndlin, Dr., Oberbürgermeister. 

Ultsch, Andreas, Kaufmann. 

Universitäts-Bibliothek, Kgl. 

Voerster, Alfred, Buchhändler. 

Vogel, Dr. Julius, Custos am städt. 
Museum. 

Voigt, Dr. phil. Hans, Gymnasial- 
Oberlehrer. 

Volkelt, Dr. Johannes, Professor. 

Wagner, Dr. med. Paul, Privat- 
docent. 

Weber, Dr. phil. Robert, Gym- 
nasial-Oberlehrer. 

Weicher, Th. (i/Fa. Dietrich'sche 
Verlagsbuchhandlung). 

Wendtland, Dr. jur., Handels- 
kammersecretär. 

Wildhagen, Dr., Rechtsanwalt. 

Windsc'heid, Fräulein Dr. Käthe. 

Witkowski, Dr. Georg, Professor. 

Wülker, Dr. Richard, Professor, 
Geh. Hofrat. 

Wundt, Dr. Wilh., Professor. 

Zarncke, Dr. Eduard, Professor. 

Leopoldshall-Stassfurt. 

Dupre, Fräulein Lucy. 

Leutzsch b/Leipzig. 
Pfalz, Dr. Franz, Professor, Real- 
schuldirector a. D. 

Lieh bei Giessen. 
zu Solms-Hohensolms-Lich, Frau 
Fürstin, Durchlaucht. 



—^ 4) ^— 



Lindau i/B. 
Brüller, Max, Kgl.Bezirks-Thierarzt. 

Linden b/Hannover. 
Bibliothek des Königl. Kaiserin 

Augusta-Victoria-Gymnasiums. 
Grasshof, Dr., Gymnasialdirector. 
Haase, Frau Helene. 
Haynel, Dr. phil. Woldemar. 
Laporte, Frau Justizrat L., geb. 

Egestorff. 

Löcknitz (Pommern). 

V. Eickstedt - Peterswald, Frau 

Gräfin, geb. v. Eisendecher. 

Lötzen (Üst-Preussen). 
Krassowsky, Dr. phil. Walther, 
Oberlehrer. 

Lübeck, 

Achilles, Dr. E., Rechtsanwalt. 

Curtius, Frau Senator Dr. 

Ernestinenschule. 

Eschenburg, D. Em. Wilhelm, 
Kaufmann. 

Fehling, Dr., Senator, Rechtsanwalt. 

Grisebach, Erich, Amtsrichter. 

Krüger, Dr. phil. Friedr., Ober- 
lehrer am Katharineum. 

Linde, Dr. jur. Adolf, Rat am 
Stadt- und Landamt. 

Otte, Hermann, Bankdirector. 

Schillerstiftung, Lübeckische. 

Luckenwalde. 

Goldschmidt, Carl. 

Ludwigshafen a/Rhein. 
Chambon, Dr. E. 

Ludwigslust. 

Schaumkell, Ernst, Lic. theol. Dr., 
Oberlehrer. 

Lüneburg. 

Gravenhorst, K., Justizrat. 

Lyck (Ost-Preussen). 
Gymnasium, Königliches. 
Wiebe, Emil, Buchhändler. 



Magdeburg. 

Aufrecht, Dr., Geh. Sanitätsrat. 

Glasewald, Konsistorialpräsident. 

Glatte, Elly, Lehrerin. 

Liebau, Frau Fabrikbes. Hermann. 

Lippert, Bernhard, Kaufmann. 

Neuschaefer, Dr. phil. Max. 

Quasthoft", Ernst, Bergwerks-Direct. 

Sträter, Dr. phil. E., Oberreal- 
schullehrer. 

Trosien, E., Ober- u. Geh, Reg.- 
Rat, 

Zuckschwerdt, Frau Fanny. 

Magnitz 

b/Koberwitz (Kr. Breslau), 
vom Rath-Magnitz, Ernst, Majorats- 
besitzer, 

Mainz 

Feldheim, C. F,, Geh. Commerzien- 

rat, 
Heidenheimer, Dr. phil. Heinrich, 

Stadtbibliothek-Secretär. 
Heiden Heimer, Josef, Kaufmann. 
Horch, Dr.Hermann, Rechtsanwalt. 
Lesky, Wilhelm, Hofrat, 
Scholz, Carl (Firma Jos. Scholz), 
Schultheis, Albrecht. 
Stadtbibliothek. 

Mannheim, 

Bibliothek, öffentliche. 
Darmstaedter, Dr., Rechtsanwalt. 
Hecht, Dr. Felix, Geh. Hofrat, 

Bankdirector. 
Hirsch, Emil. 
Hirsch, Louis, Kaufmann. 
Kahn, Dr. Richard, Rechtsanwalt. 
Köhler, Martin, Kaufmann. 
Ladenburg, Frau Geh. Rat Ida. 
Lenel, Alfred, Kaufmann. 
Loewe, M. (Firma Loewe & Eschell- 

mann). 
Maas, Heinrich, Bankdirector. 
Martin, Paul, Bürgermeister. 
Reimann, Frau Dr. Clara, geb. 

Diffene 
Reiss, Fräulein Anna, 
Staudt, Dr. med. J., pract. Arzt. 
Thorbecke, Julius, Fabrikant. 

Marbach a. N. (Württemberg). 
Haffner, Traugott, Stadtschultheiß, 

25* 



-^ 46 +^- 



Marburg i/Hessen. 

Budde, Dr. Carl, Professor. 

Cohen, Dr. H., Professor, Geh. Rat. 

Elster, Dr. Ernst, Professor. 

Fraenkel, Stud. phil. Fritz. 

Germanistisches Seminar der Uni- 
versität. 

Gymnasium, Königliches. 

Hartwig, Dr. O., Geh. Rat. 

Kühnemann, Dr. phil. E., Professor. 

Rade, Dr. Martin, Pfarrer. 

Rathke, Dr., Professor. 

Reissert, Dr. Arnold, Professor, 
Regierungsrat a. D. 

Souchay, C. C., Gutsbesitzer. 

V. Sybel, Ludwig, Professor. 

Universitäts-Bibliothek, Kgl. 

Varrentrapp, Dr. C., Professor. 

Vogt, Dr. Friedrich, Professor. 

Wenck, Dr. C., Professor. 

Wentzel, Dr. phil. Georg, Professor. 

V. Weyrauch, Dr., Unterstaats- 
Secretär a. D., Wirkl. Geh. 
Rat, Exe. 

Marienfelde b/Berlin. 
Heine, Franz. 

Marienwerder (Westpreussen). 
Lewald, Dr. Otto, Reg.-Rat. 

Markowitz (Provinz Posen), 
von Wilamowitz-Möllendorf, Frei- 
herr, Kgl. Kammerherr, Ober- 
präsident a. D., Exe. 

Mechelroda b/Weimar. 
Dyes, Frau Helene, 
Dyes, H., Kapitänleutnant.. 

Meerane i/S. 
Scheitz, Dr. Emil, Apotheker. 

Meiningen 

(Saehsen-Meiningen). 

Baumbach, Dr. Rudolf, Hofrat. 
Martiny, Fr., Kgl. Eisenb.-Director. 
V. Viebahn, Generalmajor. 

Meissen. 

Bibliothek der Kgl. Fürsten- und 
Landesschule. 



Memel. 

Luisen-Gymnasium, Königl. 
Valentin, Richard. 

Meseberg b/Gransee. 
Lessing, Gotthold, Ritterguts- 
besitzer. 

Meseritz (Prov. Posen). 
Pick, Dr. A., Oberlehrer. 

Metz. 

Neuffer, Dagobert, Hofschauspieler, 

Director des Stadttheaters. 
Serlo, Walter, KaiserL Bergmeister. 

Michelbacher Hütte 

b/Michelbach (Nassau). 
Passavant, Frau Adolf. 

Mülhausen i/Elsass. 
Kestner, Dr. Hermann, San.-Rat. 

Mülheim a/Rh. 
Zurhellen, Fräulein Maria. 

Mülheim a/Ruhr. 
Coupienne, Eugen, Lederfabrikant. 
Stinnes, Frau Hugo. 

Müllheim (Baden). 
Wohlgemuth, A., Amtsrichter. 

München. 

Ackermann, Theodor, Kgl. Hof- 
buchhändler. 

Bernstein, Max, Schriftsteller. 

Bickel, Dr. Gust., pract. Arzt. 

V. Bissing, Dr. jur., Freiherr Friedr. 
Wilhelm. 

Bittmann, Friedrich. 

V. Bodman, Freiherr J. Ferd., 
Grossh. Badischer Gesandter. 

Bronsart v. Sehellendorf, Kammer- 
herr, Wirkl. Geh. Rat, Exe. 

V. Bürkel, Ludwig, Kgl. Bayer. 
Ministerial-Director. 

Cassirer, Dr. phil. Ernst. 

Cornelius, Dr. Hans, Professor. 

V. Dursy, Kaiserl. Ministerialrat. 

Dyck, Dr. Franz, praet. Arzt. 

Eisenlohr, Dr. med. Ludwig. 

Fränkel,Dr.Ludwig,Kgl. Reallehrer. 

V. Gietl, Ritter Max, Ministerialrat. 

Göppinger-Meebold, Frau Adelheid. 



— &f 47 +^— 



München. 

Grätz, Dr. Leo, Universitäts-Prof. 

Guggenheimer, Fräulein Hedwig. 

Haaser, Ernst, Journalist. 

Hanfstängl, Edgar, Hofrat. 

V. Hausmann, Frau Justizrat Betty. 

V. Hertz, Frau Prolessor Kitty. 

Heyse, Dr. Paul. 

Hof- und Staatsbibliothek, Kgl. 

Kappelmeier, Georg, Brauerei- 
Director. 

Klarmann, J., Oberstleutnant a. D. 

Lehner, Johann, Director der Bayer. 
Notenbank. 

Lehrerbibliothek, Städtische. 

V. Marogna, Graf. 

V. Mayer, Dr. Carl, Kgl. Staatsrat. 

Muncker, Dr. Franz, Professor. 

V. Naegeli, Frau verw. Professor 
Henriette. 

Oberhummer, Roman. 

Oelschläger, Dr. phil. Hermann. 

Oertel, Heinrich. 

Oldenbourg sen., R., Verlagsbuch- 
händler. 

Paul, H., Professor. 

V. Pechmann, Freiherr Wilhelm, 
Director d. Bayer. Handelsbank. 

V. Perfall, Freiherr, General-Inten- 
dant der Königl. Hofmusik, Exe. 

Petzet, Dr. Erich, Secretär der Kgl. 
Hof- und Staatsbibliothek. 

Quidde, Dr. phil. L. 

V. Ritter, Fräulein Marie. 

Roorda, Stud. phil. Taco Bernhard. 

Savits, Jocza, Oberregisseur des 
Kgl. Hoftheaters. 

Schick, Dr. Jos., Professor. 

Schmidt, Dr. med. Oswald. 

Schubart-Czermak, Frau Dr. Sofie, 
Gelehrten-Wittwe. 

Solbrig, Dr. Veit, K. Ober-Stabsarzt. 

Stauffer, Dr. A., Professor. 

Steiner, Dr. Otto, Professor. 

Stettner, Dr. Thomas, Gymnasial- 
Professor. 

Sulger-Gebing, Dr. phil. Emil, Prof. 
a. d. Kgl. Techn. Hochschule. 

Traube, Dr. Ludwig. 

Universitätsbibliothek, Königliche. 

Urlichs, Dr., Gymnasialprofessor. 

Weingartner, Felix, Hofkapell- 
meister. 

Weinmann, Fritz. 

Weltrich, Richard, Professor an der 
Kriegsakademie. 



Münchenbernsdorf 

(Grossh. Sachsen). 
V. der Gabelentz-Linsingen, Ober- 
leutnant im Königl. Sachs. 
Garde-Reiterregiment. 

Münster i/ Westfalen. 
Andresen, Dr. Hugo, Professor. 
Koepp, Dr. Friedrich, Professor. 
Lüdicke, Max, Eisenbahndirections- 

Präsident. 
Pauhnische Bibliothek, Kgl. 
Rusche, Frau Gertrud. 
Schmedding, Frau Reg.-Rat Laura, 

geb. Hüffer. 
Streitberg, Dr. W., Professor. 

Muhrau b/Striegau i/Sclü. 
V. Kramsta, Fräulein Marie. 

Muskau (Oberlausitz). 
V. Arnim-Muskau, Gräfin, geb. 
Gräfin Bismarck-Bohlen. 

Nastätten (Prov. Nassau). 
Cathrein, Joseph. 

Naumburg a/S. 

Bennecke, Justizrat. 

Bröse, G., Oberlehrer. 

V. Giseke, Freih. Dr. jur. Hermann, 
Landgerichtsrat. 

Kirchner, Fräulein Elisabeth. 

Köster, Dr., Geh. Sanitätsrat. 

Lehmann, Frau Oberlandesgerichts- 
rat. 

Seelmann, Fräulein C. L. Gertrud. 

Neu-Babelsberg b/Berlin. 
Lefson, Frau Anna, geb. Heimann. 

