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Full text of "Gotisches Elementarbuch"

KANSAS CITY MO PUBLIC LIBRARY 



D DDD1 D33131.M M 



G-439,9 S91g 65-42492 

Streitberg 

Gotisches element arbuch 




GERMANISCHE BIBLIOTHEK 

HERAUSGEGEBEN VON 

WILHELM STREITBERG 

I. SAMMLUNG 
GERMANISCHER ELEMENTAR- UNO HANDBUCHER 



I. REIHE: GRAMMATIKEN 
ZWEITER BAND 

GOTISCHES ELEMENTARBUCH 

VON 

WILHELM STREITBERG 



HEIDELBERG 1910 
CARL WINTER'S UNIVERSITATSBUCHHANDLUNG 



GOTISCHES 
ELEMENTARBUCH 



VON 



WILHELM STREITBERG 



DRITTE UNO VIERTE VERBESSERTE AUFLAGE 



MIT EINER TAFEL 




HEIDELBERG 1910 

CARL WINTER'S UNIVERSITATSBUCHHANDLUNG 



Alle Rechte, blonder* das Reoht der ttbersetzung in fremde Sprachen, 
werden vorbehalteu. 



DEM VATERLICHEN FREUNDE 



GEHEIMRAT J. M. STAHL 



IN HERZLICHER VEREHRUNG 



vu 
Vorwort. 



Die neue Doppelauflage des Elementarbuchs steht 
im Zeichen ineiner Bibelausgabe : Wilhelm Brauns Le- 
sungen und meine eigenen Quellennachweise sind ihr 
gleichermaUen zu gute gekommen. 

Einige Abschnitte sind ganz neu geschrieben worden, 
die meisten haben mannigfache Erganzungen und Ver- 
benserungen erfahren 

Der Charakter der Syntax i8t der gleiche geblieben 
wie in der zweiten Auflage: nach wie vor beruht die 
Darntellung in ihrem Kern auf den Abweichungen des 
gotischen Textes von seiner griechischen Vorlage. Denn 
diese Methode ist die einzige, die zuverlassige Ergebnisse 
zu bieten vermag. Ein Hinweis anf aufiergotischo Paral- 
lelen findet wich nur da, wo er im Interesse des Ver- 
standnisHCH zu liegen scheint. Einc syetematische Ver- 
gleichung kann nicht Aufgabe eines Buches sein, das sich 
mit bewufiter Absicht auf den Boden der Einzelsprache stellt* 

Neugestaltet ist der vierte Hauptteil. Die Bibel- 
iiungabe iiberhob niich der Verpflichtung, Proben der 
verschiedenen Texte zu geben. DaR war mir um so 
willkommener, als die Paulinischen Briefe, die NehemiaB- 
fragmente und die Skeireins zur Einfiihrung in das 
Studium der gotisehen Sprache wenig geeignet erscheinen. 
An die Stelle der bisherigen Lesestucke ist das Matthaeus- 
Evangelium getreten : der einheitliche Charakter seines 
Textes ist fxir den Anfanger besonders wertvoll. Die Um- 
tfestaltung des vierten Hauptteils hatte naturgenaafi auch 
die Neubearbeitung des Worterverzeichnisses zur Folge. 

Die Besprechungen der zweiten Auflage durch Jelli- 
nck (HZ.Anz. 49,1 ff.) und Siitterlin (Litcraturbl. 190 
Sp. 89 fi 4 .) habe ich dankbar benutzt. Den Herren Kol- 
legen Jellinek und Max Forster sowie Herrn Pfarrer Risch 
in Breitenbach bin ich fur briefliche Mitteilungen und 
Besnerungnvorschlage verpflichtet. 

Munch en, I.November 1909. 

Wilhelm Streitberg. 



vni 



Inhalt. 



Seite 

Erstes Kapitel. Literaturangaben (g 13) 14 

Zweites Kapitel. Die Goten (4. 5) 4-8 

Drittes Kapitel. Wulfila (6-10) 923 

1. Wulfilas Leben. I. Die Quellen. A. Arianische 
Autoren. B. Orthodoxe Autoren (6). 11. Kritische 
Untersuchungen (7). III. Lebensgeschichte (8). 

2. Wulfilas dogmatische Stellung (9). 3. Wulfilas 
literarische Tatigkeit (10). 

Viertes Kapitel. Die gotische Bibel (1113) .... 23-33 

1. Die Handschriften (11). 2. Die Vorlage des 

gotischen Bibeltextes: A. Das alte Testament. B. Das 

neue Testament (12). 3. Die Weiterentwieklung des 

got. Bibeltextes (13) 

Fflnftes Kapitel. Die ubrigen gotischen Sprachdenk- 

maler (14-17) 3339 

1. Die Skeirems (14). 2. Die kleinern Denk- 
maler (15). 3. Die Namen (16). 4. Das Krini- 
gotische (17). 
Sechstes Kapitel. Die gotische Schnft (18) 3942 

Erster Hauptteil: Lautlehre. 

Siebentes Kapitel. Die Umschreibung der biblischen 

Eigennamen im Gotischen (19. 20) 4347 

A. Die Vokale (19). B. Die Konsonanten (20). 
Achtes Kapitel. Orthographische Varianten in den goti- 
schen Handschriften (2132) 4753 

Vorbemerkung (21). A. Vokalismus. 1. Wechsel 
zwischen e, ei und i (22). 2. Wechsel zwischen o und 
u (23). 3. Wechsel zwischen au und u (24). 
B. Konsonantismus. 1. Wechsel zwischen s und z, f 
und b, f und d (25). 2. Assimilationen (26). 

3. Plus oder Minus von h (27). 4. Nasal + Guttural 
(28). 5. Vereinfachung des geminierten s (29). - 

6. Schwankungen in der Schreibung von j (30). 

7. Spuren kombinatorischen Lautwandels bei Nasaien 
(31). Schwanken zwischen t und / (32). 



Inhalt. IX 

Seite 
JVeuntes Kapitel. Die Aussprache des Gotischen (33 36) 5364 

Vorbemerkung. Literatur (33). A. Die Vo- 

kale (34). B. Die Konsonanten (35). Anhang 

(36): 1. Der gotische Lautstand. 2. Betonung. 

3. Silbentrennung. 

Zehntes Kapitel. Die gotischen Vokale in ihrem Ver- 

haltnis zu den gemeingermanischen (37 80) . . . 64 78 
A. Die Kurzen. 1. a (3739). 2. i (4043). 

3. u (4447). 4. x (4850). 5 d (51.52). 
B. Die Langen. 1. a (53). 2. f (5456). 3. 2 
(57-60). 4. 6 (61-64). - 5. u (6567). 6. se 
(6870). - 7. d (7173). - G. Die Diphthonge. 

1. aj, (74) 2. au (75). 3. iu (76. 77). Anhang: 
Die urgermanisehen Vokale im Golischen (7880). 

Elftes Kapitel. Das Ablautssystem der gotischen Vokale 

(8183) 7881 

Begriff des r Ablauts\ AbtOnung und Abstufung (81). 

Der got Ablaut (82). Die got. Ablautsreihen in 
der Verbalflexion (83). 

Zwolftes Kapitel. Die gotischen Konsonanlen in ihrem 

Verhaltnis zu den gemeingermanischen (84126) . 8195 
1. Die unsilbischen Vokale: j (8487). w (8890). 

7r (91). II. Die Liquiden: 1. In unsilbischer 
Funktion (9294). 2. In silbischer Funktion 
(95). III. Die Nasale: 1. In unsilbischer Funktion 
(96 -98). 2. In silbischer Funktion (99). IV. Der 
Hauchlaut (die reduz. Spiraris) h (100). V. Die Spi- 
ranten. A. Die slimmlosen Spiranten. 1. f. 2. /. 
3. s (101-104). B. Die stimmhaften Spiranlen. 1. &. 

2. d. 3. j. 4. z (105-109). C. Wechsel zwischen 
fatimmhaften und stimmlosen Spiranten. 1. Stimmton- 
verlust im Wortauslaut (110116). 2. Spirantendissi- 
milation in mchthaupttoniger Silbe (117. 118). VI. Die 
Verschlufilaute. A. Die stimmlosen VerscbluJslaute. 
1. p. 2. t. 3. fc. 4. y (119122). B. Die stimm- 
haiten VerschluBlaute. 1. &. 2. d. 3. g (123-126). 

Dreizehntes Kapitel. Spuren urgerm. Lautgesetze im 

gotischen Konsonantismus (127 141) 9599 

1. Die Verbindung c Verschlu61aut + *' (127): 
a) pt \vird ft (128). b) let wird ht (129). c) Dental -f t 
wird ,9 (130). 2. Der grammatische Wechsel (131): 
1. urgerm. f ft (132). 2. urgerm. f d (133). 

3. urgerm. h j (134). 4. urgerm. k ($)w (135). 
5. urgerm. s 2 (136). Anhang: Die urgerma- 
nischen Konsonanten im Gotischen (137141). 



X Inhalt 

Zweiter Hauptteil: Pormenlehre. 

Erster Abschnitt: Declination, scite 

Vierzehntes Kapitel. Allgemeines. Substantivdeklination 

(142-163) 100-117 

Allgemeines (142. 143). A. Vokalische De- 
klination. I. a-Stamme (144-147). II. 5-Stkmme 
(148151). - III. t-Stamme (152). IV. w-Stainme 
(153). B. Konsonantische Deklination. I. n- 
Stamme (154-157). - II. r-Stamme (158). III. nd- 
Stanime (159). IV. Varia (160162). An hang: 
Die Flexion der FremdwOrter (163). 

Ftinfzehntcs Kapitel. Pronominaldeklinalion (164178) 117123 
1. Person alpronomina (164). 2. Possessiva (165). 

3. Anaphorisches Pronoinen (166). 4. Demon- 
strativa (167-171). 5. Relativa (172). 6. Interro- 
gativa (173175). 7. Indefinita (176178). 

Sechzehntes Kapitel. Adjektivdeklination (179193) . 123-133 

Allgemeines (179). A. Das starke Adjekti- 
vurn (180). I. aStamme. 1. Reme rt-Stamrne (181). 
1 >-Stamme. A. Reine j/a-Stamme (182). B. i/jar 
Stamme (183). II. w-Stamme (184). B. Das 
schwache Adjeklivum (185187). G. Die Stei- 
gerung der Adjektiva. 1. Koinparativ (188). 
2. Superlativ (189). 3. Anomalien (190). Anhang: 
Die Bildung der Adverbia. 1. Adverbia der Art und 
Weise (191). 2. Adverbia des Orts (192). 3. Ad- 
verbia der Zeit (193). 

Siebzehntes KapiteL Das Zablwort (194197) . . . 133-137 

A. Kardinalia und Ordinalia (194). B. Audere 
Zahlarten: 1. Distributiva (195). 2. Multiplikativa (196). 

3. Iterativa (197). 

Zweiter Abschnitt: KoDJugation. 
Aclitzehntes Kapitel. Vorbemerkungen. Das starke 

Verbum (198-212) 137-147 

Vorbemerkungen: 1. Der Formenbesland des 
gotischen Verbums (198. 199). 2. Die Klassen der 
gotischen Verba (200). Das starke Verbum. 
A. Die Flexion der starken Verba (201). B. Die 
Stammbildung der starken Verba. 1. Ablautende Verba 
(202-209). 2. Die reduplizierenden Verba (210. 211). 

3. Die reduplizierend-ablautenden Verba (212). 
Neunzehntes Kapitel. Das schwache Verbum (213-219) 147152 

A. Das Prateritum der schwachen Verba (213. 214). 

B.DiePrasensklassen der schwachen Verba (215219). 



Inhalt. XI 

Scite 

Zwanzigstes Kapitel. Die unregelmafiigen Verba (220 

bis 233) 153-160 

A. UnregelmafHgkeiten in der <3-Konju- 
gation. 1. Die Verba pratento-prasentia (220222). 

2. Unregelma&ige Prasentien (223225). 3. Un- 
regelmafiige Praterita (226228). B. Reste der 
Verba auf -mi. 1. Das Verbum substantivum (229). 

2. e wollen* (230). An hang: Nominal- und Ver- 
balkomposita. 1. Akzentuierung der Komposita (231). 

2. Trennbarkeit der Verbalkomposita (232). 3. Dje 
Nominalstamme als erste Kompositionsgheder (233). 

Dritter Hauptteil: Syntax. 

Einundzwauzigstes Kapitel. Vorbemerkungen. Der ein- 

fache Satz: Nomen und Pronomen (234-284) . . .161-188 

Vorbemerkungen (234). 1. Genus. 1. Doppel- 
geschlechtigkeit (235). 2. Inkongruenz der gram- 
matischen Genera (23G). II. Numerus. 1. Plurale 
von Abstrakten (237). 2. Pluralia tantum (238;. 
3. Tnkongruenz der Numeri (239). III. Die Kasus. 
Literatur (240). 1. Nominally (241245). 2. Akku- 
sativ (246251). 3. Dativ (252260). 4. Genitiv 
(261-267). Anhang: Prapositionen (268271). 

IV. Adjektiva (272274). V. Pronomina 
(275283). Anhang: Stellung der Nomina und Pro- 
nomina (284) 

Zweinndzwanzl gates Kapitel. Der einfache Satz: DasVcr- 

bum. Die Negation. Die einfache Frage (285328) 188-219 

I. Genus. Das Passiv (285287). II. Nu- 
merus. 1. Der Dual (288). 2. Inkongruenz zwi- 
schen Pradikat und Subjekt (289). III. Aktions- 
arten. Literatur (290). Begnff (291). A. Die in- 
choative Aktionsait (292). B. Die durative oder 
imperfektive Aktionsart (293). C. Die perfektive 
Aktionsart (294). 1. Perfektive Komposita (295). 2. Per- 
fektive Simplizien (296). 3. Nicht perfektivierbare Dura- 
tiva (297). 4. Die Aktionsart nach Hilfsverben (298). 

IV. Zeitstufen. 1. Die gegenwSrtige Handlung 
(299). 2. Die zukanftige Handlung. Literatur (300). 
A. Das durative Futurum (301). B. Das perfektive Fu- 
turum (302). 3. Die vergangene Handlung (303). 
V. Modi. Definition (304). 1. Der Optativ (305 bis 
308). 2. Der Imperativ (309). Anhang: Stellung 
des Verbums (310). VI. Das Verbum infinitum. 



XII Inhalt. 

Seite 

Definition (311). 1. Der Infinitiv (312319). 
2. Das Partizipium (320326). Die Negation (327). 

Die einfache Frage (328). 
Dreiundzwanzlgstes Kapitel. Der zusammengesetzte 

Satz (329370) 219-256 

Literatur. A. Parataxe. 1. Kopulatives Ver- 
haltnis (329-331). 2. Disjunktives Verhaltnis (332). 

3. Adversatives Verhaltnis (333337). 4. Kon- 
sekutives Verhaltnis (338). 5. Kausales Verhaltnis 
(339.340). Die Modi der Parataxe (341). B. Hy- 
potaxe. I. Relativsatze. Literatur (342). Die 
Relativa (343347). Attraktion (348. 349). Inkon- 
gruenz (350). Modusgebrauch (351). II. Relati- 
vische Konjunktionalsatze. A. Die Konjunktionen 
ei, fei, fatei (352355). Personenverschiebung in 
der indirekten Rede (356). Modusverschiebung in der 
indirekten Rede (357). Die Zeitfolge in den optati- 
vischen Nebensatzen (358). B. fan fanei und Ge- 
nossen (359). Modusgebrauch (360). G. Verglei- 
ohungssatze mit swe (361). III. Indirekte Frage- 
satze (362). IV. Bedingungssatze. Literatur (363). 
Allgemeines (364366). 1. Konjunktionale Bedin- 
gungssatze. A. jalai (367). B. nibat, niba (368). 
C 4 .jappe japfe (369). 2. Konjunktionslose Be- 
dingungssatze (370). 

Vierter Hauptteil: Texte. 

Vorbemerkungen 257 

Matthaeus-Evangelium 258285 

Anhang: Die Nachricht Busbecks uber das Krimgotische 286288 

Wtfrterverzeichnis 289-311 

Berichtigrnngen und Nachtrfige 312 

Erlauterung der Abktirzungen 313 



E i n I e i t u n g. 

Erstes Kapitel. 
Literaturangaben. 



I. Gesamtausgaben. 

1. von der GabelcntzH. G. u. L6be J. Ulfilas. Veteris et 
novi testamenti versionis gothicae fragmenta quae supersunt. Vol. I 
Text; II, 1 Glossar. Leipzig 1843. 11, g Grammatik. Ebd. 1846. 

Text veraltet, Koni mortar auch neben dent Bernhardts noch 
wertv>olt', Glossar und Syntax unentbehrUch. 

Mafcmann H. F. Ulfilas. Die h. Schriften alien und neuen 
Bundes in goth. Sprachc. Stuttgart 1857. 

Text wertlos, obwohl filr CA Uppstroms Abdruck benutzt ist; 
Beigaben z. T. noch brauchbar. 

Auf Uppstroms Lesungen beruhn: 

Bernhardt E. Vulfila oder die gotische Bibel mit dem 
entsprechenden griech. Text und mit kritischem und erklSrendem 
Komraentar nebst deni Kalender, der Skeireins u. den got. Urkunden. 
Halle 1875. 

Versuch Wulfilas Text herzutttellen (vgl. Gering ZZ. 7,103)\ 
darikenswerter Kommentar; der grieck. Text ist durch eklektisches 
Verfahren dem qotischen so viel als moglich angeglichen. Einen 
nur wenig ver&nderten Abdruck des gotischen Textes der gro&en 
Ausgabe bietet Bernhardts Handausgabe (mit Glossar), Halle 
1884. Auf Bernhardts Text beruht Balg G. H. The first 
Germanic Bible. Milwaukee Wis. 1891 (mit ausfilhrlichem Grlossar 
und sorgfaltiger Syntax). 

Wrede F. Stamm-Heynes Ulfilas oder die uns erhaltenen 
Denkmaler der gotischen Sprache. Text, Grammatik, WOrterbuch. 
11. Aufl. Paderborn 1908. 

Vgl. Verf. IF. Anz. 7,250ff., Kauffmann ZZ. 31,90ff. 
Wrede HZ. Am. 47,329ff. 

Auf den Lesungen Wilhelm Bra uns in Mailand beruht 
Streitberg, Gotisches Elementarbuch. 1 



2 Einleitung. [1-2. 

Streitberg W. Die gotiscbe Bibel. I. Der got. Text u. seine 
griech. Vorlage, mit Einleitung, Lesarten und Quellennachweisen 
sowie den kleinern Denkmalern als Anliang. Heidelberg 1908. 
II. Gotisch-griechisch-deutsches WoYterbuch. Ebd. 1910. 

Nicht die Urform, sondern die Grrundlage zu ihrer Rekon- 
struktion ivlrd geboten , die got. Texte sind daher auch bei Parallel- 
uberlieferung vollMndig abgedruckt. Der Text der griech. 
Vorlage ist nach den Forschungen de Lagardes, Kauffmanns, 
v. Sodens liergestellt-, die Abweichungen des got. Texles vom Ori- 
ginal werden auf ihre Quellen zunlckgeftilirt, d. h. 1. auf den Ein- 
flu& fremder BiMte.rte, zumeist der altlateimschen Vbersetzung; 
2. auf die Einuirkunff der Parallelstellen. Die Einleitung 
stellt a. die Nadir ichUn tiler Wulfila zusammen, behandelt to. die 
Vberlieferung der got. Bibel und c. das Verhaltnis des got. Textes 
zu seiner Vorlage. 

II. Grammatische Gesamtdarstellungen. 

J8. Aufier den schon erwcihnten Grammatikeii von Gabelentz- 
Lobe und Wrede sind zu nennen 

Meyer L. Die gothische Sprache. Ihre Lautpestaltung, ins- 
besondere im Veihaltnis zum Altmdischen, Griechischen und Latei- 
nischen. Berlin 1809. 

Vergleicliende Lautlehre, auf voUMndigem Material beruhend, 
in der Auffassuny veraltet. 

HoltzmannA. Gothische Lautlehre in des Verf. Altdeutscher 
Grammatik 1. Bel. (Leipzig 1870) S. 352. (Rein desknptiv.) 

Bernhardt E. Kurzgeia&te gotische Grammatik. Anliang 
zur got. Bibel des Vulfila. Halle 1885. 

Syntax als knappe Zusammenfassung der Ergebmsse von Bs. 
Untersuctmngen willkonimen. 

Le Marchant Douse T. An introduction, phonological, 
morphological, syntactic to the Gothic of Ulfilas. London 1886. 

Brauchbare Syntax. 

Braune W. Gotische Grammatik. Mit einiyen Lesestucken 
und Wortverzeichnis. 7. Aufl. Halle 11)09. 

Laut- und Formenlehre; reichhaltige Literaturangaben. 

Wright J. A primer of the Gothic language, with grammar, 
notes and glossary, a. Aufl. Oxford 1899. 

Vergleichende Lautlehre ; knappe Syntax. 

Bethge R. Gotische Grammatik in Dieters Laut- und 
Formenlehre der altgerman. Dialekte. Leipzig 18981900. 

Historische Darsiellung auf vgl. Grundlage. 

Kluge Fr. Geschichte der gotischen Sprache in Pauls Grund- 
rift der german. Philologie 2 1,497 517. 

Dilrftige tikizze der Entwicklung des Gotischen. 



2. 3.] Ldteraturangal>en. 3 

Eine Aufz&hlung der wichtigern grammatischen Darstellungen, 
die sich nicht auf die got. Sprache beschr&nken oder sie zwn 
Mittelpunkt haben, findet man in des Verf. Urgenuaiiischer Gram- 
matik (abgekilrzt UG.). 

III. Wortforschung. 

3. Aufter dem schon. erwffhnten Glossar von Gabelentz- 
Lobe (Rcihenfolge dex got. Alphabets-, fast voltsttindiye SteUenan- 
gabe\ als Annang ein grlech.-got. Worterverzelchnuf) aind zu nennen 

Schulze E. Gothisches Glos&ar. Mit einer Vorrede von Jacob 
Grimm. Magdeburg [1848]. 

Etymologische Anordnuny. Erstrebt Vollstllntliglceit, auer bei 
einigen Konjuwktiowen und Partikeln. Noch mimer unen1behrlich t 
obwohl auf vor-uppstrom'sdiem Text beruhcnd. 

Schulze E. Gothisches Worterbuch nebst Flexionslehre. Zul- 
lichau 1S07. 

Alphabet isch geordneter Auszug aus dem groMct n Werk; 
ohne Bt'lcge. Nur (fureh die (nicht tinnier verh'iMiche) Zusammen- 
stellung der uberlieferten Flexion sformen erwilhnensi' i*rt. 

Diefenbach Lor. Vergleichendes Wdrterbuch der gothischen 
Sprache. 2 Bande. Frankfurt a. M. 184(> u. 1851. 

Balg G. H. A comparative glossary of the Gothic language 
with especial reference to English and German. Mayville Wis. 
1887-89. 

TThlenbeck G. G. Kurzgefafates etymologisches Worterbuch 
der gotischen Sprache. 2. Aufl. Amsterdam 1900. 

Eine 3. Aufl. wird von E. Lirfdn vorbereitet. Vgl. auch 
die Ergcinzungen des Verf. PBB. 27,113 36 [Bemerkungen zu 
74 Wb'rtern\-, eld. 30,252327 \40l Worter\\ Tijdschr. v. Nederl. 
Taal- en Letterknnde 25,245307 [276 Worter]. 

Feist S. Etymologisches Worterbuch der gotischen Sprache, mit 
Einschlufi des sog. Krimgotischen. Halle 1909. 

Hierdurch iat des Verf. 'Grundrifi der got. Etymologic 9 
(Stra&b. 1888) antiquiert. 

von Grienberger Th. Untersuchungen zur gotischen Wort- 
kunde. (Sitzungsberichte d. kais. Akademie der Wjssenschatten in 
Wien, phil.-hist. Klasse. Bd. 142.) Wien 1900. 

Gal lee J. H. Gutiska. Lijst van gotische woorden, wier ge- 
slacht of buiging naar analogic van andere gotische woorden, of 
van net oud-germaansch wordt opgegeven. Haarlem 1880. 
Gutiska II. De Adiectiva in het Gotisch en hunne suffixen. Ut- 
recht 1882. 

Priese O. Deutsch-gotisches Worterbuch nebst einem An- 
hange, enthaltend eine sachlich geordnete Cbersicht des gotischen 

1* 



4 Einleitung. [ 35. 

Wortschatzes und eine Sammlung von Redensarten und Sprftchen. 
Leipzig 1890. 

H e i n s i u s J . Nederlandsch-gotische Woordenlijst. Groningen 
1893. 

Einzeluntersuchungen sind, soiveit der Rdhmen des Elementar- 
luchs ihre Nennung gestattet, an der ihnen gebuhrenden Stette an- 
gefuhrt. Eine vollstdndige got. Bibliographic findet man im 
'Jahresbericht uber die Erscheinungen auf dew Gebiete der 
germ. Pfalologie'* und im *Anzeiger fUr idg. Sprach- und Alter- 
twnskunde* (dbgekiirzt IF. Anz.). In dem Sammelband *Ergeb- 
nisse und Fortschrilte der germanistischen Wissenschaft im letzten 
Viertdjahrhundert* lirsg. von R.Bcthge (Leipzig 1902) gibt It. Lowe 
S. 26 36 eine treffliche (fbersicht i'tber die wichtigem Erscheinungen 
der Jahre 18791902. 



Zweites Kapitel. 
Die Goten, 



4. ZeuB K. Die Deutschen und die Nachbarstamme. Mtin- 
chen 1837. (Anastatischer Neudruck, Gottingen 1904.) 

Bremer 0. Ethnographic der germanischen Stamme. Pauls 
Grundrifc der germ. Philologie 2 3,735ff. (1900). 

Much R . Deutsche Stammeskunde (Sammlung GQschen Nr. 126). 
2. Aufl. 1905. 

v. Erckert R. Wanderungen und Siedelungen der german. 
Stamme in Mitteleuropa. Berlin 1901. 

Schmidt L. Geschichte der deutschen Stamme his zum Aus- 
gange der Volkerwanderung. 1. 3. Heft. Berlin 1904. 05. 07. 
(Quellen und Forschungen zur alten Geschichte und Geographic, 
herausg. von W. Sieglin). 

Schmidt L. Allgemeine Geschichte der germanischen V51ker 
his zur Mitte des sechsten Jahrhunderts. Miinchen u. Berlin 1909. 
(S. 83130.) 

5. 1. Plinius Hist. nat. 4,99 sagt: Vandili quorum 
pars Burgundiones, Varinne, Charini, Gutones. Tacitus 
Germ. 43 berichtet von den Grutones, Eugii und Lemovii: 
omniumque harum gentium insigne rotunda scuta, breves gladii 
et erga reges obsequium. Prokop Bell. Vand. 1,2 erklart: 

Oi I9vn TioXXd jiev Kai aXXa 7TpoT6p6v re Tjv Kai ravOv 



5.] Die Goten. 

fecn, Td b bf| irdvTiuv ueYicrd T Kai d&oXoYurraTa 
TE eicri Kai BavbiXoi Kai Owci'YOTGoi Kai fr|Traibec . . . OUTOI 
Siravrec 6v6uaa JLI^V dXXrjXuuv biacpepouav . . . aXXuu b TUJV 
TtdvTUJv oubevi biaXdccouci. AeuKoi yap amxvTec td cdbjaaTd 
re eki Kai Tdc Kouac HavGoi, eujurJKeic re Kai aTaGoi rdc 
Sipeic, Kai VOJLIOIC julv TOIC auioic xpwvrai, 6|ioiiwc b^ 
id fee TOV 6eov auioic ^(TKrjTai. Jf\c fdp 'Apeiou 
eiciv ctTraviec, qpuuvri re auioic CCTI juia, 
XeTOfievri, Kai juoi boKoOv e fevoc ja^v eivai atraviec 
TO TiaXaiov ?0vouc, ovojuaa b^ utfiepov TUJV feKacTOic 
f|tri(TajLievuJV biaKKpic9ai. Auch die Rugier, Skiren und die 
germanisierten, urspriinglich skythischen Alanen rechnet 
er Bell. Goth. 1,1; 3,2 zu den gotischen Volkern. 
Sein Fortsetzer Agathias nennt 1,3 die Burgundionen ein 
fvoc ToTGiKov. Auch in einer Notiz aus der Mitte des 
5. Jhs. wird der wandalische Konigsname Gensericus als 
gotisch, ehenso die Sprache der Wandalen als lingua 
gotica bezeichnet, vgl. Kauffmann ZZ. 33, Iff. 

Alle Autoren heben somit die ethnische Zusammen- 
gehorigkeit der Volker, die wir jetzt ostgermanische 
(im Gegensatz zu den nord- und den westgermanischen) 
zu nennen pflegen, scharf hervor. Plinius gibt als Ge- 
samtnamen Vandili, wahrend aus den Zeugnissen des 
5./6. Jhs. erhellt, dafi damals der Gotenname als zu- 
sammenfassende Bezeichnung gebrauchlich war, vgl. KaufT- 
mann Byzant. Zeitschr. 9,203. 

2. Jordanes Get. 4,25 erzahlt von der Herkunft der 
got. Volker: Ex hac igitur Scandza imula, quasi offidvia gen- 
tium, aut eerie velut vagiiia iiationum cum rege suo nomine 
Berich Gothi quondam memorantur egressi: qui ut primum e 
navibus exeuntes terras attigere, illico loco nomen dederunt. 
Nam hodie illic, ut fertur, Gothiscandza 1 vocatur. 



1 Nach A. Kocks evidenter Deutung (Historisk Tidskrift 1905 
S. 19 l ) steht Gothiscandza fUr 6 o^^c-*S T caw^a f Gotisch-Skandinavien 5 . 
Kossinna IF. 7,287 hatte Verschreibung i'flr Codanisca (= Danzig) an- 
genommen. Der Bedeutung nach anstSfiig ist v. Grienbergers 
Auffassung des Wortes als *Guti8k-andia e gotische Kuste'. 



6 Einleitung. [ 5. 

Die Sage von der skandinavischen Urheimat 1st 
den Goten nicht allein eigen; sie erscheint auch in der 
tfberlieferung von acht andern german. Volkern, vgl. 
Schfitte HZ. Anz. 46,7. Es liegt kein Grund vor, sie zu 
verwerfen. Ethnisch sind also die Goten wie iiber- 
haupt die Ostgermanen nur eine Absplitterung der Nord- 
germanen. Die L an dung ist aller Wahrscheinlichkeit 
nach bei dem inselartigen Weichseldelta erfolgt, vgl. Kos- 
sinna Die ethnologische Stellung der Ostgermanen IF. 
7,276ff. Tacitus Germ. 43 kennt die Goten trans Ly- 
gios d. i. nordlich der Lygier, also vermutlich innerhalb 
des Weichselknies bis zur Miindung. Dort kennt sie auch 
Ptolemaeus. Nach den archaologischen Funden 
scheint im Westen das Weichselufer von Schwetz bis 
Hela, im Osten das Kulmerland zu den altesten Sitzen 
der Goten gehort zu haben und die Ausbreitung im Norden 
von Westen nach Osten erfolgt zu sein, vgl. Schmidt 1,52. 
Das Weichseldelta batten die Gepidae inne, daher dessen 
Name Gepidojos d. i. Gepid-aujos 'Gepideninseln'. 

3. Nach der Mitte des 2. Jhs. n. Chr. begannen die 
Goten ihre Sitze zu verlassen, doch ist die Raumung all- 
mahlich erfolgt und nicht vor dem Beginn des 3. Jhs. ab- 
geschlossen. Ihr Aufbruch ist zweifellos die Veranlassung 
des sog. Markomannenkrieges (166 80). 

Vor 238, wo der erste grofie VorstoC der Goten gegen 
romisches Gebiet erfolgte, mufi sich die Gesamtheit des 
Gotenvolks am Pontus niedergelassen haben: von den 
Grenzen Daciens bis zu den Ufern des Don erstreckte sich 
das gotische Gebiet. Nun vollzieht sich die Trennung des 
Gesamtvolks in zwei politisch selbstandige Stamrne, deren 
Grenze der Dnjestr bildet: 

1. Ostrogothae, -gothi (Grreutmgi) im Osten. 

2. Wisigothae, -gothi (Tervingi) im Westen. Der Name 
des Konigs Ostrogotha, der gegen Ende des 3. Jhs. gelebt 
zu haben scheint, Betzt die Trennung voraus; genannt 
werden die Sondernamen zum erstenmal bei Gelegenheit 
eines Einfalls unter Kaiser Claudius (vermutlich seit Marz 



5.] Die Goten. 7 

268). Die Bezeichnungen Greutungi und Tervingi, deren 
Alter wohl durch den ekand. Stammesnamen Greotingi 
(Jordanes Get. 3,22) erwiesen wird, verschwinden, sobald 
die Goten das Pontusgebiet verlassen. 

Sowie die Goten sich in ihren neuen Wohnsitzen kon- 
solidiert haben, beginnen sie die Einbruche in romisches 
Gebiet, vgl. Rappaport Die Einfalle der Goten in das 
romische Reich. Leipzig 1899. Seit 257 ist die Provinz 
Dacien dauernd dem Reiche verloren; 274 wird sie offi- 
ziell aufgegeben, das nordlich der Donau stehende Militar 
zuriickgezogen. Zu Beginn des 4. Jhs. besitzen die Wisi- 
goten die Moldau und die grofie Walachei (Niedermosien 
jenseits der Donau). 

Anmerkungen. 
Die Namen. 

Vgl. Rafimann in Ersch u. Grubers Enzyklopadie, Sektion I, 
Bd. 75, S. 494,1. Wrede Oatgoten S. 44. A. Erdmann Cm iblk- 
namen Gotar och Gofer. Stockholm 1891. Bugge Norges ind- 
skrifter med de sfcldre runer. Heft 3. Chnstiania 1893. 1895 

5. 152 ff. 

1. Die Schreibung. a) Konsonantismus. Der Name ist mit 
f, nicht mit /, th zu schreiben, wie Gnt-piuda 'Gotenvolk^ des got. 
Kalenders beweist. Vgl. aisl. Gautar, ae. Geatas 'Bewohner von 
GQtaland 5 : aisl. Gotar c Bewohner von Gotland', ae. Gotan. 
t)ber Gutaniowi auf dem Goldring zu Bukarest vergleiche 15,4. 

Die romische Ubcrlieferung schwankt zwischen t und ih\ in 
spaterer Zeit iiberwiegt th. Phnius Nat. hist. 4,99: Gutones; 37,35: 
Gufombus. Tacitus Germ. 43: Gothones; Ann. 2,62: Gotones. 
In der griechischen Literatur erschemt vielleicht bei Strabo 
Geogr. 7,3 *fouTU)vac (Hss. pouTUJvac, pourovac; die Berechtigung 
zu dieser Anderung ist zweifelhaft) , bei Ptolemaeus Geogr. 3,5 
fijOujvec; sonst uberall T6. f(5T0oi. 

b) V o k a 1 i s m u s. In romischer wi e in gricchischer Schreibung 
ist o fest. Ausnahmen bilden in alterer Zeit die Gutones des Plinius 
und die TOOuuvec des Ptolemaeus. In der rtfrn. Schreibung des 

6. Jhs., vorab im Liber pontincahs, findet sich auch u: Gutt, 
selten Gutti. Die r5m. Orthographic beruht auf der griechischen, 
die ihrerseits Lautsubstitution voraussetzt. Vgl. Collitz Der Name 
der Goten bei Griechen und Rfimern. Journ. Gerrn. Phil. l,220ff. 

2. Die Flexion. Die alteste Uberlieferung zeigt n-Stamm: 
[Strabo *foOTU)Vc], Tacitus Got(h)ones, Ptolemaeus rOGiJuvec. Dazu 
stimmen aisl. Gotar, Gen. Gotna, ae, Gotan. Die spatern Quellen 



8 Einleitung. [ 5. 

kennen beim Simplex nur die 2. Deklination: Gothi, F6T0oi; dies 
weist auf germ, starke Flexion zuruck (got. *Gut6s). Auffallig 1st, 
da& bei Jordanes und Paulus Diaconus die Komposita im Gegen- 
satz zu den Simplizien der 1. Deklination folgen: Wese-gofhae, 
Ostro-gothae gegemiber GatM. Die feminine Flexion setzt einen 
got. Nominativ *Wisi-guta, * Auxtra-guta voraus. Da nach einem 
altgermanischen Bildungsgesetz dem a-Stainm des Simplex em 
tt-Stamm im zweiten Kompositionsglied entspricht man vergleiche 
got. leik: wan-leika, aisl. staff- rad-sfafe, ae. trum: wyrt-truma, 
ahd. tag: suon-tago so darf man vermuten, da& die n-Flexion 
des Simplex dem Einflufi der Komposita zuzuschreiben sei. 

3. Die Etymologie. a) Der Gotenname ist unerklart; Yer- 
mutungen bei Much PBB. 17,17 ( Jf. im Anschlufi an Lottner KZ. 
5,154. 

b) Jordanes Get. 14,82 deutet Wisi-gothae und Ostro-gothae 
als 'West 5 - und 'Osfyoten. Mit Unrecht. Statt Wisi-gotliae er- 
scheint in der iiltesten Zeit (bei Trebclhus Pollio, Claudius Claud lanus, 
Sidomus Apollinaris und Avitms) nur Visi Vest im Sinne von 
r Goten"; erst in der Mitte des 6. Jhs. tritt neben Visi das Kornpo- 
situm Wisi-gothae. Das Etymon ist iclg. *i<esu- r guf ai. rdsu- illyr. 
vese- kelt. vesu- germ, wesu- wisu-. Der Ersatz von u durch i in der 
Kompositionsfuge ist ebenso wie die i- Deklination alter w-Stamme 
durch dio Stammabstufung der e?M-I3ildungen veranlafat. [Frantzens 
unbedachter Einfall msi- mil ahd. wtea e Wie.se" zu identifizieren 
(KZ. 4!2, 1531) bedarf kemer Widerlegung. Vgl. fibrigens Yerf. An- 
nalen des nassauischen Altertumvereins 1894 S. IBlff.] Der 
friiheste Beleg des OstgotennamenM bei Treb. Pollio: Grutnnyi 
Austrogoti, Tervingi Visi, Gepides. Hier ist der Name der 
Hiinmelsrichtung wahrscheinlich als erstes Kompositiousgliecl anzu- 
nehmen; die Bezeichnung schemt aufgekommen zu scin, als der 
Stamm der Amaler in der pontischen Steppe der Ostnachbar der 
Wisigothae war. Durch sie wurcle die volksetymologischo Unideutung 
von Wisigothae in r Westgoten' hervorgerufen. Vgl. Verf. Osl- und 
Westgoten, IF. 4,30009; Wehrle Zeitschr. f. deutsche Woit- 
ibrschung 8,334387; Belege fur die Formen des Obtgotcnnamens 
S. 339. 

c) Zur Deutung der Namen Greutungl und Tervingi vgl. die 
Vennutung von Zeufi S. 407. Verfehlt ist Frantzens Erklarungsver- 
such (KZ. 42,330f.). 



6.] Wulfila. 

Drittes Kapitel. 
Wulfila. 



i. Wulfilas Leben. 

6. Weitaus die Hauptmasse der uns erhaltenen go- 
tischen Sprachdenkmaler verdankt dem Westgotenbischof 
Wulfila ihre Entstehung. 

I. Die Quellen. 

l)ber Wulfilas Leben sind wir (lurch folgende Quellen unter- 
richtet: 

A. Arianische Autoren. 

1. Dcr Codex latinus 8907 der Pariser Nationalbibliothek cut- 
halt von Fol. 5298 31 1 ' und von 336349 auf den Kandern den Eintrag 
einer und derselben Hand m der Halbunciale des 0. Jhs. Wie Usener 
Lileraturbl. 1900 Sp. 303 erkannt hat, 1st mindestens der erste Ab- 
schnitt nur im Auszug erhalten. Nach der herrschenden Ansicht 1 
bietet die Randschnft die Kopie ciner zwisohen 382 und 3S4 ver- 
fafiten Streitschrift gegen den MaiUnder Bischof Ambrosius (f 397). 
Ihr Verfasser, ein mcht mit Sirherheit zu identifizierender 
ariamscher Hischof Maximmus 2 , verteidipft die von dem Eonzil zu 
Aquileia (3. Sept. 381) wegen Haresie ihresAintes entsetzten illyrischen 
Bischofe Palladius von Ratiaria und Secundianus. Im ersten Toil 
dieser Randschrift iindet sich Fol. 304' 308 ein Schreiben des 
arianischen Bischofs Auxentius von Dorostorum (Silistna) in 
Moesia inferior. Anfantf und Schlufs des Schreiben^ felilen. Auxen- 
tius schildert Glauben, Leben und Sterben seines Lehrers und vater- 
lichen Freundes, des Gotenhischofe Wulfila. Au^erhalb des 
Schreibens erschcirit der Name Wulfilas noch Fol. 304. 309' und in 
einer spatern, verworrenen Sclilulsnotiz Fol. 349. 

1 Bessell Leben des Ulfilas S. Cf. f Vogt IIZ. Anz. 4(i,192~97, 
BDhmer Realenzyklopadie f. prot. Theol. 3 ^1,548 erklaren den 
zweiten Teil (Fol. 33649) fiir erne sclbstandige Streitschrift des 
Palladius. Gegen Vogt Kauffniann ZZ. 34,519 ff. 

* Mafimann Munchener Gelehrte Anzeigen 12 (1846), 280, 
KauffmannTU. 1,L1V u. Bohmer(-Roniundt) Zeitschr. f. wissenschaftl. 
Theologie 46,401 sehn in ihm jenen Gotenbischof M., der 427 zu Hippo 
mit Augustin disputierte (vgl. das Protokoll MSL. 42,709 ff.; Ge- 
naueres uber M. Dictionary of Christian Biography s. v.); Waltz Leben u. 
Lehre des Ulfila S. 27 und v. Schubert in Hollers Lehrbuch der 
Kirchengeschichte 2 1,486 lehnen diese Gleichsetzung ab. 



10 Einleitung. [ 6. 7. 

Kauffmann Aus der Schule des Wulfila. Aitxenti Dorosto- 
rensis epistula de fide, vita et obitu Wulfilae im Zusammenhang 
der Dissertatio Maximini contra Ambrosium. (Texte und Unter- 
suchungen zur altgerm. Beligionsgeschichte. Texte 1.) Stralsburgl899. 

Vgl. die Rezensionen von Usener Literaturbl. f. germ. u. 
roman. Phil. 1900, S. 362 ff. ; Streitberg Lit. Centralbl. 1900,Sp. 1177ff.; 
SchOnbach Deutsche Literaturzeitung 1900, Sp. 3223ff.; Vogt HZ. 
Anz. 46,190ff. und die Selbstanzeige des Verf. ZZ. 34,517ff. (da- 
zu Vogt HZ. Anz. 47,167). 

2. Die Epitome des Photius zu der verlorenen Kirchen- 
geschichte des Eunomianers Philostorgius (t nach 425), der die 
Kirehengesohichte des Eusebius von Caesarea fortsetzte (MSG. 65); 
vgl. 11,5. Lufts Versuch (HZ. 42,296 IT.) Auxentius als Quelle des 
Philostorgius nachzuweisen, ist verfchlt. 

B. Orthodoxe Autoren. 

3. Sokrates (ed. Husscy, Oxford 1853; MSG. 67), vgl. 11,41 
1V,33.34; 4. Sozomenos (ed.Hussey, Oxf.1860; MSG. 67), vgl.IV,24 
VI,37; 5. Tbeodoret (MSG. 82); vgl. 1V,33. Allc drei setzten urn die 
Milte des 5. Jhs. die Kirchengeschichte des Eusebius fort. Am wert- 
vollsten ist Sokrates; Sozomenos ist von ihm abhangig, geht aber 
auch vielfach zu den Quellen des Sokrates zuriick; Theodoret hat 
den Sozomenos ausgeschrieben. 

Eine temlenzio'se Bearbeitung der Mitteilungen des Sokrates 
sind 6. die aus der 2. Halite des 5. Jhs. stammenden Act a 
S. Nicetae (Acta Sanct. Sept. 5,40ff.), vgl. G. Kaufinann HZ. 
27,231ff. 

Von lateinischen Srhnftstellern sind erwiihnenswert : 
7. Jordanes (f um 560) De ori^ine actibusque Getaruui (ed. Mommseu 
Mon. Germ, hist, Auctorcs antiquissimi Bd. 5,1), vgl. Kap. 51 (ge- 
schrieben 551). 8. I si dor von Sevilla (f 636) Historia Gothorum 
(ed. Mommsen ebd. Bd. 11), vgl. Kap. 8. 9. Walatrid Strabo 
(|849) Libellus de exordiis et incrcrnentis rerum ecclesiasticarum 
(ed. V. Krause Mon. Germ, hist., Legum Sectio IT Gapitularia II), 
vgl. Kap. 7. 10. Cassiodor (f um 570) iibersetzt in seiner 
Historia ecclesiastica tripartita Sokrates, Sozomenos und Theodoret, 
hat also keine selbstandige Bedeutung; nur dadurch wichtig, da& er 
dem westl. Europa die Kenntnis der Tatsachen vermittelte. 

Alle fur die Geschichte Wulfilas in Betracht kommenden Texte 
sind in des Verf. Got. Bib el S. XIII XXV abgedruckt. 

II. Kritische Untersuchungen. 

7. Waitz G. Cber das Leben und die Lehre des Ulfila. 
Bruchstflcke eines ungedruckten Werkes aus dem Ende des 4. Jhs. 
herausgeg. und erlautert. Hannover 1 840. 



7.8.] Wulfila. 11 

Ver&ffentlicht zum erstenmal das von Knust 1840 entdcckte 
Schreiben des Auxentius. 

Bess ell W. Ober das Leben des Ultilas und die Bekehrung 
der Goten zuni Christentum. Gottingen I860. 

Kaufinann G. Kritische Untersuchung der Quellen zur Ge- 
schichte Ulfilas. HZ 27,11)3-361. 

Krafft W. Ulfila. Realenzyklopadie f. protest. Theologie* 
16,140ff. 

Sievers E. Pauls GrundriS d. germ. Philologie 1 , Bd. 2, 
Abt. 1,6770. 

Vogt Fr. Wulfila. Allgem. deutsche Biographic 44,27087. 

Streitberg W. Wulfila. Pauls Grundrifi 8 2,428. 

Bohmer H. Wulfila. Realenzyklopadie fur protest. Theo- 
logie 8 21,54858. 

III. Lebensgeschichte. 

8. Wulfila entstammt nach Philostorgius einer christ- 
lichen Familie aus Sadagolthina bei der (wahrscheinlich 
am Halys gelegenen) Stadt Parnassus im westlichen Kap- 
padocien. Seine rrpOTOVOt d. i. GroMtern wurden im 
Jahre 264 von cinbrechenden Gotenscharen entfuhrt. 1 
In gotischer Umgebung und als Gote ist Wulfila geboren 
worden: sein Yater ist vermutlich ein Gote gewesen, seine 
Mutter eine Kappadocierin. Nach Auxentius ist er mit 
30 Jahren als Lektor zum Bischof geweiht worden. Nach 
Philostorgius erfolgt die Weihe durch Eusebius (von Niko- 
medien) und die bei ihra weilenden Bischofe, als Wulfila 
unter Konstantins Regierung an einer Gesandtschaft teil- 
nahm. Die chronologischen Schwierigkeiten, die diese An- 
gabe bereitet, lassen sich am besten losen, wenn man Ge- 



1 Da Donaugoten, soviel wir wissen, nieinals nach Kappadocien 
gelangt sind, mufite der Einfall von Knmgoten ausgofiihrt word en 
und die Gefangenen durch Tauseh in das Donauland gekommea 
sein, vgl. Schmidt 1,69 (was Rappuporl S. 65 zur Begrundung 
dieser Vennutung sagt, ist allerdings verfehlt). Aus diesem Ura- 
stand folgt jedoch nicht, dafi die Nachricht des Philostorgius uber- 
haupt unglaubwQrdig sei, wie Bessell S. llOff. und G. P. V. Kirchner 
Die Abstammung des Ulfilas (Jahresber. der stadt. Realschule I. 0. 
zu Chemnitz, Ostern 1879) behaupten. Vgl. gegen Bessells Beweis- 
fiihrung G. Kaufmann HZ, 27,115 2H tJber kappadocisch- 
gotische Beziehungen vgl. auch Schmidt 1,90. 



12 Einleitung. [ 8. 

sandtschaft und Bischofsweihe trennt, jene in die letzte 
Lebenszeit Konstantins (f 337), diese unter Konstantius 
ansetzt. Da Eusebius 341 starb, erhalten wir einen ter- 
minus ad quern. Moglich bleibt, daC die Weihe 339 40 
erfolgt sei, da Eusebius als Bischof von Konstantinopel 
eingesetzt wurde nnd deshalb die arianisch gesinnten 
Bischofe zur Hauptstadt berufen worden waren, vgl. Sievers 
PBB. 20,322, wahrscheinlicher jedoch ist, daC die Or- 
dination im Summer 341 auf der Kirchweihsynodc zu 
Antiochicn stattfand. Wulfila war der erste Bischof im 
Gotenland jenseits der Donau, damals wohl Chorbischof 
ohne festen Bischofssitz. l 

Fallt die Weihe in das Jahr 341, so mufi Wulfila 
um 311 geboren sein. 

Wie Auxentius berichtet, wirkte Wulfila sieben Jahre 
segensreich in seiner Gemeinde, trotz aller Verfolgungen 
eines heidnischen index Gothorum. Nach mancherlei Noten 
und Fahrden sah er sich jedoch schliefilich gezwungen, 
mit den Seinen die Donau zu iiberschreiten. Der Kaiser 
wies den Goten Wulfilas Wohnsitze in Moesia inferior an, 
am Fufie des Haemus, nicht fern von Nikopolis (Auxen- 
tius, Philostorgius; Jordanes); zugleich ernannte er ihn 
zum Primas d. h. Richter 2 der Goten (Jordanes). Noch 
33 Jahre hat nach Auxentius Wulfila auf romischem 
Boden des bischof lichen Amtes gewaltet 3 und an vielen 
Konzilien teilgenommen: unterrichtet sind wir nur iiber 
seine Anwesenheit auf dem Konzil von Konstantinopel 
i. J. 360, dessen Symbol er unterzeichnet hat (Sokrates, 
Sozomenos 4,24). 

* BOhmers Einwand Realenzyklopadie S. 550 trifft fdr die 
ersten sieben Jahre nicht zu. Vgl. auchPfeilschifterVeroffentlichungen 
aus dem kirchenhistor. Seminar Miinchen, 3. Reihe, Nr. 1, S. 199. 

8 Zum Titel vgl. Heumann-Seckel Handlexikon zu den Quellen 
des rom. Rechts 9 unter Trimas\ 

3 De Lagardes Vermutung, da& Wulfila gleich Auxentius 
Bischof von Dorostorum gewesen sei, widerlegt v. Schubert in 
Mailers Lehrbuch der Kirchengesch. 2 1,485 Fufmote; vgl. auch 
Bohmer Realenzyklopadie S. 549. 



8.] Wulfila. 13 

Nach Sokrates soil der Gotenhauptling Fritigern, im 
Zwist mit Athanarich, auf romisches Gebiet geflohen sein. 
Auf seine Bitte habe ihn Kaiser Valens durch die in 
Thracien stehenden Truppen unterstiitzt und Athanarich 
besiegt. Unklar ist, in welchem chronologischen Verhalt- 
nis diese Vorgange zu dem Friedensvertrag zwischen Valens 
und Athanarich vom J. 369 stehn, ob sie ihm vorausgehn 
oder folgen. Zum Dank fur die Hilfe soil Fritigern mit 
seinen Goten zum Glauben des Kaisers iibergetreten sein. 
Wulfila habe bei der Bekehrung von Fritigerns Anhangern 
mitgewirkt und durch tfbergriffe in Athanarichs Gebiet 
blutige Verfolgungen hervorgerufen. Wie es auch um 
diese Behauptung bestellt sein moge, jedenfalls ist sicher, 
dafl von 369 bis mindentens 372 im Gotenlande nordlich 
der Donau grofic Christen verfolgungen stattfanden, von 
denen Arianer wie Orthodoxe gleicherweise betroffen 
wurden. 1 

tHber Wulfilas Ende sind wir nur durch Auxentius 
unterrichtet, dessen Angaben durch einige Bemerkungen 
Maximins erganzt werden. Wie Maxitnin Fol. 304 er- 
zahlt, reiste Wulfila gemeinsam mit Palladius und Secun- 
dianus nach dem Konzil von Aquileia (3. Sept. 381) an 
den Hof des Kaisers Theodosius, um ein Konzil zur Reha- 
bilitation der beiden Illyrier zu erbitten (Fol. 308. 308'). 
Die Bitte hat Erfolg; das Konzil wird zugesagt (309 r ). 
Diese Bittreise mufi Ende 381 oder wahrscheinlicher 
Anfang 382 stattgefunden haben. 

Von ihr ist Wulfilas Konzilreise scharf zu trennen. 
Diese unternimmt er auf Befehl des Kaisers (Fol. 307'). 
Er wird ad disputationem contra p tas nach Konstantinopel 
berufen. Dort angekommen, sieht er, wie die Orthodoxen 
das verheiCene Konzil zu vereiteln suchen. Er erkrankt 



1 Auch Sozomenos erzahlt von diesen Vorgangen, verlegt sie 
aber falschlich in die Zeit nach dem Hunneneinfall (376) und auf 
das rechte Donauufer; er weifi aufierdem von einer Gesandtschaft 
an Valens zu berichten, an der Wulfila teilgenommen habe. tfber 
seine Auffassung der Bekehrung vgl. 9 Anm. 1. 



14 Einleitung. [ 8. 

sehr bald und stirbt, nachdem er auf dem Todesbett ein 
Glaubensbekenntnis abgelegt hat, dessen Text uns Auxen- 
tius iiberliefert. Unter grofiem Geleite findet das Begrabnis 
statt; denn so zahlreiche Gesinnungsgenossen Wulfilas 
waren in Konstantinopel anwesend, daC dieses den Namen 
Cristianopolis verdient hiitte. 

Dieser Bericht des Auxentius pafit, wie Sievers im 
Anschlufi an v. Gutschmid nachgewiesen hat, einzig und 
allein auf das Konzil, das von Juni bis September 383 
in Konstantinopel tagte. Wir sind dariiber durch Sokrates 
5,10 unterrichtet, dem Sozomenos 7,12 folgt, vgl. Hefele, 
Konziliengeschichte 2 2,41 ff. Der Kaiser erhoffte von einer 
Disputation den AuBgleich der Gegensiitze und hatte 
deshalb nicht nur die orthodoxen, sondern auch die 
haretischen Bischofe geladen. Durch eine Kriegslist der 
orthodoxen Partei ward jedoch die Disputation ver- 
eitelt; der Kaiser begnugte sich damit, die Glaubens- 
bekenntnisse der Parteifiihrer einzufordern. Als er die 
Symbole des Demophilus (Homoer), Eunomius (Anomoer), 
Macedonius (Pneumatomachen) verwarf, verliefien die 
Haupter dieser Richtungen das Konzil. Der Ausgleich war 
somit gescheitert. 

Anmerkungen. 

1. Wulfilas Name, a) t)ber die Namensform vgl. A. Fick 
HZ. 27,244; Bernhardt VII i; Martin HZ. Anz. 32,285; Sievers 
Grundrifi 1 , Bd. 2, Abt. 1,G7; Wrede Ostgoten, S. 71; Vogt S. 271; 
Luft KZ. 36,257; Fcirstemann Namenbuch 2 (1900) 1,1044; VerL 
Pauls Grundrifc 2 2,4. Sokr. Soz. Theod. schreiben OOXtp(Xac, 
Philost. Oup9(\ac (Acta S. Nic. OtfpcpiXoc), Auxentius und Maxim. 
Ulfila, Gassiodor Vulphilas, Jordanes Vulfila, der Spanier Isidor 
Gulfila (Gylfila). Als echt got. Form ist Wulfila zu betrachten; 
dies ist ein Kurzname, der aus einem Vollnamen mit wdfs im 
zweiten Kompositionsglied gebildet ]st. 

b) Henning HZ. 49,14654 macht auf ein Broncepetschaft 
aufmerksam, das die Umschrift Oup9iX(a?) tragt; das von dem 
Namen eingeschlossene Monogramm glaubt Keil als opriTiKou d. i. 
fipemKoO lesen zu durfen, so dais die Legende lautete: e des Urfilas(?) 
in den Bergen'. Aber erstens ist die Deutung des Monogramms 
nicht zwingend, zweitens laBt sich die Zeit der Herstellung aus 
aufiern Merkmalen nicht feststellen und drittens legt die ungleich 



8.] Wulfila. 15 

artige Schrift (besonders das angebliche a) den Gedanken an 
Falschung nahe. 

2. Das Todesjahr. Da Auxentius, auf den wir fur Wulfilas 
Lebensausgang allein angewiesen sind, nur nach Lebensjahren Ws. 
rechnet, so konnen wir zur Feststellung des Todesjahrs nur durch 
Kombination gelangen. Schon Waitz dachte an 383, Heft Rich dann 
aber durch die Fol. 349 zitierien Gesetze aus den Jahren 386 und 
388 bestitnmen, 388 als Todesjahr anzunehnien. Bessell erkannte, 
dafa die Erwahnung jener Gesetze auf einem Vcrsehn des Schreibers 
beruhe; er nahm seinerseits an, dieser habe das Ge^ctz vom 
10. Januar 381 (Cod. Theodos. 10, 5, 6) ini Auge gehabt und setzte 
deshalb Wulfilas Tod ins Jahr381. Diese Datierung hat allgemeinen 
Beifall gefunden und jahrelang unbestritten gehorrschi; ja noch 
neuerdings liaben Martin HZ. 40, 223 f. und Luft HZ. 42,308 sie zu 
retten gesucht. Sie ist jedoch heute nicht mehr diskutal>el, da wir 
wissen, dafi Wulfila nach dem Konzil von Aquileia (3. Sept, 381) mit 
Palladius und Secundianus an den Hof des Kaisers Thoodosius ge- 
reist ist. Er kann also nicht auf einem Konzil gestorben sein, das 
vom Mai bis zurn 9. Juli 381 gedauert hat. 

Naclidem schon Krafft fur 383 eingetrefen war, verfocht 
Sievers PBB. 20,302ff., 41, 1247 ff. diese Datieiung mit entsohei- 
denden Grunden. Emzig und allein die kirchenpolitische Situation 
dieses Jahres entspricht den Angaben des Auxentius, wie schon 
Waitz S. 47 erkannt hatte. Der Versuch Vogts HZ. Anz. 40,5201 
das Jahr 382 als Tode&jahr Wulfilas zu erwei&en, ist unter diesen 
Umstanden als v&llig mifilungen zu betrachten. Nur das kann Vogt zu- 
gegeben werden, dafi die Angaben Maximms uber das Scheitern dc* 
Konzils (Fol. 309' 310) SchwieriKkeiten machen bie stimmen weder 
zu den Angaben des Auxentius noch zu den bekannten historischen 
Tatsachen. Vgl. hieruber auch Bohmer Realenzyklopadie 21,553. 
Kiiuffmanns Harmonisierungsversuch (TU. 1,108 zu 77,24) lost die 
Widersprtiche nicht befriedigend. 

3. Die Chronologic des Auxentius. Wenn Wulfilas Tod wirk- 
lich ins Jahr 383 fallt, so scheint sich eine ehronologischo Schwierig- 
keit zu ergeben. Nach Auxentius ist Wulfila mit 30 Jahren zum 
Bischof geweiht worden und hat sein Amt 40 Jahre lang bekleidet; 
7 Jahre ist er im Gotenlande jenseits der Donau tatig gewesen, 
33 Jahre hat er auf rOmischem Boden gewirkt. Da nun die 
Bischofsweihe nicht spater als 341 stattgefunden haben kann, so 
sollte man a priori erwarten, dafi W. im Jahre 381, nicht aber 383 
gestorben sei. Diese Schwierigkeit verschwindet sofort, wenn man 
bedenkt, daft Auxentius seine Daten nach biblischem Muster, 
besonders nach dem Vorbild Davids abgerundet hat, vgl. Sievers 
PBB. 21,247ff. Am charakteristischsten sind 2. Reg. 5,4 f.: Filius 
triginta annorum erat David, cum regnare coepisset et quadra- 



16 Einleitung. [ 8. 

ginta annis regnavit. In Hebron regnavit supra Judam sept em 
annis et sex mensibus-, in Jerusalem autem regnavit triginta 
t rib us annis super omnem Israel et Judam und 3. Reg. 3,11: Dies 
autem quibus regnavit David super Israel quadraginta anni sunt\ 
in Hebron regnavit sept em annis, in Jerusalem triginta tribus 
annis. Vgl. auch Kauffmann Schule des W., S. LXIV. 

4. Die Disputation. Kauffmanns Ergunzung Fol. 307': ad 
disputationem contra *Pneumatomacos 1st palaographisch wie 

sachlich verfehlt. Schon Waitz las p . . . i e t . stas; 1897 

hat eine Autoritat wie Omont nur p fas zu erkennen vermocht und 
im Marz 1905 haben zwei ausgezeiclmete Palaographen, die Herren 
Auffray und Philippe, Bibltothekare der Nationalbibliothek, nur ein 
p im Anfang mit Sicherheit entziffert. Bedier schreibt mir: 77 y 
a bien deux jambages apres p, mais quelque chose avant 
(p."), puts la place d'l lettre encore, puis la fin du mot qu'ils 
n'ont pas rtussi (t lire*. Hierdurch erledigi sich die Bemerkung 
ZZ. 34,520 Fu&note 2. 

Sachlich ist K.s ErgSnzuiitf unhaltbar; denn Auxentius 
selbst bezeichnet kurz vorher die Sekte als Macedonian^ tJber den 
Gebrauch des Namens Pneumatomachi vgl. Sokrates 2,45: bid 
raOnqv b TTJV driav KCU TTveu|uaTO|u<ixouc diroKaXoOciv CUJTOUC ol 
T6 6|aoouciov cppovoOvrec. Vgl. Verf., Lit. GentralbL, 1900, Sp. 
1179; Yogt HZ. Anz. 46,200 (irrig sind die Einwande ZZ. 34,520 2 ) 
und Bohmer Realenzykl. 21,552. 

5. Die SchluRnotiz. Die spater angefiigte verworrene Schlufi- 
bemerkung auf Fol. 349 erwahnt eine lex quae concilium prohiberet 
sed nee privatim in domo nee in publico vel in quolibet loco dts- 
putatio de fide haberetur. Darauf folgen die Gesetze God. Theodos. 
16,4,2 (388) und 16,4,1 (386). Da dieses Zitat einem Irrtum des 
Schreibers sein Dasein verdankt, zeij?te Bessell ; er selber glaubte die 
lex in dem Gesetz God. Theod. 16,5,6 (10. 1. 381) zu erkennen. Da 
diese Identifizierung gegen die Ghronologie verstftfit, haben Streit- 
berg PBB. 22,567 und Vogt HZ. 42,317 an die Gesetze God. Theod. 
16,5,11(25.7.383) und 16,5,12 (3. 9. 383) gedacht; Kauffinann 
Schule des Wulf. S. LXIIf, erinnert an das von Sozomenos 7,6 und 
Theodoret 5,16 erwahnte Disputationsverbot, das T<k ^TT' dyopac 
ptbac xai cuv6bouc untersagt, falls dieses Verbot mit Valesius, 
Baronius und Tillemont ins Jahr 383 versetzt werden darf. 
Alle diese Erklarungsversuche sind miifiig, denn fur die Ge- 
schichte Wulfilas kommen die Angaben des Glossators natiirlich 
uberhaupt nicht in Betracht. Warum wir nicht erwarten diirfen, 
den ersten Teil der Nachricht, das Konzilverbot durch irgend- 
welches Gesetz bestatigt zu finden, hat Sievers PBB. 20, 307 f. ge- 
zeigt; ZZ. 34,521 Fufcnote beruht auf einem Mifiverstandnis. 



Wulftla. 17 

a. Wulfilas dogmatische Stellung. 

9. Krafft W. Kirchengeschichte der germ. Vfllker. Berlin 
1854. l,327ff. 

Jostes F. Das Todesjahr des Ulfilas und der tlbertritt der 
Goten zum Arianismus PBB. 22,158 187 u. 57173. 

Kauffmann Der Arianismus des Wulfila. ZZ. 30,93112. 

Vogt Zu Wulfilas Bekenntnis und zum Opus imperfectum. 
HZ. 42,30921. 

VgL ferner Kauffmann Schule des W., S. XLII XLIX und 
Streitberg Pauls Grundrifs 2 2,1521, B&hmer Realenzyklopadie 
21, 554 f. 

Da Wulfila durch Eusebius von Nikomedien geweiht 
worden 1st, diirfen wir ihn von vornherein fiir dessen kirch- 
liche Richtung in Anspruch nehmen. Die Eusebianer, 
die bei Lucian dem Martyrer (f312), dem geistigen Vater 
des Arianismus, in die Schule gegangen waren, vertraten 
die kirchliche Tradition des Orients. Sie batten die 
nicanischeMittelparteigebildet, waren unterlegen, abernicht 
bekehrt, strebten deshalb aus alien Kraften das athana- 
sianische 6|iioouctoc zu beseitigen. Der erste entscbeidende 
Vorstofi der vom Hofe begiinstigten eusebianischen Mittel- 
partei war die Kircbweihsynode von Antiocbien (341), auf 
der Wulfila aller Wahrscbeinliqhkeit nach die Biscbofs- 
weibe empfangen hat. 

Das Konstantinopeler Konzil von 360, an dem Wul- 
fila als Anhanger des Acacius teilnahm und dessen Sym- 
bol er unterzeichnete, stand unter dem Einflufi des Aca- 
cius von Caesarea, des Eudoxius von Antiochien und des 
Demopbilus von Beroea, der mit den Freunden Wulfilas, 
Palladius und Secundianus, Beziehungen unterhielt. Diese 
Manner waren die Vertreter der neuen Mittel- und Hof- 
partei, die an die Stelle der alien, nacb rechts ab- 
geriickten, getreten war und fiihlten sich als Hiiter der 
orientaliBchen Tradition. Demgemafi war das Konzil sowobl 
gegen die extreme Linke der Anomoer, der Anhanger des 
Eunomius, als auch gegen die arianische Rechte, die Ho- 
mousianer, gericbtet; das Bestreben war, unter Vermeidung 
aller unbiblischen Termini durch eine moglichst unbestimmt 

Streitberg, Gotisches Elementarbuch 2 



18 Einleitung. [ 9. 

gefaGte Formel die Gegensatze zu tiberwiuden. Das Symbol 
der Synode von 360 1st im wesentlichen das von Nice 
(359), das selbst nichts anders als eine ziemlich getreue 
Wiederholung der 4. sirmischen Pormel vom 22. Mai 359 
ist. Das Punctum saliens des Symbols 1st die Bezeichnung 
Christi als SJLLOIOC ubc ai fpacpoii X^TOUCIV. Damit stimmt 
vollig iiberein, wenn Auxentius von Wulfila berichtet: 
filium similem esse patri suo non secundum Macedonianam 
fraudulentam pravitatem et perversitatem contra scribturas 
dicebat, sed secundum divinas scribturas et traditiones 
d. h. Wulfila war Homoer, nicht Homousianer. Dafi er 
nicht etwa den Anomoern zuzurechnen sei, beweist auch 
seine Verbindung mit den illyriscben Bischofen Palladius 
und Sccundianus, den Freunden des Demophilus; denn 
Demophilus war ein scharfer Gegner des Eunomius. Zur 
Partei des Demophilus hat auch Wulfilas Nachfolger, Se- 
lenas, gehalten. 

Wulfilas Glaubensbekenntnis, das einzige, was 
uns unter seinem Namen iiberliefert ist, lautet folgender- 
mafien. 

Ego Ulfila episkopus et confessor semper sic credidi et in hac 
fide sola et rera tramitum facto ad dominum meum : Credo unum 
esse deum patrem, solum ingenttum et invisivilem et in unigenitum 
filium eius, dominum et deum nostrum, opificem et factorem universe 
creature, non nabentem similem suum ideo unus est otnnium 
deus pater, qui et dei nostri 1 est deus et unum spiritum 
sanctum, mrtutem inluminantem et sanctificantem ut ait Cristus post 
resurrectionem ad apostolos suos: f ecce, ego mitto promissum patris 
mei in vobis, vos autem sedete in civitatem Hierusalem f quoadusque 
induamim virtute[m] db alto* 2 ; item et ^accipietis mrtutem super- 
veniente[m] in vos sancto spiritu* 8 nee deum nee dominum, sed 
ministrum Cristifidelem, nee egualew, sed sulditum et oboedientem in 
omnibus filio et flium subditum et oboedtentem esse in omnibus deo 
patri * 

Der Sohn wird dem Vater subordiniert; der Sohn ist 
der Weltschopfer, weil er zwischen dem weltfernen Gott 

1 d. i. Christi. 

1 Luk. 24,49, 3 Apost. 1,8. 

4 Eckige Klammer zeigt Tilgung, Antiquaschrift Unleserlich- 
keit an. 



Wulfila. 19 

Vater und der Kreatur vermittelt: er 1st c unser Gott 3 . Der 
h. Geist steht abermals eine Stufe tiefer: er 1st Christus 
untergeordnet und hat, im Gegcnsatz zu diesem, auf das 
Pradikat der Gottheit keinen Anspruch. Dafi Wulfila die 
Lehre vom Geiste durch zwei Bibelzitate stiitzt, mag dar- 
auf beruhn, dafi der Kampf um die oucia des h. Geistes 
neuerdings heftig entbrannt war und 381 auf dem Konzil 
von Konstantinopel eine groCere Rolle gespielt hatte al 
der um die des Sohnes. 

Eine Art Kommentar des wortkargen Bekenntnisses, 
jedoch im Gegensatz zu ihm stark polemisch gefarbt, 
bildet der erste Teil der Epistula des Auxentius. Unter 
den Parteien, die Wulfila hiernach bekampft haben soil, 
fehlen zwei: die 'Arianer' d.h. die Homoer, deren Haupt 
383 Demophilus war ihnen gehorte Wulfila an; zweitens 
die Anomoer: als scharfste Gegner der Orthodoxen waren 
sie den Homoern von alters her nicht unsympathisch. 
Aninerkungen. 

1. Sokrates 2,41 sagt, Wulfila sei ursprunglich ein Anhanger 
jenes orthodoxen Gotenbischofs Theophilus gewesen, der am Konzil 
zu Niciia teilgenommen habe; erst 360 &ei er zur Kirchengemein- 
schaft der Arianer ubergetreten. Diese Nachricht beruht auf einer 
Verwechslung: Sokrates hat iibersehn, dafj Theophilus Bosporitanus, 
also Krimgote, nicht Westgote war. Dieser Irrtum uber die 
Herkunft des Theophilus hat ihn offenbar veranlafit, von dessen Be- 
kenntnis auf das Wulfilas zu schliefien. Sein Fehlschlufi ist die 
Quelle einer ganzen Legendenbildung geworden. Sozomenos 
6,37 spinnt denselben Faden weiter und behauptet, Wulfila habe 
nur aus Unbedacht an der Synode von 360 teilgenommen, sei aber 
trotzdem in der orthodoxen Kirchengemeinschaft verblieben. Erst 
als er 376 als Gesandter der von den Hunnen bedrangten Goten 
nach Konstantinopel gekommen sei, habe er aus politischen Grunden 
den Glauben des Kaisers angenommen. Bei Theodoret 4,37 
sind die Goten bis zum Jahre 376 orthodox. Damals habe Eudoxius 
dem Kaiser geraten, sie zum Ubertritte zu veranlassen. Nach der 
Weigerung der Hauptlinge habe Eudoxius durch Cberredung und 
Bestechung Wulfila auf seine Seite gebracht; dessen Einflufc sei es 
gelungen, die sich Straubenden zu gewinnen. Diese Version scheitert 
an der Tatsache, dafi Eudoxius schon im Jahre 370 gestorben ist. 
Ganz legendenhaft sind die gefcdschten Acta S. Nicetae: fiir sie 
sind Wulfila und seine Gemeinden orthodox. Naheres bei Kaufmann 
HZ. 27,226 ff. 



20 Einleitung. [ 9. 10. 

2. Castiglione und namentlich Krafft Kirchengeschichte l,345ff. 
haben behauptet, dafi sich der Arianismus Wulfilas in der (Jber- 
setzung von Ph 2,6 geltend mache. Indem er oty( ApiroLfiidv 
f]Y^|caTO T eivai tea OeCD durch ni wulwa rahnida wisan sik 
galeiko guda tibersetzt habe, sei die Wortwahl durch seine dog- 
matische Auffassung beeinflufit word en. Vgl. jedoch fiber die 
Wiedergabe von fcoc durch Wulfila die Bemerkungen von Jostes 
PBB. 22,186 1 , Kauffmann ZZ. 30,96 *. Man beachte aber auch die 
Stellen der Skeireins 1,4 ni tbna mh galeiks unsarai garaihtein und 
5,24 ni ibnon dk galeika sweripa iisgiban, Verf. Lit. Gentralbl. 
1903, Sp. 124. 

3. Wulfilas literarische Tatigkeit. 
1O, Neben seiner kirchlichen und politischen Wirk- 
samkeit hat Wulfila auch eine rege literarische Tatigkeit 
entfaltet. Wie Auxentius berichtet, hat er in gotischer, 
griechischer und lateinischer Sprache gepredigt und ge- 
echrieben: plures tractatus et multas interpretationes 1 volen- 
tilms ad utilitatem et ad aedificationem, sibi ad aeternam me- 
moriam et mercedem post se dereliquid. Philostorgius, Sokrates 
und Sozomenos erzahlen iibereinstimmend, dafi Wulfila 
die gotischen Buchstaben erfunden und die h. Schriften 
iibereetzt habe 2 ; Philostorgius mit der Einechrankung. 
Wulfila habe die Biicher der Konige uniibersetzt gekRsen, 
um den kriegerischen Sinn seines Volkes durch sie nicht 
noch starker zu entflammen. Trotz der Schweigsamkeit 
unserer Hauptquelle, des Auxentius, kann fiiglich nicht 
daran gezweifelt werden, dafi die namenlos auf uns ge- 
kommenen Bruchstiicke einer gotischen Bibeliibersetzung 
dem Werke Wulfilas angehoren. Als einstiger Lektor, der 
durch sein Amt verpflichtet war, die Bibel beim Gottes- 
dienst vorzulesen und fur die des Griechischen Unkundigen 
auch zu iibersetzen, war Wulfila auf sein grofles Werk 
wohl vorbereitet. 



1 Interprdatio bedeutet in dicsemZusammenhang nur r 4pjjtnv(a, 
Kommentar\ nicht '(Jbersetzung 5 , wie gewohnlich (selbst noch 
von Vogt ADB. 44,i28!2 f.) behauptet wird. Vgl. auch B6hmer(-Romundt) 
Zeitschr. f. wissenschaitl. Theologie 46,234 ff. 

2 Sokrates 4,34 schlieftt die Bibelubersetzung an die Bekehrung 
der Goten Fritigerns an, als dercn Folge er sie betrachtet. 



10.] Wulfila. 21 

Die Bibeliibersetzung Wulfilas diente natiirlich zu 
liturgischen Zwecken, zum offentlichen Gebrauch beim 
Gottesdienst. Dadurch begreift sich die ttbertragung der 
ganzen Bibel; derm alle Bticher der h. Schrift mirden 
zur Zeit Wulfilas beim Gottesdienst verlesen ; Lektionarien 
kamen erst seit dem 5. Jh. auf. Auch die Lesezeichen 
und die stichische Schreibung in den Briefen weisen 
auf liturgischen Gebrauch. 

DaB die heilige Schrift auch bei den orthodoxen 
Goten wahrerid des Gottesdienstes in gotischer Sprache 
verlesen wurde, wissen wir durch Chrysostomus. Kurz 
nach Ostern 398/99 wurde unter seiner Agide in der 
Paulskirche zu Konstantinopel Gottesdienst mit gotischer 
Predigt und Vorlesung gotischer Bibeltexte abgehalten. 
Vgl. die (8.) "OjLitAia XexOeTca ev rrj dKKXrjcia TTJ em TTaiiXou 
foTOujv dvayvovTUJV Kai TrpecjSinrepou forGou rrpoojiiXricavTOC 
(MSG. 63,499): pouX6nriv irapeivai "EXXnvac cr||Lipov uicre 
TUJV dvefvujc|Lieva)v aKoucai Kai (iiaGeTv .... rroO TCI TiLv 
aXiu)v xai cKrjvoTroiujv; OI>K ^v 'loubaia jnovov, dXXa Kai 
^v Tfi TUJV pappdpuDV T^^Tiri KaBubc rjKovicaTe cr^epov nXiou 
cpavorepov biaXajLurei ' Kai ZKuOai Kai GpaKec .... irpoc 
T^JV okeiav ^KacTOC jaerapaXoviec T^uJTTav TO: eiprjfieva 
91X000901)0 raOia usw. 

Anraerkungen. 

PSEUDO-WULF1LAN1SCHE SCHRIFTEN, 
1. Das Opus Imperfectum. 1m AnschluB an Mafaen hat G. Sal- 
mon Dictionary of Christian Biography 4 (1887), 51014 die An- 
sicht Tertreten, der mi Mittelalter weilverbreitete, nur bruchstiick- 
weise erhaltene latemische Matthaeus-Kommentar, der unter dem 
Namen Opus imperfectum in Matthaeum bekannt ist und felschlich 
dem Chrysostomus zugeschrieben wurde (MSG. 56), ein Werk von 
ausgeprkgt arianischem Gharakter, sei von dem Gotenbischof Maxi- 
minus verfafit, der durch seine Disputation mit Augustin bekannt 
ist (vgl. S. 9 2 ). Kauffmann Beilage zur Allgem. Zeitung 1897 
Nr. 44 ist durch falsche Interpretation von Sp. 767 ff. veranlafit 
worden, Wulfila als Autor anzuiiehmen; vgl. auch die gleichfalls 
unrichtige Deutung von Sp. 896 (ZZ. 30,431). Dagegen Streitberg 
in eincm Vortrag der 44. Philologenversammlung zu Dresden, vgl. 
Verhandlungen S. 121 und PBB. 23,574 ff.; ibm hat sich Vogt HZ. 



22 Einleitung. [ 10. 

42,318 ff. angeschlossen. Wie der genannte Vortrag dargetan hat, 
iallt das Op. imp, in eine Zeit, da der Sieg der Orthodoxie ent- 
schieden 1st, der Arianismus in den letzten Zugen liegt. Es ist min- 
destens ein Menschenalter nach Wulfila, keinesfalls vor Beginn des 
5. Jhs. entstanden. Sein Verfasser wurzelt ganz und gar in der ro- 
mischen Kultur, verriit aber Bekanntschaft mit germ. Verhaltnissen. 
Auf diese Kenntnisse hingewiesen zu haben, ist namentlich Kauff- 
manns Verdienst, vgl. ZZ. 81,45163 32,46472, der sich TIL 1,109 
im wesentlichen auf Salmons Standpunkt gestellt hat. Sicher ist 
auch, dafi der Autor ein entschiedener Homoer war, wie schon 
Salmon erwiesen hat. In der energischen Handhabung der allegori- 
sierenden Melhode steht der Verf. der alexandrinischen Schule nahe, 
vgl. Jtilicher Gleichnisreden Jesu 1,239. Die Heimat des Werkes 
suchenBbhmer(-Romundt) Zeitschr. f. wissenschaftl.Theologie 46,361 
407 und Paas Das Opus imperfectum in Matthaeum, Freiburger Diss., 
Tubingen 1907 in den lateinischen Donauprovinzen, wahrend Bouvy 
(Revue Augustinienne 3,1903, S. 289 313) fur Nordafrika eintritt 
und an die Zeit nach 525 denkt, da in diesem Jahre durch das 
Eonzil von Karthago der Arianismus endgultig aus seiner Stellung 
verdrangt worden war (S. 309). 

Eine kritische Ausgabe des Op. imperf. bereitct Kauffmann 
vor. Sie ist em dringendes Bedurmis, da der ursprungliche Text 
durch Ausmerzung haretischer Stellen und durch Interpolation or- 
thodoxer Particn sehr gelitten hat. Am freiesten von Sauberungen 
sind nach Kauffmanns Feststellung die Ausgal)e Venedig 1503 und 
die auf ihr beruhende des Erasmus (Basel 1530), wahrend Migne 
den kritiklosen Druck Montfaucons wiederholt; vgl. die wertvolle Ab- 
handlung Kauffmanns Zur Textgeschichte des Opus imperfectum 
(Universitatsfestschrift), Kiel 1909. Durch die Kenutnis der Uber- 
lieferung erledigen sich ohne weiteres verschiedene Quellenfragen: 
so lafit sich die Benutzung des Matthaeus-Kommeritars des Hierony- 
mus (398) (Bohmer aO. 376 f., dagegen KaufFniann ZZ. 35,483-91) 
und seines Psalterium iuxta Hebraeos (392) (Paas S. 18183) ma- 
in interpolierten Stellen nachweisen (Kauffmann S. 42 f.). 

2. MapTupiov TOO frffou dpa r6T6ou. Bohmer(-Romundt) 
Neue Jahrbb. f. d. klass. Altertum 11,27288 sucht nachzuweisen, 
dafi der Bericht uber das Martyrium des h. Sabas (Acta Sanct. 
April 96668) auf Wulfila zuruckgehe. Dagegen tut Pfeilschifter 
VerOffentlichungen aus dem Kirchenhistor. Seminar Munchen, 3. Reihe, 
Nr. 1, S. 192224 mit entscheidenden Grunden dar, dafi der Ver- 
fasser des Berichts ein Orthodoxer, kein Arianer ist. 

3. Der Lukas-Kommentar. In eiriem aus Bobbio stammenden 
Palimpsest des 6. Jhs. sind in den zwanziger Jahren des 19. Jhs, 
Bruchstucke eines ariamschen Lukas-Kommentars entdeckt worden 
(gedruckt bei A. Mai Scriptorum veterum collectio, 1828, III, 2 



10. 11.] Die gotische Bibel. 23 

S. 191207). Krafft Commentatio historica de fontibus Ulfflae 
Arianismi (Bonn 1860) S. lOff. versuchte Wulfila als Verfasser zu er- 
weisen, wurde aber von Bessell GGA. 1861 1,211 ff. widerlegt. 
B5hmer Zeitschr. f. wissenschaftl. Theol. 46,23845 schliefit sich 
Bessell an und zeigt, dafi der Verfasser ,,zu der Gruppe gemafiigter 
Arianer" gehort, ^deren Schibboleth die Formel von Rimini resp. 
die Formel von Konstantinopel war". Er war also ein Gesinnungs- 
genosse, wohl auch Landsmann der Manner des wulfilanischen 
Kreises. 

4. Die Fragmente aus Bobbio. Mil den Bruchstticken des 
Lukas-Kommentars hat Mai 19 Fragmente unter dem unzutreffenden 
Titel Swmonum Arianorum fragmenta anttquissima verbffentlicht 
(aO. S. 208 39) ; verbesserte Ausgabe nebst Untersuchungen von 
Mercati Studi i Texti 7,47 ff.; ErOrterungen von BOhmer aO. S.245 
69. Die Fragmente stammen aus dem beruhmten bobbienser 
Palimpsest, der auch die Skeireins bietet. Krafft aO. sieht ganz 
willkurlich in Nr. 17 b das Bekenntnis Wulfilas auf dem Konzil 383 
(dagegen Bessell aO.) ; das ubrige weist er Auxentius zu. An diesen 
denken u. a. auch Bessell aO., Teuffel, Bardenhewer; Maximin ziehn 
in Betracht Mafimann Munchener Gelehrte Anzeigen 12 (1841), 
S. 221, Kauffmann TU.l,LVll; an Palladius denkt zweifelnd BOlimer. 
Alle diese Hypothesen entbchren ausreichender Begrundung. Sicher 
war der Verfasser ein Latemer, mit griech. kirchlichen Verhaltnissen 
nicht unbekannt, daher vielleicht in den Donauprovinzen heimisch. 
Fur die Geschichte des gotischen Arianismus sind die Fragmente 
wie der Lukas-Kommentar wertvoll. 

5. Skeireins. tJber Wulfila als angeblichen Verfasser der Skei- 
reins vgl. 14. 



Viertes Kapitel. 
Die gotische Bibel. 



i. Die Handschriften. 

11. Die gotische Bibel ist uns in folgenden Hss. erhalten. 

1. Codex Argenteus 1 (abgekurzt CA), auf der Universitatsbiblio- 
thek zu Upsala. Purpurgefarbtes Pergament, silberne, z. T. goldene 
Schrift. Die Hs. Shnelt im Aufiern dem lat. Codex Brixianus (f), 
einer Evangelienhs., die sich in Brescia befindet, einem der grofien 

1 Der Name findet sich schon bei Goropius Becanus, ruhrt 
also nicht von dem jungen silbernen Einband, sondern von der 
silbernen Schrift her. 



24 Einleitung. [ 11. 

Zentren gotisch-lombardischen Einflusses. Die got. Hs. stammt aus 
dem 5./6. Jh.; von ursprtinghch 330 Blattern smd nur noch 187 er- 
halten. Die Reihenfolge der Evangelien istMatthaeus, Johannes, 
Lukas, Markus. Vgl. iiber diese Anordnung Got. Bibel S. XXXIX 1 
u. XLII. Sie erscheint in den altlatein. Evangclienhss. abdefff 2 
qr und in D. 

Erste Ausgabe von GA durch Franciscus Jumus, Dortrecht 
1665. Mafigebende Lesung durch den verdienten schwedischen Ge- 
lehrten Andreas Uppstrflm (180665), vgl. dessen zeilengetreuen 
Abdruck- Codex argenteus (Upsaliae ltif>4) und die Erganzung: 
Decem codicis argentei rediviva folia (ibid. 1857). 

Anmerkung 1. CA taucht zuerst im Kloster Werden auf, 
wohin ihn vielleicht der h. Liudger aus Italien mitgebracht hat, vgl. 
Krafft Kirchcngeschichte 1,253. Schon vor 1554 haben die K6lner 
G. Cassander und G. Wouters vom GA gewufH; 1569 druckt J. Goro- 
pius Becanus in den Origines Antwerpianae das got. Vaterunser 
u. a. aus dem Nachlafi Morillons ab; 1602 gibt J. Gruter mehrere 
von Arnold Mercator nach 1573 aus der damals schon stark be- 
schadigten Hs. abgeschriebenen Bruchstiicke im 1. Band seiner In- 
scriptiones antiquae. Dann ging die Hs. in den Besitz Rudolfs II. 
uber; vor 1601 hat sie der kaiserliche Rat R. Strem in Prag ^esehn. 
Nach der Einnahme des Hradschins 1648 sandte sie Graf Konigs- 
inark der KQnigin Christine von Schweden. 1654 ist sie im Besitz 
von Isaak Vossius, dem Neffen von Franz Jumus. Noch ehe die 
Editio princeps 1665 erschien, hatte der schwedische Marschall 
Graf de la Gardie den Godex angekauft, ihn in Silber bin den lassen 
und der Kflmgin zur Verfugung gestellt. Diese uber^ab ihn 1669 
der Universitatsbibliothek zu Upsala. Zwischen 18i21 und 1834 
wurden der Hs. 10 Blatter entwendet, jedoch 1857 wieder zuruck- 
erstattet. Vgl. Mafimann HZ.l,306ff., Ausgabe Lllff., Schulte HZ. 
23,50ff., 318ff., I24,3i24ff., Peters Germania 30,314. 

Alle andern Bibelhss. sind Palimpseste (Codices rescripti). 

2. Codex Carolinus (Gar), in Italien entstanden, wohl zur selben 
Zeit und am selben Orte wie GA, (lessen Schrift der seinen gleicht. 
Ursprunglich in Weifienburg, kam er! 1678 nach Wolfenbiittel, wo 
er heute noch liegt. 1756 ward der got.-lat. Text von Abt Knittel 
entdeckt und 1762 verOffentlicht. Neue Lesung und zeilengetreuer 
Abdruck des got. Textes in UppstrSms Fragmenta goihica seUcta 
(Upsaliae 1801) S. 513\ Neuausgabe des lat. Textes bei Tischen- 
dorf Anecdota sacra et prof ana* S. 155 ff. Abdruck von Gar 
Got. Bibel S. 239 ff. Die Hs. enthalt auf 4 Blattern ein Fragment aus 
dem Romerbrief. Neben dem got. Text steht die latein. 
Version, wir haben also eine Bilingue vor uns. Der lateinische 
wie der gotische Text ist crtxnodv d. h. in Sinnzeilen geschrieben. 



11.] Die gotische Bibel. 25 

Anmerkung 2. Die Einteilung nach Sinnzeilen hat Eulhalius 
(c. 35090) und zwar zuerst bei den paulinischen Briefen einge- 
fuhrt. Die Behauptung v. Sodens, dafi Euthalms erst dem 7. Jh. 
angehftre, ist von Zahn Neue kirchl. Zeitschrift 15,305 ff., 375ff. 
schlagend widerlegt worden. Nicht zu verwechseln mil der 
Schreibung nach 'Sinnzeilen 5 ist die 'Sticho metric' d. h. die Zeilen- 
zahlung. Gar ist ein Muster des cnxn&ov Ypdiyai. Vgl. auch 
Marold Stichometrie und Leseabschnitte in den got. Episteltexten. 
Progr. KOnigsberg 1890. 

3. Die Codices Ambrosiani stammen aus dem Kloster Bobbio 
in Ligurien (sudwestlich von Piacenza), das 613 von Columban ge- 
grundet worden ist. Ihren Namen verdanken sie der ambrosianischen 
Bibliothek zu Mailand,wosie sich noch iieute befinden. Kardinal Angelo 
Mai hat sie 1817 entdeckt und hat 1819 gememsam mit dem Grafen 
Castiglione ein Specimen herausgegeben. Castiglione hat dannl&29. 
34.35.39 die vollstandigen Texte in musterhafter Weiso ediert (vgl. 
J. Grimms Rezensionen im 4. und 5. Bande der Kl. Scbriften). 
Neue Lesung und zeilengetreuer Abdruck durch fjppstrbm in den 
FragmentaS. 14 und den Codices goiici Awbrosiaui (Ups. 1864 
68). Abermals in ein neues Stadium trat die schwierige Ent- 
zifferung der ambrosian. Hss. durch die langjahrigen , tiefein- 
dringenden Untersuchuugen Wilhelni Brauns in Mailand; imn 
ibt es gelungen, Uppstrrtm an vielen Stellen zu korngieren. Seine 
Lesungen sind zum erstenmal in der Gotisclien Bibel des Verf. 
mitgeteilt. 

a) Ambrosianus A umfafit gegenwartig 190 lesbare, a unles- 
bare und 12 leere Blattseiteri ; hierzu 4 Blatter, die ReiiTerscheid 16G 
inTurin entdeckt und Mafimann inderGermanial3,271ff.ver6ffentlicht 
hat (Cod. Taurlnensls). Die Hs. umfafit Fragmente aller paulinischen 
Briefe mit Ausnahme des Hebraerbriefes. Dafi dieser der 
Hs. von Anfang an getehlt hat, beweist der Umstand, dafi unrnittel- 
bar auf den Brief an Philemon das Bruchstiick ernes got. Kalen- 
ders folgt. Die Briefe sind nach dem Umfang geordnet, daher 
steht der Epheserbrief vor dem Galaterbrief. Bis K4,12 ist die 
Hs. cnxrjbdv geschrieben, von K5,4 an werden die Kola nacli 
Brauns Beobachtung haufig durch Zwihchenraume mitten in den 
Zeilen, seltener durch Punkte angedeutet (Got. Bibel S. XXVlf.). 
tFber die Lesezeichen, die sich in A (und besonders haufig in B) 
finden, vgl. die sorgfaltige Untersuchung Brauns ZZ. 30,433 ff. Sie 
stimmen ini allgemeinen mit den lectiones und capita des Euthalius 
iiberein. 

Anmerkung 3. Wahrend die Kirche des Abendlandes bis 
tief ins 4. Jh. hinein den Hebraer brief nicht als kanonische, noch 
als paulinische Schrift anerkannte, entschied ini Morgenland das 
ubereinstimmende Urteil der grofien Alexandriner, besonders des 



26 Einleitung. I11.12. 

Origenes, die Streitfrage zugunsten des Hebraerbriefes, so date ihn 
Eusebiusvon Gaesarea in seiner Kirchengeschichte unter die6fio\oTou- 
jjieva d. h. die kanon. Schriften anerkannt apostolischen Ursprungs 
stellen konnte. Hiermit 1st der definitive Sieg des HB. im Orient 
entschieden. Nur bei den Arianern begegnet uns ein Schwanken: 
wahrend sich ein Teil, darunler auch Arius selbst, auf ihn beruft, 
halten andere ihn ftir unecht, vgl. Theodoret im Prooemium zum 
Hebraerbrief und in den Dialogen flber die Trinitat 1,5; Epiphanius 
Haeres. 69,14; 37. Im Abendland schliefien sich die nieisten 
Theologen in der 2. Halfle des 4. Jhs. der Ansicht des Orients an ; 
durch Hieronymus und Augustin ist die Anerkennung des HB. auch 
im Okzident gesi chert. Vgl. aufier Bleek Hebraerbr., Belser He- 
brerbr., Zahn Forsch. z. Gesch. des Kanons und den iieutestamentl. 
Einleitungen von Holtzmann, Julicher und Zahn bes. Fr. verbeck 
Zur Gesch. d. Kanons. Chemnitz 1880. S. 18flf. 

Wulfila ist wahrscheinlich ein Gegner der paulinischen 
Herkunft des Briefes gewesen und wird ihn deshalb nicht dem 
Corpus der Paulmen einverleibt haben; denn es ist nicht glaubhaft, 
dafi der HB. erst in Italien, unter dem Einflufc der abendlandischen 
Tradition, entfernt worden sei: hat doch diese selbst gegen Ende 
des 4. Jhs. vor der morgenlandischen die Waffen gestreckt. 

Zitate aus HB. linden sich in den lat. Fragmenten aus 
Bobbio; der mehrfach envahnte Gotenbischof Maximiuus zitiert ihn 
in seiner Disputation mit Augustin zweimal als paulinische Schrift, 
vgl. Bleek 1,167. Von "der grofien Zahl der Anleihen aus dem 
Hebraerbrief, die Dietrich Skeireins S. XLff. aufzahlt, ist, soviel ich 
sehe, kein einziges Beispiel beweiskraftig. 

b) Ambrosianus B umfafit gegenwartig 154 beschriebene und 
2 leere Blattseiten und enthalt aufier dem vollstandigen 2. Ko- 
rintherbrief BruchstGcke des 1 . Korintherbriefs und der Briefe an 
die Epheser, Galater 1 , Philipper, Kolosser, Thessalomcher (1.2), 
an Timotheus (1. 2) und Titus, tlber die Lesezeichen siehe unter a), 
uber das Verhaltnis der beiden Hss. A und B zueinander vgL 
Bernhardt ZZ. 5,186 ff., W. Braun ZZ. 30,433 ff. 

c) Ambrosianus C. 2 Blatter mit Bruchstucken aus Matthaeus, 
Kap. 25-27. 

d) Ambrosianus D. 3 Blatter mit Fragmenten aus Nehemias, 
Kap. 57. 

a. Die Vorlage des gotischen Bibeltextes. 

1&. Streitberg Der Text der gotischen Bibel und seine 
Vorlage. Got. Bibel S. XXXI XLVI. 

1 Reihenfolge wie in A, vgl. H. Achelis Zeitschr. f, d. neu- 
testamentl. Wissensch. 1,312 u. Braun in der Got. Bibel S. XXVII. 



12.] Die gotische Bibel. 27 

Wulfila hat die got. Bibel aus dem Griechischen 
iibersetzt, das lehrt fast eine jede Zeile seiner ftbertragung. 
Selbstverstandlich iet, dafl er seiner tJbersetzung den Text 
zugrunde legte, der in seiner Diozese, dem Sprengel von 
Konstantinopel, geherrscht hat, vgl.de Lagarde Mitteilungen 
4,21. Daher gilt es zu bestimmen, wie dieser Text ira 
4. Jh. beschaffen war. Die Untersuchung mufl fur das 
AT. und das NT. gesondert gefiihrt werden. 

A. Das alte Testament. 

Hieronymus sagt in der Praefatio in librum Parali- 
pomenon: 

Alexandria et Aegyptus in Septuaginta mis Hesychium laudat 
auctorem. Constantinopolis usque Antiochiam Luciani 
Martyr is exemplaria probat. Mediae inter haft provinciae Palae- 
stinae codices legunt, quos db Origene elaborates Eusebius et Pant- 
philus vulgaverunt: totusque orbis hac inter se trifaria van' et ate 
compugnat. 

Aus diesen Worten ergibt sich, dafi wir Lucians 
(f312) Kezension alsVorlage der got. Bibel zu betrachten 
haben. Field hat in seinem Werk iiber die Hexapla des 
Origenes einige ausdrlicklich als lucianisch bezeichnete 
Stellen nachgewiesen und ihren Text in den Minuskeln 
19.82.93.108 (nach der Bezeichnung von Holmes) wieder- 
gefunden; de Lagarde hat auf Grand der alttestamentl. 
Zitate bei Chrysostomus und Theodoret aufier den ge- 
nannten noch 118 und z. T. auch 44 als lucianisch er- 
kannt. 1 Die 5 Hss., deren Lesarten man bei Holmes findet, 
entstammen einem gemeinsamen Archetypus, dessen Text 
de Lagardes Ausgabe fiir die historischen Biicher des AT. 
rekonstruiert: Librorum veteris testamenti (unonicorum pars 
prior, Qtittingen 1883. 

In der Vorrede S.XIV stellt de Lagarde Neh 5,13 
17 der got. Bibel mit dem lucianischen Text zusammen 
und erweist dadurch, daC dieser die Grundlage der got. 



1 Er gebraucht die Siglen H f m d p und z. Fur Nehemias 
kommen 93.108, far Ezdras aufierdem noch 19 in Betracht. 



28 Einleitung. [ 12. 

ttbersetzung ist. Schon vor ihm, im J. 1876, hatte Ohr- 
loff ZZ. 7,251 95 gezeigt, daC der got. Text des AT. zu 
den Minuskeln 19.82.93.108 (Holmes) stimme. 

An de Lagarde kniipft Kauffmann ZZ. 29,31237 
an. Er weist auf Grand des de Lagarde'schen Textes 
nach, daB die bisher als Ezdras 2,8 42 bezeichnete 
Namenliste vielmehr dem 7. Nehemiaskapitel angehort 
und widerlegt Ohrloffs Behauptung, dafl die got. 0ber- 
setzung von der lat. Vulgata beeinflufit sei. 1 Fur dieVorlage 
kommt er jedoch nicht mit dem reinen Luciantext aus, 
sondeni muJ3 starke Textmischung annehmen. Dadurch 
ist de Lagardes Ergebnis wieder in Frage gestellt. Dieses 
sucht Langner Die got. Nehemiafragmente (Osterprogramm, 
Sprottau 1903) durch den Nachweis zu retten, dafi fiir 
Neh 5,13 7,3 der reine Luciantext die Grundlage bilde; 
aber er macht vor der Namenliste halt, obwohl in ihr der 
Hauptanstofi liegt. Die Schwierigkeit lost sich jedoch 
auf s einfachste, wenn man die Abweichungen der Liste 
d.h. die Anderungen nach den parallelen Listen Ezdras a 
Kap. 5 und Ezdras p Kap. 2 sowie die Einwirkungen der 
'Septuaginta 3 (SinAB usw.) im wesentlichen der Tatig- 
keit der got. Textkritiker zuschreibt, deren Wirksam- 
keit auch im NT., vorab in den paulin. Briefen, erkenn- 
bar ist, vgl. Verf. Got. Bibel S. XXXIIIf. 

Anmerkungen. 

1. Die Zahlenangaben der Salzburg-Wiener Hs. (15,3) 
haben Kauffmann ZZ.29,318fl'. und Kisch Versuch einer neuen Er- 

klarung der m der Alkuinhs erhaltenen got. Fragments (Gym- 

nasialprogr. von Prag-Neustadt 1902) siimtlich aus dem 5. Kap. der 
Genesis hergeleitet, wahrend Mafimann Munchener Gelehrte Anzeigen 
1 2,245 ff. fur die 2. Reihe an Ezechiel und 1. 2. Makk. dachte; 
Kauffmann hat ferner dargetan, daft sie dem lucian. Text entsprechen. 
Naheres Got. Bibel S. 47578. 



1 Gegen die Einwirkung der lat. Vulgata auf den got. Text er- 
klart sich auch Kisch Der Septuagintalkodex des Ulfilas (Monatsschr. 
f. Gesch. u. Wissenschaft d. Judentums, 1873, 22,4246 8589 
21519); im tibrigen ist sein Ergebnis wesentlich negativ. 



12.] Die gotische Bibel. 29 

2. Zwei got. Geistiiche, Sunnia und Fret el a, habeu zu An- 
fang des 5. Jhs. Hieronymus uber die Abweichungen seiner lat. 
Psalmeniibersetzung (wohl des sog. Psalt. Gallic.) von dem in 
ihren Handen befindlichen griech. Text (einem lucianisch geferbten 
Mischtext) mterpelliert. Hs. Antwort ist erhalten (MSL. 22,837 ff.); 
sie behandelt 178 Stellen, verteidigt die Obersetzung dutch Berufung 
auf den Urtext und verficht das Prinzip freier Wiedergabe. Da ge- 
rade dieses Prinzip auch in der Praefatio zum God. Brixianus ( 13) 
bekampft wird, so schreibt Kauffmann ZZ.32,316f. die Praefatio und 
die einst zu ihr gehOrige got.-lat. Bilingue den beiden Golen zu. 
Naheres bei Miililau Zur Frage nacb der got. Psalmeniibersetzung. 
Diss. Kiel 1904. Mit Recht verwirft er S. 15 ff. den Versuch Batiflfols 
(Rev. Bibl. internat. Paris 1899 S. 566 ff.) aus Horn. II des h. Chry- 
sostomus auf die Existenz des gotischen Psalters zu schliefien. 

B. Das neue Testament. 

Wie fur das AT. scheinen auch fiir das NT. mehrere 
Rezensionen unternommen worden zu sein. Hieronymus 
Epist. ad Damasum berichtet von den Versuchen Lucians 
und Hesychs, weitere Nachrichten fehlen jedoch. Die 
Kritik der neutestamentlichen Uberlieferung hat versucht, 
das durch die Angaben des Hieronymus gestellte Problem 
zu losen. 

Fiir das got. NT. kommt allein der im 4. Jh. in 
Konstantinopel geltende Text in Frage. Wie einst de La- 
garde die alttestamentl. Zitate des Chrysostomus zur Fest- 
stellung der lucian. Rezension des AT. benutzt hat, so 
hat Kauffmann den Text des NT. in den Homilien des 
Chrysostomus uber Matthaeus, Johannes und die paulin. 
Brief e 1 dazu verwertet, die Vorlage der got. Bibel zu be- 
stimmen, vgl. ZZ. 30,148 83 (Matth.); 31,181 94 (Joh.); 
35,43363 (1. 2. Kor.). 

Das groC angelegte Werk v. Sod ens Die Schriften 
des Neuen Testaments in ihrer iiltesten erreichbaren Text- 



1 Horn, zu Matth., krit. Ausgabe von Field (Oxf. 1839), Abdr. 
MSG.57; Horn, zu Joh. MSG. 59, krit. Ausg. fehlt. Horn, zu den 
paulin. Briefen, krit. Ausg. von Field (Bibliotheca Patrura, Oxford 
184562); vgl. S. K. Gifford Pauli Epistolas qua forma legerit 
Joannes Chrysostomus. Diss. Halle 1902. Der Text MSG. 61.62 
ist veraltet. 



30 Einleitung. [ 12. 13. 

gestalt hergestellt auf Grand ihrer Textgeschichte. Bd. I 
Die Textzeugen und die Textformen. Abt. 1 3. Berlin 
1902 7 fiihrt (trotz starker philologischer Mangel) einen 
Schritt weiter. v. Soden zeigt, dafi das NT. des Chry- 
sostomus nicht den reinen lucianischen Text (die Koivrj r 
Siglum *K) bietet, sondern von der palastinensisch-jerusa- 
lemitischen Rezension (Sigl. *l) beeinflufit ist. Eine ahn- 
liche, wenn auch nicht genau dieselbe Mischung zeigt der 
got. Text, vgl. v. Soden 1,1469 f. 

Zur Erganzung des Chrysostomus-Textes und zur Aus- 
fiillung seiner Liicken dienen: a) fur die Evangelien in 
erster Linie die Hss. SV (reinster *K-Typus, Sigl. *K X ) und 
EG FH (Mischung von *l u. *K, Sigl. *K J ); daneben die 
stark nach *K korrigierten Hss. TTK, A, f, U. 

Anmerkung. An Kauffmanns und v. Sodens Forschungen 
schliefH sich auch die dankenswerte Arbeit von P. Odefey an: Das 
got. Lukasevangelium. Quellenkritik und Textgeschichte. (Kieler 
Dissertation 1908). 

b) fur die paulinischen Briefe die Hss. der sog. 
asiat. Klasse KL, P(M), die nach Giffords Nachweis am 
genauesten zum Chrysostomustext stimmen. 

Die Got. Bibel des Verf. versucht die Forschungen 
de Lagardes, Kauffmanns und v. Sodens fur die systema- 
tische Herstellung von Wulfilas griechischer Vorlage zu 
verwerten. 

3. Die Weiterentwicklung des got. Bibeltextes. 

IS. Wulfilas Ubersetzung hat im Laufe der Jahr- 
hunderte mancherleiAnderungen erfahren. Diese entspringen 
fast durchweg aus zwei Quellen: aus dem Einflufi der 
latein. Bibel und aus der Einwirkung der Parallelstellen. 

A. Der got. Text und die lat. Bibel. 

1. Der EinfluB des lat. Textes auf den gotischen. 

Schon das Schreiben des h. Hieronymus an Sunnia 

und Fretela zeigt, dafi innerhalb des got. Klerus reges In- 

teresse fiir Fragen der biblischen Textkritik, fiir das Ver- 



13.] Die gotische Bibel. 31 

haltnis der verschiedenen Versionen zueinander geberrscht 
hat. Die gleiche Neigung bezeugt die Praefatio 1 des 
Codex Brixianus(/), fiber den 11,1 zu vergleicben ist. 
Sie tritt energisch fur strenge Wortlichkeit der ftbersetzung 
ein wie es scheint, mit einer Spitze gegen die freiere 
Technik des b. Hieronymus und weist nachdriicklich 
auf die uulthres 2 d. i. adnotationes 'Randglossen 3 bin, die 
gegebenenfalls die Wortwahl der got. tJbersetzung recht- 
fertigen sollen. Wo dem uulthre ein gr iibergeschrieben 
werde, sei der griechiscbe, wo aber ein la stcbe, der la- 
teinische Ausdruck mafigebend gewesen. 

Dadurcb, dafi Randglossen in den Text eindrangen 
oder die got. Fassung gelegentlich nacb dem lateiniscben 
korrigiert wurde, erlitt allmahlich der urspriingliche Wort- 
laut mebr oder weniger starke Anderungen. Diese Em- 
wirkung ging von der altlateinischen Bibel (der sog. 
Itala) aus, nicht von der Vulgata. Am schwachsten ist 
sie in Matthaus, starker in den ubrigen Evangelien; am 
weitesten aber geht sie in den paulinischen Briefen. 

Anmerkung. Zum Einflufi der altlatein. Bibel auf den got. 
TextvgLKauffinannZZ.30,180ff. 31,178ff. (Matth); 31,190if. (Joh.); 
35,453 if. (Kor.) und Odefey S. 131 ff. (Luk.); beachte auch v. Soden 
S. 1469 f. Kauffmann wje Odefey scheinen die Einwirkung des lat. 
Textes auf die got. Evangelien etwas zu unterschatzen. Freilich ist 
im Einzelfall nicht immer auszumachen, ob die Stdrung des *K-Textes 
erst der altlatein. Bibel oder der Kollation griecliischer Hss. fremder 
Rezensionen oder schon der Beeinflussung der Vorlage zuzuschreiben 
sei. Der Apparat der Got. Bibel des Verf. sucht alle Stellen zu ver- 
zeichnen, bei denen die Mdglichkeit einer Textanderung nach der 
altlatein. Bibel besteht You den altern Arbeiten fiber das 
latein. Element in der got. Bibel sind nur Bernhardts Kritische 
Untersuchungen I Meiningen 1864; II Elberfeld 1868 und die Be- 
merkungen im Kommentar seiner Ausgabe von Bedeutung. 



1 Erster Druck von Bianchini 1749, Ausgaben von Haupt 
Opuscula 2,407 ff. und nach neuer Kollation von Kauffmann ZZ. 
32,305 if. Herstellungsversuch von Dniseke Zeitschr. f. wissensch. 
Theol. 5,107 if. Abdruck des Textes Got. Bibel S. XLUf. 

2 wulprs Fi 'biacpopta X^Hewc', vgl. ni waiht mis iculfrais 
ist odbdv JLIOI bicup^pei G 2,6. 



32 Einleitung. [ 13. 

2. Der EinfluB des got. Textes auf den lateinischen. 

Wie der lat. Text auf den gotischen, BO hat umge- 
kehrt der gotische auf den lateinischen eingewirkt. 
P. C. Burkitt (Journ. Theol. Studies 1,12934) zeigt, 
dafi der Text des Brixianus (/) auf vorhieronym. Grund- 
lage beruht, die zuerst nach der Vulgata 1 , dann nach dem 
gotischen Texte korrigiert worden ist. Im Brixianus 
ist uns die Abschrift des lat. Teils einer gotisch-latei- 
nischen Bilingue der Evangelien erhalten, die ein 
Seitenstuck zu der durch den Carolinus bezeugten Bilingue 
der paulinischen Briefe bildete. Die Praefatio ist die 
Einleitung zu dieser Evangelien-Bilingue gewesen. 

Auch im Carolinus folgt der lat. Text mehrfach 
dem gotischen, vgl. Burkitt S. 134 2 . 

B. Die Einfltlsse der Parallelstellen. 

Von jeher haben in der Uberlief erung biblischer Texte 
die Anderungen nach Parallelstellen eine grofie Rolle 
gespielt. Von den griech. Rezensionen zeigt *K die starkste 
Beeinflussung des Wortlauts durch parallele Uberlief erungen; 
noch weiter reicht sie bei den altlatein. Ubersetzungen. 
In der gotischen Bibel begegnen wir ihr ebenfalls auf 
Schritt und Tritt (am wenigsten in Matth.). Die Ande- 
rungen gehoren z. T. schon der griech. Vorlage an, z. T. 
stammen sie aus der altlat. Bibel, z. T. endlich sind sie 
got. Sondergut, verdanken den textkritischenBemiihungen 
got. Kleriker ihr Dasein. 

Anmerkung 3. Fiir die Namenliste Neh 7 hat Kauftmann 
ZZ. 29,310 die Bedeutung der Parallelstellen dargeton; in NT. haben 
namentlich Mafcmann und Berahardt auf sie geachtet. Ein mtiglichst 
vollsfandiges Verzeichnis gibt der Apparat der Got. Bibel. 

1 Kauffmanns Modifikation "f repi-asontiert einen Vulgatatext 
gotischer Observanz" (ZZ.3^,335) fiberzeugt mich nicht. Burkitt 
halt nach brieflicher Mitteilung - ihr gegeniiber an seiner ur- 
sprunglichen Auffassung fest. 



13. 14.] Die ubrigen gotischen Sprachdenkmaler. 33 

Erst wenn das Verbaltnis zwischen dem got. Text 
und seiner Vorlage bis ins einzelne festgestellt ist, laflt 
sich die Frage nach der tfbersetzungstechnik Wul- 
filas abschlieflend beantworten. Einen willkommenen An- 
fang macht fur die Evangelien Stolzenburge Untersuchung 
(ZZ. 37,145 93; 352 92). Die ttbersetzungstechnik der 
paulin. Briefe behandelt J. M. N. Kapteijn (IF. 27). Iw 
allgemeinen wird man sagen diirfen, dafi Wulfila eifrig 
bemiiht ist, der griech. Vorlage aufs genaueste zu folgen, 
daher kein lebendiges, sondern ein kunstliches, giiizisie- 
rendes Gotisch scbreibt; sklavisch ist seine Treue jedoch 
nicht und manche Eigentumlichkeiten seiner t)bersetzung 
verraten ein iiberraschend feines Versttindnis fiir die Mittel, 
die ihm zur Nachbildung griechischer Besonderheiten zu 
Gebote standen, vgl. z. B. Verf. PBB. 15,70ff. 



Ftoffces Kapitel. 
Die ttbrigen gotischen Sprachdenkmaler. 

i. Die Skeireins. 

14. Die von MaBmann so genannte Skeirews r Er- 
lauterung 5 ist ein polemisch-dogmatischer Kommentar zum 
Johannesevangelium. Sie hat mindestens die 7 ersten 
Kapitel umfafit und diesen StofF auf etwa 78 Blattern be- 
handelt. Hiervon sind nur noch 8 Blatter erhalten, die 
bis auf die Riickseite des 6. Blattes uberschrieben sind; 
sie ptammen aus Bobbio. 1606 kam das Fragment durch 
Kardinal Borromeo nach Mailand, von dort spater z. T. 
nach Rom. Gegenwartig befinden sich 5 Blatter auf der 
Ambrosiana in Mailand (Bl. 1. 2. 5. 6. 7), die iibrigen (3. 
4.8) auf der Vaticana in Rom. Der Entdecker der Frag- 
mente ist A. Mai. 

Anmerkungen. 

1. Ausgaben. Castiglione verOffentlichte 1819 in seinem 
Specimen einen Teil des 6. Blattes in vorbildlicher Weise, steuerte 
auch zu GL.s Ausgabe manche Lesungen bei. Erste Gesauitausgabe 
Streltberg, Gotisches Elementarbuch. 8 



34 Einleitung. [ 14. 

von Mafamann (Munchen 1834). Neue Lesung und zeilengetreuer 
Abdruck durch UppstrOm Fragmenta S. 1445. Die Ergebnisse einer 
ebenso grtmdlichen wie wertvollen Nachprufung der mailander 
Blatter gab W. Braun ZZ.31,429 51. Auf seinen Lesungen und 
Kauffmanns Kollation der romischen Blatter beruht die kritische 
Ausgabe von E. Dietrich (TU.2), Strafiburg 1903; vgl. die Rezz. 
Jellmeks HZ. Anz. 47,28192 und Ehrismanns ZZ. 38, 382 -95. 
Photographien der romischen Blatter in dem Werk Codices e Vati- 
canis selecti phototypice expressi. Vol. VII (Mailand 1906). 

2. Textkritik. Die eigentihnliche Form des Skeireinstextes 
hat von Anfang an zu Besserungsversuchen gelockt, die mehr oder 
weniger frei mit der Uberlieferung geschaltet haben. Zu nennen sind 
Lobe Beitrage zur Textberichtigung und Erklarung der Sk. (Alten- 
burg 1839), Vollmer Die Bruchstucke der Sk. (Manchen 1862); 
H. G. van der Waals Skeireins . . ., vertaling met eenige opmerkingen 
omtrent tekst en tekstcritiek (Leiden 1892), vgl. Jellineks Rez. HZ. 
Anz. 38,148-62; G. A. H. Cromhout Skeireins... (Delft 1900), vgl. 
Jellmeks Rez. Museum (Groningen) 9,107ff. 

3. Bibelzitate. (Jber die Bibelzitate der Skeireins, die dem 
Text Wulfilas entstammen, vgl. Marold Die Schriftzitate der Sk. 
(KSnigsberg 1892); Dietrich S.XXVlIlff., Ehrismanri ZZ. 38,394 f. 

Die grazisierende rhetorisch-stilistische Kunstarbeit der 
Skeireins sucht Ehrismann S. 382 ff. eingehend klarzulegen. 
Mag das Werk eine ttbersetzung aus dem Griechischea 
oder ein Original sein, es ist jedenfalls durchaus griechisch 
gedacht und in iibertreibender Manier nach den Vorbildern 
des paulinischen Briefstils und der rhetorischen Ausdrucks- 
weise jener Zeit stilisiert und aufgebaut (Ehrismann 
3. 392 f.). Weder der Verfasser noch die Zeit der Ent- 
stehung ist mit Sicherheit zu bestimmen. 

Anmerkungen. 

4. Obersetzung Oder Original. Wahrend man allgemein in 
der Skeireins eine tlbersetzung sah, erklarten sie Krafft Kirchen- 
gesch. d. germ. Vfllker 1,352 und vorab Bernhardt Vulfila S. 611 fur 
ein got. Originalwerk. Ihnen folgt Dietrich S. LIXff. Gegen Bernhardt 
wandte sich Lucke in der G6ttinger Dissertation Absolute Partizipia 
im Got. und ihr Verhaltnis zum griech. Original mit besonderer 
Berucksichtigung der Skeireins (Magdeburg 1876) S. 36 ff.; auch 
B6hmer(-Romundt) Zeitschr. f. wissenschaftl. Theol. 4G,26Sf. stellt den 
inginalen Charakter der Skeireins in Frage. Vgl. auch Ehrismann 
ZZ. 38,393. 



14. 15.] Die abrigen gotischen SprachdenkmSler. 35 

5. Dr Verfatser. An Wulfila als Obersetzer oder Autor 
haben Mafimann Skeireins S. 87 und Krafft Kirchengesch. 1,351 f. ge- 
dacht; Dietrich hat diese Hypothese ausfiihrlich zu beweisen ge- 
sucht, vgl. S. LXXff. Aber seine Argumente sind nicht stichhaltig. 
Auf Differenzen zwischen dem Sprachgebrauch der Skeireins und 
dem der got. Bibel machen Behaghel Literaturbl. 1903, Sp. 193f. 
und Jellinek HZ. Anz. 47,282 ff. aufmerksam. Cher Unterschiede in 
der Wortstellung vgl. Me Knight Primitive Teutonic order of 
words II Word-order in Gothic. Journ. Germ. Phil. (1897) 1,14660 
und The language of the Skeireins. Mod. Lang. Notes (1897) 12,205 ff. 
Zur Voranstellung des Genetivs in der Skeir. (Koppitz ZZ. 32,438) 
vgl. Ehrismann ZZ. 38,384 : sie ist auch dem Rhetorengriechisch 
eigen. Eine systematische Darstellung des Sprachgebrauchs der 
Skeireins fehlt. 

6. Die Zeit. Wenn Bernhardt Vulfila S. 616 ff. recht hatte, 
date der Skeireinist den Johanneskommentar des Cyrillus von Ale- 
xandria (* urn 400) benutzt habe, so mufite die Skeireins in die 
Mitte des 5. Jhs. fallen. Aber die unmittelbare Abhangigkeit steht 
nicht fest, vgl. Dietrich S. LXX f. Nur soviel kann mit Bohmer aO. S. 268 
behauptet werden, dafi die Polemik gegen Sabellius (f um 260) und 
Marcellus von Ancyra (| 373) auf n ein alteres Stadium der ananischen 
Kontroverse u deutet, als die lat. Fragmente von Bobbio re- 
pr&sentieren. 

7. Die dogmatische Bedeutung der Skeireins behandeln Krafft 
Kirchengesch. l,348ff. (dazu Jellinek PBB. 15,438 ff.) und Dietrich 
S. LXXVff. 

2. Die kleineren Denkmaier. 
15. 1. DER GOTISCHE KALENDER. Die letzte Seite 
des Ambrosianus A ist durch das Bruchstiick eines gotischen 
Festkalenders ausgefiillt. Die uns erhaltene Seite 1 96 des 
Ambros. (d. i. 405 der urspriingl. got. Hs.) reicht vom 
23. Okt. bis zum 30. Nov., umfafit also den Schlufi des 
kirchlichen Kalenders. Der vollstandige Kalender hat 
9 Blatter gezahlt und unmittelbar nach dem Philemonbrief 
auf S. 397 der got. Hs. begonnen. Durch die glanzende 
Untersuchung von H. Achelis in der Zeitschr. f. d. neu- 
testamentl. Wissenschaft l,308ff. ist das unscheinbare 
Denkmal erst in das rechte Licht geriickt worden. Wie 
die Gedenktage lehren, ist der Kalender nicht italischen 
Ursprungs, sondern wie das Original der Bibeliibersetzung 
aus der alten Heimat nach Italien mitgebracht. Die 

a* 



36 Einleitung. [ 15. 

Heimatprovinz des Verfassers verrat die Notiz zum 
19. Nov.: fizo alfjono 1 in Bairaujai M. samana. Die 
40 Alten (Jungfrauen, Witwen) von Beroea in Thracien sind 
namlich keine Goten, sondern Marty rer der romischen 
Christenverfolgung: als die Goten noch in Thracien waren, 
haben sie den Kalender geschaffen und neben National- 
festen auch lokale Gedenktage aufgenommen. 

2. DIE VERKAUFSURKUNDEN. Zwei latein. Verkaufs- 
urkunden, auf Papyrus geschrieben, mit Beglaubigungen 
und Unterschriften gotischer Zeugen in gotischer Sprache. 
Die eine von ihnen befindet sich in Neapel; sie ist urns 
Jahr 551 zu Ravenna ausgestellt worden. Die andere, 
friiher im Arezzo, ist verschollen, so dafi wir nur auf ein 
ungenaues Faksimile in Donis Inscriptiones antiquae heraus- 
geg. von Gori (Florenz 1731) angewiesen sind. 

Ausgabe der Urkunden mit Faksimile bei Mafimann Frabauli- 
tabokos. Wien 1838. t)ber die Exaktheit von Mafimamis und 
die Unzulanglichkeit von Marinis Faksimile der Neapeler Urkunde 
(in dessen Papiri diplomatic*) vgl. Wrede HZ. Anz. 47,337 IT. 
Neue Lesung der Neapeler got. Unterschriften durch Braun, vgl. 
Got. Kibel S.479f. 

