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Full text of "Grundriss der Geschichte der Klassischen philologie"

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LIBRARY 



University of California. 



ciass äriZZ, 



GRUNDRISS DER GESCHICHTE 
DER KLASSISCHEN PHILOLOGIE 



VON 

ALFRED GUDEMAN 



»OENERA DEOUSTAMUS, NON BIBLIOTHECAS EXCUTIMUS« 
QUINTIUAN 




1907 

LEIPZIG UND BERLIN 
DRUCK UND VERLAG VON B. G. TEUBNER 



ALLE RECHTE, EINSCHLIESSLICH DES ÜBERSETZÜNGSRECHTS , VORBEHALTEN. 



Vorwort. 



Der vor Jahren an mich ergangenen Aufforderung, meine 
^Outlines of the History of Classical Philology'^^^ auch in einer 
deutschen Bearbeitung zu veröffentlichen, bin ich erst jetzt 
in der Lage nachzukommen. An Stelle der anfangs geplanten 
Obersetzung ist nun aber eine völlige Neubearbeitung ge- 
treten, die den Umfang des Originals fast um das Drei- 
fache übertrifft. 

Wie das Büchlein ursprünglich als Leitfaden für meine 
Zuhörer bestimmt war, so bezweckt es auch jetzt, trotz 
seiner erweiterten Gestalt, in erster Linie als Grundlage für 
akademische Vorlesungen zu dienen; doch dürfte es sich 
nicht minder zum Selbststudium eignen. 

Man wird es mir gern glauben, daß es leichter gewesen 
wäre, ein noch reichhaltigeres Material vorzulegen, als in engem 
Rahmen eine sorgfältige Auswahl zu treffen. Größere Mannig- 
faltigkeit aber hätte nur auf Kosten der Übersichtlichkeit 
erreicht werden können. Es kommt vor allem hinzu, daß 
eine engere Auswahl notwendigerweise ein Werturteil in sich 
schließt und es so dem Benutzer ermöglicht, auf einem so 
ausgedehnten Gebiete das Bleibende 'in der Erscheinungen 
Flucht' deutlicher zu erkennen und eine richtigere histo- 
rische Perspektive zu gewinnen. 

Daß die leitenden Gesichtspunkte bei einer solchen 
Auswahl für die verschiedenen Perioden verschieden sein 



(1) 3. Aufl. Boston 1897, pp. 78, 4. u. 5. Abdruck 1900. 1902. 



ir>25ß 



.:5 



IV Vorwort. 

mußten, bedarf wohl keiner näheren Begründung. Was im 
besonderen aber die Gelehrten des 19. Jahrhunderts an- 
belangt, so ist deren Zahl, namentlich in Deutschland, eine 
so große, daß ich, den Zwecken dieses Buches entsprechend, 
nur diejenigen aufzunehmen mich entschloß, die durch 
grundlegende oder epochemachende Leistungen die Alter- 
tumswissenschaft in neue Wege geleitet, ihr weitere Perspek- 
tiven eröffnet haben, oder deren Arbeiten überhaupt eine 
hervorragende methodologische oder literarische Bedeutung 
zugeschrieben werden muß. Man wird daher ohne Zweifel 
manchen verdienstvollen Philologen der Neuzeit hier ver- 
geblich suchen, von noch Lebenden abgesehen, .die ich 
grundsätzlich ausgeschlossen; denn hätte ich auch diese 
nennen wollen, so würde allerdings die gegebene Kory- 
phäengalerie eine nicht unerhebliche Vergrößerung erfahren 
haben. 

Manchem wird es vielleicht auch scheinen, als ob das 
Mittelalter etwas zu kurz gekommen sei. Bei näherer und 
unbefangener Erwägung wird aber wohl darüber kein Zweifel 
herrschen können, daß das abendländische Mittelalter für die 
Geschichte der klassischen Philologie nur insofern in Betracht 
kommt, als es durch die handschriftliche Vervielfältigung der 
Originalwerke die lateinische Literatur - denn nur um diese 
handelt es sich - vom Untergang gerettet hat. Den Spuren 
des nicht geringen Einflusses nachzugehen, den diese Lite- 
ratur auf die mittelalterlichen Denker und Schriftsteller aus- 
geübt hat, ist gewiß eine ebenso anziehende wie dankbare 
Aufgabe, der man sich ja auch gerade in unserer Zeit mit 
vielem Eifer und Erfolg widmet. Aber die bereits ge- 
wonnenen, hochinteressanten Ergebnisse dieser Forschungen 
gehören fast ausnahmslos der Literatur- bezw. der Kultur- 
geschichte jener Epoche an. Um dennoch auch hier eine 
allgemeine Orientierung zu ermöglichen, sind wenigstens 
einige der wichtigsten größeren Werke auf diesem Gebiete 
ebenfalls verzeichnet. 



mz^ 



Vorwort. V 

Für die lateinischen Schriftsteller habe ich mich der 
Zitierweise des Thesaurus angeschlossen, wie es überhaupt 
wünschenswert sein dürfte, daß diese allgemein Eingang 
fände. 

Durch Anwendung verschiedener Typen (Kursiv ge- 
sperrt. Kursiv, Antiqua) habe ich den Versuch gewagt, 
die relative Bedeutung der zitierten Schriften auch äußer- 
lich zu kennzeichnen. 

Zum Schluß ist es mir ein Bedürfnis, meinen sorgfältigen 
Mitlesern, den Herren Professoren Dr. O. Hey, Dr. E. Lommatzsch 
(München), Dr. L. Oelsner (Frankfurt a. Main), Herrn Dr. H. Spelt- 
hahn (München), sowie dem Herrn Verleger für die Bereit- 
willigkeit, mit der er allen meinen Wünschen entgegen- 
gekommen, meinen aufrichtigsten Dank auch an dieser Stelle 
auszusprechen. 

München, im Januar 1907. 

Alfred Gudeman. 



Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

A. Einleitung 1-9 

OlXÖXOTOC, XpiTlKÖC, TPOMMOTIKÖC 1-7 

Klassische Pliilologie der Neuzeit 7-8 

Betiandlungsmethoden 8-9 

B. Geschichte der klassischen Philologie 9-219 

1. Qriechische Periode 10- 57 

1. Voralexandrinische Periode 10- 23 

2. Älexandrinische Periode 23- 54 

3. Die Stoiker und die pergamenische Schule . . 54- 57 

II. Qriechisch-rOmische Periode 57- 91 

Die griechischen Schollen und ihre Quellen . . . 76- 87 

Die kritischen Zeichen 87- 89 

Die grammatischen Termini 89- 91 

III. Römische Periode 91-129 

Die lateinischen Schollen und ihre Quellen . . . 122-129 

IV. Das Mittelalter 130-150 

1. Die byzantinische Periode 130-139 

2. Das abendländische Mittelalter 139-142 

Verzeichnis der ältesten und wichtigsten Hss . . 142-150 

V. Die Renaissance 150-164 

A. Die eingewanderten Griechen 150-152 

B. Die italienischen Humanisten . 152-161 

Verzeichnis der editiones principes 162-164 

VI. Frankreich 164-170 

VII. Holland 170-180 

VIII. England 180-185 

IX. Deutschland (inkl. Osterreich und Dänemark) . 185-219 

1. Vor-Wolfische Periode 186-193 

2. Die Neue Schule 193-219 

a) Grammatisch-kritische Richtung 194-206 

b) Historisch-antiquarische Richtung 206-219 

Index 220-224 



'La Philologie c*est la gdologie 
du monde intellectuel*. Benoist. 



A. Einleitung. 



I. Antike Bezeichnungen. 

OiXöXoTOC (cpiXoXoTia). 

Das Wort begegnet zuerst bei Plato und zwar in 
verschiedenen Bedeutungen. Zunächst wird es mit einer ge- 
wissen Ironie von jemandem gebraucht, der gern und viel 
redet. So z. B. Theaet. 146^ xi ciTäTe, oö ti ttoO . . uttö 
(piXoXoTiac dTpoiKttojLiev; 161^ cpiXöXoTÖc t' €1 dxexviüc Kai 
XpncTiiJC, ÖTi jLie oTei Xötujv xivct eivai öiiXaKOv. Phaedr. 236 '^ 
avbpi (piXoXÖTUi. Im Gegensatz zu den wortkargen Spartanern 
und Kretensern (ßpaxuXoTOi) werden die redefreudigen Athener 
cpiXöXoTOi genannt (Leg. 641^). Ebenso wird cpiXöXoTOc dem 
jLiicöXoTOc entgegengestellt (Lach. 188^). Da nun Xötoc auch 
= cocpia, so wird (piXöXoToc fast ein Synonym für cpiXöcocpoc 
(Rep. IX 582^)/^^ oder aber, da der cpiXöcocpoc vor allem ein 
TTttibeuTÖc dvnp ist, so ging cpiXoXoTia leicht in den Begriff 
ILiouciKri, Tcaibeia über. So Isocr. Antid. 296 eÖTpaireXiav Kai 
cpiXoXoTicxv ou iLiiKpöv fiTOuviai cujußaXecGai iii^poc irpöc Tf)v 
Tijüv XÖTUJV iraibeiav. In diesem Sinne nun, von 'literarisch 
Gebildeten', braucht auch Aristoteles das Wort an der ein- 
zigen^^^ Stelle, an der es sich bei ihm findet, Rhet. II 23, 10 
p. 1 398 b. 1 4 AaKebai)Li6vioi XiXiüva tujv Tcpövxujv ^TToincav fiKicra 



(1) Später (siehe unten p. 2) wurden die beiden Worte gerade- 
zu als antithetisch aufgefaßt. 

(2) Allerdings ist Probl. XVIII p. 916 B überschrieben öca irepl 
(piXoXoTiav (Inhalt: Stil, Rhetorik, Lesen, Geschichte), aber diese Über- 
schriften sind sicherlich nicht aristotelischen Ursprungs, auch wenn 
das Kapitel selbst echt sein sollte. 

Gudeman, Grundriß der Gesch. der klass. Phil. 1 



2 Einleitung. 

cpiXöXoToi övxec. - Mit geringftlgigen Ntiancen des Unter- 
schiedes wird das Wort bis in die späteste Zeit in der Be- 
deutung des der Wissenschaft oder Literatur Beflissenen an- 
gewandt, des TToXu)Lia0r|c, TioXuicTujp, studiosus, doctus, eru- 
ditus, litter atus. Vergl. z.B. Zeno bei Stob. Ecl. III 36, 26 p. 697 H. 
Tujv iLiaÖTiTujv fcpacKCV Touc )Lifev cpiXoXÖTOuc eTvai, touc bfc 
XoTocpiXouc. Phrynichos p. 483 R. cpiXöXoToc* ö cpiXujv Xötouc 
Kai CTTOubctCujv irepi iraibeiav, oi bfe vOv im d)LiTreipiav xiG^a- 
civ ouK öpGujc (nach einer älteren Quelle). Ps. Plvt. X orat. 8, 1 
p. 844 "^ Prov. Alex. 38. Nur bei Plvt. de aud. poet. c. 11 
p. 30 '^ ^v xaTc dvaTViwceci tOüv ironijudTUiv, 6 jüifev diTravGi- 
Ceiai Tf)v icTopiav (i. e. cpiX6)Liu0oc), 6 bfe d)Li(pueTai xtp KCtXXei 
Km xiQ KaxacKeufl xOüv övojudxuiv (i. e. cpiXöXoTOc) . . . oi bä 
xOüV irpöc xö fiGoc eipiijLi^vuiv djcpeXijuujc fxovxai (i. e. cpiXo- 
xi)Lioc Ktti 9iXÖKaXoc) etc. hat das Wort eine ästhetische 
bezw. rhetorische Bedeutung, während es Alex. 8 fjv bfe Kai cpu- 
cei cpiXöXoTOC Kai cpiXavaTviücxiic wieder im gewöhnlichen 
Sinne steht; vergl. auchCato Min. 6 cpiXoXoYeTv vÜKxiüp Kai irapa 
TTÖxov cuTTiTvecGai xoTc cpiXocöcpoic d. h. ^gelehrte Gespräche 
führen'. So schon Cic. epist. 16,21,4 non est enim seiunc- 
tus iocus a cpiXoXoTi«? etcotidiana cuCrixricei. 16, 21, 8 ut 
una cu)Li(piXoXoT€Tv possimus, Att. 2, 17, l ne , , oleum phi- 
lologiae nostrae perierit. 13,12,1, 13,52,2. 15,15,2. Ferner 
seien noch folgende Stellen erwähnt, in denen das Wort gleichbe- 
deutend mit 'Gelehrter' bezw. 'Gelehrsamkeit' ist: Strabo XVII 
794 Ol xoö Mouceiou iiiex^xovxec cpiXöXoTOi ävbpec. Dio Chrys. 
43^ ^TTicxr|cexai juäv oöv ibc cpiXöXoTOc, Kpivei bk ibc cpiXö- 
cocpoc. PoRPH. de vita Plotini 14 cpiXöXoTOc jufev 6 Aottivoc, 
cpiXöcocpoc bfe jLiiibajLiujc. Hypothesis zu Aristoph. Frosch, xö 
bfe bpäjLia xujv eu Trdvu Kai cpiXoXoTuJC TreiroiTHui^vujv. Nach 
ViTR. 7 praef. 4 gründeten die Könige von Pergamon die 
berühmte Bibliothek ^magnis philologiae dulcedinibus inductf 
und Homer heißt bei demselben § 8 poetarum parens philolo- 
giaeque omnis dux. Schließlich gehört hierher der Titel der Alle- 
gorie des Martianus Capella: de nuptiis Philologiae etMercnrii. 



