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Full text of "Graphischen Methoden"

SA1DILM0MATHEMATISOH-PHYSIKALISCHERLEHRB&CHER 
HERAUSGEGEBEN VON E. TBEfFTZ 



18 



GRAPHISCHE METHOD 




VON 

C.BUNGE 

PROPESSOB AN DEB UNIVEBSITAT GOTTINGBN 

A 

"'.A , * 

DEITTE AUPLAGE 
MIT 94 ETOUREN IM TEXT 




R6CCIVE'" 

5prr> v-o .; 
i LW, i^w-t 



1928 
LEIPZIG VERLAG UND DRUCK VON B.G.TEUBNER BERLIN 



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PHOTOMECHAN18CHES GTJMMIDBUOKVBIUFAHItKN DEB BBUCKEREI 
B. G. TEUBNEB, LEIPZIG 




SCHXJT25FOBMEL FtJB DIE VBBBINIGTEN STAATEN VON AMEBIKA 
COPYBIGHT 1919 BT B. 0. TEUBNEB IK 



Vorwort zur ersten und zweiten Auflage. - 

** * * * 

Das vorliegende Buch enthalt die Ubersetzung der Vorlesungen, 
die ich im Winter 1909/10 an der Columbia Universii&t in Newyork 
in englischer Spraehe gehalten habe. Das Original ist in der Serie 
der Columbia University Lectures mit den Mitteln des Ernest 
Kempton Adams Research Fund h'erausgegeben und im Jahre 
1912 erschienen. Der Universitat Columbia habe ich fur die Erlaubnis 
zu danken, die Vorlesung auch in deutscher Spraehe herauszugeben. 
Die* Vorlesungen waren, als sie in Newyork gehalten wurden, mit 
ffbungen verbunden, in den en die graphischen Methoden zur An wen- 
dung kamen. In der Tat ist es fQr jeden, der sich diese mathema- 
tische Disziplin zu eigen machen will, unumganglich, selbst zu zeicbnen. 
Die Anwendungen finden sich aber so zahlreich auf alien Gebieten 
mathematischen Denkens, dafi man eine Sammlung von Aufgaben 
entbehren kann. 

Die zweite Auflage der graphischen Methoden erscheint im Wesent- 
lichen unverS,ndert. Nui- von den Piguren sind eine gr5Bere Anzahl 
neu gezeichnet worden, die allerlei Mangel aufwiesen. Eine Um- 
arbeitung des Textes habe ^.ch dagegen nicht vorgenommen, sondern 
lasse die Vorlesungen wieder in der Form, in der sie gehalten sind, 
hinausgehen. 

Go'ttingen, April 1914 und Marz 1919. 

C. Range. 



Inhaltsverzeiclinis. 

Seite 

1. Einleitung t 

L Kapitel. 
Graphisclies Beehiien* 

2. Das graphiache Rechnen mit den vier Spezies 3 

3. Ganze Funkfcionen 7 

4. Lineare Funktionen mit beliebig vielen Yerilnderlicken ... 17 

5. Graphische Behandlung komplexer Zahlen 24 

IL Kapitel. 

Graphische DarsteUnng der Ftmktionen einer oder 
mehrerer unal>hangiger Ter&nderllclieii. 

6. Funktionen einer unabharigigen Yeriinderlichen 36 

7. Das Prinzip des Rechenschiebers 38 

8. Rechtwinklige Koordinaten' mit ungleichmaBigen Skalen . . 46 

9. Funktionen von zwei tmabhangigen Veranderlichen . ... 60 

10. Abbildung einer Ebene auf eine andere Ebene ...... 57 

11. Andere Methoden der Darstellnng von Beziehungen zwischen 

drei Yeranderlichen 7a 

12. Beziehungen zwischen vier Veranderlichen 82 

HI. Kapitel. 

Die graphischen Methoden der Differential* 
und Integralrechnnng. 

13. Graphische Integration 87 

14. Graphieche Differentiation 102 

16. Differentialgleichungen erflter Ordnung 105 

16. Differentialgleichungen zweiter und haherer Ordnung . . .110 




Einleitung. 

1. 

Die Lflsung vieler, wenn nicht aller, mathematischen Probleme 
besteht in dem Ermitteln der Werte unbekannter GroBen, die ge- 
wissen gegebenen Bedingungen genugen. Sie zerfallt in verschiedene 
Schritte, deren erster die TJntersuchung ist, ob die gesuchten Gr6Ben 
wirklich existieren, so dafi es mQglich ist, den gegebenen Bedingungen 
zu genugen, oder nieht. Ist der Beweis der UnmSglichkeit erbracht, 
so ist man mit dem Problem fertig. Man nebme z. B. die bertthmte 
Frage nach der Qnadratur des Zirkels. Wir k5nnen sie formulieren 
als die Frage nach ganzzahligen Koeffizienten einer algebraischen 
Gleichung, deren eine Wurzel n ist. Vor dreiflig Jahren zeigte Lin- 
demann, daB ganze Zablen, die diesen Bedingungen geniagen, nicbt 
i^xistieren, und damit war ein Problem erledigt, das beinabe so alt 
ist wie die Gescbicbte der Menschheit. Ein anderes Beispiel ware das 
Fermatscbe Problem, fur dessen L6sung der verstorbene Herr Wolfs - 
kehl aus Darmstadt testamentarisch eiaen Preis von 100 000 Mk. 
ausgesetzt bat. Es sollen ganze Zablen , y, 8 gefunden werden 7 die 
der Gleichung 



genugen, wobei n eine ganze Zabl grBBer als 2 ist. Format* Be- 
bauptung, daB es solche Zahlen nicht gabe, ist vermutlicli richtig, 
bat sich aber bis jetzt niclit erweisen lassen. So kann dieses Problem 
vielleicbt beim ersten Scbritt erledigt sein, vielleicbt aucb nicnt. 

In vielen Fallen kann der erste Scbritt zur L5sung so wenig 
Sebwierigkeiten bieten, daB man sofort zu dem zweiten, dem Auf- 
suehen der Methode zur Berecbnung der gesuchten unbekannten Gr6- 
Ben ; ubergeben kann. Oder es kann, selbst wenn der erste Scbritt 
nicht so leicht ist, zweckmafiig sein mit dem zu zweit genanntcn 
anzufangen, denn wenn es gelingt Berechnungsmethodfen zu finden, 
welche die unbekannten GrOBen bestimmenf so ist der Beweis ihrer 
Existenz ja einbegriffen, Gelingt es aber nicht, so ist es immer noch 
Zeit, zum erstgenannten Schritt zurttckzukehren. 

Eine nicht geringe Zahl von Leuten meint, dafi hiermit die Auf 
gabe des Mathematikers erschSpft sei. Dies beruht, glaube ich, auf 
der Tatsache, daB der reine Mathematiker nicbt gewohnt ist, seine 



Einleitung. 1 



Untersuchungen auf die Wirklichkeit auszudehnen. Das tiberlafit er 
dem Astronomen, dem Physiker, dem Ingenieur. Diese wiederum in- 
teressieren sich hauptsachlieh fur die wirklichen numerischen Werte, 
die sich aus den mathematischen Rechnungen ergeben. Sie sind ge- 
zwungen, die Berechnungen auszufuhren, und indem sie dies tun, 
werden sie vor die Frage gestellt, ob sich dasselbe Ergebnis nicht 
auf kdrzerem Wege oder mit geringerer Miihe erreichen liefie. Ge- 
setzt der Mathematiker gibt ihnen eine zwar vollkommen scharfe und 
logische Methode an, die aber 200 Jahre unausgesetzter Rechenarbeit 
zu ihrer Durchfuhrung erfordert, so w&ren sie wohl berechtigt, dies 
fur wenig besser als nichts anzusehen. So ergibt sich also ein dritter 
Schritt zur vollst&ndigen LSsung eines mathematischen Problems, 
namlich der, diejenige Methode zu finden, die mit dem geringsten 
Aufwand von Zeit und Mtihe zur LSsung fuhrt. Ich behaupte, daB 
dieser Schritt gerade so gut ein Kapitel der Mathema-tik bildet, wie 
die beiden ersten und daB es nicht angeht, ihn den Astronomen, 
Physikern, Ingenieuren und wer sonst noch mathematische Methoden 
anwendet, zu iiberlassen, weil diese Leute ihr Augenmerk nur auf 
die Ergebnisse richten, und daher geneigt sind, die Verallgemeinerung 
der von ihnen etwa ersonnenen Methoden zu vernachlSssigen, wo- 
gegen in der Hand des Mathematikers die Methoden von einem hohe- 
ren Gesichtspunkte aus entwickelt werden und die Frage nach ihrer 
Anwendbarkeit auf andere Probleme, auch solche anderer Gebiete 
wissenscbaftlicher Forschung, gehorige Beriicksichtigung findet. 

Bei dem heutigen Zustand der Dinge sind die Methoden des In- 
genieurs und des Feldmessers in vielen Fallen dem Astronomen und 
Physiker ganz unbekannt und umgekehrt, obgleich die Probleme, mit 
denen beide Gruppen es zu tun haben, mathematisch beinahe idon- 
tisch sein konnen. Ganz besonders gilt dies von den graphischen 
Methoden, die fur bestimmte Aufgaben ausgebildet worden sind. Ihre 
Verallgemeinerung erlaubt es, sie in einer Unzahl von Fallen anzu- 
wenden, an die ursprtinglich nicht gedacht worden war. 

In den folgenden Vorlesungen werde ich die graphischen Metho- 
den von einem allgemeinen Gesichtspunkte aus betrachten, d. h. ich 
werde versuchen, sie in ihrer allgemeinsten Form darzustellen und 
zu lehren, um ihre Anwendung auf jedes Problem, mit dem sie 
mathematisch zusammenh&ngen, zu erleichtern. 1 ) Dem Schiiler seien 

1) tJber die Literatur des Gegenstandes siehe die )T Enzyklopadie 
der mathematischen Wissenschaften u Art. R. Mehinke, ,,Numerisches 
Rechnen 4 * und Art. C. Runge und F. Wilier s ,,Numerische und gra- 



2. Das graphische Rechnen mit den vier Speziea 3 

praktische tftmngen empfohlen. Nur die wiederholte Anwendung der 
Method e kann ihm zur Beherrschung des Gegenstandes verhelfen. 
Denn es geniigt nicht, die zu Grunde liegenden Gedanken erfafit zu 
haben, es ist vielmehr notwendig, sicli eine gewisse Leichtigkeit in 
der Anwendung anzueignen. Man konnte ebenso gut das Klavierspiel 
nur durch Konzertbesuch, wie die graphischen Methoden nur durch 
H6ren von Vorlesungen zu erlernen Jhoffen. 



Erstes Kapitel. 

GrapMsches Rechnen. 

2. Das grapMsche Redinen mit den vier Spezies. 

Jede meBbare GrSBe kann graphiseh durch eine gerade Linie dar- 
gestellt werden, deren LSnge dem Werte der Gro'Be entspricht. Aber 
das ist keineswegs die einzige MSglichkeit. Auch durch einen Winkel,- 
die Liinge einer Kurve, durch den Flacheninhalt eines Dreiecks, eines 
Quadrats oder einer anderen Figur, durch das DoppelverhSltnis von 
vier Punkten auf einer Geraden und sonst noch auf mancherlei Weise 
konnte man Grofien graphisch darstellen und tut es zuweilen. Die 
Darstellung durch gerade Linien hat einige Vorztige vor den anderen 
hauptsachlich die der Leichtigkeit, mit der elementare mathematische 
Operationen ausgefuhrt werden konnen. 

Zu welchem Zweckfe stellen wir GroJJen auf deni Papiere dar? 
Es ist eine bequeme Art sie uns vor Augen zu fiihren, sie zu ver- 
gleichen und zu behandeln 1 . Ware 'Papier und Bleistift nicht so billig, 
oder ware Linienziehen eine langwierige und schwierige Sache, oder 
ware xmser Auge ein weniger vollkommen ausgebildetes Werkzeug, 
so wtlrden die graphischen Methoden an Bedeutung verlieren. Wenn 
andererseits z. B. elektrische Strome ebenso leicht und bequem in 
jedem gewtinschten Grade zu beschaffen wSren und sich ebenso gut 
addieren, subtrahieren, multiplizieren und dividieren liefien, k8nnte 
es sich empfehlen diese zur Darstellung anderer meBbarer GrSfien, 
mit denen weniger bequem umzugehen ist, zu verwenden. 

Die Addition zweier positiver, durch gerade Linien dargestellter 
Gr5Ben fiihrt man aus, indem man sie in derselben Eichtung eine 
hinter der anderen abtragt. Die Eichtung ergibt fiir jede Strecke 
einen Anfang und ein Ende. Der Anfangspunkt der zweiten Strecke 
muB mit dem Endpunkte der ersten zusammenfallen und die ge- 
wonnene, die Summe der beiden ausdrftckende Strecke iSuft vom An- 
fangspunkte der ersten bis zum Endpunkte der zweiten Strecke. Eben- 



Eretes Kapitel. Graphischea Rechnen 



s.c subtrahiert man eine positive GroBe von einer anderen, indem 
man den entsprechenden Strecken verschiedene Richtung gibt, and 
den Arifangspunkt der abzuziehenden Linie auf den Endpunkt der 
anderen legt. Das Resultat der Subtraktion wird durch die Strecke 
ausgedriickt, die vom Anfangspunkte des Minuendus zum Endpunkte 
des Subtrahendus lauft. Das Resultat ist positiv, wenn diese Rich* 
tung mit der des Minuendus und negativ. wenn sie mit der des Sub- 
trahendus ubereinstimmt. Dies ffthrt zur Darstellung positiver und 
negativer Gr6Ben durch Strecken entgegengesetzter Richtung. Die 
Subtraktion zweier positiver Gr5Ben voneinander kann dann als Ad- 
dition einer positiven und einer negativen GroBe angesehen werden. 
leh will mich nicht mit der logischen Durchfuhrung dieses Gegen- 
standes auf halten, sondern die praktische Methode zur Addition einer 
grSBeren Zahl positiver und negativer GrSBen, die durch gerade Li- 
nien verschiedener Richtung dargestellt sind, angeben. Man nehme 
einen geraden Rand, z. B. einen geknifften Papierstreifen, bezeichne 
ihn an einer Stelle und bestimme eine der beiden Richtungen als die 
positive. Nun lege man den Kniif nacjieinander auf die verscbiedenen 
Streeken und fiihre einen Zeiger jedesmal soweit wie die betreffende 
Strecke betragt und in der durch ihr Vorzeichen angegebenen Rich- 
tung daran entlaug. Der Zeiger wird zuerst an dem auf dem Papier 
bezeichneten Punkte aufgesetzt und der Abstand von diesem Punkte 
bis zu dem, an welchem der Zeiger zuleizt ankommt, stellt dann die 
Summe der gegebenen Gr5Ben dar. Der Vorteil dieser Methode be- 
steht darin, daB die dazwischenliegenden Punkte nicht bezeichnet zu 
werden brauchen, vorausgesetzt, daB der Zeiger seine Stellung bei- 
behalt, w&hrend der Kniff von einer Strecte zur anderen bewegt wird. 
Als Beispiel diene die Bestimmung des Flacheninhalts einer Pigur 
(Fig; 1). Man zerlegt die Pigur in eine Reihe Va cm breiter recht- 
eckiger Streifen, so daB ihr Placheninhalt in Quadrat/entimetern die 
Halfte der Summe der Lftnge dieser Streiifen betragt. Der gekniffte 
Rand wird nacheinander auf jeden der Streifen gelegt und der Zeiger 
ihrer Langsseite entlanggeiiihrt. Den Rand versehe man mit einer 

Zentimeterskala und der Zeiger fange 
am Nullpunkt an. Dann gibt die End- 
stellung des Zeigers den doppelten Wert 
des Flacheninhaltes in Quadratzentl- 
metern an. Es ist nicht nStig, die Strei- 
fen, wie auf der Figur zu zeichnen; eine 
, Schatzung der Lftngen genugt, nur die 
Breite muB eingetragen werden. Ist die 




2. Das graphische Rechnen mit den vier Speziea 5 

Skala zu kurz, um die Summe aller Streifen zu messen, so braucht 

man nur jedesmal den tiber das Ende hinauslaufenden Streifen zu 

zerlegen, mit dem iiberschussigen Teil wieder von vorne anzufangen 

und zu zahlen wie oft nacheinander der Zeiger die ganze Skala durch- 

laufen hat. Sehr bequem laflt sich am Laufer eines Rechenschiebers 

ein kleiner Zeiger aus Papier befestigen, so daB er an der metriscben 

Skala am Eande des Eechenschiebers hin und her gefuhrt werden 

kann. Der Flacheninhalt einer Figur lafit sich auf diese Art schnell 

und mit einer Genauigkeit bestimmen, die sich wohl mit der eines 

guten Planimeters vergleichen laflt. Soil der Flacheninhalt einer ge- 

schlossenen Kurve bestimmt werden, so muB man durch paralleie 

Linien auf jeder Seite ein 

Segment abschneiden (Fig. 

2), den Flacheninhalt zwi- 

schen den Parallelen auf 

die oben beschriebene Art 

feststellen und den der bei- 

den. Segmente fur sich er- 

mitteln. Wenn die Kurven 

der Segmente ohne zu grofie 

Ungenauigkeit als Teile 

einer Parabel angesehen 

werden k(5nnen, sowirdder 

Flacheninhalt des Segments 

% des Produktes von Lange und Breite betragen. 1st dies nicht der 

Fall, so muB man die Figur schatzungsweise durch ein oder mehrere 

Eechtecke ersetzen. 

Auf dieselbe Art l&Bt sich Addition und Subtraktion reiner Zah- 
len ausfuhren. Man braucht nur die Zahlen als das Verhaltnis der 
LSngen geradliniger Strecken zu einer festen Strecke auszudrticken, 
dann ist das Verhaltnis der Lange der Summe der Strecken zu der 
Lange der festen Strecke gleich der Summe der gegebenen Zahlen: 
Dies laBt sich auch auf positive uiid negative Zahlen anwenden, wenn 
man sie als das Verhaltnis der Lftngen geradliniger Strecken yon 
verschiedener Eichtung zu derLftnge einer gegebenen Strecke darstellt. 

Urn eine gegebene Gro'Be c mit einer gegebenen Zahl zu multi- 
plizieren, drttckt man die Zahl als das Verhaltnis der LfLngen zweier 

gerader Linien v- aus. Die GrSBe c wird ebenfalls durch eine Strecke 

von bestimmter Lange ausgedriickt, dann gilt es nur, eine Strecke x 
z\i finden, deren Lange sieh zu der von c verhalt wie a zu &. Dies 




Fig. 8. 



Erstes KapiteL Graphisches Eechnen 



kann man auf mehrere Weisen durch Konstruktion zweier ahnlicher 
Dreiecke erreichen, von denen das erste zwei Seiten von der Lange a 
und &, das zweite als die der Seite Z> entsprechende Seite die Strecke 
chat. Am bequemsten ist es gewohnlich, die Strecken 
a und "b rechtwinklig zueinander aufzutragen und das 
zweite Dreieck mit einer der Hypotenuse des ersten 
parallelen (Fig. 3) oder aber zu ihr senkrechten 
Hypotenuse (Fig. 4) zu zeichnen, Mit derselben Kon- 
stmktio'n lafit sich die Division durch eine gegebene 

Zahl ausfiihren, denn Multiplikation mit ft ist das- 



. s. 




selbe wie Division durch . 

a 

Sind a, &, c beliebige gegebene Zahlen, so konnen 
wir sie als das Verhaltnis dreier Geraden zu einer bestimmten Strecke 
ausdrftcken. Dann ist das Verhaltnis der durch die in Fig. 3 und 4 
vorgefuhrte Konstruktion gefundenen Strecke zu der bestimmten 

gleich der Zahl ^ C . Multiplikation und Division warden so gleich- 

zeitig ausgeffthrt. Um nur zu multiplizieren, mu8 man Z, um nur zu 
dividieren a oder c gleich i setzen. 

Die Multiplikation und Division positiver und negativer GrSfien 
lafit sich auf folgende Weise mit einschlieBen. Die den Strecken a, x 
(Fig. 3) entsprechenden Strecken werden, wenn sie als positiv gelten 
sollen, vom Nullpunkt nach rechts, wenn negativ, nach links abge- 
tragen. Ebenso werden die 6, c entsprechenden Strecken fur positive 
Zahlen nach oben, fur negative nach unten gelegt, Dann wird <aine 
durch den Endpunkt der Strecke c gezogene Parallele zu der Hypo- 
tenuse des rechtwinkligen Dreiecks ab immer zu der Zahl 

ac 



fiihren, gleichgiiltig welches die Vorzeichen von tf, d, und c sein 

mSgen. 

tfig.*. ~k*T\l Diese Definition stimmt nicht fur die in 

Fig. 4 angegebene Konstruktion. Wenn hier 
die positive Richtung der a entsprechenden 
Strecke nach rechts und die positive Richtung 
der b entsprechenden Strecke nach oben zu 
angenommen werden, dann mftssen die positiven Bichtuugen von % 
und c so liegen, daB, wenn das rechtwinklige Dreieck #, c um 90 Grad 
gedreht wird, um die positive Richtung von x mit der yon a zu- 




3. Ganze Funktionen 



sammenfallen zu lassen, die positive Richtung von c mit der von b 
zusammenfallt. Wollen wir die positive Richtung von x nach oben 
zu annehmen, dann mufi die von c naeh links gerechnet werden, 
oder soil die positive Richtung von c nach rechts laufen, so muB 
die von x nach unten liegen. Behalt man dies im Auge, so schlieBt 
auch diese Konstruktion die Vorzeichen ein. 

8 3. Ganze Funktionen. 

Wir haben gezeigt, wie gegebene Zahlen graphisch addiert, sub- 
trahiert, multipliziert und dividiert werden konnen, indem man sie 
durch das Verhaltnis der Langen gera.der Linien zu einer bestimmten 
Streeke ausdruckt und als Eesultat dann das Verhaltnis der LSnge 
einer gewissen Linie zu derselben bestimmten Streeke erhalt Durch 
Wiederholung dieser' Konstruktion wird es nun auch mSglich, den 
Wert eines beliebigen, auf diese vier Operationen in irgend welcher 
Reihenfolge oder Wiederholung aufgebauten, algebraischen Ausdrucks 
z\\ finden. Sehen wir zu, wie sich z. B. die Werte einer ganzen Funk- 
tion von x, d. h. eines Ausdrucks von der Form 



wo a 0; 



a w , x beliebige positive oder negative Zahlen sind, 



durch eine geometrische Konstruktion ermitteln lassen. Nehmen wir 
zunachst an, daB alle vorkommenden Zahlen positiv seien> obgleich 
sich die Methode ohne die geringste Schwierigkeit auch auf den all- 
gemeinen Fall ausdehnen lafit. 

# , %, 2 a n werden nacheinan- 
dcr auf einer Vertikalen, die wir die 
#-Achse nennen, abgetragen, als sollte 
die ihre Summe a + a^ + #2 + * + Q n 
darstellende Linie gefunden werden. 

Die Langen dieser Strecken, in 
einer geeigneten Langeneinheit ge- 
messen, sind gleich den durch diesel- 
ben Buchstaben bezeichneten Zahlen. 
In Fig. 5 lauft a vom Punkte bis 
zuni Punkte <7 1? a x von C A bis zu (7 2 , 
- a n von C n bis zu C n ^ l . 

Es sei x gleich dem Verhaltnis der 
Strecken Ox zu 01, (Fig. 5), welche 
auf der Horizontalen von nach rechts ' 
hin abgetragen werden* Die Entferr 



H c ^"" 



<* 
-c, 



B, 
It*., 



Fig. 5. 



8 



Erstes Kapitel. Graphisches Rechnen 



nung 01 wahlt man von geeigneter Lange, unabhangig von der 
Einheit, in welcher die Strecken , a 1; 3 , a n gemessen werden. 
Die Lange Ox ist also durch den Wert des Verhaltnisses x bestimmt. 
Durch & und 1 werden Parallel en zur #-Achse gezogen. .Durch O. n+l 
wird eine Parallele zu Ox gezogen, welcbe die vorigen Parallelen 
in P n und B n schneidet. Nun zieht man die Verbindungslinie B n C? n , 
welche die Parallele durch x in dem Punkte P n _ t schneidet* Dann 
wird die H6he von P n _i uber C n gleich a n x sein. Denn, wenn wir 
durch P n _ t eine Parallele zu Ox ziehen, welche die y-Achse in D n 
schneidet, wird das Dreieck C n I> n P n _ l dein Dreieck O n C n+t B n ahn- 
lich und das Verhaltnis ihrer Seiten gleich x sein, daher C n D n = a n x. 
Folglich 1st die Hohe von P n _^ l uber O n _ l gleich 



Man wiederhole nun dieselbe Operation, indem man den Punkt 
D an Stelle von O tt+1 setzt. Durch D^ wird eine Parallele zu Ox 
gelegt, welche die durch x und 1 gelegten in P n ^ und B n _ l 
schneidet, und die Verbindungslinie von B n _ t nach O n _ l gezogen, 
die die a;- Parallele in P M ... 2 schneidet. Dann ist die Hfthe von P n _ 2 
ber C,., gleich 



*-** 



c--^ 

und die H5he Uber 6^_ s gleich 



(*. 



und so fort. Man zieht P n _ 2 ^i-3 parallel zu 0#, verbindet J 
und erhalt damit den Punkt P n ^ 3 . Seine H5he uber < 
ist dann gleich 

und fiber C n ^ z gleich 



Schliefilich ergibt sich als Schnittpunkt 
von JE?j C l mit der durch x gelegten Pa- 
rallele zur y-Achse ein Punkt P (siehe 
Fig. 6 fur w*4), dessen H5he liber der 
x-Achse gleich 





. .5 




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4 


14 1 


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4 




A 
Fig. . 







a 



ist. Wir wollen die Lime xP mit y bezeichnen, so da.B 
y ~ u n x n -f a^^iO: 11 "" 1 + ---- \-a*x> + <** 



3. Ganze Fnnktionen /^/ 9 

in dem Sinne, daB y eine Yertikale dersell 
ist wie die Summe der Vertikalen a n x\ a n _ 

Dieselbe Konstruktion gilt auch fur 
fur solche, die grSBer sind als 1. Der einzigeNQnt 
dafi der Punkt x in diesen Fallen aus der Strecke 
links oder nach rechts hinausriickt. Das negative VorzeicKejT von 

a M x + a .,, a M x* + ^_iic, etc. 




n 



bedeutet, daB die Bichfung der Linien nach unten lauft. Es ist auch 
keine Anderung erforderlich, urn den Fall einzubegreifen, daB a , a^. 
a n nach unten liegen und negativen Zahlen entsprechen. Sie 
werden auf der ^-Achse abgetragen, als sollte die Summe 

o + <*t + <*s H ---- + a n 

gefunden werden, wobei C a4l entweder fiber oder unter C a zu liegen 
kommt, je nachdem a a nach oben oder unten gerichtet ist. Die Kon- 
struktion kann fur eine Eeihe von Werten von x wiederholt werden. 
Dann stellen die Punkte P die Kurve dar, deren Gleichung 

y =* a + a t x H ----- (- a n o? tt 

ist, wobei Abszissen und Ordinaten durch x und y in von einander 
nnabhangigen Langeneinheiten ausgedruckt werden. 

Urn die Kurve fur hohe Werte von x zu zeichnen, bedarf es 
einer Modification. 01 sehr klein zu wahlen, uni x auf dem BeiB- 
brett zu behalten, geht nicht an, da die Linien B a C a dann zu kurz 
werden und infolgedessen ihre Bichtung nicht genau genug darge- 
stellt sein wtirde. Das richtige Verfahren besteht in der VerSnderung 

der Variabeln. Man setzt z. B. X -r, so daB X IGmal so klein 

wird wie x und setzt A _ ^ 1 na 

*-a a a * AU 
Dann erhalten wir, da 

y = O + -10 + 10* - + .-. + 



y - 

Man trage die Strecken A Q , A, - - A n in einem geeigneten Mafi- 
stabe ab und lasse X die Bolle von x ftbernehmen. Die Kurve unter- 
scheidet sich nun von der gesuchten im MaBstabe und die Verklei- 
nerung des MaBstabes kann nach Belieben fur Abszissen und Ordi- 
naten verschieden oder auch gleich gewahlt werden, so daB die ge- 
zeichnete Kurve der gesuchten im Verhaltnis von 1:10 ahnlich 
wird. Es ist klar, daB in derselben Weise aiich jede andere Verklei* 



10 Erstes Kapitel. Graphisches Rechnen 

x 
nerung vorgenommen werden kann. Je grdfier das Verh&ltnis ^- an- 

genommen wird, um so grSBer wird der Wert von A n im Vergleich 
zu den Koeffizienten mit kleinerem Index, so daB fur die Gestalt der 
Kurven in sehr kleinem MaBstabe alle Glieder unwesentlich werden 
auBer A n X n . In diesem Falle werden die Punkte C^, C% - C n sehr 
nahe mit zusammenfallen und nur C n+l wird da von abstehen. 

Es ist eine interessante Bemerkung, daB man, um eine ganze 
Funktion 



far irgend einen Wert von x zu berechnen, am besten genau in der- 
selben Weise vorgeht wie die geometrische Konstruktion. Der Koef- 
fizient a n wird znerst mit x multipliziert und o, n _ hinzugezSblt. 
Nennen wir das Eesultat a' n _ t . Dies multipliziert man wieder mit x 
und zahlt a w _ 2 hinzu. Nennen wir das Resultat a^_ 2 . Indem wir 
so fortfabren, erhalten wir schlieBlich einen Wert von a, der dem 
Wert der Funktion fur den betrachteten Wert von x gleicb ist. Mit 
dem Rechenscbieber* lassen sich alle Multiplikationen mit x durch 
eine einzige Stellung des Schiebers ausfuhren. Die Koeffizienten a a 
und die Werte a' a schreibt man am besten auf folgende Weise in 
Reihen 

a n a n-i - ---- i a o 

ax ^_x 



Die Genauigkeit des Rechenscbiebers ist ziemlich die gleicbe wie 
die einer guten Zeicbnung. Aber die Geschwindigkeit, mit der das 
Resultat gefunden wird, ist sehr viel groBer. Werden also nur ein 
paar Werte einer ganzen Funktion gesucht, dann lohnt die geo- 
metrische Konstruktion die Muhe nicht. Anders liegt die Sache, 
wenn es sich darum handelt, eine Kurve zu zeichnen. Hier wttrden 
die durch Rechnung gefundenen Werte erst konstruiert werden miis- 
sen, wahrend die geometrische Konstruktion die Punkte der Kurve 
direkt liefert und deshalb den Vorzug vor der numerischen Methode 
verdient. 

Es gibt noch eine andere geometrische Methode, die sich in man- 
chen Fallen ebenso empfehlen kann. Suchen wir den Wert einer 
ganzen Funktion vierten Grades 



und nehmen wir zun^chst an, daB alle Koeffizienten positiv seien, 



3. Gauze Funktionen 



11 



Die Koeffizienten a , a^ a 2 , 3 , a 4 werden durch gerade Linien 
dargestellt, wahrend x durch das Verhaltnis zweier Langen ausge- 
drttckt ist. Die Strecken a , a 1? a 2 , a s , a 4 tragt man als gebrochene 
Linie ab, a Q nach rechts von (7 bis C^, a x auf- 
w&rts von C bis 2 , a 2 nach links von (7 2 bis (7 3 , a a 
nach unten von C 8 bis (7 4 , a 4 wieder nach rechts 
von #4 bis <? 5 (Fig. 7). B 

Durch C 5 ziehe man eine Linie C$A nach 
einem auf der Strecke GjC 4 oder ihrer Verlangerung 
gelegenen Punkte -4, so daB das Verhaltnis CA 
: <7 4 C 5 , positiv genomnien wenn CA die gleiche 
Richtung hat wie Z C^ gleich x sei. Dann haben 
wir si A 



und 



CA und C 3 ^L sind positiv oder negativ, Fi ^- 7< 

jenachdern ihre Kichtung gleich oder entgegengesetzt ist wie die von 
O^C^. Durch A ziehe man rechtwinfelig zu C$A eine Linie nach 
einem Punkte B auf der Strecke (7 2 G s oder ihrer Verlangerung. Dann 
haben wir 



<7 3 P 



x 



und 



C 3 B und C 2 J? sind positiv oder negativ, jenachdem ihre Richtung 
die gleiche oder die entgegengesetzte ist wie die von C$C S . Ebenso 
erhalten wir C D ~ a x 3 4- a x* 4- a x A- a 

und schliefllich C E = a 4 # 4 + <* 3 ^ 8 + 0*2%* ^ a^x + a Q . 

C Q E ist positiv, wenn E rechts von C und negativ, wenn es links 
davon liegt. Wenn der Punkt A der 
Linie (7 S C^ entlang riickt, so rtickt E der 
Linie C Q C t entlang, uud seine Stellung 
bestimmt die Werte der ganzen Punktion. 
Um die Stellung von E fur irgendeine 
Stellung von A zu finden, konnte man 
ein Stuck durchsichtiges quadriertes Pa- 
pier mit einer Stecknadel auf der 
Zeichnung im Punkte <7 5 so befes- ^**^* 
tigen, daB es frei um ihn drehbar ist. 
Polgt man den Linien des Netzes fiber 
nachdem man das Papier 



Fig. 8, 



um einen kleinen Winkel gedreht hat, so erhalt man die Stellung 
von JEJ fur eine neue Stellung von A (Pig. 8). 



12 



Brstes Kapitel. Graphisches Rechnen 




Um den Fall von negativen Koef- 
fmenten mit einzuschlieBen, legt man 
die betreffende Linie nach der entgegen- 
gesetzten Eichtung. Ist z. B. a 3 nega- 
tiv, so wiirde <7 4 uber C B zu liegen 
kpmmen, aber C 3 A muBte ebenso wie 
vorher nach unten positiv, nach oben 
negativ gerechnet werden. 

DaB die Methode auf ganze Funk- 
tionen jeden Grades anwendbar ist, 
leuchtet ein und bedarf keiner wei- 
teren Ercirterung. Man kann sich ihrer 
Fi . -, mit Vorteil bedienen, um die reellen 

g * * Wurzeln einer Gleichung beliebigen 

Grades zu ermitteln. Zu diesem Zwecke muB die gebrochene Linie 
C^ABDE so gelegt werden, daB E mit zusammenffcllt. In dem 
Fall von Fig. 7 z. B. ist leicht zu erkennen, daB es eine reelle Wurzel 
nicht gibt. Fig. 9 zeigt die Anwendung auf eine quadratische Glei- 
chung. Man schlagt einen Kreis fiber C C 3 als Durchmesser. Die 
Punkte, in denen er CjO, schneidet, sind die Punkte-JL und A', die 
den beiden Wurzeln entsprechen. In diesem Falle sind beide Wur- 
zeln negativ. 

Die zuerst angegebene Methode, die Werte einer ganzen Funktion 
zu konstruieren, kann folgendermaBen auf den Fall ausgedehnt wer- 
den, wo die Funktion als Summe einer Anzahl Polynome von der Form 

g)+*t(* P) (^ a) (* *)+ 

gegeben ist. 

Wir nehmen wieder an, daB a , 
a i 5 a * geradlinige Strecken be- 
deuten, die, wie vorhin, auf der 
Achse nach aufwarts oder ab- 
wUrts abgetragen werden, als sollte 
ihre Summe gefunden werden. a?, jp, 
& r seien Zahlen, die das Verhalt- 
nis gewisser Abschnitte auf der Ab- 
szissenachse ausdriicken. Betrach- 
ten wir den Fall von vier Gliedern, 

^ das hochste Polynom sei drit- 

x ten Grades. Der feste Abstand 
zwischen den Punkten p und 



B 



j* Q> 



r x pn 

Pig. 10. 