3. DIE SALZBITRG-WIENEK Hs. Die aus Salzburg 
stammende Alkuinhs. Nr. 795 der Wiener Hofbibliothek 
(9./10. Jh.) bringt zwischen 2 gotischen Alphabeten und 
den schon erwahnten, dem 5.Genesiskapitel entstammenden 
Zahlen (12 Anm. 1) einige got. Satze, iiber denen eine 
Art phonetischer Transkription in lat. Buchstaben steht; 
einige Bemerkungen iiber die got. Aussprache sind beige- 
ftigt. Abdruck nobst Erlauterungen Got.Bibel S.475 78. 

Vgl. den ersten Abdruck von W. Grirnm Kl. Schriften 3,95 ff. ; 
Kirchhoff Das got. Runenalphabet 2 , Berlin 1854, S.20ff.; v. Grien- 
berger PBB.21,192ff.; Luft Studien zu den altesten germ. Alpha- 
beten, GUtersloh 1898, S. 76 if. und die 12 Anm. 1 zitierten Unter- 
suchungen von Kauffmann und Kisch. 

4. RUNENINSCHRIFTEN. Auf der Speerspitze von Kowel 
(Volhynien) findet sich Tilarids und auf dem Goldring von 

1 So ist statt des iiberlieferten fize alfjano zu lesen, vgl. Got. 
Bibel S. 472. (Schon Mafimann schliigt, wie ich nachtrSglich sehe, 
in den Mtinchener Gel. Anz. 12,227 Anm. 4 zweifemd die gleiche 
Anderung vor.) 



15.) Die tibrigen gotischen Sprachdenkmaler. 37 

Bukarest (Pietroassa) steht Outaniouihailag. Scharfsinnig 
deutet der neueste Erklarer, R. Lowe (IF. 26,20308), 
die Inschrift als Guta'nfy lowi hailag f dem luppiter (d. i. 
Donar) der Goten heilig 3 . 

Vgl. Henning Deutsche Runendenkmaler (Strafiburg 1889) 
S. 1 ff. (Kowel) 27 ff. (Bukarest), F. Matthias Ober Pytheas von Mas- 
silia II (Berliner Programm 1902) S. 60 f. (Kowel; verfehlt), Wimmer 
Les Monuments runiques de 1'Allemagne (Kopenhagen 1895) S. 296, 
v. Grienberger Arkiv f. nordisk Filologi 14,12530, Odobesco Le 
tresor de Petrossa. Tome I (Paris 18891900) S. 397, Pipping Neu- 
philol. Mitteilungen (Helsingfors) 1904 S. 16567. Cber burgun- 
dische Runeninschriften vgl. auch G. Hempl The Nation (New York), 
Nr.2234, S.372f. 

5. VEREINZELTE SPLITTER gotischer Sprache finden 
sich in lat. Texten, vgl. MaCmann Gotthica minora HZ. 
l,294ff, a) Beachtenswert ist das Epigram m (Anthologia 
latina ed. Riese, Bd. 1, Nr. 285): 

Inter eils goticum scapia matzia ia urincan 
Non audet quisquam dignos edieere versus. 

eils ist in wulfilanischer Schreibung hails. Den Hexameter liest 
wohl am besten Dietrich Aussprache des Gotischen S. 26 Inter \ heils 
goti\cum scapi ja \ matjd 1 ja [ drincan ; ferner vgl. Luft HZ. Anz. 
41,392 ff.: Inter geils goticum scapjl 1 ja gamatjam ja drincam; 
Moller Deutsche Rundschau 32,416, HZ. Anz. 43,103 f.: Inter \ heil* 
goti\cum scap\jam matljan ja \ drincan] van Helten PBB. 29,339 ff.: 
Inter he\ils goti\cum scapi\a 2 mati\amjd \ drincam. Zur Erklarung der 
Situation vgl. van Helten S. 343. Vgl. aufierdem Mafimann HZ. 
l,379ff., Grimm GDS. 2 S. 318, Grabow Festschrift fur Stinner (Op- 
peln!880) S.XXIff., Wrede Ostgoten S. 141. 

b) In der 'Collatio beati Augustini cmn Pascentio Ariano\ 
die dem Vigilius von Thapsus angehort (MSL. 33,1162), 
steht Sihora armen (Varianten SJiroia armen, Kuroia armes, 
Fhrota oder Fhroti armes), iibersetzt durch c domine mise- 
rere'. Von Holtzmann Germania 2,448 als Froja armes 
hergestellt. 

Anmerkung. Nichts Gotisches enthalt das sog. got. Weih- 
nachtsspiel, vgl. Kraus PBB. 20, 224 ff. Auch die von Holtz- 
mann herausgeg. Reichenauer Glossen (Germania 8, 404 ff.) hat Kluge 
Beilage z. Allg. Zeitung 1897, Nr. 12; Pauls Grundrifi 2 1, 332 f. wohl 
zu Unrecht als gotisch bezeichnet; vgl. Vert Pauls Grundrifi 2 2, 28. 

1 d. i. scapi + I c dafi 3 . 2 skapja 'Kellner'. 



38 Einleitung. [16.17. 

3. Die Namen. 

16. l.a) Die westgotischen Konzilienakten bei Mansi 
enthalten in den Unterschriften zahlreiche westgotische 
Eigennamen, die Dahn (Konige der Germanen 6,430 ff.) 
zusammenstellt. Vgl. Dietrich Aussprache; Bezzenberger 
Die a-Reihe der got. Sprache, Gottingen 1874; Kremer 
PBB. 8,452fT. 

b) Die westgot. Namen des ersten Bandes der Portn- 
galiae Monumenta historica, Diplomata et Chartae I, Olisipone 
1867 (7751160) sammelt und untersucht Meyer-Lubke 
in der wertvollen Schrift Romanische Namenstudien. I. 
Die altportugiesischen Personennamen germanischen Ur- 
sprungs (Sitzungsber. d. k. Akademie d. Wiss. in Wien, 
phil.-hist.Kl., Bd. 149,2), Wien 1904; vgl. v. Grienbergers 
Rez. ZZ. 87,54160. Siehe auch H. Kern Zeitschr. f. 
deutsche Wortforsch. 9,13. 

2. Wrede Sprache der Ostgoten (QP. 68), StraCburg 
1891; vgl. Kogel HZ. Anz. 36,43 ff. 

3. Wrede Sprache der Wandalen (QF. 59), StraCburg 
1886; vgl. auch Lowe HZ. Anz. 45,107. 

Anmerkung 1. Wrede hat versucht, auf Grund der Eigen- 
namen eine Charakteristik der ostgol. und wandal. Dialekteigen- 
ttimlichkeiten zu geben: der Versuch 1st mifilungen, da 
Wrede es versaumt hat, duroh eine systematische Untersuchung des 
romanischen Schreibgebrauchs die unerlaBliche Grundlage zu 
bchaffen. Seine vermeintlichen e Dialekteigentflmlichkeiten' schweben 
daher in der Lult. Vgl. Verf. IF. Anz. 7,251 und Kauffmann ZZ. 
31,94ff. 

4. Auch die Namen des dem Gotiechen verwandten 
Burgundischen sind durch Wackernagel Kl. Schriften 
3,334flf. und Kogel HZ. 37,223 ff. grammatisch bearbeitet 
worden. 

Anmerkung 2. Luft Alphabete S. 81 ff. will auch die Um- 
schrift der got. W6rter in der Salzburg-Wiener Hs. fur burgundisch 
erklaren, ohne jedoch stichhaltige Grunde beizubringen. 

4. Das Krimgotische. 

17. Der Vlamlander Busbeck, der als kaiserl. Ge- 
sandter in Konstantinopel weilte, hat zwischen 1560 und 



17. 18.] Die gotische Schrifi. 39 

1562 aus dem Munde zweier Krimgoten 68 krimgotische 
Worter und Satzchen, sowie die Zahlworter von 1 7 
aufgezeichnet, vgl. Augerii Gislenii Busbequii Legationis 
Turcicae epistolae quatuor, Parisiis 1589, Epistola quarta 
S. 135. Die Lautform dieser Worter zcigt trotz ungenauer 
tFberlieferung unverkennbar ostgermanische Ziige; doch 
enthalt das Verzeichnis auch manches, was nicht wohl 
zum Gotischen stimmt, sondern moglicherweise fremdem 
EinfluB zuzuschreiben 1st. Ein genaueres Urteil iiber den 
sprachlichen Charakter des krimgotischen Vokabulars diirfte 
vorlaufig nicht moglich sein. 

Anmerkungen. 

1. Vgl. Tomaschek Die Goten in Taurien, Wien 1881; Kluge 
PBB.1 1,563 f.; F. Braun Die letzten Schicksale der Krimgoten. 
Progr. Petersburg 1890; LOwe Die Reste der Germanen am 
Schwarzen Meer, Halle 1896 (Hauptwerk), bes. 127 ff.; Much IF. 
Anz. 9,197 ff.; v. Grienberger ZZ. 30,124 ff. ; L6we Die Krimgoten- 
frage IF. 13,1 if., bes. 444. Die krimgot. Worter Busbecks sind 
auch in Feists Etymol. Wfirterbuch aufgenommen. 

2. Die Krimgoten smd nicht mit den tetraxitischen Goten 
identisch, vgl. Lftwe Die Reste der Goten S. 22. Ausgestorben 
ist das Krimgotische erst um die Mitte des 18. Jhs. 

Sechstes Kapitel. 
Die gotische Schrift. 

18. Grimm W. Zur Literatur der Runen. Kl. Schriften 3,83 ft". 

Kirchhoff A. Das gotische Runenalphabet 2 , Berlin 1854. 

Zacher J. Das got. Alphabet Vultilas und das Runen- 
alphabet, Leipzig 1855. 

Wimmer L. Das wulfilanische Alphabet. (Runenschritt, 
Berlin 1887, S.259ff.) 

v. Grienberger Th. Die got. Buchstabennamen PBB. 21,200 ff. 

Luft W. Das got. Alphabet (Studien zu den kltesten germ. 
Alphabeten, Gutersloli 1898, S. 61 ff.); vgl. Heusler HZ. Anz. 43,249 ff, 
Hirt ZZ. 31,419 ff. 

Mensel E. H. Zum got. Alphabet. Modern Philology 1,457- 

68. 568. 

Alweichungen vom griech. Alphabet durch Rilcksicht auf das 
Runenalphabet bestimmt. 

Jellinek HZ. Anz. 49,1 3. 



40 Einleitung. [ 18. 

Von Philostorgius wird Wulfila YpamuuxTwv ctuioic 
[sc. f6T0oic] oiKeiujv eupeiric genannt; Sokrates berichtet: 
dcpeOpe PotGiKd und Sozomenos erzahlt: Trpunroc 
v euper^c auioic [sc. ToTGoic] ^fiveio. 1 

Die Ausdriicke c Erfinder', c erfand 3 sind in dem Sinne 
zu verstehn, dafi Wulfila die erste gotische Buchschrift 
geechaffen hat. Denn das (zum Einritzen namentlich in 
Holz, Metall usw. bestimmte) gemeingermanische Runen- 
alphabet haben die Goten so gut wie die iibrigen Ger- 
manenstamme besessen. Unhaltbares bei Luft S. 6 Iff. 

Die Nam en der got. Buchstaben sind uns in der 
Salzburg- Wiener Hs. ( 15,3) iiberliefert. Sie sind bis auf 
wenige Ausnahinen mit den alten Runennamen identisch, 
beruhn also auf blofier tJbertragung. 

Anmerkung. Die Namen lautcn in der Hs. aza, a.bercna. 
geuua . daaz . eyz . fe . $aar . haal . iiz . chozma . laaz . manna . noicz . 
uraz .pertra . quertra . reda .fugil . tyz . //, uuinnne . utal . enguz . ezec. 
uuaer . fliyfh, t & h. Zur Erklarung vgl. v. Grienberger aO., Luft S. 71 . 

Die got. Bucbstaben, die ihnen entsprechenden Zahl- 
werte und die als Transkription angewandten lateinischen 
Buchstaben sind: 



A 


B 


r 


& 


e 


U 


z 


ll 


fy 


l 


2 


o 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


a 


& 


9 


rf 


* 


9 


z 


h 


,? 


Yi 


K 


A 


M 


N 


G 


a 


TI 


4 


10 


20 


30 


40 


50 


60 


70 


80 


90 


i 


* 


1 


w 


n 


i 


24 


P 


- 


^ 


S 


T 


Y 


T 


X 


e 


ft. 


t 


100 


200 


300 


400 


500 


600 


700 


800 


900 


r 


5 


t 


IV 


/ 


x 


/<; 









1 In einem Gesprachbuchlein der Schlettstiidter Hs. M 1093 des 
7. IS. Jhs. steht: Quis primus Utter as Gutigas inuemt? Goulphyla, 
Gothorum episcop^s. Vgl. E. Wttlfflins Mitteilung in den Monats- 
berichten d. preuS. Ak. d. Wiss. 1872, S. 118, Satz 21. Die Angabe 
geht nattlrlich aaf Cassiodor zurflck. Ich verdanke die Stelle dem 
Hinweis Max FOrsters. [Vgl. Roman. Forsch. 27,342 ff.] 



18.] 



Die gotische Schrift. 



41 



Anmerkung. Den Buchstaben y umschreiben manche mit 
v statt mit dem von W. Braune eingefiihrten M?, vgl. PBB. 12,216ft'.; 
wo es in FremdwOrtern griechischem u entspricht, pflegt man auch 
y zu schreiben. Anstatt der von H. Collitz (ZZ.l 2,480 ff.) erfundenen 
Ligatur Jo fiir findet man auch hv oder ~hw. Ganz abgekommen 
1st die alte Transkription von (J> durch th anstatt durch das dem 
Runenalphabet entlehnte Zeichen f. 

1. Dem Griechischen entsprechen in Laut- und 
Zahlwert wie auch in der Form der Unziale des4.Jhs. 
folgende 17 Zeichen: 



Got. 


Griech. 


Zahlwert. 


Got. 


Griech. Zahlwert. 


A 


A 


1 


tt 


M 40 


B 


B 


2 H 


N 50 


r 


r 


3 


Tt 


TT 80 


& 


A 


4 


Tl 


Koppa 90 


e 


E 


5 


T 


T 300 


7 


Z 


7 


Y 


Y 400 


it 


1 


10 


X 


X 600 


K 


K 


20 


T 


Sampi 900. 


A 


A 


30 







H f sind im Gotischen keine Buchstaben, sondern 
nur Zahlzeichen, X erscheint nur in Fremdwdrtern, 
besonders im Namen Xristus. 

2. Von den ubrigen 10 Zeichen entspricht S- im 
Zahlwert (800) dem griech. Q, unterscheidet sich aber 
von ihm in der Form. Die 9 andern weichen vollig ab : 



Griech. Zahlwert. 



[F] 
[H] 
[0] 
[H] 
[0] 



6 
8 
9 

60 
70 



Got. 



W 

W 
V) 
(fc) 



Griech. Zahlwert. 

[P] 100 
[I] 200 
[<J>] 500 
[V] 700. 



Got. 
U (<?) 
ll (W 

<}> ($ 

Q 0) 
a W 

Von diesen Zeichen entstammen h , Q , H , S 
offensichtlich dem lateinischen Alphabet und sind mit 
den Unzialformen von H, G, R, S identisch, wahrend "J: 
wohl alsUmbildung des lateinischen F betrachtetwerden darf. 



42 Einleitung. [ 18. 

Got. U (q) entspricht formell dem lateinischen un- 
zialen U, da aber beide Zeichen ganz verschiednen Laut- 
wert haben, ist eine Identifizierung gewagt. 

Die Buchstaben a (u) und fi. (o) stimmen in Form 
und Bedeutung zu den Zeichen ft und it des alt- 
germanischen Runenalphabets. Es ist daher kein zu- 
reichender Grund vorhanden, an einer Entlehnung aus 
diesem zu zweifeln. 

Anmerkungen. 

1. Das neben I auftretende seltnere 'i bozeiehnet den Silben- 
beginn; es steht daher a) im Wortanfang z. B. ist; b) im Wort- 
innern nach Vokal, um anzudeuten, dafi kein Diphthong, sondern 
zwei getrennte Silben zu sprechen sind, z. B. frcfttip = fra-itip. 
Hierher gehOren auch die Schreibungen wie sattp sauil; c) zu An- 
fang des zweiten Kompositionsgliedes auch nach Konsonanten, vgl. 
usTddja, at'ist u. a. (Nominalkomposita dieser Art sind nicht belegt). 
Diese, dem griechischen Brauch nachgeahmte Schreibung zeigt, dafi 
das etymologische Pnnzip uber das rein phonetische gesiegt hat. 
Vgl. Wrede Stamm-Heynes Ulfilas 11 S.283f., W. Schulze Wort- 
brechung in got. Hss. (Berlin 1908) S. 611, Verf. IF. 24,174 ff. 

2. Als Ziffern gebraucht, werden die Buchstaben entweder 
durchPunkte eingeschlossen, z. B. .ib. = 12, oder durch eineu uber- 
gesetzten Querstrich hervorgehoben, z. B. ib = 12. 

S.Abkurzungen regelmkfiigbei den heiligenWOrtern gup, frauja 
(==Gott), lesus (== Christus). Norn. ~gp_, Gen. gps, Dat. g'pa; Norn, fa, 
Akk. fn oder fan, Gen. fins, Dat. fin usw. lesus als menschlicher 
Eigennaine wird ausgeschrieben, vgl. C 4,11 (AB.) Neh 7,39.43; 
ebenso frauja e irdischer Herr', z. B. M6,24. 27,63 usw.; guda aus- 
gescbrieben J 10,35 usw., vgl. 133 Anm. 

4. Die ersteAbbildung des got. Alphabets bei Vulcanius 
De literis et lingua Gefarwn sive Goihorum. Leiden 1597, vgl. 
F. Burg ZZ. 36,124. Der KuriositUt halber sei erwahnt, dafi Casti- 
glione Specimen S. 19 auf die in got. Buchstaben ausgefuhrte 
Namensunterschrift von Wilhelm Kaj, einem belgischen Maler des 
16. Jhs., hinweist, die sich auf einem Gemfilde zu Brescia findet. 
Das Bild tragt die Jahreszahl MGDXXLI1 d. i. wohl 1532, 1552 
oder wahrscheinhch 1572. Sutterlin Literaturbl. 1909, Sp. 89, 
macht auf die Stelle im 17. Kap. von Fischarts Gargantua aufmerk- 
sam: T Hiezwischen sollt ihr aber auch wissen, dafi er die got- 
tische Schrifft hat lehrnen schreiben, wie deren Exempel etlich La- 
zius und Goropius zeigen tf (Neudruck S. 218). 



19.] 43 



Erster Hauptteil, 
Lautlehre. 



Siebentes Kapitel. 

Die Umschreibung der biblischen Eigennamen 
im Gotischen. 



19. Luft. Die Umschreibung der fremden Namen hei Wul- 
iUa. KZ.35,291-313. 

Zur Ermittelung des Lautwerts der gotischen Buchstal)en ist 
es von Wichtigkeit festzustellen, auf welche Weise die im Bibeltext 
vorkommenden Eigennamen von dem Cbeiselzer umschrieben 
werden. 

A. Die Vokale. 

Um die gotischc Umschreibung der griechLschen Vokalzeichen 
richtig zu verstehn, mufi man sich stets dessen bewufit bleiben, dab 
die griechischen Vokale zur Zeit Wulfilas isochron waren, d. h. 
denselb en Morenwert batten. Der alte Unterschied zwischen Lange 
und Kttrze war also vOllig aufgehoben; an seiner Stelle hatte s>ich 
ein neuer herausgebildet : alle betonten Vokale smd langer al- 
die unbetonten. 

Die Umschreibung ist im allgeineinen bucbstabengetreu, doch 
finden sich auch manche Beispiele, die der Aussprache gerecht 
werden. Beispiele hierfor bei W. Schulze Griechische Lehnworte im 
Gotischen. Berlin 1905 (passim). 

l.o = got. a. 

Bemerkungen. Statt kaurfanzun M27,6 ist brurifounan = 
icoppovdv(ZZ.30,181)zu lesen. laiimpaulein C 4,13 setzt e lp6iro\ic 
voraus, das nach Steph. Byz. neben 'lepdnoXic bestanden hat; vgl. 
Jairupulai des got. Kal. m 

2. e = got. ai in 83 Fallen. 28 von diesen weisen akzen- 

tuiertes c auf. 1 



Die Zahlenangaben hier und im Folgenden nach Luft. 



44 Lautlehre. [ 19. 



Bemerkungen: a) e statt ai fur d in ai 
Ferner laredis* 'Idpeb L3,37 (nach Bethge bei Dieter 19,2 beein- 
flufit von den got. Namen auf -red); Makedonais T 1,3 A: Makido- 
nawB (Makoldonja k2,13A: Makidonja B ; dasselbe Verhaltnis zwi- 
schen AB in k 7,5). Mehrfaches aygzlus neben gewbhnlichem aggilits, 
dessen i auf got. Lautsubstitution beruht wie das * von Makidonja, 
Zauraubabilts L 3,27 u. a. b) Kafurnaum nach Kafarnaum it 
(vgl. auch KctcpapvaouM, SinB). 1 c) MaleilaieUs L3,37CA Schreib- 
fehler fur Malsilaielis, ebenso Beflzhaim L2,4 fur Beffaihatm. 

3. r\ = got. e (51 mal), ei (10 mal) und i (7mal). 
Bemerkungen. a) ai neben e in Btidsaudan L9,10 Baif- 

saidan L 10,13, H&irodiadins Mc6,17: Herod-, Hzileiins Ll,17. 
Hel~, Neikaudtimau Skeir. 8,19: Nikaudemus J7,50 (Skeir. 2,9), 
Kfaimaintau Ph4,3 A: Klemaintau B; vgl. Schulze S. 18. b) Nur 
ai in Gairgaissine ' fepYecnviuv M8,28, Osaim ' 5 Qcn^ R9,25. 
c) Mlamis Neh7,34 gibt AiXafi, nicht HAan wieder. 

4. i = a) akzentuiert got. i (22 mal) und ci (20 mal); b) nicht 
akzentuiert got. i. 

Bemerkungen. a) Unakzentuiertes i erscheint als el in 
Aipafraudeitu ' 3 Eirapp6biroc Ph2,25, Neikaudaimau ISltK66Tiiioc 
Skeir.8,19 usw. Twkeikus ' Tuxix6c E6,21, Ailewizairis 5 E\i#ep 
L3,29 usw., vgl. van Helten IF. 14,01. b) 17 mal j vor Vokalen, 
z. B. Maria M27,5G: Maria L2,19 u. a. c) ai: Kaurinfaium k 
Uber- u. Unterschr. B: Kaunnfinm Unterschr. A., Laudeikaia 
C4,13.15B: Laudeikzion = AaobiK^iuv C4,16B. d) e: Paun- 
fefff<T6,lBAB; Twktkus G 4,7 B : Twkeikus A, Laudefaion C4,16Br 
Laudeikaion B ebd., Naem * Naefjn Natju L 7,11 zeigen wohl e : ei 
( 22 B); mit ailoQ Me 15,34 vgl. i\wr\ syrP mg e loe aethiop. 

5. o = got. an in 42 Fallen. 

Bemerkungen. a) Die En dung -oc wird nach lat. Vorbild 
durch -us ersetzt. 1m Wortinnern erscheint u in unbetonter 
Silbe: gewOhnl. diabulus : diab&ulus J 6,70 8,44, apaustulus L6,18 
Ph2,25B: gewOhnl. apausfaulus, aipiskupeins T3,1B: aiptskzupeins 
A, aipibtulans Neh6,17 : <M>Vrfaufe NT. (Schulze S. 16 *), Barpulomaiu 
LG,14: Barpaulaumaiu Mc3,18, diafaina : diakona Neapeler Urk. 
neben diafaunus T 3,8. 12, gewohnl. lairusaulwma (Kontamination 

1 Cber den Namen Kapernaum vgl. E. Nestle in der Fest- 
schrift zu Zahns 70. Geburtstag 1908. Zur altlat. Form stimmt die 
syrische. Beachte auch das auffallige Zusammentrefifen des got. 
Krispus t,4,10B (nach K 1,1 4) mit der syrischen Cbersetzung. Dazu 
Nestle Einfahrung in das griech. NT. 3 S. 155. 187. 276. Der Vermittler 
zwischen dem syr. Osten und dem lat. Westen scheint Tatians Dia- 
tessaron gewesen zu sein, vgl. von Soden S. 1564ff., Bousset Theol. 
Literaturzeitung 1908, Nr. 24. 



19.] Die Umschreibung der biblischen Eigennamen im Got. 45 

aus 9 lpQucoXr||u und 3 lpoc6Xu|ua vgl. Elis S. 54) : lairansaulwrnni 
J 12,12; Lvadeikaia ' Aaobixta (-e(a) G4,13.15.16 (au wohl zweisilbig : 
u ftlr o nach 23 A). 1m Wortanfang: Puntiau L3,l: P&untius (-e?(s), 
Kustanteinus Kal. b) o in Aiodia Euobia (nach Schulze, Lehn- 
worte 21 als eCiiwbia e Wohlgeruch' mifcverstanden), tiarfulomaiu 
(s. o.), Nazoreinau (Me 14,67 NaZoprjvoO D Nazoreno kl*q; L4.34D* 
Naopn.vd D 2 47ev NaEujp., vgl. NaEuupaioc), Aimnogaineis ' ""EpjuoY^vrjC 
tl,15B: Hairmangaineis A (o in der lat. Tonsilbe), daimonarefs 
(griech.-lat. Mischbildung ; o nach baijuujv), Antiokjai G2,ll B 
('AvTi6xia) : Antt&ukiai 13,11AB, MaJcirfoneis Makidowja (vorchristl. 
Enllehnung, vgl. MaKeb6vec), diakona Neapeler Urk. 

6. u) = got. o in 55 Fallen, ohne Rucksicht auf die Stellung 
des Akzentes. 

Bemerkungen. a) au in Trakauneitidaus * 1 paxu)vinboc 
L3,l; 2Vaurf(fc) * Nue (?) L 3,36 u. 6.; Lsnudjai 1 1,5 A cntspricht 
Aoibi, Trwiadai k2,12AB 1 4,13 A dem in LP belegten Tpodba(-i); 
praltRuria J 18,33 19,9: praitoria praitoriaun J 18,28 (Schulze S. 18 B ), 
Daarifaius Kal. (lat., Schulze aO.). 1>) 7u.^^ 'luucf^ Me 6,3, spai- 
Jculatur ' CTreKOuXdTUup Me 6,27 (nach $$23 A). [Ituma * TdbMn: allc 
Entlehnung.] 

7. u = got. w d. i. u in 25 Fallen. 

Bemerkungen. a) i in Diflimnx fur Aibuiaoc J11,16 (/ fur 
u in zahlreichen Vulgata-Hss.). b) au nur in tfaur und dessen 
Ableitungen (zu lat. Suru*, vgl. Klu^e Stammbildunyslehre 2 , S. 5, 
5): Svrriais Glosse L2,2. 

8. ai = got. ai. 

9. i = got. ei, fast durchweg, v^l. 4 a. 

10. 01 = got. w d. i. U. 

Phonetische Wiedergabe. Vgl. fwnikiska ' Ooivfoicca Me 7, C J(>, 
m Lwstrws ' Iv Aucrpoic t3,HAB, vor Vokal ?//, vgl. Banska' 
B^poia Kal. 

11. au = got. aw. 

Vgl. Pxwlus ' TTaOXoc, Esxw ' "HcaO, JMwm/ Aauetb usw. 

12. eu = got. aiw. 

Vgl. aiw.mrixtia ' eOxapiCTia, aiwagr/eh ' eOaTT^^iov usw. 

Bemerkungen. a) wiv, ubereinstiraDicnd mit griech. und 
lat. Hss., in Awwa ' Euct und Laiwwi ' Aeui Laivrvteitets ' Aeuirai 
Neh 7,1.4s 1 . b) Uber Aiodia (von lat. Aeodia beeinflu^t) Euobia 
Ph4,2 vgl. Schulze Quaest. ep. S. 47 Mill, Lehnworte S. 21. 

1 Wenn E. Nestle (Korrespondenzbl. f. d. h6hern Schulen Wurtem- 
bergs 1906, II S. 407 f.) aus deni Unterschied von aivraggeli und Atorwa 
folgert: B Also horte Ulfilas Euangelium vokalisch, aber Eva konso- 
nantisch u , so vergifat er, daft die Doppelschreibung des w in Aiwwa 
und Laiwwi nicht gotischen Ursprungs, nicht phonetisch, sondern 
traditionell ist. 



46 Lautlehre. [ 19. 20. 

13. ou = got. u an 22Stellen. 

Bemerkungen: a) o in Sairokis lepotix L 3,35. b) au 
in Saihwnift ' CeXXoun Neh7,45, Bananfs Bctvoin Neh7,15. c) Ba- 
#au?> Neh 7,19 entspricht regelrecht dem Bayoci Sin. (B). d) Bas- 
SSLUS ' Baccou Neh 7,23 ist Gen. der w-Deklination ; Isokati Salzburg- 
Wiener Hs. 

B. Konsonanten. 

fcO. 1. TT T K sind durch p t k, p Y & durch b g d wieder- 
pegeben. 

2. q> = got. f. 

Bemerkung: Asabis ' TOO Accup Neh 7,44 zeigt nach got. 
Lautgesctz Erwcichung. 

3. 6 = got. J). 

Bemerkung: Lodfc LI 7,28.32 1st wie Asdbls zu erklaren; zu 
p (f vgl. Loth it. Baidsattdan L9,10 (neben Befysaidan L 10,13) 
geht auf Bnbcaibdv (SincaDd) zuruck. 

4. x = got. k. 

Bemerkung: In \ristus und aiwxaristia wird der griech. 
Buchstabe stets beibehalten, in pasxa, Zaxamas, Axaja erscheint er 
ueben k. 

5. c = got. s. 

Bemerkungen: a) ss in lasson. 'Idciwv R 16,21. Assaumis 
Neh 7,22 entspricht dagegen Accoju. 

b) z in Aizleimis ' "EcXijn L3,25, praizbwtairein T 5,19 A Tit 
1,5B sind phonetische Schreibungen, vgl. Verf. IF. 18,393 l . Mosez 
k3,13AB hat s nach den obliquen Kasus, vgl. Mosfzis J7,23 usw. 

(>. I = got. z. 

Bemerkungen: a) ss in Lazzam L 16,23 (neben Lamms). 
b) s in JKttsins ' Xoulfi LS,3. 

7. Doppelgeschriebene Nasale finden sich in Makidoimim 
k9,2B (: Makidouim A) Ammons ' TOU 3 A|ii(Jbc L3,25. wommowa 
entspricht dagegen dem |ua|U|uuw<a emiger Minuskeln und von it; eben- 
-o MainauUamis Neh 0,1 8 dem gr. MecoXXaiu. Einfache an Stelle 
doppelter Liquida in Gaumaurjam ' fo|a6ppoic Me 0,11. 

S. I und ip werden durch got. ks, ps gegeben. 

9. Spiritus asper. 

Da der Spiritus asper zur Zeit Wulfilas nicht mehr gesprochen 
ward (vgl. Thumb Spiritus asper S. 87, Hatzidakis Einleitung in die 
neugriech. Gramm. S. 21. 160), mu6 die gotische Regelung im Ge- 
brauch des h fur den Spiritus asper auf Tradition beruhn. Ihren 
deutlichsten Ausdruck findet die Tradition in der alten latei- 
n isc hen Bibel. Das gilt fur den Anlaut wie fur den Inlaut in 
jenen Fallen, wo ein f hiatustilgendes 5 h steht, vgl. Abraham: 
'Appadja, Aharon : 'Aapdbv, Johannes : ^luudwrjc usw. 



2022.] Orthographische Varianten in den got. Handschriften. 47 

Anmerkung. Falsch 1st die Vermutung Hoppes (N&gra 
iakttagelser om hebraiska namns behandling i Gotiskan. Nord. Tidskr. 
f. filol. N.R. 6,245 ff.), jenes hiatusfullende h beruhe unmittelbar 
auf hebraischem Einflufc, vgl. Es. Tegner ebd. G,304ff.; Luft KZ. 
35,31 If- 



Achtes Kapitel. 

Orthographische Varianten in den gotischen 
Handschriften. 



21. Schwankende Schreibungen kSnnen wertvollen Aufschlufa 
iiber lautliche Entwicklungen geben, da sie nicht selien das Ergebnis 
eines Kampfes zwischen traditioneller Orthographic und phonetischer 
Schreibung sind. Es empfiehlt sich daher, die orthographischen 
Eigentumlichkeiten der gotischen Handschriften im Zusammenhang 
zu betrachten. 

A. Vokalismus. 
1. Wechsel zwischen e, ei und I. 

22. Das enge ostgerm. e 1st schon friih in den verschiednen 
got. Dialekten zu engem I geworden. Es scheint, als ob dieser 
Obergang durch ein * (oder u) der folgcnden Silbe begunstigt worden 
sei, vgl. Hirt PBB. 21,l59ff.; dafi der Ubergang im besondern vor 
U, Jcj iiblich sei, zeigt A. Kock Arkiv f. nord. Fil. (>,20 Fu&note, 
KZ. 36,583. Dazu Janko IF. 30,23032. Die Lautentwicklung 
spiegelt sich deutlich in den graphischen Varianten. 

A. ei fur e. 

Ziemlich haufig, besonders im Lukasevangelium. Vgl. z. B. 
leiJceifi L 5,31 G 4,14 B. ^rei^ J 10,20. afleitan M9,G. qeins Ll,5 
2,5. gagrdftai k8,12B \gagrzftai A), teikais G2,21AB. faheld 
L 2,10. swarei k 6,1 B (sware A). Gen. PI. dalei L 3,5. waurdei 
L 20,20 bistugqei k 6,3 B. pizeiei Ph 3,19 A (fiztei B) usw. 
Wohl auch dufel L7,7 (Janko IF. 20,231). 

B. e fur ei. 

Seltener als die umgekehrte Schreibung. Vgl. z. B. spewands 
Me 7,33. sterein K 14,26. qenes E 5,22.24. Norn. F frnttie K Unter- 
schr. miffane L 2,43. fee M 5,32 Me 9,1 L 8,13.15 usw. 



48 Lautlehre. [ 22-24. 



G. t fdr e. 

Selten, vorwiegend im Lukasevangelium. spidistaim T 4,1 B 
(spedistaim A), birusjfis L2 ; 41. qifeif L 17,6. swignjai C 3,15. 
azitizo Me 10,25. duatsniwun Me 6,53. tawididema L6,ll. Gen. PL 
frawaurhti R7,5. 

Hierher auch wrifus L 8,33 wegen ae. wrjed C zw6lf Stuck 
Schweine'. 

D. e fur i. 

Vereinzelt. sivekunfamma L8,17. seneigamma T5,l. leeleika 
Ll,29. ftoZre&/Mc5.10. aggeljus R 8,38. filegrja L 19,40. Paunteau 
T6,13AB. ne J 18,40 (fur ni, Wrede 11 S. XI). 

E. ei fur i. 

Vereinzelt. usflreibeina Me 9,18. kunnei J 17,23. andbalitei 
k4,lA (^w^aMB). 

F. far rf. 

Vereinzelt. situbrinatee M27,3. andbaJitlf J 12,20. laisarls 
L6,40. wisandin T1,4A (wisandem B), Skeir. 7,11. 

2. Wechsel zwisclien o und 11. 

)^3. Die Zabl der Belege ist zienilich gering. 

A. u fur o. 

Nur bei uhtedun Me 11, 32. supiida Me 9,50. gakrofada 
L20,18 wohl fur gakruioda verschrieben, vgl. Tcriustan und J: rusts 
(v. Grienberger Untersuchungen S. 8(i bessert gakrotorfa). spaikulatur 
Me 6,27. sunj\Ji El, 13 A (mnjos B). Sehwerlich man'kreitwn 
T2,9AB fur marfkreUoni (Schulze Lehnworte S. 17), vgl. Lowe 
KZ. 40,550. 

B. o fur u. 

a) Fur u steht o nur in ohteigo i 4,2 B (uhteigo A). 

b) Fur u steht o racist im Lukasevangelium: aljakwnjai 
E2,19AB. gawondondans L20,12. fraistobnjo L4,13. lauhmom 
L 17,24. widowo L 7,12. ainomehun L8,43. sunjos L 16,8. ushofon 
L 17,13. faiho Me 10,23. Vielleicht afdobn L 4,35 fur ctftfuftn, 
vgl. aisl. dofna (Ublenbeck Wb. 2 s. v.; anders v. Grienberger 
Unters. S. 6). 

3. Wechsel zwisclien an und u. 

24. Weitgehendes Sehwanken zwischen au und u in den 
Singularkasus der w-Deklination. Dies deutet einerseits auf monoph- 
thongische Aussprache des unbetonten au, anderseits auf eine Zer- 
ruttung der absterbenden w-Flexion. 



24. 25.] Orthographische Varianten in den got. Handschriften. 49 

A. cm fflr w. 

Nom. sunB.U8 L4,3 skalkin assays E5,5 fairlooMs G6.14B (-us A) 
wulfwLs k8,23A (-us B); diabufaus L4,5 JSCmteus G4.19B (-MS A) 
BartimaiSiUS Me 10,46. Akk. handou. Me 7,32 fiudinasssiu L 9,27, 
<foM/auKll,26 tl,10 <w/isau K9,9 hairzu R 13,4 A (-w Car) ufaras- 
sau L15,17 Ph4,12 ->ad#au L6,48; Xristau K9,l 15,57A (-w B) 
Ph3,8AB lakobm L5,10. 

B. w fflr aw. 

Gen. stmu* E 4,1 3 G 2,20 daufus Ll,79; apaustaulus k!2,12A 
(-awsB) Kal. (2 mal) prafetus L4,17 Pawtfus K 1,12.13 16,21 AJfaius 
L6,15 Ktistanteinus Daurifaius Kal. Dat. fiwnagu. LI, 54 W?M//U 
L9,26 wnu L9,38; praufetu L7,26 Xrtefu E5,24 G5,6 Partru 
G2,7A (-an B) Teimaufaiu Th3,6 TJ,2B (-aw A). 

G. -aw und -w im Vokativ. 

Im Vokativ haben -aw: swnau MS,29 9,27. L8,28 18,39. Me 5,7 
10,47.48. wa^au L2,48. Sumina: 8 Falle. 

-M haben dagegen im Vokativ von got. WOrtern nur sunu 
L 18,38. daufu K 15,55 AB, also nur 2 Falle. Die tibrigen 7 Vokative 
auf -u smd samtlich von Fremdnauien gebildet: Xristo. M 26,68 (C) 
Zakkaiu L19,5 Paiaufeilu Ll,3 Lazaru J 11,43 Teimaufam Tl,18 
Nazorenu L4,34 Filippu J14,9. 

Anmerkung. Vgl. die Vermutungen Hirts PBB. 1 8,280 l Uber 
den Lautwert dieses mit M wechselnden au. 

B. Konsonantismus. 
1. Wechsel zwischen s und ^, /* und b, f und rf. 

95. Nach einem spater (in 110) zu erwahnenden Lautgesetz 
mussen die stimmhaften Spiranten z ft d (geschrieben z b d) im 
absoluten Auslaut und vor -s zu den stiminlosen Spiranten s ff 
werden. Gegen diese Regel verstofien zahlreiche Scbreibungen, die 
sich namentlich in den sieben ersten Kapiteln des Lukasevangeliums, 
in den Kapiteln 1019 des Johannesevangelmms (Cod. Arg.), in 
Ambr. A und B finden. Es fragt sich, wie die so haufig an Stelle 
von s f p erscheinenden z b d aufzufassen sind. 

Eine genaue Untersucbung des Tatbestands lafit keinen Zweifel 
daruber, dafi Sievers im Rechte ist, wenn er im Anlaut des 
folgenden Wortes den Grand der am Wortschlufi erscheinenden 
z b d zu erblicken glaubt. In ihnen liegt nur der unwiUkur- 
liche graphische Reflex emer satzphonetischen Regel vor, 
die man folgendermafien formulieren kann: Vor stimmhaftem 
Anlaut bleiben die stimmhaften Spiranten des Auslauts 
erhalten. Die orthographischen Varianten s fp und zbd lassen 
Streltberg, Gotiscbes Elementarbucb. 4 



50 Lautlehre. [ 25. 

ein Schwanken der Schreiber zwiscben Wortschrift und Satz- 
schrift erkennen; die Satzschnft siegte dort am leicbtesten, wo sie 
an Formen mit inlautenden zbd eine Stutze hatte. Das Laut- 
gesetz reicht zweifellos in die Zeit Wulfilas zuruck, sein gra- 
phischerAusdruck ist dagegen ebenso sicher erst nachwulfi- 
lanisch. Vgl. Verf. IF. 18,383ff. 24,175ff. 

Die von Sieveis gefundene satzphonetische Regel ist zuerst 
1897 iin GE. veroffentlicht worden; auf Sievers geht wolil auch die 
Notiz KOgels Literaturbl. 0,270 zuruck Abweichende Erklarungen 
bei A. Kock HZ. 25,220 ff. (moditiziert KZ. 30,571 ft'.); Hench .lourn. 
Germ. Plul 1,49 ft', (dagegen Bethge Jahresbericht f. germ. PhiL 
1897, S. 173f., u. bei Dieter, S. 200); Wrede u 58 Amn., OH 
Anm 1 (dazu van Helton TF. 14,71 if). Zur Kntik dieser Theorien 
vgl. IF. 18,383 ff. Schulze Wortbrechung S. 622 zieht aus der 
Art der Silbentrennung unbaltbare Folgerungen gegen die Erbalt ung 
stimniloser Spiranlen im Silbenauslaut, vgl. IF. 24,1 75ff. Ober 
den scheinbaren Unterschied in der Behandlung proklitisrher und 
orthotonierter Pialixe (MeiUet MSL. 15,731V.) siebe IF. 24,1 78 ff. 

Beispiele. 

A. z fur ts. 

riqiz 1st MG,23. ei riqiz izwis ni gafahai J12,35. 
weaup auk suman riqiz if nu liuhaf E 5,8 B. nih in gairdos 
aiz at ... McO,8. ni matja mimz ait/? K8,13A. Moaez 
\ngida k3,13AB. 

Au&nahmen nur M 0,23. k 12,15 B (korrekt A). 

B. I iiir f. 

a) hlalb barne Me 7,27. In hi ail) o,inana L4,4, hlaib 
matidedum tb3,8AB. gado\> ist E5,3B. T2,10AB u. o. saei 
grob jah L0,48. pai tivalib mif imma L8,l. 

Ausnahmen nur L0,13. Skeir.3,17. 

b) piubs 1 ni qimif J 10,10. unte flubs was J12,2 u. 6, 

C. d fur f. 

Von den zahlreichen Beispielen seien nur genannt: a) god ist 
L9,33 u. 6. manased sJla L9,25 u. 0. guda awilitid izei 
K15,57B u. 6. haubid meinata L7,40 u. 6. faheid mikila 
L2,10. fahed meina J 17,13 u. (i. anabaud izai L8,55 u. 6. 
barn galagid in uzetin L 2,12. gamelid ist L2,23 3,4 4,4.8.10 
7,27. gasulid auk was L6,48 usw. usw. Iin ganzen 70 Falle, 
von denen nur 12 der Regel widersprechen. Auch gudhusa 
J 18,20 entspncbt der Regel, da das anlautende h des 2. Kom- 
positionsgliedes schwindet, vgl. freijhals ( 27 b, 30 b). 



1 bs graph! sch fur bz. 



25. 26.] Orthographische Varianten in den got. Handschriften. 51 

Man beachte namentlich die haufigen Belege fur die 3. Person 
Sing, und 2. Person Plur. aut -d in den 7 ersten Lukaskapiteln : 
z. B. 3. Sg. gibid imma 1,32. swcgneid zhma 1,47. lagjid ana 
snagan 5,36. giutid \vrin 5,37 usw. usw. 2. Plur. big it id 
barn 2,12. manweid \vig 3,4. ttiud nutans 5,10. maljid 
jah drigkid 5,30 usw. usw. 1m ganzen 31 Belege fur die 3. Sing, 
und 42 fur die 2. Plur. auf -d\ von diesen entsprechen 20 bezw. 
27 der Rcgel. 

b) ^ods 1 ist L6,35 u. b. manaseds a/ar imma galalf 
J12,19 u. 5. missadeds ize Rll,12. sJffds ist L14,22. 
s ad s vrairpan Ph 4, 1 2. gagud* I'agineis Me 1 5,43. fa he d s 
jah sweynipa LI, 14 u. 6. gawethaids ist aba K7,14. ya- 
hrainids was L4,27. ataugi&s ist K15,5 usw. usw. Von 
47 Belegen enisprechen 35 der Regcl. 

2. Assimilationcu. 

186. Einige Partikeln auf -h und eine auf -z assimiheren 
ihren Auslaut deni Arilaut des folgenden Wortes. Die Augleichung 
ist in der Hs. A sowie in der Skeir. haufig, im CA begegnet man 
ihr nur vor p-. ~z assiniiliert sich nur folgendcm r-. 

A. uh. 

bidjandansu$-fan M6,7. anfarulp-pan Me 4,5. waaii^-fan 
Mcl,G. sijai^-fan M5,37 usw. 

B. nth. 

a) nib-fan J 11,30 L 20,40 ni^-fatei R9,7 usw. 

b) niiMHJai L20,16. R11,1.H. G2,17. 

C. jah. 

a) jab-biudis K 10,21. jab-brustx k 7,15 A (jah B) usw. 

b) jad-du k 2,1 6 A (jah B). 

c) jap-gabairaidau Skeir. 2,11. ja%-gahausida Skeir. 4,20 jag- 
qaskohai E 6,15 A ()ah B) usw. 

d) jal-liban k1,8A (jah B). ja\-1aggei E 3,18 A (jah B). 

e) jam-mundop Ph3,17A (jah B). 

f) jan-ni M2o,42.43.44C u. ft. jan-nauh K 15,1 7 usw. 

g) jos-sa M26,2C; 26,7 1C C;^ CA). jas-sunjos K5,8 A usw. 
h) jab-pans K 1,16 A ja^fan K4,5 A usw. 

D. w?^7i. 
nuk-kannt K7,16A. 

E. us. 
ur-riqiza k4,6AB. 



ds graphisch fur dz. 

4* 



52 Lautlehre. [ 2730, 

8. Ping odor Minns von h. 

87. Mehrfaches Schwanken in der Setzung des h deutet auf 
schwache Artikulation hin. 

a) Plus: gawaurhkai E3,18AB. fauh k!3,5B (fau A). Ob 
-uh in Doppelfragen (Mll,3 J7,17 L20,4 Mcll,30) fur -u steht, ist 
nicht sicher. 

b) Minus: liuteif M5,15. fairwdkands L6,12. als Me 15,38. 
uswaurts k9,9B. hiuma L6,17 8,4. drausnos. Skeir.7,24. karjo 
Me 15,6. bamme G5,3B; haufiger inu statt inuh u. a. Im Anlaut 
des 2. Kompositionsgliedes schwand h, vgl. freijhals (30b), gudhusa 
J18,20 (vgl. Verf. IF.24,181) hauhairtai t3,2B (hautihairtai A). 
ganipnands Me 10,22 (fur *gahnipn(wds: aisl. Jwtpna Bethge 
bei Dieter S. 210) ist wohl nur Schreibfehler. 

4. Nasal + Guttural. 

$8. a) Im Ev. Luk. findet sich mehrfach der gutturale Nasal 
statt nach griech. Art durch g nach lat. Weise durch n ausgedruckt, 
z. B. Mngif 15,22 u. 0. 

b) Haufig ist gg statt g vor Gutturalen, z. B. fu&keip J16,2. 
driggka Me 10,38.39. ufsa%%qi$s K15,54B (ufsagqips A). sa%%gjand 
T6,9AB usw. 

c) Mitunter g fehlerhaft fQr gg, z. B. fauragagja L8,3 16,1. 
gaa%wein Skeir.1,18 u. 6. 

5. Yereinfachung des gemlnierten s. 

29. Wenn mehrfach statt sa vor Konsonanz nur s geschrieben 
wird, so hat dies als phonetische Schreibung zu gelten. Vgl. z. B. 
ustaig M3,13. ustof L8,55 10,25 usw. 

6. Schwanknngren In der Schreibung von j. 

30. a) i fflr ij vor Vokal deutet auf schwache Artikulation 
des Obergangslautes. Vgl. frion J8,42 u. 5. friafwa (stets aufier 
E2,4AB; 4 ; 15.1G Skeir.5,26). /wmM5,43 u. 6. unbiarja Titl,12 usw. 
Ferner haufiger siwm, s\u; siau L9,41; siais T 5,22 A (sijaisB) siai 
(4 mal). 

Wo zwei Hss. nebeneinander stehn, schreibt meist die eine j. 

b) j wird als (Jbergangslaut eingeschoben 1) zwiseben zwei t, 
z. B. Heli^in L9,33 Me 9,5 neben Melenns L4,25, Bepanijin J12,l 
L19,29 neben Bepaniin Me 8,22 11,1.12 u. 0. (Schulze KZ. 41,175). 
2) in freijhals k 3,17 G2,4 in A (freihals beidemale B), weil h ver- 
stummt war. Ferner erscheint es nach ai vor j in 6wj/Mc4,14 
k9,6 (2 mal) A (saiipB), G 6,7.8 (2 mal) A (naiifB). Das ganz iso- 
herte saijands Mc4,14 ist durch das folgende sai}ip beeinfluBt, vgl. 
Bremer PBB.11,75. 



3133.] Die Aussprache des Gotischen. 53 

7. Spuren kombinatorischen Lautwandels bei Nasalen. 

31. a) Zwischen m und r erscheint 1> als Obergangslaut in 
timhrjan LI 4,28.30, sonst timrjan. Da mr als mbr gesprochen 
wurde, begreift sich die umgekehrte Schreibung Mamres 13,8 A 
gegenfiber MambresB (MauPpffc), Bethge bei Dieter S. 209. 

b) Der alte tlbergangslaut f zwischen m und t, der auch ini 
Got. einmal vorhanden war, wie das unverschobene t \on andanumls 
beweist (Wilmanns Deutsche Gramm. 2 1,122), ist geschwunden. 
Daher haben wir in fim tiguns L 16,6 phone! ische Schreibung zu 
sehn (Schulze KZ. 42,92). 

c) Zwischen -nds und -ns hat in der spatern Aussprache 
kein Unterschied bestanden, daher das Schwanken m der Schreibung: 
1) -nds fur ns in waurstwjan&s L10,2, ffakusand.8 klO,18B (Afehll), 
^a<%andsT2,13B(-n.<?A). 2) haufiger -ns fur -nds, vgl. afslahans 
E2,16B (-fltkfcA), ogans G2,12B (A fehlt), wfulcms Th3,5B (A fehlt) 
u. 0., vgl. Bernhardt Vulfila zu Titl,6. 

8. Schwanken zwischen t und /. 

32. a) / wird ofters fur t geschrieben: aflefyandans (filr 
afldnndans) L5,ll, aflefcanda Me 2,0, witu]>s Me 10,38; usblopeinal 
k8,4B (usbltieinaiA), ga^arhifs G2,11B (A fehlt). 

b) t fur f nur hnuio k!2,7B (hnufo nchtig A). 
Bethge bei Dieter S. 208 glaubt aus der Schreibung / fiir t 
auf jungere got. Aspiration des t schheBen zu kfinnen. 



Neuntes Kapitel. 
Die Aussprache des Gotischen, 

Vorbemerkung. 

33. Aus der Tatsache, daft Wulfila die Hauptmasse der got. 
Buchstaben dem griechisclien Alphabet entlehnt hat, dtirfen wir den 
Schlufi ziehn, dafi der Lautwert der ubernommenen Zeichen im 
Gotischen und im Griechischen nicht allzu verschieden gewesen 
sein kann. Die griechische Aussprache des 4. Jahrhun- 
derts wird daher fur alle Versuche, den Lautwert der gotischen 
Buchstaben zu erschliefien, den Ausgangspunkt bilden miissen. Die 
Umschreibung der biblischen Eigennamen gibt uns 
manchen Fingerzeig zur genauern Bestimmung der got. Lautnuancen. 

Wo Wulfila in der Wahl der Buchstaben von seinem 
griechischen Vorbild abgewichen ist, wo er beim lateinischen Al- 
phabet und bei der Runenschrift Anleihen gemacbt oder selbst^ndig 



54 Lautlehre. [ 33. 34. 

neue Zeichen erftmden hat, wird die Feststellung des Lautwerts 
doppelt schwierig. Denn es fehlt uns alsdann jeder positive An- 
haltspunkt, der uns die Grunde entdecken liefie, aus denen Wulfila 
das griechische Zeichen vervvorfen, ein anderes gewahlt haben konnte. 

Die Umschreihu ng gotischer Eigennamen bei griechi- 
schen und lateinischen Schriftstellern des 4. Jahrhunderts mag hie 
und da schatzbare Winke geben, doch wird man zur Vermeidung 
verhangmsvoller Irrtumer stets dessen eingedenk sein mussen, date 
die orthographischen Di ffer en zen in der Wiedcrga be gotischer 
Namen nicht gotische Lautschattiemngen widers})iegeln, sondern 
in den Verhaltnissen der Koivrj und des Vulgarlateins 
ihre Queile haben. 

Der Lautwandel innerhalb des Gotischen sowie das 
Zeugnis der iibrigen altgermanischen Dialekte geben uns 
wert voile Auskunft uber die ursprung Ik-he Natur der gotischen 
Laute; sic sind jedoch nicht imstande uns daiuber aufzuklarcn, 
ob die mit ihrer Hilfe erschlossenen Lautverhaltnisse auch zu Wul- 
filas Zeit noch bestanden haben oder ob vorher srhou erne Ver- 
schiebung eingetrelen ist. 

Auch die orthographischen Schwa nkun gen in den 
gotischen Handschnften ktfimen uns von Nutzen sein; ehe man sie 
zu Schlussen verwertet, mufi jedoch in jedem Falle erwogen wcrden, 
ob nicht etwa Einfluft romanischen Schreibgebrauchs die Ursache 
des Schwankens sei. 

Direkte Angaben uber die Aussprache des Gotischen sind 
au&eist sparlich; sie reichen nicht bis zu Wulfilas Epoche zunick. 

Literatur. 

Weingartner W. Die Aussprache des Gotischen zur Zeit 
Ulfilas. Leipzig 1858. 

Dietrich Fr. Hber die Aussprache des Gotischen zur Zeit 
seines Bestehens. Marburg 18(>2. 

P a u 1 H. Zur Lautverschiebung. PBB. 1 , 1 47 ff. 

Krauter J. F. Zur Lautverschiebung. Strafiburg 1877. 

Blafi Fr. Die Aussprache des Griechischen. 3. Auflage. 
Berlin 1888. 

Seelmann E. Die Aussprache des Latein. Heilbronn 1885. 

A, Die Vokale. 

34. Die Bezeichnung Wulfilas gibt uns uber die 
QuantitJit der got. Vokale keinen direkten AufschluO; 
derm Kiirze und Lange der Vokale sind nur durch be- 
sondre Zeichen ausgedriickt, wo ein qualitativer TJnter- 
schied mit dern quantitativen verkniipf t ist. Oberall, 



34.] Die Aussprache des Gotischen. 55 

wo dies nicht der Fall ist, mufi ein einziges Zeichen fiir 
beide Quantitaten geniigen. 

Fiir Wulfila ist also die Vokalqualitat das Pri- 
mare, die Quantitat nur das Sekundare. 

Anmerkung. Jellineks Theorie (HZ. Anz.49,4ff.), dafi Wul- 
fila Quantitats-, nicht Qualitatsunterschiede bezeichnet habe, uber- 
zeugt mich nicht; sie ist gekunstelt und fuhvt zu unhaltbaren Kon- 
sequenzen. 

1. JL = a (Kurze u. Lange). 

2. ft = u (Kiirze u. Lange). 

3. 1 (Y) = weites i (Kiirze). 

4. e I = enges i (Lange). 

DaC got. ei einen langen Vokal, keinen Diphthong 
bezeichnet, ist aus der monophthongischen Geltung des 
griech. ei zu folgern. Dieser SchluO wird durch die Tat- 
nache bestatigt, dafi ei auch dort gebraucht wird, wo ein 
durch Ersat/dehnung gelangtes i vorliegt. 

Auf enge Qualitat des ei lafit der Parallelismus 
von e und o schliefien. Sein Lautwert wird etwa dem 
des deutschen % in nie cntsprechen. 

Ira Gegensatz zur engen Liinge nauC die Kiirze ge- 
standen haben; sie ist daher als weit anzusetzen und 
dem nhd. I in bitter zu vergleichen. Sieh auch van Helten 
IF. 14,60ff. 

Anmerkung 1. Wenn in der lateimschen Umsclireibung go- 
tischer Niimen fur got. i neben / liaulig e erscheint, so hat dieser 
Wechsel mit dem Gharakter des gotischen Lautes nicht das inirideste 
zu scbaffen, sondern ist vul gar late mi sell. Die Spekulationen, 
die Wrede an diese orthographisclie Eigcntumlichkeit des Spatlateins 
kniipft, smd daher gtinzlich irrefuhrend. 

5. = enges e (Lange). 

Die Etymologie lehrt, dafi der mit e bezeichnete Laut 
eine Lange war. Fiir enge, dem i nahestehende Qualitat 
spricht 1) die regelmaCige Wiedergabe des zu Wulfilas Zeit 
engen r\ durch e und 2) die Vertauschung von e mit ei 
(und i) in den got. Hss., vgl. 22. Der got. Laut ahnelte 
dem nhd. e in See, stand jedoch dem i noch naher. 

Anmerkung Bei den latein. Schriftstellern herrscht seit 
dem 6. Jh. ein Schwanken zwischen e und I in nichthaupttoniger 



56 Lautlehre. [ 34. 

Silbe gotischerNamen, vgl. Thiudimer: Thiudimir, Valamer: Valamir 
bei Jordanes. In den westgot. Konzilienakten erscheint auch in 
nichthaupttoniger Silbe wahrend des ganzen 7. Jhs. e, vgl. die 
Namen auf -redus neben Veremundus, Vera ; * erscbeint stets in den 
Namen auf ~mir (nur Vmtfmer i. J. 572). Das Knmgotische hat i: 
mine got. wena e Mond 5 , schltpcn got. slepan c schlafen\ criten got. 
gretan 'weinen 5 . Vgl. Bremer PBB.ll,7ff., Wrede Ostgoten S. 161, 
Lowe Reste der Germanen S. 136. 

6. fi. = enges o (Lange). 

Vgl. die Vertauschung von o und u in den Hss., 
23. Man kann nhd. 6 in so vergleichen, doch stand 
got. dem u wohl noch naher. 

7. a) ^l = Diphthong ai. 

Der aus der germ. Urzeit ererbte Diphthong ai wird 
durch l gegeben. Dafi wenigstens in haupt- und 
nebentonigen Silben die diphthongische Aus?prache zur 
Zeit Wulfilas bewahrt war, lehrt hailag des Bukarester 
Rings (4. Jh.), lehren die got. Namen in lat. Umschrei- 
bung: Theolaiphus, Dagalaiphus bei Ammianus Marcellinus, 
Gaina, Argaitus (d. i. *Harigai2>), Eadagaisus bei Jordanes, 
lehrt die griech. Schreibung Toboyoificoc bei Olympiodor 
(5. Jh.), fdiva bei Eunapius und Zosimus u. a. m. 

J. Grimm bezeichnet den Diphthong durch di. 

AnmerkungS. In unbetonter Silbe scheint der Diphtbong 
friib monophthongiert worden zu sein, vgl. froja armes (S. 37) und 
$dh IJbeda fttr wulfilamsch jah libalda in der Salzburg-Wiener 
Hs. (S. 36). 

b) i = ss (Kiirze und Lange). 

Da griech. cu zur Zeit Wulfilas mit e zusammengef alien 
war, so erklart sich die Doppelbedeutung der Buchstaben- 
verbindung A 1 ^>bne Schwierigkeit. So begreift sich auch, 
da$ regelmaflig durch A 1 umschrieben wird. 

J. Grimm bezeichnet monophthongisches JLI durch ai. 

Anmerkung 4. Uber die Quant it at des at geschnebenen 
mufi die Etymologie in jedem Einzelfall Auskunft geben. 

8. a) A II = Diphthong au. 

Dafi der aus der german. Urzeit ererbte Diphthong 
a# zur Zeit Wulfilas in haupt- (und in neben)toniger Silbe 
seinen diphthongischen Charakter bewahrt hat, beweist 



34. 35.] Die Aussprache des Gotischen. 57 

die Umschreibung der gotischen Namen. Vgl. Austrogoti 
bei Trebellius Pollio, Ausila (441), Austrovdldus, comes v. 
Toulouse (588), Audemundus (Westgote 683), Gaudilus, epi- 
scopus Empuritanus (688) u. a. m. Grimm schreibt du. 

Anmerkung 5. Das erwahnie Froja (S. 37) und Namen 
wie Ostrogoihae, Odwin scheinen Monophthongierung vor j und 
Dentalen zu erweisen; vgl. die eigentumliche Schreibung kawtsjo 
fur lat. cautio in der Urkunde von Neapel Auch fiir au in un- 
betonten Silben darf wohl schon frtihzeitig inonophthongische 
Geltung beansprucht werden. 

b) fr n = a, d. i. dunkles a (Kiirze nnd Llinge). 

Die Bezeichnung von d durch ^ ft ist wohl der durch 
den griechischen Gebrauch veranlaCten von te nachgebildet. 
Die Annahme, dafi Wulfila zu dieser Nachbildung ernes 
lat. Vorbilds bedurft habe (Jellinek HZ.Anz.49,4), scheint 
roir nicht notwendig. Grimm schreibt au. 

Anmerkung 6. Das o in Thoris-muth, einem Arnalernamen 
bei Jordanes, entspricht vielleicht dem wulfilamsehen au = d. 

9. 1 tt = in. 

iu ist fallender Diphthong % gewesen, im Gegensatz 
zu ju\ dieses erscheint an seiner Stelle in unbetonter Silbe, 
vgl. sunjus. 

Anmerkung 7. Die lat. Schriftsteller schreiben fur wul- 
filanisches iu meist eu, eoi Greuihunyi, Alatheus, dux Gotorum (380) 
bei Ammianus Marcellinus, Theodericus, Theudimer (Gasbiodor) 
Theoda- Theudahadus bei Jordanes. 

B. Die Konsonanten. 

l. y w. 

35. Got. Y (w), das jdem griech. Y in der Form 
entspricht, erscheint in folgender Verwendung: 

1. In griechischen Fremdwortern gibt es u und 
01 d. i. U so wie den zweiten Bestandtcii der Verbindungen 
au, eu wieder, vgl. swnagoge' cuvcrrwYn, in Lwstrws' iv 
Aucrpoic, Pawlus* TTaOXoc, aiwlaugia' euXoTia. 

2. In gotischen Wortern hat es entweder den 
Wert eines reinvokalischen # (vgl. engl. w) oder wahrschein- 
licher den eines leicht spirantisch affizierten %. 



58 Lautlehre. [ 35. 

Anmerkungen. 

1. Zur Zeit, da in den Endsilben a synkopiert ward, mufi got. 
to seinen vokalischen Charakter noch unversehrt erhalten haben; 
denn nach dem Schwunde des a wird w silbisch d. h. zu u, vgl. 
skadns aus *skadwaz\ mit vorausgehendem i verbindet es sich in 
der Tonsilbe zum Diphthong (geschrieben tu\ vgl. Mu aus *triwa, 
fiiis aus *piwaz. Gegenfiber diesen lautgesetzlichen Formen 
konnen Bildungen wie piwadw, waurstw nur als AnalogieschSp- 
fungen gel ten. Wahrscheinlich ist, dafi sie zu einer Zeit aufkamen, 
als w spirantische Affektion erfahren hatte. Paul PBB. 1,158 Fufc- 
note, Braune PBB. 12,218, Sievers Pauls Grundrifi 1 1,411 fassen w 
als unsilbischen Vokal, Jellinek HZ. 36,260 ff., 41,369 ft"., van Helten 
HZ. 37,121ft ., IF. 14,61) ff. als cinon Spiranten, der sich voiii un- 
silbischen Vokal nur durch die nichtperiodische Schwingung der 
Stimmbander unterscheide. 

2. In der Umschrift gotischer Namen gebrauchen die griech. 
Schriftsteller moist ou, scltncr P ; die lateinischen gewohnlich uu (u), 
fitter auch ub. Diese Unterschiede sind nur orthogiaphischer Art. 

2. Q j. 

Wahrscheinlich hat j den Lautwert eines unsilbi- 
schen i (i) gehabt. Hierfiir spricht der hiiufige Wechsel 
zwischen j und i in der Umschreibung biblischer Namen, 
vgl. Judas und Iitflas fiir 'loubac, Iskarjotes und Itkariotes 
ftir 'IcKapiubTnc, Marja und Maria fiir Mapia. 

A n in e r k u u g e n. 

3. Da6 zur Zeit der a-Synkope im Gotischen i existierte, lehrt 
der Obcr^ang zu /: kuni aus *kunja usw. 

4. Da das got. Zeichen G ^ cm ^- & nacligebildct ist, dieses 
aber zu Wulfilas Zeit vor hellen Vokalen mit lat. J zusammen- 
gcfallen war und gleich diesem den Lautwert einer palatalen Spirans 
hatte, so hat man auch fur den gotischen Buchstaben gleiche 
Geltung angenommen. Auch die Worte der Salzburg-Wiener Hs. 
konnen im Sinne spirantischer Aussprache des got. j gedeuiet 
werden : uli dicitj. f $enuif . CJ . ponitur. In diesem Falle ware das 
got. j wohl dem norddeutschen j ^hnlich. 

5. Kauffmann Deutsche Grammatik 3 S. 54 fafit got. j im In- 
laut als unsilbischen Vokal, im Anlaut aber als Spirans, 
unter Berufung auf e den Stabreim' (ZZ. 31,%). Aber die altsachs. 
und altengl. Alliterationstechnik beweist nichts iur den Lautwert 
des f?ot. j, es sei denn, daft der Beweis erbracht wurde, dafi der 
spirantische Charakter des as. und ae. j in urgerm. Zeit zuriick- 
reiche. 



35,] Die Ausspracbe des Gotischen. 59 

3. 1 / 

bezeichnet einen stimmlosen Spiranten. Ob das urger- 
manische bilabiale / auch im wulfilanischen Gotisch er- 
halten oder ob es labiodental geworden sei, laflt sieh 
nicht mit Sicherheit entscheiden. 

Anmerkungen. 

6. Das got. f umschreibt regelma&ig gr. q>, das zu Wultilas 
Zeit bilabialer Spirant war. Die latein. Schnftsteller geben den got. 
Laut m alterer Zeit mehrfach durch ph wieder (vgl Dagalai2>hu8 
Ammian), spater herrscbt f. Die Schlusse, die man bieraus auf den 
Lautwert von got. f gezogen hat, sind hinfallig, da im Spatlat. 
f und ph nur orthograpbische Varianten sind. 

7. Da das got. Zeichen eine Nachbildung des latein. F zu 
sein scheint, dieses aber zur Zeit Wultilas sicher einen labiodentalen 
Spirant en au^dnickte, hat Wimmer Runenschrift S. 263 den Laut- 
wert des lateinischen Bucbstabens auch dem gotischen zuschreiben 
wollen. 

8. Unrichtig ist es, das auf urgermanischer Assimilation 
beruhende m von ham fa fimf zu Schlussen auf den Lautwert des 
wulfilanischen f zu benutzen. 

4. <J> - f 

bezeichnet einen stimmlosen postdentalen Spiranten, der 
dem engl. harten th ahnlich ist. Vgl. Braune IP.4,341ff. 
Anmerkung 9. Die latein. Schriftsteller schwankcn in tier 
Wiedergabe des got. / zwischen th und t. In den altern Quellen 
iiberwicgt th. 

5. tl *. 

Im Anlaut und zwischen Vokalen hat h wohl un- 
zweifelhaft den Hauchlaut bezeichnet, vielleicht auch im 
Auslaut und vor Konsonanten, vgl. Paul PBB. 1,152, 
Sievers Grundrifi 1 1,41 1. 1 Doch wircl es in den beiden 
letzten Stellungen eher den Wert einer dem Hauchlaut 
nahestehenden gutturalen Spirans mit stark reduziertem 
Reibungsgerausch gehabt haben. Vgl. Janko Zuin 
Lautwert des got. h (Prager deutsche Studien, Heft 8). 
Anmerkungen. 

10. Zur Zeit der Brechung kann die Verminderung des Rei- 
bungsgerausches bei der urgerm. Spirans x noch nicht weit vor- 

1 Dagegen Jellinek PBB. 15,277 Fufinote. 



60 Lautlehre. [ 35. 

geschritten gewesen sein. Die jungere Assimilation von h an folg. 
Konsonanten ( 26) hat dagegen starkere Reduktion des Reibungs- 
gerausches zur Voraussetzung, vgl. van Helten IF. 14,74f., Janko 
S.6flf. 

11. Auf Hauchlaut oder eher auf starke Reduktion des Rei- 
hungsgerausches deuten Schreibungen wie hiuma fur hiuhma, Ivarjo 
fur karjoh. Die Schreibungen freljhals und gttdhusa ( 27 b) be- 
zeugen, dafi h im Anlaut des zweiten Kompositionsgliedes zur Zeit 
der Niederschrift verstummt war. Unklar ist die verstummelte 
Bemerkung der Salzburg-Wiener Hs.: ubi aspirationem ut dicitur 
'$0,11 libedcf, vgl. v. Grienberger PBB. 21,197. 

12. Da& die lat. Schriftsteller anlautendes got. h bald schreiben, 
bald weglassen, beruht auf einer Eigentflmlichkeit der vulgarlatei- 
nischen Orthographic. Im Inlaut ist got. h schon seit alter Zeit 
nicht mehr geschrieben worden. 

6. Jo. 

Dem einheitlichen Zeichen (Jv) entspricht in den 
iibrigen germ. Dialekten die Buchstabengruppe hw. Der 
ursprtmgliche Lautwert des got. Zeichens ist als h und 
stimmloses # anzusetzen, vgl. Verf. IF. 14,495ff. Ob 
hieraus zur Zeit Wulfilas stimmloses w (vgl. norraales 
engl. wh) hervorgegangen sei, wie Sievers Grundrifi 1 1,411 
vermutet, mufi unentschieden bleiben. 

Aumerkung 13. Von lo wird in der Schrift hw unter- 
schieden, das in Zusammensetzungen wie pairhwakandans L 2,8 
ubuhwopida L 18,38 auftritt. Wenn es sich nicht um emen rein 
graphischen Unterschied handelt, so darf angenommen werden, dafi 
w unter dem Einflufi des Simplex stimrnhaft geblieben ist. 

7. S s 
ist stimmloser dentaler Spirant. 

8. B b und & d 

bezeichnen 1. stimmbafte Verschlufilaute nach Na- 
salen und Liquiden und im Wortanlaut. 

Anmerkungen. 

14. Dafs b und d nach Nasalea und Liquiden einen Verschlufi- 
laut bezeichnen, erhellt aus der Tatsache, daft die Buchstaben auch 
im Auslaut und vor s unverfindert beibehalten werden. 

15. Hench Journ. Germ. Phil. t,45fif. bestreitet, dafi auch nach 
Liquiden b und d die Geltung von Verschluftlauten gehabt hatten, 



35.] Die Aussprache des Gotischen. 61 

und beruft sich zum Beweise auf farf Ph2,25B. Aber die 
Hs. zeigt nach Braun deutlich farb. Damit fkllt Henchs ganze 
Beweisfuhrung. 

2. stimmhafte Spiranten (bilabiales b und post- 
dentales c) zwischen Vokalen. Den besten Beweis fiir 
ihre spirantische Geltung bildet das Lautgesetz, das an 
ihrer Stelle im Auslaut und vor s die entsprechenden 
stimmlosen Spiranten (geschrieben /, f) fordert, vgl. 
giban (sprich gibari) : gaf, bidjan (sprich bidjari) : baf. 

Anmerkung 16. Ftir got. b schreiben die latein. Schrift- 
steller im Anlaut meist b, im Inlaut huftg v: dieser Unterschied 
ist rein graphischer Natur, da v und b im Lateiniscben seit dem 
3. Jh. n, Ghr. unterschiedslos zusammengefallen sind. 

9. r - g. 

1. Nach Nasalen und Liquiden bezeichnet g einen 
stimmhaften VerschluBlaut. Ob es zur Zeit Wulfilas 
auch im Anlaut diese Geltung gehabt habe, lafit sich 
nicht entscheiden. Vgl. Kossinna Festschrift fiir Weinhold 
(Strafiburg 1896) S. 40. 

Anmerkungen. 

17. Der Wechsel von c nut normalem g in den lateinischen 
Umschreibungen gotischer Namen (vgl. Caina neben Gaina bei Jor- 
danes u. a.) ist vulgarlateinisch. Im Inlaut vor i wird g haufig 
nicht geschrieben, was auf dem spirantisclien Gharakter von spatial. 
g vor *' beruht, vgl. Eila neben Egila u. a. 

18. Der Satz der Salzburg- Wiener Hs.: ubi dicitj. .genuit. .j. 
ponitur, ubi $abriel .g. ponunt deutet wohl darauf hin, dafi zur Zeit 
des Schreibers anlautendes g nur vor nichtpalatalen Vokalen Ver- 
schluMaut war. 

2. Wahrend zwischenvokalisches b und d mit aus* 
lautendem / und f wechselt, erscheint das Zeichen g so- 
wohl zwischen Vokalen wie auch im Auslaut. Manche 
Porscher haben daraus gefolgert, dafi g uberall einen 
VerschluiSlaut bezeichne. Aber der ganze Verlauf der 
germanischen Lautentwicklung widerflpricht dieser An- 
nahme. Wahrscheinlicher ist, daC unter der gleich- 
formigen Decke der Orthographie lautliche Unter- 
schiede verborgen sind, dafi der Wechsel zwischen 



02 Lautlehre. [ 35. 

stimmhafter und stimmloser Spirans in der Gutturalreihe 
ebenso bestanden hat wie in der Labial- und der Den- 
talreihe. Da die stimmlose Spirans (x) nur in einer 
einzigen ganz bestimmten Stellung auftreten konnte, be- 
durfte es zu ihrer Bezeichnung keines eigenen Buch- 
stabens; das 0-Zeichen konnte beibehalten werden, ohne 
dafl man Zweifel iiber seine Aussprache zu befiirchten 
brauchte. 

Anmerkungen. 

19. Got. h war zur Bezeichnung der Spirans x nicht zu ver- 
wenden, da sein Lautwert ein vOllig anderer war. 

20. Die iin Text vertretene Auffassung lehren Paul PBB. 1 ,152 
und Sievers Grundriia 1 1,412. Wilmanns Deutsche Graminatik 2 
1,37 fiifit g als Veiscblufilaul; Jellinek (PBB. 15,276 ff. f HZ 36,85 if. 
41,37011.) erklarte es fur erne Affrikata, liat jedoch diese Ansicht 
neuerdings aufgegeben (HZ. Ariz. 49,1). 

8. g vor Gutturalen bezeichnet nach griechiechem 
Gebrauch den gutturalen Nasal: briggan = briwgan, 
pagkjan = faidtyan, sigqan = siwqan. 

Aninorkung 21. Kein gutturaler Nasal liegt dort vor, 
wo got. ggw aus urgerm. u zwischen Vokalen entstanden ist. Vgl 
Higgwan e sclilagen 5 == alid. bhuwan, t>kuggwa 'Spiegel': un-skawai 
Th n,8 usw. Man beachte aucli lat. Schreibungen wie Triggua 
(Knnodms) und Triggw'lla Tngmlla (Boethms). 

10. Z z 

bezeichnet den stimmhaften dentalen Spiranten und 
entspricbt dem franz. z. 

11. U q 

entspricht genieingermanischem kiv. Gewohnlich schreibt 
man dem got. Buchstaben den Lautwert eines mit gleich- 
zeitiger Lippenrundung geepi-ochenen k zu. Aber diese 
Definition trifft kaum das Richtige, da bei got. gw von 
einer Vorwegnahme der ursprtinglich folgenden Lippen- 
artikulation nichts wahrzunehmen ist. Wabrscbeinlicher 
ist, dafi wir vielmehr in got. q den graphischen Ausdruck 
fur k und stimmloses # zu sehn haben, vgl. Verf. IF. 
14,495ff. 



35. 36.] Die Aussprache des Gotischen. 63 

12. Die Nasal- und die Liquidazeichen 
haben zwischen Konsonanten wie nach Konsonanz die 
Geltung siibischer Laute, sind also gleich w, n, I, r. 

Die xibrigen got. Buchstaben geben zu Bemerkungen 
keinen AnlaC. 

36. Anhang. 

1. Der gotische Lautstaiid. 

A. Vokale. 
Velare Vokale. I. Kiirzen: a d u. 

2. Langen: a d 6 ii. 
Palatale Vokale. 1. Kurzen: & i. 

2. Langen: w e i. 

Vokale in unsilbischer Funktion ?. u (stimnibaft und 
stimmlos; zur Zeit Wuliilas spirantisch afliziert). 

Diphthongische Verbindungen: ^; au tu. 

B. Konsonanten. 

Labial e: p I f 1) m. 

Dentale: t d s z n. 

Postdentale : f d. 

Gutlurale: k g \ (nur im Auslaut; Schreibung g) j . 

Liquidcn: / r. 

Nasale und Liqmden in silbischer Funktion m n\ I r. 

Hauclilaut (bzw. reduzicrie gutturale Spirans): h. 

2. Betonung. 

Uber die gotische Betonung sind wir durch Zeuguisse nicht 
unterrichtet, doch kann kein Zweifel daruber be^tehn, dafi auch 
im Gotischen das gemcingermamsche Betonung^prinzip geherrscht 
hat, dafi also der Wortakzent in heimischen WOrtern die erste 
Silbe getroffen haben inuf3. Erne Ausnahme machen nur die Verbal- 
komposita, die norrnalerwcise niclit das Praiix, sondern die Stamm- 
silbe betonen; Naheres in 



8. Silbentrennuiig. 

Hechtenberg-Collitz Kl. Syllabication in Gothic. Journ. of 
English and German Philology 6 (1 ( JOG),72-91. 

Schulze Wortbrechung in den got. Handschriften (Sitzungs- 
ber. d. preu&. Ak. d. Wiss. 1908, Nr. XXXI), 8.01024. 

Wie Klara Hechtenberg-Collitz zuerst gezeigt bat, gelten fiir die 
Silbentrennung im einfac hen Wort folg. Regeln: 1. Wuhrend auf- 
einandertreffende Vokale getrennt werden, bleiben Diphthonge un- 



64 Lautlehre. [ 36. 37. 

geteilt. Daher beweist die Schreibung ni-un L15,4 Zweisilbigkeit, 
wie Braune Got. Gramm. 7 18 Anm. 2 und Schulze S. 624 er- 
kannt haben. 2. Einfache Konsonanz beginnt stels die zweite 
Silbe. 3. Von zwei und mehr Konsonanten gehort stets der letzte 
zur zweiten Silbe. Nur Muta c. Liquida (und fr, wohl auch pi) 
maclien eine Ausnabme und erflffnen stets gemeinsam die neue 
Silbe. Es heifct also z. B. fan-fa J8,55 bid-ja L 14,18 faurh-teip 
Me 16,6 bropr-jus J7,3 waurst-wa J9,3, aber fa-dreinais L2,4 win- 
trau Me 13,18 sti-Ua M 10,42 hug-greip J6,35 Jain-pro M5,26 ne- 
Plo8 Me 10,25 (gegenuber nep-los L 18,25). 

Zusamniensetzungen werden in der Fuge getrennt, vgl. 
af-airzidai T1,6AB us-'iddja Me 1,26 mif-arbaidei tl,8A pat-ain 
k8,19B usw. Der ^Composition gleichgeachtet werden die redupli- 
zierten Verbalformen, also afskai-skaidun L9,33 anasai-slepun 
Th4,14B. 

1st das BewuEtsein der Zusammensetzung verdunkelt, so wird 
das etymologische Trennungspnnzip durchbrochen, und das 
phonetische Prinzip herrscht. Das ist stets der Fall bei Zu- 
sammensetzung mit -' (Ausnahme suns-ei J 11,32) und mit der 
Fragepartikel -u, vgl. z. B. skul-du Me 10,2 mit sTculd-ist Tit 1,11; 
bei -uh berrscht Schwanken neben uberwiegender etymologischer 
Trennung (z. B. qaf-uh Me 14,13 par-uU J 18,11 sumz-uppan K 11,21 A) 
findet sich auch phonetische Brechung (z. B. kaiyi-suh L 2,3 saka- 
zuh Mc9,37 suman-supfan E 4,11 A). Beispiele bei Schulze S. 62 If.; 
vgl. hierzu Verf. IF. 24,1 77 f. 



Zehntes Kapitel. 

Die gotischen Vokale in ihrem Verhaltnis 
zu den gemeingermanischen. 1 

A. Die Kiirzen. 

1. got. a. 

A. In Haupttonsilben. 

37. got. a == germ. a. Vgl. dkrs 'Acker', aloa 
'Wasser', haban c haben 5 . UG. 50. gasts c Fremdling, 
Gast 5 , ahtau c acht 5 , sat 'safT. UG.51. fadar f Vater', 
stafs M c Statte 3 , mahts F c Macht 5 . UG. 52. 

1 Die in der Lautlehre zitierten Beispiele sind so ausgewahlt, 
da& sie ein Bild von den vorhandenen Konsonanten- 
verbindungen geben. 



38. 39.] Die got.Vokale in ihremVerhaltnis zu den gemeingerm. 65 

B. In Mittelsilben. 

38. got. a = 1. germ. a. Vgl. atlva-tundi 'Dorn- 
strauch 5 , lubja-leis 'Torjc, zauber-, giftkundig', blindana Akk. 
Sing. M, blindamma Dat. Sing. MN e den, dem blinden 5 . 

2. germ, e vor r+dunkelm Vokal, vgl. ufar 'liber": 
lat. s-uperum. Ivapar c wer von beiden 3 : Trdrepoc. 
Suffix -taro in aftaro c von hinten 3 : -ipu) in dvurrtpw. 
Akk. Sing, fadar : irciTepa usw. Vgl. J. Schmidt Plural- 
bildungen d. Neutra S. 197. 

Anmerkung. Kafamaum umschreibt Kafamaum (Koupap- 
vaotin), nicht KcnrepvaouM. lulcarn N ^Leucbte"* und Tcarkara F e Ker- 
ker' stammen direkt oder durch kelt. Vermittelung aus lat. lucerna 
und career, deren er schon vulgarlateinisch zu ar geworden 1st. 
eisarn ist keltisches Lehnwort. Vor r + Kons. bleibt ai: widu- 
wairna M e Waise'. 

C. Im Auslaut. 

39. got. a = 1. urgerm. -d. giba c Gabe' F, vgl. 
Norn. Sing. F so c die'. wa&rda Norn. PI. N c die Worte', 
vgl. o Nom. PL N 'die 3 . nima 1. Sing. Pras. Ind. Akt. 
^ch nehme\ vgl. gr. vejauu. UG. 152,1. 

2. urgerm. nasaliertes d. Akk. Sing. F giba 'die Gabe 5 , 
vgl. Akk. Sing. F po 'die 5 , ai. tdm. 1. Sing. Prat. Ind. 
tawida c ich tat', vgl. urnord. tawido (Gallehua). UG. 152,5. 

3. urgerm.-^. Dat. Sing. Ivamma c wem?'^ vgl. 1amm&-h 
'jedem 3 . tttana Adv. c von aufien', vgl. lat. superne c von 
oben 3 . 3. Sing. Prat, tawida c er tat, machte 3 , vgl. urnord. 
wurte (Tjurko) c wirkte 5 . UG. 152,2. 

4. urgerm. nasaliertes . Akk. Sing. F bandja c das 
Band", vgl. lat. fadem. Nom. Sing. M hana e Hahn', vgl. 
aisl. hane, gr. 7toi|nr|V. UG. 152,6. 

5. urgerm. -ai. 2. Sing. Med.-Pass. bairaza c du wirst 
getragen', vgl. gr. cp^peai; 3. Sing. Med.-Pass. bairada, 
vgl. <ppeTcu. UG. 152,4. 

Anmerkung. Unbetontes -a vor vokalisch anlautenden En- 
klitiken wird apokopiert: bar' ist aus kara ist, fat' ist aus pata 
ist, hazjuppan aus *hazja-upfan ' ^uaivu) bdKll,2. Ebenso in den 
Xompositis fat-ain aus *pata ain e das Eine 5 , and-augi N r Antlitz' 
neben anda-wleizn* NV 'Angesicht'. 

Streitberg, Gotlsches Elementarbuch. 5 



66 Lautlehre. [ 3944. 

Ferner 1st fret (Perf. zu fra-itan c verzehren') aus *fra-et ent- 
standen. Ebenso wird gduntjan e bemerken' aus ga-auwjdn erklart. 

2. got. i. 

A. In flaupttonsilben. 

40. got. i = 1. germ. i. fisks c Fisch 5 , is c er 3 , wi- 
duwo 'Witwe 3 . witum l.Plur.Perf.Ind. c wir wissen'. UG. 
67. midjis c mittlerer 3 , ist c er 1st', wileis 2. Sing. Opt. 
f du willst 3 , gibis 2. Sing, gibif 3. Sing. Pras. Ind. Akt. f du 
gibst, er gibt 3 . UG. 63 a. Undan c binden 3 , sinfs M 
c Gang 5 , Hinds e blind 3 . UG. 63b. 

2. germ. e. stilan 'stehlen', lisan c sammeln 3 , giba 
'Gabe 3 , gino c Frau 3 . UG. 62. 

B. In Mittelsilben. 

41. got. 4 = germ. i. mari-sdiws M 'Meer-See*, 
mati-balgsM. 'Speisetasche 3 , nasida 1.3. Sing. Prat. Ind. e ret- 
tete 5 . UG. 67 B. sigis-Uun 'Siegeslohn 3 , mikils c groC 5 , 
Muhifa P c H6he'. UG. 65,1 a. 

C. Im Anslant. 

42. got. -t=l. urgerm. -f. hulundi F c H6ble', vgl. 
ai. brhati c die grofie 3 ; wili 3. Sing. Opt. c er will', vgl. lat. 
velii&UB *yeltt. UG. 152,3. 

2. urgerm. -ja odor -fa. frapi N 'Verstand 5 , vgl./mjJ/a- 
marzeins F 'Verstandesverwirrung', reiki N 'Reich', vgL 
reikja-m Dat. Plur. UG. 145. 

3. urgerm. e, i in ni c nicht\ bi Prap. c bei, um*. 

D. Lantgesetzliche Umbildung:. 

43. Statt i erscheint vor r h lo der Laut (ge- 
schrieben at, ai): Brechung. Vgl. baira 'trage 3 : nima 
f nehme' usw. Naheres 48,1. 

3. got. u. 

A. In Hanpttonsilben. 

44. got. u = 1. germ. u. sunus c Sohn 5 , ufar C iiber 5 r 
-budum l.Plur.Perf.Ind. von -biudan c bieten 3 . UG. 69A. 

2. gemeingerm. o. -budans Part. Perf. von -biudan* 
UG. 70. 



45 48.] Die gotVokale in ihrem Verhaltnis zu den gemeingerm. 67 

B. In Mittelsilben. 

45. filu-fdihs 'mannigfaltig', faihu-gairnei F e Geld- 
begierde, d. i. Habsucht 5 , sunus C 8ohn\ -budum l.Plur. 
Perf.Ind. UG.69B. 

C. Im Anslant. 

46. faihu c Habe, Geld, eigentl. Vieh 3 , filu Adv. c viel\ 
Anmerkung. Das -w- alter fi^Stanime ist vor J-Suffixen ge- 

schwunden, vgl. oa-hardjan Verhurtcn' zu hardus e hart', ufarass- 
jan 'vermehren; im tlberfluft vorhanden sein 5 zu ufarassus M 
tFberflufi u. a. Eine scheinbare Ausnahrae ist ufar-skadwjan f (iber- 
schatten 5 zu skadus M 'Scbatten\ das der Regel der MW-S1amme 
folgt. Aber skadus geht auf emen urspriinglichen tt>a-Stamm zu- 
ruck, vgl. Jellinek HZ. 36,268 f. 

D. Lautg-esetzliche Umbildnng 1 . 

47. Statt u erscheint vor r h k der Laut d (ge- 
schrieben an, au): Brechung, Vgl. waurpum 1. Plur. Perf. 
Ind., waurfans Part. Perf. zu wairfan Verden' gegeniiber 
hulpum, hulpans von hilpan f helfen\ Naheres 51. 

4. got. %. 

48. got. #, gescbrieben ai, ai, erscheint abgesebn 
von seinem Gebrauch in Fremdwortern (vgl. 19,2) 

a) lautgesetzlich als Fortsetzung eines alter n i 
(germ, i und e) vor r h lv\ Brechung. Die Beispiele zeigen 
ai meist in haupttoniger Silbe, vgl.laflvum l.Plur. Perf. 
Ind., lailvam Part. Perf. von Idkan c leihn 5 mit den ent- 
sprechenden Formeu stigum, stigans von steigan f steigen 3 . 
bairan ^tragen 3 : niman, sailvan r sehn 5 : giban c geben , taihun 
e zehn': sibun c sieben D usw. usw. 

In nicbthaupttoniger Silbe ist ai nur durch widu- 
wairna M c Waise 5 belegt. 1 

Anmerkung. Man beachte, dafi nicht jedes ai vor r h b 
den Lautwert * haben mu&: aucb der Diphthong ai kann er- 
scheinen. Vgl. Perf. Sing, faih von feihan r gedeibn' mit st&ig von 
steigan, sdir e Schmerz' mit ahd. sir, dtr e eher' mit ahd. er usw. 



i 



Anders, doch mich nicht aberzeugend fafit die Chronologie 
der got. Brechung E. A. Kock ZZ. 34,45ff.; vgl. Bremer IF. 26,173. 

5* 



68 Lautlehre. [ 49. 50. 

Ausnahmen. 

49. 1. hiri 'kornm her*, Du. hirjats, Plur. hirjif. 
DBS i dieser Formen 1st noch unerklart. 

Anmerkung. Paul IF. 4,334 f. (vgl, auch Brugmann Demon- 
strativpronomina S. 65 Fufmote 2) vermutet, dafi folgendes i, j das 
r palatalisiert und dadurch die Brechung verhmdert habe. Da aber 
fairina 'Beschuldigung', wairila 'Lippe' trotz des folgenden i Bre- 
chung zeigen (vgl. auch gafaurja- c gesittet' und unfaurja- c schwatz- 
haft'), so mufi Paul das von ihm aufgestellte Lautgesetz auf idg. i 
beschranken. Hiermit entzieht er ihm jedoch alle Sicherheit, da 
ein Unterschied zwischen idg. i und e auf gotischem Sprachgebiet 
sonst nirgends nachweisbar ist. Ganz Unhaltbares lehrt Schmidt 
Vokalismus 2,423. Auch Ehrismann Literaturbl. f. germ. u. rom. 
Phil. 1895 Sp. 217, ZZ. 31,384 und LuftZZ. 30,426 ff. befriedigen nicht. 

2. nih ist aus der urgerm. Negation *ne und dem 
Enklitikon *lve 'und' entstanden; die Verbindung mufi 
erst nach der Wirksamkeit des Brechungsgesetzes vollzogen 
oder von ni beeinflufit worden sein. 

Anmerkung. Die Randglosse sihw K 15,57 B ist unverstand- 
lich. Gen. farihis M9,16 (mit nachgetragenem t 1 ) ist der Ver- 
derbnis verdachtig (vgl. auch v. Grienberger Unters. S. 213). Unbe- 
friedigender Versuch sein i 1 zu erklaren bei J. Schmidt Vokalismus 
2,423. 

50. b) Als analogische Umbildung ist das durch- 
gehnde % (ai) der Reduplikationssilbe zu betrachten. faifrais 
^versuchte 5 , lailot c liefi 5 , saisO e sate', -staistald c besaC 3 , skai- 
sJcaif c schied 5 , aiauk Vermehrte 3 , die man nach W. Scherers 
Vorgang als fsefrais IseWl usw. faCt, werden ihr % statt i 
dem EinfluC lautgesetzlicher Formen wie haihdit 'nannte 5 , 
haihald c hielt 5 , Jvaikop c riihmte mich 3 , -rairof c riet 3 ver- 
danken. 

Anmerkungen. 

1. Diphthongisches ai, nicht as liegt in den folgenden WOrtern 
vor: waila, vgl. Brugmann IF. 15,99ff. Meringer IF. 16,149ff. und 
Trautmann Germ. Lautgesetze (KOnigsberger Diss. 1906) S. 35 trennen 
ahd. w'ila ganr von wdila. Hiergegen Brugmann IF. 16,503 f. im 
Anschluft an Holthausen Beibl. zur Anglia 13,16ff. jains, vgl. 
Hoffmann-Krayer KZ. 34,144ff. 

2. aiffau ist wohl mit Meringer PBB. 12,210 Fufmote als *afh- 
pau zu erklaren. Die Assimilation von h-f zu ff ware demnach 
j linger als die Brechung von i vor h. 



50 52.] Die got.Vokale in ihremVerh&Itnis zu den gemeingerm. 69 

3, Cleasby-Vigfusson Dictionary S. 247 und Torp-Bugge IF. 
5,178f. habenfca^ntf Mc7,26 als hatpno aufgefafit und an gr. g6voc 
angeknQpft, Torp-Bugge durch Vermittelung des armen. hefanos 
'Heide, heidnisch'; das gemeingerm. ai des Wortes Heide soil nach 
Torp der Assoziation an Mifi e Heide" zuzusehreiben sein. Ahnlich 
Schulze Lehnworte S. 747 ff. Er fafet haifno als rein mechanische 
Umschreibung des griech. Nom. PL 6vr] (6vn.). Aber ein solcbes 
Verfahren 1st bei Wulfila olme Parallcle; denn die Behandlung der 
Eigennamen steht auf emem andern Blatt urid lafit sich nicht 
vergleichen. Ferner bleibt unbegreiflirh, wie grade der fiir jene 
einzige Stelle gescbaffene Verlegenheilsausdruck (S. 749. 756) zu 
einem gemeingerm. Terminus techmcus geworden sein kann. 
Endlich ist unglaublich, dafe das ^erman. ai des Wurtes im lelzten 
Grunde auf einem Lesefehler (755 f) beruhen soil. Die Annahme 
germanischer Herkunlt fur Mtipno kann dalier nicbt als erschuttert 
gelten. Vgl. Kauftmann ZZ. 38,433 3(>; Kluge Zeitschr. f. deulsdie 
Wortforscbung Il,21~i27; Mucb ebd. 21118. 

5. got &. 

51. got. d, geschrieben au, au, orscheint abgesehn 
von seinem Gebrauch in Freindwortern (vgl. 19,5) 
lautgesetzlich in haupttoniger Silbe als Fortsetzung 
eines altern u (gemeingerm. u und o) vor rhk\ Brechung. 
Die Beispiele zeigen au meist in haupttoniger Silbe, 
vgl. iauhum l.Plur.Perf.Tnd., tauhans Part.Perf. vontiuhan 
c ziehn 5 mit den entsprechenden Formen bttgum, bugans von 
Uugan c biegen', waurpum waurpans von tvairpan c werfen 5 
mit hulpum, hulpans von hilpan c helfen 3 usw. usw. 

In nichthaupttoniger Silbe erscheint au bei un- 
daurnimats M 'Mittagessen 5 L 14,12 und dem Fremdwort 
paurpaura L16,19. 

Anmerkung. Man beachte, dafi nicht jedes au vor r h k 
den Lautwert d haben mute: auch der Diphthong kann erscbeinen. 
Vgl. Perl. Sing, tduh von tiuhan e zielm" mit bdug von Uugan f biegen^, 
gdurs e betrubt' mit ahd. gorac usw. 

Ausnahmen. 

52. Die Ausnahmen sind nur scheinban 1. u bleibt 
vor r nur a) wenn dieses durch Assimilation aus z her- 
vorgegangen ist. Vgl. ur-rists F 'Auferstehung 3 usw. 

b) In den nichthaupttonigen Silben der beiden Fremd- 
worter spaikulatur cireKODXdTuup (u fiir d, vgl. 23A) und 



70 Lautlehre. [ 5254. 



pabrpura * lat. purpura nebst der Ableitung paurpurops 
(J 19,2.5). Neben paurpura steht das nostrifizierte paurpaura 
(L 16,19). 

2. Vor h erscheint w in dem Enklitikon -uh, falls 
dieses aus u + le zusammengesetzt ist, vgl. Brugmann 
Demonstrativpronomina S. 65. In diesem Falle mufi die 
Verschmelzung jiingern Datums als die Brechung sein. 
Andere fassen u als lang auf, vgl. Holtzmann Altdeutsche 
Graramatik 1,19. Liden Arkiv f. nord. Fil. 4,99 ff. Persson 
IF. 2,212f. Hirt PBB. 18,299. Dies ist das Wahrschein- 
lichere. 

Anmerkung. In lisauljan c beflecken', bisaulnan c sich be- 
flecken', nf-bauljan 'anschwellen niachen 5 ist du zu lescn. Sie ge- 
horen zu norw. saula c Schmutz' und zu ae. lyle, ahd. pulla paula 
c Beule\ Vielleicht besteht das Verhaltnis aufto:ufto (M27,G4) = 
got. Mitrs r bitter": ahd. Uttar. nuh ouv' Me 1^9 (nulc-kannt K 7,16) 
ist wie nth (bcide aus nu, ni-}-k v e entstandon) zu beurteilen. Dancben 
mit Brechung na&k e noch\ 

B. Die Langen. 
1. got. a. 

53. got. a, geschrieben a, entspricht keiner urgerm. 
Lange, Hondern ist aus dem Nasalvokal a hervorgegangen, 
der vor h Iv aus aid entstanden ist. UG. 93,1. Es er- 
pcheint in folgenden Wortern: fahan (aus fahan, alter 
*fanhari) f fangen 3 , kalian c hangen\ brahta Prat, zu briggan 
g bringen\ Jahta Prat, zu ^agkjan^ c deTiken\ anda-pahts f be- 
dachtig'. ga-fahs 'Fang', faur-Mh N c Vorhang\ ga-hahjo 
Adv. 'zusammenhangend 3 , -gahts F c Gehn 3 zu gaggan, paho 
F c Lehm 5 , vgl. ahd. daha, itn-wahs c untadelhaft : , vgl. ae. 
woh c 



Anmerkung. Vielleicht ist auch sah, e dieser' aus *sqke, 
*sawlve entstanden, vgl. UG. 186 Anm. 

2. got. i. 
A. In Haupttonsilben. 

54* got. f, geschrieben a, ist = 1. germ, f. swem 
N'Schwein', wein N e Wein', wileima l.Plur.Opt.Priis. e wir 



54 57.] Die got.Vokale inihremVerbaltnis zu den-gemeingerm, 71 

wollen 3 . UG. 80,1. steigan c steigen\ QaJdhaii 'an- 
zeigen'. UG. 63. 

2. germ, j, aus w vor h Jv. UG. 93,2. ga-feili<w 
*gedeihn', vgl. das alte Part. Perf. as. getfiungan c tucEUg r . 
feihs N c Zeit 5 , vgl. ahd. ding c zur bestimmten Zeit 
stattfindende Volksversammlung'. peilrn F c Donner', 
vgl. abg. tqca (aus Honkid) "Sturzregen". freihan c drangen', 
freihsl N 'Bedrangnis' neben ahd. dringan. weihan (aus 
*wihan> *ivitthari) 'kampfen 3 , vgl. lat. vincere. 

Anmerkung. ei vor Konsonanten wechseli mit ij vor Vo- 
kalen, vgl. Nom. Sing, freis ^rei' :Nom. PL frijar Nom. PI. M eis 
r sie' : Gen. PI. ije. 

B. In Mittelsilben. 

55. gabeigs c reich 3 (neben gdbigs), nascws F c Rettung^ 
hairdds c Hirte', ansteis Nom. PL F 'Gunsterweisungen 3 
managein Akk. Sg. F c Menge 5 , wileis 2. Sg. Opt. Pras. c willst 3 

Anmerkung. Neben fulleif Akk. sijr. F Ttille' Me 4,28 
findet sicli Gen. PL fuUipc ' vouinnvtac G2,16 [das got. Wort stimmt 
in der Bedeutung nicht zuni griechischenj ; wahrscheinlich 1st das 
Ursprunghche ; vgl. Kluge Stammbildungslehro 2 S. GG. 

C. Im Anslaut. 

56. manayei F c Menge\ 2. Sing. Imperat. sokei 
suclie 3 , tiasei c hilf . UG. 152,6. 

3. got. e. 

A. In Haupttonsilben. 

57. got. e, gefichrieben e, 1st == 1. germ. %. jja- 
defs F f Tat 5 , mana-sefs F e Menschheit, eig. Menschensaat^ 
mena c Mond'. UG. 76. gtibum, nemum 1. Plur. Perf. 
Ind. c wir gaben, nahmen 5 . UG. 96. 98. 

2. germ.e nur in^^rjbier 3 , f&ra r Seite 5 , mesN'Tisch 3 
(Lehnwort), Kreks r Grieche' (Lehnwort). UG. 79. 

Anmerkung. Kossinna Festschria f. Weinhold (Strafib. 189G) 
halt e 2 filr welter als e 1 , well es me mit ei wechsle. Nun ist her 
19mal, fera und <mes je 4mal, Kreks 5mal belegt; es kann daher 
reiner Zufall scin, da ei neben S feblt. Zudem fallt keines der 
Worter unter Hirts oder unter Kocks Regel ( 22). Vgl. zur Frage 
Janko IF. 20,240ff. f van Helten PBB. 21,438 ff. IF. 23,92ff. bes. 97ff. 



72 Lautlehre. [ 5764. 

Schwerlich mil Recht zieht Janko auch Jve und fe hierhcr. 
tfber das umstrittene dufei L 7,7 vgl. Janko S. 231. 

B. In Mittelsilben. 

58. faUps F 'Freude 3 , daneben faheid L2,10. 
awepi N 'Sehafherde' (ahd. $wit\ azetaba Adv. 'leicht 5 , 
azetizo Adv. leichter 5 , azeti c Leichtigkeit\ nasidedum -dedup 
-dedun usw. im Prat. Plur. der schwachen Verba. alew 
f Ol' (Lehnwort); aketis Gen. Sg. c Essig 3 (Lehnwort) M 27,48 
neben akeitis Me 15,36. Dat. Sg. Jvammeh usw. UG. 206. 

G. Im Auslaut. 

59. Adverbia auf -dre, vgl. hidre 'hierher 5 . Gen. 
Plur. wie dage c der Tage\ UG. 152,2. 

D. Lautgesetzliche Umbildung. 

60. Haupttoniges got. e scheint vor a (und i?) zu 
(geschrieben ai) geworden zu sein. Vgl. saian c siien' usw. 
Naheres 68, 

4. got. o. 

A. In Haupttonsilben 

61. got. t>, geschrieben o germ. a. flodus 'Flul 
knfifs F 'Geschlecht'. UG. 57. brofar_ c Bruder', stols 
M 'Thron*. UG. 58. hof Perf. Sing. zu~hafjan C heben7 
stop Perf. Sing, zu statidan f stehn'. UG. 102 104. 

B. In Mittelsilben. 

62. Nom.Plur. N liairtona f die Herzen 5 , Gen. Plur. 
F tuggom c der Zungen 5 , Prat, salboda c salbte\ Perf. Sing. 
lailGt 'liefi', Norn. Plur. M dagos c die Tage"; Nom. Akk. 
Plur.F gilds c die Gaben 3 usw. 

C. Im Auslaut. 

63. tuggo F c Zunge 5 , hairto N c Herz', Gen. Plur. 
gibo, tuggono] saisv c sate', salbo c salbe 3 usw. 

B. Lautgesetzliche TJmbildung. 

64. Haupttoniges wird vor a und i zu d, ge- 
schrieben aw. Vgl. staua usw. Naheres 71. 



B5.] Die got.Vokale in ihrem Verhaltnis zu den gemeingerm. 73 

5. got. &. 
A. In Hanpttonsilben. 

65. got, #, geschrieben w, 1st = 1. idg. urgerm. 
langem u. In folgenden Wortern und ihren Ableitungen 
pflegt man aua etym. Griinden ft anzusetzen. Irukjan 
'brauchen', vgl. ahd. bruhJian usw. brttfs 'Neuvermiihlte', 
vgl. ahd. bnit usw. hraiwa-dubd 'Turteltaube', vgl. ahd. 
tftba URW. fills 'faul', vgl. ahd. fal usw. - - hliitrs c rein 3 , 
vgl. ahd. Mtittar usw.; Jwapo K 12,7 A \lmuto B] 'Stachel', 
vgl. aisl. knilcla. hrukjan c krahn', vgl. hr&keif 8. Sing. 
Pras. J 13,38. gud-lms 'Gotteshaus 5 , vgl. ahd. Ms. 
j&$ c ihr\ vgl. ai. yuydm, awest. yus. -lukan f schliefien 5 , 
vgl. as. Iftkan usw. lun Akk. Sing. 'LosegekT, vgl. ai. 
Ittnis c LosreiBung 5 . fatir-wftljan c das Maul verbinden', 
vgl. ahd. mulct usw. rumis Gen. Sing L2,7 'Raum 5 , vgl. 
aisl. rum N, westgerm. rum M, nitfis Adj. 'geraumig 5 . 
runa, F 'Geheimnis', vgl. ahd. rrwa. ftkttra F f Schauor\ 
vgl. ahd. skur. ~ fftsundi F C 1000 5 , vgl ahd. dfmmt. 
frftts-fill N c Au8satz\ vgl. ae. (Trust-fell, dazu aisl. frutenn 
c geschwollen\ nt r hinaua", vgl. as. nt usw. UG.80,2. 

Von Fremdwortern mit ft sind bemerkenswert die 
alten Lehnformen Ruma lat. Hernia, Eftmdneis lat. Roman?. 

UG. 59c. 

Aninerkungen. 

1. Unsicherer Quantitat ibt ?^ in <ww "ruhig 1 , gezicmend, er- 
trftglich" T3,3AB, das Braune Literaturhl. 1908 Sp. Ii28 nut Recht 
von as. swoti usw trennt, mid in knnawidom E G,!20 (v^l. ZZ 27, 
445f., v. Gnenberger S. 143, Mennger IF. 16,178); mcht begnindet 
der Ansatz von u m hnupo (v. Grienherger S. 118) und pruts-fill 
(Persson BB. 19,268). Wegen ae bysn 1st fur ana-busns F 'Gebol' 
schwerhch a anzunehmen (Sicvers FEB. 10,497); auch wird die 
Lange des u in muka-modei F (lurch aisl. miMcr unwahrscheinlich. 

2. fu Ml 1,3, L 7,19.20 und yrt-j5?i Me 15,44 sind durch Kon- 
Iraklion von fu, ju mit der Fragepartikel -u eutstanden, vgl. Schulze 
KZ. 40,563 ff. 

2. nasaliertem M aus w^ vor h lv. UG. 93,3. Vgl. 
hnhrus 'Hunger' neben huggrjan 'hungern 3 , ahd. hungar UBW. 
jtihiza "jiinger 3 , Komparativ zu juggs. ffthta Prat. 
zufugkjan c denken 3 , fahtos M 'Gewissen*, -Pfthts e denkendf 



74 Lautlehre. [65-68. 

fthtwo F c Morgenfriihe 5 , vgl, lit. ankstl, dazu fthteigs 
c otio8U8\ tthtiugs 'opportunus 3 . bifthti N 'Gewohnheit 5 , 
bi-Uhts c gewohnt 5 , vgl. lit. j-unktas c gewohnt\ Urspriing- 
lich nasaliertes u hat wahrscheinlich auch htthjands ' 9iv 
caupiu)V K16,2 AB, das zu hiuhma hduhs gehort, aus 
Griinden des Ablauts. 

B. In Mittelsilben. 

66. got. a = germ, u in fidttr- C 4', vgl. abg. cetyre 
c vier 5 , und in dem Suffix -dufi-, dem lat. -tuti- entspricht. 
Vgl. ajuMufs F f Zeit 3 usw. 

Anmerkungen. 

1. In Jesus 1st wegen der Endbetonung von "'IricoOc und wegen 
der Flexion Gen. lesuis Dat. lesua wahrschemhch u anzusetzen. 

2. Germ. ?/ aus uv vor h k erscheint vielleicht in dem Enkhtikon 
-uh, vgl. hazuh c jeder'. -uh aus -uwke. UG. 186 Anm. 1. 

C. Im Anslaut. 

67. -u hat man wahrscheinlich in der 1. Du. Perf. 
anzunehmen. Vgl. ludu aus ^buduye. UG. 217. 

6. got. x. 
A. In Hanpttonsilben. 

68. got. %, geschrieben ai, scheint vor a (und i) 
lautgesetzlich aus ^ = germ. # hervorgegangen zu sein. 
Vgl. saian (lies 5^aw) c siieii 3 , waian r wehn 5 , faian c tadeln'. 



Anmerkungen. 

1. Zwischen dem ai (%} der Wurzelsilbe und emem i der En- 
dung erscheint melirfach ; als tlbergangslaut, vgl. saijif k 9,6 A 
G 0,7. 8 A sai'ip B. Nur ein eiiiziges Mai erscheint j auch vor a IE 
saijands Me 4,14. Hier ist die Schreibung aber offensichtlich von 
dem folgenden saijif beemflu&t, vgl. saiand M 6,26. 

H Manche lesen das ai dieser WOrter als Diphthong unc 
stellen ein Lautgesetz auf, wonach ej + Vokal im Gotischen 21 
aj, + Vokal geworden sein soil. Plausibler ist Braunes im Tex 
vorgetragene Erklarung ; denn im Gotibchen erscheint sonst niemalj 
ein Diphthong vor Vokal. Jedenfalls ist die diphthongische Geltunj 
des ai in saian usw. durchaus unerwiesen. Vgl. auch Bremei 
PBB. ll,51ff. 71 ff.; van Helten PBB. 21,467 ff. IF. 14,62ff. 

3. Man beachte die Schreibung sai'ip usw. mit * nach ai. 



6972.] Die gotVokale in ihrem Verhaltnis zu den gemeingerm. 75 

B. In Mittelsilben. 

69. Ob das ai der Mittelsilben (vgl. z. B. arbaifs 
F 'Arbeit'; anstais Gen. Sing, von ansts F c Gunst') zur 
Zeit Wulfilas noch als Diphthong oder schon als Mono- 
phthong (#) gesprochen worden sei, lafit sich nicht mit 
Sicherheit entscheiden. Fur friihe Monophthongierung 
sprechen armes (in FrGja armes) und libeda der Salzburg- 
Wiener Hs. Vgl. 34 Anm. 3. 

C. Im Anslaut. 

70. Ob blindai usw. als blindai oder blindse zu sprechen 
sei, ist unsicher. Die Erwagungen uber die Aussprache des 
ai in Mittelsilben gelten auch fur das ai des Auslauts. 

7. got. d. 
A. In Hanpttonsilben. 

71. got. a, geschrieben aw, wird von vielen vor a 
und i angenommen. Es beruht: 

1. auf germ, a, got. a in xtaua F 'Gericht', M r Rich- 
ter' (lies stda\ stauida Prat, zu xtojan c richten\ taui N 
c Tat 3 : Gen. Sing, tojis. af-dauidai Norn. PI. Part. Pert 
c kKU\)Lievoi 3 M9,36. af-mauidai f kXxj6|uievor G6,9. Vgl. 
ahd. muoen. sauil N e Sonne\ 

2. auf germ. u. UG. 90a. bauan f wohnen ? , vgl. 
ahd. buan usw., dazu bauains F 'Wohnung'. bnauan 
c zerreiben 5 , vgl. ahd. man. trauan 'trauen 3 , vgl. ahd. truen. 

Anmerkungcn. 

1. Manche fassen das unter Nr. 1 und Nr. 2 angefubrte au als 
Diphthong und stellen ein Lautgesetz auf, wonach on + Vokal zu 
au + Vokal geworden sein soil. Plausibler ist Braunes im Text 
vorgetragne Erklarung; denn im Gotischen erscheint sonst niemals 
ein Diphthong vor Vokal. Jedenfalls ist die diphthongische Geltung 
des au in staua usw. durchaus unerwiesen. Vgl. auch van Helten aO. 

2. Man beachte die Schreibung stamn M 5,25 usw. mit % 
nach au. 

B. In Mittelsilben. 

72. Ob das au der Mittelsilben zur Zeit Wulfilas 
noch als Diphthong oder als Monophthong (a) gesprochen 
worden sei, lafit sich nicht mit Sicherheit unterscheiden. 
Die Wahrscheinlichkeit spricht fur a. 



76 Lautlehre. [ 7376. 

C. Im Anslaut. 

73. Ob got. ahtau als ahtay oder dhta zu sprechen 
sei, 1st unsicher. Die Erwagungen iiber die Aussprache 
des au in Mittelsilben gelten auch fiir das au des Auslauts. 

C. Die Diphthonge. 

1. got. ai. 

74. got. a$, geschrieben ai oder di y ist mit Sicher- 
heit nur fiir die Haupttonsilben anzunehmen, wahrend 
fiir die Mittelsilben und den Auslaut die mono- 
phthongische Aussprache (se) wahrscheinlicher ist. Vgl. 
69. 70. In Haupttonsilben entspricht got. ai dem 
germ. ai. Vgl. skdidan "scheiden 3 , wrdiqs 'krurnm 3 , diz N 
c Erz'. UG. 50. ^j^i^weifi', Uih c lieh J , dins 'ems'. 
UG.51. 

Anmerkung. Taulosyllabisches a*- wechselt lautgesetzlich 
mit heterosyllabischem a-j. Vgl. wdi-dedja C 0beltater' : wajamerjan 
Eastern', diws e Zeit': ajuMups F e Zeit, Ewigkeit'. 

2. got. ay. 

75. got. a^, geschrieben au oder da, ist = germ. ay,. 
Es ist mit Sicherheit nur in den Haupttonsilben nach- 
gewiesen, wahrend das au der Mittelsilben und des 
Auslauts eher als Monophthong (a) gesprochen worden 
ist, vgl. 72. 73, z. B. duka^ r vermehren'. UG. 50. 
faurbdnf Verbot 5 , bdug 'bog 5 , tdah 'zog 3 . UG. 51. 
duso N c Ohr\ UG. 52. 

Anmerkungen. 

1. Tautosyllabisches au- wechselt lautgesetzlich mit hetero- 
syllabischem a-w. Vgl. tdujan r tun 5 : Prat, tawicla. mdujos Gen. 
Sg. : mam Nom. F 'Madchen'. Muja Dat Sg. : hawi Nom. N c Heu'. 

2. Zweisilbiges 0-* ist in den Fallen anzunehmen, wo die 
Fragepartikel -u angeftigt ist, z. B. in a-w, swa-u ga>u-laubeis usw. 

3. got. in. 

A. In Haupttonsilben. 

76. got. % geschrieben tw, = 1. germ. e^. Vgl. 
buufe* 'bieten 5 , jw*gg c Licht 5 . UG. 62. 



76 79.] Die got.Vokale in ihremVerhaltnis zu den gemeingerm. 77 

2. germ. i#. Vgl. niujis c neu\ Uudis biudip 2.3.Sing. 
Pras. Ind. Akt. UG. 63a. 

Anmerkungen. 

1. Tautosyllabisches iu- wechselt lautgesetzlich mit hetero- 
syllabischem i-w in weina-triu N 'Weinstock 5 : -triwa Dat. Sing. 
fiujtis Gen. Sing. : fiwi Nom. e Magd' u. a. 

2. Zweisilbiges i~u ist in den Fallen anzunehmen, wo die 
Fragepartikel -u angeftigt ist, z. B. in ni-u M-u-gitai LI 8,8. Zwei- 
silbiges sium ftiup fur sijum siuf mit schwach artikuliertem tJber- 
gangslaut. Die Silbentrennung n/-wnL15,4 deutet auf Zweisilbig- 
keit (Braune 7 18 Anm. 2, Schulze Wortbrechung S.624); dagegen 
ist dieAnnahme von zweisilbigem stiur (Schulze ebd.) unbegrundet; 
vgl. z. B. den Gegensatz von ae. nigon und steor. 

B. In Mittelsilben. 

77. Nichthaupttoniges iu erscheint nur in dem ein- 
mal belegten tiktiug 'opportunum 3 K16,12. 

Anhang. 
Die urgermanischen Tokale im Gotischen. 

A. Ktirzen. 

78. 1. germ, a = 1. got. a. 37. 38. 

2. got. a aus q. 53. 

2. germ, e = 1. got. . 40,2. 

2. got. K vor r h h. 48. 

3. got. i aus j, alterm . 54,2. 

4. got. a vor r + dunkelm Vokal in Mittel- 

silben. 38,2. 

3. germ, i = 1. got. i. 40,1. 41. 

2. got. f aus j. 54,2. 

3. got. Kvorrh Jo. 48,1. 

4. germ, u = 1. got. w. 44. 45. 46. 

2. got. u aus ^. 65,2. 

3. got. d vor r h h. 51. 

B. Lftngen. 

79. 1. germ. * = 1. got. e. 57,1. 58. 59, 

2. got. se. vor o () 68. 

3. got a im Auslaut. 39,3.4. 

2. germ, e = got. e. 57,2. 

3. germ, i =1. got. i. 54,1. 55. 56. 

2. got. f im Auslaut. 42,1. 



78 Lautlehre. [ 7981. 

4. germ. 4=1. got. o. 61. 62. 63. 

2. got. d vor a (t). 71. 

3. got. a im Auslaut. 39,1.2. 

5. germ, a = 1. got. w. 65. 66. 

2. got. a. 71,2. 

C. Diphthong^. 

8O. 1. germ. a{ = 1. got. aj. 74. 

2. got.# in unbetonten Silben(?). 69. 70. 

3. got. r im Auslaut. 39,5. 

2. germ. au=l. got. M. 75. 

2. got. (I in unbetonten Silben(?). 72. 73. 

3. germ, eu = got. iu. 76,1. 

4. germ, iu = got. iu. 76,2. 



Elftes Kapitel. 
Das Ablautssystem der gotischen Vokale. 

81. Wie im vierten Kapitel der Urgerm. Gramm. 
dargelegt ist, fafit man unter dem Namen c Ablaut' seit 
Jacob Grimm zwei wesentlich voneinander verschiedne Er- 
scheinungen zusammen. Es sind dies: 

1. Der qualitative Ablaut oder die Abtonung, 

d. h. ein idg. Wechsel in der Qualitat der betonten Vo- 
kale. UG. 44. 

J Perfekt TdTpoq>e. 

1. Pras. TP^TTU) e wende' \ Kausativ Tpoirdui. 

I Verbalnomen Tpduoc 'Wendung'. 

2. Pras. jtfpfvuui e breche' Perf. Sppurrt. 

2. Der quantitative Ablaut oder die Abstnfnng, 

d. h. ein idg. Wechsel in der Quantitat zwischen ur- 
indogerm. betonter und unbetonter Silbe. Die unbe- 
tonte Silbe erfahrt Reduktion. UG. 45. 

Inf. Pras. ir^receai e fliegen 5 Aor. uTdcOai. 
Xeifteiv e lassen' Xiitciv. 

fliehn' 



Das Ablautssystem der gotischen Vokale. 79 

Auf dieser aus idg. Urzeit stammenden Ab- 
tonung und Abstufung 1st das germanische Verbal- 
system zum wesentlichen Teil aufgebaut. Auch in der 
Nominalbildung spielen die verschiednen Ablautsstufen 
eine Rolle; doch kann diese hier iibergangen werden, da 
im Germanischen der Ablaut beim Nomen nicht mehr 
wie beim Verbum ein lebendiges Bildungsprinzip ist. 
UG. 95104. 

A. Die Abttfnnngr, 

d. i. der Wechsel von idg. ^ d, got. i- a, erscheint: 
1. zwischen Prasens einer- und Perf. Ind. feing. ander- 
seits. Vgl. Pras. lisa c lese 5 : Perf. Sing. las. nima c nehme 3 : 
nam. - finfa 'finde 5 : fanf. Uuga r biege': Mug. 
-leifa e gehe 51 : -Idif. 

2. zwischen starkem Verbum und Kausativ. Vgl. 
siian c sitzen 3 : satyan 'setzen 3 ; drigkan 'trinken 5 : dragkjan 
'tranken 5 ; ur-reisan 'aufstehn 3 : ur-raisjan 'aufstehn 
machen 3 usw. 

B. Die Abstufong, 

d. i. der Wechsel zwischen volltonigem Vokal und Vokal- 
verlust, besteht zwischen Prasens einer- und Perfekt 
Plur. Ind., Opt. Perf., Part. Perf. anderseits. Vgl die 
reduzierten Formen 1. Perf. Plur. Ind. bugum, Opt. Perf. 
lugjau. Part. Perf. bugans. 1. Perf. Plur. Ind. lipum, Opt. 
Perf. lifjau, Part. Perf. lifans. 

Jedoch ist zu beachten, dafi in der 4. und der 5. Ab- 
lautsreihe im Plur. Perf. und im Optativ Perf. als 
Wurzelvokal e auftritt, vgl. qemum 1. Plur. Perf. zu qiman 
f kommen 3 , lesum 1. Plur. Perf. zu lisan f lesen 5 (UG. 96. 
98); sowie daC in der 6. und 7. Ablautsreihe der Voka- 
lismus des Singulars Perf. Ind. auch im Plural. Perf. 
Ind. und im Optativ Perf. erscheint, vgl. Jwf - ho/urn 
Perf. zu haf-jan c heben ? , gaigrot gaigrotum Perf. zu 
gretan c klagen 3 . 