Neudamm N/M. 
V. Uhden, Dr. jur. Richard, Amts- 
richter. 

Neudeck (Schlesien). 
V. Henckel-Donnersmarck, Fürst 
Guido, Durchl. 

Neudietendorf. 

Wenck, W., Prediger. 

Bad Neuenahr. 

Grube, Dr. Karl, Arzt. 



— Ilf 48 +^- 



Neuendorf (Bezirk Köslin). 
V. Osterroht, Gotthilf. 

Neustadt a/Haardt. 
Kern, Frau Anna, Rentnerin. 

Neustrelitz. 

Götz, Dr. G., Obermedicinalrat. 

Nieder-Ingelheim. 

V. Erlanger -Bernus, Frau Baronin. 

Niederlössnitz b/Dresden. 
Schmidt, Rudolph, Rechtsanwalt 
a. D. 

Niederwalluf i/Rheingau. 
Marcuse, H., Consul. 

Niep b/Crefeld. 
Boschheidgen, Dr. jur. Hermann, 
Gerichts-Assessor. 

Nippes b/Cöln a/Rh. 
Nickel, M. Philipp, Kaufmann. 

Nordhausen a/H. 
Gymnasium, Königliches. 
Mylius, L., Landgerichtsrat. 

Nürnberg. 

Bechmann, Dr. jur. Adolf, Amts- 
richter. 

Cohen, Dr. phys. Rudolf. 

Germanisches Nationalmuseum. 

Hopf, Frau Lili, geb. Josephthal. 

Lechner, Dr. Oberstudienrat, 
Gymnasialrector a. D. 

Loether, Konzertmeister. 

Mittelfränkischer Lehrerinnen- 
Verein, 

Ottenstein, Albert. 

Pegnesischer Blumenorden (Literar. 
Verein). 

Putz, Gottfried, Katechet. 

Rau, Rudolf, Rechtsanwalt. 

Stadt Nürnberg. 

Wendriner, Ferd., Kaufmann. 

Haus Nussberg 

b/Niederwalluf a/Rh. 
Magdeburg, Dr. med. W. 

Oberlabnstein (Rheinprovinz). 
Lessing, Anton. 



Oberlössnitz. 

V. Welck, Freiin Anna. 

Obernigk (Bz. Breslau). 
Lewald, Dr., Besitzer der Heil- und 
Pflege-Anstalt für Nerven- und 
Gemütskranke. 

Ober - Sasbach b/ Achern (Baden). 
V. Oettingen, Frau M. 

Ohrdruf. 

Gymnasium Gleichense, Herzogl. 

Oldenburg i/Grossh. 
Bibliothek, Grossherzogliche öffentl. 
Leesenberg, Dr. phil. F. A. 
Mosen, Dr. R., Ober-Bibliothekar. 
Schwartz, A., Hofbuchhändler. 
Wolken, Eberhard, Kaufmann. 

Ostenwalde b/Melle. 
Bibliothek Ostenwalde. 

Osterode (Ost-Preussen). 
Bibliothek des Gymnasiums. 

Pankow b/Berlin. 
Ehestaedt, Dr. Paul. 

Partenkirchen. 

Levi, Frau verw. General-Musik- 

director. 
Mayer-Doss, Georg Ludwig. 

Peiskretscham O./S. 
Mindner, Frau Dr. Frida, geb. Vogel. 

Pfaffendorf a/Rhein. 
Martini, Dr. phil. A. 

Pforzheim. 

Bissinger, C., Gymnasial-Director. 
Fischer, Dr. Franz, Director der 

Irrenanstalt. 
Waag, Alfred, Architect, Director 

der Kunstgewerbeschule. 

Gut Piontken, Kreis Darkehmen 

(Ost-Preussen). 
Reimer, Rieh., Major a. D. 

Plagwitz b/Leipzig. 
Keil, Dr. phil. Alfred. 



— 4* 49 ^— 



Plauen i/Sachsen. 
Erbert, Dr. jur. Karl, Referendar. 
Hofmann-Stirl, Frau Hofrat Pro- 
fessor Helene, Kammersängerin. 

Posen. 

Gesch, Paul, Oberregierungsrat. 
Kaiser Wilhelm-Bibliothek. 
Kantorowicz, Frau Helene Lina. 
Klein, Dr. phil. Otto, Königl. 

Gewerbeinspektor. 
Licht, Dr. jur., Referendar. 
Lissner, Frau Julie. 
Minde-Pouet, Dr. phil. Georg. 
Pietrkowski, Dr. jur. Edmund. 

Potsdam. 

Bertz, Eduard, Schriftsteller. 

V. Gersdorft", Fräulein, Hofdame 
L M. ' der Deutschen Kaiserin. 

V. Humboldt-Dachroeden, Freiherr 
Bernhard , Ober-Leutnant im 
I. Garde-Regiment. 

Krüger, Frau Geh. Baurat, Pro- 
fessor Hedwig. 

V. Moltke, F., Regierungspräsident. 

V. Moltke, Frau Regierungspräsident 
Julia, geb. Zuckschwerdt. 

Prietzen b/Bernstadt (Schlesien). 
Hoffmann, Frau Geh. Rat. 

Quedlinburg. 

Tappert, Dr. Wilhelm, Oberlehrer. 

Rathenow. 

Rhein, Frau Clara. 

Ratzeburg (Lauenburg). 
Wassner, Dr. Julius, Gymnasial- 
director. 

Rawitsch (Posen). 
Linz, Max, Fabrikbesitzer. 

Rehnsdorf b/Elstra (Sachsen). 
V. Boxberg, Georg, Ritterguts- 
besitzer. 

Reichenbach i/Schlesien. 
Preu, Dr. med., Sanitätsrat. 

Remagen a/Rh. 
Linden, Fräulein Lina, Pensionats- 
Vorsteherin. 



Reutlingen. 

Kusel, Fräulein Lucie. 

Risstissen b/Ulm a/D. 
Schenck v. Stauffenberg, Freiherr 
Franz. 

Rostock i/Mecklenburg. 
Kern, Dr. Otto,Univers.-Professor. 
Stiller'sche Hof- und Universitäts- 
Buchhandlung. 
Universitäts-Bibliothek, Grossh. 
Wilbrandt, Dr. Adolf. 

Rotenburg i/Hannover. 
Boehrs, Dr. D., Kreisphysikus, 
Sanitätsrat. 

Rothestein, Schloss b/Allendorf 
(Werra). 
V. Knoop, Frau L. 

Rudolstadt. 

Bibliothek, Fürstl. öffentliche. 

Saarbrücken. 

Gymnasium, Königl. 

Satzkorn b/Potsdam. 
Brandhorst-Satzkorn, W., Ritter- 
gutsbesitzer. 

Schede b/Wetter a/Ruhr. 
Harkort, Frau Commerzienrat P. 

Schkeuditz. 

Schäfer, F. W. E., Buchhändler. 

Schleiz. 

Paetz, G., Kammerpräsident. 

Schleswig. 

Bergas, Julius, Buchhändler. 
Hoe'sche Bibliothek. 

Schlettstadt. 

Kapff, Dr., Stabsarzt. 

Schlitz (Oberhessen). 

Görti V. Schliti, Graf, Erlaucht. 

Schlobitten i/Ostpreussen. 
zu Dohna, Frau Fürstin Emmy. 



50 -4— 



Schmalkalden. 

Scheller, Fabrikbesitzer. 

Schmargendorf b/Berlin. 
Martersteig, Max, Theaterleiter u. 
Schriftsteller. 

Schnepfenthal b/Waltershausen. 
Ausfeld, Dr. Wilhelm, Schulrat. 

Schömberg. 
(O.-A. Neuenbürg.) 
Elven, Frau Anni. 

Schönebeck b/Magdeburg. 
Mann, Curt, Kaufmann. 
Saalwächter, Otto, Fabrikbesitzer. 

Schöneberg b/Berlin. 

Gerstäcker, Otto , Amtsgerichts- 
rat z. D. 
Houben, Dr. Heinr. Hub. 

Schreitlaugken b/Willkischken 

i/Ostpreussen. 

V. Dressler, Frau, geb. v. Sauden. 

Schulpforta. 

Kettner, Dr. Gustav, Professor. 

Landesschule, Königliche. 

Muff, Dr., Professor, Rector der 

Landesschule. 
Schoeps, Dr. Richard, Oberlehrer. 
Schreyer, Dr. Hermann, Professor. 
Siefert, Dr. Georg, Oberlehrer. 
Zimmermann, Justizrat, Procurator 

der Landesschule. 

Schulzendorf b/Eichwalde. 
Israel, Frau Bianka. 

Schweizerthal i/Sachsen. 
Kressner, Wilhelm, Fabrikbesitzer. 

Schwenda b/Stolberg a/Harz. 
Hausmann, J., Pastor. 

Schwerin i/M. 

Friede, Fräulein Lucie. 

V. Ledebur, Freiherr, Kammerherr, 
General - Intendant des Hof- 
theaters. 

Müller, Dr. phil. Walter. 



Schwerin i/M. 

V, Prollius, Jaspar, Ministerialrat 
im Grossherzogl. Mecklenb.- 
Schwerin. Finanzministerium. 

Schröder, Dr., Geh. Regierungsrat. 

Schwerstedt b/Weimar. 
V. Helldorft", Carl, Kammerherr, 

Rittmeister a. D., Rittergutsbes. 
V. Helldorff, Frau Ilse, geb. 

V. Helldorff. 

Seesen a/Harz. 
Philippson, Dr. phil. Emil,Professor, 
Director der Realschule. 

Sillraenau, Post Kattern. 
Lewald, Georg, Rittergutsbesitzer. 

Sondershausen. 

Budde, Frau Geh. Staatsrat. 

V. Gerber, Frau Staatsminister, Exe. 

Sorau N/L. 
Lorentz, Dr. phil. Paul, Gymnasial- 
Oberlehrer, 

Spandau. 

V. Lüdinghausen -Wolff, Baron, 
Generalmajor undKommandeur 
d. 5. Garde-Infanterie-Brigade. 

Speyer a/Rhein. 
Heydel, J., Kgl. Regierungsrat. 
Müller, Ludw., Kgl. Regierungsrat. 

Steglitz b/Berlin, 
V. Biedermann, Freih. F. W. 
Hartmann, Dr. phil. Hugo. 
Hoffmann, Dr. Otto, Professor, 

Gvmnasial-Oberlehrer. 
Paulsen, Dr. Friedrich, Professor. 
Schubart, Dr. Wilhelm, Directorial- 

Assistent bei den Kgl. Museen. 
Schwarz, Arthur, Director. 
Siehe, Siegfried, Hofrat. 
Todt, Carl, Gymnasial-Oberlehrer. 

Stettin. 

Jobst, R., Professor. 
Keddig, C. A., Director. 
Klauwell, Rudolf, Kaufmann. 
Kurtz, Frau Kaufmann Reinhold. 



— &* 5 1 •*^— 



Stettin. 

May, Rudolf, Kaufmann. 
Meister, Ernst, Rechtsanwalt. 
Preusser, Fräulein Marie. 
Schleich, Dr. med. Karl Ludwig, 

Sanitätsrat. 
Schultz, Fräul. H., Schulvorsteherin. 
Steffen, Frau Dr. Sanitätsrat P. 

Stolberg i/Harz. 

Albrecht Ilger, Prinz zu Stolberg- 
Stolberg, Durchlaucht. 

Bode, Fritz, Fürstl. Stolbergscher 
Kammerdirector. 

Stolno, Post Klein-Czj'Ste. 
(Kreis Kulm i/\Vestpreussen.) 
Strübing, Fräulein Frieda. 

Stolp (Pommern). 
Bibliothek des Kgl. Gymnasiums. 
Pickert, W., Gymnasial-Oberlehrer 
und Bibliothekar. 

Stralsund. 

Baier, Clemens, Rathsherr. 
Treutier, Ludwig, Theaterdirector. 
Wendortf, Landgerichts-Präsident. 

Strasburg W/Pr. 
Gymnasium, Königliches. 

Strassburg i/Elsass. 

Curtius, Dr., Kreisdirector. 

Engel, Josef, Theaterdirector. 

Friedländer, Dr. Ludwig, Professor, 
Geh. Rat. 

Henning, Dr. R., Professor. 

Lenel, Dr. phil. Walter. 

Martin, Dr. Ernst, Professor. 

Peschel, Franz, Schauspieler, Mit- 
glied des Stadttheaters. 

Robertson, Dr. John G., Professor. 

v.Schraut,Unterstaats-Secretär,Exc. 

Seminar für deutsche Philologie. 

Stilling, Dr. J., Professor. 

Trübner, Karl J., Verlagsbuch- 
händler. 

Universitäts- u. Landesbibliothek, 
Kaiserliche. 

Ziegler, Dr. Theobald, Professor. 

Straubing (Niederbayern). 
Bibliothek des Gvmnasiums. 



Stuttgart. 

Abert, Hofcapellmeister. 

Bacher, Dr. jur. Albert, Amtsrichter. 

Becher, Fräulein Emmy. 

Bibliothek der Kgl. Technischen 
Hochschule. 