(pi^ÖXOTOC. KpiTlKÖC. 3 

Der erste/^^ der sich den Namen eines cpiXöXoxoc bei- 
gelegt haben soll, war Eratosthenes und nach dessen Bei- 
spiel unter den Römern Ateius Praetextatus. Vergl. Svet. 
gramm. 10 p. 108 R. philologi appellationem assitmpsisse 
videtiir, quia sie ut Eratosthenes, qui primus hoc cognomen 
sibi vindicavit, multiplici variaque doctrina censebatur. 

Als Fachname im heutigen Sinne scheint aber q)iXöXoTOC 
(cpiXoXoTia) im Altertum nie gebraucht worden zu sein. Als 
Ersatz diente TPCtjLijLiaTiKÖc und zuweilen auch KpixiKÖc. 

KpiTlKÖC (KpiTiKri). 

Diese Bezeichnung, und zwar bereits als terminus, be- 
gegnet zuerst bei Ps. Plato Axioch. 366^ örröxav bi. eic ttiv 
^TTTaeiiav dcpiKiiTai ttoXXouc ttövouc biavTXf\cav, iraibaTUJTOi 
Kttl TpotWuiaTiCTai Kai iraiboTpißai TupawoGviec. aii£o|ui^vou 

hk KpiTlKOl, TCUijLl^Tpai, XaKTlKOi, TTOXu irXflöOC beCTTOTOüV. 

Wie folgende Stellen lehren, ist das Wort früher als fpa^ixa- 
TiKÖc im Gebrauch gewesen. Bekker, Anecd. III p. 1140 tö 
irpÖTcpov KpiTiKfj ^XeTCTO (sc. i\ TpctMiuiaTiKT)) Kai oi xauTiiv 
ILieiioviec KpiTiKou Dio Chrys. orat. LIII 1 'ApicTapxoc Kai 
Kpdxiic Kai Jiepoi nXeiouc tujv öcxepov TpctMILiaTiKUJV KXiiöev- 
Tujv, TTpöiepov be KpixiKOJV. Krates und seine Schule 
scheinen sich aber mit Vorliebe KpiiiKOi, im Gegensatz zu den 
TpaiLijuiaxiKoi Alexandriens, genannt zu haben, indem sie die 
Tätigkeit des TP«|uijLiaTiKÖc als eine minderwertige hinstellten. 
Vergl. Sext. Emp. adv. math. 1, 79 ikefe (sc. KpdTTic) biacp^- 
peiv TÖv KpiTiKÖv Toö TpajLi)LiaTiKoO * Kai töv )xkv KpiTiKÖv ird- 
CTic, cprici, bei^OTiKfic dmcTrijLiTic fjutreipov eivar töv bk fpa^- 
juaiiKÖv dirXujc tXwccujv ^Htittitiköv Kai Trpoctubiac diroboxi- 
KÖv , . . irapö Kai doiK^vai dKcTvov juäv dpxix^KTOvi, töv bfe 
TpajLi)LiaTiKÖv uTTTip^TTi. 1, 248 TaupiCKOc 6 KpdxriTOC dKOu- 
CTr|c, djCTiep oi dXXoi KpixiKOi, uTTOidccuiv tQ KpiTiK^ xfiv Tpctjui- 



(1) Nach SviDAS s. V. MOpu) hätte er aber in dem Vater des 
Tragikers Homeros einen Vorgänger gehabt: 'Avbpoiudxou toO ^iri- 
KXrie^TOC (piXoXÖTou. 

1* 



4 Einleitung. 

juiaiiKTiv. ScHOL. Dionys. Thrax p. 673, 19 ^TriT^TpaiiTai jap 
TÖ irapöv cÜTTpajuiiuia Kara iiiev Tivac irepi TPCtMjLiaTiKfic, Kaid 
bk ^T^pouc irepi KpiTiKfic T^x^nc* KpiTiKfi bfe X^T^Ttti f) tIx^ 
iK ToO KaXXicTou iii^pouc. Auf dieselbe gehässige Unterstellung 
läuft der Titel der Schrift des Pergameners Galen hinaus: 
€i buvaTai Tic elvai KpiiiKÖc Kai TPctMILiaTiKÖc. In nachalexan- 
drinischer Zeit wurden beide termini zwar synonym gebraucht, 
aber kpitiköc verhältnismäßig selten. Vergl. Cicepist. 9, 10, 1 
profert alter, opinor, duobus versiculis expensum Niciae, alter 
Aristarchtis hos ößeXttei, ego tamquam criticus antiquus iu- 
dicaturus sum, utrum sint xoO ttoititoö an TrapejußeßXTiiLievoi. 
HoR. epist. 2, 1, 51 alter Homerus, ut critici dicunt, daneben 
aber ars 78 grammatici certant Sonst findet sich das Wort 
im Lateinischen nur bei späteren Scholiasten, wie z. B. Ps. Acro 
und Servius^ denn Qvint. inst. 2, 1, 4 ist die Lesart zweifelhaft. 

rpttjuijuaxiKOC (TpajLijuiaTiKri). 
In der klassischen Zeit bezeichnet TpafAfiaxiKÖc, seiner 
Etymologie gemäß, nur jemanden, der TpamLictia kennt, lesen 
gelernt hat und dergL vergl. z. B. PLAioPhileb. 17^ Cratyl.431^ 
Soph. 253^ und TpaWLiaTiKri (sc. xexvTi) dementsprechend 
die Fertigkeit des Lesens, so z. B. Arist. Categ. 9 Polit. 8, 3 
Top. 6, 5, während der Lehrer von Tpa^MCtTa stets Tpaw^ia- 
xicxnc heißt, z. B. Plato Prot. 312 ^ Euthyd. 279^ Leg. VII 
812^, lat. litter ator (Svet. gramm. 4). Bei den Alexandrinern 
wird das Wort zuerst von dem Literaturforscher, insbesondere 
von dem Studium der Dichter gebraucht, bald aber umfaßt 
es als terminus technicus, mit Zurückdrängung von KpixiKÖc, 
ziemlich genau den Begriff, den wir heutzutage mit 'Philo- 
loge' wiedergeben. Vergl. Clem. Alex. Strom. I 309 'Avxibuj- 
poc(^) 6 KujuiaToc irpujxoc xoö KpixiKOÖ eiCTiTHcaxo (korrupt, 



(1) So zu schreiben, nicht 'AiroXXöbiJüpoc oder 'AvTÖöwpoc. Vergl. 
O. Immisch, Jahrb. f. Phil. CXLI (1890) p. 695 f. und bei Susemihl (siehe 
unten). Antidoros (wohl nach Theophrast) schrieb irepl '0|ui/)pou xal 
*Haö6ou und Trepl UUwc ('Stil'). 



KpiTlKÖC. Tpa|Ll|LiaTlKÖC. 5 

TiapriTricaTO Usener) TOiivo)Lia Kai TPOMjLiaTiKÖc irpoc- 
TiTopeuÖTi (vergl. auch Bekker, Anecd. III 1140. Cramer, An. 
Ox. IV 310, 26). ''Gvioi bfe 'EpaTOce^VTi. xöv KuprivaTov 
cpaciv direibfi ÖebtüKCV outoc ßißXia buo TpctjLiMaTiKd ^iriTpa- 
i|iac. düvojuidcÖTi bfe TpctjLiMaTiKÖc, ibc vOv (3. Jahrh. n. Chr.) 
6vojLidZ:ojLiev, TrpuiTOc TTpaHicpdvnc (c. 300 v. Chr.) Schol. Dionys. 
Thrax p. 729, 22 6.pla\kivj\ jufev (sc. f] TPOMjLiaTiKri) dirö 0ea- 
Tevouc, xeXecGeTca bfe Tcapd tujv TTepnraTTiTiKUJV TTpa2icpdvouc 
Kai 'ApiCTOxeXouc. 

Die T^xvn TPCtWLiaTiKri wird von Dionysius Thrax bei Sext. 
Emp. adv. math. p. 611. 655Bk. definiert als '€jLnT€ipia ibc iid 
TÖ TToXu TUJV Trapd iroiriTaic tc Kai cuTTPOtcpeOciv XeTO)Lievu)v 
und in folgende sechs Teile zerlegt: 
I. dvdyvwcic ^vTpißi?ic KttTd irpocipbCav ^sorgfältige 

Lektüre nach Akzent, Spiritus, Quantität' (^> 
II. iy\'^r\Q\Q KOTÄ ToOc ^vuirdpxovTttc iroiT^TiKoOc xpö- 
TTouc^*) ^Erklärung der vorkommenden rheto- 
rischen Figuren' 

III. rXuiccuiv^'5 Kttl IcTopiuiv^*) Trpöxeipoc dirööocic 
*Wort- und Sacherklärung' 

IV. ^TUiaoXoTiac eöpecic^'^^ 

V. dvaXoTiac ^kXotic|uiöc 'Darstellung der gramma- 
tischen Regelmäßigkeit' c®) Gegensatz dvu)|aa\(a 

VI. Kpicic TTOiT^iadTuiv^'') — 6 6f| xdXXiCTÖv ^cti irdv- \ =Ttjiyr\ iLie^d- 
TUJv Tuiv 4v Tfl Ti'iyr\ 'literarische und höhere > Xri, ^vreX/jc, 
Kritik' J r^Xeioc. 

Eine Dreiteilung tiberliefert Sext. Emp. adv. math. p. 619 Bk. 
1. TexviKÖv 2. IcTopiKÖv 3. ibiaiTcpov; endlich eine Vier- 
teilung, die nach Usener auf Tyrannion, einen der Lehrer 
Varros, zurückgeht, der Schol. zu Dionys. Thrax (Bekkers 
Anecd. p. 736): biopöuiTiKÖv 'recensio, Textkritik', dvaTvujCTi- 
KÖv (wie I oben), ÖninTiKÖv 'Kommentar', KpiTiKÖv 'ästhe- 
tische und literarische Kritik'. Ober diese vom TPctjLijLiaTiKÖc 



= T^xvri fii- 
Kpd, dxeXe- 
CT^pa 



(1) Vergl. Rutherford, Schol. Aristoph. vol. III 157-167. 

(2) ebenda 183-335. (3) ebenda 353-386. (4) ebenda 381-388. 
(5) ebenda 391-393. (6) ebenda 393-395. (7) ebenda 399-455. 



