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Full text of "Grammatik der serbo-kroatischen Sprache"

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This book belongs to 
THE CAMPBELL COLLECTION 

purchased with the aid of 
The MacDonald-Stewart Foundation 

and 
The Canada Council 



International 

University 

Booksellers Ltd. 

# 

94 Gower Street 
London 
W.C.i 



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Digitized by the Internet Archive 

in 2011 with funding from 

University of Toronto 



http://www.archive.org/details/grannmatikderserbOOIask 



SAMMLUNG 

SLAVISCHER LEHR- UND 

HANDBÜCHER 

HERAUSGEGEBEN 
VON 

A. LESKIEN UND E. BERNEKER 



I. REIHE: GRAMMATIKEN 

4. GRAMMATIK DER SERBO 
KROATISCHEN SPRACHE 



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HEIDELBERG 1914 
CARL WINTER'S UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG 



GRAMMATIK 



DER 



SERBO-KROATISCHEN 
SPRACHE 



VON 



A. LESKIEN 

PROFESSOR DER SLAVISCHEN SPRACHEN 
AN DER UNIVERSITÄT LEIPZIG 



1. TEIL: 
LAUTLEHRE, STAMMBILDUNG, FORMENLEHRE 




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HEIDELBERG 1914 
CARL WINTER'S UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG 

Verlags -Nr. 1116 



Alle Rechte, besonders das Recht der Übersetzung, werden vorbehalten 



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Vorwort. 

An die Abfassung einer serbokroatischen Grammatik 
bin ich nicht ohne Bedenken gegangen, und das hat sich 
im Lauf der Arbeit nicht vermindert. Ich hatte immer 
lebhaft die Empfindung, daß ein Werk über die Sprache 
eigentlich nur schreiben kann, wer unter dem Volk lebt, 
das sie spricht, mit ihm in beständiger Berührung sein 
und vor allem in sich aufnehmen kann, was den Ge- 
schulten und Gebildeten gegenwärtig als normale Sprech- 
weise gilt. Ich könnte mich zwar darauf berufen, daß 
ich mich mehrmals längere Zeit unter Serbokroatisch- 
redenden aufgehalten habe und die Sprache leidlich ge- 
läufig habe sprechen können, auch einige Lokalmundarten 
genauer kennen gelernt habe. Allein ich gestehe gern, 
daß das nicht ausreicht, das Gefühl völliger Sicherheit zu 
geben. Sehr oft tritt das Verlangen ein, Fragen nach der 
Betonung, nach dem Gebrauch von Flexionsformen, nach 
der Gebräuchlichkeit älterer, vielleicht im Schwinden begrif- 
fener Ausdrucksformen, nach der Bedeutung und Gebrauchs- 
ausdehnung gewisser Wortbildungen, nach syntaktischen 
Eigentümlichkeiten sofort und möglichst sicher entschieden 
zu haben. Denn so einheitlich im ganzen die heutige 
Schriftsprache der Serben und Kroaten in ihrer äußeren 
Gestalt erscheint, so machen sich doch landschaftliche 
Unterschiede ziemlich stark geltend. Dazu kommt, daß 
neben einem bewußten und gewollten genauen Festhalten 
an der Gestalt der Schriftsprache, wie sie Vuk Stefanovic 
Karadzic vor einem Jahrhundert festgelegt hat, Verände- 



VI Vorwort. 

rungen eingetreten sind, wie sie im Lauf einer solchen 
Zeit bei veränderten Kulturverhältnissen immer ohne 
jedes bewußte Streben erfolgen, und daß eine beabsich- 
tigte und ganz berechtigte Anpassung der Sprache an die 
neuen Verhältnisse stattfindet. Davon kann nur ein Ge- 
lehrter, der mitten in dieser Bewegung steht, ausreichende 
Kenntnis haben, und nur ein solcher könnte diesen 
Stand der Dinge genügend darstellen. Ich muß wesent- 
lich auf Grund des in der Sprache und über sie Ge- 
schriebenen bauen. Da darf ich wohl sagen, daß selten 
jemand, der nicht dem Volke angehört, so viel Serbokroatisch 
gelesen haben wird wie ich. Das wird, hoffe ich, namentlich 
der Syntax zugute kommen. In Laut- und Formenlehre habe 
ich mich, wie es sich von selbst versteht, an die besten 
Darstellungen einheimischer Gelehrter gehalten, und 
verdanke vor allen, abgesehen von den unentbehrlichen 
Werken Vuks, namentlich den Arbeiten von Daniele, 
ßudmani, Maretic, Resetar und Belic die Hauptgrundlage 
meines Buches. Über dessen Zweck und Ausführung 
möchte ich noch sagen: Es ist kein Lehrbuch für den 
praktischen Gebrauch ; man kann daraus nicht Serbokroatisch 
schreiben oder sprechen lernen, sondern es verfolgt ohne 
jede solche Rücksicht den Zweck einer wissenschaftlichen 
Beschreibung und Erklärung der Sprache. Es beschreibt 
diejenige Form der Sprache, die Vuk als Schriftsprache 
festgelegt hat, möglichst vollständig und knüpft ihre Er- 
scheinungen an das Urslavische oder, wo eine Unterschei- 
dung des Urslavischen und Altbulgarischen nicht nötig 
ist, an dieses. Weiter zurück, in indogermanische Ver- 
hältnisse, bin ich nicht gegangen. Man findet zwar die 
Darstellung einzelner, auch lebender slavischer Sprachen 
bisweilen mehr oder minder ausführlich an urindogerma- 
nische Formen, oder was dafür gilt^ angeknüpft; ich habe 
aber ein solches Verfahren immer für verfehlt gehalten. 
Wer weiter zurückliegende sprachliche Entwicklung sucht, 
muß zu einer urslavischen oder einer vergleichenden 
Grammatik der indogermanischen Sprache greifen. 



Vorwort. VII 

Eine erschöpfende Darstellung der Dialekte und der 
Sprachgeschichte zu geben, war ganz ausgeschlossen ; dazu 
fehlen noch zu viel Vorarbeiten, und diese sämtlich selbst 
zu machen, war mir nicht möglich. Ich bin mir daher 
bewußt, daß mein Buch lückenhaft und ungleichmäßig 
ist. Andrerseits wird man vielleicht einzelne Teile zu 
ausführlich finden, so die Abschnitte über die Betonung 
und die Stammbildungslehre. Die Betonung habe ich so 
eingehend behandelt, weil sie besondere Schwierigkeiten 
bietet und weil die bisherigen Darstellungen meist nur 
rein äußerliche Schemata ohne Zurückführung auf all- 
gemeinere Grundsätze geben; die Stammbildung, weil ich 
sie überhaupt in anderer Art behandle als üblich, nicht 
auf Grundlage der lautlichen Form der Formantien, 
sondern auf Grundlage von Bedeutungsgruppen, zu deren 
Veranschaulichung aber eine größere Fülle von Beispielen 
erwünscht ist. Überhaupt bin ich nicht zu sparsam ge- 
wesen, habe Wiederholungen nicht gescheut, wo allenfalls 
Verweisungen ausgereicht hätten; aber ich habe immer 
eine Abneigung gehabt gegen Darstellungen, wo in einem 
kurzen Abschnitt viele Verweisungen stehen und der 
Leser sich erst mühsam den Zusammenhang herstellen 
muß. Raum hätte ich sparen können, wenn ich die 
deutsche Übersetzung der serbokroatischen Wörter weg- 
gelassen hätte ; aber das Buch ist für deutsche Leser 
oder solche, die Deutsch verstehen, bestimmt, bei denen 
man, auch wenn es Slaven sind, nicht ohne weiteres die 
Kenntnis der Bedeutung beliebiger serbokroatischer Wörter 
voraussetzen kann. 

Die Paragraphenzahlen sind zur Bequemlichkeit des 
Zitierens eingefügt, haben nichts mit der systematischen 
Einteilung zu tun. 

Der vorliegende Teil meines Werkes enthält nur 
Lautlehre, Stamm bildung und Formenlehre. Es war erst 
meine Absicht, die Syntax mit aufzunehmen, doch wäre 
das Buch dadurch sehr unhandlich geworden und die 
Veröffentlichung sehr verzögert worden. Es wird also die 



VIII Vorwort. 

Syntax in einem besonderen Bande folgen, den ich in 
nicht zu ferner Zeit zu vollenden hoffe. 

Zu besonderem Dank bin ich meinem Zuhörer, Herrn 
Alex. Stojicevic, verpflichtet, der mein Buch nach voll- 
endetem Druck genau durchgesehen hat. Leider hat sich 
dabei eine große Anzahl Fehler herausgestellt, zum aller- 
größten Teil in den Akzentzeichen, Versehen von mir und 
übersehene Druckfehler. Die am Ende stehende lange 
Liste hat sie wohl beseitigt, und ich muß mich damit 
trösten, daß es Einzelfehler sind, von denen prinzipielle 
Dinge nicht berührt werden. Für die Mühe, die ich dem 
Leser dadurch bereite, bitte ich um Entschuldigung; 
nur möchte ich wünschen, daß die Zahl der Fehler 
nicht gemessen werde an der Seitenzahl des Buches^ 
sondern an den Tausenden von serbokroatischen Wörtern, 
die darin vorkommen, bei deren unzähligen kleinen 
Akzentzeichen man sich so sehr leicht versieht, verschreibt 
und verliest, und falsche Setzung übersieht. 

A. Leskien. 



IX 



Inhaltsverzeichnis. 

Die eingeklammerten Zahlen geben die Paragraphen an, die 
rechts stehenden nicht eingeklammerten die Seitenzahlen. 

Seite 

Vorwort V 

Inhaltsverzeichnis IX 

Abkürzungen XVII 

Einleitung XVIII 

I. Name und Sprachgebiet XVIII 

II. Dialekte XXII 

III. Stellung des Serbokroatischen innerhalb der sla- 

vischen Sprachfamilie XXVIII 

IV. Sprachquellen XXIX 

V. Schrift XLII 

VI. Grammatische und lexikalische Hilfsmittel . . XLIV 

Lautlehre, 

I. Die einzelnen Laute und ihr Verhältnis zum Urslavischen. 

A. Die Vokale : 

Urslav. Vokale (1) 1 

Aussprache der Vokale (2) 1 

Die einzelnen skr. Vokale: 

Skr. a (3—16), o (17—19), u (20—26), r (27—29), 

e (e; je, ije, ie\ 30—39), i (40-42) 2 

Übersicht über die Vertretung der urslav. Vokale (43) 30 

Die für den skr. Vokalismus charakt. Vorgänge (44) 31 

Bemerkung über Ablaut und Ablautsreihen (45) . . 32 

B. Die Konsonanten: 

Urslav. Konsonanten und skr. Bestand (46) .... 33 

Aussprache der Konsonanten (47) 34 

Charakteristische Eigentümlichkeiten des skr. Kon- 
sonantismus (48) 35 

I. Die einzelnen Konsonanten: 

A. Nasale (49), B. Liquidae (50), C. Verschluß- 
laute (51), D. Reibelaute (52—59), E. Affri- 
katae (60—64) 35 



X Inhaltsverzeichnis. 

Seite 
II. Konsonantengruppen, Ab- und Auefall von i, h: 

A. Konsonantengruppen (65) 41 

I. Wortanlautegruppen (66 — 68) ... 43 

I. In einheitlichen Wörtern (69—83) 44 

II. In Zusammensetzungen (84 — 98) . 60 
II. Konsonantengruppen im Wortinnern 

(99—112) 66 

III. Konsonantengruppen im Auslaut (113) 74 

B. Ab- oder Ausfall von ^, t (114-121) . . 74 

II. Kombinatorischer Lautwandel (122) 77 

I. Hiatus, Kontraktion, Verkürzung langer Vokale 

(123—128) 78 

n. Abfall auslautender Vokale (129—130) 81 

III. Entstehung der Diphthonge (131) 81 

IV. Silbenauslautendes l zu o; alter /-Vokal zu u (132) 82 
V. Wandlung nicht palataler Vokale nach palatalen 

Konsonanten (133) 83 

VI. Wandlung der Konsonanten durch Verbindung mit 
urspr. j: A. urslav. Erscheinungen (134—139); 
ß. besondere skr. Entwicklung (140 — 150) . . 84 
VII. Die Konsonanten vor palatalen Vokalen (151 — 157) 88 
VIII. Konsonantischer Wortauslaut (158—160) .... 92 
IX. Konsonantenausfall aus Konsonantengruppen: A. ür- 

slavisch(161— 163)'; B. Serbokroatisch (164- 174) 92 
X. Konsonanteneinschub in Lautgruppen (175) ... 97 
XL Umstellung von Konsonantengruppen (176 — 177) . 98 
XII. Konsonanteuassimilation: 1. tönende vor tönenden, 
stumme vor stummen Konsonanten (178—184); 
2. Palatalisierung durch folgende paiatale Kon- 
sonanten (185—188) 100 

XIII. Vereinzelte Lautveränderungen und Lautneigungen 

(189—192) 105 

Geschichtliche und dialektologische Bemerkungen zum 
Vokalismus und Konsonantismus. 
Zum Vokalismus: 1. altes z, h (193—195); 2. r- Vokal (196 

bis 197); 3. Z-Vokal und seine Entwicklung (198—200); 

4. silbenauslautendes Z zu o (201); 5. Entwicklung des 

urslav. e (202); 6. die alten Naeal vokale (203—205). . 106 
Zum Konsonantismus (206 — 210) 117 

Betonung und Silbenquantität (211) 119 

I. Haupttonstelle: 1. Allgemeines. Cakavische Haupt- 
tonstelle (212 — 213); 2. stokavische Haupttonstelle 



Inhaltsverzeichnis. XI 

Seite 
(214); 3. Vergleichung der stokaviechen Hauptton- 
stelle mit der öakavischen und russischen (215) . 120 
n. Die Intonationen: A. in der heutigen Sprache 
(216—218); B. vor der stokavischen Verschiebung 

der Haupttonstelle (219) 123 

HI. Verhältnis von Haupttonstelle und Intonation zur 

Silbenquantität (220—229) 125 

Bestimmung der Betonung und Quantität der skr. Wörter 

nach §§ 214—229 (230) 131 

I. Zweisilbige Nominalstämme, Substantiva und Ad- 
jektiva: A. die femin. i-Stämme (231); B. die Mas- 
kulina (232—244); C. die neutralen o-St. (245-250); 
D. die femin.«- und j«-St. (251 — 256); E. die alten 
M-St. (257); F. die alten konsonantischen Stämme 
(258—261); G. die Adjektiva (262-265); H. die 

zweisilbigen Infinitive (266—271) 131 

n. Nomina mehrsilbigen Stammes (272) 159 

A. Nicht zusammengesetzte Wörter: 1. die Quantität 

der Formantien (273); die Hypokoristika (274); 
Abweichungen vom normalen Typus (275); 2. Quan- 
tität der stammhaften Bestandteile abgeleiteter 
Nomina (276—278) 159 

B. Zusammengesetzte Wörter: 1. aus Nomen und Nomen 

(279 — 285); 2. aus Präposition und Nomen 
(286-303) 180 

III. Betonung der Verbindungen von Präposition und 

Kasus (304) 194 

IV. Betonung von Partikeln (305—309) 195 

V. Vokaldehnung vor bestimmten Konsonanten und Kon- 
sonantengruppen: A. vor auslautendem v, j 
(310—312); B. vor je = hje (313); C. vor n m r l 

vi + Kons. (314-832) 198 

VI. Dialektische Betonung in stokav. Mundarten (333—338) 213 
Zur öakavischen Betonung (339—352) 217 

Stammbildung der Nomina (353—553) 228 

Das Einzelne s. in dem besonderen Register zu diesem 
Abschnitt S. 319. 

Nominalkomposita (554—569) 322 

1. Attributivkomposita (559—566) 325 

II. Rektionskomposita (567—569) 328 



XII Inhaltsverzeichnis. 



Flexiou der Substantiya, Adjektiva, Pronomina, 
Zahlwörter. 



Seite 



I. Deklination der Substantiva. Allgemeine Be- 
merkungen: Einteilang (570—572); Genus (573); 
Numeri (574); Bestand der Kasus (575) .... 330 
Paradigmata: I. Maskulina (576 — 584); II. Neutra 
(585-588); III. Feminina: Lauf -a (589—593); 
2. konsonantisch auslautend (alte /-Stämme; 
594); mati, kci (595); die Reste des Duals (596) 337 
Quantität der Endsilben, Wechsel der Haupttonstelle 

(597-617) 347 

II. Deklination der Pronomina und Adjektiva. 

1. Deklination der Pronomina : 

A. Personalpronomina (618— 622 j .... 361 

B. Demonstrative, interrogative, indefinite, 

possessive Pronomina: l.Demonstrativa 
(623—625); 2. Tnterrogativa (626—627); 
Relativa (628); Indefinita (629); 3. Pos- 
sessivpronomina (630 — 631); 4. sonstige 
pronominal flektierte Wörter: säm, vas 
{sav) (632—635) 364 

2. Deklination der Adjektiva (636) 372 

A. Unbestimmtes Adjektiv (637—638) . . 373 

B. Bestimmtes Adjektiv (639—640) ... 375 
Komparation der Adjektiva (641 — 646) . . 377 
Quantität und Betonung der Adjektiva: 1. das 

unbestimmte Adjektiv (647—652); 2. das 
bestimmte Adjektiv (653—660) .... 380 

III. Zahlwörter. Bestand und Flexion: 

1. Kardinalzahlen (661-669) 390 

2. Ordinalzahlen (670) 395 

8. Kollektivzahlen (671—672) 396 

4. Distributivzahlen (673) 397 

5. Multiplikation (674) 398 

Gebrauch der Zahlen, Zählweise (675—685) . . 898 

Anhang zur Deklination. Adverbia 402 

I. Adverbia von alten Pronominalstämmen: 

1. Zur Angabe des Orts (686-689); 2. der Zeit 

(690); 3» der Art und Weise (691) .... 402 
II. Adverbia aus Nominalkasus: I. zu Adjektiven 
(692—693); II. sonstige Nominalkasus (694 bis 
696); Adverbia auf -ice, -ce, -ke (697—704) . 406 



Inhaltsverzeichnis. XIII 

Seite 
m. Adverbia aus Präposition und Nominalkasus 

(705—708) 414 

IV. Vereinzelte Adverbia (709—711) 416 

Zur Geschichte der Deklination (712) 417 

I. Nomina. Die Cakavstina (713) 418 

Die Mundart von Cherso (714) 419 

Die Mundart von Krasica (715) 420 

Die Mundart von Novi (716) 421 

Historisches (717—718) 423 

Zur Geschichte der stokavischen Deklination der No- 
mina (719—741) 430 

II. Pronomina (742—749) 447 

Pronominalkasus mit angehängtem -re, -a, -/, -e 

(750—755) 452 

Das Terbum. 
Stammbildung-. Aktionsarten. Konjugation. 

Stammbildung und Aktionsarten. Allgemeines (756—757) 458 

rl. Einheitlicher Verbalstamm (758—762) 461 

1. Einsilbiger Stamm (758) 461 

A. Konsonantisch auslautend (758) .... 461 

B. Vokalisch auelautend (759) 462 

2. Mehrsilbiger Verbalstamm (760) 463 

A. Verbalstamm auf -«- (760) 463 

B. Verbalstamm auf -/- (761—762) .... 463 
II. Zweiter Stamm neben Verbalstamm: 

1. Zweiter Stamm auf -a- (763) 465 

A. Konsonantisch auslautender Verbalstamm 

(763) 465 

B. Vokalisch auslautender Verbalstamm (764) 467 

2. Zweiter Stamm auf -nu- (765) 468 

Vom Verbalstamm abgeleitete Formen (766) . 469 

3. Zweiter Stamm auf ->- = -e- (767) 471 

A. Zweiter Stamm -e- (-je-), Präsens -/- (768) 471 

a) Mit bewahrtem -e-, -je- (768) . . . 471 

b) Zweiter Stamm auf -a- aus <? (769) . 472 
ß. Ursprünglich einheitlicher Verbalstamm 

auf -e- (und a aus e)) skr. zweiter 

Stamm -je- (a) Präsens -i- {110) . . 473 
Die formalen Verhältnisse der Perfektiva und Imperfektiva 

zueinander (771) 474 

I. Perfektivierung (772) 475 

1. Durch Formans -mc- (772) 475 

2. Durch Zusammensetzung mit Präposition (773) 475 



XIV Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

IL Imperfektivierung (774) 480 

Iterativ und Imperfektiv (775) 481 

1. Zu den Verben mit einheitlichem Stamm: 

A. Einsilbiger Stamm: 

a) Konsonantisch auslautender Stamm 

(776) 481 

b) Vokaliach auslautender Stamm (777) 483 

B. Mehrsilbiger Stamm: 

a) Verbalstamm auf-«-; Formans -va- (778) 485 

-ivati neben -ävati {119) 486 

b) Verbalstamm auf -i-; Formans -a-: 
Wandlung des warzelauslautenden 
Konsonanten; bewahrte Länge(780); 
ohneKon8onantenveränderung(781); 
Kürze im Iterativ (782) .... 486 
Erweiterung der Iterativstämme auf -a- 

durch -va- (783) 489 

Das Iterativ auf -ivati (784) .... 490 
Mehrere Formen {-ävati, -ivati, -ati) 
nebeneinander (785) 491 

2. Zu den Verben mit besonderem zweiten Stamm : 

A. Zweiter Stamm auf -a-: a) das Grund- 

verbum mit Wurzelauslaut r, l, Vokal 
*,!>; b) anders beschaffener Wurzel vokal 

(786, 787) 492 

Iterativbildung mit -ävati (787 a) . . . 493 

B. Zweiter Stamm auf -nu-: 

a) Iterativstamm auf -a- (788) . . . 493 

b) Iterativ auf -ivati (789) 495 

Verbleibendes n im Iterativ (790) . 495 
Die Entstehung der Bildungen auf 

-ivati überhaupt (791) 496 

c) Iterativ auf -ävati (792) 496 

C. Zweiter Stamm auf -e- {-je-), -a-: 

a) Bei zweitem Stamm auf -a- Iterativ 

-ävati (793) 497 

b) Bei zweitem Stamm auf -e- Iterativ 

-a-, -va- und -ivati (794) .... 497 

Anhang. Iterativa auf -i-ti, Wurzelvokal o (795) . 498 

Deren weitere Iterierung, Dehnung o — a (796) 499 

Vereinzelte Fälle besonderer Iterativformen (797) 499 
Besonderheiten der Aktionsart in Zusammensetzung 

mit po und mit mehreren Präpositionen (798) 499 

1. pe- distribuierend (798) 499 

2. mehrere Präpositionen (799) 500 



Inhaltsverzeichnis. XV 

Seite 
Konjugation. 

I. Übersicht über den Formen bestand des Ver- 
bums (800) 502 

II. Einteilung in Konjugationsklassen und Prä- 
sensbildung (801) 503 

(Gruppe A) Klasse I, Formans -e- (802) .... 504 

1. Einheitlicher Verbalstamm (802) 504 

2. Zweiter Stamm auf -a- (803) 505 

Klasse II, Formans -ne- (804) 505 

Klasse III, Formans -je- (805) 505 

1. Konsonantisch auslautender Verbalstamm (805) 506 

2. Vokalisch auslautender Verbalstamm (806) . 506 

A. Ohne besonderen zweiten Stamm (806) . 507 

ß. Zweiter Stamm auf -a- (807) 507 

(Gruppe B) Klasse IV, vor der Personalendung -ä- (808) 507 

(Gruppe C) Klasse V, vor der Personalendung -7- (809) 508 
(Gruppe D) Klasse VI, vor der Personalendung -ije- 

(-e-) (810) 508 

VII. Anhang. Reste alter thematischer Präsens- 
bildungen und Unregelmäßigkeiten (811) . . . 509 

jesam, hiti (811) 509 

dätn, dati (812) 509 

vim (813) 510 

jem (ijem), jesti (814) 510 

\mäm, imati (815) 510 

idem^ \ci; dessen Zusammensetzungen mit Prä- 
positionen (816) 511 

djedem, djesti (817) 511 

hbcu cic, hbtjeti htjeti (818) 512 

Die Betonung der Präsentia. Allgemeines . . 512 

Präpositionalkomposita (819 — 820) 513 

Klapse 1.1 (821— 823) 513 

Klasse 1. 2 (824) 516 

Infinitivbetonung der Klasse I (825) .... 516 

Klasse II (826) 517 

Infinitivbetonung (827—828) 517 

Klasse III. l (829) 519 

Klasse III. 2 (830— 832) 519 

Klasse IV (833) 521 

Klasse V. 1, einheitlicher Verbalstamm auf -i- (834) 522 

Klasse V. 2, zweiter Stamm auf -je-, -a- (835) . . 524 

Klasse VI (836) 525 

Übersicht über die Betonung des Präsens (837) . 525 

Zur Geschichte des Präsens (838—842) .... 527 



XVI Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

III. Das Imperfektum (843) 529 

Die Imperfekta der einzelnen Klassen (844 — 851) . 530 

Betonung des Imperfekts (852) 533 

Zur Geschichte des Imperfekts (853) 534 

IV. Der Aorist (854) 537 

Der Aoriststamm und die Verbindung der Endungen 

mit dem Aoriststamm (855 — 858) 538 

Die Betonung des Aorists (859 — 871) 540 

Anhang. Die Aoriste -nijeh, rijeh (872) .... 547 

V. Der Imperativ (873) 548 

Die Betonung des Imperativs (874—878) .... 549 

Zur Geschichte des Imperativs (879) 551 

VI. Die Partizipien: 

A. Partizip präsentis aktivi (880) 552 

Zur Geschichte des Part. präs. (881) .... 553 

Betonung des Part. präs. (882) 554 

B. Partizip prät. akt. I (883) 556 

Zur Geschichte des Part. prät. akt. I (884) . 557 

Betonung des Part. prät. akt. I (885) .... 558 

C. Partizip prät. akt. II (^Partizip) (886) .... 559 

Betonung des ^Partizips (887-893) .... 561 

D. Das Partizip präteriti passivi (894 — 897) . . . 565 

Betonung des Partizips prät. pass. (898 — 904) 567 

Zur Geschichte des Partizips prät. pass. (905) 571 

VII. Der Infinitiv (906) 571 

VIII. Die umschriebenen Tempora und Modi: 

1. Perfektum (907) 572 

2. Futurum (908) 572 

3. Konditionalis (909) 573 

Durchgeführte Paradigmata aus den einzelnen Verbal- 
klassen (910—921) 574 

Verbesserungen und Nachträge 585 



■r" 



XVII 



Abkürzungen. 



abg. = altbulgarivsch. 

Abg. Gr. = Altbulgarische 
Grammatik von Leskien. 

Ak. Wb. = Wörterbuch der Süd- 
slavischen Akademie (Rjecnik 
hrv. ili erpskoga jezika). 

ASlPh = Archiv für elav. Phi- 
lologie. 

AT = Altes Testament in Da- 
niCic' Übersetzung. 

ßudm.= Budmani, Grammatica 
della lingua serbo-croata. 

Dan. = Danicic. 

Dan. Ist. obl. = Danißic, Isto- 
rija oblika. 

DO = Danicic, Oenove. 

ik. = ikavisch. 

Izv. = Izvästija otdelenija russ- 
kago jazyka i slovesnosti 
Imper. Ak. Nauk. 



kajk. = kajkavisch. 

jek. = jekavisch. 

Mar. = Maretic, Gramatika i 

stilietika hrvatskoga ili srps- 

koga jezika. 
Mon. = Monumenta serbica ed. 

Miklosich (Viennae 1858). 
MVG = Miklosich; Vergleichen- 
de Grammatik. 
N.pj. = Narodne pjesme skupio 

ih Vuk, 2. Aupg. 
NT. = Neues Testament in 

Vuks Übersetzung, 
r. = russisch. 
Roczn. slaw. =■■ Rocznik slawi- 

sticzny. 
slov. = slovenisch. 
St. p. = Stari pisci (Ausgaben 

der Agramer Akademie), 
stok. = stokavisch. 



Die näheren Angaben über die grammatischen Werke und die 
in serbokroatischer Sprache s. in der Einleitung. 



L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. 



n 



XVIII 



Einleitung. 

I. Name und Sprachgebiet. 

Die zusammengesetzte Benennung S er bo-Kroati seh 
ist kein volkstümlicher Name, sondern von der gelehrten 
Forschung gegeben, weil für die Mundarten, um die es 
sich handelt, kein passender Gesamtname vorhanden war. 
Die Bestandteile der Zusammensetzung dürfen aber nicht 
so verstanden werden, als gäbe es ein bestimmt abgrenz- 
bares Serbisch neben einem ebenso begrenzbaren Kroatisch 
als Dialekte der Gesamtsprache, sondern sie haben eine 
geschichtliche Bedeutung. Die Namen Serben und Kroaten 
sind seit dem 9. Jahrhundert bekannt; in die nordwest- 
liche Balkanhalbinsel, d. h. in das Gebiet, das sich von 
der Küste der Adria in der Ausdehnung etwa vom heu- 
tigen Fiume bis zur Mündung des Drin, nach Osten un- 
gefähr bis zum Timok erstreckt, der etwas westlich von 
Widin in die Donau mündet, wanderten am Anfang des 
7. Jahrhunderts eine Anzahl ethnisch und sprachlich 
nahe verwandter Stämme ein. Ein Teil von ihnen führte 
den Namen Hrvdti (Sing. Hrvät, in der heutigen Form 
und Betonung), Kroaten ; sie besaßen ungefähr den Winkel 
zwischen Kulpa-Sava im Norden, den Flüssen Vrbas 
(Nebenfluß der Sava) und Cetina (mündet ins Adriatische 
Meer bei Almissa, südlich von Spalato) im Osten und 
Süden, der Adriaküste im Westen. Von den weiter nach 
Süden und Osten wohnenden Stämmen führte einer den 
Namen Sfhi (Sing. Sfhin oder Srh): «das Land der eigent- 
lichen Serben umfaßte das Gebiet des Lim und der 
oberen Drina, samt der Piva und Tara, das Tal des Ibar und 



Name und Sprachgebiet. XIX 

den Oberlauf der westlichen Morava» (Jireöek, Geschichte 
der Serben 1, 1 20 ; der Abschnitt des Werkes von S. 6 1 — 159 
enthält eine vorzügliche Darstellung der Einwanderung 
der Slavenstämme, Serben-Kroaten und Bulgaren, in die 
Balkanhalbinsel; für die ältesten Verhältnisse vgl.Niederle, 
Slovanske starozitnosti, Dil II, Povüd a pocätki Slovanü 
jiznich, Prag 1906 — 10). Dies Gebiet, im wesent- 
lichen das später Altserbien genannte, wurde der Aus- 
gangspunkt für die Zusammenfassung der einzelnen 
Stämme zu einem größeren Staat, dem altserbischen Reich 
des Mittelalters, das seine größte Ausdehnung unter dem 
Zaren Stephan Dusan erlangte, 1389 dem Türkenansturm 
erlag. Die Namen der einzelnen Stämme sind bei den 
politischen Umwandlungen verdrängt und durch den 
Namen Serben ersetzt worden, der jetzt Gesamtname ist 
für die slavischen Bewohner Montenegros, Süddalmatiens, 
der Herzegovina, Bosniens, des früheren türkischen Vilajets 
Kosovo (d. h. des Landes zwischen Montenegro und dem 
Königreich Serbien in ihren früheren Grenzen [bis 1913] 
ungefähr vom Nord ende Montenegros bis zu den Gebirgen 
Schardagh und Karadagh [nördlich vom Oberlauf des Var- 
dar]), des Königreichs Serbien in seinem früheren Umfang bis 
zu den Friedensschlüssen von London und Bukarest (1913), 
Slavonien-Syrmiens, des Banats (in Südungarn östlich von 
der Theiß). Durch die genannten Friedensschlüsse ist 
Serbien, abgesehen von der Erwerbung eines Teils von 
Kosovo, durch einen bedeutenden Teil Mazedoniens ver- 
größert worden, ungefähr um das Gebiet, das begrenzt 
wird im Norden von Schardagh-Karadagh und der alten 
Südgrenze des Königreichs, im Westen durch eine Linie 
von Südende des Ochrid-Sees über Dibra bis ungefähr 
nach Prizren, im Süden durch die Linie vom Südende 
des Ochrid-Sees bis zum Dojran-See , im Osten durch 
eine Linie von da bis ungefähr zum Breitengrad von 
Vranja. Wie weit die in diesem Gebiet wohnende sla- 
vische Bevölkerung den Serben, wie weit den Bulgaren 
zuzurechnen ist, bildet eine Streitfrage, die hier nicht ent- 

II* 



XX Einleitung. 

schieden werden kann und nicht behandelt zu werden 
braucht, da das mazedonische Slavisch außerhalb der Be- 
trachtung dieser Grammatik liegt. In bezug auf den 
Namen Si^bi ist noch zu bemerken, daß er volkstümlich 
fast nur bei den der orthodoxen (morgenländischen) 
Kirche Angehörigen ist, während Katholiken und Muham- 
medaner sich in der Regel nicht so bezeichnen, sondern 
für sich und ihre Sprache Lokalnamen, wie bosnisch, dal- 
matinisch u. a., brauchen. 

Es ist weder für die ältere Zeit der Überlieferung 
noch in der Gegenwart möglich, zwischen den Mundarten der 
alten kroatischen und der serbischen Stämme eine Grenz- 
linie zu ziehen. Dazu kommt, daß im 19. Jahrhundert 
die Bewohner des gesamten Sprachgebiets eine im engern 
Sinne serbische Mundart als Schriftsprache angenommen 
haben. Diese gilt als Schriftsprache aber auch in dem 
nördlich von der Kulpa liegenden Teil Kroatiens, das 
nicht zum eigentlich serbokroatischen Sprachgebiet gehört; 
diese Schriftsprache wird hier einfach als kroatisch (hrvät- 
ski jezik) bezeichnet, im Titel von Schulgramm. atiken 
z. B. Gramatilca hrvatsJwga jezika^ womit niemals eine 
Grammatik der dortigen Mundart gemeint ist, auf wissen- 
schaftlichen Werken hrvatski ili srpski jezik. In der 
ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts versuchte man für 
die Sprache, die wir Serbokroatisch nennen, den Namen 
Illyrisch durchzusetzen. Lingua illyrica wurde schon im 
17. und 18. Jahrhundert von Gelehrten, namentlich Dal- 
matinern gebraucht, weil das Sprachgebiet zum Teil in 
das römische Illyricum fällt. Diese Manier hat Sprach- 
forscher, z. B. Pott in seinen Etymologischen Forschungen 
und sonst, verführt, Illyrisch neben Serbisch als eine be- 
sondere slavische Sprache aufzuführen. Im Westen des 
Sprachgebiets wurde die Sprache im 17. und 18. Jahr- 
hundert häufig auch als slovinsM jezik bezeichnet. 

Das oben im groben nach der politischen Einteilung 
angegebene Sprachgebiet wird genauer durch folgende 
Grenzen bestimmt: im Osten und Süden eine Linie 



Dialekte. XXI 

von der Mündung des Timok in die Donau, den Timok 
aufwärts bis Zajecar, von da bis Stalaö am Zusammen- 
fluß der westlichen und südlichen Morava, von da in 
südlicher Richtung über Prokuplje und Kursuralija bis 
Janjevo (etwas südöstlich von Pristina), weiter bis 
Prizren oder bis zum Zusammenfluß des weißen und 
schwarzen Drin, von da die Südgrenze des heutigen Monte- 
negro (1914) bis zur Mündung der Bojana in die Adria. 
Die Westgrenze wird gebildet durch die Küste des 
Adriatischen Meeres mit seinen Inseln von der Bojana- 
mündung bis Fiume, läuft dann die Ostküste Istriens 
entlang bis zur Südspitze der Halbinsel, von da in einer 
stark gezackten Linie nach Norden, im groben angegeben 
über Villa di Rovigno und Montona nach Buje. Die 
Nordgrenze ist so außerordentlich gezackt, daß sie hier 
auch nur im groben angegeben werden kann: von Buje 
nach Osten über die Orte Socerga, Rakitovic bis Lisac, 
doch herrscht an dieser Linie teilweise ein Durcheinander 
von Slovenisch und Serbokroatisch. Von Lisac geht die 
Nordgrenze bis zur Quellgpgend der Kulpa, dann diesen Fluß 
entlang bis zur Einmüdung in die Sava (bei Sissek), 
weiter die Sava entlang bis Jasenovac, von da nördlich 
in einer Zickzacklinie etwa bis Kreuz (Krizevci), von dort 
über Virovitica an die Drava (bei Bazje), dann der Drava- 
lauf bis zur Mündung in die Donau, von da eine Linie 
gerade nach Osten bis an die Theiß ungefähr bei ÖBecse 
(Stari Bec-^j), dann fortgesetzt ungefähr über Groß-Beckerek 
und Weißkirchen bis Moldava an die Donau, endlich diese 
entlang bis zur Timokmündung; zu bemerken ist dabei, 
daß auch noch nördlich von der Linie Dravamündung- 
Moldava Enklaven serbischer Bevölkerung bis Szegedin 
und Arad reichen. 

Ausgeschlossen ist bei dieser Begrenzung die Mundart 
des Teils von Kroatien, der nördlich von der Kulpa, westlich 
von einer Linie Jasenovac-Kreuz- Virovitica liegt, die soge- 
nannte Kajkav§tina (Kajdialekt benannt nach dem Aus- 
druck für '<was» käj, käjkavac pl. käjkävci = Kaj-Sprecher). 



XXII Einleitung. 

Ferner sind in den angegebenen Grenzen nicht einbegriffen 
Mundarten, die östlich von der oben bezeichneten Ostgrenze 
z.T. in Serbien, z.T. in Bulgarien liegen, und von einigen 
Gelehrten für das Serbische, von anderen für das Bulga- 
rische in Anspruch genommen werden. Man kann von 
einem bestimmten berechtigten Standpunkt aus sowohl 
die Kajkavstina wie die genannten östlichen Mundarten 
zum Serbokroatischen im weitesten Sinne rechnen, allein 
es ist zweckmäßig, sie von der Betrachtung des eigent- 
lich Serbokroatischen auszuschließen. Die Kajkavstina 
bildet eine Übergangs- oder Zwischenform zwischen Serbo- 
kroatisch und Slovenisch, und ebenso darf man jene öst- 
lichen Mundarten als Übergangs formen von Serbisch zu 
Bulgarisch ansehen. Wie denn überhaupt zwischen 
Kajkavisch mit Slovenisch einerseits, Serbokroatisch andrer- 
seits, zwischen Bulgarisch mit den mazedonischen Mund- 
arten einerseits, dem Serbokroatischen andrerseits eine 
scharfe Grenzlinie nicht besteht. Unberücksichtigt sind 
bei der Umgrenzung endlich geblieben die serbokroatischen 
vereinzelten Kolonien im westlichen Ungarn, in Nieder- 
österreich und Mähren, wie die in Süditalien; über diese 
s. Resetar, Die skr. Kolonien Süditaliens = Schriften der 
Balkankommission, ling. Abt. IX (Wien 1911). 

Zu der gegebenen Begrenzung vgl. Resetar, Der sto- 
kavische Dialekt (s. S.XXIII) ; Niederle, Obozrenie sovremen- 
nago slavjanstva (= Encikl. slavj. filol. pod red. Jagica, 
vyp. 2, St. Petersburg 1909), S. 106fg.; Derselbe, Slo- 
vansky svet, Prag 1909, S. llOfg. 



II. Dialekte. 

Daß es auf dem großen Sprachgebiet dialektische 
Unterschiede geben muß, ist selbstverständlich. Bei 
dem gegenwärtigen Stande der Erforschung der serbo- 
kroatischen Mundarten ist es aber nicht möglich, eine 
sichere Gruppierung der Dialekte, Mundarten und Unter- 
mundarten vorzunehmen; dazu fehlen noch für einen 



Dialekte. XXIII 

großen Teil des Sprachgebiets genauere Angaben, und wo 
sie vorhanden sind, Untersuchungen über das Verhältnis 
der Mundarten zu anderen benachbarten oder ferneren. 
Die genauere Erforschung hat erst in neuester Zeit be- 
gonnen ; frühere Darstellungen beruhen meist auf den in 
Vuks Schriften zerstreuten Bemerkungen über serbo- 
kroatische Dialekte; sie sind zusammengefaßt und be- 
sprochen von Belic, Vukovim pogledima na srpske 
dijalekte i knjizevni jezik, 1908 (Glas Srpske Kralj. Ak. 
LXXXII, 102 [1910]). 

Die wichtigsten neueren Schriften über die Grup- 
pierung der serbokroatischen Mundarten und 
über einzelne Gruppen sind: 

M. Resetar, Die serbokroatische Betonung südwest- 
licher Mundarten (Schriften der Balkankommission, ling. 
Abt. I, Südslav. Dialektstudien I, Wien 1900). 

0. Broch, Die Dialekte des südlichsten Serbiens 
(Sehr, der Balkankommission, ling. Abt. I, Südsl. Dialektst. 
III, 1903), mit Karte. — Vgl. dazu Belic, dijalekatskom 
materijalu 0. Brocha (Srpski dijal. zbornik II). 

A. Belic, Dijalekti istocne i juznje Srbije (Srpski 
dijalektoloski zbornik I, Belgrad 1905), mit zwei Karten. 
In der Einleitung LXXXV auch eine allgemeine Mund- 
artengruppierung. 

Derselbe: Dialektologiceskaja karta Serbskago jazyka, 
St. Petersb. 1905 (Sonderabdruck aus Sbornik po slavjano- 
vedeniju pod red. V. J. Lamanskago II, St. Petersb. 1906), 
mit Abhandlung. Ausführliche Besprechung von Resetar, 
ASlPh. 30, 597—625; damit ist zu verbinden Belic, Zum 
heutigen Stande der serbokroat. Dialektologie, Roczn. slaw. 
III, 82 (1910). 

M. Resetar, Der stokavische Dialekt (Schriften der 
Balkankommission, ling. Abt. I, Südslav. Dialekst. IV, 
Wien 1907), mit zwei Karten. Dort werden auch die 
früheren Gruppierungsversuche besprochen und die betref- 
fenden Schriften genannt. Ausführliche Besprechung von 
Belic im Roczn. slaw. I, 184; vgl. ferner Belic im Roczn, 



XXIV Einleitung. 

siaw. III, 283, zugleich über Resetars Abhandlung in 
ASlPh. Bd. 30. 

A. Belic, srpskim ili hrvatskirn dijalektima (Glas 
Srpske Kralj. Ak. LXXVIII, 1908). 

Resetar, Die Cakavstina und deren einstige und 
jetzige Grenzen, ASlPh. XIII, 93, 161, 361 (1890). 

A. Belic, Zametki po cakavskim govoram, St. Petersb. 
1910 (aus Izv. XIV. 2 [1909]), S. 181fg. 

Über cakavische Mundarten des kroatischen 
Küstenlandes s. auch Belic im Godisnjak Srpske Kralj. 
Ak. XXV (1911), 353, mit Karten. 

Über einzelne Mundarten ist vieles veröffentlicht 
im Rad jugoslavenske Akademije (Agram von 1867 an), 
im Archiv für slav. Philologie, im Srpski dijalektoloSki 
zbornik I, II (1905, 1911). Soweit sie in dieser Gram- 
matik benutzt sind, werden sie an den betreflfenden 
Stellen angeführt. 

Zu den Schwierigkeiten, die der gegenwärtige Stand 
der Forschung genaueren Bestimmungen entgegenstellt, 
kommt noch, daß seit Jahrhunderten durch Verschiebungen 
und Wanderungen der Bevölkerung Durchkreuzungen ver- 
schiedener Mundarten entstanden sind, daß sie sich da- 
bei gegenseitig beeinflußt haben und alte Grenzen und 
Unterschiede verwischt sind. Namentlich ist so das Gebiet 
der alten westlichen Mundarten (der Cakavstina) durch 
Vordringen der östlichen (der Stokavstina) außerordentlich 
verkleinert worden. Die ältere Begrenzung und Gruppierung 
der Mundarten bedarf aber noch weiterer Untersuchungen. 

Die Einleitung dieser Grammatik, deren wesentliche 
Aufgabe die Darstellung der heutigen Schriftsprache ist, 
muß sich darauf beschränken, eine im allgemeinen orien- 
tierende Übersicht über die heute bestehenden Unterschiede 
zu geben. Um eine deutliche Terminologie zu haben, 
brauche ich Dialekt als zusainmenfassenden Ausdruck für 
eine größere Gruppe lokaler Sprechweisen, Mundart für 
deren Unterabteilungen, Untermundart für weitere Glie- 
Kierung. 



Dialekte. XXV 

Übereinstimmung besteht darin, daß das Sprachgebiet 
in seiner oben gegebenen Begrenzung in zwei Mundarten- 
grappen, zwei Dialekte, zerfallt: I. der cakavische 
Dialekt, benannt nach einem leicht merkbaren, übrigens 
nicht wesentlichsten Kennzeichen, der Fragepartikel ca 
«was», daher cdkavac pl. cdkävd ^= ca-Sprecher, cdkävstma^ 
diese Sprechweise; II. der stokavische Dialekt, eben- 
so benannt nach sto «was», daher stökavac pl. stökävci, 
stökävstina. 

Die hauptsächlichsten Unterschiede der beiden Dia- 
lekte sind: 

1. Das Cakavische hat die ursprüngliche Hauptton- 
stelle der Wörter durchweg bewahrt, das Stokavische sie 
auf dem größten Teil des Sprachgebiets entweder ganz 
oder teilweise verschoben; s. darüber §§ 212 — 215, 333 
bis 338. 

2. Das Cakavische hat die Intonationen, fallende und 
steigende, nur auf langen Silben, bezeichnet fallend mit 
"", steigend mit '. Da alle Kürzen nur eine Art Betonung 
haben, bezeichnet mit ', hat das Cak. also die drei Ak- 
zente ^ ' '. — Das Stokavische hat infolge seiner Haupt- 
tonverschiebung auch steigende Kürze, bezeichnet mit \ 
daher vier Akzente: ^ ', ' '; s. §§ 21G— 219, 333 — 352. 

3. Das Cakavische hat an Stelle des urspr. dj einfaches 
j, das Stokavische et, s. §§ 136, 207. 

4. Die aus sä: infolge von Palatalisierung durch j 
und palatale Vokale entstehende Lautverbindung ist ca- 
kavisch sd, stok. regelmäßig oder vorwiegend st; die eben- 
so aus zg entstehende cak. £j, stok. M^ s. § 208. 

5. Silbenauslautendes l bleibt cakavisch erhalten, 
geht stokavisch in o über, s. §§ 132, 201. 

6. Das Cakavische hat die ursprünglichen Deklinations- 
formen in altertümlicher Weise bewahrt, das Stokavische 
sie, namentlich im Plural, stark umgebildet, s.§§ 712 — 740. 

7. Das neutrale Fragepronomen lautet Oakavisch ca, 
Stokavisch sio. 



XXVI Einleitung. 

Gebiet und Einteilung des Cakavischen. 

Das Gebiet der Cakavstina liegt im äußersten Westen 
und hat gegenüber dem Gesamtgebiet des Serbokroatischen 
wie dem des otokavischen einen sehr geringen Umfang. 
Früher war die Ausdehnung weit größer, die alte Ost- 
grenze bildete ungefähr der Lauf der Bosna von ihrer 
Mündung in die Sava bis hinauf zu dem Orte Zenioa, 
von da eine Linie bis zum Knie der Narenta, d. h. wo 
diese ihren nordwestlichen Lauf plötzlich nach Süden 
umbiegt, dann diesen Fluß entlang bis zur Mündung in 
die Adria. Jetzt gehören der Cakavstina an die Inseln 
der Adria von der nördlichsten Veglia (Krk) bis Lagosta 
(Lastovo), ferner auf dem Festlande die nordwestliche 
Hälfte der Halbinsel Sabioncello (Peljesac), im übrigen an 
der dalmatinischen und kroatischen Küste von Spalato 
bis Zengg (Senj) einige ganz schmale Streifen und ver- 
einzelte Punkte, namentlich etwas südlich und nördlich 
von Spalato (Poljica, Spalato mit nächster Umgebung, 
Trau). Ein breiteres Gebiet beginnt erst bei Zengg; hier 
läuft die Grenze gegen das östlich liegende Stokavische 
ungefähr über Otoöac, Piaski, Trzic, Generalski Sto nach 
Karlovac (Karlstadt) an der Kulpa; s. darüber Resetar, 
ASlPh. XHI, 166—282. Das cakavische Gebiet ist seit 
langem von Norden her vermindert worden durch Ein- 
dringen der Kajkavstina mit dem Slovenischen, von 
Osten her durch das Vordringen der Stokavstina; auch 
in dem angegebenen größeren cakavischen Teile Kroatiens 
gibt es stokavische Enklaven. 

Der cakavische Dialekt zerfällt in eine Anzahl Mund- 
arten und Untermundarten, bei dem gegenwärtigen Stande 
der Kenntnis ist aber eine systematische Gliederung nicht 
möglich. Man kann mit Belic (Roczn. siaw. HI, 85) 
eine Einteilung vornehmen nach einem Lautverhältnis, 
das namentlich bei der Einteilung der Stokavstina eine 
Rolle spielt, nach der Vertretung des urslav. e, entweder 
durch i {Ilcavstina von Ikavac pl. Ikavci = I- Sprecher) 



Dialekte. XXVII 

oder durch e {JEkavsiina von Ekavac pl. Ekavci = E- Sprecher). 
Die Ikavstina herrscht am reinsten auf den dahnatinischen 
Inseln Brazza, Lesina, Curzola, Lissa und in den cakavischen 
Teilen des dalmatinischen Festlandes, ferner wesentlich auf 
den Zara gegenüherliegenden Inseln; eine Mischung von 
Ekavstina und Ikavstina besteht auf den Quarneroinseln 
Pago, Arbe, Veglia und im Küstenstreifen zwischen Zengg 
und Fiume, während das Innere des Küstenlandes wesent- 
lich ikavisch ist. Eine genauere Begrenzung kann bei 
dem vielen Durcheinander von Ikavstina und Ekavstina 
hier nicht gegeben werden. 

Gebiet und Einteilung des Stokavisch en. 

Der Dialekt umfaßt den Teil des gesamten Sprach- 
gebiets, der östlich von der oben angegebenen Ostgrenze 
des Cakavischen liegt, also abgesehen von dessen geringem 
Umfang, fast das ganze. 

Die Einteilung in Mundarten und Untermundarten 
bildet den Gegenstand noch nicht abgeschlossener Unter- 
suchungen, und die damit beschäftigten Forscher, in 
neuester Zeit namentlich Resetar und Belic, weichen z. T. 
stark voneinander ab, prinzipiell wie in Einzelheiten. Ich 
teile hier das Stokavische auf Grundlage der dreifachen 
Vertretung des urslav. e: durch e, Ekavstina; durch je 
ije {ie) Jekavstina (von Jekavac ipl.Jekavci = Je-Sprecher) ; 
durch i, Ikavstina; s. §§ 33, 203. In der Begrenzung 
habe ich mich nach Belic, Dial. Karta und Roczn. siaw^ 
III gerichtet: 

1. Ekavische Mundart. Ihre Westgrenze wird ge- 
geben durch die Linie Szegedin, 0-Becse, Osjek (Esseg an 
der Drava), von da über Vinkovci bis zur Mündung der 
Drina in die Sava, die Drina aufwärts bis Lesnica, von da 
über die Gebirge Cer, Vlasic, Medvenik, Maljen, Suvobor, 
Rudnik bis Kraljevo am Ibar, diesen Fluß hinauf bis Mitro- 
vica, dann über die Mokra Gora nach Pec (fpek; d. i. un- 
gefähr der Bogen des Ibar von Mitrovica bis zur Quelle), 
von da bis zum Zusammenfluß des schwarzen und weißen 



XXVIII Einleitung. 

Drin (südwestlich von Prizren). Die Ostgrenze wird ge- 
bildet durch die Ostgrenze des Gesamtsprachgebiets, wie 
sie oben angegeben ist. 

2. Jekavische Mundart. Ostgrenze ist die eben 
angegebene Westgrenze des Ekavstina, die Westgrenze 
wird ungefähr gebildet durch eine Linie von Brcka an 
der Sava über Tuzla nach Zenica an der Bosna, von da 
über Fojnica, Konjica, Mostar an die Narenta, dann diesen 
Fluß entlang bis an die Adriaküste. 

3. Ikavische Mundart, im Gebiet zwischen der 
unter 2. angegebenen Westgrenze der Jekavstina und der 
oben bezeichneten Ostgrenze des Cakavischen, weiter nach 
Norden des Kajkavischen. 

Bei diesen Bestimmungen ist aber zu bemerken, daß 
zwar auf den oben als ekavisch und als jekavisch be- 
zeichneten Gebieten diese Mundarten mit ihren unter- 
scheidenden Merkmalen ziemlich gleichmäßig herrschen, 
daß aber in dem oben als insgesamt ikavisch genannten 
Raum infolge von Verschiebungen und Wanderungen der 
Bevölkerung ein starkes Neben- und Durcheinander von 
Vertretern der ikavischen und jekavischen, z. T. auch der 
ekavischen Sprechweise besteht. Die Betrachtung dieser 
Einzelheiten geht über den Rahmen dieser Einleitung 
hinaus; ebenso lasse ich hier beiseite die weitere Ein- 
teilung in Untermundarten und verweise für beides auf 
die obengenannten Schriften von Resetar und Belic. 

III. Stellung des Serbokroatischen innerhalb der 
slavischen Sprachfamilie. 

Man pflegt die Gesamtheit der slavischen Sprachen 
meist zu gruppieren nach ihrem Verfahren mit den ur- 
sprünglichen Lautgruppen tj, dj, und nimmt als Beispiele 
die Wörter ^-'svetja Licht, '^•medja Grenze: 

I. Bulgarisch^ tj zu st, dj zu zdisvesta, mezda. 
IL Serbokroatisch-Slovenisch, ursprünglich 
tj zu 6 (etwa ^^= t's), dj zu d (etwa = d'z). 



Sprachquelleii. XXIX 

1. Serbokroatisch: d, d bleiben so erhalten (über 
Abweichungen s. § 206): sv^öa {svijeca, sviöa), meäa. 

2. Sl ovenisch: ö ist zu c, <f zu ; geworden: sveca, 
m4ja, 

III. Russisch, tj zu c (= ts), dj zu z (aus *(?i): 
sveca, meza. 

IV. Westslavisch, tj zu c (== ^s), dj zw. dz, daraus 
auch 2: polnisch swieca miedza, cechisch svice meze, sorbisch 
siveca mjeza. 

Danach steht das Serbokroatische dem Sloveni sehen 
am nächsten; das gilt auch sonst in vielen Beziehungen. 
Auf der andern Seite nähern aber gewisse Eigentümlich- 
keiten das Serbokroatische auch dem Bulgarischen, daher 
faßt man Bulgarisch, Serbokroatisch, Slovenisch auch als 
südslavische Gruppe zusammen; vgl. Jagic, Ein 
Kapitel aus der Geschichte der südslavischen Sprachen, 
ASlPh. XVII, 47, namentlich § 14 fg. 

Vergleichend ist das Serbokroatische behandelt von 
Miklosich in seiner Vergleichenden Grammatik der slav. 
Sprachen (über die einzelnen Teile des Werkes s. meine 
Altbulg. Grammatik, Einl. L) und von Vondräk, Ver- 
gleichende slavische Grammatik, 2 Bde., Göttingen 1906 
bis 1908. 

IV. Sprachquellen. 

Da es sich um eine lebende Sprache handelt, ist selbst- 
verständlich alles, was man gegenwärtig an den Sprechenden 
beobachten kann und was von solchen Beobachtungen aufge- 
zeichnet ist, zu verwenden. Ich verstehe aber hier unter 
Sprachquellen das gesamte Schrifttum von Anfang bis heute. 
In diesem ist zu unterscheiden: eine ältere Periode, in 
der keine gemeinsame Schriftsprache vorhanden war, bis zum 
Anfang des 19.Jhs., bis zur Einführung einer solchen auf 
Grund einer bestimmten Mundart durch Vuk Stefanovic 
Karadzic; eine neuere bis zur Gegenwart. Bei den 
folgenden Angaben über die ältere Periode handelt es 
sich nicht um einen Abriß der Literaturgeschichte, sondern 



XXX Einleitung. 

um eine summarische Zusammenfassung der Sprachquellen 
in bezug auf das sprachliche Verhältnis und auf die 
Schriftart, in der sie überliefert sind : Kyrillisch, Glago- 
litisch, Lateinisch. Diese Verschiedenheit der Schrift be- 
deutet an sich keine dialektische Verschiedenheit, wenn 
auch die glagolitisch geschriebenen Quellen durchweg dem 
cakavischen Dialektgebiet angehören, die lateinisch ge- 
schriebenen dem Westen, Dalmatien und Kroatien. Für 
die bibliographische und literarhistorische Behandlung des 
serbokroatischen Schrifttums überhaupt verweise ich auf 
folgende Werke: 

P. J. Safaiik, Geschichte der südelavischen Literatur 
I — III, Prag 1864 — 65, wesentlich biblio- und biographisch. 

Stoj. Novakovic, Srpska bibliografija za noviju 
knjizevnost 1741 — 1867, Belgrad 1869, fortgesetzt im 
Glasnik srpskog ucenog drustva von Bd. XXVI (neue 
Serie IX; 1869) an. 

V. Jagic, Historija knjizevnosti naroda hrvatskoga i 
srpskoga I. Staro doba (bis Ende des 14. Jhs.), Agram 1867. 

Stoj. Novakovic, Istorija srpske knjizevnosti, 2. Ausg., 
Belgrad 1871. 

IvanBroz, Crtice iz hrvatske knjizevnosti, 2Tle., Agram 
1886—88. 

D. Surmin, Povjest knjizevnosti hrvatske i srpske, 
Agram 1898. 

Milorad Medini, Povjest hrvatske knjizevnosti u Dal- 
maciji i Dubrovniku I, Agram 1902. 

M. Murko, Geschichte der älteren südslav. Literaturen, 
Leipzig 1908 (= Die Literaturen des Ostens, 5. Bd., 
2. Abt.), von S. 133 an. 

P. Popovic, Pregled srpske knjizevnosti, Belgrad 1909; 
s. dazu die Besprechung ASlPh. XXXII, 580; 2.izd.l913. 

Jov. Skerlic, Srpska knjizevnost u XVIIL veku, 
Belgrad 1909. 

Derselbe: Pisci i knjige, 5 Tle,, Belgrad 1906 — 11. 

A. Gavrilovic, Istorija srpske i hrvatske knjizevnosti 
narodnoga jezika. Belgrad 1910. 



Sprachquellen. XXXI 

Derselbe: Istorija srpske i hrvatske knjizevnosti iis- 
menoga postanja, Belgrad 1912. 

Drag. Prohaska, Das kroatisch-serbische Schrifttum 
in Bosnien und der Hercegovina, Agram 1911. 

Branko Vodnik, Povijest hrvatske knjizevnosti, knj. I. 
Od humanisma do potkraj XVIII. stoljeca. S uvodom 
V. Jagica o hrvatskoj glagolskoj knjizevnosti, Agram 1913. 

Jov. Skerlic, Istorija nove srpske knjizevnosti, Bel- 
grad 1914. 

Für Einzelforschungen und Mitteilungen ist bestimmt 
Grada za povijest knjizevnosti hrvatske (hsg. von der 
Südslavischen Akademie), 7 Tle., Agram 1897—1912. 

A. Aus der Masse des Überlieferten müssen besonders 
gestellt werden die in serbokroatisch -kirchensla- 
vischer Sprache geschriebenen Werke: durchweg in 
glagolitischer Schrift bei den Angehörigen der römischen 
Kirche (die Schrift ist die sogen, kroatische Glagolica 
eckigen Duktus [über die Geschichte dieser Schrift s. Jagic, 
Grafika u Slavjan == Enciklopedija slavjanskoj filologii, 
Vyp.3,St.Petersb.l911, S.l 3 7fg.]), durchweg in kyrillischer 
Schrift bei denen der morgenländischen Kirche. Serben und 
Kroaten übernahmen die Liturgie mit den liturgischen und 
biblischen Büchern, im Laufe der Zeit auch andre kirchliche 
Literatur, in altkirchenslavischer (altbulgarischer) Sprache; 
s. meine Altbulg. Grammatik, S. XLX, wo auch einige 
hierhergehörige Handschriften genannt sind. Vor allem 
bei den der morgenländischen Kirche angehörenden Serben 
wurde das Kirchenslavische in kyrillischer Schrift zugleich 
Schriftsprache, auch für etwa selbständige Übersetzungen 
griechischer kirchlicher Literatur und für eigne Arbeiten 
auf diesem Gebiet, endlich für profane Gegenstände, z. B. 
Lebensbeschreibungen von Bischöfen und Königen. Diese 
namentlich vom 13. — 15. Jahrhundert ziemlich zahlreichen 
Denkmäler haben für die Geschichte des Serbokroatischen 
nur insofern Bedeutung, als sich Einwirkungen der 
Nationalsprache der Schreiber, also Serbismen, darin vor- 
finden. Viele Texte aus dieser Literatur sind abgedruckt 



XXXII Einleitung. 

in der Starine der Südslav. Akademie (von 1869 an). 
In dieser serbisch-kirchenslavischen Sprache, die in den 
letzten Jahrhunderten auch stark mit Russisch aus rus- 
sisch -kirchenslavischen Kirchenbüchern versetzt war, 
wurden bei den Serben literarische Werke verfaßt bis an 
den Anfang des 19. Jhs. und z. T. noch länger. Es war 
keine jemals so geredete Sprache, sondern eine künstliche 
Schriftsprache, deren Gemisch man als «Slaveno-serbisch, 
srpsko-slavenski» bezeichnete. Dem Zwecke dieser Gramma- 
tik liegt es fern, darauf näher einzugehen. Vgl. Murko, 
Geschichte der älteren südslav. Literaturen, S. 144 — 174. 

Die Kroaten erhielten die Liturgie und die alt- 
kirchenslavischen Kirchenbücher in glagolitischer Schrift. 
Durch die Einwirkung der Lokalmundart der Schreiber 
bildete sich hier ein Kroatisch - Kirchenslavisch , über 
dessen Verwendbarkeit für die serbokroatische Grammatik 
dasselbe gilt, was oben über die kyrillischen gesagt 
ist. Eine Sammlung solcher Texte enthält: ülomci sve- 
toga pisma (Bruchstücke der heil. Schrift), skupio I.Bercic, 
5 Hefte, Prag 1864 — 71; vgl. ferner Jos. Vajs, Nejstarsi 
breviäf chrvatsko-hlaholsky, Prag 1910; s. auch Murko, 
aaO., S. 174 fg. 

Die handschriftliche Überlieferung verzeichnet I. Mil- 
cetic, Hrvatska glagoljska bibliografija (Starine XXXIII, 
1911). 

Die kirchlichen glagolitischen Drucke vom 17. Jh. an 
(seit 1648) sind überhaupt für das Serbokroatische nicht 
mehr verwendbar, da sie vom Bischof Levakovic auf An- 
ordnung des Papstes «verbessert» sind. Diese Verbesserung 
ist nach russischen Kirchenbüchern vorgenommen und die 
Drucke enthalten eine Menge Russismen. 

B. Denkmäler in der Volkssprache. 

1. Urkunden, d. h. öffentliche Aktenstücke, Erlasse, 
Statuten, Verträge, Briefe, Gesetzbücher, von Fürsten, 
Großen, Gemeinden und Klöstern. 

a) In kyrillischer Schrift. Sie gehören in den 
Osten und Süden (Bosnien, Zeta, Serbien), soweit über- 



Sprachqiiellen. XXXIII 

haupt das Gebiet der Kyrillica reicht; es kommen dazu 
die Urkunden der Republik Ragusa, die sich in ihrem 
Verkehr mit den serbischen Dynasten der serbischen 
Sprache bediente, während sie nach Westeuropa lateinisch 
oder italienisch korrespondierte. Diese Urkunden sind 
von Anfang an — die älteste ist die des bosnischen Bans 
Kuhn von 1189 — in der Volkssprache geschrieben, aus- 
genommen bisweilen die von Geistlichen und Klöstern 
ausgestellten, und innerhalb der andern kirchenslavisch 
gefärbte Formeln, Segens- und Schwurformeln u. ä. Die 
Urkunden geben, da eine einheitliche Schriftsprache nicht 
vorhanden war, auch mundartliche Verschiedenheiten 
wieder und sind in jeder Beziehung für die Geschichte 
der Sprache von der größten Bedeutung. 

Größere Urkundensammlungen sind: 

Monumenta serbica spectantia historiam Serbiae, Bos- 
nae, Ragusii, ed. Fr. Miklosich, Viennae 1858. 

Spomenici srpski od 1395 do 1423, to jest Pisma pi- 
sana od republike Dubrovacke usw., hsg. von Medo Pucic, 
Belgrad 1858. — Vgl. Resetar, Die ragusanischen Ur- 
kunden des 13.— 15. Jhs., ASlPh., Bd. 16 u. 17. 

Zakonski spomenici srpskih drzava srednjega veka, 
prikupio i uredio Stoj. Novakovic I, Belgrad 1912. 

Zahlreiche Urkunden sind veröffentlicht im «Glasnik 
Drustva srpske slovesnosti», 17 Bde., Belgrad 1847 — 63, 
und dessen Fortsetzung «Glasnik srpskog ucenog drustva», 
von 1865 an; in den «Starine» der Südslav. Akademie 
zu Agram, von 1869 an; im «Spomenik» der Kgl. serb. 
Akademie zu Belgrad. 

Sonst seien noch angeführt: Das Gesetzbuch des 
serbischen Zaren Stephan Dusan (1325 — 55), hsg. von 
Stoj. Novakovic u. d. T. Zakonik Stefana Dusana, Bel- 
grad 1898. 

Statut Poljicki (das Statut der Gemeinde Poljica in 
Dalmatien), hsg. von Jagic, Agram 1890, besonders und 
in den von der Südslav. Akademie herausgegebenen Mo- 
numenta historica-juridica Slavorum meridionalium P. I. 

L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. III 



XXXIV Einleitung. 

Statuta et leges vol. IV. — Über solche Statuten siehe 
auch unten. 

b) Urkunden in glagolitischer Schrift; sie be- 
ginnen mit dem 14. und reichen bis ins 17. Jh., von An- 
fang an in der Volkssprache, mit dialektischer Färbung. 

Größere Sammlungen sind: Acta croatica. Listine 
hrvatske (= Monumenta historica Slavorum raeridiona- 
lium I, Agram 1863), hsg. von Kukuljevic Sakcinski, in 
glagolitischem Druck. 

Hrvatski spomenik, sv. I (od godine 1100 — 1499 
== Monumenta hist.-jur. Slav. merid. vol. VI), hsg. von 
E). Surmin, Agram 1898; die glagolitischen in k3Tillischer 
Umschrift. 

Dazu mehrere Ortsstatuten des kroatischen Küsten- 
landes und der Inseln (vgl. die bibliographische Über- 
sicht von Iv. Strohal, Statut! primorskih gradova i op- 
cina, bibliogr. nacrt, Agram 1911), hsg. u. d. T. Statuta 
lingua croatica con scripta von Racki, Jagic, Crncic, Agram 
1890 (= Mon. hist.-jur. Slav. mer. P. I. Statuta et leges 
vol. IV), darunter sind die Statuten von Vinodol, Vepri- 
nac glagolitisch geschrieben, in der Ausgabe mit kyril- 
lischer Schrift wiedergegeben. Vgl. außerdem die Aus- 
gabe von Jagic, Zakon Vinodolski, St. Petersb. 1880^ in 
kyrillischer Umschrift, mit russischer Übersetzung. 

Chrestomathien des unter A und B behandelten 
Schrifttums : 

Vuk Stef. Karadzic, Primjeri srpsko-slavenskoga 
jezika, Wien 1857; nur aus kyrillischen Quellen. 

Jagic, Primjeri starohrvatskoga jezika, 2 Tle., Agram 
1864-65. 

Novakovic, Primeri knjizevnosti i jezika staroga i 
srpsko-slavenskoga, 3. Aufl. Belgrad 1904. 

c) In lateinischer Schrift; kroatische Urkunden 
vom 16. Jh. an (davon eine Anzahl in Acta croatica ed. 
Kukuljevic Sakcinski) und Statuten von Orten des kro- 
atischen Küstenlandes, in den Statuta lingua croat. con- 
scripta No. 4 und 6. 



Sprachquellen. XXXV 

2. Literaturdenkmäler im eigentlichen Sinne. 

A. Neben und nach der erwähnten serbokroatisch- 
kirchenslavischen Literatur entwickelte sich eine popu- 
lärkirchliche in der Volkssprache: Apokryphen, 
Heiligenleben, Übersetzungen liturgischer Bücher, Pre- 
digten u. ä.; auch einzelne weltliche Stoffe wurden auf- 
genommen. 

a) In kyrillischer Schrift, eigentliche Literatur- 
werke sind spärlich; ein Alexanderroman hsg. von Jagic 
in «Ogledi stare hrvatske proze IV., zivot Aleksandra 
Velikoga» (Starine III). Bemerkenswert sind die Werke 
des Bosniers Matija Divkovic (1563 — 1631); über ihn und 
seine Werke s. Dordevic in Glas Kralj. Srpske Ak. 2. razr., 
34 und 35 (1896 und 1898). 

b) in glagolitischer Schrift; hierher gehört 
«Kolunicev Zbornik», von 1486, hsg. in lateinischer Um- 
schrift von Valjavec, Agram 1892; enthält Fastenpedigten 
und einen Traktat über die sieben Todsünden. Vgl. das 
S. XXXI genannte Werk von Vodnik. 

c) In lateinischer Schrift. Aus dem 15. und 
16. Jh. gehören hierher drei Lektionarien: Lektionarij 
Bernadina Spljecanina (zuerst gedruckt Venedig 1495), hsg. 
von Maretic, Agram 1885. — Zadarski i Raninin Lekcionar, 
hsg, von M. Resetar, Agram 1894; das aus Zara (Zadar) 
ungefähr Mitte des 15. Jhs. geschrieben, das andere von 
Nikola Ranjina in Ragusa, Anfang des 16. Jhs. Über das 
Verhältnis dieser Lektionarien und die Sprache s. Resetar, 
Primorski lekcionari XV. vijeka (Rad 134, S. 80; 136, 
S. 97 fg.). 

Von besonderer Bedeutung ist außerdem, weil in 
istrischer Mundart, eine im 16. Jh. entstandene Über- 
setzung der Propheten aus Luthers Bibelübersetzung, hsg. 
von Jagic u. d. T. Veteris Testament! prophetarum inter- 
pretatio istro-croatica saec. XVI (Wien u. Berlin 1897). 

Ferner eine größere Anzahl von Legenden u. a., 
mehrere veröffentlicht von Jagic in «Ogledi stare hrv. 

III* 



XXXVl Einleitung. 

proze» (Starine I), von demselben und Mikulicic in 
ASlPh. 8, 444fg.; von Leskien in ASlPh. 4, 427. 

B. Am Ende des 15. Jhs. entstand unter dem hu- 
manistisch gebildeten Patriziat der dalmatinischen Städte 
eine lebhafte geistige Bewegung und eine starke litera- 
rische Tätigkeit, so gut wie ausschließlich in poetischer 
Form. Sie schuf eine Menge von Werken: lyrische Ge- 
dichte, Lehrgedichte, Hymnen, poetische Episteln, Epen 
oder erzählende Gedichte, Dramen, bis gegen Ende des 
17. Jhs., von da wird die Produktion schwächer, setzt 
sich aber durch das 18. Jh. fort und geht noch ins 19. 
über. Man pflegt diese dalmatinische Literatur auch die 
ragusanische zu nennen, weil sie hauptsächlich in Ragusa 
(Dubrovnik) ihren Sitz hatte und die meisten und hervor- 
ragendsten Dichter Ragusaner waren. Neben Ragusa 
stehen aber in der ersten Hälfte des 16. Jhs. namentlich 
Spalato und die Insel Lesina (Hvar); die in diesen beiden 
Orten verfaßten Dichtungen sind cakavisch. Die zur Zeit 
ihrer Abfassung meist handschriftlich verbreiteten und auch 
später so verbliebenen Werke sind in neuerer Zeit heraus- 
gegeben von der Südslav. Akademie u. d. T. Stari pisci 
hrvatski (1869 — 1913, 22 Bde.). Diese ganze Literatur, 
nur in der Volkssprache verfaßt, ist für die Geschichte 
der Sprache von hervorragender Bedeutung, es muß aber 
dabei erwähnt werden, daß Phraseologie, Syntax und Stil 
stark vom Italienischen beeinflußt sind, teils weil ein 
großer Teil der Dichtungen aus dem Italienischen über- 
setzt oder italienischen Werken nachgeahmt ist, teils weil 
die gebildeten Dalmatiner in Italien studierten, das Ita- 
lienische ihnen auch sonst geläufig war, so daß man sie 
geradezu als zweisprachig bezeichnen kann. 

Für die Geschichte dieser Literatur kommt jetzt 
namentlich das S. XXXI genannte Werk von Vodnik in Be- 
tracht (Medini istS. XXX genannt; vgl. auch Popovic, Pregled 
2. Aufl. S. 123fg.). Das ältere Werk von Appendini, No- 
tizie historico-critiche sulle antichitä, storia e letteratura 
de Ragusei, 2. Tle. (Ragusa 1802 und 1803, im 2. Teil 



Sprachquellen. XXXVII 

die Literatur) ist ganz unkritisch. Auf die Einleitungen 
der Bände der Stari pisci sei besonders hingewiesen. Eine 
ganz kurze Darstellung gibt Murko in «Kultur der Gegen- 
wart», Tl.I, Abt. IV, S. 210— 216. Auf die Behandlung 
einzelner Dichter und ihrer Werke im Archiv für slav. 
Phil, und im Rad, wie in Grada za povijest knjiz. hrvatske 
kann ich hier nur mit diesem allgemeinen Hinweis auf- 
merksam machen. 

Vom 17. Jh. an sind auch grammatische Be- 
arbeitungen der Sprache der dalmatinischen Literatur 
vorhanden: 

Jac. Micalia, Blago jezika slovinskoga ct. Thesaurus 
linguae illyricae sive dictionarium illyricum, Laureti 
[Loreto] 1649. Als Einleitung geht voran: Grammatika 
talianska u kratko illi kratak nauk za naucitti latinski 
jezik. 

Della Bella, Dizionario italiano-latino-illirico, Venedig 
1728^ voran geht eine Grammatik der illyrischen Sprache. 
Die zweite Ausgabe, Ragusa 1785, ist weniger gut. 

Gioachino Stulli's vierbändiges Wörterbuch : Rjesco- 
sloxje, 2. Tle., Ragusa 1806, illyr.-ital. -lateinisch ; Voca- 
bolario italiano-illirico-latino, Ragusa 1810. In das 
Rjecsosl. ist auch der Wortschatz des gedruckten, von 
Levakovic (s. S. XXXII) verbesserten glagolitischen Breviars 
mit seinen Russismen aufgenommen. Aus Stulli hat Pott 
seine «illyrischen» Wörter. 

F. M. Appendini, Grammatica della lingua illyrica, 
Ragusa 1808. 

In diesen Kreis gehören in gewisser Weise auch noch 
Jo. Bellosztenecz, Gazophylacium seu latino-illyricorum 
onomatum aerarium, 2 Tle, lat.-illyr. und illyr.-lat., Agram 
1740; Jose Voltiggi, Ricsoslovnik illiricskoga, italianskoga 
i niraacskoga jezika, Wien 1803, mit vorangehender, ita- 
lienisch und deutsch verfaßter Grammatik. 

2. Die neuere Zeit. Im Westen, in Dalmatien 
und Kroatien, hatte man, wie oben ausgeführt, seit dem 
15. Jh. in der Volkssprache geschrieben; es war aber dort 



XXXVIII Einleitung. 

nicht zu einer gleichmäßigen, einheitlichen Schriftsprache 
gekommen. Innerhalb des Serbentums im engeren Sinne, 
dem der morgenländischen Kirche angehörigen, blieb man 
unter dem Banne der künstlichen kirchenslavischen 
(slaveno-serbischen) Literatursprache. Die Bestrebungen, 
davon freizukommen, fallen in die zweite Hälfte des 18. Jhs. 
Der Banater Serbe Dositije Obradovic (1739 — 1811) wandte 
in seinen der Aufklärung und Erziehung des Volkes ge- 
widmeten Werken, um dies Ziel zu erreichen, die Volks- 
sprache an, ohne daß es ihm gelang, sich von slaveno- 
serbischer Beimischung ganz zu befreien. Über seine Schrift- 
stellerei vgl. Milan Sevic, Dositheus Obradovic, ein serbischer 
Aufklärer des 18. Jhs. (Leipziger Dissertation ; Neusatz 1889); 
ferner Scherzer, Dositiju Obradovicu (Rad 134, S. 161; 
die Sprache ist kurz charakterisiert S. 187), vgl. dazu mit 
einigen weiteren Literaturangaben Radcenko, Einige Be- 
merkungen über das Leben und die literar. Tätigkeit Dos. 
Obr. (ASlPh.22, S.504); zur Charakteristik auch die Be- 
merkungen von Prohaska, ASlPh. 29.610; Gavrilovic, Dos. 
Obradovic, Belgrad 1900. 

Ähnliche Ziele verfolgte der katholische Slavonier 
Matthias Anton Reljkovic (1732 — 98); von seinen in 
der Volkssprache ikavischer Form geschriebenen Werken 
ist das bekannteste, noch jetzt gelesene «Satir ili divji 
covik» (nach der 2. Ausg. von 1779 neu hsg. von 
D. Bogdanovic, Agram 1909). Reljkovic schrieb auch 
eine Grammatik der Volkssprache: Nova slavenska i 
nimacska grammatika. Neue Slavonisch- und Deutsche 
Grammatik, Agram 1767 ; mehrmals aufgelegt, 3. Aufl., 
Wien 1789. Über Reljkovic und die Literatur über ihn 
s. A. Ivic, Urkundliche Beiträge zur Biographie des 
Dichters Reljkovic, ASlPh. 28. 305. 

Der eigentliche Reformator aber, der bewußtermaßen 
strebte, den Serben eine einheitliche Schriftsprache 
auf alleiniger Grundlage der Volkssprache zu 
schaffen, und dies Ziel auch durch unermüdliche Tätigkeit 
erreichte, war Vuk Stefanovic Karadzic (1787 — 1864). 



Sprachquellen. XXXIX 

Er war geboren in Trsic, im westlichen Kgr. Serbien im 
unteren Drinagebiet, östlich von Loznica; der Ort liegt 
nicht mehr im ekavischen Dialektgebiet, überdies stammte 
die Familie Vuks aus der Herzego vina, aus dem Stamme 
der Drobnjaci im heutigen nördlichen Montenegro. Die 
von Vuk festgelegte Schriftsprache ist seine stokavisch- 
jekavische, speziell herzegovinische Mundart. Diese ist 
alles in allem genommen die am wenigsten altertümliche 
des ganzen Sprachgebiets: die Verschiebung des ursprüng- 
lichen Haupttons der Wörter ist hier am weitesten fort- 
geschritten; die Vertretung des ürslavischen e ist zwiefach, 
w^enn man alles zählt, sogar vierfach, z.B. 'pena — yyewa, 
grechh — grljeJi, sejati — stjati, rezati — rezati; die 
Neuerungen in der Deklination sind hier am weitesten 
gegangen. Man hat wohl die Frage aufgeworfen, ob nicht 
eine andere Mundart sich besser zur allgemeinen Schrift- 
sprache geeignet hätte; die geschichtliche Entwicklung hat 
aber einmal darüber entschieden und die Vuksche Sprache 
ist im Laufe des 19. Jhs. durchgedrungen im Gesamt- 
gebiet des stokavischen und des cakavischen Dialekts, 
darüber hinaus haben die kajkavisch sprechenden Be- 
wohner Kroatiens, die ihren Dialekt als Schriftsprache 
hatten und eine Literatur darin besaßen, sie aufgegeben 
und brauchen die Sprache Vuks. Diese herrscht also 
in ganz Kroatien, Slavonien-Syrmien, Banat, Kgr. Serbien, 
Montenegro, Bosnien -Herzegovina, Dalmatien. Eine ge- 
ringe Abweichung ist, daß im Kgr. Serbien und im 
Banat, also wesentlich im Gebiet der Ekavstina, die 
Schul- und Literatursprache ekavisch ist, w^as für die 
sonstige Gestalt der Sprache keinen Unterschied bedeutet. 
In allen andern genannten Gebieten wird die jekavische 
Form gebraucht; cakavisch wird zu literarischen Zwecken, 
abgesehen von Sammlungen aus der Volksliteratur, über- 
haupt nicht mehr geschrieben. Selbstverständlich hat 
sich die Schriftsprache in dem ganzen Jahrhundert, das 
seit den Anfängen von Vuks Tätigkeit verflossen ist, 
nicht mit dem in seinen Werken enthaltenen Wortschatz 



XL P^inleitung. 

begnügt, sondern hat ihn durch Aufnahme von Wörtern 
aus andern Mundarten und durch Neubildungen erheb- 
lich erweitert. 

Vuks sämtliche Schriften bleiben die vorzüglichsten 
Muster serbischer Sprache. Man kann die Schönheit und 
Kraft südslavischer Rede nirgends so gut kennen lernen 
wie aus ihnen. Alles, was Vuk geschrieben hat, zeigt durch 
Reichtum, Reinheit, Klarheit, Einfachheit und Sicherheit 
des Ausdrucks eine geniale, bewundernswerte Beherrschung 
der Sprache. Seine grammatischen Schriften sind ge- 
sammelt in «Skupljeni gramaticki i polemicki spisi Vuka 
Stef. Karadzica», 3 Tle., Belgrad 1894. Sie begannen mit 
einer kleinen Grammatik: Pismenica serbskoga iezika pa 
govoru prostoga naroda (Wien 1814); diese enthält schon 
im Titel, «nach der Sprechweise des einfachen Volkes», 
den bestimmten Hinweis auf den Gegensatz gegen die da- 
mals übliche slaveno-serbische Literatursprache. Dann folgte 
ein Wörterbuch: «Srpski rjecnik, istolkovan njemackim i 
latinskim rijecma, skupio ga i na svijet izdao Vuk Stefa- 
novic. Wolf Stephansohns Serbisch-Deutsch-Lateinisches 
Wörterbuch. Lupi Stephani F. Lexicon Serbico-Germanico- 
Latinum» (Wien 1818), davor S. XXIX— LXXI eine aus- 
führlichere Grammatik. Diese wurde übersetzt von Jac. 
Grimm: «Wuk's Stephanowitsch kleine serbische Gram- 
matik, verdeutscht und mit einer Vorrede von J. G.» 
(Leipzig und Berlin 1824). Die zweite erweiterte und im 
Betonungssystem, das hier seine endgültige Gestalt erhielt, 
vervollkommnete Ausgabe u. d. T.: Srpski rjecnik, istu- 
macen njemackijem i latinskijem rijecima, skupio ga i na 
svijet izdao Vuk Stef. Karadzic (Wien 1852), ohne die 
Grammatik der ersten Auflage. Dritte Auflage mit gleichem 
Titel, Belgrad 1898, mit Vorrede von P. P. Dordevic und 
Ljub. Stojanovic über die Grundsätze bei dieser neuen 
Ausgabe. 

Über die Verdienste Vuks um die serbische Sprache 
s. Jagic^ Zasluga Vuka Stef. Karadzica za nas narodni 
jezik (Agram 1864, Sonderabdruck aus Knjizevnik IV); 



Sprachquellen. XLI 

Ljub. Stojanovic, Vuk Stef. Karadzic, njegov rad na srp- 
skom jeziku i pravopisanju (Glas LV). Sonstige Literatur 
über Vuk und seine Bestrebungen sind verzeichnet 
ASlPh. Supplementband (1892), S.45, Note 200. Die Auf- 
zählung der gesamten Werke Vuks, die sich nicht un- 
mittelbar auf die Sprache beziehen, würde hier zu weit 
führen; es liegt aber dem Zweck dieses Buches nicht 
fern, dasjenige anzuführen, was für die Erkenntnis der 
Sprache besondere Bedeutung hat; Vuks Sammlungen der 
Volksliteratur sind eine Sprachquelle ersten Ranges. 
Volkslieder: Narodne srpske pjesme T. 1 — 3 (Leipzig 
1823— 24), T.4(Wien 1833), mit sehr wertvoller Einleitung; 
sehr erweitert unter gleichem Titel, 5Bde. (Wienl841 — 65), 
doch ohne die Einleitung; neue Ausgabe, vermehrt durch 
Material aus Vuks Nachlaß, unter gleichem Titel, 9 Bde. 
(Belgrad 1891 — 1902). — Srpske narodne pjesme iz Herce- 
govine (Wien 1866); die Sammlung stammt aus Vuks Nach- 
laß, rührt aber nicht von ihm her, sondern w^ar ihm vom 
Sammler Vuk Vrcevic überlassen. — Märchen: Srpske 
narodne pripovijetke (Wien 1853, 2. Ausg. 1870, 4. Belgrad 
1897); die erste Ausg. ins Deutsche übersetzt von Vuks 
Tochter Wilhelmine: «Volksmärchen der Serben» (Berlin 
1854), mit Vorrede von Jac. Grimm. — Sprichwörter: 
Narodne srpske poslovice (Cetinje 1836; neue Ausg. Wien 
1849). — Sonstiges: Zivot i obicaji naroda srpskoga 
(Wien 1867; aus dem Nachlaß). — Ferner sind als aus- 
gezeichnete Muster der Sprache zu erwähnen : Vuks 
Übersetzung des Neuen Testaments, Novi zavjet (Wien 
1847; seitdem öfter gedruckt); seine historischen Schriften, 
hsg. u. d. T. «Skupljeni istoriski i etnografski spisi Vuka 
Stef. Karadzica, I» (Belgrad 1898). Über Vuks Bestre- 
bungen nach allen Seiten gibt eingehende Auskunft seine 
Korrespondenz, hsg. u. d. T. «Vukova Prepiska I — V» 
(Belgrad 1907—10). 

Vuks Tätigkeit wurde energisch unterstützt und fort- 
gesetzt durch Duro Danicic (1825 — 82); seine gramma- 
tischen Werke s. S. XLIV (Gramm, u. lex. Hilfsm.); hier sei 



XLII Schrift. 

noch als vorzügliche Sprachquelle genannt seine L^bersetzung 
des Alten Testaments, allmählich von 1864 an erschienen, 
1868 mit Vuks N. T. zur Gesamtbibel vereinigt, hsg. von 
der Brit. Bibelgesellschaft: Sveto pismo staroga i novoga 
zavjeta (Belgrad 1868). 

V. Schrift. 

Die glagolitische Schrift wird seit dem 16. 
bis 17. Jahrhundert nicht mehr gebraucht. Die Serbo- 
kroaten schreiben jetzt mit lateinischer oder kyrillischer 
Schrift, und zwar die Bekenner der orthodoxen (morgen- 
ländischen) Kirche durchweg kyrillisch, die der römischen 
Kirche, neuerdings auch z. T. die Mohammedaner in Bos- 
nien, lateinisch. Die jetzt gebräuchliche kyrillische 
Schrift ist eine der Reformen Vuks, der das überlieferte 
kirchenslavisch-altserbische Alphabet durch Aufnahme des 
lat. j und Neuformung einzelner Buchstaben dem wirk- 
lichen Lautbestande der Sprache anpaßte und so eine 
ganz ausgezeichnete Orthographie schuf. Die lateinische 
Schrift ist im Anschluß an das neuere cechische Alpha- 
bet mit gewissen Erweiterungen und Umbildungen ent- 
sprechend derVukschen Orthographie gestaltet. — In dem 
vorliegenden Buche wird durchgängig nur die lateinische 
Schrift angewendet. 

Kyrillisches und lateinisches Alphabet. 



a 


ö 


B 


r 


Ä 




% 


e 


JK 


3 


M 


a 


h 


V 


9 


d 


ä, 


91 Ai 


e 


Z 


z 


i 


j 


K 


Ä 


Jb 


M 




H 


H> 





n 


V 


i 


k 


l 


Ij, l 


m 




n 


nj,n 





V 


r 


C 


T 


l. 


1 


* 




X 


^ 


q 


^ 


m 


s 


t 


ö 


u 


/ 




/i 


c 


c 


di,g 


s. 



Vuk braucht außerdem in seinem kyrillischen Alpha- 
bet das alte Zeichen des Halbvokals o {h), wenn r- Vokal 



Einleitiinj;. XLIII 

vor folgendem Vokal steht, um die konsonantische Aus- 
sprache des r zu verhindern, z. B. ip^oiic (Kehle), lies 
dreisilbig gr-o-ce, nicht gro-ce\ 2> sel))st hat also keinen 
Lautwert. In der 3. Ausgabe des Vukschen Wörterbuchs 
wird statt dessen ß geschrieben: tpoue; trägt eine solche 
r-Silbe einen Akzent, so genügt dieser zur Bezeichnung 
des r, ipouc, da konsonantisches r keinen Akzent haben 
kann . 

Die Reihenfolge der lateinischen Buchstaben in den 
neueren Wörterbüchern ist: a, ?>, c, c, c, ä, d, e, /, g, 
h, ?, k, l, Ij (/), m, n^ nj (m), o, p, r, s, s, /, u, v, z^ z. 
Wo für kyrillisches i^ die Kombination dz gebraucht wird, 
steht sie nach ^, wo dafür g^ steht dies nach ,9; wo man 
für d schreibt g], folgt dies auf g. Die Zeichen /, n, g 
werden in den Schriften der Südslavischen Akademie ge- 
braucht, sind aber sonst nicht durchgedrungen, dagegen 
ist d allgemeiner eingeführt. 

Akzente sind \ '\ ', " (darüber s. § 214). P]in Strich 
unter dem Buchstaben bedeutet in dieser Grammatik die 
Haupttonstelle von nicht skr. Wörtern, oder serbokroatischen, 
wo ich die Intonation nicht bezeichnen wollte. 

Das glagolitische Alphabet. 

ffü ü! na A3 [jb 3 iJt) ü5 üo «5» 

a }) V g d e z z z i 

snp/; tfömf a [db q 

i d k l m n p r s 

t u f h (ch) st c c s 

a & XP 0&> fi 

h e (ja) jii d u 



XT.IV Grammatische und lexikalische Hilfsmittel. 



VI. Grammatische und lexikalische Hilfsmittel. 

Genannt werden hier nur Gesanatdarstellungen und 
solche, die größere Teile der Grammatik behandeln, 
Schriften über die Betonung des Serbokroatischen und 
über andere einzelne Gegenstände werden bei den be- 
treffenden Abschnitten angeführt. 

A. Die heutige Sprache darstellend. 
1. Grammatiken. 

Vuks Grammatik ist S. XL genannt. 

E). Daniele, Mala srpska gramatika (Wien 1850), 
von 1863 an in ganz veränderter Gestalt u. d. T. : Oblici 
srpskoga jezika (Belgrad 1863; seitdem in vielen Auf- 
lagen, sowohl in kyr. wie in lat. Druck). 

P. Budmani, Grammatica della lingua serbo-croata 
(Vienna 1867), ein ausgezeichnetes Werk. 

A. Mazuranic, Slovnica hervatska, I. Recoslovje 
(4. Aufl., Agram 1869), Schulbuch, wertvoll durch dia- 
lektische Angaben. 

St. Novakovic, Srpska gramatika (Belgrad 1894), 
2. Aufl. 1902, Schulbuch. 

T. Maretic, Gramatika i stilistika hrvatskoga ili 
srpskoga jezika (Agram 1899); gibt eine sehr eingehende 
Darstellung der in Vuks und Danicics Werken gebrauchten 
Sprache, zieht aber auch die Vuksche Volksliedersamm- 
lung hinein, deren Sprache nicht ohne weiteres als die 
Vuks angesehen werden kann. Vgl. die Anzeige von 
Jagic ASlPh. 22,263. 

Derselbe: Hrvatska ili srpska gramatika za srednje 
skole, 3. Aufl. (Agram 1906; vgl. dazu Grubor, Recen- 
zija hrvatske ili srpske gramatike T. Maretica, Agram 
1909). 

Jos. Florschütz, Gramatika hrvatskoga jezika za zenski 
licej, preparandije i vise pucke skole (2. Aufl., Agram 
1907). 



Einleitung. XLV 

Ljub. Stojanovic, Lekcije iz srpskoga jezika za IL 
razred gimnazije (10. Aufl., Belgrad 1910). 

E>. Danicic, Osnove srpskoga ili hrvatskoga jezika 
(Belgrad 1876), Stammbildungslehre. 

Derselbe: Korijeni s rijecima od njih postalijem u 
hrvatskom ili srpskom jeziku (Agram 1877); Zurückfüh- 
rung der skr. Wörter auf indogerm. Grundlage. Das 
skr. Material in den beiden letztgenannten Werken ist 
vortrefflich, dagegen die Aufstellung indogermanischer 
Pormen der Wurzeln und Suffixe und die Art, wie ser- 
bische Wörter und Wortformen daraus abgeleitet werden, 
völlig verfehlt. 

Derselbe: Srpska sintaksa I (Belgrad 1858), enthält 
nur Kasuslehre. 

Zur praktischen Aneignung der Sprache gibt es für 
Deutsche keine genügenden Hilfsmittel; angeführt seien: 
Muza, Praktische Grammatik der serbisch -kroatischen 
Sprache; ders., Prakt. Gr. der kroat. Spr. (= «Kunst derPoly- 
glottie» Bd. 12; 14); Vlad. Corovic, Serbokroatische Gram- 
matik (Sammlung Göschen, 1913); vgl. aber dazu die ab- 
weisende Anzeige von Stj. Ivsic im Savremenik 1913, 
br. 7, und ebenso von Vrhovac in Letopis Matice Srpske 
1913, S. 213; Rezension von Resetar in ASlPh. 35.294; 
W.M. Petrovitch, Serbische Konversationsgrammatik (Lehr- 
bücher Methode Gaspey-Otto-Sauer), Heidelberg 19 13. 

2. Wörterbücher. 

Das Vuksche ist S. XL genannt. Aus seinem Nach- 
laß: «Deutsch-serbisches Wörterbuch» (Wien 1872; mit 
Vorbemerkung von Miklosich), ohne Akzente. 

Das von der Südslavischen Akademie herausgegebene 
große Wörterbuch, bearbeitet nacheinander von Danicic, 
Valjavac, Budmani, Maretic, soll den gesamten Wort- 
schatz von Anfang der Ü))erlieferung bis ins 19. Jh. um- 
fassen: Rjecnik hrvatskoga ili srpskoga jezika, Bde. 1 — 6, 
7, H. 1—3 (bis in den Buchstaben N), Agram 1880 
bis 1913. 



XLVI Grammatische und lexikalische Hilfsmittel. 

F. Ivekovic und I. Broz, Rjecnik hrvatskoga jezika, 
2 Tle. (Agram 1901; über das «Kroatisch» des Titels 
siehe S. XX. 

Kleinere Wörterbücher: Parcic, Vocabolario slavo- 
italiano (gemeint ist serbokroatisch), Zara 1874; Filipovic, 
Neues Wörterbuch der kroatischen und deutschen Sprache, 
kroat.-deutsch Agrara 1875, deutsch-kroat. 1870; Popovic, 
Wörterbuch der serbischen und deutschen Sprache, 2 Tle., 
2. Aufl. (Pancova 1886 und 1895). Sie sind namentlich 
dadurch mangelhaft, daß sie die Betonung nicht angeben. 

B. Zur älteren Geschichte der Sprache. 

1. Zur Grammatik. 

P. J. Schaffarik, Serbische Lesekörner oder historisch- 
kritische Beleuchtung der serbischen Mundart (Pest 1833). 

V. Jagic, Gramatika jezika hervatskoga, I. Glasovi 
(Agram 1864), auf Grundlage des Altkirchenslavischen. 

E). Danicic, Istorija oblika srpskoga ili hrvatskoga 
jezika do svrsetka XVII. vijeka (Belgrad 1872); Ge- 
schichte der Deklination und Konjugation ; berücksichtigt 
nicht die Überlieferung in glagolitischer Schrift. 

M. Kusar, Povijest razvitka nasega jezika hrvackoga 
ili srpskoga od najdavnijeh vremena do danas (Ragusa 
1884). 

T. Maretic, Istorija hrvatskoga pravopisa latinskijem 
slovima (Agram 1889; vgl. die Anzeige von Jagic, ASlPh. 
12. 602). 

2. Wörterbücher. 

Die älteren Wörterbücher der Volkssprache sind 
S. XXXVII genannt. Das S. XLV erwähnte Wörterbuch der 
südslavischen Akademie ist zugleich ein historisches. Den 
Wortschatz der altserbischen Literatur und der Urkunden, 
jedoch mit Ausschluß der glagolitischen, verzeichnet 
Danicic, Rjecnik iz knjizevnih starina srpskih, 3 Tle. 
(Belgrad 1863—64). 



Lautlehre. 

I. Die einzelnen Laute und ihr Verhältnis 
zu den urslavischen Lauten. 



Den Ausgangspunkt der folgenden Darstellung bildet, 
wo nichts Besonderes bemerkt ist, die serbokroatische 
Schriftsprache jekavischer Form. 

A. Die Vokale. 

1, Als urslavische Vokale sind hier angenommen: 

1. Volle Vokale: 

a) velar (nicht palatal, hart): a o q (d. i. nasales 

0, abg. a geschrieben) u y\ 

b) palatal (weich): e e e (d. i. nasales e) i. 

2. Halbvokale(schwache, reduzierte, irrationale Vokale): 

a) velar (nicht palatal, hart): ^; 

b) palatal (weich): h. 
Also elf verschiedene Vokale. 

Das Serbokroatische hat einen viel geringeren 
Vokalbestand: a, o, u, r (d. i. vokalisches r, r), e, i; die 
elf urslavischen Vokale sind also auf fünf reduziert, da- 
gegen ein im Urslavischen fehlender, r, hinzugekommen. 

Alle Vokale, auch r, können kurz und lang sein: 
ä äy öf ü üj e Cy 7 i, r f. 

2. Die Aussprache der Vokale wird hier nur 
ganz kurz angegeben, für genauere lautphysiologische Be- 
stimmungen verwiesen auf Broch, Slavische Phonetik (1911), 
§§ 90-94. 

Leskien, öerl)okroatische CJrftmmatik. 1 



2 Lautlehre. [§ 2. 3. 

«, z, u sind gleich den so bezeichneten Lauten der 
deutschen Bühnensprache. 

e, sind im allgemeinen offen (e = ä in deutschem 
«Mre, = in Gott nach gewöhnlicher norddeutscher 
Aussprache). Doch scheinen mir die Längen ä, ö überall 
etwas geschlossener zu sein, daher ä in manchen Gegenden 
wie d, sogar wie ö lautet (z. B. gräd, gröd = gräd) ; ö nach 
ü hin, daher lokal wie li, z. B. ün = öw. 

r ist wie das konsonantische r gerolltes Zungen- 
spitzen-r. 

Die genannten Vokale sind alle monophthongisch; 
ursprünglich besaß das Skr. überhaupt keine Diphthonge 
(im Sinne von ti- und i-Diphthongen), weil bereits im Ur- 
slavischen alle idg, Diphthonge zu Monophthongen ge- 
worden waren (s. Abg. Gr. § 43). Später sind im Skr. 
i-Diphthonge dadurch entstanden, daß aus den Verbin- 
dungen Vokal -\- jh das fe ab- oder ausfiel und j (i) mit 
dem vorangehenden Vokal Diphthong bildet, z. B. kräj 
(gen. kräja) = hrajh, säjmlste (Versammlungsort) = ^•s'hjh-' 
miste, zu sdjam gen. sdjma = *s^jhm^ gen. '^s^jhma Ver- 
sammlung. 

Die einzelnen serbokroatischen Vokale.^ 

Skr. a vertritt, kurz wie lang: 

3. I. urslavisches a, einerlei auf welchen indo- 
germanischen Vokal dies zurückgeht (s. Abg. Gr. § 7); 
das ursl. a hat überhaupt im Skr. keine andere Vertre- 
tung als a. Beispiele: in Wurzelsilben, ä: bäba alte 
Frau haha, häjati zaubern hajati, hänja Bad hana, hrät 
Bruder hratr^ hrat^, cäs Augenblick cas^, cäsa Becher casa, 
däti geben dati^ jäma Grube jafna^ jävör Ahorn javoro, 
Tcämen Stein kamy gen. Icamene, häsalj gen. Mslja Husten 
kasl'h, klästi präs. klddem (mit ä) legen klasti, näs unser 
nash, pästi fallen pasti, pästi präs. j^^sem (mit ä) weiden 

1 Bei den Anführungen urslavischer Formen ist diesen nur 
dann * vorgesetzt, wenn sie nicht äußerlich mit altbulgarischen 
zusammenfallen. 



§ 3 — 5.1 Die einzelnen Laute. 3 

pasti pasq^ pläkati weinen plakati, räk Krebs rak^, räna 
Wunde rana, släva Ruhm slava, stär alt star^, statt sich 
stellen stati, znäti wissen znaiif zaha Frosch säba (= urspr. 
^geba). — ä (unbetont, dann mit dem Quantitätszeichen 
'^, oder betont, dann mit den Akzenten ", '): dar Geschenk 
darh, jdje Ei jajßy jdram Joch jarbrm, jdviti offenbaren ja- 
vitiy kdditi räuchern kaditi, krdkati krächzen krakati, näg 
nackt nag^, jMst Mantel plasth, pbjäs Gürtel pojasz, säm 
selbst sarm, stän Wohnung stam, strddati leiden siradatiy 
vdbiti locken vdbiti, vdriti kochen variti, sär Glut zan 
(urspr. *gero-); 

in Formantien, Beispiele: ä, der Auslaut der Verbal- 
stämme auf -a-, z. B. pitati fragen pytati, bräti sammeln 
bhratiy släti schicken s^lat^J zväti rufen z^vat^, mäzati salben 
mazati; in den Fällen, wo neben dem -a- des Infinitivs 
der Präsensstamm auf -i- ausgeht, z. B. drzati halten 
*dhrzati abg. drzati 2. präs. drzis *dhrzisb abg. drzisi, steht 
a für urspr. e, vgl. noch böjati s^ sich fürchten, bjezati 
laufen, s. Abg. Gr. § 141; grääanin pl. grädäni Bürger 
*grad'anino abg. grazdanim; vöstan wächsern abg. vostanT) 
aus *voskem; bögat reich bogat^; ä: öbicäj Gewohnheit 
obicajh, krväv blutig krhvav^, vrätär gen. vratdra Türhüter 
vratarh, ciljäd Familie cel'adh, jünäk gen. jundka Held 
(eig. junger Mann) junakz\ 

im Wortauslaut, in Flexionsformen, z. B. das a 
aller Feminina auf -a, zena Frau zena^ gen. sg. msk. 
böga (zu bog Gott aus bog^) boga; dat. dual, dvjema den 
zweien dvema u. a. 

4. II. Skr. a vertritt urslavisches o in den 
ursprünglichen Verbindungen or, ol vor Konsonanten, aus 
denen skr. ra, la entsteht (über einzelne ro s. § 17, I). Die 
folgende Aufzählung gibt die Fälle möglichst vollständig; 
hinzugesetzt ist die russische Gestalt der Wörter, mit 
oroy olo, weil sie am einfachsten und deutlichsten die 
ursprüngliche Form als *or, *ol erkennen läßt. 

5. A. Ursl. or, ol stehen ursprünglich zwischen Kon- 
sonanten (also nicht im Wortanlaut): 

1* 



4 Lautlehre. [§ 5. 6. 

1. kurzes ä. 

I. Betonung ä: hluto Sumpf holoto, brädva Zimmer- 
mannsaxt = *bordy, wahrscheinlich entlehnt aus germ. 
'^Öardö ahd. harta^ bräsno Mehl abg. hrasbno r. hörosno^ dläka 
Haar ^dolka^ dlun flache Hand dolön, dräga Tal doröga 
Weg, gräh Bohne goroch^ liräpe pl. Unebenheiten poln. 
chropawy holprig, kläda Klotz kolöda^ klädenac Quelle kolo- 
d'az, kläti (präs. köljem) schlachten kol6t\ kräva Kuh ko- 
röva, kräsia Blatter korösta^ mräz Frost moröz, mräziti ver- 
feinden = *morziti, pläh heftig pläsiti schrecken klr. poloch 
schreckhaft r. polosit' beunruhigen, pläynen Flamme abg. 
plamy = *polmy klr. ar. polöm'a, vgl. abg. ptoleti in Flammen 
stehen, pläsa Scholle klr. polosa^ pläziti (jezik) heraus- 
strecken (die Zunge, eig. gleiten lassen) vgl. r. polözif 
kriechen, präöa Schleuder poln. proca, präg Schwelle porög^ 
präm Art Kahn poröm^ prämen Büschel (Wolle u. a.) = 
^pormenb, klr. pöromin Strahl, präporac Schelle ar. poropori) 
Fahne, skrämica (für skrämica Tröpfchen, eig. Fetttröpfchen ; 
dem. von älterem skräma) r. skoronih fette Speise = "^skorm-, 
slädak süß solödkij (bestimmte Form), vgl. lit. saldüs, 
släma Stroh soloma, slätina Salzquelle, vgl. soh skr. so gen. 
soll Salz, r. solotina Morast, svräka Elster soröka, vläga 
Feuchtigkeit volöga, vläca Egge (eig. Schleppe, Schleife) 
vgl. r. volok Schleppstelle (wo Schiffe über Land ge- 
zogen werden), vrana Krähe voröna, zraka Strahl vgl. r. 
zorök Blick, zdrav gesund abg. s^dravh = '^s^dorv^ r. zdorov. 
Man wird bemerken, daß fast durchgängig das Russische 
die Betonung oro^ olo hat; das skr. rä, la vertritt diese 
Betonung. 

O. II. Betonung ä oder unbetontes ä: hläzina bla- 
zinja Federbett, Kopfkissen vgl. r. bölozen Schwiele, krä- 
välj gen. kravdlja Hochzeitsspeise (die als Geschenk gebracht 
wird) korovdj Brotlaib, Art Kuchen, zd-mlaz Art saure 
Milch = *moIz^ (zu "^mhlzq "^mhlsfi skr. mnzem müsti melken, 
abg. mizq mlesti), d-mraza Entzweiung (vgl. oben mrazüi), 
planma Waldgebirge, Gebirge klr. polonynd Hochebene, 
plänuti aufflammen = *polnpti (vgl. oben plämen), öplaza 



§6—8.] Die einzelnen Laute. 5 

beim Pflügen übersprungene Ackerstelle (eig. Gleitstelle), 
oplaznuti (vorn Pfluge) eine Stelle überspringen, vgl. oben 
pläziti, slävüj gen. slavüja Nachtigall solov^j, pnjetran widrig 
fett r. pritovnyj dial. priforomnyj, nävlaka Überzug ndvoloka 
(vgl. oben vläca). 
2. langes ä: 

7, I. Betonung «: 

brav Schafvieh borov, gläd Hunger gölod, glas Stimme 
gölos, liläd Kühle chölod, kläs Ähre kölos, kräk das Bein 
(in seiner ganzen Länge) vgl. poln. krok Schritt r. ökorok 
Hinterviertel, mläz Milchstrahl beim Melken (vgl. oben 
bei zd-mlaz) = ''''molzo, vgl. r. molozevo Biestmilch, mräk 
Finsternis inörok, mräv Ameise abg. mravhji vgl. poln. 
mrötvka, r. umgebildet zu miiravej (der abg. Form ent- 
spräche ^morovej), pläz ein Pflugteil vgl. r. poloz Schlitten- 
kufe, präh Staub porocli, präse gen. pträseta Ferkel porosä, 
2)räz Widder pöröz Eber, släst Süßigkeit (s. o. sladak) = 
^'solsth aus ''''soldti-, smräd Gestank smorod, sräm Scham 
sm'om, sträza Wache storoza, svrab Krätze svorob, träk Streif, 
Binde törok pl. toroki Stirnband, vläk Fischernetz (eig. 
Zug) völok Schleppstelle (s. o. unter vläca), vläs Haar 
voloSy vläst Macht volost' Amtsbezirk, vlät Ähre völot , vräg 
Teufel (urspr. Feind) klr. vorog, vrän Rabe voron (vgl. 
oben vrana — vorona), vrät Hals vorot Kragen, zläto Gold 
zöloto, zräk Strahl zoi^ok Blick. Man wird bemerken, daß 
durchgängig dem skr. rä lä die russische Betonung oro 
ölo entspricht. 

8. n. Betonung d: 

bräda Bart borodd, hrdna Wehr, Egge borondy vgl. 
brdniii wehren klr. boronyty r. boronit'ia sich wehren^ brdzda 
Furche borozdd, gldva Kopf golovd, gldvnja Scheit golovnä 
Feuerbrand, lirdhar tapfer klr. cJiorobryj, hrdna Nahrung 
hrdniti nähren, bewahren klr. choronyiy nähren r. choronit' 
(eig. bergen) begraben, M?2ac = "^klanhch = *kolnhch Engpaß, 
vielleicht zu lit. kdlnas Berg, krätak fem. krdtka kurz ko- 
rotök fem. korotka, mldtiti dreschen molotit' , za-mldziti an- 
melken (einem jungen Tier in den Mund) vgl. oben mläz, 



6 Lautlehre. [§ 8—10. 

plädne Mittag = '^pol-dme, vgl. podne dass. == ^poodyie für 
"^poldne = j9o/5-t/67ze, p)läkati spülen klr. jmlokaty (nicht in 
Verbindung zu bringen mit plakati weinen r. pjldkat'), 
pldtno Leinwand p)olotn6^ pldzati gleiten (vgl. oben pläz ; Wurzel 
ursl. j9fe/2:-, abg. plzeti kriechen, skr. jmzati)^ prdzan leer 
für *prdzdan nach fem. prdzna für '-'prdzdna abg. prazdhnh 
prazdhna r. poroznij dial. poroznyj, sldna Reif lit. szalnä, 
strdna Seite storond, tldciti niedertreten tolocü\ tldka Frone 
klr. tolökä gemeinsame freiwillige Arbeit, vläda Herrschaft 
vlddati herrschen vgl. r. volodet, vldka geschleifter Baum- 
stamm vldciti eggen (eig. schleifen, schleppen) volocit' 
schleppen, vldkno Flachs voloknö Faser (Flachs), vrdbac 
Sperling klr. vorohec r. voroMj = abg. vrahhjh^ vrdta Tor 
vorotd, vrdtiti wenden vorotW. Zu bemerken, daß regelmäßig 
dem skr. rd Id im Russischen die Unbetontheit des oro 
olo entspricht, der Hochton liegt auf der folgenden Silbe. 

9. in. Die Betonung wechselt zwischen ä und d\ 
dräg teuer fem. drdga r. dorog dorogd, hräm gen. hrdma 

Tempel choromy pl. großes Haus, hräst gen. hrdüa Eiche, 
chvörost klr. chvoröst gen. cÄvorosM Gestrüpp, mläd fem. mldda 
jung mölod molodd, pläv fem. pldva blond polövyj fahl, (be- 
stimmte Form), slän fem. sldna salzig sölonyj (solönyj, be- 
stimmte Form), vrän fem. vrdna schwarz voronöj (bestimmte 
Form; vgl. oben vrän wndivrana)^ vielleicht vra^y gen. vrdnja 
Spund (wenn zu vhrq vreü abg. = \erti) = '''vornh. Über 
wechselnde Betonung in Kasusforraen z. B. gldva akk. glävu, 
pl. gläve s. § 565. 

10. IV. ä unbetont: 

öbläk Wolke ar. oboloko, pämräk Art Wurm, vgl. poln. 
pamrowie Engerlinge (m für w; vgl. skr. pündräv dass. 
was pamräk, für ^po-nrav = ^po-norv^, bei Mikl. EW. 
S. 212b r. dial. 2^onorov Art Wurm), päprät Farn pdpo- 
rot, pö~vräz Henkeleisen am Kessel, vgl. klr. voroza 
Peitschenschnur; ndrast fem. Begattung des Hahns und 
ndrav Gemütsart stehen für *nräst und *nräv {nr kann 
im Skr. nicht anlauten, daher der eingeschobene Vokal) 
r. norost Froschlaich, norov. 



§ 11 — 12.] Die einzelnen Laute. 7 

11. B. or ol stehen ursprünglich im Wortanlaut: 
lacan hungrig (von Hunden) abg. alkati hungern (lit. 

dlk-ti) alchm lachm hungrig, läne gen. läneta Rehkalb abg. 
ahihji und lanhjij mlaka Art Quelle, mlak fem. ynJäka lau, 
mlakva Lache, die winters nicht zufriert, '^molk- altr. molo- 
kita Sumpf (s. Brückner, KZ. 45, S. 104), rabota Arbeit 
klr. rohota vgl. got. arhaißs, räkita Art Weide (Pflanze) klr. 
rokf/ta, ralo Pflug = *ordlo zu or-ati pflügen, dazu auch 
rätaj Ackerer = ""'ortajb vgl. lit. artöjis, räme gen. rämena 
Schulter vgl. deutsch arm, raz- Präp. (zer-) r. roz-, — 
läbüd Schwan "^olbpdh (vgl. ahd. alhiz), läcta Schiff" abg. 
aldbji und ladbji r. lod'jd, läkat Ellenbogen r. lokoi' vgl. 
lit. alkmWy läni adv. im vorigen Jahr r. dial. loni, rdsti 
wachsen r. rost\ rdvan fem. rdvna eben abg. ravhm = *or- 
vhm r. röunyj unbest. r6ve7i fem. rovndj rdsanj gen. rdznja 
Bratspieß rozm gen. roznd. 

Unklare Fälle : die Wörter inläviti schlagen , 7nrase 
pl. Masern (Krankheit) haben unursprüngliche Anlaute, 
denn die Gruppen mr, ml können im Slavischen ursprüng- 
lich nicht im Wortanlaut stehen, aber ihre Herkunft ist 
unklar; auch trap Rübengrube, trätor Amarant (Blume) 
sind unsicher. 

IIa, In Fremdwörtern ist nicht selten die Um- 
stellung von ar, la zu ra, la erfolgt, so in klak Kalk lat. 
calx calcem, klasnja Art Strumpf aus mitteilat. calcia 
ital. calza?, krälj gen. krdlja König r. koroV gen. korol'd 
aus deutschem Karl (der Große), krap aus deutschem 
karp (aus lat. carpio) r. korop. Lähm Albona in Istrien, 
mrämör Marmor lat. marmor, Mrätin dän Martinstag, Räb 
die dalmatinische Insel Arbe, raka aus lat. arca, Rasa 
Fluß in Istrien Ä7'sia, Skr adln gen. Sh^adina Skardona in 
Dalmatien, Vlah Walache, aus dem deutschen Waldi 
(Romane) r. Volöch, Vratölomije Bartholomäus (nach der 
griech. Aussprache mit v). 

12. III. Skr. ä a vertritt nicht ausfallendes 
urslavisches h und ?>, außer wenn diese zwischen Kon- 
sonanten stehen in den ursprünglichen Verbindungen n, 



8 Lautlehre. [§ 12—18. 

rfe, h lh\ ^r hr, ^l hl (darüber s. §§27 — 29 u. 24 — 25); 
standen n» rh, h h im Wortanlaut vor Konsonanten, so 
ist die Vertretung skr. z. T. ra la, z. T. anders (s. dar- 
über § 28 I. 2 u. § 19). 

1J2 a. A. a ä stehen für ^ : 

1. in Wurzelsilben. 

hadar fem. badra munter bidrh bidra^ bäh (ü bah ganz 
und gar) bäs adv. gerade b^ch^ vgl. abg. b^shjqy bäcva Faß 
b^ühva, dähnuti atmen dhchnqti, däska Brett d^ska, gen. pl. 
dänä zu dno Boden dh7io, n-gänuti verrenken g^nqti (aus 
'-ghb-n-), käbao Eimer (Kübel) ]c^bh, häda wann ^kzda vgl. 
abg. k^gdaJ kasno spät khsmio, maknuti maci rücken imknqti, 
mast Most Tmsth (lat. mustum)^ nacve pl. Backtrog sg. *mktva 
(s. Berneker, Jagic-Festschr. 602) abg. pl. msthvy, sa 
Präp. mit S2», u-sähnuti vertrocknen s^chnqti, san gen. sna 
Schlaf s^n^ gen. s^na, rdsap gen. rds2)a Zerstörung (eig. 
Zerschüttung) ^idsaj) gen. ndspa Damm (eig. Aufschüt- 
tung) ras7>2J^ (= '''Taz^s^p^) nas^2J^, snäha Schwiegertochter 
smchttj sät Wabe s^to, saljem (sljem) slati schicken s^l'q shlatiy 
tädä dann ^^tbda vgl. abg. hgda, täknuti taci berühren 
thknqti '^ht'i = "^hkti, dazu täcka Stütze (einer Rebe u. a.) 
hchka, täst leer '^'hsk'h abg. f^sth, van hinaus v^n^, väs gen. 
vasi (neben üs usi) Laus v^sh, zao fem. zlä böse z^h zhla. 
— Urspr. r^, U im Wortanlaut: lagati lügen läz Lüge 
hgaü hzh, ras gen. ran (neben rs rH) Roggen r^zh. 

13. 2. In Formantien und sonstigen Nicht- 
wurzelsilben: -ak = -^k^^ z.B. pocetak gen . pocetka An - 
fang j;oce^^/f2» gen. -hka, krötak fem. krötka sanft krotbk'b 
kroUka, krdtak fem. krdtka kurz *kortok^ abg. krat^k^ kra- 
t^ka\ lägahan fem. lägahna leicht, mälahan fem. mälahna 
klein '^H'bg^ch^n^ "^mahcJi^m -, lakat gen. läkta Ellenbogen 
abg. lakhtb gen. lak^te\ xnjesak gen. pijeska Sand peshk^ 
peshka ; sa^a^ Geflüster shp^t^ ; -a am Ende von Präpo- 
sitionen, z. B. izä-gnati austreiben izh-gznati, obä-sjati be- 
scheinen ob^Cb)-shjati, razä-slati auseinanderschicken *razh- 
shlati, podä-nj sub eum pod^-nh. 



§14.15.] Die einzelnen Laute. 9 

14. B. a a stehen für h. 

1. In Wurzelsilben: 

häzdjeti foetere ^hhzdeti^ cävtjeti (für ^cväfjeti) blühen 
pro-cvästi aufblühen '-'kvhteti '^hvhsti abg. cvisti präs. cvbtq, 
va Fragepron. was cb-(to), cabar gen. öähra Zuber chbrit 
rbhbj'^, cdma Langeweile cämati mit Ungeduld warten ^chma 
'•'vhmaü vgl. slov. c^mcti hinbrüten, cäst gen. cästi Ehre 
cbsthj cäfac Leser cätiti lesen chthch cbtq 1. präs. (inf. abg. 
cisti), dabar gen. dabra {d für b) Biber bhbr^, dän Tag 
dh7ih, nd-jam gen. nä-jma Miete najwm najhma, ob-läznuti 
belecken ^hznqti (vgl. Uzati, abg. lizati), mac Schwert mhch^ 
mägla Nebel mhgia, na-mägnuti zuwinken mhgnqti, manji 
kleiner mbuhjb, mästanije dial. Spiegelfechtereien mhchtanije 
Träumerei, mäzga Mauleselin mhzga, päkao gen. päkla 
Hölle phkld Pech, jjänj Baumstamm pwib, ö-panah gen. 
öpmika Bundschuh Opanke ophwbkh opbmka, pas gen. psä 
Hund pbs^ phsa, pärac gen. pärca Kläger pärba Prozeß 
süpärmk Widersacher phrhcb gen. phrbca pbrhba sqphr'bnik^, 
stäza Fußpfad stbd'za sthza, sväniiH hell werden, tagen 
svhnqti aus "^svhtn-, sväst gen. svästi Schwägerin svbstb, säv 
gen. sva Nat shvh sbva, stdblo Stengel sthblo, stäklo Glas 
sthklo, l-sao = sal gegangen shh, säptati lispeln säpät Ge- 
flüster sbp^tat^ sbphh, gen. pl. tdlä zu tle pl. Fußboden vgl. 
abg. thlo ntr., tdma Finsternis thma, tanak fem. tanka dünn 
thmkh thmka, tarem (trem) 1. sg. präs. zu trü reiben thi^q 
'^tbrti abg. Mi^ täst gen. iästa Schwiegervater ihsfb^ vas (säv) 
omnis vbshy pre-vaz-iöi übersteigen -v^z- (sonst skr. uz), zäd 
dial. Mauer zbd^, zanjem 1. präs. zu seti ernten zhnq zeü. 

Ih' ursprünglich im Anlaut: lak fem. laka (aus Hagka) 
lägahan leicht vgl. lhg^k^ fem. lhg^ka 'Hbg^c^l^n^, lan Leinen 
hm^ last Leichtigkeit lästan fem. Idsna leicht Ihsth Ihstbmt. 
Ibsthna, lav Löwe l'bv^. 

15. 2. In Formantien: 

-ac = -hch z. B. ötac gen. öca Vater othch oibca, slijepac 
Blinder slephch, vgl. auch gen. pl. ovdcä zu övca Schaf 
ovhca\ -ak = -hkh, gorak fem. gorka bitter gorbkh goi'hka^ 
tezak fem. Uska schwer teibk^; -ao aus al z. B. kötao gen. 



10 Lautlehre. [§ 15—17. 

kbtla Kessel kothh Jwthla, örao gen. örla Adler orhh orhla, 
svljetao icm. smjetla hell svethh svethla; -an = -hm, z.B. 
vjeran fem. vjerna treu verhm verwia; vgl. noch einzelnes: 
jdram gen. jdrma Joch jarhm^ jarhma^ öcat gen. acta Essig 
ocbth ocbta; svagda (für -^vsagda) immer vhsbgda; onomd-dne 
neuHch onomh dhne lok. sg. = an jenem Tage. 

In Fremdwörtern vertritt a öfter deren i und «7, 
z. B. masa Messe aus lat. missa^ tämjan Weihrauch aus 
•8u|uia)na (u = i), papar gen. p)äpra Pfeffer lat. piper, Cäptat 
Ragusa vecchia in Dalmatien aus civitaiem; spänäö Spinat 
ital. spinace\ Bäkar gen. Bäkra Ort in Kroatien ital. Buc- 
cari; in türkischen Wörtern u. a. deren e, z. B. bäkar 
gen. bäkra Kupfer baker. 

16. IV. a dient im Skr. als Einschubsvokal 
zwischen urslav. Konsonantengruppen, die das Skr. über- 
haupt nicht oder an der betreffenden Stelle, z. B. im 
Wortauslaut, nicht duldet (s. § 114). Zu verstehen ist 
das so, daß zunächst ein dumpfer Vokal h eingeschoben 
ist, der dann wie jedes T) in a übergeht, z. B. miidar fem. 
müdra weise mqdr^ mqdra^ ösam acht osmh, misao (aus 
misal) gen. mtsH Gedanke mysh, tljesak gen. tljeska Presse 
tesk^ teska (das a dieses Wortes ist also andern Ursprungs 
als das des scheinbar gleichen pijesak pijeska Sand, dies 
ist = peshk-ö pes^ka, mit urspr. '5, während es dort neu 
entstanden ist). 

IT. Skr. ö ö vertritt: 

I. urslav. 0, z. B. bog gen. böga Gott bog^^ bös fem. 
bdsa barfüßig bos^, cbvjek Mensch clovek^, dorn döma Haus 
dorm, görjeti brennen (intr.) goreti, gövör Rede, Sprech- 
weise gövor^, kösa Haar kosa, löza Rebe loza, ösam acht 
osmh, p)blje Feld pol'e, rög gen. röga Hörn rog^^ usw. ; dü- 
bov eichen dqbovh^ selo Dorf selo^ vedoh 1. sg. aor. ich 
führte vedochh^ seno vok. sg. (zu zena) zeno. 

Die Verbindung ro- steht in einigen wenigen Fällen 
für urslav. or im Wortanlaut vor Konsonant: rbb gen. roba 
Sklave *or&2> abg. rab^ und robi), rbzga Stange (zum An- 
ranken) *orzga abg. rozga und razga. 



ij 18 — 21.] Die einzelnen Laute. 11 

18. II. Skr. für silbenauslautendes l. Da 
altes l nach Vokal vor Konsonanten in dieser Stellung 
nie verblieb, sondern el, ol zu le, la wurden, hl zu l (dies 
zu w, s. § 25), so kommt silbenauslautendes l nur vor, 
wo nach ihm ein ^, 6 ausgefallen ist; z. B. dao f. ddla 
^= dah, hvdlio f. hvdlila = chvalih, pUo f. plela = plelo^ umro 
f. umrla = %mhrh; gen. pratioca zu nom. pratilac Begleiter 
= pratühca pratilhcb^ dloha Teilung = dehba, (ifoce dem. zu 
<l)io Hals = "^ghrlhce; döca aus '^dooca gen. zu cfo/ac, dies 
dem. zu dö gen. ^o/a Tal = dolhca dohch^ doh. — Altes 
l' bleibt unverändert, z. B, prijafelj. 

19. III. In einigen seltenen Fällen ist wort- 
anlautendes l^^, Ih- vor einfachen Konsonanten in 
übergegangen (über la- s. § 11): düca Löffel (neben 
läsica und zlica^ dies umgestellt aus Hzica\ das auch an- 
geführte lösica ist eine Neubildung aus Kontamination 
von özica und läzica) hzica, ösujak neben läzdk März zu 
hgati skr. lägati lügen; pri-öniiii ankleben (intr.) pri-hnqti 
(aus -Hhjmaß) vgl. skr. pri-lijepiti trans. 

20. Skr. u entspricht: 

I. urslav. w; in Wurzelsilben z. B. hüditi wecken 
hiiditi^ düsa Seele dusay gühiti verlieren gubiti, hüd schlecht 
ckud^J küpUi kaufen kujnti, Ijüdi Leute l'udhje^ milha Fliege 
mucha, slüga Diener sluga, süh trocken such^^ um Vernunft 
mnh\ — in Nichtwurzelsilben z. B. grädic dat. sg. zu 
gräd Stadt gradu^ nögü gen. dual, zu nöga Fuß nogu, krä- 
güj gen. kragüja Falke kragtijh, vblüjski Ochsen- vgl. volujh. 

21. IL Skr. ü ii vertritt ursl. p (abg. q ge- 
schrieben) in folgenden Fällen: 

1. In Wurzelsilben: 

blüdifi verhätscheln hlqditi irreführen (zu hl^dq ich 
irre) bübanj gen. bübiija Trommel bqbh7l^, zu derselben W. b()b- 
(sch wellen) bübla Klumpen, nä-bubriti anschwellen, btibidjica 
Pustel; büdem ich werde bqdq, düb Eiche dqJ)^, düga 
Regenbogen dqga, nä-duti se (pr. na-dmem) sich aufblasen 
dqti (pr. d^mq), gölüb Taube golqbh, grub grob grqbo, grüdi 
pl. Brust grqdi, güba Aussatz gqba Schwamm, gühica 



12 Lautlehre. [§21. 

Tiermaul gqha^ güdjeti geigen güsle pl. Geige ^godeti aljg. 
gada gqsti gqsli, gusjenica Raupe gqsenica^ güska Gan« 
gqshka dem. zai gqshy güst dicht gqsU^ güzva güzvica Reiser- 
geflecht "^gpzhvica, häluga dial. Kluft (Hohlweg) chalqga 
q)paY)n6(;, klüpa Bank *klQpa klqpi, klüpko Knaul klqh^ko, 
krüg Scheibe, Kreis krqg^, krüt dick, fest krqtb, kuca Haus 
''%Qt'a kqsta, küdä küdije wohin kqda kqde, küdjelja Flachs- 
docke kqdelh, küdrav kraus lockig kqdrav^, kükolj Kornrade 
kqkol'h^ küpati baden kqpati, küpina Brombeerstrauch kq- 
jnna, küs gestutzt kqsh, küt Winkel (Ecke) kqU, labüd 
Schwan ^olbpdh (vgl. ahd. albiz), lüciti absondern Iqciti, 
lüg Hain lqg^J luk (eig. Bogen )Feder an der Flinte lqk^y 
luka Au Iqka^ lütka Puppe poln. -tqtka ^lotbka, müdar weise 
mqdr^, müdo Hode mqdo^ muka Pein mqka^ müka Mehl 
mqka, mütiti trüben rnqtiti, vgl. smuta Schneetreiben ■^■s^' 
mqta, müz Mann mqzh, brüzje Waffen orqzhje, pauk Spinne 
2Mqk7}, prüd Sandbank prqd^, prüg gestreckt, straff prqgh, 
dazu prüziti strecken prqziti, prüglo Schlinge prqglo, sü- 
pruga Knittel sq-prqga, pö-prug Saumsattelgurt -prqg^ ; prüf 
Rute prqfo, püditi scheuchen pqditi, pücina weite Meeres- 
fläche pqcina, puknati püci bersten pqhiqti *p()t'i, pupak 
Nabel pqp^k^ zu pqp^, put Weg pqth, puto Fußfessel pqto, 
ruh Saum, Naht r übiti ssnimen rqh^ rqbiti, rüda dichte rauhe 
Wolle (lana crispa) rqda, rudlna Flur (pratum) poln. re- 
dzina fettes Erdreich, rüg Spott rqgh, rüka Hand rqka, vgl, 
öhrüc Reifen öb-rqch, po-rüciti sagen lassen (eig. behändigen) 
po-rqciti\ skudla Schindel abg. skqdoh -dhh -delh, sküp teuer 
skqp^, smüditi sengen smqditi, strük Stengel poln. strqk, 
stüpifi treten stqpiti^ su- in süsjed Nachbar, süpärmk Wider- 
sacher und gleichartigen Zusammensetzungen sqsed^ sqphrh- 
nikh, Süd süda Gefäß s^^sqd^, süd süda Gericht sqd^y tisuca 
tausend ^tysot'a abg. tysqsta, trüha Trompete trqha^ trüd 
Feuerschwamm "^trodh (und trqth), po-trüsiti anstreuen, 
dadurch verunreinigen "^-trositi zu tr^s- schütteln, trüt 
Drohne trqth^ tuca Hagel tqca^ tüga Schauer, Angst tuziti 
beklagen iqga tqzifi, tüp stumpf tqp^, tüsiti dämpfen (eig. 
dumpf machen) ^tositi vgl. poln. fgchnqc muffig werden^ 



§21—23.] Die einzelnen Laute. 13 

iütanj gen. tütnja Dröhnen tqtim, ühorak Art Maß qborik-b, 
Mica Fischangel aßica, ügor Aal "^ggorh, utroha Eingeweide 
atroha, un-ütar hinein vön-qtrh, utva Ente qty, ugal gen. 
agla Ecke qgh^ ügalj gen. uglja Kohle qglh^ uzak fem. üska 
eng uzao gen. uzla Knoten üzica Strick uze Seil susanj gen. 
suznja Gefangener qz^k^ ''■'ozhh qzica qze s^-qzhnh (zu der 
Wurzel v§z- binden); züb Zahn zqb^, zelüd Eichel zeludac 
Magen zelqdb zelqd^k^. 

22. 2. In Formantien und andern Nicht- 
wurzelsilben: Verbal stäQime auf -nq-, z. B. dähnuti 
döcfmqti; Partizipien präs. auf -üci = -pt'- abg. -qst-, z. B. 
pletüöi *pletpt'i plefqsti', Adverbialendung -od-, z. B. svüdje 
svudä überall vhsqde vhsqda, ovüdä von hier ovqda; Akk. 
sg. fem. -u = -Q z. B. zenu = zenq ; Instr. sg. fem. auf 
-JIM, z. ß. stvärju = shtvarhjq\ 1. sg. präs. -u = -q in Äö(5^( 
ich will = "^chot'p abg. chostq, mögu ich kann = mogq, velju 
ich sage = ve^^jf ; 3. pl. imperf. -hu == -chq, z. B. pletijähu 
pletähu vgl. abg. pleteachq. 

In älteren Lehnwörtern steht u für deren an, am 
und zuweilen für andere dumpfe Vokale mit Nasal, so 
Früskä Göra (Gebirge in Syrmien) = frqzhsko fränkisch, 
pöluga Stange aus *palanga = phalanga qpaXdtYT^, sübota 
Sonnabend abg. sqhota vgl. ahd. sambaz-tag\ su-, siU- in 
Ortsnamen aus romanischem san-, sa^it- (heilig), z. B. in 
Dalmatien Su-petar San-Pietro, Sut-ivan San-Giovanni. 

23, III. Skr. u als Vertreter von ursl. ^l hl, 
h Ih zwischen Konsonanten. Im Abg. wurde aus 
^l hl vokalisches Z; h h blieben in der ältesten Periode 
der Sprache als solche bestehen; in der Schrift werden 
hier die Gruppen hl hl (abg. l) von h h nicht geschieden, 
sondern beide geschrieben mit Ih Ih (s. Abg. Gr. § 55). 
Im Skr. sind sie zusammengefallen, und zwar in m; die 
Entscheidung, wann ursprünglich hl hl, wann h h ge- 
.standen hat, läßt sich am einfachsten mit Hilfe des 
Russischen treffen, da dies für ursl. hl hl, die dort zu- 
nächst in hl zusammenfielen, ol eintreten ließ, für urspr. 
Ih Ih dagegen lo le hat. Es sind daher unten die rus- 



14 Lautlehre. [§ 23—26, 

sischen Formen beigefügt neben den altbulgarischen oder 
den urslavischen. 

24. 1. u statt h, h: 

hülm Floh hhcha blochd, gunuti Schluck tun gütati 
schlingen -ghtiii -ghtati glotdt, jabiika Apfel jabhko jahlokOy 
kücine pl. Werg vgl. khlc^ klok Büschel, kün Ahorn (neben 
kUjen klen) "^khm r. klen (spr. kl'on), künem 1. sg. präs. (zu 
kleli) fluchen klhnq (kleti) r. kl'anü (für klenü)^ put (alt) 
Fleisch phth ploi\ süza Träne slhza slezd. 

25. 2. u statt ursl. ^l hl (abg. /, geschrieben h Ih) 
hügarin Bulgare H^lgarim r. bolgdrim, bün bünika Bilsen- 
kraut '^'bhlm, vgl. r. belend = *belna dass., cün Kahn ^chlnif 
coln, dübem düpsti aushöhlen (meißeln) '^-'dhlba vgl. r. dol- 
bit\ düg lang '^dhlg^ dolgij, düg Schuld *d^lg^ dolg, hüm 
Hügel '•'cJihhm chohn, kidc Hüftbein '^•k^lk^ vgl. r. koUe-nogij 
Hinkender, u-muknem ü-muci ü-muknuti verstummen mti- 
cati schweigen ^mhlk- u-molknut' molcdt\ münja Blitz 
'■•'mhhihji mohiija, müzem müsti melken "^mhlza "^mhlsti vgl. 
lit. miU-ti^ pull Bilchmaus (Siebenschläfer) "^phlclvh vgl. ahd. 
püih pilch, puk Volk ^p^lkh polk, pün voll *phlm polnyj 
vgl. lit. pllnaSy püst Filz '^phlsth polst' vgl. das deutsche 
Wort, püzati kriechen o-puznuti se ausgleiten püi spüi 
Schnecke ^phlzq "^phlsti polzü polsti vgl. abg. plezati kriechen 
= '-^pelzati^ stuba Baumleiter '^stzlba vgl. r. stolb Säule, 
sfüp Säule '^•st^lp^ stolp, sünce Sonne '^s^ln'bce solnce, tücem 
tüci schlagen stoßen '-^thlkq Hhlt'i = Hhlkti (abg. tlkq tlesti 
= Helkti) r. tolkii (inf . tolöc = '^'telkti), is-tnmdciti erklären 
H^lmach Dolmetsch tohndc, tust fett 'H^lsth ^tüstb tolstyjy 
vücem vüöi ziehen 'Hhlkq *vhlt'i = '^vhlkti (abg. vlekq vlesti 
= "^'velkq "^velkti), r. volokü voloö' (= ^velk-) vgl. lit. 
vilkti, vüga Beutelmeise *vhlga poln. wilga r. i-volga Pirol, 
vük Wolf '^•vhlk^ volk vgl. lit. vükas, vüna Wolle *v^lna völna, 
züc Galle '"^zhlch zoU, iüdjeti verlangen nach, begehren 
pb'suda Begierde ^zhldeti, züna Specht ^shlna zolnd {zelnd), 
züt gelb '^zhlt^ soltyj vgl. lit. geltas. 

26. IV. Skr. u vertritt anlautendes urspr. 
v^-, vh-: 



§26 — 28-] Die einzelnen Laute. 15 

Präposition vb in, hinein, wird u, z. B. ii kuci im Hause 
abg. vh kqsti, ü kuöu ins Haus abg. vh kqstq, u-nütar hinein- 
vh-nqtrh, ii-vesti hineinführen v^veHti\ dies u ist nicht zu 
verwechseln mit der Präp. u (mit dem Gen.) bei = ursl. 
abg. u; Präposition v^z^ hinauf uz^ z. B. üz hrdo den Berg 
hinan, abg. v^z hrdo, uzvesii hinaufführen v^zvesti\ — ubao 
gen. uhla Art Brunnen *v^b^h, udövica Witwe v^dovica, 
iinuk Enkel v^m^k^, iipiti rufen (neben väjnti, z. B. 3. aor. 
zaväpi 2.M0S. 8. 12) vhpiti, üs (neben väs) Laus v^sh, ütörnik 
Dienstag v^torhnik^\ jücer(a) gestern vhöera (j im Skr. 
durch Anschluß an jütro Morgen, jütrös heute morgen). 
Die Vertretung des vz- vh- durch u ist nicht ganz durch- 
gehend, vgl. oben väs^ ferner vän hinaus = v^n^, väs 
omnis = vhsh. 

27. Skr. r vertritt ursl. n rh (abg. r^ rh) und 
ursl. ^r hr (abg. r, geschrieben r^ rt) vor Konsonanten. 
Vor Vokalen konnte die Verbindung r^ rh überhaupt ur- 
sprünglich nicht vorkommen; im Skr. kommt aber r- 
Vokal vor zu stehen, wenn dies aus silbenauslautendem 
/ entstanden ist, z. B. gfoce = '^g^rlhce, daraus zunächst 
''•grlce, Dem. zu grlo Hals, ümro gestorben = ^umhrlh 
daraus "^umrl; dies r wird leicht zu konsonantischem r, 
also gesprochen wird oft ümro. Da bei r keine Ver- 
wechslungen mit anders entstandenem Vokal stattfinden 
können (wie bei u = ^/, hl mit u ^= q usw.), genügt es, 
die Fälle herauszuheben, in denen r = r^ rh ist, die 
übrigen (Beispiele § 29) verstehen sich danach von selbst 
als aus ^r hr entstanden. Das einfachste Kennzeichen, 
welche Lautverbindung ursprünglich vorliegt, gibt das 
Russische, wo rz. rh zu ro re, dagegen ^r hr zu or er ge- 
worden sind, es sind daher unten die russischen Formen 
beigefügt: 

28. I. r = r7) rb: 

1. Zwischen Konsonanten: 

brst junges Laub br^sth hrost', hrvno Balken hrhvum 
brevno, dfhat gen. drhta (für "^drkta aus *drbgzta nom. *drb- 
ghh, h im skr. Nom. aus den obliquen Kasus übertragen) 



16 Lautlehre. [§ 28. 29. 

Schauder drhtati zittern, schaudern "^'drhg- drögmd', drvo 
Baum pl. di'va Holz drbva drovä^ grm Art Eiche, Gebüsch 
grmen Gebüsch grhmz (in altr. ÜberUeferung grhim und 
grerm), grmjeii donnern grhmefi gremet\ vgl. gröm Donner, 
hrhat gen. hrpta Rücken chrbhhh clireMt gen. chrebtd, krhaii 
krsiti zerbrechen, zu krhcJia krochä Brocken, krmelj Augen- 
butter gramiae, vielleicht zusammenhängend mit grhmeMh 
dass. (in ar. Überlieferung gremezdh und grom-), vgl. slov. 
krmezelj Augeneiter; krna Messerscheide = krhna?, krpa 
Flick krpiti flicken kropät' sudeln, oberflächlich nähen, 
üs-krs Ostern üskrsnuü auferstehen vhs-krhsnqti voskres vos- 
kresnut, krtica Maulwurf kr^i^ krot, krv Blut kr^vh krov' 
vgl. lit. krüvinas blutig, prsljen neben presljen Spinnwirtel, 
strm sifmen stfmenit steil strhim r. stremind Steile stremit' 
heftig fortreißen, strmen Steigbügel neben stremen, östrvo 
Insel neben r. östrov, trbuh Bauch r. trebuchd Wanst, für 
Hrhb-, tfsiti se sorgen, sich bemühen um (zu lit. U^üsas Ge- 
schäftigkeit, trüsti viel herumwirtschaften?), trst, trska aus 
{^tnHthka) Schilfrohr tnsih trost' ; — in Nichtwurzelsilben 
vereinzelt: srebrn = '^'•s^rebrhn^ silbern, vjetrni mlln Wind- 
mühle ^= vefrbm vetrhnyjh. 

2. Im Wortanlaut: 

rda Rost (eig. Röte) *rhd'a abg. r^zda, r^deti se erröten 
(vgl. skr. rüd rötlich), rt Spitze (z. B. eines Berges) r^t^ 
rot Mund, rvati se ringen r^vati raufen, rzati wiehern *rt>- 
zati, vgl. poln. rzec, fz (neben räz) Roggen r^z'b roL 

29. II. Skr. r = urspr. vr hr; hier nur einige Bei- 
spiele (s. die Bemerkung oben § 27): brz schnell *b^rzh 
horzöj, ceivrti vierter '^'cetvhrh cetvertyj vgl. lit. ketvirtas, 
€rn schwarz *chrm cörnyj, grlo Hals '^g^rlo gm'lo, krma 
Steuerruder "^khrma kormä, krmiti nähren '^k^rmiti kormW, 
mrkmdi finster werden "^mhrknoü merknut' , smft Tod 
^s^mhrth smert\ Srbin Serbe '^shrbim Serb, srce Herz *shr- 
dhce (vgl. lit. szirdls) serdce^ trg Ware *t^rg^ torg Markt, vrh 
Gipfel "^vhrcln (vgl. lit. virszils) r. verch, vrba Weidenbaum 
'^vbrba verba, zrno Korn *zhrno (vgl. lit. ztrnis Erbse) 
zernö. 



,§29.30.] Die einzelnen Laute. 17 

In Lehnwörtern, altererbten wie neueren, steht r 
(ifter an Stelle von deren ra, ri, re, ar, or, er, z. B. crhva 
Kirche abg. crky = "^xhrlaj aus ahd. kircJia, kr st Kreuz, 
Christus abg. krhsh aus ahd. krist{= xpicTTÖq), trpeza Tisch 
TpatreZ^a, Grk Grieche abg. grhk'b aus graecus, Grgür Gregor 
aus rpriYÖpiO(; (spr. gri-); srdeJja Sardelle ital. sardella, 
mrnär Matrose ital. marmaro, mrgvij Grenzstreifen ital. mar- 
gine, Krf Korfu, frtima vrtüna Sturm türk. ferte7ia aus ital. 
fortu7ia, Trst Triest Tergeste. 

30. e e; vom Urslavischen ausgegangen, gestaltet 
ßich die Entwicklung der e-Laute, ursl. (', e, e, fol- 
gendermaßen : 

A. Ursl. e wird über das ganze Sprachgebiet e 
(über bestimmte einzelne Abweichungen in cakavischen 
Mundarten s. § 204); russisch entsteht 'a. 

1. In Wurzelsilben: 

hlenuH erstarren (eig. irre werden) aus ^blednoti, vgl. 
abg. bl(^dq hlgsti irre gehen, brecati knallen r. brdknut' == 
'^br^k-^ zabreknuti anziehen (vom trockenen, in Wasser ge- 
lassenen Gefäß) r. na-bräkmd' aufquellen = "^brek-, cedo 
Kind c^do, cest dicht cesh (vgl. lit. kimsztas gestopft), cest 
cestica Teil cestit glücklich cesth, pb-ceti (präs. pö-cnem) an- 
fangen -Ceti {-chnq)^ deset zehn desetb, desni pl. Zahnfleisch 
(sg. desna AWb.) = '^xlesna r. desiid (für d'asnä), djetao djetla 
Specht djetelina Klee r. däiel = *d^teh d'citlina, = ''^'detelina 
(in den skr. Wörtern ist je anomal), devet neun deveth, 
Drezga (Ortsname) drezga Wald, tlz-eti (u. a. Zusammen- 
setzungen mit -eti) präs. üz-mem wegnehmen v^z-^U v^Z'^>mq 
(Simplex jeti imq), galeb Möwe = galeM?, gavez Wallwurz 
r. gav'äz ■■= "^gav^Zo, gledati schauen glcdati, gölef kahle 
Gebirgsgegend == *goleth?, goveda pl. Rindvieh govedo, greda 
Balken gr^da, gredoni uz-gred im Vorbeigehen gredein gresii 
gehen gr^Äq gr^sti^ grezmdi (untersinken) überschwemmen 
grgznqti, jägned Pappel agned^, järeb Rebhuhn jarpbh^ jästreb 
{jästrijeb) Habicht jastrebz, j6knuti erschallen jecaii hallen, 
vgl. poln. j^knqc ächzen = "^'jekurdi^ jecmen Gerste jccbmy, 
jegulja Aal = '"^jngul'a? vgl. ügor dass. = '^qgoi% j4dar fem. 

Leskien, Serbokrontischc Grammatik. 2 



18 Lautlehre. [§ 30. 

j^dra dichte fest j^drb vgl. j^dro Kern, jetra Leber jetro, 
jetrva Schwägerin j^try, jeza Schauder j^d'za Krankheit, 
jezik Zunge j^zylcb, klekmdi kleöi niederknien *kl^k7iqti *ki^t''i 
= *klekti abg. klecati kl^cati, kleti (präs. künem) fluchen 
kmi (khnq), knez Fürst fem. kneginja abg. khn^d'zb {kvnezh) kbii^- 
gynij altes Lehnwort aus deutschem kuning, köleda (jetzt 
eine Art Weihnachtsruf koledol) aus lat. calendae, krenuti 
kretati bewegen hynqti kr^iati, Uöa Linse abg. l^sia^ ledina 
brachliegendes Land ledina, leda Rücken l^dvhja Lende, 
legnem lege mich *kgng (inf. leöi = Hegti abg. lesti\ dazu 
Uöi Usern brüten = Het'i aus "^l^gti ^lego^ u-leknuti se -leöi 
se sich senken = ^l^kngti H§t'i aus H^kti abg. l^sti lekq 
biegen, mek fem. yrieka (= *mekka für *mekhka) weich 
m§k^k^ fem. m^lcbka, po-mönuti erwähnen po-m^nqti^ meso 
Fleisch m^so, po-m^sti meiern verwirren m^sti m^tq, pamef 
Verstand, Gedächtnis pameth, metva metvica Minze aus lat. 
mentha, ped Spanne pedh, penezi pl. Geld (für *pjenez; ikav. 
plnezi) pen^d'zh penezh altes Lehnwort aus deutschem penniiig, 
pet fünf p^th^ peta Ferse d-pet wiederum ppta o-peh, pest 
pesnica Faust ppth, po-pregnuti -preöi anschirren pr^gnqti 
*ptyt'i = "^pr^gti, prenuti auffahren (aus dem Schlafe) 
predati erschrecken prenqti = '^pr^dn. pr^dati aufspringen,. 
presti predem spinnen presti pr§dq, pretati zudecken (bergen)' 
zdpret mit Asche bedecktes Feuer pretati, red Ordnung 
red7)y regnuti aufmurren rezati Zähne fletschen regnqti, rep 
Schwanz ^r^p- vgl. poln. rzqp\ resa Kätzchen am Nußbaum 
pl. rase Fransen r^sa, sedra Kalksinter ^s§dra vgl. deutsch 
sinter, segnuti sezati langen nach segnqti^ u-seknuti schnauzen 
(emungere) seknqti sickern, abfließen , svet heilig svei^y 
setaii wandeln, spazieren s^tati sp, stedjeU sparen *sk§deti 
abg. stedeti, teg Zug po-tegnuti (u. a. Zus.) ziehen tesak 
schwer tesiti Feld bauen tesäk Ackerer t^gh t^gnqti tezhk^ usw., 
tetiva Bogensehne tptiva, tresti tresem erschüttern tr§sti tr^sq, 
veöi größer abg. veshjh, venuti welken vpiqti = *v^d-n., 
visti vezem sticken vezati binden v^sti v^zq v^zati, rüko-vet 
Handvoll vgl. abg. rqko-j^th, vez Ulme '^vez^ poln. iviqz, 
vUez Held vit^d'zh vitezh, z^nuti keimen '^z^ngti = z^bnqtij 



§30—32.] Die einzelnen Laute. 19 

zepsti zehem frieren zehn, zet Schwiegersohn z^th^ zvek Klang 
zvecati klingen zv^knqti, zeda Durst zidan durstig '^zgd'a 
abg. z^sda Durst zedati dürsten, zeti (präs. zmem) drücken 
zpti (zhmq)^ zeti (präs. zänjem znjem) ernten zetva Ernte icU 
{zhiiq) zetva, zezelj Anbindestock für Schaf hunde ar. zazelh 
= "^z^z-. 

31. 2. In deutlich nicht wurzelhaften Silben: 
Neutra auf -e gen. -eta = -e -ete, z. B. tele teleta Kalb 
tele teilte; Nom. der Neutra auf -e gen. -ena, z. B. hne 
gen. hnena Name im^ imene] mjesec Mond mes^ch, zec aus 
'^■'zajec Hase zajecb; Gen. sg. fem. -e, z.B. düse (zu düsa) 
= dttse; Nom. Akk. pl. fem. msk. -e, z. B. düse = duse^ 
ordce (zu dräc Pflüger) = orace; Akk. sg. pron. me te se 
mich dich sich = me te se; 3. pl. aor. -se = -se, z. B. 
pletose (zu pletem ich flechte) = pletos^. 

32. B. Für die nicht auf e zurückgehenden 
e -Vokale des Skr. muß getrennt werden nach den 
Mundartengruppen: ekavisch einerseits, ikavisch und 
jekavisch andrerseits: im Ekavischen sind urspr. e und e 
(dies = e und ^) in e e zusammengefallen; da ^ ebenfalls zu 
e wird, hat diese Mundartengruppe e e unterschiedslos für 
ursl. e, e, §. Im Ikavischen und Jekavischen dagegen ist 
die Vertretung des ursl. e von der des e e unterschieden 
geblieben, indem ikavisch e zu i ^, jekavisch zu je ije (ie) 
wird. Statt re- tritt jekavisch in der Regel nicht r/e-, 
sondern re- ein, so daß in diesem Falle ekavisch und 
jekavisch zusammenfallen. 

33. 1, Die Vertretung von altem e; ehemaliges 
serb. e kann auf zwei urslavischen Lautverhältnissen be- 
ruhen : 

a) Altes e kann entstanden sein aus er el vor Kon- 
sonanten: re le. Ein einfaches Mittel, zu erkennen, wann 
dies der Fall ist, gibt das Russische, da es ere, olo (dies zu- 
nächst für ol, in das urrussisches el überging) für er, el hat. 
Daher ist unten den skr. Wörtern in ihren drei mög- 
lichen Formen außer der urslavischen und abg. auch die 
russische Form beigefügt. 

2* 



20 Lautlehre. [§33.34. 

I. Akzent '. 

hreg bnjeg hrig Hügel ^bergh hreg^ bereg Ufer, brest 
brljest brist Ulme ''^'bersh r. borest, cremza crljemza crimza 
Sperberbaum r. ceromcha cerömucha, crep crijep crip Scherbe 
*cerph cerep, (Iren drijen drin Kornelkirsche ^derm abg. 
drenyni (der Baum) r. derön, drevo lignum crucis (urspr. nur 
Baum) Scbiff (vgl. ital. legno) drijevo drivo ^dervo derevo, 
drijezga {vdde?iä) Pflanzenart (sium latifolium) zu r. derezä 
Ginfiter u. a.? 7nrest mrljest mrist (m für n) Fischrogen 
^nersth klr. nerest Laich, plen plljen pltn Beute *pelm (vgl. 
Ht. pelnas Verdienst) plem polon^ prljed pred prid vorher 
vor *perd^ pred7> r. pered und peröd, preko prijeko priko 
hinüber, jenseits *per]co r. per 6k, srernus {s für c) sujemus 
allium ursinum r. ceremica, sres srijes sris Hefe sresh 
^sersh, trem trijem Halle trem^ terem gr. Tepejuvov, vrtjed 
vrid Beule (Geschwür) '^verd^ vredh vered, vresak vrijes vri- 
jesak vrisak Erika '^^'•vers^ veres, zdreb sdrljeb zdrib Los 
'^zerb- abg. zrebhjh r. zerebej gen. zereb'ja, zdrebe gen. zdrebeta 
zdrijebe zdribe Füllen ^zerbe zreb^ zereb'd, zdrelo zdrljelo 
zdrilo Engpaß (eig. Schlund) *zerlo r. zerelo, zleb zlljeb zlib 
Rinne (Wasserr.) *zelb^ zölob. 7j\x bemerken ist, daß dem 
skr. e (i, Ije) der Regel nach im Russischen die Betonung 
ere entspricht. 

34. H. Akzent '': 

breäa trächtig "^berd'a abg. brezda klr. bereza, breme 
brlme Last %erme breme berem'a, breza brlza Birke breza 
beröza^ crepati crlpati schöpfen '^cerpati crepat% crevlja Schuh 
^cerv- abg. crevhjh vgl. r. cerevik Bauernschuh, mleti mljeti 
(Präs. meljem) mllti mahlen "^melti mleti (mel'q) r. molöt', 
mreza mriza Netz *merza mreza mereza, pljeti (Präs. plijevem) 
pUviti plijeviti pliviti jäten *pelti (^pelv^) pleti (plevq) r. po- 
I6t\ pleva pljeva pllva Spreu "^pelva pleva r. polova, prez 
{rüku mi je es ist mir zuwider, eig. darüber hinaus) '^^perz^ 
prez^ wr. perez durch, vorbei, sljeme sleme sllme Trambaum 
des Daches (First) vgl. lit. szelmü, smreka Wacholder 
'•smerka vgl. abg. smreca klr. smereka eine Fichtenart, 



34^36,] Die einzelnen Laute. 21 

iresnja (alt, cak. crisnjd) irijesJa Weichselkirsche r. ceresna, 
vreöa Sack *verta vgl. abg. vretiste r. veretisce (alt). 

35. in. Akzent ' (e i ije): 

crevo crijevo crivo Darm '^cervo crevo r. cerovo (klr. ce- 
revo) Leib, crMa crijeda crida (aus der Kirchensprache, die 
serb. Form wäre *crMa) Reihe "^cerda creda ceredd, dlijeto 
Meißel ''-'delto (= '^delh-to zu *dblbq skr. dühem düpsti) r. do- 
loio (entweder = "^delto oder = *dolto, vgl. preuß. dalptmi), 
dreii drijefi driti (präs. derem) reißen "^derti (abg. dagegen 
dhrati dem), mleko mlijeko mliko Milch %ielko mleko moloko, 
srMa srijeda srida Mitte ^serda sreda seredd, trebiti injebUi 
tribiti säubern *ferbifi trebiti terebit\ trezan trijezan trizan 
(fem. -Z7ia) nüchtern '-'-terz- vgl. abg. trezvh r. dial. tcrezvyj 
klr. tverezyj, vrijeci vriöi (präs. vfsem) dreschen ''■'verchti 
'•'vhYcho, vredan vrijedan vridan (fem. -dnd) würdig '^^verd^ 
(aus ahd. werd adj.) abg. vred^, vreme vrijeme (gen. vremena) 
vrime (gen. vrimend) ^verme vreme ar. vererha, vr^slo vrijeslo 
vrislo (po-vr.) Henkel am Kessel 'herslo klr. po-veresl6 
Garbenband, vreza vrijeza vriza Stengel *verza, zlezda zli- 
jezda Mizda Drüse abg. £leza ar. ieleza. Die entsprechenden 
russischen Wörter haben als Regel den Hochton auf der 
Silbe nach -ere. 

36. IV. (e e, i t, e ije) mit Akzent ' oder unbetont: 
brekinja Sperberbaum klr. bereka, ü-mreti ü-mrijeti ü- 

mrlti (präs. ü-mrem) sterben '^inerii mreti (mhrq) r. meret' \ 
pre- (pri-) pre- prije- (pri-) Präp. z. B. pre-Iaziti hinüber- 
gehen, prelaz ^jrf;e/a^ Furt, i^re'yes (Vorhang) prijevjes 
Schleier '-'per- abg. pre- r. pere-; prepelica Wachtel r. pe- 
repel klr. perepeliöa, zä-preti zä-prijeti zä-priti (präs. zä-prem) 
zusperren ö-preti usw. anstemmen (und in anderen Zus.) 
^perti prefi (präs. phrq) stützen r. peret\ slezma sljezlna 
Milz r. selezönka^ tetreb tetrijeb tetrib Auerhahn '^teterv'b r. te- 
terev, zä-trijeti (neben zätrti; präs. zä-trem) ausrotten (eig. 
zerreiben) '^ferti (thrq) teret\ vretmo Spindel r. vereteno, zä- 
vrefi zä-mijeti zä-vriti (präs. zä-vrem, eig. einschließen) ver- 
bergen '"^Ter^? (vhrq) vrefi r. za-veret' zuflechten (ausbessern); 
[yreti vrlti sieden ist nicht = '-'verti sondern = vbreti, 



22 Lautlehre. [§ 36. 37. 

skr. vrelo Quelle kann sein = '■''verlo und == '■^'vhrelo^, prö- 
zdreti prö-idrijeti prö-zdnti (präs. pro-idrem) verschlingen 
*ierti (ßhrq) zreti klr. zerüy. 

In Lehnwörtern steht re le ebenfalls zuweilen für 
die Verbindungen er re el und ähnlichen, z. B. Mljet (Insel 
bei Ragusa) ital. Meleda MeXiiri, Spljet Split Spalato (doch 
nicht für diese Form, sondern für ein Splet-)^ Srem Srljem 
Srim Sirmium (Syrmien). 

3*7. b) Skr. e e, je ije, i l entspricht ursl. e, einerlei 
wie dies entstanden ist (s. Abg. Gr. § 10): 

In Wurzelsilben: 

Mda hijeda hida Beschuldigung calumnia heda, pö- 
begnuti -hjegnuti -bigmäi entfliehen hezati hjesati hizati laufen 
hijeg Flucht hegnqti hezati beg^\ beo fem. bela, blo bijela, blo 
bila weiß, belma bjelma bilina Weiße beh belina\ bes bljes 
bis Wut besT) Dämon, beseda besjeda besida Rede beseda, bU- 
jati blöken vgl. klr. blijäty = *&Ze-, daneben blejdty^ daher 
skr. e zweifelhaft, ob e oder e (ikavisch scheint kein bli- 
jati vorzukommen), blijeska Flimmern vor den Augen 
bljesnuH erglänzen (= '^bleskngti) vgl. abg. blesk^ Glanz, 
Schimmer, cediti cijediti ciditi seien cediti, cijec ciö wegen 
'^'cet'a abg. cesta; ceo fem. cela^ clo cijela, cio cila ganz (in- 
teger) ceh] cena cijena cina Preis (Wert) cjenöca Wohlfeil- 
heit cena; cepac cijepac cipac Querstab, djep pl. cjepom 
Dreschflegel "^cep^, cepati cijepati cipati spalten cßplca Scheit 
cepiti; cesta Weg cesta, cev cljev civ Spule vgl. abg. cevbnica 
Lyra (eig. fistula), cövek cövjek cbvik Mensch clovek^^ ded 
djed dld Großvater ded^; deo gen. dela, dlo dljela, dio dtla 
Teil deh\ delo djelo dllo Tat delo\ nedelja nedjelja nedilja 
Sonntag nedeXa\ na-deti nä-djeti -diti anlegen, anstecken, 
dhti djesti dlsti legen deti-^ dete gen. deteta, dijete gen. dje- 
teta, dite gen. dlteta Kind detf, gen. detete; dever djever dlver 
Schwager deverh, devöjka djevöjka dlvöjka Mädchen deva de- 
vica; drem drljem drim Schlummer, dremati drijemati drimaii 
schlummern dremati, gnjev (hei Vuk gnjev; alt auch gnijev 
gnjijev, gniv gnjiv geschrieben) Zorn gnevh, gnezdo gnijezdo 
gnizdo Nest gnezdo, räz-gövetan -govijetan -govltan deutUch 



§ 37.J • Die einzelnen Laute. 23 

"^-govcthm, na'f/rijehati (zu grobem grepsti) umgraben -grebati, 
hieb Jiljeb JiUb Brot chlebh, greh grijeh g^'ih Sünde grecJiu, 
grejati präs. grejem gnjati gnjem wärmen grejati^ hren Meer- 
rettich chrem; jesti präs. jem tjem jedem^ jisti jim jidem 
essen, dbjed Mittagessen '-'esti ^emh abg. jasti jamh, vgl. iz- 
isti iz-emh, obah ; jed Ijed ßd Gift ^ed^ abg. jad^, Mesta 
klijesta klista Zange abg. Mesta, Met Mljet Mit Vorratskammer 
Metb^ oMevaii -Mijevati -Mivati zögern, kolebati se schwanken, 
kolevka kölijevka kölivka Wiege kolebati, ökrek ökrijek Algen 
sabökrecina dass. (zweifelhaften Ursprungs); krepak fem. 
krepka, krlpak stark, krepost krlpost Stärke, pot-krijepiti 
kräftigen krepzkh kreposth krepiti\ kres krljes pl. kresovi Jo- 
hannisfeuer (zu kresiti aufstehen machen, erregen); po- 
legati -lijegati -ligati sich der Reihe nach hinlegen (iter. zu 
poleci) prilegati pri-lijegati sich anlegen, sich niederbücken 
(ipf. zu prileci) -legati; leha lijeha liha Gartenbeet lecha; lek 
lljek lik Arznei, lekär Ijekär llkär Arzt lekh lekarh, len lljen 
lin und leniv Ijeniv Viniv träge Um lenivh] lep lijep lip schön, 
lepöta Ijepbta lipöta Schönheit lep^ lepota; lepiti lijepiti lipiti 
ankleben trans. lepiti, les lljes lis Wald, lesa Ijesa Usa 
Pritsche, Flechte klr. l'isa = *lesa ; leska lijeska liska Hasel- 
ötrauch, Ijesmk Haselnuß leska; nä-lesti -lezem -Ijesti -Ijezem 
'lisii -lizem u. a. vorbeipassieren lezq lesti, lestve Ijestve 
listve pl. Leiter vgl. abg. lestvica, lemati lijemati limati 
schlagen Hemati (zu der Wurzel von lömiti brechen), 
na-letati (u. a. Zusammensetzungen) 7ia-lijetati na-Utati 
aufliegen letati, Veto Ijeto lito Sommer leto, dö-ljevati do- 
lijevati (u. a. Zus.) do-livati vollgießen, levi lljevi livi link 
Ijevak Linkhändiger lev^, med mjed mld Kupfer medh, med- 
ved medvjed medvid Bär medvedh, meh mijeh mih Schlauch 
mjehir Blase mech^ mecJiyfh; m4na mijena mhia (eig. Wechsel) 
Mondwechsel, mljem se es wird Neumond, mijenjati tauschen 
meniti mena\ pri-meniti jjri-mijmiti anmeinen, vorbedeuten 
meniti erwähnen; niera mjera mlra Maß, ndniera nämjera 
ndmira Zufall, nä-mjeriti einen wohin bringen, treffen, finden, 
pbmjeriti pomijerati von der Stelle rücken, zdmera zdmjera 
zämiya Übelnehmen, zä-mjeriii (bösen) Blick werfen mera 



24 Lautlehre. f§ 37. 

^hiß meriti messen; mesec mjesec mlsec Mond mesgch] mesiti 
imjesiti misiti (Teig) anrühren, po-rnesati ijo-wijesati po-misati 
vermischen mesiti mesati; mesto rnjesfo nusto Ort mesto; 
za-mijetiti bemerken r. metä Ziel metW mit einem Merk- 
zeichen versehen, mezga mezgra Baumsaft mezga, mezimac 
mljezinac rmzinac Letztgeborener mezinbcb\ nega njega Pflege 
negovati njegovati nigovati {nä-nigovati) pflegen nega negovati; 
dö-neli -nijeh -nih Aor., dazu Inf. dö-neti -nijeti -niti, 
Partiz. dö-neo dö-nela, -nio -nijela, -nio -nlla (u. a. Z\i^.) 
aus '^-necM abg. -nesh '^-neti (Analogiebildung statt -nesti 
tragen) ''^-7ielb; neko njeko niko aliquis ne-lcbto\ nem nijem 
mm stumm, nemac nijemac nimac Deutscher, njemica die 
Stumme nem^ nemhch; nesam mjesam nisam bin nicht nesmh, 
nevesta 7ievjesta nevista Braut nevesta, za-noväati za-novijciati 
za-novitati plappern "^novetati, x>re-pjecati (iter. zu ^^eci) zum 
zweiten Male überbacken ^-pecati^ pega pjega piga Fleck 
pega, pijehnuti pijeliaü ausatmen (eig. keuchen? zu W. 
phch- stoßen?), ^je??« pjena plna Schaum pena, penezi pl. 
{'•'■pjen.) plnezi Geld ]_)ened'zh\ pesak gen. peska, pijesak pisak 
Sand peshkh , pesäk pjesäk plsäk Fußgänger, pese pjese adv. 
zu Fuß jpm; petao gen. pf^tla^ pijetao pitao Hahn pethh, 
p)evati pjevati plvati singen, pesma (pesna) pjesma pisma Lied, 
pevac pijevac pivac Sänger peti (präs. pojq) pevati pesnh pe- 
vhcb', plesmi plijesan plisan Schimmel (Pilz) plesnh, pretiti 
prijetiti prititi drohen pretiti; redak fem. r4dka, rijedak ridak 
dünn, selten red^k^; -reh -rijeh -rili Aorist zu reöi sagen 
rech^, po-revati na-revati hervorbrechen porijevati drängen 
(vgl. nä-ri-nuti losstürzen) -revati, reka rijeka rika Fluß 
7'eka, repa Rübe klr. ripa abg. repa ; raz-d-resiti -rijesiti -ri- 
siti losbinden, daraus entnommen dresiti drijesiti drisiti 
lösen resiti; rezati nzati schneiden rezati, seci präs. secem, 
sjeci sijecem^ sici sicem hauen *set'i = ^sekti abg. sesti sekq ; 
sed sijed sld grau (cavus) sed^\ sejaii sejem, sljati sijem 
säen, isijevati aussieben^ za-sijevati besäen (2. Mos. 22.10) 
sejq seti -seuati; sekira sjekira slkira Beil sekyra; sesti sjesti 
sisti^ iter. sjedati sich setzen, sedeti sijedjeti siditi sitzen sesti 
sedeti] seme sjeme swie Samen sem^^ sen sjen shi Schatten 



§ 37.] Die einzelnen Laute. 25 

senh, setiica sjenica Meise (steht für sinica, r. sinka), seno 
sljeno ffluo Heu seno, sijerok sirak (?) eine Hirseart; setiti 
se, sjetifi se, sltiti se sich erinnern, sjeta Wehmut sjetovati 
trauern setovati; sijevaii leuchten od-sijevati zurückstrahlen 
(vgl. si-nuti erglänzen) ^sevati, sever sjever siver Nordwind 
severb, sied sUjed slid Spur sled^', slep süjep slip blind sle- 
pöta sljepdta slipöta Blindheit slep^ slepota; siez sljez (u. 
dial. sUjez) sUz Malve slez^, smed brünett c. smedy '^•smed^\ 
smejati smejem se, smijati smijem se lachen, pod-smijevati 
auslachen, smeh smljeh simh Gelächter {smhjati) smejq se 
smecho; smeran fem. smerna, smjeran smiran demütig .9^- 
merhrio s^meriti (demütigen); smeti präs. smem, smjeti S7nijem, 
smUi smim wagen s^meti sumejq; sneg snijeg snig Schnee, 
snezan fem. snezna, snjezan snlzan schneeig sneg^ snezhm\ 
snet snijet snit Brand im Getreide ^sneth] do-speti präs. 
-spem, -spjeti -spijem, -spiti -spim, dospevati -spijevati -splvati 
Muße haben speti spejq; sresti sretati snjetafi begegnen 
s^'resti s^-retati, sfijeg stig (alt) Fahne stegh (doch r. stag, 
das auf '^st^g^ zu weisen scheint), stena stijena siina 
Felswand stena, streha Dachvorsprung strecha, streka sirijiika 
strika Streifen, Ritze vgl. abg. strekati stechen, ritzen; strela 
strijela sirÜa, demin. strelica strllica Pfeil, strijeljati schießen 
strela strel'di -strel'afi; svet svijei svit Licht, svetao fem. 
svetla, svitao fem. svitla, svljetao fem. svijetla hell, svjetlöst 
Helle svet^ svethh svethlostb; dö-tjecati hinreichen '■^•-tecati 
(W. iek-), ü-tjeha Trost tesiti tjesiti tlsiti trösten, beruhigen 
techa tesiti; telo tijelo tilo Leib (Körper) telo, thne tjeme Vime 
Scheitel teme^ terati tjerati tlrati treiben terati; tljesak gen. 
tljeska Presse, tijestiti pressen teskT) testiti, t^san fem. tesna, 
iijesan tisan eng, tjeskdba Enge tesm = ^teskm; testo tljesto 
tisto Teig testo; trcska truka Splitter, trljes trijesak gen. 
irijeska Donner W. tresk-; vecati vijecati vicati beraten, 
vijdce Ratsversammlung "^vet'ati "^'vei'e abg. vestati veste; is- 
po-ved Ispovijed ispovid Beichte, is-pö-vediti -vjediti -viditi, is- 
po-vedati -vijedati -vldaii beichten, hlägo-vest blägovijest hlago- 
vist Maria Verkündigung, s-vest s-vijest S'Vfst Bewußtsein, 
s-vcdok svjedok svldok Zeuge, alles zu vedeti wissen ; vcdro 



26 Lautlehre. [§ 37. 3-^. 

vjedro vldro Eimer vedro, veda vjeda mda Braue 'Hed'a 
abg. vezda, vejati vljati worfeln (eig. wehen) vejati; zä-vje- 
siti verhängen, zdvjes zäves zdvis Vorhang, vjesati vlsati 
hängen vesiti vesati ; vek vljek mk Lebenszeit velcb^ v^iac 
vijenac vinac Kranz venhcb^ vera vjera vira Glaube vera^ vest 
vjest vlst kundig vesth^ veiar gen. vetra, vjefar vitar Wind 
vetrb] veverica vjeverica vlverica Eichhörnchen veverica, zenica 
zjhdca zlnica Augapfel zenica; zev ztjev zw das Gähnen 
zevati zijevati zivati gähnen (vgl. zi-nuti Mund aufsperren) 
""''zevati; zver zvijer zvir wildes Tier zverh, zvezda zvijezda 
zvizda Stern zvezda. 