V. Budberg, Kais. Russ. Gesandter, 
Wirkl. Staatsrat, Exe. 

Cottasche Buchhandl. Nachf , J. G. 

Deahna, Dr., pract. Arzt, Hofrat. 

V. Donndorf, A., Professor. 

Gerok, Dr. Christoph, pract. Arzt. 

Gerschel, Oskar, Antiquar und 
Buchhändler. 

Güntter, Otto, Professor. 

Güntter, Frau Professor. 

Hammer, Dr. med. Friedrich, prakt. 
Arzt. 

Hartmann, Dr. Julius, Professor, 
Oberstudienrat. 

Haude, Fräulein Pauline. 

Haussmann, Conrad, Rechtsanwalt. 

V. d. Hellen, Dr. Eduard. 

Krabbe, C, Verlagsbuchhändler. 

Kröner, Adolf, Verlagsbuchhändler, 
Geh. Commerzienrat. 

Kurtz, Paul, Commerzienrat. 

Kurtz, Frau Commerzienr. Thekla. 

Landesbibliothek, Königl. 

Lang, Dr. Wilhelm. 

V. Mayer, Paul, Ober-Reg.-Rat. 

Müller, Gustav, Kaufmann. 

Müller-Palm, Adolf, Professor. 

Museums-Gesellschaft. 

Proelss, Johannes, Redacteur. 

Rominger, Nathanael, Commer- 
zienrat. 

Rommel, Dr. Otto. 

Schall, Dr. Richard, Rechtsanwalt. 

Schoenhardt, Dr., Generalstaatsan- 
walt. 

Schott, Frau Amalie. 

V. Siegle, Dr. Gustav, Geh. Com- 
merzienrat. 

V. Soden, Frh. J., Staatsminister 
des Aeussern, Exe. 

Spemann, W., Verlagsbuchhändler, 
Geh. Commerzienrat. 

V. Steiner, Dr. K., Director, Geh. 
Commerzienrat. 

Stockmayer, M. E., Gemeinderat. 

Straub, Dr. L. W., Oberstudienrat. 

Ulrich, Gustav, Privatier. 

V. Vellnagel, Frau Geh. Hofrat 
Charlotte. 

Vetter, Leo, Geh. Hofrat. 



-^ 52 ■^- 



Stuttgart. 

V. Westenholz, Freiherr, Dr.Friedr., 

Professor. 
Wildermuth, Dr. H. A., Sanitätsrat. 
V. Zeller, Dr. Eduard, Professor, Exe. 

Sulzbach. 
(Kr. Saarbrücken, Reg.-Bez. Trier.) 
Vopelius, Carl, Fabrikant. 

Sunder bei Winsen a/Aller. 
V. Schrader, Fräulein L. 

Tangerhütte b/Magdeburg. 

V. Arnim, Frau Marie. 

Tempelhof b/Berlin. 
Werner, Dr. R., Professor. 

Thalstein b/Jena. 
V. Tümpling, Kaiserl. Legations- 
rat a. D. 

Tiefurt b/Weimar. 
Graness,Kammergutspächter,Ober- 
amtmann. 

Torgau. 

Suchsland, Adolf, Landgerichts- 
director. 

Trachenberg (Schlesien). 
V. Hatzfeld, Frau Herzogin, Durch- 
laucht, geb. Gräfin v. Bencken- 
dorff. 

Trier. 
Broicher, Frau Elise, geb. Vischer. 

Tübingen. 

Fischer, Dr. Hermann, Professor. 
Froriep, Dr. August, Professor. 
Geib, Frau Professor L. 
Geiger, Dr. Karl, Oberbibliothekar. 
V. Hüfner, Dr. G., Professor. 
Jacob, Dr. Carl, Privatdocent. 
Oesterlen, Dr. O., Professor. 
V. Sigwart, Dr., Professor, Staatsrat. 
Spitta, Dr., Professor. 
Universitäts-Bibliothek, Königliche. 
Vöchting, Dr. H., Professor. 

Rittergut Uhenfels b/Urach 

(Württ.). 
Warburg, Georges S. 



Rittergut Ulbersdorf i/Sachsen. 
V. Gontard, Alexander. 

Urach (Württemberg). 
Klüpfel, Dr. med. R., Sanitätsrat. 

Vegesack b/Bremen. 
Werry, Ferdinand, Professor. 
Wilmanns, Dr. med. Georg. 

Vieselbach. 

Starcke, Dr. med., Medicinalrat. 

Vogtshof (Herrnhut) Sachsen. 
Bertram, M., Fabrikdirector. 

Vohwinkel (Rheinprovinz). 
Stinnes, Dr. jur. Heinrich. 



Wandsheck. 



Gyr 



Wannsee b/Berlin. 
Feist, Frau Hermine. 
Hirschfeld, Philipp. 
V. Siemens, Arnold. 
V. Siemens, Frau Ellen, geb. 
V. Helmholtz. 

Warmbrunn. 

Oppen, Frau Major Olga, geb. 
V. Woyna. 

Weilburg a/Lahn. 
Bibliothek der Landwirthschafts- 
Schule. 

Weimar. 

Alt, Dr. Carl. 

Alt, Frau Marie. 

Aulhorn, Max, Major z. D. 

Behrend, Frau Martha. 

V. ßessel, Else, Stiftsdame. 

Bode, Dr. Wilhelm, Schriftsteller. 

Böhlau, Frau Therese, geb. Thon. 

Boekmann, Dr. Otto, Rentner. 

V. Bojanowski, P., Geh. Hofrat, 
Oberbibliothekar. 

V. Boineburg- Lengsfeld, Freiherr 
Botho, Geh. Regierungs-Rat, 
Kammerherr. 

V. Bothmer, Gräfin E., Oberhof- 
meisterin, Exe. 



^ 53 ^- 



Weimar. 

V. Brandt, Wirkl. Geheimer Rat, 
Kaiserl. Gesandter a. D., Exe. 

V. Brandt, Frau Wirkl. Geh. Rat. 

Burkhardt, Dr. H., Geh. Hofrat, 
Archivdirector. 

Busch, Frau Wirkl. Geh. Rat 
Margarethe, Exe. 

Caro, Dr. G., Oberlehrer am Real- 
gymnasium. 

V. Conta, Dr. med. A., Staatsrat. 

V. Conta, Erich, Landesbank- 
Direktor, Kammerherr, Ritt- 
meister a. D. 

Deinhardt, Frau Dr. Marie. 

Deinhardt, Fräulein Therese. 

Demmering, Gerhard, Verlagsbuch- 
händler. 

Devrient, Dr. phil. H., Oberlehrer 
am Gymnasium. 

Donndort, Dr. M., Bürgermeister. 

Drescher, Oscar, Theaterdirector. 

Eelbo, Bruno, Baurat. 

von und zu Egloffstein, Reichs- 
Freiherr, Dr. phil. Hermann, 
Kammerherr, Cabinetssecretär 
Sr. K. H. des Grossherzogs von 
Sachsen. 

V. Eichel, Karl, Kammerherr, Hof- 
marschall. 

Ernst, H., Pfarrer, 

Fleischer, Fr., Kunstmaler, Pro- 
fessor. 

Förster - Nietzsche , Frau Dr. 
Elisabeth. 

Francke, Fräulein Marie. 

Francke, Dr. Otto, Professor, Ober- 
lehrer am Gymnasium. 

Frede, Ferdinand, Finanzrat. 

V, Freytag - Loringhoven, Freiin 
Maria. 

V. Freytag - Loringhoven, Freiin 
Mathilde. 

Friedlaender, Dr., Director der 
Norddeutschen Grund -Credit- 
bank. 

Froriep, Fräulein Clara. 

Geister, Carl, Rentier. 

V. Goeben, August, Kammerherr. 

V. Goeben, Frau Marie. 

V. Goeckel, Regierungsrat. 

Graf, Dr. phil. Hans Gerhard. 

Gräfe, Frau verw.Geh. Medicinalrat. 

V. Gross, Dr. R., Freiherr, Wirkl. 
Geh. Rat, Staatsminister a. D., 
Excellenz. 



Weimar. 

V. Gross, Freiin Melanie. 

Gumprecht, Dr., Professor, Medi- 
cinalrat. 

Guyet, Frau verw. Geh. Staatsrat 
Ada. 

Guyet, Hans, Referendar. 

Haberstolz, Dr. med. A., pract. Arzt. 

V. Hanneken, Fräulein Minnette. 

Hardtmuth, Frau, verw. Fabrikbes. 
Charlotte, geb. Voelkel. 

Härtung, Albert, Verlagsbuch- 
händler. 

Haussknecht, Karl, Hofrat. 

Hecker, Dr. phil. Max F. 

Heine, Dr., Geh. Reg.-Rat. 

Heinemann, Hofrat. 

Heinrich, Frau Amalie. 

Hertel, Friedrich, Hofphotograph. 

Hertz, Dr., Professor. 

Heydenreich, Dr. jur. Robert, Re- 
gierungsrat. 

Hörschelmann, A., Rechnungsrat. 

V. Hörn, Regier. -Präsident a. D. 

V. Hörn , Frau Regier.-Präsident. 

Hotzel, Dr. med. Arno, Augenarzt. 

Hummel, Karl, Professor. 

Hunnius,Dr.jur.Joh.,Geh.Staatsrat. 

Hüttenrauch, Paul, Bürgerschul- 
lehrer. 

Jansen, Grossh. Oldenburg, Staats- 
minister a. D., Exe. 

Johnson, Kunstmaler. 

Isles, Miss Alison. 

Kamprath, Rudolf, Pfarrer em. 

Kessler, Graf Harry. 

V. Klitzing, Frau Math. 

Knopf, Frau Medicinalrat Marie. 

Krause, O., Kanzleirat. 

Krehan, Arno, Kaufmann, 

Krieger, Fräulein Karoline. 

Kriesche, E., Ober-Baurat. 

Krumbholz, Dr., Regierungs- und 
Schulrat. 

Küchling, Robert, Geh. Hofrat, 

Kuhn, Dr. jur. K., Geh. Staatsrat. 

Kuhn, O., Geh. Finanzrat. 

Lämmerhirt, Dr. phil. Gustav. 

Lämmerhirt, Hugo, Oberlehrer am 
Gymnasium. 

Lämmerhirt, Frau verw. Hof- 
lieferant Martha, geb. Heller. 

Lassen, Dr. Eduard, General- 
Musikdirector z. D. 

V. Lengefeld, Fräul. Dr. phil. Selma. 

Löbbecke, Ad., Rentner. 



—-^ 54 ^— 



Weimar. 

Löser,Marie, Pensionatsvorsteherin. 

Lützeler, Dr. Rechtsanwalt, Director 
der Norddeutschen Grund- 
Creditbank. 

V. Maercken zu Geerath, Freiherr, 
Oberst und Regiments - Com- 
mandeur. 

V. Medem, Frau Gräfin Meta, geb. 
Gräfin Modem. 

Meinhardt, Dr. Paul, Oberlehrer am 
Gymnasium. 

Mensing, Wilhelm, Privatier. 

Merian, Frau Dr. Emilie. 

V. Meyendorff, Frau Baronin, Exe. 

Mirus, Dr. A., Schriftsteller, Com- 
missionsrat. 

Moritz, Dr. jur. R., Commerzienrat. 

Mosebach, Frau Ida. 

V. Müller, Königl. Preuss. Ge- 
sandter, Exe. 

Müller, Theodor, Hofjuwelier. 

Müllerhartung, Karl, Professor, 
Geh. Hofrat. 

V. Müller-Schubert,Frau, geb. Gräfin 
V. Bothmer. 

Mumssen, Frau Alice. 

Naumburg, Dr. P., Staatsanwalt. 

Nebe, Dr. jur. Karl, Geh. Finanz- 
rat. 

Niemeyer, Fräulein Betty. 

Obrist, Dr. phil. A., Königl. Hof- 
kapellmeister. 

Obrist - Jenicke, Frau H., Ehren- 
mitglied des Hoftheaters. 

Ohmann, Fräulein Anna. 

V. Palezieux-Falconnet, General- 
leutnant u. General-Adjutant Sr. 
K. H. d. Grossherzogs v. Sachsen, 
Oberhofmarschall, Exe. 

V. Pappenheim, Fräulein Jenny, 
Stiftsdame. 

V. Pfannenberg, Frau Major. 

Pfeiffer, Dr. Ludwig, Geh. Hof- u. 

Medicinalrat. 
Philipps, Miss. 
Preller, Frau Professor. 
Redslob, Dr. Ernst, Professor, 

Oberlehrer am Gymnasium. 
V. Reitzenstein, Freiherr, Kgl. Säch- 
sischer Gesandter. 
Rothe, Dr. K., Wirkl. Geh. Rat, 

Staatsminister, Exe. 
V. Rott, Fräulein Amelie. 
Ruickold, Dr. med. W., praet. 
Arzt. 



Weimar. 