5 Einleitung. 

geforderte Vielseitigkeit des Wissens handelte nach Suidas 
die Schrift eines Telephos: nöcaxp^ elb^vai töv TpaMMariKÖv. 
Die Römer übernahmen mit der Sache auch den Namen 
und schlössen sich zumeist der obigen Definition und Ein- 
teilung des Dionysius Thrax an:^^^ VergL Cic. de orat. 1, 187 in 
grammaiicis poeiarum periractaiio, hisioriarum cognitio, ver- 
borum interpreiaiio, pronuntiandi quidam sonus. 1,10 div. 1 , 34 
QviNT. inst. 1, 2, 14 si de loquendi ratione disserat, si quae- 
stiones (i. e. IryvrwxaTa) explicei, hisiorias exponat, poemata 
enarret 2, 1,4 grammatice quam in Latinum transferentes 
litter aturamiverglWARRO frg.92W) vocaverunt SvET.gramm.4 
p. 103 R appellatio grammaticorum Qraeca consuetudine in* 
valuit sed initio litterati vocabantur. Cornelius quoque 
Nepos libello quo distinguit litteratum ab erudito, litteratos 
vulgo quidem appellari ait eos qui diligenter aliquid et acute 
scienterque possint aut dicere aut scribere, ceterum proprie 
sie appellandos poetarum interpretes qui a Oraecis gram- 
matici nominentur. Unter den Römern hat nur der Stoiker 
Seneca sich der stoisch-pergamenischen Schule in der engeren 
und geringschätzigen Bedeutung, welche diese dem gramma- 
ticus beilegte, angeschlossen. VergL epist. 88, 3 grammaticus 
circa curam sermonis versatur et, si latius evagari vult, 
circa historias, iam ut longissime fines suos proferat, circa 
carmina. 88, 42 ad syllabarum distinctiones et coniunctionum 
ac praepositionum proprietates descenderunt et invidere gram- 
maticis und besonders den locus classicus, epist. 108, 30-34 
Cum Ciceronis librum de republica prendit hinc philologus 
aliquis, hinc grammaticus, hinc ^ philo sophiae deditus, 
alius alio curam suam mittit Philosophus admiratur con- 
tra iustitiam dici tarn multa potuisse. Cum ad hanc ean- 
dem lectionem philologus accessit, hoc subnotat: duos 
Romanos reges esse, quorum alter patrem non habet, alter 
matrem; nam de Servii matre dubitatur. Anci pater nullus, 

(1) So besonders Varro, obwohl er nur ^quattuor officia gram- 
maticae^ annimmt. Vergl. frg. 91.93W. 



philologus. grammaticus. 7 

Numae nepos dicitiir. Praeter ea notat eum, quem nos die- 
tatorem dicimiis ei in hisioriis iia nominari legimus, apud 
antiquos magistrum populi vocatum. Hodieque id exsiat in 
auguralibus libris et testimoniitm est, quod qui ab illo nomi- 
netur magister equitum est. Aeque notat Romulum perisse 
solis defectione, provocationem ad popiüum etiam a regibus 
fuisse; id ita in pontificalibus libris et alii putant et Fene- 
stella. Eosdem libros cum grammaticus explicuit, primum 
verba expressa, Weapse* dici a Cicerone, id est 're ipsa\ in 
commentarium refert nee minus ^sepse\ idest ^se ipse\ Deinde 
transit ad ea quae consuetudo saeculi mutavit, tamquam ait 
^Cicero . . sumus ab ipsa calce . . revocati\ Hanc quam nunc in 
Circo cretam vocamus, calcem antiqui dicebant. Deinde 
Ennianos colligit versus et in primis illos de Africano 
scriptos . . . Felicem deinde se putat quod invenerit, unde 
Visum Sit Vergilio dicere 'quem super ingens porta tonat 
caeli\ Ennium hoc ait Homero subripuisse, Ennio Ver- 
gilium. esse enim apud Ciceronem in his ipsis de republica 
libris hoc epigramma Enni etc. 

Vergl. Wouwer, Polymathia inGronov. Thesaur. antiq. X p. 10051. 
Joh, Classen, de grammaticae Graecae primordiis, Bonn 1829; Lobeck, 
Phrynichus pp. 392 ff.; Lersch, Sprachphilosophie der Alten I p. 73—91, 
Bonn 1841 ; K. Lehrs, de discrimine vocabulorum (piXöXoToc, fpaix^a- 
TiKöc, KpiTiKÖc, Appendix zu Herodiani scripta tria, Berlin 1857 (grund- 
legende Abhandlung, zuerst als Programm 1838 erschienen); Graefen- 
han, Gesch. d. class. Philologie I 72ff. 94ff. 336ff. III 4ff., Bonn 
1843-50; H. Steinthal, Gesch. d. Sprachwissenschaft bei den Griech. 
u. Rom. II ^ p. 14-25, Berlin 1891 ; Susemihl, Geschichte der griech. 
Literat, in der Alexand. Zeit I 327. 891. II 663-665 (mit Bemerk, von 
Usener); H. Usener, Ein altes Lehrgebäude der Philologie, Sitzungsber. 
Münch. Akad. 1892, pp. 592 ff.; J. E. Sandys, A History of Classical 
Scholarshipp.4-11. 

II. Klassische Philologie der Neuzeit, 
a) Im engeren Sinne: Textkritik, Paläographie, Hermeneutik, 
Grammatik und Rhetorik, ästhetische oder literarische 
Kritik ('Höhere Kritik') der griech. und röm. Schriftsteller. 



8 Einleitung. 

b) Im weiteren Sinne umfaßt unsere Disziplin das Studium 
und die Erforschung des griech. und rOm. Altertums in 
all seinen verschiedenen Erscheinungsformen, wie sie 
in den erhaltenen literarischen und monumentalen Doku- 
menten zutage treten. 

Ober die verschiedenen Definitionen, Klassifikationen, Um- 
grenzungen und Ziele der philologischen Wissenschaft: 

F. Ä, Wolf, Vorlesungen über Encyclopaedie der Alterthums- 
wissenschaft in: Klein. Schrift. II (1869) 814ff. 894ff. (zuerst gedruckt 
1807); Fr. Ast, Grundriss der Philologie 1808; G.Bemhardy, Grund- 
linien z. Encycl. der Philol. 1832, p. 48-53; A, Boeckh, Encyclopae- 
die und Methodologie der philol. Wissensch., Lpz. 1886*, p. 54-64 
Opusc. I lOOff. VII 255 ff. 404 ff.; KO. Müller, Kleine deutsche Schriften, 
Breslau 1847, p. Iff.; Fr. Haase, in Ersch & Grubers Encycl. III 
Sect. 23 (1847), p. 374-422; Fr. Ritschi, Opusc. W 1—18; H.Reichardt, 
Die Gliederung der Philologie 1846; C. Hirzel, Grundzüge zu einer 
Gesch. d. Philologie 1872 •, pp. 41 ; /f. Usener, Philologie u. Geschichts- 
wissenschaft, Bonn 1882, pp. 39; W. v. Hartel, Aufgaben, Wege und 
Ziele d.klass. Philologie 1 889 ^ pp.36; K.Brugmann, Stand der Sprach- 
wissenschaft, Lpz. 1885; J. Vahlen, Ueber den philologischen Sinn, 
Berlin 1886, pp. 22; G. Gröber, Grundr. der roman. Philol. I 141 ff.; 
H. Paul, Grundr. der germ. Philol. I 1 ff. Zahlreiche andere dies- 
bezügliche Schriften bei Hübner, Bibliogr. der klass. Alterthumsw., 
1889«, p. 3-8. 

III. Behandlungsmethoden. 
1. Die annalistische Methode. 

a) Geschichte einer einzelnen Epoche, z. B. der Alexan- 
drinischen, der Renaissance. 

b) Geschichte des Studiums eines einzelnen Schriftstellers, 
z. B. des Homer: vergl. Sengebusch, Homer. Dissert. in 
Dindorfs Ausg. I pp. 1-214, U 1-119; I. Friedländer, 
Die homerische Kritik von Wolf bis Grote, Berlin 1853; 
La Roche, Homerische Textkritik im Altertum, Leipz. 1866; 
R. Volckmann, Geschichte der Wolfschen Prolegomena, 
Leipz. 1874, - Ennivs: vergl. Vahlen, Ennianae poesis 
reliquiae, Leipzig 1903^, pp. I-CXLIV (historia Enni). 



Behandlungsmethoden. 9 

c) Biographie eines einzelnen Gelehrten und Darstellung 
seines Einflusses: Die hervorragendsten Werke sind: 
D. Ruhnken, Elogium Hemsterhusii; Wyttenbach, vita 
Ruhnkenii; Monk, Life of Bentley ; O.Ribbeck, F.W. Ritschi 
'Ein Beitrag zur Geschichte der class. Philologie'; AT. Patti- 
son, Casaubon; J.Bemays, J. Scaliger; Jtzsf /, Winckel- 
mann; 0. Crusius, E. Rohde. 

2. Die eidographische Methode. 

Geschichte einer einzelnen Disziplin, z. B. Griech. 
Grammatik und Sprachwissenschaft: Bemhardy, Steinthal, 
L Cohn, Griech. und Latein. Epioraphik: z.B. Chabert, His- 
toire des 6tudes d*6pigraphie grecque en Europe, Paris 1907; 
R. de la Blanchäre, Histoire de Töpigraphie romaine etc. 
Paris 1887, pp. 63. 

3. Die ethnographische oder geographische Methode, 
z. B. Geschichte der philologischen Studien in Alexandrien, 
Perqamum, Holland (L. MQller), Deutschland (C. Bursian), 
Frankreich (E. Egger, L'Hellönisme en France). 



B. Geschichte der klassischen^'^ Philologie. 

Allgemeine Literatur: J. A. Fabricius, Bibliotheca Graeca 
ed.Harless, 12 Bde., 1809 *; Bibliotheca Latina ed.Emesti, 3 Bde., 1774S 
zuletzt 6 Bde., Florenz 1858; F, A, Eckstein, Latein, u. griech. Unter- 

(1) Von einem hervorragenden Schriftsteller wird das Wort zuerst 
bei Gell. XIX, 8, 15 gebraucht und zwar am Schluß einer dem Fronto 
in den Mund gelegten grammatischen Auseinandersetzung: quaerite 
an ^quadrigam* et ^harenas* dixerit e cohorte Uta dumtaxat anti- 
quiore vel oratorum aliquis vel poetarum, id est classicus adsi- 
duusque aliquis scriptor, non proletarius. In dem uns geläufigen, 
engeren Sinne von ^griech, u, römJ* Autoren steht mir kein Beispiel 
vor dem 16. Jahrh. (z. B. bei Budaeus) zu Gebote, doch wird der Aus- 
druck a potiori wahrscheinlich bereits von italienischen Humanisten 
angewandt worden sein. Das griech. Wort dafür ist ol 4tk€kpi|li^voi, 
bei den Byzantinern ol wpaTTÖjLievoi. 



10 I* Griechische Periode. 

rieht, ed. H. Heyden, Lpz. 1887, pp. 514; £. Hübner, Bibliographie 
der class. Alterthumswissensch., Berlin 1889', p. 1-139; L. Urlichs in 
J. Müller's Handbuch I 1*, p. 1-145; W.Freund, Triennium Philo- 
logicum P (1906) p. 22-142; S. Reinach, Manuel de philologie classi- 
que 1904*, p. 1-22; J, E, Sandys, History of classical scholarship, 
Cambridge 1906', pp. 701 (bis zum Ende des Mittelalters). 



I. Die Griechische Periode (5. Jahrh. bis c. 31 v. Chr.) 

Literatur: Fabricius, op. cit. und VI p. 121-141 (Elenchus Qrae- 
corum rhetorum), p. 353-381 (Catalogus grammaticorumOraecorum); 
L.Lersch, Sprachphilosophie d. Alten, 3Theile, Bonn 1838-1841, pp.696; 
Graefenhan, Geschichte der klass. Philologie, 4Bde, Bonn 1843-1850, 
pp. 1971; //. Sieinihai, Geschichte der Sprachwissenschaft bei den 
Griechen u. Römern, 2 Bde., Berlin 1891*, pp. 742; Th. Bergk, Griech. 
Literaturgesch. I 257 ff.; E, Egger, Essai sur Thistoire de la critique 
chez les Grecs, Paris 1886*, pp. 570; Sainisburg, History of Literary 
Criticism I (1900), p. 1-208; Sandys op. cit. p. 19-166. 

1. Die voralexandrinische Epoche. 
5. Jahrh. bis c. 300. 

Wie die griechische Literatur, so nimmt auch die grie- 
chische Philologie ihren Anfang von Homer. Der erste uns 
bekannte Forscher ist Theagenes von Rhegion, der nach 
Tatian. orat. ad Graecos c. 31 zur Zeit des Kambyses lebte 
und irepi tfic iroiriceujc toO '0^ripou, t^vouc t€ auToö xai 
Xpövou Kae' Sv flK^acev geschrieben haben soll. Auch scheint 
er die bis in die spätesten Zeiten ebenso beliebte wie ver- 
hängnisvolle allegorische Exegese aus apologetischen Grün- 
den eingeführt zu haben, vermutlich dazu veranlaßt durch 
die Kritik, die Männer wie Xenophanes am Homer geübt hatten. 

Vergl. SCHOL. Hom. Y 67 (Porphyr. I 240f. Sehr.); Sengebusch, 
op. cit. I 210-214 und unten p. 16*. 

Die angebliche Rezension des Homer durch 

Pejsistratos. 
Antike Zeugnisse: Cic. de orat. 3, 34 primus Homeri 
libros confusos antea sie disposuisse dicitur (Quelle ver- 



Theagenes. Peisistratos. Sophisten. H 

mutlich Dicaearch), ut nunc habemus. Pavsan. VII, 26, 6 firri 
Ttt 'Ojüiripou bl€C7^ac^^va t€ xai äXXa dXXaxoO ^vl^^ov€u6^€va 
i^GpoiCeto. Aelian. V. H. XIII, 14 ucTepov TTeicicTpatoc cuva- 
TttTUüv, d7Teq)r|V€ rfiv IXidba xai xfiv 'Obucceiav. Liban. I p. 385 
TTeicicTpaTOV ^7^alV0Ö^€V öxrfep rflc tuüv ^T^piu ireiTOiTDLievuiV 
cuXXoTnc III, p. 25. AvsoN. 408, 29 f. quique sacri lacenarß 
collegit corpus Homeri, quique notas spuriis versibus appo- 
suit (L e. Arisiarchus). Svidas s. v. "0^T1P0C: öcTepov cuve- 
Te0Ti Ktti cuvetaxOri uirö iroXXoiv xai ^dXlCTa uirö TTeicicrpd- 
Tou. EvsTATH. K ante vs. 1 uxrö be TTeiciCTpdTOu T€Tdx6ai eic 
TTjV TTOITICIV. ViTA HoM. IV öcTcpov hk TTeiciCTpaToc auTd 
cuvr|TaT€V, ujc tö ^7riTpa)Li|üia toOto br|XoT ... 8c töv *'0^r|- 
pov I fJGpoica, CTTopdbriv tö irpiv delb6^evov (= vita Hom. V) 
und dann besonders ausführlich Tzetzes^ Proleg. zu Aristoph. 
Plutos, wonach Peisistratos, im Verein mit vier Gelehrten 
im KoTKuXou(?), Onomakritos, Zopyros Heracleotes und Or- 
pheus von Croton, die Homerischen Gedichte gesammelt und 
ediert habe. 