38. In Nichtwurzelsilben: 

Infinitiv -eti skr. -eti -jeti -iti, z. B. videti mdjeti vlditi 
sehen videti, zreti zriti schauen zhrefi; cerenac Art Fischer- 
garn cerjen Art flacher Korb *cerenö?, pögibija (aus *pogi- 
hio) Untergang pogybeh, gölen gölijen gölin Schienbein 
golenb, köleno köljeno kölino Knie koleno^ kören körijen körin 
Wurzel ^korenh abg. korenh, küdelja küdjelja küdilja Flachs- 
docke kqdelh, staresina starjesina stansina (Ältester) Vor- 
steher starejhsina prvijenac (daneben pfvenac Erstling) u. a. 
Anführer, mlädenci mlädijenci Brautleute abg. prvenhch mla- 
denhch (vgl. auch bratend [sg. brätenac] brätijenci [sg. brät- 
jenac] bräömci [sg.bräcifiac] Gebrüder); zlediti zlijediti zliditi 
Wunde aufreißen (eig. beschädigen) zbledh Böses; vgl. noch 
nebeneinander kösijer kösir Reben messer, vddijer vödir (aus 
ital. fodero Scheide) Wetzkiste, köstreg köstrijeg ZiegenAvolle, 
kostresiti kostrijesiii se sich sträuben; vgl. dazu unten i 
aus y (§ 41). 

gde gdje gdl wo (u. a. auf altes -e auslautende Orts- 
adverbien) k^de^, fem. dve dvtje dvi zwei d^ve, dvijem dvwi 
dvjema dvima Dat. der Zweizahl dhvenia^ fem. öbje beide 
obe, dat. öbjerna abg. obema\ gen. pl. zu täj der (abg. t^) 
tljeh tih abg. tecM, dat. pl. tljem tlm abg. tems, instr. sg. 
tijem iim abg. temh (über tlh tlm s. indes § 584). 

Anmerkung. Über -je- als Vertreter von -e- durch sekun- 
däre Dehnung e. § 317. 



§ 39. 40.] Die einzelnen Laute. 27 

39. 2. Die Vertretung des urspr. e ist in 
iillen Mundarten e, gedehnt e, findet also überall da 
statt, wo nach den bisher behandelten e-Lauten (s. §§ 30 
bis 38) nicht ursl. e^ <?, er el zugrunde liegt. Es genügen daher 
wenige Beispiele: plesti pletem flechten plesti pletq, hedro 
Schenkel hedro, celo Stirn celo^ deset zehn desetb^ lefjeti 
fliegen leteti, sest sechs sesti, kämen Stein kamenh, zelen grün 
zelem, zena Frau = sena usw. 

40. Skr. i l kann ursl. y und i vertreten, die in 
allen Mundarten zusammengefallen sind; ikavisch fällt 
außerdem i = e damit zusammen (also ikav. i = altem 
?/, i, e)\ i in jekav. ije bildet einen Teil des aus urspr. e 
entstandenen Lautgebildes. 

A. i vertritt ursl. y in folgenden Fällen: 

1. In Wurzelsilben: 

Mk Stier byh>, bistar fem. histra klar (von Wasser) 
hystri}, hiii sein hilje Kräuter hyti byhje, bivö gen. bivola 
Büffel byvoh; briznuti (eig. hervorspritzen intr.) in Tränen 
ausbrechen brtzgati Milch absondern r. bryzniii' bryzgat' 
spritzen ; cetiri vier cetyre, dihati atmen dychati, dim Rauch 
dyim, diniati blasen dymati, dlmnje pl. Leistengegend vgl. 
c. dymej, dm ja Melone dyna; gibati hin und her wiegen, 
schwenken (eig. biegen), pre-gibao gen. -gibli, z-gib Gelenk, 
nagihati neigen gybati (zu g^nqti für "^ghbnqti vgl. skr. na- 
gnuti nä-gnem neigen); ginuii wvßkovnmQn pö-gibao gen. -gibli 
Untergang gynqti abg. gybnqti gybelh ; gtzda Schmuck gyzda, 
gniizati kriechen (wimmeln) ghmyzati, gömila Haufen, um- 
gestellt aus mogyla, grlsti grizem beißen grysti gryzq ; hitati 
werfen, greifen, eilen, hltiti werfen, hltar fem. Mira schnell 
chytiti chyti^; hizina Vorratskammer hyza liyz'ma Haus, Ge- 
mach, kldati reißen kinuti se sich fortpacken kydati, kih~ 
nuti kihati niesen kychnqti, kijäk Knittel kyjb, kVm Zopf 
kyka, kila Bruch (Leibschaden) hyla^ kipjeti überwallen 
kypeti-, kisnuti sauer werden, naß werden, kisa Regen, kiseo 
fem. klsela sauer kysnqfi kyseh; klta Strauß, Quaste kyta, 
za-kivati anschmieden '^kyvati (zu kdvati), krlti krljem ver- 
bergen kryti kryjq, za-ligivati (oko koga) jemand um- 



28 Lautlehre. [§ 40. 

schmeicheln (vgl. abg. ob-lygati eig. iimlügen = v(3r- 
leumden ; zu Ihgati skr. lägatl lügen?), üko ük Bast lyko, 
Visa Blässe (Stirnfleck) lysi> kahl, ml wir wy, pd-micati 
rücken (zu mäkmdi = moknqii) -mycati, misao gen. misli 
Gedanke mysh; mis Maus, mlska Arm(-muskel) mlsica 0})er- 
armmuskel, Arm mysh mysica; mit mito Bestechung myto, 
ni enklitischer dat. pl. uns ny, po-nirati unter die Erde 
sinken nyrati, pir Getreideart pyro Spelt, piriti blasen 
pyriti, pitati fragen pytati; pliti plljem pllvafi schwimmen, 
plhna Überschwemmung, plitak seicht '■ylyti "^plyja altr. 
jylyti jylovu ahg. pluti plovq; pdtüjak Hinterkopf tyh Nacken, 
prist Beule (Geschwür) prysth, rlba Fisch ryha, rldati weh- 
klagen rydati, rut fuchsrot ^ryd'h abg. ryzäh, rigati tz- 
rigmitl aufstoßen (rülpsen) rygnqti rygati, rik7iqti rikati 
brüllen rykati, rllo Mund rylo^ ris Luchs rysh, riti rljem 
wühlen 7"yti ryjq, sin pl. slnovi Sohn syns synove, stpati 
schütten sypati, sir Käse syr^, sirov frisch roh (crudus) 
syrov^^ slsati saugen sisa mamma sysati, slt satt syh, sita 
Honigwasser r. S7jtd, skitati se sich herumtreiben skytati sc; 
sllsati prüfen (= Schulprüfung halten, eig. hören), tislisiti 
erhören slysati; o-snivati gründen o-snyvaü (vgl. oben m- 
kivati und kovati); stid Scham, stidjeti se sich schämen 
styd7)kh schmählich stydeti se; stmuti se gerinnen r. stynut' 
aus ^stydngti^ stnc Vaterbruder, strina dessen Frau abg. 
stryjh ^strt/jhch, pd'SÜjati hinschicken -sylati, ti du fy^ 7iä- 
ticati anheften (zu täkmiti) -tycati (zu tzknqti), tlkva Kürbis 
'^"tyky gen. *tyk^ve, tln Scheidewand tym Zaun, üsiica tau- 
send '^tyspt'a abg. tysqsta; fiti tljem fett werden, pre-tio 
iQiYi. pretila fett tyti tyjq; vi ihr vy, vi enkl. dat. pl. euch 
vy, vldra Fischotter vyd^^a, vikati schreien vykati; s-vihmti 
S'Vici sich in etwas eingewöhnen, bhiknuti se sich gewöhnen, 
bbicäj Gewohnheit vyknqti "^vyt'i = ^vykti obyknqti obyeajh^ 
vlme Euter vymf, vis Berghöhe, visina Höhe, vtsok hoch 
vysina vysoko] vlti vljem heulen vyfi vyjq, vi£le Wachtel- 
hund ^vyzble r. vyslec Jagdhund, zlhati schwanken machen 
zyhaü, na-zivaii nennen (zu iiä-zvati 7ia-zdvem) -zyvati (zu 
zhvati zovq). 



§ 41. 42.] Die einzelnen Laute. 29 

41. 2. In nicht wurzelhaften Silben: Formans 
-inja z. B. knegwja Fürstin kvnegyni, Srhkinja Serbin; For- 
mans -ts aus -ysh^ z. B. glädis gen. gladisa r. gladys Laser- 
kraut; in gewisser Ausdehnung die Iterativa awi -ivaü aus 
-yvati, z. B. do-pisivati zu Ende schreiben vgl. r. -pisgvat'. 
Mehr oder minder vereinzelte Fälle: jezik Zunge jezyko, 
vladika Bischof vladijka Herrscher, mötika Hacke motyka; 
remik Riemen "^remykz (zu remenh)^ vgl. dazu kamicak 
Steinchen, kremicak Feuersteinchen "^kamychkh, ^kremychkh 
(Deminutiva, zu '^kamyk^ von kamy); köbila Stute ko- 
byla, metilj Leberegel r. ynetyV Eintagsfliege u. a., korist 
Nutzen korysih, körito Trog koryto, mjeMr Blase mechyrb, 
päsilr Hirt pasfyrb; lepir lepiir metdpir Schmetterling 
r. netopyr Fledermaus ; pelin Salbei pelyt^^. 

Instr. sg., dat. pL, gen. pl. des bestimmten Adjektivs 
■im, -fm, -th, z. B. zütim abg. iltyimh, iütim abg. zUijini^, 
Mtih zUyicho; Adverbia auf -ski, z. B. siyski auf serbisch 
*shrbhsky abg. srhhsky. 

In älteren Lehnwörtern (Ortsnamen) steht öfter i, 
aufzufassen als älteres y, für romanisches o und u, z. B. 
Bim Roma, Sölm Salona, Trögir Tragurium (Trau). Im 
Abg. haben die Fremdwörter monastyrb iLiovacTiripiov, 
psaltyrh vjjaXiripiov ein y statt gr. r|, im Skr. manasür 
psälitr; vgl. auch piitir Kelch = TTOiripiov, daneben die 
Form pütijer^ wie neben dem oben angeführten pästir auch 
pästijer (vgl. § 38). 

42. B. Skr. i ^ = ursl. i; diese Vertretung findet 
überall statt, wo nicht nach §§40,41 i = y und ikavisch 
j r=r e ist; es bedarf daher nur einiger Beispiele: Mti 
schlagen biti, dignuti diöi heben dvignqti ^'dmt'i = ^dvigti, 
iz aus izh, kci für '"^dit'i = *d^kt^ abg. dosü Tochter, llst 
Blatt lish, mio fem. mila lieb milo, ni neque, pisem ich 
.-chreibe pisa, piti trinken piti^ sUa Gewalt sila, Uli ruhig 
tkh^; Formans -ica usw. — Das i im jekavischen ije aus 
e s. §§ 33, 35 — 38; im Jekavischen entsteht außerdem r 
aus urspr. e vor o = silbenauslautendem l und vor ./, 
z. B. bio fem. bijela weiß beh bcla, sijaii ekav. sejati säen sejati. 



80 Lautlehre. [§ 43. 

43. Kvirze Übersicht über die Vertretung 
der urslavischen Vokale im Serbokroatischen 
C> bedeutet „geworden zu"): 

I. Ursl. a'^ä ä: stati darb^ siaii dar. 

IL Ursl. o: 

1. Au Gerhalb der Verbindungen or ol vor Konsonant 
^ ö : bogh hoga ]>» bog böga. 

2. or, ol zwischen Konsonanten ^ ra ra, la lä: *korva 
'•'gord^, '-'kolda *gold^ ^ h'äva gräd, kläda gläd. 

3. or, im Wortanlaut vor Konsonanten ]^ ra und 
ro: "^ordlo "^orb^^ rälo röb (s. § 17). 

III. Ursl. g (abg. q) ^ ü u: bqdq gqsh > büdem (alt 
budu) güst. 

IV. Ursl. u^ü ü: gubiti sucli^'^ giibiti süh. 

V. Ursl. y'^i l: byti myslh^blti misao. 

VI. Ursl. e: 

1 . Außerhalb der Verbindungen er el vor Konsonanten 
'^ e e: celo sesth ^ celo sest. 

2. er el vor Konsonant: ^ ekavisch e e, ikavisch i ^, 
jekavisch je (nach r in der Regel nur e) ije (ie): %erza 
*berg^^ "^pelva *pelm ^ breza brlza, breg brig brljeg ; pleva 
pllva pljeva, plen plin plljen. 

VII. Ursl. e ^ ekavisch e e, ikavisch i z, jekavisch 
je (nach r meist nur e) ije(ie) ded^ sveh^ded dld djed, svet 
svit svijet. 

VIII. Ursl. ^'^ e e: c§do r^d^ > cedo red. 

IX. Ursl. ^: 

1. Wenn es nicht aus- oder abfällt und außerhalb 
der Verbindungen ^r rh, ^l h vor Konsonanten stand, 
^ a ä: s^n^ s^t^ ^ sän sät. 

2. ^r r^ zwischen Konsonanten ^ r f: '^g^rlo *b^rz^y 
*dr^vo hrhvh ^ gflo brz, dfvo krv. 

3. r^ im Wortanlaut vor Konsonanten > r und ra: 
'^'r^d'a r^£h ^ rda, rs und ras. 

4. ^? Zö zwischen Konsonanten >ifc ü\ *ghltati ^sünhce^ 
bhcha ^ gütati sünce, büha. 



vij 43. 44.] Die einzelnen Laute. 31 

5. h im Wortanlaiit vor Konsonant ^ la lä, ver- 
einzelt o: hgati h£b, hzica ^ lagati läz^ läHca und öHca, 
X. Ursl. 6: 

1. Wenn es nicht aus- oder abfällt und außerhalb 
der Verbindungen hr rh, bl h vor Konsonanten stand ^ 
^rt ä: phs^ dbnh^päs dän. 

2. hr i-h zwischen Konsonanten > r f: *sz7nbrth ^chrm^ 
grhmeti ^ S7nrt crn, grmjeti. 

3. hl Ib zwischen Konsonanten ^ u ü: *phlm *shlhf 
slhza'^pün züt, süza. 

4. Ib im Wortanlaut vor Konsonant ^ Za, vereinzelt 
o: Ihm jwi-hnqti'^ län pri-drmti. 

44. Die für die Entwicklung des serbokroatischen 
Vokalismus charakteristischen Vorgänge sind dem- 
nach: 

1. Das Aufgeben der Nasalvokale p p, ihr Ersatz 
durch nicht nasalierte ti e. 

2. Die Wandlung von y in i, Zusammenfallen von 
urspr. tj und i in i. 

3. Die Ausbildung eines r- Vokals unterschiedslos aus 
rb rh und aus ^r hr. 

4. Die Ausbildung eines ii aus älterem Z- Vokal, dieser 
unterschiedslos aus h h und aus hl hl entstanden. 

5. Die Wandlung von silbenauslautendem l in o. — 
Vereinzelte Wandlung von wortanlautendem Z- Vokal (aus 
h- Ih-) in 0. 

6. Schwund von h, h (s. § 115 fg.); wo sie erhalten 
bleiben, Zusammen fall in einen einheitlichen Halbvokal 
und dessen gleichmäßiger Ersatz durch a. 

7. Die verschiedene Behandlung des e als ekävisch 
e e, ikavisch i l, jekavisch je ije. 

Die Metathesis von or ol, er el vor Konsonanten zu 
ra la, re le ist kein dem Serbokroatischen allein zu- 
kommendes Charakteristikum, dieselbe Erscheinung bietet 
auch das Bulgarische, Slovenische, Cechische (vgl. Abg. Gr, 
§ 53). 



82 Lautlehre. [§44.45. 

Die geschichtliche Entwicklung des jetzt in der Sprache 
vorliegenden Vokalismus und die mundartlichen Verhält- 
nisse s. § 193 fg. 

45. Bemerkung über Ablaut und Ablauts- 
reihen. Vokalwechsel in verschiedenen Wortbildungen 
aus gleicher Basis kann man im Skr. so gut beobachten 
wie in anderen idg. Sprachen, z. B. pletem plesti flechten 
plöt gen. plöta Zaun (Geflecht). Aus der Betrachtung der 
Gesamtheit der slavischen Sprachen, allenfalls auch aus 
der des altertümlichen altbulgarischen Vokalismus (s. Abg. 
Gr. §§18 — 23) kann man eine regelmäßige Beziehung be- 
stimmter Vokale zueinander und ein Ablautsystem ge- 
winnen, dies dann mit dem in der vergleichenden Gram- 
matik der idg. Sprachen entwickelten in Verbindung 
setzen. So bildet einen in seinen einzelnen Phasen deut- 
lich erkennbaren und aus der vergleichenden Grammatik 
begründbaren Wechsel z. B.: 



phnq peti = '-^pbnti o-pona pqto = pro-pinati 

oder '^penii *ponto 

Hhlko Helkti Holciii 

(abg. tlkq) (abg. tlesti) (^bg. tlaciti) 

^ y u 

d^hch-nqti dychati dusa ; 

setzt man aber die skr. Wörter an die Stelle: 

p-nem (älter p-nu) peti ö-po7ia püto 

tücem (älter tiikii) tlaciti 

däh-nuti dihati düsa, 

so ist es unmöglich, Vokalschwund (p-nem) e o u^ u la, 
a i u zueinander in Beziehung zu setzen. Es wäre daher 
ein vergebliches Unternehmen, vom Serbokroatischen aus 
irgendwelche Systematisierung des Vokalwechsels zu ver- 
suchen, diese kann eben nur erreicht werden durch eine 
vergleichende Grammatik der slavischen Sprachen über- 
haupt. 



§ 46.] Die einzelnen Laute. 33 

B. Die Konsonanten. 

46, Bestand der skr. Konsonanten; ihr Verhältnis 
zu den urslavischen. 

Als urslavische Konsonanten sind hier angenommen, 
abgesehen zunächst von der Palatalisierung (Erweichung): 

Nasale 
Liquid ae 
Verschlußlaute 

Labiale 

Dentale 

Gutturale (Velare) 
Reibelaute 



n 


m 


r 


l 


P 


h 


t 


d 


Je 


9 


s 


z 


V 

S 


i 


ch 






; 




V 


c 


dz 


V 

C 


dz 



Affrikatae 



Von diesen Konsonanten sind sie ursprünglich 

palatal, also genauer anzusetzen als s z c (t's), ebenso 

€ als ö (^i), dz als d'z; dazu kommen als Palatale noch 

f d' (z. B. *svet'a Licht, hned'a Grenze), n r Z', p h' m. 

Anmerkung, t' d' sind angesetzt für id^.tjdj (ti di); die 
Übergangestufen zwischen diesen idg. Verbindungen und ihren 
verschiedenen letzten Ausläufern in den einzelnen slav. Sprachen 
sind nicht sicher feststellbar (vgl. Abg. Gr. §89.3); vielleicht wäre 
€8 angemessen, ursl. t'x', d'Y anzusetzen, die dann unter die 
Affrikaten einzureihen wären. 

Der serbokroatische Konsonantenbestand: 

1. Nichtpalatale (harte) Konsonanten: 
Nasale 
Liquidae 
Verschlußlaute 

Labiale 

Dentale 

Gutturale (Velare) 

L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. 



n 


m 


r 


l 


P 


b 


t 


d 


Je 


(] 



34 Lautlehre. [§ 46. 47. 

Reibelaute s z 

8 i 

h 

J 

f V 

Affrikatae c dz 

c dz 

2. Palatale Konsonanten: 

^y (n) Ij (/, l') 

6 d 

47. Über die Aussprache der Konsonanten sei 
hier nur eine kurze Bemerkung gemacht; genauere laut- 
physiologische Bestimmungen bei Novakovic, Fisiologija 
glasa i glasovi srpskoga jezika (Glasnik XXXVII, 1872); 
Broch, Slav. Phonetik (1911), §§ 78—81. 

n, m = deutschem w, m; n vor gutturalen (velaren) 
Konsonanten wie im Deutschen = 'id, d. h. sogenanntes 
gutturales w, z. B. Pälänka wie deutsch Ranke. 

r ist stets gerolltes Zungenspitzen-r, niemals das so- 
genannte gutturale (besser Uvulare), durch Schwingung 
des Zäpfchens gebildete. 

l = dem l der deutschen Bühnensprache, das so- 
genannte mittlere l. 

2?, t, k sind nicht nach norddeutscher Weise zu 
aspirieren; sie entsprechen den französischen p, t, c (vor 
a usw.). 

g, d, h = den französischen so bezeichneten Lauten, 
d. h. es sind tönende Mediae. 

s und z zu unterscheiden wie die ebenso geschriebenen 
französischen Laute. 

h kann man wie deutsches h aussprechen oder, da 
es in großen Teilen des Sprachgebiets geschwunden ist, 
unausgesprocben lassen. 

s = deutschem seh; z = französischem j. 

f = deutschem /, v = w. 

c = ts; dz entsprechend. 

c = ts\ dz = d -\- französischem j. 



§47—49.] Die einzelnen Laute. 35 

7ij\ Ij sind palatale n, V (wie italienisch gn in cam- 
pagna, gl in foglia). Die Schreibung nj, Ij für diese Laute 
ist hier gemäß dem gewöhnHchen Gebrauch der mit 
lateinischer Schrift Schreibenden beibehalten. Bei der 
Verbindung von j mit anderen vorangehenden Konsonanten 
= pj bj mj vj, tj dj, sj zj, rj (darüber s. §§140fg., 146) 
kann man am einfachsten j sprechen. Die dabei vor- 
handene Artikulations Verschiebung des p, h usw. stellt sich 
dann meist, wenigstens annähernd, von selbst ein. 

ö, d können den polnischen c, dz gleichgesetzt werden, 
d. h. c = t'x (palatales i verbunden mit einem Laute^ 
der ungefähr dem ch nach i in der deutschen Bühnen- 
sprache, ich = ii, entspricht); d=d'z, d.h. palatales d 
mit dem tönenden Spiranten z. 

Über ein sonst im Skr. vorkommendes s, z s. § 54. 

48, Charakteristisch für das Skr. ist gegenüber dem 
Urslavischen : 

1. Der Verlust der Palatalität des s £ c r (wo jetzt 
rj steht, ist r nicht palatal). 

2. Die Laute c et gegenüber ursl. t' d' {= urspr. tj 
dj und = kt vor palatalen Vokalen; s. Abg. Gr. § 51). 

3. Der Laut h für ursl. ch. 

4. Der Laut /, der dem Ursl. überhaupt fehlt. 

5. Die Affrikatae dz dz, die nicht den urslavischen 
entsprechen; über ihre Entstehung s. § 60, 61. 

Die einzelnen Konsonanten. — Die Konsonantengruppen. 

— Ab- und Ausfall der alten Halbvokale ^, h. 

I. Die einzelnen Konsonanten. 

49. A. Nasale, ursl. oi m, palatal n m. 

Skr. n = ursl. n, z. B. nöi Messer oiozh, gödina Jahr 
godina, sän Schlaf s^n^. 

Skr. nj entspricht 1. ursl. 7I (urspr. Verbindung von 
n-\- j)^ z.B. bänja Bad hana, zänjem (präs. zu zili ernten) 
zhnq\ 2. ist sekundär entstanden: a) durch Zusammen- 
rücken von n und j nach Ausfall von ?>, z. B. pitänje 
Frage pytanhje, gdnjenje das Treiben (das erste nj dieses 



36 Lautlehre. [§ 49. 50. 

Wortes = urspr. n, das zweite sekundär) (jonenhje\ b) in 
jekavischen Mundarten durch die Verbindung von n mit 
je = ursl. e^ z. B. nemöta, njemöta (ek. 7iemdta, ik. nimöia) 
Stummheit nemota. 

Skr. m entspricht ursl. m, z. B. müz Mann mqzby 
mmniti locken mamiti, säm selbst sam^. 

Das ursl. m (aus m -f- j) ist im Skr. nicht mehr vor- 
handen, sondern ersetzt durch mlj {ml), z. B. zemlja Erde 
ze^nUy abg. so und zeml'a, lömljenje (d. i. lömVene) das 
Brechen lomenhje, abg. so und loml'enhje. — Ein neues mj 
entsteht in den jekavischen Mundarten durch Verbindung 
von m mit je = ursl. e, z. B. mjesto (ek. mesto, ik. misto) 
Ort mesto. 

50, B. Liquidae, ursl. r /, palatal r Z'. 

Skr. r entspricht ursl. nicht palatalem r und pala- 
talem r (aus urspr. r -\- j), z. B. rüka Hand rqka, brati 
pflügen orati\ möre Meer more, zbra akk. zöru Morgenröte 
zora zorq^ vrätär gen. vratära Türhüter vratarh vratara, — 
Wo im Skr. ein rj vorkommt, ist es in jekavischen Mund- 
arten durch Verbindung von r mit je aus ursl. e ent- 
standen, z. B. rjecit beredt (vgl. rljec Rede rech), recih. 
Über re = re s. § 146. 

Skr. l entspricht ursl. l vor Vokalen, z. B. lömiti 
brechen lomiti, möliti bitten moliti, klljet Vorratskammer 
kleth. Über die Wandlung von silbenauslautendem ^ zu o 
s. § 18. 

Ij ist 1. = ursl. l', z. B. pölje Feld pol'e, völja Wille 
vol'a, Ijühiti lieben l'uhiti; 2. Vermittlungslaut zwischen p 
h V m und ursprünglich folgendem j^ die alten Gruppen 
pj WSW. werden also zu pV (plj) usw., z. B. düplja Baum- 
höhle "^dup'a abg. so oder dupta, dävljenje das Würgen 
davenhje abg. so oder davtemje, gräblje Harke, vgl. abg. 
grab'a grabt a Rauben (Raffen), zemlja Erde abg. zefka und 
zeml'a. Dies l' tritt skr. auch ein, wo erst durch Aus- 
fall von h ein j an die Labialen gerückt ist, z. B. düblje 
koll. die Eichen abg. dqbhje^ zdrävlje Gesundheit abg. s^- 
dravhje\ 3. t entsteht nach Ausfall von h durch Zusammen- 



§50.51.] Die einzelnen Laute. 37 

stoß von /und j\ z. B. vesÜje lAistigkeit veselbje\ 4. in je- 
kav. Mundarten durch Verbindung von je = ursl. e mit 
/, z. B. Ijeto l'eio (ek. UtOy ik. Vito) Sommer. 
51, C. Die Verschlußlaute. 

1. Labiale p h entsprechen ursl. p b. Über die 
Wandlung des ursl. p b' s. § 50; wo jetzt im Skr. bj 
pj stehen, beruht das auf Zusammenstoß von p b mit je 
= I in jek. Mundarten, z. B. bjegnuti (ek. begimti, ik. blg- 
nuti) entlaufen begnqti, pjena (ek. pena, ik. plna) Schaum 
pena; p b außerhalb solcher Verbindung, z. B. päs Hund 
pbs^, Upa Linde lipa^ lijep schön lep^\ bog Gott bog^, bäba 
alte Frau baba, düb Eiche dqb^. — t^ber p durch Assimi- 
lation aus b, z. B. srpski adv. serbisch aus "^shrbhsky, 
s. § 178. 

2. Dentale t d (über ein palatales f d' s. bei ö d, 
§§ 62, 63) entsprechen ursl. t d, z. B. tesali schwer t^shkh, 
hvätiti ergreifen chvatiti, plöt Zaun ploh; dän Tag dhnh, 
müdar weise mqdrh. Über t durch Assimilation aus d^ z. B. 
fem. slätka zu msk. slädak süß abg. slad^ka slad^k^^, über d 
ebenso aus f, z. B. svädba Hochzeit (vgl. svät Begleiter des 
Bräutigams) svathba, s. §§ 178, 180. Heutiges tj dj beruhen 
auf Verbindung von t d mit je aus ursl. e, z. B. tjeme 
(ek. teme^ ik. tvme) Scheitel teme^ djed (ek. ded^ ik. dld) 
Großvater ded^. 

3. Gutturale k g (wie auch h, s. § 56, = ursl. ch) 
können im Ursl. nicht stehen vor ursprünglich palatalen 
Vokalen; wo dies im Skr. doch der Fall ist, handelt es 
sich um Fremdwörter, z. B. kesa türk. Beutel, kindzija 
türk. Fuhrmann, heöim türk, Arzt, liiljada tausend ngr. 
XiXiaöa, oder um Schallnachahmungen, z. B. gic (Lockruf 
für Schweine) gickati gic rufen, oder um die Stellung vor 
einem i = ursl. ?/, z. B. kldati reißen kydati, ginuti um- 
kommen gynqti, hUiti werfen chytiti. Wo in echt skr. 
Wörtern k usw. vor alten palatalen Vokalen stehen, hat 
Nachahmung von Formen stattgefunden, in denen k vor 
nichtpalatalen Vokalen steht, z. B. dat. rijeki statt rijeci 
(abg. rece) nach nom. rijdka, dat. snähi statt snäzi (abg. 



88 Lautlehre. [§ 51—55. 

smze) nach nom. snäha. — Beispiele: hdpati graben kopati, 
läkat Ellenbogen abg. lakhth, krepak stark krep^k^\ godina 
Jahr godina, lägati lügen hgati, rög Hörn rogz. Über g 
durch Assimilation aus fc, z. B. gdje wo k^de, s. § 180. 
D. Die Reibelaute, ursl. s z, s i, ch, j, v. 

52. Skr. s entspricht ursl. s, z. B. svijet Licht sv^<*, 
kösa Haar Äosa, &ös barfuß bos^. Über s durch Assimi- 
lation aus Zj z. B. gen. tzlaska zu nom. izlazak Ausgang 
= izlazika izlaz^k^, s. § 178. 

53. Skr. 2; entspricht 1. ursl. z, z. B. züb Zahn 
zab^, mäzati schmieren mazati^ tzlaz Ausgang izlaz^\ 2. ursl. 
dz und d'z (abg. dz und 2;, ^'i und z), z. B. Ä^ii dat. 
zu vläga Feuchtigkeit ursl. '"^voldze abg. vladze vlaze; stäza 
Pfad sthd'za, abg. so und sibza^ knez Fürst k^ned'zh^ abg. 
so und kz7iezh, sezati langen (nach etwas, zu -s4g7iuti = 
segnqti) s^d'zati sezati. — Über z durch Assimilation aus 
s, z. B. gbzba Gasterei gosthba^ s. §§ 164, 180. 

54. Palatale ^z sind enthalten in öd, s. §§62,63; 
außerdem entwickeln sich s z mundartlich aus s 2 in 
Verbindung mit jek. je = ursl. e, z.B. ^en Schatten für 
sjen abg. senh, zenica Augapfel für zjenica abg. zenica ; ferner 
wenn ein ursl. n t dadurch an ein s z gerückt wird^ daß 
nach diesem ein schwacher Vokal^ ^, ausgefallen ist, z. B. 
s njim mit ihm s^ nimh, iz njega aus ihm iz nego; ebenso 
w^enn in jekavischen Mundarten vor l'e aus le ein s z 
steht, z. B. sl'epbta für sljepöta Blindheit slepota, zl'e für 
zlje adv. arg züe. Wenn man solche Formen schreibt, 
braucht man gewöhnlich s z, z. B. sljepöta Mje. 

55. Skr. 5, nicht palatal, entspricht ursl. s\ z. B, 
sest sechs sesth, slti nähen siti, düsa Seele dusa, näs unser 
nash. Über s aus s vor ursl. fi t , z. B. misljenje das 
Denken mysl'enhje, s. § 187; über sc aus stj s. § 186. 

Skr. z, nicht palatal, entspricht ursl. i\ z. B. Mba 
Frosch zaba^ lezati liegen lezati, läz Lüge hsh. Über z aus 
2 vor ursl. n l\ z. B. bläznjenje Liebkosung blasnenhje^ s. § 187; 
vor skr. d, z. B. grözde koll. zu ^ro^^ Traube, abg. groz- 
dhje, s. § 186. 



§ 56—60.] Die einzelnen Laute. 39 

56. Skr. h entspricht ursl. cli, z. B. hbditi gehen 
choditi, hüd schlecht chudb. Über die weiteren Schicksale 
des h, über h durch Assimilation aus k gr, z. B. drhtati 
zittern für drktati aus drigztati, s. u. Über k vor palatalen 
Vokalen s. § 51.3. 

57. Skr.j vertritt 1. ursl. j, z.B. järna Grube jama, 
möj fem. 7ndja mein 7nojh moja; 2. entsteht in jekavischen 
Mundarten in ije und je aus e, s. §32; 3. als Übergangs- 
laut zwischen i und folgenden nichtpalatalen Vokalen, 
z. ß. fem. tija ntr. tljo statt tlha tlho zu tih ruhig. — 
Über ^, j als zweites Element der sekundär entstandenen 
Diphthonge s. § 131; dialektisches j aus d s. § 207, aus 
r s. § 209; j aus c, z. B. 7idjca aus wodca Dem. zu nöc 
Nacht, s. § 173. 

58. Skr. t; entspricht 1. ursl. v^ z.B. mnh' kochen, 
ddviti würgen, zdi'äv gesund '^•s^dorv^ abg. szdravz; 2. ent- 
steht als Übergangslaut zwischen u und folgenden Vokalen, 
z. B. fem. Suva ntr. sw«^o für sw/ia süho zu swÄ trocken, 
nach Suva usw. der Nom. msk. süv neu gebildet. — Über 

V aus m, z. B. fem. tdv7ia für tärmia zu iäman finster (^ ^ft- 
mwiÄ fem. ihmhna)^ s. § 190. 

59. Skr. /, dem Urslavischen fehlend, kann, ab- 
gesehen von Schallnachahmungen, z. B. frkati schnurren, 
Jis Ruf bei einem Hieb flsnuti Hieb versetzen, in ein- 
heimischen Wörtern nur vorkommen als Umbildung von 
hv und pv: fäla statt livdla Lob, ufati se hoffen ^=^ uphvati 
56; außerdem dialektisch zuweilen für v, z. B. monten. 
frljes für vrijes Heidekraut. Sonst nur in Fremdwörtern, 
z.B. fUd£än türk. Tasse; doch tritt für das fremde / auch 

V ein, z. B. viljev Elefanten- statt und neben füjev von 
türk. ßl Elefant. 

E. Die Affrikatae. 

60. Skr. c entspricht 1. ursl. av. c ö, das im Skr. 
hart geworden ist, z. B. cijma Preis ce7ia, dat. rüci (zu 
rüka) Hand rqce {rqka)\ ötac Vater oth(jh, mjesec gen. 7njeseca 
Mond 7nesgch 7nescöa\ 2. entsteht aus ursl. c vor r-Konso- 



40 Lautlehre. [§60-64. 

nant und r- Vokal, z. B. crijevo (ek. cr^ro, ik. crfvo) Darm 
crevo, crn schwarz *chrm abg. crm. — Über c in Konso- 
nantengruppen als ts geschrieben s. § 182. 

Skr. dz entspricht nie ursl. dz, d'z (dies skr. zu z, 
s. § 53); dialektisches dz {dzbra, Ragusa) für älteres z. 

61, Skr. c vertritt ursl. c\ z. B. celo Stirn celo, sjeca 
das Niederhauen seca^ pläc das Weinen plach. 

Skr. dz entspricht nicht einem einstmaligen ursl. aus 
g vor e usw. entstandenen dz (s. Abg. Gr. § 41), dies ist 
stets zu z geworden, z. B. vok. höze zu bog Gott, ursl. 
einmal "^hodze daraus hoze. Das skr. dz entsteht durch 
Assimilation von c (ts) an tönende Konsonanten, z. B. 
ötadzhina Vaterland für ^otacbina aus othchbina. 

62. Skr. c (d. i. t's') entspricht 1. ursl. t' = tj und = 
U (abg. in beiden Fällen st\ s. Abg. Gr. § 39. 3, § 51 IIL3), 
z. B. svijeöa Kerze *svet'a = '^svet-ja, abg. svesta; nöö Nacht 
*not'h aus* noUh, abg. nosth. — Abg. st' kann auch anderen 
Ursprungs sein, = skj und sk vor palatalen Vokalen^ 
ferner = stj (s. Abg. Gr. § 41), in diesem Falle steht skr. 
5^ und sc, s. §§ 185, 186. — 2. c entsteht durch Zu- 
sammenrücken von t mit j nach Ausfall von h oder in 
jekav. Mundarten durch Verbindung von t mit je = e, z. B. 
prüce koU. (zu prüf) Ruten prqthje, cerati treiben für tjerati 
(ek. terati, ik. tlrati) terati, s« §§ 141, 147. 

63. Skr. ^(d. i. d'z') entspricht 1. ursl. d' == dj, abg. 
zd\ z. B. meäa Grenze *med'a = "^medja abg. meMa; 2. ent- 
steht im Skr. durch Verbindung von d mit j nach Aus- 
fall von 7), z.B. läda Schiff ursl. "^oldhji abg. ladhji; kdmäde 
koU. Stücke (zu kömäd) = *komadhje. In jekavischen 
Mundarten durch Verbindung von d mit je aus e, z. B. 
dever für djever = deverh^ de aus gdje = k^de, s. § 147. 

64. Im Wortanlaut ist außer den dialektischen 
Fällen ce-, de- aus tje-, dje- (= te-, de) ein c und d selten: 
cüd Naturell = Hjudh abg. studh, cutjeti (dial. noch emp- 
finden, merken) schweigen, ksl. stutiti. Durch Konsonanten- 
abfall ist es in den Anlaut gekommen bei et cer Tochter 
für hct hcer^ abg. d^sti (s. § 74). 



§ 64. 65.] Die einzelnen Laute. 41 

Im Anlaut erscheint einigemal ö im Wechsel mit s 
und c: cepica Käppchen, vgl. s4pica und cepac Frauen- 
haube, 6üha Schopf (der Vögel), vgl. cupa Haarbüschel. 
Ferner c und d in Schallnachahmungen: 6ä, öeja weg!, 
däkmiti = Ca rufen, 6äp schnapp!, 6äpiii erhaschen, capf- 
dati cdsicati cepürkati plappern, cäpiti öarlikati rauschen 
(vom Winde), öevkati belfern, cdpiti schlagen, cöhati se sich 
leise schlagen, cäca Vater (Lall wort), öük Nachteule (vom 
Schrei cül dü\); däda Lockruf für Pferde, dljotka Fuhr- 
mannspeitsche (vom Rufe beim Antreiben dijol), dlknuti 
aufspringen, niederfallen, diknuti stibitzen, dlpnuti springen, 
dildsnuti entwischen. Zu dieser Klasse mögen auch noch 
andere dunkle Wörter gehören. Was sonst vorkommt, 
ist, soweit zurückführbar, fremd, und zwar vertritt c 
romanisches und griechisches k vor palatalen Vokalen 
und türkisches k' ; d vertritt romanisches g vor palatalen 
Vokalen und di- (dj-), ferner türk. g, z. B. öelija Zelle 
KeXXiov, ceremida Dachziegel ngr. Kepajuiöa, cipür Garten 
ngr. KriTTOUpa, G'lril Cyrill KupiWo^, cor cörav einäugig türk. 
k'o}% öümur Kohle türk. kö'mür\ Bürad Georgius, delsämin 
(Pflanze) ital. gelsomino, däkon Diakonus, däk Student (aus 
diaconus), derdäyi Halsband türk. gerdan, dögo Schimmel 
(Pferd) türk. gök' u. a. bläulich, graulich. 

II. Konsonanten^rnppen. — Ab- und Ansfall von altem %, h. 
A. Konsonantengruppen. 
65. Konsonantengruppen sind ins Skr. teils aus dem 
Urslavischen in dort schon so vorhandener Verbindung 
übergegangen, teils erst in späterer Entwicklung entstanden. 
Die neuen Gruppen gehen einmal hervor aus der Um- 
stellung von or ol, er el vor Konsonanten in ra la, re le. 
Die so entstandenen Verbindungen teilt das Skr. mit 
anderen slavischen Sprachen, so auch mit dem Abg., 
z.B. mläd abg. mladh ursl. '^•mold^ (s. Abg. Gr. §53). Ferner 
entstehen neue Gruppen durch Ausfall von ^, h, wodurch 
früher getrennte Konsonanten aneinander rücken; dabei 
können zugleich Veränderungen des ersten Konsonanten 



42 Lautlehre. [§ 65. 

durch Angleichung an einen folgenden eintreten, z. B. 
dnö Boden (hno^ hräti sammeln bhrati, zdrüzüi gesellen 
sulriiziti. In bestimmten Fällen sind auch ursprüngliche 
Gruppen als solche verloren gegangen, so dadurch, daß 
Th rb vor Konsonanten skr. zu r- Vokal, h h zu u geworden 
sind; z. B. sind so die alten Gruppen kr sl in knvb slhza 
in skr. hrv süza zu einfachem k s geworden. Die Be- 
wahrung überkommener Konsonantengruppen oder ihre 
Beseitigung und die Ausbildung neuer gibt in hohem Grade 
den einzelnen slavischen Sprachen ihr besonderes Gepräge. 
Außerdem ist die lautliche Gestalt dieser Sprachen stark 
bedingt durch den Ab- und Ausfall der Halbvokale ^ h 
und deren Erhaltung, d. h. Ersatz durch vollere Vokale 
(skr. als a). Um aber zu wessen, wann schwinden die 
Halbvokale, wann bleiben sie, muß man bestimmen, 
welche Konsonantengruppen eine Sprache hat. Die fol- 
gende Ausführung beruht auf dem in Vuks Wörterbuch 
aufgezeichneten Wortschatz. Der gesamte Wortschatz der 
Sprache ist damit freilich nicht erschöpft, aber ein anderes 
maßgebendes Wörterbuch ist nicht vorhanden, da das der 
Südslavischen Akademie weit von der Vollendung ist. 
Bei der folgenden Einzelbehandlung ist j nicht als selb- 
ständiger Konsonant aufgefaßt, daher Verbindungen von 
Konsonant und j, z. B. in bjezati (ek. beiati, ik. btiati), 
nicht als Gruppe; c, c gelten als Gruppen ^ fs, ts, Bei- 
spiele für ihre Stellung im Wortanlaut ohne Verbindung 
mit andern Lauten sind unten nicht gegeben, da sie nichts 
für das Skr. charakterische enthalten. 

I. Wortaiilautsgrüppen. 

Möglich sind folgende (der links von der Klammer 
stehende Konsonant ist der erste Bestandteil). 



§ 66. 67.] 



Die einzelnen Laute. 



43 



66. 

P 
b 
t 
d 
k 



1. Zweigliedrige Gruppen. 



/ r 



9 
s 

z 

h 

m 

V 



p}s 



V 



c = ts 
c = ts 



p' 

b 


t 
d 


p 
d 


t 

d 


t 


k 


Je 


k 


d 


9 


9 


9 


h 
9 


s 

s 


> m s 

V 

5 


■' i 


s 


l z 


Z 


z 


s 


z 


ä 


M 


z 


h. 


m 

V. 


hl 


h 








m 








^. 








P] 


s d} z 


s}h 


s)f 


i\ 


" l 


1 ^'M^ 

9i 


' IV 




s 


t 






s 








h 






t 
s 


. n^. 


k 

s ' ö 


^9 


s 




h 





> V 



67. 2. Dreigliedrige Gruppen. 

Sie können als erste Bestandteile nur haben s s, z 
i, c c, vereinzelt p. Die beiden folgenden Bestandteile 
müssen so beschaffen sein, daß sie an sich als zwei- 
gliedriger Anlaut stehen können. 



44 



pr 

pl 

tr 

iv 

hr 

kl 

kv 

kn 

hr 

hv 

mr 

ml 

vr 



s \ 



Lautlehre 


• 




kr 


hr 


dl 


kl 


dr 


^\dr 


tr 2' 


gr 




c 


gn 




r 


.1 
m 


p[c 


m c < 

V 


V 

k 






\p 


A i zh 



[§ 67—69. 



08. 3. Viergliedrige Gruppen. 

kl 



s{tkl 



kv 



c [ kv 



Die Vorkommnisse im einzelnen, alphabetisch 
geordnet nach dem Anfangskonsonanten. 

I. Im ursprünglich einheitlichen (nicht 
zusammengesetzten) Wort. 

69. Anlautsgruppen mit b als erstem Konsonanten: 

bd: durch Ausfall von ^ bdhiije (aus der Kirchen- 
sprache; daraus auch denije) Vigilien; in älterer Zeit noch 
bdjeti (bdeti, bdUi) wachen b^deti. 

bl: urspr. z. B. in blljed (bled, blid) bleich, bljtcvati 
sich erbrechen; durch Metathesis nur in bläg gut, bläto 
Sumpf aus ursl. ^olgh %oUo] blävör {bläor, blör) Art großer 
Schlange, aus dem alban. boie für Hofve, dies aus lat. belua. 

br: 1. ursl. z. B. brät Bruder, bröd Furt und so in 
allen Fällen, die nicht unter 2 und 3 angegeben sind; 
2. durch Metathesis, z. B. brdda Bart *borda, breme Last 
%erm^, die sonstigen Beispiele s. §§ 5, 33; 3. durch Aus- 
fall von fe, bräti (präs. berem) sammeln bhrati. 



§70,71.] Die einzelnen Laute. 45 

70. Anlautsgruppen mit c als erstem Bestandteil: 

ckl^ nur in cklö Glas für '^stJdo durch Umstellung von 
st in ts (c), neben stäklo und sklö, aus sihklo; dazu cMe- 
nica Trinkglas (für stbkUnica)^ ckllti se (neben sklUi^ siäkliti 
se) glänzen. 

ckv, nur in ckvära (Art Salbe) für skvära, abg. skvara 
Fettdampf zu -skvhreti raskvhreti trans. schmelzen. 

cm, Umbildung von cv in cmiljeti für cvüjeti wehklagen; 
onomat. cmöknuti neben cvöknuti schmatzend küssen. 

er, stets entstanden aus älterem er aus der ursl. Ver- 
bindung cer- -\- Kons. : crevlja Schuh vgl. abg. crevhjh aus 
*cerv-, crljep Scherbe "^cerp^ abg. crep^, crepati schöpfen 
"^cerpati abg. crepati, crijevo Darm *cervo abg. crevo. 

cv: 1. aus ursl. kv vor palatalen Vokalen (ebenso im 
Bulgarischen, Slo venischen, Russischen, gegenüber west- 
slavischem kv): cvljet (cvet cmt) Blume *kvet^ abg. cveto 
(poln. kiüiat), cvät Blume *kvbtb '■^cvhth (vgl. cävtjeti blühen 
für cvätjeti = ^cirbteti)] cviljeti klagen abg. cvileti (cech. 
kvÜiti); 2. in onomatop. Wörtern, z. T. neben cm, cvöknuti 
und cmöknuti (s. o. unter cm); cvokötati zittern (und cokö- 
tati); 3. durch Umstellung von st: cvölika Stengel, vgl. 
abg. sivoh dass. — Vgl. auch § 71 cv. 

*71, Anlautsgruppen mit c als erstem Bestandteil. 

ck, überall sekundär entstanden: 1. durch Ausfall 
von ^, ckäti (und cäckati) stochern *chkati, vgl. r. pro-skat' 
durchstechen; 2. aus sk und dies aus sk: ckäkljati und 
skäkljati kitzeln, vgl. altr. skoktati = "^skikhtati; cköljka und 
sköljka Muschel '^skol'hka; vgl. noch ckälj (Distelarten), 
ckälja und skälja Krebshöhle, cköla für sköla Schule (scola). 

ckv, nur in dial. ckvär statt kvär Beschädigung, c un- 
klaren Ursprungs; ckvrlj (älter cvrlj; Vogelart^ Amsel, 
Star), vgl. cvrljak Star. 

öly in clän clänak (eig. Gelenk) Knöchel, alt clen, vgl. 
ksl. clem und clam aus '^celm (poln. czion). In cövjek 
(älter noch clövjek) Mann (dazu clöviti Männchen machen, 
vom Hasen gesagt), aus ursl. chloveki, ist l beseitigt. 



46 Lautlehre. [§71.72. 

cm^ immer unursprünglich: 1. durch Ausfall von ?>, 
ömävati schlafend faulenzen (zu cämati = '^chmati); 
2. durch Verlust einer ersten Silbe, cmicac cmicak 
Gerstenkorn (am Auge) statt jecmicac -cak = *jechmychch 
-chhb, Dem. zu jechmy (skr. jecmen) Gerste. — Unklar dial. 
cmär Mastdarm; cmüla Krug für *mcula? vgl. zmuo § 83. 

cp, nur in cpäg Rocktasche ksl. chpag^, daneben späg. 

cr^ nicht serbisch (s. § 70), sondern nur in einigen 
Worten kirchenslavischer Form: crez durch abg. crezT^ 
= '%erz^\ creda Reihe abg. creda = '^kerda (Kloster- und 
Kirchenwort). 

cv, unursprünglich, entstanden 1. durch Umbildung 
von skv: cvdrak Fettgriebe, cväriti Fett schmelzen, vgl. § 70 
unter ckv ckvära skvära und altserb. cvrijeti schmelzen abg. 
skvbreti; cvörak Star, vgl. skvörac dass. = skvorhcb; 2. durch 
Umstellung: cvrst voll, fleischig *chrstvh abg. crstv^ r. cer- 
stvyj; 3. wahrscheinlich schallnachahmend: cväknuti, cvä- 
kati, cvalikati klatschen, cvrknuti zischen (von Wasser auf 
glühender Platte), cvrknuti klopfen, cvrcati (und cvrcati) 
zwitschern, cvrlj (ckvrlj) Amsel, Star, cvrljak Star (vgl. 
cvörak). — Unklar cvör Knorren, cvrljuga Knoten (Knorren, 
Auswuchs am Leibe). 

1^2, Anlautsgruppen mit d als erstem Konsonanten: 

dl, aus Metathesis: dläka Haar, wahrscheinlich = 
*dolka; dlän flache Hand ^dolnh abg. dlant, dlijeto Meißel 
""delto (s. § 35). 

dm, nur im Eigennamen Dmltar aus ^Dhmitrb = 
Ari]ur|Tpioq (spr. Dimi-), vgl. DimUrije dass. 

dn, durch Ausfall von h, ^: Formen von dän (aus 
dhnh) Tag, z. B. pl. dnl; dnö Boden d^no. 

dr: 1. ursL, z.B. drüg Freund drugs, drljem Schlummer 
dretm, drözak Drossel, und so in allen Fällen, die nicht 
im folgenden genannt sind; 2. durch Metathesis, z. B. 
dräg teuer "^dorgi abg. drag^, drijeti (präs. derem) schinden 
^derti; die sonstigen Fälle s. §§ 5, 33; 3. durch Ausfall 
von h: dräca Dornstrauch für "^dtraca vgl. abg. dhrati 
(präs. dem) reißen, schinden; dazu vielleicht auch diaL 



§72.73.] Die einzelnen Laute. 47 

dreha Kleidung, Gewand = *dbrecha?, und drönjak Lappen, 
drönjav zerlumpt; 4. in drijcsifi loslösen stammt d aus 
der Zusammensetzung raz-drijesiii durch falsche Ab- 
trennung, s. § 175. 

dv: 1. ursl. in dvör Hof dvon; dveri Altartür in der 
Kirche, aus dem r.-ksl. (abg. dvhri); dveka Art Wagen- 
schmiere = ^dvfJca; — 2. durch Ausfall von ^, nur in 
dvä aus d^va zwei, und seinen Ableitungen, z. B. dvje-sta 
(•sii) zweihundert dwe shte. 

dz, in einigen seltenen Fällen dialektisch für z: dsäs- 
nuti se erschrecken für zäsn- (bei Vuk Wb. Mcnuti se), 
dzüiM Pfarre u. a. für iüpa (eig. Gau). Alles andere 
Fremdwörter, so dzäm türk. Glas, dzeväp türk. Antwort, 
dieneräl General ital. generale. 

dzh: dibän (daneben ibän) Wanne, durch Wegfall von 
h und Assimilation aus chbam; unklar dzbün (und zhün) 
Staude. 

TS. Anlautsgruppen mit g als erstem Konsonanten: 

gd^ nur in gde (jek. gdje, ik. gdi) wo = h^de^ vgL 
dazu hada wann aus Iczda (abg. k^gda). 

gl: 1. ursl. gläbati nagen, glädak glatt, gledati schauen 
gl§dati, glib Kot, glista Regenwurm, glöba Geldstrafe, glög 
Weißdorn, glömöt Geräusch, glöta Familie (Weib und Kind), 
arme Leute, glüh taub, gljlva Schwamm (fungus); — 
2. dial. aus dl: glijeto für dlijeto; — 3. durch Metathesis, 
z.B. gläva Kopf "^golva abg. glava, glas Stimme "^gols^ abg. 
glas; die sonstigen Fälle s. §§ 5, 33. 

gm, nicht ursl.; gmizati neben gämizati kriechen 
g^n^yzati; dem nachgebildet ist gmiljeti (doch daneben 
hnüjeti) aus miljeti dass. ; sonst nur in dem wohl schall- 
nachahmenden gmezditi kneten, quetschen. 

gn, unursprünglich in gnäti treiben ghnati, gnjila Ton- 
erde aus älterem glma\ sonst überall ursl., z. B. gnijezdo 
Nest gnezdo, gnöj Dünger gnojh usw. 

gr, unursprünglich durch Metathesis in gräd Stadt 
*gordh abg. gradz usw. (s. §§5,33); in allen anderen Fällen- 



48 Lautlehre. [§ 73—75. 

Ural., z. B. yreda Balken giyda, grijeh Sünde grech^, grob 
Grab groh^, grub grob grqbi usw. 

gv, selten, gvözd (eig. Nagel) hervorstehender Stein, 
mit Ableitungen gvözäe Eisen u. a. ; gviriti auf etwas 
starren (glupen). 

74. Anlautsgruppen mit h als erstem Konsonanten, 
alle selten: 

h6, nur in hci Tochter aus Icöi für "^göi aus '-^dci = 
ursl. *d^kti abg. diiSti. 

hl, ursl. in hläpiti schnappen, hläptati schlappen (vom 
Hunde), hljeb Brot; aus Metathesis in hläd Kühle '^choldh 
abg. chlad^. 

hm, nur in dem einen hmelj Hopfen, wahrscheinlich 
altes Lehnwort und für *cMmel'h stehend. 

hr, urspr. in hrdkati räuspern, hripati keuchen, hrdpiti 
schnarchen, hren Meerrettich chrem; wohl auch in den un- 
klaren hreb Baumstumpf, hrek Strunk, hrid Fels. Durch 
Metathesis in hräbar tapfer '^chorbr^ abg. chrabrb, hräm 
Tempel *chorrm abg. chrarm, hräna Nahrung '•^xhorna abg. 
chrana, 

ht, nur in htjeti wollen = ch^teti. 

hv (dafür /, s. § 59), urspr., in hvdla Lob, hvätiti er- 
greifen. 

*75. Anlautsgruppen mit Ic als erstem Konsonanten: 

hl, aus Metathesis in kläda Klotz "^holda abg. klada, 
kläti schlachten "^kolti abg. klati, die sonstigen Fälle s. 
§ 5fg., §33fg. ; in allen anderen Fällen ursprünglich, 
z. B. kleti fluchen kleti, klljet Vorratskammer kleth, kljuc 
Schlüssel kl'uch usw. 

km, nur in kmet Bauer aus *khmetb '^k^meth\ das dial. 
Icmeziti se neben knjeziti (schallnachahmend) weinerliche 
Miene machen (niederdeutsch = ningeln). 

kn, nirgends ursprünglich und nur in knez = khii^zh 
Fürst, knjlga Brief, Buch k^n^ga. Über knjeziti se s. km. 

kr: 1. durch Metathesis in kräva Kuh *korva abg. 
krava usw., die Beispiele s. § 5fg., § 33fg. ; 2. Ursprung- 



§ 75 — 77.] Die einzelnen Laute. 49 

lieh in allen anderen Fällen, z.B. kräsfi stehlen, kretati weg- 
schieben kretati^ krlv krumm krivh, krüg Kreis krqg^ usw. 

kt und kö, durch Ausfall von ^ und dial. für ht hö 
in kteti kceti wollen clateti; ferner in köi, s. § 74. 

kv, ursprünglich, z. ß. kväs Sauerteig, kvär Beschädigung, 
kvrga Auswuchs; sonst selten und in schallnachahmenden 
Wörtern, z. B. kveka Quieken (des jungen Hasen), kvecati 
queck-schreien, kvöcati glucken kvöcka Gluckhenne, kvfknuti 
kvrcati schnurren (von der Katze). 

T6. Anlautsgruppen mit m als erstem Konsonanten. 
Sie waren im Ursl. jedenfalls sehr selten, vielleicht skr. 
mledan mager, vgl. r. mlet' mleju ohnmächtig werden (ai. 
mläyämi matt, schlaff werden); vielleicht zu derselben 
Wurzel mlitav lau, kraftlos; mläviti schlagen, kann sein 
= "^molviti (vgl. got. ga-ynalvjan zermalmen). 

Im Skr. ml 1. aus Metathesis: mläd jung *mold^ abg. 
mladh, mläz Milchstrahl aus dem Euter *7nolzh, mldtiti 
dreschen ^moltifi, mlijeko (ek. mleko, ik. mliko) Milch %ielko 
abg. mleko, mljefi (präs. meljem) mahlen "^melti abg. mleti 
(s. §5fg., §33fg); — 2. aus dialektischer Neigung, mn in 
ml zu wandeln, sehr verbreitet mlbgi viel neben ^ymögl 
(s.u. m?i); mllti meinen neben ninlti; allgemein IfZe^ci (gen. 
Mletäkä) Venedig für Mneci, alt Bhnethci, Bneci, aus Veyietici, 
sg. B'bnethk^, Bnethk Bnetak; — 3. in mlln^ altes Lehnwort 
aus lat. molma. 

ww, niemals ursprünglich, nur durch Wegfall von ?», 
h: mnögi viel m^nog^, myiiti meinen abg. mmeti. 

mr, stets unursprünglich, durch Metathesis entstanden, 
mräz Frost "^tnorzh abg. lnraz^, mräkh Dunkelheit "^morkr, 
abg. mrak^, mreza Netz '"^merm abg. mreza, die sonstigen 
Fälle s. §§ 5, 33. In mrijest {mrest^ mrist) Rogen steht 
mr für nr, ursl. *7iersh r. 7lerest^; mrena Barbe (Fisch) aus 
lat. muraena. 

77. Anlautsgruppen mit p als erstem Konsonanten: 
Solche waren ursprünglich nur vorhanden mit r oder 
l als zweitem Bestandteil. 

L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. 4 



50 Lautlehre. [§ 77. 

pc^ durch Ausfall von t> und Assimilation in pcela 
Biene aus hhcela; gesprochen meist cela. 

pl: 1. ursprünglich pllvati pllti plöviti plütati schwim- 
men, plüta Kork (Schwimmholz), vgl. abg. pluti plovq; 
plakati weinen, plätiti zahlen, pläst Mantel, plhne Stamm 
(von Menschen), plesti flechten j^^ot Zaun, pJede Schulter- 
blatt {pleöi skr. f. pl. Schultern), plöd Frucht, plösan fem. 
plösna flach aus "^ploskna^ pluij Pflug, pljeskati pljüskati 
plätschern pljüskati ausspritzen (onomat.), pljüvati speien 
abg. pl'bvati pl'ujq, pljüst Efeu neben hljüst (rankenartige 
Pflanzen); fremd plöska Flasche aus lat. ^asca; — 2. durch 
Metathesis, z. B. plämen Flamme abg. plamy = '■^■polmy\ 
pljeti präs. plijevem jäten abg. pleti plevq = ^pelti "^pelvq; 
weitere Beispiele s. § 5 fg., § 33 fg. 

pr: 1. in einigen wenigen Fällen durch Ausfall von 
h, präti (präs. ^erm) waschen phrati; preti (präs. ^rm) an- 
klagen pr. se prozessieren phreti phfq. — 2. Ursprünglich 
sind stets die Anlaute pro-, z. B. präp. pro-, prbsiti bitten, 
prost einfach; pri- {= pri- und pry-), z. B. präp. |jn, 
prijatelj Freund, prica Erzählung abg. prii7)ca ; prist Beule 
prystt; pru- {= pru- und = prq-), z. B. prüditi nützen, 
prüt Gerte prqt^. — 3. Von Anlauten pra- sind ursprüng- 
lich: pra- in Zusammensetzungen wie prä-haba Urgroß- 
mutter; ferner präv recht, präziti mit Knall verpuffen, 
prama (und prema) gegenüber, präs Lauch (gr. Trpdaov), 
präskati krachen, prätiti geleiten, präöati se zappeln, präs- 
tati ipf. zu pröstiti verzeihen. — 4. Mit pre- (= pre-, 
pre-, pr^-) sind ursprünglich presti prddem spinnen presti 
predq, pregnuii ans^Rnnen pregn-, presa Eile (aus iisl. pressa), 
pretati zudecken pretati, prijetiti {pretiti, prititi) drohen 
pretiti, prijesan (presan) roh (von Fleisch) abg. preshm. — 
5. Auf Metathesis beruht eine größere Anzahl von pra-y 
pre-, z. B. präg Schwelle ^2^org7) abg. prag^, präse Ferkel 
'•'•pors^ abg. prase, präp. pre-, pre- = ^per-, z. B. pre-variti 
betrügen prijevara {prevara, privara) Betrug; die weiteren 
Fälle s. § 5 fg., § 33 fg. 



§77.78.] Die einzelnen Laute. 51 

ps, nur durch Ausfall von ?>, psä gen. zu päs Hund 
phsa phs^, dem. pseto u. a. Ableitungen. 

ps, nur durch Ausfall von 6 in psenica Weizen (oft 
nur senica gesprochen) = phsenica. 

pt, nur durch Ausfall von 2» in j;fka Vogel (meist 
tka) = p^tica. 

"78. Anlautsgruppen mit s als erstem Konsonanten: 

SÄ:, alle solche Anlaute sind ursprünglich, z. B. skbciti 
springen, sMba Klammer, sköt Vieh, sküp teuer skqp^, 
sküpsti skühem rupfen usw. Die mit ske- anlautenden sind 
Fremdwörter, z. B. skerlet (aus dem Türk.) Scharlach; die 
mit ski- anlautenden haben ursprünglich sky-, z. ß. skitati 
se sich herumtreiben skytati s§. In skrnäviti besudeln 
skrnävan besudelt steht sk für skv^ vgl. abg. skvrna Schmutz 
= *skvhrna (s. u. skvära). 

skv, nur in skvära (dafür auch ckvära, s. § 70) Art 
Salbe (zu skvhrq '^skverti abg. skvreti schmelzen), skvörac 
Star = skvorhch (r. skvorec). 

skl, ursprünglich oder alt in skllzak schlüpfrig (da- 
neben auch skr. klizak klizav^ vgl. skllzavica neben küza- 
vica schlüpfriger Weg; in anderen sl. Sprachen auch sl-), 
sklibiti se grinsen hat Beziehung zu abg. sklabiti sp lächeln, 
doch steht dies für *skolb-, vgl. ar. o-skolobifi sa. Durch 
Ausfall von h und t in sklö (aus sthklo) Glas sklenica Trink- 
glas (vgl. cklö § 70). 

skr, ursprünglich in skrbb Stärkemehl, Mehlmus^ 
skröbilt Waldrebe, skröz durch ksl. skroze, vgl. abg. skvoze 
und skoze\ skrlnja Schrein (aus lat. scrinium). Durch 
Metaihesis Skr adln (Stadt in Dalmatien) aus Scardona 
(8. § IIa). 

sl: 1. ursprünglich in släb schwach, släva Ruhm, 
slovo Buchstabe (urspr. Wort), slusati hören, sllsati (einen 
Schüler) prüfen, älter = hören, slljep (slep, slip) blind, 
slijed {sied, slid) Spur, sline pl. Rotz, sliva Pflaume, sUz 
(jek. sljez sljez) Malve, slöta feiner Regen, slüga Diener, 
slüz Schleim. — 2. durch Metathesis släml) Nachtigall 
*solv- abg. slavhjh, slädak süß '^sold^k^ abg. sladhkh, släma 

4* 



52 Lautlehre. [§ 78. 

Stroh *solma abg. slama^ slän salzig *solm abg. slam, slezina 
Milz, steine (slmie, sljeme) Firstbalken, s. außerdem § 5 fg., 
§ 33 fg. — 3. durch Ausfall von h, släti schicken s^lati. — 
4. aus SV, in slohöda Freiheit für svohoila. 

sm, außer in smjeti wagen aus s^meti in allen Fällen 
ursprünglich, z. B. smijeh {smeh, smih) Lachen smech^, 
smljati se lachen, smöla Pech, smrdjeti stinken usw. 

smr, nur un ursprünglich durch Metathesis, smräd Ge- 
stank *smord^ abg. s^nrad^, smreka Wacholder *smerka. 

sw, ursprünglich in snäga Kraft, snäha Schwägerin 
smcha, snljeg (sneg smg) Schnee S7^eg^, dazu snjezan {snezan 
snlian) schneeig; snöp Garbe. Durch Ausfall von 2» in snä 
gen. usw. zu sän Schlaf s^na shm^ und seinen Ableitungen 
z. B. smti träumen. 

sp, urspr. in spbr verschlagsam, dd-spjeti Muße haben 
speti, spila spUja Höhle (aus ngr. crirriXid) ; durch Ausfall 
von ^ in späti (präs. spim) schlafen s^pati {s^pl'q). 

spl in Spljet (Spltt) Spalato aus ^Sp-let. 

sVj stets unursprünglich, entweder 1. durch Meta- 
thesis, z.B. sräm Schande ^sorrm abg. sramh, srijeda {sreda, 
srida) Mitte "^serda abg. sreda, die weiteren Fälle s. 
§ 5 fg., § 33 fg.; oder 2. durch Ausfall von ^, h: sräti 
cacare "^sbrati^ srebro Silber s'b{^)rebro. Dial. sräb Krätze 
für svräb. 

st, ursprünglich, z. B. stäti sich stellen, stär alt, stijena 
[stena, stina) Fels stena, stid Scham styd^, stüd Kälte usw. ; 
doch vereinzelt durch Ein schuh von t entstanden in Fällen, 
wo dem s ein r- Vokal folgte : stfz dial. neben sri Baummark 
strsiti sträuben (Haar) für srs- ursl. *5?)rs-, stfsljen neben 
srsljen Hornisse. 

stkl, in stklö Glas (vgl. daneben stäklo, cklö, sklö), s. 
§ 70 und oben skl == sthklo. 

str: 1 . ursprünglich in s^raÄ Schrecken, strädati leiden, 
streka Streif, ströka Art Schafblattern (eig. Streifigkeit), 
streha Dachvorsprung, stremen Steigbügel, stric Vaterbruder 
stryjhch, strlöi (präs. strUem) scheren, strijela (str da, strila) 
Pfeil str Ha, strdjiti herrichten, strövo (?) Haufen ab- 



§78.79.] Die einzelnen Laute. 53 

geschüttelter Blätter, strng Hobel strügafi schaben, strüjati 
wallen (vom Wasser beim Sieden; eig. strömen), sti^ük 
Stengel, sirüka Gattung. — 2. durch Metathesis: sträza 
Wache ^siorza abg. siraza, strdna Seite *storna abg. strana. 

— ö. dialektisch durch Einschub von t in älteres sr: 
sframöta für sranidta Schande (= "^sormota)^ stres Weinstein 
für sres, srljes. 

sv: 1. ursprünglich, z. B. svät Hochzeitsbegleiter, 
sväniiti (== svh7iqti), svltati tagen svijet [svet, siit) Licht, 
svekar Schwiegervater, svet heilig sv^i^, svinja Schwein, svöj 
sein, svrbjeii jucken usw.; 2. unursprünglich nur durch 
Umstellung von vs in den Formen und Ableitungen von 
väs (omnis) = vbsh, fem. alt vsa (vhsa), daraus svä, ntr. 
sve, svägda immer = vbshgda usw. 

SIT, nur durch Metathesis: svräb (Jucken) Krätze 
*svorb^, svräka Elster "^svorka. 

*79, Anlautsgruppen mit s, obwohl in der heutigen 
Sprache ziemlich zahlreich, doch meistens unursprünglich, 
urserbisch nur z. T. in st. 

so: 1. durch Wandlung von sk vor palatalen Vokalen 
in Lehnwörtern, so dial. scela Überfahrt und Überfahrts- 
schiß', neben skela, aus dem Türk. (zuletzt aus lat. scala). 

— 2. aus htj in Mundarten, wo tje- = altem te- zu öe- 
wird, aus ch^teti wollen hfjeti, dies zu söeti. — 3. durch 
Wandlung von älterem kö in Jiö, dies dialektisch in so; 
aus *d^kti (abg. dhsti) Tochter: *d^öi '^döi *tdi köi li6i söi 
gen. söeri usw. ; das s in 2. und 3. ist genau genommen s. 

sk mit skl und skr, sämtlich aus ursprünglich nn- 
lautendem sk nach einer weitgehenden Neigung, sk sowohl 
in einheimischen wie in fremden Wörtern zu sk zu 
wandeln: 1. In einheimischen, skäkljati (neben ckäkljafi) 
kitzeln vgl. ksl. sk^k^tati, skoba neben sköba Klammer, 
sköbälj u. sköbälj (Fischart), sköljka (u. cköljka) Muschel 
abg. skol'hka, skopiti kastrieren sköpac Kastrat aus skop-, 
vgl. r. skopec, skbrav runzlig (zu skora cech. u. sonst 
«Rinde», skr. köra), skrämica Tröpfchen (Dem. von skrama 
eigentlich «Fetttröpfchen» = *skorma, vgl. r. skoröm 



54 Lautlehre. [§ 79. 

Fleischspeise), skrh neben skrh Sorge abg. skrhh, skrbav 
schartig skrbina Stummel (Zahnst.) geht zurück auf ein 
*sk^rb- vgl. deutsches «Scherbe» ahd. scirbi, skrgüt Ge- 
knirsch skrgütati knirschen, vgl. abg. skrbg^tati, dazu auch 
skfga Art Feldhuhn, skfge pl. Kiemen; skripati knarren, 
vgl. r. skripet'\ skröb und skröb Stärkemehl; in skrök 
Schritt neben krdciti schreiten und in skröpiti neben krö- 
piti besprengen liegt vielleicht Zusammensetzung mit s^o- 
(s-) vor; ebenso in sklöcati neben klöcati schnappen^ dazu 
sklöce pl. Fußfessel für Pferde, sklöca Art Taschenmesser 
(zum Zuklappen); sklöpac Wanzen-, Flohsüch = s^klophch'^ , 
vgl. /cZo^ac Wasserblase. — 2. In Fremdwörtern; z. T. ist 
hier das s schon mit übernommen, in deutschen Wörtern 
und in italienischen mit dial. s für 5: skälja u. a. Stein- 
splitter ital. scaglia, skänj Sessel ital. scanfio, skarämbec Art 
Ungeziefer ital. scarafaggio Käfer (aus scarabaeus), skäre 
pl. Schere (aus dem Deutschen, ahd. scära)^ skätula Scha- 
tulle ital. scatola, skäf deutsches «Schaff», skembe Wanst 
türk. sik'embe, skiljiti blinzeln sklljav blinzelnd aus mhd. 
schuhen (schielen), skip Mulde, Trog ahd. skif (Schiff), sköda 
Schaden ahd. scado, sköla Schule lat. scola, skölj kleine 
Felsinsel ital. scoglio, skrlnja neben skrlnja Schrein lat. 
scrinium, skrpina (Fischart) ital. scorpena. 

Eine Anzahl z. T. nur dialektischer Wörter sind un- 
klar: skamütati befzen, skdnjac Sperber vgl. slov. kanjec^ 
skljäka (daneben sljäka und siäka) Krummstab, sköljci und 
skökci Vorrichtung am Webstuhl zum Anhängen der Fäden, 
skräbija Schieblade, skr dpa kleine Steine (Grant), skrletka 
neben krletka Käfig, skrbkati versagen (von der Flinte), 
skülj Schöps u. a. 

sl: 1. durch Assimilation von s an folgendes V (Ij), 
dies entweder gleich altem l' : sl'em sljem (präs. zu släti) 
schicken sil^q (s^lati), oder entstanden aus altem le- in je- 
kavischen Mundarten, oder aus dialektischer Umformung 
von l in t : sl'ez sljez Malve neben sljez, sl'eme sljeme neben 
sleme (ek.) Firstbalken, sl'epbta sljepöta (ek. slepöta, ik. sli- 
pötd) Blindheit, vgl. slljep blind; sl'lva sljlva neben sUva 



§ 79,] Die einzelnen Laute. 55 

Pflaume, sl'uka sJjuka Schnepfe aus ''''sl'uka für '"^sluka = 
slqka. — 2. schallnacliahmende Wörter: sljcqmti waten, 
sljäpiü schlagen, slis Ausruf bei scharfem Hieb. — 
3. Fremdwörter, deutsches sl (schl)^ släknja Schlacke, slin- 
govafi (lokal) sticken (eig. schlingen). Dazu einiges un- 
klare, aber s jedenfalls nicht ursprünglich: sljäka (neben 
skljäka) Krummstab, sljuj faulender Erd-, Laubhaufen, 
sljoka Flitter (kleine Metallstücke), sljünak Kies. 

im, wo klar aus sm: smüknuti (daneben smürmiti) 
irgendwo schnell ein- und auslaufen (wohl eig. schlüpfen, 
vgl. abg. snujkaii se kriechen, schlüpfen); smfk Spritze 
smrkati schnupfen abg. smrkati r. smorkdt', smrljika für 
5w>\?/y7Ä;a Eberesche; schallnachahmend smitati schleudern, 
smJgfiuti sich davon schleichen. Unklar smökljan Dummkopf. 

S92, nur in dial. snjeti, d. i. '^s^nefi, für gewöhnliches 
smti, d. i. '^s^n^t^, träumen. 

sp: ältere oder neuere Fremdwörter mit sp, z. B. 
spdga (und spdda) Degen aus gr.-lat. spatha, spwa Speiche 
(aus dem Deutschen) u. a. ; nur sjjäg Tasche neben cpäg 
geht zurück auf altes chpagh; spüg Schnecke scheint lokale 
Verdrehung zu sein von spüä. 

st: 1 . In einheimischen Wörtern : a) aus ursl. .sä: vor 
palatalen Vokalen und j, 'u: stedjeti sparen ^sk^deti abg. 
stedeti vgl. abg. skqd^ karg, sfektafi stehtati belfern '^skeko- 
tati, siene junger Hund "^sken^ abg. stetig, stipati kneifen 
r. scipdi' '^skip-^ stlr Amarant r. scir^ stuka Hecht r. scüka, 
stüktati se stücafi se rülpsen, vgl. poln. szczkac = "^skjhk-. 
Auf sk beruhen auch sfeta Schaden für "^isteta aus hsteta 
zu i^sth leer (skr. täst) = *i^skjh^, süca Brettchen aus 
'■"•'tstica, dies für '■''dstica = dhsfica (Dem. zu d^ska, skr. 
daska Brett), daneben däscica; ferner in dem alten Lehn- 
wort 6'/?^ Schild, lat. scutum. — b) aus älterem ct^ dies 
seinerseits durch Wegfall von h aus cht-, stö was chto, stiH 
(daneben cätiti) lesen '■^'chtiti, stövati ehren rhtovati. — 
c) für st: strk Storch (älter sfrk), sfrcäljka u. strcäljka 
Spritze. — 2. In Fremdwörtern aus st: stdgalj gen. staglja 
Scheuer (deutsch Stadel), 57«/« Stall, stämpa Druck stäm- 



66 Lautlehre. [§ 79. 80. 

pati drucken ital. atampa stampare, stäp Stab, stikla 
Schuhabsatz (deutsch Stückel?), stikovati sticken, stlmati 
ehren ital. stimare, stlrak Stärke stirJcati stärken (Wäsche), 
stöpela Pantoffel (angeblich, doch nicht wahrscheinlich, aus 
ital. stivale), stüla Stelzfuß mhd. stolle Fußgestell, Stütze; 
stirkinja Unfruchtbare, vielleicht entlehnt aus deutschem 
stirke, sterke (Kuh, die noch nicht gekalbt hat), vielleicht 
slav., vgl. Mikl. EW. s. v. stera. 

Manches bleibt unklar, so stäviti Haut einweichen 
zum Gerben, vgl. slov. scava Spülicht, etwa = '^skeva, 
stävlje Ami^ier {=-- '^skSv-?), stäka (neben skljäka u. sljäka) 
Krummstab, stUja stlljega Spindel, stur butt, verkümmert. 

str, in den deutlich erkennbaren Fällen aus str, 
sfröjiti verschneiden aus strdjiti^ ströka und ströka Art 
Schafblattern (s. § 78 unter str)'^ unklar ströcati (vgl. skrd- 
kati) versagen (von der Flinte); sträptati spritzen, könnte 
ein '^•strh(^)p^tati sein; onomat. strbekati radebrechen; fremd 
stränjga Strang. 

SV, sicher nirgends ursprünglich, obwohl einige Fälle 
unklar: 1. sv durch Wegfall von h, svenje das Nähen 
shvenhje (zu shvem part. prät. pass. zu siti nähen, jetzt skr. 
sven^ siveri), dazu svälja Näherin = shv-. — 2. aus svr 
dial. in svräka für svräka Elster. — • Unklar svägati se 
träge umhergehen, svdnjiii se sich schämen, svfljati und 
svrndati (wohl onomat.) herumwirtschaften, svröa Weich- 
ling, svlgär Schwippe an der Peitsche. 

80. Anlautsgruppen mit t als erstem Konsonanten: 

tk, nur in tkö wer, umgestellt aus kto = khto; tkäti 
weben Ukati. 

tl, nirgends ursprünglich: 1. durch Metathesis tldka 
Frohn '^tolka, tläciti niedertreten Holöiti, wahrscheinlich 
auch in tidpiti wirr träumen (daneben kldpiti). — 2. durch 
Ausfall von h: tle pl. Boden gen. tdlä abg. tblo. Unklar 
tljenica neben tjenica und tjena feine Haut. 

tm, stets unursprünglich, durch Ausfall von h: tmlna 
tmica tmüsa Finsternis tmdra (dunkle) Regenwolke, nä-tmii- 



§80.81.] Die einzelnen Laute. 57 

Hti se sich bewölken, aus tbm-, vgl. skr. täma abg. tbma 
Finsternis. 

tr, sehr häufiger Anlaut, ist meist ursprünglich, 
z. B. trdva Gras, tri drei, tresti schütteln tr^sti\ nur in 
folgenden Fällen unursprünglich: 1. aus Metathesis träk 
Band, Streifen, träp Rübengrube träpiti Weinberg pflanzen, 
frätoy Tausendschön (Blume), tr^snja trljesla Kirsche, trebati 
nötig sein trebovati nötig haben trijeba {treba, trlba) in mje 
frijebe ist nicht vonnöten, trijebiti {tr^bifi, tribiti) säubern, 
trijezan {trezan, trlzan) nüchtern, trljem (trem) Halle, 
s. § 5 fg., § 30 fg. — 2. durch Wegfall von h: trem (präs. 
zu trti reiben) thrq, daneben tärem, dazu gehören trenica 
Reibeisen, treiije das Reiben, trina Bißchen (Abfall), trlca 
u. a. Kleie, alle aus ihr-. 

tu, seltener Anlaut, urspr. in tvöj dein, tvöriti schaffen 
tvär Geschöpf und anderen Ableitungen, ivPd fest = *tvhrd^. 
Unursprünglich in tvör (tvör) = Hfor Iltis aus *thor für 
'^d^chor^ vgl. cech. tchor. 

81. Anlautsgruppen mit v als erstem Konsonanten: 

vl^ immer unursprünglich durch Metathesis, tat- 
säclilich in der heutigen Sprache nur Beispiele aus ursl. 
fo/-|-Kons., z.B. vlädati herrschen *vo/6?-, vZaÄ: Fischernetz 
^'volko, die weiteren Beispiele s. § 5 fg. Die Fälle, wofe/-|- 
Kons. zu vle~ geworden, fehlen in der heutigen Sprache, 
vgl. aber dial. vliöi = "^vUöi ^- ursl. *velkti abg. vlesti, 
gewöhnlich vüöi = *vhlkti. — Dial. vljed'a Braue ist 
entstanden aus vjeda ursl. Hrd'a abg. vezda. Vereinzelt in 
Fremdwörtern vi für /, vlinta Flinte. 

vr: 1. in den meisten Fällen aus Metathesis, z. B. 
vräta Tür ^'vorta abg. vrata^ vrijeme gen. vremena Zeit 
*vermn abg. vreme, die sonstigen Fälle s. § ofg., § 30 fg. ; dabei 
sind zweifelhaft vräc AVahrsager, vrcbati lauern, vreva 
Tumult. — 2. durch Ausfall von h'. zä-vrem präs. (zu 
-vrijeti, abg. vreti vhrq) verbergen; vrefi präs. vrim sieden 
abg. vhreti vhhi vhrisi, dazu vrelo Quelle (wenn = *vhrelOj 
kann auch = '•^verlo sein), vreo fem. vrela heiß rbreh^ 
vruö heiß (part. präs.) = vbr^d'- (abg. nur vbrrst-), vriitak 



58 Lautlehre. [§ 81—83. 

Quelle "'^vhrQhki). — In Fremdwörtern zuweilen für fr, 
z. B. vrätor Frater, vrlsak frisch. 

Sonstige Gruppen mit ?; -t- Konsonant sind vereinzelt 
und lokaldialektisch : vndgi statt mnögi (mlögi) viel imnogh^ 
vtlca (eig. ^ftlca) aus ptlca Vogel phtica, vsenica (eig. */se- 
nica) aus psenica Weizen phsenica. 

82. Anlautsgruppen mit 2; als erstem Konsonanten: 

zd, zdür (älter ragusanisch) Ausrufer {praeco; wohl 
fremd). 

zdr, dial. für zr aus zhr-, zdreti reifen für zreti, abg. 
zhrefi. 

zl, niemals ursprünglich: 1. aus Metathesis zläto Gold 
'^'zolto abg. zlato. — 2. durch Wegfall von ^: alle Ab- 
leitungen des Adj. z^bh skr. zäo böse, fem. zlä ntr. zlö^ 
adv. zU {zlje), zlijediti (zlediti^ zliditi, eig. beschädigen) 
Wunde aufreißen u. a., alle = zhl-. — 3. vereinzelt aus 
zn: zlämenje Vorzeichen aus znamen'hje. 

zm, unursprünglich, durch Ausfall von ^, nur in zmäj 
Drache zm/ija Schlange, abg. z^mhjh (z'bjnij'b) z^mhja {z^mija). 

zn, ursprünglich: znäü wissen, znöj Schweiß. 

zr, nirgends ursprünglich, außer in dem onomat. zri- 
kavac zrijavac Art Heuschrecke (vom Rufe zri); sonst 
1. aus Metathesis: zräk, zräka Strahl '^'zork^, -ka s. §5, 
§ 30 fg. — 2. durch Ausfall von h: zreti zrim (zrem) reifen 
zhreti zhrq zhrisi, prö-zreti prö-zrem (u. a. Zusammen- 
setzungen) durchschauen zbreti zhfq zhrisi. 

ZV. 1. ursprünglich in zveknuti zvecati klingen zv^-knqti 
zvecati^ zvljer {zver^ zvir) wildes Tier zverh, zvijezda {zvezda, 
zvizda) Stern zvezda, zviznuti Pfiff tun, zvizga (zvizda) Pfeifen, 
zvöno Glocke, zvrknuti zvrcati (schallnachahmend) schnurren, 
zvrcati (schallnachahmend) Schnippchen schlagen. Die 
Lautfolge zvti- ist durch zu- vertreten, falls zük Brumm- 
kreisel, züka Summen nicht schallnachahmend^ sondern 
= zvqk^ (Ton), ''^zvoka. — 2. durch Ausfall von ^: zväti 
rufen z^vati. 

83. Anlautsgruppen mit i als erstem Konsonanten: 

£b, in ^bän Holzkanne aus dzhan^ dies = chbam; 



§ 83.] Die einzelnen Laute. 59 

jsbfw Staude neben dzhi'm. Fremd in zhlr (lokal) Spion 
ital. shirrOy zhlca (lokal) neben splca Speiche. 

zd: zderati fressen (s. u. bei zdr)\ ü-zditi (u. a. Zu- 
sammensetzungen) anzünden, aus zg\ zdrmnji (lokal) 
pl. = zrvnji (sg. zrvanj) Handmühle, durch Einschub von 
d zwischen z und r, abg. zrny ursl. "^zbrny. 

zdl, s. zl. 

zdr ; das Skr. hat eine Abneigung gegen die Laut- 
gruppe zr; jetzt vereinzelt dialektisch für zr, zräk für zräk 
Strahl. Das zr älterer Zeit ist 1. entstanden durch Meta- 
thesis, zdrljeb (zdreb, zdrtb) Los abg. zrebhjh = '^zerb-; 
zdnjehe (zdrebe, zdribe) Füllen abg. zrebe ='^-zerbe\ prö- 
zdrijeü {-zdreti, -zdriti) verschlingen abg. zreti ^='^zerti. — 

2. durch Wegfall von 6, präs. pro-zdrem abg. zhrq, ursl. 
daneben *ierp, das entsprechende skr. *ierM durch An- 
schluß an zdrem zu zderem, ein neuer Infinitiv zderati dazu 
gebildet; zdrälj Kranich = '^•zhral'h für '^zhravl'h abg. zeravh 
zeravl'h. 

zd, dial. für zdj, zäela = zdjela Schüssel. 

zg, durch Wegfall von h, zgänci pl. Art Polenta, zu zhg- 
zeg- brennen, skr. zeci zezem, vgl. dial. ü-zgati anzünden. 

zl, nirgends ursprünglich, sondern 1. durch Metathesis, 
zlijeb (zleb, zlib) Rinne, zlijezda (zlezda, zlizda) Drüse, s. § 33. 
— 2. durch Umstellung von Iz nach Ausfall von ^, in 
zVica Löffel, neben läzica und özica (s. § 19), aus hzica. — 

3. durch Wandlung von z in z (eig. z, s. § 54) vor V, 
zlje adv. schlimm zile. 

zm, nirgends ursprünglich; 1. durch Ausfall von h, 
zmem ich drücke inf. zeti abg. zhmq z^ti. — 2. durch 
Umstellung von mz nach Ausfall von h\ zmirati zmiriti 
blinzeln, zmüriti die Augen zufallen lassen, aus mhz- vgl. 
abg. ynhgnqti mhzafi, skr. na-ynagnuti zuwinken. Vgl. auch 
zmül zmüo zmülj Trinkbecher, vielleicht für '''mzul, vgl. 
slov. muzol dass, aus lat. ynodiolus Trinkgeschirr. — Un- 
klar ist zmlre pl. Art Brei (Polenta). 

zn^ nicht ursprünglich; durch Ausfall von ?> in znjem 
(daneben zihijem) präs. zu zefi ernten, a})g. zhnq zcii. 



60 Lautlehre. [§ 83—86. 

i^?, nicht ursprünglich, durch Ausfall von h: zväle pl. 
Gebiß (am Zaum), svälo Rachen, ivdkati u. ivdtati kauen, 
alle aus ihva-, abg. iwati kauen. 

II. Anlautsgruppen entstanden in 
Zusammensetzungen. 

84. Die Präpositionen s^ vh v^z konnten durch Ver- 
lust des Vokals und Anschluß des verbleibenden Kon- 
sonanten {s V vz) an konsonantischen Anlaut des zweiten 
Gliedes von Zusammensetzungen mit ihnen Anlaß zur Bil- 
dung neuer Konsonantengruppen geben. Für das Skr. 
im engeren Sinne kommen v^- v^z- nicht in Betracht, da sie 
zu u- uz- wurden, s. §26; zu berücksichtigen ist nur so, 
dies kann als s- oder mit Verbleiben des Vokals als sa- 
erscheinen. Dabei gilt folgendes Verfahren: 

A. Vor anlautendem s s z z des zweiten Gliedes der 
Zusammensetzung steht sa-, z. B. sa-sähnuti verdorren, sä- 
sjeci abhauen, sa-siaü se zusammenkommen, sä-süti präs. 
sä-speni hineinschütten; sa-sefati hinabspazieren, sä-siti zu- 
sammennähen; sa-zidati aufbauen, sä-znati erfahren, sä-zreti 
reifen, sä-zvati zusammenrufen; sä-zaliü bedauern, sa-zeöi 
verbrennen, sä-zeti präs. sä-zmem (eig. zusammendrücken) 
Achsel zucken. — Ganz vereinzelt kommt Ausfall von h 
vor: stänak neben sästanak Zusammenkunft = s^stan^kb, 
vgl. dazu das nicht zusammengesetzte säti praes. sem saugen 
= s^saii s^sq. 

85. B. Lautet das zweite Glied auf einen anderen 
Konsonanten an, so läßt sich eine durchgehende Be- 
stimmung für sa- s- (z-) nicht geben, doch gilt im all- 
gemeinen, daß 5- {z-) bevorzugt wird; oft sind es nur ver- 
einzelte Fälle, wo sa- neben s- (z-) erscheint. Das s bleibt 
als solches vor allen Konsonanten außer h d g^ vor denen 
es zu z wird. Im einzelnen: 

86. 1. Für s^-b. ist durchaus Regel zb, z.B. z-bdciti 
hinabwerfen, z-blti se (aus s^byti s§) in Erfüllung gehen, 
z-brätiti se sich verbrüdern usw. Daneben vgl. sä-biti (sz»- 
biti) zusammenstopfen, sä-böj Zusammenlauf und zböj zu- 



§86—89.] Die einzelnen Laute. 61 

sammengedrängter Haufe, sd-hor und z-hör (das eig. skr. 
ist zhör) KirchenversammluQg, sä-brafi präs. sä-beretn und 
z-brati z-berem versammeln, dazu sa-birati und z-birati 
dass. ; sä-bläzan (Kirchen wort) Ärgernis abg. s^-blazn^; sä- 
borit zusammengefaltet. 

8*7. 2. Für s^-c. steht sa-c., so sä-cuti anhören, sa- 
ciivaii behüten; doch auch sc durch Assimilation für sc: 
sä-cekati und. scekati (eig. erwarten) auffangen^ sa-celiti se 
und sceliti se die Vorderseite zukehren, scinjati zaudern, 
unschlüssig sein (eig. sich anstellen, nur so tun?), ? scün- 
jifi se sich ducken. 

88. 3. Für s^-d. tritt sa-d. oder z-d. ein, z. B. z-djela 
hölzerne Schüssel '^shdela, z-depast plump, zdjetna (eig. mit 
Kind) schwanger s^detbna, z-drpiti sich überwerfen mit jem., 
z-dlmiti Feuer geben '^sz-dyiniti, zdräv gesund s^-drav^^ 
z-drbbiti zerbröckeln, z-drözgati zerschmettern; bei den Bei- 
spielen von z vor dj (j aus je = t) tritt dial. i ein, sdjela 
statt zdjela, zdjesti statt zdjesti, vgl. abg. s^-deti\ sa-deraii 
und z-derati abreißen, sä-djeljati zuschnitzen (vgl. oben 
zdjela), sä-djesti sa-dijcvati aufschobern und zdjesti, sa-drü- 
ziti se und z-driiziti se sich gesellen, sa-drzati und z-drzati 
halten, vgl. auch sa-dzgati abnutzen. 

89. 4. Für s^-g. steht sa-g. und z-g., z. B. 5a-: sa- 
gänak Unterbrechung (auf einen Augenblick, eig. Ab- 
biegung) '^'s^-g^n^k^, sä-gnuti pr. sä-gnem niederbeugen, sä- 
gnjiti verfaulen, sa-grinjati von Motten zerfressen werden. 
Nebeneinander sa- und z-: sä-gaditi se zgäditi se Ekel be- 
kommen, sa-gibati niederbiegen (vgl. oben sägmdi) z-gib 
Gelenk {^= '^•s^gyb^^ eig. Zusammenbiegung), sä-gledati 
z-gledati erblicken, sä-gnati z-gnäti hinabtreiben, sa-göditi 
z-göditi treffen z-göda Gelegenheit, sa-goniti z-gmiiü hinab- 
jagen, sa-görjeti z-görjeti verbrennen, sa-gräditi z-grdditi 
erbauen z-gräda Gebäude, sa-grijesiti z-grijesiti sündigen, 
sa-gfnuti zurückschlagen z-grnuti wegscharren, zusammen- 
scharren, sa-gübiti z-gübiti umbringen, sä-giiciti z-güciti zu- 
sammenballen. — Öfter erscheint nur zg: z-gäziü zertreten, 



62 Lautlehre. [§89—91. 

z-goropdditi se rasend werden, z-götoviti bereiten, z-grstiti se 
sich ekeln, z-güzvati verdrücken, z-güliü abreißen, z-guriti 
se sich zusammenziehen, z-güsnutl se dicht werden, z-glävak 
Gelenk (zu gläva Kopf), z-glöbiti zusammenlegen z-glöb Ge- 
lenk, z-gnjeciti zusammenkneten, z-gräbiti erraffen, z-grdnuti 
se rasend werden, z-grlsti z-grizati abfressen, z-grljati er- 
wärmen, z-grbziti zusammenschaudern, z-grühati z-grüsiti 
zerstoßen. 

00. 5. Skr. s-f. aus s-hv., s-fätiti fassen = s-hvätiti. 
6. s^-ch.^ dafür sa-Ä. und s-li., z.B. sä-harati ermatten, 

sa-hrdniti und s-hrdniti bewahren, s-hvätiti fassen; släpiti 
aufraffen für shläpiti = s^-cM. 

01. 7. Für s^-lc. mit großer Regelmäßigkeit s-lc,\ s- 
Tcäzäljka Uhrzeiger, s-halabüriti durcheinander mengen, 
s-Mmeniti versteinern, s-kdniti se zaudern, s-Mpati (eig. ver- 
schmachten) umkommen, s-Msati hinabtraben, s-hinuti 
s-h'dati herabnehmen, s-kolijeriti umzingeln, s-hömraciti 
kargen, s-lco7icdnje Ende vgl. abg. s^-konhcati endigen, s-hb- 
pati durch Hacken abnutzen s-köpak abgenutzte Hacke, 
s-könobiti kargen, s-kbreti se hart werden, s-korüsiti se sich 
überrinden (beides zu kbra Rinde), s-kösje Abfälle beim 
Ästen, s-kocdnjiti se hart werden (zu kbcänj Stengel), 
s-kotrljati se s-kovHjati se hinabrollen, s-kbvcati zuheftein, 
s-kozna trächtig (von der Ziege kbza) *sh-kozhna, s-krhati 
s-krsiti zerbrechen, s-krknuti se sich verdichten, s-krpiti 
flicken, s-krstiti über Kreuz legen, s-krviti s-krväviti blutig 
machen, s-küditi schelten, s-kühati kochen, s-küciti in die 
Enge treiben; s-kläd Schober, s-klädan artig, s-klbpiti s-klä- 
pati zusammenfügen, s-klop Ort, wo Bergketten zusammen- 
stoßen, s-kljükati hineintun, s-kijüniti die Nase hängen lassen 
(zu kljün Schnabel); s-knäditi verschaffen; s-krdtiti s-kräcati 
verkürzen, s-krenuti s-kretati wegrücken, s-kresati abästen, 
s-Arm^i Verbrechen begehen, s-krüsiti abschütteln; s-kväsiti 
befeuchten. — sa-k. neben s-k.: sa-kbvati s-kbvati schmieden, 
sä-kupiti s-küpiti versammeln, sä-kup s-küp Versammlung; 
sä-klati se s-kläti se sich raufen, sa-klbniti s-klbniti beschirmen 
(vgl. s-klä7ijati beugen), sä-kriti s-krlti verbergen vgl. s-krövit 



§91—94.] Die einzelnen Laute. 63 

verborgen, sa-kröjiti s-krdjiü zuschneiden, sa-krüsiti s-krüsiti 
zermalmen. 

92. 8. Für sz-l. steht s-l. und sa-l.: s-Iägati lügen, 
s-läkomiü se heftig begehren, s-llka zusammenpassendes 
s-Ucan ähnlich {s^-lich}2^), s-Uzati se (eig. sich belecken) sich 
mit jem. abgeben (tadelnd), s-lüciti se sich ereignen, s-lü- 
pati zusammenschlagen, s-ljübiti se sich verbinden. — sa-l. 
und s-l. : sä-laziü s-läziti s-ljesti (dafür dial. sljesti) herab- 
gehen, sa-lcfjeti s-letjeü anfallen, vgl. sa-lijetati s-lijetati 
hinabfliegen, sä-liti s-llti sä-ljevati gießen, sa-lömiti s-lömiti 
s-lamati zerbrechen, sa-löziti s-löziti s-lägati zusammenlegen, 
vgl. S'leöi zusammenführen (ein junges Ehepaar) s-lög 
Gartenbeet s-löga Eintracht. 

93. 9. s^-m.^ fast durchgehend s-m. : s-mäcna trächtig 
(von der Katze), s-mäöi s-micati herabnehmen, s-mämiti 
herab-, zusammenlocken, s-mänjati se kleiner werden, 
*s^-mhnati s^, s-mäzati hinabessen (zu mäzati), s-mesti ver- 
hindern s^•^mesti, s-mesti zusammenkehren sh-mesti^ s-metati 
hinabtun s^-7netati, s-mijesati mischen, s-miljeti hinab- 
kriechen, s-tntliti se lieb werden, s-miriti beruhigen, s-m\s- 
liti beschließen, s-mjeran demütig s^merhn^^ s-mjeriti sich 
etwas vornehmen, s-mjestiti placieren, s-mläviti zermalmen, 
s-mläciti lau wärmen, s-mlednjeti mager werden, s-möci 
s-mägati bändigen, s-mbtaü zusammenwickeln, s-mbtriü er- 
blicken s-mdtraii betrachten vgl. abg. s^'motr^ti, s-ynözditi 
zermalmen, s-mröi se s-mräciti se sich verdunkeln, s-mrä- 
moriti se sich versteinern, s-mräziti verfeinden, s-mreskati 
zerquetschen, s-mrmljaü s-mümljati dahermurmeln, s-mrz- 
nuti gefrieren lassen, s-niückati ausschwenken, s-müljafi zer- 
quetschen, s-mütiti verwirren s^-mqtiti. Nebeneinander sa-m. 
und s-rn. : sa-mähnufi s-mdhnufi weghauen, sa-möriti s-möriti 
ermüden , sä-mrijeti präs. sä-mrem sterben vgl. sniH Tod 
(abg. s^-mWfo), in Liedern daneben gelegentlich sa-mr/; nur 
sä-mljeti pr. sä-meljem mahlen. 

94. 10. s^-n., regelmäßig s-n.: s-näöi finden ^''s^-na- 
üi, s-nahöditi dass., s-nehiti se verlegen sein, s-nevescliti se 



64 Lautlehre. [§94— 9G. 

sich betrüben, s-nijeti s-nesti s-nösiti herab-, zusammen- 
tragen, s-nimati herabnehmen s^n-imati^ s-7nzak niedrig 
*s^-niz^k^, s-nizati reihen (Perlen u. dgl.). 

95. 11. .s2.-p., mit großer Regelmäßigkeit 5-^. : s-pä- 
ritt se in Gärmig geraten, s-päriti paren, s-pästi s-pädati 
herabfallen, s-pästi pr. s-päsem retten, s-päziti wahrnehmen, 
s-päzmati kindisch werden, s-pecäliti (eig. «erkümmern») 
mühsam erwerben, s-piriti anfachen '^s^-pynti, s-pisaii ver- 
fassen, conscribere, s-piskati vergeuden, s-pjevati dichten, 
die Doppelzusammensetzungen mit s^-po- nur s-po-, z. B. 
s-pomenuti erwähnen *s^'pome7lqti^ s-pömen Andenken usw. ; 
s-prdati dummes Zeug schwatzen, s-pfstiti zerschmettern, 
s-pftiti abladen, s-pfiiti anbrennen, s-püciti zuhaken, s-puriti 
versengen, s-püstiti herablassen, s-pütiii verknüpfen, ver- 
wickeln *s^-pqtiti, s-püziti se hinabgleiten *s^-phlzit^ se; 
s-pläkati abspülen, s-pläsnuti (eig. flach werden plask-) ab- 
nehmen (von Geschwulst), s-pläviti abschöpfen s-pläv Floß 
s-plUi se zusammenströmen *s^-plyti s^; s-plöstiti platt 
drücken, s-präskati verprassen, s-prätiti abfertigen, s-präviti 
rüsten, herrichten s-präva Machwerk, s-preci zusammen- 
spannen '^s^-pret'i = ^-pr^g-ti vgl. s^-pr§gnqti, s-premiti be- 
reit machen, s-pretati abfeuern (ein Gewehr) s'b-piyt-. s-presa 
Eile (presa dass.), s-prijateljiti se sich befreunden. — 
Neben s- auch sa- und sa- allein: sä-jMi präs. sä-pnem, sä- 
pinjati zuknöpfen sh-peti s^-ph7^q "^sh-pinati; sä-preti pr. sä- 
prem Prozeß gewinnen s^-phreti s^-phrq, dazu auch sä-pirati 
beschuldigen, sa-plähati s-plähati überwältigen, sa-päliti 
s-paliti verbrennen, sa-petljati s-petljati zuheftein, sa-p)lesti 
s-plesü verflechten s-pUt Haarflechte, sa-pöjiti s-pöjiti zu- 
sammenlöten, sd-pon Bindeseil s-pöna Schlinge = sh-pom 
sh'pona (zu sä-peti), sä-prati s-präti sa-pirati s-pirati ab- 
spülen. 

06. 12. s^-r., regelmäßig s-r.: s-rdsti zusammen- 
wachsen, s-reöi (eig. zusammensprechen) buchstabieren, 
s-resii begegnen s-reca Schicksal, Glück *s^-7ysti '^s:h-rpt'Q 
abg. ss-resti sh-7^^stq, s-rlnuti se abfallen (mager w.), s-rödiii 
se Verwandtschaft schließen s-rodan verwandt, s-rok Zeichen 



§ 96—98.] Die einzelnen Laute. 65 

*s^-rok^, s-rbcan übereinstimmend, s-rusiti niederreißen. — 
Nur sä-rezaii neben s-rezati abschneiden, vgl. s-7^ez Bezirk. 

97. 13. s^-f., mit großer Regelmäßigkeit s-t: s-täk- 
tniti zusammenrücken, s-feöi erwerben, s-teci se zusammen- 
laufen, s-tdkati se herabfließen, s-iegnuti anziehen, s-teon 
trächtig (von Kühen) '^'s^-telh7l^, s-tepsti se verkommen, 
s-tcsati behauen, s-ttnjati verglimmen, s-tlsnuü zusammen- 
drücken, s-üsati sich legen (sich berubigen, zu i^ ruhig), 
s-töpiti schmelzen, s-trkati hinabrennen, s-trpjefi erdulden, 
s-fuci zerstoßen *s^-fblf'i aus ^-thlkti abg. s^-tlesti, s-füriti 
hinabwerfen, s-tüstiti se sich umwölken; s-tr^piti erzittern, 
S'tresti herabschütteln, s-trösiti verausgaben ; s-tvrdnuti hart 
werden. — sa-f.: sä-tkati präs. sä-cem fertig weben s^t^kati 
s^i^kq, sa-trti präs. sä-trem sä-tirati abreiben *s^-twt^ s^thrq 
s^'tirati\ sa-tjerati und s-fjerati wegtreiben, sa-tüziti se und 
s-füHü se übel sein, sich ekeln, sa-ivbriti und s-tvoriti 
schaffen vgl. s-tvör Werk, Arbeit, s-tvär Ding (dial. auch 
sä'tvär) *s^-tvarh, 

98. 14. so-v., sehr regelmäßig s-v.: s-vdbiti zusammen- 
locken, s-väditi entzweien, s-väliti hinabwerfen^ s-vdriti 
kochen, s-vjedzhati sich gewöhnen, s-vesti s-vedem zusammen- 
fügen, wölben, s-vöd Gewölbe s-vöditi wölben, s-vidafi be- 
stellen, s-vidjeti se behagen, s-vijest Besinnung s^-vesth^ 
s-vlkati zusammenrufen, s-vici s-viknuti sich gewöhnen 52»- 
vyknqti, s-vjedok (eig. Mitwisser) Zeuge s^-vedok^, s-vjerovati 
Wort halten, s-vröi s-vrgnutl hinabwerfen sh-vrgnqti, s-vfstvo- 
vati erlangen; s-vläk abgestreifte Schlangenhaut '^s^-volk^ 
s-vldciii herab-, zusammenschleppen, s-vrätiti s-vrnuti s-vftati 
ablenken. — sa-v. : sä-virati abfließen, einkochen (zu 
vhreti vhrq sieden), sä-vrijeti se präs. sä-vrem se sich ver- 
kriechen (zu '■'verfi abg. vreti vbrq). — Nebeneinander sa-v. 
und s-v. : sa-vesii s-vesti pr. -vezem zusammenfahren, s-vöziti 
herabfahren, sav^zati s-vezati zusammenbinden, sä-viti s-v'iti 
zusammenfalten, sa-vUlati s-vUlati hinabjagen, sd-vjet s-vjet 
Rat sd-vjetovati s-vjetovati raten, sa-vlddati s-iiddati über- 
wältigen, sa'vrsiti s-vrsiti vollenden. 

L e s k i c u , Serbokroatische Gramiualik. 5 



66 Lautlehre. [§ 98—100. 

Es ergibt sich, daß die Neigung der Sprache dahin 
geht, überall außer vor s, s, z, z das ^ der Präposition 
fallen zu lassen. Wo trotzdem vor anderen Anlauten als 
diesen sa- oder sa- neben s- (z-) vorkommt, z. B. sä-hrati 
(neben z-bräti), wird dies nicht unmittelbar auf das alte 
s^-l)hrati zurückgehen, d. h. mit Erhaltung des ?> als a, 
sondern beruhen auf Anschluß an die Fälle, wo notwendig 
fi^- als sa- bleiben muß, z. B. sä-süti, sa-zvati usw. ; ferner 
wenn z. B. sä-peti statt "^s-peti gebraucht wird, so hat 
Nachahmung von sä-pnem stattgefunden, wo die sonst nicht 
vorkommende Lautgruppe sp7i vermieden wurde. 

IL Konsonantengruppen im Wortinnern. 

99. Die Sprache hat einmal, vor dem Ab- und 

Ausfall der Vokale ^ h, in ihrem ältesten Zustande nur 
offene, vokalisch auslautende Silben gekannt (vgl. dazu 
Abg. Gr. §§50 — 52,58). Dieser Zustand ist in der über- 
lieferten Geschichte der Sprache, also vor dem 12. Jahr- 
hundert, schon aufgehoben; geschlossene, konsonantisch 
auslautende Silben sind möglich. Daher können im Wort- 
innern zwischen Vokalen Konsonantengruppen stehen, die 
im Wortanlaut nicht vorkommen, weil von diesem Kon- 
sonantenmaterial fast immer so viel zur ersten Silbe ge- 
schlagen werden kann, daß für den Anfang der zweiten 
nur ein solcher Konsonant oder eine solche Gruppe ver- 
bleibt, die im Anlaut sprechbar ist, also stimmt zu den 
oben §§ 69 f. behandelten Wortanlauten. So kann es auch 
kommen, daß in Zusammensetzungen mit Präpositionen 
das zweite Glied einen Anlaut hat, der dem nicht zu- 
sammengesetzten gleichen Worte fehlt, z. B. maknuti maci 
pr. mäknem rücken imhnqti ymhiq, kein ^niknuti ^'mci, weil 
mkn mc nicht anlauten können, aber neben o-mä6i o-mäk- 
niiti abgleiten lassen, pro-maci pro -maknuti durchgehen, gibt 
es auch ömci präs. ömknem, prdmöi präs. prömknem, weil hier 
die Silbenteilung pröm-knem usw. 

100. Es ist unnötig , alle im Wortinnern vor- 
kommenden Konsonantengruppen anzuführen, es mögen 



§ 100—103.] Die einzelnen Laute. 67 

zur Veranschaulichung einige Beispiele von Verbindungen 
genügen, die im Wortanlaut nicht vorkommen: 

1. Im ursprünglich einheitlichen Wort: gen. 
bübna nom. büha7i Trommel vgl. abg. hqhbna bqbhm, bäcnuti 
werfen, gen. dcta nom. ocat Essig ocbtb, hrcmljenje das Aus- 
schenken '^k^rchrnenhje abg. krcbml'enhje, ndcca Dem. zu nöö 
Nacht, bjelidba das Bleichen, bjekca gen. zu bjegac Flücht- 
ling begbca begbch, bogömöljca gen. zu bogomoljac Beter, gäm- 
zifi kriechen gämzenje das Kriechen, könjski Pferde-, grepsti 
krämpeln, vräpca gen. zu vräbac Sperling, bpna Häutchen 
'^'opbna, övca Schaf ovbca, övsa gen. zu dvas Hafer ovhsa 
ovhs^, rbzgva Art Stange, pmnljenje Rache usw. 

101« Eine besondere Bemerkung erfordern nur die 
auf n m, r l auslautenden Silben. Da nasalauslautende 
Silben schon urslavisch durch Übergang des Silbenvokals 
mit dem Nasal in Nasal vokal oder einfache Länge auf- 
gehoben waren (s. Abg. Gr. § 46), können alle im Skr. so 
auslautenden Silben, abgesehen von Fremdwörtern, nur 
durch Ausfall von ^, h nach dem Nasal entstanden sein, 
z. B. könca gen. zu könac Ende ko7ibca konhch, sänljiv 
schläfrig shfibtwh, zenski weiblich zenhskyjb, blizänka gen. 
zu blizänak Zwilling "^'blizbmka "^'blizbmkh. 

lOS. Da ferner sämtliche ursprünglich auf r aus- 
lautende Silben durch die Metathesis von or zu ra, von 
er zu re, durch die Verwandlung von hr ^r in r- Vokal 
beseitigt sind, können alle jetzt im Skr. auf r endende 
Silben, abgesehen von Fremdwörtern, nur sekundär sein, 
durch Ausfall von b, z. B. börba Streit = borbba, zägörca 
gen. zu zägorac einer von jenseits der Berge zagorhca za- 
gorhcb, fem. dazu zägörka = zagorhka, örla gen. zu örao 
Adler orbla orbh, jdrma gen. zu jdram Joch jarbma jarbrm, 
veöernß abendlich vecerbnijb, djeverstvo Brautführerschaft 
deverbstvo usw. 

103. Da endlich jedes silbenauslautende l in o 
übergeht (s. §18), müßten Silben auf l überhaupt fehlen. 
Sie sind aber, auch abgesehen von Fremdwörtern, im 
Skr. dadurch vorhanden, daß aus Formen des Wortes, in 

6» 



68 Lautlehre. [§ 103. 104. 

denen /, als zwischen Vokalen stehend, verblieb, es in 
die Formen, in denen es zu o werden mußte, wieder ein- 
geführt ist, vgl. z. ß. dökolan Muße habend (regelrecht = 
dokolhm) fem. dököna aus regelrechtem *dokoo7ia für do- 
kolna = dokohna^ daneben dökölna, tobolac Lederbeutel 
gen. tdböca und töhölca, vlästeoski adlig (= vlastehskyjh) 
und vlästelski nach vlastelin der Adlige, stälan fem. stäona 
und stälna standhaft. So ist öfter l aus dem Nominativ 
in Kasusformen übertragen worden, wo die regelmäßige 
Entwicklung zu o führen mußte, z.B. kozälac gen. kozälca 
(eig. Böcklein) ein Pflugteil kozühch kozhhca, vgl. dazu ko- 
tälac gen. kbtaoca und kotalca (eig. Kesselchen) Höhlung 
des Schlüsselbeins, mlac gen. zälca Stachel vgl. zäoka dass., 
sokölak gen. sokölka Dem. zu sökö gen. soköla Falke soko- 
hk^ sokohka. — Über Erleichterung von Konsonanten- 
gruppen im Inlaut durch Auswerfen von Konsonanten und 
dabei vorkommende Assimilationen s. § 161 fg., 178fg. 

104. 2. In Zusammensetzungen mit Prä- 
positionen können beliebige Konsonanten im Auslaut 
des ersten Gliedes zusammenstoßen mit Anlauten des 
zweiten, sobald dies an sich mit einfachen Konsonanten 
oder Konsonantengruppen anlautet, die nach §§ 66 — 68 
im Anlaut vorkommen können, z. B. ob-gräditi umzäunen, 
ohmötati umwickeln, oh-zndniti kund machen, od-brdniti 
abwehren, öd-gristi abbeißen, od-vläciti abziehen, öd-zdräv 
Gegengruß, öp-klada Wette, rascvijetati se erblühen, rashldditi 
abkühlen räspnem pr. zu räspeti ausspannen, ot-hldditi ab- 
kühlen, bez-glasan stimmlos usw. 

Einer besonderen Behandlung bedürfen die Fälle, in 
denen eine ursprünglich auf ^ a,uslautende Präposition 
erstes Glied einer Zusammensetzung bildet. In diesen 
Fällen kann ^ abfallen, dadurch die eben erwähnten 
Konsonantenverbindungen im Inlaut eintreten; es kann 
aber auch ^ als a erhalten bleiben. Die in Betracht kom- 
menden Präpositionen sind: bez^ — bez-, beza-; iz^ — iz-, 
iza-; nad^ — nad-, nada-; ob^ — o&-, oba-\ ot^ — ot-, od-, 
oda-; pod^ — pod-, poda-; pred^ — pred-, prijed-, preda-; 



§ 104—106.] Die einzelnen Laute. 69 

razh — raz-^ raza\ vrtz^ — uz-^ uza-. Von diesen haben 
bez-, iz-^ raz-, uz- schon vor der besonderen serbischen Ent- 
wicklung ihren Auslautsvokal eingebüßt oder überhaupt 
nur auf z ausgelautet (vgl. Abg. Gr. § 58 II). Vor k t 
p h c geht das 2; in 5 über; andere Assimilationsverhält- 
nisse s. § 181. Die einzelnen Fälle: 

105. beza- in bezadnji bodenlos '^'bez^-d^njijb (vgl. 
bczdana Abgrund), bezäzlen arglos "^bez'ö-zhlem, sonst nur 
bez-, bes-, z. B. bez-rodan unfruchtbar, bes-cjen unschätzbar; 
vor s schwindet z, z. B. besolica Mangel an Salz (zu so 
gen. söli). 

106. iz- verbindet sich in der Regel unmittelbar 
mit dem Anlautskonsonanten des zweiten Gliedes, z. B. 
iz-vesti hinausführen, is-köpati ausgraben, is-teöi auslaufen, 
is-pldtifi auszahlen, is-hddifi ausgehen, is-cijeliti ausheilen. 
Vor t (Ij) bleibt z oder geht dialektisch in i (eig. Zj s. 
§ 54) über, z.B. iz-ljübiti ii-ljübiti der Reihe nach küssen, 
Iz-ljesti Iz-ljesü (= -lesti, ekav. Iz-Usti) ausgehen; vor c 
wird das zunächst aus z hervorgegangene s zu s, z.B. is- 
ceznuti = Hs-c. verschwinden, \s-cekati erwarten, ebenso 
von dem mundartlich aus te- hervorgehenden ce-, z. B. 
ts-öerati für Is-tjerati; vor .9, i, z schwindet z (s) völlig, 
z. B. iseliü auswandern = *i.9-s., iskociti herausspringen 
(sköciti), islüziti ausdienen (slüziti); istetiti beschädigen 
(sfetiti)^ isüati herausspazieren (sefati)] izeniti nacheinander 
verheiraten = *?>-i., izdrijcbiti werfen (von der Stute) = 
*iz-zdr. — Den zahlreichen Beispielen mit iz- und seinen 
Assimilationen stehen nur wenige mit iza- gegenüber, 
größtenteils neben iz-: izä-brati pr. izäberem und Iz-brati iz- 
berem auslesen, izä-drijeti pr. iza-drem^ izä-dirati und tz-dirati 
ausreißen, izä-djesti h-djesti u. a. ausfädeln, izä-lazifi (Nach- 
bildung von izäci) tzlaziti herausgehen, izä-prati präs. izä- 
perem und w-prnti auswaschen, izä-zrlenuti und tzdenuü aus- 
treiben, izä-zeti präs. iza-zmem, izä-zimati und \zeti izmem izi- 
mati ausdrücken ; izä-gnafi izä-zenem austreiben, izä-gnjiti 
verfaulen, izä-süti tza-spem. izä-sipati ausschütten, izä-srati 
izä-serem excacare, izä-tknii iza-cem ausweben, izä-vreti 



70 Lautlehre. [§ 106—109. 

herauf^sprudeln, izä-zvati pr. iza-zövem iza-zivati herausrufen 
(in älterer Zeit auch tzvaii usw.). 

lOT, raz- und raza--, raz- ist das fast durchgehende; 
für die Behandking des z gelten dieselben Regeln wie bei 
iz-, z.B. raS'kldaü zerreißen, ras-plesti losflechten, ras-hläditi 
abkühlen, ras-cijepiti zerspalten ; raz~ljüüti raz-lj. erzürnen, 
ras-clniti auflösen, räs-derati für räs-tjerati auseinander 
treiben; rasüditi entscheiden (süditi), rdsap Zerstörung = 
*raz-s^2^'b (eig. Zerschüttung), rasiriti ausbreiten, razenüi se 
sich (von der Frau) scheiden (ieniti). Selten ist raza-, 
daneben immer raz-: razä-hrati raza-hiraii und räz-brati 
raz-hirati unterscheiden, raza-gnati raza-göniti und razg. 
auseinandertreiben, razä-peti präs. räza-pnem, razä-pinjati 
und räspeti räspnem räspinjati ausspannen, razä-süti räza- 
spem, razä-sipati und räsüti räspem räsipafi auseinander- 
schütten, razä-trti pr. räza-trem und räs-trti räs-irem zer- 
reiben, razä-viti und raz-viti auseinanderwickeln. 

108, nza- ist vereinzelt: nzä-brati und üz-hrati 
pflücken, zizä-vreti uzävirati aufwallen, uzä-zditi anzünden, 
sonst durchweg nz-^ z behandelt wie bei iz- und raz-, 
z. B. üsjesti aufsitzen = ^vbz-sesti, uskdciti entspringen 
(sköcüi) iistati aufstehen (siäti)y üstaviti hemmen (stävili), 
uscüpati abpflücken (cüpati)^ uzeci (zu seci) üMzati anzünden, 
uMjütiti erzürnen. 

109« ob- oba-; oba- in oba-gnjUi verfaulen, obä-peti 
präs. dba-jmem umspannen, obä-mrijeti präs. öba-mrem, obä-mi- 
raii in Ohnmacht fallen, obä-sjati bescheinen, obä-strijeti 
präs. öba-strem umbreiten, öba-sav gen. öba-sva eine Art Naht 
*ob^-shv7>, oba-vezati se sich anhängen, oba-vijestiti begreiflich 
machen, obä-viti oba-vijati umwickeln, obä-vreti ansieden/:. 
Die Beispiele mit anlautendem v im zweiten Gliede zeigen 
das Aufgeben der alten Regel, nach der ob-v. zu ob- werden 
mußte (s. Abg. Gr. §51 VIII); alt befolgt ist sie in obälifi 
niederwerfen = "^ob-v., obäriti absieden = ^ob-v., dbjesiti 
aufhängen = "^ob-vesUi; in alten Nominalzusammen- 
setzungen, öbläst Mast =^ *ob-vlasth, öbicäj Gewohnheit 



§109.110.] Die einzelnen Laute. 71 

vgl. nä-rika dass. Wo die Sprache jetzt b-v hat, z.B. oh- 
vesti herumführen, öb-viti umwickehi, ist eine Neuein- 
führung des ob- nach Analogie der sonstigen Komposita 
mit ob- anzunehmen. Nebeneinander oba- und ob-: obä- 
süti präs. öba-spem, obä-sipaii beschütten und op-süti dp-spem, 
obä-znati erfahren, vgl. ob-znäniti kund machen, obä-zreti se 
obäzirati se und öb-zirati se sich umsehen. Außerdem nur 
06-, dessen b vor t k s s h c c c zu j; wird, z. B. op-köliti 
umringen, op-teci überflügeln, bp-sjeci umschneiden, dp-siti 
umnähen, op-hdditi umgehen, op-cmiti behexen, öp-cerati = 
öp-tjemti herum jagen. 

110. ot- 0-; od-, oda-. Das alte ot- ist einigemal 
geblieben, wo es in alten Zusammensetzungen vor Vokal 
stand: öt-eti pr. öt-mem {= ot-eti ot-hmq) ö^ma^i wegnehmen, 
vgl. auch öt-mica Mädchenraub (eig. Wegnahme) "^ot-hmica^ 
ot-iti (-ici) weggehen (vgl. aber daneben od-igrati wegtanzen, 
od-örati abackern, od-üciti abgewöhnen u. a. d. A.); außer- 
dem in ot-vrsti se präs. ot-vrzem se sich loslösen =^ *otb-vhrsti 
(abg. dagegen oh-vresti), wo die Zusammensetzung mit ot- 
nicht mehr empfunden ist. Ferner ist ot- erhalten vor 
Anlaut k ]) h des zweiten Gliedes, z. B. ot-küpiti loskaufen, 
öt-prati auswaschen, oi-hbditl weggehen; dasselbe ist der Fall 
vor s und s, z. B. öt-sjesti absitzen, öt-siti auftrennen, aber 
nach Vuks Vorgang schreibt man ödsjesti ödsiti, weil es 
scheint, daß man bei konsequent lautlicher Schreibung 
schreiben müßte öcjesti (c =^ ts) öciti (c = is) und da- 
durch das Bild der Zusammensetzung verdunkelt würde, 
allein Vuks Schreibung ist im Prinzip richtig, denn die 
Silbentrennung ist öt-siti, nicht '^o-citi; nur hätte in sol- 
chen Fällen od- vermieden und ot- geschrieben werden 
sollen ; od ist nur angewendet, weil es als die normale 
Form der Präposition angesehen wurde. — Vor t- und d- 
lauten t, c {= is), c (= /c), d, und vor .s- kann t ganz 
schwinden, z. B. otedi ablaufen abg. ot^-testi, ötrti präs. ötrem, 
diirati abwischen abg. otreti ofrti und otirtr., ötisnuii weg- 
drücken = otztisnqti, otresti abschütteln = otz-tresti, ötjerati 
(i\\[{\.dcerati) wegtreiben = otz-terati, otvöriti aufmachen ai>g. 



72 Lautlehre. [§110. 

otvoriti für *oh-tv., ocijepiti abspalten = ot^-cepiti, ocäjati 
verzweifeln abg. ohcajati, odähnuti aushauchen = otzdhchnqti, 
odijeliti abtrennen = otbdeliti\ ösjeci abhauen = "^ohset'i abg. 
oU-sesii, dsjesti absitzen (vom Pferde) und öd-sjesti, oshöciti 
und od-skdciti abspringen, ostüpifi und od-stüpiti abtreten; 
vereinzelt auch vor anderen Konsonanten: ohldditi se und 
ot-hL se sich aus dem Staube machen, okäniti se und ot-lc. 
se sich entschlagen, okinuti okidati losspannen und öf-kinuti 
ot-kidati abreißen, ölomak (im Verse) öd-lomak Bruchstück 
ot^-lom^k^, omäöi gleiten lassen od-mä6i wegrücken, omesti 
pr. omctem abkehren (fegen) oh-m., öpasti opadafi und 
btpasti ötpadati abfallen, öpraviii abfertigen = ot^p^. — 
od- oda-; vor ö, g^ z, z als tönenden Konsonanten mußte 
t zu d werden, daher z. B. öd-biti abschlagen, od-govöriti 
antworten, od-zivati antworten auf einen Ruf. Danach 
ist auch vor den Nasalen n m, den Liquiden r l, vor v j 
als ebenfalls tönenden Lauten, obwohl an sich vor ihnen 
t stehen kann, od- für ot- eingetreten, z. B. dd-nijeti weg- 
tragen, od-möliü losbitten, öd-rezati wegschneiden, od- 
letjeti wegfliegen, od-vrdtiti abwenden, öd-jahati wegreiten. 
Ferner ist aus dem so entstandenen od- die Gewohnheit 
hervorgegangen, die selbständige Präposition vor Kasus 
immer od zu schreiben, obwohl sie nur vor den oben be- 
zeichneten Konsonanten so gesprochen wird, dagegen ot 
vor k usw., also öd gräda von der Stadt, ö^ brata von dem 
Bruder, aber öf krave von der Kuh, geschrieben öd krave. 
— Neben od- steht in wenigen Fällen oda-; das kann 
nicht ursprünglich sein, da es ein '^'od^ nie gegeben hat, 
ist also aus Nachahmung von iza-, poda- u. a. entstanden: 
odä-gnuti wegbiegen ot^g^nqti, odä-dnjeti präs. bda-drem^ oda- 
dirati wegreißen (vgl. aber ödir bdor Plünderer, odora Beute), 
odä-dniti Boden ausschlagen, odä-slati präs. öda-sljem weg- 
schicken oh-s^lati^ odä-strijeti präs. oda-strem abdecken (abg. 
-streti -sthrq); neben od-: odä-brati öd-brati auslesen, odä- 
gnaH präs. odä-ienem, odagöniti und odgöniti wegtreiben, oda- 
peti präs. öda-pnem, odäpmjati und öt-pinjati abspannen, odä- 
prijeti präs. öda-prem, odäpirati und bt-pirati abstützen, oda- 



§110—112.] Die einzelnen Laute. 73 

sjedi (poet.) öd-sjeci abhauen, odä-süti präs. öda-spem, odäsipati 
und öd-m(ü od-spem ödsipaii wegschütten. 

111. j90^- poda- ; pod- wird vor k p h zu pot-, z. B. 
pot-köpati untergraben, pot-pisati unterschreiben, pot-hräniti 
aufpflegen; ebenso vor .9, z. B. pbt-staviti, man schreibt 
aber (vgl. od, § 110) zur Vermeidung von pöctaviti dafür 
2)dd-staviti. Fast durchgehend sind pod- pot-, selten ist 
poda-: podä-drijeti präs. pöda-drem, podä-dirati darunter weg- 
ziehen, podä-gnati präs. podä-zenem, poda-göniti und podgbniti 
jagen, poda-peti präs. pöda-pnem, podä-pinjati anspannen, 
podä-süü präs. pöda-spem, podä-sipafi unterschütten. 

Neben nad-, pred- kommen in Zusammensetzungen 
keine nada-, preda- vor. Das d wird behandelt wie das 
von pod-, z. B. nät-kriti von oben zudecken, nat-pisati 
darauf schreiben, joret-lcucnica (was vor den Häusern) ein 
Bettlerlied; aber nad-skbciti überspringen, Avie pödstaviti 
u. dgl., obwohl nat-sk. gesprochen. 

Über die Verbindung des Verbums Ui wi gehen mit 
Präpositionen und die dabei vorgehenden Lautver- 
änderungen s. § 177. 

IIS. Präpositionen vor Kasus bilden mit diesen 
für die Betonung eine einheitliche Gruppe, in dieser kann 
das ^ der Präpositionen als a erhalten bleiben und 
schwinden. Einigermaßen fest sind folgende Gebrauchs- 
weisen: kh ist vertreten durch ka regelmäßig vor Anlaut 
k, g, h, z. B. ka knezövima, kä grädu, ka hümUj wird bevor- 
zugt vor s, z-{~Kons., z.B. ka stijeni, ka svemu, kä zboru. 
Bei sonst in Betracht kommenden Präpositionen ist die 
Form auf -a feste Regel wohl nur vor dem vokallosen 
Akk. -7tj (cum) und dessen Nebenform -njga, z. B. krozä-nj 
krözä-njga, nädä-nj, nizä-nj, pödä-nj, predä-nj, und vor dem 
Instr. mnöm, z. B. $ä mnöm, preda mnöm\ bevorzugt wird sie 
vor den enklit. Akkusativen me, fe, se, z. B. predä nie 
(s. die Bemerkungen Mar. § 60). 



74 Lautlehre. [§113—116. 

II. Konsouanteugrnppcn im Wortanslant. 

113. Sie konnten nur entstehen durch Abfall von 
^, h und werden nur geduldet, wenn sie bestehen aus 
Sibilant und Dental: st, zd, st^ icl, z. B. göst Gast gosth, 
grözd Traube grozd^, pläst Mantel plasth^ däzd Regen doidh. 
über die Beseitigung anderer Gruppen durch Hilfsvokal 
s. §§16,114. 

B. Ab- und Ausfall von ursprünglichem ^, h. 

114. I. Alle wortauslautenden ^, h sind im Skr. 
abgefallen, h ohne Hinterlassung einer Palatalisierung des 
vorhergehenden Konsonanten (wie z. B. im Russischen), 
z. B. gräd Stadt grad^^ cäst Ehre cbstb. In einzelnen ein- 
silbigen Wörtern, die durch den Abfall vokallos würden, 
ist h als a erhalten geblieben: cak. ca «was» = ch, vgl. 
abg. ni-ch-ze; dial. tä ^^ tb der. Wenn durch den Abfall 
andere Konsonantengruppen als st, zd, st, zd in den Aus- 
laut kämen, wird zu ihrer Aufhebung der Hilfsvokal ?», 
d. h. im späteren und heutigen Stadium der Sprache a, 
eingesetzt, z. B. abg. veprh gen. vepri Eber skr. vepar vepra, 
abg. qgh gen. qgli Kohle skr. ügalj uglja, abg. svekr^ gen. 
svekra Schwiegervater skr. svekar svekra, abg. tesk^ gen. 
teska Presse skr. täjesak tljeska. Dasselbe geschieht in 
Fremdwörtern, z. B. pöj^at gen. porta it. porto Hafen, tes- 
tamenat Testament, märac März it. marzo. 

115. II. In inneren Silben (Nichtendsilben) fallen 
^, h aus oder bleiben, wesentlich nach folgendem Ver- 
fahren: 

1. Hatten zweisilbige Wörter ursprünglich in beiden 
Silben Halbvokale, so fällt der letzte, der dann notwendig 
wortauslautend ist, ab, der erste bleibt als «, z. B. chsth 

— cäst Ehre, d^sdb — däkl Regen, dhnh — dän Tag, hzh 

— läz Lüge, mhch — mäc Schwert, s^n^ — sän Schlaf, 
v^n^ — van hinaus. 

116. 2. Hatte in Wörtern von beliebiger Silben- 
anzahl die erste ursprünglich Halbvokal, die zweite vollen 
Vokal, so fällt 



§116.117.] Die einzelnen Laute. 75 

a) der Halbvokal der ersten Silbe aus, wenn so Kon- 
sonantengruppen entstehen, die den (§66 fg.) behandelten 
entsprechen, z. B. chno — dnö Boden, d^vn — dvä zwei, 
kbniga — kvßga Buch, l)^^nog^ — mnögl mancher, gen. psä 
(zu päs Hund = phsh) = phsa, s^lati — släti schicken, 
gen. snä (zu scm Schlaf = s^n^) = s^na, p^tica — püca 
Vogel, *tbmina — tr)nna Finsternis. 

b) Dagegen bleibt der Halbvokal als «, wenn nicht- 
duldbare Konsonantengruppen durch den Ausfall entstehen 
würden, z. B. b7)dr7) f. Hdra — bädar hädra munter, doska 

— däska (daneben ckä = tskä für *dska) Brett, d^chnqti — 
däknuti atmen, khhh gen. k^bla — kähao kähla Eimer, 
kbs{b)neti säumen, zögern — käs7iiii, hgati — lägati lügen 
(vgl. dazu russ. fgat), hsh gen. hzi — las gen. läzi Lüge, 
IhVh gen. hva Löwe — läv läva (vgl. r. lev l'va), rmknqti 

— maci mähiuii rücken (vgl. prö-mci prö-mknem), mhst^ 
gen. rmsta — meist mästa Most, smcha — ■ snäha Schwieger- 
tochter, stbklo — stäklo (neben stklö und alt cklö = tsklö 
durch Umstellung von st) Glas, svbnqti — svämdi anbrechen 
(vom Tage), i^knqti ■ — täknuti anrühren (vgl. nä-tnuti aus 
*na-tknuti, aor. nä-tkoh = na-t^koch^). 

117. 3. Hatten in mehrsilbigen Wörtern die beiden 
ersten Silben Halbvokale, die dritte vollen Vokal, so fällt 
der Halbvokal der zweiten aus, der der ersten bleibt als 
a, z. B. abg. shp^tat^ präs. sbp^stq — säptati säpcem flüstern, 
thmhnica — tämnica Gefängnis, z^hva — zäova = "^zalva 
Schwägerin. — Hier mögen auch die Fälle angeschlossen 
werden, wo dreisilbige Wörter in allen drei Silben 2», h 
hatten. Nach Abfall des auslautenden 2», h bewahren die 
beiden ersten den Vokal als a. Dagegen muß nach den 
eben besprochenen Fällen wie tämnica, sobald in Flexion 
oder Ableitung die dritte Silbe vollen Vokal hat, der 
zweite der beiden schwachen Vokale ausfallen: chthcb gen. 
Chthca — cätac cäca = cätca Leser, dbnbsb — dänns heute, 
öhsthno fem, chsthna — cästan cüsva ehrenvoll, hzwb gen. 
hzhca — lazac läsca Lügner, hzbm fem. hzwui — lazan 
läzna lügnerisch, phrbO) gen. pirua — parac parca Kläger, 



76 Lautlehre. [§117—121. 

s^n^lc^ gen. Sh7ihka — sunak sänka dem. zu shm — sän 
Schlaf, thmhm fem. thmhua — fdman tämna finster, thrnkh 
fem. thmka — Umak tänka dünn, shp^h — säpäi Geflüster, 
shvhch gen. shvbca — sdvac sävca Schneider, zhhcb gen. 2^' 
Ihca — zdlac zälca böser Mensch; vgl. noch lägähan fem. 
lägahna leicht Hbg^ch^no^ f. "^'-chona zu lhg^k^ f. lbg^ka, skr. f. 
Hagka, daraus läka, diesem nachgebildet das Mask. läk 
statt Hagak. 

118. 4. Standen ursprünglich in den beiden letzten 
Silben Halbvokale, in der drittletzten voller Vokal, so 
bleibt nach Abfall des Auslautsvokals der Halbvokal der 
vorletzten erhalten. 

119. 5. War die Lautfolge der drei letzten Silben '. 
drittletzte voller Vokal, vorletzte Halbvokal, letzte voller 
Vokal, so fällt der Halbvokal der vorletzten aus. 

Beispiele zu 4. und 5.: "^düzhm f. *dhUhna — düzan 
düsna schuldig, kotbh gen. kotüa — kbtao kötla Kessel, 
OYhh gen. orhla — brao örla Adler, starhch gen. starhca — 
stärac stärc% Greis, syrnki) gen. symka — sinak slnka Söhn- 
chen, zaj'brm gen. zajbma — zäjam zdjma Borg. 

ISO. 6. War die Silbenfolge: letzte voller Vokal, 
vorletzte und drittletzte Halbvokal, viertletzte voller Vokal, 
so schwindet der Halbvokal der vorletzten, der der dritt- 
letzten bleibt erhalten, z. B. osthnbce — ostänce kleiner 
Stachel, ^sbrdbcbce — sfdasce Herzchen, vladychnhstvo — 
vlndicänstvo Bischofswürde; vgl. dazu noch den seltenen 
Fall, daß drei Silben vor der letzten Halbvokal hatten, 
es bleibt dann der der drittletzten: *sedhlhchce — sedläsce 
dem. zu sedlo {= sedhlo) Sattel. 

131. 7. Hatten die drei letzten Silben schwache 
Vokale, die viertletzte vollen Vokal, so fällt bei un- 
gestörter Entwicklung nach Abfall des auslautenden Halb- 
vokals der der drittletzten Silbe aus, der der vorletzten 
bleibt erhalten, z. B. kothlbch dem. Kesselchen kötlac. Die 
Entwicklung ist aber meistens gestört durch Einwirkung 
von Wortformen, die in der letzten Silbe vollen Vokal 
hatten, z. B. gen. kotühca, daraus kotälca kötaoca, danach 



§ 121. 122.] Kombinatoriecher Lautwandel. 77 

nom. kotalac, vgl. noch starbcbcb (dem. zu stai^hch Greis) 
gen. starbchca, daraus staracca staräsca, und danach der 
Nom. staracac statt ""'starcac^ der Gen. kotläca ist wieder 
eine Neubildung nach dem Nom. kötlac. 

Derartige Ausgleichungen sind auch sonst vorhanden, 
z.B. zu dä7i (= dhnh) lautet der alte Gen. dyie {= dhne), 
dafür jetzt däna nach dem Nominativ, ebenso sät 
Honigwabe (= s^i^) gen. säta statt *sta (= s^ta); statt 
Hma Finsternis aus hma (vgl. tmma) ist tdyna eingetreten 
nach täman f. tdmna dunkel. Zuweilen erscheint a = ^y 
h auch da, wo an sich keine Hemmung des Ausfalls vor- 
lag, z. B. präs. trem (zu tfti reiben) neben tärem abg. thrq, 
gänidi gänem verrenken^ vgl. sä-gnuti sä-gnem niederbiegen 
gynqü g^nq^ znjem (präs. zu Mti ernten) neben ^änjem, abg. 
ihm, präs. sljem (zu släti schicken) statt '^sljem neben 
säljem abg. s^l'q, und anderes der Art. 



IL Kombinatorischer Lautwandel, 

1^3. Behandelt werden in diesem Abschnitt Laut- 
veränderungen, die durch Stellung im Wortganzen, durch 
Beeinflussung benachbarter Laute aufeinander verursacht 
sind. Vieles einzelne mußte des Verständnisses wegen 
schon in den Abschnitten über die Laute und Lautgruppen 
vorw^eggenommen werden. Hier soll das Ganze mehr im 
Zusammenhang dargestellt werden. 

Wie bei jeder slavischen Sprache muß man auch 
beim Serbokroatischen genau scheiden, welche Vorgänge 
der Geschichte der behandelten Einzelsprache angehören, 
welche dem Gemeinslavischen oder einer Gruppe der 
slavischen Sprachfamilie, also älter sind als die besondere 
Entwicklung der Einzelsprache. Wenn man z. B. in der 
skr. Grammatik die Regel aufstellt, k wird vor e und 
anderen palatalen Vokalen zu c, so kann man allerdings 
oft in einer Reihe zusammenhängender Formen diesen 



78 Lautlehre. [§122—124. 

Wechsel beobachten, je nachdem k vor einem palatalen 
oder nichtpalatalen Vokal steht, z. B. 2. sg. präs. peces du 
bäckst, 3. pl. pekü. Aber der Vorgang ist nicht serbo- 
kroatisch, sondern allgemeinslavisch, die Regel für das 
Skr. an sich wertlos, denn es heißt z.B. S.pl.präs. pläcü 
(zu pläkati weinen), 2. präs. pläces, also altes k auch vor 
dem nicht palatalen u als c. Aus dem Skr. ist es über- 
haupt nicht erklärbar, warum es neben peces heißt pekü, 
dagegen neben pläces anders, pläcü; pekü ist gleich ursl. 
pekptt, pläcü = ursl. placpth aus ^plakjonti. Im Skr. sind 
die Ij (t) in pöstelja = pbsteVa Bett und veselje = vesel'e 
nicht verschieden, obwohl ganz verschiedenen Ursprungs, 
jenes = ursl. postel'a aus "^'po-stel-ja, dieses = vesehje, Ij (V) 
erst nach Ausfall des h entstanden. 

I. Hiatus, Kontraktion. 
Verkürzung langer Vokale. 

1^3. 1. Zusammenstoß zweier Vokale im 
Wortinnern (Hiatus) kam urslavisch nur vor in 
Zusammensetzungen bei vokalischem Auslaut des ersten, 
vokalischem Anlaut des zweiten Gliedes, so urspr. auch 
im Skr., z.B. za-örati unterpflügen, na-üciti belehren, pri- 
usak Ohrfeige, samo-uk Autodidakt. In solchen Fällen 
wird, auch beim Zusammentreffen gleicher Vokale, nicht 
kontrahiert, wenigstens in der Schriftsprache nicht, z. B. 
crnö-ok schwarzäugig. In Vuks Wb. deutet indes die 
anomale Betonung crnook plävook (im Ak. Wb. normal 
crnbok) auf eine Aussprache crnök plävök, vgl. iütöka (ovca) 
gelbäugiges (Schaf) = iutöoka. — Über die Aufhebung des 
Hiatus in den Zusammensetzungen mit iti, z.B. näci nääem 
aus na-iti, s. § 177. 

124. 2. Im Skr. ist Hiatus neu entstanden: 
a) Durch Wandlung des silbenauslautenden l in o 
(s. §18); kontrahiert wird dann regelmäßig nur beim Zu- 
sammentreffen von — 0, z. B. vö Ochs = voo aus vol, 
gen. völa, demin. völak = volokö gen. vöka == vooka aus 



§ 124. 125.] Kombinatorischer Lautwandel. 79 

volka = volöka, töbolar i^en. töhöca aus tohooca = tohölca. 
Die auf gleiche Weise entstandenen Verbindungen ao, eo, 
iio, io läßt die Schriftsprache so bestehen, z. H. pitao = 
pitalo (zu pitati fragen), veseo vergnügt = veselö, menduo 
Mandel, vrdtio (zu vrätiii wenden). Aber in großen Teilen 
des Sprachgebiets wird ao der /-Partizipien zu ö kontra- 
hiert, z. B. pekö = pekao aus pekal = pekh^ p^'^^^ = |^//ao. 
Über die scheinbare Kontraktion dieses Partizips zu pekä 
pitä s. § 201. in inneren Silben bleibt in der Regel ao 
bestehen, vgl. nom. vlddalac Herrscher {= vladahch) gen. 
vlädaoca ^= vladalca aus vladahca, zaova Schwägerin für 
'^zalva aus Zolova (als dialektisch wird zäva angegeben). 
Bei io tritt in der gesprochenen Rede der Übergangslaut 
j ein : vrätijo^ dijöba (geschr. dibha) = delhba. Bei r-o bleibt 
entweder r als Vokal bestehen, z. B. gr-oce (dem. zu grlo 
Kehle) = grlhce, oder r wird konsonantisch, z. B. statt 
umr-o aus unirls in der Regel ümro. 

125. b) Durch Schwinden des h, das die heutige 
Schriftsprache nach Mundarten, die es erhalten haben, 
bewahrt. Tritt das in Zusammensetzungen ein, so wird, 
auch bei Zusammenstoß gleicher Vokale, nicht kontrahiert, 
z. B. dö-od = döhod Zugang; in einheitlichen Wörtern 
kann aber kontrahiert werden, z. B. gröt = gröhot Gelächter, 
jäti = jähati reiten, gen. strä = sträha zn sträh Schrecken; 
lägan ist wohl nicht kontrahiert aus lägaan = lägahany 
sondern ein zum fem. lagahna, spr. Iäga7ia, hinzugebildeter 
nom. lägan. Bringt der Schwund des h die Gruppen uOj 
io zusammen, so treten die Übergangslaute v, j ein, z. B. 
fem. ntr. süva süvo (zu süh trocken) statt süha süho (zu 
dem fem. ntr. ist dann ein msk. süv neugeschaffen); fem. 
ntr. tlja iijo für tlha tllio zu msk. tili (der Nom. üj neu- 
geschaffen zu ilja). In einzelnen Fällen tritt auch nach 
anderem Vokal als u ein v zur Ausfüllung des Hiatus 
ein: sträva Auffahren vor Schrecken, strdviti se sich er- 
schrecken (monten. ])ei Vuk), aus stra(h)a. In Beispielen 
wie podsynijevati se (über etwas lachen) ist v nicht dieses 
Ursprungs; das Wort geliört nicht zu smrjeh unmittelbar, 



80 Lautlehre. [§125-128. 

sondern zum alten Präsens smejq 5^, zu dem es die regel- 
rechte Iterativbildung ist. 

126. c) Wenn in jekavischen Mundarten die Ver- 
tretung des urspr. e nicht diphthongisch = ie, sondern 

zweisilbig gesprochen wird, entsteht regelmäßig ije, z. B. 
bijela fem. weiß = heia. 

Vereinzelte Kontraktionen in päs = pöjäs Gürtel, zec 
Hase aus zajec = zaj^ch; n^mati nicht haben ^= ne-imatL 
— Über möga statt mbjega u. ä. s. § 591. 

1^7. 3. Verkürzung von Längen vor fol- 
gendem Vokal ist regelmäßig beobachtbar nur bei dem 
neu entstandenen Hiatus vor aus silbenauslautendem Z, 
z. B. ek. heia fem., heo msk. aus hei, jek. hijela hlo, ekav. 
deo Teil aus del gen. dela, jek. dlo dijela, zdräo Kranich 
(daneben Mräl) gen. Mräla, käo Kot aus käl gen. häla. 
In anderen Fällen ist die Berührung einer Länge mit 
folgendem Vokal durch Ausfall von h entstanden, vgl. z. B. 
jek. sw/lje aus smljeJi Gelächter, gen. smija (für smla, dazu 
vgl. hw neben hijela)m\i dem VukM^b. als ekav. angegebenen 
smeli (= jek. smljeh) gen. smeJia, aber dem jekav. smijeha 
muß ekav. smeha entsprechen und smelia ist als smea zu 
verstehen aus ^'smea. Ebenso sind zu beurteilen präh gen. 
präha Staub, sim/i sträha Schrecken, aufzufassen als pt^äa 
sträa (daher auch kontrahiert strä); die alten regulären 
Formen waren 2^^äha (vgl. russ. fallende Intonation poroch 
pörocha), sträha. Wenn die Länge vor Vokal erscheint, so 
mdati schwingen, päati abstäuben, statt mdhati, pähati, so 
ist sie wiederhergestellt durch Einwirkung der Präsentia 
mäsem päsem. 

\2S, Anmerkung. Die Eigentümlichkeit der jekavischen 

Mundarten, nach der je = e, ie {ije) = e vor folgendem Vokal i 
ergibt, wird sich durch Auefall des e aus dem eigentlich ent- 
stehenden Tripbthongen erklären, z. B. sejati ekav. sejati ergäbe 
jekav. *sieiati, daraus sijati, heh ekav. beo ergäbe jekav. hieo, 
daraus bio. 



§ 129—131.] Kombinatorischer Lautwandel. 81 

IL Abfall auslautender Vokale. 
1!29. 1. In älterer Zeit, schon vor der schrift- 
lichen Überlieferung des Skr., sind 3, h im Wortauslaut 
abgefallen. 

130. 2. In späterer Zeit fallen auslautende volle 
Vokale ab in manchen Adverbien, Konjunktionen und 
partikelartigen Wörtern: regelmäßig e von -re = -ie, z. B. 
jeVj älter jere, aus je-ze, svecTer immer vgl. abg. vhsh£de-ie, 
tädär dann vgl. abg. togda-ie, und in gleichartigen Ad- 
verbien, dndär = '-^onzda-ze u. a., ferner in vereinzelten 
Fällen: vec schon statt vece vgl. abg. veste^ svett immer 
vgl. abg. vbsh-£de. Über die Zahlwörter wie dvdnaest aus 
dova-na-desete s. § 622. — In den Zeitadverbien auf -da 
kann a abfallen: käd täd (neben käda täda). Über gen. 
növög neben növöga s. § 600 (2). — Ein i ist abgefallen in 
rästa weswegen aus räd stä für rädi stä. Über die kurzen 
Infinitivformen auf -t statt -ti s. § 865 a. Anderes ganz 
vereinzeltes wie etwa jprek, z. B. in prek-läni (vor zwei 
Jahren) neben preko^ mag hier übergangen werden. 

III. Die Entstehung der Diphthonge. 

131. Das Urslavische hatte keine Diphthonge 
mehr (s. Abg. Gr. § 43), wenn man diesen Begriff in dem 
gewöhnlichen engeren Sinne von {- und «^-Diphthongen 
versteht. Wo solche in den einzelnen slavischen Sprachen 
vorkommen, sind sie ein Ergebnis späterer Entwicklung, 
so auch im Skr. Dies besitzt heute keine «(-Diphthonge, 
wie etwa das Kleinr. in daii u. ä. = daf^ sondern in den 
Fällen, wo ein u (i;)-Laut mit vorangehendem Vokal im 
Wortauslaut oder vor Konsonanten im Inlaut steht, wird 
konsonantisches v gesprochen, z. B. kröv Dach, prävda aus 
pravhda Gerechtigkeit, lövca = lovhca gen. zu Idvac Jäger 
= lovhch. Es gibt nur 2-Diphthonge, stets entstanden 
durch Abfall oder Ausfall von b nach ;: aj oj ej ij uj, 
z. B. kräj Rand = krajh, zrnäj Drache = zmhj'b, kräjnjl 
äußerst = krajhn'ijh] höj Schlacht == bojb, höjni auf Schi, 
bezüglich = bojhnyfb, djevojka = '■■'(Uvojbka (Dem. eines 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 6 



82 Lautlehre. [§ 131. 132. 

alten devoja, so altr.); Becej gen. Beceja (Ortsname), jeu- 
rejskl hebräisch für -jhskyjh (zu jevrejin); krägüj = kragujb 
Falke, fem. hüpia = hujhna zu msk. hüjan = bujhm heftig. 
Altes 'ij wird verschieden behandelt: im Nom. sg. msk. 
tritt statt des alten -yjh -ijh stets einfaches -i ein, z. B. 
döbn = dobryjb, görnji oben =; gormijh; ebenso im Gen. 
pl. der i-Stämme, z. B. stvdri = '^'•sotvarijh. Auch in 
inneren Silben, wo in der Regel ij geschrieben wird, z. B. 
sentändrijski = -ijhskyjh, scheint regelmäßig t gesprochen zu 
werden, z. B. schreibt Vuk selbst uhistvo neben ubijstvo = 
ubijhstvo. Auch die ursprüngliche Verbindung -i/i-, die 
bald so, bald nur -ij- geschrieben wird, scheint tatsächlich 
nur i zu lauten, z. B. räkijca aus räkijica^ dem. zu räkija^ 
als räkica. In bestimmten Fällen ist auslautendes -ji zu 
'jh, d. h. skr. -j geworden, dies bildet dann mit dem 
vorangehenden Vokal Diphthong, z. B. 2. imper. znäj aus 
znajiy cüj aus cuji, pij aus piji usw. Ein -ji- in inneren 
Silben unterliegt solcher Wandlung in der Regel nicht, 
z. B. kräjina Grenze; wenn im Plur. die Imperative lauten 
znäjte^ cüjte, pijte (statt znajite usw.), so beruht das auf 
Weiterführung des Singulars znäj. 

IV. Wandlung von silbenauslautendem l in o, 
von älterem / in u, 

\32. 1. aus silbenauslautendem l. Silben- 
auslautend kann / nur geworden sein durch Ab- oder 
Ausfall eines ursprünglich nach ihm stehenden 5, h; 
welcher dieser Vokale weggefallen ist, bleibt sich gleich, 
z. B. hvdlio = chvaliJiz), zäo leid ^= ial(h), zäova aus zalva 
= zölöva, prätioca, gen. sg. zu prätilac = pratihch^ für 
pratilca = pratihca, tresao fem. tresla hat geschüttelt = 
tresal aus tr^sh; bio fem. bijela weiß = beh, u-mro fem. 
u-mrla ==^'mhrl5 abg. mrh; diöba Teilung = dehba, gfoce 
dem. zu grlo Hals = ^'görlhce', döca aus '^dooca gen. zu 
dolac = dolhca dohch, dem. zu dö = ^doo aus doh gen. 
ddla Tal. Ein palatales t (Ij) geht nicht in o über, z. B. 
üciteljski lehrerhaft (zu ücitelj). 



§132.133.] Kombinatorischer Lautwandel. 83 

Jedes 0, das in einem einheitlichen Wort nach einem 
Vokal steht, geht auf l zurück. 

In den recht zahlreichen Fällen, wo doch l im Silben- 
auslaut steht, ist es durch Ausgleichung mit Formen, 
namentlich Flexionsformen, die es, weil nicht im Silben- 
auslaut stehend, erhalten mußten, wieder hergestellt, z. B. 
Nom. sg. msk. hijel nach fem. bijela, Gen. sg. bijelca (zu 
hijelac Schimmel), daneben noch normal biöca = hehca; 
straddlca gen. sg. (zu straddlac Leidender), neben strddaoca 
= stradalhca; ügal Winkel nach gen. ügla, selten normal 
ngao^ zdräl (neben Mräo) Kranich nach gen. Mräla usw. 

Formen mit normalem o aus l haben aber auch um- 
gekehrt dies in Formen hineingezogen, wo es sich laut- 
lich nicht entwickeln konnte, z. B. normales fem. käona 
ntr. Mono = Icalhna Jcahno führte zu msk. käo7i statt des 
daneben gebräuchlichen normalen Jcälan = kalbuö (kotig); 
so msk. ndseon bevölkert nach fem. ndseona {nasehn^^ nase- 
hnd); in der Literatur findet man Fälle wie nom. sg. 
prätioc statt prätilac nach dem gen. prätioca usw. 

2. u aus /-Vokal s. §§ 23—25. 

V. Wandlung nichtpalataler Vokale in palatale 
nach den palatalen Konsonanten. 

133. Im Urslavischen gingen nach den Palatalen 
c', i', s , t'(j), d'{j), n, l\ r, c, dz {£) die ursprünglichen o 
in e, 5 in ?), 2/ in i über (s. Abg. Gr. § 47). Im Skr. ist 
dieser Wechsel nicht mehr bemerkbar in dem Verhältnis 
von y zu i, weil beide in i zusammengefallen sind, auch 
nicht im Verhältnis von 3 zu h, weil beide, wenn über- 
haupt erhalten, zu a wurden. Dagegen konnte nach den 
skr. Vertretern jener palatalen Konsonanten, also J, i, 5, 
c, (f, n (fij), V (Ij), r (wenn = altem r), c, z (wenn dies 
= altem d'z^ i), der Wechsel von e mit o sichtbar bleiben, 
z. B. selo Dorf pölje Feld, instr. sg. grädom (zu gräd) mäcem 
zu mäc (Schwert), n.j>\. grädovi mäcevi^ gen. sg. adj. züiöga 
(zu züt gelb), süpljega (zu süpalj hohl), Adj. junäkov (des 
Helden, jünäk) krdljev (des Königs, krälj) cärev (des Kaisers, 

6* 



84 Lautlehre. [§ 133—135. 

cär) = cesarevh. Aber für die lebende Sprache gilt der 
allgemeine Satz nicht mehr; sehr oft ist die alte Regel 
durch Ausgleichungen durchbrochen, z. B. vok. düso (zu 
düsa) statt dilse nach £eno (zu zena), instr. sg. düsöm (alt- 
serb. düseu) nach zenöm (altserb. ie?zo?^) ; üciteljovati Lehrer 
sein (vgl. Adj. ücUeljev des Lehrers) nach den zahlreichen 
Verben auf -ovati; dusdguhac, abg.duseguhhch Seelenverderber, 
nach den zahlreichen Komposita mit Kompositionsvokal o, 
z. B. bogörodica, glavdholja, samötok usw., durch die o über- 
haupt der allgemeine Kompositionsvokal geworden ist. 
Da r früh hart geworden ist (r), wird nach ihm o neben 
€ gesetzt, z. B. rätärov neben rätärev = ratarevo, zu rätär 
= ratarh; bei dieser Adjektivendung ist auch nach anderen 
alten Palatalen Schwanken eingetreten oder es herrscht 
-ov allein, z. B. vlsnjov (von der Weichselkirsche, visnja), 
vgl. aber visnjevi von Weichselkirschenfarbe. — In jöste 
Jos noch, abg. jeste^ ist ohne Anschluß an andere Formen 
je- durch jo- ersetzt. 

VI. Wandlung der Konsonanten 
durch Verbindung mit folgendem j. 

A. Urslavische Erscheinungen. 

134. 1. n^ l, r -\- j ergaben n, l' , r, davon sind im 

Skr. verblieben w, l' {nj^ lj\ z. B. könj gen. könja = Jwnh 

hona, prijatelj gen. prijatelja = prijatel'h prijatel'a; dagegen 

ist r verloren, entpalatalisiert zu r, z. B. möre = more^ 

büra == bura, stvdrati (ipf. zu stvbriti) = sstvarati, räspra 

Streit = rasphra. 

Anmerkung. In den cak. Mundarten von Istrien und über 
die quarnerischen und dalmatinischen Inseln wird l' (Ij) durch j 
vertreten, z. B. jüdi statt Ijüdi Leute, boje adv. mehr statt bolje. 
Das kommt nach Budmani (Rad 65, 157) auch in Ragusa vor und 
scheint auch sonst hie und da einzutreten. 

135. 2. h, g, ch -\- j ergaben c', d'z (daraus schon 
ursl. i'), /; im Skr. verblieben als entpalatalisierte c, i, s, 
z. B. Mjüc Schlüssel = '^klukjh vgl. kljüka Haken, teza 
Schwere = "^tegja vgl. tegnuti ziehen tegöba schwere Arbeit, 



§ 135 — 140.] Kombinatorischer Lautwandel. 85 

düsa Seele = "^'äiichja vgl. dähnuti = d^chnqti atmen. — 
Über sk, zg mit j s. § 185. 

130. 3. tj, dj, in den slavischen Sprachen verschieden 
behandelt (s, Abg. Gr. § 39.3), haben skr. ergeben ö, d, 
z. B. *svefja svijeda, '^'medja meda, roden geboren zu rdditi 
(abg. entsprechen st, zd\ svesta, meida, rosdenö), — L^ber 
st, zd-^ j s. § 186. 

137. 4. sj, zj ergaben s\ z\ skr. geblieben als ent- 
palatalisierte s i, z. B. päsa Weide ■■= '■''•pasja vgl. pästi 
päsem weiden, 3. präs. wie er bindet zu vezati == *v^zje{tb) 
vezafi, üie Seil = "^'pzje abg. qie. 

138. 5. p, b, m, v-\-j sind in den slav. Sprachen 
verschieden behandelt, im Skr., Slovenischen, Russischen, 
zum Teil im Altbulgarischen, tritt zwischen Labial und j 
ein überleitendes l, das mit j das palatale V ergibt, z. B. 
zemlja aus *zemja, stävljati (ipf. zu stäviti stellen) für "^siav- 
jati, küpljen gekauft (zu hüpiti) statt "^kupjenö, väbljen ver- 
lockt (zu vdbiti) aus '^'vabjenz. Wenn nach Vuk (Poslovice 
XXXVIIl) in Montenegro zemja slömjtn (zu slömiti) vor- 
kommt, so sind das nicht alte Formen, sondern j ist 
sekundärerweise aus t entstanden, s. § 134Anm. 

130. Anhang, k, g sind urslavisch oft in c, d'z 
übergegangen (s. Abg. Gr. § 34.2b). Im Skr. dafür ent- 
palatalisiertes c, z, z. B. ji'mac junger Stier = pintöb^ 7iicati 
(ipf. zu nlknuti hervorströmen), stäza Pfad = stbd'za stbza^ 
do-sezati = •s^d'zcdi, ipf. zu do-s^gnuti = -segnqti erreichen. 

B. Besondere serbokroatische Entwicklungen. 

Im Skr. können durch Ausfall eines urspr. b, ferner 
in jekavischen Mundarten durch das aus c entstandene je 
sekundärerweise Konsonanten mit j zusammentreten. Die 
so entstehenden Verbindungen verhalten sich zum Teil 
wie die ursprünglichen Verbindungen von Konsonanten 
mit j, werden zum Teil anders behandelt. 

140. 1. Zusammentreten von Konsonanten 
mit j nach Ausfall von ö, h. 

a) Nach r, l, n. Das rj bleibt so, d. h. nicht pala- 



86 Lautlehre. [§140-142. 

tales r mit j, z. B. prlmörje Küste = primoruje, perje koU. 
Federn = perbje, stvärju instr. sg. (zu stvär Geschäft) = 
sztvarhjq. Die nj, Ij fallen heute mit ursl. n , l' zusammen, 
daher pisänje {pisäne) = pisanhje^ veselje (vesd'e) = veselhje 
nicht verschieden von hänja (band) = häiia, pöstelja {pd- 
stel'a) = pösteVa. In älterer Zeit, bis ins 18. Jahrb., be- 
stand wenigstens in Teilen des Sprachgebiets noch der 
Unterschied zwischen altem n, t und neu zusammen- 
getretenem 7i-j, l-j. Die Handschriften der altdalmatinischen 
Dichter schreiben altes n, t in der Schreibart der ita- 
lienischen ?i, l' als g7i, gl, z. B. najmgnen = napunen (er- 
füllt), zemgla = zeml'a, dagegen das neuere n-j, l-j mit 
ny, ly, z.B. pisanye, veselye. Wo die Ausgaben der Agramer 
Akademie in diesem Punkte genauer verfahren, geben sie 
die letztangeführte Schreibung durch pisan'je, veseVje wieder. 
Auch heute besteht der Unterschied noch in den west- 
lichsten Mundarten, so auf den Quarnero-Inseln, auf Le- 
sina, Lissa und Curzola, z. B. vesel-je kamen-je. 

141. b) j nach t, d. Die neuen Verbindungen tj^ 
dj ergeben wie die urslavischen ö cf, z. B. prüce koll. Zweige 
(zu prüf) = prqthje, bräca Brüder = hrathja, läda Schiff = 
*ladbja, milbsräe Barmherzigkeit = "^miloshrdhje. In älterer 
Zeit bestand im westlichen Sprachgebiet, z. T. noch jetzt, 
ein Unterschied zwischen c d und tj dj, z. B. bei Mikalja 
(17. Jahrb., 1649) wird unterschieden svichja Leuchter 
(== svica; sveca, svijeca), roghjen {= roden geboren) von 
z. B. hratja, ch, cJii, chj ist bei diesem Schriftsteller der 
regelmäßige Ausdruck für ö; vom 16. Jahrb. an schrieb 
man gh, ghi, ghj, gy, gi, gj (dies bis in unsere Zeit ge- 
blieben) für (f ; vgl. Maretic^ Istor. hrv. pravop., S. 350 — 351. 

142. c) Die sekundären Verbindungen von sj, zj 
bleiben so erhalten, s z nicht palatal, z. B. kläsje koll. 
Ähren = klashje, sjäti glänzen (neben sljati) ^^ shjatiy lözje 
koll. Reben = lozhje, közji Ziegen- = *kozhjijb. Doch gehen 
in herzegovinischen Mundarten sj in ^, zj in z über: säti 
közi. — Über die Verbindungen stj, zdj s. § 186. 



§ 143 — 146. J Kombinatorisclier Lautwandel. 87 

143. d) Die sekundären Verbindungen p, h, m, v-\-j 
bekommen den gleichen Übergangslaut wie die ursprüng- 
lichen, z. B. zdrävije Gesundheit = Sodravbje, düblje koll. 
zu düb Eiche = dqhhjc, kbplje Lanze = kophje. Bis ins 
IS.Jahrh. noch zdravje usw. In den seltenen Fällen, wo 
solche Gruppen sekundärerweise im Wortanlaut entstehen, 
tritt kein l' ein, z. B. pjän trunken (neben pljan) = pb- 
jano, bjen geschlagen (neben bijeii) — - bhjeiio. Die von Vuk 
(Poslovice XXXVIII) aus Montenegro angeführten Beispiele 
zdravje, Jcöpje können den älteren Lautbestand bedeuten, 
aber j kann auch aus t entstanden sein (s. § 134Anm.). 

144. e) Die sekundären Verbindungen c, i, s -{- j 
bleiben unverändert, z. B. instr. sg. rljecju (zu rljec Wort) 
= rechjq^ örüzje Waffen = orqJhje, pödüsje was für die 
Seele (düsa) gegeben wird = podushje. Dialektisch (mon- 
ten.) jedoch auch öriize, ndrüce (s. Maretic, S. 43), deren 
i, c vermutlich = / c' sind. 

145. f) Nach c, d schwindet ein sekundär daran 
getretenes y, z. B. instr. sg. mbcu (zu möc) = ^mochJQ^ cädu 
(zu cäd Rul3) = cadhjq. 