3. Ganze Funktionen IS 

p + 1, q und q -f- 1, r und r + 1 auf der Abszissenaehse (Kg. 10) isc 
willkftrlich gewfth.lt tmd die Pankte jp, q, r, x sind so bestimmt, daB 
das Verhaltnis von Ojp, Ogf, Or, Ox zu diesem festen Abstand gleich 
den Zahlen jp, #, r, a? 1st, Fur negative Werte werden die Punkte 
links vom Nullpunkt gelegt. f 

Man ziehe nun Parallelen zur y-Achse durch jp, #, r, #, jp + 1, 
# + 1, r + 1. Auf der Parallele durcb r + 1 bestimme man den Ptokt 
# , dessen Ordinate gleich der von 4 ist, und auf der Parallele durch 
r den Punkt A^ dessen Ordinate gleich der von C 3 ist. Man verbinde 
A Q und QQ durch eine Gerade. Der Schnittpunkt P dieser Verbin- 
dungslinie oder ihrer Verlangerung mit der Parallelen durch x hat 
tlber 8 oder A^ die HShe a 3 (x-~ r) nnd flber (7, die H5he a^ (x r) +a 2 . 
Man suche nun auf der Parallele durch q + 1 den Punkt Q^ dessen 
Ordinate gleich der von P t ist und auf der Parallele durch # den 
Punkt A mit der Ordinate von <7 2 . Man verbinde A t und Q t durch 
eine Gerade. Der PunM ; wo diese oder ihre VerlSngeruug die Paral- 
lele durch x schneidet, P,, hat fiber 2 oder A die H6he 

W-f) + ^l( ) 
und iiber C t die H5he 

% (* - (* ) + t (* - 1 - tf) + i- 

Endlich bestimme man auf der Parallele durch p + 1 den Punkt Q 9 
mit der Ordinate von P 2 und auf der Parallele durch p den Punkt 
^g mit der Ordinate von C x . Der Schnittpunkt der Yerbindungslinie 
von A 9 und ^ 2 oder ihrer Verlangerung mit der Parallele durch ar t 
P s , hat alsdann ttber C^ oder A^ die HShe 

[a s (a? r) (* ^) + a 2 (a? q) + oj (* jp) 
und die Ordinate von P 3 ist gleich der gegebenen ganzen Punktion 

' 



Fiir hohe Werte von jp, 3, r, x verfahrt man ebenso wie vorhin, in- 
dem man neue Zahlen JP, Q, J?, X einfiihrt, die ein Zehntel oder ein 
Hundertstel Oder einen beliebigen anderen Bruchteil von jp, g, r, x be- 
tragen.z.B. p , * 

f = jo> V jo-' jo 7 ^ i^- 

Man schreibt dann 

AQ , ^ 10a,, A t = lOOa,, -4g - lOOOa,, 

y - A + A^~-P) + -^.(Z-JPJCZ- ) 
tmderhftlt + A, (i-P)(X- Q)(Z JB). 



14 



Erstes Kapitel. Graphiaches Rechnen 



Der MaBstab fur die Strecken A^ A v -4 2 , -1 3 und y mufi dann 
zweickmaBig verkleinert werden und die Werte werden auf dieselbe 
Weise wie vorher konstruiert. 

Betrachten wir nun die Umkehrung der Aufgabe. Wenn die Werte 

einer ganzen Funktion fur ^ a 

x p. #, r , 6 

gegeben sind, sollen die Strecken a , a ls a 2 , a 3 so bestimmt werden, 
daB der Wert der ganzen Funktion fur irgend einen anderen Wert 
von x auf die vorher angegebena Weise gefunden werden kann. 

Bezeichnen wir die gegebenen Werte der ganzen Funktion fftr 
x =#, #, r t s m *t 2/.p y$ > #r> #* un ^ ^ e Puflkte auf den Parallelen 
durch P) #, r, s mit diesen Ordinaten, mit P, $, .R, S (s. Fig. 12). 

Fur x j^ verschwindet die ganze Funktion 

bis auf a . Daher haben wir y p == a . Den Punkt 
erhalt man demnach als den Schnittpunkt 
einer durch P gelegten Parallele zur Abszissen- 
achse mit der Ordinatenachse 

Um <7 2 zu finden, zieht man die Verbindungs- 
.^.linieP^ und bezeichnet ihren Schnittpunkt 
mit der Parallele durch p + 1 (Fig. 11) 
mit A. Eine durch A gelegte Parallele 
zur Abzissenachse schneidet die Ordinatenachse in C$. Denn die 
Differenzen y q y p und y a y p (y a Ordinate von A) sind den 
Differenzen der Abszissen proportional und verhalten sich daher wie 



* 


Q 


y- 

-"f\ A 
/ 

bis aui 

Cv 




q 


P / 

r/ 


i erh 
Hj5 einer c 
achse i 

Ur 









P <J p+1 




Fig. 11. 



Ebenso wie den Punkt Q auf der Parallele durch q kdnnten wir ir* 
gend einen Punkt X auf der Parallele durch # mit dem Punkte jf* 
verbinden und durch den Schnittpunkt der Yerbindungslinie mit der 
p + 1 Parallelen eine Parallele zur Abszissenachse legen. Nennen wir 
den Schnittpunkt dieser Parallele mit der durch #, X, und seine Or- 
dinate y r . Dann haben wir 

' as- y~"~yi> ^ I /, v r /_W N 

j(r 

Fuhren wir diese Konstruktion nicht nur fUr ^ & sondern auoh 
f iir a; = r und x = ^ aus, so bekommen wir drei Punkte $ f t JR' t ^ 



S. Gauze FunMionen 15 



ganzen Funktionen y' (a + o^) + a 2 (x #) + 03 (a; r) 
darstellen. 

Wir haben auf diese Weise die Aufgabe vereinfacht Anstatt eine 
ganze Funktion dritten Grades aus vier gegebenen Punkten P, Q^ It, S 
gilt es nunmehr, eine ganze Funktion zweiten Grades aus drei ge- 
gebenen Punkten $', JR', S r zu finden. Durch das gleiche Verfahren 
erzielt man eine zweite Vereinfachung. Man verbindet Q' mit JR' und 
S' durch Gerade und zieht durch deren Schnittpunkte mit der # + 1 
Senkrechten Parallelen zur Abszissenachse, welche die Senkrechten 
durch r und s in den Punkten E" und &' schneiden. Die Ordinaten 
dieser Punkte sind die Werte der ganzen Funktion #, welche durch 
folgende Gleichungen 



ftir x * r und x = s oder 

y"** a + % + Og + a g (# r) definiert wird. 

Die durch den Punkt R" gelegte Parallele zur Abszissenachse 
schneidet die Ordinatenachse im Punkte C? 3 . C 4 endlich finden wir, 
indem wir durch den Schnittpnnkt der Verbindungslinie JK" S" oder 
ihre VerlSngerung mit der Senkrechten durch r + 1 eine Parallele 
zur Abszissenachse legen. 

Haben wir die Punkte .0^, C 3 , C 3 , C 4 , so konnen wir die Ordinate 



+ <%(* j?) (* )(* r) 

fur einen beliebigen Wert von a? konstruieren und so die Parabel 
dritten Grades zeichnen, auf weleher die vier Punkte P, <2, jR, )S liegen. 
Man kann die Konstruktion noch etwas vereinfachen, erstens in- 
dem man p + 1 - setzt. Gegeben sind die Punkte P, $, JR, 5; es 
steht uns also vollstandig frei, die Senkrechte durch p + 1 mit der 
Senkrechten durch Q zusammenfallen zu lassen. In diesem Falle fallt 
der Punkt Q' mit Q zusammen. Dann wieder ist die Parabel zweiten 
Grades durch die Punkte Q' E' S' vom Abstande der beiden durch q 
und $ + 1 gelegten Senkrechten undzugleich von der Lage des Funkt.es 
J? unabhangig. Daher steht es uns vollstandig frei, um einen Punkt 
auf dieser Parabel zu konstruieren, die Senkrechte durch + 1 mit 
der durch E zusammenfallen zu lassen, selbst wenn der Abstand der 
Senkrechten durch P und Q von dem der Senkrechten durch Q und 
jR verschieden ist. In diesem Falle werden die Punkte E" und R' 
zusammenfallen. Das Verfahren ist in Fig. 12 abgebildet. Von den 



16 



Erstes Kapitel. Graphischea Rechnen 



3 



\ 




I Fig. 12. 

Punkten P, Q, R, S ausgehend konstruiert man zuerst die Punkte If, 
/Sf, indem man R uud S mit P verbindet und Horizontalen durch die 
Schnittpunkte A r und A t dieser Verbindungslinien mit der q Verti- 
kalea legt. Darauf wird S" bestimmt, indem man Q (identisch mit 
Q') mit S' verbindet und die Horizontals durch den Schnittpunkt der 
Verbindungslinie mit der r Vertikalen legt. Nun kann die Gerade 
ft" 8" gezogen werden (da R" mit R' identiscb ist). Von dem Schnitt- 
punkte der Senkrechten durch einen beliebigen Punkt x mit R" S" 
gelangt man auf der Horizontalen zu dem Punkte A' x auf der Senk- 
rechten durch r. Man verbinde Q' mit A' x und nehme den Schnittpunkt 
dieser Linie mit der Senkrechten durch x. Dieser Punkt liegt auf 
der Parabel durch Q' R' S'. Er fuhrt auf der Horizontalen zu dem 
Punkte A x auf der Senkrechten durch % und man zieht nun die Ver- 
bindungslinie A X P. Ihr Schnittpunkt mit der Senkrechten durch x 
liegt auf der Parabel dritten Grades durch PQRS. 

Es ist klar, daB sich diese Methode auf jede Anzahl gegebener 
Punkte anwenden lafit, wobei der Grad der Parabel iramer um Ems 
kleiner ist als die Zahl der gegebenen Punkte. 

Durch dieselbe Methode wie die Werte einer ganzen Punktion 
lassen sich auch die Werte jeder rationalen Funktion 



konstruieren. Denn eine rationale Funktion kann iromer auf die Form 
eines Quotienten zweier ganzer Funktionen gebracht werden 



4. Lineare Funktionen mit beliebig vielen Verandeilichen. 17 



Nachdem man also Kurven kon- 
struiert hat, deren Ordinaten die 
Werte von g^(x) und # 2 (#) fur 
eine beliebige Abszisse#(Fig.l 3) 
angeben, findet man R(x) auf 
folgende Weise. Durcb einen 
Punkt P auf der Abszissenachse 
zieht man eine Parallele zur Or- 
dinatenachse. 6r und 6r 



y-Ackse 




x-Ackse 



Fig. 13. 

die Punkte, deren Ordinaten gleich g^(x) und g%(x) sind. Von 
(TJL gelangt man auf der Horizontalen zu 6ri auf der Senkrechten 
durch P und von G% zu G-'s auf der Ordinatenachse. Man ziehe die 
Verbindungslinie PGf% und verlangere sie bis sie in A die Horizontal 
durch 6r t schneidet. Dann ist E (x) gleich dem Verhaltnis &[ A zu 
PO. Gr(A kann dann als Ordinate auf der x Senkrechten abgetragen 
werden und bestimmt den Punkt, dessen Ordinate gleich R(x) ist, 
wenn OP als Langeneinheit gewahlt wird. 

4. Lineare Fnnktionen mit beliebig vielen Veranderlichen. 

Betrachten wir eine lineare Funktion einer Zahl von Verander- 
lichen re,, #o, . . . x. 



wo a c , a x , a 2 , . . . a n gegebene positive und negative Zahlen sind. 
Die Frage ist, wie der Wert dieser linearen Funktion fur verschie- 





Fig. U. 



a o Q o.j c 2 QiCy a 3 C 4 fl 4 C 5 

dene Systeme von x i x Sf ...x n zweckmaBig kon- 
^ struiert werden kann. a , a^ , . . a n seien Strecken, 

die nacheinander auf einer horizontalen Achse je 
nach ihrem Vorzeichen nach rechts oder links abgetragen sind, als 
giilte es ihre Summe , , . . . , 



18 



Erstes Kapitel. Graphiacbes Eechnen 



zu finden. a beginnt im Punkte und endet bei Cp a 2 beginnt in 
<?! und endet bei C 2 usw. (Fig. 14.) Die Zahlen x 1 x% . . . x n werden 
durch die Yerhaltnisse von je zwei Langen ausgedrtickt. Man zieht 
eine Senkrechte durch und wahlt einen Punkt P auf der horizon- 
talen Achse. Es sei das Verhaltnis -j^ x^ -pfi %, usw. Wenn 

P links vom Nullpunkt angenommen wird, gilt der Punkt D^ iiber 
als ein positiver Wert von x^ unter als ein negativer; ebenso die 
anderen Punkte. Auf der Senkrechten wird fiber ein Punkt D in 
der gleichen Entfernung von wie P bezeichnet, und der Punkt P 
mit den Punkten D , D 1? D 2 , D 3 , D 4 , . . . verbunden.. Dann zeichnet 
man eine gebrochene Linie A Q A l A^A 3 A 4e , so daB A Q auf der Senk- 
rechten durck 3 liegt, und OA^ zu PJ) paraUel ist; A l liegt auf der 
Senkreckten durck <7 2 , und ^ ^j ist parallel PD^ A 3 liegt auf der 
Senkreckten durch O s , und A 1 A% ist parallel PJ> 2 usw. Dann wird die 
Ordinate # von A Q die gleiehe Lange wie a haben und nach oben 
gerichtet sein, wean a nach rechts, nach unten, wenn a Q nach links 
lauft. Die Differenz ^ y$ der Ordinaten von A l und A ist an Lange 
gleich a^, da ^ ^ und a x in dem gleicken Yerkaltnis steken 
wie OD l und PO. A 1 wird tiber oder unter A Q liegen, je nackdem 
#!#! nack rechts oder nach links lauft, und es versteht sich, daB a^ 
fur positive Werte von ^ die gleiehe, fur negative die entgegenge- 
setzte Riehtung hat, wie a v So hat die Ordinate ^ die gleiehe Lange 
wie die Strecke a + a 4 o; 3 und lauffc nach oben oder unten, je nach- 
dem die Eichtung der Linie a + a 1 a? l nach rechts oder nach licks 
lauft. Ebenso wird bewiesen, daB die Ordinate # 2 des Punktes A% die 
gieiche Lange hat wie 






die gleicke LSnge wie 



Fig. 15 



usw. wobei die Eicktung nack oben oder unten 
positiven oder negativen Wert der linearen Funktipn entspricht. 
Wenn die Werte von a? n ^ 2 , . . . x n der Gleichung 



4. Lineare Funktionen mit beliebig vielen Ver&nderlichen 19 



a + a^ + 2 a; 2 H ---- + a n x n = 

geniigen, mtiB die Ordinate y n verschwinden, d. li. der Punkt A n muB 
m ft Cn + i dem Endpunkt der Strecke a n zusammenf alien. Und umge- 
kehrt: der Gleichung 1st geniigt, wenn A n und C n + l zusammenf alien. 



_o An -I 




. 16. 



Cn-J Cn 



Folglich kann, wenn alle Werte der Zahlen x v # 8 . 
. . . x n bis auf einen bekannt sind, der unbekannte 
Wert auf graphischem Wege gefunden werden. Denn, 
s 'gesetzt rr s sei der unbekannte Wert, so kann man 
die gebrochene Linie von anfangend bis -4 2 und dann vom an- 
deren Bnde mit A n anfangend bis A% -(Fig. 15) zeichnen. Eine Par- 
allele zu A* A^ durch P liefert den Punkt 3 auf der Ordinatenachse. 
Sind #!, # 2 , . . . #__! bekannt und nur x n nicht, so kann man die ge- 
brochene Linie bis A n _ l zeichnen, und, da A n mit C n + i zusammen- 
fallen muB, eine Parallele zu A n _ i A fl durch P ziehen, und so den 
Punkt D n auf der Ordinatenachse tinden, der durch das bekannte Yer- 

haltnis von ~p(f oder -/ryr den Wert von x n bestimmt. Auf den Figuren 

15 und 16 sind alle Koeffizienten positiv. Auf Fig. 17 ist ein Koeffi- 
zient ttg negativ angenommen. Der einzige Unterschied ist der, da6 





/ 


Ji - **" 


^ 


^ 


A 

^ 







^ 


~^-^ 






o c 1 c^ c 3 c 6 c 4 c 5 c 7 




Pig. 17. 



C 6 links von <7 5 liegt und daB daher die gebroohene Linie von 



zu j! 5 zuriickfiihrt. 



Lassen wir die Lago der Punkte D 0l D t , J) 2 , . . . unverandert, rucken 
aber den Punkt P nach P (Fig. 18) und konstruieren von neuern 



20 



Erstes Kapitel. Graphisches Rechnen 



die gebrochene Linie, so'erhalten wir OA^A\A'^ ... an Stelle von 

' des Punktes A' 1st offenbar 



{} . . . Die Ordinate y' a 

OD Q 
FO 



und daber 



y* 



1 P'O 
PO 



d. h., durch Versehiebung des Punktes Punter Beibehaltung der Punkte 
D , D v D 2 , . . . kann man den MaBstab der Ordinaten der gebrochenen 
Linie verSndern, und zwar umgekehrt proportional dem AbstandPO. 
Dieses Verfahren empfiehlt sich, um eine geeignete GroBenordnung 
ffir die Ordinaten zu bekommen, unabhangig von dem fur den Ab- 




stand der Punkte D , D^ D 2 , . . . gewahlten MaB- 
stab, welcher die Werte 



t , x . A 
, a:, -, . . . bestimmt. 



Eine lineare Gleichung mit nur einer Unbekannten 





lost man, indem man durch P eine Parallele zu A A t legt. Nun sei 
eine zweite Gleichung mit zwei Unbekannten gegeben: 



Die Strecken & 



, 



+ ^^ 
6 2 werden wie vorher abgetragen. Da wir 



aus der ersten Gleichung kennen, so kcinnen wir die gebrochene Linie 
J5 BI , die der zweiten Gleichung entspricht, konstruieren, und, da 
_B 2 mit dem Endpunkt von ?> 2 zusammenfallen muB, durch P eine 
Parallele zu -^ J? 2 legen und x% bestimmen. Auf dieselbe Weise kann 
man x s aus einer dritten Gleichung 





abieiten und so weiter eine beliebige Anzahl von Unbekannten, 



4. Lineare Funktionen mit beliebig vielen Veranderlichen 21 

wenn jede Gleichung eine Unbekannte mehr als die vorhergehende 
enthalt. 

In dem allgemeinen Palle, wo n Unbekannte aus n linearen Glei- 
chungen gefunden werden sollen, wird nun jede der Gleichungen alle 
die Unbekannten enthalten, und man wird daher nicht, wie in dem 
oben behandelten Palle, eine nacb der andern ermitteln konnen. Aber 
es liifit sich zeigen, daB vermittelst sehr einfacher Konstruktionen der 
allgemeine Fall auf eine Reihe von Gleichungen eben der Art wie 
die oben bebandelten zurtickgefubrt werden kann. 

Fangen wir mit zwei Gleichungen und zwei Unbekannten an. 

Die Strecken 0r , a I7 a 2 werden auf einer Horizontalen OA^A^A^ ab- 
getragen und die Strecken & , & lt & 2 auf einer anderen Horizontalen 
0'BBB (Fig. 19). Nun ver- 

1-iiX^W/j ! ^" A * A~ 

bindet man und , A und 1? , 

A und JBj, A% und B 2 durch Ge- . 

rade und zieht eine dritte Hori- 

zontale, welche diese Verbindungs- 

linie in den Punkten 0", C a , O lf " ' **** *' **' 

C 8 schneidet. Diese Punkte ent- Fig ' 19 ' 

sprechen einer bestimmten linearen Funktion 



C 






und es ISBt sicb zeigen, daB diese fur denselben Wert von x l und o? s 
verscbwindet, wie die zwei ersten linearen Funktionen. Der Abstand 
der beiden ersten Horizontalen sei I und der Abstand der dritten von 
der ersten und zweiten h und &. Dann ist leicbt einzuseben, daB 

, li /, x k , h T 

c - + J (fco O "= z o +T V 

Denn eine Parallele zu 00' durcb den Punkt J. schneidet mit der 
Linie A Q B Q auf der dritten und zweiten Horizontalen Strecken ab, 
deren Lange gleicb c und & a ist, und da diese Strecken 

zu einander in Verbaltnis y stehen, so folgt, daB 

^o^ a o +y(o- ^)- 7 o + 7 V 

In derselben Weise kann man sicb, indem man eine Parallele zu 
A$BQ durcb J.! und zu A l B i durcb j4 2 oder 2? a (was auf dasselbe 
binauskommt) ziebt, iiberzeugen, daB 



22 Erstes Eapitel. Graphisches Bechnen 

<i - i + 7 Ot - <*i) - 7 i + 7 & 2 

und c^ a 2 + y (& 2 - a 2 ) - fa 2 + y ft,. 

Multipliziert man die Gleichung 



z 

mit y und die Gleichung 

&o + Mi + 6,*g 
mit y und addiert die Produkte, so erhalt man 



Die dritte Horizontale braucht nicht notwendig zwischen den zwei 
ersten zu liegen. Wenn sie unter der zweiten liegt, so muB 7c, und 
wenn sie iiber der ersten liegt, 7&, einen negativen Wert erhalten, da- 
mit dieselben Ausdriicke fiir c^c^c^ Geltung haben. Folglich bleibt 
der Scblufi richtig, dafi aus den zwei ersten Gleichungen die dritte 
gefolgert warden kann. 

Da es uns nun vqllkommen freisteht, die dritte Horizontale zu 
zieben, wo immer es uns gefallt, kSnnen wir sie durch den Schnitt- 
punkt der Linien A l S l und JL 2 5 3 legen. Dann fallen die Punkte Oj 
und C 2 zusammen und es verschwindet infolgedessen c 2 . Wenn c x 
nicht verscbwindet, k5nnen wir, wie oben gezeigt, x 1 und niit x l dann 
x 2 aus jeder der beiden ersten Horizontalen ermitteln. Im Palle c t 
aucb rerschwindet, das will sagen, im Falle die drei Geraden A%B%, 
A^B! und A Q B Q durch einen und denselben Punkt bindurchgehen, 
der nicht auf 00' liegt, sind die zwei gegebenen Gleichungen nicht 
gleichzeitigzubefriedigen. Denn, wenn sie es waren, wiirde folgen da8 



und, da C L und c 2 gleich Null sind ; miiBte auch C Q = sein, was der 
Annahme widerspricht, daB 00' nicht durch den Schnittpunkt von 
-4 2 J& 2 , A l B l und A B Q hindurchgeht. Wenn andererseits alle vier 
Geraden -4 3 J? 2 , A 1 3 11 A Q B ^ 00' durch denselben Punkt hindurch- 
geheii, daini verschwinden f , ^ und c 2 alle drei. In diesem Falle 
widersprechen sich die zwei gegebenen Gleichungen nicht, aber b^b^ 
sind a a 1 a 2 proportional. Daher wird die zweite Gleichung dieselbe 
Beziehung zwischen x und x% enthalten wie die erste, so daB nur 
eine Bedingung fiir x l iind ar 2 zu erfiillen ist. Wir konnen dann einein 
von beiden einen beliebi'gen Wert beilegen und den Wert des anderen 
so bestimmerr, daB der Gleichung geniigt ist. 



4. Lineare Funktionen mit beliebig vielen Veranderliehen 23 


In dem Falle zweier li- 
nearer Gleichungen mit einer o 
beliebigen Zahl von unbe- 
kannten GroBen t , # 3 , . . . # w 
kann man vermittelst der- ,, 
selben graphischen Methode 


4> AI A 2 A s A 4 A 5 A 6 


; \ \ \ / \ \ 

{Bo \Bi \S S \B*/B 4 \B S \B S 


f \ v x i T 
f'^0 it>i \d> 6-5^1/14 iCJj |6tf 


C C t g Cy C 5 C 6 



eine der GroBen eliminieren. ri * so - 

In Fig. 20 ist dies fur den Fall von zwei linearen Gleichungen mit 
sechs unbekannten GroBen gezeigt. Die zwei Horizontalen OA Q A l 
A% A^A^At, AQ und 0' B B 1 B 2 B B B^B r , ) BQ stellen lineare Gleichungen 
dar. Durch den Schnittpunkt von A B B 3 und A^B^ zieht man eine 
dritte Horizontale, welche die Linien 00', A Q B , A 1 B 1 ...A 6 B G in 
0"(7 ,0 f 1 ...<7 6 schneidet. Da C z und <7 4 zusammenfallen, verschwindet 
die Strecke c und # 4 wird eliminiert, so daB die Gleichung nunmehr 
die Form annimmt 

Nun sei z. B. eine Reihe von sechs Gleichungen mit sechs Un- 
bekannten geometrisch auf sechs Horizontalen dargestellt. Von diesen 
behalten wir eine, aber an Stelle der anderen funf konstruieren wir 
fiinf neue, aus denen eine der Unbekannten vermittelst der ersten 
Gleichung eliminiert ist. Es kann nun vorkommen, daB gleichzeitig 
auch eine andere Unbekannte verschwindet; dann bleibt diese GrSBe 
willkurlich. Von den funf neuen Gleichungen behalten wir wieder 
eine, die mindestens eine andere Unbekannte enthalt, und ersetzen 
die vier iibrigen durch vier neue Gleichungen, aus denen diese nn- 
bekannte GroBe eliminiert ist. Indem man so fortfahrt, wird in der 
Eegel mit jedem Schritt nur eine Unbekannte eliminiert werden, so 
daB zuletzt eine Gleichung mit einer Unbekannten iibrig bleibt. An 
Stelle der gegebenen sechs Gleichungen, von denen jede sechs Un- 
bekannte enthielt, haben wir nun eine Gleichung mit sechs, eine mit 
fiinf usw. bis zu einer Gleichung mit einer Unbekannten. Die geo- 
metrische Konstruktion beweist, daB dieses Sjstem von Gleichungen 
dem gegebenen gleichwertig ist, denn wir konnen auf demselben Wege 
in umgekehrter Richtung zu dem gegebenen System zunickgelangen. 
Wir haben oben gesehen, wie die unbekannten GrSBen nun geome- 
trisch konstruiert werden konnen. Es kann indessen vorkommen, daB 
mit der Elimination einer Unbekannten gleichzeitig auch eine zweite 
elirainiert wird. Dieser konnen wir dann einen beliebigen Wert bei- 
legen, ohne die Moglichkeit der L5sung zu beeintrUchtigen. Endlich 
konnen auch alle Unbekannte aus einer Gleichung eliminiert werden. 



24 Erstes Kapitel. Grapbisches Recbneu 

Wenn in diesem Falle ein von Null verschiedenes Glied tibrig bleibt, 
so geht darans bervor, daB es unmb'glich 1st, den gegebenen Glei- 
chungen gleichzeitig zu geniigen. Bleibt kein solches Glied ubrig, dann 
enthalten die beiden Gleichungen aus denen die Elimination sich 
ergab, dieselbe Beziehung zwiscben den Unbekannten und eine der- 
selben darf fortgelassen werden. 

5. GrapMsche Bekandlung komplexer Zahlen. 
Eine komplexe Zabl g = x + yi 

wird grapbiscb. durcb den Punkt Z dargestellt, dessen recbtwink- 
lige Koordinaten den Zablen a? und y entsprecben. Wir nebmen an, 
daB beide Koordinaten in der gleichen Langeneinbeit gemessen sind. 
Man konnte aucb sagen, daB eine komplexe Zabl nicbts ist als eine 
algebraiscbe Form, die Koordinaten eines Punktes in der Ebene hin- 
zuscbreiben. Und die Recbnung mit komplexen Zablen stellt gewisse 
geometrische Operationen mit den durcb sie ausgedriickten Punk- 
ten dar. 

Unter der Summe zweier koniplexer Zablen 



versteht man die komplexe Zabl 

wo # s ===== x l + #2 und y$ = y l + # 2 , 

und man schreibt z s = ^ -f- # 2 . 

Graphiscb ermittelt man den Punkt P, welcber 5 darstellt, aus den 
Punkten Z 1 und Z 2 , welcbe ^ und # 2 darstellen, indem man eine 
Parallele zu OZ 2 durcb Z x legt und ZjP (Fig. 21) an Lange und 
Richtung gleicb OZ 2 macht, oder indem man eine Parallele durch 
Z 2 legt und Z 2 P an Lange und Ricbtung OZ l gleich macbt. Die 
Koordinaten von P sind offenbar gleicb 

#1 4~ ^2 ua ^ 2^1 "t" y% " 

Zwei komplexe Zahlen z und ! f nennt 
man entgegengesetzt, wenn ihre Summe 
Null ist. 

$ -[- ^' == o oder ^ #' 

> und y y' oder j? =* j'. 
Die betreffenden Punkte Z und Z' baben 




x i 

Fig. 21. 



5. Grapbiscbe Behandlung komplexer Zahlen 



25 



denselben Abstand vom Nullpunkt, liegen aber in entgegengesetzter 
Richtung. 

Die Differenz zweier komplexer Zablen ist diejenige komplexe 
Zabl, welcbe zum Subtrabendus binzuaddiert den Minuendus ergibt, 



Daber z 1 - s 3 (x l * 2 ) + (^ y f )* . 

Dies kann man auch so schreiben 

g l + s's, wo *2 -= * 8 # 2 #j . 

Das beifit: die Subtraktion der komplexen Zabl # 2 von ^ kann durcb 
Addition der entgegengesetzten Zabl # 2 ausgefilhrt werden. dm 
den der Zabl ^ s s entsprechenden Punkt geometrisch zu konstru- 
ieren, mufi man eine Parallele zu OZ 8 durcb Z l legen und von Z l 
in der Ricbtung von Z 2 nacb die Lange Z 2 abtragen. Oder man 
kann aucb vom Nullpunkt aus eine Linie von gleicher Lange und 
Ricbtung wie Z^Z l zieben. Aucb diese wird zu dem Punkte Z 
fubren, der die Differenz g l # 2 darstellt. 

Die Regeln fur die Multiplikation und Division komplexer Zablen 
lassen sicb am besten durcb Einfubrung von Polar-Koordinaten aus- 
sprecben. Es sei r die positive Zabl, die die Strecke OZ in derselbeu 
Langeneinbeit ausdriickt in welcber x und y die Abszisse und Ordi- 
nate messen, so daii 



und <p der Winkel, den OZ mit der #~Acbse einscbliefit, in der 
tung von der positiven ff-Acbse auf die positive ^-Acbse zu 
alle vier Quadrahten gerecbnet (Fig*. 22). Dann 
babenwir ,, = r cos <p, y _ r sin ^ 

und # re + yi = r(cos 9 + sin qpi). 

Wir nennen r den Modul und g> den Winkel von s. 
Der Winkel kann um irgendein viel- 
facbes von 4 Recbten vergrSBert oder 
vermindert werden, obne z zu verandern, aber 
jede Anderung von r bedingt notwendig eine Ver- 
jinderung von z. 

Nacb dem Moivrescben Lebrsatze kann man scbreiben ^ = 

TInter dem Produkt zweier komplexer Zablen 

g = f gVi* und 5 === I'oC^** 



Ricb- 
durclt 




26 



Erstea Kapitel. Graphisches Rechnen 



versteht man diejenige komplexe Zahl * deren Modal r. gleicb dem 
Produkt der Moduln r, und r a und deren Winkel <p s gleich derSumme 
der Winkel 9l und g> 2 oder nur urn ein Vielfaches von 4 Rechten 
davon verschieden 1st, 



Die Definition der Division folgt aus der Multiplikation. Der Quo- 
tient ^ ist diejenige komplexe Zahl, welche nut s 2 multizipliert * t 
gibt Daher muB das Produkt seines Modul mit dem Modul von a* 
^eich dein Modul von s t und die Summe seines Winkels und dos 
Wmkels von *, gleich dem Winkel von ^ sein. Oder man kann auch 
sagen, dafi der Modul des Quotienten ^ gleich dem Quotienten der 
Modnln i und sein Winkel gleich der Different der Winkel also 
gleich ^ - <p a 1st. Eine etwaige Addition oder Subtraktion eines 
vieltachen von 4 Eechten kann aufier Betraoht gelassen werden, da 
sie weder d!e komplexe Zahl noch den sie darstellenden Punkt be- 
einflufit. 

Die der Multiplikation und Division komplexer Zahlen entspre- 
chende geometrische Konstruktion ISBt sich am besten dui-ch Betrach- 
tung zweier Quotienten von je zwei komplesen Zahlen, die dasselbe 
Kesultat ergeben, darlegen. Schreibeu wir 



* 

Die. geometrische Bedeutung hiervon ist, da8 




Das heifit: die Dreiecke Z,OZ, und Z.OZ, sind ehiander 
x geometnsch ahnlich (Fig. 23). Sind von den Punkten Z l , 
Z^Z^Z^ drei gegeben, so kann der vierte 
offenbar ermittelt werden. Es seien z. B. 
^17 ^27 ^ gegeben. Man zieho eine Parallole 
zu Z 1 Z^ welche OZ S in der Entferung /* 4 
von sehneidet. Dann bilden dieser 
Schnittpunkt, der Schnittpunkt auf OZ l 
und der Nullpunkt, die Eckeri eines Drei- 
ecks, das dem Dreieek Z^O kongruent 
ist. Dreht man es um dem Nullpunkt so- 
weit heruxn, daB die Linie OZ S mit OZ^ mr 



Pig. 23. 



5. Graphische Behandlung komplexer Zahlen 



27 



Deckung komrnt, so erhiilt man die Lange und Richtung der Seite 
OZ$ und damit den gesuchten Punkt. 

Diese Konstruktion enthalt sowolil Multiplikation wie Division 
als besondere Falle. Lassen wir Z 4 mit dem Pimkte x = 1, y = 
zusammenfallen, so daB 4 =1 (Fig. 24), 
dann haben wir 



~ = ., oder 



Aus zwei von den drei Punkten Z 1 ,Z 2 ,Z 8 
laBt sich der jedesmalige dritte Punkt durch 
eine einfache Konstruktion bestimmen. 

Die geometrische Darstellung komplexer 
Zahlen ist mit Vorteil anzuwenden, um die 
Eigenschaften .harmonischer Schwingungen zu 
zeigen. 

Nehmen wir an, daB ein Punkt P sich 
auf der #-Acbse fortbewegt, so daB seine 
Abszisse im Zeitpnnkt t durch den Ausdruck 

x = r cos (nt + a) 

gegeben ist, wo /?, r und a Konstanten sind. Nennen wir r die Am- 
plitude und nt + a die Phase der Bewegung. Der Punkt P bewegt 
sich zwischen den Grenzen x = r und x = r hin und her. Die 

Zeit T = - nennt man die Schwingungsperiode, d. h. die Zeitdauer 

einer vollstandigen Vor- und Kiickwartsbewegung. 

Betrachten wir nun an Stelle von x die komplexe Zahl 

z = r cos (nt + a) + r sin (nt + a) 7. 
oder ^ = r^ w ' +a ^ , 

deren Abszisse a; ist, und verfolgen wir die Bewegung des Punktes Z. 
Fur t *= haben wir ^ rc i 

Bezeichnen wir diesen Wert mit ^r ft , so konnen wir schreiben 




Fig. 24. 



Die geometrische Bedeutung des Produktes 



2? e n " 



iat, daB die 



Strecke OZ durch den Winkel nt um gedreht wird. Denn, da 
der Modul von e nti = 1 ist, so wird der Modul von # durch die 
Multiplikation nicht verandert. Die Bewegung des Punktes Z be- 
steht daher in einer gleichfdrmigen Drehung von OZ tun 0. In dem 



28 Erstes Kapitel. Graphisches Rechnen 



/ \ 

/ V 



/= J 



Zeitpunkt t = haben wir die Lage 
OZ Q und nach Ablauf der Zeit T * 

Z\,t*0 wird dieselbe Lage wieder eingenom- 
.a r\ men. Die Umdrehung geschieht in der 
fc<S* -L ^Richtung von der positiven x Achse auf 



/ die positive j/Achse zu (Fig. 25). 
v / Die Bewegung von Z ist offenbar 

^ / einfacher als die Bewegung der Pro- 

-- t~%T jektion P von Z auf die ir-Achse. 

Betrachten wir eine Bewegung, die 
aus der Summe zweier harmonischer 
Fig. 25. Bewegungen von gleicher Periode aber 

verschiedenen Amplituden und Phasen entsteht, 

x r t cos (nt + a 1 ) + r 2 cos (nt + a 2 ) 

und zwar indem wir sie wieder durch die Bewegung eines Punktes Z 
ersetzen, der der komplexen Zahl 



entspricht. Fur t *** ist das erste Glied 

*i " r i e<tl> und das zweite % r c^*. 
Setzen wir z l und j8f 8 in den Ausdruck ftir z ein, so haben wir 



wo ^ ^ -1 + ^2- 

Dies zeigt auf den ersten Blick, dafi die Bewegung von Z eine 
gleichmaBig kreisformige ist, die in einer gleichfSrmigen Drehung 
von OZ urn besteht. Im Zeitpunkt t = ist die Lage OZ&, die 

der komplexen Zahl 9 . , 

* h = *i + *a 

entspricht. Die Projektion von Z auf die a>Achse hat die Abszisse 
r, cos (< + ,), 

wo r a und a 3 den Modul und den Winkel von z s bezeichnen. So ist 
gezeigt, daB die Summe zweier harmonischer Bewegungen gleicher 
Periode wieder eine harmonische Bewegung ergibt. 