1 Mil urgerm. got. i = idg. {%. UG. 63. 



80 



Lautlehre. 



[83. 



Die gotlschen Ablautsreihen in der Verbalflexlon. 

83. Es lassen sich folgende 7 Ablautsreihen unter 

scheiden: 

1. Reiae. 

idg. $ 6i i 

got. I ai i (#) 

'beifie 5 Perf.Sg. bait Perf. PI. Mfow Part.Perf. bitans, 



feiha 'gedeihe' fdih 


faihum 


faihans, 


2. Beihe. 






idg. ty by? 


u 




got. iy, au 


u (d). 




giuta 'giefie' gdut 


gutum 


gutans. 


tiuha 'ziehe 5 tduh 


tauhum 


taulmns. 


3. Beihe. 






A. 






idg. 4n, ^w-j-Kons. 6n, 6m 


n, m 




got. in, im+Kons. aw, am 


un, um. 




binda c binde 5 band 


bundum 


bundans. 


trimpa c trete' -tramp 


-trumpum 


-trumpans. 


B. 






idg. d, ^r+Kons. 61, 6r 


I r 




got. il, a?r+Kons. al, ar 


ul, dr. 




hilpa c helfe' halp 


hulpum 


hulpans. 


wairpa c werfe' warp 


waurpum 


waurpans* 


4. Eeihe. 




iJj^\ 


A. 


fti 


frT 


idg. dw, ^m+Vok. ow, 6m 


en, em / 


e n, efti 


got. in, im+Vok. aw, am 


en, em 


un, um. 


nima c nehme 3 warn 


nemum 


numans. J^ 

-\. .IK , 



ul, dr. 



r> >. 

or el, er 

ar el, er 

stelum 

berum 

Twenn Nasal oder Liquida vor Vokal stehn, fallt in de 
Regel das vorhergehende ejo nicht vOllig aus, sondern wird zu r 
duziertem Vokal 



idg. 4, ^r +Vok. e>7, 
got. *Z, r+Vok. aZ, 
stila c stehle 5 5faZ 

c trage 3 bar 



83. 84.] Die got. Kons. in ihrem Verhaltn. zu den gemeingerm. 81 



6. Eeihe. 

idg. e + VerschluCL, 6 e 

got. i (x) [Spirans. a e 

mita 'messe 5 mat 

sailva 'sehe 5 solo 



6. Keihe. 



got. a 
fara 'fahre 5 

idg. l 

got. e () 
leta c verlasse' 
saia 'sae 3 



for 



o 
forum 



7. Eeihe. 

b 

o 

lailot lailotum 

satso saisoum 



*() 
mitans. 

saflvans. 



a. 

farans. 



(*). 
letans. 
saians. 



ZwQlftes Kapitel. 

Die gotischen Konsonanten in ihrem Ver- 
haltnis zu den gemeingermanischen. 

I. Die unsilbischen Vokale. 

1. got j. 

A. Entspreohung- nnd Stellung. 

84. got. j entspricbt germ. i. UG. 72. Es er- 
scbeint niemals vor Konsonanz und im Auslaut. juk N 
< Joch 3 . stojan 'ricbten 5 . ttwjan 'verraten 5 . aljis 
< anderer', harjis c Heer 5 , uf-fanjan c auedebnen\ faurdammjan 
''eindammen 3 . wopjan f rufeu\ sibja f Sippe', hafjan e heben'. 
satjan c setzen 3 , bidjan 'bitten', frafjan 'verstehn 5 , airzjan 
^irre fiihren', nasjan c retten 5 . sokjan 'suchen 5 , ga-lagjan 
c hinlegen 3 , hlahjan f lachen 5 . 

Anmerkung. Im Gegensatz zum urgerm. Brauch bildet im 
Gotischen j stets den Silbenanfang. Im Urgerm. trennte man 
2. B. ha-rjis na-sjip, im Got. trennt man dagegen har-jis nas- 
jip usw. 

Streitberg, Gotisches Elementarbuch. 8 



82 Lautlebre. [8587. 

B. Wechsel zwischen j nnd i. 

85. Einem j vor Vokal entspricht ein i vor Kon- 
sonanz oder im Auslaut. Vgl. tauja e ich tue': Prat, tawida 
nsw. ; Gen. landjos : Nom. bandi P 'Band 3 ., Dat. hd%j& ' 
Norn, hawi N c Heu 3 , Nom. PL reikja : Nom. Sing, reiki N 
'Reich 3 usw. 

86. ji steht 1. nach urgerman. kurzer Ton- 
silbe, z. B. harjis M e Heer 5 nifjis 'Verwandter, Vetter 3 ; 
nasjif c rettet 3 satjif f setzt*. 2. unmittelbar nach 
langem betontem Vokal oder Diphthong, z.B.stojip 
'steht'; tdujip e tut 5 ; siujif r naht 5 . Dagegen steht ei 
1. nach urgerman. langer geschlossener Tonsilbe, 
z. B. hairdeis c Hirt 5 asneis e Mietling 9 ; sokdf c sucht' tand&if 
f ziindetan" 2. nach nichthaupttoniger Silbe, z. B, 
ragineis 'Ratgeber 5 siponeis f Junger 5 ; mikileid f preist 3 LI, 46, 
riqizetf Verfinstert 3 Mel 3,24. Vgl. UG. 75. 20GB, 
Sievers Pauls GrundriC 1 1,414. 

Anmerkungen. 

Analogische Ausnahmen: 1 Im Gen. Sing, der neutralen 
j'a-St&mine erscheint last durchweg -jis t nur in veremzelten Fallen 
-eis, vgl. die Belege 146 Anm. 3. 

2. ji bleibt siets iin Gen. Dat. Sing, der suhstantivischen 
jon-Stumrao, z. B. landjins, Dat. bandjin von bandja c Gefangner. 
Das ^leiche gilt vom schw. Adj. Doch 1st hier un-selein& 
EG,1GB neben unseljins A belegt; vgl. auch ml f eis (wohl fUr 
wilpeis d. i. wilpeins] R 11,24. 

C. Verschfirfong: Ton .;. 

8V. Urgerm. zwischenvokalisches i nach kurzem 
Tonsilbenvokal wird unter noch unermittelten Bedingungen 
in manchen Fallen zu ii gedehnt. 1 Hicraus entwickelt 
sich im Nord- und im Ostgermanischen urspriinglich 
g<jj, das im Nord. als ggj, im Gotischen als ddj erscheint. 
UG. 74a. -waddjus F 'Wall, Mauer 3 , daddjan ^augen 3 , 
twaddje Gen. e zwei\ iddja Prat. c ging 3 . 

1 Bechtels den Tatsachen widersprechende Erklarung (Gftt- 
tinger Nachrichten 1885 S. 238) wird durch Trautmanns tunml- 
tuarischen Rettungsversuch (German. Lautgesetze S. 40 ff.) nicht 
glaubhafter. 



87 89.] Die got. Kons. in ihrem Verhaltn. zu den gemeingerm. 83 

Anmerkung. Nach i scheint j im Got. (aufcer bei idtfja) 
niemals Verscharfung erfahren zu haben. Vgl. frije Gen., pnja 
Nom. N drei', ija Akk. Sg. F, Nom.-Akk. PI. N, ijd* Nom.-Akk. PL 
F von is c er*. Die Formen mit ij im Pras. des Verb, subst. wie 
1. PL sijum usw. Opt. sijau usw., ferner frijdn 'lieben*, fijan 
'hassen 5 nebst Ableitungen u. a, Vgl. auch fiber das Fehlen von j 
nach i 30. 

2. got. w. 
A. Entsprechung nnd Stellung. 

88. got. w entapricht germ. #. UG. 73. wahsjan 
Vachsen 3 , wlits M 'Antlitz 3 , wrikan Verfolgen" twdi 
c zwei', fwahan r waschen\ swaihra 'Schwiegervater" 
slawan c schweigen'. wdlwisdn c e. wiilzcn 5 , sparwa M 'Sper- 
ling*. manwifa F 'Bereitschaft 5 . gatwo F 'Gasse', 
fidwor c vier\ salifwos Plur. tant. F f Herberge\ taihsivo F 
c rechte Hand 3 . sigguwn Vingen'. 

Anmerkung. Nach h erscheint w nur in Zusammensetzungen. 
Vgl. 35 Anm. 13. 

B. Wechsel von w and u. 

89. 1. w bleibt erhalten nach langem Vokal, 
Diphthong und Konsonanz a) im Auslaut, vgl. lew Akk. 
'Gelegenheit 5 , hlaiw N 'Grab 3 , waurstw N c Werk 3 , piwadw 
Akk. 'Dienstbarkeit'. b) vor -s, z. B. sdiws M c See', 
triggws c treu 5 . c) ira Inlaut vor -j-, z. B. lewjan f ver- 
raten 3 , hndiwjan ^erniedrigen 3 , ufar-skadwjan f iiberschatten 3 , 
dnvjo Adv. c umsonst 3 . Vgl. 35 Anm. 1. 

2. w wird in den gleichen Stellungen zu w, wenn ein 
kurzer betonter Vokal vorhergeht, mit dem es sich zum 
Diphthong verbinden kann. Vgl. a) ga-mdu Perf. von ga- 
sniwan c ereilen\ weina-triu N ^Veinstock' : Dat. -triwa. 
b) ndm c Toter 3 : Nom. Plur. naweis. c) Gen. Sing, mdujos : 
Nom. mawi F "Madchen 3 , ga-giujan c lebendig machen 3 : 
ga-qiwida. 

3. Vor ; und vor Nasal verbindet sich w mit voraus- 
gehendem i zum Diphthong iu, vgl. ga-qiujan e zum Leben 
erwecken\ ga-qiunan e aufleben 3 : Stamm qiwa- e lebendig 3 ; 
sniumjan c eilen 3 , sniumwido Adv. c eilends 3 : sniwan c eilen 3 ; 
siuns F 'Gesicht, Gestalt 3 : sailuan c sehn 3 (135). 

e* 



84 Lautlehre. [89-91. 

Anmerkungen. 

1. Man beachte, da& diese Regeln zum Teil nur ortho- 
graphischer Natur sind. 

2. An Stelle von Castigliones und Uppstrflms regelwidrigem 
usskavjjaindau ' ivavrjvpujciv 1 2,26 B hat B r a u n usskarjaindau 
(me in A) erkannt ; uskarjip iKvf\\\iai. K 15,34 A ist nicht sicher 
lesbar, doch scheinen die Schriftziige eher auf r als auf w zu deuten. 
W. Braune will die Formen wegen unskawai sijaima vrjqpuujLiev 
Th 5,8 B in *ussk<mjaindau *uskaujip kndern (Literaturbl. 1908 Sp. 327). 

3. Wird w in unbetonter Silbe nach urspriinglich silbischem 
* zu u, so entsteht nicht der Diphthong iu, sondern ju. Vgl. Norn. 
PL sunjus: Gen. suniwe. Eine Ausnahme bildet das far. Xey. lasiws 
'schwach 5 k 10,10: lasiwostai K 12,22. 

C. Verschftrfung von iv. 

90. Urgerm. zwischenvokalisches y nach kurzem 
Tonsilbenvokal wird unter noch Dicht ermittelten Be- 
dingungen zu ## gedehnt. Hieraus entwickelt sich im 
Nord- und Ostgermanischen ggw (das ja nicht als vgio 
zu lesen ist!). glaggwo Adv., ylaggwuba Adv. c genau 5 , 
us-Uaggw Perf. Sing, zu us-lliggwan 'durchprugeln', triggws 
c treu 5 , shuggiva M f Spiegel', us-Uuggwun 3. PL Perf., us- 
Uuggwans Part. Perf. zu us-bliggwan. 

Anmerkung. Keine Verscharfung zeigen z. B. slawan 
e schweigen', nnskawai Th5,8. Norn. 1*1. kniwa: Nom. Sing, kniu* 
N c Knie' u. a. 

3. got. k. 

91. ID d. i. ft + stimmlosem # oder stimmloses % 
(vgl. 35,6) erscheint 1. im Anlaut und Inlaut vor Vokal: 
7<;aj&r0Adv. c woher?', Jvileiks r wiebeschafien?', IvOtjan c drohn 3 . 
ailua-tundi F c Dornstrauch', aloa P c Wasser\ neka Adv. 
c nahe 3 . 

2. vereinzelt vor Konsonanz und im Auslaut: Sing. 
Perf. Ind. salvt, 3. Sing, solo von sai/ran c sehen 5 , nek Adv. 
e nahe 5 . 

Anmerkung. Dafi h vor Konsonanz und im Auslaut fur 
lautgesetzliches h analogisch eingetreten ist, lehren dem System- 
zwang nicht ausgesetzte Formen wie nih aus *nehe, vgl. foi.ntgue; 
leihts c leicht' aus *l$htaz *lewktaz, vgl. gr. 



9295.] Die got. Kons, in ihrem VerMltn, zu den gemeingenn. 85 

II. Die Liquiden. 
1. In unsilbischer Funktion. 
A. Entspreolrang und Stellung. 

92. got. I und r entsprechen den gleichen germ. 
Lauten. Nur im Prafix ur- ist -r vor anlautendem r- aus 
-z assirailiert. Vgl. liugan 'heiraten 3 , alan 'aufwacheen 5 , 
aljis c ein andrer', wilwan c rauben 5 , malma M 'Sand 5 , bi- 
sdulnan 'befleckt werden 5 , hilpan c helfen 5 , salbon c salben', 
wulfs M c Wolf , $oftN c Salz\ waldan Valten 5 , gulfWGoltf. 
talzjan c belehren\ hals M c HalB 5 , skalks c Kiiecht 5 , tulgus 
c fest 5 , milhma M c Wolke\ 

rafjO F c Zahr, swaran c schworen', arjan 'pfliigen*, 
sparwa M "Sperling", arms M 'Arm 5 , stairno F ^Stern 3 , faurp 
N e Dorf\ arbiN c Erbe\ farf r darf , halrto N c Herz', hardus 
c hart 5 , airfa F c Erde', fatrzna F 'Ferae 5 , faursus 'diirr 5 , 
fairkn N c Loch', saurga F 'Sorge 9 , lair Jits 'hell*. 

B. Gemination. 

93. ZZ erscbeint baufiger, rr dagegen ist ziemlicb 
selten. Vgl. wulla F e Wolle 3 , all-waldands ^llmacbtiger', 
f ruts-fill N 'Aussatz 5 , fulls c voir usw. /a^rra Adv. c fern 5 , 
fairrapro Adv. c von feme', qairrus c sant'tmutig', qairrci F 
'Sanftmut 5 , and-staurraidedun c sie murrten 5 Me 14,5. 
Dazu kommt noch rr aus zr in den Zusammensetzungen mit 
ur- wie wrists F f Auferstehung', urreisan c auferstehn ? usw. 

G. YereinfaQhung der Geminata. 

94. Vereinzelt ist die pbonetiscbe Schreibung us- 
Mnodedun L2.21.22 9,51 und us-fulnai L 14,23. 

2. In silbischer Funktion. 

95. I und r zwiscben Konsonanten sowie nach Kon- 
sonanz im Auslaut sind silbisch. Vgl. fugk M 'Vogel 5 
(sprich /MJ/S), tagl N 'Haar 5 (fay/), s^?/aw (sijljan) c siegeln 3 . 
akrs M "Acker 9 (afcrs), %r N 'Trane' (feyr), maurfrjan 
'toten 3 (mdrfrjari). 



86 Lautlehre. [ 9698. 

III. Die Nasale. 
1. In unsilbischer Funktion. 
A. Entsprechnng nnd Stellnng. 

96. Der labiale Nasal m, der dentale n und der 
gutturale (geschrieben g) entsprechen den gleichen germ. 
Lauten. Die beiden ersten sind unabbangig von ihrer 
Umgebung, der gutt. Nasal dagegen ist an folgenden Gut- 
tural gebunden. Vgl. manna f Mann'. namo N c Name 5 , 
simle Adv. c einst', ga-timreins F 'Erbauung', Nom. Plur. N 
namna c Namen 3 , -trimpan c treten 5 , wamba F 'Bauch 3 , fimf 
c funf , anda-numts F c Annahme 5 , ga-qumfs F c Zusammen- 
kunft', mimz N 'Fleisch*, framstei F 'Heuschrecke'. 

nadrs M 'Natter'. uz-anan c aushauchen 5 , uf-fanjan 
c ausdehnen', manwus c bereit 5 , kintus M c Heller', junda F 
c Jugend 5 , anfar c der Zweite 5 , minznan 'geringer werden*, 
hansa F f Schar 5 . 

drigkan c trinken 3 (spr. drivkan), sigqan 'sinken' (sivqari), 
gaggan c gehn' (gawgan), aggwus c eng 3 (avgwus). 

Anmerkung. Unter Dehnung des vorausgehenden Vokals 
ist urgerm. vor x (ty geschwunden. Vgl. 53. 54,2, 65,2. 

B. Gemination. 

97. m wie n crscbeinen geminiert. Vgl. Dat.Sing. 
famma Mem", bHndamma c dem blinden 5 , faur-dammjan c ein- 
dammen, verwehren', swamm Akk. Sg. M c Schwamm 3 . 
manna c Mann\ kannjan c bekannt macheri 3 , kann e weiC 5 . 

C. Vereinfachung' der Geminata. 

98. Vor alien Konsonanten aufier ,; wird die Gemi- 
nata lautgesetzlich vereinfacht. Vgl. mins Adv. c weniger 5 : 
minniza Adj., kant c du weifit' usw. 

Anmerkungen. 

1. Mitunter begegnet auch die etymologische Schreibung nn 
statt der phonet. >t, z. B. kannt K7,16. 

2. ga-runjo F c tlberschwemmung 5 L6,48 hat von Haus aus 
einfaches n, da nn in Hnnan ursprUnglich nur dem Prasens zu- 
kommt, vgl. UG. 202. 



99 103.] Die got.Kons. in ihremVerhaitn, zu den gemeingerm. 87 

2. In silbischer Funktion. 

99. m und n zwischen Konsonanten und nach Kon- 
sonanz im Auslaut sind silbiech. mdifms M 'Geschenk* 
(spricli maiptps), bagms M f Baum 3 (6aj^s). ibns c eben' (ftns\ 
tdikns F 'Zeichen 3 (taikns), ga-ibnjan (-ibnjan) 'ebnen' UBW* 

IV. Der Hauchlaut (die reduz. Spirans) h. 

100. Der Hauchlaut h (tew. die reduzierte Spirans, 
vgl. 35,5) entspricht dem urgermanischen stimm- 
losen Spiranten X- Er erscheint a) im Anlaut vor Vo- 
kalen und I r n\ b) im Inlaut vor Vokalen, j, Liquiden, 
Nasalen, t und s; c) endlich im Auslaut. Vgl. a) himins M 
^Himmel', hldifs M c Brot 5 , hrdins f rein\ Imasqus* e zart*. 
b) liuhap N 'Licht', hlahjatt r lachen 5 , jivahl N 'Bad', hstorus 
M Plunger 5 , hiuhma M "Haufe", 3. Sing. Pras. rahn&if 
"rechnet\ mahts F c Macht 5 , ah* M^lhre 3 . c)frah 7ragte', 
us-filh N 'Begriibnis 3 , fairh c durch 9 . 

Aninerkiing. tlber Auslassuug und Zusetzung von h vgl. 27. 

V. Die Spiranten. 
A. Die stiinmlosen Spiranten. 

101. Der labiale Spirant /, der postdentale f und 
dor dentale s entsprechen normalerweise den urgerm* 
stimmlosen Spiranten / s. 

1. got /. 

102. fani N f Kot', flodus r Flut\ fralhna* fragen\ 
hafjan c heben\ iwdfleins F f das Zweifeln', af-lifmn e ubrig 
bleiben 3 , Wftus c Dieb 5 , prafstjan 'trosten'. - farf 'darf , 
fiwf c funf, W Perf. Sg. zu hafjan. UG. 117,1. 

2. got f. 

103. fahan 'schweigen', fliuhan c fliehn', freihan 
c bedrangen 3 , fwahan c waschen 5 . qifan c sagen 5 , fiufjan 
c segnen 3 , frijapwa F 'Liebe 3 , nefla F c Nadel\ wfrus e Wid- 
der 3 , hdifno F c Heidin 5 . Gemination nur in alffatu aus 
*alh-fau. UG. 117,2. 



88 Lautlehre. [ 103 106. 

qaf Perf.Sing.: qifan, fiuf N c das Gute': Gen.piufis, 
stafs M 'Dfer' : Dat. stafa, hulfs 'hold 5 : un-hulfa 'Unhold 5 , 
wairfs : Akk. wairfana e wert 5 . 

Anmerkung. weitwodida Akk. F Skeir. 4,21 ist Schreibfehler 
fflr weitwodipa M8,4 Me 14,55.56.59 u. 0. Der Schreiber dachte 
wohl an die Verbalform. 

3. got. s. 

1O4. sibun c sieben 5 , swaran f schworen', slaJian 'schla- 
gen\ smairfr N c Fett\ snorjo F 'Flechtwerk', spilda F 
'Tafel 5 , striks M 'Strich 3 , skdidan c scheiden 5 . lisan c lesen 3 , 
nasjan c retten 3 , taihswo F c die Rechte 5 , hunsla-stafs M C 0pfer- 
statte 3 , klismo F 'Klingel 5 , asneis 'Mietling', rasta F f Rast r 
Meile', friskan ^dreschen 3 , hnasqusf* c weich'. 

Anmerkung 1. Den Ausfall von s in haifteis T6,4B: 
haifsteisA und haiftais Ph 1,15 B schreibt Bethge bei Dieter S. 210 
zweifelnd einer Dissimilation zu. tfber aisl. heipt vgl. Noreen Aisl. 
Gramra. * 281 Anm. 4. 

Geminata findet sich in misso Adv. c wechselseitig', 
fatirstasseis 'Vorsteher 3 , ustass F c Anferstehung 3 usw. 

Anmerkung 2. Vor Konsonanz lautgesetzlich Vereinfachung 
der Gemmation; vgl. die vereinzelten phonetischen Schreibungen 
( 29). 

was Var 5 : wisan, gras N c Gras' : Gen. PL grast, agis 
N 'Schrecken 3 : Gen. Sg. agisis, weihs N c Dorf 5 : Gen. weih- 
sis usw. 

B. Die stimmhaften Spiranten. 

1O5 Der labiale Spirant b (geschrieben ft), der post- 
dentale $ (geschrieben d\ der gutturale j (geschrieben g\ 
der dentale z entsprechen normalerweise den gleichen 
urgerm. Lauten 2> d j z. Die Spiranten f> d 3 erscheinen 
im einzelnen Worte nur zwischen Vokalen und vor j\ z 
aufierdem auch vor und nach stimmhaften Konsonanten. 

1. got. $. 

1O6. hdban c haben 5 (sprich hdban), giban f geben*, 
ga-Uubjan 'glauben 3 usw. UG. 122,1 123,1. 



107112.] Die got, Kons. in ihrem Verhftltn. zu d. gemeingerm. 89 

2. got. ef. 

107. sidus M C 8itte' (sprich sidus), cwa-Uudan c ge- 
bieten 5 , midjis c mittlerer' usw. UG. 122,2 123,2. 

3. got. j. 

108. Ugan liegen' (sprieh li$an\ biugan c biegen\ 
lagjan f legen ? usw. UG. 122,3 123,3. 

4. got. z. 

109. azetdba Adv. e leicht\ hduhiza Komp. c hoher', 
swnfoza Komp. ( starker 5 , katizis Gen. Sg. : Nom. hatis N 
r HaC 5 . marzjan f tirgern 5 , ubizwa F c Ha)le', ga-saizUp 
Perf. Sg. J 11,11, ga-saizlepun 3. PI. K15,6 von stepan 
c schlafen 5 , razn N c Haus ? , mizdo F c Lohn 3 , azgo F c Asche' 
usw. UG. 113,5. 

Anmerkung. Das ursprungliche -z der Proposition us (vgl. 
uz-eta M e Krippe\ uz-on 3. Sg. Peif. e h^uchte aus 5 Me 15,37.39) assi- 
miliert sich folgendem r~. Vgl. ur-redan e urteilen'; ur-runs M c Auf- 
gang' usw. 

C. Wechsel von stimmhaften und stimmlosen Spiranten. 
1. 8tinnutonYerlust im Wortauslaut. 

110. Die urgermanischen stimmhaften Spiranten 
t> d j z sind im Gotischen im absoluten Auslaut Bowie 
vor dem -s des Nom. Sg. zu stimmlosen Spiranten 
geworden. 

1. got. / = urgerm. . 

111. swdif Perf. Sg. : sweiban 'auf horen', -sMuf : 
-skiulan 'scbieben 5 , gafigiban c geben\ grof:graban f graben 5 , 
twahf r zwolf 3 : Dat. tivalibim. hldifs r Brot' : Dat. hldiba. 
UG. 122,1 123,1. 

2. got. J5 = urgerm. d. 

112. gifif c er sagt' : qifid-uh, standaip 2. PL Opt. : 
standaid-uh, ga-waf Perf. Sg. : ga-widan Verbinden 3 , awiliuf 
N'Dank 3 : Dat. awiliuda. ga-nasifs Part. Perf. c gerettet 5 : 
Nom. PL ga-nasidai, salbops : salbodai, safs f eatt 5 : Nom. PL 



90 Lautlehre. [112115. 

sadai, frofs 'king 5 : Dat. Sg. frodamma, stafs M 'Statte, Ort': 
Gen. stadia usw. UG. 122,2 123,2. 

3. got. x = urgerm. j. 

113. Nach 35,9,2 1st wahrscheinlich, dafi got. g 
im Auslaut und vor dem Nominativ-s den Lautwert 
von x d. h. von stimmloser gutturaler Spirans hat. Da- 
nach ware Norn, dags, Akk. dag als da%s day. zu lesen. 

4. got. 8 = urgerm. z. 

114. ains c eins 3 : ainz-u, loas f wer?' : Jvaz-uh 'irgend- 
einer 5 , Gen. anfaris c des andern zweiten' : anfariz-uh, us 
c aus 3 : uz-uh) rigis N c Finsterni8 3 : Gen. riqizis, wileis e du 
willst 3 : wileiZ'U, fans Akk. PL Demon.: panz-ei Relat. usw. 



Assimilation von -z. 

115. Das urspriingliche -z des Nominativs hat sich 
dem vorausgehenden Laute assimiliert und 1st so schein- 
bar geschwunden: 

1. Nach s und 88. Vgl. Uus f los 5 :Gen. Idusis, drus 
M 'Fall 5 : Dat. drusa. us-stass F "Auferstehung 3 : Gen. 
us-stassais, ga-qiss F 'Verabredung 5 : Dat. ga-qissai usw. 

2. Nach tautosyllabischem unsilbischen r. Vgl. 
unsar c unser 5 , izivar c euer 5 , Ivapar e wer von beiden? 5 , anfar 
f der andre, zweite 5 ; ./Mnwr M c vier* ; stiur M'Stier 5 Neh5,18, 
lair M c der Geborene' (Kompp. aina-> fruma-baur\ walr M 
'Mann 3 , die Lehnworter Misar 'Caesar 5 , Saur 'Surus*. 

A n m e r k u 11 g e n. 

1. Die Assimilation vor rz zu rr untcrbleibt im Inlaut, 
vgl. z. B. airzeis f irre 5 , marzeins F ^rgernis 5 usw., weil hier r und 
z verschiednen Silben angehOren. 

2. Die Falle, wo silbisches r dem z vorausgeht, fallen 
nicht unter die Assimilationsregel. Daher heifit es akrs M 'Acker', 
figgrs M e Finger', hlutrs tauter', Gen. fadrs e des Vaters 5 usw. 

3. In den Ausnahmen hors e Hurer", skeirs c hell 3 , swers e ge- 
ehrt', gdurs f betrabl' darf man analogische Neubildungen sehen. 
anfar und Genossen waren durch den Einflufi der Verwandtschafts- 
namen gegen Umbildung geschutzt. 

4. Ebenso Brugmann Grundrift 2 1,934. Wrede Ostgoten 
S. 177 sieht in den Formen auf -rs die lautgesetzliche Entwicklung 



115117.] Die got. Kons. in ihrem Verhaltn. zu d. gemeingerm. 91 

und schreibt den Verlust des -z in anfar usw. der Einwirkung der 
Verwandtschaftsnamen zu. Hirt PBB, 23,329 f. will zwischen ur- 
germ. -* und -z im Auslaut unterscheiden : nur z sei assimiliert 
worden. A. Kock KZ. 36,579 ff. geht dagegen uberall von germ. 
-z aus. Dieses sei nach nichthaupttoniger Silbe vorausgehen- 
dem r assimiliert worden. Dadurch erklare sich der Gegensatz von 
Gegensatz von steers : anfar. walr und baur seien von den Kom- 
positis beinflufit. Braune Got. Gramm. 7 78 Anm. 2 macht die 
Quantitat des vorausgehenden Vokals f iir Erhaltung oder Schwund 
verantwortlich : nur nach kurzem Vokal sei -s geschwunden. 

Ausnahme. 
Bewahrung- des Stimmtons im Wortanslaut. 

116. Die urgermanischen stimmhaften Spiranten 
haben im Wortauslaut den Stimmton nicht verloren: 

1. Vor den (vokalisch anlautenden) Enklitizis. 
Vgl. z. B. a) db-u J 18,34 : af. ub-uh-wopida L 18,38 : 
uf usw. 

b) wileid-u Me 15,9 J18,39 : wileif, qtfid-uh Me 16, 7: 
qifif, mtud-u 31%,lZ:witu usw. 

Anmerkung 1. Ursprungliches f bleibt stets unverandert: 
qafyuh Me 7,20 u. 6. sto^-uh J 18,5. 

c) weiz-uf-fan : iveis. Akk. sumanz-uh Me 12, 5 isumans, 
bijandz-uf-fan Phil 22 : *bijands usw. 

Anmerkungen. 

2. Die beiden Beispiele sumsuh K 7,7 A, sumansufpan, 
suman-suppan E 4,11 A und bidjandanwppan M 6,7 bewahreri das 
-s der 'Wortschrift 3 , geben keine phonetische e Satzschnft', vgl Verf. 
IF. 24,177. Dasselbe gilt wegen ahd. hfruwn u&w. auch fur das 
-s in sunsaiw sunset und wohl auch fur -s in halisaiw, vgl. IF. 18,389. 

3. Urspriingliches -s bleibt stets unverandert : was-uh, was-up- 
fan usw. Ebenso Kons. -f a, vgl. magutsu Me 10,38. 

2. Vor Vokalen und stimmhaften Konsonanten 
im Satzzusammenhang. Die furffs haufiger er- 
scheinenden Schreibungen b d z lassen deutliche Spuren 
dieses satzphonetischen Gesetzes erkennen. Naberes 25. 

2. Spirantendissimilation in nichthaupttoniger Silbe. 

117. Hinter nichthaupttonigem Vokal erscheint durch 
Dissimilation stimmhafte Spirans, wenn der Silbenanlaut 



92 Lautlehre. [117. 

stimmlos ist, stimmlose Spirans dagegen, wenn der 
Silbenanlaut stimmbaft ist. 

1. 8 -/ 

fastukni N 'Haltung 3 , fraistubni F 'Versuchung 3 , 
loiiubni N 'Erkenntnis 3 : wal&uini N 'Gewalt 3 , mundufni F 
'Wunde 3 . 

2. d f. 

manniskodus M 'Menschlichkeit', wratodus M 'Reise 3 : 
ga-batirjofcus M 'Lust', gduno^us M 'Trauer 3 . Dat. Sg. 
witoda c dem Gesetz' : Dat. PL bajdfyum c beiden 3 , Dat. PL 
meuolpum c den Monaten 5 . Gen. PL mitade c der Mafie 3 , 
Akk.Sg. naqadane c der Nackten 3 : ddld^a c drunten\ fijafywa 
F 'Feindschaft 3 . Dat.Sg. fahedai F c der Freude 3 : awefy 
N C 8chafherde 5 . - dufrda F f Wuste 5 , wairfyda F 'Wiirdig- 
keit 3 : meri^a F 'Geriicht 5 u. a. 

3. z s. 

aqizi F c Axt 3 , Dat.Sg. hatiza N c Hafi 3 , Dat.Sg. riqiza 
N c der Finsternis 3 , Dat.Sg. swartizla k3,3 B oder swartiza 
A f der Tinte 3 : Dat. Sg. agisa N c dem Schrecken 3 , Dat. Sg. 
rimiaa N c der Ruhe 3 , Nom. PL fewisa N c Diener 3 . ar- 
Ivazna F 'PfeiF : Nora. PL hldiwasnos F 'Graber 5 . jukuzi 
F e Joch 3 : Nom. PL lerusjds M 'Eltern 3 u. a. 

4. j - h. 

Die ursprungliche Dissimilationsregel ist fast vollig 
zerriittet. Als einziges Zeugnis redot von ihr die Tatsache, 
dafi in dem Suffix -aha-:-aga- h nur nach stimmhaftem 
Silbenanlaut erscheint. Vgl. aindha c einzig 3 , waindhs c un- 
gliicklich 3 R7,24, Dat. PL aurdbjom F e den Grabhohlen 3 , 
lairgdhei F c Berggegend* u. a. 

Anmerkung. ^Stehen zwei Konsonanten im Silbenanlaut, 
so wirkt stimmloser Konsonant -f Halbvokal wie stimmloser, 
dagegen stimmloser Konsonant + Li quid a wie stimmhafter 
Anlaut." Vgl. atihjodus M 'Larm', Gen. PL weilwode l der Zeugen* 
gegenuber Nom. PL brd^rahans M 'Brtider 5 , niulsldhei F 'Kleinmut 5 . 
In diesen Vcrbindungen sind also j und w selber stimmlos ge- 



117119.] Die got. Kons. in ihrem Verhaitn, zu d. gemeingerm, 93 

worden, eine Nachwirkung der urgerm. Silbentrennung. Vgl. das 
stimmlose u in arloazna und in oqtzi, Verf. IF. 1 4,495 ff. 

Ausnahmen. 

118. Keine Dissimilationswirkungen zeigen 1. die 
auslautenden Spiranten, 2. die Spiranten im zweiten 
Glied der Nominalkomposita. Nur durch gabaurps F *Ge- 
burt 5 , dessen f gemeingermanischem d gegeniibersteht, 
scbeint die ursprungliche Geltung des DiKsimilationsgesetzes 
auch fur Komposita verbiirgt, vgl. Verf. IP. 18,404ff. 
3. die Flexions- und Klassensuffixe. 

Groflere oder geringere Neigung zur Uniformierung 
zeigt sich bei verscbiedenen Stammbildungssuffixen, z. B. 
bei -if a -ida und bei -ahs -ags. Man beachte bier E.Schroders 
Nachweis, dafi die Adjektiva auf -ga- und die auf -ha- 
durch eine charakteristiscbe Bedeutungsdifferenzierung ge- 
scbieden Bind (HZ. 35,376ff.). 

Wabrend diese Ausgleichungen leicbt verstandlicb sind, 
barren verscbiedene Falle von Regelwidrigkeit, die in 
isoliertenPormen zu beobacbten sind, bis heute ihrer 
Erklarung, vgl. z. B. die Stamme fiiwadwa- N 'Dienstbar- 
keit 5 , Mulida- N e Haupt 3 u. a. m. 

Anmerkung. Bernhardt Got. Gramm. S. 45 hat zuerst auf 
einen Spezialfall dieser Dissimilationserscheinungen (p d) aufmcrk- 
sam gemacht. Spater haben Wrede, iluchtig andeutend (Deutsche 
Literaturzeitung 1897 Sp. 177 f.), und Thurneysen mit ausfuhr- 
licher Begrundung (IF. 8,208 ff.) das Dissimilationsgesetz dargelegt. 
Hirt PBB. 23,343 ff. leugnet, dafi stimmlose Spiranten durch die 
Wirkung des Dissimilationsgesetzes stimmhaft geworden seien, und 
sucht den Ubergang der stimmhaften Spiranten in stimmlose von 
indogermanischer Anfangsbetoimng abhangig zu machen, Mit Un- 
recht, vgl. Verf. IF. 14,493ft. 

VI. Die Verschluftlaute. 
A. Die stimmlosen Verschlu&laute. 

1. got. p. 

119. pdida F 'Rock 5 , plinsjan 'tanzen', ana-praggan 
'bedrangen 3 . - -hldupan c laufen', -skapjan 'schafifen 5 , wepna 
Norn. PI. N 'WafTen'. skip N 'SchiflT, ga-halp Perf. 
zu ga-Wpm c helfen a . UG. 125,1. 



94 Lautlehre. F 120124. 



2. got. t. 

120. tagl N c Haar', twdi 'zwei 3 , trauan 'trauen 5 . 
satjan 'setzen 3 , gatwo F 'Gasse 5 , sitlos Nom.Pl. von sitls M 
e Sitz\ snutrei F c Weisbeit 3 , glitmunjan c glanzen 3 , ga-batnan 
c zu Nutzen kommen 3 . Gemination in atta e Vater 3 , skatts M 
'Scbatz 3 . wait Veifi', ga-swalt Perf. zu ga-swiltan c ver- 
sterben 3 . UG. 125,2. 

3. got. k. 

121. kara F 'Sorge 3 , klismjan c klingen 3 , krusts Mas 
Knirschen 5 , kniu N c Knie\ tekan 'beriihren 5 , sokjan 
c suchen\ stiklis Gen.Sg.: stikls M 'Becher 5 , akran N c Frucht\ 
ga-staurknan c erstarren 5 . Gemination in smakka M f Feige\ 
sakkus M r Sack'. juk N c Joch 5 , skalk Akk. zu skalks 
'Knecht 3 . UG. 125,3. 

4. got. q. 

122. qipan c sagen'. flaqus r weich 3 . sagq Perf. 
zu slgqan C 8inken 3 . UG. 125,4. 

Anmerkung. Das q vor r in qratnmifa F Tcuchtigkcit 5 L 8,6 
beruht wohl auf Schreibfehler, da urgerin. kw vor Konsonanz nicht 
erhalten bleibt. 

B. Die stimmhaften Verschluftlaute. 

123. Die stimmbaften VerscbluClaute b d g erscbeinen 
im Got. : 1. hinterNasalen nachgemeingerm. Regel.UG. 122 ; 

2. binter Liquiden, z und g als einzelsprachlicbe Ent- 
wicklungpprodukte. DaC bier VerschluBlaute, keine Spi- 
ranten bestehn, erkennt man daran, dafi diese b d unver- 
andert im Auslaut und vor -s erhalten bleiben, niemals 
in / f iibergehn ; 

3. wabrscheinlich meist im Wortanlaut. 
Anmerkung. Im zweiten Jahrhundert scheint, im Anlaut 

wenigstens, die Spirans j noch bestanden zu haben, vgl. 35,9,1. 
Nach den Angaben der Salzburg- Wiener Hs. diirfte sie sich auch 
spater vorpalatalem Vokal gehalten haben. vgL 35 Anm. 18. 

1. got. b. 

124. 1. wamba F 'Baucb', lamb N 'Lamm 3 . 
2. silba c selbst 5 , arbi N c Erbe', bi-swairban c abtrocknen 3 , 



124129.] Spuren urgerman. Lautgesclze im got. Konsonant. 95 

Perf. bi-swarb. 3. badi N 'Sett', llandan c vermischen\ 
brikan c brecben 3 . 

2. got d. 

125 . 1. bindan f binden 3 , Perf. band, and c an, auf 3 . 

2. aids? 'Alter', ^N'Steuer', spilda F 'Tafel 3 , hardus 
c hart 3 , gards M c Haus 3 , waurd N 'Wort 3 , ra^Za F 'Sprache, 
Mundart 3 , mizdo F e Lohn 3 , huzd N *Schatz 5 , ga-hugd Akk. 
Sing. F e Verstand 5 . 3. dal N c Tal 3 , dlnteso F c Abhang\ 

3. got. g. 

126. 1. tuggo F c Zunge\ aggwus f eng\ JM^S, jw^ 
c jung 3 , saggws M e Gesang\ 2. tulgus c fest 5 , fcatys M 
'Schlauch', saurga F C 8orge 5 , ta?^s F c Burg', a^<5 F c Asche 5 . 

3. giban 'geben 3 , glaggiro Adv. r genau\ graban c graben'. 



Ureizehntes KapiteL 

Spuren urgerman. Lautgesetze im gotischen 
Konsonantismus . 

i. Die Verbindung 'Verschlufilaut + f. 

127. Vor idg. urgerm. t sind die labialen und die 
gutturalen Verschlufilaute zu Spiranten geworden: [It] pt 
wird ft, [gt] qt kt wird yt, woraus im Got. M entstebt. 
UG. 119b. 

Idg. [dt] it wird iiber ft zu ss, vgl. namentlich Braune 
IF. 4,341 ff. UG.120. 

a) pt wird ft. 

128. giban: 2.Sg.Perf. gaft, kopan 'prablen 3 : looftuli 
F 'Prahlerei', ga-skapjan 'erschaffen 3 : ga-skafts F 'Scbopfung, 

Geschopf usw. 

b) kt wird ht. 

129. 6g 'fiirchte' : Prat, ohta, bugjan f kaufen ? : Prat. 
bauhta, mag 'kann 3 : Prat, mahta, Subst. mahts F, gaggan 
'gehn 5 : un-at-gaht Adj. N c unzuganglicb 3 , briggan 'bringen 3 : 



96 Lautlehre. [ 129131. 

Prat, brahta. brukjan 'bratichen 3 : Prat, brfthta, fagkjan 
'denken' : pahta, fugkjan 'diinken 5 : f&hta, sakan 'streiten' : 
un-sahtaba Adv. 'unbestritten 3 , siukan 'krank sein 5 : sauhts 
F 'Krankheit'. 

Anmerkung. fra-gibtim Dat. PL L 1 ,27 neben regelmafiigem 
fra-giftim L 2,5 und 2. Sg. magt sind etymologische Schreibungen. 

c) Dental + ^ wird ss. 

ISO. ga-widan Verbinden' : ga-iviss P 'Verbindung', 
us-standan Wstebn' : us-stass P c Auferstebung\ wdit 
c weifi 5 : Prat, ivissa, mif-wissei F 'Mitwissen 3 , ga-lvatjan 
'scharfen, anreizen 3 : Ivassaba Adv. c seharf . qifan c sagen 3 : 
ga-qiss F 'Verabredung 3 . 

Nach langem Vokal wird ,9,9 zu s, vgl. un-weis c un- 
wissend', Norn. PL un-iveisai : wait c ich weifi\ UG. 120. 

2. Diese urgerm. Lautregel ist durch Neubildungen 
vielfach durcbbrochen worden, indem sich namlich das 
Bestreben geltend maehte, iiberall dort das t wieder neu 
einzufiihren, wo es noch ein lebendiges Bildungselement 
war. So kommt es, dafi urBpriingliches ss im Got. stets 
durcb die Neubildung st in der 2. Sing. Perf. und fast 
durcbweg im scbwacben Prat, verdrangt worden ist. Vgl. 
baust 2. Sg. Perl, zu biudan, waist 2. Sg. Perf. zu wdit, qast 
2. Sg. Perf. zu qifan, ga-mosta Prat, zu ga-motan 'Raum finden'. 

Anmerkung. Scheinbar hat auch vor n ein tJhergang von 
d t in s stattgefunden in WOrtern wie ana-busns F c Gebot 5 neben 
ana-biudan, iis-brisns F e Erwartung 5 neben us-beidan. In Wirklich- 
keit ist der wurzelauslautende Dental vor dem Suffix -sn- geschwun- 
den. UG. 129, la. 

2. Der grammatische Wechsel. 

181. Nacb Verners Gesetz (UG. 123) rmissen 
im Wortinnern stimmlose und stimmhafte Spiranten mit- 
einander wecbseln, je nachdem der idg.-urgerm.Wbrtakzent 
unmittelbar voraupgeht oder nicht: c grammatischer 
Wechsel 3 . UG. 124. 

Im Gotiscben ist dieses urgermanische Lautgesetz 
vielfach durchkreuzt worden: 



131133.] Spuren urgerman. Lautgesetze im got. Konsonant. 97 

1. Durch die Wirksamkeit des Spiranten-Dissi- 
milationsgesetzes in nichthaupttonigen Silben, vgl. 
117. 

2. Durch analogische Ausgleichungen nach der 
Haupttonsilbe. Fast immer 1st in diesem Fall die 
stimmlose Spirans an Stelle der stimmhaften getreten. 

Die noch vorhandenen Reste des grammatischen Wech- 
sels hat F. A. Wood Germanic Studies II, Chicago 1895, 
S. 7ff. ausammengestellt, ohne freilich daraals die Falle 
der gotischen Spirantendissimilation von jenen des Verner* 
schen Gesetzes scheiden zu konnen. 

Beispiele. 

1. urgerm. f &. 

132. af-litnan 'Obrig bleiben 5 : M-leiban e bleiben', bi-ldibjan 
Mbrig lassen', Uibds F Piur. 'OberbleibseP. - fart f darf : 1. PI. 
paurbum, ga-faurbs 'enlhaltsam 5 , farb Akk. N e n5tig' Ph2,25, 
farba F 'Mangel', aJa-farba Adj. M c an allem Mangel leidend", ga- 
farban e sich emer Sache enthalten\ UG. 124 a. 

2. urgerm. f d. 

133. frafy N r Verstand 5 , Nom. PL -frdfrjai c denkend', ga~ 
frafcjei F 'Besonnenheif, frafcjan 'verstehn': Dat. Sg. frodamma 
^lug 5 un-frodans l Nom. PL c unklug' GB,1A, froAaba Adv., fro&ei 
F f Klugheit'. Dat. Sg. so]?(t ^Sattigung' G2,23AB, ga^jan 
f sattigen': wds e satt'. Perf. stop 'stand', Nom. PL un-gct-sto^ai 
*ohne festen Stand' K4.ll, ga-8to^[an\an 'feststellen' R14,4, Dat. 
Sg. sta^a c Ufer 5 , lukarna-stafca M c Leuchter\ Nom. PL anda-stafcjds 
^Widersacher' : stan&an f stehn', ana-stddjan e anfangen', stads M 
r Statte, Ort'. slefya, F 'Schaden', slefyei F e Gefahr', ga-fsleifcjan 
t beschadigen' : slei&jai Nom. PL M c schlimm'. - Dat. ndufyai 'Not', 
ndiifcjan C n6tigen' : ndudi-bandi F Tessel', ndudi-faurfts e not- 
diirftig\ sin])s M e Gang, Mai', ga-sin]>a k 8,19 AB, ga-sirifrja L. 2,44 
'Weggenosse' : sandjan 'senden', us-sindo Adv. e ausnebmend' Phil 16. 
ga-miribi N 'Gedachtnis' : Nom. PL ana-mindeis F 'Vermutung*, 
Dat. ga-mundai F 'Andenken'. Jcurifrs e bekannt', kunfy N 
^Kunde', uf ga-lcwi^ai e dpx6^evoc' L 3,2H : ga-kunds F e l)berredung' 
O 5,8. tunfyis M e Zabn' : atka-tundi N 'Dornstrauch"* (?). uri$a- : 
wnd c bis 5 . us-alfran c alt werden', atfreis e alt 3 : Akk. aid F e Alter 5 , 
Nom. PL N fram-aldra c im Alter vorgerQckt', Dat. Sg. aldomin 
^Greisenalter' LI, 36. us-far$o F 'Ausfahrt' : ga-fatirds F Ter- 



1 un-fro^ans G 3,3 A ist wohl Schreibfehler. 
Streitberg, Gotiscbes Elementarbuch. 



98 . LauUehre. [133-136. 

sammlung, hoher Rat'. fra-wairfyan c zugrunde gehn' : fra-wardjan 
'zugrunde richten'. matirfyr N 'Mord' : fodr N c Scheide\ 
jdirifcro Adv. e von dort' : jdindre Adv. 'dorthin'. Dat. ga-qumfrai 
F 'ZusammenkunfV : ga-kunds F 'Uberredung 5 . bro^ar c Bruder' : 
fadar <Vater\ tunfrus e Zahn' : gibands usw. UG. 124 b. 

Anmerkung. 

Der Stamm guda- c Gotf zeigt stets d, wenn das Wort voll- 
s tan dig ausgeschrieben wird, dagegen f in den rneist ange- 
wandten Abkiirzungen, vgl. Norn. PI. gu&a J 10,35; Nom. PL 
galiuga-gu&a K 10,1 9.20; Gen. PL galiuga-gude G 5,20 G 3,5; Dat. 
PL galiuga-guAam K8,10; Dat. Sg. gud-husa e dem Gotteshaus* 
J 18,20, guda-fa&rhts 'gottesfarchtig 5 L2,25 und guda-tdusai 
E 2,12 A (B unleserlich) gegenuber regelmafiig erschemendem gp, gps, 
gpa-, gp-, gpa- (in Kompositis). In diesem Nebeneinander von d 
und p 1st kein Fall des grammatischen Wechsels, sondern eine rein 
graphische Variante zu sehen. 

Nach gud-husa ist gpblostreis 'Gottesverehrer' J9,31 in gud- 
blostreis aufzulOsen, vgl. Hench PBB. 21,506. 

Die AbkUrzung gp geht voni Nom. Akk. Sg. aus, wo p aus d 
nach 110 entstehen mufite, und ist in alien Kasus stereotyp 
geworden. Vgl. Hench PBB. 2 1,562 if. 

3. urgerm. h j. 

134. dth c habe' : <Eigum 1. PL, digin N e Eigentum'. fahe^s 
F 'Freude', fulto-fahjan f Genuge tun 5 : faginon e sich freueiT. 
-fahrjan 'zubereiten 5 : fagrs 'passend 5 . filhan e verbergen\ ga-filh 
N e Begrabnis^ : fulgins f verborgen 5 , fttigrt N c Versteck\ huhrus 
M 'Hunger 9 : huggrjan e hungern'. jtihiza Kompar. e jtnger 5 : juggs 
c jung 5 . ta(hun 'zehn 3 : Nom. PL tigjiis 'Dekaden'. 

4. urperm. lo (jjw. 

135. satoan e sehif : siuns F e Gesicht'. UG. 123,4 124,2 c. 

5. urgerm. 5 z. 

136* wisan (L 15,23 wisam wdila ' U9pav6u>|Liv ; 24 dugun- 
nun wisan ' eOcppaivecGai ; 29 bi-wesjau ' eOtppavOu)) : mzon (wizondei 
m azetjam ' CTraToXuica T 5,6) ist der einzige Beleg von gram- 
matischem Wechsel zwischen s und z innerhalb des Gotischen, vgl. 
Verf. IF. 23,307 if. 

Anmerkung. 

In einigen andern Fallen ergibt sich ein grammatischer Wechsel 
durch Vergleichung der gotischen Formen mit den entsprechenden 
Bildungen der ubrigen german. Sprachen (UG. 124). Nicht hier- 
her geh5rt jedoch das z von fairzna F Terse 3 , das gemein- 
germanischem s gegentlbersteht. Es beruht auf einer As si- 



136141.] Spuren urgerman. Lautgesetze im got. Konsonant 99 

milation an die umgebenden stimmhaften Laute, vgl. Verf. IF. 
14,498. tber gdbatirfs: ahd. giburt vgl. 118. 

Anhang. 

Die urgermanischen Konsonanten im Gotischen. 
A. Die unsilbisohen Vokale. 

13V. Germ. % ist im Got wahrscheinlich unverandert ge- 
blieben, u spirantisch leicht affiziert worden. 84 90. Stimm- 
loses u erscheint in 1u q. 35,6.11. 

B. Die Liquiden und die Nasale. 
138* Die urgerm. Liquiden und Nasale I r m n w sind: 

a) unverandert in unsilbischer Funktion erhalten. 92 bis 
94, 9698; 

b) silbisch geworden zwischen Konsonanten und nach Kon- 
sonanz im Auslaut. 95. 99 ; 

c) w ist geschwunden vor li. 90 Anm. 

C. Die Spiranten. 

139. 1. Die stimmlosen Spiranten f f s sind unver- 
andert geblieben. 101104; sie sind durch Dissimilation 
stimmhaft geworden. 117. 

X ist zum Hauchlaut h bezw. zu einer stark reduzierten gutt. 
Spirans geworden. 100. \u ist vielleicht zu stimmlosem u ent- 
wickelt. 91. 

5 ist nach -s und tautosyllabischem r geschwunden. 110. 

140. 2. Die stimmhaften Spiranten & d j ^ sind: 

a) unverandert erhalten zwischen Vokalen. 105109; 

b) zu den stimmlosen Spiranten ff x (geschrieben g) s ge- 
worden im Auslaut und vor dem Nominativ-s. 110115. 117. 
Ebenso hat das Spirantendissimilationsgesetz haufig Verlust des 
Stimmtons herbeigefuhrt. 117. 

Anmerkung. Jedoch sind die durch satzphonetische Be- 
dingungen veranlafiten Ausnahmen wohl zu beachten. 116. 

c) ft d jsind zu stimmhaften Verschlufilauten geworden 
nach Liquiden; d j auch nach z und d nach j. 124 126, 

D. Die Verschlu&lante. 

141. 1, Die stimmlosen Verschlufilaute sind in alien 
Stellungen unverandert geblieben. 119-122. 

2. Die stimmhaften Verschlufclaute, die im Urgerm. nur 
nach Nasal (und in der Gemination) vorkommen, sind ebenfalls un- 
verandert erhalten. 123-126. 



100 [ 142. 



Zweiter Hauptteil, 
Formenlehre. 



Erster Abschnitt: Deklinatiou. 



Vierzehntes Kapitel. 
Allgemeines, Substantivdeklination. 

Allgemeines. 

142. Das gotische Nomen hat 1. zwei Numeri, 
Singular (Sg.) und Plural (PL); 2. drei Genera: Mas- 
kulinum (M), Femininum (F), Neutrum (N); 3. vier 
Kasus: Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ. 
Eine eigne Vokativform existiert nur noch im Singular 
weniger Stammklassen ; in der Regel ist der Nominativ 
die Form der Anrede. 

Anmerkung. 1. Ein Dual erschoint nur noch beim unge- 
schlechtigen Pronomen sowje in einem einzigen Falle beim Zahl- 
wort und Nomen. 

2. Die Genusunterscheidung fehlt nur beim Personal- 
pronomen der 1. und 2. Person sowie beim Reflexiv. 

3. Von einer Instrumentalform sind bei verschiednen Pro- 
nominibus Reste erhalten. 

143. Je nachdem der Stamm, d. h. der den Kasus- 
endungen vorausgehende Lautkomplex auf einen Vokal 
oder auf einen Konsonanten endet, unterscheidet man 
vokalische (oder starke) und konsonantische Dekli- 
nation. Von den konsonantischen Stammen sind die 
w-Stamme bei weitem die zahlreichsten und wichtigsten. 



143.] Substantivdeklination. 101 

Man pflegt deshalh seit Jacob Grimm die w-Deklination 
als schwache Deklination der vokalischen (starken) gegen- 
iiberzustellen. UG. 154164. 

Anmerkungen. 

1. In der vokalischen Deklination unterscheiden wir 0- (a-, 
jo-, wa-} t 6- (d-, jo-, w><H i-, u Stamme, vgl. z. B. daga-, harja-, 

piwa ffibo-, band jo-, band wo gasti- sunu-. In der kon- 

sonantischen Deklination erscheinen n~ (an-, On-, ein-\ r- nd- 
Stamme, wozu noch verscluedne nur vereinzelt auftretende Stamm- 
bildungen kommen, vgl. z. B. gwrnan-, qinon, wanagein- 
bropar- nasjand-. Nkheres UG. Kap. 1 1 . 

Durch die got. Auslautsgesetze (UG. 148 152) ist der Aus- 
gang des Stammes vielfach verandert worden, so daft die einzelnen 
Stammklassen nicht iinrner sofort erkennbar sind. Die voka- 
lischen Stamme treten durchweg am deutlichsten in den Kasus 
hervor, deren Endung konsonantisch begmnt, vgl. z, B. Dat. PI. 
dag%.-m, harjaL-m, fiwa-m (Nom. dags, harjis, fms) ; gibs-m, bandjo-m, 
bandw-m (Nom. giba, banfli, bandwa) ; gast\-m (Nona, gasts] ; sunu-m 
(Nom. sunus). Die konsonanti^chen Stamme erscheineu da- 
gegen in Jen en Kasus am reinsten ausgepragt, deren Endung 
vokalisch begmnt, vgl. z. B. Gen. PL ^wwian-e, ^/non-o, managem-o 
(Nom. guma, qino, managei). 

Ober die ursprungliche Gestalt der germ. Kasusendungen vgl. 
UG. 171. 

2. Bei dem geringen Umfang der got. Sprachdenkmaler ist es 
nicht immer m5glich, das Geschlecht oder die Stammklasse 
auf Grund der uberlieferten Formen anzusetzen. So unterscheidet 
sich z. B. die Flexion der neutralen o-Stamme nur im Nom. Sg. 
und im Nom. Akk. PL von jener der Maskulina. Smd diese charaktens- 
tischen Formen zufallitf nicht belegt oder verstatten uns die zu- 
gesetzten Attribute keinen Schlufi, so kann uns nur das Zeugnis 
der tibrigen germ. Dialekte ilber das Geschlecht mehr oder 
weniger sichere Auskunft geben. 

Ahnlich steht es um die Bestimmung der Stammklassen, da 
auch hier in zahlreichen Fallen Beruhrungen stattfinden, die eine 
Entscheidung erschweren. So ist z. B. die Flexion der maskulinen 
*-Stamme im ganzen Singular und im Gen. PL mit jener der mas- 
kulinen a-Stemme identisch. Sind daher Nom. Akk. Dat. PL nicht 
belegt, so bleibt nur tibrig, das Zeugnis der andern germ. Dialekte 
anzurufen. Vgl. Gailee Gutiska (s, o. 3). 



Formenlehre. 



[ 144. 145. 



A. Vokalische Deklination. 1 
I. a-St&mme. 

144. Maskulina und Neutra. Flexion fiir beide 
Genera gleich, vom Norn. Akk. PI. und vom Nom. Sg. 
abgesehn, der beim Neutrum mit dem Akk. identisch ist. 
Man unterscheidet: ^ 



1. Reine a-Stftmme. &-"' 

145. daga- M 'Tag 3 (113); Udiba- M e Brot 5 ( 111). 

waurda,- N ' Wort 3 ; uritoda- N c Gesetz 5 ( 1 12). UG. 172. 

Maskulinum. Neutrum, 



Nom. 


dags 


hldifs 


i 


\ 


Akk. 


dag 


hldtf 


> waurd 




Vok. 


dag 


hldtf 


\ 


} 


Gen. 


dagis 


hldtbis 


waurdis 


witodis 


Dat. 


daga 


hldiba 


waurda 


witoda 


Nom. 
Akk. 


dagos 
dagans 


hldibos 
hldibans 


\ waurda 


\ witoda 


Gen. 


dage 


hUib? 


waurde 


witode 


Dat. 


dagam 


hldibam 


ivaurdam 


uModam. 



Maskulina. 

z. B. skalJcs 'Diener', wigs c Weg 5 , skohs 'Schuh'. asts c Ast' ; 
gazds e StacheP, munfs e Mund\ hah 'Hals'. steps e SchlaP, wulfs 
c Wolf . stols c Thron 5 , wair c Mann 5 , stdins e Stein', doms e Urteil'. 
fugls TogeP, akrs c Acker' ( 95); bagms c Baum' ( 99). fiu- 
dans c Herr', kindins c Landpfleger', gadiliggs c Verwandter', hakuls 
e Manter usw. usw. 

Neutra. 

z. B. leik c K5rper', bi-stugq e Ansto&', dulgtf) 'Schuld 5 , fi*r(a)- 
hah e Vorhang\ anda-beit e Tadel 5 , huzd c Schatz 5 , blof (f) c Bluf, 
dius (z) 'Tier', kas (s) e Gefafi'. faurp 'Dorf , lamb c Lamm*. 
mil ^eit', daur c Tor 5 , /^m(V) Raum', ww c Wein\ tagl c Haar', 
tag? f Zahre', rign "Regen*. sauft c Sonne 5 , akran ^Fruchf, dtgin 
c Eigentum\ gditein e BOcklein', lukarn e Laterne', liuhafc (d) e Licht 5 , 
hdubtfc (d) e Haupt 5 , rtgis (z) c Finsternis', agis (s) Turcht' usw. 



1 Die Auswahl der Beispiele nimmt hier wie sonst auf die 
Stammkonsonanten Rucksicht. 



145. 146.] Substantivdeklination. 103 

Anmerkungen. 

1. Der Vokativ Sg. Mask. 1st nur durch skalk L 19,17.22 
und fiudan Me 15,18 belegt. 

2. Uber den Wechsel von b und f (hldifs hldtbis), d und 
/ (witofy - witd&is)j z und s (riqis riqizis) vgl. 110 if., liber 
den Wegfall des Nominativ-s nach s (hals halsis) und r (wair 
wairis) vgl. 115. Ausnahmsweise steht -s nach r in hors 
'Hurer'. 

3. Schwanken zwischeu a- und fDeklination findet sich bei 
diws 'Zeit 5 (Akk. PL diwms M 6,13, neben mehrfach belegtem Dat. 
aiwaun) und bei wegs Sg. 'Bewegung', PL c Wellen' (Nom. PL wegfts 
Me 4,37; Dat. wegim M8,24).__ __ 

4. Die AbkUrzungen gf, gfs, gfa sind als guf, gudis, guda 
aufzulbsen, vgl. 133 Anm. Das Wort ist formell Neutrum, wird 
aber mit maskulinen Attributen verbunden. 

5. Das Neutrum fadretn 'Vaterschaft', das wohl von dem Femi- 
ninum fadrcins "Geschlecht 5 zu unterscheiden ist, erscheint in der 
Bedeutung c Eltern 5 in den Evangehen jm Nom. Akk. Sg. Jmit 
maskulinem Pluralartikel verbunden* fai fadrein J 9,20.22, pans 
fadrein J 0,18. In den paulm. Briefen dagegen wird es als regel- 
rechter neutraler Hur. flektiert ni auk sskulum barna fadreinam 
huzdjan, ok fadreina barnam k 12,14 u. 6. Bin kollektives 
Neuti-um ist nach Zimmer Nominalsuffixe a und a (QF. 13) S. 208 
der Akk. Uuf tpdXXa Me 11,13; Me 13,28 wird cpOXXa durch Idubos 
tibertragen. 

6. Die Neutra auf -is sind alte konsonantische Stamme. Eine 
Spur der ursprtinglichen Flexion hat man mit J. Kremer PBB, 8,388 
in dem Gen. hatis E 2,3 B (: hatize A) finden wollen. Anders Wrede 
Ostgoten (QF. 68) S. 77 und v. Grienberger Untersuchungen S. Ill, 
die von einem a-Stamm hata- ausgehn und an ahd. has M und got. 
hatjan erinnern. Wahrscheinlicher als diese Annahmen ist jedoch, 
da6 ein blofier Schreibfehler vorliegt. Uber den Wechsel von z 
und s im stammbildenden Suffix vgl. 117,3. Von gadigts (Hs. ga~ 
d&ts) c Gebilde" R 9,20, slgis e Sieg', skafis 'Schaden' k 12,13 AB ist 
nur Nom.-Akk. belegt. 



146. Kurzstammige und langstammige (vgl. 
84Anm.)bezw. mehrsilbigeja-Stammesind zuscheiden; 
fur diese kommt die 86 gegebene Regel iiber den 
Wechsel von ji und ei in Betracht. Doch ist bei den Neu- 
tris das Gcsetz fast vollstandig verwischt. UG. 173. 
harja- M c Heer', hairdja- M c Hirt 3 , Jcunja- N 'Geschlecht', 
reikja- N 'Reich 3 . 



104 



Norn. 

Akk. 

Vok. 

Gen. 

Dat. 

Nom. 
Akk. 
Gen. 
Dat. 



Formenlehre. 


Maskulina. ^V 


harjts 


hairdeis 


} 


[hart] 


hairdi 


> kuni 


[hari] 


hairdi 


1 


harjis 


hairdeis 


kunjis 


harja 


hairdja 


kunja 


harjds 
harjans 


hairdjos 
halrdjam 


> kunja 


[harje] 


hairdj'e 


kunje 


harjam 


hatrdjam 


kunjam 



Neutra. 



reiki 



^ reil 

reikjis 
reikja 



> reikja 

reikje 
reikjam. 



Haskulina. 

1. kurzstammige: nifji* f Verwandter', anda-stafji&* 'Wider- 
sacher', stlba-wiljts* Treiwilliger 5 (vgl. Nora. PI. silba-wiljos k8,3). 

2. langstammige und mehrsilbige* le(i)keis e Arzt', kdileis 
c \Veizea', witdda-fasteis f Gesetzeskundiger\ faur-stasseis Torsteher', 
asneis c Tagl6hnei 5 , silba-siuneis f Augenzeuge", giid-bldstreis 'Gottes- 
verchrer", jiuleis 'Julmonat', faura-mapleis 'Vorsteher 5 . *- berusjos 
Plur. tant. f Eltern', ragineis c Ratgel)er', siponeis c Jiinger" und die 
Nomina ag. auf -arm (entlehnt aus lat. -anus) wie bokareis 'Schrilt- 
gelehrter', daimonareis "Besefiner 5 usw. 

Anmerkungen. 

1. Der Vokativ Sj?. M ist durch Wsnri (haufig erschcinend) 
und pu leiki L 4,23 belegt. 

2. Von andeis ist der Akk. PL nach der /-Deklination gebildet: 
andms R 10,18. 

Nentra. 

1. kurzstammige: nati r Nelz 3 , un-witl Torheif, badi e Betf , 
wadi Tfand', frafi Terstand', weina-basi c Weinbeere 5 , fani e Kof, 
fatira-tani e Wunder 5 , faura-daun c Gasse 5 , wohl auch kauri* c Kohle' 
(Akk. haurja-d.vQpa.Kiav J 18,18; dvOponcac R 12,20; danach ware 
auch ein ^o-Stamm moglich). 

2. langstkmmige und mehrsilbige: ga-leiki 'Ahnlichkeit 5 , 
ga-fagki ^edacht', and-dugi 'Antlitz 5 , ga-skohi f Schuhwerk 5 , ga-riudi 
c Ehrbarkeit\ us-wissi 'Eitelkeif, fiubl 'DiebstahF, ga-runi r Beratung', 
ufar-meli C 0berschiifl', tewi 'Schar', taui 'Werk', gawi e Gau 5 , haw 
'Heu 5 , hiwi 'Gestalt, Abbild 5 (vgl. Gen. gdujis, Dat. hduja usw.) 
u. a. barniski e Kindheit 5 , weitwodi 'Zeugnis', aglaiti 'Unzuchf, 
awefi 'Scbafberde', fairguni e Berg', fastubni 'Beobachtung, Dienst', 
witubni c Kenntnis 5 , waldufni 'Macht', fihgri c Versteck', hdimdfli 
e Heimatland' u. a. 

Anmerkung 3. Neben dem neutralen Gen. auf -jw erscheint 
bei den lang- und mehrsilbigen Neutris auch einigemal ein Gen. 



146149.] Substantivdeklination. 105 

auf -eis: ausschie&lich 1st er nur bei trdusti (Gen. trdusteis E2,l$ AB) 
und faura-mafli (Neh 5,14.18); dagegen baben die Genelive andbahteis 
L 1,23 (andbakti 'Dienst'), ga-wairfds k 13,11 AB E 4,3 AB Ph 4,9 B 
(A fehlt) th 3,16 AB (ga-walrpi Triede'), waldulfn&$ Skeir. 7,2 (waldufni 
c Macht') haufigere Nebenformen auf -jis. 



8. 

147* Sehr unvollstandig belegt. Flektieren wie die 
reinen a-Stamme. Zu Nom. Plur. fiwos Gen. piwe ist 
Nom. Sing, fius? 'Knecht 3 anzusetzen. Langstammige 
Maskulina sind diws* c Zeit, Ewigkeit 5 , Akk. diw, Gen. 
diwis, Dat. diwa usw. (doch vgl. 145 Anm. 3), und, 
nach dem Zeugnis der ubrigen Dialekte, wohl auch sndiws 
'Schnee 5 Me 9,3. 

Von kurzstiiramigen Neutris sind erhalten kniu* 
c Knie' (Akk. PI. kniwa, Gen. kniwe, Dat. kniwam belegt) 
und triu* 'Baum 3 (Dat. PL triwam\ weina-triu 'Weinstock' 
(Dat. Sg. -triwa, Akk. PI. -triwa)] von langfitiimmigen 
frdiw c Samen ? (Dat. Sg. frdiwa, Akk. frdiw, Gen. PI. frdiwe), 
hldiw 'Grab 3 . waurstw e Werk 3 , gdidw 'Mangel', sarwa 
Plur. tant. c Waffen 5 ; sicher gehoren hierher Akk. fiwadw 
'Dienstbarkeit 3 und Gen. aUwis Dat. atiwa '01', vielleicht 
auch Akk. kw 'Gelegenheit 5 , deren Geschlecht nicht fest- 
Bteht. UG.173. ^ 

II. o-Stttmme. / w^A 

148. Nur Feminina. Zerfallen in reine ^-, in jd- 
und in ?06-Stamme. 

! oiii6 <?-St&miii6 

149. Stamm gOtf- c Gabe 3 . UG. 174. 

Singular. Plural. 

Nom. 
Akk. 
Gen. 
Dat. gibai gibom. 

Beispiele. 

_._ ? Buchstabe' Plur. e Buch\ aaurga c Sorge 5 , mdta e ZolP, 
fiuda e Volk\ airfa c Erde 5 , diuptfa Tiefe* und die ubrigen Nomina 
auf -ifa, hansa e Schar', us-tva&rpa ^Auswurf', wamba ^Bauch', stlbna 



gibds 



106 Formenlehre. [ 149151. 

'Stimme', miduma c Mitte', Jcara c Sorge', Ma e Weile, Stunde', sdi- 
wala 'Seele', staua (Gen. stauos) 'Gericht' usw. usw. 

Anmerkung. Eine alte Akkusativform, deren auslautender 
Vokal vor Enklitikon nicht verktirzt 1st, findet sich in ni 
G2,5 e nicht eine Stunde lang 5 . 4^ ^ 

2. ^-StUmme. ^ 
15O. Nur im Nom. Sg. der langstammigen 
besteht eine Abweichung von den reinen o-Stammen, 
indem -i als Ausgang erscheint; die kurzstammigen da- 
gegen haben regelrecbtes -ja. sunjo- 'Wahrheit 5 , bandjO- 
c Band 5 , mdujo- 'Madchen'. UG. 175. 



^ 



Nom. 


I 


bandi 


mawi 


Akk. 


> swija 


bandja 


mduja 


Gen. 


sunjos 


bandjos 


mdujos 


Dat. 


sunjai usw. 


bandjai usw. 


mdujai usw. 



Beispiele. 

1. kurzstammige: brakja 'KampP, wrakja c Verfolgung\ 
ludja* f Antlitz 5 , icipja* 'Krone 5 , plapja* 'Stofie', sibja* 'VerwandU 
schaft 3 , lanja* f Wunde\ wtnj** 'Weide', halja* e Halle', skalja* 
'ZiegeP, sulja* e Sohle' (V). 

2. langstammige und mehrsilbige: hditi* 'BefehP, wasti* 
*Kleid\ Itiudi* r Gestalf, ga-bundi* c Band 5 , aika-tundi* c Dornstrauch', 
fuauvdi 'Tausend', hulundi e Hohle\ frijondt* Treundin', pmdan- 
gardt 'Reich', MifP e Heide' ; aqizi 'Axt 5 , jubwei e Joch', Iduhmuni 
'Blitz 5 , frdistidni* 'Versuchung', wundufni* 'Wunde 5 , kffflttli 'Ruhm'. 
Wie mawi geht fiwi 'Dienerm 5 , Gen. fiujds usw. 

Auch das Fremdwort Satirini 'Syrerin 5 Me 7,26 gehOrt hierher. 

Anmerkungen. 

1. Die Dative PI. loilftrjom c Bahre 5 L7,14, atirahjom 'Grab 5 
Me 5,2.3.5 und kalkjom c Hure 5 L 15,30 gestatten keinen sichern 
Schlufi auf den Nominativ. 

2. Von fusundi 1st ein alter Nom. Dual is erhalten in twa 
fusundja Neh 7,19. Vgl. 194 Anm. 0. 

3. wo-Stamme. 

151. Flektieren genau wie die reinen 0-Stamme. 

triggwa 'Bund 5 , nidwa 'Rost' (nur Nom.), bandwa* 'Zeichen 5 * 
uwlwa* 'Raub 5 , fijafwa* Teindschaft 5 , frijafwa 'Liebe 5 , salifwds 
Plur. tant. 'Wohnung', ubizwa* 'Halle 5 . 



152.] 



Substantivdeklination. 



107 



in. i-Stamme. 

152. Maskulina und Feminina. Der Singular der 
Maskulina ist mit dem der a-Stamme identisch. gasti- 
M 'Fremdling, Gast 5 , glni- F 'Frau'. UG. 176. 
Maskulinum. Femininum. 



Nom. 
Akk. 
Vok. 
Gen. 
Dat. 

Nom. 
Akk. 
Gen. 
Dat. 



gast 



gastins 

gaste 

gastim 



qgns 
gen 

qenais 
qenai 

qeneis 
qenins 
qlne 
qenim. 



Maskulina. 

strike 'Strich', balgs 'Schlauch', flauhs Tlucht', mats e Speise', 
bruf-fa^s (d) 'Brautigam', yards 'Hans', drus (s) Tail', hups c Hiifte', 
stai's (b) 'Element', muns 'Gedanke', arms 'Arm', banr 'Sohn', ndus 
'Toter' (Nom. PL naweis), saggws e Gesang\ sdlws 'See' usw. 

Feminina. 

wroh& 'Anklage', waurts c Wurzel', mahts f Macht', fra-lusts 
'Verlust', ga-skafts 'Schfcpfung, Geschftpf, manase^s (d) c Welt', ar- 
batfrs (d) 'Arbeit', haurds e Ttir', ndufs (f) r Not', ana-qiss 'Lasterung', 
ga-runs (s) 'Strafie, Markt', stuns 'Gesicht', sduls e Saule', hdims 
'Dorf' , wulfrs c Wert' (Gen. wulfrais G 2,6 AB). 

Anmerkungen. 

1. Der Vokativ Sg. Fern, ist nicht belegt. GewOhnlich 
setzt man ihn als *qen an. Die alteilflmlichen Ablaut&verhaltnisse, 
die sich im Vokativ der tt-Stamine noch erhalten haben, lassen 
diesen Ansatz jedoch recht unsicher erscheinen. Vok. Sg. M ist 
durch jugga-ldud e Jtlngling' L 7,14 belegt; er gestattet jedoch keinen 
Schlufi auf die Femininform. 

2. tFber den Wechsel von d und / (-fc$s M fadis; -se^s 

-setiais), von b und f (state* M stabw) vgl. 110, iiber den 
Wechsel von at* und aw (naus L 7,12.15 Nom. PI. naweis) 
vgl. 89; iiber den Wegfall von -s nach s, ss (drus M Dat. 
drusa, ga-runs F Dat. ga-runsai, -qiss F. Gen. -qissais) und 
liber den Wegfall von s nach r (baur M e Sohn', Saur 'Syrer') 
vgl. 115. 

3 a. Auflallig ist, dafi eine Anzahl von Maskulinen im Gotischen 
der *-Deklination folgt, wahrend sie in alien andern germ. Dia- 



108 Formenlehre. [ 152. 153. 

lekten als a-Stamme erscheinen. Es sind laists* 'Spur* (Dat. PL 
Uistim k!2,18): ae. last. yards e Haus' (Akk. PI. gardms Dat. 
gardim): aisl. gardr, ae. geard, as. #rd. arms* e Arm 5 (armins 
L2,28): aisl. armr, ae. earw, as. ahd. arm. barms* 'Schofc 5 
(barmim L1G,23): aisl. barmr, ae. bearm f as ahd. 6arm. saggws 
'Gesang' (saggwins L 15,25, saggwim): aisl. spn^r, ae. scw#, as. saw^ 
M, ahd. san^ N. Der Zusammenfali der a- und i-Stkmme im 
Singular hat oflfenbar diesen Flexionswechsel verursacht. 

Ein Schwanken zwischen a- und t-Deklination k6nnen wir 
noch bei wigs und aiws wahrnehmen. 

3b. Die lebendigen Feminin-Ahstrakta auf -ti- erscheinen 
im Gotischen meist zusammengesetzt (Kluge Stammbildungslehre 2 
128b); unkomponiert sind nur aihts* (Akk. PL K 13,3 k 12,14), 
ansts (nur Sg.), lists* (Akk. PI E6,H), mahts, faurfts (Norn. Gen. 
Dat. Sg., Gen. PL), die zu Praterito-Prasentien geh6ren, wists* (Dat. 
Sg. u. PL), dem das Defektiv was zur Seite steht, und sauhts* (Gen. 
Dat. Akk. PL) zu siukan, das im Sg. durch sluJcei vertreten wird. 
Naheres bei Schulze KZ. 42,322 ff. 

4. Vom Fernininum Mima* e Dorf ' sind im Singular die i-Formen 
Akk. haim, Dat. haimai J 11,1, im Plural nur die o-Formen haimos, 
haimdj haiwiom belegt. Vgl. aisl. heimr, ae. ham, as. ^m, ahd. heim. 
Hirt PBB. 22,33Gf. versucht die got. Flexionsmischung und die 
Genusverschiebung zu erklaren. 

5. Feminine f'-Stamme sind die zu Verben der drei ersten 
schwachen Konjugationen gebildeten Verbalabstrakta auf 1. -tins, 
2. -dns, 3. -ains, vgl. z. B. naseins c Rettung': noftjan; mitons e Er- 
messen 5 : mlton\ fulains 'Geduld': fulan usw. usw. 

6. Die fern. Verbalabstrakta auf -ems flektieren im Nomi- 
nativ und Genitiv Plur. als o-Stamme, sonst regelmafiig als 
-Stanime. Vgl. Norn. PL nditeinGs: Akk. nditeinms (ntiiteins 
'Lasterung'), Gen. PL IdiseinQ: Dat. Uiseinim (laiseitis 'Lebre'). 

Einmal kommt auch ein Dat. PL nach der o-Deklination Tor: 
un-kaureintim kll ; 9 (un-kaurrins 'Unbeschwerlichkeif). 

7. Der Genitiv wajamereins von Norn, wajamereins e Lasterung* 
(J 10,33) beruht auf Verwechslung von ewt-Stamm und ^'w-Stamm. 

IV. tt-St&mme. 

153. Maskulina, Feminina, Neutra. Abgesehn von 
Nom. Neut. flektieren die drei Genera gleich. sunn- M 
e Sohn', handu- F e Hand\ faihu- N 'Geld' (urspriinglich 
c Vieh 3 , vgl. ahd. fehu fihu usw.). UG. 177. 



153.] 



Substantivdeklination. 



109 



Maskulinum. Femininum. Neutrum. 



Nom. 
Akk. 


sunus 

8UWU 


handus 
handu 


\ faihu 


Vok. 


{sunau 


_ 






snnu 






Gen. 


sunaus 


handaus 


faihaus 


Dat. 


sunau 


handau 


faihau. 


Nom. 


sunjus 







Akk. 


sununs 


handuns 




Gen. 


suniwe 


handiwe 




Dat. 


sunum 


handum 





Masknlina. 

sakkus 'Sack', magus 'Knabe', fotus Tufc', hliftus c Dieb', 
lustus 'Lust', sidus c Sitte', skadus 'Schatten', trratodus 'Reise', ddu- 
pus "Tod 5 , gdunopus 'Klage', ufarassus "Oberflufi" und die tibrigen 
Nomina auf -assus, halms e Schwert 5 , wintnis "Winter', falrleus 
'Welt', drunjus 'Schall' usw. 

Anmerkung. Nach Brauns Lesung in der Got. Bibel 1st 
auch ein w-Stamm auhsus* f Ochse' anzusetzen; belegt smd Akk. 
Sg. auhsau K9,9, sehr wahrscheinlich Dat. Sg. auhsau T5,18 und 
sicher Dat. PL atihsum K9,9. 

Feminina. 

Aufier handus und kinnus* e Wange' (bi taihswon peina kinnu 
M5,39; indifferent L6,29) ist nur baurgs-waddjus 'Stadtmauer' (so 
baurgswaddjusNeh 0,15 7,1 fizos baurgswaddjaus Neh 5, 1 6 ; indifferent 
kll,33) sicher als Femininum nachzuweisen ; dagegen ist grundu- 
waddjus 'Grundmauer' Maskulinum, vgl. t 2,19 (tulgus grunduwadd- 
jus gudis standif, habands sigljo fata-, die Ubrigen Belege sind 
indifferent); Erklarungsversuch IF. 18,422. Unsicher bleibt das 
Geschlecht von asilu-qairnus 'Eselsmuhle 5 , das wegen aisl. kuern, 
ae. cweorn, ahd. quirn wohl als Fern, anzusetzen ist. asilus e Esel(in)' 
L 19,30 J 12,15; dvdpiov J 12,14. Ganz zweifetturft ist das Genus 
von flodus Tlut'. 

Nentra. 

qairu 'StacheP k 12,7 A Randglosse, vgl. Verf. IF. 24,174; 
wahrscheinlich auch Akk. leifu C 0bstwein' L 1,15. 
Anmerkungen. 

1. tlber den Vokativ vgl. 24 G: -au achtmal bei sunus 
und magus, -u je einmal bei sunus und daupus, sonst in Fremd- 
namen. Wenn Wrede 11 S. XIV tur M8,29 L8,28 Me 5,7 su- 
nau als Dativ auffassen mOchte, so widerspricht dies der Cber- 
setzungstechnik Wulfilas und ist um so unglaublicher, weil dem 



110 



Formenlehre. 



[ 153155. 



sunau uberall der Vokativ leau unmittelbar vorausgeht. Vgl. 
zum Vok. auch A. Kock PBB. 21,432; van Helten IF. 14,78 f. 

2. Der Gen. Sg. N falhaus ist nach dera adverbial gebrauchten 
neutralen Gen. filaus mit Sicherheit anzusetzen. 

i 

B. Konsonantische Deklination. 
I. n-St&mme. 

154. Maskulina, Feminina, Neutra. Man unter- 
scheidet reine w-Stamme, jan- und m-Stamme. 

1. Reine n-Stamme. 

155. aUan- M 'Vater 5 , hairtan- N c Herz 3 , qinon- P 
c Weib 3 . UG. 180. 

Maskulinum. 



Nom. 


atta 


Akk. 


attan 


Gen. 


attins 


Dal. 


attin 


N.-Akk. 


attans 


Gen. 


attane 


Dat. 


attam 



Neutrum. Feraininum. 


i hairto 


qino 
qinon 


"hairtins 


qinons 


hairtin 


qinon 


hairtona 


qinons 


hah-tane 


qinono 


halrtam 


qinom. 



Maskulina. 

ga-juka c Genosse', galga c Galgon\ aha 'Verstand', nwta ^Fischer', 
garda 'StalP, us-lifa e Gichtbriichiger', ga-hldiba e Genosse 5 , lofa 
'flache Hand 9 , hana e Hahn', lloma f Blume', swaihra c Schwiegervater', 
ga-ddila 'Teilnehmer', magula e Knablein', wilwa Rduber', b^dagu>a 
c Bettler", stana 'Richter 5 usw. usw. 

Anmerkungen. 

1. aba c Mann' hat im Gen. PL abne, im Dat. PL abnam. 
Von einem sonst nicht belegten w-Stam auhsa* (aisl. uxe oxe, 
ae. oxa, ahd. ohso) findet sich der Gen. PL atihsne L 14,19; die 
Episteln kennen nur den w-Stamm auhsu, vgl. 153 Anm. 

2. Durch Schreibversehn findet sich im Akk. Sg. -in statt 
-aw: M 27,64 Me 10,29 R14,3; G2,18. 

Neutra. 

fairko Tioch', dugo e Auge 5 , duso C 0hr', kaurnd e Korn', duga- 
datiro Tenster', barnilS 'Kindlein'. 

Anmerkung 3. namd 'Name' und watd Wasser' flektieren 
im Plur. unregelmafiig. 

[Nom.] Akk. namna 
Gen. namnS 
Dat. namnam watnam. 



155. 156.] Substantivdeklination. 1 1 1 

Peminina. v 

ga-jukd 'Genossin 5 , tuggo 'Zunge', faho c Ton', heito Tieber', 
un-hulfd TeufeP, mizdo c Lohn', driusd 'Abhang 5 , brofru-lubd 
e Bruderliebe', hdifno 'Heidin 5 , brinno Tieber', kliftmo 'Schelle 5 , reird 
'Zittern', fullo Tulle', mawilo 'Magdlein 5 , widuwo Witwe\ feOoO 
'Donner', yatwo 'Gasse' usw. usw. 

Anmerkungen. 

4. Neben dem Femininum sunns 'Sonne* (als F nur durch 
sunnon seina M5,45 belegt; der Norn. L4,40 E4,26 Neh7,3 1st 
formell FN.) erscheint zweimal ein Dativ sunnin, vgl. at mnnin 
urrinnandin Me 4,6; at urrinnandin sunnin Me 16,2. Mahlow 
Lange Vokale S. 156 sieht m der Form den Rest ernes alton Neu- 
trums, doch hat Sievers in Braunes Got. Gramm. 8 S. 135 dieser 
Hypothese ihre Stiitzen entzogen. Brugmann IP. 18,427 fafit sic als 
den urspninglichen Lokativ ernes feminmen w-Starnnies auf; aber 
dem widerspnoht urrinnandin, das nie Femininform gewescn sem 
kann. Wahrscheinlich licgt vielmehr Beeinflussung durcb das Genus 
des Synonymum sautl N vor, vgl. Veif. IF. 19,39193; nicht un- 
moglich 1st auch Einwirkung von mena e Moii(r Me 13,24, das nach 
den verwandten Dialekten als M anzusetzen 1st, vgl. J. Grimm 
Grammatik 3,340 f. Neudruck. 

5. n- und o-Stamm stchn nebeneinander bei band wo Me 14,44 
tb3,17: Dat. bandwai K 14,22; da&ra-wardo J 18,17: Dat. daura- 
wardai J 18,16; Nom. PL winnons R 7,5, Akk. Sg. winnon G3,5B: 
winna A; Dat. PL tvinnom G5,24 ist zweideutig. 



2. 

156. Maskulina wie fiskja Tischcr', baurgja ^Btirger 5 , 
af-efja Tresser', gudja Triester 5 , nebundja e Nachster', ga-sinpja f Be- 
gleiter 5 , kasja e T5pfer\ arbja c Erbe 5 , liugnja e Lugner' ; arbi-numja 
c Erbe 5 , timrja 'Zimmennaim', frduja e Herr' usw.; Neutrum sigljo 
'SiegeP; Feminina wie saJcjo e Streit', nifjS *Verwandte 5 , rafjo 
e Rechenschaft\ ga-riudjo 'Schambaftigkeit 5 , arbjo TErbin', ufjo 
c l5berfluB', brunjo 'Brunne', iutnjo c Menge', snorjo Tlechtwerk*, 
ga-timrjo 'Gebaude' usw. Auch armaid 'Almosen' gehort wohl 
hierher, vgl. Bezzenberger BB. 7,210, Verf. Zur germ. Sprachge- 
schichte S. 16. 

Sie flektieren wie die w-Stamme, wobei zu beachten 
ist, daB -ji- auch bei langstammigen und mehrsilbigen 
stets erhalten bleibt. Vgl. z. B. Gen. bandjins^ von 
bandja 'Gefangener 5 , Dat. wdi-dedjin von wdi-dedja c tJbel- 
tater' usw. 



112 Formenlehre. [157. 

3. etn-Stamme. 

157. Nur Peminina. Bilden Adjektivabstrakta, z.B. 
managein- zu manags 'mancher 5 . UG. 180 Anhang. 

Singular. Plural. 

Nom. managed \ 

* ! i . } manaaeins 

Akk. managem f y 

Gen. manageins manageino 
Dat. managein manageim. 

Beispiele. 

dudagti 'Seligkeit' (dudags), hduhei e H6he' (hduhs), bditrei 
'Bitterkeif (bditrs), lalfei 'Kuhnheit' (balfaba Adv.), hrdinei c Rein- 
heit 5 (hrdins) usw. usw. 

Von Substantiven sind abgeleitet magafei 'Jungfrauschaft 3 
(magafs), weitwodei 'Zeugnis* (iveitwops). 

Sehr wenige w-StSmme sind Konkreta : framstei e Heuschrecke 9 , 
difei 'Mutter', kilpei c Mutterleib 5 , marti e Meer 5 , katrnei* e Schadel 9 
(nur hafrneins stafs Me 15,22; nach Bethge bei Dieter S. 580 viel- 
leicht Adjektiv; doch ware alsdann schwache Flexion zu erwarten, 
vgl. Me 11,1). 

Anmerkungen. 

1. Die Adjektivabstrakta auf -ein- beruhren sich mit den Ver- 
balabstrakten auf -emi-, vgl. weitwodei 'Zeugnis' : weitwQds und weti- 
wodeins dass. (Skeir. 6,19): weifwodjan, vgl. Leskien Deklination im 
Slavisch-Litauischen und Germanischen S. 95, Streitberg PBB. 14,221 f. 
Die Folge dieser Beruhrung ist die Vermischung beider 
Stammklassen. In der Bibel finden sich hierfur flg. Beispiele: 
J 10,33 wird zu wajamereins c Lasterung 5 der Gen. wajamereins ge- 
bildet; umgekehrt k4,4A der Nom. liuhadeins c 9U)Ticu6c Erleuch- 
tung 5 anstatt liuhadet* f Helligkeit' (liuhadein Nom. B); auch der 
formell zweideutige Akk. bairhtein ^av^piwcic Oftenbarung 5 k 4,2 AB 
geh6rt der Bedeutung nach zu bairhtjan C <pavcpo0v' J 7,4, nicht zu 
Adj. bairhts e heir. In der Skeireins vgl. gaggwei 'Beengung 9 
1,18.26 zu ga-agywjan, nicht zu aggww\ Dat. ufar-mdudein anstatt 
-mawleinai f dem Vergessen 5 6,4; Gen. garaihteins fiir garaihteinais 
*der Hinlenkung 5 1,24 zu garaihtjan ^areuGOveiv' ; vermutlich auch 
hrdinemo c Remigungen' (Dietrich) 3,8. Naheres bei Losch Germania 
32,231 ff. bes. 241 und Jellinek HZ. Anz. 47,282.287 und 50,6. 

2. In Ambros. B erscheinen 3(4) Nominative auf -em statt -ei: 
liuhadein k4,4 (-tins A), wiljahalpein C3,25 (A fehlt), gagudein 
T 4,8 (-ei A). Vgl. Bernhardt Vulfila S. 533 zu C 3,25. 
k4,17B vgl. Got. Bibel und Braune Literaturbl. 1908, Sp. 327. 



158. 159.] Substantivdeklination. 113 

n. r-Stamme. 

158. Verwandtschaftsnamen : 

fadar 'Vater 3 (nur G 4,6 als Vok., sonst atta), brdfar c Bruder', 
swistar e Schwester', datiktar e Tochter'. Die Flexion beider Genera 
stimmt uberein. UG. 179. 

Singular. Plural. 

Nom. \ - brofrjus 1 

Akk. j P brofruns 

Gen. brdfrs brofre 

Dat. brdfr brdprum. 

III. w^-Stamme. 

159. Maskulina. Substantivierte 2 Partizipia Pras. 
Akt. nasjand- 'Heiland'. UG. 182. 

Singular. Plural. 

Nom. nasjands \ 

Akk. nasjand \. nasjands* 

Vok. nasjand ) 
Gen. nasjandis nasjand e 

Dat. nasjand* nasjandam. 

Beispiele. 

gibands c Geber 5 , bi-sitands 'Nachbar', garda-waldands c Haus- 
herr' (dadurch auch oll-waldands 'Allmachtiger' bestimmt), ddupjands 
e T&ufer 5 , talzjands 'Lehrer 1 , fijands Teind', frijdnds c Freund 5 , frau- 
jinonds 'Herrscher' (nur L 2,29 als Subst. gesichert, vgl. Verf. 
IF. 23,11 7 ff.). 

Anmerkungen. 

1. Nur von den genannten WOrtern sind entscheidende Formen 
belegt. 

2. Obwohl nur im Nom. Sg. bezeugt, sind auch die fig. Parti- 
zipien als Substantiva zu fassen: fraweitands frauja ist allaize 
Th4,6 und midumdnds gudis jah manne T2,5 der abhangige 
Genetiv deutet auf den substantivischen Charakter. In der Verbindung 
merjands jah apaustaulus' KrjpuE Kai dTc6cTO\oc T2,7 tl,ll ist 
das einem griech. Substantiv entsprechende merjands dera Sub- 
stantiv apaustaulus koordiniert, daher gleichfalls als Substantiv zu 
betrachten. 



1 Analogiebildung nach der w-Deklination. 

2 Die echten Partizipia dagegen flektieren als schwache Ad- 
jektiva. 

Unzweideutig konsonantische 
Streitberg, Gotisches Elementarbuch. 



114 Formenlehre. [159161. 

3. Der Vokativ Sing. 1st haufig belegt durch talzjand, je 
einmal durch frijond L 14,10 und frdujindnd L 2,29. 

IV. Varia. 

1. Feminina. 

160. alhs 'Tempel', baurgs c Stadt\ Irusts PI. c Brust\ 
spaurds 'Rennbahn 5 , nahts e Nacht 5 ; miluka 'Milch', mitafcs 
(d) c Mafl 5 flektieren im wesentlichen gleich. UG. 178. 

Singular. Plural. 

Noin. baurgs \ 
Akk. laArg } 
Gen, ba&rgs batirge 

Dat. baurg baurgim. 1 

Anmerkungen. 

1. Belegt sind flg. konsonant. Kasus: alhs Gen. Dat. Sg.; brusts 
Norn. PI. k7,15Akk.Pl.; ttpaurds Dat.Sg. (verschrieben spraud) K9, W 24A 
(Dat. PI. spaurdim wie batirgim}-, tnHul-s Gen. Sg. K9,7 mitaps Dat. 
Sg.; nahts Gen. Dat. Sg. (Dat. PI. nahtam jah dagam L2,37 Me 5,5 
T5,5 dagam jah nahtam LI 8,7: -am Analogiehildung nach dagam, 
vgl. J. Grimm Kl. Schr. 7,238 f., Pipping PBB. 24,534 if., Burchardi 
ebd. 25,591 f. 

2. Yon dulfs Test' 2 und waihts f Sache", die in der Kegel 
als s'-Stamme flektieren, sind auch konsonantische Formen belegt: 
Dat. Sg. dulf J7,14 L2,41 und Akk. PI, twos tvathts Skeir. 2,25 
neben walhtiws Ll,l. 

Vermutlich ist auch waihts in der Verbindung ni waihts ur- 
sprdnglicli nichts anders als ein konsonantischer Genitiv Sing., 
der von der Negation abhangt. Vgl. namentlich Me 7,15: oub^v 

Huj0v TOO dvOpuJTUou eic-rropeuojaevov eic afrrdv 5 bOvarai 
KOivujcai ni waihts ist utafro mans inngaggando in ina patei 
magi ina gamdinjan. ni mit abhangigem Genitiv ist altertiimlich und 
findet sich mehrfach z. B. ni bihfun barne L 20,31: ni was im barne 
L 1,7 u. 6. Vgl. Verf. IF. 18,401 ff. 

Neben ni waihts erscheint haufiger ni waiht N. 

2. Maskulina. 

161. manna 'Mann 5 flektiert teils wie baurgs, teils 
als regularer w-Stamm. UG. 127. 

1 Analogiebildung nach der t'-Deklination. 
and dulf karjanoh M 27,15 ist wegen and dulp 1varj6(h) 
Me 15,6 als Schreibfehler anzusehn. Vgl. Bethge bei Dieter S. 576. 



161163.] Substantivdeklination. 115 

Singular. Plural. 

Nom. manna 1 ) 

Akk. mannan* / mans > n** 1 

Gen. mans manne 

Dat. mann mannam. 1 

Anmerkung. 

Neben vokalischen sind auch konsonantische Pormen belegt 
bei: a) reiks 'Herrscher': Dat. Sg. reik E2,2, Nom. PI. reiks J 7,26 
R 13,3. 

b) mendfs <Monaf: Dat. Sg. menof L 1,26, Akk. PI. mSnOps 
Ll,24 4,25, Dat. PI. wendfum G4,10; der Gen. Sg. Neh 6,15 1st 
unleserlich. 

c) &a/0j>s e beide'; Nom. L 5,38 E2,18, Dat. bajdfum (mebrd- 
frum) M9,17 Skeir. 2,25 3,4. 

d) weitwofcs (d) c Zeuge': Nom. PL galinya-weitwdds K 15,15. 

3. Neutra. 

162. fon e Peuer 5 , Gen. Sing, funins, Dat. funin (mit 
Stammabstufung). Vgl. J. Schmidt KZ. 26,16ff., K. F. Jo- 
hansson Beitrage zur griech. Sprachkunde (Upsala 1891) 
S. 29 f. 

Anmerkung. Cher den anscheinend konson. Gen. hatis 
E2,3B (ihatize A) vgl. 145 Anm. 6. 

Anhang. 
Die Flexion der Fremdworter. 

163. Man hat zwei E^lassen von Fremd"w6rtern zu unter- 
scheiden : 

1. Nicht-kirchliche Lehnworter, aus dem Lateinischen 
stammend oder durch lateinische Vermittelung ubernommen, 
vgl. Schulze Lehnworte S. 740 f., Lowe KZ. 40,550 -52. Sie haben 
in der got. Sprache das Btirgerrecht erworben, untevscheiden sich 
daher nicht mehr vom heimischen Spracbgut. Es sind das Nomina 
wie kdisar c Kaiser', mes 'Tisch 3 , wein c Wein', Kreks 'Grieche, 
Heide 52 (Kossinna Festschr. f. Weinhold S. 27 ff.; Schulze S. 748 if.) 
usw. Aufzahlung bei Schulze S. 741 *. 

2. Dagegen werden die zahlreichen biblischen Eigennamen 
so wie eine Anzahl christlicher Termini technici noch v6llig als 
fremde Eindringlinge empfunden. Es ist daher begreiflich, da6 
vielfaches Schwanken in den Versuchen herrscht, sie den Gesetzen 
der got. Sprache anzubequemen. Vgl. Jellinek Beitrage zur Erklarung 

1 an-Stamm. 

Nur im Sing. auBer Kl,22, vgl. Schulze Lehnw. S. 7,49. 

8* 



116 Formenlehre. 

der germ. Flexion (Berlin 1891) S. 76 ff. Elis tber die Fremd- 
worte und fremden Eigennamen in der got. Bibelubersetzung. Gftt- 
tinger Diss. 1903. - Schulze Griech. Lehnworte im Got. Sitzungs- 
berichte der K. preufi. Akademie d. Wiss. 1905, Nr. XXXVI, S. 726 
bis 757; ders. KZ. 41,165-75. 

Die auf Konsonanz ausgehenden hebr. Eigennamen 
werden in den obliquen Easus als a-Stamme flektiert, soweit nicht 
die Flexion uberhaupt unterbleibt, was namentlich bei Ortsnamen 
in der Regel der Fall ist. Lautet der Norn, auf -f, -f, -s aus, so 
erscheint im Gen. Dat. haufiger -&-, -<*-, -z-, vgl. Asabls ('Acd<p), 
Lodis (Loth.), Mosezis (Muucfjc). 

Die griech. Maskulina auf -oc (Personennamen, VOlker- 
namen, Appellativa) werden nach lateinischem Vorbild im ganzen 
Sing, und Akk. PI. als w-Stamme flektiert, vgl. N. Paitrus G. Pai- 
traus, D. Paitrau, V. Paitru (nur ~u belegt, vgl. 29 G); ludaius, 
G. fudaiaus, D. Judaiau; A. PI. ludaiuns; TS.aggilus, G. -angilans, 
D. aggilau, A. PL aggiluns. Norn. Gen. PL der VOlkernamen 
gehn regelmafiig nach der i-Dekl., wahrend die Appellativa 
zwischen i- und w-Flexion schwanken: N. ludaieis, G. ludaie; N. 
aggileis und aggiljus, G. aggfle. Bei den WOrtern auf -ius sind 
Norn. PL und Sg. identisch. Der Dat. PL schwankt zwischen *-, /- 
und ,/a-Formen : ludaium, aggtlum; Saudaumim-, Saudmimjam. 

Erne Ausnahme bildet der (in Beziehung auf Ghristus stets 
abgekurzt geschriebene) Name lesus: G. lewis, D. lesua und lesu, 
A. lew, denn sein u war durch den griech. Wortton gelangt. 

Die griech. Maskulina auf -<xc, -a gehn wie die got. 
schwachen Maskulina. Genau ebenso flektieren auch die Frauen- 
namen auf -ia, vgl. Marja, A. Marjan, G. Marjina, D. Marjin. 

Die Ortsnamen auf -a sind teils indeklinabel, teils schliefien 
sie sich der o-Klasse an; die auf-aia-oia -ia behalten entweder die 
griechische Flexion bei (also G. -as, D. -a, A. -an) oder bilden 
Gen. (Dat.) Sg. nach der i-Deklination (also G. -ais, Dat. -", aber 
A. -a). Dieselbe Unterscheidung macht auch Schulze KZ. 41,165ff., 
belegt sie durch reiches Material. Der Flexionsunterschied bedeutet 
naturlich einen Unterschied im Grade der EinbOrgerung. 

Schwach flektiert das Appellativum aikklesjO. 

Die Maskulina auf -uiv werden wie die fem. fln-Stamme 
abgewandelt, nur Seinum hat im Akk. neben -on auch -ona, -onw, 
im Gen. -onis, -onaus, im Dat. -ona, -onau; latinisiert ist der Dat. 
Faraoni R 9,17 A. Die Feminina auf -uv sind teils on-Stamme, 
teils bilden sie die obliquen Kasus nach der t-Deklination, z. B. G. 
Seidonais, D. Seidonai. 

Die Maskulina auf -rrjc wie praufetes neigen im Sing, und 
im Akk. Dat. PI. der M-Deklination zu; einige sind auch im Nom. 
Sg. dazu flbergetreten ; z. B. Shwpus. 



163-165.] 



Pronominaldeklination. 



117 



Die Feminina auf -TI schwanken ziemlich stark, zeigen aber 
im allgemeinen eine Vorliebe fQr *- und *wt-Flexion: G. swnagogais, 

D. swnagogai, swnagogein. 

Die fern. Stamme auf -ib-, -ab- legen dies den obliquen 
Kasus im Got. zugrunde, vgl. N. Herodia, A. Herodiadein, G. Hero- 
diadins, D. Trauadai. 

Auch sonst wird 5fters eine griech. Kasusform tibernommen, 
vgl. in praitauriaun' etc Td irpairibpiov J 18,28; drakmein* bpax^v 
(nachtragliche Angleichung an Stelle des ursprfingl. *drakman, 

E. Schroder HZ. 48,162; syntaktisch unmOglich ist Schulzes An- 
derung *drakmin Lehnworte S. 739 s ; wichtig namentlich sdbbato gr. 
cappdrip, Schulze Lehnworte S. 744 ff. usw.). 

Far weitere Einzelheiten mufi auf das WOrterbuch verwiesen 
werden. 

Fdnfzehntes Kapitel. 
Pronominaldeklination. 



i. Personalpronomina. 

sik f sich 5 refl. 

seina 

sis 

sik 

seina 

sis 

sik 

seina 

sis. 

Anmerkungen. 

1. unsis ist im Dativ weit haufiger als im Akk, Das Normale 
fur beide Kasus ist jedoch uns. 

2. E6,22 steht nach Braun hi mik (nicht hi ugk)\ damit ver- 
schwindet die Form ugk aus dem Paradigma. 

2. Possessiva. 

165. meins c mein\ feins c dein 3 , sdns* c sein 3 . 
unsar 'unser 3 , izwar c euer 5 . 
igqar c euer 5 (Dual). 



164. Sing. Nom, 


ik <ich' 


fu f du 5 


Akk. 


mik 


fuk 


Gen. 


meina 


feina 


Dat. 


mis 


pus 


Plur. Nom. 


weis 


jus 


Akk. 


uns, unsis 


izwis 


Gen. 


unsara 


izwara 


Dat. 


uns, unsis 


izwis 


Du. Nom. 


wit 


_ 


Akk. 


uffkis 


igqfs 


Gen. 





\gqara 


Dat. 


uffkis 


iggis 



118 



Formenlehre. 



[ 165167. 



Sie flektieren nur als starke Adjektiva; doch ist zu be- 
achten, dafs im Nom. Akk. N nur die ktirzern (nominalen) Formen 
unsar, izwar vorkommen s. u. Von dem reflexiven setns* kommen 
allein die obliquen Kasus vor. 

3. Anaphorisches Pronomen. 1 



166. Nom. 
Akk. 


to <er' \ ., c , 
( ^ es 


si c sie' 
ija 


Gen. 
Dat. 


is 
imma 


izos 
izai 


Nom. 
Akk. 


eis \ .. 
ins } W 


| ijos 


Gen. 
Dat. 


i^e 


ISO 


im 



4. Demonstrativa. 

a) sa. 

167. sa ist Demonstrativpronomen. Aufierdem 
dient es zur Obertragung des griechischen Artikels. 



Nom. 
Akk. 

Gen. 
Dat. 
Instr. 

Nom. 
Akk. 

Gen. 
Dat. 



1 fata 



pamma 



fans 



so 
PO 

pizos 
pizai 



PIZO 



fdim 



Anmerkungen. 

1. Der Instrumental fe ist selbstSndig nur einmal vor einem 
Komparativ in der Bedeutung c um so 5 belegt; nips haMis Skeir.4,22. 

1 Hier und bei 4 a sind die spezifisch pronoininalen Formen 
durch Sperrdruck ausgezeichnet, w&hrend die Formen, die der Pro- 
nominal- und der Nominaldeklination gemeinsam sind, ohne Sperrung 
bleiben. 



167-169.] 



Pronominaldeklination. 



119 



Sonst erscheint er nur in den Verbindungen bi-fe, du-fe (duffl) 
und jaffe. 

2. fei ist doppelter Herkunft: nach dem Indefinitum 1st es aus 
*fa-ei entsprungen und enthalt eine dem ka entsprechende (unbe- 
tonte) Nebenform *fa zu fata, vgl. J. Schmidt KZ. 19,284; sonst ist 
es mit Bechtel HZ. 29,366 f. zu dem griech. Ti-be zu stellen. Vgl. 
auch 345 Anm. 3. 

b) sah. 

168. Zur Betonung der materiellen tfbereinstimmung 
mit dom Bezugswort, d. h. zum Ausdruck der Bedeutung 
f der und kein anderer, eben der, der jedenfalls 5 (vgl. Brug- 
mann Demonstrativpronornina S. 64) tritt eine Partikel 
-h -uh an sa, je nachdem dessen Kasusformen auf Vokal 
oder auf Konsonanz ausgehn. Dabei wird ein kurzes un- 
betontes a elidiert. 

soh 



Norn. 
Akk. 

Gen. 
Dat. 


sah 
fanuh 


J fatuh 




fizuh 
fammuh 


Norn. 
Akk. 


faih 


}M 



Die ubrigen Formen sind nicht belegt. Jedoch erschcint ein 
Instrumental in adverbieller Verbindung: bi-feh Manach'. 

Anmerkungen. 

1. Sebr wahrscheinlich ist u vor h und das a in sah lang 
gewesen. Nur durch die Annahme einer ursprtinglichen *-unhe 
*-whe erklart sich die Flexion des Paradigmas einheitlich. Vgl. Liden 
Arkiv 4,99 f. Persson IF. 2,213 Fu&note 1. Hirt PBB. 18,299 f. 
van Helten IF. 14,83. Anders urteilen fiber die Herkunft des u 
Delbriick Vgl. Syntax 1,516 und Brugmann Demonstrativpronomina 
S. 65. 

2. -uh ist erst nach der Kurzung auslautender Langen ein- 
getreten, vgl. fannh fammnh im Gegensatz zu kanOh kammek 
( 177), in denen die Enklitika den langen Vokal gescbatzt hat. 

c) M-. 

169. Ein Pronominalstamm hi- erscheint in einigen 
Kasus. Vgl. : 



120 



Formenlehre. 



[ 169-173. 



Dat. himma daga c heute'; fram himma (nu) Von nun an'. 
Akk. M und hina dag e bis heute'. 
Akk. N und hita (nu) 'bisher 3 . 

d) jdins 'jener' 

170. flektiert als starkes Adjektiv. 

e) silba 'selbst 3 , 

171. sama und sa sama 'derselbe* flektieren nur als 
schwache Adjektiva. 

5. Relativa. 

172. Die Relativpronomina werden durch Anfugung 
der Partikel -ei gebildet, vor der unbetontes -a elidiert wird. 



a) Relativum der 3. Person. 



Nom. 
Akk. 

Gen. 
Dat. 
Instr. 

Nom. 
Akk. 

Gen. 
Dat. 



saei 
fanei 


\ fatei 


soei 
foei 

pizozei 
pizaiei 





fizei 
fammei 
(feefl 


fdiei 
fanzet 


} foei 


> fozei 




"" "~X^ !!' 

fizeei 





fdtmei. 



Anrnerkung. Der Instrumental feei erscheint nur als Kon- 
junktion. Neben saei findet sich in singularischer wie pluralischer 
Funktion izei (ize), neben soei auch sei, vgl. 346 Anm. fei tritt 
in der Verbindung mit hah, sowie selbstandig als Konjunktion auf, 
vgl. 167 Anm. 2. 

b) Relativa der 1. und 2. Person. 

1. Person: ikei. 

2. Person: Nom. Sing, fuei, Akk. fukei, 'Dat. fuzei. 

Nom. Plur. juzei, Dat. izwizei. 

6. Interrogativa. 
173. Sie lauten alle mit Jv- an. 



173-177.] 



Pronominaldeklination . 



a) leas c wer?' 
1st substantivisch, regiert also den Genitiv. 



Nom. 
Akk. 

Gen, 
Dat. 
Instr. 
Anmerkung. 


has \ _ 
kana } ka 


\ ko 

*kizfo 
kizai 

finitum gebraucht. 


bis 
kamma 
ke 
kas wird auch als Inde 



b) kafar und Jvarjis. 

174. Jvafar c wer von beiden? 3 und Jvarjis c welch er?' 
sind wie has substantivisch, regieren also den Genitiv. 
Sie flektieren als starke Adjektiva, jedoch ist zu beachten, 
dafi der Nom.Akk.Neutr. von Ivafar nur in der kiirzern 
(nominalen) Form Jvafar vorkommt. 

o) Zusammengesetzte interrogative Adjektiva. 

175. /w-Zet&s'wie beschafien? 5 (iswa-kiks c so beschaffen'). 
lve-ldu])s (d) c wie grofi? 3 (: ma-ldufas f so groC 3 ). 

Beide flektieren nur als starke Adjektiva, also z. B. 
fana swaleikana K5,5 usw. 

7. Indefinita. 

a) c irgendeiner*. 

176. got. $ums e irgendeiner 3 ist adjektivisch und 
flektiert als starkes Adjektiv. Docb kann es auch sub- 
stantivisch in der Bedeutung Demand 5 verwandt werden. 
AuCerdem wird auch das Interrogativum leas haufig als 
Indefinitum gebraucht. 

b) 'jeder 5 . 

177. Der Begriflf 'jeder' wird durch Anfiigung der 
Partikel -uh an die Interrogativa Ivas und loarjis ausgedriickt. 

1. hazuh. 

\ 
koh 



Nom. 
Akk. 

Gen. 
Dat. 


l^azuh 
JoanGh 


\ kah 1 


Tvizuh 
foamweh. 



Vom Plural ist nur kanzuh belegt. 



1 Das a von kah ist wahrscheinlich lang wie das von sah. 



122 



Forinenlehre. 



[ 177. 178. 



Anmerkungen. 
'quicunque' wird ausgedrftckt : 

1. Durch kazuh saei (oder izei) und sa-kaznh saei (oder izei). 
J 15,7.16 erscheint dazu der neutrale (Nom.)-Akk. fata-kah fei. Andre 
Formen fehlen. 

2. Durch fis-kazuh saei, das in alien Kasus vorkommen kann, 
vgl. Dat. fis-kammsh saei, Nom.-Akk. N fis-kah fei usw. 

3. Verallgemeinernde Adverbia sind keh 'jedenfalls', fis-kaduh 
fei e wohin auch irnmer 5 , fis-karuh fei e wo auch imnier". 



2. karjizuh. 



Nom. 
Akk. 


karjizuh 
karjanoh 


> Jcarjatoh 


Gen. 




"~-v ' ' 

barjizuh 


Dat. 




karjammeh. 



karjoh 



Anmerkungen. 

1. nin-kcujizuh e ein jeder' ist nur durch Dat. ainkarjammeh 
Skeir. 7,19, tiin-kafaruh* c ein ,]eder vonbeiden' nur durch Dat. ain- 
kafarammeh Skeir. 3,5 belegt. 

2. kaparamma Skcir. 5,2i2 bessert man nach LSbes Vorgang in 
kafaraniwe(h) e jedem von beiden 5 . 

c) c keiner\ 

178. Der Begriff 'niemand, kciner' wird gegeben: 
durch die Negation ni und manna, Ivas, besondere aber 
dins, denen die Partikel -hun angefiigt wird. 

dinohun 



Nom. 
Akk. 

Gen. 
Dat. 


dinshnn \ 
f Ainnohun \ d^nhun 
\ dindhun | 


dinlshun 
dinummehun 



dinaihun. 

Anmerkungen. 

1. Neben dem Nom. Sg. Fern, dinohnn (L 10,19), dein der 
Akkusativ iiberall gleich ist, erscheint Ph 4,15 B ainnohun, ein offen- 
barer Schreibfehler. Im Akk. Sg. Mask. 9 ainnohun (damnter 2 Doppel- 
belegek5,16 7,2): 3 ainohun, im Dat. Sg. Mask. 5 ainummehuni 1 aino- 
wehun L 8,43. 

2. Auch das Substantiv keila kann mit dem vcrallgemeinernden 
"hun verbunden vverden: nih keilohun e oOb irpdc dipav* G2,5A 
(keilohum falschlich B). 

3. c nichts 3 gr. o&bdv (jtrjbdv wird durch ni waihts und ni waiht 
wiedergegeben. Vgl. Verf. IF. 18,401 ff. 



178180.] Adjektivdeklination. 123 

4. Bei Prapositionalverbindungen steht ni normalerweise vor 
der Proposition, z. B. ni du ainaihun L 4,26 usw. Ausnahmen 
1 2,14 Skeir. 6,4. Vgl. Schulze KZ. 42,329 f. 



Sechzehntes Kapitel. 
Adj ekti vdeklination. 

Allgemeines. 

179. Wie das gcrmanische Adjektiv uberhaupt, so 
flektiert auch das gotische in doppelter Weise: 

1. Stark oder pronominal. Dabei sind jedoch zwei 
Punkte wohl zu beach ten: erst ens, daC schon von Haus 
aus das Pronomen selbst in einer Reihe von Kaeus mit 
der Substantivflexion ubereinstimmt, und zweitens, dafi 
hierzu beim Adjektiv noch einige weitere Form en kommen, 
deren Bildung rein substantivisch ist, also in einem Gegen- 
satz zur eigentlichen Pronominalflexion steht. 

Der ganze Formenbestand der starken Adjektivdekli- 
nation laCt sich demnach in drei Gruppen auflosen: 

a) Formen, die ausschlieftlich der Pronominal- 
flexion eigen sind. Sie werden in den folgenden Para- 
digmen durch gesperrtcn Kursivdruck kenntlich gemacht. 

b) Formen, die von Anfang an der Substantiv- 
und der Pronominalflexion gemeinsam sind. Sie 
sollen kursiv gegeben werden. 

c) Formen, die ausschliefilich der Substantiv- 
flexion zugehoren. Bei ihnen wird fetterer Druck an- 
gewandt werden. 

2. Schwach oder als w-Stamm. Die schwache Flexion 
der Adjektiva stimmt in jeder Beziehung zur substan- 
tivischen w-Flexion. 

A. Das starke Adjektivum. 

180. Ausschliefilich stark flektieren, abgesehn von den 
Pronominihus selbst, bei denen nur silba und sama eine Ausnahme 
machen: 1. Die Kardinalzahl ains c ein'. 



124 



Formenlehre. 



[ 180. 181. 



2. Das Ordinale an far c zweiter\ 

3. Die Adjektiva von allgemeiner Bedeutung alls 
fulls <volP, halbs 'halb 5 , midjis e mittlerer\ gandhs 'genug'. 



e air, 





I. a-St&mme. 




1. Beiue a-Stamme. 


181. Mask. 


Neutr. Fern. 


Nom. 
Akk. 

Gen. 


^nds \ t b i indata b || nd 
bhndana 1 


\ llinaa 
bllndaizos 




blindis 


Dat. 




blindamma 


blindai 






4 




Nom. 
Akk. 

Gen. 
Dat. 


blind a i 
blindans 


| blinder 


\ blindds 
blindaizo 


blindatze 


blindaim. 



Anmerkungen. 

1. Die Pronominaladjektiva nnsar, izwar, Jvafar , anfar 
haben im Nom.-Akk. Sg. N nur die kurzere (nominate) Form. 

2. In der Skei reins erscheinen 3 feminine Dative PL auf 
-dm: miwaleikom 2,22 judaiwiskom und sinteino<^m> 3,10. Wohl 
mil Recht nimmt Jellinek HZ. Anz. 38,15B 1 47,282 hier einen An- 
satz zur Difierenzierung der Geschlechter an. Feminine Plural- 
dative auf -aim sind in der Skeir, tiberhaupt nicht belegt. 

Beispiele. 

aa-lciks 'ahnlich', juggs e jung', hduhs f boch\ hefts 'weifi', 
rafhts e rechr, hafts c behaftet 5 , frfys (d) e weise 5 , kalds 'kalf , kunfs 
'bekannt 3 , Idus f los\ ga-qiss e flbereinstimmend^ diups Hief , dumbs 
f stumm', farbs e n6tig 5 , warn f mangelnd\ arms f arm', gdurs f betrubt', 
hl&trs e lauter*, go-tils e passend 5 , wraiqs 'schief, triggws c treu' 
usw. usw. 

Ferner die Adj. auf -tins wie airfeins c irden', auf -isks wie 
barnisks ^kindisch', auf -eigs wie ansteigs e giinstig', auf -ags wie 
mddags 'zornig" 1 , auf *ugs wie handugs c weise 3 , auf -ah ft wie stdi- 
nahs f saxosus'; endlich die Possessivpronomina und die Partizipia 
Prat, der starken und schwachen Verba. 

AnmerkungS. Zu A. qiwanaRl%,l N.P1. qiwai C 2,20 AB usw. 
ist der Nom. Sg. gtiw* c lebendig 5 anzusetzen; ebenso zu Nom. PL 
unskawai Th 5,8 B (die Form ist mit Braune Literaturbl. 1908 Sp. 327 
im Text zu belassen) der Nom. unskaus* 'ntichtern'. Dagegen ha 



181. 182.] 



Adjektivdeklination. 



fmeai 'wenige' schwerlich geschlechtige Singularformen gebildet, 
ihr Ansatz 1st also mflfiig. Belegt 1st nur Dat Sg. Neutr. du 
fawamma T4,8AB und der neutr. Komparativ ni fawizo k8,15AB. 



2. ja-St&mme. 


A. Beiue >-Stamnie. 


L KURZSTAMMIGE. 


18fc. Mask. Neutr. Fern. 


Nom. 
Akk. 


w **?f \ midjata [midi] 
midjana ] 


\ midja 


Gen. 


midjis 


midjaizos 


Dat. 


midjamma 


mfdjal 


Nom. 
Akk. 


^ } mid * 


| [midjos] 


Gen. 


[midjaize] 


[midjaizo] 


Dat. 


mid j aim. 



Anmerkung. Die kdrzere (nominate) Form des Nom.-Akk. 
Sg. N ist nach dem langstammigen wilpi Me 1,6 Glosse angesetzt. 

Beispiele. 

Irn Nom. Sg. M belegt sind nur karjis, und die WOrter mit vo- 
kalischem Wurzelauslaut niujis e neu' (Nom. Sg. Fern, niuja k5,17 
G6,15; Akk. Sg. Neutr. nmjata MU7 L5,37), -tojis in fMa-tOjis 
'vollkommen 5 und ubil-tojis e Obeltaterisch', sowie freis e frei 3 (Akk. 
Sg. M frijana, Nom. PI. M frijai; Nom. Sg. F frija usw.). 

Danach setzt man an aljis 'andrer', -frafjis in grinda-frafjis 
c kleinmutig' und sama-frapjis c gleichgesinnt', midjis e mittlerer' ; un- 
sibjis e verbrecherisch', sunjis 'wahr', ga-wiljis e einmtitig'. 

H. LANGSTAMMIGE. 

Sie weichen nur im Nom. Sing. Mask, und Fern, 
von den kurzstammigen ab. Nur wenige Pormen sind 
belegt: 

Mask. Neutr. Fern. 



Nom. 
Akk. 

Gen. 
Dat. 



wilpjamma N 



wilfi 



126 



Formenlehre. 



[ 182. 183. 



Beispiele. 

Im Norn. Sg. Mask, sind belegt alfeis alt' Skeir. 2,10.14 und 
mlfeis Vild' R 11,17; im Nom. Sg. Fern, nur wOfi k2,15AB. 
Norn. N wdila-meri Ph4,8B; Akk. N wilfi Me 1,6 Glosse. 

Danach setzt man an alrzeis e irre', uf-difeis 'vereidet' (Nom. PL 
ufaifjai Neh 6,18), fairneis e alt', wofeis r siifi', -niereis. Anderes 
ist ganz zweifelhaft. 