Vergl, Ritschi, Opusc. I p.31-60. 123-127. 160-167; Keil, ibid., 
p, 205-207; Sengebusch, Hom. Diss. II 34; Wilamowitz, Homerische 
Untersuch., 1884, p. 235— 266; Flach, Peisistratus und seine literarische 
Thätigkeit, Tübingen 1885, pp.42; A. Ludwich, Aristarch's Hom. Text- 
kritik II 390-404; E. Meyer, Hermes XXVII 371 f. Gesch. d. Alterth. 
II 390!.; D, B, Monro, Appendix zu seiner Ausgabe der Odyssee, 
Bd. II (1901), p. 402-410; P. D, Ch. Hennings, Homers Odyssee 1904. 

Die Sophisten. 

Im allgemeinen: W.O. Friedel, De sophistarum studiis Home- 
ricis, Halle Diss. I (1873), p. 130-188; F. Hoffmann, de philos. et 
Sophist, qui fuerunt ante Aristotelem studiis Homericis, Halle 1874; 
Graefenhan I 124-141; L. Spengel, cüwafwfi] t€xvu»v 1828; F. Blass, 
Griech. Bereds. P; Cope, Aristotle'sRhetoric, Bd. I,Introduction; R.C. 
Jebb, Attic Orators from Antiphon to Isaeus, I (1876), p. CVIII-CXXXVII. 
Gomperz, Griech. Denker I p. 331; Beloch, Griech. Gesch. I p. 618. 



(1) Dieses Wort beweist, daß der Vers nicht auf Zenodotos zu 
deuten ist, sondern auf Peisistratos. 



12 I. Griechische Periode. 

Protagoras von Abdera (c. 481-411). 

TTepi öp0o€7T€iac: Vergl. Arist. Rhet. 3, 5. 1407^ 6 td 
T€VTi Toiv övo^dTaJV bii(ip€i, dpp€va xai GrjXea xai ckcuti. Soph. 
Elench. 14. Laert. Diog. 9, 52.53 bieiXe xe töv Xötov ttpüütoc 
eic T^Ttapa: €ÖxujXr|v (Optativ), ^pd)TTiciv (Konjunktiv), dirö- 
Kpiciv (Indikativ), IvToXriv (Imperativ) . . . oöc Kai ^Tu0^evac elTie 
XÖTUJV. QviNT. inst. 3, 4, 10. Vergl. auch Arist. Poet. 19 und 
Ober die Exegese der Dichter, Plato Prot. 339^ fiToO^ai . . . 
dvbpi xraibeiac ^^TlCT0V )Liepoc elvai irepi diroiv beivöv elvai. 
?CTi bk toOto td UTTÖ Tujv TTOiriTUüv X€T6^€va, olöv T'elvai 5u- 
vievai äte öpeujc ireiroiriTai xai S |üiif|, Kai dxriCTacGai bieXeiv 
339 ff. (Gedicht des Simonides). Protagoras ist der erste ge- 
wesen, der sich der grammatischen genera und modi wissen- 
schaftlich bewußt wurde. Dies allein sichert ihm, von seinen 
anderen Verdiensten abgesehen, einen ehrenvollen Platz in der 
Geschichte der Wissenschaft. Wie verblüffend seine Entdeckung 
der Anomalie in den Genusendungen auf seine Zeitgenossen 
wirkte, zeigt die amüsante Szene bei Aristoph. Wolken 659-692. 

Vergl. Glossen op. cit. p. 28; Lersch op. cit. p. 18 ff.; Spengel op. 
cit. p. 52 ff.; Frei, Quaest. Protagoreae, Bonn 1845; Weber, Quaest. 
Protagoreae, Marburg 1850 und besonders /f. DielSj Fragmente der 
Vorsokratiker, Berlin 1903, p. 511 ff. (Leben und Lehre). 

GoRGiAS von Leontini (kam nach Athen 427, starb nach 399). 

Begründer der attischen und damit der europäischen 
Kunstprosa. Parodie seines Stils in der Rede des Agathon 
auf den Eros bei Plato Symp. 194^-197^. 

Vergl. Spengel, Westermann, Bloss opp. citt. und £. Norden, Die 
antike Kunstprosa I pp. 15 ff. 65 ff. 384 ff.; Novorre, La Rh^torique 
Grecque avant Aristote, Paris 1900, p. 79- 119; //. Diels, op. cit. p. 523 ff. 

Prodikos von Ceos (älterer Zeitgenosse des Sokrates). 
Begründer der Synonymik (biaipeiv xd övö^atay^l Bei- 
spiele seines Verfahrens: Plato, Protag. 337^"^. 340 '^. 



(1) Vergl. Wiehe, de vestigiis et reliquiis synonymicae artis 
Graecorum, Copenhagen 1856, pp. 94. 



Sophisten. Attische Komödie. 13 

Charmid. 163^^, Euthyd. 277^«.; Xenoph. Mem. 2, 1, 21-34; 
Arist. Top. B, 6, 112«. 22. 

Vergl. Spengel, op. cit. p. 46 ff.; Lersch, p. 15 ff.; Welcher, 
Rhein. Mus. I 1-39. 563-643 (= Kleine Schrift. 11393-541); H, Diels 
op. cit. p. 535 ff. 

HiPPiAS von Elis (jünger als Protagoras). 

Nach Plato, Hipp. Mai. 285«, Hipp. Min. 368^ schrieb 
er TT€pi Tpctm^aTUüv buvd)Li€uüC xai cuXXaßoiv xai ^uGmliv Kai 
dpjLioviaiv. Auf diese Forschungen scheint Aristoph. Wölk. 638. 
666. 851. 1251 anzuspielen. Ober seine Homerischen Studien 
werglFriedel op. cit. Ob ihm eine Olympionikenliste (PLVT.Num.l) 
zugeschrieben werden darf, ist zweifelhaft. Vergl. Usener, 
Rh. Mus. XXV 591 ff. Körte, Hermes XXXIX 230ff. Ober den 
Inhalt einer Schrift CuvaTUürn (Athen. XIII 609 '^) läßt sich nichts 
Genaues ermitteln. 

Vergl. O. Friedet, de H. sophistae studiis Homericis in der 
Qratulationsschrift des Philol. Seminars für G. Bernhardy, Halle 1872, 
p.29; Spengel, op. cit. p. 60f.; H, Diels, op. cit. p. 545 ff. 

c) Literarische Kritik in der Attischen Komödie. 

Die bedeutendste uns bekannte Leistung ist *^^^Aristoph. 
Frösche 758-1523 (Aischylos und Euripides). Ein ähnliches 
Thema behandelten die MoOcai des Phrgnichos (zusammen mit 
den Fröschen aufgeführt). Eine große Anzahl von KomOdien- 
titeln lassen ebenfalls auf literarische Kritik schließen, doch 
ist weder Umfang noch Inhalt zu erschließen. Man vergl. z. B. 
Plato TToiTiTric, Phrgnichos Tpayujboi, Alexis TToiriTai, 0i- 
XoTpaTwböc, Amphis, Anaxandrides Al0upa^ßoc, Antiphanes 
TToiricic, Axionikos, Philippides OiXeupmibric, Kratinos 'Apxi- 
Xoxoi, AibacKaXiai, Nikostratos, Telekleides 'Hcioboi. 

Vergl. Egger op. cit p. 37-89; F.Blanchet, de Aristophane Euri- 
pidis censore, Strassburg 1856; J. Peters, A. iudicium de summis suae 
aetatis tragicis, Münster 1858, pp. 59; R, H, Rudioff, de A, Euripidis 



(1) Vollständig oder im Original fragmentarisch erhaltene Werke 
der antiken Autoren sind mit einem Stern (*) bezeichnet. 



14 I. Griechische Periode. 

irrisore, Berlin 1865; J. v,Leeuwen, de A. Euripidis censore, Amster- 
dam 1876; P, Hennig, Arist. deAesch. poesi iudicium, Jena 1878, pp.50; 
W. ScherraTis, de poetarum comiconim Atticorum studiis Homericis, 
Königsberg 1893; G, W. Baker, de comicis graecis litterarum iudici- 
bus, in Harvard Studies in Class. Philol. XV (1904), p. 121-240; Saints- 
bürg op. cit. I 21-25. 

Das Lykurgische Exemplar der drei Tragiker. 

Ps. Plvt. Vit. X. orat. 841^ eicnveTKC (sc. Lykurgos) hk 
Ktti v6^ouc . . . TÖv bif ibc x^Xkäc eiKovac dvaOeTvai täv 
TTOiriTUüv, AlcxuXou, Zoq)OKX^ouc, Gupmibou Ka\ tac Tpatqjbiac 
auTUJV '^v KOivai YPctM^ctM^vouc q)uXdTT€iv Kai töv Tf\c iröXeuüC 
TpajLAjLAaT^a irapavaTifViöcKeiv toTc u'ITOKplVo^^volC ouk ^SeTvai 
Tap äXXuüc uTTOKpivecOai/^^ 

Vergl. O. Kom, de publico Aesch. Soph. Eur. fabularum exem- 
plari Lycurgo auctore confecto, Bonn 1863; J. Sommerbrodt, Rh. Mus. 
XIX (1864), 130ff.; Wüamowitz, Hermes XIV 151, Eur. Heracl. I^ 130; 
E. Bruhn, lucubrationum Euripidearum capita selecta in Suppl. Jahrb. 
f. Philol. XV c. 2; Ruiherford, Schol. Aristoph. III 52 f. 57-60. 

Plato (427-347) als Philologe. 

Favorinus bei Dioo. Laert. 3, 25 xrpOüToc dOeüüpiice rflc 
Tpa)LiMaTiKf|c xfiv biiva^iv, vermutlich mit besonderem Hinblick 
auf die Erörterungen im Kratylos. 

Grammatik: Unterscheidung von övo^a und ^f^^a. — 
Grammatische Tempora (*Parm.l51^), doch ohne Terminologie. 

Vergl. Glossen op. cit. p. 45; Schömann, Die Lehre von den 
Redetheilen, 1862, p. 2!.; Steinthal, V 137 f.; J. Deuschle, Die Plato- 
nische Sprachphilosophie, Marburg 1852, pp. 53; Dümmler, Acade- 
mica, p. 158 ff. 

Exegese der Dichter (Gedicht des Simonides im Pro- 
tagoras). 



(1) Nach Galen. XVII, 1, p. 607 soll sich Ptolemaios Euergetes 
dieses Exemplar gegen eine Kaution von 15 Talenten verschafft haben. 
Er ließ aber diese verfallen und sandte den Athenern eine sorg- 
fältige Abschrift zurück. 



Lykurgos. Plato. Aristoteles. 15 

Ästhetische und literarische Kritik, besonders in 
der *Republik und im *Ion 533^ff. 

Vergl. Ch, Beiger, de Aristotele etiam in arte poetica componenda 
Piatonis discipulo, Berlin 1890; G. Finster, Piaton und die aristotelische 
Poetik, Leipzig 1900. 

Etymologie^^^ (besonders im Kratylos). 

Die uns oft komisch erscheinenden Etymologien Piatos 
dürfen nicht, wie dies noch allgemein geschieht, als ironisch 
oder parodisch aufgefaßt werden, so wenig wie die nicht 
minder unwissenschaftlichen Ableitungen eines Varro oder der 
antiken Etymologen Oberhaupt. 

Vergl. Th. Benfeg, lieber die Aufgabe des piaton. Dialogs Kra- 
tylos in Abhandl. Goetting. Akad. XII 189-330; Steinthal op. cit. P 
41-152; /f. Kirchner, Die verschiedenen Auffassungen des Piaton. 
Dialogs Kratylos, Progr. Brieg 1892. 1893. 1897; P. E. Rosenstock, 
Plato's Kratylos u. die Sprachphilosophie der Neuzeit, Progr. Strass- 
burgi.E. 1893, pp.41; B.Jowett, Einleit. zur engl. Uebersetzung 1871. 

Aristoteles 384-322. 