Ruland, Dr. C., Geh. Hofrat, 
Director des Grossherzoglichen 
Museums und des Goethe- 
National-Museums. 
Sältzer, O., Staatsrat. 
Sandvoss, Dr. Franz, Schriftsteller. 
Schäffer, Fräulein Helene. 
Scharf von Gauerstedt, Ritterguts- 
besitzer. 
Scheidemantel, Dr. E., Oberlehrer 

am Gymnasium. 
Schlaratfia »Vimaria«. 
V. Schließen, Graf Viktor, Haupt- 
mann, Flügeladjutant Sr. K. 
H. des Grossherzogs v. Sachsen. 
Sehmid, Dr. jur. J., Geh. Reg.-Rat. 
Schmid, Otto, Rentner. 
SehöU, Fräulein Louise, 
v. Scholz, Dr. Wilhelm, Schrift- 
steller. 
Schomacker, Karl, Oberlehrer. 
Sehomburg, Fräulein Doris, Stifts- 
dame, 
v. Sehorn, Frl. Adelheid, Stiftsdame. 
Schüddekopf, Dr. Carl, Assistent 
am Goethe- u. Schiller-Archiv. 
Schütz, Frau Rat Selma. 
Schwabe, Dr. B., General-Oberarzt 

z. D. 
V. Sehwendler, Fräulein E. 
Schwier, K., Photograph. 
Seebach, Fräulein Wilhelmine 

(Marie Seebaeh-Stift). 
Slevogt, Dr. K., Geh. Reg.-Rat. 
Slevogt, Geh. Finanzrat. 
Sophienstift. 

Spielberg, Rudolf, Rentner. 
Spinner, Dr. theol, Oberhofpre- 
diger, Kirchenrat. 
Stapff; A., Rechtsanwalt, Justizrat. 
Steinhäuser, Theod., Director. 
Stichling, Fräulein L., Stiftsdame. 
Stollberg, J., Geh. Finanzrat a. D. 
v. Strauch, Frau Wirkl. Geh.-Rats- 

Wwe., Elisabeth, Exe. 

Suphan, Dr. Bernhard, Professor, 

Geh. Hofrat, Director des 

Goethe- und Schiller-Archivs. 

v. Taube von der Issen, FrauBaronin. 

Teichmann, Paul, Amerikan. Vice- 

konsul. 
Thelemann, Ludwig, Hof-Bueh- 

händler. 
v. Thüna, Dr., Freiherr, Bezirks- 
director a. D. 



-^ 55 ^— 



Weimar. 

Toepffer, Fräulein Maria. 
Treflftz, Dr. J., Archivar am Geh. 

Haupt- und Staatsarchiv. 
Trümpier, Frau Anna L. 
Uschmann, Ernst, Buchdruckerei- 
besitzer. 
V, denVelden, Dr., Landschaftsmaler. 
V. Vignau, H., Kammerherr, Major 

z. D., General-Intendant des 

Grossh. Hoftheaters und der 

Hofkapelle. 
V. Vignau, Frau Margarethe. 
Voigt, Heinr., Verlagsbuchhändler. 
Vulpius, Fräulein Helene. 
Vulpius, Dr. Walther, A>it. 
Wächter, Frau Justizrat Bertha. 
Wähle, Dr. Julius, Archivar am 

Goethe- und Schiller-Archiv. 
Walter, Dr. Karl, Oberlehrer am 

Gymnasium. 
V. Wasmer, Fräul. Fliese, Stiftsdame. 
Weber, Dr. H., Geh. Hofrat. 
Wedekind, Frau Reg.-Rat-Wwe. G. 
V. Wedel, Graf O., Wirkl. Geh. Rat, 

Oberschlosshauptmann, Exe. 
V. Wedel, Frau Gräfin, Exe. 
Weniger, Dr. L., Professor, Geh. 

Hofrat, Gymnasialdirector. 
Weniger, Fräulein Elisabeth. 
V. Werthern - Beichlingen, Frau 

Gräfin, Exe. 
Wette, Dr. med. Theodor. 
V. Wilamowitz-Möllendorff, Tello, 

Oberstleutnant z. D. 
Woltersdorf, Pastor em. 
V. Wurmb, Wirkl. Geh. Rat, Exe. 
Zeller, Heinrich, Kammersänger. 
V. Ziegler u. Klipphausen, Erwin, 

Oberleutnant, Bat. Adjutant. 
Zinner, Frau Pfarrer. 

Weinheim (Baden). 
Goebel, Dr. phil., Gymnasial-Ober- 
lehrer a. D. 

Weinsberg (Württbg.). 
Schnitzer, Hans, Sekretär. 

Weissenfeis a/S. 
Flitner, Dr. med. Fritz, pract. ArzL 

Rittergut Wendischbora, 

Post Nossen (Königr. Sachsen). 

V. Wöhrmann, Freiherr Heinrich. 



Wennigsen a/Deister. 
Krogmann, Ernst Rudolf, Amts- 
richter. 

Wernigerode. 

Harnack, Frau Professor Dr. H., 
geb. V. Maydell. 

Henkel, Dr., Professor, Gymnasial- 
director a. D. 

zu Stolberg- Wernigerode, Fürst, 
Durchlaucht. 

Westend b/Charlottenburg. 

Roethe, Prof., Dr. 

Sehermann, Leo, Kursmakler. 

Sydow, Frau Elisabeth, geb. Fuhr- 
mann. 

V. Wilamowitz-Möllendorf, Frau 
Professor. 

Wiesbaden. 

V. Bylandt-Rheydt, Graf. 

V. Crüger, G., Generalleutnant 

z. D., Exe. 
Frank, Dr. Georg, Doeent. 
Fresenius, Frau Geh. Hofrat A, 
Gecks, Leonhard, Buchhändler. 
Grünhut, Dr. Leo, Doeent am 

chemischen Laboratorium. 
Guttmann, Rechtsanwalt. 
Hobreeker, Frau Hermann. 
Konopacka, Fräulein Anna. 
Landesbibliothek, Kgl. 
Pfeiffer, Dr. Emil, Geh. Sanitätsrat. 
Schieiden, Fräulein E. 
Schubert, E., Geh. Justizrat. 

Wismar. 

Baltzer, Dr. phil. August. 

Wittenberg. 

Guhrauer, Gymnasialdirector. 

Wohlau i/Schl. 
Arlt, Albreeht, Professor, 

Wolfenbüttel. 

Ehrhardt, M. 

Worms. 

Bibliothek des Paulus-Museums. 
Heyl zu Herrnsheim, Freiherr. 
Reinhart, Frau Nieolaus. 

Würzburg. 

Hess, Dr. Carl, Prof., Augenarzt. 

Kraus, Dr. Gregor, Professor, 

Director d. botan. Gartens. 



—4^ 5^ ^ — 



Würzburg. 

Lazarus, Lud\v.,Verlagsbuchändler. 

Petsch, Dr. Robert, Privatdocenl. 

Polytechnischer Centralverein für 
Unterfranken. 

Prym, Dr. Friedrich, Professor. 

Roetteken, Dr. Hubert, Professor. 

Schönborn, Dr., Professor, Geh. 
Medicinalrat. 

Stahel, Oscar, Kgl. Hof- und Ver- 
lagsbuchhändler. 

Türkiieim, Leo, Professor. 

Universitäts-Bibliothek, Königliche. 

Wüstegiersdorf. 

Kauffmann, Wilhelm, Fabrik- 
besitzer. 

Dominium Zakrzewo 
b/Wytaszyce (Provinz Posen). 
Garst, Frau Dr. Martha, geb. Prings- 
heim. 

Zehlendorf (Kr. Teltow). 

Laubhardt, E., Amtsgerichtsrat. 
Laehr, Dr. Hans, Aril. 
Moebis, Fräulein Glara. 
Wolff, Fritz, Student. 



Zeitz. 

Stifts-Gymnasium, Königl. 

Zittau i/Sachsen. 
Münch, Hugo, Nordamerik. Consul. 
Neumann, Dr. phil. Alfred, Real- 

gymnasial-Oberlelirer. 
Oppermann, Dr. jur. Johannes, 

Rechtsanwalt und Notar. 
Stadthibliothek, öffentliche. 
Stumme, Dr. med. Emmerich 

Gerhard. 
Wolft", Eduard. 

Zwätzen (Grossh. Sachsen). 
Graefe, Max, Kammergutspächter. 

Zweibrücken (Pfalz). 
V. Bobics, Baron E., Gutsbesitzer. 
Cullmann, Friedrich. 
Henigst, Oscar, Kaufmann. 

Zwickau. 

Becker, Erwin Joh. 

Goethe-Verein. 

Kellner, Dr. phil. H. C., Professor 

und Gymnasial-Oberlehrer. 
Rathsschul-Bibliothek. 



ÖSTERREICH- UNGARN. 



Aussig (Böhmen). 
Wolfrum, C., Fabrikant. 

Baden b/Wien. 

V. Castella, Frau Emma, geb. Gräfin 
Zierotin. 

Landes -Real- und Ober- Gym- 
nasium, Nieder-Österreichisches. 

Rollett, Dr. Hermann, Stadtarchivar 
und Museums-Custos. 

Blansko (Mähren). 
Salm, Fürst Hugo, Durchlaucht. 

Braunau (Böhmen). 
Langer, Dr. Eduard J. U., Landes- 
advocat und Landtagsabgeord- 
neter. 

Brunn. 

Franzens-Museum. 



Budapest. 

Baracs, Karl, Ligenieur. 
v. Benczür, Frau Director Gyula. 
Elischersche Goethesammlung. 
Engel, Emil, Kaufmann. 
Heinrich, Dr. Gustav, Professor. 
jägermeyer, Frau Attna. 
Kornfeld, Sigmund, Director der 
Ungarischen Allgem. Creditbank. 

Carlsbad (Böhmen). 
Feller, Hans, k. u. k. Hofbuch- 

händler. 
Stadtgemeinde. 

Czernowitz. 

Paschkis, Dr. Moritz, Director der 
Bukowinaer Boden-Credil-Anst. 
Staats-Obergymnasium, K. K. 
Universitäts-Bibliothek, K. K. 

Eger (Böhmen). 
Stadt Eger. 



-^ 57 ^- 



Elbogen (Böhmen). 
Richter, Dr. Rudolf, Professor. 

Friedland b/Mistek (Mähren). 
Swoboda,KarI,MagisterPharmaciae. 

Gaya (Mähren). 
Koch, Dr. Carl, Advocat und 
Bürgermeister. 

Görz. 

Lacroma, Frau Paul Maria, Schrift- 
stellerin. 

Graz. 

Adamek, Dr. Otto, Professor, 
V. Attems, Dr., Graf Ignaz. 
V. Attems, Frau Gräfin Rosa. 
V. Gnad, Dr. Ernst, Ritter, K. K. 

Landesschul-Iaspector a. D., 

Hofrat. 
Hofmann, Dr. Karl B., Professor. 
Landes-Bibliothek,Steiermärkische. 
Landes-Oberrealschule. 
Mack, Fräulein Marianne. 
Prem, Dr. S. M., Professor am 

II. Staatsgymnasium. 
Schlossar, Dr. Anton, Kaiserl. Rat, 

Gustos der K. K. Universitäts- 
Bibliothek. 
Seminar für deutsche Philologie an 

d. K. K. Karl-Franz-Universität. 
Seuffert, Dr. Bernhard, Professor. 
Strzygowski, Dr. Jos., Univers. - 

Professor. 
Universitäts-Bibliothek, K. K. 

Gries b/Bozen (Tyrol). 
Jansen, Dr. phil. A., Professor. 

Güns (Ungarn). 
V. Hornau, Ritter Carl Gerbert, 
Major,Commandant der Militär- 
Unterrealschule. 

Hermannstadt. 

Baron Samuel v. Brukenthalsches 
Museum. 

Innsbruck (Tyrol). 
Loewit, Dr. Moritz, Professor. 
Staats-Gymnasium, K. K. 
Wackerneil, Dr. Jos. E., Professor. 



Erakau. 

Creizenach, Dr. Wilhelm, Professor. 
V. Gorski, Dr. phil. Konstantin. 
Seminar, germanistisches, an der 
K. K. Universität. 

Schloss Kratenau (Böhmen). 
V. Liebieg, Frau Baronin Alice. 

Krems a/Donau. 
Nieder-Oesterr. Landes-Oberreal- 
schule. 

Kronstadt (Siebenbürgen). 
V. Trauschenfels, Dr. Eugen, K. K. 
Hofrat, Oberkirchenrat. 

Krumpendorf b/Klagenfurt. 
Rauscher v. Stainberg, Eduard. 

Laibach. 

del Gott, Frau Bezirkshauptmann, 
Hermine. 

Landskron (Böhmen). 
Haehnel, Karl, K. K. Gymnasial- 
director. 

Leitmeritz i/Böhmen. 
Lehrerbibliothek des K. K. Staats- 
Obergymnasiums. 

, Lemberg. 

Barewicz, Dr. W., Professor. 
Semiinar für deutsche Philologie. 
Universitäts-Bibliothek, K. K 
Werner, Dr. Richard Maria, Prof. 

Meran-Obermais. 

Alwin Zschiesche Nachf. (Georg 
Müller), Kunsthandlung. 

Neusatz (Ungarn). 
Savic, Dr. Milan, Schriftsteller. 

Paierdorf, PostRojach (Kärnthen). 
Wutte, Johannes. 

Prag. 