146. 2. j aus je = e in Verbindung mit 
vorangehendem Konsonanten. 

a) Mit n, l, r. Altes 7ie le haben ergeben n'e l'e, 
Ijeto {Veto) Sommer, Ijepbta (J'epbta) Schönheit (vgl. üjep 
schön); njegovati (n'e-) pflegen, njemica die Deutsche (vgl. 
msk. nijemac). Bis ins 17. Jahrh. noch l-jepöta n-jemica. 
— Bei r herrscht keine Einheitlichkeit. Tatsächlich findet 
sich bald re, bald rje, dessen r aber nicht palatal ist, 
z. B. immer rezati schneiden = rezati, breza Birke = 
hreza und manche andere; dagegen schreibt Vuk z. B. 
grjesan sündig, pögrjeska Fehler, und andere Ableitungen 
von grijeh = grechö, rjecit beredt (zu rljec), rjecica Flüß- 
chen (zu rijeka), strj elica demin. zu sirijela Pfeil, rjedt komp. 
zu rijedak selten (aber auch re(tt). So weit ich die Bei- 
spiele kenne, scheint rj bei Vuk nur dann einzutreten, 
wenn dem betreffenden Worte F'ormen mit ije zur Seite 



88 Lautlehre. [§146—151. 

stehen, vgl. die obigen Beispiele. Wenn Danicic (h. Mar. 
S. 104) auch krjepost Stärke, krjepak stark schreibt, so 
wird das wohl seinen Grund haben in der Anlehnung an 
krijepiti stärken. Schwankend ist bei Vuk auch die 
Schreibung der Infinitive auf altes -eti : die zweisilbigen 
mit rcy z. B. zreii = zbreti schauen, die mehrsilbigen mit 
je^ z. B. gbrjeti brennen, sfärjeti altern. Demnach scheint 
mir die Sache so zu liegen, daß einst aus re ein re ent- 
stand, das seine Palatalität verlor, wie die ursprünglichen 
r, und daß das jetzt bestehende rje im Anschluß an da- 
neben stehende Wortformen mit ije neu gebildet ist. 

14*7. b) tje, dje verbleiben in einem Teil des Sprach- 
gebiets und die Schriftsprache beläßt sie so, z. B. fjeme 
Scheitel == teme, letjeti fliegen = leteti^ djed Großvater ^ 
dedh, vidjeti seihen ^videti. In anderen jekavischen Teilen 
entsteht c d, wie bei ursprünglicher Verbindung tj dj, also 
öeme, leöeti^ ded, vläeti. 

148. c) sje, zje verbleiben im allgemeinen, z. B. 
sjeme Same = seme, visjeti hangen = viseti, zjenica Aug- 
apfel = zenbca. Nur in den herzegovinischen Mundarten, 
wo auch anders entstandenes sj zj zu s i wird (s. §142), 
entsteht hier seme, vUeti, zenica. 

149. d) pje, hje^ mje, vje bleiben im Wortanlaut 
stets so, z. B. pjena Schaum, hjezati fliehen, mjesec == mes^cb 
Mond, vjera Glaube. In inlautenden Silben, bei den 
Verben auf altes -eti, schwankt der Gebrauch zwischen 
pje- und plje- (= pl'e-) usw., z. B. trpjeii und trpljeti 
dulden, zivjeti und zivljeti leben, nijemjeti und nijemljeti 
verstummen. 

150. e) cje verbleibt im allgemeinen, z. B. cjena 
Preis, cjedilo Seihgefäß; in den Mundarten, wo sj in s 
übergeht (s. § 142), entsteht auch hier cena, cedilo. 

VII. Die Konsonanten vor den alten palatalen 
Vokalen (e- und i-Lauten). 

151. Es kann angenommen werden, daß urslavisch 
eine palatalisierende Wirkung palataler Vokale auf alle 



L4>'^. 




urspr. 


k 




e, 6, e 





• vor • 


e — idg. e 


ch (h) 




i = idg. i, ei 



li: 



§ 151 — 153.] Kombinatorischer Lautwandel. 89 

ihnen vorausgehende Konsonanten ausging (Erweichung 
der Konsonanten), aber nur auf die Gutturale k y ch und 
auf kt haben sie stark verändernd gewirkt, und diese 
Wirkung ist im Skr. geblieben. Alle anderen Konsonanten 
dagegen erscheinen vor palatalen Vokalen unverändert 
(hart), also Silben wie te- de-, ti- di- sind nicht wie etwa 
im Russischen == t'e de, ti di. 

A. Die Gutturale vor den palatalen Vokalen 
außer e, i = urspr. oi. 

ursl. skr. 
c 
2 (aus d! z) z 

Urspr. *ke-y '^'•ge-, *-c/ie- sind ursl. zu c'a-, sa-, sa- ge- 
worden, daher skr. ca-, ia-, sa- (vgl. Abg. Gr. § 40 fg.). 
Beispiele: pece S.präs., vgl. S.plur. pekü\ mözete 2. pl.präs. 
zu yndgu; vrse 3. präs. zu vrijeci dreschen, vgl. part. vrhao. 
— samöuce dem. zu samöuk Autodidakt = -wc^, siljeie 
dem. zu ftljeg Widder = -z^. — j^ö-cinuti rasten, vgl. 
pököj Ruhe ; zlv lebendig, vgl. göfiti pflegen, aufziehen, lit. 
gyvas. — peCäh Imperfekt zu ^;e/i:- backen, abg. pecaachs 
aus "^pekeachz ; rozan hörnen = ^'rogeuö, vgl. abg. rozano 
mit hneno leinen (zu lhnö)\ zär glühende Kohle = '-'ger' 
zu görjeti brennen. 

153. Wenn im heutigen Skr. in einheimischen 
Wörtern c", i, s vor nicht palatalen Vokalen (außer vor 
dem aus e entstandenen a nach 6 usw.) oder vor Konso- 
nanten stehen, so beruht das 

a) darauf, daß altes ?>, wo es bleibt, zu a geworden 
ist und als solches nach J usw. steht; wo es ausfällt, c 
usw. an den nächsten Konsonanten rückt, z. B. cäst Ehre 
= chsib; öbläcan fem. öbläcna wolkig (zu öbläk W^olke) = 
ohlacbvö oblacbna. Statt cövjek älter clövjek = rblovek^. 

b) auf der Umstellung von ursl. er, el vor Konsonant 
zu re, le, z. B. ursl. '■^cerpz Scherbe, abg. crepö, skr. crijep 
crep aus er- ; ursl. "^zclbö abg. zlebö, skr. zlljeb Rinne. 



90 Lautlehre. [§153-155. 

c) auf der Wandlung von ursl. hr, bl vor Konsonant 
in r- Vokal, Z-Vokal, aus diesem skr. u, z. B. ursl. ''^zbrny 
skr. irvanj Handmühle; ursl. '•"'celno skr. '^cln tun Kahn; 
ursl. *iblt5 gelb skr. züt. 

d) auf der Stellung vor urspr. iu, z. B. cüti hören = 
c'iiti aus kiu-. 

e) auf Assimilation eines s, z an folgende palatale 
Konsonanten zu s, i, z.B. sljepw Blindschleiche statt sZ;e-, 
vgl. slljep blind; sljlva Pflaume statt sl- (s. § 187). 

f ) auf Konsonantenumstellung, so smirati blinzeln aus 
"^mzir- = "^mbzir-. 

g) auf Ausgleichungen in Flexionsreihen: Genitive 
wie rijeke (zu rijeka Fluß), nöge (zu otöga Fuß), snähe (zu 
snäka Schwiegertochter) sind ein Ersatz für urspr. 7'eky, 
nogy, sndchy, Umbildungen nach düse (zu düsa) = urspr. 
duse^ s. § 679. 

In Fremdwörtern sind c, i, s vor nicht palatalen 
Vokalen häufig, z. B. aus dem Türkischen cäm Tanne, 
cärdäk Warte, cöban Hirt, cüma Post, süga Krätze. 

154. W^enn umgekehrt k, g, h vor palatalen Vokalen 
stehen, so kann das folgende Ursachen haben: 

a) Altes y ist im Skr. mit altem i zusammengefallen, 
vor jenem blieben aber die Gutturalen unverändert, daher 
z. B. kidati reißen = kydati^ glnuti umkommen = gynqti, 
hltar schnell = chytrö. 

b) Durch die Analogie von Wortformen, die vor nicht- 
palatalen Vokalen k, g, h haben, sind diese auch vor 
palatalen beibehalten, z. B. mäjkin (neben mäjcin) der 
Mutter gehörig (zu mäjka), snähin der Schwägerin (snäha) 
gehörig, statt "^snasin; zveket Geklimper zveketati klimpern, 
angeschlossen an zvek Klang, vgl. dazu die Onomatopöia 
kreketati kreknuti quaken, veketati veknuti meckern. 

In Fremdwörtern stehen oft k, g, h vor palatalen 
Vokalen, z. B. aus dem Türkischen kesa Beutel, kirldMja 
Fuhrmann, hechn Arzt, aus dem Griech. Jnljada Tausend. 

155. Anhang. 1. Wie k, g werden ursl. behandelt 
auch die aus k, g entstandenen d, d'z, werden folglich vor 



§ 155 — 157.] Kooibinatorisclier Lautwandel. 91 

palatalon Vokalen zu c\ i', im Skr. daher fJ, i, z.B. othch 
vok. oihce, komdzh vok, kzncJ:e, skr. ötac öce = ötce, knez 
kneze\ atarbcb Greis adj.poss. starbcevz, skr. stärac stärcev; 
konezina skr. knezina Gebiet eines knez. 

156. 2. Im Slavischen ergiV)t kt vor palatalen Vo- 
kalen dasselbe wie iirspr. tj (s. Abg. Gr. § 51. 3), daher im 
Skr. c erscheinen muß, z. B. '^noktb (lit. naktis) Nacht skr. 
nöc. In der Sprache läßt sich das noch unmittelbar be- 
obachten an den Infinitiven, die aus Wurzeln mit aus- 
lautenden k, g gebildet sind, z. B. peci backen = *pekti, 
vgl. 3.pl. präs. pekü, zeci hTennen ^=''^zegtiy vgl. 3.pl. präs. 
£egü. 

B. Die Gutturalen vor e, i = ursprünglichem oi. 

15*7. ursl. skr. 

k \ { ( c c 



g vor { <?,!== idg. oi \ d'z {£) z 

ch {li)f^ ' s s 

z.B. reka dat. rece skr. rijeka rijeci (über das auslautende 
i s. § 679); jimakö pl. jiinaci skr. jünäk pindci; noga dat. 
nodze skr. nöga ndzi\ snocha dat. snzse skr. snäha snäzi. 

Ausnahmen beruhen auf Anschluß an Wortformen, 
in denen vor nichtpalatalom Vokal die Gutturale unver- 
ändert stehen, so Dative rijeki., snähi nach dem Nom. rijeka 
snäha. 

Anmerkung. 1. Ein altes dz ist im Skr. nicht vor- 
handen. Wo ea mundartlich vorkommt, ist es ans älterem z ent- 
standen, z. B. dzbra Morgenröte aus zura, ilzüh Zahn aus züh (p. 
Vuk, Posl. XXX). — 2. P:s giht eine Anzahl Wörter, z. T. nur 
dialektische, wo vor einem i, das in analogen Fällen die Wand- 
lung von k in c herbeiführt, c steht: pecivo Braten, tecivo das Er- 
worbene (vgl. dagegen s;>a'fa Schneidinstrumente), nc-koUcvna einige 
(zu kolikd), tolicina so viele (zu toViko soviel), iitcnste Zutlucht (Vuk, 
aus einem monten. l>iede, vgl. demgegenüber relichia, Htociste\ 
tocilj Sclileifptein zu toöiti u. a. schleifen. Über das c in Imper- 
fekten, wie pkcijäh (zu phci, W. pek-), s. § 81o. 



92 Lautlehre. [§ 158—161. 

VIII. Konsonantischer Wortauslaut. 

158. 1. Im Auslaut können nur stehen einfache 
Konsonanten und die Gruppen st, zd, st, id, andere durch 
den Abfall von urspr. auslautendem o, h entstandene 
werden aufgehoben durch Einfügung des Hilfsvokals alt 
ö, später daraus a (s. §16). In den südlichen Teilen des 
Sprachgebiets, Herzegovina, Süddalmatien, Montenegro, 
werden auch st usw. vereinfacht zu 5, z, s, i, z. B. släbös 
statt shWöst, gröz Traube statt grözd, pläs Mantel statt pläst^ 
däz Regen statt däzd. 

159. 2. Nach allgemeiner Annahme bleiben im 
Wortauslaut alte tönende Konsonanten tönend, Vuk schreibt 
daher z. B. hög^ gräd, qrözd, däid, böb, cää^ niräz, müZy 
kröv (s.Broch, Phon. § 199). Die Nom. ynozak Gehirn, drözak 
Drossel, gen. mbzga drözga, sind nicht lautlich entstanden, 
sondern durch Anschluß an die Subst. auf ~ak = -zkz. 

160. 3. In den cakavischen Mundarten wird jedes 
auslautende m von Flexionsendungen zu /?, z. B. sän ich 
bin = smn, znän ich weiß = znäm, istr. sg. gospodhion = 
-nom. Die Wandlung tritt nicht ein, wenn m nicht flexi- 
visch ist, sondern zum Wortstamm gehört, z. B. säin selbst, 
sräm Schande. Der Unterschied erklärt sich daraus, daß 
im letzten Falle die obliquen Formen mit ihrem erhaltenen 
ni, fem. sdma, gen. sräma^ die Erhaltung des m auch im 
Auslaut bewirken, während die Flexionsformen, die als 
solche vereinzelt stehen, keinen derartigen Anhalt haben. 

IX. Konsonantenausfall 
aus ursprünglichen Konsonantengruppen. 

A. Schon im Urslavischen oder in größeren Gruppen, 
also vorserbokroatisch erfolgt (s. Abg. Gr. § 51). 

101. 1 . Die folgenden urspr. Lautgruppen sind durch 
Wegfall des ersten Bestandteils vereinfacht: 

ps bs \ ^ 
ts ds J 



§ 161. 162.] Kombinatorischer Lautwandel. 93 

z. B. ösa Wespe aus *opsa lit. vapsä, güsle pl. Geige 
(urspr. gqsH fem. pliir.) aus '^'gpd-sli vgl. gndjeti geigen. 

ks 1 vor Vokalen zu *ä:cä, daraus cÄ, vor Kon- 
gs \ sonanten zu s. 

z.B. njeh, aor. zu recem o.pl. präs. rekü (a])g. rekqtz> 
sagen), abg. reclio aus h'ekcho^ 2. pl. lijeste = reste aus 
'"^rekste. 

U ) 
z. B. J/iyeio Meißel = dUto aus '^'■delbio, vgl. d übern ich 
höhle aus = *t^6Z^ ; ^?-ö-sw/i verschütten, präs.^;ro-5j;m = 
*supti Sopq. 

pn hn \ 
^% an ) 
z. B. känuti tropfen = "^kaimoti, vgl. käp Tropfen; 
sän Schlaf = sotiö aus '^'sopnö, \g\. späti schlafen = so^^afi; 
pre-gnuti präs. pre-gneni biegen = gmiqü ganq aus '^gob?!-, 
vgl. pre-gibati dass.; svänuti hell werden ^^^ svbnqti aus 
*svbtn.^ vgl. svitati dass.; premdi se aus dem Schlafe auf- 
fahren = '-'prednQti, vgl. pt'edati = predati zittern. 

„ Mm Skr., Sloven., Bulgar., Russischen. 

z. B. zu pletem ich flechte part. prät. pleo = ^/e/ö 
aus '^■pletU, fem. plela-, predem ich spinne, part. 2^reo = 
^r^Zs aus '^prgdh; omelo Ofenwisch, vgl. mesti meiern kehren, 
fegen. 

dm ] m, dam ich gebe aus "^dadmh, vgl. 3. pl. dddü 
abg. dad^fö. 

16!^. 2. Der zweite oder ein mittlerer Konso- 
nant ist ausgefallen: 

bv ] V, z. B. viu'i ziehen obuci für '^ob-v., abg. vlesfi 
oblesti; öbläst Macht, vgl. vläst Herrschaft. 

skn I sn 
zgn I zn 

Z. B. tisnuti drücken, vgl. tlskati dass.; briznuii her- 
vorspritzen (von Flüssigkeiten), vgl. brizgati Milch absondern 
lactare. 



94 Lautlehre. [§ 163. 164. 

1G3. Wenn in der heutigen Sprache, von Fremd- 
wörtern abgesehen, die Verbindungen ^.9, ts, ks, pt, pn, hn^ 
in, dn, il, dl, dm, hv vorkommen, so beruhen sie auf 
späteren sekundären Vorgängen, namentlich auf dem Aus- 
fall von 3, ?>, oder auf Wiederaufnahme der ersten Bestand- 
teile aus Wortformen, in denen sie nicht von dem zweiten 
begleitet waren, z. B. tepsti se herumstreifen, grepsti kratzen, 
späte Bildungen vom Präsens tepem se, grebem aus (§762); 
säptatl flüstern == shp^tati', vdpno Kalk = vaphno, zlöhna 
fem. zu zlöban übelwollend = zzlobbna, zolobbnz\ pütna 
fem. zu pütan recht = pqthna, pqthn^-, vrijedna fem. zu 
vrijedan würdig = vredma, vredbnö ; pädnuti pädnem (neben 
pänuti) fallen, metnuti legen, Wiederherstellung des d, t 
nach Aor. pädoh usw.; fem. svijetla zu svljetao hell = 
svetbla, svetblo; xnjetla gen. zu pijetao Hsihn = petbla, petblo; 
sedlo Sattel = sedblo; sedmi siebenter, vgl. sedam sieben, 
= sedbmyjb, sedbmz; öhviti umwickeln, statt ohiü, erneuert 
nach dem Simplex viti. 

B. In serbokroatischer Entwicklung eingetretener 
Konsonantenausfall. 

164. Durch Ausfall von 3, b entstehen neue 
Konsonantengruppen, die zum Teil den unter A be- 
sprochenen analog behandelt werden, zum Teil, da sie ur- 
sprünglich gar nicht vorkamen, ihre besondere Entwicklung 
haben. Stoßen durch Ausfall von 3, 5 zwei gleiche Kon- 
sonanten zusammen (Doppelkonsonanz), so wird stets ver- 
einfacht, z. B. säti Sern saugen = Sösaü sosq, vgl. slsa 
Mutterbrust, slsafi saugen; fem. 7neka weich ^ '''meMa aus 
mekoka, hezdkomk Religionsloser = bez-z-^ pedeset fünfzig 
aus pet-deset =^ peib deseth. 

i b 

Ij 

n 
nj 
kl 
■ 6 



s-\-l + 



verlieren das t. 



§ 164 — 168.] Kombinatorischer Lautwandel. 95 

Z. B. tazbhia Schwiegereltern aus "^tasthina = UMiMna^ 
gbzba Gasterei aus "'-gosibba; bolcsljiv kränklich (über s s. 
§ 187) aus '^'bolestljiv = bolestuVivz; fem. rädosna ntr. rä- 
dosno, aus '^radostna *radostno, zu msk. rädostan =^ rado- 
stbnö, das msk. rädosan beruht auf einer Irrung des Sprach- 
gefühls nach Mustern wie fem. bijesna msk. bijesan = 
besbtia, besbiio ; sJdö Glas aus "^'stklo = stbJdo, vgl. die ge- 
wöhnliche Form stäklo; köscica (für ''■'koscica) doppelt de- 
minuiert = kosibcica zu kost Knochen. 

165. d schwindet stets als mittlerer Konsonant 
einer alten dreilautigen Gruppe (über das neu entstandene 
zdr s. § 175), z. B. fem. prdzna leer aus "^yrazdna = 
prazdb7ia, das msk. prdzan ist nach diesem Fem. neu- 
gebildet statt "^prazdayi = prazdb7i5; gen. gröska zu nom. 
grozdak Träubchen = grozdöka, grozdzkz) gen. gvösca zu 
nom. gvözdac Schnalle = gvozdhca, gvozdhcb. 

166. cc ergibt c, z. B. Gröcanin für Grocc. einer 
aus Gröckä. 

cc d. i. tsts verliert das erste ^, z. B. srdasce aus 
srdacce^ dem. zu srce Herz, = srdbchce, gen. Gradäsca zu 
Gradäcac = Gradbcbca, Gradbcbcb; llsce = licbce dem. zu 
Uce. Doch verbleibt auch cc, z. ß. rijecca, dem. zu rljec 
Wort, = recbca. 

et d. i. tst verliert das erste t, z. B. pbsten redlich aus 
"^pocten = x)o-cbtenz, mästanije Spiegelfechterei ■■= mbcbtanije'y 
siö was aus cto = cbto, vgl. cak. ca = cb. 

cstv = tsstv ergibt stv, z. B. prörostvo Prophetentum 
= prorocbstvo, djevojastvo Jungfrauenstand =- devojbcbstvo, 
cövjestvo = clovecbstvo. 

csk = tssk verliert das 5, z. B. jünäcki heldenhaft = 
jiinacbskyjb. 

167. dzd hat ergeben zd in özdö unten für *odzdo 
aus ot5-s5-dol{a), vgl. dazu özgör oben = oU-So-gor{y)y 
daraus nach Analogie von özdö die Form özgö. 

168. gnc (vereinzelt) ergab njc in gen. jdnjca = 
*jagnhca, daraus dann der Nom. jdnjac für '■'jagniac = 
*jagnhcbj, und Dem. jänje neben jägnje =^ '■■'jagnc. 



96 Lautlehre. [§ 169—172. 

109. pt {= pt und für ht) kann erhalten bleiben, 
z. B. gen. hipta =- chrhhhta zu nom. hrhat = chrhhhiö 
Rücken; dagegen ist p ausgefallen in (h)rtemca Rückgrat 
= "^hyt. aus chrhbhtenica. Im Anlaut ptlca = pztica 
Vogel und üca. 

pc, ps im Wortanlaut können p verlieren, pccla und 
cela Biene, pscnica und senica Weizen. 

170. SS, zs ergeben s, z. B. mriöstvo Menge aus 
*mno£'stvo =■ monozhstvo\ sirömastvo Armut =^ siromasbstvo, 
zu sirömah, sirömaski = siromashskyjh. 

stn verliert t, z. B. gddisnjt jährlich aus "^godistn'l = 
godisthnijh, zu gödiste Jahr. 

stb ergibt zb, so nzba (dial.) Vollmond aus *nstpba = 
%isthphba, vgl. üstap dass. = "^iisthpö; so ist auch entstanden 
üvjedzbati sich einlernen, sich einüben, zunächst für 
*2i-vjestbati aus u-vesfbbati, vgl. vjest kundig, geschickt. 

171. f, d -\- c ergeben einfaches c, z. B. ötac gen. 
oca = othch otbca, bödac gen. böca Stößer = bodbch bodbca. 

t-\-c ergibt c, z.B. dä-cu ich werde geben aus dät-cu. 

ist (et), aus tst und dst, wird in der Regel beibehalten, 
z. B. brätstvo Bruderschaft = bratbstvo, bögatstvo Reichtum 
= bogatbstvo, srddsfvo Verwandtschaft = Söro(ZWvo, gospodstvo 
Herrschaft = gospodhsfvo (über d vor s s. § 178, phone- 
tisch wäre srötstvo oder srdduo); doch auch gospbstvo. 

tst verliert das erste t, z. B. steta Schade == tdsteta, 
nä-ste srca = na toste srdhca (auf das Nüchterne — Leere 
— des Herzens, Magens), nästina = ^natzstina Nüchtern- 
heit, hrvästina Kroatentum = "^cMrvatstina aus "^chzrvatb- 
skina; so ergibt dsto zunächst tst, dann st, in kästo zu- 
weilen = käd-sto, rästa weswegen == räd-sta für rädi stä. 

thi verliert k, so in nä-tmiti nä-tiiem anstecken = na- 
tzknqti -töknq, vgl. na-täknuti (natär'i) nä-taknem. 

17!^. znt hat ergeben zl, zl\ bojäzljiv bojäsljiv furcht- 
sam, aus bojaznhl'ivz zu bojaznb Furcht. 

In gewissem Sinne kann man als Konsonantenausfall 
auch betrachten das Schwinden des t aus c {= t'§) in dialek- 



§ 172 — 175. J Kombinatorificlier Lautwandel. 97 

tischen Formen wie 7idjca aus nöcca (Dem. zu nöc' Nacht), 
vöjka aus vocka Obstbaum (bei Vuk aus einem Liede). 

1*73. Angeführt werden mögen noch vereinzelte 
Fälle: vsni zu sm in säsma sehr aus "^savsma = Sd-vhshtna ; 
dv zu d in dlgmiti dici dtzati heben statt dvlöi usw., meded 
Bär statt medvjed = medvedh; svj zu 5/, sjedok = svjcdok 
Zeuge, sjetovafi --= svjetovati raten, vgl. auch öetati blühen 
= cvjefati; svr zu sr, sräb = svräh Krätze. 

Über die öfter in den Konsonantengruppen statt- 
findenden Assimilationen geben § 178 fg. Auskunft. 

174. Anhang. 1. Vereinzelt findet sich Konso- 
nantenausfall zwischen Vokalen, so allgemein häo wie 
(vergleichend) statt käko (wie, fragend), durch Silbendissi- 
milation; häufig cöek statt cövjek Mensch; cHjen für 
crvlj€7i rot (vgl. ci'ven dass.); dialektisch (Monten.) preo für 
p7'eko prijeko hinüber; meu für medu zwischen beruht auf 
cakavischem meju. 

2. Anhangsweise möge hier auch beigefügt werden die 
Auswerfung einer von zwei gleichlautenden aufeinander- 
folgenden Silben (Haplologie) : bremenosa Lastträger für 
*bre7neno-7tosa, zakmiosa Pfleger des Gesetzes (der Religion; 
«igentl. Gesetzesträger) = '-'zakono-nosa, Tänkosa (Name, 
«die Feinhaarige») = ^Tankokosa. 

3. In den alten Eigennamen auf -slav fem. slava 
scheint das l regelmäßig auszufallen, z, B. Bögosav, Büdi- 
aav, Drägosav, Stcmisav, Stänisava. Das erklärt sich wohl 
aus Silbendissimilation in Fällen, wo beide Kompositions- 
glieder l hatten, so in Vladislav, daher Vlädisav, nach 
diesem Muster dann die übrigen. Vgl. dazu blägosöv statt 
hlagoslov. 

X. Konsonanteneinschub in eine Lautgruppe. 

175. Urslavisch ist er bei urspr. .s-r, z. B. struja 
Strom aus *srujn, daher auch skr. strüjati wallen (vom 
Wasser vor dem Kochen), datrvo, vielleicht für älteres 
'''ostrovo, vgl. msk. abg. osirovo, es kann aber auch sein = 
*0'S-t-r5vo von nichtdiphthongischer Wurzelform snl. 

L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. 7 



98 Lautlehre. [§ 175. 176. 

Unterbleiben muß daher die Einfügung von f, wenn s und 
r erst durch Metathesis zusammengerückt sind, also z. B. 
srambta = '^sorm-, dialektisch indes auch stramota. — Im 
Skr. wird regelmäßig d eingeschoben in älteres zr, das 
seinerseits nur entstehen konnte durch Ausfall von h oder 
durch Metathesis aus ^ier- vor Konsonanten zu ire-, z. B. pro- 
Mrijeti präs. prb-zdrem verschlingen = zreti aus "^zerti präs. 
zhrq (in prd-zdirati statt -zirati ist zd durch Nachahmung 
des primären Verbums entstanden); zdrljebe Füllen = zreh^ 
aus "^zerhe. Vor vokalischem r (aus urslav. hr vor Konso- 
nanten) bleibt einfaches i, z. B. zrvanj gen. zrvnja Hand- 
mühle zu ursl. ^zhrny. Wenn in der Sprache Z7' vor- 
kommt, so ist es aus zr hervorgegangen, so in dial. zräky 
zraka Sonnenstrahl statt zräk, zräka, für zräka tritt dann 
auch zdräka ein. — Vereinzelt dial. ist auch d zwischen 
z-r eingeschoben, z. B. zdräka für zräka; nur in der Zu- 
sammensetzung raz-resiil losbinden ist d regelmäßig ein- 
getreten razdrijesiti und daraus wiederum ein Simplex 
drijesiti abstrahiert. Da das sonst in der Zusammensetzung 
nicht erfolgt, vgl. z. B. räz-rezati zerschneiden, so liegt 
bei razdrijesiti keine rein lautliche Erscheinung vor, sondern 
eine Angleichung an ein Verbum verwandter Bedeutung,. 
räz-drijeU räz-drem zerreißen. 

XI. Umstellung von Konsonantengruppen. 

176. Was derart vorkommt, sind mehr oder minder 
vereinzelte Fälle. 

d7i zu nd: pländovaü unterstehen (vom Vieh in der 
Hitze), pländiste solcher Unterstand, aus pladn., zu plddne 
Mittag = "^jjol-dhne. 

ksn zu skn, daraus ckn, dies zu cn geworden: döcne 
adv. spät, dbcniti säumen, aus do-ksshne (adv. zu kzshnz)^ 
do-kdshneti, die Entwicklung ist '^■doksne "^doksniti, "^-doskne 
^'doskniti, "^'-dockne "^dockniti; aus den Formen mit ckn ist 
gebildet dbckan adv. (eigentl. nom. sg. msk. adj.). Zu der 
Neigung sk in ck zu wandeln vgl. ckvära für skvära. 



§ 176. 177.] Kombinatorischer Lautwandel. 99 

kt zu tk\ tkö wer aus kto = koto; daneben kö nach 
dem gen. kdga usw. 

Iz zu il: zFica Löffel aus Hzica = Uz'wa, vgl. läzica 
und özica (über lözica s. § 19). 

mi zu zm: zmüra Blindekuh (eigentl. das Blinzeln), 
zmüriti zmiriti zmlrati blinzeln aus mz- = mhz-, vgl. mag- 
nuti zuwinken = mhgnqti. 

stk zu tsk {ck): köcka Würfel (eigentl. Knöchelchen) 
= ''%ostka aus kosthka, dem. zu kost; dial. cklö Glas aus 
''sfklo = sibklo, vgl. stäklo. 

stv zu fsv (cv): cvölina Lauchstengel aus *stvolina. 

vs zu SV in der Flexion von väs = vhsh (omnis) gen. 
vhsego skr. vsega, daraus svega usw., fem. vhsa skr. vsa, 
daraus svä; zu diesen Formen ist ein Nom. sg. msk. säv 
hinzugebildet worden, s. § 593. 

Versetzung aus einer Konsonantengruppe an eine 
andere Stelle im Wortkörper, so cävtjeti blühen für *cm- 
tjeti = cvbteti; cvrst fem. cvrsta voll, fleischig aus "^chrstvz, 
die Umstellung ist hier älter als die Wandlung von 6 vor 
r in c, sonst würde es "^cvrst aus *crstv heißen. 

177. Die Zusammensetzung der vokalisch 
auslautenden Präpositionen: doy na, po, pre, pri, pro^ 
u{=vö)^ za, mit iti gehen, do-iti usw., gingen in älterer 
Zeit über in dojti präs. dojdu usw. Jetzt sind gebräuch- 
lich: doci dödem, ndci nädem, pöci ^jödem, prijeci prijedem 
(ekav. pr4ci predem), proci prödeni^ üci üdeni, zäöi zädem. 
Diese Formen sind also gebildet, als wenn das ältere jt, 
jd umgestellt wäre zu tj, dj, die dann c, d ergeben. Durch 
Anschluß an die so entstandenen Formen sind dann auch 
die Zusammensetzungen mit den konsonantisch aus- 
lautenden Präpositionen: iz, nad, oh, ot, päd, raz, s in die 
Gestalt -iöi, -idem übergegangen und zwar mit gedehntem 
i: iziöi Izidem (und Izidem), nad'ici nädidem, oblci öhidem 
(und öhidem), otici (dtlci) ötidem (Vuk nur so neben ödem), 
podiöi podidem, razlöi se räzidem se (und -idem), sidi sldem 
(sidem) herabkoramen. Über izdöi hädem usw. s. u. 

7* 



100 Lautlehre. [§ 178. 

XII. Konsonantenassimilation. 

178. Schon im Abschnitt IX B (§ 164) sind Bei- 
spiele von Assimilation mit angeführt. Es handelt sich 
wesentlich um zwei Vorkommnisse: 

1. Ursprünglich tönende Konsonanten gehen vor 
folgenden stummen in stumme, ursprünglich stumme 
vor folgenden tönenden in tönende über (tenuis ante 
tenuem, media ante mediam). 

A. In einheitlichen (nicht zusammengesetzten) 
Wörtern. 

a) Ursprünglich tönende Konsonanten vor stummen 
zu stummen geworden : 

hk zu ^Ä;, zühak (dem. zu züb Zahn) gen. züpka = 
zabzka; roh Sklave röpkinja Sklavin; — hc zu jpc, hljehac 
(dem. zu hljeb Brot) gen. hljepca; — bc zu pc, röb dem. 
röpce = "^robhcf, pcela Biene (gew. cela) aus bhcela ; — 
bs zu ps, srpski serbisch = *shrbhshj. 

dk zu tk, slädak süß fem. slätka = sladzkö, sladoka; 
— dh zu th^ tvör (tvör) Iltis aus "^thor = dzchorh zu W. 
dzch' {dähniiti); — ds zu ts^ hier schreibt aber Vuk ds, 
z. B. gospödstvo (1. -tstvo), Ijüdski menschlich (1. Ijütski) = 
Vudhskyjh; es geschieht das, um die Schreibung c (= ts) 
der Deutlichkeit wegen zu vermeiden. — de, de lassen 
das d in dem t von c, c aufgehen, vinogrddac (dem. zu 
vlnogräd) gen. -grdca = -gradhca, südac gen. süca Richter 
= sqdhch sqdhca, glacma Glätte = glad^c^na zu glädak fem. 
glätka = gladokz gladdka; — de zu c'c, £eeca (bei Vuk ge- 
schrieben iedea, dem. zu Mda, zect Durst) =*^edjhea; — 
äk zu ck, ömeäak gen. ömeeka Gebüsch. 

gk zu kk d. i. k, fem. läka (zu läk leicht) aus Hagka 
= hgska, vgl. lägahan leicht = Hhgzchzno] — gt zu kt^ 
gen. nokta des Fingernagels = '^'•nogzta, der Nom. nökat 
statt ^-nogat ist den obliquen Kasus nachgebildet, zugleich 
unter Einfluß von läkat gen. läkta = laksth Hakota\ drktati 
(dafür auch drhtati) ='^'drogdtaii; — gc zu kc, präs. drkdem 
(und dfscem statt drhcem) = "^drhgztjg; — gc zu Äc, drü- 
kcijt anders (alius) = ^drugöcijijh. 



§178 — 180.] Kombinatorischer Lautwandel. 101 

zc, zu sc, vbzac gen. mvc« Ruderer = i;o-2:6c?) vozbca; — 
zk zu sk, dblazak gen. dölaska Ankunft = dolazokz^ do- 
lazoka; — zt zu st, grizem inf. gnsH nagen, beißen. 

zc zu sc, läzac gen. läsca Lügner = lözhch hzwa; — 
zc zu sc, O'fescati schwer werden = o-t^zhcati aus ^f^zhketi 
zu tezak fem. teska = tgzhkö; — zk zu sk, tezak fem. Uska 
schwer =■- tczhkö tezbka, drzak gen. drska Handhabe = 
*drzhkö '^drzhka; — zs zu ss, daraus s, drüsivo Gesellschaft 
aus '^•'drusstvo = druzhstvo. 

1T9. Eine besondere Betrachtung erfordert v; es 
wird vor folgendem Stummlaut tonlos, /, aber geschrieben 
wird nur v. Budmani, Gramm. § 14a leugnet die Um- 
wandlung, allein der gesprochene Laut ist entschieden 
tonlos, und Budmanis Ansicht wird wohl daher stammen, 
daß nicht labiodentales, sondern bilabiales / gesprochen 
wird. Auf einem stummen v beruhen Dialektformen wie 
Ijevsi = Ijefsi statt Ijepsi^ klüiiko statt klüpko Knäuel, und 
umgekehrt cäptjeti blühen aus cäftjeti cävtjeti (dies für 
cvätjeti). Beispiele: vc zu /c, öfca (ovca) Schaf = ovhca] 
— VC, öfcär Schäfer = ovhcarh; — vc, Löfcen (Bergname, 
Lövcen); vk, crvak gen. crfka (crvka) dem. Wurm = *cbr- 
vhko '^chrvhka-, — vs, övas gen. ofsa (övsa) Hafer = ovhsz 
ovhsa; — vs, cüfsi {cüvsi) part. prät. = cuvös- zu cüti hören. 

Die behandelten Fälle sind alle derart, daß der erste 
Konsonant dem zweiten angeglichen wird. Umgekehrt 
wird ein v nach s zum bilabialen stummen Spiranten. 
Die Orthographie berücksichtigt das jetzt nicht, aber die 
Handschriften der dalmatinischen Dichter haben sehr 
häufig sf, sfoy = svöj, sfet = svet usw. Daß eine solche 
Assimilation stattfindet, beweist die fast durchgehende 
Aussprache des alten chv (hv) als /, was nur erklärt 
werden kann durch die Mittelstufe hf, aus der das h 
stumm wird, daher fdla = hvdla J.ob, fäfiti = hvtditi er- 
greifen. Auf demselben Vorgange beruht auch üfati 
hoffen aus '•'■■apfati für "^apvati = u-pörati. 

180. b) Ursprünglich stumme Konsonanten werden 
vor tönenden tönend. 



102 Lautlehre. [§180.181. 

cb zu dJb, svjedodzba Zeugnis aus '-^svjedocba = Sove- 
dochba^ ötadzbina Vaterland =^ '^othchbina, zu ötac Vater = 

othCb. 

kd zu qd, gdje, wo, statt '"'Mje = kode (abg. köde). 

tb zu db, svädba Hochzeit = svatbha, zu svät Braut- 
begleiter. 

sb zu zb, tazbma Haus der Schwiegereltern aus *fa5- 
bina für *tastbina (s. § 164) = ihsthbina, vgl. ^as^ = ^wf?) 
Schwiegervater; cäzbina Bewirtung = chsthbina, vgl. cäst 
Ehre, Gastmahl = chsth. 

sb zu i6, zaduzbina fromme Stiftung == '^zadushbina\ 
üzba Vollmond = *usthphba s. § 170. 

181. B. In Präpositionalzusammensetzungen. 
a) Die mit z auslautenden Präpositionen und ob- 

wandeln vor jedem stummen Konsonanten im Anlaut des 
zweiten Teils der Zusammensetzung das z in s, das b in 
p: bez-, z. B. besputan ungeziemend, besmrtan unsterblich 
(für bes-sm.); iz-, z.B. is-köpati ausgraben, heliti {im is-s.) 
übersiedeln; iiz- {= vdz-)y z. B. iistegmiü anziehen = vzs- 
tegnqii, üstati aufstehen = Vost. für vos-st. ; raz-, z. B. ras- 
tvöriti auflösen, räsüti für ras-s. zerstören; ob-, z. B. opko- 
pati (umgraben) verschanzen, dpsjeci beschneiden. 

182, b) Die mit d auslautenden Präpositionen tiad, 
pod, pred (über od s. § 110) wandeln dem allgemeinen Ge- 
setze gemäß ebenfalls ihr d vor stummen Konsonanten in 
f, aber das t wird von Vuk nur geschrieben, wenn der 
folgende Konsonant nicht s, s ist, vor diesen beiden be- 
hält er d, obwohl t gesprochen wird. Es geschieht das 
aus Gründen der Deutlichkeit, um nicht, wie es konse- 
quent wäre, z. B. für ein aus nadzskociti hervorgehendes 
vadsköciti, d. i. lautlich natsköciti, oder ein aus podosloniti 
entstehendes podslbniti se, d. i. potsl., schreiben zu müssen 
nacköciti poclöniti. Die Schreibung Vuks ist aber auch 
wohl aus anderen Gründen berechtigt; das c z. B. in cär 
ist nicht mit ^5 in natsköciti usw. gleichzustellen, weil die 
Silbengrenze, wenigstens nach meiner Auffassung, nach 
dem t liegt: natsköciti. Sonst vergleiche natpisati über- 



§182—185.] 



Kombinatoriecher Lautwandel . 



103 



schreiben, näthvatiti näffatiti übertreffen, potköpati unter- 
graben, pretkidnjica ein Lied, das vor dem Hause, pred 
kucöm, gesungen wird. 

183. c) s = So wird vor tönenden Konsonanten zu 
z, z. B. zgödUi treffen = sog.^ zgörjeü verbrennen = sögo- 
reti, zdjetna schwanger (eig. mit Kind) = södethna, zdräv 
gesund = södravö, zblti se in Erfüllung gehen = ssbyti se, 
zhrätiti se sich verbrüdern = s^hr. 

184. Anmerkung. Die § 180 fg. besprochenen Assimi- 
lationen linden in j,'leicher Weise statt zwischen Wortauslaut und 
Wortanlaut im Saiz (im Satzsandhi): die Orthographie läßt das 
unberücksichtigt. Z.B. pret (pred) kucöm vor dem Hause, z[s) bogom, 
mlät [mläd] cbvjek, \zlaz {-s) träziti, zestök {-g) zulumcära, brädz 
(-c) gbvori. 

185. 2. Palatalisierung von Konsonanten 

durch folgende Palatale. Zum Teil ist diese Assimi- 
lation urslavisch oder Gruppen von slavischen Sprachen 
gemeinsam, wenn auch die entstehenden Konsonanten- 
gruppen nicht überall gleich sind. Mit voller Sicherheit 
lassen sich alte und einzelsprachliche Erscheinungen hier 
nicht scheiden. 

a) Älter als die Sonderentwicklung des Skr. sind 
folgende Vorgänge. 



sk 



zy \ 



vor 



zunächst '^^, , 
zd z 



daraus < 



s c 

s d s 



J 

e, h 

i = i, ei 
e ^ e 

(vgl. Abg. Gr. §39.2; §41). 

Im Skr. kann daraus eine zwiefache Form entstehen, 
in westlichen Mundarten sV, z]\ z. B. iskati 1. präs. '^iskjq 
Isöeni^ däska Brett = ddska, dem. '^'dsskica ^'dsöica scica-^ 
mdzjäni Gehirn, aus '^mozgen-. In den östlichen Mundarten 
fällt entweder das letzte s, s der Gruppen weg, bleibt st, 
zd, z. B. istem^ stlca, vristati schreien = "^'vrisketi vgl. vrlska 
Geschrei, mözdäni, zvizdati pfeifen = ^zvizgeti vgl. zmzga 
Pfeifen (zu Iz-gnati verjagen pr. izdenem vgl. Abg. Gr. 
§ 58.3); oder e.^ steht sc (aus urspr. sk), z. B. däscica = 



104 Lautlehre. [§ 185—188. 

*(hskica. In den Ableitungen auf -ica bleibt wohl meist 
sc, z. B. Ijüscica dem. zu Ijüska Schale (Hülse), kds&ica 
Knöchelchen =^ '•'kosthcica, güscica Gänschen = '-^gqshcica. 

186. st \ ^ \ ^ \ sc (vgl. Abg. Gr. 
zd {^-^ pkr. zunachs. ^ ^^ ^Z^:^), 

daraus durch weitere Assimilation sc, im westlichen 
Dialektgebiet so verbleibend, z. B. krstiti taufen part. pass. 
krscen, im östlichen schwankend krsöen und krsfen^ dopüs- 
call und dopüstati erlauben = '•'pustjaH zu püstiti; zd (im 
westlichen Sprachgebiet iy'), z. B. gnijezditi nisten Subst. 
verb. gnijczäenje. 

187. 5 I r ) sl\ sn 

z \ n \ zl\ Sil (s. Abg. Gr. § 39.4)., 

im Skr. z.B. mlsliti denken partiz. pass. mtsljen\ käsniti 
zögern käsnjenje Zögerung; Uäzniti liebkosen hldznjenje Lieb- 
kosung. 

188. b) Ein speziell skr. Vorgang ist die Assi- 
milation bei Zusammentreffen mit j durch Ausfall von h 
oder durch das jekavische Je = I. Es entstehen so: 

sc aus stj^ z. B. Iis6e Laub = listhje, zu list Blatt, 
krotoscii istr. sg. = krotostbjq zu krötöst Sanftmut; — M 
aus zdj, z. B. grözde koll. Trauben = grozdhje, zu grözd; 
— st aus sljy z.B. l.präs. sljem ich schicke zu inf. släti 
aus Söljq szlati, istr. sg. fmslju = myslhjq zu miscio Gedanke 
= mysh; — znj aus Z7ij, z. B. gröznja Drohung = "^grozhnci', 
sc aus sc, z. B. päsce dem. = "^pihshc^ zu päs = j9?>so Hund, 
rasclniti auflösen = 7'asc. aus *?y«^-c. In Verbindung mit 
je in den betreffenden Mundarten aus slj slj (genauer §7'), 
z. B. sljeme, sljepica =^ sljeme, sljepica. — sc (genauer sc) 
dial. aus Äc, sceti wollen aus Jitjeti = cJizteti, vgl. dazu sei 
Tochter aus Äcf, dies aus kci für *tci aus '-^döci, bei Ver- 
lust des h entsteht ci; präs. drscem zu drhtati zittern, das 
erst aus drktati = ^drgtati = drsgötati entstanden ist; — 
zt (eig. zl') zlj, zlje adv. arg zöle, räzljevati ausgießen = 
raz-lj. — Das s, Z, im Auslaut von Präpositionen kann vor 
dem anlautenden n der Kasus des Pron. 3. Pers. zu s, i 



§188 — 191.] Kombinatorischer Lautwandel. 105 

(geschrieben 6", i) werden, z. B. s njlm mit ihm, li njega 

aus ihm. 

Anmerkung. Die Palatalisierung eines folgenden Konso- 
nanten durch den vorhergehenden ist selten, dialektisch, in der 
Verbindung cn, das in *c«, darnach in in übergeiit (fo bei Vuk), 
z. B. Jcücni- (zu küca Haus) kutnß, pomocmk Helfer pomötnjtk; 
s. Resetar, Stok. Dial. 138. 

XIII. Vereinzelte, sporadische Laut- 
veränderungen und Lautneigungen. 

189. i ist zu r geworden stets in der alten Par- 
tikel ie, daher j^r, älter jere =je-ze denn; sonst vereinzelt 
mores möre (präs. zu möci können) usw. statt mdzes\ dö- 
renem statt dö-zenem zu dö-gnati herbeitreiben, aus dem 
Präs. ist dann ein do-renuti abstrahiert nach Verben wie 
minem minuti vorbeigehen, wo das 7i zur Präsensbildung 
gehört. 

190. mn neigt zum Übergang in ml, so rnlögo für 
mnößo viel, mllti für miilti meinen (ipf. mljäh statt mnjäh)^ 
pomlja Achtsamkeit, pömljiv achtsam statt pbynnja, pömljiVy 
dlmljäk statt dirnnjäk Rauclifang, sümlja Zweifel sümljati 
statt sümnja sümnjati. Ferner wird mn leicht zu vn, öhräv- 
nica neben öbrämnica Achseljoch der Wasserträger] n, fem. 
tävna aus tqmna (zu tdman finster; aus dem Femin. der 
neue mask. Nom. tävav?)', güvno statt gümno Dreschtenne, 
Düvno (Stadt in Bosnien) statt Dmnno = "^Dlmwio aus 
AeX)aiviov. Umgekehrt ist auch mii aus vn entstanden, 
gldmnja aus glävnja Scheit, sämnuH aus sävnuti, dies aus 
svänuti hell werden. Auf solchen Veränderungen beruht 
die skr. Bezeichnung für Venedig, sie geht zurück auf 
Venetici '^'Vhnetbci "•'Vnefci '■'•Mnetci Mleci (gen. Mlefäkä). 

In einigen Fällen geht n vor Labial in m über: hhnba 
Betrug = '^chynhha, sfrämpiiüca Seitenweg (zu strdna); doch 
schreibt Vuk zenba Heirat = "^zeubha. 

191. sl für SV in slohöda statt ftv.; zl statt z))h in 
zlämenje für zn. Zeichen, Vorbedeutung, nach Mar. S. 43 
durch Anschluß (Volksetymologie) an zlo Übel. 



106 Lautlehre. [§ 191—193. 

hr statt vr im Anlaut dialektisch in hrijeme Zeit aus 
vrijeme, breteno Spindel aus vreteno. 

19S. Es besteht eine gewisse Neigung, s vor Kon- 
sonanten in s zu wandeln, z. B. svräka — svräka Elster, 
skröb — skröb Art Mus, strbka — ströka Schafblattern, 
skrb — skrb Sorge u. a., östar fem. östra (scharf) allgemein 
so, aus ostrz ostra] vgl. § 79. Dahin gehört auch das 
gelegentlich für z vor Konsonanten eintretende i, z. B. 
ßglöb — zglöb Gelenk, Mräk, zdräka Strahl für zdr.^ dies 
avis zr (s. § 175). 



Geschichtliche und dialektologische 

Bemerkungen zum Vokalismus und 

Konsonantismus. 



Es ist hier nicht auf eine vollständige geschichtliche 
und dialektologische Betrachtung abgesehen; sie ließe sich 
nach dem jetzigen Stande der Forschung wohl überhaupt 
nicht geben. Nur solche Züge sollen hervorgehoben werden, 
die für die charakteristischen Eigentümlichkeiten des 
Skr. besonders wichtig sind. 

Zum Vokalisnius. 

19S* 1. Die Wandlungen des ursprünglichen 0, h, 

außer der Verbindung mit r, l -\- Kons. Der Abfall 
im Auslaut, der Ausfall in inneren Silben ist so alt wie 
die Überlieferung des Skr. überhaupt. Wenn in den alten 
Denkmälern glagolitischer und kyrillischer Schrift das 
Vokalzeichen (&) noch geschrieben wird, so ist das die 
Beibehaltung der kirchenslavischen Orthographie. 

Über die Erhaltung des Vokals in solchen in- 
lautenden Silben, wo er nicht ausfallen konnte, und seine 
Vertretung durch volle Vokale vgl. Jagic, Pomladena voka- 
lizacija u hrvatskom jeziku (Rad 9, 65); ders., Wesen 
des sekundären a (ASlPh. 4, 397); Oblak, Die Halb- 



§ 193 — 195.] Gescliiuhtliche u. dialektologische Bemerk. 107 

vokale und ihre Schicksale in den südslav. Sprachen 
(ASlPh. Iß, 170). 

104. Bei der Einwanderung der Serbokroaten in 
die Balkanhalbinsel bestanden die Vokale ö, h noch oder 
wenigstens an ihrer Stelle ein einheitlicher schwacher 
Vokal, denn bei der Aufnahme romanischer Wörter (Orts- 
namen u.a.) werden deren kurze oder verkürzte u, i ge- 
nau so behandelt wie die ursprünglich slavischen 5, h und 
in denselben vollen Vokal verwandelt wie diese, z. B. 
Bäkar iia\. Buccari, Cäptat Cävtat == civitatem (heute Ragusa 
vecchia), Krkar (= Gorcyra nigra, Curzola), fämjan =■- 
dujuia|Lia (r = i). Das wäre nicht möglich, wenn niclit 
damals die romanischen ti, i mit dem ti- und i-artigen 
slov. o, h zusammengeworfen wären. 

Die Frage ist nur, wie lange sich ein solcher schwacher 
Vokal erhalten hat. Zunächst steht fest, daß der alte 
Unterschied von s und 6 vor dem 11. Jahrhundert ge- 
schwunden ist, denn die lateinischen Urkunden des 11. 
bis 12.Jahrhs. aus dem adriatischen Küstenland schreiben 
skr. Wörter, einerlei, ob sie ursprünglich o oder 6 ent- 
hielten, gleichmäßig. Ferner ist unzweifelhaft, daß die 
Schreiber noch nicht das spätere a an Stelle des 6 ver- 
nahmen, denn sie schreiben ursprüngliches a stets als a, 
dagegen z. B. das häufig vorkommende sötbniko (centurio; 
später satnik) regelmäßig sitnicus (seltener setnicus), Namen 
auf -hch (später -ac) mit -iz, z. B. Lusiz d.i. luzhch (später 
liizac). Also bis ins 12.Jahrh. war wenigstens in Teilen 
des Sprachgebiets noch der alte schwache Vokal vorhanden. 

Das a für h kann man in den glagolitischen Urkunden 
etwa von 1300 an reichlich belegen, z. B. dohitak = do- 
bytdko; in denen des östlicheren Gebiets (Bosnien usw.) 
von der Mitte des 14. Jahrhs. an, das liegt al)er nur an 
dem starreren Festhalten der überlieferten kirchensl avischen 
Schreibweise (s. ASlPh. IG, 175fg.). 

195. Das a ist aber niemals über das ganze Sprach- 
gebiet völlig durchgedrungen. Im Süden, in Teilen Monte- 
negros und darüber hinaus (s. Resetar, Der stok. Dialekt, 



108 Lautlehre. [§ 195. 196. 

S. 90) erscheint ein dumpferer Vokal. Mir erschien' er 
aus dem Munde von Leuten aus Dobrota (an den Bocche 
di Cattaro) bei langer Silbe wie der mir geläufige Vokal 
im niederdeutschen sön (Sohn), bei Sievers 0^, z. B. dön 
(dän) Tag; bei kurzen Silben wie die entsprechende Kürze. 

Das zweite, vom a-Gebiet abweichende liegt an der 
äußersten Nordwestseite, auf den Quarnero-Inseln, vgl. 
Milcetic, Cakavstina kvarnerskih otoka, Rad 121, dazu 
Oblak in ASlPh. 18, 246, der dort die Verhältnisse 
auf Veglia kurz zusammenfaßt. Sogar nahe beieinander 
liegende Lokalmundarten haben verschiedene Wege ein- 
geschlagen, in den Orten Vrbnik und Omisalj herrscht e, 
z. B. pes (phsö, päs), otec {othch, ötac); dagegen in Dobrinj 
: pos^ otöc. Über Cherso s. Tentor, Der cakav. Dialekt 
der Stadt Cres, ASlPh. 30, 156. Die dort angeführten 
Beispiele scheinen zu ergeben, daß nach einer alten, frei- 
lich jetzt verwirrten Regel die Vertretung der Kürze e, 
die der Länge a war, z. ß. otec junec, posel (= poszlz, 
■pösao), ves (omnis; väs), meglä {mägla), denes (dänas), Bei- 
spiele wie te7ilci {tänhi) haben e durch sekundäre Dehnung 
vor w-|-Kons.; dagegen in den ursprünglich stets langen 
Endsilben von Genitiven plur. a, z. B. kolec g. pl. kolac 
prasec präsac, divöjka divöjak, rozga rozäg\ vgl. dazu dän 
neben denes. 

196. 2. Die Ausbildung eines r- Vokals. Mit Aus- 
nahme kleiner Strecken herrscht auf dem ganzen Sprach- 
gebiet diese Silbengestalt. Nur im adriatischen Küsten- 
und Inselgebiet kommt neben r auch er, ar, ri vor. Ich 
hebe daraus einiges hervor: auf Veglia (s. Milcetic, Cak.) 
variieren die Lokalmundarten zwischen r, ar, er, das letzte 
da, wo die Mundart e als Vertreter von altem 6 hat, so 
in Vrbnik und Omisalj, z. B. derzät {drzati), zerno (zrno), 
kerv (krv). 

ar findet sich sporadisch oder durchgehend auf den 
Inseln, zum Teil in Quarnero, dann auf denen südlich von 
Lussin bis Lesina und Lissa; auf diesen beiden kommt 
nach meiner Erfahrung r in der Volkssprache überhaupt 



§ 196.] Geschichtliche u. dialektologische Bemerk. 109 

nicht vor, sondern nur ar für kurzes f, är für langes f, 
z. B. hfü'do =^ ft>V?o, 2:/h7?o = ^hw, ai'jä = rcTa; fvärd = 
tvPd, kdr (statt kärv = kPv Blut) ^en. kdrvi (= H'vi). 

Diese er, ar sind nicht Fortsetzungen eines urslav. 
3r, i)r vor Konsonant, wie sich daraus ergibt, daß sie eben- 
sowohl urspr. rö, rb fortsetzen, vgl. derzäi darzät = "^'dhr- 
zaü, kerv kär = krzvb. Die e und a sind Hilfsvokale, 
einem ehemaligen r hinzugefügt. 

Die glagolitischen Urkunden vor dem 16.Jahrh. auch 
aus denselben Gegenden, wo jetzt er und ar vorkommt, 
schreiben einfach r; wo die späteren Denkmäler desselben 
Gebiets er oder ar haben, kann man nicht immer mit 
Sicherheit bestimmen, ob dialektische Aussprache wieder- 
gegeben ist, oder ob er, ar den an lateinisch-italienische 
Orthographie gewöhnten Schreibern nur eine Verlegenheits- 
auskunft war für das ihnen fremde r. In den kyril- 
lischen Urkunden wird das aus der kirchenslav. Schreib- 
weise übernommene pb festgehalten. In ragusanischen 
Urkunden des 13. Jahrhs. findet sich gelegentlich er, 
selten auch in bosnischen, daneben auch ar, das in der 
dalmatinischen Literatur lateinischer Schrift im 16. Jahrh. 
regelmäßig geschrieben wird. Da sich das in diesen Teilen 
des Sprachgebiets jetzt übliche r nicht aus er, ar ent- 
wickelt haben kann, bin ich der Ansicht Resetars (ASlPh. 
17, 12): «Eine Affizierung der Aussprache des Vokals 
r möchte ich jedoch weder in der Schreibung er noch 
in der Schreibung ar erblicken, höchstens daß die ro- 
manischen Schreiber des 13. Jahrhs. sich die Aus- 
sprache des ihnen ungewöhnlichen Vokals zu erleichtern 
suchten und denselben nicht nur in der Schrift durch er 
wiedergaben». Es kommt auch jetzt noch vor, daß italie- 
nisch sprechende Städter in Gegenden, wo sonst r besteht, 
nicht dies, sondern er sprechen. Für das Suchen nach 
einem passenden Ausdruck für r ist ein interessantes 
Zeugnis Micaglia, Thesaurus linguae illyricae 1649 (in dem 
Abschnitt der Einleitung «de Orthographia»): «Mortem» 
aliqui scribunt smart, aliqui smert, aliqui alii sine vocali 



110 Lautlehre. [§196 — 198. 

smrt; sed in commiini usu loquendi non dicitur smart 
nee smert^ sed modo quodam aspero ita ut vocalis non 
advertatur. Er schlägt dann vor, rri, smrrit zu schreiben. 
Der Notbehelf des er, är (zur Unterscheidung von anderem 
er, ar) hat sich in der kroatischen Literatur bis in die 
zweite Hälfte des 19. Jahrhs. erhalten, vgl. Jagic, Zur 
Verständigung, ASlPh. 1, 453. 

197. Vi erscheint auf Lagosta (s. Oblak, Der Dialekt 
von Lastovo, ASlPh. 16, 435), als Vertreter von f, 
z. B. gen. pl. prist (prst-ä) zrtn (zrn-ä) dir (drvä), kir (für 
kirv^ krv), dagegen scheint kurzes r stets zu bleiben, n.sg. 
pfst^ zrno, dfvo, gen. krvi. 

Zu der Beimischung eines i-Klanges ist zu vergleichen, 
daß die lateinischen Urkunden des 11. Jahrhs. sehr regel- 
mäßig ir schreiben, z.B. Tirpimir, Dirzislav, Girdan. Den 
Griechen muß r noch später so erschienen sein, wenigstens 
findet sich die Stadt Novo Bfdo bei Ducas, Hist. Byz. ed. 
Bonn. p. 209, Z. 15 (= Cap. XXX, p. 117) geschrieben 

NoßÖTTplöOV. 

198. 3. Die Ausbildung eines u aus älterem Z- Vokal; 

s. Jagic, Zur Frage über den Übergang des silbenbildenden 
l in u, ASlPh. 4, 386; Oblak, Zum silbenbildenden l 
im Slavischen, ebd. 16, 198; Resetar, Die ragusan. Ur- 
kunden des 13. — 15. Jahrhs., ebd. 17, 9. 

Mit geringen Ausnahmen herrscht u über das ganze 
Sprachgebiet. Dialektische Ausnahme bildet im äußersten 
Nordwesten die Gruppe der Quarnero-Inseln . Für die 
Einzelheiten verweise ich auf Milcetic, Cak. (Rad 121), 
dazu Oblak, ASlPh. 18, 218, und bemerke nur, daß auf 
Veglia noch l vorkommt, z. B. dlg (lang, düg)^ pln (voll, 
pun). Nach einer Notiz bei Resetar, Skr. Bet. südw. Mund- 
arten, S. 17^ soll in Serbien im Kreis Knezevac noch 

langes l vorkommen, vlk (vük). Die Lokalmundarten auf 
Veglia, die 5 durch e, o, a vertreten lassen, haben ent- 
sprechend auch el, ol, al, z. B. in Omisalj el (dessen kon- 
sonantisches l verloren geht), vena (Wolle, vüna), deg, behä 
(Floh, büha, WYsl. bhcJia), bei Länge e, iet {= zlt^ iüt); in 



§198 — 200.] Geschichtliche u. dialektologische Bemerk. 111 

Dobrinj o (für ol): dög bohä, zöt, während hier für r kein 
or eintritt. Vgl. dazu die Angaben Tentors über Cherso 
(ASlPh. 30, 157): delh gen. delga (Schuld, düg), pelf 
(= j)if, altkr. j;z7f, ursl. ploth), selkel = s-velkel aus s-vlkl 
(s-cfikao), sence (= sJnce, snnce). Unter den dort gegebenen 

Beispielen ist nur eins mit Kürze, jähelka = jablka, jäbuka; 
vgl. dazu die Bemerkung über r § 196. Aus anderen 
Lokalmundarten des Quarnero päln, dälgo (s. Rad 121, 
106). Der diesen Mundarten sonst nahe verwandte 
Festlandsdialekt der kroatischen Küste im Vinodol (Novi) 
kennt für / nur w, wie er auch nur r hat (s. Belic, Zam. po 
cak. gov., Izv. XIV). Daß die el, ol, al nicht Fort- 
setzungen von altem ^l, hl -\- Kons, sind, beweist das 
gleiche Verfahren dieser Mundarten bei altem Zs, Ih, vgl. 
z. B. he(l)hä ho(l)liä = ursl. hldcha. 

199. Die andere Ausnahme liegt im Süden; auf 
Lagosta tritt geschlossenes o ö ein, z. B. dög (lang, düg)^ 
dözan (schuldig, düzan), s-vöc = '^Sö-vlkti = "^'vhlkti (s-vüci), 
köc (= '''zblch^ züc). 

200. Die glagolitischen Urkunden des 14. — 15. Jahrhs. 
zum Teil aus demselben Gebiet, wo jetzt /, und daneben 
el^ ol, al vorkommt oder, wie im kroatischen Küstenland, 
ti, schreiben oft einfach l, z. B. mlcanie, Vlksic, dUan 
(ASlPh. 4, 390), von da an tritt u ein. Die lateinischen 
Urkunden des Adriagebiets haben vom ll.Jahrh. an sehr 
regelmäßig il, z. B. Vilcan, Tilsto-cossa, daneben seltener ely 
Velcan {Vükan, tust); vgl. dazu ir (er) für r (§ 197). Von An- 
fang des 15. Jahrhs. tritt in den ragusan. Urkunden u 
ein, in östlicheren Gegenden (Bosnien) schon im 14. 
(ASlPh. 17, 11). Den Vorgang der Wandlung von l in 
u hat Jagic, ASlPh. 4, 395 so erklärt: «Das silben- 
bildende l ging im Serbischen und Kroatischen ganz gleich 
dem auslautenden oder die Silbe abschließenden / in o 
über [s. §§18, 132]; der Unterschied besteht nur darin, 
daß beim silbenbildenden l das aus dem ursprünglichen 
Stimmton des l beim Übergang von der Muta (als Ge- 
räuschlaut) zur Liquida (als sonorer Laut) erzeugte kurze 



112 Lautlehre. [§200.201. 

ti nach und nach über o das Übergewicht bekam und zu- 
letzt es ganz in sich aufgehen ließ». Also z.B. ursl. *polkö 
wird zu pik, daraus ein p'^lk puok puk. Die Überlieferung 
ragusanischer und bosnischer Urkunden etwa von der 
Mitte des lö.Jahrhs. an und Schreibungen ragusanischer 
und bosnischer Schriftsteller des 16. und 17. Jahrhs. 
scheinen diese Ansicht zu stützen, denn dort wird häufig 
geschrieben uo, z. B. puok, stuop, muonja, puot (Fleisch), 
suonce (s. ASlPh. 4,394; 9, 121). Dazu macht Oblak 
(ASlPh. 16, 202) die Bemerkung, daß bei dem Bosnier 
Divkovio (17. Jahrb.), bei dem diese Schreibung am 
meisten vorkommt, uo nur steht in Wörtern, die jetzt ü 
(=/) haben, z.B. vtiok (vük), duog (düg), puok {pük)^ zuot 
(züt). Ich kann Jagics Ansicht nicht teilen: 1. tritt u auch 
ein in solchen Mundarten, die bis jetzt silbenauslautendes 
l erhalten haben, und es ist nicht zu verstehen, w^arum sie 
es hier belassen, dagegen in dem für / vorauszusetzenden 
'^Z in übergehen ließen; 2. stimmt das o auf Lagosta nicht 
wohl dazu; man müßte denn annehmen, daß hier ein ehe- 
maliges uo durch Assimilation zu o geworden sei. Ich bin 
daher der Meinung, daß u unmittelbar aus f (sogen, gut- 
turalem f) entstanden ist durch Lösung der Sperre, die bei 
l durch die Zungenspitze geschieht, in der Mittellinie der 
Mundhöhle; der dann verbleibende Stimmton des f ist ein 
dumpfer Vokal zwischen u und o und kann in dieses oder 
jenes übergehen, wie denn das Skr. überall die Tendenz 
zeigt, dumpfe Vokale in klare übergehen zu lassen. Die 
Schreibung uo ist dann ein Versuch, jenen einst vorhandenen 
Mittellaut zu schreiben. Für die Richtigkeit dieser Ansicht 
spricht mir auch das Schwanken zwischen o, uo, u in den 
ragusan. Urkunden, z. B. Vokac, Vuokac, Vukac (= vlkhch), 
s. ASlPh. 17, 10; vgl. dazu die Bemerkung über die 
Schreibungen in latein. Urkunden, z. B. Volc, Vuoch, Vocli 
(= vlk, vük) ebd. S. 37. 

301. 4. Wandlung des silbenauslautenden l in o. 

So im allergrößten Teil des Sprachgebiets; erhalten ist 

dies l auf den adriatischen Inseln von Veglia bis Lesina 



§201.202.) Geschichtliche «.dialektologische Bemerk. 113 

und Lissa, wie im kroatischen Küstenland, z. 13. hvalil, 
mdel, relcal. Häufig ist dann in diesen Mundarten das l ge- 
schwunden, z.B. in Dobrinj (aufVeglia) hi = bil, pobegnu = 
-begnnl, kövn = koval^ auch an anderen Orten, z. B. auf 
Lesina und Lagosta, hier z. B. za = zäl zäo, vidje == vidjel 
vldjeo, reka == rekal rekao. Es ist hier nicht etwa ein aus l 
entstandenes o abgefallen, sondern l schwindet in gewissen 
Verbindungen im Satz vor Konsonanten, z. B. auf Lesina 
reka san, dagegen ja sau rekal. 

In den östlicheren Teilen des Sprachgebiets erscheint 
dies sehr früh, in bosnischen Urkunden schon im 
14. Jahrb., z. B. vlasteo = vlastel^ in den ragusanischen 
nach 1400, z. B. veseo, is-pio u. a. (s. Resetar, ASlPh. 17, 
21). Soweit die beigebrachten Beispiele ein Urteil er- 
lauben, scheint es mir, daß überall die Wandlung von 
silbenauslautendem Z in o jünger ist als die von / in m, 
demnach beide Erscheinungen nicht in Zusammenhang 
stehen. Der Unterschied bei den ja lautlich verwandten 
Vorgängen hat seine Ursache darin, daß / stärker gespannt 
ist und tieferen Stimmton hat als konsonantisches l. Man 
kann das leicht wahrnehmen, wenn man hintereinander 
einmal die Zungensperre bei / {^= i) löst, dann die von 
kons. l. 

202. 5. Die Behandlung des alten e. Die dia- 
lektische Begrenzung der Vertretungen e, i, je ije (ie) 
s. Einleitung. Zum Verhalten innerhalb der jekavischen 
Mundarten ist zu bemerken, daß die seit Vuk allgemeine 
Schreibweise ije für altes ^ nicht für alle Jekavci zutrifft. 
In südwestlichen Mundarten (Montenegro, Herzegovina, 
Ragusa) ist nicht zweisilbiges ije eingetreten, sondern es 
wird einsilbiger Diphthong gesprochen, z. B. sieno (Vuk 
sljeno)^ rieka (Vuk rijeka), also verschieden von den Fällen, 
wo ursprünglich ,/ zwischen Vokalen steht, z. B. hl-j-emo 
(zu hiti schlagen). Die Einsilbigkeit stimmt zu dem 
metrischen Gebrauch der ragusanischen Dichter des 
16. Jhs. Vgl. Resetar, Die Aussprache und Schreibung 
des e im Skr., ASlPh. 13, 591; ders., Der stokav. Dial., 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 8 



114 Lautlehre. [§202.203. 

S. 89, dazu Belic im Rocznik slav. 1, 191; Broch, Slav. 
Phonetik, S. 259. Der Wechsel von ije und je hängt zum 
Teil mit der Betonung zusammen; bei Betonung " scheint 
in den betreffenden Gegenden gewöhnlich diphthongisch, 
ohne j, gesprochen zu werden, bei ' dagegen Schwanken 
zwischen ije und ie zu bestehen. 

Auf Lagosta wird nicht bloß e durch je, sondern auch 
B durch je vertreten, z. B. pjena mjesto, svjet vjenac. Die- 
selbe Sprechweise findet man auch in Gegenden, wo die 
jekavische Schriftsprache nicht ursprünglich heimisch ist, 
z. B. in Agram. 

Über das Verhalten der älteren Überlieferung s. Jagic, 
ümlautserscheinungen usw., ASlPh. 6, 80 fg.; Resetar^ 
Die ragusan. Urkunden, ASlPh. 16, 1. Ich bemerke 
hier nur, daß in latein. Urkunden auch aus Gegenden, 
wo jetzt ikavisch gesprochen wird, die betreffenden Wörter 
mit e geschrieben werden (s. ASlPh. 4, 405), z. B. Bei- 
grado, Negovan, Vera, ded, Utecha. Daraus darf man schließen, 
daß damals noch kein i gehört wurde. Allgemein aus- 
gedrückt wird die Sache so liegen: urserbisch war das 
alte e l vertreten durch geschlossenes e f, diese konnten 
in offene e e übergehen (ekavisch), konnten t^xxi i werden 
(ikavisch) und konnten sich in Diphthonge wandeln le 
(daraus je), %e (daraus ie ije; jekavisch). 

203. 6. Das Aufgeben der alten Nasalvokale. 
Bei Einwanderung der Serbokroaten in die Balkanhalb- 
insel, im Übergang vom 6. zum 7. Jahrb., müssen sie noch 
Nasal vokale gesprochen haben. Das geht hervor aus der 
Behandlung des romanischen San- Sani- (sanctus) vor Namen 
in einer größeren Anzahl von Ortsnamen an der kroatisch- 
dalmatinischen Küste und auf den Inseln, vgl. die Zu- 
sammenstellung bei Jirecek, Die Romanen in den Städten 
Dalmatiens I (Wiener Denkschr., Bd. XLVIII, 1901), S. 57, 
z. B. Su-äuraä (ital. San Giorgio), Su-petar {San Pietro),. 
Sut-ivan (= Sant-ioan, San Giovanni)', Insel Susak (westlich 
von Lussin) ital. Sansego (bei Racki, Documenta, S. 356, 
Nr. 3 Sansagiis). Die romanische nasale Silbe hat die 



§203.204.] Geschichtliche u. dialektologische Bemerk. 115 

gleiche Wandlung durchgemaclit wie das slav. g, das ist 
aber nur möglich, wenn dies zu der Zeit der Aufnahme 
solcher Namen noch vorhanden war, denn spätere Ent- 
lohnungen behalten an bei, z.B. sänseg (on^önum majorana) 
aus adjuipuxov crd|ui|;ouxov, kändilo aus mittelgr. Kavör|\a, 
spr. kandüa (aus lat. candela). Noch im 9. Jahrb. haben 
Nasalvokale wenigstens in Teilen des Sprachgebiets be- 
standen. Das bezeugen Schreibungen eines skr. Namens 
in Urkunden von 872 und Sd'Z: Montimerus^ Muncimirus 
\. Muntiviirus (= Mgtiynir^)\ sie sind erst in späteren Ab- 
schriften überliefert, aber die Abschreiber wären schwer- 
lich auf jene Form statt des späteren Mutimir (schon im 
11. Jahrb.) verfallen, wenn die Originale sie nicht gehabt 
hätten. Die analoge Schreibung en für ^ scheint nirgends 
überliefert zu sein; im 11. Jahrb. werden die mit veöe- 
(abg. v^ste-) zusammengesetzten Namen nur mit e ge- 
schrieben, z. B. Vecedrag (s. ASlPh. 4, 407). Man kann 
danach annehmen, daß die Nasalvokale zwischen dem 
9. und 11. Jahrh. aufgegeben sind; genauere Bestimmung 
läßt sich nicht geben. 

S04. Das u aus p ist über das gesamte Sprach- 
gebiet gleichmäßig verbreitet, e statt ^ nicht allgemein 
durchgehend. Im adriatischen Küstenlande mit seinen 
Inseln steht in älterer Zeit wie zum Teil noch jetzt nach 
jj c, i, s in Wurzelsilben a; in Flexionsendungen nur e, 
z. B. düse = dus^, pridose = pridos^. Von den im 
15. Jahrh. entstandenen Lektionarien (h. Reäetar, Primorski 
lekcionari, Rad 134 und 136) hat das Zaraer (Z) regel- 
mäßig a nach jenen Konsonanten, z. B. jazik = j^zykz^ 
pri-jati = -j^tiy po-cati = -c^ti, zatva = zdva\ das I^ect. 
Bernardini (Spalatenser, B) regelmäßig -jati, sonst e neben 
a, z. B. jezik und jazik, za-ceti za-cati, zetva zatva; das 
Ragusaner Exemplar regelmäßig -jati, sonst e. Auch die 
ragusan. Urkunden des 14. — lö.Jahrhs. wie Schrittsteller 
des 16. Jahrhs. haben -jati (das Nähere s. Rad 184, 107); 
ebenso die Schriftsteller aus Spalato und Lesina, z. B. bei 
Marulic jazik, zaja (= '^z^dja abg. z^zda), pri-jati. In 

8* 



IIG Lautlehre. [§204.205. 

heutigen Mundarten desselben Gebietes sind Reste dieser 
Erscheinung geblieben. Von Norden an gerechnet: in 
Fiume zajik (statt jazik), jacmik = j^chmyks (s. Strohal, 
Osebine rijeckoga narjecja, Rad 124); im kroatischen 
Küstenland in denselben beiden Wörtern (s. Belic, Zamötki, 
S. 10); auf Veglia wenigstens zajik, wahrscheinlich aber 
auch die sonst in den umliegenden Mundarten vor- 
kommenden Beispiele; auf Cherso zajik, zajen = "^z^djhnz 
abg. ipMbns, jacmik, sonst e (s. ASlPh. 30, 154); auf 
Arbe, wo am meisten die schon in älterer Zeit beobachteten 
Beispiele aufgezeichnet sind, po-cät (so in allen Formen 
des Verbums -ceti), jätra = j§tra, zalk, säja == "^^gdja abg. 
s^sda, zäjan, zät = z^ti ernten, zätva, o-zät = zeti drücken 
(s. Kusar, Rapski dij., Rad 118, 3), außerdem kl'ät = 
kl^ti; vgl. dazu im Lect. Z po-kt ak^mvsi = kiek. Es be- 
ruht dies kta- auf einer Neigung, nach gutturalen Kon- 
sonanten / zu palatalisieren, so im Dialekt von Novi 
(Belic, Zametki) z. B. kl'i^i, kl'eiva, gl'edaii. Auf Lussin 
wird angegeben zajik, uzali neben uzeli = vözeli (Vor- 
läufige Berichte der Balkankommission VII, 7). Von Le- 
sina und Lissa führt Oblak (ASlPh. 16, 430) an jazik, 
jädro, jätra, pri-jät u-jät, aus Curzola nur u-jät, das alles 
auch aus Lagosta. Es zeigt sich also, daß dies a überall 
abnimmt durch den Einfluß von Mundarten, die nur e 
haben. Das a ist nicht unmittelbar aus e hervorgegangen, 
sondern aus e entstanden und erklärt sich daraus, daß 
nach alten palatalen oder nach palatalisierten Konsonanten 
e zu einem sehr offenen ä, dies dann zu a wird. Den- 
selben Vorgang kann man im Litauischen finden, wo e 
betonter Silben so in a übergeht, z. B. väda 3. sg. pr., 
vedü (vedü) 1. sg. (ich führe), l'ädas Eis, plur. l'edai (ledai). 

Über den Bereich des westlichen Sprachgebiets hat 
in älterer Zeit -jati hinausgeragt, pre-jati za-j, pri-j.; es 
findet sich häufiger in bosnischen und namentlich in ragu- 
sanischen Denkmälern bis zum Ende des 15. Jahrhs. 

d05. 7. Das Zusammenfallen von y und r in 
i ist so alt wie überhaupt die Überlieferung des Skr. in 



§205 — 207.] Geschichtliche u. dialektologische Bemerk. 117 

eigener Sprache, z. B. in Urkunden des 12. Jahrhs. mi = 
my wir; ebenso in latein. Urkunden des 11. — 12. Jahrhs. 
Wo noch hl geschrieben wird, ist es Beibehaltung kirchen- 
slav. Orthographie, und es wird u auch für altes i an- 
gewendet, z. B. BAMki = vami Urk. 1189 (Miklosich, Mon. 
serb. Nr. IV). Merkwürdigerweise haben Abschriften 
von latein. Urkunden des 9. Jahrhs., die im 14. Jahrb. 
gemacht sind, bei Personennamen mit zweitem Gliede 
myslh (jetzt misao gen. misli) die Schreibung -muslo, z. B. 
Luthmislo. Es scheint das ein Zeugnis zu sein, daß die 
Originale des 9. Jahrhs. noch u hatten, als unvollkommenen 
Ausdruck eines y\ hätten sie schon l gehabt, wären die 
späteren Abschreiber schwerlich auf u verfallen, vgl. Jagi(!3, 
ASlPh. 4, 406. 

Zum Konsonantismus. 

SOG. Der Konsonantenbestand ist im ganzen, wenn 
man von geringeren Artikulationsunterschieden absieht, 
über das ganze Sprachgebiet gleichartig. Einige besondere 
Bemerkungen mögen genügen: 

1. Der mit c geschriebene Laut ist nicht überall gleich. 
Im westlichsten Sprachgebiet, den dalmatinischen Inseln, 
ist für mein Ohr der Laut nicht zu unterscheiden von t' 
(wie z. B. im Cech.X svit'ä (sveca, svijeöa), vgl. dazu die 
Bemerkung von Belic über die Mundart von Novi (Za- 
metki, S. 11). In südlichen Mundarten (Ragusa, Teilen 
von Bosnien und Herzegovina, s. Resetar, Stokav. Dial., 
S.133; vgl. auch Rad 158, S.53) fällt ö mit c zusammen 
in der Weise, daß statt c gesprochen wird t's (c). In den- 
selben Orten geht dz in d über. 

207. d wird im westlichsten Teil des Sprachgebiets 
zu j\ von Fiume bis Lngosta auf allen Inseln wohl durch- 
gehend, z. B. rnejä =^ meda, mläji = mlädl (Kompar.), 
mjen = vuten. 

Die sekimdär durch Verlust von h aus der Verbindung 
-hj- entstandene Kombination von Konsonant mit / bleibt 
wenigstens in Teilen des westlichen (Gebiets unverändert, 



118 Lautlehre. [§207—210. 

d. h. ./ wirkt nicht palatalisierend auf den vorangehenden 
Konsonanten, z. B. in Novi (BeHc, Zam.. S. 10): netjäk 
(ätok. necak) Neffe, djäväl (stok. dävö). 

208. Die im Siokav. mit s6 wechselnde Verbindung 
6^^ (s. § 185 fg.) ist cakavisch nur durch sc, z. B. gnojisöe, 
plasc (gndjiste, pläst), isdem {Istem zu tskati)\ das ötokav. M 
nur durch ij vertreten, z. B. grösje {gröMe). 

209. Eine weitreichende EigentümUcheit cakav. 
Mundarten ist die Ersetzung von t durch j, z.B. jüdi = 
l'üdi, jüblt = l'übiti, zemjä = zemfa; man kann sie beob- 
achten von Fiume bis I^esina. 

SlOi Die Wandlung von d vor Konsonanten in l 
findet sich nach Rad 118,5 in Arbe, z. B silbä = sjddba, 
holcä gen. sg. zu bodäc für bodcä^ ol gräda = od gr. Das- 
selbe habe ich auf Lesina beobachtet, und es mag auch 
sonst vorkommen. 

Über n statt m im Wortauslaut s. § 160. 



§211.1 119 



Betonung und Silbenquantität. 



2'VL, Literatur. Angeführt werden hier Schriften, die 
sich wesentlich auf das Skr. beziehen, theoretische Bt-trachtungen 
über das Wesen der skr. Betonung oder historische Versuche 
oder Zusammenfassungen der Betonung ganzer Wortklassen ent- 
halten. Die urslaviscbe Betonung behandelt Mikkola, Urslavische 
Grammatik (Heidelberg 1918)1, 116. — Über besondere dialektische 
Betonungsweisen s. §§3^3—338, über die cakavische §839 fg. — 
V. Jagic, Paralele k hrvatsko-srpekomu naglasivanju, Rad 13, 1 
(1870). — L. Masing, Die Hauptlormen des serb.-chorv. Akzents 
(Memoires de l'Acad^mie de St. P., VII s^rie, T. XXIII, Nr. 5, 
1876). Dort S. 93 die benutzte ältere Literatur. Vgl. die Anzeige 
von Kovacevic, ASIPh. 3, 685. — R. Gauthiot, Etüde sur les in- 
tonations serbes, MSL. 11 (1899), 336. — 0. Broch, Slav. Phonetik, 
namentl. §§ 231, 232. — Gj. Danißid, Prilog za istoriju akcentu- 
acije hrvatske ili srpske, Rad 11 (1872), 150. — A. Sachmatov, 
K istorii serbsko-chorv. udarenija, RFV 19 (1888), 20, 23, 24; ders., 
Jurij Krizanic o serbsko-chorv. udarenii, ebd. Bb. 32 — 34; Izv. 
III, I. Anzeigen beider Schriften von Resetar, ASlPh. 19, 564, 
wo auch Theorien von Storm, Florschütz, besprochen werden. — 
T. Maretic, njekim pojavima kvantitete i akcenta u jeziku 
hrvatskora ili srpskom, Rad 67 (lh83), 1 (Anzeige von Jagic, ASIPh. 
7, 488); Ders., Nov prilog za historiju akcentuacije hrvatske ili 
srpske, Rad 70 (1884), 89; 71 (1884), 61; 73(1884), 77. — Vondräk, 
Vergleichende slav. Grammatik (1906) I, 221 fg.. — Leskien, Unter- 
suchungen üVjer Quantität und Betonung in den slavischen 
Sprachen I (Abhandl. der phil.-histor Kl. der sächs. Ges. d. Wiss. 
X, 1885); II ebd. XIII (1893); eine dritte Abhandlung gleichen 
Titels ASIPh. 21 (1899). — Zur Bestimmung des Haupitons in 
einzelnen Wortklassen: P. Budmani, Grammatica della lingua 
eerbo-croata, Wien 1867. — Daniele, Nesto o srpskijem akcentima 
(die Feminina auf -a), in Mikloaich, Slav. Bibl. I(1851),97; Ders., 
Srpaki akcenti (die Subst. masc. gen.), in Glasnik drustva srpske 
slovesnosti VIII (1856), 1; XI (1859), 1 (die Neutra und die fem. 
i-Stämme); Ders., Akcenti u glagola, Rad 6 (1869), 47 (Sonder- 



120 Betonung und SilboiKiuantität. [§211.212. 

abdruck, Agram 1896); Dere., Akcenti u adjektiva, ebd. 14 (1871), 
88 (Sonderabdruck der Arbeiten über die Nomina u. d.T, Akcenti 
u imenica i pridjeva, Agram 1913). Alle diese Arbeiten beruhen 
fast ausechließlich auf der zweiten Auflage von Vuks Wörter- 
buch. — A. Pavic, Studije o hrvatskom akcentu, Rad 59 (1881), 
behandelt die Substantiva auf Grundlage von Danicics Zusammen- 
stellungen. — J. Gopic, Glagolski akcenat u jeziku hrvatskom, 
Nastavni Vjesnik XX (191 2), S. 321, 401, 497, 577, 657. — Mikkola, 
Ursl.Gr. 1, 128. — Die Literatur über das Cakavische und andere 
Mundarten s. §§ 333, 389. 

Es ist in diesem Abschnitt nicht abgesehen auf alle und 
jede Einzelheit. Man ist bisher nicht imstande, für jedes Wort 
und jede Wortforra die Ursache oder die Bedingungen der be- 
stehenden Betonung und Quantität anzugeben. Es handelt sich 
hier daher nur um Zusammenfassungen des Gleichartigen und 
um wesentliche allgemeinere Prinzipien. 



I. Die Haupttonstelle. 

I. Allgemeines. Cakavische Haupttonstelle. 

212, Wenn man das gesamte Sprachgebiet in Be- 
tracht zieht, so ist die heutige Lage des Haupttons nicht 
überall gleich. 

Es gibt zwei Mundarten oder Mundartengruppen, 
die den äußersten Gegensatz darstellen : cakavische Mund- 
arten, namentlich die nordwestlichen, haben die ur- 
slavische oder überhaupt ältere Haupttonstelle bewahrt, 
dagegen hat die von Vuk zur Schriftsprache erhobene 
besondere herzegovinische Mundart den älteren Hauptton 
um eine Stelle, um eine Silbe nach dem Wortanfang zu 
verschoben. Es herrscht diese Betonungs weise außerdem 
im allgemeinen mit der herzegovinischen übereinstimmend 
in Südwestserbien, in Zentralserbien (der Sumadija) und 
in Südungarn. Es gibt aber auch Mundarten, die jene 
Verschiebung nur zum Teil und unter bestimmten Be- 
dingungen durchgeführt haben, also in einigen Fällen 
altertümlich betonen, in anderen auf einer neueren Ent- 
wicklungsstufe stehen (s. §§ 333 — 338). Bei der folgenden 
Darstellung handelt es sich um die von Vuk festgelegte 



§212—214.] Die HaupttonstelJe. 121 

Betonlingsweise, für die ich der Kürze wegen die Be- 
zeichnung stokavisch beibehalte, weil man sie meistens 
kurzer Hand so benennt. 

m^. Die slavischen Sprachen zerfallen in bezug auf 
die Haupttonstelle in zwei Hauptgruppen; die eine hat 
beweglichen, d. h. nicht bei allen Wörtern an der gleichen 
Stelle liegenden Hauptton: Russisch, Bulgarisch, Slovenisch, 
Serbokroatisch, Kaschubisch (Slovinzisch); die andere hat 
den Hauptton aller Wörter auf die gleiche Stelle festgelegt: 
Polnisch auf die vorletzte Silbe, Cechisch und Sorbisch auf 
die erste. Es ist klar, daß zu unmittelbaren Rückschlüssen 
auf den urslavischen Hauptton wesentlich nur die erste 
Gruppe dienen kann. 

Die Vergleichung ergibt nun, daß der heutige da- 
kavische Hauptton im ganzen dieselbe Stelle einnimmt 
wie der russische. Da diese beiden Sprachen verschiedenen 
Zweigen der slavischen Sprachfamilie angehören, in ge- 
schichtlicher Zeit keine Berührung und gemeinsame Ent- 
wicklung gehabt haben, ist der Schluß gerechtfertigt, daß 
die gleichartige Betonung aus urslavischer Zeit stamme. 
Dieser Schluß wird bestätigt durch die Tatsachen der 
bulgarischen und der slovenischen Betonung. Man darf 
also bei der Betrachtung der stokavischen Haupttonstelle 
die cakavisch-russische als Grundlage nehmen. Dabei ist 
es möglich und kommt wirklich öfter vor, daß Cakavisch 
und Russisch wie auch die andern genannten Sprachen 
in einzelnen Fällen oder einzelnen Wortgruppen nicht 
übereinstimmen, sei es daß eine von ihnen eine ehemals 
gemeingültige urslavische Betonungsweise geändert hat, 
sei es daß schon im Urslavischen Verschiedenheiten be- 
standen. 

2. Die stokavische Haupttonstelle. 

S14. Aus der allgemeinen Zurückziehung des alten 
Hauj)ttons um eine Silbe nach dem Wortanfang zu folgt: 

A. daß in mehrsilbigen Wörtern keine Endbetonung 
stattfinden kann ; 



122 Betonung und Silbenquantität. [§214.215. 

B. (laß eine Zurückziehung nur erfolgen konnte bei 
Wörtern (oder eng zusammengehörenden syntaktischen 
Gruppen, s. §§ 304, 305), deren Hauptton nicht auf der 
ersten Silbe lag, daß dagegen Wörter mit altem Hauptton 
auf der ersten Silbe diesen behalten mußten. 

C. In Vuks Akzentuationssystem ist der verschobene 
Hauptton bei kurzer Silbe mit \ bei langer mit ' be- 
zeichnet, der nicht verschobene bei kurzer mit '*, bei 
langer mit ^, Aus der Bemerkung unter B folgt, daß 

und " als Bezeichnung der Haupttonstelle nur auf ersten 
Wortsilben stehen können. 

Eine Anomalie des Vukschen Zeichensystems ist es, 
daß " auch auf nicht haupttonigen Silben gebraucht wird. 
Vuk hat nämlich jede Länge nach der Haupttonsilbe 
mit " bezeichnet, z. B. vrätär, crndgörka, crnögorskl, dobro- 
völjan, Ijüdi^ pdköjnik; doch kann dabei ein Zweifel über 
die Haupttonstelle nicht entstehen, denn diese wird stets 
durch den ersten der mehreren auf einem Worte stehenden 
Akzente bezeichnet. 

3. Beispiele zur Vergleichung 

der stokavischen Haupttonstelle mit der 

cakavischen und russischen. 

S15. Um einer Verwirrung und Verwechslung des 
für das Russische gewöhnlich allgemein gebrauchten Ak- 
zentes ' und des für das Cakavische (bei Nemanic) an- 
gewendeten ' auf kurzer, ' auf langer Silbe mit den Vuk- 
schen Zeichen vorzubeugen, brauche ich hier bei cakavischen 
und russischen Wörtern den Strich unter dem Vokal als 
Zeichen des Haupttons, bei cakavischen den Strich über 
dem Vokal als Längezeichen. 

Beispiele des nicht verschobenen Haupttons, 
weil ursprünglich auf der ersten Silbe stehend: r. ryha 
cak. riia stok. 7'lba, r. istina cak. istina stok. istina, r. ozero 
dak. jezero stok. jezero, r. duh gen. duba cak. düb duba 
stok. düb duba, r. cvet gen. cveta cak. cvet cveta stok. cvet 



§215 — 217.] Die Intonationen. 12S 

cveta (cvljet cvijeta), r. delat' ötok. djelatl, r. v[det' stok. 
mdjeti. 

Beispiele des verschobenen Hochtons, die 
Wörter nach dem : sind die stokavischen ; r. 7ioga cak. 
noga : nbga^ r. sestra cak. sestra : sestra, r. ruka cak. ruka : 
rüka, r. heseda cak. heseda : hesjeda; r. sramotn öak. sramota : 
sramöta, r. o^^r) gen. o^ca cak. ofac ocr? : ö^ac öm, r. 9m5r Tiaiy« 
nago (nackt) cak. 7iäg näga ncigo : nag näga nägo, r. sirok 
siroka siroko (weit) cak. sirok siroka siroko : sh'ok sirdka siröko, 
r. odin odna odno (ein) cak. jedan jedna jedno : jedan jedna 
jedno^ r. cJwdit' cak. hodä{i) : liöditi, r. chvallt' cak. hvälit{i) : 
hvdliti, r. prodavat' cak. prodävgt{i) : 2}')'oddvati. 



IL Die Intonationen (Tonqualitäten); 
fallender und steigender Ton. 

A. In der heutigen Sprache. 

216. 1. Die mit ^ (Länge) oder ' (Kürze) bezeich- 
neten Haupttonsilben sind fallend betont, d. h. Tonhöhe 
und Tonstärke liegen auf dem Anfang, dem Ansatz der 
Silbe und sinken gegen das Ende. Wenn man sich die 
Länge aufgelöst denkt in zwei Kürzen ^ ^ > die Kürze in 
zwei noch kürzere Bestandteile, die als ' * bezeichnet 
werden mögen, so kann man die Intonationen schematisch 
so ausdrücken: '^'-^,'", z. B. gräd = grääd, kräva == 
krädva. 

217, 2. Die mit ' (Länge) oder ' (Kürze) akzen- 
tuierten Silben, also die mit unursprünglichem verschobenem 
Hauptton, haben steigende Intonation; das Bild der gleich- 
artigen Auflösung wie oben ergibt dann "-^^^ "\ z. B. 
ruka = rüüka, köza = köoza^ brdda = bräada, zena = 
zehna. 

Daß in den Silben mit ^ der Ton fallend, in denen 
mit ' steigend ist, läßt sich einfach zeigen, wenn man 
ekavische ßeis{)iele mit ^ und e entsprechenden jekavischen 
mit ije {ie) gegenüberstellt; dem fallenden ^ entspricht 



124 Betonung und Silbenquantität. [§217—219. 

Ije, dem steigenden ' dagegen i;e, z. B. sneg : snljeg, mleko : 
mlijeko^ slep fem. slepa : slljep slijepa. 

Vuks Bezeichnung jeder Länge nach der Hauptton- 
stelle mit ^ ist dadurch gerechtfertigt, daß tatsächlich 
alle Längen nach der heutigen Haupttonsilbe fallende 
Intonation haben. 

Ä18. Die steigende Intonation des zurückgeschobenen 
Haupttons (', ') beruht darauf, daß bereits vor der Ver- 
schiebung die dem alten Hauptton (dem jetzigen caka- 
vischen) vorangehende Silbe steigend betont war, wie es 
noch jetzt in cakavischen Mundarten der Fall ist, z. B. 
rülca = rüüJca^ zena = zeena. Die Verschiebung im Sto- 
s kavischen ist dadurch veranlaßt, daß die Silbe vor dem 
(alten) Hauptton die am stärksten betonte Silbe neben 
der Haupttonsilbe war, diese und die ihr vorangehende 
waren fast gleich stark hervorgehoben, die Betonung ge- 
wissermaßen schwebend; dann bekam der Nebenton der 
vorangehenden Silbe das Übergewicht und trat an die 
Stelle des Haupttons. 

B. Die Intonationen vor der 

stokavischen Verschiebung des Haupttons; 

älterer Sprachzustand. 

!S19. Die vergleichende Betonungslehre der slavischen 
Sprachen zeigt, daß bereits vor der Entwicklungsgeschichte 
der Einzelsprachen ein Unterschied der Intonation bestand^ 
nicht wie im heutigen Serbokroatisch abhängig von einer 
Verschiebung des Haupttons (vgl. Mikkola, ürsl. Gr. § 88fg.). 

Am einfachsten läßt sich das zeigen an der Betonung 
von langen Silben mit urslav. or ol, er el vor Kon- 
sonant im Russischen; ursprünglich fallende Intonation 
ist hier durch oro olo ere, ursprünglich steigende durch 
oro ere olo vertreten, z. B. '^ gor dz : gor od — *korva : korova; 
*zoUo : zoloto — ^iolto : holoto; ^hergo : l)ereg — '^herza : l)efoza\ 
'^seTbz : solob — '-^pelva : polova (vgl. die Verzeichnisse 
§§4—11, 33-36)." 



§219 — 221.] Haupttonstelle, Intonation, Quantität. 125 

An anders gearteten ursprünglich langen Silben ist 
der Unterschied im Russischen nicht beobachtbar. In 
derselben Weise theoretisch ausgeführt wie bei den oben 
behandelten Silben würde urslavisch anzusetzen sein in 
nasalauslautenden Silben z.B. "^'-zoinbö (zqhs) — ponto {pqio), 
in Silben mit einfacher Länge, z. ß. säädh (sads) — räqna 
irana), llistö (listo) — ln2)a (li2)d). Dieser urslavische Unter- 
schied hat im Skr. bestimmte Nachwirkungen hinterlassen 
(s. § 221 fg.). Hier kann gleich bemerkt werden, daß 
vormals steigende Intonation einsilbiger Wörter 
im Skr. (stokavisch) fallend geworden ist, z. B. süd 
(gen. süda = südä-j UYs\.sgdö sgda) Gericht, nicht verschieden 
von Süd (gen. süda, ursl. sodz sgda) Gefäß, vgl. aber slove- 
nisch 5oV? Gericht, 5r)^ Gefäß. Über das Cakavische s.§ 345. 

Auch die kurzen Silben sind ursprünglich ge- 
schieden in solche mit fallender und solche mit steigender 
Intonation; im Russischen kann der Unterschied nicht 
mehr erkannt werden, ist aber z. T. im Slovenischen noch 
wahrnehmbar. Im Skr. werden alle haupttonigen kurzen 
Silben^jetzt fallend betont, der alte Unterschied hat aber 
bestimmte Nachwirkungen hinterlassen (s. § 226 fg.). 

III. Verhältnis von Haupttonstelle 
und Intonation zur Silbenquantität. 

550. Im Skr. können Längen nur stehen in 
und nach der heutigen Haupttonsilbe, vor ihr 
nur Kürzen. Stellt man die ältere Haupttonstelle durch 
Verlegung auf die folgende Silbe wieder her, muß es 
heißen: Länge konnte nur stehen in der Silbe unmittelbar 
vor der Haupttonstelle, in ihr und in den Silben nach ihr. 

551. Die Erhaltung urslavischer Längen und 
die Dehnung urslavischer Kürzen ist im Skr. zu 
einem großen Teil abhängig von der ursprüng- 
lichen Intonation der Silben. Nach Ausweis der 
vgl. Gr. sind hier als ursprüngliche Längen angesehen: 
a, e, ?, u, 1/, ^, p, 0?% oi, er, el vor Konsonant, als Kürzen 



^ 



126 ßetonuntr und SilbeiKiuantität. [§221.222. 

0, e, 5, b (die beiden letzten außer Verbindung mit r l vor 
Kons.); die Vertretung der utpL Verbindungen sr br, zl hl 
vor Kons. (skr. r, u) sind im Skr. in bezug auf die 
Quantität in gleicher Weise abhängig von der Intonation 
wie sichere alte Längen, können daher hier als lange 
Silben angesehen werden. Wo die alte Intonation nicht 
im Russischen an Polnoglasie {oro^ olo, ere) erkannt werden 
kann, ist das Slovenische, das dieselbe Intonation hat wie 
das Skr., herangezogen worden. 

222. A. Ursprünglich lange Silben. 

1. Alte fallend intonierte Längen der Haupt- 
tonsilbe bleiben im Skr. erhalten (die nach dem : 
angeführten Formen sind die skr.), z. B. : 

ursl. *golsz r. golos : glas Stimme 

*smord5 r. smorod : smräd Gestank 

"^zolto r. zoloto : zläto Gold 

*herg5 r. hereg : ireg brljeg Ufer 

*dervo r. derevo : drevo drijevo Baum 
slov. kväs : kväs Sauerteig, gen. kväsa 

znäk : znäk Zeichen, gen. znäka 

sneg gen. snegä : sneg snljeg Schnee 

list : list Blatt, gen. lista 

drüg : drüg Freund, gen. drilga 
ursl. sym slov. sm : sm gen. sma Sohn 

r^dz slov. rßd : red gen. reda Ordnung 

meso slov. mesp (für tneso) : nieso Pleisch 

dqbd slov. dpb : düb gen. düba Eiche 

mqjsb slov. moz gen. moiä : m?7i gen. müza Mann 

*cbrvb (i-St.) r. cerv gen. cerva slov. crv : crv gen. 

crva Wurm 

'^thrnz r. lern gen. terna : trn trna Dorn 

'Hhlkz r. Volk gen. voZ/r« slov. vöik voikä : umä: vüka 

Wolf 

*dolg5 r. (?oZ^ e?oZ^a slov. (?ö?^ (Zof^a : düg düga Schuld 

Hörgö r. torg gen. io?'^a slov. /r^ : trg trga Ware. 



§223.224.] Haiipttonstelle, Intonation, Quantität. 127 

'fMii, 2. Ursprünglich steigend intonierte 
Längen der Haupttonsilbe sind im Skr. verkürzt. 
Soweit nicht das Russ. die Intonation erkennen läßt, gibt 
das Slovenische die Möglichkeit: in dieser Sprache, die 
innere Haupttonsilben dehnt, werden Kürzen, die aus alter 
steigender Länge entstanden waren, wieder mit steigender 
Intonation gedehnt (bezeichnet mit '), z.B.: 
ursl. ^'korva r. korova slov. krdva : kräva Kuh 

'■^volga r. vologa : vläga Feuchtigkeit 

*boUo r. holoto slov. hldtp : Uäto Sumpf 

*berza r. heroza slov. hreza : hreza Birke 

^'pelva r. polova slov. pleva : pljeva Spreu 
slov. rdna : räua Wunde 

zdha : iäba Frosch 

Vera : vjera Glaube 

jjcna : pjena Schaum 

dcd gen. deda : djed djeda Großvater 

griva : grlva Mähne 

lipa : lijM Linde 

süo : slto Sieb 

(jrüda : gruda Scholle 

endo : endo Wunder 

jüg gen. jnga : jug jüga Süd 
ursl. ryha slov. riba : riba Fisch 

syro slov. slr gen. sira : slr slra Käse 

zetb (z'-St.) slov. zet gen. z^ta : zet zeta 

'•'•gonstja (ab. gqsta) slov. ggsca : güsta Dickicht 

'^povio slov. p6tg {pgta) : ^?Ho Fußfessel. 

^^4. 3. Ursprüngliche Längen bleiben er- 
halten in der Silbe vor der alten Haup ttons telle, 
d.h. in cTeT^heutigen Haupttonsilbe, z. Ö.: 

ursl. '^borda r. boroda cak. hräda : 6?'ac?a Bart 
''^golvo, r. golova cak. ^^äv« : ,<5fZdt'« Kopf 
'^serda r. sereda cak. .sre^Z« : .sreJa srijeda Mitte 
"^melko r. moloko cak. wiZe/ro ; wiZefAro mlijeko Milch 

r. chimla öak. /ii'ä/« : Äm/a Lob 



128 ßetonun«,' und Silbenquantität.. (§224-226. 

naxj fem. iiaga cak. nag nägn : nag ndga nackt 

cena cak. cenn : c4na cijena Preis 

grech gen. grechn cak. greh grehaigreh greha (grijeh grijeha) 

Sünde 
zima cak. zlma : zima Winter 
sluga cak. slüqa : slüga Diener 
gluch fem. glucha cak. ^^Zw/i gfte/i« : ^ZwÄ glüha taub 
fti/Ä: gen. J^/Zra : hik Hka Stier 
ursl. gr^da r. grada cak. ^re^« : ^re<?a Balken 
mpZfrt r. muka cak. mwÄJo : mwZ:a. Mehl 
{'^monka mqka r. mi/Äa : müka Pein) 
rp/m r. ruka cak. rwÄ:« : rwÄ:a Hand 
*£blna r. ieZ^za cak. iüna : sünja Specht 
'^sblio r. seit fem. ie/^a ntr. zelto cak. iwi iw/a i«<io : 

2üt züta züio gelb 
'^'sbrna r. serw« cak. sfw« : srna Reh 
"^'cbrno r. (5erew f. cer7?a ntr. cerwo cak. cfn cfna crno : 

crn crna crno schwarz. 

225. B. Die Wirkung der Intonation in ur- 
sprünglich kurzen Silben (mit o, e, 5 b außer Ver- 
bindung mit r l vor Konsonant). Zu erkennen sind die 
ursprünglichen Verhältnisse aus dem Slo venischen. Dies 
verwandelt, wenn die betreffenden Silben unter dem 
Hauptton gedehnt werden, alte fallende Kürze in fallende 
Länge (bezeichnet mit o), alte steigende Kürze in steigende 
Länge ('); wo nicht gedehnt wird, so in Endsilben, bleibt 
die Kürze; z. B. sind im Skr. jetzt köza Fell, böga gen. 
Gottes, kd7ij Pferd in der Intonation gleich, aber slovenisch 
köza, dagegen hogä (Verschiebung für iöga)^ könj; vgl. noch 
skr. röda gen. (Geschlechtes) slov. rgda rodä, skr. möci gen. 
(der Macht), slov. moci (für möci\ skr. leda gen. (des Eises), 
^lov. l§da. 

SS6. Wenn eine skr. Silbe mit alter fallen- 
der Kürze durch Abfall von 3 6 Endsilbe ge- 
worden ist, wird der Vokal gedehnt, z. B. gen. böga 
nom. bog (bogd), gen. leda nom. led {ledö), gen. 7ndci nom. 



§226.227.] Haupttonetelle und Intonation. 129 

möc {mostb al)g.), gen. pedi noni. pec {j^estb abg.); die 
weiteren Beispiele dieser einsilbigen Nominative s. 
§§ 231, 238. 

227. Dasselbe gilt aber auch von mehrsilbigen 
Bildmigen; der Hauptton liegt dann immer als " auf der 
ersten Silbe. Nach den Vokalen geordnet und innerhalb 
dieser nach den nominalen Stammklassen gehören hierher: 

1. mit Vokal e; Maskulina: hüsen gen. büsena 
(und so der Genitiv bei den folgenden) Rasen, drobljen 
Brocken, greben Krempel, grumen Klumpen, jäsen Esche, 
jecmen Gerste, kämen Stein, kesten Kastanie, kremen Feuer- 
stein, plämen Flamme, prämen Büschel, prsten Fingerring, 
prsljen Spinnwirtel, remen Riemen, srsljen Hornist, stremen 
Steigbügel, ngljen (gen. ügljena; auch als üglijen üglijena 
angegeben) Kohle. In kören gen. körena {körijen körijena) 
Wurzel, und dem unklaren kücm kücena Rebmesser geht 
die Dehnung über den Nom. hinaus. Es sind ursprünglich 
konsonantische Stämme, darnach in die i-Stämme über- 
getreten, als Nominativform also zugrunde zu legen kamenb 
usw. — cemer gen. cemera (so der Gen. bei den folgenden) 
Nieswurz, djever (alter kons. Stamm) Schwager, güster Ei- 
dechse, höher Bergkuppe, Hahnenkamm, wer Span, sjever 
Nord, steter stözer Baumstamm, seper das dicke Ende eines 
Reisergeflechts, vecer Abend. — kUpet Geklimper, trepet 
Beben, moriger Boden, zveket Geklingel, gen. -eta; diese 
über den Nom. hinausgehende Dehnung beruht auf Über- 
tragung aus der Nominativform. — Vereinzelte Fälle : 
Ijemez gen. Ijemeza Dachstange, Sparren. — Über Kom- 
posita wie premet s. § 286 fg. 

Feminale i-Stämme; die Dehnung ist vom Nom. 
z. T. in die offnen Silben der andern Formen übertragen: 
crven gen. crveni (und so überall) Schwärze, jhen Herbst, 
rumen Röte, strmen Steile, zelen das Grün ; vgl. dagegen 
Akk. sg. muter Mutter neben Dat. mäteri, dazu kcer Dat. 
hceri Tochter. — gölet kahles Gebirgsland, köcel Ziegen- 
wolle, vrlei Steile, gen. -eli. 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 9 



130 Betonung und Silbenquantität. [§ 228. 229. 

328. 2. Mit Vokal o. Maskulina: glömöt gen. 
(jldmöta Geräusch, gröhöt (Ak. Wb.) lautes Lachen (bei Vuk 
gröhot), klököt klököta Gluckern des Wassers, kököt kököta (?) 
Gackern, doch kököt kökota Hahn, söpöt söpöta Sprudel. 
töpöf töpöta Geräusch. — iökör gen. iökora (und so bei 
den folgenden) Staude, cöpör (svinjä) Herde (Schweine), 
gövör Rede (vgl. auch öcigovör, nägovör, dögovör, räzgovör)^ 
jävor Ahorn, mrämör Marmor, stobor (und stobor) Hof. 

Feminale i-Stämme: kökos gen. kökosi Henne, 
pitom gen. pltomi? angebautes Land, püstös gen. püstosi 
Heide; dazu kommen die zahlreichen Bildungen s.ut -ostb, 
z. B. sälöst gen. zälosti^ mlädöst, mUöst usw. Bei Vuk haben 
alle Wörter mit diesem Formans, auch die mit altem Haupt- 
ton auf -ost das o des Nominativs gedehnt, z. B. gotövöst, 
pokörnöst, allein ursprünglich ist es nicht so, auch jetzt 
nicht allgemein, sondern -öst gilt nur wo der Hauptton 
vor ihm stand, also z. B. wohl müdröst, svjetlöst, prävednöst, 
öholöst, aber lijepost, düznost usw. — Vgl. auch Komposita 
wie crvotöc^ prltöc (s. § 286 fg.). 

229, 3. Mit Vokal s, &, säpät gen. säpäta Geflüster 
(aus sbpztz sbpzta)^ die Länge in den obliquen Kasus aus 
dem Nom. übertragen, die lautlich normale Form des 
Gen. wäre ""-'säpta, vgl. das Verbum säptatl = shpztati. 

Gleichartige Wörter mit ' auf der ersten ohne Deh- 
nung eines o, e der nächsten Silbe sind spärlich vorhanden : 
grähor Wicke, plskor Muräne, pühor Flockasche, ügor Aal, 
üTi07' Hahnenkamm, £i(t)or {zuber) neben zubor und zämor 
Geflüster; dazu einige Eigennamen auf -os\ Drägos Mllos 
(doch auch MUos gen. Mildsa) Üros. — presljen Wirtel 
(doch s. 0. pysljen); mädez mlädez Muttermal, derez Prügel- 
bank ; einige Eigennamen, z. B. Mälen^ Mläden (ursprünglich 
Adjektiva). 



§230.231.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 131 

Bestimmung der Betonung und Quantität der 

serbokroatischen Wörter nach den §§ 214-229 

aufgestellten Grundsätzen. 

I. Zweisilbige Nominalstämme, Substantiva 
und Adjektiva. 
^30. Diese, fast sämtlich sogenannte primäre Bil- 
dungen, denen nicht schon ein Nomen, von dem sie ab- 
geleitet wären, zugrunde liegt, sind hier für sich behandelt, 
weil die Betonungs- und Quantitätsverhältnisse mehrsilbiger 
Stämme, meist sogenannte Sekundärableitungen, besondere 
ihnen eigentümliche Erscheinungen zeigen (s. § 272 fg.). 
In den Beispielen wird bei den maskulinen o-Stämmen 
und bei den alten konsonantischen Neutren der Nom. und 
Gen. sg. angeführt, beim substantivischen neutralen o- 
Stamm und beim feminalen «-Stamm kommt nur der 
Nom. sg. in Betracht; beim Adjektiv steht die unbestimmte 
Form des Nom. sg. m. und fem. Etwaige Wechsel der 
Betonung und Quantität innerhalb der weiteren Flexion 
s. §§597 — 617,647 — 660. Vom Verbum sind in diesem 
Zusammenhange nur die zweisilbigen Infinitive behandelt 
(§266 fg.); die übrigen sehr mannigfaltigen, teils ursprüng- 
lich verbalen, teils nominalen Formen lassen sich nicht wohl 
voneinander trennen und werden besser im Zusammen- 
hang mit der Konjugation behandelt, s. §§819 — 837,852, 
859—871, 874—878, 882, 887—893, 898—904. 

S31. A. Die feminalen i-Stämme zweisilbigen 
Stammes. Sie haben nur eine Art der Betonung, Haupt- 
ton mit fallender Intonation auf der Wurzelsilbe, daraus 
folgt, daß, wenn diese eine alte Länge war, die Länge im 
Skr. erhalten bleibt; wenn sie kurz war, die Kürze im 
einsilbig gewordenen Nom. sg. gedehnt wird, sonst ver- 
bleibt. Zum Beweis, daß die Intonation von alters her 
fallend war, dient einmal das Verhalten der Präpositionen 
vor den Kasus, z. J5. nä kost, öd kosti (s. §304 fg.), ferner 
das Russische, wenn Polnoglasie die Intonation verrät, vgl. 

9* 



132 Betonung und .Silbenquantitat, [§231.232. 

holon Splint, boron Verbot, volot' Ähre, volost' Bezirk, berez 
Sparsamkeit, und das Slovenische z. B. c§v rem (für c^vi)^ 
klet klet, kost kostt, sof soll. 

Skr. mit ursprünglicher Länge, z. B. cijev gen. 
cljevi ekav. cev cevi Spule (bei den folgenden ebenso Länge 
im Gen. usw.), cest{=^ cpstb) Teil, dwrf Naturell, klljet (klet) 
Kammer, mäst Schmalz, Salbe, mrijest (mrest) Rogen (vgl. r. 
norost\ klr. neresf Froschlaich), rnläd kollektiv die Jungen 
(vgl. r. molod' junger Wald), ynisao gen. misli (= mysh), mz 
Niederung, ped Spanne (= p^db), pUjesan {plesan) Schimmel 
(Pilz), rijec (reo) Rede, skrh Sorge, snljet {snet) Brand im 
Getreide. — Mit ursprünglicher Kürze, z. B. böl gen. 
höli (und so alle folgenden im Gen. mit kurzem Vokal) 
Schmerz, döh Alter (aetas)^ köh kobi (AkWb., bei Vuk köbi\ 
möc Macht, nöc Nacht, so (=: söo = söl) gen. söli Salz, 
zöb Futter, Hafer; pec gen. peci Ofen; cäst gen. cästi (= 
cbstb) Ehre, lä£ gen. läzi (= h^b) Lüge, räi räzi (und rs 
fzi = rsiö) Roggen, sv äst svästi{= svbstb) FTScaenschw eitler, 
väs väsi (und üs üsi =^ vzsb) Laus; krv kfvi (= krsvb) 
Blut; ^üc gen. £üci (= '^iblcb) Galle. 

Abweichungen von diesen Typen sind ganz vereinzelt 
und wohl sicher unursprünglich: bei urspr. Länge pest 
pesti {= pestb) Faust, dagegen cak. pest pesti (das wäre 
stok. '^pest pesti), so slov. fallend pßst pesti; mjed mjedi 
Kupfer {= medb), slov. aber med m§di\ stfz der weiche 
Splint, slov. als strz angegeben; nit nlti Faden (slov. nlt 
niti), rät räti Krieg (bei Vuk auch msk.); die Pluralia ^m 
Brust (slov. steigend prsi), östi Dreizack der Fischer, der 
Sing, wäre wohl öst^ vgl. slov. öst, östi smft Tod ist ein 
altes Kompositum = "^ssmhrth; das alte fem. ursl. ^dolnh 
Handfläche, skr. dlän, ist hier msk. geworden gen. dläna, 
slov. dlän dlani, r. dolonh (steigend); ebenso mis {= mysh) 
Maus, slov. mls misi (steigend). 

1^33. B. Die maskulinen zweisilbigen o- 
Stämme (alter Nominativ auf 5, b). 

1. Ursprünglicher Hauptton auf der Wurzel- 
silbe. 



§232.233.] Bestimmung der Betonung und (Quantität. 133 

a) Mit fallender Intonation. 

aa) Bei ursprünglicher Länge, die lang ver- 
bleibt, z. B.: 

gräd gen. gräda Stadt r. gorod goroda slov. gräd gräda gradil, 

kläs kläsa Ähre r. kolos kolosa slov. kläs kläsa klasü 

brljeg (hreg) hrijega (brega) Ufer r. bereg berega slov. brfg 

düb düba (= dabo) Eiche r. dub duba slov. dqb 

müz müza {= mqzb) Mann r. mus muza slov. mqz mozä 

drüg drüga Freund r. drug druga slov. drüg 

red reda (= reds) Reihe r. rad rgda slov. r§d r§da redü 

list lista Blatt (r. abweichend list lista) slov. list lista listü 

sin Stria (alter uSt.) Sohn r. sy7i syna slov. sina sina sinü. 

!S33. bb) Fallende Intonation bei ursprüng- 
licher Kürze; der Vokal im Nom.-akk. sg. gedehnt. 

Vokal 0, e: bog {= bogs und so in allen folgenden) 
gen. böga, slov. bog bogä (aus Högd), r. bog boga; bök böka 
Seite, r. bok boka (slov. abweichend bök böka aus ^^boka); 
bor böra Kiefer, slov. bor bora, r. bor bora\ bröd bröda Schiff', 
slov. brod, r. brod broda; dö (aus döo = döl) döla Tal. slov* 
dpi; dorn döma (alter u-St.) Haus, slov. dorn, r. dorn donia; 
drob dröba Eingeweide, slov, drob; göd göda (urspr. Zeit) 
Festtag, slov. ggd goda godü^ r. god goda; göst gösta (alter 
?-St.), slov. göst gostü (und gösta angegeben Wb.), r. gast' 
gost'a; höd höda Gang (slov. abvveichend höd hoda), r. chod 
choda; köt köta (dial.) Brut; möst mosta Brücke, slov. mpst 
mosta mostä, r. most ynosta; nös nösa Nase, slov. ngs ngsa 
nosäj r. nos nosa; plöd plöda Frucht, slov. plgd plgda plodü 
(r. abweichend plod ploda); plöt plöta Zaun, slov. ^^p^ plgta 
ploiü (r. abweichend plot plotci), pöst pösta Fasten (slov. 
abweichend pöst posta = r. post posta); pöt pöta Schweiß, 
slov. pgt pöta potü, r. pot pota; röd röda Geschlecht, slov. 
rod rgda rodä, r. 7'od roda; rög röga Hörn, slov. rgg rgga 
rogä, r. rog roga; rök röka Termin (slov. abweichend rök 
r^ka), r. rok roka\ skök sköka Sprung (slov. abweichend 
skök skgka)^ r. skok skoka; smök smoka Zukost, slov. sniök; 
srök sröka (monten.) Zeichen (slov. abweichend srök srgka), 



134 Betonung und Silbenquantität. [§233-285. 

r. srok sroka; tör töra Hürde. — led leda Eis, slov. l§d 
Ißda ledü (r. abweichend l'od l'da)\ med meda Honig, slov. 
m^d m§da ynedü^ r. riiod moda. 

^34. Hierher gehört noch eine Anzahl von Wörtern 
mit vor v oder j, die hier besonders gestellt sind, weil 
auch außerhalb der hier behandelten Tonv^erhältnisse o 
vor auslautendem j und v gedehnt werden kann (s. 
§ 310 fg.), im einzelnen Fall also, wenn nicht das Slo- 
venische aushilft, nicht immer sicher unterschieden werden 
kann, woher die Dehnung im Nom. : löj höja Kampf (slov. 
abweichend Mj höja), r. loj boja; hröj Iröja Zahl; gnöj gnöja 
Dünger, slov. g7igj gnojä, r. gnoj gnoja; göj göja (slov. gdj 
göja)', kröj kröja Schnitt (slov. krdj kroja), r. kroj kroja; löj 
löja Talg, slov. löj, r. loj loja; röj röja Bienenschwarm 
(slov. 7'öj röja), r. roj roja; vöj vöja Schicht, vgl. Kompo- 
situm svöj {= sövojb) svöja Vi endung; zböj {= szhojb) zhöja 
Haufen; znöj znöja Schweiß, slov. zngjy r. Z7ioj znoja; köv 
köva Beschlag, slov. kgv kova r. kov kova; kröv kröva (slov. 
kröv kröva). r. krov krova; löv löva Jagd (slov. Idv löva), 
r. lov lova; röv röva Grube (slov. rbv röva, r. rov rva), klr. 
riv rövu\ idv töva Fettigkeit; tröv tröva (Gift) betäubender 
Fischköder (slov. tröv tröva). 

Andere kurze Vokale sind vereinzelt: zmäj zmäja 
(= znibjb) Drache; däid däMa Regen, Vuk Wb., ist Ver- 
sehen für däzd däzda (Ak. Wb.), vgl. r. dozd' dozd'a. 

235. b) Die Wurzelsilbe hatte alte steigende 
Intonation. 

aa) Bei ursprünglicher Länge, die verkürzt werden 
muß (s. § 223). Da jetzt im Skr. alle Kürzen, die alten 
Hauptton tragen, fallende Intonation haben^ muß zur Er- 
kennung des Ursprünglichen das Slovenische (steigende 
Intonation in der offenen Silbe des Gehitivs) und:, soweit 
es dienen kann, das Russische herangezogen werden. Z. B. 
trat gen. träta (und so mit Kürze die Genitive aller fol- 
genden) Bruder, slov. Irät hrdta; cäs Zeit, slov. cäs cdsa; 
gräh Bohne, r. gorocJi, slov. gräh gräha; mräz, r. moroz, 
slov. rnräz mrdza; präg, r. porog, slov. präg prdga; djed 



§ 235 — 237.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 135 

Großvater, slov. ded deda; Jdjeh^ slov. Jdöb hlSa; dhn (= 
dynio) Rauch, slov. dlm dima; sw (= syro) Käse, slov. 
mr stra. 

536. bb) Bei ursprünglicher Kürze der Wurzel- 
silbe, z. B. skdt sköta. Über diesen Fall s. § 244, in Ver- 
bindung mit der Frage, ob überhaupt dieser Typus ur- 
sprünglich ist. 

537. 2. Der alte Hauptton lag nicht auf der 
Wurzelsilbe, also im Gen. sg. auf der Endsilbe, in der 
heutigen Betonung als ' oder ' auf der ersten. Die Quan- 
titäten bleiben, abgesehen von etwaiger Dehnung kurzer 
Vokale vor auslautendem v, j, unverändert. Im einsilbigen 
Nominativ wird nach § 219 im Skr. die Intonation fallend, 
im Slovenischen ist sie^ wo beobachtbar, steigend. 

a) Die Wurzelsilbe hat alte Länge: gäj gdja (so 
mit Länge und ' alle Genitive der folgenden Wörter) Hain 
^ak. gäj gäjg, slov. gdj; pläst Mantel, r. plasc plasca-, vräc 
Wahrsager, slov. vrdc, r. vrac vraca; hräm hrdma Tempel 
(= '•'chormz; slov. abweichend hräm hrdma), r. kchsl. chram 
chrnma; hrdst (= '■"'■chvomtö) hrdsta Eiche, slov. hrdst (r. 
abweichend chvorost); krälj (aus "^korl-) krdija König, slov. 
krdlj, r. korol' korol'a; brljest hrijesta {hrest hresta) Ulme 
(cak. abweichend hrest hresta wie r. herest heresta); grijeh 
grijeha (greh grcha) Sünde, cak. greh greha^ slov. greh, r. 
grech grecha ; hik hika Stier (slov. abweichend hik hika), r. 
hyk hyka ; prlst prista Beule (Ausschlag), slov. prisc^ r. prysc 
prysrrj; kljür Icljüca, cak. kljüc kljuca, slov. kljnc, r. kl'uc 
kl'iicn; trüd trüda Mühe, cak. trüd trüda (slov. abweichend 
trüd)y r. trud truda; prüd (= prqd<i) prüda, slov. pr6d\ süd 
(= sqdö) süda Gericht, cak. süd südn, slov. sgd, r. sud sudn 
(vgl. dazu Süd süda Gefäß, slov. sod, r. sud sijda); stüp 
{== '•'■stzlpz) siüpa Säule, slov. stoip, r. stolp stdlpa. In irgend- 
einer früheren Periode des Urslavischen hatten diese Wörter 
im Nom. sg. Endl)etonung, z.B. %ykö\ '•'kl' neu \ bei schon 
urslavischer Zurückziehung des Haupttons von 5, b auf die 
erste Silbe ward diese zunächst steigend intoniert, behielt 
aber gegenüber den ursprünglich haupttonigen steigenden 



186 Betonung und Silbenquantität. [§237—239. 

Silben ihre Länge, die erst im Skr. fallende Intonation 
bekam, 

238. b) Die Wurzelsilbe hat kurzen Vokal. 
Auch hier lag ursprünglich der Hauptton imNom.sg. auf der 
Endsilbe Hoh^\ *konjb' ; bei alter Zurückziehung auf die erste 
Silbe wurde diese steigend betont, blieb also im Skr. kurz 
böby könj; aber wie alle ältere steigende Intonation in End- 
silben ist sie im Skr. fallend geworden; im Slovenischen 
steht im einsilbigen Nom. ' Kürze, im Genitiv usw., wo 
der Hauptton auf die Wurzelsilbe zurückgezogen ist, Länge 
(= gedehnter Kürze) mit steigender Intonation '. Beispiele: 
höh hoba Bohne, slov. höh höba, r. höh hoha; glög glöga Weiß- 
dorn, slov. glög glöga (r. abweichend glog gloga); grob gröha 
Grab, slov. grob gröha (r. abweichend grob groba); gros 
grdsa (Fremdwort), slov. gros grgsa; könj könja Pferd, slov. 
könj kmja, r. ko?l kona ; kos kösa Korb, slov. kos kösa^ klr. 
kis kosa\ pöp pöpa Priester, slov. pöp popa, r. pop popa; 
roh röha Sklave, slov. röb röha, r. rah raha; svöd svöda (= 
szvod^) Gewölbe, slov. svöd svöda (r. abweichend svod svoda); 
sklöp sklbpa (= ssklops) Zusammenstoß, slov. sklöp sklöpa; 
slög (= szlogs) slbga Ackerbeet, slov. slbg slgga; slöm (= 
szlomz) slöma Zusammenbruch, Untergang; snop snbpa Garbe, 
slov. S7ibp snöpa, r. snop snopa\ söm sbma Wels, slov. sbm 
söma, r. som soma; zglob (= soglobs) zglbha Gelenk; zgön 
(= ssgons) zgbna Land zwischen zwei Grenzen, slov. zgbn 
zggna; hierher auch stö stbla Tisch, slov. stbf stöla, r. stol 
stola; vö vbla (alter ».e-Stamm), slov. vbi vola^ r. vol vola; 
das ö = öö aus ol-; klen klena Feldahorn, slov. Men klena^ 
r. abweichend kl'on kl'ona. 

!S3d. Abweichungen von den regelmäßigen 
Typen; der Betonungstypus Nom. '\ Gen. ' bei ur- 
sprünglich kurzem Wurzelvokal. Nach den obigen 
Ausführungen müßten ausgeschlossen sein die Betonungs- 
typen: 

1. Nom. ^, Gen. ' bei ursprünglicher Länge der 
Wurzelsilbe; in der Tat sind die vorhandenen Beispiele 
teils Wörter mit altem steigendem Ton (slov. kräj kräja^ 



§239.240.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 137 

räj rdja), daher die Verkürzung der Länge in den offnen 
Silben: kräj haja Rand, räj räja Paradies; die Dehnung 
im Nom. sg. beruht auf der Stellung vor j (s. § 310 fg.); 
in der einsilbigen Form ist die Intonation im Skr. not- 
wendig fallend geworden. Teilweise beruht " in den ob- 
liquen Kasus auf Kürzung älterer Länge: präh i^räha 
Staub, slov. präh präha ^;rrt^<7, r. poroch, also fallend, dem- 
nach skr. zu erwarten präha, präha ist j^^äa und dies für 
*präa nach der Regel, daß Länge vor Vokal gekürzt werden 
muß (s. §127); sträh sträha Schrecken, aber nach Daniele 
(Rad 21, 157") in Ragusa sträha, Avie im Slov. s^m/i sträha 
strahil, also Vuks sträha = strna aus ^'sträa\ mäh mäha 
Hieb (Vuk als Nebenform von mäh mäha), aber in Ragusa 
mäh mäha (AkWb.), dies ist das ursprüngliche, Vuks mäha 
neben mäh ist = *maa, ynäli dem Genitiv nachgebildet. 

240. 2. Nom. ^, Gen. ebenfalls ^ bei ursprüng- 
licher Kürze der Wurzelsilbe ist anomal, da fallende 
Intonation der Kürze in mehrsilbigen Formen nicht 
gedehnt wird. Die vorkommenden Beispiele beruhen auf 
Übertragung der Länge des Nominativs in die andern 
Formen: höd (Stich) Art Stickerei, löm (clematis vitalba), 
mör das Sterben, slcör eine Art Schlange, sind teils nur 
lokal gebräuchliche, teils nur in einzelnen Redewendungen 
vorkommende Wörter, wie mör (gen, möra Ak, Wb.); bei 
Vuk ist die Genitivform nicht angeführt und aus seiner 
sonstigen Gepflogenheit muß man schließen, daß der 
lange Vokal auch im Gen. steht, also höda usw., allein 
sicher ist das nicht. Ferner hol msk. Schmerz (alter 
/-Stamm: hol böli s. § 231); ös ösa Wespe scheint eine 
späte Umbildung des fem. ösa zu sein (so skr. und in 
andern slav. Sprachen); kos kösa Amsel, aber cak. kos 
kösa, das wäre stok. kos kösa; vöz voza Fuhre, bei Mazu- 
ranic (Slovnica hrvatska) vöz vöza wie cak. v6z vbza, slov. 
voz vozä\ fjrözd grözda Traube, bei Mazuranic grözd grözda, 
slov. f/rözd f/rö.zdfi, r. f/rozd (jrozda', drözd (drözak) drözda 
(drözga) Drossel, vgl. dane])en das normale mözak (für 
mözag) mözgn Mark; mel meta (Wurf) Ort, wo die Netze 



138 Betonung und Silbenquantität. (§240—244. 

ausgeworfen werden, cak. mM meta, slov. met in§ta, das 
wäre ötok. *met meta; wenn stok. die Intonation fallend 
war, ist met normal, meta müßte für meta eingetreten sein. 
Ganz klar ist die Übertragung der Länge aus dem Nomi- 
nativ bei den Silben mit alten 3, t: dän (aus chnb) däna 
Tag, Gen. alt dne = db7ie, sät säta Wabe (= .<?s/o S5ta), 
der ursprüngliche Gen. war *sfa; cvät cväta Blüte (^= 
*CVbtö cvbta). 

!241. 3. Nom. ^, Gen. ' (also alte Endbetonung) 
bei kurzem Vokal ist anomal, da Kürze vor dem Haupt- 
ton nicht gedehnt wird. Bei Vuk zwei Beispiele: dvör 
dvora Hof, cak. ebenfalls unregelmäßig dvör dvora neben 
dvör dvora (= r. dvor dvora., slov. dvör dvora); ferner nöi 
Tiöza Messer, cak. ebenfalls unregelmäßig noz nö^ä, slov. 
nö^ 7wia, r. noi noza. 

24^. 4. Nom. ^, Gen. ' (also alte Endbetonung) 
bei ursprünglicher Kürze, anomal, weil im Nominativ bei 
ursprünglicher Endbetonung nicht gedehnt wird. Ver- 
einzelte Beispiele: gröm gröma Donner, bei Mazuranic 
normal gröm groma wie r. grom groma (cak. gröin gröma 
im Nom. abweichend, slov. gröm und giwn gen. gröma): 
stög stbga Schober, Maz. normal stög stöga, so auch cak. 
stög stöga (slov. stög stöga). Es handelt sich hier um alte 
Schwankungen der Betonung und Durcheinanderwerfen. 

243. 5. Nom. ^, Gen. ' bei alter Länge des Vokals, 
anomal, weil alter langer Vokal vor dem Hauptton nicht 
verkürzt wird: vez veza Ulme (Vuk aus einer Lokalmund- 
art), r. vaz vaza (= v^zö), vgl. das lautähnliche normale 
vez veza {= vezö veza) Stickerei; vrh vrha (r. verch verclia), 
zu erwarten wäre vrha, vrha ist aus "^vra nach Verstummen 
des h entstanden, vgl. § 239 _^raÄa {= präa) {iir präha u.a. 

244, 6. Oben § 236 sind Beispiele steigender Into- 
nation bei alter Kürze mit dem Betonungstypus Nom. ", 
Gen. ' nicht angeführt worden, weil die Frage allgemein 
gestellt werden muß, ob ein solcher Typus ursprünglich 
überhaupt vorhanden war. Die Vergleichung der wenig zahl- 
reichen Beispiele (die Komposita wie skös = szkoso, spiet 



§ 244. 245.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 139 

= Sopletö 11. a. sind auszuscbeiden, s. u., ebenso das ur- 
sprünglich mehrsilbige kniet =ko}netö) deutet auf ältere End- 
betonung des Genitivs oder auf ältere Betonung des Nom. 
mit ^, die durch Einfluß des '' der anderen Kasus durch 
dieses ersetzt ist: mit o- Vokal, gön Länge eines Laufes oder 
Rittes, slov. gön göna (kann sein = einem skr. gön gbna), 
r. gon gona; gvözd gvözäa (eig. Nagel) Fels (monten. bei Vuk), 
im AkWb. nicht akzentuiert, slov. gvözd (entspräche einem 
skr. gvözd), r. gvozd' gvozd'n; hon köna Ende, r. kon kona; 
pöd pöda Stockwerk, dial. pöd pöda (so auch cak.), r. pod 
poda; sköt sköta Vieh, slov. sköt skgta, r. skot skota; skrök 
skröka Schritt (lokal), vielleicht Kompositum für ^sokroko, 
vgl. Fälle wie skröpiti aus skrbpiti = sokropüi besprengen ; 
sök söka monten. Ausspürer, Pfadfinder; skröh Stärkemehl, 
bei Vuk ohne Angabe des Genitivs, also anzunehmf^n 
skröha, aber es ist dialektische Nebenform von skröh mit 
dem normalen Gen. skröha; vöct vöda Führer, slov. vbj voja^ 
r. voM' void'n (kirchensl.); vösak vöska Wachs, cak. vösk 
vöska (wäre skr. '^vösk — vösak vöska); in tvör tvöra 
Iltis neben tvör tvöra ist das erste normal; mit e- Vokal, 
ein unsicheres hreh hreba Baumstumpf neben hrek^ tren 
trena Augenblick, sprez spreza (Pflanzennarae^ bei Stulli 
sprez^ vielleicht Kompositum = "^'-szprezo, '^s^prezb); mit 
anderen Vokalen, läv läva Löwe, vgl. r. lev l'vd; län läna 
Lein, r. ton l'nd. 

^45. C. Die alten zweisilbigen neutralen 
o-Stämme und die in diese Form übergegangenen 
€S-Stämme. 

1. Alter Hauptton auf der Wurzelsilbe. 

a) Bei fallender Intonation. 

aa) Mit ursprünglicher Länge der Wurzel- 
silbe, die demnach lang bleiben muß. Im Slovenischen 
wird in dem Falle der Hauptton auf das Ende verlegt: 
zläto Gold, slov. zlato, r. zoloto; städo (und städo Vuk) 
Herde, r. städo; jäje Ei (so Budmani S. 40 und Ak. W., 
Vuk jäje)\ meso Fleisch (= mQSo), slov. meso\ rnlwo Mehl; 
plvo Bier, slov. abweichend pivo; drtjevo Baum, slov. dreuo, 



140 Betonung und Silbenquantität. [§245—247. 

r. ilcrevo; sljeno seno Heu, slov. seng; tljelo telo Leib, slov. 
telg] iijesto testo Teig, slov. tcstg. 

346. bb) Mit ursprünglicher Kürze der Wur- 
zelsilbe. Beweis der fallenden Intonation ist slovenische 
Verlegung des Haupttons auf die Endsilbe, aus dem Skr. die 
Zurückziehung des Haupttons auf vorangehende Präpo- 
sitionen als " (vgl. § 304): kölo Rad ü kolo (und so bei allen 
folgenden Wörtern), slov. koW; möre M^er, slov. morj§\ 
nebo Himmel, slov. nehg; öko Auge, slov. oko; pölje Feld, 
slov. pölje und polj§, na pölje = skr. nä polje; slövo Wort, 
slov. slovö] pröso Hirse, slov. proso; strövo vom Wind ab- 
geschüttelte Früchte (Kompositum = sö-tr. ?); zveno 
Glocke. 

Die Plurale der unter 2 b anzuführenden Wörter, 
die " haben, z. B. rehra zu reiro, sind steigend intoniert, 
daher skr. ü rehra, slov. rqbra. 

247. b) Die Wurzelsilbe hatte steigende In- 
tonation. 

aa) Bei ursprünglicher Länge, die demnach ver- 
kürzt sein muß. Beweis der alten Länge ist die slov. 
steigende Intonation der gedehnten Silbe ('), die rus- 
sische Betonung der 2;weiten Silbe etwaiger Polnoglasie, 
im Skr. das Verbleiben des Haupttons auf dem Kasus 
in Verbindung mit Präposition , u iläto (vgl. oben da- 
gegen ü kolo)^ woraus in der heutigen Betonungsent- 
wicklung ü hlato : bläto See, Sumpf, slov. hlätp, r. holoto ; 
vrelo Quell, slov. vrelo (VVb.); püto Fessel (= pqto), slov. 
pötp; cedo Kind (= c^do)\ hljüdo Schüssel; cüdo Wunder, 
iilov. cüdp; jütro Morgen, slov. jütrp; plüto (und iem. plüta) 
Kork; püzdro penis animalium; rüho Gewand, slov. rüko 
üho Ohr, slov. abweichend uho; pilo Getränk, slov. pifp; 
slto Sieb, slov. sitp; sllo Ahle, slov. silp; zito Getreide, 
slov. züp\ llko (= lyko) Bast, slov. likp; milo (= mylo) 
Seife, slov. milQ-, rllo (== rylo) Maul, slov. rilp; djelo 
Werk, slov. delp; jelo Speise, slov. jelp; Ijeto Sommer, slov. 
leto; mjesto Ort, slov. mestp\ njedra pl. Busen, slov. als 
n§drp pl. nfdra angegeben; jäto Trupp Vögel, slov. jdto; 



§247 — 251.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 141 

7näsIo Schmalz, slov. mdslp; päsmo Gebinde Garn, slov, 
pdsmp; sälo Feit, slov. sälp; städo (und siädo) Herde; hfdo 
Berg, slov. hrdp\ grlo Hals, slov. grlp; zrno Korn, slov. 
zfnp (cak. zrno^ r. zerno)\ drvo Baum, slov. drvp. 

248. bb) Bei ursprünglicher Kürze der Wur- 
zelsilbe; keine Beispiele. 

240. 2. Der alte Hochton lag auf der P]nd- 
silbe. 

a) Bei ursprünglicher Länge der Wurzelsilbe, 
die erhalten bleibt: crijevo cr^vo Darm, dlijeto dleio Meißel, 
ginjezdo gnezdo Nest, klijesta klesta pl. (neben fem. klijesta) 
Zange, mlijeko mleko Milch, sijelo selo Sitzgesellschaft (Be- 
such), zdrijelo zdrelo (Schlund) Engpaß, lice Gesicht, vino 
Wein, mito {= myto) Bestechung, rüno Vließ, tido (eig. 
Glied) Stück Fleisch zum Räuchern, üsta pl. Mund, uze 
(== aje) Seil, jäje Ei, kldto Art Halsjoch, vläkno Flachs 
r. volokno, vräta pl. Tor r. vorota (und vorota), lece Linse 
(e = §), leda pl. Rücken (ursprünglich mehrsilbig = H^d- 
vbja), prelo {= prelo) Spinnstube (Gesellschaft), trlo Art 
Hürde, idflo Engpaß (vgl. zdrijelo). 

250. b) Bei ursprünglicher Kürze der Wur- 
zelsilbe: dkno Fenster, hedro Schenkel, celo Stirn, cesno 
Knoblauch, Uto Flugloch am Bienenstock, pleee Schulter- 
blatt, rehro Rippe, sedlo Sattel (urspr. mehrsilbig = sedblo); 
srebro Silber (aus sbrehro), slegno Schenkel, veslo Ruder, 
staklo (= stbklo) Glas. 

Es fehlt eine Betonung ^ und ' bei kurzer Wurzel- 
silbe mit Ausnahme des einzigen öje Deichsel, das slov. 
<)j§ deutet auf altes ^'öje mit fallender Intonation. Fälle 
wie gvözdje, zelje usw. sind nur scheinbare Ausnahmen, sie 
beruhen auf gvozdbje, zehje und die Länge auf Dehnung 
vor -je = altem -bje (s. § 313). 

251. D. Die feminalen a- und ^«-Stämme. 

1. Der alte Hochton lag auf der Wurzelsilbe, 
a) Bei fallender Intonation. 

aa) Mit ursprünglicher Länge der Wurzel- 
silbe, Betonung ^. Dieser Fall, wenn überhaupt ur- 



142 Betonung und Silbenqnantität. [§251.252. 

sprünglich, ist jedenfalls selten gewesen; die Wörter 
scheinen z. T, späten Ursprungs zu sein, und die Betonung 
ist in den anderen Sprachen z. T. abweichend : gräda 
Baumaterial, Bauwerk, Zaun, aber r. gorosa, slov. gräja; 
vräöa (lokal) Rückgabe, lautlich vergleichbar r. dial. voroca 
Wasserwirbel; slräza Wache, slov. sträsa, aber r. storoza; 
{v)läka (lokal) tief eingeschnittenes Tal, wenn =■■ Zug, 
Schleppe, zu vgl. slov. vläka Schleppe, klr. voloka Art 
Riemen, beide abweichend vom Skr.; kletva Fluch ( = 
kleiva), slov. kl§tba; teza Schwere (= t§za)^ slov. t^za\ zeda 
Durst (= *zpdja), slov. zgja; süsa Dürre, slov. süsa\ dira 
(und dlra, dira) Loch, slov. dqra r. dyra] drijezga, im 
Ak.Wb. daneben drezga (=^drezga) nasturtium officinale (bei 
Stulli drijeska apiura palustre); däca Totenmahl, vgl. aber 
daneben däöa Gabe (slov. ddca), däöe (= datbje) Gebung, 
ddöa Tribut; hrca große Menge (neben hrc brca); turda 
Festigkeit; vrsa (daneben viSa) Reuse, slov. vfsa. Dazu 
noch gläda Hunger, eine Neubildung zu gläd nach dem 
Muster von zeda\ so ist auch peda Spanne (poet.) zu ped 
f. hinzugebildet; jetra Leber ist alter Plur. ntr., ebenso 
plüda Lunge; zum Plur. tantum sljede das Sitzen kann 
ein Sing, '^sijeda gehören. Es bleiben, wenn man mit 
dem Slovenischen parallelisiert, in beiden Sprachen über- 
einstimmend nur sträza, kletva. 

Was sonst in den Zusammenstellungen über skr. Akzent 
hierhergestellt wird (z.B. Pavic, S. 10 und 74), ist ursprüng- 
lich mehrsilbig und die Dehnungen anders zu erklären, 
z. B. läda Schiff, prälja Wäscherin beruht auf Dehnung 
vor altem -hja {-hji, ladbji)^ oder vor gewissen Konsonanten- 
gruppen, z. B. grwna = *grivb7ta, vgl. gen. pl. grlvänä (s. 
§310fg.); prica Erzählung aus prihca ist kirchenslavisch. 

353. bb) Mit ursprünglicher Kürze der Wur- 
zelsilbe. Auch dieser Fall ist wahrscheinlich ursprüng- 
lich nicht vorhanden. Die überwiegende Mehrzahl der 
Feminina mit " auf der ersten haben steigende Intonation 
(s. § 253); für fallende lassen sich nach Vergleichung 
mit dem Slovenischen anführen: glöta Unkraut, arme 



§ 252. 253.] Bestimmung der Betonung* und Quantität. 143 

Leute (Gesindel), slov. gl?)ta u. a. Lolch, Gesindel (un* 
klares Wort, klr. hloüj — neben msk. Mit Motu — bedeutet 
Gedränge, dichte Menge); klbnja Vogelfalle, slov. Idgnja; 
nözdra neben wö^d^rm Nasenloch, slov. ngzdra nözdrva nözdrv; 
rözga und rözgva Pflock, slov. rgzga rgzgva; trdska Schlacke, 
slov. trgska trqskva trgsköv (über die z. T. unter die alten 
it-Stämme gehörenden Bildungen s. § 257); göha Höcker, 
ragus. göha, ist ital. gobba. 

253. b) Die Wurzelsilbe hatte steigende 
Intonation. 

aa) Bei ursprünglicher Länge, demnach im Skr. 
mit Kürze und Akzent ", die Intonation jetzt fallend (s. 
§219). Die alte steigende Intonation wird erwiesen durch 
das Russische, wo Polnoglasie sie erkennen läßt, durch 
die steigende Intonation der im Slovenischen gedehnten 
Silbe, endlich aus dem Skr. selbst durch die Betonung 
einer vorangehenden Präposition mit \ z. B. zä kucii = 
altem za kücu. 

Vokal r«, la = or, ol vor Konsonant: dläka, slov. dläka 
Haar; dräga Tal, r. doroga, slov. dräga', hräpe pl. Uneben- 
heiten, slov. hrdpa; kläda Klotz, r. koloda, slov. kläda; krästa 
Blatter, r. korosta, slov. krästa \ kräva Kuh, r. korova, slov. 
krdva; mräse pl. Masern; pläsa (leda) Stück (Eis), klr. po- 
losa, grr. polosa, slov. pldsa; präca Schleuder, slov. prdca; 
räka (altes Lehnwort aus lat. arca) Sarg, slov. rdka\ slärna 
Stroh, r. soloma, slov. sldma; svräka Eister, r. soroka, slov. 
srdka; vläca (eig. Schleife) Egge, slov. vldca; vläga Feuchtig- 
keit, r. vologa, slov. vldga; vrüna Krähe, r. vorona, slov. 
vrdna; zräka Strahl, vgl. r. msk. zorök. 

Vokal re, le = er, el vor Konsonant: hreza Birke, r. 
beroza^ sloY.breza; crevlja (crevft) Schuh; wreift Netz, r. me~ 
reza, slov. mreza; pljeva das Jäten, doch slov. pl§tva und 
pl§tzv (über diese Bildungen s. § 257); pljeva Spreu, r. 
polova, slov. pUva; smreka Wacholder, slov. smrcka. 

Vokal u ^ Q\ druga große Spindel; diiga Daube, slov. 
dgga; güba Aussatz, slov. ggba u. a. Schwamm; güsta 
Dickicht slov. ggsca; küca Haus, slov. kgca; müka Pein 



144 Betonung und Silbenquantität. [§ 253. 

(slov. ynüka ist kroatisch); rüda dichte Wolle; stritka Gattung, 
slov. ? strgka; stüpa Mörser, Stampfe, slov. stgpa; sljüka 
Schnepfe (aus ''^slgka), slov. slgka\ /ücia Hagel, slov. tgca. 

Vokal e = ^ \ dveka Art Wagenschmiere; jeka Hall, 
slov. j^ka\ preda Spinnerin (in einem Sprichwort); j)reda 
Garn, slov. abweichend prßja; rega Zähnefletschen, slov. 
rgga\ seka Untiefe; zeba Fink, slov. z^ha; zveka Klang; 
ie7m Ernte, slov. jedoch zetva 2ßtoV (s. § 257). 

Yoksilu = u : hrüka Spott, hüba Ungeziefer, slov. büba; 
büka Gebrüll, slov. abweichend büka] cuma Pest; cupa 
Haarbüschel; grüda Klumpen, slov. grüda; güka Girren; 
Mika (uka) Geschrei, slov. hüka; hüla Tadel, slov. hüla\ 
kljuka Haken, slov. kljüka; kljüna Krampe; kljüsa Falle; 
küga Pest, slov. küga; kuka Haken; luca Strahl; lunja Art 
Vogel; lupa Klopfen; Ijuska Hülse, slov. abweichend lüska; 
nüMa (kchsl.) Not, slov. nüja\ plüta Kork (neben ntr. 
pluto und msk. plüt plüta)^ slov. Wb. plüta; pljüske pl. 
Art Ausschlag, slov. abweichend pljüska (andere Bedeu- 
tungen); piiha kleines Geschwür; rüka Gebrüll; rünje pl. 
Haarzotten, slov. rünja] rüpa Loch; slov. rüpa; strüga Riß 
im Zaun, slov. strüga u. a. Gebüschlücke; strüna Saite, 
slov. strüna; stüga ausgehöhlter Stumpf; süknja Unterrock, 
aber slov. süknja; stüka Hecht, slov. scüka; süma Wald, 
slov. süma; tüska Schlacke, Treber; üja Rast, Erholung; 
zuka Summen. 

Vokal i = i: brltva Schermesser, slov. brttva britdv (s. 
§ 257); dira (neben dira, dlra) Loch, slov. d^ra; gljlva 
fungus, slov. gliva; gnjlda Nisse, slov. gnida; gnjlla Ton 
(Lehm), slov. glina; grinja Motte, slov. Wb. grinja; grlva 
Mähne, slov. griva; Ikra Rogen, slov. ikra; Iskra Funken, 
slov. iskra; Iva Weide (Baum), slov. Iva; kllca Keim, slov. 
klica; knjlga Buch, slov. knjiga; lipa Linde, slov. Upa; nfiska 
Wiehern; njiva Aoker, slov. njiva; plca "Nahrung, sIoy. pica; 
plska Pfeifen, slov. ahvf eichend 2nska; rlta Fetzen; riza Kleid; 
stba (svlba) Hartriegel, slov. sviba; slga Sinter, sIoy. Wh. siga; 
slla Kraft, slov. sila; slza Gattung; sline pl. Rotz, slov. slitia; 
svlta Tuch, slov. abweichend svita; siba Rute, slov. siba; 



§ 253.1 Bestimmung der Betonung und Quantität. 145 

slja Hals, slov. sija; slka Zischen der Gans; sljlva Pflaume, 
slov. sliva; üla Baumart; vlka Geschrei, slov. vika; vlle 
pl. Heugabel, slov. vile; vlska Wiehern; vlsnja Weichsel- 
kirsche, slov. abweichend vtsnja', vriska Geschrei; zmzda 
Gepfeife; nca Faden, slov. Mca; Mla Ader, slov. Mla; Fiva 
Quecksilber, 

Vokal i = 1/ : hllja Scheit (^ = i?); dlnja Melone, 
slov. diHJa; griza Bauchgrimmen, slov. abweichend grisa\ 
k\ka Zopf, slov. klka\ Jclla Bruch (Krankheit), slov. kila; 
Msa Regen; klta Strauß, slov. kita\ llsa Blässe (am Tier), 
slov. llsa; plima Flut, slov. Wb. plima; riba Fisch, slov. 
riba\ rlka Gebrüll; slsa Mutterbrust, slov. sisa; sklka Grun- 
zen; skrlpa Geknarr, slov. skripa; vldra Fischotter, slov. 
abweichend vidra. 

Vokal e, je = e : cesta Weg, slov. cesia; djeva Jung- 
frau, slov. deva; jeda Speise, slov. jeja\ Ijesa Pritsche, slov. 
Usa\ mjera Maß, slov. mera\ 7ijega Pflege; pjega Fleck, slov. 
pega\ pjena Schaum, slov. pena; reha dünnstehende Wolle 
(e = e?); repa Rübe, slov. repa; sjeca (Hieb) abgehauener 
Zweig, slov. scca; sjeda (Sitz) Sitzbrett, slov. seja; sjera 
Schwefel; sjeta Wehmut; streha Dachvorsprung, slov. streha; 
tjena Häutchen; treska Splitter, slov. treska (und treskä); 
vjeäa Braue, slov. abweichend vßja Lid; vjera Glaube, slov. 
vdra; vreva Tumult, slov. vreva Wb. 

Vokal a ■= altem a : bäba alte Frau, slov. hdba; häle 
pl. Rotz; bänja Bad, slov. abweichend bänja; bära Pfütze, 
slov. bdra\ bräva Türschloß; cäda Ruß; cäplja Reiher, slov. 
abweichend cäplja\ cäsa Becher, slov. cdsa; däöa Gabe, slov. 
däca; dräca Dorn; gäce pl. Hosen, slov. abweichend gäca; 
gäka Gekrächz; gläda Art Schäferhätte; gräblje pl. Rechen, 
slov. gräblje; gräja Gekrächz, slov. grdja; hälja Rock, slov. 
hdlja; jäma Grube, slov. jdma\ jära Hitze u.a.; känja Art 
Raubvogel, slov. Ä:awyVt Weih ; käplja Tropfen, slov. kdplja; 
käsa Brei, slov. kdsa; kräda Diebstahl, slov. abweichend 
kräja; mälje pl. Flaum; mäma Wut; mläka Lache, slov. 
mldka; pära Dunst, slov. abweichend pära; päsa Weide 
(= Hut), slov. abweichend päsa\ präska Krachen, slov. 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 10 



146 Betonung und Silbenquantität. [§ 253. 254. 

abweichend präska (andre Bed.); tana Wunde, slov. räna; 
skäla Fels, slov. sküla; skälje pl. Plolzabfälle, slov. abweichend 
slcälje; skvära Art Salbe, slov. skdra; släva Ruhm, slov. 
fildva; stäja Stall, slov. stdja', stätva Balken des Webstuhls^ 
slov. abweichend stätva (s. §257); säka Handvoll, slov. sdka; 
sära die Bunte, slov. sdra bunte Farbe; träga Tierrasse; 
isäha Frosch, slov. ^dha. 

Vokal u = urslav. bl, zl vor Konsonant: musa (und 
mma) Baumsaft; müzga die auf einmal hervorschießende 
Milch; müza Melken, slov. möiza; stuba Baumleiter, slov. 
sföiia; vw^''^ Beutelmeise, slov. vötga; vüna Wolle, slov. v6f7ia. 

Vokal r = urslav. tr, ör: crva Wurmloch; cvfka 
Gezwitscher; gfia Höcker, slov. grha; hrka {rka) Schnar- 
chen ; krga Flaschenkürbis ; kHja Holzblock ; krnja Scheide, 
slov. krnja; krpa Flick, slov. krpa; krplje pl. Schneeschuhe, 
slov. krplja; kvrga Auswuchs, Knorren, slov. kvfga; kvfka 
Knurren (der Katze); mrva Brocken, slov. mrva; mfska 
Runzel; mrsa Magerkeit; j^r^fa Furz, slov. prda\ pjfga Art 
Speise aus Hirse, slov. prga ; pfnja Fetzen, slov. abweichend 
pPnja; rpa Haufen; skrge pl. Kiemen, slov. Wb. skrge; 
trka Laufen; vrka Knurren (der Katze). 

254. bb) Die Wurzelsilbe ist ursprünglich 
kurz; die im Slovenischen gedehnte Silbe hat steigende 
Intonation ('): Vokal o, döha Zeit, slov. äöha\ gösca Gastin 
(fem. zu göst); grönja Fruchtzweig der Kirsche; köza 
Haut, slov. kgm; köra Rinde, slov. köra; krösna Webstuhl, 
^lov. krösna\ möma Mädchen; sköba Klammer; 2>^oca Platte, 
slov. plöca ; slöta Regenwetter ; söva Eule, slov. söva ; ströka 
Schaf blatter, slov. ströka; tröha Bißchen, slov. troha; völja 
Wille, slov. völja. 

Vokal e: dreca Dickicht, dreka Gewand, klepa Hieb 
mit dem Finger, kreka Quaken, krelja Kiemen, kreka 
Quieken, peca Totenfleck, peca Sorge, sieka Flut; stelja u. a. 
Hefen, slov. stelja Streu; steza Fingerkraut; tesla Hacke, 
slov. tesla; meka Meckern; zega Hitze, slov. ^^ga. 

Vokal a = b: Beispiele sind ganz selten; das ab- 
geleitete tästa Schwiegermutter (fem. zu täst). 



§255.| Bestimmung der Betonung und Quantität. 147 

S55. 2. Der alte Hochton lag nicht auf der 
Wurzelsilbe; alte Endbetonung. 

a) Bei ursprünglicher Länge, die demnach lang 
bleibt (ausgeschlossen sind hier die zahlreichen Hypo- 
koristika mit Akzent ' auf der ersten Silbe mit der bei 
ihnen eintretenden Dehnung kurzer Silben, s. §274). 

Vokal 21 = u: büna Aufruhr, drüga Gefährtin, düpija 
Baumhöhle, di'isa Seele, gilja Schlange, jüha Brühe, krüpa 
Hagel, hüna Marder, hüpa (Haufen) Spiel mit Nußhäufchen, 
Ijüha Gattin, rüda Erz, slüga Diener, züpa Gau. 

Vokal i ^= i: dika Stolz, glista Regenwurm, hrida 
Fels (neben msk. lirid Krida), lila Birkenbast, niza Perlen- 
schnur, Sita Binse, svila Seide, svlnja (urspr. mehrsilbig = 
smnbja) Schwein, vila Vila, zima Winter. 

Vokal i = y: dira (neben dlra) Loch, gizda Zierde, 
Schmuck, gmiza (urspr, mehrsilbig = gzmyza Gewimmel) 
Glasperlen. 

Vokal (?', skr. ije e = ursl. e: bijeda (Not) Verleum- 
dung, blijeska (Glanz) Augenblinken, djena Preis, klijesta 
Zange, lijeha Gartenbeet, lijeska Hasel, mijena (Wechsel) 
Mondwechsel, rijeka Fluß, süjbia (Wand) Felswand, stri- 
jela Pfeil, strijeka Streif, Ritze, svijeca Kerze, zvijezda Stern. 

Vokal a ^ a: gdra rußbraunes Schaf (zu gär Ruß; 
wohl hypokor.), grdna Zw^eig, hvdla Lob, jdgla geröstetes 
Maiskorn, kdza Nachricht, kldpa Wahn, md^a Hätschelei, 
ndda (Kompositum aus na -\~ de-) Hoffnung, ^;a;a Streifen, 
päla Wasserschaufel, pldta Lohn, ])rdna faules Ulmenholz, 
rdda Arbeit, sdsa Anemone, sndga Stärke, sdla Scherz, 
sdpa (fremd?) Pfote, sdra Buntheit, sdsa Riedgras (neben 
sas), trdva Gras, vdda Termin, zdra Brennessel. 

Vokal u = o' düga Regenbogen, klüpa Bank, lüka 
Au, müka Mehl, prüga Streifen, rüga Spott, rüka Hand, 
trüha Trompete, tüga Schauder. 

Vokal e = f' : greda Balken, j4za Schauder, j&zgra 
Kern, mezga Baumsaft, peta Ferse, rosa Kätzchen am Baum, 
seta Spaziergang. 

10* 



148 Betonung und Silbenquantität. (§ 255. 256. 

Vokal ra, la = ursl. or, ol vor Konsonant : hroula 
Bart, bräzda Furche, brdna Wehr, Egge, gldva Kopf, hrd7ia 
Nahrung, mldda Taubenkropf (Pflanze), sldna Reif, sträna 
Seite, tldka Frohne, vläda Herrschaft, vldka geschleppter 
Baumstamm; s. § 8. 

Vokal e ije = urslav. er, el vor Konsonant: srijMa 
Mitte, trijeba Erfordernis {nije trijehe ist nicht nötig), vrijeza 
Stengel, zlijezda Drüse; s. § 35. 

Vokal u = iirspr. 6/, dl vor Konsonant: münja (urepr. 
mehrsilbig, aus ^mslnbji) Blitz, inüsa (und müsa) Baumsaft, 
sünja Specht; müza Kuh ist wohl hypokor. 

Vokal r = urspr. br, zr vor Konsonant: hrka (fremd?) 
Art Mostsuppe, krma Futter, Steuer, krsa Art wilder Ente, 
pfpa Mischung von Asche mit Wasser (prpor dasselbe), 
srna Reh, vrba Weide (Baum), vrsfa Reihe, zvrka Spinn- 
rocken (vgl. zvfka Geschnurr). 

Abweichungen, d. h. Verkürzungen alter Längen 
bei urspr. Endbetonung, sind ganz selten: müha (u = u), 
aber r. mucha cak. müha; das nach stokav. Betonung zu 
erwartende "^inüha ist wohl bei Stummwerden des h aus 
vdüa in müa übergegangen; üzda Zaum, r. uzda, tgra Spiel, 
r. igra^ Igla Nadel, r. igla haben alte Endbetonung, sind 
also in der Quantität anomal; zmlja, r. zmeja (geschrieben 
zmeja) ist aus urspr. zmhja hervorgegangen; büha == ursl. 
blocha r. blocha, süza Träne = ursl. shza r. sleza^ räa Rost 
~- ursl. '^'Todja haben 5, b urspr. nach der Liquida, also 
von altersher kurze Silbe; vrsa Reuse hat neben sich das 
ebenfalls anomale vrsa; djeca Kinder ist = "^detbca. 

^50. b) Der Wurzelvokal ist ursprünglich 

kurz; die Kürze bleibt. Vokal o : drösda Bodensatz (Um- 
bildung von droMbja), glöba Geldstrafe, gbra Berg, Wald, 
gröza Schauder, hbda Gehen, köza Ziege, kösa Sense, löza 
Rebe, mbra Alp, nöga Fuß, ösa Wespe, rosa Tau, slöta 
Ungetüm, smbla Pech, sbha Gabelholz, stbpa Tritt, svbja 
eine Fischart pleuronectes solea (fremd?), tbnja Gestank, 
Art Wetter, vbda Wasser, vbnja Geruch, zbra Morgenröte. 



§ 256. 257.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 149 

Vokal e: meda Grenze, metla (eig. '■'metbld) Besen, 
sestra Schwester, zcmlja Erde, zhia Frau, zelja Wunsch; 
pcela eela Biene = urspr. bhcela. 

Vokal rt = ö, ö: däska Brett, mägla Nebel, mäzga 
Mauleselin, suäha Schwiegertochter, stäza Pfad. 

Ausnahmen, in denen also alte Kürze gedehnt 
erscheint, sind ganz vereinzelt: bei Vuk livöja Baurnast, 
aber Ak.Wb. hvdja und hvöja; höhet u.a. Krebsrogen, wohl 
hypok. zu höh Bohne; höra nur bei Vuk «Falte», sonst, 
wie es scheint, unbekannt; löza Lager, wohl hypok. zu 
dem allgemein slav. hze; zölja Wespe, vgl. slov. zolj 
(Fliegenarten); jela Tanne, daneben dial. jela, vgl. cak. 
und kajk. jelva, bei Nemanic jelva, slov. j§la und j§lva. 

357. E. Die alten feminaien «-Stämme (Nom. 
sg. -y). Mit Ausnahme von Ijuhi (bei Vuk aus einenri 
Liede, als indeklinabel angegeben) «Gattin» = l'uhy^ und 
dem in die Analogie der i-Stämme übergetretenen Ijühav 
gen. Ijühavi (= IjuhoVb, gen. Ijuhovi) sind alle übergegangen 
in die Form der fem. «-Stämme, Nom. sg. -va. Die 
Gesamtzahl dieser Wörter im Skr. enthält so viele Fremd- 
linge, daß ein sicheres Resultat über die Quantitäts Ver- 
hältnisse nicht zu erlangen ist; nur das steht fest, daß 
alle, einlieimische und fremde, alten Hochton auf der 
ersten Silbe haben. Nimmt man die altheimischen und 
die alten entlehnten Wörter zusammen, so haben kurze 
erste Silbe mit ", dem im Slovenischen fallender Ton, 
also ^ entspricht: häcva (altes Lehnwort?) Faß, slov. 
häcva hdcvä; hödva Fischerdreizack; hrudva (altes Lehn- 
wort) Zimmeraxt, slov. hrädva\ hrözgva (a. L.?) Päonie; 
bükva (a. L.) Buche, iAov.bükrahüköv; grüdva (neben gruda) 
Erdklumpen; lökva (a. L.) Lache, slov. l7jkva loköv; mestva 
Lederstrumpf, slov. mßstva; mläkva eine Plianzenart; mrkva 
(a. L.) Mohrrübe, slov, mrkva und mrkov Wb. näcve pl. 
Backtrog, slov. näcve\ nözdrva Nasenloch, slov. iiozdrva (und 
nozdrv /-Stamm); ö.sfoe pl. (neben östi fem. pl.) Fischer- 
dreizack, slov. pstve; plädva Mutterkuchen; racve pl.. 
(fremd?) Zacken; rözgva (neben rözgd) Gerte, slov. rgzgva 



150 Betonung und Silbenquantität. [§ 257—259. 

röz(ja\ svekrva Schwiegermutter, slov. sv§krva; smökva (a. 
L.) Feige, slov. smgkva singksv; tlkva Kürbis, slov. tikva 
tikov; ütva Ente, slov. gtva; [zäova Mannesschwester gehört 
nicht hierher, es steht für '^-zalva = zzUva). Ältere 
und neuere Fremdwörter verhalten sich ebenso, z. B.: 
breskva Pfirsich, slov. breskva hreskzv; dretva Bindfaden, 
slov. drßtva dr§t5v; metva Minze, slov. m^tva u. a. Länge 
haben nur wenige: je^rva Schwägerin, slov. j§trva\ mläkva 
nicht zufrierende Lache (zu mläk fem. mläka lau), slov. 
fnldka; crkva (altes Lehnwort), slov. anders vokalisiert 
c^rkva c§rk5v; vrsva Nebenform zu dem in der Betonung 
unregelmäßigen vrsa und vrsa Reuse; güzva Reisergeflecht 
(Wiede), slov. ggiva. 

258. F. Die alten konsonantischen Stämme. 
1. Die beiden feminalen r-Stämme: mäti gen. 

mätere Mutter usw. hat steigenden Ton, daher kurzes ä 
fürurspr. tl, slov. mäti; 61 {kci, hci) gen. ceri usw. Tochter, 
slov. hci hc§re. 

259. 2. Die alten maskulinen w- Stämme 
(kamy gen. kamene); im Skr. übergegangen in die Flexion 
der o-Stämme, z. B. kämen (über die Dehnung der End- 
silbe des Nominativs s. § 227). Die urslavische Betonung 
ist im einzelnen kaum sicher feststellbar. Im Russischen 
liegt der Hauptton bald auf der ersten Silbe, bald auf 
folgenden, z. B. greben grebna, jäsen jäsena, käynen kdmna^ 
pcrsteii perstna., pldiha pldmeni (kchsl. Form) pölyriia (ntr.), 
klr. pölomen, strema (ntr.) stremeni, dagegen jacmöii jacmend, 
kremen kremnä^ remen remnd. Im Slovenischen ist mit 
Ausnahme von greben, das dem skr. greben entspricht, 
regelmäßig angegeben jdsen jaspia, kr6men kremqna usw. 
Im Skr. herrscht Einheit: alle Wörter, einerlei ob die 
erste Silbe ursprüngliche Länge oder urspr. Kürze ent- 
hält, haben den Hauptton als '' auf der ersten Silbe mit 
fallender Intonation; daher z. B. öd kamena (s. § 304): 
busen (fremd?) Rasen, dröbljen Brocken, greben Krempel, 
gfmen Gebüsch, jäsen Esche, jecmen Gerste, kämen Stein, 
kremen Feuerstein, plämen Flamme, prämen Büschel, pfsten 



§259 — 261.] Hestimmnng (1er Betonuntj: und Quantität. 151 

Fingerring, prsljen Spinnwirtol, remen Rienaen, srsljen Jlor- 
nis, .9ifre>«(?/i Steigbügel; ufßjenY^olxle hat neben sich üglijen 
(in Ragusa nach Vuk); kören neben körijen, hier auch in 
den übHquen Kasus Länge: gen. körena körijena. 