Dasselbe gilt fiir die Summe beliebig vieler harmonischer Be- 
wegungen von gleicher Periode. Denn die komplexe Zahl 

* + r^****^ H ----- h 



5. Graphiscbe Behandhmg 




WO 



Die Bewegung von Z besteht daher, ausgenommen im Falle 2$ = 0, 
in einer gleichformigen Umdrehung von OZum 0, wobei Zimmer 
dieselbe Liinge, gleich dem Modul von beibehalt. Die Lage von 
OZ im Zeitpunkt t ist OZ ( 



'o- 



Die Bewegung eines Punktes P, dessen Abszisse 
x == ae~ ki cos (nt + a), 

wo a, k, n^ a Konstanten sind (a und 7c positiv), nennt man eine ge- 
dampfte harmonische Bewegung. Sie kann als eine harmonische Be- 
wegung, deren Amplitude im Abnehmen ist, aufgefaBt werden. Um 
diese Bewegung zn studieren, substituieren wir wieder eine kom- 
plexe Zahl _ ^ kt -** 



oder # = ac~ kt - < 

wo # fur die komplexe Konstante ae ai geschrieben ist. 
Das Produkt H 

ist eine komplexe Zahl, die einem Punkte Z l entspricht, welcher auf 
demselben Radius mit Z$ liegt und in dem Zeitpunkt t mit Z Q 
zusammenfallt, dann aber sich dem Nullpunkt in geometrischer 
Progression nahert. In der Zeiteinheit nimmt die Entternung zwiscben 
Z 1 und in dem konstanten VerhS.lt- 
nis e~ k :l ab. Die Multiplikation mit 
e nti dreht OZ 1 durch einen Winkel 
nt tun 0. Wir kQnnen also die Bewe- 
gung von Zbeschreiben als eine gleich- 
formige Drehung von OZ urn 0, wiih- 
rend welcher Z sich in dem Sinne 
gleichmaBig nahert, daB in gleichen 
Zeitabschnitten die Entternung im 
gleichen Verhaltnis abnimmt (Fig. 26). 
Im Augenblick t = f allt die Lage 
von Z mit Z zusammen. Als eine 
Periode dieser Bewegung bezeichnen K * 2G> 

wir den Zeitabschnitt T = , in welchem OZ eine vollstandige 




30 Erstes Kapitel. Graphisches Rechnen 

Drehung um ausfuhrt, obgleich Z nicht in seine urspriingliche Lage 
zuriickkehrt. Jedes von Z in einem gegebenen Zeitabschnitt durch- 
laufene Stuck der Spirale 1st jedem anderen in einem gleichen Zeit- 
abschnitt durchlaufenen geometrisch ahnlich. Denn geset/t, daB der 
zweite Zeitabschnitt T Zeiteinheiten spater anf lingt als der erste, so 
haben wir fiir den ersten 



- e nti , und fiir den zweiten z' e Q e-*+* 

Sind nun z und # 2 ^^ e Werte von z an zwei Zeitpunkten t t und 2 
des ersten Zeitabschnitts, und z\ und z\ die entsprechenden Werte 
von z r an zwei Zeitpunkten t + T und f 2 + T des zweiten Zeitab- 

schnitts, so haben wir -' 

*i ^e-t^-g. e'^-y ii. 

^2 ^8 

Daher ist das Dreieck Z 1 OZ 2 dem Dreieck Z\ OZ% geometrisch ahn- 
lich. Da Z l und Z 2 mit beliebigen Punk ten des ersten Teils der Kurve 
zusammenfallen konnen, so sind die beiden Kurvenstucke offenbar 
einander geometrisch ahnlich. 

Die Projektion von Z auf der x Achse fiihrt Schwingungen von 
abnehmender Amplitude aus. Die Umkehrpunkte entsprechen den 
Punkten der von Z beschriebenen Spirale, wo ihre Tangente der 

y- Achse parallel ist, d. h. wo die Abszisse von -r- verschwindet. 
Nun ist ~- * ( ft + ni) e" kt e nti ( A" + ni) z 
Oz_ 

oder = ft + ni = ^e*^, 

wo Q und K Modul und Winkel der komplexen Zahl k -j- ni be- 
zeichnen. , 

Folglich wird, wenn wir -77 durch einen Punkt Z' darstellen, das 
ctt 

Dreieck Z 1 OZ sich selbst geometrisch ahnlich bleiben. Die Umkehr- 
punkte der gedampften Schwingungen entsprechen den Zeitpunkten, 
in denen OZ' senkrecht nach oben oder unten gerichtet ist, oder der 

Winkel von -jr gleich ~ oder -r~ ist. Der Winkel von ts wird dann 

5C &7t 

gleich A oder -- I plus oder minus einem Vielfachen von 2 n 
sein. Da andererseits der Winkel von 2 sich mit der Zeit nach der Form el 

nt + <* 

verSndert, finden wir die Zeitpunkte, wo die Bewegung umkehrt, 
durch die Gleichung 



5. Graphische Behandlung komplexer Zahleu 31 



n t + <x = ~ A + 2 NTV, oder nt + a = A + 

wo N eine positive oder negative ganze Zahl bedeutet. Die Zeit 
zwischen zwei aufeinander folgenden Umkebrungen ist daher gleich 

* , d. b. gleich einer balben Periode. Alle die Punkte Z, die den Urn- 

kehrpunkten der Bewegung entsprechen, liegen auf einer und der- 
selben Geraden, die durcb den Nullpunkt hindurchgeht, und mit 

der positiven #-Achse einen Winkel ^ I bildet. Die Amplituden 

der aufeinander folgenden Scbwingungen nehmen daher im gleich en 
Verhaltnisse ab wie der Modui von #, d. b. wahrend einer halben 

kn 

Periode im Verhaltnis e n zu 1. 

Betrachten wir die Schwingungen eines Systems mit einem Frei- 
beitsgrad, auf welches eine als harmonische Funktion der Zeit ver- 
anderlicbe Kraft wirkt, und beschranken wir unsere Betracbtung auf 
die Lagen in unmittelbarer Nahe der Lage des stabilen Gleichgewichts. 
Wenn die GroBe x die Lage des Systems bestimmt, genugen seine 
Schwingungen einer Diiferentialgleichung von der Form 

d*x , , dx ,9 T-, / ,\ i\ 
WT^T + 'CTT + n *% = FcQS(pt) M 
at" dt 

wo m, k, n, jp, F positive Konstanten sind. 

Dies ist wieder ein Fall, in welcbem die Einfuhrung einer kom- 
plexen Veranderlichen __ x 

und die geometriscbe Darstellung komplexer Zahlen dienlich sind, 
urn die Losung zu gewinnen und einen Uberblick uber die verschie- 
denen Erscheinungen, die sich ergeben konnen, zu gewUbren. 

Um g einzufuhren, betrachten wir zugleich die Differentialgleichung 

dt* dt 

multiplizieren die zweite Gleicbung mit i und addieren sie und die 
erste. Wir haben dann 



Die Bewegung des die komplexe Zabl g darstellenden Punktes Z dient 



1) Siebe z. B. Rayleigb, Theory of Sound, Vol. I, Kap. Ill, 46. 



32 Eretes Kapitel. Grapbiscbes Recbnen 

dann zugleicb, um die Bewegung von x zu zeigen. Wir braucben nur 
die Projektion von Z auf die aj-Acbse zu Detracbten. 

Eine LSsung der Differentialgleicbung erbalt man, indem man 

2= e p " 

scbreibt. Fiibrea wir diesen Ausdruck: fiir g ein ; und streicben den 
Eaktor eP", so baben wir 

^ F 

- yp\ ^ jp ? oder % = 



Z Q ist eine komplexe Konstante, die, wie wir spater seben werden, 
sebr einfacb geometriscb dargesteilt werden kann. 

"Diese L8sung e p " 

ist nicbt die allgemeine. Wenn wir mit *' irgend eine andere LSsung 
bezeichnen, so da8 



so finden wir durcb Subtraktion der Gleicbungen 



oder, wenn wir / ^ = u scbreiben, 



Die allgemeine Losung dieser Gleicbung ist 



u . u^e- 

wo w x und w 2 beliebige Konstanten und A n A 2 die Wurzeln der 
Gieicbung far A sind wJL s u + # _ 



__ 
A 2 j "~ Sim ^ V 4t f w* 

Wenn -^sffroBer ist als , so dafi die Quadratwurzel einen reellen 



Wert bat, wird]/^ - ~ jedenfalls kleiner als sein. Daber 
werden ^ und A 2 beide negativ und die Moduln der komplexen 
Zablen u^ und u^* werden mit der Zeit verscbwindend klein 
werden. Wenn andererseits ^~ kleiner ist als -^, dann entsprecben 
die komplexen Zahlen u^' und w 2 6 ; -*< beiden Punkten, welcbe Spi- 
ralen bescbreiben, die sicb, wie wir oben geseben haben, dem Null- 



_ 5. Grapbiscbe Behandlung komplexer Zahlen 33 

punkt in einem fiir gleiche Zeitabscbnitte konstanten Verbaltnis 
nahern. Dalier werden sie auch mit der Zeit verschwindend klein 
werden. 

Nach Verlauf einer gewissen Zeit wird daber der Ausdruck 

* = e p " 
gentigen, die Losung auszudriicken. 

Der Punkt Z bewegt sicb gleicbmaBig um auf einem Kreise, 
dessen Radius gleicb dem Modul von ist, und vollendet einen Um- 

2 n 
lauf in der Periodc , der Periode der auf das System wirkenden 

Kraft. Die Bewegung der Projektion von Z auf die #-Aebse ist durcb 
den Ausdruck x = r cos (pt + ct) 

gegeben, wo r der Modul und a der Winkel von # sind Es ist 
eine harmoniscbe Bewegung mit der gleicben Periode, wie die der 
Kraft, aber mit einer gewissen Phasendifferenz und Amplitude, die 
von den Werten jP, w, &, H, p abbangig sind. 

Diese Beziebung zu studieren ist wicbtig, um von den Erscbei- 
nungen, die sicb ergeben konnen, eine Vorstellung zu gewinnen. Zu 
diesem Zwecke eignet sicb besonders die geometriscbe Darstellung 
komplexer Zablen. 

Betracbten wir in dem Ausdruck fiir # 

77* 

t r- den Nenner mv? + hpi + w 2 



und nebmen wir an, da6 die Periode der auf das System wirkenden 
Kraft nicht bestimmt sei, wabrend die Konstanten des Systems 
M, 7c, n und die Amplitude der Kraft F gegebene Werte haben. Die 
Grb*Be p ist die Zabl der von der Kraft wabrend der Dauer von 2jr 
Zeiteinheiten ausgefiibrten Scbwingungen. Diese Grofie p sei un- 
bestimmt, und es handle sicb darum, zu zeigen, wie sicb fiir verscbiedene 
Werte von p die Amplitude und Pbase der erzwungenen Scbwingungen 
zu der Amplitude und Pbase der Kraft verbalten. 

Tragen wir die Kurve der Punkte auf, die der komplexen Zabl 

w 2 mp* + I'p i 

entsprecben, wenn p die Werte p = bis + oo amiimmt. 

Diese Kurve ist eine Parabel, deren Acbse mit der #-Acbse zu- 
sammenf allt und deren Scbeitelpunkt im Punkte x = w*, y = liegt. 
Hire Gleicbung kann man durch Elimination vonp aus den Gleicbungen 

x n 2 wp 2 , y = kp finden, namlicb x w 3 p2/ 2 - 



Erstes Kapitel. Graphisches Eechnen 



Aber es ist besser p nicht zu eliminieren und die verschiedenen Punkte 
fur verschiedene Werte von p zu konstruieren. In Fig. 27 ist die Kurve 
.y fftr p bis p == 3 gezeichnet, 

nnd die Punkte jp=0, 1,2, 3 sind 
bezeichnet. Die Ordinaten sind 
p proportional. Sie sind gleich 
0, ft, 2ft, 3ft fur p = 0, 1, 2, 3. 
Der Abstand der Projektion eines 
beliebigen Punktes der Kurve auf 

Fi* 27. die a>Achse vom Scheitelpunkt 

ist p 3 proportional. Er ist gleich 0, w, 4we 9m fur # = 0, 1, 2, 3. 
Bezeichnen wir fur einen beliebigen Punkt P auf der Parabel 
die Entfernung vom Anfangspunkt mit r und den Winkel zwischen 
dem Radius und der positiven #-Aehse mit g>, so daB 

n* wp* + kpi rc^*'. Dann haben wir n = e~ (pi 

* u * 




und folglich 



und x 



7 COS < 



Die Amplitude der erzwungenen Schwingungen ist r urngekehrt 

proportional. So zeigt unsere Figur 27, fur welche Periode der Kraft 
die erzwungenen Schwingungen am groBten werdeD, ffir die n&mlich, 
die dem Punkte auf der Parabel entspricht, dessen Abstand vom 
AnfangspuDkt am kleinsten ist. Jn Figur 27 ist der Punkt mit It 
bezeichnet. Man kann ihn den Punkt der grSBten Resonant nennen. 
Sind die Konstanten des Systems derartig, daB die Ordinate des 
Punktes, in welchem die Parabel die y-Achse schneidet, im Verhaltnis 
zu der Abszisse des Scheitelpunktes klein ist, dann wird OH nahezu 
rait der ^-Achse zusammenfallen (Fig, 28). Der Winkel zwischen 
OR und der positiven #-Achse ist dann sehr nahe gleich 90, das 

will sagen,die erzwungenen Schwin- 
gungen. grSflter Resonanz werden 
um etwas weniger als eine Viertel 
Periode hiuter den Kraftschwingun- 
gen zuriickbleiben. Bei unveriin- 
derten Werten von m und n wird 
dies fur kleine Werte von ft, d. h. bei einer schwachen Dampfung, 
eintreten. Wenn^? von der Schwingungszahl der grdBten Resonanz nur 
ein klein wenig abweicht, so entfernt sich der Punkt P von R so, daB 
r betrachtlich zunimmt und <p entweder sehr klein (fiir Werte von 
Pi die kleiner sind als die Schwingungszahl der groBten Reso- 
nanz) oder nahe gleich 180 wird (fur Werte von jp, die groBer 




rig. ss. 



6. Funktionen einer unabhangigen Veranderlichen 



35 



sind als die Schwingungszalil der groBten Resonanz). Eine Ab- 
weichuog der Periode der Kraft von der Periode der groBten Re- 
sonanz wird die Amplitude der erzwungenen Sehwingungen be- 
trachtlich verringern. Zugleich wird das Zuriickbleiben ibrer Phase 
binter der Kraft beinahe verschwinden , wenn die Schwingungszahl 
der Kraft kleiner ist, oder sich auf fast eine balbe Periode belaufen, 
wenn die Scbwingungszabl der Kraft gro'Ber 1st. Fur hohere Werte 
von Jc verbreitert sich die Parabe) und diese Erscheinung tritt zuriick. 
Das Minimum des Radius r wird weniger hervortreten. Der Winkel 
zwischen OR und der #-Achse wird kleiner und kleiner und fur 
einen gewissen Wert von Jc und alle hoheren fallt der Punkt It mit 
dem Scheitelpunkt der Parabel zusaramen. In diesem Falle gibt es 
keine Resonanz; sondern wenn die Periode der Kraft unbegrenzt zu- 
nimmt (p m also kleiner und kleiner wird), nimmt die Amplitude der 

F 

erzwungenen Schwingungen zu und nahert sich dem Grenzwert 8 , 

ohne daB es eine bestimmte Periode gibt, fur welche die erzwungenen 
Schwingungen starker sind als fur alle anderen. 

Zweites Kapitel. 

Grapliische Darstellung der Funktionen einer oder 
mehrerer nnabhangiger Yeranderlichen. 

6. Fnnktionen einer nnabhaBgigen Veranderliclien. 

Eine Funktion y einer Veranderlichen x 
y = f(x} 

wird geometrisch gewohnlich durch eine Kurve 

dargestellt in der Weise, daB die rechtwinkligen 

Koordinaten ihrer sSlmtlichen Punkte, in irgendwie 

gewahlten LSngeneinheiten gemessen, gleich x und 

y sind. Diese graphische Darstellung einer Funktion 

ist ungemein wertvoll. Aber es gibt 

noch eine andere fur gewisse Zwecke 

nicht weniger wertvolle Art der 

graphischen Darstellung, die in der 

angewandten Mathematik mehr als 

in der reinen gebrauchlich ist, und auf diese wollen wir hier unsere 

Aufmerksamkeit richten. 

Nehmen wir an ; daB die Werte von y fur gewisse aquidistante 
Werte von #, z. B, 




36 Zweites Kapitel Darstellung von Funktionen 

- - 6, - 5, - 4, - S, - 2, - 1, 0, + 1, + 2, + 8, + 4, + 5, + 6, 
berechnet seien. Wir bringen nun auf einer Seite einer Geraden 
eine gleichmaBige Skala ftir y an; auf der andern Seite der Ge- 
raden markieren wir durch Teilstriche diejenigen Punkte dieser 
Skala, deren #- Werte zu den oben angegebenen aquidistanten #- Werten 
gehflren, und schreiben die betreffenden #- Werte daran (Fig. 29). 
Diese Zeicbnung gestattet uns den Wert von y fur die bezeichneten 
#- Werte abzulesen mit einer Genauigkeit, die von der GrSfie des 
MaBstabes, der Zahl seiner Teilstriche und naturlich von der Fein- 
heit der Zeichnung abhangt. Sie ermoglicht uns auch die Werte von 
y ftir einen Wert von x, der zwischen den bezeichneten liegt, ftbzu- 
lesen, wenn die Abstande zwischen zwei aufeinander folgenden Werten 

von x so klein sind, daB die entsprechen- 
den Abstande von y einander beinahe 
gleich sind. Man kann nach dem Augen- 
maB Werte von x mit einer gewissen Ge- 
nauigkeit interpolieren. Man kann ande- 
rerseits auch die Werte von x ftir belie- 
bige Werte von y ablesen. Wir wollen 
t dies die Darstellung einer Funktion durcb 

eine Skala nennen. 

Fig. go. Man kann von dieser Darstellung leicht 

zur Davstellung derselben Funktion durch 
eine Kurve ubergehen, indem man durch die mit den Werten von x 
bezeichneten Punkte Gerade im rechten Winkel zu der die Skala 
tragenden Geraden legt, und auf diesen die ihnen entsprechenden 
#-Zahlen, in einer beliebigen L^ngeneinheit gemessen, abtrligt (Fig. 30). 
Auf gleiche Weise kann man von der Darstellung der Funktion 
durch eine Kurve zu der durch eine Skala ubergehen. 

Die Darstellung durch eine Skala stellt, so kann man es ansehen, 
die Bewegung eines Punktes auf einer Geraden dar, wo die Werte 
von x die Zeit bedeuten, und die mit diesen Werten bezeichneten 
Punkte die Lage des sich bewegenden Punktes in dem jedesmaligen 
Zeitpunkt. Durch den Ubergang zur Kurve wird die Bewegung in 
der Geraden in eine Kurve ausgezogen, deren Abszisse die Zeit be- 
deutet (Fig. 30). 

Die Darstellung durch eine Skala wird mit der durch eine Kurve 
kombiniert verwendet, urn die Funktion einer Funktion graphisch 
darzustellen. 

Sei y eine Funktion von x und x eine Funktion von t. Wir wollen 
nun y als Funktion von t ausdrucken: 




6. Funktionen einer unab hangigen Veranderlichen 37 

Sei y f(x) durch eine Kurve in der gewobnlichen Art gegeben, 
und x = g>(t) durcb eine Skala auf der tf-Achse, welche die Punkte 
angibt, wo t = 0, 1, 2, ..., 12. Man findet nun die Werte von y, 
die den Werten * 0, 1, 2, ..., 12 entsprechen, indem man die 
Ordinaten der Kurve y=*ffa} ftr die den Werten tf = 0, 1,2,.. ., 12 
entspreehenden Abszissen zeichnet. Diese Ordinaten werden in der 



|5J 



x " 








/ 


1 

1 


/I 


1 


^ 1 

j 




i 
i 




i 
i 




i 




i 

i 

j , 


Oi 



t:0 1 

t:0 1 % 



34567 
4 5 6 7 S 9 10 11 n 
Tig. 31. 



Regel nicht gleicbe AbstSnde haben. Sobald wir sie aber so ver- 
scbieben, dafi sie aquidistant werden, bilden sie die Ordinaten der Kurve 



. 
mit t als Abszisse (Fig. 31). 

Die Darstellung einer Eunktion durcb eine Skala lafit sicb in 
der Hinsicbt verallgemeinern, daB keine von den beiden Skalen auf 
beiden Seiten der Geraden notwendig gleicbmafiig zu sein braucht. 
Die Lange der Teilstrecken kann sich auf beiden Seiten von einem 
Ende der Skala zum andern verandern. Wenn die Veranderung 
langsam genug ist, kann trotzdem mit Genauigkeit interpoliert wer- 
dent Man kann diesen Fall als eine Zusammensetzung zweier FSlle 
der ersten Art betrachten. 



38 



Zweites Kapitel. Darstelhmg von Funktionen 



3- 
2- 
1- 



--0 
t-6 --J 



27 



F~-3 

b 



3? 



05 

-4 



/--<? A - 



*/y _-6 



^Z 

3^ 
0- 



-2 



_-3 



rp 

U--4 



Diese Skalen werden aneinander gelegt, 
so dafi die Skala x die Skala t beriihrt, 



w&hrend die Skala y als dazwischen her- 
ausgeschnitten gedacht wird (Fig. 32). 



-5 
'.*-=? 



7. 



rig. 32. 



Das Prinzip des Reclien- 
scMebers. 

Untersuchen wir, wie die Beziehung 
zwischen x und t durch die Verschiebung 
der x- und t- Skalen gegeneinander verSndert wird. 

Verschiebt man die x Skala urn einen Betrag y = c, so daB ein 
Punkt der #-Skala, der einem Punkt y der ^-Skala gegeniiberstand, 
nunmelir dem Punkt y + c gegeniibersteht, dann wird die durch die 
neue Stellung der Skalen ausgedriickte Beziehung zwischen x und t 
durch die Gleichung /./ \ _ 



gegeben sein. Wenn z, t und #', t' zwei einander gegentiberstehende 
Wertepaare bezeichnen, haben wir gleicbzeitig 



oder durch die Elimination von c 



Der gewohnliche Rechenschieber tragt zwei identische Skalen y = logo? 
und y = log f, die gegeneinander verschoben werden k5nnen, auf 
denen x und t die Werte 1 bis 100 durchlaufen. Wir haben daher 

log x log t = log x log t\ oder -- = -,- - 



f f 7? 
2.5 3 4 



Das 



5 6 7 



Fig. 33. 



will sagen, 
daB in jeder be- 
liebigen Stellung 
der x- und /-Ska- 
len alle einander gegeniiberstehenden Werte von x und t dasselbe 
Verhaltnis (Pig. 33) haben. Dies ist das Prinzip, auf dem die Anwen- 
dung des Eechenschiebers beruht. Er setzt uns in den Stand, irgend 
eine der vier GrSBen a?, , #', t' zu berechnen, wenn die andern drei 
gegeben sind. Wenn 2, B. #, tf, x' bekannt sind, stellt man den 



7. Das Prinzip des Rechenscbiebers 



39 



Schieber so, daB x dem t gegenuberliegt, und kann dann f gegen- 
tiber dem #' ablesen. Auf seinen beiden anderen Randern tragt der 



t- 
T- 




J /,'5 k 
I 



A J A 
? 



ff 2p 3()4Q fff 307/00] 



30 40 60 80100 
f ? ? 9 



T* 7 



Fig. 34. 

Rechenschieber zwei 'ahnlicbe Skalen, beide doppelt so grofi wie 
die ersten (Pig. 34). Wir kSnnen schreiben 

y = 2 log X und y 2 log T. 

Vermittelst eines kleinen Rahmens, der eine Querlinie tragt, und 
auf dem Instrument verscbiebbar ist, dem ,,Laufer", kann man die 
Skalen x und T oder t und X miteinander vergleichen. Wenn z. B. 
fur irgend eine Stellung des Instruments or, I und a/, T' zwei einander 
gegeniiberstehende Wertepaare sind, dann ist 

log x 2 log T log x 2 log T' oder ~ 2 ~TJ- 

Sind drei von den Gr&fien a;, 2 7 , a;', T' bekannt, so kann die vierte 
abgelesen werden. So findet man den Wert 



indem man 2 und re einander gegentiberstellt und den T' gegentiber- 
liegenden Wert abliest. 

Wir wollen jetzt den Teil des Instruments, der die Skalen t und 




7 



f f.Mfff 



^ ?L 



30 40 



V V 



tftfl f i 



X 



i I i * 




-A" 



Fig. 35. 



T tragt, umkehren, so daB die T-Skala an der a;-Skala, und die 
tf-Skala an der X-Skala entlang verschoben werden, aber in umge- 
kebrter Eichtung wie vorher (Pig. 35). 



40 Zweites Kapitel. Darstellung von Funktionen 

Dann k<5nnen die Skalen f, T dutch 

y 2 log* und y = 2 2 log T, 
ausgedriickt werden. 

Stellt man das Instrument beliebig ein und betrachtet die Skalen 
x und #, oder X und T mit Hilfe der Querlinie, so bat man 

log x + log t log / + log t' und log X + log T log X' + log T' 
oder xt**x't' und XT=*X'T', 

so daB je zwei einander gegeniiberliegende Werte dasselbe Produkt 
ergeben. 

Fur x und T haben wir 

log x + 2 log T log #' + 2 log T', oder xT* =* x T'*. 
Wenden wir dies an, um die Wurzel einer Gleichung von der Form 



zu finden. Man dividiere durch ii y so daB 

* + = 

und bringt T = 1 gegenuber X = b. Schiebt man dann den Laufer 
auf T = w, so Undet man auf derselben Querlinie t = u 2 und X = , 

so daB man die zwei Werte te 2 und einander gegenuber auf den 

Skalen t und X abliest. 1st positiv, so nimmt es ab, wahrend s 
zunimmt. Man durchl&uft nun mit dem Auge die Skala bis wo 
die Differenz z 2 a ist. Hat man die Stelle gefunden, so zeigt 

die T-Skala die Wurzel der Gleichung. Man nehme z. B. 

t> 

u* bu *** 3, oder 11? 5 =* 
' u 

f ? 45Q78920 W 




Ji'iVi'l' 
?/" / 

a r 



Pig. 30 



Man stellt T 1 gegenuber X = 3 und durchlauft mit dem Auge 
die Skalen X und tf (Fig, 36) bis zu dem Punkte wo t 5 X 
Er findet sich annaherungsweise bei t = 6 } 2, und nun liest man auf 



7. Das Prinzip des Rechenachiebers _41 

der T-Skala T = 2,50 als Naherungswert der Wurzel der Gleichung 
ab. Dies 1st die einzige positive Wurzel. Aber fur eine negative 
Wurzel ist - negativ und muBte daher der positive Wert von -- plus 

dem Werte von w f gleieh 5 sein. Wir sucben der Skala entlang und 
finden X = 1,63 gegeniiber #=3,37, T 1,84 annahernd ent- 
sprechend. Also ist 1,84 eiDe andere Wurzel. Da der Koeffizient 
von u* in der ersten Form der Gleichungen verschwindet, so folgt, 
daB die Summe der drei Wurzeln gleieh Null sein muB. Danach 
ware die dritte Wurzel negativ und angenShert gleieh 0,66. Um 
festzustellen, daB dies stimmt, schiebt man das Instrument urn, fafit 
den Wert T 10 am anderen Ende der Skala ins Auge und bringt 
diese Stelle in dieselbe Stellung, die vorher das Ende T = 1 ein- 
nahm. Durchlauft man nun die X- und f-Skalen mit dem Auge, so 
findet man t = 0,43 gegenttber X 4,57, so daB X + t 5,00. 
Auf der T- Skala lesen wir 0,655, womit sicb far die dritte Wurzel 
der Wert 0,655 ergibt. 

Ist b negativ, dann ist immer eine und nur eine negative Wurzel 
vorhanden. Denn, wenn u die Werte u = bis oo durchlauft, 

durcblauft w 2 - die Werte oo bis + oo ohne umzuwenden. Ist 

u 
t positiv, dann gibt es immer eine und nur eine positive Wurzel; 

denn dann lauft u* von oo zu + oo fur u * bis + oo. 

u 

Im ersten Ealle kann es zwei positive Wurzeln oder keine geben-, im 
zweiten zwei negative oder keine. Fur positive Werte von a existiert 
in beiden Fallen nur eine Wurzel. Dies erkennt man leicht an der 
ersten Form der Gleicbung ^3 i au -_ j 

denn, wenn a einen positiven Wert bat, so folgt, daB if + au fur 
u = oo bis + 00, ohne umzuwenden, von oo bis + oo lHuft, 
und daher jeden gegebenen Wert nur einmal annebmen kann. 

Um zu entscheiden, ob im Falle, wo a einen negativen Wert hat, 
drei Wurzeln oder nur eine existieren, scbreiben wir 

9 5 

_-_-,. 

Fiir negative Werte von b gilt es zu ermitteln, ob positive Wur- 
zeln existieren. Flir positive Werte von u hat die Funktion u % ~ 
em Minimum, wo der Differentialquotient verschwindet, d. h. fur 
2^-1-A^o oder 2w 2 = - 



7. Das Prinzip des Rechenschiebers 43 

Wir wollen ein solches Instrument zur Berechnung der Vermeh- 
rung eines auf Zinseszins zu zwei Prozent uud dariiber ausgeliehenen 
Kapitals angeben. Wenn x der ZinsfuB und t die Zahl der Jahre ist ; 
verraehrt sich das Kapital im Verhaltnis 



Man kann offenbar ein Instrument bauen, fur welches 



ioo/ - V ^ 100; 
Denn, wenn wir zunachst den Logarithmus und dann den Logarith- 
mus des Logarithmus nehmen, so bekommen wir 

log t + log log (l + ^~) log t' + log log (l + jgjj). 

Wir brauchen nun nur fur die #-Skala 

y + log log (l + jfo) lo lo I 1 + 5o) 

und fur die f-Skala y = logw log* 

anzunehmen. Fiir x = 2 haben wir y = und daher in der normalen 
Stellung des Instrumentes t = . Am anderen Ende haben wir < = 1 
und daher y = log w. Nehmen wir nun n = 100 an, so daB y = 2 
fur 1. Wenn die Lange des Instrumentes etwa 24 cm betragen 
soil, muB die Langeneinheit der y-Skala 12 cm sein. In der nor- 
malen Stellung geniigen die einander gegeniiberliegenden Ablesungen 
von #, t, der Gleichung 

vioo 



Gegeniiber t 1 lesen wir den Wert ar- = 624 uud dies ergibt 



Ein auf Zinseszins zu zwei Prozent angelegtes Kapital wachst in 
100 Jahren in dem Verhaltnis 7,24 : 1. Oder man kann auch sagen: 
die gegeniiber t 1 abgelesene Zahl x = 624 ist der Zuwachs eines 
Kapitals von 100 durch Zinseszins zu zwei Prozent in 100 Jahren. 
Dieselbe Einstellung des Instrumentes gibt die Zahl der Jahre an, in 
der das Kapital zu einem hCiheren ZinstuB um den gleichen Betrag 
wachst. Denn alle einander gegeniiberliegenden Werte #, t gentigen 
der Gleichung 



44 Zweites Kapitel. Darstellung von Funktionen 



Fur irgendeinen anderen gegebenen ZinsfuB x von mehr als zwei 
Prozent und eine beliebige andere gegebene Anzahl von Jahren t 
findet man den Zuwachs des Kapitals, indem man x und t einander 
gegenuber einstellt und die #- Skala gegeniiber t = 1 abliest. Die 
einzige Einschriinkung ist die, daB der Zuwachs nicht groBer sein 
darf als 624, denn dann wiirde rf~ 1 iiber das Ende der #- Skala 
hinausriicken. 

Das Instrument setzt uns also auch in den Stand fur einen ge- 
gebenen Kapitalzuwachs die Zahl der Jahre zu finden, wenn der Zins- 
fuB gegeben ist, oder den ZinsfuB, wenn die Zahl der Jahre bekannt 
ist, mit der einzigen oben erwahnten EinschrUnkung. 

Wir kSnnen unser Instrument darauf einrichten, noch groBere 
Kapitalsvermehrungen einzubeziehen, indem wir fur n einen hoheren 
Wert wahlen. n = 1000 z. B. wird fur t 1 y 3 geben. Soil 
das Instrument keine grSBeren Abmessungen erhalten, so mtissen die 
Skalen im Verhaltnis 2 : 3 verkleinert werden. 

Betrachten wir ein anderes Beispiel 



Bei normaler Stellung des Instruments entspricht der mit x oo 
bezeichnete Teilstrich der Skala dem Werte y und steht t = n 
gegenuber. Wenn wir am anderen Ende = oo haben, entsprieht die 

Lange des Instruments y = . Wahlen wir fur n den Wert 0,1, so 

daB die Lange des Instruments y = 10 ist; das will sagen, die LSn- 
geneinheit der y- Skala betragt ein Zehntel der Lange des Instru- 
ments. Fftr eine beliebige Einstellung haben wir 

^ + J = * r + T' 
Wenn der Teilstrich x = oo gegeniiber t' c ist, so erhalten wir 



Das Instrument setzt uns also in den Stand irgend eine der drei 
Grofien #, , c abzulesen, wenn die beiden anderen gegeben sind, wo- 
bei die einzige Einsehrankung ist, daB alle drei zwischen 0,1 und oo 
liegen miissen. Das Instrument kann dazu benutzt werden, den Ge- 
samtwiderstand zweier parallel geschalteter elektrischer WiderstSnde 



7. Das Priuzip des Kechenschiebers 45 

zu bestimmen; denn wenn jener mit J?, diese mit E^ R% bezeichnet 
werden, so genugen sie der Gleichung 



Ebenso kann es dienen, um die Eutfernung eines Gegenstandes 
und seines Bildes von den Hauptebenen eines beliebigen gegebenen 
Systems von Linsen zu berechnen. Denn, wenn 
f die Brennweite und x und t die Entfernungen 

des Gegenstandes und seines Bil- ^ _ 

des von den entsprechenden Haupt- 
ebenen sind (Fig. 37), so ist die 
Gleichung 

1 4- I I ***""' 

x + I" f 

Auf der Buckseite des Schiebers eines gewohnlicben Bechenschiebers 
ist meistens eine Skala ^ _ 2 + log sin * 

angebracht. Wenn man den Schieber umkehrt, so daB diese Skala 
der Skala y => log x verschieblich gegenilberliegt, so bekommt man 
fur eine beliebige Einstellung 



log x log sin t log x log sin t', oder 



fur jede zwei Wertepaare #, ; #', t\ die einander gegeniiberliegen. 
Sind zwei Seiten eines Dreiecks und der der grOBeren gegeniiber 
liegende Winkel gegeben, so liefert uns eine Einstellung des Instru- 
ments den der kleineren gegentiberiiegenden Winkel, ebenso, wenn 
zwei Winkel und eine der gegeniiberliegenden Seiten gegeben sind, 
die Lllnge der anderen Seite. 

Wenn x = a der Wert gegeniiber t' = 90 ist, haben wir 

x =* a sin t. 

So konnen wir die Lage einer beliebigen harmoniscben Bewegung 
fur jeden Phasenwert ablesen. 

Ein Instrument, das die Skalen 

y == log sin x und y log sin t 

tragt, setzt uns in den Stand jeden der vier Winkel re, , x\ t' fur welche 

sin x _ sin as' 
Bint Bint' 

zu finden, wenn die drei anderen gegeben sind. Wir kftnnen also, 



46 Zweites Kapitel. Darstellung von Funktionen 

wenn wir die Deklination, den Stundenwinkel und die Hohe eines 
Himmelsko'rpers kennen, auf dem Instrument das Azimut ablesen. 
Wir brauchen nur x 90 Hohe, t = Stundenwinkel, x = 90 

Deklination zu setzen, dann ist t' Azimut oder 180 Azimut. 

