(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Children's Library | Biodiversity Heritage Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Grammatik der serbo-kroatischen sprache"

.XrM 



a».ft 



SAMMLUNG 

SLAVISCHER LEHR- UND 

HANDBÜCHER 

HERAUSGEGEBEN 
VON 

A. LESKIEN UND E. BERNEKER 



I. REIHE: GRAMMATIKEN 

4. GRAMMATIK DER SERBO 
KROATISCHEN SPRACHE 



-"ÖS^"- 



HEIDELBERG 1914 

CARL WiNTER'S UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG 



GRAMMATIK 

DER 

SERBO-KROATISCHEN 
SPRACHE 



VON 



ArLESKIEN 

PROFESSOR DER SLAVISCHEN SPRACHEN 
AN DER UNIVERSITÄT LEIPZIG 



1. TEIL: 
LAUTLEHRE, STAMMBILDUNG, FORMENLEHRE 




519548 

/6 S- 'b\ 



HEIDELBERG 1914 
CARL WINTER'S UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG 

Verlags -Nr. 1116 



Alle Rechte, besonders das Recht der Übersetzung, werden vorbehalten 



Vorwort. 

An die Abfassung einer serbokroatischen Grammatik 
bin ich nicht ohne Bedenken gegangen, und das hat sich 
im Lauf der Arbeit nicht vermindert. Ich hatte immer 
lebhaft die Empfindung, daß ein Werk über die Sprache 
eigentlich nur schreiben kann, wer unter dem Volk lebt, 
das sie spricht, mit ihm in beständiger Berührung sein 
und vor allem in sich aufnehmen kann, was den Ge- 
schulten und Gebildeten gegenwärtig als normale Sprech- 
weise gilt. Ich könnte mich zwar darauf berufen, daß 
ich mich mehrmals längere Zeit unter Serbokroatisch- 
redenden aufgehalten habe und die Sprache leidlich ge- 
läufig habe sprechen können, auch einige Lokalmundarten 
genauer kennen gelernt habe. Allein ich gestehe gern, 
daß das nicht ausreicht, das Gefühl völliger Sicherheit zu 
geben. Sehr oft tritt das Verlangen ein, Fragen nach der 
Betonung, nach dem Gebrauch von Flexionsformen, nach 
der Gebräuchlichkeit älterer, vielleicht im Schwinden begrif- 
fener Ausdrucksformen, nach der Bedeutung und Gebrauchs- 
ausdehnung gewisser Wortbildungen, nach syntaktischen 
Eigentümlichkeiten sofort und möglichst sicher entschieden 
zu haben. Denn so einheitlich im ganzen die heutige 
Schriftsprache der Serben und Kroaten in ihrer äußeren 
Gestalt erscheint, so machen sich doch landschaftliche 
Unterschiede ziemlich stark geltend. Dazu kommt, daß 
neben einem bewußten und gewollten genauen Festhalten 
an der Gestalt der Schriftsprache, wie sie Vuk Stefanovic 
Karadzic vor einem Jahrhundert festgelegt hat, Verände- 



VI Vorwort. 

rungen eingetreten sind, wie sie im Lauf einer solchen 
Zeit bei veränderten Kulturverhältnissen immer ohne 
jedes bewußte Streben erfolgen, und daß eine beabsich- 
tigte und ganz berechtigte Anpassung der Sprache an die 
neuen Verhältnisse stattfindet. Davon kann nur ein Ge- 
lehrter, der mitten in dieser Bewegung steht, ausreichende 
Kenntnis haben, und nur ein solcher könnte diesen 
Stand der Dinge genügend darstellen. Ich muß wesent- 
lich auf Grund des in der Sprache und über sie Ge- 
schriebenen bauen. Da darf ich wohl sagen, daß selten 
jemand, der nicht dem Volke angehört, so viel Serbokroatisch 
gelesen haben wird wie ich. Das wird, hoffe ich, namentlich 
der Syntax zugute kommen. In Laut- und Formenlehre habe 
ich mich, wie es sich von selbst versteht, an die besten 
Darstellungen einheimischer Gelehrter gehalten, und 
verdanke vor allen, abgesehen von den unentbehrlichen 
Werken Vuks, namentlich den Arbeiten von Daniele, 
ßudmani, Maretic, Resetar und Belic die Hauptgrundlage 
meines Buches. Über dessen Zweck und Ausführung 
möchte ich noch sagen: Es ist kein Lehrbuch für den 
praktischen Gebrauch; man kann daraus nicht Serbokroatisch 
schreiben oder sprechen lernen, sondern es verfolgt ohne 
jede solche Rücksicht den Zweck einer wissenschaftlichen 
Beschreibung und Erklärung der Sprache. Es beschreibt 
diejenige Form der Sprache, die Vuk als Schriftsprache 
festgelegt hat, möglichst vollständig und knüpft ihre Er- 
scheinungen an das Urslavische oder, wo eine LTnterschei- 
dung des Urslavischen und Altbulgarischen nicht nötig 
ist, an dieses. Weiter zurück, in indogermanische Ver- 
hältnisse, bin ich nicht gegangen. Man findet zwar die 
Darstellung einzelner, auch lebender slavischer Sprachen 
bisweilen mehr oder minder ausführlich an urindogerma- 
nische Formen, oder was dafür gilt, angeknüpft; ich habe 
aber ein solches Verfahren immer für verfehlt gehalten. 
Wer weiter zurückliegende sprachliche Entwicklung sucht, 
muß zu einer urslavischen oder einer vergleichenden 
Grammatik der indogermanischen Sprache greifen. 



Vorwort. VII 

Eine erschöpfende Darstellung der Dialekte und der 
Sprachgeschichte zu geben, war ganz ausgeschlossen ; dazu 
fehlen noch zu viel Vorarbeiten, und diese sämtlich selbst 
zu machen, war mir nicht möglich. Ich bin mir daher 
bewußt, daß mein Buch lückenhaft und ungleichmäßig 
ist. Andrerseits wird man vielleicht einzelne Teile zu 
ausführlich finden, so die Abschnitte über die Betonung 
und die Stamm bildungslehre. Die Betonung habe ich so 
eingehend behandelt, weil sie besondere Schwierigkeiten 
bietet und weil die bisherigen Darstellungen meist nur 
rein äußerliche Schemata ohne Zurückführung auf all- 
gemeinere Grundsätze geben; die Stammbildung, weil ich 
sie überhaupt in anderer Art behandle als üblich, nicht 
auf Grundlage der lautlichen Form der Formantien, 
sondern auf Grundlage von Bedeutungsgruppen, zu deren 
Veranschaulichung aber eine größere Fülle von Beispielen 
erwünscht ist. Überhaupt bin ich nicht zu sparsam ge- 
wesen, habe Wiederholungen- nicht gescheut, wo allenfalls 
Verweisungen ausgereicht hätten; aber ich habe immer 
eine Abneigung gehabt gegen Darstellungen, wo in einem 
kurzen Abschnitt viele Verweisungen stehen und der 
Leser sich erst mühsam den Zusammenhang herstellen 
muß. Raum hätte ich sparen können, wenn ich die 
deutsche Übersetzung der serbokroatischen Wörter weg- 
gelassen hätte ; aber das Buch ist für deutsche Leser 
oder solche, die Deutsch verstehen, bestimmt, bei denen 
man, auch wenn es Slaven sind, nicht ohne weiteres die 
Kenntnis der Bedeutung beliebiger serbokroatischer Wörter 
voraussetzen kann. 

Die Paragraphenzahlen sind zur Bequemlichkeit des 
Zitierens eingefügt, haben nichts mit der systematischen 
Einteilung zu tun. 

Der vorliegende Teil meines Werkes enthält nur 
Lautlehre, Stammbildung und Formenlehre. Es war erst 
meine Absicht, die Syntax mit aufzunehmen, doch wäre 
das Buch dadurch sehr unhandlich geworden und die 
Veröffentlichung sehr verzögert worden. Es wird also die 



VIII Vorwort. 

Syntax in einem besonderen Bande folgen, den ich in 
nicht zu ferner Zeit zu vollenden hoffe. 

Zu besonderem Dank bin ich meinem Zuhörer, Herrn 
Alex, Stojicevic, verpflichtet, der mein Buch nach voll- 
endetem Druck genau durchgesehen hat. Leider hat sich 
dabei eine große Anzahl Fehler herausgestellt, zum aller- 
größten Teil in den Akzentzeichen, Versehen von mir und 
übersehene Druckfehler. Die am Ende stehende lange 
Liste hat sie wohl beseitigt, und ich muß mich damit 
trösten, daß es Einzelfehler sind, von denen prinzipielle 
Dinge nicht berührt werden. Für die Mühe, die ich dem 
Leser dadurch bereite, bitte ich um Entschuldigung; 
nur möchte ich wünschen, daß die Zahl der Fehler 
nicht gemessen werde an der Seitenzahl des Buches, 
sondern an den Tausenden von serbokroatischen Wörtern, 
die darin vorkommen, bei deren unzähligen kleinen 
Akzentzeichen man sich so sehr leicht versieht, verschreibt 
und verliest, und falsche Setzung übersieht. 

A. Leskien. 



IX 



Inhaltsverzeichnis. 

Die eingeklammerten Zahlen geben die Paragraphen an, die 
rechts stehenden nicht eingeklammerten die Seitenzahlen. 

Seite 

Vorwort V 

Inhaltsverzeichuis IX 

AbkürzDugen XVII 

Elnleitniiff XVIII 

I. Name und Sprachgebiet XVIII 

II. Dialekte XXII 

III. Stellung des Serbokroatischen innerhalb der sla- 

vischen Sprachfamilie XXVIII 

IV. Sprachquellen XXIX 

V. Schrift XLII 

VI. Grammatische und lexikalische Hilfsmittel . . XLIV 

Lautlehre. 

I. Die einzelnen Laute und ihr Verhältnis zum Urslavischen. 

A. Die Vokale : 

Urelav. Vokale (1) 1 

Aussprache der Vokale (2) 1 

Die einzelnen skr. Vokale: 

Skr. a (3—16), o (17—19), u (20—26), r (27—29), 

e (e; je, ije, ie; 30—39), i (40-42) 2 

Übersicht über die Vertretung der urslav. Vokale (43) 30 
Die für den skr. Vokalismus charakt. Vorgänge (44) 31 
Bemerkung über Ablaut und Ablautsreihen (45) . . 32 

B. Die Konsonanten: 

Urslav. Konsonanten und skr. Bestand (46) .... 33 

Aussprache der Konsonanten (47) 34 

Charakteristische Eigentümlichkeiten des skr. Kon- 
sonantismus (48) 35 

I. Die einzelnen Konsonanten: 

A. Nasale (49), B. Liquidae (50), C. Verschluß- 
laute (51), D. Reibelaute (52—59), E. Aj9fri- 
katae (60—64) 35 



X Inhaltsverzeichnis. 

Seite 
II. Konsonantengruppen, Ab- und Ausfall von ^, t: 

A. Konsonantengruppen (65) 41 

I. Wortanlautegruppen (66 — 68) ... 43 

I. In einheitlichen Wörtern (69 — 83) 44 

II. In Zusammensetzungen (84 — 98) . 60 
II. Konsonantengruppen im Wortinnern 

(99-112) 66 

III. Konsonantengruppen im Auslaut (113) 74 

B. Ab- oder Ausfall von s, » (114-121) . . 74 

n. Kombinatorischer Lautwandel (122) 77 

I. Hiatus, Kontraktion, Verkürzung langer Vokale 

(123—128) 78 

IL Abfall auslautender Vokale (129—130) 81 

IIL Entstehung der Diphthonge (131) 81 

IV. Silbenauslautendes l zu o; alter ?- Vokal zu tc (132) 82 
V. Wandlung nicht palataler Vokale nach palatalen 

Konsonanten (133) 83 

VI. Wandlung der Konsonanten durch Verbindung mit 
urepr. j: A. urslav. Erscheinungen (134—139); 
ß. besondere skr. Entwicklung (140 — 150) . . 84 
VII. Die Konsonanten vor palatalen Vokalen (151 — 157) 88 
VIII. Konsonantischer Wortauslaut (158— 160) .... 92 
IX. Konsonantenausfall aus Konsonantengruppen: A. ür- 

8lavisch(161— 163).'; B. Serbokroatisch (164- 174) 92 
X. Konsonanteneinschub in Lautgruppen (175) ... 97 
XL Umstellung von Konsonantengruppen (176 — 177) . 98 
XII. Konsonantenassimilation: 1. tönende vor tönenden, 
stumme vor stummen Konsonanten (178 — 184); 
2. Palatalisieruug durch folgende palatale Kon- 
sonanten (185—188) 100 

XIII. Vereinzelte Lautveränderungen und Lautneigungen 

(189—192) 105 

Geschichtliche und dialektologische Bemerkungen zum 
Vokalismus und Konsonantismus. 
Zum Vokalismus: 1. altes ^, «,(193—195); 2. r- Vokal (196 

bis 197); 3. Z-Vokal und seine Entwicklung (198—200); 

4. silbenauslautendes l zu. o (201); 5. Entwicklung des 

urslav. c (202); 6. die alten Naealvokale (203—205). . 106 
Zum Konsonantismus (206—210) 117 

Betonung und Silbenquantität (211) 119 

I. Haupttonstelle: 1. Allgemeines. Cakavische Haupt- 
tonstelle (212 — 213); 2. stokavische Haupttonstelle 



Inhaltsverzeichnis. XI 

Seite 
(214); 3. Vergleichung der stokavischen Hauptton- 
stelle mit der cakavischen und russiecheu (215) . 120 
IL Die Intonationen: A. in der heutigen Sprache 
(216 — 218); B. vor der stokavischen Verschiebung 

der Haupttonstelle (219) 123 

HI. Verhältnis von Haupttonstelle und Intonation zur 

Silbenquantität (220—229) 125 

Bestimmung der Betonung und Quantität der skr. Wörter 

nach §§ 214—229 (230) 131 

I. Zweisilbige Nominalstämme, Substantiva und Ad- 
jektiva: A. die femin. z-Stämme (231); B, die Mas- 
kulina (232—244); C. die neutralen o-St. (245—250); 
D. die femin. a- und ja-St. (251 — 256); E. die alten 
üSt. (257); F. die alten konsonantischen Stämme 
(258—261); G. die Adjektiva (262-265); H. die 

zweisilbigen Infinitive (266—271) 131 

IL Nomina mehrsilbigen Stammes (272) 159 

A. Nicht zusammengesetzte Wörter: 1. die Quantität 

der Formantien (273); die Hypokoristika (274); 
Abweichungen vom normalen Typus (275); 2. Quan- 
tität der stammhaften Bestandteile abgeleiteter 
Nomina (276-278) 159 

B. Zusammengesetzte Wörter: 1. aus Nomen und Nomen 

(279 — 285); 2. aus Präposition und Nomen 
(286-303) 180 

III. Betonung der Verbindungen von Präposition und 

Kasus (304) . . . .^ 194 

IV. Betonung von Partikeln (305—309) 195 

V. Vokaldehnung vor bestimmten Konsonanten und Kon- 
sonantengruppen: A. vor auslautendem v, j 
(310-812); ß. vor je = yV (313); C. vor n m r l 

t;y + Kons. (314-332) 198 

VI. Dialektische Betonung in stokav. Mundarten (333—338) 213 
Zur Cakavischen Betonung (339—352) 217 

Stammbildung der Nomina (353—553) 228 

Das Einzelne s. in dem besonderen Register zu diesem 
Abschnitt S. 319. 

Nominalkomposita (554—569) 322 

L Attributivkomposita (559—566) 325 

IL Rektionskomposita (567—569) 328 



XII Inhaltsverzeichnis. 

Seite 
Flexion der SnbstantiTa, A«ljektiva, Pronomina, 
Zahlwörter. 

I. Deklination der Substantiva. Allgemeine Be- 
merkungen: Einteilung (570—572); Genus (573); 
Numeri (574); Bestand der Kasus (575) .... 330 
Paradigmata: I. Maskulina (576 — 584); II. Neutra 
(585-588); III. Feminina: Lauf -a (589—593); 
2. konsonantisch auslautend (alte «-Stämme; 
594); matt, kcl (595); die Reste des Duals (596) 337 
Quantität der Endsilben, Wechsel der Haupttonstelle 

(597-617) 347 

II. Deklination der Pronomina und Adjektiva. 

1. Deklination der Pronomina: 

A. Personalpronomina (618 — 622j .... 361 

B. Demonstrative, interrogative, indefinite, 

possessive Pronomina: l.Demoustrativa 
(623—625); 2. Interrogativa (626—627); 
Relativa (628); Indefinita (629); 3. Pos- 
eessivpronomma (630—631); 4. sonstige 
pronominal flektierte Wörter: säm, väs 
(säv) (632—635) 364 

2. Deklination der Adjektiva (636) 372 

A. Unbestimmtes Adjektiv (637—638) . . 373 

B. Bestimmtes Adjektiv (639—640) ... 375 
Komparation der Adjektiva (641 — 646) . . 377 
Quantität und Betonung der Adjektiva: 1. das 

unbestimmte Adjektiv (647—652); 2. das 
bestimmte Adjektiv (653—660) .... 380 

III. Zahlwörter. Bestand und Flexion : 

1. Kardinalzahlen (661-669) 390 

2. Ordinalzahlen (670) 395 

3. Koilektivzahlen (671—672) 396 

4. Distributivzahlen (673) 397 

5. Multiplikation (674) 398 

Gebrauch der Zahlen, Zählweise (675 — 685) . . 398 

Anhang zur Deklination. Adverbia 402 

I. Adverbia von alten Pronominalstämmen: 

1. Zur Angabe des Orts (686-689); 2. der Zeit 

(690); 3. der Art und Weise (691) .... 402 
II. Adverbia aus Nominalkasus: I. zu Adjektiven 
(692— 693); II. sonstige Nominalkasus (694 bis 
696); Adverbia auf -ice, -ce, -ke (697—704) . 406 



Inhaltsverzeichnis. XIII 

Seite 
m. Adverbia aus Präposition und Nominalkasus 

(705—708) 414 

IV. Vereinzelte Adverbia (709—711) 416 

Zur Geschichte der Deklination (712) 417 

I. Nomina. Die Cakavstina (713) 418 

Die Mundart von Cherso (714) 419 

Die Mundart von Kraeica (715) 420 

Die Mundart von Novi (716) 421 

Historisches (717—718) 423 

Zur Geschichte der stokavischen Deklination der No- 
mina (719—741) 430 

II. Pronomina (742—749) 447 

Pronominalkasus mit angehängtem -re, -a, -/, -e 

(750—755) 452 

Das Verbuin. 
Stammbilduiig'. Aktionsarten. Konjugation. 

Stammbildung und Aktionsarten. Allgemeines (756—757) 458 

,1. Einheitlicher Verbalstamm (758—762) 461 

1. Einsilbiger Stamm (758) 461 

A. Konsonantisch auslautend (758) .... 461 

B. Vokalisch auslautend (759) 462 

2. Mehrsilbiger Verbalstamm (760) 463 

A. Verbalstamm auf -a- (760) 463 

B. Verbalstamm auf -/- (761—762) .... 463 
II. Zweiter Stamm neben Verbalstaram: 

1. Zweiter Stamm auf -a- (763) 465 

A. Konsonantisch auslautender Verbalstamm 

(763) 465 

B. Vokalisch auslautender Verbalstamm (764) 467 

2. Zweiter Stamm auf -nn- (765) 468 

Vom Verbalstamm abgeleitete Formen (766) . 469 

3. Zweiter Stamm auf -je- = -e- (767) 471 

A. Zweiter Stamm -e- (-je-), Präsens -i- (768) 471 

a) Mit bewahrtem -e-, -je- (768) . . . 471 

b) Zweiter Stamm auf -a- aus e (769) . 472 

B. Ursprünglich einheitlicher Verbalstamm 

auf -e- (und a aus e), skr. zweiter 

Stamm -je- (a) Präsens -i- (770) . . 473 
Die formalen Verhältnisse der Perfektiva und Imperfektiva 

zueinander (771) 474 

I. Perfektivierung (772) 475 

1. Durch Formans -nu- (772) 475 

2. Durch Zusammensetzung mit Präposition (773) 475 



XIV Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

IL Imperfektivierung (774) 480 

Iterativ und Imperfektiv (775) 481 

1. Zu den Verben mit einheitlichem Stamm: 

A. Einsilbiger Stamm: 

a) Konsonantisch auslautender Stamm 

(776) 481 

b) Vokalisch auslautender Stamm (777) 483 

B. Mehrsilbiger Stamm: 

a) Verbalstamm auf-a-; Formans-i?a-(778) 485 

-ivati neben -Avati {11%) 486 

b) Verbalstamra auf -i-; Formans -«-; 
Wandlung des wurzelauslautenden 
Konsonanten; bewahrte Länge(780); 
ohneKon8onantenveränderung(781); 
Kürze im Iterativ (782) .... 486 
Erweiterung der Iterativstämme auf -a- 

durch -va- (783) 489 

Das Iterativ auf -Ivati (784) .... 490 
Mehrere Formen {•ävati, -ivati, -ati) 
nebeneinander (785) 491 

2. Zu den Verben mit besonderem zweiten Stamm : 

A. Zweiter Stamm auf -«-: a) das Grund- 

verbum mit Wurzelauslaut /•, l, Vokal 
%,'b; b) anders beschaffener Wurzel vokal 

(786, 787) 492 

Iterativbildung mit -ävati {181 3i) . . . 493 

B. Zweiter Stamm auf -nu-: 

a) Iterativstamm auf -a- (788) . . . 493 

b) Iterativ auf -ivati (789) 495 

Verbleibendes n im Iterativ (790) . 495 
Die Entstehung der Bildungen auf 

-ivati überhaupt (791) 496 

c) Iterativ auf -dvati (792) 496 

C. Zweiter Stamm auf -e- (-je-), -a-: 

a) Bei zweitem Stamm auf -a- Iterativ 

-ävati (793) 497 

b) Bei zweitem Stamm auf -c- Iterativ 

-a-, -va- und -ivati (794) .... 497 

Anhang. Iterativa auf -i-ti, Wurzelvokal o (795) . 498 

Deren weitere Iterierung, Dehnung o — a (796) 499 

Vereinzelte Fälle besonderer Iterativformen (797) 499 
Besonderheiten der Aktionsart in Zusammensetzung 

mit po und mit mehreren Präpositionen (798) 499 

1. po- distribnierend (798) 499 

2. mehrere Präpositionen (799) 500 



Inhaltsverzeichnis. XV 

Seite 
Konjugation, 
I. Ühersicht über den Formen bestan d dee Ver- 

bunis (800) 502 

II. Einteilung in Konjugationsklassen und Prä- 

sensbildung (801) 503 

(Gruppe A) Klasse I. Formans -e- (802) .... 504 

1. Einheitlicher Verbaistamm (802) 504 

2. Zweiter Stamm auf -a- (808) 505 

Klasse II, Formans -ne- (804) 505 

Klasse III, Formans -je- (805) 505 

1. Kousonantiech auslautender Verbalstamm (805) 506 

2. Vokalißch auslautender Verbalstamm (806) . 506 

A. Ohne besonderen zweiten Stamm (806) . 507 

B. Zweiter Stamm auf -a- (807) 507 

(Gruppe B) Klasse IV, vor der Personalendung -ö- (808) 507 

(Gruppe C) Klasse V, vor der Personalendung -«-(809) 508 
(Gruppe D) Klasse VI, vor der Personalendung -ije- 

(-e-) (810) 508 

VII. Anhang. Reste alter thematischer Präsens- 
bildungen und Unregelmäßigkeiten (811) . . . 509 

jhmm, fe^7^ (811) . . ' 509 

ääm, dati (812) 509 

vim (813) 510 

Jim (ijem), jesti (814) 510 

imäm, \niati (815) 510 

"idem, \ci; dessen Zusammensetzungen mit Prä- 
positionen (816) 511 

djedem, dßsti (817) 511 

hödu cu, hötjefi htjeti (818) 512 

Die Betonung der Präsentia. Allgemeines . . 512 

Präpositionalkomposita (819—820) 513 

Klasse 1. 1 (821—823) 513 

Klasse 1. 2 (824) 516 

Intinitivbetonung der Klasse I (825) .... 516 

Klasse II (826) 517 

Inßnitivbetonung (827—828) 517 

Kla.«se III. 1 (829) 519 

Klasse III. 2 (830—832) 519 

Klasse IV (833) 521 

Klasse V. 1, einheitlicher Verbalstamm auf -i- (884) 522 

Klasse V. 2, zweiter Stamm auf -je-, -a- (835) . . 524 

Klasse VI (836) 525 

Übersicht über die Betonung des Präsens (837) . 525 

Zur Geschichte des Präsens (838-842) .... 527 



XVI Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

III. Das Imperfektum (843) 529 

Die Imperfekta der einzelnen Klassen (844 — 851) . 530 

Betonung des Imperfekts (852) 533 

Zur Geschichte des Imperfekts (853) 534 

IV. Der Aorist (854) .537 

Der Aoriststamm und die Verbindung der Endungen 

mit dem Aoriststamm (855 - 858) 538 

Die Betonung des Aorists (859 — 871) 540 

Anhang. Die Aoriste -nijeh, rijeh (872) .... 547 

V. Der Imperativ (873) 548 

Die Betonung des Imperativs (874—878) .... 549 

Zur Geschichte des Imperativs (879) 551 

VI. Die Partizipien: 

A. Partizip präsentis aktivi (880) 552 

Zur Geschichte des Part. präs. (881) .... 553 

Betonung des Part. präs. (882) 554 

B. Partizip prät. akt. I (883) 556 

Zur Geschichte des Part. prät. akt. I (884) . 557 

Betonung des Part. prät. akt. I (885) .... 558 

C. Partizip prät. akt. II (Z-Partizip) (886) .... 559 

Betonung des /-Partizips (887-898) .... 561 

D. Das Partizip präteriti passivi (894 — 897) . . . 565 

Betonung des Partizips prät. pass. (898 — 904) 567 

Zur Geschichte des Partizips prät. pass. (905) 571 

VII. Der Infinitiv (906) 571 

VIII. Die umschriebenen Tempora und Modi: 

1. Perfektum (907) 572 

2. Futurum (908) 572 

3. Konditionalis (909) 573 

Durchgeführte Paradigmata aus den einzelnen Verbal- 

klassen (910—921) 574 

Verbesserungen und Nachträge 585 



XVII 



Abkürzungen. 



abg. = altbulgarisch. 

Abg. Gr. = Altbulgarische 
Grammatik von Leekien. 

Ak. Wb. = Wörterbuch der Süd- 
slavischen Akademie (RjeC'nik 
hrv. ili srpskoga jezika). 

ASlPh = Archiv für slav. Phi- 
lologie. 

AT = Altes Testament in Da- 
niCic' Übersetzung. 

ßudm.= Budmani, Grammatica 
della lingua serbo-croata. 

Dan. = Daniele. 

Dan. Ist. obl. = Danißic, Isto- 
rija oblika. 

DO =^ Daniele, Oenove. 

ik. = ikavisch. 

Izv. = Izvestija otdelenija russ- 
kago jazyka i elovesnosti 
Imper. Ak. Nauk. 



kajk. = kajkaviech. 

jek. = jekavisch. 

Mar. = Maretic, Gramatika i 
stilistika hrvatskoga ili srps- 
koga jezika. 

Mon. =^ Monumenta serbioa ed. 
Miklosich (Viennae 1858). 

MVG = Miklosich, Vergleichen- 
de Grammatik. 

N.pj. = Narodne pjesme skupio 
ih Vuk, 2. Aueg. 

NT. = Neues Testament in 
Vuks Übersetzung. 

r. = russisch. 

Roczn. slaw. = Rocznik slawi- 
sticzny. 

slov. = slovenisch. 

St. p. = Stari pieci (Ausgaben 
der Agramer Akademie). 

stok. = stokavisch. 



Die näheren Angaben über die grammatischen Werke und die 
in serbokroatischer Sprache s. in der Einleitung. 



L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. 



XVIII 



Einleitunsr. 



&' 



I. Name und Sprachgebiet. 

Die zusammengesetzte Benennung Serbo-Kroatisch 
ist kein volkstümlicher Name, sondern von der gelehrten 
Forschung gegeben, weil für die Mundarten, um die es 
sich handelt, kein passender Gesamtname vorhanden war. 
Die Bestandteile der Zusammensetzung dürfen aber nicht 
so verstanden werden, als gäbe es ein bestimmt abgrenz- 
bares Serbisch neben einem ebenso begrenzbaren Kroatisch 
als Dialekte der Gesamtsprache, sondern sie haben eine 
geschichtliche Bedeutung. Die Namen Serben und Kroaten 
sind seit dem 9, Jahrhundert bekannt; in die nordwest- 
liche Balkanhalbinsel, d. h. in das Gebiet, das sich von 
der Küste der Adria in der Ausdehnung etwa vom heu- 
tigen Fiume bis zur Mündung des Drin, nach Osten un- 
gefähr bis zum Timok erstreckt, der etwas westlich von 
Widin in die Donau mündet, wanderten am Anfang des 
7. Jahrhunderts eine Anzahl ethnisch und sprachlich 
nahe verwandter Stämme ein. Ein Teil von ihnen führte 
den Namen Hrvdti (Sing. Hrvät, in der heutigen Form 
und Betonung), Kroaten ; sie besaßen ungefähr den Winkel 
zwischen Kulpa-Sava im Norden, den Flüssen Vrbas 
(Nebenfluß der Sava) und Cetina (mündet ins Adriatische 
Meer bei Almissa, südlich von Spalato) im Osten und 
Süden, der Adriaküste im Westen. Von den weiter nach 
Süden und Osten wohnenden Stämmen führte einer den 
Namen Srbi (Sing. Srbin oder Srb): «das Land der eigent- 
lichen Serben umfaßte das Gebiet des Lim und der 
oberen Drina, samt der Piva und Tara, das Tal des Ibar und 



Name und Sprachgebiet. XIX 

den Oberlauf der westlichen Morava» (Jirecek, Geschichte 
der Serben 1, 120 ; der Abschnitt des Werkes von S. 61 — 159 
enthält eine vorzügliche Darstellung der Einwanderung 
der Slavenstäname, Serben-Kroaten und Bulgaren, in die 
Balkanhalbinsel; für die ältesten Verhältnisse vgl.Niederle, 
Slovanske starozitnosti, Dil II, Povüd a pocätki Slovanü 
jiznich, Prag 1906 — 10). Dies Gebiet, im wesent- 
lichen das später Altserbien genannte, wurde der Aus- 
gangspunkt für die Zusammenfassung der einzelnen 
Stämme zu einem größeren Staat, dem altserbischen Reich 
des Mittelalters, das seine größte Ausdehnung unter dem 
Zaren Stephan Dusan erlangte, 1389 dem Türkenansturm 
erlag. Die Namen der einzelnen Stämme sind bei den 
politischen Umwandlungen verdrängt und durch den 
Namen Serben ersetzt worden, der jetzt Gesamtname ist 
für die slavischen Bewohner Montenegros, Süddalmatiens, 
der Herzegovina, Bosniens, des früheren türkischen Vilajets 
Kosovo (d. h. des Landes zwischen Montenegro und dem 
Königreich Serbien in ihren früheren Grenzen [bis 1913] 
ungefähr vom Nord ende Montenegros bis zu den Gebirgen 
Schardagh und Karadagh [nördlich vom Oberlauf des Var- 
dar]), des Königreichs Serbien in seinem früheren Umfang bis 
zu den Friedensschlüssen von London und Bukarest (1913), 
Slavonien-Syrmiens, des Banats (in Südungarn östlich von 
der Theiß). Durch die genannten Friedensschlüsse ist 
Serbien, abgesehen von der Erwerbung eines Teils von 
Kosovo, durch einen bedeutenden Teil Mazedoniens ver- 
größert worden, ungefähr um das Gebiet, das begrenzt 
wird im Norden von Schardagh-Karadagh und der alten 
Südgrenze des Königreichs, im Westen durch eine Linie 
von Südende des Ochrid-Sees über Dibra bis ungefähr 
nach Prizren, im Süden durch die Linie vom Südende 
des Ochrid-Sees bis zum Dojran-See , im Osten durch 
eine Linie von da bis ungefähr zum Breitengrad von 
Vranja. Wie weit die in diesem Gebiet wohnende sla- 
vische Bevölkerung den Serben, wie weit den Bulgaren 
zuzurechnen ist, bildet eine Streitfrage, die hier nicht ent- 

II* 



XX Einleitung. 

schieden werden kann und nicht behandelt zu werden 
braucht, da das mazedonische Slavisch außerhalb der Be- 
trachtung dieser Grammatik liegt. In bezug auf den 
Namen Srbi ist noch zu bemerken, daß er volkstümlich 
fast nur bei den der orthodoxen (morgenländischen) 
Kirche Angehörigen ist, während Katholiken und Muham- 
medaner sich in der Regel nicht so bezeichnen, sondern 
für sich und ihre Sprache Lokalnamen, wie bosnisch, dal- 
matinisch u. a., brauchen. 

Es ist weder für die ältere Zeit der Überlieferung 
noch in der Gegenwart möglich, zwischen den Mundarten der 
alten kroatischen und der serbischen Stämme eine Grenz- 
linie zu ziehen. Dazu kommt, daß im 19. Jahrhundert 
die Bewohner des gesamten Sprachgebiets eine im engern 
Sinne serbische Mundart als Schriftsprache angenommen 
haben. Diese gilt als Schriftsprache aber auch in dem 
nördlich von der Kulpa liegenden Teil Kroatiens, das 
nicht zum eigentlich serbokroatischen Sprachgebiet gehört; 
diese Schriftsprache wird hier einfach als kroatisch {hrvät- 
ski jezik) bezeichnet, im Titel von Schulgrammatiken 
z. B. Gramatika hrvatskoga jezika, womit niemals eine 
Grammatik der dortigen Mundart gemeint ist, auf wissen- 
schaftlichen Werken hrvatski ili srpski jezik. In der 
ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts versuchte man für 
die Sprache, die wir Serbokroatisch nennen, den Namen 
Illyrisch durchzusetzen. Lingua illyrica wurde schon im 
17. und 18. Jahrhundert von Gelehrten, namentlich Dal- 
matinern gebraucht, weil das Sprachgebiet zum Teil in 
das römische Illyricum fällt. Diese Manier hat Sprach- 
forscher, z. B. Pott in seinen Etymologischen Forschungen 
und sonst, verführt. Illyrisch neben Serbisch als eine be- 
sondere slavische Sprache aufzuführen. Im Westen des 
Sprachgebiets wurde die Sprache im 17. und 18. Jahr- 
hundert häufig auch als slovinsM jezik bezeichnet. 

Das oben im groben nach der politischen Einteilung 
angegebene Sprachgebiet wird genauer durch folgende 
Grenzen bestimmt: im Osten und Süden eine Linie 



Dialekte. XXI 

von der Mündung des Timok in die Donau, den Timok 
aufwärts bis Zajecar, von da bis Stalad am Zusammen- 
fluß der westlichen und südlichen Morava, von da in 
südlicher Richtung über Prokuplje und Kursumlija bis 
Janjevo (etwas südöstlich von Pristina), weiter bis 
Prizren oder bis zum Zusammenfluß des weißen und 
schwarzen Drin, von da die 8üdgrenze des heutigen Monte- 
negro (1914) bis zur Mündung der Bojana in die Adria. 
Die Westgrenze wird gebildet durch die Küste des 
Adriatischen Meeres mit seinen Inseln von der Bojana- 
mündung bis Fiume, läuft dann die Ostküste Istriens 
entlang bis zur Südspitze der Halbinsel, von da in einer 
stark gezackten Linie nach Norden, im groben angegeben 
über Villa di Rovigno und Montona nach Buje. Die 
Nordgrenze ist so außerordentlich gezackt, daß sie hier 
auch nur im groben angegeben werden kann: von Buje 
nach Osten über die Orte Socerga, Rakitovic bis Lisac, 
doch herrscht an dieser Linie teilweise ein Durcheinander 
von Slovenisch und Serbokroatisch. Von Lisac geht die 
Nordgrenze bis zur Quellgpgend der Kulpa, dann diesen Fluß 
entlang bis zvir Einmüdung in die Sava (bei Sissek), 
weiter die Sava entlang bis Jasenovac, von da nördlich 
in einer Zickzacklinie etwa bis Kreuz (Krizevci), von dort 
über Virovitica an die Drava (bei Bazje), dann der Drava- 
lauf bis zur Mündung in die Donau, von da eine Linie 
gerade nach Osten bis an die Theiß ungefähr bei (j-Becse 
(Stari Becej), dann fortgesetzt ungefähr über Groß-Beckerek 
und Weißkirchen bis Moldava an die Donau, endlich diese 
entlang bis zur Timokmündung; zu bemerken ist dabei, 
daß auch noch nördlich von der Linie Dravamündung- 
Moldava Enklaven serbischer Bevölkerung bis Szegedin 
und Arad reichen. 

Ausgeschlossen ist bei dieser Begrenzung die Mundart 
des Teils von Kroatien, der nördlich von der Kulpa, westlich 
von einer Linie Jasenovac-Kreuz-Virovitica liegt, die soge- 
nannte Kajkavstina (Kajdialekt benannt nach dem Aus- 
druck für «was» käj, käjkavac pl. käjkävci = Kaj-Sprecher). 



XXII Einleitung. 

Ferner sind in den angegebenen Grenzen nicht einbegriffen 
Mundarten, die östlich von der oben bezeichneten Ostgrenze 
z. T. in Serbien, z. T. in Bulgarien liegen, und von einigen 
Gelehrten für das Serbische, von anderen für das Bulga- 
rische in Anspruch genommen werden. Man kann von 
einem bestimmten berechtigten Standpunkt aus sowohl 
die Kajkavstina wie die genannten östlichen Mundarten 
zum Serbokroatischen im weitesten Sinne rechnen, allein 
es ist zweckmäßig, sie von der Betrachtung des eigent- 
lich Serbokroatischen auszuschließen. Die Kajkavstina 
bildet eine Übergangs- oder Zwischenform zwischen Serbo- 
kroatisch und Slovenisch, und ebenso darf man jene öst- 
lichen Mundarten als Übergangsformen von Serbisch zu 
Bulgarisch ansehen. Wie denn überhaupt zwischen 
Kajkavisch mit Slovenisch einerseits. Serbokroatisch andrer- 
seits, zwischen Bulgarisch mit den mazedonischen Mund- 
arten einerseits, dem Serbokroatischen andrerseits eine 
scharfe Grenzlinie nicht besteht. Unberücksichtigt sind 
bei der Umgrenzung endlich geblieben die serbokroatischen 
vereinzelten Kolonien im westlichen Ungarn, in Nieder- 
österreich und Mähren, wie die in Süditalien; über diese 
s. Resetar, Die skr. Kolonien Süditaliens = Schriften der 
Balkankommission, ling. Abt. IX (Wien 1911). 

Zu der gegebenen Begrenzung vgl. Resetar, Der sto- 
kavische Dialekt (a.S.XXIII); Niederle, Obozrenie sovremen- 
nago slavjanstva (= Encikl. slavj. filol. pod red. Jagica, 
vyp. 2, St. Petersburg 1909), S. 106fg. ; Derselbe, Slo- 
vansky svet, Prag 1909, S. llOfg. 



IL Dialekte. 

Daß es auf dem großen Sprachgebiet dialektische 
Unterschiede geben muß, ist selbstverständlich. Bei 
dem gegenwärtigen Stande der Erforschung der serbo- 
kroatischen Mundarten ist es aber nicht möglich, eine 
sichere Gruppierung der Dialekte, Mundarten und Unter- 
mundarten vorzunehmen; dazu fehlen noch für einen 



Dialekte. XXIII 

großen Teil des Sprachgebiets genauere Angaben, und wo 
sie vorhanden sind, Untersuchungen über das Verhältnis 
der Mundarten zu anderen benachbarten oder ferneren. 
Die genauere Erforschung hat erst in neuester Zeit be- 
gonnen ; frühere Darstellungen beruhen meist auf den in 
Vuks Schriften zerstreuten Bemerkungen über serbo- 
kroatische Dialekte; sie sind zusammengefaßt und be- 
sprochen %'on Beli(j, Vukovim pogledima na srpske 
dijalekte i knjizevni jezik, 1908 (Glas Srpske Kralj. Ak. 
LXXXII, 102 [1910])'. 

Die wichtigsten neueren Schriften über die Grup- 
pierung der serbokroatischen Mundarten und 
über einzelne Gruppen sind: 

M. Resetar, Die serbokroatische Betonung südwest- 
licher Mundarten (Schriften der Balkankommission, ling. 
Abt. I, Südslav. Dialektstudien I, Wien 1900). 

0. Broch, Die Dialekte des südlichsten Serbiens 
(Sehr, der Balkankommission, ling. Abt. I, Südsl. Dialektst. 
III, 1903), mit Karte. — Vgl. dazu Belic, dijalekatskom 
materijalu 0. Bntcha (Srpski dijal. zbornik II). 

A. Belic, Dijalekti istocne i juznje Srbije (Srpski 
dijalektoloski zbornik I, Belgrad 1905), mit zwei Karten. 
In der Einleitung LXXXV auch eine allgemeine Mund- 
artengruppierung. 

Derselbe: Dialektologiceskaja karta Serbskago jazyka, 
St. Petersb. 1905 (Sonderabdruck aus Sbornik po slavjano- 
vedeniju pod red. V. J. Lamanskago II, St. Petersb. 1906), 
mit Abhandlung. Ausführliche Besprechung von Resetar, 
ASlPh. 30, 597 — 625; damit ist zu verbinden Belic, Zum 
heutigen Stande der serbokroat. Dialektologie, Roczn. slaw. 
III, 82 (1910). 

M. Resetar, Der stokavische Dialekt (Schriften der 
Balkankommission, ling. Abt. I, Südslav. Dialekst. IV, 
Wien 1907), mit zwei Karten. Dort werden auch die 
früheren Gruppierungsversuche besjjrochen und die betref- 
fenden Schriften genannt. Ausführliche Besprechung von 
Belic im Roczn. slaw. I, 184; vgl. ferner Belic im Roczn. 



XXIV Einleitung. 

slaw. III, 283, zugleich über Resetars Abhandlung in 
ASlPh. Bd. 30. 

A. Belic, srpskim ili hrvatskim dijalektima (Glas 
Srpske Kralj. Ak. LXXVIII, 1908). 

Resetar, Die Cakavstina und deren einstige und 
jetzige Grenzen, ASlPh. XIII, 93, 161, 361 (1890). 

A. Belic, Zametki po cakavskim govoram, St. Petersb. 
1910 (aus Izv. XIV. 2 [1909]), S. 181 fg. 

Über cakavische Mundarten des kroatischen 
Küstenlandes s. auch Belic im Godisnjak Srpske Kralj. 
Ak. XXV (1911), 353, mit Karten. 

Über einzelne Mundarten ist vieles veröffentlicht 
im Rad jugoslavenske Akademije (Agram von 1867 an), 
im Archiv für slav. Philologie, im Srpski dijalektoloski 
zbornik I, II (1905, 1911), Soweit sie in dieser Gram- 
matik benutzt sind, werden sie an den betrefiFenden 
Stellen angeführt. 

Zu den Schwierigkeiten, die der gegenwärtige Stand 
der Forschung genaueren Bestimmungen entgegenstellt, 
kommt noch, daß seit Jahrhunderten durch Verschiebungen 
und Wanderungen der Bevölkerung Durchkreuzungen ver- 
schiedener Mundarten entstanden sind, daß sie sich da- 
bei gegenseitig beeinflußt haben und alte Grenzen und 
Unterschiede verwischt sind. Namentlich ist so das Gebiet 
der alten westlichen Mundarten (der Cakavstina) durch 
Vordringen der östlichen (der Stokavstina) außerordentlich 
verkleinert worden. Die ältere Begrenzung und Gruppierung 
der Mundarten bedarf aber noch weiterer Untersuchungen. 

Die Einleitung dieser Grammatik, deren wesentliche 
Aufgabe die Darstellung der heutigen Schriftsprache ist, 
muß sich darauf beschränken, eine im allgemeinen orien- 
tierende Übersicht über die heute bestehenden Unterschiede 
zu geben. Um eine deutliche Terminologie zu haben, 
brauche ich Dialekt als zusammenfassenden Ausdruck für 
eine größere Gruppe lokaler Sprechweisen, Mundart für 
deren Unterabteilungen, Untermundart für weitere Glie- 
derung. 



Dialekte. XXV 

Übereinstimmung besteht darin, daß das Sprachgebiet 
in seiner oben gegebenen Begrenzung in zwei Mundarten- 
gruppen, zwei Dialekte, zerfällt: I. der cakavische 
Dialekt, benannt nach einem leicht merkbaren, übrigens 
nicht wesentlichsten Kennzeichen, der Fragepartikel ca 
«was», daher cdkavac pl. c'^Ä;ä??a ^ ca-Sprecher, cäkävstina, 
diese Sprechweise; II. der stokavische Dialekt, eben- 
so benannt nach sto «was», daher stokavac pl. stökävci, 
stokävstina. 

Die hauptsächlichsten Unterschiede der beiden Dia- 
lekte sind: 

1. Das Cakavische hat die ursprüngliche Hauptton- 
stelle der Wörter durchweg bewahrt, das Stokavische sie 
auf dem größten Teil des Sprachgebiets entweder ganz 
oder teilweise verschoben; s. darüber §§ 212 — 215, 333 
bis 338. 

2. Das Cakavische hat die Intonationen, fallende und 
steigende, nur auf langen Silben, bezeichnet fallend mit 
'", steigend mit '. Da alle Kürzen nur eine Art Betonung 
haben, bezeichnet mit ', hat das Cak. also die drei Ak- 
zente ^ ' \ — Das Stokavische hat infolge seiner Haupt- 
tonverschiebung auch steigende Kürze, bezeichnet mit \ 
daher vier Akzente: ^ ', ' '; s. §§ 216—219, 333 — 352. 

3. Das Cakavische hat an Stelle des urspr. dj einfaches 
j, das Stokavische d, s. §§ 136, 207. 

4. Die aus sk infolge von Palatalisierung durch ; 
und palatale Vokale entstehende Lautverbindung ist ca- 
kavisch aV, stok. regelmäßig oder vorwiegend st; die eben- 
so aus zg entstehende cak. ij, stok. M^ s. § 208. 

5. Silbenauslautendes l bleibt cakavisch erhalten, 
geht stokavisch in o über, s. §§ 132, 201. 

6. Das Cakavische hat die ursprünglichen Deklinations- 
formen in altertümlicher Weise bewahrt, das Stokavische 
sie, namentlich im Plural, stark umgebildet, s. § § 712 — 740. 

7. Das neutrale Fragepronomen lautet cakavisch ca, 
stokavisch sto. 



XXVI Einleitung. 

Gebiet und Einteilung des Cak avischen. 

Das Gebiet der Cakavstina liegt im äußersten Westen 
und hat gegenüber dem Gesamtgebiet des Serbokroatischen 
wie dem des Stokavischen einen sehr geringen Umfang. 
Früher war die Ausdehnung weit größer, die alte Ost- 
grenze bildete ungefähr der Lauf der Bosna von ihrer 
Mündung in die Sava bis hinauf zu dem Orte Zenica, 
von da eine Linie bis zum Knie der Narenta, d. h. wo 
diese ihren nordwestlichen Lauf plötzlich nach Süden 
umbiegt, dann diesen Fluß entlang bis zur Mündung in 
die Adria. Jetzt gehören der Cakavstina an die Inseln 
der Adria von der nördlichsten Veglia (Krk) bis Lagosta 
(Lastovo), ferner auf dem Festlande die nordwestliche 
Hälfte der Halbinsel Sabioncello (Peljesac), im übrigen an 
der dalmatinischen und kroatischen Küste von Spalato 
bis Zengg (Senj) einige ganz schmale Streifen und ver- 
einzelte Punkte, namentlich etwas südlich und nördlich 
von Spalato (Poljica, Spalato mit nächster Umgebung, 
Trau). Ein breiteres Gebiet beginnt erst bei Zengg; hier 
läuft die Grenze gegen das östlich liegende Stokavische 
ungefähr über Otoöac, Piaski, Trzic, Generalski Sto nach 
Karlovac (Karlstadt) an der Kulpa; s. darüber Resetar, 
ASlPh. Xm, 166—282. Das cakavische Gebiet ist seit 
langem von Norden her vermindert worden durch Ein- 
dringen der Kajkavstina mit dem Slovenischen, von 
Osten her durch das Vordringen der Stokavstina; auch 
in dem angegebenen größeren cakavischen Teile Kroatiens 
gibt es stokavische Enklaven. 

Der cakavische Dialekt zerfällt in eine Anzahl Mund- 
arten und Untermundarten, bei dem gegenwärtigen Stande 
der Kenntnis ist aber eine systematische Gliederung nicht 
möglich. Man kann mit Belic (Roczn. siaw. HI, 85) 
eine Einteilung vornehmen nach einem Laut Verhältnis, 
das namentlich bei der Einteilung der otokavstina eine 
Rolle spielt, nach der Vertretung des urslav. e, entweder 
durch i {Ikavstina von Ikavac pl. Ilcavci = LSprecher) 



Dialekte. XXVII 

oder durch e (Ehivstina von Ekavac pl. Ekavci = E-Sprecher). 
Die Ikavstina herrscht am reinsten auf den dahnatinischen 
Inseln Brazza, Lesina, Curzola, Lissa und in den cakavischen 
Teilen des dalmatinischen Festlandes, ferner wesentlich auf 
den Zara gegenüberliegenden Inseln; eine Mischung von 
Ekavstina und Ikavstina besteht auf den Quarneroinseln 
Pago, Arbe, Veglia und im Küstenstreifen zwischen Zengg 
und Fiume, während das Innere des Küstenlandes wesent- 
lich ikavisch ist. Eine genauere Begrenzung kann bei 
dem vielen Durcheinander von Ikavstina und Ekavstina 
hier nicht gegeben werden. 

Gebiet und Einteilung des Stokavisch en. 

Der Dialekt umfaßt den Teil des gesamten Sprach- 
gebiets, der östlich von der oben angegebenen Ostgrenze 
des Cakavischen liegt, also abgesehen von dessen geringem 
Umfang, fast das ganze. 

Die Einteilung in Mundarten und Untermundarten 
bildet den Gegenstand noch nicht abgeschlossener Unter- 
suchungen, und die damit beschäftigten Forscher, in 
neuester Zeit namentlich Resetar und Belic, weichen z. T. 
stark voneinander ab, prinzipiell wie in Einzelheiten. Ich 
teile hier das Stokavische auf Grundlage der dreifachen 
Vertretung des urslav. e: durch e, Ekavstina; durch je 
ije (ie) Jekavstina (von Jekavac pl. Je/taua =^ Je-Sprecher); 
durch i, Ikavstina; s. §§ ö3, 203. In der Begrenzung 
habe ich mich nach Belic, Dial. Karta und Roczn. slaw. 
III gerichtet: 

1. Ekavische Mundart. Ihre Westgrenze wird ge- 
geben durch die Linie Szegedin, 0-Becse, Osjek (Esseg an 
der Drava), von da über Vinkovci bis zur Mündung der 
Drina in die Sava, die Drina aufwärts bis Lesnica, von da 
über die Gebirge Cer, Vlasic, Medvenik, Maljen, Suvobor, 
Rudnik bis Kraljevo am Ibar, diesen Fluß hinauf bis Mitro- 
vica, dann über die Mokra Gora nach Pec (Ipek; d. i. un- 
gefähr der Bogen des Ibar von Mitrovica bis zur Quelle), 
von da bis zum Zusammenfluß des schwarzen und weißen 



XXVm Einleitung. 

Drin (südwestlich von Prizren). Die Ostgrenze wird ge- 
bildet durch die Ostgrenze des Gesamtsprachgebiets, wie 
sie oben angegeben ist. 

2. Jekavische Mundart. Ostgrenze ist die eben 
angegebene Westgreuze des Ekavstina, die Westgrenze 
wird ungefähr gebildet durch eine Linie von Brcka an 
der Sava über Tuzla nach Zenica an der Bosna, von da 
über Fojnica, Konjica, Mostar an die Narenta, dann diesen 
Fluß entlang bis an die Adriaküste. 

3. Ikavische Mundart, im Gebiet zwischen der 
unter 2. angegebenen Westgrenze der Jekavstina und der 
oben bezeichneten Ostgrenze des Cakavischen, weiter nach 
Norden des Kajkavischen. 

Bei diesen Bestimmungen ist aber zu bemerken, daß 
zwar auf den oben als eka^^sch und als jekavisch be- 
zeichneten Gebieten diese Mundarten mit ihren unter- 
scheidenden Merkmalen ziemlich gleichmäßig herrschen, 
daß aber in dem oben als insgesamt ikavisch genannten 
Raum infolge von Verschiebungen und Wanderungen der 
Bevölkerung ein starkes Neben- und Durcheinander von 
Vertretern der ikavischen und jekavischen, z. T. auch der 
ekavischen Sprechweise besteht. Die Betrachtung dieser 
Einzelheiten geht über den Rahmen dieser Einleitung 
hinaus; ebenso lasse ich hier beiseite die weitere Ein- 
teilung in Untermundarten und verweise für beides auf 
die obengenannten Schriften von Resetar und Belic. 

III. Stellung des Serbokroatischen innerhalb der 
slavischen Sprachfamilie. 

Man pflegt die Gesamtheit der slavischen Sprachen 
meist zu gruppieren nach ihrem Verfahren mit den ur- 
sprünglichen Lautgiuppen tj, dj, und nimmt als Beispiele 
die Wörter *svetja Licht, *medja Grenze: 

L B u 1 g a r i 8 c h j fj zu st, dj zu zd : svesta, mezda. 

IL Serbokroatisch-Slovenisch, ursprünglich 
tj zu <:. (etwa =^ t's), dj zu d (etwa = d'z). 



Sprachquellen. XXIX 

1. Serbokroatisch: c, d bleiben so erhalten (über 
Abweichungen s. § 206): sv^c'a {svijei'a, svida), mkla. 

2. Sl ovenisch: ö ist zu c, d zu ; geworden: sveca^ 

III. Russisch, tj zu c (= ts), dj zu z (aus *dz): 
sveca, me.ia. 

IV. Westslavisch, tj zu c {= ts), dj zw dz, daraus 
auch z: polnisch sivieca miedza, cechisch svice nieze, sorbisch 
siveca mjeza. 

Danach steht das Serbokroatische dem Slovenischen 
am nächsten; das gilt auch sonst in vielen Beziehungen. 
Auf der andern Seite nähern aber gewisse Eigentümlich- 
keiten das Serbokroatische auch dem Bulgarischen, daher 
faßt man Bulgarisch, Serbokroatisch, Slovenisch auch als 
südslavische Gruppe zusammen; vgl. Jagic, Ein 
Kapitel aus der Geschichte der südslavischen Sprachen, 
ASlPh. XVII, 47, namentlich ^ 14 fg. 

Vergleichend ist das Serbokroatische behandelt von 
Miklosich in seiner Vergleichenden Grammatik der slav. 
Sprachen (über die einzelnen Teile des Werkes s. meine 
Altbulg. Grammatik, Einl. L) und von Vondräk, Ver- 
gleichende slavische Grammatik, 2 Bde., Göttingen 1906 
bis 1908. 

IV. Sprachquellen. 
Da es sich um eine lebende Sprache handelt, ist selbst- 
verständlich alles, w^as man gegenwärtig an den Sprechenden 
beobachten kann und was von solchen Beobachtungen aufge- 
zeichnet ist, zu verwenden. Ich verstehe aber hier unter 
Sprachquellen das gesamte Schrifttum von Anfang bis heute. 
In diesem ist zu unterscheiden: eine ältere Periode, in 
der keine gemeinsame Schriftsprache vorhanden war, bis zum 
Anfang des 19.Jhs., bis zur Einführung einer solchen auf 
Grund einer bestimmten Mundart durch Vuk Stefanovic 
Karadzic; eine neuere bis zur Gegenwart. Bei den 
folgenden Angaben über die ältere Periode handelt es 
sich nicht um einen Abriß der Literaturgeschichte, sondern 



XXX Einleitun-:. 

um eine summarische Zusammenfassung der Spraehquellen 
in bezug auf das sprachliche Verhältnis und auf die 
Schriftart, in der sie überliefert sind : Kyrillisch, Glago- 
litisch, Lateinisch. Diese Verschiedenheit der Schrift be- 
deutet an sich keine dialektische Verschiedenheit, wenn 
auch die glagolitisch geschriebenen Quellen durchweg dem 
cakavischen Dialektgebiet angehören, die lateinisch ge- 
schriebenen dem Westen, Dalmatien und Kroatien. Für 
die bibliographische und literarhistorische Behandlung des 
serbokroatischen Schrifttums überhaupt verweise ich auf 
folgende Werke: 

P. J. Safafik, Geschichte der südelavischen Literatur 
I — III, Prag 1864 — 65, wesentlich biblio- und biographisch. 

Stoj. Novakovic, Srpska bibliografija za noviju 
knjizevnost 1741 — 1867, Belgrad 1869, fortgesetzt im 
Glasnik srpskog ucenog drustva von Bd. XXVI (neue 
Serie IX; 1869) an. 

V. Jagic, Historija knjizevnosti naroda hrvatskoga i 
srpskoga I, Staro doba (bis Ende des 14, Jhs.), Agram 1867. 

Stoj. Novakovic, Istorija srpske knjizevnosti, 2. Ausg., 
Belgrad 1871. 

IvanBroz, Crtice iz hrvatske knjizevnosti, 2Tle., Agram 
1886—88. 

E). Surmin, Povjest knjizevnosti hrvatske i srpske, 
Agram 1898. 

Milorad Medini, Povjest hrvatske knjizevnosti u Dal- 
maciji i Dubrovniku I, Agram 1902. 

M. Murko, Geschichte der älteren südslav. Literaturen, 
Leipzig 1908 (= Die Literaturen des Ostens, 5. Bd., 
2. Abt.), von S. 133 an. 

P. Popovic, Pregled srpske knjizevnosti, Belgrad 1909; 
s. dazu die Besprechung ASlPh. XXXII, 580 ; 2.izd.l913. 

Jov. Skerlic, Srpska knjizevnost u XVIII. veku, 
Belgrad 1909. 

Derselbe: Pisci i knjige, 5 Tle„ Belgrad 1906 — 11. 

A. Gavrilovic, Istorija srpske i hrvatske knjizevnosti 
narodnoga jezika. Belgrad 1910. 



Sj5rachquellen. XXXI 

Derselbe: Istorija srpske i hrvatske knjizevnosti us- 
menoga postanja, Belgrad 1912. 

Drag. Prohaska, Das kroatisch-serbische Schrifttum 
in Bosnien und der Hercegovina, Agrain 1911. 

Branko Vodnik, Povijest hrvatske knjizevnosti, knj. I. 
Od humanisma do potkraj XVIII. stoljeca. S uvodom 
V. Jagica o hrvatskoj glagolskoj knjizevnosti, Agram 1913. 

Jov. Skerlic, Istorija nove srpske knjizevnosti, Bel- 
grad 1914. 

Für Einzelforschungen und Mitteilungen ist bestimmt 
Grada za povijest knjizevnosti hrvatske (hsg. von der 
Südslavischen Akademie), 7 Tle., Agram 1897 — 1912. 

A. Aus der Masse des Überlieferten müssen besonders 
gestellt werden die in serbokroatisch-kirchensla- 
vischer Sprache geschriebenen Werke: durchweg in 
glagolitischer Schrift bei den Angehörigen der römischen 
Kirche (die Schrift ist die sogen, kroatische Glagolica 
eckigen Duktus [über die Geschichte dieser Schrift s. Jagic, 
Grafika u Slavjan = Enciklopedija slavjanskoj filologii, 
Vyp.3,St.Petersb. 1911, S. 1 3 7fg.]), durchweg in kyrillischer 
Schrift bei denen der morgenländischen Kirche. Serben und 
Kroaten übernahmen die Liturgie mit den liturgischen und 
biblischen Büchern, im Laufe der Zeit auch andre kirchliche 
Literatur, in altkirchenslavischer (altbuigarischer) Sprache; 
s. meine Altbulg. Grammatik, S. XLX, wo auch einige 
hierhergehörige Handschriften genannt sind. Vor allem 
bei den der morgenländischen Kirche angehörenden Serben 
wurde das Kirchenslavische in kyrillischer Schrift zugleich 
Schriftsprache, auch für etwa selbständige Übersetzungen 
griechischer kirchlicher Literatur und für eigne Arbeiten 
auf diesem Gebiet, endlich für profane Gegenstände, z. B. 
Lebensbeschreibungen von Bischöfen und Königen. Diese 
namentlich vom 13. — 15. Jahrhundert ziemlich zahlreichen 
Denkmäler haben für die Geschichte des Serbokroatischen 
nur insofern Bedeutung, als sich Einwirkungen der 
Nationalsprache der Schreiber, also Serbismen, darin vor- 
finden. Viele Texte aus dieser Literatur sind abgedruckt 



XXXII Einleitung. 

in der Starine der Südslav. Akademie (von 1869 an). 
In dieser serbisch-kirchenslavischen Sprache, die in den 
letzten Jahrhunderten auch stark mit Russisch aus rus- 
sisch -kirchenslavischen Kirchenbüchern versetzt war, 
wurden bei den Serben literarische Werke verfaßt bis an 
den Anfang des 19. Jhs. und z. T. noch länger. Es war 
keine jemals so geredete Sprache, sondern eine künstliche 
Schriftsprache, deren Gemisch man als «Slaveno-serbisch, 
srpsko-slavenski» bezeichnete. Dem Zwecke dieser Gramma- 
tik liegt es fern, darauf näher einzugehen. Vgl. Murko, 
Geschichte der älteren südslav. Literaturen, S. 144 — 174. 

Die Kroaten erhielten die Liturgie und die alt- 
kirchenslavischen Kirchenbücher in glagolitischer Schrift. 
Durch die Einwirkung der Lokalmundart der Schreiber 
bildete sich hier ein Kroatisch - Kirchenslavisch , über 
dessen Verwendbarkeit für die serbokroatische Grammatik 
dasselbe gilt, was oben über die kyrillischen gesagt 
ist. Eine Sammlung solcher Texte enthält: Ulomci sve- 
toga pisma (Bruchstücke der heil. Schrift), skupio I.Bercic, 
5 Hefte, Prag 1864 — 71; vgl. ferner Jos. Vajs, Nejstarsi 
breviäf chrvatsko-hlaholsky, Prag 1910; s. auch Murko, 
aaO., S. 174 fg. 

Die handschriftliche Überlieferung verzeichnet I. Mil- 
cetic, Hrvatska glagoljska bibliografija (Starine XXXIII, 
1911). 

Die kirchlichen glagolitischen Drucke vom 17. Jh. an 
(seit 1648) sind überhaupt für das Serbokroatische nicht 
mehr verwendbar, da sie vom Bischof Levakovic auf An- 
ordnung des Papstes «verbessert» sind. Diese Verbesserung 
ist nach russischen Kirchenbüchern vorgenommen und die 
Drucke enthalten eine Menge Russismen. 

B. Denkmäler in der Volkssprache. 

1. Urkunden, d. h. öfifentliche Aktenstücke, Erlasse, 
Statuten, Verträge, Briefe, Gesetzbücher, von Fürsten, 
Großen, Gemeinden und Klöstern. 

a) In kyrillischer Schrift. Sie gehören in den 
Osten und Süden (Bosnien, Zeta, Serbien), soweit über- 



Sprachquellen. XXXIII 

haupt das Gebiet der Kyrillica reicht; es kommen dazu 
die Urkunden der Republik Ragusa, die sich in ihrem 
Verkehr mit den serbischen Dynasten der serbischen 
Sprache bediente, während sie nach Westeuropa lateinisch 
oder italienisch korrespondierte. Diese Urkunden sind 
von Anfang an — die älteste ist die des bosnischen Bans 
Kuhn von 1189 — in der Volkssprache geschrieben, aus- 
genommen bisweilen die von Geistlichen und Klöstern 
ausgestellten, und innerhalb der andern kirchenslavisch 
gefärbte Formeln, Segens- und Schwurformeln u. ä. Die 
Urkunden geben, da eine einheitliche Schriftsprache nicht 
vorhanden war, auch mundartliche Verschiedenheiten 
wieder und sind in jeder Beziehung für die Geschichte 
der Sprache von der größten Bedeutung. 

Größere Urkundensammlungen sind: 

Monumenta serbica spectantia historiam Serbiae, Bos- 
nae, Ragusii, ed. Fr. Miklosich,, Viennae 1858. 

SiDomenici srpski od 1395 do 1423, to jest Pisma pi- 
sana od republike Dubrovacke usw., hsg. von Medo Pucic, 
Belgrad 1858. — Vgl. Resetar, Die ragusanischen Ur- 
kunden des 13. — 15. Jhs., ASlPh., Bd. 16 u. 17. 

Zakonski spomenici srpskih drzava srednjega veka, 
prikupio i uredio Stoj. Novakovic I, Belgrad 1912. 

Zahlreiche Urkunden sind veröffentlicht im «Glasnik 
Drustva srpske slovesnosti», 17 Bde., Belgrad 1847 — 63, 
und dessen Fortsetzung «Glasnik srpskog ucenog drustva», 
von 1865 an; in den «Starine» der Südslav. Akademie 
zu Agram, von 1869 an; im «Spomenik» der Kgl. serb. 
Akademie zu Belgrad. 

Sonst seien noch angeführt: Das Gesetzbuch des 
serbischen Zaren Stephan Dusan (1325 — 55), hsg. von 
Stoj. Novakovic u. d. T. Zakonik Stefana Dusana, Bel- 
grad 1898. 

Statut Poljicki (das Statut der Gemeinde Poljica in 
Dalmatien), hsg. von Jagic, Agram 1890, besonders und 
in den von der Südslav. Akademie herausgegebenen Mo- 
numenta historica-juridica Slavorum meridionalium P. I. 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. III 



XXXIV Einleitung. 

Statuta et leges vol. IV. — Über solche Statuten siehe 
auch unten. 

b) Urkunden in glagolitischer Schrift; sie be- 
ginnen mit dem 14. und reichen bis ins 17. Jh., von An- 
fang an in der Volkssprache, mit dialektischer Färbung. 

Größere Sammlungen sind : Acta croatica. Listine 
hrvatske (= Monumenta historica Slavorum meridiona- 
lium I, Agram 1863), hsg. von Kukuljevic Sakcinski, in 
glagolitischem Druck. 

Hrvatski spomenik, sv. I (od godine 1100 — 1499 
= Monumenta hist.-jur. Slav. merid. vol. VI), hsg. von 
D. Surmin, Agram 1S98; die glagolitischen in k^'rillischer 
Umschrift. 

Dazu mehrere Ortsstatuten des kroatischen Küsten- 
landes und der Inseln (vgl. die bibliographische Über- 
sicht von Iv. Strohal, Statuti primorskih gradova i op- 
cina, bibliogr. nacrt, Agram 1911), hsg. u. d. T. Statuta 
lingua croatica conscripta von Racki, Jagic, Crncic, Agram 
1890 (= Mon. hist.-jur. Slav. mer. P. I. Statuta et leges 
vol. IV), darunter sind die Statuten von Vinodol, Vepri- 
nac glagolitisch geschrieben, in der Ausgabe mit kyril- 
lischer Schrift wiedergegeben. Vgl. außerdem die Aus- 
gabe von Jagic, Zakon Vinodolski, St. Petersb. 1880, in 
kyrillischer Umschrift, mit russischer Übersetzung. 

Chrestomathien des unter A und B behandelten 
Schriftturas : 

Vuk Stef. Karadzic, Primjeri srpsko-slavenskoga 
jezika, Wien 1857; nur aus kyrillischen Quellen. 

Jagic, Primjeri starohrvatskoga jezika, 2 Tle., Agram 
1864-65. 

Novakovic, Primeri knjizevnosti i jezika etaroga i 
srpsko-slavenskoga, 3. Aufl. Belgrad 1904. 

c) In lateinischer Schrift; kroatische Urkunden 
vom 16. Jh. an (davon eine Anzahl in Acta croatica ed. 
Kukuljevic Sakcinski) und Statuten von Orten des kro- 
atischen Küstenlandes, in den Statuta lingua croat. con- 
scripta No. 4 und 6. 



Sprachquellen. XXXV 

2. Literaturdenkmäler im eigentlichen Sinne. 

A. Neben und nach der erwähnten serbokroatisch- 
kirchenslavischen Literatur entwickelte sich eine popu- 
lärkirchliche in der Volkssprache: Apokryphen, 
Heiligenleben, Übersetzungen liturgischer Bücher, Pre- 
digten u. ä.; auch einzelne weltliche Stoffe wurden auf- 
genommen. 

a) In k y r i 1 1 i s c h e r S c h r i f t , eigentliche Literatur- 
werke sind spärlich; ein Alexanderroman hsg. von Jagic 
in «Ogledi stare hrvatske proze IV., zivot Aleksandra 
Velikoga» (Starine III). Bemerkenswert sind die Werke 
des Bosniers Matija Divkovic (1563 — 1631); über ihn und 
seine Werke s. Bordevic in Glas Kralj. Srpske Ak. 2. razr., 
34 und 35 (1896 und 1898). 

b) in glagolitischer Schrift; hierher gehört 
«Kolunicev Zbornik», von 1486, hsg. in lateinischer Um- 
schrift von Valjavec, Agram 189^; enthält Fastenpedigten 
und einen Traktat über die sieben Todsünden. Vgl. das 
S. XXXI genannte Werk von Vodnik. 

c) In lateinischer Schrift. Aus dem 15. und 
16. Jh. gehören hierher drei Lektionarien: Lektionarij 
Bernadina Spljecanina (zuerst gedruckt Venedig 1495), hsg. 
von Maretic, Agram 1885. — Zadarski i Raüinin Lekcionar, 
hsg. von M. Resetar, Agram 1894; das aus Zara (Zadar) 
ungefähr Mitte des 15. Jhs. geschrieben, das andere von 
Nikola Ranjina in Ragusa, Anfang des 16. Jhs. Über das 
Verhältnis dieser Lektionarien und die Sprache s. Resetar, 
Primorski lekcionari XV. vijeka (Rad 134, S. 80; 136, 
S. 97fg.). 

Von besonderer Bedeutung ist außerdem, weil in 
istrischer Mundart, eine im 16. Jh. entstandene Über- 
setzung der Propheten aus Luthers Bibelübersetzung, hsg. 
von Jagic u. d. T. Veteris Testament! prophetarum inter- 
pretatio istro-croatica saec. XVI (Wien u. Berlin 1897). 

Ferner eine größere Anzahl von Legenden u. a., 
mehrere veröfientlicht von Jagic in «Ogledi stare hrv. 

III* 



XXXVI Einleitung. 

proze» (Starine I), von demselben und Mikulicic in 
ASlPh. 8, 444 fg. ; von Leskien in ASlPh. 4, 427. 

B. Am Ende des 15. Jhs. entstand unter dem hu- 
manistisch gebildeten Patriziat der dalmatinischen Städte 
eine lebhafte geistige Bewegung und eine starke litera- 
rische Tätigkeit, so gut wie ausschließlich in poetischer 
Form. Sie schuf eine Menge von Werken: lyrische Ge- 
dichte, Lehrgedichte, Hymnen, poetische Episteln, Epen 
oder erzählende Gedichte, Dramen, bis gegen Ende des 
17. Jhs., von da wird die Produktion schwächer, setzt 
sich aber durch das 18. Jh. fort und geht noch ins 19. 
über. Man pflegt diese dalmatinische Literatur auch die 
ragusanische zu nennen, weil sie hauptsächlich in Ragusa 
(Dubrovnik) ihren Sitz hatte und die meisten und hervor- 
ragendsten Dichter Ragusaner waren. Neben Ragusa 
stehen aber in der ersten Hälfte des 16. Jhs. namentlich 
Spalato und die Insel Lesina (Hvar); die in diesen beiden 
Orten verfaßten Dichtungen sind cakavisch. Die zur Zeit 
ihrer Abfassung meist handschriftlich verbreiteten und auch 
später so verbliebenen Werke sind in neuerer Zeit heraus- 
gegeben von der Südslav. Akademie u. d. T. Stari pisci 
hrvatski (1869 — 1913, 22 Bde.). Diese ganze Literatur, 
nur in der Volkssprache verfaßt, ist für die Geschichte 
der Sprache von hervorragender Bedeutung, es muß aber 
dabei erwähnt werden, daß Phraseologie, Syntax und Stil 
stark vom Italienischen beeinflußt sind, teils Aveil ein 
großer Teil der Dichtungen aus dem Italienischen über- 
setzt oder italienischen Werken nachgeahmt ist, teils weil 
die gebildeten Dalmatiner in Italien studierten, das Ita- 
lienische ihnen auch sonst geläufig war, so daß man sie 
geradezu als zw^eisprachig bezeichnen kann. 

Für die Geschichte dieser Literatur kommt jetzt 
namentlich das S. XXXI genannte Werk von Vodnik in Be- 
tracht (Medini istS.XXX genannt; vgl. auch Popovic, Pregled 
2. Aufl. S. 123 fg.). Das ältere Werk von Appendini, No- 
tizie historico-critiche sulle antichitä, storia e letteratura 
de Ragusei, 2. Tle. (Ragusa 1802 und 1803, im 2. Teil 



Sprachcjuellen. XXXVII 

die Literatur) ist ganz unkritisch. x\uf die Einleitungen 
der Bände der Stari pisci sei besonders hingewiesen. Eine 
ganz kurze Darstellung gibt Murko in «Kultur der Gegen- 
wart», Tl.I, Abt. IV, S. 210— 216. Auf die Behandlung 
einzelner Dichter und ihrer Werke im Archiv für slav. 
Phil, und im Rad, wie in Grada za povijest knjiz. hrvatske 
kann ich hier nur mit diesem allgemeinen Hinweis auf- 
merksam machen. 

Vom 17. Jh. an sind auch grammatische Be- 
arbeitungen der Sprache der dalmatinischen Literatur 
vorhanden: 

Jac. Micalia, Blago jezika slovinskoga ct. Thesaurus 
linguae illyricae sive dictionarium illyricum, Laureti 
[Loreto] 1649. Als Einleitung geht voran: Grammatika 
talianska u kratko illi kratak nauk za naucitti latinski 
jezik. 

Della Bella, Dizionario italigno-latino-illirico, Venedig 
1728^ voran geht eine Grammatik der illyrischen Sprache. 
Die zweite Ausgabe, Ragusa 1785, ist weniger gut. 

Gioachino Stulli's vierbändiges Wörterbuch : Rjesco- 
sloxje, 2. Tle., Ragusa 1806, illyr.-ital.-lateinisch; Voca- 
bolario italiano-illirico-latino, Ragusa 1810. In das 
Rjecsosl. ist auch der Wortschatz des gedruckten, von 
Levakovic (s. S. XXXII) verbesserten glagolitischen Breviars 
mit seinen Russismen aufgenommen. Aus StuUi hat Pott 
seine «illyrischen» Wörter. 

F. M. Appendini, Grammatica della lingua illyrica, 
Ragusa 1808. 

In diesen Kreis gehören in gewisser Weise auch noch 
Jo. Bellosztenecz, Gazophylacium seu latino-illyricorum 
onomatum aerarium, 2 Tle, lat.-illyr. und illyr.-lat, Agram 
1740; Jose Voltiggi, Ricsoslovnik illiricskoga, italianskoga 
i nimacskoga jezika, Wien 1803, mit vorangehender, ita- 
lienisch und deutsch verfaßter Grammatik. 

2. Die neuere Zeit, Im Westen, in Dalmatien 
und Kroatien, hatte man, wie oben ausgeführt, seit dem 
15. Jh. in der Volkssprache geschrieben; es war aber dort 



XXXVIII Einleitung. 

nicht zu einer gleichmäßigen, einheitlichen Schriftsprache 
gekommen. Innerhalb des Serbentums im engeren Sinne, 
dem der morgenländischen Kirche angehörigen, blieb man 
miter dem Banne der künstlichen kirchenslavischen 
(slaveno-serbischen) Literatursprache. Die Bestrebungen, 
davon freizukommen, fallen in die zweite Hälfte des IS.Jhs. 
Der Banater Serbe Dositije Obradovic (1739 — 1811) wandte 
in seinen der Aufklärung und Erziehung des Volkes ge- 
widmeten Werken, um dies Ziel zu erreichen, die Volks- 
sprache an, ohne daß es ihm gelang, sich von slaveno- 
serbischer Beimischung ganz zu befreien. Über seine Schrift- 
stellerei vgl. Milan Sevic, Dositheus Obradovic, ein serbischer 
Aufklärer des 18. Jhs. (Leipziger Dissertation; Neusatz 1889); 
ferner Scherzer, Dositiju Obradovicu (Rad 134, S. 161; 
die Sprache ist kurz charakterisiert S. 187), vgl. dazu mit 
einigen weiteren Literaturangaben Radcenko, Einige Be- 
merkungen über das Leben und die literar. Tätigkeit Dos. 
Obr. (ASlPh.22, S.504); zur Charakteristik auch die Be- 
merkungen von Prohaska, ASlPh. 29. 610; Gavrilovic, Dos. 
Obradovic, Belgrad 1900. 

Ähnliche Ziele verfolgte der katholische Slavonier 
Matthias Anton Reljkovic (1732 — 98); von seinen in 
der Volkssprache ikavischer Form geschriebenen Werken 
ist das bekannteste, noch jetzt gelesene «Satir ili divji 
covik» (nach der 2. Ausg. von 1779 neu hsg. von 
D. Bogdanovic, Agram 1909). Reljkovic schrieb auch 
eine Grammatik der Volkssprache: Nova slavenska i 
nimacska graramatika. Neue Slavonisch- und Deutsche 
Grammatik, Agram 1767 ; mehrmals aufgelegt, 3. Aufl., 
Wien 1789. Über Reljkovic und die Literatur über ihn 
s. A. Ivic, Urkundliche Beiträge zur Biographie des 
Dichters Reljkovic, ASlPh. 28. 305. 

Der eigentliche Reformator aber, der bewußtermaßen 
strebte, den Serben eine einheitliche Schriftsprache 
auf alleiniger Grundlage der Volkssprache zu 
schaffen, und dies Ziel auch durch unermüdliche Tätigkeit 
erreichte, war Vuk Stefanovic Karadzic (1787 — 1864). 



Sprachquellen. XXXIX 

Er war geboren in Trsic, im westlichen Kgr. Serbien im 
unteren Drinagebiet, östlich von Loznica; der Ort liegt 
nicht mehr im ekavischen Dialektgebiet, überdies stammte 
die Familie Vuks aus der Herzegovina, aus dem Stamme 
der Drobnjaci im heutigen nördlichen Montenegro. Die 
von Vuk festgelegte Schrift •spräche ist seine stokavisch- 
jekavische, speziell herzegovinische Mundart. Diese ist 
alles in allem genommen die am wenigsten altertümliche 
des ganzen Sprachgebiets : die Verschiebung des ursprüng- 
lichen Haupttons der Wörter ist hier am weitesten fort- 
geschritten; die Vertretung des ürslavischen e ist zwiefach, 
wenn man alles zählt, sogar vierfach, z.B. -pena — ?^;e'«rt, 
gredvh — grtjeh, sejati ■ — sJjaii, rezati — rezaii; die 
Neuerungen in der Deklination sind hier am weitesten 
gegangen. Man hat wohl die Frage aufgeworfen, ob nicht 
eine andere Mundart sich besser zur allgemeinen Schrift- 
sprache geeignet hätte; die geschichtliche Entwicklung hat 
aber einmal darüber entschieden und die Vuksche Sprache 
ist im Laufe des 19. Jhs. durchgedrungen im Gesamt- 
gebiet des stokavischen und des cakavischen Dialekts, 
darüber hinaus haben die kajkavisch sprechenden Be- 
wohner Kroatiens, die ihren Dialekt als Schriftsprache 
hatten und eine Literatur darin besaßen, sie aufgegeben 
und brauchen die Sprache Vuks. Diese herrscht also 
in ganz Kroatien, Slavonien-Syrmien, Banat, Kgr. Serbien, 
Montenegro, Bosnien -Herzegovina, Dalmatien. Eine ge- 
ringe Abweichung ist, daß im Kgr. Serbien und im 
Banat, also wesentlich im Gebiet der Ekavstina. die 
Schul- und Literatursprache ekavisch ist, was für die 
sonstige Gestalt der Sprache keinen Unterschied bedeutet. 
In allen andern genannten Gebieten wird die jekavische 
Form gebraucht; cakavisch wird zu literarischen Zwecken, 
abgesehen von Sammlungen aus der Volksliteratur, über- 
haupt nicht mehr geschrieben. Selbstverständlich hat 
sich die Schriftsprache in dem ganzen Jahrhundert, das 
seit den Anfängen von Vuks Tätigkeit verflossen ist, 
nicht mit dem in seinen Werken enthaltenen Wortschatz 



XL Einleitung. 

begnügt, sondern hat ihn durch Aufnahme von Wörtern 
aus andern Mundarten und durch Neubildungen erheb- 
lich erweitert. 

Vuks sämtliche Schriften bleiben die vorzüglichsten 
Muster serbischer Sprache. Man kann die Schönheit und 
Kraft südslavischer Rede nirgends so gut kennen lernen 
wie aus ihnen. Alles, was Vuk geschrieben hat, zeigt durch 
Reichtum, Reinheit, Klarheit, Einfachheit und Sicherheit 
des Ausdrucks eine geniale, bewundernswerte Beherrschung 
der Sprache. Seine grammatischen Schriften sind ge- 
sammelt in «Skupljeni gramaticki i polemicki spisi Vuka 
Stef. Karadzica», 3 Tle., Belgrad 1S94. Sie begannen mit 
einer kleinen Grammatik: Pismenica serbskoga iezika po 
govoru prostoga naroda (Wien 1814); diese enthält schon 
im Titel, «nach der Sprechweise des einfachen Volkes», 
den bestimmten Hinweis auf den Gegensatz gegen die da- 
mals übliche slaveno-serbische Literatursprache. Dann folgte 
ein Wörterbuch: «Srpski rjecnik, istolkovan njemackim i 
latinskim rijecma, skupio ga i na svijet izdao Vuk Stefa- 
novic. Wolf Stephansohns Serbisch-Deutsch-Lateinisches 
Wörterbuch. Lupi Stephani F. Lexicon Serbico-Germanico- 
Latinum» (Wien 1818), davor S. XXIX — LXXI eine aus- 
führlichere Grammatik. Diese wurde übersetzt von Jac. 
Grimm: «Wuk's Stephanowitsch kleine serbische Gram- 
matik, verdeutscht und mit einer Vorrede von J. G. » 
(Leipzig und Berlin 1824). Die zweite erweiterte und im 
Betonungssystem, das hier seine endgültige Gestalt erhielt, 
vervollkommnete Ausgabe u. d. T. : Srpski rjecnik, istu- 
macen njemackijem i latinskijem rijecima, skupio ga i na 
s\äjet izdao Vuk Stef. Karadzic (Wien 1852), ohne die 
Grammatik der ersten Auflage. Dritte Auflage mit gleichem 
Titel, Belgrad 1898, mit Vorrede von ?. P. Dordevic und 
Ljub. Stojanovic über die Grundsätze bei dieser neuen 
Ausgabe. 

Über die Verdienste Vuks um die serbische Sprache 
E. Jagic^ Zasluga Vuka Stef. Karadzica za nas narodni 
jezik (Agram 1864, Sonderabdruck aus Knjizevnik IV); 



Sprachquellen. XLI 

Ljub. Stojanovic, Vuk Stef. Karadzic, njegov rad na srp- 
skom jeziku i pravopisanju (Glas LV). Sonstige Literatur 
über Vuk und seine Bestrebungen sind verzeichnet 
ASlPh. Supplementband (1892), S.45, Note 200. Die Auf- 
zählung der gesamten Werke Vuks, die sich nicht un- 
mittelbar auf die Sprache beziehen, würde hier zu weit 
führen; es liegt aber dem Zweck dieses Buches nicht 
fern, dasjenige anzuführen, was für die Erkenntnis der 
Sprache besondere Bedeutung hat; Vuks Sammlungen der 
Volksliteratur sind eine Sprachquelle ersten Ranges. 
Volkslieder: Narodne srpske pjesme T. 1 — 3 (Leipzig 
1823 — 24), T.4(Wien 1833), mit sehr wertvoller Einleitung; 
sehr erweitert unter gleichem Titel, 5Bde. (Wien 1841 — 65), 
doch ohne die Einleitung; neue Ausgabe, vermehrt durch 
Material aus Vuks Nachlaß, unter gleichem Titel, 9 Bde. 
(Belgrad 1891 — 1902). — Srpske narodne pjesme iz Herce- 
govine (Wien 1866); die Sammlung stammt aus Vuks Nach- 
laß, rührt aber nicht von ihm her, sondern war ihm vom 
Sammler Vuk Vrcevic überlassen. — Märchen: Srpske 
narodne pripovijetke (Wien 1853, 2. Ausg. 1870, 4. Belgrad 
1897); die erste Ausg. ins Deutsche übersetzt von Vuks 
Tochter Wilhelmine: «Volksmärchen der Serben» (Berlin 
1854), mit Vorrede von Jac. Grimm. — SprichAvörter: 
Narodne srpske poslovice (Cetinje 1836; neue Ausg. Wien 
1849). — Sonstiges: Zivot i obicaji naroda srpskoga 
(Wien 1867; aus dem Nachlaß). — Ferner sind als aus- 
gezeichnete Muster der Sprache zu erwähnen : Vuks 
Übersetzung des Neuen Testaments, Novi zavjet (Wien 
1847 ; seitdem öfter gedruckt); seine historischen Schriften, 
hsg. u. d. T. «Skupljeni istoriski i etnografski spisi Vuka 
Stef. Karadzica, I» (Belgrad 1898). Über Vuks Bestre- 
bungen nach allen Seiten gibt eingehende Auskunft seine 
Korrespondenz, hsg. u. d. T. «Vukova Prepiska I— V» 
(Belgrad 1907 — 10). 

Vuks Tätigkeit wurde energisch unterstützt und fort- 
gesetzt durch ©uro Daniele (1825 — 82); seine gramma- 
tischen Werke s. S. XLIV (Gramm, u. lex. Hilfsm.); hier sei 



XLII Schrift. 

noch als vorzügliche Sprachqiielle genannt seine Übersetzung 
des Alten Testaments, allmählich von 1864 an erschienen, 
1868 mit Vuks N. T, zur Gesamtbibel vereinigt, hsg. von 
der Brit. Bibelgesellschaft: Sveto pismo staroga i novoga 
zavjeta (Belgrad 1868). 

V. Schrift. 

Die glagolitische Schrift wird seit dem 16. 
bis 17. Jahrhundert nicht mehr gebraucht. Die Serbo- 
kroaten schreiben jetzt mit lateinischer oder kyrillischer 
Schrift, und zwar die Bekenner der orthodoxen (morgen- 
ländischen) Kirche durchweg kyrillisch, die der römischen 
Kirche, neuerdings auch z. T. die Mohammedaner in Bos- 
nien, lateinisch. Die jetzt gebräuchliche kyrillische 
Schrift ist eine der Reformen Vuks, der das überlieferte 
kirchenslavisch-altserbische Alphabet durch Aufnahme des 
lat. ;' und Neuformung einzelner Buchstaben dem wirk- 
lichen Lautbestande der Sprache anpaßte und so eine 
ganz ausgezeichnete Orthographie schuf. Die lateinische 
Schrift ist im Anschluß an das neuere cechische Alpha- 
bet mit gewissen Erweiterungen und Umbildungen ent- 
sprechend derVukschen Orthographie gestaltet. — In dem 
vorliegenden Buche wird durchgängig nur die lateinische 
Schrift angewendet. 

Kyrillisches und lateinisches Alphabet. 



a 


ö 


B 


r 


A 




h 


e 


JK 


3 


TS. 


a 


b 


V 


g 


d 


cT, 


9h ^i 


e 


Z 


z 


i 


j 


K 


JI 


jb 


M 




H 


Hj 





n 


P 


i 


k 


l 


ihl 


m 




n 


nj, n 





P 


r 


c 


T 


h 


y 


^^ 




X 


^ 


^ 


^ 


ni 


s 


t 


6 


u 


f 




/( 


c 


c 


di,g 


s. 



Vuk braucht außerdem in seinem kyrillischen Alpha- 
bet das alte Zeichen des Halbvokals 3 (h), wenn r-Vokal 



Einleitung. XLIII 

vor folgendem Vokal steht, um die konsonantische Aus- 
sprache des r zu verhindern, z. B. ijnoue (Kehle), lies 
dreisilbig gr-o-ce, nicht gro-ce; h selbst liat also keinen 
Lautwert. In der 3. Ausgabe des Vukschen Wörterbuchs 
wird statt dessen p geschrieben : i^ioue ; trägt eine solche 
r-Silbe einen Akzent, so genügt dieser zur Bezeichnung 
des f, ijionr, da konsonantisches r keinen Akzent haben 
kann. 

Die Reihenfolge der lateinischen Buchstaben in den 
neueren Wörterbüchern ist: a, h, c, c, c, d, d, e, f, g, 
h, i, h, 1, Ij (/), m, n, nj {n), o, p, r, s, s. f, u, v, z, z. 
Wo für kyrillisches ],! die Kombination dz gebraucht wird, 
steht sie nach d, wo dafür ^, steht dies nach g\ wo man 
für ä schreibt g], folgt dies auf g. Die Zeiclien /, n, g 
werden in den Schriften der Südslavischen Akademie ge- 
braucht, sind aber sonst nicht durchgedrungen, dagegen 
ist d allgemeiner eingeführt. - 

Akzente sind \ '\ ', " (darüber s. § 214). Ein Strich 
unter dem Buchstaben bedeutet in dieser Grammatik die 
Haupttonstelle von nicht skr. Wörtern, oder serbokroatischen, 
wo ich die Intonation nicht bezeichnen wollte. 

Das glagolitische Alphabet. 

rf« t! Hfl 'A3 Elb 3 Öfj «B üa ^ 

a h V g d e z z z i 

snp^ iftmi' a JUS Q 

i d k l m n p r s 

t u f h (ch) st c c s 

S & m oQn ^ 

b e (Ja) JH b- u 



XLIV Grammatische und lexikalische Hilfsmittel. 



VI. Grammatische und lexikalische Hilfsmittel. 

Genannt werden hier nur Gesamtdarstellungen und 
solche, die größere Teile der Grammatik behandeln, 
Schriften über die Betonung des Serbokroatischen und 
über andere einzelne Gegenstände werden bei den be- 
treffenden Abschnitten angeführt. 

A. Die heutige Sprache darstellend. 

1. Grammatiken. 

Vuks Grammatik ist S. XL genannt. 

D. Danicic, Mala srpska graraatika (Wien 1850), 
von 1863 an in ganz veränderter Gestalt u, d. T. : Oblici 
srpskoga jezika (Belgrad 1863; seitdem in vielen Auf- 
lagen, sowohl in k3'r. wie in lat. Druck). 

P. Budmani, Grammatica della lingua serbo-croata 
(Vienna 1867), ein ausgezeichnetes Werk. 

A. Mazuranic, Slovnica hervatska, I. Recoslovje 
(4. Aufl., Agram 1869), Schulbuch, wertvoll durch dia- 
lektische Angaben. 

St. Novakovic, Srpska gramatika (Belgrad 1894), 
2. Aufl. 1902, Schulbuch. 

T. Maretic, Gramatika i stilistika hrvatskoga ili 
srpskoga jezika (Agram 1899); gibt eine sehr eingehende 
Darstellung der in Vuks und Danicics Werken gebrauchten 
Sprache, zieht aber auch die Vuksche Volksliedersamm- 
lung hinein, deren Sprache nicht ohne weiteres als die 
Vuks angesehen werden kann. Vgl. die Anzeige von 
Jagic ASlPh. 22,263. 

Derselbe: Hrvatska ili srpska gramatika za srednje 
skole, 3. Aufl. (Agram 1906; vgl. dazu Grubor, Recen- 
zija hrvatske ili srpske gramatike T. Maretica, Agram 
1909). 

Jos. Florschütz, Gramatika hrvatskoga jezika za zenski 
licej, preparandije i vise pucke skole (2. Aufl., Agram 
1907). 



Einleitung. XLV 

Ljub. Stojanovic, Lekcije iz srpskoga jezika za II. 
razred gimnazije (10. Aufl., Belgrad 1910). 

E). Daniele, Osnove srpskoga ili hrvatskoga jezika 
(Belgrad 1876), Stamrabildungslehre. 

Derselbe: Korijeni s rijecima od njih postalijem u 
hrvatskora ili srpskom jeziku (Agram 1877); Zurückfüh- 
rung der skr. Wörter auf indogerm. Grundlage. Das 
skr. Material in den beiden letztgenannten Werken ist 
vortrefflich, dagegen die Aufstellung indogermanischer 
Formen der Wurzeln und Suffixe und die Art, wie ser- 
bische Wörter und Wortformen daraus abgeleitet werden, 
völlig verfehlt. 

Derselbe: Srpska sintaksa I (Belgrad 1858), enthält 
nur Kasuslehre. 

Zur praktischen Aneignung der Sprache gibt es für 
Deutsche keine genügenden Hilfsmittel; angeführt seien: 
Muza, Praktische Grammatik der serbisch -kroatischen 
Sprache; ders., Prakt. Gr. der kroat. Spr. (= «Kunst der Poly- 
glottie» Bd. 12; 14); Vlad. Corovie, Serbokroatische Gram- 
matik (Sammlung Göschen, 1913); vgl. aber dazu die ab- 
weisende Anzeige von Stj. Ivsic im Savremenik 1913, 
br. 7, und ebenso von Vrhovac in Letopis Matice Srpske 
1913, S. 213; Rezension von Resetar in ASlPh. 35.294; 
W.M. Petrovitch, Serbische Konversationsgrammatik (Lehr- 
bücher Methode Gaspey-Otto-Sauer), Heidelberg 1913. 

2. Wörter h ü c h e r. 

Das Vuksche ist S. XL genannt. Aus seinem Nach- 
laß: «Deutsch-serbisches Wörterbuch» (Wien 1872; mit 
Vorbemerkung von Miklosich), ohne Akzente. 

Das von der Südslavischen Akademie herausgegebene 
große AVörterbuch, bearbeitet nacheinander von Daniele, 
Valjavac, Budmani, Maretic, soll den gesamten Wort- 
schatz von Anfang der Überlieferung bis ins 19. Jh. um- 
fassen: Rjecnik hrvatskoga ili srpskoga jezika, Bde. 1 — 6, 
7, H. 1 — 3 (bis in den Buchstaben N), Agram 1880 
bis 1913. 



XLVI Grammatische und lexikalische Hilfsmittel. 

F. Ivekovic und I. Broz, Rjecnik hrvatskoga jezika, 
2 Tle. (Agram 1901; über das «Kroatisch» des Titels 
siehe S. XX. 

Kleinere Wörterbücher: Parcic, Vocabolario slavo- 
italiano (gemeint ist serbokroatisch), Zara 1874; Filipovic, 
Neues Wörterbuch der kroatischen und deutschen Sprache, 
kroat. -deutsch Agram 1875, deutsch-kroat. 1870; Popovic, 
Wörterbuch der serbischen und deutschen Sprache, 2 Tle., 
2. Aufl. (Pancova 1S86 und l-'^QS). Sie sind namentlich 
dadurch mangelhaft, daß sie die Betonung nicht angeben. 

B. Zur älteren Geschichte der Sprache. 

1 . Zur Grammatik. 

P. J. Schaffarik, Serbische Lesekörner oder historisch - 
kritische Beleuchtung der serbischen Mundart (Pest 1833). 

V. Jagic, Gramatika jezika hervatskoga, I. Glasovi 
(Agram 1864), auf Grundlage des Altkirchenslavischen. 

D. Daniele, Istorija oblika srpskoga ili hrvatskoga 
jezika do svrsetka XVII. vijeka (Belgrad 1872); Ge- 
schichte der Deklination und Konjugation ; berücksichtigt 
nicht die Überlieferung in glagolitischer Schrift. 

M. Kusar, Povijest razvitka nasega jezika hrvackoga 
ili srpskoga od najdavnijeh vremena do danas (Ragusa 
1884). 

T. Maretic, Istorija hrvatskoga pravopisa latinskijem 
slovima (Agram 1889; vgl. die Anzeige von Jagic, ASlPh. 
12. 602). 

2. Wörterbücher. 
Die älteren Wörterbücher der Volkssprache sind 
S. XXX VII genannt. Das S.XLV erwähnte Wörterbuch der 
südslavischen Akademie ist zugleich ein historisches. Den 
Wortschatz der altserbischen Literatur und der Urkunden, 
jedoch mit Ausschluß der glagolitischen, verzeichnet 
Daniele, Rjecnik iz knjizevnih starina srpskih, 3 Tle. 
(Belgrad 1863—64). 



Lautlehre. 

I. Die einzelnen Laute und ihr Verhältnis 
zu den urslavischen Lauten. 



Den Ausgangspunkt der folgenden Darstellung bildet, 
wo nichts Besonderes bemerkt ist, die serbokroatische 
Schriftsprache jekavischer Form. 

A. Die Vokale. 
1. Als urslavische Vokale sind hier angenommen: 

1. Volle Vokale: 

a) velar (nicht palatal, hart): a o q (d. i. nasales 

0, abg. n geschrieben) u y\ 

b) palatal (weich): e e c (d. i. nasales e) i. 

2. Halbvokale(schwache, reduzierte, irrationale Vokale): 

a) velar (nicht palatal, hart): o\ 

b) palatal (weich): h. 
Also elf verschiedene Vokale. 

Das Serbokroatische hat einen viel geringeren 
Vokalbestand: a, o, u, r (d, i. vokalisches r, r), e, i; die 
elf urslavischen Vokale sind also auf fünf reduziert, da- 
gegen ein im Urslavischen fehlender, r, hinzugekommen. 

Alle Vokale, auch r, können kurz und lang sein: 
d ü, 0, ü ü, V e, / i, r f. 

2. Die Aussprache der Vokale wird hier nur 
ganz kurz angegeben, für genauere lautphysiologische Be- 
stimmungen verwiesen auf Broch, Slavische Phonetik (1911), 
§§ 90-94. 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 1 



2 Lautlehre. [§ 2. 3. 

a, i, u sind gleich den so bezeichneten Lauten der 
deutschen Bühnensprache. 

e, sind im allgemeinen offen (e == ä in deutschem 
7väre, = in Gott nach gewöhnlicher norddeutscher 
Aussprache). Doch scheinen mir die Längen ä, o überall 
etwas geschlossener zu sein, daher ä in manchen Gegenden 
wie d, sogar wie ö lautet (z. B. gräd, gröd = gräd) ; ö nach 
?:f hin, daher lokal wie m, z. B. ün = ön. 

r ist wie das konsonantische r gerolltes Zungen- 
spitzen-r. 

Die genannten Vokale sind alle monophthongisch; 
ursprünglich besaß das Skr. überhaupt keine Diphthonge 
(im Sinne von u- und i-Diphthongen), weil bereits im Ur- 
slavischen alle idg. Diphthonge zu Monophthongen ge- 
worden waren (s. Abg. Gr. § 43). Später sind im Skr. 
^Diphthonge dadurch entstanden, daß aus den Verbin- 
dungen Vokal -\- jb das fe ab- oder ausfiel und j (i) mit 
dem vorangehenden Vokal Diphthong bildet, z. B. kräj 
(gen. Tcräja) = Icrajb, säjmlste (Versammlungsort) = '^•sijb- 
7niste, zu sdjani gen. sdjma = *s^jbm^ gen. *s^jbma Ver- 
sammlung. 

Die einzelnen serbokroatischen Vokale.^ 

Skr. a vertritt, kurz wie lang: 

3. I. urslavisches a, einerlei auf welchen indo- 
germanischen Vokal dies zurückgeht (s. Abg. Gr. § 7); 
das ursl. a hat überhaupt im Skr. keine andere Vertre- 
tung als a. Beispiele: in Wurzelsilben, ä: häba alte 
Frau baba, bajati zaubern bajafi, bänja Bad bana, brät 
Bruder bratr^ brath, cäs Augenblick cas^, cäsa Becher casa, 
däti geben dati, jäma Grube Jama, jävör Ahorn javon, 
Mmen Stein kamy gen. Tcamene, Msalj gen. käslja Husten 
hasl'h, Jclästi präs. hlddem (mit ä) legen klasti, näs unser 
nash, pästi fallen pasti^ 2^^'^sti präs. päsem (mit ä) weiden 

1 Bei den Anführungen urslavischer Formen ist diesen nur 
dann * vorgesetzt, wenn sie nicht äußerlich mit altbulgarischen 
zusammenfallen. 



§ 3 — 5.] Die einzelnen Laute. 3 

2)asti pasq^ pläkaii weinen ijlakati, räk Krebs rak^, räna 
Wunde rana, släva Ruhm slava, stär alt star^, sfäti sich 
stellen stati, znäti wissen znaii, zaha Frosch mha (= urspr. 
■''■geba). — ä (unbetont, dann mit dem Quantitätszeichen 
", oder betont, dann mit den Akzenten ", '): dar Geschenk 
dm'o, jdje Ei joje, jdram Joch jarwm, jdviti offenbaren ja- 
viti, Mditi räuchern Jcaditi, krdkafi krächzen krakati, nag 
nackt nag^, pläst Mantel plasib, pöjäs Gürtel jyojaso, säni 
selbst sarm, stän Wohnung siam, slrddati leiden stradati, 
väbiti locken vabiti, vdriti kochen variti^ sär Glut mn 
(urspr. *gero-); 

in Formantien, Beispiele: ä, der Auslaut der Verbal- 
stämme auf -a-, z. B. jj>/to/i fragen pytati, bräti sammeln 
hhrati, släti schicken shlati, zväti rufen z^vati, mäzati salben 
mazati; in den Fällen, wo neben dem -a- des Infinitivs 
der Präsensstamm auf -i- ausgeht, z. B. drzati halten 
'^dhrzati abg. drsati 2. präs. drzis '^•dhriisb abg. drzisi, steht 
a für urspr. e, vgl. noch böjati se sich fürchten, bjeiati 
laufen, s. Abg. Gr. § 141; grädanin pl. grädäni Bürger 
*grad'anim abg. graManim\ vbstan wächsern abg. vosiam 
aus ^voskem; bögat reich bogath; ä: öbicäj Gewohnheit 
obicajh, kfväv blutig kr^vav^, vrätär gen. vratdra Türhüter 
vrafarb, celjäd Familie cel'adb, jünäk gen. jundka Held 
(eig. junger Mann) jimakö; 

im Wortauslaut, in Flexionsformen, z. B. das a 
aller Feminina auf -a, zena Frau zena, gen. sg. msk. 
boga (zu bog Gott aus bog^) boga; dat. dual, dvjema den 
zweien d venia u. a. 

4. II. Skr. a vertritt urslavisches o in den 
ursprünglichen Verbindungen or, ol vor Konsonanten, aus 
denen skr. ra, la entsteht (über einzelne ro s. § 17, I). Die 
folgende Aufzählung gibt die Fälle möglichst vollständig; 
hinzugesetzt ist die russische Gestalt der Wörter, mit 
oro, olo, weil sie am einfachsten und deutlichsten die 
ursprüngliche Form als *or, *ol erkennen läßt. 

5. A. Ursl. or, ol stehen ursprünglich zwischen Kon- 
sonanten (also nicht im Wortanlaut): 

1* 



4 Lautlehre. [§ 5. 6. 

1. kurzes ä. 

I. Betonung ä: hläto Sumpf boloto, brädva Zimmer- 
mannsaxt = '''bord/j, wahrscheinlich entlehnt aus germ. 
*bardö ahd. barta^ bräsno Mehl abg. brasbno r. borosno, dläJca 
Haar ''''dolka, dlän flache Hand doloti, dräga Tal doroga 
Weg, grah Bohne gor och, hrape pl. Unebenheiten poln. 
chropawtj holprig, Mäda Klotz kolöda^ klädenac Quelle kolo- 
d'az, kläti (präs. kdljeni) schlachten kolot! ^ krcwa Kuh ko- 
rova, kräsfa Blatter korösta, mräz Frost moroz^ mräziti ver- 
feinden = '■''■morziti, pläh heftig pläsiti schrecken klr. poloch 
schreckhaft r. polosit' beunruhigen, xMmm Flamme abg. 
plamy = ^polmy klr. ar. jjolöm'a, vgl. abg. poleti in Flammen 
stehen, pläsa Scholle klr. jwlösa, plaziü (jezik) heraus- 
strecken (die Zunge, eig. gleiten lassen) vgl. r. poldzW 
kriechen, jmica Schleuder poln. ptroca, präg Schwelle porög, 
pram Art Kahn piorom, prämm Büschel (Wolle u. a.) ^ 
'■'p)ormenb, klr. pöromin Strahl, präporac Schelle ar. poroporh 
Fahne, skrämica {K\x skrämica Tröpfchen, eig. Fetttröpfchen; 
dem. von älterem skräma) r. skoronih fette Speise = ^skonn-, 
slädak süß solödkij (bestimmte Form), vgl. lit. saldüs, 
släma Stroh solöma, slätina Salzquelle, vgl. soh skr. so gen. 
soll Salz, r. solotina Morast, svräka Elster soröka, vläga 
Feuchtigkeit vologa, vläca Egge (eig. Schleppe, Schleife) 
vgl. r. volok Schleppstelle (wo Schiffe über Land ge- 
zogen werden), vrana Krähe corona, zraka Strahl vgl. r. 
zorok Blick, zdrav gesund abg. szdravb = '■'s^dorv^ r. zdoröv. 
Man wird bemerken, daß fast durchgängig das Russische 
die Betonung orö, olö hat; das skr. ra, lä vertritt diese 
Betonung. 

6. n. Betonung ä oder unbetontes d: bläzina bla- 
zinja Federbett, Kopfkissen vgl. r. bolozen Schwiele, krä- 
välj gen. kravdlja Hochzeitsspeise (die als Geschenk gebracht 
wird) korovdj Brotlaib, Art Kuchen, zd-mlaz Art saure 
Milch = *molz^ (zu '^mhlzq '■'mhlsH skr. tnüzem musti melken, 
.abg. mlzq mlesti), ö-mraza Entzweiung (vgl. oben mraziti), 
planlna Waldgebirge, Gebirge klr. 2^olonynd Hochebene, 
plänuti aufflammen = ^'polnQÜ (vgl. oben plamen), öplaza 



§ 6—8.] Die einzelnen Laute. 5 

beim Pflügen übersprungene Ackerstelle (eig. Gleitstelle), 
oplaznuti (vom Pfluge) eine Stelle überspringen, vgl. oben 
plaziti, slävüj gen. slavüja Nachtigall solovej, prljetran widrig 
fett r. jirüornyj dial. prltoromnyj, nävlaka Überzug nävoloko 
(vgl. oben vlara). 
2. langes ä: 

7. I. Betonung ä: 

hräv Schafvieh horov, gläd Hunger golod, glas Stimme 
golos, klää Kühle chölod, Mäs Ähre kolos, kräJc das Bein 
(in seiner ganzen Länge) vgl. poln. krok Schritt r. ökorok 
Hinterviertel, »ilä.z Milchstrahl beim Melken (vgl. oben 
bei zä-mlaz) ^= ^'niolzo, vgl. r. molozevo Biestmilch, mräk 
Finsternis morok, mräv Ameise abg. mravbji vgl. poln. 
mröwka, r. umgebildet zu muravej (der abg. Form ent- 
spräche ^''morovej), pläz ein Pflugteil vgl. r. 2)6loz Schlitten- 
kufe, ^;rfl/i Staub j)üroch, präse gen. praseta Ferkel porosä, 
])räz Widder poröz Eber, släsi Süßigkeit (s. o. sladak) = 
"•'■solsth aus '■'•soldti-, smräd Gestank smorod, sräm Scham 
sorom, sträza Wache sioroza, svräh Krätze svöroh, träk Streif, 
Binde torok pl. ioroki Stirnband, vläk Fischernetz (eig. 
Zug) volok Schleppstelle (s. o. unter vlaca), vläs Haar 
völos, vläst Macht volost Amtsbezirk, vlät Ähre volot , vräg 
Teufel (urspr. Feind) klr. vörog, vrän Rabe voron (vgl. 
oben vrana — vorona), vrät Hals vorot Kragen, zläto Gold 
Sülofo, zräk Strahl zorok Blick. Man wird bemerken, daß 
durchgängig dem skr. rä lä die russische Betonung oro 
ölo entspricht. 

8. n. Betonung d: 

hrdda Bart horodä, hräna Wehr, Egge boronä, vgl. 
brdniti wehren klr. horonyty r. horonit'§a sich wehren, hrdzda 
Furche horozdd, gldva Kopf golom, glänija Scheit golovnd 
Feuerbrand, hrdbar tapfer klr. choröbryj, hräna Nahrung 
hrdniti nähren, bewahren klr. choronyty nähren r. choronW 
(eig bergen) begraben, /cZa/ißc = ^''fcZawfccfe = "^''kolnbcb Engpaß, 
vielleicht zu lit. kdlnas Berg, krätak fem. krdtka kurz ko- 
rotök fem. korotkd, mldtifi dreschen violotW, za-mldziü an- 
melken (einem jungen Tier in den Mund) vgl. oben mläz, 



6 Lautlehre. [§ 8—10. 

plädne Mittag = '''^wl-dme, vgl. podne dass. = '^poodne inr 
^'poldiie = polö-dh7ie, p)lükati spülen klr. polokaty (nicht in 
Verbindung zu bringen mit p)lakati weinen r. jMkat'), 
plätno Leinwand polotnö, pldzati gleiten ( vgl. oben jMz ; Wurzel 
ursl. pblz-, abg. plzeti kriechen, skr. piuzati), jjra-?a« leer 
für *präzdan nach fem. präziia für '■'^'präzdna abg. j^razdhnh 
^orazdhna r. pioröznij dial. poroznyj, sldna Reif lit. szalnä, 
strdna Seite storond, tldciti niedertreten tolocit' , tldka Frone 
klr. toloM gemeinsame freiwillige Arbeit, vlada Herrschaft 
vlddati herrschen vgl. r. volode't', vldka geschleifter Baum- 
stamm vldciti eggen (eig. schleifen, schleppen) volocii' 
schleppen, vldkno Flachs roloknö Faser (Flachs), vrdbac 
Sperling klr. vorohec r. vorohej ^= abg. vrabbjh, vrdta Tor 
vorotd, vrdiifi wenden rorotit'. Zu bemerken, daß regelmäßig 
dem skr. rd Id im Russischen die Unbetontheit des oro 
olo entspricht, der Hochton liegt auf der folgenden Silbe. 

d. in. Die Betonung wechselt zwischen ä und d: 

dräg teuer fem. drdga r. dorog dorogd, liräm gen. lirdma 
Tempel chorömy pl. großes Haus, Tiräst gen. hrästa Eiche, 
cJwörost klr. cJivoröst gen. cAi;oros/j( Gestrüpp, mldd fem. mldda 
jung molod molodd, jMv fem. j^Wfa blond polovyj fahl (be- 
stimmte Form), slän fem. sldna salzig sölonyj (solönyj, be- 
stimmte Form), vrän fem. vrdna schwarz voronoj (bestimmte 
Form; vgl. oben vrä7i und vrana), vielleicht wy«// gen. rrdnja 
Spund (wenn zu vbrq vreii abg. = '■''verfi) = 'Horm. Über 
wechselnde Betonung in Kasusformen z. B. gldva akk. glävu, 
pl. gläve s. § 565. 

10. IV. a unbetont: 

öhläk Wolke ar. oboloko, pämräh Art Wurm, vgl. poln. 
pamrowie Engerlinge (m für n\ vgl. skr. phidräv dass. 
was pamräJc, für ^po-nrav = *po-norv^, bei Mikl. EW. 
S. 212b r. dial. jwnorov Art Wurm), päprät Farn pdjjo- 
rot, po-vräz Henkeleisen am Kessel, vgl. klr. voroza 
Peitschenschnur; ndrast fem. Begattung des Hahns und 
jidrav Gemütsart stehen für *nräst und '^nräv {nr kann 
im Skr. nicht anlauten, daher der eingeschobene Vokal) 
r. norost Froschlaich, nörov. 



§ 11 — 12.] Die einzelnen Laute. 7 

11. B. or ol stehen ursprünglich im Wortanlaut: 
lacan hungrig (von Hunden) abg. alkati hungern (lit. 

dlhti) alcbm lacbm hungrig, läne gen. läneta Rehkalb abg. 
alnbji und lawbji, mläka Art Quelle, mläk fem. mJdka lau, 
mläkva Lache, die winters nicht zufriert, "'■molk- altr. molo- 
kita Sumpf (s. Brückner, KZ. 45, S. 104), räbota Arbeit 
klr. roböta vgl. got. arhaips, räkita Art Weide (Pflanze) klr. 
rokijta, ralo Pflug = *ordlo zu or-nti pflügen, dazu auch 
rätaj Ackerer = '''ortajb vgl. lit. ariöjis, räme gen. rämena 
Schulter vgl. deutsch arm, raz- Präp. (zer-) r. roz-. — 
läbüd Schwan *olbpdb (vgl. ahd. albiz), läda Schiff" abg. 
(ddbji und ladbji r. lod'jd, läkat Ellenbogen r. lokoi' vgl. 
lit. alkime, läni adv. im vorigen Jahr r. dial. loni, rdstl 
wachsen r. rost\ rdvan fem. rdvna eben abg. ravbm = '^or- 
ühivb r. rövnyj unbest. röven fem. rovnd, rdzanj gen. rdznja 
Bratspieß rozon gen. 7'oznd. 

Unklare Fälle : die Wörter mlävifi sehlagen , mräse 
pl. Masern (Krankheit) haben unursprüngliche Anlaute, 
denn die Gruppen mr, ml können im Slavischen ursprüng- 
lich nicht im Wortanlaut stehen, aber ihre Herkunft ist 
unklar; auch trcq) Rübengrube, träfor Amarant (Blume) 
sind unsicher. 

IIa. In Fremdwörtern ist nicht selten die Um- 
stellung von ar, la zu ra, la erfolgt, so in klak Kalk lat. 
calx calcem, klasnja Art Strumpf aus mittellat. calcia 
ital. calza'^, krälj gen. krdija König r. koröl' gen. korol'd 
aus deutschem Karl (der Große), krap aus deutschem 
karp (aus lat. carpio) r. korop. Lähm Albona in Istrien, 
mramör Marmor lat. marmor, Mrätin dem Martinstag, Rab 
die dalmatinische Insel Arbe, raka aus lat. arca. Rasa 
Fluß in Istrien Arsia. Skradm gen. Skradina Skardona in 
Dalmatien, Vlali Walache, aus dem deutschen Walcli 
(Romane) r. Volöck, Vrafdlomije Bartholomäus (nach der 
griech. Aussprache mit v). 

12. III. Skr. ä ü vertritt nicht ausfallendes 
urslavisches ^ und b, außer wenn diese zwischen Kon- 
sonanten stehen in den ursprünglichen Verbindungen r^ 



8 Lautlehre. [§ 12— IS. 

rh, h h; ^r i,r, ^l d (darüber s. §§ 27 — 29 u, 24 — 2-5); 
standen n rh, h Ih im Wortanlaut vor Konsonanten, sr- 
ist die Vertretung skr. z. T. ra la, z. T. anders (s. dar- 
über § 28 I. 2 u.^ § 19). 

13 a. A. a ä stehen für ^ : 

1. in Wurzelsilben. 

hadar fem. hadra munter hodrh bzdra, bah (« Iah ganz 
und gar) bas adv. gerade b^(:h^ vgl. abg. h^sbjq, bäcva Faß 
h7>cbva, dähmiti atmen dhchnqti, däska Brett d^ska, gen. pi. 
dänä zu dno Boden dwio, n-gänuti verrenken g^nqfi (aus 
''^'fßb-n-), hxbao Eimer (Kübel) kzbh, käda wann '-'Hda vgl. 
abg. khgda, kasno spät kitshno, mäknuti maci rücken mohioH, 
»last Most m^sh> (lat. mustum), naöve pl. Backtrog sg. -'"rnktva 
(s. Berneker, Jagic-Festschr. G02) abg. pl. msfhvtj, sa 
Präp. mit s^, n-saJmuti vertrocknen si>clinqti, sein gen. S7ia 
Schlaf s^m gen. s^na, rdsap gen. räspa Zerstörung (eig. 
Zerschüttung) näsap gen. näspa Damm (eig. Aufschüt- 
tung) rashj^z (= "'raa-srijn) nas^p^, snaha Schwiegertochter 
smcha, sät Wabe s7dh, saljem {sljem) släti schicken s^l'q s^lati, 
fädä dann '-'töda vgl. abg. thgda, täkmdi iaci berühren 
thknqti H^ti = '■^thkti, dazu tacka Stütze (einer Rebe u. a.) 
ticbka, tast leer '''-thsk'h abg. thsth, van hinaus vom, väs gen. 
twisi (neben üs usi) Laus vhsh, zao fem. da böse mh zhla. 
— Urspr. r^, h im Wortanlaut: lagati lügen lä£ Lüge 
hgati hzh, räz gen. raz'i (neben rs rzi) Roggen T^^:b. 

13. 2. In Formantien und sonstigen Nicht- 
wurzelsilben: -ak = -^k^, z. B. pocetak gen. pocetka An- 
fang j^ocd'^kz gen. -t^ka, krötak fem. kröfka sanft krothko 
krottika, krdtak fem. krdtka kurz *korthki> abg. krat^k^ kra- 
l^ha; lagahan fem. lägahna leicht, mälahan fem. mälahw 
klein '■'■hghcH^iz *mahcJnm; läkat gen. läkta Ellenbogen 
abg. lali:hth gen. lak^te\ pnjesak gen. pijeska Sand j^^^"^^-^^' 
pes^ka•, sapät Geflüster sb'p^t^] -a am Ende von Präpo- 
sitionen, z. B. iza-gnati austreiben iz^-gönati, obä-sjati be- 
scheinen obhCb)-sbjati, razä-slati auseinanderschicken ''■'razh- 
silati, pjodä-vj sub eum jwdz-iib. 



v^ 14. 15.] Die einzelnen Laute. 9 

14. B. a a stehen für h. 
1. In Wurzelsilben: 

häzfljeti foetere '■■'■hbzdeti, cävtjefi (für "'cvätjeti) blühen 
pro-cvästi aufblühen '•'kvbtefi ^^Jcvbsti abg. cvisti präs. cvbfq, 
ra Fragepron. was <'h-(to), cähar gen. cähra Zuber chhro 
rhhbn,, cdma Langeweile chnaü mit Ungeduld warten *cbma 
'•'chmati vgl. slov. chmeti hinbrüten, cäst gen. cästi Ehre 
cbsi'b, cätac Leser eäfifi lesen cbtbcb rbtq 1. präs. (inf. abg. 
cisti), dabar gen. dahra (d für h) Biber bbbn, dän Tag 
dhnb^ nd-jani gen. nd-jma Miete najbnio najbma, oh-läznuti 
belecken ''^Ibznqti (vgl. Uzati, abg. lizaii), mac Schwert nibch, 
magla Nebel nibgla, na-mägnufi zuwinken mbgnqti, mavji 
kleiner mbnbjb, mästanije dial. Spiegelfechtereien mhcbtanije 
Träumerei, mäzga Mauleselin mhzga, _pafcao gen. i)äkla 
Hölle pbkh Pech, jjawj Baumstamm 2)bnb, ö-panak gen. 
dpänka Bundschuh Opanke ojrbmkh ophrnka, paf^- gen. psä 
Hund j>»/>.SÄ pjbsa, 'purac gen. pärca Kläger pärha Prozeß 
süpärnik Widersacher phrhch gen. pbvbca pbrbba sqphrhnikh, 
fitaza Fußpfad sibd'za sthza, svanuii hell werden, tagen 
svhnqti aus *svhtu-, si-äst gen. svasti Schwägerin svbstb, sav 
gen. svä Nat sbvr, shva, stdblo Stengel sfbblo, stäklo Glas 
fitbklo, l-sao = sal gegangen shh, säptati lispeln sapät Ge- 
flüster sbjj^tafi sbjnh, gen. pl. tdlä zu tle pl. Fußboden vgl. 
abg. tblo ntr., tdma Finsternis tbnia, tanäk fem. tanka dünn 
ibmkh ibnoka, tarem (frem) 1. sg. präs. zu trti reiben fbrq 
'■'fbrfi abg. trti, täst gen. tasta Schwiegervater tbsfb, väs (säv) 
omnis vbsb, p)re-vaz-ici übersteigen -v^z- (sonst skr. uz), zäd 
dial. Mauer zbd^, zanjem 1. präs. zu zeti ernten ibnq zetl. 

Ib- ursprünglich im Anlaut: Iah fem. laka (aus '^-lagka) 
lagahan leicht vgl. lhg^kh fem. l■bg^ka Hbg%clnm, lan Leinen 
Ibm, last Leichtigkeit lästan fem. Idsna leicht Ibsth Ihsfbmi. 
Ibsihna, lav Löwe hvh. 

15. 2. In Formantien: 

-ac = -bcjj z. B. ötac gen. dca Vater oihcb otbca, slijepac 
Blinder slephch, vgl. auch gen. pl. ovdcä zu ovca Schaf 
ovbca; -ak = -hko, görak fem. gorka bitter gorbkh gorhka, 
feiak fem. feska schwer tezbkh; -ao aus -al z. ß. kötao gen. 



10 Lautlehre. [§15-17. 

hoüa Kessel Icoibh koibla, örao gen. orla Adler onh orbla, 
svljetao iem. svijetla hell svethh svefbla; -an = -hm, z.B. 
vjeran fem. vjerna treu verhm vcrhna; vgl. noch einzelnes: 
jdram gen. jdnna Joch jarhrm jarhma, öcat gen. dcia Essig 
ochth ocbta; svagda (für *vsagda) immer vbsbgda; onomä-dne 
neulich ononib dbne lok. sg. = an jenem Tage. 

In Fremdwörtern vertritt a öfter deren t und n, 
z. B. inasa Messe aus lat. missa, tämjan Weihrauch aus 
■9u)uia|ua (u ^= i), 2)apar gen. 2)äpra Pfeffer lat. piper, Cäptat 
Ragusa vecchia in Dalmatien aus civitaiem; sjjänäö Spinat 
ital. spinace; Bäkar gen. Bäkra Ort in Kroatien ital. Bue- 
cari; in türkischen Wörtern u. a. deren e, z. B. bäkar 
gen. häkra Kupfer haker. 

16. IV. a dient im Skr. als Einschubsvokal 
zwischen urslav. Konsonantengruppen, die das Skr. über- 
haupt nicht oder an der betreffenden Stelle, z. B. im 
Wortauslaut, nicht duldet (s. § 114). Zu verstehen ist 
das so, daß zunächst ein dumpfer Vokal ^ eingeschoben 
ist, der dann wie jedes ^ m a übergeht, z. B. müdar fem. 
mmlra weise mqdn mqdra, ösam acht osmh, tmsao (aus 
mtsal) gen. misli Gedanke viyslb, tljesak gen. tljeska Presse 
leskh teska (das a dieses Wortes ist also andern Ursprungs 
als das des scheinbar gleichen pijesak pijeska Sand, dies 
ist = pes^k^ peshka, mit urspr. ~o, während es dort neu 
entstanden ist). 

IT. Skr. ö vertritt: 

I. urslav. 0, z. B. hög gen. hoga Gott hog^, hos fem. 
hösa barfüßig hoso, covjek Mensch clovekh, dorn döma Haus 
dorm, görjefi brennen (intr.) goreti, govör Rede, Sprech- 
weise gövon, kösa Haar kosa, löza Rebe loza, ösam acht 
osmb, 2^olje Feld 2)ol'e, rög gen. roga Hörn rogh, usw. ; dk- 
hov eichen dqbovb, sclo Dorf selo, vedoh 1. sg. aor. ich 
führte vedochh, £eno vok. sg. (zu £cna) zeno. 

Die Verbindung ro- steht in einigen wenigen Fällen 
für urslav. or im Wortanlaut vor Konsonant: roh gen. roha 
Sklave *orh^ abg. rab^ und roho, rbzga Stange (zum An- 
ranken) '■■'orzga abg. rozga und razga. 



s5 IS — 21.] Die einzelneu Laute. 11 

18. II. Skr. für silbenauslautendes /. Da 
altes l nach Vokal vor Konsonanten in dieser Stellung 
nie verblieb, sondern el, ol zu le, la wurden, bl zu / (dies 
zu u, s. § 25), so kommt silbenauslautendes l nur vor, 
wo nach ihm ein ^, b ausgefallen ist; z. B. däo f. cldhi 
= dah, hvdlio f. hvälila = chvalilo, pleo f. jüela ^= pleh, ümro 
f. ümrla = *umbrh; gen. prafioca zu noni. pratilac Begleiter 
= pralilhca prafilbch, dloha Teilung = dehba, tjyoce dem. zu 
f/iio Hals = ■'■gorlbce; döca aus ''''dooca gen. zu ddlac, dies 
dem. zu dö gen. dola Tal = dohca dohcb, doh. — Altes 
l' bleibt unverändert, z. B. priiaielj. 

19. III. In einigen seltenen Fällen ist wort- 
anlautendes l^■ , Ib- vor einfachen Konsonanten in 
o übergegangen (über la- s. § 11): biica Löffel (neben 
läsica und sllca, dies umgestellt aus Hsica; das auch an- 
geführte lösica ist eine Neubildung aus Kontamination 
von uzica und läzica) hsica, özujäk neben läzaTc März zu 
hgati skr. lägaü lügen; jiri-önnti ankleben (intr.) pri-lbnqü 
(aus -Hbpnaji) vgl. skr. pri-lijepiti trans. 

20. Skr. u entspricht: 

I. ursiav. z« ; in Wurzelsilben z. B. hüditi wecken 
haditi, düsa Seele dnsa, gubiti verlieren gubiti, hüd schlecht 
chud^, kiqnti kaufen kupiti, Ijüdi Leute l'iidbje. mulia Fliege 
mucJia, slüga Diener sluga, süh trocken siichh, am Vernunft 
MWi«; — in Nicht Wurzel Silben z. B. grädii dat. sg. zu 
gräd Stadt gradu, iiögii gen. dual, zu tioga F'uß nogu, krä- 
güj gen. kragüja Falke kragujb, vblüjskl Ochsen- vgl. volujb. 

21. II. Skr. ü ü vertritt ursl. q (abg. a ge- 
schrieben) in folgenden Fällen: 

1. In Wurzelsilben: 

blüdifi verhätscheln blqditi irreführen (zu bl§dq ich 
irre) bübanj gen. bübnja Trommel bqbbm, zu derselben W. br)b- 
(sch wellen) bubla Klumpen, nä-bubriti anschwellen, bubnljka 
Pustel; büdem ich werde bqdq, düb Eiche dqll^, düga 
Regenbogen dqga, nä-duti se (pr. nadmem) sich aufblasen 
dqti (pr. dhmq), gölüb Taube golqbb, grab grob grqJih, grüdl 
})!. Brust grqdi, güba Aussatz gqba Schwamm, gnbica 



12 Lautlehre. [§21. 

Tiermaul gqha, güdjeti geigen gusle pl. Geige ^ggdeti abg. 
gada gqsti gqsli, güsjenica Raupe gqsenica, güska Gans 
gasbka dem. zu gqsb, güst dicht gqsth, güzva güzvka Reiser- 
geflecht ^'gp^bvica, häluga dial. Kluft (Hohlweg) cJialqgn 
qppaY)ii6<;, klupa Bank *klQpa klqpb, kliqjko Knaul klqbzko, 
kriig Scheibe, Kreis krqgh, krüt dick, fest krqtb, kma Haus 
''''kpt'a kqsta, küdä kudije wohin kqda kqde, küdjelja Flachs- 
docke kqdelb, küdrav kraus lockig kqdravo, kükolj Kornrade 
kqkol'b, küpati baden kqpati, kiipina Brombeerstrauch kq- 
pina, küs gestutzt kqso^ küt Winkel (Ecke) kqt^, läbüd 
Schwan ■'■olbpdb (vgl. ahd. albiz), lüciti al)sondern Iqcifi, 
lüg Hain lqg^, lük (eig. Bogen)Feder an der Flinte Iqkh, 
Jüka Au Iqka, luika Puppe poln. fqtka "^'lohka, müdar weise 
)nqdrh, müdo Hode mqdo, muka Pein mqka, müka Mehl 
mqka, mntiti trüben mqtiti, vgl. smMa Schneetreiben '■'^■s^- 
mqta, müz Mann mqlb, brüzje Waflen orqzbje, pauk Spinne 
paqko, prüd Sandbank prqdo, prug gestreckt, straff 2^'''19'^r 
dazu pruziü strecken prqziti, prüglo Schlinge prqglo, su- 
priiga Knittel sq-prqga, pd-prug Saurasattelgurt -pyqgh; ^jr5f 
Rute pj'oh, püditi scheuchen pqditi, pucina weite Meeres- 
fläche jMcina, puknati puci bersten pqknqti *pQt'i, pupak 
Xabel pqpokh zu pajn, püf Weg pqth, piito Fußfessel pqto, 
rüb Saum, Naht rübiti säumen rqb^ rqbiti, ruda dichte rauhe 
Wolle (lana crispa) rqda, rudhia Flur (pratum) poln. i'e- 
dzina fettes Erdreich, rüg Spott rqgb, rüka Hand rqka, vgl. 
obi'ilc Reifen ob-rqcb, j^o-rüciti sagen lassen (eig. behändigen) 
po-rqciti\ skudla Schindel abg. skqdoh -dblb -delb, sküp teuer 
skqph, smnditi sengen smqditi, strük Stengel poln. strqk, 
siüpiti treten sfqpifi,, sii- in süsjed Nachbar, süpärnik Wider- 
sacher und gleichartigen Zusammensetzungen sqsed^ sqphrh- 
nikh, Süd süda Gefäß s^-sqd^, süd süda Gericht sqd^, tlsuca 
tausend '^hjsot'a abg. tysqsta, trüba Trompete trqba, früd 
Feuerschwamm *trodh (und trqtb), j^o-trüsiti anstreuen, 
dadurch verunreinigen *-trpsiti zu fres- schütteln, frfif 
Drohne trqh, tuca Hagel tqca, iüga Schauer, Angst tüziti 
beklagen tqga tqziti, tüp stumpf tqp^, tüsiti dämpfen (eig. 
dumpf machen) ^fositi vgl, poln, iechnoc muffig werden. 



§21 — 23.] Die einzelnen Laute. 13 

tütaiij gen. tübija Dröhnen tatbm, ühorak Art Maß qborzkv, 
udica Fischangel qdica, ugor Aal *pgor'b, ütroba Eingeweide 
qtroba, un-üfar hinein vin-qtrb, üfva Ente aty, ügal gen. 
ügla Ecke qgh, ugalj gen. tiglja Kohle qglh^ uzak fem. üska 
eng uzao gen. üzla Knoten üzica Strick üze Seil suzanj gen. 
suznja Gefangener qz^k^ '^-QZhh qzica qie s%-qzbnh (zu der 
Wurzel v^z- binden); züb Zahn zqh^, zelüd Eichel seludac 
Magen zelqdb zelqd^k^. 

22. 2. In Formantien und andern Nicht- 
wurzelsilben: Verbalstämme auf -nq-, z. B. däJmtiti 
döchnqti; Partizipien präs. auf -tiöi = -ot'- abg. -qst-, z. B. 
pletüci *pletpt'i pletqsti; Adverbialendung -pd-, z. B. svüd.je 
svüdä überall vbsqde vbsqda, oviidä von hier ovqda; Akk. 
sg. fem. -u = -p z, B. zenu = zenq ; Instr. sg. fem. auf 
-ju, z. ß. stvärju = s^tvarbjq•, 1. sg. präs. -u = -o in höcti 
ich will = "^cJiot'p abg. chostq, nwgu ich kann = mogq, velju 
ich sage = t'eZ'rt ; 3. pl. imperf. -hu^-chq, z. B. pletyähu 
pU'tähu vgl. abg. plefeachq. 

In älteren Lehnwörtern steht ?( für deren an, am 
und zuweilen für andere dumpfe Vokale mit Nasal, so 
Früskä Göra (Gebirge in Syrmien) = frqzbsk^ fränkisch, 
pöluga Stange aus *palanga = phalanga (paXdTTI) sühota 
Sonnabend abg. sqbota vgl. ahd. sambaz-tag \ su-, sut- in 
Ortsnamen aus romanischem san-, sanf- (heilig), z. B. in 
Dalmatien Su-petar San-Pietro, Sut-ivan San-Giovanni. 

23, III. Skr. u als Vertreter von ursl. ^l hl, 
lo Ih zwischen Konsonanten. Im Abg. wurde aus 
ol hl vokalisches Z; h Ib blieben in der ältesten Periode 
der Sprache als solche bestehen; in der Schrift werden 
hier die Gruppen ^l hl (abg. /) von h h nicht geschieden, 
sondern beide geschrieben mit h h (s. Abg. Gr. § 55). 
Im Skr. sind sie zusammengefallen, und zwar in u; die 
Entscheidung, wann ursprünglich ^l hl, wann h Ih ge- 
standen hat, läßt sich am einfachsten mit Hilfe des 
Russischen treffen, da dies für ursl. ^l hl, die dort zu- 
nächst in hl zusammenfielen, ol eintreten ließ, für urspr. 
h Ib dagegen lo le hat. Es sind daher unten die rus- 



14 Lautlehre. [§ 23—26. 

sischen Formen beigefügt neben den altbulgarischen oder 
den urslavischen. 

24. 1. u statt h, h: 

biiha Floh hhcha hiochd, gunuti Schluck tun (jidati 
schlingen -f/htiti -ghtati gloiät , jhbulca Apfel jabhko jabloko, 
Jciicine pl. Werg vgl. kl^k^ Tclok Büschel, kün Ahorn (neben 
hüjen klen) ''"khm r. klen (spr. kl'on), künem 1. sg. präs. (zu 
kleti) fluchen klbnq (klefi) r. kl'anü (für klenü), put (alt) 
Fleisch j)^'^^^ ploi\ süza Träne slhza slezd. 

35. 2. u statt ursl. ^l hl (abg. /, geschrieben h Ib) 
bugarin Bulgare '■''b'olgarim r. bolgdrim, bün bimika Bilsen- 
kraut Hhlm, vgl. r. beleiid = '^belna dass., cün Kahn '''chlnh 
colli, dübem düpsti aushöhlen (meißeln) '■'dblliq vgl. r. dol- 
bit\ dng lang ''^dhlg^ dolgij, düg Schuld ''^dilgi dolg, hüm 
Hügel '''clnhm cholm, kuk Hüftbein '^■k^lk^ vgl. r. kolce-nogvj 
Hinkender, u-mnknem n-muöi ü-muknuii verstummen mü- 
cati schweigen ^mhlk- u-nwlknut' molcdt', mnnja Blitz 
•hmhibji molnija, mnzem müsti melken '■■inblza ''■■mhlsti vgl. 
lit. mll2-ti^ pull Bilchmaus (Siebenschläfer) ^'phlclvb vgl. ahd. 
pilili pilch, pük Volk ^''jnlkh polk, pmi voll ^pblm polmjj 
vgl. lit. pUnas, püst Filz *pblstb polst' vgl. das deutsche 
Wort, piizati kriechen h-puznuti se ausgleiten jjüi spnz 
Schnecke '''phlzq '^pblsti polzü polsti vgl. abg. plezati kriechen 
= '■'"pelzati, stuba Baumleiter ''''st^lba vgl. r. stolb Säule, 
stüp Säule '-'■'sthlpi stolp, sünce Sonne *s^lnbce solnce, tücem 
tuet schlagen stoßen '''tblJcq '^iblt'i = Hblkti (abg. tJkq tlesfi 
= Helkti) r. tolkü (inf. tolöc = '^telkti), is-tumdciti erklären 
'Hzlmacb Dolmetsch tolmdc, tust fett '''tblsth *tblstb tolstyj, 
vücem riÄci ziehen 'hblkq *vblt'i = '^'vblkti (abg. vlekq vlesti 
= '■■'■velkq ^'velkti), r. rolokü voloc' (= *velk-) vgl. lit. 
vükti, vv.ga Beutelmeise H-blga poln. wilga r. i-volga Pirol, 
vük Wolf '^vblkb volk vgl. lit. vilkas, vüna Wolle *vhlna völna, 
züc Galle '-''zblcb zolc, züdjeti verlangen nach, begehren 
pö-zuda Begierde '-'zbldeti^ züna Specht ^zblna zolnd (zelnd)^ 
ifit gelb "■'■zblth soltijj vgl. lit. gettas. 

36. IV. Skr. M vertritt anlautendes urspr. 
v^-, vb-: 



§ 26 — 28.] Die einzelnen Laute. 15 

Präposition v^ in, hinein, wird u, z. B. ü kuci im Hause 
abg. vh kqsti, ü Tcucu ins Haus abg. m hqstq, u-nütar hinein- 
vz-nqfrb, u-vesti hineinführen v^veHti\ dies m ist nicht zu 
verwechseln mit der Präp. u (mit dem Gen.) bei = ursl. 
abg. u; Präposition v^z^ hinauf uz^ z. B. üz hrclo den Berg 
hinan, abg. v^z hrdo, uzvesti hinaufführen v^zvest^^, — uhao 
gen. ubla Art Brunnen '^v^h^l^, udövica Witwe v^dovicay 
unuTc Enkel v^nulc^, iqnti rufen (neben väjnti, z. B. 3. aor. 
zaväpi 2. Mos. 8. 12) v^p^t^, üs (neben väs) Laus v^sb, ütörnik 
Dienstag v^tot'bnikh ; jücer(a) gestern vhcera {j im Skr. 
durch Anschluß an jütro Morgen, jütrös heute morgen). 
Die Vertretung des v^- vh- durch u ist nicht ganz durch- 
gehend, vgl. oben väs, ferner van hinaus = v^n^, väs 
omnis = vbsb. 

37. Skr. r vertritt ursl. n rb (abg. rz rb) und 
ursl. ^r br (abg. r, geschrieben r^ rb) vor Konsonanten. 
Vor Vokalen konnte die Verbindung r^ rb überhaupt ur- 
sprünglich nicht vorkommen; im Skr. kommt aber r- 
Vokal vor o zu stehen, wenn dies aus silbenauslautendem 
/ entstanden ist, z. B. gfoce = ^ghrhce, daraus zunächst 
■''■grlce, Dem. zu grlo Hals, ümro gestorben = ^umbrh 
daraus *umrl; dies r wird leicht zu konsonantischem r, 
also gesprochen wird oft ümro. Da bei r keine Ver- 
wechslungen mit anders entstandenem Vokal stattfinden 
können (wie bei u = ^l, bl mit u = q usw.), genügt es^ 
die Fälle herauszuheben, in denen r = r^ rb ist, die 
übrigen (Beispiele § 29) verstehen sich danach von selbst 
als aus ^r br entstanden. Das einfachste Kennzeichen, 
welche Lautverbindung ursprünglich vorliegt, gibt das 
Russische, wo r^ rb zu ro re, dagegen ^r br zu or er ge- 
Avorden sind, es sind daher unten die russischen Formen 
beigefügt: 

28. I. r = rz rb: 

1. Zwischen Konsonanten: 

brst junges Laub br^stb hrost', brvno Balken hrhvbno 
brevnö, dfhat gen. drhta (für *drkta aus *drhgzta nom. *dr^- 
goh, li im skr. Nom. aus den obliquen Kasus übertragen) 



16 Lautlehre. [§28.29. 

Schauder drhtati zittern, schaudern *drifj- drögnut', di^vo 
Baum pl. drva Holz dnva drovä, gfm Art Eiche, Gebüsch 
grmen Gebüsch grhrm (in altr. Überlieferung grbim und 
gremh), grmjeti donnern grhmeti greme't\ vgl. gröm Donner, 
Jirbat gen. hrpta Rücken chrhhhU chreböt gen. chrebtä, krhaii 
krsifi zerbrechen, zu kncha krochd Brocken, krmelj Augen- 
butter gramiae, vielleicht zusammenhängend mit grhmeMh 
dass. (in ar. Überlieferung gremezdh und grom-), vgl. slov. 
krmezelj Augeneiter; krna Messerscheide = km'ia?, kfpa 
Flick krpiti flicken kropät' sudeln, oberflächlich nähen, 
üs-krs Ostern its-krsnuti auferstehen v^s■krhsnqt^ voskres vos- 
kr4smd' , krtica Maulwurf kroio krot, krv Blut kr^vh krov 
vgl. lit. krüvinas blutig, prsljen neben presljen Spinnwirtel, 
strm stfmen strmenü steil stnim r. stremind Steile stremif' 
heftig fortreißen, stfmen Steigbügel neben sfrhnen, dstrvo 
Insel neben r. östrov, trbuh Bauch r. frehucJid Wanst, für 
'Hrhh-, trsiti se sorgen, sich bemühen um (zu lit. irüsas Ge- 
schäftigkeit, trüsti viel herumwirtschaften?), trst, ihka aus 
{^tristbka) Schilfrohr trostb trost' ; — in Nichtwurzelsilben 
vereinzelt: srebrn = '■■'•Sihrebrhno silbern, vjetrnl mim Wind- 
mühle = vetrbm vctrhnyjh. 

2. Im Wortanlaut: 

rda Rost (eig. Röte) "^nd'a abg. rzMa, ndeti se erröten 
(vgl. skr. rüd rötlich), rt Spitze (z. B. eines Berges) r^to 
rot Mund, rvati se ringen r'ovati raufen, fzati wiehern '-^'rb- 
zati, vgl. poln. rze6, fz (neben räz) Roggen r^zb roz. 

39, II. Skr. r = urspr. hr hr; hier nur einige Bei- 
spiele (s. die Bemerkung oben § 27): bPz schnell *b^rzo 
borzöj, cetvPti vierter '■'cetvbrh cetvdrtyj vgl. lit. ketviffas, 
crn schwarz *cbrm cörnyj, grlo Hals ''"g^rlo görlo, khna 
Steuerruder '*khrma kormä, krmiti nähren '^^'k^rm^ti kormW, 
mfknidi finster werden '*mbrkngti merknut', smrt Tod 
'■■s^mhrtb smert, Si'bin Serbe '''■sbrbim Serb, srce Herz '■'sbr- 
dbce (vgl, lit. szirdls) serdce, tPg Ware 'Hhrgh torg Markt, vrU 
Gipfel *vhrc1n (vgl. lit. virsziis) r. verch, vrba Weidenbaum 
■■'•vbrba verba, zfno Korn *zhrno (vgl. lit. zmds Erbse) 
zernö. 



1 29. 30.] Die einzelnen Laute. 17 

In Lehnwörtern, altererbten wie neueren, steht r 
öfter an Stelle von deren ra, vi, re, ar, or, er, z. B. crkva 
Kirche abg. crky ^= '^cbrhy aus ahd. Mrcha, Jcrst Kreuz, 
Christus abg. Icrbsh aus ahd. kHsf{= xpiCTTog), tiyeza Tisch 
xpctTreZia, Grk Grieche abg. grhki aus graecus, Grgür Gregor 
aus rpriY6piO(S (spr. gri-); srdeJJa Sardelle ital. sardella, 
mhiär Matrose ital. marinaro, mrgwj Grenzstreifen ital. mar- 
gine, Kff Korfu, frimm vrh'ma Sturm türk. fertena aus ital. 
fortuna, Trst Triest Tergeste. 

30. e e; vom Urslavischen ausgegangen, gestaltet 
rfich die Entwicklung der e-Laute, ursl. r, e, e, fol- 
gendermaßen : 

A. Ursl. e wird über das ganze Sprachgebiet e 
(über bestimmte einzelne Abweichungen in cakavischen 
Mundarten s. § 204); russisch entsteht '«. 

1 . In Wurzelsilben : 

blhiuti erstarren (eig. irre werden) aus *hlednpti, vgl. 
abg. hledq hlesti irre gehen, brecati knallen r. hräknid' = 
"^br^k-, znbrekmäi anziehen (vom trockenen, in Wasser ge- 
lassenen Gefäß) r. na-brähmt' aufquellen = *bn'k-, cedo 
Kind cedo, cesf dicht cesh (vgl. lit. kitnszfas gestopft), eist 
cestica Teil cestit glücklich cpstb, pö-ceü (präs. pö-cnem) an- 
fangen -c^ti (-cbna), deset zehn desptb, desni pl. Zahnfleisch 
(sg. desna AWb.) = *desna r. desnd (für d'asnä), djetao djetla 
Specht djeielina Klee r. d'äiel = ^deteh ddtlina, = *detelina 
(in den skr, Wörtern ist je anomal), devet neun devetb, 
Drezga (Ortsname) drezga Wald, üz-eti (u. a. Zusammen- 
setzungen mit -eti) präs. iiz-mem wegnehmen v^z-eti vhz-hma 
(Simplex ^f^i imq), galeb Möwe =^ galeb^?, gävez Wallwurz 
f. gav'äz ••= ^'gavezs, gledati schauen gledati, gdlet kahle 
Gebirgsgegend = '^goleib'^, göveda pl. Rindvieh govedo, greda 
Balken grcda, gredom üz-gred im Vorbeigehen gredem gresti 
gehen gredq gresti, grezmdi (untersinken) überschwemmen 
gr^znqti, jägned Pappel agnah, järeb Rebhuhn jarebb^ jästreh 
(jästrijeb) Habicht jastrebö, jöknuti erschallen jecati hallen, 
vgl. poln. jeknqc ächzen = *jeknQti, jeänen Gerste jecbrny, 
jeguija Aal = ^jegul'a? vgl. ügor dass. = '*qgorb, jedar fem. 

L s k i e n , Serbokroatische Grammatik. 2 



18 Lautlehre. [§ 30. 

jedra dicht, fest j^dn vgl. jedro Kern, jetra Leber jetro, 
jetrva Schwägerin jetry, jeza Schauder j^d'za Krankheit, 
jezik Zunge jezyk^, klekmdi kleöl niederknien *kleknqti *klet'i 
= '■^klekti abg. kl^'caii klecati, Meli (präs. künem) fluchen 
kmi iklhnq), knez Fürst fem. knegwja abg. kbn^d'zh {kyn^zh} kwi^- 
gyni, altes Lehnwort aus deutschem kuning, köleda (jetzt 
eine Art Weihnachtsruf koledol) aus lat. calendae, krenuti 
kretati bewegen krenqti krefati, leca Linse abg. ksta, ledina 
brachliegendes Land ledina, leda Rücken hjdvbja Lende, 
legnem lege mich '^kgnp (inf. leci == Hegti abg. lesti), dazu 
U&i Uzem brüten = ^let'i aus H^gti *legp, u-leknuti se -leöi 
se sich senken = *l^kn^ti *let'i aus H^kti abg. l^sti lekq 
biegen, tmk fem. rneka (= *mekka für *mek^ka) weich 
mek^k^ fem. niekhka, po-menuti erwähnen po-menqti, meso 
Fleisch mcsOj, jM-mösti metem verwirren mfsfi m^tq, pamet 
Verstand, Gedächtnis pametb, metva metvica Minze aus lat. 
mentha, ped Spanne pedb, penezi pl. Geld (für *pjenez; ikav. 
plnezi) pened'zh penezb altes Lehnwort aus deutschem penmng, 
pet fünf p^th, pefa Ferse o-pet wiederum p^ta o-petb, pest 
pesnica Faust p)estb, po-jn'^gnuti -preöi anschirren pr^gnqti 
*prft'i = *pregti, prenuti auffahren (aus dem Schlafe) 
predati erschrecken prenqti = ^prcdn. pr^dati aufspringen^ 
presti predem spinnen presti jjrcdq, pretati zudecken (bergen) 
zäpret mit Asche bedecktes Feuer p)r^tati, red Ordnung 
red^, regnuti aufmurren rSiati Zähne fletschen r^gnqti, rep 
Schwanz *rep- vgl. poln. j-zqp', resa Kätzchen am Nußbaum 
pl. rese Fransen resa, sedra Kalksinter *sedra vgl. deutsch 
Hinter, segmdi sezati langen nach segnqti, u-siknuti schnauzen 
(emungere) seknqti sickern, abfließen , svet heilig sveio, 
säati wandeln, spazieren sgtati sc, stedjefi sparen *skedeti 
abg. st^deti, feg Zug po-tegnuti (u. a. Zus.) ziehen te£ak 
sch^v er teMti Feld bauen tezäk Ackerer teg^ tegnqti tez-bki usw., 
tetiva Bogensehne tetiva, tresti tresem erschüttern trf,sii trcsq, 
veöi größer abg. vestbjb, venuti welken v^nqti = *v^d-n., 
vesti vezem sticken vezati binden vpsti v^zq v^zati, rukovet 
Handvoll vgl. abg. rako-jeh, vez Ulme *vezh poln. itiqz, 
vltez Held vit^d'zb vitezh, zinuti keimen *zenpti = zehnqti, 



§30—32.] Die einzelnen Laute. 19 

zepsti zebem frieren z^hq, zet Schwiegersohn zeth, zvek Klang 
zvecati kHngen zv^knqfi, seäa Durst zedan durstig *z§d'a 
abg. i^ida Durst £§dati dürsten, £eti (präs. imeni) drücken 
£^ti (zbmq), ieti (präs. zänjem znjem) ernten zetva Ernte zeU 
{zhnq) z^tva, zezelj Anbindestock für Schafhunde ar. zazelb 
= *zgz-. 

31. 2. In deutlich nicht wurzelhaften Silben: 
Neutra auf -e gen. -eta = -e -de, z. B. tele teleta Kalb 
felf, telete; Nora, der Neutra auf -e gen. -ena, z. B. wie 
gen. Imena Name inif imene; mjesec Mond mesecb, zec aus 
'^•zajec Hase zajecb; Gen. sg. fem. -e, z.B. düse (zu düsa) 
= duse; Nom. Akk. pl. fem. msk. -e, z. B. düse = duse, 
ordce (zu dräc Pflüger) = orace; Akk. sg. pron. me te se 
mich dich sich = mp te se; 3. pl. aor. -se = -se, z. B. 
pletose (zu pletem ich flechte) = pletose. 

33. B. Für die nicht -auf e zurückgehenden 
e-Vokale des Skr. muß getrennt werden nach den 
Mundartengruppen: ekavisch einerseits, ikavisch und 
jekavisch andrerseits: im Ekavischen sind urspr. e und e 
(dies = e und e) in e e zusammengefallen; da e ebenfalls zu 
e wird, hat diese Mundartengruppe e e unterschiedslos für 
ursl, e, e, ^. Im Ikavischen und Jekavischen dagegen ist 
die Vertretung des ursl. e von der des e e unterschieden 
geblieben, indem ikavisch e zu i 7, jekavisch zu je ije {ie) 
wird. Statt re- tritt jekavisch in der Regel nicht r/e-, 
sondern re- ein, so daß in diesem Falle ekavisch und 
jekavisch zusammenfallen. 

33. 1. Die Vertretung von altem e\ ehemaliges 
serb. e kann auf zwei urslavischen Lautverhältnissen be- 
ruhen : 

a) Altes e kann entstanden sein aus er el vor Kon- 
sonanten: re le. Ein einfaches Mittel, zu erkennen, wann 
dies der Fall ist, gibt das Russische, da es ere, olo (dies zu- 
nächst für ol, in das urrussisches el überging) für er, el hat. 
Daher ist unten den skr. Wörtern in ihren drei mög- 
lichen Formen außer der urslavischen und abg. auch die 
russische Form beigefügt. 

2* 



20 Lautlehre. [§33.34. 

I. Akzent ": 

hreg brljeg bng Hügel *hergi bregh bereg Ufer, brest 
brijest brist Ulme %ersh r. berest, cremza crljeniza crimza 
Sperberbauni r. ceromcha cerömucha, crep crljep cnp Scherbe 
*cerp^ cerep, dren drljen drin Kornelkirsche *derm abg. 
drenyni (der Baum) r. defon, drSvo lignum crucis (urspr. nur 
Baum) Schiff (vgl. ital. legno) drijevo drwo *dervo derevo, 
dnjezga {vodena) Pfianzenart (sium latifolium) zu r. derezd 
Ginster u. a,? mrest mrljest mrist {m für n) Fischrogen 
*nerst^ klr. nerest Laich, plen plljen plvn Beute *peln~o (vgl. 
lit. petnas Verdienst) plem polön, pryed pred prid vorher 
vor *perd^ pred^ r. j;ere(7 und ^je/drf, j)^'^^<^ iwljeko pnko 
hinüber, jenseits *perJco r. jjerok, sremus (s für c) srijemus 
allium ursinum r. ceremica, sres srijes srls Hefe sresb 
"sersb, treni tryem Halle trem^ Urem gr. Tepe|Livov, vrljed 
vrld Beule (Geschwür) *verdi rred^ vered, vresak vrijes vrl- 
jesak vrisak Erika "'-versh veres-, idreb Mrljeb Mrlb Los 
''"zerb- abg. zrebbjh r. zerebej gen. zereb'ja, idrebe gen. Mrebeta 
Mrxjebe zdribe Füllen *zerbe zrebe zereb'd, zdrelo zdrljelo 
zdrilo Engpaß (eig. Schlund) *zerlo r. zerelo, zleb zlijeb Mb 
Rinne (Wasserr.) *zelb^ zölob. Zu bemerken ist, daß dem 
skr. e (f, ije) der Regel nach im Russischen die Betonung 
ere entspricht. 

34. H. Akzent ": 

breda trächtig '''berd'a abg. brezda klr. bereza, brenie 
brhne Last ^berme breme berem'a, breza brlza Birke breza 
beröza, crepati crtpati schöpfen *cerpati crepati, crevlja Schuh 
'■'cerv- abg. crevhjh vgl. r. cerevik Bauernschuh, mleti mljeti 
(Präs. meljem) mllti mahlen ^melti mleti (meto) r. molot' , 
mreza mrlza Netz *merza mreza mereza, pljeti (Präs. plijevem) 
pleviti pUjeviii pliviti jäten ^'pelti (^'pelvo) pleti (plevq) r. po- 
I6t\ pleva pljeva pllva Spreu '^'pelva pleva r. polova, prez 
{rükii mi je es ist mir zuwider, eig. darüber hinaus) *perzi 
jyrezi wr, perez durch, vorbei, sljeme slhne slhne Trambaum 
des Daches (First) vgl. lit. szehnü, smreka Wacholder 
*smerka vgl. abg. smreca klr. smereka eine Fichtenart, 



34 — 36.] Die einzelnen Laute. 21 

tresnja (alt, cak. crisnja) injesla Weichselkirsche r. ceresna^ 
vreöa Sack *verta vgl. abg. vretiste r. veretisce (alt). 

35. III. Akzent ' (e i ije): 

crevo crijevo crivo Darm "^cervo crevo r. cerovo (klr. re- 
revo) Leib, {reda crijeda crida (aus der Kirchensprache, die 
serb. Form wäre *creda) Reihe ^cerda crcda reredd, dlijeto 
Meißel ^-'delto (= *delh-to zu ^dblbq skr, dühem düpsti) r. do- 
Jofo (entweder = *delfo oder = *dolto, vgl. preuß. dalptan), 
dreti drijeti driti (präs. derem) reißen "^derti (abg. dagegen 
dhrati derq), mleko mlijeko niliko Milch *)nelko mJeko moloko, 
srMa srijeda srida Mitte *serda sreda seredd, trebiti irijeUli 
fr'ibiti säubern *ferbiti trebiti terebit', tr^zan trijezan trizan 
(fem. -zna) nüchtern '■■'•terz- vgl. abg. trezv^ r. dial. tcrezvyj 
klr. tverezyj, vrijeci vriöi (präs. vrsem) dreschen "■verchti 
'■''vhrchg, vredan vrijedan vridan (fem. -dna) würdig *verd^ 
(aus ahd. icerd adj.) abg. vred^,. vreme vrijeme (gen. vremena) 
vrime (gen. vnmend) *veyme vreme ar. verema, vr6slo vrijeslo 
vrislo (po-vr.) Henkel am Kessel '-Herslo klr. po-veresl6 
Garbenband, vreza vrijeza vriia Stengel *verza, ilezda zli- 
jezda zlizda Drüse abg. zleza ar. zeleza. Die entsprechenden 
russischen Wörter haben als Regel den Hochton auf der 
Silbe nach -ere. 

«$6. IV. (e e, i ?, e ije) mit Akzent ' oder unbetont: 

brekinja Sperberbaum klr. bereka, ü-mreti ü-mrijeti ü- 
mrlti (präs. ümrem) sterben '^merti vireti {mbrq) r. meret' ; 
pre- (pri-) pre- prije- (pri-) Präp. z. B. p)re-laziti hinüber- 
gehen, prelaz prijelaz Furt, j^re^es (Vorhang) prijevjes 
Schleier '■'per- abg. pre- r. pere-; prepelica Wachtel r. j?e- 
repel klr. perepelica, zä-preti zä-prijeti zä-priti (präs. zä-prem) 
zusperren ö-preti usw. anstemmen (und in anderen Zus.) 
*perti preti (präs. phrq) stützen r. 2)eret\ slez)na sljezlna 
Milz r. selesonka, teireb tetrijeb tetrlb Auerhahn *tetervh r. te- 
terev, zh-trijeti (neben zätrti; präs. zä-trem) ausrotten (eig. 
zerreiben) 'Herti (tbrq) teret', vreteno Spindel r. vereteno, zä- 
vrefi zä-vrijeti zä-vriti (präs. zä-vrem, eig. einschließen) ver- 
bergen *vert/ (vhrq) vreti r. za-veret' zuflechten (ausbessern); 
lyreti vrlfi sieden ist nicht = '-'verti sondern = vhreti, 



22 Lautlehre. [§ 36. 37. 

skr. vrelo Quelle kann sein = 'Herlo und = '-'vuelo^, pro- 
zdreti prb-zdrijeti prö-MrUi (präs. prö-zdrem) verschlingen 
*zerti (zhrq) ireti klr, zeröty. 

In Lehnwörtern steht re le ebenfalls zuweilen für 
die Verbindungen er re el und ähnlichen, z. B. Mißt (Insel 
bei Ragusa) ital. Meleda MeXmi, Spljet Spllt Spalato (doch 
nicht für diese Form, sondern für ein Sp-let-), Srem Srijem 
Srlm Sirraium (Syrmien). 

37. h) Skr. e e, je ije, i t entspricht ursl. e, einerlei 
wie dies entstanden ist (s. Abg. Gr. § 10): 

In Wurzelsilben: 

Mda hijeda bida Beschuldigung calumnia beda, pb- 
begnuti -bjegnuti -bignidi entfliehen bezati bjezati b'izati laufen 
bljeg Flucht begnqti bezati beg^\ beo fem. bela, bto bijela, Mo 
bila weiß, belma bjellna bilina Weiße beh belina; bes biß es 
bis Wut bes^ Dämon, beseda besjeda besida Rede beseda, ble- 
jati blöken vgl. klr. blijäty = *&Ze-, daneben blejdty^ daher 
skr. e zweifelhaft, ob e oder e (ikavisch scheint kein bli- 
jati vorzukommen), blijeslca Flimmern vor den Augen 
bljesnuti erglänzen (= Hüeskngti) vgl. abg. bleskh Glanz, 
Schimmer, c4diti cijediti ciditi seien cediti, djeö clö wegen 
*cet'a abg. cesta; ceo fem. cda, cio cijela, do cila ganz (in- 
teger) ceh; cena djena dna Preis (Wert) cjenoca Wohlfeil- 
heit cena; cepac cijepac dpac Querstab, djep pl. cjepovi 
Dreschflegel *cep^, c^pati djepati dpafi spalten cßpka Scheit 
cepiti; cesta Weg cesta, ceu cijev civ Spule vgl. abg. cevhnica 
Lyra (eig. fistula), covek cövjek cövih Mensch clov^k^, ded 
djed did Großvater ded^; deo gen. dela, dio dijela, dlo dila 
Teil del^\ delo djelo dilo Tat delo\ nedelja nedjelja nedüja 
Sonntag nedel'a; nh-deti nä-djeti -diti anlegen, anstecken, 
dhfi djesti dlsti legen deti; düe gen. deteta, dijete gen. dje- 
teta, dite gen. dlteta Kind deff. gen. detete; dever djever dluer 
Schwager deverb, devöjka djevöjka divdjka Mädchen deva de- 
vica; drem drljem drim Schlummer, dHmati drijemati drimaii 
schlummern dremati, gnjev (hei Vnk gnßv; alt auch gnijev 
gnjijev, gniv gnjiv geschrieben) Zorn gnevh, gndzdo gnißzdo 
gnizdo Nest gnezdo, raz-gövetan -govijefan. -govttan deutlich 



§ ä7.J Die einzelnen Laute. 23 

^'-(jovethm, na-grijebati (zu grcbem grepsti) umgraben -grebaii, 
hieb hljeh hVib Brot cliWn, greh grljeh grih Sünde grecJa, 
(frejati präs. grejein grljati grijem wärmen grejatl, hrhi Meer- 
rettich chrem; jhü präs. jeni tjem jedem, jisti ßm jtdem 
essen, dbjed Mittagessen '''esti '^'emb abg. jasii janib, vgl. iz- 
esti iz-emh, obed,h; jed Ijed jtd Gift ^'edi abg. jad^, klesia 
klijesta klista Zange abg. Mesta, Met klljet Mit Vorratskammer 
kUtb, oUevaii -klijevati -klivati zögern^ kolebati se schwanken, 
kblevka kulijevka kbllvka Wiege kolebati, ökrek ökrijek Algen 
iabbkrecina dass. (zweifelhaften Ursprungs); krepak fem. 
krepka, krlpak stark, krepost krlpost Stärke, pot-krijepiti 
kräftigen krejnkh krepostb krepiti\ kres knjes pl. kresovi Jo- 
hannisfeuer (zu kresiti aufstehen machen, erregen); po- 
legati -lijegati -ligafi sich der Reihe nach hinlegen (iter. zu 
poleci) priUgati pri-lijegati sich anlegen, sich niederbücken 
(ipf. zu j?r*7ec0 -legati; Ulm lijl'ha Ulm Gartenbeet lecha; lek 
lijek llk Arznei, lekär Ijekär Vikar Arzt lekh lekarb, len Ivjen 
lin und leniv Ijeniv Viniv träge Um leniv^; lep lyep lip schön, 
lepbia Ijepöta lip)bta Schönheit leph lepota; lepiti lijepiti lipiti 
ankleben trans. lepiti, les l\jes lis Wald, lesa Ijesa lisa 
Pritsche, Flechte klr. l'isa = *Zesa; leska lijeska liska Hasel- 
strauch, Ijesnik Haselnuß leska; nä-lesti -lezem -Ijesti -Ijezent 
-listi -lizem u. a. vorbeipassieren lezq lesti, lestve Ijestve 
Fistve pl. Leiter vgl. abg. lestvica, lemati lijemati liniati 
schlagen Hemati (zu der Wurzel von löniiti brechen), 
na-letatl (u. a. Zusammensetzungen) na-lijetafi na-Utati 
aufliegen letati, leto Ijeto Itto Sommer leto, dö-ljevati do- 
lijevati (u. a. Zus.) do-livati vollgießen, levl lljevi Iwi link 
Ijeväk Linkhändiger lern, med mjed mul Kupfer medb, med- 
ved medvjed niedvid Bär medvedb, meli m'ijeh mih Schlauch 
mjehtr Blase mecll^ mechyrh; mena niijena mina (eig. Wechsel) 
Mondwechsel, mljent se es wird Neumond, mijenjati tauschen 
meniti mena; pri-meniti pri-mijeniti anmeinen, vorbedeuten 
meniti erwähnen; mera mjera mlra Maß, ndmera ndmjera 
ndmira Zufall, nä-mjeriti einen wohin bringen, treffen, finden, 
pbmjeriti j^omijerati von der Stelle rücken, zdmera zdmjera 
zdmira Übelnehmen, zä-mjeriti (bösen) Blick werfen mera 



24 Lautlehre. f§ 37. 

^[aß menti messen; mesec mjesec mlsec Mond mesecb] mesiti 
Mijesüi niisiti (Teig) anrühren, po-mesati po-mijesati po-inisati 
vermischen mesiti mesati; mesto mjesto mlsto Ort mesto; 
za-mijetiti bemerken r. metä Ziel metit' mit einem Merk- 
zeichen versehen, mezga mezgra Baumsaft mezga, mczimac 
vtljezinac mtzi7iac Letztgeborener mezinbcb; nega vjega Pflege 
negovati njegovati nlgovati (nä-nigovati) pflegen nega negovati; 
dö-neh -nijeJi -mh Aor., dazu Inf. dö-neti -nijeti -niti, 
Partiz. dö-neo do-nela, -nio -nijela, -nio -oiila (u. a. Zus.) 
aus '■'-n€ch^ abg. -7ieff7) *-neti (Analogiebildung statt -nesti 
tragen) *-wefo; neko njeko mko aliquis ne■k^to^, nein nljem 
nvm stumm, neniac nijemac nimac Deutscher, njemica die 
Stumme nem^ nemhch; nesam nijesam nisam bin nicht nesmb, 
iieveda iievjesfa nevista Braut nevesta, za-novetati za-novijetati 
za-novitati plappern ''^■novetaii, pre-pjecati (iter. zu ^;^c/) zum 
zweiten Male überbacken '"^-pecati, pega pjega plga Fleck 
pega, pijehiuü pijehafi ausatmen (eig. keuchen? zu ^^^ 
pbcJi- stoßen?), phia pjena plna Schaum 2^^^^(^> penezi pl. 
{'■■pjen.) plnezi Geld pen^d'zb', pesak gen. peska, pijesak pisak 
Sand pes^k^, ^jciwÄ; ptjesäk j)isäk Fußgänger, pese pjese adv. 
zu Fuß pesb; petao gen. petla^ pijctao pitao Hahn petbh, 
pevaii pjevati plvati singen, pesma {pesna) pjesma plsma Lied, 
pevac pijevac pivac Scänger peti (präs. ?;oja) xievati pesnb pc- 
vbcb', plesan plijesan plisan Schimmel (Pilz) plesnb, pretiti 
pnjeüti prititi drohen pretiti \ redak fem. redka, rijedak ridak 
dünn, selten red^k^^, -reh -rijeh -rih Aorist zu reH sagen 
rechi, porevati na-revnfi hervorbrechen porijevati drängen 
(vgl. nä-ri-nuti losstürzen) -revati, reka rijeka rika Fluß 
reka, repa Rübe klr. ripa abg. repa; raz-d-resiti -rijesiti -ri- 
siti losbinden, daraus entnommen dresiti drijesiti drisiti 
lösen resiti; rezati rizati schneiden rezati, seöi präs. serem, 
sjeci sijecem, siöi sicem hauen "-'set'i = *sekti abg. sesti sekq ; 
sed sijed sid grau (cavus) sedh; sejati sejem, sljati s\jem 
säen, isijevati aussieben, za-sijevati besäen (2. Mos. 22.10) 
sejq seti -sevati; sekira sjekira stkira Beil sekyra; sesti sjesti 
srsti, iter. sjedafi sich setzen, södeti sijedjeti siditi sitzen sesti 
sedeti] seme sjeme shne Samen seme, shi sjen sin Schatten 



§ 37.] Die einzelnen Laute. 25 

senh, senica sjenica Meise (steht für sinica, r. sinica), seno 
sijeno smo Heu seno, sijerak sirah (?) eine Hirseart; setiti 
se, sjetiti se, sUiti se sich erinnern, sßta Wehmut sjetovati 
trauern sefovati; sijevati leuchten od-sijevati zurückstrahlen 
(vgl. si-nvH erglänzen) *sevati, sever sjever slver Nordwind 
seven, sied slljed slid Spur släh; slep süjep sl'ip blind sle- 
pöta sljepbia slipöta Blindheit slep^ slepota; siez sljez (u. 
dial. süjez) sllz Malve slez^, smed brünett c. smedy *smedi; 
smejaii smejem se, srmjati svitjem se lachen, pod-sniijevati 
auslachen, smeh smljeh sm'ih Gelächter {smbjati) smejq se 
smechi; smeran fem. smenia, srnjeran simran demütig .s^- 
inerbm s^meriti (demütigen); syyieti präs. smem, smjeti sm'ijem, 
smlti sniim wagen s^meti s^mejq•, sneg sfiljeg snig Schnee, 
snezan fem. sneina, snjezan smzan schneeig sneg^ snesbm; 
snei smjet snlf Brand im Getreide *sneib; do-speti präs. 
-spem, -spjeti -spijein, -sp)iti -sphn, dospevati -spijevati -spivati 
Muße haben speti spejn; sresti sretati srijetaii begegnen 
si-resti s^-retati, stljeg süg (alt) Fahne siegi> (doch r. st'ag, 
das auf *.s<02. zu weisen scheint), sUna stijena stina 
Felswand stena, streha Dachvorsprung strecha, streka strijeJca 
strika Streifen, Ritze vgl. abg. strekati stechen, ritzen; str^la 
strijela sfräa, demin. sirelica strllica Pfeil, strijeljati schießen 
sfrela strelitx -sfrel'afi; svet svijet svlt Licht, svetao fem. 
svetla, svliao fem. svitla, svijetao fem. svijetla hell, svjeüöst 
Helle svet^ svefbh svetblostb; dd-fjecati hinreichen '■'■-tecafi 
(W. tek-), ü-tjeha Trost tesiti tjesiti üsiti trösten, beruhigen 
teclia tesiti; telo tljelo tilo Leib (Körper) telo, thne tjhne tlme 
Scheitel teme, terati tjeraii tlrati treiben terati; tljesak gen. 
t'ijeska Presse, tijestiti pressen tesk^ testiti, tisan fem. tesna, 
tijesan tisan eng, tjeskdba Enge tesm = *teskm; testo tljesto 
tlsto Teig testo; treska trUka Splitter, tiijes trijesak gen. 
trijeska Donner W. tresk-; vecati vijeöati vicati beraten, 
vijece Ratsversammlung *vet'ati '^vet'e abg. vestati veste; is- 
po-ved ispovijed ispovld Beichte, is-pb-vediti -vjediti -viditi, is- 
po-vedati -vijedati -vidati beichten, hlägo-vest blägovijest hlago- 
vist Maria Verkündigung, s-vest s-vljest s-vist Bewaißtsein, 
s-vcdok svjedok svldok Zeuge, alles zu vedeti wissen ; vedro 



26 Lautlehre. [§ 37. 38. 

vjedro vidro Eimer vedro, vMa vjeda inda Braue '-'ved'a 
iibg. vezda, vejati vljati worfeln (eig. wehen) vejafi: zä-vje- 
siti verhängen, zdvjes zäves zdvis Vorhang, vjesaii visati 
hängen vesitl vesati ; vek vljek vlk Lebenszeit velch, venac 
vijenac vinac Kranz venbcb, vera vjera vira Glaube vera, vest 
vjest vlst kundig vestb, vefar gen. vetra, vjefar vitar Wind 
vetrb; veverica vjeverica vlverica Eichhörnchen veverica, zenica 
zjhiica zmica Augapfel zenica; zev zljev zw das Gähnen 
zevati zijevati zivati gähnen (vgl. zl-nuü Mund aufsperren) 
'■''zevati', zver zvijer zvlr wildes Tier zverb, zv4zda zvijezda 
zvizda Stern zvezda. 