Fürst, Dr. phil. Rudolf. 
Hauffen, Dr. Adolf, Professor. 
Hirsch, Wilibald, Privatier. 



-^ 58 ^— 



Prag. 

Keindl, Ottomar, General -Agent 
der Leipziger Feuer-Vers. -Anst. 

Kraus, Dr. pliil. Ernst, Professor. 

Lambel, Dr. Hans, Prof., Reg.-Rat. 

Lese- und Rede-Halle der deutschen 
Studenten in Prag. 

Rabl, Dr. Carl, Professor. 

Rex, Alexander, Student. 

Sauer, Dr. August, Professor. 

Seminar für deutsche Philologie. 

Teweles, Heinrich, Chefredakteur. 

Universitäts-Bibliothek, K. K. 

Urban, Dr. Karl, Landtags- 
abgeordneter. 

Verein fürGeschichte der Deutschen 
in Böhmen. 

Radautz (Bukowina). 
Ober-Gymnasium, K. K. 

Ranshofen (Ober-Österreich). 
Wertheimer, Frau Franziska. 

Ravelsbach (Nieder-Österreich). 
Slaby, Engelbert, Volksschullehrer. 

Saaz (Böhmen). 
Toischer, Dr. Wendelin, Professor, 
Gymnasialdirector. 

Salzburg. 

Jäger, Dr. Anton, Hof- u. Gerichts- 
advocat. 

St. Gallen (Steiermark). 
Sauerländer, Walter. 

St. Polten (Nieder-Österreich). 
Landes-Lehrer-Seminar. 

Scheibbs (Nieder-Österreich). 
Baumeister, Johann, K. K. Landes- 
gerichtsrat. 

Schottwien (pr. Gloggnitz). 
Schuselka-Brüning, Ida, Schrift- 
stellerin. 

Semlin (Kroatien-Slavonien). 
Nedeljkovic, Dr. Theodor, Advocat. 
Paulovic, Dr. Peter, K. öffentl. 
Notar und Advocat. 



Stift Tepl (Böhmen). 
Helmer, P. Gilbert, Abt. 

Teplitz-Schönau (Böhmen). 
Perutz, Ernst, Ingenieur. 
Rösche, H., Regier.-Rat, General- 

Director der Aussig-Teplitzer 

Eisenbahn. 
Stadtgemeinde. 
Stradal, Dr. Karl Eduard, General- 

Secretär der Aussig-Teplitzer 

Eisenbahn. 

Volosca (Istrien). 
V. Schmidt-Zabierow, Freifrau Ida, 
Exe. 

Weisskirchen i/Mähren. 
Staats-Obergymnasium, K. K. 

Wien. 

Adler, Frau Emma. 

V. Andrian-Werburg, Baron 
Ferdinand. 

Bauer, Moritz, Director des Wiener 
Bankvereins. 

Benndorf, Dr. O., Professor, Hofrat. 

Bettelheim, Dr. Anton, Schrift- 
steller. 

V. Bezecny, Freiherr, Wirkl. Geh. 
Rat, Mitglied des Herrenhauses, 
Exe. 

Bibliothek des K. K. Staats-Gym- 
nasiums im IL Bezirk. 

Bibliothek des K. K. Staats-Gym- 
nasiums im VIII. Bezirk. 

Blume, Dr. Heinrich. 

Boschan, Wilh., Kaiserl. Rat. 

Brandeis, Dr. Arthur, Professor. 

Bruch, Dr. Hermann, Hof- und 
Gerichts-Advocat. 

Club, wissenschaftlicher. 

Daubrawa, Dr. Alfred. 

Federn, Dr. S. 

V. Feifalik, Ritter Hugo, Hofrat. 

Feilchenfeld, Frau Henriette. 

Fellner, Dr. Richard, Dramaturg 
des Deutschen Volkstheaters. 

Figdor, Frau Marie. 

Frick, W., K. K. Hof buchhandlung. 

V. Frisch, Frau Regierungsrat Marie. 

Gaber, Dr. Karl, Auskultant. 

V. Gerold, Frau Rosa, geb. Henneberg. 

Gilhofer & Ranschburg, Buch- 
handlung. 



■^ 59 ■^— 



Wien. 

Ginzberger, T., Central-Inspector 

der Kaiser Ferdinand-Nordbalin. 
V. Gionima, Eugen, Oberlandes- 
gerichtsrat. 
Glaser, Frau Geh. - Rats - Wwe. 

Wilhehnine, Exe. 
Goethe -Verein, Wiener. 
Göttmann, Karl, Scriptor der 

Kaiserl. Hofbibliothek. 
Gomperz, Dr. Theodor, Professor, 

Hofrat. 
Gregori, Ferdinand, Mitglied des 

Hofburgtheaters. 
Guglia, Dr. E., Regierungsrat, 

Chefredacteur der Wiener 

Zeitung. 
V. Harte], Ritter, Dr. W., Professor, 

Wirkl. Geh. Rat, Minister für 

Cultus u. Unterricht, Exe. 
Hartmann, Ernst, Hofschauspieler 

und Regisseur. 
Heinzel, Dr. Richard, Professor, 

Hofrat. 
Herda, Ph. Mr. Ferdinand. 
Herz, Frau Henriette. 
Hofbibliothek, Kaiserl. Königl. 
Hofmann, Dr. med. Julius, Hofrat. 
IH HohenloJie-SchiUiiiosfiirst, Frau 

Fürstin A., geb. Prinzessin Witt- 
genstein, Durchlaucht. 
Holzmann, Dr.Michael, Amanuensis 

a. d. K. K.Universitätsbibliothek. 
Hruschka, Alois, Professor. 
Kalbeck, Max, Schriftsteller. 
Koberwein, Fräulein Emilie. 
Koenig, Rudolf. 
Konegen, Karl, Buchhändler. 
Krastel, Fritz, Hofschauspieler. 
V. Lanckrorönsky, Dr., Graf Carl, 

Wirkl. Geh. Rat, Exe. 
Langer, Frau Irma. 
Lauseker, Frau Hofrat Franziska. 
V. Lehnert, Frau Fanny. 
Lewinsky, Joseph, Hofsehauspieler 

und Regisseur. 
V. Mauthner-Markhof, Frau Editha, 

geb. Baronin v. Sustenau. 
Mayer, Dr. phil. F. Arnold. 
Mayer, Dr. Karl, Professor. 
Meinl, Julius, Kaufmann. 
V. Merey, Alexander, Geheimer 

Rat, Seetionschef a. D., Exe. 
Minor, Dr. Jacob, Professor. 
Neumann, Karl. 
Orgler, Dr. phil. Adolf. 

GoEllir-lAÜKPUCH XXIV. 



Wien. 

Payer von Thurn, Ritter Rudolf, 
OfBeial in der Cabinetskanzlei 
S. M. des Kaisers, Redacteur der 
Chr. des Wien. Goethe-Vereins. 

Plutzar, Dr. Ernst, Hof- und Ge- 
riehts-Advokat. 

Poschacher, Frau Louise, geb. Ried. 

Rieger, Dr. Karl, Professor. 

Rosenbaum, Dr. phil. Richard, Litt. 
art. Secretär des K. K. Hof burg- 
theaters. 

Rosenthal, Bernhard, Bankier. 

Russ, Dr. Victor, Gutsbesitzer, Mit- 
glied des Abgeordnetenhauses. 

Russo, Isidor. 

Schienther, Dr. Paul, Direetor des 
K. K. Hofburgtheaters. 

V. Schlosser, Dr. Julius R., Gustos 
am kunsthist. Hofmuseum und 
Privatdocent an d. Universität. 

Sehnabel, Dr. Isidor, Prof., Hofrat. 

V. Sehneider, Ritter, Dr. Robert, 
Professor, Gustos der Kaiserl. 
Antikensammlung. 

Sehnitzler, Dr. Arthur, Arzt und 
Schriftsteller. 

Schröer, Frau Professor Hermine, 
geb. von Kohänge. 

V. Schuhes, Karl. 

Schulz V. Strasznitzki, Dr. Johann, 
Sectionsrat im K. K. österr. 
Ackerbau-Ministerium. 

Schwab, Dr. jur. Albert. 

Seegen, Dr. Joseph, Professor. 

Seminar für deutsche Philologie 
an der K. K. Universität. 

Seybel, Paul (i. Fa. Wagenmann, 
Seybel & Co.). 

Sittenberger, Dr. Hans. 

V. Sizzo-Noris, Frau Gräfin Marie. 

v. Skene, Louis. 

V. Sonnenthal, Ritter Adolf, Hof- 
schauspieler und Regisseur. 

V. Sonnenthal, Frau Margarethe. 

Speidel, Dr. Ludwig, Schriftsteller. 

V. Spiegl, Edgar, Chefredacteur. 

Stein, Frau Ernst, Bergdirektors- 
witwe. 

Strakoseh , Alex. , Professor und 
Vortragsmeister. 

Strässle, Dr. Fritz, Kaiser!. Rat. 

Streicher, Fräulein Karoline. 

V. Stremayr, Dr. Karl, Geh. Rat, 
Präs. d. K. K. Obersten Gerichts- 
und Kassationshofes a. D., Exe. 
26 



— -&«■ 6o -»^ — 



Wien. 

Thimig, Hugo, Hofschauspieler. 
Unger, Dr. Josef,Prof., Minister a.D., 

Präsident des Reichsgerichts, 

Geh. Rath, Exe. 
Universitäts-Bibhothek, K. K. 
Wahrmann, Frau Dr. Emma. 
Wärndorfer, Fritz. 
V. Weilen, Ritter Dr. Alexander, 

Professor. 
Weinberger, Emil, Bankier. 
V. Weiss-Starkenfels, Freiherr Al- 

fons, K. K. Ministerialrat. 
Weiss v.Tessbach, Ritter Dr. Adolf. 
Weiss V. Wellenstein, Frau Stefanie. 
Werner, Alexander, k. k. Baurath. 
Wickhoff, Dr. Franz, Professor, 
Wittgenstein,Karl, Großindustrieller. 
Wittgenstein, Frau Poldi. 



Wien. 

Wittgenstein, Fräulein Minning. 
Wittgenstein, Fräulein Grethel. 
Wittmann, Hugo, Schriftsteller. 
Zweybrück, Dr. Franz. 

Wiener Neustadt. 

Nieder - Österr. Landes - Oberreal- 
und Gewerbeschule. 

Schloss Zalaber. 

(Südbahnstation Szt Jöan Ungarn.) 
V. Gutmann-Gelse, Frau Laczi, geb. 
Rosa Klein. 

Zmiennica. 

Post Jasionöw (Galizien). 
Pinder, R., K. K. Rittmeister a. D. 



SCHWEIZ. 



Aarau. 

Cantons-Bibliothek, Aargauische. 

Basel. 

Burckhardt, Dr. C. Chr., Professor. 
Hoffmann -Krayer, Dr. E., Prof 
Lese-Gesellschaft. 
Meier, Dr. John, Professor. 
Thommen, Dr. phil. Rudolf, Prof. 
Universitäts-Bibliothek. 
Volkland, Dr. Alfred, Capellmeister. 
Wackernagel, Dr.R., Staatsarchivar. 

Bern. 

Lotmar, Dr. Ph., Professor. 

Stadt-Bibliothek. 

Walzel, Dr. Oscar F., Professor. 

Davos Platz. 

V. Strachwitz, Frau Gräfin, geb. 
Henckel v. Donnersmarck. 



Lausanne. 

Gart, Dr. William, Professor. 

Solothurn. 

Cantons-Bibliothek. 

St. Gallen. 

Stadt-Bibliothek (Vadiana). 

Winterthur. 

Radecke, Dr. phil. Ernst, Städtischer 

Musikdirector. 
Stadt-Bibliothek. 

Zürich. 

Bertheau, Dr. Fr., Spinnereibesitzer. 
Blümner, Dr. Hugo, Professor. 
Bodmer, Dr. phil. Hans. 
Deutsches Seminar der Universität. 
Hirzel, Dr. Paul, Schulpräsident. 
Museums-Gesellschaft. 
Stadt-Bibliothek. 
Vögeli-Bodmer, A., Oberst. 



BELGIEN. 



Antwerpen. 

Rooses, Max, Conservateur 
Must^e Plantin. 



du 



Brüssel. 

Caratheodory-Effendi, Kaiserl. Tür- 
kischer Gesandter, Exe. 



Brüssel. 

Gevaert, Franz August, Professeur, 
Directeur du Conservatoire 
Royal de Musique. 

Mayer, Dr. Gustav, Professor. 

Wieniawski, Frau Joseph. 



■^ 6i ^ — 



DÄNEMARK. 



Kopenhagen. 

Bibliothek, Grosse, Königliclie. 
Bonnesen, Cand. phil. J. 
Hansen, P., Etatsrath. 
Henrigues, L., Wechselmakler. 
Hirschsprung, Oskar H., Wein- 
grosshändler. 
Levin, Dr. Paul. 



Kopenhagen. 

Neergaard, N. T., Rcdacteur. 
Salomonsen, Dr. med. Carl Julius, 

Professor. 
Tegner, Wilhelm. 
Wimmer, Dr. Ludwig, Professor, 
Zeuthen, L., Obergerichts-Anwalt. 