Es ist dabei nicht nfltig die Gradzahlen 90 Hohe und 90 

Deklination auszurechnen. Die Differenz kann auf der Skala ab- 
gezahlt werden, indem man sich an Stelle von 90 , an der Stelle 
von 80, 10 usw. geschrieben denkt, und die Teilstriche der Skala 
ruckwarts statt vorwarts zahlt. 

8. Rechtwinklige Koordinaten mit nngleicliinafiigen Skalen. 

Die zwei Arten, die Beziehung zwischen zwei Veriinderlichen aus- 
zudrdcken, durch eine Kurve und durch Skalen, ftihren auf eine Kom- 
bination beider Methoden. 

Angenommen, die rechtwinkligen Koordinaten von x und y seien 
Funktionen von u und v, der Art, daB 

x = g?(w) und y = ty(v) . 

Die Funktion # = tp(ii) wird durch eine gleichmaBige Skala fur x 
auf der Abszissenachse dargestellt, die auf der anderen Seite eine un- 
__ gleichmaBige Skala far u trUgt; die Funktion 
y i/; (v) durch erne gleichmaBige Skala fiir y 
_ auf der Ordinatenachse, die auf der anderen Seite 
_mit einer ungleichmaBigen Skala fur v versehen 

wird. Durch die Teilstriche der w-Skala zieht man 

senkrechte und durch die Teilstriche der #-Skala 
wagerechte Linien. Diese beiden Systeme von Pa- 
rallelen bilden ein Netzwerk von Rechtecken ver- 

Fig. 38. schiedener Gro'Be (Fig. 38), und eine beliebige 

Gleichung zwischen u und v kann durch eine Kurve in dieser Ebene 
ausgedruckt werden. 

Die ZweckmaBigkeit dieser Method e wird man an ein paar Bei- 
spielen erkennen ko'nnen. Sie ermoglicht es uns, die Form einer 
Kurve durch eine geschickte Wahl der Funktionen 9?(w) und ty(y] 
zu vereinfachen. Man kann z. B. leicht sehen, daB eine Kurve, die 
eine Gieichung f(u^v) = ausdriickt, immer durch eine Gerade ersetzt 
werden kann, wenn man die u- Skala richtig bestimmt. Denn, wenn 
die Punkte der Kurve, denen u 1, 2, 3, 4, . . . entspricht, nicht auf 
einer Geraden liegen, so riickt man sie auf eine Gerade, ohne ihre 
Ordinaten zu andern (Fig. 39). Dies erfordert eine Anderung der u- 
Skala, aber es andert nichts an der Gleichung /*(w, v) = 0, die nun 
durch die Gerade ausgedruckt wird. 



8. Rechtwinklige Koordinaten mit ungleichmafiigen Skalen 47 



Angenommen wir wollten die Beziehung 

u* v s __ 

wo a und 1) gegebene Zahlen sind, darstellen. 
Wenn u und v gewohnliche rechtwinklige 
Koordinaten w Siren, wurde die Kurve eine 
Ellipse sein. Machen wir aber 

x *= u 2 und y v 2 , 
so wird die Gleichung der Linie in rechtwinkligen Koordinaten 




3 4 

Fig. 39. 



und die Kurve wird somit in eine Gerade verwandelt, die einen Punkt 
auf der positiven x- Achse mit einem Punkt auf der positiven #- Achse 
verbindet. Der Punkt auf der x- Achse entspricht dem Werte **=* Hh a/ 
auf der w-Skala und der Punkt auf der #-Skala entspricht dem Werte 
v I auf der v-Skala (Fig. 40). 

Jeder Punkt auf der Geraden entspricht den vier Kombinationen 
+ /, + v ; , + v ; + w, V] w, v, weil ic die gleichen Werte 
fiir entgegengesetzte Werte von u und y fur entgegengesetzte Werte 
von v hat. Man kann v als eine Funktion von , oder u als eine 
Funktion von v ablesen. 

Wenn eine zweite Gleichung -5- + rj- = 1 

a i ^i 

gegeben ist, so finden wir die beiden Gleichungen gemeinsamen L8- 
sungen durch den Schnittpunkt der beiden Geraden. Fig. 40 zeigt 
die LQsungen der zwei Gleichungen 



2* "^ 3* 



und 



5 8 



als naherungsweise gleich v =* 1,2, und v 2,4. 

Ebenso l^Bt sich eine andeie iu der mathematischen 
Physik hSufig vorkommende Funktion 



2.5 

2 




a 6' m 



durch denselben Kunstgriff vennittelst einer Ge- 
raden darstellen. 
Macht man 



25 3 ifl 

Fig. 40. 



4 



log ^, 



48 



Zweitea Kapitel. Darstellung von Funktionen 



so erh'alt man y = log a ^ log e, 

wo log a und log e die Logarithmen von a und e zu irgend einer 
Basis sind. Die w-Skala wird auf der #-Achse und die v-Skala auf 
der ^-Achse abgetragen und die Punkte u = 0, v = a 

und u = w, ; = sollen verbunden werden. Der Punkt 
t? := wird gefunden,indem man die Entfernung v 1 

bis v = e von a abwiirts abtrilgt (Fig. 41). Es ist nicht 
notwendig, daB x und y in gleichen Liingeneinheiten 

gemessen werden. 

Gesetzt nun, es sollen 
die Konstanten a und m aus 
zwei Gleichungen 




gefunden werden. Unser Diagram m wurde zwei Punkte 
liefern, die 1? ^ und 21 t? 2 entsprechen. Die Verbin- 
dungslinie dieser beiden Punkte scbneidet die Ordi- 
natenachse in v a und die Parallele zur Abszissenachse durch 



v = m w = m. 
e 



In der angewandten Mathematik kommt das Problem in derBegel 
in der Form vor, daB mehr als zwei Wertepaare w, v gegeben, aber 
alle mit Beobachtungsfeblern behaftet sind. Das richtige Verfabren 
ist dann, die entsprecbenden Punkte aufzutragen utid eine gerade 
Linie hindurebzxilegen, die sicb so gut wie mflglich den Punkten an- 
paBt. Man kann sich mit Vorteil eines schwarzen Eadens bedienen, 
den man fiber ^ie Zeicbnung spannt, um so durch Ausprobieren die 
Gerade zu nnden, die am nacbsten an alle aufgetragenen Punkte 
berankommt (Fig. 42). 

Ein anderer Fall ist der, daB die Veranderlichen w und v mit den 
recbtwinkligen Koordinaten x und y durch die Funktionen 
x = log w und y = log v 



10 
8 
6 



8. Rechtwinklige Koordinaten mit ungleichmilfiigen Skalen 49 

verkntipft sind. Sogenanntes ,,logarithmisches Papier" mit par- 
alleler Liniierung fur aquidistante Werte von u und dazu 
rechtwinkliger Liniierung fur aquidistante Werte von v ist im 

Handel erhaltlich (Fig. 43). 

Durch diese Votrichtung lassen sich Dia- 

gramme zeichnen, die die Beziehung 




u r v* c, 

wo r, 5, c Konstanten sind, durch gerade 
Linien wiedergeben. Denn, wenn man 
den Logaritbmus nimmt, erhalt man 

rx + sy = log c. 

Die Gerade verbindet den Punkt u c r auf der u-Skala mit dem 
i 

Punkte v =* c 9 auf der v-Skala. 

Logarithmisches Papier kann ferner in alien den Fallen mit Vor- 
teil benutzt werden, wo eine Keihe von Beziehungen zwischen den 
Veranderlichen u und v betrachtet werden, die sich nur dadurch 
unterscheiden, dafi u und v in einem konstanten Verhaltnis verau- 
dert werden. Wenn u und v als rechtwinklige Koordinaten aufge- 
tragen wurden, kSnnten die ihre verscbiedenen Beziehungen zuein- 
ander darstellenden Kurven alle aus einer derselben erzeugt werden, 
indem man den Mafistab der Abszissen und unabbiingig davon den 
MaBstab der Ordinaten verSnderte, so dafi alle diese Kurven ein sehr 
verschiedenartiges Aussehen erhalten wurden. Schreiben wir als Glei- 
chung einer Kurve w^ , y ) ^ Q , 

dann konnen die Gleichungen aller iibrigen in der Form 

0, 

wo a, & positive Konstanten sind, geschrie- I 
ben werden. Die Punkte w, v auf der ersten I 
Kurve ftthren zu den Punkten auf einer der " 
anderen Kurven, indem man u amal so grofi ~ 
und v &mal so grofi nimmt. Denn, wenn 
w i r u f = an und v = bv scbreiben, so ftihrt " 
die Gleichung /"(w, v) zu der Gleichung 
zwischen u und v' 



f \a ' 



10 



68 



10 



50 Zweites KapiteL Darstellung von Funktionen __ 

Durch die Anwendung logarithmischen Papiers wird das Dia- 
gramm aller dieser Kurven sehr vereinfacht. Die Gleichung /*(*, v) 
ist einer gewissen Gleichung 'q>(x, y] Equivalent, wo 
x log t*, y = log v. Nun seien x, y die rechtwinkligen Koordi- 
naten, die u\ v entsprechen, sodaB 

x' _ log u = log w + log a a? + log a, 
/ log v * log + log & = y + log 6 . 

Zu dem Punkte #', #' gelangt man vom Punkte #, ?/ aus, indem man 
in der Eichtung der a;-Achse eine bestimmte Strecke log a und in 
der Eichtung der ^-Achse eine bestimmte Strecke log b abtragt. Auf 
logaritlimischem Papier gezeichnet ist daher die ganze Kurve 

f(, ) - 

kongruent mit alien Kurven f(- , -r j = . 

Man kaxm sie mit jeder von diesen Kurven zusammenfallen las- 
sen, indem man sie parallel zu sich selbst verschiebt. 

9. Punktionen von zwei unabhangigen VeranderlidLen. 

Wenn eine Funktion einer Veranderlichen y = f(x) durch eine 
Kurve dargestellt wird, werden die Werte von x auf der #-Aclise 
abgetragen und die Werte von y durch auf der #-Achse senkrechte 
Linien ausgedriickt. In ahnlicher Weise kann eine Punktion von 
zwei unabh&ngigen VerSnderlichen 



dargestellt werden, indem x und y als rechtwinklige Koordinaten 
aufgetragen und senkrechte Linien, deren Langen is proportional ge~ 
macht werden, auf der ##-Ebene in alien den Punkten errichtei 
werden, wo f(x, y) definiert ist. Auf diese Weise entspricht die Funk- 
tion einer Plache im Eaume. Nun hat es praktische Schwierigkeiten, 
Flachen im Eaume herzustellen und es erscheint deshalb wunscbens- 
wert, andere Mittel anzuwenden, die es ermoglichen, Funktionen 
zweier unabhangiger VerJinderlicher auf einer Ebene darzustellen. 
Dies kann auf folgende Weise geschehen. 

Nimmt man a?, y als rechtwinklige Koordinaten, so bilden alle 
Punkte, ftir welche f(x\ y] denselben Wert hat, eine Kurve in der 
xy- Ebene. Denken wir uns eine Anzahl dieser Kurven gezogen und 
mit den Werten von f(x, y) bezeichnet. Wenn die verschiedeneu 



9. Funktionen von zwei unabhangigen Ver'anderlichen 51 

Werte von /*(#, y) dicht genug gewfthlt sind, sodaB die Kurven in 
dem von unserer Zeichnung umfaBten Teil der ##-Ebene hinreichend 
dicht liegen, sind wir nicht nur imstande, den Wert von f(x,y) an 
irgend einem der Punkte auf eincr der gezeichneten Kurven anzu- 
geben, sondern wir k5nnen auch mit ziemlicber Genauigkeit den 
Wert von f(x, y) an einem zwischen zwei von den Kurven gelegenen 
Punkte interpolieren. In der Regel wird es sicb empfehlen, aqui- 
distante Werte von f(x, y) zu wahlen, urn die Interpolation der da- 
zwischen liegenden Werte zu erleichtern. Die Kurven konnen als die 
senkrechte Projektion gewisser Kurven auf der Flache im Raum, der 
Schnittlinien der Flache mit aquidistanten zur #^-Ebene parallelen 
Ebenen, betrachtet werden. 

Diese Metbode ist die Verallgemeinerung der Skalendarstellung 
einer Funktion einer Veranderlichen. Denn die Darstellung einer 
Beziehung zwiscben t und x durcb eine Kurve, dei*en Ordinate x und 
deren Abszisse t ist, wird dadureh in die Darstellung durcb eiue 
Skala iibergefiibrt, daB gewisse Punkte der Kurve, namlicb ihre 
Scbnittpunkte mit aquidistanten Parallelen zur #-Achse, auf die x- 
Acbse projiziert und mit den "Werten von t bezeicbnet wei'den. Die 
Kurven bei der Darstellung einer Funktion von zwei unabhangigen 
Veranderlichen sind den Skalenteilen bei der Darstellung einer Funk- 
tion von einer Veranderlichen analog. 

Diese Methode, eine Funktion zweier unabh'dngiger Veriinderlicher 
oder, wie man auch sagen kann, eine Flache im Raum, cturch eine 
Zeichnung in der Ebene darzustellen, wird z. B. von Schiffbauern 
verwendet, um die Gestalt von SchiiBfen, und von Feldmessern, um 
die Gestalt der Erdoberflache wiederzugeben. Wir wollen die Methode 
zur Losung eines rein mathematischen Problems anwenden. 

DieGleichung 



definiert z als eine Funktion von p und #. Stellen wir diese Funk- 
tion dar, indem wir p und q als rechtwinklige Koordinaten nehmen 
und die Linien fiir Hquidistante Werte von z xiehen. 

Fur jeden konstanten Wert von z haben wir eine lineare Glei- 
chung zwischen den Veranderlichen p und #; diese ist also durch 
eine Gerade darstellbar. Diese Linie schneidet die Parallelen p 1 
und p = 1 in den Punkten q == z* # und q = # 8 + z. Be- 
rechnen wir diese Werte fiir z Q; 0,1; 0,2 - 1,3 und 
zeichnen die diesen Werten entsprechenden Linien, soweit sie in 
einem die Werte p 1 bis + 1 nnd q = - 1 bis + 1 umfassen- 
den Quadrat liegen. Fig. 44 zeigt das Ergebnis. Auf diesem Dia- 



52 



Zweites Kapitel. Darstellung von Funktionen 



-0,7 



gramm kSnnen wir sofort die Wurzeln irgend einer Gleichung dritten 

Grades von der Form . . 

F + ps + q=*Q 

ablesen, wenn p und q innerhalb der Grenzen 1 und + 1 liegen. 
Fttr p 0,4 und q = 0,2 z. B. lesen wir z = 0,37 ab, indem wir 
den Wert von ss nach der Lage des Punktes zwischen den Geraden 
# = 0,3 und & = 0,4 interpolieren. 

Wir erkennen auch, dafi nur eine reelle Wurzel existiert, denn 
nur eine Gerade geht durch den Punkt hindurch. Auf der linken 
Seite des Quadrats 
ist ein dreieckig 
gestalteter Be- 
reich, wo die Ge- 
raden einander 
schneiden. Jedem 
in dies em Bereich 
gelegenen Punkt 
entspricht eine 
Gleichung mitdrei 
reellen Wurzeln, 
z.B.fiir den Punkt 
p o_ 0,8 und 
q + 0,2 lesen 
wir g 1,00; 
+ 0,28; + 0,72. 
Auf der oberen 
und unteren Gren- 
ze dieses Bereiches 
fallen jedes Mai 
zwei Wurzeln zu- 

sammen. 

Pig. -14. 

Auch fur Werte von p nnd q auBerhalb der Grenzen 1 und + 1 
kann das Diagramm benutzt werden. Wir brauchen nur gf ~ an 
Stelle von einzufiihren, und <m hinreichend groB zu wShlen, Statt 

z +jp^ + 2 = erhalten wir w s #' 8 + pm& + q = 
oder, wenn wir durch wi s dividieren, 

z* + rnr ^.+ ^a- = oder 




WO 



p r ^ ^L 



9. Punktionen von zwei unabhangigen Veraiiderlichen 53 

Dadurch, dafi man far m einen hinreichend hohen Wert wahlt, 
kann man p und q zwischen die Grenzen 1 bis + 1 riicken, sodaB 
die Wurzeln 8 auf dem Diagramm abgelesen werden konnen. Diese 
geben mit m multipliziert die Wurzeln # der gegebenen Gleichung. 

Eine Funktion -von zwei unabhangigen Veranderlichen braucht 
nicht explizite ausgedriickt, sondern kann in der Form einer Glei- 
chung zwischen drei Veranderlichen 

g(u, v, ) 

gegeben sein, von denen je zwei als unabh&ngig und die dritte als 
Funktion dier beiden anderen angesehen werden k6nnen. 

Die grapbische Darstellung kann manchmal durch eine Modifika- 
tion der oben beschriebenen Methode erleichtert werden. Die Kurven 
fiir konstante Werte einer der drei Variabeln, sagen wir w, werden 
nicht mit u und v als rechtwinklicben Koordinaten aufgetragen, 
sondern erst nach Einfuhrung neuer Veranderlicher #, einer Funk- 
tion von HJ und y, einer Funktion von v, die man zu rechtwinkligen 
Koordinaten macht. In manchen Fallen kann es z. B. gelingen, durch 
richtige Wahl der Funktionen x <p(u} und y = ty(v) fiir die Kur- 
ven ^v * const, gerade Linien zu bekommen. Dies wird ofFenbar der 
Fall sein, wenn die Gleichung #(, v, w) == in die Form gebracht 
werden kann 

fl(w)y( u ) + 6(w)tp() + c(w) = 0, 

wo a, &, c beliebige Funktionen von w, <p eine beliebige Funktion 
von u und ty eine beliebige Funktion von v sind. Denn durch Ein- 
fuhrungvon -,,(), ,-,(), 

wird die Gleichung ax + by + c == , 

wo a, &, c fur einen beliebigen konstanten Wert von w Konstan- 
ten sind. 

Als Beispiel wollen wir die Beziehung zwischen der wahren 
Sonnenzeit, der Hohe der Sonne fiber dem Horizont und der Dekli- 
nation der Sonne ffir einen Ort, dessen Breite gegeben ist, betrach- 
ten. An Stelle der Deklination der Sonne kSnnten wir auch die 
Jahreszeit setzen, da die Jahreszeit die Deklination der Sonne be- 
stimmt. Unsere Aufgabe ist es also, fiir einen Ort, dessen Breite 
gegeben ist, ein Diagramm zu zeichnen, auf dem fiir einen beliebigen 
Zeitpunkt und beliebige Sonnenho'he die wahre Sonnenzeit abgelesen 
werden kann. 




54 Zw cites Kapitel. Darstellung von Funktionen 

In dem von dem Zenit Z, dem Nordpol JP (wenn der gegebene 
Ort auf der nordlichen Halbkugel angenommen wird) und der Sonne 
S gebildeten spharischen Dreieck (Fig. 45) sind die Seiten die Kom- 
plemente der Deklination <J, der Hohe li 
und der Breite cp. Der Winkel t am Pol 
ist der Stundenwinkel der Sonne, welcber 
in Zeit ausgedriickt, die wabro Sonnen- 
, zeit gibt. 

Die Gleicbung zwischen diesen vier 
GroBen kann nach der bekannten For- 
mel der spharischen Trigonometrie in 
der Form 
sin h sin cp sin 6 + cos cp cos 6 cos t 

geschrieben werden. Die Breite cp soil konstant gehalten werden, so 
daB nur , A, d veranderlich sind. 

Schreiben wir nun x ^ CQg ^ ssgt g - n y ? 

sodaB die Gleichung die Form 

y = sin cp sin d -f- x cos cp cos 6 annimmt. 

Wenn x und y als rechtwinklige Koordinaten aufgetragen werden, 
bekommen wir ftir jeden Wert von $ eine Gerade. Wir denken uns 
horizontale Gerade gezogen fur aquidistante Werte von li bis 
7^ 90 und vertikale fiir aquidistante Werte von t = 180 bis 
t = + 180 oder, in Zeit ausgedriickt, von Mitternacht zu Mittor- 
nacht (Fig. 46). Um die Geraden 6 = const, zu ziehen, berechnen 
wir die Punkte, wo sie die Senkrechten schneiden, welche x = 1 
und x + 1? oder, in Zeit ausgedriickt, Mitternacht und Mittag 
entsprechen. Ftir x 1 haben wir y cos (cp + f) und fiir 
x SB + 1 y = cos (cp <J). Bringen wir auf der Senkrechten x = 1 
eine Skala mit den Teilpunkten y cos (95 + <5) fur iiquidistante 
Werte von (9 + S) an, und auf der Senkrechten x = + 1 eine Skala 
mit den Teilpunkten y cos (9? <J) fur Hquidistante Werte von 
cp g t pie Skala ist dieselbe wie die Skala fiir 7^, mit dem einsdgen 
Unterschiede, daB die Werte von (cp 6) die Komplemente von h 
und die Werte von cp + d die Komplemente von 7? sind. Fur eine 
Breite von 41 z. B. haben wir 

fur d g> + # <P * 

Juni 21 23,5 64,5 17,5 

September 23 und Marz 21 . 41 41 

Dezember 21 - 23,5 17,5 64,5. 



9. Funktionen von zwei unabh'angigen Veranderlicben 55 







Fig. 46. 

Die Werte von <p -r 8 und qp 6 liefern die Schnittpunkte mit den 
Senkrechten x 1 und x = + 1> sodaB die Geraden diesen Tagen 
im Janre entsprechend gezogen werden kSnnen. Die beiden auBeren 
Linien sind parallel, aber die mittlere 1st steiler. Ihre Schnittpunkte 
mit der Horizontalen h = geben die Zeit des Sonnenauf- und 
unterganges, 1 ) 

Genau genommen entsprechen die Geraden nieht bestimmten Tagen, 
Die durch einen beliebigen Wert von d bestimmte Gerade ftndert 

1) Das heiBt den Moment, wo der Mittelpunkt der Sonnenscheibe 
auf dem Horizont gesehen werden wiirde, wenn es keine atmospharieche 
Brechung gabe. Um die Brechung zu berticksichtigen , miifite man an 
Stelle der Linie h = die Linie h == 0,6 in Betracht ziehen. 



56 



Zweites Kapitel. Darstellung von Funktionen 



im Laufe des Tages ihre Lage fortwahrend, da sich 6 fortwahrend 
verandert. Aber die Anderung von S wahrend eines Tages ist kaum 
wahrnehmbar, wenn die Zeichnung nicht in sehr groBem MaBstab 
ausgeftihrt ist. 

Wenn in der Gleichung a x + by + c =* Q 

a und 1) von w unabhangig sind und nur c eine Funktion von w ist, 
sind alle Geraden w = const, parallel. In diesem Falle ist es nicht 
notig, die Geraden w = const, zu ziehen; es geniigt vielrnebr eine zu 

den Linien w = const, 
rechtwinklige Linie zu 
ziehen und mit einer 
Skala zu versehen, auf 
der die Punkte, welche 
aquidistanten Werten 
von w = const, ent- 

sprechen, bezeichnet 
sind. Auf die Zeichnung 
legt man ein Blatt a us 
durchsichtigem Papier 
oder Zelluloid, auf wel- 
ch em drei gerade Linien 
gezeichnet sind, die von 
einem Punkte ausgehen 
und zu den Eichtungen 




3 /4 5 

rechtwinklig laufen 
(Fig. 47). Wenn man 
das durchsichtige Blatt, ohne es zu drehen, so schiebt, daB die 
ersten zwei Geraden die - und v- Skala an gegebenen Punkten 
schneiden, wird die w- Skala von der dritten Geraden in dem dem 
Wert von w entsprechenden Punkte geschnitten. werden. Diese Me- 
thode hat den Vorteil, daB man dasselbe Papier fur eine Menge 
Gleichungen zwischen drei Veranderlichen bemitzen kann, da man 
eine groBe Zahl von Skalen nebeneinander legen kann. Bei einer 
einzigen Gleichung kann man auch den Bereich der Werte w, v, w 
in eine Reihe kleiner Bereiche teilen und fur jeden drei Skalen zeich- 
nen, indem man alle it- Skalen oder v~ Skalen oder w- Skalen neben- 
einander legt. Die Zeichnung wird dann dieselbe Genauigkeit haben 
wie eine sehr viel groBere, auf der fur jede der drei Yer&nderlichen 
nur eine Skala ist. 



10. Abbildung einer Ebene auf eine andere Ebene 57 

10. Abbildung einer Ebene anf eine andere Ebene. 

Betrachton wir nun zwei GroBen x und y jede als Funktion zweier 
anderer GroBen it und v 

x 9 (M, v) y = if; (w, v). 

Um dieser Beziehung zwischen zwei Gro'Benpaaren eine geome- 
trische Bedeivtung zu geben, betrachten wir x und y als die recht- 
winkligen Koordinaten eines Punktes auf einer Ebene und w, v als 
die rechtwinkligen Koordinaten eines Punktes auf einer anderen Ebene. 
Dann entsprechen die beiden Punkte einander in gewisser Weise. Wenn 
die Funktionen <p (w, v) und if; (<w, v) f iir die Werte w, v eines ge- 
wissen Bereiches definiert sind, werden sie fur jeden Punkt 'w, v 
dieses Bereiches einen Punkt in der rcy-Ebene ergeben. Nennen wir 
dies eine Abbildung der t^-Ebene auf die ##-Ebene. Ebenso laBt 
sich eine Funktion einer Veranderlichen x - qp (w) als die Abbildung 
der M-Linie auf die aj-Linie auffassen. Man kann daher sagen, daB 
die Abbildung einer Ebene auf eine andere Ebene in gewissem Sinne 
die Verallgemeinerung der Idee einer Funktion einer Veranderlichen 
darstelli Nehmen wir an, daB 9 (w, v) und if; (^, v) beide nur je einen 
Wert fiir gegebene Werte von u und y, fiir welche sie definiert sind, 
haben. Dann wird auf der ##-Ebene immer nur ein Punkt einem ge- 
gebenen Punkte in der wtf-Ebene entsprechen. Aber einem gegebenen 
Punkte in der x y-Ebene konnen sehr wohl mehrere Punkte der u v- 
Ebene entsprechen. 

Versuchen wir dies durch eine graphische Darstellung der Abbil- 
dung von Ebenen auf einander klar zu machen. Man zieht zu diesera 
Zwecke die Kurven x = const, und y const, auf der wv-Ebene fur 
aquidistante Werte von x und y. Diesen entsprechen auf der ay-Ebene 
iiquidistante Parallelen zu der aj-Achse und zu der y-Achse (siehe 
Fig. 48). Der Selmittpunkt zweier Geraden x a und y b ent- 
spricht den Schnittpunkten der Kurven 

a und if>w,e> b 



auf der w,? -Ebene. Wenn sich diese in dem betrachteten Bereich der 
u,v -Ebene nur einmal schneiden, dann entsprechen einander nur je 
ein Punkt in dem betrachteten Bereich der u,v -Ebene und ein Punkt 
der xy -Ebene. Es kann aber auch vorkommen, daB zwei solche Kurven 
sich mehrmals schneiden. Wir wollen die Bedingungen dafur unter- 
suchen, daB dies nicht der Fall ist. 



58 



Zweites Kapitel. Darstellung von Funktionen 



Betrachten wir die Kurven x const, auf der wr-Ebene als die 
senkrechten Projektionen der Kurven gleicher Hohe auf einer iiber 
dem Teil der w?-Ebene sich ausdehnenden Fliiehe. Von einem belie- 



0,7 



0,4 



0,1 



0,3 



Fig. 48. 



N 




bigen Punkte P dieser Flache, welcher den Werten w, v entspricht, 
rucken wir nun auf der Flache um einen unendlich kleinen Betrag 
weiter, indem wir u in u + du, v in v -f dv und x in x + dx ver- 
Sndern, wo dann ^ ^ 

x ^ Ju " ~dv 
Schreiben wir du - cos a ds, dv = sin a ds , 

wo ds die Lange der unendlich kleinen Strecke von u, v bis u + dw, 
v -{- dv in der z^y-Ebene und a den von ihrer Richtung mit der po- 
sitiven u - Achse gebildeten Winkel bedeuten. Sei PN eine Gerade, 

deren Projektionen auf den u- und r-Achsen gleich ~r~ und sind, 

v U C'D 

und schreiben wir $<p , ^qp . , 

75 = >* COS A, 7-r- ** Sin A, 

wo r die Lange der Strecke PN positiv genouiraen und A der von 
ihrer Richtung mit der positiven it- Achse gebildete Winkel sind. Dann 
haben wir o o 



cos * ~ 



oder 



dx , 

^-r cos (a - I). 



dx 

jj mifit die Steilheit des Anstiegs. Es ist positiv, wenn die Richtung 

nach oben, und negativ wenn sie nach unten lauft, und sein Wert 



10. Abbildung einer Ebene auf eine andere Ebene 59 

1st gleich der Tangente des Steigungswinkels. Aus der Gleichung 
dx 
ds 



dx f 

r CC) s ( a - 



dx 
erkennt man, daB die Steigung fur a A, wo -, r, am steilsten 

W$ 

1st. Die Gerade P.W auf der w-v-Ebene gibt die senkrechte Projektion 
der Richtung des steilsten Anstiegs auf der Flache x ~ cp (w, v) an 
und die Lange von PN, in derselben Langeneinheit wie u und v ge- 
messen, ist gleich der Tangente des Steigungswinkels. Man nennt die 
Strecke PN den Gradienten der Funktion <p (w, v) im Punkte u, t?. 
Die Richtung des Gradienten ist rechtwinklig zu der Eurve 9 (w, #) 
const., welche durch den Punkt , v hindurchgeht; denn in der 
Richtung der Kurve haben wir 

~ und daher a I = 90. 

Ist PN* der Gradient der Funktion ty (w, v) im Punkte w, v, so mufi 
der Winkel zwischen PJ!^ und PJV entweder gleich dem von den Kur- 
ven x = const, und y = const., die sich in den Punkte w, v schneiden, 
gebildeten Winkel, oder gleich seiuem Erganzungswinkel sein, jenach- 
dem man den einen oder den anderen Schnittwinkel betrachtet. 

Nehmen wir an, daB die Gradienten PN und PN f in keinem 
Punkte des betrachteten Bereichs der wy-Ebene verschwinden, und 
daB ihre LUnge und ihre Richtung stetige Funktion en von u und v 
seien; nehmen wir ferner an, daB der Gradient PN* (Komponenten 

Hu ' ~3J ^ r ^ en ^ anzen Bereich links von dem Gradienten PJV(Kom- 

r. n . 

ponenten ^ , ^~J oder fUr den ganzen Bereich rechts von dem Gra- 
dienten PN liegt, dann folgt, daB jede der Kurven x const, jede 
der Kurven y = const, in dem betrachteten Bereich nur einmal schnei- 
den kann. 

Dies laBt sich durch Betrachtung der Richtung der Kurven x 
= const, und y = const, in der wfl-Ebene beweisen. Betrachten wir 
auf der Kurve y == const, die Richtung, in welcher x zunimmt. Wenn 
diese Richtung von PN abweicht, muB die Abweichung weniger als 

90 betragen, weil ~ und daher cos ( fy positiv ist. Betrachten 

wir ferner auf der Kurve x ~ const, die Richtung, in welcher y zu- 
nimmt. Wenn sie von PN' abweicht, muB die Abweichung weniger 
als 90 betragen. Wir wollen diese Richtungen die ic-Richtung (auf 
der Kurve y ** const.) und die 2/-Richtung (auf der Kurve x const.) 



60 Zweites Kapitel. Darstellung von Funktionen 

benennen. Wenn nun der Gradient PN* links vom Gradienten PNliegt, 
mufi die ^-Bichtung auch links von PN liegen, (denn, lage sie rechts 
von PN, so wiirde sie, da sie zu PN rechtwinklig 1st, mit PN' einen 
stumpfen Winkel bilden) und dalier mu6 sie links von der #-Richtung 
liegen, (denn, wenn sie rechts ISge, wiirde PN\ welches zur #-Rich- 
tung rechtwinklig 1st, mit der #- Bichtung einen stumpfen Winkel 
bilden, was, wie wir gesehen haben, nicht moglich ist). Ebenso ist 
leicht einzusehen, daB, wenn PN' rechts von PN liegt, die y-Bich- 
tung auch rechts von der #-Bichtung liegen muB. Wenn also PN' in 
dem ganzen betrachteten Bereich auf einer und derselben Seite von 
PN liegt, wird ebenso die #- Bichtung in dem ganzen betrachteten Be- 
reich auf ein und derselben Seite der ic-Bichtung liegen. Dadurch ist die 
M6glichkeit ausgeschlossen, daB zwei Kurven x const, und y =* const, 
sich in mehr als einem Punkte schneiden k5nnen. Denn, wenn wir 
der Kurve y - const, in der #-Bichtung folgen, so tiberschreiten wir 
beim ersten Schnittpunkt die Kurve x = const, von der Seite der klei- 
neren #-Werte her zur Seite der groBeren #-Werte. Wenn nun die 
#-Werte, indem wir der Kurve y const, weiter folgen, fortgesetzt 
zunehmen, konnen wir offenbar nicht zu einer Kurve x = const , die 
einem kleineren #-Wert entspricht, zuriickgelangen. Die einzige Mog- 
lichkeit eines zweiten Schnittpuaktes wiirde sich dadurch ergeben, daB 
sich die Bichtung, in der der rc-Wert auf der Kurve y const, zu- 
nimmt, umkehrte, so daB beim Fortschreiten in der gleichen Bichtung 
x wieder abnahme. 

Dasselbe gilt fiir die Kurve x const. Wenn wir einer Kurve 
x =a const, von einem Schnittpunkte mit einer Kurve y = const, aus 
weiter bis zu einem zweiten Schnittpunkt mit derselben Kurve folgen, 
ist die einzige Mtfglichkeit die, daB sich auch die /-Bichtung umkehrt. 

Dieses aber ist ausgeschlossen, weil 
. es damit in Widerspruch steht, daB 
die y- Bichtung in dem ganzen Be- 
, , reich auf einer und derselben Seite 

rig. 49. ^ x der ^.Richtung liegen sollte. (Fig. 49.) 

Man kann die Sache mit Vorteil auch von 
einem anderen Gesichtspunkt aus ansehen. Be* 
trachten wir einen Punkt A auf der wfl-Ebene mit den Ko- 
ordinaten u und v und andern wir u und v um unendlich 
kleine Betriige du und dv, so daB wir vier Punkte A BCD erhalten, 
die ein Rechteck mit den Koordinaten 

A : u, v] B : u + du, e?; C : u, v + dv\ D : u + du, v + dv bilden. 




10. Abbildung einer Ebene auf eiue andere Ebene 61 




du 



dv 




Auf der rry-Ebene sind diese Punkte in den Punkten A, I?, (7, D, 
den Scbnittpunkten zweier Kurven u und it + du mit zvvei Kurven 
v und v -)- dv abgebildet (Fig. 50). 

Die Projektionen der Geraden AB in der o^-Ebene auf die Ko- 
ordinatenachsen erhalt man, indern man die Verftnderutigen von x und 
y fur einen konstanten Wert von v und einen um du verllnderten 
Wert von it berechnet ? /, 



Ebenso erhalt man die Projektionen von AC durch Berechnung der 
VerJlnderungen von x und y ffir einen konstanten Wert von u und 
einen um dv veriinderten Wert von v, 



Bezeichnen wir AB und JLC" mit d$ l und <i5 2 , ferner mit y t und 
die Winkel zwisehen der ic-Achse und AB resp. J,C, so 1st: 



! ds i cos 



und 
oder 

und 



d^ sin y l 
d s% sin y% , 



cos ?' 2 



y 

/a 



Wir k6nnen 



62 Zweites Kapitel. Darstellung von Funktionen 

den MaBstab der Abbildung im Punkte A in der Richtung AS und 



ds, 
TV 

den MaBstab der Abbildung im Punkte A in der Richtung A C nennen. 
Dabei ist die wy-Ebene als die urspriingliche angenommen, die auf 
die ##-Ebene abgebildet wird. Nimmt man die Sache umgekehrt, dann 
sind die MaBst8.be der Abbildung in den Richtungen AB und AC 

die reziproken Werte -7 und -r 
* ds l ds s 

Der Flacheninhalt des Parallelogramms A B CD in der rry-Ebene ist 



, . , 

ds,s, sm (ft - yi 

Nach der Definition der Winkel y 2 un ^ 7i ^ s ^ n (^2 7i) Psitiv, 
wenn die Ricbtung AC von der Ricbtung AB nach links zeigt (die 
positive y-Achse links von der positiven #-Achse angenommen) und 
sin (y 2 y,) negativ, wenn AC nach rechts zeigt. Der Wert von 

dcp dty dcp dfy 
~du aJT^ ~dv "dti"' 

den man auch die Funktionaldeterminante der Funktionen ^(w,^) 
und i|>(w,#) nennt, druckt daher das Yerhaltnis des Flacheninhaltes 
von ABCD in den beiden Ebenen aus, und sein positives oder 
negatives Vorzeichen bedeutet die Lage der Richtungen AB und 
^.5 in der #^-Ebene zueinander. Geht also die Funktionaldeter- 
minante an einer Stelle durch 0, so heiBt das, daB die Richtungen 
AB und AC zusammenfallen, die Kurven u = const, und v const, 
sich also beruhren. 