38. In Nichtwurzelsilben: 

Infinitiv -eti skr. -eti -jefi -iti, z. B. vldeti vldjeti vuliti 
sehen videti, zreti zrUi schauen zbrcti; eerenac Art Fischer- 
garn cerjen Art flacher Korb *ceren5'?, pögiUja (aus *pogi- 
Mo) Untergang jjogyhelb, gölen gölijen gölin Schienbein 
golenb, köleno kbljeno kölino Knie koJeno^ kören körijen körin 
Wurzel *korenb abg. koreiih, küdelja kudjelja kudilja Flachs- 
docke kqdelb, staresina siarjcsbia stafisina (Ältester) Vor- 
steher siarejbsina pf vijenac (daneben prvenac Erstling) u. a. 
Anführer, mlädenci mlädijenci Brautleute abg. jjrvenbcb nila- 
denbch (vgl. auch bräfenci [sg. bräfenac^ hrätijencl [sg, brät- 
jenac^ bräöinci [sg.brä&lnac] Gebrüder); zlediti zlijediti zlidifi 
Wunde aufreißen (eig. beschädigen) zbledb Böses; vgl. noch 
nebeneinander kösijer kdm~ Rebenmesser, vödijer vödir (aus 
ital. fodero Scheide) Wetzkiste, kostreg köstrijeg Ziegenwolle, 
kostrisiii kostrijesiii se sich sträuben; vgl. dazu unten i 
aus y (§ 41). 

gde gdje gdt avo (u. a. auf altes -e auslautende Orts- 
adverbien) k^de; fem. dve dvije dvT zwei d^ve, dvijem dinm 
dvjema dvima Dat. der Zweizahl dovcma, fem. obje beide 
obe, dat. öbjema abg. ohema\ gen. pl. zu täj der (abg. t^) 
tyeh tili abg. UcM, dat. pl. fijem fim abg. teniö, instr. sg. 
fijem tim abg. temb (über tlh um s. indes § 584). 

Anmerkung. Über -je- als Vertreter von -c'- durch sekun- 
däre Dehnung p. § 317. 



§39.40.] Die einzelnen Laute. 27 

39, 2. Die Vertretung des urspr, e ist in 
allen Mundarten e, gedehnt e, findet also überall da 
statt, wo nach den bisher behandelten e-Lauten (s. §§ 30 
bis 38) nicht ursl. f , e, er el zugrunde liegt. Es genügen daher 
wenige Beispiele : jylesti plefem flechten phsti pletq, bcdro 
Schenkel bedro, celo Stirn celo, deset zehn des^tb, Icfjeti 
fliegen leteti, sest sechs sestb, kämen Stein Icamenb, zehn grün 
zelem, zena Frau = zena usw. 

40. Skr. i i kann ursl. y und i vertreten, die in 
allen Mundarten zusammengefallen sind; ikavisch fällt 
außerdem i = e damit zusammen (also ikav. i = altem 
y, i, e); i in jekav. ije bildet einen Teil des aus urspr, e 
entstandenen Lautgebildes. 

A. i vertritt ursl. y in folgenden Fällen: 

1. In Wurzelsilben: 

Mk Stier l)ylc^, hxstar fem. hlstra klar (von Wasser) 
bystro, hin sein hUje Kräuter hyti byhje, hivö gen. hivola 
Büffel byvoh; briznuii (eig. hervorspritzen intr.) in Tränen 
ausbrechen bnzgaii Milch absondern r. bryznid' bryzgat' 
spritzen ; cetiri vier cetyre, dihati atmen dychati, dhn Rauch 
dyrm, dimati blasen dymaü, dlmnje pl. Leistengegend vgl. 
c. dymej, dm ja Melone dym; gibati hin und her wiegen, 
schwenken (eig. biegen), pre-glbao gen. -gibli, z-glb Gelenk, 
nagibati neigen gybati (zu gvnqti für ^g^bnqti vgl. skr. na- 
(jnuti nä-gnem neigen); glnufi umkomixien pö-glbao gen. -gibli 
Untergang gynqti abg. gybnqü gybeh ; gizda Schmuck gyzda, 
ymizati kriechen (wimmeln) ghmyzati, gömila Haufen, um- 
gestellt aus mogyla, grlsti grizem beißen grysti gryzq ; hUati 
werfen, greifen, eilen, liltüi werfen, hltar fem. lütra schnell 
cliytiti chytrb; hUina Vorratskammer hyza hyzina Haxis, Ge- 
mach, kidafi reißen khmä se sich fortpacken kydati, kih- 
nuü kihati niesen kychnqti, kljäk Knittel kyjb, kika Zopf 
kyka, klla Bruch (Leibschaden) kyla, k'qyeti überwallen 
kypeti; klsnuti sauer werden, naß werden, klsa Regen, klseo 
fem. klsela sauer kysnqfi kyseh; klta Strauß, Quaste kyta, 
za-kivati anschmieden '^kyvati (zu kövati), kriti krljeni ver- 
bergen kryti kryjq, za-ligivati (oko koga) jemand um- 



28 I>autlehre. [§ 40. 

schmeicheln (vgl. abg. oh-Jygaü eig. umlügen = ver- 
leumden; zu Ihgati skr. lägati lügen?), Rko llk Bast lyko, 
Visa Blässe (Stirnfleck) lys^ kahl, ml wir my, po-micati 
rücken (zu mäknuti = möknqti) -mycati, misao gen. mtsli 
Gedanke myslh] mls Maus, mlska Arm(-muskel) miska Ober- 
armmuskel, Arm mysh mysica; mit mito Bestechung myto, 
iii enklitischer dat. pl. uns ny, pö-nirati unter die Erde 
sinken nyrati, plr Getreideart pyro Spelt, j;«-«^?' blasen 
pyrifi, pitati fragen j;?//rt^/; pliti plljem pllvati schwimmen, 
plima Überschwemmung, plitak seicht ''''plyti ^plyjq altr. 
plyti plovu abg. pluti plovq; pö-tüjak Hinterkopf tyh Nacken, 
prist Beule (Geschwür) p)rysth, riha Fisch ryba, ridati weh- 
klagen rydafi, ruf fuchsrot *ryd'b abg. ryzch, rlgati h- 
rignutl aufstoßen (rülpsen) rygnqti rygati, riknqti rlkati 
])rüllen rykati, rllo Mund rylo, ris Luchs rysh, rlti rljem 
wühlen ryti ryjn, sin pl. smovi Sohn synö synove, slpati 
schütten sypati, slr Käse syr^, slrov frisch roh (crudus) 
syrovh, sisati saugen slsa mamma sysati, sU satt syth, situ 
Honigwasser r. syiä, skitati se sich herumtreiben skytati se; 
sllsati prüfen (= Schulprüfung halten, eig. hören), üslisiti 
erhören slysati; o-snivati gründen o-snyvati (vgl. oben za- 
klvati und kovati); sfld Scham, st'idjeü se sich schämen 
stydokv schmählich stydeti se; sthmti se gerinnen r. stijnut' 
aus *stydnpti, strlc Vaterbruder, strina dessen Frau abg. 
stryjb *stryjhcb, po-siljati hinschicken -sylati, ti du fy, na- 
ticati anheften (zu takmiti) -iycati (zu Uknqti), tlkva Kürbis 
*tyky gen. *tykwe, fhi Scheidewand fym Zaun, tlsiica tau- 
send *iysQt'a abg. tysqsta; üfi tljein fett werden, pre-tio 
ievii. prcHla fett iyü iyjq\ vi \\\r vy, vi enkl. dat. pl. euch 
vy, vldra Fischotter cydra, vikati schreien vykati; s-viknuti 
s-viöi sich in etwas eingewöhnen, öhiknuti se sich gewöhnen, 
öhicäj Gewohnheit vyknqti '^vyt'i = *vykti ohyknqti obycajb, 
vlme Euter vyme; vis Berghöhe, vislna Höhe, v)sok hoch 
vysina vysoko; vlti vijem heulen vyti vyjq, visle Wachtel- 
hund *vysble r. vi/zlec Jagdhund, zlbaii schwanken machen 
zybati, na-zivati nennen (zu nä-zvati na-zbvem) -zyvati (zu 
zhvati zom). 



§ 41. 42.] Die einzelnen Laute. 29 

41. 2. In nicht wurzelhaften Silben: Formans 
-inja z. B. kneginja Fürstin k^negyni^ Srhkinja Serbin; For- 
mans -Is aus -ysh, z. B. gladls gen. gladlsa r. glad//s Laser- 
kraut ; in gewisser Ausdehnung die Iterativa auf -Ivati aus 
-yvati, z. B, do-pisivati zu Ende schreiben vgl. r. -pisyvat' . 
Mehr oder minder vereinzelte Fälle: jezik Zunge jezyko, 
vlädika Bischof vladyka Herrscher, moüka Hacke motyka; 
remik Riemen *remyk^ (zu remenh), vgl. dazu kamicak 
Steinchen, kremicak Feuersteinchen ^kamychkh, *kremycbk7, 
(Deminutiva, zu *kamyko von kamy); köbila Stute ko- 
hjla, metilj Leberegel r. metyV Eintagsfliege u. a., könst 
Nutzen korysth, kbrito Trog koryto, mjehir Blase mechyfb, 
pästlr Hirt pastyrb; leplr leptlr metdpir Schmetterling 
r. netopyr Fledermaus; pclin Salbei pelym. 

Instr. sg., dat. pl., gen. pl. des bestimmten Adjektivs 
■im, -im, -ih, z. B. zütim abg. 'iliyinih, iütim abg. sltylim, 
zidlh zltyicho; Adverbia auf -skl, z. B. sipski auf serbisch 
*sbrbhsky abg. srhbsky. 

In älteren Lehnwörtern (Ortsnamen) steht öfter i, 
aufzufassen als älteres y, für romanisches o und m, z. B. 
Rlm Roma, Sölm Salona, Trögir Tragurium (Trau). Im 
Abg. haben die Fremdwörter nionasiyfh fiovacTTiipiov, 
psaityrb ipaXxnpiov ein y statt gr. ii, im Skr. manastir 
psältir', vgl. auch püttr Kelch = TTOiripiov, daneben die 
Form pütijer, wie neben dem oben angeführten pästlr auch 
pastijer (vgl. § 38). 

42. B. Skr. i Z = ursl. i; diese Vertretung findet 
überall statt, wo nicht nach §§40,41 i = y und ikavisch 
i = e ist; es bedarf daher nur einiger Beispiele: Mti 
schlagen biti, dlgnuti di&i heben dvignqti *dmt'i = *dvigti, 
iz aus izh, kci für '^^d^t'i = *d^kti abg. dösii Tochter, llst 
Blatt lish, mlo fem. mlla lieb miU, ni neque, pisem ich 
.schreibe pisq, pili trinken piti^ slla Gewalt sila, tili ruhig 
ticin; Formans -ica usw. — Das i im jekavischen ije aus 
e s. §§ 33, 35 — 38; im Jekavischen entsteht außerdem i 
aus urspr. e vor o = silbenauslautendem l und vor j, 
z. B. blo fem. bijela weiß beh bcln, sijati ekav. sejati säen sejati. 



30 Lautlehre. ' [§43. 

43, Kurze Übersicht über die Vertretung 
der urslavischen Vokale im Serbokroatischen 
C> bedeutet „geworden zu"): 

I. Ursl. rt^a ä: stau dan'^ stäti dar. 

II. Ursl. o: 

1. Au Gerhalb der Verbindungen or ol vor Konsonant 
^ ö: hog^ hoga ^ bog höga. 

2. or, ol zwischen Konsonanten '^ ra ra, la lä: '^korva 
'''gordz, '■'kolda *gold^ ^ Tcräva grod, Idada gläd. 

3. or, im Wortanlaut vor Konsonanten ^ ra und 
ro: '*ordlo *orhh'^ ralo roh (s. § 17). 

III. Ursl. (j (abg. q) ^ « w: hqdq gqsh ^ hudem (alt 
h\idu) güst. 

IV. Ursl. u"^ ü a: giibiti sucho'^ gübiti süh. 

V. Ursl. y^i i: byti myslb^blti niTsao. 

VI. Ursl. e: 

1. Außerhalb der Verbindungen er e/ vor Konsonanten 
^ e e: celo sestb '^ celo sest. 

2. er el vor Konsonant: ^ ekavisch e e, ikavisch i i^ 
jekavisch je (nach r in der Regel nur e) ije (ie): *berza 
'^bergo, *pelva ^pelm ^ breza brlza, breg hrig hrljeg ; pleva 
pliva pljeva, plen plui pUjen. 

VII. Ursl. e ^ ekavisch e e, ikavisch i i, jekavisch 
je (nach r meist nur e) ije{ie) ded^ sveh'^ded dld djed, svet 
svit svijef. 

VIII. Ursl. ^^ e e: cedo r^d^ ^ cedo red. 

IX. Ursl. o: 

1. Wenn es nicht aus- oder abfällt und außerhalb 
der Verbindungen hr vh, hl h vor Konsonanten stand, 
'^ a ä: szm sztb'^sän sät. 

2. hr ri zwischen Konsonanten ^ r f: *ghrlo *bhrzo, 
*drhvo krhvh ^ grlo brz, drvo krv. 

3. i-h im Wortanlaut vor Konsonanten ^ r und ra: 
'hnid'a ii-hzh ^ rda, rz und räz. 

4. -d h zwaschen Konsonanten >m ü: *ghltati ^s^ünbce, 
bhcha ^ gütati sünce, büJia. 



§ 43. 44.] Die einzelnen Laute. 31 

5. h im Wortanlant vor Konsonant > la lä, ver- 
einzelt o: hgati hib, hzica^ Ingati lä£, läzica und oHca. 
X. Ursl. h: 

1. Wenn es nicht ans- oder abfällt nnd außerhalb 
der Verbindungen hr rb, hl h vor Konsonanten stand, 
^ n ä: phs^ dmih'^päs dem. 

2. w rfc zwischen Konsonanten ^ r r: "^svmbrtb ■^■cbrm, 
(jrbmeti ^ smft crn, ghnjeti. 

3. bl Ib zwischen Konsonanten ^ m ü: *pblm '■^•zblh, 
slbza'^pün iüt, süza. 

4. Ib im Wortanlaut vor Konsonant ^ la, vereinzelt 
o: Ibm pri-lbnqti'^ län pri-dnuti. 

44, Die für die Entwicklung des serbokroatischen 
Vokalismus charakteristischen Vorgänge sind dem- 
nach: 

1. Das Aufgeben der Nasalvokale o c, ihr Ersatz 
durch nicht nasalierte u e. 

2. Die Wandlung von y in i, Zusammenfallen von 
urspr. y und i in i. 

3. Die Ausbildung eines r- Vokals unterschiedslos aus 
rb rb und aus br br. 

4. Die Ausbildung eines u aus älterem ^Vokal, dieser 
unterschiedslos aus h h und aus bl bl entstanden. 

5. Die Wandlung von silbenauslautendem Z in o. — 
Vereinzelte Wandlung von wortanlautendem Z- Vokal (aus 
h- Ib-) in 0. 

6. Schwund von b, b (s. § 115 fg.); wo sie erhalten 
bleiben, Zusammen fall in einen einheitlichen Halbvokal 
und dessen gleichmäßiger Ersatz durch a. 

7. Die verschiedene Behandlung des c als ekavisch 
e e, ikavisch i l, jekavisch je ije. 

Die Metathesis von or ol, er el vor Konsonanten zu 
ra la, re le ist kein dem Serbokroatischen allein zu- 
kommendes Charakteristikum, dieselbe Erscheinung bietet 
auch das Bulgarische, Slovenische, Cechische (vgl. Abg. Gr, 
§53). 



32 Lautlehre. [§ 44. 45. 

Die geschichtliche Entwickkmg des jetzt in der Sprache 
vorliegenden Vokalismus und die mundartlichen Verhält- 
nisse s. § 193 fg. 

45. Bemerkung über Ablaut und Ablauts- 
reihen. Vokalwechsel in verschiedenen Wortbildungen 
aus gleicher Basis kann man im Skr. so gut beobachten 
wie in anderen idg. Sprachen, z, B. pletem jjli'sti flechten 
plöt gen. plöta Zaun (Geflecht). Aus der Betrachtung der 
Gesamtheit der slavischen Sprachen, allenfalls auch aus 
der des altertümlichen altbulgarischen Vokalismus (s. Abg. 
Gr. §§18 — 23) kann man eine regelmäßige Beziehung be- 
stimmter Vokale zueinander und ein Ablautsystem ge- 
winnen, dies dann mit dem in der vergleichenden Gram- 
matik der idg. Sprachen entwickelten in Verbindung 
setzen. So bildet einen in seinen einzelnen Phasen deut- 
lich erkenn]:)aren und aus der vergleichenden Grammatik 
begründbaren Wechsel z. B.: 



2}b7iq peti = '■''phnti o-jwna pqto = p)ro-pinüti 

oder '■^'•penii *ponto 

Hhlko Hclkti '''tolciti 

(abg. tjkq) (abg. flesti) (j^bg. ilaciü) 

^ y u 

(hch-nqti dychatl dusa ; 

setzt man aber die skr. Wörter an die Stelle: 

p-nein (älter j:;-?;«) päl ö-pona puto 

tücein (älter tiiku) tläciti 

däh-nuti dihati düsa, 

so ist es unmöglich, Vokalschwund {p-nem) e o u, n la, 
a i u zueinander in Beziehung zu setzen. Es wäre daher 
ein vergebliches Unternehmen, vom Serbokroatischen aus 
irgendwelche Systematisierung des Vokalwechsels zu ver- 
suchen, diese kann eben nur erreicht werden durch eine 
vergleichende Grammatik der slavischen Sprachen über- 
haupt. 



§ 46.] Die einzelnen Laute. 33 

B. Die Konsonanten. 

46. Bestand der skr. Konsonanten; ihr Verhältnis 
2U den urslavischen. 

Als urslavische Konsonanten sind hier angenommen, 
abgesehen zunächst von der Palatalisierung (Erweichung): 



Nasale 


n 


m 


Liquid ae 


r 


l 


Verschlußlaute 






Labiale 


P 


h 


Dentale 


t 


d 


Gutturale (Velare) . 


l 


9 


Reibelaute 


s 


z 




s 


z 


s 


eil 


V 


Affrikatae 


c 


' dz 




c 


dz 



Von diesen Konsonanten sind s z c ursprünglich 
palatal, also genauer anzusetzen als s' z c (t's), ebenso 
e als ö (t'^), dz als d'z; dazu kommen als Palatale noch 
t' d' (z. B. ^svH'a Licht, *med'a Grenze), n r V, j;' b' vi. 

Anmerkung, t' d' sind augesetzt für idg. tj dj (ti di); die 
Ubergangsstufen zwischen diesen idg. Verbindungen und ihren 
verschiedenen letzten Ausläufern in den einzelnen slav. ISprachen 
sind nicht sicher feststellbar (vgl. Abg. Gr. §39.3); vielleicht wäre 
es angemessen, ursl. t'x', d'^' anzusetzen, die dann unter die 
Affrikaten einzureihen wären. 

Der serbokroatische Konsonantenbestand: 
1. Nichtpalatale (harte) Konsonanten: 

Nasale n m 

Liquid ae r l 

Verschlußlaute 

Labiale p b 

Dentale t d 

Gutturale (Velare) k g 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 3 



34 Lautlehre. [§ 46. 47. 

Reibelaute s z 

s £ 
h 

3 

f V 

Affrikatae c dz 

c dz 
2. Palatale Konsonanten: 

'y (w) ij (!, t) 

6 (t 

47. Über die Aussprache der Konsonanten sei 
hier nur eine kurze Bemerkung gemacht; genauere laut- 
physiologische Bestimmungen bei Novakovic, Fisiologija 
glasa i glasovi srpskoga jezika (Glasnik XXXVII, 1872); 
Broch, Slav. Phonetik (1911), §§ 78—81. 

n, m = deutschem «, m; n vor gutturalen (velaren) 
Konsonanten wie im Deutschen = id, d, h. sogenanntes 
gutturales n, z. B. Pälänka wie deutsch Ranke. 

r ist stets gerolltes Zungenspitzen-r, niemals das so- 
genannte gutturale (besser Uvulare), durch Schwingung 
des Zäpfchens gebildete, 

l = dem l der deutschen Bühnensprache, das so- 
genannte mittlere l. 

p, t, k sind nicht nach norddeutscher Weise zu 
aspirieren; sie entsprechen den französischen p, t, c (vor 
a usw.). 

g, d, b = den französischen so bezeichneten Lauten, 
d. h. es sind tönende Mediae. 

s und z zu unterscheiden wie die ebenso geschriebenen 
französischen Laute. 

h kann man wie deutsches h aussprechen oder, da 
es in großen Teilen des Sprachgebiets geschwunden ist, 
unausgesprochen lassen. 

s = deutschem seh; z = französischem j. 

f = deutschem /, v ^== w. 

c = ts; dz entsprechend. 

c = ts: dz = d -\- französischem j. 



§ 47 — 49.] Die einzelnen Laute. 3.5 

nj, Ij sind palatale w, l' (wie italienisch gw in cam- 
Xtagna, gl in foglia). Die Schreibung nj, Ij für diese Laute 
ist hier gemäß dem gewöhnlichen Gebrauch der mit 
lateinischer Schrift Schreibenden beibehalten. Bei der 
Verbindung von j mit anderen vorangehenden Konsonanten 
= pj bj inj vj, tj dj, sj zj, rj (darüber s. §§140fg., 146) 
kann man am einfachsten j sprechen. Die dabei vor- 
handene Artikulations Verschiebung des p, h usw. stellt sich 
dann meist, wenigstens annähernd, von selbst ein. 

c, (t können den polnischen c, dz gleichgesetzt werden, 
d. h. c =^ t'x (palatales t verbunden mit einem Laute, 
der ungefähr dem ch nach i in der deutschen Bühnen- 
sprache, ich = is, entspricht); (T=d'z, d.h. j^alatales d 
mit dem tönenden Spiranten z. 

Über ein sonst im Skr. vorkommendes &', i s. § 54. 

48. Charakteristisch für das Skr. ist gegenüber dem 
Urslavischen : 

1. Der Verlust der Palatalität des s z c r (wo jetzt 
rj steht, ist r nicht palatal). 

2. Die Laute c d gegenüber ursl. t' d' (= urspr. tj 
dj und = kt vor palatalen Vokalen; s. Abg. Gr. §51). 

3. Der Laut h für ursl. ch. 

4. Der Laut /, der dem Ursl. überhaupt fehlt. 

5. Die Affrikatae dz dz, die nicht den urslavischen 
entsprechen; über ihre Entstehung s. § 60, 61. 

Die einzelnen Konsonanten. — Die Konsonantengruppen. 

— Ab- und Ausfall der alten Halbvokale ^, h. 

I. Die einzelneu Konsonanten. 

49. A. Nasale, ursl. n m, palatal n m. 

Skr. n = ursl. n, z. B. nöz Messer nozh, gödina Jahr 
godina, sän Schlaf s^n^. 

Skr. vj entspricht 1. ursl. ?i (urspr. Verbindung von 
n-^j), z.B. hmija Bad haiia, zänjem (präs. zu zeti ernten) 
zhiiq; 2. ist sekundär entstanden: a) durch Zusammen- 
rücken von M und j nach Ausfall von 6, z. B. pitänje 
Frage pytamje, gonjenje das Treiben (das erste nj dieses 

3* 



36 Lautlehre. [§ 49. 50. 

Wortes = urspr. n, das zweite sekundär) goiienhje; b) in 
jekavischen Mundarten durch die Verbindung von n mit 
je = ursl. e, z. B. nemöta, njemöta (ek. nemöta, ik. nimbta) 
Stummheit nemota. 

Skr. m entspricht ursl. w, z. B. müz Mann juqzb, 
mdmiü locken mamiii, säm selbst smm. 

Das ursl. m (aus m f- j) ist im Skr. nicht mehr vor- 
handen, sondern ersetzt durch mlj {ml'), z. ß. zemlja Erde 
zema, abg. so und zeml'a, Idmljenje (d. i. Idml'ene) das 
Brechen lorhenhje, abg. so und lonil'emje. — Ein neues mj 
entsteht in den jekavischen Mundarten durch Verbindung 
von m mit je = ursl. e, z. ß. mjesto (ek. mesto, ik. mhto) 
Ort mesto. 

50. B. Liquidae, ursl. r l, palatal /• l' . 

Skr. r entspricht ursl. nicht palatalem r und pala- 
talem r (aus urspr. r -f- i), z. B. rüka Hand roÄ;a, öraii 
pflügen orati; mbre Meer mo/'e, zbra akk. 2;orM Morgenröte 
^om zorq, vrätär gen. vratära Türhüter vrafa/b vratara. — 
Wo im Skr. ein rj vorkommt, ist es in jekavischen Mund- 
arten durch Verbindung von r mit je aus ursl. e ent- 
standen, z. B. rjecii beredt (vgl. rijec Rede rech)] recih. 
Über re = re s. § 146. 

Skr. l entspricht ursl. l vor Vokalen, z. B. Ibmitl 
brechen lomiti, mbliti bitten moliti, kUjet Vorratskammer 
Meth. Über die Wandlung von silbenauslautendem l zu o 
s. § 18. 

Ij ist 1. = ursl. l' , z. B. ^wZ/e Feld pol'e, völja Wille 
rora, Ijiibiti lieben l'ubiti; 2. Vermittlungslaut zwischen p 
h V m und ursprünglich folgendem j, die alten Gruppen 
pj usw. werden also zu pl' (plj) usw., z. B. düplja Baum- 
höhle *dup'a abg. so oder dupl'a, dävljenje das Würgen 
davenbje abg. so oder davl'enbje, gväblje Harke, vgl. abg. 
grah'a grabt a Rauben (Raffen), zemJja Erde abg. zema und 
zeml'a. Dies t tritt skr. auch ein, wo erst durch Aus- 
fall von b ein j an die Labialen gerückt ist, z. B. düblje 
koU. die Eichen abg. dqbbje, zdräiije Gesundheit abg. s^- 
dravbje; 3. l' entsteht nach Ausfall von b durch Zusammen- 



§50.51.] Die einzelnen Laute. 37 

stoß von l und j, z. B. reselje Lustigkeit vesehje; 4. in je- 
kav. Mundarten durch Verbindung von je = ursl. e mit 
Z, z. B. Ijeto l'eto (ek. leto, ik. llto) Sommer. 
51, C. Die Verschhißlaute. 

1. Labiale p b entsprechen ursl. p h. Über die 
Wandlung des ursl. p b' s. § 50; wo jetzt im Skr. bj 
}}j stehen, beruht das auf Zusammenstoß von p b mit je 
= I in jek. Mundarten, z. B. bjegnuti (ek. begnuti, ik. big- 
nuti) entlaufen begiiqü, x>jßn<x (ek. pena., ik. pma) Schaum 
pena\ p b außerhalb solcher Verbindung, z. B. päs Hund 
2)hs^, Fipa Linde Iqm, üjep schön lep^\ bog Gott bog^, bäba 
alte Frau baba, düb Eiche dqb^. — Über j^ durch Assimi- 
lation aus &, z. B. sfpshi adv. serbisch aus '■^■sbrbhsky, 
s. § 178. 

2. Dentale t d (über ein palatales t' d' s. bei c et, 
§§ 62, 63) entsprechen ursl. t d, z. B. Usali schwer ieshln, 
hvatiti ergreifen cJwatiti, plöt Zaun ploh; dän Tag dbnh, 
müdar weise mqdrb. Über t durch Assimilation aus d, z. B. 
fem. slätka zu msk. slädak süß abg. slad^ka slad^k^; über d 
ebenso aus t, z. ß. svädba Hochzeit (vgl. svät Begleiter des 
Bräutigams) svathba, s. §§ 178, 180. Heutiges fj dj beruhen 
auf Verbindung von t d mit je aus ursl. e, z. B. tjeme 
(ek. teme, ik. tlme) Scheitel tern^, djed (ek. ded^ ik. didt) 
Großvater ded^. 

3. Gutturale k g (wie auch h, s. § 56, = ursl. ch) 
können im Ursl. nicht stehen vor ursprünglich palatalen 
Vokalen; wo dies im Skr. doch der Fall ist, handelt es 
sich um Fremdwörter, z. B. Msa türk. Beutel, kiruUija 
türk. Fuhrmann, heöim türk. Arzt, liiljada tausend ngr. 
XiXidöa, oder um Schallnachahmungen, z. B. gtc (Lockruf 
für Schweine) glckati gic rufen, oder um die Stellung vor 
einem i = ursl. y, z. B. Mdnti reißen kydati, glnuti um- 
kommen gynqii^ Mtiti werfen chytiti. Wo in echt skr. 
Wörtern k usw. vor alten palatalen Vokalen stehen, hat 
Nachahmung von Formen stattgefunden, in denen k vor 
nichtpalatalen Vokalen steht, z. B. dat. rijeki statt rijeci 
(abg. rece) nach nom. rijeka, dat. snähi statt snäzi (abg. 



38 Lautlehre. f§ 51—55. 

smze) nach nom. snäha. — Beispiele: kdpati graben kopati, 
läkat Ellenbogen abg, laküh, krepak stark krep^k^\ gödina 
Jahr godina, lagati lügen hgati, rög Hörn rog^. Über g 
durch Assimilation aus k, z. B. gdje wo fcWe^ s. § 180. 

D. Die Reibelaute, ursl. s z, s S, ch, j, v. 

52» Skr. s entspricht ursl. s, z. B. svljet Licht sveth, 
kösa Haar kosa, hös barfuß boso. Über s durch Assimi- 
lation aus 2, z. B. gen. izlaska zu nom. ■izlazak Ausgang 
= izlaz^ka izlaz^k^, s. § 178. 

53. Skr. z entspricht 1. ursl. z, z. B. züh Zahn 
zqh^, mäzati schmieren mazati, tzlaz Ausgang izlazh) 2. ursl. 
dz und d'z (abg. dz und 2, d'z und i), z. B. vläzi dat. 
zu t'Wgra Feuchtigkeit ursl. '■^•voldze abg. vladze vlaze; staza 
Pfad sihd'za, abg. so und s^fcia, foifo Fürst khned'zt^ abg. 
so und k^nezb, sezati langen (nach etwas, zu -signuti = 
segnqti) s^d'zati spzati. — Über z durch Assimilation aus 
s, z. B. gozba Gasterei goshha, s. §§ 164, 180. 

54. Palatale .^ z sind enthalten in öd, s. §§62,63; 
außerdem entwickeln sich s z mundartlich aus s 2 in 
Verbindung mit jek. je = ursl. e, z.B. sen Schatten für 
sjen abg. sem, shiica Augapfel für zjenica abg. zenica ; ferner 
wenn ein ursl. 71 t dadurch an ein s z gerückt wird, daß 
nach diesem ein schwacher Vokal, 2., ausgefallen ist, z. B. 
s iijim mit ihm sh nimb, iz njega aus ihm iz nego\ ebenso 
wenn in jekavischen Mundarten vor l'e aus le ein s z 
steht, z. B. ü'epöta für sljepöta Blindheit slepota, zl'e für 
zlje adv. arg zble. Wenn man solche Formen schreibt, 
braucht man gewöhnlich s z, z. B. sljepöta zlje. 

55. Skr. i, nicht palatal, entspricht ursl. s , z. B. 
sest sechs sesth, siti nähen siti, düsa Seele dusa, näs unser 
nash. Über s aus s vor ursl. n l' , z. B. misljenje das 
Denken mysl'enhje, s. § 187; über sc aus stj s. § 186. 

Skr. z, nicht palatal, entspricht ursl. i', z. B. Mba 
Frosch zaba, lezati liegen lezati, läz Lüge hzb. Über z aus 
z vor ursl. n l', z. B. bläznjenje Liebkosung blaznewbje, s. § 187; 
vor skr. d, z. B. gröide koll. zu grözd Traube, abg. groz- 
dbje, s. § 186. 



§56—60.] Die einzelnen Laute. 39 

56. Skr. h entspricht ursl. di, z. B. höditt gehen 
choditi, Md schlecht chudb. Über die weiteren Schicksale 
des /t, über h durch Assimilation aus k g, z. B. drhtati 
zittern für drUati aus dngztaü, s. u. Über li vor palatalen 
Vokalen s. § 51.3. 

5T. Skr.j vertritt 1. ursl. j, z.B. jäma Grube jama, 
niöj fem. moja mein mojh moja; 2. entsteht in jekavischen 
Mundarten in ije und je aus e, s. §32; 3. als Übergangs- 
laut zwischen i und folgenden nichtpalatalen Vokalen, 
2. ß. fem. tlja ntr. fijo statt üha tllio zu üh ruhig. — 
Über j, j als zweites Element der sekundär entstandenen 
Diphthonge s. § 131; dialektisches j aus d s. § 207, aus 
r s. § 209; j aus c, z. B. nöjca aus ?iO(5ca Dem. zu nöc 
Nacht, s. § 173. 

58. Skr. V entspricht 1. ursl. v, z.B. väriti kochen, 
däviti würgen, zdrav gesund '*s~odorvh abg. s^drav^^, 2. ent- 
steht als Übergangslaut zwischen u und folgenden Vokalen, 
z. B. fem. süva ntr. siu'o für sM« siiho zu smA trocken, 
nach süva usw. der Nom. msk. süv neu gebildet. — Über 
V aus »e, z. B. fem. tdvna für tämna zu tdman finster (= ^6- 
wfc/iö fem. tbmbna), s. § 190. 

59. Skr. /, dem Urslavischen fehlend, kann, ab- 
gesehen von Schallnachahmungen, z. B. frkati schnurren, 
Jis Ruf bei einem Hieb flsmdi Hieb versetzen, in ein- 
heimischen Wörtern nur vorkommen als Umbildung von 
hv und pv: fäla statt hväla Lob, ufati se hoffen ^^^uphvaü 
se; außerdem dialektisch zuweilen für v, z. B. monten. 
frljes für vrljes Heidekraut. Sonst nur in Fremdwörtern, 
z.B. fUdiän türk. Tasse; doch tritt für das fremde / auch 
*'.' ein, z. B. viljev Elefanten- statt und neben filjev von 
türk. ßl Elefant. 

E. Die Affrikatae. 

60. Skr. c entspricht 1. ursl. av. c 6, das im Skr. 
hart geworden ist, z. B. cijena Preis cena, dat. rüci (zu 
rüka) Hand rqce (rqka); otac Vater otbch, mjesec gen. mjeseca 
Mond mes^cb meseöa; 2. entsteht aus ursl. c vor r-Konso- 



40 Lautlehre. [§60-64-. 

nant und r- Vokal, z. B. crijcvo (ek. rrevo, ik. n'wo) Darm 
crevo, crn schwarz *chrm abg. crm. — Über c in Konso- 
nantengruppen als ts geschrieben s. § 182. 

Skr. dz entspricht nie ursl. dz, d'z (dies skr. zu Zj 
s. § 53) ; dialektisches dz {dzöra, Ragusa) für älteres z. 

61. Skr. c vertritt ursl. c' , z. B. celo Stirn celo, sjeca 
das Niederhauen seca, j9?«c das Weinen jylacb. 

Skr. dz entspricht nicht einem einstmaligen ursl. aus 
g vor e usw. entstandenen di (s. Abg. Gr. § 41), dies ist 
stets zu i geworden, z. B. vok. bd£e zu bog Gott, ursl. 
einmal ^hodze daraus hose. Das skr. dz entsteht durch 
Assimilation von c {ts) an tönende Konsonanten, z. B. 
ötcuUhina Vaterland für '^otacbma aus othchbina. 

62. Skr. 6 (d. i. t's') entspricht 1. ursl. t' = tj und = 
U (abg. in beiden Fällen st', s. Abg. Gr. § 39. 3, § 51 III. 3), 
z. B. svijeöa Kerze '^svef'a = '^ftvet-ja, abg. svesta; nöö Nacht 
*not'b aus* nokth, abg. ??os/fc. — Abg. st' kann auch anderen 
Ursprungs sein, = skj und sTc vor palatalen Vokalen, 
ferner = stj (s.Abg. Gr. § 41), in diesem Falle steht skr. 
st und sc, s. §§ 185, 186. — 2. c entsteht durch Zu- 
sammenrücken von / mit j nach Ausfall von b oder in 
jekav. Mundarten durch Verbindung von t mit je = e, z. B. 
2}race koll. (zu prüf) Ruten prqtbje, cerati treiben für tjerati 
(ek. terati, ik. tlrati) terati, s. §§ 141, 147. 

63. Skr. (f (d. i. d'z') entspricht 1. ursl. d' = dj, abg. 
ifl', z. B. meffa Grenze *merf'a = *mei-ja abg. weifZa ; 2. ent- 
steht im Skr. durch Verbindung von d mit j nach Aus- 
fall von h, z.B. Zäcfa Schiff ursl. *oldhji abg. ladhji; Mmäcte 
koll. Stücke (zu komäd) = '^'komadhje. In jekavischen 
Mundarten durch Verbindung von f? mit je aus e, z. B. 
c?ever für djever = devert, de aus gdje = Ä^^e, s. § 147. 

64. Im Wortanlaut ist außer den dialektischen 
Fällen ce-, de- aus tje-, dje- (= te-, de ) ein ö und d selten: 
cüd Naturell = Hjudb abg. studb, cütjeti (dial. noch emp- 
finden, merken) schweigen, ksl. stutiti. Durch Konsonanten- 
abfall ist es in den Anlaut gekommen bei 61 cer Tochter 
für hcl hcer, abg. dT>sti (s. § 74). 



§ 64. 65.] Die einzelnen Laute. 41 

Im Anlaut erscheint einigemal 6 im Wechsel mit * 
und c: cepica Käppchen, vgl. Upica und cepac Frauen- 
haube, cuha Schopf (der Vögel), vgl, cüpa Haarbüschel. 
Ferner c und d in Schallnachahmungen: 6ä, ceja weg!, 
öäknuti = cä rufen, öcq) schnapp!, ddjnti erhaschen, öapr- 
äati cnsTcati cepürkati plappern, cäpiti carlikati rauschen 
(vom Winde), öevkati belfern, Cöpiti schlagen, cdliati se sich 
leise schlagen , cäöa Vater (Lallwort), öük Nachteule (vom 
Schrei öü\ cü\); äääa Lockruf für Pferde, dljotka Fuhr- 
mannspeitsche (vom Rufe beim Antreiben äijol), äiknuti 
aufspringen, niederfallen, ciihmti stibitzen, dlpuuti springen, 
diläsnuti entwischen. Zu dieser Klasse mögen auch noch 
andere dunkle Wörter gehören. Was sonst vorkommt, 
ist, soweit zurückführbar, fremd, und zwar vertritt c 
romanisches und griechisches k vor palatalen Vokalen 
und türkisches /.:'; d vertritt romanisches g vor palatalen 
Vokalen und di- (dj-), ferner türk. g, z. B. öelija Zelle 
KeXXiov, ceremida Dachziegel ngr. Kepajiiiöa, ölpür Garten 
ngr. Kr|7T0upa, C'h'ü Cyrill KupiX\o<;, cor 6drav einäugig türk. 
k'or, öümur Kohle türk. kö'mür; Bi'irad Georgius, delsämin 
(Pflanze) ital. gelsomino, däkon Diakonus, däk Student (aus 
diaconus), derdän Halsband türk. gerdan, dögo Schimmel 
(Pferd) türk. gök' u. a. bläulich, graulich. 

II. KoDsonauten^ruppeii. — Ab- und Ausfall von altem ^, h. 
A. Konsonantengruppen. 
65. Konsonantengruppen sind ins Skr. teils aus dem 
Urslavischen in dort schon so vorhandener Verbindung 
übergegangen, teils erst in späterer Entwicklung entstanden. 
Die neuen Gruppen gehen einmal hervor aus der Um- 
stellung von or ol, er el vor Konsonanten in ra la, re le. 
Die so entstandenen Verbindungen teilt das Skr. mit 
anderen slavischen Sprachen, so auch mit dem Abg., 
z.B. mläd abg. mlad^ ursl. *mold^ (s. Abg. Gr. §53). Ferner 
entstehen neue Gruppen durch Ausfall von ^^ h, wodurch 
früher getrennte Konsonanten aneinander rücken; dabei 
können zugleich Veränderungen des ersten Konsonanten 



42 Lautlehre, [§ 65. 

durch Angleichung an einen folgenden eintreten, z. B. 
dnö Boden ih,no, bräti sammeln Ibrati, zdrüziti gesellen 
s^dr^^ziti. In bestimmten Fällen sind auch ursprüngliche 
Gruppen als solche verloren gegangen, so dadurch, daß 
Ti rh vor Konsonanten skr. zu r- Vokal, h h zu u geworden 
sind; z. B. sind so die alten Gruppen kr sl in IcroVb slhza 
in skr. krv süza zu einfachem k s geworden. Die Be- 
wahrung überkommener Konsonantengruppen oder ihre 
Beseitigung und die Ausbildung neuer gibt in hohem Grade 
den einzelnen slavischen Sprachen ihr besonderes Gepräge. 
Außerdem ist die lautliche Gestalt dieser Sprachen stark 
bedingt durch den Ab- und Ausfall der Halbvokale ^ h 
und deren Erhaltung, d, h. Ersatz durch vollere Vokale 
(skr. als a). Um aber zu wissen, wann schwinden die 
Halbvokale, wann bleiben sie, muß man bestimmen, 
welche Konsonantengruppen eine Sprache hat. Die fol- 
gende Ausführung beruht auf dem in Vuks Wörterbuch 
aufgezeichneten Wortschatz. Der gesamte Wortschatz der 
Sprache ist damit freilich nicht erschöpft, aber ein anderes 
maßgebendes Wörterbuch ist nicht vorhanden, da das der 
Südslavischen Akademie weit von der Vollendung ist. 
Bei der folgenden Einzelbehandlung ist j nicht als selb- 
ständiger Konsonant aufgefaßt, daher Verbindungen von 
Konsonant und j, z. B. in bjezati (ek. bezati, ik. blzati), 
nicht als Gruppe; c, c gelten als Gruppen = ts, ts, Bei- 
spiele für ihre Stellung im Wortanlaut ohne Verbindung 
mit andern Lauten sind unten nicht gegeben, da sie nichts 
für das Skr. charakterische enthalten. 

I. Wortaiilautsgrnppen. 

Möglich sind folgende (der links von der Klammer 
stehende Konsonant ist der erste Bestandteil). 



§ 66. 67.] 



Die einzelnen Laute. 



66. 



1. Zweigliedrige Gruppen. 



p 

h 




p' 

h 




t 

d 


p 
d 


t 
d 




t 




t 




Tc 


k 


k 




d 




d 




9 


9 


9 




h 

9 

s 


> y 


h 

9 

s 


i 


s 
s 

z 


> m s 
s 
z 


! 

s 

z 


> V 


z 




s 




z 


z 


z 




h 




z 




h. 


m 


V 


i 










v^ 




m 




h 










v_ 




m 












V 






- 




p]s 


p}s 


d}z 


s]'h 


«}/ 


s] 


l\^ 


p 

k 

s 

V 

s 
h 


9) 
t 


^ :h 


c = ts 
c = ts 


t 

s \ k 


z[^ 

\d 


k' 

s 6 
h 


.\d 

^9 






i\ 











67. 2. Dreigliedrige Gruppen. 

Sie können als erste Bestandteile nur haben s §, z 
i, c c, vereinzelt 2^. Die beiden folgenden Bestandteile 
müssen so beschaffen sein, daß sie an sich als zwei- 
gliedriger Anlaut stehen können. 



44 











Lautlehre 










pr 






kr 




hr 




(dl 




pl 






kl 




dr 




^\ dr 




tr 




s 


tr 


z- 


gr 




\ 




tv 






c 




gn 








h- 












s ■ 


Tel 

kv 




c l in 

1 V 




,1 
m 




p{c 




Ten 
hr 
hv 
mr 




C ' 


V 

k 




d{0b 




ml 














vr 












OS* 3. 


V 


ierglie 


drige Gm 


PP 


en. 


s 


HU 






c 


\kl 
\kv 






c{J 



[§ 67—69. 



kv 



Die Vorkommnisse im einzelnen, alphabetisch 
geordnet nach dem Anfangskonsonanten. 

I. Im ursprünglich einheitlichen (nicht 
zusammengesetzten) Wort. 

09, Anlautsgruppen mit b als erstem Konsonanten: 

bd: durch Ausfall von z bdenije (aus der Kirchen- 
sprache; daraus auch denije) Vigilien; in älterer Zeit noch 
bdjUi (bdeti, bditi) wachen b^deti. 

bl: urspr. z. B. in hUjed {bled, blid) bleich, hljüvati 
eich erbrechen; durch Metathesis nur in bläg gut, bläto 
Sumpf aus ursl. *bolgh *boUo; blävör {bläor, blor) Art großer 
Schlange, aus dem alban. boie für *botve, dies aus lat. helua. 

br: 1. ursl. z. B. brät Bruder, bröd Furt und so in 
allen Fällen, die nicht unter 2 und 3 angegeben sind; 
2. durch Metathesis, z. B. brdda Bart *borda, breme Last 
%erme, die sonstigen Beispiele s. §§ 5, 33; 3. durch Aus- 
fall von b, bräti (präs. berem) sammeln bhrati. 



§70.71.] Die einzelnen Laute. 45 

70. Anlautsgruppen mit c als erstem Bestandteil: 
ckl, nur in cMö Glas für *stklo durch Umstellung von 

st in ts (c), neben sUüdo und sklo, aus stbTclo; dazu cMe- 
nica Trinkglas (für stbklenica), ckliti se (neben skllti, stäkliti 
se) glänzen. 

clcv, nur in ckvära (Art Salbe) für skvära, abg. skvara 
Fettdampf zu -skvbreti raskvbreti trans, schmelzen. 

cm, Umbildung von cv in cmiljeti für cmljeti wehklagen; 
onomat. cmöknuti neben cvöknuti schmatzend küssen. 

er, stets entstanden aus älterem er aus der ursl. Ver- 
bindung cer- -f- Kons. : crevlja Schuh vgl. abg. crevbjb aus 
*cerv-, crijep Scherbe ^cerjn abg. crep^, erepnti schöpfen 
*cerpati abg. crepati, crijevo Darm '''eervo abg. erevo. 

ev: 1. aus ursl. kv vor palatalen Vokalen (ebenso im 
Bulgarischen, Sloveniscben, Russischen, gegenüber west- 
slavischem kv): evljet {cvet evit) Blume *kveh abg. cveto 
(poln. kwiat), evät Blume *kvbib *cvbtb (vgl. eävtjeti blühen 
für cvätjeti = *cvbteti); cvUjeti klagen abg. cvileti (cech. 
kviliti); 2. in onomatop. Wörtern, z. T. neben em, cvöknuti 
und emoknuti (s. o. unter cm); cvokdtati zittern (und eokd- 
tati); 3. durch Umstellung von st: cvblika Stengel, vgl. 
abg. stvoh dass. — Vgl. auch § 71 cv. 

71. Anlautsgruppen mit c als erstem Bestandteil. 
ck, überall sekundär entstanden: 1. durch Ausfall 

von h, ckäti (und cäckati) stochern *cbkati, vgl. r. pro-skat' 
durchstechen; 2. aus sk und dies aus sk: ckäkljati und 
skäkljati kitzeln, vgl. altr. skoktati = *skokhtati\ cköljka und 
sköljka Muschel *skol'bka; vgl. noch ckälj (Distelarten), 
ckälja und skälja Krebshöhle, cköla für sköla Schule (scola). 

clcv, nur in dial. ckvär statt kvär Beschädigung, c un- 
klaren Ursprungs; ckvrlj (älter cvrlj; Vogelart^ Amsel, 
Star), vgl. cvrijak Star. 

cl, in clän clänak (eig. Gelenk) Knöchel, alt cUn, vgl. 
ksl. clem und clam aus '^xelm (poln. czion). In cövjek 
(älter noch clövjek) Mann (dazu cloviti Männchen machen, 
vom Hasen gesagt), aus ursl. cüoveki^ ist l beseitigt. 



46 Lautlehre. [§71.72. 

cm, immer unursprünglich: 1. durch Ausfall von fc, 
cmävati schlafend faulenzen (zu cämati = *chmati); 
2. durch Verlust einer ersten Silbe, cniicac cmicak 
Gerstenkorn (am Auge) statt jecmicac -cak = *jechmycbch 
-chki, Dem. zu jechmy (skr. jecmen) Gerste. — Unklar dial. 
cmär Mastdarm; cmüla Krug für *mcula? vgl. £muo § 88. 

cp, nur in cpäg Rocktasche ksl. chpagz, daneben späg. 

er, nicht serbisch (s. § 70), sondern nur in einigen 
Worten kirchenslavischer Form: crez durch abg. crez^ 
= *kerzh; creda Reihe abg. creda = ^herda (Kloster- und 
Kirchenwort). 

cv, unursprünglich, entstanden 1. durch Umbildung 
von shv, cvarak Fettgriebe, cväriti Fett schmelzen, vgl. § 70 
unter ckv ckvära sTcvära und altserb. cvrijeti schmelzen abg. 
sJcvbreti; cvördk Star, \^. skvörac dass. = sÄ;yor6cfe; 2. durch 
Umstellung: cvrst voll, fleischig *chrstvh abg. crst'ü^ r. cer- 
stvyj; 3. wahrscheinlich schallnachahmend: cväknuti, cvä- 
kati, cvalikati klatschen, cvrknuti zischen (von Wasser auf 
glühender Platte), cvrknuti klopfen, cvrcati (und cvrcati} 
zwitschern, cvflj (ckvrlj) Amsel, Star, cvfljak Star (vgl. 
cvörak). — Unklar cvör Knorren, cvrljuga Knoten (Knorren, 
Auswuchs am Leibe). 

72, Anlautsgruppen mit d als erstem Konsonanten: 

dl, aus Metathesis: dläka Haar, wahrscheinlich = 
'■''■dolka; dlän flache Hand *dolnh abg. dla7ih, dlijeto Meißel 
""delto (s. § 35). 

dm, nur im Eigennamen Dmliar aus ^Dhmitrb = 
^r\\xr\ip\oc, (spr. Dinii-), vgl. DimUrije dass. 

dn, durch Ausfall von h, ^: Formen von dän (aus 
dwih) Tag, z. B. pl. dm; dno Boden d^no. 

dr: 1. ursl., z.B. drüg Freund drugs, drijem Schlummer 
dreim, drözak Drossel, und so in allen Fällen, die nicht 
im folgenden genannt sind; 2. durch Metathesis, z. B. 
dräg teuer ^dorgt abg. dragi, drijeii (präs. derem) schinden 
*derti; die sonstigen Fälle s. §§5,33; 3. durch Ausfall 
von b: dräca Dornstrauch für "^dbraca vgl. abg. dhrati 
(präs. derq) reißen, schinden; dazu vielleicht auch dial. 



§ 72. 73.] Die einzelnen Laute. 47 

dreha Kleidung, Gewand = *dbrecJia?, und drönjak Lappen, 
drönjav zerlumpt; 4. in drijesiti loslösen stammt d aus 
der Zusammensetzung raz-d-rijesiti durch falsche Ab- 
trennung, s, § 175. 

dv: 1. ursl. in dvör Hof dvon; dveri Altartür in der 
Kirche, aus dem r.-ksl. (abg. dvbri); dveka Art Wagen- 
schmiere = *dveka; — 2. durch Ausfall von ^, nur in 
dvä aus d^va zwei, und seinen Ableitungen, z. B. dvß-sta 
(sti) zweihundert dhve shte. 

dz, in einigen seltenen Fällen dialektisch für i: dzäs- 
nuti se erschrecken für zäsn- (bei Vuk Wb. zäcnuti se), 
dzüpa Pfarre u. a. für züpa (eig. Gau). Alles andere 
Fremdwörter, so dzäm türk. Glas, dzeväp türk. Antwort, 
dzeneräl General ital. generale. 

dzh: dzbän (daneben zbän) Wanne, durch Wegfall von 
h und Assimilation aus chbam; unklar dzbün (und zbün) 
Staude. 

"73. Anlautsgruppen mit g als erstem Konsonanten: 

gd, nur in gde (jek. gdje, ik. gdl) wo = 1c^de, vgl. 
dazu käda wann aus k^da (abg. k^gda). 

gl: l.nrsl. glabati nagen, glädak glatt, gledati schauen 
gl^dati, gilb Kot, glisfa Regenwurm, globa Geldstrafe, glög 
Weißdorn, glöniöt Geräusch, glöta Familie (Weib und Kind), 
arme Leute, glüh taub, gljiva Schwamm (fungus); — 
2. dial. aus dl: glijeto für dlijeto; — 3. durch Metathesis, 
z. B. gläva Kopf *golva abg. glava, glas Stimme *gols^ abg. 
glas; die sonstigen Fälle s. §§ 5, 33. 

g7n, nicht ursl.; gmlzati neben gämizati kriechen 
gimgzati; dem nachgebildet ist gmiljeti (doch daneben 
hmiljeti) aus miljeti dass. ; sonst nur in dem wohl schall- 
nachahmenden gmezditi kneten, quetschen. 

gn, unursprünglich in gnäti treiben g^nati, gnjlla Ton- 
erde aus älterem glina\ sonst überall ursl., z. B. gnijezdo 
Nest gnezdo, gnöj Dünger gnojh usw. 

gr, unursprünglich durch Metathesis in gräd Stadt 
*gord^ abg. grad^ usw. (s. §§5,33); in allen anderen Fällen 



48 Lautlehre. [§ 73—75. 

ursl., z. B. gröda Balken gr^cla, grtjeh Sünde grech^, grob 
Grab grob^, grub grob grqb^ usw. 

gv, selten, gvözd (eig. Nagel) hervorstehender Stein, 
mit Ableitungen gvözde Eisen u. a. ; gviriti auf etwas 
starren (glupen). 

74. Anlautsgruppen mit Ji als erstem Konsonanten, 
alle selten: 

hö, nur in hör Tochter aus kci für *grdi aus '''dci = 
ursl. *d^]cti abg. d^sti. 

hl, ursl. in lüäpiii schnappen, liläptati schlappen (vom 
Hunde), Mjeb Brot; aus Metathesis in Mäd Kühle ^'choldo 
abg. clllad^. 

hm, nur in dem einen hwlj Hopfen, wahrscheinlich 
altes Lehnwort und für "-rJnmel'b stehend. 

hr, urspr. in hrdkafi räuspern, hrijjati keuchen, hrdpiti 
schnarchen, hren Meerrettich chrem; wohl auch in den un- 
klaren hreb Baumstumpf, hrek Strunk, hrid Fels. Durch 
Metathesis in hräbar tapfer ^chorbn abg. chrabn, hräm 
Tempel *chonm abg. chrmm, hräna Nahrung *chorna abg. 
chrana. 

ht, nur in htjeti wollen = chzteti. 

hv (dafür f, s. § 59), urspr., in hväla Lob, hväüti er- 
greifen. 

"75. Anlautsgruppen mit Ic als erstem Konsonanten: 

kl, aus Metathesis in kläda Klotz *kolda abg. klada, 
kläti schlachten "^kolti abg. klati, die sonstigen Fälle s 
§ 5fg., §33fg. ; in allen anderen Fällen ursprünglich, 
z. B. kleti fluchen kleti, klyet Vorratskammer kleth, kljuc 
Schlüssel kl'ucb usw. 

km, nur in kmet Bauer aus "^kwieh '"khmetb; das dial. 
kmeziti se neben knjeziti (schallnachahmend) weinerliche 
Miene machen (niederdeutsch = ningeln). 

kn, nirgends ursprünglich und nur in knez = khnezb 
Fürst, kfißga Brief, Buch kziiiga. Über knjeziti se s. km. 

kr: 1. durch Metathesis in kräva Kuh *korva abg. 
krava usw., die Beispiele s. § 5 fg., § 33fg. ; 2. Ursprung- 



§ 75 — 77.] Die einzelnen Laute. 49 

lieh in allen anderen Fällen, z.B. krästi stehlen, kräati weg- 
schieben hrefati, Jcrlv krumm Jcrirh, krüg Kreis krqg^ usw. 

kt und kö, durch Ausfall von ^ und dial. für ht hö 
in kteti kceti wollen cMieti; ferner in köi, s. § 74. 

kv, ursprünglich, z. B. kväs Sauerteig, kvär Beschädigung, 
kvrga Auswuchs; sonst selten und in schallnachahmenden 
Wörtern, z. B. kveka Quieken (des jungen Hasen), kvecati 
queck-schreien, kvbcati glucken kvöcka Gluckhenne, kvrknuti 
kvrcafi schnurren (von der Katze). 

76. Anlautsgruppen mit m als erstem Konsonanten. 
Sie waren im Ursl. jedenfalls sehr selten, vielleicht skr. 
mledan mager, vgl. r. mlet mleju ohnmächtig werden (ai. 
mläyämi matt, schlaff werden); vielleicht zu derselben 
Wurzel mrüav lau, kraftlos; mläviti schlagen, kann sein 
= %nolvifi (vgl. got. ga-malvjan zermalmen). 

Im Skr. ml 1. aus Metathesis: mläd jung *mol(h abg. 
mlad^, viläz Milchstrahl aus dem Euter *molz^, mldtiti 
dreschen '■hnoltiii, mlijeko (ek. nilcko, ik. mliko) Milch *melko 
abg. mleko, mljefi (präs. meljSm) mahlen ^melti abg. mleti 
(s. §5fg., §33fg); — 2. aus dialektischer Neigung, vm in 
ml zu wandeln, sehr verbreitet mlögi viel neben nmögi 
(s.u.vm); mlUi meinen neben mmii; allgemein ilf/eto' (gen. 
Mleiäkä) Venedig für Mneci, alt Bhnetbci, Bneci, aus Venetici, 
sg. Bbneibkrj, Bneibk Bnetak; — ■ 3. in mihi, altes Lehnwort 
aus lat. molina. 

mn, niemals ursprünglich, nur durch Wegfall von h, 
b: mnögi viel m.^nog^, mnlti meinen abg. mmeti. 

mr, stets unursprünglich, durch Metathesis entstanden, 
mräz Frost *morz^ abg. virazo, mräkh Dunkelheit *mork^ 
abg. vlrak^, mreza Netz *merza abg. mreia, die sonstigen 
Fälle s. §§ 5, 33. In mrljest (mrest, mrist) Rogen steht 
mr für «r, ursl. *»ersh r. neresh; mrhia Barbe (Fisch) aus 
lat. miiraena. 

yy. Anlautsgruppen mit p als erstem Konsonanten: 
Solche waren ursprünglich nur vorhanden mit r oder 
l als zweitem Bestandteil. 

L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. 4 



50 Lautlehre. [§ 77. 

pc, durch Ausfall von h und Assimilation in pcela 
Biene aus hbcela; gesprochen meist cela. 

2)1: 1. ursprünglich pllvati plUi plöviti plütati schwim- 
men, pluta Kork (Schwimmholz), vgl. abg. pluti plovq; 
pläkati weinen, plätiti zahlen, jMst Mantel, pleme Stamm 
(von Menschen), plesti flechten j^iöt Zaun, p/a'e Schulter- 
blatt (pleöi skr. f. pl. Schultern), plöd Frucht, plösan fem. 
plbsna flach aus *ploskna, plüg Pflug, pljeskati pljüskati 
plätschern pljüskati ausspritzen (onomat.), pljkvati speien 
abg. pl'hvati pl'icjq, j^^j^^t Efeu neben hljüsf. (rankenartige 
Pflanzen); fremd plöska Flasche aus lat. flasca; — 2. durch 
Metathesis, z. B. plämen Flamme abg. plamy = *polmy\ 
jilßti präs. plijeveni jäten abg, pleti plevq = "^pelti "^pelvq; 
weitere Beispiele s. § 5 fg., § 33 fg. 

pr: 1. in einigen w^enigen Fällen durch Ausfall von 
h, präti (präs. perem) waschen pbrati; preti (präs.^rm) an- 
klagen pr. se prozessieren pweti phrq. — 2. Ursprünglich 
sind stets die Anlaute pro-, z.B. präp. j>ro-, prositi bitten, 
prost einfach; pri- (= pri- und pry-), z. B. präp. pri^ 
prtjatelj Freund, prica Erzählung ahg. prithca-, prist Beule 
prysth; pru- (= pru- und = prq-), z. B. prüditi nützen, 
prüt Gerte prqt^. — 3. Von Anlauten pra- sind ursprüng- 
lich: pra- in Zusammensetzungen wie p)rä-haha Urgroß- 
mutter; ferner präv recht, präziti mit Knall verpuffen, 
prama (und prema) gegenüber, p)räs Lauch (gr. Trpdaov), 
jmiskati krachen, prätiti geleiten, ^^rac'a^i se zappeln, präs- 
tati ipf. zu pröstiti verzeihen, — 4. Mit pre- (= pre-, 
pre-, pr^-) sind ursprünglich ptresti prMem spinnen pr^sti 
predq, pregnuti anspannen j;r0n-, 2yi''esa Eile (aus ital. pressa), 
pretati zudecken pr^tati, prijetiti {pretiti, prititi) drohen 
pretiti, prijesan (presan) roh (von Fleisch) abg. presbm. — 
5. Auf Metathesis beruht eine größere Anzahl von pra-, 
pre-, z. B. j;ra(7 Schwelle '^porg^ abg. i^ragh, ^wäse Ferkel 
'^'■pors^ abg. p)'>'<^se, präp. pre-, pre- = *j;er-, z, B. p)re-variti 
betrügen prijevara {prevara, p)rivara) Betrug; die weiteren 
Fälle s, §5fg., § 33 fg. 



§ 77. 78.] Die einzelnen Laute. 51 

ps, nur durch Ausfall von h, psä gen. zu päs Hund 
phsa pbs^y dem. pseto u. a. Ableitungen. 

ps, nur durch Ausfall von h in psenica Weizen (oft 
nur senica gesprochen) = phsenica. 

pt, nur durch Ausfall von ^ in ptica Vogel (meist 
üca) = p^tica. 

78. Anlautsgruppen mit s als erstem Konsonanten: 

sk, alle solche Anlaute sind ursprünglich, z. B. skoöiti 
springen, sMha Klammer, skot Vieh, aküp teuer skqp^, 
sküpsti skübem rupfen usw. Die mit ske- anlautenden sind 
Fremdwörter, z. B. skerlet (aus dem Türk.) Scharlach; die 
mit ski- anlautenden haben ursprünglich sky-, z. B. skitati 
se sich herumtreiben skytati s§. In skrnäviti besudeln 
skrnävan besudelt steht sk für skv, vgl. abg. skvrna Schmutz 
= *skvbr7ia (s. u. skvära). 

skv, nur in skvära (dafür •■ auch ckvära, s. § 70) Art 
Salbe (zu skvhra *skverti abg. skvreti schmelzen), skvorac 
Star = skvorbch (r. skvorec). 

sM, ursprünglich oder alt in skllzak schlüpfrig (da- 
neben auch skr. kFizak klizav, vgl. sklizavica neben kliza- 
vica schlüpfriger Weg; in anderen sl. Sprachen auch sl-), 
sklibiti se grinsen hat Beziehung zu abg. sklabiti s^ lächeln, 
doch steht dies für *skolb-, vgl. ar. o-skolohiü sa. Durch 
Ausfall von b und t in sklö (aus stbklo) Glas sklenica Trink- 
glas (vgl. cklo § 70). 

skr, ursprünglich in skrob Stärkemehl, Mehlmus, 
skröbüt Waldrebe, skröz durch ksl. skroze, vgl. abg. skvoze 
und skoze; skrhija Schrein (aus lat. scrinium). Durch 
Metathesis Skrädin (Stadt in Dalmatien) aus Scardona 
(s. § IIa). 

sl: 1. ursprünglich in släb schwach, släva Ruhm, 
slövo Buchstabe (urspr. Wort), slüsafi hören, slisati (einen 
Schüler) prüfen, älter = hören, slljep (slep, sllp) blind, 
slijed {sied, slid) Spur, sline pl. Rotz, sllva Pflaume, sllz 
(jek. sljez sljez) Malve, slöta feiner Regen, slüga Diener, 
slüz Schleim. — 2. durch Metathesis slävü] Nachtigall 
*solv- abg. slavbjb, slädak süß "^soldbkh abg. slad^k^, släma 

4* 



52 Lautlehre. [§ 78. 

Stroh *solma abg. slama, slän salzig *solm abg. slam, slezhia 
Milz, sleme (slhne, sljeme) Firstbalken, s. außerdem § 5 fg., 
§ 83 fg. — 3. durch Ausfall von ^, släti schicken shlafi. — 
4. aus SV, in slohbda Freiheit für svohoda. 

sm, außer in smjeti wagen aus smfieti in allen Fällen 
ursprünglich, z. B. srmjeh {smeh, snnli) Lachen smechh, 
smtjati se lachen, srnöla Pech, smrdjeti stinken usw. 

smr, nur unursprünglich durch Metathesis, smräd Ge- 
stank *smordi abg. smrad^, smreka Wacholder ^snierka. 

sn, ursprünglich in snäga Kraft, s/iäha Schwägerin 
smclia, snljeg (sneg smg) Schnee snegh, dazu snjezan {snemn 
snUan) schneeig; snop Garbe. Durch Ausfall von ^ in snä 
gen. usw. zu sän Schlaf s^na shm, und seinen Ableitungen 
z. B. sniti träumen. 

sp, urspr. in s])dr verschlagsam, dö-spjeti Muße haben 
speti, spila spUja Höhle (aus ngr. crirriXid); durch Ausfall 
von ^ in späfi (präs. spim) schlafen szpati (szpl'q). 

spl in Spljet (/SpZl^) Spalato aus *Sp-let. 

sr, stets unursprünghch, entweder 1. durch Meta- 
thesis, z.B. sräm Schande ^sortm abg. sramh, srijeda {sreda, 
srida) Mitte *serda abg. sreda, die weiteren Fälle s. 
§ 5 fg., § 33 fg.; oder 2. durch Ausfall von ^, t: sräti 
cacare *s'brati, srebro Silber sh{^)rebro. Dial. sräh Krätze 
für svräb. 

st, ursprünglich, z. B. stäti sich stellen, stär alt, stijena 
{sfena, stina) Fels stena, stui Scham styd^, stüd Kälte usw. ; 
doch vereinzelt durch Einschub von t entstanden in Fällen, 
wo dem s ein r- Vokal folgte : stfz dial. neben srz Baummark 
strsiti sträuben (Haar) für srs- ursl. *sbrs-, stfsljen neben 
sfsljen Hornisse. 

stJd, in stklö Glas (vgl. daneben stäklo, cklö, sklö), s. 
§ 70 und oben skl = sthklo. 

str: 1. ursprünglich in sträh Schrecken, strädati leiden, 
streka Streif, ströka Art Schafblattern (eig. Streifigkeit), 
streha Dachvorsprung, stremm Steigbügel, stric Vaterbruder 
stryjbcb, stnöi (präs. strizem) scheren, strijela {strÜa, strüa) 
Pfeil sfrela, strdjiti herrichten, strövo (?) Haufen ab- 



§ 78. 79.] Die einzelnen Laute. 53 

geschüttelter Blätter, strüg Hobel strügati schaben, strujati 
wallen (vom Wasser beim Sieden; eig. strömen), strük 
Stengel, strüka Gattung. — 2. durch Metathesis: sträm 
Wache '''storza abg. siraza, strdna Seite *storna abg. strana. 

— 3. dialektisch durch Einschub von t in älteres sr: 
stramöta für sramöta Schande (= *sorniota), stres Weinstein 
für sres, srljes. 

SV. 1. ursprünglich, z. B, svät Hochzeitsbegleiter, 
svanuti [== svhnqti), sintati tagen svijet {svet, svit) Licht, 
svekar Schwiegervater, svet heilig sv^t^, svinja Schwein, svöj 
sein, svrbjeti jucken usw.; 2. unursprünglich nur durch 
Umstellung von vs in den Formen und Ableitungen von 
väs (omnis) = vbsh, fem. alt vsa {vbsa), daraus svä, ntr. 
sve, svägda immer = vbsbgda usw. 

svr, nur durch Metathesis: svräh (Jucken) Krätze 
^svorhh, svräka Elster *svorka. 

'79. Anlautsgruppen mit s, obwohl in der heutigen 
Sprache ziemlich zahlreich, doch meistens unursprünglich, 
urserbisch nur z. T. in st. 

so: 1. durch Vv^'andlung von sk vor palatalen Vokalen 
in Lehnwörtern, so dial. söela Überfahrt und Überfahrts- 
schiff, neben skela, aus dem Türk. (zuletzt aus lat. scala). 

— 2. aus htj in Mundarten, wo tje- = altem te- zu ce- 
wird, aus dvhteti wollen litjeti, dies zu söeti. — 3. durch 
Wandlung von älterem kc in Ac-, dies dialektisch in sc; 
aus *dhkti (abg. d^st^) Tochter: *dzci *döi H6i köi hei s6i 
gen. söeri usw. ; das s in 2. und 3. ist genau genommen s. 

sk mit skl und skr, sämtlich aus ursprünglich an- 
lautendem 67i: nach einer weitgehenden Neigung, sk sowohl 
in einheimischen wie in fremden Wörtern zu sk zu 
wandeln: 1. In einheimischen, skäkljati (neben ckäkljati) 
kitzeln vgl. ksl. sk^kotati, skoha neben skoba Klammer, 
skbhäJj u. skbhälj (Fischart), sköljka (u. cköljka) Muschel 
abg. skol'hka, skdpiti kastrieren skopac Kastrat aus skop-, 
vgl. r. skopec, skörav runzlig (zu skora cech, u. sonst 
«Rinde», skr. kora), skrämica Tröpfchen (Dem. von skrania 
eigentlich «Fetttröpfchen» = "^skornia, vgl. r. skoröm 



54 Lautlehre. [§ 79. 

Fleischspeise), skrb neben skrb Sorge abg. skrhb, skrbav 
schartig skrbina Stummel (Zahnst.) geht zurück auf ein 
*skhrb- vgl, deutsches «Scherbe» ahd. scirbi, skrgüt Ge- 
knirsch skrgütati knirschen, vgl. abg. skrhgztati, dazu auch 
ski'ya Art Feldhuhn, skfge pl. Kiemen; skrijyati knarren, 
vgl. r. skripet'; skrob und skrob Stärkemehl; in skrök 
Schritt neben krdciti schreiten und in skröpiti neben krö- 
piti besprengen liegt vielleicht Zusammensetzung mit So- 
(s-) vor; ebenso in sklöcati neben klöcati schnappen, dazu 
sklöce pl. Fußfessel für Pferde, skloca Art Taschenmesser 
(zum Zuklappen); sklöpac Wanzen-, Flohstich = s^klopbCbl , 
vgl. klöpac Wasserblase. — 2. In Fremdwörtern; z. T. ist 
hier das s schon mit übernommen, in deutschen Wörtern 
und in italienischen mit dial. s für s: skälja u. a. Stein- 
splitter ital. scaglia, skänj Sessel ital. scanno, skarämbec Art 
Ungeziefer ital. scarafaggio Käfer (aus scarabaeus), skäre 
pl. Schere (aus dem Deutschen, ahd. scära)^ skätula Scha- 
tulle ital. scatola, skäf deutsches «Schaff», sJchnbe Wanst 
türk. sik'embe, sküjiti blinzeln sMljav blinzelnd aus mhd. 
schuhen (schielen), skip Mulde, Trog ahd. sä;«/ (Schiff), sköda 
Schaden ahd. scado^ sköla Schule lat. scola, skölj kleine 
Felsinsel ital. scoglio, skrhija neben sknnja Schrein lat. 
scrinium, skrpina (Fischart) ital. scorpena. 

Eine Anzahl z. T. nur dialektischer Wörter sind un- 
klar: skamütati befzen, skänjac Sperber vgl. slov. kavjec, 
skljäka (daneben sljäka und stäka) Krummstab, sköljci und 
skökci Vorrichtung am Webstuhl zum Anhängen der Fäden, 
skräbija Schieblade, skrApa kleine Steine (Grant), skrletka 
neben krleika Käfig, skrökati versagen (von der Flinte), 
skülj Schöps u. a. 

sl: 1. durch Assimilation von s an folgendes V (Ij), 
dies entweder gleich altera t : sl'em sljem (präs. zu släti) 
schicken szl'q {s^lati), oder entstanden aus altem le- in je- 
kavischen Mundarten, oder aus dialektischer Umformung 
von l in t : sl'ez sljez Malve neben sljez, sl'eme sljeme neben 
sleme (ek.) Firstbalken, sl'epöta sljepöta (ek. slepöta, ik, sli- 
pdta) Blindheit, vgl. slyep blind; sl'iva slßva neben sllva 



§ 79.] Die einzelnen Laute. 55 

Pflaume, sl'uka sljülca Schnepfe aus '"'stuka für *sluka = 
slqka. — 2. schallnachahmende Wörter: sljäpaii waten, 
sljäpiii schlagen, slis Ausruf bei scharfem Hieb. — 
3. Fremdwörter, deutsches sl {seht}, släknja Schlacke, sUn- 
govati (lokal) sticken (eig. schlingen). Dazu einiges un- 
klare, aber s jedenfalls nicht ursprünglich: sljäka (neben 
sTdjäkd) Krummstab, sljig faulender Erd-, Laubhaufen, 
sljÖko, Flitter (kleine Metallstücke), sljünak Kies. 

sm, wo klar aus sm: smühmti (daneben smiirnuti) 
irgendwo schnell ein- und auslaufen (wohl eig. schlüpfen, 
vgl. abg. smykati sc kriechen, schlüpfen); snirk Spritze 
smrkati scbnupfen abg. smrkati r. sniorkdt', smrljika für 
smr dljikaWoer escYiQ] schallnachahmend smitati schleudern, 
smlgmcti sich davon schleichen. Unklar smökljan Dummkopf. 

sn, nur in dial. snjeti, d. i. '■''shneti, für gewöhnliches 
sniü, d. i. *s^n^H, träumen. 

sp: ältere oder neuere Fremdwörter mit sp, z. B. 
spdga (und spdda) Degen aus gr.-lat. spatlia, splca Speiche 
(aus dem Deutschen) u. a. ; nur späg Tasche neben cpäg 
geht zurück auf altes cbpag^•, spfig Schnecke scheint lokale 
Verdrehung zu sein von spüz. 

st: 1. In einheimischen Wörtern: a) aus ursl. .sfc vor 
palatalen Vokalen und j, 'u: steäjeti sparen *skedeti abg. 
stedeti vgl. abg. skqd^ karg, stcktafi stehtati belfern '■■'■skek^- 
tati, stene junger Hund ^skenc abg. sfenc, stipati kneifen 
r. scipdi' ^ski})-, stir Amarant r. scir, stuka Hecht r. scüka, 
stüktati se stucati se rülpsen, vgl. poln. szczkac = *skjhk-. 
Auf sk beruhen auch steia Schaden für Hsteta aus hsteta 
zu t^stb leer (skr. täst) = '''hskjb; süca Brettchen aus 
Hstica, dies für *dstica = distica (Dem. zu dhska, skr. 
däska Brett), daneben däscica; ferner in dem alten Lehn- 
wort stlt Schild, lat. scutimi. — b) aus älterem et, dies 
seinerseits durch Wegfall von h aus cbt-, stö was chto, stlti 
(daneben cäfiii) lesen '■'cbtiti, stdvati ehren cbtovati. — 
c) für st: sfPk Storch (älter strk), sfrcäljka u. sircäljka 
Spritze. — 2. In Fremdwörtern aus st: stdgalj gen. stdglja 
Scheuer (deutsch Stadel), sfäla Stall, stämpa Druck stäm- 



56 Lautlehre. [§79.80. 

pati drucken ital. stampa stampare, släp Stab, sfikla 
Schuhabsatz (deutsch Stückel?), sfikovati sticken, stimati 
ehren ital. stimare, sfirak Stärke stlrkaü stärken (Wäsche), 
siöpela Pantoffel (angeblich, doch nicht wahrscheinlich, aus 
ital. stivale), sftda Stelzfuß rrihd. stalle Fußgestell, Stütze; 
stlrkivja Unfruchtbare, vielleicht entlehnt aus deutschem 
stirke, sterke (Kuh, die noch nicht gekalbt hat), vielleicht 
slav., vgl. Mikl. EW. s. v. stera. 

Manches bleibt unklar, so stüviti Haut einweichen 
zum Gerben, vgl. slov. scava Spülicht, etwa = '-'skeva, 
s/rti'7/e Ampfer {='^'skev-?), stäka (neben skljdka u. sljäka) 
Krummstab, sülja stlljega Spindel, stilr butt, verkümmert. 

str, in den deutlich erkennbaren Fällen aus str, 
ströjiü verschneiden aus ströjiU, ströka und ströka Art 
Schafblattern (s. § 78 unter str); unklar siröcati (vgl. skrö- 
kati) versagen (von der Flinte); sträptati spritzen, könnte 
ein '■'strb{^)p^tat^ sein; onomat. strbekati radebrechen; fremd 
sträiijga Strang. 

SV, sicher nirgends ursprünglich, obwohl einige Fälle 
unklar: 1. sv durch Wegfall von 6, svenje das Nähen 
sbvenhje (zu shvem part. prät. pass. zu siti nähen, jetzt skr. 
sven, Siven), dazu svälja Näherin = shv-. — 2. aus svr 
dial. in svriika für svräka Elster. — Unklar svägati se 
träge umhergehen, svdnjiii se sich schämen, svrljati und 
swndati (wohl onomat.) herumwirtschaften, svrda Weich- 
ling, svlgär Schwippe an der Peitsche. 

80. Anlautsgruppen mit t als erstem Konsonanten: 

fk, nur in tko wer, umgestellt aus kto = khto; tkäti 
weben t^kati. 

tl, nirgends ursprünglich: 1. durch Metathesis ttäka 
Frohn *tolka, tldciti niedertreten *tolcifi, wahrscheinlich 
auch in tidpifi wirr träumen (daneben kldpiti). — 2. durch 
Ausfall von h: ile pl. Boden gen. tdlä abg. tüo. Unklar 
tljenica neben fjenica und tjena feine Haut. 

tm, stets unursprünglich, durch Ausfall von 6: tmlna 
hmca tmusa Finsternis tmöra (dunkle) Regenwolke, nä-tnm- 



§80.81.] Die einzelnen Laute. 57 

rüi se sich bewölken, aus tbm-, vgl. skr. fäma abg. tbma 
Finsternis. 

tr, sehr häufiger Anlaut, ist meist ursprünglich, 
z. B. trdva Gras, tri drei, tr^sti schütteln tresti; nur in 
folgenden Fällen unursprünglich: 1. aus Metathesis tmk 
Band, Streifen, träp Rübengrube träpiti Weinberg pflanzen, 
trätor Tausendschön (Blume), tresnja trijesla Kirsche, trebati 
nötig sein trebovati nötig haben trijeba {treba, trlba) in riije 
trijebe ist nicht vonnöten, trijebiti (trebiti, tribiti) säubern, 
trijezan {trezan, trizan) nüchtern, irijem (trem) Halle, 
s. § 5 fg., § 30 fg. — 2. durch Wegfall von 6: trem (präs. 
zu tfti reiben) tbrq, daneben täretn, dazu gehören trenica 
Reibeisen, trenje das Reiben, trlna Bißchen (Abfall), trlca 
u. a. Kleie, alle aus tbr-. 

tv, seltener Anlaut, urspr. in tvöj dein, tvdriii schaffen 
ivär Geschöpf und anderen Ableitungen, ivrd fest =^ *tvbrdh. 
Unursprünglich in tvor (tvör) = '-Hfor Iltis aus *thor für 
*(hchoi-h vgl. cech. tcliof. 

81. Anlautsgruppen mit v als erstem Konsonanten: 

vi, immer unursprünglich durch Metathesis, tat- 
sächlich in der heutigen Sprache nur Beispiele aus ursl. 
i;oZ-|-Kons., z.B. vlddati herrschen *wW-, vläk Fisehernetz 
*volkh, die weiteren Beispiele s. § 5 fg. Die Fälle, wo vel -\~ 
Kons, zu vle- geworden, fehlen in der heutigen Sprache, 
vgl. aber dial. vliöi = *vleöi — - ursl. *velkti abg. vlesti, 
gewöhnlich vüci = *vblkti. — Dial. vljeda Braue ist 
entstanden aus vjeda ursl. *ved'a abg. veMa. Vereinzelt in 
Fremdwörtern vi für fl, vlinta Flinte. 

vr: 1. in den meisten Fällen aus Metathesis, z. B. 
V7'dta Tür ^vorta abg. vrata, prijeme gen. vremena Zeit 
*vermc abg. vreme, die sonstigen Fälle s. § 5 fg., § 30 fg. ; dabei 
sind zweifelhaft vräc Wahrsager, vrebati lauern, vreva 
Tumult. — 2. durch Ausfall von &: zä-vrem präs. (zu 
-vrijeti, abg. vreti vbra) verbergen; vrefi präs. vrtm sieden 
abg. vbreti vbrq vbrisi, dazu vrelo Quelle (wenn = *vbrelo, 
kann auch = *verlo sein), vreo fem. vrela heiß vbreh, 
vrüö heiß (part. präs.) = vbrot'- (abg. nur vbrest-), vrütak 



58 Lautlehre. [§ 81—83. 

Quelle '^vhvoUhh. — In Fremdwörtern zuweilen für //•, 
z. B. vrätor Frater, vrisak frisch. 

Sonstige Gruppen mit i' -f- Konsonant sind vereinzelt 
und lokaldialektisch : vnögl statt mnögi (mlögi) viel imnogh, 
vtica (eig. *ftica) aus ptica Vogel p^tica, vsenica (eig. */-se" 
nica) aus p)^enica Weizen phsenica. 

82. Anlautsgruppen mit z als erstem Konsonanten: 

zd, zdür (älter ragusanisch) Ausrufer {praeco\ wohl 
fremd). 

zdr, dial. für zr aus zhr-, zärefi reifen für zi'eti, abg. 
zbreti. 

zl, niemals ursprünglich: 1. aus Metathesis zläto Gold 
*zolto abg. zlato. — 2. durch Wegfall von ^: alle Ab- 
leitungen des Adj. zhh skr. zäo böse, fem. zlä ntr. zlö^ 
adv. zU {ilß), zlijediti (zlediti, zliditi, eig. beschädigen) 
Wunde aufreißen u. a., alle = zhl-. — 3. vereinzelt aus 
zn: zlämenje Vorzeichen aus znameubje. 

zm, unursprünglich, durch Ausfall von ^, nur in zmäj 
Drache zniija Schlange, abg. z^mbjb {z^mijb) z^mbja {z^mija). 

zn, ursprünglich: znäti wissen, znöj Schweiß. 

zr, nirgends ursprünglich, außer in dem onomat. zri- 
kavac zrljavac Art Heuschrecke (vom Rufe zri)\ sonst 
1. aus Metathesis: zrak^ zrcika Strahl '■■'zorkb, -Tca s. §5, 
§ 80 fg. — 2. durch Ausfall von h: zreti zrtm (zreni) reifen 
Zbreti zbrq zbrisi, prd-zreti prö-zrem (u. a. Zusammen- 
setzungen) durchschauen zb7"eti zbra zbrisi. 

ZV. 1. ursprünglich in zvehndi zvecati klingen zvfknqti 
zvecati, zvljer (zver, zv'ir) wildes Tier zverb, zvijezda {zvezda, 
zvizda) Stern zvezda, zviznuH Pfiff tun, zvlzga (zvizda) Pfeifen, 
zvöno Glocke, zvrknuti zvrcati (schaHnachahniend) schnurren, 
zvrcati (schallnachahmend) Schnippchen schlagen. Die 
Lautfolge zvu- ist durch zu- vertreten, falls zük Brumm- 
kreisel, züka Summen nicht schallnachahmend^ sondern 
= zvqlci (Ton), ^zvgka. — 2. durch Ausfall von ^: zväti 
rufen z^vati. 

83. Anlautsgruppen mit i als erstem Konsonanten: 

zb, in zbän Holzkanne aus dzbän, dies = cbham: 



§ 83.1 ^i^ einzelnen Laute. 59 

gbün Staude neben dshün. Fremd in shlr (lokal) Spion 
ital. sbirro, zhwa (lokal) neben spica Speiche. 

zd: iderati fressen (s. u. bei zdr); ü-Müi (u. a. Zu- 
sammensetzungen) anzünden, aus zg\ Mrnmji (lokal) 
pl. = zrvnji (sg. zrvanj) Handmühle, dur^i Einschub von 
d zwischen £ und r, abg. irny ursl. *zbrny. 

£dl, s. M. 

Mr ; das Skr. hat eine Abneigung gegen die Laut- 
gruppe zr ; jetzt vereinzelt dialektisch für zr, zräk für zräk 
Strahl. Das zr älterer Zeit ist 1. entstanden durch Meta- 
thesis, zdrijeb (zdreb, zdnb) Los abg. zrebhjh = '^'zerb-; 
zdnjebe {zdrebe, zdribe) Füllen abg. zrebe =*zerb§', ^;rö- 
zdrijeti (-Mreti, -zdnti) verschlingen abg. zreti = *zerti. — 

2. durch Wegfall von b, präs. 2)rd-zdrem abg. zhrq, ursl. 
daneben *zerQ, das entsprechende skr. ^zeru durch An- 
schluß an zdrem zu zderem, ein neuer Infinitiv zderati dazu 
gebildet; zdrälj Kranich ^= *zbral'b für '■'zbravl'b abg. zeravb 
zeravl'b. 

zd, dial. für zdj, zdela ^= zdjela Schüssel. 

zg, durch Wegfall von h, zgänci pl. Art Polenta, zu zhg- 
zeg- brennen, skr. zedi zezem, vgl. dial. ü-zgaü anzünden. 

zl, nirgends ursprünglich, sondern 1. durch Metathesis, 
zlijeb {zieh, zltb) Rinne, zlijezda {zUzda, zlizda) Drüse, s. § 33. 
— 2. durch Umstellung von U nach Ausfall von h, in 
zllca Löft'el, neben läzica und özka (s. § 19), aus hzica. — 

3. durch Wandlung von z in z (eig. z, s. § 54) vor l', 
zlje adv. schlimm z^le. 

zm, nirgends ursprünglich; 1. durch Ausfall von 6, 
imem ich drücke inf. zeti abg. zbmq zeti. — 2. durch 
Umstellung von mz nach Ausfall von ö: zmirati smiriti 
blinzeln, zmüriii die Augen zufallen lassen, aus mhz- vgl. 
abg, mbgnqti ynhzati, skr. na-magnuti zuwinken. Vgl. auch 
zmül zmüo zmülj Trinkbecher, vielleicht für '■'mzul^ vgl. 
slov. muzöl dass, aus lat. modiolus Trinkgeschirr. — Un- 
klar ist zniire pl. Art Brei (Polenta). 

zn, nicht ursprünglich; durch Ausfall von b in znjem 
(daneben zimjtm) präs. zu zeti ernten, a])g. ibnq zeti. 



60 Lautlehre. [§ 83—86. 

ZV, nicht ursprünglich, durch Ausfall von h: zväle pl. 
Gebiß (am Zaum), zvulo Rachen, zväkati u. zvdtati kauen, 
alle aus zbva-, ahg. zhvati kauen. 

II. Anlautsgruppen entstanden in 
Zusammensetzungen. 

84. Die Präpositionen sh vi v^z konnten durch Ver- 
lust des Vokals und Anschluß des verbleibenden Kon- 
sonanten (s V vz) an konsonantischen Anlaut des zweiten 
Gliedes von Zusammensetzungen mit ihnen Anlaß zur Bil- 
dung neuer Konsonantengruppen geben. Für das Skr. 
im engeren Sinne kommen n- vhz- nicht in Betracht, da sie 
zu u- uz- wurden, s. § 26; zu berücksichtigen ist nur s^., 
dies kann als s- oder mit Verbleiben des Vokals als sa- 
erscheinen. Dabei gilt folgendes Verfahren: 

A. Vor anlautendem s s z z des zweiten Gliedes der 
Zusammensetzung steht sa-, z. B. sa-sahnuti verdorren, sä- 
sjeci abhauen, sä-stati se zusammenkommen, sä-süti präs. 
sä-spem hineinschütten; sa-setati hinabspazieren, sä-siti zu- 
sammennähen; sa-zklafi aufbauen, sä-znaü erfahren, sä-zreti 
reifen, sä-zvati zusammenrufen; sä-zaliti bedauern, sa-zedi 
verbrennen, sa-zeti präs. sä-zmem (eig. zusammendrücken) 
Achsel zucken. — Ganz vereinzelt kommt Ausfall von ^ 
vor: stänak neben sästanak Zusammenkunft == shstamkT), 
vgl. dazu das nicht zusammengesetzte scifi praes. sem saugen 
== s^sati s^sq. 

85. B. Lautet das zweite Glied auf einen anderen 
Konsonanten an, so läßt sich eine durchgehende Be- 
stimmung für sa- s- (z-) nicht geben, doch gilt im all- 
gemeinen, daß s- (z-) bevorzugt wird; oft sind es nur ver- 
einzelte Fälle, wo sa- neben s- (z-) erscheint. Das s bleibt 
als solches vor allen Konsonanten außer h d g, vor denen 
es zu z wird. Im einzelnen: 

86. 1. Für s^-b. ist durchaus Regel zh, z.B. z-hdciti 
hinabwerfen, z-bUi se (aus s^byti sp) in Erfüllung gehen, 
z-brätiti se sich verbrüdern usw. Daneben vgl. sä-bifi {si- 
biti) zusammenstopfen, sä-böj Zusammenlauf und zbdj zu- 



§86—89.] Die einzelnen Laute. 61 

sammengedrängter Haufe, sd-hor und z-hor (das eig. skr. 
ist zbör) Kirchenversammlung, sä-brafi präs. sä-berem und 
z-bräti z-berem versammeln, dazu sa-hirati und z-birati 
dass. ; sä-bläzan (Kirchen wort) Ärgernis abg. s^-blazn^', sä- 
borit zusammengefaltet. 

8*7. 2. Für s^-c. steht sa-c., so sä-cufi anhören, sa- 
cüvati behüten; doch auch sc durch Assimilation für sc: 
sa-cekati und scekati (eig. erwarten) auffangen, sa-celiti se 
und scelifi se die Vorderseite zukehren, sc/njati zaudern, 
unschlüssig sein (eig. sich anstellen, nur so tun?), '? scün- 
jiti se sich ducken. 

88. 3. Für s^-d. tritt sa-d. oder z-d. ein, z. B. z-d.jela 
hölzerne Schüssel '■•'szdela, z-depast plump, zdjetna (eig. mit 
Kind) schwanger s^defbna, z-dfpiti sich überwerfen mit jem., 
z-dhniti Feuer geben '-^si-dymiti, . zdräv gesund s^-drav^, 
z-dröbiti zerbröckeln, z-drözgati zerschmettern; bei den Bei- 
spielen von z vor dj {j aus je = e) tritt dial. i ein, zcljela 
statt zdjela, Mjesti statt zdjesti, vgl. abg. s^-deti\ sa-deraii 
und z-derati abreißen, sä-djeljati zuschnitzen (vgl. oben 
zdjela), sä-djesti sa-dijevati aufschobern und zdjesti, sa-drü- 
ziti se und z-drüziti se sich gesellen, sa-drzati und z-drzati 
halten, vgl. auch sa-dzgati abnutzen. 

8®. 4. Für s^-(J. steht sa-g. und z-g., z. B. sa-: sa- 
gänak Unterbrechung (auf einen Augenblick, eig. Ab- 
biegung) '■^'■s^-g^n^k^, sä-gnuti pr. sä-gnem niederbeugen, sä- 
gnjiti verfaulen, sa-grhijati von Motten zerfressen werden. 
Nebeneinander sa- und z-: sä-gaditi se zgäditi se Ekel be- 
kommen, sa-gibati niederbiegen (vgl. oben sägnuti) z-gib 
Gelenk (= *s^gyb^, eig. Zusammenbiegung), sä-gledaü 
z-gledati erlilicken, sä-gnati z-gnäti hinabtreiben, sa-göditi 
z-göditi treffen z-gdda Gelegenheit, sa-gdniti z-gbniü hinab- 
jagen, sa-gorjeti z-görjeti verbrennen, sa-gräditi z-gräditi 
erbauen z-gräda Gebäude, sa-grijesiti z-grijesifi sündigen, 
sa-grnuti zurückschlagen z-grimti wegscharren, zusammen- 
scharren, sa-gübiti z-gühiti umbringen, sä-guciti z-guciti zu- 
sammenballen. — Öfter erscheint nur s'gf: z-gäziti zertreten, 



62 Lautlehre. [§89—91. 

z-goropädifi se rasend werden, z-gotoviti bereiten, z-grstiti se 
sich ekeln, z-guzvati verdrücken, z-güliii abreißen, z-guriti 
se sich zusammenziehen, z-güsnuti se dicht werden, z-glävak 
Gelenk (zu gläva Kopf), z-glöhiti zusammenlegen z-glöh Ge- 
lenk, z-gnjeeiti zusammenkneten, z-grähiti erraffen, z-gränuti 
se rasend werden, z-grlsti z-grizati abfressen, z-grijati er- 
wärmen, z-gröziti zusammenschaudern, z-grühati z-grüsiti 
zerstoßen. 

00. 5. Skr. s-f. aus s-Jiv., s-fätiti fassen = s-hvätiti. 
6. s^-ch., dafür sa-h. und s-h., z. B. sä-harati ermatten, 

sa-hrmiti und s-liräniti bewahren, s-hvätiti fassen; släpiti 
aufraffen für sliläpiti = sz-chl. 

01. 7. Für si-k. mit großer Regelmäßigkeit s-Jc.: s- 
käzäljka Uhrzeiger, s-kalabüriü durcheinander mengen, 
s-kämeniti versteinern, s-käniti se zaudern, s-käpati (eig. ver- 
schmachten) umkommen, s-käsati hinabtraben, s-klnuti 
s-kidati herabnehmen, s-koUjenti umzingeln, s-komraciti 
kargen, s-koncänje Ende vgl. abg. s^-konbcati endigen, s-ko- 
pati durch Hacken abnutzen s-köpak abgenutzte Hacke, 
S'konobiti kargen, s-kdreti se hart werden, s-korüsiti se sich 
überrinden (beides zu kora Rinde), s-kösje Abfälle beim 
Ästen, s-kocdnjiti se hart werden (zu kbcänj Stengel), 
S'kotrljati se s-kovHjati se hinabrollen, s-kovcati zuheftein, 
s-kozna trächtig (von der Ziege kdza) *s^-kozbna, s-krhati 
s-krsiti zerbrechen, s-krkniiti se sich verdichten, s-kfpiti 
flicken, s-krstiti über Kreuz legen, s-krviti s-krväviti blutig 
machen, s-küditi schelten, s-kuliati kochen, s-küciti in die 
Enge treiben; s-kläd Schober, s-klädan artig, s-klbpiti s-klä- 
pati zusammenfügen, s-klöp Ort, wo Bergketten zusammen- 
stoßen, s-kljukati hineintun, s-kljümti die Nase hängen lassen 
(zu kljün Schnabel); s-knäditi verschaffen; s-krdtiti s-kräcati 
verkürzen, s-kr4nuti s-kretati wegrücken, s-kresati abästen, 
s-kriviti Verbrechen begehen, s-krüziti abschütteln; s-kväsiti 
befeuchten. — sa-k. neben s-k.: sa-kövati s-kbvati schmieden, 
sä-kupiti s-küpiti versammeln, sd-kup s-küp Versammlung; 
sd-klati se s-kläti se sich raufen, sa-klbniti s-klbniti beschirmen 
(vgl. s-klänjati beugen), sä-kriti s-krlfi verbergen vgl. s-krovit 



§91—94.] Die einzelnen Laute. 63 

verborgen, sa-kröjiti s-kröjiü zuschneiden, sa-krüsiti s-krüsiti 
zermalmen. 

9Ä. 8. Für s^-l. steht s-l. und sa-L: s-lägafi lügen, 
s-Iakoniifi se heftig begehren, s-llka zusammenpassendes 
s-lican ähnlich {sh-lichm)^ s-Uzati se (eig. sich belecken) sich 
mit jem. abgeben (tadelnd), s-lüciti se sich ereignen, s-lü- 
pati zusammenschlagen, s-ljüUti se sich verbinden. — sa-l. 
und s-L: sä-laziti s-läziti s-ljesti (dafür dial, sljest'i) herab- 
gehen, sa-letjeti s-Vetjetl anfallen, vgl. sa-lijetati s-lijetati 
hinabfliegen, sä-Uti s-Uti sä-ljevati gießen, sa-ldmiti s-ldmiti 
s-lämati zerbrechen, sa-löziti s-lbziti s-ldgati zusammenlegen, 
vgl. s-le6i zusammenführen (ein junges Ehepaar) s-lög 
Gartenbeet s-löga Eintracht. 

93, 9. s^-n^., fast durchgehend s-m. : s-mäcna trächtig 
(von der Katze), s-viäöi s-mlcati - herabnehmen, s-mdmiti 
herab-, zusammenlocken, s-mänjati se kleiner werden, 
'^^'■s^-mbnati sf, s-mäzaii hinabessen (zu mäzati), s-mesfi ver- 
hindern sz-mesti, s-mcsfi zusammenkehren si-mesti, s-mctati 
hinabtun s^-metati, s-mijesati mischen, s-niüjeti hinab- 
kriechen, s-niiliti se lieb werden, s-miriti beruhigen, s-mis- 
liti beschließen, s-mjeran demütig srbmerhm, s-mjeriti sich 
etwas vornehmen, s-mjesiiti placieren, s-mläviti zermalmen, 
s-mläcifi lau wärmen, s-mUdnjeii mager werden, s-mööi 
s-mägati bändigen, s-mbtaü zusammenwickeln, s-mötriti er- 
blicken s-mdtrati betrachten vgl. abg. sh-motriti, s-niöMiti 
zermalmen, s-mföi se s-mrdciti se sich verdunkeln, s-nirä- 
moriti se sich versteinern, s-mräzifi verfeinden, s-mr6sTcati 
zerquetschen, s-nirmljati s-mümljati dahermurmeln, s-mrz- 
nuti gefrieren lassen, s-mückati ausschwenken, s-müljati zer- 
quetschen, s-mütiti verwirren s^-mqtiti. Nebeneinander sa-m. 
und s-m.: sa-mdhnuti s-mähnuii weghauen, sa-möriii s-möriti 
ermüden , sä-mrijeti präs. sä-mrem sterben vgl. smrt Tod 
(abg. sz-mrtb), in Liedern daneben gelegentlich sä-mrt ; nur 
sa-mljeti pr. sä-nieljem mahlen. 

94. 10. s^-7l., regelmäßig s-n.: s-ndci finden ''-sh-na- 
iti, s-nahöditi dass., s-nebiti se verlegen sein, s-nevescliti se 



64 Lautlehre. [§ 94—96. 

sich betrüben, s-nijeii s-nesti s-nösiti herab-, zusammen- 
tragen, s-nhnati herabnehmen s^n-imaU, s-mzaJc niedrig 
*s^-7l.iz^kh, s-nizati reihen (Perlen ii. dgl.). 

95. 11. s^-p., mit großer Regehnäßigkeit s-p. : s-jjä- 
riti se in Gcärung geraten, s-päriti paren, s-pästi s-pääaii 
herabfallen, s-pästi pr. s-päsem retten, s-päziti wahrnehmen, 
s-päzmati kindisch werden, s-pecdliti (eig. «erkümmern») 
mühsam erwerben, s-piriti anfachen *s^-pyriti, s-pisati ver- 
fassen, conscribere, s-plsJcati vergeuden, s-pjevaii dichten, 
die Doppelzusammensetzungen mit si>-po- nur s-po-^ z. B. 
s-piommuti erwähnen *s^-pomcnqti^ s-pömen Andenken usw. ; 
s-präati dummes Zeug schwatzen, s-pfstiti zerschmettern, 
s-prfiti abladen, s-pfziti anbrennen, s-jmciti zuhaken, s-püriti 
versengen, s-püstiti herablassen, s-2Mtiti verknüpfen, ver- 
wickeln *s^-p)qi^ti, s-püziti se hinabgleiten '■^'■s^-p'hlziti se; 
s-pldkati abspülen, s-pläsnuti (eig. flach werden plask-) ab- 
nehmen (von Geschwulst), s-^Mvifi abschöpfen s-jMv Floß 
s-pRti se zusammenströmen *s^-x)ly^i sc; s-plöstiti platt 
drücken, s-präsicati verprassen, s-prutiti abfertigen, s-präviti 
rüsten, herrichten s-präva Machwerk, s-pred-i zusammen- 
spannen '^^s^-pr^t'^ = ''^-preg-ti vgl. sh-pregnqti, s-premiti be- 
reit machen, s-pretaii abfeuern (ein Gewehr) s^-pr^t-. s-presa 
Eile (presa dass.), s-prijateljifi se sich befreunden. — 
Neben s- auch sa- und sa- allein: sa-peti präs. sä-pnem, sä- 
pinjaH zuknöpfen s^-peti s^-phnq *sh-pinati; sä-preti pr. sä- 
prem Prozeß gewinnen sz-phreti sz-phrq, dazu auch sä-pirafi 
beschuldigen, sa-plähaü s-pWiati überwältigen, sa-päliti 
s-päliti verbrennen, sa-petljaii s-petljati zuheftein, sa-j^lesti 
s-plesti verflechten s-plet Haarflechte, sa-pöjiti s-pojifi zu- 
sammenlöten, sä-pon Bindeseil s-pöna Schlinge = s^-pon^ 
s^-J)ona (zu sä-jMi), sä-prati s-präti sa-pirati s-pirafi ab- 
spülen. 

96. 12. .ss-7-., regelmäßig s-r.: s-rästi zusammen- 
wachsen, s-reci (eig. zusammensprechen) buchstabieren, 
s-resii begegnen s-reca Schicksal, Glück *sz-7"esti '^■sh-rpt'p 
abg. so-resti si-i'estq, s-rmuii se abfallen (mager w.), s-rbdUi 
se Verwandtschaft schließen s-rodan verwandt, s-röJc Zeichen 



§ 96 — 98.] Die einzelnen Laute. 65 

*sh-ro]ch, s-röcan übereinstimmend, s-rüsiti niederreißen. — 
Nur sa-rezaü neben s-rezati abschneiden, vgl. s-rez Bezirk. 

OT. 13. s^-t., mit großer Regelmäßigkeit s-t.'. s-täk- 
nuü zusammenrücken, s-teci erwerben, s-teci se zusammen- 
laufen, s-tdkaü se herabfließen^ s-tegnuti anziehen, s-teon 
trächtig (von Kühen) '■''sh-telbm, s-tepsti se verkommen, 
s-tesati behauen, s-tinjati verglimmen, s-fisnuü zusammen- 
drücken, s-üsati sich legen (sich beruhigen, zu fih ruhig), 
s-töpiti schmelzen, s-trkaü hinabrennen, s-trpjeti erdulden, 
s-tüöi zerstoßen *s^-tblt'i aus *-thlkti abg. s^-tlesti, s-Mriti 
hinabwerfen, s-tüstiti se sich umwölken; s-tr^jnti erzittern, 
s-tresti herabschütteln, s-trösiti verausgaben ; s-tvfdnuti hart 
werden. — sa-i.'. sä-tkati präs, sä-cem fertig Aveben szhkati 
s^i^kq, sa-trti präs. sä-trem sä-tirati abreiben *s^-thrti sythrq 
s^-tirati^, sa-tjeraü und s-fjerafi wegtreiben, sa-iüziii se und 
s-iüziti se übel sein, sich ekeln, sa-ivöriii und s-tvöriti 
schaffen vgl. s-tvör Werk, Arbeit, s-tvär Ding (dial. auch 
sä-tvär) *s^-tvarb. 

98. 14. sh-v., sehr regelmäßig s-v.: s-väbiti zusammen- 
locken, s-väditi entzweien, s-väliti hinabwerfen^ s-väriti 
kochen, s-vjed£bati sich gewöhnen, s-vesti s-vedem zusammen- 
fügen, wölben, s-vöd Gewölbe s-vbditi wölben, s-vktati be- 
stellen, s-vldjeti se behagen, s-vljest Besinnung sz-vestb, 
s-vikati zusammenrufen, s-vlci s-inhmfi sich gewöhnen s^~ 
vyknqti, s-vjedok (eig. Mitwisser) Zeuge sz-vedok^, s-vjerovati 
Wort halten, s-vrci s-vrgnuti hinabwerfen s^■vrgnqH, s-vrstvo- 
vati erlangen; s-vlak abgestreifte Schlangenhaut ^s^-volk^ 
s-vläciti herab-, zusammenschleppen, s-vrdtiti s-vhiuti s-vrtati 
ablenken. — sa-v. : sä-virati abfließen, einkochen (zu 
vbreti vbrq sieden), sä-vrijeti se präs. sä-vrem se sich ver- 
kriechen (zu '^'oerti abg. vreti vbrq). — Nebeneinander sa-v. 
und s-v.: sa-vesti s-vesti pr. -vezem zusammenfahren, s-vöziti 
herabfahren, sa-vezaii s-v^zafi zusammenbinden, sä-viti s-vtfi 
zusammenfalten, sa-vltlati s-viflati hinabjagen, sd-vjet s-vjet 
Rat sä-vjetovati s-vjetovati raten, sa-vlddati s-vl4dati über- 
wältigen, sa-vrsiti s-vrsiti vollenden. 

L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. 5 



66 Lautlehre. [§ 98—100. 

Es ergibt sich, daß die Neigung der Sprache dahin 
geht, überall außer vor s, s, z, z das % der Präposition 
fallen zu lassen. Wo trotzdem vor anderen Anlauten als 
diesen sa- oder sa- neben s- {z-) vorkommt, z. B. sä-brati 
(neben z-hräti), wird dies nicht unmittelbar auf das alte 
s^-bhraü zurückgehen, d. h. mit Erhaltung des o als a, 
sondern beruhen auf Anschluß an die Fälle, wo notwendig 
s^- als sa- bleiben muß, z. B. sä-süti, sä-zvati usw. ; ferner 
wenn z. B. sä-peti statt *s-2)eti gebraucht wird, so hat 
Nachahmung von sä-pnem stattgefunden, wo die sonst nicht 
vorkommende Lautgruppe spn vermieden wurde. 

II. Konsonantengruppen im Wortinnern. 

99. Die Sprache hat einmal, vor dem Ab- und 
Ausfall der Vokale ^ b, in ihrem ältesten Zustande nur 
offene, vokalisch auslautende Silben gekannt (vgl. dazu 
Abg. Gr. §§50 — 52,58). Dieser Zustand ist in der über- 
lieferten Geschichte der Sprache, also vor dem 12. Jahr- 
hundert, schon aufgehoben; geschlossene, konsonantisch 
auslautende Silben sind möglich. Daher können im Wort- 
innern zwischen Vokalen Konsonantengruppen stehen, die 
im Wortanlaut nicht vorkommen, weil von diesem Kon- 
sonantenmaterial fast immer so viel zur ersten Silbe ge- 
schlagen werden kann, daß für den Anfang der zweiten 
nur ein solcher Konsonant oder eine solche Gruppe ver- 
bleibt, die im Anlaut sprechbar ist, also stimmt zu den 
oben §§ 69 f. Liehandelten Wortanlauten. So kann es auch 
kommen, daß in Zusammensetzungen mit Präpositionen 
das zweite Glied einen Anlaut hat, der dem nicht zu- 
sammengesetzten gleichen Worte fehlt, z. B. niähmti mäci 
pr. mäknem rücken mknqti fmknq, kein *mkmdi ''inöi, weil 
tnkn m.<'- nicht anlauten können, aber neben o-mä6i o-mak- 
nuti. abgleiten lassen, jjro-maci jjro-maknuü durchgehen, gibt 
es auch bmci präs. ömknem, prömöi präs. prömknem, weil hier 
die Silbenteilung pröm-knem usw. 

100. Es ist unnötig , alle im Wortinnern vor- 
kommenden Konsonantengruppen anzuführen, es mögen- 



§ 100— lOy.] Die einzelnen Laute. 67 

zur Veranschaulichung einige Beispiele von Verbindungen 
genügen, die im Wortanlaut nicht vorkommen: 

1. Im ursprünglich einheitlichen Wort: gen. 
bübna nom. hühan Trommel vgl. abg. bqbbna hqbhm, bäcnuti 
werfen, gen. ocfa nom. dcaf Essig ocbtb, hrcmljenje das Aus- 
schenken *k^rcb}he'llbje abg. krcbml'enbje, ndcca Dem. zu nöc 
Nacht, bjelidba das Bleichen, bjekca gen. zu bjegac Flücht- 
ling begbca beghch, bogomöljca gen. zu bogömoljac Beter, gäm- 
ziü kriechen gamzenje das Kriechen, könjski Pferde-, grepsti 
krämpeln, vräpca gen. zu vräbac Sperling, öjma Häutchen 
'■^•ophna, övca Schaf oubca, övsa gen. zu övas Hafer ovbsa 
ovbs'b, rözgva Art Stange, phmljenje Rache usw. 

101* Eine besondere Bemerkung erfordern nur die 
auf n wt, r l auslautenden Silben. Da nasalauslautende 
Silben schon urslavisch durch Übergang des Silbenvokals 
mit dem Nasal in Nasalvokal oder einfache Länge auf- 
gehoben waren (s. Abg. Gr. § 46), können alle im Skr. so 
auslautenden Silben, abgesehen von Fremdwörtern, nur 
durch Ausfall von ^, h nach dem Nasal entstanden sein, 
z. B. könca gen. zu könac Ende konbca konbcb, sänljiv 
schläfrig shwbl'ivo, zenskl weiblich zenbskyjb, blizänka gen. 
zu blizänak Zwilling %lizbmka *bl^zbn^k^. 

102. Da ferner sämtliche ursprünglich auf r aus- 
lautende Silben durch die Metathesis von or zu ra, von 
er zu re, durch die Verwandlung von br w in r- Vokal 
beseitigt sind, können alle jetzt im Skr. auf r endende 
Silben, abgesehen von Fremdwörtern, nur sekundär sein, 
durch Ausfall von /», z. B. bdrba Streit ^= borbba, zägörca 
gen. zu zägorac einer von jenseits der Berge zagorbca za- 
gorbcb, fem. dazu zägörka = zagonka, örla gen. zu örao 
Adler orüa orblo, järma gen. zu jdram Joch jarhrna jarbim, 
vecernß abendlich vecerbnijb, djeverstvo Brautführerschaft 
deverhstvo usw. 

103. Da endlich jedes silbenauslautende l in o 
übergeht (s. §18), müßten Silben auf / überhaupt fehlen. 
Sie sind aber, auch abgesehen von Fremdwörtern, im 
Skr. dadurch vorhanden, daß aus Formen des Wortes, in 



68 Lautlehre. [§ 103. 104. 

denen l, als zwischen Vokalen stehend, verblieb, es in 
die Formen, in denen es zu o werden mußte, wieder ein- 
geführt ist, vgl. z. ß. dökolan Muße habend (regelrecht =s 
dokohm) fem. doköna aus regelrechtem *dokoona für do- 
kolna = dokolbna, daneben dökölna, töholac Lederbeutel 
gen. töhöca und töhölca, vlasteoski adlig (= vlastehskyjb) 
und vlästelski nach vlastelin der Adlige, stälan fem. sfäona 
und stälna standhaft. So ist öfter / aus dem Nominativ 
in Kasusformen übertragen worden, wo die regelmäßige 
Entwicklung zu o führen mußte, z.B. kozälac gen. kozälca 
(eig. Böcklein) ein Pflugteil kozhhcb kozühca, vgl. dazu ko- 
tälae. gen. köfaoca und kofälca (eig. Kesselchen) Höhlung 
des Schlüsselbeins, £älac gen. ^älca Stachel vgl. iaoA:« dass., 
sokölak gen. sokblka Dem. zu sökö gen. soköla Falke soko- 
hkh sokohka. — Über Erleichterung von Konsonanten- 
gruppen im Inlaut durch Auswerfen von Konsonanten und 
dabei vorkommende Assimilationen s. § 161 fg., 178fg. 

104. 2. In Zusammensetzungen mit Prä- 
positionen können beliebige Konsonanten im Auslaut 
des ersten Gliedes zusammenstoßen mit Anlauten des 
zweiten, sobald dies an sich mit einfachen Konsonanten 
oder Konsonantengruppen anlautet, die nach §§ 66—68 
im Anlaut vorkommen können, z. B. ob-grdditi umzäunen, 
öbmbtati umwickeln, ob-znäniti kund machen, od-brdniti 
abwehren, bd-gristi abbeißen, od-vläciti abziehen, öd-zdräv 
Gegengruß, öp-klada Wette, rascvijetati se erblühen, rashldditi 
abkühlen räs2mem pr. zu räsxMi ausspannen, of-hlddüi ab- 
kühlen, hez-glasan stimmlos usw. 

Einer besonderen Behandlung bedürfen die Fälle, in 
denen eine ursprünglich auf ^ auslautende Präposition 
erstes Glied einer Zusammensetzung bildet. In diesen 
Fällen kann ^ abfallen, dadurch die eben erwähnten 
Konsonantenverbindungen im Inlaut eintreten; es kann 
aber auch ^ als a erhalten bleiben. Die in Betracht kom- 
menden Präpositionen sind: bez^ — bez-, beza-; iz^ — iz-, 
iza-; nad^ — nad-, nada-; ob^ — ob-, oba-; oth — ot-, od-, 
oda-; podh — ijo^-, poda-; ^jrec?* — pred-, prijed-, preda-; 



§104—106.] Die einzelnen Laute. 69 

Yaz^ — raz-^ raza; vhzh — uz-, uza-. Von diesen haben 
bez-, iz-^ raz-, uz- schon vor der besonderen serbischen Ent- 
wicklung ihren Auslantsvokal eingebüßt oder überhaupt 
nur auf z ausgelautet (vgl. Abg. Gr. § 58 II). Vor k t 
p h c geht das z in s über; andere Assimilationsverhält- 
nisse s. § 181. Die einzelnen Fälle: 

105. beza- in bezaänjt bodenlos '■'^bez^-d^njijb (vgl. 
bezdana Abgrund), bezäzien arglos *bez^-z^len^, sonst nur 
bez-, bes-, z. B. bez-rodan unfruchtbar, fces-c;'e;2 unschätzbar ; 
vor .9 schwindet z, z. B. besolica Mangel an Salz (zu so 
gen. soll). 

106. iz- verbindet sich in der Regel unmittelbar 
mit dem Anlautskonsonanten des zweiten Gliedes, z. B. 
iz-vesti hinausführen, is-köpati ausgraben, is-teöi auslaufen, 
is-pläüü auszahlen, is-hödiü ausgehen, is-cijelifi ausheilen. 
Vor /' (Ij) bleibt z oder geht dialektisch in i (eig. £, s. 
§ 54) über, z. B. iz-ljiibiti iz-ljübiü der Reihe nach küssen, 
tz-ljesü Iz-ljesü {= -lesti, ekav. h-Iesfi) ausgehen ; vor c 
wird das zunächst aus z hervorgegangene s zu s, z.B. ts- 
ceznuti = Hs-c. verschwinden, is-cekati erwarten, ebenso 
von dem mundartlich aus te- hervorgehenden ce-, z. B. 
Is-öerafi für ts-tjerati; vor s, s, z schwindet z (s) völlig, 
z. B. iseWi auswandern ^= 'Hs-s., isköcüi herausspringen 
(skociti), islüzifi ausdienen (slüziti); istetiti beschädigen 
(stefiti), isüati herausspazieren (sefati); izeniti nacheinander 
verheiraten = '*iz-z., izdrijebiti werfen (von der Stute) = 
Hz-zdr. — Den zahlreichen Beispielen mit iz- und seinen 
Assimilationen stehen nur wenige mit iza- gegenüber, 
größtenteils neben iz-: izä-brati pr. izäberem und Iz-brati Iz- 
berem auslesen, izä-dnjeü pr. iza-drem, izä-dirati und 'iz-dirati 
ausreißen, izä-djesti iz-djesti u. a. ausfädeln, izä-laziti (Nach- 
bildung von izd(H) Izlaziti herausgehen, izä-jjrati präs. izä- 
perem und Is-prati auswaschen, izä-zdenuti und izdemdi aus- 
treiben, izä-zeti präs. tza-zmem, izä-zimafi und izeü izmem izi- 
mati ausdrücken ; izä-gnati izä-zenem austreiben, izä-gnjiti 
verfaulen, izä-süfi iza-spem, izä-sipaii ausschütten, izä-srafi 
izä-serem excacare, izä-tkaii tza-cem ausweben, izä-vreti 



70 Lautlehre. [§106-109. 

heraussprudeln, izä-zvati pr. iza-zövem iza-zivali herausrufen 
(in älterer Zeit auch nvaii usw.). 

107. raZ' und raza- ; raz- ist das fast durchgehende ; 
für die Behandlung des z gelten dieselben Regeln wie bei 
iz-, z. B. ras-kidati zerreißen, ras-plesH losfiechten, ras-hläditi 
abkühlen, ras-cijepiti zerspalten ; raz~ljütiti raz-lj. erzürnen, 
ras-clniti auflösen, räs-öeratl für räs-tjerati auseinander 
treiben; rasiiditi entscheiden (sicditi), rcmq) Zerstörung = 
^raz-shjn (eig. Zerschüttung), rasiriti ausbreiten, razbniü se 
sich (von der Frau) scheiden (ieniti). Selten ist raza-, 
daneben immer raz-: razä-hrati raza-hiraU und raz-hrati 
raz-hirati unterscheiden, raza-gnaii raza-gcmiti und razg. 
auseinandertreiben, razä-peU präs. raza-pnem, razä-pinjati 
und räspieü räsjmem räspiiijati ausspannen, razä-sfiti räza- 
spem, razä-sipati und räsüti räspem räsipati auseinander- 
schütten, razä-trti pr. räza-trem und räs-trti ras-irem zer- 
reiben, razä-viti und räz-viü auseinanderwickeln. 

108. uza- ist vereinzelt: nza-hrati und üz-hrati 
pflücken, nzä-vreti uzävirati aufwallen, uzä-idifi anzünden, 
sonst durchweg nz-, z behandelt wie bei iz- und raz-, 
z. B. usjeiiti aufsitzen = *v%z-sesti, tisköciti entspringen 
(skdc'iti) iistati aufstehen {sfäti), üstaviü hemmen {stävUi), 
uscüpaii abpflücken (citpati), uzeci (zu ie6i) üzizati anzünden, 
uiljütiti erzürnen. 

109. oh- oba-; oba- in ohä-gnjiti verfaulen, obä-peti 
pnis. bba-pinem umspannen, obä-mrijeti präs. öba-mrem, oba-mi- 
rafi in Ohnmacht fallen, obä-sjati bescheinen, oba-strijeti 
präs. öba-strem umbreiten, öba-sav gen. dba-sva eine Art Naht 
*obh-sbv^, oba-vezaii se sich anhängen, oba-vijcstiti begreiflich 
machen, obä-viti oba-vijati umwickeln, obä-vreti ansieden. 
Die Beispiele mit anlautendem v im zweiten Gliede zeigen 
das Aufgeben der alten Regel, nach der ob-v. zu ob- werden 
mußte (s. Abg. Gr. §51 VIII); alt befolgt ist sie in obäliti 
niederwerfen = *ob-v., obäriti absieden = *ob-v., öbjesiti 
aufhängen = ^ob-vesUi; in alten Nominalzusammen- 
setzungen, öbläst Mast = *oh-vlasih, öbicOj Gewohnheit 



§109.110.] Die einzelnen Laute. 71 

vgl. nä-rika dass. Wo die Sprache jetzt h-v hat, z.B. oh- 
vesti herumführen, öb-viti umwickehi, ist eine Neuein- 
führung des oh- nach Analogie der sonstigen Komposita 
mit oh- anzunehmen. Nebeneinander oha- und oh-: ohä- 
süti präs. oha-sjMsn, ohä-sipali beschütten und op-süti öp-spem, 
ohä-znati erfahren, vgl. oh-znäniti kund machen, ohä-zreti se 
ohäzirati se und öh-zirati se sich umsehen. Außerdem nur 
oh-, dessen h vor t k s s h c c c zu jj wird, z. B, op-koliti 
umringen, op-teci überflügeln, öp-sjecl umschneiden, dp-siti 
umnähen, op-höditi umgehen, opi-chviti behexen, öp-cerati = 
dp-tjerati herumjagen. 

110. ot- 0-; od-, oäa-. Das alte ot- ist einigemal 
geblieben, wo es in alten Zusammensetzungen vor Vokal 
stand: öt-eti pr. öt-mem. (^ ot-cti ot-biuq) öt-imatl wegnehmen, 
vgl. auch öt-mica Mädchenraub (eig. Wegnahme) *ot-hinica, 
ot-iti (-ici) weggehen (vgl. aber daneben od-tgrati wegtanzen, 
od-öraü abackern, oä-Miti abgewöhnen u. a. d. A.); außer- 
dem in ot-vrsti se präs. ot-vrzem se sich loslösen = *otb-vbrsii 
(abg. dagegen oih-vresti), wo die Zusammensetzung mit ot- 
nicht mehr empfunden ist. Ferner ist ot- erhalten vor 
Anlaut h p h des zweiten Gliedes, z. B. ot-hüpiti loskaufen, 
ot-prati auswaschen, ot-hödiü weggehen; dasselbe ist der Fall 
vor s und s, z. B, ot-sjesti absitzen, ot-siti auftrennen, aber 
nach Vuks Vorgang schreibt man ddsjesti ddsiti, weil es 
scheint, daß man bei konsequent lautlicher Schreibung 
schreiben müßte dcjesti (c = ts) öciti (c = ts) und da- 
durch das Bild der Zusammensetzung verdunkelt würde, 
allein Vuks Schreibung ist im Prinzip richtig, denn die 
Silbentrennung ist ot-siti, nicht '''o-ciii; nur hätte in sol- 
chen Fällen od- vermieden und ot- geschrieben werden 
sollen ; od ist nur angewendet, weil es als die normale 
Form der Präposition angesehen wurde. — Vor t- und d- 
lauten t, c (^ ts), c (= tc), d, und vor s kann t ganz 
schwinden, z. B. otcci ablaufen abg. otz-testi, öirti präs. ötrem, 
öiirati abwischen abg. otrHi oirti und oth-ir., ötisnuti weg- 
drücken = otvtisnqti, otresti abschütteln = oii-trcsti, ötjerati 
{diixl. ocerati) wegtreiben = otz-terati, otvöriti aufmachen abg. 



72 Lautlehre. [§110. 

ofvoriü für *oh-tv., ocijepiti abspalten = oh-cejnti, ocäjati 
verzweifeln abg. otbvajati, odähnuti aushauchen =^ ot^chchnqti, 
OilijcUti abtrennen = othcUliti; dsjeri abhauen = ^'othset'i abg. 
oU-sesti, dsjesti absitzen (vom Pferde) und od-sjesti, osMciti 
und od-skocifi abspringen, ostiqnii und od-stüpiti abtreten; 
vereinzelt auch vor anderen Konsonanten: oMddifi se und 
of-Jd. se sich aus dem Staube machen, okänili se und ot-k. 
se sich entschlagen, okinnti okidati losspannen und df-kinuti 
ot-kidati abreißen, dlomak (im Verse) öd-lomak Bruchstück 
ot^-lom^k^, omäöi gleiten lassen od-mäci Avegrücken, oniesti 
pr. ometem abkehren (fegen) oh-vi., öpasfi öpadati und 
btpasti btpadati abfallen, apraviti abfertigen = ohpr. — 
od- oda-\ vor &, gf, z, z als tönenden Konsonanten mußte 
t zu d werden, daher z. B. od-biti abschlagen, od-govöriti 
antworten, od-zivati antworten auf einen Ruf. Danach 
ist auch vor den Nasalen n m, den Liquiden r l, vor v j 
als ebenfalls tönenden Lauten, obwohl an sich vor ihnen 
t stehen kann, od- für ot- eingetreten, z. B. öd-nijeti weg- 
tragen, od-möliii losbitten, öd-rezati wegschneiden, od- 
letjeti wegfliegen, od-vrätiti abwenden, öd-jahati wegreiten. 
Ferner ist aus dem so entstandenen od- die Gewohnheit 
hervorgegangen, die selbständige Präposition vor Kasus 
immer od zu schreiben, obwohl sie nur vor den oben be- 
zeichneten Konsonanten so gesprochen wird, dagegen ot 
vor k usw., also od gräda von der Stadt, öd brata von dem 
Bruder, aber of krave von der Kuh, geschrieben öd krave. 
— Neben od- steht in wenigen Fällen oda-; das kann 
nicht ursprünglich sein, da es ein '■^■od^ nie gegeben hat, 
ist also aus Nachahmung von iza-, poda- u.a. entstanden: 
odä-gnuti wegbiegen ohgvnqti, odä-drijeti präs. öda-drem, odä- 
dirati wegreißen (vgl. aber ödtr ödor Plünderer, ödora Beute), 
odä-dniti Boden ausschlagen, odä-slaü präs. öda-sljem weg- 
schicken ot^-s^lati, odä-strijeti präs. öda-strem abdecken (abg. 
-sfreti -stbrq); neben od-: odä-brati öd-brati auslesen, odä- 
gnaii präs. odä-zenem, odagöniti und odgöniti wegtreiben, oda- 
peti präs. dda-pnem, odäpinjati und öt-pinjati abspannen, odä- 
prijeti präs. bda-prem, odapirati und öt-pirati abstützen, odä- 



§110—112.] Die einzelnen Laute. 73 

sjeci (poet.) öd-sjeci abhauen, odä-süti präs. oda-sj^em, odäsipati 
und öd-sidi öd-spem odsipaU wegschütten, 

111. i)od- poda- ; pod- wird vor k p h zu pot-, z. B. 
pot-kbpati untergraben, pot-pisati unterschreiben, pot-hräniti 
aufpllegen; ebenso vor s, z. B. pöt-staviti, man schreibt 
aber (vgl. od, § 110) zur Vermeidung von pbdaviti dafür 
■pbd-staviti. Fast durchgehend sind pod- piot-, selten ist 
poda-: podä-drijeti ])Yäs. 2Mda-drem, podä-dirati darunter weg- 
ziehen, podä-gnati präs. poda-zenem, poda-gbniti und podgbniti 
jagen, podä-peti präs. pbda-pnem, |;of?rt-j9mja/i anspannen, 
podä-süti präs. pibda-spem^ poda-sipafi unterschütten. 

Neben nad-, pred- kommen in Zusammensetzungen 
keine nada-, preda- vor. Das d wird behandelt wie das 
von pod-, z. B. nat-hriti von oben zudecken, nat-plaati 
darauf schreiben, p/rct-kucnica (was vor den Häusern) ein 
Bettlerlied; aber nad-skbciti überspringen, wie pbdstaviti 
u. dgl., obwohl iiat-sk. gesprochen. 

Über die Verbindung des Verbums iii )ci gehen mit 
Präpositionen und die dabei vorgehenden Lautver- 
änderungen s. § 177. 

Vi2. Präpositionen vor Kasus bilden mit diesen 
für die Betonung eine einheitliche Gruppe, in dieser kann 
das o der Präpositionen als a erhalten bleiben und 
schwinden. Einigermaßen fest sind folgende Gebrauchs- 
weisen: kb ist vertreten durch ka regelmäßig vor Anlaut 
k, g, h, z. B. ka knezbvima, kä gräda, ka hümu, wird bevor- 
zugt vor s_, z-\-Kons., z.B. ka stijmi, ka svemu, kä zboru. 
Bei sonst in Betracht kommenden Präpositionen ist die 
Form auf -a feste Regel wohl nur vor dem vokallosen 
Akk. -nj (cum) und dessen Nebenform -njga, z. B. krözä-nj 
krözä-njga, nädä-nj, nizä-nj, pödä-nj, predä-nj, und vor dem 
Instr. nimm, z. B. sä mnöm, preda mnöm; bevorzugt wird sie 
vor den enklit. Akkusativen me, te, se, z, B. predä nie 
(s. die Bemerkungen Mar. § 60). 



74 Lautlehre. [§113—116. 

II. Kousonanteugrnppeu im Wortanslaut. 

113. Sie konnten nur entstehen durch Abfall von 
■&, 6 und werden nur geduldet, wenn sie bestehen aus 
Sibilant und Dental: st, zd, st, zd, z. B. göst Gast gostb, 
grözd Traube (jrozdh, pläst Mantel plastb, däsd Regen döädh. 
Über die Beseitigung anderer Gruppen durch Hilfsvokal 
s. §§16,114. 

B. Ab- und Ausfall von ursprünglichem ^, b. 

114. I. Alle wortauslautenden ^, h sind im Skr. 
abgefallen, 6 ohne Hinterlassung einer Palatalisierung des 
vorhergehenden Konsonanten (wie z. B. im Russischen), 
z. B. gräd Stadt grad^, cäst Ehre cbsfb. In einzelnen ein- 
silbigen Wörtern, die durch den Abfall vokallos würden, 
ist b als a erhalten geblieben: cak. ca «was» = r6, vgl. 
abg. ni-cb-h; dial. tä = th der. Wenn durch den Abfall 
andere Konsonantengruppen als sf, zd, st, zd in den Aus- 
laut kämen, wird zu ihrer Aufhebung der Hilfsvokal ^, 
d. h, im späteren und heutigen Stadium der Sprache a, 
eingesetzt, z. B. abg. veprb gen. vepri Eber skr. vepar vepra, 
abg. qglb gen. qgli Kohle skr. ugalj nglja, abg. svekn gen. 
svekra Schwiegervater skr. svekar svekra, abg. teskb gen. 
teska Presse skr. tljesak tljeska. Dasselbe geschieht in 
Fremdwörtern, z. B. ^mrat gen. j^orta it. j^orfo Hafen, tes- 
tamenat Testament, märac März it. marzo. 

115. II. In inneren Silben (Nichtendsilben) fallen 
^, b aus oder bleiben, wesentlich nach folgendem Ver- 
fahren : 

1. Hatten zweisilbige Wörter ursprünglich in beiden 
Silben Halbvokale, so fällt der letzte, der dann notwendig 
wortauslautend ist, ab, der erste bleibt als a, z. B. chstb 
— ■ cäst Ehre, d^zdb — • däzd Regen, dhnh — dän Tag, hzh 
— läz Lüge, mhvh — mäc Schwert, som — - sän Schlaf, 
vwio — rän hinaus. 

116. 2. Hatte in Wörtern von beliebiger Silben- 
anzahl die erste ursprünglich Halbvokal, die zweite vollen 
Vokal, so fällt 



§116.117.] Die einzelnen Laute. 75 

a) der Halbvokal der ersten Silbe aus, wenn so Kon- 
sonantengruppen entstehen, die den (§66 fg.) behandelten 
entsprechen, z. B. d~ono — dnö Boden, d^va — dvä zwei, 
khniga — kvßga Buch, m^no(J^ — mnogi mancher, gen. psä 
(zu päs Hund = phs^) =■ phsa, shlnti — släii schicken, 
gen. snä (zu sän Schlaf = ^^n^) = shua, p^tica — ^jßm 
Vogel, Hmihm — tmhm Finsternis. 

b) Dagegen bleibt der Halbvokal als a, wenn nicht- 
duldbare Konsonantengruppen durch den Ausfall entstehen 
würden, z. B. h^drh f. 'b^dra — hadar hädra munter, diska 

— daska (daneben ckä = tskä für '-^'dska) Brett, d^chnqti — 
dähnuti atmen, h^hlo gen. k7,hla — kahao käbia Eimer, 
kbs{h)neii säumen, zögern — kasniti, hgati — ■ lagati lügen 
(vgl. dazu russ. fgat), hib gen. hzi — lä£ gen. lä£i Lüge, 
hm gen. hva Löwe — hlr läva (vgl. r. lev l'va), imknqti 

— niäci maknuti rücken (vgl. prö-mri prö-mknem), mhslh 
gen. m^sta — müst mästa JMost, smcha — snalia Schwieger- 
tochter, stbklo — stäklo (neben stklo und alt cklö = tsklö 
durch Umstellung von st) Glas, svbuqti — ■ svämdi anbrechen 
(vom Tage), hknnfi — täkmdi anrühren (vgl. nä-hiufl aus 
*na-tkmiti, aor. na-tkoh = na-Ukodn). 

WS. 3. Hatten in mehrsilbigen Wörtern die beiden 
ersten Silben Halbvokale, die dritte vollen Vokal, so fällt 
der Halbvokal der zweiten aus, der der ersten bleibt als 
a, z. B. abg. sbp^fat^ präs. sbpzstq — • saptati säpcem flüstern, 
tbtnbnica — Vamnica Gefängnis, zzhva — zäova = *zalva 
Schwägerin. — Hier mögen auch die Fälle angeschlossen 
werden, wo dreisilbige Wörter in allen drei Silben ^. h 
hatten. Nach Abfall des auslautenden ^, h bewahren die 
beiden ersten den Vokal als a. Dagegen muß nach den 
eben besprochenen Fällen wie tämnica, sobald in Flexion 
oder Ableitung die dritte Silbe vollen Vokal hat, der 
zweite der beiden i?ch wachen Vokale ausfallen: cbtbcb gen. 
chtbca — cätac cäca = cätca Leser, dbnbsb — dänns heute, 
chshm fem. cbsthna — ■ cästan cäsna ehrenvoll, hzbcb gen. 
hzbca — lüzac läsca Lügner, hzbvo fem. hzbnn — läzan 
läzna lügnerisch, pwbcb gen. phrbca — parac parva Kläger, 



76 Lautlehre. [§117—121. 

s^no1c^ gen. Somka — sunak sänka dem. zu shno — sän 
Schlaf, tbrnhm fem. tbmhna — fdman tdmna finster, tbnhkh 
fem. tbmka — tänak tänka dünn, sbphth — säpät Geflüster, 
sbvbcb gen. sbvbca — sdvac sävca Schneider, z^lbcb gen. Zh- 
Ibca — zälac zälca böser Mensch; vgl. noch Idgähan fem. 
lägahna leicht Hbg^chono, f. *-chö)ia zu hghkh f. Ibghka, skr. f. 
Hagka. daraus läka, diesem nachgebildet das Mask. läk 
statt Hagak. 

118. 4. Standen ursprünglich in den beiden letzten 
Silben Halbvokale, in der drittletzten voller Vokal, so 
bleibt nach Abfall des Auslauts vokal s der Halbvokal der 
vorletzten erhalten. 

119. 5. War die Lautfolge der drei letzten Silben : 
drittletzte v'oller Vokal, vorletzte Halbvokal, letzte voller 
Vokal, so fällt der Halbvokal der vorletzten aus. 

Beispiele zu 4. und 5.: ^düzbrn f. '^düzbna — düzan 
düzna schuldig, kothlb gen. kotüa — kötao kötla Kessel, 
orbh gen. orüa — örao örla Adler, starbcb gen. starbca — 
stärac stärc% Greis, syn^k^ gen. symka — slnak sinka Söhn- 
chen, zajbrm gen. zajbma — zäjam zdjma Borg. 

ISO. 6. War die Silbenfolge: letzte voller Vokal, 
vorletzte und drittletzte Halbvokal, viertletzte voller Vokal, 
so schwindet der Halbvokal der vorletzten, der der dritt- 
letzten bleibt erhalten, z. B. ostbnbce — ostänce kleiner 
Stachel, ■^•sbrdbcbce — srdasce Herzchen, liadycbnbstvo — 
vlndicänstvo Bischofswürde; vgl. dazu noch den seltenen 
Fall, daß drei Silben vor der letzten Halbvokal hatten, 
es bleibt dann der der drittletzten: *sedblhcbce — sedläsce 
dem. zu skllo {= sedblo) Sattel. 

läl. 7. Hatten die drei letzten Silben schwache 
Vokale, die viertletzte vollen Vokal, so fällt bei un- 
gestörter Entwicklung nach Abfall des auslautenden Halb- 
vokals der der drittletzten Silbe aus, der der vorletzten 
bleibt erhalten, z. R. kotblbcb dem. Kesselchen kötlac. Die 
Entwicklung ist aber meistens gestört durch Einwirkung 
von Wortformen, die in der letzten Silbe vollen Vokal 
hatten, z. B. gen. kofbhca, daraus kotdlca kofaoca, danach 



§ 121. 122.] Kombinatorischer Lautwandel. 77 

nom. kotalac, vgl. noch starbchcb (dem. zu starhcb GreisX 
gen. starhcbca, daraus staracca staräsca, und danach der 
Nom. staräcac statt *starcac; der Gen. kotläca ist wieder 
eine Neubildung nach dem Nom. kotlac. 

Derartige Ausgleichungen sind auch sonst vorhanden, 
z. B. zu dem {^= äbtib) lautet der alte Gen. dne (= dwie), 
dafür jetzt däna nach dem Nominativ, ebenso sät 
Honigwabe (= s^t^) gen. säta statt *sta (= s^fa); statt 
Hma Finsternis aus tbyna (vgl. imwa) ist tdma eingetreten 
nach tdman f. tämna dunkel. Zuweilen erscheint a ^ ^, 
b auch da, wo an sich keine Hemmung des Ausfalls vor- 
lag, z. B. präs. trein (zu trti reiben) neben tlirem abg. hra^ 
gänuti gänem verrenken^ vgl. sh-gnuti sä-gnem niederbiegen 
g^nqti g^nq, znjem (präs. zu zeti ernten) neben mvjem, abg. 
zhnq, präs. sljem (zu släti schicken) statt *sljem neben 
suljem abg. s^Vq, und anderes der Art. 



IL Kombinatorischer Lautwandel. 

1S3. Behandelt werden in diesem Abschnitt Laut- 
veränderungen, die durch Stellung im Wortganzen, durch 
Beeinflussung benachbarter Laute aufeinander verursacht 
sind. Vieles einzelne mußte des Verständnisses wegen 
schon in den Abschnitten über die Laute und Lautgruppen 
vorweggenommen werden. Hier soll das Ganze mehr im 
Zusammenhang dargestellt werden. 

Wie bei jeder slavischen Sprache muß man auch 
beim Serbokroatischen genau scheiden, welche Vorgänge 
der Geschichte der behandelten Einzelsprache angehören, 
welche dem Gemeinslavischen oder einer Gruppe der 
slavischen Sprachfamilie, also älter sind als die besondere 
Entwicklung der Einzelsprache, Wenn man z. B. in der 
skr. Grammatik die Regel aufstellt, k wird vor e und 
anderen palatalen Vokalen zu c, so kann man allerdings 
oft in einer Reihe zusammenhängender Formen diesen 



78 Lautlehre. [§ 122—124. 

Wechsel beobachten, je nachdem k vor einem palatalen 
oder nichtpalatalen Vokal steht, z. B. 2, sg. präs. peces du 
bäckst, 3. pl. pekn. Aber der Vorgang ist nicht serbo- 
kroatisch, sondern allgemeinslavisch, die Regel für das 
Skr. an sich wertlos, denn es heißt z.B. 3. pl.präs. pläcü 
(zu pläkati weinen), 2. präs. pläces, also altes k auch vor 
dem nicht palatalen u als c. Aus dem Skr. ist es über- 
haupt nicht erklärbar, warum es neben peces heißt pekü, 
dagegen neben pläces anders, pläcü; pekü ist gleich ursl. 
pekgtb, pläcü = ursl. placotb aus ^plakjonti. Im Skr. sind 
die Ij (l') in pöstelja = pösleVa Bett und veselje = vesel'e 
nicht verschieden, obwohl ganz verschiedenen Ursprungs, 
jenes = ursl. postel'a aus *po-stel-ja, dieses = vesehje, Ij (V) 
erst nach Ausfall des h entstanden. 

I. Hiatus, Kontraktion. 
Verkürzung langer Vokale. 

1^3. 1. Zusammenstoß zweier Vokale im 
VVortinnern (Hiatus) kam urslavisch nur vor in 
Zusammensetzungen bei vokalischem Auslaut des ersten, 
vokalischem Anlaut des zweiten Gliedes, so urspr. auch 
im Skr., z.B. za-örati unterpflügen, na-üciti belehren, prl- 
usak Ohrfeige, samo-uk Autodidakt. In solchen Fällen 
wird, auch beim Zusammentreffen gleicher Vokale, nicht 
kontrahiert, wenigstens in der Schriftsprache nicht, z. B. 
crnö-ok schwarzäugig. In Vuks Wb. deutet indes die 
anomale Betonung crnook jMvook (im Ak. Wb. normal 
crnbok) auf eine Aussprache crnök plävök, vgl. iütöka (övca) 
gelbäugiges (Schaf) = zuiöoka. — Über die Aufhebung des 
Hiatus in den Zusammensetzungen mit iti, z.B. näci nädem 
aus na-iti, s. § 177. 

124. 2. Im Skr. ist Hiatus neu entstanden: 
a) Durch Wandlung des silbenauslautenden l in o 
(s. §18); kontrahiert wird dann regelmäßig nur beim Zu- 
sammentreffen von — 0, z. B. vö Ochs = voo aus vol, 
gen. vula, demin. völak = voUkz gen. vöka ■== vooka aus 



§ 124. 125.] Kombinatorischer Lautwandel. 79 

volka = volöka, töholac gen. toböca aus tobooca = tobölca. 
Die auf gleiche Weise entstandenen Verbindungen ao, eo, 
uo, io läßt die Schriftsprache so bestehen, z. B. ^^^'ko = 
pitalö (zu pHati fragen), veseo vergnügt = veseU, menduo 
Mandel, vrdtio (zu vrdtiti wenden). Aber in großen Teilen 
des Sprachgebiets wird ao der /-Partizipien zu ö kontra- 
hiert, z. B, pekd = 2>^kao aus pekal = pekh, pltö = püao. 
Über die scheinbare Kontraktion dieses Partizips zu jje'M 
jntä s. § 201. In inneren Silben bleibt in der Regel ao 
bestehen, vgl. nom. vlddalac Herrscher (= vladahcb) gen. 
rlddaoca = vladalca aus vladahca, zäova Schwägerin für 
^■'■zalva aus zöldva (als dialektisch wird zfwa angegeben). 
Bei io tritt in der gesprochenen Rede der Übergangslaut 
j ein: vrätijo, dijöba {geschr. dioba) = delbba. Bei r-o bleibt 
entweder r als Vokal bestehen, z. B. gr-oce (dem. zu grlo 
Kehle) = grhce, oder r wird konsonantisch, z. B. statt 
■h)ir-o aus umrlo in der Regel ümro. 

125, b) Durch Schwinden des Ji, das die heutige 
Schriftsprache nach Mundarten, die es erhalten haben, 
bewahrt. Tritt das in Zusammensetzungen ein, so wird, 
auch bei Zusammenstoß gleicher Vokale, nicht kontrahiert, 
z. B. do-od = dohod Zugang; in einheitlichen Wörtern 
kann aber kontrahiert werden, z. B. gröt = gröJwt Gelächter, 
jäti ^ jähati reiten, gen. sirä = uträha zu. sträh Schrecken; 
lägan ist wohl nicht kontrahiert aus lägaan = lägahan, 
sondern ein zum fem. Idgahua, spr. lägana, hinzugebildeter 
nom. lägan. Bringt der Schwund des h die Gruppen uo, 
io zusammen, so treten die Übergangslaute v, j ein, z. B. 
fem. ntr. süva süvo (zu süh trocken) statt sülia sülio (zu 
dem fem. ntr. ist dann ein msk. smu neugeschaffen); fem. 
ntr. üja ttjo für üha tVio zu msk. tlh (der Nom. tlj neu- 
geschaffen zu üja). In einzelnen Fällen tritt auch nach 
anderem Vokal als u ein v zur Ausfüllung des Hiatus 
ein: sträva Auffahren vor Schrecken, strdviti se sich er- 
schrecken (monten. bei Vuk), aus stra{k)a. In Beispielen 
wie podsmijevati se (über etwas lachen) ist v nicht dieses 
Ursprungs; das Wort gehört nicht zu simjeh unmittelbar, 



80 Lautlehre. [§125-128. 

sondern zum alten Präsens synejq se, zu dem es die regel- 
rechte Iterativbildung ist. 

1^6. c) Wenn in jekavischen Mundarten die Ver- 
tretung des urspr. e nicht diphthongisch = ie, sondern 
zweisilbig gesprochen wird, entsteht regelmäßig 'ije, z. B. 
bijela fem. weiß = heia. 

Vereinzelte Kontraktionen in päs = 2^oJäs Gürtel, zec 
Hase aus zajec = zajech; n^mati nicht haben ^= ne-imati. 
— Über möga statt mdjega u. ä. s. § 591. 

127. 3. Verkürzung von Längen vor fol- 
gendem Vokal ist regelmäßig beobachtbar nur bei dem 
neu entstandenen Hiatus vor o aus silbenauslautendem l, 
z. B. ek. bela fem,, heo msk. aus bei, jek. bijela blo, ekav. 
deo Teil aus del gen. dela, jek. dio dljela, zdräo Kranich 
(daneben zdräl) gen. Mräla, Mo Kot aus käl gen. Mla. 
In anderen Fällen ist die Berührung einer Länge mit 
folgendem Vokal durch Ausfall von h entstanden, vgl. z. B. 
jek. sjnlje aus smijeh Gelächter, gen. smrja (für smm, dazu 
vgl. bw neben bijela) mit dem VukWb. als ekav. angegebenen 
smeh (= jek. smijeh) gen. smeha, aber dem jekav. smljeha 
muß ekav. smeha entsprechen und smeha ist als smea zu 
verstehen aus *smea. Ebenso sind zu beurteilen pj^äh gen. 
praha Staub, sträh sträha Schrecken, aufzufassen als j;rrtö 
sträa (daher auch kontrahiert strä); die alten regulären 
Formen waren prräha (vgl. russ. fallende Intonation porodi 
pm'ocha), sträha. Wenn die Länge vor Vokal erscheint, so 
mdati schwingen, pdati abstäuben, statt mdhati, pähati, so 
ist sie wiederhergestellt durch Einwirkung der Präsentia 
mäsem päsem. 

138. Anmerkung. Die Eigentümlichkeit der jekavischen 
Mundarten, nach der je = e, ie {ije) = e vor folgendem Vokal / 
ergibt, wird sich durch Ausfall des e aus dem eigentlich ent- 
stehenden Triphthongen erklären, z. B. sejati ekav. sejati ergäbe 
jekav. ^sieiati, daraus sijati, beh ekav. heo ergäbe jekav. hleo, 
daraus blo. 



§ 129—131.] Kombinatorischer Lautwandel. 81 

IL Abfall auslautender Vokale. 
\29, 1. In älterer Zeit, schon vor der schrift- 
lichen Überlieferung des Skr., sind 5, b im Wortauslaut 
abgefallen. 

130. 2. In späterer Zeit fallen auslautende volle 
Vokale ab in manchen Adverbien, Konjunktionen und 
partikelartigen Wörtern: regelmäßig e von -re = -£e, z. B. 
jer, älter jere, aus je-ze, svMer immer vgl. abg. vbshMe-ze, 
tädär dann vgl. abg. tzgda-se, und in gleichartigen Ad- 
verbien, öndär = '-^onzda-ze u. a., ferner in vereinzelten 
Fällen: vec schon statt vece vgl. abg. veste.^ sved immer 
vgl. abg. vbsh'zde. Über die Zahlwörter wie dvdnaest aus 
döva-na-desde s. § 622. — In den Zeitadverbien auf -da 
kann a abiallen: käd lad (neben käda täda). Über gen. 
növög neben növöga s. § 600 (2). — Ein i ist abgefallen in 
rästa weswegen aus räd stä für rädi sta. Über die kurzen 
Infinitivformen auf -t statt -ti s. § 865a. Anderes ganz 
vereinzeltes wie etwa prek, z. B. in prek-länl (vor zwei 
Jahren) neben preko, mag hier übergangen werden. 

III. Die Entstehung der Diphthonge. 

131. Das Urslavische hatte keine Diphthonge 
mehr (s. Abg. Gr. § 4o), wenn man diesen Begriff in dem 
gewöhnlichen engeren Sinne von i- und ««-Diphthongen 
versteht. Wo solche in den einzelnen slavischen Sprachen 
vorkommen, sind sie ein Ergebnis späterer Entwicklung, 
so auch im Skr. Dies besitzt heute keine w-Diphthonge, 
wie etwa das Kleinr. in dau u. ä. = dai^ sondern in den 
Fällen, wo ein u (v)-Laut mit vorangehendem Vokal im 
Wortauslaut oder vor Konsonanten im Inlaut steht, wird 
konsonantisches v gesprochen, z. B. kröv Dach, prävda aus 
pravbda Gerechtigkeit, lovca = lovbca gen. zu Idvac Jäger 
^ lovbcb. Es gibt nur z-Diphthonge, stets entstanden 
durch Abfall oder Ausfall von h nach j: aj oj ej ij uj, 
z. B. kräj Rand = krajb, zmäj Drache = ziubjh, kräjnji 
äußerst = krajbn'ijb; böj Schlacht = bojb, höjni auf Schi, 
bezüglich = bojbnyjb, djevojka = '^■devofbka (Dem. eines 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 6 



82 Lautlehre. [§ 131. 132. 

alten devoja, so altr,); Becej gen. Beceja (Ortsname), jev- 
rejski hebräisch für -jbskyjb (zu jevrejin); krägüj ^= kragiijh 
Falke, fem. hüpia = hujhna zu msk. hüjan = hujbnö heftig. 
Altes -ij wird verschieden behandelt: im Nom. sg. msk. 
tritt statt des alten -yjb -ijb stets einfaches -i ein, z. B. 
döhri = dobryjb, görnji oben = gorwiijb] ebenso im Gen. 
pl. der i-Stämme, z. B. stvdri = '■''■sötvarifb. Auch in 
inneren Silben, wo in der Regel ij geschrieben wird, z. B. 
sentändrijski = -ijbskyjh, scheint regelmäßig t gesprochen zu 
werden, z. B. schreibt Vuk selbst ubistvo neben idnjstvo = 
ubijbstvo. Auch die ursprüngliche Verbindung -iji-, die 
bald so, bald nur -ij- geschrieben Avird, scheint tatsächlich 
nur ^ zu lauten, z. B. räkijca aus räkijica, dem. zu räkija^ 
als räkica. In bestimmten Fällen ist auslautendes -ji zu 
-)b, d. h. skr. -j geworden, dies bildet dann mit dem 
vorangehenden Vokal Diphthong, z. B. 2. imper. znäj aus 
znaji, cüj aus cxji, 2nj aus pifi usw. Ein -ji- in inneren 
Silben unterliegt solcher Wandlung in der Regel nicht, 
z. B. kräjina Grenze; wenn im Plur. die Imperative lauten 
znäjte, cüjte, pljte (statt znajite usw.), so beruht das auf 
Weiterführung des Singulars znäj. 

IV. Wandlung von silbenauslautendem l in o, 
von älterem / in u. 
132. 1. aus silbenauslautendem l. Silben- 
auslautend kann l nur geworden sein durch Ab- oder 
Ausfall eines ursprünglich nach ihm stehenden ö, b; 
welcher dieser Vokale weggefallen ist, bleibt sich gleich, 
z. B. hvdlio = clivalilib), zäo leid = zal{b), zuova aus zalva 
= zölöva, prätioca, gen. sg. zu prätilac ^= pratilbcb, für 
pratilca = p)ratilbca, tresao fem. tresla hat geschüttelt = 
tresal aus trph; hlo fem. hijela weiß = heh, ü-mro fem. 
ü-mrla ^^ *-mbrlö abg. mrk; diöha Teilung = fZefota, gfoce 
dem. zu gflo Hals = *görlbce\ döca aus *dooca gen. zu 
dolac = dolbca dolbcb, dem. zu dö = *doo aus dolo gen. 
ddla Tal. Ein palatales t (Ij) geht nicht in o über, z. B. 
üciteljskl lehrerhaft (zu ücitelj). 



§ 132. 133.] Kombinatorischer Lautwandel. 83 

Jedes 0, das in einem einheitlichen Wort nacli einem 
Vokal steht, geht auf l zurück. 

In den recht zahlreichen Fällen, wo doch l im Silben- 
auslaut steht, ist es durch Auegleichung mit Formen, 
namentlich Flexionsformen, die es, weil nicht im Silben- 
auslaut stehend, erhalten mußten, wieder hergestellt, z. B. 
Nom. sg, msk. hljel nach fem. bijela, Gen. sg. bijelca (zu 
hijelac Schimmel), daneben noch normal bidca = belbca; 
stradälca gen. sg. (zu straddlac Leidender), neben strddaoca 
= stradahca; ngal Winkel nach gen. ugla, selten normal 
ügao^ Mräl (neben zdräo) Kranich nach gen. zdräla usw. 

Formen mit normalem o aus l haben aber auch um- 
gekehrt dies in Formen hineingezogen, wo es sich laut- 
lich nicht entwickeln konnte, z. B. normales fem. käona 
ntr. Mono = Icahna kalbno führte zu msk. kernt statt des 
daneben gebräuchlichen normalen kälan = kalbnö (kotig); 
so msk. ndseon bevölkert nach fem. ndseona {nasehnz, nase- 
hna); in der Literatur findet man Fälle wie nom. sg. 
prätioc statt 2)rätilac nach dem gen. prätioca usw. 

2. u aus /"Vokal s. §§ 23—25. 

V. Wandlung nichtpalataler Vokale in palatale 
nach den palatalen Konsonanten. 

133. Im Ursla vischen gingen nach den Palatalen 

c', i', 6'', t'{i), d'{j)^ n, l' , r, c, d'z (i) die ursprünglichen o 
in e, 3 in h, y in i über (s. Abg. Gr. § 47). Im Skr. ist 
dieser Wechsel nicht mehr bemerkbar in dem Verhältnis 
von y zu ?', weil beide in i zusammengefallen sind, auch 
nicht im Verhältnis von ö zu b, weil beide, wenn über- 
haupt erhalten, zu a wurden. Dagegen konnte nach den 
skr. Vertretern jener palatalen Konsonanten, also c, i, i, 
c, (f, 71 {nj), V (Ij), r (wenn = altem r), c, z (wenn dies 
= altem d' z, i), der Wechsel von e mit o sichtbar bleiben, 
z. B. selo Dorf pölje Feld, instr. sg. grädom (zu gräd) tnäcem 
zu mäc (Schwert), n.-pl. grädovi mäcevi^ gen. sg. adj. zütöga 
(zu züt gelb), süpljega (zu siipalj hohl), Adj. jumkov (des 
Helden, jünäk) krdljev (des Königs, krälj) cärev (des Kaisers, 

6* 



84 Lautlehre. [§ 133—135. 

cär) = cesarevh. Aber für die lebende Sprache gilt der 
allgemeine Satz nicht mehr; sehr oft ist die alte Regel 
durch Ausgleichungen durchbrochen, z. B. vok. düso (zu 
dtisa) statt düse nach zeno (zu iena), instr. sg. düsdm (alt- 
serb. düseu) nach ihiöm (altserb. iewo?^) ; ücüeljovaÜ Lehrer 
sein (vgl. Adj. üciteljev des Lehrers) nach den zahlreichen 
Verben SLui-ovati; dusbguhac, ahg. diiseguhhch Seelenverderber, 
nach den zahlreichen Komposita mit Kompositionsvokal o, 
z. B. hogörodica, glavöholja, sarnötok usw., durch die o über- 
haupt der allgemeine Kompositionsvokal geworden ist. 
Da r früh hart geworden ist (r), wird nach ihm o neben 
e gesetzt, z. B. rätärov neben rätärev = ratarevs, zu rätär 
=^ratarb; bei dieser Adjektivendung ist auch nach anderen 
alten Palatalen Schwanken eingetreten oder es herrscht 
-ov allein, z. B. vlsnjov (von der Weichselkirsche, vlsnja), 
vgl. aber visnjcvl von Weichselkirschenfarbe. — In jöste 
Jos noch, abg. jeste, ist ohne Anschluß an andere Formen 
je- durch jo- ersetzt. 

VL Wandlung der Konsonanten 
durch Verbindung mit folgendem j. 

A. Urslavische Erscheinungen. 

134. 1. w, J, r -\- j ergaben n, l' , r, davon sind im 
Skr. verblieben ü, V (nj, Ij), z. B. könj gen. Jcönja = konh 
kona, jjrljatelj gen. prtjatelja = prijatel'b jn'ijatel'a; dagegen 
ist r verloren, entpalatalisiert zu r, z. B. viore = more, 
Mira = fewra, stvdrati (ipf, zu stvoriti) = sotvarati, räspra 
Streit = raspbfa. 

Anmerkung. In den cak. Mundarten von letrien und über 
die quai'nerischen und dalmatinischen Inseln wird l' (Ij) durch j 
vertreten, z. B. judl statt l)üdi Leute, böje adv. mehr statt bölje. 
Das kommt nach Budmani (Rad 65, 157) auch in Ragusa vor und 
scheint auch sonst hie und da einzutreten. 

135. 2. k, g, ch -j- j ergaben c, d'z (daraus schon 
ursl. i'), 6-'; im Skr. verblieben als entpalatalisierte c, i, s, 
z. B. Mfüc Schlüssel = *kluJcjb vgl. Mjüka Haken, teia 
Schwere = '''fegja vgl. tegnuti ziehen tegoba schwere Arbeit, 



§ 135 — 140.] Kombinatorischer Lautwandel. 85 

düsa Seele = *duchja vgl. dähnutl = dhchnqti atmen. — 
Über sie, zg mit j s. § 185. 

136. 3. tj, dj, in den slaviscben Sprachen verschieden 
behandelt (s. Abg. Gr. § 39.3), haben skr. ergeben c, d, 
z. B. '■'■'svefja svijeca, *medja nieda, roden geboren zu rdditi 
(abg. entsprechen st, zd: svesta, mezda, roideuö). — Über 
st, zd + i s. § 186. 

IST, 4. sj, Z'j ergaben s, i', skr. geblieben als ent- 
palatalisierte s z. z. B. päsa Weide = *pasja vgl. pästi 
pdsem weiden, 3. präs. veie er bindet zu vczati = '■'■vezje{fb) 
ifzati, üze Seil = '^'gzje abg. qze. 

138. 5. p, b, m, v-\-j sind in den slav. Sprachen 
verschieden behandelt, im Skr., Slovenischen, Russischen, 
zum Teil im Altbulgarischen, tritt zwischen Labial und j 
ein überleitendes l, das mit j das palatale /' ergibt, z. B. 
zemlja aus '^zemja, siävljati (ipf. z\i stduiti stellen) für *stav- 
jati, küpljen gekauft (zu Impiti) statt *kupjenz, väbljen ver- 
lockt (zu vdbiti) aus '^vabjenö. Wenn nach Vuk (Poslovice 
XXXVIIl) in Montenegro zenija slörnjcn (zu slomüi) vor- 
kommt, 80 sind das nicht alte Formen, sondern j ist 
sekundärerweise aus t entstanden, s. § 134Anfn. 

139. Anhang, h, g sind urslavisch oft in c, d'z 
übergegangen (s. Abg. Gr. § 34.2 b). Im Skr. dafür ent- 
palatalisiertes c, z, z. B. junac junger Stier = jnnbcb, mcati 
(ipf. zu mJcmäi hervorströmen), stäza Pfad = stbd'za stbza, 
do-sezati = -sed'zati, ipf. zu do-segiudi ^= -scgnnti erreichen. 

B. Besondere serbokroatische Entwicklungen. 

Im Skr. können durch Ausfall eines urspr. b, ferner 
in jekavischen Mundarten durch das aus v entstandene je 
sekundärerweise Konsonanten mit j zusammentreten. Die 
so entstehenden Verbindungen verhalten sich zum Teil 
wie die ursprünglichen Verbindungen von Konsonanten 
mit j, werden zum Teil anders behandelt. 

140. 1. Zusammentreten von Konsonanten 
mit j nach Ausfall von 5, 0. 

a) Nach r, l, n. Das rj bleibt so, d, h. nicht pala- 



86 Lautlehre. [§ 140- 142. 

tales r mit j, z.B. prhnorje Kx\s,ie = x>rimorbje, x>erje koll. 
Federn = penje, stvärju instr, sg. (zu stvär Geschäft) = 
S5tvarbjq. Die nj, Ij fallen heute mit ursl. ?«', t zusammen, 
daher pisänje (pisäne) = pisanhje, veselje (vesd'e) = vesehje 
nicht verschieden von hänja (häna) = häna, 2^ostelja (pö- 
stel'a) = pösteVa. In älterer Zeit, bis ins 18. Jahrb., be- 
stand wenigstens in Teilen des Sprachgebiets noch der 
Unterschied zwischen altem n, t und neu zusammen- 
getretenem n-j, l-j. Die Handschriften der altdalmatinischen 
Dichter schreiben altes n, i in der Schreibart der ita- 
lienischen n^ l' als gn, gl, z. B. va^mgnen == napunen (er- 
füllt), zenujla = zeml'a, dagegen das neuere n-j, l-j mit 
7iy, ly, z. B, piisanye, veselye. Wo die Ausgaben der Agramer 
Akademie in diesem Punkte genauer verfahren, geben sie 
die letztangeführte Schreibung durch pisan'je, resel'je wieder. 
Auch heute besteht der Unterschied noch in den west- 
lichsten Mundarten, so auf den Quarnero-Inseln, auf Le- 
sina, Lissa und Curzola, z. B. vesel-je Icamen-je. 

141. b) j nach i, d. Die neuen Verbindungen tj, 
dj ergeben wie die urslavischen ö (t, z. B. jyriice koll. Zweige 
(zu prüt) ^= prqtbje, hräca Brüder = brathja, lääa Schiff = 
*ladbja, milosrde Barmherzigkeit = *miloshrdbje. In älterer 
Zeit bestand im westlichen Sprachgebiet, z. T. noch jetzt, 
ein Unterschied zwischen c d und tj dj, z. B. bei Mikalja 
(17. Jahrb., 1649) wird unterschieden svichja Leuchter 
(== svica; sveca, svijeöa), roghjen (= roden geboren) von 
z. B. bratja, ch, chi, chj ist bei diesem Schriftsteller der 
regelmäßige Ausdruck für d; vom 16. Jahrb. an schrieb 
man gh, ghi, ghj, gy, gi, gj (dies bis in unsere Zeit ge- 
blieben) für d; vgl. Maretic^ Istor, hrv. pravop., S. 350 — 351. 

143. c) Die sekundären Verbindungen von sj, zj 
bleiben so erhalten, s z nicht palatal, z. B. kläsje koll. 
Ähren = klasbje, sjäti glänzen (neben sijati) = sbjati, lözje 
koll, Reben = lozbje, kozjl Ziegen- = '■^'■kozbjijb. Doch gehen 
in herzegovinischen Mundarten sj in .^, zj in z über: ^äti 
közi. — Über die Verbindungen stj, zdj s. § 186. 