FRANKREICH. 



Algier. 

V. Syburg, F., Kaiserl. Consul. 

Clermont-Ferrand. 

Bibliotheque Universitaire. 

Colombes (Seine). 

Saling,Jacques,Professeur de langue 

et de litterature allemandes. 

Lyon. 

Bibliotheque de l'Universite. 

Nancy. 

Bibliotheque de l'Universite. 

Nizza. 

Schropp, Ralph, Privatier. 

Paris. 

Andler, Charles. 
Asser, Frau Therese. 
Barine, Frau Arvede. 
Bibliotheque de l'Universite Sor- 
bonne. 



Paris 



Brevem de la Gardie, Comte, 
Secretaire de l'Ambassade de 
Russie. 

Ecole Normale Sup^rieure. 

Favarger, Frau Maria. 

Favarger, Theodor. 

Guinaudeau, Olivier, Licenci6 es 
Lettres. 

v. Lucius, Baron, Legationssecretär. 

Luckemeyer, Eduard. 

Oneguine, Alexandre. 

Scharrer-Santen, Eduard, Schau- 
spieler. 

Soulange-ßodin, Frau Martha. 

V. Vignau, Frau Dora. 

Welter, H., Buchhändler. 

Wiesenthal, Alfred, Kaufmann. 

Wolff, Theodor, Correspondent 
des »Berliner Tageblatts«. 

V. Wolkenstein- Trostburg, Frau 
Gräfin, geb. v. Buch, Exe. 

Versailles. 

Fanta, Fräulein Adele, Professeur 
ä l'Ecole Normale Supiirieure. 



GRIECHENLAND 

Athen. I 



Jackson, John B., Gesandter der 
Vereinigten Staaten. 



Pir aus- Athen. 

Lüders, Dr. Otto, Kaiserl. Geh. 
Reg.-Rat und General-Consul. 



Almondsbury near Bristol 
Cann-Lippincott, R. C, Esq. 

Anerley b/London. 
Weiste, D., Esq. 

Beckenhana b/London. 
Kremling, W. 



GROSSßRITANNIEN. 

Birmingham. 



Fiedler, Dr.Herm. Georg, Professor. 
Sandbach, Dr. Francis Edward. 



Bowdon b/Manchester. 

Güterbock, Alfred, Esq. 
26* 



— <^ Gl ^- 



Cambridge. 

Breul, Karl, Litt. D. Ph. D. M. A. 

Browning, Oscar, M. A. 

Ward, Prof. A. W., L. D. L. L. D. 

Egham (Surrey). 
Royal Holloway College. 

Glasgow. 

Library of the University. 
Robertson, Mrs. R. A. 
Rottenburg, Fritz. 
Rottenburg, Paul. 

Leeds (Yorkshire). 
Schüddekopf, Dr. A. W., Professor. 
Yorkshire College Library. 

Liverpool. 

Meyer, Kuno, Professor atn 
University College. 



London. 

Arnold, William T., Redacteur. 

ßroicher, Fritz. 

Cornish, Rev. F. F. 

Freund, Max, Kaufmann. 

Holzmann, Sir Maurice, K. C. V. 
O., C. B. 

Lecky, Mrs. 

Lehmann, Rud., Maler. 

Owen-Seamon, Esq. 

Rudolph, H. 

Zimmermann, Dr. Alfred, Kaiser- 
lich deutscher Legationsrat. 

Manchester. 

Bibliothek des Owens College. 

Newcastle o/Tj-ne. 
Merz, Dr. Theodor. 

Oxford. 

Bodlyan Library. 
Taylor-Institution. 



Mitglieder der English Goethe-Society, welche zugleich der 
deutschen Goethe-Gesellschaft angehören: 
Dublin. 
Dowden, Prof. E., L. L. D., D. C. L. 
National Library. 
Trinity College Library. 
Webb, Judge, His Honour, L. L. D. 



Edinburgh. 

Morris, Rev. A. B., F. L. S. 

Limpsfield (Surrey). 
Bellars, W. B., Esq. 

London. 

Ferguson, Miss Phemie. 

Freiligrath-Kroeker, Mrs. Käthe. 

Hertz, Miss. 

Jackson, Rev. H. L. 

Kirby, W. F., F. L. S., F. E. S. 

Lewis, Harry. 

Leycester, Rafe. 

Mever, Hermann, Esq. 

Moenich, Oscar. 



London. 

Mond, Dr. L., F. R. S., Esq. 

Mond, Mrs. L. 

Montefiore, C. J. 

Moon, Rob. O. 

Mullins, W. E., M. A., Esq. 

Oppenheim, Dr. 

Oswald, Dr. Eugen, M. A. 

Prentice, Mrs. Esther Ridle\'. 

Reform-Club. 

Spong, Miss. 

Steinthal, Gustav. 

Strauss-Collin, A. 

Tatton, R. G., M. A., 

Walhouse, M. J., Esq 

Oxford. 

Boulton, Mrs. 

Shields, Guthbert, Esq., C. C. C. 

Richmond (Surrey). 
Thorne, Dr. L. T. 



Esq. 



ITALIEN. 



Capri. 

Faehndrich, Frau Alice, geb. Freiin 
v. Nordeck zur Rabenau. 



Florenz. 

Fasola, Dr. Carlo. 

V. Kaufmann, Ludwig, Baron. 



— &* 63 +4— 



Florenz. 

Kramsta, Frau Maria. 

V. Zoiibow, Frau Marie, Exe. 



Mailand. 

Bondy, A. E. 

Neapel. 

Dohrn, Dr. Anton, Professor. 



Rom. 

Alling, Miss Carolyn E. 

V. Cnelius, Kgl. Preuß. Major u. 

Flügeladjutant. 
Guerrieri-Gonzaga, Frau Maria 

Maraini. 
Kempner, L., Kunsthändler. 
Mengarini, Frau Dr. Professor 

Margherita. 
V. Meysenbug, Fräulein Malwida. 
V. Rotenhan, Freiherr, Kgl. Preuss. 

Gesandter beim päpstl. Stuhl. 



NIEDERLANDE 

Amsterdam. 



van Hall, Dr. jur. J. N., Redacteur. 

Hartog, Jacques, Docent für Musik- 
geschichte am Conservatorium. 

van Kempen, H. 

Nijhoff, P., Buchhändler. 

Oelsner, Fritz, Consul, Officier 
d'Academie. 

Doorn. 

Smit-Kleine, Dr. F., Schriftsteller. 

Dordrecht. 

van Lier, Fräulein Fanny, Lehrerin 
der deutschen Sprache und 
Literatur. 

Groningen. 

V. Haarst, J. W. G., Universitäts- 
Bibliothekar. 
Symons, Dr. B., Professor. 

Haag. 

Bijvanck, Dr. W. G. C., Ober- 
bibliothekar der Kgl. Bibliothek. 

Boele van Hensbrock, P. A. M., 
Buchhändler. 



Haag. 

Kossmann, Dr. phil. E. F., Gymn.- 

Lehrer, Privatdocent. 
Roijaards, Dr. jur. G., Secretaris 

van dem Raad van Staate. 
Scheurleer, Dr. F., Bankier. 

Leiden. 

Breuning, H. H., Docent am Gym- 
nasium, 
v. Doesburgh, S. C., Buchhändler. 

Utrecht. 

Utrechts-Leesmuseum. 

Vlissingen. 

Blum, J. H., Kreisschul-Inspector. 

Wageningen. 

Spitzen, G. W., Realschullehrer. 

Zütphen. 

Henny, Fräulein Agnes. 

Zwolle. 

Talen, J. G., Gymnasiallehrer. 



PORTUGAL. 

Lissabon. 

V. Tattenbach, Frau Gräfin Constance. 



RUMÄNIEN. 

Bukarest. 

Sturdia, Detmtrius, Kgl. Staatsminister a. D., Exe. 



— <^ 64 ■^— 



RUSSLAND. 



Cobilna (Bessarabien). 
V. Catargi, Dr. jur, Michael. 

Dorpat. 

V. Anrep-Ringen, Frau, Landrat. 
V. Bradke, Fräulein Marie. 
Curonia (Corporation). 
V. Hoerschelmann, Frau Prof. A. 
V. Liphart-Rathshof, R. 
Masing, Dr. IVoldemar. 
V. Oettingen, Dr. Alex., Professor. 
V. Oettingen, Max. 
Schlüter, Dr. Wolfgang, Ober- 
Bibliothekar. 
Sintenis, F., Oberlehrer, Staatsrat. 
Universitäts-BibliothekjKaiserliche. 

Schloss Grünhof b/Mitau(l^urland). 
V. Medem, FrauReichsgräfinAlexan- 

drine, geb. Fürstin v. Lieven, 

Durchlaucht. 

Helsingfors (Finnland). 
Donner, Dr. phil. J. O. E., Docent. 
Poirot, Jean, Lector an der Uni- 
versität. 
Universitäts-Bibliothek. 

Kaiisch. 

Peretz, Moritz. 

Kiew. 

Kaiserl. St. Wladimir- Universität. 

Menzen (Livland). 
V. Wulf, Dr. phil. Max. 

Moskau. 

Bachmann, Georg, Staatsrat. 

Nikolajew. 

Reyher, Rudolf JVoJfgatig. 

Odessa. 

Fricker, Dr. med. Eugen. 
Schmidt, Dr. med. Carl J. M. 



Reval (Esthland). 
V. Ungern-Sternberg, Freifrau Isa- 
bella. 

Riga. 

V. Bock, H., Landrat, Exe. 

Hartmann, J. 

Lieven, Fürstin Constance, Durch- 
laucht. 

V. Nolcken, Baron Georg, Majorats- 
herr auf Esern. 

Nölting, Fräulein Bertha (E. Heldt). 

V. Scheel, Frau Hotrat. 

Semershof (Livland). 
V. Wolff, Freiin Eleonore. 

Smilten (Livland). 
Bergmann, Eugen, Apotheker. 

St. Petersburg. 

Bibliothek, Kaiserl. öffentliche. 

Heyse, Th., erbl. Ehrenbürger. 

Kirijew, Alexander, Generallieute- 
nant, Exe. 

Koenig, Josef, Schuldirector, WirkL 
Staatsrat, Exe. 

Kroug, Frau Dr. Elfriede. 

Pollitz, Frau Consul. 

v.PolovtzofT,Anatole,Wirkl. Staats- 
rat, Director des K. Russ. Haus- 
Archivs. 

V. Radecki, Dr. med., Staatsrat. 

Universitäts-Bibliothek. 

Voigts, Fräulein Lotty. 

Schloss Tarwast (Livland). 
(via Fellin.) 

v.Mensenkampff, Frau Gabriele,geb. 
Fürstin v. Lieven, Durchlaucht. 

Wiborg (Finnland). 
Alfthan, Ferd., Vice-Consul. 



SCHWEDEN UND NORWEGEN. 



Christiania. 

Universitäts-Bibliothek. 



Djursholm b/Stockholm. 
Gyld^n, Frau Professor Therese, 
geb. V. Knebel. 



^ 65 ^- 



Kaggebolm b/Stockholm. 
V. Steijern, Fr. Vult, Ritterguts- 
besitzer. 

Lund. 

Olin, Cand. jur. Gustaf. 



Stafsund b/Stockholm. 
V. Klincliowström, Frau Baronin 

Thijra. 

Stockholm. 

Bibliothek, Königliche. 
Cederschiöld, Gustaf, Professor. 



SPANIEN. 

Madrid. 

V. Humbracht, Baron J., Legationsrat. 

V. Radowitz, Kaiserl. Deutscher Botschafter, Wirkl. Geh. Rat, Exe. 



AFRIKA. 

Cairo. 

V. Hölzke, Baron C., Kaiserl. Russ. Wirkl. Geh. Rat, Exe. 
Mog Pascha, Kontrolleur der Egypt. Staatsschuldenkasse. 

A M E R I K A. 



Älbany (N. Y.). 
New York State Librar)-. 

Andover (Mass.). 
Ripley, A. L., Professor. 

Ann Arbor (Mich.). 

Library of University of Michigan. 

Athens (Ohio). 
Super, Charles W., Professor an 
der Ohio University. 

Aurora (N. Y.). 
WelLs College Library. 

Baltimore. 

Gudemann, Dr. Alfred, Professor. 
Hofmann, Julius, Pastor. 
John Hopkins University. 
Wood, Dr. Henry, Professor. 

Beloit (Wisc). 
Beloit College Library. 

Berkeley (Californien). 
Library of University of California. 

Boston (Mass.). 
Adams, Miss Sarah Holland. 
V. Blomberg, Freiin Eva. 



Boston (Mass.). 

Boston Athenaeum. 

Higginson, Mrs. Henry L. 

Vogel, Franz, Prof. of modern 
Languages in the Massachusetts- 
Institute of Technology. 

Brooklyn (N. Y.). 

Pratt Institute. 

Bryn Mawr (Pa.). 
Bryn Mawr College. 
Collitz, Dr. phil. Her.r.ann, Prof. 

Buffalo. 

Deutsche Jungmänner-Gesellschaft. 