B. *[/rt-Stfimme. 

183. Einige Adjektiva zeigen eine Mischung von /- und ja- 
Flexion. Nur im Nom. Sg. aller Genera erscheint die i-Form; in 
alien ubrigen Kasus herrscht die ,/a-Bildung. 

Mask. Neulr. Fern. 



Nom. 
Akk. 

Gen. 
Dat. 



Nom. 
Akk. 

Gen. 
Dat. 



. 
hrdinjana } 



hrin 



Jirdinjamma 



Mask. 



Neutr. 



j! hrins 
Jirdinja 

hrinjai usw. 
Fern. 



J' }**** } Mjos * 



hrdinjaize M 



hrdtnjafm M F. 



Anmerkungen. 

1. Mit Sicherheit gchtirt ein Adjektiv hierher, wenn der Nom. 
Sg. Fern, belegt ist oder wcnn neben dem Nom. Sg. M N noch 
j-Kasus erscheinen. 

2. Der Nom. Sg. Fern, ist durch flg. Beispiele belegt- bruks 
T4,8 Skeir. 4,8, sels K13,4. Ganz unsicher ist Skeir. 4,12 inuh 
fis jdh skeirs wisandet mikilduf fraujins wulfaus kannida qifands. 
Bei dieser Satztrennung ist wisandei in ivisands zu andern und der 
Beleg fflr skeirsY ist zu streichen. Damit fallt auch der Beleg filr 
den einzigen Gen. eines i-ja-S\amms: xkeiris waurdis Skeir. 5,6 ; 
denn alsdann liegt kein Grund vor, skeirs fur etwas anders als 
einen a-Stamm zu halten, wie Jellinek HZ. Anz. 49,6 mit Recht 
hervorhebt. Diese Auffassung ist mir die wabrscheinlichste. Immer- 
bin mufi zugestanden werden, da6 inuh fis jah skeirs wisandei 
auch zum vorhergehenden Satz gezogen werden kann, wodurch 
wisandei den vorausgehenden fern. Partizipien anastodjandei 
fethandei aukandei tiuhandei gleichgestellt wird; alsdann bleibt 
nur die Interpretation van der Waals' Skeireins S. 8 ubrig: "und 
wird deshalb auch deutlich bleiben", vgl Jellinek HZ. Anz. 38,156. 



183. 184.] Adjektivdeklination. 127 

R7,8 frawaurhts was nawis bietet einen merkwurdigen Nom. 
Fern, auf -is. Dazu stellt sich der Norn. Mask, sutis 'ruing' 
T3,3AB [die interpolierte Glosse airknis ebd. B ist zu streichen; 
airkns* ist a-Stamm, vgl. T 1,9 AB 1 3,2 AB]. Setzt man mit Braune 
sutis an, so ergibt sich der Gegensatz bruks, sels : nawis sutis, d. li, 
i ware, der Theorie Hirts (IF. 1,21 Off.) entsprechend, nach langer 
Silbe geschwunden, nach kurzer erhalten. Nach suits setzt Brauno 
Literaturbl. 1908 Sp. 3:28 ansprechend un-nutis* f unnutz' an. Aber 
alja-kuns c fremd', R 11,24 A (Bfehlt; sa alja k unja L 17,18 Norn. PL 
aljakonjai E2,19) und gafaurs f K6c^ioc ge&ittet 5 T3,2 (Nom. PI. ga- 
faurjos T 3,11). 

3. Der Akk. Fern, ist durch sutja aid T2,2 und gamainja 
aglon Ph4,14 bezeugt. 

Beispiele. 

hrtiks 'brauchbar 5 , 7?rrf/ws f rem\ ana-ttngns* (analdugn NL8,17 
Me 4,22 K 4,5) c verborgen\ ga-mfiins f gemem\ anfla-nems c angenehm\ 
sets f gutig\ anda-sets* (andaset N L 10,15) f abscheulich', ana-siuns* 
e sichtbar 5 . 

Ohne genugende Belege werden mil Rucksic lit auf die ubrigen 
germ. Dialekle hierher gerechnet. aufs* r ode\ bletfs r gutig\ 
ga-dofs* (b) r passend 5 , MUHS 'niedrig 5 , un-q$fs* e unaussprechhch', 
skduns* r sch6n', un-and-soks* (imr nnandsok N Skeir. 6,13) f unbestreit- 
bar'. Einige andre Falle snul ganz unsichcr. 

II. ti-St&mme. 

184. Die alten w-Formen sind nur noch im Nom. 
Sg. M F und in der kurzern Form des Nom.-Akk. N 
erhalten. In den ubrigen Kasus soweit eie belegt 
sind herrscht die Flexion der j'a-Stamme. 

Mask. Neutr. Fern. 



Norn. 

Akk. 



hardus I .... , ,. . hardus 



> hardu, hardjata 



hardjana I Jiardja usw. 



Anmerkung. Der Nom. Sg. Fern, ist nur L 6,6 belegt: 
handus is so talhswo was paiirsus, vgl. Verf. PBB. 15,490. Jellinek 
PBB. 15,570 will auch tulgw t2,19: tulgus grunduwaddjus gft> 
stand-if habands sigljo fata fur einen Nom. Sg. Fern, erklaren, 
doch ist dies wegen der fig. habands M unwahrscheinlich. Dab 
fern. Geschlecht von -waddjtw ist nur fflr Nehemias gesichert, vgl. 
Jellinek PBB. 16,318 Fufinote. Im Akk. Sg. Fein, ist faursja 
L6,8 belegt. Vom Plural sind uns erhalten: Nom. M tulgjai, 
Akk. M unmanwjans, Dat. manwjaim N, hnasgjaim FN. 



128 



Formenlehre. 



[ 184-186. 



Beispiele. 

aglns* Me 10,24 (aglu N 'schwer)', aggwus* (aggwu N M 7,13.14) 
'eng*, hardus 'hart 5 , mantvus*beTeii\ qairrus (T3,3 A interpoliert, 12,24) 
'sanft', seifus* (seifu N M 27,57 J6,16) <spaf, tulgus *te<tf, plaqus 
(Me 13,28) c zart 5 , faursus f dfirr>, twalib-tvintrus (L 2,42) 'zwftHjahrig'. 

Von einein, dem griech. iroXOc entsprechenden got. *filus ist 
nur der adverbiell gehrauchte Nom. Akk. Sg. N filu e vieP und der 
alte nominale Gen. Sg. filau* c um vieles' erhalten. 

Zum Adv. glaggwuba (neben glaqgwaba) erschliefit man ge- 
wOhnlich ein Adj. *glaggwus, doch ist auch der Ansatz *glaggw8 m6g- 
lich, vgl. Bethge bei Dieter S. 594. 

Nur J-Kasus sind belegt von laus-handus* (sw. Akk. Sg. laus- 
handjan Me 12,3) e eme leere Hand habend'; lea&rus* (Nom. PI. F 
Icaurjos k 10,10) r schwer", vgl. ai. gurup gr. ftepOc. Ohne Ge- 
wahr pflegt man *hna#qits e weich 5 anzusetzen (Dat. PL hnasqjaim 
L7,25 Ml 1,8). 

B. Das schwache Adjektivum. 

185* Die Flexion entspricht in den drei Genera 
genau der von guma, hairto, qind, vgl. 155. 



Nom. 
Akk. 

Gen. 
Dat. 


Mask. Neutr. 

llinda \ ,,. ,_ 
... > bhndd 
bhndan 1 


Fern. 
bHndo 
blindon 

blindons 
blindon 


blindins 
llindin 


Nom. 
Akk. 

Gen. 
Dat. 


\ blindans \ llindona 


\ blindons 

blind ono 
blindom. 


bUndane 
blindam 



186* Stark und schwach flektieren: 1. Die Adjektiva: 



a) a-Stamme: blinds M 
blinda 



b) 



c) w-Stamme: 



niujis 
niuja 
hardus 
hardja 



blind(ata) N 

blindd 

niujata 

niujo 



blinda F 

blindd. 

niuja 

niujd. 



hardjata, hardu hardus 

hardjd hardjd. 



Anmerkungen. 

1. Wie bei den substantivischen yan-Stkmmen erscheint auch bei 
den adjektivischen im Gen. Dat. Sg. MN regelmSfiig ji, auch nach 



186. 187.] Adjektivdeklination. 129 

langer Tonsilbe. Wie sich dort aber das Ursprungliche in 
einigen Fallen erhalten hat, so vielleicht auch hier: E6,16B 
unseleins (: unseljim A) und R11,24A ivilfeis, das leicht auf 
*wilfeis "wilpeins zuruckgefiihrt werden kann. Eine Anderung in 
*iin8eljm8 **vilpjin8 ist nattirlich mOglich, doch nicht notwendig. 

2. &Ti6 ir^puci wild durch of (fram) falmin jera k8,10AB 
9,2AB tibersetzt: fairnin weist auf emen a-Stamm fairna- c vor- 
jahrig'; neben diescm steht ein ja-Stamm fatrnja- 'TtaXaidc'. Die 
Doppelheit der Form hat Bethge bei Dieter S, 595 erkannt, den Be- 
deutungsunterschied Braune Got. Gramm. 6 132 Anm, 1 hervorge- 
hoben. Ebenso, mit ausfiihrhcher BegrQndung, Schulze KZ. 4^,9i2ff. 

2. Die Partizipia Perf. der starken und schwachen Verba: 

a) numans M numan(ata) N nwnana F 
numana nwnano numanQ. 

b) nctsifs nasictata, nasif nasitfa 
nasida nasido nasido. 

3. Die Superlative auf -tst- und -os/-. 

187. Nur sehwach flektieren : 1. Die Pronomina silba e selbst' 
und sama f derselbe'. DieAdjektiva tbna f icoc gleich' [in der Be- 
deutung C irebiv6c eben' stark, vgl. L6,17]; dinaha 'einzig 5 ; walisa 
f auserwahlt' ; nlewjo [falrgum] r Ol[berg]'; unkeilo [agio] f Abid\iTTTOC 
[dbOvri? R 9,2 u. k. 

2. Die Ordinalia von 3 ab. Vgl.: 

frtdja M pricljo N fridjo F. 

3. Die Partizipia Pras. Das Femminum flektiert als ein- 
Stamm (nicht on-Stamm!). Ein Rest der starken Flexion ist im 
Nom. Sing. Mask, neben der schwachen Form erhalten. Vgl.: 

mmands (sLark) I M _ nimandd N _ nima ndei F. 
nimanda (sehwach) J 

4. Die Koinparative. Auch ihr Femininum flektiert als ein- 
Stamm. 

managisa M managiso N wanagizei F 
frodflza M frodozfi N frodozw F. 

5. Die Steigerungsf or men auf -wi. Auch hier flektiert 
das Femininum als ein- Stamm: 

fruma c prior^ frumo N frumei F. 
Anmerkung. Ein Dativ nach Art dei nominalen 
^-Stamme ist J 15,27 und 16,4 durch fram fruma dti 5 , ^H Apx^c 
belegt. 

6. Einige Bildungen zeigen stets schwache Flexion. Es sind dies 
die Komposita fullawita c vollkommen', unwita c unverstandig', 
iishdista c bedQrttig', andaneifa e feindhch% alafarba 'dQrftig', uswena 
'hoiftiungslos', un- usfalrina c tadellos', usfilma 'erschrocken', qifuhafto, 
inMfd schwanger', allawaurstwa e aus alien Kraften wirkend', w- 

Streltbcrg, Gotisches Elemental-buck 9 



130 Formenlehre. [187189. 

grudja e verdrossen 3 , unkarja c sorglos>, Uushandja 'mit leeren 
Handen 5 , ingardja -jo 'hausgenttssisch 5 , swultawatrfja f dem Tode 
nabe*. Es handelt sich hier fast durchweg um Jellineks 'sernantische 
Substantivierung* : w Aus einem Adj. wird ein Substantiv gebildet 
mil modifizierter Bedeutung. Die vom Adjektiv bervorgehobene 
Eigenschafl dient in dem abgeleiteten Wort zur Andeutung eines 
Komplexes von Eigenschaften. parba ist nicht jemand, der etwas 
braucht, sondern der standig m Not ist, iTTUJx6c/ Naheres bei 
Jellinek HZ. Anz. 50 S.7f., PBB, 34,581-84. 

C, Die Steigerung der Adjektiva. 

1. Komparativ. 

188. Der got. Komparativ wird durch die Suffixe 
izan- oder -ozan~ gebildet; jenes ist das allgemeinere 
Bildungsmittel, dieses tritt nur bei a-Stammen an. 

1. -izan~. 

1 a) bei a-StAmmen: managiza : manags 'mancher*, azetiza 
azets r leicbt 5 , faurftiza : faurfts C n6tig', fawiza : fawai PL e wenige 5 
juhiza : juggs c jung 5 (vgl. G5,2). 

b) bei ja- oder i -Sta mm en : alpiza : alpeis e alt', mttiza : sutis ^hig' 

c) bei w-Stammen : Hardiza : hardus *harl\ 

d") Unbelegt sind die Positive bei rafiza Heichter 5 , spediza* 
p spkter 5 , wulpriza c wertvoller'. 

Anmerkung. Von dem Adv erbium dir e vorher' wird dirizai 
"Vorfahren 5 gebildet. 

2. -dzan-. 

handugdza : handitgs 'gescbickt', garathtoza : garaihts f gerecht 5 , 
unswikunfoza : unswikunfti c unbekannt', swinpoza : swinps e stark 5 , 
usddudoza : usdduds c eifng 5 , frodjjza : frods 'verstandig', hlasoza : 
Mas 'frOhlich 5 , framaldroza : framaldrs f im Alter vorgeruckt'. 

Anmerkung. 

Das Femininum wird durch -ein- gebildet, vgl. die Belege 
speidizei, handugozei, unsmkunfdzet, frawaldrozei. , , 

v 

2. Superlativ. - 

v l . 

189. Entsprechend wird der Superlativ durch das 
Suffix -istq- oder -osta- (nur bei a-Stammeu) gebildet. Er 
flektiert wie ein gewohnliches Adjektiv stark und schwach. 
Da er meist vom Artikel begleitet ist, wiegt die schwache 
Flexion naturgeinafi vor. Die Feminina Bind o- bzw. On- 
Stamme. 



189191.] Adjektivdeklination. 131 



1. 

reikirts 'm&chtigster*, managists, hduhists, spldists, smalists 
Tdeinster' und sinista (ohne das Positivsuffix): sineigs e alt'. 
Anmerkung. undaraisto ' Td Kardbrepa 4,9 A ist wohl nur 
Schreibfehler fur undaristo. 

2* -dsta-. 

armosts : arms 'arm*, lasiwdsts : lasiws e schwach\ 

3. Anomalien. 

1. Suppletivbildungen. 

190. gd$s (d) 'gut' Komp. batiza Superl. batiste 

iusiza 

ubils f bOse 5 wairsiza 

miktts r grofi 3 mdiza mdists 

(F -) 
Zeefo'te e klein' minniza minniats. 

2. Steigerungsformen auf -wmaw twnan-. 

Die Steigerungsformen gehn von Adverbien aus, sie haben 
ausgesprochen komparativische Bedeutung, vgl. Gabelentz-Lflbe 
Grammatik 171f. a) auhuma ^hOber*: anfar anfarana munands sis 
auhuman ' dXXi^Xouc ^oOjLievoi Oirep^xovTac ^auTifiv Ph 2,3. in- 
numa e der innere 6 gcuu, ^cujOev' R 7,22 E3,16; k4,16. fruma 
^prior 5 , vgl. z. B. fruma gaf irpo^baiKev prior dedit R 11,35, vgl. 
J 15,18 ; sa fruma manna sa anfar manna K 15,47, Adam fruma 
gadigans warp, fafroh Aiwwa T 2,13; fruma ' irpdrepoc E 4,22 u. a. 

aftuma e der letzte' (von 2 Parteien Me 10,31); iftuma c der fol- 
gende, nachste' nur in der Formel iftumin daga ' 
M 27,62 J6,22 12,12 Me 11,12. hleiduma c lmks Apicrep6c\ 

Die Feminina dieser Bildungen sind ein-Stemme. 

3. Superlative auf -mista-. 

Von diesen Steigerungsformen mit dem m-Suffix kdnnen 
Superktive auf -ista- gebildet werden: frumists f erster', aftumists 
e letzter', auhumists oder auhmists (nur L3,2 4,29 19,47) C h6chster'. 
Von gleicher Bildung sind auch hindumists 'aufierster 5 und spedu- 
mists letzter'. 

Anhang. 

Die Bildung der Adverbia. 

1. Adyerbia der Art und Weise. 

A. Adverbia vom Positiv. 

1. Auf -ba. 

191. Das Suffix -ba tritt an den vokalisch auslautenden Stamm 
an. Vgl. z. B. balf&ba 'kilhn 5 (balfs), hduh&ba c hoch 9 (hduhs). 

9* 



132 Formenlehre. [ 191. 192. 

sunfcba *wahr' (sunjis). ana-Uuymba 'verborgen' (ana-Uugns). 
hardviba r hart' (hardus). 

2. Auf -o. 

Das Adverb lautet je nach dem Stamm auf -g bzw. ~jo -wo 
*us. Vgl. z. B. ga-leiko e ahnlich' (ga-leite). and-fai#jd e offen' 
neben andt^a), piubjo c heiralich', fridjo r zum 3. Mai'. - glaggwo 

u' (neben glaggwvba und glaggwaba L 15,8). 



B. Adverbia vom Komparativ. 

1. Auf -s. 

vtiins f geringcr\ wairs c schlimmer', mdis *mehr', fana-seips 
weiter\ 

Anmerkung. jaind-wairps r dorthin gerichtet' : iddjuh jaind- 
wairps ' pxeTCU ^Kei J 18,3 ist Adj. wie ana-tvairfs, and-wairfx, 

nicht Adv. 

2. Auf -w. 

rfw-is e frfiher\ n&ltris 'naher', h&uhis f h6her', kaldis e mehr, 
liel)er\ /ramw c weiter\ wohl auch *andis in andiz-uh ' f| T^P LI 6, 13, 
das man zu aisl. endr 'wiederum' stellt. 

Anmerkung. Keine Komparativbildungen sondern adverbielle 
Genitive sind and-wairfis \'egenuber\ fram-walrpis f iernerbin\ 
faw-pis 'fruher' entspncht dem ahd. fore des. Dunkel ist *kalis 
in KiHwiw f |a<iTc, kauui' L9/39; Holibausen IF. 14,340 halt es 
fur eineu adverbiellen Gen. wie alli8> raihtis, filaus\ jedoch fehlt 
eine befrieditiende Etymologic. 

3. Auf -tfs. 

sniuwundos 'eiliger' (vgl. das Positivadv. smiwnundd}, alja- 
leikos 'anders'. 

C. Adverbia vom Superlativ. 

nidist e ani meisten', frwmist *zuerst\ 

2. Adverbla des Orts. 
A. mrol 

1. Auf -. 

19J8. rieka c nahe', falrra f fertf; uta 'aufien 3 , inna c innen 3 
iupa c oben 5 , dalafa c unten'; fa&ra e vorn*, afta f binten\ 

2. Auf -r. 

har c wo?% far e da', jdinar c dort% aljar e anderswo\ he* 
5 , Vgl. auch die Prapositionen afar p nach\ hindar c hinter 
ufar e uber\ undar e unter', 



v 

1. Auf -fro. 

kafro Vober', fafro c daher', jdinfro e dorther s , aljaprc 
anderswoher 5 ; iupafro c von oben 5 , dalafro c von unten 5 ; 



192-194.] Das Zahlwort. 133 

au&en', innapro e von innen'; fairrafro e von fern', allafro 'von 
aUen Seiten'. 

2. Auf -aro. 

ufard e von oben, oben', undaro (nur als PrUp. belegt) Von 
unten, unten', aftaro e von hinten, hmten'. 

3. Auf -ana. 

fana- in pana-mais und fana-seifs Veiter, noch 5 , aftana 
e von hinten', hindana e von hinten, hinten'; utana e von aufien, aufien', 
innana c von innen. innen'; iupana e von oben'; der Form nach ge- 
hbrt auch samana 'zusammen' hierher. 

C. wohinJ 

1. Auf -p (rf). 

kap c wohin?', *pap (in fad-ei) 'dahin', jdind c dorthin', aljap 
e anderswohin' ; dalaf e hernieder' ; samap e nach einem und demselben 
Ort bin'. 

2. Auf -dre. 

hadre c wohinV, jdindre e dorthin' ; hidre c hierher'. 

3. Ohne Suffixe. 

ut e binaus\ inn 'hinein'; hip e aufw.'irts', nelo e in die Nahe' 
fa&r, fram 'vorwiirts'. 

3. Adyerbia der Xeit. 

193. Einfache Zeitadverbia sind: Joan 'warm?', pan f dann' 
suman c einst', nu c jetzt', ju e sclion', nauh r noch', ufta e oft', aftra 
c wieder\ simle r einst', dir f fnih', anaks 'plfttzlich', stuns e bald'. 

Im iibrigen werden die adverbiellen Zeitbestimmungen durch 
Kasusformen vou Nommibus ausgednickt. 



Siebzehntes Kapitel. 
Das Zahlwort. 



A. Kardinalia und Ordinalia. 
194. Belegt sind folgende Zahlworter: 
Kardinalia Ordinalia 

\Ains | fmm 'prior' 

\ frumtsts "primus 

2 twdi anpar 

3 preis* p r idja 

4 fdwor Dat. fidworim 



134 Formenlehre. [ 194. 

Kardinalia Ordinalia 

Zfimf j - 

6 saihs I . , .. saihsta 
> indekl. 

7 sibun I 

8 ahtau ] ahtuda* (IF. 18,125) 

9 ni-un Gen. niune (76 A. 2) niunda* 

10 tafhun taihunda* 

11 dinhf* Dat. dinlibim 

12 twalif G. twalibe D. -Wm. 

14 fidwdrtaihun 

15 fimftafhun* Dat. -*m fimfta-talhundin 

20 tori ^M* [D.(L 3,1) 

30 freis tigjm* 

32 .*. ,;fe aw^ar (Neh 5,14) * 

40 /^M>or %Jw* 

50 fimf tigjus* 

60 5<?^5 tigjux* 

70 sibuntehund 

80 ahtautehund 

84 ahtautehund jah fidwor 

90 niuntehund 

99 niuntehund jah niun G. niuntehundis jah niune (L 15,7) 
100 taihuntehund (-taihund) 
200 toa fewnrfa* Dat. /M?4tm hundam 
300 /rya ^ww^a Akk. 
500 /Swf /z-ww^a Akk v Dat. /; hundam 
900 m'ttn hunda 
1000 fusundi (F) 



| twds fufnndjds (Me 5, 13) 
3000 .^. fusundjos (Neh 7,40) 
4000 /zefwtfr fusundjos usw. 
10000 totftim fusundjds 
20000 fwa* ^jw* fusundjo. 



Anmerkungen. 
1. Flexion der KardinalzaMen. 

1. <iin* flektiert nur als starkes Adjektiv und bildet in der Bedeu- 
tung r allein' auch Pluralformen, vgl. z. B. us leika famma ainamma 
K 12,12; fat-am J 9,25; fai ainai C 4,11 fans ainans J 17,20. 



1 fidwor tiguns ainamma wanans k 11,24 ftir 39 1st Nach- 
bildung des griech. Tcccapdxovra irapd jitav. 



194.] 



Das Zahlwort. 



2. 
Nom. 
Akk. 

Gen. 
Dat. 


Mask. Neutr. 
twdi* \ 
twans } twa 


Fern. 
twa (Neh 7,19) \ 


twaddje 


twdim. 



twos 



Der Nom. Fern. Du. twa in twa pusundja (Neh 7, 19) wird in 
der Regel verkannt und als Nom. Neutr. Plur. angesehn. Vgl. Nr. 6. 

Ebenso flektiert bdi e beide 5 , wovon N., D. bdim, Akk. bans, 
Nom. Akk. N ba belegt sind. Daneben existiert eine sehon erwahnte 
Nefcenform mit konsonantischer Flexion (vgl. 161,2 c); Nom. ba- 
jdps, Dat. bajdpum. bai wie bajops sind Kollektivzahlen ; bajops ist 
durca Univerbierung aus PL *bajo ]>d entstanden. Hier kann *bajd 
entw*der ein Nom. PL Neutr. sein oder ein dem ai. ubhaya entspreehen- 
des Adverb, vgl. Brugmann Die distributiven und die kollektiven 
Numeialia (Leipzig 1907) S. 23 f. 

3. Mask. Neutr. Fern. 

Nom. 

Akk. frins prija prins 

Gen. prye 

Dat. prim. 

2. Die Zahlen von 410. 

Die Zahlen von 58 sind stets undekliniert; ebenso das Simplex 
tafhun, vfchrend von fimftalhtm* der Dativ fimftaihunim Jll,18 
belegt ist. Ebenso wie 15 kOnnen die Zahlen 4, 9, 11, 12 als i- 
Stamme fhktieren. Es ist dies namentlich der Fall, wenn sie nach- 
stehn odei substantivisch fungieren : fram fidworim Me 2,5 : fidwSr 
dagans J 11,17 u. a. niuntehundis jah niune garaihtaize LI 5, 7; 
pai niun LI 7,1 7; }aim ainlibim K 15,5; swe wintriwe ttvalibe L 8,42 
-und mip fkim twalibim Me 4, 10 11,1: pdim twalif sfponjam. 

In Ktmpositis erscheint statt fidwor die Form fidur- t vgl. 
/f^wr-rfo^* e iertagig 5 , fidur-falps e vierfach', fidur-ragini N e Tetrarchie\ 

8. Die Zahlen Ton 2060 

werden dui?h Zusammenstellung der Emer mit dem Plural eines 
nach der wDeklination gehenden Substantivs *tigus 'Dekade' ge- 
bildet. Bel^ t sind Akk. tiguns, Gen. tigiwe, Dat. tigum. 

4. Die Zahlen von 70100 
sind indekliiabel; doch erscheint L 15,7 der Gen. niuntehundis. 

6. Die Zahlen von 100-1000. 

Das Phrale tantum hunda ist ein starkes und flektiert normal. 

Interesant ist, wie der got. Text das dekadische Hundert 

(10x10) ggenttber dem Grofihundert (10x12) ausdnickt. Vgl. 



136 Formenlehre. [ 194. 195. 

K 15,6 ircvTCKodoic &bcX<poic' fimfhundam taihuntewjam. Nach 
A. Holtzmann Germania 2,424 f. und J. Schmidt Die Urheimat der 
Indogermanen und das europaische Zahlsystem (Berlin 1890) S. 28 ff. 
1st taihuntewjam der schwache Dat. PL eines Adjektivums, dessen 
Nom. Sing. *taihunteweis (wie wilfeis) lauten mttfite, das von tlwa 
F e TdTM Ordnung' abgeleitet ist. Seme Bedeutung ware etwa f zehn- 
reihig". Durch diesen Zusatz, der naturlich nicht von Wulfila selbst, 
sondern von einem spatern Glossator herrQhrt, wird hundam ate 
Dezimalhundert, im Gegensatz zum GroJ&hundert, be- 
stimmt; fimf hundam bedeutet dadurch also 5x100, nicht 5x120. 
Dafi taihuntewjam nachMgliche Glosse ist, beweist die Tatsache, dafa 
hunda allein an 5 Stellen anstandslos = gr. -KOCIOI gebraucht wrd. 

6. Die Zafcl 1000. 

fusundC ist femininer jo-Stamm. Fulschlich hat man ir twa 
fusundja Neh 7,19 einen Nom. PI. Neutr. sehn wollen und diesen 
Genuswechsel dadurch erklart, dafi man Emwirkung des Geschbchtes 
von hunda annahm. Auch ae. dusenrf N hat man zu Hilfe gerufen. 
Aber zwischen dem neutralen Genus aufsergotischer Formm und 
got. fusundja Neh 7,19 kann kein historischer Zusammenhang be- 
st ehn. Zweitens fragt man sich vergebhch, warurn das G&ius von 
hunda nicht auch auf .g. fumndjos Neh 7,38 eingewirkt hibe; hier 
ware diese Beeinflussung ebenso naheliegend, da auch hiu* hunda 
im vorausgehenden und fig. Vers zu finden ist. Die nditige Er- 
kiarung hat schon Mahlow Lange Vokale S. 98 gegeben ; sr hat in 
twa fusundja einen Nom. Dualis Fern, erkannt, der genm zu abg. 
tve tysqsti stimmt. Die alte Dualform der Zweizahl hat die Dual- 
form des flg. Nomens veranla&t. Sonst ist der ursprun^iche Dual 
Fern, durch den jUngern Plural verdrangt, vgl.twosjkututulpft Me 5,1 3; 
twos malandeins L 17,35 twos triygwos G4,24. Vgl. J. Shmidt KZ. 
26,43; Bethge bei Dieter S. 542; Van Helten IF. 18,89, Streitberg 
IF. 18,421 f.; L6we Jahresbericht f. germ. Phil. 1906 S.46 f. 

7. Die Ordinalzahlen 

flektieren mit Ausnahme des nur stark auftreteiden anfar 
( 180,2) samtlich als schwache Adjektiva, und zwar 
bildet fruma das Feni. frumel. Dagegen fridjo, saihsfi. 

B. Andere Zahlarten. 
1. DistribntiTa. 

195. Distributive Zahlangaben werden durch Ivaruh karjizuh 
gegeben oder durch die Praposition bi umschrieben. ^gl. dugann 
his insandjan twans hanzuh Me 6,7; insandida ins twns Icanzuh 
L10,l. ana karjanoh fimf tiguns L 9,14. bi twa\s K 14,27. 

Anmerkung. Gew6hnlich wird auch ^^na^'als Distribu- 
tivuni bezeichnet und durch f je zwei' Ubersetzt Das ist aber nur 



195198.1 Das starke Verbum. 137 

bedingt richtig. Wie Brugmann Die distributive!! und die kollektiven 
Numeralia gezeigt hat, ist es von Haus aus kollektives Zahlwort und 
diese Bedeutung tritt Me 7, 31 klar hervor: mif tweihnaim markom' 
dvd jmdcov Ttliv 6p(ujv entspricht genau Ga^dmons be seem tweonum 
c zwischen den Meeren' und heifct nichts anders als e zwischen beiden 
Grenzen', vgl. inter binos fines (S. 35. 43). Dagegen ist fur den 
zweiten Beleg L9 ; 3 im Widerspruch zu Brugmanns Auffassung 
(S. 54f.) distributive Bedeutung anzusetzen: ni waiht nimaif in 
wig ; nth waluns nih mattbalg nih hlaib nfh skattans nih fan tweih- 
nos paidos haban ' |mrjbv atpT eic rr\v 6b6v, (uir|T fxiftoouc .... 
|nr|T dvd btio x^^vac tyeiv. Den distributiven Charakter enveist 
nicht nur das dvd biio der Vorlage, sondern auch der Gegensatz 
von L3,ll: sa habands twos paidos gibai pamma unhabandin' 
6 lx wv o^ X lTl & vac MTab6TU) TUJ ^\ ^XVTI. Das kollektive tweihnai 
zeigt hier dieselbe distributive Nebenbedeutung wie das kollektive 
lat. bini. 

2. Multiplikatiya. 

196* Sie werden niit dem Adjektiv -falfs gebildet: dinfalfs 
c einfach', fidurfalfs 'vierfaltiij', taihuntaihundfalfs r hundertfaltig', 
managfalfs e vielfaltig\ 

B. Iterativa. 

197. Auf die Frage: e wievielmal? 5 stcht der Dai. Sing. bzw. 
Plur. derKardinalzahl, verbunden mit dem entsprechenden Kasus 
von sinfs 'Gang 5 . Vgl. ainamma sittfa r einmal% twann sinfam 
e zweimal',/Hmstn^am 'dreimaT, /wwf s. 'funfmaP, sibnn s. f siel)enmar. 

Die Ordinalzahl steht in anfaramma sinfa c zum zweiten MaP. 
*twis f zweimaP ist nur in der Komposition erhalten: twis-standan 
e sich trennen 5 k 2,13, twis-stasx F 'Zwiespalt' G5,20. Auch das Neu- 
trum der Ordmalia ftndet sich: pata frnmo c zum ersten MaP G4,13 
(im Gegensatz zum zweiten Mai); fridjo f zuin dntten MaP kli2,14. 



Zweiter Abschnitt: Konjngation. 

Achtzehntes Kapitel. 
Vorbemerkungen. Das starke Verbum. 

Vorbemerkungen. 
1. Der Formenbestand des got. Yerbums. 

A. Verbum finitum. 

198. 1. GENERA VERBT: a)Aktiv. b) Medio- 
paeeiv, d. h. eine Formkategorie, die ihrer Bildung nach 



138 Formenlehre. [ 198200. 

dem idg. Medium entspricht, ihrer Bedeutung nach Passiv 
ist. Das Mediopassiv existiert nur im Prasens. UG. 212. 
Anmerkung. In einigen Fallen 1st das griech. Medium irr- 
tiimlich durch Formen des Mediopassivs iibertragen : Y vdbcovTai * uf- 
kunnanda J 13,35; KcmpYdEeTai * ivaurkjada k4,17B; KarepTciSeTai 
ustiuhadaklilOAB. Vgl. Braune Literaturbl. 1908 Sp. 327; Bemhardt 
Krit. Untersuchungen tiber die got. Bibelflbersetzung 2 (1868) S. 22f. 

2. TEMPORA: a) Prasens, UG.l99ff. b) Prii- 
teritum. Es entspricht bei den starken Verben dem 
idg, Perfekt, UG. 214217; bei den schwachen 
Verben und den Prateritoprasentien ist es durch german. 
Neubildung entstanden, vgl. UG. 218220. 

3. MODI: a) Indikativ. - b) Optativ, UG.221. 
Beide werden sowohl vom Prasens als auch vom Priiteritum 
gebildet. c) Imperativ. Nur im Prasens. UG. 223. 

d) Einen Konjunktiv glaubt man bei den sohwachen 
Verben auf -o-, sowie in der Form ogs zu finden. UG.222. 

4. NUMERI: AuCer dem Singular und dem Plural 
existiert beim ganzen Verbum auch ein Dual, dem je- 
doch die 3. Person abgeht. 

B. Verbum infiuitam. 

199. Es besteht aus a) einem InfinitivPras.Akt. 

b) einem Partizip Pras. Akt. c) einem Partizip 
Perf. (Pass.). - UG. 198. 

2. Die Klassen der got. Verba. 

200. Vom Standpunkt der germ, Grammatik aus 
zerfallen die got. Verba in drei groflere Klassen : 

A. Die starken Verba, 

d. h. solche, deren Prateritum dem idg. Perfekt ent- 
spricht. Man unterscheidet drei Kategorien: 

1. DIE ABLAUTENDEN VERBA, die das Perf. vom 
Pras. nur durch den Ablaut (8 Iff.) scheiden, ohne Re- 
duplikation anzuwenden. Vgl. Pras. greipa 'greife': Perf. 
grdip. UG. 214. Man zahlt im Got. sechs ver- 
schiedne Klassen ablautender Verben, die den sechs 
Ablautsreihen entsprechen. 



200.201.] Das starke Verbum. 139 

2. DIE REDUPLiziERENDENVERBA,diedasPerf.nur 
(lurch die Reduplikation charakterisieren, ohne Ablaut zu 
kennen. Vgl Pras. hdita 'nenne 3 : Perf. haihait. UG. 215. 

3. DlE REDUPLIZIEREND-ABLAUTENDEN VERBA, 

die im Perf. sowohl Reduplikation als auch Ablaut zeigen 
(siebente Ablautsreihe). Vgl. Pras. -reda c rate 5 : Perf. -rairof. 
UG. 215. 

B. Die schwachen Verba, 

d. h. solche, die ihr Priiteritum durch die Anfiigung einer 
Prateritalform des Verbums e tun 5 (l.S.Sg. -da, 2. -d&usw.) 
an den Verbalstamm bilden (Dentalprateritum). Diese 
Prateritalform ist eine spezifisch germaniscbe Bildung. 
UG. 220. Je nach dem Stammauslaut unterscheidet 
man folgende Klassen schwacher Verba: 

1. nasi-da von nasjan c retten\ 

2. salbo-da von salbdn c salben\ 

3. hdbai-da von haban e haben\ 

4. fullno-da von fullnan c voll werden'. 
G. Die sog. unregelmfifiiffen Verba. 

Man faCt unter diesem Namen alle altertiimlichen 
isolierten Bildungen zueammen, die nicht in eine der 
beiden grofien lebendigen Kategorien der starken und 
schwach en Verba passen wollen. Hierher geboren: 1. DIE 
VERBA PRATERITO-PRASENTIA. Es sind idg. Perfekta 
mit prasentischer Bedeutung. Sie bilden ein neues Dental- 
prateritum. UG. 2201,2. 2. DIE RESTE DER 

ATHEMATISCHEN ODER Wl-KoNJUG ATIONI a) das Vei- 

bum substantivum im f ich bin 3 . b) der athematische 
Optativ wiljau e ich will 5 . 3. VARIA: Verschiedne Verba 
mit kleinern Abweichungen in einzelnen Formen. 

Das starke Verbum. 
A. Die Flexion der starken Verba. 
9O1. Die Flexion im Prasens wie im Prateritum 
ist fiir ablautende, reduplizierende und ablautend-redu- 
plizierende Verba vollkommen dieselbe. Als Paradigma 
fiir alle geniigt daher ninia c ich nehme*. 



140 



Formenlehre. 



A. Pr2sens. 
1. Aktir. 





Indikativ. 


Optativ. 


Imperativ. 


Sing. 1. 


nima 


nimau 





2. 


nimis 


nimais 


nim 


3. 


nimif 


nimai 


nimadau 


Du. 1. 


nimos 


nimaiwa 





2. 


nimats 


nimaits 


nimats 


Plur. 1. 


nimam 


nimaima 


nimam 


2. 
3. 


nimif 
nimand 


nimai]) 
nimaina 


nimif 
[nimandau]. 



Sing. 1. 
2. 
3. 


2. 1 

nimada 
nimaza 
nimada 


lediopassiv. 

ninuiidau 
nimaizan 
nimaidau 


Plur. 1. 
2. 
3. 


j nimanda 


| nimaindau. 


B. Pcrfekt. 


Sing. 1. 
2. 
3. 


nam 
namt 
nam 


nemjau 
nemeis 
nemi 


Du. 1. 

2. 


[nemu] 
nemuts 


[nemeits] 


Plur. 1. 
2. 
3. 


nemuni 
nemuf 
nemun 


nemeima 
nemeif 
nemeina. 



C. Terbum infinitnm. 

Inf. Pras. niman. Part. Pras. nimands. Part. Perf. numans. 



I. Dualformen. 

Sie sind ziemlich seltcn belegt; das griech. Original kennt 
uberhaupt keine Dualform. 1. Du. Ind. Pras. bidjos Me 10,35; 



201.] Das starke Verbum. 141 

galeifos J 14,23. 2. Du. Ind. Pras. andbindats L 19,33; drigg- 
kats Me 10,39; bi-gitats L 19,30 Me 11,2; bidjats Me 10,38. 

1. Du. Opt. Pras. sitaiwa Me 10,37. 2. Du. Opt. Pras. 
qipaits L 19,31 Me 11,3 14,14. 

2. Du. Imperat. Pras. <ja-teihats L7,22; at-tiuhats Me 11,2; 
saikats M9,30; ^a^afs Me 11,2 14,13. 

1. Du. Ind. Perf. magu Me 10,39. 

2. Du. Ind. Perf. ga-selvuts L 7,22. VgL auch die Praterito- 
prasentia wituts, maguts Me 10,38. 

1. 2. Du. Opt. Perf. 1st unbelegt; doch vergleiolio die ebenso 
gebildete 2. Du. Pras. wileits Me 10,36 von wiljau 'will'. Die 1. Du. 
Perf. setzt man als *nemeiwa an. 

II. Die 3. Sins. Imperat. 

ist bei den st. Verben nur durch at-steigaflau M 27,42, Me 15,32 
belegt; die 3. Plur. Imp. wird nach dem schwachen Verbum dritter 
Klasse liugandau angesetzt. 

III. Mediopassiy. 

1. Sg. Ind. fra-qimada k 12,15; wrtJcada G 5,11. 2. Sg, 
Ind. Mitaza L 1,7(5; us-mditaza R11,!2 J 2. 3. Sg. Ind. ist hdufig, 
1. PJ. Ind. freihanda kl,(i; fra-wilwanda Th4,17; at-gibanda 
k4,ll; bif-fan-gitanda K 15,15. 2. PI. Ind. freihanda kG,12; 
tmhanda G5,18; fra-letanda L6,37. 3. PL Ind. ist hfiuiig. 

1. Sg. Opt. fra-gibaidau Phil 22; bi-gitaidau k 12,20 u. 6.; 
ana-qipaidau K 10,30; hdttaidau L 15,19 u. G. 2. Sg. Opt. ga- 
sailvaizau M 6,18; hdlta^zau L 14,10: frdisaizau G 6,1. 3. Sg. Opt. 
ist haufig. 1. PI. Opt. Iri-gitaindan k 5,3. 2. PL Opt. fra-^- 
maindau G5,15. 3. PL Opt. ist bautig. 

IV. Die 2. Sing. Ind. Perf. 

ist nur von folgenden starken Verben belegt: 1. saisdst L 19,21: 
sai'cw; die einzige Form eines vokahsch auslautenden Stammes. 
2. skalt (Prat.-Pras.) LI 6,5.7. 3. namt K4,7 u. Kompp.: niman; 
qamt M 8,29 u. 0., auch Komp.: qiman. 4. kant, Jcannt (Prat.-Pras.) 
Me 10,19 u. 6.; auch Komp. ur-rant J 16,30: rinnan. 5. farft 
(Prat.-Pras.) J 16,30; gaft J 17,22 u. o., auch Komp.: giban-, and-hoft 
L 10,28: and-hafjan. 6. af-falht L 10,21: af-filhan. 7. salvt 
J8,59: mihan. 8. magt (Prat.-Pras.) M5,36 u. 6. 9. ana-laust 
L 14,22: ana-biudan\ ga-stost R 11,20: standan. waist (Prat-Pras.) 
J 19,10; tl,15: witan\ bi-gast L 1,30; bigitan; and-haihdist T6,12: 
hditan. bi-ldistTA 27,46: bi-leifan-, uf-sndist L 15,30: uf-sneifan*, 
warst J9,34 R 11,17.24: wairfan\ gas? L 20,39 Me 12,32: qifan. 
- 10. wast L 19,17: wisan. Vgl. 12730. 



142 Formenlehre. [ 201203. 

Anmerkung. 

Es ist zn beachten, dafi nach 110 in der 1. 3. Sing. Perf. 
auslautendes ft (geschrieben b) und d (geschrieben d) zu f und / 
werden mflssen. Vgl. giba c gebe': gaf, biuda e biete': bduf. ftber 
die Erhaltung der stimmhaften Spirans vgl. 25.116. 

B. Die Stammbildung der starken Verba. 
1. Die ablautenden Terba. 

202. Die ablautenden Verba verteilen sich auf die 
sechs ersten Ablautsreihen (83). Man unterscheidet vier 
Ablautsstufen: 1. Prasens. 2. Perfekt Sing. Ind. 

3. Perfekt Du. Plur. Ind.; Optativ (Sing. Du. Plur.). 

4. Part. Perf. 

Um die Flexion eines ablautenden Verbums genau 
zu kennen, muC man also folgende vier Formen wiseen: 
1. Sing. Pros. Ind. (oder Infinitiv). 1. Sing. Perf. Ind. 

1. Plur. Perf. Ind. Part. Perf. 

Erste Elasse. 

203. steiga stdig stigum stigans. 
teiha -tdih -taihum -talhans. 

greipan e greifen\ weipan e bekranzen 5 t2,5, dreiban e treiben 5 , 
bi-leiban c bleiben', sweiban 'aufhbren'. beitan 'beifien', dis-skreitan 
e zerreifien' Me 14,63, -smeitan 'schmeifien, schmieren\ -wettan 
(in~weitan f anbeten', fra-weitan r strafen 5 ). beidan e warten 9 , -leifan 
c gehn 5 , sneipan e schneiden 5 , ur-reisan e aufstehn', skeinan e scheinen'. 

steigan c steigen', ga-teihan 'anzeigen', feihan gedeibn 5 , preihan 
'drangen', weihan e kampfen'. leitoan e leihn'. hneiwan e sich 
neigen 3 L9,12, vgl. ana-hn. Me 1,7 Skeir. 3,25. speiwan (spewands 
Me 7,33) e speien'. 

Unregelmafiig ist digan e kneten 5 belegt durch Part. Pras. 
famma digandin R9,20, Part. Perf. digana e Tongefafie'. and- 
waihan Viderstreiten 5 , belegt durch Part. Pras. N andwaihando 
R 7,23 Perf. andwdih R 9,13 A, Randgl. zu fijaida. NatQrlich kann 
ein Schreibfehler vorliegen; aber die in eine andere Ablautsreihe 
ubergetretenen Verba ahd. ubar-wehan e flberwinden ? , aisl. vega 
'schlagen' sprechen fflr ein urspr. Paradigma andwafha* - andwdih. 

keinan, us-keinan e keimen 5 , Part. Perf. N us-Hjanata L 8,6. Dazu 
ein schwaches Prat, us-keinoda L 8,8 neugebildet 

Unsicher belegt ist ndiw Me 6,19, wozu man ein Pras. *neiwan 
'nachstellen' ansetzt. 



204206.] Das starke Verbum. 143 

Zweite masse. 

204. -biuda -bduf -budum -bttdans. 
tiuha tduh tauhum tauhans. 

dis-hniupan c zerreiJBen' L8,29, sliupan e schlupfen a , af-skiuban 
'verstofien 5 , hiufan 'klagen'. - gfatan e gie&en', niutan r geniefien', 
us-priutan 'belSsligen' M 5,44 L 18,5 Me 14,6, -biudan e bieten\ 
liudan Svachsen 3 Me 4,27, driusan r iallen 5 , kiusan 'wahlen', fra-liusan 
e verlieren s , kriustan r knirschen' Me 9,18. siukan c siechen' (nur im 
Pras. belegt; das gleiche gilt von) driugan r Kriegsdienste tun' T 1,18, 
biugan e biegen 9 , liugan 'liigen 5 (nur m Prasensformen belegt), tiuhan 
e ziehn', fliuhan c fliehn'. 

Unregelmafiig 1st der Wurzelvokal des Prasens ga-lukan 
e verschlielien', us-lukan e erschliefien, (iffnen 5 . In bliggwan e schlagen 5 
us-blaggw us-bluggwum us-Uuggwam 1st ggw nach S)0 
aus zwischenvokalischem u entstanden. 

Britte Klasse. 

1. Abteilung. 

205. binda band bundum bundans. 

ana-trimpan c hinzutreteir. bindan e binden', fra-slindan c yer- 
schlingcn 3 k 5,2, -window 'winden 5 , finfan e h'nden 5 , -hinfan e fangen', 
at-pinxan f herziehn 5 J 6,44 12,32, brinnan c brenneri', du-ginnan e be 
ginnen', af-linnan Tortgehn' L 9,39, rinnan r laufen\ spinnan 'spinnen 5 
M 6,28, winnan c lciden'. drigkan e trinkcu', sigqan r sinken', stigqan 
e stofien 5 , siggwan c smgen\ 

Dem Prksens nach gehOrt briggan 'bringen' hierher, doch 
vgl. 228,1. 

Unsicher ist *us~stiggan e ausstechen", das aus uxstagg M5,29 
gebessert ist, vgl. v. Grienberger S. 233, Uhlenbeck PBB. 27,134. 

2. Abteilung. 

206. filha falh fulhum fulhans. 
wairpa warp waurpum waurpans. 

Mpan e helfen 5 , swiltan 'sterben 5 , fra-, usgildan 'vergelten', 
filhan 'verbergen', wilwan e rauben 5 . 

wairpan e werfen', kairban e wandeln' th3,6.11 ; bi-h. L8,45, 
af-, bi-swairban e abwischen'. wairpan r werden', -galrdan r gurten', 
ga-fairsan c verdorren\ bairgan e bergen'. 

Nach Analogic der andern Dialekte rechnet man hierher priskan 
'dreschen' K9,9 T5,18 und ga-iwisqan Trucht bringen 5 L8,14. 

Rll,24 liest Braun intrusgans warsf ^vexevrpkenc ; daneben 
die jungere Bildung intrusgips V. 17 und die 1. Sg. Medio-Passivi 
into-usgjaidau V. 19. Man darf daher ein starkes>Verbum intrusgjan 
e einpfropfen 5 ansetzen, das zur schwachen Flexion Ubergeht. 



144 Formenlehre. [ 206209. 

Anmerkung. R12,19A steht anscheinend fragildja (Braun); 
Car hat fragilda. 

Vierte Klasse. 

207. nima nam nemum numans. 
baira bar berum baurans. 

niman r nehmeif, qiman c kommen', ga-timan e geziemen' L5,36. 

stilan 'stehlen' M6,20 J 10,10; bat ran c tragen', dis-, ga-tairan 
'zerrei&en 5 . 

brikan r brechen' hat brak ga-brukans\ Perf. PI. fchlt. 

Uniegelrnafiigen Prasensvokal h&ttnidan Hreteu', vgl. aisl. 
troda (4.Reihe), L6,44 10,19; Part, ga-trudam L8,5. Denselben 
Prasensvokal hat wulan 'sieden'; belegt 3. Sg. wtdif (swe gund wulif' 
ibc fciTTP alva vojbif]v Sei) t2,17 und Part. Pras. wulandans ' Z^ovrec 
R 12,11. wulan : stilan = trudan : brikan. 

Ftinfte Klasse. 

208. giba gaf gebum gibans. 

saliva solo selvum sailvans. . 

hlifan f stehlen\ giban 'gehen 5 . sniwan f eilen' (Perf. Sg. 
-sndu Me 14,8 R9,31, sndn-h Th2,lG; Perf. PL ga-sneivun Ph 3,l(i 
und dw-at-sniunm Me 0,53, das nach 22 zu erklaren 1st), diwan 
e sterben 5 (nur Part. Perf. diwand K15 ; 53f. k5,4) fitan c dbbiveiv 
gebaren^ G 4,19.27, bi-gitan 'finden', itan f essen', mitan f messen", 
sitan f sitzen', -widan "binden 5 , nifan r cu\Xa|j$dvee6ai, helfen' Ph4,3 AB, 
qifan e sagen 3 , Usan c lesen, sammeln', ga-nisan f genesen', wisan c sein, 
bleiben\ wrikan 'verfolgen' (Part. Perf. ivrikanai k4,9), ligan 
'liegen', gct-wigan 'bewegen' (nur ga-wigana LG,38), safloan e sehn 3 . 

Unregelmafiige Prasentien haben: bidjan c bitten\ von 
dem jedoch auch das durch Sybtemzwang entstandene regelmafiige 
Pras. us-bida R9,3, Inf. bidan K 7,5 belegt sind; sonst regelmaMg 
bap bed urn *bidans. fraihnan Tragen" 1 frah frehum 

fraihantf. 

Von fra-itan f verzehren" 1st das unregelmafiige Perf. Sg. 
fret L 15,30 belegt. Danach hat man fur itan als Perf. Sg. *# 
anzusetzen, vgl. ahd. fraz, az. 

Unsicher ist die Zugehorigkeit zu dieser Klasse bei rikan c an- 
haufen 5 R 12,20. 

Anmerkung. Von wisan, ligan, sitan existieren keine Parti - 
zipia Perf., da das Gotische vor intransitiven Verben mit durativer 
Bedeutung keine solchen For men kennt Martin HZ. Anz. 32,286. 

Seohste Klasse. 

J}O9. fara for forum farans. 
gardaban r widerfahren, ziemen', ga-draban c aushauen\ graban 
'graben', skaban f bchaben 5 . - af-hlafan f beladen'. sakan c streiten% 



-211.] Das starke Verbum. 145 

wakan f wachen'. ga-flragan f zusainmentragen' 14,3 A (dragan B 
ist sinnwidrig), slahan 'schlagen', firahan r waschen'. alan (aland s* 
vTpq>6|Ltvoc r sich nahrend' T4,G); malan. 'mahlen' LI 7,35, faran 
*fahren\ sivaran f schw5ren\ uz-anan 'ausbaucben (das Leben) 1 
Me 15,37.39. 

trakH, ga-dragan, alan, malan, faran sind nur in Prasens- 
formen belegt. 

Nach un-agandti K 16,10 B (: unagans A), un-agantfans Ph 1,14B 
setzt man zu dem Prateritoprasens Og c furchte mich' ein Prs. agan 
*furchten' an. 

UnregelmafiigePrasentien (mit ^'-Suffix) bilden : ga-skapjan 
*erscliaflen', liafjan 'heben'; frafjan e verstehn 5 , aJcafjan c schaden 5 , 
wahsjan r wachsen 5 , hlahjan f lachen\ vielleicht auch *ga-rapjan 
''zahlen 1 , das aus Part. Perf. ga-rafana M 10,30 mit Rficksicht auf 
rafjo F erschlossen wird, vgl. hafja liof hoftim hafans. 

Ein unregelmafiigcs Prasens mit w-Infix bildet standan 
*stehn 5 stop stofum. Das Part. Perf. existiert nicht, vgl. 
Martin HZ. Anz. 32,286. 

2. Die redupli/ierenden Verba. 
A. Die Reduplication. 

210. Der Reduplikationsvokal ist K (geschrieben ai). 
Dies x (ai) erscheint vor alien Lauten, nicht bloC vor r 
h lo, vgl. 50; z. B. hafMit von hditan c nennen\ fat/ah 
von fahan f fangen 5 , maimdit von mditan c schneiden\ 

Bei Doppelkonsonanz iin Auslaut wird nur der erste 
Konsonant wiederholt, vgl. fa/ifrais von frdisan c versuchen'; 
doch werden die s-Verbindungen (sp) st sk nicht getrennt, 
vgl. ga-staistald von ga-staldan r erwerben\ skafakdif von 
skdidan f scheiden"; ebeuso erscheint k im Anlaut der 
Reduplikationssilbe : hailvop von luopan f sich riihmen 9 . 

Bei vokalischem Wortanlaut erscheint blofi ai, vgl. 
ai&uk von dukan ^ehren'. 

Das Partizipium Perl wird ohne Reduplikation 
gebildet. Demnach lautet das Paradigma: hdita haihdit 
liailiditum Tiaitwis. 

B. Die Klassen der reduplizierenden Verba. 

211. Belegte Perfekta und Partizipia Perf. sind in 
Klammern beigefiigt; sonst muC das Zeugnis der iibrigen 
agerm. Dialekte oder die Gestaltung der Wurzelsilbe die 
Einordnung rechtfertigen. 

Strcitbercr, Gotisches Elementarbuch. 10 



146 Fonnenlehre. [ 21 1. 

1. Klasse. 

Milan f nennen* (haihdit), mditan 'schneiden 5 (malmait), skdt- 
dan 'scheiden 5 (skaiskdip), frdisan e versuchen 5 (faifrdis). Idikan 
'springen 5 (laildik), af-dikan 'absagen' (af-aidik), vgl. K6gel PBB. 
12 f., ga-pldihan <liebkosen\ 



2. Klasse. 

us-hldupan 'hervorlaufen', stdutan 'stofaen'', dukan 'inehren* 
(aiduk). 

3. Klasse. 

saltan (un-saltan Me 9,50) 'sateen* 1 , haldan e halten' (Iwldana 
M8,30 u. 0.), ga-staldan c erwerben" (ga-staistald), icaldan f walten' r 
Wi-alfan (ns-alpanaizo T 4,7 AB) c alt werden 5 , falpan* e falten' (fal~ 
falp). fahan e fangen' (faifdh), hahan e hangen 5 (wJiathah) 1 , 
blandan e verrnischen 5 , ana-praggan (ana-pragganai k 7,5 AB) e be- 
drangen 5 . 

gaggan f gehn' (Part. Perf. us-gaggans Me 7,30) bildet gaggida 
L 19,12. Sonst wird das Perfekt durch iddja r ging 5 erseUt. 

Ein reduplizierendes Verb mit y-Prasens isi arjan r pflflgen% 
nur durch arjandan L 17,7 belegt, vgl. ahd. erien (redupl.). 

4. Klasse. 

sUpan e scblafen' (saislep M 8,24, ana-salslep L 8,23, ana- 
salstepun Th4,14 gegenubcr ga-saizlep J 11,11, ga-saizlepun K 15,6> 
vgl. UG. S. 328). uf-blcsan (uf-blesans K4,6 G2,18) e aufbiasen\ 

5. Klasse. 

kdpan c sich ruhmen' (haihop), fldkan* "beklagen"* (falflfjk), bio- 
tan f verehren\ Unsicher ist, ob man zum Perl 1 , lailoun J 9,28 
ein Prasens *lauan (nach 70, Bremer PBB. 11,56) oder *1aian (nach 
68) anzusetzen babe. Im letzten Fall ware das Verbum zur fig. 
I0asse(^12) zu stellen. 2 

~Twnan c wobnen 5 hat ein starkes PrSsens, bildet aber statt des 
urspriinglich reduplizierenden Perf. ein schwaches Prat, bouaida 
tl,5. Von bnauan 'zerreiben' ist nur bnauandans L6,l belegt; aisl. 
(g)n&a, ahd. nuan weisen es der redupl. Flexion zu. Nach der 
dntten schwachen Konjugation geht trauan Hrauen 5 , das wohl ur- 
spriinglich hierher gehOrte. 



1 Von kalian Tiangen 5 ist das schwache Praleritum hahaida 
L 19,48 belegt. 

2 *lauan hat an abg. Injq, lat. latrare eine StQtze, *laian an 
air. Hid e legt zur Last' (Thurneysen Handbuch des Altirischen 543). 
Verfehlt ist Feists Herleitung von *Uia aus idg. *h{d (PBB. 32,569); 
dies hatte got. *laja oder mit ./-Verscharfung *laddja ergeben. 



212. 213.] 



Das schwacbe Verbum, 



147 



8. Die reduplizierend-ablautenden Yerba. 
212. Einige reduplizierenden Verba haben im Pra- 
sens den Wurzelvokal e (der nach 68 vor a, i zu #, 
geschrieben at, werden mufi), im Perf. o: leta lallot 
latlotum Jetans und saia saiso saisoum saians. 

1. Konsonantisch. anslantende Wnrzeln. 

Utan e lassen' (lailot), gretan 'weinen 5 (gatgrdt), ga-redan 
'sorgen fur' (faiira-ga-rairof). tlhan r berUhren <> (taitGk}. 

2. Vokalisch auslantende Wnrzeln. 

saian e saen^ (1. 3. satso, 2. salsfat), waian e wehn 5 (3. PL wai- 
wduri). Unsicher 1st, ob faian (faianda R 9,1V)) hierher zu setzen 
)&t. Ober den Ansatz von *laian vgl. 211,5. 



Neunzehntes Kapitel. 
Das schwache Verbum. 

A. Das Prateritum der schwachen Verba. 

213. Die Bildung des Prateritums 1st fur alle 
vier Klassen der schwachen Verba ( 200 B) identisch. 
Eine Form des Verbums f tun 5 , 1. Sg. -da usw., tritt an 
den Stamm auf -i -6 -ai -no. Vgl. nasi-da c rettete 3 , salbv-da 
r salbte', hab&i-da hatte*, fullnft-da c wurde voll 3 . 
! Indikativ. \\ Optativ. 



Sing. 1. 


-da 


\ -d'edjau 


2. 


-des 


[-dedeis] 


3 


da 


-(Mi 








Du. 1. 


[-dedu] 





2. 


-deduts 


[-(Udeitx] 


Plur. 1. -dedum 


-dedeima 


2. , -deduf 


-ciedeip 


3. i -dedun 


-dedeina. 



Anmerkungen. 

1. Die 1. Du. Ind. wird nach magu Me 10,39 erschlossen. 
Die 2. Du. Ind. ist dureh ga-hdusideduts L7,22 belegt. Die 
1. Du. Opt. fehlt, sie wird als *-dedeiwa angesetzt; die 2. Du. Opt. 
wird nach wileits Me 10,36 gebildet. 



10* 



148 



Formenlehre. 



[213215. 



2. Die Verba prSterito-prasentia und einige unregel- 
m&fiige Verba bilden ein schwaebes Prateritum, das statt d einf 
oder t hat, vgl. z. B. knnfa, mahta. Naheres 22022. 220. 228. 

3. Gar keinen Dental hat iddja r ging', das im iibrigen wie 
ein schwaches Prateritum flektiert. 

214. Das Partizipium Prat, geht auf -(fa- (ge- 
schrieben -da-) aus und flektiert wie ein gewohnlicher ad- 
jektivischer fl-Stamm. 

stark: nasips M nasidata, nasif N nasida F 
sr-hwach : nasida M nasido N nasido F. 

Ebenso gehn ttalbofs^ habaifs. 



Aninorkungen. 

1. Von der viertcn Klasse wird kein Part. Pcrf. gebildet, 
da die ihr zugehon^en Yerba intransitiv sind. 

2. Die unregelrrwCiigcn Verba, die em Prat, auf -fa oder ~ta 
bilden, haben auch -fa- l)zw. -ta- im Partizip, vgl. z. B. kunpx t 
malits. 

B. Die Pr^sensklassen der schwachen Verba. 

815. Wie schon 200 B bemerkt ist, zerfallen die 
Priisentien der schwachen Verba in 4 Klassen: 

1. Verba mit Suffix -/-, nasjan c retten', sokjan c suchen ? ; 

2. Verba mit Suffix -o-, ,mfl>an r salben'; 

3. Verba mit Suffix -ai- (-a-), haban 'haben 3 ; 

4. Verba rait Suffix -na- (~no-\ fullnan c voll werden". 





I. Aktiv. 




1. IndikatiT. 


1. Klasse. 2. Klasse. 3. Klasse. 4. Klasse. 


Sg. 1. 
2. 
3. 


nasja 
nas]\s 
nasjif 


sdkja 
sokels 
sokeif 


satbo 
salboti 
nalbof 


haba 
h abate 
habaif 


fullna 
i fullnte 
fullnif 


Du. 1. 
2. 


nasjos 
natfjats 


s5kjos 
sbkjats 


[salbos] 
[xalbots | 


habdff 


i 
j [fullnoa] 
1 [fullnats] 


PI, 1. 
2. 
3. 


nasjam 
nasjif 
nasjand 


sokjam 
sokeif 

sokjand 


salbom 
salbop 
salbond 


habam 
habaif 
Haband 


i fullnam 
i fullnif 
I fullnand 



215.] 



Das schwache Verbum. 



149 



1. Klassc. 



2. OptatiY. 

2. Klasse. 3. Klasse. 



4. Klasse. 



Sg. 1. 


nasjau 





halau 


fullnan 


2. 


nasjais 


salbos 


habais [fuUnais] 


3. 


nasjai 


salbo 


habai 


fullnai 




|j 






Du. 1. 


[nasjaiwa] i; [salbowa] 


[habaiwa 


I [fullnaiwa} 


2 


[nasjaits] 


[salbots] 


[hnbaits] 


[fullnaits] 


PL 1. 


nasjalma 


salboma 


habaima 


[fullnaima] 


2. 


nasjatp 


salbof 


habaif 


fullnatf 


3. 


nasjaina 


salbona 


habaina 


fullnai na 


8. Imperativ. 


1. Klasse. 2. Klasse. 3. Klasse. 4. Klasse. 


Sg. 2. 


nasei sokei 


salbo 


habai 


fulln 


3. 


nasjadau sokjadau 


\ [salbodan] 





[fullnadau] 


Du. 2. 


nasjats sdkjats 


[salboh] 





[fullnat8\ 


PL 1. 


nasjam ftokjam 


[salbom] 


\habam] 


[fulhiam] 


2. 


nas\\p sokeip 


salbop 


habaif 


[fuUnip] 


3. 


[nasjandau] [sokjandau 


\salbondau 


habandau 


[fullnandau] 


4. Inflnitiv. 


nasjan sokjan \\ salbon \\ haban \\ fullnan 


5. Partizipinm. 


nasjands scikjands 


salbonds \\ habands \\ fullnands 


II. Mediopassiv. 


1. Indikatiy. 


Sg.1.3. 


nasjada 


salboda 


habada 




2. 


nasjaza 


salboza] 


[habaza] 


fehlt 


PL 


nasjanda 


salbdnda 


Jiabanda 




2. Optativ. 


Sg.1.3. 


ncwjaidau 


salbodau 


habaidau 




2. 


[nasjaizau] 


[salbozau] 


habaizau 


fehlt 


PL 


nasjaindau 


salbondau 


habaindau 





150 Formenlehre. [ 215. 216. 

Belege. 
I. Dualformen. 

1. Du. Ind. gaJdujto J 14,23; habos K9,6. 2. Du. Ind. 
tdujats Me 11, 3.5; ga-Uubjats M9,28. Du. Opt. fehlt. 
2. Du. Imp. hirjats Me 1,17. 

Frtther pflegte man die unbelegte 2. Du. Ind. der dritten 
Klasse als *hdbats anzusetzen. Dafi dieser Ansatz jedoch aller 
Wahrscheinlichkeit nach un rich tig ist, hat Collitz BB. 17,52 nach- 
gewiesen. Plausibler ist, da& die Form *habaits gelautet habe. 

II. Imperatir. 

2. Sg. Imp. der Verba erster Klasse geht stets auf -ei aus, 
mag die Tonsilbe lang oder kurz sein : nasei und sokei. Die einzige 
Ausnahme bildet hiri c komm 5 J 11,34 u. 6. Die 2. Sg. der 
Verba vierter Klasse ist durch af-dubn L 4,35, af-dumbn Me 4,39, 
us-lukn Me 7,34 belegt. 

3. Sg. Imp. ist nur durch Musjadau M 27,43 3. PL Imp. 
nur durch liugandau e YCX|ur|C(XTU)cav' K 7,9 bezeugt. 

III. Mediopassiy. 

Der Sg. Ind. Mediopass. ist fur die Verba der dritten 
Klasse nur durch liitgada Me 10,12 K7,28 und ga-weihada e <5rfid- 
Tai' T4,5 belegt. 1.2. Person fehlen. 

Vom Opt. Mediopass. sind in der dritten Klasse folgende 
Belege vorhanden: 2. Sg. ga-jiukaizau R 12,21. 3. Sg. ga-, uf- 
Inwnaidau L8,17 und M 10,26 kG,9, sweraidau J 12,23. 1. u. 
2. PI, fehlen. 3. PL ga-armaindau R 11,31. 

Von den Verben der vierten Klasse kommt Qberhaupt keine 
Form des Mediopassivs vor. Dies ist jedoch kein Zufall, sondern 
in der Bedeutung dieser Verba, die intransitiv sind und das Ober- 
gehn von einem Zustand in den andern bezeichnen, begrdndet. Vgl. 
Egge Inchoative or w-Verbs in Gothic. Am. Journ. Phil. 7,38 ff. 

Anmerkung. 

Cber den Wechsel von -ji- und -ei- bei den Verben erster 
Klasse vgl. 86. 

Beispiele. 

1. Klasse : die ja-Yerba. 

216* I. a) Kurzstammige. 1. Kausativa: satjaw e setzen 5 
(sitan f sitzen'), fra-atjan e verfuttern' (fra-itan c verzehren 5 ), wrakjan 
c verfolgen' (wrikan dass.), lagjan ^egen* 1 (ligan liegeu'), ga-wagjan 
e bewegeu 5 (ga-wigan), ga-nasjan 'erretten 3 (ga-nisan e errettet wer- 
den 5 ) usw. 

2. Verschiedne Bildungen: farjan 'fahren 5 , wlizjan e ins Ge- 
sicht schlagen', huljan e hflllen' usw. 



216.217.] Das schwache Verbum. 151 

b) Mit vokalischem Wurzelauslaut. stdjan 'richten 5 
{Prat. stsMida 71), *af-dojan 'abmatten' (Part, af-dsnifs, vgl. ebd.). 

strdujan 'streuen' (Prat, strvwida 75Anm.). tdujan Hun' (&- 
vfida). Denom. ga-qiujan e zum Leben erwecken 3 (von qius* e le- 
bendig 5 ) usw. 

II. a) Langstammige. 1. Kausativa: af-sldupjan e ab- 
streifen 5 (sliupan f schltipfen"), fra-wardjan e zugrunde richten' (fra- 
wairpan 'zugrunde gehn'), ur-rdisjan e aufstehn machen 5 (ur-reisan 
c aufstehn <> ), dragkjan Hranken' (drigkan e trinken 5 ), saggjan e senken' 
(sigqan 'sinken'), ogjan c in Furcht setzen 5 (og Prat.-Prks. c fflrchte'), 
hndiuy'an "erniedrigen 5 (hntiwan r sich neigen"). 

2. Denominativa a) von Substantiven: dulfjan c feiern 5 (dulfs 
F Test 5 ), sigljan 'siegeln' (sigljo), stdinjan e steinigen' (stdins) usw. 

P) von Adjektiven : ga-diupjan f vertiefen" (dmp8\ ddupjan 'tflten 5 
(tfdups), ya-hardjan e verharten' (hardus), ga-aggwjan e beengen 5 
(aggwus) usw. 

b) Mehrsilbige. Denominativa a) von Substantiven: weit- 
wodjan e zeugen' (weitwti$8) 9 arbaidjan f arbeiten^ (arbatys), nqizjan 
c finster werden' (riqis) usw. P) von Adjektiven: mikiljan r preisen 5 
(mikils), manayjan c mehren 5 (manags)* 

Anmerkungen. 

1. Bei mebrsilbigen ^a-Verben mil kurzer Mittelsilbe lassen 
ich nur folgende ei'-Formen nachweisen : 3. Sg. miMeid L 1,46 
und riqizeip Me 13,24. Von solchen mit 1 anger Mittelsilbe sind 
^-Formen nur von weitwodjan erhalten: 2. Sg. weitwodeis J 8,13. 
3. Sg. wetowodeif J 8,18 15,26, Skeir.4,20 6,18.' 2. PL weittvodeif 
J 15,27. 

2. Im Prasens gehn genau wie die scbwachen Verba erster 
Klasse folgende starke Verba: fragildjantf), intrusgjan (3. Klasse 
206), Indjan (5. Klasse 208), ga-skapjan, hafjan- frapjan, skap- 
jan t rapjari*; hlahjan, tvahsjan (6. Klasse 209). 

3. Ein Schwanken zwischen erster und zweiter Kon- 
j u g a t i o n findet sich mehrfach. Vgl. hdusjan C b0ren 5 : hdusjdn Me 4,33 
L5,15 J6,60 t2,14. ga-beistjan e sauern': Part. Prat, un-beist- 
jodai K5,7. supjandans A : supjondans B e Kvr)66|ievoi' t4,3. 

2. Klasse: die d-Yerba. 

J^17. Nicht unerheblich an Zahl hinter den ja-Verben 
zurfickstehend. Meist Denominativa von j^gtammen. a) Zwei- 
silbige: sunjon 'rechtfertigen' (sunja), kardn r sorgen' (kara), 
ga-pdidon e bekleiden 5 (pdida), gredon e hungern' (gredus), sidon 
c uben 5 (sidns), fiskon e fischen' (fisks). loarbon e wandeln 5 , bi-ldigon 
< lecken' usw. 

Mehrsilbige: Verba auf -indn: frdujinon e herrscben 5 
(frduja, Stamm frdujin-), gudjinon f als Priester fungieren 3 (gudja, 



152 Formenlehre, [ 21 7-219. 



Stamm gudjin-), skalkinon 'dienen 5 (skalks, Stamm skalka-), reiki- 
ndn 'herrschen 5 (reiks, Stamm reik-) u. a.; auf -anon: piudanon 
c Kflnig sein 5 (piudans, Stamm fiudana-); auf -izon: hatteon 
'hassen 5 (hatis, Stamm Haifa-) usw. 

9. Klasse: die ai-Verba. 

818. Weniger zahlreich als die o-Verba. Ursprunglich 
primare Verba (UG. 206, III), doch finden sich im Got, auch 
Denominativa. Bedeutung von Haus aus intransitiv, 
[>0 a) Primare Verba: sifan f sich freueif, haban f haben\ liban 
'leben', witan 'beobachleif , kikan r gefallen\ hahan 'hangen', pahan 
e schwelgen\ fjan c hassen 5 , slawan 'schweigen', ftdan c dulden 5 , ana- 
silan f verstummen', shaman r schumen ? , munan c gedenken\ ga-knnnan 
f erkennen', ma&rnan f sorgen\ Alte Inteusiva sind ga-geigan 
c gewinnen\ reiran bittern". 

b) Denominativa: liugan heiraten 5 (lingo), jiukan c kamp~ 
fen 5 (jiuka), sa&rgan e sorgcn' (naiirga), weihan 'weihn' (weihs), ga- 
dinan r veremzelneu' (dins), sweran e ehren 5 (swerx) usw. 



4, Klasse: die ^ 

819. Nur noch im Got. als selbstandige Kategorie vor- 
handen (UG. 208). Intransitiv-mchoative Bedeutung. Sie sind zu 
starkeu Verben oder zu Adjektiven gebildet. a) Zu star ken 
Verben gehSrcn: and-lundnan r erl(ibt warden' Qrindan), ga-paurs- 
nan Verdorren 5 (pairsan\ us-gutnan c vergossen werden' (giitian), 
af-lifnan c ubrig bleiben" (Iri-leibari), ga-sh'ridnan e sich scheiden* 
(skaidan) usw. 

b) Von Adjektiven sind abgeleitet: ga-giman r aufleben : 
(jf*)> ffa^MUnan f geheilt werden 3 (Mils), gulignan e reich werden" 
(gdbigs) usw. 

Anmerkungen. 

1. Die Verba der vierten Klasse kommen bis auf wenige Aus- 
nahmen nur in Komposition vor. 

2. Starke Verba mit einem Prksens auf -na- nach der 
4. schwachen Klasse sind: keinan c keimen\ wozu im Part. Perf. 
ns-kijanata C 9udv' L8,6 belegt ist. Doch kommt auch die Neu- 
bildung keindda L8,8 vor. Ferner fraihnan 'fragen 5 , Perf, frah 
usw. (5. Klasse, vgl. 208). 



i Die unregelmafiigen Verba. 153 

Zwanzigstes Kapitel. 
Die unregelmafiigen Verba. 

A. Unregelmafligkeiten in der 0-Konjugation. 
1. Die Terba priiterito-prasentia. 

22O. Die Verba praterito-prasentia haben Perfekt- 
form, aber Priisensbedeutung, wie oiba im Griech., 
memini im Lat. 

Es sind fast durchweg ablautende Verba, die sich 
auf die sechs ersten Ablautsreihen verteilen. 

Zu dem Perfekt mit prligentischer Bedeutung 
haben sie ein neues Prateritum auf -fa bzw. -ta (213- 
Anm. 2) oder -ssa ( 130) gebildet, das genau wie ein 
schwaches Prateritum flektiert. Vgl. UG. 220,2. 

1. Ablautsreihe. 

1. wdit. 

1. 3. Sg. w&it\ 2. Sg. waist J 19,10 t 1,15 ; 2. Du. witutv 
Me 10,38; 1. Fl. wit urn; 2. PL irituf; 3. PL wUun. Opt. Priis. 

1. Sg. witjau K13,2; 2. Sg. irffcfc Mi27,4; ,'J. Sg. w>/^' M() ; IJ u. 0.; 

2. PL w/fei/ M 9,6 u. o. Prateritum 1. Sg. wissa (aus *wiY-^ 130) 
J 11,42; 2. Sg. wjAvms (ei nach 122 A) L 19,22; 3. Sg. trtoa; 2. PL 
ivifssedup L2,49; 3. PI. wissedun L2,43. Opt. Prat. 2. Sg. trme- 
<tefc LI 9,42; 3. Sg. f^^ Me 9,30; 3. PL irfsserfeina L29,7. 
Part. Pras. witands. Inf. wttan. 

2. Mis. 
Zrffe f ich weifi' nur Ph4,12. 

2. Ablautsreihe. 

3. ddug. 
ddug c es taugt' K 10,23 t2,14. 

3. Ablautsreihe. 

4. kann. 

1. 3. Sg. kann 'kenne, weifi 5 ; 2. Sg. leant Me 19,19 u. 0. und 
kannt K7,16 (vgl. 98); 1. PL kunnum, 2. PL kunnup, 3. PL fcwn- 
MMM. Opt. Pras. 1. Sg. Jcunnjau J8,55 C4,8; 2. Sg. kunneis 
1 3,1 ; 3. Sg. kunnei J 17,23 und fra-kun<n>i R 14,3; 2. PL kunneif, 

3. PL kunneina J 17,3. Prateritum 1. Sg. kunfa M 7,23 J 17,25; 
kunpes t3,15; 3. Sg. kunpa; 1. PL kunpedum J6,42; 3. PL Jhw- 
^erfwn Me 1,34 J 12,16 u. Kompp. Opt. Prat, fawpedjau R7,7; 



154 Formenlehre. [220. 

2. Sg. uf-kunfedi L7,39; 2. PI. kunpedeif J8,19 14,7. Part 
Prs. kunnands. Part. Prat, kunfs (Adj.) c bekanm. Inf. kunnan. 

Anmerkung. 

Neben dem Prateritoprasens kunnan steht ein schwaches Ver- 
bum der dritten Klasse kunna kunnaida e YivdjCKU)' mit den 
Kompositis ana-, at- und ga-kunna. uf-kunna folgt ebenfalls im 
Prasens der a*-Flexion, bildet aber das Prateritum uf-kunfa ; wf- 
kunnaida nur K 1,21 ; Part. Perf. uf-fawnaidai k6 ; 8AB. 

5. farf. 
1. S%. farf c bedarf 5 L 14,18 K 12,21 ; 2. S$. farft J 16,30; 

1. PL paurbum M 26,65 u. 6.; 2. PL faurbuf M 6,8.32; 3. PL 
fat'trbun M9,12 u. 6. Opt. Pras. 1. PL paurbeima, 2. PL 0wr- 
beip. Prateritum pa&rfta Me 2,25. Part. Pras. paurbands 
E4,28. - Part. Perf. patirfts (Adj.) 'nOtig, nfltzlich'. 

Anmerkung. 
iJber den Wechsel von f b vgl. 132. 

6. ga-dars. 

1. Sg. (ja-dars 'wage 1 k 11,21; 3. Sg. ya-dara K6,l; 1. PL 
ga-daursum k 10,12. Opt. Pras. 1. Sg. ga-daursjau E 6,20. 
Prateritum ga~daursta Me 12,34; 3. PL ga-daurstedun L 20,39. 
Inf. ga-daiirsan k 10,2 Ph 1,14. 

4. Ablantsreihe. 

7. man. , ' 

1. Sg. maw ? glaube'; 2. PL ga-munup Me 8,18. Opt. Pras. 

2. Sg. ga-muneis M 5,23 t2,8; 3. Sg. muni k 11,16 12,6; 1. PL ga- 
muneima G 2,10; 2. PL ga-muneip L 17,32 u. 6. Prateritum 1. Sg. 
munda Ph2,25; 3. Sg. ga-munda M 26,75 Me 14,72; 1. PL 0a- 
mundeditm J 12,16; 3. PL mundedun J 13,29. Part. Pras. mu- 
nands. Part. Perf. nmnds L3,23. Inf. ga-munan LI, 72 K 15,2. 

Anmerkung. 

Neben dem Prateritoprasens munan steht ein schwaches 
Verbum der dritten Klasse munan munaida ' ^XXeiv". Vgl. 
auch ufar-munnon e vergessen 5 . 

8. skal 

1. 3. Sg. skal; 2. Sg. skalt L 16,5.7; 1. PL skulum th 1,3 
Skeir.5,19; 2. PL skuluf J 13,14 u. 5.; 3. PL skulun k 12,14 u. 0. 
Opt. Pras. 1. Sg. skuljau E 6,20 C4 ; 4; 3. Sg. skuli Me 9,10 u. 5.; 
2. PL skuleip C4,6. Prateritum 3. Sg. skulda; 1. PL skuldedum 
LI 7,10; 3. PL skuldedun J 7,39. Opt. Prat. 3. Sg. skuldedi 
Skeir.3,6; 2. PL skuldedeif K5,10. Part. Prat, skulds Adj. 
e schuldig'. 



220222.] Die unregelmafcigen Verba. 155 

9. ga~nah. 

3. Sg. ga-nah c es gentigt 5 , bi-nah e es mufi, darf'. Part. 
Perf. bi-natiht N K 10,23. 

Anmerkung. 

Gewbhnlich wird ga-nah zur ftinften Ablautsreihe gerechnet. 
Daft dies nicht richtig ist, beweist der Al)laut im Part. Prat. &/- 
nauktj der in der 5. Reihe keinen Platz hat, bi-nauhts : U-nah = 
bi-ukans i brak von brikan. 

$ Ablantsreihe. 

10. ga-mot. 

3. Sg. ga-mot 'findet Raum' J 8,37. Opt. Pras. 1. PI. ga- 
moteima k 7,2. Prateritum 3. PI. ga-mostedun Me 2,2. 

11. og. 

1. Sg. og. Opt. Pras. 2. Sg. ogeis R 13,3. Imperativ 2. Sg. 
off*; 2. PL dgeip. Prateritum 1. Sg. ohta L 19,21; 3. Sg. ohta 
Me 6,20 J19,8; 3. PI. ohtedun (uhtedun Me 11,32; vgl. 23 A). 
Part. Pras. ogands. 

Anmerkung. 

Die 2. Person Imper. ogs ist ursprttnglich eine 2. Sing. Kon- 
junktiv; sie steht nur in der Verbindung ni ogs fus Turchte 
dich nicht' L 1,13 30 5,10 J 12,15. Die entsprechende 2. PL wird 
durch den Optativ gegeben: ni ogeip izwis M10 ; 2C>.28; J6,2(). 

Das PrSsens, zu dem og formell das Perfekt ist, erscheint 
noch in un-agands Turchtlos' K 10,10 B (innagam A) Ph 1,14. 

Unregelmft&ige. 

881. Aus dem Schema der normalen Abiautsreihen 
fallen zwei Prateritoprasentia heraus: 

12. mag. 

1. 3. Sg. mag c kann, vermag'; 2. Sg. magt Mo,36 8,2 Me 1,40 
L 5,12 6,42 16,2 J 13,36 K7,21; 1. Du. magu Me 10,39; 

2. Du. maguts Me 10,38; 1. PL magum; 2. PL magup', 3. PL ma- 
gun. Opt. Pras. 1. Sg. magjau M 9,28; 2. Sg. mageis Me. 9,22.23; 

3. Sg. magi Me 7,15 9,39 R 12,18; 1. PL mageima kl,4; 2. PL 
mageip 3,4.18 6,11.13. Prateritum 3. Sg. wahta; 1. PL makte- 
dum\ 3. PL mahtgdun. Opt. Prat. 3. Sg. mahtedi; 3. PL mahte- 
deina k3,7. Part. Pras. tnagands. Part. Perf. mahts. 

13. dih. 

8JS)d. 1. 3. Sg. &ih e habe, besitze 5 (daneben die analogische 
Neubildung aig 7,13); 1. PL digum L3,8 J8,41 (daneben die 
analogische Neubildung dihum J19,7 G2,4); 2. PL nur Neubildung 



156 Formenlehre. [222229. 

ftfhnf C4,l; 3. PI. dignn M8,20 L9,58. Opt. Pras. 3. Sg. digi 
JG,40 K7,12; 2. PL digeif J 10,33; 3. PL digeina J 10,10. Pra- 
teritum 3. Sg. rftftfff L 15,11 16,1; 3. PL dihtedum Me 12,23 
L 20,33. Opt. Prfit. 2. Sg. dihtedeis J 19,11. Part. Pras. digands 
(Neul)ildung dlbandans k(5,10). Inf. fair-aiban K 10,21. 

Anmerkung. 
t)ber den Wechsel von h # vgl. 134. 

2. UnregelmaBige PrSsentien. 

223. Prasen lien starker Verba mit;/-: fragildjanft), inlrusg- 
jan ( 206), ftW/<ro ( 208). ga-skapjan, hafjan, frafjan, skafjan, 
hU&jan, -wahsjan ( 209), arjan ( 211,3). 

984. Prasentien starker Verba mit Suffix m na: Tceinan 
( 203), frafhnan ( 208). 

Priisens mit nasalierter Wurzelsilbe: standan ( 209). 



8. Unregelmafitee Praterita. 

hriggan e bringen" gehCrt seinem Prasens nach zur 
3. Klasse der ablautenden Verba. Es bildet das schwache Prat. 
brdhta (aus *brqhta 53; wegen des t vgl. 213 Anm. 2). 

227. gaggan c gehn 5 gehftrt nach seinem Prasens und seinem 
Part. Perf. us-gaggattf Me 7,30 zu den reduplizierenden Verben 
(211,3), was durch die iibrigen germ. Dialekte bestatigt wird. Stall 
des raluplizierenden Perfekts, das im Gol. ganzlich fehlt, erscheint 
einmal L 1 ( .),J2 die Neubildung gaggida. 

Sonst wird das verlorne Perfekt durch das Defektiv iddja 'ging', 
1. PL iddjcdum ersetzt, das wie eiri schwaches Priiteritum flektiert. 

88. Ein Prateritum auf t (statt d, nach 213 Anm. 2) 
bilden folgende Verba der 1. schwachen Konjugation : bugjan c kaufen' 

Prat, bai'thta, Irukjan c brauchen' l>ruhta;fagkjan r denken' 
fahta; fugle jan r dunken 5 ftthta; wa tirkjan c wirken' ic atirhta. 

kdupatjan c ohrfeigen 5 kdupanta. 

Entsprechend werden die Partizipia Prat bad Jits (zu lug- 
jan), waurhts (zu waurltjari), anda-ffihts 'bedachtig"*, hduh-, 
mikil-fuhts f hochmtilig' gebildet. Abweichend dagegen ist kdu- 
patidai K4.11 (zu kdupatjan). 

B. Reste der Verba auf -mi. 

1. Das Yerbuni snbstantivum, 

229. Von dem Stamm es- existiert nur ein Indi- 
kativ und Optativ Pras., alle andern Formen werden 
von ivisan (5. Ablautsreihe) gebildet: Part. Pras. wisands. 

Inf. wisan. Perf. Sg. was, PI. wesum. Opt. 



229.230.] 



Die unregelmafiigen Verba. 



157 



Perf. wesjau. Ein Part. Perf. existiort nicht, vgl. Martin 
HZ. Anz. 39,286. UG. 210,1. 





Indikativ. 


Optativ. 


Sing. 1. 


fw 


snjan 


2. 


*s 


sijais 


3. 


ist 


sijai 


Du. 1. 


stju 


- 


2. 







Plur. 1. 


4 
sfjum 


sfjaima 


2. 


sfjuf 


syaif 


3. 


smcf 


stjaina. 



Anmerkungen. 

1. Die 1. Du. xiju crscheint nur J 10,30 17,22. 

2. Ober die Formen ohne j (sinm usw.) vgl. 30 a. 

3. mat = ni ist, fatiist = fata ist, karist J 10,13 = kara int. 

4. Als Ersatz fur den verlorcn pegan^nen Imperativ werclen 
die Optativ formen gebniucht. Uber sm f cTuu 5 k 12,10 vgl, 
Osthoff PBB. 8,311, Bnigmann Demonstrativpronomina S. 28. 

2. e wollen\ 

230. iviljau 'ich wilP ist der Optativ eines 
athematischen Verbuma, dessen Indikativ vcrloren 
gegangen ist. Die Endungen sind die gleiclien wie iin 
Opt. Perf. UG. 221. 

Sing. 1. wiljan 

2. wileis 

3. will 
Du. 1. 

2. wiUUn 
Plur. 1. wilebna 

2. wileif 

3. wtleina. 

Part. Pras. wiljands. Infinitiv wiljan. 

Prateritum Ind. wild a (wie cin schwaches Prilt. flektiert); 
Opt. 3. Sg. irikbdi. 

Anmerkung. 2. Du. wilrits nur Me 10,36 belegt. Es ist die 
einzige Form ihrer Art, ^lie im Got. erhalten ist. 



158 Formenlehre.. [231.232. 

Anhang. 

Nominal- und Verbalkomposita. 
1. Akzentuienmg der Komposita. 

231. Der Wortakzent ruht bei den german. Nominalkom- 
positis von Haus aus auf dem ersten, bei den Verbalkompo- 
sitis dagegen normalerweise auf dera zweiten Kompositioiisglied. 
UG. 143 A. Diese Regel mu& auch im Gotischen gegolten haben 
( H6,2). Wir diirfen daher folgende Betonungsunterschiede auf- 
stellen, die sich in der doppelten Form der Proposition anda- 
(nominal) anrf-(verbal) deutlich widerspiegeln : l.Nominalbildungen 
wie df-Uts M 'Erlafc 5 , dna-flh N 'Cberheferung', dnda-hafts F 
'AntworT, anda-pahts adj. Part. 'bedachtig, vernunftig 3 , btmaitN 
'Beschneidung', failra-gaggi N Torsteheramt', frd-lets M 'ErlafT, uf- 
kunpi N e Erkenntms" usw. gegenflber 2. Verbal bilduii gen wie 
af-letan e erlassen', ana-filhan e aberliefern 9 , aiid-hdfjan e ant- 
worten', and-pdgkjan slk r sich besinnen\ U-mditan e beschneiden 5 , 
faura-gtiggan e vorangehn 5 , uf-ktinnan e erkennen' usw. 

Da6 auch die Nominalkomposita mit ga- ursprtinglich auf dem. 
ersten Kompositionsglied betont waren, zeigen die doppelt kompo- 
nierten Denominativa : ga-gdileikdn, das gd-leiks 'fthnlich 5 ; ga-gdmain~ 
jan, das yd-mains 'gemein'; ga-ydtildn, das ga-tils 'passend": ga-gd- 
wairpjan, das gd-wairpi N Triede' voraussetzt. Ob zur Zeit Wul- 
tilas die alte Betonung des </a~ noch regelmafiig bestanden oder 
ob dieses damals schon den Akzent verloren habe, ist unsicher. 
Vgl. Kluge Verbalpartikeln in der Zusammensetzung KZ. 26,68 ff. 

2. Trennbarkeit der Verbalkomposita. 

93d. Die Akzentverschiedenheit zwischen Verbal- und Nomi- 
nalkompositis beruht auf dem Umstand, dalj diese schon aus der 
idg. Urzeit ererbt sind, wahrend sich zur Zeit der germ. Akzent- 
verschiebung (UG. 143) noch keine festen Verbalkomposita heraus- 
gcbildet hatten. Fur die lockere Verbindung von Praposition und 
Verbum spricht die Tatsache, dais zwisohen beide im Gotischen en- 
klitische Partikeln eingeschoben werden kOnnen. Naturlich mufi 
alsdann die vorausgehende Praposition, an die sich die 
Enklitika anlehnt, den Akzent tragen. Diese Betonung ist 
ein Erbe aus vorgermanischer Zeit, vgl. Kluge KZ. 26,80 und Wacker- 
nagels glanzenden Aufsatz ttber ein Gesetz der idg. Wortsteliung 
IF. 1,333 ff., namentlich S. 405 f. 

1. uh (/?): ga-h-meUda L 1,33; an-uli-kunibci L17,7; ub>uh- 
wopida L 18,38; in-uh-sandidedun J7,32; uz-ufahof 3 11,41 17,1; 
nz-uli-tddja J 16,28; at-uh-gaf E 4,8. 

2. nh pan: at-uh-pan-gctf Me 14,44; diz-uh-pan-sat Me 16,8; 



232.233.] Die unregelmafiigen Verba. 159 

at-uf-pan-gaggand K 14,23; U-f-fan-gitanda K 15,15; an-uf-fan- 
niujaip E4,23; uz-up-pan-iddja G2,2; ga-f-fan-traua 1 1,5. 
8. uh fan mif: ga-f-pan-fnif-sandidedun k 8,1 SB. 

4. Fragepartikel w: ga-u-lduljats M9,28; ga-u-laubeis J9,35; 
bi-u-gitai L 18,8. 

5. u ha: ga-u-ka-selvi Me 8,23. 

6. nu: us-nu-gibip L 20,25. 

7. pau: ga-pau-ldubidedeip J 5,46. 

8. ba: ga-ba-ddupnip J 11,25. 

Im Prinzip 1st diese Tmesis gleich jener, die sich bei Prapo- 
sition und davon abharigendem Nomen beobachten laftt, vgl. z. B. 
ab-u PUS silbin J 18,34; uz-uh himina Me 11,30; fram-uh guda J 7,17; 
in-uh jainamma mlla M 11,25. Auch in diesem Falle mufi die Pra- 
position haupttonig sein, da die Enklitika sich stets an das erste 
betonte Wort anlehnt. 

3. Die Nominalstamme als erste Kompositionsglieder. 

1933. KremerJ. Behandlung der ersten Kompositionsglieder 
im germ. Nominalkompositum. PBB. 8,371 ff. 

Kroesch S. The formation of compound words in Gothic. 
Modern Philology 5,37782. 

Johansson K. F. Nominalsamansattningar i gotiskan. Nordiska 
Studier tillegnade A. Noreen (Upsala 1904) S. 45585. 

Behandelt die Nominalkomposita Hirer liedeutwig nach. 

A, Yokalische Stamme. 

1. a-Stamme. Normalerweise erscheint -a- in der Kompo- 
sitionsfuge, vgl. aiha-tundi N f Dornstrauch 5 , figgra-yulp N Tingerring 5 , 
akrana-ldus 'unfruchtbar 5 . Synkope des a nur bei einigen wenigen 
langstammigen (z. B. wein-drugkja 'Weintrinker 5 gegenflber 
weina-basi N e Weinbeere^ usw.; Uux-handus c mit leeren Handen* 
gegeniiber Idusa-watirdi N e leeres Geschwatz' u. a.) und mehr- 
silbigen (fiudan-gardi N e K6nigreich', iibil-tdjix C 0beltater 5 gegen- 
uber akrana-ldi48 'fruchtlos' usw.). Synkope nach kurzer Silbe 
bei gud-lius N e Gotteshaus n , giid-blostreis M c Gottesverehrer 5 (Kroesch 
S. 381), pin-magus M 'KnechV und nin-klahs c neugeboren 5 (S. 382). 

2. ya-Stamme: a ist bei den kurzstammigen erhalten, 
vgl. wadja-bokos PI. e Scheidebrief, lubja-lels r giftkundig' usw. (Aus- 
nahme: frei-hals c frei'); dagegen ist a synkopiert bei den lang- 
stammigen wie andi-ldus e endlos\ arbl-numja *Erbnehmer' 2 und 

1 Hier stflnde nach Schwund des h gwla- vor Vokal. 

8 Eine offenkundige analogische Neubildung ist hrainja-hairtan* 
Skeir. 6,27 (M5,8), hervorgerufen durch xaOapoi Tf| Kapbta; denn 
brains ist kein reiner ,;V-Stamm. 



160 Formenlehre. 

den mehrsilbigen wic aglaiti-waurdei F e unschickliche Rede 5 . Vgl. 
Verf. IF. 6,146 f. Anders Brugraann Grundrifi der vgl. Grammatik 2 
1,251, der jedoch die unleugbar vorhandenen Beziehungen zwischen 
Stammsilbenquantitat und Erhaltung oder Schwund des Vokals der 
Kompositionsfuge nicht zu erklaren vermag. 

3. /"Stum me: mati-lalys M 'Speisetasche 5 , ndudi-bandi F 
'ZwangsfesseP usw. S y n k o p c nur l)ei dem langstammigen liruf- 
fufs 'Brautigam" und dem kurzstammigen put-haumN Tosaune 1 . 

4. w-Stiimme: qipu-liafts 'schwanger', handu-waurhts e mit 
<ler Hand gemachf, aslln~qatrnui> F 'Eselsmiihle'. Synkope unbelegt. 

5. 0-Stamme: Kiirzung des o zu a: airpa-kunds e erdge- 
boren' u&w. 

0. ,/o-Stainme: Sie scheinen analog den ;-Stainmen be- 
handelt zu werden, vgl. den emzigen Beleg/i2sMti^-fa/>s r Hauptinanii'. 

Kroe^cb zeigt, dafi die Ausiiabrnen sich fast durchweg in den 
neuen d. h. in den vom tl]>ersetzer ad hoc nach gnechibcbem Muster 
gebildetenKompositi^findenjWahrend die tradition ell en Zusammen- 
setzungen der Reg el entsprecben. Auch mag in eimgen wemgen 
Fallen die Form des Simplex in das neugebildete Koinpositum em- 
gedrungen sein. So erklart sich yud-blotfreis aus gud blotan, weiii- 
drugkja aus wein drigkan u. a. Zu beachten ist endlich, dafs auch 
neue Komposita sich der alten, im Aussterben begriilenen Regel 
anschlietien kOnnen (S. 381). 

B, Konsonautische Stainme. 

1. Die n-Stamme haben -a in der Kompositionsfuge: yuma- 
JcMids 'mannlich\ tniga-danro N Tenster\ dagegen midjun-gards^l 
*Erdkreib\ 

2. Die .s'-Stamme zeigen je nach der Kurze oder Lange der 
Tonsilbe Erhaltung oder Verlust des Suffixvokals. sigis-Uun N 
'Siegeslohn" gegenuber pruts-fill N 'Aussatz 5 . 

3. Von den > -Stain men ist noch das alte Kompositum bropru- 
lulon Dat. Sing. Th 4,9 erhalten, dem die Neubildung brdpra.-Iubdti 
R 12,10 zur Seite steht. 

4. Von einsilbigen kons. Stammen ist die regelmiifsige 
Kompositionbform man-leika M 'Bild' neben gewdhnlichem mana- 
belegt. 

Anmerkung. 

Unregelmafiige Vokale in der Kompositionsfuge erscheinen 
mehrfach, z, B. pinpi-qissais 'Segnung' (Si.fiufa-) K 10,1 6 A; andB,- 
lausaize r endlos 5 T 1,4 A (andi- B); fur a findet sich at, d. i. at in 
lausai-waurdai Tit 1,10 A (lausa- B); semai-gairnai Glosse in A zu 
t3,2 (ftir scina-). Vgl. Suniefridus, Sunjaifripas in der Urkunde 
von Neapel. 



g 234.] 161 



Dritter Hauptteil, 
Syntax. 

Einundzwanzigstes Kapitel. 

Vorbemerknngen. Der einfache Satz: 
Nomen und Pronomen. 



Vorbemerkungen. 

234:. 1 . Literatur. Die altere Litoratur zur german. Syntax 
bei Soberer Kl. Schrilten 1,358ft., die Arbciten zur got. Syntax bei 
Braune 7 S. 112 14. Alle Einzeluntersuchungen weiden im 
flg. an der ihnen zukommcnden Stelle genannt. 

An der Spitze der Gesamtdarstellunpen steht noch immer 
Jacob Griniins unubertreffliches Meibterwcrk, die Syntax dcs ein- 
facben Satzcs im 4. Bande der deutschen Grammatik (neuer ver- 
mehrter Abdruck 1898); neben ihr bebauptet die got. Syntax von 
Gabeleniz und Lobe auch lieute ihren Hang. Dankenswert smd 
die kurzern Darstellungen von Bcrnhardt, Le March ant J)ouse 
( 2) und Balg (g 1); knappe Abnsse der gol. Syntax bei Wright 
( 2) und Wrede ( 1). 1m :3. Bande der deutschen Grammatik 
von Wilmanns (Strafib. 190ft u. 09) tritt die gotische Verbal- und 
Kasussyntax stark hinter der deutschen zuriick. Delbnicks 
Vergl. Syntax (Strafcb. 18931900) behandelt das Gotische als Re- 
prasentanten der germ an. Sprachen. 

2. Methode. Da die got. Sprachdenkmaler fast ausnahmslos 
der tlbersetzungsliteratur zugehoren auch die Skeirems steht ja 
ganz unter griech. Einflufi , so ist stets von der griechischen 
Vorlage bei Bcurteilung der gotischcn Verhaltnisse auszugehn. Es 
mufi in jedem Falle untersucht werden, was als unmittelbare 
Nachahinung des griech. Textes zu gelten babe und was bean- 
Streitberg, Gotisches Elementarbuch 11 



162 Syntax. [ 234-236. 

spruchen kOnne, als eclit germanisch betrachtet zu werden. Von 
besonderer Bedeutung fur die Entscheidung dieser Grundfragc sind 
jene Falle, wo die gotische Konstruktion in irgendeinem 
Punkte von der griechischen abweicht. Denn alleindiese 
Abweiehungen geben uns den Schlussel zuin Verstandnis der 
wahren gotischen Syntax. Die ungenugcnde Beachtung dieses me- 
thodischen Grundsatzes beemtrachtigt den Wert nicht wemger Ar- 
beiten auf dem Gebiete der gotiscben Satzlehre. 

Selbstverstandlich ist, daft auc-h die Vergleichung der syntak- 
tischen Verhaltnisse des Gotischen nu't denen der Gbrigen germa- 
nischen Sprachen wertvolle Aufscblusse und Bestatigungen zu geben 
vermag. Sie ist nainentlich dort von Wert, wo das Gotische zum 
Griechisrhen stimmt ; nur sie kann hier lehren, ob sklavische Nach- 
ahmung oder zufalhge tlbereinstiminung vorliege. 

I. Genus. 

I. Doppelgesclilechtigkeit. 

235. laurys-waddjus f Stadtmauer' Fern. Neh5,16 
6,15 7,1: (jrundu-icaddjufi "Grundmauer* Mask. 1 2,19 
(153). sunno 'Sonne' Fern. Mo, 45: Dat. sunnin 
Me 4,6 16,2 Neutr. oder Mask. ( 155 Anm. 3). - Das 
formelle Neutr. gup c Gott 5 hat maskuline Attribute: 
dagegen fo galinga-yuda K 10,19.20 ( 145 Anm. 4). 

Aniuerkungen. 

1. Mit Unrecht hat man aus Neh5,18 was fraquman . . . 
stiur < a.>* fjv fiv^^va (Yiv6|aevov B) . . . |u6cxoc ic aut N (gegen- 
uber Mask. L 15,23.27..30) geschlosbcn, vgl. 280,5. 

2. Zu dcm angebl. N twa fusundja Neh 7,19 vgl. 194 Anm. 6. 

2. Iiikongruenz der grammatischen Genera. 

2336* 1. gup N hat maskul. Attribute, vgl. gup 
meim M 27,46. Nom.-Akk. fadrein N verbindet sich 
in den Evv. mit maskul. Pluralartikel ( 145 Anm. 5). 
unhulpo F C baiju6viov 5 hat maskul. Pradikatsnomen 
neben sich M 9,33 usdribans warp unhulpo, vgl. Me 3,22. 

2. Maskuline Adjektiva oder Partizipia beziehn sich 
mitunter auf Worter von abweichendem grammatischen 
Geschlecht, falls die Bezugsworte Personen bezeichnen. 
ni wairpip garaihts . . . airihun leike ' ou 6iKaicu0r|ceTai . . . 
iraca cdp2 G2,16; mikils ist gagudeins runa* jneTCX kiiv 



236238.] Der einfache Satz: Nomen und Pronomen. 163 

TO Tfjc eiicepeiac juuctripiov (Christus) T3,16. Vgl. M8,31 
L2,40 E4,17 u. a. 

Anmerkung. z. T. folgt die tfbersetzung hierin dem griech. 
Vorbild. Auch Fiigungen wie barnilona meina fanzei' TKv{a ILIOU 
ofic G4,19 u. a. sind Grazismen. 

3. Adjektiva, Partizipia, Pronomina, die sich auf 
Personen verschiedenen Geschlechtes beziehn, stchn im 
Neutr. la [Zakarias, Aikisabaif] framaldra icesun ' dja- 
qp6Tepoi TrpopeprjKOTec L 1,7. Vgl. L 2,6 Me 3,31 u. ii. 

4. Das neutr. Pron. steht als Subjekt ohne Riick- 
sicht auf das Genus des Pradikatsnomens : niu fata ist 
sa timrja ' oux OUTOC knv 6 TEKTIUV Me 6,3. Iva ist 
wens' TIC kTiv r\ dXrric El, 18. 

5. Das dem Subjekt vorausgehende Pradikatsnomen 
erscheint raitunter als Neutrum (Nominalflexion): galau- 
ran ist niarzeins ' KarnpfnTai TO acavbaXov G 5,11. ei 

wesi . . . handugei ' c iva fVWpicOrj E 3,10. ufa- 
<^war]>^> anttts franjim' uirepeirXeovacev f| XP IC 
TOU KUpiou T 1,4. gatarnip ittt sunja T 0,5. was 
fraquman . . .stinr << .a. > lamia gawalida .q ' f\v Tiv6|tieva 
(Tw6)nevov B) . . . jnocxoc ek, TTpofaTa K\eKTa S Neh 5,18, 
Anmerkung. Das letzte Beis>piel kann unter griech. EinfluD 
siehn; sicher ist dies der Fall Rll,33 Ivaiwa unuspilloda siwd 
stauos is- ibc dve2peOvT)Ta Td Kpiinaia auroO. 

II. Numerus. 
1. Flu rale yon Abstrakten 

237. erscheinen meist als tJbersetzungen griechischer 
Plurale. Idiomatisch dagegen sind Falle wie Me 6,2 Ivo 
so handugeino so gibano imma' TIC f| coqpia f| 5o0ica auTiu. 
Ph 4,8 jdbai Ivo godeino, jabai ko hazeino ei TIC 
dpeTrj Kai ei TIC ?iraivoc. Vgl. auch gup allaizo ga~ 
flailite ' irdcrjc irapaKXriceuuc k 1,3; du aUaim mipwisseim 
mamie' irpoc irdcav cuvetoriciv dv6pdbTruuv k4,2 ( 283 Anm.). 



2. Pluralia tan turn. 

238. Folgende Pluralia tantum erscheinen im Got. 
lerusjos c Eltern'. Iroprahans c Gebriider 3 Me 12,20. briists 

u* 



164 Syntax. [ 238241. 



F c Brust 5 . salifwos 'Herberge' fiovrj J 14,23 
Me 14,14 Hevia Phil 22 faovai J14,2). Dat. Mlffrjom' 
TTJC copoO L 7,14 (falls m nicht fiir n verschrieben). dau- 
rons F eiipct M 27,60 J 18,16 Me 16,3 (iruXai Neh7,3): 
daur Sg. Uaiwasnos F 'Grabstatten' : hlaiw Sg. sauhteis F 
'Krankheiten' : siukei Sg. bokos F c Bucb, Brief : boka "Buch- 
stabe\ wegos M c Wogen 3 : ?^egrs 'Bewegung 3 . weinatriwa 
N djUTreXibv: weina-triu 



3. Inkongruenz der Numeri 

239. 1. zwischen Nomen und Attribut: fai fa- 
drein J 9,22. 

2. zwischen Subjekt und Pradikatsnomen bei Kollek- 
tiven: wasmanagei beidandans' i^v 6 Xaoc TrpocboKUJvLl,21 
( 289). 

III. Die Kasus. 

240. Winkler H. Germanische Kasussyntax. I. Der Daliv, 
Instrumental, fcrtliche und halbdrtliche Verhaltnisse. Berlin 1896. 

Vgl. Streitberg Lit. Central!)!. 1896 Sj). 1476, Mourek HZ. 
Anz. 41,315 ff. mid Mensing ZZ. 30,548 ff. 

van der Meer J. Gotische Casussyntaxis. I. Leiden 1901. 

Vgl. Reis ZZ. 85,120 ff. 

Bernhardt Zur gotischen Syntax. ZZ. 9,383 f. Zur gotisrhen 
Kasuslehre. Beitrage zur deutschen Philologie. Halle 1880, S. 71 ff. 

ZZ. 13,1 ff. 

Delbruck B. Synkretismus. Em Beitrag zur gcrmau. Kasus- 
lehre. Strafiburg 1907. 

Da das Got. eine Reihe der aus idg. Urzeit ererbten Kasus- 
formen eingebtiM hat, so sind Mischkasus (synkretistische K.) 
entstanden, indem an Stclle zweier Kasus von verschiedner Form 
und Bedeutung ein einzigcr getreten 1st, dcr die Funktion bcider in 
sich vereinigt. 

1. Nominally. 

241. Der Nominativ als Subjektskasus: Bemerkens- 
wert iet, dafi in einigen Fallen der Nominafpiv als Sub- 
jekt eines passiven Verbmns erscheint, dessen Aktiv den 
Dativ oder den Genitiv regiert. Vgl. ei gaumjaindau 
mannam ' OTTUDC Sv cpavtuciv M 6,5 : loa gaumeis gramsta L 6,41. 

ibai fram izims misso fraqimaindau ' imo aXXriXcuv dva- 



241244.] Der einfache Satz: Nomen und Pronomcn. 165 

Xu)0f)Te G5,15: fraqam allamma aigina seinamma L 8,43. 
ei in filuwaurdein seinai andhausjaindau ' 8n eica- 
KOUc0ncovTai M6,7: patei sinteino mis andhauseis J 11,42 
u. 6. Nom. statt Genitiv nur Neh 7,1 gaweisodai 
waurpun dauraicardos ' TrecKeTrr|cav oi iruXtupoi : gaweisoda 
manageins seinaizos L 7,16. Ob der Wunsch, die griech. 
Satzform moglichst genau nachzubilden, als Ursache an- 
zusehn sei oder ob die nahe Beriikrung zwischen Dativ- 
(Genitiv-) und Akkusativobjekt beim Aktiv die gleichartige 
Beharidlung bei passiver Konstruktion herbeigefuhrt habe, 
lafit sich nicht entscheiden. 

242. Der pradikative Nominativ erscheint bei den 
Verben sitan, sfandan, pngkjan, wairpan, wisan, sowie bei 
den Passivformen von nennen, halten, wahlen u. a. Vgl. 
ni wairfaip airzjai \ir\ TtXavdcBe G 0,7. gredags was * 
drreivacev Me 2,25. managei . . . sci atop gdhamjandei * 6 
oxXoc 6 fecrujc Kai aKOucac J 12,29. mu so, ist saei sat 
aihtronds * oix OUTOC kriv 6 Ka0r|jLievoc Kai irpocaiTUJV J9,8. 

Anmerkungen. 

1. Stait dcs pradikativen Nominativs ersclieint bei wairfan 
auch du m. Dat. Diese echt german. Konstruktion wird angewendet, 
wenn die Vorlage elvai, fivecOai mit etc verbindet, vgl. warp du 
haubida waihstins' ^Tvr|0ri ek KeqpaX^v ^iwviac Me 12,10 u. a. 

2. Bei den Verben des Neimens erscheint mitunter anstatt des 
Akk. iiach griech. Vorbild ein aufterhalb der Konslruktion stehender 
Nom.: jus wopeitf mik- laisare is jah frauja* 6 bibdcKaXoc xai 6 
xOpioc J 13,13. 

243. 0ber den Nominativ mit Infinitiv vgl. 316. 

244. Ein Nominativus absolutus mit Part. Perf. 
scbeint ein- oder zweimal belegt zu sein: jah waurpans dags 
gatils ' xai Yevojutvrjc f)|uepac eiiKaipou Me 6,21. urrann sa 
daupa gabundans handum jah fotwis faskjam jahwlits is auralja 
bibundans Kai f) 8yic aurou coubapitu Trepiebebero J 11,44. 

Vgl. H. Rtickert Germ. 1 1,415 ff., Genng ZZ. 6,1 ff., Lucke Absol. 
Partizipia im Got. S. 9 u. 25, van Helten PBB. 35,310. J 11,44 
kann die befremdhche Konstruktion dureh Einschub von was leicht 
beseitigt werden (J. Grimm, E Schulze, Mafimann, KOhler, Rflckert, 
van Helten); Me 6,21 dagegen bedurfte es eines gewaltsamern Eingriffes. 



166 Syntax. [ 244-248. 

liber das nur im Nom. vorkommende sog. absolute Partizipium 
vgl. 326 Anm. 

245. Der Nominativ als Anredeform steht im Plu- 
ral und im Singular dort, wo kein Vokativ vorhanden ist. 

Anmerkung 3. In sklavischer Nachahmung des Griechischen 
erscheint bisweilen der Nom. in der Anredc an Stelle des Vok.: 
hails, piudans ludaie* xrtp e ; pciciXeuc TUJV 'loubaduv J 19,3 gegen- 
fiber hails, piudan ludaie* \ctipe, ftaaXeO TI&V 'loubafwv Me 15,18. 

2. Akknsatir. 

246. Der Akkusativ als Objektskasus unterschei- 
det sich in seinem Gebrauch fast gar nicht von den all- 
gemein giiltigen Typen. Neben dem Akkusativ des aufiern 
findet sich auch der des innern Objektes; in seinen ein- 
fachen Formen ist auch dieser germanisch, die Ausdeh- 
nung seiner Anwendung in der got. Bibel beruht jedoch 
auf Nachahmung des Originals. Vgl. haifstei PO godon 
haifst' ayvjvilov TOV KCtXov crfUM* T 6,12 usw. 

247. J. Die Impersonalien c es hungert, diirstet 5 
haben den Akk. der Person bei sich. Jabai gredo fi- 
jand Jjeinana ' ectv ireiva 6 exBpoc cou R 12,20. fana 
gaggandan du mis ni huggreif, jah pana galaubjandan 
du mis ni paurseip Ivcwhun ' 6 dpxojuevoc irpoc jme oi jaf| 
ireivdaj KQI 6 Tncieuiuv ou jarj biipricri J 6,35. 

2. bar' ist oder Jcara c es kiimmert" regiert den Akk. 
der Person und den Gen. der Sache. ni Jcar' ist 
ina pize lambe ' ou judXei auiuj uepi TUIV irpopdiujv J 10,18. 

3. skula wisan c schuldig sein' wu*d wie skal mit dem 
Akk. der Sache verburiden. aflet mis paid skulans si- 
jaima' id d^eiXrjjLiaTa fijaijuv M 6,12. 

248. Doppelter Akkusativ. l.Akk. der Person 
-f- Akk. der Sache bei den Verben des Lehrens und 
Bittens (wie im Griech.): laisida ins in gajukom manag* 
bi6acKev auiouc TroXXd Me 4,2. patei pislvap pd bidjais 
mik STI o ddv arrf|cnc jne Me 6,23. 

Anmerkung. Bei bidjan kann neben dem Akk. der Person 
auch der Genitiv der Sache stehn. Jabai kis bidjif mik' idv rt 
jute J 14,14. 



248252.] Der einfache Salz: Nomen und Pronomen. 167 



2. Akk. des Objekts + A ^k. des Pradikats 
bei den Verben des Machens, Zeigens, Ansehns, Rechnens, 
Nennens u. dgl. Die Haufigkeit dieeer Konetruktion be- 
ruht auf dem Einflufi des griech. Originals. Ohne griech. 
Entsprechung : so sunja frijans izwis briggip * Xeu0epUJCi 
\jjuctc J 8,32, panzei jah apaustuluns namnida ouc 
xai dirocroXouc dbvojuacev L 6,13. motarjos garaihtana 
domidedun gup' oi reXujvai dbucaiujcav TOY 9eov L 7,29. 

249. Ober den Akkusativ mit Infinitiv vgl. 317. 

250. Akkusativ der r&umlichen und zeitlichen 
Ausdehnung: jabai Jvas puk ananaupjai rasta aina, gaggais 
mip imma twos' OCTIC ce orffapeucei MiXiov ?v, uTraye |uei' 
auroO brio M5,41. alia nalit fairliarbaidjandans ' bi 
oXric VUKTOC KOTTidtcaviec L5,5. jah qwo msandei in 
runa Uopis jera twalif' oOca ^v pikei aijuaroc dtro ^TUJV 
bdbbeKa L 8,43. man ay auk me I frawdlw ina * iroXXoic 
yap xpovoic cuvnpTidKei auiov L8,29. 

251. Einen Accusativus absolutus nimmt man an 
auf Grund von M 6,3 puk taujandan armaion ni witi hlei- 
dumei peina Iva taujip taihswo pewa ' coO b TTOIOUVTOC dXe- 
r|)Liocuvriv und Me 6,22 atgaggandein inn daulitar Herodiadins 
jah plinsjandein jah galeikandein Heroda jah paim mipana- 
kumljandam, qap piudans du pizai maujai ' eiceX0oucnc Tflc 
OuTarpoc . . . KCU 6pxnca)iievrjC Kai apecaoic TUJ 'Hpujbr) Kai 
TOIC cuvavaKeijuevoic, eiTrev 6 paciXeuc TUJ xopacitu. 

Im zweiten Beispiel stellt man gewOhnlich durch die Anderung 
*dauhtr emen Dativ absol. her; im ersten lafit man den Akku- 
sativ von iriti abhangen, doch befnedigt diese Aushilfe nicht. Vgl. 
Ruckert S. 416, Liicke S. 26 f. 

B. DatiY. 

95IS. K<5hler A. tlber den s>Titaktischen Gebrauch des 
Dativs im Got. Gottinger Diss., Dresden 1864 = Germania ll,261ff., 
Nachtrag 12,63f. 

Piper P. tJber den Gebrauch des Dativs im Ulfilas, Heliand 
und Otfrid. Progr. Altona J874. 

Bernhardt Die Dative bei telcan usw. Beitrage zui* deut- 
schen Phil. S. 76 ff. t)ber den Ersatz des verlornen Ablativs 
ZZ. 13,16 ff. 



168 Syntax. [ 252. 253. 

Winkler Kasussyntax S. 1145. 

Delbrflck Synkretismus S. 187204. 

Der got. Dativ ist ein Mischkasus. Er entspricht formell 
dem idg. Instrumental (a- und maskul. i-Stamme), dem Lokativ 
(femin. -, ?t- und kons. Stamine aller Genera) und dem Dativ 
(o-Stamme), niemals jedoch der idg. Ablativbildung. 

253. Der meist personliche Dativ der Beteiligung 
und des Interesses steht 1. adverbal bei Verben, die 
horen, dienen, gehorchen, willfahren, danken, drohen, 
ztirnen, widerstehen, niitzen, schaden, gefallen, diinken, 
ziemen, glcichen, geben, zuteil werden, einem etwas sein 
oder werden u. ii. bedeuten. Vgl. gup frawaurhtaim ni 
andhauseip * djuapTiuXuJV OUK dKOuei J 9,31. ainamma 
andtilop* voc dvOeHerai L 16,13. awihudonds guda ' bo- 
Hdujv TOV 9e6v L 18,43. witop fraujinop mam ' Kupieuei 
TOU dvOpaiTTOU R7,l. hleilida Israela fiunwtgu sewamma ' 
avreXdpeio 'I., Traiboc auroO L 1,54. ni liugaip izwis 
misso ' jLirj ipeubecGe eic dXXrjXouc C 3,9. saei ubil qifai 
attin seinamma' 6 KaKoXoyujv iraiepa Me 7,10. fugkeif 
im ' boKoGciv M 6,7. garda waldan ' oiKobeciroTeiv T 5,14. 
karjamma ize ivairfip gens ' rivoc auiiuv ?crai 
Me 12, 23. swe fijands izwis warp' uicre ex^P^ c 
YeTOva G4,16. fraujin paurfts pis ist' 6 Kupioc auroO 
Xpeiav ?x ei L 19,34. ni auk ist allaim galaubeins ' ou ydp 
rrdviujv (kjiv FG defg it) f) TTICTIC th 3,2. Ivas imma 
ragineis was' TIC cujujknjXoc auroO dyeveTO R 11,34. niu pata 
ist. . . bropar Takoba * oux OUTOC ecriv . . . dbeX^oc 'laKubjtou 
Me 6,3. sijai . . . allaim andbahts * crai irdviujv biaKOVOC 
Me 9,35. frauja ist sa sunus mans jah pamma sabbato * 
TOU cappdtou Me 2, 28. ni is frijonds kaisara* OUK ei 
tpiXoc TOU Kaicapoc J 19,12. 

Anmerkung. Man beachtc den Gebrauch der Dativkon- 
struktion an Stelle des griech. possessiven Genitivs. Ahnliche Um- 
bildungen auch in dram imma du fotum' Jirecev aOroO eic TOUC 
n6bac Jll,32. gasalboda fotuns Jesua' fjXeiipev ToOc ir6bac TOO 
MricoO J 12,3 u. a., die unter 255 fallen. 

2. adnominal a) bei einigen Adjektiven; der 
gotisch-germanische Sprachgebrauch stimmt fast durchweg 



253255.] Der einfache Satz: Nomen und Pronomen. 169 

mit dem grieehischen tiberein. Vgl. kas, bruk fraujin* 
euxpnctov Tip becTTOTrj t2,21, kunfs famma gudjin * 
YVUJCTOC TUJ dpxiepei J 18,15. sunus ainaha aipein sei- 
nai' juovoTevrjC Tfj jurirpi L 7,12. azeiizo ist ulbandau 
. . . galdpan ' euKOTrtutepov kriv KdjitnXov eiceXGeiv Me 10,25. 
sum aigands Hub an a sis' dYOtTrnrov auiou Me 12,6. 
skuldu ist unsis* ?ecnv f^ctc L 20,22. nist unmahtcig 
guda' OIIK dbuvairjcei irapd (fchlt min bceff 8 lq) tip GEUJ 
Ll,37. 

b) bei No-minibus action is. Vgl. liuhaf du and- 
huleinai fiudom jah wutyu mcwagcin feinai ' 9u)c eic diTOKd- 
Xui|iiv deviijv xal ooav XaoO cou L2,32. uswaltcinai 
faim liausjondam' im KaiacTpocprj TUJV QKOUOVTUUV t2,14. 

254. Dativ -f- Akkusativ bei transitiven Verben. 
Neben dem meist sachlichen Akkusativobjekt steht der 
Dativ als Triiger des personlichen Interesses. Vgl. 7.. B. 
yiban wulfu yufla LI 7, 18 usw. usw. 

Anmerkungen. 

1. Bei der Verwandlunj? der aktiven in die passive Konstruktion 
bleibt der Dativ, vgl. z. B.fatei habaip, aftuwada inntia 9 



In loserer Weise kann der Dativ als Dativ us com modi 
oder incommodi sowie als Dativus ethicus y:enau wie im Nhd. 
mit Verben verbunden werden. Vgl. ntm fun boko* ' b&a\ cou 16 
Ypct|U|na L 16,6.7. rodtda sis aitis* eiTrev ^v ^aurijj L 7,39. 