Wir haben den MaBstab der Abbildung von Strecken in den Rich- 
tungen AB und AC gefunden; suchen wir nun, ihn far Strecken in 
beliebiger Richtung auszudrticken. Von einern beliebigen Punkte A 
in der w^-Ebene, dessen Koordinaten u und v sind, aus, gehen wir 
zu einem dicht dabei gelegenen Punkte Z) iiber, dessen Koordinaten 
u + AM, v 4~ A 'V seien. In der #/-Ebene finden wir die entsprechen- 
den Punkte A und D (Fig. 51) mit den Koordinaten 

x = (p (w, v} x + A x <p (u + A, v + A v) 

* y == if; (M, v) y + A# ip (w + Aw-, v -f A v). 

Wir entwickeln nach dem Taylorschen Lehrsatz und, indem wir, der 
Kiirze wegen, 



10. Abbildung einer Ebene auf eine andere Ebene 63 



Ay 



Fig. 51. 



schreiben, erhalten wir 

x *** g> M A' + <p*A v + Glieder hoherer Ordiumg 
Ay = if; w A 4- i/>A0 + Glieder bSherer Ordnung. 

Die Lange und den Richtnngswinkel von AD bezeichnen wir iu der 
-<U'-Ebene mit Ar und a, in der #2/-Ebene mit A s und A, Der Grenz- 

wert, dem sich das Verhaltnis -^ nabert, wenu D, ohne daB sich die 

Richtung AD verandert, an A heranriickt, ist der Maflstab der Ab- 
bildung im Punkte A in der Eichtung AD. 

Sebreiben wir A = Ar cos a, At> A 7* sin a, 

so ergibt sich 

A# - (<JP M COS + y^sina) Ar + Glieder hSherer Ordnung 
A^ = (i/; w cosa + ^sina) Ar + Glieder httherer Ordnung. 

Dividiert man durch Ar und verkleinert Ar beliebig, so findet mau 



als Grenzwert 

dx , . dy 

= (p u cos a + 90,, sin a, -p 



. 
w cos < + % sm a. 



Statt -7- und -^ kaun man aucb -= cos L -3- sin Jl scbreiben. 
r ar a?' ar 



cos A 



> a cos a -f" 






p tf siu 



g4 Zweites Kapitel. Darstellung you Funktiooen 

d$ 
Diese Gleichungen zeigen den MaBstab der Abbildung -=- , welcber 

den verscbiedenen Eicbtungen A in der ##-Ebene und a in der wt?-Ebene 
entspricbt. 

Durcb Einfubrung komplexer Zablen kann der Zusammenhang 
nocb besser deutlicb gemacbt werden. 

Setzen wir 

* - ~fo + 57 * "" 2r *"' *i ***<? + *M 82 = 9* + ^- 
Multipliziert man die zweite der beiden letzten Gleicbungen auf 
S. 63 mit i und addiert die beiden, so kann man sie als eine einzige 
Gleichung in der komplexen Form 

8 =* ! cos cc -f % sin a 

scbreiben. Der Modul von g ist der MaBstab der Abbildung der uv- 
Ebene im Punkte A in der Eicbtung or. Der Winkel yon & ergibt die 
der Eicbtung a entsprechende Eicbtung in der #?/-Ebene. Pur cc = 
baben wir g == ^ und 8 = ^ s fttr o; = 90. 
Man setze ein 



.- 

6 "r~ c . 

cos a == -- . - ^ sin 



-- ~. - 

, ^* z* 

'1 + 7 *i ? 

und scbreibe a r 5 = - , 

so daB der Ausdruck fflr z wird 8 = ae {ti + be~ ai . 

Dies fiibrt auf eine einfacbe geometrische Konstruktion der kom- 
plexen Zablen g fur verscbiedene Werte von a. Der Ausdruck ae ai wird 
durcb die Punkte des Kreises dargestellt, der entstebt, wenn man die 
die komplexe Zabl a ausdriickende Slrecke durcb die Winkel a = . . . 2 it 

um den Nullpunkt drebt; ebenso der 
Ausdruck le~ ai durcb die Punkte des 
Kreises, der entsteht, wenn man die l> 
ausdriickende Strecke im entgegeDgesetx- 
ten Sinne durch die Winkel a ... 
2n um den Nullpunkt drebt (Fig. 52). 
Die Addition der beiden komplexen Zah- 
len ac"* und l>er tti fiir beliebige Werte 
von a ist leicbt auszufiihren. Die der 
komplexen Zabl g entsprecbenden Punkte 
bescbreiben eine Ellipse, deren zwei 




10. Abbildung einer Ebene auf eine andere Ebene 



65 



Hauptachsen die von a und I gebildeten Winkel halbieren. Dies 1st 
leicht zu erkenneii, wenn man schreibt: 

a . r t d** - *>', b = r 2 d** + *> ''. 

CC Q bedeutet die Richtung, welche den von a und b gebildeten Winkel 
halbiert, und a t bezeichnet den halben Winkel zwischen a und Z>, po- 
sitiv oder negativ genommen, je nach der Lage von a und b 



ocier & G "" i * 6 ~~j"~ /a c * * 

^ .[- r${ ) cos ( a i) + ( r i ^s) si n ( 
Bezeichnet man die Koordinaten der komplexen Zahl 
und 11, so hat man 

I 



e""* * mit 



= cos (a. a,) und 
und ^ geniigen der Gleichung 



sin a 



von 
und 

~- 



die eine Ellipse darstellt. 

Diese Ellipse, durch einen Winkel a gedreht, ergibt die Punkte, 
welche & entsprechen. Die Hauptachsen sind 2 (r t + r 2 ) und 2 (r x r 2 ) 
(Fig. 53). Die Konstruktion 
Fig. 53 ist deutlich. Nachdem 

9 aufgetragen sind, findet man -~ 

und "". 8 , indem man AZ 2 durch 

einen rechten Winkel nach rechts 
und iiaeh links dreht. Von diesen 
Punkten zieht man Gerade nach Z v 
Die Halbierung dieser Geraden gibt 
a und b. 

Die Radien der so gefundenen 
Ellipse, in der eingefuhrten Langen- 
einlieit gemessen, geben die MaB- 
stabe der Abbildung fur die ver- 
schiedenen Richtungen in der xy- 
Ebene. Man konnte auch sagen, die Ellipse sex das Abbild in der 
^-Ebene eines unendlich kleinen Kreises in der uv -Ebene, im Ver- 
Mltnis des unendlich kleinen Radius zu 1 vergroBert und mit dem 
Mittelpunkte in A. 




66 



Zweites Kapitel. Darstellung von Funktionen 




Nach diesen Vorbereitungen wo lien wir nun den Fall betrachten, 
wo die Abbildung nicht mehr ,,ein-eindeutig" ist, d. h. also, wo sich 
die x- und ^-Kurven mehr als einmal schneiden. Wie wir gesehen 

haben, wird das eintre- 
ten, wenn der Winkel 
zwisehen den Gradienten 
oder auch der zwisehen 
den Kurven selbst nicht 
uberall im Bereich das- 
selbe Yorzeichenhat. Es 
wird also eine Kurve 
geben, auf welch er er 
den Wert hat, wo sich 
demnach die Kurven 
x = const, und y = const, 
beruhren. Hier muB, wie 
^ oben gezeigt, die 
u Funktionaldeter- 
minante verschwin- 
den. Dasselbe zeigt auch die 
Darstellung mit komplexen 
Zahlen. Denn wenn die Winkel 
von z l und # 2 gleich sind, so 
mtissen, da #j saes cp u -f- ty u i und 

#2 aaa g> -(- T^fc, (f u Und ty u prO" 

portional cp. und ty v sein, mit- 
hin cp i// 9? ^ M !=5 0. 

Nelamen wir also an, daB 
sich die Kurven x const, und 
y = const, in der w#-Ebene 
uberall schneiden, auBer auf 
einer gewissen Kurve, wo ihre 
Eichtungen in der in Fig. 54 
veranschaulichten Weise zu- 
sammenf alien. Auf dieser 
Kurve nruB, wie erwahnt, die 

Funktionaldeterminante 



Fig. 54a. 




den, weil die Bichtungen der 
Gradienten zusammenfallen. 
Untersuchen wir nun die Abbildung auf die o?#-Ebene. 

Verfolgen wir eine der Kurven y = const., sacren wir / */-. in 



10. Abbilduug einer Ebene auf eine andere Ebene 67 

ven x = # 4 , # 3 , x% "bis wir im Tunkte A der Kurve x =*= x^ die Kurve 
D = erreichen. In der ##-Ebene ist die entsprechende Bahn eine 
Parallele zur #-Achse mit dem Abstande y lt welche # 4 , # 3 und x 2 
schneidet und bei x i einen Punkt A erreicht. Schreiten wir nun 
auf der Kurve y = 7/ t in der te#-Ebene jenseits von D = welter 
fort, so tiberschreiten wir von neuem die Kurven # 2 , r 3 , usw. dieses 
Mai in umgekehrter Ordnung. Also fiihrt die entsprechende Bahn 
in der a;^-Ebene nicht fiber A hinaus, sondern durch dieselben Punkte 
x $y\ 5 #3#n usw ' zuriick. Dasselbe gilt fur jede beliebige der y = const. 
Kurven. Zeichnet man in der a^-Ebene die Linie, die den Punkten in 
der uv- Ebene entspricht, wo x = const, und y =* const, sich beriihren, 
so findet man die Abbildung der v-Ebene nur auf einer Seite dieser 
Kurve. Die andere Seite hat keine entprechende Punkte w, v. Jedem 
Punkte C auf dieser Seite entsprechen aber in der uv- Ebene zwei 
Punkte (7, die auf verschiedenen Seiten der Kurve D ** liegen. 
Man denke sich zwei Blatter Papier auf die ##- Ebene gelegt und 
beide der Ku^ve A J5 entlang durchschnitten. Die beiden jenseits der 
Kurve gelegenen Stucke verwerfen wir und kleben die beiden iibrig- 
bleibenden Teile langs der Kurve zusammen. Dann ist die ttv-Ebene 
derartig auf das Papier abgebildet, dafi immer ein Punkt und nur 
ein Punkt auf dem Papier jedem im betrachteten Bereich der w^-Ebene 
gelegenen Punkt entspricht. Die Kurve D = in der wy-Ebene ent- 
spricht dem Rande, \vo die beiden Papierstiicke zusammengeklebt 
sind. Jede gerade oder krumme Linie, die in der wy-Ebene die Kurve 
J) = o schneidet, entspricht einer Linie, die von ein em Papierblatt 
auf das andere tibergeht. Sie braucht dabei ihre Richtung nicht 
plotzlich zu andern, wenn sie den Rand erreicht, denn sie kann in 
der Richtung der Tangente auf ihn zukommen. Dies ist tatsSLchlich 
die Regel und eine plotzliche RichtungsSnderung die Ausnahme. Jede 
beliebige Linie LAL (Fig. 55) in der uv- Ebene, deren Tangente 
an dem Schnittpunkte A mit der Kurve D = nicht mit der den 
Kurven x const, und y *= const, gemein- 
samen Tangente zusammenfallt, wird einer 
Linie in der #?/-Ebene ent- 
sprechen, die ihre Richtung" 
am Rande nicht pldtzlich 
andert. 

Dies ist am besten analy- ^ p ig . 55 . 
tisch zu verstehen. Betraoh- 
ten wir entsprechende Richtungen an den Punkten A der uv- Ebene 
und der ##-Ebene. Wie wir oben gesehen haben, ist die Beziehung 
A ~+awi.*AiiA n dai. T?/5/MnncrflTi fFicr. 56^ durch die Gleichuncren 




y 


38 Zweites Kapitel. Darstellung von FunktioDen 


f\^ t 


V 


i - ds dx . . 
cos A -j = -=- = m cos cc -f- w sin # 
wT* oir u 

. . ds dy 
sin A -= = -T-~ = if? a cos a -f~ 1^ W sin a , 

ausgedruckt. Im Punkte A haben wir 
v<* !_.. __. ^ Angenommen,daB 


A 


dxldr $ 

Fig. 56. 


l * die Gradienten in 
A nicht verschwin- 



den, so daB wir schreiben konnen: 

g? w =rcosy, 9? ff =rsiny, if; M r'cosy', t/; 8 = r'siny', 

wo r und r' positive GroBen sind, so reduziert sici die Gleichung 
qp u ty tyotyu, S=!S auf sin (y y') =* 0, das ist y == y', oder y = y' 
+ 180. Folglich ist ds 

cos A -j~- r cos ( y) 



. . ds 
sin A j- 



r cos 



r'cos(of y). 



Wir haben also fur alle Richtungen in der wv-Ebene, fur welche 
cos (a y) nicht null ist, / 



Das will sagen: in der #^-Ebene entspricht nur eine bestimnate Rich- 
tung und die ihr entgegengesetzte alien den verschiedenen a-JEfcich- 
tungen mit Ausnahme derjenigen, fiir welche cos (a y) 0. In 
diesem Ausnahmefall, d. h. wenn die Richtung a rechtwinklig zur 
Richtung y des Gradienten ist, also mit der der Kurven x = const. 
und y = const, tibereinstimmt, haben wir 



Daher^ 
dr 



COS I -j 

dr 







.-0. 



und k bleibt unbestimmt. Jede beliebige Richtung A, 

** 
fur welche tg A von ~ abweicht, entspricht einer festen Richtung 

a y + 90 Oder a y 90, wahrend -" 0. 

Da die Kurve D auf den Rand der Papierblatter abgebildet 
ist, sind alle Linien, welche in der Wi?-Ebene die Kurve JD = in 
einer von der Richtung der Kurven x const, und y const, ab- 
weichenden Richtung schneiden, in der ##-Ebene als Kurven abge- 
bildet, die in A eine mit dem Rande gemeinsame Tangente haben. 



10. Abbildung einer Ebene auf eine andere Ebene 



69 



Alle Linien auf einein der beiden Papierbogen, die im Punkte A in 
einer von der Richtung des Randes abweichenden Richtung auf den 
Rand treffen, mtissen Abbildungen von Linien der w^-Ebene sein, die 
A in der Richtung der Kurven x = const, uud y = const, erreichen. 
Der Mafistab der Abbildung ist null in der Richtung x = const, und 
y = const. In jeder anderen Richtung erweist er sich von null ver- 
schieden, denn ds ------- 

a __j/( r +r )cos-(--y). 

Er hat ein Maximum in der Richtung of = y oder = y + 180, die 
zu den Kurven x = const, und y == const, rechtwinklig ist. 

Zum Yerstandnis dieser Einzelheiten wird es beitragen, wenn 
wir ein Beispiel betrachten, wo die Abbildung der 949- Ebene auf die 
#?/-Ebene eine einfache geometrische Bedeutung hat, wo namlich die 
Ebenen Grund- und Auf rift einer gekriimmten Flache darstellen. Der 
Rand in der ##-Ebene ist hier der UmriB der Flftche, die Projektion 
derjenigen Punkte, wo die Tangen- 
tialebene zu der Aufrifiebene recht- 
winklig ist. 

Denken wir uns ein en Zylinder 
mit kreisfo'rmigem Querschnitt, der 
durch eine durch seine Achse ge- 
legte Ebene in zwei halbe Zylinder 
geteilt ist. Den einen halben Zy- 
linder denken wir uns in solcher 
Lage, daB seine Achse mit der 
GrundriBebene einen Winkel d bil- 
det, wahrend die AufriBebene par- 
allel zu seiner Achse sei (Fig 57). 
Fiihren wir rechtwinklige Koordi-^"" 
naten it, v in der GrundriBebene 
und rechtwinklige Koordi naten #, y 
in der AufriBebene ein. Ein Punkt 
P auf dem Zylinder ist durch ge- 
wisse Werte M, v, die seinen Grund- 
rifi, und gewisse Werte #,#, die 
seinen AufriB angeben, bestimmt. 
Es ist aus Fig. 57 leicht zu 
kennen, daB 

x == u und 



E 



er- 




y 



it tg 6 H ---- T ]/<^ ^^, 
wo a der Radius des Querschnittes ist, Untersuchen wir nun den 



70 



Zweites Kapitel. Darstellung von Funktionen 



AufriB der Punkte P als Abbildung ihres Grundrisses. Die Funk- 
tionen 9 (w, v) und tj; (11, v) sind in diesem Falle 

q>(u, v) = it 
ty(u, v) = u tg i 

und <r> = 1. 




E- 




^JH. 



v 



I 



Fig. 58. 



Die Funktionaldeterminante ver- 
schwindet fur v = auf der Linie 
EF. Die Linien y const, sind die 
Schnittlinien des Zylinders mit hori- 
zontalen Ebenen. Im AufriB sind es 
horizontale Geraden, im GrundriB 
Ellipsen (Fig. 58). Verfolgen wir 
eine dieser Kurven, so iiberschrei- 



ten wir die Linie EF im GrundriB, im AufriB aber berfihren wir 
sie nur und kehren alsdann auf derselben Horizontalen zuriick. Die 
Linien x = const, sind in beiden Ebenen Gerade, entsprechen im 
Raume aber Ellipsen. Auch hier tiberschreiten wir in der GrundriB- 
ebene die Linie JEJF, die wir in der AufriBebene nur beruhren, urn 
dann in der Vertikalen in der Eichtung nach unten wieder zurtick 
zu gehen. Die Projektion jeder auf dem Zylinder verlaufenden Kurve, 
die EF in einer nicht rechtwinklig zu der AufriBebene stehouden 
Richtung schneidet, auf die AufriBebene, hat EF (der AufriBebene) 
zur Tangente, denn die wirkliche Tangente 
im Raume kann, da sie in der Tangential- 
ebene des Zylinders liegt, keine andere Pro- 
jektion haben, wenn sie nicht auf der Auf- 
riBebene senkrecht steht. In diesem letzteren ^ 
Falle ist die Projektion der Tangente ein 
Punkt und die Tangente des Aufrisses wird 
durch die Neigung der oskulatorischen Ebene 
bestimmt. 

Wir wollen noch den speziellen Fall be- "-"" Fig ' 69 ' 

trachten, wo die Kurve D==0 in der u y-Ebene mit einer der Kurven 
x = const, oder ^ = const, zusammenfallt (Fig. 59), wobei ange- 
nommen ist, dafi die Gradienten der Funktionen o (t*, v) und ty (w, v) 




10. Abbildung einer Ebene auf eine and ere Ebene 



71 



an den Punkten dieser Kurve nicht verschwinden. Wir haben ge- 
sehen, daB an einem Punkte, wo D = 1st, der MaBstab der Ab- 
bildung in den Richtungen der Kurve <p(ii,v) = const, oder i^(w, v) 
= const, verschwinden muB Lafit man die Kurve D = mit einer 
Kurve <p (w, v) = const, zusammenfallen, dann folgt, daB die Lange 
des Bildes dieser Kurve in der ##-Ebene gleich Null und die Kurve 
also bei der Abbildung in einen Punkt zusammengezogen sein muB. 
Denn die LSnge des Bildes einer Kurve 9(^3 v) = const, ist gegeben 
durch das Integral 



MaBstab der Abbildung in der 
> v* 




^s^^^ ^^^^^^^^^ " "~^ = 



wo dr ein Bogeneleraent und ^~ 
Richtung der Kurve bezeich- 

nen; Da ~ langs der ganzea 

Kurve mill ist, so muB das 
Integral notwendig ver- 
schwinden. 

Als Beispiel wollen wir 
betrachten : 

Die Linien x = const, in der 

# -Ebene sind gleichseitige 

Hyperbeln, die Linien y = 

const, sind Parallelen zur u- 

Achse (Fig. 60). Langs der 

w-Achse haben wir gleich- 

zeitig y = 0, x und 

j) = v BBS o. Die ganze w-Achse ist in dem Punkte x 

der #y-Ebene abgebildet. 

SchlieBlich wollen wir noch den Fall betrachten, wo der MaB- 
stab der Abbildung eines beliebigen Punktes in alien Richtungen der- 
selbe ist, wenn er auch an verschiedenen Punkten nicht derselbe zu 
sein braueht. 

Schreiben wir wie vorher: 
. __ i dx , dy . __ d$ i* 

dann ist die Beziehung zwischen dem MaBstab der Abbildung -j^ 

und den Winkeln A, a, welche einander entsprechende Richtungen in 
der xy- und der u i?-Ebene bestimmen, durch die Gleichungen gegeben 




Pig 




0, y 



72 Zweites Kapitel. Darstellung von Funktionen 

# = ff t cos cc + z% sin cu, oder = ae fot + &e~ 

a- 



In dem Falle, wo der MaBstab der Abbildung -7- , d. h. der Modul 

von # von a unabh'dngig 1st, muB eine der Konstanten a oder 6 ver- 
schwinden, wie man sofort an der Konstruktion von g (Fig. 52) er- 
kennen kann. Betrachten wir den Fall Z> = 0, 

,.ac" -?". 
dr 

Die komplexe Zalil a kann | a \ ^ 8 geschrieben werden, wo | a \ den 
Modul von a und ct den Winkel bezeichnen. Beide konnen von Punkt 
zu Punkt verschieden sein, aber an jedem Punkte baben sie be- 
stimmte Werte. 

Folglich haben wir fl _ a und A 



Das will sagen: von einem Winkel a, der eine Eichtung in der 
wv-Ebene bestimmt, ausgehend, finden wir den die entsprechende 
Richtung in der o/y-Ebene bestimmenden Winkel k durch Hinzuad- 
dieren eines bestimmten Winkels a . Jede zwei Richtungen a, a' 
werden daher den gleicben Winkel bilden, wie die entsprechenden 
Richtungen A, A/ in der o?^-Ebene. Dasselbe trifft zu, wenn a 
und # = &0~ a *. Der einzige TJnterschied ist der, daB im letzteren 
Falle die Ricbtung von 2 sich mit zunehmenden Werten von a im 
entgegengesetzten Sinne dreht. Man iiennt eine solche Abbildung winkel- 
treu oder ,,konform", Analytisch werden Abbildungen dieser Art durch 
Funktionen komplexer Zahlen dargestellt. 

x + yi < f(u + ZH) oder x + yi f(u vi). 
Angenommen, daB die Funktion einen Differentialquotienten besitzt, so 
ist die zugehorige Abbildung konform, denn wir haben 



und darum entweder ^ oder ^ -- ** 
Daher im ersten Falle, 

t(-,+^)k. & = l 

und im zweiten Falle a = O t 6 =* ^ . 



11. Beziehungen zwischen drei Ver&nderlichen 



73 



y 



\ 



\ 



x const* 

Fig. 61 



11. Andere Methoden der Darstellung von Beziehungen 
zwischen drei Veranderliclien. 

Die Abbildung einer Ebene auf erne andere kann dazu dienen 
die graphische Darstellung einer Funktion von zwei Veranderlichen, 
oder, wenn man will, einer Beziehung 
zwischen drei Veranderlichen, zu verall- 
gemeinern. 

Wie wir oben gesehen haben, kann 
eine Gleichung 

g(x, y, g) == 

zwischen drei Veranderlichen #, #, s dar- 

gestellt werden, indem man x und y als 

rechtwinklige Koordinaten nimmt, und 

die Kurven & = const. (Fig. 61) fur iiqui- 

distante Werte von z auftragt. Denken 

wir uns nun die ajy-Ebene auf eine andere 

Ebene abgebildet. Die Linien x = const., 

y const, und 8 = const, werden durch drei Scharen von Kurven 

darzustellen sein. Der Umstand, dafi drei Werte jc, y, z der Gleichung 

g(x, ?/, z) == geniigen, wird geometrisch dadurch angezeigt, dafi 

die drei entsprechenden Kurven einen gemeinsamen Schnittpunkt 

haben. 

Eine andere Methode gewisse Beziehungen zwischen drei Veran- 
derlichen ?*, v, w darzustellen besteht darin, da8 man drei Kurven 
xeichnet, deren jede eine Skala tragt. Die Werte w, ?, w sind jeder 
auf einer der drei Skalen abzulesen. Die Beziehung zwischen je drei 
Werten w, v, w soil nun geometrisch durch die Bediugung ausgedriickt 
sein, daB die drei entsprechenden Punkte auf einer Geraden liegen 
(Fig. 62). Diese Methode ist sehr viel bequemer als die, welche drei 
Kurvenscharen benotigt. Es macht weuiger Miihe ein Lineal an zwei 
Punkte w, v auf zwei Kurven anzulegen und den Wert w auf der 
Skala der dritten Kurve abzulesen, als den Schnittpunkt zweier be 
stimmter Kurven u = const, und v = const, in dem Netz aufzusuchen, 
die Kurve w = const., die durch denselben Punkt hindurchgeht, heraus* 
zufinden, und den ihr entsprechenden Wert von w abzulesen. Denn 
man inufi bedenken, daB die bestimmten Werten von u und v ent- 
sprechenden Kurven nicht notwendig auf der Zeichnung zu finden 
sind, sondern interpoliert werden mtissen, ebenso die gesuchte Kurve 
w = const. Es ist wahr, daB bei beiden Methoden Interpolation en 



y const. 



74 



Zweites Kapitel. Darstellung von Funktionen 



(I) 



notig sind, aber die Interpolation auf Skalen, wie die in Fig. 62, ist 
leiehter vorzunehmen. 

Es muB indessen bemerkt werden, daB, wShrend die drei Kurven- 
scbaren eine ganz allgemeingultige Darstellungsmethode jeder belie- 

.7 
6 




to 



bigen Beziebung zwiscben drei Veranderlicben abgeben, die andere 
Metbode auf eine gewisse Art von Fallen bescbrankt ist. Urn diesen 
Gegenstand naber zu untersucben wird es notig sein, die Linienkoor- 
dinaten zu erklaren. 

Beim Festlegen eines Punktes durcb recbtwinklige Koordinaten 
bestimmt, so kann man sagen, x eine einzelne unter einer Scbar von 
Geraden (Parallelen zur Ordinatenacbse) und y eine einzelne aus 
einer anderen Scbar von Geraden (Parallelen zur Abszissenacbse) und 
der Punkt wird als Scbnittpunkt beider Linien (Fig. 63, 1) festgelegt 
Ein abnliebes Verfahren kann man anwen- 
den, um eine bestimmte Gerade in einer Ebene 
festzulegen. Es soil x einen Punkt auf einer 
festen Geraden so bestimmen, daB die Ent* 
ferimng des Punktes von einem festen Punkte 
A auf der Geraden, in einer gewissen Einbeit 
geniessen, gleicb x ist, auf einer Seite von A 
F*" positiv, auf der anderen negativ gerecbnet. 
Ebenso bestimmt y einen Punkt auf einer 
festen Parallele zu der ersten Geraden so, daB die Entfernung des 
Punktes, von einem festen Punkte B auf einer Geraden, in derselben 
Weise wie x gemessen, y betragt. Die durcb beide Punkte hindurch- 
gehende Gerade ist so durch die Werte von x und y bestimmt und fttr 
alle mogliclien Werte von x und# erbalten wir alle Geraden der Ebene 



(I). 



11. Beziehungen zwiechen drei Veranderlichen 



75 



mit Ausnahme derjenigen, die zu den Geraden, auf denen x und y 
gemessen werden, parallel laufen. Der Einfachheit halber wahlen 
wir die Punkte A und B so, daB AB zu den beiden Geraden recht- 
winklig liegt (Fig. 63, II). Wir nennen x und y die Linienkoordinaten 
der Verbindungslinie der zwei Punkte x und y in Fig. 63, II; ebenso 
wie x und y in Fig. 63, 1 die Punktkoordinateii des Schnittpunktes 
der Geraden x und y genannt werden. 



Eine Hneare Gleichung zwischen Punktkoordi- 



naten 



y = mx + 



an* 




ist die Gleichung einer Geraden, d. h. alle Punkte, 
deren Koordinaten der Gleichung geniigen, liegen 
auf einer Geraden. Wenn wir andererseits x und y 
als Linienkoordinaten ansehen, finden wir den ana- 
logen Satz: alle Geraden, deren Linienkoordinaten 
der Gleichung = mx \ 

gentigen, gehen durch einen gewissen Punkt. Man nennt die Glei- 
chung daher die Gleichung des Punktes in Linienkoordinaten. 

Urn dies zu erlautern, ziehen wir fcuerst die Linie x = 0, y = ft 
(APO in Fig. 64). Wenn wir nun fiir einen beliebigen Wert von x 
AE = x und PQ = mx machen und damit also y = BQ = mx + ft, 
somuB der Schnittpunkt von JR$ und AP voux unaWangig sein, denn 



PO 

Ad 



mx 

x 



PO 



Das Verhaltnis -T-TJ bestiramt die Lage von auf der Geraden 



AP und, da es von x unabhangig ist, und auch die Lage von AP 
von x unabhangig ist, so gilt dasselbe fiir 
0. Fiir negative Werte von m haben PO 
und AO entgegengesetzte Eichtungen, so 
daB zwischen A und P liegt. 

Fiir einen gegebenen Punkt kann 
man die entsprechendeu Werte m und ft 
finden, indem man mit A und dem Punkte ^ 
verbindet, der im Abstand 1 von A auf der 
Geraden liegt, auf der x gemessen wird. 
Sind P und Q die Schnittpunkte dieser 
Linien mit der Geraden, auf der y gemessen 
wird, so haben wir BP *= ft und PQ ?= m. Also ergibt jeder-belie- 
Trige Punkt der Ebene die Gleichung 




76 Zweites Kapitel. Darstellung von Funktionen 

y = mx -(- ft, 

ausgenommen die Punkte der Geraden, auf der x gemessen wird. 
Fur m = reduziert sich die Gleichung auf 

" f*7 

d. h. auf die Gleichung eines Punktes der Linie, auf der y ge- 
messen wird. 

Fur y = mx + f* konnte man auch schreiben x = my + ft' und 
die gleichen Betrachtungen mit vertauschten Eollen von x und y 
anstellen. Diese Form schlieBt die Punkte der Geraden, auf der y 
gemessen wird, nicht ein, dafiir aber die Punkte der Geraden, auf der 
j? gemessen wird. Fiir diese haben wir m = 0. 

Die allgemeine Gleichung eines Punktes in Linienkoordinaten ist 
in der Form ax + ly + c - 

gegeben, aus der man jede der oben erwahnten Formen ableiten 
kann, indem man sie durch a oder & dividiert. Die Teilung durch c 
ergibt eine andere bequerne Form 

ax . ty 

oder, wenn man schreibt: 

_ == % __ =- y "IT ~\~ 7T S==B 1 , 

a u v XQ 2/0 

wo # den Sclmittpunkt der Geraden BO (Fig. 64) mit der #-Geraden, 
2/ den Schnittpunkt der Geraden A mit der ?/-Geraden bestimmt. 
Eine Kurve laBt sich ausdrticken durch eine Gleichung 

#! (w) x + &i (u) y + C A (w) , 

in welcher a A (w) , Z)j (it) , c x () Funktionen einer Veranderlichen w 
sind. Jeder beliebige Wert von w liefert die Gleichung eines ge- 
Wissen Punktes und mit verSnderten Werten von u beschreibt der 
Punkt die Kurve. Denken wir uns die Kurve gezeichnet und eine 
Skala der Werte von u in hinreichend geringen Abstanden darauf 
angebracht, um die dazwischen liegenden Werte von u interpolieren 
zu konnen. Zwei andere Kurven seien in derselben Weise gegeben 
durch die Gleichungen 

a 2 (t?) x + 1% (t?) y -f c s (t?) - 

tf s (w) x + \(w) y + c 3 (?) == 

und mit Skalen der Weiie von v und w versehen. 



11. Beziebungen zwischen drei Veranderlichen 77 

Nun sind wir in den Stand gesetzt, die Bedingung zu formulieren, 
die durcb die Werto w, v, w erfullt sein muB, wenn die drei ent- 
sprechenden Punkte auf einer Geraden liegen sollen. Wenn x und y 
die Linienkoordinaten der dutch die drei Punkte bindurchgebenden 
Geraden sind, so mxissen x und y gleicbzeitig alien drei Gleicbungen 
geniigen. 

Folglicb mu6 die Determinante der drei Gleicbungen verscbwinden : 

a i (Vs ~ Vs) + flj (&,(?! Vj) + a, (V 2 - Vi) 

und umgekebrt, wenn die Gleicbung zwischen , t>, w in diese Form 
gebracbt werden kann, wo a 17 &,, c t beliebige Fanktionen von w, 
ferner a 2 , & 2 , C 2 beliebige Funktionen von ;, und a s , 6 8 , c s beliebige 
Funktionen von y sind, so kSnnen wir die Gleichungen aufstellen: 

d}X + b L y + q 0, a^x + & 2 # + c a 0, a$x + & 3 y + c s 



und sie grapbiscb durch Kurven darstellen, die Skalen fiir w, t?, w 
tragen. Die Beziehung zwiscben w, ;, w ist dann gleicbbedeutend 
mit der Bedingung, daB die entsprecbenden Punkte der drei Kurven 
auf einer Geraden liegen. Aber es darf nicbt vergessen werden, daB 
nur eine bescbraukte Gruppo von Beziebungen in die erforderlicbe 
Form gebracbt werden kann, so daB die Metbode nicht auf jede be- 
liebige Beziebung anwendbar ist. 
Die Gleicbung eines Punktcs 

ax + by + c 

bebalt dieselbe Form, wenn die Lftngeneinheiten fiir x und y ge- 
andert werden. Wenn x' die Zabl bezeicbnet, welcbe dieselbe Liinge 
wie a;, aber in einer anderen Einheit, mifit, mtissen die beiden Zahleu 
x und x' in einem konstanten Verbiiitnis zueinander steben, das dem 
umgekebrten Verbaltnis der beiden MaBeinbexten gleich ist. Daber 
bat man, wenn die MaBeinbeiteu voneinander unabhttngig geiindert 

werden, , / 

' x~*Xx, y^py, 

und die Gleicbung des Punktes kann geschrieben werden: 

alx + 6f*y' + c - oder a x' + I' y' + c *= 0, 
wo a =* la und !>' = (ib. 

Es ist unter Umstand^n bequemer, die Linienkoordinaten in an- 
derer Weise zu definieren. Bezeichnen wir die in der gleicben L&ngen- 
einbeit gemessenen recbtwinkligen Koordinaten mit J und iy, dann 
kann die Gleicbung einer Geraden in der Form 



78 Zweites Kapitel. Darstellung von Funktionen 

v\ -" tg 9? | + ^ 

gesclirieben werden, wo 9 den von der Geraden mit der -Achse 
gebildeten Winkel und rj Q die Ordinate des Schnittpunktes der Ge- 
raden init der ^-Achse bezeichnen. Nennen wir nun tg cp und t] die 
Linienkoordinaten der durch die Gleichung dargestellten Geraden 
und bezeichnen wir sie mit x und /, so bestimmen die Werte von x 
und y eine gegebene Gerade und jede beliebige Gerade, die der Or- 
dinatenacbse nicbt parallel ist, kann auf diese Weise bestimmt 
werden. Die Bedingung, daB eine Gerade x, y durch einen Punkt |, y 
hindurchgehan soil, wird ausgedriickt durch die Gleichung 

93 = # + y oder y = x + ^- 

Wenn man fur r und y feste Werte annimmt, stellen alle die Werte 
von ^, 77, die dieser Gleichung geniigen, die Punkte einer Geraden 
#, 2? dar ; und wir nennen daher die Gleichung die Gleichung einer 
Geraden, Gibt man andererseits und ^ bestimmte Werte, so stellen 
alle Werte von #, y, die der Gleichung genugen, die Geraden dar, 
die durch den gegebenen Punkt , 17 hindurchgehen, und die Glei- 
chung heifit dann die Gleichung eines Punktes. 
Die allgemeine Form ax + ^ + c ^ 

kann auch geschrieben werden: 



und ist also die Gleichung des Punktes, dessen rechtwinklige Koordi- 

ft f 

naten = T und i? = -^ sini Der Fall, wo b = oder 

ax + c 

ergibt die Gleichung eines unendlich weit entfernten Punktes in der 
durch . c 



defmierten Richtung 9? oder der entgegengesetzten Richtung q> + 180. 
Alle Geraden, deren Koordinaten a;, y der Gleichung 
ax + c = 

geniigen, entsprechen demselben a?- Werte, aber einem beliebigen Werte 
von y, d. h. sie sind alle parallel und alle Geraden dieser Richtung 
gehSren dazu. 