Cambridge (Mass.). 
Harvard College. 
White, Horatio Stevens, Professor, 
L. L. D. 

Chicago. 

Frank, Henry L. 

Cleveland (Ohio). 

Adelbert College. 

Clinton (N. Y.). 
Brandt, H. C. G., Professor. 



— &«• 66 ^— 



Elyria (Ohio). 
Allen, Miss Ida Cath. 

Grinnell (Iowa). 
Nollen, Dr. phil. John S., Prof. 
am Iowa College. 

Hallstead (Pa.). 
DuBoiSjFrauGeneralconsulEmma. 

Haverstraw (N. Y.). 
Speck, William A. 

Holicong (Penns.). 
Battin, Dr. Benjamin F., Professor 
am Swarthmore College. 

Ithaca (N. Y.). 
Cornell University Library. 
Hewett, Dr. W. T., Professor. 

Kansas City (Mo.). 
Crommelin, Henri. 

Lake Forest (lUin.). 
Lake Forest Universitv. 

Madison (Wisc). 
Hohlfeld, Dr. phil. A.R., Professor. 
University of Wisconsin. 

Milwaukee (Wisc). 
Mendel, Henry M. 
Weis, C. 

New Haven (Conn.). 
Gruener, Gustav, Professor. 
Palmer, A. H., Professor. 
Yale-University. 

New Orleans (La.). 
V. Meysenbug, Freiherr E., 

K. deutscher Consul. 
Tulane University. 

New-York. 

Bayard-Taylor, Mrs. 

Billqvist, C. E. 

Columbia University Library. 

Fitch, Ashbel P., Advokat. ' 

Hafner, Alfred. 

Lemcke, Ernst, Buchhändler. 

Loewy, Benno, Counselor at Law. 



New-York. 

Miller, C. R., Redacteur der New 

York-Times. 
New York Public Librarv. 
Roelker, A. 

Schmid, Mrs. Josephine. 
Stechert, Gustav E., Buchhändler. 
Stern, Mrs. S. M. 
Thomas, Calvin, Professor an der 

Columbia Universitv. 
Tombo, jun., Rudolf, Ph. D., 

Columbia Universitv. 
Zickel, S., Buchhändler. 

Northampton (Mass.). 

Lessing, Dr. phil. Otto Eduard, 

Docent am Smith College. 

Nutley (N. Jersey). 
Genung, Charles H. 

Oberlin. 

Oberlin College. 

Palo Alto (Calif.). 
Flügel, Dr. Ewald, Professor. 
Library Leland Stanford jr. Uni- 
versity. 

Philadelphia (Penns.). 
Ebbinghausen, Fräulein Adele D. 
Learned, Professor. 
University of Pennsylvania. 

Richmond (Indiana). 
Gerber, Dr. A., Professor. 

Schenectady (N. Y.) 

Wilkens, Dr. Friedr. H., Professor. 

Silverton (Oregon). 
Wakeman, T. B., Professor. 

Sterlington (N. Y.). 
Humphreis, Mrs. Mary. 

St. Louis (Mo.). 
German Departement of Washing- 
ton University. 
Heller, Dr. Ottoj Professor. 
Langton, John J. P., B. A. 
Renth, Henry. 



-•&* 6: 



St. Morristown (N. Jersev). 
West, Miss Clara Linforth. 



Toronto (Canada). 
van der Smissen, W. H., Professor. 
Universitäts-Bibliothek. 



Washington. 

V. Holleben, Dr., Wirkl. Geh. Rat, 
Kaiserl. Deutscher Botschafter, 
Exe. 

Williamstown (Mass.). 
Wahl, Dr. George Moritz, Professor, 

2. Zt. in Berlin. 
Williams College. 



ASIEN. 

Calcutta (Indien). 
Rathsam, Theodor, Kaiserl, Deutscher Consul. 

Peking (China). 
-Mumm von Schwarzenstein, Freiherr, Dr. A., Kaiserlich Deutscher 
Gesandter, Exe. 

Shanghai (China). 
Schütze, Hermann. 



AUSTRALIEN. 

Melbourne. Sydney. 



Härtung, Ernst. 



Treehmann, Ernst, Professor an 
der Universität. 




ggrl IUintcr'6 Ilnipcrü<ätgbud)ban61ung in 'beiöelberg. 

5. Baub: Die (Srflärun^ öcs ©oettjefd^en ^auft nad] 6er 

2xcil}enfoloic feiner 53enen. €rfter Ct^eil. 
(6octbc-8chriftcn 8.) 8°. geheftet 7 ]VI., fein Ceinwandband 8 JVE. 

Der I. unb 2. 3anb bicfcs flafftfc^cn Ifcrfes liegen bereits in 4. Jluflage por. lEinett 
nodj gröBcrcn €rfoIg unrb bcr foebcn ecfciMencne 3. Sanb haben, welcher ixn (Sang bes 
erften Seiles bec ,'vau)ltragöbie erflärenb fdjilbcrt unb ber (Stibe (905 erfrf;einenbe i^. Banb, 
ber ben (Sana bes 3UTitrn (Teiles ber (Tragöbte bebanbeln foU. 

. . .'3n feiner ©Eraiitmtljelt Seilt fiil) ßuno rifdjers Wttk ole eine In öle 
Urtiefen ber f anPbldjtung brinßCDöe o-rlnu'ternng bar, meiere bercn gelfügen 
ffieljolt, fowelt es nadiriljaffenlire Senhen wermog, erfdiöpft. irie fein anberer 
bringt Kuno .fifd^er jur firfldrung bicfcr fbilofofbifd^ften, tieffinnigften unb erhabenftcn 
idiöpfung beutfd^er poefte bas anffenfd^aftlidje Jvüftjcug unb bic fongcniale (Seiftesart mit. 
Jiei<e pijafc ber toed-felDoUcn (Scidid^te ber £ebensbid;tung (Soetl^es a^irb uns burdi tt)Tt 
tpicber gegenwäriig, überall fpürt er mit intuitiuem Blicf bic gebciniften gufammenbängc 
auf. 3n jebe ^jcne bes (Sebidjtcs ucrfenft er jidi mit gleid; liebeDoUcm Derflänbnis; jeber 
Stimmung unb (Eonart, oom übermütigften 6umor bis 3ur erfd^ätternbften Cragif »ei^ er 
3U folgen; allen poetifd^cn IDerten, bie (?oetbe bicr in fo übeittiältigenber .fülle gefdiaffen, 
loirb er geredet. llni> überall entfpridit fein erleud^tenbes IPort feiner großen ilufgabe, 
überall errcid;t es in fetner Kraft unb Jlnfd^anüd^feit bie geifiigc unb fünülerifd^c ßöbe 
ber ilid^tung. (Tbne jemals ben fd-'melj ber poefie ab3uftrcifen, münst er ben i£bclgel)alt 
bes (Sebid^tes unb fct5t ihn in ftets gleidia-crtigcr .form aus ber anfdiaulid'en Spbäre in 
bie bcgrifflid^e um. ITlan niuf; fid) an Pün^er erinnern, um ermeffen 3u fönncn, treldie 
fibbe ber firflärungsfunft Her crreid^t ift. Dort ein Jdeinfrämer, bem alles, was er angreift, 
3U fiäderling luirb, ber bei allem Sud^en nur Hegenirürmer finbet, bier ber Sdiaggräber, 
ber feinen Spatennid^ tut, obnc (Solb ans ilagcslid?t 3u förbcrn. ITagner unb ,\aui^! 
tlenn ni*t nur aus ber Säue geleierten If iffens ift bicfcr Kommentar geboren, fonbern — 
tuas ein tOcrf trie (Soetbes „<tuuft", bas bie Summen ber £rrungenfdiaftcn nidit nur bes 
reidijJcn »Einjrtlcbens, fonbern ber gansen ITIenfdibeit 3iebt, oor aliem con feinem Crflärer 
oerlangt, — aus einer tTcltanfd^auung, treldje ben böd-'ften (Sefid^tspuntt ber Diditung 
erflommen tjat, aus einer ITcIterfabrung, a^'eldie tcxe bie unferes ebrirürbigen Jlutors auf 
brei (Senerationcn 3urärfblidt. . . (Dr. Crn|l Crountonn in ber Jrnnkf. iettanjB.j 

. . . Seine tiefen (Sebanfen, uoll Sdiönbeit unb >£rleud:tungsfraft, wirfen trie eine 
(Dffcnbarung. 3'"^'? pbafe ber i)i*lung wirb burd; bie einbringenbflc Kenntnis bes Sebenss 
ganges (?oetbes erhellt unb fo ber Dichter fclbft 3um unetfd'öpflid'en Shema feines größten 
ITcrfes gemad^t. . . . €r aiirb unter allen porhanbencn 5auft=Kommentaren ben erften Hang 
fid) erringen unb behaupten. ITcr biefem .fübrer ju folgen tragt, bem erfd'Iiefjt fid? bie 
ITelt bes größten Dichters ohne Keft unb ohne borbehalt, mit einer rrunberbaren Sprache 
getoalt unb einer ^äUe reifer SebcnstnEisheit trirb ihm in ihr eine gea'eihtc Stätte ebelften 
©enuvfes bereitet. Die ftille ITladit bes «Soethcfchcn (Senius tüdift uon ilag 3u Cag. 
Unter benen, bie bie Stunbe feines höchficn Kuhmes mit beraufföhrcn helfen, flclit in erjter 
Heibe Kuno ,5ifdjer, ber bie DoUcnbete Bilbung 3ur »Einfalt unb iSinheii ber ilatur in 
<5oethefd)em Sinnnejutürfgefübrt hat.. . . (Prof. Dr. gl.fiodj in berfiöItiiTi^enieitang.) 

. . . llar ein fongenialer (Seift fonnte biefen 5auft=Kommentar fchrciben. Seiner 
gan3en (Seifiesart irar Kuno .'jifcber 3um .fuuftfommentator öerabe3u prcibeftiniert. Die 
€rHärungsfunfl erreicht in biefem Banbe eine £jöhc, bie nicht überboten rorrben fann. 
Der gan3e gauber (Soethefcher pocfie, bie Siefe feiner pl^ilofopl^ifdicn ^b^f"- ber ab» 
folute Ifcrt biefer nicnfcfchcitsiragöbie, bas ed-t ITtenfd^lid^e in ihr, unb bie tiefe Sragif, 
bie ,5ülle fdiöner £in3elheiten — alles fommt uollenbet 3ur DarftcUung. Die Charaft'ere 
treten fo plaflifd; beroor, ita^ jeber Sdjaufpieler «n biefer >£haraftcriftif ftcii tpirb bilben 
muffen. Unb babet brängt bcc Kommcntaior fich nie heroor, fonbern er giebt eben nidjts 
als bie (Soethefd'en (Sebanfen felbft. U"'er fidi ber Ceftüre biefes Konimentorcs hingibt, 
wirb etwas pon bem geiftigcn .fluibum ncrfpüren, bas bei ber Berührung mit einem 
bcbeutenben, genialen ITianne, erhebenb unb ftäftigenb, auf uns übergeht, etwas Pon jener 
inneren (Ergriffenheit fpürcn, bie je unb je eine große geiftigc Kraft in uns anslö^. Unii 
barnm nannten wir biefen Kommentar ein literarifches (Ereignis erften Hanges. 

(Prof. Dr. gtdjert in ber |leucn ^Jreuß. [fireuf-] |elt«tt0.) 

,5erner crfchiencn : 
©oetijea fauH. I.ßanb: lue f auBbidjtung vov ©octije. +. bur*gefebenc unb pcr= 

mehrte 3luflagr. b'-". gehcrtct UV 4-. — , fein Scinaianbbanb U"t 5.- . 

ißottfiis $ttüft. ll.fanb: CnlfttljnnB, 3bee unb Cowporitionbes®oet^er<^en^oiiP. 

4. burchgefeliene unb permehrte 21uflage. b". geheftet U1.+. — , fein lEeinwanbbanb uT.ö.— . 



— ^ 70 ■^— 

Moderne "W^örterbücher! 



Sachs^Villatte 

Encyklopädisches ^^'örterbuch 

der französischen und deutschen Sprache. 

A. Grosse Ausgabe. (12. Auflage.) 

Teil I (französisch-deutsch) nebst Supplement, 1959 Seiten, geb. M. 42.— . 
Teil II (deutsch-französisch) 2132 Seiten, geb. M. 42. — . 

B. Hand- und Schul-Äusgabe. 

1900 abgeschlossene, ganz neue Bearbeitung. (15 5 — 164. Tausend.) 
Teil I (französisch-deutsch) 856 Seiten, gebunden M. 8.—. Teil II (deutsch- 
französisch) 1 160 Seiten, gebunden M.8.— . — Beide Teile in einem Bande 
gebunden M. 15 — . 

Mur et- Sanders 

Encyklopädisches Wörterbuch 

der engh'schen und deutschen Sprache. 

1901 vollendet. A. Grosse Ausgabe. 1901 vollendet. 

Teil I (englisch-deutsch) 2460 Seiten, in 2 Bänden gebunden (A— K 

und L— Z) ä M. 21.-. Teil II (deutsch -englisch) '2368 Seiten, in 

2 Bänden geb. (A— J und K — Z) ä M. 21.— . 

1901 revidiert. B. Hand- und Schul-Ausgabe. 19.— 52. Tausend. 