255. Der Dativ als Objekt. Dieses ist iiberwiegend 
personlich. Der Objektsdativ ypielt iin Gotischen wie 
im Nordgeriuaniscbeu eine ungemein wichtige Rolle. 
Eine scharfe Abgrenzung zwischen ibin und dem Dativ 
der Beteiligung, sowie dem instrumentalen Dativ ( 25G) 
ist nicht immer moglich. Vgl. ei lair gats im faura famma 
unseljin' f iva Trjpncijc aurouc J17,15. ni balwjais mis' 
jurj fie Pacavicrjc Me 5,7. ni frapj'is faim yudis ' oii cppo- 
ve*ic id ToO 0eoO Me 8,33. gahorinoda izai in hairtin 
seinamma' djuoixeucev auiriv M5,28. gaplaihands im * 
^vaYKaXicdjaevoc aura Me 10,16. Iva gaumels gramsta ' 
TI pXeTieic TO Kdpq>oc L 6,41. kukida fotum is ' KaiecpiXei 
TOUC Ttobac L 7,38. lailoun imma * dXoibopncav auiov 



170 Syntax. 

,79,28. anparamma frakann * TOU iepou xonracppovricei 
M6,24. taitok mis sums ' fi^aro juou TIC L8,46. halt nu 
ivitan famma hlaiwa ' dccpaXicOfivai TOV rdtcpov M 27,64. 
frawas allamma ' barravricavTOC COJTOU Ttdvia L 15,14. 
fraqimandei allamma seinamma ' bcnravrjcaca id trap' auTfjc 
Trdvia Me 5,26. ni qa,m saiivalom qisljan ' vpuxdc ouro- 
Xeccu L 9,56 (ebenso fraqistjan}. 

Dativische Reflexiva sincl faurhtjan sis (ni faurh- 
teif izwis Me 16,6 1st zweideutig, doch gehort das Verbum 
nach Ausweis des Ahd. hierher), ogan sis c sich furchtcn' : 
ni ogs fus J 12,15. frawaurkjan sis 'sicli versiindigen' : 
frawaurhta mis in himin L15,18. 

Anuierkun^en. 

1. Viele der Verba mil Dativobjekt kftnnen statt dessen aucli 
in Akkusativobjekt bei sich haben, z. B. Inleifip paim lambarn * 
dqp(r)Civ Tot irpd^aTd J 10,12: el ..mik ainana, bileipip i'va fyt. 
]u6vov d9f|T J 16,32. hausfan wird in der Reg'el mil dem Daiiv 
der Person, aber dem Akkusativ der Sadie verbundeii, vg'l. qemwn 
hausjan imma' r)XBov dKoOcai ai)roO LG,17: hausjands ivaurda 
meina' dKOUUJV M.OU TUJV Xoyun/ L 6,47. ei usdribeina imma' 
i'va ^KpaXiuav auio L9,40: usdreihands a Hans' ^K^aXujv iravrac 
L 8,54. sokeif mis nsqiman ' t^TeiTc!. i^e dTTOKTivai J 8,37: sumans 
mUiggwandans, sumanzuh fan nsqimandans Me 12,5 (so stets 
nach einem den Akkusativ regierenden Verbum). qimlf jdh ttx- 
qisteif aur t jam faint diroX^cei TOIJC yeujpYoOc TOUTOUC L 20,10: 
qimif jah uxtgisteff fans waurstwjans' oiTroX^cei TOIJC Y eu ^PT^ c 
Me 12,9. fiufida guda' e^X6Trjcev TOV 0e6v L2,28: fiufjancls 
ffuf' euXoYUJV 76 v 6e6v LI, 64. Jrizai manac/ein fullafahjan' 
TIJJ SxXuj TO iuavdv iroif)cai Me 15,15: siponjans fullafahida Skeir. 7,21. 
waridedum imma' ^KUuXucajaev ai)TOv Me 9, 38: ni ivarjip fo 
[barna] " )uf| xujXi)Te ai)Ta Me 10,14. 

2. In einigen Fallen lafU die Verschiedenheit der Konslruktion 
deutlidi eine Bedeutungsverschiedenheit erkennen. Vgl. ana- 
halt an m. Dat. e schelten 5 : andhofun auk jainaim anahaitandam im 
Skeir. 8,9. anahaitan m. Akk. e anrufen': He iveitwod gup ana- 
haita' fub be imdpTDpa rdv 6e6v TriKaXoO|iiai k 1,23. gasakan 
in. Dat. e drohen': gasok windam' ^TT6Ti|UTicev TOIC dv^iuotc M8,26 
m. Akk. r uberfuhren, zum Schweigen hringen' : fans frawaurhtans . . . 
gasak' TOUC 6i ( uapTdvo\Tac ^XeYX^ T5,20. us kins an m. Dat, 
c verwerfen, vertreiben': stains fammei wskusun timrjans' XiOov 8v 
^iTboK{|uiacav L 20,1 7; uskusun imma ut' ^^faXov a(T6v L4,29 
m. Akk. c prufen': all usJc^^lsaif ' TtdvTa boKiiadleie Th 5,21. kaus- 



255.256.] Der einfache Satz: Nomen und Pronomen. 171 

jan m. Dat. e kosten, kennen lernen* : fafei ni kausjand daufau 
oi oi) \jii\ YcticuiVTcii eavdrou L9,27 J8,52* m. Akk. 'prtifen': 
auhme usbauhta fmf jdh gagga kausjan fans' bOK^dcai aura 
L 14,19. frafjan m. Dat. 'verstehif : jah ija ni frofunfamma 
waurda ' od cuvfjxav 76 jtf^a L 2,50 m. Akk. c der Meinung sein' : 
fata samo in izwis misso frafjandans ' 76 a>To eic d\Xr|Xouc <ppo- 
voOvTec R 12,16 u. a. m. 

256, Der instrumentale Dativ IB! im Gotischen 
nicht selten, beruht doch ein Teil der got. Dativbildungen 
auf dem idg. Instrumental. Wie dieser kann daher auch 
der got. Dativ 1. das Werkzeug oder Mittel bezeichnen 
und 2. als Soziativ fungicren. Die Grenzen sind fliefiend. 

1. Der Dativ des Werkzeugs oder Mittels; mcist 
bei transitiven, seltener bei intransitiven Verben, ver- 
einzclt auch bei Nominibus. Vgl. bigr aland fijawds feinai 
grabai fuk' irepipaXouciv x^P^Ka coi L 19,43. sa and- 
staldans fraiiva pana saiandan ' 6 dTrixoprifaiv c^^PI^ 01 
TUJ cireipovTi k 9,10. lisatida wa [ireinngard] fafom ' 
TrepieOnKev qppaYl^ov Me 12,1. faurtvalwjands staina 
mikilamma daurons fis hlaiwis ' TTpocKuXicac Xi0ov ^cuv 
TV] 0upa M 27,60. mei gadragkeip awcwa . . . stikla leal- 
dis watins ' oc edv TTOiicr) 2va Ttoiripiov ipuxpoO M 10,42. 
gahamofizwissarwamgudis* evbucacGe Tr)V Travo7r\iavE6,ll, 
vgl. R 13,14 K 15,53. gagg in hefjon feina jah gain- 
hands haurdai seinai' xXeicac THV Gupav cou M6,6. 
Jvafro fans mag loas gasofjan lilaibam' xP T ^ cotl ofpTtuv 
Me 8,4. lofam slohun' eppdiricav M 26,67. gawasifs 
taglam idbandaus* ^vbeoujutvoc Tpixac KajurjXou Me 1,6. 
rignida swibla jah fun in' ?ppeSev Oeiov Kal irOp LI 7, 29. 
twai sparwans assarjau bugjanda' dccapiou TruuXeirai 
M 10,29. daupeinai fizaiei ik daupjada ' 6 
Zo^ai Me 10,38. Jcniwam knussjands ' 
Me 1,40. ivaurdam weihan' XoTOjaaxeTv t2,14. ei 
. . ainamma munfa hauhjaif guf ' tv ^vi CTOjuari R 15,6. 
marei winda mikilamma waiandin urraisida was ' dvejtiou 
TTveovioc J6,18. 



1 Del brack Synkretismus S. 192 will daufau als Akk. fassen, 
doch widerspricht die Bedeutungsdifferenz f^ec6ai : boKijuidZieiv. 



172 Syntax. 

Bei Nominibus steht der Dativ des Werkzeugs in 
anstai audahafta' KexctpiTU)jLi4vn L 1,28. inkilpo sunau' 
cuveiXriqpwcx uiov L 1,36. gaskohai suljom' imobebe- 
jLievouc cavbdXia Me 6,9. faim liugom haftam ' TOIC 
feYOt|Lir)K6civ K7,10. Vgl. auch twain hundam skatte 
hlaiboff ' buxKOciuJV brivapiiuv fipTOi J 6,7. 

2. Der Dativ in soziativer Bedeutung ist am 
deutlichsten bei den mit mip- und ga- zusammengesetzten 
Verbcn zu erkennen. Vgl. gap-pan-mip-sandidedum imma 
Irofar ' cuveirejiiipajLiev b juei 5 aurou k 8,18. mipinsan- 
dida imma' cuvarrecTeiXa k!2,18. airpai puk gtiibn- 
jand' ebacpiouav L 19,44. 

An die Verba des Zusammenseins schliefien sich 
die Verba der Trennung an; bei diesen ist der instru- 
mental Dativ in gegensatzlicher Anlehnung an jene 
entstanden. Vgl. galausips i? qenai' XeXucai diro f^vaiKOC 
K 7 7 27 nach dem Vorbild gabundans is qenai ebd.; fairra 
imma mmndin ' Troppuu auioO OVTOC L 14,32 nach dem 
Muster was . . . neloa lairusaulwmiam * rjv ^fT^c TUJV f lepo- 
coXOjauJV J 11,18; afsto]>um paim analaugnjam aiwiskjis' 
dTTei7T(i|ue0a TCX Kpuma rfjc aicxuvrjc k 4,2 nach der Ana- 
logic von atstandandane imma ' TUJV TrapecrriKOTUJV Me 14,47 
u. dgl. m. Ebenso erkliirt sich der Dativ bei andirasjan: 
andwasidedun iita pizai paurpurai' ^ebucav auiov xr|V 
iTOp^upav Me 15,20 durch den Einflufi des Oppositums: 
gawasidedun ina paurpurai ' evbuouav auiov iropcpupav 
Me 15,17 u. a. m. 

Auch von Adjektiven und Substantiven ist der 
soziative Dativ abhangig: ibnans aggilum auk sind ' 
kdfT^Xoi Y^p eiciv L 20,36. wiprawairp Galeilaia ' 
dvTiTrepa Tflc FaXiXaiac L 8,26. ni wairpaip nu gadailans 
im ' cujLijueroxoi aurujv E 5,7. jah galaistans imma waur- 
pun ' KaiebiuuHav aurov Me 1,36. mip gasinpam uns * 
cuv^Kbrijuoc f)jLiujv k 8,19. 

In den meisten Fallen stimmt die gotische Kon- 
struktion zur griechischen. 



256. 257.] Der einfache Satz: Nomen und Prononien. 173 

Anmerkungen. 

1. 1st die Instrumentalbedeutung verblafit, so kann der 
Akkusativ an die Stelle des Dativs treten. Vgl. waurd saijif* 
T6v X6^ov crrdpei Me 4, 14- du saian fraiwa seinamma* roO ciTEipai 
TOV crcdpov auToO L 8,5 Me 4,3. wairpam natja ' xoiXdcujjiiev T& 
MKTUCC L5,5; wairpandans naff * pdXovtac d|ii<pipXT]CTpov Me 1,16: 
jabai manna wairpif fraiwa dv j3dXrj r6v cir6pov Me 4,26 ; stainam 
wairpandans' Xi9opoXr|cavTC Me 12,4 (vgl. L4,9: Me 11,23). Ahn- 
lich bei uswairpan, vgl. z. B. Me 11, 15: Me 3,22 u. 6". fata bal- 
mn frabugjan* TO |uOpov irpaefjvai Me 14,5: fize frabugjandane 
ahakim* TUIV iriuXouvTuv TCIC irepiCTepdc Me 11,15 u. a. 

2. Der sog. Dativ-lnstrumental der Art und Weise 1st nur 
eine Abart der beiden Hauptkategonen, von denen er sich nicht 
mit objektiver Sicherheit scheiden laLit. In einem Satz wie prau- 
fetjands gahulidamma haubida ' irpoqprvreuiuv Katd K9aXf^c ^x wv 
Kll,4 1st der Dativ ebensowohl soziativ wie die nhd. Wendung 
c mit vcrhiilJteni Haupt\ Ebenso smd die adverbialen Dative 
ufarassau r im tlberfluid' d. i. e sehr\ namin, f namen&', siunai L 3,22 
und die charakteristischen Dative auf die Frnge: 'wie oft? 5 zu beur- 
teilen. \gl.frim sin f am afaikis mik ' xplc diTapvr|CT| |ue M 20, 75 G A 
(vgl. LI 7,4); an far am ma sin fa hana wopida ' IK beirr^pou 
Me 14,72 u. a. 

3. Eine eigcne Instrumental form in lebendigom Gebranch 
existiert noch beim Neutrum dcs Interrogativpronomens. 
Vgl. Ice supuda* dv T(VI auTo dpTucetai Me 9,50 tmdLh'pgafwjwda' 
tv T(VI dpTuerjcerai L 14,34 mit salta gawpof siui C4,0; he was- 
jaima ' T( Trpipa\db(Lie6a M (>,31 und he wa)aif ' TI ^vbuc^cOE M6,25 
mit yawasifs taglaw ^vbebujut^voc Tplxac Me 1,6; he nn galeiko 
fans mans ' T(VI ouv 6|aoidjcu) TOIJC dvepujirouc L 7,31 mit galeiko 
ina walra frodamma M 7,24. Endlich erscheint he beim Kom- 
parativ: he managizo taujif' TI rcepiccdv iroierte r quo amplius, um 
wievicl rnehr' M5 ; 47. Hiermit stimmt der einzijfe Belcg des In- 
strumentals von fata: ni fe haldis r non eo amplius" 1 Skeir. 4,22. 
t)ber die Altcrtumlichkeit des neutralen instrunientals beim Pro- 
nomen (im Gegensatz zum Dativ) vgl. Behagliel Literaturbl. 1908 ; 
Sp. 666. 

257. Dativ der Zeitbestimmung : es 1st nicht mit 
Sicherheit zu entscheiden, ob Inptrumental oder Lokativ 
zugrunde liegt. Der gotische Dativ ontspricht meist einem 
griechischen. Aber urreisif naht jali daga ' VUKTQ Kai fjjuepav 
Me 4,27. nratodedun fai birusjos is jera kammeh in 
lairmalem ' Kai 5 ?TOC L2,41. himma daga' cr||uepov 
M 6,11. daufu ni gasaihif aiwa dage' eic TOV aiiliva 



174 Syntax. [ 257260. 



J8,51. ni wairpai sa plauhs izwar wintrau' 
Me 13, 18. ni wilda laggai Jveilai ' TU xp6vov L 18,4. 
andanahtja pan waurfanamma ' 6ipiac 6e YVO|uvnc Me 1,32, 
vgl. at andanahtja w. Me 4, 3 5. 

258. Dativ beim Komparativ sowie bei anfar 
alja. Er 1st der syntaktische Vertreter des idg. Ablativs: 
in den Ablativ trat bei Vergleichungen der Gegenstand, 
von dem aus beurteilt, mit dem also verglichen wird. 
Vgl. swwfoza mis' icxupoiepoc jaou Skeir. 3,24f. managizo 
praufetau * Trepiccoiepov TTpocprjiou M 11,9. maiza imma' 
jueiEwv aurou M 11,11. nist aufar alja imma' OUK JCTIV 
fiXXoc TrX^jV auioO Me 12,32. 

Anmerkung. Der Ersatz des idg. Ablativs durch den got. 
Dativ ist memes Bedunkens durch den idg. Zusammenfall 
des Ablativs und des Dativs in alien Pluralkategonen zu 
erkliren. Hierdurch war die naheliegende M6gliclikeit geboten, auch 
ini Singular die Funktion des Ablativus comparationis auf den Dativ 
zu ubertragen. Vgl. auch Delbruck Synkretismus S. 2B1 f. 

259. tFber den Dativ mit Infinitiv vgl. 318. 

260. Der Dativus absolutus. Wir konnen die 
Entwicklung der dativischen Partizipialkonstruktion, die 
man als die absolute bezeichnet, nocb deutlich verfolgen. 
Den Ausgangspunkt bilden Satze wie qiman&in fan in 
gar da duatidjdedun imma fai blindans ' X06vTi eic ifjv oiKiav 
TrpocfiXGov aura) oi rucpXoi M 9,28. Hier biingt der 
pronominale Dativ regelrecht vom Verb ab und ist von 
einem partizipialen Attribut begleitet. Sind Partizipium 
und Pronomen weit voneinander getrennt, BO kann zur 
Erbobung der Deutlicbkeit das Pronomen nochmals zum 
Partizip binzugefvigt werden, vgl. innatgaggandin imma 
in Kafarnawn duatiddja imma hundafafs' eiceXGovn aurui 
TrpocfiXOev auTiu feKaiovTapxoc M 8,5. Diese bequeme Kon- 
struktion wendet nun der tJbersetzer mit Vorliebe an, um 
den griech. Genitiv absol. wiederzugeben. Meist, doch 
nicht immer iet eine Beziehung des iibergeordneten Verbs 
zum Subjekt des Gen. abs. vorhanden; sie fehlt ganz 
L3,l R9,l k5,3. Die Grundlage dieser Dativkonstruktion 
mag germanisch sein, da auch das Nordische sie kennt, 



260262.] Der einfache Satz: Nomen und Pronomen. 175 

vgl. Grimm. Gramm. 4,1090 Neudruck; ihre got. Ausgestal- 
tung steht jedoch sichtlich unter griech. Einflutf. VgL 
Liicke S. 19 ff., Winkler HSff., v. d. Meer 216 ff., 
A. Beer Kl. Beitrage zur got. Syntax (Bohm. Ges. d. W., 
phil. Kl., 1904, Nr. XIII). 

Anmerkungen. 

1 Zum Verstandnis deb sog. absoluten Dativs trSgt die Ver- 
gleichung mil ahnlicheii Akkusativkonstruktioncn bei, die gleich- 
falls zur Wiedergabe des gr. Gen. abs. hier und da verwandt werden. 
Vgl. inngaggandan ina \n ship baf ina saei was wods* ^(iipdv- 
TOC atitoC etc TO irXoiov irapeicdXei aiiTov 6 bat|iiovic9eic Me 5, 18; 
nauhfanuh fan fatrra wis<i udan yasalo ina atta iV aOtoO juaKpav 
dir^xovToc, elbev CCUTOV 6 -rrairip aOroO L 15,20. 

2. Mit dem abb. Dativ 1st die von at abhdiigige Parlizipial- 
kon.^truktion aufs niicbste verwandt. Vgl. naidipanuh a1 innna 
rodj and in qam ludas' ^TI aOroO XaXoOvToc irapcrfiveTai loubac 
Me 14,43 rait nauhfanuh imma rodjandin qewun frani famma 
siniagogufada ' IT\ aOtou XaXoOvtoc ^pxovrai Me 5,H5. Iru Anord. 
M dicse Konstruktion bologt, vgl. Grimm Grain m. 4,10W) Neudr. 

4. Oenltir. 

361. Schrader K. Uber den syntaktischen Gcbraucb des 
Genitivs in der gotischen yprache. Gftttinger Diss., Halle 1874. 

Bernhardt Uber den Gen. part, nach transhiven Verl>en ini 
Got. ZZ. 2,292 ff. Der Genitiv bei Verben der Bewegung. Beitrage 
zur dcutsclien Philologie S. 74ff. waldan. ZZ. 13,15f. 

Winkler Der gotische ablativartige und instrumentalartige 
Geriitiv. Kusussyntax S. 313 ff. 

Delbriick Synkretismus 20524. 

Der Genitiv ist von Haus aus ein adverbaler Kasus. Er be- 
zeiclmet das Ausgebn von Etwas. Er bertihrt sich aufs engste 
init dein Ablativ, fur den es urspriinglich nur im Singular der 
o-Stamme eine besondere Form gegeben hat. Jm Mittelpunkt des 
Gebrauchs steht der ablativische partitive Genitiv: er bezeichnet 
das Ganze als Ausgangspunkt des Verbal- oder Nominalbegriffs. 
Man vergleiche die im Nhd. zur Gemtivumschreibung verwendete 
Richtungspraposition e von'. 

Die gotischen Genitivkonstruktionen decken sich in der Mehr- 
zahl der Falle mit den griechischen ; doch ist das Gebiet des gotischen 
Genitivs nicht unwesentlich gr6fier als das des griechischen. 

262. Der G-enitivus partitivus 1. bei Verben: d 
akranis fis weinagardis gebeina imma ' Kva OITTO TOU KapTioO 
bujciv auTUJ L 20,10. namuh pans hlaibans lesus . . . 



176 Syntax. 

samaleiko jah pize fiske ' IXafSev TOUC (Jprouc, 6jiioiujc Kal 
K TUJV 6i|mpiiuv J6,ll. jdbai has matjip pis hlaibis* 
i&v TIC (pap] ex TOUTOU TOU fipiou J 6,51. pis stiklis 
drigkai' K ToO Troirjpiou TTiveTU) K 11,28. ibai aufto 
leihlis bruhta' jurjTt d'pa rrj Xct9pia i%pr\c6.\Jir\v k 1,17. Beirn 
Passiv: jabai gibaidau kunja pamma taikne ' ei boOrjceTdi rfj 
fevea rauir) ame'iov Me 8,1 2. 

Besonders charakteristisch 1st dieser Genitiv fiir die 
negativen Satze. Hier 1st er eine im Untcrgang begriffene 
Altertiimlichkeit und hat urspriinglich wie imSlavischen 
von der Negation abgehangen. Vgl. ni was im barnc* 
OVIK riv auTOic TEKVOV L 1,7. ni was im rumis* OIIK fjv 
auioic TOTTOC L 2,7. in fizei ni habaida diupaizos air- 
fas' bid TO jurj ?x eiv Pa^oc f\\c Me 4,5. ni habaidedeip 
frawaurhtais ' OUK av ei'xeTe d^apTiav J9,41. - ni haban- 
dcin wamme aipfau maile ' \ir\ ?x oucav crnXov f\ pUTiba 
E 5,27. jabai . . . barne ni bileipai ' iav Texva jar) dcprj 
Me 12,19. m bUtyim barne ' oil KcrreXmov Texva L 20,31. 
Vgl. Verf. IF. 18,403. 

Anmerkung. Diese Fu^ung 1st im Aussterben und wird in 
der Regel durch die Akkusalivkonstruktion ersetzt. Vgl. z. B. lilaibans 
ni hdbaif Me 8, 17. wein jah leipu nt driykid L 1,15. nist 
sunja in imma J 8,44 usw. 

2. Von Nominibus abbangig (meist init dem Ur- 
tcxt ubereiiiRtimmend). Vgl. z. B. maitageins filu ludaie * 
6'xXoc iroXuc ^K TIJJV 'loubaiujv J 12,9. allis cjanauJian * 
iracctv auTdpKeiav k9,8. Bei den Zahlsubstantiven: 
suniwe Banauis .x. .m. .b. ' uioi Bavow eHaKOCioi TeccapaKOVTa 
buo Neb 7,15; skatie Jimf "hunda ' bnvdpia irevTaKoaa L 7,41. 

Bei Pronominibus: und fata heilos' eqp 3 ocov M 9,15; 
fai piudo * oi dGviKoi M 6,7. lea ubilis ' TI KCXKOV 
Me 15,14; Irouh . . . samaqisse ' TIC cujLicpibvncic k 6,15. 
lea fulginis * TI KPUTTTOV Me 4, 22; Ico Iveilo' xpovov Tivd 
K 16,7. hammeli...bia^andane' TTCXVTI TLU aiTOUVTi L 6,30. 

in pod baurge ' eic iiv . . . iroXiv L 10,8. ni ainshun 
praufete ' oubeic irpocpriTnc L 4,24. ni ainshun ist pize 
afletandane gard* oubeic ^CTIV 8c acpfiKev okiav LI 8, 29. 



262264.] Der einfache Satz: Nomen und Pronomen. 177 

Bei Adjcktiven (z. T. nur im Neutr. Sg.): af allam- 
ma waihte ' diro TTOVTOC eibouc Th 5,22. Ivan filu asnje * 
TTOCOI juiceioi LI 5, 17. leitil beistis* juiKpot Wjuri K5,6. 

swalaud metis' TOCOUTOV xpovov J 14,9. managai pize 
siponje' TroXXoi IK TIJJV juaGnrwv J6,60. manne sums' 
fivBpunroc TIC L 15,11. Beim Superlativ: gudjane an- 
humistans' o\ dpxiepeic Me 11,18. hfiwe leikis lasiwostai* 
jjieXr) dcOeveciepa K 12,22. 

263. 1. Der sog. Objektsgenitiv bei den Verben 
f &ich erinnern, wahrnehmen, streben' hat einen mehr oder 
weniger deutlich aupgesprochenen partitiven Charakter. 
Vgl. gamaudeif izwis allis ' uTrojavrjcei ujuctc Trdvra J 14,26. 

gamunan. hausjan c horen auf: hausjandans fize 
waurde * dKOucavrec TUJV X6ruuv J7,40. Usaikandans go- 
dis' Trpovooujuevoi KaXa R 12,1 7. Ms Udjau* TI aiTrj- 
cujjaai Me 6,24. Iris mik fraihnis ' TI jtie ^piuToic J 18,21. 

iropjawdam seina misso * TOIC irpoccpuuvoOciv dXXr|Xoic 
L7,32. beidands lafonais ' irpocbexojLievoc TrapaxXriciv 
L 2,25. gairnjan. gripun is fai juggalaudeis * KpctToOciv 
auTov Me 14,51. htlpunsara' Por|0ricov ^Tv Me 9,22. 

du luston izos * irpoc TO ^TTiGujufjcai auTiiv M 5,28. 
gaweisof unsara' ^TriCKei|;eTai fj|Lidc LI, 78. 

2. Genitivus objeetivus nacb Nominibus wie 
im Griecbischen. Vgl. auch du suniwe gadedai ' eic wo- 
Oeciav E 1,5. wilodis gamideins ' r\ vojuoGeda R 9,4. 
saggwa boko' Tf] dvafvubcei T4,13. 

264. Genitivus possessivus, gleich dem partitiven 
einen ablativischen Charakter zeigend: Von jemand 
ausgehn, herkommen, zu ihm gehoren 3 . 

1. Bei den Verben wisan und wairfan: fu fize si- 
ponje is' cu ^K TUJV juaeriTUiv ei J 18,17 (partitiv-possessiv ; 
du gehoret zu den J.). ni im fis leikis ' OIJK eijui ^K TOO 
CUJUCXTOC K 12,15. Ivazuh sad ist sunjos* TOC 6 ujv & 
TTJC dXr]0eiac J 18,37. Ivarjis fize wairfip qens' TIVOC 
auTUJv TtveTai yuvri L 20,33. 

2. Bei Nominibus. Der Gebrauch deckt sich rneist 
mit dem griechischen. Beach te Ubersetzungen wie all 

Streitberg, Gotisches Elementarbuch. 12 



178 Syntax. [ 264267. 

boko gudiskaizos ahmateinais ' irfica Ypa<Pfi OedtrveucTOC 1 3,16. 

borne barna ' iKfova T 5,4. 

Anmerkung. Da s sich beim Gen. poss. ftberall urn den 
Ausdruck einer ZugehSrigkeit handelt, fallt in seine Sphere auch der 
Genitivus subjectivus, der Genitivus qualitatis u. dgl. m. 

265. Ablativisch 1st auch der Genitiv der 
Trennung 1. bei den Verben c heilen von, reinigen von, 
einer Sache entbehren, sich hiiten vor 5 u. dgl. m. gahailida 
managans af sauhtim jah sldhim jah ahmane ubilaize ' drro 
vociuv KCU jnacTiTU)v xai TTVUJUUXTUJV TrovnpuJV L7,21. 
jabai has gdhrainjai sik fizei ' dv oOv TIC dwcaGdpij &XUTOV 
drro TOUTUJV t 2,21. qinons pozei wesun galeikinodos ah- 
ubilaize jah sauhte ' ai r^cav TeOepaireujuievai diro irveu- 

L 8,2. allis sik gafarbaif ' Ttdvia dyKpaTeueTcu 
K 9,25. atsailvip izms pis beistis Fareisaie * pXezreie dir6 
Tf\c Wjinc Me 8,15. 

Anmerkung. Ablativisch 1st vielleicbt auch der Genitiv 
bei skaman sik c sich schamen'; denn er kann den Ausgangspunkt 
des SchamgefQhls bezeicbnen; vgl. saei skamaif sik meina jah 
waurde meinaize ' ^irmcxuvSf) ^ie xal roOc ^jnoOc \6youc Me 8,38. 
Doch beacbte auch Delbnlck Synkretismus S. 206. 212. 

2. bei Adjektiven enteprechender Bedeutung: fra- 
maps. frija ist pis wtodis' ^XeuGdpa ^CTW diro roO 
v6jutou R7,3. icitodis laus' (Jvofioc K9,21. parbs. 

Iva auk ist, pize wanai weseip " S f|rrr|9r|Te k 12,13 u. a. 

266. Im scheinbaren Gegensatz hierzu steht der 
sogen. instrumentale Genitiv 1. bei den Verben des 
Fullens. Br bezeichnet die Masse, von der genommen 
wird. Vgl. utfullips im gaplaihtais, ufarfullips im fahedais* 
TrenXripiJU^ai T^| mxpaicXricei, OTrepirepicceuoiLiai T^ xP^ k 7,4. 

ahmins fullnands jah handugeins ' irveuiuaTi TrXnpoujLievov 
co^iac L 2,40. sad itan haurne ' xopTac8f|vai &c Tiiiv 
Kpariujv L 15,16. 

2. bei den Adjektiven voll, wiirdig, heilig U. &. 
banjo fulls 1 f|\K^evoc L 16,20. wairps. weihs 
fraujins * &tiov TIJJ xupiuu L 2,23. 

267. Genitiv des Raumes und der Zeit: 1. manna 
sums gaggida landis* dnebrnnTicev L19,12 (nach M25,15; 



267.268.] Der einfache Satz: Nomen und Pronomen. 179 

vgl. auch Me 12,1). galetfands MaJcidonais' rropeu6- 
jnevoc eic MctKebovictv T 1,3. insandida ina haifjos set- 
naizos' frrejuiyev aOt&v eic TOUC dtpouc (in agro sw> ae, 
in villa(m) sua(m) it pier) L 15,15. 

2. wasfraquman dagis Jvizuh stiur <.a/>* fiv yw6neva 
dc fm4pavNeh5,18. gistradagis in auhn galagif ' aupiov 
M 6,30. framwigis gif unsis fana hlaif' irdviOTe J 6,34. 
Ein Genitiv der Zeit findet sich auch L2,36: sok 
framdldra dage managaize * auir| trpopeprjicuia iv f||n4paic 
TToXXaic. 

Anmerkung. Zu Adverbien geworden sind die Genitive 
fttai48, (dlis, raihtis. 

Anhang. 
PrSposItionen. 

268. Naber F. Gotische Prapositionen. L (Prapp. m. Akk.). 
Progr. Detmold 1879. 

Mourek R Syntaxis gotsk^ch pfedlo2ek. Prag 1890. 

BorrmannJ. Ruhe und Richtung in den got. Verbalbegriffen. 
Diss. Halle 1892. 

Huth W. Die mit der got. Proposition af zusarnmenhangen- 
den Adverbia und Prapositionen. Leipziger Diss. Halle 1903. 

Winkler Kasussyntax S. 145311. 

Delbruck Synkretismus. (Urgerman. Prapositionen S. 145 51. 
Der Instrumental mit Prapp. 16163. Der ablativische Dat. bei 
Prapp. 201.) 

A. Mit einem Zasns. 

a) Mit dem Dativ: af *von*, alja e au&er', andwairpis c gegen- 
CJber 5 , du r zu\ fairra Tern', faura l vor', fram e von', mif c mit 5 , 
neJva c nahe bei*, undaro e unter', us e aus'. 

b) Mit dem Akkusativ: and c lftngs 5 , four 'vor', inuh c ohne% 
fairh e durch\ undar 'unter', wifra c gegen'. 

c) Mit dem Genitiv: hindana e von hinten 5 , innana e innen', 
utana 'aufien 5 , utafro c von aufien'. 

B. Mit mekrern Kwus. 

a) Mit Dativ und Akkusativ: afar c nach% ana c an', at e bei t 
zu>, bi e bei, urn, an', hindar c hinter', uf 'unter', vfar 'uber', und 
*um, bis zu'. 

b) Mit Genitiv und Dativ: ufaro e aber*. 

c) Mit Genitiv und Dativ und Akkusativ: in 'wegen* (Gen.) 
*in, nach, auf. 

12* 



180 Syntax. [268273. 

Fttr alle Einzelheiten im Gebrauch der Prapositionen mufi auf 
das Wftrterbuch verwiesen werden. Hier sei nur auf einige Tat- 
sachen von allgemeinerer Bedeutung auftnerksam gemacht. 

69. 1. Bei den Verben des Fallens, Saens, Setzens, 
Leg ens, Kommens u. a. herrscht im Got. vielfach das Verhaltnis der 
Rune, nicht wie im Nhd. das der Richtung. Ygl. gadraus ana. 
stainahamma' irl T6 Me 4,5; fai ana airfai fizai godon 
saianans* dni T^JV f?\v Me 4,20; strawidedun ana wig a' etc T^V 6b6v 
Mcll,8; ana lukarnastafin <^ga>satjif' rciXuxv(ac L8,16; gam 
ana famma a tad a' iri Tdv TOTTOV L 19,5 gegenuber drusun ana 
ina' TriTr(Trriv atirCp Me 3,10; saiada ana air fa' ui TT^C yf|c 
Me 4,31 ; uslagidedun handuns ana ina m ^irdpaXov iiC aOr6v Tac x^pac 
Me 14,46 u. a. brahtedun pana fulan at lesua' trpoc r6v Me 11,7; 
galundanana at daura' irp6c T^V Me 11, 4; qam at marein' updc 
TT^JV Me 7,31 u. a. nibriggais uns in fraistubnjai' etc M6,13; 
saei sai'if in leilca seinamma' ek G6,8; gimands in gar da' 
cic M8,14 gegenuber fai in faurnuns saianans' eic Me 4,18; sa 
qimanda in fo manasep* eic J 6,14 u. a. 

^7O. 2. Bei den Verben des Empfangens, Nehmens, 
Findens, HOrens, Essens steht at m. Dat., wahrend iin Griech. 
und im Deutschen die Richtung e von her' betont wird, vgl. and- 
nam at fraujin' &u6 K 11,23; Ugitan armahairtein at fraujin' 
irapd 11,18; waurde foei at mis hausides' irapd tl,13; hlaif mati- 
dedum at hamma' irapd th3,8 u. a. 

71. 3. Ohne Rticksicht auf die Ruhe- oder Richtungs- 
bedeutung des Verbums steht bei miduma, midjis stets der Dativ, 
vgl. urreis in midumai' ic Td jn^cov Me 3,3; gawairpands ina 
. . .in midjaim* etc ^cov L4,35; ebenso stand mmidjaimLbfi; 
ahnl. Me 14,60. 

IV. Adjektiva. 

272. Jellinek Zum schwachen Adjektiv. PBB. 34,581 84. 
Vgl. HZ. Am. 50,7 f. 

Delbruck Das schwache Adjektiv und der Artikel im Germ. 
IF. 26,187 -99. Berttcksichttgt nur gelegentlich das Gotische. 

Lichtenheld A. Das schwache Adj. irn Got. HZ. 18,17ff. 

liber die Adj. mit ausschhefilich starker Flexion vgl. 180, 
fiber die mit ausschlieMich schwacher Flexion 187. Alle 
tibrigen flektieren stark und schwach. 

273. Die starke Term steht: 1. Beim pradika- 
tiven Adj. fast ausnahmslos. Vgl. sadai waurjwn ' ixop- 
TdcGncav Me 8, 8. go} fus ist hamfamma in lihain galei- 
fan * KaX6v coi cnv Me 9,43. 



273.274.] Der einfache Satz: Nomen und Pronomen. 181 

Anmerkungen. 

1. Die 187,6 aufgezahlten Komposita zeigen auch in pra- 
dikativer Stellung stets schwache Flexion. 

2. Abgesehn hiervon tritt schwaches prftdikatives Adjektiv 
nur ganz vereinzelt auf, vgl. sa gawilja isf atirdc cuveuboicet 
K7,13 (dagegen stark: so gawilja V. 12); swa unfrofans sijuf' 
oOrujc dv6r]Tol dcre G 3,3; haita . . . po uriliubon Hub on * xaX^coi . . . 
iV|v OUK f|TaTn^|Li^vr|v f]Yairrmdvr]v R9,25; insandidedun laushand- 
jan' dir^creiXav xev6v Me 12,3 (dagegen stark: insandidedun ganai- 
tidana V. 4). 

2. Bei den attributiven sowie bei den allein- 
stehenden substantivisch gebrauchten Adjektiven (sog. 
syntaktische Substantivierung, Jellinek PBB. 34,582), wenn 
kein Artikel vorauegeht. in ahmin weihamma * v Trveii- 
Juan aYiuj Me 1,8 usw. ni faurlun hailai lekeis, ak fai 
urihaili habandam ' oii xP^iav ?x ouciv 0<l icxuoviec larpou 
M9,12. in namin garaihtis* eic ovojaa fcucctiou M 10,41. 
[of] piufa unfiiup' iv Tip ohra0Lu TO KaKOV R 12,21. 

Anmerkungen. 

3. Das artikellose schwache Adjektiv erscheint attributiv in 
einigen Formeln ; vgl. Itbains atweino ' toji] alibvioc (htiufig), balwein 
aiweinon M 25,40, fralust aiweinon thl,9; auf PersoneB nezuglich: 
Teimaupaiau walisinbarna Tl,2; Teimaupaiaw, liubin barna tl,2, 
ahnl. Tit 1,4. Vgl. Jellinek PBB. 34,583. 

4. Selten sind auch artikellose substantivierte schwache Ad- 
jektiva; es handelt sich hier um Falle semantischer Substanti- 
vierung (Jellinek aO.). Vgl. twai blindans M9,27 (: blindai u#- 
sailvand Ml 1,5); daupans ni urreisand K15,16 u. 6. (idaupai urrei- 
sand Mll,5)u. a. Artikellos schw. Neutrum: usgibip nu aHaim 
sktddo ' dirdboTC oOv irdciv rdc 6<pi\ctc R 13 7. 

274. Dan schwache Adjektivum dagegen stebt : 
1. In attributiver und substantivischer Funk- 
tion, wenn der Artikel vorausgeht: sa liuba bro]>ar' 
6 dYttTrriTOC dbeXqpoc E6,21. hairdeis sa goda' 6 7roijur|V 
6 KaXoc J10,ll (unmittelbar voraus geht ik im hairdeis 
gods' 6 TToijuiYv 6 KCtX6c). in pamma daga ubilin* iv Tfl 
f||Liep(f T^| Trovnpqi E6,13 usw. }ai hrainjahair tans' 
oi Ka9apol Tf| xapbicji Skeir.6,27f. (M 5,8). pai garaihtans 
oi bmaioi M 25,46. sa mahteiga ' 6 buvctT6c Ll,49 
Pata managizo' TO irepiccov M5,37 usw. 



182 Syntax. [274.275. 

Anmerkungen. 

1. Im Nominally des Part. Pras. stehn *-Fonn und schwache 
Bildung nebeneinander, ohne dafi ein syntaktischer Unterschied 
wabrnehmbar ware; denn die s-Form erscbeint sogar nach dem 
Artikel, vgl. ludas sa galewjands ina * 6 Ttapabibouc aOr6v M27,3 
golja izwis ik Tairtius sa meljands fo aipistaulein ' 6 TP<tyac 
-rf|v mcTO\Viv R 16,22, u. a. neben ik im hlaifs sa libanda ' 6 &PTOC 
6 u>v J 6,51. fiufida sa qimanda in namin fraujins ' 6 px6- 
|4voc J 12,13 usw. 

2. Wohl nur eine Entgleisung 1st die st. Form in fize ligan- 
dane weihaize M 27,52. In dem Satz/atw weiham faim wisandam 
in Aifaison jah triggwaim in Xristau lesu E 1,1 kann triggwaim 
als artikellose bestimmte Form der artikulierten schwachen faim 
weiham koordiniert werden. Vgl. auch Grimm Gramm. 4,620 Neudr. 

2. Beim Vokativ in fast alien Fallen: atta weiha' 
Trdtep ST^ J 17,11. brofrjus meinai liubans ' dbeXqpoi |tiou 
dYairr|TOi K 15^68. o unfrodans Galateis G 3,1. 

Anmerkung 3. Einen merkwftrdigen Wechsel von starker 
und schwacher Flexion zeigt L 1,28: fagino, anstai audahafta . . . 
fiufido fu in qinom x a ^P KxapiTU)|ii^vTi . . . 



V. Pronomina. 

1. Die Personalpronomina. a) Sie erscheinen 
in der got. Bibel, entgegen dem Gebrauch der iibrigen 
germ. Dialekte, niemals in enklitischer Stellung, wohl 
nur deshalb, weil die griech. Vorlage kein enklitisches 
Personalpronomen kannte. b) Im allgemeinen eteht 
im got. Text das Personalpronomen dort, wo es in der 
Vorlage auftritt. Doch hat der lebendige got. Sprach- 
gebrauch den Zusatz des Personalpronomens zweifellos in 
viel weiterm Umfang erfordert, da mancbe Verbalformen 
erst durch das Pronomen ihre genauere Bestimmung er- 
halten, vgl. z. B. ni freihanda jus in uns * oti CTevoxujpeicOe 
iv f^Tv k 6,12. Daher sind Auslassungen wie M 6,14 
sicher als Grazismen zu betrachten. Im Vokativ wird 
6fters das Pron. d. 2. Pers. zugeeetzt, abweichend vom 
griech. Original, vgl. fu leiki* ionrpfe L4,23; fu ahma, fu 
unrodjands t6 TrveOjJia 16 dXaXov Me 9,25; audagai jus m- 
ledans * jiaKdpioi oi irriuxoi L6,20. Vgl. Meillet De 1'emploi 
des pronoms personnels au Nominatif. MSLP. 15,86 91. 



875278.] Der einfache Satz: Nomen und Pronomen. 1831 

Anmerkung. Bedeutungslos ist die Dissertation von E. Fried- 
richs Die Stellung des Pron. personate im Got Jena 1891 [1893]. 

276* 2. Das Reflexiv bezieht sich nur auf das 
Subjekt seines Satzes; dagegen bezieht sioh das ana- 
phorische Pronomen is stets auf ein andres Wort seines 
Satzes als das Subjekt oder auch auf das Subjekt eines 
fremden Satzes. Das Reflexiv steht regelmaCig nach 
seinem Verbum; nur wenn vor das Verbum eine nahere 
Bestimmung tritt, kann es auch vorstehn. Vgl. run 
gawavrhtedun sis alia so hairda ' uipjuncev Trdica f) cnfiXri 
M 8,32. jah gaf jah faim mif sis wsandam * role cuv 
aura) ouav Me 2,26. Gegeniiber ginons . . . pozei laistidedun 
afar lesua fram Galeilaia andbahtjandeins imma ' bidKOVoC- 
cai auTtu M 27,55. guf hauheif ina (den Sohn) in sis ' 
6 Geoc boEdcei aurov v &XUTUJ J 13,32. 

277, Die Reziprozitat wird gewohnlich durch das 
Pereonalpronomen in Verbindung mit dem flg. Adverb 
missoi mitunter auch durch doppeltes anfar ausgedriickt. 
Vgl. ni birodeif mif izwis misso ' \JLT\ YOTpi^ere jLieT* 1 dXXrjXuuv 
J 6,43. fo nu sis misso andstandand ' Taura b dXXrjXoic 
avTiKeirai G 5,17. sijwn anfar anfaris lipus ' c^v 
dXXr|Xu)v judXt] E 4,25 A. anfar anfarana munands sis au- 
hwnan ' dXXrjXouc fjYOUfAevoi uTrepexoviac ^auiaiv Ph 2,3. 

278. Das anaphorische Pronomen is iibersetzt fast 
durchweg griech. aviioc oder 6 be. Es ist nicht deiktisch. 
Nicht selten erscheint es dem griechischen Text gegeniiber 
als Zusatz, ist jedoch alsdann oft durch Parallelstellen 
oder den Wortlaut der altlat. Bibel veranlafit. Vgl. z. B. 
ga'havsjandans Ivan flu is tawida ' dKOiicaviec 8ca ^TTOICI 
Me 3,8. fadei hausidedun ei is wesi ' STTOU f|KOUov 8n 
^ctiv Me 6,55. if si andhof imma jah gap du imma * 
f| bfe dtreKpiGTi Kal X4yi auTip Me 7,28 (afinq D). saei 
jah warf galewjands ina' 8c xai ^vero Trpoborric L 6,16 
(nach M27,3 J18,2). if eis tauhunlesu' dTOuciv oflv 
t6v 'Irjcouv J 18,28. andhafjands im lesus qaf diro- 
KpiOeic 6 'Incouc emev Me 10,29 (nach M 19,26). 



184 Syntax. [ 279. 280. 

279. 1. Das Possessivpronomen steht regelmaCig 
nach dem Substantiv, auch im Widerspruch mit dem 
griech. Text; nur weun es stark betont 1st, steht es vor. 
Vgl. qen feina' rrjv Yuvcmca K7,16. haubip pein' coO 
rf|v KecpaXrjV M 6,17. saei skamaip sik waurde meinaize ' 
6c Traicxuv9r| TOUC |LIOUC XOYOUC Me 8,38 usw. pu qipis: 
jdbai loas me in waurd fastai, ni kausjai daapau* dv TIC TOV 
Xoyov JLAOU Trjprjcrj J 8,52 (in charakteristischem Gegensatz 
zu Christ! Rede: jdbai loas waurd me in fastaif * TOV Xoyov 
T&V djiiov) usw. 

2. Das reflexive Possessiv seinf>* raufi sich stets 
auf das Subjekt seines Satzes beziehn. Bezieht sich 
unser nhd. c sem' auf ein andres Wort als auf das Subj. 
seines Satzes, so mufi es durch den Gen. des anapho- 
rischen Pronomens is gegeben werden. In diesem Fall 
steht der Genitiv von is meist nach seinera Regens, auch 
gegen den griechischen Text, habatid mizdon seina' dire- 
Xouci TOV |LAic06v aiJTUJV M 6,5. Aber qino . . . bap ina, ei 
fo unhulpon mwaurpi us dauhtr izos ' Tva TO 6ai|n6viov 
^KpaXr) ^K Tfjc OuyaTpoc auTfjc Me 7,26. nisi siponeis 
ufar laisari seinana; ip gamamvids karjiznh wairpai swe 
laisaris is ' (mp TOV bibdcKaXov auToO UK 6 5ibdcKaXoc 
auToO L 6,40. pata prutsfill is ' aiiToO f| Xerrpa M 8,3. 

jah ivisa in friapwai is * Kai |uevu> aiiToO ev Tf] aTctTrrj 
J 15,10 u. a. 

Anmerkung. Der Gen. des anaphorischen Pronomens stehl 
falschlich fur das refl. Possessiv: izei bidai faur tzwis yairnjandans 
izwara k9,l^J wairps sa waurslwa mizdons is T5,18. 

280. 1. silba c selbst 5 steht vor dera Substantiv, 
aber nach dem Personalpronornen, auch dem Re- 
flexiv (ausgenommen, wenn silba nicht im Kasus des 
Reflexivs, sondern im Nom. steht), dem Possessivum 
und dem Demonstrativum. Vgl. bi silbins apaustaulaus 
insahtai K Unterschr. ik silba Paivlus ' U^TOC i^d) TT. 
k 10,1. sa gibands sik silban ' 6 bouc &XUTOV T 2,6. 

Pai andstandandans silbans sik' oi dvGecTrjKOTec otUTo!c 
(ipsi sibi Car) R13,2. fata silbo taujan' auTO TOUTO 



280.281.] Der einfache Satz: Nomen und Pronomen. 185 

2. Mit einem Possessivpronomen wird derGeni- 
tiv von silba verbunden, der sich im Genus und Numerus 
nach dem Substantiv richtet, auf das sich das Possessiv 
bezieht, vgl. feina silbons saiwala fairhgaggif hairus ' coO 
o coiinc ifjv Mwxrjv fcieXeucerai jfojucpaio: L 2,35. waurstw 
sein silbins Jriusai Jvarjizuh ' 16 & pyov &XUTOU fcoKijuafceTU) 
K<XCTOC G 6,4. 

281. Pas Demonstrativum sa. 1. Als ECHTES 
DEMONSTRATIVE iibersetzt es in der Regel OUTOC, nicht 
selten auch CXUTOC, vereinzelt iceTvoc. Ohne griechische 
Entsprechung steht das Pronomen z B. jah gatauhun ina 
du Annin frumist] sa was auk swaihra Kajafin ' f\v yap 
TievGepoc J18,13. Seimon qaf: pana gawenja fammci 
vnanagizo fragaf * iiTToXajLipdviu 8n ib TO TrXeTov ^x a P l/caTO 
L 7,43. patei nu gup gawap, manna ]>amma ni skaidai ' 
uvGpumoc Jin 5 ) x^P^Tiw Me 10,9. ak galauljai fata, ei 
paid qipip yagaggip ' dXXd TTicreucr) on fi Xe^ci Tiveiai 
Me 11, 23. Wie man sieht, steht es regelmaCig vor dem 
Beziehungswort. 

Anmerkung. is gegenuber wird #a durch seine ausgesprochen 
deiktische Bedeutung charakterisiert. sa erscheint, wenn auf 
einen Gegenstand als etwas Bekanntes hingewiesen werden soil. 
Von Haus aus 1st es em Pronomen der e der-Domonstration', d. h. 
der Unterschied von Nahe und Feme, von Du und Er hat bei ihm 
keine Rolle gespielt, nur die e ioh-Demonstration 5 hat einen Gegen- 
satz gebildet. Im Gotischen hat auch fur die C ich-Demonstration', 
bei der der Sprechende den Blick des Anperedeten peflissentlicli auf 
sich und seine Sphare lenkt, sa gegolten und hat das alte Pronomen 
der C ich-Deixis 5 hi- fast ganz verdrungt, vgl. z. B. fai sun jus fi$ 
aiwis ' ToO aii&voc ToOrou L 16,8. Das Pronomen der 'jener-Demon- 
stration 5 , bei der auf weiter Zuruckliegendes oder auf Etwas, das 
auf der andern Seite ist, hingewiesen wir<l, das also im Gegensatz 
zu den Pronominibus der 'ich-' und der r der-Demonstration' sleht, 
ist got. jains c jener\ Nflheres bei Brugmann Die Demonstrativ- 
pronomina der idg. Sprachen (Leipzig 1904). 

Wahrend das anaphorische Pronomen is nur substantivisch 
ist, fungiert sa substantivisch wie adjektivisch. Ober den Bedeutungs- 
unterschied zwischen sa und tsah vgl. 168. 

2. Als ERSATZ DES GRIECH. ARTIKELS. Vgl. Bernhardt 
Der Artikel im Gotischen. Progr. Erfurt 1874. Versteht 



186 Syntax. 

man unter'Artikel 5 das gewohnheitsmafiig und obligatorisch 
zugefiigte Demonstrativum, das eine Person oder Sache 
als bekannt charakterisiert, BO hat das Gotische keinen 
Artikel (Brugmann Demonstrate vpronomina S. 21). 

Die Verwendung des got. artikelartigen sa lafH sich etwa 
folgendermafaen bestimmen: a) Es steht nur dort, wo die griechische 
Vorlage den Artikel hat. Ausnahmefalle, wo das got. sa keinem 
griech. Artikel gegenflbersteht, sind kaum mit Sicherheit nach- 
zuweisen. Vgl. etwa insandidedun ferjans fans us liutein tailcn- 
jandans sik garaihtans wisan* drc&TiXav fxa6rouc uiroxpivo^vouc 
L 20,20. b) Dagegen wird durehaus nicht jeder Artikel des 
Originals durch got. sa wiedergegeben. So ist z. B. im 8 Lukas- 
kapitel der griech. Artikel nur vierzigmal tibersetzt, achtzigmal 
jedoch ausgelassen worden! Untibersetzt bleibt normalerweise 
beim alleinstehenden Substantiv der generisch gehrauchte Ar- 
tikel, vgl. z. B. fiufeigs manna us flufeigamma huzda hairtim seinis 
usbairid fiuf jah ubils manna us ubilamma huzda hairtins seinis 
usbaind ubil ; uzuh allis ufarfullein hairtins rodeid munfs is ' 
6 dta06c &v0pumoc ^K TOO draGoO OrjcaupoO Tfjc xapbiac aOroO 
irpo<pdpi rd dyaedv xal 6 -rrovripoc 6v6piUTroc &c ToO iroviipoO 
6r]caupoO rfjc xapbiac auroO Tipocp^pei TO irovr]p6v ^K f^p irepic- 
ccOjuiaTOC xapbiac XaXei TO CT6|ma aOioO L6,45. Ebenso der Ar- 
tikel vor Eigennamen, sowie bei nicht vorher genannten oder an- 
gedeuteten Personen und Sachen, vgl. swasice rod-Ida du attam un- 
saraim, Abrahanta jah fraiwa is und aiw ' xaGibc ^Xd\r]cev irpoc 
ToOc iraTdpac fnaOjv, T(JI 'Appadji xal TCj) cir^pimaTi aOToO eic TOV 
alibva L 1,55. Sehr deutlich tritt bisweilen der Unterschied 
zwischen nicht Erwahntem und Erwahntem zutage, vgl. qefun fan 
du immai sai, aifei feina jah brofrjus feinai jah swistrjus peinos 
uta sokjand fuk ' elirov bt criiTCp CboO, f) |u^Trip cou Kal o I dbeX^ol 
cou xai a I dbeXqpal cou ^tu Zr)ToOc(v ce. jah andhof im qifands: 
ko ist so aifei tneina aiffau fai brofrjus meinai' T(C ^CTIV f) 
HT'ITTIP ^ou f| ol dbeX^oi (nou Me 3,32.33. 

Haufiger als beim alleinstehenden erscheint sa gr. Artikel 
vor dein mit Attributen versehenen Substantiv, vgl. z. B. fai 
guf 1 gasaihand* atiToi T6v 6edv ^xpovrai Skeir. 6,28; sunau gudis' 
uU TOO 6eoO M8,29 gegendber fis audagins gudis' TOO juaxapiou 6eoO 
Tl,ll. fu isXristus- cO el 6 Xpicroc Me 8,29 gegeniiher kustu 
sokeif fis in mis rodjandins Xristaus' TOO dv ^jnol XaXoOvroc X. 
k 13,3. Nicht selten fehlt jedoch auch bei dem mit Attributen 
versehenen Substantiv sa = gr. Artikel, vgl. haila laisein ni usfu- 

1 Stets ohne Artikel. Ebenso frauja und atta als Bezeich- 
nungen Gottes. 



281283.] Der einfache Satz: Nomen und Pronomen. 187 

land' tf|C tiftaivoftcric bibacxaXiac OUK dv&ovrai t4,3 gegenflber jabai 
ka aljis fizai hailon leiseinai andstandif ' Tfj Ufiaivoucrj bibactcaMqi 
T 1,10. insandida mik libands atta ' 6 i)bv iran^p J 6,57 gegen- 
flber fie sandjandins mik attins * TOO ir^|uuyavT6c ye mxTp<5c J 14,24. 
Die griech. Verbindung Artikel + Subst. + Art. + Attnbut wird 
entweder getreulich nachgeahmt, vgl. z. B. gasaikands pan 8 a hun- 
dafafs s a atstandands' 6 Kevrupfujv 6 irapecrriKibc Me 15,39 oder 
sa erscheint nur vor dem Attribut, vgl. rums wigs sa brigganda in 
fralustai' etiptixwpoc fj 6bdc f] dirdfouca M7,13. Dies 1st die ge- 
brftuchlichste Wiedergabe. Nicht selten fehlt jedoch sa auch bei 
Jiachstehendem Attribut, vgl. jains was lukarn bnnnando ' dKeivoc 
?|v 6 XOxvoc 6 Kai6|iivoc Skeir.6,5 (J5,35); sunus gudis libandins' 
6 ul6c roO 6eoO TOO EI&VTOC J6,69 u. dgl. in. 

Anmerkung. 

Werden im Grieohischen zwischen Artikel und Subst. nfthere 
Bestimmungen eingeschoben, so bildet das Gotische dies naeh; ja, 
in PO ana fotum eisarna rdc ir^botc Me 5,4 erscheint diese Konstruklion 
sogar obne direktes griech. Vorbild. Nur L 16,15 fata hauho in 
mannaw Td ^v dvOpdUiroic OvyrjXdv weicht ah. Vereinzelt fehlt sa: 
d bi gawalewai muns gudis wisai ' Vva f] KQT' K\OY^V irp66cic ToO 
GeoO ^vr] R9,ll. 



282. Die Interrogativa Ivas c wcr? 5 , Ivarjis* welch er? 5 , 
Ivafar e wer von beiden? 5 sind aubstantivisch, damit 
verbundene Noinina miissen daher im Genitiv stehn, vgl. 
z. B. loo dailo* TIC jLieTOxn kG,14; loa laune' iroia xP l c 
L6,32; in Ivamma waldufnje* tv TTOIOI dHouci(ji Me 11,28. 
loa ubilis * TI KKKOV Me 15, 14. in loarjis fize waurst- 
we staineif mik ' bid TTOIOV auruiv ?PTOV XiGd^ecOe jne 
J 10,32. Jvapar fize TIC auTuiv L 7,42. 

Anmerkung. Adjektivisch erscheint loos nur L 15,4 has 
manna izwara' TIC ftv6pu)iroc H Ojuti&v. Aurh karjis scheint 
einmal adjektivisch vorzukommen : witup auk loarjos anabusnins 
atgebum izwis ' rlvac iraparreMac irapebibKoincv (L)*FG) Th 4,2 B. 

283. Die Indefinite kazuh und loarjizuh f jeder 5 
sind gleicbfalls substantivisch, vgl. kazuh abne* irfic 
dvtip K 11,4, kazuh gumakundaize* irdv dpcev L2,23; 
karjatoh hunsle' Trdca 6ucia Me 9,49, karjammeh haban- 
dane' iravri TtD lx VTl L 19,26. Dagegen fungieren 
sie bei Zeitangaben adjektivisch, vgl. dag kanoh* 
Kd6' fm^pav L 9,23, jera kammeh ' xaT* frroc L 2,41, keila 



188 Syntax. [283-285. 

koh * iracav uipav K 15,30, and dulf karjo(K) xa0 3 topir\v 
Me 15,6 (M 27,15). 

Anmerkung. irdk e ganz' 1st rein adjektivisch ; irflc c jeder* 
wird entweder durch den adjektivischen Plural von alls uber- 
setzt, vgl. hailjandts allos sauhtins jah alia urihailja* Gepaireuuuv 
irdcav v6cov xal irflcav naAaidav M9,35 usw , oder das Neutrum 
Sing, wird mit dem Genitiv Plur. verbunden, vgl. all bagme go- 
daize' ndv Wvbpov dya06v M7,17; all boko' irdca TP a< Pn t3,16; 
us allamma haimo ' IK Trdcr^c Kibjurjc L 5,17; in all baurge jah stade ' 
elc Ttficav irdXiv xai TOTTOV L 10,1 usw. Nur in den Episteln er- 
&cheint alls auch in der Bedeutung e all, jeder' als adjektivischer 
Singular. Es handelt sich fast durchweg um formelhafte Wen- 
dungen, vgl. in allai biclai jah aihtronai' v iravri rQ irpoceux^l 
xal TQ b/|cei Ph4,B m allai usdaudein irdcij ciroub^ k8,7; ferner 
k 12,12 E 1,3 Phl,2() 2,29 G 1,9 u. a. 

Anhang. 

984, Die Wortstellung des gotischen Textes ist im weitesten 
Umfang von der des Originals abhangig, die Abweichungen sind 
verhaltnismafiig sparlich und wenig bedeutsam. Es ist daher schwer, 
zu umfassenden gesicherten Ergebnissen zu gelangen. Die am 
klarsten zutage lie^enden Besonderheiten der got. Wortstellung sind 
nn Vorausgehenden erwahnt, soweit sie nicht das Verl)um betreffen. 
Naheres findet man bei A Koppitz ZZ. 3-2,433 ff. 33,7 ff. 



Zweiundzwanzigstes Kapitel. 
Der einfache Satz: Das Verbum. 



I. Genus. 
Das Passiv. 

Skladny A. Ober das got. Passiv. Progr. Neifie 1873. 

Das Gotische kennt nur im Prasens eine besondere 
Passivform. Neben ihr dienen zur Umschreibung des 
griechischen Passivs: 

1. Die Verba der 4. schwachen Konjugation 
auf nan sowie andere Intransitiva. Vgl. z. B. distaur- 
nand balgeis' Mrvuvrai ol dacoi M9,17; gafullnoda ahmins 
weihis' frrXrjcOn TrveujLiaTOC dyiou L 1,41. at sunnin fan 



285.] Der einfache Salz: Das Verbnm. 189 

urriwnandin ufbrann jah . . . gafaursnoda ' 4KCtu|uaTic8r} 
xai Hr|pdv9ti Me 4,6. 

An merkungen. 

1. Ohne ersichtlicheu Bedeutungsunterschied wechseln mit- 
unler bei der Umschreibung des gr. Passivs got. Passiva mit Verben 
auf -won, vgl. z. B. foei usfuUjanda in mela stinamma oVnvcc 
ir\ripuj0r|COVTai LI, 20: ei usfnllnodedi pata gamelido* STTUJC 
irXrjpiuetl T6 {nrjedv MS, 17. 

2. Auffallig ist der intransitive Gebrauch dor transitiven 
riaupjan und bimaitan Me 7,4 niba daupjand ' dv jurf| pairriciuvTai und 
K 15,29 pai daupjandans four daufans' ol (JaTrTi6|dvoi tiirp TCAIV 
vcKpiIiv; duke fan daupjand faur ins* TI Kal pctTrriEovTai sowie 
K7,18 mif faurafillja gala fops warp Jvas, ni btmaitai' |un. irepiTe- 
juv^cGujund Gb$jabai Umaitip* &xv TrcpiT^jnvricGe; wohl au(hK 15,58 
nfarfulljandans in waurstiva frawjins afnteino' irepicccOovTec 

dv TCD ^PTV TOO KUpfoU 1ldvTOT. 

2. Reflexiva; das gr. Paesiv wird also medial ge* 
wendet. Vgl. z. B. mlamei fuk us waurtim jah ussatei 
J)uk in marein' ^KpiZ!u)0riTi xai <pUTeu6r|Ti L 17,6. 

Anmerkungen. 

3. Das dativiscbe wie das akkusativische Reflexiv des Go- 
tischen um&chreibt normalerweise das griech. Medium. Mitunter 
ist das Reflexivpronomen aus dem Vorausgehenden zu erganzen: 
fp jabai sa ungalaubjands skaidip sik, skaidai ' et b 6 ATIICTOC 
Xiwpi^CTm, x^P^iGu) ^ 7,15. In zahlreichen Fallen genugt zur 
Wiedergabe des gr. Mediums auch das got. Aktiv, vgl. z. B. 
bidos taujand bcifccic iroioOvrai L 5,33 ; gahaitands pan fans 
twalif* cuTKoXccd^ievoc L9,l. 

4. Auch fur das Aktiv navGdvew 'lernen' steht neben ganiman 
das Refl. galaisjan sik, vgl. Schulze KZ.42,317ff. 

3. Von der Wiedergabe durch got. Aktiva abgesehn, 
miissen alle Vergangenheitsformen des gr. Passive 
durch Umschreibung ausgedriickt werden. Und zwar 
wird der Indikativ Aoristi 69mal durch warf, 42mal 
durcb was und 50mal durch ist gegeben. Imperfekt 
und Plusquamperfekt werden an 17 und 5 Stellen 
durch was umschrieben; das Jmperfekt an 7 Stellen 
auch durch warp. Das Perf ekt wird in 50 Fallen durch 
1st, in 42 durch was und in 4 durch warp iibertragen, 
Vgl. Verfasser PBB. 15,160ff. 



190 Syntax. [285288. 

Anmerkung 5. Der Unterschied zwischen den Umschrei- 
bungen mit wisan und wairpan ist ein Unterschied der Aktions- 
art (vgl. g 290 ff.); der zwischen ist und was ein Unterschied der 
Zeitstufe (vgl. 299 ff.). 

286. Ein personliches Passiv wird von einigeu 
Verben gebildet, die den Dativ regieren; auch von einem 
mit dem Genitiv verbundenen Aktiv (vgl. 241). 

287, Mitunter wird eine griech. Passivkonstruktion 
durch den "Dbersetzer aktiv gewendet und uragekehrt. 

Vgl. jah gafrehun fatei in garda ist fjicoOc6ii Me 2,1 usw. 
ni auk us faurnum Us and a smakkans' ou f&P & dicav9i&v cuX- 
X^pouav cOxa L6,44 (vgl. die altlat. Evv.-Hs. e: de spinis enim fictis 
non leguntur. Ohne lat. Parallele steht das Passiv fUr gr. Aktiv 
M 7,16 J 15,6). mitads goda . . . gibada* |urpov xaXdv bdicouav 
L6,38 nach dem vorausgehenden gibada izwis' bo9/|CTai tijjtfv. 

Anmerkung. tfber den got. Infinitiv Aktiv als Ersatz des 
griech. Passivinfinitivs vgl. 312. 

II. Numerus. 
1. Der Baal. 

fc88. Meillet A. De Temploi du Duel. MSLP. 15,78-86. 

Im Gegensatz zur Koivrj kennt das Gotische beiin 
aktiven Verbum einen Dual. Da dieser aber nur in 
der 1. und der 2. Person erecheint, so int er von der 
Erzahlung ausgeschlossen und tritt lediglich in der 
Rede auf. Vgl. duatiddjedun imma fai blindans jah qaf 
im lesus : ga-u-laubjats fatei magjau fata taujan ? qefun 
du imma: jai, frauja' TTpocfjXGov ourtp ol Tuq>Xoi, Kai XeTi 
adtoTc ' TTicteueTe . . . M 9,28 usw. 

In einem Teil der Stellen werden die Dualfornren 
in strenger Regelmiifiigkeit angewendet, vgl. M 9,28 80 
J 10,30 14,23 17,22 L7,22 Me 1,17 11,2-5 K 9,6. 
Wenn es L2,48f. heiCt: loa gataurides uns (d. i. Joseph 
und Maria) swat sai, sa atia feins jah ik mnnandona so* 
kidedum fuk. Jah qaf du im: Jva fatei sokideduf mikl 
niu wissedup fatei . . .? so ist der Plural an Stelle dec 
Duals durch die Differenz der Geschlechter veranlaBl 
(vgl. winnandond)\ ebenso J9,18 21. 



.] Der einfache Satz: Das Verbum. 191 

In einem andern Teil der Stellen wechseln Dual- 
und Pluralformen willkiirlich miteinander ab, vgl. z. B. 
L 19,30, wo Jesus den beiden Jiingern befiehlt: gaggats 
in fo wifrawatrfon haim, in fizaiei inngaggandans bigitats 
fulan asilaus gabundanana . . . andbindandans ina attiuhif. 
31. Jah jabai loas inqis fraihnai: duloe andbindif? swa 
qipaitsdu imma... 33. Andbindandam fan im <^fana fulan^> 
qefun pai fraujans pis du im: duke andbindats fana fulan? 
Ebenso L9,54 Me 10,35 ff. 14,13 ff. Mit Recht vermutet 
Meillet aO., daC dieses Schwanken unurspruglich sei und 
dafi die spatern Abschreiber fur die Pluralformen an Stelle 
der korrekten Dualformen verantwortlich zu machen seien, 
dafi also damals ein lebendiger Dual nicht mehr existierte. 

2. Inkongrnenz zwichen Pritdlkat und Subjckt. 
989. Im Gegensatz zum griech. Original wird der 
Singular kollektiver Nomina haufig mit dem Plural 
des Pradikats verbunden. Vgl. setun bi ina mawagei* 
^Kd0r|TO 8%\oc Me 3,32. run gawaurhtedun sis alia 
so hairda ' ilipjiiricev traca f\ dy^Xn M 8,32. alls hiuhma 
was manageins beidandans (Verb nach V. 21) irav TO 
TrXfjOoc f\v ToO XaoO Trpoceux6|iievov L 1,10. 

III. Aktionsarten. 

29O. Streitberg Perfektive und imperfeklive Aktionsart 
im Germanischen. PBB. 15,70177. 

S. 76 ff. wird die geaamte ftltere Literatur kritisch untersucht. 

Mourek Syntaxis gotsk^ch pfedlo2ek. Prag 1890. 

Behandelt die Syntax der gotischen Pf&positionen in Verbindung 
mit Verben. 

Delbrflck B. Perfektivierung durch Verbindung mit PrSpo- 
sitionen. (Vergleichende Syntax der idg. Sprachen 2,146 ff.) 

Die Auffa88ung Delbrilcks ist in wesentlichen Punkten irrig, 
vgl Verf. IF. Anz. 11,56 ff. 

Streitberg Zum got. Perfektiv. IF. 21,19396. 

1691. Unter 'Aktionsart 3 versteht man die Art 
und Weiee, wie die durch das Verbum ausgedriickte 
Handlung vor sich geht. Das Gotische kennt folgende 
durch formalo Mittel unterschiedene Aktionsarten: 



192 Syntax. 

A. Die inchoative Aktionsart. 

292. Sie bezeichnet den allmahlichen Uber- 
gang von einem Zustand in den andern. Die Verba 
der 4. schwachen Konjugation auf -wan sind intransitiv- 
incboativ. Doch ist erne starke Neigung zur Perfekti- 
vierung (s. u.) durcb Zusammensetzung vorhanden: von 
58 belegten Verben sind nur 10 nicht komponiert. 

B, Die duratiye Oder imperfektire Aktionsart. 

293. Sie bezeichnet die Handlung in ihrer un- 
unterbrocbenen Dauer oder Kontinuitat. Die iiber- 
wiegende Mehrzahl aller nichtkomponierten gotiscben 
Verba ist durativ. 

C. Die perfektive Aktionsart. 1 

294. Sie bezeichnet die Handlung im Hinblick 
auf den Moment ihrer Vollendung. Vgl. Verf. IF. 
24,311 f. Und zwar kann zwischen effektiver und 
ingressiver Bedeutung unterschieden werden, je nach- 
dem der Moment der Vollendung den Abschlufl einer 
begonnenen Handlung bedeutet oder den Anfang einer 
Handlung, deren Fortgang nicbt mehr in den Gesichts- 
kreis des Sprechenden fallt 2 

Das Mittel der Perfektivierung ist im Gotischen die 
Komposition. Wie die grofie Mehrzahl aller Simpli- 

1 Die perfektive Aktionsart hat mit dem Perfekt nichts 
zu tun. 

2 R. Wustmanns Einwand HZ. Anz. 47,189 bernht auf einem 
sachlichen Irrtum. Ob wir em Pertektivum ingressiv oder effektiv 
ubersetzen, hangt von der ursprunghchen Bedeutung des Simplex 
und weiterhin vom Satzzusammenhang ab: fur diese wie ftir jene 
Bedeulungsnuance gilt jedoch gleichma&ig, da6 die Handlung im 
Hinblick auf den Moment ihrer Vollendung betrachtet wird ; 
ein materieller Unterschied ist daher nicht vorhanden. Daslehrt 
auch die Tatsache, da 6 mitunter ein und dieselbe Form beide 
Nuancen in sich vereinigt, vgl. z. B. faXciv 'abschleudern 5 und 
treffen\ Vgl. jah suns ga*top sa runs blopis izos' icrr\ fi f>ticic 
L 8,44 (ingressiv) gegenviber^afcai./iw gastandif in waurda meinamma, 
bi xunjai siponjos memai sijuf ' t&v Ojnelc jut(vr|Te J 8,31 (effektiv). 



294. 295.] Der einfache Satz: Das Verbum. 193 

zien durativ 1st, so 1st fast die gesamte Masse der 
Komposita perfektiv. Die perfektive Aktionpart tritt 
urn so scharfer hervor, je mehr die materielle Bedeu- 
tung der mit dem Verbum verbundenen Proposition ver- 
blafit ist. Dadurch wird es verstandlich, daC die farb- 
loseste aller Prapositionen ga- das Perfektivierungs- 
inittel KCIT' Soxnv ist. 

Anmerkungen. 

1. Um Mifiverstundnisse zu verhiiten, acbte man genau auf die 
Definition der perfektiven Aktionsart. Wird die Hand lung im 
Hinblick auf den Moment ihrer Vollendung bezel* hnet, so 
folgt daraus mit Notwendigkeit, data alle Zeit, die sie etwa in An- 
spruch nehmen kann, vOllig aufaerhalb des Gesicbtsfeldes des 
Sprechenden liegt, daft im Blickpunkt seines Bewufetseins emzig urid 
allem der Moment der Vollendung steht. So heifit z. B. das nhd. 
Perfektiv ersteigen nicht etwa 'die Hanillung des Steigen& langere 
oder kurzere Zeit ausfuhren und dann endlich den Gipfel erreichen', 
sondern es driickt ohne jeden Nebenbe{rnft' eines kontmuierlichen 
Verlaufs die Handlung des Steigens ledi^lich im Hinblick auf 
den Moment des Abschlusses, d. h. der Erreichung des Giplels aus. 
Behalt man diese Tatsaehe im Auge, so l>egreift man, warum es 
unmoglieh ist, dem Perfektiv irgendwelcbe Bestimmung der Dauer 
binzuzutugen und etwa zu sagen: wir crstiegen den Berg vier 
Stunden Jang; vgl. auch Verf. IF. 24,313 f Die Nicht heachtung 
dieses War zutage liegenden Tatbestandes hat bis zur neuesten Zeit 
die wunderlichsten Fehler und Mifcverstandnisse verschuldet, vgl. 
z. B. Literaturbl. f. german. und rom. Phil. 1903, Sp. 3 f. 

2. Bin formelles Mittel zum Ausdtuck der iterativen, d. i. 
wiederholten (impeifektiven oder perfektiven) Handlung kannte das 
Gotische so wenig wie die tibrigen germanischen Dialekte. In diesem 
Mangel emer besondern Iteralivkategorie haben wir den Grund dafUr 
zu erblicken, dafi es im Gotischen (und uberhaupt im Germanisthen) 
nicht wie im Slavischen zur Entwicklung eines geschlossen en Sy- 
stems der Aktionsarlen gekommen ist Der Umstand, <lafi jedeb 
beliebige Verbum durch den Satzzusainmenhung iterative Bedeutung 
erhalten kann, unterscheidet daher das Gotische (und uberhaupt das 
Germanische) aufs charakteristischste vom Slavischen. Vgl. Verf. 
PBB. 15,122, IF. Anz. 11,64. 

1. Perfektive Komposita. 

295. saei hdbai ausona hausjandona gahausjai* 
8c ?x ei ^ TCt oiKOueiv dKOueiuj e wer Ohren, das Mittel zum 

i-r.. i , . . _i 3 \r- A f\ 00 n \a T Q Q /T -M <l& 



194 Syntax. 

enthalt eine Textverderbnis); vgl. augona hdbandans ni ga- 
saikif jah ausona hdbandans ni gahauseif' 6cp6a\jLiouc 

?XOVTC OU pXeTteie KOl! U&TCt ?X OVT6C ^ K aKOUT6 Me 8,18. 

Sehr eharaktHristisch tritt der Unterschied in der Aktions- 
art zwirtchnn Simplex und Kompositum L8,10 hervor: 
ei saikandans ni gasaikaina ' f iva pXerrovTec |ur| (JXeirujCiv. 
hausjands 1st der f Zuhorer 5 (L 1,66 2,46.47), saikands der 
c Zuichauer 3 (M 27,55 Me 15,40); danait vergleiche man 
M 11,4, wo Christus den Jungern des Tiiufers auftragt: 
gateihif lohanne patei gahauseip jah gasaikif' & (XKOueTe 
xoti pXeTtT e was ihr veraehmt und erblickt\ Scharf tritt 
der Gegensatz der Aktionen auch L 10,24 zutage: mldedun 
saikan fatei jus saihip jah ni gasekun ' r|0e\ricav ibeiv & 
ujueic pXerrere Kai OUK eibov r sie wollten sehn, was ihr jetzt 
vor Augen habt, gelangten aber nicht zu dtesem Anblick 3 . 

Dem durativen sitan steht das ingressive gasitan gegen- 
iiber, vgl. Paitrus uta sat ' ?Htu eKaGryro M 26,69 mit jah 
faifalfl fos bokos jah usgibands andbahta giasi^'TTTuSac TO 
pi^Xiov dirobouc TUJ uTrripeiri dKoi6icev L 4,20. Ebenso ver- 
bal t si ch gastandan zu standan, vgl. L 8,44. haban c in 
Besitz bahen^: gahaban c in Besitz bringen\ vgl. anparai 
usiddjedun gahaban ina' iiX9ov Kpaif^cai airrov Me 3,21. 
slepan c schlafpn 5 : gaslepan r entschlafen 5 , vgl. J 11,1 If. 
Jesus sagt: AdCapoc 6 cpiXoc fjjLiuJv KeKOiVnTcu L. frijonds 
unsar gasaizlep C i4 entschlafen'. Die Biidlichkeit seiner 
Worte nicht fassend, entgegnen die Jiinger: jabai slepif, 
hails wairfif ei KKOijLxr|Tai, cuu0r|CTat c wenn er im Schlafe 
li^gt, wird er genesen 5 . 

fahan c schweigen ? : gafahan c verstummen 5 . Nach der 
Verklarung Cbristi beobacbteten die Jiinger Stillschweigen 
eis pahaidedun jah mann ni gataihun ' autoi kiyricav Kal oubevl 
(x-miTTeiXav L 9,36 gegeniiber L 20,26. Die Pbarisaer 
haben Jesu eine Falle stellen wollen, sehn aber durch 
seine Antwort ihre Absiebt vereitelt jah sildaleikjandans 
andawaurdi is gafahaidedun ' icifr\cav c sie verstummten 5 . 
Ebenso slawan: gaslawan, vgl. L 19,40 jabai fai slawand, 
stainos hropjand * ddv oviioi ciujmicouciv, oi XiGoi KKpdiSovTai 



295.] Der einfache Satz: Das Verbum. 195 

mit L 8,24 : hier gebietet Jesus den Winden und Wogen 
jah anaslawaidedun ' iuavcavro c sie verstummten 3 . Ebenso 
befiehlt er Me 4,39 dem aufgeregten Meere cuima, ireq>i- 
juujco * gaslawai, afdumbn. 

batran 'gebaren 3 : gabairan. qino fan bairif, saurga 
habaid . . . if bife gabauran ist barn ni fanaseifs ni ga- 
man fizos aglons faura fahedai, unte gabaurans warf man- 
na in fairkau * fj yuvfi 8i<xv TIKTTI Xuirnv ?x l * ^rav b 
Yevvrjcq TO TTctibiov, OUKTI juvrjuoveuei rfjc OXiy/eiwc bid T^V 
Xapdv, 8n ifevvr\Qr\ fivOpumoc J 16,21. 

hailjan: gahailjan. witaidedun imma, hailidediu sabbato 
daga * TraperripoOvTo aurov, ei TOIC capftaav Oepaireucei c ob 
er am Sabbat eine Heilung vornahme 3 Me 3,2. fans 
ubil habandam gahailida * TOUC KOKOJC IX OVT(XC 6pcm:eucev 
c er etellte sie ber' M8,16. 

sigqan: gasigqan. miff and fan sagq sunno, dllai . . . 
brahtedun ius du imma ' buvovroc bk. TOU fjXiou iravrec fjTCtTOV 
QUTOUC rrpoc aurov L 4,40. Hier verlangt die Konjunk- 
tion miffanei fan c wtibrend 3 mit Notwendigkeit ein Verbum 
durativer Aktionsart. Damit vergleiche man Me 1,32 
andandhtja fan waurfanamma, fan gasagq sauil, berun du 
imma allans * 6vpiac b^ Tvojnevr]C, 8re Ibu 6 TI\IOC, Icpepov 
irp6c aurov Ttavrac e als der Moment des Sonnenuntergangs 
erschien, mit Sonnenuntergang'; es bandelt sich um die 
Bestimmung des Zeitpunkts, an dem eine Handlung 
eintritt. 

fraihnan: gafraihnan "erfragen, d. h. durch Fragen er- 
fahren 5 , vgl. Me 2,1 gafrehun fatd in garda ist 9 ^KOucGrj 
8n ic OIKOV dctiv. 

rlnnan c laufen 5 : garinnan r erlaufen, d. i. durcb das 
Laufen erreicben, erringen': swa rinnaif, ei garinnaif 
oOrujc rp^XT iva KaraXdpiiTe K 9,24. 

stviltan: gaswiltan. L8,42 wird von Jairi Tochterlein 
gesagt jah so swalt ' aurn dirfeevncKev e sie lag im Sterben, 
kampfte mit dem Tode 5 . Dagegen 8,53 gasaibandans fatd 
gaswalf ib6vtC 8n dTrdOavev c dafi derTod eingetreten war 3 . 

18* 



196 Syntax. [296298. 

2. PerfektiTe Simplizien. 

296* Einer Anzahl nichtkomponierter Verba 1st 
von Haus aus perfektive Aktionsart eigen. Es sind brig- 
gan, in der Bedeutung etwa dem Kompositum ai-bairan 
entsprechend; finfan c erkennen\ etwa einem ga- oder uf- 
kunnan bedeutungsverwandt; frafjan e verstehn'; giban\ m- 
man; qiman; ktan 'verlassen 5 , vgl. etwa afgaggan; gipan 
'sagen 3 (: durat. rodjan 'reden 5 , vgl. dicere : logui, dire : 
parler}\ wairfan (: durat. wisan). 

Vom rein gotischcn Standpunkt aue gehort hierher 
auch gaumjan, das auf ursprunglichem *ga-aumjan beruht. 

DaC die genannten Verba wirklich pertektiv sind, 
ergibt sich nicht nur aus der Analyse ihrer Bedeutung, 
sondern auch aus der Tatsache, daC sie niemals in der 
Komposition roit dem 'farblosen 5 ga- vorbommen, selbst 
nicht im Partizipium Perf. Wo ga- in Verbindung mit 
diesen Verben erscheint, hat es stets seine ursprungliche 
konkrete Bedeutung bewahrt, vgl. ga-qiman C cuvdfec0ai, 
cu^Tropeliec0al, cuvievai\ ga niman r cuX- oder TcapaXaiuipdveiv 3 , 
ga-qifan sis 'cuvTiGecGai 5 , s. Verf. PBB. 15,105 und IF. 
Anz. ll,62f. 

3. Nicht perfektivierbare Durativa. 

297. Einige Verba von ausgesprochen durativer 
Bedeutung entziehn sich der Komposition mit dem e farb- 
losen 5 ga-, d. h. sie sind unfahig, ein c reines 5 Perfektiv 
zu bilden, namlich ein solches, bei dem die Proposition 
keinen Zuwachs an materieller Bedeutung mit- 
bringt. Es sind rodjan (das entsprechende Perlektiv ist 
qipan), wisan in der Bedeutung c sein 5 (: Perfektiv wairfari), 
liban, merjan, fijan, frijon usw. 

Anmerkung. wisan e bleiben 5 erscheint anstandslos mit ga-, 
vgl. jah in garda ni gawas* iv oiKiqi ofrc ^fievev L8,27. 



4. Die Aktionsart nach Hilfsverben. 
298. Je nach der Bedeutung des iibergeordneten 
Hilfsverbums wird der abhangige Infinitiv perfektive oder 
imperfektive Aktionsart aufweisen. 



298J er einfache Satz: Das Verbum. 197 

1. Nach mag c kann, vermag' ist das Perfektiv am 
haufigsten; denn in der Regel wird man betonen, dafi 
man imstande sei, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sel- 
tener dagegen, dafl man eine kontinuierliche Handlung 
auszuiiben vermoge. Vgl. ni magi ain tagl Iveit aiffiau swart 
gataujan ' ou ouvaccu jutav rpfya XeuKity f| jn^Xaivav iroificai 
r du bist nicht imstande, die Urnfarbung auszufiihren* 
M 5,36. swe wullareis ana airfai ni mag gaheitjan ' 
ola Yvacpeuc ou buvarcu Xeuravai Me 9,3. magt mik 
gahrainjan ' buvacai jne KaGapicai c du vermagst den Mo- 
ment der Reinigung herbeizufiihren' M 8,2. ni mag ga* 
saiJvanfiudangardjagudis' ou buvarai ibeiv Skeir.2,6 (J 3,3). 

AlsBeispiele imperfektiver Infinitive vergleiche man qimip 
nahts, panel ni manna mag waurkjan ' 8re oubeic buvarai 
^pY<i2[C0ai J 9,4. magup im waila taujan ' eu iroifjcat 
Me 14,7 ('wohltun' ist ein durativer BegrifF). 

2. Bei wiljau und 3. bei skal halten sich perfektive 
und imperfektive Aktionsart so ziemlich die Wage. VgL 
z. B. wileima Jesu gasaikan ' 0e\0juev ibeiv J 12,21: jabai 
Ivas will frumists ivisan' 0e\ei irpujioc eivai Me 9, 35. 
sind auk managai . . . fanzei skal gamkan ' o\)c bei ^TTtCTOjiiiZieiv 
Tit 1,11 : skalks fraujins ni skal sakan * ou bei ^dxecGai t2,24. 

3. duginnan verlangt seiner Bedeutung wegen aus- 
schliefilich imperfektiven Infinitiv. Daher wird nie- 
mals ein mit dera 'farblosen' ga- zusammengesetztes Ver- 
bum von ihm abhangig gemaeht. Vgl. Verf. PBB. 15,114. 

Anmerkungen. 

1. Oer griech. Aorist und das got. Perfektiv. Der ursprung- 
lich perfektive Aorist ist zur Zeit Wulfilas rein konstatierend. Er 
deckt sich also mit dem got. Perfektiv nicht v6l%, berflhrt sich 
aber mit ihm so nahe, dafi es nicht befremden kann, wenn die per- 
fektive Aktionsart von dem Obertrapenden zum Ersatz des Aorists 
verwandt wird. Am deutlichsten tritt dieses Bestreben in der 
Wiedergabe aoristischer Indikative und Partizipien hervor. VgL Verf. 
PBB. 15,138 ff. 

a) Der Indikativ Aoristi. dnr^Gavov gadaupnoda, gaswalt. 

SfpeEa* si tagram seinaim ganatida meinans fotuns L7,44: 
dugann natjan fotuns' fjpHato ppdxeiv L 7,38. df d^.r\ca ' unte 
fo galiugaida Me 6,17: etun jah drugkun, liuyaidedun jah 



198 Syntax. 



liugaidos wesun ' FjcGiov, grovov, dT^MOUv, &Y<X|-I{OVTO L 17,27. 
7- frfpaijia gamelida (14 inal) : Pras. melja (8 mal). ^Kdfhca 
gasat: sat' icd6r|TO, K<x9&eTO. licXaca gabrak: Irak- dTtdpSei 
G 1,23. dvuydjuTiv * gagg fwahan . . . galaif jah affwoh J9,7; 
usp wo h J 13,12.14. iroln,ca. irpaa' gataurida (41 mal): gdhaus- 
jandans ban filu is tawida* fleet ditoiei Me 3,8. fpn&paca* ws- 
bauhta: bauhtedun jah frabauhtedun, satidedun, timridedun' 
flfdpculov, iribXouv, &PUTCUOV, ipKob6jnouv LI 7,28 u. a. m. fiber 
die Umschreibung des Passivaorists vgl. 285,3. 

b) Das Part izipium Aoristi. frfopdcac usbugjands Me 15,46: 
bugjands' dfopcxEujv Me 11,25 L 19,45. dicoucac" gahatwjands 
(37 mal) : hausjands dKoOiwv (14 mal). pdiyac * ufdaupjands 
J 13,26: daupjands' pcnrrfEiwv. T V OI!IC* ufkunnands G2,9 4,9: 
kunnands ' TivibcKiwv R7,ll E5,5. cOXoTncac * gafiufjands 
Me 8,7 (El, 3): piufjands' eOXoTiDv L 1,64, ibdw gasaikands 
(54 mal), gaumjands (4 mal) : sailvands pXdTriuv (5 mal), Geuipoiv 
(3 mal). KaGicac ' gasitands (4 mal) : inlands ' Ka9r||Lievoc (18 mal), 
cuTKaG^uevoc Me 14,54 und KaGeWjmevoc L 2,46. ira9ibv gaf in- 
lands Me 5,26 : fulands Avx6|iivoc G 3,13. - f){vjiac' atuairpands 
M27 > 5, gawairpandsL4>,35: wairpands* pdXXuiv Me 15,24 (Me 1,16). 

<purr(cac * galiuhtjands 1 1,10: lukarn brinnando jah liuhtjando* 
xaidjuevoc Kal 9a(vwv Skeir. 6,5 (J 5,35) u. a. m. 

(Jber manehe seheinbaren und vereinzelle wirklichen Aus- 
nahmen vgl. aO. 

2. Das got. Partizipium Perf. Im Deutschen mui bekannt- 
lich das Part. Perf. aller Verba, die nicht mil untrennbaren Prapo- 
sitionen verbunden sind, das Prkfix ge- annehmen. 1m Gotischen 
gilt diese Regel noch nicht. Hier hat ga- im Part. Perf. keine 
andere Funktion als in den tibrigen Formen der Verba. Immerhin 
zeigt das Part. Perf. mancher Verba im Gegensatz zu den ftbrigen 
Formen eine gewisse Vorliebe fur die Verbindung mit ga-. 

Aus der perfektiven Funktion des mit^a- zusammengesetzten 
Part. Perf. ergibt sich mit Notwendigkeit, dais schon perfektive 
Verba kein ga- annehmen k6nnen, gleichviel, ob sie von Haus aus 
peifektive Aktionsart aufweisen oder diese erst durch Komposition 
erlangt haben. Es heibt daher ausnahmslos gibans, numans, qumans, 
qipans, waurfans; ebenso z. B. usbluggwans, anabudans, frabauhts 
usw. usw. Auf der andern Seite mussen auch alle jene durativen 
Verba, die sich der Perfektivierung durch ga- entziehn, im Part. 
Perf. dieser Praposition entbehren, vgl. z. B. rodifs, skulds usw. usw. 

Alle Verba, die bald mit, bald ohne ga- erscheinen, je nachdem 
sie die perfektive oder die im perfektive Handlung zum Ausdruck 
bringen sollen, folgen diesem Prinzip auch im Part. Perf. Vgl. z. B. 
bundans was eisarnabandjom ' ^becfuteiTO dXuceciv L8,29: bigitats 
fulan aailaus gabundanana' iruuXov bebeu^vov e angebunden 9 



298-300.] Der einfache Satz: Das Verbum. 19& 

L 19,30. lafofs 'gerufen, geladen' K7,20: galafofs c berufen> 
ebd. 21. Jva usiddjedup saikan? mannan hnasqjaim wastjom 
gawasidana' iv juoXaicoic ijjurrfoic f)|uupiC|u^vov c bekleidet'. */, paiej, 
hnasqjaim wasidai sind, in gardim fiudane sind* oi rd juaXaxd 
<popoOvTC e die weichhche Kleidung tragen' M 11,8. NSheres PBB. 
15,1 72 ff. 

IV. Zeitstufen, 

1. Die gegenw&rtige Handlung. 

299* Sie wird durch das Prasens gegeben. 

Anmerkungen. 

1. Ein Prasens historicum findet sich nur als Nach- 
ahmung des Originals; in der Regel wird jedoch das Pras. lust, 
der Vorlage im Gotischen in das Prateritum verwandelt. Vgl. 
z. B. jah qaf imma ' KO\ Xdfei aOTijj M 8,4 u. 6. ahnia ina M- 
tauh- ^KpdXXei Me 1,12. jah gall fun in Kafarnaum' KCtl 
eiciropciJovTai Me 1,21 u. o. 

2. Mitunter wird auch, ab^esehn vom PrUsens historicum, ein 
Prasens der Vorlage durch das Prateritum wiedergegeben, vgl. z. B. 
J 14,9 swalaud metis mif izwis was " TOCOUTOV xp^vov ju9' OjauJv 
eifiii u. a. in. 

3. Das griechische Perfekt, das meist den auf einer voraus- 
gegangenen Handlung beruhenden Zustand bezeichnet, wird ent- 
sprechend dieser Bedeutung oft durch ein got. Prasens ubertragen. 
Vgl. z. B. unte atist asans' (Jti irap&TrjKev 6 6epiC|n6c Me 4,29. 
f/atraua' Tr^TreiCjiAai R8,38. du fawmei jus weneif' etc 6v 
u^eic nXiriKare J 5,45. aftrtanda frawaurhteis * Aqp^iuvrai al &|uap- 
ttaiL 7,47 usw. Cber dieUmschreibung des Perf. Pass. vgl. 285,3. 

2. Die znklinftigre Handlung. 

BOO. Schleicher A. Das Futurum im Deutschen und 
Slavischen. KZ. 4,187197. 

Mar old Futurum und futurische Ausdrucke im Gotischen. 
Wissenschaftl. Monatsblatter 1875, S. 169176. 

Streitberg Das gotische Perfektiv in seinem Verhaltnis zum 
griechischen Futurum. PBB. 15,119 137. 

Die zukiinftige Handlung wird in der Regel iiber- 
haupt nicht besonders ausgedriickt. Wie in alien 
germanischen Sprachen geniigt aucb im Got. das Prasens 
zur Bezeichnung der zukiinftigen Handlung. Nur unter 
besondern Umstanden wird ein Versuch gemacht, den 
Futurbegriff formell zum Ausdruck zu bringen. 



200 Syntax. [ 301. 302. 

A. Das durative Fntunun. 

301. Soil ein duratives Futurara forraell zum 
Ausdruck gebracht werden, so kaan dies nur durch Um- 
schreibungen oder durch die Wahl des Optativs ge- 
schehn, und zwar durch: 

a) duginna m. Inf. fagino, akei jah faginon dug'mna' 
Xai'puu dXXd Kai ^apr\co\ia\ Phi, 18. wai izms, jus hlah- 
jandans nu, unte gaanon jah Cretan duginnid ' ouai ujiTv oi 
feXUuvTec vOv, 8n TrevOrjceTe Kai KKaucere L 6,25.* 

b) haba m. Inf. farei im ik, faruh sa andbahts meins 
wisan habaif ' STTOU etjui YW, ^Kei Kai 6 biaKOVoc 6 djuoc 
fciai J 12,26. fatei tauja jah taujan haba ' 8 b^ TTOIU) 
Kai TTOirjcuj kll,12. taujif jah taujan habaif' iroieire 
Kai TToincere th 3,4^ 

c) In dem Satz qipandans ' Iva skuli fata barn wairfan 
TI dipa TO iraibiov ToOro crai L 1,66 1st das Futurum 
nicht blofi durch das Hilfsverb skal, sondern auch durch 
das Perfektiv wairfan angedeutet, s. u. 

d) Optativ: fande nu jainis melam ni galaubeif, kaiwa 
meinaim waurdam galaubjaif ' ei 6 TOIC keivou TPotW^aciv 
ou mcreueTe, TTUUC TOIC ^oic ^niiaciv iriCTeuceTe J5,47. 
ni wituf fo gajukon, jah Jvaiwa olios fos gajukons kun- 
neif ' TTUJC fWKecGe Me 4, IB. Ivaiwa sijai fata* TTUJC 
?CTai ToOTO L 1,34. Vgl. Kohler Germanist. Studien 
(herausgeg. v. Bartsch) 1,93 if. 

Anmerkung. Nicht zu verwechseln mil dem rein teinpo- 
ralen Futurum ist das imperativische Futurum, das aus der 
Gesetzessprache des AT. ins NT. gedrungen ist, vgl. z. B. L4,8. 
Falle dieser Art gehOren nicht hierher. 

B. Das perfektive Fntnrom. 

302. Von Haus aus hat jedes perfektive Prasens 
futuriachen Sinn; denn der Moment der Voilendung der 
Handlung, auf den das Perfektiv hinweist, liegt in der 
Zukunft. Daher haben im Slavischen alJe perfektiven Pra- 
sentien Futurbedeutung. Im Gotischen ist es zu einer 



Weitere Beispiele fehlen. 



Der einfache Satz: Das Verbum. 201 

solchen Entwicklung nicht gekommen, well eine besondere 
Iterativkategorie fehlt, die wie im Slavischen zur Bezeich- 
nung der perfektiven Handlung der Gegenwart dienen 
konnte. Dennoch 1st unverkennbar, dafi Wulfila mit Vor- 
liebe und mit nicht geringer Konsequenz ^a-Komposita 
zurWiedergabe unkomponierter griech.Putura anwendet. 

a) Vgl. ni gaaiwiskonda' OUK aicxi>vOr|COjLiai k 10,8 : 
friapwa . . . ni aiwiskop ' OUK dcxrmovei K 13,6. audagai 
jus gretandans nu, unte ufhlohjanda* juaKapiot ol KXaioviec 
vuv, STI TtXdcT L6.2l:hlahjandans' YXujvrec L6,25. ga- 
arma panei arma' Xer)CW Sv Sv eXeai R 9,15- jah ik ja- 
bai ushauhjada af airfai, alia at fins a du mis' Kchrub dv 
uiptuGui ^K TTIC YHCi Trdvra ^XKUCUJ J 12,82. bi frins da- 
gans anfara unhand uwaurhta gatimrja ' dXXov oucobojurjcuj 
Me 14,58: all mis bwauht ist, akei ni all timreip ' cxXX" ou 
irdvra oiKobo^ei K 10,23. gableipja fanei bleifja* OIK- 
Teiprjctu 8v av oucreipuj R9,15. leitil nauh jah ni sai- 
Juif mik, jah aftra leitil jah gasaiJuif mik* jaiKpov xal ou- 
Kti GeujpeTre jne, Kai TrdXiv jaiKpov xai 5vpec0 jue J 16,10 
17,19. ains ize ni gadriusip ana air pa ' v & autujv ou 
Treceirai diri THV fflv M 10,29: seinamma fraujin standip 
aippau, driusip ' crr|Kei f\ Trnnrei R 14,4. andbahtei mh, 
unte matjajah drigka, jah bipe gamatjiajah gadrigkais 
pu' ?ujc 9ctYw Kai TTILU, Kai jaeid raOta ^dtT^cai Kai Trie cai 
cu L 17,8. ganasja cuiciu Me 8,35 L 9,24 17,33 T4,lf>: 
nasja' aibuj. saei hauheip sik trilba, gahnaiwjada jah 
saei hnaiweip sik silban, nshauhjada ' 6 IMJJUJV 4aurov 
TaireivajGriceTai Kai 6 Taireivaiv 4aurov uipajOrjcetai 
L 14,11. loe gasupoda ' iv TIVI dpTU0riCTai L 14,34 gegen- 
iiber dem durativen le supuda * ^v TIVI [auio] dpiuceiai 
Me 9,50. Vgl. Verf. IP. 21,195 f. Wackernagels Einwand 
(Verhandlungen der 49. Philologenversammlung S. 158) 
nimmt keine Riickaicht auf die Vorlage der got. Bibel. 

b) Bei weitern das wichtigste Zeugnis fiir den ausge- 
sprochen futurischen Nebensinn perfektiver Prasentien ist 
die Tatsache, dafi ?cojiiat regelmaCig durch wairpa wieder- 
gegeben wird, vgl. z. B. jabai nu augo pein ainfalp ist> 



202 Syntax. [ 302. 303. 

allata leik fein liuhadein wairfif dv oOv 6 6q>6aXfi6c cou 
dirXouc fj, 8Xov TO cujjud cou cpurrewov CTCU M 6,22, 
sa ist sa arbinumja; hirjif, usqimam imma jah unsar wair- 
fif fata arU o\5i6c CTIV 6 KXrjpovofioc * fceCre dTTOKTeivuj- 
yev auTov mi f|juujv Iciai f\ KXrjpovoiuia Me 12,7, 

An nicht weniger als 48 Stellen tritt wairfa fur 
?cojnai cin. 1 Natiirlich ist dieser Ereatz nur inoglich, 
wenn das griechische Futurum perfektiv aufgefafit werden 
kann. Ist dies nicht der Fall, so mufl auf andere Weise 
Aushilfe geschafien werden. An einigen Stellen bleibt das 
griech. Futur vollig nnausgedriickt, vgl. z. B. jabai 
nu sunns izwis frijans briggip, li sunjai frijai sijuf * dv 
oiiv 6 uioc (jjudc ^XeuGeptucr), OVTUUC ^Xeu6epoi ?cec9e Venn 
der Sohn euch die Freiheit bringt, von diesem Zeitpunkt 
an werdet ihr fiirderhin frei sein, bleiben 5 J 8,36. An 
einigen andern wird das Futurum durch den Optativ 
angedeutet, vgl. L 1,34 ( 301 d) und Me 10,8 jah sijaiiia 
fo twa du leika samin ' xai Icoviai oi 6iio eic cdpKa jiiav 
'sie werden einen Korper bilden 5 (nicht etwa: einen 
Korper bekommen). Ganz selten sind dieUmschrei- 
bungen, vgl. 301 a und b. 

8. Die vergangene Handlung. 

3O3. a) Die vergangene aktive Handlung wird 
durch das Prateritum ausgedriickt. 

Anmerkung. tlber den Ersatz des griech. Aoristes durch 
das Perfektivuin vgl. 298 Anm. 1. tfber Prasensformen 
statt griech. Perfekta vgl. 299,3. Nur selten erscheint ein got. 
Prateritum als Ubertragung eines griech. Perfekts, vgl gastosf 
tonxac R 11,20; andstof dv6dcTTiKv (restilit) R 13,2; otbajutev 
kunfedum J 6,42 u. a'. 

b) Die vergangene passive Handlung mufi durch 
Umschreibung gegeben werden. Naheres 285,3. 

Anmerkung. tFber Umschreibungen des gr. Perfekts durch 
was (und warp) vgl. 285,3. 

1 Vgl. die analoge Anwendung von wairpa fiir das Fut. Pass.: 
bi usbdsnai jah wenai meinaim, nnte ni in waihtai gaaiwiskops 
wairfa' 6'n dv ofcbcvi dcxuvO^couai Ph 1,20, 



304-306J Der einfache Satz; Das Verbum. 203 

V. Modi. 

304. Die Modi bezeichnen eine tpuxuci*! bidOecic 
des Sprechenden. 

1. Der Optatiy. 

305. Burckhardt F. Der gotische Konjunktiv, verglichen 
mil den entsprechenden Modis des neutestamentlichen Griechisch. 
Progr. Zschopau 1872. Vgl. Erdmann ZZ. 4,455 ff. 

KOhler A. Der syntaktische Gebrauch des Optativs im 
Gotischen. Germanistische Studien, herausg. von Bartsch (Wien 
1872) l,77ff. Vgl. Erdmann ZZ. 5,212 ff. 

Schirmer K. tlber den Gebrauch des Optativs im Gotischen. 
Dissert. Marburg 1874. Vgl. Bernhardt ZZ. 6,485. 

Bernhardt Der gotische Optativ. ZZ. 8,1 ff. 

Delbruck B. Der germ. Optativ im Satzgefuge. PBB.29,201ff. 

Man kann beim Optativ drei Gebrauchstypen unter- 
echeiden : den Opt. dee Wunscbes, den Opt. der Vor- 
schrift und den Potentialis. Die beiden ersten Ge- 
brauchsarten stebn in engster Beziebung zueinander. Der 
Potentialis beeagt, dafi etwas sein oder geschehen wiirde, 
diirfte, konnte u. dgl. 

Ira flg. wird nur der Opt. im einfachen Satze 
behandelt. 

Anmerkung. Im gr. NT. ist der Optativ nur in sparlichen 
Resten erhalten und zumeist durch den Konjunktiv eersetzt. 

3O6. Der Optativ des Wunsches. Das Prase ns 
bezeicbnet den Wunsch als erfiillbar, das Prateritum 
als unerfullbar. In der Regel entspricht bier der gr. 
Optativ, vgl. nis-sijai' juf) T^VOITO L20,16 u. 6. nu 
fraleitais skalk feinana* vuv drroXueic TOV 5oOX6v cou L 2,29. 
wainei jah usmaitaindau fai drobjandans izwis ' Sq>eXov 
Kai dTTOKOi^ovrai oi avaaraToCvTec ujudic G 5,12. ju sa- 
dai si juf; ju gdbigai waurpup\ inu uns fiudanodeduf ; jah 
wainei fiudanodedei]*, ei jah weis izwis miffiudanoma" 
fjbn xeKOpecjLievoi kre * \br\ JtrXouTricaTe ' x w P*c *mwv 
ipaaXeucaie xal SqpeXov ^paciXeucare, Kva Kai fijtieic 
fyiiv cu|ipaciXeucaJ|LiV K 4,8. d wainei usfulaidedeif 
meinaizos leitil Iva unfrodeins\ akei jah usfuhif mik * ScpeXov 
dveixC04 jiiou juiKpov TI dqppocuvnc ' dXXd Kai dvexec94 JLIOU 
kll.l. 



204 Syntax. [ 307. 

3O7. Der Optativ der Vorschriffc. 1. Fur die 
2. Person bedeutet der Optativ eine Milderung gegeniiber 
dem Imperativ, nicht selten erscheint er nach voraus- 
gegangenem Imperativ, dessen Erfiillung gleichsam die 
Voraussetzung zur flg. Handlung bildet. Vgl. jdbai fra- 
waurkjai bropar peins, gasak imma; jdh pan jdbai idreigo 
sik, fraletais imma* dv djudpTr) 6 d6\cp6c cou, TTI- 
Ti^ncov cutty, Kai dv jueTavorjcn, dfcpec QUTUJ L 17,3. 
hauseip mis allai jah frapjaip* aKOuete jnou Trdvrec Kai 
cuviere Me 7, 14 u. 6. Auch ohne vorausgehenden Im- 
perativ erscheint der got. Optativ, wenn die Aufforderung 
von VorauHsetzungen abhangig ist, vgl. jah swa managai 
swe ni andnimaina izwis nih hausjaina izwis^ usgaggandans 
jainfro ushrisjaif mulda fo undaro fotum izwaraim ' dic- 
7Topeu6^evol dxeTGev dKTivdSaie TOV xoOv Me 6,11 u. 6. 
Bei der fur alle Fiille geltenden dauernden Vorschrift 
entspricht der got. Optativ in der Regel dera griech. Im- 
perativ Prasentis, nicht selten jedoch auch dem Imp. 
Aor. Vgl. jah qap: nimip, matjip . ..fata waurkjaip du 
meinai gamundai ' Xdpeie, (payere * roOro iroieiTe eic ir\v 
^v dvdjLivnciv Kll,24. puk silban swiknana fastais' 
ceaur6v dfvov Trjpei T5,22: aUa weiha, fastai 'ins in namin 
peinamma rripncov aurouc J17,ll. pamma bidjandin 
puk gibais' TUJ aiiouvTi ce boc M5,42: ip pu ina . . . 
andnim * aurov irpocXapoO Phil 12. taujaip izwis 
fnjonds us faihupraihna inwindipos ' iroiricaTe auTOic cpiXouc 
LI 6, 9: patei taujis, tawei sprauto * o Ttoieic, TTOITICOV rdxiov 

J 13,27. 

Anmerkungen. 

1. Entsprechend der Hegel, daft bei der fiir alle Falle geltenden 
dauernden Vorschrift der got. Optativ steht, wird auch der In- 
dikativ Futuri, der in der Gesetzessprache des AT. in positiven 
wie in negativen Satzen den Imperativ vertritt und auch sonst ver- 
einzelt im NT. auftaucht, durch den Optativ ubertragen. Vgl. 
hauMednp patei qipan ist\ frijos nehundjan feinana jah fiais 
fiand peinana' dTaTi/jceic r6v irXrjctov cou xai mc^ceicrdv dx9p6v 
cou M 5,43. haimdeduf fatei qipan isf paim airizam: nimaurpr- 
jais' ou q>ovucic M5,21. Aufierhalb der Gesetzessprache : qens 
paina Ai. gabairid mnu pus jah h ait a is namo is lohannen' f\ 



307.1 Der einfache Saiz: DasVerbum. 205 

con 5 E. Tevvrjci uldv cot xd xaX^ccic r6 ^vojua a(m>0 1. L 1,13 (man 
beachte die verschiedene Nuancierung in der Dbertragung der beiden 
griech. Futura). 

2. Wo der griech. Imp. Pras. eine einmalige sofort zu voll- 
bringende Handlung bezeichnet, entsprichl ihm normal der got. 1m- 
perativ; vgl. z. B. laistei afar mis' dxoXoOGei juoi M 8,22 u. 0. 

2. Das Verbot in der 2. Person wird im Got. fast 
durchweg durch ra-f- Optativ ausgedruckt, gleichviel ob 
im Griech. jutfj mit dem Imp. Pras. (37 mal) oder mit dem 
Konjunktiv Aor. (20 mal) steht. Vgl. z. B. unhrainjamma 
ni attekaif dicaedpTOU juf) aTTTecGe k 6,17. seneigana 
ni andbeitais ' irpecpuiepLU jLirj frrnrXn&jc T5,l. ni tei- 
kais, inih atsnarpjais mhkausjais* jufj fiiprj \wf& T^ucr) 
mbi OiTtic C2,21. 

Anmerkung 3. Nur vereinzelt stehl der Irnperativ nach /; 
gew6hnlich enthalt der Imp. mit ni die Aufforderung, eine schon 
begonnene Tatigkeit auf'l)6ren zu lassen, vgl. gaigrotun fan 
allaijah faiftokun fo. faruh qaf: ni grctif- jLir) xXaiere L8,52. 
birodidedun pan ludains bi ma . . . andhof fan Tesus jah qaf du 
im f ni birodeif mif izwis misso' |ur] yoyT^^CTe J 6,4 1.43. 

3. In der 3. Person erscheint der Optativ fast aus- 
nahmslos, vgl. z. B. liuhtjai liuhaf izwar in andwairfja 
marine ' XajutipaTOi TO cpujc ufiaiv M 5,16. genes seinaim 
abnam ufhausjaina ' urroTaccecGujcav E 5,22. 

Anmerkurig 4. Die 3. Person des got. Imperativs er- 
scheint nur viermal (M 27,42.43 Me 15,32 K7,9) und entspricht 
stets dem gr. Imp. Aor. 

4. In der 1. Person Plur. iiberwiegt der got. Im- 
perativ; nur in den 10 ersten Kapiteln desLukas- 
evangeliums und in den paulinischen Briefen 
tritt, wie Bernhardt ZZ. 8,6 erkannt hat, der Optativ 
ein. Ein Bedeutungsunterschied ist nicht wahrnehmbar. 
Nach der Negation ni erscheint natiirlich allein der 
Optativ. Vgl. god ist unsis her wisan jah gawaurkjaima 
hkifros frivis * wi 7roir|cuj|iiv CKrjvdc Tpeic L 9,33 gegeniiber 
der Parallelstelle Me 9,5 gop ist unsis her wsan jah ga- 
waurkjam hlijans frins. Nebeneinander stehn 
beide Bildungen R13,12f. uswairpam nu waurstwam 
riqizis, if gawasjam sarwam liuhadis. wee in daga gareddba 



Syntax. [ 307. 308. 



gaggaima dnTo6u)|Lie9a (*K, dTrojMwueGa D^EPG dbiciamus 
it vg) oOv ra ?pfa TOU CKOTOUC, v6ucu)|ue9a 6 td SirXa 
ToO cpujTOC die v fmpa eucxn^viuc irepnraTricujjLiev R 13,12f. 
5. Die Prateritoprasentia (mit Ausnahme von 
og) kennen nur den Optativ zura Ausdruck des Be- 
fehls. Das Gleiche gilt vom Verbum subs tan tivum. 
Vgl. fata witeip fatei atnehida sik ana izwis piudangardi 
gudis* TOUTO YivdiCKere LI 0,11. fata kunneis* TOUTO 
fiviocKe t3,l URW. sijais waila hugjands ' TcOi euvouuv 
M 5,25. usbeisneigai sijaif wipra allans ' juaKpoOujLieiTe 
rrpoc iravrac Th5,14 usw. 

3O8. Der potentiale Optativ findet sich selten in 
affirmativen, haufiger in interrogativen Satzen und steht 
oft einem griech. Futurum geg^nuber, vgl. 301 d. 
Der sog. dubitative Optativ ist nur eine Abart des 
Potentialis. Vgl. sa andstaldands fraiwa pana saiandan jah 
hlaiba du mata andstaldip yah managjai fraiw izwar jah 
wahsjan gataujai akrana ' 6 dmxopnT^v CTrepjuict TUJ crrei- 
POVTI Kai dpTOV xopr|Tncei KCU TrXrjGuvei TOV ciropov UJLIUIV 
xai auHr|Ci rot T^vrijLiaTa k9,10 

Haufiger erscheint der Potential in Fragesatzen, 
besonders charakteristiech ist er im zweiten Gliede 
von Doppelfragen. Vgl. a) Ivadre sa skuli gaggan ' TTOU 
OUTOC ueXXei rropeuecGai J 7,35. Jva sijai pata waurd* 
TIC knv OUTOC 6 XOTOC J 7,36. Ive sijaina galeikai ' 
TIVI eiciv Sjaoiot L 7,31. nibai usqimai sis silbin ' MHTI 
diroKTevei feauTOV J 8,22. sat, jau aimhun pize reike 
galaubidedi imma' jurj TIC IK TUUV dpxovTiwv ImcTeucev 
eic aiiTOV J 7,48. 

b) ibai mag in wamba aipeins seinaizos aftra galeipan 
jag-gabairaidau * jnf| bOvaTai eic Tr|V KOiXiav 6euTpov eic- 
eXOeiv Kai T^wnOnvai Skeir. 2,11.15 (J3,4). has satjip 
weinairiwa jah akran pize ni matjai* TIC cpirreuet djUTreXaiva 
Kai TOV Kapirov auToO OUK dcOiei K 9,7. kan puk selvum 
gredagana . . .jan ni andbahtidedeima pus ' Kai ou binKOvn- 
coi M 25,44. ibai Pawlus ushramips warp in izwara, 



308310.] Der einfache Salz: Das Verbum. 207 

aippau in namin Pawlus daupidai weseip' jtifj TI. icraupujOr) 
?| eic Svojua TT. ^aTTTicGnTe K 1,13. 

Auegesprochen dubitativen Sinn hat der Potential 
in Fragen wie lua qipau* TI eirrw J 12,27 u. dgl., wo er 
dem griech. Konjunktiv gegeniibersteht. Indikativ und 
Optativ finden sich nebeneinander M 6,81 ni maurnaip 
nu gipandans: Jva mat jam aippau Iva drigkam aippau Ive 
wasjaima ' TI q>6VfUJ|uev F| TI muuiuev f| TI TrepipaXuijueGct. 

Anmerkung. Erdmann ZZ. 5,214 vermutet, da& der Optativ 
im zweiten Gliede parataktischer Verbindungen eine for me lie Be- 
deutung als Kennzeichen und Mitt el der Satz verb] ndung babe, indeni 
der zweite Satz als bedingt durch den ersten, d. b. von ihm abhangig 
cbarakterisiert werden solle. Ahnlich Kfthler aO. und Bcrnhardt 
ZZ. 8,25.32. Es gibt jedoch fast ebensoviel Belege far die umge- 
kehrte Modusfolge, vgl. z. B. ibai uufto di^tatrai wein fala niujo 
fans balgins jnh wein us gut nip jah pat balgeis fraqistnand 
i 6d |iir|, ^rjccei 6 oivoc 6 v^og TOUC dcKotic Kal 6 owoc ^Kxeirai 
xai oi dcKol diroXoOvTai Me 2,22 u. a. Vgl. Moun*k Syntax der mehi - 
f iichen Satze im Got. 03 ff. 

2. Dor Impcrativ, 

309. 1. Der Imperativ steht, wenn das Gebot un- 
mittelbar ausgefiihrt werden soil. Er entspricht daher 
ira allgemeinen dem griech. Imperativ Aoristi. Naheres 
307,1. 

2. Bei der fur alle Palle geltenden dauernden Vor- 
schrift, bei Verboten und in der 3. Person Sg. er- 
scheint der Optativ. Naberes 307,2. 3. 

3. In der 1. Person Plur. iiberwiegt der Impera- 
tiv, von den 10 ersten Kapiteln des Lukasevangeliums 
und den paul. Briefen abgesebn. Naheres 307,4. 

Anmerkung. In imperativischer Bedeutung fungiert ogs, 
ein letzter Rest des Konjunktivs Perf. ni ogs pus L 1,13.30; 5,10; 
J 12,15. 

Anhang. 

310. tJber die Stellung des Verbuins im Verlialtnis zum 
Subjekt und zum Objekt vergleiche McKnight The primitive Teu- 
tonic order of words (IL Word-order in Gothic). Journ. Germ. 
Phil. 1,136 ff. Meillet Sur la place du predicat. MSLP. 15,97 f. macht 
darauf aufmerksam, dafi das Hilfsverb *sein, werden' zwar regelmafiig 



208 Syntax. [ 310312. 

nach dem pradikativen Adj. steht, vgl. z. B. sinks ist ' dc66vd J 11,3, 
hails watrpip' cu)0/jceTCti J 11,12 u. a., dafi aber sein Imperativ 
vor steht: tcafrfhrams' Kcteap{c6nri gegen fiber hrain warf* dxa- 
eapi'cBn M8,3; derselbc Kontrast Me 1,41 : 1,42; L5,13 : 17,15. 
Auch nach Negation kann Umstellung eintreten, vgl. z. B. ni wairftf 
yaraihts manna' oO biKCtioOTm ftvOpumoc G2,16; ferner k4,16 9,3 
E 3,13 G 0,7 C 3,19 th 3,13 u. a. ; doch kann auch die Normalstellung 
beibehalten werden, vgl. z. B. das regelmafiige ni skuld ist ' oOK 
SCTiv, ni kw\p was ' otJK f vwpfcGri E 3,5, arbjans ni wairpand ' 
oO K\ripovo|Lincouciv G 5,21 u. a. (vgl. GL. 207 f.). 

VI. Das Verbum infinitum. 
311* Unter dieser Bezeichnung fafit man die dem 
Verbalsystem aufs engste angegliederten Nominalformen 
zusammen. Sie zerfallen in Verbalsubstantiva, die 
Infinitive, mid Verbaladjektiva, die Partizipia. 

1. Ber Inflnitir. 

31)^. KOhler Der syntaktische Gebrauch des Infinitivs im 
Gotischen. Germania 12,42 If. 

A pelt Akkusativ cum Infin. im Gotischen. Germania 19,280 ff. 

Der griecbische Infinitiv Fassivi wird im Gotischen 
mehr oder weniger idiomatisch durch den aktiven Infinitiv 
ausgedriickt. Echt germanisch ist dieser nach den Verben 
dea WollenB, Befehlcns, Gebens, vgl. andbaud izai giban 
mat ' bidiaHev ctuif] bo6f]vai q)aTeiv L 8,55. hait nu witan 
Jiamma lilaiwa ' KtXeucov o\5v dc^aXicOfivai TOV rdqpov 
M 27,64. urrann gagrejts . . . (j am el j an allana midjungard' 
eyeveTO boyjiAa diroTpdcpecOai irdcav Trjv oiKoufievr]v L2,l. 
sunus mans atgibada du ushramjan' irapafci&OTai eic TO 
ciaupujGfivai M 26,2. Intransitiver Infinitiv erscbeint 
z. B. pan qimip ushauhnan ' 8rav ?X9q evboSacOnvai 
th 1,10. Passiven Sinn hat der aktive Infinitiv bei 
skulds im und mahts im, vgl. sunus mans . . . uskiusan 
skulds ist' 6i dTroboKijLiacOfivai Me 8,31. Jvaiwa mdhts 
ist manna galairan* TTUJC buvarai avOpumoc TtvvT]Of]vai 
Skeir.2,10 (J3,4). 

Zweifelliaft bleibt der got. Charakter der Konstruktion bei 
transitiven Verben wie in L5,15 garunnun hiuhmans managai haus- 
jon jah leiktnon 9 dKoOeiv Kai OeponeuecGai ; hier ewcheint im 



312.] Der einfache Satz: Das Verbum. 209 

Griech. aktiver und passiver Infinitiv nebeneinander; urrann fan 
Josef.. . anameljan mip Martin* diroYpdv|/ac9ai L 2,5 gegenilber 
der Umschreibung jdh iddjedun allai ei melidai weseina' TTO- 
pctiovro Trdvrec diroYpdcpccOai L 2,3. Ganz und gar unter dem Kin- 
flufe der griech. Konstruktion stehn Fiigungen wie L 1G,22 warp fan 
f/aswillan pamma unledin jah briggan fram aggilum in barma 
Abrahamis* ^vero b drcoeaveiv r6v ITTUUXOV Kal dirVx9i^vai 
Oir6 TiDv dTT^Awv etc rdv K6\Ttov 'Appadu Besonders fuhlbar 
wird die Verlegenheit des tfbersetzers an der Stelle L 9,22 skal sunus 
mans manag winnan jah uskusans fram sinistam w air pan jah 
ffudjam jah bokarjam jah usqiman, jah p rid Jin daga urreisan* 
bi rdv ul6v TOO dvepibirou TroXXd ira8iv xai dTroboKi^ac6f|vai 
dir6 TI&V TrpecpuT^ptuv . . . xal dTTOKTav6f|vai xal rfj Tpirrj ^|u^p<ji 
^Y^pOf^vai. Hier stehn nebeneinander ein umschriebener Passiv- 
mfinitiv urid zwei aktive Infinitive, deren Vertreter griech. Passiv- 
form en sind. 