Die Chrys. 53 p. 353 'ApictOTeXric, dq)' oij q)aci Tf)V Kpi- 
TiKrjv T€ Ktti TPCtMMCtTiKfiv dpx^v Xa߀iv. 

Angebliche Ausgabe des Homer: Plvt. Alex. 8 t^iv 'IXidba 
. . . fXaße )Lifev 'ApiCTOT^Xouc biopGiicavToc, iiv ^k toö vdp- 
0r|KOC KaXoOciv. Schol. Ilias 21, 252, Theocrit. 1, 34. Mit 
dieser Nachricht steht aber im Widerspruch Strabo XIII 549 
q)^peTai toöv tic biopGujcic Tf]C 'O^ripou iroiriceujc, f| ^k toO 
vdpOr|KOC X€TOjLi^vr|, toO 'AXeSdvbpou |üi€Td tuüv irepi KdXXi- 
cOevT] Ktti 'AvdHapxov . . . crmeiujca^^vou Tivd fxreiTa KataO^v- 
Toc eic vdp0TiKa. Den Alexandrinern, wie dem Plin. nat. 7, 29 
und EvsTATHios, Ilias p. 1. 6, war diese Ausgabe jedenfalls un- 
bekannt. Die zahlreichen Zitate (30) in unseren Homerscholien 
entstammen sämtlich den auch sonst oft erwähnten 'Airopri- 



(1) Zu den etymologischen Studien im Altertum überhaupt vergl. 
Lersch, III 1-112; Graef^han 1 151-165. 513-520 III 153-163 (Grie- 
chen) II 320-328 IV 210-224 (Römer); Steinthal, I 331-357; LCohn 
in Müller's Handbuch II 1» p.583. 591 f. 596f. 



15 !• Griechische Periode. 

jüiata (TTpoßXri^aTa) 'Ojiiripi'^a des Aristoteles in 6 Büchern. 
Ober die älteren Homerforscher ^^^ hat Arist. Metaph. 13, 6, 
p. 1093* 27 das berühmte Urteil gefällt: MiKpdc ö^oiÖTriTac 
öpuüci, ^€TOLXac bk irapopoiciv. 

Vergl. Sengebusch I 70-79; W, O. Friedet, de philosoph. Graec. 
studiis Homer., Progfr. Merseburg 1879, pp. 28; /?. Wachsmuth, de 
Aristotelis studiis Homericis, Diss. Berlin 1863, pp. 45; ARoemer, Die 
Homercitate und die Homer. Fragen des Arist. , Sitzungsber. Münch. 
Akad. 1884, p. 264-314; //. Schrader, Porphyrii quaestionum Homer, 
ad Iliad. pertinentium reliquiae, 1880, p. 415 ff., Porphyrii quaest. ... 
ad Odyss. usw., 1890, p. 179ff. 

Grammatik und Rhetorik (besonders *Poet. c. 24ff., 
*Rhet. lib. III). CuvaTUJTi?! Texvoiv. 

Vergl. Classen op. cit. 52-69; Steinthal op. cit. P 253 ff. 

Literarische und ästhetische Kritik: *TT€pi iroiri- 
TiKflc irepi TToniToiv (fragm. Bert. Ausg. Arist. V 1 1, No.59-66). 

Vergl. Beiger, Finster op. cit; Egger op. cit. p. 168-342; Saints- 
bury op. cit. 1 29-59; Eine kurze Bibliographie zur Poetik bei Butcher, 
Aristotle's Theory of Poetry (Text, Obersetzung und Abhandlungen), 
London 1895*, pp. 378. Kommentare zur Poetik: Twining, 2 Bde., 
London 1812; Vahten, Beiträge zu Arist. Poetik, 4 Thle, Wien 
1865-1867; Susemihl, Uebers. u. Anmerk., Lpz. 1874*. 

AibacKaXiai(^) (C. L G. I 349 sqq. C. L A. II 971-977. 
L G. L ed. Kaibel 1097-1098, die literarisch überiieferten Di- 
daskalien in Berl. Ausg. des Arist. V frg. 575-587) Nixai 
AiovuciaKtti dcTiKtti Kai ArivaiKai (vergl. A. Körte, in Class. 
Philol. I <1906> p. 391-399) 'GXujiiTnovTKai TTueioviKai. 



(1) Zu diesen ^dpxatoi 'OinripiKoC wird man besonders zu rechnen 
haben : Theagenes und Glaukos von Rhegion, Stesimbrotos von Thasos, 
Anaximandros, Metrodoros von Lampsacus, Ion, Antisthenes, Anti- 
machos von Colophon. Vergl. Plato Ion 530. Tatian op. cit. (= EvsEB. 
Praep. evang. 10, 11); Sengebusch op. cit. I 205-213; Schrader, Por- 
phyrii quaest. Homer, ad Iliad. usw. p. 383 ff.; E. Hilter, Fragm. des 
Glaucus von Rhegion, in Rhein. Mus. XLI 398-436. 

(2) Ober den Inhalt der Schrift des Kargstios von Pergamon, 
irepl AtbacKaXiiIiv (ATHEN. V 235 E) läßt sich nichts ermitteln. 



Aristoteles. Herakleides Pontikos. n 

Auf diesen chronologisch geordneten Listen der chorischen 
Agone und vor allem der dramatischen Aufführungen be- 
ruhten alle späteren xrivaKec und dvaTpaq)ai. 

Vergl. Ranke, Vita Aristoph. (in Thiersch's Plutos) 1830, p.83ff.; 
Richter, Einl. zu AristWespen 1858, p. 6-29; U. Köhler, Mittheil, des 
Athen. Inst. III (1878), p. 112ff. 229ff. V325; Reisch in Pauly-Wissowa 
(= pw.) V 395-401. Hauptwerk: A.Wilhelm, Urkunden dramatischer 
Aufführungen in Athen, in Sonderschr. d. östr. archäol. Instituts Bd. VI 
(1906) pp. 257, mit Beitrag von G. Kaibel, p. 167-194. 

In den uns erhaltenen Schriftenverzeichnissen des Aristo- 
teles wird eine Anzahl anderer philologischer Arbeiten an- 
geführt: TTpoßXrjjLiaTa (diroprijLiaTa) toititikoi diropi^iLiaTa 
'Hciöbou dTropri^aTa 'ApxiXöxou, €upi7ribou, XoipiXou 
Ti brjiTOTe "OjLiTipoc ^TTOiiicev Tdc *HXiou ßoOc; 

Vermutlich handelt es sich bei den meisten von diesen 
um Alexandrinische Fälschungen/^^ 

Die Peripatetiker. 
Herakleides Pontikos (Schüler des Plato u. Aristoteles). 
'Vir doctus in primis' Cic. Tusc. 5, 3. TTpoßXri^aTa irepi 
*0^ripou, irepi €upnTibou, irepi 'ApxiXöxou xai '0)Liripou irepi 



(1) Ammon. in Arist. Categ. 10 TTToXcimatov xöv <|)iXdb€X<pov (€ö- 
cpT^xriv oder '€in(pdvYiv?) irdvu 4cirou6aK^vai (päd ircpl tä 'ApiCToxc- 
XiKÄ cuTfpd|Li|LiaTa ibc Kai ircpl xd Xomd Kai xp^Mora bibövai xolc irpoc- 
(pdpouciv aÖTi?) ßtßXouc ToO (piXocöcpou* ÖGev xiv^c xp^lM^'^^caceai ßou- 
Xö)üi€voi 4inTpd(povT€c cuYirpd|üi|LiaTa t<^ toO (ptXocöcpou övö|LiaTi irpoc- 
flTov. Galen, in Hippocr. de nat. hom. vol. XV 105. 109 K.: 4v tCj) Kaxd 
ToOc 'AxxaXiKoOc t€ xal TTxoXejLiaiKoOc ßaciX^ac XP<^vip, upöc dXXif|Xouc 
dvxi<piXoxi|üiou|Li^vouc TTcpl Kxf|C€U)c ßißXiDDV, f\ TTcpl xdc kizxfpaip&c X€ 
Kttl biacKCudc aöxiliv flpEaxo T^tvecBai (jabioupYia xoic ?v€Ka xoO 
Xaßetv dpTupov dvaqp^pouciv ibc xo()C ßaciX^ac dvbpiliv ^vböHiüv cvTXpdn- 
jLiaxa. Vergl. auch Gudeman, Literary Frauds among the Greeks, in 
Class. Studies in Honor of H. Drisler, New York 1894, p. 52-74. 
Äpollonides von Nicaea (1. Jahrh. n. Chr.) schrieb ein umfangreiches 
Werk iT€pl Kax€Hi€uc|Li^c Icxopiac, in mindestens 8 Büchern, das 
nach allgemeiner Annahme über ^literarische Fälschungen' handelte; 
dies geht aber aus dem Titel nicht ohne weiteres hervor. Eine Abhand- 
lung desselben Titels wird auch Apollonios Dyskolos zugeschrieben. 
Gudeman, Grundrifi der Gesch. der klass. Phil. 2 



18 I. Griechische Periode. 

Tfic '0^ripou Ktti 'Hciöbou fjXiKiac^^l In dieser vielerörterten 
Streitfrage entschied sich H. für die Priorität des Homer. 

TTepi övo)LidTUJV (^tujüioXothSv?) irepi tuiv Tpiüüv xpa- 
TUiboTroiujv xrepi ttohitiktic Kai tujv ironiTuiv. 

Die Behauptung des in solchen Dingen nicht ganz zu- 
verlässigen Arisioxenos (Dioq. Laert. V 7), H. habe Tragödien 
auf den Namen des Thespis gefälscht, gab Bentley zum Teil 
die Veranlassung zu einer berühmten Abhandlung (in Dissert. 
on the Epist. of Phalaris c. 11, p. 254-324). 

Vergl. Roulez, de vita et scriptis H. P., Louvainl828; Deswert, 
de H. P. ibid. 1830; Sengebusch op. cit. I 79-84; Unger, Rhein. Mus. 
38, 481 ff. (verfehlt); Schröder, Philol. 44, 236-261; L. Cohn, de H. P. 
etymologiarum scriptore antiquissimo in Comment. Reifferscheidii, 
Breslau 1884, p. 84-92; O. Voss, De H. P. vita et scriptis, Lpz. 1896, 
pp. 95; F. Leo, Griech.-röm. Biogr. p. 101. 

Chammleon (Zeitgenosse des Vorigen). 

TTepi TTic dpxaiac KUü^tfJbiac/^) in mindestens 6 Buch. 

TTepi IXidboc, von dem ein 5. Buch zitiert wird. 
Vielleicht ein Teil von TTeprOjiiripou. TTepi 'Hciobou. Ch. 
beschuldigte den Herakleides des Plagiats an diesen beiden 
Werken (Dioo. Laert. V 92). 

TTepi CxTicixöpou Tiepi Ca7rq)o0c trepi 'Ava- 
KpeovToc irepi Adcou xrepi Cijiiujvibou irepi 

TTivbdpou Tiepi ö^cmboc irepi Aicx^Xou Trepi 
carupujv (Satyrdramen). Es ist durchaus wahrscheinlich, 
daß Chamaileon alle bedeutenden Dichter Griechenlands in 
solchen cuTTpaMM«Ta, vermutlich mit Einschluß eines ßioc, 
behandelt hat und daß viel mehr, als wir jetzt ahnen, auf ihn 
als letzte Quelle zurückgeht. 

Vergl. E. Köpke, de Chamaeleonte Heracleota (mit Fragment- 
Sammlung), Progr. Friedr.-Gymn., Berlin 1856, pp. 48; Classen, op. cit. 

(1) Vergl. £. Rohde, Kl. Sehr. I p. 1-104. 

(2) Ist der Titel richtig überliefert, so wäre das nicht nur das 
erste Werk dieser Art, sondern auch der Beweis, daß die Zwei- bezw. 
Dreiteilung der attischen Komödie voralexandrinisch und vorpergame- 
nisch ist, wäre damit erbracht. 



Chamaileon. Theophrastos. Aristoxenos. jg 

F. Schoell, de locis nonnullis ad Aeschyli vitam . . pertinentibus, 
Jena 1875; E,Schwartz, Fünf Vorträge über den griech. Roman, p. 113; 
Schröder, Porphyrii quaest. Homer, ad Iliad. usw., p.422; Leo, Griech.- 
röm. Biogr., p. 104-107; Wendung PW. III 2103f. 

Theophrastos von Eresos 372-287/6. 

Der größte Schüler des Aristoteles. Schriftenverzeich- 
nis bei DiOG. Laert. V 42— 50 (nach Hermippos). TTpöc ATcxuXov 
irepi jLiouciKfic irepi Kuu^iubiac (Athen. VI 261^), vielleicht nur 
ein Teil von TTepi iroiriTiKfic. Aus diesem Werke stammen 
vermutlich die ausdrücklich als Theophrastisch bezeugten De- 
finitionen des Epos, der Tragödie und Komödie und vielleicht 
auch des Mimos, bei Diom. Gramm. I 484. 487. 488. 491. 