§ 143 — 146.] Kombinatorischer Lautwandel. 87 

143. d) Die sekundären Verbindungen p, h, m, v-\-j 
bekommen den gleichen Übergangslaut wie die ursprüng- 
lichen, z, B. zdrävlje Gesundheit = ssdravhje, düblje koll, 
zu düb Eiche = dqbhje^ köplje Lanze = kopbje. Bis ins 
IS.Jahrh. noch zdravje usw. In den seltenen Fällen, wo 
solche Gruppen sekundärerweise im Wortanlaut entstehen, 
tritt kein l' ein, z. B. pjän trunken (neben jnjan) = ph- 
janö, bjen gesehlagen (neben bljen) ^= bbjenö. Die von Vuk 
(Poslovice XXXVIII) aus Montenegro angeführten Beispiele 
zdravje^ Icöpje können den älteren Lautbestand bedeuten, 
aber j kann auch aus l' entstanden sein (s. § 134Anm.). 

144. e) Die sekundären Verbindungen c, i, s -{- j 
bleiben unverändert, z. B. instr. sg. rijecju (zu rijec Wort) 
:^ recbjq, örüzje Waffen = orqzhje, pö^ws/e was für die 
Seele (düsa) gegeben wird = podushje. Dialektisch (mon- 
ten.) jedoch auch on7ie, ndrüce (s. Maretic, S. 43), deren 
i, c vermutlich = / e' sind. 

145. f) Nach c, et schwindet ein sekundär daran, 
getretenes ;', z, B. instr. sg. mocu (zu möc) = 'hnochJQ, cäctu 
(zu cäd Ruß) = cadhjq. 

146. 2. j aus je = e in Verbindung mit 
vorangehendem Konsonanten. 

a) Mit 71, l, r. Altes ne le haben ergeben n'e l'e, 
Ijeto {l'eto) Sommer, Ijepöta {l'epöta) Schönheit (vgl. üjep 
schön); njegovati (n'e-) pflegen, njemica die Deutsche (vgl. 
msk. nijemac). Bis ins 17. Jahrb. noch l-jepbta n-jemka. 
— Bei r herrscht keine Einheitlichkeit. Tatsächlich findet 
sich bald re, bald rje, dessen r aber nicht palatal ist, 
z. B. immer rezati schneiden = rezati, breza Birke = 
hreza und manche andere; dagegen schreibt Vuk z. B. 
grjesan sündig, pögrjeska Fehler, und andere Ableitungen 
von grijeh = grechs, rjecü beredt (zu rljec), rjecica Flüß- 
chen (zu rijeka), strjelica demin. zu sirijela Pfeil, rjMi komp. 
zu rijedak selten (aber auch redt). So weit ich die Bei- 
spiele kenne, scheint rj bei Vuk nur dann einzutreten, 
wenn dem betreffenden Worte Formen mit ije zur Seite 



88 Lautlehre, [§146—151. 

stehen, vgl. die obigen Beispiele. Wenn Danicic (s. Mar. 
S. 104) auch krjepost Stärke, krjepak stark schreibt, so 
wird das wohl seinen Grund haben in der Anlehnung an 
krijepiti stärken. Schwankend ist bei Vuk auch die 
Schreibung der Infinitive auf altes -eii: die zweisilbigen 
mit re, z.B. zreti = zbreü schauen, die mehrsilbigen mit 
je, z. B. gbrjefi brennen, stärjeti altern. Demnach scheint 
mir die Sache so zu liegen, daß einst aus re ein re ent- 
stand, das seine Palatalität verlor, wie die ursprünglichen 
r, und daß das jetzt bestehende rje im Anschluß an da- 
neben stehende Wortformen mit ije neu gebildet ist. 

14'^. b) (je, dje verbleiben in einem Teil des Sprach- 
gebiets und die Schriftsprache beläßt sie so, z. B. tjeme 
Scheitel = lerne, letjeii fliegen = leteti, djed Großvater = 
ded^, vidjeti sehen =videti. In anderen jekavischen Teilen 
entsteht c d, wie bei ursprünglicher Verbindung ij dj, also 
6eme, leceti, (Ted, vutefi. 

148. c) sje, zje verbleiben im allgemeinen, z. B. 
sjeme Same = seme, vlsjeti hangen = viseti, zjenica Aug- 
apfel = zenbca. Nur in den herzegovinischen Mundarten, 
wo auch anders entstandenes sj zj zu s i wird (s. §142), 
entsteht hier seme, vUeti, zenica. 

14®. d) jt^/e, bje, mje, vje bleiben im Wortanlaut 
stets so, z. B. 2}jena Schaum, hjezati fliehen, mjesec = mesecb 
Mond, vjera Glaube. In inlautenden Silben, bei den 
Verben auf altes -efi, schwankt der Gebrauch zwischen 
2)je- und j^/^e- (= j^l'e-) usw., z. B. frpjeii und trpljeti 
dulden, zivjeti und zhijeti lelien, niiemjeti und nijemljeti 
verstummen. 

150. e) cje verbleibt im allgemeinen, z. B. cjena 
Preis, qedilo Seihgefäß; in den Mundarten, avo sj in s 
übergeht (s. § 142), entsteht auch hier cena, öedilo. 

VII. Die Konsonanten vor den alten palatalen 
Vokalen (e- und ?'-Lauten). 

151. Es kann angenommen werden, daß urslavisch 
eine palatalisierende Wirkung palataler Vokale auf alle 



§ 151 — 153.] Kombinatorischer LautAvandel. 89 

ihnen vorausgehende Konsonanten ausghig (Erweichung 
der Konsonanten), aber nur auf die Gutturale k g ch und 
auf ht haben sie stark verändernd gewirkt, und diese 
Wirkung ist im Skr. geblieben. Alle anderen Konsonanten 
dagegen erscheinen vor palatalen Vokalen unverändert 
(hart), also Silben wie te- de-, ti- di- sind nicht wie etwa 
im Russischen = t'e d'e, ti d'i. 

A. Die Gutturale vor den palatalen Vokalen 

außer e, i = urspr. oi. 
15!S. urspr. ursl. skr. 

k I j e, tu, e \ c' (■ 

g 1 vor e = idg. e [ i' (aus d'z) z 

dl (h) I \ i = idg. i, ei \ s s 

Urspr. *M-, '■'•ge-, *-che- sind ursl. zu c'a-, za-, s'a- ge- 
worden, daher skr. m-, ia-, sa- (vgl. Abg. C«r. § 40 fg.). 
Beispiele: pece S.präs., vgl. o.plur, j;eM; niozete 2.pl. präs. 
zu niögu; vrse S.präs. zu vrijeci dreschen, vgl. part. vrhao. 
— sammce dem. zu samonk Autodidakt = -ucc, siljeze 
dem. zu slljeg Widder = -ze. — jw-cimiti rasten, vgl. 
j>ö/i<5;/ Ruhe ; zw lebendig, vgl. r/r); <7i pflegen, aufziehen, lit. 
gyvas. — peijäh Imperfekt zu pek- backen, abg. pecaachö 
aus ^'pckeacliö', rözan hörnen = '-'rogenö, vgl. abg. rozanö 
mit hnenö leinen (zu Ityrn,); zär glühende Kohle = '■■'■ger- 
zu görjeti brennen. 

153. Wenn im heutigen Skr. in einheimischen 
W^örtern c, i, s vor nicht palatalen Vokalen (außer vor 
dem aus e entstandenen a nach c usw.) oder vor Konso- 
nanten stehen, so beruht das 

a) darauf, daß altes f., wo es bleibt, zu a geworden 
ist und als solches nach c usw. steht; wo es ausfällt, c 
usw. an den nächsten Konsonanten rückt, z. B. cäst Ehre 
= c6Si!6; obläcan fem. dhläOna wolkig (zu öhläk Wolke) = 
oblacMiö oblacbna. Statt cövjek älter cidvjek = cblovek^. 

b) auf der Umstellung von ursl. er, el vor Konsonant 
zu re, Je, z. B. ursl. *cerpö Scherbe, abg. erepz, skr. cnjep 
crep aus er- ; ursl. '^'zelbs abg. zlebr,, skr. zFijeb Rinne. 



90 Lautlehre. [§153 — 155. 

c) auf der Wandlung von ursl. nr, bl vor Konsonant 
in r- Vokal, /-Vokal, aus diesem skr. u, z. B. ursl. *zbrny 
skr. zrvanj Handmühle; ursl. '■''■cehiö skr. ■^'■rln ciln Kahn; 
ursl. '^■'zblfö gelb skr. züt. 

d) auf der Stellung vor urspr. iu, z. B. ridi hören = 
c'uii aus kiu-. 

e) auf Assimilation eines s, z an folgende palatale 
Konsonanten zu s, i, z.B. sljqnc Blindschleiche statt slje-, 
vgl. sUjep blind; sljiva Pflaume statt sl- (s. § 187). 

f) auf Konsonantenumstellung, so zmirati blinzeln aus 
*miir- = *mbzir-. 

g) auf Ausgleichungen in Flexionsreihen: Genitive 
wie rijeke (zu rijeha Fluß), twge (zu ndga Fuß), snähe (zu 
S7iäha Schwiegertochter) sind ein Ersatz für urspr. rehy, 
nogy, snöchj, Umbildungen nach düse (zu düsa) = urspr. 
duse, B. § 679. 

In Fremdwörtern sind c, i, s vor nicht palatalen 
Vokalen häufig, z. B. aus dem Türkischen dam Tanne, 
cärdäk Warte, cöban Hirt, cüma Post, süga Krätze. 

154. Wenn umgekehrt ä:, q, h vor palatalen Vokalen 
stehen, so kann das folgende Ursachen haben: 

a) Altes y ist im Skr. mit altem i zusammengefallen, 
vor jenem blieben aber die Gutturalen unverändert, daher 
z. B. kidati reißen = kydati, ghiufi umkommen = gynnti, 
Jütnr schnell = chytro. 

b) Durch die Analogie von Wortformen, die vor nicht- 
palatalen Vokalen k, g, h haben, sind diese auch vor 
palatalen beibehalten, z. B. mäjkin (neben mäjcin) der 
Mutter gehörig (zu mäjka), snähin der Schwägerin (snäha) 
gehörig, statt *snasin; zveket Geklimper zveketati klimpern, 
angeschlossen an zvck Klang, vgl. dazu die Onomatopöia 
kreketaii kreknufi quaken, veketati vScnuti meckern. 

In Fremdwörtern stehen oft fc, g^ h vor palatalen 
Vokalen, z. B. aus dem Türkischen kesa Beutel, kiridsiia 
Fuhrmann, Möim Arzt, aus dem Griech. Ivüjada Tausend. 

155. Anhang. 1. Wie Ä-, g werden ursl. behandelt 
auch die aus k, g entstandenen <', d'z, werden folglich vor 



§ 155 — 157.] Kombinatorischer Lautwandel. 91 

palatalen Vokalen zu c', i', im Skr. daher c, i, z. B. otbcb 
vok. otbce, köncdzh vok. kzneze, skr. utac oce = otce, hiez 
kne£e; starbcb Greis adj.poss. starbcevö, skr. siärac sfärcev; 
TcoYi^zina skr. kneHna Gebiet eines knez. 

156. 2. Im Slavischen ergibt fc^ vor palatalen Vo- 
kalen dasselbe wie urspr. tj (s. Abg. Gr. § 51.3), daher im 
Skr. c erscheinen muß, z. B. '^'■noUb (lit. naküs) Nacht skr. 
nöc. In der Sprache läßt sich das noch unmittelbar be- 
obachten an den Infinitiven, die aus Wurzeln mit aus- 
lautenden k, g gebildet sind, z. B. peei backen = *pekti, 
vgl. S.pl.präs. pekü, ze&i brennen ='-''zegti, vgl. o.pl. präs. 
zegü. 

B. Die Gutturalen vor e, i ^= ursprünglichem oi. 

157. ~ ursl. skr. 

' \ I.. ., . 

g I vor e, i = idg. oi 

eil ili) 1 l 

z.B. reka dat. recc skr. rijeka rijeci (über das auslautende 
i s. § 679); junaks pl. jimaci skr. jünäk junäci; noga dat. 
nodze skr, nöga nozi; snocha dat. swsse' skr. snäha snäzi. 

Ausnahmen beruhen auf Anschluß an Wortformen, 
in denen vor nichtpalatalem Vokal die Gutturale unver- 
ändert stehen, so Dative rijeki, snähi nach dem Nom. rijeka 
snälia. 

Anmerkung. 1. Ein altes dz ist im Skr. nicht vor- 
handen. Wo es mundartlich vorkommt, ist es aus älterem z ent- 
standen, z. B. dzöra Morgenröte aus zdra, üzüb Zahn aus züh (s. 
Vuk, Posl. XXX). — 2. Es gibt eine Anzahl Wörter, z. T. nur 
dialektische, wo vor einem i, das in analogen Fällen die Wand- 
lung von k in c herbeiführt, c steht: pecivo Braten, tecivo das Er- 
worbene (vgl. dagegen s;Vf/ya Schneidinstrumente), nc-l'olicina einige 
(zu köliko), toliana so viele (zu toTilo soviel), itteciste Zuflucht (Vuk, 
aus einem monten. Liede, vgl. demgegenüber velicma, tdociste), 
focilj Schleifstein zu tocUi u. a. schleifen. Über das c in Imper- 
fekten, wie p^cijäh (zu peci, W. pek-), s. § 81o. 



(• 


c 


d'z (i) 


z 


s 


s 



92 Lautlehre. [§ 158—161. 

VIII. Konsonantischer Wortauslaut. 

158. 1. Im Auslaut können nur stehen einfache 
Konsonanten und die Gruppen st, zä, st, id, andere durch 
den Abfall von urspr. auslautendem s, 6 entstandene 
werden aufgehoben durch Einfügung des Hilfsvokals alt 
5, später daraus a (s. §16). In den südlichen Teilen des 
Sprachgebiets, Herzegovina, Süddalmatien, Montenegro, 
werden auch st usw. vereinfacht zu s, z, s, i, z. B. slabös 
statt släböst, gröz Traube statt grözd, pläs Mantel statt pläst, 
däz Regen statt däzd. 

150. 2. Nach allgemeiner Annahme bleiben im 
Wortauslaut alte tönende Konsonanten tönend, Vuk schreibt 
daher z. B. bog, gräd, qrözd, däzd, hob, cäct, mräz, mü£, 
hröv (s. Broch, Phon. § 199). Die Nom. mozak Gehirn, drözak 
Drossel, gen. mözga drözga, sind nicht lautlich entstanden, 
sondern durch Anschluß an die Subst. auf -nk = -ökz. 

160. o. In den cakavischen Mundarten wird jedes 
auslautende m von Flexionsendungen zu n, z. B. sihi ich 
bin = säm, znän ich weiß = znäm, istr. sg. gospodlnon = 
-nom. Die Wandlung tritt nicht ein, wenn m nicht flexi- 
visch ist, sondern zum Wortstamm gehört, z. B. säm selbst, 
sräm Schande. Der Unterschied erklärt sich daraus, daß 
im letzten Falle die obliquen Formen mit ihrem erhaltenen 
m, fem. sdma, gen. sräma, die Erhaltung des vi auch im 
Auslaut bewirken, während die Flexionsformen, die als 
solche vereinzelt stehen, keinen derartigen Anhalt haben. 

IX. Konsonantenausfall 
aus ursprünglichen Konsonantengruppen. 

A. Schon im Urslavischen oder in größeren Gruppen, 
also vorserbokroatisch erfolgt (s. Abg. Gr. § 51). 

161. 1. Die folgenden urspr. Lautgruppen sind durch 

Wegfall des ersten Bestandteils vereinfacht: 

ps bs \ ^ 
ts ds J 



§ 161. 16'?.] Kombinatorischer Lautwandel. 93 

z. B. osa Wespe aus ''''-opsa lit. xmpsä, gtisle pl. Geige 
(urspr. gqsH fem. plur.) aus '^'(jod-sli vgl. güdjeti geigen. 

Jcs \ vor Vokalen zu *]ccJi, daraus ch, vor Kon- 
gs J sonanten zu s. 
z.B. rijeJi, aor. zu recem o.pl. prcäs. rekü (abg. rekatö 
sagen), abg. recliö aus '^rekchö, 2. pl. rijesie = resie aus 
''^'reliste. 

U j ^ 
z. B. älijeto Meißel = dUto aus '"'delhfo, vgl. dübem ich 
höhle aus = *f?6föa; ^jrö-.sw/'i verschütten, präs.j?ro-.9^m = 
*siq}ti söjxi. 

pn Im 1 
/w <f/j 1 
z. B, känuti tropfen = "^'Icapnpti, vgl. Ä;«/; Tropfen; 
sali Schlaf = ssnö aus *sö/>«5,' vgl. s^xHi schlal'en = ss/ja^i ; 
pre-gnuti präs. pre-gnem biegen = gonaü gsna aus "''-göbn-, 
vgl. pre-gibati dass.; svänuti hell werden = svbnqti aus 
'''svbtn.^ vgl. svitati dass.; prenuti se aus dem Schlafe auf- 
fahren = *j;}r^«p^(', vgl. predati ^ yrrdaü zittern. 

,, |- l im Skr., Sloven., Bulgar., Russischen. 

z. B. zu pletem ich flechte part. prät. 2^?eo = pleh 
aus ''^pletlö, fem. plela; predein ich spinne, part. j_>reo = 
j;re^ö aus *pr^dl5', omelo Ofen wisch, vgl. mcsii metSm kehren, 
fegen. 

diu ] m, dam ich gebe aus ^'dadnib, vgl. ?>. pl. dädü 
abg. dadeto. 

102. 2. Der zweite oder ein mittlerer Konso- 
nant ist ausgefallen: 

bv ] V, z. B. vüci ziehen obüci für *o&-('., abg. vlesti 
oblesti] öbläst Macht, vgl. vläst Herrschaft. 
skn I sn 
zgn I zn 

Z. B. üsnuti drücken, vgl, tiskati dass. ; brimuti her- 
vorspritzen (von Flüssigkeiten), vgl. bnzgcdi Milch absondern 
lactare. 



94 Lautlehre. [§163. 164. 

163. Wenn in der heutigen Sprache, von Fremd- 
wörtern abgesehen, die Verbindungen ^,9, ts, ks, j^t, jm, hn, 
tn, (In, il, dl, dm, bv vorkommen, so beruhen sie auf 
späteren sekundären Vorgängen, namenthch auf dem Aus- 
fall von ö, 6, oder auf Wiederaufnahme der ersten Bestand- 
teile aus Wortformen, in denen sie nicht von dem zweiten 
begleitet waren, z. B. tepsti se herumstreifen, grepsti kratzen, 
späte Bildungen vom Präsens tepem se, grehem aus (§762); 
säptati flüstern = sbjntati; vdpno Kalk = vajihno, zlohna 
fem. zu zlohan übelwollend = Zolohtna, zölohtnö; putna 
fem. zu putan recht = pqtbna, pqtbnz; vrijedna fem. zu 
vri jedem würdig = vredtna, vredtnö; pädmdi pädnem (neben 
2}ämdi) fallen, metnufi legen, Wiederherstellung des d, t 
nach Aor. pädoli usw.; fem. svijetla zu svljetao hell = 
svetbla, svefblö; pijetla gen. zu pijefao Hahn ^^ petbla, pefblö; 
sedlo Sattel == sedüo; sednit siebenter, vgl. sedam sieben, 
= sedhmyjb, sedbinö; obviti umwickeln, statt ohiti, erneuert 
nach dem Simplex vlti. 

B. In serbokroatischer Entwicklung eingetretener 
Konsonantenausfall. 

164. Durch Ausfall von s, 6 entstehen neue 
Konsonantengruppen, die zum Teil den unter A be- 
sprochenen analog behandelt werden, zum Teil, da sie ur- 
sprünglich gar nicht vorkamen, ihre besondere Entwicklung 
haben. Stoßen durch Ausfall von 0, 6 zwei gleiche Kon- 
sonanten zusammen (Doppelkonsonanz), so wird stets ver- 
einfacht, z. B. sali Sern saugen = Sosati sösq, vgl. slsa 
Mutterbrust, sisafi saugen; fem. meA-a -weich ^*mekka aus 
meköka, bezdkonik Religionsloser = bez-z-, pedeset fünfzig 
aus pet-deset = petb desci^. 

b 

n 



.-f < + 



n') 
kl 



verlieren das t. 



§ 164 — 168.] Kombinatorischer Lautwandel. 95 

Z. B. tazbina Schwiegereltern aus '^tasthina = tbsthhina, 
gozha Gasterei aus '■■jjostbba; bolesljw kränklich (über s s. 
§ 187) aus *bolestljiv = holesthV iv^ \ fem. rädosna ntr. rä- 
dosno, aus *radosfna *radostno, zu msk. rildostan =- rado- 
stbns, das msk. rädosan beruht auf einer Irrung des Sprach- 
gefühls nach Mustern wie fem. hijesna msk. hijesan = 
hcsbna, besbnö ; sklö Glas aus *stklo = stbklo, vgl. die ge- 
wöhnliche Form stäklo; hdscica (für '■''koscica) doppelt de- 
minuiert = kostbcica zu kost Knochen. 

165. d schwindet stets als mittlerer Konsonant 
einer alten dreilautigen Gruppe (über das neu entstandene 
zdr s. § 175), z. B. fem. prdzna leer aus '^'prazdna = 
jyrazdbna, das msk. prdzan ist nach diesem Fem. neu- 
gebildet statt '■■'•prazdan = prazdbuo; gen. gröska zu nom. 
grozdak Träubchen = grozdöka, grozdzkö; gen. gvösca zu 
nom. gvbzdac Schnalle = gvozdt^ca, gvozdbcb. 

166. cc ergibt c, z. B. Gröcanin für Grocc. einer 
aus Grbckä. 

cc d. i. Uts verliert das erste t, z. B. srdasce aus 
srdacce, dem. zu srce Herz, = srdbcbce, gen. Gradäsca zu 
Gradäcac = Gradbcbca, Gradbcbcb; lisce = licbce dem. zu 
lice. Doch verbleibt auch cc, z. B. rijccca, dem. zu n/ec 
Wort, = recbca. 

et d. i. /ö^i verliert das erste t, z. B. pösten redlich aus 
'^pocten= 2^(^-cbtenö, mästanije Spiegelfechterei •^= mbCbtanije'y 
stö was aus cto = cbto, vgl. cak. ca ^ cb. 

cstv = tsstv ergibt stv, z. B. prorostvo Prophetentum 
= prorocbstvo, djevojastvo Jungfrauenstand —-- devojbcbstvo, 
cövjestvo = clovecbstvo. 

csk ^= tdsk verliert das s, z. B. jünäcki heldenhaft = 
■junacbskijjb. 

167. dzd hat ergeben zd in ozdö unten für *odzdo 
aus ot5-so-dol{a), vgl. dazu özgör oben = oi5-s5-gor{y)^ 
daraus nach Analogie von özdö die Form özgö. 

168. g7ic (vereinzelt) ergab njc in gen. jdnjca = 
*jagnhca, daraus dann der Nom, jdnjac für *jagnjac = 
*jagnhch, und Dem. jänje neben jägnje = ^-jagm. 



96 Lautlehre. [§ 169—172. 

109. pt (= 2^^ ^ii^fl i'üi' ^0 kann erhalten bleiben, 
z. B. gen. lii-pta =^ chrhbhta zu nom. hrhat = chrhbbfö 
Rücken; dagegen ist jj ausgefallen in {h)rtenica Rückgrat 
= '^hrpt. aus chrhhhtenica. Im Anlaut püca = ^js^ica 
Vogel und tlca. 

pc, ps im Wortanlaut können p verlieren, pcelci und 
cela Biene, psenica und senica Weizen. 

170. SS, zs ergeben s, z. B. mnostvo Menge aus 
'hnnozsivo = mönozbstvo; sirbmastvo Armut = siromashstvo, 
zu sirbmali, sirömasM = siromasbskyjh. 

stn verliert f, z. B. gbdisnjl jährlich aus '^godistn'l = 
godistbnijb, zu gbdiste Jahr. 

sfb ergibt zh, so iizha (dial.) Vollmond aus "^ustpba = 
*nstbpbha, vgl. ttstep dass. = '''■iisthpö; so ist auch entstanden 
üvjedzbati sich einlernen, sich einüben, zunächst für 
'hi-vjesihati aus a-vestbhaH, vgl. v/e57 kundig, geschickt. 

171. i, d -\- c ergeben einfaches c, z. B. btac gen. 
oca = otbcb otbca, bbdac gen. &öca Stößer = hodbcb hodbca. 

^-j-c ergibt (', z.B. dä-cu ich werde geben aus dät-cu. 

ist (d), aus ist und dst, wird in der Regel beibehalten, 
z. B. brafstvo Bruderschaft =- bratbsfvo, bbgatstvo Reichtum 
= bogatbstvo, srbdsivo Verwandtschaft = s5rofZb5/vo, gospbdstvo 
Herrschaft = gospodbstvo (über d vor s s. § 178, phone- 
tisch wäre srbtstvo oder srbctvo); doch auch gospöstvo. 

ist verliert das erste t, z. B. steta Schade = tösteta, 
nä-ste srca = na töste srdbca (auf das Nüchterne — Leere 
— des Herzens, Magens), nästina = *natöstina Nüchtern- 
heit, hrvästina Kroatentum = ^chörvatstina aus *chörvatb- 
skina; so ergibt dsto zunächst fst, dann st, in kästo zu- 
weilen = käd-sto, rästa weswegen = räd-sta für rädi stä. 

thi verliert fc, so in nä-tnuti nä-inem anstecken = na- 
töknqti -toknq, vgl. na-täknuti (natä/i) nä-taknem. 

172. znl' hat ergeben zl, zl' , bojäzljiv bojäzijiv furcht- 
sam, aus bojaznbl' iv5 zu bojaznb Furcht. 

In gewissem Sinne kann man als Konsonantenausfall 
auch betrachten das Schwinden des t aus c (= t's) in dialek- 



§ 172 — 175.] Kombinatorischer Lautwandel. 97 

tischen Formen wie nojca aus 7idcca (Dem. zu nöc Nacht), 
vöjJca aus vocka Obstbaum (bei Vuk aus einem Liede). 

173. Angeführt werden mögen noch vereinzelte 
Fälle : vsm zu sm in säsma sehr aus *savstna = So-vbshma ; 
dv zu d in dignuti dlöi dlzati heben statt dvici usw., meden 
Bär statt medvjed = tnedvedb; svj zu 5/, sjeddk = svjedok 
Zeuge, sjetovati = svjetovati raten, vgl. auch cetati blühen 
^= cvjetati; svr zu sr, sräb = svräb Krätze. 

Über die öfter in den Konsonantengruppen statt- 
findenden Assimilationen geben § 178 fg. Auskunft. 

174. Anhang. 1. Vereinzelt findet sich Konso- 
nantenausfall zwischen Vokalen, so allgemein Mio wie 
(vergleichend) statt käko (wie, fragend), durch Silbendissi- 
milation; häufig cöek statt cövjek Mensch; crljen für 
crvljen rut (vgl. crven dass.); dialektisch (Monten.) preo für 
preko pnjeko hinüber; meii für medu zwischen beruht auf 
cakavischem mefu. 

2. Anhangsweise möge hier auch beigefügt werden die 
Auswerfung einer von zwei gleichlautenden aufeinander- 
folgenden Silben (Haplologie) : bremenosa Lastträger für 
*bremeno-nosa, zakönosa Pfleger des Gesetzes (der Religion ; 
eigentl, Gesetzesträger) = '•^■zakono-nosa, Tänkosa (Name, 
«die Feinhaarige») = ^Tankokosa. 

3. In den alten Eigennamen auf -slav fem. slava 
scheint das l regelmäßig auszufallen, z. B. Bögosav, Büdi- 
mv, Drägosav, Stänisav, Stänisava. Das erklärt sich wohl 
aus Silbendissimilation in Fällen, wo beide Korapositions- 
glieder l hatten, so in Vladislav, daher Vladisav, nach 
diesem Muster dann die übrigen. Vgl. dazu blägosöv statt 
blagoslov. 

X. Konsonanteneinschub in eine Lautgruppe. 

175. ürslavisch ist er bei urspr. .s-r, z. B. struja 
Strom aus ^srujn, daher auch skr. strüjati wallen (vom 
Wasser vor dem Kochen), östrvo, vielleicht für älteres 
'■'"ostrovo, vgl. msk. abg. ostrovö, es kann aber auch sein = 
*o-s-t-r5vo von nichtdiphthongischer Wurzelform srü-, 

L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. 7 



98 Lautlehre. [§ 175. 176. 

Unterbleiben muß daher die Einfügung von t, wenn s und 
r erst durch Metathesis zusammengerückt sind, also z. B, 
srambta = "^sorm-, dialektisch indes auch strambta. — Im 
Skr. wird regelmäßig d eingeschoben in älteres ir, das 
seinerseits nur entstehen konnte durch Ausfall von * oder 
durch Metathesis aus '-^'zer- vor Konsonanten zu ire-, z. B. prö- 
idrijeti präs. pro-Mrem verschlingen = zreti aus *^erti präs. 
ihrq (in prö-Mirati statt -iirati ist M durch Nachahmung 
des primären Verbums entstanden) ; Mrijehe Füllen = zrehe 
aus *£erbe. Vor vokalischem r (aus urslav. hr vor Konso- 
nanten) bleibt einfaches i, z. B. zrvanj gen. zrvnja Hand- 
mühle zu ursl. *£brny. Wenn in der Sprache ir vor- 
kommt, so ist es aus zr hervorgegangen, so in dial. £räk, 
zraka Sonnenstrahl statt zräk, zräJca, für h~äka tritt dann 
auch Mräka ein. — Vereinzelt dial. ist auch d zwischen 
z-r eingeschoben, z. B. zdräka für zräka; nur in der Zu- 
sammensetzung raz-resiii losbinden ist d regelmäßig ein- 
getreten razdrijesiü und daraus wiederum ein Simplex 
drijesiti abstrahiert. Da das sonst in der Zusammensetzung 
nicht erfolgt, vgl. z. B. räz-rezaü zerschneiden, so liegt 
bei razdrijesiti keine rein lautliche Erscheinung vor, sondern 
eine Angleichung an ein Verbum verwandter Bedeutung, 
räz-drijeti räz-drem zerreißen. 

XI. Umstellung von Konsonantengruppen. 

176. Was derart vorkommt, sind mehr oder minder 
vereinzelte Fälle. 

dn zu nd: pländovati unterstehen (vom Vieh in der 
Hitze), pländiste solcher Unterstand, aus pladn., zu 2)lddne 
Mittag = "^pol-dhne. 

km zu shi^ daraus ckn, dies zu cn geworden: dorne 
adv. spät, döcniti säumen, aus do-kssbne (adv. zu kssbnö), 
do-köshneti, die Entwicklung ist '^doksne '■^doksnifi, *doskne 
^doskniti, '''dockne '■'■dockniti; aus den Formen mit ckn ist 
gebildet döckan adv. (eigentl. nom. sg. msk. adj.). Zu der 
Neigung sk in ck zu wandeln vgl. ckvära für skvära. 



§ 176. 177.] Kombinatorischer Lautwandel. 99 

kt zu tk: tkö wer aus kto = ksto; daneben kö nach 
dem gen. koga usw. 

Iz zu M: zllca Löffel aus Hzica = löiica, vgl. läSica 
und oMca (über Idiica s. § 19). 

m£ zu im: £müra Blindekuh (eigentl. das Blinzeln), 
zmüriti zmiriti zmlrati blinzeln aus mz- = wbi-, vgl. mäg- 
nuti zuwinken = nibgnqti. 

stk zu tsk (ck): köcka Würfel (eigentl. Knöchelchen) 
= '-'kostka aus kosfbka, dem. zu kost; dial. cklö Glas aus 
■''stklo = stbklo, vgl. stäklo. 

stv zu /su (cv): cvdlina Lauchstengel aus *stvolina. 

vs zu SV in der Flexion von väs = i'&sfc (omnis) gen. 
vbsego skr. ■yseöra, daraus svega usw., fem. tJ&sa skr. vsa, 
daraus svä; zu diesen Formen ist ein Nom. sg. msk. säv 
hinzugelüldet worden, s. § 593. 

Versetzung aus einer Konsonantengruppe an eine 
andere Stelle im Wortkörper, so cävt/jeti blühen für *cva- 
tjeti = cvbtefi; cvrst fem. cvrsta voll, fleischig aus *cbrstv5, 
die Umstellung ist hier älter als die Wandlung von c vor 
r in c, sonst würde es *cvrst aus *crstv heißen. 

177. Die Zusammensetzung der vokalisch 
auslautenden Präpositionen: äo, na, po, pre, pri, pro, 
M (= vs), za, mit iti gehen, do-iü usw., gingen in älterer 
Zeit über in dojti präs. dojdu usw. Jetzt sind gebräuch- 
lich: döci döcTem, ndci näctem, pöci pödem, prijeci j^ri^er^em 
(ekav. prdci predeni), proci prödem, üci üctem, zdci zudem. 
Diese Formen sind also gebildet, als wenn das ältere jf, 
jd umgestellt wäre zu tj, dj, die dann c, d ergeben. Durch 
Anschluß an die so entstandenen Formen sind dann auch 
die Zusammensetzungen mit den konsonantisch aus- 
lautenden Präpositionen : iz, nad, oh, ot, päd, raz, s in die 
Gestalt -ici, -idem übergegangen und zwar mit gedehntem 
i: izici Izidem (und Izidem), nadici nädidem, ohici bhldem 
(und obldem), otici (otici) düdem (Vuk nur so neben ödem), 
podici pödidem, raziöi se räzidem se (und -idem), sici sidem 
(stdem) herabkommen. Über izdci rzüdem usw. s. u. 

7* 



100 Lautlehre. [§ 178. 

XII. Konsonantenassimilation. 

178. Schon im Abschnitt IX B (§ 164) sind Bei- 
spiele von Assimilation mit angeführt. Es handelt sich 
wesentlich um zwei Vorkommnisse: 

1. Ursprünglich tönende Konsonanten gehen vor 
folgenden stummen in stumme, ursprünglich stumme 
vor folgenden tönenden in tönende über (tenuis ante 
teniiem, media ante mediam). 

A. In einheitlichen (nicht zusammengesetzten) 
Wörtern. 

a) Ursprünglich tönende Konsonanten vor stummen 
zu stummen geworden : 

hk zu ^;^, zühak (dem. zu züb Zahn) gen. züpka = 
zqböka; roh Sklave röpkinja Sklavin; — bc zu pc, liljebac 
(dem. zu hljeh Brot) gen. hljepca; — hc zu pc, roh dem. 
röpce = ^rohhc^, pcela Biene (gew. cela) aus bbcela; — 
hs zu ps, srpski serbisch = "^shrhhshj. 

dk zu tk, slädak süß fem, slätka = sladöks, sladoka; 
— dh zu fh, tvör {tvör) Iltis aus "^thor = döchorh zu W. 
döcli- {dähnuti); — ds zu /s, hier schreibt aber Vuk ds, 
z. B. gospbdstvo (1. -tstvo), Ijüdskl menschlich (1. Ijütskl) = 
Vudhskyjb: es geschieht das, um die Schreibung c (= ts) 
der Deutlichkeit wegen zu vermeiden. — de, de lassen 
das d in dem t von e, c aufgehen, vinogrädae (dem. zu 
vlnogräd) gen. -grdca = -gradhca, südac gen. snca Richter 
= mdbch sqdbca, glachia Glätte = gladhcina zu glädak fem. 
glätka = gladökö gladöka; — de zu öc, zeeea (bei Vuk ge- 
schrieben z6äca, dem. zu zeda, zed Durst) =*z^djbca; — 
dk zu ek, ömedak gen. omeeka Gebüsch. 

gk zu kk d. i. k, fem. laka (zu läk leicht) aus 'Hagka 
= Ihgöka, vgl. lägahan leicht = Hhgzchznö; — gt zu kt, 
gen. nbkta des Fingernagels = '^■nogsta, der Nom. vökaf 
statt '^nogat ist den obliquen Kasus nachgebildet, zugleich 
unter Einfluß von läkaf gen. Iäkta = lak3tb '^laköta; drktati 
(dafür auch drlüati) ^'^drögötati; — gc zn ke, pfäs. dfkcem 
(und drsceni statt drhcSm) = ^di'zgötjo; ■ — ge zu ke, drü- 
kciji anders (alius) = *dri(göeijijh. 



§ 178—180.] Kombinatorischer Lautwandel. 101 

zc zu sc, vozac gen. «ö.?m Ruderer ^=^ ro2/^cfe vozhca; — 
zk zu sk^ dblazak gen. ddlaska Ankunft = dolazsk5, do- 
lazöka; — zt zu st, grlzem inf. (jnsti nagen, beißen. 

sc zu sc, läzac gen. läsca Lügner = hzhch Uibca; — 
zc zu sc, 0-tescati schwer werden = o-tphcati aus *lezbketi 
zw teiak fem. . teska = tezbko; — zk zu sk, tezak fem. teska 
schwer = t^zhks t§zbka. drzak gen. drska Handhabe = 
'■■'drzbkö *drzbka; — zs zu ss, daraus s, drüsivo Gesellschaft 
aus "'drusstvo = druzhstvo. 

1*79. Eine besondere Betrachtung erfordert v; es 
wird vor folgendem Stummlaut tonlos, /, aber geschrieben 
wird nur v. Budmani, Gramm. § 14 a leugnet die Um- 
wandlung, allein der gesprochene Laut ist entschieden 
tonlos, und Budmanis Ansicht wird wohl daher stammen, 
daß nicht labiodentales, sondern bilabiales / gesprochen 
wird. Auf einem stummen v beruhen Dialektformen wie 
Jjevsi = Ijefsi statt Ijepsi, klüvko statt klupko Knäuel^ und 
umgekehrt cäptjeti blühen aus caftjeti cävijeti (dies für 
cvätjeti). Beispiele: vc zu /c, öfca (övca) Schaf = ovhca; 
— VC, ofcär Schäfer = övhcarb; — vc, Löfcen (Bergname, 
Lövcen); vk, crvak gen. crfka [crvka) dem. Wurm ^^^'^'-chv- 
vhkö *chrvbka; — vs, ovas gen. ofsa (övsa) Hafer = ovhsö 
ovbsa; — vs, cüfsi {cüvsi) part. prät. ^ cuvös- zu cüti hören. 

Die behandelten Fälle sind alle derart, daß der erste 
Konsonant dem zweiten angeglichen wird. Umgekehrt 
wird ein v nach s zum bilabialen stummen Spiranten. 
Die Orthographie berücksichtigt das jetzt nicht, aber die 
Handschriften der dalmatinischen Dichter haben sehr 
häufig sf, sfoy = svöj, sfet = svet usw. Daß eine solche 
Assimilation stattfindet, beweist die fast durchgehende 
Aussprache des alten chv (hv) als /, was nur erklärt 
werden kann durch die Mittelstufe hf, aus der das h 
stumm wird, daher fdla = kvdla Lob, fätiti = hvätiti er- 
greifen. Auf demselben Vorgange beruht auch üfati 
hoffen aus '■'•iipfati für *upvaü = ^i-prA-ati. 

180. b) Ursprünglich stumme Konsonanten werden 
vor tönenden tönend. 



102 Lautlehre. [§ 180. ISl. 

rb zu fUb, svjedodiba Zeugnis aus "'svjedocba = söve- 
dochba, vtadzbina Vaterland = '^othvbbina, zu btac Vater = 

OthCb. 

kd zu gd, gdje, wo, statt '■'■Jcdje = köde (abg. kode). 

tb zu db, svadba Hochzeit = svafhba, zu svät Braut- 
begleiter. 

sb zu zb, tazblna Haus der Schwiegereltern aus "^fas- 
bina für Hastbina (s. § 164) = thstbbina, vgl. täst ■= ihsth 
Schwiegervater; cäzbina Bewirtung = cbsthbina, vgl. cäsf 
Ehre, Gastmahl = cbsib. 

sb zu ib, zäduzbina fromme Stiftung == '^zadusbbina; 
tiiba Vollmond = "^ustbphba s. § 170. 

181. B. In Präpositionalzusammensetzungen. 

a) Die mit z auslautenden Präpositionen und ob- 
wandeln vor jedem stummen Konsonanten im Anlaut des 
zweiten Teils der Zusammensetzung das z in s, das b in 
p: bez-, z. B. besputan ungeziemend, bcsmrfan unsterblich 
(für bes-sm.); iz-, z. B. is-köpati ausgraben, isHiii (für is-s.) 
übersiedeln; uz- {= voz-), z. B. ustegnuü anziehen = vös- 
tegiiqii, üstati aufstehen = vöst. für vös-sf. ; raz-, z. B. ras- 
tvöriti auflösen, räsüti für ras-s. zerstören; ob-, z. B. opko- 
pati (umgraben) verschanzen, öpsjeci beschneiden. 

ISS. b) Die mit d auslautenden Präpositionen nad, 
pod, pred (über od s. § 110) wandeln dem allgemeinen Ge- 
setze gemäß ebenfalls ihr d vor stummen Konsonanten in 
t, aber das t wird von Vuk nur geschrieben, wenn der 
folgende Konsonant nicht s, s ist, vor diesen beiden be- 
hält er d, obwohl t gesprochen wird. Es geschieht das 
aus Gründen der Deutlichkeit, um nicht, wie es konse- 
quent wäre, z. B. für ein aus nadöskociti hervorgehendes 
iiadfskbciii, d. i. lautlich natsköcüi, oder ein aus podösloniti 
entstehendes podslöniii se, d. i. 2Jotsl., schreiben zu müssen 
nackdciti podönifi. Die Schreibung Vuks ist aber auch 
wohl aus anderen Gründen berechtigt; das c z. B. in cär 
ist nicht mit fs in natsköciti usw. gleichzustellen, weil die 
Silbengrenze, wenigstens nach meiner Auffassung, nach 
dem t liegt: nat-skbciti. Sonst vergleiche natpisati über- 



§ 182—185. 



Kombinatorischer Lautwandel. 



103 



schreiben, nätlivatiti nätfatiti übertreffen, potkbpaü unter- 
graben, pretkidnjica ein Lied, das vor dem Hause, pred 
hiröm, gesungen wird. 

1^3. c) s = So wird vor tönenden Konsonanten zu 
2, z. B. zgddiii treffen = sö^., zgörjeti verbrennen = sögo- 
refi, zdjefna schwanger (eig. mit Kind) = södetbna. zdräv 
gesund = södravö, zlnti se in Erfüllung gehen = söhyü se, 
zbrätiti se sich verbrüdern = söbr. 

184. Anmerkung. Die § 180 fg. besprochenen Assimi- 
lationen finden in gleicher Weise statt zwischen Wortauslaut und 
Wortanlaut im Satz (im Satzsandhi): die Orthographie läßt das 
unberücksichtigt. Z.B. j^fcf {pred) Jcucöm vor dem Hau.se, z{s) hoyoni, 
mlät {mläd) cuvjek, "izlaz (-s) tröziti, zestöl- {-(/) zuinmcära, brädz 
(-c) gbvori. 

185. 2. Palatalisierung von Konsonanten 
durch folgende Palatale. Zum Teil ist diese Assimi- 
lation urslavisch oder Gruppen von slavischen Sprachen 
gemeinsam, wenn auch die entstehenden Konsonanten- 
gruppen nicht überall gleich sind. Mit voller Sicherheit 
lassen sich alte und einzelsprachliche Erscheinungen hier 
nicht scheiden. 

a) Älter als die Sonderentwicklung des Skr. sind 
folgende Vorgänge. 



s c 
i'd'z 



(vgl. Abg. Gr. § 39.2; § 41). 

Im Skr. kann daraus eine zwiefache Form entstehen, 
in westlichen Mundarten sc, zj\ z.B. hkati 1. präs. '^iskjq 
Isöem, däska Brett = döska, dem. *döskica "'dscica sc'ica; 
mdijäni Gehirn, aus ^'mozgen-. In den östlichen Mundarten 
fällt entweder das letzte s, z der Gruppen weg, bleibt st, 
zd, z. B. istem, stwa, vristati schreien = 'Hrisketi vgl, vnska 
Geschrei, nwzdäni, zvizdati pfeifen = '■'zvizgeti vgl. zvtzga 
Pfeifen (zu iz-gnaii verjagen pr. Izdenem vgl. Abg. Gr. 
§ 58.3); oder es steht sc (aus urspr. sk), z. B. dascica = 







j 






sk 1 
^9 1 


vor ' 


e, b 

i = i, ei 
e ^ e 


zunächst '^ , , 

zd z 


daraus 



.) 



\ skr. zunächst I , c'on k[ 
J \ zd ^ 39. ö). 



104 Lautlehre. [§ 185—188. 

*dzshica. In den Ableitungen auf -im bleibt wohl meist 
Sc, z. B. Ijuscica dem. zu IjüsJm Schale (Hülse), Mscica 
Knöchelchen ==^ "■'kostbcica, gusrica Gänschen = '^'-gashcica. 

186. st 

zd 

daraus durch weitere Assimilation sei, im westlichen 
Dialektgebiet so verbleibend, z. B. krstiti taufen part. pass. 
krscen, im östlichen schwankend krscen und hrsten, dopüs- 
cafi und dopüstati erlauben = '■'pusijaii zu pkstiti; zd (im 
westlichen Sprachgebiet ij), z. B. gnijezditi nisten Subst. 
verb. gnijl'htmje. 

187. s \l' \ st, sn 

z 1 n \ i't, zn (s. Abg. Gr. § 39.4)., 

im Skr. z.B. mxsliii denken partiz. pass. m'isljen; käsniti 
zögern käsvjenje Zögerung; hldzniti liebkosen hJdznjenje Lieb- 
kosung. 

188. b) Ein speziell skr. Vorgang ist die Assi- 
milation Ijei Zusammentreffen mit j durch Ausfall von 6 
oder durch das jekavische je = e. Es entstehen so: 

sc aus sfj, z. B. lisce Laub = lisfbje, zu list Blatt, 
Jcrotoscii istr. sg. = krotostbjq zu krotöst Sanftmut; ~ zd 
aus zdj, z. B. grözde koll. Trauben = grozdhje, zu grözd; 
— st aus slj, z.B. l.präs. sljem ich schicke zu inf. släti 
aus söljq sölati, istr. sg. mislju = mgslbjq zu m'iso.o Gedanke 
= myslb; — znj aus znj, z. B. grbznja Drohung = ^grozhna; 
sc aus sc, z. B. pdsce dem. = ^pbshc^ zu päs = phsö Hund, 
rasclnifi auflösen = i'usc. aus *raz-c. In Verbindung mit 
je in den betreffenden Mundarten aus slj slj (genauer st), 
z. B. sljeme, sljcpica =^ sljeme, sljepica. — sc (genauer sc) 
dial. aus //(', s(''eti wollen aus Mjeti = chöteti, vgl. dazu söi 
Tochter aus hci, dies aus köi für "'((^i aus '''döci, bei Ver- 
lust des /* entsteht c'f; präs. drscem zu drhtaii zittern, das 
erst aus drktati = "'drgtati = drögötati entstanden ist; — 
zt (eig. zt) zlj, zlje adv. arg zsle, räzljevafi ausgießen = 
raz-IJ. — Das .9, ^ im Auslaut von Präpositionen kann vor 
dem anlautenden n der Kasus des Pron. 3. Pers. zu ^, z 



§188 — 191.] Kombinatorischer Lautwandel. " 105 

(geschrieben s", i) werden, z. B. s njlm mit ihm, is njega 
aus ihm. 

Anmerkung. Die Palatalisierung eines folgenden Konso- 
nanten durch den vorhergehenden ist selten, dialektisch, in der 
Verbindung cii, das in *cü, darnach in tti übergeht Cfo bei Vuk), 
z. B. kücni (zu küca Haus) kütnji, pomöcmk Helfer pomötnjik ; 
s. Resetar, Stck. Dial. 138. 

XIII. Vereinzelte, sporadische Laut- 
veränderungen und Lautneigungen. 

189. i ist zu r geworden stets in der alten Par- 
tikel ie, daher _;er, älter jere = je-ie denn ; sonst vereinzelt 
mores more (präs. zu möci können) usw. statt mozes; dö- 
renem statt dö-zenem zu dö-gnati herbeitreiben, aus dem 
Präs. ist dann ein do-renuti abstrahiert nach Verben wie 
minem minuti vorbeigehen, wo das n zur Präsensbildung 
gehört. 

190. mn neigt zum Übergang in ml, so mlögo für 
mnögo viel, mliti für mnlti meinen (ipf. mljäh statt mnjäli), 
pömlja Achtsamkeit, pömljiv achtsam statt pmnnja, pöinljiv, 
dlmljäk statt d'tmnjak Rauchfang, sümlja Zweifel sümljati 
statt sümnja sümnjati. Ferner wird mn leicht zu vn, öhräv- 
nica neben öhrämnica Achseljoch der Wasserträgerin, fem. 
tdvna aus tdmna (zu tdman finster; aus dem Femin. der 
neue mask. Nom. tävan); güvno statt giimno Dreschtenne, 
iJiivno (Stadt in Bosnien) statt Dümno = *Dlmhno aus 
AeX)Liiviov. Umgekehrt ist auch mn aus vn entstanden, 
gldmnja aus gldvnja Scheit, sänmufi aus sävnuti, dies aus 
svänuti hell werden. Auf solchen Veränderungen beruht 
die skr. Bezeichnung für Venedig, sie geht zurück auf 
Venetici *Vbnetbci ^'VHetci '-''Mnetci Mleci (gen. Mletakä). 

In einigen Fällen geht n vor Labial in m über: lümha 
Betrug = *chyn'bba, strämputica Seitenweg (zu sfrdna); doch 
schreibt Vuk zenba Heirat == *zenbba. 

191. sl für SV in sloböda statt sv. ; d statt z)it in 
zlämenje für zn. Zeichen, Vorbedeutung, nach Mar. S. 43 
durch Anschluß (Volksetymologie) an zlö Übel. 



106 Lautlehre. [§191—193. 

br statt vr im Anlaut dialektisch in hnjeme Zeit aus 
vrijeme, brefeno Spindel aus vretcno. 

192. Es besteht eine gewisse Neigung, s vor Kon- 
sonanten in s zu wandeln, z. B. svräka — svräka Elster, 
shrbb — skröb Art Mus, stroka — sfröha Schafblattern, 
skrb — skrb Sorge u. a., östar fem. ostra (scharf) allgemein 
so, aus oströ ostra; vgl, § 79. Dahin gehört auch das 
gelegentlich für z vor Konsonanten eintretende i, z. B. 
iglöb — zglöb Gelenk, Mräk, zdräka Strahl für zd)\, dies 
aus zr (s. § 175). 



Geschichtliche und dialektologische 

Bemerkungen zum Vokalismus und 

Konsonantismus. 



Es ist hier nicht auf eine vollständige geschichtliche 
und dialektologische Betrachtung abgesehen; sie ließe sich 
nach dem jetzigen Stande der Forschung wohl überhaupt 
nicht geben. Nur solche Züge sollen hervorgehoben werden, 
die für die charakteristischen Eigentümlichkeiten des 
Skr. besonders wichtig sind. 

Zum Vokalisraus. 

193. 1. Die "Wandlungen des ursprünglichen 5, 6, 

außer der Verbindung mit r, (' + Kons. Der Abfall 
im Auslaut, der Ausfall in inneren Silben ist so alt wie 
die Überlieferung des Skr. überhaupt. Wenn in den alten 
Denkmälern glagolitischer und kyrillischer Schrift das 
Vokalzeichen (5) noch geschrieben wird, so ist das die 
Beibehaltung der kirchenslavischen Orthographie. 

Über die Erhaltung des Vokals in solchen in- 
inutenden Silben, wo er nicht ausfallen konnte, und seine 
Vertretung durch volle Vokale vgl. Jagic, Pomladena voka- 
lizacija u hrvatskom jeziku (Rad 9, 65); ders., Wesen 
des sekundären a (ASlPh. 4, 397); Oblak, Die Halb- 



§ 193—195.] Gescliichlliche u. dialektologische Bemerk. 107 

vokale und ihre Schicksale in den südslav. Sprachen 
(ASlPh. 16, 170). 

194. Bei der Einwanderung der Serbokroaten in 
die Balkanhalbinsel bestanden die Vokale 3, h noch oder 
wenigstens an ihrer Stelle ein einheitlicher schwacher 
Vokal, denn bei der Aufnahme romanischer Wörter (Orts- 
namen u. a.) werden deren kurze oder verkürzte u, i ge- 
nau so behandelt wie die ursprünglich slavischen ö, b und 
in denselben vollen Vokal verwandelt wie diese, z. B. 
Btikar ital. Buccari, Cäptat Cävtat = civitatem (heute Ragusa 
vecchia), Ki'knr (= Gorcyra nigra, Curzola), fämjan =■- 
^u|aia|aa (v = i). Das wäre nicht möglich, wenn nicht 
damals die romanischen n, i mit dem u- und 7-artigen 
slov. 5, 6 zusammengeworfen wären. 

Die Frage ist nur, wie lange sich ein solcher schwacher 
Vokal erhalten hat. Zunächst , steht fest, daß der alte 
Unterschied von ö und b vor dem 11. Jahrhundert ge- 
schwunden ist, denn die lateinischen Urkunden des 11. 
bis 12.Jahrhs. aus dem adriatischen Küstenland schreiben 
skr. Wörter, einerlei, ob sie ursprünglich 5 oder b ent- 
hielten, gleichmäßig. Ferner ist unzweifelhaft, daß die 
Schreiber noch nicht das spätere a an Stelle des 6 ver- 
nahmen, denn sie schreiben ursprüngliches a stets als a, 
dagegen z. B. das häufig vorkommende sötbniko (centurio; 
später satnik) regelmäßig sitnicus (seltener setnicus), Namen 
auf -bcb (später -ac) mit -iz, z. B. Liisiz d.i. lu£bch (später 
luzac). Also bis ins 12.Jahrh. war wenigstens in Teilen 
des Sprachgebiets noch der alte schwache Vokal vorhanden. 

Das a für h kann man in den glagolitischen Urkunden 
etwa von 1300 an reichlich belegen, z. B. dohitak = do- 
hytökz; in denen des östlicheren Gebiets (Bosnien usw.) 
von der Mitte des 14. Jahrhs. an, das liegt aber nur au 
dem starreren Festhalten der überlieferten kirchenslavischen 
Schreibweise (s. ASlPh. 16, 175fg.). 

195. Das a ist aber niemals über das ganze Sprach- 
gebiet völlig durchgedrungen. Im Süden, in Teilen Monte- 
negros und darüber hinaus (s. Resetar, Der stok. Dialekt, 



108 Lautlehre. [§ 195. 196. 

S. 90) erscheint ein dumpferer Vokal. Mir erschien er 
aus dem Munde von Leuten aus Dobrota (an den Bocche 
di Cattaro) bei langer Silbe wie der mir geläufige Vokal 
im niederdeutschen sön (Sohn), bei Sievers 0^, z. B. dfhi 
(dem) Tag; bei kurzen Silben wie die entsprechende Kürze. 

Das zweite, vom a-Gebiet abweichende liegt an der 
äußersten Nordwestseite, auf den Quarnero-Inseln, vgl. 
Milcetic, Cakavstina kvarnerskih otoka, Rad 121, dazu 
Oblak in ASlPh. 18, 246, der dort die Verhältnisse 
anf Veglia kurz zusammenfaßt. Sogar nahe beieinander 
liegende Lokalmundarten haben verschiedene Wege ein- 
geschlagen, in den Orten Vrbnik und Omisalj herrscht e, 
z. B. pe6' {pbso^ päs), otec (otbcb^ ötac); dagegen in Dobrinj 
o: pos, otöc. Über Cherso s. Tentor, Der cakav. Dialekt 
der Stadt Cres, ASlPh. 30, 156. Die dort angeführten 
Beispiele scheinen zu ergeben, daß nach einer alten, frei- 
lich jetzt verwirrten Regel die Vertretung der Kürze e, 
die der Länge a war, z. ß. otec janec, jwsel {= posölö, 
pösao), ves (omnis; väs), meglä (mägla), denes (dänas), Bei- 
spiele wie fenki (tänki) haben e durch sekundäre Dehnung 
vor ?^-f■Kons.; dagegen in den ursprünglich stets langen 
Endsilben von Genitiven plur. a, z. B. kolec g. pl. kolac 
prasec präsac, divöjka divojak, rozga rozäg\ vgl. dazu dän 
neben denes. 

196. 2. Die Ausbildung eines r- Vokals. Mit Aus- 
nahme kleiner Strecken herrscht auf dem ganzen Sprach- 
gebiet diese Silbengestalt. Nur im adriatischen Küsten- 
und Inselgebiet kommt neben r auch er, ar, ri vor. Ich 
hebe daraus einiges hervor: auf Veglia (s. Milcetic, Cak.) 
variieren die Lokalmundarten zwischen r, ar, er, das letzte 
da, wo die Mundart e als Vertreter von altem 6 hat, so 
in Vrbnik und Omisalj, z. B. deriät (dr£ati), zeruo (zfno), 
kerv (krv). 

ar findet sich sporadisch oder durchgehend auf den 
Inseln, zum Teil in Quarnero, dann auf denen südlich von 
Lussin bis Lesina und Lissa; auf diesen beiden kommt 
nach meiner Erfahrung r in der Volkssprache überhaupt 



§ 196.] Geschichtliche u. dialektologische Bemerk. 109 

nicht vor, sondern nur ar für kurzes f, är für langes f, 
z. B. bärdo = bhlo, zärno == sfno, ai'jä = rda; tvärd = 
tvPd, kär (statt kurv = Ä;ry Blut) gen. karvi (= krv'i). 

Diese er, ar sind nicht Fortsetzungen eines urslav. 
sr, tr vor Konsonant, wie sich daraus ergibt, daß sie eben- 
sowohl urspr. rö, n fortsetzen, vgl. derzäl darzät = *di>r- 
zati. kerv kär = kvövh. Die e und a sind Hilfsvokale, 
einem ehemaligen r hinzugefügt. 

Die glagolitischen Urkunden vor dem Iß.Jahrh. auch 
aus denselben Gegenden, wo jetzt er und ar vorkommt, 
schreiben einfach r; wo die späteren Denkmäler desselben 
Gebiets er oder ar haben, kann man nicht immer mit 
Sicherheit bestimmen, ob dialektische Aussprache wieder- 
gegeben ist, oder ob er, ar den an lateinisch-italienische 
Orthographie gewöhnten Schreibern nur eine Verlegenheits- 
auskunft war für das ihnen fremde r. In den kyril- 
lischen Urkunden wird das aus der kirchenslav. Schreib- 
weise übernommene pb festgehalten. In ragusanischen 
Urkunden des 13. Jahrhs. findet sich gelegentlich er, 
selten auch in bosnischen, daneben auch ar, das in der 
dalmatinischen Literatur lateinischer Schrift im 16. Jahrb. 
regelmäßig geschrieben wird. Da sich das in diesen Teilen 
des Sprachgebiets jetzt übliche r nicht aus er, ar ent- 
wickelt haben kann, bin ich der Ansicht Resetars (ASlPh. 
17, 12): «Eine Affizierung der Aussprache des Vokals 
r möchte ich jedoch weder in der Schreibung er noch 
in der Schreibung ar erblicken, höchstens daß die ro- 
manischen Schreiber des 13. Jahrhs. sich die Aus- 
sprache des ihnen ungewöhnlichen Vokals zu erleichtern 
suchten und denselben nicht nur in der Schrift durch er 
wiedergaben». Es kommt auch jetzt noch vor, daß italie- 
nisch sprechende Städter in Gegenden, wo sonst r besteht, 
nicht dies, sondern er sprechen. Für das Suchen nach 
einem passenden Ausdruck für r ist ein interessantes 
Zeugnis Micaglia, Thesaurus linguae illyricae 1649 (in dem 
Abschnitt der Einleitung «de Orthographia»): «Mortem» 
aliqui scribunt smart, aliqui smerf, aliqui alii sine vocali 



110 Lautlehre. [§ 196—198. 

smrt; sed in coiiimuni usu loquendi non dicitur smart 
nee smert, sed modo quodam aspero ita ut vocalis non 
advertatur. Er schlägt dann vor, rri, smrrit zu schreiben. 
Der Notbehelf des er, är (zur Unterscheidung von anderem 
er, ar) hat sich in der kroatischen Literatur bis in die 
zweite Hälfte des 19. Jahrhs. erhalten, vgl. Jagic, Zur 
Verständigung, ASlPh. 1, 453. 

197. ri erscheint auf Lagosta (s. Oblak, Der Dialekt 
von Lastovo, ASlPh, 16, 435), als Vertreter von f, 
z. B. gen. pl. ])'^'i'St (prst-ä) zrm (zrn-ä) dir (drvä), kzr (für 
Jürv, krv), dagegen scheint kurzes r stets zu bleiben, n.sg. 
prst, zrno, drvo, gen. krvi. 

Zu der Beimischung eines i-Klanges ist zu vergleichen, 
daß die lateinischen Urkunden des 11. Jahrhs. sehr regel- 
mäßig ir schreiben, z.B. Tlrpimir, Dirzislav, Girdan. Den 
Griechen muß r noch später so erschienen sein, wenigstens 
findet sich die Stadt Novo Brdo bei Ducas, Hist. Byz. ed. 
Bonn. p. 209, Z. 15 (= Cap. XXX, p. 117) geschrieben 

NoßÖTTpiöOV. 

198. 3. Die Ausbildung eines u aus älterem /-Vokal; 

s. Jagic, Zur Frage über den Übergang des silbenbildenden 
l in u, ASlPh. 4, 386; Oblak, Zum silbenbildenden l 
im Slavischen, ebd. 16, 198; Resetar, Die ragusan. Ur- 
kunden des 13. — 15. Jahrhs., ebd. 17, 9. 

Mit geringen Ausnahmen herrscht u über das ganze 
Sprachgebiet. Dialektische Ausnahme bildet im äußersten 
Nordwesten die Gruppe der Quarnero-Inseln . Für die 
Einzelheiten verweise ich auf Milcetic, Cak. (Rad 121), 
dazu Oblak, ASlPh. 18, 218, und bemerke nur, daß auf 
Veglia noch / vorkommt, z. B. dlg (lang, düg), pln (voll, 
pün). Nach einer Notiz bei Resetar, Skr. ßet. südw. Mund- 
arten, S. 17^ soll in Serbien im Kreis Knezevac noch 
langes l vorkommen, vlk (vük). Die Lokalmundarten auf 
Veglia, die b durch e, o, a vertreten lassen, haben ent- 
sprechend auch el, ol, al, z. B. in Omisalj el (dessen kon- 
sonantisches l verloren geht), vena (Wolle, vuna), deg, behä 
(Floh, hidia, ursl. hhcha), bei Länge e, iet {=^ ilt, züt); in 



§198 — 200.] Geschichtliche u. dialektologische Bemerk. 111 

Dobrinj o (für ol): (log hohä, iöt, während hier für /• kein 
or eintritt. Vgl. dazu die Angaben Tentors über Cherso 
(ASlPh. 30, 157): delh gen. delga (Schuld, (lüg), pelf 
(= plf. altkr. j;Äi!, ursl. phth), selkel = s-velkel aus s-vlkl 
(s-cükao), sence (= shice, sünce). Unter den dort gegebenen 
Beispielen ist nur eins mit Kürze, jäbelka = jablka, jäbuka; 
vgl. dazu die Bemerkung über r § 196. Aus anderen 
Lokalmundarten des Quarnero jmln, dalgo (s. Rad 121, 
lOG). Der diesen Mundarten sonst nahe verwandte 
Festlandsdialekt der kroatischen Küste im Vinodol (Novi) 
kennt für l nur m, wie er auch nur r hat (s. Belle, Zam. po 
cak. gov., Izv. XIV). Daß die el, ol, al nicht Fort- 
setzungen von altem ol, ü + Kons, sind, beweist das 
gleiche Verfahren dieser Mundarten bei altem /ö, Ih, vgl. 
z. B. he(l)hä ho(l)hä = ursl. hhcha. 

199. Die andere Ausnahme liegt im Süden; auf 
Lagosta tritt geschlossenes o ö ein, z. B. dog (lang, düg), 
dö£(in (schuldig, däzan), s-vöc = *sz-vlkti = '^'•vhlkti (s-vüci), 

iOC (== '''Zhl(^b, ZÜc). 

200. Die glagolitischen Urkunden des 14. — 15. Jahrhs. 
zum Teil aus demselben Gebiet, wo jetzt l, und daneben 
el, ol, al vorkommt oder, wie im kroatischen Küstenland, 
M, schreiben oft einfach l, z. B. mlcanie, Vlksic, dUan 
(ASlPh. 4, 390), von da an tritt u ein. Die lateinischen 
Urkunden des Adriagebiets haben vom ll.Jahrh. an sehr 
regelmäßig il, z. B. Vilcan, Tüsto-cossa, daneben seltener el, 
Velcan (Vickan, tust); vgl. dazu ir (er) für r (§ 197). Von An- 
fang des 15. Jahrhs. tritt in den ragusan. Urkunden u 
ein, in östlicheren Gegenden (Bosnien) schon im 14. 
(ASlPh. 17, 11). Den Vorgang der Wandlung von / in 
u hat Jagic, ASlPh. 4, 395 so erklärt: «Das silben- 
bildende l ging im Serbischen und Kroatischen ganz gleich 
dem auslautenden oder die Silbe abschließenden Z in o 
über [s. §§ 18, 132]; der Unterschied besteht nur darin, 
daß beim silbenbildenden l das aus dem ursprünglichen 
Stimmton des l beim Übergang von der Muta (als Ge- 
räuschlaut) zur Liquida (als sonorer Laut) erzeugte kurze 



112 Lautlehre. [§200.201. 

u nach und nach über o das Übergewicht bekam und zu- 
letzt es ganz in sich aufgehen ließ». Also z.B. ursl. '-^'pölkö 
wird zu x^lk, daraus ein jflk puok puk. Die Überlieferung 
ragusanischer und bosnischer Urkunden etwa von der 
Mitte des IS.Jahrhs. an und Schreibungen ragusanischer 
und bosnischer Schriftsteller des 16. und 17. Jahrhs. 
scheinen diese Ansicht zu stützen, denn dort wird häufig 
geschrieben iio, z. B. puok, stuop, muo'nja, puof (Fleisch), 
suo7ice (s. ASlPh. 4, 394; 9, 121). Dazu macht Oblak 
(ASlPh. 16, 202) die Bemerkung, daß bei dem Bosnier 
Divkovie (17. Jahrh.), bei dem diese Schreibung am 
meisten vorkommt, uo nur steht in Wörtern, die jetzt u 
{= l) haben, z.B. vuok (vük), duog {dng), puok {pük)^ zuot 
(züt). Ich kann Jagics Ansicht nicht teilen: 1. tritt u auch 
ein in solchen Mundarten, die bis jetzt silbenauslautendes 
/ erhalten haben, und es ist nicht zu verstehen, warum sie 
es hier belassen, dagegen in dem für / vorauszusetzenden 
"Z in übergehen ließen; 2. stimmt das o auf Lagosta nicht 
wohl dazu; man müßte denn annehmen, daß hier ein ehe- 
maliges uo durch Assimilation zu o geworden sei. Ich bin 
daher der Meinung, daß u unmittelbar aus f (sogen, gut- 
turalem i) entstanden ist durch Lösung der Sperre, die bei 
l durch die Zungenspitze geschieht, in der Mittellinie der 
Mundhöhle; der dann verbleibende Stimmton des i ist ein 
dumpfer Vokal zwischen m und o und kann in dieses oder 
jenes übergehen, wie denn das Skr. überall die Tendenz 
zeigt, dumpfe Vokale in klare übergehen zu lassen. Die 
Schreibung mo ist dann ein Versuch, jenen einst vorhandenen 
Mittellaut zu schreiben. Für die Richtigkeit dieser Ansicht 
spricht mir auch das Schw^anken zwischen o, uo, u in den 
ragusan. Urkunden, z. B. Vokac, Vuokac, Vukac {= vlkbcb), 
s. ASlPh. 17, 10; vgl. dazu die Bemerkung über die 
Schreibungen in latein. Urkunden, z. B. Volc, Vnocli, Vocli 
(= lük, vük) ebd. S. 37. 

SOI. 4. Wandlung des silbenauslautenden / in o. 
So im allergrößten Teil des Sprachgebiets; erhalten ist 
dies l auf den adriatischen Inseln von Veglia bis Lesina 



§201.202.] Geschichtliche u. dialektologische Bemerk. 113 

und Lissa, wie im kroatischen Küstenland, z. B. Iwalil, 
videl, rekal. Häufig ist dann in diesen Mundarten das l ge- 
schwunden, z.B. in DobrinJ (auf Vegha) hi^hil, poheqnu = 
-begnid, köva = koval, auch an anderen Orten, z. B. auf 
Lesina und Lagosta, hier z. B. za = zäl zäo, vldje = vidjel 
vldjeo, reka = rekal rekao. Es ist hier nicht etwa ein aus l 
entstandenes o abgefallen, sondern l schwindet in gewissen 
Verbindungen im Satz vor Konsonanten, z. B. auf Lesina 
reka san, dagegen ja san rekal. 

In den östlicheren Teilen des Sprachgebiets erscheint 
dies sehr früh, in bosnischen Urkunden schon im 
14. Jahrh., z. B, vlasteo = vlastel, in den ragusanischen 
nach 1400, z. B. veseo, is-pio u. a. (s. Resetar, ASlPh. 17, 
21). Soweit die beigebrachten Beispiele ein Urteil er- 
lauben, scheint es mir, daß überall die Wandlung von 
silbenauslautendem l in o jünger ist als die von / in u, 
demnach beide Erscheinungen nicht in Zusammenhang 
stehen. Der Unterschied bei den ja lautlich verwandten 
Vorgängen hat seine Ursache darin, daß / stärker gespannt 
ist und tieferen Stimmton hat als konsonantisches l. Man 
kann das leicht wahrnehmen, wenn man hintereinander 
einmal die Zungensperre bei l {^= i) löst, dann die von 
kons. l. 

20S. 5. Die Behandlung des alten e. Die dia- 
lektische Begrenzung der Vertretungen e, i, je ije (ie) 
s. Einleitung. Zum Verhalten innerhalb der jekavischen 
Mundarten ist zu bemerken, daß die seit Vuk allgemeine 
Schreibweise ije für altes & nicht für alle Jekavci zutrifft. 
In südwestlichen Mundarten (Montenegro, Herzegovina, 
Ragusa) ist nicht zweisilbiges ije eingetreten, sondern es 
wird einsilbiger Diphthong gesprochen, z. B. sieno (Vuk 
svjeno), rieka (Vuk rijeka), also verschieden von den Fällen, 
wo ursprünglich ./ zwischen Vokalen steht, z. B. M-j-emo 
(zu biti schlagen). Die Einsilbigkeit stimmt zu dem 
metrischen Gebrauch der ragusanischen Dichter des 
16. Jhs. Vgl. Resetar, Die Aussprache und Schreibung 
des e im Skr., ASlPh. 13, 591; ders., Der stokav. Dial., 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 8 



114 Lautlehre. [§202.203. 

S, 89, dazu Belic im Rocznik slav, 1, 191; Broch, Slav. 
Phonetik, S. 259. Der Wechsel von ije und ie hängt zum 
Teil mit der Betonung zusammen; bei Betonung " scheint 
in den betreffenden Gegenden gewöhnlich diphthongisch, 
ohne j, gesprochen zu werden, bei ' dagegen Schwanken 
zwischen ije und ie zu bestehen. 

Auf Lagosta wird nicht bloß e durch je, sondern auch 
I durch je vertreten, z. B. jyena injesto, svjet vjenac. Die- 
selbe Sprechweise findet man auch in Gegenden, wo die 
jekavische Schriftsprache nicht ursprünglich heimisch ist, 
z. B. in Agram. 

Über das Verhalten der älteren Überlieferung s. Jagic, 
Umlautserscheinungen usw., ASlPh, 6, 80 fg.; Resetai-, 
Die ragusan. Urkunden, ASlPh. 16, 1. Ich bemerke 
hier nur, daß in latein. Urkunden auch aus Gegenden, 
wo jetzt ikavisch gesprochen wird, die betreffenden Wörter 
mit e geschrieben werden (s, ASlPh. 4, 405), z. B, Bel- 
grado, Negovan, Vera, ded, TJteclia. Daraus darf man schließen, 
daß damals noch kein i gehört wurde. Allgemein aus- 
gedrückt wird die Sache so liegen: urserbisch war das 
alte e l vertreten durch geschlossenes e f, diese konnten 
in offene e e übergehen (ekavisch), konnten zu t, i werden 
(ikavisch) und konnten sich in Diphthonge wandeln Je 
(daraus je), -le (daraus ie ije; jekavisch). 

20»5. 6. Das Atifg-eben der alten Nasalvokale. 
Bei Einwanderung der Serbokroaten in die Balkanhalb- 
insel, im Übergang vom 6. zum 7. Jahrb., müssen sie noch 
Nasal vokale gesprochen haben. Das geht hervor aus der 
Behandlung des romanischen San- Sani- (sanctus) vor Namen 
in einer größeren Anzahl von Ortsnamen an der kroatisch- 
dalmatinischen Küste und auf den Inseln, vgl. die Zu- 
sammenstellung bei Jirecek, Die Romanen in den Städten 
Dalmatiens I (Wiener Denkschr., Bd. XLVIII,1901), S.57, 
z. B. Su-äuraä (ital. San Giorgio), Su-x)etar (San Piefro), 
Sut-ivan {= Sant-ioan, San Giovanni); Insel Susak (westlich 
von Lussin) ital. Sansego (bei Racki, Documenta, S. 356, 
Nr. 3 Sansagus). Die romanische nasale Silbe hat die 



§203.204.] Geschichtliche u. dialektologische Bemerk. 115 

gleiche Wandlung durchgemacht wie das slav. q, das ist 
aber nur möglich, wenn dies zu der Zeit der Aufnahme 
solcher Namen noch vorhanden war, denn spätere Ent- 
lehnungen behalten an bei, z. B. sänseg (origanura majorana) 
aus ö"d|Ltvpuxov (Jdiuiipouxov, kändilo aus mittelgr. Kavör|\a, 
spr. kandila (aus lat. candela). Noch im 9. Jahrh. haben 
Nasal vokale wenigstens in Teilen des Sprachgebiets be- 
standen. Das bezeugen Schreibungen eines skr. Namens 
in Urkunden von 872 und 892: Montimerus, Mimcimirus 
l.Muntimirus (= Mptimin); sie sind erst in späteren Ab- 
schriften überliefert, aber die Abschreiber wären schwer- 
lich auf jene Form statt des späteren Mutimir (schon im 
11. Jahrh.) verfallen, wenn die Originale sie nicht gehabt 
hätten. Die analoge Schreibung en für e scheint nirgends 
überliefert zu sein; im 11. Jahrh. werden die mit veöe- 
(abg. veste-) zusammengesetzten Namen nur mit e ge- 
schrieben, z. B. Veöedrag (s. ASlPh. 4, 407). Man kann 
danach annehmen, daß die Nasalvukale zwischen dem 
9. und 11. Jahrh. aufgegeben sind; genauere Bestimmung 
läßt sich nicht geben. 

204. Das u aus p ist über das gesamte Sprach- 
gebiet gleichmäßig verbreitet, e statt e nicht allgeniein 
durchgehend. Im adriatischen Küstenlande mit seinen 
Inseln steht in älterer Zeit wie zum Teil noch jetzt nach 
j, c, i, s in Wurzelsilben n; in Flexionsendungen nur e, 
z. ß. düse = duse, pridose = pridos^. Von den im 
15. Jahrh. entstandenen Lektionaiien (s. Resetar, Primorski 
lekcionari, Rad 134 und 136) hat das Zaraer (Z) regel- 
mäßig a nach jenen Konsonanten, z. B. jazik = jezykz, 
pri-jati = -j^ii, po-öati = -c^ti, kitva = z^tva; das Lect. 
Bernardini (Spalatenser, B) regelmäßig -jati, sonst e neben 
a, z. B. jezik und jazik, za-ceti za-cati, zetva £atva; das 
Ragusaner Exemplar regelmäßig -jati, sonst e. Auch die 
ragusan. Urkunden des 14. — lö.Jahrhs. wie Schrittsteller 
des 16. Jahrhs. haben -jati (das Nähere s. Rad 134, 107); 
ebenso die Schriftsteller aus Spalato und Lesina, z. B. bei 
Marulic jazik, zaja (= *iedja abg. zesda), pri-jati. In 

8* 



116 Lautlehre. [§204.205. 

heutigen Mundarten desselben Gebietes sind Reste dieser 
Erscheinung geblieben. Von Norden an gerechnet: in 
Fiume zajik (statt jazik), jacmik = jecbrnyks (s. Strohal, 
Osebine rijeckoga narjecja, Rad 124); im kroatischen 
Küstenland in denselben beiden Wörtern (s. Belic, Zametki, 
S. 10); auf Veglia wenigstens zajik, wahrscheinlich aber 
auch die sonst in den umliegenden Mundarten vor- 
kommenden Beispiele; auf Cherso zajik, iajen = *z§djh7i5 
abg. zfsdhns, jacmik, sonst e (s. ASlPh. 30, 154); auf 
Arbe, wo am meisten die schon in älterer Zeit beobachteten 
Beispiele aufgezeichnet sind, jjo-cät (so in allen Formen 
des Verbums -ceti), jätra ^^ j^ira, zalk, zäja^^z^dja abg. 
z^Ma, zäjan, zät = z^ii ernten, zäiva, o-zät =^ zeti drücken 
(s. Kusar, Rapski dij., Rad 118, 3), außerdem kl'ät = 
kleti; vgl. dazu im Lect. Z po-kfak^upsi = kl^k. Es be- 
ruht dies kl'a- auf einer Neigung, nach gutturalen Kon- 
sonanten l zu palatalisieren, so im Dialekt von Novi 
(Belic, Zametki) z. B. kl'in, kl'efva, gl'eäali. Auf Lussin 
wird angegeben zajik, uzali neben uzeli = v^zeli (Vor- 
läufige Berichte der Balkankommission VII, 7). Von Le- 
sina und Lissa führt Oblak (ASlPh. 16, 430) an jazik, 
jädro, jätra, pri-jät u-jät, aus Curzola nur ii-jät, das alles 
auch aus Lagosta. Es zeigt sich also, daß dies « überall 
abnimmt durch den Einfluß von Mundarten, die nur e 
haben. Das a ist nicht unmittelbar aus e hervorgegangen, 
sondern aus e entstanden und erklärt sich daraus, daß 
nach alten palatalen oder nach palatalisierten Konsonanten 
e zu einem sehr offenen ä, dies dann zu a wird. Den- 
selben Vorgang kann man im Litauischen finden, wo e 
betonter Silben so in a übergeht, z. B. väda 3. sg. pr., 
vedit (vedn) 1. sg. (ich führe), l'adas Eis, plur. l'edai (ledai). 

Über den Bereich des westlichen Sprachgebiets bat 
in älterer Zeit -jati hinausgeragt, pre-jati za-j. pri-j.; es 
findet sich häufiger in bosnischen und namentlich in ragu- 
sanischen Denkmälern bis zum Ende des 15. Jahrhs. 

S05. 7. Das Zusammenfallen von y und i in 
i ist so alt wie überhaupt die Überlieferung des Skr. in 



§205—207.] Geschichtliche u. dialektologische Bemerk. 117 

eigener Sprache, z.B. in Urkunden des 12. Jahrhs. ?»i = 
my wir; ebenso in Latein. Urkunden des 11. — 12, Jahrhs. 
Wo noch bi geschrieben wird, ist es Beibehaltung kirchen- 
slav. Orthographie, und es wird m auch für altes i an- 
gewendet, z. B. RaniM = vami Urk, 1189 (Miklosich, ^lon, 
serb. Nr, IV). Merkwürdigerweise haben Abschriften 
von latein. Urkunden des 9. Jahrhs., die im 14, Jahrh, 
gemacht sind, bei Personennamen mit zweitem Gliede 
myslh (jetzt nüsao gen, muli) die Schreibung -miislo, z. B. 
Lutimuslo. Es scheint das ein Zeugnis zu sein, daß die 
Originale des 9. Jahrhs. noch u hatten, als unvollkommenen 
Ausdruck eines y; hätten sie schon i gehabt, wären die 
späteren Abschreiber schwerlich auf u verfallen, vgl. Jagic, 
ASlPh. 4, 406. 

Zum Konsonantismus. 

SOO. Der Konsonantenbestand ist im ganzen, wenn 
man von geringeren Artikulationsunterscbieden absieht, 
über das ganze Sprachgebiet gleichartig. Einige besondere 
Bemerkungen mögen genügen: 

1. Der mit c geschriebene Laut ist nicht überall gleich. 
Im westlichsten Sprachgebiet, den dalmatinischen Inseln, 
ist für mein Ohr der Laut nicht zu unterscheiden von t' 
(wie z, B, im Cech.), svU'ä (sveca, svijeca), vgl, dazu die 
Betnerkung von Belic über die Mundart von Novi (Za- 
metki, S, 11). In südlichen Mundarten (Ragusa, Teilen 
von Bosnien und Plerzegovina, s. Resetar, otokav. Dial., 
S.133; vgl. auch Rad 153, S.53) fällt c mit c zusammen 
in der Weise, daß statt c gesprochen wird t's (c). In den- 
selben Orten geht cU in ä über. 

307. d wird im westlichsten Teil des Sprachgebiets 
zu ;', von Fiume bis Lagosta auf allen Inseln wohl durch- 
gehend, z. B. viejä = meda, niläji ^= mlädl (Kompar.), 
mjen = vlden. 

Die sekundär durch Verlust von b aus der Verbindung 
-hj- entstandene Kombination von Konsonant mit j bleibt 
wenigstens in Teilen des westlichen Gebiets unverändert, 



118 Lautlehre. [§207—210. 

d.h. j wirkt nicht palatalisierend auf den vorangehenden 
Konsonanten, z. B. in Novi (Belic, Zam.. S. 10): netjäk 
(stok. neöäk) Neffe, djäval (stok. dävö). 

208. Die im Stokav. mit so wechsehide Verbindung 
st (s. § 18.5 fg.) ist cakavisch nur durch sV, z. B. gnojisce, 
plasc {gndjlsfe, pläsf), iscem {Isteni zu iskati); das stokav. z(t 
nur durch iy vertreten, z. B. grosje (grözde). 

209. Eine weitreichende; Eigentümlicheit cakav. 
Mundarten ist die Ersetzung von V durch j, z. B. jildi^ 
l'üdi, jüblt ^= l'ühiü, zemjä = zeml'a; man kann sie beob- 
achten von Fiume bis I^esina. 

210i Die Wandlung von d vor Konsonanten in / 
findet sich nach Rad 1 18, 5 in Arbe, z. B silbä = sjedha, 
bolcä gen. sg. zu hodäc für bodcä, ol gräda = od gr. Das- 
selbe habe ich auf Lesina beobachtet, und es mag auch 
sonst vorkommen. 

Über n statt m im Wortauslaut s. § 160. 



§211.] 119 



Betonung und Silbenquantität. 



all. Literatur. Angeführt werden hier Schriften, die 
sich wesentlich auf das Skr. beziehen, theoretische Bt-trachtungen 
über das Wesen der skr. Betonung oder historische Versuche 
oder Zusammenfassungen der Betonung ganzer Wortklassen ent- 
halten. Die urslavisclie Betonung behandelt Mikkola, Urslavische 
Grammatik (Heidelberg 191;^) 1, 116. — Über besondere dialektische 
Betonungsweisen s. §§333—338, über die cakavische §339 fg. — 
V. Jagic, Paralele k hrvatsko-srpskomu naglasivanju, Rad 13, 1 
(1870). — L. Maaing, Die Haupttonnen des serb.-chorv. Akzents 
(M6moire9 de l'Acad^mie de St. P., VII sörie, T. XXIII, Nr. 5, 
1876). Dort S. 93 die benutzte ältere Literatur. Vgl. die Anzeige 
von Kovacevic, ASIPh. 3, 685. — R. Gauthiot, l^tude eur les in- 
tonations serbes, MSL. 11 (1899), 336. — O. Broch, Slav. Phonetik, 
nameutl. §§ 231, 232. — Gj. Dani(5ic, Prilog za istoriju akcentu- 
acije hrvatske ili srpske, Rad 11 (1872), 150. — A. Sachmatov, 
K istorii serhsko-chorv. udarenija, RFV 19 (1888), 20, 23, .14; ders., 
Jurij Krizaniö o serbsko-chorv. udarenii. ebd. Bb. 32 — 34; Izv. 
III, I. Anzeigen beider Schriften von Resetar, ASIPh. 19, 564, 
wo auch Theorien von Storm, Florschütz, besprochen werden. — 
T. Maretic, O njekim pojavima kvantitete i akcenta u jeziku 
hrvatskom ili srpskoni, Rad 67 (1683), 1 (Anzeige von Jagic, ASIPh. 
7, 488); Ders., Nov prilog za historiju akcentuacije hrvatske ili 
srpske, Rad 70 (1S84), 89; 71 (1884), 61 ; 73(1884), 77. — V^ondräk, 
Vergleichende slav. Grammatik (1906) I, 221 fg.. — Leskien, Unter- 
suchungen über Quantität und Betonung in den slavischen 
Sprai;lien I (Abhandl. der phil.-histor Kl. der säclis. Ges. d. Wiss. 
X, 1885); II ebd. XIII (1893); eine dritte Abhandlung gleichen 
Titels ASIPh. 21 (1899). — Zur Bestimmung des Haupttons in 
einzelnen Wortklassen: P. Budmani, Grammatica della lingua 
eerbo-croata, Wien 1867. — Daniele, Nesto o srpskijem akcentima 
(die Feminina auf -a), in Miklo.sich, Slav. Bibl. I (1851),97; Ders., 
Srpski akcenti (die Subst. masc. gen.), in Glasnik drustva srpske 
slovesnosti VIII (1856), 1; XI (1859), 1 (die Neutra und die fem. 
i-Stämme); Ders., Akcenti u glagoia, Rad 6 (1869), 47 (Sonder- 



120 Betonung und Silbenquantität. [§211.212. 

abdruck, Agram 1896); Ders., Akcenti u adjektiva, ebd. 14 (1871), 
88 (Sonderabdruck der Arbeiten über die Nomina u. d.T. Akcenti 
u iraenica i pridjeva, Agram 1913). Alle diese Arbeiten beruhen 
fast ausschließlich auf der zweiten Auflage von Vuks Wörter- 
buch. — A. Pavic, Studije o hrvatekom akcentu, Rad 59 (1881), 
behandelt die Substantiva auf Grundlage von Danicics Zusammen- 
stellungen. — J. Gopic, Glagolski akeenat u jeziku hrvatskora, 
Nastavni Vjesnik XX (191 2), S. 321, 401, 497, 577, 657. — Mikkola, 
Ursl.Gr.1, 128. — Die Literatur über das Cakavische und andere 
Mundarten s. §§ 3:^3, 3:^9. 

Es ist in diesem Abschnitt nicht abgesehen auf alle und 
jede Einzelheit. Man ist bisher nicht imstande, für jedes Wort 
und jede Wortform die Urt^ache cder die Bedingungen der be- 
stehenden Betonung und Quantität anzugeben. Es handelt sich 
hier daher nur um Zusammenfassungen des Gleichartigen und 
um wesentliche allgemeinere Prinzipien. 



L Die Haupttonstelle. 
I. Allgemeines. Cakavische Haupttonstelle. 

212. Wenn man das gesamte Sprachgebiet in Be- 
tracht zieht, so ist die heutige Lage des Haupttons nicht 
überall gleich. 

Es gibt zwei Mundarten oder Mundartengruppen, 
die den äußersten Gegensatz darstellen : cakavische Mund- 
arten, namentlich die nordwestlichen, haben die ur- 
slavische oder überhaupt ältere Haupttonstelle bewahrt, 
dagegen hat die von Vuk zur Schriftsprache erhobene 
besondere herzegovinische Mundart den älteren Hauptton 
um eine Stelle, um eine Silbe nach dem Wortanfang zu 
verschoben. Es herrscht diese Betonungsweise außerdem 
im allgemeinen mit der herzegovinischen übereinstimmend 
in Süllwestserbien, in Zentralserbien (der Sumadija) und 
in Südungarn. Es gibt aber auch Mundarten, die jene 
Verschiebung nur zum Teil und unter bestimmten Be- 
dingungen durchgeführt haben, also in einigen Fällen 
altertümlich betonen, in anderen auf einer neueren Ent- 
wicklungsstufe stehen (s. §§ 333 — 338). Bei der folgenden 
Darstellung handelt es sich um die von Vuk festgelegte 



§212—214.] Die HaupttonstelJe. 121 

Betonungsweise, für die ich der Kürze wegen die Be- 
zeichnung stokavisch beibehalte, weil man sie meistens 
kurzer Hand so benennt. 

513. Die slavischen Sprachen zerfallen in bezug auf 
die Haupttonstelle in zwei Hauptgruppen; die eine hat 
beweglichen, d. h. nicht bei allen Wörtern an der gleichen 
Stelle liegenden Hauptton: Russisch, Bulgarisch, Slovenisch, 
Serbokroatisch, Kaschubisch (Slovinzisch); die andere hat 
den Hauptton aller Wörter auf die gleiche Stelle festgelegt: 
Polnisch auf die vorletzte Silbe, Cechisch und Sorbisch auf 
die erste. Es ist klar, daß zu unmittelbaren Rückschlüssen 
auf den urslavischen Hauptton wesentlich nur die erste 
Gruppe dienen kann. 

Die Vergleichung ergibt nun, daß der heutige ca- 
kavische Hauptton im ganzen dieselbe Stelle einnimmt 
wie der russische. Da diese beiden Sprachen verschiedenen 
Zweigen der slavischen Sprachfamilie angehören, in ge- 
schichtlicher Zeit keine Berührung und gemeinsame Ent- 
wicklung gehabt haben, ist der Schluß gerechtfertigt, daß 
die gleichartige Betonung aus urslavischer Zeit stamme. 
Dieser Schluß wird bestätigt durch die Tatsachen der 
bulgarischen und der slovenischen Betonung. Man darf 
also bei der Betrachtung der stokavischen Haupttonstelle 
die cakavisch-russische als Grundlage nehmen. Dabei ist 
es möglich und kommt wirklich öfter vor, daß Cakavisch 
und Russisch wie auch die andern genannten Sprachen 
in einzelnen Fällen oder einzelnen Wortgruppen nicht 
übereinstimmen, sei es daß eine von ihnen eine ehemals 
gemeingültige urslavische Betonungsweise geändert hat, 
sei es daß schon im Urslavischen Verschiedenheiten be- 
standen. 

2. Die stokavische Haupttonstelle. 

514. Aus der allgemeinen Zurückziehung des alten 
Haupttons um eine Silbe nach dem Wortanfang zu folgt: 

A. daß in mehrsilbigen Wörtern keine Endbetonung 
stattfinden kann ; 



122 Betonung und .Silbenquantität. [§214.215. 

B. daß eine Zurückziehung nur erfolgen konnte bei 
Wörtern (oder eng zusammengehörenden syntaktischen 
Gruppen, s. §§ 304, 305), deren Hauptton nicht auf der 
ersten Silbe lag, daß dagegen Wörter mit altem Hauptton 
auf der ersten Silbe diesen behalten mußten. 

C. In Vuks Akzentuationssystem ist der verschobene 
Hauptton bei kurzer Silbe mit \ bei langer mit ' be- 
zeichnet, der nicht verschobene bei kurzer mit ", bei 
langer mit ". Aus der Bemerkung unter B folgt, daß 

und " als Bezeichnung der Haupttonstelle nur auf ersten 
Wortsilben stehen können. 

Eine Anomalie des Vukschen Zeichensystems ist es, 
daß " auch auf nicht haupttonigen Silben gebraucht wird. 
Vuk hat nämlich jede Länge nach der Haupttonsilbe 
mit " bezeichnet, z. B. vrätär, crnbgörka, cnwgorskl, döbro- 
völjan, Ijüdi, pököjnik; doch kann dabei ein Zweifel über 
die Haupttonstelle nicht entstehen, denn diese wird stets 
durch den ersten der mehreren auf einem W^orte stehenden 
Akzente bezeichnet. 

3. Beispiele zur Vergleichung 

der stokavischen Haupttonstelle mit der 

cakavischen und russischen. 

!S15. Um einer Verwirrung und Verwechslung des 
für das Russische gewöhnlich allgemein gebrauchten Ak- 
zentes ' und des für das Cakavische (bei Nemanic) an- 
gewendeten ' auf kurzer, ' auf langer Silbe mit den Vuk- 
schen Zeichen vorzubeugen, brauche ich hier bei cakavischen 
und russischen Wörtern den Strich unter dem Vokal als 
Zeichen des Haupttons, bei cakavischen den Strich über 
dem Vokal als Längezeichen. 

Beispiele des nicht verschobenen Haupttons, 
weil ursprünglich auf der ersten Silbe stehend: r. rijba 
cak. riba stok. rlba, r. [stina cak. istina stok. Istina, r. ozero 
cak. jezero stok. jezero, r. dub gen. daba cak. düb düba 
stok. dfd) düba, r. cvet gen. cveta cak. cviil cveta stok. cvet 



§215-217.] Die Intonationen. 123 

cvefa (evijet cvijeta), r. delat' stok. äjelafi, r. lidet' slok. 
vuljeti. 

Beispiele des verschobeneu Hochtons, die 
Wörter nach dem : sind die stokavischen; r. noga cak. 
iioga : 7idga, r. sesfrn cak. sestrn : sestra, r. riika cak. rM% : 
■r?«A;a, r. beseda cak. hesedci : hesjeda; r. sramota cak. sramota : 
sramota, r. ofec gen. o<m cak. ofac om : ö^rtc öca, r. lia^r ?2a(7a 
nago (nackt) cak. nag nägcj nägo : 7iäg näga nägo, r. sirok 
siroka siroko (weit) cak. sirok siroka siroko : slrok siroka siroko, 
r. odin odna odvo (ein) cak. jedg,n jedna jedno : jedan jkhia 
jklno, r. cliodij' cak. liod[i{i) : höditi, r. chvallt' cak. hvälitii) : 
hväliii, r. prodavat' cak. prodävcdii) : j^rodävati. 



IL Die Intonationen (Tonqualitäten); 

fallender und steigender Ton. 

A. In der heutigen Sprache. 

^16. 1. Die mit ^ (Länge) oder ' (Kürze) bezeich- 
neten Haiipttonsilben sind fallend betont, d. h. Tonhöhe 
und Tonstärke liegen auf dem Anfang, dem Ansatz der 
Silbe und sinken gegen das Ende. Wenn man sich die 
Länge aufgelöst denkt in zwei Kürzen ^^i die Kürzein 
zwei noch kürzere Bestandteile, die als ' ' bezeichnet 
werden mögen, so kann man die Intonationen schematisch 
so ausdrücken: '^'^, '• % z. B. grfid = grääd, kräva = 
kränva. 

2\7. 2. Die mit ' (Länge) oder ' (Kürze) akzen- 
tuierten Silben, also die mit unursprünglichem verschobenem 
Hauptton, haben steigende Intonation; das Bild der gleich- 
artigen Auflösung wie oben ergibt dann "^"^^ "\ z. B. 
rüka = riiiika, kdza = köoza, hrdda = brääda, iena = 
^eena. 

Daß in den Silben mit -^ der Ton fallend, in denen 
mit ' steigend ist, läßt sich einfach zeigen, wenn man 
ekavische Beispiele mit e und e entsprechenden jekavischen 
mit ije (ie) gegenüberstellt; dem fallenden r^ entspricht 



124 Betonung und Silbenquantität. [§217—219. 

Ije, dem steigenden ' dagegen ije, z. B. sneg : srnjeg, nileko : 
mlijeJco, slep fem. slepa : slijep slijepa. 

Vuks Bezeichnmig jeder Länge nach der Haiiptton- 
stelle mit i^ ist dadurch gerechtfertigt, daß tatsächUch 
alle Längen nach der heutigen Haupttonsilbe fallende 
Intonation haben. 

218. Die steigende Intonation des zurückgeschobenen 
Haupttons (', ') beruht darauf, daß bereits vor der Ver- 
schiebung die dem alten Hauptton (dem jetzigen caka- 
vischen) vorangehende Silbe steigend betont war, wie es 
noch jetzt in cakavischen Mundarten der Fall ist, z. B. 
raka = rüäka, £ena = zehm. Die Verschiebung im Sto- 
kavischen ist dadurch veranlaßt, daß die Silbe vor dem 
(alten) Hauptton die am stärksten betonte Silbe neben 
der Haupttonsilbe war, diese und die ihr vorangehende 
waren fast gleich stark hervorgehoben, die Betonung ge- 
wissermaßen schwebend; dann bekam der Nebenton der 
vorangehenden Silbe das Übergewicht und trat an die 
Stelle des Haupttons. 

B. Die Intonationen vor der 

stokavischen Verschiebung des Haupttons; 

älterer Sprachzustand. 

!219. Die vergleichende Betonungslehre der slavischen 
Sprachen zeigt, daß bereits vor der Entwicklungsgeschichte 
der Einzelsprachen ein Unterschied der Intonation bestand, 
nicht wie im heutigen Serbokroatisch abhängig von einer 
Verschiebung des Haupttons (vgl Mikkola, Ursl.Gr. §88fg.). 

Am einfachsten läßt sich das zeigen an der Betonung 
von langen Silben mit urslav. or ol, er el vor Kon- 
sonant im Russischen; ursprünglich fallende Intonation 
ist hier durch oro qlo ere, ursprünglich steigende durch 
ovo ere oh vertreten, z. B. '■''gordö : (jorod — *korva : korova; 
''■'z(jUo : zoloto — '-'bolto : boloio; "■'■berfjö : bereg — %erza : beroza; 
*zelbö : zolob — ■''■pelva : polova (vgl. die Verzeichnisse 
§§4-11, 33-36)." 



§219 — 221.] Haupttonstelle, Intonation, Quantität. 125 

An anders gearteten ursprünglich langen Silben ist 
der Unterschied im Russischen nicht beobachtl-iar. In 
derselben Weise theoretisch ausgeführt wie bei den oben 
behandelten Silben würde urslavisch anzusetzen sein in 
nasalauslautenden Silben z.B. *zoinbö {zqbo) — lionto {pqto), 
in Silben mit einfacher Länge, z. B. sqädö {mdö) — räqna 
(rana), lustz (listö) — liipa (Jipa). Dieser urslavische Unter- 
schied hat im Skr. bestimmte Nachwirkungen hinterlassen 
(s. § 221 fg.). Hier kann gleich bemerkt werden, daß 
vormals steigende Intonation einsilbiger Wörter 
im Skr. (stokavisch) fallend geworden ist, z.B. snrl 
{gen. süda = südä; iivsl. sodö soda) Gericht, nicht verschieden 
von Süd (gen. süda, ursl. sgdö sgda) Gefäß, vgl. aber slove- 
nisch 50^ Gericht, S(;f/ Gefäß. Über das Cakavische s.§ 345. 

Auch die kurzen Silben sind ursprünglich ge- 
schieden in solche mit fallender und solche mit steigender 
Intonation; im Russischen kann der Unterschied nicht 
mehr erkannt werden, ist aber z. T. im Slovenischen noch 
wahrnehmbar. Im Skr. werden alle haupttonigen kurzen 
Silben jetzt fallend betont, der alte Unterschied hat aber 
bestimmte Nachwirkungen hinterlassen (s. § 226 ig.). 

III. Verhältnis von Haupttonstelle 
und Intonation zur Silbenquantität. 

330. Im Skr. können Längen nur stehen in 
und nach der heutigen Haupttonsiibe, vor ihr 
nur Kürzen. Stellt man die ältere Haupttonstelle durch 
Verlegung auf die folgende Silbe wieder her, muß es 
heißen: Länge konnte nur stehen in der Silbe unmittelbar 
vor der Haupttonstelle, in ihr und in den Silben nach ihr. 

331. Die Erhaltung urslavischer Längen und 
die Dehnung urslavischer Kürzen ist im Skr. zu 
einem großen Teil abhängig von der ursprüng- 
lichen Intonation der Silben. Nach Ausweis der 
vgl. Gr. sind hier als ursprüngliche Längen angesehen: 
a, e, i, u, y, e, p, or., ol, er, et vor Konsonant, als Kürzen 



126 Betonung und Silbenqnantität. [§221.222. 

0, e, 5, b (die beiden letzten außer Verbindung mit r l vor 
Kons.); die Vertretung der ursl. Verbindungen sr 6r, öl bl 
vor Kons. (skr. r, u) sind im Skr. in bezug auf die 
Quantität in gleicher Weise abhängig von der Intonation 
wie sichere alte Längen, können daher hier als lange 
Silben angesehen werden. Wo die alte Intonation nicht 
im Russischen an Polnoglasie {oro^ olo, ere) erkannt werden 
kann, ist das Slovenische, das dieselbe Intonation hat wie 
das Skr., herangezogen worden. 

222. A. Ursprünglich lange Silben. 
1. Alte fallend intonierte Längen der Haupt- 
tonsilbe bleiben im Skr. erhalten (die nach dem : 
angeführten Formen sind die skr.), z. B. : 
ursl. '''■golss r. golos : glas Stimme 

*smord5 r. smorocl : smräd Gestank 

'■'zolto r. zoloto : dato Gold 

*lcj~gö V. hereg : breg brljeg Ufer 

*dervo r. derevo : drevo di'ijevo Baum 
slov. Jcväs : kväs Sauerteig, gen, kväsa 

znäk : znäk Zeichen, gen. znäka 

sneg gen. snegä : sneg smjeg Schnee 

list : Iwt Blatt, gen. lista 

drüg : drüg Freund, gen. drüga 
ursl. sijnö slov. mi : .sT» gen. stna Sohn 

redö slov. rßd : red gen. reda Ordnung 

meso slov. inesp (für meso) : ))ief<o Fleisch 

dqb5 slov. dpb : däb gen. düba Eiche 

mq£b slov. mpz gen. moM : müi gen. müia Mann 

*cbrvb (t-St.) r. cen; gen. cerva slov. crv : crv gen. 

crva Wurm 

*tbrn5 r. lern gen. terna : trn tPna Dorn 

*vblko r. Volk gen. volka slov. vöik voikä : vük vfika 

Wolf 

*dölgö r. dolg dolga slov. döfg doigä : düg düga Schuld 

Hörgz r. torg gen. iorga slov. trg : ir^ ir^ra Ware. 



§223.224.1 Haupttonstelle, Intonation, Quantität. 127 

^23. 2. Ursprünglich steigend intonierte 
Längen der Haupttonsilbe sind im Skr. verkürzt. 
Soweit nicht das Russ. die Intonation erkennen läßt, gibt 
das Slovenische die Möglichkeit: in dieser Sprache, die 
innere Hanpttonsilben dehnt, werden Kürzen, die aus alter 
steigender Länge entstanden waren, wieder mit steigender 
Intonation gedehnt (bezeichnet mit '), z. B. : 
ursl. '■■'■korva r. Jcorova slov. krdva : krävn Kuh 

■^'volga r. vologa : vläga Feuchtigkeit 

*&o/to r. lohto slov. lläig : Uäto Sumpf 

Herza r. ieroza slov. breza : Ireza Birke 

'*2}elva r. polova slov. pUva : pljeva Spreu 
slov. räna : räna Wunde 

zdba : zäha Frosch 

vera : vjera Glaube 

pena : jxjcna Schaum 

ded gen. deda : djed djeda Großvater 

griva : grlva Mähne 

lipa : llpa Linde 

säo : sito Sieb 

grüda : gruda Scholle 

cüdo : cüdo Wunder 

jüg gen. jüga : jug juga Süd 
ursl. ryla slov. riba : riba Fisch 

syro slov. sir gen. sira : s\r slra Käse 

zetb (z-St.) slov. zet gen. z§ta : zet zeta 

""'■gonstja (ab. gqsta) slov. ggsca : güsta Dickicht 

*ponto slov. w^'(o (j;o7a) : ^jwto Fußfessel. 

2S4. 3. Ursprüngliche Längen bleiben er- 
halten in der Silbe vor der alten Haupttonstelle, 
d. h. in der heutigen Haupttonsilbe, z. B.: 
ursl. ■■'borda r. boroda cak. hräda : brdda Bart 
'-■'golva r. golova cak. (/läm : ^Zdya Kopf 
■'■'■serda r. sereda cak. sre<Za : sre^/a srijeda Mitte 
'''melko r. moloko cak. j>«ZeÄ:o : >m?^^o mlijeko Milch 
r. chvala cak. /tt'öZa : Äm?a Lob 



128 Betonung und Silbenqnantität. [§224-226. 

tiag fem. naga cak. nag nägu : näg näga nackt 

cenn cak. c'ena : cena die na Preis 

grech gen. grecha cak. greh grehnigreh greha (gr'ijeh grijeha) 

Sünde 
zima cak. zlma : zhna Winter 
slugo cak. slüqa : slüga Diener 
gluck fem. gluchn cak. glüh glalm : glüh glüha tauli 
hjk gen. ^^/Ay/ : l'ik hika Stier 
ursl. gr^da r. (/mr/a cak. (yj-e^/r/ : greda Balken 
moka r. muka cak. ^;m7Ay' : )u/(Ä:a Mehl 
{'''monka mqka r. j»y/i-n^ : muka Pein^ 
rpÄ:« r. ruka cak. r;7Av< : r/d'« Haud 
''""zblrnj r. ieZ?ifl cak. zünq : ii<?e/a Specht 
■■^'i?Jiü r. zeit fem. ie//(7 ntr. zelto cak. ii7< izi^ö iM^^> : 

züt züta Udo gelb 
"^■'sbrnn r, serwf/ cak. vfv?« : srna Keh 
"'cbrnö V. Ceren f. cerwr? ntr. renw cak. crn crnn crno : 

crn cfna crno schwarz. 

^35. B. Die Wirkung der Intonation in ur- 
sprünglich kurzen Silben (mit o, f, 5 6 außer Ver- 
bindung mit r l vor Konsonant). Zu erkennen sind die 
ursprünglichen Verhältnisse aus dem Slovenischen. Dies 
verwandelt, wenn die betreffenden Silben unter dem 
Hauptton gedehnt werden, alte fallende Kürze in fallende 
Länge (bezeichnet mit o), alte steigende Kürze in steigende 
Länge ('): wo nicht gedehnt wird, so in Endsilben, bleibt 
die Kürze; z. B. sind im Skr. jetzt koza Fell, l)dga gen. 
Gottes, konj Pferd in der Intonation gleich, aber slovenisch 
koza., dagegen hogä (Verschiebung für l)öga), könj; vgl. noch 
skr. roda gen. (Geschlechtes) slov. roda rodä, skr. möagen. 
(der Macht), slov. rnoci (für möci), skr. leda gen. (des Eises), 
slov. l§da. 

22&. Wenn eine skr. Silbe mit alter fallen- 
der Kürze durch Abfall von 5 b Endsilbe ge- 
worden ist, wird der Vokal gedehnt, z.B. gen. höga 
nom. iög {bogö), gen. leda nora. led (J.edz), gen. vioci nom. 



§226.227.] Haupttonetelle und Intonation. 129 

möc {mosth abg.), gen. peäi noni. per (pesth abg.); die 
weiteren Beispiele dieser einsilbigen Nominative s. 
^§ 231. 233. 

227. Dasselbe gilt abr-r auch von mehrsilbigen 
Bildungen; der Hauptton liegt dann immer als " auf der 
ersten Silbe. Nach den Vokalen geordnet und innerhalb 
dieser nach den nominalen Stammklassen gehören hierher: 

1. mit Vokal e: Maskulina: büse>t gen. hnsena 
(und 80 der Genitiv bei den folgenden) Rasen, drobljm 
Brocken, grehen Krempel, grumen Klumpen, jasen Esche, 
jev.men Gerste, kämen Stein, keden Kastanie, kremen Feuer- 
stein, plämen Flamme, prämen Büschel, prsten Fingerring, 
pfsljen Spinnwirtel, reinen Riemen, srsljen Hornist, stremen 
Steigbügel, ngljen (gen. ügljena; auch als uglijen uglijena 
angegeben) Kohle. In koren gep- körena (korijev korijena) 
Wurzel, und dem unklaren kur.en kucena Rebmesser geht 
die Dehnung über den Nom. hinaus. Es sind ursprünglich 
konsonantische Stämme, darnach in die i-Stämme über- 
getreten, als Nominativform also zugrunde zu legen kameiiu 
usw. — cemer gen. cemera (so der Gen. bei den folgenden) 
Nieswurz, djever (alter kons. Stamm) Schwager, güster Ei- 
dechse, höher Bergkuppe, Hahnenkamm, wer Span, sjever 
Nord, stezer stözer Baumstamm, seper das dicke Ende eines 
Reisergeflechts, vecer Abend. — ■ kUpet Geklimper, trepet 
Beben, moriger Boden, zveket Geklingel, gen. -eta; diese 
über den Nom. hinausgehende Dehnung beruht auf Über- 
tragung aus der Nominativform. — Vereinzelte Fälle : 
Ijemez gen. Ijemeza Dachstange, Sparren. — Über Kom- 
posita wie premet s. § 286 fg. 

Femina le i- Stämme; die Dehnung ist vom Nom. 
z. T. in die offnen Silben der andern Formen übertragen: 
cfven gen. crveni (und so überall) Schwärze, jesen Herbst, 
rümen Röte, stfmen Steile, zeleii das Grün ; vgl. dagegen 
Akk. sg. nieder Mutter neben Dat. mäieri, dazu köer Dat. 
Meri Tochter. — gölet kahles Gebirgsland, köcet Ziegen- 
wolle, vHet Steile, gen. -eti. 

L e R k i e n , Serbokroatische Grammatik. 9 



130 Betonung und Silbenquantität. [§228.229. 

ä38. 2. Mit Vokal o. Maskulina: glomöt gen. 
glomöta Geräusch, grdJiöf (Ak. Wb.) lautes Lachen (bei Vuk 
grohot), klökot Mokdta Gluckern des Wassers, koköt koköta (?) 
Gackern, doch koköt kökota Hahn, söpöf söjjöfa Sprudel. 
töpöt töpöta Geräusch. — bdkör gen. hokora (und so bei 
den folgenden) Staude, cöpör (svinjä) Herde (Schweine), 
gövör Rede (vgl. auch ddgovor, nagovör, dögovör, räzgovör)^ 
jävor Ahorn, mrämör Marmor, stdhdr (und stdhor) Hof. 

Feminale ^-Stämme: kökos gen. kökosi Henne, 
pitöm gen. jntömi? angebautes Land, pusios gen. püstosi 
Heide; dazu kommen die zahlreichen Bildungen aut -ostb, 
z. B. zälost gen. Mlosti, mlädöst, inilöst usw. Bei Vuk haben 
alle Wörter mit diesem Formans, auch die mit altem Haupt- 
ton auf -ost das o des Nominativs gedehnt, z. B. gotövösf, 
pokörnöst, allein ursprünglich ist es nicht so, auch jetzt 
nicht allgemein, sondern -öst gilt nur wo der Hauptton 
vor ihm stand, also z. B. wohl müdrösf, svjeflöst, prävednöst, 
dkolöst, aber lijepost, dmnost usw. — Vgl. auch Komposita 
wie crvotöc, prltöc (s. § 28(3 fg.). 

Ä20. 3. Mit Vokal ö, 6, säpät gt-n. säpäta Geflüster 
(aus sbpötö sbpzta), die Länge in den obliquen Kasus aus 
dem Nom. übertragen, die lautlich normale Form des 
(Jen. wäre '-'säpta, vgl. das Verbum säptnii = sbpötaii. 

Gleichartige Wörter mit " auf der ersten ohne Deh 
nung eines o, e der nächsten Silbe sind spärlich vorhanden : 
grähor Wicke, pnskor Muräne, puhor Flockasche, ugor Aal, 
üTior Hahnenkamm, iubor {zuher) neben zubor und zämor 
Geflüster; dazu einige Eigennamen auf -os: Drägos 3Iilos 
(doch auch MUos gen. Milösa) tJros. — presljen Wirtel 
(doch s. o. 2^''sljen)', mädei mlädez Muttermal, derez Prügel- 
bank; einige Eigennamen, z. B. Malen, JfZärffji (ursprünglich 
Adjektiva). 



§230.231.] Bestimmung der Betonung "nd Quantität. 131 

Bestimmung der Betonung und Quantität der 

serboi^roatischen Wörter nach den §§ 214 — 229 

aufgestellten Grundsätzen. 

I. Z'weisilbige Nominalstämme, Substantiva 
und Adjektiva. 
330. Diese, fast Stänitlich sogenannte primäre Bil- 
dungen, denen nicht schon ein Nomen, von dem sie ab- 
geleitet wären, zugrunde liegt, sind hier für sich behandelt, 
weil die Betonungs- und Quantitätsverhältnisse mehrsilbiger 
Stämme, meist sogenannte Sekundärableitungen, besondere 
ihnen eigentümliche Erscheinungen zeigen (s. § 272 fg.). 
In den Beispielen wird bei den maskulinen o-Stämmen 
und bei den alten konsonantischen Neutren der Nom. und 
Gen. sg. angeführt, beim sul;)stantivischen neutralen o- 
Stamm und beim feminalen a-Stamm kommt nur der 
Nom. sg. in Betracht; beim Adjektiv steht die unbestimmte 
Form des Nom. sg. m. und fem. Etwaige Wechsel der 
Betonung und Quantität innerhalb der weiteren Flexion 
s. §§597 — 617,647 — 660. Vom Verbum sind in diesem 
Zusammenhange nur die zweisilbigen Infinitive behandelt 
(§266 fg.); die übrigen sehr mannigfaltigen, teils ursprüng- 
lich verbalen, teils nominalen Formen lassen sich nicht wohl 
voneinander trennen und werden besser im Zusammen- 
hang mit der Konjugation behandelt, s. §§819 — 837,852, 
859—871, 874—878, 882, 887—893, 898—904. 

!S31. A. Die feminalen i-Stämme zweisilbigen 
Stammes. Sie haben nur eine Art der Betonung, Haupt- 
ton mit fallender Intonation auf der Wurzelsilbe, daraus 
folgt, daß, wenn diese eine alte Länge war, die Länge im 
Skr. erhalten bleibt; wenn sie kurz war, die Kürze im 
einsilbig gewordenen Nom. sg. gedehnt wird, sonst ver- 
bleibt. Zum Beweis, daß die Intonation von alters her 
fallend war, dient einmal das Verhalten der Präpositionen 
vor den Kasus, z.B. nä kost, öd kosti (s. §304 fg.), ferner 
das Russische, wenn Polnoglasie die Intonation verrät, vgl. 

9* 



132 Betonung' und Silbenquantität. [§ 231. 232. 

bolon Splint, boron Verbot, volot' Ähre, volosf' Bezirk, berez 
Sparsamkeit, und das Slovenische z, B. c§v rem (für cSvi), 
klet klet, kost kosti, soi soll. 

Skr. mit ursprünglicher Länge, z. B. cijev gen. 
cljevi ekav. cev cevi Spule (bei den folgenden ebenso Länge 
im Gen. usw.), cest(= cpstb) Teil, (fwr? Naturell, klljet (klet) 
Kammer, niäst Schmalz, Salbe, mrijest (mresf) Rogen (vgl. r. 
norost\ klr. nerest' Froschlaich), mläcl kollektiv die Jungen 
(vgl. r. molod' junger Wald), misao gen. misli (= niyslb), mz 
Niederung, ped Spanne (= p^äb), pUjesan (plesan) Schimmel 
(Pilz), rljec (rec) Rede, skFb Sorge, smjet (snet) Brand im 
Getreide. — Mit ursprünglicher Kürze, z. B. böl gen. 
böli (und so alle folgenden im Gen. mit kurzem Vokal) 
Schmerz, döb Alter (aetas), köb köbi (AkWb., bei Vuk köbi), 
möö Macht, nö6 Nacht, so (=■ söo = söl) gen. söli Salz, 
zöb Futter, Hafer; pec gen. pe6i Ofen; cäst gen. cästi (= 
cbstb) Ehre, läz gen. läzi (= lözb) TÄige, räz räsi (und ri 
fzi = rzzb) Roggen, sväst svästi (= svbstb) Frauen Schwester, 
väs väsi (und üs iisi = vdsb) Laus; krv krvi {■= krzvb) 
Blut; z'üc gen. zuci (= *zblcb) Galle. 

Abweichungen von diesen Typen sind ganz vereinzelt 
und wohl sicher unursprünglich: bei urspr. Länge pest 
p)esti (= p^stb) Faust, dagegen cak. pest pMi (das wäre 
stok. *pest pesti), so slov. fallend p§st pesti', mjed mjedi 
Kupfer (= medb), slov. aber med mSdi\ sirz der weiche 
Splint, slov. als strz angegeben; nlt nlti Faden (slov. nU 
7nti), rät räti Krieg (bei Vuk auch msk.); die Pluralia j^m 
Brust (slov. steigend prsi), östi Dreizack der Fischer, der 
Sing, wäre wohl öst, vgl. slov. öst, östi smrt Tod ist ein 
altes Kompositum = *Somhrtb; das alte fem. ursl. *dolnh 
Handfläche, skr. dlän, ist hier msk. geworden gen. dläna, 
slov. dlmi dlani, r. dolonh (steigend); ebenso mls (= mysb) 
Maus, slov, mls misi (steigend). 

2^2. B. Die maskulinen zweisilbigen o- 
Stämme (alter Nominativ auf 3, b). 

1. Ursprünglicher Hauptton auf der Wurzel- 
silbe. 



§232.233.] Bestimmung der Betonung und Quantität. Iii3 

a) Mit fallender Intonation. 

aa) Bei ursprünglicher Länge, die lang ver- 
bleibt, z. B. : 

(iräd gen. gräda Stadt r. goroä goroda slov. gräd gräda gradü, 
Mas Mäsa Ähre r. kolos Jcolosa slov. kläs kläsa klasü 
brijeg (fireg) brljega (brega) Ufer r. lereg herega slov. irfg 
düi duba (= dabo) Eiche r. diib duha slov. dqb 
müs müza (= mqzb) Mann r. mus mum slov. niqz inozä 
drüg drüga Freund r. drug dnjga slov. drüg 
red redet {= r^dö) Reihe r. mcZ rada slov. rßd r§da redü 
list lista Blatt (r, abweichend list lista) slov. list llsta listü 
sin sina (alter ?{-St.) Sohn r. syn syna slov. sina sma shm. 

233. bb) Fallende Intonation bei ursprüng- 
licher Kürze; der Vokal im Nom.-akk. sg. gedehnt. 

Vokal 0, e: bog (= bogö und so in allen folgenden) 
gen. böga, slov. bog bogä (aus *böga), r. bog boga; bök hoka 
Seite, r. bolc boka (slov. abweichend bök boka aus Hoka); 
bor bora Kiefer, slov. bor bura, r. bor bora; bröd bröda Schiff, 
slov. brpd, r. brod broda; dö (aus döo = döl) dola Tal, slov. 
doi; dorn doma (alter w-St.) Haus, slov. dorn, r. dam doma; 
drob dröba Eingeweide, slov. drob; göd göda (urspr. Zeit) 
Festtag, slov. ggd goda godü, r. god gada; göst gösta (alter 
i-St.), slov. göst gostü (und gösta angegeben Wb.), r. gost 
gost'a; liöd hoda Gang (slov. abweichend hbd Imld), r. cliod 
ckoda; köt köfa (dial.) Brut; möst mösta Brücke, slov. mfist 
mosta mostä, r. most mosta; nös nösa Nase, slov. nos nosa 
nosä, r. no& vosa; j)löd ploda Fruclit, slov. plgd plgda plodü 
(r. abweichend plod ploda); plöt plota Zaun, ^\o\. plgt plgta 
plotü (r. abweichend plot plota), pöst pösta Fasten (slov. 
abweichend 2^ost pösta = r. post posta); pöt pota Schweiß, 
slov. pgt pgta potü, r. pot pota; röd röda Geschlecht, slov. 
rgd rgda wdä, r. rod roda; rög röga Hörn, slov. rgg rgga 
rogä, r. rog roga; rök röka Termin (slov. abweichend rbk 
rgka), r. rok roka; skok skoka Sprung (slov. abweichend 
skök skgka), r. skok skoka; smök smöka Zukost, slov. sniök; 
srok sröka (monten.) Zeichen (slov. abweichend srok srgka), 



134 Betonung und Silbenquantität. [§233 — '285. 

r. srok sroka; tör tbra Hürde. — led leda Eie, slov. l§d 
l§da ledü (r. abweichend l'od l'da)\ med meda Honig, slov. 
m^d mßda meda, r. mod mnda. 

S34. Hierher gehört noch eine Anzahl von Wörtern 
mit vor v oder j, die hier besonders gestellt sind, weil 
auch außerlialb der hier behandelten TonverhäUnisse o 
vor auslautendem ; und v gedelmt werden kann (s. 
§ 310 fg.), im einzelnen Fall also, wenn nicht das Slo- 
venische aushilft, nicht immer sicher unterschieden werden 
kann, woher die Dehnung im Nom.: höj böja Kampf (slov. 
abweichend Jöy iöja), r. boj boja; bröj bröja Zahl; gnöj gnöja 
Dünger, slov. gnöj gnojä, r. gnoj gnoja; göj goja (slov. goj 
göja); kröj kröja Schnitt (slov. krdj kröja), r. kroj kroja; löj 
löja Talg, slov. Ipj, r. loj loja; röj röja Bienenschwarm 
(slov. röj röja), r. roj roja; vöj vöja Schicht, vgl. Kompo- 
situm svoj {^= sovojh) svöja Wendung; zböj (= söhojb) zböja 
Haufen; zyiöj znoja Schweiß, slov. znoj, r. znoj znoja; köv 
köva Beschlag, slov. kgv kgva r. kov kova; kröv kröva (slov. 
kröv kröva), r. krov krova; löv löva Jagd (slov. löv löva), 
r. lov Inva; röu röva Grube (slov. rbv röva, r. rov rva), klr. 
riv rovii; töv iöva Fettigkeit; tröv trova (Gift) betäubender 
Fischköder (slov. frdv iröva). 

Andere kurze Vokale sind vereinzelt: zmäj zmäja 
(= zmbjb) Drache; däzd däzda Regen, Vuk Wb., ist Ver- 
sehen für däzd däzda (Ak. Wb.), vgl. r. doM' dozd'a. 

^85. b) Die Wurzelsilbe hatte alte steigende 
Intonation. 

aa) Bei ursprünglicher Länge, die verkürzt werden 
muß (s. § 223). Da jetzt im Skr. alle Kürzen, die alten 
Hauptton tragen, fallende Intonation h;ib'n, muß zur Er- 
keimung des Ursprünglichen das Slovetiische (steigende 
Intonation in der offenen Silbe de-^ Genitivs) und, soweit 
es dienen kann, das Russische herangezogen werden. Z. ß. 
brät gen. bräla (und so mit Kürze die Genitive aller fol- 
genden) Bruder, slov. brät bräta; cäs Zeit, slov. cäs cdsa; 
groll Bohne, r. goroch, slov. gräh grdha; mräz, r. moroz, 
slov. iuräz mrdza; präg, r. porog, slov. 2^''^9 P^'äga; djM 



§ 235 — 237.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 135 

Großvater, slov. dcd (h'da; hljeh, slov. Jileb hlcba; äim (= 
dijmo) Rauch, slov. dm dima; .s'ir (= syrö) Käse, slov. 
s)r sira. 

336. bb) Bei ursprünglicher Kürze der Wurzel- 
silbe, z. B. sköt sköta. Über diesen Fall s. § 244, in Ver- 
bindung rnit der Frage, ob überhaupt dieser Typus ur- 
sprünglich ist. 

237. 2. Der alte Hauptton lag nicht auf der 
Wurzelsilbe, also im Gen. sg. auf der Endsilbe, in der 
heutigen Betonung als ' oder ' auf der ersten. Die Quan- 
titäten bleiben, abgesehen von etwaiger Dehnung kurzer 
Vokale vor auslautendem u, j, unverändert. Im einsilbigen 
Nominativ wird nach § 219 im Skr. die Intonation fallend, 
im Slovenischen ist sie, wo beobachtbar, steigend. 

a) Die Wurzelsilbe hat alte Länge: gäj gaja (so 
mit Länge und ' alle Genitive der folgenden Wörter) Hain 
cak. (jaj fjäja, slov. gäj; pläst Mantel, r. j?/rtsc plasca; vräc 
Wahrsager, slov. vräc, r. vrac vraca\ hräm hrdma Tempel 
{= *c/ior;»s; slov. abweichend hräm hrdma), r. kchsl. chram 
chramci; hräst (= ■■'chvorsts) hrästa Eiche, slov. hrdst (r. 
abweichend chvorost); krälj (aus '■■'■korl-) krälja König, slov. 
krälj, r. korot korol'a; brijest hrijesta (brest bresla) Ulme 
(cak. abweichend brest bresta wie r. berest beresia); grljeh 
grijeha (greh greha) Sünde, cak. greh greha, slov. greh, r. 
grech greclia ; bik bika Stier (slov. abweichend btk bika), r. 
byk bijkn ; ^mst jjrista Beule (Aussclüag), slov. 2^'>"is(\ y. 2)rysc 
prijsca; kljüc kljüca, cak. kljüc kljüca, slov. kljüc, r. kl'uc 
kl'uca; irüd trüda Mühe, cak. trüd trttdn (slov. abweichend 
trüd), r. trud trudn; prüd (= praßö) pirüda, slov. pröd-, süd 
(= sqiio) süda Gericht, cak. süd süda, slov. söd, r. sud suda 
(vgl. dazu Süd süda Gefäß, slov. sgd, r. siid suda); stüp 
(= ''^stolpo) stüpa Säule, slov. stuip, r. siolp stolpa. In irgend- 
einer früheren Periode des Urslavischen hatten diese Wörter 
im Nom. sg. Endbetonung, z.B. Hj/kö' , '''kl'ucb'; bei schon 
urslavischer Zurückziehung des Haupttons von 3. 6 auf die 
erste Silbe ward diese zunächst steigend intoniert, behielt 
aber gegenüber den ursprünglich haupttonigen steigenden 



186 Betonung und Silbenquantitilt. [§237—239. 

Silben ihre Länge, die erst im Skr. fallende Intonation 
bekam. 

338. b) Die Wurzelsilbe hat kurzen Vokal. 
Auch hier lag ursprünglich der Hauptton iniNom.sg. auf der 
Endsilbe Hobz , *kovjb' ; bei alter Zurückziehung auf die erste 
Silbe wurde diese steigend betont, blieb also im Skr. kurz 
böb, kbnj', aber wie alle ältere steigende Intonation in End- 
silben ist sie im Skr. fallend geworden; im Slovenischen 
steht im einsilbigen Nom. ' Kürze, im Genitiv usw., wo 
der Hauptton auf die Wurzelsilbe zurückgezogen ist, Länge 
(= gedehnter Kürze) mit steigender Intonation '. Beispiele: 
hob böba Bohne, slov. böb böba, r. hob boba; glög glbga Weiß- 
dorn, slov. glög glöga (r. abweichend glog gloga); grob gröba 
Grab, slov. grob groba (r. abweichend grob groba); gros 
grösa (Fremdwort), slov. gros grösa; könj könja Pferd, slov. 
könj könja, r. kon konn ; kos kösa Korb, slov. kös kösa, klr. 
kis kosa; pöp jwjja Priester, slov. pöj) iJÖpa, r, pop popuy 
röb röba Sklave, slov. röb röba, r. rab raba ; svöd svöda (= 
sövodö) Gewölbe, slov. svöd svoda (r. abweichend svod svoda); 
sklöj) sklöpa [= söklopo) Zusannnenstoß, slov. sklöp sklöjm; 
alög (= sölogs) slöga Ackerbeet, slov. slög slgga; slöm (= 
söloniö) slöma Zusammenbruch, Untergang ; snop snöpa Garbe, 
slov. snöp snöpa, r. snop snopa; söm söma Wels, slov. söm 
söma, r. som soma; zglob (= söglobz) zglöba Gelenk; zgon 
(= sr,gonz) zgöna Land zwischen zwei Grenzen, slov. zgön 
zgöna\ hierher auch sto stöla Tisch, slov. stöi stöla, r. stol 
stola; vö völa (alter it-Stamm), slov. vöt völa, r. vol voln; 
das ö ;= 00 aus ol-; klen klena Feldahorn, slov. klen klena, 
r. abweicdiend kVon kl' ona. 

330. Abweichungen von den regelmäßigen 
Typen; der Betonungstypus Nom. ", Gen. " bei ur- 
sprünglich kurzem Wurzelvokal. Nach den obigen 
Ausführungen müßten ausgeschlossen sein die Betonungs- 
typen: 

1. Ncm. ^, Gen. " bei ursprünglicher Länge der 
Wurzelsilbe; in der Tat sind die vorhandenen Beispiele 
teils Wörter mit altem steigendem Ton (slov. kruj kräja., 



§239.240.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 137 

räj rdja), daher die Verkürzung der Länge in den offnen 
.Silben : kräj kräja Rand, räj räja Paradies ; die Dehnung 
im Nom. sg, beruht auf der SteHung vor j (s. § olOfg.); 
in der einsilbigen Form ist die Intonation im Skr. not- 
wendig fallend geworden. Teilweise beruht " in den ob- 
liquen Kasus auf Kürzung älterer Länge: präh j>m/«a 
Staub, slov. präh ^^välia prahä, r. pöroch, also fallend, dem- 
nach skr. zu erwarten präha, präha ist präa und dies für 
*/jrört nach der Regel, daß Länge vor Vokal gekürzt werden 
muß (s. §127); sträh sträha Schrecken, aber nach Danicic 
(Rad 21, 157^) in Ragusa sirähc, wie im Slov. sträh sträha 
strahü, also Vuks sträha = straa aus *sträa; mäh maha 
Hieb (Vuk als Nebenform von mäh mäha), aber in Ragusa 
mäh mäha (AkWb.), dies ist das ursprüngliche, Vuks mäha 
neben mäh ist = *mäa, mäh dem Genitiv nachgebildet. 

340. 2. Nom. ^, Gen. ebenfalls r^ bei ursprüng- 
licher Kürze der Wurzelsilbe ist anomal, da fallende 
Intonation der I^ürze in mehrsilbigen Formen nicht 
gedehnt wird. Die vorkommenden Beispiele beruhen auf 
Übertragung der Länge des Nominativs in die andern 
Formen: hod (Stich) Art Stickerei, löm (clematis vitalba), 
mör das Sterben, skör eine Art Schlange, sind teils nur 
lokal gebräuchliche, teils nur in einzelnen Redewendungen 
vorkommende Wörter, wie mör (gen. möra Ak. Wb.); bei 
Vuk ist die Genitivform nicht angeführt und aus seiner 
sonstigen Gepflogenheit muß man schließen, daß der 
lange Vokal auch im Gen. steht, also löda usw., allein 
sicher ist das nicht. Ferner Ml msk. Schmerz (alter 
/-StamnK hol höli s. § 2ol); ös ösa Wespe scheint eine 
späte Umbildung des fem. ösa zu sein (so skr. und in 
andern slav. Sprachen); kos kösa Amsel, aber cak. kös 
kösa, das wäre stok. Jcös kösa; vöz vöza Fuhre, bei Mazu- 
ranic (Slovnica hrvatska) vöz voza wie cak. vöz vöza, slov. 
voz vozä\ (jrözd (jrözda Traube, bei Mazuranic grözd grözda, 
slov. (jrözd fjrözda, r. grozd grozda; drözd (drözak) drözda 
{drözga) Drossel, vgl. daneben das normale mözak (für 
mözag) mözga Mark; met meta {Wxxri) Ort, wo die Netze 



138 Betonung und Silbenquantität. [§240—244. 

ausgeworfen werden, cak. met meta, slov. met m§ta, das 
wäre stok. *met meta; wenn stok. die Intonation fallend 
war, ist met normal, meta müßte für meta eingetreten sein. 
Ganz klar ist die Übertragung der Länge aus dem Nomi- 
nativ bei den Silben mit alten o, t: dän (aus clMih) däna 
Tag, Gen, alt dne = dtne, sät säta Wabe (^ sotö sota), 
der ursprüngliche Gen. war *sfa; cvät cväta Blüte (^= 
'^'■CVbtö cvbta). 

241. 3. Nom. ^, Gen. ' (also alte Endbetonung) 
bei kurzem Vokal ist anomal, da Kürze vor dem Haupt- 
ton nicht gedehnt wird. Bei Vuk zwei Beispiele: dvör 
dvora Hof, cak. ebenfalls unregelmäßig dvör dvora neben 
dvör dvora (= r. dvor dvora, slov. dvör dvora); ferner iiöi 
nöza Messer, cak. ebenfalls unregelmäßig nö£ nüzä, slov. 
nd£ nöza, r. no£ noza. 

24:2. 4. Nom. r^^ Gen. ' (also alte Endbetonung) 
bei ursprünglicher Kürze, anomal, weil im Nominativ bei 
ursprünglicher Endbetonung nicht geflehnt wird. Ver- 
einzelte Beispiele: gröm gröma Donner, bei Mazuranic 
normal gröm gröma wie r. grom groma (cak. gröm gröma 
im Nom. abweichend, slov. gröm und gröm gen. gröma); 
stög stöga Schober, Maz. normal stög stöga, so auch cak. 
stög stöga (slov. stög stöga). Es handelt sich hier um alte 
Schwankungen der Betonung und Durcheinanderwerfen. 

S43. 5. Nom. '^, Gen. ' bei alter Länge des Vokals, 
anomal, weil alter langer Vokal vor dem Hau[)tton nicht 
verkürzt wird: vez veza Ulme (Vuk aus einer Lokalmund- 
art), r. va,z vaza {= vezö), vgl. das lautähnliche normale 
vez veza {= vezö veza) Stickerei: vrh vrha {x. vercli vercha), 
zu ervv'arten wäre vrJia, vrha ist aus *i;m nach Verstummen 
des h entstanden, vgl. § 289 jjr«//a (=2,^r«rt) iüx präha u.a. 

244. 6. Oben § 286 sind Beispiele steigender Into- 
nation bei alter Kürze mit dem Betonungstypus Nom. ", 
Gen. " nicht angeführt worden, weil die Frage allgemein 
gestellt werden muß, ob ein solcher Typus ursprünglich 
überhaupt vorhanden war. Die Vergleichimg der wenig zahl- 
reichen Beispiele (die Komposita wie shös =^ sokosö, spiet 



§ 244. 245.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 139 

= söpleto 11. a. sind auszuscheiden, s. u., ebenso das ur- 
sprünglich mehrsilbige hnet -^kömetö) deutet auf ältere End- 
betonung des Genitivs oder auf ältere Betonung des Nom. 
mit ^, die durch Einfluß des " der anderen Kasus durch 
dieses ersetzt ist: mit o- Vokal, gön Länge eines Laufes oder 
Rittes, slov. göu gona (kann sein = einem skr. gon göna), 
r. gon gona; gvozä gvözda (eig. Nagel) Fels (monten. bei Vuk), 
im AkWb. nicht akzentuiert, slov. gvözd (entspräche einem 
skr. gvözd), r. gvozd' gvozd'n; kön köna Ende, r. kon kona; 
pöd poda Stockwerk, dial. pbd pöda (so auch cak.), r. jwd 
poda; sköt sköta Vieh, slov. sköt skgta, r. skot skota; skrök 
skröka Schritt (lokal), vielleicht Kompositum für *s3krokö, 
vgl. Fälle wie skröpiti aus skrbpiU ^= sökropiti besprengen : 
soh söka monten. Ausspürer, Pfadfinder; skröb Stärkemehl, 
bei Vuk ohne Angabe des Genitivs, also anzunehmen 
skroba, aber es ii4 dialektische Nebenform von skrob mit 
dem normalen Gen. skröba; vöct voda Führer, slov. vöj voja, 
r. voM' voM'n (kirchensl.); vösak vöska Wachs, cak. vösk 
vöska (wäre skr. ''"vosk — vömk vöska); in toör tvöru 
litis neben tvor tvöra ist das erste normal; mit e- Vokal, 
ein unsicheres hieb lireba Baumstumpf neben lirek^ Iren 
trena Augenblick, sprez spreza (Pflanzenname^ bei Stulli 
sprez^ vielleicht Kompositum = '■'■'soprezö, '■■'■söprrzb) : mit 
anderen Vokalen, lav lava Löwe, vgl. r. lev Iva: Jan läna 
Lein, r. ton l'nn. 

S45. C. Die alten zweisilbigen neutralen 
o-Stämme und die in diese Form übergegangenen 
es-Stäm m e. 

1. Alter Hauptton auf der Wurzelsilbe. 

a) Bei fallender Intonation. 

aa) Mit ursprünglicher Länge der Wurzel- 
silbe, die demnach lang bleiben muß. Im Slovenischen 
wird in dem Falle der Hauptton auf das Ende verlegt : 
zläto Gold, slov. zlato, r. zoloto; städo (und stado Vuk) 
Herde, r, städo] jäje Ei (so Budmani S. 40 und Ak. W., 
Vuk jäje); meso Fleisch (= m§so), slov. meso; mlivo Mehl; 
pivo Bier, slov. abweichend pivo; drljevo Baum, slov. drevo, 



140 Betonung und Silbenquantität. [§ 245 — 247. 

r. cjerevo; sljeno seno Heu, slov. seno', tljelo telo Leib, slov. 
telo; iljedo testo Teig, slov. testo. 

246. bb) Mit ursprünglicher Kürze der Wur- 
zelsilbe. Beweis der fallenden Intonation ist slo venische 
Verlegung des Haupttons auf die Endsilbe, aus dem Skr. die 
Zurückziehung des Haupttons auf vorangehende Präpo- 
sitionen als " (vgl, § 304): kölo Rad ü kolo (und so bei allen 
folgenden Wörtern), slov. kolg; möre Meer, slov. morje; 
nebo Himmel, slov. neio; öko Auge, slov. oko; pölje Feld, 
slov. pölje und poljg, na pölje ^=^ skr. nä pol je; slövo Wort, 
slov. slouy; pröso Hirse, slov. proso; strovo vom Wind ab- 
geschüttelte Früchte (Kompositum = sö-fr. ?); zveno 
Glocke. 

Die Plurale der unter 2 b anzuführenden Wörter, 
die " haben, z. B. rebra zu rl'hro, sind steigend intoniert, 
daher skr. h rebra, slov. r^bra. 

247. b) Die Wurzelsilbe hatte steigende In- 
tonation. 

aa) Bei ursprünglicher Länge, die demnach ver- 
kürzt sein muß. Beweis der alten Länge ist die slov. 
steigende Intonation der gedehnten Silbe ('), die rus- 
sische Betonung der zweiten Silbe etwaiger Polnoglasie, 
im Skr. das Verbleiben des Haupttons auf dem Kasus 
in Verbindung mit Präposition , u blato (vgl. oben da- 
gegen u kolo), woraus in der heutigen Betonungsent- 
Avicklung u blato : hläio See, Sumpf, slov. blcdp, r. boloto; 
vrelo Quell, slov. vrelo (\Vb.); j:>n^o Fessel {= pqto), slov. 
i)ötp; cedo Kind (= cedo); bljüdo Schüssel; cMo Wunder, 
älov. cüdp; jütro Morgen, slov. jiUrp; plaio (und ievu. pluto.) 
Kork; puzdro penis animalium; riüio Gewand, slov. rüho 
uJio Ohr, slov. abweichend uho; pllo Getränk, slov. pilp; 
slto Sieb, slov. sitp; sUo Ahle, slov. silp; zlto Getreide, 
slov. sitp; Rko (= hjko) Bast, slov. likp; mllo (= mylo) 
Seife, slov. nülo-, rllo (= rylo) Maul, slov. rilp; djelo 
Werk, slov. delp\ jelo Speise, slov. jelp; Ijeto Sommer, slov, 
läo\ nijesto Ort, slov. mestp; njedra pl. Busen, slov. als 
nedrp pl. nMra angegeben; jäto Trupp Vögel, slov. jdto; 



§247 — 251.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 141 

miislo Schmalz, slov. mdslp; päsmo Gebinde Garn, slov. 
pdsmp; sälo Fett, slov. sälp; städo (und üädo) Herde; hfäo 
Berg, slov. hfäp\ grlo Hals, slov. grlp; zrno Korn, slov. 
zrnp (cak. zrno, r. zervn); drvo Baum, slov. drvp. 

248. bb) Bei ursprünglicher Kürze der Wur- 
zelsilbe; keine Beispiele. 

249. 2. Der alte Hochton lag auf der End- 
silbe. 

a) Bei ursprünglicher Länge der Wurzelsilbe, 
die erhalten bleibt: crijevo crevo Darm, dlijeto dlefo Meißel, 
</nijezdo gnezdo Nest, hlijesta Jdesta pl. (neben fem. klijesta) 
Zange, mlijeko mleko Milch, sijelo seh Sitzgesellschaft (Be- 
such), Mrijelo Mrelo (Schlund) Engpaß, lice Gesicht, vino 
Wein, mito {= myto) Bestechung, rww Vließ, ?Ho (eig. 
Glied) Stück Fleisch zum Räuchern, mta pl. Mund, üie 
(= q^e) Seil, jdje Ei, kldio Art Halsjoch, vlakno Flachs 
r. volokno, vräta pl. Tor r. vorota (und vorota), Uce Linse 
(^ = §)-, ^ßV?« pl. Rücken (ursprünglich mehrsilbig ^= Hrd- 
vbja), prelo (= prdo) Spinnstube (Gesellschaft), U'io Art 
Hürde, Mrlo Engpaß (vgl. idrijHo). 

250. b) Bei ursprünglicher Kürze der Wur- 
zelsilbe: ohm Fenster, bedro Schenkel, celo Stirn, resno 
Knoblauch, leto Flugloch am Bienenstock, pleee Schulter- 
blatt, rebro Rippe, sedlo Sattel (urspr. mehrsilbig = sedblo); 
srelro Silber (aus strelro), sfegno Schenkel, veslo Ruder, 
staMo (= sibklo) Glas. 

Es fehlt eine Betonung ^ und ' bei kurzer Wurzel- 
silbe mit Ausnahme des einzigen öje Deichsel, das slov. 
oje deutet auf altes *o/e mit fallender Intonation. Fälle 
wie gvözdje, zelje usw. sind nur scheinbare Ausnahmen, sie 
beruhen auf gvozdbje, zehje und die Länge auf Dehnung 
vor -je = altem -hje (s. § 313). 

251. D. Die feminalen a- und ja-Stämme. 

1. Der alte Hochton lag auf der Wurzelsilbe, 
a) Bei fallender Intonation. 

aa) Mit ursprünglicher Länge der Wurzel- 
silbe, Betonung ^. Dieser Fall, wenn überhaupt ur- 



142 Betonung und Silbenquantität. [§251.252. 

sprünglich, ist jedenfalls selten gewesen; die Wörter 
scheinen z. T. späten Ursprungs zu sein, und die Betonung 
ist in den anderen Sprachen z. T. abweichend : grätta 
Baumaterial, Bauwerk, Zaun, aber r. goroza, slov. grdja; 
vräöa (lokal) Rückgabe, lautlich vergleichbar r. dial. voroca 
Wasserwirbel; slräla Wache, slov. sträza, aber r. storoza; 
{v)läka (lokal) tief eingeschnittenes Tal, wenn = Zug, 
Schleppe, zu vgl. slov. vläka Schleppe, klr. voloka Art 
Riemen, beide abweichend vom Skr.; kletva FKich ( = 
kletva), slov. klßtha; teza Schwere (== ifza), slov. t§za; zeda 
Durst (= '■■'■z^dja), slov. zqja; süsa Dürre, slov. süsa\ dira 
(und dlra, dtra) Loch, slov. dqra r. dyra; drijezga, im 
Ak.Wb. daneben drezga (^=drezga) nasturtium officinale (bei 
Stulli drijeska apiura palustre); däöa Totenmahl, vgl. aber 
daneben däca Gabe (slov. ddca), dä6e (■=^ datbje) Gebung, 
dd6a Tribut; Mxa große Menge (neben Ire Irca); tvrita 
Festigkeit; vrsa (daneben vrsa) Reuse, slov. vrsa. Dazu 
noch gläda Hunger, eine Neubildung zu gläd nach dem 
Muster von zectcr, so ist auch peda Spanne (poet.) zu ped 
f. hinzugebildet; jetra Leber ist alter Flur, ntr., ebenso 
plüöa Lunge; zum Flur, tantum sljede das Sitzen kann 
ein Sing. *sijeda gehören. Es bleiben, wenn man mit 
dem Slovenischen parallelisiert, in beiden Sprachen über- 
einstimmend nur sträza, kletva. 

Was sonst in den Zusammenstellungen über skr. Akzent 
hierhergestellt wird (z.B. Pavic, S. 10 und 74), ist ursprüng- 
lich mehrsilbig und die Dehnungen anders zu erklären, 
z. B. läda Schiff, prälja Wäscherin beruht auf Dehnung 
vor altem -bja {-bji, ladbji), oder vor gewissen Konsonanten- 
gruppen, z. B, grmia = *grivbna, vgl. gen. pl. grivänä (s. 
§olOfg.); pnca Erzählung aus prihca ist kirchenslavisch. 

S52. bb) Mit ursprünglicher Kürze der Wur- 
zelsilbe. Auch dieser Fall ist wahrscheinlich ursprüng- 
lich nicht vorhanden. Die überwiegende Mehrzahl der 
Feminina mit " auf der ersten haben steigende Intonation 
(s. § 253); für fallende lassen sich nach Vergleichung 
mit dem Slovenischen anführen: gloia Unkraut, arme 



§ 252. 253.] Bestimmung der Betonuna: und Quantität. 143 

Leute (Gesindel), slov. glqta u. a. Lolch, Gesindel (un- 
klares Wort, klr. MoUj — neben msk. Mit Motu — Ijedeutet 
Gedränge, dichte Menge); Mönja Vogelfalle, slov. Id^nja; 
nözdra neben wö^c^rm Nasenloch, slov. ngzdra nözdrva nözdrv; 
rözga und rözgva Pflock, slov. rgzga rqzgva; tröska Schlacke, 
slov. trqska troskva trgsköv (über die z. T. unter die alten 
i7.-Stämme gehörenden Bildungen s. § 257); göba Höcker, 
ragus. göba, ist ital. gohha. 

!^53. b) Die Wurzelsilbe hatte steigende 
Intonation. 

aa) Bei ursprünglicher Länge, demnach im Skr. 
mit Kürze und Akzent ", die Intonation jetzt fallend (s. 
§219). Die alte steigende Intonation wird erwiesen durch 
das Russische, wo Polnoglasie sie erkennen läßt, durch 
die steigende Intonation der im Slovenischen gedehnten 
Silbe, endlich aus dem Skr. selbst durch die Betonung 
einer vorangehenden Präposition mit \ z. B. zä kucii == 
altem za kücu. 

Vokal ra, la^or, ol vor Konsonant: dläka, slov. dlc'ika 
Haar; dräga Tal, r. doroga, slov. drdga; hräpe pl. Uneben- 
heiten, slov. hrdjm ; kläda Klotz, r. koloda, sl(^v. kldda ; krästa 
Blatter, r. korosta, slov. ]crdsta\ kräva Kuh, r. korova, slov. 
krdva; mräse pl. Masern; pläsa (leda) Stück (Eis), klr. po- 
losa, grr. polosa, slov. pläsa; pträöa Schleuder, slov. p)rära\ 
räka (altes Lehnwort aus lat. arcd) Sarg, slov. räka', sluma 
Stroh, r. soloma, slov. sldma; svräka Elster, r. soroka, slov. 
srdka; vläca (eig. Schleife) Egge, slov. vMca; vJäga Feuchtig- 
keit, r. vologa, slov. vldga; vräna Krähe, r. vorona, slov. 
vrdna; zräka Strahl, vgl. r. msk. zorok. 

Vokal re, le = er, el vor Konsonant: hreza Birke, r. 
beroza, slov. breza; crevlja (crew) Schuh; »ireia Netz, r.me- 
reza, slov. mreza; pljeva das Jäten, doch slov. pl§tva und 
pmzv (über diese Bildungen s. § 257); pljeva Spreu, r. 
polova, slov. pleva; stnreka Wacholder, slov. smreka. 

Vokal II = o: druga große Spindel; düga Daul^e, slov. 
dgga; guba Aussatz, slov. göba u. a. Schwamm; gasta 
Dickicht slov. ggsca; küca Haus, slov. köca; muka Pein 



144 Betonung und Silbenquantitilt. [§253. 

(slov. mülca ist kroatisch) ; rucla dichte Wolle; siruka Gattung, 
slov. ■? strgka', stüpa Mörser, Stampfe, slov. stöjM; sljuka 
Schnepfe (aus *slpka), slov. slöka; tüca Hagel, »\ov. töca. 

Vokal e = e : dveka Art Wagenschmiere; jeka Hall, 
slov. j^lca ; 2)reda Spinnerin (in einem Sprichwort) ; j^re'Vf« 
Garn, slov. abweichend pr§ja; rega Zähnefletschen, slov. 
r^ga\ seka Untiefe; zeha Fink, slov. z^la; zveka Klang; 
ietva Ernte, slov. jedoch ietva z§löv (s. § 257). 

Vokal ?^ = n : h'uko Spott, hula Ungeziefer, slov. Mla; 
buka Gebrüll, slov. abweichend hüka; rhna Pest; rvpa 
Haarbüschel; grnda Klumpen, slov. grüda; güka Girren; 
Mika (uka) Geschrei, slov. hnka; Mda Tadel, slov, Mda; 
kljüka Haken, slov. kijüka; kljüna Krampe; kljüsa Falle: 
kuga Pest, slov. kt<ga; kfika Haken; lüca Strahl; Ivnja Art 
Vogel; /iipa Klopfen ; Ijüska Hnlse, slov. abweichend fösAa; 
miida (kchsl.) Not, slov. nüja; plüta Kork (neben ntr. 
plüto und msk. jj/«^ plüia), slov, Wb. plüta\ pljüske pl. 
Art Ausschlag, slov. abweichend pljüska (andere Bedeu- 
tungen); piiha kleines Geschwür; ruka Gebrüll; runje pl. 
Haarzotten, slov. rnnja; rüpa Loch; slov, rüpa; struga Riß 
im Zaun, slov. strüga u. a. Gebüschlücke; strüna Saite, 
slov. strüna\ siüga ausgehöhlter Stumpf; süknja Unterrock, 
aber slov. süknja; stüka Hecht, slov. scnka\ shna Wald, 
slov. süma; tüska Schlacke, Treber; üja Rast, Erholung; 
zi(ka Summen. 

Vokal i = i: hitva Schermesser, slov. brttva Irltöv (s. 
§ 257); dlra (neben dira, dtra) Loch, slov. d^ra: gljlva 
fungus, slov. gliva; gnjlda Nisse, slov. gnida; gnfda Ton 
(Lehm), slov. gllna; grlnja Motte, slov. Wb, gr'tnja; grwa 
Mähne, slov. griva; tkra Rogen, slov. ikra\ Iskra Funken, 
slov. iskra; Iva Weide (Baum), slov. iva; kllca Keim, slov, 
kUca; knjhja Buch, slov. knjiga: llpa Linde, slov. lipa; njlska 
Wiehern; njha Kckex, slov, wyYi;«; ^?da Nahrung, slov. j:>?ca; 
piiska Pfeifen, slov. abweichend pisA:«; rita Fetzen; riza Kleid; 
siha {smha) Hartriegel, slov, sviha; siga Sinter, slov. Wb.s/^a; 
sUa Kraft, slov. sila; sua Gattung; sUne pl. Rotz, slov. slina: 
svlta Tuch, slov. abweichend svUa; s^ba Rute, slov. siba; 



§ 253.1 Bestimmung der Betonung und Quantität. 145 

Mja Hals, slov. si'ja; slka Zischen der Gans; sljlva Pflaume, 
slov. sliva; tlla Baumart; vika Geschrei, slov. vlka-, vile 
pl. Heugabel, slov. vile-, viska Wiehern; vUnja Weichsel- 
kirsche, slov. abweichend visnja; vrhka Geschrei; zvhda 
Gepfeife; itca Faden, slov. Mca; zilaAder, slov. iila; Mva 
Quecksilber. 

Vokal i = ?/ : bllja Scheit {i = i ?) ; dlnja Melone, 
slov. dlnja; grlza Bauchgrimmen, slov. abweichend grUa; 
kika Zopf, slov. kika; klla Bruch (Krankheit), slov. küa; 
Msa Regen; Uta Strauß, slov. küa; llsa Blässe (am Tier), 
slov. Visa; plhna Flut, slov. Wb. plhna; riba Fisch, slov. 
riba; rlka Gebrüll; slsa Mutterbrust, slov. sisa; shlka Grun- 
zen; skrlpa Geknarr, slov. skr'qm; vidra Fischotter, slov. 
abweichenel vidra. 

Vokal e, je ^ e : ceata Weg, slov. ccsta; djeva Jung- 
frau, slov. deva; jeda Speise, slov. jeja; Ijesa Pritsche, slov. 
iesa; mjera Maß, slov. mera; njega Pflege; pjega Fleck, slov. 
pega; pjena Schaum, slov. jjena; reJia dünnstehende Wolle 
(e = J"?); repa Rübe, slov. re^xt; sjeca (Hieb) abgehauener 
Zweig, slov. seca; sjeda (Sitz) Sitzbrett, slov. seja; sjera 
Schwefel; sjeta Wehmut; streJia Dachvorsprung, hIov. streha; 
tjena Häutchen; treska Splitter, slov. treska (und trcskä); 
vjeda Braue, slov. abweichend v§ja Lid; vjera Glaube, slov. 
Vera; vreoa Tumult, slov. vreva Wb. 

Vokal a = altem a : häla alte Frau, slov. häba; häle 
pl. Rotz; Mnja Bad, slov. abweichend hänja; lära Pfütze, 
slov. Mra; h-clva Türschloß; cäda Ruß; cäplja Reiher, slov. 
abweichend cäplja; cäsa Becher, slov. cdsa; däca Gabe, slov. 
däca; dräca Dorn; gäce pl. Hosen, slov. abweichend gäca; 
gäka Gekrächz; gläda Art Schäferhätte; grählje pl. Rechen, 
slov. grablje; gräja Gekrächz, slov. grdja; hälja Rock, slov. 
hälja; jäma Grube, slov. jdma; jära Hitze u.a.; känja Art 
Raubvogel, slov. kdnja Weih; käplja Tropfen, slov. kdplja; 
käsa Brei, slov. kdsa; kräda Diebstahl, slov. abweichend 
kräja; malje pl. Flaum; mäma Wut; mläka Lache, slov. 
mldka; pära Dunst, slov. abweichend pära; päsa Weide 
(= Hut), slov. abweichend päsa; präska Krachen, slov. 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 10 



146 Betonung und Silbenquantität, [§ 253. 254^ 

abweichend präska (andre Bed.); räna Wunde, slov. räna; 
skäla Fels, slov, skäla; skälje pl. Holzabfälle, slov. abweichend 
skälje; skvära Art Salbe, slov, skdra; släva Ruhm, slov. 
sldva; stäja Stall, slov. stdja', stätva Balken des Webstuhls^ 
slov. abweichend stätva (s. §257); säka Handvoll, slov. säka; 
sära die Bunte, slov. sdra bunte Farbe; träga Tierrasse ^ 
iäha Frosch, slov, Mha. 

Vokal u = urslav. bl, öl vor Konsonant: müsa (und 
niüsa) Baumsaft; muzga die auf einmal her vorschießende 
Milch; muza Melken, slov. möiza; stuba Baumleiter, slov. 
stoiha; ?;%« Beutelmeise, slov. votga; vüva Wolle, slov, voina. 

Vokal )• = urslav, w, ör: crva Wurmloch; cvrka 
Gezwitscher; grla Höcker, slov. grha; hrka (rka) Schnar- 
chen; krga Flaschenkürbis; krlja Holzblock; khija Scheide, 
slov. krnja; krpa Flick, slov, krpa; kfplje pl. Schneeschuhe, 
slov, krplja; kvfga Auswuchs, Knorren, slov. kvfga; kvfka 
Knurren (der Katze); furva Brocken, slov, mrva; mrska 
Runzel; mfsa Magerkeit; jjf^a Furz, slov. xyrda\ pfga Art 
Speise aus Hirse, slov. pfga ; pfnja Fetzen, slov. abweichend 
prnja; fpa Haufen; skrge pl. Kiemen, slov. Wb. skfge-, 
frka Laufen; vfka Knurren (der Katze). 

2»54. bb) Die Wurzelsilbe ist ursprünglich 
kurz; die im Slovenischen gedehnte Silbe hat steigende 
Intonation ('): Vokal o, döha Zeit, slov. doha; gösöa Gastin 
(fem. zu göst); grlhija Fruchtzweig der Kirsche; höia 
Haut, slov. kgza; köra Rinde, slov. köra; krösna Webstuhl, 
slov. krosna; möma Mädchen; sköba Klammer; plöca Platte, 
slov, ^;Wca; sZoto Regenwetter; som Eule, sloy. söva; ströka 
Schaf blatter, slov. ströka; tröha Bißchen, slov. trölia; volja 
Wille, slov. vglja. 

Vokal e: dreca Dickicht, dreka Gewand, kIejM Hieb 
mit dem Finger, kreka Quaken, krelja Kiemen, kreka 
Quieken, peca Totenfieck, peca Sorge, sleka Flut; stelja u. a. 
Hefen, slov, sf^lja Streu; steza Fingerkraut; tesla Hacke, 
slov. t^sla; meka Meckern; iega Hitze, slov, ^^ga. 

Vokal a = b: Beispiele sind ganz selten; das ab- 
geleitete fusfa Schwiegermutter (fem. zu täsi). 



§255.] Beetimmuno; der Betonung und Quantität. 147 

S55. 2. Der alte Hochton lag nicht auf der 
Wurzelsilbe; alte Endbetonung. 

a) Bei ursprünglicher Länge, die demnach lang 
bleibt (ausgeschlossen sind hier die zahlreichen Hypo- 
koristika mit Akzent ' auf der ersten Silbe mit der bei 
ihnen eintretenden Dehnung kurzer Silben, s. §274). 

Vokal M = u: hüna Aufruhr, drüga Gefährtin, cluplja 
Baumhöhle, düsa Seele, giija Schlange, jüha Brühe, krüpa 
Hagel, Jcüna Marder^ hüpa (Haufen) Spiel mit Nußhäufchen, 
Ijüba Gattin, rüda Erz, slüga Diener, £iipa Gau. 

Vokal i ■= i: dika Stolz, glista Regenwurm, hrida 
Fels (neben msk. hrld Jinda), lila Birkenbast, niza Perlen- 
schnur, Sita Binse, svÜa Seide, svinja (urspr. mehrsilbig = 
svhibja) Schwein, vila Vila, zima Winter. 

Vokal i =^ y: dira (neben d;ira) Loch, gizda Zierde, 
Schmuck, gmiza (urspr. mehrsilbig = gzmyza Gewimmel) 
Glasperlen. 

Vokal <?', skr. ije e = ursl. e\ hijeda (Not) Verleum- 
dung, blijesTca (Glanz) Augenblinken, cijena Preis, klijesta 
Zange, lijeha Gartenbeet, lijeska Hasel, mijena (Wechsel) 
Mondwechsel, rijelca Fluß, stijena (Wand) Felswand, stri- 
jela Pfeil, strijeka Streif, Ritze, svijeöa Kerze, zvijezda Stern. 

Vokal a = a: gdra rußbraunes Schaf (zu gär Ruß; 
wohl hypokor.), gräna Zweig, hvdla Lob, jägln geröstetes 
Maiskorn, kdza Nachricht, kldpa Wahn, mdza Hätschelei, 
•ndda (Kompositum aus na -\- de-) HoH'nung, pdja Streifen, 
pdla Wasserschaufel, pläta Lohn, prdna faules ülmenholz, 
räda Arbeit, sdsa Anemone, sndga Stärke, säla Scherz, 
säpa (fremd"?) Pfote, sdra Buntheit, sdsa Riedgras (neben 
säs), trdva Gras, vdda Termin, £dra Brennessel. 

Vokal u = : däga Regenbogen, kliipa Bank, lüka 
Au, müka Mehl, pyrüga Streifen, Higa Spott, rüka Hand, 
trüha Tr<jmpete^ tüga Schauder. 

Vokal e = e : greda Balken, jeza Schauder, jezgra 
Kern, mezga Baumsaft, j;eYa Ferse, risa Kätzchen am Baum, 
seia Spaziergang. 

10* 



148 Betonung und Silbenquantität. [§ 255. 256. 

Vokal ra, la = nrsl. or, ol vor Konsonant : hrdda 
Bart, bräzda Furche, hrdna Wehr, Egge, giäva Kopf, hrdna 
Nahrung, midda Taubenkropf (Pflanze), släna Reif, strdna 
Seite, tldka Frohne, vidda Herrschaft, vldka geschleppter 
Baumstamm; s. § 8. 

Vokal e ije = urslav. er, el vor Konsonant: srijeda 
Mitte, trijeba Erfordernis {nije trijehe ist nicht nötig), vrijeia 
Stengel, zlijezda Drüse; s. § 35. 

Vokal u = urspr. b/, öl vor Konsonant: münja (urspr. 
mehrsilbig, aus '■'■möhibji) Blitz, niüsa (und müsa) Baumsaft, 
iunja Specht; nmza Kuh ist wohl hypokor. 

Vokal r = ur?pr. br, zr vor Konsonant: lirka (fremd?) 
Art Mostsuppe, /cma Futter, Steuer, krza Art wilder Ente, 
prpa Mischung von Asche mit Wasser {pPpor dasselbe), 
srna Reh, vfba Weide (Baum), vrsfa Reihe, zvrka Spinn- 
rocken (vgl. zvrka Geschnurr). 

Abweichungen, d. h. Verkürzungen alter Längen 
bei urspr. Endbetonung, sind ganz selten: müha (w = ii), 
aber r. mucha cak. müha; das nach stokav. Betonung zu 
erwartende *müha ist wohl bei Stummwerden des h aus 
inüa in müa übergegangen; iizda Zaum, r. uzda, igra Spiel, 
r. igra, Igla Nadel, r. igla haben alte Endbetonung, sind 
also in der Quantität anomal; zmlja, r. zmeja (geschrieben 
zmejn) ist aus urspr. ziiibja hervorgegangen; hüha = ursl. 
hlzcha r. hlocha, süza Träne = ursl. shza r. sleza, rcta Rost 
= ursl. '''rddja haben 3, 6 urspr. nach der Liquida, also 
von altersher kurze Silbe; vrsa Reuse hat neben sich das 
ebenfalls anomale vrsa; djeca Kinder ist = "^deibca. 

S56. b) Der Wurzelvokal ist ursprünglich 
kurz; die Kürze bleibt. Vokal o : drbzda Bodensatz (Um- 
bildung von drosdbja), glöha Geldstrafe, göra Berg, Wald, 
gröza Schauder, höäa Gehen, köza Ziege, kösa Sense, Ibza 
Rebe, möra Alp, nöga Fuß, ösa Wespe, rosa Tau, sloia 
Ungetüm, smbla Pech, söha Gabelholz, stöpa Tritt, svöja 
eine Fischart pleuronectes solea (fremd?), tönja Gestank, 
Art Wetter, vöda Wasser, vbnja Geruch, zbra Morgenröte. 



§ '256. 257.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 149 

Vokal e: meda Grenze, metla (eig. '■luetbla) Besen, 
sestra Schwester, zemlja Erde, zena Frau, £elja Wunsch; 
pcela cela Biene = urspr. hbcela. 

Vokal a =^ ö, ö: däska Brett, mägla Nebel, mäzga 
Mauleselin, snäha Schwiegertochter, stä~a Pfad, 

Ausnahmen, in denen also alte Kürze gedehnt 
erscheint, sind ganz vereinzelt: bei Vuk hvöja Bauraast, 
aber Ak.Wb. hvöja und Jivdja; höha u.a. Krebsrogen, wohl 
hypok. zu höh Bohne; höra nur bei Vuk «Falte», sonst, 
wie es scheint, unbekannt; hjhi Lagei', wohl hypok. zu 
dem allgemein slav. loze; zolja Wespe, vgl. slov. zolj 
(Fliegenarten); jela Tanne, daneben dial. jela, vgl. cak. 
und kajk. jelva, bei Nemanic jelva, slov. j§la und jelva, 

SST. E. Die alten feminalen «-Stämme (Nom. 
sg. -</). Mit Ausnahme von Ißibi (bei Vuk aus einem 
Liede, als indeklinabel angegeben) «Gattin» = /'2(6?/, und 
dem in die Analogie der /-Stämme übergetretenen Ijühav 
gen. Ijühavi (= Jjubövb, gen. Ijuhövi) sind alle übergegangen 
in die Form der fem. a-Stämme, Nom. sg. -va. Die 
Gesamtzahl dieser Wörter im Skr. enthält so viele Fremd- 
linge, daß ein sicheres Resultat über die Quantitätsver- 
hältnisse nicht zu erlangen ist; nur das steht fest, daß 
alle, einheimische und fremde, alten Hochton auf der 
ersten Silbe haben. Nimmt man die altheimischen und 
die alten entlehnten Wörter zusammen, so haben kurze 
erste Silbe mit ', dem im Slovenischen fallender Ton, 
also -^ entspricht: häcva (altes Lehnwort?) Faß, slov. 
häcva höcvä; höäva Fischerdreizack; hrädva (altes Lehn- 
wort) Zimmeraxt, slov. hrädva; hrözgva (a. L.?) Päonie; 
hiikva (a. L.) Buche, slov. bükvabüköv; grüdva (neben grüda) 
Erdklumpen; lökva (a. L.) Lache, slov. Ipkva Ipksv; juestva 
Lederstrumpf, slov. mßstva; mläkva eine Pflanzenart; mfkva 
(a. L.) Mohrrübe, slov. mrkva und mrköv Wb. näcve pl, 
Backtrog, slov. näcve; nözdrva Nasenloch, slov. ngzdrva (und 
nozdrv /-Stamm); ösfve pl. (neben osti fem. pl.) Fischer- 
dreizack, slov. pstve; plädoa Mutterkuchen; räcve pl. 
(fremd?) Zacken; rözgva (neben rözga) Gerte, slov. rgzgva 



150 Betonung und Silbenquantität. [§257—259. 

rözga\ soekrva Schwiegermutter, slov. svßh'va; smökva (a. 
L.) Feige, slov. sniqkva smgköv; tlkva Kürbis, slov. tikva 
tiköo; üfva Ente, slov. gtva; [zäova Mannesschwester gehört 
nicht hierher, es steht für *zalva = Zolöva). Ältere 
und neuere Fremdwörter verhalten sich ebenso, z. B.: 
breskva Pfirsich, slov. hreskva bresköv\ dretva Bindfaden, 
slov. dr§tva dr§föv\ metva Minze, slov. m§tva u. a. Länge 
haben nur wenige : jetrva Schwägerin, slov. jßtrva; mläkva 
nicht zufrierende Lache (zu mläk fem. mläka lau), slov. 
mläka: crkva (altes Lehnwort), slov. anders vokalisiert 
cqrkva c§rk5v; vPsva Nebenform zu dem in der Betonung 
unregelmäßigen vrsa und vrsa Reuse; güSva Reisergeflecht 
(Wiede), slov. gqzva. 

358, F. Die alten konsonantischen Stämme. 
1. Die beiden feminalen r-Stämme: mäti gen. 

mätere Mutter usw. hat steigenden Ton, daher kurzes ä 
fürurspr. a, slov. mäii\ df (A:ef, lici) gen. i'eri usw. Tochter, 
slov. hcl hcSre. 