200. o. Die alten neutralen 9i-Stämme (unspr. 
nom. -^, gen, -ene), im Skr. übergegangen in die Flexion 
der neutralen o-Stiimme außer im Nom.akk.sg. Mit einer 
Ausnahme sind alle durchweg mit " auf der ersten Silbe 
betont, eine Betonung, die, was den Hauptton betrifft, 
zum Russischen stimmt, ebenso fast in allen Fällen zum 
Slovenischen, dessen Betonung zeigt, daß die Intonation 
steigend war (ausgenommen im§ imßna): hnc gen. hnena 
(und so bei allen folgenden) Name, r. ima imeni (und so 
bei allen); pleme Stamm (gens), r. plerha, slov. pleme ple- 
m^tia] renne Schulter, r. rnmo, slov. rdme rämena; sjeme 
Same, r. sema, slov. seme semena; sljeme First, slov. sleme 
sleme7ia; ijeme Scheitel, r. teina, slov. Urne temena; vhne 
Euter, r. vyma, slov. vime vimena. Die einzige Abweichung 
bildet der Nom. vrijeme vreme (= "^verme) mit alter End- 
betonung, daher die Erhaltung der alten Länge, r. vrema 
vremeni (kchsl. Form), doch deutet die Betonung vremennyj 
auf die Zeit bezüglich (neben vremennyj zeitlich, zeitweilig) 
vielleicht auf ein altes endbetontes ''-'verm^, slov. vr^me 
ivreme) vrem^na, der skr. Gen. usw. vremena wie in den 
andern Fällen. 

201. 4. Die alten Neutra auf -^ Gen. -ete , bis 
auf den Nom.-akk. sg. im Skr. in die Flexion der neu- 
tralen o-Stämme übergegangen, z. B. tele teleta usw. Die 
zahlreichen später gebildeten Deminutiva auf -e gen. -ete 
bleiben hier unberücksichtigt. Altererbte gibt es nur 
wenige; eine feste Betonungs- und Quantitätsregel ist nicht 
vorhanden, in bezug auf die Haupttonstelle bestehen zwei 
Typen: 

a) Alter Hauptton auf der Wurzelsilbe; dieser 
Typus fehlt dem Russischen und Slovenischen. Die skr. 
Beispiele haben sämtlich eine urspr. lange Wurzelsilbe, 



152 Betonung und .SilberKjuantität. [§261.262. 

diese ist durchweg verkürzt in jägnje gen. jagnjeia^ klr. 
ja(/na jagnaty, slov. jägnje jag njeta', läne Mwe/a Rehkalb; in 
den übrigen Fällen hat der Nom. fallende Intonation, 
daher Länge, die anderen Kasus dagegen * auf der ersten 
Silbe: hlizne hUziieta Zwilling, klr. hhjzna blgznniy; dvize 
dmzeta zweijähriges Schaf; ^jra.se präsela Ferkel, klr. porosa 
porosßty, slov. ^;>"rtS6' 2jras^ta\ ichijebe idrebeta Füllen, klr. 
zereh' a zereb'aty^ slov. srehe (zreb§) srebqta. 

b) Alter Hauptton im Nom.-akk. sg. auf dem 
Ende, in den Kasus auf dem Formans -ei-. War die 
Wurzelsilbe ursprünglich lang, muß die Länge im Nom. 
sg. erhalten bleiben, in den übrigen Kasus dagegen ist 
sie verkürzt (vgl. dazu vrijeme vremena § 260): dijete djeteta 
Kind, klr. dyt'a dyt'aty^ slov. dete det^ta; jüne jüneta junges 
Rind, slov. june junqta\ kljüse Jdjüseta Gaul, slov. kljuse 
kljus^ta (kljüse kljüseta); zvijere zvjereta wildes Tier, klr. 
zvira zviraty. Ist der Wurzelvokal ursprünglich kurz, 
bleibt er so: tele teleta Kalb, klr. tel'a teVcdy, slov. tele 
tel^ta; stene steneta junger Hund, klr. scena scenaty, slov. 
scene (scene) scen^ta. 

!^6S. G. Die alten zweisilbigen Adjektiva. 
Berücksichtigt wird hier nur die unbestimmte Form; Fe- 
mininum und Neutrum sind dabei nach Vuk und Danicic 
(Rad XIV^, Akcenti u adjektiva) als gleichbetont angesetzt; 
über Unterschiede in der Betonung dieser beiden Genera, 
sowie sonstige Änderungen der Haupttonstelle in der 
Flexion des unbestimmten Adjektivs s. u. bei der Flexion 
der Adjektiva § § 607 fg. Die bestimmte Form kann Be- 
tonungs- und Quantitätsänderungen mit sich führen und 
wird bei der Adjektivflexion (s. §613 fg.) behandelt. Im 
historisch überlieferten Slavisch gibt es nur eine flektier- 
bare Adjektivklasse, o-Stämme im Msk. und Neutrum, 
zu denen ein a-Stamm als Femininum gehört. 

1. Der Nom. sg. msk. hat ursprünglich langen 
Vokal, daher wegen der Einsilbigkeit die Be- 
tonung ^; Femininum und Neutrum hatten alte End- 
betonung, daher Erhaltung der Länge.. 



§262.] BostimriHing. der Betonung und Quantität. 153 

Vokal a = a\ jäk jäka jdko (und so Fem. und Neu- 
trum bei dem folgenden) stark; nä(j nackt, r. nag nagn nago. 

Vokal a aus or, ol vor Konsonant: bläg gut; vrän 
schwarz, r. vorou vorona vorcmo; dräg teuer, r. do)-og do- 
roga dorogo; mläd jung, r. nwlod moloda molodo; mläk lau; 
plCw blau, blond, r. bestimmt polovoj\ slän salzig, r. S()lon 
solonn solono. 

Vokal ije e = ursl. e: blo hijela bljelo (beo, bela belo), 
r. Uli bela belo] bUjed {bled) blijeda blijedo (bleda bledo); cio 
cijela cijelo (ceo cela celo) unversehrt, r. cel cela celo; lljen 
lijena lljeno (Jen lena Uno) träge; lljej) lijepa lijepo {lep lepa 
lepo) schön; nljem nijhna nijemo {nein nema nemo) stumm, 
r. nem nema nemo; prljek prijeka prijeko {prek preka prekOy 
eig. quer) schroff; syed sijeda sijedo grau (von Haaren), 
r. sed seda sedo {sedo). 

Vokal e = e: svet sveta sveto heilig, t. svat svata suato; 
cest &sia desto dicht, r. cast casia casto. 

Vokal i = i: gnjio (aus gnjtl) gnjila gnjllo verfault, 
r. g}iil gnila gnllo; kriv kr Iva krivo krumm, r. kriv kriva 
krivo] zw ziva zivo lebendig, r. mv ziva zivo. 

Vokal i = y: rül rida riäo rot. 

Vokal u =^ u: glüh glülia glüJio (und so Fem. und 
Ntr. der folgenden), r. gluck ghicha, glucho; hüd schlecht, 
r. chud chuda chudo; lud dumm; Ijüt grausam; j;äs^ leer, 
r. past pusta pnsto\ rüd rötlich; sTir blaß; süh trocken, 
r. such sucha sijcho; stur verkümmert; lad fremd, r. cuz 
cuza cuzo. 

Vokal u = q: grub grüba grübo (und so bei den 
folgenden), r. grub gruba grnbo; gast dicht, r. gtist gusta 
gifsto; kriit dick, r. krut kruta knjto; km gestutzt; fiküp 
karg, r. skup ski/pa skupo; tüp stumpf, r. ttip tupa tnpo; 
vrüc (altes Partizip = *vbrgtjh) heiß. 

Vokal r = hr, ör: b?z brza bfzo (und so bei den 
folgenden); grk bitter; hro (aus h?i) hrla hrlo tüchtig; crn 
schwarz, r. euren cerna cerno\ cvPst fleischig, r. cerstv 
cerstva cerstvo; krnj splittrig; tvrd fest, r. ttord iverda 
tvordo. 



154 Betonung und Silbenquantitüt. [§262.263. 

21 =^ hl: züt züta züto gelb, r. zolt zelta zolfo (zelto). 

Das Verhältnis zwischen z. B. msk. fjläh fem. glüJia 
entspricht dem von süd gen. süda (Gericht) beim Sub- 
stantiv; s. § 219. 

S03. 2. Der Nom. sing. msk. hat die Be- 
tonung ", also kurzen Vokal; Akzent und Kürze ver- 
harren im Fem. und Ntr., z. B. 7iöv növa novo, stär stära 
stäro. Hier hat im Skr. eine Uniformierung stattgefunden; 
Femininum und Neutrum waren nicht von Anfang an 
notwendig so betont, s. § 611 fg. 

a) Der Wurzelvokal ist eine ursprüngliche 
Länge; die Intonation war steigend, daher die Verkürzung, 
vgl. beim Substantiv den Typus brät (s. § 235). 

Vokal a = a: znän (altes Partizip pass.) bekannt; 
kljast verstümmelt (an der Hand) ; mäo mala mala, r. mal 
mala mglo; pjän (aus ^ö^aws) betrunken, r.pjan pjana; präv 
gerade, r. prav prava 2^rQVo; räd gern, r. rad y^ada rado 
släh schwach, r. slab slaba slabo; stär alt, r. star aiara staro. 

Vokal e ^= e: breäa trächtig, r. best. Form berozaja\ 
smed brünett, vjest kundig; vreo vrela vrelo heiß (altes 
Part. = vbreh)\ zreo zrela zrelo (altes Part. == ztreU)^ r. 
zrel zrela zrelo. 

Vokal i = i: cU, clo kräftig; eist rein, r. eist cista 
cisto; llst schnell; mlo mlla milo lieb, r. mil mila müo; siv 
grau, r. siv siva sivo; tili ruhig, r. tich ticha ticho; rlt bieg- 
satn (altes Part, vits), r. vit vita vito. 

Vokal i = y: bhiar bistra bistro klar, r. bystr bystra 
bystro] Mtar Mira liUro schnell, r. chitr {cliit'or) cliitra cMtro; 
sU satt, r. syt syta syto. 

Vokal u = u: rüs rötlich, r. rus rusa rijso^\ sut form- 
los, klr. bestimmt sutyj unbestimmtes fem. suta?; trüo 
trukla trühlo morsch, r. bestimmt truchlyj unbestimmt 
fem. trucJüa? 

Vokal u ^ g: prug gestreckt. 

Vokal r = tr, or: krt u. a. spröde, mrk finster, 
stfm steil. 



§ 263 — 266.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 155 

Vokal u = hly öl: dug lang, r. thlof) dolga dolgo; pün 
voll, r. pölo7i polnq polno ; tust dick, r. tolst tolsfn tolsfo. 

S64. b) Der Wurzelvokal ist eine ursprüng- 
liche Kürze: 

Vokal e: rech)' vedra vedro heiter (vom Wetter). 

Vokal o: liröm lahm, r. chrom chroma chromo; lös 
schlecht; mödar niödra mödro blau; mökar mokra mökro 
feucht, r. inokr mokra inokro\ nov neu, r. nova novo; obal 
(öbao) öbla öhlo rund, r. bestimmt oblyj fem. unbestimmt 
ohla?; östar östra östro scharf, r. ost'oi^ ostra ostro; prost 
einfach, r. prost prostn x>rosto; spör ausgiebig, r. spor spora 
sporo ; töpal töpla töplo^ r. iepel tepla teplo ; tröm schwerfällig. 

Vokal a = o: fast leer, r. tose tosca tosco. 

!^65. S.Wenn man das Verhältnis des Nom.sg.msk. 
der Adjektiva zum Nom. sg. fem. zusammenstellt mit dem 
Verhältnis des Nom.sg.msk. der substantivischen o-Stämme 
zu seinem Genitiv, so fehlen dem Adjektiv mehrere dort 
vorkommende Typen: 1. der beim Substantiv häufige bog 
böga (§ 233), d. h. fallende Kürze mit Dehnung in der ein- 
silbig gewordenen Form des Nom. sg. msk.; 2. der Typus 
sköt sköta, d. h. steigende Kürze bei Wurzelbetonung, 
dessen UrsjDrünglichkeit beim Substantiv zweifelhaft war 
(s. § 244), ist beim Adjektiv zwar vertreten {hröm liröma), 
aber erst durch Umformung entstanden, die ursprüngliche 
Betonung des Femin. war chroma^ und ein Verhältnis 
von chröm "^chroma entspricht dem von snöp snöpa beim 
Substantiv (§ 238). Wirklich erhalten hat sich dieser 
Typus beim Adjektiv nur in vereinzelten Fällen: dobar 
döbra döbro gut = r. dobr dobra dobro; ferner im Fem. und 
Neutr. bdsa böso barfuß, r. bosa boso, der zu erwartende 
Nom. msk. wäre %ös, er lautet anomal bös (cak. bös)^ zu 
dem man Fem. "^'-bösa erwartet (vgl. bog böga); in Fem. und 
Neutr. göla gölo nackt, r. gola golo, Nom. msk. gö cak. 
göl^ ebenso anomal. 

S06. H. Die ein- und zweisilbigen Lnfinitiv- 
stämme. Ganz allgemein für sämtliche Infinitive der 



156 Belonun;:? und Silbenquantität. [§ 266. 267. 

Sprache, ob zwei- oder mehrsilbig, gilt, daß die Betonung 
^ auf der ersten Silbe ursprünglich gefehlt hat. Wo sie 
jetzt bei zwei- und mehrsilVjigen Infinitiven vorkommt, 
ist sie eine Wirkung der Dehnung vor den Verbindungen 
71 m r l V j -{- Konsonant (s. § BlOfg.), z. B. pämtiti ge- 
denken, mömciti se sich wie ein Bursche [mdmak] betragen, 
prävdati rechtfertigen (von prävda)^ süncati se sich sonnen 
(zu sünce); dazu kommen einige Ableitungen von Fremd- 
wörtern mit ^, z. B. lögoriti lagern (lögor), dzägoriü lärmen 
(dMgor), hicositi se sich zieren (klcos Zierbengel). 

Einheimisch ist präznovati feiern, es hat seine Länge 
von ^;m^a?^ prdzna. — Über /^ bei einsilbigen Infinitiv- 
stämmen s. § 271. 

Behandelt werden hier nur die zweisilbigen In- 
finitive, also die einsilbigen Stammes (= Wurzel); die 
ursprünglichen Verhältnisse der dreisilbigen, also zwei- 
silbigen Stammes, sind stark gestört durch eine Menge 
besonderer skr. Neubildungen und durch Ableitungen von 
Nomina, und lassen sich besser im Zusammenhang mit 
der Betonung des Verbums überhaupt behandeln. 

26*7. Die zweisilbigen Infinitive einsilbigen 
Stammes (= Wurzel). 

1. Mit ursprünglich vokalisch auslautender 
Wurzel. 

Der Vokal ist immer eine ursprüngliche Länge; 
Infinitive mit altem kurzem Vokal als Wurzelauslaut 
kommen überhaupt im Slavischen nicht vor (auch im 
Litauischen nicht). Mit einer Ausnahme iti ici (gehen), 
vgl. r. itti^ liegt der Hochton mit alter steigender In- 
tonation auf der ersten Silbe, diese Silbe muß also kurz 
sein, z. B. däti geben, slov. ddti\ hlti schlagen, slov. hiti; 
Mti sein, slov. biti (= byti); djeti legen, slov. deti; cüti 
hören, slov. cüti usw. 

Wenn durch Ausfall eines Oj t, in der ersten Silbe 
ursprünglich dreisilbige Infinitive (zweisilbigen Stammes) 
zweisilbig geworden sind, gilt derselbe Betonungstypus, 
z. B. hräti sammeln (= btrati), zväti rufen (= zzvati)^ 



§267 — 269.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 157 

vrefi sieden (= vbveti)^ smjeti wagen (= sömeti), snlti 
träumen (= szniti) usw. 

1^68. 2. Mit ursprünglich konsonantisch aus- 
lautender Wurzel. 

a) Der Wurzelvokal ist ursprünglich kurz (o, 
€, 6, s); alle haben alte Endbetonung, auf dem -ti der 
Endung, der Vokal muß kurz bleiben: mesti fegon (präs. 
metem), nesti tragen (nesem), ieöi laufen {tecem), hdsti stoßen 
(bödem), cvästi blühen {cväieni ; = '■'cvbsti cvbtq), mäci schie- 
ben (= "^moktf). 

269. b) Die Wurzelsilbe ist ursprünglich 
lang. 

aa) Der alte Hochton lag auf der Endsilbe 
{-ti)', dann bleibt nach der allgemeinen Regel die Länge 
erhalten : 

Vokal ra ■=^ or vor Konsonant: rdsti (präs. rästem) = 
*orsti wachsen. 

Vokal re = er vor Konsonant: drijeti reißen (= 
■^•derii; präs. derem, älter drem, so in Zusammensetzungen, 
z. B. räzdrem aus dbrq)] mrijeti sterben (= ^'merti; mrem); 
vrijeöi {vrseni) dreschen (= '•^vercMi). 

Vokal e = e: za-hr^ci anziehen (von ausgetrockneten 
Gefäßen, die man ins Wasser stellt), gresti kommen (präs. 
gredem), leci brüten (lezem), mesti trüben (metem), tresti 
schütteln (tr^sem), vesti sticken (eigentlich binden, knüpfen 
vez-'j vSzem), zepsti frieren [zebem); na-preci se (sich stemmen) 
sich anstrengen, do-sedi erreichen, poUci ziehen, strengen 
{prpg-)y do-seöi erreichen (sgg-), po-teci ziehen (teg.). 

Vokal u = ti: sküpsti raufen [sMbem). 

Vokal i = i: zivsti leben (Neubildung, nach Präsens 
zivetn, für altes ziti). 

Vokal r = 6r vor Konsonant: ctpsti schöpfen (crpem), 
vrci dreschen (s. o. vrijeci, vrsem), vrsti se hängen bleiben 
(vrzem se). 

Vokal u = bl vor Konsonant: düpsti aushöhlen {= 
'dblfpjti; dübem), tüci schlagen (= ^tblJdi\ tücem); vüci 
(= *vblkti; vücem). 



158 Betonung und Silbenquantität. [§270.271. 

270. bb) DerHüchton liegt ursprünglicb auf 
der ersten Silbe mit steigender Intonation, daher 
Verkürzung der alten Länge ("), slovenisch steigende 
Dehnung, z. B. kläti, slov. kldti^ r. koht' {= *koUi), grhti 
slov. gristi. 

Vokal hl = ol vor Konsonant: kläii schlachten 
{köljeni). 

Vokal le Ije = el vor Konsonant: ynljeti mahlen (vgl. 
r. molot ; meljem). 

Vokal == g: püöi (=^ ^pqkti; puknem) bersten; düti 
blasen (= dqii; -dmem = dzmq). 

Vokal e = ^: seti ernten {zänjem znjem = z^ti zbnq). 

Vokal i = i: dici älter dmcl heben (= '■''dvigti); kllöi 
rufen (= ■'■'■klikti)^ mci keimen (= ^nikü), stlöi erreichen 
(= ""'stigti), strlci striegeln (= strigti; strizem). 

Vokal i = y: gristi beißen {grizem) ; svlci (= "^sz-vykti) 
sich anbequemen. 

Vokal je, e = e: jesti essen [jedem jem tjem), sjesti 
sich setzen, sresti begegnen (= sz-ret-), sljesii (= S5-Iez-) 
herabsteigen (sljezem)^ sjeci hauen [sijecem), dd-bjeci d. 1. 
-hjeci (heg-) hinlaufen, zä-ljeöi d. i. -Ijeci {leg-) vorübergehen 
(zäljezem), 

Vokal a = ß: klästi legen {klddem)^ krästi stehlen 
(krädem)^ pästi fallen (pad-)^ pästi weiden (päsem). 

Vokal r = hr: irti {= Hbrti) reiben {trem = hrq), 
zämrci d. i. -7nrci {^mhrk') von der Finsternis überfallen 
werden. 

Vokal u = hl: püsti (= '^ptlz-ti) se gleiten, vgl. r. 
polzti polzt' ; musü melken {müzem = ^'mhlzq)^ zämuöi = 
-muöi {'''niblk-) verstummen. 

2*71. Der Grundregel, daß die erste Silbe der Infinitive 
fallenden Ton nicht haben kann, widersprechen einige 
ursprünglich einsilbige Infinitivstämme in der Zusammen- 
setzung mit Präposition: 1. Auf ursl. -er: mrijeti sterben, 
aber ü-mrijeti ü-mreti, das wäre im Simplex '^mrijeti '^mreti 
(ebenso bei den folgenden); drijeti reißen, zä-drijeti; ü-vrijeti 
sich einschmiegen; prb-zdrijeti verschlingen; dö-prijeti ge- 



§271 — 273.1 Bestimmung der Betonung und Quantität. 159 

langen; prb-strijeti ausstrecken. Das Russische kennt nur 
die Betonung meret' , klr. zerety^ also steigende Intonation, 
das ergäbe skr., wenn vorhanden, '^mreti. — 2. Auf urspr. 
•e: kleti fluchen, aber zäkleti, das wäre im Simplex ^'-kleti 
(und so bei den folgenden), peti spannen zä-peti^ pö-ceti 
anfangen, öt-eti wegnehmen, ieti (zmeyn) drücken, sä-ieti 
(sä-zmem). — 3. Auf -u: zä-süti verschütten (= ''•'•seupti\ 
präs. -spem = söpq). 

II. Betonungs- und Quantitätsverhältnisse der 
Nomina mehrsilbigen Stammes. 

272. Eine wesentlich erschöpfende Angabe wie bei 
den zweisilbigen Stämmen ist hier nicht möglich. Diese sind 
zum größten Teil uralte Bildungen, deren Zahl gar nicht 
oder selten durch neuere vermehrt wird; dagegen bleiben 
die sogen. Sekundärsuffixe, d.h. Formantien, durch die aus 
den einfachen zweisilbigen Stämmen weitere Ableitungen 
gebildet Averden, zum guten Teil in lebendigem Gebrauch, 
können daher stets zu neuen Wortbildungen verwendet 
werd-en. Diese brauchen nicht mehr an alte einst befolgte 
Gesetze der Betonung und Quantität gebunden zu sein^ 
sondern können einfach die im Grundwort bestehenden 
Verhältnisse festhalten. Dennoch ist es in gewissem Grade 
möglich, feste Bestimmungen zu treffen. Zu scheiden 
sind dabei die nicht zusammengesetzten Wörter von den 
zusammengesetzten. 

S73. A.Die nicht zusammengesetzten Wörter. 

Es liegen hier mehrere Probleme vor: 1. Ist es mög- 
lich, die Quantität bestimmter Formantien, d. h. als for- 
mativ empfundenen Bestandteile des Wortes, und den 
etw^aigen Wechsel zwischen Länge und Kürze zu bestimmen? 
2. Hängt mit bestimmten Formantien eine bestimmte 
Quantität des stammhaften Teils des Wortkörpers zu- 
sammen? 

1. Quantität der Formantien. Die ursprünglich 
kurzvokaligen können ausgeschlossen werden, da die Kürzen 



160 Betonung und Silbemiuantität. [§273. 

an sich bleiben. Wo sie gedehnt sind, hängt das mit den 
§310 fg. zu behandelnden Lautverbindungen zusammen. 
Bei denen mit ursprünglich langen Vokalen gelten als 
allgemeine Grundsätze: I. Ursprüngliche Länge des Formans 
bleibt erhalten in der Silbe unmittelbar vor der ur- 
sprünglichen Haupttonstelle, d. h. in der jetzigen 
Haupttonstelle des Wortes. — IL Ursprüngliche Länge 
des Formans wird verkürzt, wenn sie selbst den ursprüng- 
lichen Hauptton des Wortes trägt, also eine Stelle nach 
der jetzigen Haupttonstelle steht. Die Verkürzung ist 
sehr einfach beobachtbar, wenn die Wurzelsilbe vokallos 
geworden ist, der Hauptton daher auch jetzt notwendig 
auf das Formans fällt; die Verkürzung der Länge zeigt 
alte steigende Intonation des Formans an; z. B. ptlca (= 
ptdica)^ tmina (=-• ttmina), pseto (= '-^pbseio), sväk (aus vbsakö, 
vgl. jednäk). — III. Ursprüngliche Länge des Formans 
bleibt erhalten, wenn die Silbe nach der ursprünglichen 
Haupttonstelle stand und also auch jetzt steht. 

Bei den folgenden Beispielen, einer kleinen Anzahl 
zur Verdeutlichung der allgemeinen Auseinandersetzung, 
beziehen sich die Zahlen I, II, III auf die eben ange- 
führten Sätze. 

Angegeben wird bei Msk. der Nom. und Gen. sg. 
Wenn im Nom. der Maskulina Länge in der alten 
Haupttonsilbe steht, in scheinbarem Widerspruch mit II, 
z. B. zu Gen. junäka (I) der Nom. jünäk (cak. pmäk, gen. 
junäka)^ so beruht das auf einer ursprünglichsten Betonung 
ju7läk^, daher cak. junäk mit steigender Länge der End- 
silbe. Wo eine der Zahlen I, II, III nicht vorkommt, 
bedeutet es, daß der Typus überhaupt fehlt. 

■äc, I: däväc daväca Geber, izmisljäc izmisljdcaAw^'&inneY. 

-äc, I: glühäc gluhäöa der Taube, göläc goläca (eig. 
Nacktling) eine Art Söldner. 

-ad (Kollektiva), III: präsäd Ferkeb dgancäd Zigeuner, 
lätincäd Lateiner. 

-äg, -jag, I: krcäg krcdga Krug, mütljäg mütljdga das 
Trübe, prtljäg prtljdga Gepäck. 



§273.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 161 

•aga, II: pHljaga Gepäck (vgl. nisk. pHljäij gen. prt- 
Ijdga), mütljaga Plapperer (vgl. mütljäg mutljdga). 

-äj : 1. BUäj Bildja (Ortsname); III. mjesäj mjesäja 
Portion Mehl zum Backen, öbicäj öbicäja Gewohnheit. 

•aja: I. daher -äja^ peräja Rückenborsten des Schweins, 
strzäja Ranke; II. daher -äja, prekaja Wassermühle mit 
seitwärts (quer) stehenden Radbrettern. 

-äje: I. lezäje Hasenlager. 

-ä/r, jäk\ I. Ijeväk Ijeväka Linkhänder; III. rlhijäk 
nhnjäka Fischteich. 

•aka, -jaka, II: rödaka Kusine (vgl. das msk. röitäk 
roddka). 

-Cilj: I. drözdälj drozddlja Drossel, cetvrtälj cetvrtdlja 
(Viertel) Getreidemaß; III. gübälj gübälja Grindmähre, kü- 
sälj küsälja Pferd mit gestutztem Schweif. — Vgl. dazu 
Fem. wie krlvalja nach II. 

•an: I. züpdn zupdna Gaufürst, güsän gusäna Gänse- 
rich, Radükän Radukdna (Eigenname); II. Düsan Düsana 
(Name), Vükan Vükana (Name); III. Zlvän Ziväna (Name), 
Milovän Miloväna (Name). 

-ana: II. Zvjezdana, Dragäna (Eigennamen). 

■'anin pl. ' ani. Im Singular -'anin sind bei jedem 
Betonungstypus diese Silben kurz; dagegen ist bei dem 
-an- des Plurals die alte Regel gewahrt: II. also ä, z. B. 
krsöanin krscani Christ; III. also ä, z. B. mjesöanin {mjes- 
tanin) mjescäni Städter. Schwankt die Betonung, so wechselt 
auch die Quantität, z. B. Pomdravljanin Pomdravljäni, da- 
gegen Pomordvljanin Pomordvljani. Die Kürze des -in be- 
ruht auf einer Verallgemeinerung. Sie würde normal sein, 
wenn es im Singular des Skr. Beispiele des Typus II gäbe, 
"^•-änin = "^anln. Dieser findet sich im Russischen, z. B. 
dvoranin^ skr. Ak. Wb. dvöranin ; mescanm, skr. mjesöanin ; 
sei' anin, skr. seljanin; und- man darf annehmen, daß das 
Skr. diesen Typus zugunsten der Betonung der Grundw^orte 
aufgegeben hat, vgl. mjesto mjesdanin^ selo seljanin (r. selo, 
sel'anin). Zur Bestätigung dient, daß bei Anwendung des 
-in zur Substantivbildung ohne -an- die Typen regelmäßig 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 11 



162 Betonung und Silbenquantität. [§273. 

Bind: IL, also ?, z. B. gospbdin Herr (r. gospodlu), vlastelin 
Edelmann, domäöin Hausvater (vgl. dömäci die Haus- 
genossen); vgl. auch die Eigennamen z. B. Vukäsin, Miläsin^ 
Milädin; I. also ^, z. B. Stambblin Stambolina Konstantino- 
politaner, vecerm vecerina Abendwind, sjeverm sjeverhia 
Nordwind, Badülin BaduUna (vgl. den Eigennamen Vecerm 
Vecerina nach II), Icidin kidina fahles Pferd (vgl. Eigennamen 
Külin Külina, Bädin Bädina nach II) ; Anomalien wie Cmjetin 
(Name) nach III sind ganz vereinzelt. — In den Kreis 
dieser Formantien gehört auch das possessive Adjektive 
bildende -in, dessen i bei jedem Betonungstypus kurz ist, 
z. B. II. sestrin, III. häbin, djevöjcin. Mit vereinzelten Aus- 
nahmen ist die Betonung die des Grundworts (sestra, bäba, 
djevöjka); die Quantität des Typus sestrin ist im Skr. ver- 
allgemeinert. 

-anj: I. kbcänj kocänja Stengel; II. köstanj köstanja 
(Pflanzenart), Zmtjanj Zmtjanja (Name); III. säbänj säbänja 
(Vogelart). 

-anja : II. pomäganja Hilferuf, pütanja Fußsteig, Bbranja 
(Ortsname). 

-är: I. vrätär vratära Türhüter, vräcär vracära Wahr- 
sager; III. krävär Kuhhirt, ribär Fischer. 

-ara: II. vräcara Wahrsagerin (vgl. msk. vräcär vra- 
cdra), sträzara Wachthaus. 

-as, Eigennamen: II. Viikas Vükasa; III. Vfbäs Vrbäsa. 

-äs: 1. bogätäs bogatdsa Reicher, Ikräs ikräsa Rogner; 
III. bjeläs, bjeläsa Schimmel (Pferd), Göräs Goräsa (Name). 

-avai I. meljdva das zu Mahlende; II. drsava Herr- 
schaft, tvrdava Festung. 

-et- = -et- ; -et- ist stets kurz, z. B. tele teleia Kalb, 
präse präseta: über die Betonung s. § 261. 

-zc: I. vjetric vjetrica (Demin.) Wind, kbsw kosica 
Korb; III. könjic könjica (Demin.) Pferd. 

-ic: II. bränic brä^iica Beschützer, povrätic povrätiöa 
eine Farnart. 

■ija, das Formans ist fremd, entweder aus roma- 
nischem -ia oder Weiterbildung (Serbisierung) türkischer 



§ 273.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 163 

Wörter auf -li, -ci (-dzi); das i ist immer kurz, bei den 
meisten Beispielen normalerweise, da die Betonung die 
nach I ist: besti ja Bestie^ gälija SchiE, zalfija Salbei; delija 
{iür'k. deli) Krieger, tufekcija (t.tilfekci, -dzi) Büchsenmacher. 

•ija, um Ragusa gebräuchliche Pluralbildung zur Be- 
zeichnung mehrerer Arten eines Dinges (s. Budmani, 
Dubrovacki dijalekat, Rad 65), nach I: sellja Dörier (selo), 
sitlja Getreide (nto)\ vgl. dagegen nach II cedija Kinder 
(verächtlich). 

-Ik^ -nlk: I. hrezik hrezika Birkenwald, slänik slanika 
Salzfaß, zimdvnik zimovnika Winterquartier; III. ücenikucenika 
Schüler, lüädmk hlädmka Laubhütte (hlädmk hladnika Son- 
nenschirm). 

-ika: II. konöpljika Hanfstaude, perünika Schwertlilie. 

-ik = -yks: II. jezik jezika Zunge, remik remika Riemen ; 
anomal in femin. Form vlädika (Herrscher) Bischof. 

-in; vgl. die Bemerkungen bei -'anin. 

■inja {= -ynja); sämtliche alte Bildungen nach II, 
grdinja Schaufel, püstinja Wüste, svetinja Heiligtum, höginja 
Göttin, kneginja (Fürstin) Frau des knez; ebenso die Er- 
weiterung der Abstrakta auf -ota: suhötinja (Trockenheit) 
Notfasten. Dazu stimmt das Russische, z. B. gordyna, ho- 
gma\ wenn r. rahyria Sklavin skr. röhinja, der einzige 
Fall dieser Betonung, gegenübersteht, so beruht das auf 
späterer Uiribildung. Die zahlreichen Feminina auf -ak- 
-inja, von Msk. auf -äk -dka, haben bei jeder Betonung 
-i?ija; es sind aber späte, dem alten Typus nachgebildete 
Ableitungen, die dessen Kürze beibehalten. 

-ir: I. zvekir zvekira Türklopfer, plähir plahira scheuer 
Ochs; III. mjeJnr mjehira Blase. 

-ira: II. sjekira Beil. 

-is: I. glädis gladisa u. a. Art Eidechse, Gölis Golisa 
(Bergname), slätkis slatkisa Leckerbissen, Iväms Tvanisa 
(Name) ; LH. ökolls ökolisa Bezirk. 

-isa: IL ni vrätisa ni plätisa (weder Zurückgeber noch 
Zahler), Rädisa (Name). 

11* 



164 Betonung und Silbenquantität. [§273. 

-ito: IL kopito Huf, A-önVo Trog; vgl. dazu fem. räkifa 
Weide (Pflanze). 

-itva, -idba: II. mblitva Gebet, prösidha Frei Werbung, 
vrsidba Dreschen, vezidba Anbindung (der Weinstöcke); 
dem Typus III. entspricht mümtva (fremd?) Betrug. 

-iv; die mit Hinzurechnung von -Ijiv sehr zahlreichen 
Adjektiva zeigen bis auf eine ganz geringe Anzahl den 
Typus II, daher i, z. B. Ijeniv fem. Ijeniva träge (und so 
das Fem. bei allen), südljiv schamhaft, grabezljiv räuberisch. 
Bei den Ausnahmen, die nach III. betonen, also -Iv er- 
warten ließen, schw^ankt die Betonung nach II. hin: dö- 
sjetljiv — dosjetljiv, ddceMjiv — docekljiv, pöbjegljiv — po- 
hjegljiv, pödatljiv — podätljiv^ ürokljiv — urökljiv^ zdgusljiv 
— zagtisljiv; es zeigt sich dabei, daß fast alle Abweichungen, 
die nicht schwanken, die Betonung des Grundworts fort- 
setzen, vgl. mllostiv — milöst^ zäzorljiv — zäzor; vgl. dazu 
döcekljiv (docekljiv) zu döcekati. 

-iva: I. tetiva Bogensehne; II. köpriva Nessel; III. 
{h)ödway daneben odka, das aus dem Hause heiratende 
Mädchen. 

-wo: I. jestiva pl. Speisen; III. pletivo Strickgarn, ^?'e- 
divo (Spinngarn) Flachs, Wolle. 

-üg: III. bjelüg bjelüga weißer Eber, zeljüg zeljüga 
grauer Eber. 

-uga: II. bjeluga, zeljuga weiße, graue Sau. 

-uh: 1. pästüh pastüha Hengst; II. kd£uh kbsuha Pelz; 
III. öcüh Stiefvater, dazu stimmt nicht Gen. öcuka, er 
steht aber für öcua aus "^öcüa, nach §127; vgl. dazu fem. 
pepeljuha (Aschenbrödel) normal nach II. 

~uj: I. krägüj kragüja Falke, slävüj slavüja Nachtigall. 

-üja: I. olüja (fremd?) CJngewitter. 

-uk: III. klöbük klöbüka Wasserblase, zvlzdük zvlzdüka 
Gepfeif. — Das alte vönuki Enkel nach II. Ü7iuk ünuka. 

'iika, Eigennamen: II. Mlluka, Räduka; vgl. auch ünuka 
Enkelin. 

-ulj: I. päülj (pähülj) pahülja Grashalm ; III. nä dugülj 
d. i. dugülj) der Länge nach. 



§273.274.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 165 

■ulja: II. grdulja häßliches Frauenzimmer, plävulja 
falbe Kuh. 

-i'in: I. (jlädün gladüna Zierling, medün medüna Art 
Granatapfel, sladün sladüna Eichenart, hogäiün bogatüna 
Reicher; III. sladün sladüna Art Granatapfel, die Namen 
MUü7i Mllüna, Rüdün JRädüna. 

•una, seltene und unklare Wörter; Beispiel nach II. 
sekuna Koseform (von s6ka zu sl-stra Schwester). 

-ar: I. hözür hozüra Päonie; III. mjehür mjehüra Blase. 

-ura: I. zmüra (aus "'•"miwra eig. «Blinzeln») Blinde- 
kuhspiel; II. gläüura augm. zu gläva Kopf, djevöjcura zu 
djevöjka Mädchen. 

-usa, fast ausnahmslos nach II: tmüsa Finsternis, gove- 
därusa Rinderhirtin, seljähisa Bäuerin, Mllusa (Name) ; vgl. 
dazu msk. Milüs Mllusa, Njegüs Njegüsa nach III. 

-ut, fast alles unklare oder fremde Wörter. Die Regeln 
sind genau befolgt: I. vhiüt vniüta (Fischart); II. bdhä 
hbhuta (Pflanzenart); III. välüt Valuta kleiner runder Stein 
(Kiesel), säpüt säpüta (Nebenform von säpät) Gelispel. — 
Vgl. dazu -ut fem. i-Stamm III. perüt gen. perüti Gefieder, 
prhüt prhüti Schuppen (auf dem Kopf). 

-Uta: II. kösufa Hündin. 

Ä74. Die Hypokoristika (s. Danicic, Srpska de- 
minucija i augmentacija, Glasnik 12 [1860]; Maretic, 
Gramatika §§871, 372): 1. Wenn ein solches AVort so 
gebildet wird, daß von seinem ein-, zwei- oder mehr- 
silbigen nicht hypokoristischen Grundwort nur die erste 
Silbe mit dem ihr folgenden Konsonanten bleibt und daran 
das Formans o, -a, -e tritt, so ist die Stammsilbe stets 
gedehnt und der Akzent ' (steigende Länge), z, B. hräto 

— brat Bruder, pöpo — pöp Priester, ni^do — mddvjed 
Bär, luo — Ivan, Kosto — Kostadin, Ldzo — Läzär; 
göspa — göspoda Frau, Dame, neva — nevjesta Braut, trba 

— trbuh Bauch, Röksa — Roksända, Töda — Tödora; kdle 

— käluder Manch, n^.ve — nevjesta, lidde — Radöjica. 

2. Die gleiche Quantität und Betonung herrscht, wenn 
von dem Grundwort nur die Anlautskonsonanten mit dem 



166 Betonung und Silbenquantität. [§ 274. 275. 

folgenden Vokal bleiben, die übrigen Bestandteile des 
Wortes ersetzt werden durch: 

-cfl, -co: Mdca — Märija^ Jdca — Jelisdveta: Jöco — 
Jövan^ Peco — Petar. 

-ca, -co: Uca — tetak Mann der Tante, Gdca — Ga- 
vrilo; Koco — Kostädin. 

-("■a, -öo: Mica Mico — Mltar aus PHmltrije (Demetrius). 

-ja, -jo: s^ja — ses^rö^ Schwester, lija — /«stca Fuchs, 
Böja — Bögdana, zeja — zec Hase; Böjo — Bögdän, P^jo 
— Petar. 

-ka, -ko: bdka — häba Großmutter, J^ka — Jelena; 
pn'ko — prljatelj Freund, Jöko — Jövan^ Ldko — Läzär. 

•la, -le: sda sele — sestra. 

-sa, -so: sndsa — snäJia Schwiegertochter, grdsa — gräh 
Bohne; priso — prljatelj, Peso — PStar. 

375. Abweichungen in der Quantität der 
Formantien von den normalen Typen I, 11, III. 
Unter den Wortbildungen des Skr. folgt eine große Anzahl 
den oben gegebenen ßetonungs- und Quantitätstypen nicht, 
und zwar gerade Bildungen mit sehr beliebten, oft an- 
gewendeten Formantien. Es läßt sich aber der Grund 
der Abweichung meist mit Wahrscheinlichkeit nachweisen. 

■aca^ ohne Wechsel der Quantität bei jeder Art der 
Betonung; normal nach II. z. B. bjäaca Art weißen Ge- 
wandes, mjedenjaca Bronzeklingel, und so fast ^/g aller 
vorkommenden Fälle. Die übrigen betonen nach III, 
haben trotzdem -äca, z. B. brestovaca Ulmenstab (zu brestov), 
Z^if/jovac^a Buchenstab (zu bükov), sjemenjaca Beet für Samen- 
pflanzen (vgl. das regelrechte Mask. sjemenjäk zu sjeme); 
sie haben den Hauptton des Grundworts festgehalten, 
dabei aber das Formans als -äca aus der Überzahl der 
regelmäßigen Fälle entnommen. Es ist bezeichnend, daß 
mehrmals ein Schwanken nach der normalen Betonung 
hin stattfindet; vgl. sjemenjaca — sjeme7ijaca, tjemenjaca — 
tjemenjaca Art Kopfausschlag (zu tjetne tjemena Scheitel), 
tavänjaöa — iävanjaca Fußbodenbrett (zu tävan Fußboden). 



§275.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 167 

-flZo, -ilo; (i und ? des Formans sind immer kurz, 
einerlei ob nach 11 oder nach III betont ist, z. ß. hjelilo 
Bleiche, drsalo Handhabe, Stiel; f/Jädilo Wetzstein, sjedalo 
Sitzstelle (der Hühner). Die Unregelmäßigkeit beruht 
darauf, daß nlle diese Bildungen die Haupttonstelle des 
Verbums, das ihnen zugrunde Hegt, festhalten und zu- 
gleich die bei allen Verben auf -ati, -iti stehende Kürze 
des a und i, z. B. slbalo Rute — stbati, prävilo Regel — 
präviti; kiipalo Badeplatz — Mpati, ndsila pl. Bahre — 
ndsitij, klepctalo Klapper — klepcfati, preknvalo (und pre- 
kr/valo) Schleier — prekrivcdi. Es ist hier wie bei den 
Infinitiven auf -ati^ -iti der Typus II verallgemeinert. — 
Anschließen kann man hier die femin. Nomina agentis 
auf alja, -ilja wegen der Gleichartigkeit der Ableitung von 
den Verbalstämmen. Sie haben alle den Tj^pus II, trotz- 
dem ä, ^, z. B. prälja Wäscherin, grebenälja Kremplerin, 
bjelilja Bleicherin, aber die Länge beruht hier auf der alten 
Gestalt des Formans als -albja, -ihja (s. § 313). 

■'mi; von den so gebildeten, im Skr. wenig zahlreichen 
Adjektiven haben bei Vuk den Typus II, darum das a 
kurz, növcan geldreich, ögnjan feurig, trnjan dornig, aber 
die andern mit dem Typus III ebenso, z. B. zemljan irden 
— zemija, rözan hörnen — rög rbga. snjezan schneeig — 
smjeg, däscan brettern — däska. 

■at und -ast. 1. -at; die bei weitem vorwiegende Be- 
tonung ist die nach II, daher -ät^ z. B. bdgat reich — bog 
böga, vldsat haarig — vläs vläsa, brädat härtig — bräda^ 
krUat geflügelt — krilo, also unabhängig von der Betonung 
des Grundworts. Das stimmt auch zu der russischen 
Betonungsweise; ygl. volosatyj, borodcdyj^ krylatyj. Von den 
wenigen Abweichungen nach III, die trotzdem -ät haben, 
z. B. vünat wollig — vüna, usnat großlippig — üsna, zeigen 
einige daneben den regulären Typus, z. B. kljünai neben 
kljünat geschnäbelt — kljün, cak. kosmnt neben skr. kosmat 
haarig. Bei den regelmäßig mit " auf erster Silbe betonten 
Adjektiven auf -nat^ z. B. vläsnai (neben vläsat), üsnai be- 
laubt — lisi, peniat gefiedert, vgl. r. pernatyj — j^^*'^^^ 



168 Betonung und Silbenquantität. [§ 275, 

kommt die alte Regel überhaupt nicht in Betracht; es 
sind späte Weiterbildungen alter Adjektive auf -öws. Daß 
einmal im Skr. bei Typus III ein -ät bestanden hat, geht 
aus einzelnen Beispielen hervor: cudnoväi wunderbar (cak. 
cuchiovnt, r. cudnovätyj nach II), cltovät AkWb. unversehrt 
((3ak. citovat); ferner aus den amplifizierenden auf -cät, 
z. B. gölcät^ növcät, püncät. — 2. -ast. Bei Vuk unter 
jeder Betonungs weise mit ä, allein das geht nicht durch 
alle Mundarten (vgl. Untersuchen I., S. 604 = 78); in 
einigen wird regelmäßig bei II gesprochen -ast fem. -asta, 
bei III -äst fem. -ästa, z. B. golubast -hasta, III zvjezdäst 
-dästa, krlläst krllästa; bei Schwanken der Betonung wech- 
selt auch die Quantität, z. B. II jastrehast, III jästrehäst; 
II pastüsast, III pästusäst. 

-av. Regelmäßig nach II ganz wenig Beispiele: lilkav 
listig, rdav rostig, j^e^e/^av aschig; nach III mit normalem 
ä nur das eine kfväv fem. kfväva. Die übrigen sehr zahl- 
reichen Adjektiva mit diesem Formans haben trotz des 
durchgehenden Typus III -äv, z. B. glzdav geschmückt, 
hödlfikav stachlig, öspicav blatternarbig. Es zeigt sich nun, 
daß alle nach dieser Art betonten Wörter die Betonung ihres 
substantivischen Grundworts festgehalten haben (Aus- 
nahmen sind ganz selten: glzdav zu gizda^ smölav pechig — 
smöla)^ z. B. pjegav fleckig — pjega, slhiav rotzig — slinay 
guöjav eitrig — gnöj gnöja, bodljikav — bddljika Stachel, öspicav 
— öspice pl. Blattern. Die Frage, warum nicht in diesem 
Fall -äv fem. -äva steht, läßt sich mit Hilfe des Caka^dschen 
nicht beantworten, denn dies betont durchweg wie das 
Skr., z. B. gizdav, kilav, dlakav, grcav usw., die Silbe nach 
dem Hoch ton kann aber, selbst wenn einst lang, die 
Länge nicht bewahren. Es zeigt sich dagegen, daß im 
Großrussischen, wie es scheint immer, im Kleinrussischen 
mit wenig Ausnahmen diese Bildungen -avyj betonen, z. B. 
kudravyj (skr. küdrav), sl'unavyj (skr. sllnav), kilavyj (skr. 
kllav), komvyj eingeschrumpft, dyfavyj löcherig, sersavyj 
rauh, helavyj weißlich, veril'avyj unruhig, gul'avyj herum- 
bummelnd, kurcavyj kraushaarig, lukavyj listig (skr. lükav 



§275.] Beetimmun.^ der Betonung und Quantität. 169 

ebenso), moloza vyj jugend]ich, pl'ugavyj widerlich, suchoscavyj 
mager, toncauyj hager, chudoscnvyj mager, velicavyj groß- 
artig (unbest. vellcav fem. velicnva), krovnvyj blutig (skr. 
krväv), rzavyj rostig (ebenso skr. rdav). Man darf also 
schließen, daß ursprünglich der Typus II und damit die 
Kürze des -av das weit überwiegende war und darnach 
eine Uniformierung erfolgt ist. 

•ica; bei jedem Betonungstypus ist i kurz. Daß auch 
hier eine Uniformierung und Ausgleichung älterer Unter- 
schiede vermutet werden darf, geht aus folgender Betrach- 
tung hervor: Es gibt einige Fälle nach I mit dem dann 
normalen i: vrhica, lactica, preslicka, senicka, ctuntica, stica; 
vgl. daneben normal nach II vrhica, stlca. Dazu kommen 
anomale Quantitäten bei Betonung nach I, kurzes i, z. B. 
brzlca, Drinica (neben normalem Drhiica), zimica (normal 
zhnica), rudtca (und rüdica)^ crnica (und crnica)^ cjeüca (und 
cjelica). Das sieht gegenüber den Fällen wie vrbica = 
Hrhica so aus, als wäre ein älteres %rzica durch An- 
lehnung an die zahlreichen Fälle mit normalem -ica (nach 
II) ersetzt worden durch *brzTca, d.h. brzlca. 

-i6. Bei der Anwendung dieses Formans zur Bildung 
von Deminutiven und zur Substantivierung von Adjek- 
tiven lassen sich die alten Typen mit Quantitätswechsel 
noch beobachten: I grcidic gradica (vgl. dazu regelrecht 
nach II grädic gradica) — gräd, pöpic popica Hausgrille 
(eig. Priesterchen) — pöj), mlädw mladica Jüngling — 
ynläd; II z. B. viwic — vük, golübiö — gölüb, mjesecic — ■ 
mjcsec. Wenn nun die zahlreichen Fälle nach III (sie 
stehen indes an Zahl hinter denen nach Typus II zu- 
rück) anomalerweise -iö haben , z. B. brätic, säbic^ 
gräbic, kmetic, mwic., ribic, cäric, vränic, und dabei fast 
regelmäßig die Betonung des Grundworts zeigen (brat^ 
zäba, grab, kniet, mls, rlba, cär, vräna), so darf angenommen 
werden, daß -ic aus Typus II verallgemeinert ist. Daß 
die zahllosen Familiennamen auf -ic den ausgeglichenen 
Typus -Je haben, erklärt sich auf dieselbe Weise. Demi- 
nuierte Eigennamen, die auch ursprüngHch den Patrony- 



170 Betonung und Silbenquantität. [§ 275. 

mika auf -id gleichbedeutend sind, zeigen noch Typus I 
mit normalem i, z. B. PeMd Petrica, Märku- Markiöa. 

-ina; bei jedem Betonungstypus dieser außerordent- 
lich häufigen Wörter ist i kurz, z. B. I planhia Berg, hi- 
strma Klarheit, veliclna Größe; II mjesina großer Schlauch, 
slänina (und slanina) Speck; III gdvedina Rindfleisch, istina 
Wahrheit, mjesecina Mondschein, mödrina Art blauen Ge- 
wandes (modrhia Bläue). Das nur bei II normale ? wird 
allgemein geworden sein. Das Cakavische zeigt z. T. noch 
ältere und normale Verhältnisse; dabei kommt Typus III 
wie letina, Hstina nicht in Betracht, weil in der Mundart 
nach dem Hochton keine Länge stehen kann, sonst aber 
kommen folgende Wechsel vor: II driizina (= skr. drüsina)\ 

I slabma, vrucwa, starina (skr. slaJnna und slahina Weichen 
[des Körpers], vruclna^ Hitze, starma Altertum). Endlich 
kommt cakavisch noch vor hrzina^ daljlna, dublna, mnozlna 
(skr. überall -ma), wo die Betonung und die Quantität 
einander widersprechen, und man darf annehmen, daß 
hier im Cak. eine Zurückziehung des alten Haupttons 
stattgefunden hat mit Beibehaltung der unter dem älteren 
Hauptton {hrzina usw.) normalen Quantität. Darnach läßt 
sich schließen, daß im Skr. das Verlassen der alten Nor- 
men auf Ausgleichung in der Richtung des -Ina beruht. 
— Über das Adjektivsuftix -in s. § 273 unter -'anin. 

-iste, als Formans für Ortsbezeichnungen und zur 
Bildung von Augmentativen. Typus I kommt nicht vor; 

II hat im Cakavischen völlige Regelmäßigkeit, z. B. gra- 
disce, kozlsce] III hat cak. seine Geltung verloren wegen 
der nach dem Hauptton notwendigen Kürze. Im Skr. ist 
I[ vertreten durch z. B. grädiste eig. Burgplatz (zu gräd), 
lövisie Fangplatz, zimöviste Winteraufenthalt; III durch 
zahlreiche Beispiele, z. E. küciste Hausplatz, könopljiste 
Hanfacker. Charakteristisch ist, daß bei wechselnder Be- 
tonung auch die Quantität des i wechselt, z. B. gödiste — 
gödiste, hläüste — blauste^ dvbriste — dvöriste (dvönste), und 
daß bei gleichbleibender Betonung regelrechte neben un- 
regelmäßiger Quantität vorkommt, z. B. ögnjisfe — ög^ißsfe, 



§275.276.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 171 

üliste — • hUste; vgl. auch zmöviste neben danövlste. Sicher 
sind hier ursprünglich normale Verhältnisse gestört worden, 
Länge bei Typus II zuweilen aufgenommen aus III. 

■it. Das i bei den Typen II und III (nur diese 
kommen vor) gleichmäßig kurz. Auch hier ist es wahr- 
scheinlich, daß die Kürze bei III auf Ausgleichung mit 
der bei II normalen beruht. Nimmt man die von No- 
mina abgeleiteten als besondere GJruppe, so stellt sich 
heraus, daß die auf -ovit alle nach IE betonen, z. B. hre- 
gövif, pjeskövit (ebenso im Russischen), die auf einfaches 
-ü ebenfalls und zwar ohne Rücksicht auf die Betonungs- 
weise des Grundworts (vgl. gläsit — glas gläsa, cestit — 
eist cesti), so daß die wenigen Abweichungen nach III, 
z. B. rjecit, sjenit^ wtiniü, wahrscheinlich sekundär die Be- 
tonungsweise des Grundworts angenommen haben: rljec. 
sjen, wtina. Dazu kommt, daß bei III Schwankungen 
vorkommen, so kamenit neben kämenit (dies nach kämen); 
vgl. dazu die gleichartigen husenit rumenit, cak. vremenit 
skr. vremenit (nach vremena gen. zu vi'ijeme), jMmenit (nach 
pleme, r. aber plei)ienityj). — Eine andere Gruppe sind die 
partizipialartigen Adjektiva, die unmittelbar von Verben 
herkommen, immer mit Präposition zusammengesetzt. Sie 
haben stets den urspr. Hauptton auf der Wurzelsilbe, also 
jetzt ' auf silbischer Präposition, und stets -U gegen ihre 
Betonung nach Typus III, z. B. ödjelit abgeteilt — odijeliti 
odijellm, iigasit (eig. erloschen) dunkelbraun — Kgasiti 
iigasim, ömrazit verhaßt — ömraziti, sröcit übereinstimmend 
— sröciti sröcim. Es kann nicht zweifelhaft sein, daß hier 
die Quantität des Infinitivstamms der Verba (?) maß- 
gebend gewesen ist. 

270. 2. Die Quantität der stammhaften Be- 
standteile abgeleiteter Nomina. 

Im Skr. sind Bildungen mit bestimmten Formantien 
notwendig mit Kürze der diesen vorangehenden Silben 
verbunden, ursprüngliche Längen solcher Silben sind also 
verkürzt. Eine gemeinsame Eigenschaft dieser Formation 
ist, daß sie alten vollen Vokal enthielten und enthalten, 



172 Betonung und Silbenquantität. [§276. 

nicht ein im Skr. verlierbares oder stets verlorenes 3, b 
(wie -bno, -bcb, -zka usw.); die scheinbare Ausnahme 
-ähan : -zchznz s. u. Man könnte daher jene als schwere, 
diese als leichte bezeichnen. Der Behandlung der Quan- 
tität im einzelnen ist vorauszubemerken : Wenn die betr. 
Silben mehr als eine Stelle vor dem alten Hochton 
stehen, also vor dem heutigen Akzent \ ', so sind sie 
nach dem allgemeinen Gesetz (s. § 220) notwendig kurz; 
also z. B. die Kürze der ersten Silbe von vrätär gen. vratära 
gegenüber der Länge von vrdfa versteht sich von selbst. 
Ferner muß abgesehen werden von Längen, die vor r, 
l, m, w, V, j -\- Kons, stehen, da sie auf sekundärer Deh- 
nung vor diesen Gruppen beruhen (s. § 314), so daß 
z. B. ein ösörljw keine Ausnahme von der Spracherschei- 
nung bildet, nach der die Silben vor -Ijiv kurz sein müssen. 

Als Beispiele — immer nur einige zur Erläute- 
rung — sind mit Absicht solche gewählt, deren Grund- 
wörter im Skr. selbst noch langen Vokal haben, weil sich 
so die Kürzungsregel unmittelbar ergibt, während bei 
einer Kürze des Grundworts, die ihrerseits auf einer 
Kürzung urspr. Länge beruht, die Annahme entstehen 
kann, die Ableitung habe einfach dessen Quantitätsver- 
hältnisse fortgesetzt. 

-aca: hjelaca Art weißen Gewandes — Mo fem. iijelay 
slänaca Salzquelle — slän, pokrlvaca Decke — pokrivati. 

-aöi Adj. bestimmter Form: spävaci zum Schlafen 
gehörig (z. B. spävaöe häljine) — spävati, obüvaci zum An- 
ziehen {oh. käis Schuhriemen) — ohüvatL 

•äd: vücäd junge Wölfe — vük^ zvjeräd wilde Tiere 

— zvljer, 

-ahan fem. -ahna, aus -zchotid -ochmia^ deminuierte 
Adjektiva; nach Ausfall des mittleren o im Fem. usw. 
wird im Skr. das erste o als a fest, z. B. fem. mlääahna 
(mit Verlust des h mlääana) — mläd jung, das Formans 
tritt so in die Kategorie der schweren. 

-äj gen. -äja: närucäj Armvoll — rüka, potpasäj Schürze 

— päs (aus pojäs) Gürtel. 



§276.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 173 

-aja: iirekaja Art Wassermühle mit querstehenden 
Schaufeln — prljek^ süvaja Roßmühle — süv (siVi) trocken. 

■äk {-'äk -njäk) gen. -äka; die zahlreichen unter die 
Generalregel fallenden Wörter müssen Kürze haben, z. B. 
Ijeväk gen. Ijcväka Linkshändiger — lljem, aber die Kürze 
geht mit geringen Ausnahmen, wo die Quantität des 
Grundworts gewirkt hat (svijetnjäk Leuchter — smjet) 
durch, z. B. llcnjäk Handtuch (eig. Gesichtstuch) — lice. 
Deutlich zeigt sich das Verkürzungsgesetz bei Ableitungen 
von langvokaligen Hypokoristika, z. B. Vujäk — Vüjo^ 
prljäk — prljo. 

'älj gen. -älja: küsälj gestutztes Pferd — küs adj. 

-an (mit festem a), -an : Vükan — vük, Drägan — 
dräy fem. drdga, zvjezdan Art Aster — zvijezda Stern, 
Zivän — ziv\ ebenso das Femininum -ana: Vükana, Zvjez- 
dana, Cvjetana — cvljet. 

-'an: snjezan schneeig — snljeg. 

-är gen. -ära; die Verkürzungen wie drügar drugära 

— drüg^ zlätär zlatdra — zläto usw. fallen unter die 
Generalregel, die Kürzung ist aber allgemein auch bei 
anderer Lage des Haupttons, z. B. bünistär (Schimpfwort) 

— hüniste Kehrichtplatz, ödmcär (und odsäcär) Essen- 
kehrer — ödzäk odsdka (und ödzak odzaka); vgl. nament- 
lich möbär freiwilliger Helfer bei einer Arbeit — moba^ 
dies aus "^mooba = '■'''molba = molbba. 

-ara: zläfara Schmeißfliege — zläto Gold (vgl. zlätär 
zlatdra Goldschmied), svllara Seidenfabrik — svila (vgl. 
svUär svildra Seidenhändler), sjenara Heuboden — sijeno. 

■äs: bjeläs Schimmel (Pferd) — blo fem. bijela. 

-ast: zvjezdast besternt — zvijezda^ cvjetast mit Blässe 
(cvljet) auf der Stirn, golübast taubenfarbig — gblüb. 

-at: brädat bärtig — bräda, krilat geflügelt — krilo. 

-av: gizdav geschmückt — gizda, gärav rußig — gär. 

-ava: dübrava Wald — düb, ebenso -njava, z. B. tiisn- 
java Wehklage — tüiiti, tüzan fem. tüziia betrübt. 

-ba s. unter -oba. 

-eil klseo sauer, i = altem y (kyseh). 



174 Betonung und Silbenquantität. [§276. 

-en bei Substantiven, z. T. alten konson. Stämmen: 
jäsen gen. jäsena, Vücen — vük. 

-en bei Adjektiven: svMen seiden — svila^ süknen 
suchen — sükno, klctveni Fluch enthaltend — kletva. 

-es mit fem. -esa : Vmnes^ fem. vränesa (Ziegenname) 

— vrän^ Gruhesa (Grüiesa, Mannsname) — grub grob. 

-et^ -ot: treset zitternder sumpfiger Boden — tresti 
tresem (= tr^s-). 

-et- (= -^t-) gen. -eta. Die Bildung ist im Skr. weit 
über den ursprünglichen Bestand hinausgewachsen und 
die später geschaffenen Wörter, namentlich die Demini- 
tiva^ denen -et- als zweites Deminutivformans angesetzt 
ist, folgen den Quantitätsverhältnissen der Grundwörter, 
z. B. vränce (= '-^vranhce) kleiner Rappe — vrdnac {= 
'HranhCh), jadnice (= "^jadMiice) armes Kind — jädnik 
jadnika. Aber alte Bildungen haben die feste Regel: im 
Nom. sg. Länge, in den andern Formen Kürze, dijefe gen. 
djeteta Kind, dvize dvlzeta zweijähriges Schaf, jüne jüneta 
junges Rind, kljüse kljüsefa Pferd, präse j^^^seta Ferkel, 
zvijere zvjereta wildes Tier, Mrljebe zdrebeta Füllen. 

-eta, männliche Personennamen: Dräzeta — dräg^ 
Vücefa — vük. 

-ica, -nica. Unter den fast 2000 Beispielen, die bei 
Daniele, Osnove 313 fg., angeführt werden, bildet bei 
allen Bedeutungen die Verkürzung von Längen des Grund- 
worts durchaus die Regel, z. B. hrädica — Iräda, crnica 

— crn^ cesiica — cest (Teil), cünica — cün^ düsica — düsa, 
kräljica — krälj, lUica — lU (Fels)^ sljepica — slljep^ 
trävica — träva^ vrhica — vria^ vücica — vük, zecica — 
zec (aus zajec = zajecb); golühica — gdliih, gospodarica — 
gospödär, hajdücica — liäjdük, hrvätica — hrvät, oräcica — 
dräc, tekünica — tekün ; rädilica — rddio rädila rdditi^ znä- 
nica — znän. Wenige Ausnahmen: Ableitungen von Hypo- 
koristika mit langem Vokal, Ferica — Pero, vgl. aber 
Vüjica — Vüjo, Jelica — Jela, Jövica — Jövo; Bildungen 
von zweisilbigen Femininen auf a mit ", deren es über- 
haupt wenige gibt (s.§251), z.B. crkvica — crkva, sträsica 



§276.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 175 

— sirclza, mlädica — mläda (die Junge) Braut, vgl. aber 
mlädica Spn^ß — mläd fem. mldda; ferner von /-Partizipien 
abgeleitete Wörter, z. ß. nardslica (aber ohräslica) — rästao 
rdsla rqsii, setalica — setao setala sötati. 

•IC. Die Flut von Eigennamen auf -iö muß hier 
beiseite bleiben. Bei appellativischer Anwendung zur 
Bildung von Deminutiven steht regelmäßig Kürze vor dem 
Formans: kljücid — kljüc Schlüssel, grädic — gräd Stadt, 
Ustiö — Ust Blatt, cvjetic — cvljet Blume, junäcic — jünäk 
Held, 2^^ß^^^ — pöjäs Gürtel, oUäciö — öhläk Wolke; 
ebenso bei dem Doppelformans -ciö (= -"^bciijb): hresciö 

— brijeg Ufer, Höhe, vjencic — vijenac Kranz. Nur in 
einigen bestimmten Fällen erscheint Länge: in Ablei- 
tungen von possessiven Adjektiven auf -ov -ev, z. B. krdl- 
ye^ic Königssohn — krdljev zu krälj krdlja; bei Bildungen 
aus Hypokoristika, z. B. pöpic (eigentlich Priesterchen) 
Zaunkönig — pöpa (zu pöp) ; abzusehen ist von Fällen 
wie tdvärciö zu tövarac gen. tövärca, Dem. zu tövar Saum- 
last, wo nach § 314fg. ä wegen der Stellung vor rc ein- 
getreten ist. 

-ik, -nik. Die Beispiele alter Endbetonung, die große 
Überzahl, müssen nach § 220 die vorangehenden Silben 
kurz haben, z. B. drenik drenika (so die Gen. der folgenden 
Beispiele) Kornelkirschenstand — drljen^ vidik Anblick — 
vld^ slänik Salzfaß — slän^ crnik Schwärzung — crn, düsnik 
Schuldner — düzan düg^ suäenik der vom Schicksal be- 
stimmte — Süden, sevärik Gesträuch — sevär sevdra — 
Strauch Staude. Die anders betonten lassen keine feste 
Regel erkennen. Von den 400 bei DO. 271 fg. angeführten 
Fällen haben 60 Länge, davon aber 30 durch Dehnung vor 
V, j, r-j-Kons., z. B. bimtövmk, pököjnik, pökörnik, kommen 
also hier nicht in Betracht; 30 behalten einen im Grund- 
wort vorhandenen langen Vokal, z.B. &Zw6?mÄ- Vagabund — 
hlüdni. pütnik Reisender — yüt, skPbmk (Besorgter) sorg- 
fältiger Mensch — skrhan skrl), pöslämk Gesandter — pöslän, 
smäemk Wirrkopf — smäen. Vergleicht man aber die ge- 
wöhnliche Betonung der Ableitungen von Partizipien auf 



176 Betonunj^ und Silbenquantität. [§276. 

-an, -en, z. B. varenik — vären, iskiisenik — 'iskusen, hra- 
njenik — hränjen, (YJepämk — cijepän; nimmt man ferner 
die Fälle, wo neben der regelmäßigen Form mit Kürze 
eine solche mit Länge steht: zdkupmk Pächter, bei Vuk 
zäkupmk — zdkup, zäludnik müßiger Mensch, bei V. zä- 
ludriik — zdludan, präznik Feiertag, aber präzmk leerer 
Bienenstock — prdzan, südmk neben südmk Richter — 
südm Süd, so wird man kaum zweifeln, daß die Ausnahmen 
auf sekundärem Anschluß an die Längen der Grund- 
wörter beruhen. 

-ika: hjelika Splint — bio bijela, mljecika Wolfsmilch 

— mlijekOj teüvika Stechwinde, smilax aspera — tetiva 
Sehne. 

-in bei Substantiven außer der Verbindung -an-in, 
meist männliche Personennamen; deutlich ist die Ver- 
kürzung namentlich bei Ableitungen von Hj'pokoristika : 
Vüjin — Vüjo'y vgl. ferner Miläsm — Mlläs, prijäsin Freund, 
von einem *pnjäs. 

-ina; die Verkürzung ist bei allen verschiedenen Be- 
deutungen dieser Bildungen, von denen DO. 152 fg. ca. 
1000 aufgezählt werden, so gut wie allgemein, vgl. hrezina 
augm. — h'ljeg Hügel, päsina — päs aus pöjäs Gürtel, 
rttcina — rüka Hand, junäcina — jünäk Held, hajdücina 

— käjdük, koväcina — köväc Schmied, mjesecina Mond- 
schein — mjesec, propästi7ia — pröpäst Abgrund, vrüöina 
Hitze — vrüc. Abweichungen sind, wenn man die auf 
der Verbindung r, l, m, n, v, j -\- Kons, beruhenden 
Dehnungen, z. B. ödlömcina — ödlomak ödlömka, abrechnet, 
vereinzelt, z. B. zdvjetina — zdvjet; mehrmals bei dem 
aus -^bskina entstandenen -stina, z. B. hrvästina — hrvätski, 
lüpestina — lüpeski; das beruht auf sekundärem Anschluß 
an das Grundwort. 

-inja ^= -yna (alter Nom. -yni). Bei der viel angewendeten 
Ableitung von männlichen Personenbezeichnungen auf -äk 
gen. -äka wird das a dieses Formans stets verkürzt, z. B. 
Bosnjäkinja Bosnierin — Bösnjak Bosnjäka, prösjakinja 
prösjakinja Bettlerin — prbsjäk. Dagegen haben die er- 



^276.1 Bestimmung der Betonung und Quantität. 177 

hiiltenen alten Bildungen auf -ijni Länge der Wurzelsilbe : 
(jrdinja Scheusal — vgl. qräan {gPdan) häßlich, püstinja 
Ein«Jde — püst, svelinja Heiligtum — svet. 

-inji, bestinomte Form possessiver Adjektiva. Alle 
Beispiele haben die Kürze, z. B. goluhruj'i — göWh Taube, 
{fiijinji — güja Schlange. 

-is : ne-maris Sorgloser — ne-mär. 

-isa: ni vrätisa ni plätisa weder Rückgeber noch 
Zahler — vrätiti pldtiti, livälisa Prahler — hvdliti, Drägisa 
— dräg. 

-iste : hrciste — hPk, grädiste — gräd^ siikniste — sükno, 
pazänste — päzär. Dabei einzelne Abweichungen bei 
Vuk: dvönste — dvör dvörciy daneben dvöriste; zbönste — 
zbör zhöra, daneben zhdriste\ süpiste — süp Fischzaun, 
setalisfe — sefao setala sefati, Büdnicisfe — Rüdmk\ bei 
allen sekundärer Anschluß an die Quantität des Grund- 
worts, bei zhöriste einfach an den Nom. zl)Ö7\ 

-it: gläsit ruchbar — gleis, glävit ansehnlich — gläva, 
rjecit beredt — 7^ljec, räzborit verständig — rdzbor. Einige 
wenige, von Grundworten mit langvokalischer Präposition 
gebildet, machen zugunsten der Quantität des Grund- 
worts eine Ausnahme, z. B. rdzHcit verschieden — rdzlika, 
rdskosit schwelgerisch — rdskos. 

-iv, 'Ijiv; bei allen zweisilbigen Bildungen lag der 
alte Hauptton auf dem Formans, die Silbe vorher ist kurz, 
z. B. südljiv schamhaft — stid, smjesljiv gern lachend — 
snujeh^ 2)ljesniv schimmelig — püjesan (w^o pljesniv betont 
ist, findet Anschluß an das Grundwort statt); mit wenig 
Ausnahmen ebenso bei mehrsilbigen, z. B. lisäjiv voll 
Flechten — lisäj llsäja. Wenn andere Quantität erscheint, 
liegt deutlicher Anschluß an das Grundwort vor, so 7id- 
zorljiv scheu — ndzor. 

-ivo: predivo Spinngarn — presti predem (= pr^d-)^ 
värlvo (Kochzeug) Gemüse — vdriti. 

-men^ Substantiva, msk. nom. -meyi aus -menb^ ntr. 
nom. -me aus m^ : die ursprünglichen Längen vor dem For- 
mans sind verkürzt, z. B. kamen Stein, plamen (= "^polmen-) 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 12 



178 Betonung und Silbenquantität. [§ 27G. 

Flamme, sjeme (nh^. seme) Same, gen. vremena (= '^'ver~ 
men-) Zeit, nur })ei diesem Wort im Nom. Länge vnjeme. 

-tuen, Adjektiva, seltene Bildungen: rümen rot, sfamen 
feststehend. 

•oia ; mit Ausnahme von ütrdba haben alle alte End- 
betonung, daher notwendig die Silben vor o kurz. Wahr- 
scheinlich ist Kürze die Grundregel auch bei -ha aus -hba^ 
vgl. drüzha Kameradschaft — drüg, slüzha Dienst — slüga 
slüziti, tüiha Klage — tüziti, üredha Einrichtung — ur^- 
diu, sjedba Saat; Ausnahmen beruhen auf Länge durch 
Kontraktion, wie moha (== '-^mooba = *molba = mohha} 
Bitte, oder auf Dehnung vor den betreffenden Konsonanten- 
gruppen, kärba Schelte, svöjdba Schwägerschaft. Vor dem 
Doppelformans -iäba steht immer Kürze, z. B. bjelidba 
Bleichzeit — bijeliti, vezidba Anbinden (der Weinstöcke) 

— v^zati (= vez-). 

■oje, Personennamen neutraler Form: Vükoje — vükj. 
Zlätoje — zläto, Sredoje — srijeda, Gvjetoje — cvljet, 

-oro, Zahlwörter: petoro — pet fünf (= i?e<6), desetoro 

— deset zehn (= desett). 

-osa: krllosa am Bauche weißes Schwein — krüo 
Flügel, cvjetosa Ziege mit Blässe — cvljet, bjelosa (Rätselwort) 

— blo bijela] nur rögosa (Schaf-, Ziegenname) ist an den 
Nom. rög, gen. röga angeschlossen. 

-ota; die Bildungen haben durchweg alte Endbetonung, 
daher notwendig die Silben vor o kurz, z. B. Ijepbta Schön- 
heit — lijep, srambta Schande — sräm; die wenigen Bei- 
spiele andrer Betonung aber ebenso, vgl. Ijepota, vränota 
(Ochsennamen) — lljep^ vrän. 

•ov, possessive Adjektiva, in dieser Bedeutung ein- 
fach den Quantitäten des Grundworts folgend; es ist aber 
bemerkenswert, daß die alten Ableitungen von Pflanzen- 
namen die langen Stammsilben des Grundworts kürzen, 
z. B. brestov — brijest Ulme, dübov — düb Eiche, grmov 

— grm grma eine Eichen art, künov — kün Ahorn, krästov 

— hräst Eiche, vrbov — vrba Weide, Ijeskov — lijeska 



§ 276. 277.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 179 

Hasel, thwv — tPn Dorn, jöhov — jöha Erle (aus ^jeoha = 
jelhcha). Die Weiterbildung -ovbiiö skr. -ovan {-övan) fem. 
-ov7ia (-övna) hat stets Kürze vor sich, z. B. vilövan — 
vila, vrätövan — vräl, düsevan — düsa, dremövan — drljem, 
musevan — müs. 

-teljb; die alten Wörter vlästelj (= *volstel'b) Herrscher, 
prljaielj Freund haben Kürze des urspr. langen a, i; 
ebenso alle anderen Bildungen auf -ifelj, z. B. svetitelj Hei- 
liger — sväiti {= sv§t-), hränitelj Ernährer — hrdniti 
(= *chorniti). 

'iig msk., ~uga fem., seltene Bildungen, z. B. hjelüg 
weißer Eber, hjeluga fem. weiße Sau — Mo hijela. 

-ulja: plävulja (Kuhname) — pläv blond, blau, küsulja 
Stutzkuh — küs, pjeskulja Sanderde — pijesak. 

-an und fem. -una: slädün Art Granatäpfel, slädün 
Eichenart, sekuna zum Hypok. seka (sestra). 

-ür: mjehür Schlauch — mljeJi; das entsprechende 
Fem. -ura: glävura — gldva. 

-usa: pjeskusa sandige Erde — pijesak, govedärusa 
Rinderhirtin — govedär, seljäkusa Bäuerin — seljak, 

277, Es gibt nur wenig schwere Formantien, 
die sich gegen die Quantität der vorangehenden 
Silben gleichgültig verhalten, Kürzung alter Längen 
nicht fordern : 

-ei; in der Wurzelsilbe erscheint mit wenig Aus- 
nahmen eine alte Länge erhalten: gräbei^ drijemez^ krpes, 
lävei, lüpei, metez (= meiezt), mlädez Jugend, mütei, pdlei, 
pilez (zu pile)^ sitnez (zu sltan), srämez, stälez, stärez (zu 
stär), trpez, trühlez (zu trühli) ; bei diesen lag also der 
alte Hochton auf dem Formans^ die Erhaltung der Länge 
einer vorangehenden Silbe ist also normal, wenn das For- 
mans keine verkürzende Wirkung hatte. Abweichungen 
sind vereinzelt: mlädez und mädez (unklare Herkunft) 
Muttermal, Pädez (Eigenname), derez (mit alter Kürze). 

-in, poss. Adj. von femin. Wörtern, slügin — slüga, 
vilin — vila, jürvin — järva. 

12* 



180 Betonung und Sil benquanti tat. [§277—280. 

'Ost, z. B. drdgöst — dräg^ svetöst — svet; vereinzelt 
kommen Kürzungen vor: lüdöst — lud, svjälost — svljetao 
fem. svijetla. 

'tva: hrltva, zetva, pljetva, aber kletva. 

278. Über die Bildungen mit leichten Formantien 
läßt sich nur aussagen, daß sie im allgemeinen eine be- 
stimmte Quantität nicht erfordern, mit Ausnahme der 
Komparative (nur gebräuchlich in der bestimmten 
Form); ihre Stammsilben sind stets kurz, z. B. dräg — 
drä2ij zw — zwlji\ lljej) — ljepsi\ so auch die auf -iji ge- 
bildeten, z. B. Urupan — krüpniji. — Über -ski s. § 330. 

B. Bestimmung und Quantität der zusammen- 
gesetzten Wörter. 

270. 1. Zusammensetzungen aus Nomen und 
Nomen. Alle, wie immer beschaffen, unterliegen dem 
allgemeinen Gesetze : die Silben des ersten Bestandteils 
sind stets kurz, ohne Rücksicht auf die Haupttonstelle 
der Zusammensetzung und auf die Quantität des Grund- 
worts, z. B. glavÖbolja — gläva, zlatökos — zläto, rükovet 

— 7^üka, sühoztd — süh, käzipüt (Zeige-weg) Zeigefinger 

— kdzi zeige!, vhioböj (gen. -hoja) phytolacca decandra, 
vinöpija Weinsäufer — vino. 

Der Übersicht wegen, die zugleich die Bestimmung 
der Haupttonstelle erleichtert, ist die Gesamtheit in fol- 
gende Gruppen geteilt: a)femininale^-Stämme, b)o-Stämme, 
Substantiva und Adjektiva, c) femininale a-Stämme, und 
als Beispiele nur solche Wörter genommen, die kein weiter- 
bildendes Formans, etwa -ac (-bct), -an {-huz), enthalten, 
weil dabei die Quantitäten mit den solchen Bildungen 
überhaupt zukommenden zusammenhängen oder zu- 
sammenhängen können. 

280. a) t-Stämme, femin. Substantiva. Sämt- 
liche Wörter, deren Zahl gering ist, haben " auf der 
ersten Silbe, den zweiten Bestandteil der Zusammensetzung 
lang; eine darin enthaltene alte Kürze wird gedehnt, 
z.B. gdrapäd Epilepsie — göra, pästi fallen; Ijetoräst Jahres- 



§280—282.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 181 

wuchs — Ijeto, rästi rdstem; pustopäs (freie Weide) un- 
gesperrte Wiese — püst^ pästi pciseni; riikodrz Handhabe 
— riika, drzati, rukovet Handvoll (aus rqko-j^tb) — rüka 
-jefi ; crvotöc Wurmfraß — crv, töciti. Die alte Betonung 
auf der ersten Silbe stimmt zu der durchgehenden Be- 
tonung des Russischen, vgl. UtopU Jahrbuch, Chronik, 
vodopad' Wasserfall, Utorost' . 

281. b) 0- Stämme. Es sind mehrere Betonungs- 
typen und z. T. davon abhängige Quantitätstypen vor- 
handen. 

I. Der alte Hauptton lag auf dem zweiten 
Glied, liegt also jetzt auf dem Auslaut des ersten (dem 
sogen. Kompositionsvokal). Das zweite Glied hat dann 
stets kurze Silbe, daher Verkürzung einer Länge des 
selbständigen Wortes, z. B. dragöcjen kostbar — dräg, ci- 
jena; golöhrad bartlos — brdda; zlatbglav (Goldkopf) As- 
phodill — zläto, gldva; zlatbruk goldhändig — zläto^ rüka] 
sestökrili sechsflügelig — sest^ krilo; krivövrat krumm- 
halsig — krw, vrät; crnörep Schwarzschwanz (eine Fisch- 
art) — crn, rep. 

282. II. Der Hauptton liegt als '' auf dem 
ersten Gliede; hier ist zu unterscheiden: 

aa) Hat der zweite Bestandteil als selbständiges Wort 
langen Vokal, so bleibt er erhalten, z. B. Ijelobrk mit 
weißem Schnurrbart — Irk ; cfnorep (neben crnörep) ; 
görocvijet (Bergblume) adonis vernalis — göra, cvijet; rü- 
kosäd (Handpflanzung) eigenangelegter Weinberg — rüka, 
säd\ zimolist (Winterblatt) eine Pflanzenart — zma, Itst; 
Vlsegräd (Oberstadt, Oberburg) — gräd\ bögodän gottge- 
geben — bog böga, dän ; crnogläv (Ak. Wb., Eigenname 
< Schwarzkopf», vgl. oben golöglav) — crn^ gldva; rükopis 
Handschrift (wohl urspr. fem., vgl. r. rukopi^) — rüka^ 
pisati; kölovrät Wirbel — vrdtiti. Wo im Skr. keine 
Länge in den entsprechenden selbständigen Wörtern vor- 
liegt, die Silbe aber ursprünglich lang ist, hat die Zu- 
sammensetzung Länge, so kölomäz (vielleicht urspr. fem. 
i-Stamm, vgl. r. kolomaz) Wagenschmiere — mäzati mäzem. 



182 Betonung und Silben(iuantität. [§282—284. 

Ausnahmen sind vereinzelt: Eigennamen auf -sav (aus 
'Slav zu släva), Drägosav, Milosav (und normal Mildsav, 
vgl. auch Vukösav)^ Eädosav; ferner andere Eigennamen: 
MUorad — räd; Drägobrat — dräg^ brät; Lupoglav (Ortsn.) 

— glava ; Slävoljtib (neben normalem Slavdljtil)), aber appel- 
lativ drägoljub Kapuzinerkresse. Appellati\dsche Beispiele 
sind noch seltener: vljoglav und fem. vljoglava Wendehals 

— gläva\ tuko-luk Knoblauchstößel — lük. 

283. bb) Das zweite Glied hat als selb- 
ständiges Wort alte Kürze. Die geringe Zahl der 
Beispiele zeigt keine feste Quantitätsregel ; in einigen 
Fällen ist die Kürze gedehnt: sämofök (und samötok) von 
selbst ausgeflossener Honig — säm, toko^ töciti ; mödrokös 
(eig. Blauamsel) eine Vogelart — mödar, kos pl. kösovi; 
prekonöz (bei Vuk, ohne Angabe von Genus und Flexion) 
eine Art des Pferdefesseins — prljek, 7iöga. In anderen 
bleibt die Kürze, z. B. krnjorog mit Stummelhörnern, vl- 
torog mit gewundenen Hörnern — rög gen. röga\ pütonog 
bläßfüßig — ndga; in hlägosöv gen. -sova (zu slövo) Segen, 
vlnoböj gen. -hoja (Pflanzenart, ph3'tolacca decandra) beruht 
die Dehnung im Nominativ auf dem auslautenden v, j. 

Der ganze Typus II ist w^ahrscheinlich nicht ursla- 
visch; im Russischen haben diese Komposita durchweg 
den Hauptton auf dem zweiten Gliede, z. B. cernohorodyj 
schwarzbärtig, belonjkij weißhändig (vgl. skr. hjelönog weiß- 
füßig), siichoverchij gipfeldürr (vgl. skr. tankdvrh schlank- 
wipfelig); ebenso fast regelmäßig im Slovenischen, z. B. 
listopad Blattfall, Oktober (skr. Ustopäd), rokomet (Hand- 
wurf) Wurfweite, bosonog (skr. ebenso bosönog) barfüßig. 

284. III. Die erste Silbe hat den Akzent \ 
älterer Hochton lag also auf dem -o- (dem Kompositions- 
vokal). Es sind in appellativischer Bedeutung ganz ver- 
einzelte Fälle: divoroga kräva (Rätselwort) wunderhörnige 
Kuh, vmogräd Weinberg (r. vinograd, kchsl. Form, r. wäre 
vinogorod); slsobrk mit gestutztem Schnurrbart — sisati, 
hrk. Dazu einige Eigennamen auf -sav, so Bbgosav, Ljü- 



§ 284. 285.] Bestimmung der Betonung und (Quantität. 183 

bosav (vgl. aber dazu MUosav Mildsav), und einige andere, 
so Ljhhobrat (vgl. aber Drägobrat). 

JJ85. c) Femininale rt-Stämme. Die als Femi- 
nina zu den Adjektiven der obigen Abteilung II ge- 
hörenden Wörter haben Betonung und Quantität wie die 
Maskulinform, ebenso das zugehörige Neutrum, z. B. go- 
löglav goluglava golöglavo kahlköpfig. Die Substantiva, so- 
weit sie nicht substantivierte Feminina von Akjektiven 
sind, haben eigentlich nur einen durchgehenden Typus: 
alten Hauptton auf dem zweiten Gliede, also jetzt ' auf 
dem «Kompositionsvokal», und Kürze dieses Gliedes, 
einerlei ob eine ursprüngliche Länge oder eine alte Kürze 
vorliegt. Ein größerer Teil der Wörter bezeichnet männ- 
liche Personen. Beispiele : bogdniolja Bethaus — ynöliti, 
glavbholja Kopfschmerz — iöljeti, sjenökosa (eig. Heumahd) 
Wiese — kositi, stoklasa (eig.Hundertährige, Pflanzenname) 

— kläs, vodöjcda Wassergraben — jäza, siröpada Eichel- 
fall — pästi pädem; glasönosa Nachrichtbringer — nösitij 
Ijudömora Leuteschinder — möriti, vjeirbgonja Windbeutel 

— göniti, zlösreca Unglückskind — sreca; Ljuhbvida^ Dra- 
gomira (vgl. msk. Drägomir) usw. Die Abweichungen von 
diesem Typus sind sehr gering an Zahl: 1. Die erste 
Silbe hat ' , dabei kommen einige Fälle mit Länge im 
zweiten Gliede vor: mrkogleday strmogleda finsterblickender 

— mrk, sth)i, gledati gledäm und (gledeti) gledhn; glüJioprda 

— glüh, prdjeti (bei Vuk daneben krtoprda, ein Scherz- 
wort; richtiger Ä:r/o-?); tänkoprelja Feinspinnerin — tcbiak, 
pjrelja^ die Länge hier begründet durch Stellung vor altem 
'bja {'-pr^lbja) ; cetovoda Bandenführer, kölovoda Reigen- 
führer (vgl. aber dagegen sliepövoda Blindenführer, celövoda 
Anführer, vojskövoda Heerführer); vöjevoda Heerführer 
(r. vöjevoda); drägoresa (Ziegenname) — resa Wamme, 
dlvokoza (Wlldziege) Gemse, krätosija Kurzhals (vgl. aber 
krivösija Krummhals); Ijeposeta (Ziegenname) — lljep^ setati 
wandeln; uholaza Ohrwurm — w/<o, läziti. — 2. Noch 
spärlicher ist der Akzent ' auf der ersten Silbe, also 
ältere Betonung des Kompositionsvokals: einige Eigen- 



184 Betonung und Silbenquantität. [§2S5— 287. 

nameii auf -sava, D)kosava, Ljiibosava, Mtrosava, Skovosava, 
Tänkosava, VkJosava^ Vükosava (vgl. dazu die Mask. Ljü- 
hosaVy Mirosau und Mirösav, Skdrosav, Vukösav). 

286. 2. Zusammensetzungen aus Präposition 
und Nomen. Berücksichtigt sind hier aus demselben 
Grunde wie oben unter 1. nur die nicht mit weiter- 
bildenden Formantien versehenen Wörter. 

Die sehr mannigfaltigen und scheinbar sehr unregel- 
mäßigen Betonungs- und Quantitätserscheinungen lassen 
doch einige große Prinzipien erkennen, und eine Lösung 
der Schwierigkeiten ist in hohem Grade möglich. 

Die in Nominalzusammensetzungen verwendbaren Prä- 
positionen zerfallen ihrer ursprünglichen Quantität nach 
in solche mit ursprünglicher Kürze: hez, do, o oh, od, pOy 
pod, pro, sCz) sa (= so), u (= vö), uz (= vöz); und solche 
mit ursprünglicher Länge: 7ia, nad, pa-, pra-, pre-, predy 
pri-j raz-, sie- (^ sq-), u {=^ u), za. Eine besondere 
Stellung nimmt iz ein; es hat, obwohl anscheinend i = t^ 
doch niemals Länge; der Grund wird sein, daß es urspr. 
^hz war (= lit. U), also Kürze hatte, % erst aus '''ihz 
entstand. 

Die Generalregel für die Quantität der präpositio- 
nalen Silbe der Komposita ist: ursprüngliche Kürze 
bleibt stets unveränderlich; ursprüngliche Länge 
bleibt erhalten, wenn die Präposition nicht 
selbst den alten Hochton trug, sondern dieser 
auf einer folgenden Silbe lag; sie wird verkürzt 
und hat den Akzent ", wenn die Präposition 
selbst den alten Hauptton trägt. Die Gruppierung 
der Wörter nach der unter L (§ 279) befolgten Einteilung. 

287, I. Femininale 2-Stämme. Der Hauptton 
liegt stets als " auf der Präposition (abgesehen von dem 
Falle, wo das alte so als s, z vokallos geworden ist) ; der 
nominale Bestandteil hat, wenn eine ursprünglich lange 
Silbe vorliegt^ Länge; wenn ursprüngliche Kürze, in 
mehreren Beispielen Dehnung der Kürze. 



§287—290.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 185 

a) Mit kurzvokalischer Präposition, z. B. döMt 
Gewinn, öbläst Macht, özim Wintersaat, poklic Ruf, pbgibao 
(= -gyhlb) Verderben, pömisao {= -mysh) Gedanke, podräst 
(Art Krankheit), probädi pl. Seitenstechen, prdp)äst Ab- 
grund, sätvär (gewöhnlich stvär = Sotvarb) Geschöpf, üzräst 
Wuchs; prötöc gen. prötöci Durchfall, dagegen pömöö gen. 
pömoci. 

288. b) Präpositionen mit alter, hier ver- 
kürzter Länge: näzeb Erkältung (= -zebh)^ pämet Ge- 
dächtnis (= pciyn^tb), pregibao (= -gy^h) Gelenk, rästris 
Schlitz, ugär zum Anbau aufgerissene Erde, zäkric Verbot. 

c) Zusammensetzungen mit iz: tznikao {=-niklb) 
Aufsprießendes, Izrästao {= -rasth) gen. Izräsli Auswuchs. 

Dieselbe Betonung herrscht im Russischen, z. B. 
oblast\ nadpis\ ol)orot\ pomoc\ propast' . 

Im Skr. kommen einige wenige abweichende Fälle 
vor: alter Hauptton auf dem nominalen Bestandteil, dem- 
gemäß Länge der Präposition, ndpast Unfall (r. napast' und 
napast')', nänic das Leihen (tizeti na näruc)^ vielleicht durch 
Anlehnung an ndruka Bestellung; ^rz'ces^ Kommunion (ge- 
wöhnlich prices6e)\ zapad (und normal zäpäd) schattiger 
Ort; zdvist Neid (r. zavist'). 

289. Oben § 231 ist ausgeführt, daß die alten nicht 
zusammengesetzten zweisilbigen i-Stämme fallende Into- 
nation haben. W^enn nun bei Zusammensetzung mit Prä- 
position der (alte) Plochton regelmäßig auf diese fällt, so 
ist der Schluß gerechtfertigt, daß die fallende Intonation 
des nominalen Bestandteils die Ursache der obwaltenden 
Betonung ist. Wie sich später zeigen wird, gilt im Skr. 
allgemein, daß eine nichterste Silbe des Wortes 
(oder einer syntaktischen Gruppe) mit fallender 
Intonation den Hauptton des Wortes nicht be- 
halten konnte, sondern daß in den betreffenden 
Wörtern (oder syntaktischen Gruppen) der Hauptton schon 
vor altf^rs auf eine vorangehende Silbe fallen mußte. 

290. n. Maskuline o-Stämme. Die Verhältnisse 
sind hier etwas verwickelter: A. Geht man von den Fällen 



186 Betonung und Silbenquantität. [§290-292. 

der unsilbig gewordenen Präposition s-, z- {= ss-) aus, 
60 zeigt sich: 1. bei ursprünglicher Länge des no- 
minalen Bestandteils wird die Länge bald bewahrt, 
bald ist sie verkürzt: aa) bewahrte Länge, z. B. spläv 
(= "^sTi-plavo) Floß, spüz Schnecke (= '^'•szphlzo), svläk ab- 
gelegter Schlangenbalg (= ^sovoUcs), zgib Gelenk (= *sz- 
gyhs); bb) Verkürzung der Länge: shläd Schober 
(= *s5klad5), sküp Haufen (= "^sdhips), späs Heiland 
(= sopaso), svez Nat (= *S5vezo), svjet Rat {= sövets), 
zbjeg Flucht (= "^szbegz). 

S91. 2. Bei ursprünglicher Kürze des nomi- 
nalen Bestandteils ist entweder: aa) die Betonung 
und der Vokal im Nom. sg. gedehnt: stvör gen. stvöra 
(= *sztvoro) Machwerk, srok sröka Zeichen (== szrokz), zböj 
260/a Haufen {=^*s5hojb)^ zhör 2:&ora Versammlung {=sshoro); 
— oder bb) es bestand alte Endbetonung, im Nom. sg. 
dann kurzer Vokal, slög slöga (= szlogz) Gartenbeet, slmn 
slöma (Bruch) Untergang (= sslomo), smet smeta zusammen- 
gekehrter Schnee (= sömetö), svöd svöda Gewölbe (= sovodz\ 
zglob zgloba Gelenk (= sögloho), zgon zgbna Stück Land 
zwischen zwei Grenzhügeln (= szgonö). Der Gegensatz 
der Gruppen aa) und bb) (sowohl unter 1. wie unter 2.) 
bedeutet, daß in aa) die Intonation fallend, in bb) steigend 
war. Die fallende Intonation in aa) zeigt sich im Rus- 
sischen bei Polnoglasie, z. B. svolok (skr. svläk), snorov. 

292, B. Der gleiche Unterschied in der In- 
tonation des nominalen Bestandteils zeigt sich 
bei silbiger Präposition: 

1. Der nominale Bestandteil enthält eine alte 
Länge. 

a) Die Länge ist erhalten; der Hochton liegt 
als " auf der Präposition. Diese Betonung erklärt 
sich aus dem oben § 289 ausgesprochenen Gesetz, wenn 
man die Länge des nominalen Bestandteils als fallend 
betrachtet. Beispiele: aa) Präposition mit alter 
Kürze, z. B. döhväf das Erreichen (vgl. hvätiti), obläk 
Wolke (= *ohvolkö *obolko), opäz Hut (vgl. päziti acht- 



§292.293.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 187 

geben), ötpäd Abfall, pdgied (^ -glcih) Blick, pömäz Art 
Bestreichungsraittel (vgl. mäzati), pötprüg (= -prqgo) Sattel- 
gurt, pödsmijeh Lachen über etwas (vgl. smljeh smeh), pro- 
sijek kleine Hacke (vgl. sjeci sijecem). — bb) Präposition 
mit alter Länge: nä-teg (= -f^go) Heber, p)ristäv Knecht 
in der Wirtschaft (vgl. stäviii), prekid Unterbrechung (vgl. 
kldati), prekret (= -krefö) Umschwung, räzrez Schlitz (vgl. 
rezati), sümräk (= -^morko) Abenddämmerung, u-gled An- 
schein (vgl. gledafi), Mär Schlag (vgl. üdariti, d. i. -däriti), 
zäpäd Westen, zäteg (= -t^go) Spannung. — cc) Zusammen- 
setzung mit iz: Izrijekom (mit eigentlichem Namen) instr. 
eines tzrijek (im Ak. Wb. tzrijek izrijekom). 

Dieser Typus ist ebenfalls im Russischen vorhanden, 
d. h. der Hauptton liegt auf der Präposition, z. B. vgl. 
skr. obläk — r.-kchsl. oMak (r. dial. oboloko ntr.), oblik 
Antlitz — r. oblik, pöjäs Gürtel — r. pojas, räzüm — 
klr. rozum, vgl. namentlich Beispiele mit Polnoglasie: za- 
moroZj prigorod, obereg (Schutzmittel) Talisman, pobereg 
pr'd)ereg Ufergelände, povorot (und povorot) skr. pövrät, 
ostereg, sumorok skr. sümräk. 

293. b) Ursprüngliche Länge des nominalen 
Bestandteils ist verkürzt; der Hauptton lag auf 
ihm, also jetzt auf der Präposition; diese hat, wenn ihr 
Vokal ursprünglich lang war, die Länge bewahrt (§ 286). 
Nimmt man an, die Intonation des nominalen Teils sei 
steigend gewesen, so erklärt sich die Verkürzung wie 
auch die Lage des (alten) Haupttons. Beispiele: aa) Prä- 
position mit alter Kürze; öbhik (= -Iqkz) Sattelknopf; 
obnd) (= -rqbo) Saum, r. obrub; pöpriig (= -prqgz) Sattel- 
gurt; pötres (= -trgsö) Erdbeben; prösjek Durchhau, r. pro- 
sek. — bb) Präposition mit Länge; z. B. ndkit (= 
-kytz\ vgl. näkitiii d. i. -kliiti) Putz, ndniz Perlenschnur 
(vgl. na-nizati nänlzem), nästup Anfall (von Krankheit; vgl. 
nastüpiti nästüpim)^ primjer Beispiel, prijelaz ekav. prelaz 
Furt (vgl. pre-laziti d. i. -läziti), rdzdio gen. rdzdjela Ver- 
teilung (v^gl. razdijeliti räzdijelm) Markscheide, zdvrat (vgl. 
zavrdtiti zävrättm) Umkehr, zäkon Gesetz r. zahm. Im Rus- 



188 Betonun«,' und SilbenquantiUit. |§ 293 — 296. 

sischen, wo dieser Typus häufig ist, kann man bei Polno- 
glasie die steigende Intonation beobachten; z. B. perevolok, 
ogorod (dagegen gorod skr. gräd), zavorot. 

S94. 2. Der nominale Bestandteil enthält 
alte Kürze, a) Die Kürze hatte fallende Intonation, 
dabei muß von alters her der Hauptton als auf der 
Präposition stehen. Beispiele der Art finden sich nur 
sehr wenige; die Kürze ist z. T. gedehnt: aa) kurz- 
vokalische Präposition: oböd (aus '^•obvodo) Reifen, 
Rand, ötök Geschwulst {ötok Insel), pöklön (Verneigung) 
Geschenk, pbipor Stütze, utoik (= *vötok^) Mündung. — 
bb) lang vokal ische Präposition: 2^^^^^^^ Purzelbaum, 
üsöv gen. üsova (eig. Abschub) Lawine, ütor Kimme, zädäh 
(= *zad5cJiö) Gestank. — cc) mit iz : istok Osten. 

395. b) Der nominale Bestandteil hat alten 
Hauptton (jetzige Betonung also ' oder ' auf der Prä- 
position). Nach dem früher Auseinandergesetzten ist der 
Schluß gegeben, daß der nominale Bestandteil steigend 
betont war. Aus den zahlreichen Fällen einige Beispiele, 
aa) mit kurzvokalischer Präposition: döhod Zugang, 
dhrok Frist, ödskok Absprung, pögreh Begräbnis, pörod Nach- 
kommenschaft, pdtok Bach, pddnos Präsentierteller, prokop 
Graben, üzmak (= '^Vözmökö) Rückzug; — bb) mit lang- 
vokalischer Präposition: näJiod Fund, ndmet Auflage, 
Steuer, prilog (Beilage) Opfer, prijekor ekav. prekor Vor- 
wurf, rdzbor Unterschied, rdzmet Zerwerfen, zäklon Zuflucht, 
zdlet Stelle des Bienenflugs, süton tiefe Dämmerung, ülozi 
pl. Gicht; — * cc) mit iz: Ishod Ausgang, tzmet Auswurf. 

306. Die den aufgestellten Grundsätzen nicht ent- 
sprechenden Fälle sind sehr spärlich; sie bestehen ein- 
mal darin, daß bei alter Lage des Haupttons auf dem 
zweiten, nominalen Bestandteil doch eine urspr. lang- 
vokalische Präposition kurz erscheint: prtstup Zutritt (r. 
pristup), prtcek Borg, vgl. dagegen prhnjer, prikaz, prirez', 
prebjeg Flüchtling (r. perebeg das Überlaufen), pretek Über- 
fluß, vgl. dagegen prijeklad preklad, prijekor prekor; räzmak 
= *razmzkö) Trennung, räzmet (daneben rdzmet) Zerwerfen, 



§296.297.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 189 

rästok Antimon, vgl. dagegen rdzgon, rdzhor. Am meisten 
Abweichungen zeigen nach dieser Richtung Zusammen- 
setzungen mit 71 {= 2i), nicht immer sicher von solchen 
mit u = V5 zu scheiden: itböj gen. üboja (und normal 
nboj) Schläge, tihriis Handtuch, iccin Gerben, tldes Unfall, 
t(kor Vorwurf, innor Ermüdung, itpret (= -prefh) unter dei" 
Asche verdeckte Glut, iiroci pl. Beschreiung, itsJcok Flücht- 
ling, üsjev Aussaat (wohl = *Vo-sevo), üsud Schicksal, üstaf 
(= '""usibfo) Vollmond, iduk {u = vö-) und üstuk (= vzz-) 
Gegenmittel, idvor Gespenst, üvjet Vereinbarung, iibog arm; 
vgl. dagegen iijam (eig. Wegnahme; = Hijhmo) Mahl- 
gebühr, ülozi pl. Gicht. Zweitens kann die Abweichung 
darin bestehen, daß bei " auf der Präposition doch eine 
ursprüngliche Länge des nominalen Bestandteils verkürzt 
ist, ganz vereinzelte Fälle: süsjed (neben normalem süsjed) 
Nachbar. Aus allem fällt heraus das Beispiel prljerov 
Graben, man erwartet '^preröv oder *prijet'ov. — Bei einei* 
Zählung aller in Vuks Wb. stehenden Fälle kommen 
ca. 280 normale gegen 30 abweichende heraus. 

^9*7. III. Feminin ale «-Stämme. Die Beur- 
teilung der Verhältnisse ist hier am schwierigsten. Geht 
man aus von den Beispielen der unsilbig gewordenen Prä- 
position s, z {= So)^ also von solchen Zusammensetzungen, 
die notwendig den Hauptton auf dem nominalen Bestand- 
teil tragen, so zeigt sich hier eine ursprüngliche Länge 
stets verkürzt, muß demnach steigende Intonation gehabt 
haben, z. B. smjesa (= Somesd) Gemenge, spräva (= szpra- 
va) Machwerk, sveza Band (=- SoV^za)^ zgräda (= ^szgorda, 
r. sgoroda Umzäunung) Gebäude. Bei Zusammensetzung 
mit silbiger Präposition hat das Russische nur einen 
Typus: Hauptton auf der Wurzelsilbe des nominalen Be- 
standteils, z. B. dosada, natyga, nauka, zdbava^ opora, osnova, 
podpruga, priroda^ ugroza. Wo Polnoglasie die Intonation 
erkennen läßt, ist sie steigend, z. B. oborona, provoloka, 
peregoroda, osteroga. Wenn die Wurzelsilbe durch Ausfall 
von 5, h v'okallos geworden ist, hat die Präposition im 
Russischen den Hauptton, z. B. ospa (= osdpa), raspra 



190 Betonung und Silbenquantität. (§297—299. 

(= raspbra), peresva (= *per-sbva). Mit der russischen 
Betonung stimmen die bulgarischen Beispiele überein, 
vgl. zapltits, 0S710VZ, pregradz. Im Slo venischen liegt 
ebenfalls der Hauptton regelmäßig auf der Wurzelsilbe 
des nominalen Bestandteils, aber im Gegensatz zum 
Russischen fallend intoniert, z. B. doseya, naväla^ odmena, 
zagräda, zdbräna (vgl. r. oborona)^ zagüha ; alte Kürze ist 
gedehnt zu fallender Länge, z.B. pokdra, priggda, pripSka. 
Auf diese slovenische Eigentümlichkeit ist nachher 
(§§ 300, 301) Rücksicht zu nehmen. 

Das Serbokroatische hat dem einheitlichen Ver- 
fahren des Russischen und Bulgarischen gegenüber zwei 
Typen : 

398. A. Alter Hauptton auf der Wurzel- 
silbe des nominalen Bestandteils, diese Silbe kurz ; 
jetziger Akzent auf der Präposition: ' wenn sie kurz, 
wenn sie lang ist. Die Haupttonlage stimmt zum 
Russischen : 

a) Kurzvokalische Präposition, z.B. bpona Häut- 
chen, r. opona, slov. opgna; ösnova Webezettel, r. osnova, 
slov. osnpva; ötava Grummet, r. otava, slov. oiäva; pöpasa 
Weidegeld, slov. popäsa Abweiden; pödkova Hufeisen, r. 
podkova, slov. podkgva. 

b) Langvokalische Präposition, z. B. nävada 
Angewöhnung, r. navada, slov. naväda; 7iäloga Gedränge, 
r. naloga; näuka Lehre, r. nauka; näzeha Erkältung 
(= -z^ha), slov. naz§ba; prijevara Betrug, slov. prevära; 
rdzlika Unterschied, r. razUka, slov. razlika; zäbava Zeit- 
vertreib, r. zabava, slov. zaMva; zdpara Schwüle, r. zapara, 
slov. zapära. 

c) Zusammensetzungen mit iz: Isjesa Vielfraß; 
ispasa Weide, slov. izpäsa Abweiden. 

Der Typus A ist sehr in der Minderzahl (ca. 70 Bei- 
spiele) gegen den gleich zu behandelnden Typus B 
(ca. 220). 

299. B. Der Hochton liegt als " auf der 
Präposition; die Wurzelsilbe des nominalen Bestand- 



§ 299. SOO.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 191 

teils ist kurz, d. h. entweder Verkürzung einer ursprüng- 
lichen Länge oder verbliebene alte Kürze. Dieser Typus 
fehlt dem Russischen (mit sehr geringen Ausnahmen, s. 
ASlPh. 21, 382) und Bulgarischen, auch wenigstens dem 
heutigen Slovenischen. 

a) Mit kurzvokalischer Präposition, z. B. dö- 
sada Überdruß, r. dosada; öbrana Schutz, r. oiorona; ögrada 
Einfriedigung, r. ogoroda (vgl. gorod, skr. gräd), slov. ogrä- 
da; ödluka Entschluß, r. otluka (Trennung), slov. odlgka\ 
bdmjena Ersatz, r. otmena^ slov. odmena; pökora Buße, r. 
pokora (Vorwurf), slov. pokgra; pözlata Vergoldung, r. po- 
zolota (vgl. skr. zläto r. zoloto), slov. pozläta; pötpora Stütze, 
r. podpora, slov. podpdra; üklada Einlage, slov. vkläda. 

b) Mit langvokalischer Präposition, z.B.nätega 
(= -i^ga) Heber, r. nat'aga (Spannriemen), slov. nat^ga; 
prigoda Gelegenheit, r. prigoda^ slov. prig5da\ pripeka 
Schwüle^ r. pripoka, slov. pripßka; presada Umsatzpflanze, 
r. peresgda', räzmjena Tausch, r. razmena; räsprava Aus- 
einandersetzung, r. räsprava (Gericht), slov. razpräva\ sü- 
sjeda Nachbarin (zu msk. süsjed, süsjed)^ slov. soseda; zä- 
grada Verzäunung, r. zagoroda^ slov. zagräda] zämjena Er- 
satz, r. zamena^ slov. zamena; zäslada Dessert, r. zasoloda 
(Versüßung), slov. zasläda; zäslnga Verdienst, r. zasluga, 
slov. zasluga; ütjeha Trost, r. utecha, slov. uteha. 

c) Zusammensetzungen mit iz: isprava Bewilli- 
gung (Ausfertigung), r. isprava, slov. izpräva; Izmjena 
Wechsel, r. izmena^ slov. izmena. 

300. Die skr. Betonung und Quantität des Typus 
B bietet der Betrachtung eine Fülle von Schwierigkeiten, 
die ich nur hervorheben, aber nicht lösen kann: 

1. Geht man von der normalen russischen und bul- 
garischen Betonungsweise aus und sieht den Hauptton 
auf der Wurzelsilbe des nominalen Bestandteils als ur- 
slavisch an, so setzt die Verlegung des Haupttons im 
Serbischen auf die Präposition voraus, daß die Intonation 
des nominalen Bestandteils fallend war nach dem oben 
§ 289 ausgesprochenen Satz. Das widerspricht aber der 



192 Betonun- und SilbeiKiuantitilt. [§300.301. 

steigenden Intonation, wie sie russische Fälle mit Polno- 
glasie zeigen, z. B. ohorona. 

2. Nimmt man unter Zugrundelegung der russischen 
Haupttonstelle eine ursprüngliche steigende Intonation an, 
BO muß zwar eine alte Länge dieser Silbe verkürzt werden, 
z. B. ein -*hvääla (steigende Länge), als zweiter Teil einer 
Zusammensetzung, zu -hväala (steigende Kürze), allein der 
Hauptton w^äre in diesem Falle nicht in alter Zeit auf 
die Präposition übergegangen, denn nach § 289 geschieht 
das nur dann, wenn die betreffende Silbe fallende Into- 
nation hatte. 

3. Hält man die Annahme fest, daß die russische 
Hochtonstelle und ihre steigende Intonation das Ursprüng- 
liche sei, so ergibt sich im Skr. ein weiterer Widerspruch, 
denn eine urspr. langvokalische Präposition hätte vor der 
Hochtonstelle ihre Länge bewahren müssen, also z. B. 
'■'zäliväla d. h. nach jetziger Betonung "^zähvala (vgl. die 
wirklich so vorkommenden Fälle wde naMaäa = *nähläda\ 
§ 298, b). 

301. Um diese Widersprüche aufzuheben, bliebe 
die Annahme, daß aus irgendeinem Grunde die ursprüng- 
liche steigende Intonation der Wurzelsilbe des zweiten 
Bestandteils in fallende verwandelt wurde, damit die 
Zurückziehung des Haupttons auf die Präposition und 
deren dann notwendige Verkürzung verbunden "war, die 
der steigenden Intonation entsprechende alte Verkürzung 
des nominalen Bestandteils aber bew^ahrt blieb. Einem 
solchen Zustand scheint das Slovenische mit seiner Be- 
tonung odmena, pokora zu entsprechen ; die fallende Kürze 
muß ja hier in der Haupttonsilbe wdeder in fallende 
Länge verwandelt w^erden. Die Frage ist aber, ob hier 
im Slovenischen die Lage des Haupttons die ursprüng- 
liche, oder ob sie erst aus einer der serbokroatischen ana- 
logen '^ödmena *zämena "^pokora entstanden ist. Das letzte 
nimmt Valjavec (Rad 132, S. 191) an. Die Bedingung 
einer solchen Versetzung des Haupttons ist im Slov., daß 
die ältere Haupttonstelle fallende Intonation hatte, z. B. 



§301.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 193 

bog gen. hogä (skr. ioga), meso (skr. meso). Im Skr. 
scheinen aber die Komposita, von denen hier die Rede ist, 
gerade nicht fallende, sondern steigende Intonation auf 
der ersten Silbe (der Präposition) zu haben. Das geht her- 
vor aus der Betonungsweise bei Verbindung ihrer Kasus mit 
Präpositionen, z. B. pdy^uka — nä pomku = '^na pöruku, 
zagrada — ö^ zagrade = *od zägrade; wären pö-, zä- fallend 
intoniert, so wäirde es heißen *wß pontku, '-'öd zagrade 
(s. § 304). Zu erkennen ist das aus der Vergleichung der 
zusammengesetzten ^-Stämme in gleicher Lage. Diese, 
die nachweisbar fallende Intonation der Wurzelsilbe des 
nominalen Bestandteils haben, z. B. pämet^ pröpäst, pövijesf, 
betonen die Verbindungen mit Präposition: hez pameti^ ü 
p.opäst, öd povijesti, d. h. die präpositionalen Elemente 
der Zusammensetzungen sind fallend betont (s. § 304), 
vgl. dazu russische Betonungen wie perepis', peresyp', pere- 
men. Demnach, während im Slovenischen völlige Gleich- 
heit besteht zwischen den i-Stämmen, z. B. povest pom^c, 
und den a-Stämmen, z. B. zampia, pokgra, w^erden im Skr. 
pövijest , pömöCy obwohl äußerlich einem pökora zämjeyia 
gleich, doch verschieden behandelt. Aber auch inner- 
halb des Skr. bieten die «-Stämme noch eine Schwierig- 
keit, die wieder der Betonung nä poruku = "^na pöruku 
widerspricht und die darauf führen könnte, daß diese 
Ersatz einer älteren ^nä poruku sei, die aufgegeben wurde 
durch Anschluß an die Betonung der Kasus außerhalb 
der Verbindungen mit Präposition: pöruke pöruku usw. 
Für eine solche Annahme scheint zu sprechen, daß die 
mit zwei Präpositionen zusammengesetzten a-Stämme in 
bezug auf die Betonung ebenso behandelt werden wie die 
in gleicher Weise komponierten f-Stämme, vgl. z. B. öpo- 
mena Erinnerung, preoUaka preohuka Umkleidung, preporuka 
Empfehlung mit den ?-Stämmen, z. B. pripovijest, zäpo- 
vijed^ züpovijest. Also eine Zusammensetzung aus pre- 
und pöruka ist anders behandelt als eine Verbindung wie 
*na pöruku, das kein %« poruku ergibt, sondern bleibt 
(heute nä poruku). Im Slovenischen scheint bei zwei- 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 13 



194 Bestimmung der Betonung und Quantität. [§301—304, 

facher Präposition jene Betonung nicht herrschend zu 
sein, denn z. B. opomena, zapris§(/a, preobleka betonen wie- 
pomena, pris^ga, oUeka; vielleicht ist aber hier ein '^preobleka 
(aus noch älterem •^preobleka) wieder aufgegeben zugunsten 
von obleka usw. 

302. 4. Weiter erhebt sich noch für das Skr. die 
Frage, wie man sich erklären soll, daß neben der Mehrzahl 
nach dem Typus zägrada (220) eine beträchtliche Anzahl 
(80) des Typus ndhlada (= "^'nähläda) verbleiben konnte^ 
Ferner ist dabei zu erwägen, warum nicht bei den mask. 
o-Stämmen unter ganz gleichen Verhältnissen eine dem 
Typus zägrada entsprechende Verschiebung eingetreten ist. 
Vgl. z. B. ursl. fem. *zagorda mit gen. sg. msk. *zagorda (zu 
nom. *zago7'd5)', jenes ist russisch zagoroda (steigend into- 
niert), skr. abweichend zägrada, dieses russisch ganz ebensa 
zagoroda (nom. zagorod), skr. übereinstimmend *zdgrada = 
*zägräada (nom. zägrad). Dazu kommt endlich, daß im 
Skr. einige a-Feminina zwischen beiden Typen schwanken, 
so nävala Andrang, ndmama und nävala und nämama Lock- 
speise, ndplata und näplata Beitreibung (einer Schuld), sw- 
tuka und sutuka (= ^sq-ttlka, eigentlich «ein Zustoßen») 
Unheil. 

303. Zusammensetzungen, die zu keinem der Typen 
A und B stimmen, sind vereinzelt, so nävika Gewohnheit, 
normal wäre ^nävika oder '^nävika, slov. namka; zäklada 
(Vuk Wb. aus einem Liede; gewöhnlich zäklad) Schatz, 
statt '^zäklada oder "^zäklada, slov. zakläda\ ütoka das Ent- 
laufen, statt *ütoka oder ^ütoka; obümjera Maßstab (Meß- 
faden), statt *-ümjera oder "^öbumjera; sü-mjesa Gemenge, 
sümuzga Zusammenballen (des Schnees), süpruga Knittel 
statt SU- oder sü-. 

III. Betonung der Verbindungen von 
Präposition und Kasus. 

304. Eine durch diese Verbindungen gebildete Wort- 
gruppe gilt als eine Einheit und die Betonung richtet 
sich nach denselben Grundsätzen wie die der nominalen 



§ 304. 305.] BeetimmuDg der Betonung und Quantität. 195 

Präpositionskomposita. Daraus ergeben sich folgende 
allgemeine Sätze: 

1. Liegt der ältere Hochton nicht auf der ersten 
Silbe des Kasus, so erreicht die stokavische Zurück- 
ziehung des Haupttons die Präposition überhaupt nicht, 
sie bleibt unbetont, z. B. gen. gbre (göra Berg = *gorä), 
daher iz göre^ lok. rogu (^ rogü, nom. rög)^ daher na rögUj 
lok. zapovijedi (= -di^ nom. zäpovijed), daher u zapovijedi^ 
akk. molitvu (= '^'molUvu, nom. mölitva)^ daher za mblitvu. 

2. Lag der ältere Hauptton auf der ersten Silbe des 
Kasus, ist diese demnach mit " oder ' betont, so besteht 
eine doppelte Möglichkeit: 

a) Ist diese erste Silbe von Haus aus fallend betont, 
so ist schon in alter Zeit, also nicht im Zusammenhang 
mit der späteren stokavischen Verschiebung, der Hauptton 
und zwar als " auf die Präposition übergegangen, ist diese 
mehrsilbig, auf ihre erste Silbe, also soweit zurück wie 
möglich, z. B. gräd : ü gräd^ gen. gräda : Iz gräda, göru 
(akk, zu göra = *gorä) : nä goru^ stränu (akk. zu sträna = 
*stränä) : nä stränu^ akk. pl. gläve (zu gläva = "^glavä) : nä 
gläve; böga (gen. zu hög) : öd boga; mimo goru, Iza gläsa. 

b) War die erste Silbe des Kasus von Haus aus 
steigend betont, so behält sie ihren alten Hauptton, der 
aber bei der späteren stokavischen Verschiebung als ' auf 
die Präposition übergehen mußte, bei mehrsilbiger Prä- 
position auf deren letzte Silbe, z. B. bräta (gen. zu brät) : 
*od bräta^ öd brata; bläto (vgl. r. boloto) : hi bläto, ü blato, 
mimo blato. 

IV. Betonung von Partikeln. 

305. Es handelt sich um die kopulativen, adver- 
sativen, satzverbindenden Partikeln da, a, i, te, ni, kad. 
Sie sind an sich im Satze schwach betont oder unbetont, 
können aber unter gewissen Bedingungen den Ton auf 
sich ziehen. Die Bedingungen sind einfach und stimmen 
mit den sonst herrschenden Betonungsverhältnissen über- 
ein. Es sind folgende : 

18» 



196 Betonung und Silbenquantität. [§ 305—309. 

1. Folgt der Partikel ein sonst im Satze en- 
klitisch stehendes oder ein proklitisch sich an 
ein weiter folgendes Satzglied anlehnendes Wort, 
z. B. eine Präposition, so wird die Partikel be- 
tont: ää, l. Die in Betracht kommenden Enklitika 
sind: die Pronominalkasus mi ine, nam nas; ti te, vam vas; 
mu ga, joj je (ju), im ih; das Präsens satn si je, smo ste 
SU; das Präsens öu öes öe, öemo cete de; das konditionale 
hih hi usw.; einige Partikeln wie ni, ne. 

306. 2. Folgt auf die Partikel ein Wort mit alter 
fallender Betonung auf der ersten Silbe (" oder "), 
so geht der alte Hauptton auf die Partikel über (dä^ I), 
das folgende Wort wird tonlos. 

30*7. 3. Folgt ein W^ort mit alter steigender 
Betonung auf der ersten Silbe ("), so tritt die ge- 
wöhnliche stokavische Verschiebung des Haupttons ein, 
d. h. die Partikel erhält \ 

308. 4. Folgt ein Wort, das den alten Hauptton 
nicht auf der ersten Silbe trug, also jetzt noch diese 
Silbe unbetont oder infolge der stokavischen Verschiebung 
mit \ ' betont hat, so bleibt die Partikel unbetont, anders 
ausgedrückt, die Verschiebung erreicht die Partikel nicht. 
In den mir bekannten akzentuierten Texten werden diese 
Grundsätze nur bei da und l einigermaßen konsequent 
durchgeführt, selbst hier herrscht nicht immer Über- 
einstimmung. Da ich hier nicht jeden einzelnen Fall 
untersuchen kann, muß ich mich begnügen, typische Bei- 
spiele für die oben genannten vier Punkte anzuführen, 
einzelne Abweichungen und dialektisches Verhalten un- 
berührt lassen. — Vgl. Budmani, § 274 fg., namentlich 
aber die zahlreichen akzentuierten Sätze in seiner Gram- 
matik; Maretic, § 131a, ferner die akzentuierten Texte 
in seiner Hrvatska Citanka; aus Budmani und Maretic 
stammen die unten gegebenen Beispiele; vgl. auch Resetar, 
Südw. Mund., S. 210. 

309. Zu 1 (§ 305) da mi pövräti; da ga je küpio; 
mllöst l mir; da vam se ümnozi; da mu ga je poklönila; da se 



§ 309.J Bestimmnnc: der Betoniinij: un<i Quantität. 107 

ne höji\ da Im ih da; da 6emo\ da si mi brät; da je tö bilo; 
da ni (id neque). 

l da SU öndje; l-li (oder); na Ijubavi l na prijateljstvu; 
po zäkonu l po obicäju; a kad vidje; ä-U; ä od öne; ä od 
senät-a; ä u vlsocijeJi (Budm. § 463); ni-ti. 

Zu 2 (§306), da bog hööe; ja se uzdäm ü boga; da tu 
(diese) azdäju ön möie svlddati; so auch da ön büdl brata; 
da ja Idem; da tö njöj pbmäsü drugärice; vgl. iö nlje lljepo, 
da ti (du) jases a ötac da ti (dir) ide pjesice. 

hünem ti se l bogom l vjerötn (bog boga hat fallende, 
vjera steigende Intonation); od mlijeka l gnoja (gnöj gnöja); 
trävöm l cvijetom {cvljet cvet) ; treci smisli l boga i düsu 
(düsa, aber akk. düsu); prijateljstvo i mir; dän l nod; ü ime 
öca i stna i svetöga düha; l bog l svijet (svijet svet); ne mogü 
blti siti i vfici i övce; bei der Anfügung der Zahlen dvä 
dvije (dve), tri^ pet, sest^ sedam, ösam, devet, deset an andere 
Zahlen mittels t, z. B. dvddeset l dvä (vgl. i dvije \dve^ 
kaplje)^ dv. l tri usw., tmica i stö (vgl. dagegen dvddeset i 
jedan, dv. i cetiri). Folgt eine Präposition, auf die wegen 
fallender Intonation des ihr folgenden Kasus alter Hoch- 
ton getreten ist (z. B. od gräda), so rückt dieser auf die 
Partikel, z. B. od sela do sela l od gräda dö gräda ; l u tri 
püta (ü tri piita) ; i u glävu i u nogit (ü glävu, ü nogu) ; i 
pred bogom i pred svijetom (pred b., pred sv.); ebenso wenn 
auf die Partikel eine mit Präposition zusammengesetzte 
Verbalform folgt, die aus dem gleichen Grunde alten 
Hochton auf die Präposition verlegt hat, z. B. räsjede se 
zemlja l prozdrije (prozdrije 3. aor.) Dätana i zatrpä (zatrpä 
3. aor.) cetu; dän ösvanü i ogranü (3. aor.) sünce. Bei den 
angeführten Gewährsmännern werden da und i vor ein- 
silbigen mit ^ betonten Pronomina ungleich behandelt: 
l ön, da ön ; t tö, da tö ; t ja, da ja ; l ti, da ti ; l vi, 
da vi; vgl. dazu Beispiele wie: ä dvije (dve); ä kci careva; 
a knez; könji se mjere pedu a Ijüdi pamecu; a Bim; ä sin; 
a sir; ä zec sköci, mit Fällen wie: ä ön und ä ön; ä mi^ 
ä ti; a to, ä tö. 

nl bog nl ynore {möre); ni za diib (zä dfib). 



198 Betonung und Silbenquantität. [§ 309. 310. 

Zu 3 (§ 307), in Klammern die unabhängige Betonung 
des betreffenden Wortes ; z. B. da ide (tde) ; da vide (vlde) ; 
da trebä (trebä); da svi (svi) hlaze\ sütra da ides (ides) s 
cobaninom nä jezero da ga pöljühU. 

i hrai {brät) i sestra\ ötac t mäjka (Dehnung für 
'^majka); lijepa y prava (präva); öndä ce dööi svi gradäni \ 
(jledade (gleda-öe) ; säzväla je gosti t zvanice (zvänice) t ku- 
move (kümove) l sve (sve) prijaielje; po graddvima l selima (seit- 
ma)\ ü njojzi kösüt l jelenä (jelenä); ön se zöve i jest (jest) 
Türcin; gübiti se l venuti (vemiti); sia sii cüli l vidjeli 
(vldjeli), 

ä baba (bäba) ; ä car (cär) ; ä kravu (krävu) ; ä psi (psl) 
sköce; ä sablja (säblja). 

nl hrat (brät) nl mäjka (vgl. l hratlmäjka)\ m slusati 
(slüsati) nece; mti sto vidi nl cuje {cüje). 

Zu 4 (§ 308), da kdme käzes; prävo bi bila, da cdvjek 
üzme bäünu päk da vas oböjicu stjerä; bog da mn düsu prösti; 
kän da se pomami. 

brät i sestra. 

a dna; a d}ii\ veliki tljelom a malen djelom. 

ni ötac nt mäjka. 

Für te und kad fehlt es mir an genügenden Bei- 
spielen, doch vgl. z. B. te mu däde; cär Trojan sjedne te 
ga momak obrije, mit te övamo te önamo (Mar. Cit., S. 189); 
über kad s. eine Bemerkung bei Resetar, Südw. M., 
S. 210. 

V. Vokaldehnungen vor bestimmten Kon- 
sonanten und Konsonantengruppen. 
310. A. Dehnung von wortauslautendem v, j. 
1. Die auf -j (aus -jh) auslautenden nicht kompo- 
nierten Maskulina zweisilbigen Stammes haben bei der 
Betonung " in den obliquen Kasus im Nom. sg. ": höj 
böja, bröj bröja, gnöj gnöja, kräj kräja, räj räja, zmäj zmäja 
u. a. (s. § 234). Sie sind dort bereits behandelt und 
bemerkt, daß das Verhältnis von böj : böja aufzufassen ist 
wie das von bögiböga^ d. h. die Länge auf der fallenden 



§310.311.] BestimmuDg der Betonung und Quantität. 199 

Intonation der Silbe beruht. Ebenso verhält es sich 
mit den Substantiven gleicher Art auf -v: köv, köva, röv 
röca^ tröv trova (s. § 234), und mit krv gen. kfvi. 

2. Bei steigender Intonation erwartet man das 
Verbleiben der Kürze. Das trifft auch zu in folgenden 
Fällen, bei auslautendem v: 

a) Bei den Adjektiven auf -ov (über die steigende 
Intonation der Formantien s. § 273), vgl. die Adjektiva 
auf -rty, -if, deren Kürze aus ursprünglicher Länge aber 
auf der steigenden Intonation beruht und bei denen v 
nicht dehnend gewirkt hat. 

b) Bei nicht komponierten Substantiven und 
Adjektiven: läv, növ^ vgl. dazu z. B. gnjeVj präv, slv, 
deren Kürze aus alter Länge auf steigende Intonation 
zurückzuführen ist und bei denen ebenfalls das v nicht 
dehnend wirkt. 

c) Bei den Nominalkomposita mit altem Hoch- 
ton auf dem zweiten Element, vgl. kladndkov, mirdkov, 
dkov, ötkov^ pöthov, starbkov^ pökrov (vgl. kröv kröva), prijerov 
(für "^prijerov, §296), ötrov, praznbslov. Vgl. dazu in §§ 293, 
295 die Ausführung über die steigende Intonation des 
zweiten Gliedes dieser Zusammensetzungen und Beispiele 
wie vrtöglav, pröljev, iisjev, pöplav, wo die Kürzen aus 
alten Längen eintreten mußten wegen der steigenden In- 
tonation. Abweichungen sind scheinbar hlägoslöv (söv) 
gen. llagoslova, üsöv gen. nsova, pöpläv (neben pöplav); der 
Hauptton " auf der ersten Silbe zeigt aber, daß hier das 
zweite Glied fallend intoniert war, die Dehnung also nor- 
mal ist. Über die Komposita auf -sav (aus -slav) siehe 
§§ 174 (3), 284. 

311. Dagegen sind die Verhältnisse bei aus- 
lautendem j anders, hier tritt auch bei steigender Be- 
tonung Dehnung des zweiten Gliedes der Komposita ein, 
so bei den aus silbiger Präposition und Nomen zusammen- 
gesetzten Substantiven auf -oj: Pöhöj gen. Pöboja (und so 
der Gen. bei den folgenden), pödböj, pribbj, rdzboj, sähdj, üboj 
(daneben üboj\ zböj zböja folgt dem nicht komponierten böj 



200 Betonung und Silbenquantitüt. [§311.31^. 

ioja); razdüöj gen. rdzdvoja; pököj; pölöj\ ndpoj, vodupöjy 
zäpöj] pripöj; pbvöj, zävöj (während svöj gen. svoja wie 
oben zböj). Davon sind mir als Ausnahmen bei Vuk 
nur begegnet: nähoj gen. mboja, prijeboj, üboj^ das werden 
Versehen sein (Ak. Wb. 7idböj) 

Es gibt demnach eine allein auf der Stellung vor 
auslautendem j beruhende, von der Betonung unabhängige 
Dehnung. Das wird bestätigt durch folgende Betrachtung: 
die Bildungen auf -aj gen. -aja haben gemäß der General - 
regel (§273) ä, wenn dies nach oder vor altem Hochton 
liegt, z. B. lisäj gen. llsäja, nösäj gen. nösäja^ obicäj gen. 
öbicäjay beläj beldja, Blläj Bildja usw. ; dagegen Kürze, wenn 
der Hauptton das a trifft, trotzdem hat der Nom. sg. d^ 
das also nur auf der Stellung vor j beruhen kann, z. B. 
äläj älaja, Blägäj Blägaja, käläj kälaja, Käväj Kävaja, Ijübljäj 
Ijübljaja, Mägläj Mäglaja, Obljäj Obljaja, öläj olaja, Bözäj 
Röiaja; vgl. dazu gleichartig Becej Beceja, Begej Begeja; 
rüj rilja, Döbüj Döbitja. Ausnahme bildet rätaj gen. rätaja 
(Vuk, als montenegrinisch). 

31!^. 3. Es bleibt die Frage, ob es eine von 
der Betonung unabhängige Dehnung vor aus- 
lautendem V gibt. Nur die Substantiva auf -öv gen. 
-ova haben langen Vokal im Nom. sg., in den andern 
Formen Kürze. Die Betonung ist entweder durchgehend 
auf der ersten Silbe, oder ' im Nominativ auf der 
ersten, in den andern Formen auf der zweiten Silbe. Die 
Wörter sind zunächst Entlehnungen aus dem Magyarischen, 
von da aus ist das Formans dann zur Bildung von ser- 
bischen Stämmen aus verwendet worden, z. B. entlehnt 
dköv gen. dkova Eimer — naagy. akö, Upöu gen. Upova — 
lopo (Partizip «stehlend», Dieb), säböv gen. saböva — szabo 
Schneider; von serbischen Elementen, z. B. bjelöv gen. 
bjelöva weißer Hund — blo bijela^ gäröv garöva schw-arzer 
Hund — gär Rußfarbe, slütöv gen. slutöva Unglücksprophet 
— slütiti. Angeschlossen ist an diese Wortgestalten auch 
Jaköv gen. Jaköva Jakob. Daß die Länge im Nominativ 
aus dem langen magy. -ö stammt, ist wohl zweifellos. 



§ 312. 313.] BeBtimmung der Betonung und Quantität. 201 

eigentümlich ist aber die Kürze des o in den offenen 
Silben (Gen. usw.), denn ein Hindernis gegen Formen 
wie "^löpöva "^sähöva besteht an sich in der Sprache nicht. 
Vielleicht beruht die Länge im Nominativ auf einem als 
ou aufgefaßten magy. d, das stark geschlossen ist. Bei der 
Auflösung eines solchen Diphthongen vor folgendem Vokal 
muß notwendig das o kurz sein, dagegen war ou in sich 
lang und die Länge verblieb auch bei der Aussprache -öv. 
Einfach wäre die Sache, wenn die Aufnahme solcher Bil- 
dungen aus dem Magyarischen sehr alt wäre; im 13. Jahrh. 
hieß es dort noch -ov -ou^ im 14. schon -6, w^ährend in 
Kasusbildungen und Ableitungen noch -ov- erscheint. 
Nach Simonyis Annahme ist das o in -ov- der Ableitungen 
kurz, zwischen der ältesten Form -ov und der heutigen 
-6 des Nominativs setzt er die Mittelstufe ou an. Allein 
man kann aus der Zeit vor dem 14. Jahrh. keins der 
Wörter im Skr. belegen; die Belege (so im AkWb., so- 
weit dieses reicht) sind nicht älter als das 18. Jahrh. 

313. B. Dehnung vor -je = -bje. 

Vor dem Formans -je = altem -bje wird die un- 
mittelbar vorangehende Silbe gedehnt, z. B. Kollektiva: 
pero Feder : 7:>erje, orah Nuß : dräsje^ zrno Korn : zrnje, snöp 
Garbe : snöplje; Bildungen aus Präposition und Sub- 
stantiv wie prhnörje (zu möre) Land am Meer, Küste, 
zägörje (göra) Land hinter dem Berge, räzdölje (clö dola) Tal, 
pödnözje (nöga) was unter den Füßen ist, Fußschemel, 
prdcelje (celo Stirn) oberster Platz am Tisch; Verbal- 
abstrakta: stvorenje ^ohö^iwng, Geschöpf (zu stvören ge- 
schaffen, von stvdriti); Abstrakt a von Adjektiven: 
zdrävlje (zdräv) Gesundheit, veselje {veseo vesela) Lustigkeit. 
Von der Lage des Haupttons ist diese Dehnung ganz 
unabhängig. In Vuks Werken finden sich einige wenige 
Ausnahmen, namentlich unter den Fällen wie prhnörje 
(vgl. Untersuchungen über Quant. I, 79); von den dort 
verzeichneten Beispielen habe ich aber eine Anzahl mit 
Länge sprechen hören, so hespüce^ rdspü(-e (nicht hespuce^ 



202 Betonung und Silbenquantität. [§313.314. 

räspude), bescjenje (nicht bescjenje), zdcelje (nicht zdcelje, vgl. 
oben pröcelje), pösüde (nicht pdsude), rdselje (nicht räselje) ; 
bei Vuk selbst steht rdskrsöe neben räskrsöe. Die Kürze 
dürfte überall durch die Länge zu ersetzen sein. 

Ist die betreffende Silbe schon im Grundwort lang, 
so bleibt sie vor -je so, z. B. düh Eiche : dühlje, list Blatt : 
lisöe, trenüöe oder trenüöe Augenblick (vom Part, trenüt zu 
trenuti Auge zumachen). Über das gleichartige -Uja -älja 
8. § 275 (unter -alo). 

314. C. Dehnung der Vokale vor den Kon- 
sonantenverbindungen fiy m, r, Z, V, j -j- Kon- 
sonant. 

Alle solche Verbindungen sind im Skr., soweit es 
sich nicht um Fremdwörter handelt, entstanden durch den 
Ausfall von 3, 6 nach den Liquiden, Nasalen und v, j. 
Denn die ursprünglichen Gruppen n, m -\- Konsonant sind 
schon urslavisch verschwunden, vertreten durch Nasal- 
vokale oder Längen; die Gruppen or ol, er el im Skr. er- 
setzt durch ra la^ re le, die Gruppen sr tr, dl hl durch r, 
l (heute u) ; Verbindungen von v^ j -\- Konsonant gab es 
urslavisch überhaupt nicht. 

Es ist eine allgemeine Tendenz des Skr., vor 
jenen Konsonantengruppen stehende, sonst kurze 
Vokale zu dehnen, sowohl die alten Kürzen o, e, a 
(als Vertreter vor o, &) wie die kurzen Vertreter ursprüng- 
licher Längen: i (== i und ?/), e je (== e), e (= ^), ü 
(= u und = q)\ so auch r. Diese Tendenz kann ge- 
hemmt sein und überschritten werden: 

1. Die Dehnung kann nach dem allgemeinen Gesetz 
nicht eintreten, wenn die Silbe mehr als eine Stelle vor 
dem alten Hochton steht (s. § 220). 

2. Die nach dem allgemeinen Satz zu erwartende 
Dehnung ist dadurch gehemmt, daß gewisse Formantien 
vor sich kurze Silben erfordern. 

3. Es gibt eine Anzahl Fälle, wo die Dehnung ohne 
findbaren Grund unterblieben ist. 



§ 314. 315.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 203 

4. Durch Übertragung kann die Dehnung auch vor- 
handen sein, wo die verlangten Laut Verbindungen in 
andern Formen des Wortes nicht stattfinden. 

Es folgen Beispiele der einzelnen Vokale — aus der 
großen Zahl immer nur wenige zur Veranschaulichung — 
geordnet nach der Lage der alten Haupttonstelle. Zu 
Belegen können nur Fälle gebraucht werden, wo neben 
der Länge vor n, m usw. -\- Konsonant in andern Formen 
Kürze steht, nicht solche, wo zwar vor den Konsonanten- 
gruppen Länge steht, Länge aber schon im Grundwort 
vorhanden ist, weil ja hier dessen Länge einfach fest- 
gehalten sein kann, also Fälle wie pästirka : pästlr pastira, 
Negöünka : Negotm, päzärm : päzm^ pazira usw. sind hier 
ausgeschlossen. 

315. I. Die gedehnte Silbe steht in oder 
nach der alten Haupttonsilbe. 

1. Vokal o: 

Maöedönka — Macedönija, nezäkönstvo — zäkon^ obro- 
Tidk gen. obrönka^ spönka — spöna, zäponac gen. zdpÖ7ica. 

läkomac gen. läkömca, läkömstina^ mömciti se — mö- 
mak, ödlomak gen. ödlömka, Mlömcina, ömce fem. pl. (= 
ormce). 

heskörka — köra^ crnögorac gen. crnögörca, crnögörka, 
cetvörka — cetvoro, Kötörka — Kdtor, mätörka — mätor, 
mgörkinja — gdra, pästorak gen. pästörka, pästörka fem., 
pdkörmk — pökora, pdtvörstina — potvöriti, präporac gen. 
präpörca, prhnorac gen. prlmörca, prwiörkinja^ samdtvoran 
fem. samotvörna. 

hesölnica — so gen. söli, bwölce — Mvö gen. hivola, 
hogöfnoljac gen. hogbmöljca (und hogoinöljac -möljca), dragö- 
voljan fem. dragövöljna, dohrövoljan fem. dobrövöljna^ glavö- 
holjan fem. glavöböljna, samövoljac gen. sambvöljca, Stämhölkä 
— Stämbol. 

Diibrovka. Dübrövnik, Dubrövcajiin ; Hercegövce^ Hercegövka 
vgl. Hercegovac; Kösövka — Kosovo, Kösovac gen. Kösövca, 
2)dpövstvo — pöpov, psövka — 2;.söfafi; sehr häufig sind die 
Wörter auf -ovac gen. 'övca, z. B. Jasenovac gen. Ja^enövca, 



204 Betonung und Silbenquantitiit. [§815.316. 

muhämedovac gen. muhämedövca^ pöpovac pbpövca, Slsatovac 
Slsatvca. 

böjm iöjnica — böj gen. hdjdy djevöjka djevöjcin djhöj- 
citi, döjha — döjiti, dvöjlca — dvoje^ näpöjnica — napöjitiy 
7iästöpnk — nästojati, öbojak gen. öhöjka, pököjni püköjnik 
pököjnica — pököj gen. pökoja, räzbojac gen. räzböjca, zdvojak 
gen. zdvöjka, znöjak gen. znöjka. 

316. Weitere Übertragung der Dehnung. In 
den oben gegebenen Beispielen sind unberücksichtigt ge- 
bUeben die Wörter, die in Formen mit den Verbindungen 
7/, m, r, l, V, j + Konsonant die normale Dehnung 
haben, dazu aber in andern Formen vor einfachem n 
usw. ebenfalls langen Vokal zeigen, wie dövöljan fem. dö- 
völjna. Die Länge in dövöljan ist aber nicht rein lautlich 
entstanden, sondern durch Anschluß an die Form dövöljna. 
Sie ist auch an besondere Bedingungen gebunden, be- 
schränkt sich fast völlig auf den Nom. sg. msk. der Ad- 
jektiva auf -an (= imö) und findet nur statt, wenn das 
Wort 1. mehrsilbig ist und alter Hauptton " auf die erste 
Silbe fällt, also nicht auf die in Betracht kommende 
Silbe; 2. wenn es zweisilbig ist und alten Hauptton, 
eigentlich ' (dies durch Anschluß an die Formen mit 
Dehnung ersetzt durch "), auf der betreffenden Silbe hat. 
Sind verschiedene Betonungen eines und desselben Wortes 
vorhanden, so wechselt auch Kürze und Länge im Nom. 
sg. msk., z. B. dragbvoljan fem. dragövöljna und drägovöljan 
fem. dragövöljna. 

bücövan fem. bucövna (so das Fem. aller folgenden), 
därövan, dövöljan döbrovöljan (aber dobrövoljan fem. dobrö- 
völjna) drägovöljan (und dragbvoljan fem. dragövöljna) nevöljan 
pövöljan nepovöljan sämovöljan zlövöljan — völja^, dögovöran 
räzgovöran, dökölan, dremövan^ drnövan, eljdövan, grömörany 
gnjecövan, jädövaii, jälövan^ Ijubövan^ 7ievjeran (aber nevjeran 
mit unregelmäßigem fem. nevjerna, vgl. § 331), öblapöran 
öporan üpöran pödupöran, ödmöran ümöran zlmomöran sümö- 
ran, ököran pököran nepoköran preköran uköran, ölövan — 
ölovo, ösöran, ötrövan, päsövni^ sllövan^ stänövan, stärokövan 



§316 — 318. 1 Bestiumning der Betonung und Quantität. 205 

(aber starökovan), sudövan, türövan, üdvöran, üsövan^ vllövan, 
mnövan, vrätövan, Mrövan. 

göjan fem. gojna, tövan tövna. 

Dazu kommen einige Substantiva auf -anj (= -bm) 
unter den gleichen Betonungen : potpöranj zäpörmij, zävöranj, 
gen. -örnja, näkövanj gen. -övrija ist nur auffällig durch die 
Betonung nä- statt nä-. 

Unregelmäßigkeiten sind ganz vereinzelt: cudötvöran 
(zu erwarten wäre cMotvöran) fem. ciiddfvörna; dostöjan fem. 
dösiöjna AkWb. (bei Vuk dostöjan) ist nur durch die 
Länge des do- auffallend, vgl. cech. düstojen. 

317. 2. Vokal e (= e und aus e) Irätenci pl. — 
gen. brätenäcä, gvbzdenka — gvözden^ jelence — jelen, klädenac 
gen. klädenca, pömendk gen. pömenka, Pnzrenac gen. Prlzrenca, 
Prizrenka — Prizren^ rämenak gen. rämenka. 

gornjözemac gen. gornjözemca — zemlja. 

hiserce — Viser^ inövjerac gen. inövjercä, inövjerka — 
vjera^ jezerce Jezerkinja — jezero, käluderstvo — käluder, 
perm — pero^ sjeverm — sjever gen. sjevera, sestöperac gen. 
sestöperca. 

rdzdeljak gen. räzdeljka, rbditeljha — röditelj, ponedjeljak 
gen. ponedjeljka — nedjelja. 

dölevak (döljeuak) gen. dölevka (dölijevka), krqljevka — 
krdljev, Smederevka und Smederevka — Smederevo, Bränicevac 
gen. Bränicevca, Brmiicevka — Bränicevo, cärevac gen. cärevca, 
krdljevac gen. krdljevca. 

övejci pl. — gen. övejäkä. 

318. Übertragung der Länge auf Formen 
ohne die Verbindungen Liquida usw. + Kon- 
sonant; Bedingungen wie unter 1: cemeran fem. cemerna 
(und so bei den folgenden) — cemer, ceperan, drüzevmi^ 
düsevan, klcevan, köcoferan^ knjizevan, pläcevan, temeljan — 
temelj^ ucevan. 

gnjevan — gnjev^ spreman — sprema, veran fem. verna 
(gewöhnlich vjeran mit unregelmäßigem fem. vjerna) — 
vjera. 



206 Betonung und Silbenquantität. [§318—321. 

Unregelmäßig ist starödrevan fem. starbdrevtia (zu er- 
warten wäre '^stärodrevan). 

319. 3. Vokal ä = urspr. a. 

cäkanac gen. cäkänca^ vobänce — coban cöbanin, Däm- 
jänka — Dämjan, kätanac gen. kätänca^ gäöänka — gen. pl. 
gäc^anäkä^ onostranac gen. onbstränca, onöstränka^ östanak gen. 
ösfänka^ ptjänka pijänciti — pljan^ tänac gen. tänca. 

döramak gen. dörämka^ obrämnica — r«me, slämka — 
släma. 

Bügärce Bügärka Bürgärcica — Bügar, cärstvo — cär, 
järac gen. järca] mägarac gen. mägärca, stärac gen. stärca, 
stärcev, tövarac gen. tövärca, tovärce tbvärni tövärnina — 
tövar. 

neväljalac gen. neväljälca, pälac gen. pälca, pbdvalak 
gen. pbdvälka. 

crnbglavak gen. crnbglävka^ cävka — gen. pl. cäväkäy 
dünävka — Dünav, gubavac gen. gühävca, krästavac gen. 
krästävca, lükävstvo lükävstina — lükav, prävda — präv 
vgl. prävedan, Pombrävka — Mbrava, slüzävka — gen. pL 
slüsaväkä^ zdbbravak gen. zahbrävka, zdglavak gen. zdglävka. 

kräjan fem. kräjna — kräj gen. kräja, izdäjmk Izdäj- 
nica — Izdaja, bkrajak gen. bkräjka^ pbkäjmk — käjati se, 
räjski — räj gen. ruja, stäjnica — stäja^ mäjka (und indjka) 

— gen. pl. mäjäkä. 

330. Übertragung der Länge wie unter 1. 
und 2.: 

Weiterbildungen mit -6 wo von Adjektiven auf -av(z): 
hühävan fem. huhävna (und so bei den folgenden), dotu- 
pävan nedotupävan, kükävan, skrnävmi; anders geartete : 
näopäran sühopäran späran — pära päriti^ slävan — släva^ 
sprävan — spräva, öprävan — öprava^ preprävan — preprava^ 
Isprävno adv. (Vuk; AkWb. Ispravan fem. Isprävna, richtig 
wohl Isprävan) — Isprava, pömäman — pömama, zäborävan 

— zahbraviti, zähvälan — zähvala. 

331. 4. Vokal i = i und = y. 

Irätmac gen. hrätinca, Cetmjka — Cetinje, djedmstvo — 
djedina, djetinci pl. — gen. djetinäcä, djetmstvo, dobrbcinac 



§321 — 323.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 207 

gen. dobrbcmca (und äobrocinac -cinca), mätennstvo — mäte- 
rin, näsinac gen. näsinca^ näsiristvo, pösinak gen. pösmka^ 
slnak gen. stnka. 

hräürnstvo pöiratimsfvo — pöbratiniy mezimac gen. me- 
zwica, sredözimci pl. — gen. sredözimäcä. 

Izhirak gen. hMrka, slrac gen. sirca, zirka gen. pl. 
ilräkä. 

hösiljdk gen. hdsiljka, pllac gen. pilca^ sestökrilka vgl, 
sestökrili. 

Ijenivac gen. Ijemvca, slvac gen. sivca. 

Ändrijca — Ändrija, kütijca — kiitija, Märijca — Mä- 
rija, hedevijce — bedevija. 

S22. 5. Vokal u = u\ = p, = t>1, 'bl vor Kons. 

pödsunac gen. pödsünca {u = ^l, vgl. sünce = *s^lnhce 
Sonne). 

jednöumac gen. jednöümca, prikumak gen. prikümka. 

Dürac gen. Dürca^ kürva — gen. pl. kürävä, Türci pl. 
— gen. Türäkä. 

dülac gen. dülca. 

zzbljuvak gen. tzbljüvka, näzuvak gen. näzüvka. 

özujcik gen. özüjka, Volujac gen. Völüjca^ rüjno vino — 
rüj rüja. 

Übertragene Länge, wie unter 1, 2, 3: büran fem. 
bürna — bura. 

323. 6. Vokal a = ^, h. 

blatänce (= "^blathyihce) — blätan fem. blätna zu bläto^ 
blizänka zu altem feZia^aw fem. bllzna -■= blizhm, Bösänka — 
Bösna (= Boshna)^ dänak (= dhnhk^) gen. dänka — 6??>w?), 
Izdanak gen. izdänka pödanak gen. pödänka zu <7wo ^ ^?;>wo 
Boden, 5<iwaÄ; gen. .9«wÄ:a — sa/i swa = S2»w?> shna^ öpanak 
(:^ ophn^k^) gen. öpänka, suzänjstvo (und süianjstvo) = 
sqzhnhstvo. 

pövesämce = *poveshmce (h Einschubsvokal) — 2)dve.smOy 
üjamak (= ^ujhrmkb) gen. üjämka. 

jütärce {= '■^juthrce, h Einschubs vokal) — jutro, nje- 
därca pl. (^ "^nedhrca, h Einschubsvokal) — tijedra, süpär- 
nik stcpärnica = mphrbniki) -nica. 



208 Betonung und Silbonciuuntität. [§323—325. 

zäravanak gen. zäravärika^ mitävMna — mrtav {a = 7, 
Einschubs vokal) fem. mrtva, 

Übertragene Länge wie unter 1, 2, 3, 5: Ijuhävan fem. 
Ijühävna = ljuh^vhnö. 

324. 7. Vokal r. 

grnac gen. grnca, zrnce = zhio, ökrnjak gen. öhrnjka. 

pästrmka — pästrma, prekrmak gen. prekhnka^ zdrmnji 
pl. — gen. zdfmänjä. 

östrvce — dstrvo, vrvca. 

Übertragung der Länge wie unter 1, 2, 3, 5, 6: milo- 
krvan fem. milokrvna — krv gen. kfvi. 

325. IL Die gedehnte Silbe steht eine Stelle 
vor dem alten Hochton, hat also jetzt den Akzent '. 

1. Vokal 0. 

hbnac gen. honca pl. hönd^ lönac gen. lönca pl. lönd 
lövac gen. lövca pl. lövci^ növac gen. növca pl. 7iövci, övan 
und övan, mit übertragener Länge aus gen. övria, övas 
gen. övsa, j^okrövac gen. pokrovca, sinbvac gen. sinovca, pöjac 
gen. pojca. Dieser Wechsel zwischen Kürze in der offenen, 
Länge in der geschlossenen Silbe ist aber selten, gewöhn- 
lich hat die offene Silbe im Nom. sg., durch Über- 
tragung aus den anderen Formen, ebenfalls die 
Länge, z. B. : 

Maöedönac gen. Maöedönca — Macedbnija^ övan (und 
övan) gen. övna. 

lakömac gen. Idkömca (und läkomac lakomca), lakömstvo, 
potömak gen. potömka — pötom. 

görak fem. görka best. Form görki adv. görko, skvörac 
gen. skvörca, tvörac gen. tvörca, pokörnöst — pököran fem. 
pökörna, upörnöst — üpöran fem. üpöt'na, zimomörnica — 
zhnomöran. 

davölak gen. äavölka, äavölce^ davolstvo, Stambolac gen. 
Stambolca, zadovöljnöst nepovoljnöst — zädovöljan pövöljan 
fem. -völjna, hogomöljac gen. -moljca (und hogbmoljac gen. 
hogbmöljca). 

hogoslövac gen. -slövca — slövo, caslövac gen. -lövca 
Schüler, der lernt aus dem cäslovac gen. cäslövca (Art 



■§ 325 — 329.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 209 

Lesebuch), jalövac gen. -lovca — jälov^ gövno pl. gövna gen. 
pl. gövänä, ovca pl. övce gen. pl. ovdcä, Karanovcanin (und 
Käranövcmiin) — Käranovac gen. Käranövca, zirovnica — 
zirövan, slövce — slövo. 

vojska akk. vöjsku. 

3^6. 2. Vokal e; Fälle von Wechsel zwischen Kürze 
und Länge, wie unter 1. bei o, scheinen hier nicht vorzu- 
kommen. 

grehenac gen. ■'benca — grehen gen. grehena, jelenak 
gen. jelenka — jelen, prsUnäk gen. prstenka — pfsien gen. 
prstena^ stndenac gen. -denca — siüden. 

tudozemac gen. hidozemca — zemlja. 

djeverak gen. djeverka — djever djevera^ djev4rstvo, 
kaliiderak gen. -derka, kaluderce — käluder^ vjernöst — vjeran 
vjerna und veran verna. 

celac gen. celca — cela {= pcela), prijateljstvo — pri- 
Jateljj nedjeljak gen. -djüjka — nedjelja. 

Sarajevac gen. -j^vca — Sarajevo, Smederevac gen. 
Smederevca — Smederevo. 

327. 3. Vokal a = a. 

jabdnac gen. jabänca — jahäna, pijdnac gen. pijdnca — 
pljan, pijdnstvo^ pogdyiac gen. pogdnca^ pogdncina pogdnstina 
— pögan. 

hobdrac gen. bobdrca — böbara, stdrac sidrca alter Wein- 
berg (vgl. stärac stärca Greis), nevaljdlstvo nevaljdstina — 
neväljao fem. neväljala. 

Dmidvac gen. Dundvca — Dünav Dünavo^ prdvac gen. 
prdvca — präv. 

328. 4. Vokal i. 

dobrocinac gen. -cinca (und dobrdcinac gen. dobrdcmca), 
zlocinac gen. -cinca, dobrocinstvo zlocinsivo — cmiti, Jago- 
dinac gen. -dinca — Jägodina, zivince — zivina. 

Jerusallmac gen. -limca — Jerusalim. 

siljak gen. siljka — silo. 

329. 5. Vokal u. 

kostünjak gen. kostünjka — köstiinj, paünce — päun^ 
kosüljac gen. kosuljca — kösulja. 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 14 



210 Betonung und Silbenquantität. [§329.330. 

6. Vokal a = ^, h. 

Bosdnac gen. Bosdnca — Bösna (= Boshua), sdvac 
(== shvhch) gen. sdvca. 

7. Vokal r: hrvno — gen. pl. brvänä. 

tiSO, C. Die Dehnung ist, obwohl die rein 
lautlichen Bedingungen vorhanden sind, unter- 
blieben. 

1. Sie unterbleibt vor gewissen Formantien: 
Vor -ski (aus -hslc^, bestimmte Form -hskyjh). Die 
Neigung, vor diesem Formans die mit ii usw. + Konso- 
nant schließenden Silben ungedehnt zu haben, geht so 
weit, daß selbst, wo das Grundwort an der betreffenden 
Stelle eine lange Silbe hat, diese oft verkürzt wird, z. B. 
gunjski — günj gen. günja, jäblansld — jäblän^ jenjicarski — 
jenjicär, mädzarski — mäcUär, mlsarski — Mlsär, namästirski 

— nämastir, negötinskt (und negotinski) Negotin, ömoljski (und 
bmöljski) — Omölje, önomlanjski x>reklanjski — bnomläni pre- 
kläni^ pekarski — pekär, preködrinski — Drlna^ pijaöarski — 
ptjacär, sremski (und srijemskt) — Srem Srljem, rätarski — 
rätär, stränski önostranski övostranski — strdna, slcarski — 
slcär, svtnjski — svinja, zemünski — Zemün. Es kommen 
jedoch auch Fälle von Dehnung vor, z.B. jesenski — jeseji 
jesena^ jövänski — Jdvan, päströvski — Pästroviöiy pomdrävski 

— Mdrava, tövärski — /ömr, istinski — htina^ plänmski — 
plänina, smjski — Sinj, senjski — Senj, cärski — cär. Mehr- 
mals sind Doppelformen verzeichnet, vgl. außer den oben 
angeführten noch dünävski und dwiavski — Dünav Dünavo, 
erdeljski und erdeljski — Erdelj\ primörski und prhnorski 

— primörje, resävski und resavski — Besava, sibinjski und 
slbinjskt — Sibinj, lätmski (so gewöhnlich, auch Ak. Wb.) 
lätinski Vuk — latinin. Regelmäßig erscheint Dehnung nur 
bei der Verbindung Vokal -)-y, z. B. ndijski — ndija, sen- 
tändnjski — Ändrija, späijski — späija, Uägäjski — Blägäj 
gen. Blägaja, Kaväjski — Käväj gen. Kävaja, räjski — raj 
räja, svöjski — svöj fem. svöja. In Vuks Wörterbuch sind 
reichlich 220 Beispiele solcher Adjektiva verzeichnet, da- 



§330.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 211 

von nur der neunte Teil mit Dehnung vor den betreffenden 
Lautverbindungen . 

Beispiele von Beibehaltung einer Kürze des Grund- 
worts, wie sie bei jeder Art Betonung des Wortes vor- 
kommen kann: däkonsJci — ctäkon; cmdgorsJci, kösovski; 
prlzrenskl — Prlzren, zhiski — zena^ jelenski — jelen, do- 
njözemski — zemlja, herherski — herber^ jezerski — jezero, 
selski — selo, vrdcevski, ciganski — ciganin^ pöganski — 
pögan, rämski — Räm, bügarski — Bügar, skädarski — Skädar, 
grhaljsJd — Grbalj, fämnavski — Tämnava; brätinski — 
brätin, cetinski — Cetma, cetinjski: — Geti7ije, Jiedimski — 
heöim, dlvski — dlv; käurski — käurin, rumski — Ruma^ 
pödrumski — pbdrum\ krmski, östrvski — östrvo. 

Vor Formans -cäd bleiben die Silben ausnahmslos 
ungedehnt ; wo das Grundwort Länge hat, tritt Verkürzung 
ein, z. B. kümcäd — kilm, pastircäd — pästir, cincarcäd — 
clncär, bügarcäd — Bugar^ cöbancäd — cöban, lätincäd — 
lätinin, vgl. lätitiski und lätinski lätmce, mömcäd — mömäky 
päuncäd — päun, sömcäd — söm. 

Vor Formans -cid fast durchgängig ebenso, z. B. 
Iväncic — Ivan, järciö — jarac järca, jüncic — jünac, ka- 
mencic — kämen gen. kamena, nazhncic — näzimac gen. 
nazimca, stdrciö — stärac gen. stärca, oböjcic — bbojak gen. 
oböjka, priglävciö — prlglavak gen. prlglävka. Nur ver- 
einzelt kommt Länge vor, so lönciö — lonac lonca, növciö 
— növac növca, könciö — könac konca, tövärcic — tövärce^ 
cävciö vgl. cävka, offenbar durch Anschluß an die Längen 
der Grundwörter. 

Vor dem possessiven Doppelformans -ovljev ebenso, 
z. B. drozgbvlji — drözak drözga, kosövlji — kös^ muzevlji — 
muzev müz, sinbvlji — sinov sm\ auch vor -Ijev^ wenn 
dies an Substantiva anf -öv -ova tritt, z. B. bjelövljev — 
bjelöv bjelova, gar ovljev — gäröv gärom, bir ovljev — biröv 
birova. 

Vor Formans -Ijiv, z. B. crvljiv — cPv, dlmljiv — dm, 
gnjevljiv — gujev^ gusärljiv — güsär, nemärljiv — nemär^ 
zdzorljiv; eine Ausnahme macht ösörljiv. 

14* 



212 Betonung und SilbenquantitJlt. [§ 330. 331. 

Vor Formans -cätj -clt : gölcät, növcät növcit^ pravcät^ 
püncät pünclt, zdravdt. 

Eine Betrachtung anderer Formantien nach dieser 
Richtung ergibt kein sicheres Resultat, da entweder keine 
oder zu wenig Beispiele mit den in Betracht kommenden 
Lautverbindungen vorliegen. 

331. 2. Etwaiges Unterbleiben der Dehnung 
aus Ursachen der Betonung. 

Die Beispiele auf -cäd zeigen, daß dort bei jeder Art 
Betonung die Dehnung unterbleibt, z. B. kumcäd bügarcäd 
lätincäd^ daß also das Unterbleiben von der Formation 
des Wortes abhängt. Ferner ist aus den Ausführungen 
§ 3 15 fg. ersichtlich, daß Dehnung sowohl in und nach 
altem Hauptton wie vor ihm eingetreten ist. Dennoch 
kann man aus gewissen Vorkommnissen entnehmen, daß 
eine, freilich in der überlieferten Sprache vielfach ver- 
dunkelte Beziehung der Dehnung zu der Lage des Haupt- 
tons besteht, und zwar derart, daß bei Stellung der be- 
treffenden Silbe vor altem Hauptton die Dehnung sehr 
oft vermieden wird. 

Das Formans -ina erfordert vor sich Kürzen (s. §276); 
Dehnung der Silben mit w, m usw. -{- Konsonant tritt ein, 
wenn sie unter oder nach altem Hauptton stehen^ unter- 
bleibt, wenn vor ihm, z. B. ödlömcina — ödlomdk gen. öd- 
lömka^ läkömcina — lakomac gen. lakömca, säljwcina — 
säljivac gen. säljivca-, dagegen opäncina — dpanah gen. 
öpänka, pokrövcma — pökrovac gen. pökrövca^ njemcina — 
nijemac gen. nijemca. — Vgl. ferner bei Formans -ak, = 
-^kh, -hk^^ zhöjak gen. zböjka^ sänak gen. sänka^ smak gen. 
smka, zglavak gen. zglävka^ mit hbjak gen. hbjka, cänak gen. 
cänka, mbmak gen. mömha, lövdk gen. lövka. — Bei Formans 
-ski vgl. hüdimshi und hudlmskiy hünärsM und hunärski, dü- 
nävski und dunävskiy srljemsM und sremski, zemünski und 
zemümki. — Bei Formans -ba unterbleibt die Dehnung, 
wenn der alte Hauptton auf dem Ende lag, so borba, 
dvbjba, dvörbtty körba^ terba, hhnba, klnjba^ pärba {= phrbba), 
zenba\ dagegen svöjdba. Das eine kdrba (neben körba) stimmt 



§ 331 — 334.] Beßtimmuug der Betonung und Quantität. 213 

nicht, durch Anschluß an Mmti. Vgl. zu diesem Abschnitt 
Untersuchungen I, S. 101, 115, 118, 130, 134, 138, 139, 
145, 156, 157, 164, 168, 205. 

33!^. 3. In einer gewissen, aber im Verhältnis ge- 
ringen Anzahl von Fällen unterbleibt die Dehnung, ohne 
daß eine Ursache im Formans oder in der Betonung zu 
finden ist; z. B. lövni (aber nelövni), nevoljnik neben yievoljan 
fem. nevöljna, hlserm — hisery pjevak gen. pjevlca, Särajevce 
Särajevka — Sarajevo (vgl. dazu Sarajevac), sUan sllna, säjdk 
gen. säjka, tändk fem. tanka u.a.; im ganzen habe ich 
bei Vuk ca. 100 derartige Beispiele gezählt, gegen die Ge- 
samtheit der oben behandelten eine ganz geringe Minder- 
zahl; zum Teil sind auch die Angaben schwankend, z. B. 
(jrömovni und grömövni^ düliovmk (Vuk), aber gesprochen 
wird auch dühövnik (in Ragusa duhövmk), knjiievntk (Vuk), 
gesprochen auch knjlzevnik (vgl. knjUevan). 

VI. Über dialektische Betonung im 
stokavischen Mundartengebiet. 

333. Vgl. dazu M. Resetar, Die serbokroat. Betonung süd- 
westlicher Mundarten (8chriften der Balkankommission, ling. Abt. 

1, Wien 1900); dazu Anzeige von Öachmatov in Izv. VI, 1; 339. — 
A. Belic, Dialektologiceskaja karta serbskago jazyka (Sbornik po 
Slavjanovedeniju II, St. P. 1905). — Hesetar, Der stokavische Dia- 
lekt (Schriften der Balkankommission, ling.Abt. VIII, Wien 1907); 
Anzeige von Belic im Rocznik slav. I (1908), 184. — Belic, 
srpskim ili hrvatskim dijalektima (Glas srpske ak. LXXVIII, 

2. razr., Belgrad 1908); hier werden auch die Schriften über Lokal- 
mundarten angegeben, ich verweise darauf, da hier nicht jede 
Abhandlung, in der Abschnitte über mundartliche Betonung vor- 
kommen, genannt werden kann. — Resetar, Zur Frage über die 
Gruppierung der serbokr. Dialekte, ASlPh. 30 (1909), 597. — 
Belic unter gleichem Titel in bezug auf Resetars oben angeführte 
Abhandlung, Roczn. slav. III, 283. — Jvsiö, Prilog za alavenyki 
akcenat, Rad 187 (1911), 133. 

334. Es ist schon oben (§ 212) bemerkt worden, 
daß nicht alle stokavischen Mundarten in der Betonung 
auf der Stufe der von Vuk festgelegten herzegovinischen 
stehen. Abweichungen von diesem Typus bestehen teils 



214 Betonung und Silbenquantität. [§334—336. 

in bestimmten mehr oder minder genau abgrenzbaren 
stovakischen Mundartengruppen, teils zerstreut innerhalb 
des Gesamtgebiets der neueren (Vukschen) Betonungs- 
weise. Dabei kommen selbst auf kleineren Gebieten Über- 
gänge, Durchkreuzung und Nebeneinander verschiedener 
Entwicklungsstufen vor, und es wäre unmöglich, ohne 
eine ganz ins Einzelne gehende Darstellung, die hier aus- 
geschlossen ist^ eine Anschauung zu geben auch nur von 
dem durch neuere Forschungen einigermaßen sicher Fest- 
gestellten. Für manche Lokalmundarten liegt überhaupt 
kein genügendes Material vor und die Aufstellungen ver- 
schiedener Forscher weichen zuweilen voneinander ab. Ich 
muß mich daher hier beschränken auf einige allgemeine 
Angaben, die vielleicht für die Geschichte der Betonungs- 
typen in Betracht kommen, und auf einige Beispiele, im 
übrigen auf die genannten Schriften verweisen. 

335. Die Besonderheiten gegenüber dem 
Vukschen Typus (dabei ist abgesehen von den Prizren- 
Timok-Mundarten, die übrigens die alte Betonung erhalten 
haben). 

1. Die alte Haupttonstelle ist in allen Fällen 
bewahrt. Das kommt in weit voneinander abliegenden 
Teilen des Sprachgebietes vor, so ganz im Süden, im süd- 
lichen und östlichen Montenegro, im Gebiet der Kuci, 
Piperi, Bratonozici, Vasojevici, um die Bocche di Cattaro 
südlich von Perasto, z. B. zena, zimä, sivinä, ;pletem pletes, 
zlvim Zivis, hopäm, Beispiele aus Prcanj (Perzagno). Ferner 
im Norden an der linken Seite des unteren Unatals von 
Kostajnica an und in dem sich anschließenden linken 
Savagebiet bis Zupanje an der Sava, z. B. fäla, rükä, 
närödj Ijüdi, drziy die Beispiele aus Resetar, Serbokr. Bet. 

336. 2. Alter Hauptton bleibt unverändert 
auf langer Silbe. Dieser Typus läßt sich in zwei 
Untertypen zerlegen: 

A. Alter Hauptton auf langer Silbe wird bewahrt, 
z. B. neprävda, vode; alter Hauptton auf kurzer 
offener (ungedeckter) Endsilbe wird zurück- 



§336.337.] Bestiaimunc;: der Betonung und Quantität. 215 

gezogen. Trifft der neue Hauptton eine Länge, so hat 
diese steigende Intonation, daher z. B. svila aus svila 
(lokal dafür auch fallende Intonation svtla); trifft er eine 
Kürze, hat diese in der Regel fallende Intonation, sesfra aus 
sestra (seltener steigend sestra), Alter Hauptton bleibt er- 
halten auf kurzer innerer Silbe und gedeckter Auslautssilbe, 
z. B. lopata, jezlk. Dieser Typus ist nach Resetar eben- 
falls in getrennten Teilen des Sprachgebiets zu finden: im 
Süden, in Montenegro, bei den Ozrinici, Zagaröani, Ko- 
mani^ zum Teil auch bei anderen^ Bjelopavlici, Vasojevici, 
wo er gemischt mit dem T^'pus 1 erscheint. Aber auch 
im Norden in demselben Gebiet (Unatal), das unter 1. 
genannt wurde. 