Teil I (englisch -deutsch) 846 Seiten, gebunden M. 8. — . Teil II 

(deutsch-englisch) 889 Seiten, gebunden M. 8. — . — Beide Teile in 

einem Bande gebunden M. 15. — . 

Sachs-Villalte und Murel -Sanders 

sind unter allen ähnlichen Werken die neuesten, reichhaltigsten und 

vollständigsten. Sie sind die einzigen, welche bei jedem Worte angeben: 

1. Aussprache, 2. Gross- und Kleinschreibung, 5. Konjugation und 

Deklination, 4. Stellung der Adjektive, 6. Etymologie etc. 

Langenscheidts Taschenwörterbücher 

sind für Englisch, Französisch und Spanisch erschienen und für 
Russisch, Italienisch, Schwedisch in Vorbereitung. Dieselben um- 
fassen auf ca. 1000 Seiten einen Schatz von 50,000 Stichwörtern. Jede 
Sprache 2 Teile. Beide Teile in einem Bande geb. M. 3.50. Jeder Teil 
einzeln geb. M. 2.—. 



Ausführliche Prospekte umsonst und portofrei: 

Laiigenscheidtsclie Yerlagsbuchhandlung: 

(Prof. G. Langenscheidt) 
Bei'lin »AA^. 11, Hallesche Str. 17. 



— ^ 71 ^— 

Seitenstfick za „Sachs-Yillatte" nnd „Muret-Sanders". 
Griechisch-deutsches 

Schulwörterbuch 

mit besonderer Berücksichtigung der 

Etymologie 

verfaßt von 

Professor Dr. Hermann Menge 

Königlichem Gymnasialdirektor a. D. 
650 Seiten groß Lexikonformat, elegant gebunden M. 7.50. 



Die Abstammung der Wörter ist in einem Umfange und mit 
einer Gründlichkeit behandelt, wie man es bisher noch in keinem Schul- 
buche gewohnt gewesen ist. Allen, die sich dem so wichtigen und 
interessanten Studium der griechischen Etymologie widmen wollen, wird 
hier ein praktisches, zum Nachschlagen besonders geeignetes Hilfsbuch 
geboten. Daß die neue deutsche Rechtschreibung von 1902 
durchweg angev.-endet worden ist, sei nebenbei erwähnt. Wichtiger 
ist, daß der ganze Stoff in einem Alphabete gegeben worden ist, so 
daß der Benutzer nicht nötig hat, bei dem Aufsuchen von Eigennamen, 
Verbalformen etc. an verschiedenen Stellen nachzuschlagen. Daß ferner 
auf die typographische Ausstattung sowie auf die übersichtliche An- 
ordnung der längeren Artikel, insbesondere auf die sorgfältige Unter- 
scheidung der Bedeutungen besondere Sorgfalt verwendet werden würde, 
war bei einem Langenscheidtschen Erzeugnisse vorauszusetzen. Schließ- 
lich sei noch erwähnt, daß die abweichenden Nominal- und Verbal- 
formen überall vollständig und übersichtlich angegeben, daß über das 
Vorkommen der Wörter in den einzelnen Dialekten und 
Zeitaltern, wo es nötig war, die erforderlichen Angaben »emacht 
worden sind. Die Auswahl des Wortschatzes ist derartig erfolgt, daß 
das griechisch-deutsche Schulwörterbuch nicht nur alle Spezial- 
wörterbücher ersetzt, sondern auch eine Präparation zu allen 
griechischen Lesebüchern und Anthologieen bildet, soweit sie an Schulen 
im Gebrauch sind. »Der Elsässer« No. 105. 

Ausfuhrlichen Prospekt umsonst und portofrei: 

Langensclieidtsclie Veiiagsbiiclihaiidiimg 
(Prof. G. Langensclieidt) 

Berlin ^AV. 11, Halle.sclie-Str. 17. 



— h 72 ^ — 
Literarische Anstalt, Rütten & Loenikg, Frankfurt a. M. 



ßoetlies Faust 

in seiner ältesten Gestalt. 



Untersuchungen von J. Collin. 

Elegaiit g-elieftet, X, S75 Seiteix. 
' Preis Mark 5.—. 

^♦-^ 

Die Entstehungsgeschichte des ältesten Faust ist es, die der Ver- 
fasser, Professor der neueren deutschen Literaturgeschichte an der 
Universität Gießen, behandelt. Er geht dabei hauptsächlich von psycho- 
logisch-historischen Erwägungen aus und giebt so zugleich ein Bild 
von der inneren Entwickelung des jungen Goethe, soweit sie sich im 
Faust abspiegelt. Sein Zusammenhang mit den übrigen Werken der 
Leipziger und Frankfurter Jahre wird im einzelnen verfolgt und aus 
ihnen wie aus dem inneren Leben des Dichters, seinem Verhältniß zu 
seiner Zeit und seinem künstlerischen Standpunkt, ein fester Boden zur 
Erklärung und zeitlichen Festsetzung der einzelnen Szenen gewonnen. 

In unserem Verlage erschien : 

Goethes Faustidee 

nach der ursprünglichen Conception autgedeckt 
und nachgewiesen 

von 

Wilhelm GAA^inner. 

32 Bogen. Gr. :8°. brosch, : Preis M. 7.50. 



Diese Schrift weist eingehend nach, daß Goethes Faust L Theil 
hauptsächlich infolge des dem Gedichte vorausgeschickten »Prologs im 
Himmel« im Widerspruch mit der vorgeführten Handlung durch- 
gängig unrichtig aufgefaßt wird. Sie deckt zugleich die in der Handlung 
der »Tragödie« verwirklichte, mit der tiefsinnigen Faustsage über- 
einstimmende wahre Faustidee nach Goethes ursprünglicher Con- 
■ception zum ersten Mal im Zusammenhange der alten Faustscenen auf. 

Frankfurt a. M. Joseph Baer & Co. 



Verlag von BENNO SCHWABE in Basel. 

Wackernagel, W., Geschichte der deutschen Literatur. 

2. Auflage. Herausgegeben von Prof. Dr. E. Martin. 
gr. 8°. 2 Bde. eleg. gebd. M. 27.20. 

i.Wir besitzen in diesem Handbuche nun eine Anleitung zur wissen- 
schaftlichen Beschäftigung mit unserer Nationalliteratur, die durch kein 
ähnliches Werk ersetzt werden kann." (AUg. Konservat. Monatsschrift.) 

Stähelin, R., Huldreich Zwingli. Sein Leben u.Wirken nach 
den Quellen dargestellt, gr. 8°. 2 Bde. eleg. geb. M. 24.— . 

„Dem Stähelinschen liWerke ist von der gesamten Kritik hohe An- 
erkennung zuteil geworden. Dasselbe ist nicht nur für die Männer des 
Faches geschrieben, sondern ist auch für weitere Leserkreise von Interesse." 

van Oordt, J. F., Paul Krüger und die Entstehung der 
Südafrikanischen Republik. Mit einem Bildnisse Paul 
Krügers. Autorisirte deutsche Ausgabe. 8°. 2 Bde. 
eleg. geb. M. 18.—. 

„Das beste Geschichtswerk über Paul Krüger und die südafrikanische 
Republik. Van Oordt hat an Ort und Stelle in Prätoria die Archive 
studiert; die Freunde und Zeitgenossen Paul Krügers haben ihn mit Rat 
und Tat unterstützt in seiner Arbeit, ebenso Paul Krüger selbst." 

Hirzel,L., Goethes italienische Reise. Vortrag. 8°. M. — .80. 

Jacoby, D., Friedrich der Grosse und die deutsche 
Literatur. 8°. M. i.— . 

Kögel, R. , Goethes lyrische Dichtungen der ersten 
Weimarischen Jahre. In ursprünglicher Fassung mit 
einer Einleitung herausgegeben. S°. M. 1.20. 

Steck, R., Lavater und Goethe. Vortrag. 8°. M. — .80. 

Wille, L., Goethes Werther und seine Zeit. Vortrag. 8°. 
M. —.80. 

Simrock, K., Faust. Das Volksbuch und das Puppen- 
spiel nebst einer Einleitung über den Ursprung der 
Faustsage. 3. Aufl. 1903. "8°. M. 2.40. 

— Die geschichtlichen deutschen Sagen aus dem 
Munde des Volks und deutscher Dichter. 2. Aufl. 
8°. eleg. gebd. M. 6.—. 

— Die deutschen Sprichwörter. 4. Aufl. 8°. eleg. gebd. 

M. 6.—. 

— Die deutschen Volkslieder. 2. Ausg. 8°. eleg. gebd. 

M. 6.—. 

— Das deutsche Kinderbuch. Altherkömmliche Reime, 
Lieder, Erzählungen, Uebungen, Rätsel und' Scherze 
für Kinder. 3. verm. Aufl. 8°. eleg. gebd. M. 4.—. 

— Das deutsche Rätselbuch. 3. sehr vermehrte Aufl. 
8°. eleg. gebd. M. 1.60. 



-^ 74 ^— 

Verlag- von F. W. v. BIEDERMANN in LEIPZIG. 

AnpfbPQ riPQnrÄPhp Herausgeber Woldemar Freiherr von Bieder- 
UUOUICO UCopiaUiC. mann. Mit sorgfältigen Registern und Er- 
läuterungen von Dr. Otto Lyon. 10 Bände geheftet M. 50.— , 
in Lnwd. gebdn. M. 58.50, in Halbfranz gebdn. M. 70.—. 

Gustav von Loeper nannte das Werk die beste Qoethebiograp hie, die 
existirt und sobald nicht wird übertroffen werden. 



ßnpfhpfnrQPhllTlÖPn von Woldemar Freiherr von Biedermann. Neue 
UUClIlClUlOlilUUgCU Folge. Mit zwei Bildnissen und zwei Facsimile. 
Gebunden M. 12.—. 

Enthält in anregender Weise geschriebene Aufsätze zu verschiedenen Gebieten 
der Goetheforschung, die -- wie sich die Beurtheiler ausdrücken - nicht nur für 
den zünftigen Goethegelehrten von Interesse sind, sondern sich an den weiteren 
Kreis aller Gebildeten wenden. 

Gf pfhpfnrcrhllTltfpn ^'°" Woldemar Freiherr von Biedermann. Ander- 
JClllClUlöOliUllgCll weite Folge. Mit drei Bildnissen und dem 
Bildniss des Verfassers. Geheftet M. 10.—, gebunden M. 11.—. 

Eine letzte Reihe von Goethe-Aufsätzen des Verfassers, denen eine Abhandlung 
über „äussere Formen der Dichtung" beigegeben ist. 

(jö6lll6S lag- UDQ Jaiir6Sil6llC. demarFreih'errnv. Biedermann. 

Geheftet M. 5.—, gebunden in Halbfranz M. 7.—. Ein unentbehrliches Nach- 
schlagebuch beim Studium von Goethes Leben. 

FlnPUftr ^^^'^'^'^''spiel. Fragment von Goethe, Fortsetzung dritter bis 
iii|^CilUi fünfter Aufzug von Woldemar Freiherr von Biedermann. 

Geheftet M. 1.60, gebunden M. 2.50. 

Die Absicht des Verfassers der Fortsetzung war, diese ihres fragmentarischen 
Zustandes wegen der Bühne entrückte gefühlstiefe Dichtung zur Aufführung auf dem 
Theater zu bringen. Inwieweit es ihm gelungen der Dichtweise Goethes nachzukommen 
und die Einheitlichkeit des Dramas he rzustellen, möge der Leser entscheiden. 

Goethes Briefwechsel mit Friedrich Rochlitz. 

Herausgeber Woldemar Freiherr von Biedermann. Mit Bildniss und 
Handschriftnachbildung. Brosch. M. 8.—, gebimden M. 9. — . 

Der Briefwechsel mit dem gemüthvollen Musik-, Theater- und Roman- 
schriftsteller Rochlitz ist reich an Schönheiten, welche jeden Leser fesseln. Rochlitz 
war Goethes Berichterstatter und Vermittler für Leipzig. Das Buch bietet daher eine 
nothwendige E rgänzung zu des Herausgebers „Goethe und Leipzig". 

Goethe unlle Bibel T2^-%bJlTM''2T'' '™"'- 

Weist Goethes Verhältniss zur Bibel und die Stellen in seinen Werken, Briefen und 
Gesprächen nach, welche auf Bi belstellen zurückzuführen sind, oder darauf Bezug haben. 

Goethes Sprache und die Antike. ^I^ls,rv^e? S 

Goethes Stil von Dr. Carl Olbrich. Brosch. M. 2.—. 

Leistet in ähnlicher Weise, wie das Henkeische Werk, die Nachweise zum 
Griechischen und Lateinischen, obwohl hier mehr das philologische Interesse in den 
Vordergrund tritt. 

rilP VJulnilVrfioTIQrhf ^'^ ersten Theil von Goethes Faust von 
1/iC uaijJUlgibilalill Georg Witkowski. Geheftet M. 2.—. 

W