359. 2. Die alten maskulinen w- Stämme 
{kamy gen. kamene)\ im Skr. übergegangen in die Flexion 
der o-Stämme, z. B. kämen (über die Dehnung der End- 
silbe des Nominativs s. § 227). Die urslavische Betonung 
ist im einzelnen kaum sicher feststellbar. Im Russischen 
liegt der Hauptton bald auf der ersten Silbe, bald auf 
folgenden, z. B. grehen grehm, jdsen jäseria. kamen kämna^ 
pcrsten perstna., pldma plämeni (kchsl. Form) pölyma (ntr.), 
klr. pölomen, sfrema (ntr.) stremeni, dagegen jacmSn jacmena, 
kremen kremnä, remen remnd. Im Slovenischen ist mit 
Ausnahme von greb§n, das dem skr. greben entspricht, 
regelmäßig angegeben jdsen jas§na, kremen kremqna usw. 
Im Skr. herrscht Einheit: alle Wörter, einerlei ob die 
erste Silbe ursprüngliche Länge oder urspr. Kürze ent- 
hält, haben den Hauptton als " auf der ersten Silbe mit 
fallender Intonation; daher z. B. öd kamena (s. § 304): 
büsen (fremd?) Rasen, dröbljen Brocken, greben Krempel, 
gfmen Gebüsch, jäsen Esche, jecmen Gerste, kämen Stein, 
kremen Feuerstein, plämen Flamme, prämen Büschel, pfsten 



§259 — 261.] Bestimmung der Betonuno; und Quantität. 151 

Fingerring, prsljen Spinnwirtel, remen Riemen, srsljen Hor- 
nis, sf remen Qteighügel; i'.f/ljen Kohle hat neben sich üglijen 
(in Ragusa nach Vuk); kören neben körijen, hier auch in 
den obliquen Kasus Länge: gen, kbrena körijena. 

360. 3. Die alten neutralen w-Stämme (urspr. 
nom. -p, gen. -ene), im Skr. übergegangen in die Flexion 
der neutralen o-Slämme außer im Nom.akk.sg. Mit einer 
Ausnahme sind alle durchweg mit " auf der ersten Silbe 
betont, eine Betonung, die, was den Hauptton betrifft, 
zum Russischen stimmt, ebenso fast in allen Fällen zum 
Slovenischen, dessen Betonung zeigt, daß die Intonation 
steigend war (ausgenommen im§ im§na): hne gen. hnena 
(und so bei allen folgenden) Name, r. ima imeni (und so 
bei allen); ^;Zewe Stamm (gens), r. jjlema, slov. pleme ple- 
tn§na] räme Schulter, r. ramo, slov. räme rämena] sjeme 
Same, r, serha, slov. seme semena; sljeme First, slov. sleme 
slemena; ijeme Scheitel, r. iema, slov. ieme temena; vlme 
Euter, r. vyma, slov. virne vimena. Die einzige Abweichung 
bildet der Nom. vrijeme vreme (= "^verme) mit alter End- 
betonung, daher die Erhaltung der alten Länge, r. rrema 
vremenl (kchsl. Form), doch deutet die Betonung vremennyj 
auf die Zeit bezüglich (neben vremennyj zeitlich, zeitweilig) 
vielleicht auf ein altes endbetontes '■■'■verme, slov. vreme 
{vreme) vremqna, der skr. Gen. usw. vremena wie in den 
andern Fällen. 

361. 4. Die alten Neutra auf -e Gen. -eAe, bis 
auf den Nom.-akk. sg. im Skr. in die Flexion der neu- 
tralen o-Stämme übergegangen, z. B. tele teleta usw. Die 
zahlreichen später gebildeten Deminutiva auf -e gen. -ete 
bleiben hier unberücksichtigt. Altererbte gibt es nur 
wenige; eine feste Betonungs- und Quantitätsregel ist nicht 
vorhanden, in bezug auf die Haupttonstelle bestehen zwei 
Typen: 

a) Alter Hauptton auf der Wurzelsilbe; dieser 
Typus fehlt dem Russischen und Slovenischen. Die skr. 
Beispiele haben sämtlich eine urspr. lange Wurzelsilbe, 



152 Betonung und Silbenquantität. [§261.262. 

diese ist durchweg verkürzt in jägnje gen. jägnjeta, klr. 
jagna jagnaty, ?.\oy. jägnje jdgniefa; läne läneia Rehkülh ; in 
den übrigen Fällen hat der Nom. fallende Intonation, 
daher Länge, die anderen Kasus dagegen " auf der ersten 
Silbe: blizne hVizneta Zwilling, klr. hlijzna bhjznaly\ dvlze 
dvlzeta zweijähriges Schaf; }jräse präaefa Ferkel, klr. porosa 
porosaiy, slov. prase _pras^te; Mryebe zärebeta Füllen, klr. 
zereb' n zereb'aty, slov. zrebe {zrebg) zreb§fa. 

b) Alter Hauptton im Nom.-akk. sg. auf dem 
Ende, in den Kasus auf dem Formans -d-. War die 
Wurzelsilbe ursprünglich lang, muß die Länge im Nom. 
sg. erhalten bleiben, in den übrigen Kasus dagegen ist 
sie verkürzt (vgl. dazu vrijeme vremena § 260): (Hjete djeteta 
Kind, klr. dyt'a dyt'nty, slov. deie def^fa; jüne jüneta junges 
Rind, slov. june jun§ta; kljüse kljüseta Gaul, slov. kljuse 
kljusqia {kljüse kljüseta)-. zvijere zvjerefa wildes Tier, klr. 
zvira zvirafy. Ist der Wurzelvokal ursprünglich kurz, 
bleibt er so: tele teleta Kalb, klr. tel'a tel'gty, slov. tele 
tel^ta; stene steneta junger Hund, klr. scena scemty, slov. 
scene {scene) scenqta. 

!S6S. G. Die alten zweisilbigen Adjcktiva. 
Berücksichtigt wird hier nur die unbestimmte Form; Fe- 
mininum und Neutrum sind dabei nach Vuk und Danicic 
(Rad XIV, Akcenti u adjektiva) als gleichbetont angesetzt ; 
über Unterschiede in der Betonung dieser beiden Genera, 
sowie sonstige Änderungen der Haupttonstelle in der 
Flexion des unbestimmten Adjektivs s. u. bei der Flexion 
der Adjektiva §§607 fg. Die bestimmte Form kann Be- 
tonungs- und Quantitätsänderungen mit sich führen und 
wird bei der Adjektivflexion (s. §613 fg.) bebandelt. Im 
historisch überlieferten Slavisch gibt es nvir eine flektier- 
bare Adjoktivklasse, o-Stänime im Msk. und Neutrum, 
zu denen ein «-Stamm als Femininum gehört. 

1. Der Nom. sg. msk. hat ursprünglich langen 
Vokal, daher wegen der Einsilbigkeit die Be- 
tonung '^; Femininum und Neutrum hatten alte End- 
betonung, daher Erhaltung der Länge. 



§262.] Beatiminung der Betonung und Quantität. 153 

Vokal « = a: jäk jäka jäko (und so Fem. und Neu- 
trum bei dem folgenden) stark; nag nackt, r. v,ag iiaga nago. 

Vokal a aus or, ol vor Konsonant: hläg gut; vrän 
schwarz, r. voron vorona vorono; dräg teuer, r. dorog do- 
roga, dorogo; niläd jung, r. nujlod moloda molodo; mläk lau; 
jjläv blau, blond, r. bestimmt polovoj\ slän salzig, r. solon 
solonn solono. 

Vokal ije e = ursl. e: hlo bijcla hijelo (Leo, heia held), 
r. hei heia belo; hlvjed ihlSd] hlijeda hlijedo {hlcda hledo); cio 
cijela cijelo (ceo cela celo) unversehrt, r. cel cclq celo; lljen 
Ujena lijeno (Jen leim Uno) trüge; Fijep lijepa lijepo {lep lepa 
Upo) schön; nliem nijeina nijemo (^iieiti nema nemo) stumm, 
r. nem nema nemo; prljek prijeka prijcko {prel: preka preko, 
eig. quer) schrorf; s'ijed sijeda sijedo grau (von Ilaaren), 
r. sed, seda sedo (sedo). 

Vokal e = f': t;vet sveta sveto heilig, x. scat svata svato; 
eist edsta cesto dicht, r. cast casfa easlo. 

Vokal i := i: gnjlo (aus gnjll) gnjila gnjilo verfault, 
r. gnü gnila gnilo; kriv kr Iva. krivo krumm, r. kriv kriva 
krlvo; Mv ziva Iivo lebendig, r. Mv ziva zlvo. 

Vokal i = y: rut r'ula rldo rot. 

Vokal u = u: glüh gliüia ghlJio (und so Fem. und 
Ntr. der folgenden), r. gluch gliicha, glijeho; häd schlecht, 
r. ehxd chiida cJwdo; lud dumm; Ijüt grausam; jjwsf leer, 
r. pufii pusfa pnsto\ rüd rötlich; snr blaß; süh trocken, 
r. such SHcha sijcho; siilr verkümmert; lud fremd, r. eid 
cicia eilig. 

Vokal u = q: grab gruba grüho (und so bei den 
folgenden), r. grub gniha grüho; güst dicht, r. gust gusfa 
gnsfo; krüf dick, r, krut kruia krufo; käs gestutzt; sküp 
karg, r. skup skupa skujjo; tüp stumpf, r. ttip tupa fnpo; 
vriie (altes Partizip = '■^'•cbroijh) heiß. 

Vokal r = ör, ör: bPz hrza hrzo (und so bei den 
folgenden); grk bitter; hro (aus hrt) hrla hrlo tüchtig; crn 
schwarz, r. eercn cerna cerno; cvrst fleischig, r. cerstv 
cerstva cerstvo; krnj splittrig; ivrd fest, r. Uord iverda 
ivordo. 



154 Betonung und Silbenquantität. [§ 262. 263. 

u = 6^: iüt iüta züto gelb, r. zolt zelta inlfo (ielUj). 

Das Verhältnis zwischen z. B. rask. glüh fem. glüha 
entspricht dem von süd gen. süda (Gericht) beim Sub- 
stantiv; s. §219. 

ä63. 2. Der Nom. sing. msk. hat die Be- 
tonung ", also kurzen Vokal; Akzent und Kürze ver- 
harren im Fem. und Ntr., z. B. nov 'uova novo, stär stära 
stäro. Hier hat im 8 kr. eine Uniformierung stattgefunden; 
Femininum und Neutrum waren nicht von Anfang an 
notwendig so betont, s. § 611 fg. 

a) Der Wurzelvokal ist eine ursprüngliche 
Länge; die Intonation war steigend, daher die Verkürzung, 
vgl. beim Substantiv den Typus hräf (s. § 235). 

Vokal a =^ a: znän (altes Partizip pass.) bekannt; 
Mjäst vei'stümmelt (aa der Hand) ; mäo mala mäh, r. mal 
mala malo; pjän (aus j^öjaws) betrunken, r.pjan 2)jana; präv 
gerade, r. prav prav(s pravo; räd gern, r. rad rnda rado 
släb schwach, r. slab slaba slabo; sfär edt, v. siar sfara staro. 

Vokal e = e: breda trächtig, r. best. Form beroSaja; 
smed brünett, vjest kundig; vreo vrela vrelo heiß (altes 
Part. = Vbrelo); zreo zrcla zrelo (altes Part. = zbreh), r. 
Z7'el zrela zrelo. 

Vokal i = i: eil, Bo kräftig; cht rein, r. eist rista 
cisto; llst schnell; mlo mlla iiillo lieb, r. mil mila niijo; sio 
grau, r. siv siva sivo; fih ruhig, r. tich ticlux ticJio; tut bieg- 
sam (altes Part, vifö), r. vit vita vijo. 

Vokal i ^= y: h'istar bhtra blstro klar, r. bystr bysfra 
bysiro; hltar hltra Miro schnell, r. chHr [chil'or] chitra chitro; 
Sit satt, r. syt syta syto. 

Vokal 'U = u: rm rötlich, r. rus rusa rijso?; süt form- 
los, klr. bestimmt sntyj unbestimmtes fem. suta?; trüo 
trühla trichlo morsch, r. bestimmt tnjclihjj unbestimmt 
fem. truchla? 

Vokal u = p: prug gestreckt. 

Vokal r = br, sr: ki't u. a. spröde, mf-k finster, 
sffm steil. 



§ 263 — 266.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 155 

Vokal u = hl, öl: dag lang, r. dnlog dolga dnlgo; pun 
voll, r. pölon polna poino ; tust dick, r. folst folsfa folsfo. 

204. b) Der Wurzelvokal ist eine ursprüng- 
liche Kürze: 

Vokal e: vedar vedra vedro heiter (vom Wetter). 

Vokal o: hröm lahm, r. chrom cliroma cliromo; lös 
schlecht; mödar modra mödro blau; niökar mokra mökro 
feucht, r. mokr mokra mokro; növ neu, r. nova novo; ohal 
[öhao] öbla öblo rund, r. bestimmt oblijj fem. unbestimmt 
obla'?; ösfar östra ösfro scharf, r. ost'or ostrn ostro; prost 
einfach, r. j;>-osf ^jro.sfy prosto; spor ausgiebig, r, spor spora 
sporo ; topcd tbpla ibptlo, r. iqjel tepln tejjlo ; tröm schwerfällig. 

Vokal a = 5: täst leer, r. tose toscg tosco. 

205. 3. Wenn man das Verhältnis des Nom.sg.msk. 
der Adjektiva zum Nom. sg. fem. zusammenstellt mit dem 
Verhältnis des Nom.sg.msk. der substantivischen o-Stämme 
zu seinem Genitiv, so fehlen dem Adjektiv mehrere dort 
v<H-kommende Typen: 1. der beim Substantiv häufige bog 
böga (§ 233), d. h. fallende Kürze mit Dehnung in der ein- 
silbig gewordenen Form des Nom. sg. msk.; 2. der Typus 
skot sköta, d. h. steigende Kürze bei Wurzelbetonung, 
dessen Ursprünglichkeit beim Substantiv zweifelhaft war 
(s. § 244), ist beim Adjektiv zwar vertreten [hröm Jmmia), 
aber erst durch Umformung entstanden, die ursprüngliche 
Betonung des Femin. war chroma, und ein Verhältnis 
von chröm ^chromcj entspricht dem von snöp snöpa beim 
Substantiv (§ 238). Wirklich erhalten hat sich dieser 
Typus beim Adjektiv nur in vereinzelten Fällen: dobar 
döhra döbro gut = r. dobr dobra dobro; ferner im Fem. und 
Neutr, iosa böso barfuß, r. bosa boso, der zu erwartende 
Nom. msk. wäre *bds, er lautet anomal bös (cak. bös)^ zu 
dem man Fem. "^'-bösa erwartet (vgl. bog böga); in Fem. und 
Neutr. göla gblo nackt, r. gola golo, Nora, msk, gö cak. 
göl^ ebenso anomal. 

266. H. Die ein- und zweisilbigen Infinitiv- 
stämme. Ganz allgemein für sämtliche Infinitive der 



156 Betonung und Silbenquantität. [§ 266. 267. 

Sprache, ob zwei- oder mehrsilbig, gilt, daß die Betonung 
r^ auf der ersten Silbe ursprünglich gefehlt hat. Wo sie 
jetzt bei zwei- und mehrsilbigen Infinitiven vorkommt, 
ist sie eine Wirkung der Dehnung vor den Verbindungen 
u VI r l V j -{- Konsonant (s. § ölOfg.), z. B. pämfiti ge- 
denken, mömöiii se sich wie ein Bursche (vidmak) betragen, 
prCwdati rechtfertigen (von prävrJa), süncafi se sich sonnen 
(zu sünce); dazu kommen einige Ableitungen von Fremd- 
wörtern mit ^, z. B. lögoriti lagern (lögor), äzägoriti lärmen 
[(Uügor), kicositi se sich zieren [klcos Zierbengel). 

Einheimisch ist präznovati feiern, es hat seine Länge 
von prdzan präzna. — Über ^ bei einsilbigen Infinitiv- 
stämmen s. § 271. 

Behandelt werden hier nur die zweisilbigen In- 
finitive, also die einsilbigen Stammes (= Wurzel); die 
ursprünglichen Verhältnisse der dreisilbigen, also zwei- 
silbigen Stammes, sind stark gestört durch eine Menge 
besonderer skr. Neubildungen und durch Ableitungen von 
Nomina, und lassen sich besser im Zusammenhang mit 
der Betonung des Verbums überhaupt behandeln. 

2^7. Die zweisilbigen Infinitive einsilbigen 
Stammes (= Wurzel). 

1. Mit ursprünglich vokalisch auslautender 
Wurzel. 

Der Vokal ist immer eine ursprüngliche Länge; 
Infinitive mit altem kurzem Vokal als Wurzelauslaut 
kommen überhaupt im Slavischen nicht vor (auch im 
Litauischen nicht). Mit einer Ausnahme lii Ici (gehen), 
vgl. r. itti^ liegt der Hochton mit alter steigender In- 
tonation auf der ersten Silbe, diese Silbe muß also kurz 
sein, z. B. däii geben, slov. ddti; bltl schlagen, slov. biti; 
Mti sein, slov. bUi (= byti); djeii legen, slov. dcti\ cufi 
hören, slov. cüti usw. 

Wenn durch Ausfall eines ö^ b in der ersten Silbe 
ursprünglich dreisilbige Infinitive (zweisilbigen Stammes) 
zweisill>ig geworden sind, gilt derselbe Betonungstypus, 
z. B. bruti sammeln (= hwati), zväti rufen (^^ zovati), 



§267 — 269.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 157 

vrefi sieden (= Vbreti), smjeti wagen (= sömeti), snlti 
trävimen (= s^viü} usw. 

^68. 2. Mit ursprünglich konsonantisch aus- 
lautender Wurzel. 

a) Der Wurzelvokal ist ursprünglich kurz (o, 
e, 6, 3); alle haben alte Endbetonung, auf dem -ti der 
Endung, der Vokal muß kurz bleiben: mesti fegen (präs. 
rnetem), nesti tragen (nesem), teci laufen (tecem), bosti stoßen 
(bodem), cvästi blühen {coätein; = ''''cvbsti cvbtq), mäci schie- 
ben (= ^^möktf). 

369. b) Die Wurzelsill.ie ist ursprünglich 
lang. 

aa) Der alte Hochton lag auf der Endsilbe 
{-ti); dann bleibt nach der allgemeinen Regel die Länge 
erhalten : 

Vokal ra = or vor Konsonant: rdsti (präs. rdsteiii) ^= 
*orsti wachsen. 

Vokal re = er vor Konsonant: drijefi reißen (= 
'■rierti; präs. derem, älter drem, so in Zusammensetzungen, 
z. B. räzdrem aus dbrq); mrijcti sterben (= ^inerü\ mrim); 
vrijeöi {vrseni) dreschen (= '^'verchti). 

Vokal e = e: za-breci anziehen (von ausgetrockneten 
Gefäßen, die man ins Wasser stellt), gresti kommen (präs. 
gredeni), leci brüten {lezein), mesti trüben (metem), tresti 
schütteln (tresem), vesti sticken (eigentlich binden, knüpfen 
vez-; vezein), zepsti frieren {zebem)\ na-preci se (sich stemmen) 
sich anstrengen, do-seci erreichen, poteci ziehen, strengen 
(pr^g-), do-seci erreichen (seg-), po-teci ziehen (f^g.). 

Vokal u = u: skupsti raufen {sh'ibem). 

Vokal i = i: sivsti leben (Neubildung, nach Präsens 
iivem, für altes zUi). 

Vokal r = br vor Konsonant: c/psti schöpfen (cfpem), 
vrci dreschen (s. o. vrijcci, vrsem), vrsti se hängen bleiben 
{vrzem se). 

Vokal II = 6^ vor Konsonant: düpsti aushöhlen {=^ 
*dbl[p]ti; dübem), tüci schlagen (= '^tbJkti; tücem); vüci 
(= *vblJiti; vücem). 



158 Betonung und Silbenquantität. [§270.271. 

370. bb) Der Hochton liegt ursprünglich auf 
der ersten Silbe mit steigender Intonation, daher 
Verkürzung der alten Länge {"), sloveniseh steigende 
Dehnung, z. B. kldti, slov. kldfi, r. kolot' (= "^koUi), gr'isti 
slov. gristi. 

Vokal la = ol vor Konsonant: kläti schlachten 
{köljem). 

Vokal le Ije = el vor Konsonant: inljefi mahlen (vgl. 
r. molot ; meljeni). 

Vokal ^ o: puci (== ^jjqkti; jniknein) bersten; düti 
blasen {= dqii; -dmetn = dömq). 

Vokal e = (' : £eti ernten {zänjem znjem = zeti zhiia). ■ 

Vokal i = i: dlci älter dmöi heben (= '''•dvigfi); kllöi 
rufen (= '•■'klikti), nu'i keimen (= '■^•nikü), stlci erreichen 
(= ^stigti), stricl striegeln (= strigti; strizem). 

Vokal i ^ y: gristi beißen [grizem] ; sv^ici (= "^sö-vykti) 
sich anbequemen. 

Vokal je, e ^^ e: jesti essen {jede)ii je in Ijem), sjesti 
sich setzen, sresti begegnen (= S5-ref-), sljesii (= S5-Iez-) 
herabsteigen (sljezem)^ sjeci hauen [sijecem), dö-bjeci d. i. 
-bjeci (heg-) hinlaufen, zä-ljeai d. i. -Ijeci [leg-] vorübergehen 
(zäljezem). 

Vokal a = a: kläsfi legen (klddem), krästi stehlen 
{krädem)^ pästi fallen (pad-)^ ^^ffsfi weiden (päsem). 

Vokal /• = br: trti (== '""fbrii) reiben {trem = hrq), 
zämrci d. i. -mrci {'-'mbrk-) von der Finsternis überfallen 
Averden. 

Vokal u ^= bl: pusti (== *pblz-ti) se gleiten, vgl. r. 
polzil polzt' ; Diüsti melken {müzem = ^mblzq), zämuöi =^ 
-mnci {'■'mblk-) verstummen. 

271. Der Grundregel, daß die erste Silbe der Infinitive 
fallenden Ton nicht haben kann, widersprechen einige 
ursprünglich einsilbige Infinitivstämme in der Zusammen- 
setzung mit Präposition: 1. Auf ursl. -er: mrijeti sterben, 
aber ü-mrijeü ü-mreti, das wäre im Simplex *mrijeti '-inreti 
(ebenso bei den folgenden); drijeti reißen, zä-drijeti; ü-V7"ijeti 
sich einschmiegen; prb-zdrijeti verschlingen; dö-jn-ijeti ge- 



§ 271 — 273.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 159 

langen; prd-stnjeti ausstrecken. Das Russische kennt nur 
die Betonung meret', klr. ierety, also steigende Intonation, 
das ergäbe skr., wenn vorhanden, *mreti. — 2. Auf urspr. 
-p: kleti fluchen, aber zäMeti, das wäre im Simplex *'-kleti 
(und so bei den folgenden), ^j>eY< spannen zä-peti^ pö-ceti 
anfangen, öt-eti wegnehmen, Mi {hnem) drücken, sä-zeii 
{sä-smem). — 3. Auf -u: zä-süti verschütten (= '^seupti;. 
präs. -spem = Söpq). 

II. Betonungs- und Quantitätsverhältnisse der 
Nomina mehrsilbigen Stammes. 

272. Eine wesentlich erschöpfende Angabe wie bei 
den zweisilbigen Stämmen ist hier nicht möglich. Diese sind 
zum größten Teil uralte Bildungen, deren Zahl gar nicht 
oder selten durch neuere vermehrt wird; dagegen bleiben 
die sogen. Sekundärsuffixe, d.h. Formantien, durch die aus 
den einfachen zweisilbigen Stämmen weitere Ableitungen 
gebildet werden, zum guten Teil in lebendigem Gebrauch, 
können daher stets zu neuen Wortbildungen verwendet 
werden. Diese brauchen nicht mehr an alte einst befolgte 
Gesetze der Betonung und Quantität gebunden zu sein, 
sondern können einfach die im Grundwort bestehenden 
Verhältnisse festhalten. Dennoch ist es in gewissem Grade 
möglich, feste Bestimmungen zu treffen. Zu scheiden 
sind dabei die nicht zusammengesetzten Wörter von den 
zusammengesetzten. 

ST3. A. Die nicht zusammengesetzten Wörter. 

Es liegen hier mehrere Probleme vor: 1. Ist es mög- 
lich, die Quantität bestimmter Formantien, d. h. als for- 
mativ empfundenen Bestandteile des Wortes, und den 
etwaigen Wechsel zwischen Länge und Kürze zu bestimmen? 
2. Hängt mit bestimmten Formantien eine bestimmte 
Quantität des stammhaften Teils des Wortkörpers zu- 
sammen? 

1. Quantität der Formantien. Die ursprünglich 
kurzvokaligen können ausgeschlossen werden, da die Kürzen 



160 Betonung und Silbenquantität. [§ 273. 

an sich bleiben. Wo sie gedehnt sind, hängt das mit den 
§310 fg. zu behandehideu Lautverbindungen zusammen. 
Bei denen mit ursprünglich langen Vokalen gelten als 
allgemeine Grundsätze: I. Ursprüngliche Länge des Formans 
bleibt erhalten in der Silbe unmittelbar vor der ur- 
sprünglichen Haupttonstelle, d. h. in der jetzigen 
H a u p 1 1 o n s t e 1 1 e des W' o r t e s. — IL Ursprüngliche Länge 
des Formans wird verkürzt, wenn sie selbst den ursprüng- 
lichen Hauptton des Wortes trägt, also eine Stelle nach 
der jetzigen Haupttonstelle steht. Die Verkürzung ist 
sehr einfach beobachtbar, wenn die Wurzelsilbe vokallos 
geworden ist, der Hauptton daher auch jetzt notwendig 
auf das Formans fällt; die Verkürzung der Länge zeigt 
alte steigende Intonation des Formans an; z. B. ptlca (= 
phtica)^ tmrna (= tbminn), 2)sefo (= ''■'■phseto) , sväk (aus vbsakö, 
vgl. jednnk). — III. Ursprüngliche Länge des Formans 
bleibt erhalten, wenn die Silbe nach der ursprünglichen 
Hauptton stelle stand und also auch jetzt steht. 

Bei den folgenden Beispielen, einer kleinen Anzahl 
zur Verdeutlichung der allgemeinen Auseinandersetzung, 
beziehen sich die Zahlen I, 11, III auf die eben ange- 
führten Sätze. 

Angegeben wird bei Msk. der Nom. und Crcn. sg. 
Wenn im Nom. der Maskulina Länge in der alten 
Haupttonsilbe steht, in scheinbarem Widerspruch mit II, 
z. B. zu Gen. junäJca (I) der Nom. jimäk (cak. junak, gen. 
junäkn), so beruht das auf einer ursprünglichsten Betonung 
junäkz, daher cak. pindk mit steigender Länge der End- 
silbe. Wo eine der Zahlen I, II, III nicht vorkommt, 
bedeutet es, daß der T\'pus überhaupt fehlt. 

■äc, I: däväc daväca Geber, izmlsljäc izmisljdca Auasinner. 

-äö, I: glühäc gluMöa der Taube, goläc goldca (eig. 
Nacktling) eine Art Söldner. 

-ad (Kollektiva), III: ^^^rtsäc? Ferkel, cigancäd Zigeuner, 
lätincäd Lateiner. 

-äg, -jag, I: krcög krcäga Krug, mütljäg mütljdga das 
Trübe, prtljäg i)rüjäga Gepäck. 



§273.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 161 

•aga, II: prÜjaga Gepäck (vgl. msk. j:;rfZ_/'% gen. prf- 
Ijdga), muttjaga Plapperer (vgl. mütljäg miäljäga). 

-äj : I. Biläj Büdja (Ortsname); III. mjesäj mjesäja 
Portion Mehl zum Backen, öhicäj dbicäja Gewohnheit. 

■aja: I. daher -äja, peräja Rückenborsten des Schweins, 
strMja Ranke; II. daher -äja, prekaja Wassermühle mit 
seitwärts (quer) stehenden Radbrettern. 

-Cije: I. lezäje Hasenlager. 

-äk, jäk: I. Ijeväk Ijeväka Linkhänder; III. r'ihnjäk 
ribnjäka Fischteich . 

-aka, -jaka, II: rodaka Kusine (vgl. das msk. rodäk 
ro(fdka). 

-ülj: I. drozdälj drozddlja Drossel, cetvrtälj cetvrtälja 
(Viertel) Getreidemaß; III. gubalj guhälja Grindmähre, ku- 
sälj küsälja Pferd mit gestutztem Schweif. — Vgl. dazu 
Fem. wie knvdlja nach II. 

-an: I. züpän zup>dna Gaufürst, güsän gusdna Gänse- 
rich, Radükän Radukdna (Eigenname); II. Diisan Düsana 
(Name), Vukan Vükana (Name); III. Zlvän Zlväna (Name), 
MUovän M'iloväna (Name). 

-ana: II. Zvjezdana, Dragäna (Eigennamen). 

-'anin pl. ani. Im Singular -'anin sind bei jedem 
Betonungstypus diese Silben kurz; dagegen ist bei dem 
-an- des Plurals die alte Regel gewahrt: II. also d, z. B. 
krscanin krscani Christ; III. also ä, z. B. mjesöanin {mjes- 
tanin) mjescäni Städter. Schwankt die Betonung, so wechselt 
auch die Quantität, z. B. Pomdravljanin Pomöravljäni, da- 
gegen Pomordvljanin Pomorddjani. Die Kürze des -in be- 
ruht auf einer Verallgemeinerung. Sie würde normal sein, 
wenn es im Singular des Skr. Beispiele des Typus II gäbe, 
*-änin = *anin. Dieser findet sich im Russischen, z. B. 
dvoranin, skr. Ak. Vv'b. dvöranin; mescanin, skr. mjescanin; 
sei' anin, skr. seljanin; und man darf annehmen, daß das 
Skr. diesen Typus zugunsten der Betonung der Grundw^orte 
aufgegeben hat, vgl. mjesfo mjescanin, selo seljanin (r. selo, 
sel'anin). Zur Bestätigung dient, daß bei Anwendung des 
•in zur Substantivbildung ohne -an- die Typen regelmäßig 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 11 



162 Betonung und Silbenquantität. [§273. 

sind: IL, also i, z. B. gospodin Herr (r. gospoäin), vlastelin 
Edelmann, domädin Hausvater (vgl. doniädi die Haus- 
genossen); vgl. auch die Eigennamen z. B. Vukäsin, Miläsin, 
Milädin; I. also i, z. B. Stamhblin Stambolina Konstantino- 
politaner, vecerln vecerma Abendwind, sjeverm sjeverina 
Nordwind, Radülm Badidina (vgl. den Eigennamen Vecerin 
Vecerina nach II), kidin kuUna fahles Pferd (vgl. Eigennamen 
Kidin Kidina, Rädin Rädina nach II) ; Anomalien wie Cmjetin 
(Name) nach III sind ganz vereinzelt. — In den Kreis 
dieser Formantien gehört auch das possessive Adjektive 
bildende -in, dessen i bei jedem Betonungstypus kurz ist, 
z. B. II. sestrin, III. häbin, djevöjcin. Mit vereinzelten Aus- 
nahmen ist die Betonung die des Grundw^orts (sestrn, haha, 
djcvöjka); die Quantität des Typus sestrin ist im Skr. ver- 
allgemeinert. 

-a7ij: I. köcänj kocanja Stengel; II. köstanj kostanja 
(Pflanzenart), Zm^anj Zmljanja {^a\ne); III. sähänj sälänja 
(Vogelart). 

-anja: II. pomäganja Hilferuf, pütanja Fußsteig, Böranja 
(Ortsname). 

-är: I. vrätär vratära Türhüter, vräcär vracära Wahr- 
sager; III. krävär Kuhhirt, rihär Fischer. 

-ara: II. vräcara Wahrsagerin (vgl. msk. vräcär vra- 
cära), sträzara Wachthaus. 

-öS, Eigennamen: II. Vükas Vükasa; III. Vrbäs Vrhäsa. 

-äs: 1. hogätäs hogatäsa Reicher, -tkräs ikräsa Rogner ; 
III. hjeläs, hjeläsa Schimmel (Pferd), Göräs Göräsa (Name). 

-ava: I. meljäva das zu Mahlende; II. drzava Herr- 
schaft, tvrttava Festung. 

-et- = -et-; -et- ist stets kurz, z. B. tHe teleia Kalb, 
präse präseta: über die Betonung s. § 261. 

-ic: I. vjetric vjefrica (Demin.) Wind, kosic kosica 
Korb; III. kmjw konjica (Demin.) Pferd. 

-ic: II. hränic hränica Beschützer, 2^ovrätic povrätica 
eine Farnart. 

■ija, das Formans ist fremd, entweder aus roma- 
nischem -ia oder Weiterbildung (Serbisierung) türkischer 



§ 273.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 163 

Wörter auf -Zi, -ci {-dii); das i ist immer kurz, bei den 
meisten Beispielen normalerweise, da die Betonung die 
nach I ist: bestija Bestie, gälija SchiE, zälfija Salbei; delija 
{inx^.deli) Krieger, tufekcija (t.iiifekci, -dzi) Büchsenmacher. 

-ija, um Ragusa gebräuchliche Pluralbildung zur Be- 
zeichnung mehrerer Arten eines Dinges (s. Budmani, 
Dubrovacki dijalekat, Rad 65), nach I: selija Idöxiex {selo), 
zitija Getreide {Mo)\ vgl. dagegen nach II cedija Kinder 
(verächtlich), 

-Ik, -nlk: I. hreztk brezika Birkenwald, slänik slanika 
Salzfaß, zimbvnik zimovntka Winterquartier; III. ucenikucemka 
Schüler, lilädnik hlädmka Laubhütte {hlädmk hladnika Son- 
nenschirm). 

■ika: II. konöpljika Hanfstaude, perünika Schwertlilie. 

-ik = -yks: II. jezik jezika Zunge, remik reniika Riemen ; 
anomal in femin. Form vlädika (Herrscher) Bischof. 

-in; vgl. die Bemerkungen bei -'anin. 

-inja (= -i/nja); sämtliche alte Bildungen nach II, 
ghlinja Schaufel, piistinja Wüste, svdinja Heiligtum, höginja 
Göttin, kneginja (Fürstin) Frau des knez; ebenso die Er- 
weiterung der Abstrakta auf -ota: suhötinja (Trockenheit) 
Notfasten. Dazu stimmt das Russische, z. B. gordyiia, bo- 
gb'ia; wenn r. rabijna Sklavin skr. röbinja, der einzige 
Fall dieser Betonung, gegenübersteht, so beruht das auf 
späterer Umbildung. Die zahlreichen Feminina auf -ak- 
-inja, von Msk. auf -äk -äka, haben bei jeder Betonung 
■Inja; es sind aber späte, dem alten Typus nachgebildete 
Ableitungen, die dessen Kürze beibehalten. 

-Ir: I. zvekir zvekira Türklopfer, plähir plahira scheuer 
Ochs; III. mjehlr mjehira Blase. 

-ira: II. sjekira Beil. 

-Is: I. glädis gladisa u. a. Art Eidechse, Gölis GoUsa 
(Bergname), slätMs slatkisa Leckerbissen, Iväms Ivanisa 
(Name) ; III. okoUs ökolfsa Bezirk. 

-isa: II. ni vrätisa ni pläüsa (weder Zurückgeber noch 
Zahler), Rädisa (Name). 

11* 



164 Betoiiung und Silbenqnantität. [§ 273. 

-ito: II. hbpito Huf, koriio Trog; vgl. dazu fem. räkifa 
Weide (Pflanze). 

■üva, -idba: II. möliiva Gebet, lyrbsidha Frei Werbung, 
vrsidba Dreschen, vezidha Anbindung (der Weinstöcke); 
dem T3'pus III. entspricht niünltva (fremd?) Betrug. 

-iv; die mit Hinzurechnung von -Ijiv sehr zahh-eichen 
Adjektiva zeigen bis auf eine ganz geringe Anzahl den 
Typus II, daher «, z. B. Ijeniv fem. Ijeniva träge (und so 
das Fem. bei allen), südljiv schamhaft, grabeiljiv räuberisch. 
Bei den Ausnahmen, die nach III. betonen, also -Iv er- 
warten ließen, schwankt die Betonung nach II. hin : dö- 
sjetljiv — dosjetljiv^ döcekljiv — doceJdjiv, pohjegljiv — po- 
hjegljiv, pddatljiv — podaüjiv, üroMjiv — tirokljiv, zägiisljiv 
— zagüsljiv; es zeigt sich dabei, daß fast alle Abweichungen, 
die nicht schwanken, die Betonung des Grundworts fort- 
setzen, vgl. milostiv — milöst, zäzorljiv — zdzor; vgl. dazu 
docekljw (döcekljiv) zu döcekati. 

■Iva: I. tetiva Bogensehne; II. kbp)riva Nessel; III. 
(h)ödwa, daneben odka, das aus dem Hause heiratende 
Mädchen. 

■ivo: I. jestiva pl. Speisen; III. pletivo y^tr'iGkgSivn, pre- 
divo (Spinngarn) Flachs, Wolle. 

-üg: III. bjelng bjelüga weißer Eber, zeljng zeljüga 
grauer Eber. 

-uga: IL bjeluga, zeljuga weiße, graue Sau. 

-uh: I. pästüh pasWia Hengst; II. kohih közaha Pelz; 
III. ocuh Stiefvater, dazu stimmt nicht Gen. öcuha, er 
steht aber für öcua aus '^ocüa, nach § 127; vgl. dazu fem. 
pepeljuha (Aschenbrödel) normal nach II. 

-üj: I. krägüj kragüja Falke, slavüj slavüja Nachtigall. 

-uja: I. olüja (fremd?) CIngewitter. 

-iik: III. klöbük klöbüka Wasserblase, zvlzdük zvizdüka 
Gepfeif. — Das alte vsnvko Enkel nach II. ünuk ünuka. 

-uka, Eigennamen : II. Miluka, Räduka ; vgl. auch timika 
Enkelin. 

-ülj: I. piaülj [päliülj) pahülja Grashalm; III. nä dugülj 
d. i. dugülj) der Länge nach. 



§273.274.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 165 

■ulja: II. grdidja häßliches Frauenzimmer, plävulja 
falbe Kuh. 

-ün: I. (jlhäün gladüna Zierling, medfm inedüna Art 
Granatapfel, slädän sladüna Eiehenart, hogätün bogatma 
Reicher; III. slädün sladüna Art Granatapfel, die Namen 
Mllün Milüna^ Rädün Bädäna. 

■mia, seltene und unklare Wörter; Beispiel nach IL 
sekuna Koseform (von seka zu sesfra Schwester). 

-ür: I. boiär hozüra Päonie; III. mjehür mjehüra Blase. 

-ura: 1. smüra (aus '■''•nizara eig. «Blinzeln») Blinde- 
kuhspiel; II. gliwura augm. zu gläva Kopf, djevojcara zu 
djevöjka Mädclien. 

-usa, fast ausnahmslos nach II: tmhsa Finsternis, gove- 
därnsa Rinderhirtin, seljakma Bäuerin, MUusa (Name) ; vgl. 
dazu msk. Mllüs Milüsa, Njegus Njegüsa nach III. 

-ut, fast alles unklare oder fremde Wörter. Die Regeln 
sind genau befolgt: I. vrnüt vrnüta (Fischart); II. bobut 
höbiita (Pflanzenart); III. välitt väläfa kleiner runder Stein 
(Kiesel), säpüt säpüta (Nebenform von säpäf) Gelispel. — 
Vgl. dazu -ut fem. t-Stamm III. periit gen. pirüti Gefieder, 
prJiüt prhüii Schuppen (auf dem Kopf). 

-ida: IL kdsnfa Hündin. 

274:. Die Hypokoristika (s. Danicic, Srpska de- 
minucija i augmentacija, Glasnik 12 [1860]; Maretic, 
Gramatika §§ 371, 372): 1. Wenn ein solches Wort so 
gebildet wird, daß von seinem ein-, zwei- oder mehr- 
silbigen nicht hypokoristischen Grundwort nur die erste 
Silbe mit dem ihr folgenden Konsonanten bleibt und daran 
das Formans -o, -a, -e tritt, so ist die Stammsilbe stets 
gedehnt und der Akzent ' (steigende Länge), z. B. bräto 

— brät Bruder, pöpo — poj) Priester, medo — viklvjed 
Bär, Ivo — Ivan, Kosto — Kostädin, Läzo — Läzär; 
göspa — göspoda Frau, Dame, nem — nevjesta Braut, trba 

— ii'buh Bauch, Röksa — Böksända, Töda — Todora; kdle 

— kaluder Manch, neve — nevjesta, Bade — Badöjica. 

2. Die gleiche Quantität und Betonung herrscht, wenn 
von dem Grundwort nur die Anlautskonsonanten mit dem 



166 Betonung und Silbenquantität. [§ 274. 275. 

folgenden Vokal bleiben, die übrigen Bestandteile des 
Wortes ersetzt werden durch: 

-ca^ -CO'. Mdca — Märija, J4ca — Jelisdveta; Jöco — 
Jdvan, Peco — Petar. 

-ca, -CO', teca — tetak Mann der Tante, Gdca — Gii- 
vrilo; Koco — Kostädin. 

-6a, -öo: Mica Mico — MUar aus Dimitrije (Demetrius). 

■ja, -jo : seja — sestra Schwester, Uja — lisica Fuchs, 
Böja — Bbgdana, zeja — zec Hase; Bojo — Bögdän, Pejo 
— Petar. 

-Ica, -ko: bäka — haha Großmutter, J6ka — Jeleim; 
pnko — pnjatel'j Freund, Joko — Jovav., Läko — Läzär. 

-la, -le: sola sele — sestra. 

•sa, -so: snäsa — snälia Schwiegertochter, grdsa — gräh 
Bohne; priso — imjatelj, Peso — Paar. 

275. Abweichungen in der Quantität der 
Formantien von den normalen Typen I, 11, III. 
Unter den Wortbildungen des Skr. folgt eine große Anzahl 
den oben gegebenen ßetonungs- und Quantitätstypen nicht, 
und zwar gerade Bildungen mit sehr beliebten, oft an- 
gSAvendeten Formantien. Es läßt sich aber der Grund 
der Abweichung meist mit Wahrscheinlichkeit nachweisen. 

-aca, ohne Wechsel der Quantität bei jeder Art der 
Betonung; normal nach II. z. B. bjäaca Art weißen Ge- 
wandes, mjedenjaca Bronzeklingel, und so fast ^/e aller 
vorkommenden Fälle. Die übrigen betonen nach III, 
haben trotzdem -äca, z. B. hrestovaca Ulmenstab (zu hrestov), 
few^ouaca Buchenstab (zu hükov), sjemenjaca Beet für Samen- 
pflanzen (vgl. das regelrechte Mask. sjemenjäk zu sjeme); 
sie haben den Hauptton des Grundworts festgehalten, 
dabei aber das Formans als -äca aus der Überzahl der 
regelmäßigen Fälle entnommen. Es ist bezeichnend, daß 
mehrmals ein Schwanken nach der normalen Betonung 
hin stattfindet; vgl. sjemenjaca — sjemenjaca., tjenienjaca — 
tjemenjaca Art Kopfausschlag (zu tje7ne tjemena Scheitel), 
tavänjaca — tävanjaca Fußbodenbrett (zu tavan Fußboden). 



§275.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 167 

■alo, -ilo\ a und i des Formans sind immer kurz, 
einerlei ob nach II oder nach III betont ist, z. ß. hjclilo 
Bleiche, drsalo Handhabe, Stiel; glädilo Wetzstein, sjedalo 
Sitzstelle (der Hühner). Die Unregelmäßigkeit beruht 
darauf, daß alle diese Bildungen die Haupttonstelle des 
Verbums, das ihnen zugrunde liegt, festhalten und zu- 
gleich die bei allen Verben auf -ati, -iti stehende Kürze 
des a und i, z. B. slbalo Rute — slbati, jjrävilo Regel — 
präviti; küpalo Badeplatz — küpati, nosila pl. Bahre — ■ 
nösiti, klepeialo Klapper — Mepetati, prekrlvalo (und pire- 
krwalo) Schleier — prekrivati. Es ist hier wie bei den 
Infinitiven auf -ati, -iti der Typus II verallgemeinert. — 
Anschließen kann man hier die femin. Nomina agentis 
auf alja, -üja wegen der Gleichartigkeit der Ableitung von 
den Verbalstämmen. Sie haben alle den Typus II, trotz- 
dem ä, ^, z. ß. prälja Wäscherin, grebenälja Kremplerin, 
bjHllja Bleicherin, aber die Länge beruht hier auf der alten 
Gestalt des Formans als -albja, -ihja (s. § 313). 

-'an; von den so gebildeten, im Skr. wenig zahlreichen 
Adjektiven haben bei Vuk den Typus II, darum das a 
kurz, növcan geldreich, ögnjan feurig, trnjan dornig, aber 
die andern mit dem Typus III ebenso, z. B. zemljan irden 
— zcmlja, rösan hörnen - — rög röga, snjesan schneeig — 
smjeg, däscan brettern — däska. 

-at und -ast. 1. -at; die bei weitem vorwiegende Be- 
tonung ist die nach II, daher -ät, z. ß. hdgat reich — bog 
höga, vläsat haarig — vläs vläsn, brädat härtig — brdda, 
krUat geflügelt — krilo, also unabhängig von der Betonung 
des Grundworts. Das stimmt auch zu der russischen 
Betonungsweise; vgl. volosatyj, borodatyj, krylgtyj. Von den 
wenigen Abweichungen nach III, die trotzdem -dt haben, 
z. B. vünaf wollig — vüna, usnat großlippig — usna, zeigen 
einige daneben den regulären Typus, z. B. kljünat neben 
kljünat geschnäbelt — kljün, cak. kosmat neben skr. kösmat 
haarig. Bei den regelmäßig mit " auf erster Silbe betonten 
Adjektiven auf -nat., z. B. vläsnat (neben vläsat), Visnat be- 
laubt — list, pernat gefiedert, vgl. r. pernafyj — jjero. 



168 Betonung und Silbenquantität. [§ 275. 

kommt die alte Regel überhaupt nicht in Betracht; es 
sind späte Weiterbildungen alter Adjektive auf -huä. Daß 
einmal im Skr. bei Typus III ein -ät bestanden hat, geht 
aus einzelnen Beispielen hervor: cüdnovät wunderbar (cak. 
cudnovgt, r. ciidnovdtyj nach II), citovät AkWb. unversehrt 
(cak. citovat); ferner aus den amplifizierenden auf -cäf, 
z. B. gölcät, növcät, puncät. — 2. -ast. Bei Vuk unter 
jeder Betonungs weise mit «, allein das geht nicht durch 
alle Mundarten (vgl. Untersuchen I., S. 604 = 78); in 
einigen wird regelmäßig bei II gesprochen -ast fem. -asta., 
bei III -äst fem. -ästa, z. B. goluba^i -hasta, III zvjezdäst 
-dästa, kriläst krilästa; bei Schwanken der Betonung wech- 
selt auch die Quantität, z. B. II jastrebast, III jästrebäst; 
II pastiisast, II I pästusäst. 

■av. Regelmäßig nach II ganz wenig Beispiele: lükav 
listig, ritav rostig, pepeljav aschig; nach III mit normalem 
ä nur das eine krväv fem. krväva. Die übrigen sehr zahl- 
reichen Adjektiva mit diesem Formans haben trotz des 
durchgehenden Typus III -äv, z. B, glzdav geschmückt, 
bddljikav stachlig, ospicav blatternarbig. Es zeigt sich nun, 
daß alle nach dieser Art betonten Wörter die Betonung ihres 
substantivischen Grundworts festgehalten haben (Aus- 
nahmen sind ganz selten: glzdav zu gizda, smölav pechig — 
smöla), z. B. pjegav fleckig — pjega, sFinav rotzig — sllna, 
gnöjav eitrig — gnöj gnbja, bddljikav — • bödljika Stachel, ospicav 
— öspice pl. Blattern. Die Frage, warum nicht in diesem 
Fall -äv fem. -äva steht, läßt sich mit Hilfe des Cakavischen 
nicht beantworten, denn dies betont durchweg wie das 
Skr., z. B. gizdav, kilav, dlnkav, grcav usw., die Silbe nach 
dem Hoch ton kann aber, selbst wenn einst lang, die 
Länge nicht bewahren. Es zeigt sich dagegen, daß im 
Großrussischen, wie es scheint immer, im Kleinrussischen 
mit wenig Ausnahmen diese Bildungen -avyj betonen, z. B. 
kudravyj (skr. küdrav), sl'unavyj (skr. slinav), kilnvyj (skr. 
kllav), kornvyj eingeschrumpft, dymvyj löcherig, sersavyj 
rauh, helavijj weißlich, vertl'nvyj unruhig, gul'nvyj herum- 
bummelnd, kurcgvyj kraushaarig, liikavyj listig (skr. lükav 



§275.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 169 

ebenso), molo^avyj jugendlich, pl' ugavyj widerlich, sucJwscaviiJ 
mager, ioncnvijj hager, dmäoscovyj mager, velicnvyj groß- 
artig (unbest. velicav fem. velieava), krovnvyj blutig (skr. 
krrdv), r~avyj rostig (ebenso skr. rcTav). Man darf also 
schließen, daß ursprünglich der Typus II und damit die 
Kürze des -av das weit überwiegende war und darnach 
eine Uniformierung erfolgt ist. 

-tca; bei jedem Betonungst^ypus ist i kurz. Daß auch 
hier eine Uniformierung und Ausgleichung älterer Unter- 
schiede vermutet werden darf, geht aus folgender Betrach- 
tung hervor: Es gibt einige Fälle nach I mit dem dann 
normalen z: vrhica, lactica, presUcica, senicka, ctttrctica, stica; 
vgl. daneben normal nach I[ vrhica, stica. Dazu kommen 
anomale Quantitäten bei Betonung nach I, kurzes i, z. B. 
brzlca, Drinica (neben normalem Drinica), zinüca (normal 
zrmica), rudlca (und riulica), crnica (und chiica), cjeFica (und 
cjclica). Das sieht gegenüber den Fällen wie vrhica = 
'■^'vrblcn so aus, als wäre ein älteres '■'■brzlca durch An- 
lehnung an die zahlreichen Fälle mit normalem -tca (nach 
II) ersetzt worden durch *hrztccj, d. h. hrz'ica. 

-ic. Bei der Anwendung dieses Formans zur Bildung 
von Deminutiven und zur Substantivierung von Adjek- 
tiven lassen sich die alten Typen mit Quantitätswechsel 
noch beobachten: I grädu' gradica (vgl. dazu regelrecht 
nach II graäic gradica) — gräd, pö^nc pojnca Hausgrille 
(eig. Priesterchen) — pöp, mlädu' mladicn Jüngling — 
wMd\ II z. B. vücic — üük, goläbic — y'">h'ih, mjesecic — 
mjestc. Wenn nun die zahlreichen Fälle nach III (sie 
stehen indes an Zahl hinter denen nach Typus II zu- 
rück) anomalerweise -ic haben , z. B. brätic, zähic, 
grählr, lanetic, mlsic, rlhic, cärlc, vränic, und dabei fast 
regelmäßig die Betonung des Grundworts zeigen (brät, 
zäba, grab, hmet, mis, rlha, cur, vräna), so darf angenommen 
Averden, daß -ic aus Typus II verallgemeinert ist. Daß 
die zahllosen Familiennamen auf -ic den ausgeglichenen 
Typus -Ic haben, erklärt sich auf dieselbe Weise. Demi- 
nuierte Eigennamen, die auch ursprünglich den Patrony- 



170 Betonung und Silbenquantität. [§ 275. 

mika auf -ic gleichbedeutend sind, zeigen noch Typus I 
mit normalem i, z. B. Petnc Petn'ra, MarMc Markk'a. 

-ina; bei jedem Betonungstypus dieser außerordent- 
lich häufigen Wörter ist i kurz, z. B. I planina Berg, hi- 
strma Klarheit, velichia Größe; II mjesina großer Schlauch, 
slanina (und slamna) Speck; III gövedina Rindfleisch, 'isHna 
Wahrheit, mjesecina Mondschein, mödrina Art blauen Ge- 
wandes {modrhia Bläue). Das nur bei II normale t wird 
allgemein geworden sein. Das Cakavische zeigt z. T. noch 
ältere und normale Verhältnisse; dabei kommt Typus III 
wie lefina, Ustina nicht in Betracht, weil in der Mundart 
nach dem Hochton keine Länge stehen kann, sonst aber 
kommen folgende Wechsel vor : II druzina {= skr. drüsina) ; 

I slablnn, vrucina, starlna (skr. slabhia und slhhina Weichen 
[des Körpers], vruchia, Hitze, starlna Altertum). Endlich 
kommt cakavisch noch vor brzJna, daljJna, duUna, mnoima 
(skr. überall -Ina), wo die Betonung und die Quantität 
einander widersprechen, und man darf annehmen, daß 
hier im Cak. eine Zurückziehung des alten Haupttons 
stattgefunden hat mit Beibehaltung der unter dem älteren 
Hauptton (brzina usw.) normalen Quantität. Darnach läßt 
sich schließen, daß im Skr. das Verlassen der alten Nor- 
men auf Ausgleichung in der Richtung des -tna beruht. 
■ — Über das Adjektivsuffix in s. § 273 unter -anin. 

-iste, als Formans für Ortsl^ezeichnungen und zur 
Bildung von Augmentativen. Typus I kommt nicht vor; 

II hat im Cakavischen völlige Regelmäßigkeit, z. B. gra- 
dijce, kozijce] III hat cak. seine Geltung verloren wegen 
der nach dem Hauptton notwendigen Kürze. Im Skr. ist 
II vertreten durch z. B. grädiste eig. Burgplatz (zu gräd), 
löviste Fangplatz, zimovisfe Winteraufenthalt; III durch 
zahlreiche Beispiele, z. E. knciste Hausplatz, könopljisfe 
Hanfacker. Charakteristisch ist, daß bei wechselnder Be- 
tonung auch die Quantität des i wechselt, z. B. gddiste — 
gödisfc, blätiste — blauste, dvdriste — dvbriste (dvörlste), und 
daß bei gleichbleibender Betonung regelrechte neben un- 
regelmäßiger Quantität vorkommt, z. B. ögvßste — ögnßste, 



§ 275. 276.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 171 

idiste — liliste; vgl. auch zlmoviste neben danövisfe. Sicher 
sind hier ursprünghch normale Verhältnisse gestört worden, 
Länge bei Typus II zuweilen aufgenommen aus III. 

■it. Das i bei den Typen II und III (nur diese 
kommen vor) gleichmäßig kurz. Auch hier ist es wahr- 
scheinlich, daß die Kürze bei III auf Ausgleichung mit 
der bei II normalen beruht. Nimmt man die von No- 
mina abgeleiteten als besondere Gruppe, so stellt sich 
heraus, daß die auf -ovit alle nach II betonen, z. B. hre- 
gövit, pjeskbvit (ebenso im Russischen), die auf einfaches 
-it ebenfalls und zwar ohne Rücksicht auf die Betonungs- 
weise des Grundworts (vgl. gläsit — glas gläsa, cesfif — 
cest cesti), so daß die wenigen Abweichungen nach III, 
z. B. 7'jecifj sjenit, istiniil, wahrscheinlich sekundär die Be- 
tonungsweise des Grundworts angenommen haben: rljee, 
sjen, Istina. Dazu kommt^ daß bei III Schwankungen 
vorkommenj so kametiit neben Mmenit (dies nach Minen); 
vgl. dazu die gleichartigen busenit rumenit, cak. vremenij 
skr. vremenit (nach vremena gen. zu vrijeme), jjlenienit (nach 
pleme, r. aber plemenityj). — Eine andere Gruppe sind die 
partizipialartigen Adjektiva, die unmittelbar von Verben 
herkommen, immer mit Präposition zusammengesetzt. Sie 
haben stets den urspr. Hauptton auf der Wurzelsilbe, also 
jetzt ' auf silbischer Präposition, und stets -U gegen ihre 
Betonung nach Typus III, z. B. bdjelit abgeteilt — odijeliti 
ddijelim, ügasit (eig. erloschen) dunkelbraun — ugasiti 
ügasvn, omrazit verhaßt — ömraziti, sröcit übereinstimmend 
— srdciti sröcim. Es kann nicht zweifelhaft sein, daß hier 
die Quantität des Infinitivstamms der Verba (?) maß- 
gebend gewesen ist. 

S76. 2. Die Quantität der stammhaften Be- 
standteile abgeleiteter Nomina. 

Im Skr. sind Bildungen mit bestimmten Formantien 
notwendig mit Kürze der diesen vorangehenden Silben 
verbunden, ursprüngliche Längen solcher Silben sind also 
verkürzt. Eine gemeinsame Eigenschaft dieser Formation 
ist, daß sie alten vollen Vokal enthielten und enthalten, 



172 Betonung und Silbenquantität. [§ 276. 

nicht ein im Skr. verlierbares oder stets verlorenes 3, 6 
(wie -Miö, -6C6, -öka usw.); die scheinbare Ausnahme 
-aJian : -öcJiönö s. u. Man könnte daher jene als schwere, 
diese als leichte bezeichnen. Der Behandlung der Quan- 
tität im einzelnen ist vorauszubemerken: Wenn die betr. 
Silben mehr als eine Stelle vor dem alten Hochton 
stehen, also vor dem heutigen Akzent \ ', so sind sie 
nach dem allgemeinen Gesetz (s. § 220) notwendig kurz; 
also z. 13. die Kürze der ersten Silbe von vrätär gen. vratära 
gegenüber der Länge von vrdta versteht sich von selbst. 
Ferner muß abgeselien werden von Längen, die vor r, 
l, m, n, V, j -j- Kons, stehen, da sie auf sekundärer Deh- 
nung vor diesen Gruppen beruhen (s. § 314), so daß 
z. B. ein dsörljlv keine Ausnahme von der Spracherschei- 
nung bildet, nach der die Silben vor -Ijiv kurz sein müssen. 

Als Beispiele — immer nur einige zur Erläute- 
rung — sind mit Absicht solche gewählt, deren Grund- 
wörter im Skr. selbst noch langen Vokal haben, weil sich 
so die Kürzungsregel unmittelbar ergibt, während bei 
einer Kürze des Grundworts, die ihrerseits auf einer 
Kürzung urspr. Länge beruht, die Annahme entstehen 
kann, die Ableitung habe einfach dessen Quantitätsver- 
hältnisse fortgesetzt. 

-aca: Ijelaca Art weißen Gewandes — Mo fem. Ujela, 
slänaca Salzquelle — slän, pokrlvaca Decke — poknvaü. 

-aci Adj. bestimmter Form: spävaöi zum Schlafen 
gehörig (z. B. spävace häljine) — spävaü, obüvaci zum An- 
ziehen {oh. käis Schuhriemen) — oMvaü. 

■ad: vücäd junge Wölfe — vük, zvjeräd wilde Tiere 

— zvijer. 

■aJian fem. -aJina, aus -ochötiö -zcliöna, deminuierte 
Adjektiva; nach Ausfall des mittleren ö im Fem. usw. 
wird im Skr. das erste 5 als a fest, z. B. fem. mlädahna 
(mit Verlust des h mlääana) — mlad jung, das Formans 
tritt so in die Kategorie der schweren. 

■äj gen. -aja: närucäj Armvoll — rnka, pötpasäj Schürze 

— päs (aus pöjäs) Gürtel. 



§276.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 173 

-aja: jjreÄa^'a Art Wassermühle mit querstehenden 
Schaufeln — prijek, siivaja Roßmühle — süv (süh) trocken. 

-äk {-'äk -njäk) gen. -äka; die zahlreichen unter die 
Generalregel fallenden Wörter müssen Kürze haben, z. B. 
Ijeväk gen. Ijevdka Linkshändiger — lljevJ, aber die Kürze 
geht mit geringen Ausnahmen, wo die Quantität des 
Grundworts gewirkt hat (svljetnjäk Leuchter — svljet) 
durch, z. B. llcnjäk Handtuch (eig. Gesichtstuch) — Vice. 
Deutlich zeigt sich das Verkürzungsgesetz l)ei Ableitungen 
von langvokaligen Hypokoristika, z. B. Vüjäk — Vüjo, 
prljäk — prijo. 

-älj gen. -älja: küsälj gestutztes Pferd — küs adj. 

-an (mit festem a), -an : Vükan — • vük, Drägan — 
dräg fem. dräga, zvjezdan Art Aster — zvijezda Stern, 
Zlvän — sw\ ebenso das Femininum -ana: Vükana, Zvjez- 
dana, Cvjetayia — ciyljet. 

-'an: snjezan schneeig — smjeg. 

-är gen. -ära; die Verkürzungen wie drkgar drugara 

— drüg, zlätär zlaiära — zläto usw. fallen unter die 
Generalregel, die Kürzung ist aber allgemein auch bei 
anderer Lage des Haupttons, z. B. himistär (Schimpfwort) 

— 'bumste Kehrichtplatz, ödzacär (und odmcär) Essen- 
kehrer — ödsäk odiäka (und ödsak bdzaka); vgl. nament- 
lich mobär freiwilliger Helfer bei einer Arbeit — moba, 
dies aus '*mooha = '■'■molba = molbba. 

-ara: zlätara Schmeißfliege — zläto Gold (vgl. zlätär 
zlatdra Goldschmied), svllara Seidenfabrik — srUa (vgl. 
svllär svilära Seidenhändler), sjeuara Heuboden — sijeno. 

-äs: bjeläs Schimmel (Pferd) — Uo fem. bijela. 

-ast: zvjezdast besternt — zvijezda, cvjetast mit Blässe 
(cvijet) auf der Stirn, golhbast taubenfarbig — gölüh. 

-at: brädat bärtig — brdda, krilat geflügelt — krilo. 

-av: glzdav geschmückt — gizda, gärav rußig — gär. 

-ava: dübrava Wald — däb, ebenso -njava, z. B. tiizn- 
java Wehklage — tüiifi, tüsan fem. tüzna betrübt. 

-ba s. unter -oba. 

-el: klseo sauer, i = altem y (kyselö). 



174 Betonung und Silbenquantität. [§ 276. 

-en bei Substantiven, z. T. alten konson. Stämmen: 
jäsen gen. jäsena, Vücen — vük. 

-en bei Adjektiven: svllen seiden — svila, sühien 
suchen — sükno, kletveni Fluch enthaltend — klefva. 

-es mit fem. -esa : Vränes, fem. vränesa (Ziegenname) 

— vrän, Grubesa {Grübesa, Mannsname) — grub grob. 

-et, -ot: treset zitternder sumpfiger Boden — tresti 
tr6sem (= tres-). 

-et- (= -et-) gen. -eta. Die Bildung ist im Skr. weit 
über den ursprünglichen Bestand hinausgewachsen und 
die später geschaffenen Wörter, namentlich die Demini- 
tiva^ denen -et- als zweites Deminutivformans angesetzt 
ist, folgen den Quantitätsverhältnissen der Grundwörter, 
z. B. vrdnce (= ^vranbce) kleiner Rappe — vränac (= 
*vranbcb), jadnice (= ^jadbnice) armes Kind — jädnik 
jadnika. Aber alte Bildungen haben die feste Regel: im 
Nom. sg. Länge, in den andern Formen Kürze, dijete gen. 
djeteta Kind, dvlze dvlzeta zweijähriges Schaf, jüne jüneta 
junges Rind, kljüse kljüseta Pferd, präse präseta Ferkel, 
zvijere zvjereta wildes Tier, Mrijebe zdrebeta Füllen. 

-eta, männliche Personennamen: Dräieta — dräg, 
Vuceta — - vRk. 

-ica, -nica. Unter den fast 2000 Beispielen, die bei 
Daniele, Osnove 813 fg., angeführt werden, bildet bei 
allen Bedeutungen die Verkürzung von Längen des Grund- 
worts durchaus die Regel, z. B. brädica — bräda, crnica 

— crn, cestica — cest (Teil), cünica — cün, düsica — diisa, 
kräljica — krälj, lUica — Itt (Fels), sljepica — slijei)y 
trävica — träva, vrbica — vrba, vücica — vük, zecica — 
zec (aus zajec == zaj^cb); golubica — golüb, gospodärica — 
gospddär, hajdncica — Jiäjdük, Jirvätica — hrvät, oräcica — 
örä(5, tekünica — tekün ; rädilica — rddio rädila räditi, Z7iä- 
nica — znän. Wenige Ausnahmen: Ableitungen von Hypo- 
koristika mit langem Vokal, P^rica — Pero, vgl. aber 
Vüjica — Vüjo, Jelica — ■ Jela, Jövica — Jovo; Bildungen 
von zweisilbigen Femininen auf a mit , deren es über- 
haupt wenige gibt (s. §251), z.B. crkvica — crkva, sträzica 



§276.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 175 

— sträza, mlädica — mläda (die Junge) Braut, vgl. aber 
mlädica Sproß — mläd fem. mläda; ferner von ^Partizipien 
abgeleitete Wörter, z. B. naräsUca (aber ohräslica) — rästaa 
rdsla rdsti, setalica — setao setala süati. 

■ic. Die Flut von Eigennamen auf -iö muß hier 
beiseite bleiben. Bei appellativischer Anwendung zur 
Bildung von Deminutiven steht regelmäßig Kürze vor dem 
Formans: kljücic — kljüc Schlüssel, grädic — cjräd Stadt, 
Ustiö — list Blatt, cvjetiö — cvljet Blume, junäciö — jünäk 
Held, pojäsiö — pöjäs Gürtel, ohläcic — öUäk Wolke; 
ebenso bei dem Doppelformans -cid (= -*bcitjb): irescic 

— brtjeg Ufer, Höhe, vjencie — vijenac Kranz. Nur in 
einigen bestimmten Fällen erscheint Länge: in Ablei- 
tungen von possessiven Adjektiven auf -ov -ev, z. B. kräl- 
jeviv Königssohn — kräljev zu krälj krdlja ; bei Bildungen 
aus Hypokoristika, z. B. jwpic (eigentlich Priesterchen) 
Zaunkönig — 2)62)a (zu pöjj) ; abzusehen ist von Fällen 
wie tovärclö zu tdvarac gen. tövärca, Dem. zu tbvar Saum- 
last, wo nach § 314fg. a wegen der Stellung vor rc ein- 
getreten ist. 

-tk, -nik. Die Beispiele alter Endbetonung, die große 
Überzahl, müssen nach § 220 die vorangehenden Silben 
kurz haben, z. B. drenlk drenika (so die Gen. der folgenden 
Beispiele) Kornelkirschenstand — drljen, vidik Anblick — 
vul., slämk Salzfaß — slän, crmk Schwärzung — crn, düznik 
Schuldner — düzan düg, suäenik der vom Schicksal be- 
stimmte — Süden, sevärik Gesträuch — sevär sevära — 
Strauch Staude. Die anders betonten lassen keine feste 
Regel erkennen. Von den 400 bei DO. 271 fg. angeführten 
Fällen haben 60 Länge, davon aber 30 durch Dehnung vor 
V, j, r-(-Kons., z. B. hüntövmk, pököpnk, p)okörmk, kommen 
also hier nicht in Betracht; 30 behalten einen im Grund- 
wort vorhandenen langen Vokal, z. B. Uüdnik Vagabund — 
Uüdm, jmimk Reisender — j;?/^ skrbmk (Besorgter) sorg- 
fältiger Mensch — skfban skrb, pöslämk Gesandter — jjöslän,. 
sm4temk W^irrkopf — smeten. Vergleicht man aber die ge- 
wöhnliche Betonung der Ableitungen von Partizipien auf 



176 Betonuug und Silbenquantität. [§ 276. 

-an, -en, z. B. varemk — vären, iskitsenlk — hkäsen, hra- 
njemk — hränjen, cjepämk — cijeiJän; nimmt man ferner 
die Fälle, wo neben der regelmäßigen Form mit Kürze 
eine solche mit Länge steht: zdkiipmk Pächter, bei Vuk 
zäkupmk — zäkitp, zäludmk müßiger Mensch, bei V. zä- 
ludn'ik — zäludan, präzn'ik Feiertag, aber präznik leerer 
Bienenstock — pjvuzan, südulk neben südntk Richter — 
südon Süd, so wird man kaum zweifeln, daß die Avisnahmen 
auf sekundärem Anschluß an die Längen der Grund- 
wörter beruhen. 

-ika: bjelika Sj^lint — Mo bijela, mljeeika Wolfsmilch 
— mlijeko, teüvika Stechwinde, smilax aspera — tetiva 
Sehne. 

-in bei Substantiven außer der Verbindung -an- in, 
meist männliche Personennamen; deutlich ist die Ver- 
kürzung namentlich bei Ableitungen von Hypokoristika : 
Vüjin — Vüjo; vgl. ferner Miläsin — Mlläs, prijäsin Freund, 
von einem '^-prljäs. 

-ina; die Verkürzung ist bei allen verschiedenen Be- 
deutungen dieser Bildungen, von denen DO. 152 fg. ca. 
1000 aufgezählt werden, so gut wie allgemein, vgl. hrezina 
augm. — hyvjeg Hügel, päsiyia — päs aus jjöjäs Gürtel, 
rücina — rüka Hand, jimäcina — jünäk Held, hajdücina 
- — ■ käjdük, koväcina — köväc Schmied, mjesecina Mond- 
schein ■ — mjesec, propästina — pröpäst Abgrund, vrücina 
Hitze — vrüö. Abweichungen sind, wenn man die auf 
der Verbindung r, l, m, n, v, j -\- Kons, beruhenden 
Dehnungen, z. B. ddlömcina — odlomak odlömka, abrechnet, 
vereinzelt, z. B. zdvjetina — zdvjet; mehrmals bei dem 
aus -*bskina entstandenen -stina, z. B. hrvästina — hrvätski, 
lüpestina — lüpesM; das beruht auf sekundärem Anschluß 
an das Grundwort. 

-inja --== -?/?k (alter Nom. -yni). Bei der viel angewendeten 
Ableitung von männlichen Personenbezeichnungen auf -äk 
gen. -äka wird das a dieses Formans stets verkürzt, z. B. 
Bosnjäkinja Bosnierin — Bösnjak Bosnjäka, prösjak'mja 
prdsjakinja Bettlerin — prösjäk. Dagegen haben die er- 



§276.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 177 

haltenen alten Bildungen auf -ytli Länge der Wurzelsilbe : 
grdinja Scheusal — vgl. gfclan (gfdan) häßlich, püstinja 
Einöde — püst, svetinja Heiligtum — svef. 

-inji, bestimmte Form possessiver Adjektiva. Alle 
Beispiele haben die Kürze, z. B. golnbinp — gölüh Taube, 
güjinjt — güja Schlange, 

-ts : 7ie-)nans Sorgloser — ne-mär. 

-isa: ni vrätisa m ■plätisa weder Rückgeber noch 
Zahler — vrätiti plätiti, hvälisa Prahler — hväliti^ Drägisa 
— dräg. 

-iste : Meiste — hrk, grädiste — gräd, suhmte — sükno, 
pazärlste — päzär. Dabei einzelne Abweichungen bei 
Vuk: dvöriste — dvör dvora, daneben dvönste; zhöriste — 
zhör zböra, daneben zhöriste; süplste — süp Fischzaun, 
setalUte — setao setcda setati, Rüdniclste — Büdmk; ])ei 
allen sekundärer Anschluß an die Quantität des Grimd- 
worts, bei zhöriste einfach an den Nom. zhör. 

-it: gläsit ruchbar — glas, glävit ansehnlich — gldva, 
rjecit beredt — rijec, räzhorit verständig — rdzbor. Einige 
wenige, von Grundworten mit langvokalischer Präposition 
gebildet, machen zugunsten der Quantität des Grund- 
worts eine Ausnahme, z. B. räzlicit verschieden — räzlika, 
räskosit schwelgerisch — ruskos. 

-iv, -Ijiv; bei allen zweisilbigen Bildungen lag der 
alte Hauptton auf dem Formans, die Silbe vorher ist kurz, 
z. B. sttdljiv schamhaft — stld, smjesljiv gern lachend — 
srmjeh, pljesniv schimmelig — plljesan (wo p)ljesniv betont 
ist, findet Anschluß an das Grundwort statt); mit wenig 
Ausnahmen ebenso bei mehrsilbigen, z. B. lisäjiv voll 
Flechten — Itsäj llsäja. Wenn andere Quantität erscheint, 
liegt deutlicher Anschluß an das Grundwort vor, so nd- 
zorljiv scheu — ndzor. 

-ivo: predivo Spinngarn — presti predem (= pjr^d-), 
varlvo (Kochzeug) Gemüse — vdriti. 

-men, Substantiva, msk. nom. -nien aus -merib^ ntr. 
nom. -me aus me : die ursprünglichen Längen vor dem For- 
mans sind verkürzt, z. B. kämen Stein, plämen (= *polmen-) 

L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. 12 



178 Betonung und Silbenquantität. [§276. 

Flamme, sjeme (abg. seme) Same, gen. vremena (^ 'h'er- 
men-) Zeit, nur bei diesem Wort im Nom. Länge vrijeme. 

-men, Adjektiva, seltene Bildungen : rihnen rot, stämen 
feststehend. 

-oha ; mit Ausnahme von utroba haben alle alte End- 
betonung, daher notwendig die Silben vor o kurz. Wahr- 
scheinlich ist Kürze die Grundregel auch bei -ha aus -bba, 
vgl. driiBa Kameradschaft — clrüg, slüzba Dienst — slüga 
slüziti, tüzba Klage — tüziii, ilreclba Einrichtung — ure- 
diti, sjedha Saat; Ausnahmen beruhen auf Länge durch 
Kontraktion, wie moha (= '-^mooba = *molla = molbha) 
Bitte, oder auf Dehnung vor den betreffenden Konsonanten- 
gruppen, kdria Schelte, svöjdba Schwägerschaft. Vor dem 
Doppelformans -idha steht immer Kürze, z. B. bjelidba 
Bleichzeit — bijeliti, vezidba Anbinden (der Weinstöcke) 

— vezati (= vez-). 

-oje, Personennamen neutraler Form: Vükoje — vüh\ 
Zlätoje — zläto^ Sredoje — srijkla, Cvjetoje — cvijet. 

-oro, Zahlwörter: petoro — pet fünf (= i)etb), desetoro 

— deset zehn (= deseih). 

-osa: hrtlosa am Bauche weißes Schwein — kr'do 
Flügel, cvjetosa Ziege mit Blässe — cvijet, bjelosa (Rätselwort) 

— blo bijela; nur rögosa (Schaf-, Ziegenname) ist an den 
Nom. rög, gen. röga angeschlossen. 

-ota; die Bildungen haben durchweg alte Endbetonung, 
daher notwendig die Silben vor o kurz, z. B, Ijepota Schön- 
heit — lijep, sramöta Schande — sräm; die wenigen Bei- 
spiele andrer Betonung aber ebenso, vgl. Ijepota, vrmiota 
(Ochsennamen) — Vijep, vrän. 

■ov, possessive Adjektiva, in dieser Bedeutung ein- 
fach den Quantitäten des Grundworts folgend; es ist aber 
bemerkenswert, daß die alten Ableitungen von Pflanzen- 
namen die langen Stammsilben des Grundworts kürzen, 
z. B. brestov — brljest Ulme, dübov — düb Eiche, grmov 

— grm grma eine Eichenart, Jcnnov — Mn Ahorn, hrästov 

— hräst Eiche, vrbov — vrba Weide, Ijeskov — lijeska 



§276.277.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 179 

Hasel, trnov — trn Dorn, jöhov — jöha Erle (aus *'jeoha = 
jelbcka). Die Weiterbildung -ovbns skr. -ovan {-övan) fem. 
-ovna (-övna) hat stets Kürze vor sich, z. B, vllövan — 
vila, vrätövan — vrät, dusevan — düsa, dremövan — drljem, 
müievan — mü£. 

-teljb; die alten Wörter vlästelj {= *volstel'b) Herrscher, 
prljatelj Freund haben Kürze des urspr. langen a, i; 
ebenso alle anderen Bildungen auf -itelj, z. B. svetitelj Hei- 
liger — sveiiti {= sv^t-), Jiränitelj Ernährer — hräniti 
(= *cliorniti). 

-üg rask., -uga fem., seltene Bildungen, z. B. bjelüg 
weißer Eber, hjeluga fem. weiße Sau — hio hijela. 

•idja: plävidja (Kuhname) — pläv blond, blau, küsulja 
Stutzkuh — A'ws, pjeskulja Sanderde — pijesak. 

-im und fem. -loia: slädün Art Granatäpfel, slädün 
Eichenart, sekuna zum Hypok. seka (sestra). 

-ur: mjehür Schlauch — nivjeh; das entsprechende 
Fem. -ura: glävura — gldva. 

-usa: pjeskusa sandige Erde — pijesak, govedärusa 
Rinderhirtin — govedär, seljäkusa Bäuerin — seljäk. 

377, Es gibt nur wenig schwere Formantien, 
die sich gegen die Quantität der vorangehenden 
Silben gleichgültig verhalten, Kürzung alter Längen 
nicht fordern : 

-ez; in der Wurzelsilbe erscheint mit wenig Aus- 
nahmen eine alte Länge erhalten: graben, drijemez, krpez, 
Idvei, lüpei, metez (= metesb), mlddez Jugend, mütez, pälez, 
pilez (zu piile), sitnez (zu sltan), srämez, sfälez, stärez (zu 
stär), ifpez, trühlez (zu trühli) ; bei diesen lag also der 
alte Hochton auf dem Formans^ die Erhaltung der Länge 
einer vorangehenden Silbe ist also normal, wenn das For- 
mans keine verkürzende Wirkung hatte. Abweichungen 
sind vereinzelt: mlädez und mädez (unklare Herkunft) 
Muttermal, Pädez (Eigenname), derez (mit alter Kürze). 

-in, poss. Adj. von femin. Wörtern, slügin — slüga, 
vllin — vila, jetrvin — jetrva. 

12* 



180 Betonung und Silbenquantität. [§277—280. 

-ost, z, B. drdgöst — dräg^ svetösf — svet; vereinzelt 
kommen Kürzungen vor: lüdöst — lud, svjetlösf — svljetao 
fem. svijetla. 

-tva: brltva, ietva, pljetva, aber Idetva. 

278. Über die Bildungen mit leichten Formantien 
läßt sich nur aussagen, daß sie im allgemeinen eine be- 
stimmte Quantität nicht erfordern, mit Ausnahme der 
Komparative (nur gebräuchlich in der bestimmten 
Form); ihre Stammsilben sind stets kurz, z. B. dräg — 
dräti, zw — - Mvlji; lljep — Ijepsl; so auch die auf -iji ge- 
bildeten, z. B. Icrüpan — krüpniji. — Über -sk7 s. § 330. 

B. Bestimmung und Quantität der zusammen- 
gesetzten Wörter. 

279. 1. Zusammensetzungen aus Nomen und 
Nomen. Alle, wie immer beschaffen, unterliegen dem 
allgemeinen Gesetze : die Silben des ersten Bestandteils 
sind stets kurz, ohne Rücksicht auf die Haupttonstelle 
der Zusammensetzung und auf die Quantität des Grund- 
worts, z. B. glavdholja — gldva, zlatökos — zläto, rükovef 

— rüka, sühozld — süh, käzipüi (Zeige-weg) Zeigefinger 

— kdzi zeige!, vhioböj (gen. -hoja) phytolacca decandra, 
mnöpija Weinsäufer — imio. 

Der Übersicht wegen, die zugleich die Bestimmung 
der Haupttonstelle erleichtert, ist die Gesamtheit in fol- 
gende Gruppen geteilt: a)femininalei-Stämme, b)o-Stämme. 
Substantiva und Adjektiva, c) femininale a-Stämme, und 
als Beispiele nur solche Wörter genommen, die kein weiter- 
bildendes Formans, etwa -ac {-bcb), -an (-bm), enthalten, 
weil dabei die Quantitäten mit den solchen Bildungen 
überhaupt zukommenden zusammenhängen oder zu- 
sammenhängen können. 

280. a) i- Stämme, femin. Substantiva. Sämt- 
liche Wörter, deren Zahl gering ist, haben " auf der 
ersten Silbe, den zweiten Bestandteil der Zusammensetzung 
lang; eine darin enthaltene alte Kürze wird gedehnt, 
z. B. gbrapäd Epilepsie — gora, pästi fallen ; Ijetoräst Jahres- 



§ 280—282.] Bestimmung der Betonuog und Quantität. 181 

wuchs — Ijeto, rdsti rcistem; püstoims (freie Weide) un- 
gesperrte Wiese — püst, pusti pdsem; rükodfz Handhabe 
— rüka, drkiü, rükovet Handvoll (aus rqko-j^tb) — rüka 
-jeti; crvotöc Wurmfraß — cPv, iociti. Die alte Betonung 
auf der ersten Silbe stimmt zu der durchgehenden Be- 
tonung des Russischen, vgl. Utopie Jahrbuch, Chronik, 
vodopad' Wasserfall, letorost'. 

381. b) 0- Stämme. Es sind mehrere Betonungs- 
typen und z. T. davon abhängige Quantitätstypen vor- 
lianden. 

I. Der alte Hauptton lag auf dem zweiten 
Glied, liegt also jetzt auf dem Auslaut des ersten (dem 
sogen. Kompositionsvokal), Das zweite Glied hat dann 
stets kurze Silbe, daher Verkürzung einer Länge des 
selbständigen Wortes, z. B. dragocjen kostbar — dräg, ci- 
jena; golobrad bartlos — bräda; zlatöglav (Goldkopf) As- 
phodill — zläto, gläva; zlatoruk goldhändig — zläto, rüka; 
sesfokrili sechsflügelig — sest, krilo; krivbvrat krumm- 
halsig — kriv, vrät; crnörep Schwarzschwanz (eine Fisch- 
art) — crn, rep. 

282. n. Der Hauptton liegt als '' auf dem 
ersten Gliede; hier ist zu unterscheiden: 

aa) Hat der zweite Bestandteil als selbständiges Wort 
langen Vokal, so bleibt er erhalten, z. B. Ijelobrk mit 
weißem Schnurrbart — Irk ; crnorep (neben crnörep) ; 
(jörocvijet (Bergblume) adonis vernalis — gora, cvijet; rü- 
kosäd (Handpflanzung) eigenangelegter Weinberg — rüka, 
säd\ ztmollst (Winterblatt) eine Pflanzenart — z/ma, llst; 
Ylsegräd (Oberstadt, Oberburg) — gräd; högodän gottge- 
geben — hög Mga, dän ; crnogläv (Ak. Wb., Eigenname 
«Schwarzkopf», vgl. oben golöglav) — crn, gläva; rükojns 
Handschrift (wohl urspr. fem,, vgl. r. rnkojns) — rüka, 
pisaii; kolovrät Wirbel — prdtiti. Wo im Skr, keine 
Länge in den entsprechenden selbständigen Wörtern vor- 
liegt, die Silbe aber ursprünglich lang ist, hat die Zu- 
sammensetzung Länge, so kölomäz (vielleicht urspr. fem, 
i-Stamm, vgl. r. kolomaz) Wagenschmiere — mäzati mäsem. 



182 Betonung und Silbenquantität. [§ 282—284. 

Ausnahmen sind vereinzelt: Eigennamen auf -sav (au.s 
-slav zu släva), Drägosav, Mllosav (und normal Milösav, 
vgl. auch Vukbsav), Rädosav; ferner andere Eigennamen: 
Mllorad — räd; Drägobrat — dräg, brät; Lnpoglav (Ortsn.) 

— glQva ; Slävolpib (neben normalem Slavoljid)), aber appel- 
lativ drägoljub Kapuzinerkresse. Appellativische Beispiele 
sind noch seltener: vijoglav und fem. vijoglava Wendehals 

— gläva; tüko-lnk Knoblauchstößel — lük. 

283. bb) Das zweite Glied hat als selb- 
ständiges Wort alte Kürze. Die geringe Zahl der 
Beispiele zeigt keine feste Quantitätsregel ; in einigen 
Fällen ist die Kürze gedehnt: sämotök (und samötok) von 
selbst ausgeflossener Honig — säm, tokb, tdciti ; mödrokös 
(eig. Blauamsel) eine Vogelart — modar, kos pl. kösovi; 
prekonöz (bei Vuk, ohne Angabe von Genus und Flexion) 
eine Art des Pferdefesseins — j;r<;/eÄ-, nöga. In anderen 
bleibt die Kürze, z. B. krnjorog mit Stummelhörnern, vl- 
torog mit gewundenen Hörnern — rög gen. röga; jj^^^onog 
bläßfüßig — ■ nöga\ in hlägosöv gen. -sova (zu slovo) Segen, 
vlnoböj gen. -boja (Pflanzenart, phytolacca decandra) beruht 
die Dehnung im Nominativ auf dem auslautenden v, j. 

Der ganze Typus II ist wahrscheinlich nicht ursla- 
visch; im Russischen haben diese Komposita durchweg 
den Hauptton auf dem zweiten Gliede, z. B. cernoborodyj 
schwarzbärtig, belornkij weißhändig (vgl. skr. bjelonog weiß- 
füßig), siichovercJdj gipfeldürr (vgl. skr. tankdvrh schlank- 
wipfelig); ebenso fast regelmäßig im Slovenischen, z. B. 
Ustopad Blattfall, Oktober (skr. llstojjäd), rokomet (Hand- 
wurf) Wurfweite, bosonog (skr. ebenso bosönog) barfüßig. 

284. III. Die erste Silbe hat den Akzent \ 
älterer Hochton lag also auf dem -o- (dem Kompositions- 
vokal). Es sind in appellativischer Bedeutung ganz ver- 
einzelte Fälle: divoroga kräva (Rätselwort) wunderhörnige 
Kuh, vlnogräd Weinberg (r. vinograd, kchsl. Form, r. wäre 
vinogorod)', sisobrk mit gestutztem Schnurrbart — sisati, 
brk. Dazu einige Eigennamen auf -sav, so Bögosav, Ljü- 



§ 284. 285.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 183 

bosav (vgl. aber dazu MUosav Milosav), und einige andere, 
so Ljiibobrat (vgl. aber Drägobrat). 

385. c) Femininale a-Stämme. Die als Femi- 
nina zu den Adjektiven der obigen Abteilung II ge- 
hörenden Wörter haben Betonung und Quantität wie die 
Maskulinform, ebenso das zugehörige Neutrum, z. B. go- 
löglav golöglava golöglavo kahlköpfig. Die Substantiva, so- 
weit sie nicht substantivierte Feminina von Akjektiven 
sind, haben eigentlich nur einen durchgehenden Typus: 
alten Hauptton auf dem zweiten Gliede, also jetzt ' auf 
dem «Kompositionsvokal», und Kürze dieses Gliedes, 
einerlei ob eine ursprüngliche Länge oder eine alte Kürze 
vorliegt. Ein größerer Teil der Wörter bezeichnet männ- 
liche Personen. Beispiele : hogbmolja Bethaus — möliti, 
glavdbolja Kopfschmerz — holjeti, sjenokosa (eig. Heumahd) 
Wiese • — kositi, stöhlasa (eig. Hundertährige, Pflanzenname) 

— kläs, vodöjaza Wassergraben — jäza, firöpada Eichel- 
fall — pästi ]iädem\ glasonosa Nachrichtbringer — nösiti, 
Ijudömora Leuteschinder — mbriti, vjefrögonja Windbeutel 

— goniti, zlosreöa Unglückskind — sreca; Ljubövüta, Dra- 
gömira (vgl. msk. Drägomlr) usw. Die Abweichungen von 
diesem Typus sind sehr gering an Zahl: 1. Die erste 
Silbe hat ", dabei kommen einige Fälle mit Länge im 
zweiten Gliede vor: mrkogleäa, strmogleäa finsterblickender 

— mrk, strm, gledati gledäm und (gledeti) gledlm; glühoprda 

— glüh, prdjeti (bei Vuk daneben kHoprda, ein Scherz- 
wort; richtiger krto-Y); tänkoprelja Feinspinnerin — tänak, 
pirelja^ die Länge hier begründet durch Stellung vor altem 
•bja {'•prelbja); cetovoda Bandenführer, kblovoäa Reigen- 
führer (vgl. aber dagegen sljepövoda Blindenführer, celovoda 
Anführer, vojskdvoda Heerführer); vöjevoda Heerführer 
(r. vöjevoda); drägoresa (Ziegenname) — resa Wamme, 
dlvokoza (Wildziege) Gemse, krätosija Kurzhals (vgl. aber 
krivösija Krummhals); Ijeposeta (Ziegenname) — lljep, setati 
wandeln; uholaza Ohrwurm — m/jo, läziti. — 2. Noch 
spärlicher ist der Akzent ' auf der ersten Silbe, also 
ältere Betonung des Kompositionsvokals: einige Eigen- 



184 Betonung und Silbenquantität. [§285—287. 

namen auf -sava, D'ikosava, Ljühosava, JDrosava, Skorosava, 
Tänkosava, Vldosava, Vükosava (vgl. dazu die Mask. Lju- 
bosav, Mlrosav und Mirösav, Skbrosav, Vukbsav). 

!S80. 2. Zusammensetzungen aus Präposition 
und Nomen, Berücksichtigt sind hier aus demselben 
Grunde wie oben unter 1. nur die nicht mit weiter- 
bildenden Formantien versehenen Wörter. 

Die sehr mannigfaltigen und scheinbar sehr unregel- 
mäßigen Betonungs- und Quantitätserscheinungen lassen 
doch einige große Prinzipien erkennen, und eine Lösung 
der Schwierigkeiten ist in hohem Grade möglich. 

Die in Nominalzusammensetzungen verwendbaren Prä- 
positionen zerfallen ihrer ursprünglichen Quantität nach 
in solche mit ursprünglicher Kürze: hez, do, o ob, od, po, 
pod^ pro, aCz) sa (= ss), u (= vö), uz (= i'ö^); und solche 
mit ursprünglicher Länge: tm, nad, pa-, pra-, pre-, pred, 
pri-, raz-, su- (= sq-), u (= u), za. Eine besondere 
Stellung nimmt iz ein; es hat, obwohl anscheinend i = i, 
doch niemals Länge; der Grund wird sein, daß es urspr. 
*hz war (= lit. U), also Kürze hatte, i erst aus *j6^ 
entstand. 

Die Generalregel für die Quantität der präpositio- 
nalen Silbe der Komposita ist: ursprüngliche Kürze 
bleibt stets unveränderlich; ursprüngliche Länge 
bleibt erhalten, wenn die Präposition nicht 
selbst den alten Hochton trug, sondern dieser 
auf einer folgenden Silbe lag; sie wird verkürzt 
und hat den Akzent ", wenn die Präposition 
selbst den alten Hauptton trägt. Die Gruppierung 
der Wörter nach der unter 1. (§ 279) befolgten Einteilung. 

287, I. Femininale i-Stämme. Der Hauptton 
liegt stets als " auf der Präposition (abgesehen von dem 
Falle, wo das alte so als s, z vokallos geworden ist) ; der 
nominale Bestandteil hat, wenn eine ursprünglich lange 
Silbe vorliegt^ Länge; wenn ursprüngliche Kürze, in 
mehreren Beispielen Dehnung der Kürze. 



§ 287 — 290.] BeetimmuDg der Betonung und Quantität. 185 

a) Mit kiirzvokalischer Präposition^ z. B. döbtt 
Gewinn, öbläst Macht, özfm Wintersaat, ■poMic Ruf, pögibao 
(= -gyilh) Verderben, pomtsao (= -myslb) Gedanke, pödräst 
(Art Krankheit), pröMdi pl. Seitenstechen, pröpäst Ab- 
grund, sätvär (gewöhnlich stvär = sstvarb) Geschöpf, üzräst 
Wuchs; protöc gen. prötöci Durchfall, dagegen pömöc gen. 
pomoci. 

388. b) Präpositionen mit alter, hier ver- 
kürzter Länge: näzeb Erkältung (= -z§hb), pämet Ge- 
dächtnis (= j)am^tb), pregibao (= -gyilb) Gelenk, rästrxs 
Schlitz, ugär zum Anbau aufgerissene Erde, zäkric Verbot. 

c) Zusammensetzungen mit iz: Izmkao (^^-nikh) 
Aufsprießendes, Izrästao (= -rastlb) gen. Izräsli Auswuchs. 

Dieselbe Betonung herrscht im Russischen, z. B. 
oblast\ nndpis, oborot' , pomoc\ propast' . 

Im Skr. kommen einige wenige abweichende Fälle 
vor: alter Hauptton auf dem nominalen Bestandteil, dem- 
gemäß Länge der Präposition, ndpast Unfall (r. napnst' und 
nnpast'); näruc das Leihen {iizeti na näriic), vielleicht durch 
Anlehnung an w^tn/fca Bestellung; j^n'cesi Kommunion (ge- 
wöhnlich pricesce); zdpad (und normal zäpäd) schattiger 
Ort; zdvist Neid (r. zavist'). 

389. Oben § 231 ist ausgeführt, daß die alten nicht 
zusammengesetzten zweisilbigen i-Stämme fallende Into- 
nation haben. Wenn nun bei Zusammensetzung mit Prä- 
position der (alte) Hochton regelmäßig auf diese fällt, so 
ist der Schluß gerechtfertigt, daß die fallende Intonation 
des nominalen Bestandteils die Ursache der obwaltenden 
Betonung ist. Wie sich später zeigen wird, gilt im Skr. 
allgemein, daß eine nichterste Silbe des Wortes 
(oder einer syntaktischen Gruppe) mit fallender 
Intonation den Hauptton des Wortes nicht be- 
halten konnte, sondern daß in den betreffenden 
Wörtern (oder syntaktischen Gruppen) der Hauptton schon 
vor alters auf eine vorangehende Silbe fallen mußte. 

290. IL Maskuline o-Stämme. Die Verhältnisse 
sind hier etwas verwickelter: A. Geht man von den Fällen 



186 Betonung und Silbenquantität. [§290—292. 

der iinsilbig gewordenen Präposition 6-, z- (= sö-) aus, 
60 zeigt sich: 1. bei ursprünglicher Länge des no- 
minalen Bestandteils wird die Länge bald bewahrt, 
bald ist sie verkürzt: aa) bewahrte Länge, z. B. s-pläv 
(= ^sö-plavo) Floß, spÜ2 Schnecke (= *söpblzö), svläk ab- 
gelegter Schlangenbalg (= '■^•sövolhö), zgib Gelenk (= *so- 
cjyhz); bb) Verkürzung der Länge: sMäd Schober 
(= ^söMadö), sküp Haufen (= *S'3Ä;m|;3), späs Heiland 
(^ sspasö), svez Nat (= *s5vezö), svjet Rat (= ssvetö), 
zhjeg Flucht (= *sölegö). 

291. 2, Bei ursprünglicher Kürze des nomi- 
nalen Bestandteils ist entweder: aa) die Betonung 
und der Vokal im Nom. sg. gedehnt: stvör gen. stvöra 
(== *sötvorö) Machwerk, sr-ok sröka Zeichen (= ssrohö), zhöj 
zböja'H.a.uten {^*s5bojb), zlör 2;&öra Versam mlung (=6'o&orö); 
— oder bb) es bestand alte Endbetonung, im Nom. sg. 
dann kurzer Vokal, slög sloga {== sölogz) Gartenbeet, slom 
slöma (Bruch) Untergang (= sölomz), smet smeta zusammen- 
gekehrter Schnee {^=^ sömetö), svöd svöda Gewölbe (= ssvodö), 
zglob zgloba Gelenk (= söglobö), zgön zgöna Stück Land 
zwischen zwei Grenzhügeln (= Sogons). Der Gegensatz 
der Gruppen aa) und bb) (sowohl unter 1. ^\ie unter 2.) 
bedeutet, daß in aa) die Intonation fallend, in bb) steigend 
war. Die fallende Intonation in aa) zeigt sich im Rus- 
sischen bei Polnoglasie, z. B. svolok (skr. svläk)^ snorov. 

293. B. Der gleiche Unterschied in der In- 
tonation des nominalen Bestandteils zeigt sich 
bei silbiger Präposition: 

1. Der nominale Bestandteil enthält eine alte 
Länge. 

a) Die Länge ist erhalten; der Hochton liegt 
als " auf der Präposition. Diese Betonung erklärt 
sich aus dem oben § 289 ausgesprochenen Gesetz, wenn 
man die Länge des nominalen Bestandteils als fallend 
betrachtet. Beispiele: aa) Präposition mit alter 
Kürze, z. B. dohvät das Erreichen (vgl. hväfiti), obläk 
Wolke (== *obvolkö ^oholkö), opäz Hut (vgl. päziti acht- 



§ 292. 293.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 187 

geben), öfpäd Abfall, pögled (^ -qMö) Blick, pömäz Art 
Bestreichungsraittel (vgl. mäzati), 2ioiprng (== -prqgo) Sattel- 
gurt, podsmijeh Lachen über etwas (vgl. smijeh smek), prö- 
sijek kleine Hacke (vgl. sjeci sijecem). — bb) Präposition 
mit alter Länge: nä-teg (= -fcgö) Heber, pirlstäv Knecht 
in der Wirtschaft (vgl. stäviti), prekid Unterbrechung (vgl. 
kldati), prekret (= -krets) Umschwung, räzrez Schlitz (vgl. 
rezati), smiräk (= -''morkö) Abenddämmerung, ü-gled An- 
schein (vgl. gledafi), üdär Schlag (vgl. üdariti, d. i. -däriti), 
zäpäd Westen, zuteg (= -tfgö) Spannung. — cc) Zusammen- 
setzung mit iz: Izrijekom (mit eigentlichem Namen) instr. 
eines Izrijek (im Ak. Wb. izrijek hnjekom). 

Dieser Typus ist ebenfalls im Russischen vorhanden, 
d. h. der Hauptton liegt auf der Präposition, z. B. vgl. 
skr. öbläk — r.-kchsl. ohiak (r. dial. oboloko ntr.), öUik 
Antlitz — r. oblik, pöjäs Gürtel — r. pojas^ razftm — 
klr. rozum, vgl. namentlich Beispiele mit Polnoglasie: zn- 
moroz, 2)rkjorod, obereg (Schutzmittel) Talisman, pobereg 
prihereg Ufergelände, povorot (und pjovorot) skr. povrät, 
ostereg, sumorok skr. sumrak. 

^03. b) Ursprüngliche Länge des nominalen 
Bestandteils ist verkürzt; der Hauptton lag auf 
ihm, also jetzt auf der Präposition; diese hat, wenn ihr 
Vokal ursprünglich lang war, die Länge bewahrt (§ 286). 
Nimmt man an, die Intonation des nominalen Teils sei 
steigend gewesen, so erklärt sich die Verkürzung wie 
auch die Lage des (alten) Haupttons. Beispiele: aa) Prä- 
position mit alter Kürze; obhk (= -Iqks) Sattelknopf; 
obriib {= -rqbo) Saum, r. obrnb; popmg (= -prqgö) Sattel- 
gurt; pötres (= -tresö) Erdbeben; prdsjek Durchhau, r. pro- 
sek. — bb) Präposition mit Länge; z. B. näkit (=:• 
-kytö] vgl, näkititi d. i. -kUiti) Putz, ndniz Perlenschnur 
(vgl. na-nizati nmwem), ndstup Anfall (von Krankheit; vgl. 
nastüpiti nästüpim), primjer Beispiel, prijelaz ekav. prelaz 
Furt (vgl. pre-laziti d. i. •läziti), rdzdio gen. räzdjela Ver- 
teilung (vgl. razdijeliti räzdijelmi) Markscheide, zdvrat (vgl. 
zavrdtiti zävrätmi) Umkehr, zäkon Gesetz r. zahm. Im Rus- 



188 Betonung und Silbenquantität, [§293—296. 

sischen, wo dieser Typus häufig ist, kann man bei Polno- 
glasie die steigende Intonation beobachten; z. B. perevolok, 
ogorod (dagegen gorod skr. gräd), zavorot. 

S94. 2. Der nominale Bestandteil enthält 
alte Kürze, a) Die Kürze hatte fallende Intonation, 
dabei muß von alters her der Hauptton als " auf der 
Präposition stehen. Beispiele der Art finden sich nur 
sehr wenige; die Kürze ist z. T. gedehnt: aa) kurz- 
vokalische Präposition: oböd (aus *obvodz) Reifen, 
Rand, ötök Geschwulst {otok Insel), poMön (Verneigung) 
Geschenk, poijjor Stütze, iitok (= '^■votok^) Mündung. — 
bb) langvokalische Präposition: premet Purzelbaum, 
üsöv gen. üsova (eig. Abschub) Lawine, ütor Kimme, zädäk 
(= *2adochö) Gestank. — cc) mit iz : htok Osten. 

395. b) Der nominale Bestandteil hat alten 
Hauptton (jetzige Betonung also ' oder ' auf der Prä- 
position). Nach dem früher Auseinandergesetzten ist der 
Schluß gegeben, daß der nominale Bestandteil steigend 
betont war. Aus den zahlreichen Fällen einige Beispiele, 
aa) mit kurzv okalisch er Präposition: dohod Zugang, 
dbrok Frist, ödskok Absprung, pogreb Begräbnis, pörod Nach- 
kommenschaft, potok Bach, pbdnos Präsentierteller, prökop 
Graben, üzmak {= ^vözmöks) Rückzug; — bb) mit lang- 
vokalischer Präposition: nähod Fund, nämet Auflage, 
Steuer, prllog (Beilage) Opfer, prijekor ekav. prekor Vor- 
wurf, räzbor Unterschied, rdzmet Zerwerfen, zäklon Zuflucht, 
zdlet Stelle des Bienenflugs, säton tiefe Dämmerung, ülozi 
pl. Gicht; — cc) mit iz: IsJiod Ausgang, Izmet Auswurf. 

29ß, Die den aufgestellten Grundsätzen nicht ent- 
sprechenden Fälle sind sehr spärlich; sie bestehen ein- 
mal darin, daß bei alter Lage des Haupttons auf dem 
zweiten, nominalen Bestandteil doch eine urspr. lang- 
vokalische Präposition kurz erscheint: pristup Zutritt (r. 
p'istup), pricek Borg, vgl. dagegen prhnjer, prikaz, prirez; 
prebjeg Flüchtling (r. perebeg das Überlaufen), pretek Über- 
fluß, vgl. dagegen prijeklad preklad, prijekor prekor; räzmak 
= ^razmökö) Trennung, räzmet (daneben rdzmet) Zerwerfen, 



§ 296. 297.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 189 

rästok Antimon, vgl. dagegen ruzgon, räzhor. Am meisten 
Abweichungen zeigen nach dieser Richtung Zusammen- 
setzungen mit u (= w), nicht immer sicher von solchen 
mit M = vö zu scheiden: iihöj gen. ühoja (und normal 
ühoj) Schläge, ührus Handtuch, ücin Gerben, Mes Unfall, 
tücor Vorwurf, ümor Ermüdung, üfret (= -preh) unter der 
Asche verdeckte Glut, uroci pl. Beschreiung, iiskok Flücht- 
ling, üsjev Aussaat (wohl = *V5-sevd), üsud Schicksal, üstap 
{= ^uslbfo) Vollmond, ntuk (n = vö-) und iistuk (^ vöz-) 
Gegenmittel, ütvor Gespenst, itvjet Vereinbarung, iihog arm ; 
vgl. dagegen üjam (eig. Wegnahme; = *ujbmö) Mahl- 
gebühr, nlozi pl. Gicht. Zweitens kann die Abweichung 
darin bestehen, daß bei " auf der Präposition doch eine 
ursprüngliche Länge des nominalen Bestandteils verkürzt 
ist, ganz vereinzelte Fälle: süsjed (neben normalem süsjed) 
Nachbar. Aus allem fällt heraus das Beispiel prljerov 
Graben, man erwartet *preröv oder *prijerov. — Bei einer 
Zählung aller in Vuks Wb. stehenden Fälle kommen 
ca. 280 normale gegen 30 abweichende heraus. 

397. III. Femininale a-Stämme. Die Beur- 
teilung der Verhältnisse ist hier am schwierigsten. Geht 
man aus von den Beispielen der unsilbig gewordenen Prä- 
position s, z (= ss), also von solchen Zusammensetzungen, 
die notwendig den Hauptton auf dem nominalen Bestand- 
teil tragen, so zeigt sich hier eine ursprüngliche Länge 
stets verkürzt, muß demnach steigende Intonation gehabt 
haben, z. B. smjesa (= sömesa) Gemenge, spräva {= szpra- 
va) Machwerk, sveza Band (=^ söveza), zgräda {= *s8gorda, 
r. sgoroda Umzäunung) Gebäude. Bei Zusammensetzung 
mit silbiger Präposition hat das Russische nur einen 
Typus: Hauptton auf der Wurzelsilbe des nominalen Be- 
standteils, z. B. dosgda, natuga, nauka, zahava, opora, osnova, 
podprnga, priroda, ugroza. Wo Polnoglasie die Intonation 
erkennen läßt, ist sie steigend, z. B. ohorona, provoloka, 
peregoroda^ osteroga. Wenn die Wurzelsilbe durch Ausfall 
von 5, h vokallos geworden ist, hat die Präposition im 
Russischen den Hauptton, z. B. ospa (= osöpa), rgspra 



190 Betonung und Silbenquantität. [§297—299. 

(== rasphi-a), peresva (= *per-sbva). Mit der russischen 
Betonung stimmen die bulgarischen Beispiele überein, 
vgl. zaplgtö, osnovö, pregradö. Im Slovenischen liegt 
ebenfalls der Hauptton regelmäßig auf der Wurzelsilbe 
des nominalen Bestandteils, aber im Gegensatz zum 
Russischen fallend intoniert, z, B. dosega, naväla, odmena, 
zagräda, zalräna (vgl. r. oiorona), zaguba ; alte Kürze ist 
gedehnt zu fallender Länge, z.B. pohgra, prigoda, pripSka. 
Auf diese slovenische Eigentümlichkeit ist nachher 
(§§ 300, 301) Rücksicht zu nehmen. 

Das Serbokroatische hat dem einheitlichen Ver- 
fahren des Russischen und Bulgarischen gegenüber zwei 
Typen : 

298. A. Alter Hauptton auf der Wurzel- 
silbe des nominalen Bestandteils, diese Silbe kurz ; 
jetziger Akzent auf der Präposition: ' wenn sie kurz, 

wenn sie lang ist. Die Haupttonlage stimmt zum 
Russischen : 

a) Kurzvokalische Präposition, z.B. öpona Häut- 
chen, r. opona, slov. opgna; ösnova Webezettel, r. osnova^ 
slov. osn'gva; ötava Grummet, r. otava, slov. oiäva; pöpasa 
Weidegeld, slov. popäsa Abweiden; pbdkova Hufeisen, r. 
podkova, slov. podkgva. 

b) Langvokalische Präposition, z. B. nävada 
Angewöhnung, r. navada, slov. itaväda; näloga Gedränge, 
r. naloga; nduka Lehre, r. nauka; ndzeba Erkältung 
(= -z^ba), slov. naz§ba; prijevara Betrug, slov. prevära\ 
räzlika Unterschied, r. razltka, slov. razlika; zcibava Zeit- 
vertreib, r. zabgva, slov. zabäva; zdpara Schwüle, r. zapara, 
slov. zapära. 

c) Zusammensetzungen mit iz\ hjesa Vielfraß; 
Ispasa Weide, slov. izpäsa Abweiden. 

Der Typus A ist sehr in der Minderzahl (ca. 70 Bei- 
spiele) gegen den gleich zu behandelnden Typus B 
(ca. 220). 

299. B. Der Hochton liegt als " auf der 
Präposition; die Wurzelsilbe des nominalen Bestand- 



§ 299. SOO.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 191 

teils ist kurz, d. h. entweder Verkürzung einer ursprüng- 
lichen Länge oder verbliebene alte Kürze. Dieser Typus 
fehlt dem Russischen (mit sehr geringen Ausnahmen, s. 
ASlPh. 21, 382) und Bulgarischen, auch wenigstens dem 
heutigen Slovenischen. 

a) Mit kurzvokalischer Präposition, z. B. do- 
sada Überdruß, r. dosnda; obrana Schutz, r. oborona; ögrada 
Einfriedigung, r. ogoroda (vgl. gorod, skr. gräd), slov. ogrä- 
da; ödluka Entschluß, r. otliika (Trennung), slov. odlpha; 
odmjena Ersatz, r. otmena, slov. odmena; pökora Buße, r. 
pokora (Vorwurf), slov. pokgra; pözlata Vergoldung, r. po- 
zolota (vgl. skr. zläto r. zoloto), slov. pozläta; pöipora Stütze, 
r. podpora, slov. podpora; üklada Einlage, slov. vkläda. 

b) Mit langvokalischer Präposition, z.B.7iätega 
(=: -t§ga) Heber, r. nat'aga (Spannriemen), slov. nat^ga; 
prlgoda Gelegenheit, r. prigoda, slov. prigoda; prlpeka 
Schwüle, r. pripoka, slov. prip^ka; presada Umsatzpflanze, 
r. peresada; räzmjena Tausch, r. razmena; räsprava Aus- 
einandersetzung, r. räsprava (Gericht), slov. razpräva; sü- 
sjeda Nachbarin (zu msk. süsjed, süsjed), slov. soseda; zä- 
grada Verzäunung, r. zagoroda, slov. zagräda; zämjena Er- 
satz, r. zamena, slov. zamena; znslada Dessert, r. zasoloda 
(Versüßung), slov. zasläda; zäshiga Verdienst, r. zasluga, 
slov. zaslüga; ütjeha Trost, r. utecha, slov. täeha. 

c) Zusammensetzungen mit iz: Isprava Bewilli- 
gung (Ausfertigung), r. isprava, slov. izpräva; izmjena 
Wechsel, r. izmena, slov. izmena. 

300. Die skr. Betonung und Quantität des Typus 
B bietet der Betrachtung eine Fülle von Schwierigkeiten, 
die ich nur hervorheben, aber nicht lösen kann: 

1. Geht man von der normalen russischen und bul- 
garischen Betonungsweise aus und sieht den Hauptton 
auf der Wurzelsilbe des nominalen Bestandteils als ur- 
slavisch an, so setzt die Verlegung des Haupttons im 
Serbischen auf die Präposition voraus, daß die Intonation 
des nominalen Bestandteils fallend war nach dem oben 
§ 289 ausgesprochenen Satz, Das widerspricht aber der 



192 Betonung und Silbenquantität. [§300.301. 

steigenden Intonation, wie sie russische Fälle mit Polno- 
glasie zeigen, z. B. oborona. 

2. Nimmt man unter Zugrundelegung der russischen 
Haupttonstelle eine ursprüngliche steigende Intonation an, 
so muß zwar eine alte Länge dieser Silbe verkürzt werden, 
z. B. ein -*hvääla (steigende Länge), als zweiter Teil einer 
Zusammensetzung, zu -hvää'la (steigende Kürze), allein der 
Hauptton wäre in diesem Falle nicht in alter Zeit auf 
die Präposition übergegangen, denn nach § 289 geschieht 
das nur dann, wenn die betreöende Silbe fallende Into- 
nation hatte. 

3. Hält man die Annahme fest, daß die russische 
Hochtonstelle und ihre steigende Intonation das Ursprüng- 
liche sei, so ergibt sich im Skr. ein weiterer Widerspruch, 
denn eine urspr. langvokalische Präposition hätte vor der 
Hochtonstelle ihre Länge bewahren müssen, also z. B. 
'■'zähväla d. h. nach jetziger Betonung *zähvala (vgl. die 
wirklich so vorkommenden Fälle wie nählada = *nahläda; 
§ 298, b). 

301. Um diese Widersprüche aufzuheben, bliebe 
die Annahme, daß aus irgendeinem Grunde die ursprüng- 
liche steigende Intonation der Wurzelsilbe des zweiten 
Bestandteils in fallende verwandelt wurde, damit die 
Zurückziehung des Haupttons auf die Präposition und 
deren dann notwendige Verkürzung verbunden war, die 
der steigenden Intonation entsprechende alte Verkürzung 
des nominalen Bestandteils aber bewahrt blieb. Einem 
solchen Zustand scheint das Slo venische mit seiner Be- 
tonung odmena, poköra zu entsprechen ; die fallende Kürze 
muß ja hier in der Haupttonsilbe wieder in fallende 
Länge verwandelt werden. Die Frage ist aber, ob hier 
im Slovenischen die Lage des Haupttons die ursprüng- 
liche, oder ob sie erst aus einer der serbokroatischen ana- 
logen "'ddmena *zämena '^'pökora entstanden ist. Das letzte 
nimmt Valjavec (Rad 132, S. 191) an. Die Bedingung 
einer solchen Versetzung des Haupttons ist im Slov., daß 
die ältere Haupttonstelle fallende Intonation hatte, z. B. 



§301.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 193 

io(j gen. iogä (skr. iöga), meso (skr. meso). Im Skr. 
scheinen aber die Komposita, von denen hier die Rede ist, 
gerade nicht fallende, sondern steigende Intonation auf 
der ersten Silbe (der Präposition) zu haben. Das geht her- 
vor aus der Betonungs weise bei Verbindung ihrer Kasus mit 
Präpositionen, z. B. pöruka — nä poruku = *na pöruku, 
zäfjrada — od zagrade = *od zägrade; wären pö-, zä- fallend 
intoniert, so würde es iheißen *nä poruku, '-'öd zagrade 
(s. § 304). Zu erkennen ist das aus der Vergleichung der 
zusammengesetzten i-Stämme in gleicher Lage. Diese, 
die nachweisbar fallende Intonation der Wurzelsilbe des 
nominalen Bestandteils haben, z. B. pämet, pröpäst, pövijest, 
•betonen die Verbindungen mit Präposition: bez pa^neti, ü 
propäst, öd povijesti, d. h. die präpositionalen Elemente 
-der Zusammensetzungen sind fallend betont (s. § 304), 
vgl. dazu russische Betonungen wie perepis', peresyp', pere- 
men. Demnach, während im Slovenischen völlige Gleich- 
heit besteht zwischen den i-Stämmen, z. B. povest pom^d, 
und den a-Stämmen, z. B. zamena, pokora, werden im Skr. 
pövijest, pömöc, obwohl äußerlich einem pöTcora zämjena 
igleich, doch verschieden behandelt. Aber auch inner- 
halb des Skr. bieten die a-Stämme noch eine Schwierig- 
keit, die wieder der Betonung nä poruku = *na poruku 
widerspricht und die darauf führen könnte, daß diese 
Ersatz einer älteren */2a poruku sei, die aufgegeben wurde 
durch Anschluß an die Betonung der Kasus außerhalb 
der Verbindungen mit Präposition: pöruke poruku usw. 
Für eine solche Annahme scheint zu sprechen, daß die 
mit zwei Präpositionen zusammengesetzten a-Stämme in 
bezug auf die Betonung ebenso behandelt werden wie die 
in gleicher Weise komponierten i-Stämme, vgl. z. B. öpo- 
mena Erinnerung, preohlaka preobuka Umkleidung, preporuka 
Empfehlung mit den i-Stämmen, z. B. pripovijest, zäpo- 
vijed, zäpovijest. Also eine Zusammensetzung aus pre- 
und pöruka ist anders behandelt als eine Verbindung wie 
*na poruku, das kein *?;« poruku ergibt, sondern bleibt 
{heute nä poruku). Im Slovenischen scheint bei zwei- 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 13 



194 Bestimmung der Betonung und Quantität. [§301—304. 

facher Präposition jene Betonung nicht herrschend zu 
sein, denn z. B. opomena, zaprisßga, preobleka betonen wie 
pomena, pris§ga, oUeka; vielleicht ist aber hier ein '-^preobleka 
(aus noch älterem ''"preoUeka) wieder aufgegeben zugunsten 
von oUeka usw. 

30!S. 4. Weiter erhebt sich noch für das Skr. die 
Frage, wie man sich erklären soll, daß neben der Mehrzahl 
nach dem Typus zägrada (220) eine beträchtliche Anzahl 
(80) des Typus nählada (== %ähläda) verbleiben konnte. 
Ferner ist dabei zu erwägen, warum nicht bei den mask. 
o-Stämmen unter ganz gleichen Verhältnissen eine dem 
Typus zägrada entsprechende Verschiebung eingetreten ist. 
Vgl. z. B. ursl. fem. "^zagorda mit gen. sg. msk. '-'zagorda (zu 
nora. *zagordö); jenes ist russisch zagoroda (steigend into- 
niert), skr. abweichend zägrada, dieses russisch ganz ebenso 
zagoroda (nom. zagorod), skr. übereinstimmend ^zägrada = 
*zägräada (nom. zägrad). Dazu kommt endlich, daß im 
Skr. einige «-Feminina zwischen beiden Typen schwanken, 
so nävala Andrang, nämama und nävala und nämama Lock- 
speise, näplata und näplafa Beitreibung (einer Schuld), sü- 
tiika und sMiika {= *sn-tblka, eigentlich «ein Zustoßen») 
Unheil. 

S03. Zusammensetzungen, die zu keinem der Typen 
A und B stimmen, sind vereinzelt, so nävika Gewohnheit, 
normal wäre *ndvika oder *nnvika, slov. navika; zäklada 
(Vuk Wb. aus einem Liede; gewöhnlich zäklad) Schatz, 
statt '^•zäklada oder *zäklada, slov. zakläda\ ütoka das Ent- 
laufen, statt *ütoka oder '^ütoka; ohhnjera Maßstab (Meß- 
faden), statt *-ümjera oder '^-obumjera; sü-mjesa Gemenge, 
sümuzga Zusammenballen (des Schnees), süpruga Knittel 
statt sü- oder su-. 

III. Betonung der Verbindungen von 
Präposition und Kasus. 
«504. Eine durch diese Verbindungen gebildete Wort- 
gruppe gilt als eine Einheit und die Betonung richtet 
sich nach denselben Grundsätzen wie die der nominalen 



§ 304. 305.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 195 

Präpositionskomposita. Daraus ergeben sich folgende 
allgemeine Sätze: 

1. Liegt der ältere Hochton nicht auf der ersten 
Silbe des Kasus, so erreicht die stokavische Zurück- 
ziehung des Haupttons die Präposition überhaupt nicht, 
sie bleibt unbetont, z. B. gen. göre (gdra Berg = *gorä), 
daher iz göre, lok. rdgu (= rogü, nom. rög), daher na rögu, 
lok. zapovijedi (= -dl, nom. zäpovijed), daher u zapovijedi, 
akk. mölitvu (= ^molttvu, nom. mblitva)^ daher za mölitvu. 

2. Lag der ältere Hauptton auf der ersten Silbe des 
Kasus, ist diese demnach mit " oder " betont, so besteht 
eine doppelte Möglichkeit: 

a) Ist diese erste Silbe von Haus aus fallend betont, 
so ist schon in alter Zeit, also nicht im Zusammenhang 
mit der späteren stokavischen Verschiebung, der Hauptton 
und zwar als " auf die Präposition übergegangen, ist diese 
mehrsilbig, auf ihre erste Silbe, also soweit zurück wie 
möglich, z. B. gräd : ü gräd, gen. gräda : Iz gräda, göru 
(akk. . zu göra = *gorä) : nä goru, stränu (akk. zu sfräna = 
*sträna) : nä stränu, akk. pl. gläve (zu gläva = '^glavä) : nä 
gläve; böga (gen. zu bog) : öd boga; mimo goru, ha gläsa. 

b) War die erste Silbe des Kasus von Haus aus 
steigend betont, so behält sie ihren alten Hauptton, der 
aber bei der späteren stokavischen Verschiebung als ' auf 
die Präposition übergehen mußte, bei mehrsilbiger Prä- 
position auf deren letzte Silbe, z. B. bräta (gen. zu brät) : 
*od bräta, öd brata; bläto (vgl. r. boloto) : *u bläto, ü blato, 
miniö blato. 

IV. Betonung von Partikeln. 
305. Es handelt sich um die kopulativen, adver- 
sativen, satz verbind enden Partikeln da, a, i, te, ni, kad. 
Sie sind an sich im Satze schwach betont oder unbetont, 
können aber unter gewissen Bedingungen den Ton auf 
sich ziehen. Die Bedingungen sind einfach und stimmen 
mit den sonst herrschenden Betonungsverhältnissen über- 
ein. Es sind folgende : 

18« 



196 Betonun» und Silbenquantität, [§305—309. 

1. Folgt der Partikel ein sonst im Satze en- 
klitisch stehendes oder ein proklitisch sich an 
ein weiter folgendes Satzglied anlehnendes Wort, 
z. B. eine Präposition, so wird die Partikel be- 
tont: da, 1. Die in Betracht kommenden Enklitika 
sind: die Pronominalkasus mi nie, nam nas; ti te, vam vas; 
mu ga, joj je (ju), im ih; das Präsens sam si je, smo ste 
su; das Präsens ca ces ce, cemo cete ce; das konditionale 
bih bi usw.; einige Partikeln wie m', ??e. 

306. 2. Folgt auf die Partikel ein Wort mit alter 
fallender Betonung auf der ersten Silbe C oc^^r "), 
so geht der alte Hauptton auf die Partikel über {da, i), 
das folgende Wort wird tonlos. 

307. 3. Folgt ein Wort mit alter steigender 
Betonung auf der ersten Silbe ("), so tritt die ge- 
wöhnliche stokavische Verschiebung des Haupttons ein, 
d. h. die Partikel erhält \ 

308. 4. Folgt ein Wort, das den alten Hauptton 
nicht auf der ersten Silbe trug, also jetzt noch diese 
Silbe unbetont oder infolge der stoka\äschen Verschiebung 
mit , ' betont hat, so bleibt die Partikel unbetont, anders 
ausgedrückt, die Verschiebung erreicht die Partikel nicht. 
In den mir bekannten akzentuierten Texten werden diese 
Grundsätze nur bei da und I einigermaßen konsequent 
durchgeführt, selbst hier herrscht nicht immer Über- 
einstimmung. Da ich hier nicht jeden einzelnen Fall 
untersuchen kann, muß ich mich begnügen, typische Bei- 
spiele für die oben genannten vier Punkte anzuführen, 
einzelne Abweichungen und dialektisches Verhalten un- 
berührt lassen. — Vgl. Budmani, § 274 fg., namentlich 
aber die zahlreichen akzentuierten Sätze in seiner Gram- 
matik; Maretic, § 131a, ferner die akzentuierten Texte 
in seiner Hrvatska Citanka; aus Budmani und Maretic 
stammen die unten gegebenen Beispiele; vgl. auch Re§etar, 
Südw. Mund., S. 210. 

309. Zu 1 (§ 305) da mi povräfi', da ga je küpio; 
mUöst l mir; da vam se iimnozi; da mu ga je poklömla; da se 



§309.] Bestimmung der Betonunjf und Quantität. 197 

ne höji\ da im ih da; da cemo; da si ml brät; da je tö hilo; 
da ni {ut neque). 

i da SU öndje; l-li (oder); na Ijühavi l na prijateljstvu; 
po zdkonu l po obicäju; ä kad vidje; ä-U; ä od dne; ä od 
sendt-a; ä u vlsocijeh (Budm. § 463); ni-ti. 

Zu 2 (§306), da bog Jidce; ja se üzdäm ü boga; da tu 
(diese) azdäju ön mbze svlddati; so auch da ön büdi brata; 
da ja Mem; da tö njöj pömäzü drugärice; vgl. iö mje lijepo, 
da fl (du) jäses a ötac da ti (dir) Ide pjesice. 

kiaiem ti se i bogom t vjeröm {bog böga hat fallende, 
vjera steigende Intonation); od mlijeka i gnoja (gnöj gnöja); 
trävöm l cvijetom (cvijet cvet) ; treci smisli l boga l düsu 
{düsa, aber akk. düsu); prijateljstvo i nitr; dän i noö; u ime 
öca l sitia i svetöga düha ; i bog l svijet {svljet svet) ; ne mogü 
blti slti l vüci i övce; bei der Anfügung der Zahlen dvä 
dvlje (dve), tri, pet, sest, sedam, ösam, divet, deset an andere 
Zahlen mittels i, z. B. dvädeset l dvä (vgl. l dvije [dve^ 
kaplje), dv. i tri usw., tisuca i stö (vgl. dagegen dvädeset i 
jedan, dv. i cetiri). Folgt eine Präposition, auf die wegen 
fallender Intonation des ihr folgenden Kasus alter Hoch- 
ton getreten ist (z. B. öd gräda), so rückt dieser auf die 
Partikel, z. B. od seht do sela l od gräda dö gräda ; l u tri 
püta {u tri püta) ; l u glävu l u nogu {ü gläva, u nogu) ; l 
pred bogom i pred svijetom (pred b., pred sv.); ebenso wenn 
auf die Partikel eine mit Präposition zusammengesetzte 
Verbalform folgt, die aus dem gleichen Grunde alten 
Hochton auf die Präposition verlegt hat, z. B, räsjede se 
zemlja % prozdrije {pröMrije 3. aor.) Dätana I zatrpä (zatrpä 
3. aor.) cetu; dän ösvanü i ogranü (3. aor.) sünce. Bei den 
angeführten Gewährsmännern werden da und i vor ein- 
silbigen mit betonten Pronomina ungleich behandelt: 
l ön, da ön; t tö, da tö; i ja, da ja; i ti, da ti; t vi, 
da vi; vgl. dazu Beispiele wie: ä dvije (dve); a kci careva; 
ä Jcnez; könji se mjere peäu a Ijüdi pameca; a Rim; ä sin; 
a sir; ä zec sköci, mit Fällen wie: ä ön und ä ön; ä mi, 
ä tl; a to, d tö. 

nl bog m more {niöre); m za düb {za düh). 



198 Betonung und Silbenquantität. [§ 309. 310. 

Zu 3 (§307), in Klammern die unabhängige Betonung 
des betreffenden Wortes ; z. B. da ide {Ide); da vide (vtde); 
da trebä {frebä); da svi (svi) hlaze; sütra da ides (tdes) s 
cdbaninom na jezero da ga pöljübis. 

l bral (brat) i sestra; ötac l mäjka (Dehnung für 
'■^'mäjka); Hjepa i prava {präva); ondä ee doci svl gradäni \ 
gledaöe (gleda-ce) ; säzväla je gösti l zvanice (zvänice) i ku- 
move (kümove) l sve (sve) prljatclje; po gradbvima t selima {seli- 
ma) ; ü njojzi kösüt t jelenä {jele7iä) ; ön se zbve t jest (jest) 
Türcin; gübiti se i venuti (venuti); siä su cfili t vidjeli 
{vldjeli). 

ä haba (bäba) ; ä car (cär) ; a, kravii (krcivu) ; ä psi {psl) 
sköce; ä sdblja (säblja). 

nl brat (brät) ni mäjka (vgl. i brat i mäjka); nl slusati 
(slüsati) nece; nlti sto vidi m cuje {cüje). 

Zu 4 (§ 308), da körne kä£es; prävo bi bila, da cdvjek 
üzme bätinu päk da vas obojicu stjerä; bog da mu düsu pröstt; 
kän da se pömami. 

brät i sestra. 

a öna\ a öni; veliki tijelom a malen djelom. 

ni ötac m mäjka. 

Für fe und kad fehlt es mir an genügenden Bei- 
spielen, doch vgl. z. B. te mu däde; cär Trojan sjedne te 
ga momak öbrije, mit te övamo te önamo (Mar. Cit., S. 189); 
über kad s. eine Bemerkung bei Resetar, Südw. M., 
S. 210. 

V. Vokaldehnungen vor bestimmten Kon- 
sonanten und Konsonantengruppen. 
310. A. Dehnung von wortauslautendem v, j. 
1. Die auf -j (aus -jb) auslautenden nicht kompo- 
nierten Maskulina zweisilbigen Stammes haben bei der 
Betonung " in den obliquen Kasus im Nom. sg. ": böj 
böja, bröj bröja, gnöj gnöja, kräj kräja, räj räja, zmäj zmäja 
u. a. (s. § 234). Sie sind dort bereits behandelt und 
bemerkt, daß das Verhältnis von böj : böja aufzufassen ist 
wie das von bögiböga, d. h. die Länge auf der fallenden 



^310.311.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 199 

Intonation der Silbe beruht. Ebenso verhält es sich 
mit den Substantiven gleicher Art auf -v: köv, köva, röv 
röva^ tröv tröva (s. § 234), und mit krv gen. krvi. 

2. Bei steigender Intonation erwartet man das 
Verbleiben der Kürze. Das trifft auch zu in folgenden 
Fällen, bei auslautendem v: 

a) Bei den Adjektiven auf -ov (über die steigende 
Intonation der Formantien s. § 273), vgl. die Adjektiva 
auf -av, -iv, deren Kürze aus ursprünglicher Länge aber 
auf der steigenden Intonation beruht und bei denen v 
nicht dehnend gewirkt hat. 

b) Bei nicht komponierten Substantiven und 
Adjektiven: läv, növ, vgl. dazu z. B. gnjev, präv, siv, 
deren Kürze aus alter Länge auf steigende Intonation 
zurückzuführen ist und bei denen ebenfalls das v nicht 
-dehnend wirkt. 

c) Bei den Nominalkomposita mit altem Hoch- 
ton auf dem zweiten Element, vgl. Madndkov, mirökov, 
■dkov, ötkov, pbtkov^ sfarökov, pokrov (vgl. kröv kröva), prijerov 
(für '^prijerov, §296), ötrov^ j^^'^^'^oslov. Vgl. dazu in §§ 293, 
295 die Ausführung über die steigende Intonation des 
zweiten Gliedes dieser Zusammensetzungen und Beispiele 
wie vrtbglav^ pröljev, üsjev, pbplav, w'o die Kürzen aus 
alten Längen eintreten muGten wegen der steigenden In- 
tonation. Abweichungen sind scheinbar blägoslöv (söv) 
gen. hlugoslova, üsöv gen. üsova, pöpläv (neben pdplav); der 
Hauptton ' auf der ersten Silbe zeigt aber, daß hier das 
zweite Glied fallend intoniert war, die Dehnung also nor- 
mal ist. Über die Komposita auf -sav (aus -slav) siehe 
§§ 174 (3), 284. 

311. Dagegen sind die Verhältnisse bei aus- 
lautendem j anders, hier tritt auch bei steigender Be- 
tonung Dehnung des zweiten Gliedes der Komposita ein, 
so bei den aus silbiger Präposition und Nomen zusammen- 
gesetzten Substantiven auf -oj: Poböj gen. Poboja (und so 
der Gen. bei den folgenden), pödböj, prihdj, rdzboj, saboj, uboj 
(daneben w&oj; zboj zböja folgt dem nicht komponierten böj 



200 Betonung und Silbenquantität. [§311,312. 

hoja); rdzävöj gen. rdz(hoja; pdköj; polöj; ndpöj, vodopöjj. 
zdpöj; pr/pöj; povöj, zdvöj (während svöj gen. svöja wie 
oben ziöj). Davon sind mir als Ausnahmen bei Vuk 
nur begegnet: naboj gen. ndhoja, prijeboj, üboj, das werden 
Versehen sein (Ak. Wb. ndböj) 

Es gibt demnach eine allein auf der Stellung vor 
auslautendem j beruhende, von der Betonung unabhängige 
Dehnung. Das wird bestätigt durch folgende Betrachtung: 
die Bildungen auf -aj gen. -aja haben gemäß der General- 
regel (§ 273) ä, wenn dies nach oder vor altem Hochton 
liegt, z. B. lisäj gen. llsäja, nosäj gen. nösäja, obicäj gen. 
obicäja, beläj beldja, BUäj Bildja usw. ; dagegen Kürze, wenn, 
der Hauptton das a trifft, trotzdem hat der Nom. sg. (K 
das also nur auf der Stellung vor j beruhen kann, z. B. 
äläj älaja, Blägäj Blägaja, käläj kälaja, Käväj Kävaja, Ijubljäf 
Ijühljaja, Mägläj Mäglaja, Obljäj Obljaja, öläj olaja, Rözäj 
Rozaja; vgl. dazu gleichartig Becej Beceja, Begej Begeja;. 
rnj rnja, Ddbüj Ddbuja. Ausnahme bildet rätaj gen. rätaja 
(Vuk, als montenegrinisch). 

31S. 3. Es bleibt die Frage, ob es eine von 
der Betonung unabhängige Dehnung vor aus- 
lautendem V gibt. Nur die Substantiva auf -öv gen. 
-ova haben langen Vokal im Nom. sg., in den andern 
Formen Kürze. Die Betonung ist entweder durchgehend 
auf der ersten Silbe, oder ' im Nominativ auf der 
ersten, in den andern Formen auf der zweiten Silbe. Die 
Wörter sind zunächst Entlehnungen aus dem Magyarischen, 
von da aus ist das Formans dann zur Bildung von ser- 
bischen Stämmen aus verwendet worden, z. B. entlehnt 
dköv gen. dkova Eimer — niagy. akö, löpov gen. lopova — 
lopo (Partizip «stehlend», Dieb), saböv gen. sahdva — szabo- 
Schneider; von serbischen Elementen, z. B. bjelöv gen. 
bjelova Aveißer Hund — bw bijela, gäröv gardva schwarzer 
Hund — <7flr Rußfarbe, slütöv gen. slutöva Unglücksprophet 
— slütifi. Angeschlossen ist an diese Wortgestalten auch 
Jäköv gen. Jaköva .Jakob. Daß die Länge im Nominativ 
aus dem langen magy. -ö stammt, ist Avohl zweifellos. 



§ 312. 313.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 201 

eigentümlich ist aber die Kürze des o in den offenen 
iSilben (Gen. usw.), denn ein Hindernis gegen Formen 
wie *l62)ova *saböva besteht an sich in der Sprache nicht. 
Vielleicht beruht die Länge im Nominativ auf einem als 
ou aufgefaßten magy. o, das stark geschlossen ist. Bei der 
Auflösung eines solchen Diphthongen vor folgendem Vokal 
muß notwendig das o kurz sein, dagegen war ou in sich 
lang und die Länge verblieb auch bei der Aussprache -öv. 
Einfach wäre die Sache, wenn die Aufnahme solcher Bil- 
dungen aus dem Magyarischen sehr alt wäre; im 13. Jahrh, 
hieß es dort noch -ov -ou, im 14. schon -o, während in 
Kasusbildungen und Ableitungen noch -ov- erscheint. 
Nach Simonyis Annahme ist das o in -ov- der Ableitungen 
kurz, zwischen der ältesten Form -ov und der heutigen 
-6 des Nominativs setzt er die Mittelstufe ou an. Allein 
man kann aus der Zeit vor dem 14. Jahrh. keins der 
Wörter im Skr. belegen; die Belege (so im AkWb., so- 
weit dieses reicht) sind nicht älter nls das 18. Jahrh. 

313. B. Dehnung vor -je = -bje. 

Vor dem Formans -je = altem -bje wird die un- 
mittelbar vorangehende Silbe gedehnt, z. B. Kollektiva: 
pero Feder : perje, örali Nuß : öräsje, zfno Korn : zrnje, snöjy 
Garbe : snöplje; Bildungen aus Präposition und Sub- 
stantiv wie primorje (zu more) Land am Meer, Küste, 
zägörje (gora) Land hinter dem Berge, räzdölje {dö döla) Tal, 
podnöije (udga) was unter den Füßen ist, Fußschemel, 
prdcelje {celo Stirn) oberster Platz am Tisch; Verbal- 
abstrakta: stvorenje Schöpfung, Geschöpf (zu stvören ge- 
schaffen, von stvbriti); Abstrakta von Adjektiven: 
zdrävlje {zdräv) Gesundheit, veselje {veseo vesela) Lustigkeit. 
Von der Lage des Haupttons ist diese Dehnung ganz 
unabhängig. In Vuks Werken finden sich einige wenige 
Ausnahmen, namentlich unter den Fällen wie primorje 
(vgl. Untersuchungen über Quant. I, 79); von den dort 
verzeichneten Beispielen habe ich aber eine Anzahl mit 
Länge sprechen hören, so lespüöe, rdspüce (nicht hesptiöe. 



202 Betonung und Silbenquantität.. [§313.314. 

räspnce), hescjenje (nicht bescjenje), zdcelje (nicht zdcelje, vgl. 
oben pröcelje), pbsüäe (nicht pösucte), rdselje (nicht räselje) ; 
bei Vuk selbst steht räshrsöe neben rdskrsöe. Die Kürze 
dürfte überall durch die Länge zu ersetzen sein. 

Ist die betreffende Silbe schon im Grundwort lang, 
so bleibt sie vor -je so, z. B. düh Eiche : dühlje, list Blatt : 
lisöe, trenüce oder trenüöe Augenblick (vom Part, trenüf zu 
trenuti Auge zumachen). Über das gleichartige -tlja -älja 
s. § 275 (unter -alo). 

314. C. Dehnung der Vokale vor den Kon- 
sonantenverbindungen n, m, r, l, v, j -f" Kon- 
sonant. 

Alle solche Verbindungen sind im Skr., soweit es 
sich nicht um Fremdwörter handelt, entstanden durch den 
Ausfall von 3, 6 nach den Liquiden, Nasalen und v, j. 
Denn die ursprünglichen Gruppen n, m -\- Konsonant sind 
schon urslavisch verschwunden, vertreten durch Nasal - 
vokale oder Längen; die Gruppen or ol, er el im Skr. er- 
setzt durch ra la, re le, die Gruppen sr br, ü bl durch r, 
l (heute u) ; Verbindungen von v, j -\- Konsonant gab es 
urslavisch überhaupt nicht. 

Es ist eine allgemeine Tendenz des Skr., vor 
jenen Konsonantengruppen stehende, sonst kurze 
Vokale zu dehnen, sowohl die alten Kürzen o, e, a 
(als Vertreter vor 5, &) wie die kurzen Vertreter ursprüng- 
licher Längen: i (= i und ?/), c je (= e), e (= e), ü 
(= u und = a); so auch r. Diese Tendenz kann ge- 
hemmt sein und überschritten werden: 

1. Die Dehnung kann nach dem allgemeinen Gesetz 
nicht eintreten, wenn die Silbe mehr als eine Stelle vor 
dem alten Hochton steht (s. § 220). 

2. Die nach dem allgemeinen Satz zu erwartende 
Dehnung ist dadurch gehemmt, daß gewisse Formantien 
vor sich kurze Silben erfordern. 

3. Es gibt eine Anzahl Fälle, wo die Dehnung ohne 
findbaren Grund unterblieben ist. 



§ 314. 315.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 203 

4. Durch Übertragung kann die Dehnung auch vor- 
handen sein, wo die verlangten Lautverbindungen in 
andern Formen des Wortes nicht stattfinden. 

Es folgen Beispiele der einzelnen Vokale — aus der 
großen Zahl immer nur wenige zur Veranschaulichung — 
geordnet nach der Lage der alten Haupttonstelle. Zu 
Belegen können nur Fälle gebraucht werden, wo neben 
der Länge vor n, m usw. -|- Konsonant in andern Formen 
Kürze steht, nicht solche, wo zwar vor den Konsonanten- 
gruppen Länge steht, Länge aber schon im Grundwort 
vorhanden ist, weil ja hier dessen Länge einfach fest- 
gehalten sein kann, also Fälle wie pästirka : pästvr xxistira, 
Negötinka : Negotin, päzärm : päzär iMzqra usw. sind hier 
ausgeschlossen. 

315. L Die gedehnte Silbe steht in oder 
nach der alten Haupttonsilbe. 

1. Vokal o: 

Madedönka — Maceäbnija, nezäkönstvo — zäkon, obro- 
nak gen. obrönka, spönka — spöna, zäponac gen. zdponca. 

läkomac gen. läkömca, läkömstina, mömciti se — mö- 
mak, ödlomak gen, ödlömka, odlönicina, ömce fem. pl. (= 

ieskörka — köra, crnögorac gen. crnogörca, crnögörka, 
cetvörka — cetvoro, Eötörka — Kötor, mätörka — mätor, 
nägörkinja — gora, pästorak gen. pästörka, pästörka fem., 
pökörmk — pokora, pötvorstina — 2)oivöriti, präporac gen. 
präpörca, 2}rlmorac gen. prhnörca, 2^'^^^^iorkinja, sambtvoran 
fem. saniötvörna. 

hesölnica — so gen. söli, bivölce — bivö gen. bivola, 
bogömoljac gen. bogömöljca (und bogomöljac -möljca), dragd- 
voljan fem. dragövöljna, dobrövoljan fem. dobrdvöljna, glavb- 
boljan fem. glavöböljna, samövoljac gen. samövöljca, Stämbölkä 
— Stämbol. 

Duh'Qvka, Dübrovmk, Däbrövcanin ; Hercegövce, Hercegövka 
vgl. Hercegovac; Kösövka — Kosovo, Kösovac gen. Kösövca, 
pöpövstvo — pbpov, psövka — psbvati; sehr häufig sind die 
Wörter auf -ovac gen. -övca, z. B. Jasenovac gen. Jasenövca, 



204 Betonung und Silbenquantität. [§315.316. 

mukämedovac gen. muhämedövca, pöpovac popövca, Slsatovac 
Sisatvca. 

höjm höjnica — höj gen. höja, djevößa djevöjcin djevöj- 
citi, döjJca — dojiti, dvojka — dvoje, ndpöjmca — napöjiti, 
nästöjnik — ndstojati, obojak gen. oböjkn, poköjm pököjnik 
pököjnica — 2)bköj gen. pökoja, räzbojac gen. räzhöjca, zdvojak 
gen. zdvöjka, zndjak gen. znöjka. 

310. Weitere Übertragung der Dehnung. In 
den oben gegebenen Beispielen sind unberückeichtigt ge- 
blieben die Wörter, die in Formen mit den Verbindungen 
11, m, r, I, V, j -\- Konsonant die normale Dehnung 
haben, dazu aber in andern Formen vor einfachem n 
usw. ebenfalls langen Vokal zeigen, wie dövöljan fem. dö- 
völjna. Die Länge in dövöljan ist aber nicht rein lautlich 
entstanden, sondern durch Anschluß an die Form dövöljna. 
Sie ist auch an besondere Bedingungen gebunden, be- 
schränkt sich fast völlig auf den Nom. sg. msk. der Ad- 
jektiva auf -an (= bnö) und findet nur statt, wenn das 
Wort 1. mehrsilbig ist und alter Hauptton " auf die erste 
Silbe fällt, also nicht auf die in Betracht kommende 
Silbe; 2. wenn es zweisilbig ist und alten Hauptton^ 
eigentlich " (dies durch Anschluß an die Formen mit 
Dehnung ersetzt durch "), auf der betreffenden Silbe hat. 
Sind verschiedene Betonungen eines und desselben Wortes 
vorhanden, so wechselt auch Kürze und Länge im Nom. 
sg. msk., z. B. dragdvoljan fem. dragbvöljna und drägovöljan 
fem. drägovoljna. 

hücövan fem. bücövna (so das Fem. aller folgenden), 
därövan, dövöljan döbrovöljan (aber dobrbvoljan fem. dobrö- 
völjna) drägovöljan (und dragdvoljan fem. dragbvöljna) nevöljan 
jjövöljan nepovöljan sämovöljan zlövöljan — völja, dögovöran 
räzgovöran, dökölan, dremövan, drnövan, eljdövan, grömöran, 
gnjecövan, jädövan, jälövan, Ijnbövan, nevjeran (aber nevjeran 
mit unregelmäßigem fem. nevjerna, vgl. § 331), oblapöran 
öporan üpöran pödupöran, ödmöran umöran zlmomöran sümö- 
ran, ököran jwköran nepoköran preköran uköran, ölövan — 
ölovo, osöran, ötrövan, päsövnt, sllövan, stänövan, stärokövan 



§ 316 — 318.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 205 

(aber starokovan), sudövan, türövan, üdvöran, üsövan, vllövan, 
mnövan, vrätövan, zlrövan. 

göjan fem. göfna, tövan tövna. 

Dazu kommen einige Substantiva auf -anj (= -bm) 
unter den gleichen Betonungen : potpöranj zäpöranj, zävöranj, 
gen. -örnja, näJcövanj gen. -öv))ja ist nur auffällig durch die 
Betonung nä- statt nä-. 

Unregelmäßigkeiten sind ganz vereinzelt: cudötvöran 
(zu erwarten wäre cMotvöran) fem. cudotvörna; döstöjan fem. 
dostöjna AkWb. (bei Vuk döstöjan) ist nur durch die 
Länge des dö- auffallend, vgl. cech. düstojen. 

317. 2. Vokal e (= e und aus e) bratend pl. — 
gen. brätenäcä, gvozdenka — gvözden, jelence — jelen, klädenac 
gen. klädenca, pömenak gen. pömenka, Prizrenac gen. Prlzrenca, 
Prlzrenka — Prlzren, rämenak gen. rämevka. 

gornjözemac gen. gornjdzemca — zemlja. 

hlserce — blser, inövjerac gen. inövjerca, vnövjerka — 
vjera, jezerce Jezerkinja — jezero, kälucterstvo — käluder, 
perni — 2^^^('i sjeverni — sjever gen. sjevera, sestbperac gen. 
sestöperca. 

rdzdeljak gen. räzdeljka, rdditeljka — röditelj, ponedjeljak 
gen. ponedjeljka — nedjelja. 

dölevak (ddljevak) gen. döleoka {dölijevka), krdljevka — 
kräljev, Smederevka und Smederevka — Smederevo, Bränicevac 
gen. Bränicevca, Bränicevka — Bränicevo, cärevac gen. cärevca, 
krdljevac gen. krdljevca. 

dvejci pl. — gen. övejäkä. 

318. Übertragung der Länge auf Formen 
ohne die Verbindungen Liquida usw. + Kon- 
sonant; Bedingungen wie unter 1: cemeran fem. cemerna 
(und so bei den folgenden) — cemer, ceperan, druzevan, 
düsevan, kicevan, köcoperan, knjlsevan, pläcevan, temeljan — 
temelj, ücevan. 

gnjevan — gnjev, spremati — sprema, veran fem. venia 
(gewöhnlich vjeran mit unregelmäßigem fem. vjerna) — 
vjera. 



206 Betonung und Silbenquantität. [§318—321. 

Unregelmäßig ist starodrevan fem. starödrevna (zu er- 
warten wäre * starodrevan). 

319. 3. Vokal ä = urspr. a. 

cäkanac gen. cäkänca, cdhänce — cdban cobanin, Däm- 
jävJca — Dämjan, kätanac gen. kätänca, gäöänka — gen. pl. 
gäc'anäkä, onöstranac gen. onbstränca, onöstränka, östanah gen. 
ostänka, pijänka pijänciti — pljan, tänac gen. tänca. 

doramak gen. dorämka, öbrämnica — räme, slämha — 
slänia. 

Bugärce Bügärka Bürgärcica — Bkgar, cärstvo — cär, 
järac gen. järca; mägarac gen. mägärca, stärac gen. stärca, 
stärcev, tovarac gen. iövärca, tovärce tovärm tdvärnina — 
tövar. 

neväljalac gen. neväljälca, pälac gen. pälca, pddvalak 
gen. podvälka. 

crnoglavak gen. crnöglävha, cävka — gen. pl. caväkä, 
dünävka — Dünav, gübavac gen. gubävca, krästavac gen. 
krästävca, lükävstvo lükävstina — liikav, prävda — präv 
vgl. prävedan, Pomörävka — Mörava, slazävka — gen. pl. 
slümväkä, zaböravak gen. zabbrävka, zdglavak gen. zdglävka. 

kräjan fem. kräjna — kräj gen. kräja, Izdäjmk tzdäj- 
iiica — izdaja, ökrajak gen. ökräjka^ pökäjnik — käjati se, 
räjsM — räj gen. räja, sfäjnica — sfäja, mäjka (und mdjka) 

— gen. pl. mäjäkä. 

330. Übertragung der Länge wie unter 1. 
und 2.: 

Weiterbildungen mit -öws von Adjektiven auf -avCö) : 
bühävan fem. bühävna (und so bei den folgenden), döfu- 
pävan nedotupävan, kükävan, skrnävan; anders geartete : 
näopäran süJiopäran spar an — pära päriti, slävan — släva., 
sprävan — spräva, öprävan — öprava, preprävan — preprava, 
Isprävno adv. (Vuk; AkWb. Ispravan fem. Isprävna, richtig 
wohl Isprävan) — isprava, pömäman — pömama, zäborävan 

— zaböraviti, zähvälan — zähvala. 

321. 4. Vokal i =- i und = y. 
brätinac gen. brätlnca, Cetmjka — Cetinje, djedinstvo — ■ 
djedina, djetmci pl. — gen. djetinäcä, djetmstvo, dobröcirmc 



§321—323.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 207 

gen. dobrbcmca (und dobrocinac -einen), mätennstvo — mäte- 
rin, näsinac gen. näsinca, oiäsmstvo, pösinak gen. pösinka, 
slnak gen. sinka. 

brätimstvo pobratimsivo — pöbratim, mezimac gen. me- 
zlmca^ sredozimci pl. — gen. sredözimäcä. 

Izbirak gen. hhirka, slrac gen. sxrca, zirka gen. pl. 
zlrakä. 

bösüjah gen. hdslljka, jnlac gen. pilca, sestökrilka vgl. 
sestökrül. 

Ijenivac gen. Ijemvca, slvac gen. sivca. 

Ändrijca — Ändrija, kütljca — kictija, Märljca — Mä- 
rija, bedevljce — bedevija. 

S22. 5. Vokal u = u, = p, = il, hl vor Kons. 

jyodsunac gen. pbdsünca (u = ^l, vgl. sÜ7ice = *shlnhce 
Sonne). 

jednöumac gen. jedndümca, pnkumak gen. prlkümka. 

Surac gen. Bürca, kürva — gen. pl. kürävä, Türci pl. 
— gen. Türäkä. 

dulac gen. dülca. 

hzbljuvdk gen. tzbljüvka, näzuvak gen. näzüvka. 

öziijak gen. özüjka, Volujac gen. Völüjca, rüjno vlno — 
rüj rüja. 

Übertragene Länge, wie unter 1, 2, 3: büran fem. 
bürna — Mira. 

323. 6. Vokal a = ^, h. 

blatänce (= *blatbnbce) — blätan fem. blätna zu bläto, 
blizänka zu altem bllzan fem. bllzna = blizwvb, Bösänka — 
Bosna {^= Bosbna), dänak (= dhnhk^) gen. (?awÄ;a — ffe??6, 
tzdanak gen. izdänka jyödanak gen. pödänka zu rfwo = rf^wo 
Boden, sawafc gen. .säwfca — san snä = shm shna, öpanak 
(=z ophn^k^) gen. öpänka, süzänjstvo (und süzanjstvo) = 
sqzbnbstvo. 

pdvesämce ^= '■^povgsbmce {b Einschubsvokal) — pövesmo, 
üjamak {= '^^(jhm^k^) gen. üjämka. 

jütärce (= *jutbrce, b Einschubsvokal) — jütro, nje- 
därca pl. {=^^nedbrca, h Einschubsvokal) — njedra, süpär- 
nik siipärnica = sqphrbnik^ -nica. 



208 Betonung und Silbenquantität. [§ 323—825. 

zäravanak gen. zäravänka, mrtävstina — mrtav (a = i 
Einschubs vokal) fem. mrtva, 

Übertragene Länge wie unter 1, 2, 3, 5: Ijübävan fem. 
Ijübävna = ljub^vbnö. 

334. 7. Vokal r. 

(jrnac gen. grnca, zfnce = zfno, ökrnjak gen. okrnjka. 

pästrmka — ijästrma, prekrmak gen. prekfmka, zdrmnji 
pl. — gen. zdrmänjä. 

östrvce — ostrvo, vPvca. 

Übertragung der Länge wie unter 1, 2, 3,5,6: iiillo- 
kfvan fem. mllokrvna — kfv gen. krvi 

S25. II. Die gedehnte Silbe steht eine Stelle 
vor dem alten Hochton, hat also jetzt den Akzent '. 

1. Vokal 0. 

konac gen. konca pl. könci, Ibnac gen. lönca pl. lönci 
Ibvac gen. lövca pl. lövci, novac gen. növca pl. növci, övan 
und övan, mit übertragener Länge aus gen. övna, ovas 
gen. övsa, pokrövac gen. pokrövca, sinövac gen. sinovca, pojac 
gen. pöjca. Dieser Wechsel zwischen Kürze in der offenen, 
Länge in der geschlossenen Silbe ist aber selten, gewöhn- 
lich hat die offene Silbe im Nom. sg., durch Über- 
tragung aus den anderen Formen, ebenfalls die 
Länge, z. B. : 

Macedönac gen. Maöedonca — Maöeddnija, övan (und 
övan) gen. ovna. 

lakömac gen. lakömca (und läkomac läkömca), lakömstvo, 
potömak gen. potömka — pötoni. 

görak fem. görka best. Form görkl adv. görko, skvorac 
gen. skvorca, tvorac gen. tvorca, pokörnöst — pököran fem. 
pökörna, upörnöst — üpöran fem. üpörna, zimomörnica — 
zlmomöran. 

äavolak gen. davolka, davölce, davolstvo, Stambölac gen. 
Stambolca, zadovoljnöst nepovöljnöst — zädovöljan pövöljan 
fem. -völjna, bogomoljac gen. -moljca (und bogdmoljac gen, 
bogömöljca). 

bogoslovac gen. -slövca — slövo, caslovac gen. -lövca 
Schüler, der lernt aus dem caslovac gen. cäslövca (Art 



§ 325 — 329.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 209 

Lesebuch), jalovac gen. -lovca — jälov, gövno pl. gövna gen. 
pl. gövänä, övca pl. övce gen. pl. ovdcä, Karanovcanin (und 
Käranövcanin) — Käranorac gen. Käranövca, zirövnica — 
Mrövan, slovce — slövo. 

vojslca akk. vöjsku. 

3!36. 2. Vokal e\ Fälle von Wechsel zwischen Kürze 
und Länge, wie unter 1. bei o, scheinen hier nicht vorzu- 
kommen. 

grebenac gen. -henca — greben gen. grehena, jelenak 
gen. jelenka — jelen, prsUnak gen. prstenka — jrrsten gen. 
prsfena, shtdenac gen. -denca — siüden. 

tudozemac gen. tuäozemca — zemlja. 

djeverak gen. djeverJca — djever djevera, djeverstvo, 
kaliuterak gen. -derka, kaluderce — kälucter, vjernöst — vjeran 
vjerva und veran verna. 

celac gen. celca — cela {= 2)cela), prijateljstvo — j;n- 
jatelj, nedjeljak gen. -djdjka — nedjelja. 

Sarajevac gen. -j^ca — Sarajevo, Smederevac gen. 
Smedere'vca — Smederevo. 

327. 3. Vokal a = a. 

Jabdnac gen. jabänca — jabäna, pijdnac gen. pijdnca — 
pljan, jjijdnstvo^ pogdnac gen. pogänca, pogdncina pogdnstma 
— pögan. 

hobdrac gen. bobdrca — böbara, stdrac sfdrca alter Wein- 
berg (vgl. stärac stärca Greis), nevaljdlstvo nevaljdstina — 
neväljno fem. neväljala. 

Dwidvac gen. Dundvca — Dunav Dünavo, prdvac gen. 
prdvca — präv. 

328. 4. Vokal i. 

dobrocinac gen. -clnca (und dobröcinac gen. dobrdcinca), 
zlocinac gen. -cinca, dobrocinstvo zlocinstvo — ciniti, Jago- 
■dinac gen. -dinca — Jägodina, iivince — zivina. 

Jerusalimac gen. -limca — Jerusalim. 

siljak gen. siljka — silo. 

329. 5. Vokal u. 

kostünjak gen. kostünjka — köstunj, paünce — pmm, 
.kosüljac gen. kosüljca — kösulja. 

L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. . 14 



210 Betonung und Silbenquantität. [§ 329. 330. 

6. Vokal a = ■&, h. 

Bosänac gen. Bosänca — Bösna (= Boshna), sdvac 
(= shvhcb) gen. sävca. 

7. Vokal r: hfviio — gen. pl. hrvänä. 

330. C. Die Dehnung ist, obwohl die rein 
lautlichen Bedingungen vorhanden sind, unter- 
blieben. 

1. Sie unterbleibt vor gewissen Formantien: 
Vor -shi (aus -bs1i^, bestimmte Form -hsJcyjb). Die 
Neigung, vor diesem Formans die mit n usw. -\- Konso- 
nant schließenden Silben ungedehnt zu haben, geht so 
weit, daß selbst, wo das Grundwort an der betreffenden 
Stelle eine lange Silbe hat, diese oft verkürzt wird, z. B. 
günjski — günj gen. günja, jäblamki — jäblän, jenjicarsM — 
jenjicär, mäcUarski — mädzär, mlsarski — Mlsär, namästirski 

— nämastfr, negdtinsM (und negofrnski) Negotrn, ömoljski (und 
ömoljski) — Omölje, önomlanjski preklanjski — önomlänT pre- 
kläm, pekarski — pekär, preködrinskt — - Drina, pljacarskT — 
pijacär, sremsM (und srljemskf) — Srem Srijem, räfarskl — 
rätär, stränski önostranski övostranski — strdna, swarskJ — 
sicär, svlnjski — svinja, zeniünski — Zhnün. Es kommen 
jedoch auch Fälle von Dehnung vor, z.B. jesenski — jesen 
jesena, jövmiski — Jövan, päströvski — Päsirovici, pomorävski 

— Mdrava, tövärski — tovar, tstinski — Istina, pläninskl — 
plänina, smjskt — Slnj, senjsM — Senj, cärski — rar. INIehr- 
mals sind Doppelformen verzeichnet, vgl. außer den oben 
angeführten noch dünävsM und dhnavski — Dünav Dhmvo^ 
erdeljski und erdeljski — Erdelj\ prhnörski und prhnorski 

— prhnörje, resävskl und resavskl — Resava, sibinjskl und 
stbinjski — Slbmj, lätinski (so gewöhnlich, auch Ak. Wb.) 
lätinski Vuk — latinin. Regelmäßig erscheint Dehnung nur 
bei der Verbindung Vokal -j-J, z. B. nd^jskl — ndija, sen- 
iändnjskt — Andrija, späijsM — sijciija, blägäjski — Blagäj 
gen. Blägaja, Kaväjski — Käväj gen. Kävaja, räjski — räj 
räja, svöjskt — svöj fem. svoja. In Vuks Wörterbuch sind 
reichlich 220 Beispiele solcher Adjektiva verzeichnet, da- 



§330.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 211 

von nur der neunte Teil mit Dehnung vor den betreffenden 
Lautverbindungen . 

Beispiele von Beibehaltung einer Kürze des Grund- 
worts, wie sie bei jeder Art Betonung des Wortes vor- 
kommen kann: däkonski — äcikon; crnögorsJcl, kosovsM; 
prlzrenski — Prlzren, zhisM — zena, jelenski — jelen, do- 
njözemsM — zemlja, berberski — berber, jezersM — jezero, 
selski — selo, vräcevski, dganski — clganin, pbganski — 
jjögan, rämsM — Räm, bügarski — Bügar, skädarski — Skädar, 
gfbaljskl — Grbalj, fämnavski — Tämnava; brätinski — 
brätin^ cetinsM — Cetina, cetinjskt — Cetinje, Jiecimski — 
hecim, divski — dlv; häurski — Tcäurin, rümski — Büma, 
podrumski — pbdruni; krmski, östrvski — östrvo. 

Vor Formans -cäd bleiben die Silben ausnahmslos 
ungedehnt ; wo das Grundwort Länge hat, tritt Verkürzung 
ein, z. B. kümcäd — küm, pastircäd — pästir, dncarcäd — 
dncär, bügarcäd — Bügar, cöbancäd — coban, lätincäd — 
latinin, vgl. lätinskl und lätinski lätince, mömcäd — momak, 
päuncäd — pjäun, sömcäd — som. 

Vor Formans -ci6 fast durchgängig ebenso, z. B. 
Ivänciö — Ivan, järciö — jarac järca, jünciö — jünac, ka- 
mencic — kämen gen. kämena, nazlmcic — näzimac gen. 
näzimca, stärcic — starac gen. stärca, oböjcic — bbojak gen. 
öböjka, ijriglävciö — prtglavak gen. prlglävka. Nur ver- 
einzelt kommt Länge vor, so loncic — lonac lönca, növciö 
— növac novca, köncic — konac konca, tövärcid — tovärce, 
cävciö vgl. cävka^ offenbar durch Anschluß an die Längen 
der Grundwörter. 

Vor dem possessiven Doppelformans -ovljev ebenso, 
z, B. drozgövlji — drözak drözga, kosovlji — kös, muzevlji — 
müzev milz, sindvlji ■ — stnov sin; auch vor -Ijev, wenn 
dies an Substantiva anf -öv ova tritt, z. B. bjelbvljev — 
bjelöv bjelova, garbvljev — gäröv gärova, birovljev — biröv 
hirova. 

Vor Formans -Ijiv, z. B. crvljiv — crv, dhnljiv — dim, 
gnjevljiv — gnj^^v, gusärljiv — güsär, nemärljiv — neniär, 
zdzorljiv; eine Ausnahme macht bsörljiv. 

14* 



212 Betonung und Silbenquantität. [§330.331. 

Vor Formans -cät, -cU : gölcät, nbvcät növclf^ pravcät, 
püncät pünclt, zdravcit. 

Eine Betrachtung anderer Formantien nach dieser 
Richtung ergibt kein sicheres Resultat, da entweder keine 
oder zu wenig Beispiele mit den in Betracht kommenden 
Lautverbindungen vorliegen. 

331. 2. Etwaiges Unterbleiben der Dehnung 
aus Ursachen der Betonung. 

Die Beispiele auf -cäd zeigen, daß dort bei jeder Art 
Betonung die Dehnung unterbleibt, z. B. künicäd bügarcäd 
lätincäd, daß also das Unterbleiben von der Formation 
des Wortes abhängt. Ferner ist aus den Ausführungen 
§ 3 15 fg. ersichtlich, daß Dehnung sowohl in und nach 
altem Hauptton wie vor ihm eingetreten ist. Dennoch 
kann man aus gewissen Vorkommnissen entnehmen, daß 
eine, freilich in der überlieferten Sprache vielfach ver- 
dunkelte Beziehung der Dehnung zu der Lage des Haupt- 
tons besteht, und zwar derart, daß bei Stellung der be- 
treffenden Silbe vor altem Hauptton die Dehnung sehr 
oft vermieden wird. 

Das Formans -ina erfordert vor sich Kürzen (s. §276); 
Dehnung der Silben mit w, m usw. -j- Konsonant tritt ein, 
wenn sie unter oder nach altem Hauptton stehen^ unter- 
bleibt, wenn vor ihm, z. B. odlömcina — ddlomak gen. ö^- 
lömka^ läkömcina — lakoniac gen. lakömca, säljwcina — 
säljivac gen. säljivca; dagegen opäncina — bpanak gen. 
öpmika, pokrövcina — pökrovac gen. pdkrövca, njemcina — 
nijemac gen. nijemca. — Vgl. ferner bei Formans -ak, = 
-^k^, -'bk^, zhöjak gen. zböjka, sänak gen. smika, shiak gen. 
smka, zglavdk gen. zglävka, mit böjak gen. hdjka, cändk gen. 
cänka, mömak gen. momka, lövak gen. lövka. — Bei Formans 
-sM vgl. büdimski und budimski, bünärski und bunärski, dü- 
nävski und dunävski, snjemskt und sremski, zemünskl und 
zemünski. — Bei Formans -ba unterbleibt die Dehnung, 
wenn der alte Hauptton auf dem Ende lag, so börba, 
dvöjba, dvörba, körba, terba, hhnba, klnjba, pärba {^ pwhba), 
senba\ dagegen svöjdba. Das eine kdrba (neben kbrba) stimmt 



§ 331 — 334.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 213 

nicht, durch Anschluß an Mrati. Vgl. zu diesem Abschnitt 
Untersuchungen I, S. 101, 115, 118, 130, 134, 138, 139, 
145, 156, 157, 164, 168, 205. 

33!^. 3. In einer gewissen, aber im Verhältnis ge- 
ringen Anzahl von Fällen unterbleibt die Dehnung, ohne 
daß eine Ursache im Formans oder in der Betonung zu 
finden ist; z. B. Idvnl (aber nelövni), nevoljnik neben nevoljan 
fem. nevöljna, blsernl — User, pjevak gen. pjevka, Särajevce 
Särajevka — Sarajevo (vgl. dazu Sarajevac), stlan sllna, säjak 
gen. säjka, tänak fem. tanka u.a.; im ganzen habe ich 
bei Vuk ca. 100 derartige Beispiele gezählt, gegen die Ge- 
samtheit der oben behandelten eine ganz geringe Minder- 
zahl; zum Teil sind auch die Angaben schwankend, z. B. 
gromovni und grömövm, ähliovmk (Vuk), aber gesprochen 
wird auch düliövrnk (in Ragusa duhovnlk), knjUevmk (Vuk), 
gesprochen auch knjlzevmk (vgl. knjUevan). 

VI. Über dialektische Betonung im 
stokavischen Mundartengebiet. 

333. Vgl. dazu M. Resetar, Die serbokroat. Betonung süd- 
westlicher Mundarten (Schriften der ßalkankommission, ling. Abt. 

1, Wien 1900); dazu Anzeige von Sachmatov in Izv. VI, 1, 339. — 
A. Belic, Dialektologiöeskaja karta serbskago jazyka (Sbornik po 
.Slavjauovedeniju II, St. P. 1905). — Resetar, Der stokavische Dia- 
lekt (Schriften der Balkankommission, ling.Abt. VIII, Wien 1907); 
Anzeige von Belic im Rocznik slav. I (1908), 184. — Belic, O 
srpskim ili hrvatskim dijalektima (Glas srpske ak. LXXVIII, 

2. razr., Belgrad 1908); hier werden auch die Schriften über Lokal- 
mundarten angegeben, ich verweise darauf, da hier nicht jede 
Abhandlung, in der Abschnitte über mundartliche Betonung vor- 
kommen, genannt werden kann. — Resetar, Zur Frage über die 
Gruppierung der serbokr. Dialekte, ASlPh. 30 (1909), 597. — 
Belic unter gleichem Titel in bezug auf Resetars oben angeführte 
Abhandlung, Roczn. slav. III, 283. — Jvsic, Prilog za slavenski 
akeenat, Rad 187 (1911), 133. 

334. Es ist schon oben (§ 212) bemerkt worden, 
daß nicht alle stokavischen Mundarten in der Betonung 
auf der Stufe der von Vuk festgelegten herzegovinischen 
stehen. Abweichungen von diesem Typus bestehen teils 



214 Betonung und Silbenquantität. [§ 334—336. 

in bestimmten mehr oder minder genau abgrenzbaren 
stovakischen Mundartengruppen, teils zerstreut innerhalb 
des Gesamtgebiets der neueren (Vukschen) Betonungs- 
weise. Dabei kommen selbst auf kleineren Gebieten Über- 
gänge, Durchkreuzung und Nebeneinander verschiedener 
Entwicklungsstufen vor, und es wäre unmöglich, ohne 
eine ganz ins Einzelne gehende Darstellung, die hier aus- 
geschlossen ist, eine Anschauung zu geben auch nur von 
dem durch neuere Forschungen einigermaßen sicher Fest- 
gestellten. Für manche Lokalmundarten liegt überhaupt 
kein genügendes Material vor und die Aufstellungen ver- 
schiedener Forscher weichen zuweilen voneinander ab. Ich 
muß mich daher hier beschränken auf einige allgemeine 
Angaben, die vielleicht für die Geschichte der Betonungs- 
typen in Betracht kommen, und auf einige Beispiele, im 
übrigen auf die genannten Schriften verweisen. 