B. Alter Hauptton bleibt auf langer Silbe 
bewahrt, wird von kurzen Silben jeder Art 
{offener und geschlossener Endsilbe, innerer 
Silbe) zurückgezogen. Fällt der neue Hauptton auf 
«ine Länge, so ist diese steigend ('), fällt er auf eine Kürze, 
so kann diese sein: 

a) steigend intoniert; so nach Resetar in Teilen Bos- 
niens, der Herzegovina und des Bezirks Ragusa, z. B. 
(aus Maglaj) juriäk^ Jcoväc, gen. vode, izmisljivä, zapise, vodöm, 
dagegen svila, ie«a, sestra^ pöiok. 

b) Die Kürze ist nicht wie bei Vuk steigend ('), 
sondern fallend C') intoniert. Dieser Typus herrscht in 
den Kosovo-Resava-Mundarten, z. B. neprävda, oränje, iene 
gen., zove 3. sg. ; aber zima, rüka (aus ztinä, rükä)\ daska, 
zena, nöga (aus daskä, zenä, noga), pöiok aus ^JofoÄ;, die 
Beispiele aus Belic. 

337. Das Gemeinsame der Typen 1 und 2 ist die 
Bewahrung des alten Haupttons auf langer, die Zurück- 
ziehung von kurzer Silbe, wenn diese auch nicht in ganz 
gleicher Weise. Es fragt sich nun, ob man aus den jetzt 
tatsächlich vorhandenen Typen eine ihnen entsprechende 
geschichtliche Entwicklung bis zum Abschluß der Bewegung 
in der herzegovinisch-vukschen Betonungsweise ableiten 
kann. Resetar (Bet. südw. M. 12) ist dieser Ansicht; er 



216 Betonung und Silbenquantität. [§ 837. 338. 

nimmt an, daß der alte Hauptton zuerst zurückgezogen 
wurde von kurzen offenen Endsilben (s. o. 2A,§336); dann 
von kurzen inneren und von gedeckten auslautenden Silben 
(s. o. 2B), zuletzt von langen Silben (Vuksche Betonung). 
Demnach an Beispielen gezeigt: erste Stufe svila sestra 
(sestra) aus svtlä sestra^ bestehen bleibend lopäta, näröd^ 
neprävda vode; zweite Stufe svila sestra (sestra) wie in 
der ersten, weitere Entwicklung löpata (löpata), pötoJc 
(pötok), ndrod aus lopata potök, närod; dritte (letzte) 
Stufe svila sestra löpata mrod pötok, und neu hinzu- 
kommend neprävda vode. 

338. Zunächst wird man annehmen, daß in den 
Mundarten, die einen auf kurze Silbe zurückgezogenen 
Hauptton fallend intonieren, diese Intonation erst aus- 
älterer steigender umgesetzt ist, wie es sicher der Fall ist^ 
wo dialektisch eine durch Zurückziehung des Haupttons 
neu betonte Länge fallend intoniert wird, z. B. svila für 
svila aus svilä. Der Unterschied z wische q fallender und 
steigender Kürze ist gering im Vergleich zu dem zwischen 
fallender und steigender Länge, kann daher leicht zu- 
gunsten fallender Intonation verloren gehen. Mir scheint 
Resetars Hypothese soweit völlig annehmbar, daß die Zu- 
rückziehung des alten Haupttons die langen Silben zuletzt 
betroffen hat. Die auch von ihm hervorgehobene Schwierig- 
keit besteht darin, daß man nicht erkennt, warum die 
Zurückziehung bei kurzer ofifener Endsilbe früher statt- 
gefunden haben soll als bei innerer oder gedeckter aus- 
lautender Kürze. Vielleicht löst sich der Widerspruch so,. 
daß es sich bei der angenommenen ersten Stufe nicht 
eigentlich um Zurückziehung handelt, sondern um schwe- 
bende Betonung, also svilä sestra. Ich glaube früher be~ 
obachtet zu haben, daß vor ungedeckten Auslautssilben 
mit altem Hauptton die unmittelbar vorangehenden einen 
besonders starken Nebenton haben, stärker als vor anders 
gearteten altbetonten Kürzen; vgl. dazu die Bemerkung 
Resetars aO. S. 22 über die montenegrinische Mundart 
der Piperi, «die auch in offener auslautender Silbe den 



§ 338 — 340.J Bestimmung der Betonung und Quantität. 217 

alten Akzent erhalten, insofern sie ihn nicht wie die erste 
Gruppe» (d. h. die svila betonende) «ersetzen, wo man 
also neben svJJä auch svila, bzw. die Doppelbetonung svilä 
hören kann». Ist meine Beobachtung richtig, so kann 
man die Ansetzung der ersten Stufe ganz entbehren, denn 
sie ist eigentlich noch die alte Betonung, und die Be- 
wegung der Betonung hätte sich dann so vollzogen: 1. Zu- 
rückziehung des alten Haupttons von allen Kürzen; 2. Zu- 
rückziehung auch von langen Silben. Zu dem gleichen 
Resultat kommt im wesentlichen auch Belic (Roczn. slav. 
III, 299), nur daß er die Zurückziehung des alten Haupt- 
tons auf eine Kürze, wenn der neue Hauptton fallend C) 
ist, als unmittelbar so gestaltet ansetzt. Dabei braucht 
man nicht zu zweifeln an der Richtigkeit von Resetars 
Beobachtung, daß es Mundarten gibt, die svila sestra neben 
lopata näröd betonen (seine erste Stufe); der starke Neben- 
ton in svilä sestra hat dann eben den alten Hauptton 
überwunden, aber man ist nicht genötigt, diese Erscheinung 
als eine Vorstufe zu der Vukschen Betonungsweise anzu- 
setzen. 

Zur cakavischen Betonung. 

339. Ant. Mazuranic, Slovnica hrvatska. 4. Aufl. Agram 
1859 (diese Aufl. hat viele Druckfehler). — D. Nemanic, Caka- 
viech-kroatische Dialektstudien. I. Akzentlehre (enthält Nomina, 
Pronomina, Adjektiva, Zahhvorte, Partikeln; das V^erbum fehlt). 
Sitzungsber. der Wien. Ak. phil.-hist. Kl. Bde. CIV, CV, CVIII; 
vgl. dazu Jagic, ASlPh. 1, 490. — Belic, Zametki po cakavskim 
govoram (wesentlich die Mundart von Novi im kroat. Küstenland 
darstellend), Izv. XIV (1909), H. 2. 

340. Da die steigende Intonation der heutigen 
Haupttonsilben des Stokavischen (' ') durch die Versetzung 
des alten Haupttons auf die vorangehende Silbe bedingt 
ist, können die cakavischen Mundarten, die diese Art 
der Zurückziehung nicht kennen, auch keine der stoka- 
vischen unmittelbar gleichzusetzende steigende Intonation 
haben. In der Tat fehlt ihnen ' völlig imd muß fehlen, 
weil wie im Stokavischen ursprünglich fallende und 



218 Betonung und Silbenquantität, [§340.341. 

ursprünglich steigende Intonation kurzer Silben in 
fallende zusammengefallen sind. Dagegen ist sie vorhanden 
auf langer Silbe ('). Vgl. Resetar, Alter steigender Akzent 
im Serbischen, ASlPh. 17, 192, dazu s. 19, 568; Sachmatov, 
Izv. 6. 1, S. 339fg. ; Belic, cakavskome ', Jagic-Fest- 
schrift, S.449. Das Problem ist, wie die steigende Into- 
nation des Cakavischen zu deuten sei. 

341. Die bisherigen Aufzeichnungen cakavischer 
Mundarten bieten kein vollständiges Material; die meisten 
leiden auch daran, daß die Intonationen nicht sicher be- 
stimmt sind. Daher ist es nicht möglich, über das ge- 
nannte Problem zu einem abschließenden Urteil zu kommen. 
Ich beschränke mich deswegen darauf^ an der Hand des 
von Belic (Zam. po cak. gov.), der die Akzente " ' " ge- 
nau unterscheidet, beigebrachten Materials aufzustellen, 
was mir sicher oder wahrscheinlich scheint. Auch werde 
ich nicht jeden einzelnen Fall behandeln^ sondern mich 
an die reihenweise vorhandenen gleichartigen Fälle halten. 
Es ist dabei zweckmäßig, die fiexivischen Endsilben von 
den anders gearteten Wortsilben zu trennen. 

A. Nichtflexionssilben. 

Ihre steigende Intonation beruht auf verschiedenen 
Vorgängen: Kontraktion zweier Silben, deren zweite den 
Hauptton trug; Dehnung einer alten steigenden Kürze; 
alte (nicht mit der stokavischen zusammenhängende) Zu- 
rückziehung des ursprünglichen Hochtons auf eine voran- 
gehende Silbe. Im einzelnen: 

I. Steigende Intonation findet statt, wenn 
zwei Silben, deren zweite den Hauptton " hat, 
zusammengezogen werden^ z. B. bat = bojät, bdli = 
hojali, vdtok = va ötok-, smü se = smejat se, dväjset = 
dvaeset (stok. dväest). Die Sache ist selbstverständlich und 
wird bestätigt durch den umgekehrten Fall : hat die erste 
der beiden Silben den Hauptton, so hat die kontrahierte 
fallende Intonation, z. B. vet = vejat^ jedanäjst = jedanäest, 
päs = pöjäSj vako = vä-oho, kopämo vgl. r. Icopajem, umm 



§341 — 343. J Bestimmung der Betonuno; und Quantität. 219 

umfs aus umejq umejesb usw., vgl. dazu die bestimmte 
Flexion der Adjektiva, z. B. novi iwvöga fem. novä usw. 

342. II. Wenn eine ursprünglich lange Silbe durch 
alte steigende Intonation verkürzt ist, also einst zur stei- 
genden Kürze wurde, so ist diese, wie § 340 bemerkt, durch 
fallende ersetzt worden, also z. B. gen. hrata (nom. hrat) 
nicht verschieden von höga (alte fallende Kürze, nom. hög) 
und auch nicht von höh (alte steigende Kürze '^'•hÖb^ gen. 
hoho). Der Unterschied tritt aber wieder hervor, wenn im 
Cakavischen die Kürzen durch irgendwelche Lautverhält- 
nisse gedehnt werden, dann wird alte steigende Kürze 
wieder zu steigender Länge, alte fallende Kürze zu fal- 
lender Länge^ z. B. zu gen. honja nom. konj statt '''könj 
(stok. konj), zu gen. höga nom. Mg (wie stok.), zu nom. 
starac gen. stdrca (stok. sfärca). 

343. Solche Dehnung kurzer Silben geschieht 1. in 
Endsilben vor auslautendem j, n n, l l\ m, r (nicht vor 
-y), daher z.B. kräj gen. kräja, hl'in gen. kl'lna, clim gen. dlma, 
sir gen. sira, cdr gen. cura^ mil fem. mila, piin fem. ]j^^na 
(stok. kräj, Dehnung wegen ;/, kVin^ ahn, sir, cär, mto, pun), 
odahnül fem. odalmula, kopäliQvn. kopäla, zelel fem. zelela usw. 
— moj (stok. möj) fem. moja, instr. sg. krovon (zu kröv 
krovä), debel fem. debela (stok. deheo dehela), zeUn fem. ze- 
lena (st. zelen zeUna), prisdl fem. prislä, 1. sg. präs. pecen 
2. peceSy Part, j^ec'en fem. 2^ßcenä. — j^^H^ (^t- perje), go- 
voreni (st. govdrenje), primörji (st. prhndrje). 

2. In Nichtendsilben, vor den Verbindungen j, l, 
r, m, n -\- folgendem Konsonanten und vor Kons. + ?= 
altem -hj- (wie stok.), z. B. strina (st. strma) = *strijna, 
divojka (st. djevöjka) aus '•''devojka, palac gen. pdlca, hisernica, 
hdrka (st. burka), Briblrac gen. Bribirca, naramak gen. 7m- 
rdnka (st. näramak narämka)^ kl'lnac gen. kl'inca (st. klinca). 
Hierher gehören auch die Imperative wie ]){] pijte {pi, 
pife), küj küjte, kopdj kopdjte statt '•''pli, '"^küj, *kopäj, zu den 
Kürzen vor den Personalendungen vgl. j;ä/i pCdlte, pisl 
pls'tfe. 



220 Betonung und Silbenquantität. [§343—345. 

In diesen Fällen (II. 1, 2) hat das Cakavische inso- 
fern alte Verhältnisse bewahrt, als eine ältere steigende 
Kürze zugrunde liegt. 

344, Vermutungsweise rechne ich zu diesem Ab- 
schnitt II auch die steigende Intonation der vorletzten 
Silbe von Nominativen plur. neutr. Nach der Angabe von 
Belic, Zam.41, hat bei einer größeren Anzahl meist zwei- 
silbiger Neutra das Cakavische den alten Wechsel des 
Haupttons zwischen end betontem Singular und wurzel- 
betontem Plural in manchen Fällen bewahrt, z. B. celö 
cela, perö pera, selb sela^ veslö vesla (vgl. dazu das Russ. 
und Stokav.). Ist die Wurzelsilbe kurz, so kann man in 
ihrem Akzent '' an sich nicht unterscheiden, ob die In- 
tonation steigend oder fallend war; daß sie aber ehemals 
steigend war, zeigt die stokav. Verbindung mit Präpo- 
sitionen, z. B. po selima, ü rehra, s. ASlPh. 21, 395 und 
§ 304, 2 b. Ist dagegen die Wurzelsilbe lang, so hat sie 
im Cak. steigende Intonation deutlich^ z. B. krilö h'ila, 
lice lica, plsmö pisma, vino vina ; propelö 2)yopda. Zunächst 
möchte man annehmen, daß das Cak., da es die alte 
Haupttonstelle hat (vgl. r. lico pl. llca), auch alte steigende 
Intonation auf der Länge unmittelbar bewahrt habe, allein 
dem widerspricht der Grundsatz, daß steigende Intonation 
alte Längen verkürzt ; ich nehme daher an^ daß einmal auch 
*/ica vorhanden war und die Länge im heutigen Plural 
auf Ausgleichung mit dem Singular beruht; die Intonation 
mußte steigend bleiben, da sie in 'Hica steigend war. 

345. HL Die steigende Intonation beruht auf alter 
Zurückziehung des Haupttons von einer einst haupttonigen 
Endsilbe auf eine vorangehende lange Silbe. 

1. Im Auslaut ist ein ehemals betontes ^, h ge- 
schwunden. Dahin gehört: 

a) der bekannte Fall, daß der Nom. sg. von Sub- 
stantiven mit Endbetonung der Kasus auf seiner nunmehr 
Endsilbe gewordenen, einst vorletzten Silbe steigend betont 
wird, z. B. gen. südä nom. süd = sädh (stok. süda süd), 



§845 — 347.] Bestimtnung der Betonung und Quantität. 221 

gen. grihä nom. grih (st. grijeha grelm^ grtjeh greh), gen. 
gospodärä nom. gospoddr (st. gopoddra gospödär), gen. junäkä 
nom. junäk (st. junäka jmak). 

340. b) In gewisser Ausdehnung ist hierher auch 
zu rechnen die Betonung des cak. endungslosen 
nominalen Gen. plur., dessen letzte, einst vorletzte Silbe 
stets gedehnt ist, z. B. zena : zen, hrädä : hrdd. Es muß 
aber hier eine andere Erscheinung herangezogen werden, 
die sich nicht auf den Gen. plur. beschränkt. Im Sto- 
kavischen ist zu beobachten, daß alter Hauptton auf 
einer fallend intonierten inneren oder Endsilbe 
nicht bleiben kann, sondern entweder zurück- 
gezogen oder auf eine Endsilbe verlegt ist, eine 
Verschiebung, die nichts zu tun hat mit der späteren all- 
gemeinen stokavischen Haupttonverlegung, sondern älter 
ist. Es fragt sich, ob das auch für das Cakavische gilt. 
Zieht man zunächst die inneren Wortsilben in Betracht, 
so erkennt man, daß die Verrückung des ursprünglichen 
Haupttons hier nur stattfindet, wenn die vorangehende 
Silbe lang ist, unterbleibt, wenn sie kurz ist. Das möge 
zunächst erläutert werden an einem Fall, wo über fallende 
Intonation kein Zweifel sein kann : vorangehende Silbe 
kurz: cak. zu kopat die 1. pl. kopämo 2. kopäte (1. sg. 
kopäm 2. ko2)äs usf.), aus '-^opajemo (s. § 341), dagegen 
^tok, köpati : kopämo köjyäte {kopäm usw.); dieser Betonungs- 
typus des Stokavischen fehlt dem Cak. ganz (wie auch 
der stok. Typus vjencäm vjencäs, vjencdmo vjencäte); dem- 
gegenüber bei Länge der vorangehenden Silbe: pität l.pl. 
pitämOj 1. sg. pitäm, stok. pitati pitämo pitäte, obwohl die 
Betonung der Präsentia von kopati, pytaii ursprünglich 
gleich war, kopajq, pytajq (vgl. r. kopaju, j^ytgju). Derselbe 
Unterschied zeigt sich nun in einigen anderen Fällen 
(§§347-350): 

347. im Gen. plur. subst. Im Cakavischen 
haben die Substantiva, deren Flexion nicht endbetont ist, 
in der betonten Endsilbe des Gen. pl. fallende Intonation ; 



222 Betonung und Silbenquantität. [§ 347. 

der Hauptton bleibt unverändert bei vorangehender 
kurzer Silbe, im Stok. tritt er als '' auf diese, z. B. 
(jrajanln pl. grajäniigen. pl. grajän^ st. grädänä (doch hier 
auch gradanm); ohed g. obeda'.obed, st. öhjed dhjeda:dbjeda; 
drzalo : drzäl, st. dvzalo : driälä; koleno : holen, st. koljeno : 
köljenä; horlto : korit, st. körito : köritä; beseda : hesed, st. 
hesjeda : besjedä ; nedilja : nedllj, st. nedjelja : nedjeljä. Wenn 
im Cakavischen die gleiche Betonung des Gen. pl. bei 
Endbetonung der anderen Flexionsformen erscheint, findet 
ebenfalls fallende Intonation statt, z. B. konop konopä : ko- 
nöpy mrtväc mrtvaca : mrtväc, peteh petehä :peteh, Jirbät hrpta : 
hrbät, st. hrbat hrpta : hrbätä. Zu der fallenden Intonation 
des Gen. pl. sind dann noch zu vergleichen die einsilbigen 
Formen, z. B. bröd bröda : bröd st. brödä, das cäsa : cäs st. 
cäsäj kräva : kräv st. krävä, delo : del st. djelä^ seid pl. sela : 
sei {wndi sd) li. seid. Bei vorangehender langer Silbe 
liegt cakavisch wie stokavisch bei endbetontem Paradigma 
der Hauptton auf der vorletzten Silbe, cak. als steigend, 
stok. als fallend, man muß also (nach § 346) schließen^ daß 
diese Betonungsweise auf einer ehemaligen fallenden Into- 
nation der Endsilbe beruht, also z. B. zu svetac svecä, st. 
sväac sveca : gen. pl. "^svetäc, daraus cak. svetac^ stok. svetäc-ä, 
dobitäk dobitkä : dobitäk, stok. dobitak dobitka : ddbitäk-ä = 
*dobitäkä. Gegenüber dieser Darstellung bleibt eine Schwierig- 
keit: bei kurzer vorangehender Silbe schwankt im Cak. 
die Lage des Haupttons, wenn der Vokal der nächsten be- 
wegliches a (= "5, b) ist und das Wort Endbetonung der 
Flexionsformen hat, z.B. kosäc koscäikösäc und kosdc, otäc 
ocä : otäc und otdc, kotdl kotla : kötäl und kotdl; in den 
Anführungen bei Belic S. 33 meistens otäc usw., vgl. dazu 
stok. ötäcä neben otdcä. Um diesen Widerspruch zu lösen, 
muß eine andere Reihe von Gen. pl. herangezogen werden. 
Die Wörter alter Endbetonung der Flexion hatten auch 
im Genitiv plur. ursprünglich den Hauptton auf der 
Endung ^, ?>; wenn er bei Verlust dieser Vokale zurück- 
tritt, so entsteht derselbe Fall wie § 345, süd (= sqdi) sudä., 
daher z. B. ienä : sen für zem^ daskä : dasdk, ovcä : ovdCy 



§ 347. 348.1 Bestimmung der Betonung und Quantität. 223 

hrädä : hrdd, (lud dtiä : dchij tlö tlä : tdl, jezero pl. jezera : jez& 
aus der älteren Betonung des Plur. jezera st. jezera; otäc 
otcaioidc; wie pl. imendiimen, neho ^\. nebesd'.nebes. Wenn 
neben dem normalen otdc auch otäc erscheint, so ist das 
eine xVusgleichung mit den Fällen, wo die vorangehende 
Silbe lang ist, svääc. Es begegnet auch die umgekehrte 
Ausgleichung, z. B. zu jütro ist regelmäßig jütär (stok. jü- 
tärä), daneben jutdr nach Analogie altendbetonter Fälle. 
Im Stokavischen hätte ein altes ie«, das im Cak. erhalten 
ist, bei unveränderter Gestalt "^zen ergeben müssen, hier 
ist der Hauptton in Analogie der anderen Kasus nach An- 
fügung des -ä aufs Ende geworfen: zem, so daß die heutige 
steigende Intonation von ^miä beruht auf der späteren sto- 
kavischen Haupttonverschiebung und nicht identisch ist 
mit der cakavischen von ien. 

348. Das bestimmte Adjektiv hat im Caka- 
vischen, wenn die Wurzelsilbe kurz ist, keine ganz fest 
bestimmte Haupttonstelle, es kann Endbetonung und Nicht- 
endbetonung stattfinden, z. B. ölst fem. clsta : cisti cistä 
und cistt clstäj, mökär : mokri und rtiokri. Ist die Wurzel- 
silbe lang, so liegt der Hauptton auf ihr und zwar steigend 
intoniert, z. B. süli f. süM : suhl sühä. Die stokavische 
Betonung ist hier nach den Angaben Vuks fast durch- 
gehend süM, allein sie ist nicht allgemein, es heißt auch. 
suhl, d. h. alte Endbetonung mit Verkürzung der voran- 
gehenden Silbe. Vergleicht man diese stokav. Betonung 
mit der russischen, so zeigt sich, daß die Endbetonung 
in beiden Sprachen öfter übereinstimmt, daher alt ist. 
Dazu die folgende Liste: 



cak 




stok. 


russ. 


bläg 


blägl 


blägl 


blagöj 


bled 


bledi 


büjedi 


klr. blidifj 


cel 


cell 


cijeli 


ce'lyj 


dräg 


drdgi 


drägi 


dorogoj 


glüh 


gliihl 


glühi, gluhl 


gluchöj 


gnjU 


gnjili 


gnjUh gnjUl 


gniloj 



224 



Betonung und Silbenquantität. 



l§ 348. 



cak 


. 


stok. 


russ. 


güst 


güstl 


güstT, güstl 


gustöj 


hüd 


hüdi 


hüdl 


chidoj 


jäh 


jdki 


jäkl 




kriv 


krivi 


krwij krlvi 


krivöj , 


len 


Um 


lljeni 




lip 


lipi 


Rjepi 






livi 


lljevi 


levyj 


Ijüt 


Ijütl 


Ijüti, Ijütt 




mläd 


mlädi 


mlädi 


molodöj 


mm 


nimi 


mjemt 


nemöj 


pläv 


plävi 


plävi 


klr. polovyj 


püst 


püstl 


püsti 


pustöj 


rij 


riji 


ridi, ndf 


ryzij 


sed 


sedi 


sljedi 


sedöj 


siv 


sivi 


(sWy swi) 


sivyj 


slän 


sldm 


släm 




svet 


svefi 


sveti 


svatoj 


süh 


sülü 


suhl, süM 


suchöj 


tüp 


tüpi 


tüpi 


tupoj 


tust 


tüsti 


{tust, tusti) 


tölstyj 


vrüe 


vrüöi 


vrüci, vrüöi 




zlät 


zldtl 




zolotöj 


süt 


zutl 


zun 


Mtyj 


glädan 


glddm 


glädni,glädni 


golödnyj 


f. glädnä 








h'ätak 


krdtki 


krätki, krätki 


korotkij 


f. hrätkä 








plitak 


plitki 


plitki, plltki 




f. plitkä 









Nimmt man die angeführten 17 Beispiele der rus- 
sischen Endbetonung als Zeugnis, daß eine solche überall 
möglich war, so wird man die allgemeine cakavische, die 
häufigere stokav. Betonung auf der Wurzelsilbe als zurück- 
gezogenen Hauptton fassen gemäß der § 346 gegebenen 
Hegel, daß fallender Hauptton, wie er auf *glühi *glühöga 



§ 348 — 350.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 225 

bestand, auf die vorangehende Silbe versetzt werden muß. 
Ist das zutreffend, so ist die Länge der Wurzelsilbe im 
Cakavischen normal, denn da sie ursprünglich vor der 
alten Haupttonsilbe stand, konnte sie nicht verkürzt werden. 
Schwierigkeit macht aber die Kürze im Stokavischen : 
sühi = *sühi, man erwartet *5mM = *suhi, sie ist aber wohl 
erklärbar. Das Russische zeigt z. B. in golödnyj korötkij 
steigende Intonation. Da eine zwiefache Lage des Haupt- 
tons möglich war, würde bei solcher Wurzelbetonung serbo- 
kroatisch Verkürzung eintreten müssen, "^glädnz, "^kräfkt, bei 
Endbetonung mußte die Länge erhalten bleiben, '^glädm, 
hrätki, ebenso *sühi und *5wM. Die beiden Betonungs- und 
Quantitätstypen sind durcheinander geworfen, so daß an 
Stelle von *süM die Betonung von *sühi trat, aber mit Bei- 
behaltung der Länge, die stokavisch notwendig fallend sein 
muß ; umgekehrt trat an die Stelle von *5w/w die Betonung 
\'on ^süM, aber mit Beibehaltung der Kürze. 

349. Ganz deutlich ist die Zurückziehung alten 
Haupttons und die damit verbundene steigende Intonation 
der neubetonten Silbe bei Wörtern auf -ina durch den 
Vergleich mit dem Stokavischen und Russischen; so crnina 
st. crvwa, daljina st. daljina r. dalina, debeljina st. dehelma 
klr. debelyna, mokrina st. mokrlna r. mökrina, starina st. sta- 
rma r. starina usw. (s. Belic S. 45). Das i hatte alte 
steigende Intonation, vgl. z. B. tmina Finsternis, mußte 
also vor dem alten Hauptton stehend seine Länge bewahren, 
starina, daher die Länge des i im Cakavischen auch nach 
dem Wechsel der Haupttonstelle, im Stokavischen beruht 
die Kürze auf Ausgleichung, s. § 275, S. 170. 

350. Vom Verb um wurde der Fall ^ntäm usw. 
schon § 346 behandelt; es kommen aber noch andere Fälle 
der steigenden Betonung im Präsens vor. Unter den Verben 
von Kl. III und von V gibt es eine Anzahl, die Wechsel 
der Haupttonstelle hatten: 1. sg. endbetont, die übrigen 
Personen wurzelbetont, vgl. r. /?/sa^' : insn p'ises^ ^üatit : 
placu platis, moloiit' : molocu molotis. Der Unterschied ist 

Leskicu, Serbokroatische Grammatik. 15 



226 Betonnnp: und Silbenqnantität. [§350.351, 

im Serbokr. dadurch ausgeglichen, daß die 1. Person mit 
den folgenden in Übereinstimmung gebracht ist; die fol- 
genden Personen aber haben im Cakavischen steigenden 
Hauptton auf der ersten Silbe, z. B. plsät : (pisen) pises 
usf., pälU : {pdlin) 2^(^l^s, mlätU : {mlätin) mläils; im Sto- 
kavischen muß fallende Intonation dafür eintreten: (pi- 
sem) pUes, (plätim) plätis, (mlätlm) mlätU. Die ersten Per- 
sonen haben im Serbokr. einmal gelautet '^ptsu, "^pläd-u, 
^'mläcfj, hier ist die Länge, als vor der Haupttonsilbe ver- 
bleibend, normal. Nun zeigt aber das Russische, daß die 
haupttonigen ersten Silben der folgenden Personen stei- 
genden Ton haben, moloüs, vgl. noch gorosu gorodis, kolocu 
kolofiSy voloöu volocis, vorocu voroiis\ man erwartet danach 
im Serbokr. '""pises, '•'platis, ^mlatis^ und ich bin der An- 
sicht, daß die jetzt bestehende Länge beruht auf Aus- 
gleichung mit dem Infinitiv und anderen Formen, die 
vortonige Länge erhalten hatten. Die so eintretende Länge 
mußte aber als Vertreterin einer einstmals steigenden 
Kürze im Cakavischen steigende Intonation bewahren. Ist 
bei den Verben auf -iii der Wurzelvokal kurz, so besteht 
im Cakavischen nur ein Typus {nosim) wös^5 usw. zu nomt, 
(lövim) lövis zu lovit; vgl. dazu das r. nosu nosis, lovl'u lo'visy 
einst serbokr. nosu lovl'u. Die cak. Betonung nösts usw. 
ist kein Widerspruch gegen das Verhalten bei Verben mit 
langer Wurzelsilbe, denn nösis steht für '^•nösls mit ehe- 
maliger steigender Kürze. Das Stokavische hat der Ein- 
heitlichkeit des Cakavischen gegenüber zwei Typen: (ndsim) 
nösis und {lövim) Idvis, darüber s. beim Verbum (§ 884). 

351. B. Steigende Intonation auf Endsilben in der 
Flexion kommt im Cakavischen oft vor, mit wenig Aus- 
nahmen regelmäßig, und ich halte sie auch hier für eine 
Umsetzung ehemals fallender in steigende. Den Unter- 
schied der Quantität von gen. sg. düse und nom.-akk. pl. 
duse (e in beiden Fällen = e, urspr. Länge) kann ich nicht 
anders erklären, als daß beim Gen. die Intonation fallend 
war, daher Bewahrung der alten Länge cak. düse stok. 



§351.352.] Bestimmunj^ der Betonung und Quantität. 227 

düse, beim Akk. pl. steigend, daher Verkürzung, cak. und 
stok. düse. Ist das richtig, so ist also die steigende Into- 
nation des cak. (iw6fe aus ehemals fallender *düse entstanden. 
Das würde dann auch von anderen Endsilben gelten: instr. 
sg. fem. zenü-n {-n ist dem Mask. entnommen) aus '^zeng^ 
lok. pl. m. ntr. -Ih, krovih aus *krovech^•, 3. pl. präs. pekü 
aus *pekph; Präsens ddm das usw.^ jim jis usf. (stok. däm 
das, jem Ijem jes yes) und anderes gleichartige, s. die 
Flexionstabeilen bei Belic. Woher diese Umsetzung der 
Intonation in solchen Endsilben kommt, kann ich nicht 
erklären, die Tatsache scheint mir unzweifelhaft. 

353. Das Resultat der ganzen Betrachtung ist: der 
steigende Hauptton des Cakavischen (') ist alt, wo er die 
Dehnung einer alten steigenden Kürze ist; in allen anderen 
Fällen beruht er 1. auf Zurückziehung des Haupttons von 
seiner ursprünglichen Stelle auf die vorhergehende Silbe; 
diese muß steigend intoniert sein, weil sie als vortonig 
schon steigenden Silben ton hatte; 2. auf Umsetzung fal- 
lender in steigende Intonation auf Endsilben. Das Stoka- 
vische hatte, bevor die heutige stokavische Verschiebung 
der Haupttonstelle eintrat, alle alten steigend betonten 
Silben in fallende verwandelt und hat heute alte steigende 
Intonation überhaupt nicht mehr. 



16» 



(§ 353. 



Stammbildung der Nomina. 

353. In der Stamm- oder Wortbildungslehre der 
Grammatiken ist es üblich, alle mit gleichem Formans 
gebildeten Wörter zu einer Gruppe zu vereinigen, z. B. 
im Serbokroatischen alle Substantiva auf -ac (abg. -hab)^ 
dann die Unterabteilungen nach den Bedeutungen der 
fertigen Wörter zu machen, z. B. bei -ac zu unterscheiden 
handelnde Personen (Nomina agentis), Deminutiva u. a. 
Dies Verfahren hat den Vorteil, daß alle Wörter gleicher 
Form zusammenbleiben. Es wäre unbedingt einzuschlagen, 
wenn man die Grundbedeutung der Formantien, oder wenn 
nicht aller, doch vieler, angeben und aus ihr die Sonder- 
bedeutungen ableiten könnte. Das ist aber nicht der Fall. 
Man kann die Frage, was bedeutet z. B. das Formans 
-ac^ überhaupt nicht beantworten, sondern nur angeben, 
die und die Wörter auf -ac, die von Verben herkommen, 
bedeuten den Handelnden, die und die anderen, von Sub- 
stantiven abgeleiteten, eine kleinere Form des mit dem 
Grundwort bezeichneten Dinges. Das von dem Sprechenden 
lebendig Empfundene ist aber nicht ein durch grammatische 
Zergliederung abgelöstes Formans, sondern das fertige Wort 
in seinem Verhältnis zum Grundwort. Er wird schwerlich 
in seiner Vorstellung ein Nomen agentis wie küpac (Käufer, 
zu küpiti kaufen) mit einem Deminutiv wie hrätac Brüder- 
chen (zu brät) verbinden. Dagegen wird er Bildungen 
mit verschiedenen Formantien, wenn sie gleiche oder an- 
nähernd gleiche Bedeutungen haben, d.h. hier das gleiche 
Verhältnis zu den Grundworten ausdrücken, als zusammen- 
gehörig empfinden, z. B. die verschieden gebildeten Wörter 
für handelnde Personen, wie etwa hüpac (zu küpiti) und 



§353.] Stammbildung der Nomina. 229 

sviräc Flötenspieler (zu smrati; daneben auch svirac). Es 
erscheint daher dem Wesen einer lebenden Sprache an- 
gemessener, als Einteilungsgrund die Bedeutungsgruppen 
zu wählen, d. h. Gruppen abgeleiteter Wörter zu bilden 
nach gleichartigen Beziehungen der Ableitungen zu ihren 
Grund Worten, die Unterabteilungen nach den verschiedenen 
Formantien zu machen. Auch dies Verfahren hat seine 
Nachteile. Dasselbe Formans kommt so an mehreren, 
manchmal drei oder vier verschiedenen Stellen vor. Um 
diesem Übelstand abzuhelfen und die Zusammenstellung 
der mit gleichem Formans gebildeten Wörter zu ermög- 
lichen, ist am Schluß der Stammbildung ein alphabetisch 
geordnetes Verzeichnis der Formantien (in ihrer serbo- 
kroatischen Form) mit den nötigen Verweisungen angefügt. 
Empfindlicher ist die Schwierigkeit, die Bedeutungsklassen 
bestimmt festzustellen. Die Grenzen sind fließend. Im 
Altdeutschen bedeutet z. B. tregil tregel (zu tragen) Träger, 
d.h. einen Tragenden portator, ist ein persönliches Nomen 
agentis; das ganz gleich gebildete slegil Siegel (zu slahan) 
bezeichnet dagegen ein Werkzeug zum Schlagen; es ist 
aber klar, daß es nichts anderes heißt als «etwas Schla- 
gendes >, also ebenfalls ein Agens ist, nur daß seine Aktion 
vom Willen einer Person abhängig ist. Heute brauchen 
wir «Träger» als j^ortator und als zum Tragen benutztes 
Ding (eiserner Träger)^ haben aber auch im zweiten Fall 
die Empfindung, daß das Ding die Handlung des Tragens 
vollzieht. «Schlägel» wird auch heute nur von gewissen 
AVerkzeugen des Schiagens gebraucht, aber «Schläger» 
kann neben persönlicher Bedeutung auch bestimmte, zum 
Schlagen benutzte Dinge bezeichnen. Ebenso im Serbo- 
kroatischen: dübac Hohlmeißel (zu düpsti dühem aushöhlen) 
ist eigentlich nichts anderes als «der Aushöhler» (tatsäch- 
lich wird es in älterer Zeit in dem Sinne «Mensch, der 
aushöhlt» angeführt), wie küpac «der Käufer». Stellt man 
küpac • und dühac nach den heute bestimmt abgegrenzten 
Bedeutungen in zwei verschiedene Bedeutungsklassen, jenes 
unter die Nomina agentis, dieses unter die Nomina instru- 



230 Stammbildung der Nomina. [§ 853. 354. 

menti, so reißt man Bildungen ursprünglich gleichen Sinnes 
auseinander. Um das möglichst zu vermeiden, ist unten 
ein mittleres Verfahren angewendet: wenn sich aus dem 
Bestände gleichgebildeter Wörter eine Gruppe ausscheiden 
läßt, deren Gesamtbedeutung man nicht mit der anderer 
Gruppen aus diesem Bestände vereinigen kann, so ist eine 
solche Gruppe rein nach der Bedeutung in die Klasse 
anders gebildeter, aber gleichbedeutender Wörter eingereiht, 
also z. B. die Deminutiva auf -ac in die Bedeutungsklasse 
«Deminutiva». Steht dagegen eine solche Gruppe einer 
zweiten so nahe, daß sich die Bedeutungen leicht ver- 
mitteln lassen, so sind sie nicht getrennt, sondern unter 
einer Bedeutungsangabe zusammengesetzt, also die Wörter 
iiuf -ac, die Werkzeuge u. ä. bezeichnen, mit unter die 
Nomina agentis gestellt, und bei den Nomina instrumenti^ 
wo sie ebenfalls stehen könnten, auf ihren Standort ver- 
wiesen. 

354. Die folgende Behandlung der Wortbildung 
geht nicht darauf aus, alle Arten von etymologisierbaren 
Wörtern mitzunehmen. Absichtlich habe ich weggelassen 
Bildungen, bei denen zwar die sprachwissenschaftliche 
Analyse durch Vergleichung verwandter, altertümlicher ver- 
bliebener Sprachen feststellt, daß sie von irgendeinem 
Stamme mit einem bestimmten, mehr oder minder sicher 
abtrennbaren Formans abgeleitet sind, deren Formantia 
aber in der lebenden Sprache nicht mehr zu Wortbildungen 
verwendet werden, nicht mehr^ wie man sagt, lebendig 
sind. Es fehlen daher z. B. alte Maskulina auf -o-, -me?^-, 
-en-, alte Neutra auf -o-, -es-, -men-^ alte Feminina auf -y- 
(-Ü-) u. a. Die so gebildeten Wörter sind sozusagen Einzel- 
dinge, sie werden von den Sprechenden sehr oft gar nicht 
mehr zu anderen Wörtern der Sprache in Bedeutungs- 
beziehung oder in Ableitungsverhältnis gesetzt. Hie und 
da geschieht es allerdings, wie man z. B. ohne weiteres 
möc Kraft, Macht (--vires) aus *mog-th in der Vorstellung 
mit mööi mdgu (können) verbindet, oder släst Süßigkeit 
mit slädak süß. Aber als Bedeutungsgruppe mit festem 



■§354 — 356.] Stammbildung der Nomina. "^ol 

Verhältnis zu den Grundworten können die alten primären 
Bildungen auf -tb nicht empfunden werden, weil die Be- 
deutungen der formal dahin gehörigen Wörter sich nicht 
zu einer Gesamtvorstellung vereinigen lassen. Es bildet 
auch niemand mehr Wörter der Art, während bei ge- 
gebener Gelegenheit z. B. ein Deminutiv auf -ac sofort 
geschaffen werden kann. 

355. Eine gewisse Willkür ist bei der Entscheidung, 
welchen Wortteil man als Formans ansehen soll, unver- 
meidlich. Es ist z. B. vom Standpunkte einer rein ety- 
mologischen Analyse richtig, in Bildungen wie grebenälja 
Krämplerin (zu grebenati), döjilja Amme (zu döfiti säugen) 
als Formans abzutrennen -Ija. Fragt man aber, was wohl 
die Redenden als das Formierende empfinden, so sieht 
man an Wörtern wie pleülja Strickerin (zu plesti pleteni), 
daß diese mit -ilja, nicht mit -Ija gebildet sind, da hier 
kein Verbalstamm auf -i- vorhanden ist. Daher ist unten 
-älja, -ilja als Formans angegeben. 

Die nominalen Ableitungen von Pronomina und Zahl- 
wörtern s. unter diesen, die in das Verbalsystem ein- 
bezogenen nominalen Formen, wie Partizipien und Infinitiv, 
s. beim Verbum. 

Die größten Sammlungen zur skr. Stamm bildung sind die 
Werke von Danicic: Osnove örpskoga ili hrvatskoga jezika, Bel- 
^'rad 1876 (zitiert DO); Korijeni s rijeöima od nijh pobtalijem u 
hrv. ili Hrpskom jeziku, Agram 1877. 

A. Substantiva. 

»i50. I. Wörter, die den Handelnden bezeichnen, 
meistens eine Person; Nomina agentis. Es können auch 
Dinge als handelnd vorgestellt werden, dann geht die 
Bedeutung üljer in die eines Mittels oder Werkzeugs der 
Handlung. 

1. -a {-ja, der vorangehende Konsonant pala- 
talisiert), femininaler Form, aber fast durchweg 
männliche Personen bezeichnend, können indes auch 
von Frauen gebraucht werden (in Vuks Wörterbuch meist 



232 Stammbildung der Noraina. [§356—358: 

als Mask., zuweilen als Fem. bezeichnet, z. B. vojskövoda 
[zu vöjsko^ voditi] m., cetovoda f. [ceta], obwohl beides 
= «Heerführer»). Sehr selten außerhalb von Zusammen- 
setzungen: läia Lügner lägati, vbäa Führer voditi^ öfter, 
doch auch in beschränkter Anzahl, als zweites Glied von 
Zusammensetzungen: drvödjelja Zimmermann drvo Holz 
djeljafi Holz bearbeiten, glühoprda (Schimpfwort, qui leniter 
pedit) einer, der nicht hören will, gocöhija Trommelschläger 
göc bitij kolovoäa Reigen führer kolo voditi^ krvblija Blutver- 
gießer krv llti gießen, krvöpija Blutsauger vinbpija Wein- 
säufer krv vino piti trinken, mrkogleäa finster Blickender 
mrk gledati^ stetöcinja Schadenstifter steta clniti machen,. 
vjetrbgonja Windbeutel vjetar gbniti jagen, vodbnosa Wasser- 
träger, -rin glasbnosa Bote vbda glas (Nachricht) nbsiti, 

357. 2. -ac, abg. -hch^ daher bewegliches a^ 
z. B. tvörac Schöpfer = tvorhcb, gen. tvorca = tvorhca. 

A. Unmittelbar zu Verbalstämmen gehörig» 
von jeder Art solcher Stämme; deren letzter Vokal geht 
verloren, daher zu nbsiti tragen oibsac gen. nbsca Träger, 
zu prodävati verkaufen proddvac gen. prodävca Verkäufer» 
Häufige Bildungen. 

a) Personenbezeichnungen, eigentliche No- 
mina agentis (vereinzelt Tiere, wenn diese als handelnd 
erscheinen), z. B. hjegac Flüchtling bjegnuti, dbhodac (eig. 
Ankömmling) der ins Haus der Frau einheiratende dohb- 
diti, glümac Schauspieler glümiti (alt) gaukeln, kbsac Mäher 
kbsiti, läzac Lügner lägati, Ibvac Jäger Ibviti, pärac Kläger 
= abg. phrhch preti abg. phreti, pisac Schreiber pisati^ rbnac 
Taucher rbniti, südac Richter süditi, trgovac Kaufmann trgb- 
vati handeln, vdbac Lockvogel väbiti. Im zweiten Teil von 
Zusammensetzungen, z. B. hogbmoljac Beter hög mbliti, cu- 
dotvörac Wundertäter cüdo fvbriti, zlocinac Übeltäter zlö cl- 
niti, dusbgubac Seelen verderber düsa gübiti. 

358. b) Dinge, als Mittel der Handlung,, 
seltener; z. B. dübac Hohlmeißel düpsti dübein aushöhlen^ 
mdmac Köder mämiti locken, plbvac (Schwimmer) pl. plovci 



§358—361.] Stammbildung der Nomina. 233 

Flöße plöviti schwimmen und schwemmen, pbklopac Deckel 
2)oiklöpiti zudecken, sviiac Wachsstock (auch «Johannis- 
würmchen», beides = der Leuchtende) svUati. 

359. B. Nicht unmittelbar vom Verbalstamm, 
sondern vom Part. prät. akt. auf /, z. B. cüvalac 
Hüter cüväti cüvao f. cüvala^ dävalac Geber ddvati, dobivalac 
Gewinner dohivati, neinalac Habenichts n4mati, neväljalac 
Taugenichts neväljao nichtsnutzig ne väljati^ sfraddlac Lei- 
dender strddati, tkdlac Weber tkäti; hvälüac Prahler hväliti, 
krcilac Roder krciti roden, küpilac Leser (von Trauben u.a.) 
kupiti, mästilac Färber mästiti, nosilac Träger nösiti, prätüac 
Begleiter prätiti; pogörjelac Abgebrannter pogörjeti; vezilac 
Rebenbinder vezati binden (nach Muster der Bildungen 
auf -ilac von Verben auf -i-ti). Als zweiter Teil von Zu- 
sammensetzungen : krvopilac Blutsauger krv p\ti, starosjedilac 
Altsasse (neben sfarosjelac) stär sjediti sitzen, wohnen 
{sjesti sjedem sich setzen, sich niederlassen). 

Ganz selten in sachlicher Bedeutung, dülac Dudel- 
sackröhre (eig. Bläser) düti blasen Part, düo düla. 

360. C. Ableitungen auf -avac, eigentlich 
von Adjektiven auf -av (s. § 527), z. B. hükavac Rohr- 
dommel (eig. Brüller) bükati, g4gavac träger Gänger gegati 
se, lizavac Lecker lizati, püzavac Blauspecht (eig. Kletterer) 
püzati, skäkavac Heuschrecke (Springer) skdkati. 

361. 3. -äc- (= abg. -ach), eins der häufigsten 
Formantien zur Bildung von Nom. ag. Der Hauptton 
im Nom. sing, stets als ' auf der Silbe von -äc, in den 
obliquen Kasus als ' auf -äc-\ die Silben vor -äc sind kurz; 
z. B. däväc Geben gen. davdca^ vgl. dävati geben. Die Ab- 
leitung geschieht fast durchgehends von Verben auf -a-ti, 
daher eigentlich zu scheiden ist dava-ch, als charakteristisch 
wird aber -äc empfunden. Das zeigt sich darin, daß, wenn 
auch seltener, von anderen Verbalstämmen solche Wörter 
geschaffen werden, z.B. tritbäc Trompeter zu trübiti trom- 
peten. 

Das Femininum zu -äc ist -aca, Hauptton stets als 
auf der drittletzten, alle Silben vor aca kurz. 



234 Stamnibildung der Nomina. [§ 361 — JÖi. 

A. Maskulina -ac, a) PerHonenbezeichniingen, 
z. B. häjäc Zauberer häjati, cüväc Hüter cüvati, lyräc Spieler 
tgrati, izmlsljäc Aussinner izmisljati, köväc Schmied kdvati, 
opädäc Verleumder öpadati, öräc (Pfiüger) Ackersmann 
örati, 'pjeväc Sänger pjevati, pomägäc Helfer pomägati, rügäc 
Spötter rügati se, strjeljäc Schütz strijeljati, säpfäc Einfiüsterer 
saptati flüstern. Von anderen Verbalstämmen: bröjäc Zähler 
hrdjiti, giidäc Geiger güdjeti, kbsäc Mäher kösiti. 

^ii*Z, b) Dinge, Mittel und Werkzeug zu 
Handlungen, z.B. brijäc Rasiermesser hrtjati, diibäc Hohl- 
meißel (vgl. § 358 dübac) düpsti dübem aushöhlen, mähäc 
Fächer mähati, oüräc Handtuch ötirati abwischen, potpäsäc 
Bruchband pötpasati untergürten, strügäc Schaber als Instr. 
{bedeutet auch Schaber als Person) strügati, zavljäc Verband 
zavijati. Von anderen Verbalstämmen z. B. zapüsäc Stöpsel 
zäpusiti zustopfen, sjekäc Art Schneidewerkzeug sjeci sijecent. 

303. B. Feminina -aca. 

a) P e r s o n e n b e z e i c h n u n g e n , selten : narikaca Klage- 
weib vgl. naricati Totenklage halten, prevHaca eine Unbe- 
ständige (eig. Um dreherin) prevrtati, tumäraca Herum- 
treiberin tumärati, udävaca das zu verheiratende Mädchen 
udävati verehelichen. 

b) Dinge, Nomina instrumenti, s. § 374. 

304. 4. -älja und -Uja^ Feminina, von Verbal- 
stämmen auf -a- und -i-. Mehr als zweisilbige haben 
den Hochton als ' auf der drittletzten, zweisilbige als 
auf der vorletzten; die Silben vor -älja, -ilja sind stets 
kurz. Die Wörter sind wohl Weiterbildungen der /-Par- 
tizipien, vgl. den seltenen Fall, wo ein konsonantisch aus- 
lautender Verbalstamm zugrunde liegt: prelja Spinnerin 
zu presti predem 2)reo prela. Z. B. grebenälja Krämplerin 
grebenati, okretälja Dreherin (z. B. an einer Maschine) 
ökretati, prälja Wäscherin präti perem, prtmälja Hebamme 
primati empfangen, tkälja Weberin tkäti\ bjelUja Bleicherin 
bijeliti, döjilja Amme döjiti säugen, redllja Flachsbereiterin 
rHiti u. a. Flachs bereiten, rödilja porödilja Wöchnerin 
röditi gebären. Nach Analogie der von Verben auf -i-ti 



§364 — 367. 1 Ntiimmhildung der Nomina. 235 

abgeleiteten wird ao auch von konsonantisch auslautenden 
Verbalstäramen gebildet: müzllja Melkerin tnusti müzem^ 
perilja Wäscherin (vgl. oben prälja) perem präti, plctUja 
Strickerin plesti plctevi, rczllja Stickerin vesti vezem ; in An- 
lehnung an -alja: svälja Näherin zu slti sijem, vgl. Part, 
prät. pass. siven abg. shveuo. 

365. 5. -är abg. -(u'-b; im Skr. als unmittelbar 
von Verben ableitend nicht häufig; auf Grundlage 
von Nominalstämmen mit anders gefärbter Bedeutung s. 
§ 379. Die Silben vor -Cir sind stets kurz, vgl. ciwär Hüter 
zu cüvati; wenn der Hauptton als ' auf der vorletzten Silbe 
liegt, rückt er in den obliquen Kasus auf -är-, gen. cu- 
vära, ist der Akzent ' oder liegt der Hauptton mehr als 
eine Silbe vor -är-, so bleibt er unverändert: pekär pekära. 
Beispiele: gätär Wahrsager gdtati, klopötär Tier der Herde, 
das die Glocke trägt (eig. Klingler) klofötaü, kuliär Koch 
kuliati, pekär Bäcker peöi pecem, pisär Schreiber pisati^ püdär 
Weinbergshüter püditi scheuchen, slüzär Aufwärter slüsiti 
dienen, süsär Fischdörrer süsiti dörren, vözär Ruderer vöziti^ 
vldär Arzt vidati heilen, vräcär Wahrsager vrdcati, zldär 
Maurer zidati. 

Die femininale Form zu -ür ist -ara, z.B. hjeljara 
Bleicherin bjeljär, yätara Wahrsagerin rjätür^ kärtara Karten- 
legerin kärtä}\ viüzara kräva Milchkuh zu musti miizeni 
melken, podlbzara Kupplerin zu podld£iti, vräcara Wahr- 
sagerin vräcär. 

300. 6. -äs = -asb] die Silben vor dem Formans 
sind kurz; die wenigen Nomipa agentis haben alle die 
Bedeutung «Schwätzer» oder ähnl.: hlehetäs Schwätzer 
hlehetati, cecjHäs ceg/iati {cag.) klappern, pHljäs pHljati, sprdäs 
sprdati, zanovjetäs Plapperer za7iovijetaü\ ähnlich hurg^jäs 
(eig. einer, der überall herumbohrt) hurgqaü (eig. bohren, 
zu bürgija Bohrer) aufwiegeln. 

307. 7. -ica-, obwohl die Wörter femininale 
Form haben, werden die meisten entweder aus- 
schließlich oder zugleich für männlicht; Personen 



236 Stammbildung: der Noraina. (§367—369. 

gebraucht. In Vuks Wörterbuch sind sie meist als 
Feminina bezeichnet, selten als Mask. oder als Mask. und 
Fem., obwohl regelmäßig durch deutsche und lateinische 
männliche Nom. ag. übersetzt. 

A. Unmittelbar von Verbalstämmen: grlzica 
Motte (eig. Beißerin) grtsti grizem, Izdajica Verräter izddväti 
tzdäjem^ näbodica Stänker, Händelsucher nabösti -hödem an- 
stechen, näbrcica dass. nabrcati gegen etwas anstoßen, näle- 
tica dass. naletjeti anfliegen, jem. anfallen, näfrzica Hitz- 
kopf näpriiti rösten, prlca Kläger (vgl. oben § 357 pärac) 
preti, prznica Störenfried przniti^ üdvorica Höfling udvdriti 
se sich einschmeicheln, ükoljica Stänker, Händelsucher 
köljem kläti stechen, ülazica Schmeichler ulägati se (sich 
einlügen) sich einschmeicheln, ülizica Speichellecker ulizati 
ablecken. Als zweiter Teil von Zusammensetzungen: ho- 
görodica ^eoTÖKOc; Gottesgebärerin bog rdditi, konjökradica 
Pferdedieb könj krästi krddem stehlen. 

B. Vom /-Partizip (vgl. § 359 -ac), z. B. bäjalica 
Zauberin bäjaü, döbjeglica Mädchen, das mit seinem Bräu- 
tigam flieht döbjeci -bjegnem, grlzlica Motte (s. oben grlzica), 
ddjüica Amme döjiti säugen, tzjelica Vielfraß Izjesti tzjedem 
auffressen, küpilica Leserin (fem. zu küpilac) küpiti lesen 
(colligere), mäzalica Schmeichler mäzati schmieren, salben, 
nesmjelica Zaghafter m-smjeü nicht wagen, prldoslica An- 
kömmling pridöci pridösao priddsla, rädiUca Arbeitsbiene 
rdditi, süstalica leicht Ermüdender süstati süstao süstala, vä- 
ralica Betrüger värati, vezilica Stickerin (nach Analogie der 
Bildungen von Verbalstämmen auf -i-) vesti vezem. Als 
zweiter Teil von Zusammensetzungen, z. B. ynyiogöznalica 
Vielwisser sveznalica Allwisser mnögo sve znäti. 

Ganz selten in sachlicher Bedeutung: müzlica 
Melkgelte musti müzem müzao müzla, pädalica Fallobst pädati. 

368. 8. 'ic = -ich, vereinzelt: bräniö Beschützer 
brdniti. 

369. 9. -^5, gen. -Isa; die Silben vorher kurz; ver- 
einzelte Bildungen: blütis einer, der ungereimtes Zeug 
redet blütiti, nemarls ein Hans Ohnesorge ne mdriti nicht 



§369—371.] Stamnibildung der Nomina. 237 

sorgen (kann auch zu tiemär Sorglosigkeit bezogen werden), 
poletis Fliegauf (das bekannte Pfänderspiel) poletjeü. 

■isa, femininale Form dazu, aber die Wörter 
bezeichnen durchweg männliche Personen; der 
Hauptton liegt als ' auf der drittletzten Silbe, die Silben 
vor -isa sind kurz. Wenige Beispiele: hvälisa Prahler hvd- 
liti, plätisa Zahler pldtiti, rädisa Arbeitsamer rdditi, stedisa 
Sparer stedjeti, vrätisa Zurückgeber vrdtiti. 

370. 10. -iisa, wenige femininale Nom. ag. ; 
der Hauptton fast regelmäßig als ' auf der Silbe vor -usa, 
die Silben vor diesem kurz (sonstiges -usa s. unten §422). 
Der Sinn ist öfter tadelnd oder scherzhaft: hlebetusa Plapper- 
maul blebetati, gakusa (Kräherin) Krähe gakati^ govörusa die 
Redselige govöriti sprechen, kreketusa Quakerin (Frosch) 
kreketati, namlgusa eine, die gern zuwinkt nämignuti, prodkusa 
Ziecherin prociknuti, postrkusa Kuh, die sich beim Melken 
sträubt postrkati se, povrätusa Frau, die wieder ins Eltern- 
haus zurückkehrt povrdtiti se, povükusa jemand, der sich 
von einer Arbeit drückt povüöi -vücem wegziehen, provljusa 
Zierpuppe (von Mädchen gesagt) provijaü se geziert gehen, 
redtisa Frau, an der die Reihe der Haushaltung ist rediti 
anordnen, torökusa (Scheltwort) Lärmerin torbkati. — Zu- 
weilen von Sachen: klepetusa Kuhglocke klepefati (zu klepet 
das Schellen der K.), povijusa turbanartiges Kopftuch 
povijati bewickeln, nepomenusa Blattern und andere Krank- 
heiten (die man sich hüten muß zu erwähnen) pomennti 
erwähnen. 

Ein maskulines -uh kommt in einigen alten, z. T. 
unklaren Bildungen vor und mag hier angereiht werden: 
köiuh Pelz zu kdia Fell, läöüh Weinreis mit Trauben, löpüh 
Klette, öcüh Stiefvater zu ötac, pästüh Hengst zu pästi pdsem 
weiden, repüh u. a. Klette, Distelart, trbuh Bauch; vgl. 
dazu fem. pepeljuha neben pepeljusa Aschenbrödel (pepeo 
gen. pepela Asche). 

371. 11. -Zo, neutraler Form, doch männliche 
Personen bezeichnend, fast nur im Singular ge- 
bräuchlich; wenn vereinzelt im Plural, hat dieser mask. 



238 Stammbildung dor Nnmina. '!§'^71 — 373. 

Form. Die ziemlich zahlreichen Bildungen drücken bis- 
weilen übertriebene, tadelnswerte Neigung zu der Handlung 
aus. Die Ableitung erfolgt durchwog von imperfektiven 
Verben, daher von der Iterativform bei Verben, die mit 
Präpositionen zusammengesetzt sind. Mit wenig Ausnahmen 
liegen Verbalstämme auf -a- zugrunde. Betonung und 
Quantität wie im Infinitiv der Verba. — Über -lo bei 
Nomina instr. s. § 378. 

Beispiele: häjalo Zauberer (vgl. § 361 bäjäc) bäjati, 
benetalo Schwätzer henetati, hlebctalo PJapperer hlebetati, dh- 
kalo Necker dlrkati, vgl. zaäirkivalo dass. zu zadirkivati, 
drijemalo Schlafmütze drijemati Schlaflust empfinden, gdtalo 
Fabelhans gätati, izmisljalo Spinlisierer (vgl. izmisljäc, 
§ 361) izmisljati, mäzalo Schmierer (schlechter Maler) mä- 
zati, namigivalo der gern zuwinkt (vgl. namtgiisa, § 370) 
namigivati, peckalo Necker peckafi. pricalo der gern viel ex- 
7Ählt pricati, vikalo Schreier vikati; pämtilo einer mit gutem 
Gedächtnis pämtiti. 

3'72. 12. -sa, femin. Form, aber männliche 
Personen bezeichnend; wenig Beispiele: tzdirsa einer, 
der sich abmüht (dass. izdiralo) hdirati se (eig. sich ab- 
schinden), neböjsa Furchtloser (oder der sich so stellt) ne 
böjati .se, neznäjsa Unwissender ne znäti, dkröjsa Beschnittener 
okrdjiti. 

^"^S. lo. -telj = shg. -ieVh\ die Silben vor -telj sind 
stets kurz; im ganzen nur wenig Wörter, davon 
volkstümlich: hränitelj Ernährer hräniti, pnjatelj Freund 
prijati gut bekommen (alt: beistehen), röditelj Erzeuger pl. 
Eltern rddiii, uprävitelj Regierer üpraviti, ücitelj Lehrer üciti. 
Einige sind aus der Kirchensprache aufgenommen: krstitelj 
Jövan Johannes der Täufer krstiti, gönitelj Verfolger gdniti, 
späsitelj Heiland spästi erretten, stvoritelj Schöpfer stvdriti; 
einige in der Schriftsprache neugebildet oder anderen sla- 
vischen Sprachen entnommen, wie cltatelj Leser cltati, 
splsatelj Schriftsteller, Verfasser spisati, predsjedatelj Vor- 
sitzender, Präsident (aus dem Russischen). 



^374—376.' Stammbildnns: der Nomina. 239 

374. II. Wörter, die Mittel oder "Werkzeug einer 
Handlung bedeuten, Nomina instrumenti. 

1. -rtrrt; die Silben vor dem Formans stets 
kurz, z. B. (Jjcljara Schnitzbank djcljati, drljaca Egge 
(h'ijali, gärgava Kränipel gärgafij ispiraca Wischlappen ispi- 
rati auswaschen, mähaca Klopt'brett für Hanf mähati, na- 
h\jaca Art Fischspeer nabijaii (aufschlagen) spießen, ogrebaca 
Flachsraufe ögrehati, pokrwaca Kotze pokrivati zudecken, 
potpiraca Stütze pdfpirati, povezaca Kopftuch povezati um- 
l)inden, sapmjaca Knüpfband säpinjafi zuknöpfen, vljaca 
Art Sieb vljati worfeln, zapmjaca (und msk. zaplnjäc) Sperr- 
holz zäpinjati, zajaca Brummkreisel züjati summen, pjenjaca 
Schaumlöffel pjeniti abschäumen, prähaca Axt Vü.\xg prahati 
(den Boden) lockern, värjaca Kochlöffel vdriti. 

375. 2. -ak, abg. -hk^, -^k^, daher bcAvegliches 
-a-, z. B. driak Handhabe (zu driati halten) = drzbkd^ gen. 
drska -= drzhka. Wenig Beispiele: lljevak Trichter lijevati 
gießen, vgl. döljevak (gen. döUjevka) Füll wein döljevati voll- 
gießen, ötarak Handtuch tärem trfi reiben, töcak Rad, 
Brunnenröhre tdciti (laufen lassen), vdljak Walze vdljati, 
zvrcak Schnarre zvyaati; als Nom. ag. cvrcak Grille (Zikade) 
cv/'knuti zwitschern. 

376. d. -äljka = *-aljbka\ fast ausnahmslos der 
llauptton auf der Silbe vor -äljka, alle Silben vor 
dem Formans kurz: ciibäljka Schaukel cübati se, cagr- 
täljka Klapper cagrtati, dädäljka Pfeife düdati, izmetäljka Art 
Tanz izmetati auswerfen, käzäljka u. a. Uhrzeiger käzati 
zeigen, mähäljka Klopfbrett für den Hanf (vgl. § 374 mä- 
haca) mähati abklopfen, metäljka Platz für das Stein wurf spiel 
mctati werfen, navijäljka Art Garnwinde navijati aufwickeln, 
okretäljka Art Riegel bkretati drehen, pisäljka Gerät zum 
Bemalen der Ostereier pisati^ proslväljka Art großer Nadel 
prosivafi durchnähen, pühäljka Blaserohr pühati, svöväljka 
Vorrichtung zum Zetteln snövati, sfycäljka Spritze strcati^ 
sviräljka Flöte svirafi, shäljka Zulp stsati saugen, st^pdljka 
Lichtputze stipafi kneifen. Ganz vereinzelt sind Bil- 
dungen auf -Hjka von Verbalstämmen auf -?'-: sdplljka 



240 Stammbildung der Nomina. [§376—378. 

Art großer Flöte sbpiti keuchen; in Nachahmung der Bil- 
dungen auf -äljka von solchen Stämmen sädäljka Pflanzholz 
sdditi pflanzen, tüzäljka Klagelied tüiiti klagen. — In per- 
sönlicher Bedeutung narädäljka Schwätzerin narädati. 

377. 4. -ica, nicht unmittelbar vom Verbal- 
stamm ableitend, sondern vom Z-Partizip; z. B. 
drialica Stiel drzati halten, ylädiUca Wetzstein gläditi glätten, 
käpalica Auffangegeschirr käpati tropfen, mdhalica Fächer 
mdhati^ mäzalica Ölbüchse mäzati schmieren, pregledalica 
Schreibvorlage pregledati nach einem Muster machen, püha- 
lica (vgl. § 376 pühäljka) Blaserohr pühati, sjecalica Hack- 
messer sjecati, trlica Flachsbreche trti reiben, väljalica Walk- 
mühle väljati, züjalica Brummkreisel (vgl. § 374 züjaca) 
züjaii summen, ziitilica Färberginster (Mittel zum Gelb- 
färben) zütiti. 

378. 5. -lö\ bei konsonantisch auslautenden 
Verbalstämmen ist -lo oder -slo als altes Formans 
anzusehen: jelo Speise =^jedlo (vgl. c. jldlo) jedem jesfi 
essen, leglo Brut leöi le^em, mäslo Schmalz = *maz-slo 
mäzati schmieren, ogreblo Flachsraufe ogrepsti -gr ehern kratzen 
(vgl. c, ohfehlo Ofenkrücke), omelo Ofenwisch, Kehrlappen 
= "^o-metlo ynesti ynetem kehren, poreklo Zuname, Familien- 
name reöi recem sagen^ prelo Spinngesellschaft = "^predlo 
(vgl. c. pfddlo Gespinst) presti (= pr^sti) predem^ veslo Ruder 
= "^vez-slo vesti vezem fahren, vrijeslo povrijeslo Henkeleisen 
am Kessel (vgl. abg. vrzq vresti binden) = %erz-slo. 

Bei vokalisch auslautenden Verbalstämmen 
liegt wahrscheinlich überall -dlo vor; wo west- 
slavisch entsprechende Bildungen bestehen, haben sie -dlo, 
s. u. die cechischen oder polnischen Parallelen. Betonung 
und Quantität: Ableitungen von einsilbigen vokalisch aus- 
lautenden Verbalstämmen haben bei Hauptton " Kürze, bei 
Hauptton ' (d. h. bei alter Endbetonung) Länge, z. B. hUo 
(c. hidlo Stange, Kloben) Läute-( Anschlage-) Brett hitiy odijelo 
(ekav. odäo) Bekleidung ddjeti; Bildungen von mehrsilbigen 
Stämmen auf -a- und -i- haben stets die Silben vor -lo 
kurz. Beispiele (die Bedeutung ist zuweilen in die des 



§ 378.] Stamm bildung der Nomina. 241 

Ortes der Handlung übergegangen): hjelilo Bleiche, weiße 
Schminke hijeliti weiß machen c. hclidlo, cjcdilo Seihgefäß 
cijedit'i c. cedidlo, cjepalo Spalteplatz (liolzplatz) cijepaii, 
crvtnilo Röte (= rote Farbe) crvcnifi röten c. cervenidlo, 
crnilo Schwärze cniiti c. ceniidlo, ciidila pl. Wunderdinge 
üüditi se sich wundern, jägnjilo Ort, wo die Schafe lammen 
jägvjiti, glädilo Wetzstein gluditi glätten c. hladidlo Glätt- 
werkzeug, güdalo und güdilo Fidelbogen güdjeti geigen 
€. hudidlo Art Geige, dhcdo Heber dlzatiy drialo Stiel drzati 
halten c. drzadlo, \gralo Spielzeug tgrati, klepalo Läutebrett 
klepail anschlagen c. Jdepadlo, kiipalo Badeplatz küpati 
c. kupadlo, mästilo Tinte mdstiti u. a. färben e. mastidlo 
u. a. Schmalz, mjerila pl. Wage mjeriii messen e. mefidlo 
Maßstab, möcilo Flachsröste mbciti netzen c. moHdlo, nbsila 
pl. Bahre nösiti tragen c. oiosidlo, mUo Waschlauge niiti 
waschen c. mydlo Seife, ogledalo Spiegel ugledati besehen, 
öralo Pflugeisen (Neubildung statt rälo, s. u.) öi'ati pflügen, 
perilo Waschplatz perem präti^ pllo Getränk piti ac. pidlo 
Trunk, piljüvalo Spucknapf pljüvati c. plivadlOy pöjilo Tränke 
pöjiti \)o\n. poidtOy p^rävilo F\,egel präviti (richien) c. pravidlo, 
prepredalo Art Spindel prepredati überspinnen, prekrivalo 
Schleier prekrivati überdecken, jjrobädalo Werkzeug zum 
Durchstechen probädati, rälo c. rädlo Pflug = "^ordlo zu 
■br-ati pflügen, skäkalo Furt im Flusse, in der man von 
Stein zu Stein springt skäkati, sölilo Salzlecke söliti salzen, 
Mrusilo Schreckbild, Vogelscheuche sträsiti c. stmsidlo, sükalo 
Spuirad sükati drehen c. soukadlo, stlo Ahle siti nähen c. sidlo, 
tücalo Mörserkeule tücati stoßen, vjesala pl. Galgen vjesati 
hängen c. vesadlo Werkzeug zum Aufhängen, vrätüo Weber- 
baum vrätiti drehen c. vratidlo, vrelo Quelle ^ *verlo zu 
wreti abg. vhreti wallen, sieden c. vndlo Sprudel, zrcalo 
•Spiegel c. zrcadlo, zdrijclo Engpaß, fauces -zdrijeti ver- 
schlingen c. zfidlo {zfidlo) Quelle, zatüo gelbe Farbe (als 
Färbemittel) zatili gelb machen c, zlutidlo Färberginster. 
— In einigen Fällen haben Wörter auf '■■'■-idlo die Be- 
deutung von Nomina actionis (Verbalabstrakta), z.B. 
J)jesnilo Wut bjesnjeti wüten, ludilo Narrheit lüditi se sich 

Leskien, Serbokroatische Grnmmaiik. ]t> 



242 Stammbildiing der Nomina. [§ 378. 379. 

närrisch gebärden, särilo Buntheit Stickerei sdrati bunt 
machen, tämnilo Dunkellieit tämnjeti dunkehi. Da neben 
den Verben Adjektiva wie hijesan, lud stehen, verbinden 
sich die Bildungen in der Empfindung mit diesen und 
'^'■-idlo wird so auch zur Ableitung von Adjektiven aus 
verwendet, z. B. mrtvUo Schlafsucht mrtav tot, nistuvilo 
Nichtswürdigkeit nlstav^ jedoch kann auch an Verba ge- 
dacht werden, alt mrtviti. 

Über Nomina intr. auf -ac und -äc s. §§ 358, 359, 362. 

379. III. Wörter, die den mit einem Gegenstand 
dauernd oder berufsmäßig Beschäftigten bezeichnen (Ver- 
fertiger eines Dinges, Händler mit einer Sache usw.). 

-ar = abg. -arh; Ableitung von Substantiven, 
Quantität und Betonung s. bei § 365; sehr zahlreiche 
Bildungen; z. B. hräsnär Mehlhändler bräsno, bührijär 
Trommler hubanj gen. hühnja, cärinär Zöllner cürina Zoll, 
crevljär Schuhmacher crevlja, drvär Holzhändler drvo, düdär 
Maulbeergärtner düd, gädljär Dudelsackpfeifer gädlje pl., 
gränicär Grenzer gränica, govedär Rinderhirt göveda pl. Rind- 
vieh, iglär Nadler tgla, hamenär Steinmetz kämen^ klobücär 
Hutmacher kldbüJc gen. klobüka, knjlzär Buchhändler hnjlgaj 
kötlär Kesselschmied kdtao gen. kötla, kbzär Ziegenhirt kbza^ 
közär Gerber koza Fell, krcmär Schenkwirt krcma Schenke, 
Ijekär Arzt lljek Arznei, mesär Fleischer meso, mlinär Müller 
mlin Mühle, nadnicär Tagelöhner nädnica Tagelohn, növinär 
Zeitungsschreiber novine pl. Zeitung, 02?a?^c«r Opankenmacher 
öpanak gen. öpänka, bvcär Schäfer ovca Schaf, planmär Senn 
planma Berg, plätnär Leinwandhändler plätno, pbljär Feld- 
hüter ^oZ/e^ prepelicär W Sichtelhund prepelica Wachtel, ptUär 
Vogelfänger ^fka Vogel, rlbar Fischer riba, stäklär Glaser 
stäklOj svecär der seinen Hausheiligen feiert svetac, svinjär 
Schweinehirt Schweinehändler svinja, tämnicär Kerkermeister 
tämnica Gefängnis, ügljär Kohlenbrenner ügalj gen. ugljay 
vinogrädär Weingärtner vlnogräd Weinberg, vrätär Türhüter 
vrdta pl., zlätär Goldschmied zläto^ zvjezdär Sterndeuter 
zvijezäa, sltär Getreidehändler Mo. In einigen wenigen 
Fällen sind Wörter auf -är gebildet ohne jene Beziehung,, 



§379.380.] Stammbildiing der Nomina. 243 

so driigär Genosse drüg dass., glävär poglavär Oberhaupt 
gläva Haupt, gospddär Herr (vgl. gospödin) göspöd dass. 
(nur von Gott dem Herrn gebraucht). 

380. IV. Wörter zur Bezeichnung des Ortes, wo 
sich ein Gegenstand befindet oder eine Handlung vor 
sich geht, Nomina loci. 

1. -'äk, -njak; Ort (Behälter usw.) eines Dinges 
bezeichnend. Die Ableitung geht nicht unmittel- 
bar vom Substantiv, dem Namen des Gegen- 
standes, aus, sondern von einem daraus ab- 
geleiteten Adjektiv, mit wenig Ausnahmen (z. B. 
güscak Gänsestall zu güscji Adj. zu guska Gans) von solchen 
mit w-Formantien, z. B. golühinjak Taubenschlag golübinji 
poss. Adj. zu göhlb Taube, maslenjak Schmalztopf mäslen 
zu mäslo, plevnjäk Spreubehälter pljevni zu pljeva Spreu. 
Aus den Bildungen auf -7ijäk kann dies auch als 
selbständiges Formans verwendet werden, wie 
etwa ein rlhiijäk Fischteich von rlban (abg. ryhhm) abge- 
leitet sein, aber auch unmittelbar zu nha Fisch bezogen 
sein kann. Liegt der Hauptton als ' auf der vorletzten 
Silbe, so geht er als ' in den obliquen Kasus auf -äk 
über; Wörter mit ' oder mit Hauptton auf drittletzter und 
weiterer Silbe verändern ihn nicht, z. B. päsnjäk pasnjdka^ 
ribnjäk ribnjäka, mrävinjäk mrävinjäka. Weitere Beispiele : 
böcnjäk Flaschenbehälter böca, dhnnjäk Rauchfang dlm, 
kokösinjäk Hühnerstall Adj. kokösinji zu kökös Henne, kbsut- 
njäk Hirschgarten kösida Hindin, krticnjäk Maulwurfshaufen 
kitica, mäticnjäk Zelle der Bienenkönigin mätica, mrävinjäk 
Ameisenhaufen Adj. mrävinß zu mmy, mücnjäk der Mehl- 
kasten in der Mühle müka^ özicnjäk Löffelblech (zum Ein- 
stecken der L.) bzica^ päcinjäk Entenstall päce, päsnjäk 
Weideplatz päsa^ pcelinjäk Bienenstand pcela^ pepeljinjäk 
Aschengrube pepeo^ sjenjäk Heuboden sljeuo, zverinjäk Tier- 
garten koU. zverhije zu zmjer Tier. Die Silben vor -äk 
sind kurz mit wenig Ausnahmen (vgl. oben mücnjäk; svi- 
jetnjäk ekav. svetnjäk Leuchter zu svijeca Kerze). 

16* 



244 Stammbildung der Nomina. [§ 381. 332. 

381. 2. -ara; der Hochton als auf der drittletzten 
(der Sill)e vor -ara), alle Silben vor -ara kurz. Ab- 
leitungen von Substantiven zur Bezeichnung des 
Ortes, Behälters; doch liegt ursprünglich wohl 
nicht unmittelbar der Name des Dinges zugrunde, 
sondern eine Bildung auf -är (s. §§ 365,379), so daß 
z. B. drvara Holzkammer eigentlich zu drvär Holzträger, 
Holzhändler (von drvo) gehört. Das -ara ist aber selb- 
ständig geworden zu unmittelbarer Bildung von Ding- 
worten aus (vgl. unten die Bildungen auf -arica, -ärnica 
§§ 382, 384). Beispiele: bräsomra Mehlkammer hräsno 
(vgl. bräsnär Mehlhändler), crepara Ziegelscheune crljejj, 
düdara Maulbeerpflanzung diid (vgl. düdär Maulbeerpflanzer), 
grncara Töpferei grnac (vgl. alt grncär Töpfer), güstara 
Dickicht güsta dass., gvbzdara Eisenladen gvöMe (vgl. gvbzdär 
Eisenhändler), lüjebara Brotkammer liljeb (vgl. hljebär Brot- 
bäcker), kupüsara Krautbottich küptis Kohl, övcara Schaf- 
stall övca (vgl. övcär Schäfer), plvara ßierhaus pivo (vgl. 
pwär Brauer), pljevara Spreubehälter pljeva^ pomljara Spül- 
faß pömije pl. Spülicht, sjenara Heuboden sijeno, sträzara 
Wachthaus sträza Wache (vgl. sträsär Wächter) svllara 
Seidenfabrik svila {w^.svUär Seidenhändler), ügljara Kohlen- 
brennerei ügalj gen. üglja (vgl. iigljär Kohlenbrenner), uftnara 
Tasche für die uiina Jause, vünara Wollfabrik vuna. Zu- 
weilen, doch selten, ist der Konsonant vor -ara palatali- 
siert: däscara Bretterhütte däska Brett, vbstara Haus zum 
Wachspressen vösak gQn.vöska\ vgl. auch oben övcara zu &üca. 

In seltenen Fällen, die hier angereiht werden mögen, 
hat das mask. -är die Ortsbedeutung, so mljecär Milch- 
kanne (und Milchhändler) mlijeko, oglävär Koipfviemen des 
Pferdes (dass. ögläv) zu gldva Kopf, küöär in der Zadruga 
die abgesonderte Wohnung des Ehepaares, zu küca Haus, 
slfivär Pflaumengarten (dagegen sljlvär Pflaumen händler) 
sljha. 

382. 3. -ica, tritt verhältnismäßig selten un- 
mittelbar an das Substantiv, das zugrunde liegt, in 
bei weitem den meisten Fällen liegt ein von diesem ab- 



§ 382. 383.] Stamnibildung der :Nomina. 245 

geleitetes Adjektiv auf -bm zugrunde, daher die Endung 
■bnica, skr. -nico, das seinerseits, selbständig geworden, aucli 
unmittelbar von Substantiven ableiten kann. 

A. Unmittelbare Ableitungen mit -ica: hremen- 
ira (wenn nicht = ^hremenwiica) Tragefaß hrhne hremena 
Last, hürmutica Tabaksdose hürmut Schnupftabak, kätran- 
ica Teerbütte kätran, setnica Spazierplatz setnja Spazier- 
gang, zeUinica Ölfläschchen zeitin. 

In mehreren Fällen liegen Nomina auf -är zugrunde 
oder scheinen zugrunde zu liegen, so kozärica (neben kb- 
zara) Ziegenstall közär Ziegenhirt köz'a Ziege^ lojärica Stätte, 
Avo Talg löj bereitet w-ird lojär Talgbereiter, loncärica 
Schiff zum Verladen von Töpfen (Ibnac) löncär Töpfer, 
ovcärica (und övcara) Schafstall övcär Schäfer övca Schaf, 
nlarica Fischerschiff nlär Fischer, zitarica (und zltara) 
Getreideschiff Fitär Getreidehändler nto Getreide. Nach 
solchen Mustern sind gebildet klädarica Wassermühle, die 
auf Pfählen oder Blöcken kläde steht, lükarica Art Lauch- 
kuchen luk, ognjärica heizbare Hirtenhütte bganj gen. bgnja, 
uljärka Ölgefäß fdje, väljarica Walkmühle vdljati u. a. 
walken. 

383. B. -nica; die Adjektiva auf altes -hm, 
sind entweder vorbanden oder voraussetzbar; 
oder -7iica ist ohne eine Adjektivbildung un- 
mittelbar an das Substantiv gefügt: 

a) Bildungen von verschiedenen, der Form 
nach nicht näher bestimmbaren Substantiven, 
z. B. bäkälnica Spezereiladen bäkäl Spezereihändler, her- 
hernica Barbierbude herier, cmnürnica Kohlenbrennerei 6ü- 
v.iur, fisecnica Patronentasche ßsek, gröhnica Grabstätte 
(jröh Adj. grobni, käntärnica Wagschale käntär Art Gewicht, 
käsapiica Fleischerei käsap (und käsapin) Fleischer, könica 
Wagen schuppen (= '-^koonka = *kolnka) köla pl. Wagen, 
kbnjusnka (daneben älter kovjumrüa zu konjusär Pferde- 
hüter) könjnJi (älter) Pferdeknecht, müctnca Mehlkasten 
niüka, ndznka Messerscheide nöz Messer, jmndürnka Pan- 
durenhütte jmndilr, nzvka (Kleider-)Kammer rua Kleid, 



246 Stammbildung der Nomina. [§ 383—386. 

snijeznica Schneegrube smjeg, nach dem Adj. snjezan wäre 
*snjeznica zu erwarten, hljehnica Brotkammer Adj. liljebnl 
zu hljeb Brot, sträznica Wachthaus siräza Wache, südnica 
Gerichtshaus Adj. südni zu süd gen. süda Gericht, zöbnica 
Hafersack zöh, sitnica Adj. sltnl zu zito Getreide. 

384. b) Von Substantiven auf -cir (s. §§ 365, 
379), z. B. gvbsdärnica Eisenladen (neben gvözäara) gvözitär 
Eisenhändler gvözäe Eisen, hipzärnica Buchhandlung 
knpzär knpga, kdlärnica Wagenwerkstatt kölär köla Wagen, 
kühärnica Küche kühär Koch, löncärnica Töpferei Ibncär 
lönac, medärnica Honigstube medär Honighändler med gen. 
vieda, mesärnica Fleischbank mesär Fleischer meso, pekärnica 
Backhaus pekär Bäcker, 'puskärnica Schießscharte püskär 
Schütz, vbstärnica (neben vostara) Ort, wo Wachs gepreßt 
wird vösak gen. vöska. 

Ähnlich sind die seltenen Ableitungen von Nom. 
ag. auf -äc: köväcnica Schmiede köväc Schmied^ pljüväcnica 
Spucknapf '^pljüväc Spucker zu pljüvati. 

385. c) Von -Z-Partizipien, z. B. göstionica = 
gostihnica zu gostih skr. göstio fem. gbstila zu gbstiti (von 
göst Gast) bewirten; eigentliche Bedeutung dieser Bil- 
dungen ist also: Ort^ wo die Handlung stattfindet. Weitere 
Beispiele: cltaonica Lesehalle citati citao cUala, djeljaonica 
Schnitzbank djeljati, kädionica Räucherfaß kdditi, kidaonica 
Auswurfloch (für Mist) Mdati werfen (misten), mjesaonica 
Backstube mijesati (vgl. mijesiti, eigentl. «mischen»), Brot 
bereiten, färionica Waschbalge päriti mit heißem Wasser 
(Wäsche) begießen, perionica Waschhaus perem präti, pljü- 
vaonica Spucknapf pljüvati, iimlvaonica Waschbecken umivati, 
väljaonica Walkmühle väljati. 

386. d) Ableitungen unmittelbar von Verbal- 
stämmen sind selten; möglich werden sie dadurch, daß 
man Bildungen auf -nica zu Verben hinzuempfindet, 
wenn solche neben dem Substantiv oder Adjektiv stehen, 
das eigentlich zugrunde liegt, z. B. läßt sich südnica (von 
südni zu Süd Gericht) leicht beziehen auf süditi richten, 
sträznica Wachthaus auf sträziti wachen; danach ent- 



§386—388.] Staaimbildung der Nomina. 247 

stehen dann Wörter wie livnica Gießerei zu livati, leznica 
Lagerstätte zu Umti liegen (dass. löznica zu löziti legen), 
sfniznica Hobelbank zu striigati, pusnica Obstdarre zu püsiti 
rauchen (= Rauch machen). 

387. 4. -iste aus *-iskje, Weiterbildung von 
-isko (vgl. c. ohen Feuer, abg. ognb, ohnisko Feuerstätte 
und okmste = abg. ogniste skr. ögnjUte). Die Silben vor 
'Isie fast ausnahmslos kurz. 

A. Den Ort eines Dinges bezeichnend, häufig 
von Pflanzennamen den Acker, wo die Pflanze gestanden 
hat, von Gebäuden oder Ortschaften die Ruinenstätte, 
von Werkzeugsbezeichnungen Stiel oder Handhabe. Zahl- 
reiche Bildungen; Beispiele: Uätiste Stelle eines ehemaligen 
Sees hläto, crkvisfe Ort einer ehemaligen Kirche crkva, 
dämsie Ort, wo man sich den Tag über aufhält, dän, dvö- 
riste (dvöriste) Ruine eines Hofes dvör, duvämste früheres 
Tabaksfeld düvän, grabljiste Rechenstiel grählje, grebemste 
Krämpelstiel greben, IgrUte Spielplatz Igra Spiel, kdnopljlsfe 
ehemaHger Hanfacker könoplje, kdstste Sensenstiel kösa, 
küciste ehem. Hausplatz küca, lämste ehem. Flachsacker 
län, löviste Platz zum Fischfang löv löva (Fang) Jagd, 
Ijetiste Sommeraufenthalt Ijeto, nöciste Nachtlager 7iöc, öst- 
viste Dreizackstiel östve pl. Dreizack (ein Fischspeer), pana- 
äürUte Marktplatz pänaäür, pnstamsfe Hafenplatz pristmi, 
seliste Platz eines ehem. Dorfes selo^ sjekirlste Beilhandhabe 
sjekira^ idociste Zufluchtsort utok Zuflucht, vätrlste Feuer- 
stätte vätra.zböriste {zborisie) Sammelplatz 2'5ör Versammlung. 

388, B. Den Ort einer Handlung bezeichnend: 

a) Unmittelbar von Verben; imlUte Brandstätte 
paliti anzünden, päsiste Weideplatz pästi päsem^ pbjlste 
näpojiste Tränke ^?d;?^i nap., sjediste Sitz sjediti sitzen. 

b) Von Z-Partizipien: bükallste Ort, wo die Ochsen 
brüllen bükati, Igr allste Spielplatz (vgl. oben Igrlste) ) grätig 
ogorjeliste Brandstätte ogörjeti anbrennen, pädalJste Lager- 
stätte pädati fallen, pjevaliste (poet. Wort) Ort, wo man 
singt pßvati, pociväliste Ruhestätte pocivati ruhen, rvaUste 
Ringplatz ivati se, skäkcdtste Springplatz skäkati, setallsfe 



24S Stammbildung der Noraina. [§ 388—391. 

S])azierplatz (vgl. oben sMnica) setati se, trkaliste Rennbahn 
frkati, vijaliste (im Gedicht) Ort, wo die Wölfen heulen vijati. 

389. 5. -je, abg. hje, Verbindungen von Prä- 
position und Kasus können zu einem einheit- 
lichen Substantiv mit Formans -bje skr. -je ver- 
schmolzen werden; z. B. pod^ gor o ja skr. 2)od göröm 
«unter dem Berge» zu podhgorhje skr. pödgörje. Die Silben 
vov -je sind gedehnt, s. § 313. Diese Bildungen sind 
eigentlich eine Art Abstrakta: «das unter dem Berge 
sein», haben aber die konkrete Bedeutung «das Land 
oder das Ding, das sich in der betreffenden Lage be- 
findet», also pödgörje «Gegend am Bergfuß». Beispiele: 
pöhrde Land am Berge po, brdo; Podrinje das Land an 
der Drina po, Drina; pr)mdrje Küstenland, Land am Meere 
pri, möre; zägörje Land hinter dem Berge za, göra; iizglävlje 
(cigentl. was am Kopfe uz glävu ist) Kopfkissen; zäru- 
Icavlje Stickerei am Ärmel za, rükäv. 

300. V. Wörter, die den zu einem Lande, einem 
Wohnort, einer Menschenklasse gehörenden bezeichnen; 
Völker-, Einwohner-, Klassennamen. 

1. -«c = abg. -hch, zahlreiche Bildungen, meist 
von Ortsnamen, z. B. Bibgradac Belgrader Biögrady 
Decdimc einer aus Decäni^ Kösovac einer von Kosovo, Sara- 
jevac einer aus Sarajevo; besteht die Ortsbezeichnung aus 
Adjektiv und Substantiv, so entsteht mit Formans -ae 
ein Kompositum, z. B. Crnbgorac Montenegriner Crnä göra, 
gontjözemac Oberländer görnjä zemlja^ önostränac einer vom 
jenseitigen Ufer önä strdna. — Nicht von Ortsnamen 
iadinac Fremdling neben tüdin dass., ebenso gebildet näsinac 
der Unsrige (nostras) zu näs unser. 

391. 2. -in, bezeichnet das zu einem Volke 
oder einer Menschenklasse gehörende Individuum 
(über die Deklination dieser Wörter, deren Formans -in 
auf den Singular beschränkt ist, s. § 582). 

A. Einfaches -in, Völkern amen, z. B. Ärnäidin 
Albanese, Bugarin pl. Bügari Bulgare, Srbin pl. Srbi Serbe, 
Tiircin Türke pl. Türci. 



§391.392.] Stamnibildunc? der Nomina. 249 

Klassennamen: äomäcin (pl. hier domäcini) Haus- 
herr, Vorsteher des Hauses (vgl. Adj. dömäci häuslich, 
zum Hause gehörig), gospödin Herr gospöda pl. koll., tiidm 
Fremdling zu Adj. tüd fremd. Öfter kommt rlie Bildung 
vor bei Fremdwörtern, namentlich türkischen, z. B. ärgatin 
Tagelöhner aus ngr. upyaTir\q (für agr. epYairi«;), berberin 
(neben herber Barbier, türk.), cbbanm (neben cöban türk.) 
Hirt, düsmanin (neben diismän türk.) Feind, däurin (neben 
däiir türk.) Ungläubiger, käsapin (neben kämp türk.) 
Fleischer, nälbäntin (und nälbcmta türk.) Hufschmied. 

B. -'a7i'W, der vorangehende Konsonant palatalisiert ; 
wo r steht, ist es aus r hervorgegangen, s. § 134; der 
Plural wird von -an- gebildet, s. § 582, dort auch über 
die Quantität des -an-). 

Völker- und Einwohnernamen, sehr häufige Bil- 
dungen, z. B. Becanin Wiener Bec Wien, Bibgradanm Bel- 
grader Biögrad, Cetinjanin einer aus Cetmje, Mostäranin 
Mostarer Möstär, Bimljanin Römer Bim^ Büdnicanin einer 
aus Büdmk^ Zädranin Zaraer Zädar gen. Zädra Zara. Von 
appellativischen Ortsbezeichnungen z. B. dvöranin ein am 
Hofe lebender, Hof mann dvör, gbranin Gebirgsbewohner 
göra^ grädanin Festungsbewohner, Städter gräd^ mjestanin 
Ortsbewohner fnjesto, kmanin Hausbewohner (pl. kucäni 
Hausgenossen) ku6a, vgl. ükucanin Einmieter, dstrvljanin 
Inselbewohner ösfrvo, seljcmin Dörfler, Bauer selo, värosanin 
Städter vdros. 

Klassenbezeichnungen, z.B. hrlscanin Christ (der 
oriental. Kirche) zu Hristos gen. Hrista Christus, krscanin 
Christ (der röm. Kirche) vgl. Isu-krst Jesus Christus, pü- 
ranin ein zum Bürgerstande pük Gehöriger, sfrämnin 
Wächter (Angehöriger einer sträza Wache) serezanin früher 
eine Art Grenzsoldat, zu sereg (türk.) Kompagnie. 

J^02. VI. Wörter, die, allgemein ausgedrückt, den 
mit einer Eigenschaft Behafteten oder ein durch die 
Eigenschaft gekennzeichnetes Ding bedeuten. Die Be- 
deutung verengert sich oft so, dafe nisht beliebige die 



250 Stammbildung der Nomina. [§392.393. 

Eigenschaft wirklich oder in der Vorstellung tragende 
Dinge so bezeichnet werden, sondern nur ganze bestimmte 
so beschaffene; z.B. hläiJiuk könnte an sicli alles heißen 
was kühl hldclan ist, bedeutet aber eine «Laubhütte», ein 
bestimmtes Ding, das kühl ist; Itsnik (== listhnikb) an sich 
«etwas Laubiges», zu dem früher gebräuchlichen Adj. 
listan laubig (zu llst), heißt «Laubhaufen, Laubschober». 
Wenn ein solches Adjektiv nicht gebräuchlich ist, so ge- 
winnt es den Anschein, als sei das Formans, hier -mk^ 
unmittelbar an ein Substantiv, hier list, gefügt. 

Die zu solchen Substantivierungen von Adjektiven 
verwendeten Formantien werden bisweilen auch zur 
Ableitung von Substantiven aus gebraucht, und die 
Wörter bedeuten dann einen, der mit dem Dinge zu tun 
hat u. ä., vgl. z. B. dlvljäk der Wilde vom Adj. dtvlji 
wild mit pdljäk Feldhüter von pölje Feld. 

393. 1. -ac = -hch, sehr häufige Bildungen; Per- 
sonenbezeichnungen, beständige Träger der be- 
treffenden Eigenschaft, z. B. hälavac Rotziger hälav, 
bäle pl. Rotz ; hräfinac Geschwisterkind Irätin dem Bruder 
hrät angehörig ; govörljivac Redseliger govdrljiv ; gübavac Aus- 
sätziger gühav, guba Aussatz; Jirömac Hinkender hröm lahm; 
jedinac einziger Sohn jedim einzig; krivac der Schuldige 
kriv ; läkomac Habsüchtiger läkom ; mrtvac Toter, Leiche 
mrtav; nijemac der Stumme nijem] pijänac Säufer fijan 
betrunken; sämac allein lebender säm allein; sküpac Geiz- 
hals sküp (karg) teuer; slijepac Blinder sUjep; stärac Alter, 
Greis stär] svetac der Heilige svet; vjestac Hexenmeister 
(eigentlich Geschickter) vjest; vränac Rappe vrän schwarz; 
znänac Bekannter Z7iän. — Selten unmittelbar von Sub- 
stantiven: hdjac Kämpfer iöj Kampf. 

Sachen, z. B. cijelac bahnloser (eig. intakter) Schnee 
CIO fem. cijela unversehrt, cüpavac Art zottiger Teppich 
cupav, ozimac Winterfrucht dzimi Winter-, prijecac gerader, 
kürzester Weg prljekt, strmac steiler Ort sifm, studenac 
Quell stüden kalt, tjesnac Engpaß tijesan eng, vriicac Stelle 
im Fluß, die nicht zufriert vrüc warm. 



§393— 395. 1 Stammbildung der Nomina. 251 

Wenn -ac am Ende von Zusammensetzungen aus 
Adjektiv und Substantiv steht, so liegt ursprünglich auch 
ein daraus entstandenes adjektivisches Wort zugrunde, 
z. B. vrtöglavac «Schwindelkopf» (eig. einer, der einen 
Drehkopf hat, zu vHjeti se sich drehen, vrti mi se mir 
schwindelt, und gldva) von Adj. vrtbglav schwindlig. Bei 
diesen Bildungen ist aber nicht immer ein Adjektiv vor- 
handen, vgl. z. B. hjelökorac Messer mit weißem Heft hw 
fem. bijela, köre pL, inövjerac Andersgläubiger zu altem 
ins und vjera, 'petöfrstac Fünffingerkraut "pet fünf fvst 
Finger (daneben petdprsta, eig. fem. Adjektiv). 

394. Eine besondere Gruppe bilden die von Ad- 
jektiven auf -ov (mit possessivem Sinn bei Ableitungen 
von Personenbezeichnungen, s. § 533) herkommenden. 
Von Personennamen bedeuten sie Angehörige oder 
Anhänger der betreffenden Person, z. B. hegovac einer von 
den Leuten des Beg begov heg, cärevac Mann, Anhänger 
der Zaren cärev cär, muhämedovac Mohammedaner muhä- 
medov miihämed; von Pflanzen n amen: den Stock aus 
dem betreffenden Holz, z. B. irezovac Birkenstock hrezov 
breza, hükovac Buchenstab hukov hukva, glögovac Stock aus 
Weißdorn glbg glbgov, jusenovac Eschenstab jäsenov jäsen, 
Vipovac Lindenstab llpov Upa, trskovac Rohrstock trska. 

395. 2. -aca, -'aca; die Silben vor dem Formans 
sind kurz. 

A. Von Adjektiven; die Form -aca (Konsonant 
vorher nicht palatalisiert) ist regelrecht nur bei Ableitungen 
von Adjektiven auf -ov, außerdem sehr vereinzelt (vgl. 
hjelaca Art weißen Männergewandes, zu Mo fem. bijela, 
mckaca Art Äpfel, zu mek = abg. mckikh weich); sonst gilt 
-'aca (Konsonant vor -aca palatal). 

Beispiele von -'aca: ivanjaca Johannisapfel poss. Adj, 
%vanj zu Ivan^ krävljaca Melkkübel poss. Adj. krävlji zu 
h'äva Kuh, mkrsnjaca (eig. die Österliche, z. B. ein Hemd 
kösnlja) üskrsnp, vecernjaca Abendstern veöernji abendlich. 
— crvenjaca Art Äpfel crveii rot, kiseljaca u. a. Sauerklee 
klseo fem. Msela sauer, mjedenjaca Glöckchen von Bronze 



2o2 StamnibiUlung der Nomina. [§ 39-5— 398. 

7njeden mjed, prtenjaca Lein wandta sehe prten linnen, vjetre- 
njaca Windmühle "^vjetren vjetrem zu vjetar Wind. 

300. In Bildungen von Adjektiven mit altem 
'hm skr. -an (mit beweglichem a) entsteht ein 
Formans -njaca, z. B. drobnjaca kleine Olivenart zu 
(Irohan {^= ärohhm) fem. drohna (= drobhna) klein, ynesnjaca 
Fleisch-, Bratwurst mesan fleischern meso Fleisch, rävnjaca 
oben flache Mütze rävan eben, zlmnjaca Winterapfel zimni 
winterlich zima, slämnjaca Strohsack slämm strohern släma. 
Dies -njaca wird dann selbständig an Substantiva gefügt, 
auch wenn vielleicht ein Adjektiv auf ■h7i7> nie gebildet 
war, z. B. habenijaca Lärmkanone (zum Signalgeben) häber 
Nachricht^ krövnjaca Strohhütte hröv gen. Icröva Dach, 
lübnjaca mit Bast lüi gedeckte Hütte, pdsnjava Art Waffen- 
gürtel päs Gürtel, paprdtnjaca Standort von Farn päprät, 
zörnjaca Morgenstern zora Morgenröte. 

397. -ovaca, Ableitungen von Adjektiven auf 
■ov, die von Pflanzennamen herkommen; bedeuten fast 
ausschließlich Stöcke aus dem Holz der Pflanze, 
hie und da auch andere Dinge, die aus der Pflanze ge- 
macht werden; fast regelmäßig stehen daneben Mask. auf 
-ovac (s. oben § 394), z. B. Iresiovaca Ulmenstock (und 
Ijrestovac) irestov Inj est, hrezovaca Birkenstock (s. o. brezo- 
vac), bukovaca (s. o. bükovac)^ cerovaca (und cerovac) Stock 
aus Zereiche cerov cer, hrästovaca (und hräsfovac) Eichen- 
stock hrästov hräst, Ijeskovaca Hasel stock (und Ijeskovac) 
Ijes'kov lijeska, tresnjovaca Stock aus Kirschholz (und fres- 
oijovac), auch Kirschbranntwein, vgl. hömovaca Trester- 
branntwein kömov körn, mäkovaca ^Mohnkuchen mäkov mäh. 

398. B. Von Substantiven. Die Endung er- 
scheint als -'aca, wenn das Grundwort selbst den letzten 
Konsonanten palatal hat, z. B. bödljaca stachliges Gewächs 
bödlja Stachel, aber auch, wo dies nicht der Fall ist, z. B. 
Ijemenjaca Ausschlag am Kinderkopf zu fjeyne gen. ijhnena 
Scheitel. Die Wörter haben so verschiedene Bedeutungen, 
daß sie sich nicht unter einen allgemeinen Begriff" bringen 
lassen, vgl. jäjaca Art großer Pflaume (Eierpflaume) jdje 



§398 — 4()Ö.i Stammbildung der >Jomina. 253 

Ki, köpljaca Fahneiilanze köplje Lanze, ylamenjaca starke 
Sonnenhitze jMnien Flamme, ramenjaca Achselstück (am 
Hemde) räuie gen. räniena; hjeldsljivaca Branntwein aus 
hjelüsljiva einer Art Pflaumen, ciihaca Schopfhenne cüha 
Schopf, kötlaca eiserner Kessel kötao gen. kötla Kessel, 
krtlaca eine Vogelart krilo Flügel, nbgace pl. Schrägen 
nbga Fuß, pletlvaca Strickbeutel pletivo Strickgarn, ziihaca 
Egge züh Zahn. 

309. 3. -ak = -Z)Ä'7) {-hkh), mit beweglichen -a-, z. B. 
jedinak der Einzige (einzige Sohn) gen. jedinka zu jedini 
einziger. A. Ableitungen von Adjektiven und Par- 
tizipien, z. B. cetvrtak Donnerstag cetvrtl vierter, desetak 
der Zehnten deseti, devetak Neuntel deveti, päak Freitag 
peti fünfter, suvisak und visak Überschuß, das Mehr 
süvise zuviel, vlse mehr, süsci (sg. süsak) am Stock ge- 
trocknete Trauben süh trocken. Etwas häufiger sind solche 
Bildungen von Partizipien perf. pass. auf -oi und -t, 
z. B. danak Abgabe dä7i gegeben däti^ dohitak Gewinn dobit 
gewonnen döhiti, döspjetak Vollendung döspjeti, napitak Trunk 
näpiti se, povitak Windel pöviti wickeln, pocetak Anfang 
pöceti, ebenso zacetak zu zäceti, nach diesen Mustern ist 
geschaffen dovrsäak svrsetak Vollendung zavrsetak Schluß zu 
dem Verbum -vrsiti; osnütak Weberaufzug osnövati (alt 
-snuti) präs. ösnujem zetteln, pljiivdnak Speichelauswurf 
pljüvati, pbstanak und pbstatak Entstehung pbstati. 

400. B. Ableitungen von Substantiven. 
Den häufigen Bildungen liegen zugrunde Ver- 
bindungen von Substantiven mit Präpositionen, 
die bei Anfügung von -ak zu Komposita werden, 
z. B. 2^odbradak Vnterkinn, eigentlich was ^;o^ hrädöm «unter 
dem Bart» ist. Beispiele: hezmatak Bienenstock ohne 
Königin (zu mäti Mutter) mätica Bienenkönigin, dbrucak 
Frühstück = Mahlzeit vor dem rücak^ dbvratak Türpfosten 
vrdta pl. Tür, näpredak Fortgang, Zukunft näprijed voran, 
näprstak Fingerhut = was na prstu auf dem Finger ist, 
näramak Bündel rame Schulter, bvrsak das Oberste von 
etwas vPh, 2^odzimak Herbst zima Winter, pbdrepak Schwanz- 



254 Stammbildung der Nomina. [§400.401. 

riemen rep^ ponkljeljak Montag = was nach Sonntag ned- 
jelja kommt, priusak Ohrfeige uho Ohr, üzglavak Kopf- 
kissen gldva Kopf, zäpeöak Platz hinter dem Ofen ped, 
potomak Nachkomme putom nachher. 

401. 4. -ak, -'äk, -njäk ; mit wenig Ausnahmen 
haben die sehr zahh-eichen Wörter die Silben vor -a- 
kurz. Durch die Verbindung von -äk mit Adjek- 
tiven auf -n entsteht ein Formans -njäk, das dann 
auch selbständig ange^vendet wird. Neben den Bildungen 
auf -njäk stehen oft solche auf -nik. Die Ableitungen 
geschehen von Adjektiven und Substantiven, ganz ver- 
einzelt von Verbalstämmen, so prösjäk nom. ag. Bettler zu 
prösiti. 

A. Ableitungen von Adjektiven: 

a) -äk, vorhergehender Konsonant nicht pala- 
talisiert, z. B. hrzäk Flußschnelle Mz schnell, gliihäk der 
Taube glüh, lüdäk Tor lud, Ijeväk ein Linkshändiger lljevl, 
Ijüfäk wilder Granatapfel Ijüt herb, prbstäk einfältiger 
Mensch prost; cetvrtäk vierjähriges Tier cetvrti vierter, 
devetäk neunjähriges Tier devetl neunter^ ösniäk achtjähriges 
Tier ösmi achter, petäk Fünfer (Geldstück von fünf Ein- 
heiten), fünfjähriges Tier peti fünfter, sestäk Sechser 
(Münze), sechsjähriges Tier sesti sechster. 

b) -'äk, der vorangehende Konsonant palatal. 
Wo das zugrunde liegende Adjektiv bereits letzten pala- 
talen Konsonanten hat, ist nicht unterscheidbar, ob -äk 
oder -'äk vorliegt, z. B. hözjäk Bettler (eigentlich etwa 
'^< Gottes mann») iö^ji poss. Adj. zu bog, dlvljäk der Wilde, 
Wildschwein dlvlß, gbdisnjäk Jährling gddisnji, kütnjäk 
Stockzahn kiUnji züh Eckzahn zu küt Ecke, misjäk Mäuse- 
dreck mtsji Adj. zu mls Maus, treöäk ein Dreijähriger treöi 
dritter, üskrsnjäk Osterei üskrsnji österlich zu üskrs, vjestäk 
Geschickter vjest. 

Der letzte Konsonant des Adjektivs nicht palatal, 
z. B. hezdkonjäk Mensch ohne Religion (eig. Gesetz), vgl. 
abg. hezakonhnö, hezhoznjäk (und lezboznik) Gottloser hez- 
homn, crvmjäk roter Wein crven rot, dösljäk Ankömmling 



^401—403.] Stammbildung der Nomina. 255 

ddsao fem. dösla angekommen zu doci (= do-iti)^ kiseljäk 
Sauerampfer klseo fem. ktsela sauer, nevjernjäk (und nevjer- 
nik) Ungläubiger nevjeran, frchodnjäk (und preJiodmk) Leit- 
hammel vgl. prihodm bvan, rlbnjäk Fischteich riban fisch- 
reich riha Fisch, slohödnjäk Freisaß Slobodan frei, veseljäk 
lustiger Bursch veseo fem. vesela. — Von Partizipien prät. 
pass. z. B. öbjesenjäk (Galgenstrick) Lumpenkerl objesen zu 
objesiti aufhängen, pokrstmjäk zum Christentum Über- 
getretener pokrstiti zum Christen machen, pioturcenjäk 
Renegat pbturciti vertürken. — Wenn die Bildung erfolgt 
von Adjektiven auf -ski, so entsteht durch die Wandlung 
von sk' in st die Endung -stäk^ die gelegentlich auch an- 
gewendet werden mag, ohne daß ein solches Adjektiv vor- 
handen ist, z. ß. düräevstäk einer, der den heiligen Georg 
Büract zum Schutzpatron hat äurcUvski, gbrstäk Gebirgs- 
bewohner gbrski zu (jbra, ilijnstäk der den Tag des heil. 
Elias Ilija feiert Uvjnski. 

402. B. Ableitungen von Substantiven. 

a) -äk, selten, z. B. dvlzäk neben dvize zweijähriger 
Widder, bmäk neben öme junges (etwa einjähriges) Füllen, 
slßväk (neben sljivik) Pflaumengarten sljiva, siiräk und sivr- 
jäk Schw^ager (dass. süra). 

b) -'äk\ das Grundwort mit letztem palatalen Kon- 
sonanten, z. B. müzjäk Männchen (der Vögel) müz Mann, 
pbljäk Feldhüter polje, temeljäk stämmiger Mensch temelj 
Fundament, zemljäk Landsmann zemlja. 

Das Grundwort mit letztem nicht palatalem Konso- 
nanten, z. B. Bbsijjäk Bosnier Bösna, Imenjäk Namens- 
vetter ime gen. Imena, vgl. prezimenjäk einer mit gleichem 
Zunamen prezime^ Ijcstäk Haselstaude lijcska dass., rödak 
Verw^andter, Vetter röd röda Geschlecht, trscäk Röhricht 
trska Rohr. 

403. c) -njäk, z. B. änatemnjäk (neben änatemmk) 
des Anathema änatema würdig (wohl von einem alten Adj. 
'^anatemaii), pbkoinjäk Furunkel (eig. was unter der Haut 
kdza ist), näocnjäci pl. Scheuleder (vgl. näoanik Brille) na 
oho Auge, prokUfifjäk (und prokUfmk) Verfluchter prbklHy 



256 Stainmbildung der Nomina. [§ 4Ö3 — 406. 

prsnjäk u. a. Brustriemen phi pl. Brust, stOlnjäk Tisch- 
tuch stö gen. stöla, trpeinjäk dass. zu ti'peza, uhijäci pl. 
Ohrgehänge üho, iubnjäk Froschlaich £äba. 

404. Eine besondere Bedeutung gewinnen die Ab- 
leitungen von Pflanzennamen mittels -äk, -äk, -njäk\ 
sie bezeichnen eine Ansammlung, den Standort, das Ge- 
büsch u. ä. solcher Pflanzen: hröinjäk Feld für Färberröte 
hröö, drenjäk Kornelkirschenwald drijen, glösjäk Weißdorn- 
stand glög^ grmljäk Eichenwald grm, ivljäk Weidenstand 
Iva, jugoänjäk Erdbeerstrauch jägoda, jösljäk Erlenbusch Jo'/irt, 
jövljäk dass. jöva^ lücnjäk Knoblauchgarten lük^ Ijestäk Hasel- 
busch lijeska, pavUnjäk Waldrebengebüsch pävlt, rüzicnjäk 
Rosengarten rüiica^ slßväk Pflaumengarten sljiva, topöljäk 
Pappelwald topöla, thijäk Dornbusch trn^ trscäk Röhricht 
trska, vöönjäk (vötnjäk) Obstgarten voce, vrbljäk Weiden- 
gebüsch vrba; vgl. auch kamcnjäk Ort mit vielen Felsen 
kämen. 

405. 5. 'älj, die Silben vorher kurz; seltenere Bil- 
dungen, von Adjektiven wie von Substantiven, 
z. B. cetvrtälj Art Getreidemaß cetvrti vierter, gubälj Grind - 
mähre güba Aussatz, Räude, küsalj gestutztes Pferd Ms, 
ptutälj Pferd mit Blässe (eig. mit Fessel puto) am Fuß, 
sivälj Grauschimmel sw grau. 

406. 6. -äs, Bildungen von Adjektiven und 
Substantiven aus; die Silben vorher kurz, mit wenig 
Ausnahmen der Hochton im Nominativ als ' auf der 
Silbe vor -äs, in den obliquen Kasus geht er in diesem 
Fall auf -äs über als ', z. B. knläs gen. kriläsa. 

A. Ableitungen von Adjektiven, nicht häufig, 
z. B. bjeläs Schimmel bio fem. bijela weiß, bogätäs Reicber 
bdgat, mahmtäs Tor mälinit^ plememtäs Edler plemenit adlig, 
knväs langes krummes Messer knv krumm, velikäs Magnat 
veliki groß. 

B. Ableitungen von Substantiven; die Wörter 
bedeuten den oder das mit dem Dinge Ver- 
sehene, Beschäftigte u. ä. ; sehr häufige Bildungen. 



§406—408.] Stammbildung der Nomina. 257 

a) -äs, der vorangehende Konsonant nicht 
pal ata 1, z. B. gäjdäs Dudelsackpfeifer gäjde pl. Dudel- 
sack, '(kräs Rogner ikra, imeläs (und meläs) Misteldrossel 
ttnela (und mela) Mistel, kärfäs Kartenspieler kärta^ krtJäs 
(eig. der Geflügelte) Adlertaler kvilo Flügel, llchiäs (und 
llcinär) Bastseiler Iwina Baststrick, driäs Adlertaler örao 
gen. örla, päprikäs Fleischspeise mit päprika, pelenäs Wer- 
mutwein pelen, peoidieräs Nachbar gegenüber pendzer 
Fenster, plefkäs Ränkeschmied pletke pl., rabötäs Arbeiter 
räbota, tamhüräs Tamburaspieler tämhura. 

b) -'äs, der vorangehende Konsonant palatal; 
die meisten von solchen Grundworten, die bereits den 
letzten Konsonanten palatal haben, so diipljäs Holztaube 
düplja Baumhöhle, medäs und pomedäs Grenznachbar meda 
Grenze, trkljäs Stangenbohrer tfklja Stange; öfter von 
Fremdwörtern, die skr. auf -ija enden, und von serbokr., 
die diese Endung angenommen haben, z. B. dimUjäs einer 
der dhnlije (pl.) eine Art langer Hosen trägt, gaVijäs 
Schiffsknecht gälija, nürijäs Pfarrkind nimja Pfarrsprengel, 
robljäs Fronarbeiter röbija Frone zu röb Sklave. — Selten 
ist -äs bei Grundworten ohne palatalen Konsonanten, so 
grmijäs eine Art Holztaube (eig. Ringtaube) grivna u. a. 
Armband, grljäs dass. zu grlo Hals, Kehle, glagdljäs Gla- 
golitenpriester. 

40*^. 7. -ei (über -ei bei Nom. actionis s. § 474), 
selten, von Adjektiven ableitend, z. B. mlädez Jugend 
d. h. junge Leute mläd, sitnei Kleinigkeit sitan klein fein, 
stdrei alte Überbleibsel fitär alt, inihlez verfaulte Dinge 
truo fem. irula (= irühla) morsch, faul. Von Substantiv: 
pilez Menge kleiner Kinder pile junges Huhn, Junges. 

408. 8. -i6, der Hochton als ' auf der vorletzten 
Silbe des Nominativs, geht in den obliquen Kasus als 
auf -IC über, die Silben von dem Formans sind kurz, 
z. B. mlädiö gen. mladiöa Jüngling zu mläd jung; seltene 
Bildungen, vgl. noch brzU der Schnelle hrz, döbrJc zu dö- 
har gut, zliö zu zäo fem. zlä, beides = Beule (Geschwür), 
•ersteres euphemistisch, gblic der Nackte gd fem. gbla, mi)s- 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 17 



258 Stammbildung der Nomina. (§408—410. 

klö kleiner Junge müski von mHi Mann, obliö zylindrischer 
Stab öbao fem. öhla rund, sljepiö Blindschleiche slijep blind. 

409. 9. -ik\ wenn der Ableitung ein Adjek- 
tiv auf altes -hm, skr. -an (mit beweglichem a), 
zugrunde liegt, entsteht eine Endung -vtk (aus 
-bnik^), die dann auch selbständig ohne ein vermittelndes 
Adjektiv zu Ableitungen von Substantiven aus verwendet 
wird. Die Ableitungen auf -ik außerhalb -hniko haben die 
Silben vor dem Formans kurz mit ganz vereinzelten Aus- 
nahmen. 

A. -zk', Ableitungen von Adjektiven und Par- 
tizipien. 

a) Von nicht par ti zi p ialen Adjektiven, z. B. 
crmk Schwarzer (Scheltwort = Böser) cFii, jednogödisnjlci 
in gleichem Jahr geborene jedan gddisnji] jähukovik Apfel- 
wein jäbukov jäbuka, jänk Sommergetreide järi Sommer-, 
mrtvik schlaffer Mensch mrtav gen. mftva tot, rämk früh 
reifende Frucht räni früh, slänik Salzfaß, Art Steinsalz 
släoi salzig, sljivovik Pflaumenwasser sljlvov sljlva, töpltk 
Südwind töpal fem. töpla warm, vedrik Lichtung im Röh- 
richt vedar fem. vedra licht, heiter^ vlsnjovik Kirschwein 
vtsnjov visnja. 

410, Eine besondere Gruppe bilden die Ablei- 
tungen von Adjektiven auf -en und (weniger 
häufig) -an; es entsteht in ihnen eine Verbindung -enlk, 
-anlk, die dann weiter ohne Adjektiv unmittelbar zur Ab- 
leitung von Substantiven aus gebraucht werden kann, 
z. B. brätstvemk (und bratstvenjäk) einer aus einem brätstvo, 
vom Adj. bräfstven, drüzbenik Genosse drüzben (in älterer 
Spr.) zu drüiba Genossenschaft, ledenik Eisgrube leden zu 
led gen. leda Eis, mölitvenik Gebetbuch molitveni zu mblitva 
Gebet, päklenik Teufel päkleni zu päkao gen. pakla Hölle, 
pöslemk Arbeiter pöslem Arbeits- zu pbsao gen. pösla, slüs- 
benik Diener slüzben (in älterer vSpr.) zu slüzba Dienst. 
Nach solchen Fällen gebildet hapsenik Arrestant liaps Ge- 
fängnis, ötadzbemk Eingeborener, vgl. ötadzbina Vaterland, 
sedlemk Reitpferd sedlo Sattel, trüdbenik der sich Mühe 



^410—412.1 Stammbildcng der Nomina. 259 

gibt trüdba. — snncämk Sonnenuhr, Sonnenblume suncäni 
Sonnen- zu sünce Sonne, svecämk = svecani dän Feiertag zu 
sdtac gen. soeea Heiliger ; ebenso gebildet z. B. drvljämk 
Holzhaufen dPvlje koll. zu drvo, kbpljanik Lanzenträger 
köplje, ßcrjamk (eig. Federbuschträger) Bezeichnung einer 
Truppe in Montenegro perje koll. zu pcro Feder. 

411. b) Von Partizipien prät. pass., z. B. 
hranjemk Zögling, Pflegekind zu hränjen von hräniti nähren, 
mücenik Märtyrer müciti peinigen, nekrstenik üngetaufter 
krsfiti taufen, pöznanik Bekannter 2^02 nati kennen, ränjemk 
Verwundeter räniti, siutenik der vom Schicksal (einem 
Mädchen) bestimmte süditi entscheiden, osudemk Verur- 
teilter osüditi, ücenik Schüler äciti lehren, utoplenik Er- 
trunkener utöpiü ertränken, vjeremk Verlobter vjeriti, pö- 
slämk Gesandter pöslaü senden. 

41^. B. -n~ik = -hnikö, außerordentlich häufige 
Bildungen, meist Personen, seltener Sachen 
bezeichnend; die Adjektiva auf -an (-hm) sind teils in 
der Sprache gebräuchlich, teils in älterer Zeit vor- 
handen^ teils ist -nik ohne Adjektiv selbständig ver- 
wendet. Personen, z. B. bezäkonikh (^ bezakonhnikh) 
Mensch ohne Religion (Gesetz) zdkon, bezboznik Gottloser 
bezbozaiij bezdus7itk Herzloser bezdusan, bijednik falscher An- 
kläger zu bijeda Verleumdung (bijedan heißt «elend»), 
bolesnik Kranker bölestan fem. bölesna^ cärinik (= cesari- 
nhn^k^) Zollbeamter cärina Zoll, cHmk einer aus einer 
Bande ceta, dühovmk Geistlicher dühovni^ düzmk Schuldner 
düzan, gläsmk Bote glas u. a. Nachricht, grjesmk Sünder 
grjesan, knjizevnik Literator, Gelehrter knßzevan literarisch, 
gelehrt von knßga Buch, Schrift, kdnßk Reiter (= konhnikh) 
konj Pferd, krvmk Mörder krvni blutig, krvölocnik Blut- 
dürstiger kPv Blut lökail lecken, krvoprölitmk Blutvergießer 
pröliti })art. pa«s. prallt^ mitnik bestechlicher Mensch mit 
(mito) Bestechung, ndcehuk Vorsteher celo Stirn, ndmjesnik 
Stellvertreter mjesto Ort, ndredmk 13esteller nareditl, näsljed- 
mk Erbe naslijcdiii, yiemöcnxk Kranker nhnocan^ vendvidnik 

17* 



260 Stammbildung der Nomina. [§412.413. 

Has8er nendvidjeti, nesrecmk Unglücklicher nesreöan, btpadmk 
Abtrünniger ötpadati abfallen, pödloznik Untertan pbdloian^ 
poköjmk Verstorbener pökojm, pomöcnik Helfer pomödi 
helfen, pömöö Hilfe, poslnsmk willig Gehorchender pö- 
slüsan gehorsam, propovjedmk Prediger propovijedatl^ prötivnlk 
Gegner prötwa7i, püsH7iik Einsiedler {= pustynhnik^) püstinja 
(=pustyni) Wüste, pütnik Reisender pwf (Adj. pütan bedeutet 
«angemessen, recht», eine Bildung davon würde "Sputnik 
oder *putnik lauten), srödmk Verwandter srödan, fisuömk 
der Tausende tlsuöa besitzt, ugovörnik Kontrahent vgl. 
ugovör Verabredung ugovbriti verabreden, urednik Verwalter 
urMiti, vläsmk Eigentümer vlästan fem. vldsna Macht vläst 
habend, zäkupmk Pächter zdkup Pacht, zapovjedmk Befehls- 
haber zapövjediti, zästavmk Fahnenträger zästava Fahne. 

Sachen, z. B. hlädmk Sonnenschirm hlädmk Laub- 
hütte hlddan kühl, Istocmk Ostwind istocm östlich, noönik 
Nachtwind (und «Mondsüchtiger», fem. nbönica eine Art 
Gespenst) nböni nächtlich, präznik Feiertag, präzmk leerer 
Bienenstock prdzan leer, rücnik Handtuch rüka^ trävmk um- 
zäunter Grasfleck trävm zu trdva Gras, dbvratnik Tür- 
pfosten vräta, kbmärnik Mückennetz kbmär, komk (^kolhnik^) 
Fahrweg köla pl. Wagen, Ißsmk Haselnuß lijeska Hasel- 
strauch, päsnik Weideplatz päsa Weide, pbdvratnik Wamme 
vrät Hals, ponedjeljmk was nach Sonntag nedjelja kommt = 
Montag, ütörn^k^ Dienstag = v^tor^nik^ zu v^for^ zweiter, 
zimbvnik Winteraufenthalt zima. 

41S. 10. -ica; ebenso wie neben -fk ein -ntk 
aus -hnik^ entsteht, so neben -ica ein -nica aus 
-hnica. Wenn die Ableitungen auf -ica und -nica Personen 
bezeichnen, sind diese sehr häufig die Feminina zu den 
Mask. auf -ac (s. oben § 393) und -ik (§409). Außer- 
ordentlich zahlreiche Wörter. Bisweilen werden die an 
sich femin. Wörter von männlichen Personen ge- 
braucht, z. B. lükavica ein schlauer Mensch (Mann oder 
Frau) zu lükav. 

A. -ica, Ableitungen von Adjektiven und Par- 
tizipien. 



§413.] Starumbildung der Nomina. 261 

a) Von nicht partizipialen Adjektiven: Per- 
sonen, z. B. bälavica Rotzige mask. bälavac zu Mlav, crnica 
(Scheltwort) böse Frau mask. chiik zu crn schwarz, govör- 
Ijivica Redselige mask. govbrljivac zu govörljiv^ gubavica Aus- 
sätzige msk. gübavac zu gübav^ jedlnica einzige Tochter 
jeäinac einziger Sohn jedim einzig, läkomica die Habsüchtige 
msk. läkomac zu läkom, läzljivica Lügnerin läzljivac Lügner 
läzljiv lügnerisch, Ijenivica Faulenzerin msk. Ijenivac zu 
Ijeniv, njemica Deutsche nijemac Deutscher, sämica die Ein- 
same (ohne Mann) sdniac der Einsame (ohne Frau) säm^ 
stärica Greisin stärac Greis stär alt, sljepica die Blinde 
slijepac Blinder slijep, tvrdica der Knicker (Geizige) tvrd 
hart, vjestica Hexe vjestac (vjestac?) Hexenmeister vjest 
geschickt, zUca Bösewicht zäo fem. zlä böse. 

Sachen: jB^sfrim (Flußname) histar fem. bistra klar, 
brzlca Schnelle in einem FluG bPZj bujica Sturzbach vgl. 
büjan heftig (praeceps) abg. bujh, crnica Art schwarzer 
Kirschen cPn schwarz, däzdevica Regenwasser dazdev (älter) 
Adj. zu däzd Regen, desnica die Rechte desni, kiselica u. a. 
Sauerampfer hiseo fem. Msela sauer, krvävica Blutbeule, 
Blutwurst krvav zu krv, krivica Schuld, Vergehen kriv^ 
Ijevica linke Hand lijevi^ mödrica blauer Fleck mödar fem. 
mödra, prävica Recht präv, sirövica frisches Stück Holz 
sirov frisch, svjetlica Blitz svljetao fem. svijetla glänzend, 
sljlvovica Zwetschenbranntwein sljlvov zu sljiva, töplica 
Warmbad töpal fem. töpla, vrücica hitziges Fieber vrü6 heiß. 
— Eine besondere Gruppe bilden die von Adjektiven 
auf -en und -an herkommenden (vgl. oben unter -Ik 
§ 410), z. B. Personen: druzbenica msk. drüzbenik Ge- 
nosse, pbslenica Arbeiterin msk. ])öslenik, slüzbenica Dienerin 
msk. sliizbenik\ Sachen: drvenica Holzgestell des Saum- 
sattels dfven hölzern di'vo Holz, iglenica Nadelbüchse igUni 
\gla^ jäpnenica Kalkofen jäpnen (alt) jdpno (vapno) Kalk, le- 
denica Eiszapfen leden eisig led gen. IMa, medenica Honig- 
faß meden zu med gen. meda^ bvsenica Haferbrot övsen zu 
övas gen. öv.sa, sklenica Trinkglas *sklen sfäklen gläsern 
sklö (cklo) staklo Glas, strmenica steiler Ort sthnen^ vodenica 



262 Stammbildung der Nomina. [§413—415. 

Wassermühle vöden zu vöda, rücanica zu rücanö idöha) Essens- 
zeit, sßrcanica Brot aus sijerak Moorhirse Adj. sjercani. 

414. b)Von Partizipien prät. pass., Personen, 
meist Feminina zu Maskulinen auf -ik, z. B. hranje- 
nica Ziehtochter msk. hranjenik, mucenica Märtyrerin msk. 
mucemkj öjadenica die Betrübte djaditi betrüben, osudenica 
Verurteilte msk. osudemk, pustenica die Geschiedene püsiiti 
entlassen, suäenica die (einem Manne) Bestimmte msk. 
sudeniky ücenica Schülerin msk. ücemk, vjerenica Verlobte 
msk. vjerenik vjeriti^ znänica Bekannte msk. znänac znäti, 
zvänice geladene Gäste zväti rufen, laden. 

Sachen, z. B. irojenica Rosenkranz bröjiti zählen, 
pecenica Art Braten peöi präs. pecem, pletenica geflochtener 
Zopf plesti präs. pletem, sadenica Setzling säditi pflanzen 
(setzen); hränica Pflückobst bräti, cijepanka Holzscheit 
cijepati spalten, mähanica Brett zum Hanfklopfen mähati, 
poslänica Sendschreiben pöslati, tkänica gewebter Gürtel 
tkäü weben, vjencanica Traugebühr vjencati, zakovänica be- 
schlagener Stock zakövati beschmieden; vitica Haarlocke 
viti wickeln. 

415. B. -nica = -wiica, Ableitungen von jetzt 
oder einst vorhandenen Adjektiven auf -hns (-an); 
selbständig gewordenes -7iica dann auch zur un- 
mittelbaren Ableitung von Substantiven aus ver- 
wendet. Personenbezeichnungen, meist Feminina 
zu Maskulinen auf -tk, z. B. hezäkonica Frau ohne Religion 
msk. hezdkomk, hezobraznica Schamlose msk. hezohraznik zu 
hezdhrazan, hezdusnica Herzlose msk. hezdusmk, hezrodnica die 
Unfruchtbare iezrodan, bolesnica die Kranke msk. holesmk, 
gläsnica Botin msk. gläsmk, grjesnica Sünderin msk. grjemnk, 
krvnica Mörderin msk. krvmk, nenävidnica Hasserin msk. 
nenävidnik^ nevjernica die Treulose msk. nevjernik nevjeran, 
ötrövnica Giftmischerin msk. ötrövmk ötrövan giftig ötrov 
Gift, pomöcnica Helferin msk. pomöcmk, pddvodnica Kupp- 
lerin pbdvoditi (unterführen) kuppeln, skltnica Landstreicher 
skitati se sich herumtreiben, zlösrefnjica (srecnica) Unglück- 
liche msk. zlösretnjik zlösretnji. 



§415—418.] Stammbildung der Nomina. 265 

Sachen, z. B. dänica Morgenstern (= chnbiiica) dän 
Tag (= dbiih), klsnica Regen vvasser klsiu zu kwa Regen, 
kukuruznica Maisbrot kuküruzan ktikurnz^ mlijecnica Milcli- 
schwamm mlljecan milchreich mlijeko, ornica Ackerland arm 
Pflug- örati pflügen, pödrepnica Schwanzriemen pod unter 
rep Schwanz, praznica leerer Bienenstock prazan, sirnica 
Käsebrot sirni sir, sjenica {=senhnica) Laube sjen Schatten, 
slämnica Strohsack släman släma, slänica Salzfaß slän salzig, 
tämnica Gefängnis tciman flnster täma, (=tbmci) Finsternis. 

416. 11. -^s = -ysb^ seltene Bildungen: glädts — - 
Hungerleider zu gläd Hunger glcidan hungrig, = einer Art 
Eidechse zu glädak glatt gläditi glätten, GölU (Bergname) 
gö fem. gbla nackt, moMs Kleiner mäli^ öhlis Steinbutt öbao 
fem. öUa rund, walzenförmig, ökolis Kreis, Bezirk ökolo 
adv. ringsum, slätMs Süßigkeit slädak fem. slätka, siäns 
ein Alter stm\ 

417. 12. -ka = -oka, -hka, z. B. hljelka Name für 
weiße Henne Mo fem. bijela, cHjenka roter Apfel {jäbuka) 
crljen^ crnjka die Schwärzliche (Mädchen) crn, jälovka gelbe 
Kuh jälov, klöenka Art Mütze mit Quasten klce7i verziert 
zu kititi^ mätörka die Alte (besonders bei Tieren, vgl. msk. 
matörac) mäior, plävka Blondine pläv\ von Zahlwörtern 
cetvörka Faß von vier Eimern cetvoro, dvöjka F. von zwei 
E. dvöje, desetörka F. von zehn E. desetoro, tröjka F. von 
drei E. tröje u. a. d. A. 

418. 13. -onja, femininaler Form, aber auf 
männliche Wesen, Tiere und Menschen an- 
gewendet. Die Wörter, Ableitungen von Adjektiven und 
Substantiven, sind eigentlich Weiterbildungen von Kose- 
formen auf -0 (s. §436fg.), z.B. brkoiija einer mit großem 
Schnurrbart, hrko dass. (zu hrk). Von Menschen gebraucht 
haben sie öfter übertreibenden oder deteriorierenden Sinn ; 
die übrigen sind Rindernamen. Von Menschen, z. B. 
hälonja Rotziger ^ bälo zu bäle pl. Rotz, dügonja ein langer 
Kerl düg, gldvonja ein Großkopf gläva, hrdponja einer mit 
rauher Haut hräpe pl. Unebenheiten, krdstonja Grindiger 
kräsia^ midkonja schlaffer Mensch mläk, trbonja Dickbauch 



264 Stammbildung der Nomina. [§ 418—422. 

Vgl. trhuh Bauch, zderonja Vielfraß = zdero zu Meraii 
fressen ; zuweilen unmittelbar von Verben, so litonja mit 
Durchfall behafteter litati, prdorija Farzer pfdjeti. — Von 
Rindern: hijelonja weißer Ochs hio fem. bijela^ krilonja 
O. mit weißem Bauch (eig. der Flügel hat) IcrÜo, küsonja 
0. mit gestutztem Schwanz Ms gestutzt, medonja (Ochsen- 
name) = medo, dies hypokor. zu medvjed Bär, rögonja 
großhörniger 0. rög Hörn, sivonja grauer O. siv, cvjetonja 
O. mit Blässe cvijet. 

419. 14. -osa, femininaler Form, aber auch 
von männlichen Wesen gebraucht; Ableitungen, nur 
selten gebildete, von Substantiven und Adjektiven, einige- 
mal auch unmittelbar von Verben; z. B. cvjetosa Ziege 
mit Blässe cvijet^ clänkosa Weib mit dicken Gelenken cldnak 
Knöchel, krllosa am Bauche weißes Schwein (eig. mit 
Flügeln versehen) krilo, neznadosa einer, der sich unwissend 
stellt ne znäti, neniögosa der tut, als könne er nicht ne möci 
mögu, rögosa (Schaf- und Ziegenname, auch für ein böses 
Weib) i'ög Hörn, zelenosa (Ziegenname) zehn grün. 

420. 15. -ulja, Ableitungen von Adjektiven 
und Substantiven; fast lauter Bezeichnungen von 
Kühen. Hauptton als ' auf der drittletzten Silbe, die 
Silben vor dem Formans kurz. Beispiele: cvjetuija Kuh 
mit Blässe (Blume) an der Stirn cvijet, ktisalja gestutzte 
K. küs gestutzt, niäculja katzenfarbige K. mdca, medulja 
(Kuhname) med Honig, mrkulja braune K. mfk dunkel- 
farbig, plävulja (Kuhname) pläv blond, blau, rdgulja groß- 
hörnige K. rög Hörn, slvulja graue K. slv^ säriilja scheckige 
K. vgl. sära Buntheit. 

421. 16. -a?^, seltene Bildungen, die Silben vor dem 
Formans kurz: bogätün Reicher Idgat, glädün Zierbengel 
vgl. glädak glatt, medün Art Granatapfel med Honig, slädün 
süßer Granatapfel vgl. slädak süß, zekün Apfelschimmel 
vgl. zekan dass. zekast hasenfarbig; ükün Rad (eig. Läufer) 
zu teci tecem laufen. 

422. 17. -usuj Silben vorher kurz; Ableitungen 
von Adjektiven und Substantiven, wenig verbreitet: 



§422—424.1 Stammbildung der Nomina. 265 

gärusa (Scbafname) gär rußige Farbe, mekiisa weiches Obst 
(z. B. Apfel) mek, mrkusa braune Stute mrk, mrtvusa Schimpf- 
wort auf Vieh mrtav tot, pepeljusa (pepeljuha) Aschenbrödel 
pepeo gen. pepela Asche, pjeskusa Sanderde pijesak Sand, 
pozemljusa Haus aus Steinen (ohne Kalk und Erde, eig. 
was an der Erde ist) zemlja, prljusa Sanderde pr{K)li 
(eig. niorsch), rogusa groß hörnige Kuh rög Hörn, tmüsa 
Finsternis täma {= ttma) dass. 

423. VII. Deminutiva; Patronymika ; Hypokoristika 
(Kosenamen). Die drei Bedeutungsfärbungen lassen sich 
nicht scharf voneinander trennen, wie auch die unter 
VIII. zu behandelnden Augmentativa nicht ganz fest von 
den Deminutiven geschieden sind. Vgl. Daniele, Srpska 
deminucija i augmentacija (Glasnik drustva srpske sloves- 
nosti, B. Xn, Belgrad 1860); Belle, Zur Entwicklungs- 
geschichte der slavischen Deminutiv- und Amplifikativ- 
suffixe, Leipzig 1901. 

A. Deminutiva im engeren Sinne und Patro- 
nymika. 

1. -ac (mit beweglichem a) = abg. -bct, z. B. brätac 
Brüderchen irät, dölac gen. doca zu dö gen. döla Tal, grädac 
zu gräd Stadt, hümac zu Mm Hügel, jezicac u. a. Züngel- 
chen an der Schnalle jezik Zunge, komärac zu kbmär Mücke, 
mllnac Kaffeemühle mihi Mühle, pöpac Hausgrille (eigentl. 
Pf äff eben) pöp Priester, staräcac (= starhcuh zu starhch) 
dem. zu stärac Greis, zühac u. a. Zahn eines Kammes zub. 
Wenn das Grundwort außer Gebrauch ist, verliert sich 
die Deminutivbedeutung, z. B. vrdbac Sperling vgl. abg. 
vrahbjb, möljac Motte vgl. abg. molb, kölac Pfahl, Pflock 
vgl. abg. koh. 

4^24:, 2. -ce (= -bce), Neutralform zu -ac (= -öcö), 
z. B. groce = grhce zu grlo Hals, jäjce jäje Ei, jezerce je- 
zero See, klubäsce für kluhäcce (= klqbocbce) klüpko (= klq- 
hoko) Knäuel, seöce (= sehce) selo Dorf, slövce slövo Buch- 
stabe, srdäsce (= snhcbce) srce Herz (= srdbce, altes De- 
minutiv), sünäsce für sunacce (=^ slnbcbce) sünce Sonne 
(^= slnhce, selbst altes Deminutiv), cretence vreteno Spindel, 



266 Stammbildung der Nomina. [§424 — 426. 

zfnce zhio Korn. Wie die eigentlich doppelt deminuierten 
sünäsce sind auch gebildet sedläsce (= sedslbchce) sedlo 
Sattel, hrdäsce (= hrdhchce) hrdo Berg. 

Aus Bildungen wie brasänce (== brasbnhce) bräs7io Mehl 
wird ein -ance verselbständigt, daher hlätänce bläto 
Sumpf, See, cedänce cedo Kind, psetänce pseto Hund (s. Belic, 
S. 179). Aus Doppeldeminuierung ist entstanden 
djetesce zu dijete gen. djeteta Kind (det§ gen. det^te^ dem. 
'^det^thce, weiter deminuiert *det^ihchce, das ergibt skr. 
djete{i)cce, daraus djetesce), danach gebildet z. B. tjemesce zu 
tjeme gen. tjemena Scheitel. Über solche Um- und Weiter- 
bildungen s. Belic, S. 168, 178, 179. 

4!S5. 3. -ca (= -bca), Femininalform zu -ac 
(^ -hch)y wenig verbreitet, manches nur poetisch, z. B. 
kdpca käp f. Tropfen, hrvca krv Blut, ndcca nöc Nacht, pa- 
meca (= pamethca) pämet Verstand, paprdca Art Farn, eig. 
dem. zu päprät, rijecca rijec Wort, smixa (= smrthca) smft 
Tod^ stvärca stvär Ding, vrvca Schnur abg. vrvb fem. Ein 
altes Dem. ist djeca koll. Kinder = dethca zu deth. 

4S6. 4. -e (= -^) gen. -eta (urspr. abg. -^^^e). Von 
alters her sind gebräuchlich solche Bildungen zur 
Bezeichnung von Tierjungen, skr. jägnje Lsimm, jüne 
junger Ochs (zu altem Adj. jun5 jung), kljüse Pferd (Gaul), 
közle (=kozbl^) junger Bock zu kozblb^ lane Rehkalb, mläde 
junges Tier mläd jung, präse Ferkel, tele Kalb, stene junger 
Hund, zvijere (= zvere) zvijer (== zverb) wildes Tier, idnjeie 
gen. sdrebeta (= zrebe zrehete). Dazu auch dijete gen. dje- 
teta Kind (= det^ detpte). Vgl. dazu weitere Aus- 
dehnungen auf andere Tiernamen und auf Per- 
sonenbezeichnungen, z.B. Mce junger Stier, güsce güska 
Gans, mäsce mäzga Maultier, ptlce pticaYogel; däce Student- 
lein däk, samöuce Autodidakt (eig. dem. zu samouk), turce 
junger Türke (vgl. türak) türcin pl. türci, ünuce ünuk Enkel- 
kind, vläsce junger Vläh, — Die Deminutivbedeutung wird 
bisweilen nicht mehr empfunden, vgl. Uiziie Zwilling, 
celjdde einzelne zum Hause gehörige Frauensperson, vgl. 
koll. celjädj dvize zweijähriges Schaf, khne Schwein. 



§427—429.1 Stammbildung der Nomina. 267 

427. Tritt -e (= -e) an Wörter mit letztem 
Konsonanten k oder c, so entsteht -ce, z. B. djevöjce 
kleines Mädchen djevöjka, ctavolce zu dem. davölak Teufel- 
chen von (tcivö gen. ctävola, mbmce mbmak gen. mömka Bursche, 
pästörce pästorak Stiefsohn; Biögradce junger Belgrader 
Biögradac^ hjegknce junger Flüchtling hjegünac, jedince ein- 
ziges Kind jedinac, nijemce junger Deutscher nijemac^ vrdnce 
kleiner Rappe vränac. — Daraus ist ein -ce als selh- 
ständiges Formans entnommen, z. B. ärapce Mohren- 
kind äraj) är^apin Mohr, arnäuce Albanesenkind arnauiin, 
hivölce Büffelkalb bivö gen. Mvola, cigänce junger Zigeuner 
dganin^ cobänce junger Hirt cöhan, goveddrce junger Rinder- 
hirt govedär, könjce Rößlein könj, pöpce junger Priester pöp, 
siröce Waislein siröta. 

Aus der ursprünglichen Anwendung erklärt sich, daß 
die Bildungen auf -e, -ce wenig von Dingen, fast 
durchweg von lebenden Wesen gebraucht werden, 
vgl. indes z. B. mjesce dem. zu 7mjeh Schlauch. 

428. 5. -ak, mit beweglichem -a-, = abg. -skd und 
-hko; eine Scheidung der beiden Formen ist nur möglich, 
wo dem Formans ein gutturaler Konsonant vorangeht, k 
g h, der vor h zu c i s wird. Beispiele: cvijetak Blüm- 
chen cvljet, cünak Weberschiffchen cün Kahn, därak dar 
Gabe, gläsdk glas Stimme, golübak gölüh Taube, Ustak Ust 
Blatt, 7idsak nös Nase, prstenak prsten Ring, slnak sin Sohn, 
völak gen. vöka zu vö gen. völa Ochs; kozüsak kbzuli Pelz, 
obidcak öhläk Wolke, j^ofocak pötok Bach, prdsak Stäubchen 
präh. 

429. Alte Deminutiv a auf -yk^, vom Nominativ 
maskuliner -e?i-Stämme abgeleitet, z. B. kamyko zu kamy 
(gen. kamen-e)^ ergeben bei nochmaliger Deminuierung mit 
-hko: kamychko skr. kamicak zu kämen (alter Nom. kämi). 
ebenso jecmicak Gerstenkorn (im Auge) jecmeu Gerste, 
grumicak grnmen Klumpen, kremicak Feuerstein kremev, 
planiicak plamen Flamme, pramicak prämen Büschel (z. B. 
Wolle), vgl. auch ugljicak Kohle ügljew, danach ohne eine 
solche Grundlage krajicak äußerstes Ende, dem. zu kräj 



2G8 Stammbildung der Nomina. [§429—432. 

Rand. — Auf Anfügung von -bkö an deminutivartige andere 
Formantien beruhen Bildungen wie hrdöljak zu hhlo Berg, 
hrezüljak brljeg Anhöhe, covjecüljak cövjek Mensch, momcüljak 
tnömak Bursche. 

430. 6. -ic^ die Silben vorher kurz, seltene Bildungen: 
däzdic däzd Regen, könjic /cow; Pferd, kdsic kos Korh. mäljic 
mälj Hammer, ögnjic bganj gen. ögnja Feuer, vjetric vjetar 
Wind, zhänjic kleines Holzgefäß zhänj. 

Dazu mögen hier einige Neutra mit -tce gefügt 
werden: cvjecice zu koll. cvljede (von cvijet) Blumen, pl. ä:ö- 
lica Schiebkarren köla pl. Wagen, poljice Feld pölje, prüölce 
dem. zu koll. prüce (von prüt) Ruten; sowie vereinzelte 
Feminina auf -ica: vrbica (neben vrbica) v/ba Weide, la- 
dica (neben läitica) läda Schiff. 

431. 7.-ica^ sehr häufige Bildungen, die trotz der 
femininalen Form nicht an femininale Grund- 
worte gebunden sind, sondern, wenn auch seltener, auch 
von maskulinen (und neutralen) herkommen können. Die 
Silben vor -ica sind kurz. Beispiele von femin. Grund- 
worten: brädica brdda Bart, djevöjcica djevöjka Mädchen, 
düsica düsa Seele, görica göra Wald, göspodica Fräulein 
gospoäa, jäbucica jäbuka Apfel, közica kbza Ziege, mäterica 
matrix, dem. zu mater Mutter, mätica Bienenkönigin, dem. 
zu mäti^ nözica nöga Fuß, ptica altes Dem. zu einem *p5ta 
Vogel, sestrica dem. zu sestra Schwester, stica und däscica 
= ddstica zu däska Brett. — Von Maskulinen: cäbrica 
kleine Wanne cäbar gen. cäbra, kamenica einzelner Stein 
kamen, mäljica Schlägel 7nälj Hammer, ridcävica Handschuh, 
dem. zu rükäv Ärmel, stölica Sessel, eig. dem. zu stö gen. 
stöla, tigänjica tlgaiij Tiegel; zu dem Neutrum rlilo Mund, 
Maul ist wohl iilica dass. eig. Deminutivum. 

43^. 8. -ic (abg. -Utb = *itjb), eine der gewöhn- 
lichsten Deminutivbildungen. Die Silben vor -ic sind kurz. 

a) Deminutiva im engern Sinne, z.B. felcid kleiner 
Stier blk, cvjetic cvijet Blume, covjecic cövjek Mensch, grädic 
gräd Stadt, jezicic jezik Zunge, kötlic kötao gen. kötla Kessel, 



§432.433.] Stammbildung der Nonima. 269 

ndziö nöz Messer, päsic päs (aus pöjäs) Gürtel, vjencic vijenac 
Kranz, ziihic züh Zahn. 

Wenn das Grundwort als letzten Konsonanten 
h oder c hat, so entsteht in der Ableitung eine 
Endsilbe -cic', z. B. kUncic zu Mlnac von klin Nagel, sinciö 
zu sinak von sw Sohn, hljepciö zu hljehac von liljeb Laib 
Brot. Da sich leicht eine Beziehung der Bildungen auf 
-cic zu nicht deminuierten Grundworten einstellt, z. B. 
shi-cic unmittelbar als zu sin gehörig empfunden werden 
kann, wird -cic selbständig angewendet, z. B. hostancic zu 
böstan Melonengarten, hrescic hnjeg Anhöhe, haynencic kämen 
Stein^ mjt'scic mijeh Schlauch, dhrascic Wange dh7'az, rdscic 
rög Hörn, frhisciö trhih Bauch. 

Gewissermaßen den Übergang zu der folgenden Be- 
deutungsklasse der persönlichen Patronymika bilden die 
Wörter auf -ic, die junge Pflanzen und Junge Tiere 
bezeichnen, z. B. gräbic junge Weißbuche grab, jähuck- 
jäbuka Apfelbaum ; lävic junger Löwe läv, örliö örao gen. 
örla Adler, ribic rlba Fisch, vücic vük Wolf, zmtjic zmija 
Schlange, zähiö Kaulquappe zäba Frosch. Die Beispiele 
zeigen, daß maskuline wie femininale Wörter zugrunde 
liegen können. 

433. b) Patronymika und Metronymika; von 
Appellativen, z. B. brätic Brudersohn brät^ kräljic Königlein 
und Königssohn krälj, sestric Schwestersohn sestra, udövicic 
Witwensohn udövica, vo jvodiö Yojevodensohn vöjvoda; dahin 
auch bözid (von bog Gott) Weihnachten. Von Personennamen 
die unzählige Menge serbokroatischer Familiennamen 
auf -iö wie Petrid, Miletic, Grujk, Savid-^ Nikoliö. — Außer- 
ordentlich oft liegt diesen Patronymika nicht das Appellativ 
oder der Namen unmittelbar zugrunde, sondern das von 
diesem abgeleitete possessive Adjektiv auf -ov {-ev), z. B. 
von Appellativen bänoviö Banssohn bänov bän, krdljevic 
Königssohn krdljev krälj, cäreviö Kaiserssohn cärev cär ; von 
Namen, z. B. Milosevic von Milos, Obrenovic von Obren, 
Jovanoviö von Jovan, Zivanovic von Zivan. 



'270 Stammbiklung der Nomina. [§434 — 437. 

434. 9. -ic, seltene Bildungen; die Silben vor dem 
Formans kurz, z. B. cärlc (neben cäric) Zaunkönig cär, 
grculiö gen. gradida (neben grädic gen. grädiöa) dem. zu 
gräd^ grlul Flaschenhals giio Hals, pbpic (eig. Pfäffchen) 
Zaunkönig pdp\ auch von Eigennamen, z. B. Petnö zu 
Petar gen. Petra. 

435. 10. -ka, nicht nur von Femininen, son- 
dern auch von Maskulinen und Neutren ableitend. 
Die Deminutivbedeutung tritt öfter nicht mehr hervor. 
Beispiele: celjuska Schraube, die den Flintstein hält, eig. 
dem. zu celjüst Kinnbacken, cerka Töchterchen der, hümka 
dem. zu hürn Hügel, llska Itst Blatt, miska Arm (eig. Arm- 
muskel), eig. dem. zu mis Maus, pecka peö Ofen, reseika 
Gitterwerk reseto Sieb, sjecka Häcksel vgl. sjeca abgehauene 
Zweige, slpka dem. zu slba Rute, trünka zu trün Splitter, 
senka Weibchen (von Tieren) zma. Alte Deminutiva sind 
auch djevöjka Mädchen, mäjka Mutter (von Koseform), 
tetka Tante (vgl. abg. teta). 

Bisweilen bezeichnen solche Bildungen ein einzelnes 
Exemplar aus einem Haufen oder einer Gattung, 
z. B. Mljka Halm vgl. bilje (= hjlbje) koU. Kräuter, hüjatka 
Farnstengel koll. hljäd Farn, gräska einzelne Bohne gräh^ 
mäslinka Olive mäslina Ölbaum, päpratka Farnstengel päprät^ 
präska Staubkorn präh, sjemenka Samenkorn sjeme, slmnka 
Strohhalm släma, svpräska Rute slpräg Gesträuch, trävka 
Grashalm träva, zvjerka Stück Wild zvijer, zirka einzelne 
Eichel koll. zir Eicheln. 

430. B. Hypokoristika (Koseformen), gebildet 
mit verschiedenen Formantien; sämtlich Verkürzungen von 
Appellativen und Eigennamen, zweisilbig (außer den auf 
■oje auslautenden), sofern sie nicht selbst durch Deminutiv- 
formantien weitergebildet sind und so mehrsilbig werden, 
z. B. Jelica von Jela zu Jelena. 

437. 1. -a Feminina, -o (und -a) Maskulina. 
• — Feminina. Vom Grundwort bleibt der konsonantische 
Anlaut mit dem folgenden Vokal und dem oder den, 



§437.438] Stammbildung der Nomina. 271 

Konsonanten, die diesem folgen. Der Akzent ist stets 
auf der ersten Silbe, z. B. von Appellativen: gosfa Herrin 
göspoda, kdda käduna Dame (türk.), köka kökös Henne, 
krdva kräva Kuh, lasa läsica Wiese], prija prijateljica Freun- 
din, növa nevjesta junge Frau; von Eigennamen: Grozda 
Grözdana^ Jevra Jevrosima^ Jela Jelena, Pela Pelägija. Auch 
kommen solche Namen mit Endung -e vor, z. B. Döbre zu 
Döhrana, Pere^ Pläne, die bei Vuk mit " akzentuiert sind. 

Maskulina, z. B. von Appellativen: brdto (hräfa) Irät 
Bruder, cövo cövjek Mensch, medo medvjed Bär, pöhro pohratim 
Wahlbruder, pöjyo (-pa) pöp Priester, Mro hercegovac Herze- 
goviner, cigo dganin Zigeuner; von Eigennamen: Böio 
(-za) Bözidär, Ivo (-va) Ivan, Kösto (sta) Kostädin Kostäntin, 
Ldzo {-za) Läzär, Vdso (sa) Väsilije. Daneben lokal auch 
-e, dann ist aber der Akzent auch ", so käle zu käluder 
Mönch, Jure Jure (vgl. Büro Büra, Bördije Georg), Täde 
von Tädija Thaddäus. 

438. 2. -ja Feminina, -jo (und -ja) Maskulina. Vom 
Grundwort bleibt nur der konsonantische Anlaut mit dem 
folgenden Vokal. Der Akzent stets ' auf der ersten Silbe. 
— Maskulina auf -oje, Akzent " auf der ersten Silbe. 

A. 'ja, -jo. 

a) Feminina; von Appellativen z. B. gröja grbz- 
nica Fieber, lija llsica Fuchs, seja sestra Schwester; von 
Eigennamen z.B. Stoja Sibjana, Böja Bögdana. 

b) Maskulina; von Appellativen z.B. Iräjo (-ja) 
hrät Bruder, düjo (-ja) dühovmk Beichtvater, Geistlicher, 
zejo zec Hase; von Eigennamen z. B. Köjo Kostädin, 
yPijo zu Mihäilo oder zu Mltar (= Dimttrije), P^jo Petar^. 
Stöjo Stbjan. 

Die unter 1. und 2. genannten Hypokoristika können 
durch -ka fem. und -ko mask. weitergebildet (deminuiert) 
werden, erhalten aber dann meist den Akzent , z. B. 
Jelka zu Jela von Jelena, Stöjka zu Stöja von Stbjana; Ivko 
zu tvo von Ivan^ Stöjko zu Stöjo von Stbjan. 

B. -oje, nur Eigennamen, z. B. Bogoje zu Bbgosav, 
iJrägöje Drägosav, Miloje zu Eigennamen mit milo-, Petoje 



272 Slammbildung der Nomina. [§ 438—443. 

Petar, Vükoje zu Eigennamen mit vuko-, vgl. noch Zlätoje, 
Stänoje, Cvjetoje usw. 

439. 3. -ka Feminina, -ko (daneben auch -ka) Mas- 
kulina. Vom Grundwort bleibt nur konsonantischer An- 
laut mit dem folgenden Vokal; Akzent stets '. 

a) Maskulina; von Appellativen z. B. djeko djed 
Großvater, priko prljatelj Freund; — von Eigennamen z. B. 
Jöko Jdvan, Ldko (Ldka) Läzär. 

b) Feminina; von Appellativen z. B. s^ka sestra, 
n4ka nevjesta junge Frau; von Eigennamen z. B. Jeka 
Jelena, Ika Ivana. 

440. 4. -ca Feminina, -co (und -ca) Maskulina. Vom 
Grundwort bleibt nur der anlautende Konsonant mit dem 
folgenden Vokal; Akzent stets '. 

a) Maskulina; von Appellativen z. B. hräco 
(hräca) brät, oco Vater (Pater, Klostergeistlicher) dtac; von 
Eigennamen z. B. Peco Petar, Joco (-ca) Jdvan. 

b) Feminina; von Appellativen z. B. mdca mäcka 
Katze ; von Eigennamen z.B. Jeca Jelisdveta. 

441. 5. -ca, Feminina und Maskulina (hier auch 
-co); wie es scheint, selten verwendet; das Grundwort be- 
handelt wie unter 4., Akzent stets ' ; z. B. teca zu tefak 
Mann der Tante, Köca (-co) Kostädin; Kdca (Daniele, 
Glasnik XII, 486) zu Katharina. 

4:42» 6. -sa Feminina, -so (und -sa) Maskulina; das 
Grundwort behandelt wie unter 4. und 5.; Akzent stets '. 

a) Maskulina; von Appellativen z. B. priso (-sa) 
prljatelj Freund; von Eigennamen z. B. Gliso (-sa) zu 
Gligorije aus Grlgorije, Miso (-sa) Mihailo, Peso Petar, Töso 
{'Sa) Tödor aus Teodor. 

b) Feminina; aus Appellativen z. B. sesa sestra, 
sndsa snäha Schwiegertochter; von Eigennamen z. B. 
Ddi'a Däfina, Rasa Bädöjka. 

443. 7. -la, -le Feminina und Maskulina; das Grund- 
wort behandelt wie oben ; der Akzent bei -le ., z. B. iräle 
brät, Vüle Vük; sela sele sestra, male mäti Mutter. 



§444—446.] Stammbildung der Nomina. 273 

444. VIII. Augmentativa(Amplifikativa); die Wörter 
-drücken Vergrößerung, Vergröberung, Plumpheit, auch 
Häßlichkeit und Schlechtigkeit aus. 

1. "'aga, der vorangehende Konsonant palatalisiert; 
seltene Bildungen, z. B. sovüljaga zu söva Eule, rüpcaga zu 
rüpa Loch, Grube, wohl auch so zu fassen vhijaga wilder 
Weinstock, wilder Wein, zu vino. 

445. 2. -an gen. -ana] vereinzelt auch -'an. Ab- 
leitungen von Substantiven und Adjektiven; 
deteriorierender Bedeutung; die Silben wov -an kurz, 
Akzent ' auf der vorletzten: hükvan Dummkopf hukva 
Buche, chijan Schwärzling (Scheltwort) crn schwarz, divljan 
(ein Märchenwort) Art Riese zu div (türk.) Riese oder zu 
dwlji wild, domlsljan (scherzhaft) einer, der für alles Rat 
hat (Schafferat), vgl. domisljati Rat schaffen, kllpan großer 
ungeschickter Mensch zu klip i. d. B. Wurfprügel, kopUan 
unehelicher Sohn, ein Mordskerl (nebulo) zu köpile ntr. 
Bastard, mrtvan schlaffer Mensch mriav gen. mrtva tot, 
süpljan Dummkopf süpalj löcherig, tüpan Stumpfsinniger 
tap stumpf, zavhan (Scheltwort) großer ungeschickter 
Mensch vgl. zavrsti se sich verwickeln, zvekan Dummbart, 
wohl zu zveket Geklimper zveketati klimpern, zükvan dass. 
Die angegebene Bedeutungsfärbung fehlt zuweilen, so rufa7i 
Fuchs (Pferd) ruf fuchsrot, säran Karpfen (eig. Bunter, 
vgl. sären bunt), zekan Apfelschimmel vgl. zeko zelenko dass. 
In einigen Fällen hat das Formans hypokoristische 
Bedeutung, so hräjan (vertraulich) vgl. hräjo zu brät 
Bruder, stfican zu stric Oheim, mäcan zu mdcak Kater. 

446. Daneben besteht ein Formans -ä7i, die 
Silben vorher sind kurz; Ableitungen von Tier- und 
Personenbezeichnungen, z. T. hypokoristisch, z. T. 
eher augmentativ: öürän Truthahn cüra Truthenne, gäcän 
Hosentaube gäre pl. Hosen, giisän Kropf taube güsa Kropf, 
pürän Truthahn ;;zi?Yi Truthenne, güsän Gänserich vgl. güska 
Gans, £Üjän falber Ochs zu sät gelb; davölän Mutwilliger 
<tävo gen. dävola Teufel, vragölän dass. vgl. vragölije pl. 
Teufelei zu vräg Teufel, kmnän (vertraulich) küm Gevatter, 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 18 



274 Stammbildung der Nomina. [§446—450. 

prijän (vertraulich) prljatelj Freund, sirötän Waise siröia 
dasselbe. 

447. 3. -ara, in wenig Beispielen ist die Bedeutung 
deutlicher ausgeprägt, so Ijudeskara (zu Ijüdi Leute) augm. 
zu cövjek, müskara Frauenzimmer, das sich wie ein Mann 
gebärdet müsM männlich zu müz, pljöstara pljösta Pfütze,. 
sträcara sträc ein sehr schlechtes Haus, zukvara zükva Art 
großer saurer Äpfel, vgl. jäjara Art großer Pflaume (Eier- 
pflaurae) jdje Ei, zenskara Weibchen (von Tieren, eigent- 
lich wohl deteriorierend) zu senski weiblich. 

448. 4. -da, nur in Verbindung mit anderen For- 
mantien und selten: glävürda und glävura augm. zu gldva 
Kopf, nözürda zu nöga Fuß, Srhenda zu Sri Serbe. 

449. 5. -iwß, die häufigste Augmentativbildung 
und in sehr zahlreichen Beispielen vertreten. Die Ableitung^ 
kann von Maskulinen, Neutren und Femininen ausgehen. 
Durch Verbindung mit vorangehenden, dem Grundwort 
angehörenden Formantien entstehen neue, selbständig 
werdende, z.B.-etina^ -urina u.a. (s. §450fg.). Die Silben 
vor -ma sind kurz. 

a) 'ina, z. B. bardäcina bärdäk gläserne Kanne, becä- 
rina hecär Junggeselle, böcina bök Seite, hrdina brdo Berg,, 
brezina brljeg Hügel, crkvina Kirchenruine crkva, g^'ädina. 
gräd Festung, Stadt, gräsina gräh Bohne, jävorhm jävör 
Ahorn, klobücina klobük Hut, ludäcina lüdäk Tor, mäjcina 
mäjka Mutter, njemcina nijemac Deutscher, psma päs gen. 
psä Hund, trbusina trbiih Bauch, vöjstina vöjska Heer, vrü- 
cicina vrücica Fieber, vüclna vük Wolf. 

450. b) -etina; entsteht bei Grundworten auf -e 
(= -f) gen. -eta (für §te), z. B. guscetina von güsce gen. gu- 
sceta zu güska Gans, macetina von mäce gen. mäceta zu mäcka 
Katze, kucetina von küce gen. hüceta Hündchen, dient als 
Augm. zu kücka Hündin; pticetina zu ptUe gen. ptlceta von 
ptica Vogel; da es unmittelbar zu ptlca bezogen wird, löst 
das Sprachgefühl ein Formans -etina ab, das beliebig weiter 
gebraucht wird, z. B. babetina zu bäha alte Frau, bradetina. 



§450 — 455.] StammbilduDg der Nomina. 275 

brdda Bart, glaveiina gläva Kopf, krmaceüna und khnacina zu 
krmaca Sau, mjesetina mijeh Schlauch, usnetina usna Lippe. 

451. c) 'Urina, entstanden durch Erweiterung von 
Augmentativen auf -Hra (s. § 458), z. B. djevojcürina aus 
djevöjcura (neben djeudjcinn) zu djevöjka Mädchen, glavürina 
glävura (neben glavetina) gldva; von solchen Fällen aus ist 
'urina verallgemeinert, z. B. babürina bäba alte Frau, bra- 
dürina (s. o. bradetina) brdda Bart, bradvürina (und bradve- 
üna) brädva Zimmeraxt, britvünna (und britveüna) brltva 
Taschenmesser, knjisürina (und knjizetina) knjlga Buch, 
pücürina (und pücina, pticetina) ptlca Vogel. 

45^. d) -esina, selten ; nach Belic S. 200 vielleicht 
entnommen aus macesma augm. zu mäceha Stiefmutter, 
das als maces-ina aufzulösen ; vgl. ceresina zu der Tochter, 
mater esina zu mäti gen. mätere Mutter, sestr esina zu sestra 
Schwester; vgl. noch hariijesina (und harüjetina) härtija 
Papier, rakijesina (und rakijetina) räkija Branntwein. 

453. e) 'usina und -ustina; -iisina entstanden aus 
Weiterbildung von Nomina auf -tisa (vgl. §463); die Ent- 
stehung von -ustina ist unsicher (vgl. indes § 454). Bei- 
spiele: gvoMüsina zu gvoMe Eisen, orlüsina (neben örlina) 
zu örao gen. örla Adler, vgl. orlüsic junger Adler, orlüsina 
Adlerweibchen; viniisina vino Wein; barüstina (und baretina) 
bära Pfütze, maglüstina mägla Nebel, ognjüstina hitziges 
Fieber dganj gen. ögnja Feuer, srebr ustina srebro Silber, 
vatrüstina hitzige Krankheit vätra Feuer, vruciistina (und 
vrücicina) vrücica Fieber. 

454. f) Bei Verbindung des -ina mit Adjek- 
tiven auf -skl entsteht -sti7ia, das gelegentlich selbständig 
weiter verwendet wird; z.B. cigänstina von ciganski zu d- 
ganin Zigeuner, kaluderstina von käluderski zu käluder Mönch ; 
li Jenstina Faulpelz lljen faul. 

455. 6 . 'isfe = *iskje (Weiterbildung von -isko, 
80 in den westslavischen Sprachen), selten gebraucht; z. B. 
blauste bläto Sumpf, See, coeciste Unmensch cbvjek, gödiste 
Jahr göd gen. göda^ Ijädiste Unmensch Ijüdi Leute; vgl. 

18« 



276 Stammbildung der Nomina. [§ 455—459. 

noch kucistina (zunächst zu kuölsfe Hausplatz) unförmlicheH 
verfallenes Haus küca, in derselben Bedeutung auch ku- 
öerina kucürina knöetina. 

450. 7. -iiga, -'uga, selten in deutlich ausgeprägter 
Bedeutung: vvömga augm. zu cvör Knorren, käljnga und 
häljiiia Pfütze, wohl augm. zu käo gen. käla Kot, mäljuga 
Art Ramme, wohl augm. zu mälj Hammer, pänjuga augm. 
zu pa??; Baumstumpf. — Sonst vgl. vläcuga Radschuh zu 
vldciti ziehen, väljuga Walze zu vdljati; bjeluga weiße Sau 
neben bjelüg weißer Eber, zu Mo fem. bijela weiß; zeljüg 
grauer Eber zeljuga graues Schwein (zu zelen grün); auch 
sonst werden mit -uga einige Tiernamen (Vogelnamen) ge- 
bildet: cevHjuga (sevrljuga) Lerche, cesljuga Distelfink, pl- 
Ijuga Sperber. 

45*7. 8. -ulja, z. B. crepulja großer irdener Deckel 
crijep Scherbe, Ziegel, dsakulja dzäk Sack, grdulja häßliches 
Frauenzimmer "^'grdo grdan häßlich; augmentativ sind wohl 
auch zu fassen grähulje pl. gräblje Rechen (vgl. gräbiti 
raffen), grebulje dass. (vgl. grepsti grebem), pjeskulja sandige 
Erde pijesak Sand. — Ein Formans -idj- außerdem in Ver- 
bindung mit anderen Amplifikativ- und Deminutivfor- 
mantien, vgl. travüljina augm. zu träva Gras, krovüljina zu 
krövDsich; bresüljak dem. zu brljeg Hügel, covjecüljak dem. 
zu cbvjek, moyncüljak dem. zu mömak Bursche. 

458. 9. -ura (vgl. §451 -urma); wenig verbreitet, 
z.B. djevöjcura zu djevöjka Mädchen, glävura zu gldva Kopf, 
pijändura Säufer und pjändura betrunkenes Frauenzimmer, 
vgl. pjäncina pljäncina augm. zu pjdnac, pij4nac Säufer. 

459. IX. Feminina zu entsprechenden Maskulinen. 

1. -a. Die häufigeren Beispiele -ar-a zu -är^ -aca zu 
-äc s. oben §§ 363^ 365. Sonst seltener, z. B. imenjaka 
Namensschwester hnenjäk Namensbruder, jaränika Vertraute 
jaränik, pästörka Stieftochter pästorak gen. pästorka, rödaka 
Muhme rödäk Vetter, ünuka Enkelin wiuk. 

2. -ja, selten angewendet, z.^. gdspodaHQrxin gospöd, 
hrmaca Sau krmak Eber^ müsaca (lokal) Bäuerin, zu einem 



§459 — 461. J l^tanimbüdung der Nomina. 277 

*tnqzakö; tästa Schwiegermutter täst gen. tästa Schwieger- 
vater. 

460. 3. -ica, außerordentlich oft angewendetes For- 
Dians; z.B. hänka Banin län^ bivolica Büffelkuh iivö gen. 
hivola, hrätanka Bruderstochter vgl. brätanic Bruderssohn, 
cärka Kaiserin cär, golubka Taubenweibchen gölüh Taube, 
Hrvätka Kroatin Hrvät, kalucterka Nonne käluder Mönch, 
kräljka Königin krälj, lävica Löwin läv, prijateljka Freundin 
prljatelj^ prörocka Prophetin prörok, vücka Wölfin vük. 