Anmerkungen. 

1. Andere Ubertragungen sind vbllig vereinzelt; so findct sich 
der gr. Inf. Pass, ausgedrikkt a) durch das lleflexiv: qenwn 
hausjan imma jah hailjan sik sauhte seitiaizo' f|\9ov dKoOcai 
atiToO Kal ia6f|vai dud TOIV vocuuv aOriftv L 6,17 und die seltsame Kon- 
struktion k 1,10 wild a . . . fram izwis aasandjan mik in fudaia ' 
^pou\6(uriv Oqp' Ojuii&v TrpoitejucpGflvai. 1>) durch Umschreibung mil 
Hilfsverben uskusans wairpan ' dTroboKt|Liac9f)vai L 9,22 ; melida 
ivisan us Asiai (Schlu& des 1. Korint her brief s) ; affan wenja jah 
in mipwisseim izwaraim swikunpans wisan uns ^\ir(2u> bt KCti 
^v Taic cuvctbrjcecw Ojiiliv ireq>avepiJuc0ai k5,ll. c) durch Ver- 
balabstrakta: minus mans ni qam at andbahtjam, ak andbaht- 
jan ' OUK y^XGev biaKovr)6P|vai, dXXd biaicovfjcai Me 10,45 

Nicht selten ist dagegen die Umschreibung des passiven 
{wie auch des aktiven) Infimtivs der Vorlage durch got. Nebensatze 
oder angereihte Hauptstitze. Namentlich ist diese Art der 
Ubertragung beliebt, wenn der griech. Infinitiv mit einer Prapo- 
sition verbunden ist. a) wairfs ei haitaidan sunus peins' 
4Sioc KXrjGf^vai ul6c cou L 15,19. magutsu driggkan stikl fanei 
tk driggka jah daupeinai pizaiei ik daupjada, ei daupjatndaw 
bOvac0 . . . r6 pdirTicjiia 8 ^T^ pcnrr(o|ucu pairTtce^vai Me 10,38. 
ibai mag in wamba aipeins setnaizos aftra galetpan jag gabai* 
raidau* \xt\ buvarai . . . TcvvnOf^vai Skeir. 2,15. appan faurfis skal 
manap gafulan jah uskiusada' irpi&rov bi bei iroXXd iraOciv 
atrrov Kal dtroboKi|uac6f\vai L 17,25. 

b) mippanei wrohips was ' iv vfy Katnropetceai M 27,12. 
<tfar patei atgibans warp lohannes ' )iATd TO irapabo6f|vai TOV 'I. 
Me 1,14. faurpizei ganumans wesi m wamba ' irpo TOO cuXXn- 
Streltberg, Gotisches Elementarbuch. 14 



210 Syntax. [312-315. 

<p6f^vai a&Tov iv T$ KOiXty L 2,21. unte is ufta . . . gabwidans was 
bt& T6 aOr6v TtoXXdiac bebdc6ai Me 5,4 u. a. 

313. Der Infinitiv steht wie im Griechischen als 
Subjekt, teile mit teils ohne Artikel. 

314. Der Infinitiv eteht als Objekt bei den Verben: 
wollen, streben, wunschen, hebcn, hoffen; eilen, anfangen, auf- 

hoYeri, fortsetzen; kOnnen, wissen, lernen; sollen; gedenken, ver- 
gessen; wagen, sich getraucn, sich furcbten, sich schamen; leugnen, 
behaupten, bekennen; hahen. 

315. Der Infinitiv bezeichnet den Zweck nach den 
Verben der Bewegung. Er erscheint nicbt blo/J der 
griech. Konstruktion entsprecbend, sondern auch dort, 
wo im Original ein asyndetischer Imperativ folgt, vgl. 
jali gagg faurfis y a sib j on brofr feinamma ' Kai UTraye, 
TTpuJiov biaX\dfr|0i TUJ dbeXqpuj cou M 5,24. ak (jagg fuk 
fdlban ataugjan gudjin' d\Xd urraTe, ceauiov beTov TUJ 
iepel Me 1,44. jah hiri laistjan mik ' Kai beOpo, aKO\ou0i 
uot Me 10,21. Vom Griech. unabhiingiger Tnfinitiv auch 
J 12,18 dufife ifldjedurt gamotjammma managei' bid ToOto 
uTtnvTrjcev auiuj 6 6'xXoc (bceinflufit von 12,18). 

Anmerkun^en. 

1. Wie der passive, so wird auch der aktive Infinitiv der 
Vorlage durch Nebens&tze umschrichen, srwohl wenn er 
selbstandij? steht, als auch wenn er von Prnpositionen abhangig ist: 
a) qaf ei atlagidedeina jah fans' cmev -napaBeivai Kai afcia Me 8,7. 
ei yaggaip wairpaba f ran jinn * irepiiraT^cai Ojafic d(uuc roO Kupiou 
G l r l(). jah andhofun ei m wissedeina kafro* AircKpiGricav pi\ 
eib^vai ir6eev L^0,7. 

b) jah warp, m-ippanei saiso ' iv TI?) CTreipeiv Me 4,4. btfe is 
anakumbida' iv TUJ KaiaKic6ai Me 2, 15. faw-hhdedim pan in 
pammei jainai qemun in pamma milhmin' dcpo^r|9ricav b^ iv TI|I 
^KCIVOUC (ce\6iv eic TT|v vqpd\r|<v L 9,34. in pizei m habaida 
diupaizos airpos ' bid TO |nr| xiv pd0oc ^rfjc Me 4,5. us pammei 
habaip* i* TOO x 6lv k8 f ll. ei gafaifaheina is traurtlei jah at- 
aebetna ina reikja' i'va ^mXctpiuvTai aOroO X6TQU etc TO trapa- 
boOvai aOrov Tfl dpxtl L 20,20 u. a. m. 

2. Mitunter wild auch der aktive Infinitiv des Griechischen 
durch ein got Substantiv ausgedriickt und umgekehrt. Vgl. llmdaim 
managaim fragaf siun' ^xapkaTO pXdireiv L 7,21. anabaud 
izai giban mat' bi^ra&v aOif| boGfjvai cpaTeiv L8,55. war- 
jandane hugos ' xujXuovTUJV Y^iv T 4,3. athahid fo natja iz- 



315317.] Der einfache Satz: Das Verbum. 211 

wara du fiskon* <c &Ypccv L5,4. ni sokei lausjan* ^ &f|Ti 
Xuciv K7,27 u. a. 

316. Nominativ mit Infinitiv. Die von einem Pra- 
dikatsnomen im Nominativ begleiteten Infinitive tvisan 
und wairfan erscheinen (meist in tJbereinstimmung mit 
dem griechischen Original) nach magan, skulaw, wiljan, 
fugkjan, usbidan, Pass, von usfrofjan und andhuljan. Vgl, 
skal sunus mans . . . uskusansfram sinistam wairfan ' bel TOV uiov 
TOU dvGpumou dTToboKijiiacGfjvai L 9,22. skal nu aipiskau- 
pus ungafairinonds wisan * &eT ouv r6v drricKOTrov avtiriXTiTTTOV 
eivai T 3,2. in allaim usfrofifis im, jaJ\ sods wairpan 
jah gredags ' v TTOICIV juejutuniLiai Kai xopT(ic6ai Kai ireivdiv 
Ph4,12. ip mais fugkeip bi silbins apaustaulaiis insahtai 
melida wisan us Asiai (K Unterschr.X 

317. Akknssativ mit Infinitiv. 1. Eine Anzahl 
transitiver Verba kann neben dem Objektsakkusativ 
einen Infinitiv bei nich haben. Die Konstruktion stimmt 
zum Griecbischen, ist aber echt germanisch. Vgl. haihait 
ina aftiuhan fairra stafa leitil ' rjpwTTicev aurov ^TravaraYeiv 
L5,3. be dun ina . . . galeifan fairra sis ' ripubrncev aii- 
TOV . . . (XTreXOeTv L8,37. warjandans um du piudom 
rodjan ' KuuXuovTiuv f|judc TOIC ?0veciv XaX^cai Th 2,16. 
Jvas izwis galatida sunjai ni ufhausjan ' TIC ujadc dveKOipcv 
jufj ireiGeceai G 5,7. Ebenso afhugjan G3,l. ga- 
maudja uk anaqiujan ' dvajni|LivriCKa) ce dvaumupeiv tl,6. 
letip J)o barna gaggan du mis' dcpere rot Traibia ?pxec0at 
Me 10,14 u. 6. insandida ins merjan' otorecTeiXev au- 
TOUC KTipucceiv L9,2. gatawidedun anakumbjan allans* 
dv^KXivav airavrac L9,15 u. o. pan gasailvip fata 
wairfan ' 8rav ibnte raura Tivojueva Me 13,29; jabai nu 
gasailvif sunu mans ussteigan' dv oOv Gewpnte TOV uiov 
TOU dvGpumou dva^aivovTa J 6,62 (sonst wird gasaiJvan 
mit dem Akkusativ mit Partizip verbunden, vgl. 325). 

2. Beim echten Akkusativ mit Infinitiv ist die 
Beziehung des Akkusativs auf das regierende Verbum ge- 
lockert oder aufgehoben. Der Akkusativ wird nicht 
mehr als Objekt der finiten Verbalform, sondern als Sub- 

u* 



212 Syntax. [317.318. 

jekt des Infinitive empfunden. Hier lassen sich 
wiederum zwei Falle unterscheiden : a) Akk. m. Inf. nach 
personlichen Verben. Die got. Konstruktion entspricht 
fast durchweg der griechischen. Vgl. z. B. Jvana qifand 
mik mans ivisan Tiva jue Xeyouciv of (JvGpumoi eivai Me 8,27. 

wi mlda witan mannan * oubeva f|0Xev fvujvai Me 7,24. 

all domja sleifa wisan nToOjuai TtdvTCx ri]uuav eivai 
Ph 3 ) g < __ hausideduf ina siukan ' ifroucaTe auiov ffcOevn- 
Kevai Ph 2,26 u. a. Mitunter auch ohne direktes griech. 
Vorbild, vgl. man auk ni waihtai mik minnizo gataujan ' 

i YP W^ iJcrepTiKfevai k 11,5 (me minus fecisse f 
n i wulwa rahnida uisan sik galeiko guda ' oux 

v f)Ynccnro T 6 eivai ica 0(I) Ph 2,6. afpan wenja 
jah in mipwisseim izwaraim swikunfans wisan uns' X7riu) 
bt. xai v rak cuve^ceav ujnaiv irecpavepwcGai k5,ll u. a. 

Wenn diese Konstruktion auch zweifellos unter dem 
EinfluC des griech. Originals weit haufiger erscheint, als 
es sonst wohl der Pall gewesen ware, so haben wir doch 
schwerlich das Recht, sie ganz dem Gotischen abzu- 
sprechen, da im Nordischen eine analoge Fugung nicht 
ungebrauchlich ist. 

b) Sicher Grazismen sind die got. Akkusative in. Inf. 
nach swaswe und swaei und nach den unpersonlichen 
Ausdriicken wie go} ist, azetizo ist, gadob ist u. a. 

Anmerkung. Den Beweis fur den ungotisclien Charakter 
erbringen die haufigen Konstruktionsanderungen des got. 
Textes. Vgl. jah afslaufnodedun allal sildaleilcjandans, swaei solci- 
(tedun mif sis misso* tficre cuZT]Tiv itpoc ^auroOc Me 1,27 u. o. 

gamotidectun imma twai daimonarjos . . . sleidjai flu, swaswe ni 
mahta manna usleifan fairhfana wigjainana' ificre jafi tcx^eiv 
Tiva irapcXGeiv bid T^C 6boO <?K{vr]C M 8,28 u. ft. gafullidedun 
ba fo skipa, swe sugqun' Oicre pueiSecSai a()Td L5,7. kaiwa 
aglu ist faim hugjandam afar faihau in fiudangardja gudis 
galeipan- iriijc bi)CKoX6v ^CTIV, TOUC Ttitoi6oTac ^Tti xPnM aav etc 
rnv paa\(av TOO GeoO eiceXOciv Me 10,24. aztiizo ist ulbandau 
fairh pairko neflos galeifan' OKOTrd)Tp6v ^CTIV, xd|uri\ov bid 
rfjc Tpu^a\lac Tf|c fxxcpiboc eiceXeeiv Me 10,25. gof ist unsis her 
wisan KaX6v ^cnv fj|iidc d>b ivai Me 9,5 u. k. 

318. Dativ mit Infinitiv. Der von Jacob Grimm 
cntdeckte, von Miklosich und Jolly verteidigte Dativ m. 



318. 319.] Der einfache Satz: Das Verbum. 213 

Inf. darf heute trotz aller Einwendungen als gesichert 
gelten. Got. war} in Verbindung mit einem Infinitiv 
und einem Dativ dient zur Obertragung von ^veto mit 
dem Akk. m. Inf. Der Dativ hat natiirlich urspriinglich 
zum Verbum finitum gehort, es ist jedoch, wie schon 
Grimm erkannt hat, eine Verschiebung des Abhangigkeits- 
verhaltnisseserfolgt: der Dativ steht fastausnahmslos hinter 
dem Infinitiv, wie im Griech. das Subjekt deB Akk. m. 
Inf., ist also wahrscheinlich zum Infinitiv in engere Be- 
ziehung gesetzt. Am besten diirfte man wohl mit Winkler 
8. 17 das Verhaltnis so charakterisieren, daC der Dativ 
von der Verbindung warp m. Inf. abhange, warp gaswiltan 
pamma unledin ' ^veto diroGaveiv TOV TTTUUXOV L 16,22 
demnach heifie: c es kam zum Sterben fiir den Armen'. 
Die Ausdehnung, die der Dat. m. Inf. in der got. Bibel 
erlangt hat, ist sicherlich dem Bestreben zuzuschreiben, 
den AnschluJS ans Original so eng als moglich zu gestalten, 
ohne in direkten Widerspruch mit den got. Sprachgesetzen 
zu geraten. Vgl. z. B jah warp in sdbbato anfaramma fru- 
min gaggan imma pairh atisk ' feveTO ev cappdiuu beu- 
TepOTTpujTLu biaiTopeuecOai airrov bid TOJV CTTOPIJLIUJV L6,l. 

warp...galei]>an imma w swnagogein' frfiveio eiceXGeiv 
aurov eic TTJV cuvaTtupIv 1^ 6,6. swad mis mais faginon 
warp ' ujcre jLie jiidXXov x^pfivai k 7,7 u. a. 

319. du mit Infinitiv erscheint ungemein haufig. 
Nur selten steht die Verbindung als Subjekt fiir griech. 
TO m. Inf., vgl. z. B. ufjo mis ist du meljan izwis ' 7repicc6v 
juioi knv TO Ypdqpeiv ujulv k 9,1 ; dagegen findet sie sich 
oft als Objekt, von Nominibus, Verbis, Forraeln, Satzen 
abhangig, zur Bezeichnung des Zweckes. Vgl. insandida 
mik du ganasjan ' dirdcToXK^v jne idcacGai L 4,18. urrann 
sa saiands du saian ' lHn\9ev 6 CTreipwv TOU cireipai Me 4,3. 

soTddedun ana lew wefavodipa du afdaupjan ina ' ttrJTOUV 
jiapTUpiav efc TO OavotTiwcai QUTOV Me 14,55 u. o. giband 
taiknins jah fauratanja du afairzjan * biucouci aijLieia Kai T^- 
paTa irpoc TO dTTOTrXavctv Mcl3,22. faursniwif du matjan' 
npo\a)uipdvi ^TTI (DEFG ef) TIU (payew K 11,21. melida 



214 Syntax. [319-322. 

...dugabairhtjan usdaudein unsara' gveicev TOU cpavepujGfjvai 
k 742. gawaurhta tivalif du wisan mif sis ' ^iroincev 
5u)oKa iva iLctv jner 5 airroO Me 3,14. waurstw ustauh 
fatei atgaft mis du waurkjan ' 8 6bu)K(ic JLIOI iva TTOirjcuu 
J 17,4. ttinda sat faur wig du aihtron ' eK(x9r|TO Ttapd 
rrjv 6bov Trpocanujv Me 10,46 L 18,35; vgl. M 27,49, 
wohl auch L 19,48. 

Anmerkung. Vgl. Delhruck Das got. du und das westgerm. 
Gerundium IF. 21,35557, zur Etymologie von du auch Meillet 
MSLP. 15,91 f. Die Deutungsversuche sind mifilungen. 

2. Das Partizipium. 

3I9O. Gering H. t)ber den syniaktischen Gebrauch der 
Partizipia im Gotischen. ZZ. 5,294ff. 393 If. 

Liicke 0. Absolute Partizipia im Gotischen und ihr Ver- 
haltnis zum griechischen Original, mit besonderer Berucksichtigung 
der Skeireins. Dissert. Gottmgcn. Magdeburg 1*876. 

Trautmann R. Zur got. BibelGbersetzung. ZZ. 37,253-56. 

Zu usluJcnans Me 1,10. Dagegen Behaghel Zeitschr. f. deutsche 
Worlforschung 7,1 72 f. 

321. Die substantivischen Partizipia Prftsentis, 
uber deren Flexion 59 zu vergleichen ist, regieren nicht 
den Kasus ihres Verbums, sondern den Genitiv: fans 
Jijands galgins Xnstaus TOUC ^P^ c T0 craupoO Ph3,18 
gegeniiber waila taujaid paim fijandam izwis ' KaXuic Troieire 
TOIC ^coOciv i^jadtc L 0,27. Beirn Part. Perf. erscheint 
der Genitiv nur einmal, wie im Griech.: wairfand allai 
laisidai gudis' kovrai ircxviec bibaKToi 0eou J6,45. 

Anmerkung. An Stelle der Substantivflexion findet sich 
nicht selten die schwa che Deklmation, wenn das Partizip in Appo- 
sition steht und mit dem Artikel versehn ist, vgl. lohannisfis daup- 
jandins M 11,12, lohanne f amma daupjandin M 11,11 usw. Da- 
gegen nur lohannen fana daupjand Mc8,i28 u. 6. 

22. Das echte Partizip Pras. erscheint selb- 
standig mit oder ohne Artikel in Verbindung mit dem 
Possessivpronomen, mit alls, sums, manags, Ivazuh, jains. 

Anmerkungen. 

1. An zahlreichen Stellen wird das griech. Part, durch Rela- 
tivsatze umschrieben. Vgl. fans faiei anasaislepun TOUC 



322-324.] Der eiDfache Satz: Das Verbum. 215 



Th 4,14. saei frijof aftan aiffau aifctn ufar mik 6 
<p(Xujv irar^pa f| (ui^pa uirdp ^ M 10,37. losef jah aifei is sil- 
daletkjandona ana faint foei rodida tvesun bi ina ' 0au|udovTec iit\ 
TOIC Xa\ou|uvoic irepi atrroO L2,33 usw. 

2. Etwas seltner ist die Auflcteung der griecb. Partizipial- 
konstruklion durch Koordi nation. Vgl.jah tahida ina ahma #a 
nnhrafnja jah hropjands stibnai mikllai usfddja us imma' xai 
CTrapdSav aOrov TO itveOjua Td dxdGapTOv xai xpdHav <puuvf) jueydXij 
^HfjXGev & aOroO Me 1,26. paruh uxhofaugona lemsjah gaumida 
fammei mcMageins filu iddja du imma qa]>ifh du Filippau* 
irdpac oOv ToOc 6qpea\|aouc 6 IricoOc Kai Geacdjuevoc 8ri &x\oc 
iroXuc ^pxerai irp6c aOrov X^yei J 6,5. Asyndetisch werden die 
koordmierten Satze nebeneinaudergestellt: affan gaggaij), ganimlp 
ha .svyat- iropeue^vTec bi judeere T( ^cnv M9,13 suwtaiu* Jesus 
ufkunfa in nis silbfn fo us .sVs malit usgaggandcin; gauwndjands 
stk in managein qaf ' ^TTIYVOIIC ^v daurtb TI^V & aOroO buva|miv 
^eXGoOcav, ^iricrpacpeic ^v Tip dxXtu ^Xerev Me 5,30 u. 0. 

3. Vereinzelt ist der unigekehrle Fail, dafi im Gotischen eine 
Partizipialkonstruktion an Stelle eines Verbum finitum 
tritt. Vgl. z. B. frfsaJit habands . . . fata godo anafilh fastai ' OiroTO- 
TTUJCIV #x e Trjv KdXrjv uapaOrjKriv ^OXaHov t JJ3.14. atgag- 
y and in in yard feinana ivato mitt ... ni gaft' efcf|X06v cou (c 
T^V oixfav, tibuup |noi o<)K ^biuKac L 7,44 u. a. 

323. Das Partizipium Priis. mit wisan client nach 
griech. Muster zur Hervorhebung des durativen Charakters 
ciner Handlung. 

324. Das Partizipium Perf. hat bei Intransitiven 
bekanntlich aktive Bedeutung. Belegt ist es nur bei 
qiman, gaqiman, usgaggan, garinnan; wairfan, frawairfan', 
yaleikan, diwan. Nur aktive Bedeutung hat auch das 
Part. Perf. drugkans: drugkam ist' jueOuei K 11,21. 

Anmerkungen. 

1. Die imperfekti ven Partizipia Perf. verhalten sich in bezug 
auf das Tempus genau so wie die Partizipia Prasentis. Vgl. frai- 
sans fram Satanin ireipaWjiievoc Oird TOO SaTavd Me 1,13, desgl. 
L 4,2. hairda sweine haldana atfamma fairgunja ' dcfkr\ x^pwv 
pocKO^vn irp6c T* <5pei Me 5,11, desgl. M8,30 L8,32. Substan- 
Liviertes lai*idai ' bibaKTot 'Lehrlinge, Schuler' J 6,45, vgl. sa 
laisida 6 KaTxoO|Hvoc G 6,6. Naheres bei Paul Die Umschreibung 
des Perfektums (Miinchen 1902) S. 162 if., bes. 164. 

2. Zu standan und wisan gibt es kein Part. Perf.; denn das 
Gotische bildet von intransitiven Verben mit durativer Aktionsart 
kein Part, Perf., vgl. Martin HZ. Anz. 32,286. Wo der griech. Text 



216 Syntax. [324-326. 

Veranlassung dazu bieten konnte, wird dalier stets das Part. Pras. 
gew&hlt, z. B. crr)KtlK:, tcrdic standands M 26,73 u. o. KaOr^juevoc ' 
sttands M 9,9 u. 6. dvaKi|Uvoc * anakumljands J 13,23 u. 6. leika 
pize l\ganaane cibjuara TU)V KKOi|uri|u^vu)v M 27,52. 

325. Prftdikatives Partizip findet sich wie im 
Griech. nach den Vcrben der geistigen und der sinnlichen 
Wahrnehmung, denen auch bigitan zuzurechnen 1st, sowie 
bei den Verben, die ein Aufhoren oder Verweilen be- 
zeichnen (wahrend die Verba des Anfangens im Gegen- 
satz zum Griech. den Infinitiv regieren). 

Anmerkung. Nach den Verben der Wahrnehmung steht 
der Infinitiv im Gegensatz zum Original nur Me 13,29 und 
J6,62, vgl. 317,1; bei den Verben des Aufhorens nur L7,45. n't 
*waif bikukjan fotuns meinans oO bUXenrev KdtacpiXoOcd you TOUC 
u6bac. Emmal ist eine Uinkehrung der Konstruktion erfolgt: un- 
sweibandx aiwliiulo* oti traOojaai eOxapiCTixiv E 1,16 (vgl. J 7,9). 

326. Uber das Partizip boim absoluten Noniina- 
tiv vgl. 244, beim absol. Akkusativ 251, beim 
absol. Dativ 260. 

Anmerkung. In engem Anschlufs an die Sprache der 
paulinischen Briefe wird im Gotischen mitunter der Nominativ eines 
(fast durchweg prasentischen) Partizipiums in freierer Weise zurn Er- 
satz eines Verbum finitum verwandt. Aufierljalb der Episteln 
begcgnet diese Eigentamlichkeit namentlich in der Skeireiiis. So 
entspricht der Stelle k5,12: ni ei aftra uns silbam nsJcannjaima 
izwis, ak lew gib an dans izwis ' oO irdXiv ^auroOc cuviCTavuj|iiev 
Ojniv, dXV dqpop^qv 5ib6vTC der Passus der Skeireins 2,16: if 
nasjands pana anawairfan dorn is gasattvands jah patei in galau- 
beinai feihan habaida, gaskeirjands imma swe niippan unkun- 
nandin. Die Regel erforderte hier gaskeirida fur gasketrjands. 
Etwas anders liegen die Verhaltnisse Skeir. 4,9: if fraujins laiseinx 
anastodjandei af ludaia jah and allana midjungard gapaih. 
Hier ist das Partizip durch jah dem Verbum finitum koordiniert 
Die Konstruktion ware regelrecht, wenn entweder das verbindende 
jah fehlte oder an Stelle von anastodjandei das Verbum fin. stflnde. 
Wie k 7.5 jah auk qimandam unsis in Makidonjai, ni waiht 
habaida gakeilainais leik unsar, ak in allamma anapragganai* 
Kal roip &06VTWV f|)Lii&v eic MaKeboviav, oObeiniav gcxnxev dveciv f) 
cdpS #ma>v, dU' ^v Travrl eXi^Mevoi der Nominativ des Partizips 
ohne Anlehnung dasteht, so ahnlich Skeir. 2,22 : at raihtis mann us 
misfialeikom wistim ussatidamma, U saiwalai raihtis jah Uika, jah 
anfar fize anasiun wisando, anfaruh fan ahmein duppe . . . 



326.327.] Der einfache Satz: Die Negation. 217 

twos ganamnida waihts. Eine der vorausffehenden koordinierte ab- 
solute Dativkonstruktion ware hier das Normale. Nicht in diesen 
Zusammenhang gehflrt Skeir. 4,9. 

Dem Zusammenhang entsprechend, kann das Partizip auch 
imperativischen Sinn haben, vgl. R12,9ff. friafwa unliuta; fijan- 
dans ubila, haftjandans godamma . . . fmfjaif fans wrikcuidam 
izwis fj dcfditr] dvurrdicpiToc, drrocTUYoOvTec r6 irovrjpdv, xoXXiJbuevot 
T(i) dtaecji . .. eOXoTcire ToOc bidiKovTac ti|udc. Vgl. Skeir. 3,8: **i 
fizei ju jah leikis hraineino inmaidtfs was sidus jah so li guf 
hrainei anabudana wnrs, ni panaselfs judaiwiskom ufarranneinim 
jah sinteinom daupeimm brukjan uttdaudjaina, ak lohanne haua- 
jandans. Weiteres bei Dietrich Skeireins LXHIff. und bes. bei 
Jelhnek HZ. Anz. 47,285. 

Die Negation. 

327. Koppitz m. ZZ. 334224. 

1. Die Negation ni steht normalerweise vor dem Ver- 
bum: mmkunf ni wairfai' ou cpavepov yevrjcerai L8,17. 
hana ni hruheij)' ou jarj dXeKiuup ^uuvrjcei J 13,38. ik ni 
tundnau' OUK dfd) TnjpoO|nai kJl,29 usw. Wird ein griech. 
Verbum durch Adj. oder Subst. -(- Kopula, durch Ver- 
bum -(- Obj. oder Adverb umschrieben, so steht die Ne- 
gation normalerweise vor der Kopula bzw. vor dem Ver- 
bum: ni sijaip laitrai' jut 5 ) micpaivecGe C 3,19; ni icairfaip 
airzjai' juri TiXavdcGe G 6,7 usw.; arbjans ni wairfiand' oO 
K\r|povo|Lir|COUCiv G5,21; nist du botai ' oub^v dbcpeXrjcei 
G 5,2 usw.; auhsau friskandin munf ni faurwaipjaia ' pouv 
dXoiwvta ou qpijtiujceic T5,18; ni nimif arbi* ou JLII^ icXnpo- 
vojaricr] G4,30 usw.; saei inn ni atgaggip' 6 jar) eicepxojLievoc 
J10,l; ni atsteigai dalap' jur) KaiapaTiu L 17,31. In 
den umschriebenen Temporibus pflegt die Negation 
vor dem Partizip zu stehn: ni skidd ist ' OUK JHecriv 
Me 2,26; ni kunf was' OUK ^TvajpicGn E3,5; ni gaaiwiskofs 
ivarf ' ou KccTncxuv0nv k 7,14 u. a. Tritt jedoch nach 
der Negation Inversion ein, sokommtw vor die Kopula 
zu stehn: ni warp uslvtofs* OUK ^TraiT|0n T2,14; nist ga- 
fiwaids' ou bebouXumxi K7,15; nist gdbundan' ou beberai 
t 2,9 usw. 

Anmerkung. Zwischen Negation und Verbum tritt regel- 
mafiig die Fragepartikel -u: ni-u gamelip istt oO f&fpa.Tna\ Me 11,17 



218 Syntax. [ 327. 328. 

usw. ; aufierdem in tlbereinstimmung mit dem Griech. einige andere 
Parlikeln, namentlich fau ' dv, auk ' *fdp. 

2. Doppelie Negation, im Gegensatz zum griech. 
Text, aber in Ubereinstimmung mit dem germ. Sprach- 
gebrauch, findet eich an einigen Stellen; die zweite Ne- 
gation steht alsdann immer vor dem Verbum. Vgl. nih fan 
auk fram mis silbin ni qam* air' ^juauToO XrjXu9a J 8,42; 
ni fanaseifs ni Jcunnum ina' ouKen fivcbcKOjaev k5,16; 
if mis ni sijai Ivopan ni in waihtai * quoi 5 |ur) Y^VOITO 
KauxacGai G6,14; ni fanasdfs ni gaman ' OUKETI jLAvrjjaoveuei 
J 16,21 (w 2 zeigt Spuren von Rasur). 

Die einfache Frage. 

328. Sofern die Frage nicht lediglich durch den 
Ton zum Ausdruck kommt, wird sie durch Interroga- 
tivpronomina ( 17375. 19293. 282) oder durch 
Fragepartikeln charakterisiert. Im Got. erscheinen 
flg. Frage worter: 

1. Die Enklitika -u. Sie schliefit sich an das erste 
Wort des Satzes an. Dieses ist in der Regel ein Verbum : 
maguts-u Me 10,38; wileiz-u L 9,54. Geht ga- dem Ver- 
bum voraus, HO wird -u zwischen beiden eingeschaltet: ga- 
u-laubjats M 9,28 usw. (vgl. 232,4). AuCerdem kann 
nie an ein Pronomen oder ein Adverb antreten, vgl. sa-u 
ist ' oOioc eciiv ; usw. J9,19; swa-u andhafjis ' OUTUJC drro- 
Kpivn; J 18,22. ni-u verlangt bejahende Antwort: ni-u 
andhafjis waiht? OUK diroKpivr) oubev; Me 14,60. Da- 
gegen erwartet die Zusammensetzung ja-u jurj Verneinung, 
vgl. ja-u ainshun fize reike galaubidedi imma ' jurj TIC K TUIV 
dpxovTiwv diricreucev eic CIUTOV; J7,48 (Skeir. 8,14). 

2. ibai ' jiir|, num c doch nicht' setzt verneinende Ant- 
wort voraus: ibai jah weis blindai sijuml jiirj Kai fjjiieTc 
tucpXoi kjaev; J9,40 u. a. Zum Unterschied von ibai 
und ni-u vgl. ibai mag blinds blindana tiuhan? ni-u bai in 
dal gadriusand? JUTJTI buvarai ruqp\6c TU9\6v 66riT^v; ouxi 
djucporepoi eic p69uvov TrecoOvtai; L 6,39. Steht nach ibai 
eine Negation, so schlieJQt sie sich ans Verbum an. Als 



Der zusammengesetzte Satz: A. Parataxe. 219 

Antwort wird eine Beja-hung erwartet. Vgl. ibai ni habam 
waldufni matjan jah driggJcan? ju^ OUK IXQV&V ouciav q>a- 
yeiv Kai mew; K 9,4. nibai c doch nicht etwa 5 in un- 
willigen, rhetorisch gefarbten Fragen, vgl. qefun fan Tu- 
daieis: nibai (^r\ii) usqimai sis silbin, ei qipif: fadei ik 
gagga, jus ni tnaguf qiman J8,22. 

Anmerkung. an f denn, nun" 1 ist selbst keine Fragepartikel, 
Iritt aber meist in Verbindung mit Fragepronomina auf: an has* Kai 
T(C J9,36 L 10.29 18,26; an ka L3,tO. Ohne eigenes Fragewort 
ist der Satz J 18,37 gebildet: an nith ffudantt Is pu* o^iKoOv paci- 
XeOc el cO; 

Dreiundzwanzigstes Kapitel. 
Der zusammengesetzte Satz. 

3^9. Coll in Sur les conjonctions gothiques. Lunds Uni- 
versitets &rsskrifl XII. 1875/76. 

To bier L. Konjunktionen mit mehrfacher Bedeulung. Ein 
Beitrag zur Lehre vom Satzgefuge. PBB. 5,358 ff. 

Marold G. Ober die gotiscben Konjunktionen, welche oSv 
und f<*P vertreten. Progr, K6nigsberg 1881. 

Schaaffs G. Syndetische und asyndetische Parataxe im 
Gotischon. Diss. GSttingen 1904. 

Mourek Syntaxis slo2enych v^t v gottin. Prag 1893. 

Sorgfdltige Materialsammlung. S. 287334 Auszug in deitt- 
scher Sprache unter dem Titel: Syntax der mehrfachen Satze im 
Gotischen. 

A. Parataxe. 
1. Kopulatives Yerhaltnis. 

1. jah 1 entspricht in der Regel dem gr. Kai und 
verbindet Satzglieder und Siitze. Da es stets an der 
Spitze des angereihten Satzes stehn mufi, so entspricht 
jah jabai dem gr. ei Kai (falls sich Kai nicht auf ein 
einzelnes Wort des Bedingungssatzes bezieht), vgl. z. B. 
jah jabai idreigoda ' ei Kai jueTejueXojunv k 7,8. Ebenso gilt 
die Stellungsregel fur die Falle, wo jah fur gr. bi eintritt, 



1 Aus der Beteuerungspartikel ja und dem enklitischen -h = que 
zusammengesetzt. 



220 Syntax. [329. 

vgl. z. B. jah warp* dyeveTO bt L5,l u. 6. Fiir seine 
Anwendung 1st das Original fast iiberall mafigebend ; nur 
dort, wo durch Auflosung griechischer Partizipialkonstruk- 
tionen die Unterordnung zur Beiordnung wird, erscheint 
jah unabhangig von der Vorlage, vgl. z. B. gagg jaJi atau- 
gei fuk silban gudjin ' draXOujv beiHov ceauT&v TLU iepei 
L5,14. Ganz vereinzelt sind Germanismen wie L 17,27: 
etun jah drugkun, liugaidedun jah liugaidos wesun' f|C0iov 
&TIVOV fduouv etauiovTO und V. 28: etun jah drugkun, 
lauhMun jah frabauhtedun ' ?|C0iov mvov rpfopaEov iru)Xouv. 
2. Die Enklitika -uh wird an das erste Wort des 
Satzes angefugt. Sie entspricht mitunter dem griech. Kai 
(bes. in der Verbindung bt Kai), vgl. z. B. vrreis nimuh ' 
gyeipe KQI dpov Me 2,11, wesunuf-pan i^cav b Kai 
Me 15,40; mitunter verwandten Partikeln, vgl. qefunuh' 
?XeTOV ouv J 16,18, fatuh samo ' TO b 3 auro M 27,44; meist 
steht Bie jedoch ohne griech. Entsprechung. Vgl. gaggif 
ivitaiduh uiraTete dccpaXicacGe M 27,65. qepunuh ' XCTOUCIV 
J 9,17 (Verkniipfung mit dem vorausgehenden Satz). jah 
usstigun in skip iddjedunuh ufar martin in Kafarnaum ' Kai 
dvapdviec eic TO -rrXoiov ?IPXOVTO J6,17. (Bei der Auf- 
losung eines Partizips). 

Anmerkung 1. hileiku E1,18AB Mr loildTc-uh ( 27 b). 
Da6 -uh sonst nicht nach emem Intcrrogativum belegt 1st (Bern- 
hard t), durfte Zufall sein. 

Haufig tritt -uh in Verbindung mit undern Par- 
tikeln auf. In dieBem Falle steht es regelmafiig vor 
J>an, vgl. weizup-pan unmahteigai ' r^jueic dcGeveic K4,10; 
ebenso von auk, vgl. qapuh auk ' ^Xeyev ydp M 9,21 und 
einmal auch vor allis, vgl. uzuh allis ufarfullein * K ydp 
ireptcceujaaTOC L 6,45. Dagegen geht ip dem -uh 
immer voraus; -uh lehnt eich in diesem Fall an das 
folg. Verbum an, vgl. ip lesus iddjuh mip im * 6 bfc 
5 lr|co0c ^TtopeueTO cirv atJTOic L 7,6. ip is ub-uh-wopida ' 
ilk autem e, at ilk df (6 be D) L 18,38 u. a. 

Anmerkung 2. Ein merkwiirdiger Pleonasmus erscheint 
E4,8: ussteigands in hauhifa ushanp hunp jah at-uh-gaf gfbos 



329332.] Der zusammengesetzte Salz : A. Parataxe. 281 



mannam' dvogdc etc fl\yoc ^jxnaXibTcucev alxiictXujcCav Kai 
bofaara rote dvOp Jjtroic ; vermutlich ist hier jdh spalerer Zusatz 
(Meillet MSLP. 15,82). 

330. nih = ne-que entspricht griech. ou, oube und 
OUTC. Es steht naturgemafi an erster Stelle; eine Aus- 
nahme erscheint nur R8,7: if nih mag' oub Y<*P buvarai. 

ni nih (vor den negierten Begriffen stehend): ni 
mag bagms fiufeigs akrawa ubila gataujan, mh bagmv ubils 
akrana fiufeiga gataujan ' ou buvatai b^vbpov dfaBov Kap- 
irouc novripoOc rroteiv oub^ bevbpov ccnrpov KapTtouc xa\ouc 
TTOieTv M7,18. nih nih (vgl. neqne neque): nih 
arbaidjand mh spinnand ' ou Koma oub vr|0i M 6,28. 

Anmerkung. Jnfolge weitgehender Vermisehung von nih und 
nl vertriit dieses oft die Slelle von mh und nih die von ni. 

331. Das kopulative Verhaltnis kann auch in ad- 
versativer Form durch Entgegenstellung zweier Glieder 
ausgedriickt werden. Alsdann stoht im erston Glied ni 
oder nih mit pataitt, J>atainei; im zweiten ok jah. 

2. Digjunktives YorhUltnis. 

332. 1. Die gewohnliche Disjunktivpartikel ist aip- 
fau = gr. f|. Entweder oder, griech. ?| f|, heifit 
jalai aipfau oder andizuh aippau, vgl. ni mama mag 
twaim fraujam skalkinon\ unte jalai fijaifi ainana jah anfa- 
ram frijof aiffau ainamma ufhauseif if anparamma fra- 
Jcann ' ?i yap TOV va mcr|Ct Kai TOV ?Tpov dyaTrricei f| fevoc 
dvO^Heiai Kai TOU ^tepou Kaiaqppovrjcei M6,24; vgl. die 
Parallelstelle L 16,13: andizuh ainana fjaif aiffau ai- 
iiamma andtilof. 

2. Konzessiv-disjunktiv ist affe 1 japfe == eire etre. 

3. Disjunktive Fragen, vgl. Schulze KZ. 40,563 

65. a) In selbstandigen disjunktiven Fragen steht 
im ersten Glied die Interrogativpartikel ~u (-uh\ im 
zweiten fau, hinter dem -u (-uK) wiederholt wird (Aus- 
nahme: ab-u fus silbin fu fata qifis pan anparai fus qe- 
fun bi mik? J 18,34) oder aipfau. Vgl. uz-u waurstivam 

1 Aus jah + Instr. fe. 



222 Syntax. [ 332. 333. 

witodis dhman nemup pau uz-u gdhauseinai galaubeinaisl G3,2 
(vgl. V. 5); daupeins lohannis uz-uh himina was pau 
uz-uh mannam? L20,4 Me 11,30; skuld-u ist unsis kaisara 
gild giban pau ni-u L 20,22. 

Anmerkung. Anscheinend fehlt -w im ersten Glied einiger 
Stellen, vgl. fu is sa qimanda fan anfariz-uh beidaima Ml 1,3 
(ahnlich L 7, 19.20); in Wirklichkeit aber ist es mil dem auslautendeu 
-u von pu verschmolzen, es ist daher ]>& zu lesen (Schulze aO.). 

b) In unvollstandigen disjunktiven Fragen, die 
sich an das Interrogativum eines vorhergehenden voll- 
Btandigen Fragesatzes anschlieflen, bleibt das erste 
Glied ohne Charakterisierung (Auenahme: Ivas frawaurhta, 
sa-u pau fadrein is J 9,2), das zweite wird durch pan (ohne 
flg. -u) eingeleitet. Vgl. Ivapar ist...azetizo qipan: ajietanda 
pus frawaurhteis, pau qipan: urreis jah gagg^ M 9,5; Ivana 
iviUip ei fraletau izwis, Barabban pau lesut M 27,17. Den 
UnterBchied beider Konstruktionen veranschaulichen die 
Siitze: skuld-u ist in sabbatim piup taujan aippau unpiup tau- 
jan Me 3,4 und fraihna izwis, Ira skuld ist sabbato dagam 
piup taujan pau unpiup tanjan L 6,9. 

8. Adversatires Verhaltnis. 

333. Mehr anreihcnd als gegensatzlich ist die 
Ternporalpartikel pan, die hiiufig als Wiedergabe des gr. 
be erscheint. Sie steht, auch abweicbend vorri Griech., 
an zweiter Stelle; an dritter fast nur dann, wenn die 
beiden vorausgehenden Worter eng zusarainengehoren. 
Vgl. pata pan qipands ' raOra Xef^v L 8,8. jah pan 
jus weitwodeip' Kai ujneic b jaaprupeiTe J 15,27; inuh pan 
pamma garda wisaip* iv auifj 6fc rrj oiKia jnevere L 10,7 u. a. 
at paim pan afgaggandam ' TOUTUJV b iropeuo^eviuv 
Mil, 7; anddulp pan' Kara bfc 4oprr|V M27,15; jah warf 
Pan' ^Teveio be Kai L 6,6 ip ains pan ize . . . gawandida 
sik' etc be & auTUJV uirecTpevpev L 17,15. ip is qap 
pan ekev be L 7,50. 

Anmerkung. Unffemein haufig ist -uh-fan belegt; es gibt 
gewbhnlicli b wieder. Vgl. gifuh pan izwis ' \fw bi Ojniv M 6.29 
u. 0. was-up-pan,' f|V b<* Me 1,6 u 0. fwairhaip-pan sijaip* 
^ (FrG gm) E 4,26: nip-pan nauhpanuh' oOnw bd J 11,30. 



334336.] Der zusammengesetzte Salz : A. Parataxe. 223 

334. ip entspricht in der iiberwiegenden Mehrzahl 
aller Falle dem griech. bd; selten einem Kai, yap u. ii.; es 
steht ausnahmslos am Satzanfang. Auch ohne griech. Vor- 
bild erscheint ip nicht selten, vgl. z. B. anparans ganasida, 
ip sik silban ni mag ganasjan " dfXXouc e-cuucev, &XUTOV ou 
buvotTcu cujcou Me 15,31; jus galeipip in dulp po, ip ik ni 
nauh galeipa in po dulp' ujneic dvd(Jr|Te eic TTJV 4optr)v 
TCturriv, fd) oimu) dvapaivuu J 7,8 usw. 

Anmerkung. l)ber -uh nach ip v{jl. 32 ( .),2. Miiuntcv folgt 
auch pan auf ip, vgl. z. B. ip Pan bi Iveila niundon wfliropida ' 
uepi bi Tr)v varr]v O&pav dvep6rjcv M 27,4(> ; ip is qtip fan ' elirev 
bd L 7,50 (vgl. 333). 

335. Auch appan liberselzt be, abor seltner als 
tj&, mit dem es xuweilen wechselt. Doch hebt appan den 
Gegcneatz pcharfer hervor als ip. Cleicli diesem steht 
es immer an der Spitze. Vgl. in betreff des Unterschieds 
zvvischen appan und ip Stellen wie M5, 21.22: Immidedup pa- 
iei qipan iftt paim airizam: ni maurprjais, ip saei maurpreip, 
skula wairpip stauai. appan ik qipa izwis' ou ^oveu- 
cetc ' 6c b" av cpoveucr), ?voxoc ?ciai if] Kpicei. iyw te 
Xefw ()|LIIV u. a. m. Parallelstellen zeigen mitunter einen 
Wechsel zwischcn beiden Partikoln, vgl. M 9,15 ibai ma- 
gun sunjus brupfadis qainon und pata Iveilos pei mip im ist 
bnipfaps? ip atgaggand dagos ' ^Xeucovim be f^epai gegen- 
iiber Me 2,20 appan atgaggand dagos und L 5,35 appan 
qimand dagos. Hie und da ist appan Zusatz, z. B. LI 8,8 
appan qipa izwis * XefU) ujmiv (nach den Parallelstellen mit 
XefU) be ufiiv). 

Anmerkung. appan ip gibt einigemal ILI^V b^ wieder, 
vgl. z. B. appan ik in watin izwis daupja, ip sa afar mis gag- 
ganda swinpoza mis ist' ^^ \JLV $a.Trdlw O^dc ^v Obari- 6 b 
dTrfcuu juiou ^px6)iAvoc lcxup6Tp6c l^oO dcTiv Skeir. 3,23. 

336. Durch ak, akei = dXXd \vird der Gegensatz 
scharf betont. ak eteht nach negativem Vorderglied 
(= sondern), akei nach positivem (== aber). Beide 
stehn an erster Stelle. Vgl. ni hugei hauhaba, ak ogs ' jifj 
ii|jr|Xo(pp6vei, dXXa cpopou R 11,20 gegeniiber all binah, akei 
ni all daug' iravta ?Eeciiv, dXX' ou Trdvra cu^epei K 10,23, 



224 Syntax. [ 336338. 

Nur ganz selten fehlt die Entsprechung im Griech., 
vgl. pata ni us izivis, ak gudis giba ist' toOro OUK 4H fyuljv, 
OeoO TO buipov E 2,8. warjandans uns du fiudom rodjan 
ei ganisaina, akei du usfulljan seinos frawaurhtins ' KiuXuov- 
TIDV f)|Lidc TOIC ?9veciv XaXflcou iva cuu0ujciv, eic TO dva- 
TrXnpuJcai auTwv Tac djuapTiac Th 2,16. 
Anmerkungen. 

1. Wie Th2,lG dkei steht, obwohl warjands negativen Sinn 
hat, so erscheint es auch G4,2 nach Negation : ni und wailit iusiza 
ist skalka frauja allaize wisands, akei uf raginjam ist' ofcbdv 
bicup^pei bouXou Kupioc irdvTuuv Ujv, dXXa UTTO ^TtiTpdTrouc ^criv. 

Umgekehrt findet sich ak vereinzelt nach positivem Vorder- 
glied, wenn es in einer hypotliet. Periode stebt. Vgl. J 1 5,21 Me 11, 32 

Auch alja c aufeer' ubersetzt einigemale dXXd, vgl. z. B. ni 
panaseips ainohun gasekun alja lem ' oObdva elbov, dXXd Me 9,8. 

337. swefanh hat konzcssiven Sinn; wenn cs 
rr\r|V iibertragt, steht es gleich diesem an erster Stelle. 
sonst nicht. Vgl. swepauh frijod fans fijands izwarans 
irXnv dfaTrctTe TOUC ex e PO^ c ^iBv L 6,35 u. 6. gegeniiber 
Helias swepauh qimands faurpis aftra gdboteip alia' c HXiac 
jiiev ^XGibv rrpijJTOV diroKaGiCTa irdvTa Me 9,12 u. 6. 

Anmerkung. sivepauh erscheint auch nach andern ver- 
st/irkenden Partikeln, vgl. appan swepauh * uXriv L 11),27; ip swepauh' 
irXriv LI 8,8; nip-pan swepauh* ofcbd ydp G6,13; fanuh fan swe- 
fauh ' SjuiiDC IU^VTOI J J i2,4!2. Ferner tritt es vor und nach jabai 
und nach unte auf. 

4. Konsekutires VerhSltnis. 

338. 1. Handelt es sich um eine reale Folge, 
so stehn die pronominalen Prapositionalverbindungen in 
pis * TOUTOU x^P lv (E 3,14) inuh pis ' ?VKev TOUTOU, 
bid ToOTO u. dgl. in pizei' bio dup(p)e' bid TOUTO, 
vgl. ni magup guda skalkinon jah mammonin: duppe qipa iz- 
ivis ' bid TOOTO M 6,24 u. o. 

2. Zur Bezeichnung der logischen Folgerung 
stehn eipan' ouv, i&cre (selten) ny o\5v, (Spa, be, TOIVUV, 
uicTe. Als Partikel steht nu in der Regel an zweiter, selten 
an dritter Stelle, vgl. z. B. panuh nu wenja sandjan ' ToG- 
TOV ja^v ouv Ph2,23; fata nu anpar* TO XOITTOV E 6,10, 



338340.] Der zusammengesetzte Satz: A. Parataxe. 225 

gahamof izwis nu' v&uc<xc8e oOv C3,12; f o habandans 
nu gahaita' TCXUTCXC ouv ?xvtC idc ^TrarftXiac k7,l; Ivi- 
leika was nu audagd izwara * TIC ouv ity 6 jucocapicudc ujiujv 
G4,15 u. a. Beginnt die Negation den Satz, so muC 
nu stets hinter das zu ihr gehorende Wort zurucktreten, 
vgl. z. B. m galeikof nu faim ' ^f\ ouv 6jaonu6fjT auioTc 
M 6,8 u. a. 

Anmerkung. nuh und nunu heben die Deduktion scharfer 
hervor als das einfache nu; jenes wird wie nu in der Stellung 
behandelt, dieses steht abweichend stets unmittelbar nach der 
Negation, Tgl. ni nunu in matis gat air waurstw gudis' iit\ ^VCKCV 
pptOjmaTOC KardXue rd gpyov TOO GeoO H 14,20 (ohne Negation Ph4,4). 

fannn (gewohnlich dpa) belumptet meist den ersten Platz, einmal 
auch ohne griech. Vorbild Me 14,(>. 

5. Kansales Yorhiiltnis. 

339. auk' Y^p, selten be, Kai, jaev; allis' yap, jaev; 
raihtis' yap, -rrep, juev stehn in der Regol an zweiter 
Stelle, auk und raihtis zuweilen auch an dritter, selbst 
im Gegensatz zum griech. Text. Vgl. mahteigs auk ist* 
buvaroc Y&p ^CTIV R 14,4 usw.; maht wesi auk ' r|ouvoro ff 
Me 14, 5; skuld ist auk' bei T^p K 15,53 usw. Jvafai 
ist razhtis ' ri YP ^CTIV M 9,5 ; swe leik raihtis' KaGdiref 
Yp TO cujjua K 12,12 u. a. Kombiniert sind auk unc 
raihtis: sa auk raihtis' airroc yap Me 6,17 (ebenso 7,10) 
auk und allis: saei auk allis ' &c yP ^v Me 9,41. 

Anmerkung. Ausnahmsweise an erster Stelle steht au I 
T 9,30 : auk in famma sildaleik ist ' iv ^Ap TOUTip 0au|uiacT6v ^cnv ; 
raihtis R 10,18 (= gr. Text) und allis Me 12, c Jo: allis fan' 



34O. unte } das stets den ersten Platz einnimmt, 
steht an der Grenzscheide von Parataxe und Hypotaxe: 
es iibersetzt namlich nicht nur griech. YP? sondern auch, 
haufiger noch^ 8n. Sehr oft ist nicht auszumachen, oh 
der tfbcrsetzer das Verhaltnis parataktisch oder hypotak- 
tisch auffafite, vgl. z. B. audagai fai hrainjahairtans, unte 
]>ai gup gasailvand ' juaxdpioi oi KaOapoi rrj Kapbiqt, 6ri 
oi TOV 9eov Svpoviai Skeir. 6,27f. (M5,8) u. a. 

Strcitberg, Gotisches Elementarbuch. 15 



226 Syntax. [341--343. 

Die Modi der Pnrataxe. 

341. ttber den Versuch Erdmanns u. a., den Uber- 
gang aus dem Indikativ in den Optativ als Zeichen rela- 
tiver Unterordnung, als Mittel zur Satzverbindung zu er- 
kliiren, vgl. 308 Anm. 

B. Hypotaxe. 
I. Relativsatze. 

342. Eckardt E. tTber die Syntax des got. Relativpro- 
nomens. Diss. Halle 1875. 

Klinghardt H. Die Syntax der got. Partikel ei. ZZ. 8,127 ff. 
289 ff. 

DelbrUck Die german. Relativsatze (Vgl. Syntax 3,34Gff.). 

Neckel G. Uber die altgerm. Relativsatze (Palaestra V). 
Berlin 1900. Rez. Mourek HZ. Anz. 45, 137 If. 

Delbruck Zu den germari. Relativsatzen (Abhandl. d. K. 
sachs. Ges. d. Wiss., phil.-hist. Kl., Bd. 27, Nr. 19). Leipzig 1909. 

Die Relativa. 

343. Das Pronomen sah ist aus *sa-lve idg. so-k v e 
entstanden und betont demgemafi die materielle t)ber- 
einstimmung mit dem Bezugswort; es bekraftigt, daC init 
sa der genannte oder zu nennende Begriff gemeint sei, 
es bedeutet also c der und kein andrer, eben der, jetzt 
der 3 (vgl. Brugmann Demonstrativpronomina S. 62 if.). 
Dieser seiner Bedeutung entsprechend erscheint es mit- 
unter in einer Verwendung, die hart an der Grenze rela- 
tiviseher Funktion steht; so kommt es, daC sah, dem 
eigentlichen Relativpronomen Konkurrenz machend, bis- 
weilen griechische Relativa iibertragt. Vgl. gamotidedun 
imma taihun frutsfillai mans, faih gastopun fairrafro ' aTir\v- 
rrieav auriu beKa Xeirpoi dvbpec, 01 ?crricav iroppuuGev 
L 17,12. unleds sums was namin haitans Lazarm sah 
atwaurpans was du daura is * TTTUJXOC be TIC ify dvojutan A., 
oc IpepXriTO irpoc TOV TtuXdiva auiou LI 6,20. soh fan 
widnwo jere ahtautehund jah fidwor, soh ni afidclja fairra 
alh ' xai aikri xnpa ^TUJV 6TboriKOVTa reccdptuv, \ OUK 
d<picTaTO diro TOU iepoO 1^ 2,37. . . . if nu fus jah mis 
bruks fanuh insandida ' ov dveiTjui|/a Phil 11. qaf sums 



343.344.] Der zusammengesetzte Satz: B. Hypotaxe. 227 

fize skalke fis maistins gudjins, sah nifjis was fammei af- 
maimait Paitrus auso ' Aepei elc K TUJV bouXuuv ioO dpxie- 
peiac, cuYYfcvric ujv ou direKOipev TTerpoc TO ibriov J 18,26. 
In Verbindung mit saei: aiwaggeli fatei merida izwis> 
fatuh jah andnemuf, in fammei jah standif ' 6 eurnTeXicdjunv 
ujiiiv, 8 ml irapeXdpeTe, iv & Kai kxriKaie K15,l. 

344. ei spielt im gotischen Relativeatz eine grofle 
Rolle. Die Form 1st ein alter idg. Lokativ des Pronomi- 
nalstamms e- und hat urspriinglich *ei gelautet. Ihre 
Bedeutung hat urspriinglich etwa dem deutschen Lokal- 
adverb e da' entsprochen. Ihre nachsten otymologischen 
Vcrwandten sind abg. i c und 5 und griech. ei c wenn ? , ein 
Zusammenhang mit io- ist ausgeschlossen. In der Regel 
ist das 'relative' ei enklitisch an andere Pronomina 
oder Partikeln angelehnt. Das selbstandige ei hat 
grofle Bedeutung als Konjunktion, als Relativum da- 
gegen tritt es nur in einem Falle auf: in unmittelbarem 
AnschluC an einen Zeitbegriflf (einmal auch : Modalbegriif ) 
des Hauptsatzes (vgl. nhd. wo) : sijaix fahands }ah ni magands 
rodjan und fiana dag ei wairpai fata' dxpt f\c fjnepac 
Tevrirai xaOra r bis zum Tage, da' oder f wo' L 1,20. fram 
famma daga ei anabaup mis ' diro TT^C fjiuepac fie eveieiXaro 
ILIOI Neh 5,14. fram pamma daga ei hausidedum* dq> 5 Y\C 
fijuepac rjKOucajLiev C 1,9. appan pamma haidau ei Jannis 
jah Mambres andstopun Moseza' 5v rpoirov b^ 'lavvnc xai 
Mauppnc (^G it vg) dviecincav Muuce! t 3,8. 

Anmerkung. Vercinzclt scheint el (ahnlich dem Gebrauch 
von abg. t) als koj)iilative Partikel verwendet zu werden. Vgl. ka 
1f fata, fatei qifif unsis, lettil ei ni saihif mik jah aftm leitil 
jah gasaikif mik' jmiKp6v xal oO GewpeW ne xal TidXiv ^ixp6v xal 
fliyeced ^e J 16,17. Den got. Text wird man wohl am besten wieder- 
geben: c ein Kleines, da seht ihr mich nicht 5 . Die Parallelstelle 
J 16,16 hat jah statt ei: leitil nauh jali ni saikif mik. Ahnlich 
heifit es M 27,49 let ei sailoam qimain Helias nasjan ina &(pec 
ibwiiev, el ^pxerm c H\(ac cibciwv a(jr6v und ebenso Me 15,36 let ei 
saikam. Es ist ausgeschlossen, dais ei als Konjunktion mit 
dem Imperativ verbunden werden kbnne, wohl aber erklart sich 
die Konstruktion einfach, wenn wir ei als Partikel e da 5 fassen diirfen: 
r laf3, da wollen wir sehn 5 . 



228 Syntax. [ 345. 346. 

' 345. fei erscheint in verschiednen Funktionen; es 
ist wahrscheinlich, dafi diese auf verschiednen Ursprung 
hinweisen (vgl. 167 Anm. 2). Soweit sein Gebrauch 
dem von ei parallel ist, mufi es unzweifelhaft mit Bechtel 
auf idg. te{, d. i, den Lokativ des Demonstrativstammes 
te\o- zuriickgefiihrt werden. Es verhalt sich in diesem 
Pall got. fei: abg. ti e und 5 wie got. ei zu abg. i c und 5 . Wie ei 
steht auch fei einmal im unmittelbaren Anschlufi an eine 
Zeitbestimmung: ibai magun smjus bruffadis qainon und 
fata loeilos fei mif im ist bruffafs ' q> 3 8cov jiT* CIUTUIV 
CTIV 6 vujbicpioc M 9,15. Sonst erscbeint fei in relati- 
vischer Funktion unmittelbar binter indefiniten Prono- 
minibus neutralen Geschlechts. Vgl. fatakah fei wileif, 
bidjif ' 5 <xv OeXtyre cthricecOe J 15,7. bidei mik fislvi- 
zuh fei ivileis ' aiTT]c6v ^e 8 dv GeXrjc Me 6,22. fisharuh 
fei merjada so aiwaggeljo ' STTOU edv Kt]pux9rj TO eucppreXiov 
ToOio Me 14,9. fislvaduh fei gaggaif in gard ' 8irou <xv 
iceXenT efc oiKiav Me 6, 10. 

Anmerkungen. 

1. Bei persbnlichem Indefmitum steht saei\ nur einmal 
erscheint fei, einmal ', vgl. fislvammeh fei wiljau, giba fata' 
GJ ^dv BdXuj, b(btu|ui aC)T^v L4,(>. fisJvazuh ei qifai dufamma 
fairgunja ' 6c &v CITTT^ Tip dpei Tofrnp Me 11,23. 

2. Statt fei kann auch fatei erscheinen, vgl. ei ni fislvah 
fatei wileif , fata taujaif (B) * i'va JLI^J fi dv e&rjTe, TaOra iroif|T G5,17 
gegenuber ftskah fei bidjif attan . . . gibif izwis * 8ca dv aiT/|criT 
TOV traTdpa, btJbci lijiAiv J 16,23. 

3. Diese Beschrankung auf das Neutrum und das parallele 
Auftreten von fatei macht es wahrscheinlich, dafi nach dem In- 
definitum fei mit Joh. Schmidt als *fa-ei aufzufassen ist. 

346. 1. izei (ize)\ sei. Gewohnlich erklart man mit 
J. Grimm izei fur is + *> d. h. fur das durch -ei relati- 
vierte anaphoriscbe Pronomen; sei soil dem entsprechend 
aus sft -f- &> entstanden sein. Diese landlaufige Erklarung 
ist aber unhaltbar; denn 1) erscheint niemals ein obli- 
quer Kasus zu izei oder m; 2) wird izei nicht nur 
fiir den Singular, sondern aucb fur den Plural ge- 
braucbt, vgl. fai ize ni kausjand daufaus ' oiTivec ou jirj 



346.] Der zusammengesetzte Satz: B. Hypotaxe. 229 



YCUCUIVTCU Savdiou Me 9,1 ; faim ize(i) nelva TOIC 
E 2,17 u. o,; 3) waren Konstruktionen wie M 7,15 un- 
denkbar, wenn es sich um die Verbindung des Pronomens 
der 3. Person mit -ei handelte: atsailvif swefauh faura 
liugnapraufetum faim izei qimand at, izwis * Trpoc^x^ bfc 
duo Tiftv ipeuboiTpoqpriTuiv omvec ?pxoviai TTpocujLidc M7,15; 
denn wie Neckel S. 68 mit Recht bervorhebt, mufite das 
Demonstrativ paim alsdann unter alien Umstanden vor 
dem Nomen stehn. Ebenso unraoglich ware L 8,15: pai 
sind fai ize in hairtin godamma jah seljamma gahausjandans 
fata waurd gahdband * OUTOI eiciv oKrivec ^v xapbia KaXr) 
Kai aTa0r| aKOucaviec i6v Xoyov xatexouctv. 

Ricbtig ist vielmehr mit Gabelentz und Lobe izei 
(ize) als indeklinable Partikel nacb Art des ei aufzu- 
t'assen. Das gleicbe wie fiir izei mufi dann freilicb auch 
fiir sei gelten. Wenn dieses auf das Femininum, izei auf 
das Maskulinum bescbrankt ist, so liegt ieicht verstand- 
liche Assoziation an is und si vor. 

Anmerkung. Eine etymologische Auknttpfun^ liegt fur die 
Partikeln nahe: got. sei entspricht nach Fonn und Bedeulung dem 
lat. si (aus idg. **qj), das ursprungliches e so 5 ist (vgl. sl-c aus *sei-ke). 
Mit Rflcksicht hierauf darf man wohl izei aus *e-sej i herleiten. sei: 
izei = ion. xtf: d-Ke^, xeivoc: ^-KCIVOC, x^c- ^x^c, aind. d-sau: a\v. 
Mu, palign. eco- hic 5 : lat. ce-do (Havers IF. 19,97). Ob C 1,29 hi 
waurstwa sei inna uswaurkeip m mis' TT\V dWpYcmv aOxoO T^V 
^vepTOU^vnv dv |LIO( ein Rest des UrsprUnglichen sei, lafit sich bei 
der Vereinzelung nicht entscheiden. 

2. Der Gebrauch von izei und sei. a) Das Be- 
zugswort ist ein artikelloses Nomen. Die Relativpartikeln 
lehnen sicb normalerweise aufs engste daran an. Vgl. 
guda izei gaf TUJ 6euj TIU 56vrt k8,16; fram fraujin un- 
saramma lesu Xristau izei gaf sik sitban ' roO 66vioc 4au- 
TOV G 1,4; ludas Seimonis sa Iskariotes izei akaftida sik du 
galewjan ina 6 jneXXiuv ainrov irapabibovai J 12,4. Marja 
sei haitana was Magdalene ' M. f| xcxXou|Livn M. L 8,2; pairh 
anst gudis sei gibana ist mis ' bid Trjc xpiTOC TOU 6eoO TTJC 
boOeJcnc ^i R12,3; uffampja smjos sei U gagudein ist' 
TT(TVUKIV dXnOeiac rfjc xai 5 eiicepeiav Tit 1,1 u. dgl. m. 



230 Syntax. [ 346. 

Anmerkung. Bei sei folgt nach griech. Muster dreimal das 
Bezugswort auf den Relativsatz, vgl. set us guda ist garaihtei T^V 
^K 6eoO biKdiocuvriv Ph 3,9. Ebenso R 7,20 L 15,12. 

b) Ein Bezugswort mil Artikel in normaler Stellung 
geht nur ein einzigesmal dem sei voraus: so qino sei tekip 
imma ' f\ Yuvf| fJTic ctTTTeiat auroO L 7,39. Sonst ist der 
Eelativsatz nrit sei an zwei Stellen zwischen Artikel und 
Nomen eingeschoben, vgl. gamaudein andnimands pizos sei 
ist in pus unliutons galaubeinais ' ifjc v col dvuTTOKpirou 
TTiCTeuuc tl,5 und Skeir. 1,7: fata nu gasailvands lohannes 
PO sei ustauhana habaida wairpan fram fraujin garehsn. 
Fur izei kommt nur die durch ihre regelwidrige Kon- 
struktion bemerkenswerte Stelle M 7,15 in Betracht 
(s. Nr. 1); der Verbindung paim izei halber ist sie der 
folgenden Abteilung zuzurechnen. 

c) Besonders charakteristisch ist die ohne griechisches 
Vorbild auftretende Verbindung sa izei, in der das De- 
monstrativ der Relativpartikel unmittelbar vorausgeht und 
einen notwendigcn Stiitzpunkt fur sie bildet. Vgl. niu 
mahta sa izei uslauk augona famma llindin gataujan ' OUK r|&\j- 
varo oOroc 6 dvoiSac TOUC 6q>0a\|Lioi)c ioO rucpXoO 
Jll,37. inu fatia izei ufhnaiwida' CKTOC TOU 
Havroc K 15,27 nip-f>an swefauh fai ize(i) bimaitanai sind 
witojj fastand ' ou6^ yap oi TrepiTT|Liri|Lievoi auioi vojuov ^u- 
XaTTOuciv G 6,13. gawairfi faim ize(i) neka ' eiprjvnv TOIC 
YY^ C E 2,17 u. a. Auf gleicher Linie steht die Ver- 
bindung salvazuh izei: qimip Iveila ei sakazuh izei usqimip 
izwis puggkeip hunsla saljan guda ' tva rrctc 6 dTTOKieivac ujadc 

J 16,2, desgl. J 19,12. 

Anmerkung. Sehr deutlich tritt der Zwang einer Anlehnung 
an sa an flg. Stellen zutage, dcren Konstruktion nur unter diesem 
Gesichtspunkt verstkndlich ist: sind sumai fize her standandane pat 
ize ni kautfand daupaus* ctclv Tivec TIJUV O&be ^CTriKbruuv olrivec 
oft |ii^ TLcuuvrai BavdTOU Me 9,1. Ferner liugnapraufetum faim 
ize M 7,15 und pai sind fai ize L8,15 (s. o.). Eine nur schein- 
bare AusnaLme bildet L8,13: if pai ana pamma staina, ize pan 
hausjand. mip faheidai andnimand pata waurd " ol b 4til tf^c TT^- 
Tpac, ot 6rav dKOuciwciv, (uctd x a P^ c b^xovrai r6v \6tov; denn es 
ist aus Vers 12 notwendig trindfai zu crganzen. Dadurch aber wird 
die Konstruktion regelmafiig. 



346.347.] Der zusammengesetzte Satz: B. Hypotaxe. 231 

d) Je einmal erscheinen izei und sti auf das ana- 
phorische Pronomen bezogen: in in a po alia, ize istJiauUp, 
Xristm' eic auiov rd iravra, oc knv f) KecpaXri, X. E4,15 
und sa menops saihsta ist izai sei haitada stairo * oOioc 
|ir|v &CTOC kriv aurrl Tfj KCtXoujuevr) cteipa L 1,36. 

347. 1. Das Relativum Kor 3 iEoyfyv ist im Go- 
tischen das Demonstrativum sa, an das sich d c da' en- 
klitisch angelehnt hat: Mask, saei etwa e der da\ Fern. 
soei, Neutr. patei. Die Verbindung enispricht ihrem Wesen 
nach dem ahd. flier thar. tfber vereinzelte Spuren der 
gotischen Bildung im Ahd. vgl. E. A. Kock Die deutschen 
Relativpronomen (Lund 1901), 14 A, S. 17. 

Aninerkungen. 

1. Man hat vermutet, dafi an emigen Stellen sad noch in 
<1 e in o nst r a liver Bedeutung erhalten sei. Das Hauptbeweisstiick 
bildet Tit 1,5: in pizozei waihtais bilalf fus in Kretai [in pize], 
ei TOUTOU x^P lv KaT^\iir6v ce dv KprjTTj, iva Da mit diesen Worten 
der Brief beginnt, ist trotz Bernhardt Vulfila S. 591 relative Geltung 
von pizozei ausyeschlossen. Aber die MS^lichkeit eines Uberlieferungs- 
fehlers ist nicht pfanz abzuweisen; die Worte in pize, die mit Bern- 
hardt als Glosse zu fassen sind, zeigen jedenfalls so viel, da& von 
dem Abschreiber der Satz in der uberlieferten Form nicht verstanden 
wurde. Ahnlich erklart man K15,l: appan kannja izwis, bropr- 
jus, patei aiwaggeli patei merida izwia ' YvuiplJiu bi Ojniv, dbe\9o(, 
TO iaTT^ l <> v S >nTT ^ lC( il Lir l v ^^ v - Aber hier sclieint patei 1 auf 
lat. Vorbilde zu beruhn, vgl. Ambrst. notum enim facto vobu>, fra- 
trett, quid wangelium, quod praedicavi volna. Noch unsiclierer sind 
andere Spuren, die man gefunden zu haben glaubl : fusel gamaudei 
TaOra Oiro|n{jLivncK t2,14 kann ei fur e haben ( 22 A.); in K 10,28 
liegt es nahe, anzunehmen, dafi durch patei fur griech. roOro em 
Abhangigkeitsverhaltnis herbeiget'Qhrt worden sei; in andern Fallen 
(in pizozei waihtais' TOUTOU x<*piv E3,l; li patei' uirp TO(>TOU 
k 12,8) kann trotz des griech. Demonstrates furs Gotische Relativ- 
konstruktion angenommen werden. T5,25 ist poei aljaleikos sih 
habandona ' Td fiXXiwc fyovw (AB) wohl Uberlieferungsfehler. Vgl. 
auch t4,14f. ( 351 Anm. 2). 

2. A limine abzuweisen ist die fruher beliebte, von 
Delbrilck 1 jiingst wieder erneuerte Theorie, dafi sa dem 
Hauptsatz zugeh5rt habe, ei dem Nebensatz. Eine solche 
Tremiung widerspricht allem, was wir von der Entwicklungs- 

1 In der Abhandlung Zu den german. Relativsatzen. S. 688 f. 



232 Syntax. [ 347. 

geschichte der german. Relativsatze wissen, widerspricht auch den 
Tatsachen innerhalb des gotischen Sprachgebiels. 

2. Der Gebrauch zeigt wenig Bemerkenswertes; die 
Stellung der Relativsatze entspricht dem griech. Vorbild. 
a) saei hat ein Bezugnomen neben sich: a) Nomen 
ohne Artikel, vgl. z. B. sa ist Helias saei skulda qiman * 
aCmk ICTIV C H. 6 jueXXiuv ?pxec9ai Ml 1,14; mahteis fozei 
waurfun in izwis' ai buvdjueic al Yevonevcu v UJLUV L 10,13 
usw. p) Nomen mit Artikel: bi fata ivaurd fatei 
rodif was du im * Trepi TOU rmctTOC roO XaXr|9evTOC auioic 
L2,17 usw. b) saei nach korrelativem Pronomen: 
a) sa, sah, vgl. li fans fanzei atgaft mis ' Trepi iLv bebuuicdc 
ILIOI .117,9; sildaleikjandona ana faim foei rodida wesun li 
ina ' im TOIC XaXoujuevoic Trepi auroO L 2,33 ; fatti nu guf 
gawap manna famma ni skaidai ' 6 oOv 6 Geoc cuveCeuev, 
fivOpumoc jar) x u) P l ^ TU) Me 10,9. saei: sah M 5,19 
L9,26 u. 6. P) is: saei, vgl. J 17,11. saei: is, vgl. 
saei matjif mein leik jah driggkif mein blof, in mis wisif 
jah ik in imma * 6 Tpurfuuv juou rfjv cdpKa Kai TTIVUJV |nou 
TO aljaa iv df-ioi jnevei KCXTUJ ^v aurui J 6,56 u. o. 

c) saei ohne Bezugswort. A. Haupt- und Nebensatz 
erfordern denselben Kasus: Nominativ, vgl. saei san- 
dida mik, mif mis ist' 6 Trqmyac jne jnet' ^ou knv J 8,29. 
ushafan warf fatei aflifnoda im ' TO TrepicceOcav auTOic 
L 9,17; life qimif fatei ustaulian isf STQV bi ?X0ij TO TeXeiov 
K13,10. Akkusativ, vgl. fanzei ivili liban gataujif o\)c 
0eXei HujorroieT Skeir. 5,8 (J 5,21) usw. aflet uns fatei skulans 
sijaima* dq)ec f|)uTv TOI 6qpeiXr||uiaTa fjjLiujv M 6,12 usw. 
Dativ, vgl. sahnifjiswas fammei afmaimait Paitrus auso' 
currtv^c fflv o\5 drreKOipev TT. TO UJTIOV J18,26; ussok im 
aiwaggeli fatei merja in fiudom, if sundro faimei fuhta ' 
dv0e|ir|v auTOic TO euctYT&iov S Knpuccuj ^v TOIC I0veciv, 
KaT 3 ibiav b^ TOIC boKOuciv G 2,2. Genitiv, vgl. duke 
anaqifaidau in fize ik amliudo ' TI pXacqpn|aoO|Liai urrlp oO 
lTu> euxapiCToi K 10,30. 

B. Haupt- und Nebensatz erfordern verschiedne 
Kasus, jedoch die formelle Identitat bleibt gewahrt. 



347.348.] Der zusammengesetzte Satz: B. Hypotaxe. 233 

Der im Hauptsatz zu 'ergiinzende Kasus kann nur ein 
Nominativ oder Akkusativ sein. Vgl. Norn. [Akk.]: 
Pod gawairfjis sind, laistjaima ' rd rfjc etprp/nc biubKU)|uiev 
R 14,19. Akk. [Norn.]: fatei qipip gagaggip* & Xeyei 
Tivexai Me 11,23. [Akk.] Nom.: gatawida fatei andbudan 
was * frroincev id biaraxO^vra L 17,9 usw. 



Attraktion. 

348. Grimm J. tlber einige Faile der Attraktion. Kl. 
Schriften 3,312 ff. 

Steinthal H. Assimilation und Attraktion. Zeitschr. f. 
VOlkerpsychologie l,93ff. 

Unter dern Namen 'Attraktion' versteht man die 
Erscbeinung, daC das Relativum nicht in dem Kasus 
auftritt, den sein Verb erforderte, sondern in dem Kasus, 
den das Verbum des Hauptsatzea verlangt. Voraus- 
setzung fiir den Eintritt der Attraktion ist, 1) dafi das 
Verbum des Relativsatzes den Nominativ oder den 
Akkusativ erheischt, und 2) dafl das korrelative Pro- 
nomen des Hauptsatzes nicht ausgedrlickt wird. 

A. Das Verbum des Relativsatzes verlangt den No- 
minativ des Relativums, das Verbum des Hauptsatzes 
fordert 1) den Akkusativ: jah foei ist us Laudeikaion, 
jus ussiggwaid * KOU fity ^K AaobiKiac iva Kai u|aeic dvaTVwre 
C4,16; (mit Prap.) ni waiht ufar fatei gar aid sijai izwis, 
lausjaif junb^v TrXeov irapd TO biaieraTluevov ujniv TTpdccere 
L3,13. 2) den Dativ: faimei iupa sind frapjaip, ni 
faim poei ana airpai sind ' id avuj (ppoveire, jnr| rd 4m if^c 
Tnc 03,2. 

B. Das Verbum des Relativsatzes verlangt den Akku- 
sativ, das Verbum des Hauptsatzes fordert 1) den Dativ: 
ei galaubjaip pammei insandida jains ' r iva mcieucriTe eic 5v 
direcyTetXev keivoc J6,29. (mit Prap.) dulve...ni gaggand 
li pammei anafulhun pai sinistans ' bum ou TiepiTraToOciv 
Kara rriv Trapdboav TUIV Trpecpurepujv Me 7,5. 2) den 
Genitiv: afdailja taihundon dail attis pize gastalda' dno- 

iw Travta 8cra KTixiiaai L 18,12. hazjandans gup in 



234 Syntax. [ 348-350. 

allaize pizeei gdhausidedun jah gaselvun ' im TTCICIV ok 
Kai eibov L 2,20. 



Anmerkung. Im Falle B scheint die Attraktion Regel zu sein, 
Ausnahmen sind nicht belegt; im Falle A treten sie dagegen nicht selten 
auf, vgl. fans paid sind ana airpai ' rd irl rfjc f?\c C 3,5 ; faim 
fafef xind in yarda me mamma ' TOIC etc rdv olic6v juou L 9,61 ; pis 
saei hi himinctni ist ' ToO dv otipavoic M 10,33 usw. 

349* ikei und ^wei sind die Relativpronomina dor 
ersten und zweiten Person. Sie sind wohl erst nach dem 
Muster von saei gebildet. Beide erscheinen rait und ohne 
BczugKWort, fast ausnahmslos im Nominativ. Vgl. z. K. 
ik auk im sa smalista apaustaule ikei ni im wairfs ' be OUK 
eijui kavoc K 15,9. fu has is fuei stojis' cu TIC el 6 
Kpivuuv R14,4. lausai sijuf af Xristau juzei in ivitoda 
gamihtans qipip izwis ' o'trivec iv VOJLIUJ biKaioucGe G 5,4. 
Oblique Kasus sind nur vorn Pronomen der 2. Per- 
son belegt: Me 1,11 G3,l. 

Anmerkung. Vereinzelt stcht saei an Stelle dcr persuiilichen 
Relativa. In dem Salz ik im saei wcitwoaja U mik silban jali 
wcitwodeip bi mik saei sandula mik atla * ^Y^ f|ni 6 juaprupujv irepi 
^juiauTou Kal juiapiupet tiepi ^|LioO 6 ir^juvpac jue irarrip J8,18 bat dor 
Parallelismus saet 1 veranlafit. Anders an den beiJen andein 
Stelleu. Wenn K 10,17 der gr. Salz 6n tic fiproc, ?v cu|aa oi uoXXoi 

^C|UV ' Ol T^P ltclVTC ^K TOO ^v6C ftpTOU (Kttl TOO ^VOC 1TOTr]p{oU 

DEFG it) |UT^xo|uev CiJjertragen wird: nnte alns hlaifs, a in lefk pen 
managans aium, pa lei auk allai amis hlaibis jah aim's stiklis 
Imkjam, so Leweist auk, dafi das Relativ nicht urspn'in^lich sein 
kann; das inkorrekte paiei ist unter lat. Einflufi naclitrJ^hch ein- 
geselzt, vgl. onme* qui de uno pane participamns vg. Ebenso ist 
saei C1,24AB spater Zusatz nach it\ v$l. aaei nn fagino gegen- 
nher vOv yalpw *K, aber 8c vOv D*E*FG defg vg. 

Inkongruenz. 

35O. Inkongruenz inNumerus und Genus findet 
sich vereinzelt. Vgl. so managei paiei ni kunnun witop ' 
6 Sx^ oc oiDioc 6 jur) TWIUCKUJV TOV VOJLIOV J 7,49. hansa 
mikila mamgeins ...paiei qemun Jiausjan imma ' TrXflOoc TTO\U 
TOU Xaou o\ x r^XGov aKOucai aOroO L 6,17. gafullidehun 



350.351.] Der zusammengesetzte Satz: B. Hypotaxe. 235 

.ib. tainjons galruko . . . fatei qflifnoda faim matjandam * 
& direpicceuce TOIC (tefJpwKociv J6,13. 



ModuBgebrauch, 1 

351. Der Gebrauch des Optativs in Relativsatzen 
1st von dem in Hauptsatzen nicht wcsentlich verschieden : 
der Inhalt des Relativsatzes an sich ist fur die Wahl des 
Modus bestimmend. 1. Mit Vorliebe erncheint der po- 
tentiale Optativ, auch ohne dafi die Vorlage unmittel- 
bare Veranlassung bote. Vgl. saei habai ausona hauujan- 
dona, gahausjai' 6 tywv unra dicoueiv, dKOU&rw Me 4,9 u. 6. 
saei ubil qifai attin seinamma . . . daufiau afdaupjaidau * 6 
KaKoXoYixiv TTOtTfepa GavotTUJ TeXeuTaTiu Me 7, 10. saei hlefi 
panamps ni hlifai' 6 KXCTTTUJV juriKen KXeTrieTiu E4/28. has 
sa ist saei <^jah^> frawaurhtins afletai' Tic OUTOC ecnv Sc 
Kai ajLiapiiac dcpinciv L7,49 gegeniiber has istm saei rodeif 
uaiteinins' oc XaXei pXaccpni^iac L5,21. 2 Alinlich ist das 
VerhUltnis zwischen 119,20 fit Ivas is ei andwaurdjais 
guda ' cu TIC i 6 dvTairoKpivoj-ievoc TIU Getu und R 14,4 
u loas is $uei stojis framafjana skalk* cu TIC ei 6 xpiviuv 
dXXoTpiov okeTnv. all patei at skiljam fralugjaidau, 
matjaip ' irctv TO tv ^aKeXXu) 7rajXou|aevov kGieTe K 10,25. 
bugei fizeijaurbeima' dyopacov u)V XPtiav lypvitv J 13,29, 
gif mis sei undrinnai mik dail aiginis' ooc |iioi TO ^mpdX- 
Xov ^ipoc Tflc ouciac L 15,12. aflet uns fatei skulans si- 
jaima' dcpec r\)tiv Ta oqpeiXrjjiiaTa fjiuaiv M6,12. ni waiht 
ufar patei gar aid si?ai izwis, lamjaip ' \u\tev TiXtov napd 
TO biaTeTcrffievov ufAiv TTpdcceTe L3,13. 

2. Mehrfach lafit sich beobachten, dafi ein indika- 
tivisch begonnener Relativsatz optativisch fort- 
gesetzt wird. Es handelt sich hier urn relativisch ein- 
gekleidete Bedingungssatze. Vgl. saei nu gatairif aina 

1 Die 305 genannten Untersuchungen behandeln auch den 
Opt. in Nebensatzen. Far diese ist besonders der ausgezeichnete 
Aufsatz von Delhrtick PBB. 29,201 ff. von Bedeutung. 

2 Hier tritt der Unterschied zwischen Potentialis und Realis 
charakteristisch zutage. 



236 Syntax. [ 351. 

anabusne pizo minnistono jah laisjai swa mans, minnista Jtai- 
tada * 6c dv ouv Xuoj jjuav TUJV vToXujv TOUTUUV TUJV Xa- 
Xfcrujv xat bibd&j OUTUIC TOUC dvGpUJTrouc, XdxiCTOC KXnOn- 
ceiai M 5,19. saei ni nimip galgan seinana jah laistjai 
afar mis, nisi meina wairfs 9 Sc ou XajLipdvei TOV craup6v 
auroO Km dKoXouOei 6mcu) jiou, OUK fcnv nou <ifioc 
M 10,38 u. a. Doch 1st diese Modusfolge nicht obliga- 
torisch, vgl. z. B. saei auk matjip jah driggkip umvair- 
fala, staua sis silbin matjip ' 6 TP ^cOiuuv KCti TTIVIUV dva- 
HIUJC Kpi|Lia &XUTUJ k6ii K 11,29. 

3. Wenn zur Erhohung des Nachdrucks ein negativer 
Satz in negativen Hauptsatz + Relativsatz zerlegt let, BO 
steht im Relativsatz der Optativ. Vgl. z. B. ni ainshun 
ist in kunja feinamma sad haitaidau famma namin' oiibeic 
cnv ^v rfl cufT^veia cou 8c KaXeTiai TUJ 6v6|aaTi TOUTIU c nie- 
mand in deiner Familie heifit so 5 L 1,61. Man vergleiche 
L 9,50 ni ainshun auk ist manne saei ni gawaurkjai maht 
in namin meinamma ' nemo est enim qui non (fehlt b) faciat 
virtutem in nomine meo abcel mit Me 9,39 ni mannahun auk 
ist saei taujtf maht in namin meinamma jah magi sprauto 
ulilwaurdjan mis' oubeic ydp ^CTIV be iroiricei buva^iv drri 
TUJ 6v6|iiaTi ILIOU xai buvrjceiai Taxu KaKoXoTfjcai jue c kein 
Wundertater mochtc iibel gegen mich reden 3 . 

Annierkungen. 

1. Erdmann ZZ.4,457f, 5,214 u. 5., Bernhardt ZZ.8,26f. 
33.37 haben die Annahme vcrtreten, da& sich in weilem Umfang 
der Modus des Nebensatzes dem des Hauptsatzes assimiliere. Vgl. 
dagegen Mourek Uber den Einflufj des Hauptsatzes auf den Modus 
des Nebensatzes im Gotischen. Sitzungsberichte der kgl. b6hm. 
Gesellscbaft der Wissenschaften. Jahrgang 1892 S. 263ff. und seine 
Entgegnung auf Bernhardts Kritik (ZZ. 27,130ff.): Nochmals tiber den 
Einflufi usw. (ebd. 1895, 8. Juli). Mourek hat nachgewiesen, dad 
der Einflufi des Hauptsatzes auf den Modus des Nebensatzes ver- 
schwindend gering ist und sich auf den Optativ des Hauptsatzes zu 
beschranken schemt. Vgl. z. B. allenfalls J 12,46 : ei kazuh saei 
yalaubjai du mis, in riqiza ni wisai' Iva irdc 6 mcTeOuiv cic 
i\& tv TQ cxorfqi \it\ |UI(VTJ mit J 12,44: saei galauleip du mis, ni 
aalaubeif du mis, ah du famma sandjandin mik' 6 mcreOuiv 
etc fyi ou iTiCTeuei .... 



351353.] Der zusainmengesetzte Satz: B. Hypotaxe. 237 

2. An einer Stelle tritt nach saei der Imperativ auf, vgl. 
Alailcsandrw aizasmifa managa mis unfiupa ustaiknida; usgildif 
imma frauja bi waurstwam is; fammeijahfu witai' 8v Kol cu 
(puXbkcou t4,14f. Will man nicht sklavische Nachahmung der 
griech. Konstruktion annchmen, so mufs man fainmei als Demon- 
strativ auffassen. 

II. Belatirische Konjunktionalsatze. 
A. Die Konjunktionen ei, pei, patei. 
3518. Klinghardt Die Syntax der gotischen Partikel ei 
ZZ. 8,127 ff. 289 ff. 

Erdmann tJber got. ei und ahd. thaz. TIL. 9,43 ff. 
Delbruck Die Satze mit ei und dans. PBB.29,207ff. 

ei iibertragt in der Regel griech. wa, STTUJC und den 
finalen Infinitiv, seltener OTI. fei gibt meist 8n, 
weniger haufig c iva wieder. fatei entspricht durchweg 
dem griech. 811. 

353. 1. ei in Absichtssiitzen hat stcts den Op- 
tativ nach eich. Vgl. Ivafro bugjam hlailans, ei matjairta 
fai ' iroBev aYOpdcojaev dpiouc wa cpdYuucw oOroi J 6,5 usw. 
frawardjand auk andwairpja sewta, ci gasaikaindau 
mannam fastandam* STTUDC cpavwciv TOIC dvOpuJiroic vn- 
CTUOVTC M6,16 uew. insandidedum Teimaufiaiu . . . ei 
izwis gatulgjai' dTT6|Li^afiev Tiji60eov eic TO crnpiEai ujucic 
Th3,2 usw. 

Das gleiche gilt von fei. Vgl. galisif fos aflifnandeins 
drauhsnos, pel waihtai ni fraqistnai' 'iva jur] TI diroXTiTai 
J6,12. paia rodida izwis pei in mis gawairpi aigdp* 
Taura XeXdXnKa UJLIIV wa ^v fejioi eipnvnv Ixn^e J 16,33. 

2. Eng mit den Absichtseatzen ist die folgende Kate- 
gorie verwachsen: ei mit dem Optativ steht nach den 
Verben des Wollens, Befehlens, Verbietens, Auf- 
forderns, Erstrebens; des Bediirfens, Geniigens, 
Gewahrens, eowie nach sinnverwandten nominalen 
Wendungen. Der Optativ zeigt auch hier ausgesprochen 
volitiven Charakter. Vgl. wileis ei ni ogeis waldufni 9 
G^Xeic b^ \tf\ cpopeicOai R13,3. bidja du guda ei ni 
waiht ubilis tcwjaip euxofiai irpoc TOV 0ov jifj Troiflcai ufidc 



238 Syntax. [ 353. 

KCXKOV \ir\biv k 13,7. anabiudam izwis... ei gaskaidaip 
izwis af allamma ' TrapaYYfckXoj^ev fci \)\tiv creXXecOai u|udc 
(XTTO Travioc th3,6. faurbaud imma ei mann m qepi* 
irapriYT^tv auiw jaribevi eirreTv L5,14. ni lailot ei leas 
pairhberi kas pairh fo alh ' iva TIC bieveYKij CKeOoc bid roO 
iepou Me 11, 16. qap faim siponjam seinaim ei skip ha- 
baif wesi' iva irXouipiov TrpoacapTeprj Me 3,9.* Moses 
(jamehda unsis . . * ei nimai bropar is PO qen' ?YPiMJV * va 
Xdffr) L20,28. bandwidedun ganianam . . . ei atiddjedeina 
hilpan ize ' xareveucav TOIC jneTOxoic TOU X66vTOtc cuXXape- 
C0ai auioTc L5,7. bis war a izwis ... ei ussiggwaidau so 
aipistaule' 6pKiZ!uj ujudc avaYVU)C0f)vai Th 5,27. sailv(a)ip 
ei unagands sijai at izwis ' pXeirere iva 090^00 Y^vrjiai 
c seht zu, dafi' K 16,10. munaidedun-up-pan auk pai au- 
Jwmistans gudjans ei jah Lazaran usqemeina * IftouXeucavio 
iva diroKTeivajciv Varen darauf bedacht, dafi 1 J 12,10. 
taujaip ei . . . ussiggiraidau ' Troirjcaie iva dvaYVUJcGr) C 4,16. 
ni paurbum ei izwis meljaima' ou XP e i av ^X Te ^ v 
Ypd^ecGai Th 5,1. ganah siponi ei wairpai swe laisareis ' 
iva Ytvrjiai M 10,25. ni . . . galeikaida uns ei bilipanai 
weseima in Apeinim ainai' KataXeupGfyvai Th3,l. fra- 
gif ugkis ei...sitaiwa in wulpau feinamma' boc fiiuiv iva 
Ka6icuj|nev Me 10,37 usw. 

ik ni im wairfs ei anahnciivands andbindau skaudaraip 
skohis is ' Xucai TOV fyiavra Skeir. 3,25f. gof ist imma 
mais ei, galagjaidau asUnqairnus ana halsaggan ' ei irepiKeiTai 
Me 9,42. batizo ist auk pus ei fraqistnai' cu^epei iva 
dTToXrjTai M5,29. mis in minnistin ist ei fram izwis 
ussokjaidau ' |ioi 6fe eic dXdxiciov dcnv iva uqp" UJULUJV dva- 
KpiGai K 4,3. anabusn niuja giba izwis ei frijop izwis 
misso' ^vroXf|V Kaivriv 6i6uj|ai ujuiv, wa aYaTrdre aXXrjXouc 
J 13,34. faf ist waurstw gudis ei galaubjaip ' iva TTI- 
creiicTiTe J6,29. ip ist biuhti izwis ei ainana izwis fra- 
letau* iva va u^iv d-rroXucuj J 18,39. soft pan ist so at- 

1 qifan wie die flg. Verba enthalten einen Befehl, daher 
ei m. Opt. Sind sie reine Verba der Aussage, so folgt fatei mil 
Ind. s. u. 



353.354.] Der zusammengesetzle Satz: B. Hypotaxe. 239 

weino libains ei kunneina fuk ainana sunjcvna gup* auir| 
be cnv f) aidbvioc lwr\ 'iva YWUKKOUCIV J 17,3. 

pei erscheint zweimal in gleicher Funktion nacb 
nominalen Ausdriicken: andbusn niuja giba izms ei frijop 
izms misso, sice ik frijoda izuis Pei jah jus frijop misso 
izwis * iva Kal ujueic draTrdTe dXXr|Xouc J 18,34 (s. o.). 
hlaibos ni ganohai sind paim pei mmai loarjizuh leitil' iva 
Eicacroc Ppaxu TI Xcipr] J 6,7. 

Merkwiirdigerweise erscheint auch einmal, und zwar 
in der Skeireins, fatei rnit folgendem volitiven Op- 
tativ, vgl. frayibands im fatei sunjus piudanyardjos wair- 
paina r ihnen gewahrend, dafi sie >Sohne des Reiches wer- 
den sollten 3 Skeir.3,20. Liegt liier jiingere Entwioklung 
oder Oberlieferungsfehler vor? 

354. 1. Nach den Verben des Wa linens und 
Meinens steht normalerweise ei mit dein Optativ 
potentialis, vgl. wenja auk ei fairh lidos iztvaroa fragi- 
laidau izwis ' eXTriZiu) ydp 8ri bid. TUJV irpoceuxujv ujuuiv 
XapicGrjCOjiiat ujniv Pbil 22. weuja ei kuvnei]) patei weis 
ni sijum unqakusanai (B: patei kunneip ei A) * 8n YvaicecGe 
on fjiueTc OUK ecjiiev ab6ici|noi k 13, G. Desgl. k 1,13. Da- 
gegen steht der Indikativ k 1,10: du pammei wenidedum 
ei galauseip' eic ov r)X7riKa|Liev on xai puceiai, damit die 
Realitiit der Hoffnung scharf betont werde. ni Jmgjaip ei 
qemjau gataira^i witof jur) vo|iiicr|Te 811 f\\Qov M5J17 1 gegen- 
iiber patei m. Optativ Jll,13 hugidedun patei is U slep 
qefii* on Xeyei. pugkeip im auk ei in filuwaurdein seinai 
andhausjaindau ' OTI eicaKOucGrjcoviai M 6,7. Desgl. 
L19,ll k 12,19. 

2. Nach den Verben des Glaubens und Trauens 
steht normalerweise der Indikativ; der Optativ po- 
tentialis nur, wenn eine Vorstellung bezeichnet werden 
soil. Vgl. appan gatrauam in fraujin in izwis ei patei ana- 
budum izivis, jah taujip ' TreiroiOajnev 8ti & TrapaYT^Xo^v 
Kai TTOieiie th 3,4 (ei statt patei wegen des unmittelbar 



1 Vgl. niJi ah jaif patei qemjau ' jur) vo]ii(criT fin ?jX6ov M 10,34. 



240 Syntax. [ 354. 355. 

folgenden Relativs patei)\ gatrawnds in allaim izwis fatei 
meina faJtefs allaize izwara ist' ireTroiGubc 811 dcriv k 2,3 
Ph2,24 tl,12. Dagegen eteht ei in. Optativ L 18,9 
silbans trauaidedun sis ei weseina garaihtai' 811 eiciv bi- 
KCUOI (das Vertrauen 1st irrig) und fatei m. Optativ 
K8,39 f. gatraua auk fatei ni daufus...magi uns afskaidan ' 
TreTreicjuuxi Ydp 8ti ouie GdvotTOC . . . buvriceiai fmac x^picai 
(das Vertrauen 1st HofTnung auf ein zukiinftiges Ereignis). 
galaubjan hat fatei m. Indikativ; den Optativ nur 
M9,28 ga-u-laubjats fatei magjau fata taujan' on buva- 
H<xi TOUTO iroificai und J 9,18 m galaubidedun ... fatei is 
blinds wesi jah usselvi ' oil TuqpXoc f\v Kai dvepXei^ev; denn 
hier ist galaubjan negiert. 

3. Nach den Verben des Wunderns und Freuens 
steht fatei oder ei (nach sildaleikja G 1,6; nach fagino 
L 10,20) m. Indikativ. ei in. Optativ erscheint nur 
J 8,56 sifaida ei gaseloi dag meinana jah gasalv * rjYdXXid- 
caro iva Tbij (es handelt sich ura eine Hoffnung). 

Aninerkunj?. Wiederaufnahnie von ei (lurch fatei findet 
man nach einem Zwischensatz J 13,29: sumai mundednn ei, unte 
arkn liabaida Iwfaft, fatei qefi imma lewis ' TIV^C Y^p db6KOUv, 
^itei TO Ykwcc6KO|Liov eixev 6 'loubac, 8Ti Xfi aOT(i) 6 'IricoOc. 

355. Die Verba des Wissens, sich Erinnerns, 
Horens, Sehcns, Erfahrens, sowie die Verba der 
Mitteilung haben regelmaJBig fatei, mitunter ei, vereinzelt 
fei mit dem Indikativ nach sich. Dor Optativ erscheint 
nur gelten und zwar fast ausschlieClich in indirekter 
Rede (s. u.). Beispiele fiir fatei sind uberfliissig; ei mit 
dem Indikativ ist an folgenden Stellen belegt: 

1. fat-ain wait ei Hinds was, if nu saiJva ' ^v oiba 811 
ruqpXoc tuv <5ipri pXerriw J 9,25. wait ei fishah fei bidjis 
guf, gibif fus guf ' OTI 8ca av aiir|cq TOV Geov, biucei 
J 11,22. Deegl. J 16,30 k5,l (pleonast. fatei ei)] 
Ph 1,19 (wait ei fata). ufkunfa ei alia foei atgaft mis 
at fus sind' SYVWV 811 irdvia ^CTIV J17,7. andnam ei 
Xristus gaswalt ' TrapXapov 8n X. aTieGavev K 15,3. 

fei: bi famma ufkunnand(a) allai fei meinai siponjot 
sijuf 8n tcti J 13,35. 



355*] Der zusainmengesetzte Satz: B. Hypotaxe. 241 

Der potentiale Optativ erscheint nach den Verben 
des Wissens nur ganz vereinzelt. Vgl. fata anpar ni wait 
ei ainnohun daupidedjau* OIJK oiba et Tiva IpoVrrnca r so- 
mit aber bin ich inir nicht bewuBt, dafl ich jemand ge- 
tauft hatte* Kl,16. lea nuk-kannt fn, qino, ei aban ganas- 
jaist aippau Iva kannt, guma, patei gen ganasjais ' TI yap 
YUVCU, ei TOV fiv&pa auceic; f| TI oibac, dvep,, ei tf|v 
cdbceic K 7,16 (negativ; interrogate v). 

2. fu qijtis ei fitidans im ik * 611 paciXeuc eijui i^\ij 
J 18,37. swaswe gap du ludaium ei fadei ik gagga jus 
ni maguf qiman ' 611 oirou f iL uTTctYU) ujaeic ou buvacGe 
4XGeTv J 13,33. Desgl. M 10,42 Me 9,41. gaswikunp- 
jands ei ni afwandida sik in fauramaflje kotos Skeir. 2,3. 
aiwaggetista ataugida ei so garehsns hi ina nelva andja was 
Skeir. 3,3. Wie man sieht, ist an manchen SteHen ei 
stilistisch bedingt 

pel: qipa pus pei liana ni hrukcif, unte ' XefU) coi oO 
fir) dXeKTiup cpuuvrjcei J 13,38. qipa izwis pei greitip ' 811 
xXaucere J 16,20. Desgl. K 15,50. Vgl. auch R 10,9. 

Anmerkungen. 

1. Der relative Gharakter der Konjunktion fatei tritt nicht 
nur darin hervor, dafa sie fast durchweg nach Verben steht, die 
den Akkusativ re^ieren, sondern auch m der veremzelt erschei- 
nenden Attraktion. Vgl. fQi den Genitiv Me 4,38 ntu kara fuk 
pizei fraqfstnam' 06 |u\ei coi 6n dnoXXO|Li6a; fiir den Dativ 
Me 7, 18 ni frafjtp pammei all fata tUapro inngaygando in man- 
nan ni may ina gamainjan ' oO voeire 6ri; ferner L 1,22 G 3,2. 
gaumidedun pammei afwalwips ist sa stains' GeiupoOciv 8n Me 16,4; 
ferner LI 7, 15 J 6,5. gatraiwi... pammei jah silba sprauto qima* 
ir^TroiOa 6ri Ph 2,24; ferner 1 1,12. Dagegen zeigen Slellen wie 
gap-pan-traua pateijah in pus' irdireiciLiai b^ 8ri xai v coi tl,5; 
anparans gamaudida gaunt jan patei is was sa sama Skeir. 7,21; 
fropun auk patei du im PO gajukon qap ' l^vwcav yap 6TI Me 12,12 
u. a. m., dafi die Erstarrung von fatei zur reinen Konjunktion 
schon stark vorgeschritten ist. 

2. In mechanischer Nachahmung des griech. Vorbilds erscheint 
mitunter patei wie firi vor direkter Rede. Die Berufung auf 
nordische Verhaltnisse vermag nicht diese Verwendung von patei 
als echt germanisch zu erweisen, da die Falle hier und doil keines- 
wegs identisch sind. 

Streltbcrg, Gotisches Elementarbuch 16 



242 Syntax. [ 356. 357. 

Personenverschiebung' in der indirekten Bede. 
356. Im allgemeinen 1st die Personenverschiebung in der 
indirekten Rede schon dem griechischen Original eigen. Uber den 
Weg, der zu dieser Verschiebung gefuhrt hat, vgl. Behaghel Der 
Gebrauch dor Zeitformen im konjunktivischen Nebensatz des Deut- 
schen (Paderborn 1899) S. 165 ff. In einem Falle jedoch, glaubt 
man, habe sie der Obersetzer im Gegensatz zur Vorlage eingefuhrt: 
jus qifif fatei wajamerjau' ujneic AfT BTI p\accpr)|ueic 
J 10,30. Aber auch Ghrysostomus und die altlat. Hs c haben 



Modusverschiebnng 1 in der indirekten Bede. 
357. Bekanntlich tritt in manchen Sprachen eine 
Modusverschiebung in indirekter Rede ein. tfber 
die Ursachen dieser Erscheinung vgl. Behaghel Zeitformen 
S. 162ff. Im Gotischen sind erst schwache Spuren dieser 
Umbildung nachzuweisen. In den moisten Fallen, wo 
der Optativ nach Verben der Aussage belegt isi, tritt sein 
potentialer Charakter deutlich zutage: die Angabe 
soil als Vorstellung (ina Gegeiisatz zur Wirklichkeit) 
gekennzeichnet wercien. Dies ist der Fall an folgenden 
Stellen: jali jabai qcfjau fatei ni kunnjau ina, sijau gakiks 
izivis Imgnja ' eav eiTruu OTI OUK oiba autov, ^cojuai ojaoioc 
UJLIUJV ipeucrrjC J 8,55. sau ist sa sunus izwar pand jus 
qipif fatei Hinds gabavrans watirfi' on ru^Xoc ^Ytvvr|6i"| 
J9,19. jus qijrip patei wajamerjau' OTI pXacqpn(iiu> 
J 10,36 (R, 356). ei Iras ni qipai fatei in meinamnia 
namin daupidedjau ' iva firi TIC dm] &TI eic TO ejaov 
5vojua ^pdTrrica K 1,15. lea nu qifam? fatei fo galiu- 
gaguda Iva sijaina aiffau fatei galiugam saljada loa sijai * 
#TI eibuuXov TI kTiv f| STI eibuuXoGuTOv T{ icnv K 10,19. 

bi unswerifai qifa swe fatei weis siukai weseima' ubc 
STI f||neTc i?|C0evr|cajLiev k 11,21. jah andlwfun ei ni wis- 
sedeina Ivapro* direKpiOncav JLITI eibevai Tr66ev L20,7. 
ni qifa izwis fei ik bidjau attan' STI ifu) epunfjcuj J 16,26 
(faturisch). qipand fai bokarjos fatei Helios skuli qiman 
faurfis' STI c HXiav 6ei X6eiv irpujTOV Me 9, 11 (futurisch). 

weis Jiausidedum fatei . . . Xristus sijai du aiwa ' Sn 
lii^vei efc TOV aiiLva J 12,34 (futurisch). 



357. 358.] Der zusammengesetzte Satz : B. Hypotaxe. 243 

Bei einigen dieaer Beispiele tritt das potentiate Ele- 
ment des Optative so stark zuriick, daJB man im Zweifel 
sein kann, ob sie hierher gehoren. Da auch Vorstellungen, 
die in ausdrucklichen Gegensatz zur Wirklichkeit gestellt 
werden, im Indikativ erscheinen koimen, wie Me 9,26 
zeigt: warp swe daufs swaswe managed qepun patei gas wait' 
8n d7Te9avev, BO wird man fur den Modus dor angel'iihrten 
Belege die Stellung in indirekter Rede, zum Teil 
wenigstens, verantwortlich machen miissen. Die einzige 
Ursache ist diese Stellung in den folgenden Zitaten: manne 
sumti was gabeigs, saei aihta fauragaggjan, jah sa frawrohifs 
warf du imma ei distahidedi aigin is' ibc biacKOpmuJV 
LI 6,1. hausidedun ei gatawidedi po taikn' r\KQVCav 
ToOto aurov ireTToinKtvai TO crmeiov J 12,18. padei Jiausi- 
dedun ei is wes>i ' OTTOU fycouov on ^CTIV Me 6,55. 

Die Zeitfolg-e in den optativischen Nebensfitzen. 

35S. 1. Normalerweise steht foei priisentischem 
Hauptsatz im Nebensatz der Optativ Priis., bei priiteri- 
talem Hauptsatz im Nebensatz der Optativ Prat. Vgl. 
z. B. anabiudam izwis, broprjus, . . . ei gaskaidaif izwis 
af allamma brofre loairbawdane wngatassaba ' Trctp(rniXXo|Liev 
u|iiTv, dbeXqpoi, cieXXecGai UJLKXC am) Travioc dbeXcpou irepma- 
TOUVTOC aiaKTUJC (D^E^ f vg) th 3,6 usw. aflet uns 
patei skulans sijaima ' dqpec f)|uiv id ocpeiXruaaia ^|)LIUJV 
M 6,12. ffif mis sei wndrinnai mik dail aigims' boc juoi 
TO empdXXov uepoc Tfjc oiiciac (quod me tanget partem sub- 
stantiae d) L 15,12. jah wanagai ludaie gaqemun bi 
Mar fan jah Marjan, ei gaprafstidedeina ijos * XnXu9eicav 
iva Trapauu9r|CUJVTai Jll,19. bap pan ina sa ivair . . . 
ei we si mip imma ' ebeeTO be auToO 6 dvi^p . . . eivai cuv 
auTtu L 8,38 usw. 

2. Nach prateritalem Hauptsatz steht im Neben- 
satz der Optativ Prasentis, wenn die Handlung des 
Nebensatzes zurGegenwart oder Zukunft in Beziehung 
steht. Vgl. z. B. bap puk saljan in Aifaison . . . ei faur- 
biudais sumaim ei anfarleiko ni laisjaina' irapeKdXecd ce 

16* 



244 Syntax. [ 358. 359. 



TTpocjieivai ev 5 Eq>ciu wa TrapaTT^iXric TICIV jurj tepobiba- 
CKttXeiv T 1,3. Moses game lid a unsis . . . ei, nimai bro- 
far is PO yen is ' MuucfjC fP ai y ev 'iva Xd|3r) Me 12, 19. 
gaivalida unsis w imma faur gasatein fair/cans ei si j aim a 
weis weihai jah unwammai in andwairpja is ' eXeH<rro f]|udc 
v aiiTUJ rrpo KaiaftoXfjc KOCJLIOU eivai fmac (XYIOUC E 1,4. 

afpan gastauida pata silbo at mis ci aftra in saurgai 
ni qimau at izwis' ?Kpwa b^ djiiauTUJ TOUTO TO jaf) TidXiv 
^v Xuirr) ^XGeiv Tipoc UJLICIC k2,l usw. 

3. Auch bei prasentischem Hauptsatz kann im 
Nebensatz der Optativ Prateriti stehn, wenn die Iland- 
lung des Nebensatzes der des Hauptsatzes vorausgeht. 
Vgl. sa-u ist sa sunus izwar panel jus qifip patei blinds 
gabaurans waurpi* 6v ujaeic Xeyeie 8it TucpXoc dYevvriGr] 
J 9,19. ni wait ei ainnohun daupidedjau' O\JK oiba ei 
Tiva dpaTTTica Kl,16. ni huyjatp ei qemjau gatairan 
witop ' 8n flXBov M 5,17. <JM hugjaip^> patei ik ir ro hi- 
ded jau izwis * juf| boxeTie on iyw Karr|TOpn CUJ ^UJV J 5,45. 

saei hlefi, panaseips ni hlifai* 6 KX^TTTUJV jarjKert xXe* 
iridTUJ E4,28. Sehr deutlich tritt der Unterschied 
der Bedeutungen zutage, wenn versohiedene Tempora 
des Optativs nebeneinander stehn, vgl. ni Ivashun ist, saei 
aflailoti gard . . . saei ni andnimai .r. falp ' oubeic CTIV 
8c d^fjKev oiKiav, edv jar) Xaprj ^KaTOVTairXaciova Me 10,29f. 

Paimei puhta, ibai sware rinnau aippau runnjau* \ir\n(jjc 
eic xevov rpex^ f] ?bpa|uov G 2,2. 

Anmerkung. Man beachte die FAlle, wo von einem prateri- 
talen Hauptsatz ein Nehensatz mit prateritalem Optativ abhangt, von 
diesem Nebensatz dann wciterhin ein Optativ PrSsentis abhangig 
ist. Vgl. insandida gup tsunu seinann . . . ei pans uf witoda us- 
bauhtedi, ei suniwe sibja andnimaina' iva TOUC OTTO v6jaov ^Ea- 
yopdaj, i'va T^JV uloGedav diroXdpiw^ev G4,4f. Ahnl. k 12,7. 

B. pan panei und Genossen. 
359. Die Mehrzahl der temporalen Konjunk- 
tionen zeigt die Enklitika -ei, vgl. mippanei Vahrend 9 , 
sunsei c sobald als 5 , faurpizei c bevor\ panei Vann 5 (nur 



359. 360.] Der zusammengesetzte Salz : B. Hypolaxe. 245 

M 25,40.45 und J9,4). Aber neben dem seltnen fanei 
steht J5an 'wann'. 

fan ist von Haus aus Demonstrativum und uberlragt griech. 
T6Te; wir haben es ferner als anknUpfcnde Partikcl, als Stellvertreter 
von griecb. oOv, b kennen gelernt. Wenn es auch als relati- 
vische Temporalkonjunktion fiir griecb. 6're, 6rav auftritt, so 
ist dies ein interessanter Beleg dafur, dafi auch im Gotiscben wie in 
den ubri^en germanischen Sprachen die Demonstrative! allein in 
relativjscher Funktion vorhanden wareu, und dafc die Differenzierung 
durch - (die bei fan nicht durchgedrungen ist) ebenso sekundar 
ist wie die ahd. Dillerenzierung durcb thar. 

Auch pande (pandei) enthalt kein -ei\ der Wechsel 
von -e und -ei ist nach 22 A zu beurteilen, wobei natiir- 
licb volksetymologische Anlehnung an die Relativa auf 
-ei nicht fteleugnet werden soil. DaC fandc ureprunglich 
temporalen Charakter hat, beweisen die Slollon J 12,35.36 
G 0,10; doch zeigt es in der Regel hypothetische 
Farbung. 

Demonstrativ ist aucli bifie (aus der Proposition In 
und dem Instrumental ]>e von fiata bostebond). Nur selten 
ist es noch in demonstrutiver Bedeutung belegt; in der 
Regel vcrtritt es eirei, oie, oiav. Vgl. auch warp pan life 
daupida alia manaydn ' efevero be 6V TUJ paTTTicGfjvai UTravTOt 
TOV Xaov L 3,21 ; life awlnam pana hlaib joins suns galaip 
ut' Xa^tuv ouv TO ipiujLiiov dEnXGev J 13,30. 

Densclben Instrumental *pe enthalt unte r solange als, 
bis 5 , das als *und-fe aut'zufassen ist. Als temporale Kon- 
junktion gibt es 2u>c u. a. wieder. Gewohnlich ist es je- 
doch kausale Partikel (s. 340) oder Konjunktion und 
entspricht gricchischem fap und on. 



ModuBgebrauch. 

36O. 1. faurpizei erscheint an alien Stellen mit 
dem Optativ verbunden. Vgl. wait auk atta izioar fizei 
jus paurbup, faurpizei jus bidjaip ina ' Trpo TOO ujudc ai- 
Tqcai aiiiov M 6,8. faurpizei Abraham waurpi, im ik' 
irpiv 'Appadjn yevecOai ETUJ eijui J 8,58. fram himma 
qifa izwis, faurjuzei waurjbi ei, bipe wairpai t galaubjaif 



246 Syntax. [360.361. 



fatei ik im ' air' apii \if(u ujuw irpo TOU yevecGai, iva 
Stav YcvrjTai, TricreucrjTe 8n ecu) eijai J 13,19. was imma 
gataihan fram ahmin famma weihin ni saikan daufu, faur- 
fize selvi Xristu * ^f| ibeiv Gdvaiov irpiv f| ibq TOV Xpicrov 
L2,26. 

2. Sonst folgt den temporalen Konjunktionen regel- 
maCig der Jndikativ. Dor Optativ steht nur, wenn 
der Inhalt des Temporalsatzos selbst iha verlangt, nament- 
lich dann, wenn der Temporalsatz hypothetische Farbung 
zeigt. Hie und da kann der Optativ des Temporalsatzes 
auch durch Assimilation an einen Optativ des iiber- 
geordneten Satzes erklilrt werden. Vgl. z. B. fan tan- 
jais armaion, ni liaurvjais faitra put ' OTCXV TTOirjc eXenjiiocu- 
vrjv, jLifj caXiricnc ^juTiocOev cou M 6,2 u. d. 

anakumbei ana pamma aftumistin stada ei, life qimai 
saei Jiaihait fuk, qifai du pus * f iva, oiav t\6r) 6 KeKXrjKdbc 
C6, eiTrr] coi L 14,10 u. 6. 

ibai avfto life gasatidedi grundmvaddjn jah ni mah~ 
tedi mtiuhan, allai f(ti gasailvandans duginnaina lilaikan 
ina ' wa jur|7TOT Gevioc auioO 0e|LieXiov Kai juri ICXUOVTOC 
^KieXecai Trdviec oi Geuupouviec dpEujvtai eju-rraiZieiv aurtu 
L 14,29. 

patnm nti ei faur mel m stojaif), mite qimai frauja' 
uicie )ur| Tipo xaipoO Kpivere, ecuc dv ?X9r] 6 Kupioc K4,5. 
kaupop, unte ik qimau* &uc ^pxojuai L 19,13 u. 6. 



C. Vergleichungssatze mit 8ive. 

361. Die relativische Vergleichungspartikel ist swe. 
Ihr entspricht als Demonstrativum swa. Natiirlich ist 
swe von Haus aus ebensowohl Demonstrativ gewesen wie 
fan und Genossen. Neben swe steht das Kompositum 
swa-swe in gleiclier Bedeutung. Dagegen ist swaei nicht 
mehr vergleichend, sondern gleich dem griech. uicre, dessen 
tlbertragung es in der Regel ist, konsekutiv. 

a) swe, swaswe stehn in Vergleichungssatzen. Sie 
haben den Indikativ nach sich; nur wenn die Ver- 
gleichung als irreal charakterisiert werden soil, folgt der 



361.] Der zusammcngesetzte Satz: B. Hypoiaxe. 247 

Optativ Priitcriti. Vgl. swe leik . . . ain ist . . . swa jah 
Xristus ' KaBdirep TO cujjua v ktiv OUTUJC KCU 6 Xpicroc 
K 12,12. swaswe frijoda mik atta, swah ik frijoda iz- 
wis ' KdGibc rjfdTrnce |ue 6 TuaTrjp, Kdyib rifdTrnca UJLACIC J15,9. 
irreal: Jva Ivopis, swe ni nemeis' TI muxdcai dbc |nf| 
Xapdbv K4,7. 

b) Wie das griech. ibc, so wird auch swe als tom- 
porale Konjunktion verwendet. Vgl. jah ivarf, swe 
hausida Aileisabaif golein Marlins, lailaik barn * xai ^veio 
dc f|KOucev fi "EX. TOV dcTraquov xfjc Mapiac, kKipirjcev 
TO ppeqpoc L 1,41. faruh fan swe faridedun, anasaislep ' 
irXeovTiuv be airriftv dqpuTrviucev L 8,23. 

c) swe, swasive und swaei treten als konsekutive 
Konjunktionen auf. Vgl. jah fata taujandans galukun 
manayeim fiske filu, swe natja dishnupnodedun ize' cuveKXeicav 
TrXfjGoc ixOuuuv iroXu, biepprifvuTO be Td biKTua (SinBDL 
adf) auTiJuv L5,6; gafullidedun ba fro skipa, swe sugqun* 
uicT Pu9iec0ai auTa L 5,7. if is usgaggands dugann 
mcrjan filu jah nsqipan pata waurd swaswe is juf>an ni mahta 
andaugjo in baurg (jakifian ' UJCTE |Lir|KfcTi auTov buvacGai 
qpavepuic eic iroXiv eiceXGeiv Me 1,45; rait Opt. Priis. 
erscheint swaswe K 13,2: jah jabai liabau praufetjans 
jali witjau allaize runos jah all kunfi jah habau alia galau- 
bein, swaswe fair gunja mifsatjau, iffriafwa ni haban, ni 
waihts im' were opri |ue9iCTavai; mit Opt. Prat. kl,8: 
unte ufaransau kauridai wesum ufar maht, swaswe afswagg- 
widai weseima jal-liban' uicre ^Hairopri0nvai n^ c Ka ' 1 TOU 
fjv. Ahnliche optativische Konstruktionen erscheinen 
neben den normalen indikativischen bei swaei, vgl, fiir 
den Opt. Priis. R7,6: andbundanai waurfum af witoda, 
gadaupnandans in fammei gahabaidai wesum, swaei skalki- 
noma in niujifai ahmins jah ni fairnifai bokos ' UJCT bou- 
Xeiieiv fnactc iv xaivoTnTi TrveujLiaTOC Kai ou iraXaiOTHTt 
Tpd|U)LiaTOC. Fiir den Opt. Prat. vgl. k3,7: jabai and- 
bahti daufaus in gameldnim gafrisahtif in stainam warf 
wulfag, swaei ni mahtedeina sunjus Israelis fairweitjan du 
wlita Mosezis * UJCT ^n buvacOai aTevicai TOUC uiouc ToO 



248 Syntax. [ 361. 362. 

'IcpctfjX eic TO irpocujTTOV Mujceuuc u. a. m. In all diesen 
Fallen 1st der got. Optativ unabhangig vom Wortlaut 
der Vorlage. Delbriick PBB. 29,279 verweist auf ae. 
Parallelen. 

Anmerkung. Wenn swaswe und swaei verejnzelt mit dem 
Infinitiv verbunden werden, so ist liierin eine mechanische Nach- 
ahmung der Konstruktion von U&ere zu sehn. 

III. Indirekte Fragesatze. 

36%. 1. Die interrogativen Pronomina, Adverbia 
und Partikeln sind in der indirekten Frage dieselben 
wie in der direkten. 

Anmerkung. Anscheinend findet sirh Me 15,44 ein indirekter 
Fragesatz ohne Interrogativpartikel: frah tna jupan gadaupnodedi' 
el f|bn diTKieavev. Aher mil Recht fafit Sclmlze KZ. 40,504 f. japan 
sis j A- fan d. i. ju + Fragepartikcl u +pan und vergleicht Me 8,123 10,2. 

2. Auch der Modus der abhangigen Frage ist von 
dem der unabhiingigen nicht wesentlich verschieden. Dort 
wie hier fragt man nach dem, was ist, im Indikativ 
oder potentialen Optativ; nach dem, was sein soil, 
nur im Optativ. Vgl. direkt. Ira ist so sunja* TI dcnv V) 
<iXf|6ia .118,38; indirekt: ei <^jah^> jus wiieip loa blank ist, 
Iva ik tauja ' r iva be Km ujntic eibfyre TCI Kar" t|iifc, TI irpdccu) 
E6/21. direkt: ha gatawides wis swa" TI eiroiricac 
f)]uiv OUTUJC L2,48; indirekt- frehun ma . . . loaiwa ussalv 
#)punwv aiiTOV TTUJC cxvepXeiyev J9,15. direkt: loa sijai 
fata waurd' TIC cnv OUTOC 6 Xoyoc J 7,3G; indirekt: 
ganimip ha sijai' judOeTt TI kTiv M9,1B. direkt: ha 
qipau* TI eiiru) c was soli ich sagen? 5 J 12,27; indirekt: 
ni maurnaif saiicalai izwarai ha matjaif jah ha drigkaif 
nih leika izwaramma he wasjaif JUT^J jaepij^votTe TT| ipuxtl 

Tl CpdfT1T Kttl Tl 7Tin.T, Jlirib^ TUJ CUJ|LiaTl UJLIUJV Tl 

M 6,25. 