3«t5. Die Besonderheiten gegenüber dem 
Vukschen Typus (dabei ist abgesehen von den Prizren- 
Timok-Mundarten, die übrigens die alte Betonung erhalten 
haben). 

1. Die alte Haupttonstelle ist in allen Fällen 
bewahrt. Das kommt in weit voneinander abliegenden 
Teilen des Sprachgebietes vor, so ganz im Süden, im süd- 
lichen und östlichen Montenegro, im Gebiet der Kuci, 
Piperi, Bratonoziei, Vasojevici, um die Bocche di Cattaro 
südlich von Perasto, z. B. sena, zimä, iivinä, pletem pletes, 
zlvim Zivis, kopmri, Beispiele aus Prcanj (Perzagno). Ferner 
im Norden an der linken Seite des unteren Unatals von 
Kostajnica an und in dem sich anschließenden linken 
Savagebiet bis 2upanje an der Sava, z. B. fäla, rükä, 
näröd, Ijüdi, drii, die Beispiele aus Resetar, Serbokr. Bet. 

336. 2. Alter Hauptton bleibt unverändert 
auf langer Silbe. Dieser Typus läßt sich in zwei 
Untertypen zerlegen: 

A. Alter Hauptton auf langer Silbe wdrd bewahrt, 
z. B. neprävda, vode; alter Hauptton auf kurzer 
offener (ungedeckter) Endsilbe wird zurück- 



§336.337.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 21-5 

gezogen. Trifft der neue Hauptton eine Länge, so hat 
diese steigende Intonation, daher z. B. svila aus svlla 
{lokal dafür auch tollende Intonation svlla); trifft er eine 
Kürze, hat diese in der Regel fallende Intonation, sesfra aus 
^estra (seltener steigend sestra). Alter Hauptton bleibt er- 
halten auf kurzer innerer Silbe und gedeckter Auslautssilbe, 
z. B. lopäfa, jez'ik. Dieser Typus ist nach Resetar eben- 
falls in getrennten Teilen des Sprachgebiets zu finden: im 
Süden, in Montenegro, bei den Ozriniei, Zagarcani, Ro- 
manik zum Teil auch bei anderen, Bjelopavlici, Vasojevici, 
wo er gemischt mit dem T^'pus 1 erscheint. Aber auch 
im Norden in demselben Gebiet (Unatal), das unter 1. 
genannt wurde. 

B. Alter Hauptton bleibt auf langer Silbe 
bewahrt, wird von kurzen Silben jeder Art 
{offener und geschlossener Endsilbe, innerer 
Silbe) zurückgezogen. Fällt der neue Hauptton auf 
«ine Länge, so ist diese steigend ('), fällt er auf eine Kürze, 
so kann diese sein: 

a) steigend intoniert; so nach Resetar in Teilen Bos- 
niens, der Herzegovina und des Bezirks Ragusa, z, B. 
{aus Maglaj) junak, Jcoväc, gen. vode, izmisljivä, zapUe^ vodöm, 
dagegen svila, ihia, sestra, poiok. 

b) Die Kürze ist nicht wie bei Vuk steigend ('), 
sondern fallend C^) intoniert. Dieser Typus herrscht in 
den Kosovo-Resava-Mundarten, z. B. neprävda, oränje, sene 
gen., zove 3. sg. ; aber zima, rüka (aus zlmä, rükä); däska, 
iena, nd(ja (aus daskä, ienä, noga), pötok aus iwtök, die 
Beispiele aus Belic. 

337. Das Gemeinsame der Typen 1 und 2 ist die 
Bewahrung des alten Haupttons auf langer, die Zurück- 
ziehung von kurzer Silbe, wenn diese auch nicht in ganz 
gleicher Weise. Es fragt sich nun, ob man aus den jetzt 
tatsächlich vorhandenen Typen eine ihnen entsprechende 
geschichtliche Entwicklung bis zum Abschluß der Bewegung 
in der herzegovinisch-vukschen Betonungsweise ableiten 
kann, Resetar (Bet. südw. M. 12) ist dieser Ansicht; er 



216 Betonung und Silbenquantität. [§ 337. 338. 

nimmt an, daß der alte Hauptton zuerst zurückgezogen 
wurde von kurzen offenen Endsilben (s. o. 2A, §336); dann 
von kurzen inneren und von gedeckten auslautenden Silben 
(s. o. 2 B), zuletzt von langen Silben (Vuksche Betonung). 
Demnach an Beispielen gezeigt: erste Stufe svila sestra 
(sestra) aus svUa sestra, bestehen bleibend lopäta, näröd, 
neprävda vode; zweite Stufe sv'da sestra {sestra) wie in 
der ersten, weitere Entwicklung Ibpata (lojMta), ^;ötofc 
(pötok), ndrod aus lopata j)otdk, näröd; dritte (letzte) 
Stufe svila sestra lopata ndrod pötolc, und neu hinzu- 
kommend oieprävda vode. 

338. Zunächst wird man annehmen, daß in den 
Mundarten, die einen auf kurze Silbe zurückgezogenen 
Hauptton fallend intonieren, diese Intonation erst aus 
älterer steigender umgesetzt ist, wie es sicher der Fall ist^ 
wo dialektisch eine durch Zurückziehung des Haupttous 
neu betonte Länge fallend intoniert wird, z. B. sv'da für 
svila aus svila. Der Unterschied zwischen fallender und 
steigender Kürze ist gering im Vergleich zu dem zwischen 
fallender und steigender Länge, kann daher leicht zu- 
gunsten fallender Intonation verloren gehen. Mir scheint 
Resetars Hypothese soweit völlig annehmbar, daß die Zu- 
rückziehung des alten Haupttons die langen Silben zuletzt 
betroffen hat. Die auch von ihm hervorgehobene Schwierig- 
keit besteht darin, daß man nicht erkennt, warum die 
Zurückziehung bei kurzer ofifener Endsilbe früher statt- 
gefunden haben soll als bei innerer oder gedeckter aus- 
lautender Kürze. Vielleicht löst sich der Widerspruch so^ 
daß es sich bei der angenommenen ersten Stufe nicht 
eigentlich um Zurückziehung handelt, sondern um schwe- 
bende Betonung, also svllä sestra. Ich glaube früher be- 
obachtet zu haben, daß vor ungedeckten Auslautssilben 
mit altem Hauptton die unmittelbar vorangehenden einen 
besonders starken Nebenton haben, stärker als vor anders 
gearteten altbetonten Kürzen; vgl. dazu die Bemerkung 
Resetars aO. S. 22 über die montenegrinische Mundart 
der Piperi, «die auch in offener auslautender Silbe den 



§ 338 — 840.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 217 

alten Akzent erhalten, insofern sie ihn nicht wie die erste 
Gruppe» (d. h. die svüa betonende) «ersetzen, wo man 
also neben svila auch svüa, bzw. die Doppelbetonung svilä 
hören kann». Ist meine Beobachtung richtig, so kann 
man die Ansetzung der ersten Stufe ganz entbehren, denn 
sie ist eigentlich noch die alte Betonung, und die Be- 
wegung der Betonung hätte sich dann so vollzogen: 1. Zu- 
rückziehung des alten Haupttons von allen Kürzen ; 2. Zu- 
rückziehung auch von langen Silben. Zu dem gleichen 
Resultat kommt im wesentlichen auch Belic (Roczn. slav. 
III, 299), nur daß er die Zurückziehung des alten Haupt- 
tons auf eine Kürze, wenn der neue Hauptton fallend (") 
ist, als unmittelbar so gestaltet ansetzt. Dabei braucht 
man nicht zu zweifeln an der Richtigkeit von Resetars 
Beobachtung, daß es Mundarten gibt, die svüa sestra neben 
lopata näröd betonen (seine erste Stufe); der starke Neben- 
ton in svüa sestra hat dann eben den alten Hauptton 
überwunden, aber man ist nicht genötigt, diese Erscheinung 
als eine Vorstufe zu der Vukschen Betonungsweise anzu- 
setzen. 

Zur cakavischen Betonung. 

339. Ant. Mazuranic, Slovnica hrvatska. 4. Aufl. Agram 
1859 (diese Aufl. hat viele Druckfehler). — D. Nemanic, Caka- 
visch-kroatische Dialektstudien. I. Akzentlehre (enthält Nomina, 
Pronomina, Adjektiva, Zahlworte, Partikeln; das Verbum fehlt), 
«itzungsber. der Wien. Ak. phil.-hist. Kl. Bde. CIV, CV, CVIII; 
vgl. dazu Jagic, ASlPh. 7, 490. — Belic, Zametki po cakavskim 
govoram (wesentlich die Mundart von Novi im kroat. Küstenland 
darstellend), Izv. XIV (1909), H. 2. 

340. Da die steigende Intonation der heutigen 
Haupttonsilben des btokavischen (' ') durch die Versetzung 
des alten Haupttons auf die vorangehende Silbe bedingt 
ist, können die cakavischen Mundarten, die diese Art 
der Zurückziehung nicht kennen, auch keine der stoka- 
vischen unmittelbar gleichzusetzende steigende Intonation 
haben. In der Tat fehlt ihnen ' völlig und muß fehlen, 
weil wie im ötokavischen ursprünglich fallende und 



218 Betonung und Silbenquantität. [§340.341. 

ursprünglich steigende Intonation kurzer Silben in 
fallende zusammengefallen sind. Dagegen ist sie vorhanden 
auf langer Silbe ('). Vgl. Resetar, Alter steigender Akzent 
im Serbischen, ASlPh. 17, 192, dazu s. 19,568; Sachmatov, 
Izv. 6. 1, S. 339fg. ; Belic, cakavskome ', Jagic-Fest- 
schrift, S. 449. Das Problem ist, wie die steigende Into- 
nation des Cakavischen zu deuten sei. 

341. Die bisherigen Aufzeichnungen cakavischer 
Mundarten bieten kein vollständiges Material; die meisten 
leiden auch daran, daß die Intonationen nicht sicher be- 
stimmt sind. Daher ist es nicht möglich, über das ge- 
nannte Problem zu einem abschließenden Urteil zu kommen. 
Ich beschränke mich deswegen darauf, an der Hand des 
von Belic (Zam. po cak. gov.}, der die Akzente " ' " ge- 
nau unterscheidet, beigebrachten Materials aufzustellen, 
was mir sicher oder wahrscheinlich scheint. Auch werde 
ich nicht jeden einzelnen Fall behandeln, sondern mich 
an die reihenweise vorhandenen gleichartigen Fälle halten. 
Es ist dabei zweckmäßig, die flexivischen Endsilben von 
den anders gearteten AVortsilben zu trennen. 

A. Nichtflexionssilben. 

Ihre steigende Intonation beruht auf verschiedenen 
Vorgängen: Kontraktion zweier Silben, deren zweite den 
Hauptton trug; Dehnung einer alten steigenden Kürze; 
alte (nicht mit der stokavischen zusammenhängende) Zu- 
rückziehung des ursprünglichen Hochtons auf eine voran- 
gehende Silbe. Im einzelnen: 

I. Steigende Intonation findet statt, wenn 
zwei Silben, deren zweite den Hauptton " hat, 
zusammengezogen werden, z. B. hat = bojat, häli = 
hojali, vätok = va ötok; smet se = smejat se, dvdjset = 
dvaeset (stok. dväest). Die Sache ist selbstverständlich und 
wird bestätigt durch den umgekehrten Fall: hat die erste 
der beiden Silben den Hauptton, so hat die kontrahierte 
fallende Intonation, z.B. vet = vejat, jedanäjst = jedanäest, 
päs = pöjäs, väko = vä-oko, kopämo vgl. r. kopajem, mnin 



§341 — 343.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 219 

^lm^s aus umejq umejesb usw., vgl. dazu die bestimmte 
Flexion der Adjektiva, z. B. novl vovöga fem. novä usw. 

34S. II. Wenn eine ursprünglich lange Silbe durch 
alte steigende Intonation verkürzt ist, also einst zur stei- 
genden Kürze wurde, so ist diese, wie § 340 bemerkt, durch 
fallende ersetzt worden, also z. B. gen. bräta (nom. brät) 
nicht verschieden von böga (alte fallende Kürze, nom. bog) 
und auch nicht von böb (alte steigende Kürze *&o&, gen. 
boba). Der Unterschied tritt aber wieder hervor, wenn im 
Cakavischen die Kürzen durch irgendwelche Lautverhält- 
nisse gedehnt werden, dann wird alte steigende Kürze 
wieder zu steigender Länge, alte fallende Kürze zu fal- 
lender Länge, z. B. zu gen. konjä nom. könj statt '''Jcdnj 
(stok. könj), zu gen. böga nom. bog (wie stok.), zu nom. 
starac gen. sidrca (stok. sfärca). 

343. Solche Dehnung kurzer Silben geschieht 1. in 
Endsilben vor auslautendem j, n n, l t, ni, r (nicht vor 
v), daher z.B. krdj gen. kräja, kl' in gen. kl' Ina, dm gen. dhna, 
sir gen. slra, cur gen. cara, mil fem. mila, pnn fem. 2mna 
(stok. krüj, Dehnung wegen j, kUn, dhn, slr, cär, mm, pün), 
odahnid fem. odahnüla, kopäl fem. kopäla, zelel fem. seUla usw. 
— moj (stok. möj) fem. moja, instr. sg. krovon (zu krov 
krovä), debel fem. debela (stok. debeo debela), zelen fem. ze- 
lenä (st. zelen zelena), prisäl fem. prislä, 1. sg. präs. incen 
2. peces, Part, pecen fem. p)ece7ia. — perje (st. perje), go- 
voreni (st. govörenje), primorfi (st. prhndrje). 

2. In Nichtend Silben, vor den Verbindungen j, l, 
r, in, n -\- folgendem Konsonanten und vor Kons. + / = 
altem -bj- (wie stok.), z. B, strina (st. strma) = ^stnjna, 
divöjka (st. djevöjka) aus '■■'■devöjka, palac gen. pdlca, bisernica, 
bärka (st. bärka), Briblrac gen. Bribirca, naramak gen. na- 
ränka (st. naramak närämka), kl'lnac gen. kl'inca (st. klmca). 
Hierher gehören auch die Imperative wie pij pijte {pi, 
pite), küj küjte, kopdj kopdjte statt '■'plj, *küj, "•'kopaj, zu den 
Kürzen vor den Personalendungen vgl. päVl pcdUe, pist 
plsife. 



220 Betonung und Silbenquantität. [§343—345. 

In diesen Fällen (II. 1, 2) hat das Cakavische inso- 
fern alte Verhältnisse bewahrt, als eine ältere steigende 
Kürze zugrunde liegt. 

344. Vermutungsweise rechne ich zu diesem Ab- 
schnitt II auch die steigende Intonation der vorletzten 
Silbe von Nominativen plur. neutr. Nach der Angabe von 
Belic, Zam.41, hat bei einer größeren Anzahl meist zwei- 
silbiger Neutra das Cakavische den alten Wechsel des 
Haupttons zwischen endbetontem Singular und wurzel- 
betontem Plural in manchen Fällen bewahrt, z. B. celb 
cela, perö pera, selb sela, veslö vesla (vgl. dazu das Russ. 
und Stokav.). Ist die Wurzelsilbe kurz, so kann man in 
ihrem Akzent '' an sich nicht unterscheiden, ob die In- 
tonation steigend oder fallend war; daß sie aber ehemals 
steigend war, zeigt die stokav. Verbindung mit Präpo- 
sitionen, z. B. pd selima, li rebra, s. ASlPh. 21, 395 und 
§ 304, 2 b. Ist dagegen die Wurzelsilbe lang, so hat sie 
im Cak. steigende Intonation deutlich, z. B. krilo krila, 
Uce Uca, j^^smö pisma, vlnö vina; propelö j^t'opüa. Zunächst 
möchte man annehmen, daß das Cak., da es die alte 
Haupttonstelle hat (vgl. r. lico pl. Uca), auch alte steigende 
Intonation auf der Länge unmittelbar bewahrt habe, allein 
dem widerspricht der Grundsatz, daß steigende Intonation 
alte Längen verkürzt; ich nehme daher an, daß einmal auch 
Hlca vorhanden war und die Länge im heutigen Plural 
auf Ausgleichung mit dem Singular beruht; die Intonation 
mußte steigend bleiben, da sie in *l\ca steigend war. 

345. III. "Die steigende Intonation beruht auf alter 
Zurückziehung des Haupttons von einer einst haupttonigen 
Endsilbe auf eine vorangehende lange Silbe. 

1 . Im Auslaut ist ein ehemals betontes ^, h ge- 
schwunden. Dahin gehört: 

a) der bekannte Fall, daß der Nom. sg. von Sub- 
stantiven mit Endbetonung der Kasus auf seiner nunmehr 
Endsilbe gewordenen, einst vorletzten Silbe steigend betont 
Avird, z. B. gen. süda nom. süd = sqd^ (stok. süda süd)^ 



§345 — 347.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 221 

gen. griha nom. grih (st. grijeha greha, grijeh grell), gen. 
gospodärä nom. gosjyoddr (st. gopoddra gospbdär), gen. junäkä 
nom. jundk (st. junäka jünak). 

346. b) In gewisser Ausdehnung ist hierher auch 
zu rechnen die Betonung des cak. endungslosen 
nominalen Gen. plur., dessen letzte, einst vorletzte Silbe 
stets gedehnt ist, z. B. zena : zcn, hradä : hrdd. Es muß 
aber hier eine andere Erscheinung herangezogen werden, 
die sich nicht auf den Gen. plur. beschränkt. Im §to- 
kavischen ist zu beobachten, daß alter Kauptton auf 
einer fallend intonierten inneren oder Endsilbe 
nicht bleiben kann, sondern entweder zurück- 
gezogen oder auf eine Endsilbe verlegt ist, eine 
Verschiebung, die nichts zu tun hat mit der späteren all- 
gemeinen stokavischen Haupttonverlegung, sondern älter 
ist. Es fragt sich, ob das auch für das Cakavische gilt. 
Zieht man zunächst die inneren Wortsilben in Betracht, 
so erkennt man, daß die Verrückung des ursprünglichen 
Haupttons hier nur stattfindet, wenn die vorangehende 
Silbe lang ist, unterbleibt, wenn sie kurz ist. Das möge 
zunächst erläutert werden an einem Fall, wo über fallende 
Intonation kein Zweifel sein kann : vorangehende Silbe 
kurz: cak. zu Icopat die 1. pl. ko2)ämo 2. kopäte (1. sg. 
kopiäni 2. kopäs usf.), aus ^kopajemo (s. § 341), dagegen 
stok. köpati : kopämo kÖ2)äte (kopäm usw.); dieser Betonungs- 
typus des Stokavischen fehlt dem Cak. ganz (wie auch 
der stok. Typus vjencäm vjencäs, vjencdmo vjencdte); dem- 
gegenüber bei Länge der vorangehenden Silbe: j^^t^t l.pl. 
pitämo, 1. sg. pitäm, stok. pHati j^'itämo pitäte, obwohl die 
Betonung der Präsentia von kopati, pytati ursprünglich 
gleich war, kopajq, pytajq (vgl. r. kopaju, pytaju). Derselbe 
Unterschied zeigt sich nun in einigen anderen Fällen 
<§§ 347—350): 

347. im Gen. plur. subst. Im Cakavischen 
haben die Substantiva, deren Flexion nicht endbetont ist, 
in der betonten Endsilbe des Gen. pl. fallende Intonation ; 



222 Betonung und Silbenquantität. [§ 3*7. 

der Haiiptton bleibt unverändert bei vorangehender 
kurzer Silbe, im Stok. tritt er als " auf diese, z. B. 
grajanm pl. grajani: gen. pl. grajän, st. graäänä (doch hier 
auch gradanin); ohed g. obeda : oMä, st. dbjed objecla\dhjeda\ 
drmlo : drzäl, st. drzalo : dfiälä; koleno : kolen., st. Jcdljeno : 
Jcdljenä; korito : korlt, st. kbrito : köritä; beseda : besed, st. 
besjeda : besjedä ; ned'dja : nedUj, st. nedjetja : iiedjeljä. Wenn, 
im Cakavischen die gleiche Betonung des Gen. pl. bei 
Endbetonung der anderen Flexionsformen erscheint, findet 
ebenfalls fallende Intonation statt, z. B. konöp konopä : ko- 
nöp, nirtväc mrtvaca : mrtväc, j^^teh petehä '.])eteli, lirbat hrpta : 
lirbät, st. hrbat hrpta : lifbätä. Zu der fallenden Intonation 
des Gen. pl. sind dann noch zu vergleichen die einsilbigen 
Formen, z. B. brdd bröda : bröd st. brödä, cäs cäsa : cäs st. 
cäsä, kräva : kräv st. krävä, delo : del st. djelä, seid pl. sela : 
sei (und sei) st. selä. Bei vorangehender langer Silbe 
liegt cakavisch Avie stokavisch bei endbetontem Paradigma 
der Hauptton auf der vorletzten Silbe, cak. als steigend, 
stok. als fallend, man muß also (nach § 346) schließen, daß 
diese Betonungsweise auf einer ehemaligen fallenden Into- 
nation der Endsilbe beruht, also z. B. zu svetac svecä, st. 
svetac sveca : gen, pl. *svetäc, daraus cak. sveiäc, stok. svetäc-ä,. 
dobttäk dobitka : dobltäk, stok. dobitdk dobitka : döbUäk-ä = 
'^dohitäkä. Gegenüber dieser Darstellung bleibt eine Schwierig- 
keit: bei kurzer vorangehender Silbe schwankt im Cak. 
die Lage des Haupttons, wenn der Vokal der nächsten be- 
wegliches a (= o, b) ist und das Wort Endbetonung der 
Flexionsformen hat, z-B. kosac koscäikösüc und kosdc, otäc 
oea : otäc und otäc, kotdl kotlä : kotäl und kotdl; in den 
Anführungen bei Belle S. 33 meistens otäc usw., vgl. dazu 
stok. ötäcä neben otdcä. Um diesen Widerspruch zu lösen, 
muß eine andere Reihe von Gen. pl. herangezogen werden. 
Die Wörter alter Endbetonung der Flexion hatten auch 
im Genitiv plur. ursprünglich den Hauptton auf der 
Endung ^, *; wenn er bei Verlust dieser Vokale zurück- 
tritt, so entsteht derselbe Fall wie § 345, süd (= sqdi) stidä, 
daher z. B, zenä : zen für zem, daskä : dasdk, ovcä : ovdc, 



§ 347. 348.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 223 

hrüda : brdd, dnb dna : dän, tlö tlä : tdl, jezero pl. jezera : jezer 
aus der älteren Betonung des Plur. jezera st. jezera; otäc 
otcä'.ofdc; wie pl. imcnd:imön, nebo pl. nebesd:nebes. Wenn 
neben dem normalen otdc auch öfäc erscheint, so ist das 
eine Ausgleichung mit den Fällen, wo die vorangehende 
Silbe lang ist, svääc. Es begegnet auch die umgekehrte 
Ausgleichung, z. B. zu jütro ist regelmäßig jütär (stok. jü- 
tärä), daneben jufdr nach Analogie altendbetonter Fälle. 
Im Stokavischen hätte ein altes een, das im Cak. erhalten 
ist, bei unveränderter Gestalt *zen ergeben müssen, hier 
ist der Hauptton in Analogie der anderen Kasus nach An- 
fügung des -ä aufs Ende geworfen: zenä, so daß die heutige 
steigende Intonation von ienä beruht auf der späteren sto- 
kavischen Haupttonverschiebung und nicht identisch ist 
mit der cakavischen von ien. 

348. Das bestimmte Adjektiv hat im Caka- 
vischen, wenn die Wurzelsilbe kurz ist, keine ganz fest 
bestimmte Haupttonstelle, es kann Endbetonung und Nicht- 
endbetonung stattfinden, z. B. eist fem. elsta : cisfi cistä 
und cisti clstä, mokär : niokri und mokrl. Ist die Wurzel- 
silbe lang, so liegt der Hauptton auf ihr und zwar steigend 
intoniert, z. B. süli f. süliä : sülü siihä. Die stokavische 
Betonung ist hier nach den Angaben Vuks fast durch- 
gehend süM, allein sie ist nicht allgemein, es heißt auch 
Silin, d. h. alte Endbetonung mit Verkürzung der voran- 
gehenden Silbe. Vergleicht man diese stokav. Betonung 
mit der russischen, so zeigt sich, daß die Endbetonung 
in beiden Sprachen öfter übereinstimmt, daher alt ist. 
Dazu die folgende Liste: 



ca 


k. 


stok. 


russ. 


bläg 


blägl 


blägl 


blagöj 


hled 


bledl 


blljedi 


klr. blid0 


cel 


cell 


cijell 


celyj 


dräg 


drdgi, 


drägi 


dorogoj 


glüh 


glüM 


glüMi glühi 


glucMj 


gnjU 


gnjill 


gnjUi, gnjill 


gnilöj 



224 



Betonung und Silbenquantität. 



[§ 348. 



cak 




stok. 


russ. 


güst 


güsti 


güsti, güsti 


gustöj 


Mä 


Midi 


Jiüdi 


clmdoj 


jak 


jdki 


jäkt 




hrw 


krhn 


krwi, krivi 


krivoj 


len 


Uni 


Rjeni 




Ivp 


lipn 


lyepi 






livi 


lljevl 


levyj 


Ijüt 


Ijütl 


Ijüti, Ijütl 




mläd 


mlddi 


mlädi 


molodoj 


7iini 


nimt 


mjemi 


nemoj 


pläv 


plävt 


plävi 


klr. polovyj 


püst 


püstt 


püstt 


pustoj 


rij 


rijt 


rläi, näi 


rysij 


sed 


sMl 


sijedi 


sedöj 


siv 


s'ivi 


{slv, slvi) 


sivyj 


slän 


sldm 


Slam 




svet 


svetl 


svetl 


svatöj 


süh 


süln 


Suhl, süM 


siicJiqj 


tfip 


tüpj 


tüpi 


tup)öj 


tust 


tüsti 


(tust, iüsti) 


tölstyj 


vrüö 


vrnöl 


vrüöi, vrün 




zlät 


zlätl 




zolotöj 


süt 


sütl 


ZÜtl 


zöltyj 


glädan 


glddnt 


glädni,glädni 


golödnyj 


f. glädnä 








Jcrätak 


krätki 


krätki, kräthi 


korofkij 


f. kräikä 








plitak 


plitki 


plUki, plUki 




f. plitkä 









Nimmt man die angeführten 17 Beispiele der rus- 
sischen Endbetonung als Zeugnis, daß eine solche überall 
möglich war, so wird man die allgemeine cakavische, die 
häufigere stokav. Betonung auf der Wurzelsilbe als zurück- 
gezogenen Hauptton fassen gemäß der § 346 gegebenen 
Regel, daß fallender Hauptton, wie er auf *glahi '-'gltihöga 



§ 348 — 350.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 225 

bestand, auf die vorangehende Silbe versetzt werden muß. 
Ist das zutreffend, so ist die Länge der Wurzelsilbe im 
Cakavischen normal, denn da sie ursprünglich vor der 
alten Haupttonsilbe stand, konnte sie nicht verkürzt werden. 
Schwierigkeit macht aber die Kürze im Stokavischen : 
süM = *süM, man erwartet *SM/ii = *süln, sie ist aber wohl 
erklärbar. Das Russische zeigt z. B. in golodnyj koröthij 
steigende Intonation, Da eine zwiefache Lage des Haupt- 
tons möglich war, würde bei solcher Wurzelbetonung serbo- 
kroatisch Verkürzung eintreten müssen, *glädnt, %rätM, bei 
Endbetonung mußte die Länge erhalten bleiben, *glädm, 
hrätki, ebenso *sühi und *sühi. Die beiden Betonungs- und 
Quantitätstypen sind durcheinander geworfen, so daß an 
Stelle von *siihi die Betonung von *sühl trat, aber mit Bei- 
behaltung der Länge, die stokavisch notwendig fallend sein 
muß ; umgekehrt trat an die Stelle von *sü}n die Betonung 
von *sühi, aber mit Beibehaltung der Kürze. 

349. Ganz deutlich ist die Zurückziehung alten 
Haupttons und die damit verbundene steigende Intonation 
der neubetonten Silbe bei Wörtern auf -ina durch den 
Vergleich mit dem Stokavischen und Russischen ; so crnina 
st. crvhia, daljina st. daljlna r. dalina, debeljina st. dehelina 
klr. debelyna, mohrina st. mokrlna r. moTcrinn, starina st. sta- 
rhia r. starina usw. (s. Belic S. 4.5). Das i hatte alte 
steigende Intonation, vgl. z. B. imhm Finsternis, mußte 
also vor dem alten Hauptton stehend seine Länge bewahren, 
starina, daher die Länge des i im Cakavischen auch nach 
dem Wechsel der Haupttonstelle, im Stokavischen beruht 
die Kürze auf Ausgleichung, s. § 275, S. 170. 

t$50. Vom Verbum wurde der Fall püäm usw. 
schon § 346 behandelt; es kommen aber noch andere Fälle 
der steigenden Betonung im Präsens vor. Unter den Verben 
von Kl. HI und von V gibt es eine Anzahl, die Wechsel 
der Haupttonstelle hatten: 1. sg. endbetont, die übrigen 
Personen wurzelbetont, vgl. r. pisat' : pisij pises, plat'it : 
placij platis, mölotit' : molocii molotis. Der L^nterschied ist 

L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. 1 5 



226 Betonung und Silbenquantität. [§350.351. 

im Serbokr. dadurch ausgeglichen, daß die I.Person mit 
den folgenden in Übereinstimmung gebracht ist; die fol- 
genden Personen aber haben im Cakavischen steigenden 
Hauptton auf der ersten Silbe, z, B. pisät : {pisen) p'ises 
usf., pällt : (pdlin) pälls, mlätlt : {mlätin) mläiis; im Sto- 
kavischen muß fallende Intonation dafür eintreten: {pi- 
sem) pises, (plätim) plätis, {mläthn) mlätis. Die ersten Per- 
sonen haben im Serbokr. einmal gelautet ^ptsn, "^pläcUy 
*mläc!i, hier ist die Länge, als vor der Haupttonsilbe ver- 
bleibend, normal. Nun zeigt aber das Russische, daß die 
haupttonigen ersten Silben der folgenden Personen stei- 
genden Ton haben, molofis, vgl. noch gorozu gorodis, kolonj 
kolotis, volocu volocis, vorocu vorotis\ man erwartet danach 
im Serbokr. "-'-pUes, '^platts, *mIäHs, und ich bin der An- 
sicht, daß die jetzt bestehende Länge beruht auf Aus- 
gleichung mit dem Infinitiv imd anderen Formen, die 
vortonige Länge erhalten hatten. Die so eintretende Länge 
mußte aber als Vertreterin einer einstmals steigenden 
Kürze im Cakavischen steigende Intonation bewahren. Ist 
bei den Verben auf -iti der Wurzel vokal kurz, so besteht 
im Cakavischen nur ein Typus (nösrm) nösis usw. zu nosU, 
(Joinm) lovls zu lovtt; vgl. dazu das r. nosu nosis, lovJ'v Iq'vis, 
einst serbokr. nosu lovl'n. Die cak. Betonung nosis usw. 
ist kein Widerspruch gegen das Verhalten bei Verben mit 
langer Wurzelsilbe, denn nösis steht für ^■'■nosis mit ehe- 
maliger steigender Kürze. Das Stokavische hat der Ein- 
heitlichkeit des Cakavischen gegenüber zwei Typen: {nösim) 
iwsis und {lövim) IdvJs, darüber s. beim Verbum (§ 884). 

JI5i. B. Steigende Intonation auf Endsilben in der 
Flexion kommt im Cakavischen oft vor, mit wenig Aus- 
nahmen regelmäßig, und ich halte sie auch hier für eine 
Umsetzung ehemals fallender in steigende. Den Unter- 
schied der Quantität von gen. sg. düse und nom.-akk. pl. 
duse iß in beiden Fällen = ^ , urspr. Länge) kann ich nicht 
anders erklären, als daß beim Gen. die Intonation fallend 
war, daher Bewahrung der alten Länge cak. duM stok. 



§351.302.] Bestimmung der Betonung und Quantität. 227 

düse, beim Akk. pl, steigend, daher Verkürzung, cak. und 
stok. düse. Ist das richtig, so ist also die steigende Into- 
nation des cak. düse aus ehemals fallender *düse entstanden. 
Das würde dann auch von anderen Endsilben gelten: instr. 
sg. fem. zenü-n (-n ist dem Mask. entnommen) aus '■^zeno, 
lok. pl. m. ntr. -Ih, Tcrovlli aus '^krovedn; 3. pl. präs. pekä 
aus '^'-pekoh; Präsens ddm das usw., Jim jis usf. (stok. däm 
das, jem yem jes Ijes) und anderes gleichartige, s. die 
Flexionstabellen bei Belic. Woher diese Umsetzung der 
Intonation in solchen Endsilben kommt, kann ich nicht 
erklären, die Tatsache scheint mir unzweifelhaft. 

353. Das Resultat der ganzen Betrachtung ist: der 
steigende Hauptton des Cakavischen (') ist alt, wo er die 
Dehnung einer alten steigenden Kürze ist; in allen anderen 
Fällen beruht er 1. auf Zurückziehung des Haupttons von 
seiner ursprünglichen Stelle auf die vorhergehende Silbe; 
diese muß steigend intoniert sein, weil sie als vortonig 
schon steigenden Silbenton hatte; 2. auf Umsetzung fal- 
lender in steigende Intonation auf Endsilben. Das otoka- 
vische hatte, bevor die heutige stokavische Verschiebung 
der Haupttonstelle eintrat, alle alten steigend betonten 
Silben in fallende verwandelt und hat heute alte steigende 
Intonation überhaupt nicht mehr. 



:28 [§ 353. 



Stammbildung der Nomina. 

353. In der Stamm- oder Wortbildungslehre der 
Grammatiken ist es üblich, alle mit gleichem Formans 
gebildeten Wörter zu einer Gruppe zu vereinigen, z. B. 
im Serbokroatischen alle Substantiva auf -ac (abg. -bch), 
dann die Unterabteilungen nach den Bedeutungen der 
fertigen Wörter zu machen, z. B. bei -ac zu unterscheiden 
handelnde Personen (Nomina agentis), Deminutiva u. a. 
Dies Verfahren hat den Vorteil, daß alle Wörter gleicher 
Form zusammenbleiben. Es wäre unbedingt einzuschlagen, 
wenn man die Grundbedeutung der Formantien, oder wenn 
nicht aller, doch vieler, angeben und aus ihr die Sonder- 
bedeutungen ableiten könnte. Das ist aber nicht der Fall. 
Man kann die Frage, was bedeutet z. B. das Formans 
-ac, überhaupt nicht beantworten, sondern nur angeben, 
die und die Wörter auf -ac, die von Verben herkommen, 
bedeuten den Handelnden, die und die anderen, von Sub- 
stantiven abgeleiteten, eine kleinere Form des mit dem 
Grundwort bezeichneten Dinges. Das von dem Sprechenden 
lebendig Empfundene ist aber nicht ein durch grammatische 
Zergliederung abgelöstes Formans, sondern das fertige Wort 
in seinem Verhältnis zum Grundwort. Er wird schwerlich 
in seiner Vorstellung ein Nomen agentis wie küpac (Käufer, 
zu Mpiti kaufen) mit einem Deminutiv wie brätac Brüder- 
chen (zu brät) verbinden. Dagegen wird er Bildungen 
mit verschiedenen Formantien, wenn sie gleiche oder an- 
nähernd gleiche Bedeutungen haben, d. h. hier das gleiche 
Verhältnis zu den Grundworten ausdrücken, als zusammen- 
gehörig empfinden, z. B. die verschieden gebildeten Wörter 
für handelnde Personen, wie etwa Mpac (zu Mpiti) und 



§353.] Stammbildung der Nomina. 229 

svträc Flötenspieler (zu svirati; daneben auch svirac). Es 
erscheint daher dem Wesen einer lebenden Sprache an- 
gemessener, als Einteilungsgrund die Bedeutungsgruppen 
zu wählen, d. h, Gruppen abgeleiteter Wörter zu bilden 
nach gleichartigen Beziehungen der Ableitungen zu ihren 
Grundworten, die Unterabteilungen nach den verschiedenen 
Formantien zu machen. Auch dies Verfahren hat seine 
Nachteile. Dasselbe Formans kommt so an mehreren, 
manchmal drei oder vier verschiedenen Stellen vor. Um 
diesem Übelstand abzuhelfen und die Zusammenstellung 
der mit gleichem Formans gebildeten Wörter zu ermög- 
lichen, ist am Schluß der Stammbildung ein alphabetisch 
geordnetes Verzeichnis der Formantien (in ihrer serbo- 
kroatischen Form) mit den nötigen Verweisungen angefügt. 
Empfindlicher ist die Schwierigkeit, die Bedeutungsklassen 
bestimmt festzustellen. Die Grenzen sind fließend. Im 
Altdeutschen bedeutet z. B. tregil tregel (zu tragen) Träger, 
d.h. einen Tragenden portator, ist ein persönliches Nomen 
agentis; das ganz gleich gebildete slegil slegel (zu slahan) 
bezeichnet dagegen ein Werkzeug zum Schlagen; es ist 
aber klar, daß es nichts anderes heißt als «etwas Schla- 
gendes2>, also ebenfalls ein Agens ist, nur daß seine Aktion 
vom Willen einer Person abhängig ist. Heute brauchen 
wir «Träger» als ^jor^ato?' und als zum Tragen benutztes 
Ding (eiserner Träger), haben aber auch im zweiten Fall 
die Empfindung, daß das Ding die Handlung des Tragens 
vollzieht. «Schlägel» wird auch heute nur von gewissen 
Werkzeugen des Schiagens gebraucht, aber «Schläger» 
kann neben persönlicher Bedeutung auch bestimmte, zum 
Schlagen benutzte Dinge bezeichnen. Ebenso im Serbo- 
kroatischen: dübac Hohlmeißel (zu düpsti dübem aushöhlen) 
ist eigentlich nichts anderes als «der Aushöhler» (tatsäch- 
lich wird es in älterer Zeit in dem Sinne «Mensch, der 
aushöhlt» angeführt), wie Mpac «der Käufer». Stellt man 
küpac und dübac nach den heute bestimmt abgegrenzten 
Bedeutungen in zwei verschiedene Bedeutungsklassen, jenes 
unter die Nomina agentis, dieses unter die Nomina instru- 



230 Stammbildung der Nomina. [§ 353. 354. 

raenti, so reißt man Bildungen ursprünglich gleichen Sinnes 
auseinander. Um das möglichst zu vermeiden, ist unten 
ein mittleres Verfahren angewendet: wenn sich aus dem 
Bestände gleichgebildeter Wörter eine Gruppe ausscheiden 
läßt, deren Gesamtbedeutung man nicht mit der anderer 
Gruppen aus diesem Bestände vereinigen kann, so ist eine 
solche Gruppe rein nach der Bedeutung in die Klasse 
anders gf-bildtter, aber gleichbedeutender Wörter eingereiht, 
also z. B. die Deminutiva auf -ac in die Bedeutungsklasse 
«Deminutiva». Steht dagegen eine solche Gruppe einer 
zweiten so nahe, daß sich die Bedeutungen leicht ver- 
mitteln lassen, so sind sie nicht getrennt, sondern unter 
einer Bedeutungsangabe zusammengesetzt, also die Wörter 
auf -ac, die Werkzeuge u. ä. bezeichnen, mit unter die 
Nomina agentis gestellt, und bei den Nomina instrumenti, 
wo sie ebenfalls stehen könnten, auf ihren Standort ver- 
wiesen. 

354. Die folgende Behandlung der Wortbildung 
geht nicht darauf aus, alle Arten von etymologisierbaren 
Wörtern mitzunehmen. Absichtlich habe ich weggelassen 
Bildungen, bei denen zwar die sprachwissenschaftliche 
Analyse durch Vergleichung verwandter, altertümlicher ver- 
bliebener Sprachen feststellt, daß sie von irgendeinem 
Stamme mit einem bestimmten, mehr oder minder sicher 
abtrennbaren Formans abgeleitet sind, deren Formantia 
aber in der lebenden Sprache nicht mehr zu Wortbildungen 
verwendet werden, nicht mehr^ wie man sagt, lebendig 
sind. Es fehlen daher z. B. alte Maskulina auf -o-, -men~, 
-en-, alte Neutra auf -o-, -es-, -me??-, alte Feminina auf -y- 
{-U-) u. a. Die so gebildeten Wörter sind sozusagen Einzel- 
dinge, sie werden von den Sprechenden sehr oft gar nicht 
mehr zu anderen Wörtern der Sprache in Bedeutungs- 
beziehung oder in Ableitungsverhältnis gesetzt. Hie und 
da geschieht es allerdings, wie man z. B. ohne weiteres 
möd Kraft, Macht (^^ vires) aus *mog-lb in der Vorstellung 
mit niööi mdgu (können) verbindet, oder släsf Süßigkeit 
mit sJädaTc süß. Aber als Bedeutungsgruppe mit festem 



§ 354—356.] Stammbildung der Nomina. 231 

Verhältnis zu den Grundworten können die alten primären 
Bildungen auf -tb nicht empfunden werden, weil die Be- 
deutungen der formal dahin gehörigen Wörter sich nicht 
zu einer Gesamtvorstellung vereinigen lassen. Es bildet 
fiuch niemand mehr Wörter der Art, während bei ge- 
gebener Gelegenheit z. B. ein Deminutiv auf -ac sofort 
geschaffen werden kann. 

355. Eine gewisse Willkür ist bei der Entscheidung, 
welchen Wortteil man als Formans ansehen soll, unver- 
meidlich. Es ist z. B. vom Standpunkte einer rein ety- 
mologischen Analyse richtig, in Bildungen wie grebeimlja 
Krämplerin (zu grebenati), döjllja Amme (zu döjiti säugen) 
als Formans abzutrennen -Ija. Fragt man aber, was wohl 
die Redenden als das Formierende empfinden, so sieht 
man an Wörtern wie pleülja Strickerin (zu plesti pletein), 
daß diese mit -Uja, nicht mit -Ija gebildet sind, da hier 
kein Verbalstamm auf -(- vorhanden ist. Daher ist unten 
-älja. -tlja als Formans angegeben. 

Die nominalen Ableitungen von Pronomina und Zahl- 
wörtern s. unter diesen, die in das Verbalsystem ein- 
bezogenen nominalen Formen, wie Partizipien und Infinitiv, 
s. beim Verbum. 

Die größten Sammlungen zur skr. iStanimbildung sind die 
Werke von Danicic: Osnove srpskoga ili hrvatskoga jezika, Bel- 
grad 1876 (zitiert DO): Korijeni k rijeöima od nijh postalijem u 
hrv. ili srp^ikom jeziku, .Xgram 1877. 

A. Substantiva. 

'J5ö. I. Wörter, die den Handelnden bezeichnen, 
meistens eine Person; Nomina agentis. Es können auch 
Dinge als handelnd vorgestellt werden, dann geht die 
Bedeutung über in die eines JNtittels oder Werkzeugs der 
Handlung. 

1. -a {-ja, der vorangehende Konsonant pala- 
talisiert), femininaler Form, aber fast durchweg 
männliche Personen bezeichnend, können indes auch 
von Frauen gebraucht werden (in Vuks Wörterbuch meist 



232 Stammbildung der Nomina. [§356—35^ 

als Mask., zuweilen als Fem. bezeichnet, z. B. vojskbvoäa 
[zu vojslco, vddifi] m., cetovoda f. \ceta], obwohl beides 
= «Heerführer»). Sehr selten außerhalb von Zusammen- 
setzungen: läza Lügner lägati, vocta Führer vöcliti, öfter, 
doch auch in beschränkter Anzahl, als zweites Glied von 
Zusammensetzungen: drvddjelja Zimmermann drvo Holz 
djeljati Holz bearbeiten, glühojjrda (Schimpfwort, qui leniter 
pedit) einer, der nicht hören will, gocöhrja Trommelschläger 
göc hitl, kölovoda Reigen führer kölo vöditi, krvölija Blutver- 
gießer krv llti gießen, Jcrvöpija Blutsauger vinbpija Wein- 
säufer krv vino plti trinken, mfkogleäa finster Blickender 
mrk gledati, stetöcinja Schadenstifter steta clniti machen,. 
vjetrogonja Windbeutel vjetar göniti jagen, voddnosa Wasser- 
träger, -rin glasonosa Bote vdda glas (Nachricht) nositi. 

357. 2. -ac, abg. -beb, daher bewegliches a,. 
z. B. tvörac Schöpfer = tvorhcb, gen. tvorca = tvorbca. 

A. Unmittelbar zu Verbalstämmen gehörig, 
von jeder Art solcher Stämme; deren letzter Vokal geht 
verloren, daher zu nositi tragen nosac gen. nösca Träger, 
zu prodävati verkaufen prodävac gen. ^jrodävca Verkäufer- 
Häufige Bildungen. 

a) Personenbezeichnungen, eigentliche No- 
mina agentis (vereinzelt Tiere, wenn diese als handelnd 
erscheinen), z. B. bjegac B'^lüchtling bjegnuti, döhodac (eig. 
Ankömmling) der ins Haus der Frau einheiratende dohö- 
diu, glümac Schauspieler glümiti (alt) gaukeln, kösac Mäher 
kösiti, läiac Lügner lägati, lovac Jäger Idviti, pärac Kläger 
= abg. pbvbch preti abg. pbreti, pisac Schreiber pisati, rönac 
Taucher röuiti, südac Richter süditi, trgovac Kaufmann trgd- 
vati handeln, vdbac Lockvogel vdbiti. Im zweiten Teil von 
Zusammensetzungen, z. B. bogomoljac Beter bog mdliti, cu- 
dotvorac Wundertäter cüdo tvdriti, zloclnac Übeltäter zlo cl- 
niti, dusogitbac Seelen verderber düsa gübiti. 

358. b) Dinge, als Mittel der Handlung, 
seltener; z. B. dübac Hohlmeißel düpsti dübem aushöhlen, 
mdmac Köder mdmiti locken, plövac (Schwimmer) pl. iMvci 



§358—361.] Stammbildung der Nomina. 2BS 

Flöße ploviti schwimmen und schwemmen, pbklopac Deckel 
Xwlclbpiti zudecken, svitac Wachsstock (auch «Johannis- 
würmchen», beides = der Leuchtende) svUati. 

S59. B. Nicht unmittelbar vom Verbalstamm, 
sondern vom Part. prät. akt. auf /, z. B. cüvalac 
Hüter cüvati cüvao f. cüvala, ddvalac Geber ddvati, dohivalac 
Gewinner dobivati, nemalac Habenichts neniati, neväljalac 
Taugenichts nevaljao nichtsnutzig ne väljati, sfradälac Lei- 
dender strddati, tkdlac Weber tkäti; hvälüac Prahler hväliti, 
krcilac Roder ki^citi roden, küpilac Leser (von Trauben u.a.) 
küpiti, mästüac Färber mdstiti, nbsilac Träger nositi, prätilac 
Begleiter prätiti; pogörjelac Abgebrannter pogorjeti; vezilac 
Rebenbinder vezati binden (nach Muster der Bildungen 
auf -ilac von Verben auf -i-ti). Als zweiter Teil von Zu- 
sammensetzungen : krvopilac Blutsauger krv iMi, starosjedüac 
Altsasse (neben stm'ösjelac) stär sjediti sitzen, wohnen 
(sjesti sjedem sich setzen, sich niederlassen). 

Ganz selten in sachlicher Bedeutung, dülac Dxidel- 
sackröhre (eig. Bläser) düti blasen Part, düo dhla. 

360. C. Ableitungen auf -avac, eigentlich 
von Adjektiven auf -av (s. § 527), z. B. bükavac Rohr- 
dommel (eig. Brüller) bükati, gegavac träger Gänger gegati 
se, Uzavnc Lecker Uzati, puzavac Blauspecht (eig. Kletterer) 
püzati, skäkavac Heuschrecke (Springer) skdkati. 

361. 3. -cu- (= abg. -acb), eins der häufigsten 
Formantien zur Bildung von Nom. ag. Der Hauptton 
im Nom. sing, stets als ' auf der Silbe von -äc, in den 
obliquen Kasus als ' auf -äc-; die Silben vor -äc sind kurz; 
z. B. däväc Geben gen. davdca, vgl. dävati geben. Die Ab- 
leitung geschieht fast durchgehends von Verben auf -a-ti, 
daher eigentlich zu scheiden ist dava-cb, als charakteristisch 
wird aber -äc empfunden. Das zeigt sich darin, daß, wenn 
auch seltener, von anderen Verbalstämmen solche Wörter 
geschaffen werden, z.B. trubäc Trompeter zu trübiti trom- 
peten. 

Das Femininum zu -äc ist -aca, Hauptton stets als 
auf der drittletzten, alle Silben vor -aca kurz. 



■234 Stammbildung der Nomina. [§ 361 — o64. 

A. Maskulina -äc, a) Personenbezeichnungen, 
z. B. häjäc Zauberer bäjati, cuväc Hüter cüvati, Igräc Spieler 
tgrafi, izmlsljäc Aussinner izmisljati, koväc Schmied kovati, 
opädäc Verleumder dpadati, dräc (Pflüger) Ackersmann 
drati, 2)J^väc Sänger pjevafi, pomägäc Helfer pomägati, rügäe 
Spötter rügafi se, strjeljäc Schütz strijeljati, säptäc Einflüsterer 
säptati flüstern. Von anderen Verbalstäramen: hrdjäc Zähler 
hrdjiii. gkdäc Geiger giidjeti, kösäc Mäher kösiti. 

36S. b) Dinge, Mittel und Werkzeug zu 
Handlungen, z.B. öryac Rasiermesser hrijati, dühäc Hohl- 
meißel (vgl. § 358 diibac) düpsti dübem aushöhlen, mähäc 
Fächer mähati, oüräc Handtuch otirati abwischen, potpäsäc 
Bruchband pbtpasati untergürten, strügäc Schaber als Instr. 
(bedeutet auch Schaber als Person) sfrügati, zavijäc Verband 
zav'ijati. Von anderen Verbalstämmen z. B. zapüsäc Stöpsel 
zcqmsiti zustopfen, sjekäc Art Schneidewerkzeug sjeci sijccem. 

363. B. Feminina -aca. 

a) P e r s o n e n b e z e i c h n u n g e n , selten : narikaca Klage- 
weib vgl. naricaü Totenklage halten, prevrtaca eine Unbe- 
ständige (eig. üni dreherin) prevrtatl, iumciraca Herum- 
treiberin tmnärati, udävaca das zu verheiratende Mädchen 
udävaü verehelichen. 

b) Dinge, Noraina instrumenti, s. § 374. 

304. 4. -älja und -llja, Feminina, von Verbal- 
stämmen auf -a- und -i-. Mehr als zweisilbige haben 
den Hochton als ' auf der drittletzten, zweisilbige als 
auf der vorletzten; die Silben vor -älja, -ilja sind stets 
kurz. Die Wörter sind wohl Weiterbildungen der /-Par- 
tizipien, vgl. den seltenen Fall, wo ein konsonantisch aus- 
lautender Verbalstamm zugrunde liegt: ■prelja Spinnerin 
zu presü predem preo prela. Z. B, grehenälja Krämplerin 
grehenati, okretälja Dreherin (z. B. an einer Maschine) 
okretati, prälja Wäscherin jjräii pirem, pnmälja Hebamme 
primati empfangen, tkälja Weberin tkäti; bjeWja Bleicherin 
bijeliti, döjilja Amme dojiti säugen, redllja Flachsbereiterin 
rediti u. a. Flachs bereiten, rödüja jjorddtlja Wöchnerin 
röditi gebären. Nach Analogie der von Verben auf -i-ti 



§ 864 — 367.] stamm bildung der Nomina. 235 

abgeleiteten wird .so auch von konsonantisch auslautenden 
Verbalstämmen gebildet: müztlja Melkerin musti müzem, 
perilja Wäscherin (vgl. oben prälja) perem jjräti, pletilja 
Strickerin j^iesti lüetem, rczUja Stickerin vesti vezem ; in An- 
lehnung an -älja: svälja Näherin zu sili sljem, vgl. Part, 
prät. pass. slven abg. shvem. 

365. 5. -tir abg. -arb: im Skr. als unmittelbar 
von Verben ableitend nicht häufig; auf Grundlage 
von Nominalstämmen mit anders gefärbter Bedeutung s. 
§ 379. Die Silben vor -är sind stets kurz, vgl. cävür Hüter 
zu cüvati; wenn der Plauptton als ' auf der vorletzten Silbe 
liegt, rückt er in den obliquen Kasus auf -är-, gen. öu- 
vära, ist der Akzent ' oder liegt der Hauptton mehr als 
eine Silbe vor -är~, so bleibt er unverändert: pekär pekära. 
Beispiele: gätär Wahrsagtr gdtati, klopötär Tier der Herde, 
das die Glocke trägt (eig. Küngler) klopötati, kühär Koch 
Mliati, pekär Bäcker peCi pecem, p}sär Schreiber pisati, püdär 
Weinbergs hüter püditi scheuchen, slüzär Aufwärter slüziti 
dienen, süsär Fischdörrer süsiti dörren, vözär Ruderer vbziti., 
inäär Arzt vidati heilen, vräcftr Wahrsager vräcati, zldär 
Maurer zidati. 

Die femininale Form zu -är ist -ara, z.B. hjeljara 
Bleicherin hjeljär, gätara Wahrsagerin gätär, kärtara Karten- 
legerin kärtär, muzara kräva Milchkuh zu irmsti müzem 
melken, podlözara Kupplerin zu podlöziti, vräcara Wahr- 
i^agerin vräcär. 

S&&, 6. -äs == -asb] die Silben vor dem Formans 
.sind kurz; die wenigen Noraina agentis haben alle die 
Bedeutung «Schwätzer» oder ähnl.: blebetäs Schwätzer 
hlebetati, cegiiäs cegrtati (ca^.) klappern, prtljäs pHljaü, sprdäs 
sprdati, zanovjetäs Plapperer zanovijetati; äimlich hurgljäs 
(eig. einer, der überall herumbohrt) hurgtjaü (eig. bohren, 
zu hürgija Bohrer) aufwiegeln. 

SUT. 7. -icrt; obwohl die Wörter femininale 
Form haben, werden die meisten entweder aus- 
schließlich oder zugleich für männliche Personen 



236 Stammbildung der Nomina. [§367—369. 

gebraucht. In Vuks Wörterbuch sind sie meist als 
Feminina bezeichnet, selten als Mask. oder als Mask, und 
Fem,, obwohl regelmäßig durch deutsche und lateinische 
männliche Nom. ag. übersetzt. 

A. Unmittelbar von Verbalstämmen: grlzica 
Motte (eig. Beißerin) gristi grizem, izdajica Verräter izddvati 
'izdäjem, nabodica Stänker, Händelsucher nabösti -bödem an- 
stechen, näbrcica dass. nabrrati gegen etwas anstoßen, näle- 
tica dass. naletjeti anfliegen, jem. anfallen, näprMca Hitz- 
kopf näfrziti rösten, frlca Kläger (vgl. oben § 357 pärac) 
2)reti, prznica Störenfried przniti, üdvorica Höfling udvöriti 
se sich einschmeicheln, ükoljica Stänker, Händelsucher 
koljeyn kläti stechen, iilazica Schmeichler ulägati se (sich 
einlügen) sich einschmeicheln, idizica Speichellecker ulizati 
ablecken. Als zweiter Teil von Zusammensetzungen: bo- 
gdrodica &eoTÖKO(^ Gottesgebärerin bog rdditi, koujdkradica 
Pferdedieb könj krästi krddem stehlen. 

B. Vom Z-Partizip (vgl. § 359 -ac), z. B. bäjalica 
Zauberin bäjati, döbjeglka Mädchen, das mit seinem Bräu- 
tigam flieht döbjeöi -bjegnem, grizlica Motte (s. oben gnzica)^ 
ddjilica Amme döjiti säugen, Izjelica Vielfraß Izjesti izjedem 
auffressen, küpilica Leserin (fem. zu kupilac) kupiti lesen 
(colligere), mäzalica Schmeichler mäzati schmieren, salben^ 
nesmjelica Zaghafter ne-smjeÜ nicht wagen, 2}^''(ioslica An- 
kömmling pridöcl pridösao pridosla, rädUica Arbeitsbiene 
rdditi, süstalica leicht Ermüdender süstati süstao süstala, vä- 
ralica Betrüger värati, vezilica Stickerin (nach Analogie der 
Bildungen von Verbalstämmen auf -v'-) vesü vezem. Als 
zweiter Teil von Zusammensetzungen, z. B. mnogöznalica 
Vielwisser sveznalica Allwisser mnögo sve znäti. 

Ganz selten in sachlicher Bedeutung: müzlica 
Melkgelte müsti müzem mkzao müzla, pädalica Fallobst pädati. 

368. S. -iü == -ich, vereinzelt: bränic Beschützer 
b7-dniti. 

369. 9. -IS, gen. -isa; die Silben vorher kurz; ver- 
einzelte Bildungen: blutU einer, der ungereimtes Zeug 
redet blütiti, nemaris ein Hans Ohnesorge ne mdriti nicht 



§369—371.] Stammbildung der Nomina. 237 

sorgen (kann auch zu nhnär Sorglosigkeit bezogen werden), 
poletU Fliegauf (das bekannte Pfänderspiel) poletjeti. 

-isa, femininale Form dazu, aber die Wörter 
bezeichnen durchweg männliche Personen; der 
Hauptton liegt als " auf der drittletzten Silbe, die Silben 
vor -isa sind kurz. Wenige Beispiele: hvälisa Prahler livä- 
liti, plätisa Zahler pldtiU, rädisa Arbeitsamer rdditi, stedisa 
Sparer stedjeti, vrätisa Zurückgeber vrdtifi. 

370. 10. -usa, wenige femininale Nom. ag. ; 
der Hauptton fast regelmäßig als ' auf der Silbe vor -usa, 
die Silben vor diesem kurz (sonstiges -wsa s. unten §422). 
Der Sinn ist öfter tadelnd oder scherzhaft: blebetusa Plapper- 
maul hlebetati, gähusa (Kräherin) Krähe gdkati, govdrusa die 
Redselige govöriti sprechen, krehefusa Quakerin (Frosch) 
kreketati, namlgusa eine, die gern zuwinkt nämignuti, prodkusa 
Zischerin prociknuti, postrkusa Kuh, die sich beim Melken 
sträubt postrkaii se, jJovrätusa Frau, die wieder ins Eltern- 
haus zurückkehrt povrdtiti se, i^ovükusa jemand, der sich 
von einer Arbeit drückt povüöi -vücem wegziehen, provljusa 
Zierpuppe (von Mädchen gesagt) 2)rovijaü se geziert gehen, 
redusa Frau, an der die Reihe der Haushaltung ist rdditi 
anordnen, torökusa (Scheltwort) Lärmerin torökati. — Zu- 
weilen von Sachen : klepeiusa Kuhglocke kleiMati (zu klepet 
das Scbellen der K.), iwvlpisa turbanartiges Kopftuch 
povijati bewickeln, nepomenusa Blattern und andere Krank- 
heiten (die man sich hüten muß zu erwähnen) pomemdi 
erwähnen. 

Ein maskulines -uh kommt in einigen alten, z. T. 
unklaren Bildungen vor und mag hier angereiht werden: 
közuh Pelz zu köza Fell, lädüli Weinreis mit Trauben, löpüh 
Klette, öcüh Stiefvater zu ötac, pästüh Hengst zu pästi pdsem 
weiden, repüh u. a. Klette, Distelart, trbuh Bauch; vgl. 
dazu fem. pepeljnha neben pepeljusa Aschenbrödel (pepeo 
gen. pepela Asche). 

371. 11. -lo, neutraler Form, doch männliche 
Personen bezeichnend, fast nur im Singular ge- 
bräuchlich; wenn vereinzelt im Plural, hat dieser mask. 



238 Stimmbildung der Nomina. [§-^71 — 373. 

Form. Die ziemlich zahlreichen Bildungen drücken bis- 
weilen übertriebene, tadelnswerte Neigung zu der Handlung 
aus. Die Ableitung erfolgt durchweg von imperfektiven 
Verben, daher von der Iterativform bei Verben, die mit 
Präpositionen zusammengesetzt sind. Mit wenig Ausnahmen 
liegen Verbalstämme auf -a- zugrunde. Betonung und 
Quantität wie im Infinitiv der Verba. — Über -lo bei 
Nomina instr. s. § 378. 

Beispiele: häjalo Zauberer (vgl. § 361 häjäc) bäjati, 
benetalo Schwätzer benetati, blebetalo Plapperer hlebetati, dir- 
kalo Necker dJb'kati, vgl. zadirklvalo dass. zu zaclirTcivati, 
flrijeynalo Schlafmütze drijemati Schlaflust empfinden, gcitalo 
Fabelhans gdfati, izmisljalo Spintisierer (vgl. izmisljäc, 
§ 361) izmisljati, mäzalo Schmierer (schlechter Maler) mä- 
zati, namigivalo der gern zuwinkt (vgl. namlgnsa, § 370) 
namigivati, peckalo Necker peckafi. pricalo der gern viel er- 
zählt ^m-afi, vikalo Schreier vikaü; ^xmitüo einer mit gutem 
Gedächtnis pämtiti. 

S'72. 12. -sa, femin. Form, aber männliche 
Personen bezeichnend; wenig Beispiele: tzdlrsa einer, 
der sich abmüht (dass. izdiralo) hdirati se (eig. sich ab- 
schinden), iiehöjsa Furchtloser (oder der sich so stellt) ne 
böjati se, neznäjsa Unwissender ne znäti, öh'öjsa Beschnittener 
okrbjiti. 

373. 13. -feZj = abg. -iel'h\ die Silben vor -telj sind 
stets kurz; im ganzen nur wenig Wörter, davon 
volkstümlich: hränifelj Ernährer hrämti, pnjatelj Freund 
pnjati gut bekommen (alt: beistehen), röditelj Erzeuger pl. 
Eltern rdditi, upravifelj Regierer üpraviti, ncitelj Lehrer üciti. 
Einige sind aus der Kirchensprache aufgenommen: krstitelj 
Jövan Johannes der Täufer krsfiti, gbnitelj Verfolger göniti, 
späsitelj Heiland sjjästi erretten, stvoritelj Schöpfer stvöriti; 
einige in der Schriftsprache neugebildet oder anderen sla- 
vischen Sprachen entnommen, wie cUaielj Leser cltati, 
splsatelj Schriftsteller, Verfasser spisati, predsjedatelj Vor- 
sitzender, Präsident ("aus dem Russischen). 



§ 374 — 376.] .Staminbildung der Nomina. 239 

374. II. "Wörter, die Mittel oder Werkzeug- einer 
Handlung bedeuten, Nomina instrumenti. 

1. -am; die Silben vor dem Formans stets 
kurz, z. B. djeljara Schnitzbank djeljati, drljaca Egge 
drJjati, gärqaca Krämpel gärgati, isp)raca Wischlappen %;/- 
rnü auswaschen, mäliaca Klopfbrett für Hanf mäliaü, na- 
Tr/jaca Art Fischspeer vabijati (aufschlagen) spießen, ogrebaca 
Flachsraufe dgrebati, j^^^^^^'^'^^a Kotze pokrlvati zudecken, 
pofjnrara Stütze pötpirati, povezaca Kopftuch povezati um- 
binden, saphijaca Knüpfband säpinjati zuknöpfen, vljaca 
Art Sieb vljati worfeln, zapinjaca (und msk. zapmjäc) Sperr- 
holz zäpinjati, zitjaca Brummkreisel züjati summen, 2}.icnjaca 
Schaumlöffel pjhiiti abschäumen, prähaca kxi F?ing prähati 
(den Boden) lockern, värjaca Kochlöffel vdriti. 

375. 2. -ak, abg. -hH, -^^c^, daher bewegliches 
-a-, z. B. drialc Handhabe (zu driati halten) = drzhkö, gen. 
drska ■-— drzhka. Wenig Beispiele: Rjevak Trichter lijevaü 
gießen, vgl. döljevdk (gen. döUjevka) Füll wein döljevafi voll- 
gießen, ötarak Handtuch tärem trti reiben,, töcak Rad, 
Brunnenröhre tbciti (laufen lassen), väljak Walze vdljati, 
zvrcak Schnarre zvrcati; als Nom. ag. cvfcak Grille (Zikade) 
cvrknuti zwitschern. 

373. ?>. -äljka = ^-'--aljbka; fast ausnahmslos der 
Hauptton auf der Silbe vor -äljka, alle Silben vor 
dem Formans kurz: chhüljka Schaukel rübati se, cagr- 
fäljka Klapper cagrtati, dhdäljka Pfeife düdafi, izmetäljka Art 
Tanz izmetati auswerfen, käzäJjka u. a. Uhrzeiger käzati 
zeigen, niähäljka Klopfbrett für den Hanf (vgl. § 374 mä- 
haca) mdhati abklopfen, metälika Platz für das Stein vvurf spiel 
mctati werfen, namjäljka Art Garnwinde navijaü aufwickeln, 
okretäljka Art Riegel bkreiati drehen, p)säljka Gerät zum 
Bemalen der Ostereier pisati., prostväljka Art großer Nadel 
prosivati durchnähen, pühäljka Blaserohr pühati, snoväljka 
Vorrichtung zum Zetteln snövati, strcäljka Spritze strcaü, 
svlräljka Flöte svirati, shäljka Zulp shati saugen, sttpäljka 
Lichtputze stipafi kneifen. Ganz vereinzelt sind Bil- 
dungen auf -rljka von Verbalstämmen auf -?-: söpiljka 



240 Stammbildung der Nomina. [§ 376—378. 

Art großer Flöte sbjnti keuchen; in Nachahmung der Bil- 
dungen auf -äljka von solchen Stämmen sädäljha Pflanzholz 
säditi pflanzen, tüiäljka Klagelied tüiiti klagen. — In per- 
sönlicher Bedeutung narädäljka Schwätzerin narddati. 

377. 4. -ica, nicht unmittelbar vom Verbal- 
stamm ableitend, sondern vom ^-Partizip; z. B. 
drzalica Stiel drsati halten, glädilica Wetzstein gläditi glätten, 
käpalica Auffangegeschirr käpati tropfen, mähalica Fächer 
mdhati, mäzaUca Ölbüchse mäzati schmieren, pregledalica 
Schreib vorläge pregledati nach einem Muster machen, püha- 
lica (vgl. § 376 2}üliäljka) Blaserohr pühaü, sjecalica Hack- 
messer sjecati, trlica Flachsbreche trti reiben, väljalica Walk- 
mühle vdljati, züjaUca Brummkreisel (vgl. § 374 züjaca) 
züjati summen, sidüica Färberginster (Mittel zum Gelb- 
färben) Haiti. 

378. 5. ~lo; bei konsonantisch auslautenden 
Verbalstämmen ist -lo oder -slo als altes Formans 
anzusehen: jelo Speise ^'^jedlo (vgl. c. jidlo) jedem jesfi 
essen, leglo Brut ledi lezem, mäslo Schmalz = *maz-slo 
mäzati schmieren, ogreblo Flachsraufe ogrepsti -grebem kratzen 
(vgl. c. ohfeblo Ofenkrücke), oml-lo Ofenwisch, Kehrlappen 
= '■'o-metlo mesii nietem kehren, poreklo Zuname, Familien- 
name reci recem sagen, ptrelo Spinngesellschaft = ^predlo 
(vgl. c.prddlo Gespinst) presti (= 2')resti) predem, veslo Ruder 
= '^vez-slo vesti vezem fahren, vrijcslo povrijeslo Henkeleisen 
am Kessel (vgl. abg. vrzq vresti binden) = *verz-slo. 

Bei vokalisch auslautenden Verbalstämmen 
liegt wahrscheinlich überall -dlo vor; wo west- 
slavisch entsprechende Bildungen bestehen, haben sie -dlo, 
s. u. die cechischen oder polnischen Parallelen. Betonung 
und Quantität: Ableitungen von einsilbigen vokalisch aus- 
lautenden Verbalstämmen haben bei Hauptton " Kürze, bei 
Hauptton ' (d. h. bei alter Endbetonung) Länge, z. B. Mio 
(c. bidlo Stange, Kloben) Läute-(Anschlage-)Brett Mti, odijelo 
(ekav. odilo) Bekleidung ödjeti; Bildungen von mehrsilbigen 
Stämmen auf -a- und -i- haben stets die Silben vor -lo 
kurz. Beispiele (die Bedeutung ist zuweilen in die des 



§378.] Stammbildung der Nomina. 241 

Ortes der Handlung übergegangen): hjelllo Bleiche, weiße 
Schminke bijeliü weiß machen c. helidlo, cjedilo Seihgefäß 
cijediti c. cedidlo, cjepalo Spalteplatz (Holzplatz) cijepati, 
crvenüo Röte (= rote Farbe) crveniti röten c. cervenidlo, 
crnilo Schwärze chdü c. cernidlo, cMUa pl. Wunderdinge 
cMiti se sich wundern, jugnjilo Ort, wo die Schafe lammen 
jägiijUi, glädilo Wetzstein gldditi glätten c. Madidlo Glätt- 
^verkzeug, giidalo und güdilo Fidelbogen güdjeti geigen 
c. hndidlo Art Geige, dlzalo Heber dlzati, drzalo Stiel drzati 
halten c. drzadlo, \gralo Spielzeug vjyati, klepalo Läutebrett 
klepaü anschlagen c. klepadlo^ küpalo Badeplatz küpati 
c. kupadlo, mästilo Tinte mdstiti u. a. färben c. mastidlo 
u. a. Schmalz, mjerüa pl. Wage Viijenii messen c. meridlo 
Maßstab, mbcilo Flachsröste möciti netzen e. mocidlo, nösila 
pl. Bahre nbsiti tragen c. nosidlo, nnlo Waschlauge tuiti 
waschen c. mydlo Seife, ogledalo Spiegel ögledati besehen, 
oralo Pflugeisen (Neubildung statt rälo, s. u.) örati pflügen, 
perilo Waschplatz pierem prcdi, pllo Getränk plti ac. ])idlo 
Trunk, pÄfmalo Spucknapf pljiwcäi c. plivadlo, pujüo Tränke 
pöjiü Y)o\n.poidfo, 2)>'(ivilo Regel präväi [nchten] c. j/ravidlo, 
prepredalo Art Spindel prepredati überspinnen, prehrivcih) 
Schleier j;reÄ;/-/m^i überdecken, prohädalo Werkzeug zum 
Durchstechen probädati, rälo c. rddlo Pflug = "^ordlo zu 
>dr-ati pflügen, skäkalo Furt im Flusse, in der man vori 
Stein zu Stein springt skdkati, solilo Salzlecke sdliti. salzen, 
sträsilo Schreckbild, Vogelscheuche sträsäi c. strasidlo, siikalo 
Spulrad sükati drehen c. aoukadlo, sllo Ahle sUi nähen c. sidlo, 
thcalo Mörserkeule tücati stoßen, vjesala pl. Galgen vjesati 
hängen c. vesadlo Werkzeug zum Aufhängen, vrätilo Weber- 
baum vrätiti drehen c. vratidlo, vrelo Quelle = *ve)io zu 
■vreti abg. vbreti wallen, sieden c, vrullo Sprudel, zrcalo 
Spiegel c. zrcadlo, Mrijclo Engpaß, fauces -zdrijeti ver- 
schlingen c. zfidlo {zfidlo) Quelle, sütilo gelbe Farbe (als 
Färbemittel) zütiti gelb machen c. zhdidlo Färberginster. 
— In einigen Fällen haben Wörter auf '■'■•-idlo die Be- 
deutung von Nomina actionis (Verbalabstrakta), z.B. 
hjesnilo Wut bje.mjeti wüten, ludilo Narrheit lüditi se sich 

L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. 1 ti 



242 Stammbildung der Nomina. [§ 378. 379. 

närrisch gebärden, särilo Buntheit Stickerei sdrati bunt 
machen, tämnilo Dunkelheit tämnjeti dunkeln. Da neben 
den Verben Adjektiva wie hijesan, lud stehen, verbinden 
sich die Bildungen in der Empfindung mit diesen und 
*-i(Uo wird so auch zur Ableitung von Adjektiven aus 
verwendet, z. B. mrtvilo Schlafsucht mrtav tot, nistävüo 
Nichtswürdigkeit nlsfav, jedoch kann auch an Verba ge- 
dacht werden, alt mrtviti. 

Über Nomina intr. auf -ac und -äc s. §§ 358, 359, 362. 

379. III. "Wörter, die den mit einem Gegenstand 
dauernd oder berufsmäßig Beschäftigten bezeichnen (Ver- 
fertiger eines Dinges, Händler mit einer Sache usw.). 

-ür = abg. -arb; Ableitung von Substantiven, 
Quantität und Betonung s. bei § 365; sehr zahlreiche 
Bildungen; z. B. hräsnär Mehlhändler hräsno, bithrjär 
Trommler hühmij gen. bilbnja, cärinär Zöllner cärina Zoll, 
crevljär Schuhmacher crevlja, drvär Holzhändler drvo, düdär 
Maulbeergärtner düd, gädljär Dudelsackpfeifer gädlje pl., 
gränicär Grenzer gränica, govedär Rinderhirt göveda pl. Rind- 
vieh, Iglär Nadler Igla, kamenär Steinmetz kämen, hlobücär 
Hutmacher klobük gen. Mobüka, knjlzär Buchhändler hijlga, 
kötlär Kesselschmied kbtao gen. kbtla, közär Ziegenhirt kbza, 
TcöMr Gerber 1cö£a Fell, krcmär Schenkwirt krcma Schenke, 
Ijekär Arzt Ujek Arznei, mesär Fleischer meso, mlmär Müller 
mlin Mühle, nadnicär Tagelöhner nädnica Tagelohn, nbvinär 
Zeitungsschreiber növine pl. Zeitung, opawcar Opankenmacher 
öpanak gen, öpänka, ovcär Schäfer övca Schaf, plamnär Senn 
plamna Berg, xMtnär Leinwandhändler pldtno, pöljär Feld- 
hüter jpö^'e, prepelicär W SLchtelhund jJrejjelica Wachtel, ptlcär 
Vogelfänger ptlca Vogel, ribar Fischer rlba, stäklär Glaser 
stäMo, svccär der seinen Hausheiligen feiert svetac, svmjär 
Schweinehirt Schweinehändler svinja, tämnicär Kerkermeister 
tämnica Gefängnis, ügljär Kohlenbrenner ügalj gen. üglja, 
vinogrädär Weingärtner vlnogräd Weinberg, vrätär Türhüter 
vrdta pl., zlätär Goldschmied zläto, zvjezdär Sterndeuter 
zvijezda, zltär Getreidehändler Mo. In einigen wenigen 
Fällen sind Wörter auf -är gebildet ohne jene Beziehung, 



§ 379. 380.] Stammbildung der Nomina. 243 

so drügär Genosse (Mg dass., glävär poglävär Oberhaupt 
gläva Haupt, gospödär Herr (vgl. gospodin) göspöd dass. 
(nur von Gott dem Herrn gebraucht). 

380. IV. Wörter zur Bezeichnung des Ortes, wo 
sich ein Gegenstand befindet oder eine Handlung vor 
sich geht, Nomina loci. 

1. -'äk, -iijak; Ort (Behälter usw.) eines Dinges 
bezeichnend. Die Ableitung geht nicht unmittel- 
bar vom Substantiv, dem Namen des Gegen- 
standes, aus, sondern von einem daraus ab- 
geleiteten Adjektiv, mit wenig Ausnahmen (z. B. 
güscäk Gänsestall zu güscß Adj. zu güska Gans) von solchen 
mit w-Formantien, z. B. golübinjdk Taubenschlag golühinjt 
poss. Adj. zu gölüb Taube, maslenjäk Schmalztopf mäslen 
zu mäslo, plevnjak Spreubehälter pljevm zu pljeva Spreu. 
Aus den Bildungen auf -lyak kann dies auch als 
selbständiges Formans verwendet werden, wie 
etwa ein ribnjak Fischteich von riban (abg. rylwvb) abge- 
leitet sein, aber auch unmittelbar zu rlha Fisch bezogen 
sein kann. Liegt der Hauptton als ' auf der vorletzten 
Silbe, so geht er als ' in den obliquen Kasus auf -äh 
über ; Wörter mit " oder mit Hauptton auf drittletzter und 
weiterer Silbe verändern ihn nicht, z. B. päsnjäk pasnjdka, 
rlhnjäk ribiijaka, mrävinjäk mrävinjäka. Weitere Beispiele: 
böcnjäk Flaschenbehälter böca, dinmjäk Rauchfang dhn, 
kokösinjäk Hühnerstall Adj. kokdsinji zu kökös Henne, kösut- 
njäk Hirschgarten kösuta Hindin, krticnjäk Maulwurfshaufen 
krtica, mäticnjäk Zelle der Bienenkönigin mätica, mrävinjäk 
Ameisenhaufen Adj. mrävinjt zu mräv, mücnjäk der Mehl- 
kasten in der Mühle müka, bzicnjäk Löffelblech (zum Ein- 
stecken der L.) özica, päcinjäk Entenstall päce, päsnjäk 
Weideplatz päsa, pcelinjäk Bienenstand pcela, pepeljinjäk 
Aschengrube pepeo, sjenjäk Heuboden sljeno, zverinjäk Tier- 
garten koll. zverlnje zu zvljer Tier. Die Silben vor -äk 
sind kurz mit wenig Ausnahmen (vgl. oben mücnjäk; svi- 
jetnjäk ekav. svetnjäk Leuchter zu svijeöa Kerze). 

16* 



244 Stammbildung der Nomina. [§ 381. 382. 

SSI. 2. -ara; der Hochton als ' auf der drittletzten 
(der Silbe vor -ara), alle Silben vor -ara kurz. Ab- 
leitungen von Substantiven zur Bezeichnung de.-^ 
Ortes, Behälters; doch liegt ursprünglich wohl 
nicht unmittelbar der Name des Dinges zugrunde, 
sondern eine Bildung auf -är (s. §§ 365,379), so daß 
z. B. drvara Holzkammer eigentlich zu drvär Holzträger, 
Holzhändler (von dfvo) gehört. Das -ara ist aber selb- 
ständig geworden zu unmittelbarer Bildung von Ding- 
worten aus (vgl. unten die Bildungen auf -arica, -ärnica 
§§ 382, 384). Beispiele: hräsnara Mehlkammer hräsno 
(vgl. Iräsnär Mehlhändler), crepara Ziegelscheune crljep, . 
düdara Maulbeerpflanzung düd (vgl. düdär Maulbeerpüanzer), 
grncara Töpferei gfnac (vgl. alt f/rncär Töpfer), gmtara 
Dickicht cjusta das.s., gvbzdara Eisenladen gvözde (vgl. gvöMär 
Eisenhändler), hljebara Brotkammer Jdjeb (vgl. hljebär Brot- 
bäcker), kupusara Krautbottich kupus Kohl, övvara Schaf- 
stall ovca (vgl. övcär Schäfer), pnvara Bierhaus plvo (vgl. 
plvär Brauer), pljevara Spreubehälter pljeva^ pomijara Spül- 
faß pdmrje pl, Spülicht, sjcnara Heuboden sljeno, sträzara 
Wachthaus sträza Wache (vgl. sträsär Wächter) svllara 
Seidenfabrik svila {vgl. svUär Seidenhändler), ügljara Kohlen- 
brennerei ügalj gen. üglja (vgl. ngljär Kohlenbrenner), nzhiara 
Tasche für die uzina Jause, vünara Wollfabrik vüna. Zu- 
weilen, doch selten, ist der Konsonant vor -ara palatali- 
siert: däscara Bretterhütte däska Brett, vöstara Haus zum 
Wachspressen vbsak gen. vöska; vgl. auch oben bvcara zu ovca. 

In seltenen Fällen, die hier angereiht werden mögen, 
hat das raask. -är die Ortsbedeutung, so mljecär Milch- 
kanne (und Milchhändler) mlijeko, ogf/avär Kopfriemen des 
Pferdes (dass. ogläv) zu gidva Kopf, kilcär in der Zadruga 
die abgesonderte Wohnung des Ehepaares, zu küca Haus, 
sljivär Pflaumengarten (dagegen slßvär Pflaumenhändler) 
sljwa. 

382. 3. -ica, tritt verhältnismäßig selten un- 
mittelbar an das Substantiv, das zugrunde liegt, in 
bei weitem den meisten Fällen liegt ein von diesem ab- 



§ 382. 383.] Stammbildung der ]S'omina. 245 

geleitetes Adjektiv auf -hm, zugrunde, daher die Endung 
■mica, skr. -mco, das seinerseits, selbständig ge^vorden, auch 
unmittelbar von Substantiven ableiten kann. 

A. Unmittelbare Ableitungen mit -Ica: hremen- 
ira (wenn nicht = %remenbnica) Tragefaß Irhne iremena 
Last, hitrmuticM. Tabaksdose hurmnf Schnupftabak, kätran- 
ica Teerbütte kätran, sefnica Spazierplatz setnja Spazier- 
gang, ze'itinica Ölfläschchen zeüin. 

In mehreren Fcällen liegen Nomina auf -är zugrunde 
oder scheinen zugrunde zu liegen, so kozärica (neben ko- 
znra) Ziegenstall közär Ziegenhirt kösa Ziege, lojärica Stätte, 
wo Talg loj bereitet wird löjär Talgbereiter, loncärica 
Schiff zum Verladen von Töpfen (lönac) löncär Töpfer, 
ovcärica (und övcara) Schafstall övcär Schäfer övca Schaf, 
nbarica Fischerschiff ribär Fischer, iitarica (und Vitara) 
Getreideschiff Mär Getreidehändler ilto Getreide, Nach 
solchen Mustern sind gebildet kJädarica Wassermühle, die 
auf Pfählen oder Blöcken kläde steht, lükarica Art Lauch- 
kuchen Utk, ognjärica heizbare Hirtenhütte dganj gen. ögnja, 
tdjärica Ölgefäß ülje, räljarica Walkmühle vnljati u. a. 
walken. 

383. B. -nica; die Adjektiva auf altes ■h7iz 
sind entweder vorhanden oder voraussetzbar; 
oder -nica ist ohne eine Adjektivbildung un- 
mittelbar an das Substantiv gefügt: 

a) Bildungen von verschiedenen, der Form 
nach nicht näher bestimmbaren Substantiven, 
z. B. bäkälnica Spezereiladen bäkäl Spezereihändler, her- 
bernica Barbierbude bcrber, dmm'irnica Kohlenbrennerei <iü- 
mur, fisecnica Patronentasche flsek, gröbnica Grabstätte 
grob Adj. grobni, käniärnica Wagschale käntär Art Gewicht, 
käsapnica Fleischerei käsap (und käsapin) Fleischer, konica 
Wagenschuppen (= ^•koonka == *kolnica) köla pl. Wagen, 
kbnjusnica (daneben älter konjusärica zu konjüsär Pferde- 
hüter) könjüli (älter) Pferdeknecht, mücnica Mehlkasten 
niüka, nbznica Messerscheide nöz Messer, pänäürnica Pan- 
durenhütte piändnr, r'iznica (Kleider-)Kammer rua Kleid, 



246 Stammbildung der Nomina. [§383—386. 

snijeinica Schneegrube snljeg, nach dem Adj. S7ijezan wäre 
*snjeznica zu erwarten, Mjebnica Brotkammer Adj. liljebm 
zu hljeh Brot, strdsnica Wachthaus sträza Wache, sudnica 
Gerichtshaus Adj. südnl zu süd gen. süda Gericht, zbbnica 
Hafersack zob, sUnica Adj. zUni zu zito Getreide. 

384. b) Von Substantiven auf -ar (s. §§ 365, 
379), z. B. gvdidärnica Eisenladen (neben gvoMara) gvözäär 
Eisenhändler gvozde Eisen, knjizärnica Buchhandlung 
knjlzär knfiga, kolärnica Wagenwerkstatt kölär köla Wagen, 
kühärnica Küche Mihär Koch, löncärnica Töpferei löncär 
lönac, medärnica Honigstube niedär Honighändler med gen. 
nieda, mesärnica Fleischbank mesär Fleischer meso, pekärnica 
Backhaus pekär Bäcker, fuskärnica Schießscharte jyuskär 
Schütz, vbstärnica (neben vbstara) Ort, wo Wachs gepreßt 
wird vösak gen. vbska. 

Ähnlich sind die seltenen Ableitungen von Nom. 
ag. auf -rtc : koväcnica Schmiede köväc Schmied^ pljüväcnica 
Spucknapf *pljüväc Spucker zu pljüvati. 

385. c) Von -/-Partizipien, z. B. gbstionica = 
gostilhnica zu gosfilo skr. gbstio fem. gbstila zu gbstiti (von 
göst Gast) bewirten; eigentliche Bedeutung dieser Bil- 
dungen ist also: Ort, wo die Handlung stattfindet. Weitere 
Beispiele: c'itaonica Lesehalle citati citao cHala, djeljaonica 
Schnitzbank djeljati, kädionica Räucherfaß käditi, kidaonica 
Auswurf loch (für Mist) k'idati w'crfen (misten), mjesaonica 
Backstube mijesati (vgl. mijesiti, eigentl. «mischen»), Brot 
bereiten, pärioiiica Waschbalge pänti mit heißem Wasser 
(Wäsche) begießen, perionica Waschhaus perem präti, pljü- 
vaonica Spucknapf pljiivati, inmvaonica ^^'aschbecken umivati, 
väljaonica Walkmühle väljati. 

386. d) Ableitungen unmittelbar von Verbal- 
stämmen sind selten; möglich werden sie dadurch, daß 
man Bildungen auf -nica zu Verben hinzuempfindet, 
wenn solche neben dem Substantiv oder Adjektiv stehen, 
das eigentlich zugrunde liegt, z. B. läßt sich sudnica (von 
südnl zu Süd Gericht) leicht beziehen auf süditi richten, 
strdznica Wachthaus auf sträziti wachen; danach ent- 



§386-388.] Stammbildung der Nomina. 247 

stehen dann Wörter wie livnica Gießerei zu llvati, leznica 
Lagerstätte zu lesati liegen (dass. löznica zu löziti legen), 
strüznica Hobelbank zu strügati, püsnica Obstdarre zu püsiti 
rauchen (= Rauch machen). 

387. 4. -iste aus *-iskje, Weiterbildung von 
-isko (vgl. c. ohen Feuer, abg. ognb, ohnisko Feuerstätte 
und ohniste = abg. ogniste skr. öfjnjiste). Die Silben vor 
-Iste fast ausnahmslos kurz. 

A. Den Ort eines Dinges bezeichnend, häufig 
von Pflanzennamen den Acker, wo die Pflanze gestanden 
hat, von Gebäuden oder Ortschaften die Ruinenstätte, 
von Werkzeugsbezeichnungen Stiel oder Handhabe, Zahl- 
reiche Bildungen; Beispiele: blätiste Stelle eines ehemaligen 
Sees bläto, crkvtsfe Ort einer ehemaligen Kirche crkva, 
dämste Ort, wo man sich den Tag über aufhält, dän, clvö- 
riste (dvörlste) Ruine eines Hofes dvör, duvämste früheres 
Tabaksfeld diivän, gräbipste Rechenstiel gräbJje, grebemste 
Krämpelstiel greben, igriste Spielplatz igra Spiel, könopljiste 
ehemaliger Hanfacker könoplje, kösiste Sensenstiel kösa, 
küciste ehem. Hausplatz küca, länlste ehem. Flachsacker 
Imi, Ibviste Platz zum Fischfang löv löva (Fang) Jagd, 
Ijetlste Sommeraufenthalt Ijefo, nöciste Nachtlager nöc, öst- 
vlste Dreizackstiel östve pl. Dreizack (ein Fischspeer), pana- 
dürUte Marktplatz pänadür, pnstanisfe Hafenplatz pristan, 
selisfe Platz eines ehem. Dorfes selo, sjekirJste Beilhandhabe 
sjekira, iäoclste Zufluchtsort üfok Zuflucht, vätriste Feuer- 
stätte vätra,zböriste {zbönste) Sammelplatz ^ftör Versammlung. 

388, B. Den Ort einer Handlung bezeichnend: 

a) Unmittelbar von Verben; pälUte Brandstätte 
päliti anzünden, päslste Weideplatz päsfi pdsem, pöjUte 
näpojiste Tränke pöpti nap., sjediste Sitz sjedüi sitzen. 

b) Von ^-Partizipien: hükallste Ort, wo die Ochsen 
brüllen bükati, tgraliste Spielplatz (vgl. oben Igrlste) -igrati, 
ogörjeliste Brandstätte ogörjeti anbrennen, pädalUte Lager- 
stätte pädati fallen, pjevaliste (poet. Wort) Ort, wo man 
singt pjevati, pociväliste Ruhestätte pocivati ruhen, rvaliste 
Ringplatz ivati se, skäkalUte Springplatz shdkati, setaliste 



248 Stammbildung der Noraina. [§388—391. 

Spazierplatz (vgl. oben setnica) setatl se, frkaliste Rennhahn 
frkati, vljaliste (im Gedicht) Ort, wo die Wölfen heulen vijati. 

389. 5. -je, abg, -bje. Verbindungen von Prä- 
position und Kasus können zu einem einheit- 
lichen Substantiv mit Formans -bje skr. -je ver- 
schmolzen werden; z. B. 2)od^ gorojq skr. pod göröm 
«unter dem Berge» zu poä^gorbje skr. pödgörje. Die Silben 
vcr -je sind gedehnt, s. § 313. Diese Bildungen sind 
eigentlich eine Art Abstrakta: «das unter dem Berge 
sein», haben aber die konkrete Bedeutung «das Land 
oder das Ding, das sich in der betreffenden Lage be- 
findet», also pbdgörje «Gegend am Bergfuß». Beispiele: 
pobrcte Land am Berge pio, bfdo; Podnnje das Land an 
der Drina po, Dr'ina; prtwörje Küstenland, Land am ^Nleere 
pri, möre; zägörje Land hinter dem Berge za, göra; iizglävlje 
(eigentl. was am Kopfe uz glävu ist) Kopfkissen ; zäru- 
kävlje Stickerei am Ärmel za, rukäv. 

3f>0. V. Wörter, die den zu einem Lande, einem 
"Wohnoi't, einer Menschenklasse gehörenden bezeichnen; 
Völker-, Einwohner-, Klassennamen. 

1. -^(c = abg. -fecft, zahlreiche Bildungen, meist 
von Ortsnamen, z. B. Biögradac Belgrader Biögrad, 
Decdiiac einer aus Decäm., Kösovac einer von Kosovo, Sara- 
jcvac einer aus Sarajevo; besteht die Ortsbezeichnung aus 
Adjektiv und Substantiv, so entsteht mit Formans -ac 
''in Kompositum, z, B. Crnbgorac Montenegriner Crnä göra, 
(lornjdzemac Oberländer gdrnjä zemija, onosfränac einer vom 
jenseitigen Ufer önä strdna. — Nicht von Ortsnamen 
tiidinac Fremdling neben tüdin dass., ebenso gebildet ndsinac 
<ler Unsrige (nostras) zu näs unser. 

301. 2. -in, bezeichnet das zu einem Volke 
*ider einer Men schenklasse gehörende Individuum 
(über die Deklination dieser Wörter, deren Formans -in 
auf den Singular beschränkt ist, s. § 582). 

A. Einfaches -in, Völkernamen, z. B. Arnmdin 
Albanese, Bügarin pl. Bügari Bulgare, Srbin pl. Si''bi Serbe, 
ThrHn Türke pl. Türci. 



§391.392.] Stammbildung der Nomina. 249 

Klassennamen: doniäcin (pl. hier domäc'mi) Haus- 
herr, Vorsteher des Hauses (vgl. Adj. ddmäci häuslich, . 
zum Hause gehörig), gospödin Herr gospoda pl. koll., tMin 
Fremdling zu Adj. tüd fremd. Öfter kommt die Bildung 
vor bei Fremdwörtern, namentlich türkischen, z. B. ärgatin 
Tagelöhner aus ngr. dpYdxrig (für agr. epYdTr|(;), herherin 
(neben herber Barbier, türk.), cbhanin (neben cbhan türk.) 
Hirt, dusmanin (neben düsmän türk.) Feind, ääurin (neben 
(fäur türk.) Ungläubiger, käsapin (neben häsap türk.) 
Fleischer, nälhäntin (und nälbänta türk.) Hufschmied. 

B. -'an-in, der vorangehende Konsonant palatalisiert ; 
wo r steht, ist es aus /• hervorgegangen, s. § 134; der 
Plural wird von -an- gebildet, s. § 582, dort auch über 
die Quantität des -an-). 

Völker- und Einwohnernamen, sehr häufige Bil- 
dungen, z. B. Becanin Wiener Ber Wien, Bibgraäanin Bel- 
grader Biograd, Cetinjanin einer aus Cetinje, Mostäranin 
Mostarer Mdstär, Rimljanin Römer J?m, Rüdnicanin einer 
aus Riidnik, Zädranin Zaraer Zädar gen. Zädra Zara, Von 
appellativischen Ortsbezeichnungen z. B. dvöranhi ein am 
Hofe lebender, Hofmann dvör, gbranin Gebirgsbewohner 
gbra, grääanin Festungsbewohner, Städter grad, mjestanin 
Ortsbewohner mjesfo, küöanin Hausbewohner (pl. kucäni 
Hausgenossen) M(5a, vgl. nkui'-anm Einmieter, dstrvljanin 
Inselbewohner östrvo, sHianin Dörfler, Bauer selo, väromnin 
Städter vdros. 

Klassenbezeichnungen, z.B. hriscanin Chiisi (der 
oriental. Kirche) zu Hrtsfos gen. Hnsta Christus, krsranin 
Christ (der röm. Kirche) vgl. Isu-Icrst Jesus Christus, pti- 
('anrn ein zum Bürgerstande pük Gehöriger, sträianin 
Wächter (Angehöriger einer sträia Wache) serezanin früher 
eine Art Grenzsoldat, zu sheg (türk.) Kompagnie. 

39^. VI. Wörter, die, allgemein ausgedrückt, den 
mit einer Eigenschaft Behafteten oder ein durch die 
Eigenschaft gekennzeichnetes Ding bedeuten. Die Be- 
deutung verengert sich oft so, daß nicht beliebige die 



250 Stammbildung der Noraina. [§392.393. 

Eigenschaft wirklich oder in der Vorstellung tragende 
Dinge so bezeichnet werden, sondern nur ganze bestimmte 
so beschaffene; z.B. hlädmk könnte an sich alles heißen 
was kühl hlddan ist, bedeutet aber eine «Laubhütte», ein 
bestimmtes Ding, das kühl ist; llsmlc (= listhnikb) an sich 
«etwas Laubiges», zu dem früher gebräuchlichen Adj. 
Ustan laubig (zu Ust), heißt «Laubhaufen, Laubschober». 
Wenn ein solches Adjektiv nicht gebräuchlich ist, so ge- 
winnt es den Anschein, als sei das Formans, hier -nik, 
unmittelbar an ein Substantiv, hier llst, gefügt. 

Die zu solchen Substantivierungen von Adjektiven 
verwendeten Formantien werden bisweilen auch zur 
Ableitung von Substantiven aus gebraucht, und die 
Wörter bedeuten dann einen, der mit dem Dinge zu tun 
hat u. ä., vgl. z. B. d-ivljäk der Wilde vom Adj. dtvlji 
wild mit pöljäk Feldhüter von pölje Feld. 

39S. 1. -ac = -bch, sehr häufige Bildungen; Per- 
sonenbezeichnungen, beständige Träger der be- 
treffenden Eigenschaft, z. B. bälavac Rotziger lälav, 
hole pl. Rotz ; iräiinac Geschwisterkind brätin dem Bruder 
h'ät angehörig; govorljivac Redseliger govörljiv; gübavac Aus- 
sätziger gübav, güba Aussatz; lirömac Hinkender lirom lahm; 
jedinac einziger Sohn jedini einzig; krivac der Schuldige 
kriv; läkomac Habsüchtiger läkom; mrtvac Toter, Leiche 
mrtav; tiijemac der Stumme mjem; pijänac Säufer fijan 
betrunken; sämac allein lebender säm allein; sküpac Geiz- 
hals sküf (karg) teuer; slijepac Blinder slijep; stärac Alter, 
Greis stär; sväac der Heilige svet; vjestac Hexenmeister 
(eigentlich Geschickter) vjest; vränac Rappe vrän schwarz; 
znmiac Bekannter znän. — Selten unmittelbar von Sub- 
stantiven: bojac Kämpfer bdj Kampf. 

Sachen, z.B. cijelac bahnloser (eig. intakter) Schnee 
CIO fem. cijela unversehrt, cüpavac Art zottiger Teppich 
cüpav, ozimac Winterfrucht özhm Winter-, prijecac gerader, 
kürzester Weg pnjekl, strmac steiler Ort strm, studenac 
Quell stüden kalt, tjesnac Engpaß tijesan eng, vrüöac Stelle 
im Fluß, die nicht zufriert vrüö warm. 



§ 393—395.] Stammbildung der Nomina. 251 

Wenn -ac am Ende von Zusammensetzungen aus 
Adjektiv und Substantiv steht, so liegt ursprünglich auch 
ein daraus entstandenes adjektivisches Wort zugrunde, 
z. B. vrtbglavac «Schwindelkopf» (eig. einer, der einen 
Drehkopf hat, zu vrtjeti se sich drehen, vrti mi se mir 
schwindelt, und gldva) von Adj. vrtoglav schwindlig. Bei 
diesen Bildungen ist aber nicht immer ein Adjektiv vor- 
handen, vgl. z. B. hjelökorac Messer mit weißem Heft hio 
fem. bijela, köre pL, inövjerac Andersgläubiger zu altem 
inö und vjera, petdprstac Fünffingerkraut pet fünf prst 
Finger (daneben petöprsfa, eig. fem. Adjektiv). 

394. Eine besondere Gruppe bilden die von Ad- 
jektiven auf -ov (mit possessivem Sinn bei Ableitungen 
von Personenbezeichnungen, s. § 583) herkommenden. 
Von Personennamen bedeuten sie Angehörige oder 
Anhänger der betreffenden Person, z. B. hegovac einer von 
den Leuten des Beg hegov heg, cnrevac Mann, Anhänger 
der Zaren cärev cur, muhämedovac Mohammedaner muJiä- 
medov muhämed; von Pflanzennamen: den Stock aus 
dem betreffenden Holz, z. B. brhovac ßirkenstock hrezov 
hreza, hukovac Buchenstal) hukov bükva, glögovac Stock aus 
Weißdorn glög glogov, jäsenovac Eschenstab jäsenov jäsen, 
Vrpovac Lindenstab Viptov llpa, trskovac Rohrstock trska. 

S95. 2. -aca, -'aca; die Silben vor dem Formans 
sind kurz. 

A. Von Adjektiven; die Form -aca (Konsonant 
vorher nicht palatalisiert) ist regelrecht nur bei Ableitungen 
von Adjektiven auf -ov, außerdem sehr vereinzelt (vgl. 
bjelaca Art weißen Männergewandes, zu blo fem. bijela, 
mekaca Art Äpfel, zu mek = abg. mekhkh weich); sonst gilt 
-'aca (Konsonant vor -aca palatal). 

Beispiele von -'aca: tvanjaca Johannisapfel poss. Adj. 
ivanj zu Iva7i, krävljaca Melkkübel poss. Adj. krävlji zu 
häva Kuh, üskrsnjaca (eig. die Österliche, z. B. ein Hemd 
kösulja) ttskrsnji, vecernjaca Abendstern vecernji abendlich. 
— crvenjaca Art Äpfel ci-ven rot, kiseljaca u. a. Sauerklee 
klseo fem. Msela sauer, nijedenjaca Glöckchen von Bronze 



252 Stammbildunt^ der Nomina. [§395—398. 

mjeden nißd, prienjaca Leinwandtasche pyten linnen, vjeire- 
■njara Windmühle '-'vjetren vjetreni zu vjefor Wind. 

396. In Bildungen von Adjektiven mit altem 
-hm skr. -an (mit beweglichem a) entsteht ein 
Formans -njaca, z. B. drohnjaca kleine Olivenart zu 
droban (= drobhm) fem. dröbna (= drobhna) klein, mesnjaca 
Fleisch-, Bratwurst mesan fleischern meso Fleisch, räv?ijaca 
oben flache Mütze rdvan eben, zmnjaca W^interapfel zimm 
winterlich zima, slämnjaca Strohsack slcmint strohern släma. 
Dies -njaca wird dann selbständig an Substantiva gefügt, 
auch wenn vielleicht ein Adjektiv auf -hm nie gebildet 
war, z, B. habernjaca Lärmkanone (zum Signalgeben) Mber 
Nachricht, krövnjaca Strohhütte kröv gen. Tcröva Dach, 
Udmjaca mit Bast lüh gedeckte Hütte, päsnjaca Art Waffen- 
gürtel päs Gürtel, paprdtnjaca Standort von Farn päprät, 
zornjaca Morgenstern zdra Morgenröte. 

397. -ovara, Ableitungen von Adjektiven auf 
-ov, die von Pflanzennamen herkommen; bedeuten fast 
ausschließlich Stöcke aus dem Holz der Pflanze, 
hie und da auch andere Dinge, die aus der Pflanze ge- 
macht werden; fast regelmäßig stehen daneben Mask. auf 
-ovac (s. oben § 394), z. B. brestornca Ulmenstock (und 
brestovac) bresfov brljest, hrezovaca Birkenstock (s. o. brezo- 
vac), buJcovaca (s. o. hukovac)^ cerorara (und cerovac) Stock 
aus Zereiche cerov ccr, hrästovaca (und hrästorac) Eichen- 
stock hrästov hräst, IjesJcovaca Hasel stock (und Ijeskovac) 
Ijeskov lijeska, tresnjovaca Stock aus Kirschholz (und fres- 
vjovac), auch Kirschbranntwein, vgl. köniovara Trester- 
branntwein komov körn, mäkovaca Mohnkuchen niäkov muk. 

398. B. Von Substantiven. Die Endung er- 
scheint als -'aca, w^enn das (Trundwort selbst den letzten 
Konsonanten palatal hat, z. B. bödljaca stachliges Gewächs 
bödlja Stachel, aber auch, wo dies nicht der Fall ist, z. B. 
Ijemenjaca Ausschlag am Kinderkopf zu fjeme gen. tjhnena 
Scheitel. Die Wörter haben so verschiedene Bedeutungen, 
daß sie sich nicht unter einen allgemeinen Begriff" bringen 
lassen, vgl. jäjaca Art großer Pflaume (Eierpflaume) jäje 



§ 398 — 400.] 8tammbilduDg der jS'ouüna. 253 

Ei, kdpljaca Fahnenlanze kdplje Lanze, flamenjaca starke 
Sonnenhitze plämen Flamme, ramenjaca Achselstück (am 
Hemde) räme gen. rämena; bjelösljivaca Branntwein aus 
bjeldsljiva einer Art Pflaumen, <'nbaca Schopfhenne cüba 
Schopf, kötlaca eiserner Kessel kötao gen. kotla Kessel, 
krUaca eine Vogelart k)-'do Flügel, ndgace pl. Schrägen 
nöga Fuß, pletivaca Strickbeutel plHlvo Strickgarn, zhhaca 
Egge züb Zahn. 

390. 3. -ak = -okh {-bkh), mit beweglichen -a-, z. B. 
jedinak der Einzige (einzige Sohn) gen. jedhika zu jcdhn 
einziger. A. Ableitungen von Adjektiven und Par- 
tizipien, z. B. cetvrtak Donnerstag cetvrtl vierter, desefak 
der Zehnten desetl, devetak Neuntel deveti, petak Freitag 
jieti fünfter, suvisak und visak Überschuß, das Mehr 
süvise zuviel, vlsS mehr, süsci (sg. säsak) am Stock ge- 
trocknete Trauben süh trocken. Etwas häufiger sind solche 
Bildungen von Partizipien per f. pass. auf -n und 4, 
z. B. dänak Abgabe dän gegeben däti, dobitak Gewinn doblt 
gewonnen döbiti, döspjetak Vollendung ddspjeti, napiiak Trunk 
näpiti se, povitak Windel pdviti wickeln, pocetak Anfang 
2)öceti, ebenso zacetak zu zäceti, nach diesen Mustern ist 
geschaffen dovrsetak svrsefak Vollendung zavrsetak Schluß zu 
dem Verbum -vrsiti; osnütak ^\'eberaufzug osndvati (alt 
-snuti) präs. ösnujem zetteln, pljuvdndk Speichelauswurf 
pljüvati, posianak und pbstatak Entstehung pösfati. 

400. B. Ableitungen von Substantiven. 
Den häufigen Bildungen liegen zugrunde Ver- 
bindungen von Substantiven mit Präpositionen, 
die bei Anfügung von -ak zu Komposita werden, 
z. B. pödbradak Vnterkinn, eigentlich ^ya.ä pod brädöm «unter 
dem Bart» ist. Beispiele: bezmafak Bienenstock ohne 
Königin (zu viäti Mutter) mätica Bienenkönigin, dörucak 
Frühstück = Mahlzeit vor dem rücak, dovratak Türpfosten 
vräfa pl. Tür, näpredak Fortgang, Zukunft näprijed voran, 
näprstak Fingerhut = was na prstu auf dem Finger ist, 
näramak Bündel räme Schulter, övrsak das Oberste von 
etwas vrh, pbdzimak Herbst zima \\''inter, pödrepak Schwanz- 



254 Stammbildung der Nomina. [§400.401. 

riemen rep, ponedjeljak Montag = was nach Sonntag ned- 
jelja kommt, prmsak Ohrfeige Mo Ohr, üzglavaU Kopf- 
kissen gldva Kopf, zäpeöak Platz hinter dem Ofen pec, 
jjotömak Nachkomme pdtom nachher, 

401. 4. -äk, -äk, -)ijäk; mit wenig Ausnahmen 
haben die sehr zahlreichen Wörter die Silben vor -a- 
kurz. Durch die Verbindung von -'äk mit Adjek- 
tiven auf -n entsteht ein Formans -njäk, das dann 
auch selbständig angewendet wird. Neben den Bildungen 
auf -njäk stehen oft solche auf -nik. Die Ableitungen 
geschehen von Adjektiven und Substantiven, ganz ver- 
einzelt von Verbalstämmen, so prdsjük nom. ag. Bettler zu 
prbsiti. 

A. Ableitungen von Adjektiven: 

a) -äk, vorhergehender Konsonant nicht pala- 
talisiert, z. B. hrzäk Flußschnelle U-z schnell, (jlühäk der 
Taube (jViüi, lüdäk Tor lud, Ijeväk ein Linkshändiger lljevi, 
Ijütäk wilder Granatapfel Ijfit herb, pröstäk einfältiger 
Mensch prost; cetvrtäk vierjähriges Tier cetvPti vierter, 
devetäk neunjähriges Tier deveti neunter, osmäk achtjähriges 
Tier ösmi achter, petäk Fünfer (Geldstück von fünf Ein- 
heiten), fünfjähriges Tier peti fünfter, sestäk Sechser 
(Münze), sechsjähriges Tier sesti sechster. 

b) -'äk, der vorangehende Konsonant palatal. 
Wo das zugrunde liegende Adjektiv bereits letzten pala- 
talen Konsonanten hat, ist nicht unterscheidbar, ob -äk 
oder -'äk vorliegt, z. B. böijäk Bettler (eigentlich etwa 
«Gottesmann») höiji poss. Adj. zu bog, dlvljäk der Wilde, 
Wildschwein dlvlß, gödisnjäk Jährling godisnji, kütnjäk 
Stockzahn kiitnji züb Eckzahn zu küt Ecke, misjäk Mäuse- 
dreck mlsji Adj . zu nils Maus, treöäk ein Dreijähriger treci 
dritter, nskrsnjäk Osterei üskrsnß österlich zu üskrs, vjestäk 
Geschickter vjest. 

Der letzte Konsonant des Adjektivs nicht palatal, 
z. B. bezäkonjäk Mensch ohne Religion (eig. Gesetz), vgl. 
abg. hezakonwiö, bezboznjäk (und Uzhomxk) Gottloser hez- 
lomn, crvenjäk roter Wein crven rot, dosljak Ankömmling 



§401—403.] Stammbildung der Nomina. 255 

ddsao fem. dosla angekommen zu doöi (= do-iti), kiseljäk 
Sauerampfer kiseo fem. klsela sauer, nevjernjäk (und nevjer- 
ntk) Ungläubiger nevjeran, prehodnjäk (und prehodnik) Leit- 
hammel vgl. prehodnl dvan, rlbnjäk Fischteich rlhan fisch- 
reich riba Fisch, slobodnjäk Freisaß Slobodan frei, veseljäk 
lustiger Bursch veseo fem. vesela. — Von Partizipien prät. 
pass. z. B. öbjesenjäk (Galgenstrick) Lumpenkerl dbjesen zu 
objesiü aufhängen, pokrstenjäk zum Christentum Über- 
getretener pokrstiti zum Christen machen, poturcenjäk 
Renegat poturciti vertürken. — Wenn die Bildung erfolgt 
von Adjektiven auf -skt, so entsteht durch die Wandlung 
von sk' in st die Endung -stak, die gelegentlich auch an- 
gewendet werden mag, ohne daß ein solches Adjektiv vor- 
handen ist, z. ß. durdevstäk einer, der den heiligen Georg 
Burad zum Schutzpatron hat äurdevski, görstäk Gebirgs- 
bewohner gorsM zu gdra, ilijnstäk der den Tag des heil. 
Elias Ilija feiert Uljnskt. 

403. B. Ableitungen von Substantiven. 

a) -äk, selten, z. B. dvlzäk neben dvlze zweijähriger 
Widder, ömäk neben öme junges (etwa einjähriges) Füllen, 
slfiväk (neben sljivik) Pflaumengarten slfiva, suräk und shr- 
jäk Schwager (dass. süra). 

b) -'äk; das Grundwort mit letztem palatalen Kon- 
sonanten, z. B. müzjäk Männchen (der Vögel) müz Mann, 
pöljäk Feldhüter pölje, temeljäk stämmiger Mensch temelj 
Fundament, zemljäk Landsmann zemlja. 

Das Grundwort mit letztem nicht palatalem Konso- 
nanten, z. B. Bösvjäk Bosnier Bösna, Imenjäk Namens- 
vetter Ime gen. hnena, vgl. prezimenjäk einer mit gleichem 
Zunamen prezime, Ijestäk Haselstaude lijeska dass., rodak 
Verwandter, Vetter röd roda Geschlecht, trscäk Röhricht 
tiska Rohr. 

403. c) -njäk, z. B. änatemnjäk (neben änatemmk) 
des Anathema änatema würdig (wohl von einem alten Adj. 
'•'anateman), pökoznjäk Furunkel (eig. was unter der Haut 
kosa ist), näocnjäci pl. Scheuleder (vgl. näocnlk Brille) na 
oko Auge, prokletnjäk (und prokUtnik) Verfluchter pröklet. 



256 Stannnbilduug der Nomina. [§ 403—406. 

pfsnjäk w. a. Brustriemen phi pl. Brust, stöhjäk Tisch- 
tuch dö gen. stöla, irpesnjak dass. zu trpeza, mnjäci pL 
Ohrgehänge ülio, zähvjak Frosclilaich iäha. 

404. Eine besondere Bedeutung gewinnen die Ab- 
leitungen von Pflanzennamen mittels -clk, -'äk, -njäk; 
cie bezeichnen eine Ansammlung, den Standort, das Ge- 
büsch u. ä. solcher Pflanzen: hrötnjäk Feld für Färberröte 
hröc, drenjäk Kornelkirschenwald drijen, glösjäk Weißdorn- 
stand (jlog, ghnljäk Eichenwald grm, tvljak Weidenstand 
Iva, jägodnjük Erdbeerstrauch jägoda, josljäk Erlenbusch joÄrt, 
jovljäk dass. jöva, liicnjäk Knoblauchgarten lük, Ijestäk Hasel- 
busch lijeska, pavUnjäk Waldrebengebüsch fävU, ruzicnjäk 
Rosengarten rüzica, slßväk Pflaumengarten sljlva, topöljäk 
Pappel wald topöla, ih)jäk Dornbusch trn, irscäk Röhricht 
trska, vöcnjäk {vötnjäk) Obstgarten voce, vrhljäk Weiden- 
gebüsch vrba; vgl. auch kamenjäk Ort mit vielen Felsen 
kämen. 

405. 5. -älj, die Silben vorher kurz; seltenere Bil- 
dungen, von Adjektiven wie von Substantiven, 
z. B. cetwtälj Art Getreidemaß cetvrti vierter, gühälj Grind- 
mähre guha Aussatz, Räude, kiisälj gestutztes Pferd km, 
pütälj Pferd mit Blässe (eig. mit Fessel püto) am Fuß, 
slvälj Grauschimmel s'iv grau. 

40©. 6. -äs, Bildungen von Adjektiven und 
Substantiven aus; die Silben vorher kurz, mit wenig 
Ausnahmen der Hochton im Nominativ als ' auf der 
Silbe vor -äs, in den obliquen Kasus geht er in diesem 
Fall auf -äs über als ', z. B, kriläs gen. krildsa. 

A. Ableitungen von Adjektiven, nicht häufig, 
2. B. hjeläs Schimmel blo fem. bijcla weiß, hogätäs Reicher 
högat, mahnttäs Tor mähnit, x)lememtäs Edler plhnenit adlig, 
krtväs langes krummes Messer kriv krumm, velikäs Magnat 
vlllk'i groß. 

B. Ableitungen von Substantiven; die Wörter 
bedeuten den oder das mit dem Dinge Ver- 
sehene, Beschäftigte u. ä. ; sehr häufige Bildungen. 



§406—408.] Stammbildung der Nomina. 257 

a) -äs, der vorangehende Konsonant nicht 
pal ata 1, z, B. gäjdäs Dudelsackpfeifer gäjde pl. Dudel- 
sack, ihräs Rogner ikra, imeläs (und meläs) Misteldrossel 
Imela (und mela) Mistel, kärtäs Kartenspieler kärfa, krdäs 
(eig. der Geflügelte) Adlertaler krilo Flügel, lUhiäs (und 
llcinär) Bastseiler lUina Baststrick, örläs Adlertaler örao 
gen. 6rla^ x>äprikäs Fleischspeise mit päprika, pelenäs Wer- 
mutwein pelen, pencUeräs Nachbar gegenüber p)endzer 
Fenster, pletkäs Ränkeschmied pletke pl., rabötüs Arbeiter 
räbota, iamhlräs Tamburaspieler tämhura. 

b) -'äs, der vorangehende Konsonant palatal; 
die meisten von solchen Grundworten, die bereits den 
letzten Konsonanten palatal haben, so dupljäs Holztaube 
düplja Baumhöhle, medäs und pomcdäs Grenznachbar meda 
Grenze, tikljäs Stangenbohrer irklja Stange; öfter von 
Fremdwörtern, die skr. auf -ija enden, und von serbokr., 
•die diese Endung angenommen haben, z. B. dimVtjäs einer 
der dlmlije (pl.) eine Art langer Hosen trägt, gaVijäs 
ßchiffsknecht gälija, wwryäs Pfarrkind j»rr(;'a Pfarrsprengel, 
robljäs Fronarbeiter robija Frone zu röb Sklave. — Selten 
ist -'äs bei Grundworten ohne palatalen Konsonanten, so 
gftvnjäs eine Art Holztaube (eig. Ringtaube) grivna u. a. 
Armband, grljäs dass. zu gflo Hals, Kehle, glagöljäs G!a- 
golitenpriester. 

407. 7. -ei (über -ei bei Nom. actionis s. § 474), 
selten, von Adjektiven ableitend, z. B. mlädes Jugend 
d. h. junge Leute mläd, fiitnes Kleinigkeit iiitan klein fein, 
stärez alte Überbleibsel stär alt, tn'üdez verfaulte Dinge 
trüo fem. irula (= trühla) morsch, faul. Von Substantiv: 
pile£ ;Menge kleiner Kinder plle junges Huhn, Junges. 

408. 8. -tc, der Hoch ton als ' auf der vorletzten 
Silbe des Nominativs, geht in den obliquen Kasus als 
auf -Ic über, die Silben von dem Formans sind kurz, 
z. B. mlädU gen. mladica Jüngling zu mläd jung ; seltene 
Bildungen, vgl. noch brzU der Schnelle brz, ddbric zu dö- 
bar gut, zlic zu zäo fem. zlä, beides = Beule (Geschwür), 
■ersteres euphemistisch, gölte der Nackte gö fem. gdia, mfis- 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 17 



258 S tarn mbi 1(1 ung der Nomina. [§408 — 410. 

kic kleiner Junge müski von nini Mann, oblic zylindrischer 
Stab öbao i'era. öbla rund, sljepU Blindschleiche slijep blin'l. 

409. 9. -th; wenn der Ableitung ein Adjek- 
tiv auf altes -hm, skr. -an (mit beweglichem a), 
zugrunde liegt, entsteht eine Endung -nilt (aus 
-hnikh), die dann auch selbständig ohne ein vermittelndes 
Adjektiv zu Ableitungen von Substantiven aus verwendet 
wird. Die Ableitungen auf -Ik außerhalb -hnikö haben die 
Silben vor dem Formans kurz mit ganz vereinzelten Aus- 
nahmen. 

A. -ik; Ableitungen von Adjektiven und Par- 
tizipien. 

a) Von nicht par tizi p ialen Adjektiven, z. B. 
crnik Schwarzer (Scheltwort = Böser) crn, jeänogddisnßei 
in gleichem Jahr geborene jedan godisnjl; jäbukovik Apfel- 
wein jäbukov jäbuka, jänk Sommergetreide järi Sommer-, 
lurtvik schlaffer Mensch tniiav gen. mrtva tot, rämk früh 
reifende Frucht räni früh, slämk Salzfaß, Art Steinsalz 
slän salzig, sljivovik Pflaumenwasser sljlvov sljiva, töplik 
Südwind töpal fem. töpla warm, vedrlk Lichtung im Röh- 
richt vedar fem. vedra licht, heiter, vmijotnk Kirschwein 
visnjov vlsnja. 

410. Eine besondere Gruppe bilden die Ablei- 
tungen von Adjektiven auf -eji und (weniger 
häufig) -au; es entsteht in ihnen eine Verbindung -etiik, 
-anik, die dann weiter ohne Adjektiv unmittelbar zur Ab- 
leitung von Substantiven aus gebraucht werden kann, 
z. B. brätstvemk (und bratsivenjäk) einer aus einem brätstvo, 
vom Adj. Iräfstven, drfizbemk Genosse drüzben (in älterer 
Spr.) zu drüzba Genossenschaft, ledemk Eisgrube leden zu 
led gen. leda Eis, molitvenik Gebetbuch mblüveni zu molitva 
Gebet, pählenik Teufel 7?r)Ä-/ewi zu päkao gen. imkla Hölle, 
pöslenik Arbeiter jjöslem Arbeits- zu posao gen. pösla, slüz- 
benik Diener slüzben (in älterer Spr.) zu sluzba Dienst. 
Nach solchen Fällen gebildet hapsemk Arrestant haps Ge- 
fängnis, öiadzbemk Eingeborener, vgl. ötadzbina Vaterland, 
sedlemk Reitpferd sedlo Sattel, trüdbemk der sich Mühe 



i;^ 410—412.1 Stanirubiklung der Nomina. 259 

gibt trüdha. — suncämk Sonnenuhr, Sonnenblume suncäni 
Sonnen- zu sünce Sonne, svecämk = svccant dän Feiertag zu 
svetac gen. sveca Heiliger ; ebenso gebildet z. B. drvJjänik 
Holzhaufen drvlje koll. zu drvo, kbpljanih Lanzenträger 
koplje, perjamk (eig. Federbuschträger) Bezeichnung einer 
Truppe in Montenegro perje koll. zu ^^ero Feder. 

411. b) Von Partizipien prät. pass., z. B. 
hraujemk Zögling, Pflegekind zu Jircwjen von hräniti nähren, 
mncenlk Märtyrer nmciti peinigen, nekrstentk üngetaufter 
krstiti taufen, poznanik Bekannter 2J0Z7iati kennen, ränjemk 
Verwundeter räniti, siutemk der vom Schicksal (einem 
Mädchen) bestimmte süditi entscheiden, osiidenlk Verur- 
teilter Gsüditi, ücenik Schüler äciti lehren, utoplemk Er- 
trunkener uidpiü ertränken, üjerenlk Verlobter vjeriti, yö- 
slänik Gesandter 2^0 slati senden. 

412. B. -mk = •mikö, außerordentlich häufige 
Bildungen, meist Personen, seltener Sachen 
bezeichnend; die Adjektiva auf -au {-hm) sind teils in 
der Sprache gebräuchlich, teils in älterer Zeit vor- 
handen, teils ist -nik ohne Adjektiv selbständig ver- 
wendet. Personen, z. B. bezäkonik^ (= bezakonbnikh) 
Mensch ohne Religion (Gesetz) zäkon, hezhozmk Gottloser 
hezhozan, bezdusmk Herzloser bezdusan, bljednik falscher An- 
kläger zu bijeda Verleumdung {bljedan heißt «elend»), 
boUsnik Kranker bölestan fem. bolesna, cärinik (= cesari- 
nhnikz) Zollbeamter cärina Zoll, cetmk einer aus einer 
Bande cHa, dühovmk Geistlicher diüiovni, düznik Schuldner 
dnzan, gläsmk Bote (jläs u. a. Nachricht, grjesmk Sünder 
(jrjesan, knjUevmk Literatur, Gelehrter knjizevan literarisch, 
gelehrt von knjlga Buch, Schrift, konjik Reiter (== konbniko) 
konj Pferd, krvmk Mörder khmi blutig, krvdlocmk Blut- 
dürstiger k?v Blut lokatl lecken, krvoprölitnik Blutvergießer 
pröliti part. pass, prolif, mitnik bestechlicher Mensch mit 
(niito) Bestechung, ndcelnik Vorsteher celo Stirn, nämjesmk 
Stellvertreter mjesto Ort, ndredmk Besteller narediti, näsljed- 
■mk Erbe naslijediti, nemöcmk Kranker nemoöan, nendvidmk 

17* 



260 Stammbildung der Nomina. [§ 412. 413. 

Hasser nenävidjefi, nesret'mk Unglücklicher vesrecan, btpadmk 
Abtrünniger ötpadati abfallen, imlloznik Untertan pödlozan, 
pököjmk Verstorbener pökojm, pomöcmk Helfer pomoci 
helfen, pomöö Hilfe, poslhsnlk willig Gehorchender pb- 
slüsnn gehorsam, propovjedmk Prediger propovijedati^ protivmk 
Gegner jrrofivan, püstimk Einsiedler {= pustynhnikh) pnstinja 
{= pustyni) Wüste, pütntk Reisender p?7# (Adj. pütan bedeutet 
«angemessen, recht», eine Bildung davon würde *püt7iik 
oder *püfnik lauten), srödmk Verwandter srodan, tisuö)ük 
der Tausende tlsiica besitzt, ngovörmk Kontrahent vgl. 
ugovör Verabredung vgovdriti verabreden, urednik Verwalter 
urediti, vläsmk Eigentümer vlästan fem. vldsna Macht vläsf 
habend, zäkupmk Pächter zdkup Pacht, zapovjedmk Befehls- 
haber za2)dvjediti, zäsiavmk Fahnenträger zästava Fahne. 

Sachen, z. B. lüädmk Sonnenschirm hlädmk Laub- 
hütte hlddan kühl, Istocmk Ostwind 'istocm östlich, nb&mk 
Nachtwind (und «Mondsüchtiger», fem. nöönica eine Art 
Gespenst) vöcm nächtlich, präzmk Feiertag, präznik leerer 
Bienenstock prdian leer, rücmk Handtuch rüka^ trävmk um- 
zäunter Grasfleck trävnl zu trdva Gras, ddvratmk Tür- 
pfosten vrdta^ kömärnik Mückennetz kdmär, kömk {=kolbnihi>) 
Fahrweg köla pl. Wagen, Ijesmk Haselnuß lijeska Hasel- 
strauch, päsmk Weideplatz päsa Weide, pbdvraimk Wamme 
vrät Hals, ponedjeljnlk was nach Sonntag nedjelja kommt = 
Montag, ntörnik^ Dienstag = viforbnikz zu vtton zweiter, 
zimövmk Winteraufenthalt zima. 

413. 10. -ica; ebenso wie neben -tk ein -7ilk 
aus -hnikh entsteht, so neben -ica ein -nica aus 
-bnica. Wenn die Ableitungen auf -ica und -nica Personen 
bezeichnen, sind diese sehr häufig die Feminina zu den 
Mask. auf -ac (s. oben § 393) und -tk (§409). Außer- 
ordentlich zahlreiche Wörter. Bisweilen werden die an 
sich femin. Wörter von männlichen Personen ge- 
braucht, z. B. lükavica ein schlauer Mensch (Mann oder 
Frau) zu lükav. 

A. -ica, Ableitungen von Adjektiven und Par- 
tizipien. 



§ 413.] Stammbildung der Nomina. 261 

a) Von nicht partizipialen Adjektiven: Per- 
sonen, z. B. hälavica Rotzige mask. hälavac zu hälav, crnica 
(Scheltwort) böse Frau mask. crmk zu cni schwarz, govdr- 
Ijivica Redselige mask, ijovbrljivac zu gouorljiv, gübavica Aus- 
sätzige msk. gübavac zu gübav, jedlnica einzige Tochter 
jedinac einziger Sohn jedim einzig, läkomica die Habsüchtige 
msk. läkomac zu läkom, läMjivica Lügnerin läsljivac Lügner 
läzljiv lügnerisch, Ijenivica Faulenzerin msk. Ijenivac zu 
Ijeniv, njeynica Deutsche nijemac Deutscher, sämica die Ein- 
same (ohne Mann) sdniac der Einsame (ohne Frau) smn, 
stärica Greisin stärac Greis stär alt, sljepica die Blinde 
sUjepac Blinder slijep, tvrdica der Knicker (Geizige) tvrd 
hart, vjestica Hexe vjesfac (vjestac?) Hexenmeister vßst 
geschickt, zUca Bösewicht zäo fem. zlä böse. 

Sachen: Blstrica (Flnßnsiine) Instar fem. blstra klar, 
brzlca Schnelle in einem Fluß b?z, bufica Sturzbach vgl. 
bifjan heftig (praeceps) abg. bujh, crnica Art schwarzer 
Kirschen c?n schwarz, düMevica Regenwasser dazdev (älter) 
Adj. zu däid Regen, desnica die Rechte desni, klselica u. a. 
Sauerampfer klseo fem. klsela sauer, Jcrvävica Blutbeule, 
Blutwurst ki'vav zu krv, krlvica Schuld, Vergehen knv^ 
Ijcvica linke Hand lljevl, mödrica blauer Fleck mödar fem. 
mödra, prävica Recht präv, sirövica frisches Stück Holz 
sirov frisch, svjetlica Blitz sv'tjetao fem. svijetla glänzend, 
sljlvovica Zwetschenbranntwein sljlvov zu sljlva, töplica 
AVarmbad töpal fem. töpla, vrncica hitziges Fieber vrüc heiß. 
— Eine besondere Gruppe bilden die von Adjektiven 
auf -en und -an herkommenden (vgl. oben unter -tk 
§ 410), z. B. Personen: drüzbenica msk. drüsbenik Ge- 
nosse, poslenica Arbeiterin msk. pöslemk^ slüibenica Dienerin 
msk. släzbemk; Sachen: drvenica Holzgestell des Saum- 
sattels dfven hölzern drvo Holz, iglenica Nadelbüchse iglenl 
Hjla, jäpnenica Kalkofen jdpnen (alt) jdpno {väpno) Kalk, le- 
denica Eiszapfen leden eisig led gen. leda, medenica Honig- 
faß meden zu med gen. meda^ övsenica Haferbrot övsen zu 
Qvas gen. övsa^ skUnica Trinkglas *sklen sfäklen gläsern 
*A'lö {cklo) stüklo Glas, strmenica steiler Ort strmen, vodenica 



282 Stammbildung der Nomina. [§413 — 415. 

Wassermühle voden zu vöda, nicanica zu rücanö (döba) Essens- 
zeit, sjercanica Brot aus sijerak Moorhirse Adj. sjercani. 

414. b)Von Partizipien prät. pass., Personen, 
meist Feminina zu Maskulinen auf -7Ä:, z.B. hranje- 
nica Ziehtochter msk. kranjemk, mucenica Märtyrerin msk. 
mucenik, öjaclenica die Betrübte djaditi betrüben, osudmica 
Verurteilte msk. osiutenÄk, pusthiica die Geschiedene imsiiti 
entlassen, suäenica die (einem Manne) Bestimmte msk. 
sudenik, ücenica Schülerin msk. uceriik, vjerenica Verlobte 
msk. vjerenik vjeriti, znänica Bekannte msk. znänac znäü, 
zvänice geladene Gäste zväti rufen, laden. 

Sachen, z. B. brojenica Rosenkranz hrojiti zählen, 
pecenica Art Braten pedi präs. pecem, pletenica geflochtener 
Zopf plesti präs. pUfem, sactenica Setzling sädüi pflanzen 
(setzen); bränica Pflückobst bräti, cijepanim Holzscheit 
cijepati spalten, mähanica Brett zum Hanfklopfen mähati, 
poslänica Sendschreiben pöslati, tkänica gewebter Gürtel 
tkäti weben, vjencanica Traugebühr vjencati, zakovdnica be- 
schlagener Stock zakövaii beschmieden; v'iüca Haarlocke 
vlü wickeln. 

415. B. -nica = -hnica, Ableitungen von jetzt 
oder einst vorhandenen Adjektiven auf -hnö (-an); 
selbständig gewordenes -nica dann auch zur un- 
mittelbaren Ableitung von Substantiven aus ver- 
wendet. Personenbezeichnungen, meist Feminina 
zu Maskulinen auf -ik, z. B. bezukonica Frau ohne Religion 
msk. bezukomk, bezöhraznica Schamlose msk. bezöbraznlk zu 
iezöbrazan, bezdusnica Herzlose msk. bezdusmk, bezrodnica die 
Unfruchtbare bezrodan, bolesnica die Kranke msk. holesnlk, 
gl'asnica Botin msk. gläsnlk, grjesnica Sünderin msk. grjesmk, 
krmxica Mörderin msk. krvnik, nendvidnica Hasserin msk. 
nenävidnik, nevjermca die Treulose msk. nevjernik neviera», 
ötrövnica Giftmischerin msk. ötrövmk ötrövan giftig ötrov 
Gift, pomocnica Helferin msk. j^omöönik, pödvodnica Kupp- 
lerin pbdvoditi (unterführen) kuppeln, skitnica Landstreicher 
skitati se sich herumtreiben, zldsrefnjica {-srecnica) Unglück- 
liche msk. zlösretnjik zlösrcinjl. 



§415 — 418.] Stammbildung der Nomina. 26o 

Sachen, z. B. dänica Morgenstern (= dbuhnica) da» 
Tag (= dhnh), Jdsnica Regenwasser kls7ii zu ktsa Regen, 
kukuniznica Maisbrot kiikuruzan huküruz, mlijecnica Milch- 
schwamm mlljecan milchreich mlijeko, urnica Ackerland oriu 
Pflug- drati pflügen, 'pddrepnica Schwanzriemen pod unter 
rejj Schwanz, präzvica leerer Bienenstock präzan, slrniva 
Käsebrot s?rwt sh", sjenica {^^= senbnica) Laube sjen Schatten, 
slämnica Strohsack slänian släma, slänica Salzfaß slän salzig, 
tämnica Gefängnis tdmati flnster täma {=fbma) Finsternis. 

416. 11. -7s = -ijsb, seltene Bildungen: glädis --— 
Hungerleider zu gläd Hunger glädan hungrig, = einer Art 
Eidechse zu glädak glatt glädifi glätten^ GoUs (Bergnarae) 
gö fem. gola nackt, mälis Kleiner mäli, oblis Steinbutt öiao 
fem. obla rund, walzenförmig, ökolls Kreis, Bezirk ökoio 
adv. ringsum, släfkls Süßigkeit sJädak fem. släfka, stärls 
ein Alter stdr. 

417. 12. -ka = -öka, -bka, z. B. hijelka Name für 
weiße Henne bio fem. bijela, dijenka roter Apfel (jäbuka) 
cHjen, crnjka die Schwärzliche (Mädchen) cPn, jälovka gelbe 
Kuh jälov, klcenka Art Mütze mit Quasten klcen verziert 
zu kUüi, mätörka die Alte (besonders bei Tieren, vgl. msk. 
matorac) inätor, plävka Blondine pläv; von Zahhvörtern 
eetvörka Faß von vier Eimern ceivoro, dvöjka F. von zwei 
E. dvoje, desetörka F. von zehn E. deseforo, fröjka F. von 
drei E. tröje u. a. d. A. 

418. 13. -onja, femininaler Form, aber auf 
männliche Wesen, Tiere und Menschen an- 
gewendet. Die Wörter, Ableitungen von Adjektiven und 
Substantiven, sind eigentlich Weiterbildungen von Kose- 
formen auf -0 (s.§436fg.), z.B. brko7ija einer mit großem 
Schnurrbart, brko dass. (zu bPk). Von Menschen gebraucht 
haben sie öfter übertreibenden oder deteriorierenden Sinn ; 
die übrigen sind Rindern amen. Von Menschen, z. B. 
bälonja Rotziger = bälo zu bäle pl. Rotz, dügonja ein langei 
Kerl düg, giävonja ein Großkopf gläva, hräponja einer mii 
rauher Haut hräpe pl. Unebenheiten, krästonja Grindiger 
krästa, mldkonja schlaffer Mensch mläk, trbonja Dickbauch 



264 Stammbildung der Nomina. [§418—422. 

vgl. trhiüi Bauch, zd^ronja Vielfraß = zdero zu zderaii 
fressen ; zuweilen unmittelbar von Verben, so litonja mit 
Durchfall behafteter litati, prdonja Farzer pydjeti. — \'on 
Rindern: Mjelonja weißer Ochs bio fem. hijela, krilonja 
0. mit weißem Bauch (eig. der Flügel hat) krilo, hüsonja 
0. mit gestutztem Schwanz küs gestutzt, medonja (Ochsen- 
name) = medo, dies hypokor. zu medvjed Bär, rogonja 
großhörniger 0. rög Hörn, sivonja grauer O. slv, cvjetonja 
O. mit Blässe cvijet. 

419. 14. -osa, femininaler Form, aber auch 
von männlichen Wesen gebraucht; Ableitungen, nur 
selten gebildete, von Substantiven und Adjektiven, einige- 
nial auch unmittelbar von Verben; z. B. cvjetosa Ziege 
mit Blässe cvijet, clänhosa Weib mit dicken Gelenken cldnak 
Knöchel, krilosa am Bauche weißes Schwein (eig. mit 
Flügeln versehen) krilo, neznadosa einer, der sich unwissend 
stellt ne znäti, nemogosa der tut, als könne er nicht ne möci 
mögu, rögosa (Schaf- und Ziegenname, auch für ein böses 
Weib) rög Hörn, zelhiosa (Ziegenname) zelen grün. 

420. 15. -ulja, Ableitungen von Adjektiven 
und Substantiven; fast lauter Bezeichnungen von 
Kühen. Hauptton als ' auf der drittletzten Silbe, die 
Silben vor dem Formans kurz. Beispiele: cvjetulja Kuh 
mit Blässe (Blume) an der Stirn cinjet, khsalja gestutzte 
K. küs gestutzt, mäculja katzenfarbige K. mäca, medidja 
(Kuhname) med Honig, mrkulja braune K. mrk dunkel- 
farbig, plävulja (Kuhname) pläv blond, blau, rbgulja groß- 
hörnige K. rög Hörn, swidja graue K. slv, särulja scheckige 
K. vgl. sära Buntheit. 

4!31. 16. -wt, seltene Bildungen, die Silben vor dem 
Ftirmans kurz: bogätün Reicher bögat, gladün Zierbengel 
vgl. glädak glatt, medün Art Granatapfel med Honig, slädün 
süßer Granatapfel vgl. slädak süß, zekün Apfelschimmel 
vgl. zekan dass. zekast hasenfarbig; tekün Rad (eig. Läufer) 
zu teci tecem laufen. 

422. 17. -Hsa, Silben vorher kurz; Ableitungen 
von Adjektiven und Substantiven, wenig verbreitet: 



§ 422 — 424.] Stammbildung der Nomina. 265 

gärusa (Schafname) gär rußige Farbe, niekusa weiches Obst 
(z. B. Apfel) meJc, mrkusa braune Stute mfk, mrtvusa Schimpf- 
wort auf Vieh mrtav tot, pepeljusa (pepeljuha) Aschenbrödel 
pepeo gen. pepela Asche, pjeskusa Sanderde pijesak Sand, 
pozemljtisa Haus aus Steinen (ohne Kalk und Erde, eig. 
was an der Erde ist) zemlja, pHjusa Sanderde pr(h)li 
(eig. morsch), rögusa großhörnige Kuh rög Hörn, tmüsa 
Finsternis tchna {= tbma) dass. 

4^3. VII. Deminutiva; Patronymika ; Hypokoristika 
(Kosenamen). Die drei Bedeutungsfärbungen lassen sich 
nicht scharf voneinander trennen, wie auch die unter 
VIII. zu behandelnden Augmentativa nicht ganz fest von 
den Deminutiven geschieden sind. Vgl. Daniele, Srpska 
deminucija i augmentacija (Glasnik drustva srpske sloves- 
nosti, B. XH, Belgrad 1860); Belic, Zur Entwicklungs- 
geschichte der slavischen Deminutiv- und Amplifikativ- 
suffixe, Leipzig 1901. 

A. Deminutiva im engeren Sinne und Patro- 
nymika. 

1. -ac (mit beweglichem a) = abg. -bcb, z. B. hrätac 
Brüderchen hräi, dölac gen. döca zu dö gen. dola Tal, grädac 
zu gräd Stadt, hümac zu hüm Hügel, jezicac u. a. Züngel- 
chen an der Schnalle jezik Zunge, komärac zu kömär Mücke, 
rnlhiac Kaffeemühle mihi Mühle, pöpac Hausgrille (eigentl. 
Pf äff eben) pöp Priester, staräcac (= starhcbcb zu starbch) 
dem. zu stärac Greis^ zübac u. a, Zahn eines Kammes züb. 
Wenn das Grundwort außer Gebrauch ist, verliert sich 
die Deminutivbedeutung, z. B. vrdbac Sperling vgl. abg. 
nabbjb, möljac Motte vgl. abg. molb, kölac Pfahl, Pflock 
vgl. abg. kol5. 

424. 2. -ce (^ -6ce), Neutralform zu -ac (_= -bcb), 
z. B. groce = grlbce zu grlo Hals, jdjce jäje Ei, jezerce je- 
zero See, klubäsce für klnbäcce (= klqböcbce) klüpko (= klq- 
böko) Knäuel, seoce (= selbce) selo Dorf, slovce slovo Buch- 
stabe, srdäsce (= srdbcbce) sfce Herz (= srdbce, altes De- 
minutiv), sünäsce für simacce (=- slnbcbce) sünce Sonne 
(= slnbce, selbst altes Deminutiv), vretence vreteno Spindel, 



'286 Stammbildung der Nomina. [§424 — 426. 

zrnce zfno Korn. Wie die eigentlich doppelt deminuierten 
sünäsce sind auch gebildet sedläsce (= seddbcbce) sedlo 
Sattel, bfdäsce {= brdhchcc) hfdo Berg. 

Aus Bildungen wie hrasänce (= hrasbnbce) bräsno Mehl 
wird ein -ance verselbständigt, daher hlätänce hläto 
Sumpf, See, cedänce cedo Kind, psetänce pseto Hund (s. Belic, 
S. 179). Aus Doppelderainuierung ist entstanden 
djetesce zu dijete gen. djeteta Kind (dete gen. detete, dem. 
"^detetbce, weiter deminuiert '"detfibcbce, das ergibt skr. 
djete{t)cce, daraus djetesce), danach gebildet z. B. tjemesce zu 
tjeme gen. tjemena Scheitel. Über solche Um- und Weiter- 
bildungen s. Belic, S. 168, 178, 179. 

425. 3. -ca (= -bca), Femininalform zu -ac 
{= -beb), wenig verbreitet, manches nur poetisch, z. B. 
käpca häp f. Tropfen, hrvca krv Blut, nöcca noc Nacht, pa- 
meca (= pam^ibca) pämet Verstand, papraca Art Farn, eig. 
dem. zu päprät, rijecca rljec Wort, smrca (= snirthca) smyf 
Tod, stvärca stvär Ding, vrvca Schnur abg. vrvb fem. Ein 
altes Dem. ist djeca koll. Kinder == detbca zu detb. 

420. 4. -e (= -e) gen. -eia (urspr. abg. -e/-e). Von 
alters her sind gebräuchlich solche Bildungen zur 
Bezeichnung von Tierjungen, skr. jägnje Lamm, jüne 
junger Ochs (zu altem Adj. juns jung), kljüse Pferd (Gaul), 
közle {=]cozbl^) junger Bock zu kozbh, läne Rehkalb, mläde 
junges Tier niläd jung, präse Ferkel, tele Kalb, stene junger 
Hund, zvijere (= zvere) zvtjer (= zverb) wildes Tier, Mrljehe 
gen. Mrebeta (= zreb^ zrehete). Dazu auch dijete gen. djc- 
ieta Kind (= det^ det^te). Vgl. dazu weitere Aus- 
dehnungen auf andere Tiernamen und auf Per- 
sonenbezeichnungen, z.B. J^/ce junger Stier, güsce güska 
Gans, mäsce mäzga Maultier, ^<icep<?ca Vogel; ääce Student- 
lein däk, sambuce Autodidakt (eig. dem. zu samouk), turce 
junger Türke (vgl. türak) türcin pl. turci, ünuce ünuh Enkel- 
kind, vläsce junger Vläh. — Die Deminutivbedeutung wird 
bisweilen nicht mehr empfunden, vgl. hlizne Zwilling, 
celjdde einzelne zum Hause gehörige Frauensperson, vgl. 
koll. celjäd, dvlze zweijähriges Schaf, khne Schwein. 



§427—429.] Stammbüdunj,' der Nomina. 267 

427. Tritt -e {= -e) an Wörter mit letztem 
Konsonanten h oder c, so entsteht -ee, z. B. djevöjce 
kleines Mädchen djevöjka, davolce zu dem. davölak Teufel- 
chcn von dävö gen. dävola, momce mbmak gen. mönika Bursche, 
pästörce pästorak Stiefsohn; Biögradce junger Belgrader 
Biögradac, hjegünce junger Flüchtling bjegünac, jedlnce ein- 
ziges Kind jedinac, mjcmce junger Deutscher nijemac, vränce 
kleiner Rappe vrdnac. — Daraus ist ein -ce als selb- 
ständiges Formans entnommen, z. B. ärapce Mohren- 
kind ärap ärapin Mohr, arnäuce Albanesenkind arnäutin, 
hivölce Büffelkalb bivo gen. hivola^ cigänce junger Zigeuner 
clganin, cobänce junger Hirt cöhai}, goveddrce junger Rinder- 
hirt govedär, konj ce Rößlein konj, ^JÖ^x'e junger Priester 2^op, 
siröce Waislein sirota. 

Aus der ursprünglichen Anwendung erklärt sich, daß 
die Bildungen auf -e, -ce wenig von Dingen, fast 
durchweg von lebenden Wesen gebraucht werden, 
vgl. indes z. B. mjesce dem. zu mljeJi Schlauch. 

428. 5. -al% mit beweglichem -a-, = abg. -öJcö und 
-hkh; eine Scheidung der beiden Formen ist nur möglich, 
wo dem Formans ein gutturaler Konsonant vorangeht, k 
g h, der vor b zu c £ s wird. Beispiele: cvijetak Blüm- 
chen cvijet, cünak Weberschiffchen cm Kahn, ddrak dar 
Gabe, gläsak glas Stimme, golühak gölüb Taube, listak list 
Blatt, 7idsak nös Nase, prsUnak prsten Ring, shiak sin Sohn, 
völak gen. voka zu vö gen. vola Ochs; kozüsak kozuh Pelz, 
obidcak öhläk Wolke, potöcak pöiok Bach, prdsak Stäubchen 
2)räh. 

429. Alte Deminutiv a auf -ykö, vom Nominativ 
maskuliner -f«-Stämme abgeleitet, z. B. kamykö zu kamrj 
(gen. kamen-e), ergeben bei nochmaliger Deminuierung mit 
-hko: kamycbko skr. kamicak zu kanten (alter Nom. kämi), 
ebenso jecmicak Gerstenkorn (im Auge) jecmen Gerste, 
gr amicale grümen Klumpen, kremcak Feuerstein krcmen, 
plamicak plämen Flamme, pramicak 2^^'ämen Büschel (z. B. 
Wolle), vgl. auch ugljicak Kohle ügljen; danach ohne eine 
solche Grundlage krajicak äußerstes Ende, dem. zu kräj 



268 Stammbildung der Nomina. [§429—432. 

Rand. — Auf Anfügung von -bJcö an deminutivartige andere 
Formantien beruhen Bildungen wie hrdöljak zu hrdo Berg, 
brehiljak hrijeg Anhöhe, covjecüljak cövjek Mensch, momcüljak 
momak Bursche. 

430. 6. -ic, die Silben vorher kurz, seltene Bildungen: 
däMic däM Regen, kbnjic könj Pferd, kösic kos Korb, mäljic 
mälj Hammer, ögnjtc dganj gen. dgnja Feuer, vjetric vjetar 
Wind, zhänjlc kleines Holzgefäß zhünj. 

Dazu mögen hier einige Neutra mit -ice gefügt 
werden: cvjeöice zu koU. cvxjeie (von ccijei) Blumen, pl. äo- 
lica Schiebkarren köla pl. "Wagen, poljke Feld pölje^ prücice 
dem. zu koll. prüöe (von prüt) Ruten; sowie vereinzelte 
Feminina auf -tca: vrhica (neben vrUca) vrha Weide, la- 
dica (neben läctica) läda Schiff. 

431. l.-ica, sehr häufige Bildungen, die trotz der 
femininalen Form nicht an femininale Grund- 
worte gebunden sind, sondern, wenn auch seltener, auch 
von maskulinen (und neutralen) herkommen können. Die 
Silben vor -ica sind kurz. Beispiele von femin. Grund- 
worten: brädica hräda Bart, djevdjcica djevöjka Mädchen, 
düsica düsa Seele, gdrica gora Wald, göspodica Fräulein 
göspoda, jäbucica jäbuka Apfel, kbzica koza Ziege, maferica 
matrix, dem. zu mater Mutter, mätica Bienenkönigin, dem. 
zu mäti, nösica nbga Fuß, pVica altes Dem. zu einem *pöta 
Vogel, sestrica dem. zu scstra Schwester, stka und däscica 
= döstica zu däska Brett. — Von Maskulinen: cäbrica 
kleine Wanne cäbar gen. cäbm, kamenica einzelner Stein 
kamen, mäljica Schlägel mälj Hammer, rukävica Handschuh, 
dem. zu riikäv Ärmel, stölica Sessel, eig. dem. zu stö gen. 
stöla, ügänjka üganj T\ege\\ zu dem Neutrum rJZo Mund, 
Maul ist w^ohl rüka dass. eig. Deminutivum. 

43^. 8. -ic (abg. -isib = *itjb), eine der gewöhn- 
lichsten Deminutivbildungen. Die Silben vor -ir sind kurz. 

a)Deminutiva im engern Sinne, z.B. b\ci(' kleiner 
Stier bik, cvjetic cviiefShivae, covjecic cövjek Mensch, grädiö 
gräd Stadt, jeziciö jezik Zunge, kötlic köiao gen. kbtla Kessel, 



§432.433.] Stammbildung der Nomina. 269 

nöiic nöz Messer, päsir päs (aus ptdjäs) Gürtel, vjencic vijenac 
Kranz, ziihic züb Zahn. 

Wenn das Grundwort als letzten Konsonanten 
Je oder c hat, so entsteht in der Ableitung eine 
Endsilbe -cic, z. B. kUncic zu kUnac von klin Nagel, smciö 
zu slnak von siv Sohn, hljepcic zu lüjehac von liljeb Laib 
Brot. Da sich leicht eine Beziehung der Bildungen auf 
-cic zu nicht deminuierten Grundworten einstellt, z. B. 
shi-cic unmittelbar als zu sin gehörig empfunden werden 
kann, wird -cid selbständig angewendet, z. B. bostänciö zu 
höstan Melonengarten, hresciö brljeg Anhöhe, kamenciö kämen 
Stein^ mjescic mijeh Schlauch, dbrascic Wange dbraz, rdscic 
rög Hörn, trbuscic trbuh Bauch. 

Gewissermaßen den Übergang zu der folgenden Be- 
deutungsklasse der persönlichen Patronymika bilden die 
Wörter auf -ic, die junge Pflanzen und junge Tiere 
bezeichnen, z. B. gräbiö junge Weißbuche grab, jäbuöic 
jäblika Apfelbaum ; lävic junger Löwe läv, orliö örao gen. 
örla Adler, ribic riba Fisch, vucic vük Wolf, zmlpc zmija 
Schlange, zäbiö Kaulquappe iäba Frosch. Die Beispiele 
zeigen, daß maskuline wie femininale Wörter zugrunde 
liegen können. 

433. b) Patronymika und Metronymika; von 
Appellativen, z. B. brätic Brudersohn brät, kräljic Königlein 
und Königssohn krälj, sesfrie Schwestersohn sestra, udövicic 
Witwensohn udovica, vöjvodiö Vojevodensohn vöjvoda ; dahin 
auch bbzic (von bog Gott) Weihnachten. Von Personennamen 
die unzählige Menge serbokroatischer Familiennamen 
auf -ic wie Petric, Miletiö, Grujiö, Savic, Nikoliö. — Außer- 
ordentlich oft liegt diesen Patronymika nicht das Appellativ 
oder der Namen unmittelbar zugrunde, sondern das von 
diesem abgeleitete possessive Adjektiv auf -ov (-ev), z. B. 
von Appellativen bänovic Banssohn bänov bän, kräljevic 
Königssohn krdljev krälj, cärevic Kaiserssohn cärev cär ; von 
Namen, z. B. Milosevic von Mihi, Obrenovic von Obren, 
Jovanovic von Jovan, Zivanovic von Zivan. 



270 Stammbiklung der Nomina. [§ 434 — i'M. 

434. 9. -«', seltene Bildungen; die Silben vor dem 
Formans kurz, z. B. cunc (neben cäric) Zaunkönig cär, 
fjradiö gen. gradica (neben grädic gen. grädica) dem. zu 
gräd, grlic Flaschenbals gflo Hals, j^ö^ic (eig. Pfäffchen) 
Zaunkönig poj); auch von Eigennamen, z. B. Petriö zu 
Petar gen. Petra. 

435. 10. -ka, nicht nur von Femininen, son- 
dern auch von Maskulinen und Neutren ableitend. 
Die Deminutivbedeutung tritt öfter nicht mehr hervor. 
Beispiele: celjuska Schraube, die den Flintstein hält, eig. 
dem. zu celjüst Kinnbacken, cerka Töchterchen der, hümka 
dem. zu Mm Hügel, llska list Blatt, miska Arm (eig. Arm- 
muskel), eig, dem, zu mls Maus, pecka j;ec^ Ofen, resetka 
Gitterwerk reseto Sieb, sjecka Häcksel vgl. sjeca abgehauene 
Zweige, slpka dem. zu fiba Rute, trünka zu trün Splitter, 
ienka Weibchen (von Tieren) zena. Alte Deminutiva sind 
auch djevöjka Mädchen, mäjka Mutter (von Koseform), 
tetka Tante (vgl. abg, teta). 

Bisweilen bezeichnen solche Bildungen ein einzelnes 
Exemplar aus einem Haufen oder einer Gattung, 
z. B, hiljka Halm vgl, bilje (= hijlhje) koll. Kräuter, iüjatka 
Farnstengel koll. hujäd Farn, gräska einzelne Bohne gräJi, 
maslivka Olive mäslina Ölbaum, papratka Farnstengel päprät, 
präska Staubkorn präh, sjemenka Samenkorn sjhne, slämka 
Strohhalm släma, fipräska Rute sipräg Gesträuch, trävka 
Grashalm träva, zvjerka Stück Wild zv'ijer, zirka einzelne 
Eichel koll. zir Eicheln. 

436. B. Hypokoristika (Koseformen), gebildet 
mit verschiedenen Formantien; sämtlich Verkürzungen von 
Appellativen und Eigennamen, zweisilbig (außer den auf 
■oje auslautenden), sofern sie nicht selbst durch Deminutiv- 
formantien weitergebildet sind und so mehrsilbig werden, 
z. B, Jelica von Jda zu Jelena. 

437. 1. -a Feminina, -o (und -a) Maskulina. 

— Feminina, Vom Grundwort bleibt der konsonantische 
Anlaut mit dem folgenden Vokal und dem oder den 



§437.438] Stammbildung der Nomina. 271 

Konsonanten, die diesem folgen. Der Akzent ist stets 
auf der ersten Silbe, z. B. von Appellativen: gospa Herrin 
fföspoda, käda käduna Dame (türk.), Icöka kökös Henne, 
krdva hräva Kuh, lasa läsica Wiesel, prija jjrijateljica Freun- 
din, növa nevjesta junge Frau; von Eigennamen: Grozda 
Grozdana, Jevra Jevrosima, Jela Jelena, Pela Pelägija. Auch 
kommen solche Namen mit Endung -e vor, z. B. Döbre zu 
Döhrana, Pere, Pläne, die bei Vuk mit ~ akzentuiert sind. 

Maskulina, z.B. von Appellativen: brdto (brdfa) brät 
Bruder, covo covjek Mensch, medo medvjed Bär, pobro pdbratim 
Wahlbruder, pöpo {-pa) pöp Priester, hero Jiercegovac Herze- 
goviner, clgo ciganin Zigeuner; von Eigennamen: Böio 
{-£a) Bbzidär, Ivo {-va) Ivan, Kösto (sta) Kostädin Kosiäntin, 
Ldzo {-za) Läzär, Vdso (sa) Väsih'je. Daneben lokal auch 
-e, dann ist aber der Akzent auch , so käle zu käluder 
Mönch, Jure Jure (vgl. Büro Büra, Bördije Georg), Täde 
von Tädija Thaddäus. 

438. 2. -ja Feminina, -jo (und -ja) Maskulina. Vom 
Grundwort bleibt nur der konsonantische Anlaut mit dem 
folgenden Vokal. Der Akzent stets ' auf der ersten Silbe. 
— Maskulina auf -oje, Akzent " auf der ersten Silbe. 

A. -ja, -jo. 

a) Feminina; von Appellativen z. B. groja grdz- 
nica Fieber, Uja llsica Fuchs, seja sestra Schwester; von 
Eigennamen z.B. Sfoja Stöjana, Böja Bögdana. 

b) Maskulina; von Appellativen z.B. brdjo {-ja} 
brät Bruder, düjo {-ja) dühovmk Beichtvater, Geistlicher, 
zejo zec Hase; von Eigennamen z. B. Köjo Kosiädm, 
Mijo zu Mihäilo oder zu Mitar (= Dinutrije), Pejo Petar,. 
Stöjo Stojan. 

Die unter 1. und 2. genannten Hypokoristika können 
durch -ka fem. und -ko mask. weitergebildet (deminuiert) 
werden, erhalten aber dann meist den Akzent ", z. B. 
Jelka zu Jela von Jelena, Stöjka zu Stöja von Stöjana; Ivko 
zu Ivo von Ivan, Stöjka zu Slojo von Stojan. 

B. -oje, nur Eigennamen, z. B. Bögoje zu Bögosav, 
IJrägoje Drägosav, MUoje zu Eigennamen mit milo-, Petoje 



272 Slammbildung der Nomina. [§ 438—443. 

Petar, Vukoje zu Eigennamen mit vuko-, vgl. noch Zlätoje, 
Stänoje, Cvjetoje usw. 

439. 3. -ka Feminina, -ko (daneben auch -ka) Mas- 
kuHna. Vom Grundwort bleibt nur konsonantischer An- 
laut mit dem folgenden Vokal; Akzent stets '. 

a) Maskulina; von Appellativen z. B. djeko djed 
•Großvater, priko prijatelj Freund; — von Eigennamen z. B. 
Jöko Jövan, Ldko (Ldka) Läzär. 

b) Feminina; von Appellativen z. B. söka sestra, 
neka nevjesta junge Frau; von Eigennamen z. B. Jeka 
Jelena, Ika Ivana. 

440. 4. -ca Feminina, -co (und -ca) Maskulina. Vom 
Grundwort bleibt nur der anlautende Konsonant mit dem 
folgenden Vokal; Akzent stets '. 

a) Maskulina; von Appellativen z. B. hruco 
(hräca) hrät, öco Vater (Pater, Klostergeistlicher) ötac; von 
Eigennamen z. B. Peco Petar, Joco (-ca) Jövan. 

b) Feminina; von Appellativen z. B. mäea mäcka 
Katze; von Eigennamen z. B. Jeca Jelisdveta. 

441. 5. -ca, Feminina und Maskulina (hier auch 
-co); wie es scheint, selten verwendet; das Grundwort be- 
handelt wie unter 4., Akzent stets '; z. B. teca zu tefak 
Mann der Tante, Köca (-co) Kostädin; Käca (Daniele, 
Glasnik XII, 486) zu Katharina. 

443. 6. -sa Feminina, -so (und -sa) Maskulina; das 
Grundwort behandelt wie unter 4. und 5.; Akzent stets '. 

a) Maskulina; von Appellativen z. B. 'priso (-so) 
prijatelj Freund; von Eigennamen z. B. Gliso (-sa) zu 

Gligorije aus Gngorije, Miso (-sa) Mihäilo, Peso Petar, Töso 
{-sa) Tödor aus Teodor. 

b) Feminina; aus Appellativen z. B. sesa sestra, 
sndsa snäJia Schwiegertochter; von Eigennamen z. B. 
Däsa Däfina, Bdsa Rcidöjka. 

443. 7. -la, -le Feminina und Maskulina; das Grund- 
w'ort behandelt wie oben; der Akzent bei -le ~, z.B. hräle 
^rät, Vüle Vük; sela sele sestra, male mäti Mutter. 



§ 444—446.] Stammbildung der Nomina. 273 

444. VIII. Augmentativa (Amplifikativa); die Wörter 
drücken Vergrößerung, Vergröberung, Plumpheit, auch 
Häßlichkeit und Schlechtigkeit aus. 

1. -'aga, der vorangehende Konsonant palatalisiert ; 
seltene Bildungen,, z. B. soviiljaga zu söva Eule, rüpcaga zu 
rüpa Loch, Grube, wohl auch so zu fassen vlnjaga wilder 
Weinstock, wilder Wein, zu vino. 

445. 2. -an gen. -ana; vereinzelt auch -an. Al»- 
leitungen von Substantiven und Adjektiven; 
deteriorierender Bedeutung; die Silben vor -an kurz, 
Akzent ' auf der vorletzten: hükvan Dummkopf hukva 
Buche, crnjan Schwärzling (Scheltwort) crn schwarz, dlvljan 
(ein Märchenwort) Art Riese zu dw (türk.) Riese oder zu 
dlvlji wild, domisljan (scherzhaft) einer, der für alles Rat 
hat (Schafferat), vgl. domüljati Rat schaffen, J<l)pan großer 
ungeschickter Mensch zu klip i. d. B. Wurfprügel, kopUan 
unehelicher Sohn, ein Mordskerl (nebulo) zu kopile ntr. 
Bastard, mrtvan schlaffer JNIensch mrtav gen. mriva tot, 
süpljan Dummkopf süpalj löcherig, tiqmn Stumpfsinniger 
tüp stumpf, zavrzan (Scheltwort) großer ungeschickter 
Mensch vgl. zavrsti se sich verwickeln, zvekan Dummbart, 
wohl zu zveket Geklimper zveketati klimi^ern, zükvan dass. 
Die angegebene Bedeutungsfärl)ung fehlt zuweilen, so ruta» 
Fuchs (Pferd) rut fuchsrot, säran Karpfen (eig. Bunter, 
vgl. sären bunt), zekan Apfelschimmel vgl. zeko zelenko dass. 
In einigen Fällen hat das Formans hypokoristische 
Bedeutung, so hräjan (vertraulich) vgl. Iräjo zu brät 
Bruder, stftcan zu stnc Oheim, mäcan zu mdcak Kater. 

446. Daneben besteht ein Formans -an, die 
Silben vorher sind kurz; Ableitungen von Tier- und 
Personenbezeichnungen, z. T. hypokoristisch, z. T. 
«her augmentativ: curän Truthahn cüra Truthenne, gäcän 
Hosentaube gäce pl. Hosen, güsän Kropftaube güsa Kropf, 
jmrän Truthahn püra Truthenne, güsäji Gänserich vgl. guska 
Gans, iüjän falber Ochs zu züt gelb; davölän Mutwilliger 
Mvo gen, äävola Teufel, vragölän dass. vgl. vragölije pl. 
Teufelei zu vräg Teufel, kümän (vertraulich) küm Gevatter, 

L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. 18 



274 Staiiimbilduiig der Nomina. [§446 — 450. 

prljän (vertraulich) prijafelj Freund, sirbtän Waise siröia 
dasselbe. 

447. o. -am, in wenig Beispielen ist die Bedeutung 
deutlicher ausgeprägt, so IjudesJcara (zu IJüdi Leute) augm. 
zu cövjek, müskara Frauenzimmer, das sich wie ein Mann 
gebärdet miiski männlich zu mü^, pljdstara pljosfa Pfütze, 
sträcara sträc ein sehr schlechtes Haus, ziikvara zükva Art 
großer saurer Äpfel, vgl. jäjara Art großer Pflaume (Eier- 
pflaurae) jdje Ei, zenskara Weibchen (von Tieren, eigent- 
lich wohl deteriorierend) zu zenski weiblich. 

448. 4. -da, nur in Verbindung mit anderen For- 
mantien und selten: glävürda und glävura augm. zu (jldva 
Kopf, nözürda zu nöga Fuß, Srlenda zu Srh Serbe. 

449. 5. -ina, die häufigste Augmentativbildung 
und in sehr zahlreichen Beispielen vertreten. Die Ableitung 
kann von Maskulinen, Neutren und Femininen ausgehen. 
Durch Verbindung mit vorangehenden, dem Grundwort 
angehörenden Formantien entstehen neue, selbständig 
werdende, z. B. -efiwa, -tirina u.a. (s. §450fg.). Die Silben 
vor -ina sind kurz. 

a) -ina, z. B. hardacina härdäk gläserne Kanne, becä- 
rina becär Junggeselle, höcina hök Seite, brdina hrdo Berg, 
hrezina hrljeg Hügel, crkvina Kirchenruine crkva, gradiva 
gräd Festung, Stadt, gräsina gräli Bohne, jävorina jävdr 
Ahorn, Mobücina klobük Hut, ludäcina ludäk Tor, mäjcina 
mujka Mutter, njemcina iiijemac Deutscher, pshia pas gen. 
]}sd Hund, irhusina trhth Bauch, vdjstina vöjska Heer, vrü- 
cicina vritcica Fieber, vücina vnk Wolf. 

450. b) -etina; entsteht bei Grundworten auf -e 
(= -c) gen. -eta (für de), z. B, giiscetina von güsce gen. gv- 
sceia zu güska Gans, macetina von mdce gen. mäceta zu mäcka 
Katze, kucetina von küce gen. khceta Hündchen, dient als 
Augm. zu kucka Hündin; piicetina zu püce gen. pficeia von 
pflca Vogel; da es unmittelbar zu ptlca bezogen wird, löst 
das Sprachgefühl ein Formans -etina ab, das beliebig weiter 
gebraucht wird, z. B. hahetina zu häha alte Frau, Iradetina 



§450 — 455.] StammbilduEg der Nomina. 275 

brdda Bart, glavetina gläva Kopf, krmacetina und krmacina zu 
krmaca Sau, mjesetina mljeh Schlauch, usnetina üsiia Lippe. 

451. c) -urina, entstanden durch Erweiterung von 
Augraentativen auf -iira (s. § 458), z. B. djevojcürina aus 
djevöjcura (neben djevojcina) zu djevöjha Mädchen, glaviirina 
ylävura (neben glavetina) gläva; von solchen Fällen aus ist 
-urina verallgemeinert, z. B. lalurina haba alte Frau, hra- 
dürina (s. o. bradetina) irdda Bart, bradvürina (und bradve- 
üna) brädva Zimmeraxt, britvnriiia (und britvetina) iritva 
Taschenmesser, Tcnjiiürma (und knjifetina) knjlga Buch, 
pticürina (und ptlcina, pticetina) püca Vogel. 

453. d) -esina, selten; nach Belic S. 200 vielleicht 
entnommen aus macesina augm. zu mäceha Stiefmutter, 
das als maces-ina aufzulösen ; vgl. öeresina zu der Tochter, 
matercsina zu mäti gen. niäfere Mutter, sestr esina zu sestra 
Schwester; vgl. noch hartijesiiia (und hartijetina) härtija 
Papier, rakijesina (und rakijetina) räkija Branntwein. 

453. e) -usina vmd -ustina; -nsina entstanden aus 
Weiterbildung von Nomina auf -usa (vgl. §463); die Ent- 
stehung von -ustina ist unsicher (vgl. indes § 454). Bei- 
spiele: gvozdüsina zu gvöMe Eisen, orliisina (neben örlina) 
zu brao gen. örla Adler, vgl. orlusic junger Adler, orlüsina 
Adlerweibchen; vinüsina vino Wein; barüstina (und baretina) 
büra Pfütze, maglüstina mägla Nebel, ognjüstina hitziges 
Fieber dganj gen. ögnja Feuer, srebrüstina srebro Silber, 
vatrüstina hitzige Krankheit vätra Feuer, vniöüstina (und 
vrücicina) vrilcica Fieber. 

454. f) Bei Verbindung des -ina mit Adjek- 
tiven auf -ski entsteht -stina, das gelegentlich selbständig 
weiter verwendet wird ; z. B. cigänstina von dganski zu ci- 
ganin Zigeuner, kaluderstina von kahuterski zu käluder Mönch ; 
äjenstina Faulpelz lljen faul. 

455. 6. -iste = Hskje (Weiterbildung von -isko, 
so in den westslavischen Sprachen), selten gebraucht; z.B. 
Uätiste bläto Sumpf, See, coeciste Unmensch cbvjek, gödisie 
Jahr göd gen. göda^ IjMiste Unmensch Ijüdi Leute; vgl. 

18* 



276 Ötaiumbildung der Nomina. [§ 455—459, 

noch kuastina (zunächst zu Meiste Hausplatz) unförmliches 
verfallenes Haus kiu'a, in derselben Bedeutung auch ku- 
öerina kucürina kucetina. 