Häufig sind solche Bildungen von Maskulinen auf 
<ir und von Nom. ag. auf -äc, z. B. cuvärka Hüterin 
ctivär, gospodärka Herrin gospödär, govedärka Rinderhirtin 
govedär, krcmärka Gastwirtin krcmär, ovcärka Schäferin 
dvcär, poglavärka Frau des poglävär Oberhaupt, vracärka 
Wahrsagerin vräcär; beräcka Leserin (z. B. Traubenl.) 
beräc, igräcka Spielerin, Tänzerin tgräc, koväcka Schmiedin 
köväcy pjeväcka Sängerin pjeväc. 

Nicht selten wird -ka nicht unmittelbar an den be- 
trefi'enden mask. Substantiven verwendet, sondern der 
Ableitung liegt ein von diesen gebildetes pos- 
sessives Adjektiv zugrunde, z. B. bänovka Banin 
bänov zu bän, despotovka Frau des Despot despotov despoty 
däkonovka Diakonsfrau däkonov ääkoii, kräljevka Königin 
krdljev krälj, üciteljevka Lehrersfrau üciteljev ücitelj ; äginka 
Agafrau ägi7i ciga, päsinka Paschafrau päsin päsa, vöjvo- 
dinka Vojevodenfrau vojvodin vöjvoda. 

461. 4. -inja = abg. -yna-, Nom. sg. -yni; die Silben 
vorher sind kurz. Z. B. beg'mja Begin beg, Grkinja Griechin 
Grk, kneginja Frau des knez^ mbmkinja Dienstmagd mbmak 
u. a. Knecht, prösjakinja Bettlerin prösjäk, röbinja Sklavin 
röb, zemljäkinja Landsmännin zemljäk; von Völkernamen 
vgl. noch Bosnjäkinja Bosnierin Bösnjäk, Türkinja Türkin, 
eig. zu Türak, vgl. Thrcin pl. Türci, VWünja Walachin Vläh. 

Selten dient das Formans zum Ausdruck anderer Be- 
deutung, zur Bezeichnung von Frucht einer Pflanze: 
düdinja Maulbeere dlid Maulbeerbaum, glöginja Weißdorn- 
frucht glög, smrekinja Wacholderbeere smreka Wacholder. 



278 Starambildung der Nomina. [§461—464« 

Über -kinja s. § 462 (b). 
40!2. 5. 'ka, -kinja. 

a) -Ä-a, z. B. bäkälka Krämeriii häkäl, höljärka Bojarin 
hdljär, lövka u. a. Jägerin vgl. Idvac Jäger, pästlrka Hirtin 
pästir, tüdmka die Fremde tuäin, vodenicärka Müllerin vode- 
nicär, zvbnärka Glöcknersfrau zvönär. 

Besonders häufig bei Völker- und Einwohner- 
wie Klassennamen gegenüber Maskulinen auf 
~an-in, -ac, z.B. Cärigractänka Konstantinopolitanerin Gäri- 
graäanin, grädänka Städterin grädanin, mjestänka Orts- 
bewohnerin mjestanin, seljänka Dorfbewohnerin seljanin, 
Senjänka Zengerin Smjanin (zu Senj). — Bösänka Bosnierin 
vgl. Bosdnac, Crnogörka Montenegrinerin vgl. Crnögorac, 
donjözemka Unterländerin vgl. donjözemac, Hercegövka Her- 
zego vinerin Hercegovac, Preködrinka eine von jenseits der 
Drina vgl. Frekbdrinac, Särajevka Frau aus Sarajevo vgl. 
Sarajevac, zägörka eine Transmontane vgl. zägorac. 

b) Durch die Anfügung von -inja an Bil- 
dungen auf -ka entsteht -kinja, das dann selbständig 
auch ohne ein vorhandenes Wort auf -ka verwendet wird, 
z. B. ärapkinja neben ärapka Negerin zu ärap ärapin^ bo- 
Ijärkinja neben höljärka Bojarin böljär, Bränicevkinja neben 
Bränicevka eine Frau aus Brä7iicevo, trgövkinja neben 
trgövka Handelsfrau trgovac, zägörkinja neben zägörka eine 
Trans montane zägorac. — Beckinja Wienerin Becanin, dvör^ 
kinja Auf Wärterin dvör Hof, Fräncüskinja Französin Fräncüz. 
Vgl. noch döjkinja Amme zu döjiti säugen. 

403. 6. -usa, die Silben vor dem Formans sind kurz, 
z. B. aläüisa Fuchsstute älat Fuchs, Bosnjäkusa Bosnierin 
Bbsnjak., djeverusa Frau des Brautführers djever, dörusa 
braune Stute döi^at doro Brauner, dbgusa Schimmelstute 
dbgat döga {-go) Schimmel, jastrebiisa geierfarbige Henne 
(eig. Geierin) jästrijeb, külusa mausfarbene Stute küläs 
mausf. Pferd, rutusa fuchsrote Stute rido Fuchs rld fuchs- 
rot, seljäkiisa Bäuerin seljäk. 

464. X. Pflanzennamen. Wo solche Namen sich 
einreihen in die bisher behandelten Bedeutungskategorien, 



§ 464.J Stammbiidung der >»omina. 279 

sind sie gelegentlich unter den Beispielen mit erwähnt. 
Hier handelt es sich um reihenweise vorkommende 
Pflanzennamen mit Formantien, die entweder fast 
einzig zur Bildung solcher Namen verwendet sind, oder 
wenn auch sonst gebraucht, mit Vorliebe dafür angewandt 
sind. Die botanischen Namen sind nach Vuks Wb., so- 
weit sie dort vorkommen, gegeben, sonst nach Sulek, 
Jugoslavenski imenik bilja (Agram 1879). Bei weitem am 
häufigsten sind Bildungen auf -ika und -ik\ die auf -ika^ 
wenn abgeleitet von kürzeren Pflanzennamen, bedeuten 
öfter eine einzelne Pflanze aus einer Gattung, 
die diesen kürzeren Namen führt; die auf -tk eine An- 
sammlung von Pflanzen (Strauch, Wald, Stand), 
vgl. dazu oben § 404 -äk -njäk. 

1. -ika (auch -Ijika), die Silben vorher kurz, Haupt- 
ton auf der drittletzten: äpüka Attichstengel äpta Attich, 
bjelika Splint zu Mo hijela weiß, bödljika Art Stachelgewächs 
hödlja Stachel an Gewächsen, börika Kiefer bor gen. böra, 
bimika Bilsenkraut bün^ cvölika Samenstengel der Zwiebel, 
zu altem stvolo Stengel, cemerika Nießwurz cemer Gift, 
cesljika Kardendistel ceslja^ gladisika ononis glädis, görcika 
Milchdistel sonchus oleraceus zu görak fem. görka bitter, 
gresika und gresljika neben gres Herling (unreife Traube), 
jäglika Primulaarten, jäsika Aspe, jelika Tanne jela, kaphiika 
Akazie, kloköcika Pimpernuß staphylea pinnata klököc, 
konopljika Hanf stände könoplje, köstrika ruscus aculeatus, 
lovörika Lorbeer lövör (alt), Ijutika Zwiebelart allium asca- 
lonium zu Ijüt herb, mäsljika evonymus, mhdljika Mehltau 
med gen. meda Honig, mlädika Sproß zu mläd jung, mljecika 
Wolfsmilch mlijeko Milch, muliärika Borstengras panicum 
oder Setaria-Arten, omörika Fichte ömora, östrika u. a. carex 
zu östar scharf, paprätljika Farnstengel päprät, päprika 
caspicum annuum päpar Pfeffer, perünika Schwertlilie perum» 
(Donnergott) plänika Erdbeerbaum arbutus unedo, prüdika 
Gesträuch, das auf einer Sandbank prüd aufwächst, rästika 
(neben rästan) Art Kohl brassica oleracea, smrdljika {smr- 
Ijika) Eberesche zu smrdjeti stinken, sräsljika zusammen- 



280 Stammbildung der Nomina. [§464 — 466. 

gewachsene Nüsse u. a. zu srdsti se zusammenwachsen, 
srcika Holundermark und eine Art Apfel srce Herz, stäblika 
Stengel stäblo dass., strnjika Stoppeln vgl. Adj. sti^ni «voii 
Halmgetreide» '•^'sthrnh fem. stipula, sarenika Art Apfel sären 
bunt, savränjika carthamus tinctorius sävran Safran, stbika 
und sibljika Rute slba koll. siblje^ sepürika rosa canina^ 
tamjänika Muskatellertraube tämjan Weihrauch, teüvika 
Stechwinde smilax aspera tetivaSehne (desBogens), trbidjika 
neben trbulja Schierling, trepetljika Äspe zu trepetati zittern, 
trstika trsljika Rohr trst, trska^ üljika Ölbaum ülje Ol, zele- 
nika Buchsbaum zelen grün, zdräljika Steinklee zdräl zdrälj 
Kranich, zestika tatarischer Ahorn zesia. — Wo -ika sonst 
vorkommt, was selten ist, wiederholt sich zum Teil die 
Bedeutung des einzelnen Stückes, so grädljika Stück Bau- 
material, vgl. gräda Baumaterial grdditi bauen, hvätljika 
Scheit Holz hvät Klafter. 

465. 2. -i/c, die Silben vorher kurz, Hauptton als 
auf der vorletzten: äptik Attichstrauch dpta, bbrik Kiefern- 
wald bor gen. böra^ brezlk Birkenwald breza^ bükvxk Buchen- 
wald bükva^ cerik Zereichenwald cer, dremk Kornelkirschen- 
stand drljen, gräbik Weißbuchenwald grab, Ivik Weidenwald 
Iva, jasenik Eschen wald jäsen, jäsik Äspenwald jäsika Äspe, 
jösik Erlenwald joha, kestenik Kastanienwald kesten, klenih 
Ahorn wald klen, krüsik Birnengarten vgl. krüska Birnbaum, 
llpik Lindenwald llpa, topölik Pappelwald topöla, sljivik 
Pflaum engarten sljlva. 

466. 3. -ulja, Silben vorher kurz, Hauptton als 
auf der drittletzten: kädulja Salbei, märulja marrubium 
vulgare, pähulja Honiggras holcus lanata, vgl. pähülj Gras- 
halm, pröhulja wie es scheint zu pröha Hirse, räzulja Art 
Roggen räz, trbulja Schierling, prütulja Art rotgestreifter 
Apfel prüt Gerte, slsulja Art Rebe, vläsulja Gauchhafer 
avena sterilis. 

4. -ic, wenige Wörter; sie werden hier nur angeführt, 
weil dies Formans im Serbokr. überhaupt selten ist und 
die meisten Bildungen, abgesehen von einigen Eigennamen, 
Pflanzenbezeichnungen sind; die Silben vor dem Formans 



§466—469.] Stammbildung der Nomina. 281 

sind kurz: Ijutic Ranunkel Ijüt herb, mräda (Pflanzenart) 
mräv Ameise, vrätic und povräüc Rainfarn zu vrdüti wenden, 
zvönic (Pflanzenart) zvöniti läuten zvÖ7io Glocke. 

467. 5. -an (mit unbeweglichem a) gen. -aiia; eine 
kleine Anzahl; die Silben vor -an sind kurz: brstan brsljan 
Efeu, (t\pan amaranthus blitum cUp Bartgras, kotrljan eryn- 
gium campestre, köstanj sorghum halepense wohl zu kost 
Knochen, mesan Art Rebe ineso Fleisch, rästan brassica 
oleracea, zläian Lilienart lilium martagon zläfo Gold, 
zvjezdan lotus corniculatus zvijezda Stern. 

468. XI. Nomina actionis; Wörter, die eine Hand- 
lung, einen Vorgang bezeichnen. Das ist nicht im alier- 
engsten Sinne zu nehmen ; sehr oft drücken diese Bildungen 
nicht abstrakt die Handlung aus, sondern sind konkreter 
geworden, bedeuten z. B. oft das Resultat einer Tätig- 
keit oder das Ding, das durch sie hervorgebracht ist, zu- 
weilen auch das Mittel der Handlung. Den Ab- 
leitungen liegen Verben zugrunde. 

1 . -ac = -heb, seltene Bildungen : hltac Nu na jeclan 
hitac auf einmal Mtati hitjeti eilen, hrbpac das Röcheln 
hröpiti, düpac Schlag düpiti, gräbac das Raffen gräbiti, pbljiibac 
Kuß poljühiti, skröpac das Benetzen, Regenschauer skröpitiy 
üdarac Schlag iidariti. 

469. 2. -ak, mit beweglichem a, = ^k^, z. B. öd- 
lomak Bruchstück gen. ödlömka. Zugrunde liegt fast regel- 
mäßig ein mit Präposition zusammengesetztes Verbum, 
öfter in der Iterativform, z. B. Izhirak Überbleibsel zu iz- 
hirati auslesen (zum perfektiven ■izhrati präs. tzherem). Ab- 
leitungen von nicht zusammengesetzten sind selten, z. B. 
irösak Ausgabe, Kosten trösiti. Die Wörter haben zum 
größeren Teil die oben angegebenen konkreteren Be- 
deutungen. Die im folgenden angeführten sind geordnet 
nach dem Anlaut des einfachen Verbums: hbljuvak Aus- 
wurf izbljüvafi ausspeien, zabbravak das Vergessen zaböra- 
vifi, zäcepak Stöpsel zacepiti verstopfen, pöcinak Ruhe pöci- 
nuti vgl. pocivak Ausruhen pocivati, pridavak Zugabe pridd- 
vaii, pruljevak Zuname (eig. Zulage) pridijevaii (zulegen) 



282 Stammbildung der Nomina. [§469-471. 

anheften, pregibak Biege pregibati, pregradak Verschlag pre- 
gräditi^ ögrebak Abschabsei ogrepsti -grebem, ügrizak Abbiß 
ügristi ugrizem, dhisak Kostebissen, Schluck dhisiti^ dblazak 
Ankunft, hlazak Ausgang, dblazak Umweg, ödlazak Weggang, 
pölazak Abreise, prölazak Durchgang, släzak Abstieg, ülazak 
Eintritt, alles zu läziti gelien, ülomak Bruchstück ulömiti 
abbrechen, prlloiak Beilage, Zugewicht prüöziti^ dbmetak 
Zusatz dometatif ümetak Einsatz umetatiy ödmorak Erholung 
odmönti se, prinovak Anbau prmöviti neu hinzufügen, öpanak 
(eig. Geflecht) Art Schuh = ophmko zu phnq peti, vgl. skr. 
z. B. zä-peti zä-pnem spannen, pbpecak Stück Fleisch zum 
Braten popeci popecem, üpletak Zopfband ujjlesti -pletem ein- 
flechten, iiranak Frühaufstehen üraniti, Izrezak Ausschnitt 
izrezati, zärudak Anfang der Reife zarüdjeti sich röten, an- 
fangen zu reifen, zäsmocak Würze zasmöciti, östanak Ver- 
bleiben, pöstanak Beginn, Entstehung, prestanak Aufhören, 
rästanak Trennung, sästanak (stänaJc = s^stan^k^) Zusammen- 
kunft, üstanak Aufstand, alle zu stäti stänem stehen bleiben, 
sich stellen, prestupak Übertretung pn'estüjnti, ösvitak Tages- 
anbruch ösvitati, zävezak Eingebundenes zavezati, pövratak 
Umkehr povrdtiti, zävrsak Schluß zavrsiti vollenden. 

4*70. 3. -ava, -ava, -njava; die Silben vor dem 
Formans kurz, der Hauptton als ' auf der drittletzten; 
häufigere Ableitungen von Verben, die Schall u.a. 
ausdrücken; z. B. dernjava Geplärr derati se, ghnljava das 
Donnern grmjeti grmljetij güdnjava dumpfer Schall güdjeti, 
krwnjava Brüllen kriviti se brüllen (vom Rindvieh), küknjava 
Gejammer kukati, lömljava das Brechen Ibmiti, pücnjava 
Gekrach pucati, tütnjava Gedröhn tütnjiti^ tüsnjava Wehklage 
iuziti se. Von anderen Verben: drzava Besitz, Staat drzati 
halten, mecava Gestöber, Schneesturm zu metq m§sti vgl. 
ekr. za-mesti -metem umrühren, oder zu mesti metem kehren 
vgl. zamesti verwehen (vom Schnee), mrcava Dickicht 
mfknuti dunkein, tvrdava Feste, Festung tvrditi zu tvrd fest. 

471. 4. -ba aus -hba, die zweisilbigen Bildungen 
haben den Hauptton als ' auf der vorletzten und die erste 
Silbe kurz; z. B. bbrba Streit, Kampf bbriti se kämpfen, 



§471.472.] Starambilduno: der Nomina. 283 

diöba (= delbha) Teilung dijeliti teilen, dvojba Zweifel dvöjiti 
trennen, entzweien, dcörha Aufwartung dvöriti köga jemand 
bedienen (zu dvör Hof), gbzha (= gosthba) Gasterei göstiti 
bewirten (zu gösf Gast), khijha Plackerei hinjiti plagen, 
körha Vorwurf köriti, möba (= "^moöba = molbba) zusammen- 
gebetene Arbeitergesellschaft möliti bitten, |;^n^?ja (==;;?)rfe&a) 
Streit, Prozeß preti prem {phreti phrq) anklagen, pögodba 
Vertrag pogdditi se, seöba (= sehba) An Siedlung seliti, slüzba 
Dienst slüziii, srdzba (= srdhvhba) Zürnen srciti se sich er- 
zürnen (zu srce Herz), svjedodzba (= s^vedochba) Zeugnis 
svjedöciti, trüdba Bemühung trüditi se. tüsba Klage füzitij 
zälba Beschwerde saliti beklagen, zürba Gedränge, eiliges 
Zusammenlaufen züriti se sich sputen. Vgl. dagegen berba 
Weinlese bräti berem, kdrba das Schelten kdrati, ndredba 
Anordnung 7iarediti. 

Man kann im einzelnen Fall nicht immer sicher be- 
stimmen, ob eine Abstraktbildung von einem Substantiv 
oder von einem Verbum vorliegt, z. ß. kann svjedodzba 
auch unmittelbar zu svjedok Zeuge gehören, driizba Kamerad- 
schaft zu drüg Freund, wie sicher svädba Hochzeit (= sva- 
thba) zu svat Geleiter des Bräutigams, svöjdba Schwager- 
schaft zu svöjta Verwandter. Da aber die Verba svjedöciti 
bezeugen, drüziti se sich gesellen vorhanden sind, werden 
die Bildungen leicht auf diese bezogen, und im Skr. sind 
sicher die meisten unmittelbar zu den Verben empfunden. 

472. 5. -idba, entstanden aus einer Vermischung 
der Formantien -tva (s. § 490) und -ba, durch die ein -tba^ 
d. h. lautlich -dba entstand, vgl. sjedba neben sjetva Saat 
(satio) zu ek. sejati sejem (abg. seti sejq) jek. s\jaH sljem. 
Die Ableitungen von Verben auf -i-ti erzeugten ein -idba, 
das dann selbständig geworden ist und auch bei anders 
gearteten Verben verw^endet w'erden kann. Der Hauptton 
liegt als ' auf der drittletzten Silbe, die Silben vor -idba 
sind kurz. Beispiele: bjelidba Zeit des Bleichens bijeliti, 
gididba Ausschälung (des Maises) güliti, kömidba Abhlatten 
(der Maiskolben) kömiti, kösidba Mahd kösifi mähen, krridba 
Roden kfcitiy präsidba Lockerung (des Weinbergs) prdsitiy 



284 Stammbildung der ^'omina. [§472—475. 

prösidha Freiwerbung prösiti, vjeridha dass. vjeriti djevöjku, 
vdzidha das Fahren vöziti, zenidha Heirat zenlti verheiraten. 
Von andersgearteten Verben: rezidha Beschneiden (der 
Reben) rezati, vezidba Anbinden (der Weinstücke) vezaii, 
vrsidha Ausdreschen (durch Treten) vrijeci vrsem. 

473. 6. -et, -ot, -at {= -btz, -zh), Ableitungen von 
Verben, die ein Geräusch u. ä. ausdrücken; der 
Hauptton liegt bei diesen Bildungen als " auf der ersten, 
-et- und -ot- haben e, ö. hlepet Geklapper, Getön der 
Kuhglocke klepati anschlagen (ans Läutebrett), trepet Beben 
(davon trepetati zittern) trep-^ tresei Sumpf&telle, die nach- 
gibt (zittert), wenn man darauftritt, tresti tresem erschüttern, 
zveket Geklimper (davon zveketati klimpern) vgl. zvek Klang. 
— glömöt (alt auch glömät) Geräusch, gröJiot (grdJiöt) lautes 
Lachen (davon grohbtati se), klököt Geräusch des sprudelnden 
Wassers (davon klokötati), kököt Gackern (auch «Hahn»), 
davon kokötati gackern, söböt dumpfer Hall (davon sohbtati), 
töpöt Stampfen mit den Füßen (davon topbtati). — hähat 
gen. hähta Getrappe (davon hähtati), dfhat (drhät) gen. 
drhta {dfhäta) Zittern, Schauder (davon drhtati), säpät gen. 
säpta {= shpht^), daneben auch gen. säpäta Gelispel, vgl. 
säptati lispeln. 

4*74. 7. -es = -esh, z. B. deres (eig. Prügel) Prügel- 
bank derati^ drijemez Schlummer drijemati, grobes Raub 
gräbiti raffen, kfpes Flickerei, Flick werk krpiti, Idves Gebell 
läjati, metes (bei Vuk metes) Tumult mesti metem umrühren, 
verwirren, mütes Trübes (z. B. trübes Wasser) mütiti, trpes 
Geduld trpjeti; ribes Krauthobel ribiti (Kraut) reiben, srämes 
Scham srämiti se; lüpes Dieb (urspr. abstrakt, Nom. act.) 
lüpiti (urspr. schälen, abstreifen); vgl. noch stdles (kroat.) 
Stand (= Rang) zu stäti stamm vom Z-Partizip. 

475. 8. -h, femininale fStämme; ziemlich häufig im 
Serbokroatischen ; davon alte Bildungen z. B. zäpovijed 
Gebot = zapovedh, %sp)ovijed Beichte (zu -vedeti), las gen. 
läsi = hsh Lüge (zu lägati = hgati), Ijetoräst Jahreswuchs 
(der Pflanze) Ijeto, rdsti; rljec Wort = rech, zu reöi recem 
= abg. resti rekq, skrb Sorge = skrbh (zu skrbeti), tvär Ge- 



§475.476.] Starambildung der Nomina. 285 

schöpf stvär Sache ^= tcarb s^tvarb (zu tvöriti machen). In 
der heutigen Sprache ist die Formation nicht mehr lebendig; 
€8 sind aber jedenfalls in älterer Zeit ziemlich viele solche 
Wörter gebildet worden. Beispiele: cini pl. Hexereien 
ciniii körne jemand etwas antun, qläd Hunger {^= "^'goldh)^ 
göro-päd Epilepsie pästi (päd-) fallen, hijed (trava od izijedi 
ein Kraut, das Auszehrung bringt) Izjesti verzehren, käp 
Tropfen vgl. käpati tropfen, pbdräst (Unterwuchs) Milz- 
schwellung podrästi, ndruc (eig. Behändigung) das Leihen 
(zu nariiciti bestellen, oder unmittelbar zu rüka Hand), 
näzeh Erkältung nazepsti -zebem sich erkälten, öküc Windung 
vgl. öhika dass. küka Haken, pöklic Ruf pökliknuti, pötöc 
Nachsetzen, Verfolgung, prötöc Durchfall protöciti durch- 
gießen, presrt (eig. Übersturz) äußerste, überragende Berg- 
spitze vgl. pö-srfati schwanken, umfallen, pretec das Vor- 
laufen prefeci, -tecem, pröbädi pl. Seitenstechen probbsti 
probädaii durchstechen, pröstrU Ärmelöffnung pröstrici 
prosirizem durchscheren, püsto-päs ungesperrte Weide 
päsH pdsem weiden (vgl. päsa Weide), stU Erreichung 
{nedostU nicht zur Entwicklung gekommene Ähre) süci 
sügnem, sfüd Kälte (vgl. stüden kalt) sthmti se gerinnen 
(= *stydnqii), stüz Kordon (= '^s^tqzh), vgl. s-tega dass. 
s-tegnuti umringen {= t§g-)^ vär Hitze (zu vreli vnm, abg. 
vhreti vhrq sieden), zäkric Verbot zakricati, zäpäd (und zä- 
pad) schattiger Ort (wohl Volksetymologie für jäpäd dass., 
Fremdwort, türk.?; zäpäd mask. = Westen), zgäd (eig. 
Ekel) ekelhaftes Ding vgl. zgäditi verekeln, zglobi pl. Hefteln 
z-glbbiti zusammenlegen, zöb gen. zbbi (eig. Futter) Körner- 
futter zbbati Körner fressen, picken, sed (neben seda) Durst 
(zu z^dati dürsten). 

476. 9. -ica, kann unmittelbar verwendet werden 
oder als Weiterbildung von Bildungen auf -av-, wodurch 
ein -avica entsteht. 

a) -ica, mit kurzen Silben vor dem Formans; z. B. 
bähorica Zauberei bähoriti, grebice pl. Abschabsei grcpsti 
grebem, nasüica Gewalttat 7iäsiliti mit Gewalt andringen, 
ne-rodica Unfruchtbarkeit röi/i^i gebären, ö^;rai/ca Bestreuung 



286 Stammbildung der Nomina. [§476—478. 

(durch Schnee) oprdsiti, ötmica Mädchenraub (= otbmica zu 
otftl ot-hmq, ykr. öteti ötmem wegnehmen), pöklopica Art 
Kartenspiel poklöpiti zudecken, pbrodica Nachkommenschaft 
poröditi^ pöroska leiser Regen (Tauregen) porösiti (eig. be- 
tauen) leise regnen, pöskocica Tanzweise, Kololied posköciti 
aufspringen, pöucica Einschlag beim Weben (= po-qUcica 
von qt^k^ dass.^ oder = po-uhcica zw ü-tkati ücem einweben 
= v^-t^kat^)^ trlca pl. trice Kleie (zu trti trem abg. trti 
ttrq reiben), ükovica auf Draht geschmiedete Münzen zum 
Kopfputz ukbvati ein schmieden, üvjerica Waffenstillstand 
üvjeriti se W. schließen, zävezica Art Handfessel zavezati 
zubinden. 

4*77. b) -avica, z. B. käpavica Träufelwasser (vom 
Dache) käpati tropfen, klhavica Niesen kihati, naUzavica 
schwerer Stuhlgang natezati se sich anstrengen^ pädavica 
Fallsucht pädati^ pljavica Blutegel ^^i^i trinken, pljüskavica 
Art Ausschlag (Windpocken) pljüskati spritzen, rlgavica 
Rülpsen rigati, rskavica Knorpel rskati mit Krach zerbeißen, 
sljavica Wetterleuchten sljati glänzen, trepavica Augenwimper 
vgl. trepetati zittern, tresavica das Zittern tt'esti tresem se 
beben, vljavica Schneesturm vijati (vije snijeg der Schnee 
jagt). 

478. 10. -ina; die damit gebildeten Wörter drücken 
mehr das Resultat einer Tätigkeit aus als die 
Tätigkeit selbst. Durch Anfügung an Bildungen auf 
-ava^ -ov, -ota entstehen die Formen -avina^ -omia, -otina. 

a) -ina. von Verben, die mit Präpositionen 
zusammengesetzt sind, und in Kompositis 
mit erstem nominalen Bestandteil; die Wörter 
entsprechen oft den deutschen auf -sel\ z. B. \stresxne pl. 
letzter Rest istresti ausschütteln, öcjedine pl. ausgedrücktes 
Wasser ocijediti, ödrpina Fetzen odrpati abschaben, ögrebine 
pl. Abschabsei ogrepsti -grebem^ öljustina Abgeschältes 
(Schalen von Früchten) oljüstiti, öplacine pl. Spülicht spläcine 
dass. opläkafi spldkati, bstrizine pl. Abschnittsei östrici ostrUem 
abscheren, btrehine pl. Abklaubsel otrijebiti, pbderina Lumpen 
poderati zerreißen, pbmetina (eig. Ablegsel) Nachgeburt 



§478—482.] StarambilduDg der Nomina. 287 

pomeiati, razvaline pl. Ruinen razvdliti zertrümmern, zäkopina 
Neubruch (neu urbar gemachtes Land) zakbpati graben. — 
In Nominalzusammensetzungen crvötocina Wurm- 
fraß c/T, töciti (gießen), krvdtocina Blutharnen krv^ töcitiy 
rukbtvorina Werk meiner Hände rüka, tvöriti machen, 
vodöderina Wasserriß vbda^ derati, voskövarina Wachstreber 
vösak gen. vöska, väriti kochen, vuköjedina vom Wolf vnk 
Angebissenes jesti jedem essen. 

479. b) -avina, z. B. driavina (vgl. driava) Besitz 
drzaü halten, grmljamna und ghnljava das Donnern grmjetiy 
tiänjavina und tiitnjava das Dröhnen tiitnjiti, grüsavina ge- 
ronnene Milch grüsati se gerinnen, ftijesavina Gemengsei 
mijesati mischen, pesnjavina Flickwerk pesnjati pfuschen. 

480. c) -ovina {-evina), z. B. bränjevina Bannwald 
Iräniti w^ehren, grädevina Gebäude gräditi, tmovina Vermögen 
imati haben, kösevina eben abgemähte Wiese kösiti mähen, 
grüsevina (und grüsavina) geronnene Milch grüsati se gerinnen, 
krcevina Rodeland krciti, kupljevina und küpovina das Ge- 
kaufte h'qnti, päljevina Angesengtes päliti anzünden, prb^ 
sevina Erbetenes prösiti^ rädevina Gearbeitetes, Arbeit rdditi, 
fekovina und tecevina Erworbenes teci tecem. 

481. d) -otina^ der Hauptton liegt als ' auf der 
Silbe vor -otina, die Silben vor diesem sind kurz; z. B. 
hljüvotina das Ausgebrochene hljüvaii, hüsotina Bohrloch 
hüsiti bohren, crkotina verrecktes Vieh crknuti krepieren, 
kälotine pl. gedörrtes Obst kdlati (eig. aufschneiden) dörren 
(Fische), ohrezotina Abschnitt obrezati beschneiden, okUzotine 
pl. (was glatt hinuntergeht) Leckerbissen ökliznuti öklizati 
gleiten, pärotina Schramme pdrati u. a. ritzen, pükotina 
Spalt, Ritz pnkmiti bersten, striigotina Hobelspäne strügati 
schaben, hobeln. 

482. IL '~ivo, gering an Zahl, meist konkreter Be- 
deutung; die erste Silbe der stets dreisilbigen Wörter hat 
Akzent ", die erste Silbe ist stets kurz: jägnjlvo das Lam- 
men jägnjiti, jedivo Speise jesti jedem, vgl. auch jestiva pl. 
(sg. wäre jestivo) dass., kresTvo Feuerzeug kresati Feuer an- 



283 Stammbildung der Nomina. [§ 482. 483. 

schlagen, meljlvo was gemahlen wird mljeti meljem, noslvo 
Tracht (Kleidung) nösiti tragen, pecivo Braten peöi pecem, 
pletivo Strickgarn i^/c's^i pletem flechten, stricken, predwo 
Spinnwolle j?;re5^t predem spinnen, tecwo Erworbenes tcöi 
tecem^ sjeciva (plur., sg. wäre sjecivo) Schneidewerkzeuge 
sjeci sijecem, värwo Hülsenfrüchte väriti kochen, vgl. söcivo 
Linse und überhaupt Hülsenfrüchte zu sök gen. söka Saft. 
483. 12. -'äj gen. -äja, der vorangehende Konso- 
nant palatalisiert ; -Ijäj; die Silben vor dem Formans sind 
kurz, der Hauptton liegt als " auf der ersten Silbe. Bei- 
spiele: dögadäj Begebenheit dogöditi se dogdctati se, mjesäj 
Back (die Portion zum Backen) mijesati mischen, nämjestäj 
Hausgerät nämjestiti placieren, närastäj (Aufwuchs) Gene- 
ration narästi -rdstem, närucäj Armvoll rüka Hand, Arm, 
nävicäj Gewohnheit dbicäj dass. näviknuti se, bhiöi bhiknem 
se sich gew^öhnen, zävicäj Heimat zu demselben vyknqti, 
nösäj Tracht (Kleidung) nösiti, ökrsäj Gemetzel krsiti zer- 
brechen, ömrsäj Stück Fleischspeise mrsiti Fl. essen, öprostäj 
Abschied, Urlaub o^jvöstiti se, pölazäj Weihnachtsbesuch 
pölaziti besuchen, x)dmisljäj Gedanke pömisliti Gedanken 
fassen, pötpasäj Schärpe pötpasati Untergurten^ pripasäj dass. 
pripasaü umgürten, roääj Sonnenaufgang rbditi se (eig. ge- 
boren werden) aufgehen, pörodäj Niederkunft pordditi se, 
slücäj Begebenheit slüciti se, vrsäj Schicht Garben, die auf 
einmal ausgetreten wird, vrijeöi vrsem dreschen (durch 
Treten), zälesäj verwahrloster Weinberg zaleSati se sich ver- 
liegen =-= verderben, zämasäj Hieb zamdhnuti ausholen. — 
-Ijäj: gütljäj Schluck gütati, kbrakljäj Schritt vgl. kbräk dass. 
kordciti schreiten, nätegljäj (eig. Zug) Schluck nategnuti an- 
ziehen, zävezljäj Eingebundenes zavezati, öd gonetljäj Auflösung 
eines Rätsels odgonetati, pbtprasljäj so viel Pulver, wie auf ein- 
mal auf die Zündpfanne geht potprdsiti streuen, rästegljäj 
Spannweite der ausgestreckten Arme rastegnuti ausspannen, 
Mfkljäj Schluck zdfknuti. — Sehr selten ist -äj ohne Pala- 
talisierung des vorangehenden Konsonanten : üzdisäj Seufzer 
iizdisati, zälagäj zälogäj Bissen zaldgati zalbsiti (eig. hinter- 
legen) Bissen in den Mund geben. 



§484.485.] Stammbildung der Nomina. 289 

484. 13. -jo- mask., alter Nominativ auf -'h, d. h. 
vorhergehender Konsonant palatalisiert; mit dem be- 
stimmten Sinne eines Nomen actionis nur wenig vertreten: 
pläc Weinen ^^/a/rafi, 7'dskos Wonne, vgl. c. kochati se sich 
ergötzen, zäkolj Schlachten pökolj Blutbad zaklati zakoljem 
schlachten pbklati hinschlachten, zdtoc Wette zateöi -tecem 
se sich verpflichten, zäzanj das Ende eines Trakts beim 
Mähen z^ti zhnq skr. zeti zmijem (injem). 

485. 14. -ja, -'a, vorangehender Konsonant palata- 
lisiert; liegt ein Verbum auf -i- zugrunde oder enthält es 
in seinen Formen ein j, so ist nicht zu unterscheiden, ob 
j auf dem Formans -ja- beruht oder auf ;' im Verbum 
und j = i vor Formans -a-. Die Wörter sind oft kon- 
kret geworden. Nomina actionis z. B. glavö-bolja Kopl- 
schmerz gldva^ hbljeti, gräja Gekrächz gräjati, grlza Bauch- 
grimmen grisii grizem beißen, kbda Gang öhoda Umweg 
pröda {= j;ro[Ä]of/rt) guter Warenabgang höditi gehen, izdaja 
Verrat, ödaja Abgabe, predaja Übergabe, prödqja Verkauf, 
Maja Verheiratung däti geben, kräda Diebstahl krästi krädem, 
müza das Melken müsti müzem^ pögo'}}ja Verfolgung pogöniti, 
pbmnja Achtsamkeit po-mhneti gedenken, pötaja Verborgen- 
heit potdjitiy rdda Arbeit rdditi, sjeca das Niederhauen (auch 
= abgehauene Zweige) sjeci sijecem, sreca (= Soresfa, eig. 
das Begegnen, Begegnis) Glück sirsti sretem begegnen 
(abg. sr>-resti -restq), stuja Stall siäti, sträza Wache vgl. 
abg. stregq sfresti behüten, bewachen, sväda Zank sväditi 
se, räzvada das Auseinanderbringen Zankender räzvaditi, 
seca Spaziergang setaii, teza Schwere -fegnuti ziehen, vijeca 
Beratung, Rat'^chlagung vgl. abg. sh-vestati beraten, s^-vef^ 
Ratschlag, völja Wille zu altem veleti (* wollen) befehlen 
(skr. velju, velim ich sage), vönja Gefuch, Duft vbnjati 
riechen, vräca Rückgabe vrdtiti, zeda Durst abg. zezda, zedati 
dürsten, zelja Wunsch zcljefi, zirb-pada Eichelfall, Zeit des 
E. zlr, pästi päd-. — Beispiele von Konkreta: hogb-molja 
Bethaus mbliti se beten, cäda Ruß cäditi rußen, grählje pl. 
Hacke gräbiti raffen, gräda Baumaterial zägrada ograda 
Zaun grdditi bauen zagr. ogr. umzäunen, jäza Abzugskanal 

L e 8 k i e n , Serbokroatische Grammatik. 19 



290 StammbilduDg der Noraina. [§485—488. 

voäö-jasa (vgl. jäz Kanal) jdziti Wasser ableiten, jeda Speise 
mesojede pl. (Fleichessen) Karnevalszeit jesti jedem, kUa 
(eig. Nässe) Regen klsnuti u. a. naß werden, örnca Schlinge 
(= ormca) omäci ömdknem (abg. o-rmknqti) gleiten lassen, 
päsa Weide (Viehw.) volöpasa Ochsenweide pöpasa Weide- 
geld pästi päsem, pwa Nahrung pltati^ preda Gespinst, Garn 
presti pMem, sjenö-kosa (Heumahd) Wiese sljeno, kösiti 
mähen. 

486. 15. 'je = -hje, -'e, der vorangehende Konso- 
nant palatalisiert ; die eigentliche Bildung der 
Verbalabstrakta im engeren Sinne; sie kann an sich 
von jedem beliebigen Verbum ausgehen, allein nur von 
imperfektiven Verben werden solche Abstrakta regel- 
mäßig gebildet, selten von perfektiven. Zugrunde liegt 
nicht unmittelbar der Verbalstamm, sondern das Partizip 
prät. pass. auf -m (-w), -em {-en), -ih (-i); die vorletzte Silbe 
ist lang. Beispiele: vjencänje Trauung part. vjencän zu 
vjencati trauen, iibijenje das Erschlagen part. ubijen zu ubitiy 
ubice dass. zu part. üMt. 

487. 16. -ka (== ~hka, -hka). Die Wörter haben 
öfter gegenständliche Bedeutung, namentlich de& 
Mittels oder Instruments. Nomina s^ciion'i^: pletke 
pl. Intrigen plesti pletem flechten, psövka Beschimpfung 
psövati, pbgrjeska Fehler pogi'ijesati, gätka Erzählung gdtati, 
pöpijevka Gesang (Lied) zur Gusle popijevati, pripövijetka 
Erzählung pripovijedati^ skröjka Schnitt skrbjiti zuschneiden 
(Kleid) zdpjevka zäpijevka Totenklage zapijevati T. halten. 
— Konkreta, z. B. döjka Zitze döjiti säugen, klepka Kuh- 
glocke klepati anschlagen, misö-lövka Mausefalle mU, löviti 
fangen, pölijevka (Aufguß) Suppe pöljevati, pösipka Feuer- 
schaufei pösipati beschütten, svnka Flöte svirati, täcka 
(= töcbka) Bohnenstange täknuti {= tzknqti) wo hinein- 
stecken, zvrcka Brummkreisel zvrcati schnurren. 

488. 17. -Ih, skr. Nom. sg. -ao gen. -Zi, femininale 
«-Stämme; die Silbe vor dem Formans ist lang; die zwei- 
silbigen Bildungen haben " auf der ersten Silbe, die mehr- 
silbigen (mit Präposition zusammengesetzten) ' auf der 



§488—491.] btammbildung der Nomina. 291 

ersten: iznikao gen. -kli^ pömkao Aufgesprossenes )z-, pö- 
nihmti, izrästao gen. -räsli Auswuchs iz-rdsti -rdstem^ misao 
pömlsao Gedanke, davon das Verbum mlsliü denken, nä- 
zehao Erkältung nazepsti -zehem sich erkälten, pomrzao smrzao 
Frost pomrznuti se frieren smrznuü frieren machen, pötkisli 
pl. Streifen, den fallendes Wasser nachläßt, vgl. kisnuti 
regennaß werden, pögibao Untergang pöginuti (W. gyh-)^ 
pregihao (Biegung) GeX^n^. pregihati biegen, proüsli pl. Seiten- 
stechen prötisnuti stechen (in der Seite). 

489. 18. -nja = -tna, häufige Bildungen, z. B. 
hituja Eile hitjeti, hröpnja Geröchel hröpiti, gdtnja Erzählung 
gätati, grduja Schimpf, Geschimpf grdiü, grbsnja Drohung 
grbziti se, jdznja Schauder jeziti se, köpnja das Umgraben 
köpati graben, küpnja Kauf (emtio) küpiti, mräznja Ver- 
feindung mräziti, mrznja Haß mrziti, pätnja Qual jmtiti 
leiden, päinja Beachtung päziti, jMsnja Schrecken pläsiti, 
prätnja Begleitung prätiti, prekretnja Umschwung prekretati, 
prijetnja Drohung prijetiti, prbsnja Betteln prösiti, skitnja 
Herumtreiberei skitati se, slütnja Ahnung slütiti, srdnja das 
Zürnen srditi se, tldpnja Geträume tldpiti, tresnja das Zittern 
tresti fräsem se, setnja Spaziergang setati, stednja Sparsam- 
keit stedjeti, züdnja Verlangen (Wunsch) züdjeti. 

490. 19. -/m; eine kleine Anzahl alter Bildungen: 
britvx Schermesser hrljati brljem rasieren (abg. briti brijq), 
Ijestve pl. Leiter -Ijesti -Ijezem gehen, steigen, kletva Fluch 
kleti künem (= kl^ti klhnq), pljeiva Jäten {=^ *peltva) zu 
pljäi plijevem {= abg. pleti plevq = '^pelti '^pelva), sjetva 
Saat (satio) zu sejati sejem ek. (ik. sijati sijem, abg. seti 
sejq)^ stätva (eig. Stand) einer der Balken, in denen der 
Weberbaum liegt stäti, zetva Ernte (= z^tva) zu zeü zänjem 
znjem (abg. zpti zhnq). 

491. 20. -th, skr. -#, alte femininale i-Stämme, 
nicht mehr lebendig; einige Beispiele seien angeführt: cäst 
Ehre (= ctsth zu chtq cisti), döbit Gewinn döbiti döbijem, mäst 
Salbe mäzati, näjest näijest Sättigung näjesti -jedem nä-ijem^ 
näpast Unfall öpäst Verleumdung propäst Abgrund speist 

19* 



292 Stammbildung der Nomina. [§491—493. 

Fall zu päsli padnem (abg. pasti padq); öhavit Krümmung 
(z. B. eines Weges) ohä-viti umwickeln, vläst Macht abg. 
vlasti vladq vgl. skr. vlddati, zdvüt Neid zävidjeti, zä-povijest 
Befehl, is-^. Beichte, pH-j). Sprichwort, s-vijest Bewußtsein 
zu abg. vedeti, vgl. skr. zapövjediti zapovijedafi befehlen usw. 

49!2. 21. Maskulina auf altes -htib gen. -hna, skr. 
-anj (mit beweglichem a) gen. -nja füge ich zuletzt an; 
sie sind teils reine Nomina actionis, teils instru- 
menti u.a. Beispiele: hCicanj gen. bäcnja eine Art Reuse 
häcati werfen, hühanj Trommel bübati, metanj Schuß metati, 
näkovaiij Amboß na-lcbvati auf-, anschmieden, öbrtanj Art 
drehbaren Ringes öbrtati umdrehen, pövodanj Überschwem- 
mung, vgl. 2^ovodan angeschwollen (vom Flusse) zu vöda 
Wasser, pödupöranj Stütze pod-ü-prijeti, zäpöranj Riegel zä- 
prijeti, pösetanj Laufbahn posetati hin wandeln, pücanj Ge- 
krach pücati^ resanj Schnitt segmentum rezati rezem 
schneiden, sezanj Klafter sezati sezem se, segnuti se langen, 
svezanj Bündel svezati svezem zusammenbinden, tücanj Mörser- 
keule tücati stoßen, ürövanj Pfahl uröviii Pfähle eingraben, 
zävöranj Bolzen an der Pflugdeichsel zä-vrijeti (hinterstecken). 

Mit demselben Formans sind einige Monatsnamen 
gebildet, meist von Nomina aus: sijecanj gen. sijecnja Ja- 
nuar, wohl zu sjeci sijecem hauen (abg. sesti sehq), irävanj 
April trdva Gras, svibanj Mai svlba Hartriegel, Ixpanj Juni 
llpa Linde, srpanj Juli srp Sichel. 

493. XII. Abstrakta von Adjektiven und Sub- 
stantiven. Diese kurze Bezeichnung ist gewählt, obwohl 
manche Bildungen, namentlich Ableitungen auf -ina^ zu 
konkreter, sachlicher Bedeutung neigen oder geradezu 
sinnliche Dinge bezeichnen. Soweit sich die Be- 
deutungen genauer scheiden lassen, soll es unten hervor- 
gehoben werden. 

1. 'da = -hda, die ganz wenigen alten Bildungen seien 
mit genannt, weil die Grundw^orte im Skr. klar vorliegen: 
Jcrwda Unrecht kinv krumm, prävda Gerechtigkeit präv 
recht, vräzda (eig. Feindseligkeit) Blutgericht vräg (in alter 
Bedeutung) Feind. 



§494 — 49G.] fc?tammbil(lung der Nomina. 293 

404. 2. 'b, femininale i-StüDime, skr. mit konso- 
nantischem Auslaut im Nom. sg. ; Ableitungen von 
Adjektiven: crven Röte crven rot, cetvrt Viertel cetvrti 
vierter, dälj Ferne vgl. daleko weit, duz Länge düg lang, 
jär Sommersaat järi sommerlich, Sommer-, mläd das Junge 
koll. die Jungen mläd jung, necist Unflat ne-cist unrein, 
nijäc koll. die Schwachen (kleine Kinder) ne-jak schwach, 
msit Nimmersatt (persönl.) ne-sit unersättlich, niz Niederung 
vgl. mzak niedrig, özlm Wintersaat özimi zur Wintersaat 
gehörig, pltöm angebautes Land pttom zahm, pbgän Unflat 
pögan unrein, rävan Ebene rdvan eben, rümen Röte rümen 
rot, stirmen Steile strmen steil, stüden Kälte stüden kalt, zä- 
jedin Gemeinschaft vgl. jedmi einzig, zelen das Grün zelen 
grün. Die oben bei einigen bemerkte kollektive Be- 
deutung findet sich noch in einzelnen Beispielen, auch 
von Substantiven abgeleiteten: nekrst die Ungetauften krst 
Kreuz, vgl. krstiti taufen, slromäs die Armen sirömahy slljez 
junge Schafe oder Widder siljey junger Widder. 

495. 3. -ica, selten angewendet, z. B. gröznica Fieber 
grözan u. a. heftig, vgl. grözitise schaudern, nejacica Schwach- 
heit 7fejäk, cinjenica Tatsache cinjev gemacht cmiti, uzdanica 
Vertrauen uzdän zuverlässig üzdati se vertrauen auf, 
hoffen; einige vom Z-Partizip: mäzalica Schmeichelei mä- 
zati salben, mrklica Dunkelheit ynrkU zu mrknuti dunkeln, 
nevidjelica Dunkel ne vidjeti nicht sehen. 

496. 4. -ina; durch Verbindung mit den Formantien 
-ski (= hskz), -ov, -ha {= hha) entstehen die Verbindungen 
-siina, -ovina, -bina, die zum Teil selbständig weiter ver- 
wendet werden. 

A. Ableitungen von Adjektiven; sehr zahlreiche 
Bildungen, die öfter nicht sowohl die substantivierte 
Eigenschaft als Gegenstand, Ort, Situation aus- 
drücken, denen die Eigenschaft zukommt, z. B. aisüna 
Reinheit, aber auch «freies Feld» (ohneGebäude) zu eist rein. 

a) Einfaches -ina, z. B. histrhia Klarheit blstar fem. 
hlsira, hrzlna Schnelligkeit brz^ crnlna Schwärze, schwarze 
Kleidung crw, daljina Entfernung komp. d&lji weiter, dubhia 



294 Stammbildung der Nomina. [§496—498, 

Tiefe, tiefe Stelle dübok, duhljika dass. vom Kompar. düblji, 
diizma Länge düg^ glacma (= gladhcina) Glätte glädak gen. 
glätka, krivma Krümme kriv^ knipmna grobe Dinge krüpan^ 
mallna kleine Anzahl ynäli, mekfina Weichheit komp. meksT 
zu mek (= mek^ko), vgl. meköta, mladina Jugendalter, Neu- 
mond mlädy mnozma Menge mnögij riovma Erstling, növine 
(Neuigkeiten) Zeitung növ neu, opöina (== obhstina, eig. All- 
gemeinheit) Gemeinde opstl (= obhsth) allgemein, pitörnina 
angebautes Land pUom zahm, kultiviert, pregnütina Biege- 
stelle preg7iüt gebogen zu prh-gnuti pre-gnem biegen, ramiina 
Ebene rävmi, sitmna Kleinigkeiten sttan, starma Altertum, 
alte Zeit {od stanne von alters her), Altertümer, alter Mann 
stär, vedrtna Heiterkeit, heiteres ^^'etter vedar fem. vedra, 
zreVina Reife zreo fem. zrela, zestma Heftigkeit zestok; 
starjesina Ältester = Oberhaupt (= starejbsina vom Kom- 
par. abg. starejb gen. starejhsa). . 

49*7. b) -stioia aus ^-hskina (von Adjektiven auf 
-hsko, skr. in bestimmter Form -ski), daraus -bstina -stina, 
wird nicht selten angewendet, auch wo kein Adjektiv auf 
-ski vorhanden ist. Beispiele : ecimsiina Arzthonorar ecimski 
zu eöim (hecim) Arzt, gospöstina Herrentum göspodskl göspöd^ 
lüpestina Diebstahl lüpeski lüpez Dieb, sirömastina Armut, 
die Armen sirömaski sirömah; ohne ein Adjektiv auf -ski: 
bezöbrastina Schamlosigkeit hezöbrazan, budaläsüna Torheit 
budäla Tor, lükäv stina Schlauheit lickav, mrtävstina u. a. 
Leichengeruch miiav tot, 7ievaljdlstina Nichtsnutzigkeit 
neväljao fem. -Ijala, neoprdnstina Unreinlichkeit neopräUy 
sämrstina Leichengebühr sämrt Tod, sküpstina Versammlung 
sküp Haufe ; unmittelbar an Verba angeknüpft : neimastina 
Dürftigkeit ne hnati nicht haben, neümjestina Unwissenheit 
'ne ümjeti nicht verstehen. 

498. c) -ovina, von Adjektiven auf -ov. 

a) -ov von Personenbezeichnungen; die Ab- 
leitungen auf -ovina bedeuten durchweg Land oder Besitz 
der betreffenden Person: bänovina Bansland, Banat bänov 
bän, cärevina Kaiserland, Kaisergut, despotovina Despotat 
despotov despot, djedovina Erbe vom Großvater djedov djed, 



1 



§498—500.1 Stammbildiins: de^- Nomina. 295 

Hercegovina Hcrzogsland (benannt von hcrceg St'ßpän)^ kne- 
zeuina Fürstentum hieiev knez, kräljevina Königsland, König- 
reich krdljev krälj^ dcevina väterliches Vermögen öcev ötac, 
pdpovina Einkommen von Pfarrstelle popov pöp, üjcevina 
Wohnstätte des Oheims '^iijcev zu "^ujak = *2ijbkb. 

ß) -ov von Pflanzennamen; die Ableitungen auf 
-ovina bedeuten in der Regel das Holz der betreffenden 
Pflanze, z. B. brezovma Birkenholz hrezov hreza, bükovina 
Buchenholz hnkov hukva, dnhovina Eichenholz diibov düh, 
Upovina Lindenholz üpov üpa, topblovina Pappelholz topölov 
topbla. Vgl. auch äptovina Attichstrauch aptov äpta, hbhovwa 
Bohnenstroh höbov höh, metlovina Besenkraut mcila Besen, 
medövina Met '^medov med gen. meda Honig; in allgemeinerer 
Bedeutung: r/öwior/wa Haus und Hof, Heimat dorn gen. döma, 
hladbü'ma Kühle hläd dass., jügovina Südwind juy Süd, 
prösnjevwa Almosen prösnja das Betteln, trgovina Handel 
irg W^are, Markt, vgl. trgovac Kaufmann. 

499. B. Ableitungen von Substantiven. Nach 
den Bedeutungen geordnet ergeben sich folgende Haupt- 
gruppen : 

a) Wörter, die den deutschen auf -ei, -heit, 
-Schaft, -tum entsprechen, mehr oder minder kon- 
krete Bedeutung haben, z. B. häcina Sennerei häc, gusärina 
Seeräuberei gusär, hajdücina Räuberhandwerk häjdük^ knezina 
(Knesentum) Gebiet eines knez, pisärina Schreiberei pJsär, 
piljärina Hökerei piljär, pro.yäcina Bettelei prösjäk Bettler. 

500. b) Von den Personenbezeichnungen auf 
-är, die den mit etwas Beschäftigten bedeuten (s. oben 
§ 379), haben die Ableitungen auf -arma fast regelmäßig 
den Sinn der Entlohnung der betreffenden Be- 
schäftigung, z. B. hrodärina Fährlohn hrödär Fährmann 
hrod Furt, ciivarina Hüterlohn cüvär^ govedärma Lohn des 
Rinderhirten govedär, grijäcvm Gebühr für Heizung grijär 
Heizer zu gnjati, Ijekärina Arztgebühr Ijekär, poljhrina Lohn 
des Feldhüters jwljär, vracärina Wahrsagergel)ühr vräcär. 
Vgl. dazu von anders gearteten Grundworten: berberma 
Barbierslohn berber, carina (Kaisergebühr) Zoll cär, mrtväcwa 



296 Stammbildung der Nomina. [§500—502. 

Leichengebühr niHvac, pasürina Hirtenlohn päst'ir, telälina 
Ausruferlohn tiläl. 

Aus den Bildungen -arina von -är ist ein solches 
Formans entnommen und auch angewendet, wo kein Wort 
auf -är zugrunde liegt: dimärina Rauchfangsteuer dlm Rauch, 
glavärina Kopfsteuer (jldva, krvärina Blutgeld krv, kucärina 
Haussteuer küca, placärina Platzgebühr pJäca, svädbarina 
(alt) Hochzeitsgebühr svädba, travärina Weidegeld trdva Gras. 

501. c) Von Tiernamen bedeuten die Ab- 
leitungen auf -ina Fleisch oder Fell, Fleisch und 
Fell des Tieres, je nachdem eines oder beides im täg- 
lichen Leben gebraucht wird. Eigentlich sind es Abstrakta» 
z.B. vtewa (Wolfsfell) eig. «Wolfsartiges, Wolfstum». Bei- 
spiele: gdvedina Rindfleisch göveda pl. Rinder, jägnjetma 
Lammfleisch, Lammfell jägnje gen. jugnjeta, medvjedina 
Bärenfell medvjed^ teleüna Kalbfleisch, -feil tele gen. teleta^ 
vücina und vücetina Wolfsfell vük '^vuce gen. viiceta; vgl. 
auch öglavina Kopfhaut von Tieren gldva. Die Ableitung 
erfolgt öfter von Adjektiven auf -ov aus: jdnjcevhia Lamm- 
fleisch jänjcev jdnjac, järcevina Bocksfleisch järcev jaraCy 
bvnovina Schöpsenfleisch ovnov övan gen. ovna, präscevina 
Schweinefleisch prdsac gen. prdsca, rlsovina Luchsfell ris, 
zecevina Hasenfleisch zec; vgl. noch misevina Mäusedreck mis, 

50^. d) -ina dient zur Ableitung einheitlicher Sub- 
stantive aus Verbindungen von Präposition und 
Kasus, z.B. ökolina = wsis oZjoZo ringsum ist, Umgebung, 
okräjina Rand des Brotlaibs kra/j Rand, pobocina Fleisch 
zwischen Hüften und Rippen hök Seite, pbdrepina Schwanz- 
riemen pöd repom unter dem Schwanz, pbhrptina Rückenteil 
krhat gen. hrpta, pökrajma Grenze kräj, potrhiisina Bauch- 
teil irhuliy zdvjetrina was zä vjetrom hinter dem Winde ist, 
windgeschützter Ort. 

Vergleiche dazu die Anwendung in Zusammen- 
setzungen aus Nomen und Nomen : duhödolina (tiefes) Tal 
dühok tief dö gen. döla Tal^ pustbpoljina Heide püst öde 
pblje Feld, slabbhocina Weichen (des Körpers) slab schwach 
Mk Seite, staröduMna alte Schulden stär düg, starbputine 



§ 502— 50Ö.] Stamnibildung der Nomina. 297 

Spuren eines alten Weges püi, suhdmedina Mauer (Grenz- 
mauer) ohne Mörtel sah trocken meda Grenze. 

503. e) -hina = -bbina, Weiterbildung von Al)- 
strakten auf -ha =^ -hba (s. §471) und gleichartiger Be- 
deutung: gözhina Gasterei zu f]dzha = gosihha, drü£bma KsLine- 
radschaft dnuba, sudbina Schicksal von altem sqdhba^ dazu 
aach dsudbina Urteil, iädbina Diebstahl zu altem tathba. 
Ein solches -bina wird dann auch ohne Grundlage von 
-ba weiter verwendet: cazhlna Gasterei (= chstbbina) cäst 
(=^ chsih) Gastmahl, btadzbina (= othcbb'ma) Vaterland öiac 
Vater, närudzbina Bestellung narüciti bestellen, btrazbina 
Überbleibsel trag Spur, jjustöjbina Geburtsort zu abg. stojafi 
stehen, verweilen, rodblna Verwandte röd Geschlecht, tazbhia 
die Schwiegereltern (= tbsthbina) tust Schwiegervater, tedzbina 
(= techbina) Erworbenes fcci tecem erwerben, vradzbina 
(= vrachbina) Hexerei vräc u. a. Hexenmeister, zäduzbina 
= was man za dnsu «für die Seele» gibt, fromme Stiftung. 

504, 5. -inja = -yna (alter Nom. sg. -yid). In 
dieser einfachen Form seltener als in Verbindung mit -ota 
(s. § 509). 

a) Einfaches -Inja, z. E. ghlinja Scheusal grdan häß- 
lich vgl. abg. grdö, mekinje pl. Kleie (= mekzhyni) mek 
weich (= mekokö), püstinja Einöde püst öde, svetinja Heilig- 
tum, Reliquie svei. 

505. b) -otinja, z. B. bosötinja vgl. älteres bofibia 
Barfüßigkeit bös f. bbsa, golbtinja und golbta (älter) Nackt- 
heit gö fem. gbla, sambtinja Einsamkeit säm allein, sirbtinja 
(Verwaistheit) Waise sirbta, skupbtina Teuerung sküp, sla- 
bötina (Schwachheit) schwacher Mensch slüb, slrahbfiva 
Schreckbild strahbta Schreck, Schreckbild sträh gen. sträha, 
suhbtinja (eig. Trockenheit) Fasten aus Mangel suhbta süh, 
hrombtinja neben älterem hrombta Lahmheit hröm, hropbtinja 
schweres Atmen, Asthma hrbpiti röcheln; vgl. noch mUo- 
stinja (abg. müostgni) von imlost Erbarmen. 

506, 6. -/a, Palatalisierung des vorangehenden Kon- 
sonanten; seltene Bildungen; gv.sia Dickicht gast, süsa 
J)ürre s'üh, tvrda Festigkeit tvrd. 



298 Stamrabildung der Nomina. [§507—510. 

507. 7. -oba, wenige Wörter, Ableitungen von Ad- 
jektiven aus, vereinzelt auch von Substantiven, der Haupt- 
ton liegt als ' auf -o-, die Silben vorher sind kurz: gnu- 
söha Garstigkeit gnüsan ekelhaft, schmutzig, vgl. abg. gnusö 
Schmutz, grdöba Häßlichkeit grdan (vgl. abg. grds), hiidöba 
Bosheit (auch der Böse, Teufel) hüd schlecht, riigöba Häß- 
lichkeit, vgl. t'üsan häßlich zu rüg Spott, tegöba Schwere 
vgl. feg Gewicht, ijesköba Enge zu altem teskö eng (vgl. 
skr. tijesan fem. tijesna = ''^teshio tesns), zlöba Bosheit 
(= zoloba) zao fem. zlä (= zzh zola). 

508. 8. -Ost (= -osth) gen. -osti, femininale i-Stämme; 
sehr häufige Bildungen von Adjektiven aus; z.B. bezboznöst 
Gottlosigkeit hezbozan^ düsnöst Schuldigkeit, Pflicht düsan, 
krdtkösi Kürze Icrdtah, krötöst Sanftmut krötak, mlädöst Jugend 
7)iläd jung, mirnöst Friedfertigkeit miran, mudröst Weisheit 
müdar, slädöst Süßigkeit slädak, vjernöst Treue vjeran. 

509. 9. 'otüj von Adjektiven und Substantiven ab- 
leitend : 

a) Von Adjektiven, Hauptton als ' auf -o-, die 
Silben vorher kurz ; z. B. cistota Reinheit eist, dobrbta Güte 
dbbar, gluhöta Taubheit glüh, jasnöta Helle jäsan, Ijepbta 
Schönheit lijep, njemöta Stummheit mjern, prosföta Einfalt 
pröst^ siröta Waise (urspr. Abstraktum zu sir^), tjeskota 
Enge zu altem teskö eng, sljepöta Blindheit slljeiJ^ steta 
Schaden (^ thsteta) zu tast leer (== tösth), 

b) Von Substantiven, Betonung und Quantität wie 
bei a, z. B. grjehdta (Sündhaftigkeit) Sünde grljeh, sramöta 
Schande sräm Scham, strahöfa Schreckbild sträh gen. strahä 
Schreck, tegöta Schwere feg u. a. Gewicht. 

510. 10. -oöa = "^otjä, W^eiterbildung der Ab- 
leitungen auf -ota, Betonung und Quantität wie unter 
9 (§509); beide Formen stehen nicht selten nebeneinander 
(vgl. die Beispiele unter -oia), z. B. cistöca, dobröca, gluhdca, 
strahöca; vgl. noch bljedöca Blässe blijed bleich, gruböca 
Grobheit grub, tjesnöca Enge tijesmiy tupöca, Stumpfheit tüp. 



§511—514.] Stammbildung der Nomina. 299 

511. 11. -stvo = -hstvo; die Bedeutung der 
häufigen Ableitungen ist die der deutschen Bil- 
dungen auf -tum, -heit, -keit, -schaft. 

a) Von Adjektiven, z.B. bogatstvo Reichtum bögaf, 
dostojdtibtvo Würdigkeit döstöjan, jedinstvo (eig. Einheit) 
Einigkeit jediuT einzig, mnöstvo (= monoshstvo) Menge mvögl 
viel (Adj.). 

Wenn die Bildung, die zwar auf Substantiva bezogen 
wird, doch nicht unmittelbar auf Substantiva, sondern auf 
Adjektiva possessiva zurückgeht, entsteht eine Form 
•ovstvo evstvo, -instvo -injstvo^ z. B. kräljevstvo Königtum 
krdljev krälj, ^;oj;ö«;sii'o Priestertum pöpov pöp; djettnjsfvo 
Kindheit djetinji dijeie gen. djeteta, matennstvo (eig. Mütter- 
liches) mütterliches Vermögen mäterin mati gen. matere, 
ocuisfvo väterliches Vermögen dein (= otbcino) ötac. 

512. Bei Ableitungen von Adjektiven auf 
altes -bno entsteht -hiihstvo^ skr. -anstvo, z. B. hosänstvo 
(Göttlichkeit) Gottheit = hozhnhstvo zu homio göttlich von 
bog, covjecänstvo Menschlichkeit cövjecan (= cloveöwiz) cövjek, 
vladicänstvo Bischofswürde zu vladyöhm von vlddika (vladyka) ; 
ein -anstvo kann dann auch weiter verwendet werden, wo 
ein solches Adjektiv nicht gebräuchlich ist: otacänstvo 
Vaterland (== *otbchnhstvo), svjedocänstvo Zeugenschaft, Zeug- 
nis (= *S5vedochnhstvo) svjedok Zeuge, velicänstvo Majestät 
(^ "^velichnhstvo) veliki groß. ' 

513. b) Von Substantiven, z. B. banst vo Bans- 
würde bän^ bratstvo Bruderschaft (Unterabteilung eines 
pleme) bräf, cärstvo Kaisertum cär, djevojastvo {= '^'devojb- 
cbstvo) jungfräulicher Stand djevöjka, dobrocinstuo Wohl- 
tätigkeit vgl. dobrochmc Wohltäter, zlocinstvo L^beltun 
vgl. zlocinac Übeltäter, drüstvo {= driizbstvo) Genossenschaft 
drüg, pöbratimstvo Bundesbruderschaft pöbrafim, pnjatelstvo 
Freundschaft prljatelj. 

514. Xm. KoUektiva. 

1. -äd = -ädb, femininale i-Stämme. Die Grund- 
worte sind mit geringen Ausnahmen deminuierte 



SOO StammbilduDg der Nomina. [§ 514—516. 

Menschen- und Tierbezeichnungen auf -e gen. -eta 
(= f), -ce (= bce), s. §§426,427; daher bedeuten diese 
Ableitungen so häufig eine Menge junger Wesen. Die 
Silben vor -äd sind kurz, der Hauptton liegt bei allen 
zweisilbigen als ' auf der ersten Silbe. Beispiele: ärapcäd 
Mohrenkinder ärapce, bllznäd Zwillinge bltzne gen. hllzneta, 
hügarcäd junge Bulgaren bügärce, cbhancäd junge Hirten 
(Jöbänce, ääkoncäd junge Diakonen ^dakonce däkon, jägnjäd 
Lämmer jägnje, jünäd junge Ochsen jüne^ kümcäd Paten- 
kinder kümce, länäd Rehkälber Urne, mömcäd junge Burschen 
niömce, pascäd junge Hunde päsce (= phshc^) zu pas 
{= phsz), prasäd Ferkel präse gen. präseta, slrocäd Waisen 
siröce, stenäd junge Hunde stene, teläd Kälber tele, ünucäd 
Enkel iiniice, vücäd junge Wölfe *vuce zu vük, zvjiräd wilde 
Tiere zvijere, Mrebäd Füllen (pl.) zdrljebe gen. sdrebeta. 
Dazu auch altes celjäd (= cel'adh) die Leute des Hauses. 

Vereinzelt sind die Wörter sachlicher Bedeutung, 
z. T. unklaren Ursprungs: büjäd Farn, büräd Fässer, dfvljäd 
Holzscheite vgl. drvlje koll. zu drvo, prläd und pfnjäd faules 
Holz, süväd dürres Holz süv = sah dürr. Von einem Ad- 
jektiv vgl. noch iiväd Geflügel iiv lebendig. 

515. 2. -je (= -hje)^ sehr häufige Bildungen, z. B. 
börje Kiefernwald bor Kiefer, brljesce koll. zu brijest Ulme, 
golüblje gölüb Taube, gräblje grab Weißbuche, gröblje (da- 
neben gröbövlje vom Plur. auf -ovi) Gottesacker grob Grab, 
gröide grözd Traube, kämenje kämen Stein, kläsje kläs Ähre, 
lözje Ibza Rebe, öräsje örali Nuß, perje pero Feder, vläce 
vlät Ähre, zmje (zrnevlje) zfno Korn. 

510. 3. 'Inje, seltene Bildungen; jalövinje geltes Vieh 
jälov gelt, päscmje Hunde von päsce junger Hund, zvjermje 
zu zvijer wildes Tier; müskmje Mannspersonen müsko Manns- 
bild (neutr. zu müski männlich), zenskmje Frauensleute 
^ensko Frauenzimmer (neutr. zu zenski). 

B. Adjektiva. 

Die Komparation ist hier nicht mit behandelt, son- 
dern bei der Flexion der Adjektiva eingestellt. 



§517.518.1 Stammbildung der Nomina. 301 

517. I. Adjektiva, für die sich keine besondere 
Bedeutungsgrenze angeben läßt. 

1. -ak mit beweglichem a (= oko). Die Bildungen 
sind hier aufgenommen, obwohl das Formans nicht mehr 
lebendig ist, weil sie ziemlich zahlreich sind und wegen 
der abgeleiteten Substantiva und Verba beachtet w^erden 
müssen. Das ■^h^ ist nämlich Weiterbildung ein- 
facherer Adjektiva, z. T. der im Slavischen als be- 
sonderer Formenklasse verschwundenen alten adjektivischen 
w-Stämme, vgl. lit. saldüs mit '^soldbks abg. sladzko skr. 
slädak; von dem einfacheren Adjektiv kommen die Ab- 
leitungen her, z. B. Komparativ slädi^ sladöst Süßigkeit, 
sldditi süßen, und so in entsprechenden anderen Fällen. 
Beispiele: bnfka sablja scharfer Säbel (n. sg. msk. hrldak 
= hridhkh), gläddk glatt, gorak bitter {gorbkz), liöcak wällig 
hdtjeti hööu wollen, ijedak jedak zornig (giftig) Ijed jed Gift, 
järkö sünce die warme helle Sonne vgl. jära Hitze, kllzak 
sklizak schlüpfrig klizati se gleiten, krdtak kurz, krepak kräftig 
(abg. noch krepi neben krep^kT)), krbtak sanft, kfsak steinig 
Ars Fels, Karst, ljuhak\\Qh\\Qh.ljubiti\i%hQri, w^ec'aÄ; schwach, 
dünn (von Stoffen), mrzak zuwider mrzi ml es ist mir z., 
Tiizak niedrig vgl. niz adv. präp. hinab, pitak trinkbar plti^ 
plitak seicht pliti schwimmen, prüfak biegsam prüt Gerte. 
rijedak selten, sladak süß, tanak dünn, Uzak (= teJhkh) 
schwer, üzak eng (= qz^k^), varak leicht kochbar vdnfi 
kochen, mtak biegsam vUi winden, vözak gut ziehend (vom 
Pferd) vöziti fahren, mrkö sünce die heiße Sonne sär Glut 
Mriti glühen, zezak heiß seci zezeyn brennen (trans.), zidak 
dünn (leichtflüssig), biegsam; lak leicht {= hg^k^) fem. 
läka für *lag-ka (= hgzka), mek weich (= m^kzkö) fem. 
nieka (für "^mekka = m^kzka), der Femininalform ist die 
Maskulinform nachgebildet statt Hagak *mekak. 

518. 2. -an mit beweglichem a (= -b7i6), z. B. 
vjeran = verhm, fem. vjerna = verbiia; eine der häufigsten 
Adjektivbildungen in allen slavischen Sprachen; die 
mannigfaltigen Beziehungen zu der Bedeutung der Grund- 
worte lassen sich nicht unter scharf abgrenzbare Bedeutungs- 



302 StammbilduDg der Noraina. [§618.519. 

klassen bringen. Hier nur einige Beispiele: hrizan besorgt 
hrlga Sorge, düsan schuldig düg Schuld, gläsan berühmt 
glas Stimme, Ruf, grjesan sündig grljeh Sünde, hlädan kühl 
hläd Kühle, jezican gesprächig jezik Sprache, Msan regnerisch 
kisa Regen, mästan fett mäst, preporucan empfohlen prepo- 
ruka Empfehhmg, rädostan freudig rädöst Freude, sirömasan 
arm sirömah Armer, smijesan lächerlich smljeh Gelächter^ 
stetan geschädigt steta Schade, trüdan ermüdet trüd Mühe, 
zäpadm westhch zäpäd, zäJwälan dankbar zähvala Lob, zlätan 
golden zlüto Gold. 

519. II. Adjektiva mit dem Sinne: von der Art 
des Dinges, das durch das substantivische Grundwort 
ausgesagt wird, entsprechend den deutschen Adjektiven 
auf -lieh, -isch, -haft; denen auf -isch entsprechen sie 
namentlich bei Ableitungen von Länder- und Völker- 
namen. Formans urspr. -hsk^, skr. nur in bestimmter 
Form gebraucht, daher msk. nom. sg. -ski^ fem. -skä, ntr. 
-skö. Von den sehr zahlreichen und immer vermehrbaren 
Bildungen hier einige Beispiele: Mdgradski belgradisch Bio- 
grad, hösanski (= loshnhskyjh) bosnisch Bösna (= Boshna)^ 
hrätski brüderlich Irät^ crnögorski montenegrinisch Grnä gbra^ 
cövjecki {= clovechskyjh) menschlich cövjek, davölski teuflisch 
äävö fem. -vola^ grädski städtisch gräd, jünäcki (= junach- 
skyjb) heldenhaft jünäk, öiacki (= ohcbskyjh) väterlich ötac^ 
räjski paradiesisch räj^ srpski serbisch Srh^ stäracki greisen- 
haft (= starhcbskyjh) stärac (= starhch). Häufig werden 
solche Adjektiva gebraucht, wo im Deutschen eine Zu- 
sammensetzung aus Adjektiv und Substantiv bevorzugt 
wird, z. B. görski zu göra Berg: görskä vila die Berg-(Wald-) 
vila, tämnicki zu iammca Kerker: tämnickä ?;m<a Kerkertür^ 
udövicki zu udövica Witwe: udövickö dijete Witwenkind. 

Nicht selten ist das unmittelbare Grundwort nicht 
ein Substantivum, sondern das von diesem abgeleitete 
possessive Adjektiv auf -ov, -in, *-;?> (s. §§531 — 535),. 
z. B. hegovsM nach Begenart begov leg, krdljevski königlich 
krdljev krälj, pöpovski priesterlich pöpov pöp. — nevjestinski 
bräutlich nevjestin nevjesia, pasinski zu päsin päsa Pascha ; 



§519—521.] Stammbildung der Nomina. 303 

wäfijski von "luanj poss.Adj. zu Ivaii Johannes, z.B. tvänskö 
ciijede (Johannisblume) galiuni verum. 

5S0. III. Adjektiva mit der Bedeutung: geneigt 
zu dem, was das Grundwort aussagt, sei es Ding oder 
Tätigkeit. Bei Ableitungen von Substantiven aus geht 
der Sinn zuweilen über in: «versehen mit dem, was das 
Grundwort ausdrückt». Die sehr zahlreichen Bildungen 
mit den Formantien -iv, -Ijiv (= hl'ivz) haben die Silben 
vor dem Formans kurz; die zweisilbigen Wörter den 
Hauptton als ' auf der vorletzten. 

A. Das Grundwort ist ein Substantivum. 

1. -iv, z. B. däsdiv regnerisch däzd Regen, käsljiv 
(hustig) Husten habend kasalj gen. käslja, Ijeniv träge (da- 
neben lljen dass.) eig. zu einem alten Subst. Imh Trägheit, 
mUostiv gnädig ynllöst Gnade, pdninjiv achtsam, umsichtig 
pömnja Umsicht, sträsiv schreckhaft sträh, iälostiv mitleidig 
zälöst; mehr in der Bedeutung «versehen, behaftet mit», 
z. B. jeziv (schaurig) gefährlich jeza Schauer, krmeljiv voll 
Augenbutter krmelj, pljesniv (Ausnahme von der Betonungs- 
regel) schimmelig plljesan. 

Eine kleine Gruppe zeigt die Endung -ajiv, diese be- 
ruht bei lisäjiv, mit Flechten llsäj behaftet, auf dem -äj 
des Grundwortes, andere Fälle auf Nachahmung solcher 
Bildungen, auch ohne Grundwort auf -äj, so lecäjiv voll 
Sommerflecke lede ntr., hdjäjiv schwielig, geschwollen zülf 
Schwiele, sipljäjiv asthmatisch vgl. slpljiv dass. 

Unmittelbare Ableitung von Verben aus ist kaum 
vorhanden, vgl. aber pläsiv (neben pläsljiv) schreckhaft zu 
pläsiti schrecken, kann Nachahmung von sträsiv sein. 

5!^1. 2. -Ijiv = hl'ivö, z. B. hojäzljiv hojäiljiv furcht- 
sam zu böjazan (= hojaznb) Furcht, hoUMjiv kränklich, 
zu altem böljezan fem. (^=holeznh) Krankheit, holesljiv dass. 
holest Krankheit, h'izljiv sorgfältig hriga Sorge, grdbezljiv 
räuberisch grähez Raub, ktsljiv regnerisch kUa, ndzorljiv 
scheu ndzor Obacht, svöjtljiv (Abweichung von der Akzent- 
regel) Verwandte liebend iiesvöjfljiv der keine Neigung zu 
den Seinigen hat svöjta, pöhjedljiv verleumderisch pöbjeda^ 



304 Stammbildung der Noraina. [§521 — 524. 

poträgljiv was zurückbleibt (was der Spur nicht folgt) träff 
Spur, sänljiv schlafmützig sän, smjesljiv wer gern lacht 
smljeh Lachen, sramezljiv schamhaft srdmez. Mehr in dem 
Sinne «behaftet mit», z. B. crvljiv wurmig crv^ mirisljiv 
wohlriechend mJm, päucljiv voll Spinngewebe ^;äwÄ; Spinne, 
pozderljiv voll Schewen pözder, sjeverljiv (nordwindig) dem 
Nordwind sjever ausgesetzt, snjetljiv voll Getreidebrand snljet, 
svräbljiv krätzig svräb^ väsljiv üsljiv voll Läuse väs üs. 

522, Häufig ist der Fall, daß neben dem Sub- 
stantiv ein Verbum steht, so daß das Adjektiv 
der Neigung im Sprachgefühl auch auf die Tätig- 
keit bezogen werden kann. Solche Ableitungen bilden 
den Übergang zu den Bildungen mit unmittelbarer verbaler 
Grundlage (s. § 523), z. B. dimljiv räucherig dim Rauch 
dlmiti rauchen, gnjevljiv jähzornig gnjev gnjeviti, govörljiv 
gesprächig gövör govöriti, läzljiv lügnerisch läz Lüge lägati, 
osvetljiv rachsüchtig ösveta osvetiti se sich rächen, pläcljiv 
weinerlich pläc Weinen pläkati, pbnosljiv stolz pbnos Stolz 
ponösiti se stolz sein (auf etwas), prevärljiv betrügerisch 
prijevara Betrug prevariti, promjenljiv veränderlich prömjena 
promijeniti^ rädljiv arbeitsam räd rädifi^ rödljiv fruchtbar 
röd röditi, skbdljiv schädlich skoda skbditi. 

5S3i B. Das Grundwort ist ein Verbum, z. B. 
hbdljiv stößig hbsti hbdem stoßen (mit spitzigem), härcljiv 
verschwenderisch härciti verbrauchen, dbcekljiv gastfrei 
dbcekati u. a. aufnehmen (einen Gast), dremljiv schläfrig, 
schlafsüchtig drijematiy gräbljiv räuberisch grähiti raffen, 
krädljiv diebisch krästi kr ädern stehlen, mämljiv verlockend 
mämiti, märijiv sorgfältig, fleißig m^riti se sich kümmern 
um, osjetljiv empfindlich bsjetiti empfinden, pbhjegljiv fugax 
pbbjegnuti entfliehen, pojedljiv gefräßig pbjesti -jedem ver- 
zehren, pokärljiv zänkisch pokdrati schelten, prelazljiv (eig. 
übergeherisch) ansteckend prelaziti übergehen, rasüdljiv be- 
dächtig rasüditi beurteilen, synrdljiv stinkig smrdjeti, strpljiv 
geduldig strpjeti^ stedljiv sparsam stedjeti. 

534. IV. Adjektiva, die bedeuten: versehen mit 
dem, was das Grundwort aussagt; dies ist der Regel nach 



§524.525.] Stammbildung der Nomina. 305 

ein Substantiv ; es kann aber ein Adjektiv und bisweilen 
«in Verbum zugrunde liegen. 

1. -at und -7iat^ dies ursprünglich = -hnatz, d. h. 
Weiterbildung von Adjektiven auf -6W3. 

a) -at', die Silben vor dem Formans sind kurz, bei 
den zweisilbigen Wörtern liegt der Hauptton als ' auf der 
■ersten Silbe; z.B. högat reich (alte Bildung von *hog^ An- 
teil, vgl. ü-hog arm), brädat bärtig brdda^ glävat großköpfig 
gldva, gränat ästig grdna, jiihat suppig jüha, kljünat (bei 
Vuk Jcljünat, es wird aber nach der obigen Regel kljünat 
gesprochen) kljüii, kdsat langhaarig kdsa^ krilat geflügelt 
krilo, ndsat langnasig nös gen. nösa, oikat beäugt öko, plecat 
breitschulterig plece, repat geschwänzt rep^ rögat gehörnt rög 
gen. röga, trhisat dickbauchig trhih, zuhat gezähnt züb. 

b) -nat, z. B. brsnat (= brzsthnatz) belaubt hrst spros- 
sendes Laub, cvörnat knorrig cvör gen. cvöra, görnat gebirgig 
göra, kösnat langhaarig (daneben kösmat) kösa Haar, krövnat 
strohgedeckt kröv gen. kröva Dach, llsnat belaubt (= listh- 
natö) listy pernat befiedert pero, resnat (Pflanzen-)Kätzchen 
tragend resa, sumnat belaubt süma Wald, vläsnat (neben 
vläsat) behaart vläs. Da die zweisilbigen Bildungen den 
Akzent " haben, gehört wohl auch vünat wollig (zu vüna) 
hierher und wäre dann = vlnhnatz, vgl. indes süsnjat be- 
laubt zu süsanj gen. süsnja, üsnat großlippig üsna Lippe. 
Mit -ov- gebildet cüdnovat wunderbar = cudbnovats zu cüdo. 

5S5. 2. -ast, sehr häufige Bildungen; die Silben 
vor dem Formans sind kurz. 

a) Von Substantiven abgeleitet; die Bedeutung die- 
selbe wie bei -at; doch tritt etwas mehr wie dort der 
Sinn des Übertriebenen auf, und außerdem bezeichnen 
■die Wörter auf -ast öfter: die Farbe des Dinges tragend, 
das von dem Grundwort ausgedrückt wird, z. B. brööast 
von der Farbe des bi'öc Färberröte (rubia tinctorum), 
budälast töricht budäla Tor, cvjetast mit einer Blässe ver- 
sehen cvljet u. a. Blässe (eig. Blume), golübast taubenfarbig 
gölüb, grwast (eig. mähnig) weiß um den Hals griva Mähne, 
jastrebast geierfarbig jästreb, kitast buschig ktta, kölast (eig. 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 20 



306 Stammbildung der Nomina. [§ 525 — 527. 

räderig) rundgefleckt kblo Rad, kükast hakenförmig küka, 
Msast wieselfarbig Idsa (läsica), Ijübicast veilchenblau IjübicUj 
mäcast katzenfarbig mdca, päsast (eig. mit Gürtel versehen) 
mit weißen Streifen um den Leib (von Tieren) päs Gürtel 
aus pöjäs, daher pojäsast gestreift, pepeljast aschfarbig pepeo 
gen. pepela, pjegast fleckig pjega, prütast gestreift priit Gerte, 
resast mit Wamme r^sa versehen, rllast großlippig rilo 
Maul, ruzicast rosenfarbig ruzica^ zekast hasenfarbig zeko 
Tier von solcher Farbe, zvjezdast mit Stern versehen (z. B. 
Tiere auf der Stirn) zmjezda. Am Ende von Attributiv- 
komposita z. B. hüljookast neben büljook mit Glotzaugen 
Mljiti glotzen öko Auge^ golobradast und golöbrad (eig. kahl- 
bärtig) unbärtig gö fem. gbla kahl brdda Bart, kükonosast 
hakennasig küka nös (gen. nosa)^ putonogast und pütonog 
(eig. fesselfüßig) mit einer Blässe am Fuß puto Fußfessel 
nöga Fuß (vgl. putast dass.), starblikast und starölik alt- 
gesichtig (== alt aussehend) stär lik, suhövrhast und suhövrh 
dürrgipflig süh vrh. 

5^0. b) Von Adjektiven, öfter, namentlich 
von Farbennamen, eine Annäherung an die be- 
treffende Eigenschaft bedeutend (vgl. unten -käst 
§ 544), im Sinne des deutschen -lieh (rötlich); z. B. 
drvenast hölzern (übertragen: unempfindlich) drven drvOj 
kltnast buschig {kltast dass.) kltan dass. klta, khijast splittrig 
krnj dass., küsast gestutzt küs dass., mörasf und mör dunkel- 
blau, ökruglast rundlich ökrügao fem. okrügla rund, rläast 
und rid fuchsrot, slnjast und smj graublau, slvast und slv 
grau, subjelast und sübjel (zu blo fem. bijela) weißlich, sü- 
ludast dümmlich sülud^ zärkast rotglühend vgl. zärkö sünce 
die heiße Sonne. 

527. 3. -av, größtenteils und häufig auf Grundlage 
eines Substantivs, seltener von Verben unmittelbar. Die 
Silben vor dem Formans sind kurz, die zweisilbigen Wörter 
haben mit zwei drei Ausnahmen den Hauptton als ". 
Bei Vuk hat nur ein Wort krväv blutig (zu krv) Länge 
des a, doch ist dialektisch -äv auch sonst vorhanden (s^ 
§275, S. 168). 



§ 527. 528.] Stammbildung der ^'omina. 307 

a) Von Substantiven, z. B. hddlikav stachlich höd- 
Jika, bräsnav mehlig hräsno^ cädav rußig cäd, cvörav voll 
Knorren cvör gen. cvöra, gtzdav geschmückt gizda Schmuck, 
ynojav eiterig gnöj gen. gnöja, gröznicav fieberig grdznica, 
grbav höckerig grba, kräsiav grindig krästa, läzav lügenhaft 
läz gen. luzi, lukav (in Ragusa, Ak. W.; bei Vuk lükav, 
Ausnahme von der Akzentregel; eig. gewunden^ zu lakz 
Biegung) listig, öspicav blatternarbig öspice pl. Blattern, 
pepeljav voll Asche pepeo gen. pepela, rctav (Ausnahme von 
der Akzentregel) schlecht, häßlich rda Rost, trünjav voll 
Splitter tnlnje fem. pl., znöjav schweißig znöj gen. zndja 
Schweiß, züljav schwielig zülj. 

b) Von Verben: hrhljav geschwätzig hrUjati^ jecav 
stotternd jecati schluchzen, kÜzav (Abweichung im Akzent, 
doch auch kltzav) schlüpfrig kUzati gleiten, läjav der ein 
böses Maul hat läjati bellen, lünjav mit vorhängendem Kopf 
lünjati so gehen, mücav stotternd mücati^ sklljav blinzelnd 
skiljiti^ tepav stammelnd tepati, ünjkav näselnd ünjkati, 
smirav blinzelnd zmirati. Es ist bemerkenswert, daß die 
meisten Beispiele von Verben herkommen, die einen körper- 
lichen Fehler bezeichnen. 

538. 4. -if, häufig auf Grundlage von Substantiven, 
die Ableitung erfolgt entweder unmittelbar von diesen 
oder mittelbar von Adjektiven mit Formans -ov. Unmittel- 
bare Ableitung von Verben aus ist selten. Die Silben 
vor dem Formans sind fast durchweg kurz. 

a) Von Substantiven: 

a) Einfaches -?7; einige Ausnahmen von der Quanti- 
tätsregel macht eine kleine Anzahl von Zusammensetzungen 
mit den Präpositionen za- und raz-, so zävojit schnecken- 
förmig zßvöj Windung, rdskosit schwelgerisch räskos Wonne, 
räzlicit verschieden räzlika Unterschied; die Wurzelsilbe ist 
aber immer kurz. Beispiele: busmit rsisenieich büsen, cestit 
(eig. beteiligt) glücklich cest Teil, gläsit ruchbar, berühmt 
glas u. a. fama, isüniti wahrhaft istina Wahrheit, kämenit 
steinig kämm, plümenit flammend plämen, plemenit edler 
Abkunft pleme Stamm, gens, pdnosit stolz pönos, räzborit 

20* 



308 Stammbildun^' der Nomina. [§528—531. 

verständig rdzhor Unterscheidung, rjecit beredt rljec Wort, 
sähorit faltig sdhor, si'dit erzürnt (eig. beherzt) vgl. srditi 
se zürnen zu srd- in srdhce skr. si'ce Herz, vremenit betagt 
vrijhne gen. vremena Zeit. Zuweilen liegen Zusammen- 
setzungen von Substantiv und Präposition vor, 
eigentlich ausgehend von Verbindungen der Prä- 
position mit Kasus, z. B. uzbrdit bergangehend = was 
uz hrdo bergauf ist, vgl. noch nizbrdit bergabgehend, ab- 
schüssig, näocit schön anzusehen (= was ins Auge fällt) 
oko, näpresit eilig presa Eile, närocito ntr. adv. ausdrücklich 
rök gen. röka Termin, pöglavit vornehm gläva Kopf. 

5^9. ß) -ovit; die Silben vorher ausnahmslos kurz, 
Hauptton als ' auf der vorletzten; sehr zahlreiche Bil- 
dungen; ein zugehöriges Adjektiv auf -ov fehlt oft. Bei- 
spiele: harövit sumpfig hära^ hlatbvit voll Kot Uäto, hrdövit 
bergig hfdo, hregövit hügelig brljeg, glasövit laut glas Stimme, 
gorövit bergig göra, jedövit giftig jed, Ijekövit heilsam lijek 
Arznei, maglbvit neblig mägla, mrazbvit kalt mräz Frost, 
pjeskövit sandig pijesak, zemlja poljevita Land reich an Feldern 
polje^ strahovit schreckenvoll, schrecklich strähf vjekdvit lange 
dauernd vljek Lebenszeit, (ewige) Dauer, vjetrövit windig 
vjetar gen. vjetra Wind. — Ganz vereinzelt von Verben: 
mjesdvit gemischt, zu mijesati. 

530* b) Von Verben, seltener, z. B. Ijütit zornig 
(vgl. Ijüt herb, grausam) Ijütiti se sich erbosen, näfrzit 
heftig, hitzig pfziti rösten, p. se sich verbrennen, nepro- 
mjenit unwandelbar prömjena Veränderung promijeniti, öcjedit 
abschüssig ocijediti abseihen, ödjelit abgeteilt odijeliti, ödresito 
ntr. adv. fertig, entschieden (absolut) odrijesiti losbinden 
(solvere). Diese Bildungen sind nicht Partizipien prät. pass. 
auf -ts, dem widerspricht die Quantität der Wurzelsilbe. 

531. V. Possessive Adjektiva, d. h. solche, die 
einen Menschen oder ein Tier (selten eine Sache), deren 
Namen der Adjektivbildung zugrunde liegt, als Besitzer 
oder Inhaber oder Angehöriger, auch als Urheber des 
Gegenstandes darstellen, zu dem sie das Attribut bilden, 
z. B. hrätove häljine die Kleider des Bruders (brät), djevöjöin 



§531—533.1 Stammbildung der Nomina. 309 

öiac der Vater des Mädchens (ötac), Vukova «Dänica* Vuks 
«Danica» (das von Viik herausgegebene Journal D.), Vü- 
kov rjecmk Vuks Wörterbuch. 

1. Formans -jo-, Nom. sg. msk. alt -jb^ -6, skr. nur 
erkennbar an der Palatalisierung des letzten Konsonanten. 
Ableitungen von Personennamen, gebräuchlich geblieben 
fast nur bei Heiligennamen, z. B. Ivanj des Johannes 
tvan {Ivanj dän Johannistag), Stjepanj des Stephan (Stje- 
panj dän Stephanstag), selten sonst: davdlji des Teufels 
dävö gen. dävola. Vereinzelt liegt ein Adjektiv auf altes 
-huh zugrunde: gbspodnji (des Herrn) Gottes = gospodhnijijh 
zu göspöd. 

5312. 2. -bjh, skr. in der bestimmten Form, in der 
diese Adjektiva fast ausschließlich gebraucht werden, Nom. 
sg. msk. 'ß oder -i mit Palatalisierung des letzten Kon- 
sonanten. Es ist die alte Bildung possessiver Adjektiva 
von Tiernamen, im Serbokr. ist sie indes, da auch se- 
kundär an Konsonanten getretenes ; (s. § 140 fg.) z. T. 
gleiche Wandlungen des Konsonanten herbeigeführt hat 
wie urslavische Verbindungen von Konsonant und j, nicht 
immer mit Sicherheit von der unter 1 besprochenen Bil- 
dung zu scheiden. Beispiele: gbvedi Rinds- gövedo, közji 
{^^ kozhjh, ein etwaiges *kozjh hätte "^kozh skr. bestimmte 
Form *Ä:oii; ergeben) Ziegen- kdza^ krävlfi Kuh- kräva^ päsji 
{== phshjb, ein *pbsjb hätte ergeben *phsh skr. *päsi) Hunds-, 
hündisch päs, teleci Kalbs-, kälbern tele gen. teleta, vücji 
Wolfs- vük. — Ganz selten von Personenbezeichnungen, 
einige alte Bildungen: iöiji (=bo2hjh) Gottes bog, cövjecjt 
Menschen- cövjek, vrdiji Teufels- vräg\ Nebenformen dazu 
hözij (bdziji), vräzij {vrdsiji) = bozijijh best. Form, bozijb 
unbest. Form. 

533. 3. -ov (über -ov von Pflanzennamen s.§ 539), 
die gewöhnliche Bildung von Bezeichnungen 
männlicher Personen, die nicht femininale Form 
(auf -a) haben oder Hypokoristika (auf -a, -o) sind 
(diese s. unter -in § 535). Ableitungen von Tiernamen 
aus sind ebenfalls häufig. 



310 Stammbildung der Nomina. [§ 533—535. 

a) Von Personennamen, z.B. djeverov des Schwagers 
djever, ktUzev des knez (k^nfzevh zu k^mdzh kön^zh), junäkov 
des Helden jünäk, krdljev des Königs krälj, kümov des 
Paten küm, prljateljev des Freundes prljatelj^ pütnikov des 
Reisenden pütmk, stärcev des Greises stärac gen. stärca. 

b) Von Tiernamen, z. B. j4zev des Igels jez, lävov 
des Löwen läv, örlov des Adlers örao gen. dr^a, päükov der 
Spinne pauk. 

c) Von Sachnamen, ganz selten; es liegt dann eine 
Art Personifizierung vor: jugov des Südwindes jug^ mräzov 
des Frostes mräz (mräzova sestrica Frostsch\vesterchen = 
Herbstzeitlose). 

534. 4. 'ovlji (bestimmte Form), d. h. Verbindung 
von -ov- mit -/0; seltener gebraucht; von Personen: 
muzevljl des Mannes müz, sinbvlji der Söhne (beide Formen 
können an die Plurale müzevi, slnovi angeknüpft sein); von 
Tieren: cvorkövljt Star- cvorak gen.cvörka, drozgdvlji Drossel- 
drözak gen. drözga, kosövlji Amsel- kos, osövlji Wespen- ös 
und ösa, pusevlji Schnecken- pü£\ auch hier kann von den 
Pluralen auf -ovi, -evi ausgegangen sein. 

535. 5. in, bildet possessive Adjektiva von 
femininalen Wörtern, von Maskulinen femininaler 
Form, von männlichen Hypokoristika auf -a, -0; 
sehr selten von Maskulinen außerhalb der angegebenen 
Formen. Den Ableitungen liegen selten Tierbezeichnungen 
zugrunde. 

a) Von Femininen, z. B. bäbm des alten Weibes 
häba, cigäncin der Zigeunerin cigänka^ cerin der Tochter öi 
gen. ceri (vgl. derkin zum Demin. cerka^ mit anomalem k 
statt *öercin)f djecin der Kinder djeca kolL, mäjcin und 
mäjkin der Mutter mäjka, mäterin dass. mäti gen. mäterey 
tröjicin dän Dreieinigkeits-(Pfingst-)tag tröjica, sestrin der 
Schwester sestra (vgl. sekin Schw^ester- seka hypok.), snähin 
(mit anomalem h statt *snasin = smsim) der Schwieger- 
tochter S7iäha, senin der Frau zena. 

b) Von männlichen Personenbezeichnungen 
femininaler Form auf -a, z. ß. delijin des Kriegers 



§535 — 537. J Stammbildung der Momina. 311 

delija, rnlädözenjin des Bräutigams mladÖ2e))ja, slügin dcH 
Dieners (anomales g statt *sluiim) slüga, südijin des Rich- 
ters siidija, sürin des Schwagers süra, vlädicin des Bischofs 
vlädika, vöjvodin des Heerführers vöjvoda. 

c) Von männlichen Hypokoristika auf -a, -o, 
z. B. bräjin des Bruders brdjo hraja^ brdtin dass. brdta brdto 
(zu brät), bäbin des Vaters bäba bdbo, gösin des Herrn gösa 
(zu gospödär), üjin des Onkels «jo (zu iijak). 

d) Von männlichen Personennamen nicht 
femininaler oder hypokoristischer Form, vereinzelt: 
brätin des Bruders brät, dein des Vaters ötac. 

e) Ableitungen von femininalen Tierbezeich- 
nungen: äspidin der Viper äspida, gälonjin des schwarzen 
Ochsen gdlonja, Icöbilin der Stute köbila, kräviyi der Kuh 
kräva, vränin der Krähe vräna, zvtjerin des wilden Tieres 
zvljer. 

536. 6. -inji (bestimmte Form), eine Verbindung 
von -in- mit -jb', fast lauter Ableitungen von Tier- 
namen aus: biidinfi Truthahn- vgl. ^w^z/a Truthenne büdac 
Truthahn, bühinji Floh- bülia, goliibinjl Tauben- gölüb, güjinji 
Schlangen- güja, kokösinji Hühner- kökös f. Huhn, mrävinji 
Ameisen- mräv, zrmjinji Schlangen- zmtja. Von anders ge- 
arteten Wörtern: djetinjl Kinder- dijete gen. djeteta, jäjinji 
Eier- jdje (jäjinjä Ijüska die Eierschale), dcinjT Augen- öko 
(öcinjä bötest die Augenkrankheit). 

537. VI. Adjektiva, die bedeuten: aus dem Stoffe 
bestehend, den das substantivische Grundwort bezeichnet. 
Bei einigen Formantien kommt auch erweiterte Bedeutung 
vor: versehen sein mit dem, was das Grundwort besagt, 
oder zugehörig zu dem. 

1. 'Jan, d. h. -'an mit vorhergehendem palatalisiertem 
Konsonanten. Entstanden ist das Formans aus altem 'e7ih, 
wo dessen e nach Gutturalen-Palatalen zu a werden mußte, 
z. B. voskz Wachs '"^'vosken^ abg. vostano wächsern, ebenso 
skr. vöstan, zema zeml'a Erde '■^•zemeuo '^zeml'ens zeml'am^ skr. 
zemljan irden. Daraus ist 'an so verallgemeinert, daß da^s 
alte -enö im Skr. ganz aufgegeben ist. Die Silben vor 



312 Stammbildung der Nomina. [§537.538. 

-an ßind kurz, der Hauptton bei den zweisilbigen Bildungen 
mit ganz geringen Ausnahmen ". Beispiele: 

a) Den Stoff bezeichnend: däscan brettern (abg. 
d^stan^ = '^d^sk€n^) däska (= dhska), köstan (= *kostjanh) 
knöchern kost gen. kösti, könopljan hänfen kbnoplje pl., közan 
aus Fell köza, rözan hörnen rög gen. röga, izan (räzan) 
aus Roggen fz (räz) gen. rzi (räzi), snjezan aus Schnee^ 
beschneit snijeg, tjestan aus Teig tljesto. 

Einigemal kommt -an ohne Palatalisierung vor: cöhan 
tuchen coha, mesan fleischern meso. 

b) In der Bedeutung: versehen mit: lucan mit 
Knoblauch lük gewürzt, lüzan aschig lüg, ögnjan feurig 
öganj gen. ögnja, sfcan beherzt srce, trnjan voll Dornen im. 

c) Allgemein Zugehörigkeit bezeichnend, dann 
nur in der bestimmten Form : kljucäm zum Schlüssel kljüc 
gehörig (kljucänä rüpa das Schlüsselloch), puscäni zur Flinte 
püska gehörig, rücand doba die Essenszeit vgl. rücak gen. 
rücka, suncäm Sonnen- swice^ svecam dän der Feiertag svetac 
Heiliger, sipcanö zfno der Granatapfelkern slpak^ uljäm mlln 
die Ölmühle ülje. 

538. 2. -en, nicht aus altem -enz entstanden, son- 
dern = urslav. -ew3, das in einigen alten Adjektiven vor- 
kam und im Skr. von diesen aus verallgemeinert wurde; 
solche alte Wörter sind skr. crven rot, stüden kalt, sären 
bunt, zelen grün, wohl auch Uden eisig (doch vgl. Sach- 
matov, Izv. VI, 4, S. 266). Die Silben vor dem Formans 
sind kurz. 

a) In der Bedeutung: aus einem Stoffe be- 
stehend, z. B. häkren kupfern häkar gen. bäkra, drveii 
hölzern dfvo, gvözden eisern (alt gvozdo) vgl. gvözde, yneden 
aus Honig, honigsüß med gen. meda, mjeden kupfern 7njed^ 
slämen strohern släma, stäklen gläsern sfäklo, süknen tuchen 
sükno^ svllen seiden svila, vünen wollen vüna. 

b) In der Bedeutung: versehen mit, z.B. hespöslen 
arbeits-, geschäftslos pösao gen. pdsla, hezäzlen ohne Arg 
zlo, jasprenä kesa Geldbeutel jaspre pl. Geld, ögnjen feurig 
bganj gen. ögnja, märven reich an Vieh märva, mäslen 



§538 — 540.] Starambildung der Nomina. 3Ki 

schmalzig mäslo, päpren gepfeffert päpar gen. -pra, vuiren 
feurig vätra, vöden wässerig vöda. 

c) In der Bedeutung der Zugehörigkeit, der 
Beziehung auf den Inhalt des Grundworts; ge- 
bräuchlich in der bestinimten Form, z.B. bedreni präg Tür- 
pfosten (eig. Schenkelschwelle) bedro Schenkel, iradveni zur 
Zimmermannsaxt hrädva gehörig, hrasnenä torba Mehlsack 
bräsno^ britveni zum Taschenmesser britva gehörig, crhvenT 
kirchen-, kirchlich cPkva, iijlhä zu )gla Nadel, Metvenä hijiga 
Fluchbrief kletua, ladenl zum Schiff läda gehörig, marvem 
cdsar Viehmarkt märva, pakleni höllisch päkao gen. päkla^ 
pösleni dän Arbeitstag jiösao gen. pösla, svädbem hochzeitlich 
si'ädba, vodeni btk (Wasserbüffel) Rohrdommel, ienidbem 
ehelich nuptialis £enidba. 

539. 3. -ov (possessives -ov s. §533), von Pflanzen- 
bezeichnungen, z.B. börov flehten bor gen. böra^ brestou 
ulmen brljest, drenov kornelkirschen drljen^ dübov eichen 
düb, jäsikov espen jäsika Espe, jävorov ahornen jävör, vrbov 
weiden vrba; vgl. auch vlnova löza Weinrebe vino. 

540. VII. Adjektiva auf -hm, bestimmt -hnijh, skr. 
-njl, meist von Substantiven, die Orts- oder Zeitvor- 
stellungen ausdrücken. — Adjektiva von Adverbien ab- 
geleitet, die also die örtliche, zeitliche u. a. Beziehung 
der Adverbien adjektivisch-attributiv machen. 

So ist z. B. von vecerö skr. vecer abgeleitet vecerhnh 
abendlich skr. vecernji; dies -wih ist dann auf adverbiale 
Ausdrücke übertragen. 

a) -nß von Substantiven, z. B. bczadnji bodenlos 
von bez-dhiia == ohne Boden, dönji unterer dö döla Tal, 
vgl. dölje adv. unten, godisnji (= godisthnijh) jährlich gö- 
diste^ görnji oberer göra Berg, vgl. adv. göre oben, jeseiiji 
herbstlich (= jesenhnh) jesen, jüfarnji (daneben jütrevß) 
morgendlich jütro, kräj?iji äußerst kräj Rand, övogodnji heurig 
öväj god dies Jahr, rednji der Reihe nach gehend red, 
srednß mittlerer srijeda, südnji dän der jüngste Tag sud 
gen. !iüda Gericht, üskrsnji österlich üskrs^ vlsnji höchster 



314 Stammbildung der Nomina. [§540.541. 

2U komp. vlsi höher, zädnji hinterer, vgl. nä-zäd zurück, 
zäpadnji westlich zäpäd. 

b) Von Adverbien, z. B. juceranji gestrig jücera 
(abg. vhcera), nütarnji innerlich vgl. u-nütar (= vsn-qtrb) 
drinnen, prelspod7iji niedrigst ispod von unten her, sädanji 
jetzig säda, pdtonß nachherig pd-tom, prednjl vorderer pred 
vor, skräjnjl am Rande befindlich skräj skräja adv. vom 
R. her^ spöljasnji äußerlicher spölja von außen, sutarnji 
morgendlich sutra cras, tbhoznji vergeblicher tbhoze adv. ver- 
geblich, zäludnji dass. zu zälud adv. — Wenn -hnh gefügt 
wird an Adverbia, die als letztes Element das Pronomen 
sh (dieser) enthalten, so entsteht die Verbindung -shuh, 
nach Wegfall des ersten h daraus -snh, bestimmt -snijh 
skr. -sa^;?, z. B. dhnh-sh == diem hunc, hodie : dhnh-sh-nijh 
heutiger, skr. dänas dänasnji, solche Bildungen sind noch 
jesenasnji von diesem Herbst jesenas (= jesent-sb), jjitrosnji 
von heutmorgen jütrös, Ijetosnji von diesem Sommer IjetöSj 
nöcasnji von dieser Nacht wöcas, slnoönji {sinotnji) gestern- 
abendlich shiöc (= abg. si nosih diese Nacht), vecerasnji 
heutabendlich veceras, zimüsnji von diesem Winter zlmüs. 

541. c) Von den unter b) besprochenen Bildungen 
wird ein Formans -snji entnommen und bei beliebigen 
Adverbien (ohne jene Anfügung des Pronomen 56) ver- 
wendet, so dävnasnji von lange her ddvno adv., dömäsnß 
Haus- döma zu Hause, jakosnji jetzig jäko jetzt, jucerasnji 
gestrig jücera, kädasnji von-wann-herig käda wann, mälo- 
pi^emjt (kurzvorherig) frisch pre prlje vorher, öndasnjl der 
damalige ondä damals, negdasnß nekadasnß ehemaliger negda 
nekada einst, onbmadnasnß neulicher onomddne (= lok. 
onomh dhne an jenem Tage) neulich, övdasnß hiesiger ovdje 
hier, p^edasnß früherer, ehemaliger prede adv. früher, prt- 
jesnji dass. zu prlje früher, zuvor, pi'vasnß neulicher prvo 
neulich, sädasnji jetziger säda, skörasnß neulicher skbro un- 
längst nuper, sjütrasnji morgendUcher sjütra (sütra) cras, 
tädasnji damaliger tädä, iämosnji dortiger tämo^ väzdasnji 
svagdasnß immerwährender väzda (= vbsbda) svägda. 



§542 — 545.] Stammbilduni;: der Nomina. 315 

54^. VIII. Deminuierung der Adjektiva. 

1. -ahan fem. -hua, daraus durch Schwund von Jf 
kontrahiertes -ati (aus -aan) fem. -ana (= -ahna) = urspr. 
■wlihnhy vgl. abg. lbgh■k^ Hbg^chöUo russ. legochon-kij skr. lä- 
gahan. Zuweilen wird vor -ahan der letzte Konsonant des 
Grundworts palatalisiert. Die Silben vor dem Formans 
sind kurz. Beispiele: hljedalian (älter) blßdan etwas bleich 
zu hUjed, glädahan glädan zu glädak glatt, grubahan zu grub 
grob, hlädahan und hlädan zu hlddan fem. hlädna kühl, 
lüdan zu lud töricht, mälahan klein zu mäli, mekahan (älter) 
mekan zu mek (= m^k^kh) weich, milani (im Liede) zu mlo 
fem. mMa lieb, mlädahan ynlädan zu mläd jung, pö-dobrano 
adv. ziemlich gut £?ööar fem. döbra, pünahan pünan zu pÄ» 
voll, slc'aw zu sitan fem. .si^«a klein sein, tänahan tanan zu 
/änaÄ; fem. tänka fein dünn, M2;a>^ eng zu üzak fem. wsÄ;a, 
zedan zu iec^aw fem. zedna durstig, zlvahan zu ii?; lebendig. 

543. 2. -5Ä:5, -6Ä;s. 

a) Einfach; z. B. lägacak = Ihgochko zu läk iür hgoks 
leicht, mdlko ntr., zu ma/o wenig, nejäcak zu 926)'«^; schwach, 
übozak arm zu fcZ^o^, uzacak {■= qz^chk^) zu W2:a/: eng. 

b) Doppelt gesetzt: dügacak lang (= dlg^chk^) zu 
rfügf (= c?/.(7^), lüdacak zu /mc? dumm, pünacak zu ^iiw voll, 
släbacak zu s^dJ schwach, suvacak zu szl/i fem. swÄa und 
swva trocken. 

544. 3. -kast^ entstanden aus -ok-asts, deminuiert 
Farbenbezeichnungen wie das deutsche -lieh (grün- 
lich): crnjkast (cmkast) schwärzlich cr?^, crvenkast rötlich 
crven, rümenkast dass. rümen^ sürkast bläßlich, grau sür 
blaß, zelenkast grünlich zelen, zü6kast gelblich züt. 

545. In einigen Fällen tritt ein Formans -ikast auf, 
z. ß. plavetnikast bläulich zu plavetan fem. -tna, es gehört 
aber zunächst zu plavetnik (salvia silvestris); von solchen 
und ähnlichen Bildungen aus ist es verallgemeinert, aber 
nicht häufig, vgl. noch mödrikast bläulich zu mddar fem. 
modra, vtsnjikast weichselfarbig zu einem 'Hisnjik von visnja 
Weichselkirsche, vbdnikast wässerig zu vbda (vgl. vödvjika 
Wasseraufguß auf Holzäpfel). 



816 Stammbilfiung der Nomina. [§ 545—548. 

In mehreren, nicht zahlreichen Beispielen erscheint 
-ast und -käst mit anderen Formantien verbunden: hjeli- 
cast (zunächst zu hjelica Weiße) hlo fem. bijela weiß, gcäi- 
cast schwärzHch vgl. galö-vran schwarze Krähe; mrkolast 
schwärzlich mrk\ dugäljast (und dagüljat) länglich zu düg 
(vgl. nä dugülj in die Länge), krivüljast krumm zu kriv\ 
Ijelüsast weißlich zu hlo fem. hijela, lepuskast (Ijep-) zu lep 
(lljej)) schön; lückast dümmlich zu Md. 

546. IX. Augmentativer Ausdruck bei Adjektiven. 
Wie sich Deminutiv- und Augmentativbbildung zuweilen 
bei den Substantiven berühren, so auch (selten) bei Ad- 
jektiven, vgl. augmentatives kolicak zu kölik quantus, ovo- 
Itcki ovolikäcki zu ovoVtki tantus, velikäcak sehr groß zu veliki, 

Verstärkung der Adjektiva kann bewirkt werden 
durch Bildungen mit Formans -cät, -cit, die aber gewöhn- 
lich nicht für sich auftreten, sondern dem Grundwort zu- 
gesetzt werden; cio cjelcät ganz intakt, gö gölcät splitter- 
nackt, 71ÖV növcät (-cit) ganz neu, prav prävcit ganz recht, 
pün püncät übervoll, säm sämcät {-cit) mutterseelenallein, 
zdräv zdrävcit ganz gesund. 

54*7, Anhang. Aus fremden Sprachen aufgenommene 
Formantien. Mit Lehnwörtern verbindet die Sprechenden 
kein Sprachgefühl, sie bleiben daher in der Regel außer 
Verbindung mit dem einheimischen Sprachschatz. Es 
kommt aber vor, daß mehrere Fremdwörter in gleicher Form 
aufgenommen werden, deren gleiche Endungen eine be- 
stimmte Bedeutungsfärbung enthalten. Solche Endungen 
werden dann abgetrennt und gelegentlich als Formantien 
auch an einheimischen Wörtern verwendet. So ist das 
geschehen bei: 

1. -ana aus türk. hane Haus; aufgenommen sind 
Wörter wie kahve-hane Kaffeehaus, tabehane (tahahava) = 
tabak-h. Gerberhaus, skr. kaväna, tabakäna; danach gebildet 
siilmm Seidenfabrik zu svila Seide, cigläna Ziegelei zu cigla 
Ziegel. 

548. 2. -ditja {-cija), Maskulina femininaler Form, 
aus türkischem die {diu, dm, dii), das den mit einer Sache 



§ 548. 549.] Ötammbildung der Nomina. 317 

Beschäftigten, Verfertiger u. ii. bezeichnet. Nach Aufnahme 
von Wörtern wie top Kanone, dazu topdzu Kanonier, skr. 
top töhdzija, kajek Schiff kajekdze^ skr. kaigdzija, wurde ein 
-dzija auch an serbische Wortstämme im Sinne von Nomen 
agentis oder von Berufen gefügt, z. B. govördzija Redseliger 
qbvör Rede govöriti sprechen, hväldzija Prahler hväla Lob 
hvdliti, lövdzija Jagdliebhaber löv Jagd löviti, porescija Steuer- 
einsammler pörez, vratärdzija Türhüter, Weiterbildung von 
vrätär dass. zu vräta pl. Aus türkischen Wörtern, die vor 
-die ein a oder e haben, ist skr. auch ein -adzija, -edzija 
entnommen, vgl. türk. hoja Farbe bojadze Färber skr. böja 
bojadzija, danach von skr. Stämmen djelädiija Teiler dije- 
liti, pjanädzija Trunkenbold pjän betrunken, pljäckadzija 
Plünderer pljäcka Beute, provodädzija Zubringer, Freiwerber 
provdditi, trösadzija Verschwender trösiti ausgeben. — Türkisch 
cizme Stiefel cizmedzi Schuhmacher, skr. clzma cizmedzija\ 
danach von skr. Stämmen cetedzija Bandenführer ceta, kr- 
pedzija Flicker krpiti flicken krpa Flick, sUedzija Gewalttäter 
silä; vgl. noch salidzija Spaßmacher säliti se spaßen. 

549. 3. -ija, romanischen Ursprungs, Abstrakta, 
Ländernamen u. a. bildend, z. B. Dälmäcija, Bugärija Bul- 
garien, Srlija Serbien; von skr. Appellativen z. B. robija 
Sklavenarbeit röft, prostörija Raum neben pröstor, nistärija 
Nichtsnutzigkeit nistär{e) nichts, Ijekärije pl. Arzneien 
Ijekär Arzt; von solchen Bildungen aus scheint sich ein 
-arija abgelöst zu haben, vgl. lagärija pl. Lügen lägati, 
petljärija Pfuscherleben petljati, sljepärija u. a. Blindheit 
süjep, tricärija dummes Zeug trlce pl. Exkremente, drve- 
närija Holz waren drven hölzern. Eine Kollektivbedeutung 
wie in dem letzten Beispiele auch sonst, vgl. cedija Kinder 
zu cedo, nevjerija (poet.) die Ungläubigen, petljänija Ränke, 
unnützes Geschwätz, zum Partizip von petljati u. a. heftein, 
pogänija unreines Gesindel pbgan, namentlich aber in der 
Anfügung an skr. Kollektiva auf -äd^ z. B. grcädija Griechen 
grcäd zu grk^ momcädija Burschen mömcäd zu mömak, 
njemädija njemcädija die gesamte deutsche Jugend zu iiijemac, 
pascädija Hunde päscäd zu päs, turädija Türken türäd. 



318 Stammbildung der Nomina. [§550—552. 

550. 4. -lija, Maskulina femi ninaler Form, aus 
türk. -le {'lu, -lü^ -li), Herkunft, Zugehörigkeit u. a. bezeich- 
nend, z. B. Bosna Bosnien (aus dem Skr.) Bosnale Bos- 
nier, skr. Bosna Bosänlija, Mostdrlija einer aus Möstär, 
frekomörlija einer von jenseits des Meeres, Sardjlija einer 
aus Sarajevo {türk. Seraj), säjalija Sarsche (Art Tuch; eig. 
aus säja bestehend). Von serbischen Wörtern aus, die 
türk. Ableitungen auf ale, -ajle angeschlossen sind (vgl. 
türk. bäa Unfall, Unglück, belale unglücklich, skr. beläj, 
türk. lelalek Unglück, skr. heläjluk; pasa Pascha pasale 
Pascha-, skr. pasälija pasäjlija einer von den Leuten des 
Pascha), z. B. dugdjlija langer Mensch düg lang, zlatdjlija 
Goldgeschmückter zläto Gold, növajlija Neuling növ^ tocäjlija 
Schenk tdciti. 

Wenn die türk. Wörter nicht substantiviert werden 
(durch -ja), werden sie im Skr. als unflektierte Adjektiva 
verwendet, z. B. demlr-li eisern zu demir, dertli besorgt zu 
derty bojäli (türk. bojale) gefärbt. 

551. 5. -luh aus türk. -lek {-luk, -lük, -lik), Abstrakta 
bildend, dem deutschen -tum, -heit u. ä. entsprechend, 
von Volks- und Herrschernamen abgeleitet Land oder Ge- 
biet bezeichnend, z. B. pasa pasa-lek Paschawürde, das vom 
Pascha verwaltete Gebiet, skr. päsa pasäluk; Ärnaütluk 
Arnautenland, Albanien Arnäui-in (türk. Ärnaut, ÄrnauÜuk); 
danach gelegentlich auch an serbischen Wörtern verwendet, 
hrisdänluk Christenheit hrlsöan-in, cigänluk Zigeunertum 
dgan-in, bezobräzluk Schamlosigkeit vgl. bezdbraz-an schamlos, 
pasjäluk hündische Manier pasji Adj. zu päs Hund. 

552. 6. -öv, gen. -ova, aus magyarischem -6 {-ö)y. 
jetzt Partizipialsuffix, z. B. lopo stehlend, Stehler (zu lop- 
ni), in älterer Zeit auch Adjektiva bildend (jetzt -ü, -ü), 
Beispiele: drnöv wüster Schreier drnuti se sich wütend ge- 
bärden, gblöv Habenichts gö fem. gbla nackt, lüdöv Tor 
lud dumm, nltköv (Scheltwort) Niemand nltko niemand, 
präznöv armer Kerl ^ra^^aw leer, arm, sZ^^öi; Unglücksprophet 
slütiti ominari. Öfter sind so gebildete Hundenamen, von 
irgendeinem Merkmal aus, z. B. bjelöv weißer Hund Mo 



§ 552. 553.] 



Stammbildung der Nomina. 



319 



fem. hijela weiß, gäröv schwarzer H. gär Rußfarbe, grlvöv 
H. mit weißem Haarkranz um den Hals grlva Mähne, 
kosmöv zottiger H. vgl. kösmat haarig, küsöv H. mit ge- 
stutztem Schwanz käs gestutzt, mrköv Brauner (Hund oder 
Pferd) mrk. 



553. Alphabetisches Verzeichnis der behandelten 
Formantia nach der Gestalt des Nom. sg. derBildungen. 
Abkürzungen: abstr. = Abstraktum, adj. = Adjektiv, adj. adv. 
= Adj. aus Adverbien, augm. = Augmentativ, besch. = in der 
Bedeutung: beschäftigt mit, dem. = Deminutiv, ein. kl. = Ein- 
wohner-, Klassennamen, fr. f. = fremdes Formans, fzm. = Fe- 
minina zu Maskulinen, hyp. = Hypokoristikum, koll. = Kollektiv, 
n. act. =^ Nomen actionis, n. ag. = Nomen agentis, n. instr. = 
Nomen instrumenti, n. loci = Nomen loci, neig. = in der Be- 
deutung: geneigt zu, patr. = Patronymikum, pfl. = Pflanzennamen, 
poss. = Possessi V; st. = in der Bedeutung: aus dem und dem 
Stoff" bestehend, tr. eig. = Träger einer Eigenschaft, vers. = in 
der Bedeutung: versehen mit, zug. = Zugehörigkeit bezeichnend.. 

Die Zahlen sind die Paragraphenzahlen. 



-a fzm 

hyp 

n. ag 

-a n. act 

■ac (= -tch) 

dem 

ein. kl 

n. act 

n. ag 

tr. eig 

-äc n. ag 

-aca n. ag 

n. instr 

tr. eig 395 

-acak fem. -acka adj. dem. 

-äd koll 

-adzija (s. dzija) fr. f. 

-aga augm 

ahan fem. -ahna adj. dem. 

-äj n. act 

•ajiv adj. vers 

ak (= ^^ko) 

adj. dem 



857, 
393, 
361, 
361, 



459 
437 
356 

485 

423 
390 
468 
358 
394 
362 
362 
374 
-398 
543 
514 

444 
542 
483 
520 

548 



adj. augm 

dem 

n. instr 

n. act 

tr. eig 

-äk n. loci 

-äk, -'äk tr. eig 

•alac n. ag 

-alica n. ag 

n. instr 

-allste n. loci 

-älj tr. eig 

-älja n. ag 

-äljka n. instr 

-an gen. -ana dem. adj. 

hyp 

pfl ; 

-an (= -t»n-o) fem. -na adj. 

'-an fem. 'ana adj. vers. 

zug 

•an hyp. u. a 

-ana fr. f. 

-ance dem 



546 
428 
375 
469 
399 
380 
402 
359 
367 
388 
388 
405 
364 
376 
542 
445 
467 
518 

537 

446 
547 
424 



320 



Stammbildung der Nomina. 



[§553. 



-anin ein. kl 391 

-nnstvo abstr 512 

-anj gen. -nja (= -hnjb) n. act. 

n. instr 492 

-ao (= -Ib) gen. // n. act. 488 

-aonica n. loci 385 

-är besch 379 

n. ag 365 

-ara augro 447 

n. ag 365 

n. loci 381 

-arina abstr. (Entlohnung 

einer Tätigkeit) . 500 

-ärnica n. loci 384 

-ast adj. Vera 525 

von Farben: -lieh . . 526 

-äs n. ag 366 

tr. eig. (-äs, -'äs) . . 406 

-asce dem 424 

-asnji adj. adv 541 

-at adj. vers 524 

•at (= ^^to, -hth) n. act. (Ge- 
räusche) .... 473 

-av adj. vers 527 

-ava n. act 470 

-avac n. ag 360 

-avica n. act 477 

-avina n. act 479 

-ha n. act 471 

-hina abstr 503 

-ca dem 425 

hyp 440 

'Cät Verstärkung von adj. 546 

-ce dem 424 

-clt Verstärkung von adj. 546 

-CO hyp 440 

-ca hyp 441 

-ce dem 437 

•CO hyp 441 

-da abstr 493 

-dHja fr. f. 548 

-e hyp 437 

-e {= -e) gen. -eta dem. . 426 

-'e n. act 486 

-edzija (s. -dsija) fr. f. . . 548 



-en adj. st 538 

adj. vers 538 

adj. zug 538 

■esce dem 424 

-esina augm 452 

•et n. act. ^Geräusche) . . 473 

•etina augm 450 

-evic patr 433 

-evina n. act 480 

-evski 8. -ovski 

-62 n. act 474 

tr. eig 407 

•IC dem 430 

-ica abstr 476 

dem 431 

fzm 460 

n. act 476 

n. loci 382 

tr. eig. . 413 

•ic n. act 368 

pfl 466 

•icak dem 429 

-ic dem 432 

patr 433 

-Ic dem 434 

tr. eig 408 

-idha n. act 472 

-ija fr. f. 549 

-ik tr. eig 409 

pfl 465 

•ika pfl 464 

-ikast dem. Farbenadj. „ 545 

-ilac n. ag 359 

-ilica n. ag 367 

n. instr 377 

-ilja n. ag 364 

•in adj. poss 535 

ein. kl 391 

-ina abstr. von adj. . . . 496 
abstr. von subst.(-tum, 

-Schaft u. a.) . . 499 
von Tiernamen (Fell, 

Fleisch) .... 501 

in Komposita .... 502 

augm 449 



§ 553.1 



Stammbildung der Nomina. 



321 



n. iict 478 

-inica fzm 460 

-in ja abstr 504 

f/.m 461 

-mje koU 516 

-inji adj. poss 536 

-instüo abstr 511 

-ionica n. loci 385 

-75 n. ag 369 

tr. eig 415 

-isa n. ag 369 

•Ute augm 455 

-Ute n. loci 387 

-it adj. vers 528 

-iv adj. neig 520 

-Ico n. act 482 

-j (= jh) adj. poss. ... 531 

n. act 484 

-j {= hjh) adj. poss. . . . 532 

'ja (-'a) abstr 506 

fzm 459 

hyp 438 

n. act. . 485 

-Jan {-'an) s. -'an 

-je koll 515 

n. act 486 

n. loci 389 

-}o hyp 438 

-ka dem 435 

fzm 462 

hyp 439 

n. act 487 

tr. eig 417 

-käst dem. Farbenadj. . . 544 

-kinja fzm 462 

-ko hyp 439 

-la hyp 443 

•l-ac n. ag 359 

-le hyp 443 

'lica n. ag 367 

n. instr 377 

lija fr. f. 550 

-li^e (-alUte) n. loci . . . 388 

-lo n. ag 371 

n. instr 378 



-luk fr. f. 551 

-h gen. -II s. -ao 

-Ij'iv adj. neig 521 

-nat adj. vers 524 

■nica n. loci 383 

tr. eig 415 

-nlk tr. eig 412 

-nja n. act 489 

-njaca tr. eig 396 

-njäk n. loci 380 

tr. eig 403 

-nji adj. adv 540 

-0 hyp 437 

-oha abstr 507 

-oca abstr 510 

-oje hyp 438 

-onja tr. eig 418 

-öst abstr 508 

-osa tr. eig 419 

-ot n. act. (Geräusche) . . 473 

-ota abstr 508 

-otina n. act 481 

■otinja abstr 505 

-ov adj. poss 533 

adj. St. (von Pflanzen) 539 

-öv fr. f. 552 

-ovac tr. eig. (von Pflanzen- 

naraen: Stock) . 394 
-ovaca tr. eig. (von Pflanzen- 
namen: Stock) . 397 

-ovlca fzm 460 

-ovic patr 433 

-ovina von Pers. : Land ; von 

Pflanzen: Holz u.a. 498 

n. act 480 

-ovit adj. vers 529 

-ovlji {-evlji) adj. poss. . . 53 i 
-ovski {-evski) adj. (Art und 

Weise) .... 519 

-ovstvo abstr 511 

-ski adj. (Art und Weise) 519 

-stvo abstr 511 

-sa hyp 442 

n. ag 372 

-snji adj. adv 541 



Leskien, Serbokroatische Grammatik. 



21 



322 



StammbiMung der Nomina. 



[§ 553—555. 



•so hyp 442 

•stina abptr 497 

aupiii 454 

-telj n. 'dg 373 

-t (= -th) ^en. -tl n. act. . 491 

'tva n. act 490 

'Uga augm 456 

-ulja augm 457 

pfl 466 

tr. eig 420 



•ün tr. eig 421 

-iirn augm 458 

-ttrrna augm 451 

•usa fzra 463 

n. ag 370 

tr. eig 422 

-usinn augm 453 

•ustina augm 453 

-h abstr 494 

D. act 491 



Nominalkomposita. 

554. Vgl. Miklosich, Die nominale Zusammen- 
setzung im Serbischen (Denkschr. der Wiener Akad. phil.- 
hist. Kl. 1864, Bd. 13). — Jagic, ASlPh. 20,550fg. — Verf., 
Betonung und Quantität der serbischen Nominalkomposita 
(ASlPh. 21, 334). 

Unter Komposita sind hier verstanden: I.Bildungen, 
die als erstes Glied einen unflektierten Nominal-, 
Numeral-, Pronominalstamm enthalten; dieser 
endet, wie auch der Stamm des selbständigen Wortes aus- 
lauten mag, auf -o, z. B. kostö-holja (Knochen-schmerz) 
Gicht Icöst gen. Jcösti i-Stamm, glavo-bolja Kopfschmerz 
gldva a-Stamm, dusd-gubac (nicht wie abg. dusegubhch) Seelen- 
verderber düsa, glasö-nosa (Nachricht-träger) Bote gläfi o- 
Stamm. 2. Bildungen, deren erstes Element eine 
Partikel (Negation we, Präposition) ist; diese behält in 
der Rege] ihren Auslaut. 3. Bildungen mit einem 
ersten Glieds verbalen Ursprungs (Imperativ); dies 
lautet auf -i aus, z.B. Hii-^wf (Zeige-weg) Zeigefinger. In 
den unter 1. und 3. genannten Komposita müssen 
die Silben des ersten Gliedes stets kurz sein; der 
Auslaut der Präpositionen unter 2. kann lang und kurz sein. 

555. Zusammensetzungen, die nicht zu den an- 
gegebenen Formen stimmen, kommen vor, namentlich 
solche, deren erstes Glied auf einen Konsonanten 
endet und daher als Nom.sg.mask. erscheint. Sie mögen 
hier vor der Ausführung der regelmäßigen Bildung be- 
sprochen werden; z.T. sind sie fremd oder Nachahmungen 



§ 555. 556.] Stammbildung der Nomina. 323 

i'remder Wörter, z. T. Rätsel-, Scherz- und Vexierwörter. 
Ganz auszuscheiden aus eigentlich serbokroatischer Sprach- 
bildung sind die unmittelbar dem Türkischen entnommenen 
Zusammensetzungen; dort werden zwei Wörter einfach 
nebeneinander gestellt oder das zweite erhält das suffigierte 
Possessivpronomen 3. Pers. (sogen, unbestimmte Genitiv- 
verbindung), z. B. has'V^k'ü (Haupt-minister) erster Minister; 
nach solchen und gleichartigen ist im Skr. nachgebildet 
z. B. häs-knez Ober-knes (vgl. obor-hiez nach Entlehnungen 
aus dem Deutschen wie dhorlaöman = Ober-leutnant). 
Nach türk. Lehnwörtern wie böUik'-base Kompagnie(-haupt)- 
führer skr. büljughasa büljubasa, danach skr. vöjvod-basa, 
djever-basa Hauptbrautführer, köz-basa Vorm aber kösa Sense 
Icbsiii mähen; duvän-kesa, tutun-kesa sind türk. duhan-k' ese, 
tütün-k' ese. So sind denn auch entstanden die in der Volks- 
poesie vorkommenden mermer-avlija Marmorhof, mermer- 
sökäk, mermer-kaldrma Marmorstraße, bügar-kabänica Bulga- 
renmantel, nädzag-baba (Keulen-weib, türk. nadzak Keule) 
böses Weib, rim-päpa (Rom-papst) röm. Papst, sämur-kälpak 
Zobelmütze u. a. d.A. 

556. In skr. Wörtern, die nicht dem Türkischen 
entlehnt oder unmittelbar türkischen nachgeahmt sind, 
kommt dasselbe in doppelter Weise vor: 1. Substantiv 
steht in der Nominativform vor Substantiv, z. B. 
dän-guba (Tag-verlust) Zeitverlust, wohl erst aus dem Verbum 
dän-gubiti (Tag verlieren) gebildet; dazu einige meist poe- 
tische Wörter: jelen-rög Hirschhorn, päun-pero Pfauenfeder, 
IjUjan-göra Lilienberg, Ijiljan-llstak Lüienblatt, wie der 
doppelte Akzent zeigt, keine eigentlichen Zusammen- 
setzungen, ynls-kuläs mausfarbiges Pferd (kidäs heißt das- 
selbe), suber-voda Murmelwasser zubor Gelispel, Gemurmel. 
— 2. Adjektiv steht in der Form des Nom. sg. 
msk. vor Substantiv, z. B. bläg-dän (guter Tag) Feier- 
tag, crven-perka Art rotgefiederter Vogel, Plötze (Rotflosser), 
öävlen-cörba (noch mit doppeltem Akzent) Scherzwort = 
Nagelsuppe (aus eisernen Nägeln, vgl. kUn-corba dass.), 
debel-guza (neben debelö-guza) Weib mit dicken Hinterbacken 

21* 



324 Stammbildung der Nomina. f§ 556 — 559. 

(debeo güz) gvozden-zuha Eisenzahn (Art Dämon) yvözden züb, 
sämpas Weiden des Viehs ohne Hirt säm allein pästi päsem, 
studen-klep Kaltschmied (Spott wort auf den Schmied, vgl. 
hladnbhov) klepati schlagen, svilen-gaöa einer mit Seidenhose, 
saren-trba Buntbauch (Spottwort auf den Frosch), voden-bika 
statt vodeni bik (Wasser-büffel) Rohrdommel; vgl. noch 
nlsta-coek (Nichts-mensch) Nichtswürdiger. 

557. Einiges ist aus Substantivierung von 
Sätzen oder syntaktischen Gruppen entstanden, z.B. 
Dä-bi'ziv (Mannsname) = ut sis vivus, les-te-däj Schlüssel- 
blume primula veris = lez{i) te däj (leg dich und gib • — 
obszön), na-güz-ljez (eig.Ärschlingsgeher, köji nä güzu Ijeze) 
Spottwort auf den Krebs, naträg-(h)od£a Rückwärtsgeher 
(Krebs) = köji näträg Jiddi, nä-zlo-bfz (zum Übel schnell) 
rasch bereit zur Übeltat, sebe-znao selbstisch (der nur sich 
selbst kennt). Vgl. noch sva-stö-znanac (=vhse-chto-znanhCb) 
Alleswisser, sve-znali dass. (= vhse-), rano-ränüac Früh- 
aufsteher (normale Betonung wäre '■^ranö-ranilac) = kbji 
räno räm. Dazu kommen noch allerlei Scherzbildungen, 
wie hadzi-nedömak ein Hadschi (Pilger), der das Ziel (Haus 
dorn) nicht erreicht, sir-zbijalo Käsestopfer, sakapere (gen. 
sg.) in der Redensart bi-öe s. (wo einer dem andern sä- 
kama na percin mit den Fäusten auf den Schopf kommt) 
es kommt zum Handgemenge. 

558. Einzelne Zusammensetzungen haben einen 
Kasus als erstes Glied, z. T. alt ererbte Bildungen: 
hrätu-ced {brätu dat. von brät) Geschwisterkind, polü-brat 
Halbbruder, polu-sestra Halbschwester {polu alter Lok. «zur 
Hälfte» von pold) vgl. dazu podne Mittag = polö dhne 
«Hälfte des Tages»; so ist pödriig anderthalb Mann groß, 
anderthalb = urspr. poh druga (Hälfte des andern); 
kämi-vao gen. -väla äußerste Bergspitze, eigentlich Stelle, 
wo der Stein kamij = altem Nom. u. Akk., von selbst 
rollt {väljati se), 

559. Die folgende Einteilung der Komposita in 
dem engern oben angegebenen Sinne ist gemacht nach 
der Beziehung, die die Glieder der Zusammen- 



§559.560.] Stammbildung der Nomina. 325 

Setzung bei ihrer Auflösung in eine syntaktische 
Gruppe ergeben. Bei der Mannigfaltigkeit der Be- 
deutungen und der gerade bei den Komposita sehr häufigen 
Umbiegung der Grundbedeutung ist eine allgemeine Ein- 
fügung aller in bestimmte Schemata nicht wohl möglich; 
die folgende Darstellung gibt daher nur Haupttypen. 

I. Attributivkomposita. Das erste Glied (Substantiv, 
Adjektiv, Pronomen, Zahlwort, Partikel) bildet eine 
nähere Bestimmung zu dem zweiten. 

Die Komposita sind entweder Substantiva oder Ad- 
jektiva; Adjektiva stets, wenn das letzte Glied als selb- 
ständiges Wort selbst Adjektiv ist. Komposita mit zweitem 
an sich substantivischem Gliede können adjektivisch 
werden, wenn die Gesamtvorstellung, die das Kompositum 
ausdrückt, als Eigenschaft einem Dritten beigelegt wird, 
z. B. düg lang kösa Haar: dugö-kos langhaarig. Solche 
Wörter können wieder mit bestimmten Formantien sub- 
stantiviert w^erden, vgl. z. B. vrtö-glav (dreh-) schwindel- 
köpfig vrtöglavac ein Schwindelkopf. 

Eine Anordnung nach den in der Zusammensetzung 
vorkommenden Wortarten ergibt folgende Abteilungen: 

1. Substantiv mit Substantiv (nicht häufig); das 
Wort ist in der Regel Adjektiv, die Gesamtvorstellung auf 
ein Drittes bezogen, z. B. zmijd-glav schlangenköpfig zmtja 
gldva, zww-list (Pflanzenart, Subst. geworden) = im Winter 
Blätter habend zima list, pütö-nog (eig. fessel-füßig) = 
Blässe am Fuß habend püto nbga, srebrö-kos silberhaarig 
srebro kösa, svilökos seidenhaarig svüa, svilö-run seidenfließig 
rüno. Substantivisch psö-glav Hundskopf (Märchengestalt) 
= phsoglavz aus päs (= phs^) gtäva. 

560. 2. Adjektiv mit Substantiv. 

A. Das Gesamtwort ist Substantiv, das erste 
Glied Attribut des zweiten, die Beziehung bleibt also inner- 
halb des Kompositums, z. B. bjelö-jug (eig.Weiß-südwind) 
trockener Südwind bio (iem.bijela) jüg, dlvo-koza (Wild-ziege) 
Gemse, golö-kapica (eig. Kahl-haube) Mütze ohne Buntes, 
piisto-ims (eig. Frei-weide) jedem zugängliche Weide, pustö- 



326 Stammbildung der Nomina. [§ 5G0— 564. 

svat (eig. Frei-gast) Hochzeitsgast ohne Amt bei der Hoch- 
zeit, suho-zxd (Trockenmauer) Mauer ohne Mörtel, tänko- 
prelja Fein-spinnerin, samb-tok (sämoiök) eig. Selbst-liuß, 
d. h. ein von selbst aus der Wabe geflossener Honig. 
Über derartige Komposita mit Formans -iiia, z. B. slabö- 
bocina (zu släb schwach, bök Seite, eig. Weichseitigkeit) 
Weichen des Körpers, s. § 502. 

561. B. Das Gesamtwort ist Adjektiv, die 
Gesamtvorstellung als Attribut auf ein Drittes bezogen, 
sogenannte Possessivkomposita (bahuvrlhi); namentlich in 
der Volkspoesie häufig. Beispiele: bjelo-brk mit w'eißem 
Schnurrbart, bosd-nog barfuß bös (fem. bösa) nöga, dragb-cjen 
kostbar dräg teuer cijena Preis, dugö-rep langschwänzig düg 
rep.golö-glav barhäuptig gö iein.(gdla) gläva,krivd-m'at krumm- 
halsig kriv vrät, Ijevö-ruk linkhändig lljevi rüka, svetö-duh 
vom heiligen Geist erfüllt sveti dühy tankb-vrh (fein-)schlank- 
gipflig tänak (fem. tänka) vrh, tvrdb-san festen Schlaf habend 
tvrd sän gen. sw«, zlatbkrili goldflügelig vom alten Adjektiv 
zlatz golden krilo^ vgl. zlainb-rog goldgehörnt zldtan (fem. 
zldtna) rög. 

562. 3. Zahlwort mit Substantiv. 

A. Das Kompositum ist Substantiv, die Beziehung 
bleibt innerhalb des Gesamtworts: trb-meda (Dreigrenze) 
Stelle, wo sich drei Grenzen schneiden. 

B. Das Kompositum ist Adjektiv, die Gesamtvor- 
stellung auf ein Drittes bezogen, z. B. dvb-struk, trb-struk, 
stb-struk zwei-, drei-, hundertfältig strüka Art, jedno-lik 
(eingesichtig) gleichen Gesichts lik, trb-glav dreiköpfig gläva^ 
sestb-krili sechsflügelig krilo. 

563. 4. Partikel mit Substantiv; die Partikel 
bildet eine attributive Bestimmung zu dem Substantiv. 

A. Zusammensetzung mit der Negation we, dem 
deutschen un-, gr. d- entsprechend, z.B. neljüdi Unmenschen, 
nemär Unachtsamkeit, neprävda Unrecht neprijafelj (Un- 
freund) Feind, nevrijeme Unzeit. 

564. B. Zusammensetzungen mit Präposi- 
tionen: 



§ 564 — 566.] Stammbildung der Nomina. 327 

a) Das Gesamtwort bleibt in der Bedeutungs- 
sphäre des zweiten Bestandteils, bekommt aber 
durch die Präposition eine besondere Färbung. Das sub- 
stantivische zweite Glied ist oft nicht als selbständiges 
Wort vorhanden. Beispiele: iz-vor (Aus-sprudel) Quelle; 
nd-sap (= na-s^p^ Aufschüttung) Damm, nä-zor Obacht; 
db'lik Antlitz {Uh Gesicht) ö-grada Umfriedigung, öd-skok 
Absprung; pb-gibao gen. -hli Verderben, pö-govör Nachrede 
(= Wiederholung der Rede), pö-laza Nachlügner (der einem 
andern beim Lügen nachhilft), pö-tok (Hinfluß) Bach; pöd- 
loga Unterlage; pra-baba (Vor-großmutter) Urgroßmutter, 
j!?rÄ-<Zy"e(^ Urgroßvater, ^:>r«-z(w?tÄ; Urenkel; pre-kret Umschwung, 
prije-voz Überfahrt; prö-mjena Umtausch; rds-krsce (Zer- 
kreuzung) Kreuzweg (zu kPst Kreuz), rds-pop (zer, Priester) 
Expriester, räz-rez (Zer-schnitt) Schlitz; z-gräda (= so-grada) 
Bauwerk, Gebäude, sü-meda (Mit-grenze) Grenzscheide, 
su-ynjesa (Mit-mischung) Gemenge; su- kommt bisweilen in 
einer Art deminuierender Bedeutung vor: sü-rodica etwas 
Verwandter, sii-turica Halbtürke; ü-klada (Einlage) Wette; 
'uz-däh (== ü^z-d^ch^ Aufatmung) Seufzer; zd-laz (Hinter- 
gang) Umweg, zä-sluga Verdienst. 

b) Das Gesamtwort bezeichnet einen Gegen- 
stand, der sich in der Situation befindet, den die 
Auflösung in Präposition mit Kasus ausdrücken 
würde, z. B. nä-prstak (was na prstu, am Finger, ist) 
Fingerhut, pöd-zimak (quod sub hieme) Herbst, po-nedjeljak 
(was nach Sonntag nedjelja) Montag; vgl. oben § 400. 

565. 5. Partikel mit Adjektiv. 

A. Zusammensetzung mit Negation ne, deutsch 
un-, gr. d-, z. B. nevjermi treulos, ne-vjest unwissend, ne- 
dözreo unreif, nezdrav ungesund, neznan unbekannt, uejäk 
(unstark) schwach, neoprän ungewaschen. 

566. B. Zusammensetzungen mit Präposi- 
tionen: 

a) Das Gesamtwort bleibt in seiner Bedeu- 
tungssphäre, die Präposition gibt eine besondere 
Färbung, meist verkleinernd oder verstärkend. 



328 Stammbildung der Nomina. [§ 566. 567. 

SO wirken wa-, o-, po-, pri-^ su- (= sq-) deminuierend, 
z. B. nd-iut gelblich, nä-kriv etwas schief, ndlos ziemlich 
schlecht; o-malen ziemlich klein (o- wird selten so ange- 
wendet); po- (am häufigsten) = dem deutschen c ziem- 
lich»: po-velik ziemlich groß, pö-golem dass., pö-dohar z. 
gut, pö-veöe ntr. noch etwas mehr, pö-lukav etwas ver- 
schmitzt, pd-näjvise ntr. adv. größtenteils, pd-näjlak adv. 
ganz sachte; pn- (selten so angewendet) ^n-^w^ dümmlich; 
sü-hjel weißlich, su-liid etwas dumm. — pre~ verstärkend 
(wie lat. per-, z. B. permagniis), z. ß. Pre-dräg (Mannes- 
name) sehr teuer, pre-veliki übergroß, pre-veö garzuviel 
(dass. öd-veö, dd-vece ntr.), prezreo überreif, pre-o-pun über- 
voll, pre-slän zu salzig. 

b) Das Gesamtwort, mit Formans -an (= -hm) 
gebildet, dient als Attribut zu etwas Drittem; 
Zusammensetzungen mit su- (= sq-), namentlich von Tier- 
namen, Trächtigkeit bezeichnend, z. B. sü-zdrebna (köbila) 
(trächtige) Stute zdrljehe Füllen, sü-macna (von Katzen) 
mdca^ sü-prasna (Jcrmaca) trächtige (Sau), vgl. sü-druzna (iena) 
schwangere (eig. mit anderm) Frau; auch mit s-, z- = s^, 
z. B. steona kräva (= so-teh-na mit Kalb), zdjetna iena 
(= s^dethna mit Kind) schwanger; mit hez- ohne, dem 
deutschen un- oder -los entsprechend, z. B. hez-hozan (ohne 
Gott bog seiend) gottlos, hez-glasan stimmlos glas, hez-öbrazan 
schamlos öhraz, hez-rodan unfruchtbar (nachkommen-los 
röd), bez-uman unvernünftig um. Vgl. noch pbd-vodan (was 
pod vodöm, unter dem Wasser, ist) der Überschwemmung 
ausgesetzt. 

567. II. Rektionskomposita. Bei der Auflösung 
in eine syntaktische Gruppe tritt eins der Glieder in 
einen obliquen Kasus, ein Glied ist vom anderen kasuell 
abhängig oder bestimmt es näher. 

A. Beide Glieder sind nominal; dann tritt bei 
der Auflösung das erste in einen obliquen Kasus. Welcher 
Kasus dabei eintritt, hängt von der Art ab, wie man um- 
schreibt, und von den Gewohnheiten der Sprache, in die 
man umschreibt, z. B. dusö-gubac Seelenverderber = «Ver- 



§567—569.] Stamrabildiing der Nomina. 32{> 

derber der Seelen» oder «die Seelen Verderbender», volb- 
pasa Ochsenweide = «Weide der Ochsen» oder «Weide 
für Ochsen», rüko-säd (Handpflanzung) mit (eigner) Hand 
gepflanzter Weinberg. Beispiele: crvotöc fem. (Wurm-erguß) 
Wurmfraß, ruko-dPz fem. Handhabe, krajö-ber Schnitter^ 
der am Rande kräj mäht (zu bräti berem sammeln), vind- 
ber Weinlese, kolö-voz (Rad-fuhr) Geleise, zlö-tvor Übel- 
täter, vgl. cudo-tvörac Wundertäter (s. auch § 357), vmo- 
gräd (Wein-gehege, -garten) Weinberg, knjigö-nosa Brief- 
träger, loncö-pera Topf Wäscherin lönac gen. lönca^ präti perem 
waschen, sjenö-kosa (Heumahd) Wiese sljeno kbsiti. Über 
die hierhergehörigen Bildungen auf -ma, z.B. rukö-tvorina 
Hände-werk, s. § 478. 

568. B. Das erste Glied ist verbalen Ur- 
sprungs (Imperativ); bei der Auflösung bildet in der 
Regel das zweite nominale Glied das Objekt zu dem 
ersten (s. die Zusammenstellung ASlPh. 21, S. 389). Die 
Wörter haben oft scherzhaften, spottenden, scheltenden Sinn. 
Beispiele: glädi-brk (Glätte-bart) Schnurrbartstreicher gläditi 
brk, kesi-züb (Fletsche-zahn) Lachlustiger kesiti züb, krädi- 
koza (Stiehl-ziege) Ziegendieb krästi krddem, küpi-vöjska 
(Sammle-heer) Werber, möli-bog (Bete-zu-Gott) scherzhaft 
für Mönch, räspi-kuöa (Zerstör-haus) Verschwender räsüti 
räspem {= rasspa "^raz-szpq) zerstreuen; gäzi-Uato (Watekot) 
komische Benennung eines kleinen Beamten, der sich 
wichtig macht. — Zuweilen ist das Objektverhältnis nicht 
vorhanden: pjevl-drüg (Freund, der mitsingt) Mitsänger,, 
pläci-drüg (Wein-genosse) Freund, der mitweint. 

569. C. Das erste Glied ist eine Präposition; 
bei der Auflösung tritt das zweite in den Kasus, der bei 
der Präposition in der gegebenen Situation stehen muß. 
Das zweite Glied ist Substantiv, e])enso das Gesamtwort. 
Hierher gehören die § 564 b besprochenen Komposita. 



330 (§ 570. 



Flexion der Substantiva, 

Adjektiva (Deklination und 

Konnparation), Pronomina, 

Zahlwörter. 



Die Deklination der Adjektiva muß von der der Sub- 
stantiva getrennt werden, da auch das unbestimmte Ad- 
jektiv, dessen Flexion ursprünglich von der substantivischen 
nicht verschieden war (s. Abg. Gr. § 96), im Serbo- 
kroatischen Formen aus dem Pronomen entlehnt hat. Es 
wird daher wie das bestimmte Adjektiv bei der Deklination 
der Pronomina behandelt. 

I. Deklination der Substantiva. 

570. Allgemeine Bemerkungen. 

A. Einteilung in Deklinationsklassen. Die in 
der vergleichenden Grammatik übliche Einteilung nach 
dem Auslaut der Stämme (o-, ä-, it-Stämme usw.), niit 
denen die Kasusendungen verbunden werden, kann in sehr 
altertümlichen Sprachen, so auch im Altbulgarischen, bei- 
behalten werden. Neben den daraus sich ergebenden 
Hauptgruppen kann man zur Aufstellung von Unter- 
abteilungen den Genusunterschied verwenden und pflegt 
im Slavischen gewöhnlich bei den Klassen I und II noch 
den lautlichen Unterschied palataler (weicher) und nicht 
palataler (harter) Stämme hineinzuziehen. Die Flexion 
der weichen und harten ist ursprünglich gleich, bei der 
Trennung handelt es sich nur um bequemere Darstellung 



§ 570.] Flexion der Substantiva. 331 

der Einwirkungen palataler Konsonanten auf folgende 
Vokale, wodurch das lautliche Bild der sog. harten und 
weichen Deklination etwas verschieden ausfällt. Die da- 
nach für die ältere Geschichte des Slavischen, auch iüx 
das Altbulgarische, sich ergebende Einteilung wird hier 
mit angeführt, damit bei geschichtlicher Betrachtung der 
Deklinationsformen darauf verwiesen w^erden kann. Als 
Kennformen der einzelnen Klassen sind angegeben Nom. 
sg., Gen.sg., Dat. pL, bei den i-Stämmen auch der Instr. sg. 

I. o-Stämme: 

1. Maskulina: 

A. hart: tokb, toka, toko-tm 

B. weich: mazh, maza, mase-mu 

2. Neutra: 

A. hart: selo, sela, selo-tm 

B. weich: fol'e, pol'a, fol'e-rm 
II. «-Stämme, Feminina: 

A. hart: zena, zeny^ zena-im 

B. weich : dusa^ duse, diisa-nvh 

III. i7-(z,-)Stämme, Maskulina: 

sym^ synu, sym-mh 

IV. I-(?)-)Stämme: 

1. Maskulina: pah, pqti, ])qtb-mh, pqtb-mo 

2. Feminina: tvarh, tvari, tvarhjq, tvarb-nfb 
V. Konsonantische Stämme: 

A. r«-Stämme: 

1. Maskulina: kamy, kamen-e, kamenh-mh 

2. Neutra: plem^^ plemen-e^ plemenh-im 

B. s-Stämme : 

Neutra: slovo^ sloves-e, slovesh-na 

C. 7d'{f}t)-Stämme: 

Neutra: tele, telet-e, teleth-mz 

D. r-Stämme: 

Feminina: maii, mater-e, maferhtm (dies und d-bsti, 
d^ster-c, dhsterb-tm die einzigen Beispiele) 
VI. ie-(?/-)Stämmo: 

Feminina: svekry^ svekrw-e, svekrbva-mh. 



332 Flexion der Substantiva. [§571. 

571. Diese Einteilung kann zu einer Gliederung der 
Deklination der heute bestehenden Sprache nicht verwendet 
werden. In ihr sind die alten Unterschiede zum großen 
Teil aufgegeben: ursprünglich verschiedene Klassen sind 
zu einem Paradigma vereinigt, so alle Maskulina (Kl. I, 
III, IV 1, VA 1) zu einheitlicher Deklination verschmolzen, 
wesentlich eine Fortbildung der Flexion der alten o-Stämme 
mit Einwirkung der alten z^Stämme (z. B. Lok. sg. grddu, 
Nom. pl. gräd-ov-i) und vereinzelter Beibehaltung der Formen 
der i-Stämme (IV), z.B. Gen.pl. gösti zu göst gösta Gast. 
Einige Klassen sind bis auf vereinzelte Reste ganz auf- 
gegeben, so IV1,VL Sämtliche Neutra (also die Kl. 12, 
VA2, VB, VC) sind zu einer einzigen Klasse vereinfacht 
mit Erhaltung einiger Nom.sg. der alten konsonantischen 
Deklination: pleme^ tele. Erhalten ist als besondere Klasse 
die der alten Feminina auf a (II), in ihr aber aufgegangen, 
abgesehen vom Nom., mäti V D (daher Gen. sg. mätere 
wie zene zu mia) und die Wörter von Kl. VI (smökva^ 
Gen. sg. smökve ersetzt altes smoky smoHve). Bewahrt ist 
ferner die Flexion der femininalen i-Stämme (IV 2), aber 
in ihr aufgegangen Tcci Tochter (urspr. zu V D), Gen. sg. 
kceri wie stvär stväri, vereinzelt auch Wörter aus Kl. VI, 
Ijühav Gen. sg. Ijühavi (statt l'uhy l'ub^ve). Harte und 
Aveiche Stämme sind ausgeglichen, z. B. Gen. sg. iene (zu 
zena II A) entspricht nicht altem £enij, sondern ist entlehnt 
aus dem weichen düse = duse {zn dusa HB) ; Yok.sg.düso 
statt des alten duse entlehnt von ihio. Kasusformen sind 
verloren gegangen, z. B. Lok. sg. msk. ntr. grade sele (IIA, 
I2A), ersetzt durch die Form der ?i-Stämme (III), grddu 
seht. Mehrere ursprünglich formal geschiedene Kasusformen 
werden durch eine Form ausgedrückt, z. B. Dat. Instr. 
Lok. pl. zenama (statt zenarm^ zenami, zenacJvb), ursprüng- 
lich eine Dualform. 

Wegen solcher Umbildungen lassen sich die Kasus- 
formen nicht mehr nach der ursprünglichen Grundlage in 
Stamm und Endung auflösen. Vom Standpunkt der 
lebenden Sprache wird als Stamm empfunden der durch 



§571.572.] Flexion der Substantiva. 333 

alle Formen durchgehende, lautlich ganz oder wesentlich 
gleiche Bestandteil, als Endung erscheint, was nach dessen 
letztem Konsonanten steht. Man kann das auch so aus- 
drücken: es gibt in der lebenden Sprache nur 
konsonantische Stämme. Man muß daher nach dem 
lebendigen Sprachgefühl trennen z.B. in den Kasusformen 
von gräd: gen. gräd-a, dat. gräd-Uj instr. gräd-OMy nom. pl. 
gräd-ovi; von iena: gen. ie«-e, dat. iew-i, instr. im-om, gen. 
pl. zeri'ä^ dat. pl. sen-ama usw., obwohl man von anders- 
woher weiß, daß ursprünglich zu teilen war grädo-m (aus 
grado-mh)^ zena-ma (Ersatz für sena-mh). 

572. Als Hauptgrundlage einer Einteilung 
in Deklinationsklassen kann für die heutige 
Sprache nur der Genusunterschied maßgebend 
sein; zur Bildung von Unterabteilungen können z.T. die 
alten Stammunterschiede benutzt werden, ferner die laut- 
lichen Unterschiede zwischen harten und weichen Stämmen; 
außerdem kommt für die Maskulina II noch Ein- oder 
Mehrsilbigkeit des Stammes (Nominativs) in Betracht. 

Danach ergibt sich folgendes Schema, bei dem als 
Kennformen angegeben sind Nom. sg., Gen. sg., Instr. sg., 
bei den Maskulinen außerdem Nom. pl. : 

I. Maskulina: 

A. hart: 

1. Nominativ sg. mehrsilbig: üdär üdära 

udärom üdäri 

2. Nom. sg. einsilbig: gräd gräda grädom 

grädovi 

B. weich, letzter Konsonant des Stammes: c c 

c d Ij nj s st z zd^ r (wenn gleich 
altem r): 

1. Nom. sg. mehrsilbig: grädic grädiöa 

grädicem grädici 

2. Nom. sg. einsilbig: mäc mäca macem 

mäcevi 



334 Flexion der Substantiva. [§ 572. 573. 

II. Neutra: 

1. alte o-Stämme, Nominativ sg. auf -o. -c: 

A. hart: selo skia selom 

B. weich: pölje pölja pöljem 

2. alte konsonantische Stämme : 

A. Stamm -e7i-, Nom. sg. -e: pleme plemen-a 

plemenom 

B. Stamm -et-, Nom. sg. -e: grne grneta 

grnetotn 
III. Feminina: 

1. Nominativ sg. auf -a (alte ä-Stämme): 

A. hart: iena zene senöm 

B. weich: düsa düse düsöm 

2. Nom. sg. konsonantisch auslautend (alte i- 

Stämme): stvär stväri stvärju. 

573. B. Zur Bestimmung des Genus. Bei den 
Bezeichnungen lebender Wesen bestimmt sich das Genus 
im Skr. als maskulin oder feminin, wie in anderen indo- 
germanischen Sprachen, z. T. nach dem natürlichen Ge- 
schlechtsunterschied, z. B. täst m. Schwiegervater, sväst 
fem. Schwägerin, trotz der gleichen Form des Nominativs; 
kököt m. Hahn, hökös fem. Henne. Doch ist mit dieser 
Bestimmung nicht viel gewonnen, denn bei Tiernamen 
wird nicht immer ein sprachlicher Unterschied in der Be- 
zeichnung des Geschlechts gemacht, z. B. Usica fem. = 
Fuchs und Feh (daneben das männliche Tier auch lis 
und lisac), und viele männliche und weibliche Personen 
haben nicht maskulines oder feminines, sondern neutrales 
Genus, so die Deminutiva auf -e, z. B. cöhänce Hirt, dje- 
vöjce Mädchen. 

In gewisser Ausdehnung gibt die Form des Nom. sg. 
ein Erkennungsmittel des Genus. 

1. Neutra sind die Wörter mit Nom. sg. auf -o, -e, 
z. B. selo Dorf, pölje Feld, pleme Stamm, präse Ferkel. — 
Ausnahmen bilden die mask. hypokoristischen Personen- 
namen auf '0, -e (-je)f z. B. Jövo, liero (Herzego viner), BosOy 
Vlädoje (s. § 438) und die Nom. ag. auf -lo (§ 371). 



§ 573—575.] Flexion der SubBtantiva. 335- 

2. Feminina sind: 

a) Die Wörter mit Nominativ sg. auf -a, z. B. zena 
Frau, zaba Frosch. — Einige, ursprünglich Abstrakta, 
dann zu konkreten Personenbezeichnungen geworden» 
werden als Maskulina behandelt, z. B. slüga (urspr. = 
Dienst, Dienerschaft) Diener, doch können Attribute noch 
in femininaler Form dazu gestellt werden. Über andere 
Mask. auf -a s. § 591. — döha (Zeit) ist indeklinabel, es 
wird als Neutrum behandelt, z. B. vecernje döba (nicht 
vecernjä) die abendliche Zeit. 

b) Die beiden Wörter mit Nominativ sg. auf -i: mati 
Mutter, kci Tochter; Ijübi, Gattin, ist indeklinabel. 

3. Für die Masse der nicht unter 1. und 2. fallenden 
Wörter (es sind alle, die im Nom. sg. konsonantisch aus- 
lauten) ist aus der Nominativform das Genus nicht zu 
erkennen; man muß hier den Gen. sg. heranziehen. Alles, 
was die Genitivendung -a hat, ist maskulin, z. B. hob hbha 
Bohne, kämm kämena Stein; alles, was die Endung -i hat, 
ist feminin, z. B. stvär stväri Sache, milöst mllosti Gnade, 
jesen jeseni Herbst. 

574. C. Numeri. Die alte Dreiheit: Singular, 
Plural, Dual, ist in älterer Zeit lebendig. Heute ist der 
Dual nur in einzelnen Formen bei einzelnen Wörtern er- 
halten, außerdem steht bei den Zahlen 2 — 4 der gezählte 
Gegenstand, wenn das Wort mask. oder neutr. ist, im 
Dual (s. §665fg.). 

575. D. Bestand der Kasus. — Singular. Be- 
wahrt ist ein alter Bestand von sieben Kasusfunktionen: 
Nom., Gen., Dat., Akk., Instr., Lok., Vok. (so sind die 
Kasus angeordnet in den unten folgenden Paradigmen). 
Formal verschieden sind aber die Kasusfunktionen nur 
noch insoweit, als nicht schon urslavisch lautlicher Zu- 
sammenfall einst verschiedener Formen stattgefunden hatte, 
und nicht im Skr. selbst Ausgleichungen eingetreten sind. 
So können, abgesehen von Betonungsunterschieden, die 
nicht überall vorhanden sind, beim Maskulinum fünf ver- 



o36 Flexion der Substantiva. [§ 575. 

schiedene Formen hervortreten: n.-a. gräd, g. yruda, d. grädu 
{lok. grddu), i. grädom, v. gräde; beim Neutrum vier: 
n.-a. selo, g. sela, i. selom, dat.-lok. selu; beim Femininum 
auf -a fünf: n. iewa, g. ie?2e, dat.-lok. ie?ii, i. zenöm^ 
w.seno, beim Femininum Kl. III 2 (§572) drei: i\.-n.stvär, 
gen.-dat.-vok. stväri (lok. sivdri), i. stvärju, wenn der Instr. 
Ä^vari lautet, nur zwei. Wenn unter solchen Verhältniesen 
doch das Gefühl für die funktionelle Verschiedenheit 
gleichlautender Kasusformen bewahrt wird, so beruht es 
darauf, daß der lautliche Zusammenfall nicht in allen 
Deklinationsklassen gleich ist, z. B. hat eine Form stväri 
bald die Geltung von zene (Gen.), bald von im (Dativ), 
bald von zenöm (Instr.); stvär bald die von zena (Nom.), 
bald von zenu (Akk.). Derselbe Fall wiederholt sich in allen 
Sprachen mit ähnlichen Verhältnissen, die Sprechenden 
bewahren die Unterschiede formal vollständiger gebliebener 
Formenreihe auch für die unvollständig gewordenen. 

Mit allen slav. Sprachen hat die skr. die Eigentüm- 
lichkeit gemeinsam, daß bei den Bezeichnungen 
lebender Wesen (Mensch oder Tier) mask. Generis 
der alte Akk. sg. durch den Genitiv vertreten wird, 
z. B. müz Mann, gen. u. akk. müza; jelen Hirsch, gen. u. 
akk. jelena. 

Plural. Beim Maskulinum können (abgesehen von 
Betonungsunterschieden, z. B. n. pl. jünäci, vok. junäci) 
vier Formen unterschieden werden: nom.-vok. udäri (zu 
Mär Schlag), g. üdärä, a. üdäre, dat. -instr. -lok. udärima. 
— Beim Neutrum fallen von Haus aus Nom. und Akk. 
zusammen, daher hier nur drei Formen: n.-a. se7a, g.selä, 
dat. -instr. -lok. selima. — Im Feminin war schon urslavisch 
der Nom. durch den Akk. ersetzt, es hat im Skr. nur drei 
unterschiedene Formen: n.-a. zene^ g. z4nä, dat. -instr. -lok. 
zenama; stväri stvdri stvärima. — Der Zusammenfall des 
Dativs, Instrumentalis, Lokativs und die Genitivform auf 
-ä sind die auffallendsten Eigentümlichkeiten der skr. 
Deklination. Die Genitivform auf -ä hat auch das Slo- 
wenische, aber nicht in derselben Ausdehnung, den anderen 



§ 575. 576.] 



Flexion der Substantiva. 



337 



slav. Sprachen fehlt sie. Wenn man bei der Form auf 
-yna dativische, instrumentale, lokativische Anwendung 
unterscheidet, so geschieht das in Anlehnung an die ge- 
schiedenen Formen des Singulars. 

Dual. Über die erhaltenen Reste s. § 596. 



Paradigmata. 

576. Der Vergleichung und der historischen Be- 
trachtung wegen sind neben die serbokroatischen Para- 
digmata die altbulgarischen gestellt. 

I. Maskulina. 
A. Harter Stamm. 



1. Nom. sg. mehrsilbig 



skr. 




abg. 


skr. 


abg. 


Sg. Mär 




udar^ 


gräd 


grad^ 


udära 




udara 


gräda 


grada 


udäru 




udaru 


grädu 


gradu 


udär 




udarh 


gräd 


grad^ 


üdärom 




udaromh 


grädom 


gradoynh 


udäru 




udare 


grädti 


grade 


üdare 




udare 


grade 


grade 


PI. udäri 




udari 


grädovi 


gradi (gradove) 


udärä 




udar^ 


gradövä 


grad^ {gradovb) 




f dat. 

■ 


udarorm 




( gradorm 


üdärima 


^ instr. 


udary 


grädovima 


i grady 




^ lok. 


udarech^ 




^ gradechz 


udare 




udary 


gradove 


grady 



2. Nom. sg. einsilbig 



Die Stammauslaute k, g, h gehen vor dem -e des 
Vokativs in c, i, s über, vor dem -i des Nom. pl. und 
dem der Endung -itna in c, z, s, z. B. jimäk : junäce, ju- 
ndci (Vok. jünäci), jundcima\ biljeg Kennzeichen : hiljeze, 
hUjezi, biljezima; sirömah Armer: sirömase, sirömasi, sird- 
masima. 

L e s k i e n , Serbokroatische Grammfttik. 22 



338 



Flexion der Substantiva. 



[§ 577—579. 



577. 



B. Weicher Stamm. 



1. Mehrsilbiger Nom.sg. : 
grädid^ Dem. zu gräd Burg 



skr. 
Sg. grädiö 
grädica 
grädiöu 
grädiö 
grädicem 
grädiöu 
grädiöu 



abg. 
gradistb 
gradista 
gradistu 
gradistb 
gradistemh 
gradisfi 
gradistu 



PL grädiöi gradisti 
grädföä gradistb 

( gradistenvb 
grädiöima «J gradisti 

^ gradistichi) 
grädide gradist^ 



2. Einsilbiger Nom. sg.: 
mac Schwert, abg. mhch 
skr. abg. 



mac 

mäca 

mäcu 

mac 

mäcem 

mäcu 

mäcu 



mhch 

mhca 

mhcu 

ynhch 

mhcemh 

mhci 

mhcu 



macem mhci 

macevä mhch 

f mhcem^ 
mäcevima «{ 7nhci 



maceve 



^ mhcich^ 
mhc§ 



Die Flexion der weichen Stämme ist unterschieden 
von der der harten durch -u im Vok. sg. (doch s. §580); 
durch e statt o im Instr. sg., mäcem (vgl. grädom), doch s. 
§ 579; durch -ev- im Plur.der Einsilbler, mäcevi (vgl.grädovi). 