Vergl. //. Reich, Der Mimus I p. 263 ff. 

OuciKoiv boHuiv ßißXia 18. Die erste kritische Ge- 
schichte der griechischen Philosophie und grundlegend für 
alle späteren. Vergl. Diels, Doxographi Graeci p. 102 ff. 

TTepi Xe^eujc. Ein sehr einflußreiches Werk. Vergl. be- 
sonders Cic. orat. 20. 39. 55. 79. 81. 127. 228 (dazu Sandys' 
Anmerk. in seiner Ausgabe). Eine gemeinsame Quelle für 
die vielfach übereinstimmenden Stellen bei Dionysios irepi 
)Lll^r|C€UJC und Qvint. inst. X. Die berühmte Dreiteilung der 
'genera dicendi' geht ebenfalls (trotz Hendrickson) auf ihn 
zurück. 

Vergl. Usener, de Dionysii Halic. imitatione reliquiae, Bonn 1889; 
Rabe, de Theophrasti libris ircpl X^Seuic, Bonn 1890; Radermacher, 
Rhein. Mus. LIV374ff., Demetr. wepl ^piuriv. p. 87; Hendrickson, Amer. 
Joum. of Philol. XXV (1904) p. 126-146. XXVI p. 249-290. 

Aristoxenos von Tarent, 6 jiiouciKÖc (Schüler des Aristoteles). 

Bioi <dvbpujv?> (Pythagoras, Sokrates, Plato usw.) 
Hier. vir. ill. praef.: fecerunthoc idem apud Graecos Hermippus 

peripateticus, AntigoTms Cargstius,*Satyrüs doctus vir et longe om- 

nium doctissimus Aristoxenus musicus, 

TTepi TpatiuboiroiOüv (besond. Soph.) war vielleicht nur 

ein Teil dieses Werkes TTepi auXiiroiv TTepi xpaTiKfic 

p6xr\ceiJJC icTopiKoi uirojLivri^aTa. 

2* 



20 I* Griechische Periode. 

Ober seine Werke zur Musik (zum Teil erhalten), siehe 
von Jahn, PW. II 1058-1067. 

Vergl. W. L Mahne, diatribe de A. philos. peripat., Amsterdam 
1793, pp. 220 (noch immer nützlich); Müller, Frag. Hist. Gr. II 197-207; 
Leo op. cit. p. 102-104. 

DiKAiARCHOs von Messene (blühte c. 310). 

Varro rust. 1, 2, 16 dociissimus homo; Cic. Att. 6, 2, 3 
icTopiKiüTaToc; Tusc. 1, 76 deliciae meae; Plin. nat. 2, 162 vir 
in primis eruditus. Einer der vielseitigsten und einflußreichsten 
Gelehrten des Altertums. 

Bioc'€XXdboc ^Kulturgeschichte Griechenlands' epoche- 
machendes Meisterwerk. TTepi ^ouclKalv (xtiwvujv, von 
welchem Werke Tiepi AiovuciaKUJV dTiwvujv wohl nur ein Teil 
war. Oder waren etwa beide Abhandlungen nur Unter- 
abteilungen des Bioc '€XXdboc? Diese Schrift enthielt jeden- 
falls didaskalische und literarhistorische Bemerkungen. ^^^ 

TiToOeceic toiv Gupiirlbou Kai Coq)OKX^ouc jüiuOuüv 
(Ober die mythischen Stoffe). Eine Hypothesis zu Eur. Ale. 
und zur Medea trägt den Namen des Dicaearch, der auch 
sonst häufig in den erhaltenen Hypotheses vorkommt. Die 
Unterscheidung der homonymen Dramentitel mit Begründung 
ist wohl ebenfalls sein Werk.^*^ 



(1) Argum. Eur. Medea: tö 6pö|Lia 6ok^ öiroßaXkeai wapä Neö- 
(ppovoc 6iacK€udcac ibc AiKaiapxoc <^> Ti^fi irepl '€XXd6oc ß(ou Kai 'Api- 
ctot^Xyic 4v CiTro|Livr||Liaav. Die aus D. zitierte Nachricht in Argum. I. 
III von Aristoph, Frösche, über eine Wiederaufführung dieser Ko- 
mödie, wird wohl demselben Werk entnommen sein. 

(2) Argum. Soph. Aiax: A. bk AtavTOC Gdvaxov km-fpänpex. kv 
hk rate bibacKaXiaic i|iiXuic Aiac ävaykypaircax; Soph. Oed. Tyr. über 
den Titel TOpawoc (die <pr]ci A.). Wir werden daher wohl mit Recht 
auch die anderen Unterscheidungst^tel auf ihn zurückführen, z.B. Aesch. 
Prom. ö 6€C|Liii)TTic, ö Xuöiuievoc, ö mjpKaieOc, Glaukos TTorvieOc, ö TTöv- 
Tioc; Soph. Athamas ö irpörepoc, Oedipus tvKoXuüvqj; Eur. Alkmaion 
ö hxä Yiü(pt6oc, ö 6id KopivGou, Iphigenia ^v TaOpoic, ^v ACiXiöi, Hip- 
polytos ö KaXuTTTÖ|Li€voc, ö CT€q)avoO|Li€voc, Melanippe f\ co<pr|, f\ bec- 
^iXiTic, Herkules |Liatv6|Li€voc. 



Dikaiarchos. Demetrios. Praxiphanes. 21 

Bioi (piXocöcptüv (nachweislich Plato, Pythagoras, Xeno- 
phanes, wahrscheinlich auch die sieben Weisen). TTepi 'AX- 
Kaiou (vermutlich ein cÜTTpamna mit vita). TTepi 'OjLiripou 
(Plvt. non posse suav. viv. 12 p. 1095*). Die Quelle, wie es 
scheint, für die Nachricht von der Sammlung der homer. 
Gedichte durch Peisistratos. 

Vergl. Fabricius, Bibl. Gr. III 486-491 ; Vossius, de bist. Graecis, 
Lpz. 1838, p. 80 ff.; F. Osann^ Beitr. z. griecb. u. röm. Literat. II 
(1839), p. Iff.; M, Fuhr, D. M. quae supersunt etc., Darmstadt 1841, 
pp.528; S^nflre&iisc/iop.cit.I84ff.; Jtffi/ter,FHG. II 225-268; H.Schra- 
der, Quaest. Peripat., Hamburg 1884; Martini, PW. V 547-562 (be- 
sonders 552—556) mit Literaturangaben. 

Demetrios von Phaleron c. 350 bis c. 280. 

Berühmter athenischer Staatsmann, Redner und Gelehrter. 
Die meisten, wenn nicht alle seine literarhistorischen Ar- 
beiten waren in Alexandrien verfaßt (nach 297), wo er als 
Beirat des Ptolemaios Soter die Anregung zur Gründung des 
Museums und der Bibliothek gegeben haben soll. Unvoll- 
ständiges Schriftenverzeichnis bei Dioo. Laert. V 80 (nach 
Hermippos).^^^ 

TTepi priTopiKfic 2 B. (namentlich über Demosthenes). 
'ApxövTUJv dvaTpacpfj, eine vielbenutzte Sammlung. TTepi 
TTic 'AGtiVTici vo|Lio0€ciac 5 B. TTepi täv 'AGrjvTici iroXi- 
T€iiüv2B. TTepi IXidboc TTepi 'Obucceiac '0|litipik6c(?) TTepi 
'AvTiqpdvouc (der Komiker) Xöfwv AicujTieiiwv cuvaTUJTn- 

Vergl. Ch, Ostermann, de D. Ph. vita, rebus gestis et scriptonim 
reliquiis, Hersfeld Progr. I (1847), pp. 36, Fulda II (1857), pp. 48; 
Sengebusch, Hom. Diss. I 89 ff.; Th. Herwig, de D. Ph. scriptis etc., 
Rinteln 1850, pp. 28; Susemihl I 135-142. 887 und Martini PW. IV 
2817-2839. 

Praxiphanes von Rhodos, blühte c. 300. 
*TTpuhroc TPCt^^ctTiKÖc' Clem. Alex. 1. c. (p. 5) Lehrer des 
Aratos und Kallimachos. 



(1) Ein gewisser Asklepiades 6 toO 'Apeiou schrieb TTepi toO 
ArmnTpiou ToO 0aXriP^ujc (ATHEN. XIII 567 D). 



22 I. Griechische Periode. 

Dialog TTepi ttoititiüv = uepi iroiTmaTiüv bei Philodem? 
(Unterredner Plato und Isokrates.) 

Dialog TTepi \cTopiac (Poesie und Geschichte, zu Un- 
gunsten der letzteren entschieden). Unterredner: Euripides, 
Agathon, Piaton der Komiker, Nikeratos (Epiker), Melanippides 
(Lyriker) und Thucydides, am Hofe des Archelaos zu Pella. 

Vergl. Wilamowitz, Hermes XIII 326 ff., Eur. Heracl.^ I 16 "; 
Ä./ftee/, Hermes XIII 46ff., Dialog I310f.; Ä.Sc/iöW, Hermes XIII 446 f. 

Er soll auf Grund einer alten Hs von Hesiods '€pTa, 
in der das Prooem. fehlte, zuerst dessen Unechtheit bewiesen 
haben. Er tadelte den Anfang des Platonischen Timaeus 
und beschäftigte sich mit der Exegese des Sophokles. 

Vergl. L. Preller, de Praxiphane Peripatetico inter antiquissimos 
grammaticos nobili, in Ausgewählte Aufsätze 1864 p. 94-112; Susemihl I 
144-146. 

Antigonos von Karystos, blühte c. 250. 

Leben zeitgenössischer Philosophen, eine Haupt- 
quelle (indirekt) des Diogenes Laertios. Leben griechi- 
scher Künstler. 

nepl X^H€UJc(?) 

Vergl. Wilamowitz, Antigonos v. Karystos, in Philol. Unters. IV 
(1881), pp. 356 (grundlegend); Susemihl I 468-475. 519-523. II 675; 
Leoy Griech.-röm. Biogr. 61 f. 67 ff. 129f. 133; C. Robert PW. 1 2421 f. 

Philochoros von Athen (f c. 260). 

Einer der zuverlässigsten Gelehrten des Altertums. Von 
seinen zahlreichen Schriften sind nur dürftige Oberreste erhalten. 

'AtGic, 17 B. (von der ältesten Zeit bis 261), vergl. ßo^cftA, 
Kl. Sehr. V 397-429. TTepi täv 'A0r|vnciv dTiwvujv 17 B. 
TTepi Tujv 'A6r|VTiciv dpHdvTUJV dirö CujKpaTibou in^xp^ 'AiroX- 
XobiJüpou (374/3 - 3 1 9/8). 'CXuiLuridbec (?) 2 B., vielleicht 'OXu^- 
TTioviKai? TTepi tujv Co90KXdouc |iii0uiv 5 B. TTepi 
eupiiribou TTepi 'AXK|idvoc TTepi TpaTtubiujv (vielleicht nur 
ein Gesamttitel). '€7riTpd|Li|iaTa 'AxTiKd, das erste Cor- 
pus Inscriptionum Atticarum. 

Vergl. Susemihl I 594-599; Fragm. bei Müller, Frg. Hist. Gr. 
I 384-417. Neue Fragm. im Didymos Papyrus, siehe unten p. 50. 



Antigonos. Philochoros. Krateros. Marmor Parium. 23 

Krateros (t c. 269). 

Urheber einer grundlegenden Sammlung athenischer Volks- 
beschlüsse: Vr\q>\c^&T{X)\ cuvaTUJTn 9 B. 

Vergl. Cobet, Mnemosyne I (1873) 97-128; Krech, de Crateri 
iliriqpicjjidTUJv cuvaTiwTfl etc., Greifswald 1888; Susemihl I 599-602. 

•Marmor Parium. 

Eine berühmte, nur teilweise erhaltene Chronik, die vom 
Archontat des Diognetos (264/3) rückwärts bisKekrops rechnete. 
Sie wurde im Jahre 1627 von der Insel Paros nach England 
gebracht. Größere neue Bruchstücke sind vor einigen Jahren 
gefunden worden. 

Vergl. £. Dopp, quaestiones de marmore Pario, Breslau 1883, 
pp. 63; Flach, Tübingen 1884, pp. 61; Hiüer v. Gärtringen I. G. XII 
5, 1 Nr. 444 und bes. F. Jacoby, Marmor Parium, Berlin 1904. 

2. Die Alexandrinische Periode (c. 300 — 146). 

Hauptwerk: Susemihl, Gesch. der griech. Literat, in der Alexan- 
driner Zeit, 2 Bde., 1892, pp. 907. 771 (besonders I 327-462. 468-513, 
II 1-62. 148-218. 448-516); C. G, Heyne, de genio saeculi Ptole- 
maeorum, inOpusc. I 76-134, VI 436 ff.; Matter, Essai historique sur 
r^cole d'Alexandrie, 2 Bde., Paris 1840'; Renan, M61anges d'histoire 
dans l'antiquit^, Paris 1878 (les grammairiens grecs, p. 389-410. 
427-440); lVi7amoii;ite,Eur. Herc.M 121ff.; Sandj/s op. cit p. 103-166. 