3. Steht im Hauptsatz ein Prateritum, so mufi im 
abhangigen optativischen Fragesatz die schon erorterte 
Tempusversohiebung eintreten und der Optativ Prii- 
teriti auch bei Gleichzeitigkeit der Handlung des Neben- 
satzes erecheinen. Vgl. sokida gasaihan lesu, has wesi' 



362.] Der zusanimengesetzte Satz: B. Hypotaxe. 24 

&r)Ti ibew TOV 'IrjcoOv TIC knv L 19,3. sildaleikide- 
dun ha latidedi ina in fizai alh ' 6aufiaov v TLU xpovKeiv 
auiov v TLU vauj LI, 21. sokidedun loaiwa ina inn- 
atbereina jah galagidedeina in andivairfja is " r|TOUV 
auTOv eiceveTKtw Kal 9eivai VLUTTIOV auToG L5,18. frak 
ina ga-u-ha-seki ' eirnpibTa i TI pXeirei Me 8,23. witai- 
dedun imma hailidediu sabbato daga' mxpeTnpoOvTO aiiTOV 
ei TOIC cdppaav Gepaireucei Me 3,2 usw. 

Anmerkungen. 

1. In einigen Fallen steht im Nebensatz der Optaliv Prascntis 
trotz des Prateri turns im Hauptsatz. L 10,4 andfahta mik lea 
1aitjau m ^TVWV T( iroirjcu) e ich weife, was ich zu tun habe" (Prater, 
mit piMsentischer Bedeutun^) L 8,9 frehuii ina xfponjos is qifan- 
dans kit stjai so gtijuLo ' ^itTipdiTOUV bi QIJTOV ol |iia0riTal aOroO 
X^TOvrec t(c etrj ^ irapapoXf] aOrr| 1st \ve#en X^yovrtc q/pandan 
der flji. Fragesatz mit Dell)ruck als direkt auizufassen. Da^ogen 1st 
Me 10,2 frehun ina sktildu sijai maiui quti afxtttjctn' ^irr|pd)Tr|cav 
aOrdv ei ^Secnv dvbpl f^vdiKa diroXuccu nach i557,^ zu beurteilen. 

2. Die Indikative der Nehcnsatze Jt>,64 und ia.3.'J sind 
h^chstwahrscheinlich Nachahnmngen des Wortkuts der Vorlage. 

4. Selbstverstandlich 1st, dafi die Bedeutung des iiber- 
geordneten Verbums fur die Moduswahl im abhiingigen 
Fragesatz von entscheidcnder Bedeutung ist. Nach den 
Verben des Fragens, Forscbens, Zweifelns steht 
regelmaCig der Optativ, nach den Verben des Wissens, 
Vornehmens, Aussagens der Indikativ. 

5. Wiihrend nach dem eine verneinende Antwort 
verlangenden ibai (ibd) ' f \Jur\, )iir|Trujc, num 3 in der 
direkt en Frage stets der Indikativ steht, wird es in der 
indirekten regelmiiCig mit dem Optativ verbunden. 
Die indirekte Frage schliefit sich an die Verba des 
Furchtens, Sorgens, Verhiitens an. Vgl. direkt: ibai 
magun sun jus bruffadis qainon und fata heilos pei mip 
im ist bruffafs jur] buvavTai 01 uioi ToO vu^<pUJVOC (sponsi 
it vg vunqpiou D) irevGew M9,15 indirekt: unte og 
ibai aufto qimands ni swaleikans swe wiljau bigitau izivis ' 
9opo0^al TP jurjirujc ^XGujv oux olouc 0^Xuj euptu ujadc 
k 12,20 og izwis ibai sware arbaididedjau in izwis * 



250 Syntax. [ 362-365. 

jurjTrujc eiKfj KeKOTTi'aKCx eic (ijtiac G4,ll. atsaikands 
fuk silban iba(i] jah pu fraisaizau* CKOTTUJV ceaurov, \nr\ m\ 
c\} TreipacOfjc G 6,1 usw. 

Anmerkung 3. thai hat sich in vielen Fallen zur Prohi- 
bitivpartikel welter entwickelt, greift somit auf das finale Gehiet 
Cber. Vgl. z. B. M 5,25 L 18,5 Me S8 f 21.22 usw. 

IV. Die Bedingnngssiitze. 

363. Weisker E. tlber die Bedingurigssatze im Gotischen. 
Progr. Freiburg i. Schlesien 1880. 

Mourek Syntax der mebrfachen Satze 224 ff., bes. 24 Iff. 
DC Ib ruck Der germ. Optativ im Satzgefuge. IV. Die Be- 
dingungssatze. PBB. 29,257 ff. 

364. 1. Konjunktionale Bedingungssatze. jabai c ei, 
&iv' leitet ehien positiven oder negativen Bedingungssatz 
ein. Ein einziges Mai erscheint an seiner Stelle die 
Enklitika -la, vgl. saei qalauheip du mis, fanh ga-la-daupnip, 
lilaid* 6 Tricreiiujv eic e^ KUV diroOavr), Z!rjceTai J 11,25. 

Soil der Eintritt der Bedingung selbst verneint 
werclen, so steht nibai, mba r ei jarj, ^otv jur)\ 

A n in e r k u n g e n. 

1. jabol hat in it dem im Gernianischen uberbaupl unbelegten 
arisch-griechisclien 'Relativstainin' to- natiirlicli nicbt das genngste 
zu schaiTen. Es ist vielmehr ein Kom])osjtum aus der Beteuerungs- 
partikel ja c ja, wirklich 5 und *Z>/, einer Nebenform des oben- 
genannten enklitischen ba. i-bai, f-la r ob': *bai, ba = e-quidem: 
quidem. nibai, mba ist \volil am einfachsten in ni *-bai -ba zu 
zerlegen. Vgl. Brugmann Kurze ver^l. Grammatik S. 669. 

2. Wie iba, ibai Interrogativpartikeln sind, so ist auch jabal 
ursprunglich em Fragcwort gewesen. Einmal liiAt sich jabai an- 
scheinend in dieser Funktion noeh nachweisen: jabai frawaurhts 
istj ik ni wait' d djuapTUuXcSc ^CTIV oOx oiba f ob er ein Sunder ist, 
weifi ich nicht' J 9,25. nibai und niba haben die doppelte 
Funktiou als FragewOrter und als konditionale Konjunktionen 
lebendig bewahrt. 

365. 2. Konjunktionslose BedingungssStze. Der Be- 

dingungssatz wird in parataktischer Form nebea den Haupt- 
satz geetellt. Die Unterordnung ist vermutlich, wie im Nhd., 
nur durch die Betonung zum Ausdruck gebracht worden. 



305367.] Der zusammengeselzte Satz : B. Hypolaxe. 251 

Im Gotischen \verden die positiven konjunktionslosen Be- 
dingungssiitze dureh die Partikel ip eingeleitet. Mit Recht 
hebt Delbriick PBB. 29,271 hervor, dafi dieses ip keines- 
wegs als konditionale Konjunktion aufzufassen ist, sondern 
wie sonst dor Satzverkniipfung dient. Man vergleiche die 
analoge Funktion des nhd. *und ': und wttren mr nicht 
entronnen .... 

366. Im Bedingungssatz steht dor Indikativ, 
wenn die Bedingung als real, der Optativ Priisentis, 
wenn sie als potential, und der Optativ Prliteriti, 
wenn sie aln irreal charakterisiert werden soil. 

Der Modus des Nachsatzes ist im Prinzip unnb- 
hangig voin Modus des Bedingungssatzes; in der Regd 
entspricht jedoch einem realen Bedingungssatz ein re- 
aler Nachsatz und einem irreal en Bedingungssatz ein 
irrealer Nachsatz. Bei potontialom Bodingungspatz 
dagcgen ist der Modus des Nachsatzes starkern Schwan- 
kungen unterworfen. 

1. Konjunktionale Bedingnngss&tze. 
A jdlM i. 

367. 1. Die reale Bedingung: jabai mit Indikativ. 
Der Nachsatz ist ein Aussage- oder Fragesatz im Indi- 
kativ oder ein Aufi'orderungssatz. Vgl. z. B. jabai ango 
pein ainfalp ist, allata leik pern Imhadcin w air pip ' edv 6 
6cp0aXju6c cou aTrXoOc fj, 8Xov TO ciijjLid cou cpwieivov kiai 
M6,22; jabai afletip mannam missadedins ize, aflelip jali 
izwiv atta izwar ' edv aqpiiie TOIC dvGpdbiroic rd TrapaTTTUJ- 
jiiaTa auTUJV, dqpncei Kai XJJLIIV 6 Ttairip UJLIUJV M 6,14 usw. 

ip jabai ni afletip mannam misisadedins ize, ni pan atta izwar 
afletip missadedins izwaros ' iav be juir] aqpfjie TOIC dveptuiroic 
TOI 7Tapa7TTdj|uaTa auriDv, oube 6 Trarrip upujv diprjcei M6,15. 

jabai frijop pans frijondans izwis ainans, loo mizdono ha- 
baip' iav dfaTrrjcnTe TOUC dYcaribvTac ujutdc, riva |aic06v 
?Xere M 5,46 usw. jabai ubil iaujis, ogs ' iav TO KUKOV 
iTOir|c, 90^00 R13,4. jabai mik frijop, ambusnins meinos 



252 Syntax. [ 367. 



fast aid * dv drfonTdTe jne, idc vroXdc idc ^d 
J 14,15 usw. 

Anmerkungen. 

1. jalal m. indikativ findet sich vereinzelt auch dann, wenn 
im Nacbsatz der Optativ steht Vgl. jabat ik anstai andnima, 
duke anaqtpdidau' ci dyuj \dprn ILICT^XW, TI (J\ctcq>r)|LioCnai 
K 10,30. jabai andbahti daufaus . .. warp wulfay . . . kftfwa net 
maw andbaW (ihmuiti watrfai in imlfau' ei f] biaKovia ToO Gavdhrou 
^Tevn0r| dv b6Ei3, Ttific ouxi laaXXov ^ biaxovta TOU TtveO|uaToc ktai 
^v b6Er| k 3,7.8. 

i2. fande uberselzt zicmlich liuufi^ ^nech. et in rcalen Be- 
dingun^spcrioden. 

2. Die potentiale Bedingung: jabai mit Optativ Pra- 
scntis. a) Der Nachsatz enthalt eine Vorschrift, ist da- 
gegen nur vereinzelt potential, jalai leas puk ananaufijai 
rasta aina, gayyais mip imma twos ' OCTIC ce aYY a P e taei 
jaiXiov v, urraTe juer' aurou buo M 5,41 ; jalai auyo fcin 
...marzjai Jmk, ustigyitn' ei 6 6qp6a\|Li6c cou cxavbaXiCei 
ce, ^SeXe auiov Mo, 29 usw. jabai hopan skidd sijai, 
paim mtkeins mewaizos loopaii* ei KauxacOai ^)ei, id ifjc 

dcGeveiac ^ou Kauxticojiiai k 11,30. iah jabai fraatjau 
allos aihtinfi mcinos jah jabai atyibau leik meiii ei (jabraim- 
ymdau, i]> fnafiwa <^ w? ^> halau, ni waiht botos mis 
ta'iijau' edv i|iu^icuj rrdvia id imapxovTa juou xai edv 
Trapabuj TO cujjuci jaou, \'va KauOr|ca)juat, dyaTrriv be |uf| l\(JJ t 
eh-i (fehlt J)*F- rl G deg) oubev djcpeXoOjuai K 13,3 u, a. 

b) Der Nacbsatz ist nicht selten indikativisch. jabai 
bimait werjau, duke Jxwamcris irrfkada ' ei 7repiTO|Lir|V 
Krjpuccuj, TI ?TI bid)KO(Liai G 5,11 u. a. m. 

Anmerkungen. 

1. Indikativ und Optativ erscheinen rnituntcr im Bedin- 
gun^ssatz nebeneinander. gop tst im, jabat sind awe ik\ if jabai 
ni galiabaina sik, liuyandau' xaXov aOroic ^CTW ^otv neivujav ibc 
xdylb * d be oOK ^YKpareOovrai, YanncctTiucav K 7,8.9. Da bier die 
gotibchen Modi im Gegensatz zu den griechischen stehn, ist die Wahl 
des tlber.setzers besonders bezeicbnend. Zuerst der allgememe real e 
Fall: e gut ist's, wenn sie sind wie icb"; dann, daran anschliefiend, 
die negative potentiale Bedingung: 'sollte dies aber doch nicht 



367.] Der zusammengeselzte Satz: B. Hypotnxe. 253 

der Fall sein, sollten sic sich nicht im Zaum halten kftnnen, dann 
sollen sie heiraten'. Ahnlich im fig. Satz: jabai allai praufetjand, 
if innatgaggai has ungalaubjands . . . gasakada ' dv b irdvtec 
irpoq>rvTUU)av, eic^XOrj b TIC &TTICTOC, d\^TX Tai K 14,24. Auch 
die urngekehrte Modusfolge kommt vor: jabat has brofar gen aigi 
unaalaubjandein jas-so gawilja ist bauan mi[> imma, wi afletni po 
qen ' e! TIC dbeXcpdc YuvaiKct x l &IHCTOV Kal aOrri cuveuboKeT ohceiv 
JLIET' auTOu, |nfj d^idTui auT/|v K 1,1%. Die erste Bedingung winl 
als potential hingestellt; die zweite ergiht sich dann als icale Folge 
aus der ersten. Dagpgen steht ini flg. Vers beidemale im Brdm- 
gungssatz der Indikativ, was natdrlirh ebenso gut mOglich 1st. Ahn- 
lich J 12,26 jabai mis Imx andbahtjai, mik laistjai . . .jali jabui 
Ivan mis andbahfip, sweruip inn atia ' av ^jno( TIC biaxovQ, 
fyoi dKoXouGetTUj * Kai ^dv TIC ^jutoi biaKOvQ, Ti|nr|Ci aOTdv 6 Trcrrrip. 
Zuerst wird die blofie MOglichkeit vorgestellt. Wird diese abcr 
zur Wirklichkeit , so folgt ihr auch der Lohn uach u. dgl. m. 

2. Nur an wenigen Stellen schemt der Optativ Prfiscntis 
nicht den Verhaltnissen des Bedingungssatzes selbst entwachsen zu 
sein, sondern mufi deni Einflufi des Ubergeordneten Satzes zu- 
geschrieben werden. Besonders lehrreich hierfur ist J 8,51.52. Jesus 
sagt zu den Phansaern: amen amen qipct izwis: jabai has wuurd 
mein fastaip, daupu ni gasailoip ' idv TIC Tdv X6YOV Tdv |ndv 
TYiprjcri, GdvaTOv oO inf] Oeuupncq. l>iese entgegnen: Abraham f/a- 
daupiioda jah praitfeteis jah pu qipis: jabai has mein waurd fastai , 
ni kausjai danpan' idv TIC T6v \6fov ILIOU THPHCT^, o{) jm^ ftucnTai 
GavdTou Hier ist bei der Wiederholung der Worte Je&u der Op- 
tativ statt des Indikativs eingetreten, woil c^ sich urn em Referat, 
um die Wiedergabe der Worte eines andern handelt: vvir haben die 
Modusverschiebung der indirekten Rede vor uns. Mog- 
licherweise liegt auch eine Assimilation an den Optaliv des uber- 
geordneten Satzes in emigen Fallen vor, wo die hypothetische 
Periode von einem <>/-Satz abhangig ist. "Vgl. etwa Me 17, 19 C4,10 
T3,14f. Zwingend ist diese Auffassung jedoch nicht. 

3. Die irreale Bedingung: jabai mit Optativ Prii- 
teriti. Der Nachsatz ist normalerweiHe ebenfalls irreal 
und zeigt daher ebenfalls den Optativ Priiteriti. Meist 
wird er durch fan, fauJt, aippau charakterisiert, die das 
griech. dfv ersetzen sollen. 

Die irreale Periode kann der Gegenwart des Spre- 
chenden oder der Vergangenheit angehoren, ohne dafi 
dieser Unterschied im Gotischen formellen Ausdruck fiinde. 
Vgl. z. B. jabai gup atla izwar wesi, friodedeip pau mik ' 



254 Syntax. [ 367. 368. 



ei 6 Geoc Trairip tifiujv ity, riYonrdiTe fiv fie ,18,42. jabai 
allis Mose galaubidedeip, ga-faw-laubidedeif mis' ei 
fotp ^TTicreuere MuuceT, ^TriCTeueie fiv fyoi J 5,46. jabai 
pis fairkaus weseip, aippau so manaseds swesans frijo- 
dedi ' ei K toO KOCJLIOU i^ie, 6 KOCJUOC fiv TO T&iov qpt\ei 
J 15,19. weitwodja izwis patei, jabai mahteig wesi, augona 
izwara usgrabandans atgebeip mis' on ei buvarov TOUC 
6q>9aX|uouc ujuajv ^opuSavrec fiv ^biuKaie juoi G4,15. jabai 
in Sandaumjam waurfeina mahteis fos waurfanons in izwis, 
aiffau ds weseina mid hina dag ' ei iv Zo66juoic 
ai buvdt|Liic at yevojuevai dv coi, ^jueivav fiv 
M 11,23 (Vergangenheit). 



Anmerkung. Einigem.il steht <ler Nachsatz trotz des irrealen 
Bedin^un^ssatzes in Nachahmung der Vorlage im Indikativ oder 
im Optativ Pras. (der als Ersatz des gr. Futurums dient). 

B. nibai, niba. 

368. nibai, niba steht, wenn der Eintritt der Be- 
dingung verneint werden soil. Der Hauptsatz 1st meistens 
negiert. Auf nibai, niba folgt regelmiifiig der Indikativ. 
Vgl. ni manna mag kasa swinpis gakipands in gard is wil- 
wan, mba faurpis pana swinpan gabindip ' oubeic buvarat 
rd CKeurj roO icxupou eiceXGcuv eic Trjv oiKiav auioO biap- 
Trdcai, iav jur) TTpujrov TOV icxupov 6r|cr| Me 3,27. in ho 
saufo wailamerida wvis skidup gamunan, niba sware galau- 
bidedup ' rivt \OTUJ euriTT^icdjariv UJLIIV oqpeiXere xarexeiv 
(D* defg vg) OCTOC ei jurj eiKfj ^iricieucaTe K 15,2. 
nibai kaurno loaiteis gadriusando in air pa gaswiltip, silbo 
ainata aflifnip * av j^r| 6 KOKKOC ToO CITOU irecwv eic irjv 
Tfjv cnroBavr], aiiroc ILIOVOC juevei J 12,24. 

Anmerkung. niba wird einigcmal mit dem Optativ Pras. 
oder Prt. verbunden; doch steht es alsdann nicht in exzeptivem 
Sinn, sondern fiir jabai ni. Vgl. niba taujan waurstwa attins 
meiniSj ni gcrlaubeif mis; ip jabai taujau, niba mis galaubjatp, 
paim wanrstwam galaubjaip ' ei oO troiiD Td ^pya ToO irarp6c jaou, 
|tir| niCTcOer^ juior ei bd irotO&, K&V ^oi pf] mcTetirvre, TOIC ^oic 
mcTeOcate J 10,37 f. in garda attins meinis salipwos manages 
$ind; op fan niba weseina, aJpfaMqefjaudnizwis: gagga mamv- 



368-370.] Der zusammengesetzte Satz: B. Hypotaxe. 255 

jan stad izwis ' iv T$ oiidqi TOO ir<XTp6c jnou jtioval iroAXai ctciv * 
d b jbirj, eiTtov &v ti|uiiv iropeOoiuai ^roijadcai Tdirov U|uiv J 14,2 u. 6. 

C. jappe jafpe. 

369. jaffe jaffe * eiie enre ist disjunktiv- 
hypothetisch. Es verbindet meist einzelne Satzteile, 
seltener ganzc Siitze. Es folgt der Tndikativ oder der 
Optativ. Vgl. jappe nu matjaip jappe drigkaif jappe ha 
taujip, allata du wulpau gudis taujaip * tiie ouv dcBiete eite 
mvere eiie TI iroieiie, Trdvia eic boHav GeoO Ttoieiie K 10,31. 
jappe usyeisnodedum, guda [sc. uw/eisnodcdum}; jappe 
fullafrapjam, izwis [sc. futtafrapjam] ' eiie ^eciriMev, Oeai ' 
eire ccucppovoOjuev, UJLIIV k 5,13. 

Anmerkung j<*Pfe ist au 4 ^ jah -}- fe f und damit, und so' 
entstanden und hat sich ebenso wie bi fe zur Konjunktion ent- 
wickelt. 

2. Zonjnnktionslose Bedingrnngssfitze. 
3*7O. Die konjunktionelosen Bedingungssatze eind 
im Gotischen namtlich irreal. Die positiven werden 
durch die ankriupfende Partikel if eingeleitet, die nega- 
tiven durch die Negation. 

a) if vt&urpeina in Twre jah Seidone landa mahteiB 
t>os w&urpanons in izwis, airis ]>au in sakkau jah azgon 
idreigodedeina ' ei ^v Tupiu Kai Zibuivi eTevovto ai bu- 
vajneic ai yevojuevai ev Ojuiv, rrdXai av ev caKKtu Kai CTrobtp 
jneievorjcav M 11,21. 1 ip Uindai weseip, m pan habaide- 
deip frawaurhtais ' ei TU^Xoi flre, OUK fiv ei'xeie djaapiiav 
J9,41. sa ip 2 wesi praufetus, ufkunpedi pan, Ivo jah 
loileika so qino ' oijioc ei fjv Trpocpninc, dTivuJCKev Sv TIC 
xal TToiaTrrj f\ Y^vrj L 7,39 u. a. m. 

b) ni aihtedeis waldufnje ainhun ana mik, nih wesi 
PUS atgiban iupafro ' OUK eixec ^ouciav oubejaiav Kai' ^jaoO, 



1 Auffallige Umstellung des Verbums deni griech. Text gegen- 
uber. Man vgl. Ml 1,23 oben 307,3. 

2 Einziger Fall von Nachstellung des if, in mechanischer 
Nachahmung der griechischen Wortfolge. 



256 Syntax. [ 370. 

d (urj ity coi bebojuevov <Svu)0ev J 19,11. nih qemjau 
jah rodidedjau du im, frawaurht ni habaidedeina ' ei 
fifj ity9ov Kai dXdXrica aiiioic, diiapiiav OUK eixov J 15,22. 
lustu nih kunfedjau, nih witop qefi' irjv ^m9u|Liiav OUK 
ei jurj 6 vojuoc IXefev R 7,7 u. a. m. 



UlttM(|>inAl 



chews 



V Q 



^K^^n 



,T; 
c ; ^hM^Ds 



c,^hyn^(|)^KYN^lVlNS 

CKKUv:t; T I 4> 



Ycpc^Bj^l N I ^ KtSTI ij) M ^N N ^ M H I S 

s v,\ e> ,\ i N .s Y 2: e- N i <|^ TUT T K I z 






<E5 S 



Fol. 5 r des Codex argenteus (Matth. 6, 9- 
in verkleinerter Nachbildung. 



-16) 



257 



Yierter Hanptteil. 
Texte. 



Vorbemerkungen. 

I. Die lucianische Rezension (Koivrj *K) 1st durch fig. wich- 
tigere Hss. vertreten: V Mosquensis JX. Jh., 8 Vaticanus X. Jh. 
(v. Sodens Typus *K I ). Basiliensis Vlli. Jh., Q- Seidelii London 
IX./X. Jh.; F Boreelmims Utrecht IX. Jh., H Seidelii Hamburg 
1X./X. Jh. (Typus K J ). K Cyprius Paris IX. Jh,, TT Petropolitanus 
IX. Jh. (Typus *K). Chr Chrysostomus (Mischung von *K u. *l). 

II. Die palastinensiscli-jerusalemitische Rez. (*1); nicht 
lein orhalten: A u. f Tischendorfiam Oxford IX. Jh., U Nanianus 
Vcnedig X. Jh. (alle drei fast zu *K abgeschwichi). D Bezae 
(^antabngiensis VI. Jh., Mischung von *l und *K, stark beeinflulit 
von den altlat. Evany clicntexten. 

III. Die agyptisch-aiexandrinische Rez. (Hesychische Rez. 
*H), fur die Vorlajje der gotischen Bibel nur mittelbar von Bedeu- 
tung: B Vaticanus IV. Jh., Sin Petersburg IV. Jh. (von *KI und 
sparhcher von *l beeinilulit); C Ephraemi rescriptus Paris V. Jh. 
(von *K beeiniluLit), L Pansiensis VIII. Jh. A Alexandrinus London 
V. Jh., ein miter Konkurienz von *H *K *K* redigierter Text. 

Em Stern (*) hi liter clem Siglum bezeiclmet die erste Hand, 
die Exponcnten abc deuten spat ere Hande an. min -= Mi- 
nuskel. 

Bei der altlateinischen Bibel (gew6hnl. Itala' genannt 
Sigl. it) untorscheidet man zwei Textformen 1. Afrikanischer 
Text, vertreien durch die Hss. k und e. 2. Europdischer 
Text, vertreten durch die Hss. abed (lat. Halfte von D) f (Brixianus) 
ff 1 ff 2 g 1 g*hilm (das sog. Pseudo-Augustinische Speculum) ^r. 
vg 1 = Vulgata. 

Naheres in der Einleitung zu des Veifassers Gotischer Bibel. 



Streitborg, Goti^ches Elemcntarbnch 17 



25S Matthaeus V, 15-29. 



Matthaeus. 



15 .... dXX' irt T?|V Xuxvtov, xal Xdjuirei iraa TOIC v TiJ 
16 oOTiuc XamvdTU) Td <pii)C um&v ^^-rrpoceev twv dvOpdjTruuv, 
ibwav ujiij&v Td xaXd Ip^a Kol boSdctwav T6v uaT<-pa uniDv Tdv iv 
TOIC oupavolc. 17 p?) voyfaiTe 8n f|\0ov xaTaXGcai Tdv vdjuiov fi TOUC 
itpoqprjTac- OUK ^X6ov KaraXOcai 6XXd irXnpaicai. 18 d^fjv f^P X^T^ 
v irap^X6r| 6 o6pav6c xal f\ f^, ^ra ?v f| \da xepaia 06 
drcd TOO V^ILIOU, ?uuc Sv irdvTd Y^Tai. 19 8c ^dv oOv 
XOaj fJtiav TiBv ^vroXi&v roOrujv TUJV ^Xaxicrujv xal bibdEi^ oiiruuc TOUC 
dvOpitnroDC, ^XdxiCToc KXnOr|C6Tcn ^v Tfl paciXi(f TUJV oOpavibv oc 
b' Sv 1101/103 xal bibdEr), OUTOC \i^ac K\r\Qr\ceia\. iv TfJ paaXeiqi rifiv 
oOpavi&v. 20 XfU) yap ujniv STI ^dv \ja\ itepiccc^qi Omiv fj bixaiocuvri 
irXciov Ttbv TP^Ma^ujv Kai 4>apicaiiuv, 06 jurfi etc^XGriTe clc T^V (Jaa- 
Xeiav TiDv odpaviOv. 21 f]xoticaTe 8-n dpp^en TOIC dpxaioic' oti 
cic* 8c b* dv (poveuqi, voxoc 2crai Tfl K P^ Cl - 22 ^ o 
6tx irdc 6 6pfi26nvoc TI?I dbeXqxli aOToO ciKfj Ivoxoc crai Tf| xpfcei* 
Sc b* dv CITTTJ TCp dbeX^Cp aOroO * fram, lvo\oc ?CTai TCi) cuvcbpiti) 8c 
b* ftv cfTTT) * jLiiupd, voxoc fcrai eic Tfjv f ^evvav TOO irup6c. 23 ddv oOv 
irpocqp^pijc TO bObp6v cou ^itl Td 9uciacTV|piov xdKi nvr]a9i5c 6n 6 
dbcX<p6c cou ?x ti KttTd coO, 24 ficpec ^Ki TO baip6v cou ^irpoc9ev 
TOO 9uciacTtip{ou KCU fiTrare irpuiTOV biaXXdTn9i TCp dbcXcpty cou, Kal 
itp6cq>epe T6 bup6v cou. 25 tc9i euvoi&v TI?> dvnbiKq) cou 
STOU et ^v Ti) 6b^ JICT* aOroO- jir|TroTd c irapab^ 6 dvrf- 

blKOC T$ KplTQ, Kttl 6 KplTT|C C TiapabCJ) T(D UTCTlp^T^, Kttl lc <puXtt!C?)V 

26 djui^v X^nw coi, ou |ar| ^E^XO^c xi9v, gwc ftv dirobipc 

ObpdvTYlV. 27 f)KOUCttT 8TI ippQl\ ' OU >iOlXUClC. 

28 1 b^ X^TU ujiiv 8Ti ndc 6 pX^iriuv ipuvaiKa irp6c Td m9ujLif\c<u 
auT?iv fjbn ^lioixcuccv auTV ^v Tfl xapb(a aDToO. 29 cl bd 6 6cp0aXn6c 
cou 6 beEidc CKavbaXlZei ce, &Xe aOTdv Kal pdXc d-rro coO 



V, 20. unaiv fi bixaiocuvri] *K, ^ bm. ujuCuv SU. 
Am. 47,333. 29/usstigg] Uppstrom, uestagg GA; vgl EB. 205. 

ssr.-- ^-' " ' ',".-- ,.., - i v.r , , , , .^r =-;. ----- - - --- -^=r^=rr- ...... ... 

V, 19. swa 2 ] Zusatz nach swa 1 ; ^Z. bchm. 



Matthaeus V, 1529. 259 



, Matthaeus. 




^ 

himinam. 17 ni hugjai]) ei qei&jau gatairan wito|> ji]p|)au praufe- 
tune; ni qam gatairan, ak usfnlljan. 18 amen auk qij)a izwis: und 
J>atei uslei|)i|) himins jah airpa, jota ains aij>l>au ains striks ni 
uslei|>i|> af witoda, unte allata wjurjbiij).^ 19 i]> saei nu gatairij) 
aina anabaene ]>izo mimiistono jah laisjaTswa manB,^ainni8ta hai- 
tada in |>iudangardjai hiruine; ij) eaei tauj]J) jah laiejai ewa, sah 
mikils haitada in J)iudungardjai hi mine. \\ 20 qi|>a auk izwis |>atei 
nibai managizo wair|>ib izwaraizps garaihteins f>au J)ile bokarje jah 
Fareisaie, ni j^au* qirfil) in Jiudangardjai himine. 21 h'lfesidfe'du^' 
' ffP 



, . 

J)atei>qi^an ist bairn airiza'Sr^ni maurJ)rjais, ffP if> saei maur|)rei|) 
sktda wairj>i|) stauai.? 22 a|){)an ik qij)a izwis patei hmiuh modags 



bropi* seinamma aware, skula wairbi|> stauai; i|> saei qi|)i|) brofr 
eeinamraa raka, ekula wair]>i|> gaqumpai\ ap|>an aaei qjbi|) dwala, 
akula wairbif) in gaiainnan funins. 23 jabai nu bai&is tttfr J>ein da 
hmUlasta&a jah jainar gamuneistpatei broj)ar f)eins h'abaj]) lea hi 
|>uk, 24 aflet jainar |)o giba peina in anawairpja hunslastadis jah 
gagg faurfis gasibjon bro^r t>einamma, jah bi|>e atgaggands atbair 
J)o giba,^ |>eina. | 25 sijais waila hugjands andaltauin |)einamma 
sprauto, und fatei is in wiga mi|> imnia, ibaijvan atgibai |>uk sa 
andastaua stanin, jah sa staua |)uk atgibai ancltahta, jah in karkafa 
galagjaea. 26 amen qi|>a fms: ni usgaggis jainf>ro, unte usgibis 
J>ana minnistan ntu. 27 hausideduft |>atei qifan ist: ni horino* 
28 af)f>an ik qipa izwis, fatei bazuh aaei sailrij) qinon du lubu>n 
izps, jn gahorinoda izai in hairSh seinamma. 29 if> jabai augo f)ein 
'fcata taihswo martjai fnk, ussiigg ita jah wairp af |)us; batizo ist 

Die Verse Matth. 3 t ll (in freier Fassung) und 5,8 sind in da 
Skwreins IU und VI uberliefert. Mit 5,15 beginnt CA. 

V, 15. liuteij)] CA fur liuhtei|>, vgl JEB. 27. 17. ei qem- 
jau] CA; ik vor qemjau durch Hasur getilgt. 23. tibr] J. Grimm 
Gramm. 1\43.63 (nach ae. tifer, dhd. zepar), aibr CA. Vgl JVrede HZ. 

17* 



Matthaens V, 3048. 

coi i'va dir6XrjTai v TIXJV neXtliv cou xai jifj 8Xov 76 cwjuid cou 
ek f&vvav. 30 xal et f| betid cou x^P cxavbaXKei ce, Sxxotyov 
aurfjv xal pdXe dird coO* cuja<p^pei ydp coi i'va diroXrjTai v TI&V jueXObv 
cou xai \JL^\ 6"Xov rd cuju.d cou pXriGiJ eic ye'evvav. 31 ^ppdOn b fin 
8c av diroXucrj T^V fuvaixa OUTOU, b6ru auT$ dirocrdaov. 32 i^\a be 
Xe*fU) ujLtiv 6n 8c &v diroXucr) rfjv Y uva ^ Ka ctOtoO, irapeKTOC Xoyou 
iropvefac, iroiei aOr^v |uoixdc8ai r xai 8c t&v dnoXeXuinevnv 
33 irdXiv f^KOucate 5n ^pp^6n TOIC dpxatoic * OUK 

^ Tip xuptiji TOUC Spicouc cou. 34 

6(i6cai 8Xiuc, jurjTC ^v TCb oupavip, 8n 6p6voc ^criv roO 6eoO, 35 
^v TfJ Ytl ^ uiroTr6bi6v ^ctav TUJV irobi&v auroO, |nr|T elc e kpoc6Xu|Lia, 
STI u6Xic ^c-riv roO jueydXou paciX^uic. 36 |iiiT ^v xfl K<paXf| cou 
d^cijc, STI oO buvacai juiav rpixa Xeuic^v f\ |jidXaivav iroii^cai. 37 SCTUJ 
b 6 Xoyoc uiniBv vai va{, oO oO ' Td b Trepicc6v ToOruuv ^K TOO 
uovripoO ^CTIV. 38 fixoOcare 8-n ppd0iv.6<p9aX|m6v dvti 6qpeaX|aoO Kod 
6b6vra dvrl 6b6vToc. 39 tfti) bi X(!TW ^^v jir] dvncTf|vai T^ irovriptii. 
dXX 1 SCTIC ce ^airicei iri Trjv beSidv cou aaT6va, crp^ipov auTa xal 
Tfjv fiXXrjv. 40 xal rtf) 0^Xovri coi xpi0f^vai xai T6v xiTUJvd cou XrxfJeiv, 
dq>ec auru> xal Td Ijudnov. 41 xal 8cnc ce dYTapeuca jatXiov v, 
Otrafe JICT* auroO buo. 42 TIJ) atroOvri ce bibou, xai Tdv OdXovra dtrd 
coO bavicac6ai U.T?) dirocrpaq)f|c. 43 fjxoucare 
r6v TrXrjciov cou xal jiic/jceic T6v ^p^v cou. 44 fuj b^ \tf(u 
dYairflTe TOUC dxGpoOc uu-iBv, euXoTiT ToOc xarapuj^vouc Ojific, xaXi&c 
itoiflT TOIC jmcouav U|idc, xal irpoccuxccOc uir^p TUJV ditripeaZtfvruiv 
ujidc xai biwx6vTUJv ujmdc * 45 fiwuic f^ v ^c6e uloi TOO iraTpdc UU.L&V 
TOU iv oupavok, fin TOV f|Xiov auToO dvaT^XXei ^iri trovripouc xai dfa- 
BoOc xai pp^x tm- bixaiouc xai dbfxouc 46 ddv f<*p dfair^criTe TOUC 
dTamJ&vTac uf^dc, Tlva |mic0dv ^X^TE; ouxl xal ol TeXti&vai T6 auro 
reoioOciv; 47 xal ddv dcirdcrjcOe TOUC cplXouc um&v jidvov, T( ircpicc6v 
itoievre; o6xl xai ol TeXiIivai T6 aurd iroioOciv; 48 cC0e ouv ujik 
t, tficirep 6 iraTi^p ujutujv 6 ^v TOIC otipavoic 



V, 31. drcoardaov] pi^Xiov dirocTactov Chr. (nach Dexter. 21,1 LXX). 
41. 6*cnc ce drrapeOcei] *K (dTrapeucr) EGV) f ddv TIC ce d-rrapeOaj 
Chr. 47. TeXi&vai] *K, 0vixo( 8inBDZ min it pier, vg; vietleicht 
auch Chr. 

Die Stelle ist in Unordnung geraten. Am SchluB ist ausgef alien: jah 
wrikandans izwis; daf&r ist aber wrikandans an die Stelle der tfber- 
seteung von xaiopuiiLidvouc (etwa fraqifandans) getreten. 46. ainans] 
ZuscAe nach V. 47. |>ai fiudo] an Stelle wn motarjos, sclieint durch 
Versehn hier statt in V. 47 eingesctzt wrden su setn. 



Matthaeus ^ 31-48. 



*< Nv ot 

auk pus ei fraqistnai ains lipiwe peinaize, jah ni allata leik pein 

Bjadriagai in gaiainnan. SO jah jabai taihswo peina handns marzjai 
[)uk, afr&it po jah wairp af pus; batizo 1st auk pus ei fraqistnai 
Eiins lipiwe peinaize, jah ni allate leik pern gadnusai in gaiainnan. 
31 cjipanuh pan ist patei ]^azuh/Baei afletai qen, gibai izai afstaslai^ 
bokos. 32 ip & qipa izwjs patei bazuh saei afletfp qen seina, inuh 
fainna kalkinassaus, tatijippo horinon; jah s&*ize afsatida liugaip, 
horinop.y 33 aftra hausidedup patei qipan ist J)a?m airizani: ni 
afars^varais, i|) usgibais fJaujin ai^SA i>einans. 84 a])pan ik qi]>a 
izwis ni swaran allis, ni bi himina, unte etbts iet gudis; 85 nih bi 
airf>ai, unte fotubalircl ist fotiwe is; nih bi lairusaulwmai, unte 
baurgs ist J)i3 mikilins piudanis^ 1^ 36 nih bi haubida |>einamnia 
pwarais, unte ni magt ain tkgl beit aiJ)J)au swart gataujan. 37 sijajj)- 
f>an waurd izwar: ja, ja; ne, ne; ij) f>ata managizo Mim usfmmma 
ubilin isU 38 hausideduj) Jatei qij>an ist: augo und au^fh, jah 
tunj)u und tunpau. 39 ij) ik qi|>a izwis ni andntandan allis |>amma 
unseljin; ak jabai toas |>uk staatai bi taihswon |)eina kinnu, wandei 
imma jah po an|>ara^ 40 jah Jainma wiljandin mij> |)us ataua jah 
paida feina niman, aflet injma jah wastja. 41 jah jabai bas puk 
ananauj)jai rasta^ aina, gaggais mi|) imma twos % 42 pamtna bidjandin 
Jiuk gibais, jah J>amma wiljandin af pus leiban|Sis*ni uswandjais- 
43 hausidedup patei qipan ist: frijos nebondjag peinana, jah fiais 
iSand peinana. |44 appan ik qipa izwis: frijop fijands izwarans, 
f)iu|>jai|) pans wrikandans izwis, waila taujaip paim hatjandam izwifl, 
jah bidjaip bi pans uspriutandans izwis. 45 ei wairpaip snnjus 
attins izwaris pis in himinam, unte sunnon seina urranneip ana 
ubilans jah ^odans, jah rigneip ana garaihtans jah ana inwindans. 
46 jabai auk frijop pans frijondans izwis ainans, bo mizdono habaip? 
nin jah pai pftSo pata samo taujand? 47 jah jaBai goleip pans 
frijonds izwarans patainei, be managizo taujip? niu jah motarjoa 
pata samo taujand? 48 sijaip nu jus foUatojai, swaswe atta izwar 
sa in himinam fullatojis iat. 



V, 31. bazuh] babaznh GA. 32. izej CA fur izei r vgl. EB. 
. 34. gudis] Hench, vgl. EB. 133 Anm., g^s stets die 
Es*. 



y, 31. qen] auToO fehlt ncwh Me 10,2. afstaeeais bokos] nach 
Deuteron. 2,1\ vgl Me 10,4. 39. allis] Zusatz nach V.34. jabai 
bas puk etautai] vgl *8i quis te percutsertf it vg.~ 41. jabai baa] nach 
V. 39. 44. pans wrikandanfl izwis pans uspriutandana kwis] 



262 Matthaeus VI, 120. 

VI. 

1 TTpocfc"xeTe TTJV dXermocuvrjv UJLIUIV \ir\ iroteTv eVupocOev TIWV 
dvSpdmuiv irpoc Td Oeae^vai aOrotc el b n^ye, juna66v oux I%VK itapd 
rty iratpi ujju&v Tty e"v TOIC oOpavolc. 2 8rav oOv rcoiijc eAennocuvriv, 
JJH?| caXTrfcijc e'nTrpocee'v cou, i&cirep ol uiroxpvral noioOciv iv rate cuva- 
xal iv raic {>u^aic, 8Triuc boac9tfiav uir6 TIJ&V dv6piimiuv. d|ii^v 
Ojiiv, dir^xouci Tdv jmic9dv atiTiDv. 3 coO bd iroioOvroc ^\er]|uo- 
cuviv \ii\ YvUjTiu f| dpiCTcpd cou T( iroii f| beEid cou, 4 5Tra>c ij coO 
fj dXeimocOvn ^v Tib KpuirrOji, xal 6 iraTf|p cou 6 pX^iruw ^v rCb 
dTrob3bci coi dv rCp cpavepw. 5 xai fitav irpoceOxricGe, oOK 
ol CiitOKpiTaf, 6ri ^iXoOav ^v Tatc cuvcrfuuTaic xai ^v Talc 
-nXaTeuIiv ^CTUJTEC irpoceuxecOai, 8iruuc 5lv qxxvifca TOIC dv9pii)iTOic. 
tijurtv, 8ti dir^xoua T6v jiic06v auri&v. 6 cO b^ 8rav 
etceXGe ek T6 TajaieWv cou xai xXetcac rt\v GOpav cov 
irp6cuEai T(J> irorrpi cou TiSi iv Ttb KPUTTT^, xai 6 iraTVip cou 6 
dtrobibcci coi v Tib cpavepil). 7 
ujcircp ol 6vticof boxoOci yap STI v 
auTuiv elcaKOuc0r|covTai. 8 juiri oOv 6u,oiuj6f|T6 aOTOic oibev f dtp 6 
iraT#|p Cijii&v d)v xpeiav ?xT irpd TOO ujLidc alTf^cai auT6v. 9 oOTiwc 
ouv irpocOxC0 0|iiic' ircxTep fim&v 6 ^v TOIC oupavoic, dTiac0f|TUj Td 
cou. 10 X8riu i\ paciXeta cou' Yvn6r|Taj Td OdXr^d cou ibc 
o6pavj? xal ^trl TT^C rfc. 11 T6v fipTov f]|ui3uv Tdv dmouciov bdc 
dmepov. 12 xai acpcc f^iv Td dtpeiXrmaTa ^jiav UJc xal fjiucic 
dqrieu,v Tok dcpeiX^Taic fijuuiv, 13 xal y?) cicev^K^c fnafic ek ircipa- 
qi6v, dXXd ^Ocai fumdc dird TOO irovi^poO, STI coO cnv i\ paciXeia xai 
f| buvajiic xai f) bdHa etc TOUC alifivac. duj^v. 14 ^dv fdp d9^T TO!C 
dvOpiimoic Td irapairnJli|jiaTa aOTu)v, d^rjcei xal Ojniv 6 iraTfjp ujunBv 6 
oOpdvioc. 15 iav bt |mf| dcpfjTe TOIC dvOpdnroic Td 
a(iTd)v, oub 6 TOTHP UJLIUIV d^/jcei Td irapairruj]uaTa u,uu)v. 16 
b vncreuiiTe, jur) T^ecBe ificirep ot uiroxpiTai cxuOpunroi* d9aviz;oua 
Td Ttpdcuma aOTtftv, STTUJC ^aviftci TOIC dvOpibTioic vr^aTeuovrec 
u|niv 5-n dir^xouci Tdv juicedv auTaiv. 17 cO bi vrjcTeOwv 
cou T^JV xecpaX^jv xal Td irpdcunr6v cou vivjiai, 18 8iru)c |nf 
cpavQc Tok dvOptbiroic vyicreutuv, dXXd T(J> iraTp{ cou TU> ^v TI{I xpuirTu> 
xal 6 -iraT/ip cou 6 pXe*iruiv e*v TI} xpuimji dirobibcei coi. 19 pi 
encaupiZere u^iiv 0ricaupouc ^Trl Tf^c T^C, 8irou ci>|c xai ppiDac d9av(2:ei 
xai fitrou xXe*irrai biopuccouciv xal xXdirrouciv 20 erjcaupt&Te b( 

VI, 4. dtrobujcei] SmBKLUZ Chr. it pier, vg, aurdc dirob. 
DEMSXATT. 5. irpoceuxncOe gcecOe] Chr. Sin*cBZ it pier, vg, 
irpoceux^ Set) *K. 11. e^mouaov] vgl 'TOUT^CTI Tdv 
cottidianum it 



Matthaeua VI, 120. 263 

VI. 

1 Ataailoif> armaion izwara ni taujan in andwairjja manne du 
saitoan im; ai>>au lann ni habai|> fram attin izwaramma |>amma in 
himinam. 2 |>an nu taujais armaion, ni haurnjais fanra J>UB, ewaswe 
f)ai liiifans taujand in gaqum|>im jah in garunsim, ei hanhjaindau 
fram mannam; amen qi|)a izwis: andnemun mizdon seina, 8 i|> |>uk 
taujandan armaion ni witi hleidi&nei f>eina, h?a taujif) taihswo |>eina, 
4 ei sijai so armahairtifa Jeina in^Tulhsnja, jah^atta^J^maaaei 
aih)i|) in falhsnja, usgibi|> Jus in bairhtein. 5 jah |>an bidjaf^, ni 
sijai|> swaswe |>ai liutans, ante frijond in gaqutn]>im jah waihstftif 
pla^jo standandana bidjan, ei gaumjaindaa mannam. Amen, qia 
izwis |>abei haband mizdon aeina.|\ 6 i]> |>u |>an bi^jaia, gagg in 
he|)jon peina jah galukands haurdai peinai bidei du attin |>einamma 
|>amma in falhsnja, jah atta peina aaei eaitoij) in fulhsnja, uagibi|) 
J)ua in bairhtein. 7 bidjandaneu|)-|)an ni filuwaurdjaij), swaawe pai 
Jiudo; ])agkei{) im auk ei in filuwaurdein aeinai andhausjaindau. 
3 ni galeikoj) nu |>aim; wait auk atta izwar J)izei jus J)anrbuJ) t 
faurj)izei jua bidjai|) in a. 9 swa nu bidjaif) jus: atta unsar ]*u in 
himinam, weihnai namo ]>ein. 10 qimai ])iudma88ua |>eina. wair|>ai 
wilja Jeina, awe in himina jah ana air|>ai. 11 hlaif unaarana J)ana 
sinteinan gif uns himmV daga. 12 jah anet una |)atei sknl^ajiB sijaima, 
awaswe jah weis afletam |>aim akulam unaaraim. 13 jah ni briggaia 
una in fraistubnjai, ak lausei uns af |>amma ubilin; unte |>einT iat 
|>iudangardi jah inahta jah >vul|>u8 in aiwina. amen. 14 unte jabai 
afleti|) mannam miasadedina ize, afletij) jah izwia atta izwar sa> nfar 
himinam. 15 i|> jabai ni afieti> mannam missadedina ize, jli ]>au 
atta izwar afleti|) missadedins izwaroa. f/ 16 a]>I)an bife faatai|>, ni 
wairj)ai|) swaswe |>ai liutans gaurai; frawardjaud auk andwair|>ja 
"seina, ei gasaih?aindau mannam faatandana. amen, qi|>a izwia, |>atei 
andnemun mizdon seina. 17 i|> J)u fastands ualbo haubi|> |>ein jah 
ludja {>ema |>wah, IS ei ni gasaitoaizau mannam fastands, ak attin 
|)einamina |)amma in fulhenja, jah atta |>eins saei saik)i|) in fulhsnja, 
usgibi|> J>us. 19 ni hnzdjaij) izwis huzda ana air|>ai, J)arei malo jah 
nidwa frawardei|>, jah |>arei |)iubos ufgraband jah hlifand. 20 ij> 
huzdjai|> izwia huzda in himina, |)arei nih malo nih nidwa frawar- 



VI, 4. falhsnja 2 ] fulhsja GA. plapjo] GA, pUljo (?Z., plattjo 
v. Chrienberger. 6. fulhsnja 2 ] fulhlsnja CA. 



264 Matthaeus VI, 21-32. VII, 1217. 



0*icaupoOc iv oupavtji, fiirou ofrre CTJC OUTC ppiDcic dcpavttei, Kai 
(iirou KX^irrcu oO biopuccouav otib KX&rrouav. 21 otrou yelp eriv 6 
6r|caup6c tim&v, xei crai Kai f] xapbia ujaujv. 22 6 Xuxvoc roO 
aw|iaT6c cnv 6 6qp0aX|ji6c. dv oGv 6 6q>0aXji6c cou dirXoOc i), 8Xov 
T6 ci&jjid cou q>urreiv6v crat 23 i&v b 6 6q>0aXji6c cou Trovrjpoc ij, 
6Xov rd ctijid cou acoTeivdv ^crai. ct ouv Td <piic Td ^v col cK6roc 
&riv, TO CKdroc ir6cov; 24 otibeic bOvarai buci xupfoic bouXeijew fj 
Tap rdv va jaicrjcei, Kai rdv Srepov dYarrr|Ci f ^ vdc dvG^Eiai xai 
TOO dr^pou Kara9povi J |Cu od bOvacGe eeijj bouXeuew Kai |LUX|UUJV$. 
25 bid ToOro X^fiu ^M^v, ^n ^pifivdre T^ \|/uxf| OJIUJY TI (paTHTe xai 
TI TiiriTE, firib^ T(JJ cibjuaTi UJLII&V T( IvbOcricGe. oOxl i?| v^X^) wXeidv 
^CTIV Tfjc Tpo^f'ic Kai Td ciDjiia TOO ^vbujnaTOc; 26 ^pX^aTe eic Td 
ireTeivd TOO o^pavoO, STI oO cirefpouav oub GepiCouciv oOb^ cuvdyouciv 
cic diro6i { |Kac, xal 6 Tratrip u^uiv 6 oupdvioc Tp^qpei aOTd. oux Ojneic 
j-iflXXov bia9^pTe aCiTifiv; 27 TIC b & \j|iiu)v juiepiinvuiv buvaTai 
irpocOcivai ini TT]V fjXiKfav auToO irf^xuv ^va, 28 xai irepl ^vbujiaToc 
TI ^pijivdTe; KaTajud6T Td Kpiva TOO dypoO TTUJC auHdver oO KOTTIOL 
v/|9ei, 29 X^fuj b^ 0|itv O'TI ofcb CoXojiu)v dv irdcr| T?J 
wepicpdXeTo die ^v TOOTUJV. 30 .[ bi Tdv X^PTOV TOO 

dvra xal a^piov eic KXtpavov paXX^jievov 6 0cdc o(iTUC d|i- 
<pi^vvuav, 06 TroXXiI) jbtflXXov ^jiiflc, dXiY^iricToi; 81 yf| oOv jiipi|Livr|cnT 
T( 9dTiw|Hv P| TI mtu^iev f| T( irpipaXUi|Li0a; 32 irdvTa yap 
Td ^0vn diri^Tei' oibev yap 6 iraTrip Ontuv 6 otipdvioc STI 



vn. 

12 ____ iroituciv ^ILIIV ol avOpumoi, oOTwc Kai ujieic iroieiT a{jTOic. 
fdp dcTiv 6 vdjbioc Kai ol irpocpf^Tai. 13 etdX0T6 bid TT^C cTevf^c 
iruXrjc STI -rrXaTeia f) irOXri Kai eOpuxwpoc ^ 6bdc fj drrdyouca etc Tfiv 
diribXeiav, Kai iroXXoi eiciv ol {cepx6|iievoi bi' auifjc. 14 T( CTeW] fj 
irOXrj wxl T0Ximi^vT] fj 6bdc fj dirdYouca elc Tfjv Ctui'iv, Kai dXfyoi elclv 
ol Op{cKovrec aOrrjv. 15 irpoc^xtTe bd dtr6 TI&V n/uboirpoqpr|TUJv f 
oi'TivC ^pxovrai wp6c ujuflc dv dvbOjmxa irpopdTUJv, ?cu)0ev bd elci 
fipiraYC. 16 dir6 Tibv Kap-mliv aCiTiiuv ^iriYvibcC0 afrroOc. jurjTi 
dird dKav0d)v cracpuXdc ^ dud Tpip6Xuv cOKa; 17 O}TUJC 



VI, 24. fAajLiwvql] *K, juajujLiujv^ einige min, cfflf 1 g 1 hq. 30. ou 
iroXXv?)] *K, it6ctj) A quanta it vg (nacft M 7,11}. VII, 16. CTaqpuXdc] 
SinB Chr. it vg, CTa^uX^v *K. 



M7,ll; vgl. 'quanta magtf it vg. VH, 16. lisanda] zwn Passw vgl 
J 16 f L 6,44. 



Matthaeus VI, 2132. VII, 12-17. 265 

deif , jah f arei f iubos ni ufgraband nih stiland. 21 f arei auk 1st 
huzd izwar, faruh 1st jah hairto izwar. 22 lukarn leikis 1st augo: 
jabai nu augo fein ainfalf 1st, allata leik fein liuhadein wairfif ; 
23 if jabai augo fein unsel ist, allata leik fein riqizein wairpif . 
jabai nuliuhaf fata in pus riqiz ist, fata riqiz loan filuljj 24 ui 
manna Inaglwaim fraujara skalkinon; unte jabai fijaif ainana, jah 
anfaranafrijof , df f au ainamma ufhauseif , i|> anfaramma frakann. 
ni maguf gucia* skalkifion jah mammonin. 25 Duff e qif a izwie: ni 
maurnaif saiwalai izwarai ba matjai|) jah ba drigkaif , nih leika 
izwarainma be wasjaif; niu saiwala mais ist fodeinai jah leik wast- 
jom? 26 insaitoi|> du fuglam himinis, fei ni saiand nih sneifand, 
nih lisand in banstins, jah atta izwar sa ufar himinam fodeif ins. 
niu jus mais wulfrizans siju]> faim? 27 if bas izwara raaurnands 
mag anaaukan ana wahstu seinana aleina aina? 28 jah bi wastjos 
ba eaurgaif? gakunnaif blomans haifjos, baiwa wahsjand; nih 
arbaidjand nih spinnand. 29 qifuh fan izwis f atei nih Saulaumon 
in allamma wulf au seinamma gawasida sik swe ains fize. 30 jah 
fande fata hawi haif jos himma daga wisando jah giatradagis in 
auhn galagif guf swa wasjif , baiwa mais izwis leitil galaubjandans? 
31 ni maurnaif nu qifandans: ba matjam aiffau ba drigkam 
aiffau be wasjaima? 32 all auk fata fiudos sokjaad; waituh fau 
atta izwar sa ufar himinam f atei f aurbuf .... 

VII. 

12 .... fm/jaina izwis mans, swa jah jus taujaif im: fata auk 
ist witof jah praufeteis. 13 inngaggaif f airh aggwu daur, unte 
braid daur jah rums wigs sa brigganda in fralustai, jah managai 
sind f ai inngaleif andans f airh fata. , 14 ban aggwu fata daur 
jah f raihans wigs Ba brigganda in libainai, jah fawai sind f ai bigi- 
tandans"~pana. 15 atsailcIJT swef anh faura liugnapraufetum faim 
izei qimand at izwis in wastjom lambe, if innaf ro sind wuJfoe wil- 
wandans. 16 bi akranam ize ufkunnaif ins. ibai lisanda af f aur- 

num weinabasja aiffau af wigadeinom smakkans? 17 swa all bagme 

^^ * ' * X * 

VI, 24. fraujam] GA nicht abgtkurzt. mammonin] Randglosse 
faihuf ra d. i. faihuf raihna, vgl. L 10^13. guda] Hench, vgl. 
EB. 133 Anm., pf a sttts die Hss. 30. guf] gf stets die Hss. 
VII, 13. wigs] wigss CA; s 1 itt naclitrdgltch in i geandert. 

VI, 24. jabai] entspricht nicht dem griech. Text. Bernhardt ver- 
mutet, die Vorlaye habe d fdp statt f\ yap geboten* 30. baiwa J nach 



266 Matthaeus VII, 18-29. VIH, 1-7. 

irdv b^vbpov dyadov xaptroOc xaXouc iroiei, TO b cairpov b^vbpov 
xapiroOc Tiovnpouc iroiei 18 oO bOvaiai b^vbpov dyaOov xapirouc 
mwipoOc iroieiv oOb be*vbpov cairpov xaprrouc xaXoOc iroieiv. 19 irfiv 
bdvbpov fif] iroioOv xapirov xaXdv e^xxdirreTai xal etc irOp pdXXerai. 
20 fipcrfe dir6 Tifiv xapin&v aCmftv dirtYvibcec9e afrrouc. 21 oO ndc 6 
X^v ILIOI* xOpie xOpi, clccXeOcerai eic THV paoiXeiav TUJV oOpavuiv, 
dXX* 6 itoiujv r6 e^Xnina roO irarp6c |mou roO ^v oOpavoic 22 iroXXol 
iv ^xeivi^ TQ fuilpqr xupic xupie, 06 TIJJ cip 6v6|iari irpo- 
xod fib cij) 6v6|naTi bai|ji6via dHepciXoiuiev, xai Tip ctu 6vd- 
buvdjieic iroXXdic ino\r\ca\Jiv\ 23 xal TcVre 6|jioXoYr|cui aOroic 8n 
v Ojific. duoxtupetTe air' ^jutoO ol pYa6jLievoi T?IV dvo- 
24 irac oOv 6cnc AxoOei nou TOUC X6YOUC xal iroiel aOroOe, 
6uoiil)cuj aurdv dvbpl q>pov(|atu, 8cnc ipxob6jnricev rrjv oixlav aOrou 
iri Trjv -ir^Tpov. 25 xai xajdpri f| ppoxn xal fjX9ov ol noTajuoi xai 
oi ftvenoi xai irpoc^Tiecov T^| olxia xe{vg, xai oOx ^irecev 
jTO YP ^l ^ v w^Tpav. 26 xal udc 6 dxoOujv ]uou ToOc 
Xdyouc xai |u^ TTOIUJV aOroOc biuoitue^ceTai dvbpi jiiup^ 8cnc ibxob6- 
jurjcev Tf^v olx(av adroO ^iri rf\v fijijLiov. 27 xai xaT^pr] f) ppox^i xai 
f|X9ov ol irorajnol xai ^irveucav ol fivejaoi xai irpocdxovpav rQ oixia 
^K(vr), xai fireccv, xai f|v fj irnwac aurf|c jneYdXr]. 28 xai tftveco STC 
cuver^Xecev 6 'IrjcoOc TOUC X6youc TOUTOUC, ^EeuXiiccovTo ol dxXoi im 
TiJ bibaxfl aiiroO. 29 fjv Y^P bibdcxuuv aOrouc 4 ibc dHoudav ^x^v KC *i 
oOx tbc ol 



VIIL 

b^ aOrcj) diro TOU ^Jpouc, nxoXouOrjcav aOitlJ cfyXoi 
iroXXot. 2 xai ibou Xirp6c TipoceXOibv -rrpoceKuvei aOrtp X^Y*WV xupie, 
^dv O^Xrjc, bOvacai ILIC xa6apicai. 3 xai dxreivac T^JV x^ipa fin/aro aOroO 
6 'IricoOc X^Y^V 6^Xu), xa6apic9nTi. xai eOeduuc ^xa6apic8Ti aOroO fi 
Xd-rrpa. 4 xai X^Y aOiCj) 6 'l^coOc Spa jiribevi eurqc, dXXd CiraYe 
ceaurdv beiEov rtfi lepei, xai irpoc^veYxe TO biupov 5 irpodTaHev Mwcfjc 
elc |LiapTOpiov aOrok. 5 lcX96vri b^ a&Ttu eic KaircpvaoOja, TrpocflX9ev 
xaT6vrapxoc irapaKaXtiiv aOTov 6 xai Xdytuv xupic, 6 iraic |iou 
Tf| oixia irapaXunxdc, beiviDc pacavi2:6|avoc. 7 xai 



VII, 24. 26. iuoO TO\>C X6Youc] Chr. tend V. 24. B* min 
V. 26. f k, |iioO TOUC X6Youc TO^TOUC *K. VIII, 2. irpoccXeibv] Sin 
BEMA (Chr.: iTpocfiX9e); ^X9djv *K. 3. 6 'IncoOcj *K; fehlt SinBG*Z 
min fl^k. 4. Muucfjc] erscheint statt Mwucf^c erst in den Eezensions- 
ti/pen KS and K r . 5. KaTTpvaou|Li] *K, KacpapvaoOn SinB it (neben 
vg. 



Matthaeus Vn, 1829. Vm, 17, 567 

godaue akrana goda gatauji|), if) sa ubila bagms akrana ubila ga- 
taujij. 18 ni rnag bagms Jiujeigs akrana ubila gataujan, nih bagms 
nbils akrana Jiujeiga gataajan. 19 all bagme ni taujandane akran 
god usmaitada jah in fon atlagjada. 20 fannu bi akranam ize uf- 
kunnaif) ins. 21 ni toazuh saei qijij mis: frauja, fraujal inngalei|)i|) 
in |)iudangardja himine, ak sa taujands wiljan attins meinis |)ia in 
himinam. 22 managai qij)and mis in jainamma daga: frauja, fraujal 
niu Jeinamma namin praufetidedum, jah Jeinamma namin unhul|>ou8 
uswaurpum, jah Jeinamma namin mahtins mikilos gatawidedum? 
23 jah |)an andhaita im Jatei ni banhun kunja izwis: afleiji]) fairra 
mis, jus waurkjandans unsibjona. 24 bazuh nu saei hauseij waurda 
meina jah taujij Jo, galeiko ina waira frodamma, saei gatimrida razn 
sein ana staina. 25 jah atiddja dala]> rign jah qeinun abos jah 
walwpun windos jah bistugqun bi |>amma razn a jainamma, jah ni 
gadraus, unte gasuli|) was ana staina. 26 jah bazuh saei ImuseiJ) 
waurda meina jah ni tauji|> |>o, galeikoda mann dwalamma, saei ga- 
timrida razn sein ana malmm. 27 jah atiddja dalaj) rign jah qeinun 
afoos jah waiwoun windoa jah bistugqun bi jainamma razna, jah 
gadraus, jah was drus is mikils. 28 jah war}), >au ustauh lesus 
J>o waurda, biabridedun manageins ana laiaeinai is. 29 was auk 
iaisjands ins awe waldufni habands, jah ni s was we bokarjos. 

vin. 

1 DalaJ Jan atgaggandin imnia af fairgunja, laistidedun afer 
imma iuinjous managos. 2 jah sai, manna Jrutsfill habands durin- 
nands inwait ina qijands: frauja, jabai wileis, magt mik gahrainjan. 
3 jah ufrakjanda hand a attaitok imma qijands: wUjau, wair|> brains I 
jah suns hrain \varj) Jata prutsfill is. 4 jah qaj> imma lesus: saib 
ei mann ni qij)ais, ak gagg, Juk silban ataugei gudjin jah atbair 
giba Joei anabauj Moses du weitwodijpai im. 5 afaruh |>an |>ata 
innatgaggandin imma in Kafarnaum, duatiddja imma hundafafs bid- 
jands iiia 6 jah qijands: frauja, Jiumagus meins ligi{> in garda 
uslija, harduba balwijs. 7 jah qa]> du imma lesus: ik qimands 

VH, 21. 22. frauja] fa GA. Die AbJciirzung erscheint stets, wenn 
frauja ftr e Gott 5 steht. 23. unsibjona] Wrede HZ. Anz. 47,333 f. t 
unsibjana GA, unsibja. sa GL. 28. lesus] is CA; der Name bei 
Ckristus stets abgekurzt. 

111,3 ufrakjands handu attaitok imma] nach L 5,13\ vgl. flPk. 
5. afaruh Jan |>ata] vgl L 7,1 und it: post haec autem cum in- 
troisset abcfg l h. 



268 Matthaeus VIII, 8-27. 

aurCji 6 'IricoOc* ^fih X9wv 0epaire6cai aCrrdv. 8 xoi diroKpi9elc 6 
q>r\ ' Kupic, oOK elfiii teavdc Vva JLIOU uird rl\v cr^mv 
dXXd jidvov elir Xdyu), Kal ia9rjCTai 6 irate you. 9 Kai yap 
av9pumoc i|ui utrd c^ouciav gxwv UTT' djutauiou crpa-ndiTac, Kai 
' irope09nTi, Kal iropetieTai, Kai aXXai gpxou, Kal SpxeTai, 
Kal rCi) bouXiy noir Troirjcov roOro, xai iroieT. 10 djcoucac bi 6 'IricoOc 
^OaOjuacev xai eiwev TOIC dKoXouOoOav dinrjv \4.^(u I^JLIIV, odb^ ^v rCp 
IcpanX TOcauTr]v irfcnv eupov. 11 X^ *>i Ojaiv 8n iroXXoi duo dva- 
ToXiuv xal bucjuujv fjHoua Kai dvaKXierjcovrai nerd 'Appadjn Kai 'IcadK 
Kai 'laKibjJ ^v 1^1 paaXeiqi TUIV oupavuiv 12 oi bi uloi Tf^c paaXeiac 
^KpXnSrjcovrai elc r6 CKd-roc rd ^HUiTcpov. ^KEI ?crai 6 KXauejadc Kai 
6 ppufl^dc TiDv dbcivTiuv. 18 Kal elirev 6 'IrjcoOc T^ ^Katovrcipx^ ' 
OtraTe, Kal die ^mcreucac Y^vnO^rui coi. Kai M0r] 6 iraic aOroO v Tfi 
u)pa ^Keivrj. 14 Kal <?X6uw 6 MricoOc etc TT^JV otKfav TT^rpou eibev rriv 
irev0pdv auroO pepXiiii^vTiv Kal irup^ccoucav. 15 Kai f^aro rf\c xpdc 
airrfjc, Kal dcpnKCv auTTjv 6 iruperdc* Kai fiT^pOn ^ai bir]Kdvei aOrCD. 
16 dvpiac bd Tevofi^vr]c TrpocrjveyKav aOrO) bamoviZ:o|Li^vouc iroXXouc* 
Kal e^gaXev rd irveuinaTa Xd^ip Kai irdVrac TOUC KOKUIC fyovrac 
ireucev, 17 S-rruic irXrjpiuefj Td j*r\Qlv bid 'Hcaiou TOO 
Xerovroc- aOrdc rdc dceeveiac nmliv dv&apev Kai rdc vdcouc ^dcracev. 
18 Cbibv b^ 6 'IricoOc iroXXouc dxXouc itepi aOrdv dK^Xcucev dtreXeeiv 
etc Td ir^pav. 19 Kal TrpoceXOujv ic TpotmnaTeOc elitev a{mi> * bibdcKaXe, 
dKoXou0r|cuj coi SHOD ^dv dir^pxr|. 20 Kai \tfe\ aOrCb 6 'l^coOc at 
dXdJTreKec cpuuXeouc ^xwci Kal Td -rrereivd roO oupavoO KaracKnviOceic, 
6 b uldc TOO dv6pd)7TOU O&K ?xt iroO T^IV K69aXr]V KXfvrj. 21 ^Tepoc 
b^ TiDv na9rjTO)v a(iToO emev aOTCp* icOpie, ^iriTpeiyov VLOI irpitiTov 
direXeeiv Kal 6d\jiai Tdv iraT^pa ILIOU. 22 6 b 'IrjcoOc eiirev auTUj * 
dKoXoOOei jioi, Kal 0960 TOUC veKpouc edij/ai TOUC ^auTi&v veKpouc. 
23 Kai cVpdvn auTifi cic Td irXoiov, fiKoXouencav auTtp ol ^aer^ai 
auTou. 24 Kai iboO ceicjuoc pi-fac ^VETO ^v TQ eaXdcaj, UJCT TO 
irXoiov KaXOirreceai uird TUIV KU^dTalv auTdc b^ dKciOeubev. 25 Kai 
upoceXedvrec ol naGrvrai fJYeipav aOTdv X^ovTec* Kupie, caicov fjimdc, 
26 Kal Xe^ei auroic' T( beiXoi ^cre, dXrrdmcTot; TdT 
^ireT(|ur|cev Tok dv^juoic Kal T^J 9aXdcci], Kal C^ 
27 ol bi ftv9puiTroi ^9aOjiacav X^yovrec' TroTairdc ^cnv 



VTTI, 9. uird ^Houciav ^x wv u<rr> ^inauroO] von Chr. enoahnte Lcsart, 
M duauTdv *K. Nach dem got. Text ist f korrigiert. 11. 'Appadf*] 
Abraham it vg. 'IcadK] 'Icdic Sin abhk. Vgl. losephus 1,191 (ed. 

Nicse). 



Matthaeus VIE, 827, 269 

gabailja ina, 8 jah andbafjands sa hundafajs qaj): frauja, ni 
im^wairjs ei uf hrot mein inngaggais, ak fratainei qij) waurda 
jah gahailnif) sa pmmagus meins. 9 jah auk ik manna im ha- 
bands uf waldufnja mcinamina gadrauhtins jah qij)a da pamma: 
gagg, jah gaggij); jah an|>aramma: qim, jah qimi|>; jah du skalka 
meinamma: fawei J)ata, jah taajij). * 10 gahausjands Jan. lesus 
sildaleikida jah qa|> du >aim afarlaistjandam: amen, qif)a izwis, ni 
in Israela swalauda galaubein bigat. 11 aj>]>an qij)a izwis Jmtei ma- 
nagai fram urrunsa jah sa^gqa qimand, jah anakuiubjand mi^Abra- 
hama jah Isaka jah lakoba in piudangardjai himine: 12 i|) |>ai sunjus 
|)iudangardjo8 uswairpanda in riqis |>ata hind^misto; jainar wairj)i{) 
grete jah krusts tunj)iwe. 13 jah qaj> lesus |>anima hundafada: 
g a oPr j^h swaswe galaubides -wair|>ai J)us. jah gahailnoda Ra |>iuma- 
gua is in jainai beilai. 14 jah qimands lesus in garda Paitraus, 
[jah] gasab swaihron is ligandein < jah > in heitpm. 15 jah attaitok 
handau izos jah aflailot ija so heito; jah urrais jah andbahtida ituma. 
16 at andanahtjia J)an waurfanamuia, atberun du imma daimonarjans 
maiiaganfl, jah uswarp J)ans ahmans waurda jah allans J)ans ubil 
habandans gahailida, 17 ei usfullnodedi ])ata gamelido Jairh EsaYan 
praufetu qij)andan: sa unrnahtins unsaros usnam jah eauhtins usbar. 
18 gasaibands J)an lesus managans hiuhmans bi sik, haihait galei- 
|)an eiponjans hindar marein. 19 jah duatgaggands ains bokareis 
qaj) du imma: laisari, laistja |)uk, f>isbaduh f>adei gaggis* 20 jah 
qa|) du imma lesus: fauhons grobos aigun, jah fuglos himinis eitlans, 
i|) sunus mans ni habai|) bar haubij) sein anabnaiwjai. 21 an^aruh 
fan siponje is qaj) du imma: frauja, uslaubei mis frumist galeijan 
jah gafilhan attan meinana. 22 ij) Iesus"qa|> du imma: laistei afar 
mis jah let pans dau|)ans filhan seinans dan pans. 23 jah innat- 
gaggandin imma in skip, afariddjedun imma siponjos is. 24 jah sal, 
wegs mikils war]) in marein, swaswe pata skip gahuli|) wairjan 
frain wegim; i|) is saislep. 25 jah duatgaggandans siponjos is urrai- 
eidedun ina qi|)andans: frauja, nasei unsis, fraqistnam. 26 jah qa|> 
du im lesus: h?a faurhteij), leitil galaubjandans! J)anuh urreieands 
easok windam jah marein, jah warp wis mikil. 27 ip J>ai mans 

, . .X. M 1-1,1, 

VIII, 14. gasab] Berrtfiardt, jah gasato CA. jah in heitom] 
Bernhardt, in heitom CA. 

VIII, 18. siponjans] Zusatz nach L 8,23. 20. sein] Zusatz, vgl 
*caput suimf abcg^. L P,5S fehlt jedoch der Zusatz. 25. is] 
Zusatz nach den Parallehtelkn, vgl. bg a q. 26. lesus] Zusatz, aus 
Lektionarien stammend-, vgl 



270 Matthaeus VIII, 28-34. IX, 1-11. 

Kai of &v)iioi Kal fi edXacca uitaKoOouav oOrCp; 28 Kal &06vn 
etc TO tr^pav dc TT'IV x^pav TI&V repYtaivu&v, uirrjvrTicav a&Tij/ 
buo baijKMrojacvoi i* TUIV |uvrm(u;v ^epxfyevoi, x^wol Xiav, t&cre 
icxueiv nvd irapeX0eiv btd Tffc 6boO ^KcivTjc. 29 Kal ibou Kpaav 
ft t\\tiv xal co(, MncoO, ute TOO 0eoO; ?jX0C tfcbe upd xaipoO 
fnaflc; 80 ?jv ft^ juaxpoiv dit* aOrd&v &ft\r\ xoipiuv iroXXO&v 

31 o! & baCfiovec irapeKdXouv aOr6v X^TOVTCC* el 
&r(Tpvi>ov fmiv dircXOetv elc n?|v df&rjv TU&V xo(ptuv. 32 
cnrev aOroic * iJTrdrerc, ot b ^eX96vr6C dir^X0ov etc T^ 
XOi'puv xal iboO ifipjiricev irflca f| d^Xr] TU)V xofpuuv xard TOO 
cic T^v edXaccav, Kal dir^Oavov Iv TOIC (5baav. 33 oi 

xal ditXe6vTC tc TT^IV trdXiv dTT/iYYe^av Trdvra KOI rd TLUV 
v. 34 Kai fboO irflca f) u6Xic ^Ef|X6v eic cuvdvrr]civ Till 
nai ibtfvrec a^rov irapeKdXccav STWUC nerapfj dud TI&V 6pituv 
aOruiv. 

IX. 

1 Kai Ijapdc etc r6 irXolov biTrtpacev Kal fjXGcv etc r^v ibfav ir6Xiv. 
2 Kai tboO wpoc^tpepov aOrtii TrapaXuriKdv ^irl KXfvrjc pcpXruu^vov * Kai 
ibibv 6 'tycoOc ri'iv mcTiv aOrifiv enrev ?$> irapaXuTiKiIi Odpcei, T<-KVOV, 
dqp^iDvraC coi al djiiapTiai cou. 3 Kai iboO Tivec TI&V 
clirov ^v 4auTOic oGroc pXaccpmnei 4 Kai eibdbc 6 'liicoOc Tdc 
ceic aCm&v elirev IvaTf \3|uelc eV9u|ueic9 Ttovripd ^v Talc Kapbtaic tijiiDv; 
5 TI T^P ^c^v etiKOTubTepov, eiTieiv dcp^vraf coi a! djuapTfai, f^ etirew* 
^ipe Kai TtepvrtdTei; 6 Vva b^ etbfjTe 8-n ^Houcfav fye\ 6 uldc TOO 
dvBpUiitou ^iti T^C T^C dqndvai d(LiapT(ac, T6T X^ei Tti) irapaXuriKCJ) 
fip6v cou THV KXivriv Kal Onare tic T6v oiK6v cou. 7 Kal 
dirf|X9ev ek Tdv OIKOV auToO. 8 lb6vTec bd oi 6x^ l ^6aO|iiacav 
Kai ^b6Sacav T6v 06v T6v b6vra ^Houciav ToiauTqv Tote dv0pibiroic. 
9 Kal Trapattuv 6 'IrjcoOc ^Ki0ev elbev ftvOpujirov KaO^jucvov diri T6 
TeXiJbviov, MaT0atov XeY<Vevov, Kal X^ei aOrii) dKoXo00ei ILIOI * Kai 
dvacTdc f]KoXo00rjcv auTib. 10 Kal ^ veTO aOroO dvaKijn^vou ^v T^J 
olKia, Kai ibou iroXXol TeXifivai Kal djiapTuAoi ^X06vT6c cuvav^KCivTO Till 
Kal TOIC |iia0r|Taic aOroO. 11 Kai ib6vrc oi Oapicatot eTirovTotc 



IX, 4. cibUjc] BME^T 1 Chr. (nach M 12,25: e(bwc bi 6 
Tdc ^v9u|LiriCic aOTt&v), CbiJOv *K it vg. 6. coO T^JV KXtvrjv] *K, Tdv 
KpdjipaTov cou Chr. nach Me 2,11. Fur den got. Text br audit man 
l-eine Beeinflwsung durch die Paralldstelle ansunehmen. 9. MaTGaiov] 
Ma00aiov schretten die *H-Hs$. SinBA und die Misch-Hs. D. 

setzer hdbe Kara fur KaiTa geleaen. IX, 8. ohtedtra eildaleikjandans] 
nach L 5,26 Me 2,12 crganzt. 



Matthaeus Vm ; 28-34. IX, 111, 271 

Bildaleikidedun qi^andans: bileiks iet ga, ei jah ^indos jah marei 
ufhausjand imma? 28 jah qimandin imma hindar marein in gauja 
Gairgaisaine, gamotidedun imma twai daimonarjos us hlaiwasnom 
rinnandane, sleidjai filu, swaswe ni mahta manna usleifan J>airh 
l>ana -wig jainana. 29 jah sai, hropidedun qifmndans: ba nns jah 
Jus, lesu, sunau gudis? qamt her faur mel balwjan unsis? 30 Wa- 
snh |>an fairra im hairda sweine managaize haldana. 81 i|> |>o 
Bkohsla bedun ina qijan^ans: jabai uswairpis uns, uelaubei uns 
galeijan in |)o bairda sweine. 32 jah qa|> du im: gaggi]>I i|> eis 
nsgaggandans gallon in hairda sweine; jah sai, run gawaurhtedun 
eis alia so hairda and driueon in marein jah gadau|>nodedun in 
watnam. 33 ij) |>ai haldandans gajlauhnn. jah galeifandans gataihnn 
in baurg all bi fans daimonarjane. 84 jah sai, alia so baurgs 
usiddja wifrra lesu, jah gasailcandans ina bedun ei uslipi hindar 
markos ize. 

IX. 

1 Jah atsteigands in skip ufarlai|) jah qam in seinai banrg. 
2 J)anuh atberun du imma U8li|)an ana hgra Ugandan, jah gasai- 
bands lesus galaubein iee qa|) du pamma uslifin: frafstei ])uk 
barnilol afletanda Jus fra)?vaurhteis Jeinos. 3 paruh eumai J)ize 
bokarje qe|)un> in sis eilbam: ea wajamerei|). 4 jah "witands 
lesus Jos mitonins ize qa]>: dube jus mito]> ubila in hairtam 
izwaraim? 5 toa|>ar ist raihtis azetizo qi]>an: afletanda |>UB fra- 
waurhteig, J>au qi|)an: urreis jah gapg? 6 Af)|)an ei witci|) patei 
-waldufni habaij) sa sunus mans ana airj>ai afleitan frawaurh- 
tins, panuh qa]> du J)ainma uslipin: urreisands nim |)ana ligr 
])einana jah gagg in gard |>einana. 7 jah urreisands galai]) in 
gard seinana. 8 gasaibandeins pan manageins ohtedun sildaleik' 
jandans jah mikilidedun gu|) |)ana gibandan waldufni swaleikata 
mannam. 9 jah |>airhloi|)ands lesus jain|)ro gasab manniin eitandan 
at motai, Maf>{)aiu haitanana, jah qa|) du imma: laistei afar mis. jah 
usstandands iddja afar imma. 10 jah warj), bif)o is an ak urn bid a in 
gard a, jah sai, managai motarjos jah frawaurhtai qimandans mif- 
anakumbidedun lesua jah eiponjam is. 11 jah gaumjandans Farei- 

Vin, 29. sunau] norntaler Volcativ, vgl EB. 24 C. IX, G. aflei- 
tan] CA f&r afletan, vql. EB. 22,1 A. 

Vm,32. alia so hairda] TUIV xoipwv fehlt nach L 8,33 Me 5,13; 
vgl. SinBC*MA it vg. 33. galeijandans gataihnn in baurg] Kon- 
struktion nach L 8,34 Me 5J4. all bi J)ans daimonarjans] Kon* 
strvktion wie Me 5,16: bi fana wodan. Andere vermuten, der 



272 Matthaeas IX, 12-30. 



]ua9r)Tctfc auroO* biar{ ycTd TI&V TeXuwtiiv xai djaapTiuXt&v &0iei 6 
bibdacaXoc u^i&v; 12 6 b 'IrjcoOc dxoucac eurev auTOic * oO xP^iav 
xovav ol Icxuovrcc tarpoO, dXX* ol xaxuuc lx VT c. 13 Ttopu0vrC 
b |id0eT T! cnv \ov 0&u) xai ou 0uc(av. ou yap r|X0ov xaX^cai 
bixatouc dXX' djiapTuuXouc. 14 TT irpoc^pxovTai aOrCji oi |ia0Tvral 
'luudwou Xfovrec* biati /uneic xai ol <l>apicaioi vrycTeOojiev iroXXd, ol 
b^ |ia6riTa( cou 06 vrjcTeuouav; 15 xai elirev aOrok 6 'IrjcoOc* jafj 
bOvavTCii ol ulol TOO vu|nq)uuvoc irevOew ^q>' 6cov JICT' atiTiwv 4cnv 6 
vujnqpioc; dXeOcovrai b^ f)|^pai Srav ditap0Q dir' auTuiv 6 vujnqpioc, Kal 
T6r vricreOcouav. 16 oObeic b^ ^mpdXXei dtripXrma f>aKouc d^vd^ou 
im Ijuarltu iraXaiiD * atpei T^P Td TiXr|piu|Lia a&ToO dird TOO ^aT{ou, xal 
Xeipov cxicfia T^vErai. 17 oib4 pdXXouav olvov v^ov lc dcxoOc 
naXaiouc* ei bd |H/|T/ Mrvuvrai ol dcxo(, xai 6 oivoc ^xxevrai xal ol 
dcxol diroXoOvrai, dXXd fldXXouav olvov v^ov etc dcxouc xaivoi')c, xal 
d|i(p6Tepoi cuvTT]poOvTai. 18 raOra aOroO XaXoOvroc autoic, tbou 
fipx^v etc dX0d)v Trpocexuvci Q(JTU) X^ytuv 6Ti f) euydTrip jnou apri 
^TeXeuTiqcev * dXXd A8ibv ^-rrieec rriv xetpd cou ^it' aurr|v/xal Z/jccrai. 

19 xai ^repBtk 6 'IrjcoOc fjxoXoOGricev auTtu xal ol jua0r]Tai a(ToO. 

20 xal tbovi Y^V^I aljioppooOca bibbexa lrr\ irpoceXOouca 6mc0ev fiiparo 
roO xpactr^bou TOO IjuiaTiou auToO. 21 ^Xc^ev f^P ^v daur^j ddv n6vov 
di|;uj|jiai TOO luariou a^roO, cu)0f|cojmai. 22 6 b^ 'Ir^coOc ^mcrpatyeic 
xal tbibv auii^v cTtrev * 0dpcei, OyaTep * f] iricnc cou C^CUJK^V ce. xal 
dJb0rj ^) f^vfi dir6 rf|C ifipac ^xeivrjc. 23 xai ^X0ibv 6 'IricoOc cic TTJV 
o(x(av TOU dpxovroc xal ibubv ToOc aOXrjTdc xai TOV 6xXov 0opupou|nevov 
X^fei auroic' 24 dvaxwpeire, ou f&P dtr^Bavev TO xopdciov, dXXd 
xa0eubi. xal xaTT^Xuv auroO. 25 6re bd ^HepX^Ori 6 6xXoc, dceX0ibv 
^xparricev Tfjc x^poc auif^c, xai f]T^p0n T ^ xopdctov. 2G xal EfjX0ev 
fj <pr||uiri aO-TTi tc 6Xriv Trjv fty ^xeivr)v. 27 xai Trapd-fovri 

'Irjcou, f]xoXou0ricav aurOi bOo TU9\ol xpcfcovrec xal X^yovrec' 
f)|iiac r ute Aaueib. 28 dX06vn b^ eic THV oixiav itpocf|X0ov aiT(^ ol 
TUcpXof, xal X^yei auToic 6 'IrjcoOc * mcTeueTC 6ri buvajuai TOOTO iroifjcai ; 
Xdyouciv aim?) va(, xOpi. 29 T6T f^vjiaTO TUJV 6(p0aXjniljv CUTOIV \fuiv 
xaTd TTIV iriCTiv ujniJ&v yevr]0rjTUJ ujAiv. 30 xal dvci{jxOT)cav auTifiv ot 



IX, 18. djuapTtuXouc] SinBOV*r*A abfff'hklq vg, fa clc 
votav *K Chr. Die Abwcichung wm *K-Tea* durch Me 2,17 verarilatit, 
wie die Wortwahl zeigt. 27. Aaudb] so schreiben die Resensionen 
*H *l; fur die Rezension *K steU die Schreibung nicht fest, da die 
Abkurzung Aab vorherrscht. Vgl v. Soden 8. 1375. 

Akk. 'plenitudinem, fortitudinem* it vg. 23. jah haurnjans haurn- 
jandans] Glosse. Vgl Apok. 18,22. 25. habaida] vgl PB3. 15,90. 



Matthaeus IX, 12-30. $73 

eaieis qe]mn du paim siponjam is: dutoe mi|> motarjam jah fra- 
waurhtaiin xnatjip sa laisareis izwar? 12 i|> lesua gabausjands qap 
du im: ni paurbun hailai lekeia, ak |>ai unhaili habandana. IS Ap- 
pan gaggai|), ganimip ba eijai: armahairtipa wiljau jah ni hunsl; 
nip-pan qam la|)on uswaurhtans, ak frawaurhtans. 14 panuh atidd- 
jedun siponjos lohannes qi|>andan8: dube weia jah FareisaieU faatam 
filu, i|) |>ai siponjos peinai ni fasiand? 15 jah qa|) du im lesua: 
ibai magun sunjus brupfadis qainon und fata beilos ]&ei mip im 
ist brupfajs? if atgaggand dagos, pan afnimada af im s> brnpfaps, 
jah |>an fastand. 16 appan ni toashun lagjip du plata fanan parihia 
ana snagan fairnjana, unte afnimi|> fullon af |)amma snagin, jah 
wairsiza gataura wairpip. 17 Nip-pan giutand wein niujata in balgina 
fairnjans, aippau distaumand balgeis; bipeb pan jah wein usgutnip 
jah balgeis fraqistnand; ak giutaud wein juggata in balgina ninjane, 
jah bajopum gabairgada. 18 mippanei is rodida |>ata du iin, |>aruh 
reiks airis qimands in wait ina, qipands patei daub tar meina nu 
gaswalt; akei qimanda atlagei handu peina ana ija, jah libaip. 19 jah 
urreisands Ieau iddja afar imma jah siponjos is. 20 jah sai, qino 
bloparinnandei *ib* wmtruns duatgaggandei aftaro attaitok skauta 
Wastjos is; 21 qapuh auk in sis: jabai patainei atteka wastjai is, 
ganisa. 22 ip losus gawandjands sik jah gasaiftands po qap : prafstei 
Jmk dauhtari galaubeins peina ganasida puk. jah ganaa so qino 
fram pizai beiiai jainai. 23 jah qimands Icsus in garda pis reikia 
jah gasaibands swigljans [jah haurnjans haurnjandans] jah managein 
auhjondein, qap du im: 24 afleipip, unte ni gaswalt so miawi, ak 
slepip. jah bihlohun ina. 25 panuh pan usdribana warp so manage!, 
.atgaggands inn habaida handu izos, jah urrais so xuawi. 26 jah 
usiddja nieripa so and alia jaina airpa. 27 jah barbondin lesua 
jainpro, laietidedun afar imma twai blindans, hropjandans jah qipan- 
dans: annai uggkia, aunau Daweidis! 28 Qimandin pan in garda 
duatiddjedun imma pai blindans jah qap im lesus: ga-u-laubjate patei 
magjau pata taujan? Qepun du imma. jai, frauja! 29 panuh attai- 
tok augam ize qipanda: hi galaubeinai iggqarai wairpai iggqis. 80 jah 

atgaggand] atgagggand CA. 



IX, 14. atiddjedun] aOiiji fehlt nach Me 2,18. 15. sunjus brup- 
fadis] vgl. c filii spons? it vg (viol TOO vujut^iou D). 16. da plata 
fanan parihis] unerlddrte Textverderlnis; siehe Me 21 und L 5,36. 
Vgl Kauffmann ZZ. 30,167. fullon] afnroO fehlt nach Me 2J1. fullon 
ist Akkuaativ, das griech. irX^pajjaa dageyen Nominativ. Vgl. zvm 

Btreltberg, Gotisches Elemental-buck. 18 



274 Matthaeus IX, 31-88. X, 186. 



dq>8o\no(. Kal veppinr|caTO aOroic 6 MrjcaGc Xfiuv 6pdTe 
TIVWCK^TUJ. 31 ot b d2eX86vTC biecp^tucav a ()Tdv iv 8Xfl rQ fQ 
32 aimfcv b Hepxojjivujv, tbou irpocrjveYKav aOrCp &v8pumov Kio<p6v 
bmjioviZ6|uivov. 83 Kal KpXrj86nroc TOO baijjioviou, dXdXricv 6 Kw<p6c, 
Kal 8a(>nacav ol dxXoi Xf ovrec * oOb^irore q>dvrj oOrujc iv Til; 'Icpa^X. 
34 oi b <l>apicaloi SXefov iv TU> ftpxovri Ttliv baijioviuuv ^KpdXXci Td 
bcu^via. 35 Kal irepi^v 6 'IrjcoOc Tac iroXeic irdcac xai rac Kdb|aac, 
bibdcKiuv ^v rave cuvaYiUY<uc aOriDv xai Kripuccuuv T6 cucrfT^Xiov TT\C 
paciXefac xai eepaireCiiuv irdcav v6cov xal irdcav ^laXaKiav. 36 ibiuv b^ 
ToOc dxXouc cTrXaYXv(c8ri irepi aOruiv, STI f|cav acuX|udvoi Kal ^ppiin- 
H^voi ibcel irp6paTd ^ tyovra. Troi^va. 37 T6re X^yet TOIC jiaeT]Tatc 
aOroO 6 jiv 0epicji6c iroXOc, ol b ^pf drai 6Xifoi. 88 bci^TC oOv TOO 
KUp(ou TOO 6piC|uoO fiiriuc ^K^dXrj ^p^dTac lc Tdv Oepicjudv aOroO. 

X. 

1 Kal TTpocKoXcccinevoc ToOc biiibexa Ma6rjTdc ... 23 ____ Tfj it6X 
TaO-rrj, ^eOyeTe eic TT|V aXX^v dpi^v foip X^u) Ojiiv, oi) ju^ TeX^cnTe 
Tac ir6Xtc TOO 'IcparjX ?iwc &v ^X073 6 uldc TOO dvOpibirou. 24 otiic 
?CTIV |maer|T^c Oir^p Tdv bibdacaXov, oObd boOXoc Oir^p T6v xOpiov a^ToO. 
25 dpKETdv Tif) MaBriTfl i'va y^vriTai ibc 6 bibdcxaXoc atiToO Kai 6 boOXoc 
ibc 6 icOpioc a{ToO. ei Tdv olKobecTrdTrjv BeeX^epoOX ^KciXecav, ir6cifj 
ydXXov TOUC o^KiaKOiic adToO. 26 ja^| ouv cpopiqefiTe aCiTodc. oubdv f dp 
^cnv K6KaXu|njitvov 8 ote diroKaXu^e^ceTai, Kai KpuicTdv 8 ou f viuc8r|- 
C6TCU. 27 8 X^fUJ 0|niv ^v TQ acoTia, eliraTe ^v T^ cpuuTC * Kai 8 etc T6 
oDc dKoOT, KTipOHaTe ^iri -n&v btujudTiuv. 28 Kal |if] 9opeic8e dir(> 
ri&v dTiOKTv6vTUJv T6 cii(LUx, TI^V b ivux^v fif) buvaju^vuv dTTOKTivar 
<po(Jr|6TiTe b^ (iidXXov T6v buvdjuevov Kai xyuxnv Kai ci|Lia duoX^cai etc 
T&vvav. 29 oOxi bOo crpouOfa dccapfou muXeiTai; Kai <tv & atiTifcv 06 
ireceiTat im Tf|v ^f\v fiveu TOO iraTpdc ujuiav. 80 0|nu)v b^ Kai al 
Tpixec Tf|c KeqpaXflc irdcai f|pi6juri|ivai elciv. 31 juri oOv (poftyefVrc* 
iroXXi&v crpoueiuuv bia^^peTe OJLICIC. 32 irfic oOv 8cTic 6|uoXoTnci v 
limol ^juirpoceev TI&V dv8pibiru)v, 6juoXoYr|cu> Kdrib iv aCjTqj ?jLnrpoc6v 
TOO iraTp6c jnou TOO iv oOpavotc. 33 Scnc b' ftv dpvifcriTaf |i ^Ttpo- 
c8ev TUIV dvepumujv, dpvr|co|aai Kdttb aCiT6v ?jLnrpoc0ev TOO iraTp6c |uou 
TOO ^v oOpavoic. 34 \ii\ vo\Ji\cr\Te 6Ti ?jX8ov paXeiv dpf\vr\\ tm Tfjv 
tf|v OUK f|X8ov paXeiv dpr\vr\v dXXd judxaipav. 85 ?jX8ov ydp bixdcai 
&v8pujirov KaTd ToO itaTp6c aOToO Kai 8uYaT^pa KaTd TT^C |nriTp6c auTfjc 
Kai vOjuqpTiv KaTd Tf|c TTv8epac auTfjc, 36 Kai IxGpoi TOO dvepdbirou 



X, 25. ^KdXecav] Chr. mm nau., ^ireKaXecav X K. 28. eic 
vav] Chr. D it pier, vg (nach den ParaUelstelleri), tv YC^VVT) *K. - 
82. TOO TraTpdc JLIOU ^v oOpavoic] Chr , TOO ^v oOp. *K. 33. 
Sin BDA Chr. it vg, atiTdv Kdr^ *K. 



Matthaeus IX, 31-88. X, 1-36. 37$ 

usluknodedun im augona, jah ioagida ins leeus qipands: saitoate oi 
manna ni witi. 31 i|> eis usgaggandans usmeridedun ina in allai 
air|>ai jainai. 32 panuh bi|>e ut usiddjedun eis, sai, atberan imma 
mannan baudana daimonari. 83 jah bipe usdribans warp unhulpo, 
rodida sa dumba, jah sildaleikidedun manageins qipandans: ni aiw 
ewa uskunp was in Israela. 34 i|) Fareisaieis qepun: in fauramaplja 
unhul|>ono usdreibip unhulpons. 35 jah bitauh lesus baurgs allos 
jah baimos laiejands in gaqumpim ize, jah merjands aiwaggeljon 
piudangardjos jah hailjands allos sauhtins jah alia unbailja. ' 36 ga- 
saifoands |)an pos manageins infeinoda in ize, unte wesun afdauidai 
jah frawaurpanai swe lamba ni habandona hairdeis. 87 panuh qap 
du siponjam seinaim: asans raihtis managa, ip waurstwjans fawai. 
38 bidjip nu fraujan asanais ei ussandjai wauretwjans in asan seina. 

X. 

1 Jah athaitands fans twalif alponjans ... 23 . . . , |>izai baurg, 
])lmbai|) in anpara: amen auk qi|)a izwis, ei ni ustiuhi|> baurgs 
Israelis, unte qimi|> sa sunus mans. 24 nist siponeip ufar Jaisarja 
nih skulks ufar fraujin seinamma. 25 Ganah siponi ei wair|>ai swe 
Jaieareis is jah flkalks swe frauja is; jabai gardawaldand Baiailzaibnl 
hailiaitun, und luan filu mais pans innakundans is. 26 ni nunu 
ogeij) izwis ins; ni waiht auk iet gahulip, patei ni andhuljaidau, jah 
fulgin, patei ni ufkunnaidau. 27 patei qi|>a izwis in riqiza, qi|>ai|) 
in liuhada, jah patei in auso gahaueeip, rnerjaij) ana hrbtam. 28 jah 
ni ogei|> izwis pans usqimandans leika patainei, ip saiwalai ni ma- 
gandans ueqiman, ip ogeip mais pana magandan jah saiwalai jah 
leika fraqistjan in gaiainnan. 29 niu twai sparwans assarjau bug- 
janda? jah ains ize ni gadriufiip ana airpa inuh atiins icwaris wiljan. 
3t) appan iswara jah tagla haubidis alia garapana Bind. 31 ni nunu 
ogeip; managaim sparwam batizans sijup jus. 32 Sahmzuh nu saei 
andhaitip mis in andwairpja manne, andhaita jah ik imma in and- 
wairpja attins meinis Baei in himinam ist. 33 ip pisJbanoh saei 
afaikip mik in andwairpja manne, afaika jah ik ina in andwairpja 
attins meinis pis saei in himinam ist. v 34 nih ahjaip patei qemjau 
lagjan gawairpi ana airpa; ni qam lagjan gawairpi, ak hairu. 35 qam 
auk skaidan mannan wipra attan is jah dauhtar wipra aipein izos 
jah brup wipra swaihron ifos; 36 jah fijands mans innakundai is. 



IX, 83. ni aiw swa] Stellung me it pier, vg (D> X, 23. ei] 
Zusatz wie M 10,42 u. 6. 29. inuh attins izwaris wiljan] vgl sine 
voluntate patris vestri acf. Doch beachte man, da& auch Origenes 



18* 



276 Matthaeus X, 37-42. XI, 1-13. 

of olKiaxol aOrou 37 6 cpiXifov nar^pa f| ^rjT*-pa tiitp tyt O(JK 
\iou aioc* Kai 6 qpiXuiv ul6v f^ SuyaTtpa tiirp \L O(JK cnv jiou 
ftioc 38 Kai 8c oti XanfJdvei rdv craupov aOroO Kai dKoXouSei d-rrkiu 
JLIOU, oOK SCTIV nou aHioc. 39 6 eupiuv Tf]v M^xn v aOroO diroX^cei 
aurrjv, icol 6 diroX&ac TTJV vyuxV a^ToO evcxev yoO cOpr|Ci aurr|v. 
40 6 bex6jivoc uj-iflc ^^ b^xeiai, Kai 6 ^e be^6^evoc b^x^ai rdv 
dirocrefXavrd fie. 41 6 bex^^voc irpo^rjTnv etc 6vofia 
Hic66v irpotprJTOu XVJVETOi, xai 6 bcx^juevoc Mxaiov etc dvojuta 
jnic96v bitcafou Xi'mieTai. 42 Kai 8c dv irorfaj ^va TtDv |aiKpu>v 

uxpoO |n6vov eic <5vo|ua fiaBntoO, djufjv \^\u ujaw, oO \ti\ 
rdv juicGov atiToO. 



XL 

1 Kai ^VTO ore ^rdXecev 6 5 lricoOc biaTdcciuv TOIC bibbKa i 
raic aOroO, jmeT^pri ^Ki6ev TOO bibdcKeiv Kai KiqpOcceiv ^v raic ir6Xciv 
a{)TU)v. 2 6 b 5 ltudwryc dKoucac ^v TCfi becjuujTripitu rd ^p^a TOO 
XpicroO ir^fiivjiac bid TOIV jiaOr|TUJv aOroO 3 CITTCV aOrifi cu eT 6 ^px6- 
luevoc f| ^Tcpov ^^pocboKal^ev; 4 Kai diroKpiGeic 6 'IricoOc elirev afrrou:* 
TtopcuGdvrec duaTTe^ctTe 'liudvvr) & dKouere Kai pX^ireTC * 5 ru^Xoi 
dvafJX^iroua Kai x^^oi TrepiiraToOa, Xeirpoi KaeapiEovrai Kai Kaxpoi 
dKOuoua, Kai veKpol tfdpovtai Kai irriwxoi eOarfe^^ovTai 6 Kai 
jnaKdpi6c ^cnv 8c ^dv jnfj cKavbaXice^ ^v JLKH. 7 TOUTUJV b^ iropeuo- 
judviuv fjpHaro 6 'l^coOc X^yew TOIC fyXoic ^pi "lujdvvou TI ^^Xeerc 
etc rf\v ^prmov 6edcac6ai; KdXajutov Owd dv^jmou caXeud^evov; 8 dXXd 
ri ^HnXGere Ibetv; av9punrov ^v inaXaKok IjuaTioic f|ji9iC|u^vov; tboO ol 
Td jiaXaKd ^opoOvrec <?v TOIC OIKOIC TU&V paciX^uuv eidv. 9 dXXd T( 
dHr|XeT fbeiv, -rrpo^riTnv; val Xtfw 6^lv, Kai irepicc6Tpov irpoq>r|TOU. 

10 oOTOc r<*P ^CTIV irepi ou T^rpairrai ibou iyb dirocT^XXiw Tdv &rt&t>v 
jaou irpd irpocdbirou cou, 8c KaTacKudcei TTJV 6b6v cou yirpoc9v cou. 

11 djiiriv X^fiw fyilv, oi)K ^ypTOi dv Ywr]Tok T^vaiKUjv jjtettiuv 
5 lujdvvou TOO paimcroO 6 b^ ^updrcpoc ^v Ti^ PaciXcia TI&V oiipavt&v 
Mitujv atiToO ^CTIV. 12 diro b^ TIUV fijucpuuv 'Itudvvou TOO paTrncroO 
&uc apTi fi paciXcia TI&V otipaviuv pidlerai, Kai piacTal dpirdZiouciv aOT/iv. 
13 TTdvTC Tap ol irpocpfiTai Kai 6 v6|iioc 2aic 'lujdvvou 



XI, 2. Nuxivvrjc] lohannes it vg. bid TI&V (uaGrvrujv] SinBG*D 
PZA q (mittens per discipulos); bOo TI&V jut. *K. 5. Kai veKpof] Chr, 
SinBDLPZA min abg^lq, vK P oi *K. 8. paciXdiuv] SinBCDLM 
PUZfAH 2 Chr., paciXeiuuv *K. 

hnasqjaim] ^v fehlt it vg (D*); qfl. L 7,25. Ubrigens ist der Dativ- 
Instrum. M wasjan echt gotisch, vgl EB. 256 Anm. 3. 



Matthaeus X, 87-42. XI, 1-13. 277 

37 saei frijol) attan aippau aipein nfar mik, nist meina wairps; jab 
saei frijo]) sunu aippau dauhtar ufar mik, nist meina wairps. 88 jah 
eaei ni nimi|> galgan seinana jah Jaistjai afar mis, nist meina wairps. 
89 saei bigiti|) eaiwala seina, fraqisteij) izai; jah saei fraqisteif> 
saiwalai seinai in meina, bigitij) |>o. 40 ea andnimands izwis mik 
andnimi|), jah ea mik andnimands andnimij) ana sandjandan mik. 
41 sa andnimands praufetu in namin praufetaus mizdon praufetis 
nimi|>, jah sa andnimands garaihtana in namin garaihtis mizdon 
garaihtis nimi|>. 42 jah saei gadragkeip ainana pize minnistane 
stikla kaldis matins |>atainei in namin siponeie, amen qi|)a izwis, ei 
ni fraqisteij) mizdon seinai. 

XI. 

1 Jah warp, biJ>B unfullida Jesus anabiudands |>aim twalif si- 
ponjara semaim, ushof sik jainpro du laisjan jah merjan and bauigs 
ize. 2 i{> Johannes gahaunjands in karkarai \\aurstwa Xristaus, in- 
pandjands bi siponjam seinaim qti|) da inima: 3 |>u is pn qimanda 
I>au an|)arlSb beidaima? 4 jah andhafjands lesus qa|) du im: 
paggandans gatcihi|) lohanne J)atei gahanseil) jah gasaibip 5 bhndai 
ussuihmnd, jah haltai ^aggand, |)rutsfillai hrainjai wairj)and, jah 
baudtii gahausjand, jah dauj)ai urreisand, jah unledai wailamerjanda* 
6 jah audags ist bazuh saei ni gamarzjada in mis. 7 at Jjaim J)an 
afgasrgandana, dugann lesus qij)an J)aim manageim bi lohannen: h)a 
usiddjedu|> ana au]>ida saitoan? raus fram winda wagidata? 8 akei 
h?a usiddjedu^ saitoan? mannan hnaeqjaim wastjom gawasidana? 
eai t faiei hnasqjaim wasidai sind, in gardim |>iadane sind. 9 akei 
h?a usiddjedup eaiban? pranfetn? jai, qif)a izwis: jah managizo 
praufetau. 10 sa ist auk bi J>anei gameli]) ist: sai, ik insandja 
aggilu meinana faura |ms, saei gamanweij) wig Jeinana faura J)us. 
11 amen, qi|>a izwis: ni urrais in baurim qinono maiza lohanne 
Jamma daupjandin; ij) sa minniza in |)iudangardjai himine maiza 
imma ist. 12 framub fan |>aim dagam Johannis |>is daupjandins 
tind hita |>iudangardi himine ananoahtjada, jah anamahtjandans fra- 
wilwand |>o. 13 allai auk praufeteis jah wito|) und lohanne faura- 



XI, 2. Xristaus] xaus CA, rgl. EB. 18 Anm. 3. 3. |>u] aus 
|>u -f- u (FragepartikeT) entstanden, vgl W. Schulze KZ. 40,565. 
10. meinana] meinna CA. 



X, 42, minnistane] Superlativ wie it (D) vg. watins] Zusatz nach 
Me 9,41, vgl it pier. (D) vg. ei] Zusatz, vgl auch Me 0,41. XI, 8. 



878 Matthaeus XI, 14-25. XXV, 3843. 

14 xal ct 8^\T be*Eac9ai, aut6c e*criv 'HXiac 6 (idXXujv gpxecOai. 15 6 
*xu)v uJTa dKOueiv dKoue*TU). 16 T(VI b 6jnoidbcu) T?|V -fevedv TOUTTIV; 
6|uo{a dcrlv mxibtoic Ka0rm^voic e*v dyopaic xai irpoccpiuvoOav TOIC ere*- 
poic 17 Kai XdTOuav * rjuXrjcayev UJLIIV Kai OUK dipx^cacOe e'Opnvrjcanev 
Kai OUK e'K6i|;ac9. 18 r|X9ev Tdp 'lujdwrjc nrjTe ce(wv |mr|Te irlviuv, Kai 
X^YOUCIV baiji6viov ^x ei - 19 f|X6ev 6 uldc TOO dv0pd)Tiou ^c9iiwv xai 
irivuuv, Kai Xdyouav iboii avOpuuiroc (pdyoc Kai oivoTr6iT|c, TeXuuvi&v 
<p(Xoc xai a|uapTtuXi&v. Kai ^biKauJjOn fj co<p(a dird xOuv T^KVUJV aOrfjc. 
20 rdT fipHaro dveibiJleiv rdc ir6\ic ^v ak ^vovro al TiXeicrai buvd- 
jjicic aOToO, 8-n oi juereviricav. 21 oOai coi XopaEciv, oOal coi 
BnOcalbdv 5n tl iv Tupuj Kai CibOuvi ^VOVTO al buvdjueic al Y V{ ^- 
imevai iv djuiv, TrdXai dv v cdKKiu Kai cuob^ |neTv6ncav. 22 irX^v 
X^YIW Ojiiv, TOptfi Kai Cibuw dvKT6tepov ^CTQI ^v fm^pa Kpicewc f^ 
ii|Liiv. 23 Kai cti KaTtpvao6|i, ^ ^UJG roO oCipavoO iiipujeeica, ?tuc ^bou 
KaTaprjqj. 6ri el dv Cob6jnoic ey^vovro al buvd|ieic al Yv6jivai v coi, 
?|iiivav av H^XP 1 ^c crjfiepov. 24 irXr^v X^TUI Ojniv 6-n Tft Cob6jiiujv 
dvKT6rpov Serai ^v fmdpa Kpiceiwc f| coi. 25 v ^Keivip T^ raipiij 
ditOKpiGetc. . . 

XXV. 

38 Tr6T b^ ce e!bo|Liev E^vov Kai cuvr^YdTOHev; ?\ fu^vdv Kai 
TTCpiepdXofiev, 39 116x6 bd ce eibojiev dcOevfi f^ ^v (puXaidj Kai f|X9o|Li6v 
irpoc ce; 40 Kai dTroKpiOeic 6 paciXeOc epei aOroic- djir^v 
eV ocov ^iroi^care evi ToOruiv TUJV dbeXqpi&v JLIOU TIUV 
e>o! ^TToirjcare. 41 T(5re ^pei Kai TOIC & eCjuuvO^iuv * iropeuecGe die* 
e>oO, ol Karnpa^voi, eic TO irOp Td aldbviov Td fiToi|iiac|ue'vov TU) bia- 
^6X41 Kai TOIC dTY&oic atiToO. 42 ^iretvaca Y&p Kai O^K 
cpareiv, ^bi^ca Kai OUK ^iroTicaT^ |ue, 43 H^voc f\\xr\v Kai oO 

jiie, tTJ^vdc Kai oO TrepiepdXeT^ (ue, dceevi^c Kai e"v qpuXaKfj Kai OUK 



XI, 14. 'HXfacJ *K *l, 'HXeiac wohl *H (-ei- stets B, haufig SinD, 
vereinzeU LA). 16. KaOr^voic ^v] Chr. SinBGDLMZA it vg, dyopaic 
KaGn^voic *K. TOIC eTdpoicJ SinBDZ it vg (invicem; in, ad invicem 
abcg j q ad alterutrum f), TOIC eTafpoic (cT^poic) auTdiv *K. 17. d6pn- 
v^ca^v] SinBDZ, cfff^^kl vg (Chr.), (?6pnv. u|aiv *K; vgl L 7,32. 
21. Cibaivi] Ceibujvi B*A. 23. KairepvaoO|bi] *K, Kaqpapvaouim 
SinBD it (el Capernaum) vg. KaTapncq] BD it vg, KaTapipacerjcq 
*K. XXV, 40. evi TOUTUUV TWV dbeXcpt&v jnou TI>V dXaxicTtuv] *K, nach 
Bernhardt findct sich in (jungcrri) gr. Hss. auch: evi TOUTUJV TUJV 
e'XaxicTUJV dbeXcpujv ^iou. Vgl M 10,4:2. 18,6 L 17,2 : ^va TU)V 
TOUTUJV; ahnlich M 18,10.14. 



Matthaeus XI, 14-25. XXV, 8843, 379 

qeun; 14 jab jabai wildedei]) mijniraan, sa 1st Helias, saei skulda 
qiman. 15 saei habai ausona hausjandona, 0ahausja*. 16 fee nu 
gakiko pata kuw? Galeik ist barnam sitandam in garunsim jah 
wopjand&m anar anpara, 17 jdh qifand&m: swiglodedum izwt's jah 
ni plinsidedu]); hufwm jah ni qainodeduj). 18 qam raihtis lohannw 
nib WMrtjands nih drigkands jah gi'fand: unhulpon habaif. 19 qam 
sa sunus mans matjands jah drigkands jah qifand: sai, manna afetja 
jah aftfrt/^kja, motarje frijonds jah frawaurhtaize. jah uawaurhta 
padomida war]) bandugei fram barnam seinaim. 20 Jmnuh dugann 
idweitjan baurgim, in Jaimei waur|)an |>os managistons mahteis is, 
fatei ni idreigodedun sik. 21 wai fus Kaurazein, wai /us Be|>ai- 
dan\ unte ip jaur|)eina in Twre jah Seidone landa msihteis fos 
?oatr|)anon8 in izwis, airis /au in sakkau jah azgon t^m^rodedeina. 
22 swejanh qifaizwie: Twrim jah Seidonim sutizo wairfcifa in daga 
stauos fau isnois. 23 jah |>u Kafjirnaww, fu und himin nshanhida, 
dalaf und halja, galeifis: unte jalai in (S'uudaumjam waurpeina mah- 
teis J)os waurf>anons in izwis, ai|)J)au eis weseina und hina dag. 
24 8wef>auh qi|)a izwis Jatei airj)ai Saudaumje sutizo wair|)i|) in 
claga stauos |>au |)us. 25 inuh jainamma mela tanMi&fjands .... 

XXV. 

38 kanuh fan fuJc scJmtm gast jah galafodedum ? aifpau naqa- 
d ana jah wasidedwn? 39 kanuh fan fuk sehum siukana aippau in 
Icarkarai jah atiddjedum du fus? 40 jah andhafjands sa fiudans 
qlfif du im: amen, qifa iztvis: jah fanei tawideduf ainamma fize 
minnistane Irofre meinaize, mis tawideduf. 41 fanuli qifif jah faim 
af hleidumein ferai: gaggif fairra mis, jus fraqifanans, in fon fata 
aiweino, fata manundo unhulfin jah aggilum is. 42 unte gredags was 
jan-ni gebuf mis matjan; affaursifs was jan-ni dragJctdeduf mik; 
43 gasts <?/as> jan-ni galafodeduf mik\ naqafs jan-ni 



XI, 1523. Ein TeU des Ulatles fehlt. Die Ergiinzungen in 
Kursivdruck nach L 7,31ff. 10,13ff. 16. garunsim] Vcrnhardt, ga- 
runsai Uppstrbm. anjar anj)an] Uppstrom Bernhardt 1884 (vgl. 
L 7>32\ anfar anfarawa Bernhardt 1875 Heyne. 21. 'drapodedeina] 
u erwarten ware ga-idr., wie L 10,13 steht, doch reicht die Litcke 
nicht aus. XI, 25- XXVII, 70: Lucke in CA. XXV, 38 bis 
XXVIE, 1 : C (kursive Schriffy XXV, 4 5. galapo&eduf . . . wasidt- 
du|>] C: ode und du|) durch ein Loch zerstort Br. 



XI, 23. in izwis] nach V. 21. 



280 Matthaeus XXV, 4446. XXVI. XXVII, I. 



44 r6r diroKpiG/icovrai Kal a(jroi X^YOVTEC' xupie, 
irdre ce ctbojucv ireivtDvra f\ bnj/iuvTa f| e"vov f| tv^vdv f| dcGevfi ?\ iv 
(puXaxfJ xal oO birjKoWjcane'v coi; 45 TOTC diroKpiG^ceTai aOroic Xe*tu)v* 
d^v Xerw fytiv, e"q>' 6cov O{JK dnoirjcaTC evi Tofrruuv TUJV Xaxierujv r 
oOb e^ol e*iroiif|caT. 46 icai direXeOcovrai OUTOI etc K6Xaav aiuwov, ol 
b<- bixaioi etc urf|V aidbviov. 

XXVI. 

1 Kal ftvTO g T ^ T ^\ecv 6 'liqcoOc itdvTac roOc X6youc TOUTOUC, 
iirev TOIC jLia0riTaic aiiToO 2 otbaTe 6n jneTd bOo f|jm^pac TO raxcxa 
f(v6Tai, Kal 6 ut6c TOO dvGpdiirou irapabibojai eic TO cTaupu)6f|vau 
3 TdTe ... 65 ... xpeiav ^xo^v ^apTupujv; Tbe vOv fjKoOcaTe Tfjv 
pXacqpr||a{av aC)ToO. 66 TI O^iv boKei; ol bd diroKpiG^vTec eltrov * 
OavdTou crtv. 67 T6T ^v^iiTDcav eic T6 irpocanrov auToO Kal 
<picav a^Tdv, ol bd ^ppdmcav 68 X^fovrec * Trpoqp^Teucov fmiv, Xpicr f 
Tk dcTiv 6 itaicac ce; 69 6 b TT^Tpoc uj ^Kd0r]TO ^v T^ aOX^ Kal 
irpocf^XGev aurCu fiia iraibicKT] X^TO^ca- Kal cO f|c6a jJieTd 'Ir^coO TOI> 
PaXiXaiou. 70 6 b fjpvr|caTO ^jiirpocOev aiiToiv iravTiuv X^TIWV * oCiK 
olba T( X^fic. 71 ^X06vra bi auTdv etc T6v iruXiuva, elbev auTov 
aAXn Kal X^Ti TOIC &cei- Kal OUTOC rjv jneTct 3 lr]coO TOO NaZiiupaiou. 
72 Kal irdXiv fjpvrjcaTO j^eG 1 6pKOU 8-n otix olba Tdv avGpuDirov. 73 jucTd 
jitKp6v bd itpoceXGovrec ol cnrrec clirov TW TCTpiu * dXnGaic Kal cu 
it a^Toiv el, Kal yap f] XaXid cou bf|X6v ce iroiei. 74 TdTe 
Kal djavueiv STI OUK oiba T6v avGpujitov Kal 
^cpibvricev. 75 Kal e>vr|cGri 6 H^Tpoc TOO ^jaaTO 

iJ), STI irplv dX^KTOpa 9iwvf\cai Tplc duapvncri |ie * Kal 
SKXaucev iriKpOuc. 



xx vn. 

1 TTpwtac b T^VO^VTIC cujnpo{jXiov ^Xa^ov uavrec ol dpxiepeic Kal 
oi irpecpurcpoi TOO XaoO KaTd ToO S lr|co0, d&cre GavaTiiicai a()T6v. 



XXVI,71. TOIC e*Ki] E^GSTT* it pler.vg, a^Toic <?Kei E*FHUVn 2 . 
XXVII,!. iDcTe GavaTt&cai] *K (Srriuc GavaTtucai S), iva GavaTibcouciv D. 



g, m bis auf den SchluiSstrich zersturt Br. 2.do<ya??^] dagds G Br. 
G: aska durch ein Loch zerstOrt Br. 71. jas-sa] G, vgl. EB. 
26. 73. Paitrau] du Paitrau C, mit nachtrdglich getilgtem du. 
75. sinfam] G, mit Abkttrzung fttr m Br. XXVH, 1. maur\gin] G: 
tir am ZeilenschluC ligiert Br. Die Schrift der 4 Seiten iat sehr 
verachieden von jener der tibrigen HSR., ist jedoch sehr klar Br. 

XXV, 45. awatnma pize leitilane) zum Positiv vql. M 10,43. 18,6 
(L 17)\ Eva TUIV juiKpuJv ToOtwv. Ahrilich auch M 18,10.14. 



Matthaeus XXV, 44-46. XXVL XXVH, 1. 281 

mifc; siuks jah in IcarJcarai jan-ni gaweisodeduf meina. 44 fanuh 
andhafjand jah fat qifandansi frauja, ban fuk sebum gredagana 
aiffau affaursidana niffau gast aiffau, naqadana aiffau siukana 
aiffau in karkarai jan-ni andbahtidedetma fus? 45 panuh andhafjif 
im qifands: amen, gipa izwis, jah fanei ni tawideduf ainamma fize 
letiilane, mis ni tawideduf. 46 jah galeifandfai in balwein aiweinon, 
if fai garaihtans in libain aiweinon. 

XXVI. 

1 Jah tcarf, bife ustauh lesus atta fo waurda, 'qaf siponjam 
seinaim: 2 tcituf fatei afar twans dagans paeka wairfip, jas-sa sunus 

mans a^ibarZa du itshramjan. 3 fanuh 65 .... faurlum weit- 

wode? sat, nu gdhausideduf po wajamerein is. 66 lea izwis fugJceif? 
if eis andhafjavdans qefun: skula daufaus ist. 67 fanuh spiwun ana 
andawltizn is jah Icaupastedun ina\ sumaiffan lofam slohttn 68 qi- 
fandans: praufetei unsis, Xristu, has ist sa sJahands fuk? 69 if 
Paitrus uta sat ana rohsnai, jah duatidaja imma aina fiwi qifandei 
jah fu icast mif lesua famvna Galeilaiau. 70 if is laur/nida faura 
paim allaim qifands: ni wait 

toa qijis. 71 nsjraggandan |>an loa qifis. 71 usgaqgandan fan 
ina in danr, pasalu ina anpara ina in daur, gasdh ina awfara 
jah qa]> du |)aim jainar: jah sa jah qaf du faim jainar: jas-sa 
was mij) lesua pamroa Nazoraiau. was mif lesua pamma Nazoraiau. 
72 jah aftra afaiaik mij> ai^a 72 jah aftra laugnida mif aipa 
swarands |)atei ni kann |>ana stcarands fatei ni Icann fana 
mannan. 73 afar leitil J)an at- mannan. 73 afar leitil fan at- 
paggatidans |>ai etandandans qe- gaggandans fai stand<^and^>ans 
|)un Paitrau: bi sunjai, jah {>u. qepun Paitrau: bi sunjai, jah fu 
|)ize is; jah auk razda |>eina fize is; jah auk razda peina 
bandweij) |)uk. 74 |>anuh dugann bandweif fuk. 74 fanuh dugann 
afdomjan jah swaran |>atei ni afdomjan jah swaran fatei ni 
kann >ana mannan. jah suns kann fana mannan. jah suns 
hana hrukida. 75 jah gamunda hana hrulcida. 75 jah fjamunda 
Paitrus waurdis lenuis qipanis Paitrus waurdis lesuis qifanis 
du sis: |>atei faur hanins hruk du sis: fatei faur hanins hruk 
prim sinpam afaikis mik. jah frim sirtfam imcidis inik. jah 
uegaggands ut gaigrot baitraba. usgaggands ut gaigrot battraba. 

xxvn, 

1 At maurgin J)an waurpa- 1 At maurgin pan waurfa- 

nana, runa nemun allai gudjans nana garuni nemun allai fai 
jah fai gudjans jah fai .... 