Erortern wir nun einige der Anwendungen von Linienkoordinaten 
auf die graph ische Darstellung von Beziehungen zwischen drei Ver- 
anderlichen. 



11. 'Beziehungen zwischen drei Ver&nderlichen 



79 



Die Beziehung 
kann in der Form 



UV ' 



w 



log u + log v =- log w oder x -f- 3/ aos log w 
geschrieben werden, wo 

# = log u und # = log v. 

Wir tragen nun x und 2/ als Linienkoordinaten auf zwei parallele 
Gerade auf, welche Skalen fur die u- und 0-Werte tragen (Fig. 65). 
Die Gleichungen x = log u und y = log v 
ko'nnen als Gleichungen der Punkte 
dieser beiden Skalen angesehen werden. 
Die Gleichung 

x + y log w 

1st fur einen beliebigen Wert von w 
die Gleichung eines Punktes. Dieser ist 
leicht als Schnittpunkt zweier beliebiger, 
seiner Gleichung geniigender Geraden 
zu konstruieren, z. B. der Geraden 
x = log w, y und der Geraden x = 0, 
y = logw. Die erste dieser beiden Ge- 
raden erhalt man, indem man den Teil-~ 
strich u = w auf der w-Skala mit dem 
Punkte B verbindet, die zweite, indem. 
man den Teilstrich v =* w auf der v- 
Skala mit dem Punkte A verbindet. 
Wenn die Einheiten von x und y die 
gleiche Lange haben, wird der Schnitt- 
punkt auf einer Geraden liegen, die ge- 
nau in der Mitte zwischen den die u- 
und 0- Skalen tragen den Linien liegt 
und zu ihnen parallel lauft, und die Intervalle der w-Skala werden 
halb so groB sein, wie die der beiden anderen Skalen (Fig 65). 
Die Beziehung 

uv = w oder log u + log v log w 
driickt die Bedingung aus, daB den drei Gleichungen 
x log w, y log t?, x + y B " a log ^ 

gleichzeitig durch die gleichen Werte von x und / gentigt werden 
kann, das will sagen, daB die drei Punkte auf den w-, v- und w-Skalen, 




Fig. 65. 



80 



Zweites Kapitel. Darstellang von Fanktionen 



die den drei Werten von 
raden #, y liegen. 

Die allgemeine Beziehung u a v? 
wo a und 



v und w entsprechen, auf derselben Ge- 




beliebig gegebene Werte sind, 
kann ebenso behandelt werden. So kSnnen . 
auf diese Weise z. B. Druck und Volumen 
eines Gases bei adiabatischen Veranderungen 
dargestellt werden. Man hat in diesem Falle 



wo p der Druck, v das Volumen und k und 
w Konstanten sind. 

Fur ein gegebenes Gas hat Jc einen ge- 
gebenen Wert, dagegen hangt w von der 
Gro'Be der betrachteten Gasmenge ab. 

Wir schreiben: 



w liber in 



und stellt einen Punkt dar, den man als 
.den Schnittpunkt zweier beliebiger Geraden 
#, y konstruieren kann, deren Koordinaten 
der Gleichung geniigen, z. B. 



^*" Dann geht die Gleichung pv* 
die Gleichung , , = 



x 



log w, y = 



und 



0, y ~ log w. 



Die erstere dieser Linien verbindet den Punkt B (Fig. 66) mit dem 
Teilstrich p w auf der jp-Skala und die zweite verbindet den Punkt 
A mit dem Punkte der t>-Skala, fur welchen y == 7c log w ist. Ein 
vom Schnittpunkt auf die Linie AB gefalltes Lot trifft diese im 

Punkte & und da das Verhaltnis 7:7^5 ffleich dem Verhaltnis der Ab- 

c/ jt> i ^ 

schnitte auf den p- und v-Skalen ist, d. h. gleich ;- = v-, so ist 

K -LOg w K 

es von w unabhangig. Alle den verschiedenen Werten von w ent- 
sprechenden Punkte liegen auf derselben Parallele zu den p~ und 
v-Skalen und die w-Skala ergibt sich aus der zentralen Projektion 
der p-Skala auf diese Parallele mit dem Projektionszentrum J5 
(Fig. 66). Die Ausfuhrung der w-Skala ist i\brigens iiberflussig, 



11. Beziehungen zwischen drei Veranderlichen 



81 



wenn nur die Gerade gezeichnet 
wird, die sie trSgt. Dean beim 
Gebrauch des Diagramms geht 
man meistens von Werten jp , v 
aus und sucht andere Werte j?, v, 



Die die Teilstriche p und v ver- 
bindende Gerade schneidet die 
w-Skala in demselben Punkte wie 
die Verbindungslinie der Teil- 
striche jp und VQ, so daB wir den 
Wert von p$v\ nicht zu kennen 
brauchen. Es gentigt, den Schnitt- 
punkt zu bezeiehnen, um, wenn v 
gegeben 1st, den Wert von jp, oder 
wenn p gegeben ist, den Wert von 
v zu finden. 

Ein anderes Beispiel liefert 
die Gleichung 



+ 



0. 




Fig. 67 



Sieht man x und y als Linien- 
koordinaten an, so ergibt jeder 
Wert von w die Gleichung eines 
Punktes. Man zeichnet die durch diese Punkte gebildete Kurve und 
versiebt sie mit einer Skala der entsprechenden w- Werte. Nun be- 
stimmen je zwei beliebige Werte von x und y eine Gerade, deren 
Scbnittpunkte mit der w~ Skala die Wurzeln der Gleichung ergeben. 
Jeder einzelne Punkt der w-Skala kann als Schnittpunkt zweier Ge- 
raden bestimmt werden, deren Koordinaten a?, y der Gleichung ge- 
niigen, z. B. 

x * 0, y = w* und x - t#, y - 0. *) 

Auf Fig. 67 ist die Skala fur die positiven Werte w = bis w 2,5 
gezeicbnet. 

Auf dieselbe Weise kann ein Diagramm zur LSsucg der kubi- 
schen Gleichung to 8 + a?w + - 



1) Fur kleine Werte von w ist diese Zusaminenstellung ungiinstig, 
weil der Schnittwinkel klein ist. Man kann statt dessen x = 2, 
t/ = w 2 1w als erste Gerade nehmen. 



82 



Zweites Kapitel. Darstellung von Funktionen 



oder irgend einer beliebigen Gleicbung von der Form 

w*- + xw** + y = 
entworfen werden. 

12. Beziehnngen zwischen vier Veranderliclien. 

Die Methode kann so verallgemeinert werden, daB sie auch die 
Beziehungen zwiscben vier VerSinderlicben umfaBt. 

Augenommen, vier Yeranderlicbe w, t>, w, t seien untereinander 
durch die Gleichung 



verbunden. Angenommen ferner, daB fur irgend einen bestimmten 
Wert t t Q die resultierende Bezieliung zwiscben w, v, w durcb ein 

Diagramm der oben betrachteten Art, 
~ 5 drei Kurven mit Skalen fiir w, v, w, 
ausgedriickt werden kann, und daB 
fur andere Werte von t die u- und 
^-Skalen unverSndert bleiben, wabrend 
die #?-Skala sich M,ndert. Dann bat 
man, den verscbiedenen Werten von t 
entsprecbend, eine Scbar von w- Skalen. 
Verbindet man nun die den gleicben 
Werten von. w entsprechenden Punkte, 
so erbalt man ein aus Kurven t 
= const, und w = const, gebildetes 




t" 

iV 



Fig. 68. 

sprecben den Werten von t 
genugen. 

Jede beliebige Beziebung von der Form 



13 Netz (Fig. 68). Beliebige Wertepaare 
w, v liefern Gerade, die dieses Netz 
scbnfeiden. Die Scbnittpunkte ent- 
und w^ die der gegebenen Gleiobung 



r) - 0, 

wo <p(it) eine beliebige Funktion von w, y(v) eine beliebige Funk- 
tion von ?, und f(t, w\ g(t, w\ h(t, w) beliebige Funktionen von 
t und w bedeuten, kann auf diese Art dargestellt werden. 

Man braucbt fur diesen Fall nur die Linienkoordinaten a?, y ein- 
zufubren, indem man __. / \ **.&(} 

scbreibt und erbalt so eine lineare Gleicbung zwiscben x und yi 
f(t, w)x + 0(t, w)y + h(t, to) = 0, 




12. Bezieliungen zwischen vier Yeranclerlichen 83 

welche fiir jedes gegebene Wertepaar von t und w die Gleichung 
eines Punktes darstellt. Piir einen gegebenen Wert von t und ver- 
anderliche Werte von to erhalt man eine Knrve t const, mit einer 
Skala fur w und fiir eine Reihe von tf- Werten eine Kurvenschar 
t = const. Ebenso liefert die Gleichung fur einen gegebenen Wert 
von w und veranderliche t- Werte eine Kurve w = const, mit einer 
Skala fur t und eine Reihe von w- Werten ergibt eine Kurvenschar 
w = const. Aus beliebigen gegebenen Werten von u und v berecbnet 
mau die Linienkoordinaten x und ?/, und die Punkte, wo diese durch 
x und y definierte Gerade das Netz der Kurven t = const, und 
w const, schneidet, liefern die Werte t und w, die mit den ge- 
gebenen Werten fur u und v zusammen der Beziehung geniigen. AIs 
Beispiel mag die Bcziehung zwiscben der 
Hohe, dem Azimut und der Deklination dines 
HimmelskSrpers und der Breite des Beobach- 
ters dienen. Es seien 7a, a, d, die Hohe, das 
Azimut und die Deklination und 9 die Breite. f~ 

Die Winkel y g>, y /*, y * sinddie 

drei Seiten des sphariscben Dreiects PZS 
(Fig. 69), das von dem Pol P, dem Zenit Z und dem HimmelskSrper 
8 gebildet wird. Das Azimut ist als Supplementwinkel des Winkels 
PZS definiert. 

Die Gleichung ist 

sin d sin go sin Ji cos q> cos h cos a. 
Schreiben wir x = cos a, 2/ = sin 5, 

so lautet die Gleichung 

y =s sin 9 sin 7z ic cos <p cos /&. 

Wir wollen uns in diesem Falle des zweiten Systems von Linien- 
koordinaten bedienen, wo x die durch die Tangente des mit der 
Abszissenachse gebildeten Winkels gemessene Neigung der Geraden 
und y die Ordinate xhres Schnittpunktes mit der Ordinatenachse ist. 
Bezeichnen wir die rcchtwinkligen Koordinaten des Punktes mit |, 17, 
so bekommt die Gleichung der Punkte die Form 

t? o;g + y oder y rj gas, 

so da8 in unserem Falle 

| cos g) cos 7i, iy sin 9 sin ft 
ist Mit Hilfe dieser Formeln kann man die Kurven 9 const, und 



84 



Zweites Kapitel. Darstellung von Funktionen 



h const, zeicbnen. Es ist leicht zu erkennen, dafi es Ellipsen sind., 
und daB die Kurven <p const, dieselben sind, wie die Kurven h <=* const, 
Fur einen bestimmten gp-Wert und einen veranderlichen h-Weri be- 



kommen wir 






cos 8 g> ' sin 8 cp 
und fur einen bestimmten A-Wert und einen veranderlichen y-Wert 





15 

30 



-J' + ..iL.. 

cos 2 A ' sin 2 A 



1. 



Jede der Ellipsen schneidet alle an- 
45 deren, und sie bilden auf diese Weise 
ein Netz. Ein Schnittpunkt der Ellipse 
g> Ct mit der Ellipse A =* c a ent- 
spricht auch den Werten A c und 
<JP =~ Cfr da die Ellipse q> = ^ mit der 
Ellipse A = Cj identisch und die El- 
lipse (p = c 2 mit A = c a identisch sind 
(Fig. 70). "Die einfachste Art dieses 
Netz zu zeichnen, besteht darin, die 

Geraden fc , / , N 

. g -j. ^ aa. cos ^ _ ^ 

und rechtwinklig zu ihnen die Geraden 
> | <YI = cos (g? + A) 

. fur Uquidistante Werte von <p + h und 
9? A zu ziehen. Die Ellipsen laufen 
150 diagonal durch die von den beiden 
M & Systemen von Geraden gebildeteni-echt- 

% iv v ^ ^ i. - a eckigen Felder. Die Skalen fttr q> und 
A, welche beide ffir beide VeranderHche Geltung haben, werden auf 
denKoordinatAnachsen aufgetragen. Die d-Skala wird auf der Ordi- 
natenachse angebracht, und ist mit den p- und A-Skalen auf dieser 
Achse identisch, denn die einem gegebenen Werte * - c entsprechende 
an^ ' Sm ' C ^ 6S ^ aUCh di6 9 rdina * e ^sjenigen Punktes, 
Die Skala fur das Azimut kann nicht ganz in derselben^ei^'w^e 

^^i^^t^S^SaT^ weil c sa die Neigung der Ge 

; | == 1, v = f "* J - - C Se cturc " 



Pig. 70. 



v - ' Eine d * n NnUpnnkt mit 

behebigei, Teilstriah dieser Skala yerbindende Gerade hat dS 



_ 12. Beziehnngen zwischen vier Veranderlichen 5 

Neigung der Geraden x = cos a, y = sin 6. Urn sie rait der Geraden 
x, y zur Deckung zu bringen, mu8 sie sicb selbst parallel verscboben 
werden, bis ihr Scbnittpunkt mit der Ordinatenacbse mit dem Teilstricii 
d zusammenfallt. Dies fubrt auf eine andere Art das Diagramm zu 
benutzen. Man zeichne ein Strablenbtiscbel vom Nullpunkt nach den 
Teilstrichen der Azimutskala (Fig. 70) und fuhre diese Zeicbnung 
auf durchsicbtigem Papier aus, welcbes man auf die Zeicbnung der 
Ellipsen legt. Flir einen beliebigen Wert von d verschiebt man es, 
sei es nacb oben oder.nach unten, so, daB das Zentrum des Strablen- 
biischels auf den Teilstricb d zu liegen kommt. Solange der Him- 
melskorper seine Deklination nicbt wesentlicb andert, setzt uns das 
Diagramm in dieser Lage in den Stand jeden der drei Werte 9, 7>, a 
aus den beiden anderen zu ermitteln. 

Als zweites Beispiel diene die Beziebung zwiscben der Dekli- 
nation #, dem Azimut a und dem Stundenwinkel t eines Himmels- 
korpers und der Breite 9 des Beobacbters. 

Diese Beziehung findet man, indem man die H6be li aus der 

ung sin d sin 9 sin li cos tp cos Ji cos a 

wegscbaift. Zu diesem Z we eke druckt man sin h und cos h durcb die 
anderen Winkel d, tf, a, 9 aus und setzt diese Ausdrucke an Stelle 
von sin/i und cosh in die Gleicbung ein. 
Wir haben 

cos h cos d -T , sin h = sin 9 sin S + cos g? cos d cos t. 

Setzt man diese Werte ein, so erbalt man: 

sin 6 = sin 3 ^ sin d 4" sin g> cos g> cos d cos t cos 9 cos d sin t ctg a 
oder cos 2 9 sin S * sin 9 cos 9 cos S cos t cos 9 cos 6 sin tf ctg a. 
Durcb Division mit cos 2 9 cos<? erhalt man schliefilicb 

tg $ = tg 9 cos ^ -- ctg a. 
cos 9 

Um diese Beziebung grapbiscb darzustellen, fiibrt man die Linien- 
koordinaten 



ein und erbalt y tg 9 cos ^ -- a/. 

Bedienen wir uns des zweiten Systems von Linienkoordinaten. Die 
recbtwinkligen Koordinaten g, <r\ des durcb die Gleicbung ausgedrdck- 
ten Punktes ergeben sick danacb als 



86 



Zweites Kapitel. Darstellung von Funktionen 



i 



sin t 
cosq?' 



tg (p cost. 



Die Kurven cp const, sind Ellipsen, cos 2 <jp 2 + 



Die Kurven = const, sind Hyperbeln 






. JlL, 

cos 2 * 



1. 



1. 



Die Ellipsen und Hyperbeln sind konfokal; die Brennpunkte fallen 
in die Punkte 5 sa = 1, 17 = 0, so daB die Kurven sich rechtwinklig 
schneiden. 

Die Skala fur cp kann auf der Ordinatenachse an den Punkten, 
wo sie die Ellipsen schneidet, aufgetragen werden. Sie ist mit der 
Skala fur S identisch, da in beiden Fallen die Ordinate die Tangente 

des Winkels ist, mit dem einzigen Unter- 
schiede, daB 6 auf dem negativen Teil 
der Achse negafciv ist und g> nicbt. Die 
t- Skala kann auf einer der dem h5ch- 
sten in Betracht kommenden ^-Werte ent- 
sprechenden Ellipsen aufgetragen werden. 
Diese Ellipse bildet dann die Grenze der 
Zeichnung, so daB hohere <p-Werte nicht 
dargestellt sind. Dem Azimut entspre- 
cbend zeicbnet man ein Stranlenbiischel 
auf durchsichtiges Papier, welches man 
auf die Zeichnung der Kurven legt. Das 
Zentrum des Strahlenbuschels wird auf 
den Teilstrich d gelegt, und das Azimut 
ist gleich den von den Strahlen mit der 
positiven Bichtung der Ordinatenachse 
gebildeten Winkeln (Fig. 71). Es genugt, 
wenn man die Kurven und die Strahlen 
nur auf einer Seite der Ordinatenachse 
zeichnet. An dem Scheitelpunkte der Hy- 
perbeln andert sich der Wert von t plo'tz- 
lich. Die Linie t = 6 fc ist vom Brennpuhkt 
| *** 1 ? ^ B. o ausgehend gedacht. Wenn das Zentrum des Strahlen- 
buschels im Nullpunkt liegt, fallen die Strahlen rait den Asymptoten 
der Hyperbeln zusammen; a 15 entspricht t =* 1 A , a 30 
t = 2 h usw 




Fig. 71 



13. Graphische Integration 87 

Drittes KapiteL 

Die grapMschen Metlioden der Differential- und Integral- 

rechnuug. 

13. GrrapMsche Integration. 

Im vorhergehenden haben wir gezeigt, wie sich die elementaren 
matbematischen Operationen der Addition, Subtraktion, Multiplikation 
und Division und ihr Gegensttick, die Ermittelung der Wurzeln einer 
Gleichung, auf grapbischem Wege ausfuhren lassen, und wie Funk- 
tionen einer oder mehrerer Yeranderlicher graphiscn dargestellt und 
behandelt werden kSnnen. Aber die graphischen Methoden wurden 
der allgemeinen Bedeutung entbehren und nur von sehr beschranktem 
Nutzen sein, wenn sie sich-nicht aucb auf die infinitesimalen Opera- 
tionen der Differentiation und Integration anwenden lieBen Ja, ge- 
rade hier zeigt sich erst ihr voller Wert. Denn bei Anwendung der 
Differential- und Integralrechnung auf naturwissenschaftliche und 
technische Probleme sind die betreffenden Funktionen oft nur gra- 
phisch gegeben, wahrend ihr eigentlicher analytischer Ausdruck un- 
bekannt ist. Man kann sie durch analytische Ausdriicke annahern. 
Aber die Berechnung und Behandlung der Annaherungen wSre in 
vielen Fallen weitlaufig und unbequem. In solbhen Fallen ist es von 
der allergrofiten Wichtigkeit, daB man die Operationen der Infini- 
tesimalrechnung ausfuhren kann, obgleich die Funktionen nur gra- 
phisch gegeben sind. 

Beginnen wir mit, del* Integration, weil sie leichter und allge- 
ineiner anwendbar ist als die Differentiation. 

Denken wir Tins eine Funktion y => f(x) durch eine Kurve ge- 
geben, deren Ordinate y und deren Abszisse x ist Es gilt eine Kurve 
zu finden, deren Ordinate J ein Integral d.er Funktion f(x) ist 

X 

Y-ff(x)dx. 

a 

Wir wollen die Langeneinheit der Abszissen von der der Ordi- 
natexi unabhangig festsetzen Der Wert von T mifit den Inhalt der 
Flache, die von den a und x entsprechenden Ordinaten der Kurve 
y = f(x) und der #-Achse begrenzt wird, wobei das von den L&ngen- 
einheiten von x und y gebildete Kechteck als Flacheneinheit zu Grunde 
gelegt ist 



gg Drittes Kapitel. Graphiscbe Infinitesimalrechnun g 

la dem einfachen Falle, wo f(x) eine Konstante 1st, wird die 
Gleichung y f(x) = c durch eine Parallele zur ;E-Achse dargestellt 
and ;t 



= / cdx 

*' 



j a). 



Y ist die Ordinate einer Geraden, die die #-Achse im Punkte x = a 
schneidet. Die Konstante c ist die Verilnderung von Y fiir einen 
Zuwachs 1 des Wertes von x. Ist P der Punkt der #-Achse, wo 
x 1, und Q der Punkt, wo die Gerade y = c die Ordinatenachse 
schneidet (Fig. 72), so ist die gesuchte Gerade eine Parallele zu PQ. 
Man konstruiert sie, indem man durch den Punkt x a der #-Achse 
(Fig, 72, wo a *** 0) eine Parallele zu PQ zieht. 

Die Addition eines gegebenen 

Wertes t\, welche der Gleichung 

die Form 

Ycfa aj + Ci 

gibt, ist gleichbedeutend rait einer 
Verschiebung der Geraden um den 
*#Betrag c t in der Eichtung der Or- 
dinatenachse. Fiir x = a hat man 
_,. nt> dann Y = c , so dafi man die 

irig. ?j. f* * 

Gerade v (^ \ i ^ 
JL ss = s> c\x a) + Cj 

erhalt, indem man eine Parallele zu PQ durch den Punkt x * a, 
.# t'i legi 

Als zweiten Fall wollen wir annehmen, da8 die Kurve y = f(x) 
aus einer Anzahl von Abs&tzen besteht, d. h. daB die Funktion in 
gewissen Zwischenraumen x = x bis # a , ir 2 bis a; 3 usw. verschiedene 
konstante Werte annimmt, die sich bei x 2J %$ usw. plotzlich ver8,n- 
dern. Bei der das Integral 




darstellenden Kurve Sndert sich die Ordinate nicht pldtzlich. Die 
Kurve besteht in einer stetigen gebrochenen Lime, deren Ecken die 
Abszissen x%, x%, usw. haben. Die Eichtungen der einzelnen Absiitze 
findet man auf die eben beschriebene Weise, mit Hilfe des von P 
ausgehenden Strahlenbtischels nach den Punkten a, /?, y, usw, (Fig. 73), 
wo die Horizontalen die Ordinatenachse schneiden. Um diese ge- 
brochene Linie zu konstruieren, zeichnet man eine Parallele zu Pa 



13. Grrapbiscbe Integration 



89 



dureb den Punkt x = a? 4 (in Fig. 73 ist x l = 0) bis zu der Senk- 
rechten x -= # 2 . Dureb ihren Schnittpunkt mit der Senkrechten a; tf 2 
wird eine ParalLele zu P/3 bis zur Senkrecbten x % und durcb. 
deren Scbnittptmkt mit der Senkrechten # o? s eine Parallele zu Py 
gezogen und so fort. 

SchlieBlich wollen wir den Fall einer frei gewiiblten, durcb eine 




JvCr::.,., 

. *"" "* "* * 



beliebige Kurve dargestellten Funktion y 
Kurve 



betrachten. Um die 



zu feaden, setzen wir an Stelle von y - /"(a?) eine Funktion, die aus 
verseHedenen konstanten Werten in verschiedeneri AbsUtzen besteht, 
und deren Wert sicb plOtzlich findert t wenn X von einem Absatz in 
den nacbsten ubergebt, so daB die die Funktion darstellende Linie 
eine Beibe YOQ Stufen bildet, die je nach der Abnabme oder Zu- 
nahme von f (a?) nacb unten oder oben fiibren. Diese Stufen sind in 
folgender Weise angeordnei Der liorizontale Teil ^^ der ersten 
Stufe (Fig. 73) geat von einem beliebigen Punkte A l der gegebenen 
Kurve aus. Der senkrecbte Teil A^ und das B&chstfolgende hori- 
zoatale Stuck S t B 9 werden dann so gezeicbnet, daB B 1 B^ die Kurve 
scbneidet und daB das Integral der gegebenen Kurve bis zum Schnitt- 
punkt K b dem Integral der Stufenlinie bis zu demselben Punkte gleicn 
ist, d. 1. der Inbalt der von der gegebenen und der Stufenkurve be- 
grenzten Elacne mu8 auf beiden Seiten des senkrechten Stuck es Ag L B l 



90 Drittes Kapitel. Graphische Infinitesimalrechnung 

gleich sein. Wenn iiber K b verfugt ist, kann die richtige Lage von 
A^ leicht nach AugenmaB mit hinreichender Genauigkeit ange- 
geben werden. Das Auge 1st fur GroBenunterschiede kleiner Flachen 
recht empfindlich. Zudem vergrb'Bert jede Versehiebung von A^B^ 
nach recnts oder links den einen und verringert gleichzeitig den an- 
deren Flachen teil, so daB sich scbon eine geringe Abweichung von 
der ricbtigen Lage bemerkbar macht. Ebenso wird das senkrechte 
Stiick JS S C der nacbsten Stufe J? 2 C, C 2 so gelegt, daB die Flachen 
auf beiden Seiten einander gleicb sind. Das Integral der gegebenen 
Kurve bis zum Punkte K c wird dann wieder den gleicben Wert 
haben wie das Integral der Stufenlinie bis K c und so aucb bei den 
ubrigen Stufen. Das Integral der Stufenlinie konstruiert man auf die 
oben bescbriebene Weise. Es wird dargestellt durcb eine gebrochene 
Linie, die vom FuBpunkte der Ordinate von A l ausgeht. Die Ecken 
liegen auf den senkrechten Absatzen, oder ibren VerlS-ngerungen. Es 
ist leicbt einzusehen, daB sich die gebrochene Linie aus einer Reihe 
von Tangenten der Integralkurve 



X 

-//()***) 



zusammensetzt, deren Beriihrungspunkte auf denselben Senkrechten 
liegen wie die Punkte A^ K b , K c usw. (In Fig. 73 sind diese Punkte 
mit 0, 2, 3, ... bezeichnet). DaB diese Punkte auf der Integralkurve 
liegen, folgt aus der Anordnung der Absatze, nach welcher das In- 
tegral der gegebenen Funktion in K b , -5T C , . . . gleich dem Integral der 
Stufenlinie ist. Nun stimmen in den Punkten A l K t> K c . t . die Ordi- 
naten der gegebenen Kurve mit denen der Stufenlinie iiberein; daher 
mtissen beide Integrallinien fur diese Abszissen dieselbe Bichtung 
haben. 

Nachdem man die gebrochene Linie konstruiert und die Punkte 
2, 3, 4 ... (Fig. 73) bezeichnet hat, zeichnet man aus freier Hand 
oder mit Hilfe eines Kurvenlineals die Integralkurve so, daB sie die 
gebrochene Linie in den Punkten 0, 2, 3 ... beruhrt. Da die gegebene 
Kurve ihre Ordinate nicht plotzlich Sndert, andert die Integralkurve 
ihre Eichtung nirgends plotzlich. Die Zeichnung ,zeigt, wie genau die 
Integralkurve durch die gebrochene Linie bestimmt ist. Es gibt tat- 
sachlich keine Moglichkeit, die Kurve merklich anders zu legen, ohne 
die Bedingungen.zu verletzen. 

Die Ordinate der Integralkurve ist hier in derselben Einheit ge- 

1) In Fig. 73 ist die untere Grenze 0. 



13. Graphische Integration 



91 



messen wie die Ordinate der gegebenen Kurve y == f(x). Es kann 
mitunter bequem sein die Ordinaten der Integralkurve in einem an- 
deren MaBstabe zu zeichnen als die Ordinaten der gegebenen Kurve. 
Der Wert des Integrals kann z. B. so groB werden, daB die Ordinaten 
der Integralkurve iiber die Dimension des Zeiehenbrettes hinaus- 
reichen wiirden, oder so klein-, daB ihre Anderungen niclit mit aus- 
reichender Genauigkeit meBbar waren. Im ersteren Falle verkleinert, 
im letzteren vergroBert man den Mafistab. Dies gesehieht, indem 
man den Punkt P, den Ausgangspunkt des Strahlenbtischels , das 
die Kicbtung der gebrocheneu Linie bestimmt, verlegt. Wenn P dem 
Nullpunkt naber geriickt wird, werden die Eicbtungen Pa, P^ 5 . . . 
steiler, und zwar gerade so viel wie wenn, bei unveranderter Lage 



Fig. 74. 




von P, die Ordinaten der borizontalen Teile A 1 A 2J B^B^,^ . . . in dem- 
selben Verbaltnis der beiden Entfernungen PO vergr5Bert wiirden. 
Daber werden durcb eine Yerkleinerung der Entfernung PO die Or- 
dinaten der sicb ergebenden gebrocbenen Linie im umgekehrten Ver- 
baltnis vergr5Bert. Umgekebrt werden durcb VergrSfierung der Ent- 
fernung PO die Ordinaten der sioh ergebenden gebrocbenen Linie 
im umgekehrten Verbaltnis der Entfernungen verkleinert, weil die 
Kicbtungen Pa, P^, ... sicb durcb Verlangerung der Entfernung PO 
in derselben Weise verandern wie wenn die Ordinaten von A 1 A 2 ^ I 
-Bi-Bg, . . . im umgekehrten Verbaltnis verkleinert waren. Die auf 
Grund der langeren Entfernung P'O konstmierte gebrochene Linie 
wird daher dieselbe sein, wie sie sicb ergeben wiirde, wenn die Ordi- 
naten der Stufenlinie verkleinert wiirden, und fiibrt daber auf eine 
Integralkurve, deren Ordinaten im gleichen Yerbaltnis kleiner sind 
(Fig. 74). 



92 Drittes Kapitel. Graphische Infinitesimalrecbnung 

Diese Art der grapbiscben Integration von 




1st niclit auf die Werte x > a besebrankt. Die Metnode 1st ebenso 
gut auf die Fortsetzung der Integralkurve filr 30 < a anwendbar, die 
Stufen miissen nur dann von rechts nacb links laufend gezeichnet 
werden. Die untere Grenze a bestimmt den Punkt, wo die Integral- 
kurve die #-Aebse schneidet. 

Es gibt eine Methode zur Konstruktion der senkrechten Abs&tze der 
Stufenlinie, die in mancben Fallen nutzlich sein kann, obgleicb man in 
der Eegel ohne sie auskornmt und einfach nacb Augenmafi zeicbnet. Es 
seien A und B (Fig. 75) zwei benacbbarte Scbnittpunkte der Kurve mit 
borizontalen Abscbnitten der Stufenlinie; das 
- zwischen A und B liegende Stuck der Kurve 
sei ein Stuck einer Parabel, deren Achse der 
#- Achse parallel ist. Die Lage des senkrecbten 
Absclmitts der Stufe zwiscben A und B ist 
dann durcb eine einfache Konstruktion be- 
stimmbar. Man lege durcb den Halbierungs- 
punkt der Sebne AB (Fig. 75) eine Par- 
allele, CD zur &- Achse, welche die Parabel in 
D scbneidet. Der senkrecbte Teil der Stufe EH scbneidet CD in 
einern Punkte zwiscben C und D, dessen Entfernung von C doppelt 
so grofi ist wie seine Entfernung von D. DaB dies die ricbtige Lage 
von EH sein muB, folgt, wenn bevviesen werden kann, daB der FlSchen- 
inhalt von ADBQA gleich dem des Recbtecks EH B Gist. Die Fliiche 
ADBGrA zerfallt in zwei Teile: das Dreieck ABG und die von der 
Kurve und der Sebne eingescblossene Flacbe AD BOA. Das Drei- 
eck ist gleicb dem Recbteck FJBG-, wabrend ADBCA gleicb zwei 
Dritteln des Parallelogramms MNBA und daber gleicb dem Recbt- 
eck EHJFht. Zusammen sind sie also gleicb dem Recbteck EHB G 
und die von Stufenlinie und Kurve eingescblossenen Flilcben auf bei- 
den Seiten von EH sind daber inbaltsgleicb. 

Nimmt man die Kurve zwiscben A und B als Stuck einer Parabel 
an, deren Achse mit der Ordinatenacbse parallel ist, so muB die Kon- 
struktion etwas vera"ndert werden. Durcb den Halbierungspunkt C 
der Sebne AB (Fig. 76) lege man eine Senkrecbte^ deren Scbnitt- 
punkt mit der Parabel D sei. Auf CD sucbe man den Punkt 7f 
zwiscben C und D, dessen Entfernung von C doppelt so grofi ist 
wie die von D uud lege durch ibn eine Parallele zur Sebne AB, 



13. Graphische Integration 



93 



Die Parallele schneidet eine durch C gelegte Horizon tale im 
Punkte L. 

Dann muB EH durch L gelieu, vvie sich fblgendermaBen beweisen 
laBt. Der Inhalt der von der Parabel ADB und der Sehne AB be- 
grenzten Flache ist gleich zwei Dritteln dcs Fliicheninhaltes von 
MNBA, wenn MN die Tangente der Parabel im Puukte 1) ist. 
Nennen wir den Sehnittpunkt von NM mit der durch (7 laufenden 
Horizontalen D', so haben wir offenbar 

/y T 2 /"> n' 

is Lt = ~- O JJ 

Also ist das Rechteck E1IJF der von Parabel 
und Sehne begrenzten Flache inhaltsgleich und 
EHBG ist inhaltsgleich ADSGA. 

Jede beliebige Kurve kaim an jeder 
Stelle durch ein Parabelsttick angenahert 
werden, wenn der anzunuherude Toil der 
Kurve klein genug gewilhlt wird. Ist die 
Richtung der Kurve nirgeuds den Ko- 
ordinatenachsen parallel, so konnen beide 
Arten von Parabeln als AnnShe- 
rung verwendet werden, sowohl 
die, deren Achsen der.r-Aelise, wie 
die dereti Achsen der ?/- Achse par- 
allel sind. Ist aber die Richtung der Kurve in einem ihror Puukte 
horizontal (Fig. 76), dann konnen nur die Parabeln mit senkrechter 
Achse, und ist sie in einem Punkte vertikal, nur die mit homontaler 
Achse benutzt werden. Jenachdem muB also die eine oder die andere 
Konstruktion gewahlt werden, um die Lage des senkrechten Stufen- 
absatzes zu bestimmeu. 

Man zeichne die Stufen nicht zu klein. Obgleich man dadurch 
den Unterschied zwischen der gebrochenen Linie und der Integral- 
kurve verkleinern wurde, so erwUchst aus der groficreti Anzahl von 
Eeken der gebrochenen Linie die Gefahr der Summierung von kleinen 
Zeichenfehlei*n, die an den Ecken nicht gan/ zu yermeidcn yind. Nut- 
die praktische Erfahruug lehrfc die der Methode angeniessenste Stufen - 
grb'Be zu finden. 

St.tische Momente von Flache u konnen durch doppelte Integra- 
tion gefunden werden. Betrachten wir die von der Kurve y f(x) 
(Fig. 77), der re- Achse und den Ordinaten JF= und a= g begi-enzte 
Flache. Das statische Moment mit. Bezug auf die durch or =* g ge- 




Fig. 76. 



94 



Drittes Kapitel. Graphische Tnfinitesimalrechnung 



legte Senkrechte 1st das Integral der Produkte jeden Elements 
ydso und seiner Entfernung x von der Senkrechten 




Betrachten wir M als Funktion von 
so ergibt die Differentiation 



Man erkennt also, dafi eine graphische Integration der in x an- 
fangenden Kurve y = f(x) die Kurve liefert, deren Ordinate -jy ist. 