456. 7, -uga, -'uga, selten in deutlich ausgeprägter 
Bedeutung: cvoruga augm. zu cvör Knorren, käljuga und 
Icäljuza Pfütze, wohl augm. zu käo gen. käla Kot, mälfuga 
Art Ramme, wohl augm. zu mälj Hammer, pänjuga augm. 
zu pävj Baumstumpf. — Sonst vgl. vläciiga Radschuh zu 
vldcifi ziehen, väljuga Walze zu väljati; bjeluga weiße Sau 
neben bjelüg weißer Eber, zu blo fem. bijela weiß; zeljüg 
grauer Eber zeljuga graues Schwein (zu zelen grün); auch 
sonst werden mit -uga einige Tiernamen (Vogelnamen) ge- 
bildet: cevrijuga (sevrljiiga) Lerche, cesljuga Distelfink, pl- 
Ijuga Sperber. 

457. 8. -ulja, z. B. crepulja großer irdener Deckel 
crljep Scherbe, Ziegel, dsakulja dzäk Sack, grdulja häßliches 
Frauenzimmer '^grdö grdan häßlich; augmentativ sind wohl 
auch zu fassen gräbnlje pl. gräblje Rechen (vgl. gräbiti 
raffen), grebulje dass. (vgl. grepsti grebem)^ pjeshilja sandige 
Erde pijhak Sand. — Ein Formans -ulj- außerdem in Ver- 
bindung mit anderen Amplifikativ- und Deminutivfor- 
mantien, vgl. travüljina augm. zu trdva Gras, kroviiljina zu 
Jcröv Dach; bresvljak dem, zu brijeg Hügel, covjecüljak dem. 
zu cövjek, momcüljak dem. zu mömak Bursche. 

458. 9. -tira (vgl. §451 -urina)] wenig verbreitet, 
z. B, djevojcura zu djevöjka Mädchen, glävura zu gläva Kopf, 
pijmdura Säufer und pjändura betrunkenes Frauenzimmer, 
vgl. pjmicma pljäncina augm. zu iijänac, pijännc Säufer. 

459. IX. Feminina zu entsprechenden Maskulinen. 

1. -a. Die häufigeren Beispiele -ar-a zu -är, -aca zu 
-äc s. oben §§ 363, 365. Sonst seltener, z. B. imenjaka 
Namensschwester hnenjäk Namensbruder, jaränika V^ertraute 
jarämk, pästörka Stieftochter pästorak gen. päsförka. röitaka 
Muhme rodäk Vetter, imiika Enkelin imuk. 

2. -ja, selten angewendet, z.^. gospoda^exxm göspöd, 
Ichnaca Sau krmak Eber, müsaca (lokal) Bäuerin, zu einem 



§459 — 461.] .Stammbiidung der Nomina. 277 

*mqzakö', tästa Schwiegermutter täst gen. iästa Schwieger- 
vater. 

460. 3. -ica, außerordentlich oft angewendetes For- 
mans; z.B. Mnica Banin län, bivoUca Büffelkuh hivö gen. 
hivola, hrätanica Bruderstochter vgl. hrätanic Bruderssohn, 
cärica Kaiserin cär, golübica Taubenweibchen gölnh Taube, 
Hrvätica Kroatin Hrvät, kaluäerica Nonne kähuter Mönch, 
kräljica Königin krälj, lädca Löwin läv, prijateljica Freundin 
prrjafelj, prörocica Prophetin prorok, vücica Wölfin vük. 

Häufig sind solche Bildungen von Maskulinen auf 
■är und von Nom. ag. auf -äc, z. B. cuvärica Hüterin 
cnvär, gospodäricM Herrin gospodär, govedärica Rinderhirtin 
govedär, krcmärica Gastwirtin krcmär, ovcärica Schäferin 
ovcär, poglavärica Frau des poglävär Oberhaupt, vracärica 
Wahrsagerin iräcär; hcräcica Leserin (z. B. Traubenl.) 
heräc^ igräcica Spielerin, Tänzerin Igräc, koväcica Schmiedin 
köväc, pjeväcica Sängerin pjeväc. 

Nicht selten wird -ica nicht unmittelbar an den be- 
treffenden mask. Substantiven verwendet, sondern der 
Ableitung liegt ein von diesen gebildetes pos- 
sessives Adjektiv zugrunde, z. B. bänovica Banin 
bänov zu bän, despotovka Frau des Despot despotov despot, 
däkonovica Diakonsfrau däkonov däkon, krdljevica Königin 
krdljev krälj, iiciteljevica Lehrersfrau ticiteljev ücitelj ; äginica 
Agafrau ägin äga, päsinica Paschafrau ^;äitw päsa, vojvo- 
di/iica Vojevodenfrau vöjvodin vojvoda. 

461. 4. -i7ija = abg. -ym-, Nom. sg. -yni; die Silben 
vorher sind kurz. Z. B. beginja Begin beg^ Gfkinja Griechin 
Gi'k, kneginja Frau des knez, mdmkinja Dienstmagd mbmdk 
u. a. Knecht, prosjakmja Bettlerin prösjäk, röbinja Sklavin 
röb, zemljäkinja Landsmännin zemljak; von Völkernamen 
vgl. noch Bosnjäkinja Bosnierin Bösnjäk, Türkinja Türkin, 
eig, zu Türak, vgl. Tiircin pl. Türci, Vlähinja Walachin Vläh. 

Selten dient das Formans zum Ausdruck anderer Be- 
deutung, zur Bezeichnung von Frucht einer Pflanze: 
düdinja Maulbeere düd Maulbeerbaum, glöginja Weißdorn- 
frucht glog, smrekinja Wacholderbeere smreka Wacholder. 



278 Stammbildung der Nomina. [§461—464, 

Über -kinja s. § 462 (b). 
46!3. 5. -ka, -kinja. 

a) -ka^ z. B. bäkälka Krämerin bäkäl, boljärka Bojarin 
idljär, Idvka u. a. Jägerin vgl. lövac Jäger, pästirka Hirtin 
pästir, imtwka die Fremde tudin, vodenicärka Müllerin iiode- 
nicär, zvbnärka Glöcknersfrau zvönär. 

Besonders häufig bei Völker- und Ein wohner- 
wie Klassennamen gegenüber Maskulinen auf 
-an-in, -ac, z. ß. Gärigradävka Konstantinopolitanerin Cäri- 
grattanin, gräctänka Städterin grädanin, mjestänka Orts- 
bewohnerin injestanin, seljänka Dorfbewohnerin seljanin, 
Senjänka Zengerin Senjanin (zu Senj). — Bösänka Bosnierin 
vgl. Bosdnac, Crnögörka Montenegrinerin vgl. Cmogorac, 
donjözenika Unterländerin vgl. donjözemac, Hercegövka Her- 
zego vinerin Hercegovac, Frekbdrmka eine von jenseits der 
Drina vgl. Pveködrinac, Särajevka Frau aus Sarajevo vgl. 
Sarajdvac, zägörka eine Transmontane vgl. zägorac. 

b) Durch die Anfügung von -inja an Bil- 
dungen auf -ka entsteht -kinja, das dann selbständig 
auch ohne ein vorhandenes Wort auf -Ä;a verwendet wird, 
z. B. ärapkinja neben ärapka Negerin zu ära}) ärapin, bö- 
Ijärkinja neben boljärka Bojarin böljär, Branicevkinja neben 
Bränicevka eine Frau aus Brämcevo, trgövkinja neben 
trgövka Handelsfrau trgovac, zägörkinja neben zägörka eine 
Transmontane zägorac. — Beckinja Wienerin Becanin, dvor- 
kinja Auf Wärterin dvör Hof, Fräncüskinja Französin Fräncüz. 
Vgl. noch döjkinja Amme zu ddjiti säugen. 

403. 6. -usa, die Silben vor dem Formans sind kurz, 
z. B. alätitsa Fuchsstute älat Fuchs, Bosnjakusa Bosnierin 
Bösnjäk^ d.jevenisa Frau des Brautführers djever, dbrusa 
braune Stute dorat döro Brauner, dögusa Schimmelstute 
dbgat döga {-go) Schimmel, jastrebiisa geierfarbige Henne 
(eig. Geierin) jästrijeb, kidusa mausfarbene Stute küläs 
mausf. Pferd, rldusa fuchsrote Stute rhto Fuchs rld fuchs- 
rot, seljäkusa Bäuerin scljäk. 

46-1:. X. Pianzennamen. Wo solche Namen sich 
einreihen in die bisher behandelten Bedeutungskategorien, 



§464.] Stamaibilclung der Komina. 279 

sind sie gelegentlich unter den Beispielen mit erwähnt. 
Hier handelt es sich um reihenweise vorkommende 
Pflanze nnamen mit Formantien, die entweder fast 
einzig zur Bildung solcher Namen verwendet sind, oder 
wenn auch sonst gebraucht, mit Vorliebe dafür angewandt 
sind. Die botanischen Namen sind nach Vuks Wb., so- 
weit sie dort vorkommen, gegeben, sonst nach Sulek, 
Jugoslavenski imenik bilja (Agram 1879). Bei weitem am 
häufigsten sind Bildungen auf -ika und -lh\ die auf -ika, 
wenn abgeleitet von kürzeren Pflanzennamen, bedeuten 
öfter eine einzelne Pflanze aus einer Gattung, 
die diesen kürzeren Namen führt; die auf -ik eine An- 
sammlung von Pflanzen (Strauch, Wald, Stand), 
vgl. dazu oben § 404 -äk -njäk. 

1. -ika (auch -Ijika), die Silben vorher kurz, Haupt- 
ton auf der drittletzten: äptika Attichstengel äpta Attich, 
bjelika Splint zu Mo hijcla weiß, hödljika Art Stachelgewächs 
bödlja Stachel an Gewächsen, hbrika Kiefer hör gen. bora, 
bünika Bilsenkraut bün, cvölika Samenstengel der Zwiebel, 
zu altem stroh Stengel, cemerika Nießwurz chner Gift, 
cesljika Kardendistel ceslja, gladwika ononis glädU, gbr&ika 
Milchdistel sonchus oleraceus zu gorak fem. gorka bitter, 
grcsika und gresljika neben gres Herling (unreife Traube), 
jäglika Primulaarten, jäsika Äspe, jelika Tanne jela, kaphiika 
Akazie, kloköcika Pimpernuß staphylea pinnata klököc, 
kondpljika Hanfstaude konoplje, kösirika ruscus aculeatus, 
lovörika Lorbeer lövör (alt), Ijütika Zwiebelart allium asca- 
lonium zu Ijüt herb, mäsljika evonymus, mklljika Mehltau 
med gen. meda Honig, mlädika Sproß zu mläd jung, mljecika 
Wolfsmilch mlijeko Milch, muhärika Borstengras panicum 
oder Setaria- Arten, omörika Fichte ömora, östrika u. a. carex 
zu ösiar scharf, pain-ätljika Farnstengel p)^P^~^t> pdprika 
caspicura annuum 2^ä2)ar Pfeffer, perünika Schwertlilie ^;er?(Wö 
(Donnergott) plänika Erdbeerbaum arbutus unedo, prüdika 
Gesträuch, das auf einer Sandbank j^'^üd aufwächst, rästika 
Xneben rästan) Art Kohl brassica oleracea, smrdljika {smr- 
Ijika) Eberesche zu smfdjeti stinken, sräsljika zusammen- 



280 Stammbildung der Nomina. [§ 464 — 466. 

gewachsene Nüsse u. a. zu srdsti se zusammenwachsen, 
srcika Holundermark und eine Art Apfel srce Herz, stäblika 
Stengel sfablo dass., strnjiJca Stoppeln vgl. Adj. strm «von 
Halragetreide» '■'sthrnh fem. stipula, sarenika Art Apfel sären 
bunt, savränjika carthamus tinctorius sävran Safran, slbika 
und s'ibljika Rute s^ba kell, siblje, sepnrika rosa canina, 
tamjänika Muskatellertraube tämjan Weihrauch, teüvika 
Stechwinde smilax aspera fe^/m Sehne (desBogens), trbidjika 
neben trbulja Schierling, irepetljika Aspe zu irepetati zittern, 
thtika trsljika Rohr trst, irska, nljika Ölbaum fdje Öl, zele- 
iiika Buchsbaum zelen grün, zdräljika Steinklee Mräl Mrälj 
Kranich, zestika tatarischer Ahorn zesia. — Wo -ika sonst 
vorkommt, was selten ist, wiederholt sich zum Teil die 
Bedeutung des einzelnen Stückes, so grädljika Stück Bau- 
material, vgl. (jrääa Baumaterial grdditi bauen, hvatljika 
Scheit Holz hvdt Klafter. 

465. 2. -ik, die Silben vorher kurz, Hauptton als 
auf der vorletzten: äjitik Attichstrauch dpta, borik Kiefern- 
wald bör gen. bora, brezik Birkenwald breza, biikvlk Buchen- 
wald bükva, cenk Zereichenwald fer, drenlk Kornelkirschen- 
stand dnjen, gräbik Weißbuchenwald grab, Ivik Weidenwald 
tva, jasenlk Eschenwald jäsen, jäsik Äspenwald jäsika Äspe, 
josJk Erlenwald joha, kestemk Kastanienwald kesfen, klmik 
Ahorn wald klen, krusik Birnengarten vgl. kruska Birnbaum, 
üpik Lindenwald lipa, topoUk Pappelwald topöla, slfivlk 
Pflaumengarten slfiva. 

460. 3. -ulja, Silben vorher kurz, Hauptton als 
auf der drittletzten: kädulja Salbei, mhrulja marrubium 
vulgare, pähulja Honiggras holcus lanata, vgl. pähülj Gras- 
halm, pröhulja wie es scheint zu proha Hirse, räzulja Art 
Roggen räz, trbulja Schierling, prütulja Art rotgestreifter 
Apfel jjrfd Gerte, smüja Art Rebe, vläsulja Gauchhafer 
avena sterilis. 

4. -ic, wenige Wörter; sie werden hier nur angeführt, 
weil dies Formans im Serbokr. überhaupt selten ist und 
die meisten Bildungen, abgesehen von einigen Eigennamen, 
Pflanzenbezeichnungen sind ; die Silben vor dem Formans 



§466—469.] Stammbildung der Nomina. 281 

sind kurz: Ijutic Ranunke] Ijfd lierb, mrädc (Pflanzenart) 
mräv Ameise, vrätic und povräiic Rainfarn zu vräüü wenden, 
zvönic (Pflanzenart) zvbniti läuten zvöno Glocke. 

407. 5. -an (mit unbeweglichem a) gen. -a«a; eine 
kleine Anzahl; die Silben vor -an sind kurz: hrstan brsljan 
Efeu, d^pan araaranthus blitum dJp Bartgras, kotrljan eryn- 
gium campestre, köstanj sorghum halepense wohl zu kost 
Knochen, mesan Art Rebe meso Fleisch, rästan brassica 
oleracea, zlätan Lilienart lilium martagon zläfo Gold, 
zvjezdan lotus corniculatus zvijezda Stern. 

468. XI. Nomina actionis; Wörter, die eine Hand- 
lung, einen Vorgang bezeichnen. Das ist nicht im aller- 
engsten Sinne zu nehmen; sehr oft drücken diese Bildungen 
nicht abstrakt die Handlung aus, sondern sind konkreter 
geworden, bedeuten z. B. oft das Resultat einer Tätig- 
keit oder das Ding, das durch sie hervorgebracht ist, zu- 
weilen auch das Mittel der Handlung. Den Ab- 
leitungen liegen Verben zugrunde. 

1 , -ac = -beb, seltene Bildungen : hitac Nu na jedan 
hltac auf einmal hltati Jiifjeü eilen, hröpac das Röcheln 
hrbpiti, düpac Schlag dupiti, grähac das Raffen gräbiti, pöljuhac 
Kuß poljübiti, skröpac das Benetzen, Regenschauer skröpiüy 
kdarac Schlag udariti. 

469. 2. -ak, mit beweglichem a, = ^k^, z. B. od- 
lomak Bruchstück gen. ödlömka. Zugrunde liegt fast regel- 
mäßig ein mit Präposition zusammengesetztes Verbum, 
öfter in der Iterativform, z. B. izbirak Überbleibsel zu iz- 
hirati auslesen (zum perfektiven hbrati präs. Izberem). Ab- 
leitungen von nicht zusammengesetzten sind selten, z. B. 
irösak Ausgabe, Kosten trositi. Die Wörter haben zum 
größeren Teil die oben angegebenen konkreteren Be- 
deutungen. Die im folgenden angeführten sind geordnet 
nach dem Anlaut des einfachen Verbums: tzbljuvak Aus- 
wurf izbljiivati ausspeien, zaböravdk das Vergessen zaböra- 
viti, zäcepak Stöpsel zacepiti verstopfen, pöcinak Ruhe pöci- 
nuti vgl. pocivak Ausruhen pocivati, pridavdk Zugabe pridd- 
vaii, pridjevak Zuname (eig. Zulage) pridijevati (zulegen) 



282 St.ammbildung der Nomina. [§469 — 471. 

anheften, pregihak Biege pregibati. pregradak Verschlag pre- 
grdditi, dgrehak Abschabsei ogrepsti -grebem, iigrizak Abbiß 
ugristi ugrizem, ökusak Kostebissen, Schluck dkusiii, dölazak 
Ankunft, hlazak Ausgang, bhlazak Umweg, otZteaA; Weggang, 
pölazdk Abreise, prölazak Durchgang, släzak Abstieg, idazak 
Eintritt, alles zu läziti gehen, idomak Bruchstück idbmiti 
abbrechen, priloiak Beilage, Zugewicht prübsiti, dbmetak 
Zusatz dometati, nmetak Einsatz umetati, bdmorak Erholung 
odmbriti se, pnnovak Anbau prinoviti neu hinzufügen, öpanak 
(eig. Geflecht) Art Schuh = opbmkh zu pbnq peti, vgl. skr. 
2. B. zä-peti za-pnem spannen, p)öpecak Stück Fleisch zum 
Braten popeci jjopecem, iipletak Zopfband uplesti -pletem ein- 
flechten, üranak Frühaufstehen nraniti, tzrezak Ausschnitt 
^zrezati, zäruddk Anfang der Reife zarüdjeti sich röten, an- 
fangen zu reifen, zasmocak Würze zasmöciti, ösfanak Ver- 
bleiben, pöstanak Beginn, Entstehung, j^reste««/,: Aufhören, 
rästanak Trennung, sästanak (sfänak = s^stan^k^) Zusammen- 
kunft, iistanak Aufstand, alle zu niäü stamm stehen bleiben, 
sich stellen, presiupak Übertretung pref,tiqÄH, ösvitak Tages- 
anbruch bsvitati, zuvezak Eingebundenes zavezati, 2:)bvratak 
Umkehr povräfiti, zävrsak Schluß zavrsiti vollenden. 

4*70. 3. -ava, -'ava, -vjava; die Silben vor dem 
Formans kurz, der Hauptton als ' auf der drittletzten; 
häufigere Ableitungen von Verben, die Schall u.a. 
ausdrücken; z. B. dcrnjava Geplärr derati se, grmljava das 
Donnern grmjeti ghnljeti, güdnjava dumpfer Schall güdjeti, 
knvnjava Brüllen kriviti se brüllen (vom Rindvieh), küknjava 
Gejammer kükati, Ibmljava das Brechen löniiti, pucnjava 
Gekrach j^Mca/t, tätnjava Gedröhn füfnjiti, tüznjava Wehklage 
iüziti se. Von anderen Verben: dy£am Besitz, Staat drzati 
halten, nieöava Gestöber, Schneesturm zu m§tq mesti vgl. 
skr. za-mesti -metem umrühren, oder zu mesti metem, kehren 
vgl. zamesti verwehen (vom Schnee), mrcava Dickicht 
iufknuti dunkeln, tvrdava Feste, Festung tvrditi zu tvrd fest, 

471. 4. -ba aus -bba, die zweisilbigen Bildungen 
haben den Hauptton als " auf der vorletzten und die erste 
Silbe kurz; z. B. bbrba Streit, Kampf bbrifi se kämpfen, 



§471.472.] Stammbildung der iNomina. 283 

diöba (= delbba) Teilung dijeliti teilen, dvbjba Zweifel dvdjiti 
trennen, entzweien, dvörha Aufwartung dvöriti koga jemand 
bedienen (zu dvör Hof), gbzba {= gostiba) Gasterei göstiti 
bewirten (zu göst Gast), khijba Plackerei khijiü plagen, 
körba Vorwurf koriti, möba (== '^•mooba = molbba) zusamnien- 
gebetene Arbeitergesellschaft mdliti bitten, pärba {= pbrbba) 
Streit, Prozeß preti prem {pweti jihfq) anklagen, pögodba 
Vertrag pogbditi se, seöba {== sehba) An Siedlung seliti, slMba 
Dienst slüMti, shUba (= srdhrbba) Zürnen srciti se sich er- 
zürnen (zu srce Herz), svjedodzba (= s^vedocbba) Zeugnis 
svjedöciti, trudba Bemühung trüditi se, tniba Klage tüziti^ 
£älba Beschwerde zäliti beklagen, iiirba Gedränge, eiliges 
Zusammenlaufen süriti se sich sputen. Vgl, dagegen berba 
Weinlese bräti birem, kdrba das Schelten kdrati, näredba 
Anordnung narediti. 

Man kann im einzelnen Fall nicht immer sicher be- 
stimmen, ob eine Abstraktbildung von einem Substantiv 
oder von einem Verbum vorliegt, z. B. kann svjedodzba 
auch unmittelbar zu svjedok Zeuge gehören, drüzba Kamerad- 
schaft zu drüg Freund, wie sicher svädba Hochzeit (= sva- 
thba) zu svat Geleiter des Bräutigams, svöjdba Schwager- 
schaft zu svöjta Verwandter. Da aber die Verba svjedöcifi 
bezeugen, drüziti se sich gesellen vorhanden sind, w'erden 
die Bildungen leicht auf diese bezogen, und im Skr. sind 
sicher die meisten unmittelbar zu den Verben empfunden. 

4T3. 5. -idba^ entstanden aus einer Vermischung 
der Formantien -tva (s. § 490) und -ba, durch die ein -tba, 
d. h. lautlich -dba entstand, vgl. sjedba neben sjefva Saat 
(satio) zu ek. sejati sejem (abg. seti sejq) jek. sljati sljem. 
Die Ableitungen von Verben auf -i-ti erzeugten ein -idba, 
das dann selbständig geworden ist und auch bei anders 
gearteten Verben verw'endet werden kann. Der Hauptton 
liegt als ' auf der drittletzten Silbe, die Silben vor -idba 
sind kurz. Beispiele: bjelidba Zeit des Bleichens bijeliti, 
gididba Ausschälung (des Maises) gidifi, komidba Abblatten 
(der Maiskolben) komiti, kdsidba Mahd kdsiti mähen, krcidba 
Roden krciti, prasidha Lockerung (des Weinbergs) prdsifi, 



284 Stammbildung der ^;omina. [§472—475. 

prösidha Freiwerbung prositi, vjeridba dass. vjeriti djevöjku, 
vözidha das Fahren voziti, zenidha Heirat zeniti verheiraten. 
Von andersgearteten Verben: rezidha Beschneiden (der 
Reben) rezati, vezidha Anbinden (der Weinstöcke) vezatiy 
visidba Ausdreschen (durch Treten) vrijeöi vrsem. 

4'73. 6. -et, -ot, -at (= -hU, -^t^), Ableitungen von 
Verben, die ein Geräusch u. ä. ausdrücken; der 
Hauptton liegt bei diesen Bildungen als " auf der ersten, 
-et- und -0^- haben e, ö. klepet Geklapper, Getön der 
Kuhglocke hlepati anschlagen (ans Läutebrett), trej^et Beben 
(davon trepetati zittern) trej)-, treset Sumpf stelle, die nach- 
gibt (zittert), wenn man darauftritt, tresti tresem erschüttern, 
zveJcet Geklimper (davon zveketati klimpern) vgl. zvek Klang. 
— glömöt (alt auch glomät) Geräusch, gröhot (gröhöt) lautes 
Lachen (davon grohbiaü se), klököt Geräusch des sprudelnden 
Wassers (davon klokotati), kököt Gackern (auch «Hahn»), 
davon kokötati gackern, soböt dumpfer Hall (davon sohötati), 
töpöt Stampfen mit den Füßen (davon topotati). — bähat 
gen. bähta Getrappe (davon bähtati), drhat (dfhät) gen. 
drhta (dfhäta) Zittern, Schauder (davon drJäati), säpät gen. 
säpta (= shphh), daneben auch gen. säpäta Gelispel, vgl. 
säptati lispeln. 

474. 7. -ei = -eib, z. B. derez (eig. Prügel) Prügel- 
bank derati, drijemez Schlummer drijemati, gräbez Raub 
grabiti raöen, krpez Flickerei, Flickwerk kfpiti, Idvez Gebell 
läjati, metez (bei Vuk metez) Tumult ynesti metem umrühren, 
verwirren, mütez Trübes (z. B. trübes Wasser) mütiti, trpez 
Geduld trpjeti; rtbez Krauthobel ribiti (Kraut) reiben, srämez 
Scham srdniiti se; lüpez Dieb (urspr. abstrakt, Nom. act.) 
lüpiti (urspr. schälen, abstreifen); vgl. noch stdlez (kroat.) 
Stand (= Rang) zu stäü siänem vom Z-Partizip. 

475. 8. -b, femininale i-Stämme; ziemlich häufig im 
Serbokroatischen; davon alte Bildungen z.B. zapovijed 
Gebot = zapovedb, ispovijed Beichte (zu -vedeti), läz gen. 
läzi = hzh Lüge (zu lägati = hgati), Ijetoräst Jahreswuchs 
(der Pflanze) Ijeto, rdsti; ryec'Wort == recb, zu redt recem 
= abg. resti rekq, skrb Sorge = skrbh (zu skrbeti), tvär Ge- 



§475.476.) Stammbildung der Nomina. 285 

schöpf stvär Sache ^= tvarb s^tvarb (zu tvoriti machen). In 
der heutigen Sprache ist die Formation nicht mehr lebendig; 
es sind aber jedenfalls in älterer Zeit ziemlich viele solche 
Wörter gebildet worden. Beispiele: cini pl. Hexereien 
ciniti körne jemand etwas antun, gläd Hunger (= *goldb), 
goro-pää Epilepsie pästi (päd-) fallen, izijed (trava od izijedi 
ein Kraut, das Auszehrung bringt) izjesti verzehren, käp 
Tropfen vgl. käpati tropfen, pödräst (Unterwuchs) Milz- 
schwellung podrdsti^ ndruc (eig. Behändigimg) das Leihen 
(zu narüciti bestellen, oder unmittelbar zu rüka Hand), 
näzeh Erkältung imzepsti -zebeni sich erkälten, öküc ^^''indung 
vgl. okuka dass. küka Haken, pdkl'ic Ruf pbklikmiti, pötöv 
Nachsetzen, Verfolgung, prötöc Durchfall protöciti durch- 
gießen, p^-esrt (eig. Übersturz) äußerste, überragende Berg- 
spitze vgl. pö-srtati schwanken, umfallen, pretec das Vor- 
laufen pretecH, -tecem, pröhädi pl. Seitenstechen prohösti 
probddaii durchstechen, pröstriz ÄrmelöfFnung prdstrici 
prosirizem durchscheren, pusto-päs ungesperrte Weide 
päsii pdsem weiden (vgl. päsa Weide), stU Erreichung 
(nedostii nicht zur Entwicklung gekommene Ähre) stlci 
stlgnem, stüd Kälte (vgl. stiideu kalt) stlnuti se gerinnen 
(= *stydnqti), stüz Kordon (= *s^tqzb), vgl. s-tega dass. 
s-iegnuti umringen (= teg-), vär Hitze (zu vreii vnm, abg. 
vhreti vhrq sieden), zäkric Verbot zakricati, zäpäd (und zd- 
pad) schattiger Ort (wohl Volksetymologie für jäpäd dass., 
Fremdwort, türk.?; zäpäd mask. = Westen), zgäd (eig. 
Ekel) ekelhaftes Ding vgl. zgäditi verekeln, zglöbi pl. Hefteln 
z-glöhiti zusammenlegen, zöh gen. zdhi (eig. Futter) Körner- 
futter zbhati Körner fressen, picken, zect (neben zeda) Durst 
(zu z^dati dürsten). 

476. 9. -ica, kann unmittelbar verwendet werden 
oder als Weiterbildung von Bildungen auf -av-, wodurch 
ein -avica entsteht. 

a) -ica, mit kurzen Silben vor dem Formans; z. B. 
bähorica Zauberei bäJioriti, grebice pl. Abschabsei grepsH 
grebem, näsUica Gewalttat näsiliti mit Gewalt andringen, 
ne-rodica Unfruchtbarkeit roditi gebären, öprasica Bestreuung 



286 Stammbiklung der Nomina. [§476—478. 

(durch Schnee) oprdsiii, ötmica Mädchenraub (= otbmica zu 
ot^ti ot-hniq, skr. öfeti öfmem wegnehmen), pdJdopica Art 
Kartenspiel poklöpiti zudecken, pbrodica Nachkommenschaft 
poruditl, pörosica leiser Regen (Tauregen) porösiti (eig. be- 
tauen) leise regnen, pöskocica Tanzweise, Kololied poskbciti 
aufspringen, pbiicica Einschlag beim Weben {= po-qthcica 
\on qiokh dass., oder = po-uiocica zn ii-tkati ücem einweben 
= vz-thkaH), trica pl. trlce Kleie (zu trti trem abg. trti 
fbrq reiben), iikovica auf Draht geschmiedete Münzen zum 
Kopfputz ukbüati einschmieden, iivjerica Waffenstillstand 
üvjeriti se W. schließen, zävezica Art Handfessel zavezati 
zubinden. 

477. b) -avica, z. B. käpavica Träufelwasser (vom 
Dache) käpaii tropfen, klhavica Niesen kihati, naUzavica 
schwerer Stuhlgang natezati se sich anstrengen, pädavicd 
Fallsucht pädati, pljavica Blutegel plti trinken, pljüskavica 
Art Ausschlag (Windpocken) pljüskati spritzen, rujavica 
Rülpsen rlgaü, rskavica Knorpel hkaü mit Krach zerbeißen, 
sljavica Wetterleuchten sijati glänzen, trepavica Augenwimper 
vgl. trepetati zittern, iresavica das Zittern tresü iresem se 
beben, vljavica Schneesturm vljati {vlje smjeg der Schnee 

jagt). 

478. 10. -ina; die damit gebildeten Wörter drücken 
mehr das Resultat einer Tätigkeit aus als die 
Tätigkeit selbst. Durch Anfügung an Bildungen auf 
-ava, -ov, -ofa entstehen die Formen -avina, -ovina, -otina. 

a) -ina. von Verben, die mit Präpositionen 
zusammengesetzt sind, und in Kompositis 
mit erstem nominalen Bestandteil; die Wörter 
entsprechen oft den deutschen auf -sei; z. B. htresine pl. 
letzter Rest istresti ausschütteln, bcjedine pl. ausgedrücktes 
Wasser ocijediü, bdrpina Fetzen odrpaü abschaben, bgrebine 
pl. Abschabsei ogrepsti -grebem, blpistina Abgeschältes 
(Schalen von Früchten) oljüsfiti, bplacine pl. Spülicht spläcine 
dass. opläkaii spldkaü, bstrizine pl. Abschnittsei bstrici ostrizem 
abscheren, bf rebine pl. Abklaubsei otrijebiti, pbderiiia Lumpen 
poderati zerreißen, pbmetina (eig. Ablegsei) Nachgeburt 



§ 478—482.] Stammbildung der Nomina. 287 

pomeiati, räzvaline pl. Ruinen razväliti zertrümmern, zäkopina 
Neubruch (neu urbar gemachtes Land) zdkopati graben. — 
In Nominalzusammensetzungen crvötocina Wurm- 
fraß crv, tbciti (gießen), krvötocina Blutharnen kPv, tocitiy 
rukötvorina Werk meiner Hände rüka, tvoriti machen, 
voddderina Wasserriß voda, derati, voskövarhia Wachstreber 
vösak gen. vöska, vdriti kochen, vuköjedma vom Wolf vük 
Angebissenes jesti jedem essen. 

4*79, b) -avina, z. B. drzavina (vgl. driava) Besitz 
dHati halten, grmljavina und ghnljava das Donnern grmjeti, 
tütnjavina und tütnjava das Dröhnen tütnjiti, grüsavina ge- 
ronnene Milch grüsati se gerinnen, mjesavina Gemengsei 
mijesati mischen, pesniavina Flickwerk pesnjati pfuschen. 

480. c) -ovina (-evina), z. B. hränjevina Bannwald 
hräniti wehren, grädevina Gebäude grdditi, Imovina Vermögen 
hnati haben, kosevina eben abgemähte Wiese kösiti mähen, 
grüsevina (und grüsavina) geronnene Milch grüsati se gerinnen, 
krcevina Rodeland krriii, knpljevina und küpovina das Ge- 
kaufte küpiti, päljevina Angesengtes p)äliti anzünden, prb- 
sevina Erbetenes prösiti, rädevina Gearbeitetes, Arbeit räditi, 
iekovina und tecevina Erworbenes teöi tecem. 

481. d) -oüna, der Hauptton liegt als ' auf der 
Silbe vor -oüna, die Silben vor diesem sind kurz; z. B. 
hljüvotina das Ausgebrochene Ujuvaii, büsotina Bohrloch 
hüsiü bohren, crkotina verrecktes Vieh cirknuti krepieren, 
kälotine pl. gedörrtes Obst kälati (eig. aufschneiden) dörren 
(Fische), ohrezotina Abschnitt bhrezati beschneiden, oklhotme 
pl. (was glatt hinuntergeht) Leckerbissen dkUznuti öklizati 
gleiten, j^drotina Schramme xjäraü u. a. ritzen, pickotina 
Spalt, Ritz püknuti bersten, sfrugotina Hobelspäne strügaii 
schaben, hobeln. 

482. 11. -Ivo, gering an Zahl, meist konkreter Be- 
deutung; die erste Silbe der stets dreisilbigen Wörter hat 
Akzent \ die erste Silbe ist stets kurz: jdgnjivo das Lam- 
men jägnjiü, jedlvo Speise jesti jedem, vgl. auch jestiva pl. 
(sg. Aväre jestivo) dass., kreswo Feuerzeug kresati Feuer an- 



288 Stammbildung der Nomina. [§482.483. 

schlagen, meljivo was gemahlen wird ynljeti meljem, nbsivo 
Tracht (Kleidung) nösiti tragen, pecfvo Braten ^^eci pecem, 
pletivo Strickgarn plesti iMtem flechten, stricken, jjredivo 
Spinnwolle x>resti predem spinnen, teclvo Erworbenes teci 
tecem, sjeciva (plur., sg. wäre sjecivo) Schneidewerkzeuge 
sjeöi sijecem, värivo Hülsenfrüchte väriti kochen, vgl. socivo 
Linse und überhaupt Hülsenfrüchte zu sök gen. söka Saft, 
483. 12. -üj gen. -äja, der vorangehende Konso- 
nant palatalisiert ; -Ijäj; die Silben vor dem Formans sind 
kurz, der Hauptton liegt als " auf der ersten Silbe. Bei- 
spiele: dögadäj Begebenheit dogöditi se dogäctati se, mjesäj 
Back (die Portion zum Backen) mijcsati mischen, nämjestäj 
Hausgerät nänijestiti placieren, närasfäj (Aufwuchs) Gene- 
ration narästi -rästem, närucäj Armvoll rüka Hand, Arm, 
nävicäj Gewohnheit öbicäj dass, nävihmti se, dbici obiknem 
se sich gewöhnen, zävicäj Heimat zu demselben vyknqti, 
nösäj Tracht (Kleidung) nösiti, ökrsäj Gemetzel krsiti zer- 
brechen, ömrsäj Stück Fleischspeise mrsiti Fl. essen, öprostäj 
Abschied, Urlaub opröstiti se, pblazäj Weihnachtsbesuch 
pblaziti besuchen, jmiiisljäj Gedanke pömisliti Gedanken 
fassen, pbtpasäj Schärpe ptbipasati untergürten, pripasäj dass. 
pripasati umgürten, rbdäj Sonnenaufgang rbdiü se (eig. ge- 
boren werden) aufgehen, p)bro(täj Niederkunft porbditi se, 
slücäj Begebenheit slücifi se, vrsäj Schicht Garben, die auf 
einmal ausgetreten wird, vrijevi vrsem dreschen (durch 
Treten), zälezäj verwahrloster Weinberg zalesati se sich ver- 
liegen =^ verderben, zämasäj Hieb zamdhnuti ausholen. — 
-Ijäj: gütljäj Schluck giltati, kbrakljäj Schritt vgl. kbräk dass. 
kordciti schreiten, nätegljäj (eig. Zug) Schluck nategnnti an- 
ziehen, zäveMjäj Eingebundenes ^ai-e^aii, bdgonetljäj k\xi{öi\xwg 
eines Rätsels odgonetati, pbtprasljäj so viel Pulver, wie auf ein- 
mal auf die Zündpfanne geht potpräsiti streuen, rästegljäj 
Spannweite der ausgestreckten Arme rastcgnuü ausspannen, 
Mrkljäj Schluck Hrknuti. — Sehr selten ist -äj ohne Pala- 
talisierung des vorangehenden Konsonanten : üzdisäj Seufzer 
üzdisati, zälagäj zälogäj Bissen zaidgati zalb£iti (eig. hinter- 
legen) Bissen in den Mund geben. 



§484.485.] Stammbildung der Nomina. 289 

484. 13. -jo- mask., alter Nominativ auf -'h, d. h. 
vorhergehender Konsonant palatalisiert; mit dem be- 
stimmten Sinne eines Nomen actionis nur wenig vertreten : 
plac Weinen pläkati, rdskos Wonne, vgl. c. Jcochati se sich 
ergötzen, zäkolj Schlachten pbholj Blutbad zaklati zäkoljem 
schlachten pdklafi hinschlachten, zdfoc Wette zateci -tecem 
se sich verpflichten, zäsanj das Ende eines Trakts beim 
Mähen z^ii zhnq skr. zeti zänjem (Snjem). 

485. 14. -ja, -'a, vorangehender Konsonant palata- 
lisiert; liegt ein Verbum auf -i- zugrunde oder enthält es 
in seinen Formen ein j, so ist nicht zu unterscheiden, ob 
j auf dem Formans -ja- beruht oder auf ; im Verbum 
und / =- i vor Formans -a-. Die Wörter sind oft kon- 
kret geworden. Nomina actionis z. B. glard-bolja Kopf- 
schmerz gldva, boljeti, gräja Gekrächz gräjafi, griza Bauch- 
grimmen grlsü grizem beißen, hdda Gang öJioda Umweg 
pröcTa (= pro\^}i]octa) guter Warenabgang hdditi gehen, Izdaja 
Verrat, ödaja Abgabe, predaja Übergabe, prödaja Verkauf, 
Maja Verheiratung däti geben, kräda Diebstahl kräsü krädem, 
müza das Melken miisti müzem, pögovja Verfolgung pogöniti, 
pbnmja Achtsamkeit po-nibneti gedenken, potaja Verborgen- 
heit potdjiti, rdda Arbeit rdditi, sjeca das Niederhauen (auch 
= abgehauene Zweige) sjeci sijecem, srh'a (== s^rcsta, eig. 
das Begegnen. Begegnis) Glück sresti sretem begegnen 
(abg. s3-resti -r^stq), stäja Stall sfäfi, sträza Wache vgl. 
abg. stregq sfresfi behüten, bewachen, sväda Zank sväditi 
se, räzvada das Auseinanderbringen Zankender räzvaditi, 
Mca Spaziergang setati, teza Schwere -tegnuti ziehen, vijeca 
Beratung, Ratschlagung vgl. abg. s^-vestaii beraten, sh-veth 
Ratschlag, volja Wille zu altem veUli (■•''wollen) befehlen 
*(skr, velju, vellm ich sage), vönja Geruch, Duft vbnjati 
riechen, vräca Rückgabe vrdtiti, zeda Durst abg. z^zda, zedafi 
dürsten, zelja Wunsch zeljeti, zirb-pada Eichelfall, Zeit des 
E. iTr, pästi päd-, — Beispiele von Konkreta: hogb-molja 
Bethaus mbliti se beten, cäda Ruß cäditi rußen, gräblje pl. 
Hacke grähiti raffen, gräda Baumaterial zägrada bgrada 
Zaun grddifi bauen zagr. ogr. umzäunen, jäza Abzugskanal 

L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. 19 



290 Stammbildnng der Nomina. [§485—488^ 

voäb-jaza (vgl. jäz Kanal) jäziti Wasser ableiten, jeda Speise 
mesojede pl. (Fleichessen) Karnevalszeit jesti jedem, klsa 
(eig. Nässe) Regen k'isnuti u. a. naß werden, Omca Schlinge 
{■^ omoca) omäci bmahiem (abg. o-mzknqti) gleiten lassen, 
päsa Weide (Viehw.) volbpasa Ochsenweide popasa Weide- 
geld pästi päsem, jnöa Nahrung pitati, preda Gespinst, Garn 
presti prMem, sjenö-kosa (Heumahd) Wiese s\jeno, hositi 
mähen. 

486. 15. -je = -bje, -'e, der vorangehende Konso- 
nant palatalisiert ; die eigentliche Bildung der 
Verbalabstrakta im engeren Sinne; sie kann an sich 
von jedem beliebigen Verbum ausgehen, allein nur von 
imperfektiven Verben werden solche Abstrakta regel- 
mäßig gebildet, selten von perfektiven. Zugrunde liegt 
nicht unmittelbar der Verbalstamm, sondern das Partizip 
prät. pass. auf -7l^ {-n), -em {-en), -ih (-f); die vorletzte Silbe 
ist lang. Beispiele: vjeneänje Trauung part. vjhicän zu 
vjencati trauen, uhij^nje das Erschlagen part. uhljen zu uhitiy 
ubice dass. zu part. iMt. 

487. IG. -Ä'rt (= -oka, -bka). Die Wörter haben 
öfter gegenständliche Bedeu.tung, namentlich des 
Mittels oder Instruments. Nomina actionis: pletke 
pl. Intrigen plesti pletem flechten, psövka Beschimpfung 
psövaü, pögrjeska Fehler pogrijesati, gätka Erzählung gdtati, 
pdpijevka Gesang (Lied) zur Gusle popijeraü, pripovijetka 
Erzählung pripovijedati, skröjka Schnitt skröjiti zuschneiden 
(Kleid) zdpjevka zäpijevka Totenklage zapijevati T. halten. 
— Konkreta, z. B, döjka Zitze döjiti säugen, klepka Kuh- 
glocke klepati anschlagen, misö-ldvka Mausefalle ynls, loviti 
fangen, polijevka (Aufguß) Suppe pbljevati, pbsipka Feuer- 
schaufel pbsipati beschütten, svirka Flöte snrati, täcka 
(= töcbka) Bohnenstange täkmiti (= töknnti) wo hinein- 
stecken, zvrcka Brummkreisel zvrcati schnurren. 

488. 17. -Ih, skr. Nom. sg. -ao gen. -li, feraininale 
i-Stämme; die Silbe vor dem Formans ist lang; die zwei- 
silbigen Bildungen haben ~ auf der ersten Silbe, die mehr- 
silbigen (mit Präposition zusammengesetzten) ' auf der 



§488—491.] Stammbildung der Nomina. 291 

ersten: 'izmkao gen. -kli, pömkao Aufgesprossenes }z-, po- 
nihmti, Izrästao gen. -räsU Auswuchs iz-rdsti ■rästem, misao 
pömlsao Gedanke, davon das Verbum mlsliti denken, nä- 
zebao Erkältung vazepsti -zehem sich erkälten, pömPzao smfzao 
Frost pdmrznuti se frieren smfznufi frieren machen, pötkisli 
pl. Streifen, den fallendes Wasser nachläßt, vgl. klsnnti 
regennaß werden, piogthao Untergang poginnti (W. gyb-), 
pregibno (Biegung) Gelenk jiregibati biegen, prötisli pl. Seiten- 
stechen prvtismdi stechen (in der Seite). 

489. 18. -nja = -bna, häufige Bildungen, z. B. 
hihija Eile Jiiijeti, hröpnja Geröchel hropiti, gdtnja Erzählung 
gdtati. grdvja Schimpf, Geschimpf grditi, gröznja Drohung 
yrbziti se, jeznja Schauder jeMti se, köjmja das Umgraben 
köpati graben, küpnja Kauf (emtio) küpiü, mräznja Ver- 
feindung mräzüi, mfznja Haß mrziü, pätnja Qual pätiti 
leiden, pätnja Beachtung päziti, pläsnja Schrecken pläsiti, 
prätnja Begleitung prdtifi, prekreinja Umschwung prekräati, 
prijetnja Drohung prijetiti, prosnja Betteln prösiti, skitnja 
Herumtreiberei skitati se, slütnja Ahnung slütiti, srdnja das 
Zürnen srdüi se, Üdpnja Geträume tldpiti, tresnja das Zittern 
tresti tresem se, setnja Spaziergang setati, stednja Sparsam- 
keit stedjeti, züdnja Verlangen (Wunsch) züdjeti. 

490. 19. -<m; eine kleine Anzahl alter Bildungen: 
bfitvx Schermesser brljati brljem rasieren (abg. briti brijq), 
Ißstve pl. Leiter -Ijesti -Ijezem gehen, steigen, kletva Fluch 
kleti künem (= kleti klbnq), jjljetva Jäten (= *peltva) zu 
pljeii pUjevem (= abg. pleti plevq := '^pelti '*pelvq), sjetva 
Saat (satio) zu sejati sejeni ek. (ik. stjafi sljejii, abg. seti 
sejq), stätva (eig. Stand) einer der Balken, in denen der 
Weberbaum liegt stäti, zetva Ernte {= zetva) zu zeti zänjem 
znjem (abg. zeti zhnq). 

491. 20. -th, skr. -/, alte femininale t-Stämme, 
nicht mehr lebendig; einige Beispiele seien angeführt: cäst 
Ehre (= chsth zu Cbtq cisti), döbit Gewinn döbiti döbijem, mäst 
Salbe mäzaii, näjest näijest Sättigung näjesti -jedem nä-ijem, 
näpast Unfall öpäst Verleumdung pröpäst Abgrund späst 

19» 



292 Stammbüdung der Nomina. [§491—493. 

Fall zu pcisti pädvem (abg. pasti padq); ohmnt Krümmung 
(z. B. eines Weges) ohä-viti umwickeln, vläst Macht abg. 
vlasti vladq vgl. skr. vlddati, zävist Neid zdvidjeti, zä-povijest 
Befehl, Is-p. Beichte, pfi-p. Sprichwort, s-vljest Bewußtsein 
zu abg. vedeti, vgl. skr. zapövjediti zapovijedafl befehlen usw. 

493. 21. Maskulina auf altes -mb gen. -hna, skr. 
-anj (mit beweglichem a) gen. -nja füge ich zuletzt an; 
sie sind teils reine Nomina actionis, teils instru- 
menti u.a. Beispiele: häcanj gen. häcnja eine Art Reuse 
bäcati werfen, hühanj Trommel hübati, metanj Schuß metati, 
näkovanj Amboß na-hbvati auf-, anschmieden, öhrtanj Art 
drehbaren Ringes öhrtati umdrehen, povodanj Überschwem- 
mung, vgl. 2^ovodan angeschwollen (vom Flusse) zu voda 
Wasser, podupöranj Stütze pod-ii-pnjeti, zäpöranj Riegel zä- 
prijeti, pösetanj Laufbahn posefafi hinwandeln, pncanj Ge- 
krach jmcati, rezanj Schnitt segmentum rezati rezem 
schneiden, sezanj Klafter sezati sezem se, segnuti se langen, 
svezanj Bündel svezati svezem zusammenbinden, tücanj Mörser- 
keule tucati stoßen, urövanj Pfahl iirdviii Pfähle eingraben, 
zävöranj Bolzen an der Pflugdeichsel za-vrijeti (hinterstecken). 

Mit demselben Formans sind einige Monatsnamen 
gebildet, meist von Nomina aus: syecarij gen. sljecnja Ja- 
nuar, wohl zu üjeri sijecem hauen (abg. sesti sekq), irävanj 
April träva Gras, svlbanj Mai sr'iba Hartriegel, Ujjanj Juni 
l'qja Linde, srpanj Juli srp Sichel. 

493. XII. Abstrakta von Adjektiven und Sub- 
stantiven. Diese kurze Bezeichnung ist gewählt, obwohl 
manche Bildungen, namentlich Ableitungen auf -ina, zu 
konkreter, sachlicher Bedeutung neigen oder geradezu 
sinnliche Dinge bezeichnen. Soweit sich die Be- 
deutungen genauer scheiden lassen, soll es unten hen^or- 
gehoben werden. 

1. -da = -hda, die ganz wenigen alten Bildungen seien 
mit genannt, weil die Grundworte im Skr. klar vorliegen : 
krivda Unrecht kriv krumm, prävda Gerechtigkeit präv 
recht, vräzda (eig. Feindseligkeit) Blutgericht wäg (in alter 
Bedeutung) Feind. 



§494—496.] Stammbildung der Nomina. 293 

494. 2. -b, femininale i-Stämme, skr. mit konso- 
nantischem Auslaut im Nom. sg.; Ableitungen von 
Adjektiven: crven Röte crven rot, cetvrt Viertel cetvrti 
vierter, dälj Ferne vgl. daleko weit, duz Länge dug lang, 
jär Sommersaat jän sommerlich, Sommer-, mläd das Junge 
koll. die Jungen mläd jung, necist Unflat ne-cist unrein, 
nejäc koll. die Schwachen (kleine Kinder) ne-jäk schwach, 
nesU Nimmersatt (persönl.) ne-sit unersättlich, ntz Niederung 
vgl. mzak niedrig, özim Wintersaat özimt zur Wintersaat 
gehörig, pltöm angebautes Land j;'^io»i zahm, pogän Unflat 
pögan unrein, rävan Ebene rdvan eben, rumen Röte rümen 
rot, strmen Steile stfmen steil, stüden Kälte stüden kalt, zä- 
jedm Gemeinschaft vgl. jedinl einzig, zelen das Grün zelen 
grün. Die oben bei einigen bemerkte kollektive Be- 
deutung findet sich noch in einzelnen Beispielen, auch 
von Substantiven abgeleiteten: nekrst die Ungetauften kfst 
Kreuz, vgl. krstiti taufen, slromäs die Armen siromah, slljez 
junge Schafe oder Widder slljeg junger Widder. 

495. 3. -ica^ selten angewendet, z. B. gröznica Fieber 
grözan u. a. heftig, vgl. grozitise schaudern, ncjacica Schwach- 
heit nejäk, cinjenica Tatsache clnje» gemacht clniti, kzdanica 
Vertrauen üzdän zuverlässig üzdati se vertrauen auf, 
hoflen; einige vom ^Partizip: mäzalica Schmeichelei mo- 
zaü salben, mrklica Dunkelheit mrkli zu mrknuti dunkeln, 
nevidjelica Dunkel ne vidjeti nicht sehen. 

496. 4. -ina; durch Verbindung mit den Formantien 
-ski {== bsko), -ov, -ha (= hha) entstehen die Verbindungen 
-stina, -ovina, -hina, die zum Teil selbständig weiter ver- 
wendet werden. 

A. Ableitungen von Adjektiven; sehr zahlreiche 
Bildungen, die öfter nicht sowohl die substantivierte 
Eigenschaft als Gegenstand, Ort, Situation aus- 
drücken, denen die Eigenschaft zukommt, z. B. cistma 
Reinheit, aber auch «freies Feld» (ohne Gebäude) zu eist rein. 

a) Einfaches -ina, z. B. histrma Klarheit blstar fem. 
Ustra, brzma Schnelligkeit brz, crnlna Schwärze, schwarze 
Kleidung cPn, daljhia Entfernung komp. dälji weiter, duhma 



294 Starambildun» der Nomina. [§496—498. 

Tiefe, tiefe Stelle dübok, dubljika dass. vom Kompar. düblji, 
duzlna Länge dng^ glacina (= qladhcina) Glätte glädak gen, 
glätka, krivina Krümme kriv, krupmna grobe Dinge krüpan, 
maVina kleine Anzahl mäli, meksina Weichheit komp. meksi 
zu mek (= mekikö), vgl. mekota, mlad'ina Jugendalter, Neu- 
mond mläd, mnoslna Menge mnogi, novina Erstling, növine 
(Neuigkeiten) Zeitung nov neu, opcina (= obbstina, eig. All- 
gemeinheit) Gemeinde opstl (= obbsth) allgemein, pitömiria 
angebautes Land ^;/iom zahm, kultiviert, pregnütina Biege- 
stelle pregnüt gebogen zu pre-gnnti pre-gnem biegen, ravnina 
Ebene rävan, sitmna Kleinigkeiten slfan, starvna Altertum, 
alte Zeit {od staune von alters her), Altertümer, alter Mann 
stär, vedrma Heiterkeit, heiteres Wetter vedar fem, vedra, 
zrelhia Reife zreo fem. zrela, zestma Heftigkeit zestok; 
starjesina Ältester = Oberhaupt (= starejbsina vom Kom- 
par. abg. starejb gen, starejbsa). 

49*7. b) -stina aus *-bski)m (von Adjektiven auf 
-hskö, skr. in bestimmter Form -skJ), daraus -bstina -stina, 
wird nicht selten angewendet, auch wo kein Adjektiv auf 
-ski vorhanden ist. Beispiele : ecimstina Arzthonorar ecimski 
zu eöhn (hecim) Arzt, gospostina Herrentum göspodskt gospod, 
hipestina Diebstahl lüpeski lüpez Dieb, sirdmasfiva Armut, 
die Armen sirdmaskl siromah; ohne ein Adjektiv auf -ski: 
bezobrastina Schamlosigkeit bezöbrazan, budalästina Torheit 
budäla Tor, Inkävstina Schlauheit lükav, mrtävstina u. a. 
Leichengeruch miiav tot, nevaljdlMina Nichtsnutzigkeit 
neväljao fem. -Ijala, neoprdnstina Unreinlichkeit neoprän, 
sämrstina Leichengebühr sämrt Tod, skupstina Versammlung 
sküp Haufe; unmittelbar an Verba angeknüpft: nelmastina 
Dürftigkeit ne hnati nicht haben, neümjesiina Unwissenheit 
ne ümjeti nicht verstehen. 

498. c) -ovhia, von Adjektiven auf -ov. 

a) -ov von Personenbezeichnungen; die Ab- 
leitungen auf -ovina bedeuten durchweg Land oder Besitz 
der betreffenden Person: bänovina Bansland, Banat häyiov 
hän, cärevina Kaiserland, Kaisergut, despotovina Despotat 
despotov despot, djedovina Erbe vom Großvater djedov djed, 



§498—500.] Stammbilduntj der Nomina. 295 

Hcrcegovina Herzogsland (l:)enannt von Jicrceg Stjepän), kne- 
semna Fürätentum kneiev knez, kräljevina Königsland, König- 
reich kräljev krälj, ocevina väterliches Vermögen öcev ötac, 
pdpovina Einkommen von Pfarrstelle impov pöp, üjcevina 
Wühnstätte des Oheims ^itjcev zu '^ujak = *iijhkh. 

ß) -ov von Pflanzennamen; die Ableitungen auf 
-ovina bedeuten in der Regel das Holz der betreffenden 
Pflanze, z. B. brezovina Birkenholz hrezov hrezn, hükovina 
Buchenholz bükov hukva, duhovina Eichenholz dühov düb, 
Upovina Lindenholz Ftpov llpa, topölovina Pappelholz topölon 
iopbla. Vgl. auch äptovina Attichstrauch ajjtov äpta, bbbovhm 
Bohnenstroh höbov bbb, metlovina Besenkraut ml-Üa Besen, 
meddvina Met "^medov med gen. meda Honig; in allgemeinerer 
Bedeutung: dumoviiiaHaus und Hof, Heimat dorn gen. donia, 
Jüadövina Kühle hläd dass., jügovina Südwind ß(g Süd, 
prösnjevina Almosen prbsnja das Betteln, frgovina Handel 
trg Ware, Markt, vgl. frgovac Kaufmann. 

490. B. Ableitungen von Substantiven. Nach 
den Bedeutungen geordnet ergeben sich folgende Haupt- 
gruppen : 

a) Wörter, die den deutschen auf -ei, -heit, 
-Schaft, -tum entsprechen, mehr oder minder kon- 
krete Bedeutung haben, z.B. Mcwm Sennerei bäc, gusärina 
Seeräuberei güsär, hajdiicina Räuberhandwerk häjdilk, kvezina 
(Knesentum) Gebiet eines knez, pisärina Schreiberei pisär, 
piljärina Hökerei piljär, proajäcina Bettelei ^rrbsjäk Bettler. 

500. b) Von den Personenbezeichnungen auf 
-Cir, die den mit etwas Beschäftigten bedeuten (s. oben 
§ 379), haben die Ableitungen auf -arhm fast regelmäßig 
den Sinn der Entlohnung der betreffenden Be- 
schäftigung, z. B. hrodärhia Fährlohn brbdär Fährmann 
hröd Furt, hivarina Hüterlohn cüvär, govedärina Lohn des 
Rinderhirten govedär, grijäcina Gebühr für Heizung grtjäc 
Heizer zu grljati, Ijekärina Arztgebühr Ijekär, poljarina Lohn 
des Feldhüters pbljär, vracärina Wahrsagergelnihr vräcär. 
Vgl. dazu von anders gearteten Grundworten: berberhia 
Barbierslohn berber, carwa (Kaisergebühr) Zoll car, vtrtväciyia 



296 Stammbildung der Nomina. [§500—502. 

Leichengebühr mrtvac, pasürina Hirtenlohn pästir^ telälina 
Ausruferlohn teläl. 

Aus den Bildungen -arina von -är ist ein solches 
Formans entnommen und auch angewendet, wo kein Wort 
auf -är zugrunde liegt : dimärina Rauchfangsteuer diin Rauch, 
glavärina Kopfsteuer gldva, krvärina Blutgeld Tcrv, kucärina 
Haussteuer khca, placärina Platzgebühr pJäca, svädbarina 
(alt) Hochzeitsgebühr svadba, travärina Weidegeld trdva Gras. 

501. c) Von Tiernamen bedeuten die Ab- 
leitungen auf -ina Fleisch oder Fell, Fleisch und 
Fell des Tieres, je nachdem eines oder beides im täg- 
lichen Leben gebraucht wird. Eigentlich sind es Abstrakta, 
z.B. vucina (Wolfsfell) eig. «Wolfsartiges, Wolfstum». Bei- 
spiele: gövedina Rindfleisch göveda pl. Rinder, jägnjetina 
Lammfleisch, Lammfell jägnje gen. jägnjeta, medvjedina 
Bärenfell medvjed, teletina Kalbfleisch, -feil tele gen. teleia, 
vücitia und viiceüna Wolfsfell vük Hnice gen. vuceta; vgl. 
auch oglavina Kopfhaut von Tieren gldva. Die Ableitung 
erfolgt öfter von Adjektiven auf -ov aus: jdnjcevina Lamm- 
fleisch jänjcev jdnjac, järcevina Bocksfleisch jdrcev järac, 
dvnovina Schöpsenfleisch övnov bvan gen. ovna, präscevina 
Schweinefleisch prdsac gen. prdsca, rlsovina Luchsfell ris, 
zecevina Hasenfleisch zec; vgl. noch vüsevina Mäusedreck mls. 

503. d) -ina dient zur Ableitung einheitlicher Sub- 
stantive aus Verbindungen von Präposition und 
Kasus, z.B. ökolina ^ v/as ö^'o?o ringsum ist, Umgebung, 
okräjina Rand des Brotlaibs kräj Rand, pöhovina Fleisch 
zwischen Hüften und Rippen höh Seite, podrepina Schwanz- 
riemen pöd repom unter dem Schwanz, pbhrptina Rückenteil 
lirhat gen. lirpta, pbkrajina Grenze kräj, potrhusina Bauch- 
teil trhuhy zdvjetrina was zä vjetrom hinter dem Winde ist, 
windgeschützter Ort. 

Vergleiche dazu die Anwendung in Zusammen- 
setzungen aus Nomen und Nomen: dubbdoUna (tiefes) Tal 
dühok tief dö gen. döla Tal^ pustbpoljina Heide pmt öde 
pölje Feld, slabbbocina Weichen (des Körpers) släb schwach 
hök Seite, staroduzina alte Schulden stär düg, sinrbputine 



§ 502—506.] Stammbildung der Nomina. 297 

Spuren eines alten Weges püi, suliömedina Mauer (Grenz- 
mauer) ohne jNIörtel sah trocken mhia Grenze. 

503. e) -Mna = -bhina, Weiterbildung von Ab- 
strakten auf -ha =^ -hba (s. §471) und gleichartiger Be- 
deutung: (jbzhina Gasterei zu f/dzba^=gosthba, drüzbina Kame- 
radschaft drüzha, sudbhta .Schicksal von altem sqdbba, dazu 
auch östidbina Urteil, fädbina Diebstahl zu altem tathba. 
Ein solches -blna wird dann auch ohne Grundlage von 
'ba weiter verwendet: cazbina Gasterei (= chstbbina) cäst 
(= cbsth) Gastmahl, ötadzbina (= otbcbbina) Vaterland ötac 
Vater, närudzbina Bestellung narüclH bestellen, ötrazbiva 
Überbleibsel trag Spur, pdstöjbina Geburtsort zu abg. sfojati 
stehen, verweilen, rodbhia Verwandte röd Geschlecht, tazblna 
die Schwiegereltern (= tbstbbina) täst Schwiegervater, tedzbina 
(= tecbbiua) Erworbenes feci tecem erwerben, vradzbiva 
(= vrachbina) Hexerei vräc u, a. Hexenmeister, zäduibina 
= was man za düsu «für die Seele» gibt, fromme Stiftung. 

504. 5. -inja = -yna (alter Nom. sg. -yni). In 
dieser einfachen Form seltener als in Verbindung mit -ota 
(s. § 509). 

a) Einfaches -inja, z. B. grdinja Scheusal gii-dan häß- 
lich vgl. abg. grdz, mekinje pl. Kleie (== mekzkyni) mek 
weich (= mekökö), püsHnja Einöde pnst öde, svetinja Heilig- 
tum, Reliquie svet. 

505. b) -otinja, z. B. bosdtmja vgl. älteres boftöta 
Barfüßigkeit bös f. bosa, golötinja und golofa (älter) Nackt- 
heit gö fem. gola, samötinja Einsamkeit säm allein, siroünja 
(Vervvaistheit) Waise siröta, skupötina Teuerung sküp, sla- 
böiina (Schwachheit) schwacher Mensch släb, strahdtina 
Schreckbild strahdta Schreck, Schreckbild sträh gen. sfrciha, 
suhotinja (eig. Trockenheit) Fasten aus Mangel sahota sähy 
kroniötinja neben älterem hromöta Lahmheit lirom, hropötinja 
schweres Atmen, Asthma hröpiti röcheln; vgl. noch mUo- 
stinja (abg. milostym) von niilost Erbarmen. 

506. 6. -ja, Palatalisierung des vorangehenden Kon- 
sonanten; seltene Bildungen: gusta Dickicht gast, süsa 
Dürre suh, tvräa Festigkeit tvrd. 



298 Stammbildung der Nomina. [§507—510. 

507. 7. -oba, wenige Wörter, Ableitungen von Ad- 
jektiven aus, vereinzelt auch von Substantiven, der Haupt- 
ton liegt als ' auf -o-, die Silben vorher sind kurz: gnu- 
söba Garstigkeit gnüsan ekelhaft, schmutzig, vgl, abg. gnuss 
Schmutz, grdbha Häßlichkeit grdan (vgl. abg. grdö), Imdöba 
Bosheit (auch der Böse, Teufel) hüd schlecht, rngöha Häß- 
lichkeit, vgl. rüzan häßlich zu rüg Spott, tegöba Schwere 
vgl. feg Gewicht, ijesköba Enge zu altem tesko eng (vgl. 
skr. tijesan fem. tijesna = ^tesknö tesnö), zldba Bosheit 
(= zöloba) zao fem. zlä {^=^ zolz zda). 

508. 8. -Ost (= -ostb) gen. -osti, femininale «'-Stämme; 
sehr häufige Bildungen von Adjektiven aus; z.B. bezbosnösf 
Gottlosigkeit bezbozan, düzndst Schuldigkeit, Pflicht duian, 
krdtköst Kürze krdtak, krötöst Sanftmut kröfak, mladöst Jugend 
mläd jung, mirnöst Friedfertigkeit viiran, müdröst Weisheit 
müdar, slädöst Süßigkeit slädak, vjerndst Treue vjeran. 

509. 9. -ota, von Adjektiven und Substantiven ab- 
leitend : 

a) Von Adjektiven, Hauptton als ' auf -o-, die 
Silben vorher kurz; z. B. cis/öte Reinheit cM, dohröta Güte 
döbar, gluhöta Taubheit glüh, jasnuta Helle jäsan, Ijepbta 
Schönheit üjep, njeniöta Stummheit mjem, prosiöta Einfalt 
pröst^ siröfa Waise (urspr. Abstraktum zu sin), tjeskdta 
Enge zu altem fesJcs eng, sljepöta Blindheit slijep, steta 
Schaden (^ hsfeta) zu täst leer (= tosth). 

b) Von Substantiven, Betonung und Quantität wie 
bei a, z. B. grjehdfa (Sündhaftigkeit) Sünde grijeh, sramota 
Schande sräni Scham, strahota Schreckbild sträh gen. sträha 
Schreck, tegota Schwere feg u. a. Gewicht. 

510. 10. -oca ^= *otjä, Weiterbildung der Ab- 
leitungen auf -ota, Betonung und Quantität wie unter 
9 (§509); beide Formen stehen nicht selten nebeneinander 
{vgl. die Beispiele unter -ota), z. B. cistoca, dobröca, gluhoca, 
strahöca; vgl. noch bljedöca Blässe blljed bleich, grubööa 
Grobheit grub, tjembca Enge tijesan, tupöca Stumpfheit tüp. 



§511—514.] Stammbildung der Nomina. 299 

511. 11. -stvo == -bstoo; die Bedeutung der 
häufigen Ableitungen ist die der deutschen Bil- 
dungen auf -tum, -heit, -keit, -schaft. 

a) Von Adjektiven, z.B. bogatstvo Reichtum bogaf, 
dostojdnstvo Würdigkeit dostöjan, jedinsfvo (eig, Einheit) 
^Einigkeit jedmt einzig, mnöstoo (== niönoibstvo) Menge ymiogl 
viel (Adj.). 

Wenn die Bildung, die zwar auf Substantiva bezogen 
wird, doch nicht unmittelbar auf Substantiva, sondern auf 
Adjektiva possessiva zurückgeht, entsteht eine Form 
-ovstvo evstvo, -instvo -injstvo, z. B. krdljevstvo Königtum 
krdljev Tcrälj, pöpövstvo Priestertum pöpov pbp; djetmjsfvo 
Kindheit djetinji dijete gen. djeteta, maferlvstvo (eig. Mütter- 
liches) mütterliches Vermögen maierin mati gen. mafere, 
öcinsfvo väterliches Vermögen dein (= othcinö) öfac. 

5\2. Bei Ableitungen von Adjektiven auf 
altes -hns entsteht -bnbsfvo, skr. -avstvo, z. B. bozänstvo 
(Göttlichkeit) Gottheit = hozbnbstvo zu hozbnö göttlich von 
bog, covjecänstvo Menschlichkeit cdvjecan (= clovechnz) cövjek, 
vladivänstvo Bischofswürde zu vladycbm von vlddika {vladyha) ; 
ein -anstvo kann dann auch weiter verwendet werden, wo 
ein solches Adjektiv nicht gebräuchlich ist: otacanstvo 
Vaterland (= *otbcb7ibstvo), svjedocänstvo Zeugenschaft, Zeug- 
nis (= *s5vedocbnbstvo) svjedok Zeuge, velicänstvo Majestät 
(= ^^velicbnbsivo) veliki groß. 

513. b) Von iSubstantiven, z. B. bdnsivo Bans- 
würde bän^ bratstvo Bruderschaft (Unterabteilung eines 
pleme) brät, cärstvo Kaisertum cm\ djevojastvo {^= *devojb- 
cbstvo) jungfräulicher Stand djevöjka, dobrocmstvo Wohl- 
tätigkeit vgl. dobroc/nac Wohltäter, zloc'mstvo Übeltun 
vgl. zlocinac Übeltäter, drüstvo (= druzbstvo) Genossenschaft 
drüg, pobratlmstvo Bundesbruderschaft pöbratim, prijafelstvo 
Freundschaft prljatelj. 

514. XIII. Kollektiva. 

1. 'äd = -ädb, femininale i-Stämme. Die Grund- 
worte sind mit geringen Ausnahmen deminuierte 



300 Stämmbildung der Nomina. [§ 514—516. 

Menschen- und Tierbezeichnungen auf -e gen. -efa 
(= ^), -ce (= bce), s. §§426,427; daher bedeuten diese 
Ableitungen so häufig eine Menge junger Wesen. Die 
Silben vor -äd sind kurz, der Hauptton liegt bei allen 
zweisilbigen als " auf der ersten Silbe. Beispiele: ärapcäd 
Mohrenkinder arapce, bltznäd Zwillinge hlizne gen. Ulzneta, 
hugarcäd junge Bulgaren bügärce, cöbancäd junge Hirten 
cöhänce, ääkoncäd junge Diakonen *äakonce äakon, jägnjäd 
Lämmer jagnje, jnnäd junge Ochsen jüne, kümcäd Paten- 
kinder kümce, lanäd Rehkälber Inne^ momcäd junge Burschen 
mömce, pascäd junge Hunde päsäe (= pbsbce) zu pas 
(= pbsh), präsäd Ferkel präse gen. praseta, slroiäd Waisen 
siröce, stenäd junge Hunde stene, teläd Kälber tele, ümicäd 
Enkel ünuce, vücäd junge Wölfe *vuce zu vük, zvjeräd wilde 
Tiere zvijere, Mrebäd Füllen (pl.) Mrijehe gen. Mrebeta. 
Dazu auch altes celjäd (= cel'adb) die Leute des Hauses. 

Vereinzelt sind die Wörter sachlicher Bedeutung, 
z. T. unklaren Ursprungs: büjädYsiru, büräd Fässer, drvljäd 
Holzscheite vgl. drvlje koll. zu dfvo, jrfläd und pfnjäd faules 
Holz, süväd dürres Holz snv = süli dürr. Von einem Ad- 
jektiv vgl. noch zlväd Geflügel zw lebendig. 

515. 2. 'je (= -hje), sehr häufige Bildungen, z. B. 
börje Kiefernwald bör Kiefer, brijesce koll. zu brijest Ulme, 
golüblje gölüb Taube, gräblje grab Weißbuche, gröblje (da- 
neben gröbövlje vom Plur. auf -ovi) Gottesacker grob Grab, 
gröide grözd Traube, kämenje kämen Stein, kläsje kläs Ähre, 
lözje löza Rebe, bräsje örali Nuß, perje pero Feder, vläce 
vlät Ähre, zPnje (zrnevlje) zfno Korn. 

510. S. -Inje, seltene Bildungen; jalövinjc geltes Vieh 
jalov gelt, päscinje Hunde von jjäsce junger Hund, zvjermje 
zu zvijer wildes Tier; maskmje Mannspersonen müsko Manns- 
bild (neutr. zu müski männlich), zenskmje Frauensleute 
zensko Frauenzimmer (neutr. zu zenski). 

B. Adjektiva. 

Die Komparation ist hier nicht mit behandelt, son- 
dern bei der Flexion der Adjektiva eingestellt. 



§ 517. 518.] Stamrabildung der Nomina. 301 

517. I, Adjektiva, für die sich keine besondere 
Bedeutungsgrenze angeben läßt. 

1. -ak mit beweglichem a (= ökö). Die Bildungen 
sind hier aufgenommen, obwohl das Formans nicht mehr 
lebendig ist, weil sie ziemlich zahlreich sind und wegen 
der abgeleiteten Substantiva und Verba beachtet werden 
müssen. Das -^lc^ ist nämlich Weiterbildung ein- 
facherer Adjektiva, z. T. der im Slavischen als be- 
sonderer Formenklasse verschwundenen alten adjektivischen 
w-Stämme, vgl. lit. saldüs mit *soldbk5 abg. sladsks skr. 
slädak; von dem einfacheren Adjektiv kommen die Ab- 
leitungen her, z. B. Komparativ slädi, dädöst Süßigkeit, 
sldditi süßen, und so in entsprechenden anderen Fällen. 
Beispiele: britka sablja scharfer Säbel (n. sg. msk. hr'idak 
= hr^d^k^), glädak glatt, gorak bitter (gorbko), höcak willig 
hbtjeti hddti wollen, ijedak jedak zornig (giftig) Ijed jed Gift, 
järkd sünce die warme helle Sonne vgl. jära Hitze, kl'tzak 
skllzak schlüpfrig klizati se gleiten, kräfak kurz, krepak kräftig 
(abg. noch krep^ neben krephki^, krötak sanft, krsak steinig 
/ci'sFels, Karst, Ijubak lieblich Ijühifiliehen, mleöak schwach, 
dünn (von Stoffen), mrzak zuwider mrzi mi es ist mir z.. 
mzak niedrig vgl. niz adv. präp. hinab, pltak trinkbar plti, 
plltak seicht pliii schwimmen, prutak biegsam prüt Gerte, 
rijedak selten, sladak süß, tanak dünn, tezak (--= t^zhkh) 
schwer, uzak eng (= qz^k^), varak leicht kochbar vdriii 
kochen, intak biegsam viii winden, vözak gut ziehend (vom 
Pferd) vbziti fahren, zärkd sünce die heiße Sonne zär Glut 
Mriti glühen, zezak heiß zeci zezern brennen (trans.), zidak 
dünn (leichtflüssig), biegsam; lak leicht (= Ibgikh) fem. 
laka für Hag-ka (= hgöka), mek weich (= m^A'sfcs) fem. 
meka (für *mekka = nißska), der Femininalform ist die 
Maskulinform nachgebildet statt Hagak '^mekak. 

518, 2. -an mit beweglichem a {= -bnz), z. B. 
vjeran = verbm, fem. vjerna = verbna; eine der häufigsten 
Adjektivbildungen in allen slavischen Sprachen; die 
mannigfaltigen Beziehungen zu der Bedeutung der Grund - 
Worte lassen sich nicht unter scharf abgrenzbare Bedeutungs- 



302 Stammbildung der Nomina. [§518.519. 

klassen bringen. Hier nur einige Beispiele: hrlzan besorgt 
Inga Sorge, äüsan schuldig düg Schuld, gläsan berühmt 
glas Stimme, Ruf, grjesan sündig grtjeh Sünde, hlddan kühl 
hläd Kühle, jezican gesprächig jezik Sprache, kisan regnerisch 
Msa Regen, mästan fett mäst, preporncan empfohlen prepo- 
rnica Empfehlung, rädosian freudig rädöst Freude, sirömasan 
arm sirömah Armer, smijesan lächerlich sm'ijeh Gelächter^ 
stetan geschädigt steta Schade, trüdan ermüdet trüd Mühe, 
znpadni westlich zäpäd, zühvälan dankbar zähvala Lob, zldtan 
golden zlnfo Gold. 

519. IL Adjektiva mit dem Sinne: von der Art 
des Dinges, das durch das substantivische Grundwort 
ausgesagt wird, entsprechend den deutschen Adjektiven 
auf -lieh, -isch, -haft: denen auf -isch entsprechen sie 
namentlich bei Ableitungen von Länder- und Völker- 
namen. Formans urspr. -bsk^, skr. nur in bestimmter 
Form gebraucht, daher msk. nom. sg. -sM, fem. -skä, ntr. 
■skö. Von den sehr zahlreichen und immer vermehrbaren 
Bildungen hier einige Beispiele: hiögrndski belgradisch Biö- 
grad, hosanski (= hosbnbskyjb) bosnisch Bösiia (= Bosbna), 
iräiski brüderlich brät, crnögorsM montenegrinisch Crnä göra^ 
cdvjecki (= clovecbskyjb) menschlich cövjek, davölski teuflisch 
ddvö fem. -vola^ grädskt städtisch gräd, jünäcki {= junacb- 
skyjb) heldenhaft jünäk, öiacki (= otbcbskyjb) väterlich otac, 
räjski paradiesisch räj, srpski serbisch Sfh, stäracki greisen- 
haft (= starbcbskyjb) stärac {= siarbcb). Häufig werden 
solche Adjektiva gebraucht, wo im Deutschen eine Zu- 
sammensetzung aus Adjektiv und Substantiv bevorzugt 
wird, z. B. görski zu göra Berg: gorskä vila die Berg-(Wald-) 
vila, tämnicki zu <äww/m Kerker: tämnickä i?m^a Kerkertür, 
udövicki zu udövica Witwe: udövichö dijete Witwenkind. 

Nicht selten ist das unmittelbare Grundwort nicht 
ein Substantivum, sondern das von diesem abgeleitete 
possessive Adjektiv auf -ov, -in, *-;6 (s. §§531 — 535), 
z. B. legovskl nach Begenart hegov heg, kräljevski königlich 
kräljev krälj, pöpovsM priesterlich pöpov pöp. — nevjestinski 
bräutlich nhjesfin nevjesia, pasmski zu päsin päsa Pascha; 



§519—521.] Stammbildung lier ^'omina. 303 

ivänjski von tvanj poss.Adj. zu Ivan Johannes, z.B. Ivänskö 
cvljece (Johannisblume) galium verum. 

5S0. III. Adjektiva mit der Bedeutung: geneigt 
zu dem, was das Grundwort aussagt, sei es Ding oder 
Tätigkeit. Bei Ableitungen von Substantiven aus geht 
der Sinn zuweilen über in: «versehen mit dem, was das 
Grundwort ausdrückt». Die sehr zahlreichen Bildungen 
mit den Formantien -iv, -Ijiv (^ bl'ivö) haben die Silben 
vor dem Formans kurz; die zweisilbigen Wörter den 
Hauptton als ' auf der vorletzten. 

A. Das Grundwort ist ein Substantivum. 

1. -iv, z. B. däzdiv regnerisch däzd Regen, käsljiv 
(hustig) Husten habend kasalj gen. käslja, Ijeniv träge (da- 
neben lljen dass.) eig. zu einem alten Subst. lenh Trägheit, 
mUosüv gnädig mllöst Gnade, fömnjiv achtsam, umsichtig 
pömnja Umsicht, sträsiv schreckhaft sträh, zälostiv mitleidig 
iälöst; mehr in der Bedeutung «versehen, behaftet mit», 
z. B. jeziv (schaurig) gefährlich jeza Schauer, krmeljiv voll 
Augenbutter hrmelj, pljesniv (Ausnahme von der Betonungs- 
regel) schimmelig plljesan. 

Eine kleine Gruppe zeigt die Endung -o/if, diese be- 
ruht bei lisäjiv, mit Flechten lisäj behaftet, auf dem -äj 
des Grundwortes, andere Fälle auf Nachahmung solcher 
Bildungen, auch ohne Grundwort auf -aj, so lecäjiv voll 
Sommerfiecke Uce ntr., zidjäjiv schwielig, geschwollen zülj 
Schwiele, sipJjäjiv asthmatisch vgl. slpljiv dass. 

Unmittelbare Ableitung von Verben aus ist kaum 
vorhanden, vgl. aber pläsiv (neben pläsljiv) schreckhaft zu 
pläsiti schrecken, kann Nachahmung von siräsiv sein. 

521. 2. -Ijiv = bl'ivö, z. B. bojäzljiv bojäzljiv furcht- 
sam zu höjazan (= hojaznb) Furcht, lolezljiv kränklich, 
zu altem hbljezan fem. {^=boleznh) Krankheit, bolesljiv dass. 
bölest Krankheit, brizljiv sorgfältig br'iga Sorge, grabezljiv 
räuberisch grabez Raub, Wtsljiv regnerisch klsa, ndzorljiv 
scheu näzor Obacht, svöjtljiv (Abweichung von der Akzent- 
regel) Verwandte liebend nesvöjfljiv der keine Neigung zu 
den Seinigen hat svöjta, pdbjedljiv verleumderisch pöbjeda, 



304 Stammbildung der Noraina. [§ 521 — 524. 

poträgljiv was zurückbleibt (was der Spur nicht folgt) trag 
Spur, sänljiv schlafmützig sän, smjesljiv wer gern lacht 
sniljeh Lachen, srameMjiv schamhaft srdmez. Mehr in dem 
Sinne «behaftet mit», z. B. crvljiv wurmig crv^ mirisljiv 
wohlriechend mirls, päiicljiv voll Spinngewebe pauk Spinne, 
pozderljiv voll Schewen pözder, sjeverljiv (nordwindig) dem 
Nordwind sjever ausgesetzt, snjetljiv voll Getreidebrand smjet, 
svrähljiv krätzig svräh, väsljiv üsljiv voll Läuse väs üs. 

522, Häufig ist der Fall, daß neben dem Sub- 
stantiv ein Verbum steht, so daß das Adjektiv 
der Neigung im Sprachgefühl auch auf die Tätig- 
keit bezogen werden kann. Solche Ableitungen bilden 
den Übergang zu den Bildungen mit unmittelbarer verbaler 
Grundlage (s. § 523), z. B. dtmljiv räucherig dhn Rauch 
dlmiti rauchen, gnjevljiv jähzornig g^ijev gnjeviti, govdrljiv 
gesprächig gövör govoriti, läzljiv lügnerisch läz Lüge lägati, 
osveüjiv rachsüchtig ösveta osvetiti se sich rächen, pläcljiv 
weinerlich |;Mc Weinen pläkati, ponosljiv stolz ^;ö»os Stolz 
ponösiti se stolz sein (auf etwas), jjrevärljiv betrügerisch 
prijevara Betrug prevariti, promjenljiv veränderlich prdmjena 
promijeniti, rädljiv arbeitsam räd rädifi, rödljiv fruchtbar 
röd röditi, sködljiv schädlich skoda skoditi. 

5!S3; B. Das Grundwort ist ein Verbum, z. B. 
hbdljiv stößig hösti bödem stoßen (mit spitzigem), härcljiv 
verschwenderisch härciti verbrauchen, ddcekljiv gastfrei 
döcekati u. a. aufnehmen (einen Gast), dremljiv schläfrig, 
schlafsüchtig drijmati, grähljiv räul^erisch gräbiti raffen, 
krädljiv diebisch krästi krädim stehlen, mämljiv verlockend 
mämiti, märljiv sorgfältig, fleißig mdrifi se sich kümmern 
um, osjetljiv empfindlich ösjetiti empfinden, 2^obieglpv fugax 
pobjegnuti entfliehen, pojedljiv gefräßig pöjesti -jedem ver- 
zehren, pokärljiv zänkisch pokärafi schelten, ^^retoi/^Vv (eig. 
übergeherisch) ansteckend |)reto2r?7i übergehen, rasudljiv be- 
dächtig rasüditi beurteilen, smrdljiv stinkig smrdjeti, strpljiv 
geduldig strpjeti, stedljiv sparsam stedjeti. 

534. IV. Adjektiva, die bedeuten: versehen mit 
dem, was das Grundwort aussagt; dies ist der Regel nach 



§ 524. 525.] Stammbildung der Nomina. £05 

ein Substantiv; es kann aber ein Adjektiv und bisweilen 
ein Verbum zugrunde liegen. 

1, -at und -nat., dies ursprünglich = -hnaU, d. b. 
Weiterbildung von Adjektiven auf -bns. 

a) -at\ die Silben vor dem Formans sind kurz, bei 
den zweisilbigen Wörtern liegt der Hauptton als ' auf der 
ersten Silbe; z.B. högat reich (alte Bildung von '*hog5 An- 
teil, vgl. ii-hog arm), brädat bärtig bräda, glävat großköpfig 
gläva, gränat ästig grdna, jühat suppig jüha, kljünat (bei 
Vuk kljünat, es wird aber nach der obigen Regel kljünat 
gesprochen) kljün, kdsat langhaarig kösa, krllat geflügelt 
krilo, nösat langnasig 7iös gen. nösa, ökat beäugt öko, pleöat 
breitschulterig pUce, repat geschwänzt rep, rbgat gehörnt rög 
gen. röga, trhisat dickbauchig ti'buh, ziibat gezähnt züb. 

b) -nat, z. B. bfsnat (= bröstbnatö) belaubt brst spros- 
sendes Laub, cvörnat knorrig cvör gen. cvora, görnat gebirgig 
gora, kosnat langhaarig (daneben kösmat) kösa Haar, krövnat 
strohgedeckt kröv gen. kröva Dach, lisnat belaubt (= listh- 
natö) list, pernat befiedert 2^Gro, resnat (Pflanzen-)Kätzchen 
tragend resa, sümnat belaubt shna Wald, vlasnat (neben 
vläsat) behaart vläs. Da die zweisilbigen Bildungen den 
Akzent " haben, gehört wohl auch vünat wollig (zu vmia) 
hierher und wäre dann = vhibnatö, vgl. indes süsnjat be- 
laubt zu süsanj gen. öüsnja, vsnat großlippig tis7ca Lippe. 
Mit 'Ov- gebildet cüdnovat wunderbar = cudbnovatö zu cüdo. 

535. 2. -ast, sehr häufige Bildungen; die Silben 
vor dem Formans sind kurz. 

a) Von Substantiven abgeleitet; die Bedeutung die- 
selbe wie bei -at; doch tritt etwas mehr wie dort der 
Sinn des Übertriebenen auf, und außerdem bezeichnen 
die Wörter auf -ast öfter: die Farbe des Dinges tragend, 
das von dem Grundwort ausgedrückt wird, z. B. brööast 
von der Farbe des bröc Färberröte (rubia tinctorum), 
budälast töricht hudäla Tor, cvjetast mit einer Blässe ver- 
sehen cvljet u. a. Blässe (eig. Blume), golübast taubenfarbig 
golüb, grlvast (eig. mähnig) weiß um den Hals grlva Mähne, 
jastrebasf geierfarbig jästreb, kltast buschig klta, kölasf (eig. 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 20 



306 Stammbildung der Nomina. [§525—527. 

räderig) rundgefleckt kolo Rad, kühast hakenförmig Uvka, 
läsast wieselfarbig Idsa (läsica), Ijnbicast veilchenblau Ijubica, 
mäcast katzenfarbig mdca, päsast (eig. mit Gürtel versehen) 
mit weißen Streifen um den Leib (von Tieren) päs Gürtel 
aus pöjäs, daher pojäsast gestreift, pepeljast aschfarbig pepeo 
gen. pepela, pjegast fleckig pjega, prütast gestreift prüt Gerte, 
resast mit Wamme resa versehen, rUast großlippig rllo 
Maul, ruzicast rosenfarbig rüiica^ zekast hasenfarbig zeko 
Tier von solcher Farbe, zvjezdast mit Stern versehen (z. B. 
Tiere auf der Stirn) zvijezda. Am Ende von Attributiv- 
komposita z. B. hiäjookast neben biiljook mit Glotzaugen 
Mljiti glotzen öko Auge, golöbradast und golbhrad (eig. kahl- 
bärtig) unbärtig gö fem. gbla kahl hräda Bart, kükonosast 
hakennasig küka nös (gen. 7iösa), pütonogast und putonog 
(eig. fesselfüßig) mit einer Blässe am Fuß püto Fußfessel 
nöga Fuß (vgl. putast dass.), starolikast und stürölik alt- 
gesichtig (= alt aussehend) stär lik, suhövrhast und suhövrh 
dürrgipflig silh vFh. 

5S6. b) Von Adjektiven, öfter, namentlich 
von Farbennamen, eine Annäherung an die be- 
treffende Eigenschaft bedeutend (vgl. unten -käst 
§ 544), im Sinne des deutschen -lieh (rötlich); z. B. 
drvenast hölzern (übertragen: unempfindlich) drven dfvo, 
kitnast buschig {kitast dass.) kltan dass. klta, krnjast splittrig 
krnj dass., kusast gestutzt küs dass., mörasf und mör dunkel- 
blau, ökruglast rundlich ökrügao fem. okrügla rund, rldast 
und rid fuchsrot, slnjast und sinj graublau, slvast und siv 
grau, stibjelast und sübjel (zu Mo fem. bijela) weißlich, sü- 
ludast dümmlich sülud, zärkast rotglühend vgl. zärkö sünce 
die heiße Sonne. 

5^7. 3. -av, größtenteils und häufig auf Grundlage 
eines Substantivs, seltener von Verben unmittelbar. Die 
Silben vor dem Formans sind kurz, die zweisilbigen Wörter 
haben mit zwei drei Ausnahmen den Hauptton als ". 
Bei Vuk hat nur ein Wort krväv blutig (zu krv) Länge 
des a, doch ist dialektisch -äv auch sonst vorhanden (s. 
§275, S. 168). 



§ 527. 528.] Stammbildung der ^"oniiua. 307 

a) Von Substantiven, z. B. hödlikav stachlich hbd- 
lika, bräsnav mehlig hrästio, cädav rußig cäd, cvörav voll 
Knorren cvör gen. cvöra, glzdav geschmückt (fizda Schmuck, 
gnojav eiterig gnöj gen. gnöja, gröznicav fieberig grdznica, 
grhav höckerig grba, krästav grindig krästa, läzav lügenhaft 
läz gen. Inzi, lukav (in Ragusa, Ak. W.; bei Vuk lükav^ 
Ausnahme von der Akzentregel; eig. gewunden^ zu Iqkz 
Biegung) listig, öspicav blatternarbig öspice pl. Blattern, 
pepeljav voll Asche pepeo gen. pepela, rcTav (Ausnahme von 
der Akzentregel) schlecht, häßlich rda Rost, trunjav voll 
Splitter irünje fem. pl., znöjav schweißig znöj gen. zndja 
Schweiß, 2üljav schwielig zülj. 

b) Von Verben: bfbljav geschwätzig brbljati, jecav 
stotternd jecati schluchzen, küzav (Abweichung im Akzent, 
doch auch klizav) schlüpfrig kVizati gleiten, läjav der ein 
böses Maul hat läjaü bellen, lünjav mit vorhängendem Kopf 
lünjati so gehen, mücav stotternd nincati, sktljav blinzelnd 
skiljiti, tepav stammelnd tepati, ünjkav näselnd ünjkati, 
imlrav blinzelnd zmirati. Es ist bemerkenswert, daß die 
meisten Beispiele von Verben herkommen, die einen körper- 
lichen Fehler bezeichnen. 

538. 4, -it, häufig auf Grundlage von Substantiven, 
die Ableitung erfolgt entweder unmittelbar von diesen 
oder mittelbar von Adjektiven mit Formans -ov. Unmittel- 
bare Ableitung von Verben aus ist selten. Die Silben 
vor dem Formans sind fast durchweg kurz. 

a) Von Substantiven: 

a) Einfaches -it; einige Ausnahmen von der Quanti- 
tätsregel macht eine kleine Anzahl von Zusammensetzungen 
mit den Präpositionen za- und raz-^ so zävojit schnecken- 
förmig zdvöj Windung, rdskosit schwelgerisch räskos Wonne, 
räzlicit verschieden rdzlika Unterschied; die Wurzelsilbe ist 
aber immer kurz, Beispiele: busenit Tasenreich busen, cestit 
(eig. beteiligt) glücklich eist Teil, gläsit ruchbar, berühmt 
glas u. a. fama, Istiniti wahrhaft Istina Wahrheit, kämenit 
steinig kämen, plämenit flammend plämen, plenienit edler 
Abkunft pleme Stamm, gens, pönosit stolz ponos, räzborü 

20* 



308 Stammbildung der Nomina. [§528—531. 

verständig rdzhor Unterscheidung, rjecit beredt rljec Wort, 
säborit faltig sdbor, srdit erzürnt (eig. beherzt) vgl. srditi 
se zürnen zu srd- in srdhce skr. sfce Herz, vremenit betagt 
vrijeme gen. vremena Zeit. Zuweilen liegen Zusammen- 
setzungen von Substantiv und Präposition vor, 
eigentlich ausgehend von Verbindungen der Prä- 
position mit Kasus, z. B. üzbrdit bergangehend = was 
uz brdo bergauf ist, vgl. noch nlzbrdit bergabgehend, ab- 
schüssig, näocit schön anzusehen (= was ins Auge fallt) 
bko, näpresit eilig jyresa Eile, närocito ntr. adv. ausdrücklich 
röTc gen. röka Termin, poglavit vornehm gläva Kopf. 

530. ß) -ovit; die Silben vorher ausnahmslos kurz, 
Hauptton als ' auf der vorletzten; sehr zahlreiche Bil- 
dungen; ein zugehöriges Adjektiv auf -ov fehlt oft. Bei- 
spiele: harbvit sumpfig hära, blatdvit voll Kot bläfo, brddvit 
bergig bfdo, bregovit hügelig brljeg, glasövit laut glas Stimme, 
gorövit bergig gbra, jedövit giftig jed, Ijekdvit heilsam Rjek 
Arznei, maglbvii neblig mägla, mrazbvit kalt mräz Frost, 
pjeskbvit sandig pijesak, zemlja poljevita Land reich an Feldern 
pölje, sirahbvit schrecken voll, schrecklich sträh, vjekbvit lange 
dauernd vljek Lebenszeit, (ewige) Dauer, vjetrbvit windig 
vjetar gen. vjetra Wind. — Ganz vereinzelt von Verben: 
mjesbvit gemischt, zu mijesati. 

530. b) Von Verben, seltener, z. B. Ijiltif zornig 
(vgl. Ijtlt herb, grausam) Ijütiti se sich erbosen, näpriit 
heftig, hitzig prziti rösten, p. se sich verbrennen, nepro- 
mjenif unwandelbar prömjena Veränderung promijenifi, bcjedit 
abschüssig ocijediti abseihen, bdjelit abgeteilt odijeliti, bdresito 
ntr. adv. fertig, entschieden (absolut) odrijesiti losbinden 
(solvere). Diese Bildungen sind nicht Partizipien prät. pass. 
auf -to, dem widerspricht die Quantität der Wurzelsilbe. 

531. V. Possessive Adjektiva, d. h. solche, die 
einen Menschen oder ein Tier (selten eine Sache), deren 
Namen der Adjektivbildung zugrunde liegt, als Besitzer 
oder Inhaber oder Angehöriger, auch als Ui'heber des 
Gegenstandes darstellen, zu dem sie das Attribut bilden, 
z. B. brätove häljine die Kleider des Bruders (brat), djevöjöin 



§531—533.] Stammbildung der Momina. 309 

ötac der Vater des Mädchens (ötac), Vukova «Dänica* Vuks 
«Danica» (das von Viik herausgegebene Journal D.), Vü- 
kov rjecmk Vuks Wörterbuch. 

1. Formans -jo-, Nom. sg. msk. alt -jb, -'b, skr. nur 
erkennbar an der Palatalisierung des letzten Konsonanten. 
Ableitungen von Personennamen, gebräuchlich geblieben 
fast nur bei Heiligennamen, z. B. Ivanj des Johannes 
Ivati (Ivanj dän Johannistag), Stjepanj des Stephan (Stje- 
panj dän Stephanstag), selten sonst: äavölji des Teufels 
dävö gen. dävola. Vereinzelt liegt ein Adjektiv auf altes 
-hnb zugrunde: göspodnji (des Herrn) Gottes = gospodhnißjh 
zu gospöd. 

5S2. 2. -hjb, skr. in der bestimmten Form, in der 
diese Adjektiva fast ausschließlich gebraucht werden, Nom. 
sg. msk. -ß oder -i mit Palatalisierung des letzten Kon- 
sonanten. Es ist die alte Bildung possessiver Adjektiva 
v(m Tiernamen, im Serbokr. ist sie indes, da auch se- 
kundär an Konsonanten getretenes j (s. § 140 fg.) z. T. 
gleiche Wandlungen des Konsonanten herbeigeführt hat 
wie urslavische Verbindungen von Konsonant und j, nicht 
immer mit Sicherheit von der unter 1 besprochenen Bil- 
dung zu scheiden. Beispiele: gövedi Rinds- gdvedo, közß 
(^ kozbjb, ein etwaiges *kozjb hätte '^kozb skr. bestimmte 
Form *^öiiy' ergeben) Ziegen- kdza, krävlß Kuh- kräva, päsji 
{= pbsbjb, ein *pbsjb hätte ergeben *pbsb skr. *päsi) Hunds-, 
hündisch päs, teleci Kalbs-, kälbern tele gen. teleta, vücji 
Wolfs- vük. — Ganz selten von Personenbezeichnungen, 
einige alte Bildungen: ld£ß (^ boibjh) Gottes bog, cdvjecß 
Menschen- covjek, vrdzjl Teufels- vräg; Nebenformen dazu 
hoz^ {höziji), vränj (vrdziß) = hozijijb best. Form, hosijb 
-unbest. Form. 

533. 3. -ov (über -ov von Pflanzennamen s. § 539), 
die gewöhnliche Bildung von Bezeichnungen 
männlicher Personen, die nicht femininale Form 
(auf -a) haben oder Hypokoristika (auf -a, -o) sind 
(diese s. unter -in § 535). Ableitungen von Tiernamen 
aus sind ebenfalls häufisr. 



310 Stammbildung der Nomina. [§ 533—535. 

a) Von Personennamen, z.B. djeverov des Schwagers 
djever, hiözev des knez {kznesevh zu khnedzh ksnezb), junäkov 
des Helden jünäk, krdljev des Königs krälj, kümov des 
Paten küm, prljateljev des Freundes prljatelj, pütnlkov des 
Reisenden pütmk, stärcev des Greises stärac gen. stärca. 

b) Von Tiernamen, z. B. jeisev des Igels je£, lävov 
des Löwen läv, örlov des Adlers drao gen. drZa, päükov der 
Spinne jja<<Ä-. 

c) Von Sachnamen, ganz selten; es liegt dann eine 
Art Personifizierung vor: jhgov des Südwindes füg, mräzov 
des Frostes mräz {mräzova sestrica Frostschwesterchen = 
Herbstzeitlose). 

534. 4. -ovljl (bestimmte Form), d. h. Verbindung 
von -ov- mit -jb; seltener gebraucht; von Personen: 
muzevlji des Mannes müs, sinövlji der Söhne (beide Formen 
können an die Plurale müzevi, slnovi angeknüpft sein); von 
Tieren: cvorkovlji Star- cvörak gen.cvörka, drozgövlji Drossel- 
drözak gen. drözga, kosovljl Amsel- kos, osövlji Wespen- ös 
und ösa, puzevlji ^chneckexv- püz ; auch hier kann von den 
Pluralen auf -ovi, -eii ausgegangen sein. 

535. 5. in, bildet possessive Adjektiva von 
femininalen Wörtern, von Maskulinen femininaler 
Form, von männlichen Hypokoristika auf -a, -o; 
sehr selten von Maskulinen außerhalb der angegebenen 
Formen. Den Ableitungen liegen selten Tierbezeichnungen 
zugrunde. 

a) Von Femininen, z. B. bäbin des alten Weibes 
bäba, dgäncin der Zigeunerin cigänka, cerin der Tochter (^i 
gen. deri (vgl. cerkin zum Demin. c^rka, mit anomalem k 
statt *öercin), äjeciu der Kinder djeca kolL, mäjcin und 
mäjkin der Mutter mäjka, mäterin dass. mäti gen. niätere, 
trojicin dän Dreieinigkeits-(Pfingst-)tag trofica, sestrm der 
Schwester sestra (vgl. sekin Schwester- seka hypok.), snähin 
(mit anomalem h statt *snasin = smsim) der Schwieger- 
tochter snäha, ienin der Frau zena. 

b) Von männlichen Personenbezeichnungen 
femininaler Form auf -a, z. B. delijin des Kriegers 



§535 — 537.] Stammbildung der Nomina. 311 

delija, mlädösenjin de^y Bräutigams mladösenja, slügin des 
Dieners (anomales g statt *sluzim) slüga, südijin des Rich- 
ters südija, sürin des Schwagers süra, vlädicin des Bischofs 
rlädika, vöjvodin des Heerführers vöjvoda. 

c) Von männlichen Hypokoristika auf -a, -o, 
z. B. brdjin des Bruders brdjo bräja, brcitin dass. bräta bräto 
(zu brät), babin des Vaters bäba häbo, gösin des Herrn gosa 
(zu gospodär), üjin des Onkels üjo (zu ujäk). 

d) Von männlichen Personennamen nicht 
femininaler oder hypokoristischer Form, vereinzelt: 
brätin des Bruders brät, dein des Vaters btac. 

e) Ableitungen von feinininalen Tierbezeich- 
nungen: äspidin der Viper äspida, gälonjin des schwarzen 
Ochsen gälonja, Mbüin der Stute köbila, Jcrävin der Kuh 
kräva, vränin der Krähe vräna, zvljerin des wilden Tieres 
zvljer. 

5<i6. 6. -injl (bestimmte Form), eine Verbindung 
von -in- mit -jb; fast lauter Ableitungen von Tier- 
namen aus: biidinß Truthahn- vgl. büdija Truthenne büdac 
Truthahn, bühinji Floh- büha, golhbinji Tauben- golüb, güjinfi 
Schlangen- güja, kokosinji Hühner- kökös f. Huhn, mrävinji 
Ameisen- niräv, zmijinjl Schlangen- zmtja. Von anders ge- 
arteten Wörtern: djetinjl Kinder- dijete gen. djefeta, jäjinjt 
Eier- jdje (jäjinjä Ijüska die Eierschale), ocinjl Augen- öko 
(ocinjä botest die Augenkrankheit). 

537. VI. Adjektiva, die bedeuten: aus dem Stoffe 
bestehend, den das substantivische Grundwort bezeichnet. 
Bei einigen Formantien kommt auch erweiterte Bedeutung 
vor: versehen sein mit dem, was das Grundwort besagt, 
oder zugehörig zu dem. 

1. -Jan, d. h. -'an mit vorhergehendem palatalisiertem 
Konsonanten. Entstanden ist das Formans aus altem -em, 
wo dessen e nach Gutturalen-Palatalen zu a werden mußte, 
z. B. voskö Wachs *voskend abg. vostans wächsern, ebenso 
skr. vöstan, zema zeml'a Erde '-^zeihenö ^zemlenz zend'am, skr. 
zemljan irden. Daraus ist 'an so verallgemeinert, daß das 
alte -enö im Skr. ganz aufgegeben ist. Die Silben vor 



312 Stamtnbildung der Nomina. [§ 537. 538. 

-'an sind kurz, der Hauptton bei den zweisilbigen Bildungen 
mit ganz geringen Ausnahmen \ Beispiele: 

a) Den Stoff bezeichnend: däscan brettern (abg, 
d^stan^ = *d^sken^) däska (= d^ska), kostan (= '■'kostjanh) 
knöchern kost gen. kosti, konopljan hänfen kbnoplje pl., közan 
aus Fell köza, röian hörnen 7-ög gen. röga, rian (räzan) 
aus Roggen Pz (räz) gen. fzi (räzi), svjezan aus Schnee, 
beschneit snljeg, tjestan aus Teig t'ijesto. 

Einigemal kommt -an ohne Palatalisierung vor: cohan 
tuchen cöha, mesan fleischern meso. 

b) In der Bedeutung: versehen mit: lucan mit 
Knoblauch luk gewürzt, luzan aschig lüg, dgnjan feurig 
öganj gen. ognja, srcan beherzt srce, irnjan voll Dornen irn. 

c) Allgemein Zugehörigkeit bezeichnend, dann 
nur in der bestimmten Form: kljucäni zum Schlüssel kljüc 
gehörig (kljucänä rüpa das Schlüsselloch), puscäni zur Flinte 
püska gehörig, rucanö doba die Essenszeit vgl. rncalc gen. 
rücka. suncäni Sonnen- sünce, svecanl dän der Feiertag svetac 
Heiliger, slpcanö zfno der Granatapfelkern sipak, uljäni nilin 
die Ölmühle ülje. 

538. 2. -en, nicht aus altem -em entstanden, son- 
dern = urslav. -enö, das in einigen alten Adjektiven vor- 
kam und im Skr. von diesen aus verallgemeinert wurde; 
solche alte Wörter sind skr. crven rot, studen kalt, sären 
bunt, zehn grün, wohl auch leden eisig (doch vgl. Sach- 
matov, Izv. VI, 4, S. 266). Die Silben vor dem Formans 
sind kurz. 

a) In der Bedeutung: aus einem Stoffe be- 
stehend, z. B. bahren kupfern bäkar gen. hahra, dfven 
hölzern drvo, gvbzden eisern (alt gvozd^) vgl. gvozäe, meden 
aus Honig, honigsüß med gen, nieda, mjeden kupfern mjed^ 
slämen strohern släma, stahlen gläsern stäklo, süknen tuchen 
sukno, svUen seiden svüa, vünen wollen vhna. 

b) In der Bedeutung: versehen mit, z.B. besposlen 
arbeits-, geschäftslos posao gen. pösla, bezäzlen ohne Arg 
zlö, jasprenä kesa Geldbeutel jaspre pl. Geld, ognjen feurig 
öganj gen. dgnja, märven reich an Vieh inärra, mäslen 



§538—540.] Stammbil.iung der Nomina. 313 

schmalzig mäslo, päpren gepfeffert päpar gen. -pra, oätren 
feurig vätra, vöden wässerig vöcla. 

c) In der Bedeutung der Zugehörigkeit, der 
Beziehung auf den Inhalt des Grundworts; ge- 
bräuchlich in der bestimmten Form, z.B. bedreni präg Tür- 
pfosten (eig. Schenkelschwelle) bedro Schenkel, bradueni zur 
Zimmermannsaxt brädva gehörig, brasnenä torha Mehlsack 
bräsno, britvem zum Taschenmesser britva gehörig, crhveni 
kirchen-, kirchlich cPkva, igleni zu -tgla Nadel, kletvenä knjiga 
Fluchbrief hletva, ladenl zum Schiff läda gehörig, marvenl 
vdsar Viehmarkt märva, pakleni höllisch päkao gen. päklay 
pösleni dän Arbeitstag pösao gen. pbsla, svädbenl hochzeitlich 
.wadba^ vodeni bik (Wasserbüffel) Rohrdommel, zenidbem 
ehelich nuptialis zenidba. 

539. 3. -Ol' (possessives -ov s. §533), von Pflanzen- 
bezeichnungen, z.B. börov flehten bor gen. bbra^ bresfov 
ulmen brijest, drenov kornelkirschen drijen, dübov eichen 
(i«6, jäsikov espen jäsika Espe, jävorov ahornen jävör, vrbov 
weiden rrba; vgl. auch vlnova loza Weinrebe vino. 

540. VII. Adjektiva auf -wib, bestimmt -hnijb, skr. 
-njl, meist von Substantiven, die Orts- oder Zeitvor- 
stellungen ausdrücken. — Adjektiva von Adverbien ab- 
geleitet, die also die örtliche, zeitliche u. a. Beziehung 
der Adverbien adjektivisch-attributiv machen. 

So ist z. B. von vecerö skr. vecer abgeleitet vecerbuh 
abendlich skr. vecernji; dies -bnb ist dann auf adverbiale 
Ausdrücke übertragen. 

a) -njl von Substantiven, z. B. bezadnjl bodenlos 
von bez-dhna = ohne Boden, dÖ7iji unterer dö döla Tal, 
vgl. dölje adv. unten, gbdisnji (= godisthnijb) jährlich gö- 
disie, göryiji oberer gbra Berg, vgl. adv. gbre oben, jesenji 
herbstlich (= jesenbnh) jesen, jütarnjl (daneben jütrenji) 
morgendlich jutro, kräjnjl äußerst kräj Rand, dvogodnji heurig 
üväj göd dies Jahr, rednji der Reihe nach gehend red, 
srednji mittlerer srijeda, südnß. dän der jüngste Tag sM 
gen. süda Gericht, üskrsnji österlich üskrs, visnji höchster 



514 Stammbildung der Nomina. [§540.541. 

zu komp. vlsl höher, zädnji hinterer, vgl. nä-zäd zurück, 
zapadnji westlich zäpäd. 

b) Von Adverbien, z. B. juceranji gestrig jücera 
(abg. vbcera), nütarnjl innerlich vgl. u-nütar (= vm-qtrb) 
drinnen, prelspod)iji niedrigst ispod von unten her, sädanjt 
jetzig säda, pötonjl nachherig pö-tom, prednji vorderer pred 
vor, sJcräjnji am Rande befindlich skräj skräja adv. vom 
R. her, spoljasnji äußerlicher spolja von außen, suiarnji 
morgendlich sidra cras, töhoznji vergeblicher tbhoze adv. ver- 
geblich, zäludnji dass. zu zdlud adv. — Wenn -öwh gefügt 
wird an Adverbia, die als letztes Element das Pronomen 
s^b (dieser) enthalten, so entsteht die Verbindung -sbrib, 
nach Wegfall des ersten & daraus -snb, bestimmt -snijb 
skr. -s)iji, z. B. dbnb-sb = diem hunc, hodie : dbnh-sb-nijh 
heutiger, skr. dänas dänasnji, solche Bildungen sind noch 
jesenasnji von diesem Herbst jesenas (= jesenb-sb), jütrosnji 
von heutmorgen jütrös, Ijetosnji von diesem Sommer Ijetös, 
nöcasnji von dieser Nacht noöas, stnocnji {slnotnjl) gestern- 
abendlich smöc (= abg. si nosth diese Nacht), vecerasnji 
heutabendlich veceras, zimüsnji von diesem Winter zlmüs. 

541. c) Von den unter b) besprochenen Bildungen 
wird ein Formans -snjl entnommen und bei beliebigen 
Adverbien (ohne jene Anfügung des Pronomen sb) ver- 
wendet, so dävnasrijl von lange her ddvno adv.. ddmäsnji 
Haus- dötna zu Hause, jäkosnjt jetzig jäko jetzt, jucerasnji 
gestrig jücera, kädasyiß von-wann-herig käda wann, mälo- 
presnjt (kurzvorherig) frisch pre prlje vorher, öndasnp der 
damalige öndä damals, negdasnji nekadasnjl ehemaliger negda 
vekada einst, ondmadnasnjl neulicher ononiddne (= lok. 
ononib dbne an jenem Tage) neulich, övdasnji hiesiger ovdje 
hier, preäasnjl früherer, ehemaliger prede adv. früher, pri- 
jesnji dass. zu prlje früher, zuvor, pi-vasnß neulicher p-vo 
neulich, sädasnjl jetziger säda, skorasnji neulicher sköro un- 
längst nuper, sjülrasnji morgendUcher sjüira (sutra) cras, 
iädasnji damaliger tädä, tämosnji dortiger tämo, väzdasnji 
svagdasvß immerwährender väzda (= vbsbda) svägda. 



§ 542 — 545.] Stammbildung der Nomina. 315 

542. VIII. Deminuierung der Adjektiva. 

1. -ahan fem. -kna, daraus durch Schwund von h 
kontrahiertes -ari (aus -aan) fem. -ana (= -ahna) = urspr. 
•^ch^n^, vgl. abg. lhg^■k^ *lbg5ch5n5 russ. legochon-hij skr. la- 
gakan. Zuweilen wird vor -ahan der letzte Konsonant des 
Grundworts palatalisiert. Die Silben vor dem Formans 
sind kurz. Beispiele: hljMahan (älter) hljedan etwas bleich 
zu hlijed, glädaJian glädan zu glädak glatt, grübahan zu grub 
grob, hlädahan und hlädan zu hlddan fem. hlädna kühl, 
lüdan zu lud töricht, mälahan klein zu mäli, mekahan (älter) 
mekan zu mek (= mekhkh) weich, mllanl (im Liede) zu mlo 
fem. nüla lieb, mlädahan mlädan zu mläd jung, pö-dobrano 
adv. ziemlich gut döhar fem. döbra, pknahan pünan zu ^yw« 
voll, slcan zu sJ^an fem. .sJ^wa klein sein, tänahan tmian zu 
tänak fem. fdnÄa fein dünn, üzan eng zu M2:aÄ: fem. üska, 
iedan zu iecZa?i fem. zedna durstig, zlvahan zu ify lebendig. 

543. 2. -3Ä;s, -6Ä;5. 

a) Einfach; z. B. lägacak = Ibgzchko zu läk für Ibgöks 
leicht, mdlko ntr., zu mä/o wenig, nejäcak zu we/afc schwach, 
übosdk arm zu «&o^, üzacak (= qzhcbkh) zu w^aÄ; eng. 

b) Doppelt gesetzt: dügacak lang (= dlghchkh) zu 
dw^ (= (^/.9Ti), lüdacak zu iörf dumm, punacak zu pwn voll, 
släbacak zu s^dft schwach, suvacak zu s«ä fem. sMÄa und 
swya trocken. 

544. 3. -ytas'^, entstanden aus -ök-asts, deminuiert 
Farbenbezeichnungen wie das deutsche -lieh (grün- 
lich): crnjkast {cfnkast) schwärzlich cfn, crvenkast rötlich 
crven, rümenkast dass. rümen, sürkast bläßlich, grau sür 
blaß, zelenkast grünlich zehn, zückast gelblich süt. 

545. In einigen Fällen tritt ein Formans -ikast auf, 
z. B. plavetnikast bläulich zu 2)lavetan fem. -tna, es gehört 
aber zunächst zu plavetnik (salvia silvestris); von solchen 
und ähnlichen Bildungen aus ist es verallgemeinert, aber 
nicht häufig, vgl. noch mödrikast bläulich zu modar fem. 
mödra, vtsnjikast weichselfarbig zu einem *visnjik von vlsnja 
Weichselkirsche, vödnikast wässerig zu vöda (vgl. vddnjika 
Wasseraufguß auf Holzäpfel). 



316 Stammbildung der Nomina. [§545—548. 

In mehreren, nicht zahlreichen Beispielen erscheint 
-ast und -käst mit anderen Formantien verbunden: Ijeli- 
cast (zunächst zu bjelica Weiße) hlo fem. hijela weiß, gäli- 
cast schwärzlieh vgl. galö-vran schwarze Krähe; mrkolast 
schwärzlich mrk\ duguljast (und dugüljat) länglich zu düg 
(vgl. na dugfdj in die Länge), krividjast krumm zu krtv; 
hjdüsast weißlich zu lio fem. hijela, lepuskasf {Ijep-) zu lep 
{Ujep) schön; luckast dümmlich zu liid. 

546. IX. Augmentativer Ausdruck bei Adjektiven. 
Wie sich Deminutiv- und Augmentativbbildung zuweilen 
bei den Substantiven berühren, so auch (selten) bei Ad- 
jektiven, vgl. augmentatives koücak zu kölik quantus, ovo- 
licki ovoDkäckt zu ovoDkl tantus, velikäcak sehr groß zu veliki. 

Verstärkung der Adjektiva kann bewirkt werden 
durch Bildungen mit Formans -cät, -cit, die aber gewöhn- 
lich nicht für sich auftreten, sondern dem Grundwort zu- 
gesetzt werden; cio cjelcät ganz intakt, gö gölcät splitter- 
nackt, nov novcät {-cit) ganz neu, prav prävcU ganz recht, 
pün phicät übervoll, säm sämcät {-cit) mutterseelenallein, 
zdräv zdrävcU ganz gesund. 

547. Anhang. Aus fremden Sprachen aufgenommene 
Foi'mantien. Mit Lehnwörtern verbindet die Sprechenden 
kein Sprachgefühl, sie bleiben daher in der Regel außer 
Verbindung mit dem einheimischen Sprachschatz. Es 
kommt aber vor, daß mehrere Fremdwörter in gleicher Form 
aufgenommen werden, deren gleiche Endungen eine be- 
stimmte Bedeutungsfärbung enthalten. Solche Endungen 
werden dann abgetrennt und gelegentlich als Formantien 
auch an einheimischen Wörtern verwendet. So ist das 
geschehen bei: 

1. -ana aus türk. hane Haus; aufgenommen sind 
Wörter wie kahve-hane Kaffeehaus, tabehane (tabahana) = 
tabak-k. Gerberhaus, skr. kaväna, tabakäna; danach gebildet 
sviläna Seidenfabrik zu svila Seide, cigläna Ziegelei zu agla 
Ziegel. 

548. 2. -dzija {-cija), Maskulina femininaler Form, 
aus türkischem dze {diu, diu, dii), das den mit einer Sache 



§ 548. 549.] Stammbildung der Nomina. 317 

Beschäftigten, Verfertiger u. a. bezeichnet. Nach Aufnahme 
von Wörtern wie top Kanone, dazu topdzu Kanonier, skr. 
top töMMja, hajek Schiff hajekdze, skr. kalgdzija, wurde ein 
-diija auch an serbische Wortstämme im Sinne von Nomen 
agentis oder von Berufen gefügt, z. B. govördiija RedseHger 
govör Rede govöriti sprechen, hväldsija Prahler hväla Lob 
hvdliti, lövdzija Jagdliebhaber löv Jagd löviti, porescija Steuer- 
einsammler pörez, vratärdHja Türhüter, Weiterbildung von 
vrätär dass. zu vräia pl. Aus türkischen Wörtern, die vor 
-dze ein a oder e haben, ist skr. auch ein -adzija, -edsija 
entnommen, vgl. türk. hoja Farbe bojadze Färl^er skr. böja 
bojadzija, danach von skr. Stämmen djelädiija Teiler dije- 
liti, pjanädzija Trunkenbold pjän betrunken, pljäckadzija 
Plünderer pljäcka P>eute, provodädzija Zubringer, Freiwerber 
provöditi, trösadzija Verschwender trösiti ausgeben. — Türkisch 
cizme Stiefel cizmedzi Schuhmacher, skr. clznia cizmedzija; 
danach von skr. Stämmen cetedzija Bandenführer ceta, ki- 
pedzija Flicker krpüi flicken kfpa Flick, sUedzija Gewalttäter 
sila; vgl. noch salldzija Spaßmacher säliti se spaßen. 

549. 3. -ija, romanischen Ursprungs, Abstrakta, 
Ländernamen u. a. bildend, z. B. Dähnäcija, Bugärija Bul- 
garien, Srbija Serbien; von skr. Appellativen z. B. robija 
Sklavenarbeit röö, prostbrija Raum neben pröstor, nistarija 
Nichtsnutzigkeit n%stär{e) nichts, Ijekärije pl. Arzneien 
Ijekär Arzt; von solchen Bildungen aus scheint sich ein 
-arija abgelöst zu haben, vgl. lagärija pl. Lügen lägati, 
petljärija Pfuscherleben petljati, sljeparija u. a. Blindheit 
slljep, tricärija dummes Zeug trice pl. Exkremente, drve- 
närija Holzwaren drven hölzern. Eine Kollektivbedeutung 
wie in dem letzten Beispiele auch sonst, vgl. cedija Kinder 
zu cedo, nevjerija (poet.) die Ungläubigen, j;efZ;awiya Ränke, 
unnützes Geschwätz, zum Partizip von petljati u. a. heftein, 
pogänija unreines Gesindel pögan, namentlich aber in der 
Anfügung an skr. Kollektiva auf -äd, z. B. grcädija Griechen 
grcäd zu grk^ momcädija Burschen ynömcäd zu mömak, 
njemädija njemcädija die gesamte deutsche Jugend zu nijemac, 
pascädija Hunde päscäd zu päs, turädija Türken türäd. 



318 Stammbildung der Nomina. [§550—552. 

550. 4. lija, Maskulina femininaler Form, aus 
türk. -le {-lu, -hl, -li), Herkunft, Zugehörigkeit u.a. bezeich- 
nend, z. B. Bosna Bosnien (aus dem Skr.) Bosnale Bos- 
nier, skr. Bosna Bosänlija, Mosidrlija einer aus Möstär, 
preJcomdrlija einer von jenseits des Meeres, Sardjlija einer 
aus Sarajevo {türk. Seraj), säjalija Sarsche (Art Tuch; eig. 
aus säja bestehend). Von serbischen Wörtern aus, die 
türk. Ableitungen auf -ale, -ajle angeschlossen sind (vgl. 
türk. lela Unfall, Unglück, helale unglücklich, skr. leläj^ 
türk. belalek Unglück, skr. beldjluk; pasa Pascha pasale 
Pascha-, skr. pasälija pasäjlija einer von den Leuten des 
Pascha), z. B. dugdjlija langer Mensch düg lang, zlatdjlija 
Goldgeschmückter zläto Gold, ndvajlija Neuling növ, tocäjlija 
Schenk töciti. 

Wenn die türk. Wörter nicht substantiviert werden 
(durch -ja), werden sie im Skr. als unflektierte Adjektiva 
verwendet, z. B. demtr-li eisern zu demir, dertli besorgt zu 
dert, hojäli (türk. hojale) gefärbt. 

551. 5. -luk aus türk. -lek {-luk, -lülc, -lik), Abstrakta 
bildend, dem deutschen -tum, -heit u. ä. entsprechend, 
von Volks- und Herrschernamen abgeleitet Land oder Ge- 
biet bezeichnend, z. B. pasa pasa-lek Paschawürde, das vom 
Pascha verwaltete Gebiet, skr. pasa pasäluk; Ärnaütluk 
Arnautenland, Albanien Arnäid-in (türk. Ärnaut, Ärnaütluk)^ 
danach gelegentlich auch an serbischen Wörtern verwendet, 
hrisdänluk Christenheit lirlsöan-in, cigänluk Zigeunertum 
dgan-in, hezobräzluk Schamlosigkeit vgl. hezöhraz-an schamlos,. 
pasjaluk hündische Manier pasji Adj. zu pas Hund. 

55S. 6. -öu, gen. -ova, aus magyarischem -6 (-o), 
jetzt Partizipialsuffix, z. B. lopo stehlend, Stehler (zu lop- 
ni), in älterer Zeit auch Adjektiva bildend (jetzt -ü, -ü). 
Beispiele: drnöv wüster Schreier drnuti se sich wütend ge- 
bärden, gdlöv Habenichts gö fem. göla nackt, lüdöv Tor 
lud dumm, mtköv (Scheltwort) Niemand nltko niemand > 
präznöv armer Kerl ^rä^an leer, arm, sZw^öi; Unglücksprophet 
slütiti ominari. Öfter sind so gebildete Hundenamen, von 
irgendeinem Merkmal aus, z. B. bjelöv weißer Hund blo 



§ 552. 553.] 



Stammbildung der Nomina. 



311^ 



fem. bijela weiß, gäröv schwarzer H. gär Riißfarbe, grivöv 
H. mit weißem Haarkranz um den Hals grlva Mähne, 
Icdsmöv zottiger H. vgl. kösmat haarig, Icüsöv H. mit ge- 
stutztem Schwanz küs gestutzt, mrköv Brauner (Hund oder 
Pferd) mfk. 



553. Alphabetisches Verzeichnis der behandelten 
Formantia nach der Gestalt des Nom. sg. der Bildungen. 
Abkürzungen: abstr. = Abstraktum, adj. = Adjektiv, adj. adv. 
= Adj. aus Adverbien, augm. = Augmentativ, besch. =; in der 
Bedeutung: beschäftigt mit, dem. = Deminutiv, ein. kl. = Ein- 
wohner-, Klassennamen, fr. f. = fremdes Formans, fzm. = Fe- 
minina zu Maskulinen, hyp. ^= Hypokoristikum, koll. = Kollektiv, 
n. act. = Nomen actionis, n. ag. = Nomen agentis, n. instr. = 
Nomen instrumenti, n. loci = Nomen loci, neig. := in der Be- 
deutung: geneigt zu, patr. = Patronymikum, pfl. = Pflanzennamen, 
poss. = Possessiv, st. = in der Bedeutung: aus dem und dem 
Stoff bestehend, tr. eig. = Träger einer Eigenschaft, vers. = in 
der Bedeutung: versehen mit, zug. ^Zugehörigkeit bezeichnend. 

Die Zahlen sind die Paragraphenzahlen. 



-a fzm , 459 

hyp 437 

n. ag 356 

- a n. act 485 

■ ac (= -tch) 

dem 423 

ein. kl 390 

n. act 468 

n. ag 357, 358 

tr. eig 393, 394 

-äc n. ag 361, 362 

-aca n. ag 361, 362 

n. instr 374 

tr. eig 395—398 

•acak fem. -acka adj. dem. 543 

-äd koll 514 

■adzija (s. dzija) fr. f. 

-aga augm 444 

-ahan fem. -ahna adj. dem. 542 

-äj n. act 483 

■ajiv adj. vere 520 

■ ak (=: -^k^) 

adj. dem 543 



adj. augm 

dem 

n. instr 

n. act 

tr. eig 

-äk n. loci 

-äk, -'äk tr. eig 

-alac n. ag 

-alica n. ag 

n. instr 

-allste n. loci 

-älj tr. eig 

-älja n. ag 

-äljka n. instr 

-an gen. -ana dem. adj. 

hvp 

pfl 

-an (= -t>n^) fem. -na adj. 
-an fem. 'ana adj. vers. 

zug 

-an hyp. u. a 

-ana ir. f. 

-ance dem 



546- 

428 
375 
469 
399 

380 
402 
359 
367 
388. 
388 
405 
364 
376 
542 
445 
467 
518 

537 
446 
547 
424 



320 



Stammbildung der Nomina. 



[§ 553. 



-anin ein. kl 391 

-anstvo abstr 512 

-anj gen. -)ija {== -bnjh) n. act. 

n. instr 492 

-ao (= -Ib) gen. II n. act. 488 

-aonica n. loci 385 

-är begeh 379 

n. ag 365 

-ara augra 447 

n. ag 365 

n. loci 381 

-arina abstr. (Entlohnung 

einer Tätigkeit) . 500 

-ärnica n. loci 384 

-ast adj. vers 525 

von Farben: -lieh . . 526 

-äs n. ag 366 

tr. eig. {-äs, -'äs) . . 406 

-asce dem 424 

-asnß adj. adv 541 

-at adj. vers 524 

-af (= -■5^5, -hth) n. act. (Ge- 
räusche) .... 473 

-av adj. vers 527 

-ava n. act 470 

-avac n. ag 360 

-avica n. act 477 

-avina n. act 479 

-ba n. act 471 

-hina abstr 503 

-ca dem 425 

hyp 440 

■cät Verstärkung von adj. 546 

-ce dem 424 

-elf Verstärkung von adj. 546 

-CO hyp 440 

•ca hyp 441 

-ce dem 437 

-CO hyp 441 

-da abstr 493 

-dzija fr. f. 548 

-e hyp 437 

-e (= -e) gen. -eta dem. . 426 

-'e n. act 486 

-edzija (g. -dzija) fr. f. . . 548 



-cn adj. st 538 

adj. vers 538 

adj. zug 538 

•esce dem 424 

-esina augm 452 

-et n. act. (Geräusche) . . 473 

-etina augm 450 

-evic patr 43 !> 

-evina n. act 480 

■evski s. -ovski 

-ez n. act 474 

tr. eig 407 

-IC dem 430 

-ica abstr 476 

dem 431 

fzm 460 

n. act. . 476 

n. loci 382 

tr. eig. . 413 

-ic n. act 368 

pfl 466 

-Jcak dem 429 

-ic dem 432 

patr 433 

-fc dem. . 434 

tr. eig 408 

-idha n. act 472 

■ija fr. f. 549 

-ik tr. eig 409 

pfl 465 

-ika pfl 464 

-ikast dem. Farbenadj. , 545 

-ilac n. ag 359 

-ilica n. ag 367 

n. instr 377 

-ilja n. ag 364 

-in adj. poss 535 

ein. kl 391 

-ina abstr. von adj. . . . 496 
abstr. von 8ub8t.(-tum, 

-Schaft u. a.) , . 499 
von Tiernamen (Fell, 

Fleisch) .... 501 

in Komposita .... 502 

augm 449 



§ 553.] 



Stammbildung der Nomina. 



321 



n. act 478 

-inica fzui 460 

-inja abstr 504 

fzin 461 

-mje koll 516 

-inß adj. poss 536 

-instvo abstr 511 

-ionica n. loci 385 

-is n. ag 369 

tr. eig 415 

-isa n. ag 369 

-iste augm 455 

-Iste n. loci 387 

-it adj. vers 528 

-io adj. neig 520 

-Ivo n. act 482 

-j (= jb) adj. poss. ... 531 

n. act 484 

-/ (= bjt) adj. poss. . . . 532 

-ja (-'«) abstT- 506 

fzm . 459 

hyp 438 

n. act 485 

-Jan {-'(cti) s. -'an 

-je koll 515 

n. act 486 

n. loci 389 

-/o hyp. 438 

-ka dem 435 

fzm 462 

hyp 439 

n. act 487 

tr. eig 417 

-käst dem. Farbenadj. . . 544 

-kinja fzm 462 

-ko hyp 439 

-la hyp 443 

-/-ac n. ag 359 

■le hyp 443 

-l-ica n. ag 367 

n. instr 377 

■lija fr. f. 550 

-liste {-allste) n. loci . . , 388 

-lo n. ag 371 

n. instr 378 



-luk fr. f. 

-h gen. -li s. -ao 

-Ijiv adj. neig 

-nat adj. vers 

■nica n. loci 

tr. eig 

-nlk tr. eig 

-nja n. act 

-njaca tr. eig 

-njäk n. loci 

tr. eig 

-njl adj. adv 

-0 hyp 

-oha abstr 

-oca abstr 

-oje hyp. 

-onja tr. eig 

-öst abstr 

-osa tr. eig . . 

-ot n. act. (Geräusche) . . 

-ota abstr. . 

-otina n. act 

■otlnja abstr 

-ov adj. poss. 

adj. st. (von Pflanzen) 

-öv fr. f. 

-ovac tr. eig. (von Pflanzen- 
namen: iStock) . 

■ovaca tr. eig. (von Pflanzen- 
namen: Stock) . 

-ovica fzm 

-ovic patr 

-ovina von Pers. : Land ; von 
Pflanzen: Holz u.a. 
n. act 

-ovit adj. vers 

-ovljl {-evljf) adj. poss. . . 

-ovski {-erski) adj. (Art und 
Weise) . . . . 

•oi^stvo abstr 

-ski adj. (Art und Weise) 

-stvo abstr 

-sa hyp 

n. ag 

•snjl adj. adv 



551 

521 

524 
383 
415 
412 
489 
396 
380 
403 
540 
437 
507 
510 
438 
418 
508 
419 
473 
508 
481 
505 
533 
539 
552 

394 

397 
460 
433 

498 
480 
529 
534 



519 
511 
519 
511 
442 
372 
541 



Leskien, Serbokroatische Grammatik. 



21 



322 



Stammbildung der Nomina. 



[§ 553—555. 



-so hyp 442 

-Stina ab?tr 497 

augni 454 

-telj n. ag 373 

-t (= -fr,) K*>". -fi n. act. . 491 

•tva n. act 490 

-icga augni 456 

-uija augm 457 

pfl 466 

tr. fig 420 



-(7« tr. eig 421 

■um augra 458 

-urina augni 451 

•iisa. fzm 463 

n. ag 370 

tr. eig 422 

-usina augm 453 

'Ustina augni 453 

-7) abstr 494 

n. act 491 



Nominalkomposita. 

554. Vgl. Miklosich, Die nominale Zusammen- 
setzung im Serbischen (Denkschr. der Wiener Akad. phil.- 
hist. Kl. 1864, Bd. 13). — Jagic, ASlPh. 20,550fg. — Verf., 
Betonung und Quantität der serbischen Nominalkomposita 
(ASlPh. 21, 334). 

Unter Komposita sind hier verstanden: I.Bildungen, 
die als erstes Glied einen unflektierten Nominal-, 
Numeral-, Pronominalstamm enthalten; dieser 
endet, wie auch der Stamm des selbständigen Wortes aus- 
lauten mag, auf -o, z. B. kosto-bolja (Knochen-schmerz) 
Gicht Tcöst gen. kösti i-Stamra, glavö-bolja Kopfschmerz 
gMva a-Stamm, dusd-gubac (nicht wie abg. dusegubbcb) Seelen- 
verderber düsa, glasb-nosa (Nachricht-träger) Bote glas o- 
Stamm, 2. Bildungen, deren erstes Element eine 
Partikel (Negation we, Präposition) ist; diese behält in 
der Regel ihren Auslaut. 3. Bildungen mit einem 
ersten Gliede verbalen Ursprungs (Imperativ); dies 
lautet auf -i aus, z.B. fcaii-p??^ (Zeige- weg) Zeigefinger. In 
den unter 1. und 3. genannten Komposita müssen 
die Silben des ersten Gliedes stets kurz sein; der 
Auslaut der Präpositionen unter 2. kann lang und kurz sein. 

555. Zusammensetzungen, die nicht zu den an- 
gegebenen Formen stimmen, kommen vor, namentlich 
solche, deren erstes Glied auf einen Konsonanten 
endet und daher als Nom.sg.mask. erscheint. Sie mögen 
hier vor der Ausführung der regelmäßigen Bildung be- 
sprochen werden; z.T. sind sie fremd oder Nachahmungen 



§ 555. 556.] Stammbildung der Nomina. 323 

fremder Wörter, z. T. Rätsel-, Scherz- und Vexierwörter. 
Ganz auszuscheiden aus eigentlich serbokroatischer Sprach- 
bildung sind die unmittelbar dem Türkischen entnommenen 
Zusammensetzungen; dort werden zwei Wörter einfach 
nebeneinander gestellt oder das zweite erhält das suffigierte 
Possessivpronomen 3. Fers, (sogen, unbestimmte Genitiv- 
verbindung), z. B. has-v6k'ü (Haupt-minister) erster Minister; 
nach solchen und gleichartigen ist im Skr. nachgebildet 
z. B. bäs-knez Ober-knes (vgl. öhor-hiez nach Entlehnungen 
aus dem Deutschen wie bhorlaöman = Ober-leutnant). 
Nach türk. Lehnwörtern wie höliik' -hase Kompagnie(-haupt)- 
führer skr. btdjugbasa büljubasa, danach skr. vojvod-hasa, 
djever-basa Hauptbrautführer, kbz-basa Vormäher hosa Sense 
kbsiti mähen; duvän-kesa, tutun-kesa sind türk. duhan-k'ese, 
tütiin-k'ese. So sind denn auch entstanden die in der Volks- 
poesie vorkommenden mermer-ävlija Marmorhof, mermer- 
sokäk, mermer-kaldrma Marmorstraße, bügar-kabänica Bulga- 
renmantel, nädzag-baba (Keulen-weib, türk. nadzak Keule) 
böses Weib, rlm-päpa (Rom-papst) röm. Papst, sänmr-kälpak 
Zobelraütze u. a. d. A. 

556. In skr. Wörtern, die nicht dem Türkischen 
entlehnt oder unmittelbar türkischen nachgeahmt sind, 
kommt dasselbe in doppelter Weise vor: 1. Substantiv 
steht in der Nominativform vor Substantiv, z. B. 
dän-guba (Tag-verlust) Zeitverlust, wohl erst aus dem Verbum 
dän-gubiü (Tag verlieren) gebildet; dazu einige meist poe- 
tische Wörter: Je/en-rö^r Hirschhorn, päun-pero Pfauenfeder, 
IjUjan-göra Lilienberg, IjUjan-listak Liiienblatt, wie der 
doppelte Akzent zeigt, keine eigentlichen Zusammen- 
setzungen, mis-kuläs mausfarbiges Pferd (kuläs heißt das- 
selbe), zuber-voda Murmelwasser zubor Gelispel, Gemurmel. 
— 2. Adjektiv steht in der Form des Nom. sg. 
msk. vor Substantiv, z. B. bläg-dän (guter Tag) Feier- 
tag, crven-perka Art rotgefiederter Vogel, Plötze (Rotflosser), 
cävlen-cörba (noch mit doppeltem Akzent) Scherzwort = 
Nagelsuppe (aus eisernen Nägeln, vgl. kltn-cörba dass.), 
debel-guza (neben debelö-guza) Weib mit dicken Hinterbacken 

21* 



324 Stammbildung der Nomina. [§ 556 — 559. 

{debeo ijüz) gvozdcn-zuha Eisenzahn (Art Dämon) gvözden züb, 
säm-pasW eklen des Viehs ohne Hirt säm allein j^asii päsem, 
studen-klep Kaltschmied (Spottwort auf den Schmied, vgl. 
hladnbhov) klcpati schlagen, svilen-gaöa einer mit Seidenhose, 
saren-trba Buntbauch (SpottAvort auf den Frosch), voden-hika 
statt vodenl hlk (Wasser-büffel) Rohrdommel; vgl. noch 
nlsta-coek (Nichts-mensch) Nichtswürdiger. 

557. Einiges ist aus Substantivierung von 
Sätzen oder syntaktischen Gruppen entstanden, z.B. 
Dä-hi-ziv (Mannsname) = ut sis vivus, les-te-däj Schlüssel- 
blume primula veris = lezii) ie däj (leg dich und gib — 
obszön), na-güz-ljez (eig.Ärschlingsgeher, köji nä güzu Ijeze) 
Spottwort auf den Krebs, naträg-{h)odm Rückwärtsgeher 
(Krebs) = köjt näfräg hödl, nä-zlo-hrz (zum Übel schnell) 
rasch bereit zur Übeltat, sehe-znao selbstisch (der nur sich 
selbst kennt). Vgl. noch sva-sto-znanac {= vbse-chto-znanhcb) 
Alleswisser, sve-znali dass. (= vhse-), rano-ränilac Früh- 
aufsteher (normale Betonung wäre *ranö-ranüac) = köji 
räno ränl. Dazu kommen noch allerlei Scherzbildungen, 
wie hadsi-nedbmak ein Hadschi (Pilger), der das Ziel (Haus 
dorn) nicht erreicht, sir-zb'ijalo Käsestopfer, sakapere (gen. 
sg.) in der Redensart bl-d-e s. (wo einer dem andern sä- 
kama na percin mit den Fäusten auf den Schopf kommt) 
es kommt zum Handgemenge. 

558. Einzelne Zusammensetzungen haben einen 
Kasus als erstes Glied, z. T. alt ererbte Bildungen: 
brätu-ced (brätii dat. von brät) Geschwisterkind, polü-brat 
Halbbruder, polu-sestra Halbschwester (polu alter Lok. «zur 
Hälfte» von ^^o/s) vgl. dazu podne Mittag ^ |;oZö dhne 
«Hälfte des Tages»; so ist podrug anderthalb Mann groß, 
anderthalb = urspr. poh druga (Hälfte des andern); 
kämi-vao gen. -väla äußerste Bergspitze, eigentlich Stelle, 
wo der Stein kami, = altem Nom. u. Akk., von selbst 
rollt (väljafi se). 

559. Die folgende Einteilung der Komposita in 
dem engern oben angegebenen Sinne ist gemacht nach 
der Beziehung, die die Glieder der Zusammen- 



§559.560.] Stammbildung der Nomina. 325 

Setzung bei ihrer Auflösung in eine syntaktische 
Gruppe ergeben. Bei der Mannigfaltigkeit der Be- 
deutungen und der gerade bei den Komposita sehr häufigen 
Umbiegung der Grundbedeutung ist eine allgemeine Ein- 
fügung aller in bestimmte Schemata nicht wohl möglich; 
die folgende Darstellung gibt daher nur Haupttypen. 

I. Attributivkomposita. Das erste Glied (Substantiv, 
Adjektiv, Pronomen, Zahlwort, Partikel) bildet eine 
nähere Bestimmung zu dem zweiten. 

Die Komposita sind entweder Substantiva oder Ad- 
jektiva; Adjektiva stets, wenn das letzte Glied als selb- 
ständiges Wort selbst Adjektiv ist. Komposita mit zweitem 
an sich substantivischem Gliede können adjektivisch 
werden, wenn die Gesamtvorstellung, die das Kompositum 
ausdrückt, als Eigenschaft einem Dritten beigelegt Avird, 
z. B. düg lang Jwsa Haar: dugd-hos langhaarig. Solche 
Wörter können wieder mit bestimmten Formantien sub- 
stantiviert werden, vgl, z. B. vrfo-glav (dreh-) schwindel- 
köptig vrtdglavac ein Schwindelkopf. 

Eine Anordnung nach den in der Zusammensetzung 
vorkommenden Wortarten ergibt folgende Abteilungen: 

1. Substantiv mit Substantiv (nicht häufig); das 
Wort ist in der Regel Adjektiv, die Gesamtvorstellung auf 
ein Drittes bezogen, z. B. zmijö-glav schlangenköpfig zmija 
gldva, zimo-llst (Pflanzenart, Subst. geworden) = im Winter 
Blätter habend zima list, putö-nog (eig. fessel-füßig) = 
Blässe am Fuß habend puto ndga, srebro-kos silberhaarig 
srchro hosa, svilokos seidenhaarig svila, svilö-run seidenfließig 
rüno. Substantivisch psb-glav Hundskopf (Märchengestalt) 
= phsoglavö aus päs (= phs^) gldva. 

560. 2. Adjektiv mit Substantiv. 

A. Das Gesamtwort ist Substantiv, das erste 
Glied Attribut des zweiten, die Beziehung bleibt also inner- 
halb des Kompositums, z. B. bjelo-jug (eig.Weiß-südwind) 
trockener Südwind bio (fem.bijela) ßg, dlvo-koza (Wild-ziege) 
Gemse, gold-kapica (eig. Kahl-haube) Mütze ohne Buntes, 
püsto-päs (eig. Frei-weide) jedem zugängliche Weide, pusto- 



326 Stammbildung der Nomina. [§ 560—564. 

svat (eig. Frei-gast) Hochzeitsgast ohne Amt bei der Hoch- 
zeit, süho-zid (Trockenmauer) Mauer ohne Mörtel, täiiko- 
prelja Fein-spinnerin, samo-toh (sämotök) eig. Selbst-fluß, 
d. h. ein von selbst aus der Wabe geflossener Honig. 
Über derartige Komposita mit Formans -ina, z. B. slabö- 
bocina (zu släb schwach, bölc Seite, eig. Weichseitigkeit) 
Weichen des Körpers, s. § 502. 

501. B. Das Gesamtwort ist Adjektiv, die 
Gesamtvorstellung als Attribut auf ein Drittes bezogen, 
sogenannte Possessivkomposita {bahiivrthi); namentlich in 
der Volkspoesie häufig. Beispiele: bjelö-brk mit weißem 
Schnurrbart, bosö-nog barfuß bös (fem. bbsa) noga, drago-cjen 
kostbar dräg teuer cijena Preis, dugb-rep langschwänzig düg 
rep.golö-glav barhäuptig gö fem. (göla) gläva,krivd-vrat krumm- 
halsig kriv vrät, Ijevö-ruk linkhändig lijevi ruka, svetö-duh 
vom heiligen Geist erfüllt sveti düh, tanko-vrh (fein-)schlank- 
gipflig tänak (fem. tänka) vrh, tvrdb-san festen Schlaf habend 
tvfd sän gen. snä, zlatökrili goldflügelig vom alten Adjektiv 
zlatz golden krüo, vgl. zlatnb-rog goldgehörnt zldtan (fem. 
zldtna) rög. 

56S. o. Zahlwort mit Substantiv. 

A. Das Kompositum ist Substantiv, die Beziehung 
bleibt innerhalb des Gesamtworts: trb-meda (Dreigrenze) 
Stelle, wo sich drei Grenzen schneiden. 

B. Das Kompositum ist Adjektiv, die Gesamtvor- 
stellung auf ein Drittes bezogen, z. B. dvb-struk, trb-struk, 
stb-struk zwei-, drei-, hundertfältig strüka Art, jednb-lik 
(eingesichtig) gleichen Gesichts llk, trb-glav dreiköpfig gldva, 
sestb-krili sechsflügelig krüo. 

56S. 4. Partikel mit Substantiv; die Partikel 
bildet eine attributive Bestimmung zu dem Substantiv. 

A. Zusammensetzung mit der Negation ne, dem 
deutschen un-, gr. d- entsprechend, z.B.fieljüdi Unmenschen, 
nemär Unachtsamkeit, neprävda Unrecht nefrijaielj (Un- 
freund) Feind, nevrijenie Unzeit. 

504. B. Zusammensetzungen mit Präposi- 
tionen: 



§ 564—566.] Stammbildung der Nomina. 327 

a) Das Gesamtwort bleibt in der Bedeutungs- 
sphäre des zweiten Bestandteils, bekommt aber 
durch die Präposition eine besondere Färbung. Das sub- 
.stantivische zweite Glied ist oft nicht als selbständiges 
Wort vorhanden. Beispiele: Iz-vor (Aus-sprudel) Quelle; 
nd-sap (= na■s^p^ Aufschüttung) Damm, nä-zor Obacht; 
öb-llk Antlitz (llk Gesicht) b-grada Umfriedigung, öd-slcok 
Absprung; pd-gibao gen. -hli Verderben, pö-govör Nachrede 
(= Wiederholung der Rede), pö-laza Nachlügner (der einem 
andern beim Lügen nachhilft), pö-tok (Hinfluß) Bach; pöd- 
loga Unterlage; pra-haba (Vor-großmutter) Urgroßmutter, 
jym-(ZJef? Urgroßvater, prä-unnk Urenkel; pre-kret Umschwung, 
priß-voz Überfahrt; prö-mjena Umtausch; rds-krsce (Zer- 
kreuzung) Kreuzweg (zu krst Kreuz), räs-pop (zer, Priester) 
Expriester, räz-rez (Zer-schnitt) Schlitz; z-gräda (= sö-grada) 
Bauwerk, Gebäude, sü-meda (Mit-grenze) Grenzscheide, 
sü-mjesa (Mit-mischung) Gemenge; su- kommt bisweilen in 
einer Art deminuierender Bedeutung vor: su-rodica etwas 
Verwandter, sü-turica Halbtürke; ü-klada (Einlage) Wette; 
uz-däh (= r^z-d^ch^ Aufatmung) Seufzer; zä-laz (Hinter- 
gang) Umweg, zä-sluga Verdienst. 

b) Das Gesamtwort bezeichnet einen Gegen- 
stand, der sich in der Situation befindet, den die 
Auflösung in Präposition mit Kasus ausdrücken 
würde, z. B. nä-prstak (was na prstu, am Finger, ist) 
Fingerhut, pbd-zimak (quod sub hieme) Herbst, po-nedjeljaJc 
(was nach Sonntag nedjelja) Montag; vgl. oben § 400. 

565. 5, Partikel mit Adjektiv, 

A. Zusammensetzung mit Negation ne, deutsch 
un-, gl-, d-;, z. B. nevjeran treulos, ne-vjest unwissend, nc- 
dbzreo unreif, nezdrav ungesund, neznan unbekannt, nejäk 
(unstark) schwach, neoprän ungewaschen. 

566. B. Zusammensetzungen mit Präposi- 
tionen: 

a) Das Gesamtwort bleibt in seiner Bedeu- 
tungssphäre, die Präposition gibt eine besondere 
Färbung, meist verkleinernd oder verstärkend, 



328 Rtammbildung der Nomina. [§ 566. 567. 

so wirken na-, o-, po-, pri-, su- (= sq-) deminuierend, 
z. B. tiä-sut gelblich, nd-kriv etwas schief, nä-los ziemlich 
schlecht; ö-malen ziemlich klein (o- wird selten so ange- 
wendet); po- (am häufigsten) = dem deutschen «ziem- 
lich»: ])o-veUk ziemlich groß, po-golem dass., pö~dohar z. 
gut, po-veöe ntr. noch etwas mehr, po-lukav etwas ver- 
schmitzt, p)b-näjvise ntr. adv. größtenteils, ^j(5-«äj7aÄ; adv. 
ganz sachte; 2^^"^~ (selten so angewendet) _pn-Zf<<? dümmlich; 
sü-bjel weißlich, su-liid etwas dumm. — pre- verstärkend 
(wie lat. per-, z. B. permagnus), z. B. Pre-dräg (Mannes- 
name) sehr teuer, pre-veliM übergroß, 2yre-vec garzuviel 
(dass. öd-veö, öd-vece ntr.), prezreo überreif, pre-o-])un über- 
voll, pre-slän zu salzig. 

b) Das Gesamtwort, mit Formans -an (= -Wo) 
gebildet, dient als Attribut zu etwas Drittem ; 
Zusammensetzungen mit su- (= sq-), namentlich von Tier- 
namen, Trächtigkeit bezeichnend, z. B. sü-zdrebna (Tcdbila) 
(trächtige) Stute ädrijebe Füllen, sü-macna (von Katzen) 
mdca, sü-prasna (krmaca) trächtige (Sau), vgl. sü-driizna {zhna) 
schwangere (eig. mit anderm) Frau; auch mit s-,z-=^So, 
z. B. steona kräva (= sö-telb-na mit Kalb), zdjctna zena 
(= s^detbna mit Kind) schwanger; mit bez- ohne, dem 
deutschen un- oder -los entsprechend, z. B. bez-hozan (ohne 
Gott böfi seiend) gottlos, bh-glasan stimmlos glas, bez-öbrazan 
schamlos öbraz, bez-rodan unfruchtbar (nachkommen-los 
röd), bez-uman unvernünftig um. Vgl. noch pbd-vodan (was 
pod vodöm, unter dem Wasser, ist) der Überschwemmung 
ausgesetzt. 

567. II. Rektionskomposita. Bei der Auflösung- 
in eine syntaktische Gruppe tritt eins der Glieder in 
einen obliquen Kasus, ein Glied ist vom anderen kasuell 
abhängig oder bestimmt es näher. 

A. Beide Glieder sind nominal; dann tritt bei 
der Auflösung das erste in einen obliquen Kasus. Welcher 
Kasus dabei eintritt, hängt von der Art ab, wie man um- 
schreibt, und von den Gewohnheiten der Sprache, in die 
man umschreibt, z. B. duso-gubac Seelenverderber = «Ver- 



§567—569.] Starambildung der Noraina. 329 

derber der Seelen» oder «die Seelen Verderbender», volö- 
pasa Ochsenweide = «Weide der Ochsen» oder «Weide 
für Ochsen», rüko-säd (Handpflanzung) mit (eigner) Hand 
gepflanzter Weinberg. Beispiele: crvotöc fem. (Wurm-erguß) 
Wurmfraß, rüko-dri fem. Handhabe, krajo-ber Schnitter, 
der am Rande Tcräj mäht (zu hräti berem sammeln), vinö- 
ber Weinlese, Jcolo-voz (Rad-fuhr) Geleise, zlo-tvor Übel- 
täter, vgl. cudo-tvorac Wundertäter (s. auch § 357), vtno- 
r/räd (Wein-gehege, -garten) Weinberg, knjüjb-nosa Brief- 
träger, loncö-pera Topfwäscherin lönac gen. lonca, präti perem 
waschen, sjenb-kosa (Heumahd) Wiese sljeno kösiti. Über 
die hierhergehörigen Bildungen auf -iJia, z.B. rukb-tvorina 
Hände-Averk, s. § 478. 

568. B. Das erste Glied ist verbalen Ur- 
sprungs (Imperativ); bei der Auflösung bildet in der 
Regel das zweite nominale Glied das Objekt zu dem 
ersten (s. die Zusammenstellung ASlPh. 21, S. 389). Die 
Wörter haben oft scherzhaften, spottenden, scheltenden Sinn. 
Beispiele: glädi-bfk (Glätte-bart) Schnurrbartstreicher gläditi 
bPk, kcsi-züb (Fletsche-zahn) Lachlustiger kesiti züb, krädl- 
koza (Stiehl-ziege) Ziegendieb krästi krddem, küjn-vöjska 
(Sammle-heer) Werber, mbli-bog (Bete-zu-Gott) scherzhaft 
für Mönch, räsjn-kuöa (Zerstör-haus) Verschwender räsfiti 
räspem {== rasöjm *raz-s5pq) zerstreuen; gäzi-blato (Watekot) 
komische Benennung eines kleinen Beamten, der sich 
wichtig macht. — Zuweilen ist das Objektverhältnis nicht 
vorhanden: 2V^'^i-'^'>'i'fO (Freund, der mitsingt) Mitsänger, 
pläci-drüg (Wein-genosse) Freund, der mitweint. 

560. C. Das erste Glied ist eine Präposition; 
bei der Auflösung tritt das zweite in den Kasus, der bei 
der Präposition in der gegebenen Situation stehen muß. 
Das zweite Glied ist Substantiv, ebenso das Gesamtwort. 
Hierher gehören die § 564 b besprochenen Komposita. 



330 [§ 570. 



Flexion der Substantiva, 

Adjektiva (Deklination und 

Komparation), Pronomina, 

Zahlwörter. 



Die Deklination der Adjektiva muß von der der Sub- 
stantiva getrennt werden, da auch das unbestinamte Ad- 
jektiv, dessen Flexion ursprünglich von der substantivischen 
nicht verschieden war (s. Abg. Gr. § 96), im Serbo- 
kroatischen Formen aus dem Pronomen entlehnt hat. Es 
wird daher wie das bestimmte Adjektiv bei der Deklination 
der Pronomina behandelt. 

I. Deklination der Substantiva. 

570. Allgemeine Bemerkungen. 

A. Einteilung in Deklinationsklassen. Die in 
der vergleichenden Grammatik übliche Einteilung nach 
dem Auslaut der Stämme (o-, a-, ^{-Stämme usw.), niit 
denen die Kasusendungen verbunden werden, kann in sehr 
altertümlichen Sprachen, so auch im Altbulgarischen, bei- 
behalten werden. Neben den daraus sich ergebenden 
Hauptgruppen kann man zur Aufstellung von Unter- 
abteilungen den Genusunterschied verwenden und pflegt 
im Slavischen gewöhnlich bei den Klassen I und II noch 
den lautlichen Unterschied palataler (weicher) und nicht 
palataler (harter) Stämme hineinzuziehen. Die Flexion 
der weichen und harten ist ursprünglich gleich, bei der 
Trennung handelt es sich nur um bequemere Darstellung 



§ 570.] Flexion der Substantiva. 331 

der Einwirkungen palataler Konsonanten auf folgende 
Vokale, wodurch das lautliche Bild der sog. harten und 
weichen Deklination etwas verschieden ausfällt. Die da- 
nach für die ältere Geschichte des Slavischen, auch für 
das Altbulgarische, sich ergebende Einteilung wird hier 
mit angeführt, damit bei geschichtlicher Betrachtung der 
Deklinationsformen darauf verwiesen werden kann. Als 
Kennformen der einzelnen Klassen sind angegeben Norn. 
sg., Gen. sg., Dat. pl., bei den i-Stämmen auch der Instr. sg. 

I. o-Stämme: 

1. Maskulina: 

A. hart: toki), toJca, toko-rm 

B. weich: mqih, mqm, mq^e-mo 

2. Neutra: 

A. hart: seh, sela, selo-mv 

B. weich: pole, pol'a, pol'e-mo 
IL ä-Stämme, Feminina: 

A. hart: zena, ieny, zena-tm 

B. weich : äiisa, duse, dusa-tm 

III. f(-(?>-)Stämme, Maskulina: 

sym, synu, sym-mz 

IV. «-(«-)Stämme: 

1. Maskulina: pqtb, pqti, pqtb-mb, pqtb-ua 

2. Feminina: tvarh, tvari, tvarbjq, tvan-uih 
V. Konsonantische Stämme: 

A. '«-Stämme: 

1. Maskulina: kamy, kamen-e, Jcamenb-iuh 

2. Neutra: pleme, plemen-e, plemenb-)m 

B. s-Stämme : 

Neutra: slovo, sloves-e, slovesb-rm 

C. «^-(^f)-Stämme : 

Neutra: tel^, telet-e, teleth-ma 

D. r-Stämme: 

Feminina: maii, mater-e, matenrm (dies und dhsti, 
dzster-e, dhsterb-)m die einzigen Beispiele) 
VI. tT-(«/-)Stämme: 

Feminina: svekry, svekrbv-e, sveknva-rm. 



332 Flexion der Substantiva. [§571, 

571. Diese Einteilung kann zu einer Gliederung der 
Deklination der heute bestehenden Sprache nicht verwendet 
werden. In ihr sind die alten Unterschiede zum großen 
Teil aufgegeben: ursprünglich verschiedene Klassen sind 
zu einem Paradigma vereinigt, so alle Maskulina (Kl. I, 
III, IV 1, VA 1) zu einheitlicher Deklination verschmolzen, 
wesentlich eine Fortbildung der Flexion der alten o-Stämme 
mit Einwirkung der alten «-Stämme (z. B. Lok. sg. grddu, 
Nom. pl. gräd-ov-i) und vereinzelter Beibehaltung der Formen 
der i-Stämme (IV), z.B. Gen.pl. gdsti zu göst gösta Gast. 
Einige Klassen sind bis auf vereinzelte Reste ganz auf- 
gegeben, so IV1,VI. Sämtliche Neutra (also die Kl. 12, 
VA2, VB, VC) sind zu einer einzigen Klasse vereinfacht 
mit Erhaltung einiger Nom.sg. der alten konsonantischen 
Deklination: plenie, tele. Erhalten ist als besondere Klasse 
die der alten Feminina auf ä (II), in ihr aber aufgegangen, 
abgesehen vom Nom., mäti V D (daher Gen. sg. mätere 
wie £ene zu £ena) und die Wörter von Kl. VI (smölcva. 
Gen. sg. smokve ersetzt altes smohj smok^ve). Bewahrt ist 
ferner die Flexion der femininalen i-Stämme (IV 2), aber 
in ihr aufgegangen hci Tochter (urspr. zu V D), Gen. sg. 
kceri wie sivär stväri, vereinzelt auch Wörter aus Kl. VI, 
Ijiihav Gen. sg. Ijühavi (statt l'iihy l'vbhve). Harte und 
weiche Stämme sind ausgeglichen, z. B. Gen. sg. iene (zu 
iewrt IIA) entspricht nicht altem zeny, sondern ist entlehnt 
aus dem weichen düse ^^ duse (zu r^wsa IIB); Yök. sg. düso 
statt des alten duse entlehnt von zhio. Kasusformen sind 
verloren gegangen, z.B. hok. sg. msk. ntv. grade sele (IIA, 
I2A), ersetzt durch die Form der M-Stämme (III), grddn 
sein. Mehrere ursprünglich formal geschiedene Kasusformen 
werden durch eine Form ausgedrückt, z. B. Dat. Instr. 
Lok. pl. zmama (statt ievanvo, zenanii, zenach^), ursprüng- 
lich eine Dualform. 

Wegen solcher Umbildungen lassen sich die Kasus- 
formen nicht mehr nach der ursprünglichen Grundlage in 
Stamm und Endung auflösen. Vom Standpunkt der 
lebenden Sprache wird als Stamm empfunden der durch 



§571.572.] Flexion der Substantiva. 333 

alle Formen durchgehende, lautlich ganz oder wesentlich 
gleiche Bestandteil, als Endung erscheint, was nach dessen 
letztem Konsonanten steht. Man kann das auch so aus- 
drücken: es gibt in der lebenden Sprache nur 
konsonantische Stämme. Man muß daher nach dem 
lebendigen Sprachgefühl trennen z.B. in den Kasusformen 
von gräd: gen. gräd-a, dat. gräd-u, instr, gräd-om, nom. pl. 
gräd-ovi; von iena: gen. iew-e, da.t. zen-i, instr. iew-öw, gen. 
pl. ieu-ä, dat. pl. zen-ama usw., obwohl man von anders- 
woher weiß, daß ursprünglich zu teilen war grädo-m (aus 
grado-mb)^ zena-ma (Ersatz für zena-im). 

572. Als Hauptgrundlage einer Einteilung 
in Deklinationsklassen kann für die heutige 
Sprache nur der Genusunterschied maßgebend 
sein; zur Bildung von Unterabteilungen können z.T. die 
alten Stammunterschiede benutzt werden, ferner die laut- 
lichen Unterschiede zwischen harten und weichen Stämmen; 
außerdem kommt für die Maskulina 1 1 noch Ein- oder 
Mehrsilbigkeit des Stammes (Nominativs) in Betracht. 

Danach ergibt sich folgendes Schema, bei dem als 
Kennformen angegeben sind Nom. sg.. Gen. sg., Instr. sg., 
bei den Maskulinen außerdem Nom. pl. : 

I. Maskulina: 

A. hart: 

1. Nominativ sg. mehrsilbig: üdär üdära 

udärom üdäri 

2. Nom. sg. einsilbig: gräd gräda grädom 

grädovi 

B. weich, letzter Konsonant des Stammes: c c 

c (t Ij nj s st z zd, r (wenn gleich 
altem r): 

1. Nom. sg. mehrsilbig: grädic grädica 

grädicem grädic i 

2. Nom. sg. einsilbig: niäc mäaa mäcem 

mäcevi 



334 Flexion der Substantiva. [§ 572. 573. 

II. Neutra: 

1. alte o-Stämme, Nominativ sg. auf -o. -e\ 

A. hart: sllo sela selom 

B, weich: pölje pölja poljem 

2. alte konsonantische Stämme : 

A. Stamm -en-, Nora. sg. -e: pleme "plemen-a 

plemenom 

B. Stamm -et-, Nom. sg. -e: grne gfneta 

gfnetom 
III. Feminina: 

1. Nominativ sg. auf -a (alte «-Stämme): 

A. hart: iena zene zenöm 

B. weich: düsa düse düsöm 

2. Nom. sg. konsonantisch auslautend (alte i- 

Stämme): stvär stväri stvärju. 

5*73. B. Zur Bestimmung des Genus. Bei den 
Bezeichnungen lebender Wesen bestimmt sich das Genus 
im Skr. als maskulin oder feminin, wie in anderen indo- 
germanischen Sprachen, z, T. nach dem natürlichen Ge- 
schlechtsunterschied, z. B. täst m. Schwiegervater, sväst 
fem. Schwägerin, trotz der gleichen Form des Nominativs; 
kököt m. Hahn, kolcds fem. Henne. Doch ist mit dieser 
Bestimmung nicht viel gewonnen, denn bei Tiernamen 
wird nicht immer ein sprachlicher Unterschied in der Be- 
zeichnung des Geschlechts gemacht, z. B. Fisica fem. = 
Fuchs und Feh (daneben das männliche Tier auch lis 
und lisac), und viele männliche und weibliche Personen 
haben nicht maskulines oder feminines, sondern neutrales 
Genus, so die Deminutiva auf -e, z. B. cöbänce Hirt, dje- 
vöjce Mädchen. 

In gewisser Ausdehnung gibt die Form des Nom. sg. 
ein Erkennungsmittel des Genus. 

1. Neutra sind die Wörter mit Nom. sg. auf -o, -e, 
z. B. selo Dorf, pölje Feld, pleme Stamm, präse Ferkel. — 
Ausnahmen bilden die mask. hypokoristischen Personen- 
namen auf -0, -e {-je), z. B. Jövo, hero (Herzegoviner), Bozo^ 
Vladoje (s. § 438) und die Nom. ag. auf -lo (§ 371). 



§ 573—575.] Flexion der Substantiva. 335- 

2. Feminina sind: 

a) Die Wörter mit Nominativ sg. auf -a, z. B. iena 
Frau, £äba Frosch. — Einige, ursprünglich Abstrakta,. 
dann zu konkreten Personenbezeichnungen geworden^ 
werden als Maskulina behandelt, z. B. slüga (urspr. = 
Dienst, Dienerschaft) Diener, doch können Attribute noch 
in femininaler Form dazu gestellt werden. Über andere 
Mask. auf -a s. § 591. — döba (Zeit) ist indeklinabel, es 
wird als Neutrum behandelt, z. B. vecernje döba (nicht 
vecernjä) die abendliche Zeit. 

b) Die beiden Wörter mit Nominativ sg. auf -i: mati 
Mutter, h'i Tochter; Ijübi, Gattin, ist indeklinabel. 

3. Für die Masse der nicht unter 1. und 2. fallenden 
Wörter (es sind alle, die im Nom. sg. konsonantisch aus- 
lauten) ist aus der Nominativform das Genus nicht zu 
erkennen; man muß hier den Gen. sg. heranziehen. Alles, 
was die Genitivendung -a hat, ist maskulin, z. B. böb boba 
Bohne, kämen kämena Stein; alles, was die Endung -i hat, 
ist feminin, z. B. stvär stväri Sache, milöst niUosti Gnade,. 
jesen jeseni Herbst. 

5*74. C. Numeri. Die alte Dreiheit: Singular, 
Plural, Dual, ist in älterer Zeit lebendig. Heute ist der 
Dual nur in einzelnen Formen bei einzelnen Wörtern er- 
halten, außerdem steht bei den Zahlen 2 — 4 der gezählte 
Gegenstand, wenn das Wort mask. oder neutr. ist, im 
Dual (s. § 665 fg.). 

575. D. Bestand der Kasus. — Singular. Be- 
Avahrt ist ein alter Bestand von sieben Kasusfunktionen: 
Nom., Gen., Dat., Akk., Instr., Lok., Vok. (so sind die 
Kasus angeordnet in den unten folgenden Paradigmen). 
Formal verschieden sind aber die Kasusfunktionen nur 
noch insoweit, als nicht schon urslavisch lautlicher Zu- 
sammenfall einst verschiedener Formen stattgefunden hatte, 
und nicht im Skr. selbst Ausgleichungen eingetreten sind. 
So können, abgesehen von Betonungsunterschieden, die 
nicht überall vorhanden sind, beim Maskulinum fünf ver- 



336 Flexion der Subetantiva. [§ 575. 

schiedene Formen hervortreten: n.-a. gräd, g. gräda, d. grädu 
(lok. grädu), i. grädom, v. gräde\ beim Neutrum vier: 
n.-a. selo, g. sela, i. se^om, dat.-lok. selu; beim Femininum 
auf -a fünf: n. iewa, g. iewe, dat.-lok. ieHi, i. zenöm, 
y.ieno, beim Femininum Kl. III 2 (§572) drei: n.-a. stvär, 
gen.-dat.-vok. stväri (lok. stvdri), i. stvärju, wenn der Instr. 
s/mn lautet, nur zwei. Wenn unter solchen Verhältnissen 
doch das Gefühl für die funktionelle Verschiedenheit 
gleichlautender Kasusformen bewahrt wird^ so beruht es 
darauf, daß der lautliche Zusammenfall nicht in allen 
Deklinationsklassen gleich ist, z. B. hat eine Form stväri 
bald die Geltung von £ene (Gen.), bald von Mni (Dativ), 
bald von zenöm (Instr.); stvär bald die von zena (Nom.), 
bald von zenu (Akk.). Derselbe Fall wiederholt sich in allen 
Sprachen mit ähnlichen Verhältnissen, die Sprechenden 
bewahren die Unterschiede formal vollständiger gebliebener 
Formenreihe auch für die unvollständig gewordenen. 

Mit allen slav, Sprachen hat die skr. die Eigentüm- 
lichkeit gemeinsam, daß bei den Bezeichnungen 
lebender Wesen (Mensch oder Tier) mask. Generis 
der alte Akk. sg. durch den Genitiv vertreten wird, 
z. B. müz Mann, gen. u. akk. müza; jelen Hirsch, gen. u. 
akk. jelena. 