578. Bemerkungen zu den Paradigmata der 
Maskulina. I. Zum Singular. 

1. Alle Bezeichnungen lebender Wesen masku- 
liner Form (vgl. §591) ersetzen den alten Akk. sg. durch 
den Genitiv, z. B. jünäk Held, gen. u. akk. jundka; trat 
Bruder, gen. u. akk. hräta\ könj Pferd, gen. u. akk. könja, 

579, 2. Übergang weicher Stämme in die 
Form der harten. Die ursprünglich auf -rh (= -rjh) 
auslautenden Wörter behalten entweder die lautlichen 
Eigentümlichkeiten der weichen Stämme oder gehen, da 
r im Skr. früh entpalatalisiert ist, in die der harten über, 
z. B. gospbdär (Herr = gospodarh) vok. göspodärii und 
göspodäre, instr. gospoddrem und gospoddrom] doch immer 



§579-582.] Flexion der Substantiva. 339 

cärem (= cesaremb, zu car = cesafh). Bei den übrigen 
altpalatalen Stämmen hält die Schriftsprache im Instr. sg. 
-em fest bei den wenigen Wörtern auf -st, -kl: pläst 
(Mantel) pldstem, äazd (Regen, lokal, gewöhnlich Msa) däzdem, 
und bei den Nomina agentis auf -teljb: prijatelj Freund 
prljateljem, ucitelj Lehrer üciteljem. Bei zec Hase (aus zajech) 
und jez Igel ist -om stehend geworden: zecom, jezom. Im 
übrigen schwankt der Gebrauch, z. B. lüpes Dieb : lüpezem 
und -om, mjesec Mond : mjesecem und -om. 

580. 3. Vokativ sing. Die auf altes c (= ursl. ö) 
z (= ursl. d'z), ausgehenden Stämme bilden von alters 
her den Vok. auf -e und behalten ihn im Skr.; c wird 
dann zu c, z zu £, z. B. othch otbce, skr. ötac öce; proshch 
proshce, skv, prdsac (Freiwerber, eig. «Bitter •>->) pr ose e\ k^n^dzh 
(khn^zh) kzn^ie, skr. knez hieze; vit^dzh (vit^zh) vit^ie, skr. 
vitez (Held) viteze. 

581. 4. Es gibt eine große Anzahl mask. Personen- 
namen, teils Eigennamen, teils Appellativa (s. §371) mit 
Nom. sg. auf -o und -e {-e, -oje, -ije), sowohl einheimische 
Vkie aus fremden Namen umgebildete, darunter viele Hypo- 
koristika (s. §438), z.B. smko Söhnchen (zu sin), pröto (zu 
prötopop Erzpriester), pobro (zu pobratim Wahlbruder), 
gdtalo Fabulant, Marko, Mänöjlo Emanuel, Gavrilo Gabriel, 
Düro Georg, Jovo Johannes; Börde Georg, Täde Thaddäus, 
Mlloje, Väsilije Basilius; pöbre = pobro. Dazu kommen 
einige Tiernamen, z. B. zelenko Apfelschimmel, dögo 
Schimmel. Die übrige Flexion ist je nachdem die von 
üdär oder von grädic, gen. Dura, pröta usw., doch ist der 
Vokativ, abgesehen von etwaigen Betonungsunterschieden, 
dem Nominativ gleich. 

582. II. Zum Plural. 

1. Die Wörter brät Bruder, gospödin Herr, ersetzen 
den Plural durch eine singularische femininale Kollektiv- 
bildung, flektiert nach Kl. III: bräca, gospbda. Dasselbe 
ist möglich bei vlastelin Adliger, vlastela (daneben Plur. 
vasteli). 

22* 



340 Flexion der Substantiva. [§ 582. 583. 

2. Die Völker-, Einwohner-, Klassennamen auf -in 
verlieren dies Formans im Plural, z.B. Himljamn Römer: 
Rlmlja7n., grudanin Bürger : gräctäni, dvöranin Höfling : dvö- 
rani^ Srhin Serbe : Är^?, Türcin Türke : r27rd (eig. Plur. zu 
Türak gen. Türka). 

3. Zu cdvjek Mensch dient als Plural der alte mask. 
i-Stamm l'udbje, skr. n.ljüdi^ gen.ljüdi, d.-iA.ljüdima, 2i.ljüde. 

583, 4. Die Plurale mit -ov-. Im allgemeinen 
gilt, daß der Gebrauch sich wesentlich nur erstreckt auf 
zweisilbige Stämme oder, was für die Praxis auf dasselbe 
hinausläuft, auf Wörter, die im Skr. einen zweisilbigen 
Gen. sg. haben, also im Nom. sg. entweder einsilbig sind 
oder zweisilbig mit beweglichem a (= -&, h). Doch ist der 
Gebrauch nicht bei allen solchen regelmäßig durch- 
gedrungen, so z. B. immer könji (zu kdnj), nicht könjevi; 
grijesi, in der Regel nicht grehovi (zu grijeJi Sünde); päs 
Hund : psi, pfst Finger : pfsti. Die Völkernamen wie Susi, 
Prüsi, Öesi scheinen -ov- zu vermeiden. Bei vielen sind 
Plurale mit und ohne -ov- gebräuchlich, z. B. dtac : da, 
dcevi, svekar Schwiegervater : svekri, svekrovi, susanj Ge- 
fangener : swi^y'i, süinjevi; andere haben wieder ausschließ- 
lich oder fast immer die -ov-Form, z. B. övan Widder : 
övnovi^ vepar Eber : veprovi, cär : cärevi, müz : mü^evi, pöp : 
pöpovi^ grob Grab : grobovi, hröj Zahl : hröjevi, snbp Garbe : 
snopovi, pbsao Geschäft r^ös^ovi, zec Hase: zecovi zecevL Ganz 
bestimmte Regeln lassen sich bei dem öfter schwankenden 
Gebrauch nicht geben. — Viel weniger tritt -ov- ein bei 
dreisilbigen Stämmen, z. B. sökö Falke (gen. soköla) : sokö- 
lovi\ mit einer gewissen Vorliebe bei den Wörtern mit 
der Betonung " " und fester Länge der zweiten Silbe im 
Singular, z. B. gävrän (gen. gävräna) : gävranovi und gävräni, 
gölüh Taube : goluhovi, vitez Held : vltezovi, läbüd Schwan : 
läbudovi, jästrijeh (jästreb) Habicht : jästrebovi, prbcijep 
Kloben : pröcjepovi, neräst Eber : nerastovi, slücaj Begeben- 
heit : slücajevi und slücäji u. a. (vgl. Mar. § 139, S. 140). 
— Mehr als dreisilbige Stämme brauchen den Plural mit 
-ov- nicht. 



§ 5S4. 585. 



Flexion der Substantiva. 



341 



584. 5. Zum Genitiv pluralis. Vor der Endung 
-ä hat der Stamm stets die Gestalt, die er haben würde, 
wenn das -ä niclit vorhanden wäre, d.h. vor dieser Endung 
können nur stehen einfache Konsonanten oder die Gruppen 
st^ zdj st, zd (vgl. § llo), alle anderen Konsonantengruppen 
sind durch ein aus altem ^, b entstandenes oder ein- 
geschobenes a geschieden; das gilt von sämtlichen Gen.pl. 
auf ä, also auch vom Neutrum und Femininum, z.B. mask. 
Idnac Topf n. pl. lönci, gen. pl. lönäc-ä-, trgovac Kaufmann, 
n. pl. irgövci, gen. pl. irgoväc-ä; Neutrum sünce Sonne, gen. 
pl. sünäc-ä] fem. övca Schaf, gen. pl. ovdc-ä', sestra Schwester, 
gen. pl. sestdr-ä. — Bei einigen Maskulinen der alten i- 
Klasse hat sich der alte Gen. auf -i erhalten (aus -ijh, so 
und -hjb abg.): Ijüdi (s. §582.3); göst Gast gen. gösta (alt 
gosti) : gdsti; put püia Weg (abg. pqth pqti) : püti^ doch ge- 
wöhnlich pütä; cPv er va Wuvm (shg. crvh crvi):crvi; nökat 
nökta Nagel (abg. nog^th noghti): ndktt und 7iokdtä. Diese 
Endung ist dann auch übergegangen auf Wörter, die ur- 
sprünglich nicht zu dieser Klasse gehören: prst Finger: prsti; 
nijesec Mond: mjeseci neben 7njesecä; sähat (türk.) Stunde: 
sahdti und sahdtä. Über Gen.pl. wie kdstijü, gostijü s. § 596. 

IL Neutra. 

585. 1. Die alten o-Stämme. 



A. Harter 


Stamm, 


B. Weicher Stamm, 


Nom. 


=g. '0 




Non 


1. -e 


skr. 




abg. 


skr. 




abg. 


Sg. selo 




selo 


pdlje 




pole 


sela 




sela 


pölja 




pol'a 


selu 




selu 


pölju 




pol'u 


selo 




selo 


pölje 




pol'e 


selom 




selonih 


pöljem 




pol'emh 


selu 




sele 


pölju 




pol'i 


PI. sela 




sela 


pölja 




jwl'a 


seid 




seh 


poljä 




pol'h 




( 


selojm 




( 


pol'emi 


selima 


i 


sely 


pöljima 


{ 


))oVi 




1 


selecla 




y 


poticlU) 


sela 




sela 


pölja 




pol'a 



342 



Flexion der Substantiva. 



[§ 585—588. 



Vor dem -ima des Dat.-Instr.-Lok. pl. wandeln sich 
Ic, g, h in c, z, .s, Avie beim Mask. (s. § 576). 

58C. Bemerkungen zu den Paradigmata 
dieser Neutra. 

1) Der Unterschied zwischen harten und weichen 
Stämmen besteht hier nur im Instr. sg., dort -om, hier 
-em; more Meer hat mörem wegen des urspr. r (ynore). 

2) oko Auge, ulio Ohr, pUce Schulterblatt haben als 
Plurale die alten Dualformen: oci üsi (gen. öcijü und öc% 
lisijü und üsi, dat.-Iok.-instr. dcima, üsima); ple6i (gen. jMöi) 
neben pleöa {gen. pledä). Diese Formen werden als Femi- 
nina behandelt, z. B. möje oci meine Augen, siröke pleci 
breite Schultern. Die gewöhnliche neutrale Pluralform öka 
üha wird gebraucht bei übertragener Bedeutung {öka z. B. 
Brückenbogen, üha Henkel). 

3) Über die Form des Stammes im Gen.pl. s. §584. 

587. 2. Die alten konsonantischen Stämme. 
A.Stamm auf -e7i-, Nom.-e: i B. Stamm auf -et-, Nom. -e: 



pleme Stamm 


gfne 


dem. Topf 


skr. 


abg. 


skr. 




abg. 


^g. pleme 


pleme 


gfne 




grne 


plemena 


plemene 


gfneia 




grnete 


plemenu 


plemeni 


gfnetu 




grn^ti 


pleme 


pleme 


gfne 




grn§ 


plemenom 


plemenhmh 


gfnetom 




grnethmh 


plemenu 


plemene {-i) 


gfnetu 




grnete {-i) 


PI. plemena 


plemena 


gfneta 




grneta 


pleminä 


2Jlemem 


gfnetä 




grn§th 




f plemenmm 




( 


grnethmh 


plemenima 


<j pflemeny 


gfnetima 


{ 


grn^ty 




l plemenhch^ 




K 


grnethcJa 


plemena 


plemena 


gfneta 




grneta 



588, Bemerkungen. 1) Das Paradigma gfne ist 
gewählt worden, um die Möglichkeit der Vergleichung mit 
einem sla vischen Wort zu haben und den Plural bilden 



§ 588. 589.] 



Flexion der Substantiva. 



343 



zu können. Dieser ist nur gebräuchlich von Bezeichnungen 
lebloser Dinge, meist Fremdwörtern, z. B. dügme (Knopf), 
pl. dugmeta (gen. dugmetä, Ak. Wb.); täne YLwgel : taneta. 
Die Namen Lebender, so die Deminutiva auf -e, -ce 
(s. §§ 426, 427), ersetzen den Plural durch singularische 
femininale Kollektiva: dijete Kind gen. djeteta : pl. djeca 
{=*detbca), tele Kalb iteläd] idrljebe Füllen gen. Mrebeta : 
Mrehäd; Bugarce junger Bulgare : Bügarcäd. 

2) Der alte o-Stamm drvo (in der Bedeutung «Baum») 
entlehnt die Kasus von einem -e^-Stamm, gen. drveta usw., 
pl. drveta ; ebenso können jäje Ei, püce Knopf, üse Seil neben 
gen. jäja, püca^ üza auch bilden jdjeta, püceta, üzeta usw. 

3) Ein Rest der alten konsonantischen s-Stämme ist 
erhalten in den Pluralen von cüdo Wunder, nebo Himmel, 
tijelo Leib : cudesa (neben cüda), nebesa^ tjelesa (neben tljela) ; 
ferner von kölo : kolesa in der Bedeutung «Räder». 

HL Feminina. 
589. 1. Nom. sg. auf -a (ä-Stämme). 



A. Harter 


Stamm, 


B. Weicher Stamr 


iena 


Frau 


düsa 


Seele 


skr. 




abg. 


skr. 




abg. 


^1. iena 




zena 


düsa 




dusa 


zene 




zeny 


düse 




duse 


zeni 




zene 


düsi 




dusi 


zenu 




zenq 


düsu 




dusq 


zenöm 




zenojq 


düsöni 




dusejq 


zeni 




zene 


düsi 




dusi 


zhio 




zeno 


du so 




duse 


g. zene 




zeny 


düse 




dus^. 


zenä 




zem 


düsa 




dusb 




( 


zenamh 




( 


dusarm 


zenama 


{ 


zenami 


düsama 


dasami 




V 


zenachb 




dusachh 


zene 




zeny 


düse 




duse 


zene 




zeny 


düse 




duse 



344 Flexion der Substantiva. [§590—592. 

590. Bemerkungen. 

1) Vor dem i des Dat.-Lok. sg. gehen Ä, g, h in c, 
Zy s über, z. B. rüka Hand : rüci, nöga Fuß : nözi, snäha 
Schwiegertochter : S7iäsi. Doch pflegt die Wandlung zu 
unterbleiben bei den Konsonantengruppen tk, ck, zg, z. B. 
tetka Tante : tetki (doch auch ted), mäcka Katze : mäcki, 
mäzga '^lowMiQV'.mäzgi. Personennamen und Hypokoristika 
lassen den Guttural unverändert, z. B. Lüka : Lüki, seka 
(hyp. zu sestra Schwester) : seki. In der gesprochenen Rede 
ist die Neigung zur Beibehaltung des Gutturals, der ja in 
allen anderen Kasus unverändert bleibt, auch sonst stark 
verbreitet, z. B. slüga Diener : slügi, snäha : snähi, rijeka 
Fluß : rijeki. 

2) Die in einigen Gegenden verbreiteten femin. Hypo- 
koristika auf -e im Nom. und Vok., z. B. Stäne (Vok. 
Stäne), flektieren in den anderen Kasus wie zena, 

591. 3) Maskulina fem. Form sind: glasönosa 'Nsich- 
richtenbringer, knjigönosa Briefträger, mladbzenja Bräutigam, 
pöglavica Oberhaupt, pöturica Vertürkter, slüga Diener, vlä- 
dika (urspr. Herrscher) Bischof, vöjvoda Heerführer, vgl. auch 
§ 367 A; dazu Fremdwörter, z. B. kälfa (türk.) Gesell, 
härambasa (türk.) Räuberhauptmann, und andere Zusammen- 
setzungen mit -basa; ferner namentlich die aus türkischen 
Wörtern auf -li, -dM, -ci umgebildeten, z. B. delija Krieger, 
melimidzija Gastwirt, tufekcija Büchsenmacher, s. § 548. 
Der Gen. sg. vertritt hier nicht den Akk., vgl. § 578. 

592. 4) Zum Vokativ sing. (vgl. Mar. § 168fg.). 

a) Die zweisilbigen ursprünglich weichen Stämme 
haben die alte Endung -e ganz aufgegeben und -o von 
den harten angenommen: düso. 

b) Die drei- oder mehrsilbigen mit Formans -ica be- 
wahren meist -e, z. B. drugärica Genossin : drugärice, können 
aber auch -ico haben, z.B. ödmenicol Abtrünnige! 

c) Personenbezeichnungen, die Eigennamen fast durch- 
weg, aber in der Regel auch die Appellativa, verwenden 
die Nominativform als Vokativ, z. B. Marija, Stänislava, 
Jelena, häba Großmutter, tetka Tante, vöjvoda (und vöjvodo), 



§592—595.] 



Flexion der Substantiva. 



345 



vlädika. Indes haben die zweisilbigen Hypokoristika mit 
Akzent ' (nach Vuks Akzentuierung) im Vokativ -o, z. B. 
Stäna : Sfäno, Cvijeta : CvJjefo, Rüza : Eüzo. Ferner können 
die zweisilbigen Namen auf -ica auch die alte regelmäßige 
Form -e haben, z. B. Mllica : MUica und Mllice. Ganz 
feste Bestimmungen lassen sich bei dem vielfachen 
Schwanken nicht geben. 

593. 5) Über die Form des Stammes im Gen. pl. 
auf -ä s.§584. — Es besteht eine Neigung, im Genitiv 
pluralis die Endung -i der i-Feminina (s. das folgende 
Paradigma) dann zu entlehnen, wenn der Stamm auf Kon- 
sonantengruppen auslautet, die bei der Bildung auf -ä ein 
aus altem z, h entstandenes oder eingeschobenes ä erfordern. 
So würde z. B. der regelmäßige Genitiv pl. von vöjska 
lauten vojsäkä, von tüzia Klage tiiMbä, von svjedodzba 
(^ shvedochba) Zeugnis svjedocäbä; statt dessen wird ge- 
braucht: vöjski, tüzbi, svjedodzbi (vgl. Beispiele aus Vuks 
Schriften bei Maretic, S. 171 ; Ivekovic, Drugi padez mnozine 
s nastavkom i u imenica zenskih usw. [Rad 162, S.186]). 
Die ^-Form wird hier vorgezogen, um die starke Differenz 
der Genitivform von den anderen Kasus zu vermeiden. 

594. 2. Konsonantisch auslautender Nom. sg. 
(für altes l tritt o ein, muao = misal aus myslb), alte i- 
Stämme: 

stvär Ding. 

skr. 

Sg. stvär 

stväri 

stväri 

stvär 

stvärju (stväri) 
stväri 
stväri 

595. Anhang zu Klasse III. Von den beiden alten 
femininalen r-Stämmen ist mater- in die Deklination von 
III 1 übergetreten, mit Ausnahme des Nom. sg. mäti (so- 



abg. 




skr. 


abg. 


tvarh 




PL stväri 


tvari 


tvari 




stväri 


tvarijh 


tvari 






tvarhmh 


tvarh 




stvärima 


tvarhmi 


tvarh ja 


i-m) 




^ tvarbchh 


tvari 




stväri 


tvari 


tvari 









346 



Flexion der Substantiva. 



[§ 595. 596. 



auch der Vok.) und des Akk. sg. mäter; '^dikter- abg. dister-, 
skr. kcer-, in die von 1II2 mit Ausnahme des Nom.sg. köl. 



abg. 
dhsti 
d^stere 
disteri 
disterh 



skr. 


abg. 


skr. 


Sg. mäti 


mati 


köl 


rnatere 


matere 


köiri 


muferi 


materi 


köeri 


mäter 


materh 


köer 


mäter öm 


materhjq 


köerju(l 


mäteri 


matere 


köeri 


mäti 


mati 


kderi 


PL mäter e 


materi 


köeri 


mäterä 


mater^ 
materhm^ 


köeri 


mäter ama 


'\ materhmi 
materbchh 


köerima 






mäter e 


materi 


köeri 



köer ju (köeri) d^sterhjq (-ijq) 
d^stere 
disti 



dzsteri 

disterb 

dzsterbmTt 

d^sterbmi 

d^sterhch^ 

d^steri 



mask. 0- Stamm 



neutr. o.Stamm 





hart 


weich 


hart 


weich 


n.-a. 


grada 


mqza 


lete 


pol' i 


g.-l. 


gradu 


mqzu 


letu 


pol'u 


d.-i. 


gradoma 


mqiema 


letoma 


pol'ema 




fem. 


a-Stamm 


i- Stamm 




hart 


weich 








zene 


dusi 


kosti 






senu 


dusu 


kosthju (- 


■iju) 




zenama 


dusama 


kosthma 





i 



596. Die Reste des Dualis. 
Über die Entstehung des Dat.-Instr.-Lok. pl. auf -ima^ 
-ama aus dem Dual s. § 729. 

Die altbulgarische Gestalt des Duals: 



Im Skr. wird Nom.-Akk. der Maskulina, der dem 
Gen. sg. gleichlautet, in alter Form angewendet nach den 
Zahlen dvä zwei, öba beide, tri drei, cetiri vier, z. B. dvä 



§ 596—598.] Flexion der Substantiva. 347 

cövjeka zwei Menschen, ebenso tri c., cetiri c. — Beim 
Neutrum ist die alte Form verloren gegangen, sie wird 
ersetzt durch die Maskulinform, öba öka beide Augen, 
dvä pol ja zwei Felder (pl. pölja), tri sela drei Dörfer (pl. 
sela). Die Feminina stehen nach diesen Zahlen in der 
Form des Nom.-Akk. pl., z.B. dvije zene zwei Frauen, öhje 
rüke beide Hände; die als Femininina geltenden öci iisi 
(Augen, Ohren) im alten Dual: öbje öci, ob je üsi. 

Der Gen. dual, empfunden als Plural, hat sich bei 
einigen Wörtern, die paarige Dinge bezeichnen, erhalten, 
zu nöga Fuß 7iögü, zu rüka Hand 7'ükü, zu öci üsi : dcijü 
üsijü, prsi Brust : prsiju (und prsi). Nach deren Muster 
ist die Endung w'eiter übertragen auf andere AVörter; kost 
Knochen : köstijü, kokös Henne : kokdsijü, üs (väs) Laus : 
üsijü ; göst Gast : gostijü. 

Quantität der Endsilben, Wechsel der Haupttonstelle 
in der Deklination der Substantiva. 

597. Die gewöhnliche Darstellung des an sich 
schwierig zu behandelnden Wechsels der Haupttonstelle 
wdrd dadurch noch verwickelter, daß man die nach der 
Haupttonsilbe stehenden Längen (mit dem Zeichen ") oder 
gelegentlich vorkommende Wechsel von Länge und Kürze 
in der Kasusreihe als Betonungsverhältnisse mitrechnet. 
Hier soll das auseinandergehalten und unter Akzentwechsel 
nur verstanden werden die verschiedene Lage des Haupt- 
tons innerhalb der Kasusreihe. 

598. I. Die Quantität der Endsilben. 

Lang ist bei allen Wörtern die letzte Silbe des Gen. 
plur., einerlei ob sie auf -ä, -^ oder -ü endet, z. B. zenä 
(zu zena), stvdri (zu stvär), dcijü rükü (zu öko rüka). Lang 
ist ferner die jetzt vorletzte (einst letzte) Silbe des Genitivs 
auf -d, der Vokal also, wenn er von Haus aus kurz war, 
gedehnt, z.B. seloiselä^ polje: poljäj zhia : zenä, pleme : ple- 
m^nä^ mäti : mäterä, gräd pl. grädovi : gradövä, mäc pl. mäcevi : 
mäcevä. War der Vokal im Skr. aus einer alten Länge 
verkürzt, so wird er wieder gedehnt, z. B. grädiö : grädUä. 



348 Flexion der Subßtantiva. [§598—600. 

Hat die letzte Silbe des Stammes jekavisches je (aus e), 
so entspricht die Dehnung nicht altem I, das jekavisch 
ie ije ergäbe, sondern es wird zu je gedehnt, z. B. djed : 
djedä^ Ijeto : Ijetä^ vjera : vjerä. Weitere Längen sind die 
Endung des Gen. sing, und des Instr. sing, der «-Femi- 
nina, z. ß. zena : zene zenöm. Alle anderen Endungen 
(diesen Ausdruck so verstanden, wie § 571 auseinander- 
gesetzt) sind kurz. 

599. II. Wechsel der Haupttonstelle. 

Die Literatur über die Betonung der Deklinations- 
formen ist § 211 mit angegeben. 

Bei der Bestimmung ist auszugehen von der älteren, 
nicht verschobenen Haupttonstelle, da ja jetzt im 
Skr., z. B. n. nbga akk. nögu^ n. düsa akk. düsu, der Nom. 
und der Akk. die gleiche Haupttonstelle, nur verschiedene 
Intonation haben, während jener urspr. noga^ dieser nogq 
lautete. Weil alte Endbetonung beim Mask. im Nom. des 
heutigen Skr. nicht immer unmittelbar kenntlich ist, muß 
hier vom Gen. sg. ausgegangen werden, z. B. zu konj vom 
Gen. kbnja == kotia, zu jünäk von jundka = junäka. 

Es kann nicht gelingen, überall zweifellose Angaben 
zu machen. Die Grammatiker weichen nicht selten unter- 
einander ab, so unterscheiden sich z. B. die Schemata bei 
Pavic (Rad 59) öfter von den Aufstellungen Budmanis. 
Außerdem ist die Betonung nicht auf dem ganzen Sprach- 
gebiet gleich. Den Versuch, alle zweifelhaften Fälle zu 
erfragen, habe ich aufgeben müssen als undurchführbar. 
Dazu müßte man im Lande leben, und zwar der Einheit- 
lichkeit und Folgerichtigkeit wegen im Gebiet der Mund- 
art, die Vuk der Schriftsprache zugrunde gelegt hat. 

Wechsel der Haupttonstelle, der, wie ausdrücklich 
hervorgehoben sei, nichts zu tun hat mit der späteren skr. 
Verschiebung der Haupttonlage, findet in folgenden 
Fällen statt : 

600. 1. Vokativ. Alle Substantiva mit ursprüng- 
licher Endbetonung, also jetzt mit Akzent ' oder ' auf 
der vorletzten Silbe (d. h. beim Mask. des Gen. sing.), 



I 



§600.601.] Flexion der Substantiva. 349 

haben im Vok. sing, den Hauptton als " oder " auf der 
ersten Sill)e, z. B. Maskulina (mit Angabe des Nom. 
und des Gen. sg.): kö)ij hbnja : könju, krälj krdlja : kruljii, 
sökö soköla Falke : sökole, öräc oräca Ackersmann : öräcu, 
jünäk jimdka : jioiäce, kösac kösca Schnitter : kösce, sküpac 
sküpca Geizhals : sküpce^ örao orla Adler : örle, cövjek 
covjeka : cövjece; ijombömk pomoönika Helfer : j^omocnice, 
sinövac sinovca Bruderssohn : shiövce, inostränac inostrc'mca 
YYeradiQX :hiostränce, hjefiünac hjegünca Flüchtling : ^je^/w^^c-e; 
pohro pöhra Wahlbruder : pöhro, Mirko Mirka : Mirko. 
Feminina (und Mask. auf -a): sestra : sestro, zena : zhiOy 
slüga : slügo, vila : vilo^ Stdna : Stäno ; Ijepbta Schönheit : Ijepoto, 
siröia Waise : slroio. — Daß auch im Vokativ plur., der 
lautlich dem Nom. pl. gleichlautet, dieselbe alte Zurück- 
ziehung des Haupttons stattgefunden hat, ist wahrschein- 
lich, steht aber nicht ganz fest; Budmani §88.2 gibt sie 
als allgemeingültig an, z.B. nom. kdnji:kd7iji^ kräljiikrälji, 
soköli : sökoli, sinovci : slnövci; sene : sene^ siröte : slrote. 
Andere Grammatiker führen diese Betonung nicht bei 
allen Wörtern durch. Bekannt ist Vok. jünäci zu Nom. 
pl. junäci. 

601. 2. Lokativ sing. mask. der Klasse I und 
der Lok. sing. fem. der Kl. III 2. Wörter dieser Klassen, 
die alten fallenden Ton auf der ersten oder letzten Silbe 
haben — bei ursprünglicher Kürze des Vokals dehnen sie 
den einsilbigen Nominativ, vom mehrsilbigen Stamm dessen 
letzte Silbe, s. §§ 226,227 — verlegen im Lok. sing, den alten 
Hauptton aufs Ende, haben also jetzt auf der vorletzten 
Silbe des Kasus den Akzent ' oder ' : I z. B. (mit ange- 
geben sind Nom. sg. und zur Vergleichung der Dat. sg.): 
gräd grädu : grädu, hläd hlädu Kühle : hlddu, snljeg S7iljegu 
Schnee : snijegu; rög rögu Hörn : rögu, led ledu Eis : ledu; 
ohläk ohluku Wolke : obldku, ohicäj dbicäju Gewohnheit : 
obicdju, mjesec mjesecu Mond: mjes4cu] kamen kämenit i:iicin : 
kamenu, govör gövoru Rede : govörii. Die Regel wird nicht 
befolgt bei den Bezeichnungen lebender Wesen (Mensch 
und Tier), z. B. drüg drügu : drügn, goluh goläbu : gölübu, 



350 Elexion der Substantiva. [§ 001-603. 

djever djeveru : djeveru. — III 2, z.B. (auch hier der Dativ 
mit angeführt) rljec rljeci Rede : rijeci, stvär stväri : stväri^ 
misao ynisli Gedanke : misli^ kost kosti Knochen : kbsii] pec 
2)601 Ofen : peöi ; ablast öbläsfi Macht : obidsti, lüdöst lüdosti : 
ludbsti^ zäpovijed zäpovijedi Befehl : zapovijedi. — Bei zwei 
Neutren alten zweisilbigen Stammes mit fallender Into- 
nation zläto Gold, meso Fleisch hat der Lok. Versetzung 
des Haupttons: zldtu, mesu (Budm. § 90. 2). Überhaupt 
ist die Zahl der mit " betonten Neutra sehr gering: pivo 
Bier, mlwo Mehl, tijesto Teig, städo (und städo) Herde. 

Von mask. Substantiven mit alter steigender Kürze 
der Wurzelsilbe, die also, wenn ursprünglich lang, ver- 
kürzt sein muß, haben ebenfalls einige Verschiebung des 
Haupttons im Lok. sg. : cäs dat. cäsu Augenblick : cäsu, cot 
cötu Hügel : cötu^ nügao nüglu Ecke : nüglu, nokat nöktu 
Nagel : nöktu, präg prägu Schwelle : prägu, prst prstu Finger : 
prstu, rät rätu Krieg : rätu, sküp sküpu Haufen : sküpu, 
spiet spletu Haarflechte : spletu, vösak vösku Wachs : vöskuy 
Vläh Vlähu : Vläliu (vgl. Pavic, Rad 59, S. 7). 

602. 3. Plural von mask. Wörtern auf -ac 
(= -hch). In einigen wenigen Fällen ziehen Maskulina 
auf altes -hch, skr. -ac, mit zweisilbigem (urspr. dreisilbigem) 
Nom. sg. und alter Endbetonung den Hauptton im Plural 
auf die erste Silbe zurück: könac Ende, Faden, gQn.konca 
(so ist auch bei den folgenden der Gen. sg. betont); 
n. pl. fcöTzci gen. Ä;owaca, ddii. köncima, a. könce; ebenso Idnac 
Topf^ növac Münze; Idnac Kette Idnca : n. pl. länci, gen. 
länäcä, dat. läiicima, a. länce] vijenac Kranz vijmca:V\ur 
vljenci vljenäcä vijencima vijence; stenac junger Hund stenca '. 
Plur. stenci stenäca stencima stence. 

603. 4. Plural der Maskulina mit -ov-. 
A. Zweisilbige Stämme mit alter Länge bei fal- 
lender Intonation verkürzen bei der Pluralbildung mit 
-ov- den Vokal der ersten Silbe und haben im Nom. und 
Akk. den Hauptton als ' auf der ersten Silbe; die anderen 
Kasus haben Endbetonung, also jetzt den Akzent ' oder 

auf dem -ov-, z. B. sm : slnovi sinövä sinbvima sinove; 



§603—605.] Flexion der Substantiva. 351 

ärüg : drugovi drugovä drygövirna drügove; dub YAohQ : duhovi 
duhovä duhövima dubove (Ak.Wb.); krljes Johannisfeuer : 
kresovi kresovä usw.; bübanj gen. sg. bühnja Trommel : 
biibnjevi bubnjevä hubnjevima buhijeve. Budmani§89.4 gibt 
diese Regel ganz allgemein; allein es steht nicht fest, daß 
sie bei allen gleichartigen Wörtern befolgt wird, es Avird 
z. B. angegeben d\o gen. sg. dijela : dijelovi (Vuk Wb. 
unter dijel, in Ragusa djelovi djelövä djelovima djelove Ak. 
Wb.); hier ist zwar die alte Haupttonstelle auf -ov- gelegt^ 
aber keine Kürzung eingetreten. 

604, B. Zweisilbige Stämme mit altem kurzem 
Wurzelvokal und fallender Intonation (im Nom. sg. der 
Vokal gedehnt) verschieben entweder durchgehend im 
Plural den Hauptton auf -ov-, z. B. bröd Furt, Schiff gen. 
sg. bröda : brödovi brbdovä brddovima brödove, oder Nom. u. 
Akk.pl. haben den Hauptton auf der Wurzelsilbe : brödovi 
brödove, die anderen Kasus Endbetonung, also jetzt ' oder 
' auf dem -ov: gen. brödövä, dat. brodövima. — Über die 
Mehrsilbler kann ich nichts sicheres aussagen, jedenfalls 
werden bei Dreisilblern mit Betonung " " die Längen der 
zweiten Silbe verkürzt und Verschiebungen des Haupttons 
begegnen ebenfalls, z. B. vitez Held : vUezovi vitezovä vite- 
zövima mte^ove. 

005. 5. Dativ sing., Akkusativ sing., Nomi- 
nativ-Akkusativ plur. der a-Feminina. Ein Teil 
der Feminina auf a mit alter Endbetonung, also heutigem 
Akzent ' oder ' auf der vorletzten Silbe, hatte in einigen 
Kasus von alters her den Hauptton auf die erste Silbe 
verlegt; wenn diese kurz, hat sie daher den Akzent '\ 
wenn lang, ". Was davon mit Sicherheit aufgezeichnet 
ist, sei hier angeführt (vgl. Budmani § 91). 

A. Zurückziehung des Haupttons hat statt- 
gefunden im Dat. sing., Akk. sing., Nom.-Akk. plur. 

a) Zweisilbler: vöda Wasser : vodi, vödu, vode (gleich- 
mäßig so bei allen folgenden), cela Biene, cöha (türk.) Tuch, 
däska Brett, djka koll. Kinder, fäjda (türk.) Nutzen, glöba 
Geldstrafe, gbra Berg, Wald, -igla Nadel, igra Spiel, jägma 



352 Flexion der SubHtantiva. [§605—607. 

(türk., eigentl, Raub, 7iä jagrmi reißend schnell), kösa Sense, 
Haar, köza Ziege, Idza Rebe, mägla Nebel, meda Grenze, 
mela Mistel, nöga Fuß, i'cta Rost, rosa Tau, smöla Pech, 
söha Gabelholz, süza Träne, zemlja Erde, zöra Morgenröte, 
ielja Wunsch; düsa Seele : düsi, düsu, düse (und so bei 
den folgenden), gläva Kopf, glämija Feuerbrand, gräna Zweig, 
greda Balken, ovca Schaf, peta Ferse, ruka Hand, S7idga 
Stärke, srijeda Mitte, siijena Felswand, strdna Seite, vöjska 
Heer, vfha Weide (Baum), zima Winter. 

b) Mehrsilbler (nach Budmani §91b): die Bildungen 
^uf -hia, -öba, -öta^ -döa, z. B. velicma Größe : velicini, ve- 
licinu, velicine] sramöta Schande : srämoti, srämotu^ srämote. 
Wenn die Regel durchsteht, ist das überhaupt die ganz 
überwiegende Mehrzahl der so betonten mehrsilbigen Fe- 
minina. Dazu noch gospöda koll. Herren : göspodi, göspodu ; 
topöla Pappel *• töpoli, töpolu, töpole. 

C06. B. Zurückziehung hat stattgefunden 
nur im Nom.-Akk. plur.: hlha Floh: buhe, pävta {päfta, 
Fremdwort) Art Gürtel ipäfte, stöpa Tritt, Fußlänge : s^ope, 
zmija Schlange : zmlje', drüga Genossin : drüge, güja Schlange : 
güjej jela Tanne : jele, küla Turm : küle, münja Blitz : münje, 
r4sa Kätzchen (an Pflanzen) : rese, rijeka Fluß : rijeke, slüga 
Diener : slüge, srna Reh : srne, strijela Pfeil : strljele, irdva 
Gras, Kraut : träve. 

007. 6. Dativ-Instrumental-Lokativ plur. der 
a-Feminina. Zweisilbige a-Feminina mit alter End- 
betonung und langer Wurzelsilbe, also jetzigem Akzent 
auf der ersten Silbe^ verkürzen diese in den genannten 
Kasus: hrdda Bart : hrädama, gräna Zweig : gränama, 
gidvnja Scheit : glävnjama, ruka Hand : rükama, slüga 
Diener : slügama, strdna Seite : siränama, strijela Pfeil : stre- 
lama. Nach Budmani § 91.5 gilt das allgemein; andere 
Grammatiker (vgl. Pavic, Rad 59, S. 18) beschränken es 
auf einzelne Wörter. 

7. Wenn zweisilbige ct-Feminina mit alter Endbetonung 
und langer Wurzelsilbe im Gen. pl. die alte Dualendung -ü 
haben, wird die Länge verkürzt: ruka — rükü, slüga — slügü. 



§608.609.] Flexion der Substantiva. 353 

OOH. 8. Singular und Plural der Neutra. Nach 
einer alten Regel des Slavischen wechseln die zweisilbigen 
(seltener dreisilbigen) Neutra Kl. I (o-Stärame) die Haupt- 
ton stelle zwischen Singular und Plural: A. Singular 
endbetont, heutiger Akzent \ " auf der ersten Silbe, Plural 
wurzelbetont: bedro Schenkel : bedra, pero Feder : pera, 
selo Dorf : sela, sedlo (urspr. dreisilbig sed^lo) Sattel : sedla^ 
stegno Schenkel: stegna\ vgl. russisch selo plur. ^ola. — 
B. Singular wurzelbetont (Akzent ' oder "), Plural 
endbetont (heutiger Akzent ' oder '): brdo Berg : brda, 
drvo Baum : drva, jedro Segel ijedra, mäslo Schmalz : mäsla, 
pölje Feld : pölja, slövo Buchstabe (urspr. Wort) : slöva, 
zvöno Glocke : zvöna, zlto Getreide : slta\ crljevo : crijeva 
{crevo : creva) Darm, drtjevo : drijeva {drevo : dreva) Baum, 
jäje Ei : jdja^ meso Fleisch : mesa, sijeno Heu : sijena (seno : 
sena). Vgl. dazu r. slovo : slova, pol'e : yol'a. — Ursprüng- 
lich mehrsilbig: jezero See : jezera, köljeno Knie : kdljena^ 
köpito Huf : köpifa, grebeniste Krämpelstiel : grehenista; so 
sind ursprünglich dreisilbig: gövno Dreck : gövna (gen. 
pl. göväna)\ dPvce (= dr^vhce) : drvca, klüpko Knäuel 
(= klqbzko) : klüpka (gen. pl. klubdka). Vgl. dazu r. ozero 
: ozerg. 

Auch die alten konsonantischen Neutra Kl. II 2 ver- 
legen im Plural den Hauptton ans Ende. Die ew- Stämme, 
im Singular alle mit Hauptton " auf der ersten Silbe 
{ausgenommen den ^om. vrijeme Zeit; gen.vremena):brhne 
brhnena Last : hremena; Ime Imena Name : imena; vrljeme : 
vremena. Bei den alten e^- Stämmen wird ebenfalls Ver- 
legung des Haupttons aufs Ende angegeben, z. B. taue 
tdneta Kugel : fanefa, dicgme dügmeta Knopf : dugmeta, cebe 
4ibeta Kotze : debeta. Die alten es-Stämme: 7iebo neba : 
nehesa, cüdo cuda Wunder : cudesa^ tijelo fijela Leib : ijelcsa, 
kölo kola : kolesa Räder. Vgl. russ. nebesn, cudesg. 

600. 9. Von den alten fem. r-Stämraen hat mäti 
in allen Formen unveränderlichen Hauptton: gen. mäterc 
usw.; köt im Gen. pl. köert, also alte Endbetonung, in 
den anderen Kasus ': Gen. sg. kderi usw.; wegen der 

Leskien, Serbokroatische Ornrnmatik. 28 



354 Flexion der Substantiva. [§609. 61(). 

Stellung des Vokals vor -rj- (= altem -rhj-) im Instr. sg. 
Dehnung des e: kderju (s. § 313). 

610. 10. Der Genitiv pluralis auf -a. Um die 

Betonung dieses Kasus zu verstehen, müssen einige Be- 
merkungen vorausgeschickt werden. 

a) Das -ä der Endung war in ältester Zeit überhaupt 
nicht oder nicht allgemein bei allen Deklinationsklassen 
vorhanden. 

b) Die ältere kürzere Form hatte lange Endsilbe, ent- 
weder als alte Länge oder als Dehnung einer Kürze. 
Diese Silbe war fallend intoniert. 

c) Trug die Endsilbe des alten kurzen Genitivs selbst 
den Hauptton, so wurde sie bei Antritt des -ä der späteren 
Form zu einer Mittelsilbe. Eine solche kann aber nach 
dem allgemeinen Gesetz, das fallende Intonation 
auf Mittelsilben verbietet (vgl. dazu § 289), den 
Hauptton nicht behalten, sondern er muß verschoben 
werden, entweder so, daß er auf die Endsilbe -ä gerückt 
wird, also den Auslaut des Kasus trifft, oder so, daß er 
auf eine vorangehende Silbe zurückgezogen wurde. Diese 
Verschiebungen haben nichts zu tun mit der 
späteren stokavischen Versetzung des Haupttons, 
sondern liegen vor ihr. 

d) Traf der Hauptton die letzte Silbe des alten kurzen 
Genitivs überhaupt nicht, so braucht sich durch Anfügung 
des -ä nichts zu ändern, denn die fallend betonte, einst 
letzte, jetzt vorletzte Silbe kann nach dem Hauptton un- 
behindert stehen. 

e) Zu beachten ist für die Quantitätsverhältnisse des 
Gen. pl. im Verhältnis zu den anderen Kasus: wenn in 
diesen ein an sich kurzer Vokal vor den Lautverbindungen 
V, j, m, n, r, Z-|~ Konsonant (s. §314) gedehnt ist, so tritt 
in der betreffenden offenen Silbe des Gen. pl. die Kürze 
wieder hervor, z. B. sünce : sünäcä, döjka Brustwarze : 
döjäkä, stärac gen. sg. stärca : stäräcä, gövno : gövänä. 



§611.] Flexion der SubBtantiva. 355 

611. Nach diesen Grundsätzen stellt sich die Be- 
tonung des Gen. pl., abgesehen von einigen Anomalien, 
folgendermaßen dar. 

I. Wörter mit alter Endbetonung der Kasus 
haben im Gen. pl. ältere Endbetonung auf dem Auslaut 
-ä, d. h. jetzt den Akzent ' auf der vorletzten Silbe. Bei- 
spiele (mit angegeben ist Nom. sg., beim Mask. auch Gen. 
8g. und Nom. pl.): könj kbnja honji : kmijä, krälj krälja 
krdlji : krälja^ jünäk jundka jundci : jundkä, pombönik pomoö- 
nika pomocnici Helfer : pomoÖ7iikä; kösac kösca kosci Schnitter: 
kosdcä, örao örla orli Adler : ordlä; — krilo Flügel : krilä; 
hrda pl. zu hrdo Berg (s. §608) \lrda, pölja pl. zu pölje Feld: 
poljä, jezero See pl. jezera : jezerä ; veslo Ruder : vesdläy klupko 
pl. klüpka Knäuel : klubdkä, vreteno Spindel : vreUnä\ — 
zena : z^yiä, düsa : düsäy tetiva Sehne : tetivä ; sestra : sesidrä, 
gldvnja Scheit : glavdnjä (Verkürzung der ersten Silbe, weil 
sie mehr als eine Stelle vor dem alten Hauptton steht, 
§ 220), visina Höhe : visinä. 

An sich war eine Betonung *zenä als Fortsetzung 
eines alten zen durchaus möglich, vgl. z. B. iäba aus zäb 
zu iäba (Frosch). Es darf daher angenommen werden, 
daß die durchgehende oder vorwiegende Endbetonung der 
anderen Kasus die gleiche Betonung des Gen. pl. nach 
sich gezogen hat. Ebenso hätte das alte *junäkj aus 
diesem *junäkä, statt der Versetzung des Haupttons ans 
Ende, jundkä, durch Zurückziehung zu *jünäkä führen 
können. Dieser Weg ist in der Tat eingeschlagen bei 
einer größeren Anzahl von Wörtern mit beweglichem a: 
hlizänak hlizänka hlizänci Zwilling : *blizänäkä bltzanäkä, sinövac 
sinövca sinövci Neffe : *sindväcä smoväcä, kozälac (eig. Böck- 
chen; ein Pflugteil) kozälca oder közaoca, kozälci oder kö- 
zaoci : "^kozäläcä közaläcä; sküpac sküpca sküpci Geizhals : 
*sküpäcä sküpäcä, sipak sipka sipci Granatapfel : ^slpäkä 
sxpäkä, hjegünac hjegünca bjegünci Flüchtling : *bjegünäcä 
bjegünäcä^ inostrdnac inostrdnca inostrdnci Fremdling : 
*inostränäcä inöstränäcä^ Novopazdrac -pazdrca -pazdrci : 
*Novopazäräcä Novopäzäräcä; rebärce Rippchen : *rebäräcä 

28« 



356 Flexion der Substantiva. [§611-614. 

rebaräcä (angegeben wird statt dessen 7'ehäräcä),2)ismo Schrift: 
*plsämä pisämäy hrvno Balken : *hrväna hrvänä (daß beide 
Möglichkeiten, Zurückziehung und Verschiebung aufs Ende, 
vorhanden sind, zeigt die Vergleichung von hrväna mit 
Vrafdlä zu Vrdtla — Plur. eines vrdflo; ein Gebirgsname — 
es hätte ebensogut "^Vrätälä heißen können); vretence 
Spindelchen : "^vretenäcä vretenäcä (angegeben wird vretenäcä, 
suUtnja fauler Kerl [Schimpfwort] : *sulitänja sülifänjä (nach 
Pavic, Rad 59, S.71). Daß tatsächlich eine Wahl zwischen 
Endbetonung und Rückziehung stattfinden konnte, zeigen 
Fälle wie ötac öca öci Vater : otäcä und ötäcä, 2^^^(^^ pösla 
posli Geschäft : posälä und pösälä (s. Budmani, S. 39 Note c). 
61S. II. Dreisilbige Stämme mit Kürze der 
beiden ersten Silben und altem Hauptton auf der 
zweiten, also jetzt mit Akzent ' auf der ersten, verlegen 
im Gen. pl. den Hauptton auf die erste Silbe. Der Grund 
ist der §610c angegebene. Beispiele, Mask.: ünuk ünuka 
ünuci Enkel : ünükä, prözor prbzora prözori Fenster : ^ro- 
zörä, üroci pl. Beschreiung : nrökä, krsöanin Christ pl. kr- 
söani : kfscänä; mäc mäca pl. mäcevi Schwert : mäcevä; 
Neutra: kbljeno Knie : köljenä, ärsalo Handhabe, Stiel : df- 
sälä\ Feminina: grebulja Hacke : grebüljä, löpata Schaufel : 
löpätä, sjekira Beil : sjekirä. 

613. III. Die Maskulina zweisilbigen Stammes 
mit fallender Intonation, also mit durchgehender 
Länge bei urspr. langem Wurzelvokal, mit Dehnung im 
Nom. sg. bei ursprünglicher Kürze, haben im Gen. pl. 
alte Endbetonung, also jetzt den Akzent ' auf der vor- 
letzten Silbe des Kasus, z. B. drüg drüga drüzi (gewöhnlich 
drügovi) : drügä (gewöhnlich drugövä) ; rög röga rözi Hörn : 
rögä (so nach Budmani § 88.4; nach ihm auch im Dat.- 
Instr.-Lok. rbzima) ; recht gebräuchlich sind nur die Formen 
mit -ov-, rögovi usw. 

614. IV. Die Angaben über den Gen. pl. der 
mit -OV' gebildeten mask. Plurale sind schwankend. 
Nach dem Hauptgrundsatz normal betont sind die Fälle, 
wo der Hauptton auf die erste Silbe gerückt ist, z. B. 



§614.615.] Flexion der Substantiva. 357 

köUio kütla kötlovi Kessel : kötlövä, örao orla örlovi Adler : 
örlövä, pbsao pösla pöslovi Geschäft : pöslövä, vö völa völovi 
Ochs : volöva, mäc mäca tnäcevi Schwert : mäcevä, und dem 
gleichartiges. Ferner die Fälle, wo der alte Hauptton auf 
das Ende verlegt ist, also der Gen. pl. jetzt den Akzent ' 
auf der vorletzten Silbe hat, z. B. gräd gräda grädovi : 
gradövä^ bröd hröda hrödovi Schiff : brodövä, cvdrak cvörka 
pl. cvarci und cvörkovi Star (Vogel) : cvorkovä^ stärac stärca 
siärcevi Greis : starcevä. Doch kommen hier Anomalien 
vor, wobei alte Betonung auf dem -ov- vorliegt, also jetzt 
der Akzent -dvi stattfindet, z. B. hröd (s. o.) hrödovi : hrö- 
dövä, svekar svekra svekrovi Schwiegervater : svekrövä^ vepar 
vepra veprovi Eber : veprövä, sökö soköla sokölovi Falke : sokö- 
lövä, krälj krdlja krdljevi : krdljeva. Wenn hier der ältere 
Hauptton wiederhergestellt wird, so ergäbe das die Ano- 
malie einer fallend intonierten Mittelsilbe, und man kann 
annehmen, daß diese Abweichung von der Norm durch 
spätere Annahme der Betonung der anderen Pluralkasus 
erfolgt ist. — Bei mehrsilbigen Stämmen läßt sich auch 
keine Einheit herstellen, z. B. wird angegeben gävrän 
gävräna gävranovi Rabe : gavranövä] süsanj susnja suhijevi 
Gefangene : süznjevä. — Es sind unregelmäßig, insofern der 
alte Hauptton die fallende intonierte Endsilbe des alten 
Gen. pl. trifft, düb düha pl. dubovi : dubövä (dat. dübovima); 
dlo dijela pl. dijelovi : dijelövä (dat. dijelovima); daneben 
besteht aber dubovi : dubövä (dat. dubovitna), djelovi : djelövä 
(dat. djelovima), normale Formen; vgl. dazu grljeh grijeha 
grehovi : grehövä {grehovä). 

615. V. Der Genitiv pluralis behält den 
Hauptton an derselben Stelle wie die übrigen 
Kasus : 

a) Wenn der Hauptton des Wortes als " auf der 
ersten Silbe liegt (wo im Singular der Mask. \ also alte 
Endbetonung stattfindet, im Plur. \ ist der Plural maß- 
gebend; wo statt " der Akzent ^ steht, liegt Dehnung 
einer alten Kürze vor r, l, m, w, j, v -f- Konsonant vor). 
1. Es traf in diesem Falle bei zweisilbigen Stämmen der 



358 B'lexion der Substantiva. [§615. 

Hauptton den alten einsilbig gewordenen Genitiv und 
konnte nach der Annahme des -ä so verbleiben, weil eine 
fallend intonierte erste Wortsilbe den Hauptton tragen 
kann. — 2. Bei mehrsilbigen Stämmen traf den Haupt- 
ton die Endsilbe des kurzen Genitivs überhaupt nicht, 
also auch nicht nach Anfügung des -ä, und brauchte nicht 
verschoben zu werden. Beispiele zu 1 und 2: Mask. klin 
klina klhii Nagel (clavus) : Minä^ mis mlsa mlsi Maus : nnsä, 
brätiö brätiöa hrätiöi Brüderchen : hrätiöä, J;ra^^wwA: Urenkel : 
präu7iüJcä, hnenjäk imenjäka hnenjäci Namensvetter ihnenjäka: 
Srbin Sfhina Srbi : Srbä, Turcin Türcina Türci : Türäkä, 
grädanin grädanina grädäni Bürger : grädänä; suzanj suznja 
suznji Gefangener : susänjä^ läjavac läjävca läjävci Keif er : 
läjaväcä; könac konca Äwici Ende Faden : A;w^aca, lönac Imca 
lönci Topf : lönäcä, növac novca növci Geld : növäcä, stenac 
stenca stenci junger Hund : stenäcä, srvanj srvanja zrvnji 
Plandmühle : irvänjä. Eine Ausnahme bildet jmjatelj Freund : 
prijateljä (dat. prijateljima); hier ist der Sing, von der ur- 
spr. Betonung abgewichen, vgl. r. prijateV ; als Gen. pl. 
wäre danach (s. §612) zu erwarten *prly'a^e/;a, statt dessen 
ist Endbetonung eingetreten. — Neutra: grlo Kehle igrlä, 
selo pl. sela Dorf: selä (so auch die gleichartigen § 608 an- 
geführten Neutra, doch Vuk sedlo pl. sedla Sattel isedälä), 
küöiste Hausplatz : kucistä, gövno pl. gövna Dreck : gövänä, 
sünce Sonne : sünäcä, — Feminina: säba Frosch : säbä^ 
cäsica Becher : cäsicä, vjeverica Eichhörnchen : vjevericä, 
döjka Brustwarze : dbjäkä^ smokva Feige : smökävä, pastörka 
Stieftochter : pästoräkä, Smederevka Frau aus Smederevo * 
S nieder eväkä. 

Nach den Angaben einiger Grammatiker (s. Pavic, 
Rad 59, S. 52 und 58, Paradigma gävrän, S. 24 und 33, 
Par. jäsen) sind alle so betonten Wörter im Gen. pl. gleich- 
mäßig betont, nach anderen Angaben dagegen haben die 
Maskulina der Betonung gävrän, d. h. mit fester Länge 
der zweiten Silbe, Gen. gävräna usw., und die Mask. der 
gleichen Betonung im Nom. sg., aber mit Kürze in den 
anderen Kasus, gövör gövora, im Gen. pl. alte Endbetonung, 



§615.616.] Flexion der Substiintiva. 359 

und betonen auch im Dat.-Instr.-Lok. die Endung, haben 
also jetzt den Akzent ' oder ' auf der vorletzten oder 
drittletzten Silbe, z. B. öbläk gen. sg. obläka n. pl. öbläci 
a. pl. öhläke : ohldkä ohläcima\ gövör gövora gövori gövore : 
(jovorä (jovörima (Budm. §88.4); so auch bei Vuk guster 
Eidechse gen. güstera usw.: gusterä, kesten Kastanie kestena : 
kestmä. 

b) Der Gen.pl. behält die sonst durchgehende Betonung 
unverändert, wenn der alte Hauptton des kurzen Genitivs 
auf einer Mittelsilbe vor der Endsilbe dieser älteren Form 
stand, also jetzt das Wort den Akzent ' oder ' auf der 
drittletzten Wortsilbe oder weiter zurück hat. Der Fall 
ist derselbe wie unter a 2, die Betonung nach dem all- 
gemeinen Grundsatz normal. Es genügen einige Beispiele: 
pbslänik pöslämka pöslänici Gesandter : pöslämkä, iezäkomk 
GoiiloseT'.hezäkomkä, Dührövcanin pl. Dübrövcäni Ragusaner: 
Dührövcänä, Hercegovac Hercegövca Hercegövci Herzegoviner : 
Hercegoväcä, Crnögorac Crnogörca Crnögörci Montenegriner : 
Crnögoräcä; körice (aus korythce) dem. Trog : köritäcä, pövje- 
sämce dem. Bund Flachs : pövjesamäcä; zäusnica Ohrfeige: 
zämnicä, iibköjnica die Verstorbene : pököpiuä, Hercegövka 
Herzego vinerin : Hercegoväkä, ndredha (aus naredhha) An- 
ordnung : ndredäbä. 

016. Während die bis jetzt unter V (§ 615) be- 
sprochenen Fälle keine Änderung der Haupttonlage er- 
forderten, weil die fallend intonierte Endsilbe des kurzen 
Genitivs überhaupt nach der alten Haupttonsilbe stand, 
scheint bei einer Menge von mehrsilbigen Wörtern auch 
da keine Verschiebung einzutreten, wo der Hauptton die 
fallend intonierte Endsilbe des alten Genitivs traf, also 
bei der Anfügung des -ä entweder Versetzung auf diese 
Endsilbe oder Rückziehung auf die vorletzte Silbe des alten 
kurzen Genitivs erwartet wird. Es genüge hier darauf hin- 
zuweisen, daß unter diese Wortmasse fallen die Paradigmata 
bei Pavic, Rad59, S.25fg.,5o,65, und die dazu in seinen 
Verzeichnissen als gleich betont gerechneten: prörok, I6yöi\ 
komadiö, gospodiciö, mitropdlit, prnjdvor; zdcelje, kriidpvre, 



360 Flexion der Substantiva. [§010.617. 

päsiste, satbriste, näselje, preohläcUo, hezdkonje; zörnicay hiljärica^ 
gospodärica, odrpdnica, podmüklica, kukuruzövnica; Arnäutin^ 
jsüpljanm, Bandcanin, Pomorävljanin, Brzopaldncanin. Es heißt 
also der Gen. pl. z. B. von prörok Prophet prörökä (so aus- 
drücklich von Vuk im Wb. bezeugt), was einer ehemaligen 
Betonung ^prörökä entspräche, von komädic Stückchen 
komadiöä = älterem *komadiöä, während zu erwarten war 
*prörökä oder etwa ohne Dehnung *prdrökä, "^komädu'ä, 
daraus mit der stokavischen Verschiebung *kdmadiöä. — 
Wirklich aufgezeichnet sind solche Gen. pl. nur ganz ver- 
einzelt, und man wird die Schemata von Pavic etwas vor- 
sichtig beurteilen müssen. Ich kann nur die Vermutung 
aussprechen, daß hier unursprüngliche Verhältnisse vor- 
liegen, daß die sonst durchgehende Betonung der anderen 
Kasus die als normal im Gen. pl. zu erwartende verdrängt 
hat, was durchaus nichts auffallendes hätte. Es wäre 
aber, ehe man zu einer solchen Entscheidung kommen 
kann, notwendig festzustellen, wie viele und welche Art 
Wörter in der lebendigen Sprache mit der angenommenen 
Betonung des Gen.pl. wirklich vorkommen, denn die nach 
der äußerlichen Gleichheit der Betonung des Nom. sing, 
aufgestellten Verzeichnisse beweisen nichts. 

617. 11. Der Gen. plur. auf -l der i-Stämme. 
Soweit man den Kasus beobachten kann, stimmt die Be- 
handlung des Haupttons zu den Genitiven auf -ä. Ein- 
silbler mit fallender Intonation verlegen den alten Haupt- 
ton auf die Endung, haben also jetzt den Akzent' oder ' 
auf der vorletzten Silbe des Gen. pl. : pec peci pl. peci : 
peci (ebenso Dat. pecima)^ vgl. dazu rög röga rözi : rogä 
rözima; brv Steg brvi pl. hrvi : hrvi, viisao rmsli pl. misli 
Gedanke : 7msli, vgl. drüg driiga drüzi : drügä. Zu öhläst 
bblästi pl. oblästi Macht : obldsti, lüdöst lüdosti pl. lüdosti : 
ludösti, vgl. öhläk öbläka öbläci : obldkä (s. § 61oa). 



§618.] 



Flexion der Pronomina n. Adjektiva. 



361 



II. Deklination der Pronomina und Adjektiva. 
1. Deklination der Pronomina. 
618. A. Personalpronomina. 





I. 




II. 




III. (reflexiv) 


skr. 


abg. 




skr. 


abg. 




skr. 


abg. 


jä 


azö 




tt 


ty 








mene, nie 


mene 




tebe, te 


tele 




sehe 


sehe 


meni, mi 


mbue. 


mi 


tebi, ti 


tebe. 


ti 


sebi (si) 


sehe, si 


mene, me 


nfiene. 


me 


tebe, te 


tehe, 


te 

< 


sehe, se 


sebe, s§ 


mnöm 


mznojq 


toböm 


tobojq 




soböm 


sobojq 


meni 


mbne 




tebi 


tebe 




sebi 


sehe. 


mi 


my 




VI 


vy 








näs, nas 


naso 




väs, vas 


vaso 








näma, 


nam5, 


ny 


vama, 


vamz, 


vy 






nam [ni 






vam lyi 










näs. 


naso, 


ny 


väs, 


vasö, 


vy 






nas [ne 






vas [ve 










näma 


nami 




vama 


vami 








näma 


naso 




vänia 


vasö 












III 


. nicht reflexiv 


(«ei 


•») 




Maskulinum 




Neutrum 




Femininum 


skr. 


abg. 




skr. 


abg. 




skr. 


abg. 


ön 


om 




dno 


ono 




d7ia 


ona 


njega, ga 


jego 




njega, ga 


jego 




nje^ je 


jm 


njemu, mu 


jemu 




njemu, mu 


jemu 




njöj, joj 


jeji 


njega, ga, 


jego, 


jh 


njega, ga 


je 




nj% ju 


n 


nj, njga 












je 




njwi 


jimh 




njim 


jimh 




njöm 


jejq 


njem, 


jenih 




njem, 


jemh 




njöj 


jeji 


njemu 






njemu 










öni 


oni 




öna 


ona 




dne 


ony 


njih, ih 


jicJfb 




xv\f> V»<a 


im M 


Bclm 


iTinm 





n]ima, im pmh 
njih, ih jg 
njhna jimi 
njlma jichh 



wie Msk. ja \ wie Msk. je 

wie beim Maskulinum. 



362 Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§ 619. 620. 

019. Bemerkungen. 

1. Die an erster Stelle stehenden akzentuierten Formen 
sind die orthotonierten, die nach ihnen stehenden nicht 
akzentuierten die enklitischen. Die enklitischen Formen 
me, te des Gen. sg. I, II sind alte Akkusative (m^, t^), die 
nicht enklitischen Akkusative mene tele sehe 7ijega Genitiv- 
formen, die an die Stelle des eigentlichen Akk. getreten 
sind; nj ist die alte Akkusativform jh in ihrer Gestalt 
nach Präpositionen n-jh (abg. z. B. na-njh^ wa-wb); der 
enklitische Akk. sg. fem. je ist die alte Genitivform (abg. 
[ye];^), dem urspr. ja entspricht ju, das angewendet wird, 
wenn ihm ein je (= ist) folgt, doch kann auch je je 
'(^ eam est) verbunden werden. Die Akkusative näs nas, 
väs vaSj njih ih sind Genitivformen in akkusativischer An- 
wendung. Statt des alten enklitischen dat.-refl. si wird 
jetzt regelmäßig sehi gebraucht. Instrumental und Lokativ 
haben keine enklitischen Formen. Die Dative I ni, II vi 
sind, ältere, dialektisch noch verwendete Formen; die Akk. 
I ne, II ve in jüngerer Zeit neu geschaffen nach Analogie 
der nominalen und pronominalen Akk. pl. auf -e. — Das 
'OJ in Dat.-Lok. fem. njöj beruht auf Ausgleichung mit 
töj (§ 623). 

6ä0. 2. Die orthotonierten Formen werden 
gebraucht : 

a) Wenn das Pronomen am Satzanfang steht, z. B. 
njemu je löpata u rüci njegovöj Matth. 3.12 ihm ist die 
Schaufel in seiner Hand. Enklitika können nie den An- 
fang des Satzes bilden. 

b) Im Innern des Satzes, wenn durch einen Gegen- 
satz oder eine Hervorhebung ein besonderer Nachdruck 
auf dem Pronomen liegt, daher auch nach den Partikeln 
i (auch), ni (ne — quidem); z. B. sve däkle stö hocete da eine 
väma ljüd% cmite i in. njima Matth. 7.12 alles daher was 
ihr wollt, daß euch die Leute tun, tut auch ihr ihnen; 
ako bprästäte Ijüdima grijehe njihove, opröstice i väma ötac 
väs nebeshi Matth. 6.14 wenn ihr den Menschen ihre 



§ 620— 622.J Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 363 

Sünden vergebt, wird auch euch euer himmlischer Vater 
vergeben. 

c) Wenn der Pronominalkasus mit Präpositionen ver- 
bunden ist, z.B. od mene vor mir, iz Tijega aus ihm. Doch 
können nach Präpositionen die Akkusativforraen me, te, 
se, nj njga stehen, z. B. zä me für mich, zä-nj für ihn, 
zd-njga; hier ist aber eigentlich der Pronominalkasus ortho- 
toniert, die Präposition proklitisch, denn die alte Betonung 
war *zä me, *zä njgä; das einsilbig gewordene zä-nj konnte 
nur so akzentuiert werden. 

631. 3. Die Lokativform njemu ist der alte Dativ, 
vgl. dazu das Subst. msk. u. ntr. — Nach Vuks Sprach- 
gebrauch können alle weichen Pronominalstämme die 
Endungen -mu (dat.), -m (lok.) sowohl lokativisch wie 
dativisch verwenden, dagegen die harten -mu nur als 
Dativ, während der Lok. nur -m oder -me (s. § 754) hat. 
«Diese Normierung Vuks entspricht auch tatsächlich dem 
Sprachgebrauche der meisten stokavischen Dialekte» 
(Pvesetar, Stok. Dial., S. 180). 

4. Die Instrumentale mnöm^ njim^ njöm haben die 
Nebenformen mimne (so bei Maretic, S. 183), njime, 7ij6me\ 
über sie wie über sonstiges Vorkommen dieses -e an 
Kasusformen s. § 754. 

622. 5. Betonung der Verbindungen von Präpo- 
sition und Kasus: 

a) Haben die mehrsilbigen Kasusformen alte End- 
betonung, so bleibt diese bestehen, also steht jetzt der 
Akzent ' auf deren erster Silbe, z. B. od mene^ od njega, 
u njemu. 

b) In der Verbindung von Präpositionen mit den 
Instrumentalen mnöm, töhöm, soböm geht der Hauptton als 

auf die Präposition über, bei mehrsilbigen auf deren 
erste Silbe, z. B. sä mnöm mit mir, zä ioböm hinter dir, 
preda mnöm vor mir. 

c) In der Verbindung der enklitischen Akkusative 
me, te, se, nj njga mit zweisilbigen Präpositionen liegt der 



364 



Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§ 622. 623. 



Hauptton als '' auf deren erster Silbe, die zweite Silbe 
ist gedehnt, z. B. predä me vor mich, üzä me neben mich, 
mhtü se zwischen sich, predä-nj predä-njga vor ihn. 

d) Die Verbindungen von einsilbigen Präpositionen: 
1) mit den Enklitika me, fe, se; der Vokal der Präpo- 
sition ist gedehnt und hat den Akzent ', z. B. zd me für 
mich, p6 te für dich, na-pö-se für sich, ü se in sich (vgl. 
§620c); 2) mit nj; die Präposition hat gedehnten Vokal, 
den Akzent , z. B. zä-7ij für ihn, ü-nj in ihn; 3) mit 
njga; die Präposition ist gedehnt, hat den Akzent', z. B. 
zd-njgüy ü-njga. — Die Angaben unter b und c nach Bud- 
mani § 267.5 und Maretic § 130 a,b, 131 Note. 

0^3. B. Demonstrative, interrogative, rela- 
tive, indefinite, possessive Pronomina. 

1. Demonstrativpronomina. 

a) Rein hinweisend, ohne Nebenbeziehung auf Quan- 
tität oder Qualität, sind täj dieser da, auf eine zweite Per- 
son hinweisend, italienisch cotesto; öväj dieser hier, auf die 
erste Person bezüglich, ital. questo; önäj jener, auf eine 
dritte Person zu beziehen, ital. quello. Diese drei Pro- 
nomina werden gleich flektiert, abgesehen von einigen 
Betonungs- und z. T. damit verbundenen Quantitätsunter- 
schieden. 









täj. 






Maskulinum 




Neutrum 


Femininum 


skr. 


abg. 




skr. abg. 


skr. 


abg. 


täj 


t^ 




tö to 


tä 


ta 


tögä, tög 
tdiuu, 


togo 
tomu 


) 


wie Maskulinum 


te 
töj 


toj^ 
toji 


töme 












täj 


tb 




tö to 


tu 


tq 


tljem^ tim 
töm, 


temh 
tomh 


) 


wie Maskulinum 


töm 
töj 


tojq 
toji 


töme, 












tömu 













§ 623. 624.] Flexion der Pronoraina u. Adjektiva. 

tä ta I te ty 

wie beim Maskulinum 
tä ta I te ty 

wie beim Maskulinum. 



365 



n ti 

tljeh, tili techh \ 

iljem^ tim tenvh ) 
te ty 

iljetn, tun temi \ 

tljem, tim tech^ * 



624. 






önäj. 






Maskulinum 




Neutrum 


Femininum 


skr. 




abg. 




skr. abg. 


skr. 


abg. 


önäj 
önogä, -ga 


om 

onogo 


\ 


önö ono 

wie Maskulinum 


önä 
öne 


ona 
onoj§ 


önomü, 


■mu^ 


onomu 


) 




önöj 


onoji 


önome, 


-me 












önäj 




om 




önö ono 


önü 


ona 


dnijem^ 
ömm 




onemh 


\ 


wie Maskulinum 


önöm 


onoja 


onöm, 




onomh 


} 




önöj 


onoji 


önome, 


-me. 












önomü, 


-mu 












öni 




oni 




önä ona 


öne 


ony 


önijehj 
önih 




onechh 


^ 
^ 


wie beim Ma 


skulinum 




önijem, 




onerm 


1 








önim 














öne 




ony 




önä ona 


öne 


ony 


önijem, 
önim 




onemi 




wie beim Ma 


skulinum. 




önijem, 




onechh 


} 








ömm 















Bemerkung. Wie önäj geht öväj. — Die Formen 
instr. sg. tim, önim, gen. pl. tili, önih, instr.-dat.-lok. pl. iim^ 
önim sind nicht aus tijem, tljeh, tijem^ önijem usw. ent- 
standen, sondern Entlehnungen aus der Flexion des be- 
stimmten Adjektivs oder Ausgleichung mit der Form der 
weichen Stämme njih, möjih usw. 



366 



Flexion der Pronomina u. Adjektivs. [§ 625. 626. 



SO beschafifen 



so groß. 



625. b) Hinweisende adjektivische Pro- 
nomina der Qualität und Quantität. Sie bilden ein 
Mittelglied zwischen Pronomen und Adjektiv; ihre Flexion 
ist oft rein adjektivisch : 

iäki takä täkö 

täkovi takovä täkovö 

oväki oväkä oväkö 

oväkovi oväkovä oväkovö 

onäki onäkä onäkö 

onäkom onäkovä onäkovö 

täkav takva täkvo 

toliki tolikä tolikö 

ovoUki ovolikä ovoltkö 

onoliki onoUkä onollkö 
Die Nom. sg. auf -i -ä -ö sind die Nominativformen 
des bestimmten Adjektivs (s. d.). Auch die folgenden 
Kasus können nach Art dieses Adjektivs flektiert werden, 
also täkovöga takovömu usw., indes sind auch Formen nach 
der Art des unbestimmten Adjektivs in Gebrauch, z. B. 
gen. sg. msk. takova; täkav wird in der Regel als unbe- 
stimmtes Adjektiv behandelt, z.B. gen. sg. msk. täkva^ kann 
aber auch bestimmt flektiert werden: täkvöga usw. 

626. 2. Interrogativpronomina mit Indefi- 
nitum und Relativum. 

Die Interrogativpronomina sind zugleich Indefinita; 
die jetzt in der Sprache gebräuchlichen Relativa kö (tkö), 
stö, köji sind alte Interrogativa. 

a) Interrogativa im engeren Sinne: kö (tkö) wer, 
stö was. 

Neutrum 
skr. abg. 

stö, stä chto 

cega^ cesa, stä ceso, chso 

cemu cemu 

stö, sta Chto 

cim, Cime (cljem) cimh 
cenit cemu cemh. 



Maskul. und Femin. 



skr. 


abg. 


/fo, tko 


k^to 


köga 


kogo 


kömu 


komu 


köga 


kogo 


Mm, kirne, kljem 


cemh 


köm, kömu, körne 


komh 



§ 626 — 628.] Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 



367 



^tä ist eigentlich ein nominal gebildeter Genitiv, 
indem ^tö wie ein nominales Neutrum behandelt ist (seZo 
sela). Instr. sg. kijem entspricht in -ije- dem alten cmt>, 
das k ist den anderen Kasus entnommen; cljem statt des 
alten cwi ist dem Mask. nachgebildet. 

6!27. b) Fragende adjektivische Pronomina 
mit der Nebenbeziehung der Qualität und Quantität: köji 
welcher (qui, qualis); käki käkä käkö, käkov käkova käkovo 
und kakovi -vä -vö^ käkav käkva käkvo wie beschaffen; kölik 
kollka koliko und kollki -kä -kö. Die Flexion der im Nom. 
sg. msk. auf -i auslautenden ist die des bestimmten Ad- 
jektivs, die der übrigen des unbestimmten. 

c) Das fragende ciji (Vuk cij), cija, cije, wem gehörig, 
wird behandelt wie ein bestimmtes Adjektiv, das gleich- 
bedeutende cigov ist ein unbestimmtes Adjektiv. 

628. Deklination von kbji: 



Maskulinum 




Neutrum 


Femininum 


skr. 


abg. 


skr 


abg. 


skr. 


abg. 


köji 


kyjh 


köje 


koje 


köjä 


kaja 


köjega 


kojego \ 
köjemu 1 


wie 


Maskulinum 


köje 


kojej^ 


köjemu 






köjöj 


kojeji 


köji 


kyjh 


köje 


koje 


köjü 


kojq 


köjim 


kyjimh \ 


wie 


Maskulinum 


köjöm 


kojejq 


köjem, 


kojemh ) 






köjöj 


kojeji 


köjemu 












köji 


ciji 


köjä 


kaja 


köje 


kyjf 


köjih 


kyjickb \ 
kyjim^ / 




wie beim Ma 


skulinum 


köjim 










köje 


^yj^ 


köjä 


kaja 


köje 


^yJ9 


köjim 


kyjimi \ 
kyjich^ f 




wie beim Ma 


Lskulinum. 


köjim 










Bemerkung. 


Neben dat.-instr.- 


iok. pl. 


köjim s 



köjima; die Länge des i in den Pluralformen köjih köjim 
ist nicht durchgehend, es kann auch köjih köjim heißen,, 
8. u. ähnliches beim Possessivpronomen § 631 (4). 



368 Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§ 629. 

620. Inde finita. Den Interrogativpronomina, die 
an sich schon als Indefinita gebraucht werden, können zu 
besonderer Ausprägung der Bedeutung partikelartige Ele- 
mente vorgesetzt oder angefügt werden, mit je etwas ver- 
schiedener Färbung: 

1. Durch Vorsetzung von ne- {nje-, abg. we); der Sinn 
ist dann «ein gewisser» un certain, also nicht «ein be- 
liebiger», z.B. neko ein gewisser, nesto ein gewisses; *nekoji 
wird nicht gebraucht, sondern dafür 7ieki (abg. ne-hyjh) n. 
nekö f. nekä, flektiert wie ein bestimmtes Adjektiv, gen. 
sg. msk. neköga usw. 

2. Durch Vorsetzung von ni- bei Negierung, z. B. 
nl'ko niemand, nl-sta nichts (stä ist Genitiv); statt *m7;o/2, 
das ungebräuchlich ist, wird nl-jedan (nicht einer, ne unus 
quidem) angewendet. Hängen die Kasus von nlko msta 
von Präpositionen ab, so treten diese zwischen die beiden 
Bestandteile, z. B. ni od köga von niemand, nl-po-sto keines- 
wegs. 

3. Durch Anfügung von -god -god; gibt den Sinn von 
«wer auch immer», kögod (-god) gen. koga-göd (-god). Durch 
enklitische Bestandteile des Satzes können die Verbindungen 
getrennt werden, z. B. sto bi god ucinio was er auch tun 
möge, sto ti je god rekao was er dir auch gesagt hat. 

4. Durch Vorsetzung von unflektiertem koje, Bedeutung 
wie unter 3.: koje-sia, koje-koM wie immer beschaffen. Bei 
Verbindung mit Präposition kann diese zwischen die 
beiden Bestandteile treten: koje zä sto. 

5. Durch Vorsetzung von undekliniertem sto, Bedeutung 
«irgend»: s^öäo irgendwer, sW^a irgendwas, i^ö/coy? (irgend- 
welcher) mancher. 

6. Durch Vorsetzung von i (auch), Bedeutung wie 
unter 5.: l-ko^ l~sta. 

7. Durch Vorsetzung von gdje (wo) bei kofi: gdjekoji 
mancher. 

8. Durch Nachsetzung von mu drägo (eig. ihm lieb), 
Bedeutung wie unter 3.: kö mu drägo wer auch immer, 
sto mu drägo was auch immer. 



§630. 



Flexion der Pronomina u. Adjektivs». 



369 



630. 3. Possessivpronomina. 
möj mein, tvöj dein, svöj sein (auf das Subjekt des 
Satzes bezüglich, suus), näs unser, vää euer. 

möj. 
Neutrum 
skr. abg. 

möje moje 

wie Maskulinum 



Maskulinum 

skr. 



abg. 



mo) 
möjega 
möjemu 
möj 
mdßm 
möjem, 
möjemu 

möji 

möjxli 

möjim 

möje 

möjim 

möjim 



mojh 

mojegb 

möjemu 

ynojh 

mojimh 

mojemh 



moji 

mojiclih 

mojhm 

moje 

mojimi 

mojiclu 



moje moje 

wie Maskulinum 



mo]a moja möje moj^ 

wie beim Maskulinum 

möja moja \ möje moj^ 

wie beim Maskulinum. 



Femininum 


skr. 


abg. 


möja 


moja 


möje 


mojej^ 


möjöj 


mojeji 


möju 


mojq 


möjöm 


mojejq 


möjöj 


mojeji 



Maskulinum 
skr. abg. 



nas 
näsega 
näsemu 
näs 
näsim 
näsem, 
näsemu 

näsi 



nash 

nasego 

näsemu 

nash 

nasimh 

nasemh 



nasi 



näsili nasichz 

näsim nasim^ 

näse nase 

näsim nasimi 

näsim nasichh 

L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik 



näs (ebenso väs). 

Neutrum 
skr. abg. 

nase nase 

wie Maskulinum 

7iäse nase 

wie Maskulinum 



Femininum 
skr. abg. 



nasa 



nasa 



nasa 

näse 

näsöj 

näsu 

nasöm 

nasöj 

' nase 



nasa 

nasej^ 

naseji 

nasa 

nase ja 

naseji 

nase 



wie beim Maskulinum 



näsci nasa | näse nas^ 

wie beim Maskulinum. 

24 



370 



Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§631.632. 



031. Bemerkungen. 1. Statt gen. sg. mbjega, 
dat.-lok. möjemu kommt vor möga, mömu (möme); sie sind 
wohl nicht aus den volleren Formen kontrahiert, sondern 
den Kasusformen des bestimmten Adjektivs {növöga, novömu) 
nachgebildet. 

2) Wie möj wird flektiert tvöj, svöj\ wie näs auch väs. 

3) Wo in südlichen Mundarten Instr.sg.m.n. möjijem, 
7iäsijemy Dat.-Instr.-Lok.pl. mö/i;em, nasijem^ Gen. pl. mo;'i;eÄ, 
näsijeh lauten, sind das Neubildungen nach dem Muster 
des Demonstrativs täj: tljem, Ujem, tljeh. 

4) Die Quantitäten der Endungen Instr. sg. mdjim 
näsim^ Gen. pl. möjih näsih, Dat.-Instr.-Lok. pl. möjim näsim 
sind hier angesetzt nach Budmani §110 (d. h. nach den 
entsprechenden Formen des unbestimmten Adjektivs), 
indes hat Danicic, Oblici S. 28 näsim, nasihy näsim, d. h. 
die alten rein pronominalen Formen. 

5) c'iji (wem gehörig) ist ein bestimmtes Adjektiv. — 
Die von Genitiven des Personalpronomens III abgeleiteten 
Possesaivausdrücke, gewöhnlich den Possessivpronomina 
zugerechnet, sind Adjektiva, flektiert wie das unbestimmte 
Adjektiv, zu njega : njegov sein, auf mask. oder neutr. Be- 
sitzer bezüglich; zunjemjen njezin ihr, auf femin. Besitzer 
bezüglich; zu njiJi : 7iphov ihr, auf mehrere Besitzer bezüg- 
lich, ebenso dial. njlhan f. njlhna, dafür bei Verstummen 
des h njina, zu dem wieder ein sekundärer Nom. mask. 
njln hinzugebildet ist. 

632. 4. Sonstige pronominal deklinierte 
Wörter, abgesehen von Zahlwörtern (s. §§664,665). 

säm selbst. 



Maskulinum 




Neutrum 


Femininum 


säm 




sämo 


säma 


sdmoga 
sdmomu 


) 


wie Maskulinum 


sdme 
sdmöj 


säm 




sdmo 


sämu 


sdmim, sdmijem 
sämom, sdmomu 


] 


wie Maskulinum 


sdmöm 
sdmöj 



§ 632. 633.] Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 



371 



Neutrum 



sama 



Femininum 
säme 



wie beim Maskulinum 



sdtna I säme 

wie beim Maskulinum. 



Maskulinum 
sdmi 

sdmthy sdmijek \ 
särnifn, sämijem ' 
säme 

sdmtmy sdmijem \ 
sdm'im, sdmijem * 

Bemerkung. Die Formen Instr. sg. sdmijem, Gen. 
pl. sämijeh, Dat.-Instr.-Lok. pl. sdmijem sind die alten pro- 
nominalen: samemh, samech^, samemi] sämim, sdmth, sdynim 
sind der Adjektivdeklination entnommen. — In der Be- 
deutung «allein» kann im Gen. sg. msk. gebraucht werden 
sdma, im Dat. -Lok. msk. sämu. 

033. väs, säv all (omnis). 

Maskulinum Neutrum 

skr. abg. 

sve vhse 

wie Maskulinum 



skr. 


abg. 


väs^ säv 


VhSh 


svega 


vhsego 


svemu 


Vhsemu 


väs, säv 


VhSh 


svljem, 


vhsemh 


svim 




svem, 


vhsemh 


svemu 




svl 


vhsi 


svljeh, 


vhsechh 


smh, 




svijü 




svijem^ 


vbsemh 


smm 




8Vi 


VhS§ 


svljem^ 


Vhsemi 


svfim 




svljem, 


vhsechi 


svim 





sve 



Vhse 



wie Maskulinum 



svä 



vhsa 



Femininum 


skr. 


abg. 


svä 


vhsa 


sve 


vhsej§ 


svöj 


vhseji 


svü 


vhsq 


svöm 


vhsejq, 



SVÖ] 



sve 



vhsep 



VhS^ 



wie beim Maskulinum 

svä vhsa I svi vhsp 

wie beim Maskulinum. 

24* 



872 Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§ 634 — 636. 

634, Bemerkungen. 1) Die lautlichen Verhält- 
nisse von väSy säv, svega usw. s. § 78. 

2) Die Formen Instr. sg. svljem, Gen. pl. svijeh, Dat.- 
Instr.-Lok. pl. smjem sind die alten pronominalen, svim 
sv%h svim dem Adjektiv nachgebildet. — Statt Dat. -Instr. - 
Lok. pl. svljem svim kann auch svjetna, svima gebraucht 
werden. — Der Gen. pl. svijü ist eine Entlehnung aus 
dem Gen. der Zahlen dvä tri: dvdjü dvijü^ trijü. 

635. 3) Durch Ableitungen von diesem Wort oder 
durch Verbindungen mit ihm wird der Ausdruck für 
«jeder» hergestellt. 

a) sväk sväkoga usw. jeder; bestimmt svähi ein jeder, 
flektiert wie das bestimmte Adjektiv. 

b) Durch Vorsetzung von sva-, fast stets indeklinabel, 
vor die Pronomina interrogativa (indefinita): sväiko gen. 
sväkoga usw. jeder (diese Kasusformen unterscheiden sich 
nicht von denen des unter a angeführten sväk); svästo 
(svästa) jedes, gen. sväcega sväcesa usw. Selten ist die 
Flexion beider Elemente, z. B. gen. ntr. svega cesa, svemu 
cemu. 

c) Durch Vorsetzung von vas- oder sav- bei väskoUk, 
sävkolik all und jeder (totus quantus), beides Adjektiva 
unbestimmter Deklination. In väskolik ist das erste Ele- 
ment unflektiert, in sävkolik werden beide flektiert, daher 
fem. sväkolika, ntr. svekoliko^ pl. msk. svikolid usw. 

4) isti derselbe, gewöhnlich den Pronomina zugerechnet, 
ist ein reines bestimmtes Adjektiv. 

3. Deklination der Adjektiva. 

030. Der Unterschied des sogenannten unbestimmten 
und des bestimmten Adjektivs im Slavischen besteht ur- 
sprünglich darin, daß bei diesem den rein nominal ge- 
bildeten Kasus des Adjektivs ein postpositiver Artikel, die 
Kasusformen des Pronomen ^jh jego (is, ejus) usw., an- 
gefügt wird, z. B. abg. novh-jh der neue, gen. nova-jego; 
fem. nova-ja die neue, gen. novy-j^\ ntr. novo-je das neue 



§ 636. 637.] Flexion der Pronomina n. Adjektiva. 



373 



(s. Abg. Gr. § 112). In der Weiterentwicklung der slav. 
Sprachen ist die alte Zusammenrückung der beiden Be- 
standteile nicht mehr zu erkennen, weil durch Zusammen- 
ziehungen und durch Ausgleichungen mit der pronominalen 
Deklination die Formen mannigfach verändert sind und 
in dieser späteren Gestalt den Eindruck eines einheitlichen 
Gebildes machen. So auch im Serbokroatischen. Hier 
kommt noch hinzu, daß auch das unbestimmte Adjektiv 
nur z.T. noch in alter Weise nominal flektiert wird, z. T. 
aber Kasusformen dem Pronomen und dem bestimmten 
Adjektiv entlehnt hat. 



637. A. Unbestimmtes Adjektiv 
a) mit kurzem Wurzel vokal: 
növ neu. 
Neutrum 
skr. abg. 

novo novo 

wie Maskulinum 



Maskulinum 


skr. 


abg. 


növ 


nov^ 


növa 


nova 


növu 


novu 


növ 


nov^ 


ndvim. 


novomh 


növijem 




növu 


nove 


novi 


novi 


7idvih, 


novh 


novijeh 




ndvim, 


novomz 


növijem 




növe 


novy 


7idv%m^ 


novy 


növijem 




növim^ 


novechz 


növijem 





novo 



novo 



wie Maskulinum 



nova 



nova 



Femininum 


skr. 


abg. 


nova 


nova 


7iöve 


novy 


növöj 


nove 


növu 


novq. 


növöni 


novojq 



novo] 



nove 



wie beim Maskulinum 

növa nova \ növe 

wie beim Maskulinum 



nove 

novy 
novz 

novaim 

novy 
novami 

novach^. 



374 



Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§ 637. 638 



b) mit langem Wurzelvokal: 
züt gelb. 



Maskulinum 




Neutrum 


Femininum 


züt 




züto 


züta 


züta 
zütu 




wie Maskulinum 


züte 
zütöj 


züt 




züto 


zütu 


zütim^ zütijem 
zütu 




wie Maskulinum 


zütöm 
zütöj 


züti 




züta 


züte 


zütih, zütijeh 
zütim, zütijem 




wie beim Maskulinum 


züte 




züta 


züte 


zütim, zütijem 
zütim, zütijem 




wie beim Maskulinum. 



638. Bemerkungen. 1) Das Adjektiv hat keine 
besondere Vokativform. 

2) Die Formen Instr. sg. növim, zütim, Gen. pl. növiJi, 
zütih, Dat.-Instr.-Lok. pl. növim, zütim sind nicht Ver- 
kürzungen oder Kontraktionen der Formen növijem zütijem^ 
növijeh zütijeh, növijem zütijem, sondern Entlehnungen aus 
dem bestimmten Adjektiv, während die Formen mit -ije~ 
der Pronominaldeklination tljem, tijeh, tijem (= temh, tech^, 
tem^) angeschlossen sind. — Dat.-Lok. sg. fem. növöj zütöj 
ist die Form der pronominalen Deklination, die übrigen 
Kasus entsprechen denen der nominalen. 

3) Statt der unbestimmten nominalen Form des Gen. 
und Lok. sg. m.-ntr. kann die bestimmte gebraucht werden, 
es bleibt aber die Betonung des unbestimmten: zütöga, 
zütöm. Nach Maretic § 207 b ist das nur möglich, wenn 
das unbestimmte Adjektiv vom bestimmten in der Be- 
tonung abweicht (unbestimmt züta, zütu, bestimmt zütöga, 
zütömu); dagegen muß, wenn gleiche Betonung stattfindet, 
die unbestimmte Form festgehalten werden, also nur z. B. 
növa, 71ÖVU, kein növöga, növömu, das nur als bestimmt ge- 
braucht werden kann. 



§ 63S. 639.] Flexion der Tronomina u. Adjektiva. 



375 



4) Adjektiva mit letztem palatalen Konsonanten 
(weiche Stämme) unterscheiden sich nur im Nom.-Akk. 
sg. m.-ntr. (-e) lautlich von denen harten Stammes, z. B. 
tüd fremd, f. iüda, ntr. tücte; vrü6 heiß, f. vrüca, n. vrüöe. 

5) Die possessiven Adjektiva auf -ov, -in werden 
regelmäßig nur in der unbestimmten Form gebraucht, 
z. B. hrätov hrätova usw., sestrin sestrina usw. Doch findet 
sich die pronominale Kasusform des bestimmten Adjektivs 
zuweilen auch hier (wie oben 3) angewendet, z.B. krdljev : 
kräljevöga, döin Lok. m. öcinörn. 

6S9. B. Bestimmtes Adjektiv 
a) mit kurzem Wurzelvokal: 



Maskulinum 


Neutrum 


Femininum 


skr. 


abg. 


skr. abg. 


skr. 


abg. 


növi 


nov^-jb, 
novyjh 


novo novo-je 


növä 


7iova-ja 


növöga 


nova-jego, 




növe 


7iovy-je 


növömu 


novaago 

novu-jemu 

novuumu 


wie Maskulinum 


növöj 


nove-ji 


növi 


nov^-jh, 
novy-jh 


novo novo-je 


71ÖVÜ 


7iovq-jq 


növun, 
növi j 67)1 


7iove- jemh 
noveemh 


wie Maskulinum 


növöm 


novojq, 
novqjq 


nbvöm, 






71ÖVÖJ 


nove-ji 


növömu 










növi 


novi-ji 


növä nova-ja 


7iöve 


7iovy-jg 


nömh, 


nov^-jich^ 








növijeh 


novy- 
jicJl^ 


wie beim Maskul 


inum 




növim, 


novyjirm 








növijem 










növe 


novy-je 


növä nova-ja 


növe 


novy-j^ 


nömm, 
növijem 


novy-jimi 


■ wie beim Maskul 


inum 




növlm, 


7iovyjic1n> 


' 






növijem 











376 



Flexion der Pronomina u. Adjektivs. 



[§ 639. 040. 



b) mit langem Wurzelvokal: 



Maskulinum 




Neutrum 


Femininum 


iüti 




sütö 


sütä 


zütöga 
sütömu 


) 


wie Maskulinum 


süte 
sütöj 


SÜtl 




sütö 


sütü 


sütm, zütijem 
sütöm, sütömu 


1 


wie Maskulinum 


züiöm 
sütöj 


süti 




sütä 


süte 


sütih, sütijeh 
sütwi^ sütijem 


} 


wie beim Maskulinum 


süte 




sütä 


süte 


sütlm, sütijem 
sütim, sütijem 


} 


wie beim Maskulinum. 



040. Bemerkungen. 1) Die Formen Instr. sg. 
m.-ntr. növtm, sütim, Gen. pl. növih, sütih, Dat.-lnstr.-Lok. 
pl. növim, sütim sind entstanden aus den alten Formen 
novyjimh (novyimh), novyjicln, novyjim^, die danebenstehenden 
növijem, sütijem; növijeh, sütijeh] növijem, sütijem sind nach 
Analogie des Pronomens {tljem usw.) neugebildet. 

2) Der Gen. sg. m.-ntr. kann eine abgekürzte Form 
7iövög^ sütög haben, wie das Pronomen tog neben togä. 
Ein fester Gebrauch, wann die längere, wann die kürzere 
Form eintritt, besteht nicht. 

3) Die alten Formen des Dat. und Lok. sg. m.-ntr. 
werden unterschiedslos gebraucht, fallen daher zusammen 
in die Formen tiövömu sütömu (dies die alte Dativform), 
ndvöm sütöm (die alte Lokativform). Dafür ist sehr gebräuch- 
lich növöme sütöme, doch nur bei den harten Stämmen, 
daher kein "^vrüdeme, vgl. §§ 621, 754. 

4) Dat.-lnstr.-Lok. pl. kann statt -m die Endung -ma 
haben: nomma, sütima, wie auch beim Pronomen, z. B. 
önima statt ömm. Die Form auf -ma wird mit Vorliebe 
gebraucht, wenn kein Substantiv auf sie folgt, dem sie 
als Attribut dient, z. B. hlägo önima^ Icbji pläcü Matth. 5.3 



§640.641.] Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 377 

wohl denen, die weinen; käko je tesko högaüma üöi ü cärstvo 
nebeskö Mark. 10.23 wie schwer ist es den Reichen einzu- 
gehen in das himmlische Reich. 

5) Die Adjektiva weichen Stammes unterscheiden sich 
nur im Nom.-Akk. sg.neutr., Gen., Dat., Lok. mask.-neutr. 
durch e für o der harten: vrüöe, vrüöega^ vrücemu^ vrucem. 

6) Nur in der bestimmten Form werden angewendet 
die Komparativa, z. B. lolji bölje höljä^ gen. höljega hölje besser 
usw. ; die Adjektiva auf altes •hsk^, best, -hsk-bjh (-hskyjh), 
z. B. cärski gen. eärsköga usw.; die possessiven Adjektiva 
auf altes -hjh, z. B. böiji ntr. hözje f. bözjä Gott angehörig, 
göttlich, krävlji zur Kuh gehörig; die auf -snji {== altem 
-shnjijb, unbest. -shnjh) auslautenden, von Adverbien ab- 
geleiteten Adjektiva (s.§541), z. ß. dänas : dänasnji heutig, 
jütrös heut früh : jiitrostijt^ 7iekad negda einst : nekadasnji 
negdasnjl, säda jetzt: sädasnji. Dazu eine Anzahl vereinzelter, 
z. B. desni recht (von der Hand), lijevi link, pököjni der 
Verstorbene, vUnji der höchste, zädnji der hintere, letzte. 

Komparation der Adjektiva. 

641. Die ursprüngliche slavische Bildung des Kom- 
parativs geschieht durch das Formans -jhs-. Es kann in 
zwiefacher Weise mit dem Stamm verbunden werden: 
1. dem bis auf die erste Silbe mit folgendem Konsonanten 
oder Konsonantengruppe abgekürzten Adjektivstamm tritt 
•jhS' an, wobei das ; mit dem vorhergehenden Konsonanten 
die im Slavischen notwendigen Verbindungen eingeht, z.B. 
chudh^ Stamm chudo- Komp. "^chudjhs- abg. chuMhs-, kreph 
{krep^k^), St. krepo-, Komp. *krepjhs- abg. krepljhs-, tezbk^^ 
Komparativstamm iez- Komp. t§zhs-\ 2. statt des im Sla- 
vischen stets auf -0- auslautenden Adjektivstamras tritt 
ein Stamm auf -('- ein, dem -jhs- angefügt wird, z.B. n()ü^^ 
St. novo-^ Komp. novejhs-, rmnogh^ St. rmnogo-, Komp. m^no- 
zajhs- (aus ■^imnogejhs-). In den obliquen Kasus geht die 
Flexion von einem durch Formans -jo- erweiterten Stamm 
aus, *-jhs-jo-, daraus *-jhso-^ z. B. abg. '■■'chiddb (clmzdhfh) 
gen. ckuMhsa, novejh gen. novejhsa usw. (vgl. Abg. Gr. §97). 



378 Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§ 641. 642. 

Beide Bildungsweiseii sind im Serbokroatischen erhalten: 
1. z.B. hüd hüdi, zu vergleichen abg. cliuzdijh (bestimmte 
Form); 2. statt -ej- ist -ij- eingetreten, z. B. högat hoyätiß^ 
2U vergleichen abg. hogatejijh. Die alte Flexion, von dem 
oben genannten erweiterten Stamm auf -jhso- ausgehend, 
ist verloren gegangen, die stets in der bestimmten Form ge- 
brauchten Komparativa werden dekliniert wie jedes andere 
bestimmte Adjektiv, z. B. hucti gen. hüdega^ bogätiji gen. 
bogätijega usw. In der Bildung 1. ist die Betonung stets 
auf der ersten Silbe, langer Vokal dieser Silbe stets ver- 
kürzt; in 2. liegt der alte Hauptton auf der vorletzten 
Silbe (des Nom. sg. msk.), die Silben vorher sind stets 
kurz, daher liegt der heutige stokavische Hauptton als 
auf der drittletzten Silbe. Der Hauptton ist in allen Kasus 
unveränderlich. Vgl. Daniele, Oblici; Budmani § 103 — 105, 
MareticS.213fg. 

04S. Nach 1. werden gebildet: düg lang düif, mrk 
schwarz mrcf, pretio (aus pre-tyh; fem. pretila) fett pretlji 
(statt *pretilji)^ tih ruhig tlsi. — bljel hio (fem. bijela) weiß 
bjelji, hläg gut hläsi, hlljed bleich hljedi, hrz schnell brzi, 
cm schwarz crnji, cest dicht cesci, cvrst voll^ fleischig cvrsci, 
dräg teuer dräzi^ glüh taub glusi, grd (gewöhnlich grdan) 
häßlich gfäi^ grk bitter gfci, grub grob grublji, güst dicht 
güsci, hüd schlecht hüdi, jäk stark jäci, kriv krumm krlvlji, 
krnj splitterig kfnji Mar., krüt dick krüci, lud dumm lüdi, 
Ijüt grausam Ijüci, mläd jung mlädi^ mlak lau mläci, pläv 
blond plävlji^ prljek schroff u. a. preci Mar., rid rot 7'ld%, 
sijed grau (von Haaren) sjedi, sinj blau hinji (Budm.), sküp 
karg sküplji, süh trocken süsi, süpalj {= supljh) löcherig 
süpiji, tüp stumpf tüpljiy tvrd fest tvfdt, vrüc heiß vrüct^ 
siv lebendig zlvlji, süt gelb züöi. So gebildet sind auch 
bijesan wütend bjesnji, cijenan cijen (aus cenhm) fem. djena 
preis würdig cjenji (Budm.), mledan (mledan) schw^ächlich 
mlednji (Budm.), stidan schamhaft stldnji, tijesan (aus Usnz 
= Hesknz) eng tjesnji^ görak bitter gÖ7Xi, debeo (fem. debela) 
dick deblji (statt *debelji), die insofern abweichen von der 
alten Regel, als nicht die Reduktion des Komparativ- 



§ 642—646.] Flexion der Pronomina u. Adjektiva, 379 

Stammes auf die erste Silbe stattgefunden hat, wie sie in 
den folgenden Beispielen, alten Adjektiven auf -^k^ (skr. 
-rtÄ:), -okb^ -ekh regelmäßig stattfindet: glädak glatt glädi, 
ytnzak zuwider mrz7, ttizak niedrig wüT, slädak süß slädi, 
iänak dünn tänj%^ üzdk eng uzi\ krdtak kurz kräöi, plüak 
seicht pUci, rijedak selten y^edi (redi), tesak schwer tezl, 
ziddk dünnflüssig s\di; — dälek weit dälji, dühok tief dublji, 
suok weit sin, vhok hoch vm, zestok heftig zesöi. 

643. In einigen wenigen Fällen ist die alte Stamm- 
form der obliquen Kasus, -fts-, im Serbokroatischen erhalten : 
ijrüh grupsi ßudm. (regelmäßig grubljt), läk (aus lhg^k^ skr. 
lagak fem. läka d. i. lägka) leicht läks^y lijep schön Ijepsi^ 
mek weich (aus m^k^k^ fem. mek^ka, skr. meka, danach msk. 
mek gebildet) meksi. Doch sind das keine in ihrer Gesamt- 
gestalt alten Bildungen, es müßte z. B. ein urspr. "^lepl'h- 
sijh skr. ein "^Ijepal'si ergeben haben. Der Komparativ 
dülß, auch dllji, zu düg lang, beruht auf einem anderen 
mit l auslautenden Stamm, vgl. dülj Länge. 

Nach dem Muster der oben mit angeführten Kom- 
parativa auf -Iß (l wegen der Verbindung von Labial mit 
j, § 138) hat sich diese Endung ausgedehnt auf einige 
anders auslautende Stämme: läk läglß, mek meklß Mar. 

644. Defektive Komparative der behandelten Form 
sind: hölß besser, zu döbar; gbri (gen. grore^a, r = altem r) 
schlimmer, zu zäo f. zlä; mänß kleiner, geringer, zu inäli] 
veöi größer (abg. vestijb) zu velik, bestimmt velikt 

645. Nach 2. werden alle anderen Adjektive kom- 
pariert, z. B. stär alt stäriß, pämetan verständig pametniß, 
räzüman verständig razümniß, slävan berühmt slävniß. 

646. Der Superlativ wird ausgedrückt durch Vor- 
setzung der Partikel 7iaj vor den Komparativ; sie zieht 
stets den Hauptton auf sich, z. B. näj-holß, näj-starijl 
näjhogatijl. 



380 Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§647.648. 

Quantität und Betonung der Adjektiva. 

647. I. Das unbestimmte Adjektiv. Über die 
Quantitätsverhältnisse im allgemeinen s. namentlich §262. 
— Nach Vuks Bestimmungen im Wb. und nach den Zu- 
sammenstellungen von Daniele (Rad XIV, Akcenti u ad- 
jektiva) werden Femininum und Neutrum gleichartig betont 
und ist in der gesamten Kasusreihe aller Genera Hauptton 
und Intonation unveränderlich, d.h. im Mask. wie im Gen. 
sg. (der Nom. kommt aus öfter erwähntem Grunde nicht 
in Betracht), beim Fem. und Neutrum wie in deren Nom. 
sg. Das geht aber nicht durch das ganze Sprachgebiet, 
vgl. Budmani, § 102. 1^'^^ und Dubrovacki dijalekat (Rad 
65.155), ferner Resetar, Die serbokr. Betonung süd^vest- 
licher Mundarten, S. 11 2 fg. Es ist dort festgestellt, daß 
in Ragusa und sonst andere Betonungstypen herrschen, 
bemerkenswert, weil dabei eine ältere, auch im Russischen 
vorkommende Betonung hervortritt. 

648, 1. Zweisilbige Stämme mit alter End- 
betonung und langem Wurzelvokal haben fast regel- 
mäßig im Nom. sg. fem., Nom-Akk. pl. ntr. Endbetonung, 
dagegen im Nom. sg. ntr., Nom. pl. msk., Nom.-Akk. pl. 
mask. -fem. alte Wurzelbetonung, also " auf der ersten 
Silbe. Es ist hier nur Rücksicht genommen auf die 
Nominative, über die obliquen Kasus s. § 652. Bei den 
Beispielen ist die russische Form mit angeführt: dräg drdga 
drägo drägi drdga dräge r. dorog doroga dorogo dorogi, grub 
grüba grubo grubt grüba grübe r. grub gruba grubo gruby; in 
derselben Weise bei allen folgenden: brz r. borza horzo 
borzy, gnjlo gnjila usw. r. gnil gnila gnilo gnüy^ güst r. gust 
gusta gusfo giisiy, krw r. kriv hriva krivo krivy^ Ijüt r. l ut 
l'uta l'uto l'uty, mläd r. molod moloda molodo molody, nljem 
(nem) nijema {nemo) usw. r. nem nema nemo, nemy, püsf r. 
pust pusta pusto pusty, sijed (sed) fem. sijeda {seda) usw. r. 
sed seda sedo sedy, sküp r. skup skupa skupo skupy, slän r. 
solon solona solono solony, süh r. such sucha sucho suchi, svet 
r. svat svata svato svaty^ tüp r. tup tupa tupo tupy, tvrd r. 



§ 648 — 650.] Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 381 

ivoril tverda tvordo tvnrdy^ zw r. ziv ziva zivo zivy. — Wenige 
haben durchgehende Endbetonung, wie das auch im Rus- 
sischen der Fall ist, so hw (bijel) bijela hijelo hijeli hijela 
bijele r. bei beln belo bebj, ebenso die folgenden : crn r. cereoi 
cerna cerno cerni/, süpalj (= '^mpljh)^ züt r. zolt zelta zelto 
zeltu, doch auch zqlto zolty, wie denn überhaupt im Rus- 
sischen die Betonung des Neutrums und des Plurals öfter 
schwankt. 

649. 2. Alte dreisilbige Stämme mit alter 
Endbetonung, langem Vokal und beweglichem a, 
die nach Vuk-Danicic im Nom. sg. msk. mit ' auf der 
ersten Silbe betont sind, haben in Ragusa diese Form mit 
", also alte Wurzelbetonung, und verlegen ebenso wie beim 
Typus 1., dem sie bei Verlust des a (== ^, h) durch die 
Zweisilbigkeit gleich werden, den Haupiton auf Nom. sg. 
ntr., Nom.pl. msk., Nom.-Akk. pl.mask.-fem., also smljesan 
lächerlich (smesan, Vuk.-Dan. smijesan smesan) smijesna 
smljesno smijesni smijesna smijesne; z. T. stimmt dazu auch 
das Russische: glädan (V.-D. glädan) hungrig r. goloden go- 
lodna golodno golodny, krätak (V.-D. krätak) kurz, zedan (V.- 
D. zedan) durstig r. zaden zadna zadno zadny. Vgl. dazu noch 
die beiden Fälle, wo auch bei Daniele der Nom. sg. msk. 

hat: nägao (aus 7iagh, a ist Einsehubsvokal) eilig ndgla 
näglo nägli ndgla nagle r. nagla naglo nagly; svljetao (svetao 
= svethh) hell svijetla (svetla) svljetlo svljetli svijetla svljetle 
r. svetel svetla svetlo svetly. 

650. 3. Die alten dreisilbigen Stämme mit 
Wurzelbetonung, langem Vokal und beweglichem 
a, die nachVuk-Dan. unveränderlichen Ton haben, erhalten 
in Ragusa im Nom. sg. fem. und im Nom.-Akk. pl. ntr. 
Endbetonung, also jetzt ' auf der ersten Silbe; auch das 
stimmt z.T. zum Russischen, so z. B. gnüsan (gnüsan) ekel- 
haft, schmutzig gnüsna gnüsno gnüsni gnüma gnüsne (ebenso 
bei den folgenden) r. gnijsen gnusna gnusno gnusny, trüdan 
ermüdet r. truden trudna trudno trudny^ üman vernünftig (r. 
abweichend urhon umna umno umny). Selten ist bei den 



382 Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§ 650—652. 

Typen 2 und 3 durchgehende Endbetonung: düzan schuldig 
düzna düzno düzni düzna düzne r. dolzen (wäre skr. *düza7i) 
dolzna dolzno dolzny (doch auch dolzno dolzny), Idstan leicht 
(Idsan) fem. Idsna^ miran friedfertig. 

651. 4. Zweisilbige Stämme mit Wurzel- 
betonung und kurzem Vokal, Akzent ", nach Vuk- 
Dan. unveränderlich, haben im Nom. sg. fem. und im 
Nom.-Akk. pl. ntr. alte Endbetonung, also jetzt Akzent '; 
das stimmt ebenfalls zum Russischen: eist ctsta clsto cisti 
clsta eiste (so bei allen folgenden) r. eist cista cisto cisty, 
hlstar klar blstra usw. r. bystr hystra hystro hystry^ dug lang 
r. dolog dolga dolgo dolgi^ mökar f. mdkra feucht r. rnokr 
mokra mokro mokry (und mokro mokry), nov r. nov nova 
novo novy^ östar f. dstra usw. scharf (r. abweichend ost'or 
ostra ostro ostry), tih r. tick ticha ticho tichi, töpal fem. topla 
usw. r. tepel tepla t'oplo (u. teplo). — Ebenso auch alte 
dreisilbige Stämme dieser Betonung mit beweglichem a: 
slädak süß slätka slätko slätki slätka slätke (so auch die fol- 
genden) r. sladok sladka sladko sladki (kchsL, r. solod-), 
tänak dünn, r. tonok tonka tonko tonki, uzak f. üska usw. r. 
uzok iizka uzko uzki. 

65 S. 5. Nach Vuk-Dan. bleibt die Betonung in den 
obliquen Kasus des unbestimmten Adjektivs unveränder- 
lich, d. h. sie ist im Mask. wie dessen Gen. sg., im Fe- 
minin und Neutrum wie deren Nom. sg. Nach Budmani 
(s. Resetar aaO. S. 121) ist das in Ragusa anders: 

a) Adjektiva alter Endbetonung zweisilbigen Stammes 
mit langem Wurzel vokal, die im Nom.-Akk. sg. ntr., im 
Nom. pl. msk. und im Nom.-Akk. pl. msk. fem. (s. §648) 
Wurzelbetonung erhalten, haben diese auch im Gen. und 
Dat.-Lok. sg. msk. ntr. und im Akk. sg. fem., daraus ergibt 
sich dann folgendes eigentümliche Betonungsparadigma: 



§652. 



Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 



383 



Mask. 
Sg. n.-a. s^uh 
g. süha 
d.i. sühu 



i. sühijem 



Neutrum 
sfiho 

wie Mask. 



Femininum 
n. süha 
g. süke 
d.-l. sühöj 
a. sühu 
i. sühöm 



PL 





n. 


sühi 




a. 


sühe 




g- 


suhljeh 


d. 


-l.-i. 


sühijem 



süha sühe 

süha sühe 

J wie beim Maskulinum. 



b) Adjektiva zweisilbigen Stammes und kurzer Wurzel- 
silbe mit alter Wurzelbetonung ", die im Nom. sg. fem. 
und im Nom- Akk. pl.ntr. Endbetonung annehmen, haben 
diese auch im Instr. sg. msk., im Gen., Dat.-Lok., Instr. 
sg. fem., im Gen., Dat.-Lok. -Instr. pL; demnach ergibt sich 
folgendes Schema: 



Sg. 



PI. 





Mask. 


Neutrum 


Femininum 


n.-a. 


eist 


clsto 


cista 


g- 


clsta 




eiste 


d.-l. 


clstu 


wie Mask. 


clstöj 
a. clstu 


i. 


ctstijem 




clstöm 


n. 


clsti 


clsta 


eiste 


a. 


eiste 


clsta 


eiste 



g. clstijeh 
d.-l.-i. ctstijem 



wie beim Maskulinum. 



Die Fortsetzung der Endbetonung des Femininums 
im Gen., Dat.-Lok., Instr. sg. ist normal, ebenso die Wurzel- 
V)etonung im Nom.pl. msk. und Akk.pl. sühi sühe (s.§648 
die Zusammenstellungen mit dem Russischen). Das Ver- 
hältnis von Fem. süha a. sühu n.-a. pl. sühe, clsta a. clstu 
n.-a. pl. ßste entspricht genau der gleichen Erscheinung 
beim Substantiv des Typus rüka rüku rüke, vbda vödu vdde 



384 Flexion der Pronomina ii. Adjektiva. [§652.653. 

(s. § 605). Ebenso kann man den Wechsel im Neutrum 
Nom.-Akk. sg. süho pl. snha, sg. clsto pl. cista vergleichen 
mit dem Wechsel im Substantiv meso mesa^ hrdo hhla, s. 
§608. Die Annahme der Wurzelbetonung im Gen., Dat.- 
Lok. sg. msk.-ntr. süha sühu wird Übertragung aus dem 
Nom. süh süho sein. Die Endbetonung im Instr. sg. msk.- 
ntr., im Gen., Dat.-Lok.-Instr. pl. sühijem sühijeh sühijem, 
die in dieser Mundart die rein pronominale Form haben, 
kann als Fortsetzung alter Endbetonung der ursprünglich 
nominalen Form angesehen werden; warum dasselbe auch 
bei alter Wurzelbetonung stattfindet, ölstijem cistijeh cistijem^ 
vermag ich nicht zu erklären. — Für weitere Einzelheiten 
und verschiedene dialektische Verhältnisse, deren Behand- 
lung hier zu weit führen würde, verweise ich auf Resetar 
aaO. S. 113— 125. 

653. II. Das bestimmte Adjektiv. 

Die folgenden allgemeinen Aufstellungen beruhen zu- 
nächst auf den Verzeichnissen bei Danicic (Rad XIV). 
Was davon bei ihm selbst oder sonst an Abw^eichungen 
vorkommt, ist unten besonders angegeben. Danicic geht 
bei seinen Bestimmungen, wie immer, von der Silbenzahl 
und der heutigen stokavischen Betonung des Nom.sg. msk. 
der unbestimmten Form aus. Wie öfter bemerkt, ist das 
leicht irreführend, da diese Form die ursprüngliche Be- 
tonung oft nicht mehr erkennen läßt. Man muß ausgehen 
von einer Wortform, die diese Erkennung ermöglicht, und 
wählt am besten dazu den Nom. sg. fem. In den unten 
anzuführenden Beispielen wird angegeben dieser Nominativ 
und der Nom. sg. msk. der bestimmten Form, deren 
übrige Kasus dann dieselbe Betonung haben. 

Die Grundregel ist: Verschiebung des Haupt- 
tons in der bestimmten Form gegenüber der un- 
bestimmten findet statt, wenn diese alte End- 
betonung hatte; war die unbestimmte Form nicht 
endbetont, so behält die bestimmte Form die 
Betonung der unbestimmten unverändert bei. 



§ 658 — 655. j Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 385 

Da verschiedene Silbenzahl und verschiedene Quantität der 
Stämme, dazu die stokavische Haupttonversetzung ein sehr 
buntes Akzentuationsbild ergeben, sei hier eine mehr ins 
einzelne gehende Darstellung angeschlossen: 

654. 1. Die unbestimmte Form hat alte End- 
betonung. In Betracht kommen alte zweisilbige, drei- 
silbige und viersilbige Stämme; solche mit mehr Silben 
haben nie Endbetonung. 

A. Zweisilbiger Stamm (der unbestimmte Nom. 
sg. msk. einsilbig). 

a) Der Wurzel vokal ist lang. Der Hauptton wird 
in der bestimmten Form zurückgezogen, also auf die erste 
Silbe, die notwendig den Akzent " haben muß, da eine 
erste Wortsilbe mit altem Hauptton im Serbokroatischen 
stets fallende Intonation hat. Beispiele: hlo hijela (heo 
heia) : hijeU hell, lyep lijepa {lep lepa) : Vljepi, krw krlva : 
kriii, mläd mldda: mlädi, züt iüta : süti; — mndar (=mqdrz) 
müdra weise : müdri, liräbar hrdbra tapfer : Jiräbri, jedar jedra 
(= j^drh) kräftig : jedri, 7iägao nägla : nägli, tijesan tijesna 
(tesan fesna) : tijesan (tesan), süpalj süplja : süplji, mrtav (so 
richtiger als miiav) mftva tot : mrtvi^ okrügao okrügla rund : 
okrügli fem. okrüglä (Simplex wäre ^-krügli ''''•krüglä; = 
krqglo), pddmükao podmükla tückisch : pödmükli fem. pöd- 
muklä (Simplex ^mükli "^muklä). 

b) Der Wurzelvokal ist kurz. Nur vereinzelte 
Beispiele (vgl. §265): döhar {=dobr'b) döhra : döbri; lös hösa : 
hösiy gö göla: göli; vgl. noch bädar (= bhdr^) bädra lebhaft, 
wenn bestimmt gebraucht bädrl bädrä. 

655. B. Ursprünglich dreisilbiger Stamm, 
-der im Skr. durch Ausfall von 2>, h (bewegliches a) zwei- 
silbig geworden sein kann. Es ist daher wegen des ver- 
schiedenen Akzentuationsbildes dieser Fall besonders ge- 
stellt. 

a) Der Stamm hat kein bewegliches a; der 
Hauptton ist in der bestimmten Form auf die vorletzte 
Silbe des Stammes zurückgezogen, liegt nach der stoka- 
vischen Verschiebung als ' auf der drittletzten (des Nomi- 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 25 



386 Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§ 655 — 657. 

nativ8). Beispiele: zelen zelena grün : zhleni^ rümen rumena 
rot : rümem, debeo dehela dick : debeli, göleni golhna groß : 
gölemi^ vtsok visoka hoch : vlsoki, dälek daleka weit : däleki; 
väljän valjdna tüchtig : väljäni; dazu Partizipia priis. akt., 
die zu Adjektiven geworden sind, z. B. mogüc mogüöa ver- 
mögend : mögüci. 

b) Der Stamm hat bewegliches a; dann kann 
der Plauptton nicht auf die durch Ausfall von z, h vokal- 
los gewordene Silbe rücken, sondern steht auf der ersten 
Silbe des im Skr. zweisilbig gewordenen Stammes als ^, 
es entsteht daher dasselbe Akzentuationsbild wie bei den 
ursprünglich zweisilbigen Stämmen. Beispiele: däljan ddljna 
entfernt : däljni, düsan düzna schuldig : düSni, miran mirna 
friedfertig : mirni, rdvan rdvna eben : rävm, smijesan smijema 
(smesan sm^sna) lächerlich : smljesni {smesni), zldtan zlätna 
golden : zlätm, zedan iedna durstig : zedni, smjetao smjetla 
(svetao svetla) hell : svijetli f. svljettä {sveüi svetlä). — Fälle 
mit kurzem Vokal scheinen nicht vorzukommen; das ur- 
sprünglich dahingehörige gorhkz gorhka bitter hat skr. ge- 
dehnten Vokal, görak görka : görki görkä. 

056. C. Ursprünglich viersilbige Stämme 
(der Nom. sg. msk. dreisilbig); es handelt sich um wenige 
Adjektiva, alle so beschaffen, daß durch Ausfall von altem 
^, h (beweglichem a) dreisilbiger Stamm entsteht. Der 
Hauptton ist in der bestimmten Form um eine Stelle zu- 
rückgezogen, liegt in stokavischer Betonung jetzt als ' auf 
der ersten Silbe, z. B. von tmüö abgeleitet imücan imücna 
vermögend : Imücm^ von yyibgüc mogüca vermögend : mogüöm, 
majüsan majüsna dem. klein : mäjüsni, von düg dugäcak 
{= dlg^chk^) dugacka lang : dügacki dügackä. 

657. Abweichungen von der Grundregel. 

Die oben unter lAa, Bb (§§654,655) besprochene 
Versetzung des alten Haupttons auf die erste Silbe ist 
nicht durchgehend, sondern es kann die bestimmte Form 
auch Endbetonung haben, der lange Vokal der Wurzelsilbe 
ist dann stets verkürzt. Das Russische zeigt z. T. eben- 
falls Endbetonung. Zu Aa: cest cestaicesti und cesti, glüh 



§ 657—659.] Flexion der Pronomina n. Adjektiva. 887 

glüha : gluhi und glüM r. gluchoj^ gnßo gnjüa : gnjUi und 
gnjlll r. gnilöj, güst güsta'.gasü und güsü r. gustöj, Ijütljüta: 
Ijiiti und Ijüti, ruf riäa : rtdi und rüti , slän sldna: släni und 
slätii^ süh süha : siihi und sfdii r. suchöj, svet sveta : sveti r. 
st'afoj, tüd füda fremd : tudt und tüdi r. ciiiöj, tvPd tvrda : 
tvrdi und tvPdij vrüö vrüca : vrüci und vrüöi. — Zu B b 
giddan glädna : glädni und glädni, krätak krdtka : krätki und 
krätki, krüpan krüpna'.krüpni und krüpni, mrsmi mrswa Fleisch- 
speise- : mrsni und mrsni, plitak plitka seicht : pütki und 
plitki, prdzan prdzna leer : präzni und präzni^ rijedak rijetka 
(redak retka) selten : retki und rijetki (retki), svijestan svijesna 
(svestan svesna) vernünftig .-st^es«! (svesm) und svljesni (svesni), 
strdsan strdsna schrecklich : strasni und sträsni, Uzak teska : 
teski und teski, vitak vitka biegsam : vUk% und vitki, Mdak 
sitka : zUki und zitki. — Mit kurzem Wurzelvokal hos 
lösa : löst und hösi r. bosöj. 

658. 2. Die unbestimmte Form hat nicht alte 
Endbetonung, sondern entweder alten Hauptton auf der 
ersten Silbe als ' oder ", oder auf einer anderen Silbe vor 
der Endsilbe des Stammes, also dann nach heutiger stoka- 
vischer Betonung um eine Silbe weiter zurückgeschoben als 
'oder'. Allgemeine Regel ist: der Hauptton bleibt in der 
bestimmten Form, wie die unbestimmte ihn hat, z. B. növ 
növa : nöm, prost prösta einfach : prösti, pün püna voll : püm, 
sU Sita satt : slti', grbav grhava höckerig : grbavi^ sllan sllna 
gewaltig : sllm, plemenit plemenita adlig : plemeniti; högat 
bögata : bbgati, Ijeniv Ijeniva träge : Ijenivi, kbristan körisna 
nützlich iÄön'swi, bojäzljiv bojäzljiva inrchisam :bojäzljivi usw. 
— Vereinzelt tritt bei zweisilbigen Stämmen mit ' Deh- 
nung der Kürze ein : {mäo mala klein) : mäli, präv präva : 
prävi und prävi, stär stära : stäri, zdräv zdräva : zdrävi und 
zdrävi. 

659. Abweichungen von diesem Typus. 

In einer größeren Anzahl von Fällen hat neben der 
als normal angesehenen Übereinstimmung in der Betonung 
der unbestimmten und bestimmten Form die bestimmte 

26* 



388 Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§ 659. 660. 

auch alte Endbetonung oder nur diese, nach jetziger 
stokavischer Betonung den Hauptton ' auf der vorletzten 
Silbe. In manchen Fällen liegt hier ein alter Betonungs- 
typus vor, da auch das Russische dieselbe Erscheinung 
hat: bistar Mstra : bistri und Mstn, eist clsta : clstl und 
clsti, düga düga : dügi und dügi, mek meka : meki und meki^ 
mökar mökra : mökri und mokri^ mrk mrka : mrki und mrki, 
ohdl öhla : öhli und öhli^ östar östra : östri und os7n, tlh 
iiha : tihi und tihi^ vet (vetah) vetha alt : vethi, vlt vlta 
biegsam : viti (und viti?); — cvjetan cvjetna : cvjetni (cvjetnä 
nedjelja Palmwoche) r. cvetnöj, cästan (cäsan) cäsna geehrt, 
heilig : cäsm, desan desna recht : desm r. fem. desndja, glädak 
glätka : glätki, krecan krecna Kalk- : krecni, lövan lövna Jagd- : 
Ibvni r. dial. lovnoj, pözan pözna (aus pozdhnz pozdhna) spät: 
pözni und pözni, pöstan pösna Fasten- : pds7ii und pösni, 
sltan sitna klein fein : slt7ii und sltni, slädak slätka : slätki 
und slätki, tänak tänka : tänki und tänki^ üzak üska : üski 
und üski^ vjecan vjecna ewig : vjecni; — glävan glävna : glävm 
(und glävm?)', — gvbzden gvbzdena eisern : gvozdeni und 
gvözdem r. gvozd'an6j\ leden ledena, ledeni und ledern eisig 
r. led'anöj, marven märvena Vieh- : marveni^ mäslen mäslena 
Schmalz- : maslem und mäsleni, voden vödena wässerig : 
vodeni und vödeni r. vod'anöj; hrasneni und hräsnem Mehl-, 
cahrem und cabreni Zuber-, Iglen Iglena Nadel- : iglem^ 
kletven kletvena Fluch enthaltend : kletvem und kletvem; — 
cöhan cöhana tuchen : cohäni und cöham, köstan köstana 
knöchern : kostäni und kösfani r. kost'anoj, növcan növcana 
(növcan növcana) Geld- : novcäni und növcani, räzan räzana 
Roggen- : razäni und räzani r. rzanöj, sjercan sjercana aus 
sijerak einer Hirseart : sjercäni und sjercani, snjezan snjezana 
schneeig : snjezäm und snjezani r. snezanöj, zeljan zeljana 
aus Gemüse zelje : zeljäni, zemljan zemljana irden : zemljäni 
und zemljäni r. zeml'anöj. 

060. Eine bedeutende Anzahl von Adjektiven mit 
Endbetonung der bestimmten Form ist überhaupt nur in 
dieser gebräuchlich. Die mir bekannt gewordenen Fälle 
führe ich an. 



§ 660.] Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 389 

a) Possessive Adjektiva auf -jl (angeführt mit dem 
Substantiv, von dem sie herkommen): hräv Schafvieh 
hrävlß^ cövjek Mensch covjecß, dwlß wild, äjävö gen, dävola 
Teufel davöljt, jägnje gen. jägnjeta Lamm jagnjeöi und 
jägnjeöi, järac gen. järca Bock järcji, jünac junger Stier 
jiincß^ jüne ßhieta dass. juneciy kökös Henne kokbsß, kürjäk 
Wolf kurjäcß^ mägnre gen. magareta Esel magareöi, ösao 
gen. dsla Esel dslß, övca Schaf dvcß, plle gen. plleta Huhn 
pileöi und plleöi, '^pse pseto gen. pseteta Hund pseöi, söm 
Wels sömiß, vrdbac Sperling vräpcß (mit anomaler Länge 
vrdpcß), zdnjebe zdrebeta Füllen idrebedi; cvörak Star (davon 
Adj. cvörkov) cvorkövlß^ drözak Drossel drozgövlji, ker Spür- 
hund (Adj. kerov) kerövlfi^ kos Amsel kosövlß, müz Mann 
muzevJp, ÖS (osa) Wespe osövlji, püz Schnecke puievlji, sin 
Sohn (Adj. sinov) sinövlß. Mit anomaler, aus dem Sub- 
stantiv übertragener Länge: Mk Schnauzbart hrcje pero 
Schwungfeder, vräg Teufel vräzji^ vük Wolf vücji, zec Hase 
zecß. 

b) Adjektive auf -ski (alte unbestimmte Form -hsk^): 
aga (Adj. ägin) Aga agtnski^ ändeo gen. ändela Engel 
andelski, bäsa (Adj. bäsin) Art vornehmer Türken basinski, 
Bljelä cPkva (Weißkirchen) Bjelocrkvanski^ djever Schwager 
djeverski, dävö gen. dävola Teufel davölski, dvör Hof dvörski, 
göra Berg. Wald gbrski, gräd Stadt grädski r. gorodskoj, jezero 
See jezerski, Krüpa (Ort) Krüpski, Krüpanj gen. Krüpnja 
(Ort) Krupänjski, päsa (Adj. päsin) Pascha pasinski, pölje 
Feld pöljski r. pol'sköj, prljatelj Freund prijateljski, Rät 
gen. Rata (Ort) Röänski, sköt Vieh skötski, starhia Alter- 
tum starmsM^ svijet Welt svjetski, svinja Schwein svinjski, 
vlädika Bischof vladicänski (aus altem Adj. vladycwi^), vräg 
Teufel vräski^ zemlja Erde zemäljsM^ Zhnün (Ort) Zemünski, 
drüg Genosse druzevski, knez pl. knezovi u. a. Dorf Oberhaupt 
knezbvski, küm {Adj. kümov) Gevatter kumövski, makövski {kec) 
Treff-As (zu tnäk Mohn, Adj. makov), sm^ Hochzeitsbegleiter 
svatövski^ vila vüövski, zmäj Drache zmajevski, zld Jude (Adj. 
zulov) zidövski. INIit doppelter Form, endbetont und nicht- 
endbetont: Büdim Ofen Budlmskl und Büdimskl, hünär und 



390 Zahlwörter. [§660. 6G1. 

bünär Brunnen hunärski und hünärski, Decäni (Ort) Decänskl 
und Decanski, Dünav Donau dunävskl und dünävskt, nepri- 
jatelj Feind neprijateljski und neprijateljski^ Srijem Syrmien 
Srdmski und Srljemski, vhiogräd Weinberg vinogrädski und 
vlnogradski. 

c) Adjektiva auf -eni, -am: bäsca Garten bascem, blltva 
rote Rübe blifveni, brädva Zimnieraxt bradvem, brltva Taschen- 
messer britveni, crkva Kirche crkv em, jäspr aAs'per (Geldstück) 
jasprenT^ käva Kaffee kavem, läda Schiff ladem, bdar gen. 
Odra Bett odrem^ rötkva Rettich rotkveni, tikva Kürbis tik- 
vem, vazmem österlich, zöb Hafer zobem; — kljüc Schlüssel 
kljucäni, rebro Rippe (Seite) rebräni, so gen. söli Salz soläni 
r. sol'anöjy vösak gen. vöska Wachs vostäni (und vöstani) 
r. voscanöj. 

d) Adjektiva auf -an = -mz: gluhnä nedjelja Woche 
vor Palmarum, kbsa Sense kbsm r. kosnöj, nö6 Nacht nböru 
r. nocnoj, red Ordnung, Reihe rednß^ ruka Hand rücni 
r. rucnöj, strvm (strni) Halm-, trüsni Kleien-. Mit anomaler 
Länge: brk Knebelbart brcni, güz podex güzni, krv Blut 
krvm {krvnil), peta Ferse petni r. patnöj, rep Schwanz repni, 
rüda u. a. Deichselstange rüdm, sir Käse sirni, vrät Hals 
vrätm, züb Zahn zübm r. zubnöj. 

III. Zahlwörter. 



661. 



Bestand 


und 


Flexion. 


1. Kardinah 


5ahl( 


3n. 




1 jedan 






11 jedänaest 


2 dvä 






12 dvdnaest 


3 tri 






13 trinaest 


4 cetiri 






14 cetrnaest 


5 pet 






15 petnaest 


6 sest 






16 sesnaest 


7 sedam 






17 sedämnaest 


8 ösa^n 






18 osämnaest 


9 devet 






19 devetnaest 


10 deset 






20 dvddesef 



§661.662.] Zahlwörter. 391 

30 trideset 500 jiet stötluä 

40 cetrtUset 600 sest siötinä 

oO pedcset 700 sedam stötwä 

60 sezdeset 800 ösam stötinä 

70 sedamdeset 900 f?eve/ stötinä 

80 osamdeset 1000 thuca, hUjada 

90 devedcset 2000 t/fije tmide, hlljade 

100 s^ö, stötinä 3000 ^r? fisuöe, hUjade 

200 dvjesta, dmje stöt'me 4000 ce^iVi thuöe, hlljade 

300 fns/a, fr? stötine 5000 ^^ef ttsüdä, lüJjädä 
400 cefm stötine usw. 

662. Die Zahlen von 11 — 19 beruhen auf den alten 
Verbindungen jedbns na desete, dova na desgte usw. (= ein, 
zwei auf zehn); das gäbe im Skr. jedan-na-desete, dva-na- 
desete. Schon vom 15. Jahrh. an treten verkürzte Formen 
auf: jedan-na-deste, dva-na-deste^ und für -na-deste auch -na- 
este, -na-jeste und -najste, dies entstanden aus Diphthon- 
gierung des -ae-. Daneben steht -na-deset (eigentlich der 
alte Akk. des^ih)^ daraus in gleichartiger Entwicklung -na- 
dest und -na-est {-najst), die heutige Form. Vgl. dazu die- 
selbe Erscheinung im Bulgarischen jedingjs^ dvanajs (s für 
-st), im Slovenischen jednajst, dvannjst. Anders im Rus- 
sischen, wo die erste Silbe der Zehnzahl den Vokal ver- 
liert, dvenndcat', -dcat' würde einem '^chseth entsprechen. 
Derselbe Vorgang wiederholt sich bei den Zahlen 20, 30, 
40, 60; die ältesten Formen sind dva deseti, tri deseti, 
cetiri deseti (abg. dsva des^ti, tri desgti oder -te^ cetyri des^ti 
oder cetyre desete), vom 15. Jahrh. an dvadesti, tndesti, da- 
neben dvadeset, trideset, cetirideset (cetirdeset)^ daraus die 
heutigen Formen und die Nebenformen dväest, tr\est, cetrest, 
und für altes sest deset, sezdeset auch sdset. Vgl. dazu bulg. 
dvajs(t), slov. dvajsetj v.dvndcat' usw. Solche aus den sonstigen 
Gewohnheiten der Sprache herausfallenden Verkürzungen 
lassen sich kaum mit Sicherheit erklären; vielleicht ist 
der Ausgangspunkt zu suchen in denjenigen der alten Ver- 
bindungen, wo in beiden Elementen d stand und durch 



392 Zahlwörter. [§ G62— 664. 

eine Art Haplologie oder Silbendissimilation das zweite d 
ausfiel: jedhnz-na-des^te^ dzva-na-des^te, sedmh-na-desete^ dev^th- 
na-des^te, dzva-des^ti. Die Verkürzung von -desete zu -deste 
usw. mag mit der Unbetontheit der zweiten Silbe zusammen- 
hängen; die skr. Betonung auf -na- (jetzt stokavisch auf 
der Silbe vorher), dial. noch jedanäest dvänäest (Resetar, Be- 
tonung südw. Mundarten, S. 152) und cakavisch jedanajst 
dvanajst^ deckt sich mit der slov. und russischen, slov. 
dvaiigjsf, r. dvengdcaf. Die Form cetr- in cethiaest^ cetrdeset 
geht zurück auf eine schon im 15. Jahrh. vorkommende 
Verkürzung cetir-, aus cetiri- oder cetire-, die zweite immer 
unbetonte Silbe -ir- ist zu r geworden. — Neben dvjesta, 
d. i. der alte neutrale Dual dsve mit dem im Skr. beim 
Nomen dem Maskulinum gleich gemachten Dual von stö, 
steht in südlichen Mundarten dvlje-sti = dzve szie (der 
alte neutrale Dual von szto). — stötina ist eine Ableitung 
von stö, in dem Sinne von eKaiovidg; Mljada ist entlehntes 
griechisches x^^^^^S X^^^^^oq. 

063. Die Zwischenzahlen zwischen den Zehnern von 
20 — 100 und die Weiterzählung von 100 oder 1000 an 
geschieht so, daß die kleinere Zahl durch i (und) mit der 
größeren voranstehenden verbunden wird. Das i zieht den 
Hauptton (l) auf sich, wenn die ihm folgende Zahl " oder 
", also alten Hauptton auf der ersten Silbe hat, das Zahl- 
wort ist dann enklitisch; war dagegen die erste Silbe von 
alters her unbetont, so bewahrt das Zahlwort seinen Haupt- 
ton und i ist unbetont, z. B. dvä, tri : dvddeset l dvä, l 
tri; pet : trideset l pet; dagegen bei jedan^ cetiri : dvddeset i 
jedan, dv. i cetiri; stö i dvddeset l sest (126). 

064. Von den Zahlen sind flektierbar jedan, dvä 
(diese beiden der Form nach Pronomina), tri, cetiri; stö- 
tina, tlsuöa Mljada sind femininale Substantiva, dekliniert 
wie zena; zu stö vgl. § 669 am Ende. 



§ 664. 665. 



Zahlwörter, 



393 



Maskulinum 



skr. 
jedan 
jednoga 
jednomu 
jedan 
jednim, 

-nijem 
jednom, 

jednomu 



abg. 
jedbm 
jedhnogo 
jedbnomu 
jedbm 
jedbnemb 

jedbnoynb 



jedan. 
Neutrum 
skr. abg. 

jcdno jedbno 

wie Maskulinum 



jednö jedhyio 

wie Maskulinum 



jedni 


jedbni 


jedmh^ 


jedhnecJn 


-7iijeh 




jednim, 


jedhnem^ 


-nijem 




jedne 


jedhny 


jednim, 


jedhnemi 


-nijem 




jednim. 


jedwiechi) 



Femininum 
skr. abg. 



jedna 

jedne 

jednöj 

jednu 

jednöm 



jedhna 

jedhnoj^ 

jedbnoji 

jedhna 

jedhnojq 



jednöj jedbnoji 



jedna jedh?ia jedne jedhny 

\ wie beim Maskulinum 



■m')em 



jedna 



jedhna \ jedyie jedhny 

wie beim Maskulinum. 



Die Formen Instr. sg. jednijem, Dat.-Instr.-Lok. pl. 
jednijem. Gen. pl. jednijeh sind die alten pronominalen, 
jednim usw. dem Adjektivum entnommen. Wenn jedan 
durch ni negiert wird (ne unus quidem, keiner), so treten 
die Präpositionen zwischen die beiden Wörter, ni od jed- 
noga; die bestimmte Form nljedni wird in Verwünschungen 
gebraucht: nijednä vjerof Treuloser! 

Die dialektische Betonung jednoga jednomu (Ragusa) 
ist die ältere, vgl. cak. jednega jednemij, r. odnovo odnomu. 



665. 



dvä. 



Maskulinum 


und Neutrum 


Femii 


linum 


skr. 


abg. 


skr. 


abg. 


n.-a. dvä 


m. dhva, ntr. dzve 


dmje 


dhve 


g. dvdjü 


dzvojii 


dvfjü 


divoju 


.-i.-l. dvjema 


dhvcma 


dvjema 


di)V('ma 



394 



Zahlwörter. 



[§ 665—668. 



Dazu oba beide: 
Mask.-Neutr. 
oba, öbadvä 
obadvdjü 
öbjema, obadvjema 

666. 

skr. 
n.-a. tri 
g. trijü 
d.-i.-l. trima 



Femininum 
öbje^ öbadvije 
obadvijü 
wie Mask. 



tri. 



abg. 



667. 

skr. 
n.-a. cetiri 
g. cetirijü 
d.-i.-l. cetirma 



m. tfhje trije, ntr. fem. tri 

trhjh trijh 

trhim 
a. tri 
i. trhmi 
1. trhch^ 

cetiri. 

abg. 
m. cetyre, ntr. fem. cefyri 
cetyrb 
cetyrhrm 
a. cetyri 
i. cetyrhmi 
1. cetyrhch^. 



668. Die Formen der Zweizahl: der Verlust 
der alten Form des Nom.-Akk. dual, zugunsten der Mas- 
kulinform wie beim Nomen. Im Gen. dvdjü statt eines 
normalen '^dvoju ist der Nom.-Akk. dvä als Stamm auf- 
genommen; ebenso in Gen. fem. dvijü ekav. dv^ü der 
femin. Nominativ; wenn neben dvjema dial. dvima vor- 
kommt, ist dies nicht aus jenem entstanden, sondern durch 
Ausgleichung mit trima infolge der Parallele dvijü : ti'ijü. 
In älterer Zeit galt dvijü dvejü für alle Genera, dvdjü be- 
steht seit dem 17. Jahrb.; an diese Form hat sich zur 
selben Zeit eine mask.-ntr. Dativform dvdma angeschlossen. 
Die alte Genitivform obeju obiju ist ungebräuchlich, oba- 
dvdjü obadvijü enthalten ein starr gewordenes oba mit der 
Zweizahl verbunden. 



§ 668—670.] Zahlwörter. 395 

Die Genitive trijü cetirijü (schon im IG.Jahrh.) haben 
die Dualendung von der Zweizahl angenommen, dabei sind 
die Nominative tri cetiri als Stamm verwendet. Von einem 
solchen Stamm tri- cetiri- werden in älterer Zeit die Dative 
(Instr., Lok.) trim cetirim gebildet, daraus entstand mit 
Annahme der Dualendung trima (die heutige Form) und 
cetirima, aus diesem seit dem 17. Jahrh. das heutige cetirma, 
wohl eine Verkürzung von cetirima, nicht auf ein altes 
cetyrbmi (Instr.) zurückgehend. 

669. Die Zahlen von 5 — 99: flektierbar sind nur 
ßdan, dvä, tri, cetiri in den mit ihnen verbundenen Zwischen- 
zahlen zwischen den Zehnern, z. B. dvädeset i jedan gen. 
dvddeset i jednoga, trideset l dvä dat. trideset i dvjema, cetrdeset 
i cetiri gen. c. i cetirijü; alles andere ist indeklinabel, da- 
her z. B. nur dvddeset l pet. 

Zu den Formen von stö (s. § 662) kann noch er- 
wähnt w^erden, daß in älterer Zeit von 500 an gezählt 
wurde pet sät, sest sät usw.; sät ist der alte Gen.pl., abg. 
peth s^i^. sestb Soto. 

670. 2. Die Ordinalzahlen; Adjektiva, nur in 

der bestimmten Form gebräuchlich: 

1. prvi 15. petnaesti 

2. drügi 16. sesnaesti 

3. treöi 17. sedämnaesti 

4. cetvrti 18. osämnaesti 

5. peti 19. devetnaesti 

6. sesti 20. dvddeseti 

7. sedmi 30. trideseti 

8. ösmt 40. cetrdeseti 

9. deveti 50. pedeseti 

10. deseti 60. sezdeseti 

11. jedänaesti 70. sedamdesetl 

12. dvänaesti 80. osamdesetl 

13. trinaestl 90. devedeseti 

14. cetrnaesti 100. stöti 



396 Zahlwörter. [§670.671. 

200. dvjestöti 500. petstöti 

300. trhtöti usw. 

400. cetiristöti 1000. tlsuöi, hiljadi. 

Die Zahlen 1., 3. — 10. sind die Entsprechungen der 
alten Ordinalia *phrvh abg. prvz, trethjh, ^cetvhrtö abg. ce- 
tvrto usw.; drügi, eig. der andere^ ersetzt das alte v^tor^ 
(skr. erhalten in ütörmk Dienstag = vhtormiikh). 

Die Zahlen von 11. — 19. sind dem Muster von 4. — 10. 
einfach nachgebildet; stöti dvjestöti kommt schon bei 
Mikalja (Blago, 1649) vor, es ist Nachbildung der auf -ti 
auslautenden wie cetvrti, peti usw., da ein *sto-i nicht bild- 
bar ist. Danach sind in der Schriftsprache (volkstümlich 
sind diese Bildungen überhaupt nicht) die folgenden Hun- 
derte fortgesetzt, und ebenso weitergebildet tlsudi JiUjadi; 
die weitere Zählung von 1000. an soll nach Angabe der 
Grammatiker (Mar. § 235 b) dann erfolgen als dvlje tlsuöi^ 
tri tlsuci usw. 

Zum Ausdruck der Ordinalzahlen zwischen den 
Zehnern 20. — 30., 30. — 40. usw. werden nur die Einer 
in die Ordinalzahlform gesetzt, dabei das die Kardinalia 
verbindende i weggelassen, z. B. dvädeset treöi 23., pedeset 
pfvi 51., sezdeset sedmi 67., ebenso noch stöy tisuöa Mljada, 
z. B. stö dvddesett 120., pet stötmä devedeset ösmi 1598., 
hUjada dvädeset treci 1023. 

671. 3. Kollektivzahlen, nur im Plural und im 
Neutrum sing, gebraucht, z. B. pl. m. dvöji, f. dvöje, sg. ntr. 
dvöje : 

2 dvöji, ntr. dvöje; dazu ö&oji, ntr. öhoje (beides) 

3 tröji, ntr. tröje 

4 cetvori, cetvoro 

5 petori, petoro 

6 sestori, sestoro 

7 sedmori, sedmoro 

8 ösmori, ösmoro 

9 devetori, devetoro 
10 desetori^ desetoro 



§671—673.] Zahlwörter. 397 

usw. bis 99, z. B. devetnaestori 19, tridesetori (trtdesteri). 
Weniger üblich ist statt des Formans -or- die Form -er-, 
z. B. cetveri cetvero usw. 

Wenn der Plural, was selten ist, flektiert wird, so 
geschieht es nach Art des unbestimmten Adjektivs: 

Maskulinum Neutrum Femininum 

dvöji cetvori dvöja cetvora dvoje cetvore 

dvöjih cetvonh wie beim Maskulinum 

dvöjim öetvonm dvöja cetvora dvoje cetvore 

dvoje cetvore wie beim Maskulinum. 

Das Neutrum wird flektiert: 

n.-a. dvoje, tröje cetvoro {cetvero) 

g. dvöga^ tröga cetvörga (cetv^rga) 
d.-i.-l. dvoma, tröma cetvörma (cetverma). 

Wie cetvoro alle Bildungen auf -oro ; zu dvoje vgl. dboje 
oböga (und öhojega). Die ältere Flexion war dvojega, dvojemu, 
daraus dvojga^ dv6jmu\ das spätere dvöga, dvömu dvöme ist wohl 
nicht unmittelbar daraus entstanden, sondern hat durch 
Anschluß an die Adjektivdeklination das -oga, -omu, -ome 
angenommen ; dvöma ist den Dativen der Kardinalzahlen 
dvjema, trima usw. nachgebildet, ebenso tröma; cetvörga 
cetvörma sind unmittelbare Nachahmungen von dvöga dvöma. 

OTS, Von den Kollektivzahlen werden abgeleitet 
Zahlsubstantiva mit Formans -ica: dvojica, ohöjica^ trb- 
jica, cetvörica, petörica usw., eig. eine Anzahl von zweien, 
dreien usw. In thesi kann von den Zahlen 2 — 99 solche 
Ableitung stattfinden, mit Ausnahme natürlich der zu- 
sammengesetzten, die als zweites Element «ein» jedan 
haben, da diese keine Kollektivzahl neben sich haben 
kann, daher z. B. wohl dvddeset i petörica, aber nur dvä- 
deset i jedan. 

673. 4. Distributivzahlen sind nicht in besonderer 
Form vorhanden, die Verteilung «je zwei» usw. wird durch 
die Präposition ;;o mit der Kardinalzahl ausgedrückt, z. B. 
po jedan je ein, pö dvä je zwei, pö sest je sechs, pö stö je 
hundert usw. 



398 Zahlwörter. [§674-676. 

674. 5. Multiplikation (so und so viel mal) wird 
durch das Subst. put Weg mit der betreffenden Zahl ge- 
geben: jedän put, dvä püta, tri püta, cetiri püfa, pet pütä 
(gen. pl.), dafür auch mit Undefiniertem put und Ver- 
kürzung des u: jedänput (jedämput), dvdput, triput usw. (Budm. 
§122 dvdput, tripüt usw.) In älterer Zeit war noch üblich 
krät (abg. krat^^ s. Abg. Gr. § 121.2a): jedän Jcrät, dvdkrät, 
trikrät, cetirikrät (so Ak.Wb. unter krät); mundartlich noch 
dväs (dväiy dväsde Vuk Wb. aus Mont., vgl. mnögäst ebd. 
vielmals, aus m^noga-shd-) zweimal, tris {triz) dreimal, aus 
altem d^vasbdy (dvazdi) trishdy {trizdi), s. Abg. Gr. §121. 2 b. 

675. Gebrauch der Zahlwörter; Zählweise. 
1. Die Zahlen 1 — 4 sind adjektivisch und stehen als 

Attribut zu dem gezählten Gegenstande, mit ihm in Genus, 
Numerus, Kasus übereinstimmend, z. B. jedan cbvjek gen. 
jednoga cövjeka, jedna zena gen. jedne zene, jedno selo gen. 
jednoga sela; dvä cövjeka (alter Dual), dmje zene, tri sela; 
die einst mit dem Plural verbundenen tri cetiri folgen mit 
Annahme des Duals der gezählten Dinge der Zweizahl, 
daher tri. cetiri cövjeka; tri, cetiri zene; tri, cetiri sela. 

Der Plural von jedan wird gebraucht: a) bei Zählung 
von Pluralia tan tum, z. B. jedna vrdta ein Tor; b) bei 
gruppenweiser Zusammenfassung von Dingen, wo eine 
Gruppe anderen gegenübergestellt wird, z. B. jedne zme 
stöku müzü^ jedne mleko razlivajü die einen Frauen melken 
die Herde, die anderen gießen die Milch aus; c) wenn 
jedan den Sinn von «ein und dasselbe» hat, z.B. mi smo 
jednih gödinä wir sind derselben Jahre (gleich alt); d) als 
Plural von jedan = aliquis, quidam^ z. B. öndje näde jedne 
velike i logate dvöre da fand er einige große und reiche Höfe. 

Die Zahlen von 5 an sind Substantiva, der gezählte 
Gegenstand steht im Gen. pL, z. B. pet zenä, sest seid, 
sedam sinövä, stö oväcä 100 Schafe (vgl. Abg. Gr. § 116). 

676. 2. Die pluralischen Kollektiva werden an- 
gewendet : 

a) Bei Zählung von Pluralia tantum, z. B. tröja vrdta 
drei Tore. 



§ 676—679.] Zahlwörter. 399 

b)Bei paarweiser oder gruppen weiser Zusammenfassung 
von Dingen, z. B. cefvore crevlje vier Paar Schuhe, dvöji 
svätovi zwei Gruppen von Hochzeitsbegleitern (von zwei 
Hochzeiten; dvä sväta = zwei Hochzeitsbegleiter). 

677. 3. Das Neutrum der Kollektiva, dvöje, iröje, 
cetvoro usw., bei denen der gezählte Gegenstand im Gen. 
steht, wird gebraucht: 

a) Bei singularischen femininalen Kollektiven, meist 
auf -ädy z. B. petoro celjädi fünf Personen, desetoro telädi 
zehn Kälber; tröje djece drei Kinder (gen. tröga djece), sed- 
moro djece sieben Kinder, ebenso wenn statt der normalen 
Plurale der Deminutiva auf -e (gen. -eta) Deminutivformen 
auf 'IC gebraucht werden, z. B. statt dvä, in, ceiiri plleta 
(zwei usw. Hühnchen) dvöje, tröje, cetvoro pilidä. 

b) Wenn unter eine Zahl lebender Wesen solche ver- 
schiedenen Geschlechts, Alters oder verschiedener Gattung 
verbunden werden, z. B. petoro Ijüdi fünf Leute, d. h. 
Männer und Frauen, oder Männer und Kinder, oder Männer, 
Frauen und Kinder, ösmoro könjä acht Pferde verschiedener 
Rasse. 

c) Bei Angabe von Teilungen, z. ß. Icöplje slbmi nä 
cetvoro die Lanze zerbrach er in vier Teile. 

678. 4. Die Ableitungen dvöjica usw., bei denen der 
gezählte Gegenstand im Gen.pl. stehen muß, werden ver- 
wendet bei Zählung männlicher Personen, z. B. cetvdrica 
Ijüdt vier Männer, desetörica Srhä zehn Serben. Absolut 
stehend bedeutet dvöjica usw. immer Männer. Prädikate 
stehen im Plural, beim nominalen Prädikat, da es sich 
um männliche Personen handelt, im Nom. pl. msk., z. B. 
pä SU dvä tröjica Uli ottsli, da ga ötmü da gingen jene drei, 
um ihn zu rauben (Budm. § 310). 

679. 5. Die Zahlen von 5 an gelten als Neutrum 
sg., nominales Prädikat steht also bei ihnen in dieser Form, 
z. B. döslo je pet Ijüdi angekommen sind fünf Leute, vgl. 
devei nemo, drügo devet slepo neun stumm, andere neun blind 
(Vuk Nar. Pj. H. 8 v. 38). Bei zusammengesetzten Zahlen 



400 Zahlwörter. [§679-681. 

richtet sich das Prädikat nach der letztstehenden Zahl, 
z. B. dösla SU dvädeset l dvä {l tri, i cetiri) cövjeka ange- 
kommen sind zwei (drei, vier) und zwanzig Männer, döslo 
je dvädeset l pet Ijüdi angekommen sind 25 Leute. 

680. 6. Die Zahlen nach Präpositionen: 

a) jedan tritt nach Präpositionen in den bei diesen 
erforderten Kasus, z. B. iz jednoga gräda aus einer Stadt, 
s jedmm müzem mit einem Manne; daher auch bei den 
mit der Einzahl verbundenen Zehnern, z. B. iz dvädeset i 
jednoga gräda aus 21 Städten. 

b) dvä, tri, cetiri und der dabei (im Dual bei Mask. 
und Neutr., im Plural beim Fem.) stehende gezählte Gegen- 
stand bleiben unverändert, z. B. köd dvtje sestre bei zwei 
Schwestern, sa cetiri sma mit vier Söhnen, medu dvä brda 
zwischen zwei Bergen. 

c) Unverändert bleiben die Zahlen von 5 an (bei denen 
der gezählte Gegenstand als im Gen. pl. stehend für die 
Präposition nicht in Betracht kommt), z. B. iz dvädeset 
gradövä aus 20 Städten, sä pet momäkä mit fünf Burschen, 
od stö mo7näkä von 100 Burschen, sa jedno stö Ijüdi mit 
einhundert Leuten. 

d) Das Neutrum der Kollektivzahlen (der dabei im 
Gen. sg. oder pl. stehende Gegenstand kommt für die 
Präposition nicht in Betracht) bleibt unverändert, z. B. sä 
sedmoro djece mit sieben Kindern, 7iä desetoro telädi auf 
zehn Kälber, ii bhoje svätövä bei den beiderseitigen Swaten, 
ja i Jügovic s dvöje — tröje celjädi ich und J. mit zwei — drei 
Leuten. 

681. 7. Die unflektierbaren Zahlwörter konnten des- 
wegen nach Präpositionen stehen, weil diese die Beziehung 
im Satze genügend angeben. Dagegen tritt bei ihnen eine 
Verlegenheit ein, wenn ohne Präposition andere Kasus- 
funktionen als Nom, und Akk. erfordert werden: Genitiv 
und Dativ-Instr.-Lok. Es kommt indes vor, daß der bei 
der Zahl stehende Genitiv pl. des gezählten Gegenstandes 
zugleich als adnominaler Genitiv zu einem anderen Wort 
des Satzes bezogen wird, z. B. ändeli sedam crkävä die Engel 



i 



§681—683.] Zahlwörter. 401 

der sieben Kirchen, yyiila seja devet Jügoviöä die liebe 
Schwester der neun Jugovicen. Sogar bei der dualischen 
Verbindung mit 2 — 4 wird zuweilen der Dual (beim Fem. 
Plural) als Genitiv gefaßt und in gleicher Weise verbunden, 
z. B. pTsc sa zndnjem dvä mläda hräta er schreibt unter Mit- 
wissen der zwei jüngeren Brüder, na svrsetku öve tri nedjelje 
am Ende dieser drei Wochen (Mar.S.223). — Die Schwierig- 
keit beim Dat.-Instr.-Lok. kann so gehoben werden: 

682. a) Bei gezahlten männlichen Personen wählt 
man die flektierbaren Zahlsubstantive auf -ica statt der 
Kardinalzahl, z. B. i^redase se desetdrici neprijateljä sie er- 
gaben sich den zehn Feinden, prljeti nam desetöricöm svößh 
drugövä er droht uns mit zehn seiner Gefährten. Ist das 
Gezählte durch ein Pronomen ausgedrückt, so steht dies 
im Gen. pl. der Zahl voran und kann dem Zahlsubstantiv 
im Kasus angeglichen werden, z. B. rekao je näs tröjici er 
hat uns dreien gesagt, oder 7iäma tröjici, pred näs tröjicöm 
vor uns dreien, oder pred nama tröjicöm. 

b) Bei gezählten Dingen (Nichtpersonen) wird die 
Bezeichnung des Dinges in den erforderlichen Kasus ge- 
setzt, z. B. izmucio se je dvdnaest poslovima er hat sich ab- 
gemüht mit zwölf Arbeiten. Doch ist das nicht sehr ge- 
bräuchlich, man hilft sich in solchen Fällen durch andere 
Wendungen, durch Präpositionen, nach denen nicht flektiert 
zu werden braucht. 

083, c) Ist der mit einer Kardinalzahl gezählte 
Gegenstand durch ein Pronomen ausgedrückt, so steht dies 
der Zahl voran im Gen.pl. und dient in dieser Form auch 
als Akkusativ, z. B. vidio sam njih dvdnaest ich habe ihrer 
zwölf gesehen, bei anderen Kasusbeziehungen wird es in 
die erforderliche Kasusform gesetzt, z. B. ^ä se njöj {jednöj 
övci) vise räduje nego öriima devedcset l devet daß er sich 
mehr freut über es (ein Schaf), als über jene 99. — Steht 
ein Attribut zu einem Substantiv, das der Zahl folgt, dem 
Zahlwort voran, so wird es in den erforderlichen Kasus 
gesetzt, z. B. näpicu je (cääu) möjim devet sürä ich werde 
ihn (den Becher) zutrinken meinen neun Schwägern. 

Leskien, Serbokroatische GratQinotik. 26 



402 Anhang zur Deklination. Adverbia. [§684—686. 

684. d) Hängt von dein Neutrum der Kollektiva 
(Ivöje usw. ein Pronomen ab, so steht es (im Gen. pl.) 
voran, z. B. näs clvoje unser zwei, njth cefvoro ihrer vier. 
Diese Verbindungen sind zugleich Akkusativ, soll der Dativ 
usw. ausgedrückt werden, so wird Zahl und Pronomen 
flektiert, z. B. vjerujemo väma dvöma, gövonmo njlma tröma 
wir sagen den dreien. 

685. 8. Die Akkusati ve stötinu, tlsuöu hlljadu können 
als starr gewordene Formen auch in nominativischer An- 
wendung und nach Präpositionen stehen, z. B. Mio (Prä- 
dikat neutral) ynu je stötinu gödinä es waren ihm 100 Jahre 
(er war 100 J. alt), prije üsuöu gödma vor 1000 Jahren» 
s hlljadu vojnikä mit 1000 Kriegern. 

Über die Eigentümlichkeiten der in §§ 675fg. be- 
handelten Zählweise vgl. Budm. §§ 307 — 314, Mar. 
§§238 — 245; die oben gegebenen Beispiele stammen daher. 

Anhang zur Deklination. Adverbia. 

686. Die adverbiell gebrauchten Wörter kann man 
in drei Klassen teilen: I. von alten Pronominalstämme n 
abgeleitete, ihre Endungen zeigen alte Kasusformen; 

II. starr gewordene Nominalkasus: l.die regelmäßig neben 
den Adjektiven stehenden adverbiell gebrauchten Kasus- 
formen dieser, im Skr. der Akk. sg. ntr., oder von den 
Adjektiven auf altes -hski eine Form auf -ski {aus -hsky); 
2. sonstige Kasus von Substantiven, Adjektiven, Zahlwörtern ; 

III. Verbindungen von Präpositionen und Nominalkasus. 

I. Die Adverbien von alten Pronominalstämmen. 

1. Zur Angabe des Orts. 

A. wo: gdje wo (interrogativ und relativ, gdje-no ist, 
wo es gebraucht wird, regelmäßig nur relativ) ^ '^kzdi 
(abg. k^de, aber in anderen slav. Sprachen ebenfalls -de; 
und so bei den folgenden), ovdje hier = *ov^de\ ondje 
dort = "^omde; Indje anderswo = "^imde; svägdje überall 
= *vhsh-k^de (das daneben vorkommende svügdje ist Nach- 
bildung von svüdäy s. § 688); drügdje anderswo = *dru' 



§686—688.1 Anhang zur Deklination. Adverbia. 403 

g^de, drugövdje daFS. == *dn^gov^de (mit angehängten Par- 
tikeln gdje-nOy ovdjen övdjen-ä, ovdjeka övdjenäk); tu dort. 

687. B. wohin und woher. 

Ausdrücklich gemeintes örtliches woher wird durch 
Formans -ayno ausgedrückt: ämo hierher, hämo wohin (inter- 
rogativ und relativ), övamo hierher, önamo dorthin, tämo 
dahin (beide auch im Sinne von «dort»). Soll die Be- 
wegung bis zu einem bestimmten Ziele bezeichnet werden, 
80 wird die Präposition do (bis) vor die demonstrativen Ad- 
verbia unter A (§686) gesetzt: dövde bis hierher, dönde 
bis dahin. Diese Beziehung wird außerdem ausgedrückt 
durch Verbindung von do mit alten Adverbien, die den 
abg. hole koli, tole toli, sele seil entsprechen und eine Er- 
streckung über Raum oder Zeit bedeuten: dbtole (dotöle), alt 
und noch ragusanisch, bis dahin, daraus das schon alte 
dötle, wahrscheinlich aus einem *do-hle durch Herab- 
drückung des o zu ^, vgl. dial. (Ak. Wb.) dötäle (dofdle), 
dessen a dann aus ^ entstanden wäre; dö-kle (schon im 
IS.Jahrh.) wie weit, wie lange (dial. auch dökäle); dosle 
(richtiger dösle?) bisher, jek. auch döslije, ik. dösli, älter 
dösele; hier zeigt der Wechsel von -e, -i, -ije, daß zugrunde 
liegt sele; auffallend ist dagegen das durchgehende (nicht 
bloß ekavische) -e in dönde dövde (gegen öndjCy övdje), dökle. 
Durch Ausgleichung von dönde dövde mit den Bildungen auf 
kle sind entstanden dövle bis hierher, dönle bis dahin. 

688. Zur Angabe der Richtung woher dienten vor 
alters die Adverbien auf -qde, -qdu (so abg.), -qda^ in 
mehreren slav. Sprachen auch -qdy; regelmäßig im Skr. 
ist die Bildung auf -qda skr. -uda, daneben erhalten auch 

qde skr. -ude. Diese Adverbien haben im Skr. mehr die 
Bedeutung einer Richtung «an dem Beobachtenden vor- 
bei» angenommen, und von da aus den Sinn «irgendwo- 
hin»: küdä küd (abgekürzt, und so bei den folgenden) wo 
vorbei, wohin (interrogativ und relativ), z.B. kud si mi se 
opremio^ sinko wohin hast du dich reisefertig gemacht, mein 
Sohn?; övudä (ovüdä) övud hier vorüber; önudä (onüdä) 
dnud dort vorbei, in der Richtung nach dort, z. B. pröde 

26* 



404 Anhang zur Deklination. Adverbia. [§ 688. 689. 

li övudä täkt i täki cöek? On mu käze^ da je ön ödävno 
önudä prösao i dösad bog znä küd je otisao ist hier der und 
der Mann vorbeigekommen? Er sagt ihm, daß der schon 
längst da vorüber gekommen ist und bis jetzt Gott weiß 
wohin gegangen ist; svüdä svüd (== *vhsqda) überall hiuj 
nach allen Seiten, überall, z. B. ndare svüd pö cärstvu trä- 
äiti joj lijeka sie eilen überallhin durch das Königreich, 
um ein Heilmittel für sie zu suchen; dass. svakudä sväkud, 
dial. svükiid in der ersten Silbe an svüdä angeschlossen. 
tüdä tüd da vorbei, dahin, z. B. küd östäli onoltkt ndrod, 
tudä öu i ja wohin das übrige zahlreiche Volk, dahin will 
auch ich; drukuda drükud (mont. bei VukWb.) = drug-k. 
anderswoher. Die Formen küdär tüdär enthalten die Par- 
tikel -re (= -ze) -r; wenn für älteres küdäre ein küdära 
vorkommt, so ist das a angenommen nach der Parallele 
küd : küdä usw. Die alten Formen auf -ade sind fortgesetzt 
in südlichen Mundarten: küdije küde küd (Abkürzung), 
övudije (ovüdije), önudije^ tüdije. 

689. Wenn ein ausdrückliches woher verstanden 
werden soll, so wird die Präposition od- (von) vorgesetzt, 
wobei manche Veränderungen der Form der Zusammen- 
rückung vorkommen. Von den auf kol-, toi- beruhenden 
Bildungen hat sich in alter Form erhalten ötole (herzeg., 
mont. bei Vuk Wb., auch bei Gundulic) von da; früh 
treten aber die verkürzten Formen auf: ötkle (schon im 
13. Jahrh.) woher, daraus mit Verlust des t auch ökle 
{ökle-no, ökle-7i); das heute üblichere bdakle (oddkle, ödäkle, 
-klen) enthält die spätere Form der Präposition, od, vor 
mehr als einem Konsonanten oda- (s. § 110); vgl. dazu 
ödsvakle von allen Seiten her, cak. pökle, bei Vuk föklem 
nachdem (quum); ebenso ötle von dort, im 15. Jahrh. oth 
tlei; das gebräuchliche ödatle (oddtle, bdätle) wie oben ödakle. 
Dazu noch bdsele ösele (auch bsela) von nun an, vgl. dazu 
pösle pöslje pöslije nachher, aus po sele. 

Die unveränderte Verbindung von od mit ondje, ovdje 
besteht cakavisch: od onde, od ovde. Die Nar. Pj. IV S. 42 
V. 172 stehenden Formen mi od-ovdu a Turci od-ondu (wir 



§ 689. 690.] Anhang zur Deklination. Adverbia. 405 

von hier und die Türken von da) können nicht auf 07iqdu, 
ovqdu zurückgehen, sondern sind Umstellungen von odonud, 
odovud durch Anschluß an övdje, öndje. Die nach dem 
Cakavischen zu erwartenden Formen sind vertreten durch 
ödävde (oddvde, ödavde) von hier, öd an de {oddnde, bdmide) 
von dort; daneben stehen ödävle (oddvle, ödavle), bdänle 
(ödanle odänie) ; hier rührt das -le her aus einer Ausgleichung 
mit den Bildungen auf -kle, -tle, aus diesen (ödäkle, ödätle) 
ist auch das a eingedrungen. Eine Spur der älteren voran- 
gegangenen Form hat sich erhalten im ragusanischen bdovle 
(Vuk), das zunächst für "^odovde steht, und in öndole {ön- 
dole-n, Vuk Wb.), umgestellt aus *odonle statt "^odonde. 
Zu ötkäle von wo, ötäle von dort vgl. § 687 döMle, dötäle. 

Die allgemeinere Bedeutung von Icüdä küd usw. erhält 
die bestimmte Beziehung auf die Richtung woher ebenfalls 
durch od: ötkudä ötkud woher, ödovudä odovud von hier, 
ödonudä bdonud von dort, biudä btud von da, bdsvakudä bd- 
svakud von überall her. 

690. 2. Zur Angabe der Zeit. 

Statt der abg. Formen auf -gda {k^-gda, t^-gda usw.) 
hat das Skr. solche auf -da, älter also k^da Uda usw.: 
kädä (so Budm.; bei Vuk käda) käd wann (interr. und 
rel.), ne-gda einst = ne-k^da, die Doppelsetzung kät-kad, käd 
i kad, käd-no-käd (käd-no-käda) bedeutet «dann und wann», 
hnati käd (eig. haben wann) Zeit haben, z. B. 7ie imahu 
kad ni jesti Mark. 6.33 sie hatten nicht einmal zum Essen 
Zeit, btkad von wann an, seitdem; övdä = ov^da, öndä 
dsinn == omda {ovdä Ö7idä hsi]d jetzt, bald dann), das mont. 
madä, bnadä-r (VukWb.) bewahrt altes h] bd-ondä seitdem; 
säda säd jetzt = shda; die Form säde (auch käde neben 
kädä käd bei Vuk angegeben, im 14.Jahrh. belegbar; rich- 
tiger wohl säde; im Ak.Wb. käde) scheint auf Ausgleichung 
mit den Ortsadverbien auf altes -e zu beruhen (s. §687); 
tädä täd = fzda dann, auch täde {fade? vgl. täde-r), otädä 
von der Zeit an = od t.; väzda immer = vhshda, dass, 
svagda und sväkad; vgl. noch drugda dann und wann = 
'^drug^da. Die bei Vuk Wb. als ragusanisch und monte- 



406 Anhang zur Deklination. Adverbia. [§690—692. 

negrinisch angeführten svede sved (immer) entsprechen abg. 
vhse-zde^ eig. «überall». 

sve = immer ist das Neutrum zu vas säv, aus vhse. 

Über jäko s. § 691. 