Daber wird eine zweite Integration dieser letzteren Kurve die Kurve M 
als Eunktion von ergeben. Da M fur = verschwindet, muB die 
zweite Integration auch bei der Abszisse x = anfangen. 




Fig. 78. 



Pig, 78 zeigt ein Beispiel. Jede Ordinate der durck die zweite 
Integration gefundenen Kurve ist das statische Moment der auf ibrer 
linken Seite liegenden Flacbe mit Bezug auf die Vertikale durcb die- 
selbe Ordinate. Die am weitesten nacb rechts liegende Ordinate ist 
das statiscbe Moment der ganzen Flacbe mifc Bezug auf die recbts- 
iiegende Vertikale. Das statiscbe Moment der ganzen Flacbe init Be- 



13. Graphische Integration 95 

zug auf eine Vertikale durch einen beliebigen Punkt x 1 1st das Integral 



/ 0*i x 

a 

Betrachtet man es als Funktion von x^ so 1st sein Diflerentialkoeffizient 

fd r 

J "dx\ & ~ *> ydx = J ydx - 



Das besagt, daB der Differentialkoeffizient von x 1 unabbangig und 
also das statische Moment durch eine Gerade dargestellt 1st. Da sein 
Differentialko efficient durch die Horizontala durch den letzteji Punkt 
rechts auf der Kurve x 



jydx 



dargestellt 1st, findet man die Richtung der Geraden, indem man eine 
Linie durch den Punkt P und den Schnittpunkt Q der Horizontalen 
mit der Ordinatenachse zieht (Fig. 78). Die Lage der Geraden isfc 
dann bestimmt durch die Bediugung, da6 



fur # = dein statischen Moment 



gleich ist, man braucht daher nur durch den letzten Punkt E der 
durch die zweite Integration gefundenen Kurve fur M() eine Par- 
allele zu PQ zu ziehen. Die Ordinaten dieser Geraden fur eine be- 
liebige Abszisse x l stellen die Werte von 

I 
e t x)ydss 



in der Langeneinheit der Ordinaten gemessen, dar. Der Schnittpunkt E 
mit der ic-Achse bestimmt die Lage der Senkrechten, in Bezug auf 
vvelche das' statische Moment gleich Null ist, d. h. der durch den 
Schwerpunkt ftihrenden Senkrechten. 



96 Drittes Kapitel. Graphische Infinitcsimakechnung 

Das Tragheitsmoment der Flache 

ft** 

6 

in Bezug auf die Achse x = | laBt sich auf dieselbe Art ermitteln. 
Es wird ausgedriickt durch das Integral 



Betrachtet man es als Funktiou von , so ergibt die Differentiation 

" 6 

dT -\(* xV* 
-jjj L(s &) $ 



d. h. der DifFerentialkoeffLzient ist zweimal so groB wie das statische 
Moment in Bezug auf dieselbe Acbse. Dies gilt fur jeden Wert von |. 
Man erhalt also durch Integration der Kurve fur Jf() den Wert ^T 
als Funktion von J. Fur g hat man T == 0, so dafi die Kurve 
auf der a;- Achse in = anfangt. 
Das Integral 

jydx 

a 

1st Null fttr a? = a. Die das Integral darstellende Kurve muB die 
x- Achse in x == a schneiden (wobei Werte x > a und x < a zuge- 
lassen sind) und von diesem Punkte ausgehend konstruiert man die 
gebrochene Linie. LaBt man sie statt dessen vom Punkte x = a, # = <? 
ausgeben, so ist der einzige Unterschied, daB die ganze Integralkurve 
parallel zur Ordinatenachse um einen Betrag c nach oben, wenn c 
positiv, und nach unten, wenn c negativ ist, verschoben wird; di* 
Form der Kurve aber bleibt unverandert. Etwas anderes ist es, wenn 
die Kurve zum zweiten Mai integriert wird. Denn statt 

X X 

J ydx integriert man nun J ydx + c. 

a a 

Die Ordinate dor Integralkurve wird daher um einen Betrag = c(x ) 
verandert, und wenn zudem die zweite Integralkurve in x - a, y (\ 
anstatt in x = a, y = anfangt, so betragt die Veranderung 

c(x a) + %, 

so daB die Differenz zwischen den Ordinaten der neuen Integralkurve 
und den Ordinaten der Geraden 



13. Graphische Integration 



97 



y C (x a) + 6^ 

den Ordinaten der ersten Integralkurve (Fig. 79) gleich wird. 

Diesc Wirkung der Hinzuaddierung eincr linearen Funktion 2u 
den Ordinaten der Integralkiirve wird ebenfalls erreicht durch ein 
Verschieben des Pols P iiack oben oder unten. Denn es kommt offen- 
bar auf dasselbe hinaus, ob die zu integrierende Kurve urn den Be- 
trag c nach oben oder ob der Punkt P um denselben Betrag nach 
unten verscboben wird, so daB die gegenseitige Lage von P und der 
zu integrierenden Kurve zu einander dieselbe 1st wie vorlier. Eine 



Fig. 7y. 




Veranderung der Ordinate von P um c verSndert die Ordinaten 
der Integralkurve um c(x a). c(x a) ist die Ordinate einer zu 
der Verbindungslinie von dem neuen P mit dem Nullpunkt parallelen 
Geraden. 

Durch dieses Verfahren, die Verschiebung von P nach oben oder 
unten, gelingt es mitunter die Integralkurve ohne Verkleinerung des 
MaBstabes der Ordinaten innerhalb der Dimensionen des KeiBbretts 
zu behalten. Eine gute Regel ist, die Ordinate von P etwa gleich 
der mittleren Ordinate der zu integrierenden Kurve zu wilhlen. Die 
Ordinaten der Integralkurve werden dann an beiden Enden ungefahr 
gleich sein. Der Wert des Integrals 

X 

J yd? 



ist gleich der Differe&z zwischen der zu x geh<5rigen Ordinate der 
Integralkurve und der zu x gehorigen Ordina,te einer parallel zu PO 




98 Drittes Kapitel. Graphische Innnitesimalrechnung 

durch den Puakt der Integralkurve mit der Abszisse a gelegten Ge- 
raden. bedeutet dafiir den Anfaugspunkt des Koordinatensystems 
und P braucht nicht auf der ru-Achse zu liegen. 

Wenn die Ordinate von P genau gleich der mittleren Ordinate 
der zu integrierenden Kurve fiir das Intervall x = a bis 6 1st, werden 
die Ordinaten der Integralkurve an beiden En den genau gleich sein. 
Aber die mittlere Ordinate 1st nicht bekannt, bevor nicht die Kurve 
integriert ist. 

JSTachdem sie integriert ist, findet man die inittlere Ordinate fur 
den Zwischenraum cc = a bis 6, indem man durch P eine Parallele 
zu der Sehne AB der Integralkurve legt, wo die Punkte A und 7> 
zu den Abszissen x = a und x = b gehoren. Diese Gerade schneidet 

die Ordinatenachse in eiuem Punkte, 
dessen Ordinate die inittlere Ordi- 
nate ist. 

Denken wir uns uinen Balken, der 
an beiden Enden unterstiitzt und mit 
einer Last belastet ist, die so verteilt 
sei, wie Fig. 80 es zeigt, d. h. die auf dx ruhende Last sei gemessen 
durch die Flache ydx. Integrieren wir diese Kurve graphisch, indem 
wir im Punkte A anfangen und P auf der Linie A B annehmen. Die 
letzte Ordinate im Punkte JE? der Integralkurve 

.r 

fyd* 

a 

gibt die ganze Last und ist daher gleich der Summe der beiden Auf- 
lagerdrucke in A und J5, die der Last das Gleichgewicht halten. 
Durch die zweite Integration dieser Kurve erhalt man die Kurve, 
deren Ordinate gleich 

X * 

CYdx, ist, wo Y fur Jydx 

a a 

geschrieben ist. Die Ordinate dieser Kurve an einem beliebigen Punkte 
x == stellt das statische Moment der Last zwischen den Senkrechten 
x = a und x = g in Bezug auf die Achse x =* dar. Ihre letzte 
Ordinate BM (Fig. 81) ist das Drehungsmoment der ganzen Last 
um den Pankt B und, da die Auflagerdrucke die Last im Gleich- 
gewicht halten, muB es dem Drehungsmoment der Auflagerdrucke 
um deaselben Punkt und daher dern Drehungsmoment des Auflager- 




druckes in A urn JS entgegengesetzt sein. Wir haben also, wenn 
der Auflagerdruck in A mit F a bezeichnet wird, 



d. h. F a ist gleicToi der mittleren Ordinate der Kurve 

X 

Y^fydx 

a 

in dem Intervall x a bis &. Die mittlere Ordinate findet man, in- 
dem man eine Parallele zu AM durch P ziebt, welche die Senkrechte 
durch A ira Punkte F schneidet, so daB AF = F a . Da DJ5 der 
Surame beider Auf lagerdrucke gleicb ist, wird eine Horizontale durch 
F die Strecke DJ5 in J? = F a und (?D F b teilen. 

Verscbiebt man P auf die Horizontale FG nacb P' und wieder- 
holt die Integration 



so erhiilt man eine Kurve mit gleicben Ordinaten an beiden Enden. 
Fangt man in A an, so muB sie in B enden. Ihre Ordinaten sind 
gleicb der Different der Ordinaten der Sebne ^ Jlund der Kurve AM 
(Fig. 81) und stellen das Drebungsmornent aller auf einer Seite eines 
beiiebigen Punktes des Balkens angreifenden Krafte um diesen Punkt 
dar (Last und Gegendruck des Auflagers). 



100 Drittes KapiteL Graphische Infipgtesimalrechnnng 

Der Flacheninhalt einer geschlossenen Kurve lafit sich durch Inte- 
gration uber die ganze Grenzlinie ermitteln. Setzen wir x a und 
x = b als die beiden auBersten Abszissen einer gescblossenen Kurve, 
so daB die Senkrechte x = a die Kurve ira Punkte A, und die Senk- 
rechte x b sie im Punkte B bertihrt (Fig. 82). Durch A und B 
ist die geschlossene Kurve in zwei Teile zerlegt, deren jeder A und 
B verbindet. Bezeichnen wir den oberen Teil mit y^f v (x) und den 



Fig. 82. 




unteren mit y f%(x), dann ist der Flacheninhalt im ganzen sleich 
der Different 8 

r r - ? 

Jt\(x)dx -Jft(x)dx Oder gleich J f^x)** + f\(x)dx. 

"a a ' { 

Wir lassen die Integralkurve liber den oberen Teii an einem be- 
liebigen Punkt E auf der Senkrechten x*~a anfangen und zeichnen 
die gebrochene Linie bis F auf der Senkrechten x = b (Fig. 82). 
Dann integrieren wir wieder zurttck, uber den unteren Teil und setzen 
die gebrochene Linie von F nach ^ fort. Die Linie EG, in der fur 
die Ordinaten gewShlten Langeneinheit gemessen, ist dann gleich 
dem Flacheninhalt. Die Flacheneinheit ist dabei gleich dem Recht- 
eck, das von PO und der Langeneinheit der Ordinaten gebildet wird. 
Der Flacheninhalt ist also gleich dem des von PO und E& ffebil- 
deten Eechtecks. 

Die Methode ist nicht auf den in Fig. 82 gezeichneten Fall be- 
schrJinkt. Fig. 83 zeigt einen komplizierteren Fall. Aber in alien 



13. Graphische Integration 



101 




Fallen, wo es nicht darauf ankommt, die 
Integralkurve, sondern nur darauf, die 
Differenz zwischen der ersten und der 
letzten Ordinate zu tinden, ist die Methode von geringem Wert, weil 
sie mit dem Planiraeter nicht konkurrieren kann. 

Beim Konstruieren der gebrochenen Linie sind bisher die Stufen 
so gezeichnet worden, daB die Flachen auf beiden Seiten des senk- 
rechten Stufenabsatzes einander gleich waren. Es ware gerade so 
zulassig, die Stufenlinien so anzuordnen, daB die Flachen auf beiden 
Seiten ihrer horiz ontalen Abschnitte einander gleich waren (Fig. 84). 



/ / 

// A 







Fig. 64. 



102 Drittes Kapitel. Graphische Infinitesimalrechnung 

Die gebrochene Linie wiirde sich dann aus einer Eeihe von Sehneu 
statt aus Tangenten der Integralkurve zusammensetzen. Die Punkte 
JT a , If 6 , ..., wo die horizontaleu Stufenabslitze die Kurve schneideri, 
wiirden die Abszissen derjenigen Punkte der Integralkurve angeben, 
wo ihre Eichtung der Eichtung der gebrochcnen Linic parallel ist. 
Aber dies hilt't zum Zeichnen der Integralkurve nur wenig, und das 
ist der Grund, warum die erste Methode, wo die gebrochene Linie 
aus Tangenten besteht, vorzuziehen ist. Wo es sich indessen nur 
darum handelt, die letzte Ordinate der Intcgralkurve zu linden, sind 
beide Methoden von gleichem VVerte. 

14. Graphisclie Differentiation. 

Die graphische Differentiation einer Funktion, die durch eine 
Kurve dargestellt wird, ist weniger befriedigend wie die graphische 

Integration, weil die Werte des Differen- 
tialkoeffizienten meistens durch die Kurve 
nicht sehr genau bcstimmt sind. Das Ver- 
fahren besteht darin, an die gegebene 
Kurve Tangenten zu legen, und durch P 
-H 1 ' Parallelen zu diesen zu ziehen (Fig. 85). 



\ ^ Die Schnittpunkte diescr Parallelen mit 

* der Ordinatenachse liet'ern die Ordinaten 
Flg " 85 ' der abgeleiteten Kurve. Die Abszisse zu 

jeder Ordinate stimmt mit der Abszisse 
des Bertihrungspunktes der entsprechendon Tangente ftberein. Die 
Hauptschwierigkeit besteht daiin, die Tangenten genau zu zeichnen. 
In der Eegel empfiehlt es sich, eine Tangente von gegebener Eichtung 
zu ziehen, und dann ihren Beruhrungspunkt zu bestimmen, anstatt 
zu versuchen, fiir einen gegebenen Beriihrungspunkt die Tangente 
zu ziehen. Eine Methode, den Beriihrungspunkt genauer als durch 
bloBe Anschauung zu bestimmen, besteht darin, zur Tangente parallel 
eine Anzahl von Sehnen zu ziehen und sie zu halbieren. Die Halbierungs- 
punkte bilden eine Kurve, die die gegebene Kurve im Beriihrungs- 
punkte der Tangente schneidet (Fig. 86). Wenn eine Anzahl Tangenten 
gezogen, ihre Beriihrungspunkte bestimmt, und die die Differentiai- 
koeffizienten darstellenden Punkte konstruiert sind, muB die differ en - 
zierende Kurve durch diese Punkte gezogen werden. Dies gelingt 
am sichersten mit Hilfe der Stufenlinie. Die hoiizontalen Stufenteile 
gehen durch die Punkte, wahrend die senkrechten Abschnitte jedesmal 
mit dem Schnittpunkt zweier aufeinander folgender Tangenten au'f 



14. Graphische Differentiation 



103 



derselben Senkrechten liegen. Die differenzierende Kurve verbindet 
die Punkte derart, daB die Fl&chen zwischen ihr und der Stufenlinio 
auf beiden Seiten jedes senkrechten Stufenabsatzes gleich sind. So 



Fig. 86. 




ergibt sick bei der graphischen DiiFerentiation geiiau dieselbe Eigur 
wie bei der Integration, nur werden die Operationen in umgekehrter 
Beihenfolge vorgenommen. 




Fig. 87, 



Eine Veranderung der Entfernung PO (Fig, 87) verJindert die 
Ordinaten der differenziercnden Kurve im selben Verhaltnia und aus 
demselben Grunde wie sie bei der Integration die Ordinaten der 



104 Drittes Kapitel. Graphische Infinitesimalrechnung 

Integralkurve verandert, aber im umgekehrten Sinne. Jede Anderung 
der Ordinate von P verschiebt nur die Kurve urn den gleiehen Be- 
trag naeh oben oder unten, sodaB, wenn gleichzeitig die #-Achse 
verandert und durch das neue P gelegt wird, die Ordinaten der 
Kurve sich gleicb bleiben und den Differentialkoeffizienten darstellen 
werden, 

1st eine Funktion /'(#, y) von zwei Veranderlichen durch ein 
Diagramm gegeben, welcbes die Kurve /*(#, y) = const, fur tiqui- 
distante Werte von f(x, y) zeigt, so konnen die partiellen Differen- 
tialkoeffizienten an einem beliebigen Punkte # , y Q gefunden werden, 
indem man Kurven zeichnet, deren Ordinaten f(x 9 y^) zur Abszisse $ 
oder /*(#< y) zur Abszisse y darstellen und die oben angegebene 
Methode anwendet. Zu diesem Zwecke zieht man eine Parallele zur 
oj-Achse z. B. durch den Punkt a? , y und errichtet an den Punkten, 
wo sie die Kurven f(x, y) const, schneidet, Ordinaten, die die Werte 
von /*(#, # ) in irgend einem passenden MaBstabe darstellen. Durch 
die so gefundenen Punkte ziebt man dann eine glatte Kurve und die 
Tangerite derselben im Punkte # liefert den Differentialkoeffizienten 

gfBr.-^y-y.. 

Die Difterentialkoeffizienten J-^ -~ lassen sich graphisch am 

besten durch eine Gerade darstellen, die vom Punkte # 7 T/, dem die 
Differentialkoeffizienten entsprechen, ausgeht und deron Ltinge und 
Eichtung derart sind, daB ihre orthogonalen Projektionen auf die 

,/} f 7\f 

x- und 7/-Achsen gleich ^~ und A- sind. Diese Linie stellt den Gra- 

dienten der Funktion f (a 1 , y) im Punkte x^ y dar. r ) Sie ist recht- 
winklig zur Kurve f(x, y) const., die durch den Punkt a?, y hiu- 
durchgeht. Hire B/ichtung ist die der steilsten Steigung. Ihre Lange 
miBt die Neigung der FlUche s = f(x^ y) in der Richtung der steilsten 
Steigung. Dies lafit sich durch Betrachtung der Neigung in einer 
beliebigen anderen Richtung zeigen, Verandern wir $ und y um 

r cos a, r sin a 
und betrachten wir die entsprechende Vertlnderung 

A# f(x + r cos , y + r sin a) f(x, y) 

der Funktion. Nach dem Taylorschen Lehrsatze kann man dafur 
schreiben 



1) Siehe Kap. IT, 10. 



15. Diiferentialgleichungen erster Ordnung 105 

Q / O f 

~~ r cos a + -rr- r sin a 4" Glieder hoherer Ordnung in r. 

# ist die Richtung vom Puukte #, ?/ nach dem neueu Puukte 
x + r cos a, T/ + r sin , und r ist die Entfernung der beiden Punkte. 
Teilt man A durch r und luBt r sich der Null nfthern, so findet man 

lini - = -5 cos a + o sin a. 
r ex oy 

Dieser Ausdruck miBt die Neigung der Fliiche g => /'(#, y) in der 
Richtung a. Fiihrt man nun die Liinge I und den Winkel A des 
Gradienten ein und schreibt 

df . . cf 7 . , 
.L j cos i ' = Z sin A , 
dx 3y 

1 f s\ f 

dann hat man cos a + : J- sin a I cos ( A). 

(j oc G y 

Das will sagen: die Neigung in einer beliebigen Richtung a ist pro- 
portional cos (a A)-, sie hat ihr Maximum in der Richtung des 
Gradieuten ( = A), wird Null in einer dazu rechtwinkligen Richtung, 
und negativ in alien Richtungen, die einen stumpfen Winkel dazu 
bilden. Werden alle drei Koordinaten in gleichen Einheiten gemes- 
sen, so ist die Lange von , in dieser Einheit gemessen, gleich der 
Tangente des Winkels der steilsten Neigung. Wenn die Llingen- 
einheit, in welcher die Werte von f(x, y) aufgetrageu sind, unver- 
andert bleibt, wahreud die den Werten x und?/ entsprechende Langen- 
einheit geandert wird, so verSndert sich die Lange des Gradienten 
wie das Quadrat der Langeneinheit. 

15. Differentialgleiclnmgen erster Ordnuag. 

Stellt man sich die Aufgabe eine Differ en tialgleichung erster 
Ordnung d y 

auf graphischem Wege zu loseu, so ist die erste Frage die, wie die 
Diflferentialgleichung graphisch gegeben sein soil. Wenn x und y die 
Werte rechtwinkliger Koordinaten bezeichnen, so ist die geomctrische 
Bedeutung der Diifferentialgleichung, daB an jedem Punkte .-, y, wo 
/*(#, y) detiniert ist, die Gleichung eine bestimmte Kurvenrichtung 
vorschreibt. Man denke sich durch alle Punkte, fur welche f(x, y) 
gewisse konstaute Werte hat, Kurven ge/.ogen, dann entspricht jede 
Kurve einer gewissen Richtung oder der entgegengesetzten. Bezeich- 



106 



Drittes Kapitel. Graphische Infinitesimalrechnung 





9 



nen wir nun die Kurven 
durch Zahlen oder Buch- 
stabeii, und zeichnen ein 
Strahlcnbusckel , dessen 
Strahlen mit denselben 
Zahlen oder Buchstaben 
versehen werden, in der 
Weise, da 8 jede von ihnen 
die Kichtung auf der mit 
der gleiclien Zabl oder 
dem gleicben Bucbstaben 
bezeichneten Kurve an- 
zeigt (Fig. 88). Die Zeich- 
nung beschrankt sicb na- 
ttirlick auf einen gewissen 
Bereich, innerhalb dessen 
wir die der Differential- 
gleichung geniigendeii 
Kurven aufzufinden be- 
absicbtigen. Es kann sein r 
dafi f(x,y) uber die Zeich- 
nung hinaus aucb noch 
defimert ist; diese Be- 
reiche miissen dann fiir 
sich behandelt werden. 
Die graphische Dar- 
stellung der Differential- 
gleichung im betrach- 
teten Bereich besteht in 
der Beziehung zwiscben 
den Kurven und den 
Strablen. Man beacbte 
besonders, daU diese Dar- 
stellung von dem Koordi- 
natensystem unabhangig 
.ist, mit dessen Hilfe die 
Kurven aus d er Gleicbtmg 



abgeleitet worden sind. 
Man katin nun ein be- 



16. Differ entialgleichnngen erster Ordnung 107 

liebiges Koordinatensystem , q einfuhren, und durch die Zeichnung 
die Gleichung j 



defmiercn, d. h. man kann den Wert von qp(|, 17) an irgend einem 
Punkte g, 12 unserer Zeichnung ermitteln. Wenn z. B. die Langen- 
einheit fur und 17 die gleiche ist, zieht man durch den Mittelpunkt 
des Strahlenbuschels in der Richtung der positiven -Aehse eine 
Gerade und in der Entfernung 1 vom Mittelpunkte eine dazu rechtwink- 
lige Gerade. Der Abschnitt auf der zweiten Geraden zwischen der ersten 
Geraden und dem Schnittpunkt mit einem der Strahlen liefert, in 
Langeneinheiten gemessen, und in der Richtung des positiven 77 po- 
sitiv gezahlt, den Wert von g>(g, 17) fur alle dem betreftenden Strahl 
entsprechenden Punkte g, 17. In dieser Beziehung ist die graphische 
Darstellung einer Differentialgleichung der analytischen Form iiber- 
legen, in welcher bestimmte Koordinaten benutzt werden und der 
Obergang zu einem anderen Koordinatensystem einige Bechenarbeit 
verursacht. 

Suchen wir nun einmal die durch einen gegebenen Punkt P auf 
der mit (a) bezeichneten Kurve (Pig. 88) hindurchgehende Kurve zu 
finden, die der Differentialgleichung gentigt. Man beginnt damit eine 
Reihe von Tangenten einer Kurve zu zeichnen, die als erste Annahe- 
rung dienen soil. Durch P zieht man eine Parallele zu dem Strahl 
(a) bis nach dem Punkte Q etwa in der Mitte zwischen den Kurven 
(a) und (ft). Durch Q wird eine Parallele zum Strahl (b) nach dem 
etwa in der Mitte zwischen den Kurven (fc) und (c) gelegenen Punkte 
Jt gezogen. Durch E legt man wieder eine Parallele zu dem Strahl 
(c 1 ) und so fort. Die diese gebrochene Linie an den Schnittpunkten 
mit den Kurven (a), (b) . . . bertihrende Kurve ist eine erste An- 
niiherung, aber man braucht diese Kurve nicht zu zeichnen. Um eine 
bessere Annaherung zu linden, fiihrt man ein System rechtwinkliger 
Koordinaten #, y ein, dessen aj-Achse etwa in der inittleren Richtung 
der gebrochenen Linie liegt. Nennen wir y^ die Funktion von #, die 
der ersten Annaherung entspricht. Dann erhlilt man die zweite An- 
naherung y 2 als eine Integralkurve von f(x, y) 

y =ss y 
y y p 

wo iCp, y p die Koordinaten von P bezeichnen. Zu diesem Zwecke muB 
zuerst die Kurve konstruiert werden, deren Ordinaten gleich f(x, y^) 
sind. Die Werte von /'(#, y^) findet man in den Punkten, wo die 



108 Drittes Kapitel. Graphische Infinitesiinalrechnung 

erste Annaherung die Kurven (a), (&) . . . schneidet, in der schou oben 
beschriebenen Weise. Durch den Mittelpunkt des Strahlenbiischels 
wird eine Parallele zur #-Achse gezogen und in einer als Langen- 
einheit gewahlten passenden Entfernung vom Mittelpunkt eine dazii 
rechtwinklige Gerade. Die Schnittpunkte dieser Geraden mit den 
Strahlen geben Abschnitte, deren LSngen gleich den Werten /*(#, y^) 
auf den entsprechenden Kurven sind. Diese Werte triigt man als 
Ordinaten zu den Abszissen der Schnittpunkte der ersten Anniiherung 
mit den Kurven (a), (&), . . . auf und zeichnet nun eine Kurve 



(Fig. 88). Diese Kurve integriert man graphisch, mit dem Punkte P 
beginnend, dann ist die Integralkurve eine zweite Anniiherung. Auch 
diese Kurve braucht man nicht zu zeichnen; wenn eine dritte An- 
naherung konstruiert werden soil, geniigt die gebrocheiie Linie. In 
diesem Falle mu6 das obige Yerfahren wiederholt werden, was dieses 
Mai viel schneller geht als vorher, weil die Werte /"(a?, y) auf den 
Kurven (a), ([>) . . . bereits konstruiert sind und zur Verfugung stehen 
Urn die Kurve Y = f(x, y,} 

zu finden, braucht man nur dieselben Ordinaten neuen Abszissen zu- 
zuordneu, den Abszissen der Schnittpunkte der zweiten Annaherung 
mit den Kurven (a), (&) ... Dann wird die Kurve 



gezogen und vom Punkte P anfangend graphisch integriert. 

Angenommen nun, die Integralkurve unterschiede sich nicht von 
der zweiten Ann&herung, so wiirde das bedeuten, daB 

2/2 y p +f& y*) dx oder da6 ^ f( x > %) - 



d. h. daB y% der Differentialgleichung geniigt. 

Wenn eine wahrnehmbare Abweichung besteht, stellt die Integral- 
kurve eine dritte AnnSherung dar. Picard hat gezeigt, daB man auf 
diesem Wege fortschreitend (unter einem unten zu entwickelnden 
Vorbehalt) die gegen die wahre Losung der DiiBferentialgleichung 
konvergierenden AnnSherungen findet, so daB nach einer Anzahl von 
Wiederholungen des Verfahrens der Fehler der Annaherung unmerk- 
lich werden muB. 

Bezeichnet man mit y n die Funktion der M-ten Annaherung, so 
hat man 



16. Differentialgleichungen erster Ordnung 109 



Unter denselben Anfangsbedingungen y = y fur x = x p geniigt 
die wahre Lflsung der Gleiehung: 



y 

Daraus ergibt sich, da6 



Oder 



Nehmen wir nun an, daB der absolute Betrag von 



fiir alle Werte von #, t/, y n innerhalb des betrachteten Bereichs eine 
gewisse Grenze M nicht liberschreitet, dann folgt daraus, daB die 
folgende Beziehung zwischen dem Maximalfehler von y n , der mit e n7 
uud dem Maximalfehler von y n i, der mit n4>1 bezeicbnet sei, be- 
stehen mu6. Da der absolute Wert des Integrals nicht groBer ist aLs 

Me n !*->! 
(wo I x x p I den absoluten Wert von x x p be^eichnet), so haben wir 



Folglich kann, so lange die Strecke x x p , liber welche inte- 
griert wird, so klein ist, daB 



der Maximalfehler von y n +i nicht groBer sein, als ein gewisser 
Bruchteil des Maximalfehlers von y n . Ebenso aber folgt es, daB der 
Pehler von y n nicht groBer sein kann als derselbe Bruchteil des 
Maximalfehlers von y w _i und so fort, so dafi 



Da aber c l eine Konstante ist und Jc eine Konstante, die kleiner ist 



HO Drittes Kapitel. Graphische Infinitesimalrechnxmg 

als 1, so mufi k n e^ fur einen hinreichend hohen Wert von n so klein 
werden, wie man will, d. h. die Annaherungen konvergieren gegen 
die wahre LSsung. 

Da M erne gegebene Konstante ist, so wird die Bedingung der 
Konvergenz M\*-x,\k<l 

I p i -__ 

die Integration in der Richtung der #-Achse beschr&nken; aber das 
Verfahren kann trotzdem fortgesetzt werden, denn man kann jeden 
beliebigen Punkt P', der mit hinreichender Genauigkeit erreicht ist, 
zu einem neuen Ausgangspunkt machen, indem man eine der nenen 
Annahme angemessene neue #-Achse einfuhrt. In der Regel wird es 
sich nicht lohnen, den Wert von M zu ermitteln, um dann vermit- 
telst desselben das MaB der Konvergenz festzustellen, die Konstrnk- 
tion der Annaherungen selbst zeigt gewohnlich deutlich genug, wic 
weit die Integration auszudehnen ist. Sobald zwei aufeinander fol- 
gende Ann^herungen keine Abweichungen voneinander zeigen, stellen 
sie die gesuchte Kurve, d. h. die wahre L<5sung dar. 
Angenommen, dafi f(x ^ y ^ _ f(x ^ y) 

y* y 

fur alle in Betracht kommenden Werte von ic, #, y n eiu negatives 
Vorzeichen hat, angenommen ferner, dafi y n y fiir die ganze Aus- 
dehnung der Integration 



das gleiche Vorzeichen hat, d. h., daB die AnnSLherungskurve y n ganz 
auf einer Seite der wahren Kurve liegt, dann muB ofFenbar, wenn 
x x positiv ist, y n +i y das umgekehrte Zeichen haben wie y n ?/, 
oder die Annaherungskurve 2/ w+1 liegt ganz auf der anderen Seite 
der wahren "Kurve, wie y n . Ftir dieso und alle folgenden AnnShe- 
rungen muB die gesuchte Kurve zwischen zwei aufeinander folgenden 
Annaherungen liegen. Wenn die erste Anniiherung y t ganz auf einer 
Seite der gesuchten Kurve liegt, gilt der Satz fiir je zwei beliebige 
aufeinander folgende Annaherungen. Dies ist fiir die Schatzung des 
Fehlers sehr bequem. 

In Pig. 88 ist ffo &)/( y) 

2/ y 

vom Punkte P bis in die Nahe von 8 negativ. Die erste Anniiherung 
liegt ganz oberhalb der gesuchten Kurve. Daher muB die zweite An- 
nU,herung in dem Stticke von P bis etwa 8 darunter liegen. 



15. Different* algleichungen erster Ordnung JJJ 

Wenn das Vorzeiclien von tfayJ ffatf positiv ist, gilt der- 

y n y e 

selbe Satz fur negative Werte von x x p . Wenn man in der posi- 
tiven aj-Richtung integriert hat, kann es sich empfehlen, das Ergebnis 
durch Integration nach riickwSrts nachzupriifen , wobei man von 
einem erreichten Punkte ausgeht und sich vergewissert, ob die Kurve 
zum ersten Ausgangspunkt zuriickkehrt. In dieser Bichtung hat man 
den Vorteil, dafi die gesuchte Kurve zwischen aufeinander folgenden 
Anniiherungen liegt, und kann die Genauigkeit der Zeichnung besser 
beurteilen. 

Wir haben gesehen, daft die Konvergenz von dem Maximum des 
absoluten Wertes von _ 



fiir alle in Betracht kommenden Werte von it', y, y n , abhJlngig ist. 
Um diesen Maximalwert ZM finden, konnen wir ebenso gut 



fiir alle Werte von #, y im betrachteten Bereich untersuchen f denn, 

/) /' 
wenn man -^ als stetige Funktion von y voraussetzt, so folgt, dafi 

der DiflFerenzenquotient /"fe yj f(%, ?/) 

9t Vn ~~ y 

gleich -^ fiir denselben rr-Wert und einen zwischen y uud ?/ rt liegen- 

den ^-Wert sein muB. Dies ist sofort ersiehtlich, wenn man f(x, y) 
als Ordinate zur Abszisse y fur einen bestimmten x-Wert auftragt. 
Der Wert des Differenzenquotienten wird bestimmt durch die Neigung 
der Sehne zwischen den beiden Punkten mi* den Abszissen y und y n . 
Die Neigung der Sehne ist gleich cler Neigung der Kurve an einem 
bestimmten zwischen den Enden der Sehne liegenden Punkte Der 

O f 

Wert von ^ an diesem Punkte ist gleich dem Werte von 



Ermitteln wir nun, wie das Koordinatensystem am besten zu 
wahlen ist, urn g -- so klein wie mSglich zu machen und so die beste 

Konvergenz zu erzielen. Zu diesem Zwecke wollen wir untersuchen, 
wie sich bei einem Wechsei des Koordinatensystems der Wert von 

- an einem bestimmten Punkte ftndert. 



112 Drittes Kapitel. Graphische Infiniteaimalrechnuag 

Geben wir von einem gegebenen System recbtwinkliger Koordi- 
naten |, ij aus und schreiben mit diesem die Differentialgleicbung 



Die Riebtung der die Differentialgleichung befriedigenden Kurve 
bildet mit der positiven |-Acbse einen Wink el a, den die Formel 



bestimmt (vorausgesetzt, daB die Koordinaten in der gleichen Ein- 
heit gemessen werden). Fiibren wir nun ein neues System recht- 
winkliger Koordinaten x, y ein, das mit dem , ^-System in Be- 
ziehung gesetzt wird durch die Gleichungen 

x = | cos co -f *YI sin w y = sin o> + n cos eo, 
welche gleichbedeutend sind mit 

| = it; cos co j/ sin w i] ~ x sin w + # cos co , 



wo w den von der positiven #-Richtung mit der positiven *Rich- 
tung gebildeten Winkel in der iiblichen Weise von \ nach x gezahlk 
bezeichnet. 

Der von der Richtung der Kurve mit der positiven Ricbtung der 
.-r-Achse gebildete Winkel ist a w und daber 



Folglicb erbalten wir fiir einen gegebenen Wert von w 

a/; ^ _______ i__ fa 

dy cos 8 (a CD) \dy 
oder, da ct als eine Funktion von 5 und 77 gegeben ist, 



Der Einfachheit balber nebmen wir an, daB die -Acbse die Taa- 
geate der durcb den gegebenen Punkt bindurcbgehenden Kurve 

9& n) 5as const, sei, so daB ^? 0. 
Dann haben wir 



COS 



/ 

und es gilt nun, zu ermitteln, wie i sich fftr verscbiedene Werte 



15. Differentialgleichuugen erster Ordnung 



113 



o 

von co andert. g 1st der Gradient von a; er 1st von w unabhtingig 

und kann durch eine vom Nullpunkt A (Fig. 89) ausgehende zu der 
Kurve a = const, oder g>(, rf) =*= const, rechtwinklige Gerade dar- 
gestellt werden. -^ 

Dafl der Wert von positiv angenomnien ist, bedingt keine 




Fig. 89. 



Einsehr&nkung; es 
bedeutet nur, dafi 
die Richtung der 
positiven i] - Aehse 
in der Eichtung des 
Gradienten gewUhlt 
ist. Die' Gerade A B (Fig. 89) ziehe 
man in der Eiehtung der positiven 
|-Achse und mache sie ebenso lang, 
wie den Gradienten. 