Plural. Beim Maskulinum können (abgesehen von 
Betonungsunterschieden, z. B. n. pl. jünäci, vok. jünäci) 
vier Formen unterschieden werden: nom. -vok. udäri (zu 
Mär Schlag), g. üdärä, a. üdäre, dat.-instr.-lok. üdärima. 
— Beim Neutrum fallen von Haus aus Nom. und Akk. 
zusammen, daher hier nur drei Formen: n.-a. sela, g. seid, 
'dat.-instr.-lok. selima. — Im Feminin war schon urslavisch 
der Nom. durch den Akk. ersetzt, es hat im Skr. nur drei 
unterschiedene Formen: n.-a. zene, g. zenä, dat.-instr.-lok. 
Jenama; stväri stvdri stvdrima. — Der Zusammenfall des 
Dativs, Instrumentalis, Lokativs und die Genitivform auf 
-ä sind die auffallendsten Eigentümlichkeiten der skr. 
Deklination. Die Genitivform auf -ä hat auch das Slo- 
venische, aber nicht in derselben Ausdehnung, den anderen 



§ 575. 576.] 



Flexion der Subatantiva. 



337 



slav. Sprachen fehlt sie. Wenn man bei der Form auf 
-ma dativische, instrumentale, lokativische Anwendung 
unterscheidet, so geschieht das in Anlehnung an die ge- 
schiedenen Formen des Singulars. 

Dual. Über die erhaltenen Reste s. § 596. 



Paradigmata. 

STO. Der Vergleichung und der historischen Be- 
trachtung wegen sind neben die serbokroatischen Para- 
digmata die altbulgarischen gestellt. 

I. Maskulina. 
A. Harter Stamm. 



1. Nom. sg. mehrsilbig 



skr. 




abg. 


skr. 


abg. 


Sg. Mär 




udar^ 


gräd 


grad^ 


üdära 




udara 


gräda 


grada 


ädäru 




udaru 


grädu 


gradu 


udär 




udarh 


gräd 


gradh 


udärom 




udaromb 


grädoni 


gradomb 


"adäru 




udare 


grädu 


grade 


udare 




udare 


gräde 


grade 


PI. üdäri 




udari 


grädovi 


gradi (gradove) 


üdärä 




udar^ 


gradövä 


gradi (gradovi) 




( dat. 


udaromh 




( gradorm 


üdärima 


\ instr. 


luiary 


grädovima 


\ grady 




'^ lok 


udarechh 




^ gradechh 


üdare 




udary 


grädove 


grady 



2. Nom. sg. einsilbig 



Die Stammauslaute k, g, h gehen vor dem -e des 
Vokativs in c, i, s über, vor dem -i des Nom. pl. und 
dem der Endung -ima in c, z, s, z. B. jimak : jünäce, ju- 
ndci (Vok. jünäci), jundcima; biljeg Kennzeichen : biljeze, 
blljezi, biljezima; sirömah Armer: sirömase, siromasi, siru- 
masima. 

L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. 22 * 



338 



Flexion der Substantiva. 



[§ 577—579. 



577. 



B. Weicher Stamm. 



1. Mehrsilbiger Nom.sg. : 
grädiö, Dem. zu {/räd Burg 



skr. 
Sg. grädic 
grädica 
grädicH 
grädiö 
grädicem 
grädicu 
grädicu 



abg. 
gradistb 
gradista 
gradistu 
gradistb 
gmdisiemb 
gradisti 
gradistu 



2. Einsilbiger Nom.sg.: 
viac Schwert, abg. mbcb 



PI. grädici gradisti 
grädföä gradistb 

( gradisteim 
grädiöima ^ gradisti 

^ gradistich^ 
grädiöe gradiste 



skr. 
mäc 
mäca 
mäcu 
mäc 
mäcem 
mäcu 
mäcu 



abg. 
mhch 
mbca 
mbcu 
mbcb 
mbcemh 
mbci 
mbcu 



macevi mbci 

macevä mbcb 

( mbcem^ 
mäcevima -^ mbci 

^ mbciclvb 
mäceve mbce 



Die Flexion der weichen Stämme ist unterschieden 
von der der harten durch -u im Vok. sg. (doch s. §580); 
durch e statt o im Instr. sg., mäcem (vgl, grädom), doch s. 
§ 579; durch -ev- im Plur.der Einsilbler, mäcevi (yg\. grädovi). 

578. Bemerkungen zu den Paradigmata der 
Maskulina. I. Zum Singular. 

1. Alle Bezeichnungen lebender Wesen masku- 
liner Form (vgl. §591) ersetzen den alten Akk. sg. durch 
den Genitiv, z. B. jünak Held, gen. u. akk. junäka; Irät 
Bruder, gen. u. akk. bräta; köaj Pferd, gen. u. akk. Jconja. 

579. 2. Übergang weicher Stämme in die 
Form der harten. Die ursprünglich auf -rb (= -rjb) 
auslautenden Wörter behalten entweder die lautlichen 
Eigentümlichkeiten der weichen Stämme oder gehen, da 
r im Skr. früh entpalatalisiert ist, in die der harten über, 
z. B. gospödär (Herr = gospodarb) vok. göspodäru und 
gbspodäre, instr. gospjoddrem und gospodürom; doch immer 



§579-582.] Flexion der Substantiva. 339 

cärou (= cesaremh, zu cur = cesarb). Bei den übrigen 
altpalatalen Stämmen hält die Schriftsprache im Instr. sg. 
-em fest bei den wenigen Wörtern auf -st, -M: pläst 
(Mantel) pldstem, dazd (Regen, lokal, gewöhnlich Msa) däzdem, 
und bei den Nomina agentis auf -teljb: pnjatel) Freund 
frljateljem, ucitelj Lehrer üciteljem. Bei zec Hase (aus zajech) 
und Jei Igel ist -om stehend geworden: zecom, jeiom. Im 
übrigen schwankt der Gebrauch, z. B. hqjez Dieb : lüpezem 
und -om, mjesec Mond : mjesecem und -om. 

580. 3. Vokativ sing. Die auf altes c (= ursl. c) 
z (= ursl. d'z), ausgehenden Stämme bilden von alters 
her den Vok. auf -e und behalten ihn im Skr.; c wird 
dann zu c, z zu i, z. B. othch otbce, skr. dtac öce; proshcb 
prosbce, skv.prdsac (Freiwerber, eig. «Bitter» )^rösf'e; khnedzb 
{kbn§zb) k^neze, skr. knez kneze; vitedzb (vitpb) vitese. skr. 
vltez (Held) viteze. 

581. 4. Es gibt eine große Anzahl mask. Personen- 
namen, teils Eigennamen, teils Appellativa (s. §371) mit 
Nom. sg. auf -o und -e {-e, -oje, -ije), sowohl einheimische 
wie aus fremden Namen umgebildete, darunter viele Hypo- 
koristika (s, §438), z.B. sinko Söhnchen (zu sm), pröfo (zu 
prötopop Erzpriester), pobro (zu föbraiim Wahlbruder), 
gdtalo Fabulant, Marko, Mänöjlo Emanuel, Gavrilo Gabriel, 
Büro Georg, Jovo Johannes; Börde Georg, Täde Thaddäus, 
Miloje, Väsilije Basilius; pobre = pöbro. Dazu kommen 
einige Tiernamen, z. B. zelenko Apfelschimmel, äogo 
Schimmel. Die übrige Flexion ist je nachdem die von 
udär oder von grädic, gen. Büra, pröta usw., doch ist der 
Vokativ, abgesehen von etwaigen Betonungsunterschieden, 
dem Nominativ gleich. 

583. IL Zum Plural. 

1. Die Wörter brät Bruder, gospbdin Herr, ersetzen 
den Plural durch eine singularische femininale Kollektiv- 
bildung, flektiert nach Kl. III: bräda, gosjyöda. Dasselbe 
ist möglich bei vlastelin Adliger, vlastela (daneben Plur. 
vasteli). 

22* 



340 Flexion der Substantiva. [§ 582. 583. 

2. Die Völker-, Einwohner-, Klassennamen auf -in 
verlieren dies Formans im Plural, z. ß. Rhnljanin Römer : 
Blmljani, grädanin Bürger : grcuiäni, dvbranin Höfling : dvö- 
rani, Srbin Serbe : Srbi, Tiircin Türke : Türci (eig. Plur. zu 
Türak gen. Tiirka). 

3. Zu cövjek Mensch dient als Plural der alte mask, 
i-Stamm l'udbje, skr. n.ljüdi, gen.ljüdi, d.-i.-l. Ijüdima, a.ljüde. 

5S3. 4. Die Plurale mit -ov-. Im allgemeinen 
gilt, daß der Gebrauch sich wesentlich nur erstreckt auf 
zweisilbige Stämme oder, was für die Praxis auf dasselbe 
hinausläuft, auf Wörter, die im Skr. einen zweisilbigen 
Gen. sg. haben, also im Nom. sg. entweder einsilbig sind 
oder zweisilbig mit beweglichem a (= ^, h). Doch ist der 
Gebrauch nicht bei allen solchen regelmäßig durch- 
gedrungen, so z. ß. immer kdnji (zu ko7ij), nicht kdnjevi; 
gnjesi, in der Regel nicht grehovi (zu grljeh Sünde); päs 
Hund:p.sJ, ^jrs^ Finger : pj'&^t. Die Völkern amen wie Säsi^ 
Prüsi, Öesi scheinen -ov- zu vermeiden. Bei vielen sind 
Plurale mit und ohne -ov- gebräuchlich, z. B. btac : öd, 
öcevi, svekar Schwiegervater : svekri, svekrovi, süzavj Ge- 
fangener : süznji, suznjevi ; andere haben wieder ausschließ- 
lich oder fast immer die -ov-Form, z. B. övan Widder : 
dv7iovi, vepar Eber : veprovi, cär : cärevi, müz : müzevi, pop : 
fopovi, grob Grab : grbhovi, bröj Zahl : bröjevi, snöp Garbe : 
snöpovi, pösao Geschäft :^os?o?;i, zec }isise:zecovi zecevi. Ganz 
bestimmte Regeln lassen sich bei dem öfter schwankenden 
Gebrauch nicht geben. — Viel weniger tritt -ov- ein bei 
dreisilbigen Stämmen, z, B. sökö Falke (gen, soköla) : sokö- 
lovi; mit einer gewissen Vorliebe bei den Wörtern mit 
der Betonung " " und fester Länge der zweiten Silbe im 
Singular, z. B. gävrän (gen. gävränd) : gävranovi und gävräni, 
gölüb Taube : gölubovi, vUez Held : vltezovi, läbüd Schwan : 
läbudovi, jästrijeb (jästreb) Habicht : jästrebovi, pröcijep 
Kloben : pröcjepovi, neräst Eber : nerastovi, slucaj Begeben- 
heit : slücajevi und slücäji u. a. (vgl. Mar. § 139, S. 140). 
— Mehr als dreisilbige Stämme brauchen den Plural mit 
-ov- nicht. 



§ 584. 585. 



Flexion der Substantiva. 



341 



584. 5. Zum Genitiv pluralis. Vor der Endung 
-ä hat der Stamm stets die Gestalt, die er haben würde, 
wenn das -ä nicht vorhanden wäre, d.h. vor dieser Endung 
können nur stehen einfache Konsonanten oder die Gruppen 
st, zd, st, M (vgl. § 113), alle anderen Konsonantengruppen 
sind durch ein aus altem ö, h entstandenes oder ein- 
geschobenes a geschieden; das gilt von sämtlichen Gen.pl. 
auf a, also auch vom Neutrum und Femininum, z.B. mask. 
lonac Topf n. pl. lönci, gen. pl. lönäc-ä-, trgovac Kaufmann, 
n. -pl. trgövci, gen.pl. irgoväc-ä; Neutrum sünce Sonne, gen. 
pl. sünäc-ä; fem. ovca Schaf, gen. pl. ovdc-ä; sestra Schwester, 
gen. pl. sestdr-ä. — Bei einigen Maskulinen der alten i- 
Klasse hat sich der alte Gen. auf -i erhalten (aus -ijb, so 
und -hjb abg.): Ijüdi (s. §582.3); gost Gast gen. gösta (alt 
gosti) : gdsti; püt püta Weg (abg. pqtb pqti):püii, doch ge- 
wöhnlich 'pütä; crv crm Wurm (abg. crvb crvi):crvi; nokat 
nökta Nagel (abg. nogofb noghii): nöldi und noJcdtä. Diese 
Endung ist dann auch übergegangen auf Wörter, die ur- 
sprünglich nicht 7A1 dieser Klasse gehören: 2^^'st Finger: j}rsti; 
nijesec Mond: mjeseci neben injesecä; sdhaf (türk.) Stunde: 
sahdti und sahdtä. Über Gen. pl. wie kdstijü, gdstijü s. § 596. 

II. Neutra. 

585. 1. Die alten o-Stärame. 



A. Harter 


Stamm, 


B. W^eicher Stamm, 


Nom. 


?g. -0 




Non 


1. -e 


skr. 




abg. 


skr. 




abg. 


Sg. seh 




selo 


pölje 




pole 


sela 




sela 


pölja 




pol'a 


selu 




selu 


pölju 




pol'u 


selo 




selo 


pölje 




pol'e 


selom 




selomb 


pöljem 




pol'emb 


selu 




sele 


pölju 




pol'i 


PI. sela 




sela 


pdlja 




pol' a 


seid 




seh 


pöljä 




pol' b 




( 


seloim 




r 


jjol'em^ 


selima 


i 


selij 


poljima 


\ 


2)ol'i 




K 


selech^ 




\ 


pol'icln 


sela 




sela 


pblja 




pol'a 



342 



Flexion der Subgtantiva. 



[§ 585—588. 



Vor dem -ima des Dat.-Instr.-Lok. pl. wandeln sich 
1c, g, h in c, z, .s, wie beim Mask. (s, § 576). 

586. Bemerkungen zu den Paradigmata 
dieser Neutra. 

1) Der Unterschied zwischen harten vmd weichen 
Stämmen besteht hier nur im Instr. sg., dort -om, hier 
-em\ möre Meer hat mörem wegen des urspr. r (more). 

2) öko Auge, üho Ohr, plcce Schulterblatt haben als 
Plurale die alten Dualforraen: öci usi (gen. öcijü und öc?, 
nsijü und üsi, dat.-lok.-instr. dcima, nsima); pleci (gen. jjZeJ?) 
neben pleca {gen. pleöä). Diese Formen werden als Femi- 
nina behandelt, z. B. mdje öci meine Augen, siröke pleci 
breite Schultern. Die gewöhnliche neutrale Pluralform öka 
üha wird gebraucht bei übertragener Bedeutung {öka z. B. 
Brückenbogen, iiha Henkel). 

3) Über die Form des Stammes im Geu.pl. s. §584. 

58T, 2. Die alten konsonantischen Stämme. 

A.Stamm ani-en-, Nom.-e: 
2)leme Stamm 



skr. 
Sg. ^;/e;ne 
plemena 
plemenu 
pleme 
plemenom 
plemenu 



abg. 
pleme 
pilemene 
plemeni 
pleme 
2)lemenhmh 
plemene (-i) 



PI. ptlemena plemena 

plemönä plentern 

f pilemenhmo 
plemenima -l plemeny 

l plementchi 
plemena 

Bemerkungen. 



plemena 
588. 



B. Stamm auf 


-et-, Nom. -e 


gfne 


dem. Topf 


skr. 




abg. 


ghie 




grne 


ghieia 




grn^te 


grnetu 




grneti 


grne 




grne 


grneiom 




grnetbmh 


grnetn 




grncte {-i) 


grneta 




grneta 


grnetä 




91^^^^ 




( 


grnethmh 


grnetima 


{ 


grnetij 




y. 


grnethcla 


grneta 




grneta 



1) Das Paradigma grne ist 



gewählt worden, um die Möglichkeit der Vergleichung mit 
einem slavischen ^^'ort zu haben und den Plural bilden 



§ 588. 589. 



Flexion der Substantiva. 



343 



zu können. Dieser ist nur gebräuchlich von Bezeichnungen 
lebloser Dinge, meist Fremdwörtern, z. B. dügme (Knopf), 
pl. dugmeta (gen. ditgmetä, Ak. Wb.); tdne Kugel : taneta. 
Die Namen Lebender, so die Deminutiva auf -e, -ce 
(s. §§ 426, 427), ersetzen den Plural durch singularische 
femininale Kollektiva: dijete Kind gen. djeteta : pl. djeca 
{=*deibca), tele Ka.\h :teläd; zdrljebe Füllen gen. Mrebeta : 
zdreMd; Bugarce junger Bulgare : Bügarcäd. 

2) Der alte o-Stamm drvo (in der Bedeutung «Baum») 
entlehnt die Kasus von einem -ei-Stamm, gen. drveta usw., 
pl. drveta; ebenso können jdje 'Ei,püce Knopf, uze Seil neben 
gen. jäja, püca^ üza auch bilden jdjeta, püceta, üzeta usw. 

3) Ein Rest der alten konsonantischen s-Stämme ist 
erhalten in den Pluralen von endo Wunder, nebo Himmel, 
tljelo hoih -.cudesa (neben cüda), nebesa, tjelesa (neben tijela); 
ferner von kölo : kolesa in der Bedeutung- «Räder». 



III. Feminina. 
589. 1. Nom. sg. auf -a (ä-Stämme). 





A. Harter 


Stamm, 


B. Weicher Stamm, 




sena 


Frau 


düsa 


Seele 




skr. 




abg. 


skr. 




abg. 


PI. 


zena 




zena 


düsa 




dusa 




zene 




zeug 


düse 




duse 




zeni 




zene 


düsi 




dusi 




zenu 




zenq 


dum 




dusq 




zenöm 




zenojq 


düsöm 




ditsejq 




zeni 




zene 


düsi 




dusi 




zeno 




zeno 


düso 




duse 


Sg. 


zene 




zeny 


düse 




duse 




zenä 




zem 


dum 




dush 






f 


zenmm 




( 


dusarm 




ienama 


< 


zenami 


düsama 


dusami 






V 


zenacla 




dusacho 




zene 




zeny 


düse 




duse 




zene 




zeny 


düse 




duse 



344 Flexion der Substantiva. [§590—592. 

590. Bemerkungen. 

1) Vor dem i des Dat.-Lok. sg. gehen h, g, h in c, 
z, s über, z. B. 7'üka Hand : rüci, nbga Fuß : nbzi, snalia 
Schwiegertochter : snasi. Doch pflegt die Wandlung zu 
unterbleiben bei den Konsonantengruppen ik, ck, zg, z. B. 
tetka Tante : IHM (doch auch teci), mäcka Katze : muckt, 
mäzga Maultier : mäzgi. Personennamen und Hypokoristika 
lassen den Guttural unverändert, z. B. Lüka : Lüki, seka 
(hyp. zu sestra Schwester) : se'Äi. In der gesprochenen Rede 
ist die Neigung zur Beibehaltung des Gutturals, der ja in 
allen anderen Kasus unverändert bleibt, auch sonst stark 
verbreitet, z. B. slüga Diener : slügi, snaha : snähi, rijeka 
Fluß : rijeki. 

2) Die in einigen Gegenden verbreiteten femin. Hypo- 
koristika auf -e im Nom. und Vok., z. B. Steine (Vok. 
Stäne), flektieren in den anderen Kasus wie iena. 

591. 3) Maskulina fem. Form sind: glnsdnosay^ach- 
richtenbringer, knjigdnosa Briefträger, mladbzenja Bräutigam, 
pbglavica Oberhaupt, pöturica Vertürkter, slüga Diener, vlä- 
dika (urspr. Herrscher) Bischof, vöjvoda Heerführer, vgl. auch 
§ 367 A; dazu Fremdwörter, z. B. kälfa (türk.) Gesell, 
härambasa (türk.) Räuberhauptmann, und andere Zusammen- 
setzungen mit -basa; ferner namentlich die aus türkischen 
Wörtern auf -li, -dzi, -ei umgebildeten, z, B. delija Krieger, 
meliändzija Gastwirt, tufekcija Büchsenmacher, s. § 548. 
Der Gen. sg. vertritt hier nicht den Akk., vgl. § 578. 

592. 4) Zum Vokativ sing. (vgl. Mar. § 168fg.). 

a) Die zweisilbigen ursprünglich weichen Stämme 
haben die alte Endung -e ganz aufgegeben und -o von 
den harten angenommen: düso. 

b) Die drei- oder mehrsilbigen mit Formans -ica be- 
wahren meist -e, z.B. drugärica Genossin.: drngärice, können 
aber auch -ico haben, z.B. ddmenicol Abtrünnige! 

c) Personenbezeichnungen, die Eigennamen fast durch- 
weg, aber in der Regel auch die Appellativa, verwenden 
die Nominativform als Vokativ, z. B. Märija, Stäyiislava, 
Jelena, bdba Großmutter, tetka Tante, vöjvoda (und vojvodo). 



§ 592—595. 



Flexion der Substantiva. 



345 



vlädika. Indes haben die zweisilbigen Hj^pokoristika mit 
Akzent ' (nach Viiks Akzentuierung) im Vokativ -o, z. B. 
SiAna : Stäno, Cvijeta : Cv'ijefo, Rüza : Rüzo. Ferner können 
die zweisilbigen Namen auf -ka auch die alte regelmäßige 
Form -e haben, z. B. Milica : Milica und Milice. Ganz 
feste Bestimmungen lassen sich bei dem vielfachen 
Schwanken nicht geben. 

593. 5) Über die Form des Stamm.es im Gen. pl. 
auf -ä s.§584. — Es besteht eine Neigung, im Genitiv 
pluralis die Endung -t der i-Feminina (s. das folgende 
Paradigma) dann zu entlehnen, wenn der Stamm auf Kon- 
sonantengruppen auslautet, die bei der Bildung auf -ä ein 
aus altem ^, h entstandenes oder eingeschobenes ä erfordern. 
So würde z. B. der regelmtäßige Genitiv pl. von vojska 
lauten vojsdJcä, von tuzia Klage tiiiäbä, von svjedodiha 
(= s^vedocbba) Zeugnis svjedoeäbä; statt dessen wird ge- 
braucht: vojskt, tüzhi, svjedodibi (vgl. Beispiele aus Vuks 
Schriften bei Maretic, S. 171 ; Ivekovic, Drugi padez mnozine 
s nastavkom i u imenica zenskih usw. [Rad 162, S.186]). 
Die ^-Form wird hier vorgezogen, um die starke Differenz 
der Genitivform von den anderen Kasus zu vermeiden. 

594. 2. Konsonantisch auslautender Nom. sg. 
(für altes / tritt o ein, misao = imsal aus myslb), alte i- 
Stämme : 



Sg. 









stvär 


Din 


rr 






skr. 






abg. 






skr. 


abg. 


stvär 






tvarb 




PI. 


stväri 


tvari 


siväri 






tvari 






stväri 


tvarijb 


stväri 






tvari 








t tvarbim 


stvär 






tvari) 






stvdrima 


1 tvarbmi 


stvärju 


{stvär 





ivarbja ( 


■ijq) 






trarbdvh 


siväri 






tvari 






stväri 


tvari 


stväri 






tvari 











595. Anhang zu Klasse III. Von den beiden alten 
femininalen r-Stämmen ist maier- in die Deklination von 
III 1 übergetreten, mit Ausnahme des Nom. sg, mäii (so 



346 



Flexion der Substantiva. 



[§ 595. 596. 



auch der Vok.) und des Akk. sg. mäfer; *d^kfer- abg. d^s^er-, 
skr. kcer-, in die von 1II2 mit Ausnahme des Nom.sg. k6i. 



skr. 


abg. 


skr. 




abg. 


Sg. mati 


mati 


kci 




d^sti 


mätere 


mätere 


kceri 




dzsiere 


mäferi 


maferi 


kceri 




dhsteri 


mäter 


materb 


kcer 




d^sterb 


mäteröm 


materbjq 


kcerju 


{köeri) 


dzsterbjq {-ijq) 


mäteri 


mätere 


kceri 




d^stere 


mati 


mati 


kceri 




dhsti 


PI. mätere 


materi 


kceri 




d^steri 


niäterä 


ynater^ 
i materwm 


kceri 


[ 


d^ster^ 
d^sterbm^ 


mäterama 


^ materbmi 
materbchb 


kcerima \ 


chsterbmi 






l 


dhsierbchh 


mätere 


materi 


köeri 




d^steri 



596. Die Reste des Dualis. 
Über die Entstehung des Dat.-Instr.-Lok. pl. auf -ima, 
■ama aus dem Dual s. § 729. 

Die altbulgarische Gestalt des Duals: 





mask. 0- 


5tamm 


neutr. 


O.Stamm 




hart 


weich 


hart 


weich 


n.-a 


grada 


mqza 


lete 


pol' i 


g--l- 


gradu 


mqzu 


letii 


jjol'u 


d.-i. 


gradoma 


mqzema 


letoma 


pol' ema 




fem. 


a-Stamm 


i- Stamm 




hart 


weich 








£e7ie 


dusi 


kosti 






senu 


dum 


kostbju (- 


ijii) 




zenama 


dusama 


kosibma 





Im Skr. wird Nom.-Akk. der Maskulina, der dem 
Gen. sg. gleichlautet, in alter Form angewendet nach den 
Zahlen dvä zwei, öba beide, tri drei, cetiri vier, z, B. dvä 



J 



§ 596—598.] Flexion der Substantiva. 347 

covjeka zwei Menschen, ebenso tri c., cetiri c. — Beim 
Neutrum ist die alte Form verloren gegangen, sie wird 
ersetzt durch die Maskulinform, öba öka beide Augen, 
dvä pölja zwei Felder (pl, pölja), tri sela drei Dörfer (pl. 
sela). Die Feminina stehen nach diesen Zahlen in der 
Form desNom.-Akk.pl., z.B. dvlje zene zwei Frauen, ohje 
rüke beide Hände; die als Femininina geltenden öci usi 
(Augen, Ohren) im alten Dual: öbje öci, obje usi. 

Der Gen. dual., empfunden als Plural, hat sich bei 
einigen Wörtern, die paarige Dinge bezeichnen, erhalten, 
zu nöga Fuß nogü, zu rüka- Hand rukü, zu öci usi : dcijü 
iisijü, "prsi Brust : prsijn (und prsi). Nach deren Muster 
ist die Endung weiter übertragen auf andere Wörter; kost 
Knochen : kostijü, kökös Henne : kokosijü, üs (väs) Laus : 
ilsijü; göst Gast: göstifü. 

Quantität der Endsilben, Wechsel der Haupttonstelle 
in der Deklination der Substantiva. 

597. Die gewöhnliche Darstellung des an sich 
schwierig zu behandelnden Wechsels der Haupttonstelle 
wird dadurch noch verwickelter, daß man die nach der 
Haupttonsilbe stehenden Längen (mit dem Zeichen ") oder 
gelegentlich vorkommende Wechsel von Länge und Kürze 
in der Kasusreihe als Betonungsverhältnisse mitrechnet. 
Hier soll das auseinandergehalten und unter Akzentwechsel 
nur verstanden werden die verschiedene Lage des Haupt- 
tons innerhalb der Kasusreihe. 

598. I. Die Quantität der Endsilben. 

Lang ist bei allen Wörtern die letzte Silbe des Gen. 
plur., einerlei ob sie auf -ä, -i oder -u endet, z. B. zenä 
(zu iena), stväri (zu stvär), öcijü rukü (zu öko rüka). Lang 
ist ferner die jetzt vorletzte (einst letzte) Silbe des Genitivs 
auf -ä, der Vokal also, wenn er von Haus aus kurz war, 
gedehnt, z. B. selo : selä, j^olje : pölja, zena : iewä, pleme : ple- 
menä, mäti : mäterä, gräd pl. grädovi : gradovä, mäc pl. mäcevi : 
mäcevä. War der Vokal im Skr. aus einer alten Länge 
verkürzt, so wird er wieder gedehnt, z. B. grädic : grädiöä. 



348 Flexion der Substantiva. [§598—600. 

Hat die letzte Silbe des Stammes jekavisches je (aus e), 
so entspricht die Delmiing nicht altem i, das jekavisch 
je ije ergäbe, sondern es wird zu je gedehnt, z. B. djed : 
djedä, Ijeto : Ijefä, vjera : vjerä. Weitere Längen sind die 
Endung des Gen. sing, und des Instr. sing, der «-Femi- 
nina, z. ß. iena : zene zenom. Alle anderen Endungen 
(diesen Ausdruck so verstanden, wie § 571 auseinander- 
gesetzt) sind kurz. 

599. II. Wechsel der Haupttonstelle. 

Die Literatur über die Betonung der Deklinations- 
formen ist § 211 mit angegeben. 

Bei der Bestimmung ist auszugehen von der älteren, 
nicht verschobenen Haupttonstelle, da ja jetzt im 
Skr., z. B. n. nöga akk. nogu, n. düsa akk. düsu, der Nom. 
und der Akk. die gleiche Haupttonstelle, nur verschiedene 
Intonation haben, während jener urspr. noga^ dieser imga 
lautete. Weil alte Endbetonung beim Mask. im Nom. des 
heutigen Skr. nicht immer unmittelbar kenntlich ist, muß 
hier vom Gen. sg. ausgegangen werden, z. B. zu kbnj vom 
Gen. kbnja = hona, zu jimäk von jundka = junäka. 

Es kann nicht gelingen, überall zweifellose Angaben 
zu machen. Die Grammatiker weichen nicht selten unter- 
einander ab, so unterscheiden sich z. ß. die Schemata bei 
Pavic (Rad 59) öfter von den Aufstellungen Budmanis. 
Außerdem ist die Betonung nicht auf dem ganzen Sprach- 
gebiet gleich. Den Versuch, alle zweifelhaften Fälle zu 
erfragen, habe ich aufgeben müssen als undurchführbar. 
Dazu müßte man im Lande leben, und zwar der Einheit- 
lichkeit und Folgerichtigkeit wegen im Gebiet der Mund- 
art, die Vuk der Schriftsprache zugrunde gelegt hat. 

Wechsel der Haupttonstelle, der, wie ausdrücklich 
hervorgehoben sei, nichts zu tun hat mit der späteren skr. 
Verschiebung der Haupttonlage, findet in folgenden 
Fällen statt: 

600. 1. Vokativ. Alle Substantiva mit ursprüng- 
licher Endbetonung, also jetzt mit Akzent ' oder ' auf 
der vorletzten Silbe (d. h. beim Mask. des Gen. sing.). 



I 



§600.601.] Flexion der Substantiva. 349 

haben im Vok. sing, den Hauptton als ' oder " auf der 
ersten Silbe, z. B. Maskulina (mit Angabe des Nom. 
und des Gen. sg.): könj konja : könju, krälj krcilja : krälju, 
sökö sokola Falke : sökole, öräc oräca Ackersmann : öräcu, 
jünäk junäka : jünäce, kdsac kösca Schnitter : kösce, ski'qmc 
sküpca Geizhals : sküpce, brao orla Adler : örle, cövjek 
covjeka : cövjece; 2)0)nö6nik ])omocnika Helfer : pbmocnice, 
sinbvac sinovca Bruderssohn : sinövce, inostränac inostränca 
'Fvemdev : hiostränce, hjegünac hjegünca FKichtling ibjegmice; 
pobro pöbra Wahlbruder : pöhro, Mirko Mirka : Mirko. 
Feminina (und Mask. auf -a): sestra : sestro, zena : zhio, 
slüga : slügo, vila : vllo, Stäna : Släno ; Ijepöta Schönheit : Ijepoto, 
siröfa Waise : slroto. — Daß auch im Vokativ plur., der 
lautlich dem Nom. pl. gleichlautet, dieselbe alte Zurück- 
ziehung des Haupttons stattgefunden hat, ist wahrschein- 
lich, steht aber nicht ganz fest; Budmani §88.2 gibt sie 
als allgemeingültig an, z.B. nom. kdnjiikdnji, kräljiikrälji, 
soköli : sökoli, sinovci : sinövci; zene : zene, siröte : slrote. 
Andere Grammatiker führen diese Betonung nicht bei 
allen Wörtern durch. Bekannt ist Vok. jünäci zu Nom. 
pl. jundci. 

601. 2. Lokativ sing. mask. der Klasse I und 
der Lok. sing. fem. der Kl. III 2. Wörter dieser Klassen, 
die alten fallenden Ton auf der ersten oder letzten Silbe 
haben — bei ursprünglicher Kürze des Vokals dehnen sie 
den einsilbigen Nominativ, vom mehrsilbigen Stamm dessen 
letzte Silbe, s. §§226,227 — verlegen im Lok. sing, den alten 
Hauptton aufs Ende, haben also jetzt auf der vorletzten 
Silbe des Kasus den Akzent ' oder ': I z.B. (mit ange- 
geben sind Nom. sg. und zur Vergleichung der Dat. sg.): 
gräd grädu : grädu, hläd hlädu Kühle : hlddu, snyeg smjegu 
Schnee : snijegu; rög rogu Hörn : rdgu, led ledu Eis : ledu; 
obläk öbläku Wolke : obldku, öbicäj öbicäju Gewohnheit : 
obicdju, mjesec mjesecic Mond: tnjesecu; kämen kämenu Stein : 
kamenu, gövör gövoru Rede : govöru. Die Regel wird nicht 
befolgt bei den Bezeichnungen lebender Wesen (Mensch 
und Tier), z. B. drüg drügu : drügu, gölüb gölübu : golübu, 



350 Elexion der Substantiva. [§601-603.- 

djever djeveru: djeveru. — III 2, z.B. (auch hier der Dativ 
mit angeführt) njec ryeci Rede : rijeci, stvär stväri : stväri, 
mlsao mtsU Gedanke : misli, kost kösti Knochen : kosti; pec 
peci Oien:pe6i\ öbläst oblästi Macht : oöWs^t, lüdöst lüdosti : 
ludösti, zäpovijed zäpovijedi Befehl : zapovijedi. — Bei zwei 
Neutren alten zweisilbigen Stammes mit fallender Into- 
nation zläto Gold, meso Fleisch hat der Lok. Versetzung 
des Haupttons: zlätu, mesu (Budm. § 90. 2). Überhaupt 
ist die Zahl der mit " betonten Neutra sehr gering: plvo 
Bier, mlivo Mehl, üjesto Teig, siädo (und städo) Herde. 

Von mask. Substantiven mit alter steigender Kürze 
der Wurzelsilbe, die also, wenn ursprünglich lang, ver- 
kürzt sein muß, haben ebenfalls einige Verschiebung des 
Haupttons im Lok. sg. : cäs dat. cäsu Augenblick : cäsu, cot 
cötu Hügel : cotu, nügao nüglu Ecke : nüglu, nökat nbktu 
Nagel : ndktu, präg prägu Schwelle : prägu, prst prstu Finger : 
prstii, rät rätu Krieg : rätu, skup skiipu Haufen : skiipu, 
spiet spletu Haarflechte : sjjletu, vbsak vöshc Wachs : vösku, 
Vläh Vlälm : Vlähu (vgl. Pavic, Rad 59, S. 7). 

60S. 3. Plural von mask. Wörtern auf -ac 
(= -hch). In einigen wenigen Fällen ziehen Maskulina 
auf altes -öcö, skr. -ac, mit zweisilbigem (urspr. dreisilbigem) 
Nom. sg. und alter Endbetonung den Hauptton im Plural 
auf die erste Silbe zurück : köjiac Ende, Faden, gen. könca 
(so ist auch bei den folgenden der Gen. sg. betont); 
n. pl. Ä;öwci gen. fcöi^äca, dat. /roj^cma, a. könce; ebenso lötiac 
Topf^ ndvac Münze; länac Kette Idnca : n. pl. länci, gen. 
länäcä, dat. läncima, a. länce; vijenac Kranz vijmca: Fhw 
vijenci vijenäcä vljencima vijence; stenac junger Hund stenca : 
Plur. sienci stenäca sfencima stence. 

603. 4. Plural der Maskulina mit -ov-. 
A. Zweisilbige Stämme mit alter Länge bei fal- 
lender Intonation verkürzen bei der Pluralbildung mit 
■ov- den Vokal der ersten Silbe und haben im Nom. und 
Akk. den Hauptton als " auf der ersten Silbe ; die anderen 
Kasus haben Endbetonung, also jetzt den Akzent ' oder 
auf dem -ov-, z. B. sin : sinovi sinövä sinbvima slnove; 



I 



§603—605.] Flexion der Substantivs. 351 

drüg : drügovi drugovä drugdvinia drügove; dub 'EÄohe: dMovi 
dubovä duhdvima duiove (Ak.Wb.); krijes Johannisfeuer : 
kresovi Icresovä usw.; bübanj gen. sg. bühnja Trommel : 
biihijevi bubnjevä buhijevima buhijeve. Budmani§89.4 gibt 
diese Regel ganz allgemein; allein es steht nicht fest, daß 
sie bei allen gleichartigen Wörtern befolgt wird, es wird 
z. B. angegeben dh gen. sg. dijela : dijelovi (Vuk Wb. 
unter dijel, in Ragusa djelovi djelövä djelovima djelove Ak. 
Wb.); hier ist zwar die alte Haupttonstelle auf -ov- gelegt,, 
aber keine Kürzung eingetreten. 

604. B. Zweisilbige Stämme mit altem kurzem 
Wurzel vokal und fallender Intonation (im Nom. sg. der 
Vokal gedehnt) verschieben entweder durchgehend im 
Plural den Hauptton auf -ov-, z. B. bröd Furt, Schiff gen. 
sg. broda : brödovi brödövä brddovima brödove, oder Nom. u. 
Akk. pl. haben den Hauptton auf der Wurzelsilbe: brödovi 
brodove, die anderen Kasus Endbetonung, also jetzt ' oder 
' auf dem -ov: gen. hrodövä, dat. brodövima. — Über die 
Mehrsilbler kann ich nichts sicheres aussagen, jedenfalls 
werden bei Dreisilblern mit Betonung " " die Längen der 
zweiten Silbe verkürzt und Verschiebungen des Haupttons 
begegnen ebenfalls, z. B. vitez Held : vitezovi vitezovä vite- 
zövinia vltesove. 

605. 5. Dativ sing., Akkusativ sing., Nomi- 
nativ-Akkusativ plur. der a-Feminina. Ein Teil 
der Feminina auf a mit alter Endbetonung, also beutigem 
Akzent ' oder ' auf der vorletzten Silbe, hatte in einigen 
Kasus von alters her den Hauptton auf die erste Silbe 
verlegt; wenn diese kurz, hat sie daher den Akzent ', 
wenn lang, ". Was davon mit Sicherheit aufgezeichnet 
ist, sei hier angeführt (vgl. Budmani § 91). 

A. Zurückziehung des Haupttons hat statt- 
gefunden im Dat. sing., Akk. sing., Nom. -Akk. plur. 

a) Zweisilbler: vbda Wasser : vodi, vödu, vode (gleich- 
mäßig so bei allen folgenden), cela Biene, cöha (türk.) Tuch, 
däsJca Brett, djeca koll. Kinder, fäjda (türk.) Nutzen, glöba 
Geldstrafe, gora Berg, Wald, tgla Nadel, Igra Spiel, jägma 



352 Flexion der Substantiva. [§ 605—607. 

(türk., eigentl. Raub, na jagnm reißend schnell), kösa Sense, 
Haar, kdza Ziege, Idza Rebe, mägla Nebel, meda Grenze, 
mela Mistel, noga Fuß, rcta Rost, rosa Tau, smöla Pech, 
sdha Gabelholz, süza Träne, zemlja Erde, zöra Morgenröte, 
selja Wunsch; düsa Seele : dmi, düsu, düse (und so bei 
den folgenden), gldva Kopf, glävnja Feuerbrand, grdna Zweig, 
^reda Balken, ovca Schaf, peta Ferse, ruka Hand, sndga 
Stärke, srijeda Mitte, stijena Felswand, strätia Seite, vöjska 
Heer, vfba Weide (Baum), zma Winter. 

b) Mehrsilbler (nach Budmani §91b): die Bildungen 
auf -Ina, -bha, -öta, -ööa, z. B. velicina Größe : velicini, ve- 
licinu, velicine; sramöta Schande : srämoti, srämotu, srämote. 
Wenn die Regel durchsteht, ist das überhaupt die ganz 
überwiegende Mehrzahl der so betonten mehrsilbigen Fe- 
minina. Dazu noch gospbda koll. Herren : göspodi, gospodu ; 
topöla Pappel '• töpoli, töpolu, topole. 

606. B. Zurückziehung hat stattgefunden 
nur im Nom.-Akk. plur. : huha Floh: buhe, pävta {päfta, 
Fremdwort) Art Gürtel : ^^rJ/fe, stöjm Tritt, Fußlänge : .sYöpe, 
znuja Schlange : zmije; drüga Genossin : dräge, güja Schlange : 
güjej jda Tanne : jele, Jcüla Turm : küle, münja Blitz : münje, 
resa Kätzchen (an Pflanzen) : rese, rijeka Fluß : rijeke, slüga 
Diener : slüge, srna Reh : srne, sirijela Pfeil : strljele, trdva 
-Gras, Kraut : träve. 

607. 6. Dativ-Instrumental-Lokativ plur. der 
«-Feminina. Zweisilbige a-Feminina mit alter End- 
betonung und langer Wurzelsilbe, also jetzigem Akzent 
auf der ersten Silbe, verkürzen diese in den genannten 
Kasus: hrdda Bart : irädama, grdna Zweig : gränama, 
glävnja Scheit : glävnjama, rüka Hand : rükama, slüga 
Diener : slugama, strdna Seite : siränama, strijela Pfeil : stre- 
lama. Nach Budmani § 91.5 gilt das allgemein; andere 
Grammatiker (vgl. Pavic, Rad 59, S. 18) beschränken es 
auf einzelne Wörter. 

7. Wenn zweisilbige a-Feminina mit alter Endbetonung 
und langer Wurzelsilbe im Gen. pl. die alte Dualendung -ü 
•haben, wird die Länge verkürzt: rüka — rkkü, slüga — slügü. 



§ 608. 609.] Flexion der Substantiva. 353 

608. 8. Singular und Plural der Neutra. Nach 
einer alten Regel des Slavischen wechseln die zweisilbigen 
(seltener dreisilbigen) Neutra Kl. I (o-Stämme) die Haupt- 
tonstelle zwischen Singular und Plural: A. Singular 
endbetont, heutiger Akzent \ " auf der erstenSilbe, Plural 
wurzelbetont: bedro Schenkel : bedra, pero Feder \ pera, 
selo Dorf : sela, sedlo (urspr. dreisilbig sed^lo) Sattel : sedla, 
stcgno Schenkel : stegna ; vgl. russisch seh plur. sola. — 
B. Singular wurzelbetont (Akzent " oder ""), Plural 
endbetont (heutiger Akzent ' oder '): brdo Berg : hrda, 
drvo Baum : diva, jedro Segel ijedra, mäslo Schmalz : mäsla, 
pölje Feld : pölja, slövo Buchstabe (urspr. Wort) : slbva, 
zvono Glocke : zuöna, zito Getreide : slta; crljevo : crijha 
(crevo : creva) Darm, dryevo : drijeva (drevo : dreva) Baum, 
jäje Ei : jdja, meso Fleisch : mesa, sljeno Heu : sijena {seno : 
s^im). Vgl. dazu r. slovo : slova, pol'e : pol'a. — Ursprüng- 
lich mehrsilbig: jezero v^ee : jezera, koljeno Knie : köljetia, 
köpito Huf : köpita, grebhüste Krämpelstiel : grebent'sta; so 
sind ursprünglich dreisilbig: gövno Dreck : gövna (gen. 
pl. gbränä); drvce (= drbVhce) : drvca, klüpko Knäuel 
{=7= klqb^ko) : khlpka (gen. pl. klubdka). Vgl. dazu r. ozero 
: ozern. 

Auch die alten konsonantischen Neutra Kl. 112 ver- 
legen im Plural den Hauptton ans Ende. Die ew- Stämme, 
im Singular alle mit Hauptton " auf der ersten Silbe 
(ausgenommen den ^ om. vrijeme Zeit; gen. vrhnena):brhne 
bremena Last : bremena; ime Imena Name : imena; vrijeme : 
vremena. Bei den alten e^- Stämmen wird ebenfalls Ver- 
legung des Haupttons aufs Ende angegeben, z. B, tdne 
tdneta Kugel : tanefa, dügme dägmeta Knopf : dtigmeta, cebe 
■öebeta Kotze : cebeta. Die alten es-Stämme: nebo neba : 
nebesa, cüdo cüda Wunder : cudesa, tijelo fljela Leib : tjelesa, 
kolo köla : kolesa Räder. Vgl. russ. nebesa, ctidesa. 

609. 9. Von den alten fem. r-Stämmen hat mäti 
in allen Formen unveränderlichen Hauptton: gen. mätere 
usw.; köi im Gen. pl. kcen, also alte Endbetonung, in 
-den anderen Kasus ": Gen. sg. köeri usw.; wegen der 

L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. 2.3 



354 Flexion der Substantiva. [§ 609. 610. 

Stellung des Vokals vor -rj- (= altem -7-bj-) im Instr. sg. 
Dehnung des e: köerju (s. § 313). 

010. 10. Der Genitiv pluralis auf -a. Um die 

Betonung dieses Kasus zu verstehen, müssen einige Be- 
merkungen vorausgeschickt werden. 

a) Das -ä der Endung war in ältester Zeit überhaupt 
nicht oder nicht allgemein bei allen Deklinationsklassen 
vorhanden. 

b) Die ältere kürzere Form hatte lange Endsilbe, ent- 
Aveder als alte Länge oder als Dehnung einer Kürze. 
Diese Silbe war fallend intoniert. 

c) Trug die Endsilbe des alten kurzen Genitivs selbst 
den Hauptton, so wurde sie bei Antritt des -ä der späteren 
Form zu einer Mittelsilbe. Eine solche kann aber nach 
dem allgemeinen Gesetz, das fallende Intonation 
auf Mittelsilben verbietet (vgl. dazu § 289), den 
Hauptton nicht behalten, sondern er muß verschoben 
werden, entweder so, daß er auf die Endsilbe -ä gerückt 
wird, also den Auslaut des Kasus trifft, oder so, daß er 
auf eine vorangehende Silbe zurückgezogen wurde. Diese 
Verschiebungen haben nichts zu tun mit der 
späteren stokavischen Versetzung des Haupttons, 
sondern liegen vor ihr. 

d) Traf der Hauptton die letzte Silbe des alten kurzen 
Genitivs überhaupt nicht, so braucht sich durch Anfügung 
des -ä nichts zu ändern, denn die fallend betonte, einst 
letzte, jetzt vorletzte Silbe kann nach dem Hauptton un- 
behindert stehen. 

e) Zu beachten ist für die Quantitäts Verhältnisse des 
Gen. pl. im Verhältnis zu den anderen Kasus: wenn in 
diesen ein an sich kurzer Vokal vor den Lautverbindungen 
V, j, m, %, r, Z-f- Konsonant (s. §314) gedehnt ist, so tritt 
in der betreffenden offenen Silbe des Gen. pl. die Kürze 
wieder hervor, z, B. sünce : sünäcä, döjka Brustwarze : 
dbjäkä, stärac gen. sg. stärca : stäräcä, gövno : govänä. 



§611.] Flexion der Subetantiva. 355 

611. Nach diesen Grundsätzen stellt sich die Be- 
tonung des Gen. pl., abgesehen von einigen Anomalien, 
folgendermaßen dar. 

I. Wörter mit alter Endbetonung der Kasus 
haben im Gen. pl. ältere Endbetonung auf dem Auslaut 
-ä, d. h. jetzt den Akzent ' auf der vorletzten Silbe. Bei- 
spiele (mit angegeben ist Nom. sg., beim Mask. auch Gen. 
sg. und Nom. pl.): konj hönja kdnji : konjä, krälj krälja 
krdlji : krdljä, jünäk jicndka junäci : jundkä, pomdönik pomod- 
nika pomodnicilleUer : pomocnikä; kosac kosca kösci Schnitter: 
kosäcä, örao örla orli Adler : ordlä; — krilo Flügel : krüä; 
brda pl. zu brdo Berg (s. §608) :hrdä, pblja pl. zu pblje Feld: 
pöljä, jezero See pl. jezera-.jezerä; veslo Ruder : vesdlä, klupko 
pl. klüpka Knäuel : klubdkä, vreteno Spindel : vretinä; — 
zena : zdnä, düsa : dum, tetiva Sehne : tetivä ; sestra : sestßrä, 
gldvnja Scheit : glavdnjä (Verkürzung der ersten Silbe, weil 
sie mehr als eine Stelle vor dem alten Hauptton steht, 
§ 220), visina Höhe : visinä. 

An sich war eine Betonung *2enä als Fortsetzung 
eines alten zen durchaus möglich, vgl. z. B. zaba aus zäh 
zu zäba (Frosch). Es darf daher angenommen werden, 
daß die durchgehende oder vorwiegende Endbetonung der 
anderen Kasus die gleiche Betonung des Gen. pl. nach 
sich gezogen hat. Ebenso hätte das alte *junäk, aus 
diesem *junäkä, statt der Versetzung des Haupttons ans 
Ende, junäkä, durch Zurückziehung zu *jünäkä führen 
können. Dieser Weg ist in der Tat eingeschlagen bei 
einer größeren Anzahl von Wörtern mit beweglichem a: 
blizänak blizänka blizänci Zwilling : *bUzänäkä bUzanäkä, sinovac 
sinövca sinovci Neffe ; *sinöväcä shioväcä, kozälac (eig. Böck- 
chen; ein Pflugteil) kozälca oder kozaoca, kozälci oder ko- 
zaoci : *kozäläcä kozaläcä; sküpac sküpca sküpci Geizhals : 
*sküpäcä sküpäcä, sipak sipka sipci Granatapfel : *stpäkä 
sipäkä, bjegünac hjegünca bjegünci Flüchtling : *bjegünäcä 
bjegünäcä^ inostrdnac inostrdnca inostränci Fremdling : 
*inostränäcä inostränäcä, Novopazdrac -pazdrca -pazdrci : 
*Novopazäräcä Novopäzäräcä; rebärce Rippchen : *rebäräcä 

23* 



356 Flexion der Substantiva. [§611-614. 

rebaräcä (angegeben wird statt dessen rebäräcä),pismo Schrift: 
*pismnä plsämä, hrvno Balken : *hrväna brvänä (daß beide 
Möglichkeiten, Zurückziehung und Verschiebung aufs Ende, 
vorhanden sind, zeigt die Vergleichung von brväna mit 
Vraiälä zu Vrdtla — Plur. eines vrdflo; ein Gebirgsname — 
es hätte ebensogut *Vrätälä heißen können); vretence 
Spindelchen : ^vreUnäcä vretenäcä (angegeben wird vretenäcä, 
sulitnja fauler Kerl [Schimpfwort] : *sulltänja sulitänjä (nach 
Pavic, Rad 59, S.71). Daß tatsächlich eine Wahl zwischen 
Endbetonung und Rückziehung stattfinden konnte, zeigen 
Fälle wie ötac dca öd Vater : oiäcä und ötäcä. pösao j^ösla 
posli Geschäft : posälä und pösälä (s. Budmani, S. 39 Note c). 
61S. II. Dreisilbige Stämme mit Kürze der 
beiden ersten Silben und altem Hauptton auf der 
zweiten, also jetzt mit Akzent ' auf der ersten, verlegen 
im Gen. pl. den Hauptton auf die erste Silbe. Der Grund 
ist der §610c angegebene. Beispiele, Mask.: mmk ümika 
ünuci Enkel : ünükä, prbzor prözora prbzori Fenster : pro- 
zörä, üroci pl. Beschreiung : itrökä, krsöanin Christ pl. kr- 
söani : kfsöänä; mäc mäca pl. mäcevi Schwert : mäcevä; 
Neutra: köljeno Knie : köljenä, drzalo Handhabe, Stiel : dr"- 
sälä\ Feminina: grebulja Hacke : grebüljä, löpata Schaufel : 
lopätä, sjekira Beil : sjekirä. 

613. III. Die Maskulina zweisilbigen Stammes 
mit fallender Intonation, also mit durchgehender 
Länge bei urspr. langem Wurzelvokal, mit Dehnung im 
Nom. sg. bei ursprünglicher Kürze, haben im Gen. pl. 
alte Endbetonung, also jetzt den Akzent ' auf der vor- 
letzten Silbe des Kasus, z. B. drüg drüga drüzi (gewöhnlich 
drügovi) : drügä (gewöhnlich drugovä) ; rög roga rözi Hörn : 
rögä (so nach Budmani § 88.4; nach ihm auch im Dat.- 
Instr.-Lok. rözima) ; recht gebräuchlich sind nur die Formen 
mit -ov-, rogovi usw. 

614. IV. Die Angaben über den Gen. pl. der 
mit -ov- gebildeten mask. Plurale sind schwankend. 
Nach dem Hauptgrundsatz normal betont sind die Fälle, 
wo der Hauptton auf die erste Silbe gerückt ist, z. B. 



§614.615.] Flexion der Substantiva. 857 

kütao Tcdtla kbtlovi Kessel : kotlövä, örao orla drlovi Adler : 
orlövä, posao pösla pbslovi Geschäft : pöslövä, vö vola volovi 
Ochs : volöva, mäc mäca niäcevi Schwert : mäcevä, und dem 
gleichartiges. Ferner die Fälle, wo der alte Hauptton auf 
das Ende verlegt ist, also der Gen. pl. jetzt den Akzent ' 
auf der vorletzten Silbe hat, z. B. gräd gräda grädovi : 
gradovä, bröd hrbda brodovi Schiff : brodwä, cvbrak cvörka 
pl. cvorci und cvörkovi Star (Vogel) : cvorkovä, stärac stärca 
stärcevi Greis : starcdvä. Doch kommen hier Anomalien 
vor, wobei alte Betonung auf dem -ov- vorliegt, also jetzt 
der Akzent -ovi stattfindet, z. B. Iröd (s. o.) brodovi : brö- 
dövä, svekar svekra svekrovi Schwiegervater : svekrövä., vepar 
vepra veprovi Eber : veprövä, sökö sokola sokolovi Falke : sokö- 
lövä, krälj krälja kräljevi : kräljeva. Wenn hier der ältere 
Hauptton wiederhergestellt wird, so ergäbe das die Ano- 
malie einer fallend intonierten Mittelsilbe, und man kann 
annehmen, daß diese Abweichung von der Norm durch 
spätere Annahme der Betonung der anderen Pluralkasus 
erfolgt ist. — Bei mehrsilbigen Stämmen läßt sich auch 
keine Einheit herstellen, z. B. wird angegeben gävrän 
gävräna gävranovi Rabe : gavranovä; süzanj suznja sühijevi 
Gefangene : süznjevä. — Es sind unregelmäßig, insofern der 
alte Hauptton die fallende intonierte Endsilbe des alten 
Gen.pl. triflFt, düb düba pl. dübovi : dübövä (dat. dübovima); 
dlo dljela pl. dijelovi : dijelövä (dat. dijelovima); daneben 
besteht aber dübovi : dubövä (dat. dubövima), djelovi : djelövä 
(dat. djelovima), normale Formen; vgl. dazu grljeh grijeha 
grehovi : grehövä (grehovä). 

615. V. Der Genitiv pluralis behält den 
Hauptton an derselben Stelle wie die übrigen 
Kasus : 

a) Wenn der Hauptton des Wortes als " auf der 
ersten Silbe liegt (wo im Singular der Mask. \ also alte 
Endbetonung stattfindet, im Plur. ", ist der Plural maß- 
gebend; wo statt " der Akzent " steht, liegt Dehnung 
einer alten Kürze vor r, l, m, n, j, v -\- Konsonant vor). 
1. Es traf in diesem Falle bei zweisilbigen Stämmen der 



358 Flexion der Substantiva. [§615. 

Hauptton den alten einsilbig gewordenen Genitiv und 
konnte nach der Annahme des -ä so verbleiben, weil eine 
fallend intonierte erste Wortsilbe den Hauptton tragen 
kann, — 2. Bei noehrsilbigen Stämmen traf den Haupt- 
ton die Endsilbe des kurzen Genitivs überhaupt nicht, 
also auch nicht nach Anfügung des -r7, und brauchte nicht 
verschoben zu werden. Beispiele zu 1 und 2: Mask. klhi 
Mlna klini Nagel (clavus) : klvnä, mls misa misi Maus : misä, 
brätiö brätica brätiöi Brüderchen : brätiöä, präunuk Urenkel : 
präunükä, imenjäk hnenjäka hnenjäci Namensvetter : hnenjäka; 
Sfbin Sfbina Sfbi : Sfbä, Türcin Turcina Türci : Türäkä, 
grädanin grädanina grädäni Bürger : grädänä; süzanj süznja 
mznji Gefangener : suzänjä, läjavac läjävca läjävci Keif er : 
läjaväcä; kbnac kovca könci lEinde Faden : konäcä, Ibnac lönca 
lönci Topf : lönäcä, novac novca növci Geld : növäcä, stenac 
stenca stenci junger Hund : stenäcä, irvanj zfvanja zfvnji 
Handmühle : zfvänjä. Eine Ausnahme bildet prljatelj Freund : 
prijateljä {dat. 2)rijateljima) \ hier ist der Sing, von der ur- 
spr. Betonung abgewichen, vgl. r. prijnteX ; als Gen. pl. 
wäre danach (s.§612) zu erwarten *^r(i)Vi/e/yä, statt dessen 
ist Endbetonung eingetreten. — Neutra: gflo Kehle : gr/"Za, 
selo pl. sela Dorf iselä (so auch die gleichartigen § 608 an- 
geführten Neutra, doch Vuk sedlo pl. sedla Sattel isedälä), 
kuciste Hausplatz : kucistä, govno pl. gövna Dreck : gövänä, 
sünce Sonne : sünäcä. — Feminina: zäba Frosch : zabä, 
cäsica Becher : casicä, vjeverica Eichhörnchen : vjevericä, 
döjka Brustwarze : döjäkä, smokva Feige : smokävä, pastöi'ka 
Stieftochter : pästoräkä, Smederevka Frau aus Smederevo : 
Smedereväkä. 

Nach den Angaben einiger Grammatiker (s. Pavic, 
Rad 59, S. 52 und 58, Paradigma gävrän, S. 24 und 33, 
Par. jäsen) sind alle so betonten Wörter im Gen. pl. gleich- 
mäßig betont, nach anderen Angaben dagegen haben die 
Maskulina der Betonung gävrän, d. h. mit fester Länge 
der zweiten Silbe, Gen. gävräna usw., und die Mask. der 
gleichen Betonung im Nom. sg., aber mit Kürze in den 
anderen Kasus, gövör gövora, im Gen. pl. alte Endbetonung, 



§ 615. 616.] Flexion der Substantiva. 359 

und betonen auch im Dat.-Instr.-Lok. die Endung, haben 
also jetzt den Akzent ' oder ' auf der vorletzten oder 
drittletzten Silbe, z. B. öbläk gen. .«g. öbläka n. pl. dbläci 
a. pl. öbläke : obläkä obldcima; gövör govora govori gövore : 
qocorä govdrima (Budm. §88.4); so auch bei Vuk güster 
Eidechse gen. güstera usw.: gusterä, kesten Kastanie kestena : 
kestenä. 

b) Der Gen.pl. behält die sonst durchgehende Betonung 
unverändert, wenn der alte Hauptton des kurzen Genitivs 
auf einer Mittelsilbe vor der Endsilbe dieser älteren Form 
stand, also jetzt das Wort den Akzent ' oder ' auf der 
drittletzten Wortsilbe oder weiter zurück hat. Der Fall 
ist derselbe wie unter a2, die Betonung nach dem all- 
gemeinen Grundsatz normal. Es genügen einige Beispiele: 
pöslämk 2^oslänika poslämci Gesandter : pöslämkä, bezäkomk 
Gottloser :liezäkomkä, Dubrovcanin pl. Dubrövcäni Ragusaner: 
D'tlbrövcmiä, Hercegovac Hercegövca Hercegövci Herzegoviner : 
Hercegoväcä, Crndgorac Crndgörca Grnbgörci Montenegriner : 
Crndgoräcä; körice (aus korytbce) dem. Trog : körüäcäy povje- 
sänice dem. Bund Flachs : jfovjesamäcä; zäusnica Ohrfeige: 
zänsnlcä, pököjnica die Verstorbene : pdköjnwä, Hercegövka 
Herzego vinerin : Hercegoväkä, näredba (aus naredhba) An- 
ordnung : näredäbä . 

616. Während die bis jetzt unter V (§ 615) l)e- 
sprochenen Fälle keine Änderung der Haupttonlage er- 
forderten, weil die fallend intonierte Endsilbe des kurzen 
Genitivs überhaupt nach der alten Haupttonsilbe stand, 
scheint bei einer Menge von mehrsilbigen Wörtern auch 
da keine Verschiebung einzutreten, wo der Hauptton die 
fallend intonierte Endsilbe des alten Genitivs traf, also 
bei der Anfügung des -d entweder Versetzung auf diese 
Endsilbe oder Rückziehung auf die vorletzte Silbe des alten 
kurzen Genitivs erwartet wird. Es genüge hier darauf hin- 
zuweisen, daß unter diese Wortmasse fallen die Paradigmata 
bei Pavic, Rad59, S.25fg.,53,65, und die dazu in seinen 
Verzeichnissen als gleich betont gerechneten: prörok, löpöv, 
komädic, gospodlciö, mitropölit, prnjdvor; zdcelje, hriiöpuce, 



360 Flexion der Substantiva. [§616.617. 

päsiste, satbriste, näselje^ preohläcilo, bezdkonje; zornica, biljärica, 
gospodärica, odrpdnica, jjodmüklica, kukuruzovnica; Arnäutin, 
MplJMiin, Bandcanin, Poniordvljanin, Brzopaldmanin. Es heißt 
also der Gen. pl. z. B. von prorok Prophet prorökä (so aus- 
drücklich von Vuk im Wb. bezeugt), was einer ehemaligen 
Betonung *prörökä entspräche, von komädiö Stückchen 
komädUä = älterem *koniadiöä, während zu erwarten war 
*prörökä oder etwa ohne Dehnung *prörökä, ^komädicä, 
daraus mit der stokavischen Verschiebung *kdmadicä. — 
Wirklich aufgezeichnet sind solche Gen. pl. nur ganz ver- 
einzelt, und man wird die Schemata von Pavic etwas vor- 
sichtig beurteilen müssen. Ich kann nur die Vermutung 
aussprechen, daß hier unursprüngliche Verhältnisse vor- 
liegen, daß die sonst durchgehende Betonung der anderen 
Kasus die als normal im Gen. pl. zu erwartende verdrängt 
hat, was durchaus nichts auffallendes hätte. Es wäre 
aber, ehe man zu einer solchen Entscheidung kommen 
kann, notwendig festzustellen, wie viele und welche Art 
Wörter in der lebendigen Sprache mit der angenommenen 
Betonung des Gen.pl. wirklich vorkommen, denn die nach 
der äußerlichen Gleichheit der Betonung des Nom. sing, 
aufgestellten Verzeichnisse beweisen nichts. 

617. 11. Der Gen. plur. auf -l der i-Stämme. 
Soweit man den Kasus beobachten kann, stimmt die Be- 
handlung des Haupttons zu den Genitiven auf ä. Ein- 
silbler mit fallender Intonation verlegen den alten Haupt- 
ton auf die Endung, haben also jetzt den Akzent^ oder ' 
auf der vorletzten Silbe des Gen. pl.: pec peöi pl. peöi : 
peöi (ebenso Dat. ^;e^/vua), vgl. dazu rög röga rözi : rögä 
rozinia; bPv Steg brvi pl. brm : brvt, vitsao misli pl. misli 
Gedanke : misU, vgl. drüg drüga drüzi : drügä. Zu öbläst 
oblästi pl. oblästi Macht : obldsti, lüdöst ludosti pl. lüdosti : 
ludösti, vgl. obläk öbläka obläci : obläkä (s. § 615a). 



§618. 



Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 



361 



II. Deklination der Pronomina und Adjektiva. 
1. Deklination der Pronomina. 



618. 


A. 


Persona 


pronomina. 






I. 




IL 


III. (reflexiv) 


skr. 


abg. 




skr. 


abg. 


skr. 


abg. 


./« 


az5 




n 


iy 


— 


— 


fuene, me 


mene 




tele, te 


tebe 


sehe 


sebe 


meni, mi 


mtne, 


mi 


tebi, ti 


tebe, ti 


sebi (si) 


sebe, si 


mene, nie 


mene, 


me 


tebe, te 


tebe, te 


sebe, se 


sebe, se 


mnöm 


mznojq 


toböm 


tobojq 


söböm 


sobojq 


meni 


mhne 




tebi 


tebe 


sebi 


sebe. 


mi 


my 




VI 


vy 






näs, nas 


nasö 




väs, vas 


vasö 






näma, 


namz. 


ny 


vama, 


vamö, vy 






nam [ni] 






vam [_vi] 








näs. 


7iaS5, 


ny 


väs, 


vaso, vy 






nas [ne] 






vas [ve] 








näma 


nami 




vama 


vayni 






näma 


nasö 




väma 


vasö 










III 


. nicht reflexiv («ei 


«) 




Maskulinum 




Neutrum 


Femininum 


skr. 


abg. 




skr. 


abg. 


skr. 


abg. 


ön 


om 




ono 


ono 


öna 


ona 


njega, ga 


jego 




njega, ga 


jego 


nje, je 


jeje 


njemu, mu 


jemu 




njemu, mu 


jemu 


njöj, joj 


jeji 


njega, ga, 


jego, 


jh 


njega, ga 


je 


njü^ ju 


h 


nj, njga 










je 




njim 


jimb 




njim 


jimh 


njöm 


jejq 


njem, 


jemh 




njem, 


jemh 


njöj 


jeji 


njemu 






njemu 








öni 


oni 




öna 


ona 


öne 


ony 


njth, ih 


jich~o 


> 


wie beim Masku 


inum 




njlma, im 


jimh 


) 










njih, ih 


je 




wie Msk. 


?"« 


wie Msk. 


n 


njlma 
njlma 


jimi 
jich'ö 




wie beim Masku 


inum. 





362 Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§ 619. 620. 

619. Bemerkungen. 

1. Die an erster Stelle stehenden akzentuierten Formen 
sind die orthotonierten, die nach ihnen stehenden nicht 
akzentuierten die enklitischen. Die enklitischen Formen 
nie, te des Gen. sg. I, II sind alte Akkusative (me, te), die 
nicht enklitischen Akkusative mene tebe sehe njega Genitiv- 
formen, die an die Stelle des eigentlichen Akk. getreten 
sind; nj ist die alte Akkusativform jb in ihrer Gestalt 
nach Präpositionen n-jh (abg. z. B. na-njb, na-7ib); der 
enklitische Akk. sg. fem. je ist die alte Genitivform (abg. 
[k]1^)i ^6m urspr. ja entspricht ju, das angewendet wird, 
wenn ihm ein je (= ist) folgt, doch kann auch je je 
(=^ eam est) verbunden werden. Die Akkusative 7iäs nas, 
väs vas, njih ih sind Genitivformen in akkusativischer An- 
wendung. Statt des alten enklitischen dat.-refl. si wird 
jetzt regelmäßig sebi gebraucht. Instrumental und Lokativ 
haben keine enklitischen Formen. Die Dative I ni, II vi 
sind ältere, dialektisch noch verwendete Formen; die Akk. 
I we, II ve in Jüngerer Zeit neu geschaffen nach Analogie 
der nominalen und pronominalen Akk. pl. auf -e. — Das 
-oj in Dat.-Lok. fem. rijöj beruht auf Ausgleichung mit 
töj (§ 623). 

620. 2. Die orthotonierten Formen werden 
gebraucht : 

a) Wenn das Pronomen am Satzanfang steht, z. B. 
njemu je löpata u rüci njegovöj Matth. 3.12 ihm ist die 
Schaufel in seiner Hand. Enklitika können nie den An- 
fang des Satzes bilden. 

b) Im Innern des Satzes, w'enn durch einen Gegen- 
satz oder eine Hervorhebung ein besonderer Nachdruck 
auf dem Pronomen liegt, daher auch nach den Partikeln 
i (auch), ni (ne — quidem); z. B. sve däkle stö hoöete da eine 
väma Ijüdl, cmite i vi njlma Matth. 7.12 alles daher was 
ihr wollt, daß euch die Leute tun, tut auch ihr ihnen; 
ako öprästäte Ijüdima grijehe njlhove, oprostiöe i väma ötac 
väs nebeskt Matth. 6.14 wenn ihr den Menschen ihre 



§620—622.] Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 363 

Sünden vergebt, wird auch euch euer himmlischer Vater 
vergeben. 

c) Wenn der Pronominalkasus mit Präpositionen ver- 
bunden ist, z.B. od mene vor mir, iz njega aus ihm. Doch 
können nach Präpositionen die Akkusativformen me, te, 
se, nj njga stehen, z. B. zä me für mich, zä-nj für ihn, 
zörnjga; hier ist aber eigentlich der Pronominalkasus ortho- 
toniert, die Präposition proklitisch, denn die alte Betonung 
war *zä me, *zä njgä; das einsilbig gewordene zä-nj konnte 
nur so akzentuiert werden. 

OSl. 3. Die Lokativform njemu ist der alte Dativ, 
vgl. dazu das Subst. msk. u. ntr. — Nach Vuks Sprach- 
gebrauch können alle weichen Pronominalstämme die 
Endungen -viu (dat.), -m (lok.) sowohl lokativisch wie 
dativisch verwenden, dagegen die harten -mu nur als 
Dativ, während der Lok. nur -m oder -nie (s. § 754) hat. 
«Diese Normierung Vuks entspricht auch tatsächlich dem 
Sprachgebrauche der meisten stokavischen Dialekte» 
(Resetar, Stok. Dial., S. 180). 

4. Die Instrumentale mnöm, njini, njöm haben die 
Nebenformen mnöme (so bei Maretic, S. 183), njinie, njome; 
über sie wie über sonstiges Vorkommen dieses -e an 
Kasusformen s. § 754. 

G22, 5. Betonung der Verbindungen von Präpo- 
sition und Kasus: 

a) Haben die mehrsilbigen Kasusformen alte End- 
betonung, so bleibt diese bestehen, also steht jetzt der 
Akzent ' auf deren erster Silbe, z. B. od mene, od njega, 
u njemu. 

b) In der Verbindung von Präpositionen mit den 
Instrumentalen mnöm, toböm, soböm geht der Hauptton als 

auf die Präposition über, bei mehrsilbigen auf deren 
erste Silbe, z. B. sä mnöm mit mir, zä toböm hinter dir, 
preda mnöm vor mir. 

c) In der Verbindung der enklitischen Akkusative 
me, te, se, nj njga mit zweisilbigen Präpositionen liegt der 



364 



Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§ 622. 623. 



Hauptton als " auf deren erster Silbe, die zweite Silbe 
ist gedehnt, z. B. predä nie vor mich, üzä me neben mich, 
medü se zwischen sich, predä-nj predä-njga vor ihn. 

d) Die Verbindungen von einsilbigen Präpositionen: 
1) mit den Enklitika we, te, se; der Vokal der Präpo- 
sition ist gedehnt und hat den Akzent ', z. B. zä me für 
mich, p6 te für dich, na-pö-se für sich, ü se in sich (vgl. 
§620c); 2) mit nj; die Präposition hat gedehnten Vokal, 
den Akzent ", z. B. zä-7ij für ihn, ü-nj in ihn; 3) mit 
njga', die Präposition ist gedehnt, hat den Akzent ', z. B. 
zd-njga, ü-njga. — Die Angaben unter b und c nach Bud- 
mani § 267.5 und Maretic § 130 a,b, 131 Note. 

0^3. B. Demonstrative, interrogative, rela- 
tive, indefinite, possessive Pronomina. 

1. Demonstrativpronomina. 

a) Rein hinweisend, ohne Nebenbeziehung auf Quan- 
tität oder Qualität, sind täj dieser da, auf eine zweite Per- 
son hinweisend, italienisch cofesto; dväj dieser hier, auf die 
erste Person bezüglich, ital. qiiesto; önäj jener, auf eine 
dritte Person zu beziehen, ital. queUo. Diese drei Pro- 
nomina werden gleich flektiert, abgesehen von einigen 
Betonungs- und z. T. damit verbundenen Quantitätsunter- 
schieden. 









täj. 






Maskulinum 




Neutrum 


Femininum 


skr. 


abg. 




skr. abg. 


skr. 


abg. 


täj 


tb 




tö to 


tä 


ta 


tögä, tög 
tömu, 


togo 
tomu 


} 


wie Maskulinum 


te 
töj 


toje 
toji 


töme 












täj 


th 




tö to 


tu 


tq 


tljem, tim 
töm, 


tenih 
tomb 


) 


wie Maskulinum 


töm 
töj 


tojq 
toji 


töme, 












tömu 













§623,624.] Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 



365 



ü 


ti 




tä 


ta \te 




ty 




üjeh, tih UcH \ 
üjem, tim Umh ) 




wie beim Maskulinum 






te 


ty 




tä 


ta j te 




ty 




Üjem, ihn temi \ 
iljem, tim Uch^ i 




wie beim Maskulinum. 






624. 






önäj. 








Maskulinum 




Neutrum 


Femininum 


skr. 




abg. 




skr. abg. 


skr. 




abg. 


önäj 




am 




önö ono 


önä 




ona 


önogä, -ga 




onogo 


\ 


wie Maskulinum 


öne 




onoj^ 


onomü, -mu, 


onomu 


} 




önöj 




onoji 


önome, - 


me 














önäj 




071h 




önö ono 


önü 




miq 


önijem. 




onemb 


\ 




önöm 




onojq 


omni 






\ 


wie Maskulinum 








dnöm, 




onomh 


) 




önöj 




onoji 


önome, - 


me, 














onomü, ■ 


mu 














onf 




oni 




önä ona 


öne 




ony 


önijeh, 
önih 




onecJn 


\ 


wie beim Ma 


skulinum 


- 


önijem, 




onemh 


) 










ömm 
















öne 




ony 




önä ona 


öne 




ony 


önijem, 




onemi 


\ 










önim 






\ 


wie beim Ma 


skulinum. 




önijem, 




onechh 


1 










ömm 

















Bemerkung. Wie önäj geht öväj. — Die Formen 
instr. sg. tim, ömm, gen. pl. tlh, önih, instr.-dat.-lok. pl. tim, 
ömm sind nicht aus tijem, tijeh, tijem, önijem usw. ent- 
standen, sondern Entlehnungen aus der Flexion des be- 
stimmten Adjektivs oder Ausgleichung mit der Form der 
weichen Stämme njlh, möjih usw. 



866 



Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§ 625. 626, 



SO beschaffen 



\ 



so groß. 



625. b) Hinweisende adjektivische Pro- 
nomina der Qualität und Quantität. Sie bilden ein 
Mittelglied zwischen Pronomen und Adjektiv; ihre Flexion 
ist oft rein adjektivisch: 
täM iakä takö 
täkovi täkovä takovö 
oväki oväkä oväkö 
oväkovi oväkovä ovakovö 
onhM onäkä onäkö 
onakoin onäkovä onakovö 
takav täkva täkvo 
toltkl tolikä tolikö 
ovoüki ovoükä ovollkö 
onoüki onoUkä onollkö 
Die Nom. sg. auf -i -ä -ö sind die Nominativformen 
des bestimmten Adjektivs (s. d.). Auch die folgenden 
Kasus können nach Art dieses Adjektivs flektiert werden, 
also täkovöga täkovömu usw., indes sind auch Formen nach 
der Art des unbestimmten Adjektivs in Gebrauch, z. B. 
gen. sg. msk. täkova; takav wird in der Regel als unbe- 
stimmtes Adjektiv behandelt, z.B. gen. sg. msk. täkva^ kann 
aber auch bestimmt flektiert werden: täkvöga usw. 

6!S6. 2. Interrogativpronomina mit Indefi- 
nitum und Relativum. 

Die Interrogativpronomina sind zugleich Indefinita; 
die jetzt in der Sprache gebräuchlichen Relativa kö (tkö). 
stö, köji sind alte Interrogativa. 

a) Interrogativa im engeren Sinne: kö {tkö) wer, 
stö was. 

Neutrum 
skr. abg. 

stö, stä chto 

cega, cisa, stä ceso, cbso 

cemu cemu 

stö, stä Chto 

cim, Cime {cijetn) cimh 
cem, cemu cemh. 



Maskul. und Femin. 



skr. 


abg 


kö, tkö 


k^to 


kbga 


kogo 


kömu 


komu 


köga 


kogo 


Mm, kirne, kijem 


cemh 


körn, kömu, köme 


komh 



§ 626 — 628.] Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 



367 



stä ist eigentlich ein nominal gebildeter Genitiv, 
indem stö wie ein nominales Neutrum behandelt ist {selo 
sela). Instr. sg. kljem entspricht in -ife- dem alten cemh, 
das k ist den anderen Kasus entnommen; cljem statt des 
alten cim ist dem Mask. nachgebildet. 

627. b) Fragende adjektivische Pronoraina 
mit der Nebenbeziehung der Qualität und Quantität: kdji 
welcher (qui, qualis); kaki käkä käkö, käkov käkova käkovo 
und käkovi -vä -v5, käkav käkva käkvo wie beschaffen; kölik 
kolika kollko und koliM -kä -kö. Die Flexion der im Nom. 
sg. msk. auf -i auslautenden ist die des bestimmten Ad- 
jektivs, die der übrigen des unbestimmten. 

c) Das fragende cljl (Vuk clj), cija, clje, wem gehörig, 
wird behandelt wie ein bestimmtes Adjektiv, das gleich- 
bedeutende clgov ist ein unbestimmtes Adjektiv. 

628. Deklination von köji: 



Maskulinum 






Neutrum 


Femininum 


skr. 


abg. 




skr 


abg. 


skr. 


abg. 


köji 


kyjb 




köje 


koje 


köjä 


kaja 


kdjega 


kojego 


\ 


wie 


Maskulinum 


köje 


kojej^ 


köjemu 


köjemu 


) 






köjöj 


kojeji 


kbjl 


kyjb 




köje 


koje 


köjü 


kojq 


köjim 


kyjimh 


\ 


wie 


Maskulinum 


köjöm 


kojejq 


köjem, 


kojemh 


) 






köjöj 


kojeji 


köjemu 














köji 


ciji 




köjä 


kaja 


köje 


Jiyje 


köjih 


kyjiclvh 


> 




wie beim Ma 


skulinum 




köjim 


kyjwn 


/ 










köje 


fiyje 




köjä 


kaja 


köje 


^yje 


köjim 


kyjimi 


> 




wie beim Ma 


iskulinum 




köjim 


kyjich^ 


; 











Bemerkung. Neben dat. -instr. -lok. pl. köjim steht 
köjima; die Länge des i in den Pluralformen köjih köjim 
ißt nicht durchgehend, es kann auch köjih. köjim heißen, 
s. u. ähnliches beim Possessivpronomen § 631 (4). 



368 Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§ 629. 

0129. Indefinita. Den Interrogativpronomina, die 
an sich schon als Indefinita gebraucht werden, können zu 
besonderer Ausprägung der Bedeutung partikel artige Ele- 
mente vorgesetzt oder angefügt werden, mit je etwas ver- 
schiedener Färbung: 

1. Durch Vorsetzung von ne- {nje-, ahg.ne-); der Sinn 
ist dann «ein gewisser» un certain, also nicht «ein be- 
liebiger», z.B. neko ein gewisser, nesto ein gewisses; *nehoji 
wird nicht gebraucht, sondern dafür neki (abg. ne-lcyjb) n. 
nekö f. nekä, flektiert wie ein bestimmtes Adjektiv, gen. 
sg. msk. neköga usw. 

2. Durch Vorsetzung von ni- bei Negierung, z. ß. 
nl-ko niemand, nl-sta nichts {stä ist Genitiv); statt *m'fcoyr, 
das ungebräuchlich ist, wird nl-jedan (nicht einer, ne unus 
quidem) angewendet. Hängen die Kasus von niko n\sta 
von Präpositionen ab, so treten diese zwischen die beiden 
Bestandteile, z.B. ni od kdga von niemand, m-2)o-sto keines- 
wegs. 

3. Durch Anfügung von -god -goct; gibt den Sinn von 
«wer auch immer», kögod {-god) gen. koga-god {-god). Durch 
enklitische Bestandteile des Satzes können die Verbindungen 
getrennt werden, z. B. sto bi god ucinio was er auch tun 
möge, sto ti je god rekao was er dir auch gesagt hat. 

4. Durch Vorsetzung von unflektiertem koje, Bedeutung 
wie unter 3.: koje-sia, koje-käkt wie immer beschaffen. Bei 
Verbindung mit Präposition kann diese zwischen die 
beiden Bestandteile treten: koje zä sto. 

5. Durch Vorsetzung von undekliniertem sto, Bedeutung 
«irgend»: stöÄo irgendwer, s<öi<a irgendwas, s^öÄ;©^? (irgend- 
welcher) mancher. 

6. Durch Vorsetzung von i (auch), Bedeutung wie 
unter 5.: l-ko, l-sta. 

7. Durch Vorsetzung von gdje (wo) bei koji: gdjekoji 
m ancher. 

8. Durch Nachsetzung von mu drägo (eig. ihm lieb), 
Bedeutung wie unter 3.: kö mu drägo wer auch immer, 
ätö mu drägo was auch immer. 



§ 630.] 



Flexion der Pronomina u. Adjektivf. 



369 



630. o. Possessivpronomina. 
möj mein, tvöj dein, svöj sein (auf das Subjekt des 
Satzes bezüglich, suus), näs unser, väs euer, 

möj. 
Maskulinum Neutrum 

skr. abg. 

tnöje moje 

wie Maskulinum 



skr. 
möj 
möjega 
mdjemu 
möj 
möjim 
möjem, 

nidjemii 

möji 

möjili 

möjtni 

moje 

mdjhii 

möjlM 



abg. 
mojb 
mojego 
mojemu 
mojb 
mojimb 
mojemb 



moji 

mojichi 

mojhm 

mojc 

mojimi 

mojicJn 



Maskulinum 



skr. 
näs 
uäsega 
uäsemu 
näs 
näsim 
nuschi^ 

näsenm 

näsi 

näsih 

näsim 

näse 

näsim 

näsim 



abg. 

nasb 

nasego 

nasemu 

nasb 

nasimb 

nasemh 



nasi 

nasicln \ 

nasimo \ 
nase 

nasimi \ 

nasichh f 



moje moje 

wie Maskulinum 



7no)a moja moje moje 

wie beim Maskulinum 

moja moja ! moje moje 

wie beim Maskulinum. 



Femininum 


skr. 


abg. 


moja 


moja 


moje 


mojej^ 


möjöj 


mojeji 


möjii 


moja 


möjöm 


mojejq 


möjöj 


mojeji 



näs (ebenso väs). 

Neutrum 
skr. abg. 

nase nase 

wie Maskulinum 

näse nase 

wie Maskulinum 



Femininum 



skr. 

7iasa 

näse 

näsöj 

näsu 

nasöm 

nasöj 



nasa 

nasejc 

naseji 

nasq 

nase ja 

naseji 



nasa nasa nase nase 

wie beim Maskulinum 

nasa nasa \ näse nase 

wie beim Maskulinum. 



L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. 



>A 



370 



Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 



[§631.632. 



631. Bemerkungen. 1. Statt gen. sg. mojega, 
dat.-lok. niojemu kommt vor moga^ niömu (niöme)] sie sind 
wohl nicht aus den volleren Formen kontrahiert, sondern 
den Kasusformen des bestimmten Adjektivs (növöga, növömu) 
nachgebildet. 

2) Wie möj wird flektiert tvö), svöj; wie näs auch vas. 

3) Wo in südlichen Mundarten Instr.sg.m.n. möjijem, 
näsijem, Dat.-Instr.-Lok. pl. mö^iyem, nasijem, Gen.'pl.möjijeh, 
näsijeh lauten, sind das Neubildungen nach dem Muster 
des Demonstrativs täj : tljem, tljem, üjeh. 

4) Die Quantitäten der Endungen Instr. sg. möjim 
näsim, Gen. pl. mbjih näsik, Dat.-Instr,-Lok. pl. möjim yiäsim 
sind hier angesetzt nach Budmani §110 (d. h. nach den 
entsprechenden Formen des unbestimmten Adjektivs), 
indes hat Daniele, Oblici S. 28 näsim, nasih, näsim, d. h. 
die alten rein pronominalen Formen. 

5) clji (wem gehörig) ist ein bestimmtes Adjektiv. — 
Die von Genitiven des Personalpronomens III abgeleiteten 
Possessivausdrücke, gewöhnlich den Possessivpronomina 
zugerechnet, sind Adjektiva, flektiert wie das unbestimmte 
Adjektiv, zu njega : njegov sein, auf mask. oder neutr. Be- 
sitzer bezüglich; zu nje'.njen njezin ihr, auf femin. Besitzer 
bezüglich; zu njih:njihov ihr, auf mehrere Besitzer bezüg- 
lich, ebenso dial. njlhan f. njlhna, dafür bei Verstummen 
des h njlna, zu dem wieder ein sekundärer Nom. mask. 
njm hinzugebildet ist. 



632. 4. Sonstige pronominal deklinierte 
Wörter, abgesehen von Zahlwörtern (s. §§664,665). 
säm selbst. 



Maskulinum 




Neutrum 


Femininum 


säm 




sdmo 


säma 


sdmoga 
sämomu 


) 


wie Maskulinum 


sdme 
sdmöj 


säm 




sdmo 


sdmu 


sämim, sdmijem 
sdmom, sämomu 




Avie Maskulinum 


sdmöm 
sdmöj 



§ 632. 633. 



Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 



371 



Neutrum 



sania 



Femininum 
sdme 



wie beim Maskulinum 



sama \ same 

wie beim Maskulinum. 



Maskulinum 
sdmi 

sämlh, sdmijeh \ 
sdmim, säniijem ' 
sdme 

sdmim, sdmijem \ 
sdmim, sdmijem ' 

Bemerkung. Die Formen Instr. sg. sdmijem, Gen. 
pl. sdmijeh, Dat.-Instr.-Lok. pl. sdmijem sind die alten pro- 
nominalen: sameynh, samechh, samem^^, sdmim, sdmih, sdmim 
sind der Adjektivdeklination entnommen. — In der Be- 
deutung «allein» kann im Gen.sg. msk. gebraucht werden 
sdma, im Dat.-Lok. msk. sdmu. 



633. väs, 


säv all (omnis^ 


. 




Maskulinum 




Neutrum 


Femininum 


skr. 


abg. 


ski 


abg. 


skr. 


abg. 


väs, säv 


VhSb 


sve 


vhse 


svä 


vhsa 


svega 
svemu 


vhsego \ 
Vhsemu j 


wie 


Maskulinum 


sve 
svöj 


vhsej^ 
vbseji 


väs, säv 


VhSh 


sve 


vhse 


svü 


vbsq 


svljem, 
svim 


vhsemh \ 


wie 


Maskulinum 


svöm 


vbseja 


svem, 


vbsemh 






svöj 


vhseji 


svemu 












svl 


vbsi 


svä 


vhsa 


sve 


VbS^ 


smjeh, 


vbsech^ 










smh, 
svljü 






wie beim Ma 


skulinum 




svljem. 


vbsetm 










svim 












sve 


VbS^ 


svä 


vhsa 


sve 


VhS^ 


svijem, 


Vhsemi \ 
vhsechh ' 










svim 




wie beim Ma 


skulinum 




svljem, 










svim 













24* 



372 Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§ 634—636. 

634. Bemerkungen, 1) Die lautlichen Verhält- 
nisse von väs, säv, svega usw. s. § 78. 

2) Die Formen Instr. sg. svljem, Gen. pl. svijeh, Dat.- 
Instr.-Lok. pl. svljem sind die alten pronominalen, svim 
svih svim dem Adjektiv nachgebildet. — Statt Dat.-Instr.- 
Lok. pl. svljem svim kann auch svjetna, svima gebraucht 
werden. — Der Gen. pl. svijü ist eine Entlehnung aus 
dem Gen. der Zahlen dvä tri: dvdjü dvijü, trijü. 

035. 3) Durch Ableitungen von diesem Wort oder 
durch Verbindungen mit ihm wird der Ausdruck für 
«jeder» hergestellt. 

a) sväk sväkoga usw. jeder; bestimmt svciki ein jeder, 
flektiert wie das bestimmte Adjektiv. 

b) Durch Vorsetzung von sva-, fast stets indeklinabel, 
vor die Pronomina interrogativa (indefinita): svätko gen. 
sväkoga usw. jeder (diese Kasusformen unterscheiden sich 
nicht von denen des unter a angeführten sväk); svästo 
(svästa) jedes, gen. sväcega sväcesa usw. Selten ist die 
Flexion l^eider Elemente, z. B. gen. ntr. svega cesa, svemu 
cemu. 

c) Durch Vorsetzung von vas- oder sav- bei väskolik, 
sävkolik all und jeder (totus quantus), beides Adjektiva 
unbestimmter Deklination, In väskolik ist das erste Ele- 
ment unflektiert, in sävkolik werden beide flektiert, daher 
fem. svakolika, ntr, svekoliko, pl. msk. svikolici usw. 

4) hti derselbe, gewöhnlich den Pronomina zugerechnet, 
ist ein reines bestimmtes Adjektiv. 

2. Deklination der Adjektiva, 
636. Der Unterschied des sogenannten unbestimmten 
und des bestimmten Adjektivs im Slavischen besteht ur- 
sprünglich darin, daß bei diesem den rein nominal ge- 
bildeten Kasus des Adjektivs ein j^ostpositiver Artikel, die 
Kasusformen des Pronomen *jh jego (is, ejus) usw., an- 
gefügt wird, z. B. abg. nov^-jb der neue, gen. nova-jego; 
fem. nova-ja die neue, gen. novy-je; ntr. novo-je das neue 



§ 636. 637.] 



Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 



373 



(s. Abg. Gr. § 112). In der Weiterentwicklung der slav. 
Sprachen ist die alte Zusammenrückung der beiden Be- 
standteile nicht mehr zu erkennen, weil durch Zusammen- 
ziehungen und durch Ausgleichungen mit der pronominalen 
Deklination die Formen mannigfach verändert sind und 
in dieser späteren Gestalt den Eindruck eines einheitlichen 
Gebildes machen. So auch im Serbokroatischen. Hier 
kommt noch hinzu, daß auch das unbestimmte Adjektiv 
nur z.T. noch in alter Weise nominal flektiert wird, z. T. 
aber Kasusformen dem Pronomen und dem bestimmten 
Adjektiv entlehnt hat. 



637. A. Unbestimmtes Adjektiv 
a) mit kurzem Wurzelvokal: 
növ neu. 
Neutrum 
skr. abg. 

novo novo 

wie Maskulinum 



Maskulinum 




skr. 


abg. 




nbv 


novh 




növa 


nova 


\ 
1 


növu 


novu 


növ 


nov^ 




növim. 


novomb 


] 


novijem 






növu 


nove 


t 


növi 


novi 




növih, 


novh 


\ 
1 


nÖDijeh 
növtm, 


novomi) 


növijem 






növe 


novij 




növwi, 


novy 


] 


növijem 






növtm, 


novecliv 


) 


növijem 







novo 



novo 



wie Maskulinum 



Femininum 


skr. 


abg. 


növa 


nova 


növe 


novy 


növöj 


nove 


növu 


nova 


növöm 


novo ja 



novo'] 



nova 



nova 



wie beim Maskulinum 

növa nova \ növe 

wie beim Maskulinum 



nove 

novy 
novi 

novanvh 

novy 
novami 

novach^. 



374 



Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§ 637. C38 



b) mit langem Wurzelvokal: 



süta iüte 

wie beim Maskulinum 

züta I iüte 

wie beim Maskulinum. 



Maskulinum Neutrum Femininum 

züt mto züta 

^^^^ j wie Maskulinum ^"^^, 

£ütu ' sütöj 

züt züto iütu 

zütim, zütijem \ ^^.jg Maskulinum f"^^"'« 
zütu ^ zütöj 

züti 

ziitih, zütijeh \ 

züüm, zütijem ' 

züte 

zütim, zütijem \ 

zütm, zütijem ' 

638. Bemerkungen. 1) Das Adjektiv hat keine 
besondere Vokativform. 

2) Die Formen Instr. sg. nbvim, züilm, Gen. pl. nöinh, 
zütih, Dat.-Instr.-Lok. pl. növini, zütini sind nicht Ver- 
kürzungen oder Kontraktionen der Formen novijem zütijem, 
növijeh zütijeh, nbvijem zütijem, sondern Entlehnungen aus 
dem bestimmten Adjektiv, während die Formen mit -»je- 
der Pronominaldeklination fijern, tijeh, üjem {== femh, techz, 
temi) angeschlossen sind. — Dat. -Lok. sg. fem. növöj zütöj 
ist die Form der pronominalen Deklination, die übrigen 
Kasus entsprechen denen der nominalen. 

3) Statt der unbestimmten nominalen Form des Gen. 
und Lok. sg. m.-ntr. kann die bestimmte gebraucht werden, 
es bleibt aber die Betonung des unbestimmten: zütöga, 
zütöm. Nach Maretic §207b ist das nur möglich, wenn 
das unbestimmte Adjektiv vom bestimmten in der Be- 
tonung abweicht (unbestimmt züta, zütu, bestimmt zütöga, 
zütömu); dagegen muß, wenn gleiche Betonung stattfindet, 
die unbestimmte Form festgehalten werden, also nur z. B. 
növa, növu, kein növöga, növömu, das nur als bestimmt ge- 
braucht werden kann. 



§ 638. 639.] Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 



375 



4) Adjektiva mit letztem palatalen Konsonanten 
(weiche Stämme) unterscheiden sich nur im Nom.-Akk. 
sg. m.-ntr. {-e) lautlich von denen harten Stammes, z. B. 
lud fremd, f. tüda, ntr. tücte; vrüö heiß, f. vrü6a, n. vrüöe. 

5) Die possessiven Adjektiva auf -ov, -in werden 
regelmäßig nur in der unbestimmten Form gebraucht, 
z. B. brätov hrätova usw., sestrin sestrina usw. Doch findet 
sich die pronominale Kasusform des bestimmten Adjektivs 
zuweilen auch hier (wie oben 3) angewendet, z.B. krdljev : 
kräljevöga, dein Lok, m. öcinom. 

639. B. Bestimmtes Adjektiv 
a) mit kurzem Wurzelvokal: 



Maskulinum | 


Neutrum 


Femininum 


skr. 


abg. 


skr. abg. 


skr. 


abg. 


növi 


nov^-jh, 
novyjh 


novo novo-je 


növä 


nova-ja 


növöga 


nova-jego, 




növe 


vovy-je 


növömu 


novaago 

novu-jemu 

novuumu 


wie Maskulinum 


növöj 


nove-ji 


növi 


7lov^-jb, 
novy-jh 


novo novo-je 


növü 


novq-jq 


novlni, 
novijern 


nove- jenih 
noveemb 


wie Maskulinum 


növöm 


novojq, 
novqj( 


növöm, 




növöj 


nove-ji 


növömu 










növi 


7iovi-ji 


növä nova-ja 


növe 


novy-j^ 


növih, 


nov^-jich^ 








növijeh 


novy- 
jichb 


wie beim Masku 


inum 




növlm, 


novyjim^ 








növijem 










növe 


novy-j^ 


növä nova-ja 


7iöve 


novy-j^ 


növlm, 
növijem 


novy-jimi 


wie beim Masku' 


inum 




növtm, 


novyjicln 








növijem 











376 



Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§ 639. 640. 



b) mit langem Wurzelvokal: 



Maskulinum 




Neutrum 


Femininum 


züti 




zütö 


zütä 


zütöga 
zütömu 


) 


wie Maskulinum 


züte 
zütöj 


ZÜtl 




zütö 


zütü 


iütm, zütijem 
zütöm, zütömu 


) 


wie Maskulinum 


zütöm 
zütöj 


ZÜtl 




zütä 


züte 


zütih, zütijeh 
zütim^ zütijem 


i 


wie beim Maskulinum 


züte 




zütä 


züte 


iütim, zütijem 
zütim, zütijem 


i 


wie beim Maskulinum. 



640. Bemerkungen. 1) Die Formen Instr. sg. 
m.-ntr. novtm, zütim, Gen. pl. novih, zütih, Dat.-lnstr.-Lok. 
pl. növim, zütim sind entstanden aus den alten Formen 
novyjimb (novyimb), not■yjich^, novyjim^, die danebenstehenden 
ndvijem, zütijem', növijeh, zütijeh; növijem, zütijem sind nach 
Analogie des Pronomens (tljem usw.) neugebildet. 

2) Der Gen. sg. m.-ntr. kann eine abgekürzte Form 
növög, zütög haben, wie das Pronomen tög neben tögä. 
Ein fester Gebrauch, wann die längere, wann die kürzere 
Form eintritt, besteht nicht. 

3) Die alten Formen des Dat. und Lok. sg. m.-ntr. 
werden unterschiedslos gebraucht, fallen daher zusammen 
in die Formen növömu zütömu (dies die alte Dativform), 
növöm zütöm (die alte Lokativform). Dafür ist sehr gebräuch- 
lich növöme iütöme, doch nur bei den harten Stämmen, 
daher kein *vrüöeme, vgl. §§ 621, 754. 

4) Dat.-lnstr.-Lok. pl. kann statt -m die Endung -ma 
haben: nomma, züthna, wie auch beim Pronomen, z. B. 
ömma statt dnhn. Die Form auf -nm wird mit Vorliebe 
gebraucht, wenn kein Substantiv auf sie folgt, dem sie 
als Attribut dient, z. B. Mägo ömma, Tcbji jyläcü Matth. 5.3 



§640.641.] Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 377 

wohl denen, die weinen; Mlco je Usko bogatma ü6i ü cärstvo 
nebeskö Mark. 10.23 wie schwer ist es den Reichen einzu- 
gehen in das himmlische Reich. 

5) Die Adjektiva weichen Stammes unterscheiden sich 
nur im Nom.-Akk. sg.neutr., Gen., Dat., Lok. mask.-neutr. 
durch e für o der harten: vrüöe, vrücega, vrücemu, vruöem. 

6) Nur in der bestimmten Form werden angewendet 
die Komparativa, z. B. bdlß bolje böljä, gen. böljega bolje besser 
usw.; die Adjektiva auf altes ■'bsk^, best, -bslcijb {-hskyjb), 
z. B. cärskl gen. cärsköga usw.; die possessiven Adjektiva 
auf altes -bjh, z. B. böiji ntr. böije f. böijä Gott angehörig, 
göttlich, h'ävlji zur Kuh gehörig; die auf -snjl (= altem 
-shnjijb, unbest. -sbnjb) auslautenden, von Adverbien ab- 
geleiteten Adjektiva (s. §541), z. B. dänas : dänasnjl heutig, 
jütrös heut früh : jictrosnji, nekad negda einst : nekadasnji 
negdasnjT, säda jetzt: sädasnji. Dazu eine Anzahl vereinzelter, 
z. B. desni recht (von der Hand), lljevi link, poköfni der 
Verstorbene, vUnji der höchste, zädnji der hintere, letzte, 

Komparation der Adjektiva. 
641. Die ursprüngliche slavische Bildung des Kom- 
parativs geschieht durch das Formans -jbs-. Es kann in 
zwiefacher Weise mit dem Stamm verbunden werden: 
1. dem bis auf die erste Silbe mit folgendem Konsonanten 
oder Konsonantengruppe abgekürzten Adjektivstamm tritt 
-jbs- an, wobei das j mit dem vorhergehenden Konsonanten 
die im Slavischen notwendigen Verbindungen eingeht, z.B. 
chud^J Stamm chiido- Komp. *cJiudjbs- abg. chuMbs-, krep^ 
(krep^k^), St. krepo-, Komp. *krepjbs- abg. krepljbs-, tezbkb, 
Komparativstamm tez- Komp. teJbs-; 2. statt des im Sla- 
vischen stets auf -0- auslautenden Adjektivstamms tritt 
ein Stamm auf -e- ein, dem -jbs- angefügt wird, z.B. nov^, 
St. novo-, Komp. novejbs-, nvbnogh, St. rmnogo-, Komp. 'rmno- 
iajhs- (aus *imnogejbs-). In den obliquen Kasus geht die 
Flexion von einem durch Formans -jo- erweiterten Stamm 
aus, *-jbs-jo-, daraus *-jbso-, z. B. abg. '-^chuzdb (chuzdbjb) 
gen. chnzdbsa, novejb gen, novejbsa usw. (vgl.Abg. Gr. §97), 



S78 Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§641.642. 

Beide Bildungsweisen sind im Serbokroatischen erhalten: 
1. z.B. hüd hüdt, zu vergleichen abg. chuMijb (bestimmte 
Form); 2. statt -ej- ist -ij- eingetreten, z. B. bdgat bogätiji, 
zu vergleichen abg. bogatejijb. Die alte Flexion, von dem 
oben genannten erweiterten Stamm auf -jhso- ausgehend, 
ist verloren gegangen, die stets in der bestimmten Form ge- 
brauchten Komparativa werden dekliniert wie jedes andere 
bestimmte Adjektiv, z. B. hüdl gen. hücTega, bogätiji gen. 
bogätijega usw. In der Bildung 1. ist die Betonung stets 
auf der ersten Silbe, langer Vokal dieser Silbe stets ver- 
kürzt; in 2. liegt der alte Hauptton auf der vorletzten 
Silbe (des Nom. sg. msk.), die Silben vorher sind stets 
kurz, daher liegt der heutige stokavische Hauptton als 
auf der drittletzten Silbe. Der Hauptton ist in allen Kasus 
unveränderlich. Vgl. Daniele, Oblici; Budmani § 103 — 105, 
MareticS.213fg. 

643. Nach 1. werden gebildet: düg lang düzi, mrk 
schw^arz mfci, pretio (aus pre-tgh; fem. pretila) fett pretljl 
(statt *pretilji), tili ruhig tist. — bijel bio (fem. bijela) weiß 
bjelji^ bläg gut bläzi, blijed bleich bljedT, brz schnell bfzl, 
crn schwarz crnjt, cest dicht cesöl, cvrst voll^ fleischig cvfsöi, 
dräg teuer dräsi, glüh taub glüsu grd (gewöhnlich grdan) 
häßlich grdi^ grk bitter gfci, grub grob grublji, güst dicht 
güsöi, liüd schlecht huäi, jäk stark jäcl, kriv krumm krwljt, 
krnj splitterig krnji Mar., krüt dick kruci, lud dumm lüdl, 
Ijüt grausam Ijücl, mläd jung mlckti, mläk lau mläci, pläv 
blond plävlji, prljek schroff u. a. preci Mar., riä rot rldi^ 
sijed grau (von Haaren) sjMi, sinj blau swji (Budm,), sküp 
karg skuplji, süh trocken süsi, süpalj {^= supljh) löcherig 
süplß, tüp stumpf tupljl, tvrd fest tvrdl, vrüc heiß vrüöi^ 
ziv lebendig zivlji, züt gelb zu6i. So gebildet sind auch 
lljesan wütend bjesnji, cijenan cijen (aus cenhm) fem. cijena 
preiswürdig cjenji (Budm.), niledan (niledan) schwächlich 
mlednji (Budm.), stidan schamhaft stldnji, tijesan (aus tesn5 
= *teshi3) eng tjesnß, gorak bitter gorcT, debeo (fem. debela) 
dick deblji (statt *debeljl), die insofern abweichen von der 
alten Regel, als nicht die Reduktion des Komparativ- 



§ G42 — 646.] Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 379 

Stammes auf die erste Silbe stattgefunden hat, wie sie in 
den folgenden Beispielen, alten Adjektiven auf -^^c^ (skr. 
-ak), -oH, -ekh regelmäßig stattfindet: glädak glatt glääi, 
mhak zuwider mf^i, nlzak niedrig wiii, slädak süß slädi, 
tänak dünn tänjl, uzdk eng uzi; krciiak kurz kräcl, plitak 
seicht pücl^ rijedak selten rjedi (rMi), teiak schwer tesl, 
ziädk dünnflüssig sid~i; — dälek weit dälji, dübok tief düblp, 
strok weit slri, visok hoch v'm, zestok heftig zesdi. 

643. In einigen wenigen Fällen ist die alte Stamm- 
form der obliquen Kasus, -hs-, im Serbokroatischen erhalten : 
grub grnpsi Budm. (regelmäßig grühlji), läk (aus lbg^k^ skr. 
lägak fem. läka d. i. lägka) leicht läksx, lljep schön Ijepsi, 
tnek weich (aus mfkzkb fem, mß^ka, skr. meka, danach msk. 
mek gebildet) mekst. Doch sind das keine in ihrer Gesamt- 
gestalt alten Bildungen, es müßte z. B. ein urspr. *Iepl'h- 
sijb skr, ein ^Ijepal'sl ergeben haben. Der Komparativ 
dülß, auch dlljf, zu dug lang, beruht auf einem anderen 
mit l auslautenden Stamm, vgl. dülj Länge. 

Nach dem Muster der oben mit angeführten Kora- 
parativa auf -Iji {l wegen der Verbindung von Labial mit 
j, § 138) hat sich diese Endung ausgedehnt auf einige 
anders auslautende Stämme: läk läglß, mek mekljl Mar. 

644. Defektive Komparative der behandelten Form 
sind: bölji besser, zu dobar; gört [gen. görega, r ^ oXievc^ r) 
schlimmer, zu zäo f, zlä; mänji kleiner, geringer, zu mäli; 
ve6l grüßer (abg. vestijb) zu velik, bestimmt veliM. 

645. Nach 2. werden alle anderen Adjektive kom- 
pariert, z. B, stär alt stariji, pämetayi verständig pametniji, 
räzüman verständig razümniji, slävan berühmt slävnijl. 

646. Der Superlativ wird ausgedrückt durch Vor- 
setzung der Partikel näj vor den Komparativ; sie zieht 
stets den Hauptton auf sich, z. B. näj-bolji, näj-starijl 
näj-bogatiji. 



380 Flexion der Pronomina n. Adjektiva. [§ 647. 648. 

Quantität und Betonung der Adjektiva. 

647. I. Das unbestimmte Adjektiv. Über die 
Quantitätsverhältnisse im allgemeinen ?. namentlich §262. 
— Nach Vuks Bestimmungen im Wb. und nach den Zu- 
sammenstellungen von Daniele (Rad XIV, Akcenti u ad- 
jektiva) werden Femininum und Neutrum gleichartig betont 
und ist in der gesamten Kasusreihe aller Genera Hauptton 
und Intonation unveränderlich, d.h. im Mask. wie im Gen. 
sg. (der Nom. kommt aus öfter erwähntem Grunde nicht 
in Betracht), beim Fem. und Neutrum wie in deren Nom. 
sg. Das geht aber nicht durch das ganze Sprachgebiet, 
vgl. Budmani, § 102. 1^'^), und Dubrovacki dijalekat (Rad 
65.155), ferner Resetar, Die serbokr. Betonung südwest- 
licher Mundarten, S. 112 fg. Es ist dort festgestellt, daß 
in Ragusa und sonst andere Betonungstypen herrschen, 
bemerkenswert, Aveil dabei eine ältere, auch im Russischen 
vorkommende Betonung hervortritt. 

648. 1. Zweisilbige Stämme mit alter End- 
betonung und langem Wurzelvokal haben fast regel- 
mäßig im Nom. sg. fem., Nom-Akk. pl. ntr. Endbetonung, 
dagegen im Nom. sg. ntr., Nom. pl. msk., Nom.-Akk. pl. 
mask. -fem. alte Wurzelbetonung, also " auf der ersten 
Silbe. Es ist hier nur Rücksicht genommen auf die 
Nominative, über die obliquen Kasus s. § 652. Bei den 
Beispielen ist die russische Form mit angeführt: dräg drdga 
drägo drägi drdga dräge r. dorog doroga dorogo dorogi, grub 
grüba grübo grubi grübet grübe r. grub gruba grubo gruby; in 
derselben Weise bei allen folgenden: brz r. borza borzo 
borzy, gnj'io gnjila usw. r. gnil gnila gnilo gnily, güst r. gust 
giista gusfo gnsty, kriv r. kriv Tcriva krivo krlvy, Ijüt r. tut 
l'nta l'uto l'uty, niläd r. molod tnoloda molodo molody, nljem 
(nem) nijema (nema) usw. r. nem nemo, nemo, nemy, pilsf r. 
pust pusta pusfo pijsfy, sljed (sed) fem. sijeda (seda) usw. r. 
sed seda sedo sedy, sknp r. skup skiipa sknpo skupy, slän r. 
solon solona solono solony, süh r. such sucha sucho suchi, svet 
r. svat svata svato svaty, tüp r. tiip iupa tupo tupy, tvrd r. 



§ 648— 650.J Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 381 

tvord tverdn tvordo tvordy, zw r. ziv ziva sivo zlvy. — Wenige 
haben durchgehende Endbetonung, wie das auch im Rus- 
sischen der Fall ist, so h\o (bljel) bijela hijelo bijeli bijela 
hijele r. bei bela belo behj, ebenso die folgenden: crti r. deren 
cerna cerno cermj, süpalj {= ^stqdjh), züt r. zolt Mta zelto 
zelUj, doch auch zoUo zqlty, wie denn überhaupt im Rus- 
sischen die Betonung des Neutrums und des Plurals öfter 
schwankt. 

649. 2. Alte dreisilbige Stämme mit alter 
Endbetonung, langem Vokal und beweglichem a, 
die nach Vuk-Danicic im Nom. sg. msk. mit ' auf der 
ersten Silbe betont sind, haben in Ragusa diese Form mit 
", also alte Wurzelbetonung, und verlegen ebenso wie beim 
Typus 1., dem sie bei Verlust des a (= ^, h) durch die 
Zweisilbigkeit gleich werden, den Hauplton auf Nom. sg. 
ntr., Nom.pl. msk., Nom.-Akk.pl. mask.-fem., also smijesan 
lächerlich [srnesan, Vuk.-Dan. smijesan smesan) smijesna 
smljesno smljesni smijesna smljesne; z. T. stimmt dazu auch 
das Russische: glädan (V.-D. glädan) hungrig r. goloden go- 
lodna golodno golodny, krätak (V.-D. krätak) kurz, zedan (V.- 
D. zedan) durstig r. zaden iadna zndno zadny. Vgl. dazu noch 
die beiden Fälle, wo auch bei Daniele der Nom. sg. msk. 

hat: nägao (aus 7^agl^, a ist Einschubsvokal) eilig ndgla 
näglo nägli ndgla nagle r. nagla nnglo nngly; svljetao {svetao 
= svetbh) hell svijetla (svetla) svljeÜo svijeÜi svijetla svijetle 
V. svetel svetla svetlo svetly. 

650. 3. Die alten dreisilbigen Stämme mit 
Wurzelbetonung, langem Vokal und beweglichem 
a, die nachVuk-Dan. unveränderlichen Ton haben, erhalten 
in Ragusa im Nom. sg. fem. und im Nom.-Akk. pl. ntr. 
Endbetonung, also jetzt ' auf der ersten Silbe; auch das 
stimmt z.T. zum Russischen, so z.B. gnüsan {gnüsan) ekel- 
haft, schmutzig gnüsna gnüsno gnüsni gnüsna gnüsne (ebenso 
bei den folgenden) r. gnusen gmisna gnusno gnusjiy, trüdan 
ermüdet r. truden trudna triidno trijdny, üman vernünftig (r. 
abweichend umon umna um7io unmy). Selten ist bei den 



382 Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§ 650 — 652. 

Typen 2 und 3 durchgehende Endbetonung : dü^mi schuldig 
düina düzno dühii düzna düine r. dolien (wäre skr. *dümn) 
doUna dolzno doUny (doch auch doUno doUny), Idstan leicht 
(Idsan) fem. Idstia, miran friedfertig. 

651. 4. Zweisilbige Stämme mit Wurzel- 
betonung und kurzem Vokal, Akzent ", nach Vuk- 
Dan. unveränderlich, haben im Nom. sg. fem. und im 
Nom.-Akk. pl. ntr. alte Endbetonung, also jetzt Akzent ; 
das stimmt ebenfalls zum Russischen : eist cista clsto clsti 
ctsta eiste (so bei allen folgenden) r. eist cista cisto cisty, 
hlstar klar listra usw. r. hrjsir hjstrn bystro iystnj, dug lang 
r. dolog dolgn dolgo dolgi, mökar f. mbkra feucht r. mokr 
mokra mokro mokry (und mokro niokry), növ r. nov nova 
novo novy, ösfar f. dstra usw. scharf (r. abweichend ost'or 
ostrn ostro ostry)^ tlh r. tick ticha ficJio tichi, töpal fem. töpla 
usw. r. tepel iepln t'oplo (u. teplo). — Ebenso auch alte 
dreisilbige Stämme dieser Betonung mit beweglichem a: 
slädak süß sldtka slätko slätki slätka slätke (so auch die fol- 
genden) r. sladok sladkn slndko sladki (kchsl., r. solod-), 
tänak dünn, r. ionok tonka tonko tonki, uzdk f. üska usw. r. 
uzok uzkg vtzko uzki. 

053. 5. Nach Vuk-Dan. bleibt die Betonung in den 
obliquen Kasus des unbestimmten Adjektivs unveränder- 
lich, d. h. sie ist im Mask. wie dessen Gen. sg., im Fe- 
minin und Neutrum wie deren Nom. sg. Nach Budmani 
(s. Resetar aaO. S. 121) ist das in Ragusa anders: 

a) Adjektiva alter Endbetonung zw^eisilbigen Stammes 
mit langem Wurzelvokal, die im Nom.-Akk. sg. ntr., im 
Nom. pl. msk. und im Nom.-Akk. pl. msk. fem. (s. § 648) 
Wurzelbetonung erhalten, haben diese auch im Gen. und 
Dat.-Lok. sg. msk, ntr. und im Akk. sg. fem., daraus ergibt 
sich dann folgendes eigentümliche Betonungsparadigma: 



§ 652.] 




Flexion der Pronomina 


u. Adjektiva. 








Mask. 


Neutrum 


Femininum 


Sg. 




n.-a. 


süh 


süho 


n. 


süha 






g- 


süha 




g- 


sühe 






d.i. 


sühu 


wie Mask. 


d.-l. 
a. 


sühöj 
sühu 






i. 


sühijem 




i. 


sühöm 


PI. 




n. 


suhl 


süha 




sühe 






a. 


sühe 


süha 




sühe 




d 


g- 
.-l.-i. 


sühijeh 
sühijem 


wie beim 


Maskuli 


num. 



383 



b) Adjektiva zweisilbigen Stammes und kurzer Wurzel- 
silbe mit alter Wurzelbetonung '\ die im Nom. sg. fem. 
und im Nom-Akk. pl. ntr. Endbetonung annehmen, haben 
diese auch im Instr. sg. msk., im Gen., Dat.-Lok., Instr. 
sg. fem., im Gen., Dat.-Lok. -Instr. pl.; demnach ergibt sich 
folgendes Schema: 



Sg. 



PI. 





Mask. 


Neutrum 


Femininum 


n.-a. 


eist 


clsto 


ctsta 


g- 


clsta 




eiste 


d.-l. 


clstu 


wie Mask. 


clstöj 
a. clstii 


i. 


cistijem 




clstöm 


n. 


clsti 


clsta 


eiste 


a. 


eiste 


clsta 


eiste 



g. clstijeh 
d.-l.-i. cistijem 



wie beim Maskulinum. 



Die Fortsetzung der Endbetonung des Femininums 
im Gen., Dat.-Lok., Instr. sg. ist normal, ebenso die Wurzel- 
betonung im Nom.pl. msk. und Akk.pl. sühi sühe (s. §648 
die Zusammenstellungen mit dem Russischen). Das Ver- 
hältnis von Fem. süha a. sü.hu n.-a. pl. sühe, clsta a. clstu 
n.-a. pl. eiste entspricht genau der gleichen Erscheinung 
beim Substantiv des Typus rüka rülcu rüke, vbda vödu vöde 



384 Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§ 652. 653. 

(s. § 605). Ebenso kann man den Wechsel im Neutrum 
Nom.-Akk. sg. süho pl. süha, sg. clsto pl. ctsta vergleichen 
mit dem Wechsel im Substantiv meso mesa, brdo hrda, s. 
§608. Die Annahme der Wurzelbetonung im Gen., Dat.- 
Lok. sg. msk.-ntr. süha siüiu wird Übertragung aus dem 
Nom. siih süho sein. Die Endbetonung im Instr. sg. msk.- 
ntr., im Gen., Dat. -Lok. -Instr. pl. süJiijem sühijeh süJiijem, 
die in dieser Mundart die rein pronominale Form haben, 
kann als Fortsetzung alter Endbetonung der ursprünglich 
nominalen Form angesehen werden; warum dasselbe auch 
bei alter Wurzelbetonung stattfindet,, cistijem cistijeh clstijem, 
vermag ich nicht zu erklären. — Für weitere Einzelheiten 
und verschiedene dialektische Verhältnisse, deren Behand- 
lung hier zu weit führen würde, verweise ich auf Resetar 
aaO. S. 113 — 125. 

053. II. Das bestimmte Adjektiv. 

Die folgenden allgemeinen Aufstellungen beruhen zu- 
nächst auf den Verzeichnissen bei Daniele (Rad XIV). 
Was davon bei ihm selbst oder sonst an Abweichungen 
vorkommt, ist unten besonders angegeben. Daniele geht 
bei seinen Bestimmungen, wie immer, von der Silbenzahl 
und der heutigen stokavischen Betonung des Nom.sg. msk. 
der unbestimmten Form aus. Wie öfter bemerkt, ist das 
leicht irreführend, da diese Form die ursprüngliche Be- 
tonung oft nicht mehr erkennen läßt. Man muß ausgehen 
von einer Wortform, die diese Erkennung ermöglicht, und 
wählt am besten dazu den Nom. sg. fem. In den unten 
anzuführenden Beispielen wird angegeben dieser Nominativ 
und der Nom. sg. msk. der bestimmten Form, deren 
übrige Kasus dann dieselbe Betonung haben. 

Die Grundregel ist: Verschiebung des Haupt- 
tons in der bestimmten Form gegenüber der un- 
bestimmten findet statt, wenn diese alte End- 
betonung hatte; war die unbestimmte Form nicht 
endbetont, so behält die bestimmte Form die 
Betonung der unbestimmten unverändert bei. 



§ 658 — 655. j Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 385 

Da verschiedene Silbenzahl und verschiedene Quantität der 
Stämme, dazu die stokavische Haupttonversetzung ein sehr 
buntes Akzentuationsbild ergeben, sei hier eine mehr ins 
einzelne gehende Darstellung angeschlossen: 

654. 1. Die unbestimmte Form hat alte End- 
betonung. In Betracht kommen alte zweisilbige, drei- 
silbige und viersilbige Stämme; solche mit mehr Silben 
haben nie Endbetonung. 

A. Zweisilbiger Stamm (der unbestimmte Nom. 
sg. msk. einsilbig). 

a) Der Wurzel vokal ist lang. Der Haupttou wird 
in der bestimmten Form zurückgezogen, also auf die erste 
Silbe, die notwendig den Akzent " haben muß, da eine 
erste Wortsilbe mit altem Hauptton im Serbokroatischen 
stets fallende Intonation hat. Beispiele: Mo hijcla (beo 
heia) : Ujeli hell, lljep UjejM {lep löpa) : Vijepi, kriv TcHva : 
ÄrM, mläd mldda: mlädi, züt zida : süti; — müdar { = mqdn) 
müdra weise : mädri, lirdbar hrdhra tapfer : Jirabrl, jedar jedra 
(= jedn) kräftig : jedri, nägao nugla : näglJ, tijesan tijesna 
(tesan tesna) : üjesan (tesan), süpalj süplja : süplji, mrtav (so 
richtiger als mrtav) mrtva tot : mPtvi, okrügao okrügla rund : 
ökrügli fem. okrüglä (Simplex wäre *krügll *krüglä; = 
krqgh), födmük,ao podnmkla tückisch : pödmükli fem. pöd- 
müklä (Simplex *mükli ^miiklä). 

b) Der Wurzelvokal ist kurz. Nur vereinzelte 
Beispiele (vgl. § 265): döhar {=^dobn) döhra : döbri; bös hösa : 
hösi, gö göla: göll; vgl. noch hädar (= bbdn) bädra lebhaft, 
wenn bestimmt gebraucht bädn bädrä. 

655. B. Ursprünglich dreisilbiger Stamm, 
der im Skr. durch Ausfall von ^, b (bewegliches a) zwei- 
silbig geworden sein kann. Es ist daher wegen des ver- 
schiedenen Akzentuationsbildes dieser Fall besonders ge- 
stellt. 

a) Der Stamm hat kein bewegliches a; der 
Hauptton ist in der bestimmten Form auf die vorletzte 
Silbe des Stammes zurückgezogen, liegt nach der stoka- 
vischen Verschiebung als ' auf der drittletzten (des Nomi- 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 25 



386 Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§ 655 — 657. 

nativs). Beispiele: zehn zelena grün : zcleni, r ihnen rumena 
rot : rümenf, debeo debela dick : debeli, gölem golenia groß : 
gdlenil, visok visöka hoch : visoki, dälek daleka weit : däleki; 
väljän valjäna tüchtig : väljäni; dazu Partizipia präs. akt., 
die zu Adjektiven geworden sind, z. B. mugüc mogüca ver- 
mögend : mbgüci. 

b) Der Stamm hat bewegliches a; dann kann 
der Hauptton nicht auf die durch Ausfall von ^, h vokal- 
los gewordene Silbe rücken, sondern steht auf der ersten 
Silbe des im Skr. zweisilbig gewordenen Stammes als , 
es entsteht daher dasselbe Akzentuationsbild wie bei den 
ursprünglich zweisilbigen Stämmen. Beispiele: däljan ddljna 
entfernt : däljni, düian düsna schuldig : düini, niiran mirna 
friedfertig : niirm, rdvan rdvna eben : rävni, smijesan smijesna 
{sniesan smesnd) lächerlich : smyesni (sniesni), zldtan zlätna 
golden : zlätm, zedan Mdna durstig : zedni, smjetao svijetla 
{svetao svetla) hell : siijetli f. smjetlä (svefli svetlä). — Fälle 
mit kurzem Vokal scheinen nicht vorzukommen; das ur- 
sprünglich dahingehörige gorbks gorbka bitter hat skr. ge- 
dehnten Vokal, gorak görka : görki gorkä. 

®56. C. Ursprünglich viersilbige Stämme 
(der Nom. sg. msk. dreisilbig); es handelt sich um wenige 
Adjektiva, alle so beschaffen, daß durch Ausfall von altem 
^, h (beweglichem a) dreisilbiger Stamm entsteht. Der 
Hauptton ist in der bestimmten Form um eine Stelle zu- 
rückgezogen, liegt in stokavischer Betonung jetzt als ' auf 
der ersten Silbe, z. B. von hnüö abgeleitet imüöan imücna 
vermögend : imücm, von mögüö mogüca vermögend : mögüöm, 
majüsan majüsna dem. klein : mäjüsni, von düg dugäcak 
(= dlg^chk^) dugäcka lang : dügacki dügackä. 

657. Abweichungen von der Grundregel. 

Die oben unter lAa, Bb (§§654,655) besprochene 
Versetzung des alten Haupttons auf die erste Silbe ist 
nicht durchgehend, sondern es kann die bestimmte Form 
auch Endbetonung haben, der lange Vokal der Wurzelsilbe 
ist dann stets verkürzt. Das Russische zeigt z. T. eben- 
falls Endbetonung. Zu Aa: cest cestaicesti und ccsti, glüh 



§ 657 — 659.] Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 387 

glüha : qlkhi und glüht r. gluchoj, gnjlo gnjüa : gnjUi und 
gnjili r. gnilöj, güst güsta : gusü und güsti r. gustoj, Ijüt Ijüta : 
Ijiiti und Z^'Ä^?, m? rida:riäi und ncft, sZäw släna: släni und 
sZä?it, smA stiAa : suhl und smä? r. suchoj, svet svöta : sveti r. 
svaföj, tü(t tüäa fremd : tüdi und tüäi r. cuzoj, tvrd tvrda : 
/t;r^t und tvrd%, vrüö vrüöa : vn«;? und vrüöi. — Zu B b 
glddan glddna : glädni und glädni, kräfak kräfka : krätki und 
krätki, krüpan krüpna : krüpm und krüpnt, mrsan mrsna Fleisch- 
speise- : mrsm und mrsni, ^;Z/faÄ: plitka seicht : plltki und 
plltki, prdzan präzna leer : prazni und präzni, rijedak rijetka 
{redak retka) selten : retki und rijetki (retki), svijestan svijesna 
{svestan svesna) verniinRig : svjesfil (svesm) und svljesni (svesni), 
strdsan strdsna schrecklich : strasni und sträsni, Uzak teska : 
teskl und /es/ci, fiYafc i;«7Ä;a biegsam : vUki und ui^M, Mdak 
zitka : il^A;? und zitki. — Mit kurzem Wurzelvokal hos 
bösa : bdsi und bösi r. hosöj. 

658. 2. Die unbestimmte Form hat nicht alte 
Endbetonung, sondern entweder alten Hauptton auf der 
ersten Silbe als ' oder ", oder auf einer anderen Silbe vor 
der Endsilbe des Stammes, also dann nach heutiger stoka- 
vischer Betonung um eine Silbe weiter zurückgeschoben als 
'oder'. Allgemeine Regel ist: der Hauptton bleibt in der 
bestimmten Form, wie die unbestimmte ihn hat, z. B. 7idv 
nova : nbin, prost prosta einfach : prösti, piun püna voll : püm, 
sU Sita satt : slti; grhav gfbava höckerig : gfbavi, sllan sllna 
gewaltig : sllm, plemenit plemenita adlig : plemeniti; högat 
bbgata : bbgati, Ijeniv Ijeniva träge : Ijenivi, koristan körisna 
nützlich : Äöris?«?, hojäzljiv bojäzljiva Iwrchissim :hojäzljivi usw. 
— Vereinzelt tritt bei zweisilbigen Stämmen mit ' Deh- 
nung der Kürze ein : {mäo mala klein) : mäli, präv präva : 
prävi und prävl, star stära : stäri, zdräv zdräva : zdrävi und 
zdrävi. 

059. Abweichungen von diesem Typus. 

In einer größeren Anzahl von Fällen hat neben der 
als normal angesehenen Übereinstimmung in der Betonung 
der unbestimmten und bestimmten Form die bestimmte 

25* 



388 Flexion der Pronomina u. Adjektiva. [§ 659. 66Ü. 

auch alte Endbetonung oder nur diese, nach jetziger 
stokavischer Betonung den Hauptton ' auf der vorletzten 
Silbe. In manchen Fällen liegt hier ein alter Betonungs- 
typus vor, da auch das Russische dieselbe Erscheinung 
hat: Mstar hlstra : Instri und histn, eist clsta : clsti und 
cistt, düga düga : dügi und ^^i, mek meka : meki und meki, 
mbkar mokra : mökrl und mokri, mrk mrha : mrki und mrkl, 
obal öhla : dbli und öbli, östar östra : östri und östri, tili 
iiha : tiM und tihi, vet [vetah) vetha alt : vethi, vit vlta 
biegsam : i'if? (und vlfl?); — cvjetan cvjetna : cvjefm {cvjetnä 
nedjelja Palmwoche) r. cvetnoj, cästan {cäsan) cäsna geehrt, 
heilig : cäsm, desan desna recht : desiii r. fem. desnäja, glädak 
glätka : glätki, krecan krecna Kalk- : krecni, lövan lövna Jagd- : 
lövni r. dial. lovnoj, pözan pbzna (aus pozdbns pozdbna) spät: 
pdzni und poztit, pöstan pösna Fasten- : pösni und posm, 
sltan sltna klein fein : slt7ii und sUm, sladak slätka : slätkl 
und slätki, tänak tänka : tänk7 und tänki, uzak üska : üski 
und üski, vjecan vjecna ewig : vjecin; — glävan glävna : glävni 
(und glävni^); — gvözden gvozdena eisern : gvozdeni und 
gvözdem r. gvozd'anöj, leden ledena, ledern und ledenl eisig 
r. led'anöj, marven märvena Vieh- : inarveni, mäslen mäslena 
Schmalz- : maslenl und mäsleni, vbden vbdena wässerig : 
vodeni und vbdeni r. vod'anöj; IrasnenT und brasneni Mehl-, 
cabreni und cäbreni Zuber-, iglen tglena Nadel- : iglenl, 
kletven kletvena Fluch enthaltend : kletvem und kletveni; — 
cbMn ebhana tuchen : cohäni und cbJiam., kbstan kbstann 
knöchern : kostäm und kbstani r. kost'anoj, nbvcan nbvcana 
[nbvcan nbvcana) Geld- : novcäm und nbvcani, räzan räzana 
Roggen- : raiäni und räzani r. rzanoj, sjercan sjercana aus 
sijerak einer Hirseart : sjercä7ii und sjercam, snjezan snjezana 
schneeig : snjezäni und snjezani r. snezanöj, zeljan zeljana 
aus Gemüse zelje : zeljäm, zemljan zemljana irden : zemljäni 
und zhnljam r. zemVanoj. 

660. Eine bedeutende Anzahl von Adjektiven mit 
Endbetonung der bestimmten Form ist überhaupt nur in 
dieser gebräuchlich. Die mir bekannt gewordenen Fälle 
führe ich an. 



§ 660.] Flexion der Pronomina u. Adjektiva. 389 

a) Possessive Adjektiva auf -jl (angeführt mit dem 
Substantiv, von dem sie herkommen): brav Schafvieh 
hrävlß, cövjek Mensch covjecß, dwlji wild, djävö gen. ctävola 
Teufel davdljl, jägnje gen. jägnjeta Lamm jagnjeöi und 
jägnjeöi, järac gen. järca Bock järcjt, jünac junger Stier 
jüncß, jüne jüneta dass. juneci, kökös Henne kokbsß, kürjäk 
Wolf kurjäcß, mägare gen. mägareta Esel magareci, ösao 
gen. bsla Esel bslß, ovca Schaf ovcß, plle gen. plleta Huhn 
jnleöi und plleöi, *pse pseto gen. pseteta Hund psedt, söm 
Wels sbmlß, vräbac Sperling vräpcß (mit anomaler Länge 
vräpcß), Mrljebe zdrebeta Füllen Mrebect; cvörak Star (davon 
Adj. cvörkov) cvorkbvlß, drozak Drossel drozgövlji, ker Spür- 
hund (Adj. kerov) kerbvlfi, kos Amsel kosbvlß, müz Mann 
muievlji, ös (bsa) Wespe osbvlji, piüz Schnecke puzevlji, sin 
Sohn (Adj. sinov) sinbvlß. Mit anomaler, aus dem Sub- 
stantiv übertragener Länge: brk Schnauzbart brcje pero 
Schwungfeder, vräg Teufel vräzji, vük Wolf viuß, zec Hase 
zecß. 

b) Adjektive auf -ski (alte unbestimmte Form -hsk^): 
äga (Adj. ägin) Aga agmski, änäeo gen. änäela Engel 
andelski, bäsa (Adj. bäsin) Art vornehmer Türken basinsM, 
Bijelä crkva (Weißkirchen) Bjelocrkvänski, djever Schwager 
djeversM., ctävo gen. dävola Teufel äavblski, dvor Hof dvbrski, 
gbra Berg, Wald gbrski, gräd Stadt gradskl r. gorodsköj, jezero 
See jezerski, Krüpa (Ort) KrüpsM, Erüpanj gen. Krüpnja 
(Ort) Krupänjski, päsa (Adj. päsin) Pascha paslnskl, pölje 
Feld pbljski r. pol'skoj, pryatelj Freund prijateljski, Rät 
gen. Rata (Ort) R(^änskl, sköt Vieh skbtski, starina Alter- 
tum starmsM^ svyet Welt svjetski, svinja Schwein svinjski, 
vlädika Bischof vladicänski (aus altem Adj. vladgcbtio), vräg 
Teufel vräski, zemlja Erde zemaljskf, Zemün (Ort) Zetnünski, 
drüg Genosse druzevski, knez pl. knezovi u. a. Dorfoberhaupt 
knezbvski, küm (Adj. kümov) Gevatter kumdvsM, makbvski {kec) 
Treff-As (zu mäk Mohn, Adj, mäkov), swU Hochzeitsbegleiter 
svatbvskf, vila vilbvskl, zmäj Drache zmajeoski, zid Jude (Adj. 
zldov) zidbvski. Mit doppelter Form, endbetont und nicht- 
endbetont: Büdun Ofen Budtmski und Büdimskl, bünär und 



390 Zahlwörter. [§ 660. 661. 

hunär Brunnen hunärskl und hünärski, Decäni (Ort) Decänskl 
und Decanski, Dünav Donau dunävskl und dünävsM^ nejyri- 
jatelj Feind ne2)rijateljskl und neprijateljski, Srljem Syrmien 
Sf'emski und Snjemski, vtnogräd Weinberg vinogrädski und 
vlnogradskt. 

c) Adjektiva auf -enl, -am: bäsca Garten hasceni, bütva 
rote Rübe hlifvem, brädva Zimmeraxt bradvem, britva Taschen- 
messer britveni, crkva Kirche crkveni, jäspra Asper (Geldstück) 
jaspreni, käva Kaffee kaveiii, läita Schiff" ladem, ödar gen. 
Odra Bett odren% rötkva Rettich rotkvem, ükva Kürbis tik- 
veni, vazmeni österlich, zöb Hafer zobenl; — kljüc Schlüssel 
kljucäni, rebro Rippe (Seite) rebrom, so gen. söli Salz soläni 
r. sol'anöj, vosak gen. voska Wachs vostäni (und vöstam) 
r. voscanöj. 

d) Adjektiva auf -an = -hns: glühnä nedjelja Woche 
vor Palmarum, kösa Sense kds7n r. kosnöj, nöö Nacht ndöni 
r. nocnoj, red Ordnung, Reihe 7'ednji, rüka Hand rücni 
r. rucnoj, strvnt (sthit) Halm-, trüsnl Kleien-. JNIit anomaler 
Länge: brk Knebelbart brcm, güz podex güzm, krv Blut 
kfvni {krvnil), peta Ferse petni r. patnöj, rep Schwanz repni, 
rüda u. a. Deichselstange rüdni, slr Käse sirtn, vrät Hals 
vrdtni, züb Zahn zübnt r. zulnöj. 

III. Zahlwörter. 
Bestand und Flexion. 
661. 



1. Kardinalzahlen, 




1 jedan 


11 jedänaest 


2 dvä 


12 dvdnaest 


3 tri 


13 trinaest 


4 cetiri 


14 cetrnaest 


5 pet 


15 petnaest 


6 sest 


16 sesnaest 


7 sedam 


17 sedämnaest 


8 ösam 


18 osämnaest 


9 devet 


19 devet naest 


LO deset 


20 dvädeset 



§ 661. 662.] Zahlwörter. 391 

30 frideset 500 pet stötlnä 

40 cetrdeset 600 sest sVötlnä 

50 pedeset 700 sednm stoimä 

60 sezdeset 800 ösam stötinä 

70 sedamdeset 900 (7et;e^ stottnä 

80 osamdeset 1000 fisiica, Mljada 

90 devedeset 2000 rfuye /is«ce, JuIJade 

100 sfö, s/öf««a 3000 frl ^isz;ce, hlljade 

200 dvjesta, dvlje stdtine 4000 cef/ri /iszfcfe, hlljade 

300 inste, M stdtine 5000 jje^ tJsücä, hiljädä 

400 ceü'ri stdtine usw. 

663. Die Zahlen von 11 — 19 beruhen auf den alten 
Verbindungen jedbnz na desete, döva na desete usw. (= ein, 
zwei auf zehn); das gäbe im Skr. jedan-na-desefe, dva-na- 
desete. Schon vom 15. Jahrh. an treten verkürzte Formen 
auf: jedan-na-deste, dva-na-deste, und für -na-deste auch -na- 
este, -na-jeste und -najste, dies entstanden aus Diphthon- 
gierung des -ae-. Daneben steht -na-deset (eigentlich der 
alte Akk. desetb), daraus in gleichartiger Entwicklung -na- 
dest und -na-est {-najst), die heutige Form. Vgl. dazu die- 
selbe Erscheinung im Bulgarischen jedinajs, dvanajs (.s für 
-st), im Slovenischen jednajst, dvannjst. Anders im Rus- 
sischen, wo die erste Silbe der Zehnzahl den Vokal ver- 
liert, dvenndcat', -dcat' würde einem *dbsetb entsprechen. 
Derselbe Vorgang wiederholt sich bei den Zahlen 20, 30, 
40, 60; die ältesten Formen sind dva deseti, tri deseti, 
cetiri deseti (abg. döva deseti, tri deseti oder -te, cetyri deseti 
oder cetyre desete), vom 15. Jahrh, an dvadesti, tridesti, da- 
neben dvadeset, trideset, cetirideset (cetirdeset), daraus die 
heutigen Formen und die Nebenformen dväest, tr'iest, cetrest, 
und für altes sest deset, sezdeset auch seset. Vgl. dazu bulg. 
dvajs{t), b\o\. dvajset, v.dvadcat' usw. Solche aus den sonstigen 
Gewohnheiten der Sprache herausfallenden Verkürzungen 
lassen sich kaum mit Sicherheit erklären; vielleicht ist 
der Ausgangspunkt zu suchen in denjenigen der alten Ver- 
bindungen, wo in beiden Elementen d stand und durch 



392 Zahlwörter. [§ 662—664. 

eine Art Haplologie oder Silbendissimilation das zweite d 
ausfiel: jedhnö-na-desete^ döva-na-desefe, sedmb-na-desete, devetb- 
na-desete, dsva-deseti. Die Verkürzung von -desete zu -desfe 
usw. mag mit der Unbetontheit der zweiten Silbe zusammen- 
hängen; die skr. Betonung auf -va- (jetzt stokavisch auf 
der Silbe vorher), dial. noch jedanäest dvanäest (Resetar, Be- 
tonung südw. Mundarten, S. 152) und eakavisch jedanajst 
dvangjst, deckt sich mit der slov. und russischen, slov. 
dvanajsf, r. dvenadcat'. Die Form cetr- in ceirnaest, cetrdeset 
geht zurück auf eine schon im 15. Jahrh. vorkommende 
Verkürzung cetir-, aus cetiri- oder cetire-, die zweite immer 
unbetonte Silbe -ir- ist zu r geworden. — Neben dvjesta, 
d. i. der alte neutrale Dual ddve mit dem im Skr. beim 
Nomen dem Maskulinum gleich gemachten Dual von stö, 
steht in südlichen Mundarten dvlje-sti = dzve szU (der 
alte neutrale Dual von söto). — sitdtina ist eine Ableitung 
von stö, in dem Sinne von eKaiovidi;; hlljada ist entlehntes 
griechisches x^^*^? x^^ictbog. 

663. Die Zwischenzahlen zwischen den Zehnern von 
20—100 und die Weiterzählung von 100 oder 1000 an 
geschieht so, daß die kleinere Zahl durch i (und) mit der 
größeren voranstehenden verbunden ward. Das i zieht den 
Hauptton (1) auf sich, wenn die ihm folgende Zahl " oder 
", also alten Hauptton auf der ersten Silbe hat, das Zahl- 
wort ist dann enklitisch; war dagegen die erste Silbe von 
alters her unbetont, so bewahrt das Zahlwort seinen Haupt- 
ton und i ist unbetont, z. B. dvä, tri : dvddeset i dvä, l 
tri; pet : trldeset i pet; dagegen bei jedan, cetiri : dvddeset i 
jedan, dv. i cetiri; stö i dvddeset i sest (126). 

664. Von den Zahlen sind flektierbar jedm, dvä 
(diese beiden der Form nach Pronomina), /n, cetiri; stö- 
tina, thuöa hUjada sind femininale Substantiva, dekliniert 
wie £ena; zu stö vgl. § 669 am Ende. 



§ 664. 665 


] 


Zaliiwörtt-r. 
jedan. 




39 


Maskulinum 


Neutrum 


Femininum 


skr. 


abg. 


skr. abg. 


skr. 


abg. 


jedan 

jednoga 

jednomu 

jedan 

jednlm, 


jedbm 

jedbnogo 

jedhnomu 

jedbm 

jedbnemb 


jedno jedbno 
wie Maskulinum 

jedno jedbno 


jedna 

jedne 

jednöj 

jednu 

jednom 


jedbna 

jedbnojg 

jedbnoji 

jedbna 

jedbnojq 


-nijem 
jednom, 
jednomi 


jedbnomb 

i 


wie Maskulinum 


jednöj 


jedbnoji 


jedni 
jednlh, 
-nijeh 


jedbni 
jedbnecin 


1 
jedna jedbna \ jedne jedhmj 

wie beim Maskulinum 


jednlm, 


jedhnefm 








-nijem 
jedne 
jednlm, 

-nijem 


jedhny 
jedmemi 


jedna jedbna jedne jedhny 
' wie beim Maskulinum. 


jednlm. 


jedbnech^ 








-nijem 











Die Formen Instr. sg. jednijem, Dat.-Instr.-Lok. pl. 
jednijem, Gen. pl. jednijeh sind die alten pronominalen, 
jednlm usw. dem Adjektivum entnommen. Wenn jedan 
durch ni negiert wird (ne unus quidem, keiner), so treten 
die Präpositionen zwischen die beiden Wörter, ni od jed- 
noga; die bestimmte Form nijednl wird in Verwünschungen 
gebraucht: nljednä vjero! Treuloser! 

Die dialektische Betonung jednoga jednomu (Ragusa) 
ist die ältere, vgl. cak. jednega jednenm, r. odnovo odnomij. 

665. dvä. 

Maskulinum und Neutrum Femininum 

skr. abg. skr. abg. 

n.-a. dvä m. dhva, ntr. dive dmje d^ve 

g. dvdjü divojii dvijü d^voju 

d.-i.-l. dvjema d^vema dvjema d^vema 



BU 





Zahlwörter. [§ 


Dazu öba beide: 




Mask.-Neutr. 


Femininum 


öba, öbadvä 


öbje, öbadvije 


obadväjü 


obadvijü 


öbjema, obadvjema wie Mask. 


660. 


tri. 


skr. 


abg. 


n.-a. tri 


m. tnje tri je, ntr. fem. tri 


g. trijü 


trhjh trijh 


d.-i.-l. trima 


trbim 




a. tri 




i. frfcmt 




1. trhchh 


6^7. 


cetiri. 


skr. 


abg. 


n.-a. cetiri 


m. cetyre, ntr. fem. ce/?/rj 


g. cefirijü 


t'e/?/JT) 


d.-i.-l. cetirma 


ce^?/r6»i?) 




a. cetyri 




i. cetyrbmi 




1. cetyrbcM. 



-668. 



668. Die Formen der Zweizahl: der Verlust 
der alten Form des Nom.-Akk. dual, zugunsten der Mas- 
kulinform wie beim Nomen. Im Gen. dväjü statt eines 
normalen *dvoju ist der Nom.-Akk. dvä als Stamm auf- 
genommen; ebenso in Gen. fem. dvijü ekav. dv^ü der 
femin. Nominativ; wenn neben dvjema dial. dvima vor- 
kommt, ist dies nicht aus jenem entstanden, sondern durch 
Ausgleichung mit trima infolge der Parallele dvijü : trijü. 
In älterer Zeit galt dvijü dvejü für alle Genera, dväjü be- 
steht seit dem 17. Jahrb.; an diese Form hat sich zur 
selben Zeit eine mask. -ntr. Dativform dvdma angeschlossen. 
Die alte Genitivform obeju obiju ist ungebräuchlich, oha- 
dväjü obadvijü enthalten ein starr gewordenes oba mit der 
Zweizahl verbunden. 



§ 668—670.] Zahlwörter. 395 

Die Genitive trijü cetirijü (schon im 16..Jahrh.) haben 
die Dualendung von der Zweizahl angenommen, dabei sind 
die Nominative tri cetiri als Stamm verwendet. Von einem 
solchen Stamm tri- cetiri- werden in älterer Zeit die Dative 
(Instr., Lok.) trim cetirim gebildet, daraus entstand mit 
Annahme der Dualendung trima (die heutige Form) und 
cetirima, aus diesem seit dem 17. Jahrh. das heutige cetirma, 
wohl eine Verkürzung von cetirima, nicht auf ein altes 
cetyrhmi (Instr.) zurückgehend. 

669. Die Zahlen von 5 — 99: flektierbar sind nur 
jedan, dvä, tri, cetiri in den mit ihnen verbundenen Zwischen- 
zahlen zwischen den Zehnern, z. B. dvädeset i jedan gen. 
dvddeset i jednoga, trideset l dvä dat. trideset i dvjema, cetrdeset 
i cetiri gen. c. i cetirijü', alles andere ist indeklinabel, da- 
her z. B. nur dvädeset l jyet. 

Zu den Formen von stö (s. § 662) kann noch er- 
wähnt werden, daß in älterer Zeit von 500 an gezählt 
wurde pet sät, sest sät usw.; sät ist der alte Gen. pl., abg. 
petb s^t^. sestb sötö. 

670. 2. Die Ordinalzahlen; Adjektiva, nur in 
der bestimmten Form gebräuchlich: 

1. prvi 15. petnaestt 

2. drügl 16. sesnaestl 

3. treöl 17. sedämnaesti 

4. cetvrtl 18. osämnaesti 

5. peti 19. devetnaestl 

6. sestl 20. dvädeseti 

7. sedmt 30. trideseti 

8. ösml 40. cetrdeseti 

9. deveti 50. pedeseti 

10. deseti 60. sezdesetl 

11. jedänaesti 70. sedamdeseti 

12. dvänaesti 80. osamdesetl 

13. trinaesti 90. devedeseii 

14. eetrnaesti 100. stötl 



396 Zahlwörter. [§670.671. 

200. dvjestöti 500. petstöti 

300, irlstöti usw. 

400. cetiristöti 1000, tlsuöi, Mljadi. 

Die Zahlen 1., 3, — 10, sind die Entsprechungen der 
alten Ordinalia *phm abg, prvö, trethjb, *cetvbrt5 abg. ce- 
tvrtö usw.; drugl, eig. der andere, ersetzt das alte vztorb 
(skr. erhalten in idörnik Dienstag = v^torml^k^). 

Die Zahlen von 11. — 19. sind dem Muster von 4. — 10. 
einfach nachgebildet; stöti dvjestoü kommt schon bei 
Mikalja (Blago, 1649) vor, es ist Nachbildung der auf -ti 
auslautenden wie cetvrti, peti usw., da ein *sto-l nicht bild- 
bar ist. Danach sind in der Schriftsprache (volkstümlich 
sind diese Bildungen überhaupt nicht) die folgenden Hun- 
derte fortgesetzt, und ebenso weitergebildet ßsuöi hUjadl; 
die weitere Zählung von 1000. an soll nach Angabe der 
Grammatiker (Mar. § 235 b) dann erfolgen als dvye tlsuöi, 
tri tlsucl usw. 

Zum Ausdruck der Ordinalzahlen zwischen den 
Zehnern 20. — 30., 30. — 40. usw. werden nur die Einer 
in die Ordinalzahlform gesetzt, dabei das die Kardinalia 
verbindende i weggelassen, z. B. dvddeset treöi 23., pedeset 
pfm 51., sezdeset sedmi 67., ebenso noch stö, tisuöa hlljada, 
z, B. stö dvddeseti 120., pet sfötinä devedeset dsmi 1598., 
hlljada dvddeset treci 1023. 

671. 3. Kollektivzahlen, nur im Plural und im 
Neutrum sing, gebraucht, z. B. pl. m. dvoji, f. dvöje, sg. ntr. 
dvöje : 

2 dvoji, ntr. dvöje; dazu ö&qy't, ntr, öboje (beides) 

3 tröji, ntr. tröje 

4 cetvori, cetvoro 

5 petori, pÜoro 

6 sestori, sestoro 

7 sedmori, sedmoro 

8 ösmori, ösmoro 

9 devetori, devetoro 
10 desetori, desetoro 



§671—673.] Zahlwörter. 397 

usw. bis 99, z.B. devetnaestori 19, tridesetori {tridesteri). 

Weniger üblich ist statt des Formans -or- die Form -er-, 

z. B. cetveri cetvero usw. 

Wenn der Plural, was selten ist, flektiert wird, so 

geschieht es nach Art des unbestimmten Adjektivs: 
Maskulinum Neutrum Femininum 

dvöji cetvori dvöja cetvora dvöje cetvore 
dvdjiJi cetvonh wie beim Maskulinum 
dvöjtm öefvomn dvöja cetvora dvöje cetvore 
dvöje cetvore wie beim Maskulinum. 

Das Neutrum wird flektiert: 

n.-a. dvöje, tröje cetvoro {cetvero) 

g. dvoga, tröga cetvörga {cetvirga) 
d.-i.-l. dvoma, tröma cetvörma (cetverma). 

Wie cetvoro alle Bildungen auf -oro ; zu dvöje vgl. öboje 
ohoga (und öbojega). Die ältere Flexion war dvojega, dvojemu, 
daraus dvojga, dvojmu ; das spätere dvoga, dvömu dvome ist wohl 
nicht unmittelbar daraus entstanden, sondern hat durch 
Anschluß an die Adjektivdeklination das -oga, -onm, -ome 
angenommen ; dvoma ist den Dativen der Kardinalzahlen 
dvjenia, trima usw. nachgebildet, ebenso tröma; cetvörga 
cetvörma sind unmittelbare Nachahmungen von dvöga dvoma. 

67S. Von den Kollektivzahlen werden abgeleitet 
Zahlsubstantiva mit Formans -ica: dvöjica, oböjica, trb- 
jica, cetvorica, petörica usw., eig. eine Anzahl von zweien, 
dreien usw. In thesi kann von den Zahlen 2 — 99 solche 
Ableitung stattfinden, mit Ausnahme natürlich der zu- 
sammengesetzten, die als zweites Element «ein» jedan 
haben, da diese keine Kollektivzahl neben sich haben 
kann, daher z. B. wohl dvädeset i 2Jet.drica, aber nur dvä- 
deset i jedan. 

GTS. 4. Distributivzahlen sind nicht in besonderer 
Form vorhanden, die Verteilung «je zwei» usw. wird durch 
die Präposition j;o mit der Kardinalzahl ausgedrückt, z. B. 
po jedan je ein, pö dvä je zwei, pö sest je sechs, pö stö je 
hundert usw. 



398 Zahlwörter. [§674-676. 

074. 5. Multiplikation (so und so viel mal) wird 
durch das Subst. püt Weg mit der betreffenden Zahl ge- 
geben: jcdän püt, dvä püfa, tri püta, cetiri 2J'üta. pet pütä 
(gen. pl.), dafür auch mit undekliniertem püt und Ver- 
kürzung des u: jedänput {jedämp)ut), dvdput, triput usw. (Budm. 
§122 dvdpüt, tripüt usw.) In älterer Zeit war noch üblich 
krät (abg. krath, s. Abg. Gr. § 121.2a): jedän krät, dväkrät, 
trikrät, cetirikrät (so Ak.Wb. unter krät); mundartlich noch 
dväs {dväi, dväzde Vuk Wb. aus Mont., vgl. mnögäst ebd. 
vielmals, aus nnnoga-sbd-) zweimal, tris {trU) dreimal, aus 
altem d^vasbdy {dvaMi) trisbdy (triMi), s. Abg. Gr. §121. 2 b, 

675. Gebrauch der Zahlwörter; Zählweise. 
1. Die Zahlen 1 — 4 sind adjektivisch und stehen als 

Attribut zu dem gezählten Gegenstande, mit ihm in Genus, 
Numerus, Kasus übereinstimmend, z. B. jedan cövjek gen. 
jednoga cövjeka, jedna iena gen. jedne iem, jedno selo gen. 
jednoga sela; dvä cövjeka (alter Dual), dvlje zene, tri sela; 
die einst mit dem Plural verbundenen tri cetiri folgen mit 
Annahme des Duals der gezählten Dinge der Zweizahl, 
daher tri. cetiri cövjeka; tri, cetiri iene; tri, cetiri sela. 

Der Plural von jedan ward gebraucht: a) bei Zählung 
von Pluralia tantum, z. B. jedna vrdta ein Tor; b) bei 
gruppenweiser Zusammenfassung von Dingen, wo eine 
Gruppe anderen gegenübergestellt wird, z. B. jed7ie iene 
stöku müzü, jedne mleko razlivajü die einen Frauen melken 
die Herde, die anderen gießen die Milch aus; c) wenn 
jedan den Sinn von «ein und dasselbe» hat, z.B. mi snia 
jedmh gödviä Avir sind derselben Jahre (gleich alt); d) als 
Plural von jedan = aliquis, quidam, z. B. öndje näde jedne 
velike i högate dvöre da fand er einige große und reiche Höfe. 

Die Zahlen von 5 an sind Substantiva, der gezählte 
Gegenstand steht im Gen. pl., z. B. pet Mnä, sest selä, 
sedam sinövä, stö ovdcä 100 Schafe (vgl. Abg. Gr. § 116). 

676. 2. Die pluralischen Kollektiva werden an- 
gewendet: 

a) Bei Zählung von Pluralia tantum, z. B. tröja vrdta 
drei Tore. 



§676—679.] Zahlwörter. 399 

b)Bei paarweiser oder griippen weiser Zusammenfassung 
von Dingen, z. B. cetvore crevlje vier Paar Schuhe, dvöji 
svätovi zwei Gruppen von Hochzeitsbegleitern (von zwei 
Hochzeiten; dvä sväta = zwei Hochzeitsbegleiter). 

677. 3. Das Neutrum der Kollektiva, dvoje, iröje, 
cetvoro usw., bei denen der gezählte Gegenstand im Gen. 
steht, wird gebraucht: 

a) Bei singularischen femininalen Kollektiven, meist 
auf -äd, z. B. petoro celjädi fünf Personen, desetoro telädi 
zehn Kälber; tröje djece drei Kinder (gen. troga djece), sed- 
moro djece sieben Kinder, ebenso wenn statt der normalen 
Plurale der Deminutiva auf -e (gen. -eta) Deminutivformen 
auf -iö gebraucht werden, z. B. statt dvä, M, cetiri pileta 
(zwei usw. Hühnchen) dvoje, tröje, cetvoro pllidä. 

b) Wenn unter eine Zahl lebender Wesen solche ver- 
schiedenen Geschlechts, Alters oder verschiedener Gattung 
verbunden werden, z. B. petoro Ijüdi fünf Leute, d. h. 
Männer und Frauen, oder Männer und Kinder, oder Männer, 
Frauen und Kinder, ösmoro könjä acht Pferde verschiedener 
Rasse. 

c) Bei Angabe von Teilungen, z. ß. Icöplje slönn nä 
cetvoro die Lanze zerbrach er in vier Teile. 

678. 4. Die Ableitungen dvbjica usw., bei denen der 
gezählte Gegenstand im Gen.pl. stehen muß, werden ver- 
wendet bei Zählung männlicher Personen, z. B. cetvdrica 
Ijüdl vier Männer, desetörica Srbä zehn Serben. Absolut 
stehend bedeutet dvbjica usw. immer Männer. Prädikate 
stehen im Plural, beim nominalen Prädikat, da es sich 
um männliche Personen handelt, im Nom. pl. msk., z.B. 
p& SU dvä trbjica hüi otisli, da ga ötmü da gingen jene drei, 
um ihn zu rauben (Budm. § 310). 

679. 5. Die Zahlen von 5 an gelten als Neutrum 
sg., nominales Prädikat steht also bei ihnen in dieser Form, 
z. B. dbslo je pet Ijüdi angekommen sind fünf Leute, vgl. 
devet nemo, drügo devet slepo neun stumm, andere neun blind 
(Vuk Nar. Pj. H. 8 v. 38). Bei zusammengesetzten Zahlen 



400 Zahlwörter. [§679-681. 

richtet sich das Prädikat nach der letztstehenden Zahl, 
z. B. dosla SU dvddeset l dvä (i tri, i cetiri) cbvjeka ange- 
kommen sind zwei (drei, vier) mid zwanzig Männer, dbslo 
je dvddeset l pet Ijüdi angekommen sind 25 Leute. 
680. 6. Die Zahlen nach Präpositionen: 

a) jedan tritt nach Präpositionen in den bei diesen 
erforderten Kasus, z. B. iz jednoga gräda aus einer Stadt, 
s jedtmn müzeni mit einem Manne; daher auch bei den 
mit der Einzahl verbundenen Zehnern, z. B. iz dvddeset i 
jednoga gräda aus 21 Städten. 

b) dvä, tri, cetiri und der dabei (im Dual bei Mask. 
und Neutr., im Plural beim Fem.) stehende gezählte Gegen- 
stand bleiben unverändert, z. B. köd dvije sestre bei zwei 
Schwestern, sa cetiri sina mit vier Söhnen, mhtu dvä hfda 
zwischen zwei Bergen. 

c) Unverändert bleiben die Zahlen von 5 an (bei denen 
der gezählte Gegenstand als im Gen. pl. stehend für die 
Präposition nicht in Betracht kommt), z. B. iz dvddeset 
gradovä aus 20 Städten, sä jjet monidkä mit fünf Burschen, 
od sto momäkä von 100 Burschen, sa jedno stö Ijüdl mit 
einhundert Leuten. 

d) Das Neutrum der Kollektivzahlen (der dabei im 
Gen. sg. oder pl. stehende Gegenstand kommt für die 
Präposition nicht in Betracht) bleibt unverändert, z. B. sä 
sedmoro djece mit sieben Kindern, nä desetoro telädi auf 
zehn Kälber, u öhoje svätövä bei den beiderseitigen Swaten, 
ja i Jügoviö s dvöje — tröje celjädi ich und J. mit zwei — drei 
Leuten. 

081. 7. Die unflektierbaren Zahlwörter konnten des- 
wegen nach Präpositionen stehen, weil diese die Beziehung 
im Satze genügend angeben. Dagegen tritt bei ihnen eine 
Verlegenheit ein, wenn ohne Präposition andere Kasus- 
funktionen als Nom. und Akk. erfordert werden: Genitiv 
und Dativ-Instr.-Lok. Es kommt indes vor, daß der bei 
der Zahl stehende Genitiv pl. des gezählten Gegenstandes 
zugleich alö adnominaler Genitiv zu einem anderen Wort 
des Satzes bezogen wird, z. B. änäeli sedam cfkävä die Engel 



§ 681—683.] Zahlwörter. 401 

der sieben Kirchen, nnla söja devet Jügovicä die liebe 
Schwester der neun Jugovicen. Sogar bei der dualischen 
Verbindung mit 2—4 wird zuweilen der Dual (beim Fem. 
Plural) als Genitiv gefaßt und in gleicher Weise verbunden, 
z. B. pise sa zndnjem dvä mUuta hräta er schreibt unter Mit- 
wissen der zwei jüngeren Brüder, na svrsetku öve tri nedjelje 
am Ende dieser dreiWochen (Mar. S. 223). — Die Schwierig- 
keit beim Dat.-lnstr.-Lok. kann so gehoben werden: 

683. a) Bei gezählten männlichen Personen wählt 
man die flektierbaren Zahlsubstantive auf -iea statt der 
Kardinalzahl, z. B. ^;re(?«5e se desetörici neprijateljä sie er- 
gaben sich den zehn Feinden, prljeti nam desetöricöm svöjth 
drugövä er droht uns mit zehn seiner Gefährten. Ist das 
Gezählte durch ein Pronomen ausgedrückt, so steht dies 
im Gen. pl. der Zahl voran und kann dem Zahlsubstantiv 
im Kasus angeglichen werden, z. B. rekao je näs tröjici er 
hat uns dreien gesagt, oder näma tröjici, pred näs trbjicöm 
vor uns dreien, oder pred nama trbjicöm. 

b) Bei gezählten Dingen (Nichtpersonen) wird die 
Bezeichnung des Dinges in den erforderlichen Kasus ge- 
setzt, z. B. nmucio se je dvdnaest pöslovima er hat sich ab- 
gemüht mit zwölf Arbeiten. Doch ist das nicht sehr ge- 
bräuchlich, man hilft sich in solchen Fällen durch andere 
Wendungen, durch Präpositionen, nach denen nicht flektiert 
zu werden braucht. 

683. c) Ist der mit einer Kardinalzahl gezählte 
Gegenstand durch ein Pronomen ausgedrückt, so steht dies 
der Zahl voran im Gen.pl. und dient in dieser Form auch 
als Akkusativ, z. B. vldio sam njih dvdnaest ich habe ihrer 
zwölf gesehen, bei anderen Kasusbeziehungen wird es in 
die erforderliche Kasusform gesetzt, z. B. da se njöj (jednöj 
övci) vUe räd'uje nego bnima devedeset % devet daß er sich 
mehr freut über es (ein Schaf), als über jene 99. — Steht 
ein Attribut zu einem Substantiv, das der Zahl folgt, dem 
Zahlwort voran, so wird es in den erforderlichen Kasus 
gesetzt, z. B. näpicn je (cäsu) mbjim devet sürä ich werde 
ihn (den Becher) zutrinken meinen neun Schwägern. 

Leskien, Serljolcroatische Grammatik. 26 



402 Anhang zur Deklination. Adverbia. [§ 684 — 686. 

684. d) Hängt von dem Neutrum der Kollektiva 
dvöje usw. ein Pronomen ab, so steht es (im Gen. pl.) 
voran, z. B. näs dvöje unser zwei, nph cetvoro ihrer vier. 
Diese Verbindungen sind zugleich Akkusativ, soll der Dativ 
usw. ausgedrückt werden, so wird Zahl und Pronomen 
flektiert, z. B. vjeriijemo väma dvöma, gdvorvmo njlma fröma 
wir sagen den dreien. 

685. S. Die Akkusative stofinu, t'isuöu hlljadu können 
als starr gewordene Formen auch in nominativischer An- 
wendung und nach Präpositionen stehen, z. B. Mio (Prä- 
dikat neutral) 7nu je stötinu godmä es waren ihm 100 Jahre 
(er war 100 J. alt), prije thuöu godtna vor 1000 Jahren, 
s hlljadu vojnikä mit 1000 Kriegern. 

Über die Eigentümlichkeiten der in §§ 675 fg. be- 
handelten Zählweise vgl. Budm. §§ 307 — 314, Mar. 
§§238 — 245; die oben gegebenen Beispiele stammen daher. 

Anhang zur Deklination. Adverbia. 

686. Die adverbiell gebrauchten Wörter kann man 
in drei Klassen teilen: I. von alten Pronominalstämmen 
abgeleitete, ihre Endungen zeigen alte Kasusformen; 

II. starr gewordene Nominalkasus : 1 . die regelmäßig neben 
den Adjektiven stehenden adverbiell gebrauchten Kasus- 
formen dieser, im Skr. der Akk. sg. ntr., oder von den 
Adjektiven auf altes -hskh eine Form auf -ski (aus -hsTcy); 
2. sonstige Kasus von Substantiven, Adjektiven, Zahlwörtern ; 

III. Verbindungen von Präpositionen und Nominalkasus. 

I. Die Adverbien von alten Pronominalstämmen. 

1. Zur Angabe des Orts. 

A. wo: gdje wo (interrogativ und relativ, gdje-no ist, 
wo es gebraucht wird, regelmäßig nur relativ) = *khdi 
(abg. k^de, aber in anderen slav. Sprachen ebenfalls -de; 
und so bei den folgenden), övdje hier = '^ov^de•, öndje 
dort^^''''omde; Indje anderswo = *imde; svägdje überall 
= *vhsb-kide (das daneben vorkommende smgdje ist Nach- 
bildung von sviidä, s. § 688); drügdjc anderswo = *dru- 



§ 686—688.] Anhang zur Deklination. Adverbia. 403 

g^de, drugövdje daps. = *dn^gov^de (mit angehängten Par- 
tikeln gdje-no, övdje-n övdjen-ä, ovdjeka övdjenäk); tu dort. 

687. B. wohin und woher. 

Ausdrücklich gemeintes örtliches woher wird durch 
Formans -amo ausgedrückt: ämo hierher, hämo wohin (inter- 
rogativ und relativ), övamo hierher, önamo dorthin, tämo 
dahin (beide auch im Sinne von «dort»). Soll die Be- 
wegung bis zu einem bestimmten Ziele bezeichnet werden, 
so wird die Präposition do (bis) vor die demonstrativen Ad- 
verbia unter A (§686) gesetzt: ddvde bis hierher, dönde 
bis dahin. Diese Beziehung vfird außerdem ausgedrückt 
durch Verbindung von do mit alten Adverbien, die den 
abg. Icole koli, tole toli, sele seli entsprechen und eine Er- 
streckung über Raum oder Zeit bedeuten : dötole (dotöle), alt 
und noch ragusanisch, bis dahin, daraus das schon alte 
dötle, wahrscheinlich aus einem *do-Me durch Herab- 
drückung des o zu ä, vgl. dial. (Ak. Wb.) döiäle {doiäle), 
dessen a dann aus ^ entstanden wäre; dö-hle (schon im 
13. Jahrb.) wie weit, wie lange (dial. auch döMle); dosle 
(richtiger dosle?) bisher, jek. auch döslije, ik. dosli, älter 
ddsele; hier zeigt der Wechsel von -e, -i, -ije, daß zugrunde 
liegt sele; auffallend ist dagegen das durchgehende (nicht 
bloß ekavische) -e in dönde ddvde (gegen ondje, ovdje), dokle. 
Durch Ausgleichung von dönde dövde mit den Bildungen auf 
kle sind entstanden dövle bis hierher, dönle bis dahin, 

688. Zur Angabe der Richtung woher dienten vor 
alters die Adverbien auf -ade, -qdu (so abg.), -qda, in 
mehreren slav. Sprachen auch -qdy; regelmäßig im Skr. 
ist die Bildung auf -qda skr. -uda. daneben erhalten auch 
■ade skr. -ude. Diese Adverbien haben im Skr. mehr die 
Bedeutung einer Richtung «an dem Beobachtenden vor- 
bei» angenommen, und von da aus den Sinn «irgendwo- 
hin»: küdä küd (abgekürzt, und so bei den folgenden) wo 
vorbei, wohin (interrogativ und relativ), z.B. küd si mi se 
opremio, sinko wohin hast du dich reisefertig gemacht, mein 
Sohn?; dvudä (ovüdä) dvud hier vorüber; önudä (onüdä) 
omid dort vorbei, in der Richtung nach dort, z. B. pröde 

26* 



404 Anhang zur Deklination. Adverbia. [§ 688. 689. 

li ovudä täkl i täki cöekf On mu käze, da je ön ddävno 
onudä j^yosao i dösad bog znä Jcüd je oüsao ist hier der und 
der Mann vorbeigekommen? Er sagt ihm, daß der schon 
längst da vorüber gekommen ist und bis jetzt Gott weiß 
wohin gegangen ist; svüdä svüd (= ^'vhsqda) überall hin, 
nach allen Seiten, überall, z. B. tklare svud ^xj cärstvu trd- 
iiti joj Ujeka sie eilen überallhin durch das Königreich, 
um ein Heilmittel für sie zu suchen; dass. svakudä sväkiid, 
dial. svnhtd in der ersten Silbe an svüdä angeschlossen. 
tüdä tud da vorbei, dahin, z. B. kud öställ onoViM närod, 
tüdä du l ja wohin das übrige zahlreiche Volk, dahin will 
auch ich; drukuda drukud (mont. bei VukWb.) = drug-k. 
anderswoher. Die Formen küdär tüdär enthalten die Par- 
tikel -re (= -sc) -r; wenn für älteres küdäre ein küdära 
vorkommt, so ist das a angenommen nach der Parallele 
kud : küdä usw. Die alten Formen auf -ade sind fortgesetzt 
in südlichen Mundarten: küdije küde kud (Abkürzung), 
övudije (ovüdije), önudije, tüdije, 

689. Wenn ein ausdrückliches woher verstanden 
werden soll, so wird die Präposition od- (von) vorgesetzt, 
wobei manche Veränderungen der Form der Zusammen- 
rückung vorkommen. Von den auf kol-, toi- beruhenden 
Bildungen hat sich in alter Form erhalten ötole (herzeg., 
mont. bei Vuk Wb., auch bei Gundulic) von da; früh 
treten aber die verkürzten Formen auf: ötkle (schon im 
13. Jahrb.) woher, daraus mit Verlust des t auch ökle 
{pkle-no, ökle-n); das heute üblichere ödahle {oddkle, ödäkle, 
-klen) enthält die spätere Form der Präposition, od, vor 
mehr als einem Konsonanten oda- (s. § 110); vgl. dazu 
ödsvakle von allen Seiten her, cak. pökle, bei Vuk pdkleni 
nachdem (quum); ebenso öfle von dort, im 15. Jahrb. o/h 
tlei; das gebräuchliche ödatle {oddtle, ödätle) wie oben bdakle. 
Dazu noch ödsele ösele (auch ösela) von nun an, vgl. dazu 
pbsle 2)öslje 2)oslije nachher, aus po sele. 