Das Museum. Antike Zeugnisse: Timon CiXXoi Frg.LX: 
TToXXoi jLifev ßöcKOVTtti dv AItutttiü 7ToXuq)üXiJU I ßißXittKOi xa- 
pttKciTai dueipiTa btipiöuiVTCC | Moucdujv dv raXctpiu; Strabo 
XVII 793 f. Tiüv hk ßaciXeiujv jndpoc kxi kqi tö MouceTov, ?xov 
TTCpiTTaTOv Kai ßebpav xai oTkov |Li€Tav (Herondas 1,31 Vitrvv. 
5, 11), dv (L TÖ cucciTiov Tujv |Li€T€x6vTUJV ToO Mouc€iou qpiXo- 
X6tu)V dvbpujv (Plvt. adv. Epic. 1095"^), fcTi bk jf) cuvöbuj 
TttUTr) Kai xpnMttTa KOiva xai lepeuc 6 im tu) Mouceiiu (Athen. 
XII 547*^ T€TaT|Li€VOC töt€ ixkv vvlÖ tujv ßaciXeuiv, vOv b'uirö 
Kaicapoc; Athen. XI 494^ tujv ßißXiiuv, dv olc ai dvaTpaq)ai 
elci Td)v Tdc cuvTdHeic (Gehaltslisten) XajiißavövTUJV; Philostr. 
Bioi coq)iCTujv 1, 22, 5 TQ&nela AlTuuTia HuTKaXoOca touc dv 
irdcij Tfji vji dXXoTi|Lxouc; Porphyr, ad Iliad. I 682 (p. 141 Sehr.) dv 



24 !• Griechische Periode. 

Tiu Mouceiiu Tijj KQTa 'AXeHdvbpeiav vöjlioc ^v irpoßdXXecGai 
IryzrwiaTa xai xäc Tivo|idvac Xijceic dvaTpdcpecOai. (Ober diese 
XuTiKOi und dvcTaxiKoi, vergl. Lehrs, de Arist. stud. Homericis 
p. 199 ff. und Schrader, op. cit. pp. 368 ff. 427 ff.); Amm. 22, 
16,15 diutumumpraestantiumhominumdomicüium; Cass. Dio 
77, 7 Td cucciTia . . xdc t€ Xoiirdc ibcpeXeiac . . dcpeiXero (sc. 
Caracalla) ktX.; Svidas s. v. 0€ujv (c. 400 n. Chr.) 6 ^k Mou- 
ceiou cpiXöcocpoc.^^^ 

Vergl. Neocorus in Gronov. Thes. ant. VIII 2774 sq.; Parthey, Das 
alexandrinische Museum, Berlin 1838; Klippel, Ueber das alexandri- 
nische Museum, Goettingen 1838 (Phantasiebilder); Gudeman, Univ. 
of Penn. Bulletin IV (1899), p. 92-106. Ältere Literatur bei Graefen- 
han I 380 ff. u. Bemhardyy Griech. Lit. I* 549 ff. 

Die Bibliotheken. Hauptstelle bei Tzetzes' Proleg. 
zu Arist. Plutos (eine teilweise Obersetzung fand sich in einer 
Plautushs, daher als Scholion Plautinum bekannt): dTravia- 
XÖOev Tdc ßißXouc eic 'AXeHdvbpeiav fjGpoicev, buci ßißXio- 
GrJKaic TttÜTac dirdGero, oiv xfic ^ktöc (Serapeum) \khf fjv dpiG- 
jLiöc T€TpaKiC|Liupioi bicxiXiQi ÖKTttKociai (42800), Tfic b' fcu) 
(Bruch eion) tiüv dvaKTÖpujv xai ßaciXeiou ßißXujv \xiN cu|li|li(k- 
Tujv (ScHOL. Plaut.: commixta) dpiG|Liöc TeccapdxovTa jLiupidbec 
(400000), dirXujv bfe kqI d|LiiTUJV (simplicium . . digestorvm) 
ßißXujv jLiupidbec ivvia (90000)f ibc 6 KaXXijLiaxoc veaviCKOC 
lüv Tf\c auXf]c ucTepiJüc |Li€Td Tf|V dvöpGujciv touc irivaKac au- 
Tiüv direTpdiiiaTO (Schol. Plaut.: sicuti referi Callimacus auli- 
cus regius bibliothecarius qui etiam singulis voluminibtis 
titulos inscripsii). 

Vergl. ÄifecW, Opusc. I p. 8-31. 61-73. 146-160; X^i7, ibid. 206. 
226-236; Couat, La po6sie Alexandrine, Paris 1882, p. 1-50; Bem- 
hardy, Gesch. der griech. Literat. I* 533-539; Susemihl, I 335 ff. 894; 
Dziatzko, Rhein. Mus. XL VI (1891) 349-370; Seemann, de primis sex 
bibliothecae Alexandrinae custodibus, Essen 1858; Busch, de biblio- 
thecariis Alexandrinis qui feruntur primis, Schwerin 1884. Zu den 
Literaturangaben bei Dziatzko PW. I 1833 ff. (d^lT^c ß(ßXoi) III 409-414 
(Alex. Bibliothek) füge hinzu Birt, Antikes Buchwesen, p. 485-492. 

(1) Nach Phot Bibl. 104« 40 schrieb Äristonikos irepl toO ^v 
'AXeHavbpeiqi Mouceiou. 



Alex. Museum und Bibliotheken. Philetas. 25 

Bei der Belagerung Alexandriens durch Cäsar (47 v. Chr.) 
soll ein großer Teil der Bibliothek verbrannt sein. Vergl. Sen. 
dial. 9, 9, 5. Plvt. Caes. 49. Dio Cass. 42, 38.^^) Als Ersatz 
soll Antonius später (41 v. Chr.) der Cleopatra 200000 ßißXia 
diiXä der Pergamenischen Bibliothek geschenkt haben (Plvt. 
Anton. 58). Unter Aurelian (272 n. Chr.) wurde das Brucheion 
vernichtet. Die letzten Reste der Bibliothek gingen im Jahre 
391 verloren, als der Bischof Theophilos das Serapevm zer- 
störte. Oros. bist. VI 15, 31 fand bei seinem Besuche in 
Alexandrien (5. Jahrh.) keine Bücher mehr vor. Die berühmte 
Legende von der Zerstörung der Bibliothek durch den General 
Attitu bei der Eroberung Alexandriens im Jahre 641/642 be- 
gegnet zuerst bei AbidpharagiuSf einem arabischen Historiker 
des 13. Jahrhunderts. 

Vergl. E» Gibbon, Decline and Fall of the Roman Empire c. 51; 
Parthey op. cit, p. 106; Dimitriadis 'IcTopixöv 6ok{>jiiov täv 'AXeHav- 
6p€{ujv ßtßXioBriKdiv, Leipz. Diss. 1871; Ä, Gudeman op. cit.; Sandys 
op. cit, p. 112-114. 

Philb(i)tas von Cos (c. 325 bis c. 285). 

Lehrer des Ptolemaios Philadelphos, Zenodot, Hermesianax 
und Theokrit Strabo XIV 657: TToinTf|c äjna Kai xpiTiKÖc 

"AxaKTa ("AxaKTOi TXwccai, fXiüccai). Das erste^^^ wissen- 
schaftliche Lexikon. Die Schol. Hom. B 269 126. 179. 252 
erwähnten Lesarten entstammen vermutlich diesem Werk, zu 
dem noch Aristarch Ergänzungen lieferte (TTpöc OiXTiTäv).^*) 

(1) Von dem Brande der Bibliothek scheinen aber weder der 
Verfasser des Bell. Alex. 1, 2, noch Cicero noch Strabo Kenntnis ge- 
habt zu haben. Aus Oros. 1. c. hat man mit Recht geschlossen, 
daß es sich wohl um Bücher gehandelt habe, die behufs Oberführung 
nach Rom aus der Bibliothek bereits entfernt und in der Nähe des 
Hafens untergebracht worden waren. 

(2) Homerische Schulglossare gab es allerdings schon viel 
früher. Vergl. Aristoph., AairaX^lc Frg. 1 irpöc raOra cO XdHov *0|uiti- 
petouc yXidTTac, ti KaXoOci KÖpu|uißa, t( xaXoOc* d|ui€VTivd Kdpriva; 

(3) Bei Buchaufschriften bedeutet irpöc mit einem Eigennamen 
gewöhnlich ^an, zu', sei es als Dedikation oder im Sinne von Addenda, 



26 1* Griechische Periode. 

Seine große Verbreitung geht deutlich aus der Art hervor, 
wie der Komiker Straton es zitiert: djcre jue (ein Koch spricht) 
Tujv ToO OiXriTä XajLißdvovTtt ßußXiiüV ckottciv ^kqctov ti bu- 
vaxai Ttüv ^n^aTiDV (Athen. IX, 383^). 

Zenodotos von Ephesus (c. 325 bis c. 260). 

AvsoN. 203, 3 esset Arisiarchi tibi gloria Zenodotique, 
299, 12 censor Aristarchus normaque Zenodoti. 

Erster Bibliothekar und Ordner der epischen Dichter. ^^^ 
Vergl. Riischl, Opusc. I 138 ff. 

rXwccai 'OjLuipiKai. AiöpGu)cic'0|Lif|pou. Vergl. Svidas 
s. n. TipdiToc Tiliv '0|Lir|pou biopGuiTrjc dTCvexo. Veröffentlicht 
vor 274. Auch die Teilung in 24 Bücher (mit der noch 
jetzt üblichen Bezeichnung ABT usw. für Ilias, a ß f usw. für 
Odyssee) scheint von Z. herzurühren; vergl. Wilamowitz, 
Hom. Unters, p. 369, Anm. 47. 

Von seinen Lesarten sind uns 385 bekannt, zitiert wird 
aber Z. in den Ilias-Scholien mehr als 650 mal. 

Ober Z. als Homerkritiker vergl. F, A Wolf, Prolegom. c. 43; 
Sengebusch I 21 ff.; H, Düntzer, De Zenodoti studiis Homericis, 
Goettingen 1848, Philol. IX (1854) p. 311-323; W. Ribbeck, Philol. 
VIII 652-712. IX 43-73; A Römer, Ueber die Homerrezension des 
Zenodot, Münch. Akad. XVII (1886) p. 639-722; Ludwich, op. cit. 



z. B. Kallimachos irpöc TTpaSiqpdvriv (sein Lehrer), Aristarch irpöc 
Kiwfjiavöv; 'adversus' hingegen wird ausgedrückt durch irpöc mit 
einem Appellativum oder durch Kard, z. B. Aeschines xard Kniaqpujv- 
Toc, Josephus xard 'Airiiwvoc, Aristarch irpöc t6 E^viwvoc irapdftoHov, 
Sext. Emp. irpöc jjia6ri|uiaTiK0iJC, Origenes irpöc . . K^Xcou äLkr]Qf\ Xötov 
u. ähnl. In den wenigen Ausnahmefällen, wie z. B. Aristophanes 
irpöc ToCic KaXXi|Lidxou irtvaxac (ATHEN. 9, 408), liegt wahrscheinlich eine 
ungenaue Titelangabe vor. 

(1) TZETZES Proleg. 'AX^Havbpoc ö AItudXöc xal AuKÖqppiwv ö 
XaXKibeöc, dXXd koI Zrivööoroc ö '€(p^cioc tuj OtXaö^Xqptv TTroXe- 
|üio(iu cuviJJvri6^vT€C ßaciXiKiöc, ö im^v xdc Tf\c rpaTipöiac, AuKÖqppiwv bi 
Tdc Tf^c KU)|Lii|)6{ac ßißXouc öiudpeuucav (richtiger schol. Plautin.: Hn 
unum collegerunt et in ordinem redegerunf), Ztivööotoc H xdc 'Ojiri- 
peiouc Kai tiwv Xomiöv iroiriTuiv (inkl. Lyriker?). 



Zenodotos. Lykophron. Kallimachos. 27 

162 f. II54ff. 87ff. passim; Pasch, Quaestiones Zenodot, Diss. Hallens. 
XI (1890) 119-216; Susemihl I 327-335. 891 ff. 

CuTTpaMMata zu Hesiod's Theogonie, zu Anakreon und 
Pindar. 

Lykophron von Chalcis (um 285). 

Sammler und Ordner der komischen Literatur in der 
alexandrinischen Bibliothek (siehe oben p. 26^. Durch seine 
pinakographische Tätigkeit wurde vermutlich das umfangreiche 
Werk TTCpi KUj|Litubi<xc, in mindestens 11 B., veranlaßt. 