691. 3. Zur Angabe der Art und Weise. Die 
mit Formans -ak- gebildeten Wörter sind die Neutra der 
Adjektiva auf -akh: kako wie (interr. und rel.), oväkö (zu 
der bestimmten Form oväki) auf diese Art, onäkö (zu onaki) 
auf jene Art, täkö so (zu täki)] täko^ die unbestimmte Form, 
bedeutet «so» in der Beschwörung, z. B. täko mi höga! so 
wahr mir Gott (helfe)!; Inäko (veraltet) anders, jetzt mäce\ 
jednäko auf eine Art, zeitlich: beständig, immer fort; 
mkojäko (zu kbji\ VukWb. mont. = nikäko) auf keine Weise, 
vgl. sväkäko sväkojäko auf jede Weise, jedenfalls, auf allerlei 
Art. Hierher auch ursprünglich jäko sehr (das Adj. jäk 
hat wie oioq den Sinn von «fähig wozu», dann von «stark» 
angenommen); jäko hat zeitlichen Sinn, «jetzt», in do jäko 
bis jetzt, od jäko von jetzt an. 

Der Bedeutung wegen sei hier angeführt auch däkle 
also, folglich, ältere Form ist dake; däkle (seit etwa 1700) 
scheint auf einer Anlehnung an dökle (s.§689) zu beruhen. 

692. II. Adverbien aus Nominalkasus. 

I. Die zu Adjektiven gehörenden, als Adver- 
bien gebrauchten Akk. sing, neutr. und die Ad- 
verbien auf -ski. 

A. Neutrum sing. adj. Die Form macht keine 
Schwierigkeit; der Auslaut ist bei hartem Stamme o, bei 
weicheme, kurz, wenn das Adjektiv in unbestimmter 
Form gebräuchlich ist. Die Betonung ist die des Neutr. 
sg. adj., doch ist darauf zu achten, daß, wenn das Ad- 
jektiv zweisilbigen Stammes im Ragusanischen Wurzel- 
betonung hat (s. §648) gegenüber der Endbetonung nach 
Vuks System, das Adverbium jene ältere Betonungs weise 
auch bei Vuk festgehalten hat. Beispiele: Adjektiv eist 
ntr. clsto^ adv. clsto (und so bei den folgenden), krötak — 
krdtko, präv — prävo, släb — slähoj zdräv — zdrävo, zäo f. 



§692-694.] Anhang: zur Deklination. Advorbia. 407 

zlä — zlö^ dövöljan — dövöljno, zqödan — zgddno] döhar — 
döbro. Dagegen z. B. cest dicht ntr. c^sio (bei Viik, und so 
die folgenden), adv. cesto, dräg — drägo, Ujep — Vljeim, lud 
— lüdo, Ijüf — Ijüfo, müdar — müdro, nägao — näglo^ 
tvrd — tvrdo. 

Ist das Adjektiv nur in der bestimmten Form 
gebräuchlich, so hat auch das Adverb diese, d. h. langen 
Vokal im Auslaut. Das ist namentlich beim Komparativ 
beobachtbar. Die Betonung ist die des bestimmten Ad- 
jektivs. Z. B. göri schlimm, adv. göre, hölji besser — bdlje 
(bei Vuk in der Anwendung als Interjektion mit kurzer 
Endsilbe: bölje geschwind! und in brie bdlje so schnell als 
möglich), 7nä7iji geringer — mänje, viel größer — veöe {veöe 
veö schon), msi höher — vise höher, mehr {vise ist prä- 
positional), bogätiji weicher — bogätije. Bei nicht kompa- 
rativischer Form z. B. Isii derselbe — tstö ebenso, prvi der 
erste — pi'vö neulich (mit anderem Hauptton |;rt'o erstens); 
hierher auch ovolikö (ovölikö), onoUkö, toUkö soviel, zu ovo- 
Vtki, onoliki, foliki, dagegen köliko (kollko) wieviel zu adj. 
kölik kolika kollko (kölika köliko), vgl. auch iöliko neben toUkö. 

693. B. Adverbia auf -ski = -hsky; sie be- 
deuten: in der Art, nach der Sitte, in der Sprache des 
dem Adjektiv zugrunde liegenden substantivischen Begriffes, 
z. B. sf'pski in Serben art, srpski govöriti serbisch sprechen, 
Ijüdski menschlich, müski männlich, iiäski näsinski auf unsere 
Art, in unserer Sprache, jmski hündisch. Das auslautende 
i ist kurz (so nach Budmani § 252.3); bei Vuk Wb. 
kommen indes Fälle mit Länge vor, z. B. möjski nach 
meiner Art, svhiski schweinisch, pöknjiskl V)uchmäßig; es sind 
vielleicht nur zufällige Abirrungen in die Adjektivform. 

694. II. Sonstige Nominalkasus als Adverbia. 

Eine bestimmt abgegrenzte Zahl läßt sich nicht angeben, 
da es oft in der Willkür liegt, ob man einen Kasus als 
Adverb ansehen oder in die sonstige syntaktische Anwendung 
einrechnen will, z.B. cäsom, Instr. der Zeit, augenl)licklich, 
eig. den Augenblick, redom der Reihe nach, mähom sogleich 



408 Anhang zur Deklination. Adverbia. f§ 694. 695 

(eig. mit einem Hieb, mäh), väzdän = vhsh dhuh den ganzen 
Tag, sjütra-dän am folgenden Tage (eig. Akkusati ve der 
Zeit). Es sind daher im folgenden nur Beispiele gegeben, 
in denen der adverbiale Charakter sich deutlicher in Form 
oder Bedeutung ausprägt. Ganz selten sind Nominativ- 
formen adverbial geworden : IsÜHa (Wahrheit) = wahrlich, 
in der Tat, z. B. tstina je rüzno es ist in der Tat übel; 
zhilja (Ernst, Tatsächlichkeit) ernstlich, in der Tat. Über 
slnöö s. u. 

1. Akkusativ sing.: dänas {= dhuh-sh diem hunc) 
heute, mit angefügter Partikel dänas-ke, vecera-s (= vecerh- 
sh) veceraslce heute abend, jesenas {= jesenh-sb) jesenaske 
diesen Herbst. Da das alte Pronomen sh außer Gebrauch 
ist, sind diese Zusammenrückungen reine Adverbien, und 
die Bildung mit diesem starr gewordenen -s ist fortgesetzt 
auch bei neutralen und femininalen Akkusativen (wo die 
alten Formen se, shjq waren), dabei einige lautliche Ver- 
änderungen, Dehnungen, Kürzungen und Betonungs- 
änderungen: jütro Morgen, jütrös jütröske heute morgen; 
Ijeto Sommer, Ijetös Ijetöske diesen Sommer; pröljeto Früh- 
ling, pröljetös pröljetöske im letzten Frühling; nöö gen. nöci 
f. Nacht, ndöas ndcaske in dieser Nacht; zima Winter akk. 
zwiu, zimüs zlmüske diesen Winter. In smö6 sinöcke (eig. 
diese Nacht) gestern abend ist der Nom. si enthalten und 
so beibehalten, nur -nöö akkusativisch. 

Vgl. noch cäs — cäs (Zeit — Zeit) = bald — bald; 
mwio-gred im Vorbeigehen; das unveränderte pilt «mal» 
z. B. dvd'püt zweimal, tri-püt dreimal. Das indeklinable 
pöla Hälfte, halb (z.B. östavivsi ga pöla mrtva ihn halbtot 
liegen lassend) ist wohl alter Akk. dual. 

695. 2. Instrumental sing. 

a) Maskulin. Von Substantiven, die z.T. nur in 
diesem Kasus, als Adverbien gebraucht werden, z.B.lzrijekom 
ausdrücklich (eig. mit Ausspruch), krädom (eig. verstohlener- 
weise) heimlich, krisöm heimlich, nikom vornübergebeugt, 
päsom weidend {idü göveda p. das Rindvieh geht weidend), 
pöredom Izredom (vgl. redom) der Reihe nach, prtpädom 



§695—697.] Anhang zur Deklination. Adverbia. 409 

(eig. dem Zufall nach) in Nebenstunden, rf/iom (eig. mit 
Ruf) laut. — Vgl. von sonst gebräuchlichen Substantiven 
ösjekom in Bausch und Bogen (eig. im Abhieb), püfem 
(pütom) unterwegs, prijeccem (zu prijecac) querdurch, auf 
dem kürzesten Wege; tPkom {tPk Lauf) trcati eihg laufen. 
— V^on Adjektiven, z. B. isfom gerade eben jetzt (zu 
istl)y jäkom gerade jetzt (vgl. jäko jetzt), läkom (zu loh) 
leichtlich, beinahe, üstom (zu Iht) schnell, täjom heimlich 
(zu altem Adv. taji tajh oder zu Subst. täj Geheimnis; bei 
Gundulic u taju im geheimen), fihom tijom (zu tih) still. 
b) Feminin. Von Substantiven: ?ioJw in der Nacht, 
angeschlossen daran vom mask. dän : dänju dänjöm bei 
Tage; zöröm ganz früh (zbra Morgenröte). — Von Ad- 
jektiven: siröm weit offen (vgl. adj. sirok; vielleicht zu 
einem alten Substantiv) ; jednöm einmal (vgl. abg. jedinojq), 
drügöm zum zweitenmal, treööm zum drittenmal, cetvrtöm 
zum viertenmal, prvöm zum erstenmal, vgl. auch dvojhiöm^ 
z. B. dv. follko doppelt soviel; sredöm zum Glück. 

696. 3. Lokativ sing. Da heute der Lokativ 
ohne Präposition nicht gebraucht wird, sind alle Lokative 
ohne Präposition adverbiell. Die alte häufige Anwendung 
des Lok. sg. ntr. der Adjektiva im adverbialen Sinne ist 
im Skr. fast verschwunden, gebräuchlich zlje zlje schlimm 
(^ z^le) zu zäo f. zlä (= z^l^ z^la). — Von Substantiven 
dblje unten hinunter (zu dö döla Tal); gbre gor je hinauf 
(göra Berg); jävi gerade so (eig. offenbar; vgl. na jdvi in 
wachem Zustand; zu einem alten Subst. javh); läni (lani) 
im vorigen Jahre, Ö7iom-läni vor zwei Jahren; Ijeti im 
Sommer (Ijeto); onomddne (= onomh dhne an jenem Tage) 
neulich, zimi im Winter (zima). 

697. 4. Adverbia auf -tce, -ce, -ke, in Vuks Wb. 
häufig, ca. 140 Beispiele (s. die Aufzählung von Maretic, 
Hrvatskos. adverbi natce, ce, ke, Rad 96, S. 228), der äußeren 
Form nach Gen.sg. femininaler a-Stämme, so auch erklärt 
von Miklosich VG. IV466, z. B. nemüice schonungslos aus 
einem Sühnt. *ne-miUca und aufgefaßt als Genitiv der Art und 
Weise. Maretic nimmt die Deutung aus solchen alten Sub- 



410 Anhang zur Deklination. Adverbia. [§697.698. 

stantiven an, doch mit dem Zusatz, daß der Genitiv an sich 
schwerlich diese Bedeutung haben könne, zunächst seien 
vielmehr präpositionale Verbindungen wie Iznovice = Hz 
növice von einem Subst. *ndvica entstanden, daraus der An- 
laß zur Weiterbildung auch mit Präpositionen, die nicht 
sonst mit Gen. verbunden werden, und ohne Präpositionen 
hergenommen. Die Deutung vonMiklosich ist einfacher und 
zu dem Gebrauch des Genitivs vgl. Wendungen wie drdge 
völje (freiwillig, eig. guten Willens). Die Schwierigkeit be- 
steht nur darin, daß man wirklich vorhandene Substantiva 
der Art nur sehr spärlich nachweisen kann, so kokbske, 
eig. knäuelartig, beim Ringen so fallend, zu kököska Knäuel, 
beachte aber die abweichende Betonung; strämputica Seiten- 
weg : strämputice auf Seitenwegen, trösica Bröckchen, ein 
kleines Stück : irösice wenig, mrvica ein Bißchen : mfvice 
wenig, püstimica Wurf knüttel : pustimice püstimicke knüttel- 
artig (werfen), näpolica Geschäft auf Halbscheid : näpolice 
zur Hälfte. Zweifelhaft ist schon dbusica, dazu Vuk Wb. 
iz öbusice^ das wohl erst dem adverbiellen izöhusice, un- 
verhofft, entnommen ist, ebenso tzredica Ak. Wb. (aus 
Sulek), wohl erst aus izredice nahredice, der Reihe nach, 
abstrahiert. Substantiva ferner, wie sie Maretic für die 
Bildungen auf -ce und -ke voraussetzt, z. B. *obzirca *obzirka, 
"^prestanca zu bezobzlrce bezobzirke, neprestmice sind überhaupt 
kaum außerhalb der Adverbia nachzuweisen, vgl. etwa 
uköpce entgegen zu kbpca dem. von köb u. a. Begegnung. 
Dazu kommt noch die Schwierigkeit, daß diese Adverbia, 
wenigstens in ihrer Fülle, jung zu sein scheinen; soweit 
das Ak.Wb. die Nachweise bis jetzt gibt, scheinen keine 
Belege vor dem IT.Jahrh. vorhanden zu sein. 

698. Die Bildungen auf -ice, ungefähr die Hälfte 
aller, haben nie alten Hauptton auf der Endung, die auf 
-omice und -imice stets ' auf der ersten Silbe, ausgenommen 
das vom Fremdwort ätnet (Verderben) abgeleitete ämetimice 
(neben ämetice) gänzlich. Dagegen haben die auf -ce den 
alten Hauptton auf dem Ende, nach jetziger stokavischer 
Betonung ' (selten ') auf der vorletzten Silbe; die auf -ke 



§698.699.] Anhang zur Deklination. Adverbia. 411 

(ca. 50) schwanken, doch überwiegt alte Endbetonung. 
Allgemeine Regel ist Verkürzung etwaiger Längen der zu- 
grunde liegenden Wörter, z. B. Izrucke : 7'ü1ca, lezeöke : lezeöi^ 
nalecke : Uda^ pojäske : pöjäs, naträske : 7iäträg, näustice : lista, 
7iestedice : sfedjeti, jednöglasice : gläs^ posämce : säm. Bei -ice 
finde ich nur die Ausnahme högdice Gott gebe! zu (da) 
bog da, male ice zu mdlko; bei -ce nur mfvce zu mi'va; einige 
mehr bei zweisilbigen auf -ke: öütke zu cütjeti, mrvke zu 
rnrva, mucke zu mücati, nicke zu altem nich^ stöjke zu stöjim 
stäjati, sümke (und sümke) zu sümati se^ virke zu viriti, vücke 
zu vük. 

099. Im folgenden ist der Versuch gemacht, die 
Bildungen nach ihren Grundwörtern zu ordnen: Bildungen 
auf -omice, -imice; vom Instr. sing, dljelom (delom) 
djelomice und djelimice teilweise, jätom (in Scharen) jätomice 
(auch ;afimice kommt vor) scharenweise, krädom (s. §695a) 
krädomice und krädimice heimlich {kridimice durch Anlehnung 
an knti verbergen), dänöm (bei Tage) dänomice und däni- 
mice Ak.Wb. Vielleicht gehen noch mehr solcher zu Sub- 
stantiven gehörenden Bildungen mit -imice auf Instrumentale 
zurück, indem -imice nur Nachahmung der gleich zu er- 
wähnenden Verbalableitungen ist, vgl. llöimice (18.Jahrh.) 
mit der flachen Klinge (schlagend) zu fem. lit instr. Iwu 
flacher Schlag ; mjesto instr. mjestom : mjestimice an Ort und 
Stelle, stellenweise, sUa sllöm : sUimice mit Gewalt, siröm 
weit : slrimice, üsi (Ohren) Öhr, Rücken des Beils, üsima : 
iisimice mit dem Beilrücken (schlagend), dzllit (türk.) 
Wurfstab dzUitom : dzllitimice wurfstabartig (werfen). — Von 
Verben auf -i- : -imice^ hötimice absichtlich, zu hdfjeti 
wollen, scheint auf Part. präs. pass. hotim zu beruhen (bei 
Reljkovic, 18. Jahrb., ein hotomce, und aus neuerer Zeit 
hötomice Ak.Wb.), ebenso sehen aus hltimice schleudernd 
zu hltiti werfen, dipimice im Sprunge zu dlpiti springen; 
lefimice (so Ak. Wb. ; richtiger wohl letimice) im Fluge zu 
letjeti letim; vielleicht noch hierher pljöstimice mit flachem 
Schlag zu einem '■^pljostiü', ne-stedimice schonungslos zu 
stedjeti stedim. Von solchen Fällen ist -imice auf Verba 



412 Anbang zur Deklination. Adverbia. [§699 — 701. 

übergegangen, wo kein Stanam auf i vorhanden ist, z. B. 
bödimice stichweise : bösti bddem, gürimice mit Stoß : gurnuti 
anstoßen, krlmice (krljimice im 18. Jahrh.) heimlich : krlii^ 
sjecimice mit der Schneide : sjeöi sijecem. 

700. Von den Bildungen auf -ice lassen sich 
nur wenige unmittelbar mit Verben verbinden, etwa höfice 
Ak. Wb. mit Willen, nehoüce ohne zu wollen : hötjeti, nä- 
valice mit Absicht : naväliti andringen (Danicic schreibt 
nähvalice) ; nestedice schonungslos : stedjeti, pomamice wütend : 
pomdmiti, xjözajmice üzajmice gegenseitig : po-, uzä-imati sich 
gegenseitig helfen, üpropnice üspropnice sich bäumend : 
prdpeti pröpnem se, izmasicke (setzt ein "^izmasice voraus) mit 
Ausholen : iznidhnuti izmdsiti. Von Nomina, ohne Prä- 
position: dnevice gerade an dem Tage: dän y gl. gen. dnevi; 
dzllitice (vgl. § 699 dmliiimice) : dMit, jednödusice einmütig : 
jedmiy dum; jednoglasice jednögrlice einstimmig : jedmi, glas, 
grlo] pustdpasice in freier Weide :^wsto^as; sümitice so liegend, 
daß wo des einen Kopf des andern Füße, vgl. u sümit 
dass.; tUutice mit dem Messerrücken : tilüt; zläradice bös- 
willig : ^Za rädi um des Bösen willen. Mit Präposition: 
nägorice hoch oben : na gdri auf dem Berge, näocice augen- 
scheinlich : nä oci, na dciju, näustice mündlich (vgl. naizust 
auswendig) : üsta, näzorice in Sehweite : ndzor ibudi ndzor 
gib acht), potrbusice auf dem Bauche : po trbuhu, pdsebice 
von selbst : po sebi, uzäsebice dass.; pötajice heimlich, zu 
po-tdjaii verbergen oder zu altem adv. *taj; ne-zdrelice (un- 
sichtbar) so daß man nichts mehr sehen kann, Vrcevic 
NPr. Kot. 6, zu -zreo -zrela von -zreti -zrim sehen. 

"701. Eine große Anzahl hat aber offenbar nichts 
mehr mit Verba oder Nomina zu tun, sondern sind Er- 
weiterungen von Adverbien oder adverbiell gebrauchten 
Verbindungen, z.T. wohl als Deminutiva von solchen an- 
zusehen, z. B. düturice in Bausch und Bogen : dzüture 
(türk.), iznovice Yon neuem : Iznova, isprvice spfvice anfäng- 
lich : Isprva, jedvice in der Wendung jedva jedvice nur mit 
Mühe, Mstilice gerade, eigens : kästile (aus dem Türk.), 
mälcice wenig : indlko, mrvcice ein bißchen, von Vuk selbst 



§701— 703.J Anhang zur Deklination. Adverbia. 413 

als Demin. zu mrvke bezeichnet, muktice vergeblich : ?>iMA-/e 
(aus dem Türk.), naüznacice rücklings : näuznak näuznäko, 
nävlasiice besonders : na,vlast, 7iemilice ohne Schonung : ne- 
yyiilo, wic'ice vorwärtsgeneigt, zu einem alten mVe (adj.m'ffc), 
pjesice zu Fuß : pjese, pbtpimice ganz und gar : pbtpuno^ 
skörice unlängst : sköro, strmöglavice über Kopf : stfmogläv == 
altem stromoglavb, sünovratice über Hals und Kopf : sünovrät, 
üpravice üpravicke gerade : üprävo, zämanice vergeblich : 
zäman^ zäsobice nacheinander : zdsoh. 

702. Die Bildungen auf -ce, öfter mit Neben- 
form -ice, nur selten mit Verben verbindbar; hoümce (vgl. 
hötimice) absichtlich : hötjeti^ uzagrepce in Karriere (von 
Pferden) : zagrepsti -grebem ausreißen. — Von Nomina, 
ohne Präposition, selten: mt'vce (ygh mfvice), kann Gen. 
eines Deminutivs "^mrvca zu mrva sein. Mit Präposition: 
bezobzirce ohne Umsehen : öbzir^ doslovce (bis auf den Buch- 
staben) buchstäblich : dö slova; naherce schief : nähero, na- 
izmjence (im Ak.Wb. näizynjence unter izmjence) abwechselnd : 
nmjena Wechsel, nasümce (und sümice) aufs Geratewohl, 
nazörce in Sehweite (s. nazorice § 700), poimence nament- 
lich : ^ö imeym, pojedince einzeln :^o;e(^Twi ad j., jjosamce ein- 
zeln : säm^ pöstepence stufenweise, allmählich : stepen^ pozlöpce 
böswillig : zlöba, po zlöbi, ustöpce (und üstopice) auf dem Fuße 
(folgend) : stöpa Tritt. — Erweiterungen von Ad- 
verbien: ibes-prestänce unaufhörlich, zu altem bes-prestani, 
naociglece (= gledce) augenscheinlich : 7iäocigled (auf den 
Augenschein), naovHjce schief, vgl. adv. 7iävrlje dass., prävce 
gerade : prävo, sfrmöglavce, s. § 701 strmöglavice, uzamänce 
fortwährend, nacheinander :w2:awia?i immer, zasöpce uzasöpce 
nacheinander (s. § 701 zäsobice) : zäsob. 

703. Die Bildungen auf -ke. Auf Verba zu be- 
ziehen: öütke schweigend : öütjeti, lezeöke liegend : lezeci 
lezati^ mucke schweigend : mücati, ömaske mit Ausholen : 
oyndhnuti, poklecke kniend : pökle6i pbkleknem, polöske liegend : 
polöziti legen, puzedke kriechend: 2)üze(!i ^niziti^ stojeöke stehend : 
stöjeöi, stöjim stäjati (stöjati), sföjke dass., siimke (sümke) 
schleichend : sümati se, trcke laufend : trcati, virke guckend, 



414 Anhang zur Deklination. Adverbia, [§703 — 705. 

glupend : viriti. — Von Nomina, ohne Präposition: 
ceiveronöske auf allen Vieren, zu cetveröriog oder eher zum 
Verbum cetoeronöziti sich auf alle Viere stellen; düpke oMi- 
mchi: düh dem. dühak Eiche, oder zu dühiti aufrecht stehen, 
yologlavke barhäuptig : golöglav, mrvke vgl. § 702 mrvce und 
mrvice, pojäske und popojäske am Gürtel (z. B. fassend) : 
pöjäs, püstimicke wurfprügelartig (werfen) : pustimica, strellmke 
pfeilartig, wie es scheint, das einzige Beispiel, in dem -im- 
vor -ke: strijela^ oder zu strijelifi^ objerucke mit beiden 
Händen : öbje rüke, töljaske (und tbljaski) mit einem Knüttel, 
tdljagUy z.B. schlagend, vücke wölfisch: vük. — Mit Prä- 
position: hezohzirke vgl. § 702 bezobzlrce, Izrucke aus der 
Hand (schleudernd) : iz ruke, nagüske rücklings : nä güz, va 
güzu, naleöke auf dem Rücken : leda, na Udima, naledaske 
dass. wohl von altem femin. Lok. pl. na ledak, ödskocke 
mit Abprall : ödskok oder zum Verbum odsköciti^ pobäücke 
(pobäucke Mar.) auf allen Vieren : bäük eine Art kriechendes 
-Gespenst, potrbuske auf dem Bauche vgl. § 700 potrbusice, 
pöbocke seitwärts : bök böka^ pö boku, porebärke seitwärts : rebro 
Rippe ^0 rebru, pozäpke 2i\it allen Vieren (eig. wie ein Frosch) : 
zäba. — Erweiterung von vorhandenen Adverbien 
naopäcke verkehrt : näopäko, naträske rückwärts : näträgy 
navrljke s. § 702 naovHjce, näzadacke rückwärts : 7iazäd zurück, 
näzadak Rückgang, pjeske zu Fuß \g\.pjesice : pjese, jednölicke 
zugleich : jed7idliko, in dieser Bedeutung Nar.pj.IV, v. 581, 
nicke s. § 701 nicice, pöpreske quer : pöprijeko. 

704. 5. Vereinzelte alte Nominalkasus als 
Adverbien: döma zu Hause, jücera (=vhcera) jücer jüce 
(vgl. zu diesen Verkürzungen vece gen. vecera neben vecer 
gen. veceri) gestern. Von Adjektiven alte Bildungen auf 
-ma: böljma besser : bölje, veöma mehr : veöe, veöma sehr 
(= vehma) : velji groß, llsma besonders : Ilse (Komp. zu llh), 
mänjma weniger : mänje, säsma sehr (aus *savsma = s^- 
vhshma). 

705. ni. Adverbia aus Präposition und No- 
minalkasus. Irgendeine feste Abgrenzung der adverbial 



§ 705 — 707.] Anhang zur Deklination. Adverbia. 41 & 

empfundenen Verbindungen gegen den gewöhnlichen Ge- 
brauch der Priipositionalkonstruktionen ist nicht zu machen. 
Es ist z. B. willkürlich, ob man öbdän am Tage, öb7iöö bei 
Nacht, mzhrdo bergab, usjmt unterwegs, näposto keinenfalls 
Adverbien nennen will und zusammenschreibt, oder ob dän, 
ob iiöö usw. Eher wird man schon Fälle wie säsvijem (eig. 
mit allem) gänzlich, pötom (eig. nach dem) nachher, Ad- 
verbia nennen, weil sie eine bestimmt eingeschränkte Be- 
deutung gegenüber etwaigen sonstigen Verwendungen der- 
selben Wörter haben. Es ist hier daher nur eine Anzahl 
Beispiele zur Veranschaulichung gegeben: 

TOß. 1. Präposition mit Kasus von Adjek- 
tiven, wo das Adjektiv als Neutrum zu fassen ist; hier 
tritt der adverbielle Charakter am deutlichsten hervor: 
dö-ista^ zä-ista, dd-ista {dd-isto, zä-isto) gewiß, in der Tat, 
do-skdra bis vor kurzem, nä-skoro bald, od-skbra (so Vuk) 
unlängst, dö-sta (aus do syta) genug, iz-dävna von lange her, 
iz-obila im Überfluß, iz-male7ia od-malena von klein an, Iz- 
nova von neuem, nä-novo dass., ispod-mükla heimtückisch, 
is-prijeka von der Seite, iz-daleka von weitem, pö-prijeko 
ü-prijeko quer, Is-prva s-prva anfänglich, Is-tiha leise, nä- 
opäko verkehrt, nä-präzno vergeblich, nä-sämo (allein) ohne 
Zeugen, pö-malo allmählich, pö-sve gänzlich, pöt-puno voll- 
ständig, gänzlich, u-dilj (eig. ins immer längere) immer : 
dilji Komp. zu düg, ü mala ne (und mäh ne\ eig. um ein 
weniges nicht) beinahe, zä-rana früh, ü-prävo gerade, recht, 
zä-jedno zugleich. Vgl. noch ü-velike reichlich, zd-lud üzalüd 
vergeblich. — Mit Pronominalkasus: nd-se zurück, na-pö-se 
für sich, nä-premä-se gegenüber (von sich). 

"707. 2. Präposition mit Substantivkasus, z. B. 
iz-nenäda unverhofft : 7iäd Hoffnung, Iz-rebra Izrebar von 
der Seite (dies vielleicht einen alten Gen. pl. zu rehro pl. 
rebra Rippe enthaltend, jetzt gen. pl. rebärä) nä-ime nament- 
lich, iia izmak na izmaku am Ende, nä-izred der Reihe nacli, 
wohl zu einem Subst. Izred^ na-iz-ust auswendig, aus altem 
Gen.pl. zu üsta, nä-ocigled augenscheinlich, nä-pokön zuletzt, 
nä-pola Dual (zur Hälfte), na-süsret (eig. auf Begegnung)^ 



416 Anhang zur Deklination. Adverbia. [§707—709. 

entgegen, iiä-träg (auf die Spur) zurück, nä-zäd zurück, 
öd-zäda hinten (danach auch 7iä-zäda), özäd ozädi (Lok.) 
dass. zu altem Subst. zad^ zadh rückwärtiger Teil, o-kolo 
ringsherum, d-zbilja (im Ernst) in Wirklichkeit, 7iä-pomöl 
angesichts, s-küpa zusammen zu küp Haufen, doch mit 
abweichender Betonung, s-pölja (vom Felde) von außen, 
vgl. näpolje hinaus; s-prijeda s-pr'ij ed Yorn, s-jütra morgen: 
jütro^ prekosjutra preksjutra übermorgen, s-reda der Reihe 
nach, s-träga hinten :^m^ Fußtapfen, Spur; ii-fta/i gänzlich, 
gerade, zu einem alten Subst. b^ch^ skr. bäh, in besonderer 
Bedeutung üdariti u-bah leugnen, iz-übaha unverhofft, 7iä- 
mäh (nä-mah), ü-mäh, ömäh sogleich, öd-mäh dass. mit starrem 
maÄ, sonst hieße es bd-mäha, ö-pet (aus o-p^th zu peta Ferse) 
wiederum, u-nätoc zuwider entgegen (zum Trotz), u-ndtrc 
(eig. auf den Zulauf) in genügender Menge, u-nütar hinein, 
drinnen (= v^7l-qtr'b), iz-nütra (eig. von innen) inwendig 
(danach auch u-nütra neben u-nütar); u-nd-krst überkreuz, 
ü-püt sogleich, u-vece abends, ü-vijek immer, us-prkös zum 
Trotz, üz-gred im Vorbeigehen, uz-düz der Länge nach, zä- 
man vergeblich (vgl. älteres mäni dass.), zd-sob nacheinander 
(vgl. § 702 zasdpce, zäsobice). Rein adverbiell müssen Fälle 
erscheinen, wo der Präposition nicht der ihr sonst zu- 
kommende Kasus, sondern eine starre Form folgt, vgl. 
oben öd-mäh^ ferner öt-püt sogleich, özdö unter (= einem 
'^oh s^ dola "^odzdola) zu dö döla Tal, özgör oben (zu göra 
Berg) özgö (gebildet nach özdö), daneben bzgär özgära. 

TOS, 3. Präposition mit an sich schon ad- 
verbialen Wörtern: iz-van izvanka ^xdiM^Qü, Is-tekär aufs 
neue (s. § 709 tek), nä-protiv im Gegenteil, yia-süprot ent- 
gegen, s-prööu gegenüber, im Vergleich mit, nä-uznäk nä- 
uznäko auf dem Rücken, niz-doli bergab, ö-s-träg, sä-s-träg 
von hinten (vgl. § 707 s-träga), öd-veö bd-veöe zu sehr, ot- 
prvö unlängst, od-bzgo von oben, od-özdö von unten, öd- 
uvijek von jeher, pö-sad von nun an. 

"709. IV. Vereinzelte Adverbien, bäs gerade 
(= gerade recht so) = b^sh., vgl. ü-bah^lOl , cäk weit weg, 



§709—712.] Zur Geschichte der DekhnatioD. 417 

jedva (aus jedzvä) kaum, jöste jöste-r {r = -ze) jösi noch 
(abg. jeste)^ jü-r {=ju-ie) schon, jiir-ve allerdings, ne nicht, 
ni nein! ne (juidem, ni — ni neque — neque, päk päka 
pä darauf, dann (vgl. abg. paky Aviederum) l-päk doch; töboze 
angeblich, als ob, dasselbe bedeutet höze-m aus höze mi oder 
b. me, und tö-korse daneben körsem. 

Die hinweisenden evo, eto, eno siehe! unterscheiden 
sich im allgemeinen so, daß evo sich auf die erste, redende 
Person bezieht, efo auf die zweite, eno auf die dritte, z. B. 
evo zdvjet möj siehe dies mein Gelübde!, eto tvöje sählje a 
evo möje yldve sieh da dein Säbel und sieh hier mein Kopf!, 
eno je pod saiörom sieh da ist sie unter dem Zelt, vgl. 
auch evo övdje sieh hier!, mo öndje sieh da! 

Aus dem Türkischen stammen: bär barem wenigstens, 
badävä badäväd vergeblich, bojägi bajägi unter dem Vorgeben, 
als ob, nieder folglich, also, tek kaum nur. 

710. Angefügt sei noch, daß auch Sätze zu Adverbien 
werden können: mözda vielleicht (aus möze da kann [sein], 
daß), valjda wahrscheinlich (aus väljä da muß sein, daß), 
höj-se vielleicht {böjske; aus böj se fürchte dich oder böji se 
er befürchtet, vgl. bdjim se ich vermute); 2mä (3. sg. 
es hat il y a) bei Zeitangaben = seit, z. B. ovdje se vec 
bävim Imä mjesec dänä ich halte mich hier seit einem 
Monat auf. 

711. Die Präpositionen und präpositional an- 
gewendeten Wörter, soweit sie mit Verben zusammen- 
gesetzt werden können, s. beim Verbum § 773; den Ge- 
brauch der Präpositionen mit Kasus in der Syntax; dort 
auch die von den Adverbien nicht scharf trennbaren sog. 
Partikeln und die Konjunktionen. 

Zur Geschichte der Deklination. 

7l!3. Danicic, Istorija oblika srpskoga ili hrvatskoga 
jezika do svrsetka XVII. vijeka (Belgrad 1874), — Trotz 
des außerordentlich reichen Materials, das hier zusammen- 
gebracht ist, kann man ein klares Bild der Entwicklung 
über das gesamte Sprachgebiet nicht daraus gewinnen. Es 

L e 3 k i e n , Serbokroatische Grammatik. 27 



418 Zur Geschichte der Deklination. [§712.71:3. 

fehlen die cakavischen Mundarten, soweit nicht dalmati- 
nische Schriftsteller (Marulic u.a.) in Betracht kommen; 
die glagolitischen Urkunden sind nicht verwertet. Ferner 
ist bei den benutzten (kyrillischen) Urkunden nicht nach 
den Orten ihres Ursprungs geschieden, die verschiedenen 
Gattungen der Literatur, Dichter, geistliche und weltliche 
Prosa nicht gesondert, die Abhängigkeit ragusanischer 
Schriftsteller von gegebenen, auch cakavischen Mustern 
nicht berücksichtigt. Es ist alles sozusagen auf eine Fläche 
projiziert. Die ganze in Betracht kommende Überlieferung, 
deren Veröffentlichung seit jenem Werke noch sehr fort- 
geschritten ist, noch einmal durchzuarbeiten, ist mir nicht 
möglich gewesen. Ich kann nur versuchen, durch Trennung 
der Cakavstina und der Stokavstina ein etwas klareres 
Bild zu geben. 

I. Nomina. 

Die Cakavstina. 

Die heutigen cakavischen Mundarten. 

TIS. Die Entwicklungstendenzen dieser Mundarten 
lassen sich im wesentlichen dahin zusammenfassen: 

1. Ausgleichung der fem. a- und ;a-Stämme, entweder 
nach der Seite der ;a-Stämme hin (so meistens), daher 
z. B. gen. sg. iewe, nom. pl. zem nach äü^e^ düse; oder 
(seltener) nach der Seite der a-Stämme, z. B. gen. sg. düsl 
nach zem, n. pl. düsi nach zenl. 

2. Beim Mask.-Neutr. Annahme der Endung -u im 
Lok. sg. 

3. Im Gen. plur. msk. Annahme der Endungen -ov 
und -^; Erhaltung der endungslosen Form bei Maskulinum 
mit beweglichem a der letzten Silbe, durchweg beim 
Femininum auf -a und beim Neutrum; in einigen Mund- 
arten Ausgleichung mit dem Lok.pl. imMask. u.Neutr., -ih. 

4. Völlige Ausgleichung des Nominativs, Akkusativs, 
Instrumentals msk. plur. in dem Falle, wenn der Instru- 
mental die alte Endung -i (= -y) hat, z. B. jaziki oder 
jazici nom. akk. instr. 



§713.714.] 



Zur Geschiclite der Deklination. 



419 



5. Annahme der Form des Akk. plur. msk. der jo- 
Stämme bei den o-Stämmen, z. B. zühe wie orcice. 

6. In alter Gestalt bleiben erhalten: Dativ, Lokativ, 
Instrumentalis aller Deklinationsklassen, msk.-ntr. -om 
{-on), -ih, -i; fem. -am (-rtw), -ah, -ami. 

7. Das -or- dehnt sich nicht über den Gen. pl. hinaus 
auf andere Kasus aus, auch nicht bei einsilbigen Maskulina. 

Im einzelnen stehen die Mundarten, selbst wenn un- 
mittelbar benachbart, auf verschiedenen Entwicklungsstufen. 
Zur Veranschaulichung behandle ich einige etwas ausführ- 
licher. 

714. Die Mundart von Cherso (nach Tentor, Der 
cak. Dialekt der Insel Cres, ASlPh. 30.146, vgl. dazu Belic, 
Roczn. slaw. II, 174). Die Deklination der fem. a-Stämme 
ist völlig die alte; die ^a-Stämme haben deren Formen 
angenommen (die Betonung gebe ich hier wie im folgenden 
so, wie die betreffenden Schriften sie haben): 



zenä 


dusä ] 


dI. zenl 


düsl 


zenl 


düsl 


zen 


düs 


zene 


düse 


zenän 


düsän 


ze7iü 


düsu 


zenl 


düsl 


zenü 


düsü 


zenämi 


düsämi 


zene 


düse 


zenäh 


düsäh. 


zeno 


düso 







Die mask.-ntr. o-Stämme haben -u im Lok. sing. 
noch nicht durchgängig; nach Tentor nur bei weichem 
Stamm und bei Bezeichnungen lebender Wesen, z. B. na 
gnojüj na konju, sonst das alte -e neben -w, mit der Be- 
merkung, daß die jüngere Generation oft allgemein -u 
spreche. Der Gen. plur. kennt kein -ov, die alte endungs- 
lose Form ist erhalten, daneben namentlich bei einsilbigem 
Mask. -i angenommen, z. B. stöli^ könji, völi, sehr selten 
auch beim Neutrum, z. B. mestl. Der alte Akk. plur. 
mask. auf i (= -y) ist erhalten, fällt also von selbst 
mit dem Nom. pl. zusammen in allen Fällen, wo kein 
gutturaler Konsonant in Betracht kommt, z. B. grädi nom. 



iv 



420 Zur Geschichte der Deklination. [§714.715. 

u. akk. Das hat dazu geführt, daß die Nominativ form 
bei gutturalem Auslaut des Stammes, z. B. kämici (zu 
kämik), auch als Akkusativ dient, also in allen Fällen 
Nom. und Akk. gleich sind. Auch die jo-Stämme haben 
die Endung -i (statt des alten -e^-^). Da nun auch der 
Instr. plur. auf -i {= -y) auslautet, z.B. s völi, s präsci^ 
und in derselben Weise mit dem Nom. plur. zusammen- 
fällt, werden auch die Nominativformen mit Guttural- 
wandlung in den Instr. übertragen, z. B. s kämici. Die 
alten Formen des Dat., Instr., Lok. plur. msk.-ntr. sind 
erhalten: stolön, stoll^ stoleh; dabei ist bemerkenswert, daß 
die jüngere Generation sie durch die Femininalformen zu 
ersetzen pflegt: stolän, stolämi^ stoläh. Die alten f Stämme 
haben im Mask. einige alte Formen bewahrt, so dat. pl. 
jüdeii (zu jüdi = Ijüdi) ; die Feminina nehmen in mehreren 
Kasus die a-Form an: dat.-lok. koste, instr. kostü, dat. pl. 
kostän, instr. kostämi, lok. kostäh. 

715. Fast ebenso verhält sich die Mundart von 
Krasica an der kroatischen Festlandsküste bei Fiume, 
in den Narodne pripovijetke i pjesme iz hrvatskoga pri- 
morja, ges. von Mikulicic (Porto Re 1876), vgl. ASlPh. 
5.181; doch gehen die Neuerungen etwas weiter; es seien 
hervorgehoben Instr. sing. fem. zenun (-n = -m) mit An- 
nahme des -n aus dem Mask.-Neutr. Die Lokativendung 
-u ist im Mask.-Neutr. allgemein. Dem Gen. plur. fehlt 
die Endung -ov; vor den i-Stämmen ist -i entnommen, 
aber diese Form wird in den Texten mit verschwindenden 
Ausnahmen nur nach Zahlen oder Quantitätsausdrücken 
gebraucht, z. B. devet vuki, trinajst deli, sto kusiy toliko ohruci. 
Über einen ähnlichen Stand der Dinge im Fiumaner Dia- 
lekt vgl. Strohal, Osobine danasnjega rijeckoga narjecja 
(Rad 124). 

Die sonstigen cakavischen, namentlich die Inselmund- 
arten, die im ganzen ebenfalls sehr altertümlich sind, 
können hier nicht im einzelnen behandelt werden; ich 
verweise auf Milcetic, Cakavstina kvarnerskih otoka (Rad 
121); Kusar, Rapski dijalekat (der Insel Arbe), Rad 118; 



§715.716.] Zur Geschichte der Deklination. 421 

Oblak, Der Dialekt von Lastovo (Lagosta), ASlPh. 16; 
Milas, Trpanski dijalekat, Rad 103, dazu Oblak in ASlPh. 
15.117. 

716. Besonders hervorgehoben sei dagegen die von 
Belid, Zametki po cakavskim govoram (Izv.XIV[1909],2) 
ausführlich behandelte Mundart von Novi (in Vinodol, 
kroat. Küstenland), weil hier die Entwicklung z. T. andere 
und eigentümliche Wege gegangen ist. Der fem. harte 
a-Stamm flektiert: 

sg. kräva pl. kräve 

kräve kräv 

krävi kravän 

krävu kräve 

krävün krävah 

krävi kravami^ 

krävo 

genau so der /a-Stamm, düsä düse usw., d. h. es hat hier 
wie im Stokavischen der harte Stamm die Formen des 
weichen angenommen. Die fem. i-Stämme nehmen im 
Instr. sg., Dat.Instr.Lok.pl. die a-Form an: kostün, kostdn^ 
kostämi, kostäh (neben köstih oder kostih); der Gen. pl. 
kösüh und kostih (über -k in stokav. Mundarten s. § 728). 
Beim Maskulinum gibt es Unterschiede je nach der 
Betonungsweise, der Quantität, der Silbenzahl und dem Um- 
stände, ob die letzte Silbe bewegliches a hat oder nicht.* 

1. Einsilbler mit Kürze und unbeweglichem Haupt- 
ton ' bewahren ganz die alten Formen: 

sg. cäs pl. cäsi 

cäsa cäs 

cäsu cäsön 

cäs cäsi 

cäsön cäsi 

cäsi cäsih. 
cäse 

2. Alle anders betonten Maskulina werden ebenso 
flektiert außer im Gen. plur.; dieser hat oder kann haben 



422 Zur Geschichte der Deklination. [§716. 

die Endung -ih, d. h. die Lokativforra, durch Anschluß an 
die DekHnation der Pronomina und Adjektiva: I. fast 
durchgehend -ih'. A. bei den Einsilblern mit Betonung 
hröd hröda, kröv krovä, brest brestä, daher brodih, vldsih, 
krdvih (krovih), brestth (brestih). Selten sind endungs- 
lose Formen wie bröd. — B. Bei Mehrsilblern mit festem 
(und ' aus '' durch Dehnung) auf der ersten Silbe und 
ohne bewegliches a in der letzten, z. B. töpöl töpola : töpollh^ 
ribär rihära : nbarth, dimljäk dimljäka : dimljäclh] selten 
endungslos, z. B. mlsec neben misecih, öbrüc öbrüca : obrücth. 
— C. Bei Zweisilblern mit Endbetonung im Nom. sg. und 
wechselndem Hauptton, z. B. koldc koläcä : koldcth, tezdk 
tezäkä : tezdcih. — II. Weniger fest ist -ih bei den folgenden : 
A. bei Mehrsilblern mit festem Hauptton auf der letzten 
ohne bewegliches a, z. B. sused suseda : sused und susedih, 
postollö postolida : postoliö^ Novljänin pl. Novljäni : Novljän u. 
Novljänih. — B. Bei den zwei- und mehrsilbigen mit " und 
unveränderlichem Hauptton bei beweglichem a, z.B. stärac 
stärca : stäräc (stardc) und stärrM^ doch herrscht nach den 
Ansätzen bei Belic S. 31 wohl die kurze Form vor. — 
C. Bei den zwei- und mehrsilbigen mit beweglichem a 
und veränderlichem Hauptton scheint nach S. 34 — 35 die 
endungslose Form durchaus vorzuherrschen, bei solchen 
mit langer vorletzter Silbe allein zu gelten, z. B. otäc ocä : 
ötäc otdc, posdl poslä : pösäl (vereinzelt scheint kösac koscä : 
köscih neben kösäc kosdc) ; svetäc svetcä : svetäc, cvitäk cviikä : 
cvitäk, desetäk desetkä, desetäk. 

Die Neutra bewahren die alte Flexion: 



sg. leto 


pl. leta 


Uta 


let 


letu 


letön 


Veto 


Uta 


letön 


leü 


im 


letih^ 



vgl. dazu tele teleta : gen. pl. telet, Ime imena : gen. pl. 
imen usw. 



§717.] Zur Geschichte der DekHnation. 423 

717. Historisches. 

Zum Ausgangspunkt nehme ich die küstenländi- 
schen Ijektionarien des 15. Jhs., das sog. Zaraer 
(hsg. von Resetar, Zadarski i Ranjinin lekcionar, Agram 
1894, zitiert mitZ), das des Priesters Bernardin von 1495, 
neu gedruckt 1543, 1586 (hsg. von Maretic, Lektionarij 
Bernardina Spljecanina po prvom izdanju od god. 1495, 
Agram 1885, zitiert mit B). Über diese Texte und ihre 
Sprache vgl. Resetar, Primorski lekcionari XV. vijeka 
(Rad 134 u. 136): 

1. Die a-Feminina haben die Form der jaStämme 
angenommen, z. B. gen. sg. göre wie zemlje, nom.-akk. pl. 
strane wie ovce; Dat.-Lok. sg. -i kann in der ikav. Mund- 
art = i und = e sein. 

'2. Instr. sg. fem. Das urspr. p ist regelmäßig erhalten 
bei den ^-Stämmen, z.B. ricju, radostju^ daneben vereinzelt 
-i. Die a-Stämme haben regelmäßig -öm. 

3. Lok. sg. msk.-ntr.: in Z ist die alte Endung -i 
(=e,i) noch überwiegend, z.B. svifi, va sni, u pocali; die 
neuere -u herrscht bei gutturalem Auslaut, z. B. trgu, piiku, 
duhii, das beruht auf der Abneigung, den Guttural zu 
^vandeln {trzi usw.); ferner fast durchgehend nach po, z. B. 
po zakonu, po redu] das ist eigentHch der Dativ, mit dem 
po von alters her in solchen Wendungen verbunden war, 
die Form ist aber empfunden als Lokativ, denn po wird 
beim Pronomen mit dem Lok. verbunden, z. B. ^o kom, 
ebenso stets im Plural. In B ist -u im Überwiegen, die 
späteren Drucke setzen für die verbliebenen -i noch weiter 
-u ein. 

4. Der Nom. plur. msk. auf -e ist regehnäßig erhalten 
bei den Stämmen auf -an- (Sing, -anin), -in, z. B. Ictiöane, 
grajane, zidove. Bei dem urspr. w-Stamm .9m ist der Nom. 
pl. sinove regelmäßig bewahrt, das -ove vereinzelt auch auf 
einsilbige o-Stämme übertragen, stanove, valove (Z), popove 
(öfter) B. In oblique Kasus geht -ov- in Z und B regel- 
mäßig nur bei sin über: sinovom, sinove (Akk.), so auch 



424 Zur Geschichte der Deklination, [§717 

der alte w~Stamm vol: akk. pl. volove; vereinzelter in den. 
Akk.pl. anderer Einsilbler: öTofcove, popove, glasove, gradove. 

5. Der Gen. plur. auf -ä fehlt völlig. Neutrum und 
Femin. des o- und a-Stammes haben die alte endungslose 
Form. Die Maskulina bewahren diese sehr regelmäßig bei 
Wörtern mit beweglichem a der letzten Silbe, z. B. otac^ 
slipac, vrutak (vgl.§ 716.2IIB,C); außerdem bei vereinzelten 
anderen: krat (mal), pinez^ neprijatel; sonst ist regelmäßig 
-ov (-ev), z.B. gradov^ ucenikov, kraljev. Die den t-Stämmen 
angehörende Endung -^ ist bei diesen erhalten, außerdem 
ausgedehnt auf o- und ;o-Stämme, in Z sehr oft gen. pl. 
muH (nach dem Muster Ijudi; auch in den glagoUtischen 
Urkunden des 14. — 15.Jhs. ist muzi besonders häufig); in 
B häufiger, z. B. kralji, neprijatelji, vitezi^ zubi. Einzeln 
auch beim Neutrum auf -anje: vladanji (s. Resetar, Rad 
136, S. 132). 

6. Im Akk. plur. hat Z noch sehr häufig das alte -i 
(= -?/) bei den harten Stämmen, das dann auf die weichen 
(statt e = e) übertragen ist, z. B. hart dari listi, weich 
pisci^ vladavci] in B ist -e Regel, -i Ausnahme. Da durch 
die lautliche Gleichheit von i = i im Nom. pl., von i = y 
im Akkusativ Zusammenfall der Formen stattfindet, z. B. 
listi = Nom. und Akk., so werden auch die Nominative 
mit Guttural Wandlung, z. B. vuci^ roxi, trzi, grisi (zu vuk^ 
rog, trg, grih) als Akkusative benutzt; da ferner auch der 
Instr.pl. auf -i auslautet, ist eine vollständige Vermischung 
eingetreten: vuci usw. dienen auch als Instrumentale (s. 
§714 dasselbe aus heutigen cak. Mundarten). 

7. Dativ, Instr.. Lok. plur. haben die alten Formen 
treu bewahrt: Dativ -m: msk.-ntr. -am, -ein, fem. -am, 
Instr. msk.-ntr. -i, fem. -ami, Lok. plur. msk.-ntr. -ih, fem. 
-ah. Doch kommen beim Instrumental verschiedene Um- 
bildungen vor; das -mi der alten i-Stämme wird bisweilen 
durch i ersetzt, z. B. Ijudi (statt Ijudmi), puti, sogar beim 
Feminin: rici, vlasti. Andererseits geht das -mi der i- und 
?^-Stämme (Ijudmi, sinmi) auf die mask. und neutr. o- 
Stämme über, aber nur in B, wie es scheint fast nur bei 



§717.718.] Zur Geschichte der Dekhnation. 425 

Einsilblern, z. B. (jlasmi, muzmi^ vlasmi, rozmi (dies ange- 
knüpft an rozi, s.o. (i), vratnii, slovmi\ doch auch angelmi. 
Ein -ma kommt nur vor in dem alterhaltenen Dativ-Instr. 
dual, z. B. ocima, nsima. Das vikoma (in Ewigkeit) ist keine 
-ma-Form, sondern dem adverbial gewordenen vikom ist 
das -a nach Analogie anderer Adverbia angefügt. 

8. Von alten Formen der i-Stämme mit e ist erhalten 
Dat. pl. Ijudem^ Lok. Ijvdeh, dneh. — Sonstige Altertüm- 
lichkeiten: gen. und lok.sg. dne (zu dän), die Nominative 
Icami, plami (= -my), die zugleich als Akkusative dienen. 

Die Neuerungen sind also: 

I. Vollständig durchgedrungen: 

1. Die Ausgleichung der fem. a-Stämme nach der 
Richtung der ^a-Stämme. 

2. Die Annahme des -öm im Instr. sg. fem. der a- 
Stämme. 

II. Noch in der Entwicklung begriffen: 

1. Die Annahme des -u im Lok. sg. msk.-ntr. 

2. -ov im Gen.pl. der Maskulina (fast allgemein bei 
den Wörtern ohne bewegliches a). 

3. Ausdehnung des Gen. pl. -i der i-Stämme auf be- 
liebige Maskulina. 

4. Akkusativ plur. aller Maskulina in die ^"o-Form -e. 

5. Zusammenfall des Nom. und Akk. pl. der guttural 
auslautenden Maskulina in die Nominativform. Damit zu- 
sammenhängend die Benutzung dieser Form auch als Instr. 

6. Umbildung der alten Instrumentale plur. auf -i 
durch Annahme der Endung -mi, die dem letzten Kon- 
sonanten angefügt wdrd. 

TIS, Um ein Jahrhundert jünger (1564 — 65) als 
die Entstehung der Lektionarien ist die Übersetzung 
der Propheten aus der Lutherbibel, entstanden in Istrien^ 
hsg. von Jagic u. d. T. Vsih prorokov stumacenjc hrvatsko. 
Veteris testamenti prophetarum interpretatio istro-croatica 
saec. XVI. (Wien-Berlin 1897), dazu Ders., Ein vierter 
bibliographischer Beitrag (Anzeiger der Wien. Ak. 1896, 
Nr. V — VI, S. 19). Es ist nicht ohne Interesse, zu ver- 



4'2ß Zur Geschichte der Deklination. [§718. 

gleichen, wieweit hier eine andere Entwicklung oder eine 
Weiterentwicklung stattgefunden hat. Nach der Reihen- 
folge von §717.8: 

I. 1 wie in den Lektionarien ; der Stand der Aus- 
gleichungen auch im Vokativ, aher nach der Seite der 
harten Stämme, z. B. ä;mco Jer. 21.12, zemljo Jer. 6.19; nur 
-ica behält die alte Form -ice, z.B. neprijateljice Mich. 7.8. 

1.2; -öm ist im Instr. sg. der a-Stämme fast durch- 
gehend, z. B. pravdom, grozhom, doch findet sich eine ge- 
ringe Anzahl der alten Form auf -m, z. B. godinu Is. 29.6 
(ebenda godinom), s kletvu moju Is. 50.2. Ebenso ist bei 
dem i-Femininum die Regel -om, z. B. krvjom, moöoin, 
ricjorn, müostjomy die alte ?(-Form ist im ganzen selten, 
z. B. radostju Is. 35.10, z vel'iku vridnosiju Ez. 27.24, zlcju 
Jer. 9.15 (vgl. mudrostjom 9.23). 

II. 1. Der Lok. sg. msk.-ntr. auf -u so gut wie durch- 
gehend, sehr selten das alte -i (= e), z. B. va sni Is. 29.7. 
Der Zusammenfall von Lok. und Dativ beim Nomen hat 
auch beim Pronomen-Adjektiv die Übertragung der Dativ- 
form in den Lokativ herbeigeführt, z. B. ^< ohecanomu i 
stanovifomu prisastju S.234, na putit galüejskomu (neben na 
putu morskom) Is. 9.1. Doch ist die Zahl der Fälle im 
Vergleich zu der der alten Form auf -m gering. Im Lekt. Z 
fehlt -omu als Lok. noch ganz, ist aber in B ziemlich häufig. 

IL 2. Genitiv plur. Die fem. a-Stämme und die 
Neutra sind endungslos, daher auch bei konsonantischen 
Stämmen, z. B. imen, nebes; seltener bei alten Maskulinen 
dieser Klasse, plemen Ez. 48.19,31, kristian S. 3; lakat oft 
nach Zahlen, z. B. dvadesei lakat Zach. 5.2 (das Wort 
flektiert lakat lakta laktu, n. pl. lakti., akk. lakte), öfter auch 
dan, z. B. sedam dan Ez. 3.15,16; ferner mater Jer. 16.3, 
höer Ez. 16.53. In die konsonantischen Stämme sind 
gelegentlich die i-Stämme einbezogen, so gen. pl. misal 
18.47. 13, pesan ^z.l .1 , prs Is. 28.9. Die alten femininalen 
i-Stämme behalten sonst regelmäßig ihr -i, oft auch die 
Maskulina, so dni, puti. Im Gen. pl. der alten o-Stämme 
ist -ov (-ev) durchaus die Regel, die vorherrschende Form, 



§718.] Zur Geschichte der Deklination. 427 

z. B. vozov, krajev, prorokov, uciteljev; ganz vereinzelt auf 
das Neutrum übertragen: staJov Ez. 36.38 (wohl als Mask. 
empfunden, vgl. sfadi moji als Vok.), cedov Is. 19.11. Die 
alte endungslose Form wird nur bevorzugt bei Wörtern mit 
beweglichem a der letzten Silbe (vgl. dazu aus heutigen 
Mundarten §716), namentlich w^enn diese -ac (= -hch) ist, 
so otac 22mal nur so, sest janjac Ez.ißS (janjcev 39.18). 
Bei anders gearteten "Wörtern ist diese Form selten, regel- 
mäßig nur bei dem formelhaft gewordenen krat, z.B. sedam 
krat (siebenmal), wie es scheint auch bei pinez^ alles andere 
ist vereinzelt, z. B. od otok morskih Is. 11.11, Ez. 27.7 
{otokov 27.6), misto rusih vlas Is. 3.24. 

II. 3. Die Endung 4 im Gen. pl. der mask. o-Stämme. 
Häufiger ist nur muzi (17mal, z. B. ovih miizi Dan. 3.27) 
durch den Einfluß von Ijudi (vgl. § 717.5); nimmt man noch 
dazu drei Beispiele von konji, z. B. konji i vozov Is. 2.7, 
viermal miseci (z.B. Dan. 4.26), so bleiben nur vereinzelte 
Beispiele: von weichen Stämmen neprijatelji Mich. 4.10, 
Nah. 1, oltari Jer. 17.1, lorogonitelji Ez. 38, ucitelji Zach. 5; 
von harten iz boki tvojih Is. 7.2, elvi (Röhren) Is. 7.12, 
of7-ov i dari S.312, od vsih kusi Is.30.14, do oblaki Jer. 51.9, 
Zeph. 1.15, postoli Am. 2.6„ puki Ez. 11.17, Mich. 5.7, 
hievet rogi Dan. 7.7,24, trupi Agg. 2.17. Von Neutren hat 
nur das eine kraljevstvo regelmäßig (achtmal) diese Form, 
z.B. deset kraljestvi S. 215, vsih kraljevstvi Is. 23.17, offen- 
bar zur Vermeidung der unbequemen Form *kraljevsfav; 
anderes ganz vereinzelt, pred halavanjem konji njegovili, koli 
i konjiki (so zu lesen statt konjici) Ez. 26.10. 

II. 4. Akkusativ plur. Das alte -i ist regelmäßig 
erhalten bei den fem. i-Stämmen, z. B. rici, zapovedi, beim 
Mask. regelmäßig dni, sonst wechselnd mit -e\ Ijudi und 
Ijude, nohti und nohte. Die fem.a-Stämme haben nur -e (vgl. 
§713); die mask. oStämme ebenfalls das -e der weichen 
Stämme verallgemeinert, doch sind die Formen auf -i 
(= y; durch Übertragung auch bei den weichen) bewahrt 
in folgenden Wörtern: dari, konji, kraji, kusi, kuti, nosi, 
prsti, redi, rogi, sagi, smradi, söiti, stadi (urspr. ntr.), trsi, 



428 Zur GeHchichte der Deklination. [§718- 

trupi, uzli, vali (Wellen), va-veki, vinci, vitri, vozi {konje i 
vozi Jer. 50.37), zidi, ziiii; dogovori S. G (neljen dogovore)^ 
jezikiy mejasi, ohloki (Fenster), ohrazi Ez. 10.14 {ohraze 10.21), 
pinezi (dies regelmäßig so, 18mal), plemeni, pomo&nwi (über 
c s. u. II. 5), sasudi^ varosi, zakoni; im ganzen 60 Fälle, 
eine geringe Zahl gegenüber der großen Menge der Akk. 
auf -e. Es fällt auf, daß die alte ^-Form bei Einsilblern 
viel häufiger ist als bei Mehrsilblern. 

II. 5. Instrumental plur. Die Endung -mi ist wie bei 
den fem. a-Stämmen auch noch regelmäßig gebraucht bei 
den ^-Femininen, z. B. ricmi, lazmi, bei den mask. i-Stämmen 
häufig noch Ijudmi, einigemal tatmi. Die mask. und neutr. 
0- Stämme haben das alte -i noch in regelmäßigem Ge- 
brauch, z. B. meju vsimi bogi Is. 36.20, svojimi jaziki Jer. 9.3, 
nad vsimi kraljevstvi Is. 37.16, so auch sa vsimi cudesi Jer. 
21.2. Die Form ist übertragen auf die mask. i-Stämme, 
z. B. s crvi Os.2.18, ovimi malimi dni Zach. 4.10, nad vsimi 
Ijudi S. 213. Jedoch ist bei den mask. o-Stämmen eine 
Abweichung dadurch eingetreten, daß die Gutturalwandlung 
des Nominativ pl. (k — c, g — z, h — s) in den Instr. über- 
tragen ist (über den Anlaß s. §§ 714,717.6); z. B. meju og- 
njenimi kamici (zu kamik) Ez. 28.14, z rozi (zu rog) Ez. 34.21,. 
nad vsimi ostali7ni vrsi (zu vrh) Is. 2.2, und so sehr häufig. 
Zuweilen stehen alte und veränderte Formen nebeneinander, 
z. B. meju vsimi puki, Ijudi i jazici Dan. 3.29. Der Zu- 
sammenfall von Nom. und Instr. plur. ist dadurch be- 
günstigt, daß im Nom. die gesetzmäßige Wandlung der 
Gutturale sehr oft unterbleibt, z.B. n. pl. jaziki l8. 11. 10, 
luki Jer. 51.56, otoki Is. 41.5 {otoci 41.1), potoki Is. 43.20 
{potoci 35.6), proroki Jer. 14.15 (proroci 14.14), svidoki und 
svidoci Is. 44.8,9, rogi Dan. 7.8, grihi Is. 6.7. 

II. 6. Neben -i im Instr. pl. der mask. und neutr, 
o-Stämme steht -mi, aber nur bei Einsilblern: glasmi S. 234 
(ebd. glasi), glogmi Is. 7.24, hrastmi Is. 1.29, 44.14, listmi 
S. 225, lukmi Is. 7.24, plecmi Ez. 10.12, sadmi Is. 24.1, 
söitmi Is. 22.6, trupmi Jer. 16.18, mtmi Is. 9.12,29.13, Jer. 
9.8,44.25 {usti v. 26), Ob. 1.12, vozmi Jer. 46.9, Is. 22.6, 



§718.] Zur Geschichte der Deklination. 429 

Dan. 11.40, m-atmi Jer. 17.20,27 (vrati 17.21,25,27), Ez. 
44.17,0b. 1.11 {vrati 1.12), zidmi Is. 22.11, Jer. 39.4, 52.7. 
— Ein -ma als Instrumentalendung besteht nur im Dual, 
z. B. pred ocima mojima Jer. 7.30, pred onmia dvima dime- 
cema glavnjama Is.7.4. Das adverbiell gewordene sa-vsima 
für sa-vsim, wie vikoma (s. § 717.7), gehört nicht hierher. 

III. Die Ausdehnung des -ov- im Plural der nicht 
w-Stämme findet nur in sehr mäßigem Grade statt. Der 
alte sehr häufige Nom. pl. sinove ist fast regelmäßig so 
erhalten, nur einigemal steht sini, dazu sinom dat. pl., 
sinih lok. Joel 3.13; von altem w-Stamm auch volove 
Dan. 5.21, Ab. 4.17; von alten o-Stämmen, nur bei Ein- 
silblern, bogove (siebenmal), bogovi (fünfmal), bogi (statt bozi 
zweimal Is. 36.19); außerdem vereinzelte Fälle: darove 
Is. 1.23, gradove ö. 225, rodove Is. 51.1, vozovi S. 228, 
zvirove Dan. 4.9 {zviri 4.11, das Wort wird als o-Stamm 
behandelt). Sonst ist die Endung des Nom. pl. -e er- 
halten fast regelmäßig bei iidove (selten zidovi), bei den 
Wörtern auf -an-in neben -i, z. B. grajane und grajani. 
Die Ausdehnung des -ov- auf oblique Kasus ist regelmäßig 
bei sin '.sinove akk.pl. (und sinovi), dazu volove Os. 12.12, 
öfter bogove, darove (darovi), gradove^ zidove, einigemal vozove, 
stanove, vereinzelt dvorove Zach. 3.7; auf andere Kasus aus- 
gedehnt nur bei sin, dat. sinovom (viermal), instr. sinovi 
(13mal), sonst in dem ganzen Buche nur instr. pl. kraljevi 
Jer. 14.1, lok. gradovih Is. 13.22. 

IV. Über den Lok. plur. Die alten Formen sind 
durchaus erhalten; nur unterbleibt bei den mask.-neutr. 
ö-Stämmen häufig die Wandlung der Gutturale vor -i7i, 
z. B. po vsih vrsih i po vsih brlogih Is. 16.16 {vrhih z. B. 
Is. 23.45), grihih Is. 43.24. — Das -ah der fem. a-Stämme, 
wie das -am des Dativs, ami- des Instr., ist regelmäßig auf 
die fem. i-Stämme übergegangen, z. B. ricah Jer. 44.17, 
stvarah S. 72, 147, zapovidah Ez. 20.19,21 (indes kommt 
vereinzelt auch -iÄ vor, so /:os^i/i Jer. 20.9), Zaiam Am. 2.4, 
ricam Jer. 35.13; kripostami Dan. 4.32, stvarami Jer. 29, 
povidami Mal. 4.4 usw. 



430 Zur Geschichte der Deklination. [§718.719. 

V. Als mehr oder minder vereinzelte Erscheinungen 
sind anzuführen: der alte Gen. und Lok. sg. ilne (zu dän), 
z.B. do onoga dne Jer. 26.22 und öfter, va dne Jer. 31.35; 
zu dän außerdem Gen. sg. d7ieva Am. 5.8, S. 264, Dativ 
und Lok. dnevu, z. B. Ez. 30.2, Is. 9.14, Instr. dnevom, 
z. B. Jer. 33.26. — Alte Formen der 2-Stämme sind 
Instr. sg. putem, dnem, Dat. pl. Ijudem, Lok. dneh. — Von 
den alten ^l-(l/)- Stämmen nur Ijubav, gen. Ijuhave, lok. Ijubaviy 
instr. Ijubavom; neben altem crikav (S. 224) steht cnfeva. — 
Der Lok. pl. na tloh S. 264, po tloh Is. 10.23 und öfter 
hat sein o aus dem Nom.-akk. sg. in der Verbindung na 
tlo\ im heutigen Dialekt von Cherso ist daraus wieder tloh 
als Nom. sg. gebraucht. 

Zur Geschichte 

der stokavischen Deklination der Nomina. 

719. Außer den Entwicklungen, die cakavischen 
gleichartig, aber nicht immer gleichzeitig sind, handelt es 
sich vor allem um den Gen. plur. auf -ä und um das 
Zusammenfallen von Dativ, Instrum., Lok. plur. in die 
Formen auf -ima und -ama. 

1. Die Ausgleichung der a- und ;a-Stämme. 
Im Gen. sg. ist das -e aus den ja-Stämmen schon von 
Anfang der Überlieferung (12. Jh.) an allgemein: zene wie 
düse\ wo ein -y, -i in den Urkunden steht, sind es kirchen- 
slavische Formen. — Der Dat. sg. hat im 14. und 15. Jh. 
noch -e und -e {= -e), z. B. iewe, sluzhe, aber in den Ur- 
kunden derselben Zeit, wenigstens in denen aus westlichen 
und südlichen Mundarten, -?, d.h. die Form der weichen 
Stämme {düsi), z. B. pravdi, sluzi] im 16. Jh. wird sie in 
den genannten Gegenden herrschend, ist heute in der 
Schriftsprache, auch ekavischer Lautgestalt, allgemein. Im 
Vok. sg. fem. herrscht wenigstens vom Ende des 15. Jhs. 
bei den nicht auf -ica ausgehenden die Form der harten 
vor, düso, gelegentlich auch bei -ica, djevico. Der Akk. pl. 
hat seit der ältesten Zeit bei den msk. o-Stämmen, wie bei 
den a-Feminina die Form der weichen -e, zene wie düse., 
grobe wie Iconje. Wo Formen auf -i {-y) vorkommen, 



§719—721.] Zar Geßchichte der Deklination. 431 

handelt es sich um cakavische Schriftsteller, wie Marulic 
11. a., oder um Nachahmung solcher bei ragusanischen 
Diclitern des 16. Jhs., wie Mencetic, Drzic u. a. 

720. 2. Instrum. sing, der fem. a-Stämme, 
Die alte Form auf -u (=p; so cak. -ü, -ü-n) ist stokavisch 
nicht mehr nachweisbar, außer etwa an kirchenslavisch 
beeinflußten Stellen, also kein ienü, düsa. Die ältesten 
überlieferten Formen sind z. B. xeHOBh, iip^KOKb, BO.'\OBb 
(i\ = t), so findet sie sich bis zur zweiten Hälfte des 
13. Jhs., bei ja- wie bei -a-Stämmen, in glagolitischen Ur- 
kunden auch noch KOiieBh (Zara 1473); zu lesen ist das 
ienou, pravoii, vol'ou (vol'eti); die kyrillische Schrift gab 
keine andere Möglichkeit, den Diphthongen oif, zu schreiben 
als durch OBh, dessen b natürlich stumm ist. Entstanden 
ist die Form aus zenoju (aus zenojq)^ daraus senöii mit Deh- 
nung durch das auslautende w. Von der zweiten Hälfte 
des 13. Jhs. herrscht -öm, dessen m dem Mask.-Neutr. 
entnommen ist, grädom, mjestom. — Die fem. i-Stämme 
bewahren die alte Form auf 'u (aus -hjq) bis heute, stvärju; 
daneben -i, das nach Mar. S. 170 von Vuk neben -'u ge- 
braucht wird, wenn die Instrumentalfunktion durch Prä- 
position oder durch adjektivischen und pronominalen Zu- 
satz an sich deutlich ist, z. B. sa ialosti und s pomoöUy 
jednom rijeci, während nur 'w, wenn die Form keine solche 
Stütze hat. Auch die Form auf -i hat im 16. Jh. das -m 
annehmen können, z. B. smrtim^ ricim, milostim, von diesen 
haben auch mask. i-Stämme ein -im angenommen, z. B. 
putim, zvirim. Das -i beruht auf altem -ijq^ -iju mit vollem 
1, daraus -m, das -u ist abgefallen; eine Schreibung -HBh 
scheint nicht erhalten zu sein. Auf dem alten Unterschied 
von -hjq und -ijq beruht die verschiedene Behandlung des 
t, d usw. im Instr., z.B. milosöu (^müostju) und milosti^ 
mislju und misli. Vom 14. Jh. begegnet, doch nach Dan. 
Ist. obl. S. 42 spärlich, die Übernahme des -öm von den 
aStämmen, z. B. müostjöm. 

721, 3. Lok. sg. msk.-ntr. auf -e (hart), -i (weicli) 
hält sich bis Ende des 15. Jhs. und ist scheinbar noch in 



432 Zur Geschichte der Deklination. [§721—723. 

reichlichem Gebrauch bei den ragusanischen Dichtern des 
16., aber Danicic (S. 47) weist nach, daß die meisten Bei- 
spiele sich auf bestimmte Wörter (svijet svit^ san — sviti 
sni) beschränken, die sich auch im 17. noch so finden. 
Es handelt sich wohl um Nachahmung älteren Gebrauchs 
und um formelhaft gewordene Wendungen wie u sni (im 
Schlafe, im Traume), denn schon im 14. kann -u überall 
gebraucht werden, herrscht im 15. vor und wird im 16. 
herrschend. 

732. 4. Die Annahme des -ov- im Plur. (dabei 
ist abgesehen vom Gen. pL, s. § 723) erscheint bei den 
mask. einsilbigen o-Stämmen schon von Anfang der Über- 
lieferung an: wie sinove, so gradove, vukove, muzeve usw. 
Die alte Endung -e hält sich noch bis Ende des 16. Jhs., 
aber schon vom 14. auch sinovi, gradovi, und -i herrscht 
im 16. ganz vor. Diese Einsilbler übertragen das -ov- in die 
obliquen Kasus, schon im 14. Jh., z. B. Dat. sinovom^ vu- 
kovom^ muzevom, Akk. sinove usw., Instr. sinovi, darovi, Lok, 
gradoveh. Bemerkt sei noch, daß das -e des Nom. pl. der 
konsonantischen Stämme auf -a/^- {-an-in) noch im 16. Jh. 
besteht, Dubrovcane, aber schon im 14. auch -t, Dubrovcani. 
Die alten mask. i-Stämme (Nom. pl. urspr. -hje) haben 
schon im 13. Jh. -i: puti, gosti. 

723. 5. Genitiv plur. aller Klassen. 
Ererbte Formen waren: 

fem. a- und ^'«-Stämme ^ena dusa : zem dush 
mask. 0- und ;o-Stämme voz^ mqzh : voz^ mqzh 
ntr. 0- und ;'o-Stämme leto pol' e : let^ pol'h 
konsonantische Stämme im§ imene : imem 

tel^ telefe : telptb 
kamy kamene : kamem 
neho nebese : nebesh 
mati matere : mater^ 
tT- Stämme crky crk^ve : crk^v^ 

o «^ o o 

w-Stämme sym synu : synov^ 

i-Stämme kosth kosti : kostijb (die Form kostbjb ist 
nicht ins Skr. übergegangen). 



§ 723. 724.J Zur Geschichte der Deklination. 433 

Da o, 6 überall abfiel, wurden an sich alle Gen. pl. 
endungslos, iew, dus, synov, kostij (daraus kosti), aber bei 
den 21- und fStämmen gegenüber dem Nom. sg. sin 
{syn% kost der Gen. pl. sinov^ kosti als mit einer ihn 
charakterisierenden Endung -ov, -i versehen. Die Formen 
iew, dus des Fem., let pol\ imen, nebes des Neutrums blieben 
allen anderen Kasus gegenüber eine deutlich geschiedene 
Form. Es bestand also die Möglichkeit, die genannten 
endungslosen Genitive unverändert bestehen zu lassen, auf 
die Maskulina aber zur Verdeutlichung -ov und -i zu über- 
tragen. Diesen Weg haben, wie oben § 717 fg. gezeigt, 
cakavische Mundarten eingeschlagen. Auch die stokavischen 
haben ihn betreten, aber sehr spärlich, denn die vom 
13. Jh. erscheinenden Beispiele wie grehov, darov, bogov, 
krajev usw. darf man nicht rechnen, da hier das -ov zu 
der Übernahme der Silbe -ov- in die Pluralformen der 
Einsilbler gehört. Nach Dan. Ist. obl. (S. 69 — 70) erscheint 
allerdings diese Form als sehr verbreitet, ca. 100 Beispiele, 
allein wenn man die Einsilbler, ca. 60, abzieht, entfallen 
von den 40 verbleibenden 19 auf cak. Quellen, 15 auf den 
Bosnier Iv. Bandulavic (Novo istumacenje pistola 1626), 
der von cak. Vorlagen abhängig ist, neun auf Nik. Ranjinas 
Lektionarium, das auf cakavischen des 15. Jhs. beruht. 
So bleiben nur ein paar Beispiele für rein stokavische 
Schriftsteller. 

724. Auch die Endung -i ist angenommen worden. 
Bei Dan. S. 74 werden aus dem 13. und 14. Jh. 35 Bei- 
spiele gegeben, davon fallen aber 31 auf Münzbezeich- 
nungen : dinar — diyiari, perper — perperi, pinez — pinezi. 
Nach den weiteren Anführungen dort scheint das -i vom 
Ende des 15. durch das 16. bis ins 17. Jh. reichlich ver- 
treten, allein nach der verschiedenen Situation der Schrift- 
steller sehr ungleich: von den ca. 120 Beispielen kommen 
auf cakavische und cakavisch beeinflußte Schriftsteller 
(Nik. Ranjina u. a.) ca. 60, allein auf Marulic 31, auf die 
a. a. 0. benutzten Ragusaner nur neun. Das -i ist auch 
auf Neutra übertragen worden (Dan. S. 78), aus dem 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 28 



434 Zur Geschichte der Deklination. [§724—726. 

16. Jh. z. B. bogastvi, Uti\ unter den 31 Beispielen 17mal 
usü^ wie denn überhaupt öfter einzelne Wörter Formen 
bevorzugen, die bei anderen selten sind. Vereinzelt kommt 
■i auch beim Feminin vor, im 16. Jh. z.B. suzi, usni. 

725. Die endungslosen Formen halten sich, am 
meisten wie es scheint bei den a-Ferainina, noch im 16. Jh., 
z. B. gor, djevojak, suz; mask. vjetar, grijeh^ narod, otac; 
neutr. Ijet, ust, srdac^ sie werden aber von den Ragusanern 
im 17. nur selten mehr gebraucht. An ihre Stelle tritt in 
allen Deklinationsklassen außer bei den fem.fStämmen die 
Endung -«, sie wird herrschend im 16. Jh., ist aber von 
der ersten Hälfte des 14. an zu belegen. Damit ist nicht 
gesagt, daß sie nicht früher vorhanden gewesen sei, denn 
die traditionelle kirchenslavische Orthographie der älteren 
Urkunden schreibt alle Gen. mit -b, auch wo vielleicht 
schon -a gesprochen wurde. Im 14. Jh. begann man statt 
des einfachen -h zu schreiben -bb, z. B. nacTHpbb, YiiOB'EKhb, 
cenbb, pDiEOTbh. Daß hier -a zu lesen, hat schon Safarik, 
Serb. Lesekörner (1833) S. 30 erkannt, vgl. dazu z. B. 
3a Tbb ^OBHTbKb 14. Jh. (=TL ^^ob'lit'lk'l), WO TL vor folgendem 
Dental das i nicht verlieren konnte, also za ta dobitak zu 
lesen. Daß in der Tat -a gesprochen wurde, zeigen 
Schreibungen derselben Zeit wie zupa, zemalja, zrna, was 
im 15. Jh. schon regelmäßig geschieht. Die Gesamtlaut- 
gestalt des Gen. pl. ist hier schon die des heutigen Sto- 
kavischen (s. § 584). 

*7I26. Über den Ursprung der Endung -ä ist eine 
ganze Literatur entstanden. Ant. Karlgren, Sur la formation 
du gen. plur. en Serbe (in Archives d'etudes orientales, 
vol. 3, Upsalal911; geschrieben 1908, wie das Nachwort 
besagt) zählt vor ihm neun Versuche auf, die er alle für 
verfehlt hält. Dem stimme ich bei, freilich hat mich 
seine eigene scharfsinnige Ausführung auch nicht über- 
zeugt (vgl. auch Resetar, ASlPh. 34,588). Die Erklärung 
Vondräks (0 püvodu kijevskych listü, 1904, wiederholt 
Vgl. sl. Gr. II, 21) erwähnt er nicht. Alle diese Ansichten 
hier zu besprechen, ist nicht möglich, ich beschränke mich 



§ 726.] Zur Geschichte der Deklination. 435 

auf eine kurze Auseinandersetzung der sprachliistorisch 
wichtigen Frage: ist das -ä lautliche Fortsetzung der alten 
Genitivendung -t. (-b), also eines urslavischen Zustandes 
oder ist es eine Neubildung des stokavischen Serbisch? 
Wenn die Endung aus dem Urslavischen stammen soll, 
so müßte das einst allgemeine -i (-b) des Gen. pl. ein 
anderer Laut sein als die sämtlichen anderen auslautenden 
i, b der Sprache, denn diese, ob betont oder unbetont, 
fallen ab (abgesehen von einigen Einsilblern, skr. ta, ca). 
Daß aber das -1 (-b) des Gen. pl. ein anderes gewesen sei, 
ist unerweislich, es fällt in allen slav. Sprachen, auch im 
cakavischen Skr., ganz ebenso ab wie die anderen i, b. 
Die bloße Tatsache, daß im Stokavischen -ä erscheint, wo 
urspr. -"L (-b) steht, ist an sich kein Beweis für die Ent- 
stehung daraus. Daß ich die Gen. pl. der Kijever Blätter 
rpt?rb, /^-EBi usw. anders auffasse als Vondräk, darüber s. 
mein Handbuch^ S. 11 Anm.; ich gehe aber nochmals 
darauf ein, weil mir bei Vondräk eine sprachgeschichtlich 
nicht mögliche Konstruktion vorzuliegen scheint. Vgl. 
sl. Gr. II, 21 heißt es: «Das i des Gen. pl. der t-Stämme 
war lang, da es durch Kontraktion aus -ij entstand, und 
es wurde wohl auch ii, hi geschrieben, aber schon lange 
als t gesprochen. Das hatte zur Folge, daß auch das halb- 
vokalische Element für i, b der alten Genitive, in welchem 
Stadium es sich auch immer befand, gedehnt wurde, wie 
wir es bei allen derartigen Genitiven der Kijever Blätter 
finden, z.B. rp^x"^, A*^"^- In anderen Denkmälern wurde die 
Länge durch Verdoppelung des Halbvokals angedeutet: paBbb, 
CHiAbb usw. (die Gen. der a-Stämme wurden gleich behandelt). 
Das hatte zur Folge, daß sich hier ein halbvokalisches 
Element ausnahmsweise erhielt, bis daraus volle Vokale 
wurden, und so tauchen die Genitive auf -ä im Serbokroat. 
seit dem Anfang des 15. Jhs. auf (vereinzelt auch schon 
im 14. Jh.). » Dazu bemerke ich: 1. Die Annahme, " in 
-i bezeichne einen gedehnten Vokal, ist ganz unerweislich, 
es steht auch auf Silben, für die innerhalb des Slavischen 
Länge nicht angenommen werden kann, piA' (propter; oft 

28* 



436 Zur Geschichte der Deklination. [§ 726. 727. 

vorkommend), instr. pl. rptAifi tUiICClh, akk. pl. h-lh (nos); 
2. die in den Kijever Blättern vorkommenden Gen. pl. von 
i-Stämmen lauten ckb^lhocthi, aioahi, ai/iHi, 3:iiiOK-n;^hi, haben 
also die alte Form auf -ijh, -hjh, und es ist nicht zu er- 
weisen, daß dies = t sei; 3. der Ausdruck «in anderen 
Denkmälern» führt irre; die Schreibungen auf -bh stammen 
aus serb. Urkunden des 14.Jhs., und es geht nicht an, sie 
mit den Kijever Blättern aus dem 10. Jh. zusammen- 
zustellen; 4. bei der Annahme einer Fortsetzung des urspr. 
-i (-b) als -a bleibt unverständlich^ wie dabei die voran- 
gehende Silbe gedehnt werden konnte, zenä aus ite, wäh- 
rend dies bei Abfall des -t erklärlich ist; 4. wie hat bei 
jener Annahme die dem -a (= -"L, -b) vorangehende Silbe 
stets die Gestalt bekommen, die sie als auslautende haben 
muß, warum also ein altes sestr-b nicht *sesträ, sondern 
sestdrä (^sestära), othch nicht "^ocä, sondern otäcä { = *otäCQ). 
Damit leugne ich nicht, daß das ä überhaupt aus o ent- 
standen sei, vgl. die dial. Formen vjetzriQi), ienz(h), sonst 
vjetärä, zenä, halte aber mit Resetar (ASlPh. 34.591, Rad 
136, S. 137) das -3 für sekundären, skr. Ursprungs. 

72*7. Eine Stütze für die Ansetzung des -ä = -3 
schien das Slovenische zu geben (s. über die gesamten 
Verhältnisse Oblak, Zur Gesch. der nom. Dekl. im Slov., 
ASlPh. 12.438 f.). Hier haben einige westliche Mundarten 
eine Endung -a unter ganz bestimmten Bedingungen: bei 
endbetonten fem. a-Stämmen, nur bei diesen, z. B. vodd, 
gord; dabei zeigen Fälle wie sestrd, ovcd^ zgadbd, daß die 
vorangehende Silbe nicht Auslautsform (sester) hat. Zu- 
nächst ist zu betonen, daß das skr. -ä nicht aus dem Slo- 
venischen entlehnt sein kann, denn erstens liegt zwischen 
dem Stokavischen und jenen slov. Mundarten der lange 
breite Streifen der Cakavstina und der Kajkavstina, die 
das 'ä nicht kennen; zweitens tritt der slov. Gen. pl. auf 
-ä erst in der Mitte des 17. Jhs. auf; drittens haben vene- 
tianische Mundarten (s. a. a. O. S. 440) bei der gleichen 
Wortkategorie und gleichen Betonungs Verhältnissen den 
Gen. pl. auf -e, z. B. vodä — vode, gorä — göre, sesfrä — 



§ 727—729.] Zur Geschichte der Deklination. 437 

sestre] dies -e kann aber nicht aus -i (-b) entstanden sein, 
denn deren Vertretung ist in diesen Mundarten a (s. Oblak, 
ASlPh. 16.164). Man kann das slov. -ä nicht auf -i (b) 
des Urslavischen zurückführen, es muß eine slov. Neu- 
bildung sein. Und eine Neubildung ist auch der stokav. 
Gen.pl. auf -ä, ihr Ausgangspunkt in der Einzelgeschichte 
des Skr., speziell des Stokavischen, zu suchen in einer 
Zeit, wo die alten -i (-h) schon abgefallen waren. Weiter 
als zu diesem allgemeinen Satz kann ich es nicht bringen, 
da ich jenen Ausgangspunkt nicht gefunden habe und 
weitere unsichere Vermutungen nicht aufstellen mag. 

728. In einigen heutigen südlichen stokav. Mund- 
arten erscheinen Gen. pl. auf -h, also scheinbar mit der 
Lokativendung. So berichtet Resetar, Stok. Dial. S. 161, 
daß in den montenegrinischen Kreisen Katuni und Crmnica 
der Gen. pl. der i-Stämme lautet z. B. rijecih statt rijecl. 
Sicher liegt hier, wie Resetar erklärt, eine Angleichung an 
die Pronomina und Adjektiva vor, bei denen Gen. und 
Lok. pl. in -ih zusammenfallen (s. auch das § 716 über 
das Cakavische Bemerkte); das -h ist dann auch auf die 
Formen mit -ä übertragen, so in Prcanj, Antivari, z. B. 
gödmäg (= gödlnäh) für gödinä, grijegäg (= grijehäh) für 
grijeha. Dieselbe Erscheinung auch in anderen Mundarten 
und in älterer Zeit (Dan. Ist. obl. S.89): schon im 13. Jh. 
einige seltene Beispiele von i-Stämmen, Ijudeh, vremeneh; 
aus dem 14. bei ihm kein Beispiel, aus dem 15. ein paar 
Beispiele fem. «-Stämme, z. B. od tech rdbotah, od jacih 
mukah; aus dem 16. von i-Stämmen, z. B. ricih^ stvarih, 
einige auch von anderen, so z.B. ^nolbaJi, nasrid vratih; im 
ganzen alles spärlich. Vom 17. fließen die Beispiele reich- 
lich, aber hier müßte erst im einzelnen untersucht werden, 
ob das geschriebene -h auch gesprochen ist, da in dieser 
Zeit in Mundarten das h überhaupt schwindet, also einfach 
die orthographische Gewohnheit aus dem alten -h im Gen. 
pl. der pronominalen Deklination befolgt sein kann. 

729. 6. Dativ-Instr.-Lok. plur. auf -ima, ama 
(vgl. Resetar, Rnd 136, S. 140). Der Lokativ hat diese 



438 Zur Geschichte der Deklination. [§ 729. 730. 

Form erst spät angenommen und nicht auf Grundlage 
seiner ursprünglichen Gestalt, es ist daher auszugehen vom 
Dativ und Instrumental. Die Entwicklung ist im all- 
gemeinen die gewesen: l.im Anfang des Iß.Jhs. tritt die 
syntaktische Vermischung des Dativ und Instr. plur. ein, 
d. h. die Dativform kann instrumental, die Instrumental- 
form dativisch gebraucht werden ; Anlaß dazu ist die Gleich- 
heit der Kasus im Dual. Seit dem 15. Jh. werden die 
Dual- und Pluralformen promiscue gebraucht (Dan.Ist.obl. 
234), z. B. Dat. pl. als Dual bei dvä öia, dvjema gospodarom, 
instr. objema zakoni, objema rukami', 2. beim msk.-ntr. o- 
Stamm wird infolge der Vermischung von Dat. und Instr. 
der alten Endung -i {=-y, -i) des Instr. die Dativendung 
-m angefügt^ -im\ beim a-Stamm wird der alte Dativ -am 
in seiner instrumentalen Anwendung eine Parallele zu -im; 
3. das auslautende -a von -ima -ama ist aus dem dualischen 
-ma entnommen. Im einzelnen : 

*730. Der Instrum. plur. mask.-neutr. der o- 
Stämme bewahrt neben Neuerungen die alte Form auf -i 
(= -y, -i) bis ins 17. Jh., z. B. zubi, vraii, mit -ov- bei Ein- 
silblern, z.B. gradovi, darovi\ schon im 14. — 15. auch otroci, 
vrazi, grisi (zu otrok^ vrag, grih] s. darüber §§ 714,717.6). 
Von Anfang der Überlieferung an findet sich die Über- 
tragung des -mi der alten i- und %-Stämme {Ijudmi, sinmi) 
auf die o-Stämme, z. B. darmi, glasmi, gradmi, zakonmi^ 
vlasteomi (= vlastelmi), gradovmi, listovnii, vratmi. Dies -mi 
ist ferner an die fertige Form auf altes -i einfach angefügt 
worden, vereinzelt vom 13. Jh. an, häufig im 17. (s. Dan. 
119), doch, wie es scheint, nur bei einzelnen Schriftstellern 
gewöhnlicher, z.B.. glasi-mi, listi-mi, darovi-mi^ usti-mi. Diese 
Richtung der Entwicklung kommt aber als eine mehr 
lokale oder individuelle für die Geschichte des Kasus wenig 
in Betracht, denn wo sonst -mi an fertige Instrumentalformen 
tritt, geschieht es vom 14. — 17. Jh. (s. Dan. 117) so, daß 
das auslautende alte -i abgeworfen und so völlige Par- 
allelität mit Ijudmi, sinmi hergestellt ist, z.B. trg'.trzmi, Ver- 
tretung für trzi (über z s. §§714,717.6), rog : 7'ozmi, jezik : 



§730.731.1 Zur Geschichte der Deklination. 439 

jezicmi. Diese Entwicklungsrichtung ist dann abgelöst durch 
eine andere. Im 16. Jh., vereinzelt wohl schon früher, 
werden Instrumentalformen als Dative gebraucht, z. B. k 
vrati, vasim zakoni, sehr häufig namentlich von den fem. 
a-Stämmen, z. B. vode nogami mojimi yiijesi dao, k zenami\ 
und umgekehrt Dativformen als Instrumentale, bei den 
a-Stämmen ungemein häufig im ganzen 16. Jh. (Dan. 124), 
viel auch noch im 17., z.B. meu drohnim pticam St. p. 2.361 
v. 34 (Drzic), s rozicam S.89 v. 70; medj zvizdam St. p. 2.47 
Nr.47 v,6 (Mencetic). Da nun neben den msk.-ntr. dativisch 
gebrauchten Instrumentalen alter Form auf -i die Dative 
auf -m vorhanden waren, ist dies -m im 16. Jh. auf die 
Instrumentale übergegangen und setzt sich so im 17. fort, 
z. B. grijesim^ sinovim^ kraljim, vratim, ustiyn, Formen, die 
nach dem oben Bemerkten zugleich Dativ und Instrumental 
sind. Vom 16. Jh. an, vereinzelt auch früher, erscheint 
dann bei den Mask. -Neutren -ima, beim Fem. -ama, die in 
der Folgezeit herrschend werden, z. B. darima^ darovima, 
ustlma, zenama. Das -a ist aus der Dualendung des Dat.- 
Instr. Bei einzelnen Schriftstellern (Dan. S. 121) wdrd -?«a 
bei Mask. und Neutren unmittelbar an den letzten Kon- 
sonanten gefügt, z. B. pastirma, mistma, eigentlich eine Ab- 
lösung der oben besprochenen pasfmni usw^ Über das Fort- 
leben solcher Formen in heutigen Mundarten s. Resetar, 
Stok. Dial. 158, z.B. jaje'. jäjynä^ komna^ hregövma. Bei Be- 
trachtung einzelner Schriftsteller vom Ende des 15., Anfang 
des 16. Jhs. zeigen sich individuelle Verschiedenheiten, so 
bei den Ragusanern: Nik. Ranjina braucht im Lektionarium 
-im als Dat. und Instr. der o-Stämme, z. B. Dativ starcim, 
Instr. uceniciyn\ -ami der Feminina als Dativ neben -am, 
z. B. k djevicami, ebenso B. Gradic (erste Hälfte des 16.), 
z. B. Dat. dar im, duhovim, Instr. glasim, grijesim, Dat. sIk- 
f/ami; die Zeitgenossen Ranjinas, Mencetic und Drzi6, 
brauchen -im nicht, wohl aber neben -ain als Dativ und 
Instr. die neue Form -ama, z.B. s vUama St. p. 2.378 v. 25. 
TSl. Schematische Übersicht der Entwicklung an 
einem Beispiel durchgeführt, wobei im Auge zu behalten 



440 



Zur Geschichte der DekHnation. 



|§ 731. 732. 



ist, daß die Dativ- wie Instrumentalformen beide Be- 



deutungen haben können. 



Instr.o-Stamm alt 

dari 
darmi {-mi nach 

Ijud-mi) 
darimi {-mi an 

die Form (?an 

gefügt) 
Dativ alt darom 
Dativ-Instr. darim 

{-m an den 

Instr. dari) 
Dat.-Instr. darima 

(Annahme d. 

Dualendung) 



jeziki, jezici (c aus 

dem Nom.) 
jezic-mi 

jezicimi 



jezikom 
jezicim 



a- Stamm zenayni 



zenam 



jezuima 



senama. 



TS!^. Der Lokativ plur. Die alten Formen fem. 
-ah, msk.-ntr. -ijeh bei den harten, -iJi bei den weichen 
Stämmen, das dann auch auf die harten übergeht, bleiben 
erhalten bis ca. 1600, von da beginnt die Ersetzung durch die 
Dativ-Instrumentalformen, z. B. u Jialjinami, zakoyiim, naudm, 
mjestim; nachdem -ima, -ama bei diesen allgemein geworden, 
lautet auch der Lok. so. Veranlaßt ist die Entwicklung 
durch den Zusammenfall des Dativ und Lokativ sg. der Mas- 
kulina und Neutra in die Form auf -m, w^odurch dem 
Sprachgefühl die Empfindung für den Unterschied der 
Kasus verloren ging. Über das Fortleben des -ijeh als -ije 
in heutigen stokavischen bosnischen Mundarten s. Resetar, 
Stok. Dial. 159, z. B. na Jcolije, na vratije, auch übergegangen 
auf weiche Stämme, na konije. Über Abweichungen der 
heutigen stokavischen Mundarten von den für die Schrift- 
sprache durch Vuk festgelegten Verhältnissen für alle drei 
Kasus s. ebd. S. 155: in den stokavischen Volksdialekten 
kommen bei den o- und a-Stämmen die alten Endungen 
«viel häufiger vor, als man im allgemeinen glaubt. Aller- 
dings gibt es ganze Gegenden, wo die älteren Formen gar 



§732—734.] Zur Geschichte der Deklination. 441 

nicht mehr vorkommen; so habe ich sowohl in den ßocche 
als auch in Montenegro nur die neueren Endungen -ma, 
-ama gehört, und dies ist wohl auch im südöstlichsten 
Teile Bosniens und der Hercegovina der Fall. In anderen 
Mundarten wiederum haben sich die älteren Endungen 
wenigstens bei den a-Stämmen erhalten, so in Ragusa, 
wo neben dem regelmäßigen -ama {zenama) nicht selten 
auch die alte Endung -am {zenam) des Dativs, sowie -ami 
(zenami) des Instr. vorkommt, allerdings nicht in ihrer ur- 
sprünglichen Verwendung, sondern (ebenso wie das -ama) 
für alle drei Kasus.» 

733. 7. Akkusativ plur. Von Anfang der Über- 
lieferung bei den msk. o-Stämmen wie bei den a-Stämmen 
-e, d.h. die Endung der weichen i-e = -e) ist auf die harten 
Stämme übertragen. Die alte Endung der harten -i (= -y) 
ist nach Dan. Ist. obl. S. 105 bis zum Ende des 15. Jhs. 
ganz selten; man kann, namentlich da sie auch bei weichen 
Stämmen vorkommt, z. B. prijatelji^ muzi, penezi, die leicht 
in die Analogie der t-Stämme übergehen, fragen^ ob hier 
nicht deren Akkusativ plur. (Ijudi), der sich lange erhält, 
vorliegt. Im 16. und 17. Jh. tritt die i-Form, gleichmäßig 
bei harten wie bei weichen Stämmen, in der Literatur 
häufiger auf (Dan. S. 106). Die Cakavci müssen hier aus- 
geschieden werden, z. B. Marulic, von dem allein ca. 20 Bei- 
spiele aufgezählt werden, und ich möchte annehmen, daß 
die dortigen Fälle aus ragusanischen Schriftstellern Nach- 
ahmungen cakavischer sind, z. T. sind sie vielleicht auch 
nach der Art der ?-Stämme gebildet. 

734. Der Dual. 

Die alte Form des Nom.-Akk. der msk. o-Stämme 
ist bei Zählung mit dvä, oba von alters her bis jetzt er- 
halten, seit dem 16. Jh. wird sie auch nach tri, cetiri an- 
gewendet. 

Der Nom.-Akk. der neutralen o-Stämme, alt bei harten 
-e, bei weichen -i, ist bis ins 17. Jh. geblieben, sto : dve-ste 
dvlje-sti (so noch jetzt in Ragusa; das auslautende -i aus 



442 Zur Geschichte der Deklination. [§734—736. 

den weichen Stämmen entnommen), lice: lici beide Wangen. 
Schon im 13. Jh. wird aber die MaskuHnform übernommen, 
z.B. dva licca, dva godisca, von da an allgemein. Daß es 
eich nicht um die Pluralform der Neutra handelt, zeigt 
die Betonung, z. B. zvdno pl. zvdna, aber dvä zvöna, Ime : 
pl. imena, dvä Imena, vgl. öak. (Cherso) dvä sela (pl. sela). 

Die fem. a-Stämme, hart -^, weich -i, zeigen -e in 
alter Zeit nur selten, sondern dafür -i aus den weichen 
entnommen, z.B. dve ruci, nozi wie dve tisuöi, casi; so noch 
im 16. Jh. gebräuchlich, aber schon vom 14. an tritt die 
Endung -e des Plurals ein, wie heute, z.B. dvije zene, dvije 
kupe zlate, obje plavce. Daß es die Pluralform ist, zeigt die 
Betonung, z. B. övca pl. övce und dvije övce (dagegen 
russisch ovca pl. ovcy, dve ovcy); auf Cherso nach Tentor 
ASlPh. 30.172 ofcä pl. öfce, doch dve ofci. 

Die alte Form der i-Stämme, -i, ist bis heute erhalten 
beim Mask. dän {dhnh), z. B. dvä tri dni (neben dvä tri 
däna)^ die anderen Maskulina haben früh -a angenommen, 
z. B. dvä-püt{a) ; beim Feminin ist die Form von der des 
Akk. pl. nicht verschieden, tri stväri, ob je misli. Hierher 
gehören auch öci^ üsi, seit dem 14. Jh. oft als Feminina 
behandelt. 

735. Genitiv-Lokativ dual. Die Endung -u als 
Lokativ erhält sich bei Wörtern, die paarweise vorkommende 
Dinge bezeichnen, bis ins 17. Jh., z. B. na ramu, na ko- 
linu, u ruku^ aber schon vom 15. an wdrd in Verbindung 
mit Präpositionen statt dessen der Nom.-Akk. gebraucht, 
wobei auch die Zahl dvä, öba diese Form hat, z. B. oda 
dva clovjeka, od ruci, s obje strane. Über Gen. s. § 596. 

736. Dativ-Instrumental; die alte Form des fem. 
a-Stammes -ama fällt gemäß der §§729 — 731 behandelten 
Entwicklung des Dativ-Instr. plur. zu -ama mit diesem 
zusammen; die alte Gestalt des Mask.-Neutr. -oma wird 
abgelöst durch -iyna nach dessen Entstehung im Plural, 
z. B. dat. dvjema slovima (17. Jh.). 



§ 737. 738.] Zur Geschichte der Deklination. 443 

737. Bemerkungen über einzelne Wortklassen und 
Wortformen. 

1. Zu den alten i -Stämmen: Instr. plur.urspr. msk. 
gosth-mi, Dativ gostbim, Lok. gostbchh, ebenso im Fem,; 
dafür altserbisch gostmi, gostem, gosteh. Das e kann nicht 
die lautliche Fortsetzung des 6 sein, die hätte -a ergeben, 
*gostam *gostah, sondern die betr. Kasus sind bereits vor der 
Wandlung des 6 in skr. a umgebildet nach dem Dativ der 
j'o-Stämme )nu£ : muzem (= mqzeim), vom Dativ ist es 
dann in den Lok. übertragen, gosteh nach gostem (während 
mui : muzih = ynqsickb). 

Die Maskulina gehen wenigstens vom 14. Jh. an in 
die Flexion der o-Stämme über: gen. sg. puta, dat. ;putu 
gostu, instr. piitom (neben erhaltenem putem gostem), n. pl. 
puti gosti^ gen. ipl. p Uta (putova); die alte Form dat. Ijudem 
noch im 16. Jh. gewöhnlich, dann mit der Entwicklung 
der o-Stämme Ijiidim, Ijudima, bei einzelnen Schriftstellern 
auch Ijiidma. Entsprechende Formen der Feminina sind 
noch bis ins 17. Jh. gebräuchlich, dat. pl. ricem stvarem 
usw., daneben im 16. die Form -im, -ima, müostim milostima, 
bei einzelnen Schriftstellern auch rijecma, stvarma\ solche 
Formen kommen noch jetzt vor, so braucht Vuk sie 
namentUch bei Wörtern auf -äd, z. B. unucadma, teladma, 
aber auch rijecma, stvaryna (s. Mar. S. 173, b). 

Der alte Akk. pl. ist beim Feminin immer unver- 
ändert geblieben, stväri, im Mask. erhält er eich nament- 
lich bei einzelnen Wörtern bis ins 17. Jh., Ijudi, aber 
wenigstens vom 14. an schon Ijude^ pute. 

738. 2. Zu den alten konsonantischen Stäm- 
men. Ihre Entwicklung bei den Mask. und Neutren in 
der Richtung der o-Stämme {kämen Jcämena, hne Imena usw., 
so mindestens schon vom 14. Jh. an) ist ohne weiteres ver- 
ständlich, ebenso der Übergang von 7näti kci (gen. mätere, 
köeri) in die Form der a- oder i-Stämme, daher nur einige 
Bemerkungen über Besonderheiten: die alte Nominativform 
der mask. w-Stämme (kamen-) ist als kami {=kamy), plami, 
prami noch im 16. Jh. gebräuchlich, und wird auch als 



444 Zur Geschichte der Deklination. [§738—741. 

Akkusativ verwendet, z.B. St. p. 2, S. 334, v. 14 (Diii6) 
u kami tiikuöi. Durch Abwerfung des -i, die den absonder- 
lichen Nominativ den sonstigen Maskulinen gleich macht, 
entsteht kam, plam, pram^ als Akk. z. B. St. p. 2, S. 366, 
V. 23 II plam. In südlichen Mundarten noch jetzt kämi 
käm.pläm, krem^ namentlich in sprichwörtlichen Wendungen, 
z. B. kami onome, ko tuet kam premede (ein Stein dem, der 
fremden Stein umstürzt), kami ü u srce (ein Stein dir ins 
Herz), kam iz ruke a rijec iz usta (Stein aus der Hand, 
Wort aus dem Munde). 

739. 3. Die Wörter auf -an-in (Plur. alt -an-e) haben 
vom 12. — 15. Jh. Dat. pl. z.B. zu Dubrövcanin (Ragusaner) 
Duhrovcam^ zu grädanin gradam^ Lok. pl. gradah^ Instr. pl. 
Dubrovcami (Mon. serb. S. 375, Z. 12, falsch geschrieben 
Duhrovacami)^ vgl. auch Bribirami in einer Urkunde aus 
Novi von 1309, zu Brihiranin. Scheinbar sind das Formen 
eines ^tf-Stammes; sie sind urslavisch (über das Vorkommen 
vgl. Miklosich, Vgl. Gr. HI, 16) und beruhen wahrschein- 
lich auf unmittelbarer Anfügung der Kasusendungen an 
den Stamm auslaut -n im Dativ und Instr., '^gordjön-m^y 
"^gordjön-mi, daraus *gordjän-m^, *gordjän-mi\ da nun aus 
Vokal -j- Nasal vor Nasal kein Nasal vokal, sondern einfache 
Länge hervorgeht, entsteht daraus "^gordjäm^, ^gordjämi. An 
die so entstandenen Formen schließt sich der Lok., nach 
dem Verhältnis zenamz : zenackh = *gordjam^ : '^gordjach^. 
Andere Grammatiker (Zubaty, ASlPh. 15.498^) gehen vom 
Lok. aus, altcech. Dol'as Dol'ds^ Vranach Vranäch, s. Gebauer, 
Hist. mluvn. IUI, S. 77; aus altem -ön-su -änsu soll der 
Nasal geschwunden sein. 

740. 4. Der alte Nom. sg. der «^-Stämme, Ijuhy, ist 
bei diesem Wort erhalten als Ijübi (Gattin), indeklinabel, 
schon im 16. und 17. Jh. alle Kasus Ijubi. Sonst hier- 
hergehörende sind verschieden behandelt, Nom. Ijubav 
(= l'ubsvb), gen. Ijübavl usw. (schon so im 16. Jh.) als i- 
Stamm; das alte crky schon im 13. Jh. als a-Stamm crkva. 

741. 5. Flexion von dän. Im Ak.Wb. findet sich 
eine interessante chronologische Zusammenstellung der 



§741.] Zur Geschichto der Deklination. 445 

Formen dieses Wortes. Ich gebe sie hier in Kürze wieder, 
da sie einen guten Begrifif von der Mannigfaltigkeit der 
Entwicklung gibt. Es versteht sich, daß bei einer solchen 
Tabelle die lokal-dialektischen Unterschiede, die indivi- 
duellen Verschiedenheiten, die größere Häufigkeit oder 
Seltenheit der Formen nicht berücksichtigt werden können; 
es sollen nur die vorhandenen mannigfachen Möglichkeiten 
vor Augen geführt werden. Die beistehenden Zahlen be- 
deuten, wenn ohne andere Zusätze, das Jahrhundert, von 
dem an die Formen belegt sind; vor dem Doppelpunkt 
stehen die altbulgarischen Formen. Über die jetzt noch 
bestehenden von dem regelmäßigen Paradigma dän däna 
usw. abw^eichenden Formen s. auch Mar. S. 142, Dan. 
Obl.^ S. 10. 

Singular. 
Nominativ-Akkusativ dhnh : dän so immer. 
Genitiv dwie {dwii) : dne 13, bis heute bei Heiligentagen, 
z. B. dö spasova dne bis Himmelfahrt, 
und in einzelnen Wendungen 
dni 14, Form des i-Stammes 
dna 15, Form des o-St., selten, heute vereinzelt 

im Volkslied 
dnevi 13 — 14, -ev- aus dem Plural (so auch 
im folgenden), -i aus i- St.; noch jetzt 
dneva 15 — 16, -a aus o-St., noch jetzt vor- 
kommend 
däna 17, heute allgemein. 
Dativ dhni : *dni^ nicht belegt 
dnü 16, -M aus o-St. 

dnevi, i aus i-St., noch heute vorkommend 
dnevu 16, -u aus o-St. 
dänu 17, heutige Form 

wenn dne als Dativ erscheint, pb spasovu dne, 
ist es eigentlich der alte Lokativ. 
Instrumental dwmm (dhnhjq) : dnem 15 

d7ievi 16 (vereinzelt früher), -i aus fem. i-St. 
(mllosti)y noch jetzt in Volkspoesie 



446 Zur Geschichte der Deklination. f§741. 

(Inevlju adv. am Tage (nof^u l dnevlju bei Nacht 
und Tag) 19, -ju aus fem. i-St. (milosöu) 

(hievom 16 

dänom 17, so heute 

äänju adv. (diu) 19, -ju aus fem. i-St. 

dänjdm adv. 17, auch jetzt, -jöm aus fem. i-St. 

Lokativ <?fcwe (d^Mii) : dne 15, in einzelnen Wendungen 

noch heute, z. B. onomd-dne (an jenem 

Tage = onomh-dhne) neulich, öBürdevu dne 

dm 14, t-St. 

dnevi 17, -i aus i-St.; doch 14. Jh. d7ieve, dneve, 
-e -e aus o-St. 

dnevu 17, noch vorkommend, -u aus o-St. 

fZaw«*, heutige Form 
Vokativ dann 16, 17 nach ?^St., s^w^* 

^wet;e 18 

däne 18, so heute. 

Plural. 

Nominativ dhne (dhnhje) : d7il 16, noch heute vor- 
kommend, -i aus O-St. 

^Äi 17, auch heute noch 

däni 18, heutige Form 
Genitiv dh^iijh : dni 14 

6i?)W, <Zflw nach o-St., jetzt noch cak. 

dnevi 17, -^ aus i-St. 

dnevä 16, heute noch vorkommend 

ddnä 15, heutige Form 

dnevöv 17, 18, cakavisch. 
Dativ dhnhrm : dnem 16 

dnevom 17 

dänom 18 

dänim 18 

dnevim 18 

dnevima 18 

ddninfia 18, heutige Form 

<Z?mwa Mar. 142, als heute noch üblich. 



§741.742.] Zur Geschichte der Deklination. 447 

Akkusativ dhni : dni 13 

dne 16, nach o-St., noch vorkommend 
dnevi 16, -i nach z-St., noch vorhanden 
dneve 17, -e aus o-St. 
däne 18, heutige Form. 

Instrumental dhny, dwihrni^ nicht fortgesetzt (vgl. dat.): 
dnevi 18, -i aus o-St. 
dnevima 1 8 
dänima 18, heutige Form. 

Lokativ dhnhch^ : «ZweÄ bis 15 

dnih 16, -lÄ aus o-St. 

dnevih 17, ebenso 

dänijeh 18, -ye- aus o-St. 

dnevijeh 18, ebenso 

ddnima heutige Form 

dnlma Mar. 142, als heute noch üblich. 

Dual. 
Nominativ- Akkusativ dbni : d^ii bis jetzt (dvd dm) 
dneva 17, 18, -a aus o-St. 
däna 18 und jetzt. 

II. Pronomina. 

*742. 1. Personalpronomina. Nom. sg. I abg. 
azh soll nach Milcetic (Rad 121, S. 114) auf der Insel 
Selve (Silba) fortleben als az (as)^ in einigen Festlands- 
mundarten als jaz (jas); sonst überall nur ja. 

Dativ-Lok. sg. mhne, tebe, sehe bewahren -e {-e, -je) 
bis ins 16. Jh., von da an -^, Anschluß an die Form der 
a-Stämme {£eni); das mhne wird zu mne mni oder mit Be- 
wahrung des h zu wmwi, 16. Jh., doch schon im 14. nach 
Analogie des Gen. mene usw. (und im Anschluß an tebe 
sehe) mene menje, meni, so heute. Die Dat. -Lok. mene tehe 
sehe montenegrinischer Mundarten (ReSetar, btok.Dial. 186) 
ist wohl kein außergewöhnlicher EIrsatz des -e durch -e, 
sondern eine Vermischung mit der Genitivform. 



448 Zur Geschichte der Deldinaüoü. [§ 742. 743. 

Instr. sg. urspr. mznojq, tobojq, sohojq; die Formen ent- 
wickeln sich wie die gleichartig endigenden des fem. a- 
Stammes (s. § 720): mnoju, 7nnöu, mnöm, daneben auch 
mänöm. Die heutigen Formen cakav. Dialekte, auf Veglia 
manu mänun (mönun), in Novi mänün, haben das -ün nicht 
aus -ojq (s.§§ 715,720); das e des in heutigen Mundarten 
vorkommenden menöm, cak. (Cherso) menu, beruht auf 
Anschluß an mene usw. 

Dativ-Instrumental plur. namz vams, noch bis ins 
16. Jh., k nam', wie beim Substantiv im fem. a-Stamm, 
dessen zenam das nam gleichlautet, tritt Vermischung mit 
dem Instrumental nami, vami ein, 16. — 17. Jh., z. B. k 
nami, daneben vom 14. — 15. auch schon die Dualform 
nama; die Dativform als Instrumental, z. B. s vam, medu 
vam im 15. — 16., Dan. Ist. obl. 220 hat schon ein Bei- 
spiel, s nam, aus dem 13. 

Lok. pl. 7ias, vas; erst im 17. Jh., wie bei den No- 
mina, durch die Form des Dativ-Instr. ersetzt: nami nama, 
vami vama. 

Die enklitischen Dativformen m, vi {a.hg.ny,vy) 
sind in Urkunden, und der Literatur im 17. Jh., sehr 
häufig, werden noch heute in herzegovinischen und monte- 
negrinischen Mundarten gebraucht; die Akkusati ve ne, ve 
kommen in älterer Zeit nicht vor, sie sind mundartliche 
Neuschöpfung nach dem Muster der nominalen auf -e. 

Der Akk. sg. fem. je (statt des alten jw = JQ, s. §619) 
kommt seit dem 15. — 16. Jh. in Gebrauch; heutige Mund- 
arten (Ragusa, Bocche, Teile von Montenegro, s. Resetar, 
Stok. Dial. § 95) kennen nur noch je. 

743. 2. Aus der Flexion der übrigen Pronomina, 
die in den stokavischen Mundarten sehr mannigfaltig ent- 
wickelt ist (s. Resetar aaO. S.174 — 183), hebe ich hervor, 
was nicht aus den Paradigmen oder aus gleichartiger Ent- 
wicklung beim Nomen sich von selbst ergibt und was mir 
für die Geschichte der Deklination wichtiger erscheint. 

Gen. sing. mask. -neutr. Das Skr. kennt nur den 
Auslaut -a (toga, cesa); wo togo und dergleichen vorkommt, 



§ 743. 744.] Zur Geschichte der Deklination. 449 

ist es kirchenslavisch; es teilt diese Form mit dem Slo- 
venischen, in beiden Sprachen entstanden durch Anschluß 
an die Nominalform auf -a, gräda seh.. 

Die enklitischen Formen von III ga, mu usw. 
sind von Anfang der Überlieferung an vorhanden. 

Die sogenannten kontrahierten Formen der Pos- 
sessiva, möga mömu, schon im 14. Jh. 

744. Der Nom. sing. mask. fäj, önäj, öväj. Ca- 
kavische Mundarten (Veglia, Cherso, Arbe, Novi) kennen 
nur tä neben altem ön, öv, so auch in älterer Zeit: Lekt. 
Bern, ta, oni, ovi (neben on, ov), in Urkunden aus Veglia 
des 13. und 14. Jhs. ta, aber oni; in Teilen von Monte- 
negro und den Bocche steht tä neben oni ovi (Resetar, 
Beton. S. 148). In cakav. Mundarten om, ovi neben öw, 
öv (Novi); in südlichen stokavischen Mundarten (Ragusa 
u.a. ti, 0711, dvi; diese Formen auf -i, in älterer Zeit auch 
^1, beruhen auf Anschluß an die Nominative der be- 
stimmten Adjektiva, növi. 

Wenigstens vom 15. Jh. an tritt häufig täj ein. Das 
alte t^ konnte wegen seiner Einsilbigkeit nur ta ergeben 
(vgl. ca aus et), in cak. Denkmälern des 14. — 15. Jhs. 
öfter t, wenn es sich an vokalisch auslautende Präpositionen 
anschließen kann, z.B. za-t vinograd, poda-t isti vrh. Ebenso 
wird aus altem $b ein sa, als Cbh schon im Anfang des 
14. Jhs. vorkommend (cbb xpaMb Mon.serb.S. 66, vom Jahre 
1302), bis ins 17. lebendig. Die weitere Entwicklung wird 
die sein: die wenigstens nach Dan. Ist. obl. (S. 148 — 149) 
sehr seltenen ova, ona (ova dar St. p. IV, S. 469, 16.Jh. ; 
Nik. Ranjina kennt sie nicht, s. Rad 136, S. 144) scheinen 
Nachbildungen von ta zu sein. Die Nominative täj, säj 
kommen früh vor: säj 1332 Rag. Urkunde, täj 1398 Bosn. 
Urk., dagegen finde ich bei Dan. S. 149 Belege von oiiaj, 
ovaj nur aus dem 15. Jh. und weiter. Demnach vermute 
ich, daß onaj, ovaj Nachahmungen von täj sind; dies be- 
ruht auf einem t^jh, d. h. auf einer Form, die dem Nora, 
des bestimmten Adjektivs nachgebildet ist {novy-jb), und 
2war in früher Zeit, vgl. in bulgar.-kirchenslav. Denk- 

L e 8 k i e n , Serbokroatische Grammatik. 29 



450 Zur Geschichte der Deklination. [§744—747. 

malern Tiii toh; ebenso ist abg. CbH (ciih), d.h. shjh (sijh), 
neben Cb gebraucht (s. Handb.^§ 79) und im Serb. säj un- 
mittelbar aus shj = Shjh entstanden. 

745. Ausgleichung harter und weicher Stämme 
(s. die Paradigmen §618fg.), z. B. Dat.-Lok. fem. ;o;, »mo;o; 
statt jej{i), 7nojej(i) schon im 13. Jh. Wo in Mundarten, 
cakavischen wie §tokavischen, statt -oga, -omu usw. bei den 
harten Stämmen -ega, -emu steht, z. B. in Ragusa immer 
tegä ovegä, hat Ausgleichung mit den weichen wie njega, 
möjega stattgefunden. 

Die bestimmten Adjektiva haben im Singular von 
Anfang der Überlieferung an gen. -öga^ dat. -ömw, lok. -öm\ 
wo -ago^ -umu steht, ist es kirchenslavischer Einfluß. 
Einmal sind auch im Skr. solche Formen vorhanden ge- 
wesen, und zwar mit langem ä, ü, aus Kontraktion von 
-aago, -uumu (s. Abg. Gr. § 114,3b — d); die Längen sind 
fortgesetzt in dem ö, u der rein pronominalen Formen. 

746. Die Kasus mit -e- vor der Endung: instr. sg. 
msk.-ntr. temh, gen. -lok. pl. techs, dat. teniö, instr. temi, er- 
geben in ungestörter Lautentwicklung stokavisch-jekavisch 
tljem, tljeh (gen.), tijem (dies zugleich Dativ, Instr., Lok.), 
die heute in jekavischen Mundarten gelten und von streng 
jekavisch Schreibenden gebraucht werden. Ikavisch ent- 
steht Um, tih, tim^ timi, wie sie heute gebraucht werden. 
Ekavisch würde *tem usw. entstehen, dafür schon in alter 
Zeit tim, tih, tim; dasselbe auch in jekavischen Mundarten; 
das -i- erklärt sich am einfachsten aus der Einwirkung 
der weichen Stämme, njim möjim. Über das Nebeneinander 
von mdjim, mbjijem usw., wie beim Adjektiv ndvim, növijem^ 
s. §§631(8), 638(2). 

747. Für das alte kto (= kdto) erscheint schon im 
13. Jh. iko, im 15. ko. Das Neutrum sto (= chto) hat 
seit dem 13. als Nom.-Akk. neben sto auch sta, entstanden 
zunächst in negierenden Wendungen mit ni- und sonst, 
wo syntaktisch der Genitiv gebraucht wurde; es ist for- 
mell gebildet nach Analogie der nominalen Neutra wie 



§ 747—749.1 Zur Geschichte der Deklination. 



451 



selo sela; also ni-sta usw. Dann ist sta als selbständig ab- 
gelöst und als Noni.-Akk. auch ohne Negation gebraucht. 
Das öak. ch (ca wenn h erhalten) hat seit alter Zeit, wenn 
es eich an vokalisch auslautende Präpositionen anlehnt, die 
normal entwickelte Gestalt -c, z. B. za-c, kroza-c. 

T48. Das fragende und relativische alte kiih, Ksra, 
KOi€ lautet skr., in älterer Zeit allgemeiner im Gebrauch, 
Äi, kä, kö. In heutigen cakavischen Mundarten, wo es 
noch heute ganz gebräuchlich ist, lautet das Paradigma 
(in Novi nach Belic): 



Maskulinum 


Neutr. 


Femin. 


ing. kl 


Ted 


kä 


köga {kogä) 




ke 


kömu (komü) 




köj 


ki, köga 


kö 


kü 


km 




kün 


kön 




köj 


*lur. kl 


kS 


ke 




kih 






Mn 




kl 


k§ 


ke 




kmi 
kih. 





Der Nom.- Akk.pl. neutr. hat die Femininalform statt 
kä, so in der Mundart bei allen Pronomina, z. B. te, und 
Adjektiva, daneben auch das mask. ii für das Neutrum, 
ie für das Mask. — Die Abweichungen vom alten Para- 
digma kyjh kojega usw. erklären sich aus der Einwirkung 
anderer Pronomina. 

749. Das alte Pronomen sh. Die Formen sind aus 
der Überlieferung hier zusammengestellt, soweit sie skr. 
Gestalt zeigen, die wahrscheinlich oder sicher kirchen- 
slavischen Schreibungen weggelassen. Über die Ab- 

29* 



452 



Zur Geschichte der Deklination. 



[§ 749. 750. 



weichungen vom Abg. durch Einwirkung anderer Pronomina 
belehrt das Paradigma von selbst. Über das -; an voka- 
lisch auslautenden Kasus s. § 753, 



Maskulinum 



abg. 

Sg. Sfc, Shjh 

sego 
semu 

Sh, Shjh 

simh 
serrn 

pl. si 
sichh 
sirm 

simi 
sich^ 



skr. 

säj, si 
sega 
semu 
säj, si 
sim, sijem 
sem 

si 

sih, sijeh 

sim, sijem 

se 

simi, sijemi 

sih^ sijeh 



} 



Neutrum 
abg. skr. 
se se 

wie Mask. 

se se 

wie Mask. 



Femininum 
abg. skr. 



si 

sej^ 

seji 

shjq 

sejq 

seji 



sa, sa] 
se, sej 
sej 

SU 

sej 



si sa, saj sh)§ se, se) 

wie beim Maskulinum 
si sa, saj \ shj§ se, sej 

wie beim Maskulinum. 



Dativ sg. fem. po sej skodi bei Maruliö St. p. I. 35 
V. 347. Über die Erhaltung von Formen in der heutigen 
Sprache s. § 694(1); dazu kommen noch Kasus in einigen 
formelhaften Wendungen, so in Novi Gen. sg. segä-leta 
heuer, s4-zime in diesem Winter, s4-jeseni in diesem Herbst 
(Belic, Zam. 57). 

750. Pronominalkasus mit angehängtem -re, 
-a, -i, -e. 

1. -re aus -se (s. §189), von Anfang der Überlieferung 
bis in neuere Zeit häufig, namentlich an negierten inter- 
rogativ-indefiniten Pronomina, z. B. ni-tko-re (ne quis qui- 
dem), nikomu-re, ni-sto-re, nista-re, ni-cesa-re, ni-koje-re, ni- 
cije-re usw., wie an Adverbien, z. B. ni-kada-re; auch an 
dem alten Relativ je-re {= je-ie quod, eig. id quidem), an 
der Partikel te (und) te-re ; abgekürzt zu -r, z. ß. ni-kto-r, 
ni-sta-r, jer (heutige Satzpartikel «denn»). Der Gebrauch 
ist aus alter Zeit ererbt. 



§751.752.] Zur Geschichte der Deklination. 453 

751. 2. -a\ Beispiele des Instrum. sing, mask.- 
neutr. aus dem 14. — 15. Jh. (Dan. Ist. obl. 173): tema^ tinia 
(ntr.) sieben Beispiele; sa svema, so, svima vier, do cima 
einmal bei Marulic, St. p. I, S.194, v. 105. Es sind lauter 
adverbiell angewendete Formen: tema = ideo, sa svima = 
omnino, do cima = dum, donec; der Wechsel zwischen den 
Formen ohne -a und mit -a ist eine Nachbildung der 
Doppelformen der Adverbia wie tad tada, kad kada\ zu sa 
svima vgl. außerdem säsma aus savsma aus s^ vhshma (vgl. 
St. p. 11, S. 400, Nr. 63 svasma mit anderer Behandlung 
der aufeinander folgenden ^-Silben). 

Lokativ sing, mask.-neutr., bei Dan. Ist. obl. 179 
fünf Fälle: onomd-dne (zweimal) = onomh-dwie, a rein laut- 
lich aus b entstanden ; po sema sega (zweimal, Mon. serb. 
S. 117, 1345; S. 165, 1357) postea (zu der Wendung vgl. 
potomfoga dass.); na ovema daru, 17. Jh., einmal; also ganz 
spärliche Beispiele; ich halte sie für Anlehnung an das 
immer so verbliebene onomd-dne. 

752. 3. -i. Instrum. sing, mask.-neutr. (Dan. 
a.a.O. 174) aus dem 15. und 16. Jh.: siebenmal temi timi, 
darunter aus bosnischen Urkunden zweimal in der Schreibung 
THMHie (1443, Mon. serb. S. 426), zweimal thmhh (1455, 
S. 439, 440). Da in der letztgenannten Urkunde j als 
Vertreter von ä dient, vgl. z. B. MetiMH, d. i. mejami statt 
medami, sind jene Formen wohl = timi-de timi-d, abg. 
Umh-zde entsprechend, zu verstehen; einmal noch timi bei 
Pucic, Spom. srpski (Belgrad 1858), Nr. 89, ebenfalls aus 
Bosnien; das dem Bosnier Hval entnommene time Starine 
3.51 bedeutet time\ dazu kommt temi aus Pucic, Spom. srpski 
(Belgrad 1862), das ich nicht nachschlagen kann; außer- 
dem ein svojijemi 16. Jh., zweimal onimi onijemi^ das letzte 
aus Lekt. Ranj.127^ (der Handschr.), von Resetar in seiner 
Ausgabe durch onijem ersetzt. Man sieht, das Vorkommen 
ist spärlich. Außerdem erscheint dies-i im Genitiv plur. , 
Dan. S. 191 elfmal: dreimal tihi (tihi zemalj, od tihi, Bosn. 
Urkunden 1399, 1454, Mon. serb. S. 234, 469), tehi {od tehi, 
Herzeg. Urk. 1453, M. s. 459), einmal ovihi {od oiihi Bosn. 



454 Zur Geschiebte der Deklination. [§ 752. 753. 

Urk. 1442, M. 8.414); zweimal omjehi (od om/e/n Lekt.Ranj. 
177*, 208^); einmal onehi (od onehi, Herz. Urk. 1450, M. s. 
443); viermal onijehi (o(i owi/eAi Lekt. Ranj. 105^^, 225*, hog 
onijehi 225*, neöemo prvo omjehi biti 225^^). Nicht zu an- 
gefügtem -i darf gerechnet werden das Nebeneinander des 
Instr.-Dat. plur. tijem (Um) tijemi (timi); ich glaube aber, 
daß diese frühe Vermischung von Dativ und Instrumental 
plur., wobei scheinbar temi gegenüber tem ein Anhängsel 
•i hat, den Anstoß gegeben hat, auch dem Gen. pl. dies 
anzufügen, nach dem Verhältnis tem: temi = teh : tehi; und 
auch das -i des Instr. sg. wird der Pluralform entnommen 
sein, da Instr. sg. tem und der als Instr. gebrauchte Dativ 
plur. tem lautlich ganz gleich sind. Wie diese Pluralform 
auf den Singular wirken kann, zeigt deutlich onjezi-jem 
instr. sg. bei Ranjina, wo das vor -jein stehende -zi- nur aus 
dem Plur., instr. dat. onjezijem, stammen kann (s. §755). 

753. 4. Die Zitate ergaben, daß jenes -i lokal und sehr 
beschränkt ist, dagegen außerordentlich häufig war vom 
13. — 17. Jh. in den Quellen südlicher Mundarten (bosni- 
schen, herzegovinischen, ragusanischen) die Anfügung von 
j an vokalisch auslautende Kasusformen. Nicht dahin zu 
rechnen sind täj, dväj, önäj^ säj (s. § 744) und der Dativ- 
Lok, fem. töj, dessen ; alt ist (abg. toji). An dem Bei- 
spiel täj durchgeführt, wobei die nicht in diesen Vorgang 
gehörenden Formen in runden Klammern stehen: 

sg. msk. (täj) ntr. töj fem. täj 
togaj tej 

tomuj (töj) 

(täj) toj tuj 

temej [timej] tomej 

pl. (ti) taj tej 

g- V «^ L ^J ( ^jg Maskulinum 
d. ttjemej [timej\ J 

a. tej taj tej 

1. tijehej [tihej] ] wie Maskulinum. 



§ 753. 754.] Zur Geschichte der Deklination. 455 

Über e vor j s. § 754. Auch bei Adverbien von Pro- 
nominalstännnen kommt dies j vor, z. B. tudej^ tadaj, noch 
heute tädä und tädäj^ öndä und öndäj; beim Pronomen wird 
es heute nicht mehr gebraucht. Behc (Prilosci ist. slov. 
jezika, II, ObHci togaj, timi i sl., Glas 39, S. 215) nimmt 
dies j als i, identifiziert damit auch das Anhängsel am 
Gen. pl. wie tijeh-i; es sei entnommen den Nominativen 
ti dm öm und zunächst an die Nominativformen ta^ ova, 
ona, sa gefügt, daher "^ta-i, d. i. ta-j, dann von dem No- 
minativ auf die anderen Kasus übertragen. Den letzten 
Satz halte ich für richtig, nur beurteile ich die Entstehung 
des täj anders (s.§744). Für die Abstammung vom Nomi- 
nativ ist wohl beweisend, daß das Anhängsel fast aus- 
schließlich bei den Demonstrativpronomina vorkommt, die 
eben täj usw. haben, sehr selten einmal bei adjektivisch- 
pronominalen Demunstrativa, z. B. n. f. tolikaj (1454), g. 
takovogaj (1453); an anderen Pronomina bei Marulic 
(St. p. I, S. 169, V. 289): za tuj müost, kuj obitas; nasemuj 
(Meneetic, St. p. II, S. 65, Nr. 18, v. 12). Ein "^kogaj "^komuj 
'^cesaj 'Hijegaj scheint nicht vorzukommen, weil die Nomi- 
native kein -j haben. Charakteristisch ist auch, daß der 
Neubildung -ma im Dat.-Instr.-Lok. pl. kein -maj zur Seite 
steht; das tima-j bei Dan. Ist. obl. 173 aus Pucic, Spom. 
(1862) ist Instr. sg. (s. § 751). Belic meint auch, die Länge 
des Auslauts gewisser Kasus in Ragusa und anderen süd- 
lichen Gegenden : tögä tegä, töme temu (gegenüber köga, njega, 
cesa) erkläre sich aus ehemaligem -äj usw. mit Verlust des 
-j\ mir nicht wahrscheinlich, da für den lautlichen Abfall 
des -/ kein Grund zu finden ist, man müßte denn an- 
nehmen, ein Nebeneinander von tögä und togäj habe ein 
iögä mit Beibehaltung der Länge veranlaßt. 

754. 5. -e, mindestens vom 14. Jh. an bei den auf -yn 
auslautenden Kasusendungen aller Pronomina außerordent- 
lich häufig: instr. sg. msk.-ntr. iijem-e tim-e^ fem. tome, 
vgl. dazu mnom-e^ tobome, sobome; lok. msk.-ntr. iom-e^ dat.pl. 
Urne; beim Adjektiv z. B. instr. f. dobrome (s. Dan. Ist. obl. 
45). Ferner vom 14. — 16. Jh. beim Gen. pl., z. B. onih-e, 



456 Zur Geschichte der Deklination. [§ 754. 

sviJi-e; in dieser Gestalt seltener, öfter mit -j: Hjehe-j, ovijehe-j 
(s. Dan. S. 191), vgl. dazu Belic, Pril. I, e u zamenickim 
oblicima time usw., Glas 39, S. 199, wo die bisherigen, 
alle nicht überzeugenden Erklärungsversuche behandelt 
sind. Belic selbst (S. 211) nimmt an, daß das Neben- 
einander von -re und -r, ni-tko-re ni-tko-r, nikogare nikogar, 
nistare nistar die Empfindung erzeugt habe, die sozusagen 
normalen Formen seien die auf -r, das -e ein Anhängsel, 
und dies sei dann auf die betreffenden Pronominalkasus 
übertragen worden. Es kommt mir unwahrscheinlich vor, 
da doch auch die Kasus ohne -re, -r immer im Gebrauch 
blieben: ni^ta, nikoga usw. Bei den Ragusanern des 16. Jhs., 
selten bei anderen Dalmatinern, ist -e auch an den nomi- 
nalen Instr. sg. msk. und fem. auf -m angefügt, nament- 
lich häufig beim Femininum (s. Dan. S. 45), z. B. instr. sg. 
hogom-e (St. p. IV, S. 253, v. 387, im Reim mit mnome) 
fem. lasome (ebd. 483, v. 2420, im Reim mit lij^ome adj.), 
wie denn überhaupt diese Formen bei den Dichtern häufig 
im Reim mit gleichlautenden Pronominalformen stehen; 
offenbar sind sie diesen entnommen. Sogar an Verbal- 
formen auf -m findet sich dies -e: 1. sg. präs. vim-e bei 
Mencetic (Dan. S. 258) achtmal, stets im Reim auf vrime 
oder itne; bei Dinko Ranjina St. p. XVIII, S. 128, Nr. 252, 
V. 11 im Reim auf vodime; bei Cubranovic St. p. VIII, 
S. 145, V. 114 — 115 reimend aufeinander s-po-vime vime\ 
außerdem in Lekt. Ranj. (s. Rad 136, S. 162) 1. sg. znam-e, 
ulazim-e^ trpijem-e. Ich möchte annehmen, daß auch hier 
der Parallele Um — time bei den Pronomina das vim — 
vime zu verdanken ist. Eine sichere Erklärung des -e habe 
ich nicht, möchte aber vermuten, nach dem Stande der 
Überlieferung, daß es zuerst nur an Kasus mit Auslaut -m 
trat; heute kommt es überhaupt nur bei solchen noch vor; 
ferner daß der Ausgangspunkt zu suchen ist beim Per- 
sonalpronomen: gen.-akk. mene tebe sehe, dat.-lok. meyije iebje 
sehje (dafür später meni usw.), d. h. alle obliquen Kasus 
außer instr. mnom lauteten auf -e aus, und es ist wohl 
denkbar, daß die Analogie jener ein mnom-e, tobome, sohom-e 



§754.755.] Zur Geschichte der Deklination. 457 

erzeugt hat; von da aus wäre dann dies scheinbare An- 
liängsel weiter auf die sonstigen »»-Kasus übertragen worden. 
Daß es unbetont -e lautet, althauptbetont -e, daher töme 
lok., aber hrme^ spricht nicht dagegen, vgl. tögä tömu; die 
Quantität der Endsilben dieser Pronominalkasus ist sehr 
wechselnd, so betont Lj. Stojanovic, Lekcije iz srpskoga 
jezika^ gen. mene, lebe, sehe, njegä. 

755. 6. -zij schon vom 13. Jh. an üblich bei allen 
Pronominalkasus, konsonantisch wie vokalisch auslautenden, 
z. B. ov-zi, ovi-zi, ovaj-zi, ovo-zi, ova-zi, onoga-zi, onomu-zi^ 
g. f. tej-zi, plur. oneh-zi, onem-zi, onemi-zi usw. ; heute nur 
erhalten in Lokalmundarten (Ragusa, Bocche), z. B. n. pl. 
tl-zi, ovl-zi, onl-zi (Resetar, Stok. Dial. S. 184). Da der 
einfache Nom. pl. ti und die Partikel -zi zufällig gleichen 
Auslaut haben, ist das Sprachgefühl dahin irregeleitet, den 
Auslaut -i von tizi als Endung des Plurals zu empfinden 
und nun nach dem Muster von ti : tijeh weiter zu flek- 
tieren tizijeh {tizih), tizijem, tizijemi; so bei den Ragusänern 
vom 16. Jh. an, heute noch in bocchesischen Mundarten 
(Res. aaO.) tizijeh, tlzijema. In Ragusa dafür tezijeh, im 
16. Jh. tjezijeh (oder tijezijeh), onjezijem (oder onijezijem) 
instr. 8g. und pl. ; trotz Resetars Bedenken wird man doch 
annehmen können, daß das te- aus dem Akk. te, tije- (tje-) 
aus den Kasus mit dieser Form herrührt. 



458 [§756. 



Das Verbum. 



Stammbildung. Aktionsarten. Konjugation. 



Stammbildung und Aktionsarten. 

750. In der vergleichenden Grammatik pflegt man 
unter Stamm den Bestandteil des Wortes zu verstehen, 
der übrig bleibt, wenn man die Flexionsendungen (Kasus-, 
Personalendungen) abschneidet. Hält man diesen Begriff 
streng fest, so ergeben sich für die Formen eines und des- 
selben Verbums eine Anzahl von Stämmen, z. B. zu skr. 
tresti schütteln (aus iresti): Präsensstamm trese- (2.sg. präs. 
trese-s), Aoriststamm tresos- (2. plur. tresos-te), Part. prät. 
a. II treslo- (msk. tresao f. tresla), Part. prät. pass. treseno- 
(msk. iresen f. tresend) und noch andere. Solche Einzel- 
stämme enthalten ihrerseits formative Bestandteile, die sie 
von anderen Stämmen desselben Verbums unterscheiden, 
z. B. in dem angeführten Verbum ist das Formans des 
Präsensstammes -e-, das des Aoriststammes -05-, das seiner- 
seits vielleicht wieder in -o- und -s- zerlegt werden müßte. 
Solche Teilungen kann die vergleichende Grammatik in 
manchen Fällen mit größerer oder geringerer Sicherheit 
machen, aber in der Beschreibung einer Einzelsprache, die 
mancherlei Lautveränderungen durchgemacht, Formen um- 
gebildet, Verschiedenheiten ausgeglichen hat, kann das 
nicht gelingen. 

Es ist hier ein einfacheres Verfahren zweckmäßig. 
Ich nenne hier Verbalstamm denjenigen Bestandteil einer 
Verbalform, der übrig bleibt, wenn man nicht die Per- 
sonalendungen allein, sondern außerdem alle Laute oder 



§ 756.] Stammbildung und Aktionsarten. 459 

Lautverbindungen abtrennt, die sie von anderen Formen 
des gleichen Verbums unterscheiden, der also diesen anderen 
gegenüber formative Bedeutung hat. Danach würde für 
alle Formen von tresti als Verbalstamm tres- gelten, alles, 
was nach ihm steht, als Formans, z. B. 2. sg. präs. tr4s-e-s^ 
Imperfekt tres-ijäh, Aorist tres-oJiy Imperativ tres-i, Part, 
präs. träs-üdi, Part. prät. a. I tr^s-äv tres-ävsi, II tres-ao fem. 
tres-la, pass. tres-en. Das mag künstlich und willkürlich 
erscheinen, wenn man von dem historischen Standpunkt 
der vergleichenden Grammatik aus urteilt, tatsächlich wird 
aber in der lebendigen Sprache alles als formativ empfunden, 
was nach dem Verbalstamm steht, und bei Umbildungen 
und Verschiebungen aus einer Formengruppe in eine andere 
liegt stets diese Empfindung zugrunde. Davon ein Bei- 
spiel: das alte Part. prät. a. I (Gerundium, wenn es nicht 
mehr flektiert wird) zu abg. pesti (ursl. ""'pek-ti) backen 
lautet pek^ pekhsi, dem entspricht alt skr. pek peksi, heute 
heißt es pekäv pekävsi, entstanden durch Anlehnung an die 
scheinbare Gleichheit des Part. prät. a. II pekao (aus pekh) 
mit pitao (= pitah) zu pitati und den gleichartigen Verben; 
da nun zu pitati pitao das Part. prät. a. I pitäv pitävsi 
lautet (aus pytavh pytav^si), so ist nach diesem Muster dem 
ganz anders entstandenen j^'^kao ein pekäv jjekävsi zur Seite 
gestellt, d. h. es ist in pitäv pitävsi das -äv -ävsi als for- 
mativ empfunden, obwohl die sprachwissenschaftliche 
Analyse pitä-v {pyta-v^) teilen muß, da das a zum alten 
Stamm pyia- gehört. 

Der Verbalstamm kehrt also in allen Formen des 
Verbums gleichmäßig wieder, aber nicht immer lassen sich 
alle Tempora, Modi, Partizipia von ihm unmittelbar ab- 
leiten, sondern es kann neben dem allgemeinen Verbal- 
stamm noch ein Stamm bestehen, der, aus dem Verbal- 
stamm durch besondere Formantien gebildet, bestimmten 
Teilen des Verbums zugrunde liegt. Dieser besondere 
Stamm wird hier als zweiter Stamm bezeichnet. Das 
Verhältnis sei durch einige Beispiele veranschaulicht: 
für das Verbum tr4sti (s. o.) genügte der einheitliche 



4G0 Das Verbum. [§ 756. 757. 

Verbalstamm ires-, ebenso z. B. für pitati der eine Stamm 
pita- (= pyta-), 2. sg. präs. pitä-s (l.pitä-m), ^. j)]. pita-jü, 
Part. präs. a. pita-jüöi, Imperativ pitä-j, Imperf. pitä-h, Aor. 
plta-h, Part. präs. a I. pÜä-v pitä-vsi, II pita-o (aus pyta-h) 
f. pita-la, Part. prät. pass. pitä-n; alle Formen von hvdliti 
lassen sich auf den einheitlichen Verbalstamm hväli- be- 
ziehen: Präs. hvälim hvälis 3. pl. hväle (abg. hval^th), Part. 
}ivdle-öi, Imper. hväli^ Imperf. hvälj-äh, Aor. hväli-h, Part, 
prät. a. I hvdli-v hvdli-vsi, II hvdli-o f. hvdli-la^ pass. hvälj-en. 
Dagegen besteht z. B. für das Verbum hräti neben dem 
Verbalstamm ber- hr- (= hhr-) noch ein zweiter Stamm 
bra- (aus bhra-): vom Verbalstamm Präs. her-em her-es, Part. 
ber-üöi, Imper. beri, Imperf. ber-ijäh, vom zweiten Stamm 
die Imperfektform brä-h, Aor. brä-h, Part. prät. a. I brä-v 
brä-vsi, II ?>m-o f. bräla, pass. brä-n, Inf. brä-ti. 

Tatsächlich beschränkt sich die Doppelheit der Stämme 
darauf, daß neben einem wie immer gearteten Verbalstamm 
ein zweiter auf -a-, -nu- {= -nq-)^ -je- {= -e-) steht. 

75*7. Mit der folgenden Einteilung der Verba 
nach der Art der Stammbildung ist am besten verbindbar 
die Angabe der Aktionsarten imperfektiv und per- 
fektiv, denn diese haftet bei den nicht mit Präpositionen 
zusammengesetzten Verben am Stamm (über die Prä- 
positionalkomposita s. § 773, über dielterativa §§ 775 — 794), 
nicht an einer Flexionsklasse. 

Perfektiv heißt eine Handlung, bei der dem Redenden 
die Vollendung, ein Abschluß oder ein Resultat vorschwebt. 
Damit ist nicht gesagt, daß die Vollendung, das Ziel wirk- 
lich erreicht wird; es kommt nur darauf an, daß der 
Moment der Vollendung, die Erreichung des Zieles, 
sei es in Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft, im Blick- 
punkt des Bewußtseins steht, nicht irgendeine Dauer der 
Handlung, selbst wenn die zur Erreichung des Zieles führt. 
Imperfektiv dagegen heißt eine Handlung, die dem 
Sprechenden als fortlaufend (andauernd) vorschwebt, ohne 
daß er einen Abschluß, eine Vollendung oder ein Resultat 
dabei im Sinne hat. 



§ 758.] Stammbildung und Aktionsarten. 461 

758. 1. Einheitlicher Verbalstamm; konso- 
nantisch oder vokalisch auslautend. 

1. Einsilbiger Stamm. 

A. Konsonantisch auslautend. 

Die Zahl dieser Verba ist im Vergleich zu denen 
anderer Stämme gering. Wenn ein Verbum nur in Zu- 
sammensetzung mit Präposition vorkommt, ist das durch 
ein - angedeutet; angegeben wird der Verbalstamm, In- 
finitiv und Lsg. präs. 

Imperfektiva: hod- hbsti hbdem stechen, crp- crpsti 
crpern (ursl. '^cbrp-) schöpfen, cvat- cvästi cvätem (abg. cvisti 
cvbtq; durch Vermischung mit cvjetati entstand -cvjesli 
cvjetem) blühen, chn- -ceti -cnem (abg. -ceti -chnq; pö-ceti pö- 
cnem) anfangen, d^?n- -düti -dmem {= dqti dzmq) blasen 
{nä-duti nä-dmem se), der- dbr- drijefi {dreti = *der-ti) 
derem (in Zusammensetzung -di^em = dhrq) reißen, greb- 
grepsti grebem kratzen, gred- {= gred-) gresti gredem kommen, 
griz- (= gyyz-) gristi grizem beißen, id- Idem ich gehe, jeb- 
futuere jepsti (gewöhnlich jebaü) jebem, jed- (^ ed- ahg.jad-) 
jesti jedem essen, klad- klästi klädem (dial. perfektiv) legen, 
hol- kläti (ursl. "^kolti) köljem schlachten, klui- kleti künem 
(= kl^ti klhnq) fluchen, krad- krästi krddem stehlen, leg- 
(= l^g-) leöi lezem brüten, Ijeg- {= leg-) -Ijeci -Ijezem (za- 
Ijeöi, zä-ljezem hinter etwas) gehen, Ijez- (= Uz-) -Ijesti 
-Ijezem (zä-ljesti zäljesem hinter etwas) gehen, met- mesti 
metem kehren, met- (= m^t') mesti metem umrühren, mel- 
nüjeti (= ^melti) meljem mahlen, mog- mö6i mbgu können, 
muz- musti müzem (= *mhlsti "^luhlzq) melken, mer- mhr- 
mrijeti mrem {= *merti mhrq) sterben, nes- nesti nesem tragen, 
pas- pästi pdsem weiden, pek- peöi pecem backen, plet- plesti 
pletem flechten, pelv- pljeti plijevem (= '■'■pelvti "^pelti abg. 
pleti plevq) jäten, pred- (= p^^^') prästi prüdem spinnen, 
phn- -peti -pnem {-■== p^ti phnq) spannen, per- pbr- -prijeti 
-prem stemmen (z. B. ü-prijeti ü-prem anstemmen; = ''^perti 
phrq), per- pbr- priti prem (abg. phreti phrq 2. pbrisi; = "'perfi 
*phrq) anklagen, rast- rästi rästem wachsen, ster- sthr- -strijeti 



462 Das Verbora. [§758.759. 

■strem (= * steril sthrq) ausbreiten, sjek- {= sek-) sjeöi sijecem 
hauen, skub- sküpsti skühem rupfen, striy- stnöi strizem 
scheren, szp- -süti -spem (^*supti Shpq) schütten, tek- teöi 
tecem laufen, tep- (eig. schlagen) tepsti tepem se herum- 
schweifen, tres- (^ tres-) tresti tresem schütteln, *thlk- tüöi 
tüvem (= ^thlkti *ihlkq, abg. tlesti = "^telkti) stoßen, thr- 
trti trem tärem (= tbrq) reiben, ved- -vesti -vedem führen, 
vez- -vesti vezem fahren, vez- (= vez-, eig. binden) vesti 
v^zem sticken, *vblk- vüöi vücem (= \'hlkfi *vhlkq, abg. vlesti 
= *velkti) ziehen, ^verh- *Vbrh- vrijeci (= ^verchti abg. 
vresti) vrsem dreschen, vbrz- (eig. binden) vrsti vrzem se wo 
hängen bleiben (vgl. po-v. bewickeln), zeh- (= z^h-) zepsti 
zebem frieren, zer- ztr- -zreti -zrem (abg. abweichend zbreti 
zbrq zbrisi) schauen, zreti zrem (zrim^ abg. zhreti zhrq zhrisi) 
reifen, zeg- zeöi zezem brennen, zivi- dial. zivsü zivem (vgl. 
abg. ziti zivq) leben, zhm- zäi zmem (= zpti zhmq) drücken, 
z'b7i- zeti znjem zänjem (== z^ti zhnq) ernten, zer- zw- -zdrijeti 
-zdrem {= "^zerti zhrq) schlingen. 

Perfektiva. hud- (= hqd-) büdem ich werde, leg- 
leöi lezem (abg. lesti l^gq) sich legen, päd- pästi pddem (ge- 
wöhnlich pädnem, pänem) hinfallen, rek- reci recem {recem) 
sagen, sjed- (^ 5^6^-) sjesti sjedem (abg. sesti aber s^dq) sich 
setzen; das zusammengesetzte s-resti s-retem (= s^-resti 
*s^-retq, abg. sz-resti sd-r§stq) begegnen ist perfektiv, das 
Simplex war vielleicht auch perfektiv. 

759. B. Vokalisch auslautend. 

Imperfektiv. Auf -a-: zna- znäti Znäm wissen; auf 
-e-: peti pdjem singen, smjeti smljem (ekav. smeti smem; abg. 
s^yneti s^mejq) dürfen, -spjeti -spem (z. ß. dö-spjeti dd-spijem, 
ekav. dö-speti dö-spem) Muße bekommen; auf -i-: biti bijem 
schlagen, gnjlti gnljem faulen, l-ti I6i (defektives Verbum, 
Präs. idem gehen), Mi lljem gießen, pnti pijem trinken, slti 
sljem nähen, vlti vljem wickeln; auf -i- = -y-: blti sein 
(urspr. perfektiv), kriti krijem decken, bergen, mlti mljem 
waschen, pllti pRjem schmmxnen^ n^i njm wühlen, tltitljem 
fett werden, inti vljem heulen; auf -u-: -uti -ujem (nur in 
öb-y iz-uti Schuh an-, ausziehen). 



§759 — 761.] Stammbildung und Aktionsarten. 465 

Perfektiv, da- däti dam geben (ne-dati nicht ausliefern 
ist imperf.), sfa- stäti sfänem sich stellen, üpiti väpiti 
(= v^p^t^) üpijem anrufen. 

Perfektiv und imperfektiv werden gebraucht cuH 
cüjem hören, vernehmen, djeti (djesti) djenem djedem (älter 
auch, dem alten dejq entsprechend, -dljem^ z. B. dödijem) 
legen, stellen. 

760. 2. Mehrsilbiger Verbalstamm ; Stammauslaut 
-a- oder 4-. 

A. Verbal stamm auf -a- (Infinitiv -a-ti, Präsens 
-am -äs usw.) 

Die zahlreichen Verba, deren Form keine Schwierig- 
keit bietet, aufzuzählen, ist unnötig; zu bemerken ist nur, 
daß sie fast durchgängig imperfektiv sind. Perfektiv 
sind von Verben serbischen Ursprungs: pusiati loslassen 
(püstati ist imperf.), svestati (kchsl. Lautform) letzte Ölung 
geben, vjencati (eig. kränzen) trauen (d. h. zur Ehe); srgati 
se zusammenlaufen; stropöstati se zusammenstürzen, söühati 
auseinanderfallen (beim Kochen) scheinen Zusammen- 
setzungen mit s- zu sein. Aus fremden Sprachen entlehnte: 
handimati (lokal; ital. dbhandonare) vergessen, krepati (ital. 
crepare) krepieren, mänjkati (ital. mancare) umstehen (vom 
Vieh), verrecken, päsafi (ital. passare) vorbeigehen, spendsati 
(ital. spendere) ausgeben, spändati se (in Vuks Wb.) sich 
mit jemand abgeben, mit j. bekannt machen (vom ital. 
spandersi sich ausbreiten?), trepänati (ital. trapanare) tre- 
panieren. 

Perfektiv und imperfektiv gebraucht: hankrotirati 
Bankrott machen, rücati zu Mittag speisen, stämpati (ital. 
stampare) drucken, üzinati Vesperbrot essen, vecerati zu 
Abend essen. 

761. B. Verbalstamm auf -i-, Infin. ?-fi, Präsens 
-im, -is usw. 

Die ebenfalls ungemein zahlreichen Verba dieser Art 
werden hier nicht einzeln aufgeführt; es genügt zu be- 
merken, daß die bei weitem überwiegende Zahl imper- 
fektiv ist. Perfektiv sind: bäciti hinwerfen, hatdliti 



464 Das Verbum. [§761. 

(vom türk. bäfäl verwahrlost) verlassen, vernachlässigen, 
bätifi se (aus ital. haitere) zurückschlagen (von der ab- 
geschossenen Flinte), hlagoslöviti segnen (d. h. Segen er- 
teilen), hüpiti plötzlichen Schlag tun, hüsiti mit Gepolter 
hinfallen, delepiriti Beute {celepir türk.) machen, erbeuten, 
i^dpiti plötzlich zuschlagen, öüsiti ohrfeigen, depiti Schlag 
versetzen, desiti treffen auf, dröjnti sich unbedacht hinsetzen, 
dfpiti zerreißen, düpiti Schlag tun, dlpiti plötzlich springen, 
Sprung machen^ haläliti segnen (von türk. häläl Segen), 
harämiti (von türk. häräm) verfluchen, häsniti se (von türk. 
häsna Gewinn, Nutzen) Nutzen ziehen, gewinnen (beiVuk 
Wb. das akt. häsniti imperf.), hltiti werfen, hvätiti ergreifen, 
jdviti kund machen, jurisiii Sturmangriff machen, hlipiti an- 
springen, sich aufs Pferd werfen, klisiti springen wie ein 
klis (Stückchen Holz, mit dem ein Wurfspiel gespielt wird), 
kljüciti (eig. haken) anrühren, hdjasiti se sich sehen lassen, 
grüßen, kordciti Schritte machen, krdciti einen Schritt tun, 
küluciti Frondienst (küluk türk.) tun, küpiti kaufen (= er- 
kaufen), küsiti (Schwanz) stutzen, lätiti schnell ergreifen, 
lisiti berauben, lUrositi (aus gr. eXurpiucra) befreien, lüpiti 
auf etwas losschlagen, Ijöpiti dass., mäsiti werfen, schleu- 
dern, mirhositi se sich den Weihnachtskuß geben (mit mir 
bözji Gottes Frieden), nööiti übernachten, opdciti se (denom. 
von öpäk) sich verkehren = sich verderben, päkostiti schaden 
= Schaden antun, pldtiti bezahlen, pazdriti Handel (päzär 
türk.) machen, pözdraviti (denom. von pözdräv) begrüßen, 
primiti (als Simplex empfunden, eigentlich Zusammensetzung 
mit pri-) empfangen, hinnehmen, prösiti bitten = Bitte 
tun, pröstiti verzeihen, rupiti wohinein platzen (unverhofft 
kommen), pruziti ausstrecken, püstiti (pustiti) loslassen, 
rä7iiti verwunden, razümiti (denom. von räzüm) aufklären, 
begreiflich machen, rijesiti entscheiden, rltiti se mit den 
Füßen ausschlagen, rdditi gebären, rüciti se sich gegenseitig 
die Hände reichen (das akt. rüciti Hand reichen bei Vuk 
Wb. imperfektiv), sjäkariti sUndariti süpariti (ein Kleidungs- 
stück) abwerfen, sjetiti se sich erinnern, sköciti springen = 
Sprung tun, sniti träumen (in Traum verfallen), std7iiti se 



§ 761 — 763.] JStamrabildung und Aktionsarten. 465 

stehen bleiben, stävifi stellen, strdviti se erschrecken intr., 
stüpiti treten (Tritt machen), sicariti Beute (slöär türk.) 
machen, sljapiti (eig. platschen) drauf losschlagen, söinti 
dass., trämjnti {h'ämjnti, von türk. irämpa, dies aus ital. 
tramuta) Tausch machen, trsiti abfertigen, fertig machen 
{irsiü se sich bemühen um), trüciti hinschmeißen, tüciti se 
aufeinander stoßen (im Kampf), tumdriti wohinein plumpsen 
(z. B. in ein Haus), türiti hinwerfen, hinstrecken, üdariti 
(denom. zu üdär) üdriti auf etwas losschlagen, vjeriti ver- 
loben, vrdtiti wenden, umkehren (trans.), vHjiti wegschleu- 
dern, zardriti Schaden {zärär türk.) erleiden, verlieren. 

Perfektiv und imperfektiv gebraucht: ddniti Tag 
über wo bleiben, krstiti taufen, mij eniti \Yechse\n, rdciti (je- 
mand wohin) bestellen, zlostdviti (einem Mädchen) Gewalt 
antun. 

76S. Ein Teil der heutigen skr. Verba mit Verbal- 
stamm -i- gehört ursprünglich nicht hierher, sondern be- 
ruht auf einer Überführung von Verben mit Verbal- 
stamm auf -e- (-e-ti präs. -e-jq), und mit zweitem 
Stamm auf -e-. Präsensstamm -i- in diese Kategorie. 
Sie werden hier nicht besonders genannt, da sie in der 
Form sich von den alten Verben auf -i-fi nicht mehr 
unterscheiden (s. übrigens ASlPh.24,S. 110,112, 118). 

763. 11. Zweiter Stamm neben Verbalstamm. 

1. Zweiter Staram auf -a- (Präsens -'em -em). 

A. Konsonantisch auslautender Verbalstamm, 
z. ß. pis-, 2. Stamm pisa- (Präs. pisem) inf. 2^'^sati. Von 
den hierhergehörigen Verben ist durch Ausfall von ^, b 
der ursprünglich zweisilbige zweite Stamm einsilbig ge- 
worden in: brä-ti (= bbvati) berem^ gnäti {= gznati) zhiem 
treiben, j^^^^f^ {=phrati) perem waschen, säti sem {^ sisafi 
shsq) saugen, tkäti cem {= tcem, aus tskati toka) weben, 
2väti (= zivati) zövem rufen. Das § 758 erwähnte kläti 
(=*Ä:oi/i) koljem kann im Skr. auch hierhergezogen werden, 
da kla- als zweiter Stamm zu hol- erscheint. 

Die Verba sind, soweit serbokroatischen Ursprungs, 

L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. 30 



466 Das Verbum. [§7G3. 

durchweg imperfektiv, nur kdzafi käzem sagen ist per- 
fektiv, vezati veiem binden perf. und imperf. Perfektiv 
sind die folgenden Verba auf -sa-ii, die fast alle von tür- 
kischen, vereinzelter auch von anderen fremden Verben 
auf Grundlage des griechischen 5- Aorists gebildet sind: 
ämhisaii ämbisem bersten (monten. nach Vuk; eig. in den 
Abgrund, ital. abisso, geraten), hästisati (türk. bas-mak) zer- 
treten, begenisati (türk. begeyi-mek^ vgl. ngr. jUTreYevTiZ^oj) Ge- 
fallen finden an, beläisati Unfall (beläj, türk. bela) haben, btti- 
sali (türk. bit-mek) vergehen, zugrunde gehen, brbosati wei- 
nend hervorstamraeln (vgl. brbositi ipf. stammeln), derdosati 
öerdisati öordisati s. krdisati, öorläisaii (cör^ türk. k'ör blind) 
mit geschlossenen Augen wohinein rennen, diserisati {disert 
hinaus! türk. disare desare außen) jemand hinausschaffen^ 
diahäisati (türk. diaba dieba, skr. dzeba Geschenk) schenken,. 
kapärisati Handgeld (ital. caparra) geben, kavräisaii (türk. 
kavra-mak fest anpacken, ganz verdecken) vernieten, keisati 
kidisati kindisati (wohl zu türk. kej-mak verderben) gewalt- 
sam angreifen, krdisati (türk. ker-mak brechen, zerstören) 
vernichten, krkleisati (türk. kerk-mak scheren) stutzen, kur- 
tälisati (türk. kurtar-mak) befreien, lipsati (aus gr. eXeii|ja) 
verrecken^ maläksati (aus ejudXaHa) schwach werden, ogräisati 
(türk. ogra-mak ugra-mak u. a. ins Unglück geraten) übel 
anlaufen, säktisati (zu säkat türk. lahm, verkrüppelt) ver- 
derben, zerstören, sefteisati (zu türk. sefte, vgl. seftele-mek 
Mikl., Türk. El. 1.52) Handkauf (ersten Verkauf am Tage) 
machen, sevdisati (türk. sev-mek) lieb gewinnen, smarläisaü 
(zu smärlama; türk. esmarla-mak semarla-mak) Auftrag geben, 
suläisati (türk. sula-mak bewässern) abputzen (eine Wand), 
surgünisati (türk. sürgün, daraus skr. sürgun Verbannter) 
vertreiben, ucürisati (aus türk. ucur-mak) verbergen, ujdürisati 
(türk. ujdur-mak) einrichten, utleisati (türk. ütüle-mek zu ütü, 
skr. ütija Bügeleisen) ausbügeln, väjdisati (zu väjda = 
türk. fajda) Nutzen stiften; von den zusammengesetzten 
o-värisati sich einüben u-värisati erraten (nach Mikl., Türk. 
El. zu var-mak gehen, erreichen), o-vläisaii jemand anfallen, 
wären die Simplizia auch perfektiv. 



§763.764.] Stamrubildung und Aktionsarten. 467 

Perfektiv und imperfektiv gebraucht: cäfisati 
(türk. cat-mak zusammenstoßen) zusammenfügen, gledeisati 
(zu gleda Glasur) glasieren, Tcaläisati (zu türk. käläj Zinn) 
verzinnen, krimisati {krüna Krone) krönen, murleisati (zu 
mür = türk. mnhür Siegel, mühürle-mek siegeln) siegeln, 
pätosati Fußboden {pätos = gr. Traxog) legen (gr. TraTÖvuu), 
savatleisati emaillieren {sävat türk. Schmelz, savatle mit 
Schm. überzogen), trönisati {crkvu eine Kirche) einweihen, 
vgl. gr. dpoviZ^iu dpovidZiuj, varakleisati mit Flittergold (värak 
türk., varakle mit Fl. überzogen) überziehen, zlgosati brand- 
marken (zu zig Brandmal). 

764. B. Vokalisch auslautender Verbalstamm. 

a) Einsilbig = der Wurzel. Die Verba sind im- 
perfektiv. Wenn der Auslaut des Verbalstammes a, i 
(= i und = ?/), e ist, geht dem -a- des zweiten Stammes 
j voran, wenn er ii ist, dagegen v. häjati häjem (eig. fabu- 
lari) zaubern, cäjati cäjem (wenig gebräuchlich) warten, 
gräjati gräjem krächzen, häjati häjem sich kümmern um, 
käjati käjem se Reue empfinden, läjati läjem bellen, stäjati 
stäjem (imperf. zum perf. stäti) sich stellen, täjati täjem 
(tauen) tropfen, träjati träjem dauern. — brljati hrijem 
rasieren, vijati (== vy-) vijem heulen. — grljati grljem (ekav. 
grejati grejem) wärmen, sijati sijem (ek. sejati sejem) säen, 
smljati smljem se (ek. sme-; abg. smhjati smejq sp) lachen, 
vijati mjem (eig. wehen; ek. vejati vejem) w^orfeln. — kövati 
küjem schmieden, sndvati snüjem zetteln (Gewebe), trbvaii 
trujem vergiften. Bei den folgenden ist das -u- des zweiten 
Stammes aus dem Präsens übertragen: hljüvati bljüjem (abg. 
bl'hvati bl'ujq) sich übergeben, kljiwati kljujem (abg. kl'hvati 
kl'ujq) picken, pljüvati pljujem (abg. pl'evati pl'vjq) speien. 
— Vereinzelt stehen pbjati (dem Präsens nachgebildet statt 
des alten pjeti = peti) jwjem singen; dävaii däjem (und 
däväm) geben, das Imperf. zu däti. 

b) Mehrsil'big. Der Verbalstamm lautet auf -u- 
au??, bei Bildung des zweiten Stammes daher auf -ov-, 
z. B. kupöv-a-ti küpii-jem kaufen. Statt -ova- ist durch eine 
Verschiebung -iva- eingetreten, z. B. darivati darujem (und 

so* 



468 Das Verbum. [§764.765. 

därwmn); diese in Verbindung mit der Imj)erfektivierung 
von Perfektiven zu behandelnden Verba s. §791. 

Die Verba zweiten Stammes auf -ova- sind mit wenig 
Ausnahmen imperfektiv. Perfektiv: darövati schenken, 
kdristovati nutzen, rdzlikovati (denom. von räzlika) unter- 
scheiden, sjetovati betrauern, zävjetovati se (denom. von 
zdvjet Gelübde) sich verloben. 

Perfektiv und imperfektiv gebraucht, fast alle 
denominativ: härjamovati das Bairamfest (härjam) feiern, 
cjelövati (bei Vuk nur cjelivati) küssen, danövati Tag (dän) 
über bleiben, desetkovati den Zehnten (desäak) fordern, 
gödinovati Jahr (gödina) zubringen, Imenovati nennen {wie 
Name), kästigovati (ital. castigare) bestrafen, Ijetovati Sommer 
{Ijeto) zubringen, übersommern, näpastovati jemand anfahren 
(näjjast Anfall, Unfall), objedovaii Mittagsmahl (öbjed) halten, 
pdkladovati Fastnacht (pöklade) feiern, rukövati se sich gegen- 
seitig die Hand (rüka) geben, sUovati Gewalt (slla) antun, 
senkovati (aus dem Deutschen) schenken, iizrokovati verur- 
sachen (üzrok Ursache), väskrsovati Ostern (väskrs) feiern, 
vjh'ovati glauben (vjera Glaube), zlmovati überwintern (zima 
Winter). 

Die Verba mit zweitem Stamm auf -Iva- sind im- 
perfektiv. Als zugleich perfektiv und imperfektiv finde 
ich nur angegeben cjelivati (s. o. cjelövati), djeverivati Braut- 
führer (djever) sein. 

765. 2. Zweiter Stamm auf -nu-; Verbalstamm kon- 
sonantisch oder vokalisch auslautend. 

Die im Skr. sehr zahlreichen Verba sind mit wenig 
Ausnahmen perfektiv, öfter mit der Nebenvorstellung des 
Plötzlichen, Augenblicklichen (verba momentanea) oder des 
geringen Grades (verba deminutiva), z. B. tüknuti tüknem 
kleinen Stoß geben zu tüci tücem stoßen. 

Imperfektiv sind: brinuti irlnem se (aus brign., brlga 
Sorge) Sorge tragen, ceznuti (eig. schwinden) Sehnsucht 
bekommen, cvfsnuti se (denom. zu cvrst dick) dick werden, 
gäsnuti erlöschen, ginuti (aus "^gybn-) umkommen, glühnuti 



§ 765. 766.] Stammbildnng und Aktionsarten. 469 

taub (glüh) werden, görakmdi bitter (görak) w., grknuti (grk) 
dass., -gnsmiti se dick (güst) werden, klsnuti sauer werden, 
meJcmäi weich (mek = mch^k^) w., mrznuti frieren, sähmäi 
(= s^chnqti) trocknen intr., fönuti (aus *topnqti untersinken, 
ihmti (aus '^'tbr'pnqti) erstarren, trnuti auslöschen (auch demin. 
zu tili reiben), truhnuti modern, vmuti (aus '^v^dnqti) welken, 
zrenuti (demin. zu zre-ti) reifen. 

766. Bei den allermeisten hierhergehörenden Verben 
können vom Verbalstamm nur gebildet werden das Prä- 
sens mit seinem Zubehör (Formans -ne-), Imperativ, Part, 
präs., Imperfekt, die übrigen Formen vom z