Die unveränderte Verbindung von od mit ondje, ovdje 
besteht cakavisch: od onde, od ovde. Die Nar. Pj. IV S. 42 
V. 172 stehenden Formen mi od-ovdu a Turci od-ondM (wir 



§ 689. 690.] Anhang zur Deklination. Adverbia. 405 

von hier und die Türken von da) können nicht auf onndu, 
ovqdu zurückgehen, sondern sind Umstellungen von odonud, 
odovud durch Anschluß an ovdje, ondje. Die nach dem 
Cakavischen zu erwartenden Formen sind vertreten durch 
ödävde (oddvde, ödavde) von hier, öd an de {oddnde, ddande) 
von dort; daneben stehen ödävle (odqvle, ödavle), ddänle 
(odanle odänle); hier rührt das -Ze her aus einer Ausgleichung 
mit den Bildungen auf -kle, -tle, aus diesen (ödäkle, bdätle) 
ist auch das a eingedrungen. Eine Spur der älteren voran- 
gegangenen Form hat sich erhalten im ragusanischen ödovle 
(Vuk), das zunächst für *odovde steht, und in öndole {ön- 
dole-n, Vuk Wb.), umgestellt aus *odonIe statt *'odonde. 
Zu ötkäle von wo, ötäle von dort vgl. § 687 döMle, dötäle. 

Die allgemeinere Bedeutung von Mdä Icüd usw. erhält 
die bestimmte Beziehung auf die Richtung woher ebenfalls 
durch od: ötkudä ötkud woher, odovudä odovud von hier, 
ödonudä odonud von dort, ötudä btud von da, ödsvakudä öd- 
svakud von überall her. 

690. 2. Zur Angabe der Zeit. 

Statt der abg. Formen auf -gda (ko-gda, tb-gda usw.) 
hat das Skr, solche auf -da, älter also k^da Ma usw.: 
kädä (so Budm.; bei Vuk käda) käd wann (interr. und 
rel.), ne-gda einst = ne-k^da, die Doppelsetzung kät-kad, käd 
i kad, käd-no-käd (käd-no-käda) bedeutet «dann und wann», 
hnati käd (eig. haben wann) Zeit haben, z. B. ne imahu 
kad ni jesti Mark. 6.33 sie hatten nicht einmal zum Essen 
Zeit, ötkad von wann an, seitdem; övdä = ovida, öndä 
dann = omda (övdä öndä bald jetzt, bald dann), das mont. 
madä, önadä-r (VukWb.) bewahrt altes a; öd-ondä seitdem; 
säda säd jetzt = shda; die Form säde (auch käde neben 
kädä käd bei Vuk angegeben, im 14. Jahrb. belegbar; rich- 
tiger wohl säde; im Ak.Wb. käde) scheint auf Ausgleichung 
mit den Ortsadverbien auf altes -e zu beruhen (s. §687); 
tädä täd = töda dann, auch täde (täde? vgl. täde-r), otädä 
von der Zeit an = od t.; väzda immer = vbsbda, dass. 
svagda und sväkad; vgl. noch drugda dann und wann = 
*drugzda. Die bei Vuk Wb. als ragusanisch und monte- 



406 Anhang zur Deklination. Adverbia. [§690—692. 

negrinisch angeführten svede svecT (immer) entsprechen abg. 
vhse-zde, cig. «überall». 

sve = immer ist das Neutrum zu vas säv, aus vbse. 

Über jäko s. § 691. 

691. 3. Zur Angabe der Art und Weise. Die 
mit Formans -ak- gebildeten Wörter sind die Neutra der 
Adjektiva auf -akh: kako wie (interr. und rel.), oväkö (zu 
der bestimmten Form oväki) auf diese Art, onäkö (zu onäki) 
auf jene Art, täkö so (zu täki); täko, die unbestimmte Form, 
bedeutet «so» in der Beschwörung, z. B. täko mi boga! so 
wahr mir Gott (helfe)!; 'inäko (veraltet) anders, jetzt Inäce; 
jednäko auf eine Art, zeitlich: beständig, immer fort; 
nlkojäko (zu köji; Vuk Wb. mont. = nlkäko) auf keine Weise, 
vgl. sväkäko sväkojäko auf jede Weise, jedenfalls, auf allerlei 
Art. Hierher auch ursprünglich jäko sehr (das Adj. jäk 
hat wie olog den Sinn von «fähig wozu», dann von «stark» 
angenommen); jäko hat zeitlichen Sinn, «jetzt», in do jäko 
bis jetzt, od jäko von jetzt an. 

Der Bedeutung wegen sei hier angeführt auch däkle 
also, folglich, ältere Form ist dake; däkle (seit etwa 1700) 
scheint auf einer Anlehnung an dokle (s.§689) zu beruhen. 

G92. II. Adverbien aus Nominalkasus. 

I. Die zu Adjektiven gehörenden, als Adver- 
bien gebrauchten Akk. sing, neutr. und die Ad- 
verbien auf -ski. 

A. Neutrum sing. adj. Die Form macht keine 
Schwierigkeit; der Auslaut ist bei hartem Stamme o, bei 
weicheme, kurz, wenn das Adjektiv in unbestimmter 
Form gebräuchlich ist. Die Betonung ist die des Neutr. 
sg. adj., doch ist darauf zu achten, daß, wenn das Ad- 
jektiv zweisilbigen Stammes im Ragusanischen Wurzel- 
betonung hat (s. §648) gegenüber der Endbetonung nach 
Vuks System, das Adverbium jene ältere Betonungs weise 
auch bei Vuk festgehalten hat. Beispiele: Adjektiv eist 
ntr. cisto, adv. clsto (und so bei den folgenden), krötak — 
krötko, präv — prävo, sMb — släbo, zdräv — zdrävo, zäo f. 



§C9'2 — 694.] Anhang zur Deklination. Adverbia. 407 

zlä — zlö, dovöljan — dövöljno, zgodan — zgbdno; döhar — 
dbhro. Dagegen z. B. cest dicht ntr. cesto (bei Vuk, und so 
die folgenden), adv. cesto, dräg — drägo, Ujep — Ujeijo, lud 
— ludo, Ijüt — Ijüto, müdar — müdro, nägao — näglo, 
tvrd — tvrdo. 

Ist das Adjektiv nur in der bestimmten Form 
gebräuchlich, so hat auch das Adverb diese, f.l. h. langen 
Vokal im Auslaut. Das ist namentlich beim Komparativ 
beobachtbar. Die Betonung ist die des bestimmten Ad- 
jektivs. Z. B. görl schlimm, adv. göre, böljl besser — bdlje 
(bei Vuk in der Anwendung als Interjektion mit kurzer 
Endsilbe: bölje geschwind! und in brie bdlje so schnell als 
möglich), mänji geringer — mänje, veci größer — veöe {vece 
vec schon), visi höher — vise höher, mehr (vi^e ist prä- 
positional), bogätiji weicher — bogäiije. Bei nicht kompa- 
rativischer Form z. B. Isii derselbe — Istö ebenso, prvi der 
erste — prvö neulich (mit anderem Hauptton prvo erstens); 
hierher auch ovolikö (ovdlikö), onoVikö, tolikö soviel, zu ovo- 
ViJci, 07iol)ki, toliki, dagegen köliko (koDko) wieviel zu adj. 
kölik kol'ika koltko {kölika köliko), vgl. auch idliko neben tollkö. 

693. B. Adverbia auf -ski =^ -hsky; sie be- 
deuten: in der Art, nach der Sitte, in der Sprache des 
dem Adjektiv zugrunde liegenden substantivischen Begriffes, 
z. B. sfpski in Serbenart, siyski govdriti serbisch sprechen, 
Ijudski menschlich, muski männlich, 7mski näsinski auf unsere 
Art, in unserer Sprache, jjäski hündisch. Das auslautende 
i ist kurz (so nach Budmani § 252.3); bei Vuk Wb. 
kommen indes Fälle mit Länge vor, z. B. möjskl nach 
meiner Art, sv'niski schweiniseh^ pöknji Ski buchmäßig; es sind 
vielleicht nur zufällige Abirrungen in die Adjektivform. 

694. II. Sonstige Nominalkasus als Adverbia. 
Eine bestimmt abgegrenzte Zahl läßt sich nicht angeben, 
da es oft in der Willkür liegt, ob man einen Kasus als 
Adverb ansehen oder in die sonstige syntaktische Anwendung 
einrechnen will, z.B. cäsom, Instr. der Zeit, augenblicklich, 
eig. den Augenblick, redom der Reihe nach, mälwm sogleich 



408 Anhang zur Deklination. Adverbia. [§ 694. 695 

(eig. mit einem Hieb, mäh), väzdän=vbsb äbnh den ganzen 
Tag, sfütra-dän am folgenden Tage (eig. Akkusative der 
Zeit). Es sind daher im folgenden nur Beispiele gegeben, 
in denen der adverbiale Charakter sich deutlicher in Form 
oder Bedeutung ausprägt. Ganz selten sind Nominativ- 
formen adverbial geworden : Istina (Wahrheit) = wahrlich, 
in der Tat, z. B. Istina je rüzno es ist in der Tat übel; 
zhllja (Ernst, Tatsächlichkeit) ernstlich, in der Tat. Über 
slnöö s. u. 

1. Akkusativ sing.: dänas {= duih-sb diem hunc) 
heute, mit angefügter Partikel däyias-ke, vecera-s (= vecerh- 
sb) vecerasTce heute abend, jesenas (= jesenb-sb) jeseuaske 
diesen Herbst. Da das alte Pronomen sb außer Gebrauch 
ist, sind diese Zusammenrückungen reine Adverbien, und 
die Bildung mit diesem starr gewordenen -s ist fortgesetzt 
auch bei neutralen und femininalen Akkusativen (wo die 
alten Formen se, sbjq waren), dabei einige lautliche Ver- 
änderungen, Dehnungen, Kürzungen und Betonungs- 
änderungen: jütro Morgen, jütrös jütröske heute morgen; 
Ijeto Sommer, Ijetös Ijetöske diesen Sommer; prdljeto Früh- 
ling, pröljctös pröljetöske im letzten Frühling; nöö gen. nööi 
f. Nacht, nocas ndcaske in dieser Nacht; zinia Winter akk. 
zwiu, zhnüs zmüske diesen Winter. In slnöö svnöcke (eig. 
diese Nacht) gestern abend ist der Nom. si enthalten und 
so beibehalten, nur -nöö akkusativisch. 

Vgl. noch cäs — cäs (Zeit — Zeit) = bald — bald; 
mhno-gred im Vorbeigehen; das unveränderte püt «mal» 
z. B. dvä'püt zweimal, tri-püt dreimal. Das indeklinable 
pola Hälfte, halb (z.B. dstavivsi ga pöla mrtva ihn halbtot 
liegen lassend) ist wohl alter Akk. dual. 

695. 2, Instrumental sing. 

a) Maskulin. Von Substantiven, die z.T. nur in 
diesem Kasus, als Adverbien gebraucht werden, z.B.lzrijekom 
ausdrücklich (eig. mit Ausspruch), krädom (eig. verstohlener- 
weise) heimlich, knsöm heimlich, 7ükoni vornübergebeugt, 
päsom weidend {Mü göveda p. das Rindvieh geht weidend), 
pöredom izredom (vgl. redom) der Reihe nach, pripädom 



§695—697.] Anhang zur Deklination. Adverbia. 409 

(eig. dem Zufall nach) in Nebenstunden, tnkom (eig. mit 
Ruf) laut. — Vgl. von sonst gebräuchlichen Substantiven 
bsjekom in Bausch und Bogen (eig. im Abhieb), pütem 
(pütom) unterwegs, prijeccem (zu prijecac) querdurch, auf 
dem kürzesten Wege; frkom (tPk Lauf) trcati eilig laufen. 
— Von Adjektiven, z. B. lsto77i gerade eben jetzt (zu 
Isti), jakom gerade jetzt (vgl. jäko jetzt), läkom (zu lak) 
leichtlich, beinahe, Vistoyn (zu Ihi) schnell, täjom heimlich 
(zu altem Adv. taji tajh oder zu Subst. täj Geheimnis; bei 
Gundulic u taju im geheimen), f^honi tljom (zu üh) still. 

b) Feminin. Von Substantiven: ??.o(fM in der Nacht, 
angeschlossen daran vom mask. dein : dänju dänjöm bei 
Tage; zoröm ganz früh (zdra Morgenröte). — Von Ad- 
jektiven: siröni weit offen (vgl. adj. s)rok; vielleicht zu 
einem alten Substantiv); jednöm einmal (vgl. abg. ^erfmo^a), 
drugöm zum zweitenmal, treööni zum drittenmal, cetvrtöm 
zum viertenmal, prvöm zum erstenmal, vgl. auch dvojhwm, 
z. B. dv. foDko doppelt soviel: sreööm zum Glück. 

696. 3. Lokativ sing. Da heute der Lokativ 
ohne Präposition nicht gebraucht wird, sind alle Lokative 
ohne Präposition adverbiell. Die alte häufige Anwendung 
des Lok. sg. ntr. der Adjektiva im adverbialen Sinne ist 
im Skr. fast verschwunden, gebräuchlich zlje Mje schlimm 
(^ zzle) zu zäo f. zlä (= z^l^ z^la). — Von Substantiven 
dolje unten hinunter (zu dö döla Tal); göre gor je hinauf 
{gora Berg); jävi gerade so (eig. offenbar; vgl. na jdvi in 
wachem Zustand; zu einem alten Subst. javh); läni (Jdni) 
im vorigen Jahre, önom-Iäni vor zwei Jahren; Ijeti im 
Sommer (Ijeto); onomddne {= onomb dbne an jenem Tage) 
neulich, zimi im Winter {zima). 

607, 4. Adverbia auf -ice, -ce, -ke, in Vuks Wb. 
häufig, ca. 140 Beispiele (s. die Aufzählung von Maretic, 
Hrvatskos. adverbi nai'ce, ce, ke, Rad96,S. 228), der äußeren 
Form nach Gen.sg. femininaler a-Stämme, so auch erklärt 
von Miklosich VG. IV466, z. B. nemUice schonungslos aus 
einem Subst. *MC-mi?ica und aufgefaßt als Genitiv der Art und 
Weise. Maretic nimmt die Deutung aus solchen alten Sub- 



410 Anhang zur Deklination. Adverbia. [§ 697. 698. 

stantiven an, doch mit dem Zusatz, daß der Genitiv an sich 
schwerlicii diese Bedeutung haben könne, zunächst seien 
vielmehr präpositionale Verbindungen wie Iznovice = Hz 
novice von einem Subst. *növica entstanden, daraus der An- 
laß zur Weiterbildung auch mit Präpositionen, die nicht 
sonst mit Gen. verbunden werden, und ohne Präpositionen 
hergenommen. Die Deutung vonMiklosich ist einfacher und 
zu dem Gebrauch des Genitivs vgl. Wendungen wie dräge 
vöije (freiwillig, eig. guten Willens). Die Schwierigkeit be- 
steht nur darin, daß man wirklich vorhandene Substantiva 
der Art nur sehr spärlich nachweisen kann, so koköske, 
€ig. knäuelartig, beim Ringen so fallend, zu kököska Knäuel, 
beachte aber die abweichende Betonung; strämputica Seiten- 
weg : stramputice auf Seitenwegen, trösica ßröckchen, ein 
kleines Stück : iröske wenig, infvica ein Bißchen : mfvice 
wenig, püstimica VVurfknüttel : püstimice püstimicke knüttel- 
artig (werfen), näpolica Geschäft auf Halbscheid : näpolice 
zur Hälfte. Zweifelhaft ist schon öbusica, dazu Vuk Wb. 
iz öbusice, das wohl erst dem adverbiellen izobusice, un- 
verhofft, entnommen ist, ebenso )zreäica Ak. Wb. (aus 
Sulek), w^ohl erst aus Izredice naizredice, der Reihe nach, 
abstrahiert. Substantiva ferner, wie sie Maretic für die 
Bildungen auf -ce und -ke voraussetzt, z. B. *obzirca *obzirka, 
*prestanca zu bezobzlrce bezobzlrke, neprestänce sind überhaupt 
kaum außerhalb der Adverbia nachzuweisen, vgl. etwa 
uköpce entgegen zu kbpca dem. von köb u. a. Begegnung. 
Dazu kommt noch die Schwierigkeit, daß diese Adverbia, 
wenigstens in ihrer Fülle, jung zu sein scheinen; soweit 
das Ak.Wb. die Nachweise bis jetzt gibt, scheinen keine 
Belege vor dem IT.Jahrh. vorhanden zu sein. 

698. Die Bildungen auf -ice, ungefähr die Hälfte 
aller, haben nie alten Hauptton auf der Endung, die auf 
-omice und -imice stets " auf der ersten Silbe, ausgenommen 
das vom Fremdwort ämef (Verderben) abgeleitete ämetimice 
(neben ämetice) gänzlich. Dagegen haben die auf -ce den 
alten Hauptton auf dem Ende, nach jetziger stokavischer 
Betonung " (selten ') auf der vorletzten Silbe; die auf -ke 



§698.699.] Anhang zur Deklination. Adverbia. 411 

(ca. 50) schwanken, doch überwiegt alte Endbetonung. 
Allgemeine Regel ist Verkürzung etwaiger Längen der zu- 
grunde liegenden Wörter, z.B. Izrucke : riika, leieöke : lezeöi, 
naleöke : leda, pojäske : föjäs, naträske : näträg, näustice : nsta, 
nestedice : stedjeti, jednoglasice : glas, posämce : säm. Bei -ice 
finde ich nur die Ausnahme bögdice Gott gebe! zu (da) 
bog da, mdlcice zu 7ndIko ; bei -ce nur 7nrvce zu mrva ; einige 
mehr bei zweisilbigen auf -ke: öutke zu cütjeti, mrvke zu 
mrva, mücke zu mücati, nicke zu altem nich, sföjke zu stbjhn 
stäjati, sünike (und sümke) zu sümati se, virke zu viriü, vücke 
zu vük. 

699. Im folgenden ist der Versuch gemacht, die 
Bildungen nach ihren Grundwörtern zu ordnen: Bildungen 
auf -omice, -imice; vom Instr. sing, drjelom (delom) 
djelomice und djelimice teilweise, jätom (in Scharen) jätomice 
(auch ^a^wiice kommt vor) scharenweise, krädom (s.§695a) 
krädomice und krädimice heimlich [kridimice durch Anlehnung 
an krUi verbergen), dänöm (bei Tage) dänomke und däni- 
mice Ak. Wb. Vielleicht gehen noch mehr solcher zu Sub- 
stantiven gehörenden Bildungen mit -imice auf Instrumentale 
zurück, indem -imice nur Nachahmung der gleich zu er- 
wähnenden Verbalableitungen ist, vgl. llöimice (IS.Jahrh.) 
mit der flachen Klinge (schlagend) zu fem. lit instr. licu 
flacher Schlag; mjesto instr. mjestom : mjestimice an Ort und 
Stelle, stellenweise, sila sUöm : silimice mit Gewalt, ström 
weit : slrimice, üsi (Ohren) Öhr, Rücken des Beils, iisima : 
iisimice mit dem Beilrücken (schlagend), dzllit (türk.) 
Wurf Stab dsllitom : dzilitimice wurfstabartig (werfen). — Von 
Verben auf -i- : -imice, hötimice absichtlich, zu hötjeti 
wollen, scheint auf Part. präs. pass. hotim zu beruhen (bei 
Reljkovic, 18. Jahrb., ein hotomce, und aus neuerer Zeit 
höfomice Ak. Wb.), ebenso sehen aus Mtimice schleudernd 
zu Mtiti werfen, dipimice im Sprunge zu dlpifi springen; 
letimice (so Ak. Wb.; richtiger wohl letimice) im Fluge zu 
letjeti letlm; vielleicht noch hierher pljostimice mit flachem 
Schlag zu einem ^jiljosfiti ; ne-stedimice schonungslos zu 
stedjeti stedim. Von solchen Fällen ist -imice auf Verba 



412 Anhang zur Deklination. Adverbia. [§699 — 701. 

übergegangen, wo kein Stamm auf l vorhanden ist, z. B. 
bödiniice stichweise : bdsti hodem, gürimice mit Stoß : (j~arnuti 
anstoßen, hrhnice {krijhnice im 18. Jahrh.) heiniHch : knti, 
sjeciinice mit der Sehneide : sjeöi sijecem. 

700. Von den Bildungen auf -ice lassen sich 
nur wenige unmittelbar mit Verben verbinden, etwa libiice 
Ak. Wb. mit Willen, nehotice ohne zu wollen : hdtjeti, nä- 
valice mit Absicht : naväliti andringen (Daniele schreibt 
näJwalice); tiestedice schonungslos : stedjeti, pömamice wütend : 
po7ndmiti, pozajmice üzajynice gegenseitig : po-, uzä-imati sich 
gegenseitig helfen, üpropnice üspropnice sich bäumend : 
propeti pröpnem se, 'izmasicke (setzt ein *izmasice voraus) mit 
Ausholen : izmdhmdi iznidsiti. Von Nomina, ohne Prä- 
position: dnevice gerade an dem Tage-.dän vgl. gen. dnevi; 
dzlliüce (vgl. § 699 dfiliiimice) : dsWit, jednödusice einmütig : 
jedan, düsa; jednoglasice jednögrlice einstimmig : jedan, glas, 
grlo; pustdpasice in freier Weide r^^wsfo/ws; sumiiice so liegend, 
daß wo des einen Kopf des andern Füße, vgl. u sümit 
dass.; ülutice mit dem ^Messerrücken : tllüt; zläradice bös- 
willig: 2^« rädi um des Bösen willen. Mit Präposition: 
nägorice hoch oben : na göri auf dem Berge, näoace augen- 
scheinlich : nä oci, na dciju, näustice mündlich (vgl. naizust 
auswendig) : üsta, nazorke in Sehweite : näzor {büdi ndzor 
gib acht), pofrhusice auf dem Bauche : ^jo irbiihu, posehice 
von selbst : po sebi, uzäsebice dass.; pbtajice heimlich, zu 
jjo-fdjaii verbergen oder zu altem adv. *fa;; nh-zdrelice (un- 
sichtbar) so daß man nichts mehr sehen kann, Vrcevic 
NPr. Kot. 6, zu -zreo -zrela von -zreti -zrtm sehen. 

"701. Eine große Anzahl hat aber offenbar nichts 
mehr mit Verba oder Nomina zu tun, sondern sind Er- 
weiterungen von Adverbien oder adverbiell gebrauchten 
Verbindungen, z.T. wohl als Deminutiva von solchen an- 
zusehen, z. B. düturice in Bausch und Bogen : dzüture 
(türk.), Iznov ice von neuem : lz7iova, hprvice sprvice anfäng- 
lich : tsprva, jidvice in der Wendung jedva jedvice nur mit 
Mühe, Mstilice gerade, eigens : Mstlle (aus dem Türk.), 
mälcice v»'enig : mdlko, mrvcice ein bißchen, von Vuk selbst 



§701—703.] Anhang zur Deklination. Adverbia. 413 

als Dem in. zu mrvhe bezeichnet, müJclice vergeblich : mükte 
(aus dem Türk.), naüznacice rücklings : näuznak näuznäko, 
väviastice besonders : ndvlast, nemilice ohne Schonung : ne- 
milo, mcice vorwärtsgeneigt, zu einem alten nice (adj. mct), 
pjesice zu Fuß : pjese, pötpimice ganz und gar : pöipano^ 
shorice unlängst : shdro, strmdglnvice über Kopf : strmogläv = 
altem strömoglavb, sünovratice über Hals und Kopf isünovrät, 
üpravice üpravicke gerade : nprävo, zämanice vergeblich : 
zäman, zäsobice nacheinander : zdsob, 

702. Die Bildungen auf -ce, öfter mit Neben- 
form -ice, nur selten mit Verben verbindbar; hothnce (vgl. 
hötimice) absichtlich : hötjeti^ uzagrepce in Karriere (von 
Pferden) : zagrepsti -grebem ausreißen. — Von Nomina, 
ohne Präposition , selten: nirvce (ygl. mhice), kann Gen. 
eines Deminutivs ^mrvca zu mfva sein. Mit Präposition: 
bezobzlrce ohne Umsehen : öbzh\ äoslovce (bis auf den Buch- 
staben) buchstäblich : dd slova; naherce schief : nähero, na- 
izmjence (im Ak.Wb. näizmjence unter hmjence) abwechselnd : 
hmjena Wechsel, nasümce (und sümice) aufs Geratewohl, 
nazorce in Sehweite (s. näzorice § 700), j^oimence nament- 
lich : po imenu, pojedhicS einzeln: pojedim adj., j^osämce ein- 
zeln : säm, pöstepence stufenweise, allmählich : stepen, pozlbpce 
böswillig : zlöba, po zlöbi, ustopce (und üstopice) auf dem Fuße 
(folgend) : stöpa Tritt. — Erweiterungen von A.d- 
V exhien: ibes-prestänce unaufhörlich, zu altem bes-prestani, 
naociglece (= gledce) augenscheinlich : näocigled (auf den 
Augenschein), naovrljce schief, vgl. adv. nävrlje dass., prävce 
gerade : prävo, sfrmoglavce, s. § 701 stnnöglavice, uzamänce 
fortwährend, nacheinander : üzamän immer, zasopce uzasöpce 
nacheinander (s. § 701 zäsobice) : zdsoh. 

703. Die Bildungen auf -he. Auf Verba zu be- 
ziehen: cüike schweigend : öütjeti, lesecke liegend : lezeci 
lemti, mücke schweigend : mücati, ömaske mit Ausholen : 
omähmdi, f okiecke kniend : pokleci pbkleknem, jwloske liegend : 
jjoldiiti legen, imzecke \ixieQh.end:püze6i püziti, stojecM ziehend : 
stojeci, stbjhn stäjati {stöjati), sföjke dass., sümke (sümke) 
schleichend : sümati se, frcke laufend : trcati, virke guckend, 



414 Anhang zur Deklination. Adverbia. [§703 — 705, 

glupend : viriii. — Von Nomina, ohne Präposition: 
cetveronöske auf allen Vieren, zu cetverönog oder eher zum 
Verbum cetoeronoziti sich auf alle Viere stellen ; düpke auf- 
recht: düb dem, dübak Eiche, oder zu dübiti aufrecht stehen, 
(jologlävke barhäuptig : golbglar, nirvke vgl. § 702 mrvce und 
mrvice, pojäske und po2)ojäske am Gürtel (z. B, fassend) : 
pojäs, püstimicke wurfprügelartig (werfen) :püstimica, streümke 
pfeilartig, wie es scheint^ das einzige Beispiel, in dem -bn- 
vor -ke: strijela, oder zu strijelüi^ objerucke mit beiden 
Händen : obje rüke, tdljaske (und ibljaski) mit einem Knüttel, 
iöljaga, z,B. schlagend, vücke wölfisch: vük. — Mit Prä- 
position: bezobztrke vgl. § 702 bezobzirce, Izrucke aus der 
Hand (schleudernd) : iz rüke, nagiiske rücklings : nä güz, va 
güzit, naleöke auf dem Rücken : leda, na Udima, naledaske 
dass. wohl von altem femin, Lok. pl. va Uäak, ödskocke 
mit Abprall : odskok oder zum Verbum odskdciti, pobäücke 
{pobmicke Mar.) auf allen Vieren : bäük eine Art kriechendes 
Gespenst, potrbuske auf dem Bauche vgl. § 700 potrbusice, 
pobocke seitwärts : bök böka, pö boku, porebärke seitwärts : rebra 
Rippe ^0 rebru, pozäpke awi allen Vieren (eig. wie ein Frosch) : 
zäba. — Erweiterung von vorhandenen Adverbien 
naopäcke verkehrt : näopäko, naträske rückwärts : näträg, 
navHjke s. § 702 naovHjce, näzadacke rückwärts : ndzäd zurück, 
näzadak Rückgang, pjeske zu Fuß xg].pjesice : pjese, jednölicke 
zugleich : jedndliko, in dieser Bedeutung Nar. pj.IV, v, 581, 
nicke s. § 701 nicke, pbpreske quer : poprijeko. 

704. 5. Vereinzelte alte Nominalkasus als 
Adverbien: döma zu Hause, jücera {=vhcera) jücer jüce 
(vgl, zu diesen Verkürzungen vece gen. vecera neben vecer 
gen. veceri) gestern. Von Adjektiven alte Bildungen auf 
-nta: bbljma besser : bölje, veöma mehr : veöe, vebma sehr 
(= velbma) : velji groß, llsnia besonders : Ilse (Komp. zu llh), 
mänjma weniger : mänje, säsma sehr (aus *savsma = s^- 
vhstma). 

705. HL Adverbia aus Präposition und No- 
minalkasus. Irgendeine feste Abgrenzung der adverbial 



§ 705 — 707.] Anhang zur Deklination. Adverbia. 415 

empfundenen Verbindungen gegen den gewöhnlichen Ge- 
brauch der Präpositionalkonstruktionen ist nicht zu machen. 
Es ist z. B. willkürlich, ob man öhdän am Tage, ohnöö bei 
Nacht, nlzbrdo bergab, üspüt unterwegs, näposto keinenfalls 
Adverbien nennen will und zusammenschreibt, oder ob dän, 
ob 1WC usw. Eher wird man schon Fälle wie säsvijem (eig. 
mit allem) gänzlich, pötom (eig. nach dem) nachher, Ad- 
verbia nennen, weil sie eine bestimmt eingeschränkte Be- 
deutung gegenüber etwaigen sonstigen Verwendungen der- 
selben Wörter haben. Es ist hier daher nur eine Anzahl 
Beispiele zur Veranschaulichung gegeben: 

706. 1. Präposition mit Kasus von Adjek- 
tiven, wo das Adjektiv als Neutrum zu fassen ist; hier 
tritt der adverbielle Charakter am deutlichsten hervor: 
db-ista, za-ista, öd-ista {db-isto, zä-isto) gewiß, in der Tat, 
do-skbra bis vor kurzem, nä-skoro bald, od-skbra (so Vuk) 
unlängst, dö-sta (aus do syta) genug, iz-dävna von lange her, 
Iz-obUa im Überfluß, \z-malena öd-nialena von klein an, k- 
nova von neuem, nä-novo dass., upod-mukla heimtückisch, 
is-prijeka von der Seite, iz-dalcka von weitem, pö-prijeko 
ü-prijeko quer, Is-prva s-prva anfänglich, is-tiha leise, nä- 
ofäko verkehrt, nä-p)räzno vergeblich, nä-sämo (allein) ohne 
Zeugen, pib-malo allmählich, pb-sve gänzlich, pbt-puno voll- 
ständig, gänzlich, u-dUj (eig. ins immer längere) immer : 
dtlji Komp. zu diig, ü malo ne (und mäh ne; eig. um ein 
weniges nicht) beinahe, zä-rana früh, ü-prävo gerade, recht, 
zärjedno zugleich. Vgl. noch it-velike reichlich, zd-lud üzalüd 
vergeblich. — Mit Pronominalkasus: nd-se zurück, na-p6-se 
für sich, nä-jyremä-se gegenüber (von sich). 

TOy. 2. Präposition mit Substantivkasus, z. B. 
Iz-nenäda unverhofft : 7iäd Hoffnung, Iz-rebra Izrebar von 
der Seite (dies vielleicht einen alten Gen. pl. zu reh'o pl. 
rebra Rippe enthaltend, jetzt gen.pl. rebärä) nä-ime nament- 
lich, na izmdk na Izmaku am Ende, nä-izred der Reihe nach, 
wohl zu einem Subst. Izred, na-h-ust auswendig, aus altem 
Gen.pL zu üsta, nä-ocigled augenscheinlich, nä-pokön zuletzt, 
nä-pola Dual (zur Hälfte), na-süsret (eig. auf Begegnung),. 



416 Anhang zur Deklination. Adverbia. [§ 707—709. 

entgegen, nä-träg (auf die Spur) zurück, nä-zäd zurück, 
od-zäda hinten (danach auch nä-zäda), özäd ozädi (Lok.) 
dass. zu altem Subst. zad^ zadb rückwärtiger Teil, ö-kolo 
ringsherum, o-zbilja (im Ernst) in Wirklichkeit, na-pomöl 
angesichts, s-küpa zusammen zu hup Haufen, doch mit 
abweichender Betonung, s-pölja (vom Felde) von außen, 
vgl. näpoJje hinaus ; s-prljeda s-prljed vorn, s-jütra morgen : 
jütro, prekosjutra preksjufra übermorgen, s-reda der Reihe 
nach, s-träga hinten: trag Fußtapfen, Spur; ü-bah gänzlich, 
gerade, zu einem alten Subst. b^ch^ skr. bah, in besonderer 
Bedeutung Mariti ü-bah leugnen, iz-übaha unverhofft, nä- 
mäh {nä-mali), u-mäh, ömäh sogleich, od-mäh dass. mit starrem 
mah, sonst hieße es öd-mäha, b-pet (aus o-f^th zu peta Ferse) 
wiederum, u-nätoc zuwider entgegen (zum Trotz), n-ndtrc 
(eig. auf den Zulauf) in genügender Menge, u-nütar hinein, 
drinnen (= vhn-qtrh), iz-nütra (eig. von innen) inwendig 
(danach auch u-nütra neben u-nütar); u-nd-krst überkreuz, 
ü-püt sogleich, ü-vece abends, ü-vijek immer, us-prkös zum 
Trotz, uz-gred im Vorbeigehen, uz-düz der Länge nach, zä- 
man vergeblich (vgl. älteres mäni dass.), zä-sob nacheinander 
(vgl. § 702 zasöpce, zäsobice). Rein adverbiell müssen Fälle 
erscheinen, wo der Präposition nicht der ihr sonst zu- 
kommende Kasus, sondern eine starre Form folgt, vgl. 
oben öd-niäh, ferner öt-püt sogleich, özdö unter (= einem 
*oh s^ dola *odzdola) zu dö döla Tal, özgör oben (zu göra 
Berg) özgö (gebildet nach özdö), daneben dzgär özgära. 

TOS. 3. Präposition mit an sich schon ad- 
verbialen Wörtern: iz-van tzvanka dva.uüen, Is-tekär aufs 
neue (s. § 709 tlk), nä-protlv im Gegenteil, na-suprot ent- 
gegen, s-prööu gegenüber, im Vergleich mit, nä-uznäk nä- 
"uznäko auf dem Rücken, nlz-doli bergab, b-s-träg, sä-s-träg 
von hinten (vgl. § 707 s-träga), bd-veö bd-vede zu sehr, ot- 
prvö unlängst, od-özgo von oben, od-bzdö von unten, bd- 
uvijek von jeher, pb-sad von nun an. 

709, IV. Vereinzelte Adverbien, bäs gerade 
(= gerade recht so) = b^sb, vgl. ü-bah §707, cäk weit weg, 



§709—712.] Zur Geschichte der Deklination. 417 

jedva (aus jed^va) kaum, joste jöste-r {-r =^ -ze) jösi noch 
(abg. jeste), jü-r {=^JH-ze) schon, jkr-ve allerdings, ne nicht, 
oii nein! ne quidem, ni — ni neque — neque, päk päka 
pä darauf, dann (vgl. abg. j^aA:?/ wiederum) i-2)äk doch; töboie 
angeblich, als ob, dasselbe bedeutet böze-ni aus böze mi oder 
b. nie, und to-korse daneben körsem. 

Die hinweisenden evo, eto, eno siehe! unterscheiden 
sich im allgemeinen so, daß evo sich auf die erste, redende 
Person bezieht, eto auf die zweite, hio auf die dritte, z. B. 
evo zävjet möj siehe dies mein Gelübde!, eto tvöje säblje a 
evo möje gidve sieh da dein Säbel und sieh hier mein Kopf!, 
hio je pod satdroni sieh da ist sie unter dem Zelt, vgl. 
auch evo övdje sieh hier!, eno öndje sieh da! 

Aus dem Türkischen stammen: bar barem wenigstens, 
badävä badäväd vergeblich, bojägi bajägi unter dem Vorgeben, 
als ob, nieder folglich, also, tek kaum nur. 

TiO. Angefügt sei noch, daß auch Sätze zu Adverbien 
werden können: mözda vielleicht (aus möze da kann [sein], 
daß), valjda wahrscheinlich (aus väljä da muß sein, daß), 
böj-se vielleicht (böjske; aus böj se fürchte dich oder bojl se 
er befürchtet, vgl. bdjvm se ich vermute); hnä (3. sg. 
es hat il y a) bei Zeitangaben = seit, z. B. ovdje se veö 
bävlm hnä rnjesec dänä ich halte mich hier seit einem 
Monat auf. 

"711. Die Präpositionen und präpositional an- 
gewendeten Wörter, soweit sie mit Verben zusammen- 
gesetzt werden können, s. beim Verbum § 773; den Ge- 
brauch der Präpositionen mit Kasus in der Syntax; dort 
auch die von den Adverbien nicht scharf trennbaren sog. 
Partikeln und die Konjunktionen. 

Zur Geschichte der Deklination. 
712. Daniele, Istorija oblika srpskoga ili hrvatskoga 
jezika do svrsetka XVII. vijeka (Belgrad 1874). — Trotz 
des außerordentlich reichen Materials, das hier zusammen- 
gebracht ist, kann man ein klares Bild der Entwicklung 
über das gesamte Sprachgebiet nicht daraus gewinnen. Es 

L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. 27 



418 Zur Geschichte der Deklination. [§712.713. 

fehlen die cakavischen Mundarten, soweit nicht dahnati- 
nische Schriftsteller (Marulic u.a.) in Betracht kommen; 
die glagolitischen Urkunden sind nicht verwertet. Ferner 
ist bei den benutzten (kyrillischen) Urkunden nicht nach 
den Orten ihres Ursprungs geschieden, die verschiedenen 
Gattungen der Literatur, Dichter, geistliche und weltliche 
Prosa nicht gesondert, die Abhängigkeit ragusanischer 
Schriftsteller von gegebenen, auch cakavischen Mustern 
nicht berücksichtigt. Es ist alles sozusagen auf eine Fläche 
projiziert. Die ganze in Betracht kommende Überlieferung, 
deren Veröffentlichung seit jenem Werke noch sehr fort- 
geschritten ist, noch einmal durchzuarbeiten, ist mir nicht 
möglich gewesen. Ich kann nur versuchen, durch Trennung 
der Cakavstina und der Stokavstina ein etwas klareres 
Bild zu geben. 

I. Nomina. 

Die Cakavstina. 
Die heutigen cakavischen Mundarten. 
713. Die Entwicklungstendenzen dieser Mundarten 
lassen sich im wesentlichen dahin zusammenfassen: 

1. Ausgleichung der fem. a- und ya-Stämme, entweder 
nach der Seite der ^a-Stämme hin (so meistens), daher 
z. B. gen. sg. iewe, nom. pl. zene nach dme, düse; oder 
(seltener) nach der Seite der a-Stämme, z. B. gen. sg. düsl 
nach zem, n. pl. düsi nach zenl. 

2. Beim Mask.-Neutr. Annahme der Endung -u im 
Lok. sg. 

3. Im Gen. plur. msk. Annahme der Endungen -ov 
und -i; Erhaltung der endungslosen Form bei Maskulinum 
mit beweglichem a der letzten Silbe, durchweg beim 
Femininum auf -a und beim Neutrum; in einigen Mund- 
arten Ausgleichung mit dem Lok.pl. im Mask.u.Neutr., -ih. 

4. Völlige Ausgleichung des Nominativs, Akkusativs, 
Instrumentals msk. plur. in dem Falle, wenn der Instru- 
mental die alte Endung -i {= -y) hat, z. B. jaziki oder 
jazici nom. akk. instr. 



§713.714.] Zur Geschichte der Deklination. 419 

5. Annahme der Form des Akk. plur, msk. der jo- 
Stämme bei den o-Stämmen, z. B. zübe wie oräce. 

6. In alter Gestalt bleiben erhalten: Dativ, Lokativ, 
Instrumentalis aller Deklinationsklassen, msk.-ntr. -om 
{-on), -ih^ -i; fem. -am {-an), -ah, -ami. 

7. Das -ov- dehnt sich nicht über den Gen. pl. hinans 
auf andere Kasus aus, auch nicht bei einsilbigen Maskulina. 

Im einzelnen stehen die Mundarten, selbst wenn un- 
mittelbar benachbart, auf verschiedenen Entwicklungsstufen. 
Zur Veranschaulichung behandle ich einige etwas ausführ- 
licher. 

714. Die Mundart von Cherso (nach Tentor, Der 
cak. Dialekt der Insel Cres, ASlPh. 30.146, vgl. dazu Belle, 
Roczn. slaw. 11,174). Die Deklination der fem. a-Stämme 
ist völlig die alte; die j«-Stämme haben deren Formen 
angenommen (die Betonung gebe ich hier wie im folgenden 
so, wie die betreffenden Schriften sie haben): 



zena 


diisä ] 


3l. zenl 


düsl 


kern. 


düsl 


zen 


düs 


zene 


diese 


zenän 


düsän 


zenü 


dilsu 


zenl 


düsl 


zenü 


düsü 


zetiänii 


düsämi 


zene 


düse 


zenäh 


düsäh. 


zeno 


düso 







Die mask.-ntr. o-Stämme haben -u im Lok. sing, 
noch nicht durchgängig; nach Tentor nur bei weichem 
Stamm und bei Bezeichnungen lebender Wesen, z. B. na 
gnojü, na konjü, sonst das alte -e neben -u, mit der Be- 
merkung, daß die jüngere Generation oft allgemein -u, 
spreche. Der Gen. plur. kennt kein -ov, die alte endungs- 
lose Form ist erhalten, daneben namentlich bei einsilbigem 
Mask. -i angenommen, z. B. stöli, könji, völi^ sehr selten 
auch beim Neutrum, z. B. mesü. Der alte Akk. plur. 
mask. auf -i (^ -y) ist erhalten, fällt also von selbst 
mit dem Nom. pl. zusammen in allen Fällen, wo kein 
gutturaler Konsonant in Betracht kommt, z. B. grädi nom. 

27* 



420 Zur Geschichte der Deklination. [§714.715. 

u. akk. Das hat dazu geführt, daß die Nominativform 
bei gutturalem Auslaut des Stammes, z. B. kcanici (zu 
kämik), auch als Akkusativ dient, also in allen Fällen 
Nom. und Akk. gleich sind. Auch die jo-Stämme haben 
die Endung -i (statt des alten -e = -e). Da nun auch der 
Instr. plur. auf -i {^ -y) auslautet, z.B. s voll, s präsci, 
und in derselben Weise mit dem Nom. plur. zusammen- 
fällt, werden auch die Nominativformen mit Guttural- 
wandlung in den Instr. übertragen, z. B. s kämici. Die 
alten Formen des Dat., Instr., Lok. plur. msk.-ntr. sind 
erhalten: stolön, stoli, stoleh; dabei ist bemerkenswert, daß 
die jüngere Generation sie durch die Femininalformen zu 
ersetzen pflegt: stolän, stolämi, sfoläh. Die alten f Stämme 
haben im Mask. einige alte Formen bewahrt, so dat. pl. 
Juden (zu jüdi = Ijädi) ; die Feminina nehmen in mehreren 
Kasus die a-Form an: dat.-lok. koste, instr. kostü, dat. pl. 
kostän, instr. kostämi, lok. kostäh. 

TIS. Fast ebenso verhält sich die Mundart von 
Krasica an der kroatischen Festlandsküste bei Fiume, 
in den Narodne pripovijetke i pjesme iz hrvatskoga pri- 
morja, ges. von Mikulicic (Porto Re 1876), vgl. ASlPh. 
5.181; doch gehen die Neuerungen etwas weiter; es seien 
hervorgehoben Instr. sing. fem. £enün {-n = -m) mit An- 
nahme des -n aus dem Mask.-Neutr. Die Lokativendung 
-u ist im Mask.-Neutr. allgemein. Dem Gen. plur. fehlt 
die Endung -ov; vor den i-Stämmen ist -i entnommen, 
aber diese Form wird in den Texten mit verschwindenden 
Ausnahmen nur nach Zahlen oder Quantitätsausdrücken 
gebraucht, z. B. devet vuki, trinajst deli, sto kusi, toliko obruci. 
Über einen ähnlichen Stand der Dinge im Fiumaner Dia- 
lekt vgl. Strohal, Osobine danasnjega rijeckoga narjecja 
(Rad 124). 

Die sonstigen cakavischen, namentlich die Inselmund- 
arten, die im ganzen ebenfalls sehr altertümlich sind, 
können hier nicht im einzelnen behandelt werden; ich 
verweise auf Milcetic, Cakavstina kvarnerskih otoka (Rad 
121); Kusar, Rapski dijalekat (der Insel Arbe), Rad 118; 



§ 715. 716.] Zur Geschichte der DekHnation. 421 

Oblak, Der Dialekt von Lastovo (Lagosta), ASlPh. 16; 
Milas, Trpanski dijalekat, Rad 103, dazu Oblak in ASlPh. 
15.117. 

716. Besonders hervorgehoben sei dagegen die von 
Belic, Zametki po cakavskim govoram (Izv.XIV[1909],2) 
ausführlich behandelte Mundart von Novi (in Vinodol, 
kroat. Küstenland), weil hier die Entwicklung z. T. andere 
und eigentümliche Wege gegangen ist. Der fem. harte 
a- Stamm flektiert: 

Bg. krava pl. kräve 

kräve kräv 

krävi krävän 

krävu kräve 

krävün krävah 

krävi kravami, 

krävo 
genau so der /«-Stamm, düsä düse usw., d.h. es hat hier 
wie im Stoka\äschen der harte Stamm die Formen des 
weichen angenommen. Die fem. z-Stämme nehmen im 
Instr. sg., Dat.Instr.Lok.pl. die a-Form an: kostün, kostän, 
kostämi, kostäh (neben kostih oder kostih); der Gen. pl. 
köstlk und kostih (über -h in stokav. Mundarten s. § 728). 
Beim Maskulinum gibt es Unterschiede je nach der 
Betonungsweise, der Quantität, der Silbenzahl und dem Um- 
stände, ob die letzte Silbe bewegliches a hat oder nicht; 

1. Einsilbler mit Kürze und unbeweglichem Haupt- 
ton " bewahren ganz die alten Formen: 

sg. cäs pl. cäsi 

cäsa cäs 

cäsu cäsön 

cäs cäsi 

cäsön cäsi 

casi cäslh. 
cäse 

2. Alle anders betonten Maskulina werden ebenso 
flektiert außer im Gen. plur.; dieser hat oder kann haben 



422 Zur Geschichte der Deklination. [§716. 

die Endung -ih, d. h. die Lokativform, durch Anschluß an 
die Deklination der Pronomina und Adjektiva: I. fast 
durchgehend -ih: A. bei den Einsilblern mit Betonung 
hröd broda, kröv krovä, br^st brestä, daher brodih, vldsih, 
krdvih (krovih), brestth (brestih). Selten sind endungs- 
lose Formen wie bröd. — B. Bei Mehrsilblern mit festem 
(und ' aus ' durch Dehnung) auf der ersten Silbe und 
ohne bewegliches a in der letzten, z. B. töpöl töjwla : fdjyoWi, 
ribär ribära : ribarlh, dimljäk dimljäka : dimljädh; selten 
endungslos, z. B. nnsec neben misecih, obrüö öbriica : obrücth. 
— C. Bei Zweisilblern mit Endbetonung im Nom. sg. und 
wechselndem Hauptton, z. B. koläc koläcä : koläcth, tezäk 
temkä-.teiäcih. — IL Weniger fest ist -th bei den folgenden: 
A. bei Mehrsilblern mit festem Hauptton auf der letzten 
ohne bewegliches a, z. B. sused suseda : sused und susedih, 
postoUö postoliöa : 2)ostolJö, Novljänin pl. Novljäni : Novljän u. 
Novljämh. — B. Bei den zwei- und mehrsilbigen mit " und 
unveränderlichem Hauptton bei beweglichem a, z, B. stärac 
stärca : stärac (staräc) und stärcth, doch herrscht nach den 
Ansätzen bei Belic S. 31 wohl die kurze Form vor. — 
C, Bei den zwei- und mehrsilbigen mit beweglichem a 
und veränderlichem Hauptton scheint nach S. 34 — 35 die 
endungslose Form durchaus vorzuherrschen, bei solchen 
mit langer vorletzter Silbe allein zu gelten, z. B. ofäc ocä : 
ötäc otdc, posdl poslä : fösäl (vereinzelt scheint kösac koscä : 
köscih neben kösäc kosdc); svetäc svetcä isvetäc, cvltäk cvTtkä : 
cvitäk, desetak desctkä, desetäk. 

Die Neutra bewahren die alte Flexion: 



sg. leto 


pl. leta 


leta 


let 


letu 


letön 


leto 


Uta 


letön 


leti 


leti 


letih, 



vgl. dazu tele teleta : gen. pl. telet, hne Imenn : gen. pl. 
imen usw. 



§717.] Zur Geschichte der Deklination. 423 

717. Historisches. 

Zum Ausgangspunkt nehme ich die küstenländi- 
schen Lektionarien des 15. Jhs., das sog. Zaraer 
(hsg, von Resetar, Zadarski i Ranjinin lekcionar, Agram 
1894, zitiert mitZ), das des Priesters Bernardin von 1495, 
neu gedruckt 1543, 1586 (hsg. von Maretic, Lektionarij 
Bernardina Spljecanina po prvom izdanju od god. 1495, 
Agram 1885, zitiert mit B). Über diese Texte und ihre 
Sprache vgl. Resetar, Primorski lekcionari XV. vijeka 
(Rad 134 u. 136): 

1. Die «-Feminina haben die Form der ;a-Stämme 
angenommen, z. B. gen. sg. göre wie zenilje, nom.-akk. pl. 
strane wie ovce; Dat. -Lok. sg. -i kann in der ikav. Mund- 
art = i und = e sein. 

2. Instr. sg. fem. Das urspr. o ist regelmäßig erhalten 
bei den z-Stämmen, z.B. ricju, radostju, daneben vereinzelt 
-i. Die a-Stämme haben regelmäßig -öm. 

3. Lok. sg. msk.-ntr. : in Z ist die alte Endung -i 
(=e,i) noch überwiegend, z.B. sviti, va svi, n pocali; die 
neuere -%i herrscht bei gutturalem Auslaut, z. B. irgn, puhi, 
duJui, das beruht auf der Abneigung, den Guttural zu 
wandeln {trzi usw.); ferner fast durchgehend nach po, z. B. 
2)0 zakonu, po redu; das ist eigentlich der Dativ, mit dem 
po von alters her in solchen Wendungen verbunden war, 
die Form ist aber empfunden als Lokativ, denn po wird 
beim Pronomen mit dem Lok. verbunden, z. B. j^o kom, 
ebenso stets im Plural. In B ist -21 im Überwiegen, die 
späteren Drucke setzen für die verbliebenen -i noch weiter 
-u ein. 

4. Der Nom. plur. msk. auf -e ist regelmäßig erhalten 
bei den Stämmen auf -an- (Sing, -anin), -in, z. B. Tcuöane, 
grajane, zidove. Bei dem urspr. w-Stamm sin ist der Nom. 
pl. sinove regelmäßig bewahrt, das -ove vereinzelt auch auf 
einsilbige o-Stämme übertragen, stanove, valove (Z), popove 
(öfter) B. In oblique Kasus geht -ov- in Z und B regel- 
mäßig nur bei sin über: sinovom, sinove (Akk.), so auch 



424 Zur Geschichte der Deklination. [§717 

der alte w-Staram vol: akk. pl. volove; vereinzelter in den. 
Akk.pl. anderer Einsilbler: grro&oi'e, popove, glasove, gradove. 

5. Der Gen. plur. auf -ä fehlt völlig. Neutrum und 
Femin. des o- und a-Stammes haben die alte endungslose 
Form. Die Maskulina bewahren diese sehr regelmäßig bei 
Wörtern mit beweglichem a der letzten Silbe, z. B. otac, 
slipac, vrutak (vgl.§ 716.2IIB,C); außerdem bei vereinzelten 
anderen: krat (mal), pinez, neprijatel; sonst ist regelmäßig 
-ov (-eu), z.B. gradoi\ ucenikov, kraljev. Die den i-Stämmen 
angehörende Endung -^ ist bei diesen erhalten, außerdem 
ausgedehnt auf o- und ;o-Stämme, in Z sehr oft gen. pl. 
muH (nach dem Muster Ijudi; auch in den glagolitischen 
Urkunden des 14. — 15.Jhs. ist muH besonders häufig); in 
B häufiger, z. B. kralji, neprijatelji, vifezi^ zuhi. Einzeln 
auch beim Neutrum auf -anje: vladanji (s. Resetar, Rad 
136, S. 132). 

6. Im Akk. plur. hat Z noch sehr häufig das alte -i 
(= -y) bei den harten Stämmen, das dann auf die weichen 
(statt e = e) übertragen ist, z. B. hart dari listi, weich 
pisci, vladavci; in B ist -e Regel, -i Ausnahme. Da durch 
die lautliche Gleichheit von i^i im Nom. pl., von i = y 
im Akkusativ Zusammenfall der Formen stattfindet, z. B. 
listi = Nom. und Akk., so werden auch die Nominative 
mit Gutturalwandlung, z. B. vuci, rozi, trzi, grisi (zu vuk, 
rog, trg, grih) als Akkusative benutzt; da ferner auch der 
Instr.pl. auf -i auslautet, ist eine vollständige Vermischung 
eingetreten: vuci usw. dienen auch als Instrumentale (s. 
§714 dasselbe aus heutigen cak. Mundarten). 

7. Dativ, Instr., Lok. plur. haben die alten Formen 
treu bewahrt: Dativ -m: msk.-ntr. -om, -em, fem. -am, 
Instr. msk.-ntr. -i, fem. -ami, Lok. plur. msk.-ntr. -ih, fem. 
-ah. Doch kommen beim Instrumental verschiedene Um- 
bildungen vor; das -mi der alten i-Stämme wird bisweilen 
durch -i ersetzt, z. B. Ijndi (statt Ijudmi), puH, sogar beim 
Feminin: rici, vlasti. Andererseits geht das -mi der (- und 
M-Stämme (Ijudmi, sinmi) auf die mask. und neutr. o- 
Stämrae über, aber nur in B, wie es scheint fast nur bei 



§717.718.] Zur Geschichte der Deklination. 425 

Einsilblevn, z. B. glasmi, muzmi, vlasmi, rozmi (dies ange- 
knüpft an rozi, s.o. 6), vratnii, slovnii; doch auch angelmi. 
Ein -ma kommt nur vor in dem alterhaltenen Dativ-Instr. 
dual, z. B. ocima, usima. Das vikoma (in Ewigkeit) ist keine 
-ma-Form, sondern dem adverbial gewordenen vikom ist 
das -a nach Analogie anderer Adverbia angefügt. 

8. Von alten Formen der {-Stämme mit e ist erhalten 
Dat. pl. Ijudem, Lok. Ijudeh, dneh. — Sonstige Altertüm- 
lichkeiten: gen. und lok.sg. dne (zu dän), die Nominative 
kami, plami (= -my), die zugleich als Akkusative dienen. 

Die Neuerungen sind also: 

I. Vollständig durchgedrungen: 

1. Die Ausgleichung der fem. a-Stämme nach der 
Richtung der ja-Stämme. 

2. Die Annahme des -öm im Instr, sg. fem. der a- 
Stämme. 

II. Noch in der Entwicklung begriffen: 

1. Die Annahme des -u im Lok. sg. msk.-ntr. 

2. -ov im Gen.pl. der Maskulina (fast allgemein bei 
den Wörtern ohne bewegliches a). 

3. Ausdehnung des Gen. pl. -i der i-Stämme auf be- 
liebige Maskulina. 

4. Akkusativ plur. aller Maskulina in die /o-Form -e. 

5. Zusammenfall des Nom. und Akk. pl. der guttural 
auslautenden Maskulina in die Nominativform. Damit zu- 
sammenhängend die Benutzung dieser Form auch als Instr. 

6. Umbildung der alten Instrumentale plur. auf -i 
durch Annahme der Endung -mi, die dem letzten Kon- 
sonanten angefügt wird. 

718. Um ein Jahrhundert jünger (1564 — 65) als 
die Entstehung der Lektionarien ist die Übersetzung 
der Propheten aus der Lutherbibel, entstanden in Istrien, 
hsg. von Jagic u. d. T. Vsih prorokov stumacenje hrvatsko. 
Veteris testamenti prophetarum interpretatio istro-croatica 
saec. XVI. (Wien-Berlin 1897), dazu Ders., Ein vierter 
bibliographischer Beitrag (Anzeiger der Wien. Ak. 1896, 
Nr. V — VI, S. 19). Es ist nicht ohne Interesse, zu ver- 



426 Zur Geschichte der DekHnation. [§718. 

gleichen, wieweit hier eine andere Entwicklung oder eine 
Weiterentwicklung stattgefunden hat. Nach der Reihen- 
folge von § 717.8: 

I. 1 wie in den Lektionarien ; der Stand der Aus- 
gleichungen auch im Vokativ, aher nach der Seite der 
harten Stämme, z.B. kueo Jer. 21. VI, zemljo Jer. 6.19; nur 
-ica behält die alte Form -ice, z. B. neprijateljice Mich. 7.8. 

1.2; -öm ist im Instr. sg. der a-Stämme fast durch- 
gehend, z. B. pravdom, grozbom, doch findet sich eine ge- 
ringe Anzahl der alten Form auf -u, z. B. godinu Is. 29.6 
(ebenda godinom), s kletvu moju Is. 50.2. Ebenso ist bei 
dem i-Femininum die Regel -orn, z. B. krvjovi, moöom, 
ricjom, müostjom, die alte ^(-Form ist im ganzen selten, 
z. B. radostju Is. 35.10, z veliku vridnostju Ez. 27.24, £lcju 
Jer. 9.15 (vgl. nmdrosfjom 9.28). 

II. 1. Der Lok. sg. msk.-ntr. auf -u so gut wie durch- 
gehend, sehr selten das alte -i (= e), z. B. va sni Is. 29.7. 
Der Zusammenfall von Lok. und Dativ beim Nomen hat 
auch beim Pronomen-Adjektiv die Übertragung der Dativ- 
form in den Lokativ herbeigeführt, z. B. u ohecanomu i 
sfanovitomu prisastju S,234, na iml^i galilejskomu (neben na 
putu morskom) Is. 9.1. Doch ist die Zahl der Fälle im 
Vergleich zu der der alten Form auf -m gering. Im Lekt. Z 
fehlt -oniu als Lok. noch ganz, ist aber in B ziemlich häufig. 

IL 2. Genitiv plur. Die fem. a-Stämme und die 
Neutra sind endungslos, daher auch bei konsonantischen 
Stämmen, z. B. imen, nebes; seltener bei alten Maskulinen 
dieser Klasse, p?eme?^ Ez. 48.19,31, kristian S. 3; lakat oft 
nach Zahlen, z. B. dvadeset lakat Zach. 5.2 (das Wort 
flektiert lakat lakta laktu, n. pl. lakti, akk. lakte), öfter auch 
dan, z. B, sedam dan Ez. 3.15,16; ferner mater Jer. 16.3, 
Mer Ez. 16.53. In die konsonantischen Stämme sind 
gelegentlich die j-Stämme einbezogen, so gen. pl. misal 
Is. 47.13, pesan Ez.7.7, prs Is. 28.9. Die alten femininalen 
i-Stämme behalten sonst regelmäßig ihr -i, oft auch die 
Maskulina, so dm, puti. Im Gen. pl. der alten o-Stämme 
ist -ov (-ev) durchaus die Regel, die vorherrschende Form, 



§718.] Zur Geschichte der Deklination. 427 

z. B. vozov, krajev, j^rorokov, uciteljev; ganz vereinzelt auf 
das Neutrum übertragen: stndov Ez. 36.38 (wohl als Mask. 
empfunden, vgl. stadi moji als Vok.), cedov Is. 19.11. Die 
alte endungslose Form wird nur bevorzugt bei Wörtern mit 
beweglichem a der letzten Silbe (vgl. dazu aus heutigen 
Mundarten §716), namentlich wenn diese -ac (^ -hch) ist, 
so ofac 22mal nur so, sest janjac. Kz.4Q.6 (janjcev 39.18). 
Bei anders gearteten Wörtern ist diese Form selten, regel- 
mäßig nur bei dem formelhaft gewordenen kraf, z. B. sedam 
krat (siebenmal), wie es scheint auch bei pinez, alles andere 
ist vereinzelt, z. B. od otok morskili Is. 11.11, Ez. 27.7 
(ofokon 27.6), misto rusih vlas Is. 3.24. 

II. 3. Die Endung -i im Gen. pl. der mask. o-Stämme. 
Häufiger ist nur muzi (17mal, z. B. ovih muzi Dan. 3.27) 
durch den Einfluß von Ijudi (vgl. §717.5); nimmt man noch 
dazu drei Beispiele von konji, z. B. konji i vozov la. 2.7, 
viermal miseci (z. B. Dan. 4.26), so bleiben nur vereinzelte 
Beispiele: von weichen Stämmen neprijatelji Mich. 4.10, 
Nah. 1, oltari Jer. 17.1, progoiiitelji Ez. 38, ucitelji Zach. 5; 
von harten iz boki tvojih Is. 7.2, civi (Röhren) Is. 7.12, 
ofrov i dari S.312, od vsih kusi Is. 30.14, do oblaki Jer.51.9, 
Zeph. 1.15, 2)ostoli Am. 2.6„ puki Ez. 11.17, Mich. 5.7, 
devet roqi Dan. 7.7,24, trupi Agg. 2.17. Von Neutren hat 
nur das eine kraljevstvo regelmäßig (achtmal) diese Form, 
z.B. deset kraljestvi S. 215, vsih kraljevstvi Is. 23.17, offen- 
bar zur Vermeidung der unbequemen Form '^kraljevsfav; 
anderes ganz vereinzelt, j^^^d halavanjem konji njegoviJi, koli 
i konjiki (so zu lesen statt konjici) Ez. 26.10. 

II. 4. Akkusativ plur. Das alte -i ist regelmäßig 
erhalten bei den fem. i-Stämmen, z. B. rici, zapovedi, beim 
Mask. regelmäßig dni, sonst wechselnd mit -e: Ijudi und 
Ijtide, nohti und nohte. Die fem.a-Stämme haben nur -e (vgl. 
§713); die mask. o-Stämme ebenfalls das -e der weichen 
Stämme verallgemeinert, doch sind die Formen auf -i 
(= -y; durch Übertragung auch bei den weichen) bewahrt 
in folgenden Wörtern: dari, konji^ kraji, kusi, kuti, nosi, 
prsti, redi, rogi, sagi, smradi, söiti, sfadi (urspr. ntr.), trsi, 



428 Zur Geschichte der Deklination. [§718. 

trupi, uzli, vali (Wellen), va-veM, vinci, v'dri, vozi (konje i 
vozi Jer. 50.37), zidi, ziibi: dogovori S. 6 (neben dogovore), 
jeziki, niejasi, ohloki (Fenster), ohrazi Ez. 10.14 {phraze 10.21), 
pinezi (dies regelmäßig so, 18mal), plemeni, pomoönici (über 
c s. u. II. 5), sasiidi, varosi, zakoni; im ganzen 60 Fälle, 
eine geringe Zahl gegenüber der großen Menge der Akk. 
auf -e. Es fällt auf, daß die alte i-Form bei Einsilblern 
viel häufiger ist als bei Mehrsilblern. 

II. 5. Instrumental plur. Die Endung -nii ist wie bei 
den fem. a-Stämmen auch noch regelmäßig gebraucht bei 
den ^'-Femininen, z. B. ricmi, lazmi, bei den mask. i-Stämmen 
häufig noch Ijudmi, einigemal tatmi. Die mask. und neutr. 
o-Stämme haben das alte -i noch in regelmäßigem Ge- 
brauch, z. B. 7neju rsimi bogt Is. 36.20, svojimi jaziki Jer. 9.3, 
7iad vsinii kraljevstvi Is. 37.16, so auch sa vslmi cudesi Jer^ 
21.2. Die Form ist übertragen auf die mask. i-Stämme, 
z.B. s crvi Os.2.1S, ovimi malimi dni Zach. 4.10, nad vsimi 
Ijudi S. 213. Jedoch ist bei den mask. o-Stämmen eine 
Abweichung dadurch eingetreten, daß die Gutturalwandlung 
des Nominativ pl. (k — c, g — z, h — s) in den Instr. über- 
tragen ist (über den Anlaß s. §§ 714,717.6); z. ß. meju og- 
njenimi kamici (zu kamik) Ez. 28.14, z rozi (zu rog) Ez. 34.21, 
nad vsimi ostnlimi vrsi (zu vrh) Is. 2.2, und so sehr häufig. 
Zuweilen stehen alte und veränderte Formen nebeneinander,, 
z. B. meju vsimi piiki, Ijtidi i jazici Dan. 3.29. Der Zu- 
sammenfall von Nom. und Instr. plur. ist dadurch be- 
günstigt, daß im Nom. die gesetzmäßige Wandlung der 
Gutturale sehr oft unterbleibt, z.B. n. pl. jaziki Is. 11. 10, 
luki Jer. 51.56, otoki Is, 41.5 {otocl 41.1), potohi Is. 43.20 
(potoci 35.6), proroki Jer. 14.15 (proroci 14.14), svidoki und 
svidoci Is. 44.8,9, rogi Dan. 7.8, grihi Is. 6.7. 

II. 6. Neben -i im Instr. pl. der mask. und neutr. 
o-Stämme steht -mi, aber nur bei Einsilblern: glasmi S. 234 
(ebd. glasi), glogmi Is, 7.24, hrastmi Is. 1.29, 44.14, listmi 
S, 225, lukmi Is, 7,24, pleömi Ez. 10.12, sadmi Is. 24.1, 
söitmi le. 22.6, trupmi Jer. 16.18, ustmi Is, 9.1 2, 29.13, Jer, 
9,8,44.25 {usti v. 26), Ob. 1.12, vozmi Jer. 46.9, Is. 22.6, 



§718.] Zur Geschichte der Deklination. 429 

Dan. 11.40, vrafmi Jer. 17.20,27 (vrati 17.21,25,27), Ez. 
44.17,0b. 1.11 {vrati 1.12), zidmi Is. 22.11, Jer. 39.4, 52.7. 
— Ein -nia als Instrumentalendung besteht nur im Dual, 
z. B. pred ocima mojima Jer. 7.30, pred onima dvima dime- 
cema glavnjama Is. 7.4. Das adverbiell gewordene sa-vsima 
für sa-vsim, wie vikoma (s. § 717.7), gehört nicht hierher. 

III. Die Ausdehnung des -ov- im Plural der nicht 
^/-Stämme findet nur in sehr mäßigem Grade statt. Der 
alte sehr häufige Nom. pl. sinove ist fast regelmäßig so 
erhalten, nur einigemal steht sm, dazu sinom dat. pl., 
sinih lok. Joel 3.13; von altem w-Stamni auch volove 
Dan. 5.21, Ab. 4.17; von alten o-Stämmen, nur bei Ein- 
silblern, bogove (siebenmal), hogovi (fünfmal), hogi (statt hozi 
zweimal Is. 36.19); außerdem vereinzelte Fälle: darove 
Is. 1.23, gradove Ö. 225, rodove Is. 51.1, vozovi S. 228, 
zvirove Dan. 4.9 (zviri 4.11, das Wort wird als o-Stamm 
behandelt). Sonst ist die Endung des Nom. pl. -e er- 
halten fast regelmäßig bei zidove (selten zidovi), bei den 
Wörtern auf -an-in neben -;', z. B. grajane und grajani. 
Die Ausdehnung des -ov- auf oblique Kasus ist regelmäßig 
bei sin : sinove akk.pl. (und sinovi), dazu volove Os. 12.12, 
öfter bogove, darove (darovi), gradove, zidove, einigemal vozove, 
stanove, vereinzelt dvorove Zach. 3. 7; auf andere Kasus aus- 
gedehnt nur bei sin, dat. sinovoni (viermal), instr. sinovi 
(13mal), sonst in dem ganzen Buche nur instr. pl. kraljevi 
Jer. 14.1, lok. gradovih Is. 13.22. 

IV. Über den Lok. plur. Die alten Formen sind 
durchaus erhalten ; nur unterbleibt bei den mask.-neutr. 
o-Stämmen häufig die Wandlung der Gutturale vor -ih, 
z. B. po vsih vrsih i po vsih brlogih Is. 16.16 {vrhih z. B. 
Is. 23.45), grihih Is. 43.24. — Das -ah der fem. a-Stämme, 
wie das -am des Dativs, awi- des Instr., ist regelmäßig auf 
die fem. i-Stämme übergegangen, z. B. ricah Jer. 44.17, 
stvarah S. 72, 147, zapovidah Ez. 20.19,21 (indes kommt 
vereinzelt auch -lÄ vor, so kostih Jer. 20. d), Zaiam Am. 2.4, 
ricam Jer. 35.13; kripostami Dan. 4.32, stvarami Jer. 29, 
povidami Mal. 4.4 usw. 



430 Zur Geschichte der Deklination. [§718.719. 

V. Als mehr oder minder vereinzelte Erscheinungen 
sind anzuführen: der alte Gen. und Lok. sg. dne (zu dän), 
z.B. do onoga dne Jer.26.22 und öfter, va dne Jer. 31.35; 
zu dän außerdem Gen. sg. dneva Am. 5.8, S. 264, Dativ 
und Lok. dnevu, z. B. Ez. 30.2, Is. 9.14, Instr. dnevorn, 
z. B. Jer. 33.26. — Alte Formen der i-Stämme sind 
Instr. sg. indem, dneni, Dat. pl. Ijudem, Lok. dnek. — Von 
den alten ?^-(?/)-Stämmen nur Ijubav, gen. Ijubave, lok. Ijubavi, 
instr. Ijuhavotn; neben altem crikav (S. 224) steht mfcua. — 
Der Lok. pl. na tloh S. 264, po tloh Is. 10.23 und öfter 
hat sein o aus dem Nom.-akk. sg. in der Verbindung na 
Üo\ im heutigen Dialekt von Cherso ist daraus wieder tloh 
als Nom. sg. gebraucht. 

Zur Geschichte 
der stokavischen Deklination der Nomina. 

719. Außer den Entwicklungen, die cakavischen 
gleichartig, aber nicht immer gleichzeitig sind, handelt es 
sich vor allem um den Gen. plur. auf -ä und um das 
Zusammenfallen von Dativ, Instrum., Lok. plur. in die 
Formen auf -ima und -ama. 

1. Die Ausgleichung der a- und ^"a-Stämme. 
Im Gen. sg. ist das -e aus den ja-Stämmen schon von 
Anfang der Überlieferung (12. Jh.) an allgemein: zene wie 
düse; wo ein -y, -i in den Urkunden steht, sind es kirchen- 
slavische Formen. — Der Dat. sg. hat im 14. und 15. Jh. 
noch -e und -e (= -e), z. B. zene, sluzbe, aber in den Ur- 
kunden derselben Zeit, wenigstens in denen aus westlichen 
und südlichen Mundarten, -i, d.h. die Form der weichen 
Stämme (düsi), z. B. pravdi, sluzi; im 16. Jh. wird sie in 
den genannten Gegenden herrschend, ist heute in der 
Schriftsprache, auch ekavischer Lautgestalt, allgemein. Im 
Vok. sg. fem. herrscht wenigstens vom Ende des 15. Jhs. 
bei den nicht auf -ica ausgehenden die Form der harten 
vor, dü§o, gelegentlich auch bei -ica, djevico. Der Akk. pl. 
hat seit der ältesten Zeit bei den msk. o-Stämmen, wie bei 
den a-Feminina die Form der weichen -€, zene wie düse, 
grobe wie konje. Wo Formen auf -i {-y) vorkommen, 



§719—721.] Zur Geschichte der Deklination. 431 

handelt es sich um cakavische Schriftsteller, wie Marulic 
u. a., oder um Nachahmung solcher bei ragusanischen 
Dichtern des 16. Jhs., wie Mencetic, Drzic u. a. 

720. 2. Instrum. sing, der fem. a-Stämme, 
Die alte Form auf -u (^o; so cak. -ü, -ü-n) ist stokavisch 
nicht mehr nachweisbar, außer etwa an kirchenslavisch 
beeinflußten Stellen, also kein zenü^ düsü. Die ältesten 
überlieferten Formen sind z. B. »seHOBh, nftitKOBb, BOiiOBb 
(a = ;'), so findet sie sich bis zur zweiten Hälfte des 
13. Jhs., bei ja- wie bei -a-Stämmen, in glagolitischen Ur- 
kunden auch noch Ko.it^Bb (Zara 1473); zu lesen ist das 
zenon, pravou, vol'ou (vol'eu); die kyrillische Schrift gab 
keine andere Möglichkeit, den Diphthongen ou zu schreiben 
als durch OBh, dessen b natürlich stumm ist. Entstanden 
ist die Form aus zenoju (aus ienojq), daraus zenöu mit Deh- 
nung durch das auslautende y,. Von der zweiten Hälfte, 
des 13. Jhs. herrscht -öm, dessen m dem Mask.-Neutr. 
entnommen ist, grädom, mjestom. — Die fem. i-Stämme 
bewahren die alte Form auf 'u (aus -hjq) bis heute, stvärjuy 
daneben -i, das nach Mar. S. 170 von Vuk neben -'u ge- 
braucht wird, wenn die Instrumentalfunktion durch Prä- 
position oder durch adjektivischen und pronominalen Zu- 
satz an sich deutlich ist, z. B. sa zalosii und s pomocu, 
jednom rijeci, während nur 'm, wenn die Form keine solche 
Stütze hat. Auch die Form auf -i hat im 16. Jh. das -m 
annehmen können, z. B. snirtim, ricwi, milostim, von diesen 
haben auch mask. i-Stämme ein -im angenommen, z, B. 
putim, zvirini. Das -i beruht auf altem -ijq, -ijti mit vollem 
/, daraus -m, das -u ist abgefallen; eine Schreibung -iiBb 
scheint nicht erhalten zu sein. Auf dem alten Unterschied 
von -hjq und -ijq beruht die verschiedene Behandlung des 
t, d usw. im Instr., z.B. milosöii {=milostju) und milosti, 
niislju und misli. Vom 14. Jh. begegnet, doch nach Dan, 
Ist. obl. S. 42 spärlich, die Übernahme des -öm von den 
a Stämmen, z. B. milostjöm. 

721. 3. Lok. sg. msk.-ntr. auf -e (hart), -i (weich) 
hält sich bis Ende des 15. Jhs. und ist scheinbar noch in 



432 Zur Geschichte der Deklination. [§721—723. 

reichlichem Gebrauch bei den ragusanischen Dichtern des 
16., aber Danicic (S. 47) weist nach, daß die meisten Bei- 
spiele sich auf bestimmte Wörter {svijet svit, san — sviti 
sni) beschränken, die sich auch im 17. noch so finden. 
Es handelt sich wohl um Nachahmung älteren Gebrauchs 
und um formelhaft gewordene Wendungen wie u sni (im 
Schlafe, im Traume), denn schon im 14. kann -u überall 
gebraucht werden, herrscht im 15. vor und wird im 16. 
herrschend. 

732. 4. Die Annahme des -ov- im Plur. (dabei 
ist abgesehen vom Gen. pl., s. § 723) erscheint bei den 
mask. einsilbigen o-Stämmen schon von Anfang der Über- 
lieferung an: wie siiiove, so gradove, viikove, museve usw. 
Die alte Endung -e hält sich noch bis Ende des 16. Jhs., 
aber schon vom 14. auch sinovi, gradovi, und -i herrscht 
im 16. ganz vor. Diese Einsilbler übertragen das -ov- in die 
obliquen Kasus, schon im 14. Jh., z. B. Dat. sinovom, vu- 
kovom, muzevom, Akk. sinove usw., Instr. sinovi, darovi, Lok. 
gradoveh. Bemerkt sei noch, daß das -e des Nom, pl. der 
konsonantischen Stämme auf -an- (-an-in) noch im 16. Jh. 
besteht, Dubrovcane, aber schon im 14. auch -i, Dubrovcani. 
Die alten mask. i-Stämme (Nom. pl. urspr. -bje) haben 
schon im 13. Jh. -i: imti, gosti. 

723. 5. Genitiv plur. aller Klassen. 
Ererbte Formen waren: 

fem. a- und ^'a-Stämme zena dusa : zem dusb 
mask. 0- und ;o-Stämme voz^ mqzh : voz^ mqzh 
ntr. 0- und ;/o-Stämme lelo pole : let^ pol'b 
konsonantische Stämme ime imene : imem 

tele teilte : telcth 
hmmj kamene : Jcamem 
nebo nebese : nebes^ 
mati malere : mater^ 
a-Stämme crky crk^ve : crkhvi 
«-Stämme syiio synu : synov^ 

i-Stämme kosth kosti : kosiijb (die Form hostbjb ist 
nicht ins Skr. übergegangen). 



§ 723. 724.] Zur Geschichte der Deklination. 433 

Da 3, 6 überall abfiel, wurden an sich alle Gen. pl. 
endungslos, iew, dus, synov, kostij (daraus kosti), aber bei 
den u- und ^-Stämmen gegenüber dem Nom. sg. süi 
(s?/n), kost der Gen. pl. sinov, kosti als mit einer ihn 
charakterisierenden Endung -ov, -i versehen. Die Formen 
äen, dus des Fem., let pol\ imen, nebes des Neutrums blieben 
allen anderen Kasus gegenüber eine deutlich geschiedene 
Form. Es bestand also die Möglichkeit, die genannten 
endungslosen Genitive unverändert bestehen zu lassen, auf 
die Maskulina aber zur Verdeutlichung -ov und -i zu über- 
tragen. Diesen Weg haben, wie oben § 717 fg. gezeigt, 
cakavischeMundarten eingeschlagen. Auch die stokavischen 
haben ihn betreten, aber sehr spärlich, denn die vom 
13. Jh. erscheinenden Beispiele wie greJiov, darov, bogov, 
krajev usw. darf man nicht rechnen, da hier das -ov zu 
der Übernahme der Silbe -ov- in die Pluralformen der 
Einsilbler gehört. Nach Dan. Ist. obl. (S. 69 — 70) erscheint 
allerdings diese Form als sehr verbreitet, ca. 100 Beispiele, 
allein wenn man die Einsilbler, ca. 60, abzieht, entfallen 
von den 40 verbleibenden 19 auf cak. Quellen, 15 auf den 
Bosnier Iv. Bandulavic (Novo istumacenje pistola 1626), 
der von cak. Vorlagen abhängig ist, neun auf Nik. Ranjinas 
Lektionarium, das auf cakavischen des 15. Jhs. beruht. 
So bleiben nur ein paar Beispiele für rein stokavische 
Schriftsteller. 

7S4. Auch die Endung -i ist angenommen worden. 
Bei Dan. S. 74 werden aus dem 13. und 14. Jh. 35 Bei- 
spiele gegeben, davon fallen aber 31 auf Münzbezeich- 
nungen : dinar — dinari, perper — 2^^'^'P^^'h pinez — pinezi. 
Nach den weiteren Anführungen dort scheint das -i vom 
Ende des 15. durch das 16. bis ins 17. Jh. reichlich ver- 
treten, allein nach der verschiedenen Situation der Schrift- 
steller sehr ungleich: von den ca. 120 Beispielen kommen 
auf cakavische und cakavisch beeinflußte Schriftsteller 
(Nik. Ranjina u. a.) ca. 60, allein auf Marulic 31, auf die 
a. a. 0. benutzten Ragusaner nur neun. Das -i ist auch 
auf Neutra übertragen worden (Dan. S. 78), aus dem 

Leskien, Serbokroatische Grammatik. 28 



434 Zur Geschichte der Deklination. [§724—726. 

16. Jh. z. B. bogastvi, leti; unter den 31 Beispielen 17mal 
usü, wie denn überhaupt öfter einzelne Wörter Formen 
bevorzugen, die bei anderen selten sind. Vereinzelt kommt 
-i auch beim Feminin vor, im 16. Jh. z.B. suzi, usni. 

"725. Die endungslosen Formen halten eich, am 
meisten wie es scheint bei den a-Feminina, noch im 16. Jh.,^ 
z. B. gor, djevojak, suz', mask. vjetar, grijeh, narod, otac; 
neutr. Ijet, usf, srdac, sie werden aber von den Ragusanern 
im 17. nur selten mehr gebraucht. An ihre Stelle tritt in 
allen Deklinationsklassen außer bei den fem.i-Stämmen die 
Endung -ä, sie wird herrschend im 16. Jh., ist aber von 
der ersten Hälfte des 14. an zu belegen. Damit ist nicht 
gesagt, daß sie nicht früher vorhanden gewesen sei, denn 
die traditionelle kirchenslavische Orthographie der älteren 
Urkunden schreibt alle Gen. mit -h, auch wo vielleicht 
schon -a gesprochen wurde. Im 14. Jh. begann man statt 
des einfachen -h zu schreiben -hh, z. B. iiciCTiiphk, YAOB'£Kt>h, 
ceiihb, pi\BOThh. Daß hier -a zu lesen, hat schon Safarik,. 
Serb. Lesekörner (1833) S. 30 erkannt, vgl. dazu z. B. 
3a Tbh j^oBHTbKh 14. Jh. {=TL aobt.it'lk'l), wo TL vor folgendem 
Dental das x nicht verlieren konnte, also za ta dohitak zu 
lesen. Daß in der Tat -a gesprochen wurde, zeigen 
Schreibungen derselben Zeit wie zupa, zemalja, zrna, was 
im 15. Jh. schon regelmäßig geschieht. Die Gesamtlaut- 
gestalt des Gen. pl. ist hier schon die des heutigen Sto- 
kavischen (s. § 584). 

72ß. Über den Ursprung der Endung -ä ist eine 
ganze Literatur entstanden. Ant. Karlgren, Sur la formation 
du gen. plur. en Serbe (in Archives d'etudes orientales, 
vol. 3, Upsalal911; geschrieben 1908, wie das Nachwort 
besagt) zählt vor ihm neun Versuche auf, die er alle für 
verfehlt hält. Dem stimme ich bei, freilich hat mich 
seine eigene scharfsinnige Ausführung auch nicht über- 
zeugt (vgl. auch Resetar, ASlPh. 34,588). Die Erklärung 
Vondräks (0 püvodu kijevskych listü, 1904, wiederholt 
Vgl. sl, Gr. II, 21) erwähnt er nicht. Alle diese Ansichten 
hier zu besprechen, ist nicht möglich, ich beschränke mich 



§726.] Zur Geschichte der Deklination. 435 

auf eine kurze Auseinandersetzung der sprachhistorisch 
wichtigen Frage: ist das -ä lautliche Fortsetzung der alten 
Genitivendung -1 (-b), also eines urslavischen Zustandes 
oder ist es eine Neubildung des stokavischen Serbisch? 
Wenn die Endung aus dem Urslavischen stammen soll, 
so müßte das einst allgemeine -i (-b) des Gen. pl. ein 
anderer Laut sein als die sämtlichen anderen auslautenden 
t, b der Sprache, denn diese, ob betont oder unbetont, 
fallen ab (abgesehen von einigen Einsilblern, skr. ta, ca). 
Daß aber das -i (-h) des Gen. pl. ein anderes gewesen sei, 
ist unerweislich, es fällt in allen slav. Sprachen, auch im 
cakavischen Skr., ganz ebenso ab wie die anderen i, h. 
Die bloße Tatsache, daß im Stokavischen -a erscheint, wo 
urspr. -T. (-b) steht, ist an sich kein Beweis für die Ent- 
stehung daraus. Daß ich die Gen. pl. der Kijever Blätter 
rpfixi, A^B"^ usw. anders auffasse als Vondräk, darüber s. 
mein Handbuch^ S. 11 Anm.; ich gehe aber nochmals 
darauf ein, weil mir bei Vondräk eine sprachgeschichtlich 
nicht mögliche Konstruktion vorzuliegen scheint. Vgl. 
sl. Gr. II, 21 heißt es: «Das i des Gen. pl. der i-Stämme 
war lang, da es durch Kontraktion aus -ij entstand, und 
es wurde wohl auch i?, bi geschrieben, aber schon lange 
als i gesprochen. Das hatte zur Folge, daß auch das halb- 
vokalische Element für %, b der alten Genitive, in welchem 
Stadium es sich auch immer befand, gedehnt wurde, wie 
wir es bei allen derartigen Genitiven der Kijever Blätter 
finden, z.B. rptxi, A*'*'^- In anderen Denkmälern wurde die 
Länge durchVerdoppelung des Halbvokals angedeutet: paßbb, 
CHabb usw. (die Gen. der a-Stämme wurden gleich behandelt). 
Das hatte zur Folge, daß sich hier ein halbvokalisches 
Element ausnahmsweise erhielt, bis daraus volle Vokale 
wurden, und so tauchen die Genitive auf -ä im Serbokroat. 
seit dem Anfang des 15. Jhs. auf (vereinzelt auch schon 
im 14. Jh.). » Dazu bemerke ich: 1. Die Annahme, " in 
-i bezeichne einen gedehnten Vokal, ist ganz unerweislich, 
es steht auch auf Silben, für die innerhalb des Slavischen 
Länge nicht angenommen werden kann, pa^i (propter; oft 

28* 



436 Zur Geschichte der Deklination. [§ 726. 727. 

vorkommend), instr. pl. rp^MH THAeciiil, akk. pl. hi.h (nos); 
2. die in den Kijever Blättern vorkommenden Gen. pl. von 
i-Stämmen lauten CKBphiiocTiii, aio^^iii, 3mhi, 3nnoB«/^hi, haben 
also die alte Form auf -ijb, -bjb, und es ist nicht zu er- 
weisen, daß dies = 7 sei; 3. der Ausdruck «in anderen 
Denkmälern» führt irre; die Schreibungen auf -bh stammen 
aus serb. Urkunden des 14.Jhs., und es geht nicht an, sie 
mit den Kijever Blättern aus dem 10. Jh. zusammen- 
zustellen; 4. bei der Annahme einer Fortsetzung des urspr, 
-i (-h) als -ä bleibt unverständlich^ wie dabei die voran- 
gehende Silbe gedehnt werden konnte, zenä aus zenö, wäh- 
rend dies bei Abfall des -i erklärlich ist; 4. wie hat bei 
Jener Annahme die dem -ä (^ -t», -b) vorangehende Silbe 
stets die Gestalt bekommen, die sie als auslautende haben 
muß, warum also ein altes sestri nicht *sesträ, sondern 
sestärä {=^ sestärä), otbcb nicht *ocä, sondern otäcä (=*ofäcä). 
Damit leugne ich nicht, daß das ä überhaupt aus 5 ent- 
standen sei, vgl. die dial. Formen vjetzriQi), zenö{h), sonst 
vjetärä^ £enä, halte aber mit Resetar (ASlPh. 34.591, Rad 
136, S. 137) das -3 für sekundären, skr. Ursprungs. 

727. Eine Stütze für die Ansetzung des -u = -5 
schien das Slovenische zu geben (s. über die gesamten 
Verhältnisse Oblak, Zur Gesch. der nom. Dekl. im Slov., 
ASlPh. 12.438 f.). Hier haben einige westliche Mundarten 
eine Endung -ä unter ganz bestimmten Bedingungen: bei 
endbetonten fem. a-Stämmen, nur bei diesen, z. B. vodd, 
gorä; dabei zeigen Fälle wie sestra, ovcd, zgadhd, daß die 
vorangehende Silbe nicht Auslautsform (sesier) hat. Zu- 
nächst ist zu betonen, daß das skr. -ä nicht aus dem Slo- 
venischen entlehnt sein kann, denn erstens liegt zwischen 
dem Stokavischen und jenen slov. Mundarten der lange 
breite Streifen der Cakavstina und der Kajkavstina, die 
das -ä nicht kennen; zweitens tritt der slov. Gen. pl. auf 
-ä erst in der Mitte des 17. Jhs. auf; drittens haben vene- 
tianische Mundarten (s. a. a. 0. S. 440) bei der gleichen 
Wortkategorie und gleichen Betonungsverhältnissen den 
Gen. pl. auf -e, z. B. vodä — vode, gorä — göre, sestra — 



§ 727—729.] Zur Geschichte der Deklination. 437 

sestre; dies -e kann aber nicht aus -x (-b) entstanden sein, 
denn deren Vertretung ist in diesen Mundarten a (s.Oblak, 
ASlPh. 16.164). Man kann das slov. -ä nicht auf -i. (b) 
des Urslavischen zurückführen, es muß eine slov. Neu- 
bildung sein. Und eine Neubildung ist auch der stokav. 
Gen.pl. auf -ä, ihr Ausgangspunkt in der Einzelgeschichte 
des Skr., speziell des Stokavischen, zu suchen in einer 
Zeit, wo die alten -% (-h) schon abgefallen waren. Weiter 
als zu diesem allgemeinen Satz kann ich es nicht bringen, 
da ich jenen Ausgangspunkt nicht gefunden habe und 
weitere unsichere Vermutungen nicht aufstellen mag. 

T28. In einigen heutigen südlichen stokav. Mund- 
arten erscheinen Gen. pl. auf -h, also scheinbar mit der 
Lokativendung. So berichtet Resetar, otok. Dial. S. 161, 
daß in den montenegrinischen Kreisen Katuni und Crmnica 
der Gen. pl. der i-Stämme lautet z. B. rijeclli statt rijeci. 
Sicher liegt hier, wie Resetar erklärt, eine Angleichung an 
die Pronomina und Adjektiva vor, bei denen Gen. und 
Lok. pl. in -ih zusammenfallen (s. auch das § 716 über 
das Cakavische Bemerkte); das -h ist dann auch auf die 
Formen mit -ä übertragen, so in Prcanj, Antivari, z. B. 
gödmäg (= gödinäh) für gödlnä, grijegäg {^= grißhäh) für 
grijehä. Dieselbe Erscheinung auch in anderen Mundarten 
und in älterer Zeit (Dan. Ist. obl. S.89): schon im 13. Jh. 
einige seltene Beispiele von i-Stämmen, Ijiiäeh, vremeneh; 
aus dem 14. bei ihm kein Beispiel, aus dem 15. ein paar 
Beispiele fem. «-Stämme, z. B. od tech rabotah, od jacih 
mukah; aus dem 16. von i-Stämmen, z. B. ricih^ stvarih, 
einige auch von anderen, so z.B. molbaJi, nasrid vratih; im 
ganzen alles spärlich. Vom 17. fließen die Beispiele reich- 
lich, aber hier müßte erst im einzelnen untersucht werden, 
ob das geschriebene -h auch gesprochen ist, da in dieser 
Zeit in Mundarten das h überhaupt schwindet, also einfach 
die orthographische Gewohnheit aus dem alten -h im Gen. 
pl. der pronominalen Deklination befolgt sein kann. 

729, 6, Dativ-Instr.-Lok. plur. auf ima, ama 
(vgl. Resetar, Rad 136, S. 140). Der Lokativ hat diese 



438 Zur Geschichte der Deklination. [§729.730. 

Form erst spät angenommen und nicht auf Grundlage 
seiner ursprünglichen Gestalt, es ist daher auszugehen vom 
Dativ und Instrumental. Die Entwicklung ist im all- 
gemeinen die gewesen: l.im Anfang des 16.Jhs. tritt die 
syntaktische Vermischung des Dativ und Instr. plur. ein, 
d. h. die Dativform kann instrumental, die Instrumental- 
form dativisch gebraucht werden ; Anlaß dazu ist die Gleich- 
heit der Kasus im Dual. Seit dem 15. Jh. werden die 
Dual- und Pluralformen promiscue gebraucht (Dan.Ist.obl. 
234), z. B. Dat.pl. als Dual bei dvä öba, dvjema gospodarom, 
instr. objema zakoni, objema rukami; 2. beim msk.-ntr. o- 
Stamm wird infolge der Vermischung von Dat. und Instr. 
der alten Endung -i { = -y, -i) des Instr. die Dativendung 
-m angefügt, -im; beim a-Stamm wird der alte Dativ -am 
in seiner instrumentalen Anwendung eine Parallele zu -im; 
3. das auslautende -a von -ima -ama ist aus dem dualischen 
-ma entnommen. Im einzelnen : 

730. Der Instrum. plur. mask.-neutr. der o- 
Stämme bewahrt neben Neuerungen die alte Form auf -i 
{= -y, -i) bis ins 17. Jh., z. B. zubi, vraii, mit -ov- bei Ein- 
silblern, z.B. gradovi, darovi; schon im 14. — 15. auch otroci, 
vrazi, grisi (zu otrok, vrag, grih; s. darüber §§ 714,717.6). 
Von Anfang der Überlieferung an findet sich die Über- 
tragung des -mi der alten i- und w-Stämme {Ijudmi, sinmi) 
auf die o-Stämme, z. B. darmi, glasmi, gradmi, zakonmi, 
vlasteomi (= vlastelmi), gradovmi, listovmi, vratmi. Dies -mi 
ist ferner an die fertige Form auf altes -i einfach angefügt 
worden, vereinzelt vom 13. Jh. an, häufig im 17. (s. Dan. 
119), doch, wie es scheint, nur bei einzelnen Schriftstellern 
gewöhnlicher, z.B.. glasi-mi, listi-mi, darovi-mi, usti-mi. Diese 
Richtung der Entwicklung kommt aber als eine mehr 
lokale oder individuelle für die Geschichte des Kasus wenig 
in Betracht, denn wo sonst -mi an fertige Instrumentalformen 
tritt, geschieht es vom 14. — 17. Jh. (s. Dan. 117) so, daß 
das auslautende alte -i abgeworfen und so völlige Par- 
allelität mit Ijudmi, sinmi hergestellt ist, z. B. trg : trzmi, Ver- 
tretung für trzi (über z s. §§714,717.6), rog : rozmi, jezik : 



§730.731.] Zur Geschichte der Deklination. 439 

jeziani. Diese Entwicklungsrichtung ist dann abgelöst durch 
eine andere. Im 16. Jh., vereinzelt wohl schon früher, 
werden Instrumentalformen als Dative gebraucht, z. B. k 
vrati, vasim zakoni, sehr häufig namentlich von den fem. 
rt- Stämmen, z. B. vode nogami mojimi nijesi dao, h zenami; 
und umgekehrt Dativformen als Instrumentale, bei den 
a-Stämmen ungemein häufig im ganzen 16. Jh. (Dan. 124), 
viel auch noch im 17., z. B. meu ärohnini pticam St. p. 2.361 
v. 34 (Drzic), s rozicam S.89 v. 70; medj zvizdam St. p. 2.47 
Nr. 47 V. 6 (Mencetic). Da nun neben den msk.-ntr. dativisch 
gebrauchten Instrumentalen alter Form auf -i die Dative 
auf -m vorhanden waren, ist dies -m im 16. Jh. auf die 
Instrumentale übergegangen und setzt sich so im 17. fort, 
z. B. grijesim, sinovim, kraljim, vratim, usiim, Formen, die 
nach dem oben Bemerkten zugleich Dativ und Instrumental 
sind. Vom 16. Jh. an, vereinzelt auch früher, erscheint 
dann bei den Mask.-Neutren -ima, beim Fem. -ama, die in 
der Folgezeit herrschend werden, z. B. darima, darovima, 
ustima, zenama. Das -a ist aus der Dualendung des Dat.- 
Instr. Bei einzelnen Schriftstellern (Dan. S. 121) ward -Jim 
bei Mask. und Neutren unmittelbar an den letzten Kon- 
sonanten gefügt, z. B. pastirma, niistma, eigentlich eine Ab- 
lösung der oben besprochenen pastirmi usw\ Über das Fort- 
leben solcher Formen in heutigen Mundarten s. Resetar, 
Stok. Dial.158, z.B. jaje: jäjmä, Miima, bregövma. Bei Be- 
trachtung einzelner Schriftsteller vom Ende des 15., Anfang 
des 16. Jhs. zeigen sich individuelle Verschiedenheiten, so 
bei den Ragusanern: Nik. Ranjina braucht im Lektionarium 
-im als Dat. und Instr. der o-Stärame, z. B. Dativ starcim, 
Instr. ucenicim; -ami der Feminina als Dativ neben -aw, 
z. B. k djevicami, ebenso B. Gradic (erste Hälfte des 16.), 
z. B. Dat. darim, duhovim, Instr. glasim, grijesim, Dat. slii- 
gami; die Zeitgenossen Ranjinas, Mencetic und Drzi6, 
brauchen -im nicht, wobl aber neben -aryi als Dativ und 
Instr. die neue Form -ama, z.B. s vilama St.p. 2.378 v. 25. 
731. Schematische Übersicht der Entwicklung an 
einem Beispiel durchgeführt, wobei im Auge zu behalten 



440 



Zur Geschichte der Deklination. 



[§731.732. 



ist, daß die Dativ- wie Instrumentalformen beide Be- 
deutungen haben können. 



Instr.o-Stamm alt 

dari 
darmi {-mi nach 

Ijud-mi) 
darimi {-mi an 

die Form Jari 

gefügt) 
Dativ alt darom 
Dativ-Instr. darim 

(-m an den 

Instr. dari) 
Dat.-Instr. darima 

(Annahme d. 

Dualendung) 



jeziki, jezici (c aus 

dem Nom.) 
jezic-mi 

jezicimi 



jezikom 
jezicim 



jezicima 



a-Stamm zenmni 



zenam 



zenama. 



733. Der Lokativ plur. Die alten Formen fem. 
-ah, msk.-ntr. -ijeh bei den harten, -ih bei den weichen 
Stämmen, das dann auch auf die harten übergeht, bleiben 
erhalten bis ca. 1600, von da beginnt die Ersetzung durch die 
Dativ-Instrum entalformen, z. B. u haljinami, zakonim, naucini, 
mjestini; nachdem -ima, -ama bei diesen allgemein geworden, 
lautet auch der Lok. so. Veranlaßt ist die Entwicklung 
durch den Zusammenfall des Dativ und Lokativ sg. der Mas- 
kulina und Neutra in die Form auf -u, wodurch dem 
Sprachgefühl die Empfindung für den Unterschied der 
Kasus verloren ging. Über das Fortleben des -ijeh als -ije 
in heutigen stokavischen bosnischen Mundarten s. Resetar, 
ötok. Dial.159, z. B. na kolije, na vratije, auch übergegangen 
auf weiche Stämme, na konije. Über Abweichungen der 
heutigen stokavischen Mundarten von den für die Schrift- 
sprache durch Vuk festgelegten Verhältnissen für alle drei 
Kasus s. ebd. S. 155: in den stokavischen Volksdialekten 
kommen bei den o- und a-Stämmen die alten Endungen 
«viel häufiger vor, als man im allgemeinen glaubt. Aller- 
dings gibt es ganze Gegenden, wo die älteren Formten gar 



§ 732—734.] Zur Geschichte der Deklination. 441 

nicht mehr vorkommen ; so habe ich sowohl in den ßocche 
als auch in Montenegro nur die neueren Endungen -ima, 
-ania gehört, und dies ist wohl auch im südöstlichsten 
Teile Bosniens und der Hercegovina der Fall. In anderen 
Mundarten wiederum haben sich die älteren Endungen 
wenigstens bei den a-Stämmen erhalten, so in Ragusa, 
wo neben dem regelinäßigen -ama (zenama) nicht selten 
auch die alte Endung -am (zenam) des Dativs, sowie -ami 
{zenami) des Instr. vorkommt, allerdings nicht in ihrer ur- 
sprünglichen Verwendung, sondern (ebenso wie das -ama) 
für alle drei Kasus.» 

733. 7. Akkusativ plur. Von Anfang der Über- 
lieferung bei den msk. o-Stämmen wie bei den a-Stämmen 
-e, d. h. die Endung der weichen {-e = -e) ist auf die harten 
Stämme übertragen. Die alte Endung der harten -i (= -y) 
ist nach Dan. Ist. obl. S. 105 bis zum Ende des 15. Jhs. 
ganz selten ; man kann, namentlich da sie auch bei weichen 
Stämmen vorkommt, z. B. jjrijafelji, miizi, penezi, die leicht 
in die Analogie der i-Stämme übergehen, fragen^ ob hier 
nicht deren Akkusativ plur. (Ijudi), der sich lange erhält, 
vorliegt. Im 16. und 17. Jh. tritt die i-Form, gleichmäßig 
bei harten wie bei weichen Stämmen, in der Literatur 
häufiger auf (Dan. S. 106). Die Cakavci müssen hier aus- 
geschieden werden, z. B. Marulic, von dem allein ca. 20 Bei- 
spiele aufgezählt werden, und ich möchte annehmen, daß 
die dortigen Fälle aus ragusanischen Schriftstellern Nach- 
ahmungen cakavischer sind, z. T. sind sie vielleicht auch 
nach der Art der ?-Stämme gebildet. 

734. Der Dual. 

Die alte Form des Nom.-Akk. der msk. o-Stämme 
ist bei Zählung mit dvä, oba von alters her bis jetzt er- 
halten, seit dem 16. Jh. wird sie auch nach tri, cetiri an- 
gewendet. 

Der Nom.-Akk. der neutralen o-Stämme, alt bei harten 
-e, bei weichen -i, ist bis ins 17. Jh. geblieben, sto : dve-ste 
dvlje-sti (so noch jetzt in Ragusa; das auslautende -i aus 



442 Zur Geschichte der Deklination. [§734—736. 

den weichen Stämmen entnommen), lice: lici beide Wangen. 
Schon im 13. Jh. wird aber die MaskuHnform übernommen, 
z.B. dva licca, dva godisöa, von da an allgemein. Daß es 
sich nicht um die Pluralform der Neutra handelt, zeigt 
die Betonung, z. B. zvötio pl. zvbna, aber dva zvona, ime : 
pl. iniena, dva hnena, vgl. cak. (Cherso) dvä sela (pl. sela). 

Die fem. a-Stämme, hart -e, weich -i, zeigen -e in 
alter Zeit nur selten, sondern dafür -i aus den weichen 
entnommen, z.B. dve ruci, nozi wie dve tisuöi, casi; so noch 
im 16. Jh. gebräuchlich, aber schon vom 14. an tritt die 
Endung -e des Plurals ein, wie heute, z.B. dvije £ene, dvije 
Jcupe zlate, obje plavce. Daß es die Pluralform ist, zeigt die 
Betonung, z. B. övca pl. övce und dvlje övce (dagegen 
russisch ovca pl. ovcy, dve ovcy) ; auf Cherso nach Tentor 
ASlPh. 30.172 ofcä pl. öfce, doch dve ofci. 

Die alte Form der t-Stärame, -i, ist bis heute erhalten 
beim Mask. dän (dbyib), z. B. dvä tri dm (neben dvä tri 
däna), die anderen Maskulina haben früh -a angenommen, 
z. B. dvä-püt{a) ; beim Feminin ist die Form von der des 
Akk. pl. nicht verschieden, tri stväri, obje mUli. Hierher 
gehören auch oci, üsi, seit dem 14. Jh. oft als Feminina 
behandelt. 

735. Genitiv-Lokativ dual. Die Endung -h als 
Lokativ erhält sich bei Wörtern, die paarweise vorkommende 
Dinge bezeichnen, bis ins 17. Jh., z. B. na ramu, na ko- 
linu, u ruku, aber schon vom 15. an wird in Verbindung 
mit Präpositionen statt dessen der Nora. -Akk. gebraucht, 
wobei auch die Zahl dvci, dba diese Form hat, z. B. oda 
dva clovjeka, od ruci, s obje strane. Über Gen. s. § 596. 

736. Dativ-Instrumental; die alte Form des fem. 
a-Stammes -ama fällt gemäß der §§729—731 behandelten 
Entwicklung des Dativ-Instr. plur. zu -ama mit diesem 
zusammen; die alte Gestalt des Mask.-Neutr. -ama wird 
abgelöst durch -ima nach dessen Entstehung im Plural, 
z. B. dat. dvjema slovima (17. Jh.). 



§ 737. 738.] Zur Geschichte der Deklination. 443 

737. Bemerkungen tiber einzelne Wortklassen und 
Wortformen. 

1. Zu den alten z-Stämmen: Instr. plur.urspr. msk. 
gosth-mi, Dativ gosthim, Lok. gostbcln, ebenso im Fem.; 
dafür altserbisch gostmi, gostem, gosteh. Das e kann nicht 
die lautliche Fortsetzung des b sein, die hätte -a ergeben, 
*gostam *gostah, sondern die betr. Kasus sind bereits vor der 
Wandlung des h in skr. a umgebildet nach dem Dativ der 
jo-Stämme muz : musem {^=- mq£enii), vom Dativ ist es 
dann in den Lok. übertragen, gosteh nach gostem (während 
muz : muzih = mqzicJvb). 

Die Maskulina gehen wenigstens vom 14. Jh. an in 
die Flexion der o-Stämme über: gen. sg. puta, dat. putu 
gostu, instr. putom (neben erhaltenem putem gostem), n. pl. 
puti gosti, gen. pl. puta (putova) ; die alte Form dat. Ijudem 
noch im 16. Jh. gewöhnlich, dann mit der Entwicklung 
der o-Stämme Ijudim, Ijudima, bei einzelnen Schriftstellern 
auch Ijtidma. Entsprechende Formen der Feminina sind 
noch bis ins 17. Jh. gebräuchlich, dat. pl. ricem stvarem 
usw., daneben im 16. die Form -im, -rma, müostim müostima, 
bei einzelnen Schriftstellern auch rijecma, stvanna; solche 
Formen kommen noch jetzt vor, so braucht Vuk sie 
namentlich bei Wörtern auf -äd, z. B. unucadma, teladma, 
aber auch rijecma, stvarma (s. Mar. S. 173, b). 

Der alte Akk, pl. ist beim Feminin immer unver- 
ändert geblieben, stväri, im Mask. erhält er sich nament- 
lich bei einzelnen Wörtern bis ins 17. Jh., Ijudi, aber 
wenigstens vom 14. an schon Ijude, pute. 

738. 2. Zu den alten konsonantischen Stäm- 
men. Ihre Entwicklung bei den Mask. und Neutren in 
der Richtung der o-Stämme (kämen Mmena, Ime Imena usw., 
so mindestens schon vom 14. Jh. an) ist ohne weiteres ver- 
ständlich, ebenso der Übergang von mäti kci (gen. mätere, 
Jcöeri) in die Form der a- oder i-Stämme, daher nur einige 
Bemerkungen über Besonderheiten : die alte Nominativform 
der mask. «-Stämme (kamen-) ist als kami (=hamy), plami, 
prami noch im 16. Jh. gebräuchlich, und wird auch als 



444 Zur Geschichte der Deklination. [§ 738— 74L 

Akkusativ verwendet, z. B. St. p. 2, S. 334, v. 14 (Drzic) 
u kami hikiiöi. Durch Abwerfung des -i, die den absonder- 
lichen Nominativ den sonstigen Maskulinen gleich macht, 
entsteht kam, plam, pram, als Akk. z. B. St. p. 2, S. 366, 
V. 23 u plam. In südlichen Mundarten noch jetzt kami 
käm,pläm, krem, namentlich in sprichwörtlichen Wendungen, 
z. B. kami onome, ko tuet kam premece (ein Stein dem, der 
fremden Stein umstürzt), kami ti u srce (ein Stein dir ins 
Herz), kam iz ruke a rijec iz usta (Stein aus der Hand, 
Wort aus dem Munde). 

TSO. 3. Die Wörter auf -an-in (Flur, alt -an-e) haben 
vom 12. — 15. Jh. Dat. pl. z.B. zu Diibrövcanin (Ragusaner) 
Dubrovcam, zu grädanin gradam, Lok. pl. gradah, Instr. pl. 
Dubrovcami (Mon. serb. S. 375, Z. 12, falsch geschrieben 
Dubrovacami), vgl. auch Brihirami in einer Urkunde aus 
Novi von 1309, zu Bribiranin. Scheinbar sind das Formen 
eines jä-Stammes; sie sind urslavisch (über das Vorkommen 
vgl. Miklosich, Vgl. Gr. III, 16) und beruhen wahrschein- 
lich auf unmittelbarer Anfügung der Kasusendungen an 
den Stammauslaut -n im Dativ und Instr., *gordjön-mi, 
*gordjön-mi, daraus *gordjän-7m, *gordjän-mi; da nun aus 
Vokal -|- Nasal vor Nasal kein Nasal vokal, sondern einfache 
Länge hervorgeht, entsteht daraus *gordjmm, ^gordjämi. An 
die so entstandenen Formen schließt sich der Lok., nach 
dem Verhältnis zenayn^ : zenacln = *gordjam^ : *gordjac}a. 
Andere Grammatiker (Zubaty, ASlPh. 15.498") gehen vom 
Lok. aus, aitcech. Dol' as Dot ds, Vranach Vrahäch, s. Gebauer, 
Hist. mluvn. III 1, S. 77; aus altem -ön-su -änsu soll der 
Nasal geschwunden sein. 

740. 4. Der alte Nom. sg. der w-Stämme, Ijuby, ist 
bei diesem Wort erhalten als Ijübi (Gattin), indeklinabel, 
schon im 16. und 17. Jh. alle Kasus Ijuhi. Sonst hier- 
hergehörende sind verschieden behandelt, Nom. Ijübav 
{= l'uhövb), gen. Ijubavi usw. (schon so im 16. Jh.) als i- 
Stamm; das alte crky schon im 13. Jh. als a-Stamm crkva. 

741. 5. Flexion von dän. Im Ak.Wb. findet sich 
eine interessante chronologische Zusammenstellung der 



§ 741.] Zur Geschichte der Deklination. 445 

Formen dieses Wortes. Ich gebe sie hier in Kürze wieder, 
da sie einen guten Begriff von der Mannigfaltigkeit der 
Entwicklung gibt. Es versteht sich, daß bei einer solchen 
Tabelle die lokal-dialektischen Unterschiede, die indivi- 
duellen Verschiedenheiten, die größere Häufigkeit oder 
Seltenheit der Formen nicht berücksichtigt werden können ; 
es sollen nur die vorhandenen mannigfachen Möglichkeiten 
vor Augen geführt werden. Die beistehenden Zahlen be- 
deuten, wenn ohne andere Zusätze, das Jahrhundert, von 
dem an die Formen belegt sind; vor dem Doppelpunkt 
stehen die altbulgarischen Formen. Über die jetzt noch 
bestehenden von dem regelmäßigen Paradigma dän däna 
usw. abweichenden Formen s. auch Mar. S. 142, Dan. 
Obl.^ S. 10. 

Singular. 
Nominativ- Akkusativ dhnh : dän so immer. 
Genitiv dwie (duii) : dne 13, bis heute bei Heiligentagen, 
z. B. dö s2)asova dne bis Himmelfahrt, 
und in einzelnen Wendungen 
dni 14, Form des i-Stammes 
dna 15, Form des o-St., selten, heute vereinzelt 

im Volkslied 
dnevi 13 — 14, -ev- aus dem Plural (so auch 
im folgenden), -i aus i- St.; noch jetzt 
dneva 15 — 16, -a aus o-St., noch jetzt vor- 
kommend 
däna 17, heute allgemein. 
Dativ dbui : *dni, nicht belegt 
d7m 16, -u aus o-St, 

dnevi, -i aus t-St., noch heute vorkommend 
dnevu 16, -u aus o-St. 
dänu 17, heutige Form 

wenn dne als Dativ erscheint, j;ö spasovu dne, 
ist es eigentlich der alte Lokativ. 
Instrumental dhnhmh {dhnhjq) : d'nem 15 

dnevi 16 (vereinzelt früher), -i aus fem. i-St. 
(mllosti), noch jetzt in Volkspoesie 



446 Zur Geschichte der Deklination, [§741. 

dnevlju adv. am Tage (noöu i dnevlju bei Nacht 
und Tag) 19, -ju aus fem. i-St. (milosöu) 

dnevoni 16 

dänom 17, so heute 

dänju adv. (diu) 19, -ju aus fem. i-St. 

dänjöm adv. 17, auch jetzt, -;/öMi aus fem. i-St. 

Lokativ (Zbwe (tiftwi) : dne 15, in einzelnen Wendungen 

noch heute, z. B. onomd-dne (an jenem 

Tage = onomh-dhne) neuHch, öBürdevu dne 

dm 14, i-St. 

dnevi 17, -i aus i-St.; doch 14. Jh. dneve, dneve, 
-e -e aus o-St. 

dnevii 17, noch vorkommend, -u aus o-St. 

rZa«M, heutige Form 
Vokativ dänu 16, 17 nach M-St., sinu 

dneve 18 

däne 18, so heute. 

Plural. 
Nominativ dbne (dhnhje) : dnl 16, noch heute vor- 
kommend, -i aus O-St. 

dnevi 17, auch heute noch 

däni 18, heutige Form 
Genitiv dbnijb : dnl 14 

dm, dän nach o-St., jetzt noch cak. 

dnevi 17, -l aus t-St. 

dnevä 16, heute noch vorkommend 

ddnä 15, heutige Form 

dnevöv 17, 18, cakavisch. 
Dativ dhnhtm : <?nem 16 

dnevom 1 7 

dänom 18 

dänim 18 

dnevim 18 

dnevima 18 

ddninia 18, heutige Form 

dnhna Mar. 142, als heute noch üblich. 



§741.742.] Zur Geschichte der Deklination. 447 

Akkusativ dbni : dni 13 

dne 16, nach o-St., noch vorkommend 

dnevi 16, -i nach i-St., noch vorhanden 

dneve 17, -e aus o-St. 

rfäwe 18, heutige Form. 
Instrumental dwiy, dhnhmi, nicht fortgesetzt (vgl. dat.): 

dnevi 18, -i aus o-St. 

dnevima 18 

dänima 18, heutige Form. 

Lokativ dhnhcM : (iweÄ bis 15 

r?m7i 16, -ih aus o-St. 

dnevih 17, ebenso 

dänijeh 18, -i^V- aus o-St. 

dnevijeh 18, ebenso 

dänima heutige Form 

rfmma Mar. 142, als heute noch üblich. 

Dual. 
Nominativ- Akkusativ dbni : dni bis jetzt {dvd dm) 
dneva 17, 18, -a aus o-St. 
däna 18 und jetzt. 

II. Pronomina. 

'74I3* 1. Personalpronomina. Nom. sg. I abg. 
az^ soll nach Milcetic (Rad 121, S. 114) auf der Insel 
Selve (Silba) fortleben als az (as), in einigen Festlands- 
mundarten als jaz ijas); sonst überall nur ja. 

Dativ-Lok. sg. nihne, tebe, sehe bewahren -e {-e, -je) 
bis ins 16. Jh., von da an -/, Anschluß an die Form der 
a-Stämme {zeni)', das mhne wird zu mne mni oder mit Be- 
wahrung des * zu mani, 16. Jh., doch schon im 14. nach 
Analogie des Gen. mene usw. (und im Anschluß an tehe 
sehe) mene menje, vieni, so heute. Die Dat. -Lok. mene tebe 
sehe montenegrinischer Mundarten (ReSetar, otok.Dial. 186) 
ist wohl kein außergewöhnlicher Ersatz des -e durch -e, 
sondern eine Vermischung mit der Genitivform. 



448 Zur Geschichte der Deklination. [§ 742. 743. 

Instr. sg. iirspr. mönojq, tobojq, sohojq\ die Formen ent- 
wickeln sich wie die gleichartig endigenden des fem. a- 
Stammes (s. § 720): mnoju, vinöu, mnöm, daneben auch 
mänöm. Die heutigen Formen cakav. Dialekte, auf Veglia 
manu mänun {momm), in Novi mänün, haben das -ün nicht 
aus -ojq (s. §§715, 720); das e des in heutigen Mundarten 
vorkommenden menöm, cak. (Cherso) me)iu, beruht auf 
Anschluß an mene usw. 

Dativ-Instrumental plur. tiams vanio, noch bis ins 
16. Jh., k nam; wie beim Substantiv im fem. a-Stamm, 
dessen zenam das nam gleichlautet, tritt Vermischung mit 
dem Instrumental nami, vami ein, 16. — 17. Jh., z. B. ä; 
nanii, daneben vom 14. — 15. auch schon die Dualform 
nama; die Dativform als Instrumental, z. B. s vani, medu 
vam im 15. — 16., Dan. Ist. obl. 220 hat schon ein Bei- 
spiel, s oiam, aus dem 13. 

Lok. pl. nas, vas; erst im 17. Jh., wie bei den No- 
mina, durch die Form des Dativ-Instr. ersetzt: nanii nama, 
vami vama. 

Die enklitischen Dativformen ni, vi (abg. ny, vy) 
sind in Urkunden, und der Literatur im 17. Jh., sehr 
hcäufig, werden noch heute in herzegovinischen und monte- 
negrinischen Mundarten gebraucht; die Akkusati ve we, ve 
kommen in älterer Zeit nicht vor, sie sind mundartliche 
Nemschöpfung nach dem Muster der nominalen auf -e. 

Der Akk. sg. fem. je (statt des alten ju = jq, s. §619) 
kommt seit dem 15. — 16. Jh. in Gebrauch; heutige Mund- 
arten (Ragusa, Bocche, Teile von Montenegro, s. Resetar, 
Stok. Dial. § 95) kennen nur noch je. 

743. 2. Aus der Flexion der übrigen Pronomina, 
die in den stokavischen Mundarten sebr mannigfaltig ent- 
wickelt ist (s. Resetar aaO. S. 174 — 183), hebe ich hervor, 
was nicht aus den Paradigmen oder aus gleichartiger Ent- 
wicklung beim Nomen sich von selbst ergibt und was mir 
für die Geschichte der Deklination wichtiger erscheint. 

Gen. sing, mask.-neutr. Das Skr. kennt nur den 
Auslaut -a {ioga, cesa); wo togo und dergleichen vorkommt, 



§ 743. 744.] Zur Geschichte der Deklination. 449 

ist es kirchenslavisch ; es teilt diese Form mit dem Slo- 
venischen, in beiden Sprachen entstanden durch Anschluß 
an die Nominalform auf -a, gräda sela. 

Die enklitischen Formen von III ga, mu usw. 
sind von Anfang der Überlieferung an vorhanden. 

Die sogenannten kontrahierten Formen der Pos- 
sessiva, möga mönm, schon im 14. Jh. 

744. Der Nom. sing. mask. fäj, önäj, dväj. Ca- 
kavische Mundarten (Veglia, Cherso, Arbe, Novi) kennen 
nur tä neben altem ön, öv, so auch in älterer Zeit: Lekt. 
Bern, ta, oni, ovi (neben on, ov), in Urkunden aus Veglia 
des 13. und 14. Jhs. ta, aber oni; in Teilen von Monte- 
negro und den Bocche steht tä neben oni ovl (Resetar, 
Beton. S. 148). In cakav. Mundarten om, ovl neben o«, 
öv (Novi); in südlichen stokavischen Mundarten (Ragusa 
u.a. ü, önl, övi] diese Formen auf -i, in cälterer Zeit auch 
si, beruhen auf Anschluß an die Nominative der be- 
stimmten Adjektiva, novi. 

Wenigstens vom 15. Jh. an tritt häufig täj ein. Das 
alte io konnte wegen seiner Einsilbigkeit nur ta ergeben 
(vgl. ca aus cb), in cak. Denkmälern des 14. — 15. Jhs. 
öfter /, wenn es sich an vokalisch auslautende Präpositionen 
anschließen kann, z. B. za-t vino-grad, 2)oda-t isti vrli. Ebenso 
w'ird aus altem Sb ein sa, als Cbh schon im Anfang des 
14. Jhs. vorkommend (cbh xpawh Mon.serb.S.66, vom Jahre 
1302), bis ins 17. lebendig. Die Aveitere Entwicklung wird 
die sein: die wenigstens nach Dan. Ist. obl. (S. 148 — 149) 
sehr seltenen ova, ona (ova dar St. p. IV, S. 469, 16. Jh.; 
Nik. Ranjina kennt sie nicht, s. Rad 136, S. 144) scheinen 
Nachbildungen von ta zu sein. Die Nominative täj, säj 
kommen früh vor: säj 1332 Rag. Urkunde, täj 1398 Bosn. 
Urk., dagegen finde ich bei Dan. S. 149 Belege von 07iaj, 
ovaj nur aus dem 15. Jh. und weiter. Demnach vermute 
ich, daß onaj, ovaj Nachahmungen von täj sind; dies be- 
ruht auf einem t^jb, d. h. auf einer Form, die dem Nom. 
des bestimmten Adjektivs nachgebildet ist {novy-jb), und 
zwar in früher Zeit, vgl. in bulgar.-kirchenslav. Denk- 

L e s k i e n , Serbokroatische Grammatik. 29 



450 Zur Geschichte der Deklination. [§744—747. 

malern tih toh; ebenso ist abg. Cbii (chh), d.h. shjh {sijb), 
neben cb gebraucht (s. Handb.^§79) und im Serb. säj un- 
mittelbar aus sbj = sbjb entstanden. 

745. Ausgleichung harter und weicher Stämme 
(s. die Paradigmen §618fg.), z. B. Dat.-Lok. fem. p;', mo;/o; 
statt jej{i), mojej{i) schon im 13. Jh. Wo in Mundarten, 
cakavischen wie stokavischen, statt -oga, -omu usw. bei den 
harten Stämmen -ega, -emu steht, z. B. in Ragusa immer 
tegä övegä, hat Ausgleichung mit den weichen wie njega, 
mdjega stattgefunden. 

Die bestimmten Adjektiva haben im Singular von 
Anfang der Überlieferung an gen. -vga, dat. -öniu, lok. -öm; 
wo -ago, -nmu steht, ist es kirchenslavischer Einfluß. 
Einmal sind auch im Skr. solche Formen vorhanden ge- 
wesen, und zwar mit langem fi, ü, aus Kontraktion von 
-aago, -uimiu (s. Abg. Gr. § 114,3b — d); die Längen sind 
fortgesetzt in dem ö, ü der rein pronominalen Formen. 

"746. Die Kasus mit -<?- vor der Endung: instr. sg. 
msk.-ntr. tenih, gen. -lok. pl. iechö, dat. temö, instr. temi, er- 
geben in ungestörter Lautentwicklung stokavisch-jekavisch 
üjem, tljeh (gen.), üjem (dies zugleich Dativ, Instr., Lok.), 
die heute in jekavischen Mundarten gelten und von streng 
jekavisch Schreibenden gebraucht werden. Ikavisch ent- 
steht tim, tili, tim, timi, wie sie heute gebraucht werden. 
Ekavisch würde *tem usw. entstehen, dafür schon in alter 
Zeit ihn, tlh, um; dasselbe auch in jekavischen Mundarten; 
das -i- erklärt sich am einfachsten aus der Einwirkung 
der weichen Stämme, njtni mdjTm. Über das Nebeneinander 
von mbjlm, möjijem usw., wie beim Adjektiv ndvim. növijeni, 
s. §§ 631(3), 638(2). 

747. Für das alte Jdo (= kdto) erscheint schon im 
13. Jh. iko, im 15. ko. Das Neutrum sto (= cbto) hat 
seit dem 13. als Nom.-Akk. neben sto auch sta, entstanden 
zunächst in negierenden Wendungen mit ni- und sonst, 
wo syntaktisch der Genitiv gebraucht wurde; es ist for- 
mell gebildet nach Analogie der nominalen Neutra wie 



§747—749.] Zur Geschichte der Deklination. 451 

sHo sela; also nl-sta usw. Dann ist sfa als selbständig ab- 
gelöst und als Nom.-Akk. auch ohne Negation gebraucht. 
Das öak. cfe {ca wenn ö erhalten) hat seit alter Zeit, wenn 
es sich an vokalisch auslautende Präpositionen anlehnt, die 
normal entwickelte Gestalt -c, z. B. za-c, kroza-c. 

748. Das fragende und relativische alte kiih, mtx, 
KOie lautet skr., in älterer Zeit allgemeiner im Gebrauch, 
kl, kä, kö. In heutigen cakavischen Mundarten, wo es 
noch heute ganz gebräuchlich ist, lautet das Paradigma 
(in Novi nach Belic): 

Maskulinum Neutr. Femin. 



Sing. kl 




ko 


kä 


köga 


(kogä) 




ke 


kömu 


(komu) 




köj 


kl, köga 


kö 


kü 


kin 






kün 


kön 






köj 


Plur. kl 




ke 


ke 






kill 








km 




kl 




ke 


ke 






kxmi 
kih. 





Der Nom.-Akk. pl. neutr. hat die Femininalform statt 
kä, so in der Mundart bei allen Pronomina, z. B. te, und 
Adjektiva, daneben auch das mask. ti für das Neutrum, 
te für das Mask. — Die Abweichungen vom alten Para- 
digma kyjb kojega usw. erklären sich aus der Einwirkung 
anderer Pronomina. 

740. Das alte Pronomen sh. Die Formen sind aus 
der Überlieferung hier zusammengestellt, soweit sie skr. 
Gestalt zeigen, die wahrscheinlich oder sicher kirchen- 
slavischen Schreibungen weggelassen. Über die Ab- 

1!9* 



452 



Zur Geschiebte der Deklination. 



[§ 749. 750. 



weichungen vom Abg. durch Einwirkung anderer Pronomina 
belehrt das Paradigma von selbst. Über das -j an voka- 
lisch auslautenden Kasus s. § 753. 



Maskulinum 




Neutrunc 


i 


Femininum 


abg. 


skr. 




abg. 


skr 




abg. 


skr. 


g.Sb, Shjh 


säj, si 


) 


se 


se 




si 


sa, saj 


sego 
semu 


sega 
semu 


wie 


Mask. 




seje 
seji 


se, sej 
sej 


Sh, Shjh 


säj, si 


ß 


se 


se 




shjq 


Sil 


simh 
semh 


sim, sijem 
sem 


wie 


Mask 




sejq 
seji 


sej 


)1. si 
sicivh 
sirm 


si 

sih, sijeh 

sim, sijem 


i 


si 
wie 


sa, 
beim 


saj shje se, sej 
Maskulinum 


Shj^ 


sc 


) 


si 


sa, 


saj 


Sbjp 


se, sej 


simi 
sich^ 


simi, sijemi 
sih, sijeh 


wie 


beim 


Maskulinum. 



Dativ sg. fem. po sej skodi bei Marulic St. p. I. 35 
v. 347. Über die Erhaltung von Formen in der heutigen 
Sprache s. § 694(1); dazu kommen noch Kasus in einigen 
formelhaften Wendungen, so in Novi Gen. sg. segä-leta 
heuer, si-ztme in diesem Winter, sö-jeseni in diesem Herbst 
(Beliö, Zam. 57). 

750. Pronominalkasus mit angehängtem -re, 
-a, -i, -e. 

1. -re aus -ze (s. § 189), von Anfang der Überlieferung 
bis in neuere Zeit häufig, namentlich an negierten inter- 
rogativ-indefiniten Pronomina, z. B, ni-tko-re (ne quis qui- 
dem), nikomu-re, ni-sto-re, msta-re, ni-cesa-re, ni-koje-re, ni- 
cije-re usw., wie an Adverbien, z. B. ni-kada-re', auch an 
dem alten Relativ je-re (= je-ze quod, eig. id quidem), an 
der Partikel te (und) te-re; abgekürzt zu -r, z.B. ni-kto-r, 
ni-sta-r, jer (heutige Satzpartikel «denn»). Der Gebrauch 
ist aus alter Zeit ererbt. 



§751.752.] Zur Geschichte der Deklination. 453 

751. 2. -a; Beispiele des Instrum. sing, mask.- 
neutr. aus dem 14.— 15. Jh. (Dan.Ist.obl.173): tema, tima 
(ntr.) sieben Beispiele; sa svema, sa svinia vier, do cima 
einmal bei Marulic, St. p. I, S. 194, v.l05. Es sind lauter 
adverbiell angewendete Formen : tema = ideo, sa svinia = 
omnino, do cima = dum, donec; der Wechsel zwischen den 
Formen ohne -a und mit -a ist eine Nachbildung der 
Doppelformen der Adverbia wie tad tada, kad kada; zu sa 
svima vgl. außerdem säsnia aus savsma aus s^ vbstma (vgl. 
St. p. II, S. 400, Nr. 63 svasma mit anderer Behandlung 
der aufeinander folgenden 6-Silben). 

Lokativ sing, mask.-neutr., bei Dan. Ist. obl. 179 
fünf Fälle: onomd-dne (zweimal) = ononib-dbne, a rein laut- 
lich aus 6 entstanden ; jjo sema sega (zweimal, Mon. serb. 
S. 117, 1345; S. 165, 1357) postea (zu der Wendung vgl. 
potomtoga dass.); na ovema daru, 17. Jh., einmal; also ganz 
spärliche Beispiele; ich halte sie für Anlehnung an das 
immer so verbliebene onomd-dne. 

752. 3. -i. Instrum. sing, mask.-neutr. (Dan. 
a.a.O. 174) aus dem 15. und 16. Jh.: siebenmal temi timi, 
darunter aus bosnischen Urkunden zweimal in derSchreibung 
THMHie (1443, Mon. serb. S. 426), zweimal tiimiiii (1455, 
S. 439, 440). Da in der letztgenannten Urkunde j als 
Vertreter von d dient, vgl. z. B. nesMii, d. i. mejami statt 
medanii, sind jene Formen wohl = timi-de timi-d, abg. 
temb-Me entsprechend, zu verstehen; einmal noch timi bei 
Pucic, Spom. srpski (Belgrad 1858), Nr. 89, ebenfalls aus 
Bosnien; das dem Bosnier Hval entnommene time Starine 
3.51 bedeutet time; dazu kommt temi aus Pucic, Spom. srpski 
(Belgrad 1862), das ich nicht nachschlagen kann; außer- 
dem ein svojijemi 16. Jh., zweimal onimi onijemi, das letzte 
aus Lekt. Ranj.127'' (der Handschr.), von Resetar in seiner 
Ausgabe durch onijem ersetzt. Man sieht, das Vorkommen 
ist spärlich. Außerdem erscheint dies-t im Genitiv plur. , 
Dan. S. 191 elfmal: dreimal tihi (tihi zemalj, od tihi, Bosn. 
Urkunden 1399, 1454, Mon. serb. S. 234, 469), fehl {od teJii, 
Herzeg. Urk. 1453, M. s. 459), einmal ovihi {od ovihi Bosn. 



454 Zur Geschichte der Deklination. [§ 752. 753. 

Urk. 1442, M. s. 414); zweimal ovijehi {od ovi j eM hoki. 'Roxi]. 
l77^208^); einmal onelii {od onehi, Herz, ürk.1450, M. s. 
443); viermal oniieJii {od onijehi LektRanj. 105^,225^, bog 
onijehi 225*, neöemo prvo onijehi hiti 225^). Nicht zu an- 
gefügtem -i darf gerechnet werden das Nebeneinander des 
Instr.-Dat. plur. tijem {Um) tijemi {timi); ich glaube aber, 
daß diese frühe Vermischung von Dativ und Instrumental 
plur., wobei scheinbar te^ni gegenüber tem ein Anhängsel 
-i hat, den Anstoß gegeben hat, auch dem Gen. pl. dies 
anzufügen, nach dem Verhältnis fem: temi = teh : tehi; und 
auch das -i des Instr. sg. wird der Pluralform entnommen 
sein, da Instr. sg. tem und der als Instr. gebrauchte Dativ 
plur. tem lautlich ganz gleich sind. Wie diese Pluralform 
auf den Singular wirken kann, zeigt deutlich onjezi-jem 
instr, sg. bei Ranjina, wo das vor -jem stehende -zi- nur aus 
dem Plur., instr. dat. onjezijem, stammen kann (s. § 755). 

TaS. 4. Die Zitate ergaben, daß jenes -i lokal und sehr 
beschränkt ist, dagegen außerordentlich häufig war vom 
13. — 17. Jh. in den Quellen südlicher Mundarten (bosni- 
schen, herzegovinischen, ragusanischen) die Anfügung von 
j an vokalisch auslautende Kasusformen. Nicht dahin zu 
rechnen sind täj, öväj, önäj, säj (s. § 744) und der Dativ- 
Lok, fem, töj, dessen j alt ist (abg. ioji). An dem Bei- 
spiel täj durchgeführt, wobei die nicht in diesen Vorgang 
gehörenden Formen in runden Klammern stehen: 



sg. msk. {täj) 


ntr. töj 


fem. täj 


togaj 




tej 


tomuj 




{töj) 


{täj) 


toj 


tuj 


temej [timej] 




tomej 


pl. (ti) 


iaj 


tej 


g. iijehej [tihej] 


' wie Maskulinum 


d. tijemej [timej] 






a. tej 


taj 


tej 


1. fijehej [tihej] 


j wie Maskulinum. 



§ 753. 754.] Zur Geschichte der Deklination. 455 

Über e vur j s. § 754. Auch bei Adverbien von Pro- 
nominalstämmen kommt dies j vor, z. B. tudej, tadaj, noch 
heute tädä und tädäj, öndä und öndäj; beim Pronomen wird 
es heute nicht mehr gebraucht. BeUc (Prilosci ist. slov. 
jezika, 11, Oblici togaj, timi i sL, Glas 39, S. 215) nimmt 
dies j als i, identifiziert damit auch das Anhängsel am 
Gen. pl. wie tijeh-i; es sei entnommen den Nominativen 
ti oni övi und zunächst an die Nominativformen ia, ova, 
ona, sa gefügt, daher *to-i, d. i. ta-j, dann von dem No- 
minativ auf die anderen Kasus übertragen. Den letzten 
Satz halte ich für richtig, nur beurteile ich die Entstehung 
•des täj anders (s. § 744). Für die Abstammung vom Nomi- 
nativ ist wohl beweisend, daß das Anhängsel fast aus- 
schließlich bei den Demonstrativpronomina vorkommt, die 
eben täj usw. haben, sehr selten einmal bei adjektivisch- 
pronominalen Demonstrativa, z. B. n. f. tolikaj (1454), g. 
takovogaj (1453); an anderen Pronomina bei Marulic 
(St. p. I, S. 169, V. 289): za tuj rnilost, kuj obitas; nasemuj 
(Mencetic, St. p, II, S. 65, Nr. 18, v. 12). Ein '■•'kogaj '''komuj 
*cesaj 'hijegaj scheint nicht vorzukommen, weil die Nomi- 
native kein -j haben. Charakteristisch ist auch, daß der 
Neubildung -ma im Dat.-Instr.-Lok. pl. kein -maj zur Seite 
steht; das tima-j bei Dan. Ist. obl. 173 aus Pucic, Sporn. 
(1862) ist Instr. sg. (s. § 751). Beiic meint auch, die Länge 
des Auslauts gewisser Kasus in Ragusa und anderen süd- 
lichen Gegenden: togä tegä, töme temü (gegenüber köga, njega, 
eesa) erkläre sich aus ehemaligem -äj usw. mit Verlust des 
-j\ mir nicht wahrscheinlich, da für den lautlichen Abfall 
des -j kein Grund zu finden ist, man müßte denn an- 
nehmen, ein Nebeneinander von togä und fogäj habe ein 
tögä mit Beibehaltung der Länge veranlaßt. 

754. 5. -e, mindestens vom 14. Jh. an bei den auf -m 
auslautenden Kasusendungen aller Pronomina außerordent- 
lich häufig: instr. sg. msk.-ntr. iijem-e tim-e, fem. tom-e, 
vgl. dazu m?«om-e, tobome, sobome; lok. msk.-ntr. tom-e, dat.pl. 
tim-e; beim Adjektiv z. B. instr. f. dobrome (s. Dan. Ist. obl. 
45). Ferner vom 14. — 16. Jh. beim Gen. pl., z. B. onih-e, 



456 Zur Geschichte der Deklination. [§ 754. 

svih-e; in dieser Gestalt seltener, öfter mit -j: tijehe-j, ovijehe-j 
(s. Dan. S. 191), vgl. dazu Belic, Pril. I, e u zamenickim 
oblicima iinie usw., Glas 39, S. 199, wo die bisherigen, 
alle nicht überzeugenden Erklärungsversuche behandelt 
sind. Belic selbst (S. 211) nimmt an, daß das Neben- 
einander von -re und -r, ni-tko-re ni-tko-r, nikogarc nikogar, 
nistare nistar die Empfindung erzeugt habe, die sozusagen 
normalen Formen seien die auf -r, das -e ein Anhängsel, 
und dies sei dann auf die betreffenden Pronominalkasus 
übertragen worden. Es kommt mir unwahrscheinlich vor, 
da doch auch die Kasus ohne -re, -r immer im Gebrauch 
blieben: nista, nikoga usw. Bei den Ragusanern des 16.Jhs., 
selten bei anderen Dalmatinern, ist -e auch an den nomi- 
nalen Instr. sg. msk. und fem. auf -m angefügt, nament- 
lich häufig beim Femininum (s. Dan. S. 45), z. B. instr. sg. 
hogom-e (St. p. IV, S. 253, v. 387, im Reim mit mnome) 
fem. lazonie (ebd. 483, v. 2420, im Reim mit lipome adj.), 
wie denn überhaupt diese Formen bei den Dichtern häufig 
im Reim mit gleichlautenden Pronominalformen stehen; 
offenbar sind sie diesen entnommen. Sogar an Verbal- 
formen auf -m findet sich dies -e: 1. sg. präs. vim-e bei 
Mencetie (Dan. S. 258) achtmal, stets im Reim auf vrime 
oder ime\ bei Dinko Ranjina St. p. XVIII, S. 128, Nr. 252, 
V. 11 im Reim auf vodime; bei Cubranovic St. p. VIII, 
S. 145, V. 114 — 115 reimend aufeinander s-^yo-vime vinie; 
außerdem in Lekt. Ranj. (s. Rad 136, S. 162) 1. sg. znam-e, 
ulazim-e, irpijem-e. Ich möchte annehmen, daß auch hier 
der Parallele Um — üme bei den Pronomina das vim — 
viyne zu verdanken ist. Eine sichere Erklärung des -e habe 
ich nicht, möchte aber vermuten, nach dem Stande der 
Überlieferung, daß es zuerst nur an Kasus mit Auslaut -yn 
trat; heute kommt es überhaupt nur bei solchen noch vor; 
ferner daß der Ausgangspunkt zu suchen ist beim Per- 
sonalpronomen: gen.-akk. mene tebe sehe, dat.-lok. menje iebje 
sebje (dafür später meni usw.), d. h. alle obliquen Kasus 
außer instr. mnom lauteten auf -e aus, und es ist wohl 
denkbar, daß die Analogie jener ein mvom-e, tobome, sohom-e 



§ 754. 755.] Zur Geschichte der Deklination. 457 

erzeugt hat; von da aus wäre dann dies scheinbare An- 
liängsel weiter auf die sonstigen 7M-Kasus übertragen worden. 
Daß es unbetont -e lautet, althauptbetont -e, daher töme 
lok., aber Tcöme, spricht nicht dagegen, vgl. tögä tömü; die 
Quantität der Endsilben dieser Pronominalkasus ist sehr 
wechselnd, so betont Lj. Stojanovic, Lekcije iz srpskoga 
jezika^ gen. mene, tehe, sebe^ njegä. 

755. 6. -zi, schon vom 13. Jh. an üblich bei allen 
Pronominalkasus, konsonantisch wie vokalisch auslautenden, 
z. B. ov-zi, ovi-zi, ovaj-zi, ovo-zi, ova-zi, onoga-zi, onomu-zi, 
g. f. tej-zi, plur. oneh-zi, onem-zi, onemi-zi usw.; heute nur 
erhalten in Lokalmundarten (Ragusa, Bocche), z. B. n. pl. 
ü-zi, ovi-zi, onl-zi (Resetar, Stok. Dial. S. 184). Da der 
einfache Nom. pl. ii und die Partikel -zi zufällig gleichen 
Auslaut haben, ist das Sprachgefühl dahin irregeleitet, den 
Auslaut -i von üzi als Endung des Plurals zu empfinden 
und nun nach dem Muster von ti : Ujeh weiter zu flek- 
tieren tizijeh [tizili), tizijern, tizijemi; so bei den Ragusanern 
vom 16. .Th. an, heute noch in bocchesischen Mundarten 
(Res. aaO.) tlzijeJi, üzijema. In Ragusa dafür tezijeh, im 
16. Jh. tjezijeh (oder tijezijeh), onjezijem (oder onijezijem) 
instr. sg. und pl. ; trotz Resetars Bedenken wird man doch 
annehmen können, daß das te- aus dem Akk. te, tije- {tje-) 
aus den Kasus mit dieser Form herrührt. 



458 [§756. 



Das Verbum. 



Stammbildung. Aktionsarten. Konjugation. 

Stammbildung und Aktionsarten. 

756. In der vergleichenden Grammatik pflegt man 
unter Stamm den Bestandteil des Wortes zu verstehen, 
der übrig bleibt, wenn man die Flexionsendungen (Kasus-, 
Personalendungen) abschneidet. Hält man diesen Begriff 
streng fest, so ergeben sich für die Formen eines und des- 
selben Verbums eine Anzahl von Stämmen, z. B. zu skr. 
tresti schütteln (aus irrsti): Präsensstamm trese- (2.sg. präs. 
trese-s), Aoriststamm fresos- (2. plur. tresos-te), Part. prät. 
a. II treslo- (msk. tresao f. tresla), Part. prät. pass. treseno- 
(msk. iresen f. treaena) und noch andere. Solche Einzel- 
stämme enthalten ihrerseits formative Bestandteile, die sie 
von anderen Stämmen desselben Verbums unterscheiden, 
z. B. in dem angeführten Verbum ist das Formans des 
Präsensstammes -e-, das des Aoriststammes -os-, das seiner- 
seits vielleicht wieder in -o- und -s- zerlegt werden müßte. 
Solche Teilungen kann die vergleichende Grammatik in 
manchen Fällen mit größerer oder geringerer Sicherheit 
machen, aber in der Beschreibung einer Einzelsprache, die 
mancherlei Lautveränderungen durchgemacht. Formen um- 
gebildet, Verschiedenheiten ausgeglichen hat, kann das 
nicht gelingen. 

Es ist hier ein einfacheres Verfahren zweckmäßig. 
Ich nenne hier Verbalstamm denjenigen Bestandteil einer 
Verbalform, der übrig bleibt, wenn man nicht die Per- 
sonalendungen allein, sondern außerdem alle Laute oder 



§ 756.] Stammbildung und Aktionsarten. 459 

Lautverbindungen abtrennt, die sie von anderen Formen 
des gleichen Verbums unterscheiden, der also diesen anderen 
gegenüber formative Bedeutung hat. Danach würde für 
alle Formen von tresti als Verbalstamm tres- gelten, alles, 
was nach ihm steht, als Formans, z. B. 2. sg. präs. tres-e-s, 
Imperfekt tres-ijäh, Aorist tres-oh, Imperativ tres-i, Part, 
präs. ir^s-üci, Part. prät. a. I tr6s-äv tres-ävsi, II tres-ao fem. 
tres-la, pass. tres-en. Das mag künstlich und willkürlich 
erscheinen, wenn man von dem historischen Standpunkt 
der vergleichenden Grammatik aus urteilt, tatsächlich wird 
aber in der lebendigen Sprache alles als formativ empfunden, 
was nach dem Verbalstamm steht, und bei Umbildungen 
und Verschiebungen aus einer Formengruppe in eine andere 
liegt stets diese Empfindung zugrunde. Davon ein Bei- 
spiel: das alte Part. prät. a. I (Gerundium, wenn es nicht 
mehr flektiert wird) zu abg. 2Jesfi (ursl. '■''pek-ti) backen 
lautet ^;eÄ;& pekhsi, dem entspricht alt skr. pek peksi, heute 
heißt es pekäv pekävsi, entstanden durch Anlehnung an die 
scheinbare Gleichheit des Part. prät. a. II pekao (aus pekh) 
mit pitao {^=^ pitah) zu pitati und den gleichartigen Verben; 
da nun zu x)itati püao das Part. prät. a. I pitäv piiävsi 
lautet (aus pytavh pijtavisi), so ist nach diesem Muster dem 
ganz anders entstandenen i^^kao ein pekäv pekävsi zur Seite 
gestellt, d. h. es ist in pitäv piiävsi das -äv -ävsi als for- 
mativ empfunden, obwohl die sprachwissenschaftliche 
Analyse pifä-v {pyta-v^) teilen muß, da das a zum alten 
Stamm j)^ia- gehört. 

Der Verbalstamm kehrt also in allen Formen des 
Verbums gleichmäßig wieder, aber nicht immer lassen sich 
alle Tempora, Modi, Partizipia von ihm unmittelbar ab- 
leiten, sondern es kann neben dem allgemeinen Verbal- 
stamm noch ein Stamm bestehen, der, aus dem Verbal- 
stamm durch besondere Formantien gebildet, bestimmten 
Teilen des Verbums zugrunde liegt. Dieser besondere 
Stamm wird hier als zweiter Stamm bezeichnet. Das 
Verhältnis sei durch einige Beispiele veranschaulicht: 
für das Verbum tresti (s. o.) genügte der einheitliche 



460 Das Verbum. [§ 756. 757. 

Verbalstamm ires-, ebenso z. B. im pitati der eine Stamm 
pita- (=^ Pt/ftt-), 2. sg, präs. pitä-s (l.pitä-m), Z.])]. pita-jü, 
Part. präs. a. pita-jüöi, Imperativ pUä-j, Imperf. pitä-h, Aor. 
pita-h, Part. präs. a I. pitä-v pitä-vsi, II pita-o (aus pyta-h) 
i. pifa-la, Part. prät. pass. pitä-n-, alle Formen von hväliti 
lassen sich auf den einheitlichen Verbalstamm Jwäli- be- 
ziehen: Präs. hvällm hvälis 3. pl. hväle (abg. Jivaleth), Part. 
hvdle-öi, Imper. hväli, Imperf. hvälj-äh, Aor. hväli-h. Part, 
prät. a. I hvdlt-v liväli-i^si, II hvdli-o f. hväli-la, pass. hvälj-en. 
Dagegen besteht z. B. für das Verbum bräti neben dem 
Verbalstamm her- hr- (= hir-) noch ein zweiter Stamm 
hra- (aus bbra-): vom Verbalstannn Präs. ber-em ber-es, Part. 
ber-üöi, Imper. heri, Imperf. her-ijäh, vom zweiten Stamm 
die Imperfektform brä-h, Aor. Irä-h, Part. prät. a. I brä-v 
brä-vsi, II brn-o f. brdia, pass. brä-n, Inf. brä-ti. 

Tatsächlich beschränkt sich die Doppelheit der Stämme 
darauf, daß neben einem wie immer gearteten Verbalstamm 
ein zweiter auf -a-, -nu- (= -nq-)^ -je- {= -e-) steht. 

757, Mit der folgenden Einteilung der Verba 
nach der Art der Stammbildung ist am besten verbindbar 
die Angabe der Aktionsarten imperfektiv und per- 
fektiv, denn diese haftet bei den nicht mit Präpositionen 
zusammengesetzten Verben am Stamm (über die Prä- 
positionalkomposita s. § 773, über dielterativa §§ 775 — 794), 
nicht an einer Flexionsklasse. 

Perfektiv heißt eine Handlung, bei der dem Redenden 
die Vollendung, ein Abschluß oder ein Resultat vorschwebt. 
Damit ist nicht gesagt, daß die Vollendung, das Ziel wirk- 
lich erreicht wird: es kommt nur darauf an, daß der 
Moment der Vollendung, die Erreichung des Zieles, 
sei es in Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft, im Blick- 
punkt des Bewußtseins steht, nicht irgendeine Dauer der 
Handlung, selbst wenn die zur Erreichung des Zieles führt. 
Imperfektiv dagegen heißt eine Handlung, die dem 
Sprechenden als fortlaufend (andauernd) vorschwebt, ohne 
daß er einen Abschluß, eine Vollendung oder ein Resultat 
dabei im Sinne hat. 



§ 758.] Stammbildung und Aktionsarten. 461 

758, I. Einheitlicher Verbalstamm; konso- 
nantisch oder vokal isch auslautend. 

1. Einsilbiger Stamm. 

A. Konsonantisch auslautend. 

Die Zahl dieser Verba ist im Vergleich zu denen 
anderer Stämme gering. Wenn ein Verbum nur in Zu- 
sammensetzung mit Präposition vorkommt, ist das durch 
ein - angedeutet; angegeben wird der Verbalstamm, In- 
finitiv und Lsg. präs. 

Imperfektiva: hoä- hösti bddem stechen, crp- crpsti 
crpem (ursl. *cbr2)-) schöpfen, cvat- cvästi cvätem (abg. cvisti 
cvbtq; durch Vermischung mit cujetati entstand -cvjesti 
cvjetem) blühen, chn- -cetl -cnem (abg. -cefi -cbna; po-ceti p>ö- 
cnem) anfangen, d^m- -düti -dmein (^ dqti dsmq) blasen 
{nä-duti nä-dmem se), der- dtr- drijefi (dreti ^ '^-der-ti) 
derem (in Zusammensetzung -drem ^= dbrq.) reißen, greb- 
grepsti grebem kratzen, gred- {=gred-) gr6sti gr4dem kommen, 
griz- (= gryz-) grlsti grizem beißen, id- Ideni ich gehe, jeb- 
futuere jq^sti (gewöhnlich jehati) jebem, jed- (= ed- abg. j ad-) 
jesti jedem essen, klad- klästi Mädem (dial. perfektiv) legen, 
kol- klati (ursl. *kolti) köljem schlachten, klhn- kleti kiinem 
(= kleti klbnq) fluchen, krad- krästi krddeni stehlen, leg- 
(= l^g-) leci Uzem brüten, Ijeg- (= leg-) -Ijeöi -Ijezem (zä- 
Ijeöi, zä-ljezem hinter etwas) gehen, Ijez- {^= Uz-) -Ijesti 
-Ijezem (zä-ljesH zäljezem hinter etwas) gehen, met- mesti 
metem kehren, ynet- (= m^t-) mesti metem umrühren, m,el- 
mljeti (= %ieUi) meljem mahlen, mog- mbci mögu können. 
muz- müsti müzem (= *mblsti *mblzq) melken, mer- mbr- 
mrijefi mrem (= *merti mhrq) sterben, nes- nesfi nesem tragen, 
pas- imsti päsem weiden, pek- peöi pjecem backen, ^;Ze^ plesti 
pletem flechten, pelv- pljeti plijevem (= *pelvti '■^pelti abg. 
pleti plevq) jäten, ^;re(?- (^ pred-) presti predem spinnen, 
phn- -peti -pnem (= p^ti phnq) spannen, per- pbr- -jmjeti 
-prem stemmen (z. B. ü-prijeti ü-prem anstemmen; = *perti 
phrq), p)cr- pbr- preti prem {ohg.phreti phrq 2. pbrisi; = '■'perii 
*pbrq) anklagen, rast- rästi rästem wachsen^ ster- stbr- -strijeti 



462 Das Verbum. [§ 758. 759. 

■strem (^ *s{erti stbrq) ausbreiten, sjek- (= sek-) sje6i sijecem 
hauen, skub- sküpsti skübem rupfen, strig- sfnöi striiem 
scheren, ssp- -süii -spem (= *supti Shpq) schütten, tek- teöi 
tecem laufen, tep- (eig. schlagen) tqjsti tepem se herum- 
schweifen, tres- (= tres-) tresti tresein schütteln, *thlk- tüci 
tücem (= '■''•tblkti *tblkq, abg. tlesti = *felkti) stoßen, thr- 
tfti trem tärem (^ tbrq) reiben, ved- -vesti -vedem führen, 
vez- -vesti vezem fahren, vez- (^ vez-, eig. binden) vesti 
vezem sticken, *vblk- viici vücem (= "^vblkti *vblkq, abg. vlesti 
= *velkti) ziehen, *verh- *vbrh- vrijeci (= ^vercMi abg. 
vresti) vrsem dreschen, vbrz- (eig. binden) vrsti vrzem se tvo 
hängen bleiben (vgl. po-v. bewickeln), zeh- (= zeh-) zepsti 
zdbem frieren, zer- zbr- -zreti -zrem (abg. abweichend zbreti 
zbrq zbrisi) schauen, zreti zrem {znm, abg. zbreti zbrq zbrisi) 
reifen, zeg- ze/A zezem brennen, ziv- dial. Mvsti zivem (vgl. 
abg. ziti zivq) leben, zbm- zeti zmem (^ zpti zbmq) drücken, 
zbu- zeti znjem zänjem (= zeti zbiiq) ernten, zer- zbr- -zdrijeti 
-zdrem (= *zerti zbrq) schlingen. 

Perfektiva. bnd- (== bqd-) büdem ich werde, leg- 
leci lezerii (abg. lesti legq) sich legen, 2^C'd- pästi pddem (ge- 
wöhnlich pädnem, pänem) hinfallen, rek- re&i recem (recem) 
sagen, sjed- (= sed-) sjesti sjedem (abg. sesti aber s^dq) sich 
setzen; das zusammengesetzte s-resti s-retem (= s^-resti 
*sh-retq, abg. sz-resti sö-restq) begegnen ist perfektiv, das 
Simplex war vielleicht auch perfektiv. 

759. B. Vokalisch auslautend. 

Imperfektiv. Auf -«-: zna- znäti znäm wissen; auf 
-(?-: peti pdjem singen, siiijeti smljem {eka.v. smefi sniem; abg. 
s^meti s^mejq) dürfen, -spjeti -spem {?.. ß. dö-spjeti do-spijem, 
ekav. dd-speti dö-spem) Muße bekommen; auf -i-: blti bljem 
schlagen, gnjlti gmjem faulen, l-ti löi (defektives Verbum, 
Präs. Idem gehen), llti lijem gießen, plti ptjem trinken, sUi 
sljem nähen, vlti mjem wickeln; auf -i- == -y-: blti sein 
(urspr. perfektiv), krlti krljem decken, bergen, mltl m^jem 
waschen, pllti plljem schvvimmQn, rifi Wjm wühlen, tlti tljem 
fett werden, vlti vljem heulen; auf -n-: -uti -ujem (nur in 
ob-, tz-uti Schuh an-, ausziehen). 



§759—761.] Stammbildung und Aktionearten. 465 

Perfektiv, da- däii dam geben (ne-dati nicht ausliefern 
ist imperf.), f^tcc- fitäti stänem sich stellen, npiti väpiti 
(== v^piti) üpijeni anrufen. 

Perfektiv und imperfektiv werden gebraucht cüfi 
cüjem hören, vernehmen, djeti (djesti) djenem djedem (älter 
auch, dem alten dejq entsprechend, -dljem, z. B. dd-dijem} 
legen, stellen. 

760. 2. Mehrsilbiger Verbalstamm ; Stammauslaut 
-a- oder -f. 

A. Verbalstamm auf -a- (Infinitiv -a-fi, Präsens 
-am -äs usw.) 

Die zahlreichen Verba, deren Form keine Schwierig- 
keit bietet, aufzuzählen, ist unnötig; zu bemerken ist nur, 
daß sie fast durchgängig imperfektiv sind. Perfektiv 
sind von Verben serbischen Ursprungs: pustati loslassen 
(püstati ist imperf.), svestati (kchsl, Lautform) letzte Ölung 
geben, vjencati (eig. kränzen) trauen (d. h. zur Ehe); srgati 
se zusammenlaufen; stropostati se zusammenstürzen, söühati 
auseinanderfallen (beim Kochen) scheinen Zusammen- 
setzungen mit s- zu sein. Aus fremden Sprachen entlehnte: 
handünaii (lokal; ital. abbandonare) vergessen, krepati (ital. 
crepare) krepieren, mänjkati (ital. mancare) umstehen (vom 
Vieh), verrecken, päsafi (ital. passare) vorbeigehen, spendiati 
(ital. spendere) ausgeben, spändati se (in Vuks Wb.) sich 
mit jemand abgeben, mit j. bekannt machen (vom ital. 
spandersi sich ausbreiten?), trepänati (ital. trapanare) tre- 
panieren. 

Perfektiv und imperfektiv gebraucht: hankrotiraU 
Bankrott machen, rücati zu Mittag speisen, stämpati (ital. 
stampare) drucken, iizinati Vesperbrot essen, vecerafi zu 
Abend essen. 

761. B. Verbalstamm auf -?-, Infin. i-ti, Präsens 
-im, -is usw. 

Die ebenfalls ungemein zahlreichen Verba dieser Art 
werden hier nicht einzeln aufgeführt; es genügt zu be- 
merken, daß die bei weitem überwiegende Zahl imper- 
fektiv ist. Perfektiv sind: bdciti hinwerfen, batdliti 



464 Das Verbum. [§ 761. 

(vom türk. häfäl verwahrlost) verlassen, vernachlässigen, 
hätUi se (aus ital. battere) zurückschlagen (von der ab- 
geschossenen Flinte), blagosloviti segnen (d. h. Segen er- 
teilen), hupiti plötzlichen Schlag tun, husiti mit Gepolter 
hinfallen, delepmü Beute {celepir türk.) machen, erbeuten, 
iidpiti plötzlich zuschlagen, cusiti ohrfeigen, depiti Schlag 
versetzen, desiti treffen auf, drbpiti sich unbedacht hinsetzen, 
dfpiti zerreißen, düpiti Schlag tun, äljnti plötzlich springen, 
Sprung machen^ haläliti segnen (von türk. häläl Segen), 
harämiti (von türk. häräm) verfluchen, häsniti se (von türk. 
häsna Gewinn, Nutzen) Nutzen ziehen, gewinnen (beiVuk 
Wb. das akt. häsniti iniperf.), hititi werfen, Jivätiti ergreifen, 
jdviti kund machen, jurisiti Sturmangriff machen, Iclipiti an- 
springen, sich aufs Pferd werfen, Idisiti springen wie ein 
klis (Stückchen Holz, mit dem ein Wurf spiel gespielt wird), 
kljüciti (eig. haken) anrühren, kojasiti se sich sehen lassen, 
grüßen, kordciti Schritte machen, krdciti einen Schritt tun, 
killuciti Frondienst (kidnk türk.) tun, küpiti kaufen (= er- 
kaufen), küsiti (Schwanz) stutzen, latiti schnell ergreifen, 
lisiti berauben, IHrositi (aus gr. eXuTpuucTa) befreien, lüpiti 
auf etwas losschlagen, Ijöpiti dass., mäsili werfen, schleu- 
dern, mirhoziti se sich den Weihnachtskuß geben (mit mir 
io^;;'? Gottes Frieden), ndöiti übernachten, 02)dciti se {denom. 
von öpäk) sich verkehren = sich verderben, päkostiti schaden 
=: Schaden antun, pldtiti bezahlen, jMzdriti Handel (päzär 
türk.) machen, i^özfZravi^i (denom. von pbzdräv) begrüßen, 
primiti (als Simplex empfunden, eigentlich Zusammensetzung 
mit pri-) empfangen, hinnehmen, prösifi bitten = Bitte 
tun, pröstiti verzeihen, rupiti wohinein platzen (unverhofft 
kommen), pruziii ausstrecken, jmstiti (piistiti) loslassen, 
räniti verwunden, razümiti (denom. von räzüm) aufklären, 
begreiflich machen, rijesiti entscheiden, rltiti se mit den 
Füßen ausschlagen, röditi gebären, rüciti se sich gegenseitig 
die Hände reichen (das akt. rüciti Hand reichen bei Vuk 
Wb. imperfektiv), sjakariti sVindariti süpariti (ein Kleidungs- 
stück) abwerfen, sjetiti se sich erinnern, skociti springen = 
Sprung tun, s7iUi träumen (in Traum verfallen), stdniti se 



§ 761 — 763.] Starambilduug und Aktionsarten. 465 

stehen bleiben, sfävifi stellen, strdviü se erschrecken intr., 
stüpiti treten (Tritt machen), sicariti Beute {sicär türk.) 
machen, sljapiti (eig. platschen) drauf losschlagen, sopiti 
dass., trämpiti {irämpiti, von türk. irämpa, dies aus ital. 
tramida) Tausch machen, tfsiü abfertigen, fertig machen 
[thiü se sich bemühen um), trüciti hinschmeißen, tüciti se 
aufeinanderstoßen (im Kampf), tumäriti wohinem plumpsen 
(z. B. in ein Haus), türiti hinwerfen, hinstrecken, Mariti 
(denom. zu Mär) üdriti auf etwas losschlagen, vjeriti ver- 
loben, vrdtiti wenden, umkehren (trans.), vHjiti wegschleu- 
dern, zardrifi Schaden (zärär türk.) erleiden, verlieren. 

Perfektiv und imperfektiv gebraucht: ddniH Ta.g 
über wo bleiben, krsfiti taufen, tnijeniti wechseln, röciti (je- 
mand wohin) bestellen, zlostquiti (einem Mädchen) Gewalt 
antun. 

762. Ein Teil der heutigen skr, Verba mit Verbal- 
stamm -i- gehört ursprünglich nicht hierher, sondern be- 
ruht auf einer Überführung von Verben mit Verbal- 
stamm auf -e- {-e-ti präs. -e-jq), und mit zweitem 
Stamm auf -e-. Präsensstamm -i- in diese Kategorie. 
Sie werden hier nicht besonders genannt, da sie in der 
Form sich von den alten Verben auf -i-ti nicht mehr 
unterscheiden (s. übrigens ASlPh. 24, S. 110, 112, 118). 

763. IL Zweiter Stamm neben Verbalstamm. 

1. Zweiter Stamm auf -a- (Präsens -em -em). 

A. Konsonantisch auslautender Verbalstamra, 
z. B. pis-, 2, Stamm pisa- (Präs. pisem) inf. piisati. Von 
den hierhergehörigen Verben ist durch Ausfall von ^, h 
der ursprünglich zweisilbige zweite Stamm einsilbig ge- 
worden in: hrä-ti (= hbvaii) herein, gnäti {■= gznati) zenem 
treiben, präti {=phrati) perem waschen, säti sem {=shsati 
shsq) saugen, tkati cem (= tcem, aus tzkati tokq) weben, 
zväti (= z^vati) zövem rufen. Das § 758 erwähnte klati 
{^"^holii) Iwljem kann im Skr. auch hierher gezogen werden, 
da kla- als zweiter Stamm zu hol- erscheint. 

Die Verba sind, soweit serbokroatischen Ursprungs, 

L e s k i e n , Serbokroatische Gninimatik. 30 



466 Das Verbum. [§"63. 

durchweg imperfektiv, nur kdzafi käiem sagen ist per- 
fektiv, vezati vezem binden perf. und imperf. Perfektiv 
sind die folgenden Verba auf -sa-ii, die fast alle von tür- 
kischen, vereinzelter auch von anderen fremden Verben 
auf Grundlage des griechischen s- Aorists gebildet sind: 
ämbisati ämhisem bersten (monten. nach Vuk; eig. in den 
Abgrund, ital. abisso, geraten), bästisati (türk. bas-mak) zer- 
treten, begenisati (türk. begen-mek, vgl. ngr. |U7reYevTiZuj) Ge- 
fallen finden an, beläisafi Unfall (beläj, türk. bela) haben, blti- 
sati (türk. bit-mek) vergehen, zugrunde gehen, bfbosati wei- 
nend hervorstamraeln (vgl. brbosüi ipf. stammeln), cerdosati 
öerdisati öordisati s. krdisati, öorläisaii {dör, türk. k'ör blind) 
mit geschlossenen Augen wohinein rennen, diserisati {dlserf 
hinaus! türk. disare desare außen) jemand hinausschaffen^ 
diabäisati (türk. dzaba dzeba, skr. dieba Geschenk) schenken, 
kapärisati Handgeld (ital. caparra) geben, kavräisati (türk. 
kavra-mak fest anpacken, ganz verdecken) vernieten, keisati 
kidisati khidisati (wohl zu türk. kej-mnk verderben) gewalt- 
sam angreifen, krdisati (türk. ker-mak brechen, zerstören) 
vernichten, krkleisati (türk. kerk-mak scheren) stutzen, kur- 
tälisati (türk. kurtar-mak) befreien, lipsati (aus gr. eXeiipa) 
verrecken^ maläksati (aus e|LidXaHa) schwach werden, ogräisati 
(türk. ogra-mak iigra-mak u. a. ins Unglück geraten) übel 
anlaufen, säktisati (zu säkat türk. lahm, verkrüppelt) ver- 
derben, zerstören, sefteisati (zu türk. sefte, vgl. seftele-mek 
Mikl., Türk. El. 1.52) Handkauf (ersten Verkauf am Tage) 
machen, sevdisati (türk. sev-mek) lieb gewinnen, smarläisah 
(zu smärlama; türk. esmarla-mak semarlamak) Auftrag geben, 
suläisati (türk. sida-mak bewässern) abputzen (eine Wand), 
surgünisati (türk. sürgün, daraus skr. sürgun Verbannter) 
vertreiben, ucürisati (aus türk. ucur-mak) verbergen, ujdürisati 
(türk. ujdur-niak) einrichten, utleisati (türk. ütüle-mek zu ütüy 
skr. ütija Bügeleisen) ausbügeln, vajdisati (zu väjda = 
türk. fajda) Nutzen stiften; von den zusammengesetzten 
o-värisati sich einüben ii-värisati erraten (nach Mikl., Türk. 
El. zu var-mak gehen, erreichen), o-vläisaü jemand anfallen^ 
wären die Simplizia auch perfektiv. 



§ 763. 764.] Stammbildung und Aktionearten. 467 

Perfektiv und imperfektiv gebraucht: cäfisati 
(türk. cat-mak zusammenstoßen) zusammenfügen, gledeisati 
(zu glMa Glasur) glasieren, haläisati (zu türk. käläj Zinn) 
verzinnen, Tcrünisati {krüna Krone) krönen, murleisati (zu 
mür = türk. mühür Siegel, imihürU-mek siegeln) siegeln, 
pätosati Fußboden {pätos = gr. Ttdioq) legen (gr. iraTOVOu), 
savatleisati emaillieren {sävat türk. Schmelz, savatle mit 
Schm. überzogen), trönisati {crkvu eine Kirche) einweihen, 
vgl. gr. ^povi2;uu dpovidJuu, varakleisati mit FUttergold {värak 
türk., varakJe mit Fl. überzogen) überziehen, ztgosati brand- 
marken (zu zig Brandmal). 

764. B. Vokalisch auslautender Verbalstamm. 

a) Einsilbig ^= der Wurzel. Die Verba sind im- 
perfektiv. Wenn der Auslaut des Verbalstammes a, % 
(= i und = y)y e ist, geht dem -a- des zweiten Stammes 
j voran, w^enn er u ist, dagegen v: häjati häjem (eig. fabu- 
lari) zaubern, cäjati cäj