Urn die Werte von fttr die verschiedencn Lagen der o?-Achse 

ay . df 

Anschauung zu bringen, trage man die Werte vor ^- als Ab- 



or, - den Wert 



szissen auf der #-Achsc auf ; z. B. nimmt ftir co 

-g- cos ct an. Die diesem Werte entsprechende Abszissse ist AB' 

(Fig. 89), die Orthogonalprojektion von A B auf die in der Eichtung 
a = a gewahlte fl?-Achse. Fiir eine beliebige andere, irgend einem 
anderen Werte von co entsprechende, Lage AC (Fig. 89) findet man 



Drittes Kapitel. Graphische Infinitesimalrechmmg 

!~ cos < durch. Orthogonalprojektion von AB auf die Richtung von 

oi\ 

AC. Die Division durch cos (cc co) liefert dann AC' und eine noch- 

malige Division durch cos (cc co) ffthrt dann auf AC, wo C'C senk- 

recht zu AC' gezogen ist. So lafit sich eine Kurve konstruieren, 

7)f 

deren Polarkoordinaten r = -^- und co sind, deren Gleichung in Po- 
larkoordinaten also lautet: 



a cos to T , t .. < cu 

-------- . 

7 cos* (cv 



T , t .. < 

. --- oder >* cos (a o>.) J- = - r cos co . 
* cv ft> L * o 



In rechtwinkligen Koordinaten |, 17 ausgedriickt, nimmt die Gleichung 

die Form 

(cos a^ + sm 



an. Dies zeigt, da6 die Kurve eine Parabel ist, deren Achse zu der 
Richtung a rechtwinklig ist. AB' ist eine Sehne und der Gradient AG 
ist eine Tangente der Parabel. Halbiert man AB' und zieht durch 
den Halbierungspunkt JB rechtwinklig zu AB' bis zur if Achse die 
Gerade EK, so findet man ini Halbierungspunkt dieser Geraden den 
Scheitelpunkt J) der Parabel. Die drei Punkte J., B\ D zusammen 
mit dem Gradienten geniigen, um uns tiber die Gr6Be und das Vor- 

xeichen von ^~ fur die verschiedenen Lagen der positiven .T- Achse 
oy 

zu orientieren. 

f\f 

~ vcrschwindet, wenn die x- Achse zu der Kurve o; == const. 

dy 

rechtwinklig steht, so daB dies die giinstigste Lage zu sein scheint. 
Man nmB aber im Auge behalten, daB die x- Achse fiir eine gewisse 
Ausdehnung der Integration dieselbe bleibt. Wenn wir zu anderen 
Punkten ubergehen, ist die Kurve cc const, dort nicht mehr recbt- 
winklicr zur a;- Achse. Die Lage der x- Achse ist giinstig, wenn der 

/5/* 
Durchschnittswert von ~ klein ist. In Fig. 90 sind die Parabeln fur 

eine Anzabl Punkte an einor der Diiferentialgleichung in erster An- 
naherung genugenden Kurve konstruiert. 

Wenn die Parabeln dazu dienen sollen, die numerischen Werte 

von |~~ zu geben, muB auch die LSlngeneinheit, in der die Koordi- 

naten gemessen sind, angemerkt werden. Der numerisch Wert von 

%f 

~~~ ilndert sich wie die Lang-en einheit, und daher muB die Lange der 

ihn darstellenden Strecken sich wie das Quadrat der Langeneinheit 



15. Differentialgleichungen erster Ordnung 



115 



Sndern. Wenn man aber eine Lime zieht, deren Lange, in derselben 
Einheit gemessen, gleich -^ ist, so wiirde diese von der Llmgenein- 

dy 
heit unabhangig sein. Denn, wenn I die die Langeneinheit darstellende 




Mg. 90. 



Strecke und l\ I" die die Werte -5 und -5^ darstellenden Strecken 

dy \ 



/) f 



sind, so wiirde -* gleich dem Verhaltnis j und 



dem Ver- 



, 

haltnis -y sein; daher J"**-??"' ^ a ^' "bw einer Veranderung der 

Langeneinheit sich wie f verlindert, isfc I" von der Liingeneinheit 
unabhangig. Diese Linie I" stellt die Grenze dar, jenseits welcher 

fif fif 

das Produkt %- - 1" grSfier wird als 1. Wenn ^- iiberall denselben 

oy <?y 

Wert h,tte, wiirde dies die Grenze bedeuten, welche der oben be- 
sprochenen Konvergenzbedingung entsprichi Man kdnnte die Lange 



Drittes Kapitel. Graphische Inimitesimalrechnung 

von JL i n den verschiedenen Richtungen abtragen, ebenso wie ^ 

J^ 

abgetragen wurde. Es ergibt sich dann eine Kurve, die der ParabeL 
Punkt fur Punkt entspricht, es 1st eine nach reziproken Radien ab- 
gebildete Parabel. Aber alle diese Vorbereitungcn lohnen in der 
Regel der Muhe nicht Man nimmt besser, obne erst mit dem Sucben 
naeh der allergunstigsten Lage Zeit zu verlieren, die Integration 
geradewegs in Angriff mit einer x~ Achse, die auf den Kurven a = const. 
etwa rechtwinklig steht, so lange die Ricbtung der Kurve mit der 
Kurve a = const, einen einigermaBen betriichtlichen Winkel bildet. 
Bei der Durchfiihrung des Verfabrens wird die Konvergenz sicb schon 
zeigen. Wenn der Winkel, den die Ricbtung der die Differential- 
gleichung befriedigenden Kurve und die Kurve a = const, miteinander 
bilden, klein wird, riiekt der Scbeitelpunkt der Parabel weit hinaus 
und wenn die Ricbtung der bciden Kurven zusammenfallt, I6st sich 
die Parabel in zwei zu der Ricbtung der Kurve a = const, rechtwink- 
lige Parallelen auf. In diesem Falle ist die bcste Lage fiir die #- Achse 
die Richtung der Kurve ct = const. Obne sich in eine ausfubrlicbe 
Erorterung der gtastigsten Lage fiir die .r-Acbse einzulassen, kann 
man die allgemeine Regel aufstellen, da6 die #-Acbse nicht zu der 
die Differentialgleichung befriedigenden Kurve rechtwinklig, d. h. der 
Parabelachse nicht parallel sein darf, aber man braucht diese Regel 

kaum zu formulieren, denn sie wird sich in der Praxis von selbst 

/} f 
Geltung verschaffen, weil fiir solche Lage der x- Achse nicht nur ~~ , 

sondern auch /*(o?, y) unendlich werden und es untnoglich sein wiirde, 
die Kurve T = /(or, y) aufzutragen. 

Es gibt noch eine andere Methode, eine Differentialgleichuug 
erster Ordnung 



zu integrieren, die in manehen Fallen der oben beschriebenen gleich- 
wertig ist. Wie die erstere ist sie einer gewisson numerischen Me- 
thode analog. 

Die numerische Mefchode geht von gegebenen Werten a', / aus 
und berechnet die einer kleinen Veriinderung von x entsprechende 
Veranderung von y. Sei h der Betrag der Veriinderung von #, und 
k der von #, so da6 x + h und y + k die Koorclinaten eines Punktes 
auf der die Differentialgleichung befriedigenden Kurve sind, die durch 



16. Differ entialgleicbun gen erster Ordnung 117 

den Punkt rr, y bindurcbgebt. k wird auf folgende Weise berecbnet. 1 ) 
Man berecbnet nacbeinander vier Werte fc x , fr 2 , fc 3 , & 4 aus den folgen- 
Gleichungen 



Dann bildet man die aritbmetiscben Mittel 

j & 

und g = - 



und findet als sebr nahe Aunaberung, wenn li nicbt zu groB ist 

*-I> + i($-lO. 
Die neuen Werte x - * + *, Y - y + ft 

werden dann far x und y eingesetzt und auf dieselbe Art die Koor- 
dinaten eines dritten Punktes berecbnet, usw. 

Diese Rechnung kann mit Vorteil auf grapbischem Wege ausge- 
ftihi-t werden, wenn die Funktion f(x, y) sicb in einer zweckent- 
sprecbenden Weise darstellen laBt. Man denke sicb eine Reibe aqui- 
distanter Parallelen zur OrdinateDacbse: x = # , x = x l , x = x% , 
a? =* a? 3 , . . . An diesen Geraden entlang ist /"(#, ^) eine Funktion 
von y. Man trSgt nun die Werte von /*(#, y) als Ordinaten zur Ab- 
sxisse y ab, wobei die y-Achse als Abszissenacbse dient. So erbaltman 
eine Anzabl Kurven, welcbe die Funktionen f(x , y), /*(, , y), /' (# 2 , 2^), . . . 
darstellen. Von einem Punkte A(%Q,y Q ) auf der ersten Senkrechten 
x = x Q (Fig. 91) ausgebend, gelangt man auf folgende Weise zum 
Punkte B i auf der Senkrechten x a; 2 . Eine Horizontale durcb den 
Punkt -i fubrt aiif den Punkt A' auf der f(x Q ,y) darstellenden Kurvo. 
Seine Ordinate ist gleicb /'(#<) #<>) Ein aus dem Punkte -^' auf die 
#-Achse gefalltes Lot ergibt den Punkt A", den man mit P verbindet. 
P ist ein Punkt auf der negativen Seite der y-Acbse und die Strecke 
PO ist gleicb der Langeneinbeit der /*(#, y) darstellenden Linien, so daB 

OA" ___ ( ^ 

p Q " ~" / V$-> %/ 

Nun ziebt man AB^ recbtwinklig zu PA", so daB man, wenn die 
Differenzen der Koordinaten von A und B l mit h und \ bezeicb- 
net werden, 



1) Siehe W.Kutta t Zeitschrift fur Matbematik und Phyeik, Bd.46, 
S. 443. 



118 



Drittes Kapitel. Graphische lufinitesimalrechnung 




hat. Von Q , dem Schnittpunkte von 
AB l mit der Senkrechten x^x 1 a us, 
werden (7^ und C," in derselben Weise 
bestimmt, wie A' und J." von A aus, 

nur daB man C[ auf der Kurve zu suchen hat, die die Werte von f(x^y) 
darstellt. Dann zieht man die Linie AB% rechtwinklig zu PC'^. Man 
hat nun, wenn die Differenz der Ordinaten von A und J5 2 mit Jc% 
bezeichnet wird, OG 



__ 



oder fc 2 

Von (7 2 , dern Schnittpunkte der Geraden AB% mit der Senk- 
rechten x=*x aus, findet man ebenso einen Punkt i? 3 auf der Senk- 
rechten x = XQ und die Differenz 7c a zwischen der Ordinate von J5f s 
und der von -4 ist dann 



Von B 3 gelangt man auf der Horizon talen zu B$ auf der f(x^y) 
darstellenden Kurve und auf der Senkrechten hinunter zu B$. Dann 
wird AB rechtwinklig zu PB^' gezogen, so dafi die Differenz fc 4 
zwischen den Ordinaten von J? 4 und A 



ist. Die Halbierung der Strecken 



und j t l>' 4 ergibt die Punkte 



16. Differentialgleichungen zweiter und hoherer Ordmmg 119 

E l und jE 2 und der Punkt B liegt zwischen E l und E 2 so, daB seine 
Entfernuug von E l halb so groB 1st \Vie die von E%. Der Punkt J5 
fallt dann mit groBer Genauigkeit auf einen Punkt, der die Diffe- 
rcntialgleichung befriedigenden Kurve, die durch A hindurchgeht. 

It dient nun als neuer Ausgangspunkt , wie vorher -4, und auf 
diese Weise findet man nach einander eine Reihe von Punkten der 
gesuchten Kurve. 

Urn sich von der erreichten Genauigkeit einen Begriff zu machen, 
kann man die Entfemung der parallelen Hilfslinien vergroBern. Man 
kann z. B. die Senkrechten x = x und x = x$ auslassen und den 
Punkt auf der Senkrechten x = # 4 mit einem Schritt, statt mit zweien 
erreichen. Ber Fehler dieses Punktes sollte dann etwa sechzehnmal 
so groB sein wie bei dem vorhergehenden in zwei Schritten ausge- 
fuhrten Verfahren, so daB der Fehler des ersteren Punktes etwa ein 
Funfzehntel der Entfernung zwischen beiden Punkten betragen sollte. 
1st ihre Entfernung nun so gering, daB sie nicht in Betracht kommt, 
dann sind die Schritte unno'tig klein gewahlt. 

Die Werte f(x, y) kSnnen unter Umsi&nden so groB werden, daB 
man eine gar zu klein e Langeneinheit anwenden muBte, um sie auf- 
tragen r /u konnen. In diesem Falle muB man x und y vertauschen 
und die Differentialgleichung in der Form 

dx _ 1 

"3y ~rt*y) 
schreiben. Dann tragt man die Werte von . fur Squidistante 

Werte von y als Ordinaten zur Abszisse x auf und andert dement- 
sprechend die Konstruktionen. 

16. Differentialgleidmngen zweiter und holierer Ordnung. 

Diiferentialgleichungen zweiter Ordnung kSnnen in der Form 



-- 
dx* \> dx 

geschrieben werden. Fahren wir anstatt des 2 \veiten Differential- 
koeffizienten den Krunamungsradius ein und denken wir uns, daB wir 
auf einer die Gleichung befriedigenden Kurve entlang gehen in einer 
Richtung, die durch den Winkel a, den sie mit der positiven #-Achse 
bildet, bestimmt wird (der Winkel auf die tibliche Art von der po- 
sitiven aj-Achse durch 90 Grad bis zur positiven ^-Achse und weiter 
gezahlt), so haben wir, wenn s die Lange der Kurve von unserem 
Ausgangspunkte an bezeichnet, 



120 Drittes Kapitel. Graphische Infinitesimalrechnung 

dy , dx 

- = tg tf , -y = cos cf . 

^ , , , dx 6 ' ds 

Folghch 

d z v * f * 1 da ., da 3 d*y 

r_z = ^ -__== _ . oder 3 = cos j a -J- 

da:* cos 2 a da; cos 3 a ds ds dx* 

-^ gibt die ,,Krummung u , d. h. das MaB der Richtungsanderung beim 

& S 

Fortschreiten auf der Kurve an und wird positiv gezahlt, wenn die 
Anderung nach der Seite der hoheren a- Werte stattfindet (wenn die 
positive a?-Achse nach recbts und die positive y-Achse nach oben 

liegen, bedeutet ein positiver Wert von -v~ , dafi die Bahn sich nach 
links wendet). Geben wir dem Krummungsradius dasselbe Vorzeichen 

wie~r- und bezeichnen wir ibn nait ^, so haben wir 
ds 

_-,= cos 3 cf/*0, y, tg). 

Man kann also sagen, daB die Diflferentialgleichung zweiter Ord- 
nung den Krummungsradius als Funktion des Orts und der Rich- 
tung ausdriickt. 

Nehmen wir an, daB diese Funktion dreier Veranderlicher durch 
ein Diagramm so dargestellt sei, daB die Lilnge und das Vorzeichen 
von o fur jeden beliebigen Punkt und jede beliebige Eichtung leieht 
zu ermitteln sind. 

Von irgend eineni gegebenen Punlcte und in einer gegebenen 
Richtung ausgehend, kann man dann die die 
Diflferentialgleichung befriedigende Kurve 
durch cine Reihe von Kreisbogen annahern. 
Sei A (Fig. 9S) der Ausgangspunkt. Man 
zieht M a A rechtwinklig zur gegebenen 
Richtung und gibt ihm die Lange ^. Fiir 
positive Werte von $ muB M a auf der po- 
sitiven Seite der gegebenen Richtung, fitr 
negative auf ihrer negativen Seite liegen. 
M a ist der Krummungsmittelpunkt der 
Kurve im Punkte A. Man schlagt nun mit 
> M a A als Radius um M a einen Kreisbogen 
A B und zieht die Verbindungslinie BM a . 

Auf dieser Geraden oder ibrer Verlangerung wird der Punkt M \ 
bezeichnet, dessen Entfernung von B gleich dcm Q- Werte ist, der 
B und der Richtung des Kreisbogens bei B entspricht. Nun wird 
um N b mit dem Radius M b B ein Kreisbogen BC geschlagen, usw. 




16. Differentialgleichungen zweiter und hSherer Ordnung 121 

Der Krumraungsradius der gesuchten Kurve Sndert sich stetig, 
wShrend sich der unserer Anniiherung in A, B, C . . . sprungweise 
andert. Je kleiner man die KreisbSgen wahlt, urn so geringer wird, 
wenn die Kreisbogen genau gezeichnet sind, die Abweichung der An- 
naherung von der wahren Kurve sein. Aber es ist zu beachten, dafi 
beim tJbergang von einem Kreisbogen zura anderen kleine Pehler 
unvermeidlich sind. Daher wird die Genauigkeit, wenn man die 
Kreisbogen so klein macht, daB ihre Zahl fiir ein gegebenes Kurven- 
stiick uagebuhrlich groB wird, doch nicht gr5Ber werden, als sie sicb 
aucb mit langeren Kreisbogen erzielen laBt. Die giinstigste Lange 
laBt sich mathematiscb scbwer bestimmen^ es mufi dies der Erfahrung 
des Zeichners liberlassen bleiben. 

Etwas ist zu gewinnen, indem man Mittelpunkte und Eadien der 
Kreisbogen von den angegebenen Werten abweicben laBt. Der Kreis- 
bogen AB (Pig. 92) ist offenbar mit einem zu kleinen Radius ge- 
schlagen, da der Radius der Kurve nach B zunimmt. Hatte man 
M b als Radius genommen, so ware er zu groB gewesen. Offenbar er- 
halt man also eine bessere Annaberung, indem man den Radius des 
ersten Kreisbogens dem Mittel von M a B und M b B gleich macbt, 
und auch die Richtung, in der dieser Bogen seinen Endpunkt erreicbt, 
wird der wahren Richtung naher kommen. 

Um sich das Auftragen zu erleichtern, empfiehlt es sich ein In- 
strument zu benutzen, das in einem flachen Lineal besteht, an dessen 
einem Ende sich ein Loch zur Aufnahme eines Bleistifts, ernes Ka- 
pillarrohres, oder einer sonstigen Vorrichtung zum Linienziehen be- 
findet. Langs der Mitte des Lineals lauft eine gorade Linie mit Ska- 
lenteilung und ein kleiner DreifuB aus Nahnadelspitzen wird mit 
einem FuBe auf diese Linie und mit zwei FuBen auf das Papier ge~ 
stellt. So beschreibt der Bleistift einen Kreisbogen. Wenn der Ra- 
dius geandert werden soil, wird das Lineal in seiner Lage erhalten, 
indem man es auf das Papier driickt bis der DreifuB an eine andere 
Stelle geriickt ist. Mit Hiife dieser Vorrichtung gelingt es den Blei- 
stift genau in derselben Richtung weiterzuleiten, wahrend es bei Be- 
nutzung eines gewShnlichen Zirkels nicht leicht ist, kleine Uneben- 
heiten der Kurve an den Punkten, wo zwei KreisbSgen zusammeu- 
stoBen, zu vermeiden. 

Eine andere Methode besteht in der Verallgemeinerung der Me- 
thodezur graphischen Losung einer Differential gleichung erster Ordnung. 

Eine Differentialgleichung zweiter Ordnung 



122 Drittes Eapitel. Graphische Infmitesimalrechnung 

kann in der Form zweier simultaner Differentialgleichungen erster 
Ordnung gesehrieben werden 

dy dz f N 

df = *> 35 -*(*>*>*) 

Betrachten wir die allgemeinere Form, wo die Diiferentiaikoefti- 
zienten ^ und -y-- als Funktionen von #, #, z gegeben sind: 
dy ./ v dz f N 



Man kann #, #, # als die Koordinaten eines Punktes im Eaume 
und die Differentialgleichung als ein Gesetz auffassen, das fur jeden 
Punkt im Eaume, wo /"(a?, #, s) und g(x, y, z) definiert sind, eine ge- 
wisse Eichtung oder die ihr entgegengesetzte vorschreibt. Eine Kurve 
im Eaume geniigt der Differentialgleiehung, wenn sie niemals von 
der vorgeschriebenen Eichtung abweicbt. Hire Projektion in der 
a?2/-Ebene stellt die Funktion y dar und ihre Projektion in der xs- 
Ebene die Funktion $. 

Stellen wir y und z als Ordinaten und x als Abszisse in der- 
selben Ebene und mit demselben Koordinatensystem dar. Jeder be- 
liebige Punkt im Eaume wird durch zwei Punkte mit der gleichen 
Abszisse dargestellt. Die Funktionen /*(#, y, i) und g(x, y, z) seien 
entweder durch Diagramme oder durch gewisse Konstruktions- oder 
Eechenmethoden gegeben. Fur irgendeinen Punkt, mit dem wir es 
zu tun haben, werden die Werte von /*(a?, y, i) und g(x, y, z) als Or- 
dinaten zur Abszisse x aufgetragen, der tJbersiclit halber- aber nicht 
im gleichen Koordinatensystem wie y und 0, sondern in einem an- 
deren mit der gleichen Ordinatenachse und einer zu der ersten #-Aehse 
parallelen und von ihr hinreichend weit entfernten #-Achse, damit 
die Zeichnungen in beiden Systemen nicht iibei*einander greifen. 

Unser Ausgangspunkt sei irgendein Punkt P(x p ,y pl 8 p ) im Eaume. 
Wir stellen ihn dar durch zwei Punkte P v (x p , y^) und P 2 (^, ^ p ) im 
ersten Koordinatensystem und zugleich die Werte von f(x p , y p , p ) 
und g(x p , y p , z^} durch die zwei Punkte A und A% im zwei ten Ko- 
ordinatensystem (Fig. 93). Die Punkte A l und A% bestimmen ge- 
wisse Bichtungen MA[ und M A% der Kurven x, y und #, z. M (Fig.93) 
1st ein Punkt, dessen Entfernung von der Ordinatenachse gleich der 
Langeneinheit ist, in der die f(x,y,i) un.& g(x,y, i) darstellenden 
Ordinaten gemessen sind. Durch P t und P s .zieht man Parallelen zu 

[ und M A% bis zu den Punkten Q l und Q% mit den Koordinaten 

^ und x^ z q . Mit diesen Koordinaten sind die Werte f(x g ^y q9 s g ) 



16. Different! algleichungen zweiter und hSherer Ordnung 128 

und g(x q , y (l , ^) bestimmt, welche man durch die Ordinaten der 
Punkte .#! und JB 2 darstellt. Diese Punkte wieder bestimmen ge- 
wisse Richtungen, zu denen man die Parallelen Q l JKi und Q%It% 
aieht usw. Auf diese Weise findet man erste Annaherungen y und 




Pig. 93. 

^ fiir die Funktionen y und 5 und, diesen AnnSherungen entspre- 
chend, Kurven, welche /"(#, y x , ^) und g(x, y 15 ^) darstellen. Diese 
Kurven werden nun graphisch integriert, wobei die Integralkurve 
von f(x^y^^ in P 1 und die Integralkurve von g^y^^ in P 2 
anf^ngt, und fCLhren zu zweiten Annaherungen y% und 2%: 



- s j. 



124 Drittes Kapitel. Grapbiscbe Infinitesimalrecbnung 

Fur diese zweiten Ann'aberungen bestimmt man die Werte von 
ffa y$ #2) un< * fffa y*i **) an e * ner ^ e ^ e von Punkten langs der 
Kurven #, y$ und #, # 2 , die binreicbend dicht liegen um die Kon- 
struktion der f(#, # 2 , 2 ) und g(x, y^ ^ darstellenden Kurven genau 
genug zu macben. Durcb ihre Integration erhalt man eine dritte 
Annaherung y s , % : 



und fUhrt damit fort, solange eine Abweichung der letzten Annahe- 
rung von der vorhergehenden nocb bemerkbar ist. Sobald sich fiir 
eine gewisse Entfernung x x f keine Abweicnung mehr nachweisen 
lafit, bat man die die wabre L5sung darstellende Kurve erreicht (soweit 
die Genauigkeit der Zeicbnung es zulafit). Die Kurve wird fortge- 
setzt, indem man ibren letzten Punkt zum Ausgangspunkt eines neuen 
gleicbartigen Verfabrens macbt. 

Das Intervall, fiber das das Integral zu erstrecken ist, darf iin 
allgemeinen eine gewisse Grenze nicbt tiberscbreiten, wo die Kon- 
vergenz der Annaberungen aufbSrt, aber es stebt uns frei, es so klein 
wie wir wollen zu wablen. Damit wacbst dann freilicb die Zahl der 
Scbritte, die erforderlicb ist, um eine gewisse Entfernung zu erreicben. 
Es ist offenbar nicbt zweckmafiig, das Intervall zu klein zu macben,. 
vielmebr werden wir es so groB wie mOglicb wablen, wenn nur die 
Zabl der Annaberungen nicbt iiber Gebubr wacbst. 

In dem Fall der Differentialgleicbung 



ist /"(a?, ^, z) = 8 und die Kurve 0, x ist mit der Kurve identiscb, die 
die Werte von ffay,*) darstellt. Wir brauchen sie daber nicbt 
nocb einmal zu zeicbnen. 

Der Beweis der Konvergenz der Annaberungen ist beinabe der- 
selbe wie in dem Fall einer Differentialgleicbung erster Ordnung. 

Fur die n + 1-te AnnSberung baben wir 



Fur die wabre Kurve, die durcb den Punkt a; p1 y p , & f gebt, finden 
wir durcb Integration die Gleichungen 



16. Differentialgleichungen zweiter nnd hfiherer Ordnung 126 

* * 

y~*r+J /"(, y, *)<**; * - t f +fff(x, y, e)dx 

*" ., 

daher - = 



Nun schreiben wir 



I . 
undebenso 



'* 



Die Differenzenquotieaten 



n 

und die drei anderen sind gleich gewissen Werten von -, -, |^ , 
g~ ftlr Werte der Verfinderlichen zwiscben y und y n und zwiscben 

r und s n (y, y rt , JP, # w selbst nicbt ausgescblossen). Nebmen wir an, 
dafi ftlr den Bereicb aller in Betracbt kommenden Werte yon 



dcr absolute Betrag von ~ un & ?r~ i&tihi groBer ist als M^ und der 
von T~ und * nicbt gr5Ber als JJf 2 und daB d w , das Maximum 

der absoluten Betrftge von y y n und ts ^ in dem Intervall o^ 
bis ic bezeichnen, dann folgt, dafi die absoluten Betrage von 



) und 
* nicbt groBer sind als 



Daher erhalten wir fttr die grdBten absoluten Werte von y B+1 y 
und jf n+l g, die durcb tf w+1 und c w+1 bezeicbnet sein inogen, die 
oberen Grenzen 

^ (*. + O I * - *, I. .+ l ^ ^tC*. + O .*-*, 

Bungo, Gr*phiohe Methodeu. 3. Aufi. 9 



126 Drittea Kapitel. Graphische InfinitesimalrechDung 



Wenn daher das Integrationsintervall a; x soweit beschr&nkt 



dann 1st, 8 U + 1 + , l + 1 nicht groBer als der Brucuteil 7c von (# 
aber aus demselben Grunde ist 



und folglich () n + 1 + f - + 1 

Das heifit: fiir einen hinreichend groBen Wert von n werden rf w + i 
und n44l beide so klein wie wir wollen. 

Gerade so wie bei der Diflerentialgleichung erster Ordnung lobnt. 
es sich in der Begel nicbt, die Konvergeir/ 7,11 untorsuchen, xim tli 
GroBe cles Intervalles und die Zanl der Operationen zu ermitteln, 
die eine binreichend genaue Anniiherung der graphischen Mcthode 
verburgen. Es ist besser, durcb Zeicbnung der.Ann&herungen sofort 
die Aufgabe anzugreifen und die Operationen solange zu wiederbolen, 
bis sich keine Verbesserung mehr ergibt. Die Kurve wird dann dor 
Diiferentialgleichung geniigen, soweit die Genauigkeit der graphi- 
schen Methoden geht. 

Wenn die Werte von f(x,y,si) oder Q(x,yjZ) zu groB werden 
so konnen wir denselbeu Kudstgriff anwenden wie bei der Diffe- 
rentialgleichung erster Ordnung. An Stelle von x konnen wir eine 
der beiden andcren Veranderlichen y oder $ als Unabhangige be- 
trachten, so daB die Gleichungen die Gestalt annebmen 



"<fy 



oder wir kcinnen auch ein neues Koordinatensystem a?', y', / ein- 
fiibren und die Differentialgleichungon betrachten, die sich hierfur 
ergeben. 

Die zweite Methode der Integration von Differentialgleichungen 
erster Ordnung kann ebenfalls auf Differentialgleichungen zweitor 
Ordnung ausgedehnt werden. Wir betrachten gleich den allgemei- 
neren Fall 



Wir gehen aus von einem Punkte mit den Koordinaten ar, y, z und 
bercchnen die Anderungen von y und z (die mit ft und / be'/eichnet 



16. Dilferentialgleichungen zweiter und b<3herer Ordnung 127 

warden) fiir eine kleine Anderung Ji von x durcb die folgenden den 
frtiheren analogen Formeln 

\ ffa V, *) /'; ^ = fcjft -0 /<; 



._ ? . 2 2 , 

und erhalten mit einem hohen Grad von Genauigkeit 

*-l + t(ff^JP)5 l-JP' + Hfl'-lO- 

Die Rechnungen k6nDen nun graphisch ausgefuhrt werden; zu diesem 
Zwecke mtissen die Funktionen f(x, y, s) und g(x., y, #) in handlicher 
Form gegeben sein. Wir bemerken, daB in unseren Formeln die 

erste Vcranderliche die Werte #, ^--~~', a? + ft annimmt. Beim zwei- 

ten Scbritt, wo x + *, t/ + A', * + Z die Koordinaten des Ausgangs- 
punktes sind, die dabei dieselbe Rolle spielen wie a?, ^, ^ beim ersten 
Scbritt, stebt es uns frei, die Anderung der ersten Yeranderlicben 
gleich der Inderung beim ersten Scbritt zu machen, so daB sie in 
den Formeln des zweiten Scbrittes die Werte x + Jt, x + jh, x+$h 
annimmt usw. fUr die folgenden Scbritte. Alle Werte der ersten 
Verftnderlicben k8nnen also als Equidistant angeseben werden. Be- 
zeicbnen wir diese "dquidistanten Werte mit 



Die Werte von f(x, y, i) und g(x, y, z) kommen in alien unseren 
Formeln nur ftir die konstanten Werte 

x = # , !, a? 2 , . . . 

vor. Fur jede dieser Konstanten sind f und g Funktionen. zweier 
unabbangiger VerJinderlicber und mlissen als solcbe grapbiscb durcb 
Zeicbnung der Kurven f == const, und g = const, dargestellt werden, 
wo jedem a;- Werte eine besondere Zeicbnung entspricbt. Diese Zeicb- 
nungen mufl man als die graphiscbe Form, in der die Differential- 
gleicbungen gegeben sind, betracbten. Es kann nattirlicb mancbmal 
sebr unbequem sein, die analytiscbe Form einer Differentialgleicbung 



128 Drittes Eapitel. Graph ische Jnlinitesirualrecbnung 

in die graphische zu ubersetzen, aber dieser Umstand kann nicht 
fiiglich der graphiscben Metbode zur Last gelegt werden. 

Die Methodo ntm 1st dieselbe wie bei der Differentialgleicbung 
erster Ordnung. y und z sind die Ordinaten ein und desselben 
Koordinatensystems mit der Abszisse x* Es worden ftquidistante 
Parallelen der Ordinatenachse mit den Abszisseu 

X # , X == !, X = # 3 , tlSW. 

gezogen. Auf der ersten x j? bezeichnet man zwei Punkte mit 
den Ordinaten # und ^ , liest von der Zeichnung, die die Werte von 



o>y)2) un< i $f(%oiyjz) als Punktionen von ;/ und s gibt, die 
Werte f(x Q , i/ Q ^ Q ) und #(# ,y 01 ^ ) ab und zieht die Verbindungs- 
linien von 



Die Sehnittpunkte dieser Linieri mit der Parallelen jc = rr, Hetern 
die Punkte ^ ^ 

*u % + Y und *n^o + ^ 

Mit diesen Ordinaten lindet man auf der zweiten Zeichnung die Werte 

^i^o + |^o + 1) nd ^yo + ^ + J) 
und kann vermittelst derselben die Verbindungslinien der Punkte 



ziehen. Die Schnittpunkte dieser Linien mit der Linie a; x t liefern 
die Punkte j. , 

^o + lf und ^i^ + f, 
und mit Hilfe dieser Ordinaten finden wir die Werte 



<lie uns in den Stand setzen, die Verbindungulinien vou x a , y und 
# , * mit den Punkten a;,, y + A^ und o^ , ? 4- i, zu ziehen. 

Mit diesen beiden Ordinaten lesen wir auf dem dritten Dia- 
graram (x ** Xg) die Werte 



mit deren Hilfe wir schliefllich die Verbindungslinien #* und 
* , % 4- * 4 ^ >, ^o -f ^ ziehen kSnnen. 



16. Differentialgleichungen zweiter und htfherer Ordnung J29 



So erhalten wir auf der Senkrechten x~ # 2 vier Punkte B^ JB 2 , 
B 3 , B entsprechend y + ft,, T/ O + fr 2 , # + fc s , # + 7c 4 und vier 
Punkte J?i, J?j, jBg, J?4 entsprechend ^ + ?,, -t + J 2 , ^ + Z s , ^ + ? 4 
(Fig. 94). ' , 

B 2 B B und ^ t J5 4 werden durch die Puukte C t und C 2 halbiert, 
JfJ B's und JE?i J9^ durch die Punkte C(, C 2 '. Endlich werden G l C 2 
und Cj C?3 in drei gleiche Teile geteilt und die Punkte B und B' in 
den Teilpunkten angenommen, die O l und (7| am nitchsten komraen. 




Fig. 94. 



Dieselbe Koustruktion wird dann roit B nnd B' als Ausgangs- 
punkten wiederholt und liefert zwei neue Punkte auf der Senkrechten 
& x^ usw. Um die Genauigkeit zu priifen, wird die Konstruktion 
mit doppelt so groBen Intervallen von x wiederholt. Die Abweichung 
in den Werten von y \ind $, die man fftr x ~ x findet, setzt uns in 
den Stand, die Fehler der ersten Konstruktion abzuschatxen. Sie sind 
ungefUhr gleich ein Fiinfzehntel der beobachteten Unterscbiede. 

Beide Methoden lassen sich ohne Schwierigkeit verallgemeinern 
auf die Integration von Differentialgleichungen beliebiger Ordnung. 
Man kann eine Differcntialgleichung n-ter Ordnung in der Form 
schreiben 



130 Drittes Kapitel. Grapbiscbe Jnttnitesimalrochnung 

d tl x /. dx 

d ""' "^'"37' " ' * ' 

oder aucb in derFonn von n simultanenDifferentialgleichnogen erst or 
Ordnung dx 

ft "^i' 



dx 

^f+^ffax,^,^,. ..*.,). 

Eine allgemeinere und symmetrischere Form ist die 



Die Funktionen a;, a; n a; 2 , a? M l werdeii dann in doraselben Koordi- 
natensystem als Ordinaten zur Abszisse t aufgetragen, so daB wir n 
verscbiedene Kurven erbalten. Werni die Funktionen f(t,^x l ,3c^, 
- - ^n-i) * n uandlicber Form gegeben sind, so daB ibre Werte fiir 
irgend welche Werte von *, x, x^ . . . x n ^ l sebnell geftmden warden 
kSnnen, so ist es leicht, n Knrven zu konstruieren, deren Ordinaten 
die Funktionen a?, # t , ^ 2 , . . . * n-1 darstellen. Von gegebenea Wertei. 
von #, a?, #j, 05 2 , . . . x n _ l ausgehend, braucben wir nur dieselben Me- 
thoden anzuwenden, die f(ir die erste und zweite Ordnung ause'iuander** 
gesetzt worden sind. 




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Gordon Webster, A. B. (Harv.), Ph. D. (BeroL), Professor of Physics, Director 
of the Physical Laboratory, Clark University, Worcester, Mass. Ed. by 
Samuel J. Plimpton, Ph. D. (Yale.) Assistent Prof, of Physics, Polytechnic 
Institute, Worcester, Mass. Mit Fig. [VII u. 440 S.] gr.8. 1927. (Teubners 
math. Lehrbiicher Bd. XLII.) Geh. 3U 23. , geb. J2JC 25. 

Verlag von B. G.Teubner in Leipzig und Berlin