XXV,44. andhafjand] andhafjad G Br. sehum] C, mit AbkOrzung 
fur m Br. aippau*] a zersttfrt Br. 45. tawide \ duf] G: de klein nm 
Zeilenechlufi Br. 46. libain] libai C Br. XXVI, 1. stmaim] C: 



383 Matthaeus XXVII, 2-46. 



2 xal bifcavrec aOrdv dirrJTCtYOv xal irape'bujxav adrdv TToYrliu TTeiXdrtu 
3 r6T tbibv 'loubac 6 irapabibodc afcrdv 6ri xatexpieii, 
dTre'crpeipev rd TpidKOvra dpytipia TOIC dpxicpeOa xal TOIC 
irpecpurepoic 4 Xerunr f^apiov irapaboOc atjia d9$ov. ol b ctaov 
TI Trpoc fjjudc; cu 6>fl. 5 xal frVac rd dpyupia e*v Tty vaty dvexibpn<*v, 
xai direX0ujv dirriyHaro. 6 oi b dpxtepeic Xap6vrec xd dpyOpia clirov 
o{jx ?Hcnv paXeiv aixd cic TOY xoppovfiv, iitei TIJU^J al'inardc 
7 cujLipotiXiov bd Xap6vTC f)T6pacav ^H a&Tiuv rdv d^p6v TOO 
clc ra^i^v TOIC E^voic. 8 bid xXr)6r] 6 dTp^c ^xeivoc dypoc 
Hujc Tf^c cfmepov. 9 T6re in\r\p(bQr\ Td f>n e ^ v &u * e 'pe|uiou roO irpo- 
q>rjrou Xfovroc xal l\a$ov rd Tptdxovra dpr^pia, T^V TI|LI^V roO TETI- 
juriiLi^vou, 8v ^njnr|cavTO dir6 uli&v McpaVjX, 10 xal ^buuxav aura etc 
Tdv dyp^v roO Kcpa^uuc, xard cuv^raH^v jnoi xupioc 11 6 b 'Ir^coOc 
lcrr\ IjbnrpocOev TOO ^jyju6voc * xal ^nrjpiimicev aurdv 6 ^M^v X^yuuv 
cu el 6 paaXeuc Tifiv 'loubaftuv; 6 be 'IrjcoOc Scprj aurtji* cO Xeyeic 
12 xal v Tif) xaTriYOpekeai aurdv uird TUJV dpxiep^uuv xai irpecpu- 
T^puuv o()bev dircxpivaTO. 13 r6T X^yei a^Tifi 6 TTeiXfiToc * ovix dxoOcic 
iroca cou xarajLiapTUpoOciv; 14 xal ofrx direxpiGri a(>Ti[) irpdc oOb^ ?v 
djcre OaujadEeiv T6v fiyejudva Xiav. 15 xard bd ^opTV|v eidbBet 6 
be*c|uiov 8v fjGeXov. 16 clxov b 
apappfiv. 17 cuvr]TM^viuv oOv 

iirev aOrok 6 TTeiXflToc * riva e^Xere diroXuccu Ojiiiv, Bapappdv 
Tdv Xe^jnevov Xpicriv; 18 $bei ydp 8n bid 966 vov Trape'buuxav aiT6v. 
19 xa0rm^vou be a6roO ^irl roO pruuaroc d-rr^creiXev irpdc a{;r6v f| T^vf) 
auroO X^youca jiribev coi xal Tip bixahu dxeivui . . , 42 ... 'lcpar|X 
^CTIV, xarapdru) vOv dird TOO craupoO, xal mcreucojiiev eV atrrtb. 
43 ir^iroi9ev ^iri TOY Oe6v f f>ucdc9w vOv aOrdv, ei e^Xei o6r6v etTiev 
fdp 8n GcoO cijui ui6c 44 rd b' aurd xal oi Xgcral ol cucraupiu9^vTec 
autCfj tbvefbiCov aOrtfv. 45 dtrd b^ ^XTT^C dipac tftvem cx6roc ^iri 
rrdcav TT|V fn v ^ wc ^pac dvdTric. 46 irepi b^ rf|v ^YdTT^v dipav dve- 
p6ricev 6 'IricoOc (puwfl ^etdXi^ X^TUIV f|Xel f)Xei Xi^id capaxSavi; ToOr' 



XXVH, 2. neiXdriv], -ei- stets B, sefer Aau^ D, Mufig A ud Sin, 
. t . *K. 6. xoppovdv] E Chr. vg, xoppavdv *K. 12. xal irpecpurd- 
ptuv] SinB*U" Chr., x. TIJUV irp. *K. 42. mcTeucojaev] GSU\TT, mcreO- 
cu)|nev EPH. dir' aOrCp] *K, auriD AD it vg. 45. e^vero cx6roc] 
UFA, cx6roc ^ *K. - 46. r\\&] 1\- EF w^., Heli abdfff^ 1 ^ 
-Xi *K, -Xei ED, *H *l. capaxGovi] *K, -vei *H *l. sibacthani q, 



Einschielung handelt, leweist der Modusunterschied zwischen gasai- 
loaima wnd galaubjam. 46. bi toeila niundon] SteUung wie F.45. 



Matthaeus XXVn,2-46. 283 

sinistans manageins bi lesu, ei afdaupidedeina ina. 2 jah gabindan- 
dans iua gatauhun jah anafulhun ina Pauntiau Peilatau kindina. 
3 panuh gasaibands ludas sa galewjands ina patei du stauai gatau- 
hans war|), idreigonds gawandida pans |)rin8 tiguns siiubrinaize 
gudjam jah sinistam 4 qipands: frawaurhta mis galewjands blop 
nwikn. ip eis qepun: ba kara unsis? pu witeis. 5 jah atwairpands 
paim silubram in alh aflaip, jah galeipands ushaihah sik. 6 i|> pai 
gudjans nimandans pans skattans qepun: ni skuld 1st lagjan |>ans 
in kaurbaunan, unto andawairpi blopis ist. 7 garuni |>an nimandans 
usbauhtedun us Jaim pana akr kasjins, du usfilhan ana gastim. 
8 duppe haitans war|) akrs jains akrs blojris und hina dag. 9 pa- 
nnh usfullnoda fata qipano J)airh lairaimian praufetu qi|)andan: 
jah usnemun |)rins tiguns silubreioaize andawairpi |>is wairpodins, 
patei garahnidedun fram sunum Israelis, 10 jah atgebun ins und 
akra kasjins, swaswe anabau|> mis frauja. 11 i|> lesus stof) faura 
kindina, jah frah ina sa kindins qipands: |)u is |)iudans ludaie ? i|) 
lesus qa|) du imma: |)u qij)is. 12 jah impjmnei wrohijs was fram 
|>aim gudjam jah simstam, ni waiht andhof. 13 J)anuh qa|) du imma 
Peilatus: niu hauseis hsaii filu ana puk weitwodjand? 14 jah ni 
andhof imma wi|)ra ni ainhun waurde, B\vaswe sildaleikida sa kin- 
dins filu. 15 and dul|) |)an hsarjoh biuhts was sa kindins fraletan 
ainana |)izai managein bandjan, panei -wildedun. 16 habaidedunuh 
|)an bandjan gatarhidana <haitanana> Barabban. 17 gaqumanaim 
pan im, qap im Peilatus: bana wilei|) ei fraletau izwis? Barabban 
|>au lesu, saei haitada Xristus? 18 wissa auk patei in neipis atge- 
bun ina. 19 sitandin pan imma ana stauastola, insandida du imma 
qens is qipandei: ni waiht pus jah pamma garaihtin . . . . 42 ....Is- 
raelis ist, atsteigadau nu af pammu galgin [ei gasaitoaima] jah ga- 
laubjain imma. 43 trauaida du guda; lausjadau nu ina, jabai wili 
ina; qap auk patei gudis im sunus. 44 patuh samo jah pai wai- 
dedjans pai mipushramidans imma idweitidedun imma. 45 fram 
saihston pan beilai warp riqis ufar allai airpai und beila mundon. 
46 ip pan bi beila niundon ufhropida lesus stibnai mikilai qipands: 
helei, helei, lima sibakpani, patei ist: gup meins, gup meins, dube 

XXVII, 3. silubrinaizej EB. 27 F. 5. silubram] CA, silu- 
breinaiin HZ. 48,162. 6. kaurbaunan] ZZ. 30,181, kaurbanaun CA. 

andawairpi] andwairpi CA. 9. prins] CA, pans prins HZ. 48,161. 

15. barjoh] barjanoh CA. 



XXVH, 9. patei] auf andawairpi bezogen nach Zach. 11,13', vgl. 
bfff'g 1 : pretium adpretiati quod. 17. ei] vgl. J 18,39. 42. ei 
gasaibaima] Zusatz nach Me 15,32. DaQ es sick um eine jungere 



284 Matthaeua XXVH, 4766. 

lew 6et nou, 9e^ you, ivari ye e'fKaTe'Xnrec; 47 Tivec be TiDv e*Ki 
ecTiiiTuiv dKodcavrec HXeYOv 6n *HX(av qpiuvei OUTOC. 48 Kal ed6diyc 
bpafiiibv etc e" aOjuiv Kal Xa{Ju>v cmS-prov irXrjcac re 6ouc Kal irepiOelc 
KaXdjuiy e*ir6TiZev aOT6v. 49 ol b Xoiiroi SXetov * acpec ibiunev el 
'HXtac cibauv afrr6v. 50 6 bfc IrjcoOc irdXiv KpdHac qpuuvQ 
Aqpf^KCv r6 irveOjma. 51 xal ibou Td KaraTrdTacjua ToO vooO ^cx(c0r] etc 
buo Ait6 ftviuOev uic xdruu, xai ^ yf| dce(c9n, xal al tt^rpai 
52 Kal rd juviuneia dveipx^rjcav xal iroXXd cii)|uaTa TI&V 
irriwv fiT^P^n- 53 xai ^eX06vrc ^K TOIV nvrmefuw jaerd rt\v 
aOToO ekfjXGov eic rr)V dyiav iroXw xai ^V9av{c9r)cav iroXXoic. 54 6 
be eKar6vTapxoc xai oi jieT* aOToO nqpoOvrec Tdv 'liqcoOv, (b6vtC rdv 
ceiciaov Kal Td fev6fieva e > qpo(5i f i0ricav C96bpa, Xe'tovrec dX^9ii)c 0eoO 
ut6c ^CTIV oOroc. 55 fjcav bd ^Kel fuvaiKec uoXXai d-rco juaKp60ev 0tu- 
poOcat, amvec f]KoXo09ricav T3) 'IricoO dir6 rr\c TaXiXaiac btaxovoOcai 
afaty ' 56 e'v ate ?\v Map(a f) McrfbaXriWi, Kal Mapfa f\ TOO 'laKibpou 
Kat 5 luucf| juw'iTrip, Kal fj ^TTIP TLUV ulaiv Zepebaiou. 57 6\y(ac b^ Y VO * 
|jidvr)C f|X9ev av9pujiroc irXouaoc dird 3 Apijaa9aiac, rouvojia 'liuc^cp, 8c 
Kal aC)T6c eVa9r|Tucev TCp 'Iricou 58 OUTOC upoceXGiJjv TI!J TTeiXaTiu 
O ctiipia TOO 'IricoO. T6T6 6 TTeiXdToc ^K^Xeucev dTiobo0fjvat TO 
59 Kal Xapibv T6 cii>|aa 6 'luucnqp dve-rtXiHev a\)i6 avbovi Ka9apql, 

60 Kal S9r)Kev ainrd ^v TIJJ Kaivil) aOToO nvrmeiiy, 8 ^XarojiiTicev ^v TQ 
ire'Tpa, Kal irpocKuXicac X(9ov ju^yav if) 9upa TOU juvrmeiou dTrf^X0ev. 

61 f|v be ^KCI Mapfa fj MaYbaXriWi Kal f] aXXri Mapia, Ka9ijuevai dir^- 
vavn ToO Tacpou. 62 Tfj bi ^traupiov, fVnc ^CT 

ci)vrix9r|cav ol dpxiepek Kal ol 0apicaioi Trp6c TTeiXflTOv 63 

Kijpie , ^nv^c9r|jiev 8-n e^eivoc 6 nXdvoc emev ^TI Eu>v jneTd Tpeic 

f||n^pac dYeipo^iau 64 K^Xeucov oOv dcqpaXic6f|vai TOY Tdcpov ^UDC Tfjc 

Tp(Tr|c fjjue'pac, jLi/|TroTe ^X96vrec ol |aa9r]Tai aCrroO 

emwav Tip Xaty* fiT^P^H a<ITO TvSv veKptuv, Kal ^CTai f] c%dTr\ 

Tf^c irpdjTiqc. 65 gcprj aOrolc 6 TTeiXdToc * ex eT6 KoucTuubiav 

dccpaXicac0e ibc otbaTe. 66 ol b^ iropei^vrec 
Tdv Td^ov ccppaficavrec T6v. . . . 



XXVII, 47. 'HXiav] *K, e HXeiav Rez. *H. 48. uXricac Te] T^ 
fehlt D. 49. cibcuuv] *K, liberaw flPg 1 vg; ci&cai fein* liberate fg 2 . 
54. telv] G fg 1 , sonst fjv. 64. KXdviwciv a^T6v] EHVTT Chr. it 
vg, vuKT6c KX. aOT. PGU, a(T6v vuKT6c S. 65. ^9^] EFGH it vg, 
lq>r\ bi SUVH. 



Matthaecs XXVII, 47-66. 285 

mis bilaist? 47 ip sumai pize jainar standandane gahausjandans 
qe|)un patei Helian wopeip a. 48 jah suns pragida ains us im jab 
nam swamm fulljands aketis, jah lagjands ana raas draggkida ina. 

49 ip pai anparai qepun: let, ei saitoam, qimaiu Helias naajan ina. 

50 ip lesus aftra hropjands stibnai mikilai aflailot ahman. 51 jah 
pan faurhah alha diskritnoda in twa, iupapro und dalaf), jah air|)a 
inreiraida, jah stainos disskritnodedun, 52 jah hlaiwasnos usluk- 
nodedun, jah managa leika J)ize ligandane weibaize urrisun. 53 jah 
usgaggandans us hlaiwaenoni afar urrist is innatgaggandans in po 
weihon baurg jah ataugidedun sik managaim. 54 ip hundafa|>s jah 
]>ai mip imma. witandans lesua, gasaitoandans po reiron jah po 
waurpanona, ohtcdun abraba, qi|>andans: bi sunjai gudis eunus ist 
ea, 55 wesunuh |>an jainar qinons manages fairrapro saibandeins, 
Jozei laistidedun afar lesua iram Galeilaia, andbahtjandeina imma, 
56 in |)aimei was Marja BO Magdalene, jah Marja so lakobis jah 
losezis ai|)ei, jah aifei suniwe Zaibaidaiaus. 57 ij> |>an sei|>u warj), 
qam manna gabigs af Areimafaias J)izuh namo losef, saei jah silba 
siponida lesua. 58 sah atgaggands du Peilatau baft f)is leikis lesuis. 
Januh Peilatus uslaubida giban |>ata leik. 59 jah nimande ftata leik 
losef biwand ita sabana hrainjamma 60 jah galagida ita in niu- 
jamma seinamma hlaiwa |)atei ushuloda ana staina jah faurwalw- 
jands staina mikilamma daurons |>is hlaiwis galaij). 61 wasnh pan 
jainar Marja Magdalene jah so anpara Marja sitandeins andwairjbis 
J)amma hlaiwa. 62 iftumin pan daga, saei ist afar paraskaiwein, 
gaqemun auhumistans gudjans jah Fareisalcis du Peilatau 63 qi- 
pandans: frauja, gamundedum patei jains airzjands qap nauh libands: 
afar prine dagans urreisa. 64 hait nu witan pamma hlaiwa und 
pana pridjan dag, ibai ufto qimandans pai siponjos is binimaina 
imma jah qipaina du managein: urrais us daupaim, jah ist so spei- 
dizei airzipa wairsizei pizai frumein. 65 qap im Peilatus: habaip 
ward jans, gaggip witaiduh swaswe kunnup. 66 ip ois gaggandans 
palukun pata hlaiw, faursigljandans pana .... 

XXVII, 56. losezis] Mafimann und Berrihardt naeh L 3,29 Me 
15,40.47, losez GA Heyne. 68. frauja] nicht atyekurzt GA. 
64. pridjan] pridjin CA. speidizei] GA /tir spedizei. 66. Nach 
pana grofte Jjucke in GA. 

XXVII, 49. nasjan] gnech. cdbcuv. Der Infinitiv an Stelle des 
Partieips ist durchaus dem got. Sprachgelraueh gemuti, vgl, L 18,35 
und wahrscheinlich auck L 19,48, ferner Me 10,40. 65, wardjana] 
vgl 'custodei abcfff 2 g ! q (cpuXaxac D). 



A n h a n g. 



Die Nachricht Busbecks iiber das Krimgotische. 

(L6we, Reste der Germanen, S. 127ff.) 

Non possum hoc loco praeterne, quae de gente accepi, qnae 
etiamnum incolit Tauricam Chersonesum, quam saepe audiveram 
sermone, manbus, ore denique ipso et corporis habitu, originem 
Germanicam referre. Itaque me dm cupiditas tenuit videndi ah 
ea gente aliquem, et si fieri posset inde eruendi aliquid quod ea 
lingua scriptum esset, sed hoc consequi non potui. Casus tamen 
utcunque desideiio meo satisfecit. Cum essent duo hue illmc dele- 
gati, qui nescio quas querelas nomine eius gentis ad principem 
deferrent, meique mteri)retes in eos incidissent, memores quid eis 
mandassem si id usu veniret, ad prandium illos ad me adduxerunt. 
Alter erat procerior, toto ore ingenuam quandam simphcitatem prae- 
lerens, ut Flander videretur aut Batavus: alter erat brevior, com- 
pactiore corpore, colore fusco, ortu et sermone Graecus, sed qui 
frequenti commercio non contemnendum eius linguae usum haberet, 
nam superior vicinitate, et frequenti Graecorum consuetudine sic 
eoruni sermonem imbiberat, ut popularis sui esset obhtus, interro- 
gatus de natura et moribus illoruin populorum, congruentia re&pon- 
debat. Aiebat gentem esse bellicosam, quae complures pagos hodieque 
incoleret, ex quibus Tartarorum regulus, cum expediret, octingentos 
pedites sclopetarios scriberet, praecipuum suarum copiarum h'rraa- 
mentum: primarias eorum urbes, alteram Mancup vocari, alteram 
Sciuarin. Ad haec multa de Tartans eorumque barbaric : m quibus 
tamen singular! sapientia non paucos reperin memorabat. Nam de 
rebus gravissimis interrogatos, breviter atque apposite respondere. 
Ea de caussa non temere dictitare Turcas, reliquas quidem nationes 
scriptam in libris habere sapientiam, Tartaros libros suos devo- 
rasse, ideo in pectoribus earn habere reconditam, quam promat cum 
opus sit, et veluti divina randant oracula. Eosdem esse perquam 
immundis moribus : si iurulentum aliquid apponatur in rnensa, nulla 



Die Nachricht Busbecks tiber das Erimgotische. 287 

requirere cocleaiia, sed ius vola manus haurire. Enectorum equo- 
rum carnem devorare, nullo foco admotam, offas tantum sub equestri 
sella explicare, quibus equino calore tepefactis tanquam opipare 
conditis vesci. Gentis reguluin e mensa argentea cibum capere, 
primum inferri ferculum caput equi, ut et postremum, queinad- 
modum apud nos primo novissimoque loco honos habetur butyro. 
Nunc adscnbam pauca vocabula de multis quae Germanica reddebat, 
nam baud minus multorum plane diversa a nostris erat forma: sive 
quod eius linguae natura id ferat, sive quod cum fugiebat memoria 
et peregrina cum vernaculis mutabat: omnibus vero dielionibus 
praeponebat articulum tho aut the. Nostratia aut parum differentia 
haec erant 

Broe. Panis. Tag. Dies. 

Plut. Sanguis. Oeghene. Oculi. 

Stul. Sedes. Bars. Barba. 

Hus, Domus. llanda. Manus. 

Wvngart. Vitis. Boga. Arcus. 

Eeghen. Pluvia. Miera. Foimica. 

Bruder. Frater. Rinck si^e. 

Schuuester. Soror. Ringo. Annul us. 

Alt. Senex. Brunna. Foiifc. 

Wintch. Ventus. Waghen. Gurrus. 

Stluir. Argeritum. Apd. Pomum. 

GoUz. Aurum. Schieten. Mittere sagiltam. 

Kor. Tnticuin. Schlipen. Dor mi re. 

Salt. Sal. Kommen. Venire. 

Fisct. Piscis. Singhen. Canere. 

Hoef. Gaput. Lachen. Ridere. 

Thurn. Port a. Enien. Flere. 

Stem. Stella. Geen. Ire. 

Sune. Sol. Breen. Assare. 

Mine. Luna. Schuualth. Mors. 

Knauen tag erat illi Bonus die?: Knauen bonum dicebat 
et pleraque alia cum nostra lingua non satis congruentia usur- 
pabat, ut 

leL Vita sive sanitas. Baar. Puer. 

leltscli. Vivus sive sanus. Ad. Lapis. 

Jel vburt. Sit sanum. Menus. Caro. 

Marsus. Nuptiae. Rintsch. Mons. 

Schuos. Sponsa. Fers. Vir. 

Sfatz. Terra. Lista. Parum. 

Ada. Ovum. SchediU. Lux. 

A no. Gallma. Borrotsch. Voluntas. 

Tdich. Stultus. Cadariou. Miles. 



288 Die Nachricht Busbecks tiber das Krimgotische. 

Slap. Gapra. Kilemschkop. Ebibe calicem. 

Gadeltha. Pulchrum. Tzo Warthata. Tu fecesti. 

Atochta.* Malum. Jett Varthata. Ille fecit. 

Wichtgata. Album. Ich malthata. Ego dico. 
Mycha. Ensis. 

Jussus ita numerabat. Ita, tna, tria, fyder, fyuf, sets, sevene, 
prorsus, ut nos Flandri. Nam vos Brabanti, qui vos Germanice 
loqui facitis, hie magnifice vos efferre, et nos soletis habero densui, 
ac si istam vocem pronuncieinus rancidius, quam vos Seuen effertis, 
Prosequebatur deinde Athe, nyne, thiine, thumta, thunetua, thune- 
tria etc. Viginti dicebat stega, triginta treithyen, quadraginta fur- 
deithien, centum sada, hazer mille. Quin etiam cantilenam eius 
linguae recitabat, cuius imtium erat huiusmodi: 

Wara wara ingdolou 
Sou te gira Galfzou 
Hoemisclep dorbisct ect. 

Hi Golhi an Saxones sint, non possum diiudicare. Si Saxones, 
arbitror eo deductos tempore Carol! magni, qui earn gentem per 
varias orbis terrarum regiones dissipavit. Cui rei testimonio sunt 
urbes Transilvaniae hodieque Saxonibus incolis habitatae. Atque 
ex iis ferocissimos foitasse longms etiam suinmoveri placuit m 
Tauncam usque Chersonesum, ubi quidem inter hostes religionem 
adhuc retinent Christianam. Quod si Gothi sunt, arbitror iam olim 
eas sibi sedes tenuisse Getis proximas. Nee erraturum fortasse, qui 
sentiat maiorem partem eius intervalli, quod est inter Gothiam m- 
sulam et Procopiam, quain hodie vocant, a Gothis aliquando inses- 
sam. Hmc diversa Gothorum, Westgothorum et Ostrogothorum 
noinina: hinc peragratus orbis victonis et seminarium ingens bar- 
bancae inultitudinis. Ilabes quae de Taurica Chersoneso ex liis 
Procopiensibus didici. 



289 



Worterverzeichnis. 



Abktirzungcn: MFN = Maskulinum, Feinininurn, Neutrum. 
Adj. = Adjektiv, Komp. Komparativ, Sup. == Superlativ, Adv. = 
Adverb, Pron. Pronomen, Part. = Partizipium, V. -= Verbuin, 
st. = stark, sw. = schwach, abl. = ablautend, red. = reduplizierend, 
deffekt). = defektiv, Konj. = Konjunktion, PL = Plural. Die bei 
Nominibus der Genusbezeichnung beigefugten Buchstaben bezeicbnen 
den Stammauslaut. Die Verba sind im Infiuitiv angefuhrt bis auf 
die Prateritopr&sentien, das Verbum substantivum und wiljau, bei 
denen die 1. Pers. Sing. Stichwort ist. Die emgeklaramerten 
Zahlen geben die an ; die Exponenten bezeioliuen die Anmerkungen. 
70 folgt auf //, p aul' /. 



aba Mn Ehemann (155 1 ) 

airs Adj.a stark; Adv. alrabct 

(191 A 1). 

af Prap. m. Dat. von (JG9,1). 
af-dikan red.V.l verleugnen 
af-airzjan sw.V.l verfuhren. 
afar Prap. m. Dtit. u. Akk. (dieter 

nur bei Zeitangaben) nacb, 

^emak (28Ba). 
dfar-gaggaii def. red.V.3 narh- 

gehn. 

afar-ldistjan sw.V.l nachfolgen. 
af-daiJjatt sw.V.l abteilen. 
af-dauidai Pail Perf. PI. geplagt 

(71,1). 

af-ddufjaw sw.V.l tftten. 
af-domjan sw.V.l verurteilen; 

verfluchen. 

af-druakja Mn Trinker. 
af-tJwnbnan sw.V.4 verstummen 

(295). 

af-etja Mn Fresser. 
af-ffaffffan def. red.V 3 weggehn. 
af-hugjan sw.V.l verblenden. 
af -lei fan abl.V.l weggehn. 
af-tetan (-leitan 22 A) abl.-red.V. 

er-, verlassen (231). 
<xf-lifnan sw.V.4 Ubrig bleiben. 
af-mditan red.V.l abschneiden. 



| af-nuwidai Part. Perf. PL er- 
1 mudei (71,1). 
nf-mman abl V.4 wegnehnien. 
af-saljan sw.V.l absetzen, ent- 

lassen. 

df-skfadan red.V.l scheiden. 
f -stand an unregelm. abl.V.6 ab- 

stchn, sich abwenden: m. Dat. 

(250,2). 

af-stam Fi Abstand (115,1); af- 
Scheidebrief. 
.l schwankend 

jnachen. 
aftaro Adv. von liinten, rflckwftrts 

(38,2 102 B 2). 
af-tiuhan abl.V.2 wegziehn. 
affra Adv. zuruck; wiederum. 
aftttma Komp. der letzte (von 

zweien) (190,2): aftumist* 

Sup. (190,3). 
af-faiirsjan sw.V.l dfirsten; af- 

paursips wisan durstig sein. 
af-pwahan abl.V.6 abwaschen 

(298 U ). 

af-walwjan sw.V.l wegw&lzen. 
af-wandjan sik sw.V.l sich ab- 
wenden. 

aagtlus Mu/i Fremdw.Engel(163). 
aggwus Adj.u eng (184). 
agld Fn Trflbsal, 



Streitberg, Gotisches Elementarbuch 



19 



290 



WSrterverzeichnis. 



ahaks i Taube. 

dhjan sw.V.l glauben (354,1). 

ahma Mn Geist. 

ahmateins Fi/0 Inspiration. 

ahmcins Adj. a geistig. 

ahtau-tehund achtzig. 

aha Fo Wasser. 

digin Na Eigentum. 

dill V.prat.-pras. habe, besitze 
(134 222). 

aihtrQn sw.V.2 bitten, betteln. 

dihtronx Fi Bitte, Gebet. 

dihtft Fi Eigentum. 

(ifnaha sw.Adj.a einzig (187,1); 
m. Dat. (253,2). 

din-falfs Adj.a einfach. 

din-Jvarjizuh ein jeder (177,2 l ). 

dins st. Adj.a ein, allein (194 1 ). 

dens-Tmnnurnegativ . keiner (178). 

aipiskaiipus Fremdw. dirtcKoiroc. 

aipistaule (afpistnla* 19.5a) 
Fremdw. incToXi*| (epistida}. 

diris Komp.-Adv. fruher. 

dirizai Kp.Pl. Vorfahren (188,! 1 ). 

airkm* Ad). a [nicht air/em's 
T3,3 B] heilig (183*). 

airfa Fo Erde. 

atrzeis* Adj.ia irre (115 1 182). 

airzifa Fo Verfuhrung, Betrug. 

atrzjan sw.V.l verfahren. 

difei Fn Mutter (157). 

dips Ma Eid. 

afffau Konj. (50 2 ) oder (332); 
im Nachsatz einer irreal. Pe- 
riode (367,3). jabai aifpau, 
andizuh aifpau entweder 
oder. 

atwagyeli Nia u. aiwaggeljo Fn 
Fremdw. eOart^Mov. 

aiwaggelista Mn Fremdw. Evan- 
gelist. 

diweins Adj.a ewig. 

diwiski Nia Schande. 

diwiskon sw.V.2 schandlich ban- 
deln. 

diws Ma/i Zeit (145 s 147). 

diza-smifa Mn Erzschmied. 

ok Konj. son d em, aber (336). 

akei (ake 22 B) Konj. aber (336). 

aket* (akeit* 22 A) NVa Lehnw. 



akran Na Frucht. 

akrs Ma Acker. 

aleina Fo Elle. 

alhs Fkons Tempel (160). 

alja 1. Prap. m. Dat. aufier (258). 

2. Konj. als (nach Neg.), 

aufcer. dXXd (336*). 
alja-kunts Adj.i/ja fremd (183 2 ). 
alja-leikos Komp. Adv. anders. 
aljis* Adjja andrer (182). 
allis adv. Gen. (267 l ) 1. Adv. 

uberhaupt. 2. Konj. denn, 

namlicli (339). 
all st Adj. (180,3) all, jeder (262,2 

283 J ). 
an denn, nun; in Verbindung 

mit Fragepron. (328 1 ). 
ana Prap. m. Dat. (Buhe) u. Akk. 

(Richtung) an, auf, iiber, zu 

(269), Adv. darauf. 
ana-dukan red.V.2 hinzufugen. 
ana-liudan abl.V.2 gebieten 

(25 C 110 204). 

ana-busns Fi Gebot (65 l 130 1 ). 
ana-filh Na 0}>erheferung, Vor- 

schrift. 
ana-filhan abl.V.3,2 uberliefern, 

empfehlen. 
ana-hditan red. V.I m. Dat. 

sehelten ; m. Akk. anrufen (255*). 
ana-hntiiwjan sw.V.l neigen, 

niederlegen. 

ana-hneiwan nbl.V 1 sich neigen. 
ana-kumljan sw.V.l Lehnw. ac- 

cumbere s. niederlegen, s. zu 

Tische legen. 

ana-ldu0nsAdj.}lja verborgen(l 83). 
ana-mahtjan sw.V.l verge wal- 

tigen. 

ana-meljan sw.V.l aufschreiben. 
ana-ndufjan sw.V.l nbtigen. 
ana-praggan red.V.3 bedrangen. 
ana-gipan abl.V 5 lastern. 
ana-qiujan sw.V.l wiederer- 

wecken, -beleben. 
ana-siuns Adj. i/ja sichtbar (183). 
ana-slawan sw.V.3 verstummen 

(295). 

ana-slepan red.V.4 entschlafen. 
ana-stodjan sw.V.l anfangen (133). 
ana-wairfs Adj.a zukfinftig. 



WOrterverzeichnis. 



291 



and Prkp. m. Akk. Kings, uber. 
anda-nahti Nia Abend. 
a'nda-staua Mn Gegner (vor Ge- 

richt). 

antl-dugjo Adv. offen. 
anda-wairfi Nia Preis. 
and(t~waurdi Nia Antwort. 
anda-wleizn* NVa Angesichl. 
andbahtl Nia Dienst (86 1 146*). 
andbdhtjan sw.V.l dienen. 
andbdhis Ma Diener. 
<ind-beitan abl.V.l hart anfahren, 

bedroh en. 
and-bindan abl.V.3,1 entbinden, 

losen. 

andeis Mia/i Ende (140*). 
and-hafjan unreg abl.V.G ant- 

worten. 
and-hditan red. V.I beketinen: in. 

Dat. u. Akk. 
tmd-hdusjun sw.V.l erhflren; m. 

Dal. (25IJ). 

uud-huleins Fi/o EnthQllung. 
and-huljan sw.V.l enthiillen. 
andizuh Adv. f| r<*P (19 IB 2); 

andizuh aifpau entweder 

oder (33!2). 
and-tiiman abl.V.4 empfangen, 

aufnehmen (355,1). 
and-staldanTe&.\M versehen mil: 

Dat. (256,1). 
and-statidan unregelm. abl.V.ti 

entgegentreten, widersli eitei i. 
avid-tilon sw. V.2 anhanglich sein ; 

m. Dat. (253,1). 
and-fagkjan ^unregelm. sw.V.l 

sicb ennnern; andfdhta milt 

babe mich erinnert, weifi. 
and-waihan unregelm. abl.V.l 

widerstreiten (203). 
and-wairpi Nia Gegenwart, An- 

gesicht. 
and-wairfis adv. Gen. gegenuber 

(190 2 ); m. Dat. (268 A a). 
and-wasjan sw.V.l entkleiden; 

m. Dat. (256,2). 
cmd-wa&rdjan sw.V.l wider- 

sprechen. 

ansts Fi Gunst, Gnade. 
anfar a der andere, der zweite 

(1 15,2 180,2) ;m.flg. Dat. (258). 



anfar-leiko Adv. anders. 
(ipatistauhis (apaustulus) Mu/i 

Fremdw. Apostel (163). 
arMidjan sw.V.l arbeiten. 
arbi Nia das Erbe. 
arbi-numja Mn der Erbe. 
arbja Mn der Erbe. 
arjan unregelm. red.V.3 pfliigen 

(211,3). 

nrka Fo Lehnw. area, Kasten. 
arnni-hairtei Fn Barinberzigkeit. 
arma-hafrtipa Fo Barmherzigkeit ; 

Almosen. 

armaio Fn Almosen (156). 
arman sw.V.3 Erbarmen Uaben. 
awis Mi Arm (152 3 *). 
<(sans Fi Ernte. 

us FVu Eselsmuhle. 
MFu Lehnw. Esel(iri) (153). 
Mia Mietling, TaglOhner. 
Mu dccdpioc Pfennig. 
at Prap. m. Dat. und Akk. (nur 

vonderZeit) Lei, zu (268 B a). 
at-anyjan sw.V.l zeigen (355,2). 
tU-Mran abl.V.4 hinzutragen. 
at-gafft/tin dei'.red.V. hinzugehn 

(311,3). 

at-yiban abl V.5 hingeben, geben. 
at-haJian red.V.3 hinabhangen. 
at-hditan red.V.l herbeirufen. 
at-im V. subst. bin da (229). 
atisk(x)* MNVa Saat, Saatfeld. 
at-layjan sw.V.l hinzulegen. 
al-riekjan sw.V.l herannaben. 
at-saikan abl.V.5 auf etw. achten; 

sich hiiten (mit u. ohne Reflex.) ; 

vor: Gen. (265,1). 
at-snarpjan sw.V.l beruhren, 

kosten. 
at'xtandan unreg. abl.V.6 dabei- 

stehn, hinzutreten; m. Dat. 

(256,2). 

at-steiyan abl.V.l steigen. 
atta Mn Vater. 
at-tekan red.-abl.V. berflhren; m. 

Dat. (255). 

at-tiuhan abl. V.2 herfiibren. 
at-binsan abl .V. 3,1 heranziehn 

(302 a). 
atwairpan abl.V.3,2 hinwerfen 



292 



Wo"rterverzeichnis. 



affan Konj. aher, doch (335); 

affan - if (335 1 ). 
uuaagei Fn Seligkeit. 
dudaffs Adj. a selig. 
duda-hafts* Adj.begliickt; durch: 

Dat. (256,1). 

aufto Adv. vielleicht (52 1 ). 
aw^o Nn Auge. 
auhjon sw.V.2 larmen. 
M? Ofen. 
Mn Ochse (155 1 ). 
Mu Ochse (153 1 ). 
m?/mwa Komp. ho" her (190, 2); au- 

humtsts, anhmitfts Sup. (190,3). 
duk Konj. denn; namlich (339). 
aurali* Nia orarium Schweifituch. 
aMja Mn G.irtner. 
rfwd Nn Ohr. 
dufida Fo Wuste. 
awiliudon sw.V.2dauken, prcisen ; 

m. Dat. (25H). 
azetaba Adv. leichi ; Komp. 

azttizo N. 

/o Fn Asche. 



b. 

A enkL hypoth. Konj. vvenu 

(232.8 363). 
bagms Ma Bauui. 
bdi beide (194 1 ). 
bairan abl.V.4 tragen; gebaren 

(imperfektiv 295). 
bairganahl.V.3,% bergen; m. Dat. 

(255). 
bairhtei Fn Helle, in bairhfein 

flffentlich; Offenbarung (157 1 ). 
bditrs Ad t ].a bitter; Adv. bditraba. 
bajofs kons/u beide (161 *c 1941). 
balgs Mi Schlauch. 
balweim Fi/0 Qual. 
balwjan sw.V.l quiilen: m. Dal. 

(255). 

bandja Mn Gefangener. 
bandwjan sw.V.l Zeichen geben, 

anzeigen. 

banja Fjo Wunde. 
bansts Mi Scheuer. 
barms Mi Schofc (152 8 ). 
barn Na Kind. 
barnilo Nn Kindlein (155). 



batisa Komp. zu gofy$ (190,1). 
bauan unregelm. V. wohnen 

(71,2 211). 

batir Mi der Geborene (115,2). 
baurgs Fkons Stadt (160). 
baurgs-waddjuK Fu Stadtmauer 

(87 153 235). 

baufys (d) Adj.a stumm, taub. 
beidan abl.V.l wartcn (203) : in. 

Gen. (263,1). 
beist Na Sauerteig. 
lenujox (birusjos 22 C) Mia PI. 

Eltern (117,3 146 238). 
WPrap. 1. m. Dat. bei, an, wepren* 

gemafi; 2. m. Akk. bei, uni, 

fiber, in betreff (268 B a). 
bi-abrjan sw.V.l sich entsetzeu. 
bi-bmdon abl.V.3,1 umbmden. 
bida Fo Bitte, Gebet. 
bidjftn unregelm abl.V.5 (regelm. 

iridan) bitten (208); m. dopp. 

Akk. (248,1); m. persOnl. Akk. 

u. sdchl. Gen. (248,1 * 263,1). 
bi-flitan abl.V.5 antreflen, linden; 

'rrapd of m. Dat. (270). 
bi-grabav abl.V.6 mit einem 

Gra l)en unigehen. 
fa-hlahjan unreg. abl.V.(> ver- 

lachen 

b^-lcuk)<nl sw.V.l (he)kussen. 
bi-laikau red. V.I verhOhnen 
bi-leipan abl.V.l verlassen, zw- 

rucklassen ; m. Dat. oder Akk. 

(255 1 ). 

bi-m6it Na Besclmeidung. 
bi-mditan red. V.I beschneiden : 

sich beschneiden (285 2 ). 
bi-nah V.prat.-pras. es ist notic, 

erlaubt (220,9). 
bindan abl.V.3,1 binden. 
bi-niman abl.V.4 wegnelimen. 
bi-rodjan sw.V.l murren. 
bi-sattvan abl.V.5 beschauen ; sem 

Augenmerk richten auf: (ten. 

(263,1). 
bi-satjan sw.V.l um geben mil : 

Dat. (256,1). 

M-sdidjtm sw.V.l beflecken (52 *). 
bi-sdulnan sw. V.4 s. beflecken(52 ^ 
bi-stigqani-stif/gqan 28 B) abl.V.3 r l 

anstofien; an: bL 



Worterverzeichnis. 



293 



bi-swaran abl.V.6 beschwOren. 
bi-tiuhan abl.V.2 durchziehn. 
bi-pe (bipeh 168) Adv. nacbher; 

Konj. als, nachdem, sobald als 

(167 1 359 360,2). 
bi-uhti Nia Gewohnbeit (65,2). 
bi-tihts gewohnt (65,2) 
bl-windan abLV.3,1 umwinden. 
bleifjan sw.V.l barmherzig sein. 
Winds Adj.a blind. 
bloma Mn Blume. 
bl&p (f) Na Blut. 
blofa- rinnan del Part. Pras. F 

blutflfissig. 
bok(( Fo Sg. Bueh.stabo, PI Brief, 

Buch (238). 

bokareis Mia Schriftgelehrter. 
bvta Fo Nutzen. 
braids* (d) breit. 
briqyan (brt'ngan^Sa.) unre^elm. 

<4.-sw V. (o3 205 220) biinpen; 

wohin at, in nj. Dat. (269); 

pod. Smipl. (29(>). 
bnnnttn abLV.3,1 brennen. 
t>rtifur Mr Bruder (1H3 158). 
bropntUans Mn PL Gebriider 

(I17 1 238). 
bnikjitn unregeliu. h5W.V.l brau- 

chen, gebrauchen (65 228). 

in. Gen. : leihtw br. leic-htsinnig 

handeln (202). 
brulcs Adj.i/ja braucld>ar (183); 

m. Dat.' (253,2). 

brunt* Fkons PL Brust (160 238). 
brup'fafys (d) Mi Brautigam 

(233 A 3). 

bt'ups Fi Neuvennablte (65). 
buy fan unregebn. sw.V.l kaulen 

(228); m. Dal. pretii (250,1). 

d. 

daddjati bW.V.l saugeii (&!). 

dags Ma Tag. 

daila Fo Teilnahme; nvd LI 9. 

ddils Fi Teil 

dahndnareis Mia Besefiner. 

Map Adv. zu Tal, hinunter 

(192 C 1). 

ddug V.prat.-pras. es taugt (220,3). 
dadhtar FT Toehter (158). 



(Idupeiiijs Fi/0 Taufe. 

ddupjan sw.V.l laulen; mil: 

Dat. (256,1). intrans. (285 2 ). 
ddupjands Mnd Tliufer. 
dat'tr Na Sg. Tor (einfltlgeh'g). 
daura-wards Ma Tttrhflter. 
daurdns Fn PL TQre (zweiflilgelig) 

(238). 

daubs (ft] Adj.a tot. 
dAujntx Mu Tod. 
^flrnunreg. al>l.V.l kneten (203). 
dits-hniipnan sw.V.4 zerreifien 

(mtr.). 
dis-skritnati (diskrttnan 29) sw. 

V.4' zerreifien (intr.). 
dia-tahjan sw.V.l zerstreuen, 

verschleudern. 
dis-tatran abl.V.4 zerreiiien. 
tits-fa lirntm sw.V.4 desprl. (in- 
trans.). 

(hups Adj.a tief. 
doutjan sw.V.t urteilcn, rn. dopp. 

Akk. (248,2). 

doms M Urteil, Krkenntnis. 
dragkjan (drayykjan, 28))) sw.V.l 

triinken. 
drauhsna (drrinKnott 27i>) Fo 

Brocken. 
drtqkana bl. V.3, 1 trinken; m .partit. 

Gen. (262); Part. Pert'. (324). 
driusttn abl.V.2 fallen; wohin: 

ana ru. Akk. (269). 
driwid Fn Abhang. 
drdbjan sw.V.l trttben, irre 

machen; m Aufruhr setzen. 
drm M Fall (115,1). 
du Prap. ra. Dat. zu (268 A a). 
du-at-yagyan defekt. red. V.3 bin- 

zugehn. 
du-ginnan abLV.3,1 beginnen; 

mil flg. Durativ (298,3); zur 

L'mschreibung des durat. Fut. 

(301 a). 

du-Joe Adv. wozu? wesbalbV 
dulfs Fi/kons Fest (160 2 ). 
dumbs Adj.a stumm. 
dtt-rifinan abLV.3,1 binzulauien. 
du-fe (dup-fe 26 A 167*) Konj. 

desbalb, daj, well (338,1). 
dwals Adj.a tOricht; dwala Mn 

Narr. 



294 



WOrterverzeichnife. 



el Adv. 1. da (344 1 ). 2. Rel. 

(344). 3. Konj. damit, dafi 

(353 ff.). 

eisarn Na Eisen (38 1 ). 
eisarna-bandi Fio Eisenfessel. 
ri-pan Konj. daher, somit (338,2). 

f. 

fadar Mr Vater (38,2 133 158). 
fadrein Na Eltern; mit mask. 

Artikel (145 5 236,1 239,1); 

NP1. (145 b ). 
faginon sw.V.2 (134) sich freuen 

'(354,3). 
fahan red.V.3 fangen, greifcn 

(53 211). 
fahefrs (faked* 25 C faheM* 22 A) 

Fi Freude (110 117,2 134) 
faian red.-abl.V.(V) tadeln (68 

212,2) 

fathu-frailmis)* MN?a Rcichtum 
fairquni Nia Berg 
f airbus Mu Welt (24) 
fairina Fo Beschuldigung (49,1 l ). 
fairneis* Adj.ia alt. 
fairnipa Fo iraXaiOTrjc Altheit. 
falrns* Adj a vorjShrip (186 2 ). 
falrra Adv. fern; m. Dat. (256,2). 
fatrrnfrd Adv. von ferne (192 Bl). 
fatr-weitjan sw.V.l hinsehu. 
falrzna Fo Ferse (136 1 ). 
-falps -fach (196). 
falpan red.V,3 fallen. 
fana Mn Stiick Zeu#. 
Fareisaius Fremdw. Mu/i (163). 
farjan sw.V.l fahren. 
faskja* lat. fascia Binde. 
fastan sw.V.3 halten, beobachlen; 

fasten. 

fapa Fo Zaun. 
fatiho Fn Fuchs. 
four Prap. m. Akk. vor, fiir. 
fatira Adv. vorn ; m. Dat. vor. 
faura-fiUi Nia Vorhaut. 
faura-gaggja Mn Verwalter. 
faura-mapleis Mia Vorsteher. 
fatira-qipan abl.V.5 vorhersagen. 
fatira-tani Nja Wunder-, Vor- 

zeichen. 



faur-Uudan abl.V.2 verbieten. 
faur-hah Na Vorhang (53). 
fatirhtjan sw.V.l fttrchten; f. sis 

sich f (255). 

fatir-sigljan sw.V.l versiegeln. 
faur-sniwan abl.V.5 zuvorkom- 

men, vorwegnehmen. 
faur-pis Adv. vorher (191). 
faurpizei rel.Konj. bevor (359). 
faur-wdipjan sw.V.l verbinden. 
faur-wdlwjan sw.V.l durch. Vor- 

walzen verschlieBen ; m. Akk. 

d. Ohj. Dat. d. Mittels (256,1). 
fawai Adj.a PL wenige (181 3 ). 
fera Fo Seite (57,2). 
ferja Mn Aufpasser. 
fidwor vier (194 2 ). 
fijan (fian 30 a) sw.V.3 hassen; 

nicht perfektivierbar (297). 
fijands Mnd Femd (159). 
filu adv.Adj. N, filaux adv.Gen. 

viel (184), m. Gen. (262,2 267 1 ). 
filu-waiirdci Fn Wortschwall. 
filttrwaArcijan sw.V.l viel Worte 

maohen. 

fimf funf (31 b 35* 102 194 2 ). 
fimfta-tafimnrlff der funfzebnle 

(194). 

finpau abl.V3,l erkennen (296). 
fishon sw V.2 h'sclien. 
fisk* Ma Fiscb. 
flvktw* red.V.5 beklagen. 
fotfefns Fi/0 Nahrung. 
focfjan sw.V.l nahren. 
fan Gen. funins unregelm. kons. 

N Feuer (162). 
fotn-lauwl Na Schcmel. 
fotu* Mu FuB. 
fra-atjan sw.V.l zur Speisung 

hingeben. 

fra-bugjan unregelm. sw.V.l Han- 
del treiben, verkaufen; m. Dat. 

oder Akk. (256 1 298 lft ). 
fra-giban abl.V.5 vergeben, ver- 

leibn. 
fra-gildjanfuT fragildan al)LV.3,2 

(206 1 ). 
fralhnan unregelm. abl.V.5 fragen 

(208); nach: Gen. (263,1). 
frdisan red. V.I versuchen. 
fraistiibni Fio Versuchung (1 17,1 ). 



Wflrterverzeiclmis. 



295 



fra-itan unregelm. abI.V.5 ver- 

zehren (39 l 208). 
frdiw Nwa Same. 
fra-kann V.priit.-pras. verachte; 

m. Dat. (255). 
fra-tttan (-leitan 22A)red.-ab].V. 

ent-, erlassen: gestatten. 
fra-lusts Fi Verlust, Verderl)en. 
fram Prap. m. Dat. von her, 

von seiten (268 Aa). 
fram-aldrs Adj. a im Alter vor- 

geschritten (133); Komp. fraw- 

aldrozei F. 
frama/fetV Adj.ia? fremd; m. 

Gen. (265,2). 
frcmwcairpis adv. Gen. fernerhin 

(190 2 ). 
fram-wigitt adv. Gen. fortwiihrend 

(267,2). 
fra-qiman ahl.V.4 verzehren, ver- 

tun; in. Dat. (255 '). 
fra-qistjan sw.V.l vernichten; 

in. Dat. (255). 

fra-qistnan sw.V.4 zugrundegehn. 
fra-qifan abl.V.5 verfluehen. 
frafjan unregelm. abLV.fi (133 

209 2162 223), m. Dat. ver- 

stehn. m. Akk. der Mei- 

nung sein, denken (255 2 ) , perf. 

Simpl. (296). 
fniuja Mn Herr; abgekurzte 

Schreibung (18 8 ). 
frdujinon sw.V 2 berrschen; m. 

Dat. e tiber- (253,1). 
fra-wairpan abl.V.3,2 verwerfen, 

zerstreuen. 
fra-wardjan sw.V.l zugrunde- 

richten; entstellen (133). 
fra-waurhts Adj .a sfindig ; Sflnder. 
fra-watirhts Fi Sunde. 
fra-waurkjan sw.V.l sQndigen; 

fr. sis s. versflndigen (255). 
fra-weitands Mnd Racher (159 2 ). 
fra-tvilwan abl.V.3,2 wegreifien; 

rauben. 
fra-wisan abl.V.5 verbrauchen 

m. Dat (255). 

fra-wrohjan sw.V.l beschuldigen. 
freis Adj.ja (1821) frei; m. Gen. 

(265,2). 
friafwa (frijapwa 30a) FwO Liebe. 



frijdn (fridn 30a) sw.V.2 lieben ; 

nicht perfektierbar (297). 
ftijonds Mnd Freund (159). 
frisahts Fi Btld, Beispiel. 
frdfr* (d) Adj.a klug (112 133). 
fruma sw. prior (187,5 190,2). 
frnnrists Superl. primus (190,3); 

Adv. frumiflt zuerst 
fugfo Ma Vogel. 
fnla Mn Fallen. 
futgtHs Adj.a verborgen (134). 
fulhsni Nia das Verborgene. 
fulla-fahjan sw.V.l Gentige tun; 

m. Dat. oder m. Akk. (255 1 ). 
fulla-frapjan unregclm. abl.V.6 

bei vollem Verstand sein. 
fulla-tojte Adj.ja vollkommen. 
futteift!* Fi FGlle: fulUBs* desgl. 

(55 1 ). 

fulllan sw.V.l fallen. 
fullnan sw.V.4 voll werdeu; m. 

(Jen. (266). 

fullo Fn FUllung, Einsatz. 
full* st.Adj.a voll, m. Gen. (180,3 

266,2). 



qa-agywei Fn Beengun^ (157 1 ). 
ga-aiwiskon sw.V.2 beschimpfen 

(302 a). 

ga-arman sw.V.3 erbarmen (302 a). 
ga-bairan abl.V.4 zusammen- 

tragen; gebkren (perf. 295). 
ga-balrgan abl.V.3,2 bergen, er- 

balten. 

ga-bairhtjan sw.V.l offenbaren. 
ga-batirfs Fi Geburt (118). 
gabfgs (gabeigs 55) Adj. a reich. 
qa-bindan abl.V.3,1 binden; perf. 

(298*); in. Dat. (256,2); wohin: 

at m. Dat. (269). 
ga-bleipjan sw.V.l s. erbarmen 

(302a). 

ga-botjan sw.V.l verbessern. 
ga-brannjan sw.V.l verbrennen 

(trans.). 
ga-ddila Mn Teilnelimer ; m. Dat 

(256,2). 

ga-dars V.prfit.-pras. wage (220,6). 
ga-d&upnan sw.V.4 versterben 

(298 f ). 



296 



Wflrterverzeichnis. 



go-defy* (-did* 25 C) Fi Tat (110). 
ya-digan unregelm. abl.V.l aus 

Ton bilden. 

ya-domjan sw.V.l beurteilen. 
gardragkjan sw.V.l trftnken mil: 

Dat. (256,1). 

ga-dra&hts Mi Kriegsmann. 
gardriykan abl.V.3,1 trinken, zu 

trinken beginnen (perf. 302 a). 
ga-driusan abl.V 2 hinfallcn ; wo- 

hin: ana m. Dat. oder Akk. 

(209); perf. (302 a). 
ga-fahan red. V.3 ergreifen ; 

waurde in der Rede fangcn. 
ya-faurs Adj.i/ja gesittet (183*). 
ga-filhan abl.V.3,2 begraben. 
ga-frafhnan unregehn. abl.V.5 

erfragen, erfahreri (295). 
ga-frisahtjan sw.V.l ahbilden. 
ya-fulljan sw.V.l erfullen. 
ya-fullnan sw.V.4 erfullt werden. 
ya-gagyan defekt. red. V.3 zu- 

sammenkommen ; sich ereignen, 

eintreten. 
gaggavi defekt. red.V.3 (Prat, idd- 

jcij emmalgaggida) gehn(211,3). 
ga-grefts Fi Befehl. 
gcigudei Fn Frbminigkeit ; Nom. 

gayudeiti (157 2 ). 
ya-haban sw.V.3 ingressiv: in 

Besitz bringen; effektiv: be- 

halten, festhalten. 
ga-hdiljan sw.V 1 herstellen (perf. 

295); von: Gen. (265,1). 
ga-hdiln<w sw,V.4 gesund werden. 
ga-Mit Na Verhei^ung. 
go-Mittm red. V.I berufen. 
ga-hamon sw.V.2 anziehen, ga-li. 

sih sich bekleiden; mit Dat. 

(256,1). 

ga-hduhjansw. V. 1 erhbben (302 a). 
ga-hduseins Fi/0 das Vernebmen. 
ga-Musjan sw.V.2 vernehmen ; 

perf. (295 298^). 
ga-hndiwjan sw.V.l erniedrigen. 
ya-horinon sw.V.2 Ehebruch be- 

gehn; m. Dat. (255). 
ga-krdinjan sw.V.l reinigen, be- 

freien (perf.); von: Gen. (265,1). 
ga-huljan sw.V.l verballen. 
ga-keilains Fi Verweilen. 



ga-heitjan sw.V.l weifi machen 

(perf. 298). 
ga-ibnjan sw.V.l gleichmachen ; 

m. Dat. (256,2). 
gairnjan sw.V.l begehren; m. 

Gen. (263,1). 
ga-juko Fn Gleichnis. 
ga-kunnan sw.V.3 kennen lernen ; 

betrachten; lesen. 
ga-layjati sw.V.l hinlegen. 
ga-ldista Mn Nachfolger; m. Dat. 

(256.2). 

ga-latjan sw.V.l aufhalten. 
ga-lapon sw.V.2 einladen, berufen 

(perf. 298). 

ga-ldiibeins Fi/0 Glaube. 
ga-ldubjansw.V.\ glauben (3n4,2); 

m. Dat. u. m. du (269). 
ga-Jdusjan sw.V.l erl6sen: m. 

Dat. (256,2). 
ga-leikan sw.V.3 gefallen; Part. 

Perf. (324). 
ga-leikon sw.V.2 vergleichen ; 

gleichen; mit: Dat.-lnstr. (256 8 ). 
ga-leiks Adj.a ahnhch Adv. 

galeiko. 

ga-leifan abl.V.l kommen (perf.). 
ga-lekinon (-leikinon %% A.) sw.V.2 

herstellen von: Gen. (265,1). 
ga-lewjan sw.V.l verraten. 
galga Mn Galgen Kreuz. 
yu-Umn abl.V.5 zusammenlesen. 
ya-liuy Na, Ltige; Gfitzenbild. 
yaliuya-yuda Na PL Abgotter(235). 
ffa-lfngan sw.V.3 sich verheiraten 

mit (Akk.); perf. (298 ltt ). 
ga-lukan unregelm. abl.V.2 ver- 

schliefien (204); mit:Dat.(256,l). 
ga-mdinjansw.J. 1 gemein machen, 

KOivujccu; mitteilen. 
go-man Na Mitmensch, Genosse. 
ga-man V.prat.-pras. erinnere 

mich; m. sSchl. Gen. (263,1). 
ga-manwjan sw.V.l bereiten. 
ga-marzjan sw.V.l argern. 
ga-matjan sw.V.l essen, zu essen ' 

beginnen, verzehren (perf. 302a). 
ga-tndudjan sw.V.l erinnern; m. 

persOnl. Akk. u. sftchl. Gen. 

(263,1). 
ga-mlleins Fi/5 Sc.hrifL. 



Wdrterverzeichnis. 



297 



ga-meljan sw.V.l schreiben, auf- 

schreiben (298 1 ), 
ga-mif-sandjan sw.V.l cujaTT^m/ai 

mitsenden; m. Dat. (256,2). 
ga-mdt V.prat.-pras. findet Raum 

(220,10). 

ga-mdtjan sw.V.l begegnen. 
ga-muwls Fi Andenken (133). 
ga-ndh V.prat.-prd?. es genugt 

(220,9). 
ga-nditjan sw.V.l schanden, be- 

schimpfen. 

ga-nasjan sw.V 1 erretten (302 a). 
ga-natjan sw.V.l benetzen (29K 1 *). 
ga-naiiha Mn Genuge. 
ga-niman abl.V.4 vernehmen, or- 

fahren; empfangen. 
ya-nisan abl.V.5 genesen, gerettet 

werden. 

ya-nohs st.Ad,].a j^enug (180 ; 3). 
ga-^hnan abl.V.4 zusammenkoni- 

inen (296). 
ga-qumfs Fi Zusammenkunft ; 

Synagoge, Synedrion. 
ya-rdhnjan sw.V.l abschatzen. 
</a-rdideins Fi/0 Anordnung. 
ya-ralhtei Fn Gerechtigkeit ; Hin* 

lenkung (fur *yai'ai1iteim 157 1 ). 
ga-raihts Adj. a gerecht. 
ga-r&fys (yaraids 25 C) Adj.a an- 

geordnet, }>estimmt. 
ga-rafjaH* unregelm. abl.V.O 

zahlen (209). 
garda-waldands Mnd Hau.shen g 

(159). 

gard* Mi Haus (152 ta ). 
ga-redoha Adv. ehrbar. 
ga-rehsns Fi Ratscblufi, Plan. 
ga-rinnan abl.V.3 zusammen- 

laufen; erlaufen d. i. erringen 

(295); Part. Perf. (324). 
ga-runl Nia gebeime Beratung. 
ga-runjo Fn Oberschwemmung 

(98 a ). 
ga-runs Fi Zusammenlauf; Markt, 

Strafie (115,1). 
ga-saikan abl.V.5 erblicken ; perf. 

(295 298 1 302a). 
^ra-oA:awabl.V.6 m. Dat. bedrohn; 

m. Akk. iiberfQhren (255 2 ). 
ga-salb&n sw.V.2 besalben. 



ga-sandjan sw.V.l entsenden 

(232,3). 

ga-sateins Fi/0 Grundlegung. 
ga-sibjon sw.V.2 sich versOhnen : 

mit: Dat. 



ga-slnfa Mn Weggenosse ; m. Dat. 

(256,2). 
ga-sitan abl.V.5 Platz nehmen 

(295 298 1 ). 

ga-sktttdan red. V.I scheulen. 
ga-skapjan unregelm. abl.V.6 er- 

schafien (209). 
ga-skeirjan sw.V.l erklaren. 
ga-skohit Adj.a beschuht; mit: 

Dat. (256,1). 
ga-ftlawtn sw.V.3 verstummen 

(295). 
ga-slepan red.V.4 entschlafen 

(211,4 295). 
gu-sopjan sw.V.l <attigen ; mit: 

Dal. (25(J,1). 
ga-sialdan red.V.3 enverben, be- 

sitzen. 
(/(t-xtandan unregelm. abl.V.6 in- 

gressiv : stehn bleiben: elTektiv: 

verharren (295). 
ga-xtojan (Prat, gastauida 71,1) 

richten, beschliefien. 
gcwts Mi Fremdllng, Gast. 
ga-suljan sw.V.l begrunden. 
ga-supon sw V.2 wiirzen (perf.) ; 

mit: Dat.-lnstr. (256 8 ). 
ga-swikunpjan sw.V.l offenbaren 

(355,2). 
ga-swiltan abl.V.3,2 sterben, er- 

sterben (perf. 295 298 U ). 
ga-tatran abl.V.4 zerreifien. 
ga-tarhjan sw.V.l auszeichnen 

(in gutem und bflsem Sinn). 
ga-tarnjan sw.V.l zerstfcren. 
ga-tdujan sw.V.l bewirken (295 

298 U ). 

ga-taura Mn Rifi. 
ga-ttfihan abl.V.l anzeigen, ver- 

ktinden. 

ga-tils Adj.a passend. 
ga-timrjan sw.V.l erbauen (302 a). 
ga-tiuhan abl.V.2 hinschleppen, 

hinfuhren. 
ga-trauan sw.V.3 vertrauen (354,2). 



298 



Worter verzeichni s . 



ga-tulgjan sw.V.l befestigen. 
qa-pahcw sw.V.3 verstummen 

(295). 
ga-parban (132) sw.V.3 (mit u. 

ohne sik) sich enthalten; m. 

Gen. (265,1). 

ga-paursnan sw.V.4 verdorren. 
ga-peihan abl.V.l gedeihen (54,2 

203). 

ga-piwan sw.V.3 knechten. 
qa-pldihan red.V.l liebkosen, 

trOsten (211,1); m. Dat. (255). 
ga-pldihts Fi Trost. 
ga-pliuhan abl.V.2 entfliehn. 
ga-prafstjan sw.V.l tr5sten. 
ga-pulan sw.V.3 erdulden (298 l l>). 
g&umjan sw.V.l bemerken; m. 

Dat. (255); perf. (296 298 H 
gdunon sw.V.2 trauern. 
'gdurs Adj.a betrubt (51 * 115 8 ). 
ga-wairpan abl.V.3,2 werfen 

(perf.); ga-w. in mtdjaim (271). 
ga-wairpi Nia Friede (86 1 146 s ). 
ga-waleins Fi/0 Erwahlung. 
ga-waljan sw.V.l erwahlen. 
ga-wandjan sw.V.1 hinwenden, 

zuruckbringen. 
ga-wasjan sw.V.l bekleiden; mit: 

Dat. (256,1); perf. (298 2 ). 
ga-waurkjan unregelm. sw.V.l 

bewirken (295). 
ga-weison PW V.2 nach einem 

sebn, einen besuchen; m. Gen. 

(263,1). 

ga-wenjan sw.V.l rneinen. 
gawi Nja Gau (89,2). 
ga-widan abl.V.5 verbinden. 
ga-tviljis* Adj.ja willig, einmfltig 

(182). 

giba Fs Gabe. 
giban abl.V.5 geben; perf. Simpl. 

(296 298 2 ) ; m. part. Gen. (262). 
gild Na Steuer. 
qistra-dagis adv. Gen. morgen 

(267,2). 

giutan abl.V.2 giefien. 
glaggwo Adv. genau (90). 
glagguMba(glaggwaba) Adv. desgl. 

(90). 

gOdei Fn Tflchtigkeit, Tugend. 
gtfetns Fi/0 Grufi. 



goljan sw.V.l 

g&frs* (gdds 25 G) Adj.a gut; 

Komp. batiza, iusiza (190,1). 
graba Fo Graben 
gramsf* N?a Splitter. 
gr&dagx Adj.a hungry. 
gredon sw.V.2 unpersSnl. m. 

Akk. d. Pers. : eshungert (247,1). 
greipan abl.V.l j, r reifen; m. Akk. 

oder Gen. (263,1). 
gretan (greitan 22 A) red -al)l. V. 

weinen (34* 212,1). 
qrets MF? das Weinen. 
*groba Fo Grube, H6hle. 
grundu-waddjiw Mn Grundiuauer 

(87 153 235). 
gufl-blostreis Mia Gottesverehrer 

(133 1 233 A 1). 
gud-Ms Na Gotteshaus (25 C 

133 1 233 A 1). 
gudisks Adj.a f?ottlich. 
giidja Mn Pnester. 
guma-lcunds Adj.a. mannhch. 
gup a Gott (18 ! 133 1 145 4 235 

236,1). 



b. 

haban sw.V.3 halien, zur Um- 

schreibung des durat. Fut. 

(1501 b); sik h. sicb verhalten. 
hafjan unre?. abl.V.6 hel>en (209). 
haftjan sw.V.l anhangen: h. sik 

s. anliaiigen. 
hafts Adj.a behaftet; mil: Dat. 

(256,1)'. 

hahan red.V.3 hangen (53,21 T 
hdidns M^Art , /Weise 
hdifstjan sw.V.l k^mpfen'. " 
Mifsts Fi Kampf (104 1 ). 
lidiljan sw.V.l heilen. 
Mils Adj.a heil. 
Mims Fi/0 Dorf (152*). 
bairda Fo Herde. 
hairdeis Mia Hirte. 
hairtd Nn Herz. 
bairns Mu S(;hwert. 
hditan red.V.l nennen, rufen, 

befehlen; Pass, heifien (intr.) 

(211,1). 



WCrterverzeichnis. 



299 



hdifi FiO die Heide. 

hdifno Fn Heidin (50 s ). 

halts st.Adj.a halb (180,3). 

haldan red.Y.3 huten. 

haldis Komp.Adv. mehr (HUB 2). 

halis-diw Adv. kaum (191*). 

halja FjO Hblle. 

hals-agga (Hs. balsagga] Mn 

Nacken. 

feafts Adj. a jahm. 
hamfs Adj. a vorstummelt (35 8 ). 
Anna Mn Hahu. 
handugei Fn Weisheit. 
fcandN* Fu Hand (24 153). 
hansa Fo Srhar. 
harrfux Adj.u hart (184); Adv. 

harduba (191 Al). 
Tiafr's Na Hafi: Gen. /iftf/s (145 6 

162'). 

hatjan sw.V.l hassen. 
7/^*1) (hanbrf 25(1) Na Haupt 

(118). 

hdnhipa Fo Hfthe. 
hfathjan sw.V.l hoch machen, 

verhcrrlicben ; nni : Dat. (256,1 ). 
hduhs Adj.a hoch; Adv. Jiduhaba. 
ha&rds Fi r lur. 
haiirn Na Horn; Frucht des Jo- 

hannisbrotbaums (L 15,1(>). 
ha&rnja Mn Hornblaser. 
hatirnjan sw.V.l posaunen. 
htiusjan sw.V.l horen; m. per- 

sonl. Dai., sachl. Akk. (255 1 ); 

m. Gen. 'h5ren auf ( W 263,l); 

von: cr^ m. Dat. (270). 
hdusj&n sw.V.2 horen. 
hawi Nja Heu (75 1 146). 
hazeins Fi/0 Lob (152 6 ). 
hazjan sw.V.l preisen. 
AtY5 Fn Fieber. 
her Adv. hier (57,2). 
hefjo Fn Kammer. 
At- Pron.-Stamm der 'ich'-Deixis 

dieser Dat. himmct Akk. M 

hina N Mto (169). 
hilpan abl.V.3,2 helfen ; m. Gen, 

(263,1). 

himins Ma Himmel. 
hindar Prap. hinter; m. Dat. 

(Ruhe), m. Akk. (Richtung). 



hindumists Sup. aufierster (190,3) 
hiri adv. Imp. (Du. hirjato PI. 

hirjif) komm her, hierher 

(49,1 21511). 
hiufan abl.V.2 klagen. 
hmhma (hiuma 27 b) Mn Haule, 
Mahjan unregelm. abl.V.6 lachen 



hldifs (Maths 45B) Ma Brot. 
ft/rft// Nwa Sfjf. Grab. 
hUiwasntls Fo PI. Grabstatten 

(238). 
hleibjati sw.V.l schonen, sich 

annohmen; m. Dat. (253,1). 
MeMuma Komp. link^ (1H),4); 

hlefflumtii Fn die Linke. 
Meipra Fo llutt<s Zelt. 
hlifan abl.V 5 stehlen. 
W>Vi* Mn? Hiitte, Zelt. 
Jinaurjmi sw V.I iiiedri^ machen. 
hnaxqux* Adj.u(V) weich (184) 
Imupo (hnvto) Fn Stachel (65). 
horinoH <-w.V.2 huren, Khebrurh 

treihen. 

//or.s Ma Hurer (115). 
hminei Fn Reinheit; Reinigunfr 

(V 157 1 ). 

hrdhieins Fi/u Keinigung (V 157 1 ). 
nrfinja-halrtft* Adj.a (S. 159 2 ) 

herzensrem. 

hrdins Adj.i/ja rein (183), 
lirbpjan sw.V.l rufen, schreien. 
hrot Na Dach. 
hrukjan sw.V.l kruhn (65). 
h)*uk(8)* das Krahon. 
hugyrjansw.VA (134); unpersonl. 

m. Akk. d. Pers. es hunger! 

(247.1). 

huyjan sw.V.l denken. 
huhjcMdn Part. Pras. 6n.caup(ujv 

65,2. 

hunda Plur. Na Hunderte (194 s ). 
hunda-fa$s (hundafads 25G) Mi 

Centurio, Hauptmann. 
hunsl Na Opfer. 
hunsla-stafrs (d) Mi Opferstatte, 

Altar. 

hunf(s)* Gefanj?enschafl. 
huzd Na Hort, Schatz. 
huzdjan sw.V.lSchatze sammeln. 



300 



WOrterverzeichnis. 



hw. 

kadre Adv. wohin (192 G 2). 

kairban abl.V.3,2 wandeln. 

hairnti* Fn? Schadel (157). 

kditeis Mia Weizen. 

hdiwa Adv. wieV 

han interr. Adv. wann? m- 

def. irgend wann; vor Adj. u. 

Adv. wie; nacb Partikeln : etwa. 
kan-hun Adv.: nur m. Neg. nl 

k. nicnaals. 

tear Adv. woV (192 A 2). 
karbon sw.V.2 wandeln. 
/par/iff Interrog. welcherV (174 

282). 

Iwrjiznli Indef. jeder (177,2 283). 
/ta* Intcrrog. Indef. wer? irgend- 

einer (173 282). 
kan-hun Proii., nur negativ: 

keiner (178) 
kapar Interr. wer von beiden V 

(38,2 U5,2 174 177,2'). 
*lvaparuh Indef. jedcr von beiden 

(177,2*). 

kapro Adv. woher (192 B 1). 
kazuh Indef. jeder (G6 1 177,1 

283). Iwztih tuiet (izei), aa- 

foasult saei (izel) tjuicunque. N 

faUi-kah fel (177,1 l ). 
he Instrum. N (57 1 250 s ). 
hella Fo Weile, Stunde; ni kello- 

fiun nieht eine Slunde lang 

(149 1 178 2 ). 
Iceits Adj.a weifi. 
he-ldufys (fur hi- 22 D) mterro^r. 

Adj. wie gro6? (175). 
hi-leiks (be- 27 D) interr. Adj. 

we beschaffen? (175). 
hilftrjom Dat PL TT\C copoO 

(238). 

hopan red.V.5 sich ruhrnen. 
hdta Fo Prohung. 



i. 

thai (iba) Fragepart. ob denn? 

(328,2 362,5) ; Konj. dafi nicht. 
ibns Adj.a eben; ibna sw.Adj. 

gleich (187,1); m. Dat. (256,2). 
ifldjn defekt. Prat ging (87 227). 



rtretgon (sik) sw.V.2 Reue emp- 

fmden. 

iduwtjansw.V.l schinahn ; in. Dat. 
lesus (66i). 

iftuma Komp. dernachste (190,2). 
igqar (Dual) euer (165). 
Ik ich (164). 
ikei Relat d. 1. Pers. der ich 

(172b 349). 

tm Verbujn subst. bin (229). 
m Prap. 1. m. Gen. wegen, 

durch, bei. 2. m. Dat. in, 

auf, zu (meist Ausdruck der 

Ruhe, gr. ^v). 3. m. Akk. 

in, auf, zu (Rirhtung, eic); 

zeitl. bis zu, auf; ubertrapren 

fregen, in Hinsicht auf (269). 

in pin, inuh pis darum; 

in pizei, in pizeei wesbalb 

(338,1), warum, well; in kin 

weshalb V 

hi-ay fan svv.V.l bedrohn. 
in-feinan sw.V.4 sich erbarmen. 
in-kilpo Fn schwanger, ni. Dat. 

(256,1). 

in-mdfdjan sw.V.1 verandern. 
inn Adv. hinein. 
inna Adv. innen. 
inna-kunds Adj.a Hausgenos.se. 
inn~at-balran&bl V.4 hineintragen. 
inn-at-gagyan tlef.red.V.o hinein- 

gehn. 
innaprd Adv. von innen. 



inn-fffi-ieipan abl.V.l hineinpehn. 
tnnuma Komp. der mnere (190,2). 
in-reiran svv.V.2 erbebeji. 
in-sahts Fi Anzeige, Erzahlung. 
in-sallvctn abl.V.5 binsehn auf (du). 
in-satidjan sw.V.l entsenden. 
in-trusgjan unregelm. st.-sw.V.3,2 

einptropfen (206). 
inuh (inu) Prap. m. Akk. ohne. 
in-weitan abl.V.l TipocKuveiv Ehr- 

furcht erweisen. 
in-undan abl.V.5 verleugnen. 
in-mndipa Fu Ungerechtigkeit. 
in-tvinds Adj.a ungerecht. 
is anaph. Pron. er, der (166). 
itan abl,V.5 essen. 
ip Konj. te t aber (334). Zur 



WSrterverzeichnis. 



301 



Einleitung konjunktionsloser 
Bedingungssatze (369 a). 

ludaiu* (Judmus) Mu/i (163). 

iumjo Fn Menge. 

mpa Adv. oben. 

iupafro Adv. von oben (192B1). 

iwtiza Komp. zu gops (190,1). 

izei (ize) Relat.-Part. der (urspr. 
so); Fern, set (172 1 346 346 1 ). 

izwar euer (115,2 165 1S1 1 ). 



ja-bni Kon j. wenn (363 366) ; .;>/- 

Iwi a iff ft it entneder 

oder (332,1) 
jdh (26 (1) und ; jah jabai et KCI{. 

korrel >/z jah (328) 
jVh' Adv. ja, wabrlich. 
jdinar Ad\. dort (192 A 2). 
jAind'icftfrfj Adj. dorthin ^e- 

richtet (11>). 

Jrf?n Pron. jenci (50 1 170). 
jfiwprd Adv. von dorl her (133 

192 Bl). 
jaf-fe Konj und wonn (167 1 ); 

;a/y5e jafpc cntweder 

Oder (332,2 368). 
ja-u ob? 
jer N .lahr. 
Jw Adv. schon. 
juflaiwisks Adj a jiidisch. 
jugga-Uifys (cf) Mi Jtmgling (1 10). 
^M9^ Adj. a jnnp ; Komp. juhiza 

(188, 1 a). 

jus ihr (<w 164). 
ju-fcw Adv. schon, n j. nicht 

mehr. 

Rel. d. 2 Pers. PI. die ihr 

(172 b 349). 

k. 

ledisar Lehnw. Ma Caesar, Kaiser 

(11^,2) 

kalds Adj. a knit. 
Jcalldnassus Mu Hurerei, Ehe- 

bruch. 
kann V.prat.-pras. kenne, wei6 

(220,4 355,1). 

kannjan sw.V.l kund tun. 
kara Fo Sorge; kar> ist (391) 



oder kara es kiimmert m. per- 
sonl. Akk. u. sachl. Gen. (247,^). 
karkara Fo Lehnw. Kerker (38 1 ). 
kas Na Gefafc. 
kasja Mn Topfer. 
kdupatjan unregelm. sw.V.l ohr- 

feigen (228). 
kdupon sw.V.2 Lelinw. Handel 

treiben. 
kaurba&nan (Hs. kaurbanww) 

Koppovflv Tempelschatz. 
kaurei(n) Fn Last (157*). 
kaurjan sw.V.l drQcken. 
katirvd Nn Korn (155). 
kdusjun sw.V.l m. Dat. kosten, 

ken uen lernen; in. Akk. priifen 

(255). 

kawtsjo lat. cautio (34 B ), 
Mwrtwnnrep abLV.l keimen (20H) 
kindlns Ma Statthaltor 
krnnus Fu Wange. 
kmtus Mu Heller. 
livmn al)l.V.2 prufen, wahlen. 
Icmu Nwa Knie (147). 
knusnjan PW.V.l m. Dat. PI. kni- 

wam auf die Knie fallen (256,1). 
Krefa Lobnw. Ma Grieche (57,2) 
krusts FiV knirschen. 
kukjan sw.V.l kussen; m. Dat. 

(255). 

kuni Nja Geschlecht (35 a 146). 
-kunnan sw.V.3 kennen (220,4 1 ). 
kunfi Nia Kunde (133). 
lamps Adj.a bekannt (133 220,4): 

ni. Dat. (353,2). 
kwslnx Mu PrQfung. 

1. 

laggs Adj. a lang. 

lagjan sw.V.l legen. 

laian* oder lauan* schmahn 

(212,2 oder 211,5). 
Uikan red. V.I springen. 
Uis V.prat.-pras. wei& (220,2). 
Idtsareis Mia Lehrer. 
Idiseins Fi/0 Lehre. 
Idisjan sw.V.l lehren, m. dopp. 

Akk. (248,1); l-*ik lernen (2S5 8 ). 
Idistjan sw.V.l tolgen; einem: 

Akk. oder afar m. Dal. 



302 



WOrterverzeichnis. 



Idtsts Mi Spur (152 3a ). 

lamb Na Lamm. 

land Na Land. 

lasiws Adj. a schwach (89 s ); 

Sup. lasiwosls. 
latjan sw.V.l lussig machen, auf- 

halten. 

/rc/ott sw.V.2 laden 
lafonn Fi Ladling, Berufung. 
lauan* oder la KM* schmahn 

(211,5 oder 212,2). 
Jdtifc (6) Ma Blatt; Laub (145). 
Iduynjan sw.V.l leupnen. 
idwn Na Lohn. 
Uus (115,1) Adj.a los, leer; m. 

Gen. (265,2). 
Idits-haiidus* oder -handja* Adj. 

eine leere Hand ha bend (184). 
Idusjan sw.V.l Ibsen. 
leihts Adj.a leicht (91 J ); MAM 

brukjan leiehtsinnig handeln. 
leihan abl.V.l leihen. 
leik Na K(irpei\ Leib, Fleisch. 
leitils Adj.a klein; Komp. minniza 

(190,1). 

leifu* N?u Obstwein. 
lekeis (leikeis "2V A) Mia Arzt. 
lekinon (leikinon 2!2 A) 

heilen. 
letan red.-abl.-V. (812,1) lassen, 

verlassen; perf. Simpl. (i29G). 
lew* N?wa Gelegenheit (147). 
tibaim Fi Leben. 
man sw.V.3 Jeben (297). 
%an abl.V.5 liegea. Mangel des 

Part. Perf. (: ) .24). 
ligrs Ma Lager. 
lisan abl.V.5 lesen, sammeln. 
lifus Mu Glied. 
liufs* (Hubs 25 B) Adj.a lieb. 
liuga F<5 Ehe. 
/m^an sw.V.3 heiraten. 
Wt^ran abl.V.2 lilgen; m. Dat. 

(253,1). 
liugna-pratifetus* Mu/i Fremdw. 

Ltigenpropbet. 
liugnja Mn Lugner. 
liuhadei (Nom. liuhadein 157*) 

Erleuchtung; Helligkeit (157 1 ). 
liuhadeins Adj.a leuchtend. 
liuJM^(li^ad 25C)Na Licht (110). 



27 b) sw.V.l 
leuchten. 

Mn Heuchler. 
* Fn Heuchelei. 
lofa Mn Hand. 
ludja Fjo Angesicht. 
lukarn Na Lehnw. Leuchte (38 1 ). 
lukarna-stafa Mn Leuchter (133). 
?MS#OM sw.V.2 begehren; in. Gen. 

(263,1). 
lustus Mu Lust. 



m. 

niaq V.pnit.-pras. kann, vennag 

(222 298,1 316). 
mahteiys Adj.a macb%. 
maMfi im ich kann (312). 
maJits Fi Macbt. 
mtil* NaV Falte. 
wdi,s' Adv. des Konij). mehr 

(191 B 1) ; wdirt Adv. des Sup. 
mdiza Komp. zu tnikils. 
Makidona* Gen. Makidonais Dat 

MaUdonai Maxebovfa. 
malan abl.V.6 mahlen. 
malma Mn Sand. 
maid Fn Motte. 

mammona MnFreindw. Mammon. 
man V.prat.-pras. glaube (220,7). 
manaaei Fn Menge. 
managjan sw.V.l vervielfaltigen. 
manags Adj.a mancher, viel. 
mana-stps (-vetfcs 22 A, -sea's 25 C 

112) Fi Menschheit, Welt (152). 
manna unregelm. Mkons Mann, 

Mensch (161). 

manna-hun neg.: niemand (178). 
manwjan sw.V.l bereiten. 
marei Fn Meer. 
marka F5 Mark, Grenze. 
marzeins Fi/0 Argernis (152,6). 
marzjan sw.V.l argern. 
mati-balgs Mi Speisetasche. 
matjan sw.V.l essen; mil part 

Gen. (262); irapd: at (270). 
mats Mi Speise. 
matirgins M Morgen. 
matirnan sw.V.3 trauern. 
matirfrjan sw.V.l morden. 
mawi Fjo Madchen (75 1 150). 



\fcflrterverzeichnis. 



303 



meins Poss. niein (165). 

met Na Zeit, Stunde. PI, meld 

Schrift. 

meljan sw.V.l schreiben. 
menops Mkons/u Monat (161 1 *>). 
merifa Fo Kunde (117,2). 
merjan sw.V.l vcrkunden (297). 
merjands Mnd KVjpuH (159*). 
tnes Lehnw. Na Tisch (57,2). 
midjis* st.Adj.ja (180,3) imttlerer 

(271). 

midjun-gards Mi Erdkreis (152 >Ja ). 
miduma Fo Milte (271). 
midwnonds Mnd Mittler (159 2 ). 
miktljan sw.V.l preisen. 
mikils Adj.a grofa ; Komp. itnitza 

(190,J). 

tntlhma Mil Wolke. 
mtfufr* Fkons Milch (160). 
missa-defcs* (-deds 25 C) Fi Misse- 

tat. 

missa-leiks Adj. a verschieden. 
wmo Adv. (stets m. Prori. pers.) 

emander (277). 
mitafc* (d) Fkons Ma (KiO). 
wiYd// sw.V.2 denken. 
mitons Fi Gedanke. 
mip 1 . Adv. mit, zu^leicb ; 2. Prap. 

m. Dat. nut (2t>SAa). 
nrtp-ana-kuvibjan sw.V.l s. {^e- 

memsam zu '1'iscbe legen; gc- 

meinsiini zu Tiscbe liegen. 
mip-iH-sandjau s&w.V.l cuvaiiocTei- 

Xai mithmemsenden, m. Dat. 

(256,2). 

mif-niman abl.V.5 annebnien. 
mif-wtjan sw.V.l versetzcn. 
mif-fun Adv. inzwischen. 
mif -panel (-pane 22 B) Konj. 

wahrend (359). 
mip-piudanon s\v.V.2 nnthen- 

schen. 
i n ip-us-1i ramjan s\\ . V . 1 m \ \ k r eu- 

zigen; mit: Dat. 
mip-wissei Fn Gew] 1^^ 
rmzdo Fn Lohn. 
modays Adj. a zomig. 
mdta Fo Zoll, Zollhaus. 
motareis Mia ZMlner. 
muka-modei Fn Sanftmut 
mulda Fo Staub. 



(130). 



sw.V.3 gedenken, wollen 
(220,7 l ). 

muns Mi Gedanke, Ratschlu^. 
munps M Mund, 



nahts Fkons Nacht (160). 
ntiiteins Fi/D Lasterung. 
namnjan sw.V.l nennen, mit 

dopp. Akk. (248,2). 
namo unregelm. Nn Name (155 2 ); 

adv. Dat. namin namens (256 2 ). 
naqalpv (d) Adj. a nacki. 
nasjan swV.l retlen. 
tiayands Mnd Heiland (159). 
nati Nja Notz. 
natjan sw.V.l netzcn. 
nauh Adv. noch (52 J ). 
'ttauh-pan desgl. 
nauh-panuh desgl. 
n&us Mi dcr Tote \W1). 
miwis Adj.i/)a tot (183 a ). 
ne nein. 

M^/W Adv. nabe; rn. Dal . (256,2), 
nehundja Mn Nach&ter. 
ww Fragej>art. nichtV 
neip Na Neid, Mifigunst. 
netwan* abl.V.l nacbstellen (203). 
ni mcht; in. (Jen. (262). 
/**&!. (mba) Fragew. docli nicht 

etwaV (328,2); Konj. wenn 

mcbt, es sei denn, daii (363 

368). 

ntdwa FOV Rost. 
nih und nicht; nicht (26 B 49,2 

91 J 330). nt f mh patdin(ei) 

fc JaA nicht nur sondern 

auch. 
niman abl.V.4 nehmen; m. part. 

Gen. (262); perf. Simpl. (296). 
niat = ni ist. 
nipjis Mja Verwandter. 
niujis Adj.ja neu (182). 
niujifa Fo Neuheit. 
niun neun (36,3 76 a ). 
niunda Ordmale der neunte. 
nu Adv. Konj. (232,6) nun, also, 

daher (338,2); nu-h (52*), nu~ 

nu: verscharftes nu (338 l ). 



304 



Wflrterverzeichnis. 



g (uhtedun 23 A) V.prat -pras. 
ftirchte (220,11). <5<7 /HI* 
ffirchte mich (255) 



pdirfa F5 Rock. 

paArpaura (paurpHra} Lebnw. Fo 

Purpur (51 52 b). 
paurpuro])*(d) Adj.a purpurfarbig 

(52 b). 

plat(s)* MN?a Lappeu. 
plinsjan swV.l tatizeu. 
pratifetja Mn Fremdu. Prophe- 

zemng. 
praiifeljan sw.V.l Fremdw. pro- 

phezeien. 
pro tifetus oder prari fetes Fremdw. 

Prophet (163). 



qdinon sw.V.2 klagen, weinen. 
qalrn Nu Stachel (153). 
qens (qeinv 22 A) Fi Eheweih. 
qimart abl.V.4 kommen; wohin: 

at, in m. Dat., in m. Akk. 

(269); perf. Simpl. (296 208'); 

Part. Perf. (324). 
qino Fn Weib. 
qistjan sw.V.l vernicliten : m. 

Dat (255). 
qifan abl.V.5 sagen; perf. Simpl. 

(296 298 2 ); m. du oder m. 

Dat. (269): m. palei (355,2). 
qrammipa Fo Feuchtigkeil (122 1 ). 



raf/ineis Mia Ratgeber. 

raihtis adv. Gen. (267 1 ), Konj. 

namlich, doch, etwa (339). 
rasta Fo Rast, Meile. 
rdua Na Rohr. 
razda Fo Sprache. 
razn Na Haus. 
reifri Nia Reich. 

reiks Ma/kons Herrscber (161 la ). 
reiro Fn Beben. 



rign Na Regei). 

rignjan sw.V.l regiien: mit: 

Dat. (256,1). 

rinnan abl.V.3,1 laufen. 
riqis (riqiz 25 A) Na Finsternis 

(117,3 145). 
riqizeins Adj.a tinster. 
rodjan sw.\.l reden; m. du oder 

m. Dat. (269); imperf. (297). 
rohms* Fi Hof, Vorhoi. 
rum* N?a Raum (65). 
runts Adj. geraumig (65). 
riiwfl Fo (teheimnis, geheimer 

Be&chluLi (05). 
runs M Limt; ruw,v blofis Blut- 

flufi; ^^?? gawaurltytin sis s. 

sturzon. 



8flf Pron. dem. 'dieser, der (167 

281). 
saban* Na Fremdw. cdfiovov, 

sabaimni, feine Lemwand. 
xabbato indekl. Fremdw. Sabbat 
sabbatus Mu/i desgl. (163). 
saei llelat. der (172 347 fl 1 .). 

Spureu demoustr. Gebrauchs 

(347 ') 

M Untergaug. 
Mi Gesang (152 3 *). 
Pron. dem. dieser, der und 

kein andrer (53 l 168 u. 168 1 '*). 

In relativ. Funktion (343). 
sdi Adv. ecce; ICTUJ (229*). 
mian red.-al)l.V. saen (68 212,2); 

m. Dat. oder Akk. (256 J ); wo- 

hin : ana, in m. Dat. oder Akk. 

(269). 

salhsta der sechste. 
saihan abl.V.5 sehri. 
sdlwala Fo Seele. 
sakan abl.V.6 streiten. 
sakkwt Mu Lehnw. Sack. 
salbon sw.V.2 salben. 
salifwos FO PL Herberge (238). 
saljan sw.V.l herbergen, bleiben. 
saljan sw.V.l opfern. 
salt Na Salz. 
saina Pron.n derselbe: sa sama 

desgi. (171 187,1). 



Wdrterverzeichnis. 



305 



^ama-letks Adj.a gleicb, flberein- 

stimmend; satndleiko Adv. 
^ama-qius Fi tJbereinstimmung 

(115,1). 

sandjan sw.V.l senden. 
mrwa N.wa PL Waffen (147). 
satjan sw.V.l setzen; wohin: 

ana m. Dat. (269). 
*1>8* (sadsSZC) Adj.a salt (110 

133). 

wtihteis Fi PI. Krankhoiten (238). 
xaml Na Sonne (71,1). 
tiaiir Lehnw. Mi Sums (115,2). 
m&rga Fo Sorge. 
saurgan sw.V.3 sorgen um: bl 

m. Gen. 
xtiufia Fo Grund; in ho ftanfo 

auf wclche Weise. 
w* Relativ-Partikel die (urspr. so) 

(172 1 346 u. ;^46 J ). 
f/* Refl. Gen. (164 276). 
setHs* refl. Poss. sein (165 276). 
^elfins Adj.u spilt (184). 
sidus Mu Sitte. 

*/wrt sw.V.3 sich freuen (354,^). 
sigqan abl V.3,1 sinken. 
#ihw Randal. (49 1 ). 
sik Refl. sich (164). 
atf&aPron.nselbst(171 187,1 280). 



stlda-leiku Adj.a wunderbar. 
xilubr Na Silber; im PI. Silber- 

linge M 27,5V 
xUubreins (stlubrins 22 F) Adj.a 

silbern ; Silberlinff. 
sine'iys (twneigs 22 D) Adj.a alt; 

Sup. ttinisttt (189,1) alt ester, 

der Alteste. 
xittirins Adj.a Uitflich: sinteinq 

Adv, immer. 
stnfa Ma. Ganpr, Mai (133); ai- 

namrna sinfa einmal usw. 

(197 2562). 
ttiponeis Mia Junger. 
sitan abl.V.5 sitzen; Mangel des 

Part. Perf. (324 1 ). 
sitls Ma Sitz. 
siukei Fn Krankheit. 
muks Adj.a siech, krank. 
siuns Fi Gesicht (135); adv. Dat. 

siunai von Ansehn (256 2 ). 



skadus Mu Schatten (35 1 46^). 
skaftjan $ik sw.V.l juAXciv, sich 

anschicken. 

skdidan red. V.I scheiden. 
skdl V.prat.-pras. soil, bin schuldig- 

(220,8); zur Umschreibung des 

durat. Fut. (301 c); m. Norn. 

c. Inf. (316). 

skcUkinon sw.V.2 dienen. 
ttkalkft Ma Knecht. 
akcimcm sik sw. V.3 sich scJiainen ; 

m. Gen. (265 1 ). 
skattfi Ma Geldstuck, Geld. 
skafjan unregelm. abl.V.6 scha- 

den (209). 
skauda-r&ip(s)* MNVa Leder- 

riemen. 

skaut(s)* MN? Kleidsaum. 
skeirs Adj. hell (115 183*). 
Mlja Mn Fleischer. 
skip Na ScLifl. 
skolts Ma Sclmh. 
skohxl Na bOser Geist. 
sTcnggwa Mn Spiegel (90). 
skula Mn Schuldner; sk. wisau 

schuldig sein m. sachl. Akk. 

(247,3). 
shdds (Part. Perf. v. skal 220,8) 

im ich mufi (312). skuld ist 

es ist erlaubt, man dari ; m. 

Dat. (253,2). 
slahan abl.V.6 schlagen: mit: 

Dat. (256,1). 
nlahs Mi Schlag. 
slawan sw V.3 schweigen. 
le&* (183) oder sleideis* (182) 

Adj. schlimm (133). 
Mlepan red. V.4schlafen(34 2 21 1,4). 
slips Ma Schlaf. 
smakka Mn Feige. 
smals Adj.a klein, gering. 
snaga Mn Kleid. 
sneifan abJ.V.l schneiden. 
smiwan abl.V.5 eilen (208). 
sokjan sw.V.l suchen. 
spaikulatur Fremdw. Spaher (23 * 

52 b). 

sparwa Mn Sperling. 
8pediza*(F speideizeiMA) Komp. 

spater; spedists (spidists) u. 

spedumists (190,3) Sup. 



Streitberg, Qotisohes Blementarbuch 



20 



306 



Worterverzeichnis. 



speiwan abLV.l speien. 
spinnan abl.V.3,1 spinnen. 
sprduto Adv. schnell. 
stdinahs Adj. a saxosus (118). 
stdt'njan sw.V.l steinigen. 
stdins Ma Stein. 
utairo Fn. die Uniruchtbaro. 
stftndan unregrelm. abl.V.6 stehn 

(133209225); Mangel desPart. 

Perf. (324 2 ). st. in vnidjaim 

(271). 
sta^s (starts 25 G) Mi Stutte, 

Platz (133). 

*tof* (P) Ma Ufer (103 133). 
staua Fo Gericht (71,1). 
staua Mn Richter (71,1). 
staua-stol* Ma Riehterstuhl. 
stdutan red.V.2 stolen, schlagen. 
xtibna Fo Stimme. 
stikls Ma Becher. 
stilan ahl.V.4 stehlen. 
stiur Ma Slier (76* 115,2 235'). 
stOjan (Prut, atanida 71,1) sw.V.l 

richten. 

stols Ma Stuhl, Thron. 
strdujan sw.V.l streuen; wohin: 

ana m Dat (269). 
striks M Strich. 
mtlja* Fjo? Sohle. 
sums Indef. irgendeiner (176); />? 

sumata, bi uum ain zum Teil. 
wndrd Adu besonders. 
jmn/Yr FjO Wahrheit. 
mnjeins Adj. a wahr, wahrhaftig. 
si^no FNn Sonne (155 3 235). 
mns Adv. sofort. 
suns-diiv Adv. sofort. 
sunset rel. Konj. sobald als (359). 
ttunus Mu Sohn. 
sf^dn sw.V.2 wurzen; mit: Dat.- 

Instr. (2563), 
stvtis Adj.i/ja ruhig, geziemend, 

ertraglich (65 1 183 2 8 ). 
swaei Konj. so da6 (361 c). 
swaihra Mn Schwaher, d. i. 

Schwiegervater. 
swnihro Fn Schwiegermutter. 
siv a-ldulps (d) pron. Adj. so grofi 

(175) 
swo-leiks pronom. Adj. so be- 

schaffen (175). 



swamms* M?a Schwamm 
swaran abl.V.6 schworen. 
sware (swarei 22 A) Adv. ver- 

gebens, grundlos. 
swarts Adj. a schwarz. 
swa-swf Adv. sowie; Konj. so 

dafc (361). 
swe Adv. Konj. wie; so dah; bei 

Zahlen: ungefabr (361). 
stveiban abl.V.l aufhOren. 
sweln Na Schweiu. 
siveran sw.V.3 verherrlichen. 
swers Adj.a geehrt (115 8 >. 
ftwes Adj.a eigen. 
swe-fauh Konj. doch vielmehr 

(337) , jabai swefaith, swepnuh 

jdbai wcnn anders. 
fttnbh* M?a Scbwefcl. 
swiglja Mil FlOtensjjjelcr. 
swiglon sw.V.2 pfeifen. 
swikns Adj. unschtildi^, reiii 
stvi-kunps Adj.a oftenkundjg ; Adv. 

stvikunfaba (swe- 22 D) often, 

deutlien. 

swiltan abl.V.3,2 sterl>en. 
swinfs Adj.a stark. Komp. 

sunnpoza. 

swivfar Fr Schwester (15S). 
su^nagoga-fcfys (d) Mi Synagogeii- 

vorsteher. 
xwnaydge, F Fremdw. Synagoge. 

t. 

tagl Na Haar. 

tagr Na Zabre. 

tahjan sw.V.l reifien, zerren. 

tafJiswft sw.Adj. rechts. 

wa Fo" die Rechte; taihswo 

Fn dosgl. 

tathun zehn (134 194). 
taihunda Ordin. Zehnter. 
taihun-tehunrf (-taihund) hundert. 
taihun-teweis* Adj.ia zehnreihig 

(194 8 ). 
tdiknjan sw.V.l zeigen; t. sik 

s. stellen. 
tdikns Fi Zeichen. 
t&injo Fn Korb. 
tdujan sw.V.l tun, machen (75 l ). 



Wftrterverzeichnis . 



307 



tekan (teikan 22 A) red.-abl.V. 

beriihieii (212,1); m. Dat. (255). 
*tilr (Hs. aibr CA) Na Opfer. 
tigjw Mu PI. Dekaden (194 2 ). 
tinirja Mn Zimmermann. 
timrjan (timbrjnn 3Ja) sw.V.l 

ziminein, baueu. 
liuhan abl.V.2 ziehn. 
t rowan sw.V.IJ (71,2 211) trauen 

(354,2); m. Dat.: auf. 
triggws Adj.wa treu (90). 
Iriu Nwa Baum (147). 
trudanumeg. abl V.4treten(207). 
tundnan sw.V.4 brennen 
tunfus Mu Zahn. 
fwei'/ zwei (194 1 ). 
/iwf (twaUb 25 B) zwolf (111 

1<J4 2 ). 
ttrtihtuti heide; jo zvvoi (1M5 1 ). 



rcl. Adv. wohia. 
J>ylcjaH (paggkjan, pankjun 28) 

umey. sw.V.l denken (53). 
fait an sw.V.'t schwcigen. 
pah-h l j riip. m. Akk. durdi 
fatrh-urbdidjun sw.V.l darch- 

arbeiten, 

pairh-b(tiran abl.V 4durchtra^en. 
fafrh-ffayyan deftkt. red V Ti 

durch^ehn, durchdringeu. 
fnlrMeifaH abl V. I durch- 

wandeiu. 
7>a^ 1. Dem. dann, damals, dar- 

auf. 2. Konj. aber (333). 

-fe ^flfn denn (Si.'i 1 ). 

3. Tempo ralkonj. wanu (359). 
f ana-t^eif s Adv des Komp. welter 

(191 Bl). 
fatufe (panflei 22 A) Konj. solange 

alfe, da (359); wenn (367, 1 2 ). 
panel Konj. wann (359). 
fan-nu Konj. also, darum (338 1 ). 
farbs* (35 lft 132) Adj.a iifltig, 

Ph 2,256; bedurflig m. Gen. 

(265,2). 

farei relat. Adv. wo. 
farf V.prat.-pras. bedarf (132 

220,5). 
farih8*(?) Adj. ungewalkt (49 ; 2 1 ). 



it-din Na das Eine (39 1 ). 
at-dinei Adv. nur. 
tfei Konj. dafi (353 ft. 355 J -). 

aproh Adv. danach. 

(pauh 27a) Konj. naeh Komp. : 
a!?,. im 2. Glied einer Doppel- 
fiage: oder (332,3). im Nach- 
-<atz einer irrealen Peri ode 
(30(>). Adv. doch, wohl, nun. 

paArfts Fi Bedurfnis, Not; p.ist 
in. Dat. r bedarf (253,1). 

faiirnu* Mu Dorn. 

faursjan sw.V.l, unpersfinl. m. 
Akk. d. Pers. es diirslet (247,1). 

pe Instr. N urn so, desto (57 * 
107 1 25t> 3 ). 

pei 1. Relativpartjkel : da. 
2.Konj.: dafa, damit (Ki7 2 345 

peiltav abl.V. 1 gedeihn (54,2). 
petns Poss. dem (105). 
pis-hwduh pei oder padei wohin 

auch Jinmer (177,1 s ). 
p'is-ktizuti saei Indef. quicunque 

(177,12 345 1 ). 
pmda Fo Volk ; PL I9vr| Heiden, 

Pai piudv die Heiden. 
pmdan-ffardt FiO Reich. 
Ptudanon sw.V.2 herrbchen. 
ptndans Ma Korng. 

piuls* (piubs 25 B) Ma Di'eb. 
piu-mayus Mu Kneclit (24 153). 
/m* Mwa Knecbt (70 1 147). 
piup (p) Na das Gute. 
piupeiys Adj.a gut; gepriesen. 
piupjan sw.V.l preisen ; m. Dat. 

oder Akk. (2.VP). 
pitvadtv* Nwa Dienstbarkeit (35 l 
118 147). 

Fjo Dienerin (70 x 150). 
is M Flucbt. 
'iuhan abl.V.2 lliehen. 
'afstjan sw.V.l tr5sten. 
rayjnn sw.V.l laufen. 
'aihans Part. Peri*, von freifan. 

abl. V.I drangen (54,2). 
drei (194 1 ). 

Ordin. der dritte (187,2). 
'prislan abl.V.3 T 2 dreschen (206). 

20* 



308 



Wdrterverzeichnis. 



f ruts-fill Na Aussatz (65 u. 65 1 ). 
s-fills Adj. a aussatzig. 
du (164). 

Relat. d. 2. Pers. der du 
(172 b 349). 
fugkjan (fuggkjan) unregelm. 
s w.V.l dfinken, meinen (65,2 
228). unpersfcnl. pugkeip mis 
es dunkt mich (253,1). 
fusundi Fio tausend (65 150 2 

194 235 2 ). 

fwalian abl.V.6 wa&chen. 
fwafrhs Adj. a zornig. 

n. 

-M (-uh 27a) enkl. Fragepart. 

(232,4 f.); in der einfachen 

Frage (328); in der disjunk- 

tiven Frage (332,3). 
ubils Adj.a b&se; Kompar. wair- 

siza (190,1). 

ubil-waurdjan s w.V.l schmahn. 
uf Prap. m. Dat. u. Akk. unter. 
ufar Prap. m. Dat. u. Akk. fiber 

(38,2). 
ufarassjan s w.V.l machen, dafi 

etw. imCberflufs vorhanden ist. 
ufarassus Mu tTberflufi; Dat. -au 

Adv. sehr (2562). 
ufar-fullei Fn Cberflufi. 
ufar-fulljwi sw.V.l uberftillen; 

m. Gen. (266). intransit. 

(285*). 
ufar-leifan abl.V.l hindbergehn, 

tiberiahren. 
ufar-mdudei Fn das Vergessen 

(157 1 ). 

ufar-rawneins Fi/0 Besprengung. 
ufar-skadwjan sw.V.l uber- 

schatten (46 1 ). 
ufar-swaran abl.V.6 falsch 

schwOren. 
uf-bduljan sw.V.l anschwellen 

machen (52 l ). 
uf-brinnan abl.V.3,1 ent-, ver- 

brennen (intr.). 

uf-graban abl.V.6 auf% ausgraben. 
uf-Musjan sw.V.l gehorchen. 
uf-hlohjan sw.V.l auflachen ma- 

cben; Passiv: auflachen. 
uf-hropjan sw.V.l aufschreien. 



ufjd FN?n flberflufi 

uf-kunnan unregelm. sw.V.3 

(220,4 1 ) erkennen (298 J b 355,1). 
uf-kunfi Nia Erkenntnis. 
uf-rakjan sw.V.l aufrecken. 
ufta Adv. oft. 

ufts (vgl. aufto) vielleicht (52 l ). 
~uh Enklitika (26 A 52,2 232,13) 

und (329). 

ulbandus Mu Lehnw. Kamel. 
un-agands Part. Pras. (220, II 1 ) 

furchtlos. 
und Prap. m. Dat. um fur; m. 

Akk. bis zu (268 6 a) ; ni und 

waiht um nichts. 
undar Prap. m. Akk. unter. 
undaraisio Td Kcmimpa fur un 

daristo (189 1 ). 
undaro Adv. unten; Prap. in. 

Dat. unter. 

nndaiirni-matsWLi Mittagessen (51). 
und-rinnan abl.V.3,1 zulaufen ; 

zufallen. 

un-frodei Fn Unverstand. 
un-frd^s (d) Adj.a unklug (133). 
un-gafairinondft Part. Pras. un- 

tadelhaft. 
un-gakusanft Part. Peri*, nicht 

probehaltig. 
un-galdubjcnids Part. Pras. un- 

glaubig. 

un-gatassaba Adv. unordentlich. 
un-hdili Nia Krankheit. 
wn-handuwaurhtft Adj.a nicht mil 

der Hand gemacht. 
un-hrdim Adj.i/ja unrein. 
un-hulpa Mn nn-hulpo Fn (in. 

mask. Pradikatsnomen 236,1) 

Unhold, Teufel. 
un-kaureins Fi/0 Unbeschwer- 

lichkeit (152). 

un-le]>8* (-leds 25 C) Adj.a arm. 
un-liufs* (b) Adj.a unlieb. 
un-liuts Adj.a ungeheuchelt. 
un-mahteigs Adj.a unmdglich; m. 

Dat. (253,2). 

"un-mdhts Fi Ohnmacht. 
un-nutis* Adj.i/ja unnfltz (183 8 ). 
unsar unser (115,2 165 181 1 ). 
un-stls Adj.i/ja ubel, b6se (86* 

183 186 1 ). 



W6rterverzeichnis. 



309 



ttn-sibjis* Adjja verbrecherisch 

(182). 

un-skawai sijaima Wjcpujjutev (89 2 ). 
un-sweibands Part. Pras. unauf- 
l\i hflrlich. 

un-sweripa Fo Unehre. 
unte Konj. denn; weil (340 359). 
un-fiuf Na das B&se. 
un-us~8pitto])8 (d) Part.Perf. nicht 

auszuerzahlen, far dveEepeuvrj- 

TOC unerforschlich JR 1 1, 33. 
un-wairpaba Adv. unwurdig. 
un-wamms Adj.a unbefleckt. 
ur-rdisjan sw.V.l aufstehn 

machen, erwecken, erregen; 

durch: Dat (256,1). 
ur-rannjan sw.V.l aufgehnlassen. 
ur-reisan abl.V.l sich erheben; 

ur-r. in miflumai (271). 
ur-rinnan abl.V.3,1 ausgehn, s. 

aufmachen; auffrehn (Sonne); 

herauskommen (Los). 
ur-rists Fi Auferstehung. 
ur-runs M Aus- Aufgang(115,l). 
us Prkp. m.Dat. aus (26 E 268 A a). 
us-bairan abl.V.4 wegtragen ; 

hervorbringen. 
us-leisneigs Adj.a geduldig, lang- 



us-beims Fi Erwartung (130 1 ). 
ws-ftirfawabl.V.5erbitten (208316). 
tis-bliggwan unregelm. abl.V.2 

durchblauen (90. 204). 
us-bugjan unregelm. sw.V.l er- 

kaufen (298 1 ). 
us-dditdei Fn Eifer. 
us-ddudjan sw.V.l s. befleifiigen. 
us-dreiban abl.V.1 vertreiben; m. 

Dat. oder Akk. (255 1 ). 
us-filhan abl.V.3,2 begraben, 
us-fuHjan sw.V.l erfflllen; m. 

Gen. (266); vollenden. 
us-fullnan sw.V.4 erfQlli werden. 
us-gaggan defekt. red.V.3 hinaus- 

gehn; Part. Pert'. (324). 
us-geisnan sw.V.4 sich entsetzen, 

von Sinnen sein. 
us-giban abl.V.5 ausgeben, zurUck- 

geben, vergelten. 
us-gildan abl.V.3,2 vergelten. 
us-grciban abl.V.6 ausgraben, 



us-gutnan sw.V.4 ausgegossen 

werden. 
us-hafjan unregelm. abl.V.6 er- 

heben, wegnehmen. 
m-halian red.V.3 erhangen. 
us-hdutyan sw.V.l erhflhen (302a) 



us-hinfan abl.V.3,1 gefangen 

nehmen. 

us-hranijan sw.V.l kreuzigen. 
us-hnnjan sw.V.l abschfltteln. 
us-hulon, sw.V.2 aushOhlen. 
ua-kannjan, sw.V.l bekannt 

machen. 
us-kiusan abl.V.2 m Dat. ver- 

werfen, vertreiben; m. Akk. 

prttfen (255). 
us-kunps Adj.a bekannt. 
u#-lagja,n sw.V.l ausstrecken, 

leg(Mi ; wohin : ana m. Akk. (269). 
us-Umbjan sw.V.l erlnuben. 
us-Uusjan sw V.I los-, erlfisen. 
us-leifan abl.V.l weggehn ; ver- 

gehn. 

us-Upa Mn. Gichtbruchiger. 
us-luknan sw.V.4 geflffnet werden 

(320). 

us-luton sw.V.2 verfflhren. 
uH-m6itan red. V.I aus-, ab- 

schneiden. 

us-werjan sw.V.l verktindigen. 
us-niman aJ)l.V,4 wegnehmen. 
iis-qintan abl.V.4 umbringen ; m. 

Dat. odcr Akk. (255 1 ). 
us-qistjan sw.V.l vernichten; m. 

Dat oder Akk. (255 1 ). 
us-qipan abl.V.5 aussprechen. 
us-mikan abl VI) sehend werden. 
us-sakan abl.V.6 darlegen. 
us'sandjan sw.V.l aussenden. 
us-8atjan sw.V.l aussetzen, aus- 

schicken ; zusammensetzen. 
us-siggwan abl. V. 3.1 vorlesen. 
us-fikarjan (fftr us-skauyant) sw. 

V.I dKvf^ipai, michtern werden 



us-sokjan sw.V.l ausforschen, 

flberfiihren, richten. 
us-standan (ustimdan 29) un- 

regelm. abl.V.6 au'stehn. 



310 



W6rterverzeichnis. 



us-ste-igan (usteigan 29) abl.V.l 

hinaufsteigen. 
*U8-stiggan, (Hs. us-stagg CA) abl. 

V.3,1 ausstechen (405). 
us-tdiknjan sw.V.l auszeichnen; 

erweisen ; hezeichnen, zum 

Ausdruck bringen. 
Ms-tmhan abl.V.2 hinausziehn, 

ausfuhren, beenden. 
uft-priutan abl.V.2 kranken, be- 

lastigen. 

w-frdfjan sw.V.l einuben (316). 
wtfulan sw.V.3 erdulden, er- 

tragen. 
us-walrpan abl.V.3,2 hinauswer- 

ien, austreiben. 
w-waUeins Fi/0 Umwalzung. 
H8-umndjan sw.V.l sich abwen- 

den, abschlagen; m. Dat. 
us-waiirkts Adj. a gerecht. 
us-waurkjan sw.V.l bewirken, 

wirksani sein. 

ut Adv. hinaus (Go. 19i2 C 3). 
Ufa Adv. au&en. 
uta fro Adv. m. Gen. von aufien, 

aufieihalb. 



w. 

sw.V.l bewej<en. 
wahsjan unregelm. abl.V.6 wacb- 

sen (209). 

iwthstus Mu Wuchs. 
wit Interj. wehe. 
icaian abl.-red.V. wehen (68 2112,2). 
wai-dedja Mil tlbeltater. 
waihsta Mn Ecke. 
imfltfs Fi/kons Sache (160 2 ). 

m wathts, ni waiht nichts ( 1 78 8 ). 

ni mid waiht um nichts. 
icalla Adv. wohl (50i). 
wdila-mereis* Adj.ia lOblicb (182). 
ivdtfa-merjan sw.V.l die frohe 

Bolschaft verkflndigen, pre- 

digen. 

wdt-nei Interj. wenn doch. 
wair Ma Mann (115,2). 
wairpan abl.V.3,2 werfen; mit: 

Dat. oddr Akk. (256 1 ). 
wairsiza Komp. zu ubils (190,1). 



watrfan abl.V.3,2 werden; perf 

Simpl. ( U 296 2982 302a). Part. 

Pert. (324). 
wairpon sw.V.2 werten, ab- 

scnatzen. 
wairps Adj. a wert, ttichtig; m. 

Gen. (266,2). Adv. wair- 

puba (191 A 1). 
wait V.prat.-pras. weifi (220,1 

355,1); 6pftv M27,4. 
waja-mereins Fi/n Lasterung 

(152 7 157 1 ). 

waja-mSrjan sw.V.l lastern. 
waldan red.V.3 walten (211,3); 

m. Dat. 'iiber 1 (253,1). 
wctldufni Nia Gewalt (86 1 117,1 

145 8 ). 

walis (115,1) Adj.a auserwahlt. 
walus Mu Stab. 
uximba Fo Bauch, Leib. 
wamm* N?a Fleck. 
wandjan sw.V.l wenden. 
wans Adj.a mangelnd; m. Gen. 

(265,2). 

wardja* MnV Wachter. 
warjan sw.V.l wehren ; m. Dat. 

oder Akk. (255 1 ). 
wasjan sw.V.l kleiden ; mit: 

Dat.-lnstr. (256*). 
wasti Fio Kleid; PI. Kleidung. 
tvato unre^. Nn Wasser (155 a ). 
wa&rd Na Wort. 
waurkjan unregelm. sw.V.l wir^ 

ken (228). 
waurstw Na Werk. 
wa&rstwa u. watirstnya Mn Ar- 

beiter. 

waurts Fi Wurzel. 
wegsW&l\ Sg. Bewegung PL Wellen 

(145 8 238). 
weihan abl.V.1 kampfen (54,2 

203); nut: Dat. (256,1). 
weihnan sw.V.4 geheiligt werden. 
weihs Adj.a heilig ; m. Gen. (266,2). 
wein Lehnw. Na Wein. 
weina-lasi Nja Weinbeere. 
weina-yards Mi Weinberg. 
weina-triu Nwa Sg. Weinstock, 

PL Weinberg. 
weis wir (164). 
weitwddipa Fo Zeugnis. 



WOrterverzeichnis. 



311 



weitwodjan sw.V.l Zeugnis ab- 

legen. 
weitwofcs* (weitwods 25 C) kons 

Zeuge (161 W). 
wenjan sw.V.l hoffcn, erwarten 

(354,1). 

wens Fi Hoffnung. 
widuwairna Mn Waise (4Sa). 
widuwo Fn Witwe. 
wigadeino*'* FnV Disiel, 
wigs Ma Wcg. 
trt^ff Mn Wille. 
wflja-halpein Nom. Beriicksich- 

tigung, Zuneigun? (157 a ). 
wiljau athem. Opt. will (230 298,2 

:t!6). 

7^7/m Ad^j.ia wild (182 II). 
wdwan abl.V.8,2 rauben. 
winds Ma Wind. 
winnan abl.V.3,1 leiden. 
wintnix Mu Winter. 
w^*s Na Meeresstille 
ee'Mfm abl.V.5 bleiben; sein (208 

u. 208 1 2 ( ,)7). Manj?pl des Par). 

Perf. (324^). wwaw 



Fi Wesenheit. 

wit l.Pers. Du. wir beido (164). 
wiian swV.3 auf etwas sehn, 

achtgeben; in. Dat. (255). 
rntdb W Na Gesetz (110 117,2). 
wipra Prftp. mit Akk. gegen. 
urifra-walrfs Adj. a jjfegeiiilber- 

liegend; m. Dat. (256,2). 
4z6H sw.V.2 leben (136). 
MW* M Angesicht. 
wopjan sw.V.l rufeu, m. Akk.; 

in. Gen. (263,1). 
woty* (t/wfo25C) Adj. a wUtend, 

besessen. 

wraton sw.V.2 rolsen. 
vfrikftH abl.V.5 verfolgen. 
wr6hjan sw.V.l anschuldigen. 
wulan unro. abl.V.4sieden(207). 
i*V* Ma Wolf. 
wul turn's Mui Tuch walker. 
uwlfags Adj a herrlich. 
wutpriza Koinp wertvoller. 
tntf^vt Fi Wert (152). 
MW//IW Mu Herrlichkeit (24 153). 



312 



Berichtigungen und Nachtrftge. 

S. 9 Z. 7 v. u. lies: 1841. 

Zusatz zu 11: Unsere gotischen Texte haben neuerdings 
einen hOchst erfreulichen Zuwachs erfahren. Die Giefcener Uni- 
versitatsbibliothek hat unlangst ein aus Agypten stammendes, dem 
An fang des 5. Jhs. zugehorendes Pergament-Doppelblatt erworben, 
das nach der Entdeckung von Lie. Glaue ein Bruchstuck der schon 
von Burkitt vermuteten lateinisch-gotischen Evangelien- 
bilingue ( 13 A 2 S. 32) ist. Wie ich der frdl. Mitteilung Hrn. 
Kollegen Glaues verdanke, sind im gotischen Text die Enden der 
Zeilen, ini lateinischen die Zeilenanfange erhalten, immer je ein 
Viertel der Seiten 1.2 15.16 eines Quaternio. Im Gotischen handelt 
es sich urn die Verse Lukas 23,1114 und 24,1317. Hr. Lie. 
Glaue wird in Gemeinschaft mit Hrn. Prof. Helm, das Fragment 
im 1. Heft des 11. Bandes der Zeitschrift fur die neutestamentliche 
Wissenschaft herausgeg. von E. v. Preuschen verOffentlichen. 

S.39 Z.2 v. o. lies: sowie 1C (18) ZahlwOrter. 

S. 50 25C: tber gudhusa J 18,20 vgl. Verf.IF. 24,181. 

S.68 49,1 : Kluges Versuch, das i von hirizu erklaren (Zeitschr. 
f. deulsche Wortf. 10,64 f.), ist v6llig verfehlt. 

S. 112 Z. 10 v. u. lies: ga-aggwei. 

S. 182 275: vgl. auch Held Verbum ohne pronominales 
Subjekt in der altera deutschen Sprache. GOttinger Dissertation 1903. 
Held ist zu demselben Ergebnis gelangt wie spkter Meillet. 

S. 283 Matth. 27,5 u. 9 So verlockend es ist, faim situ- 
6r<mi>flw zu bessern (E. Schroder schreibt wohl aus Versehn faim 
silubreinaim), so habe ich doch nicht gewagt, die Anderung in den 
Text auizunehmen. Derm wie der Ubersetzer Me 5,4 den Plural 
eisarna fiir ir^bai anwendet, so kann er mflghcherweise der Ab- 
wechslung halberM27,5 den Plural silubra fur ipfOpia angewendet 
haben. V. 9 halte ich den Zusatz von fans zu ]h*ins tiguns 
silubreinaize nicht fur geboten. Die Sache liegt so, daft es sich 
an dieser Stelle nicht schlechthin urn die vorher erwahnten 30 Silber- 
linge des Judas handelt, sondern um ein alttestamentliches 
Zitat, das einen prophetischen Hinweis auf sie, ein 'Vorbild* ent- 
halt (Zachariasll,12f.; Jeremias 32,69). Der Mangel des Demon- 
strativums (irn Gegensatz zu V. 3) dQrfte daher auf Absicht beruhn. 



313 



Erlauterung der Abkttrzungen. 



ae. = altenglicsh. 
ahd. = althochdeutsch. 



aisl. = altislandisch. 
mhd. = mittelhochdeulsch. 



BB. = Bezzenbergers Beitrage fur die Kunde der idg. Sprachen. 

HZ. = Haupts Zeitschrift fiir deutsches Allertum. 

HZ.Anz. = Anzeiger fflr deulsches Altertum; Beiblatt zu HZ. Er 

wird nach den Zahleri der Zeitschriftbande zitiert, 

zu denen er gehOrt. 
IF. = Indogermanische Forschungen, herausgeg. von K. Brugmanu 

und W. Streitberg. 
IF.Anz. = Anzeiger far idg. Spracb- und Altertumskunde, Beiblatt 

zu IF. 

MSG. = Migne Patrologie, Series graeca. 
MSL. = Migne Patrologie, Series latina. 
MSLP. = M6moires de la Sociele de Linguistique de Paris. 
PBB. = Paul-Braunes Beitrage zur Geschichte der deutschen Spraclie 

und Literatur. 

UG. = Urgermanische Grammatik von Streitberg. 
ZZ. = Zachers Zeitschrift fiir deutsche Philologie. 



AbkUrzungen der Texte des Neuen Testaments. A. Evangelieu: 
M Me L J. B. Paulinische Briefe: R K k (1. u. 2. Korinther) 
G E Ph G (Kolosser) Th th (1. u. 2. Thessalonicher) T t (1. u. 
2. Timotheus) Tit Phil. 

< > bezeichnen Zusatze zum Text der Handschrift, [ ] da- 
gegen Streichungen. 

* vor einem Worte bezeiclmet, dafi dieses uberhaupt nicht 
belegt, sondern erschlossen ist; * nach einem Worte dagegen, dafi 
nur die zitierte Form eines Gberlieferten Wortes nicht belegt 
ist. In dieser Funktion erscheint das Zeichen uberall dort, wo es 
aus irgendeinem Grunde wdnschenswert ist zu wissen, ob eine be- 
stimmte Form belegt sei oder nicht. Wo kein solches Interesse 
vorhanden ist, unterbleibt die Charakterisierung. 



20** 



C F. Wintersche Buchdruckerel 







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