Vergl. K, Strecker, de Lycophrone, Euphronio, Eratosthene co- 
micorum interpretibus (mit Fragmenten), Greifswald 1884, pp. 89. 

Kallimachos von Kyrene (c. 310 bis c. 240). 

Strabo XVII 838 ttohittic äjna xai irepi TpainjuaTiKriv 
dcTTOubaKiüc. Nach Suidas schrieb er über 800 ßißXia.^^^ 
Zweiter Bibliothekar (nach dem Schol. Plautinum.^*^) 

TTivaKec^*) tiüv dv irdcr) Traibeitjt biaXa|Lii|idvTUJV 
Ktti iLv cuv€TpaMi€, in 120 B. Als Hauptfächer dieses groß- 
artigen Repertoriums, mit dem sich aus neuerer Zeit nur 
Fabricius'Biblioth.Graeca vergleichen läßt, kennen wir: I.Dichter, 

(1) Dieselbe Zahl kehrt verdächtiger Weise bei Svidas s. v. 
'Apicrapxoc wieder. Sollte sie trotzdem annähernd richtig sein, so 
wird wohl die Gesamtsumme der Bücher, nicht die der Werke, ge- 
meint sein. 

(2) Die in neuerer Zeit wiederholt geäußerten Zweifel an dieser 
Tatsache sind unberechtigt 

(3) Knappe Sc/in/teteWen>erreic/misse(mvoK€c,dvaYpa(pa(, indices) 
scheinen später durch den Buchhandel allgemein zugänglich gewesen 
zu sein, auch außerhalb Alexandriens und Pergamums. Vergl. DiONYS., 
deDin. 11 ^v toIc TTepTainrivotc irivaHi, ad Amm. I 4 ol toOc fjriTopiKouc 
irlvaxac cuvTdHavTCc, ATHEN. VIII 336 D (siehe unten p. 72 Anm. 1). 
Philodem, irepl (piXocöqpiwv (vol. Herculanens. VIII col. 13) a\' t' dva^pa- 
<pal Tiöv irivdKUJv, at t€ ßißXioOf^Koi cimatvouciv, ClcHortens. frg. 48M. 
velim dari mihi . . iubeas indicem tragicorum, ut sumam si qui forte 
mihi desunt, Sen. epist. 39, 2 indicem philosophorum, QviNT. inst. 
10, 1, 57 nee sane quisquam est tarn procul a cognitione eorum re- 
motus, ut non indicem certe ex bibliothecis sumptum transferre in 
libros suos possit 



28 !• Griechische Periode. 

2. Gesetzgeber, 3. Philosophen, 4. Historiker, 5. Redner und 
Rhetoren, 6. TTavTobaTrd. Es enthielt in kurzer Form alle not- 
wendigen biographischen, literargeschichtlichen und biblio- 
graphischen Details. Fragen der höheren Kritik (Echtheit» 
Doppeltitel u. dergl.) wurden erörtert, die Anfangsworte und 
die Zahl der Zeilen (cTixo|Li€Tpia) des Buches genau verzeichnet. 
Die Werke der nicht dramatischen Dichter und Redner waren 
nach sachlichen Gesichtspunkten geordnet, die der Drama- 
tiker uud Prosaiker (so z. B. Theophrast) alphabetisch, die 
Schriftsteller selbst chronologisch. Nur ein Spezialtitel oder 
ein Auszug warder TTivaS tujv Kaxä xpövouc Ka\ dn' 
dpxnc T€VO|Lidvujv bibacKdXujv. Ein chronologisches, 
auf den AibacKaXiai des Aristoteles beruhendes Verzeichnis 
der dramatischen Dichter und ihrer Schriften. Dieses Werk 
biMete in letzter Linie die Hauptquelle des literargeschicht- 
lichen Wissens im Altertum. Das Original scheint aber früh 
verloren gegangen zu sein. TTivaH tOüv Athliokpitou tXuj- 
cctüv <Kal cuvTaTMdTU)v)>. TTpöc (an) TTpaHicpdvTiv. '66 v i- 
Ktti övojLiaciai. Zu diesem großen glossographischen Werke 
gehörten wohl die von Suidas als selbständige Schriften er- 
wähnten: Kriceic vrjcujv xai ttöXcijüv Kai jiieTOVojLiaciai (xaTa- 
vojLiaciai Daub) ixr\vwv irpocTiTopiai Kaxd ?0voc xai ttöXcic 
TTCpi TUJV iv Tfji oiKOu|Li€Vij 7T0Ta|Lia»v 7T€pi )Li€T0V0|Liaciac ixOuujv, 
öpvdujv, dvd|iu)v TTepl vuincpiüv TirojLivrmaTa iCTOpiKd 
BapßapiKd v6|ii|Lia ©aujudTUiv (©aujiiaciujv?) tiüv elc^^) 
airacav Tf|v ff\y/ Kaxd töttouc övtujv cuvafuiYri TTepi 
dTwvujv rpacpeiov (Vorbild für Varros Imagines?) Mou- 
ceTov (Inhalt unbekannt). 

Vergl. RUschl, Opusc. 1 146-151 ; Wachsmuth, Philol. XVI (1860) 
p.653ff.; U^27ainoivite,AnalectaEuripidea,1875, p.l36ff.; O.Schneider, 
Callimachea, Bd. II (1873), Hauptwerk, bes.p. 168 ff. 287-350; E. Egger, 
Callimaque consid6r6 comme bibliographe, in Annuaire etc. des 6tudes 
grecques X (1876) p. 70-82; F, von Jahn, de C. Homeri interprete, 
Diss. Straßburg 1893, pp. 112; Susemihl I 337 f. 347 ff. 365 ff. 895 ff.; 
Leo, Griech.-röm. Biogr., p. 131. 134; Körte, Rh. Mus. LX (1905) p.444f. 

(1) Byzantinisch für ^v c. dativo. 



Kallimachos. Eratosthenes. 29 

Eratosthenes von Kyrene (c. 284 bis c 200). 

Einer der vielseitigsten Gelehrten aller Zeiten, Begründer 
der wissenschaftlichen Geographie und Chronologie. Der 
erste, der sich den Namen eines cpiXöXoToc (im antiken Sinne) 
beilegte. Siehe oben p. 3. Dritter Bibliothekar. 

Vergl. Strabo XVII 838 irepi iroiriciv xai TpaMMCtTiKTiv Kai 
TTcpi cpiXococpiav Ktti Ta |Lia9ii|LiaTa, ex Tic äXXoc, biacp^ptüv. 
SvmAS, sub nom.: bid bk tö beuxepeueiv ^v uavTi eibei irai- 
beiac, ToTc äxpoic dTTicavxa, BfiTa dTreKXfjGTi, ol bk xai beu- 
T€pov f\ v€ov TTXdTiüva, äXXoi TTevTaOXov (d. h. der all- 
seitige, geistige Athlet). 

feiJüTpacpiKd 3B. Gegenüber der im Altertum fast 
ausschließlich geltenden Ansicht von der historischen Wahr- 
heit der Homerischen Epen hat E. in diesem bahnbrechenden 
Werke den auch heute noch zu beherzigenden Ausspruch 
getan: "T6t Sv eupeiv Tiva ttoO 'Obucceuc TreirXdvTiTai öxav 
eöpij TÖv cuppdiiiavTQ töv tujv dv^inujv dcKÖv" Strabo I 24.^^^ 

Vergl. Bemhardy, Eratosthenica 1822, p. 1-109; Berger, Die 
geographischen Fragmente des E., Leipzig 1880, pp. 393, Gesch. der 
Wissenschaft Erdkunde bei den Griechen III p. 57-112, Lpz. 1891; 
M, Hergt, Quam vere de Ulixis erroribus E. iudicaverit, Diss. Erlangen 
1887, pp. 46; L. Cohn, PW. VI 364-377. 

TTepi xpovoTpacpiiüv, grundlegendes und epoche- 
machendes Werk. 

Vergl. Bemhardy, p. 238-262; L. Mendelssohn, Act soc. Lips. 
II (1872) p. 161-196; B. Niese, Hermes XXIII (1888) p. 92-102; Wachs- 
muth, Einleitung in das Stud. d. alt Gesch. 1895, p. 127-131; siehe 
auch unter ApoUodoros (p. 45). 

TTepl Tfic dpxaiac KOjjLnpbiac, in mindestens 12 Buch. 
Das hervorragendsteWerk über diesen Gegenstand im Altertum.^*^ 



(1) Seinen kritisch-ästhet Standpunkt kennzeichnet der berühmte 
Satz: "iroiTiTfic iräc CTOxA^erai i^iuxariwTtotc, oö bibacKaXiac" STRABO I 
1, 10. 2, 3, der seinerseits dieselbe Ansicht vertritt wie HOR. ars 333 
out prodesse volunt aut delectare poetae, 

(2) In den Aristoph. Scholien 19 mal erwähnt und noch vielfach 
benutzt ohne direktes Zitat 




30 !• Griechische Periode. 

Vergrl. Bemhardy p. 203-237; Strecker op. cit. (p. 27); Wüa- 
mowitz, Hermes XXI 597. XXIV 44, Eur. Heracl. P p. 61f.; Suse- 
mihl I 425-427. 

CKCuoTpacpiKÖc (PoLLVX X praef.), vielleicht nur ein Teil 
von TTCpi Kiü|Liiubiac. 'OXujLiTrioviKai. TTepi tOüv Kaxa cpiXo- 
cocpiav alp^cetüv (Suidas). Vermutlich auf Grund von Theo- 
phrasts Oucixai böSai. rpamnaTiKd 2 B. 

Vergl. im allgemeinen: Bemhardy op. cit. pp. 278; Susemihl 
1 409-428 und den ausführlichen, aber noch nicht vollständig ver- 
öffentlichten Artikel von L. Cohn FW. VI 358-384. 

Aristophanes von Byzanz (c. 257 bis c. 180). 

Der größte Philologe des Altertums. „Er hat . . die 
Klassiker, die wir so nennen und derea Besitz wir ihm, wenn 
einem Menschen danken, alle mit der rechten Philologenliebe 
gehegt und gepflegt... Was ihm gelungen ist., die für alle 
Zeiten massgebende Codification der nationalen Poesie . . ist 
etwas ganz Grossartiges" Wilamowitz. Schüler des Erato- 
sthenes, Euphronios^^^ und Lehrer des Aristarch und Kallistra- 
tos.^^^ Vierter Bibliothekar. Nach Suidas folgte vielmehr 
Apollonios Rhodios, was chronologisch kaum möglich ist.^'^ 

Nach Ps. Arcadivs lib. 20, p. 186 ff. Erfinder der Zeichen 
für Prosodie, Akzente und Spiritus. Selbst wenn dieses Buch 
eine Fälschung des Jakob Diassorinus (16. Jahrh.) sein sollte, 
so kann jene Angabe doch nicht rein erfunden sein; sie wird 
aber wohl dahin zu deuten sein, daß A. diese Zeichen zu- 
erst systematisch angewandt hat, denn einige sind bereits für 
eine frohere Zeit nachweisbar.^*^ 



(1) Bekannt als Erklärer des Aristophanes (27 mal in den Schol. 
erwähnt) u. anderer Komiker. Vergl. M, Schmidt, Didymi fragm. 294 f.; 
Blau, de Aristarchi discipulis, Jena 1883, p. 67-77; Susemihl 1 281 f. 

(2) Vergl. R, Schmidt (in Nauck, op. cit., p. 309-337). 

(3) Nachdem ß(oc 'AiroXXujvfou (p. 51 W. tiv^c bi. (paciv) war er 
aber nur Bibliothekar des Museums. 

(4) Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die sehr zahlreichen Be- 
merkungen in den Schollen zu Aristophanes über 6iacToXr] und upoc- 
qjMa auf seine Ausgabe des Dichters zurückgehen. 



Eratosthenes. Aristophanes. 31 

Vergl. Nauckop.cit 12 ff.; R. E. A. Schmidt, Beitr. zur Gesch. 
derGramm. des Griech. u.Lat., Halle 1859, p. 571 ff.; Lentz, Herodian, 
praef. XXXVII ff.; Susemihl I 432. 901. II 672; L. Cohn, PW. II 1155; 
Sandys op. cit. 125 f.; Rutherford, Schol. Aristoph. III 156-179, 
London 1905. 

1. Ausgaben mit kritischen Zeichen (siehe unten p. 87 f.) 
und Einleitungen, aber ohne exegetische Kommentare. 

Homer: Er verwarf den Schluß der Odyssee von XXIII 
296 an, worin ihm Aristarch folgte. Wir kennen nur 81 seiner 
Lesarten. Da aber die Scholien sich meist auf die Ab- 
weichungen von Aristarch beschränken — Aristonikos nennt 
den Aristophanes überhaupt nirgends — , so beweist diese 
Tatsache einerseits, daß seine Ausgabe einen gewaltigen Fort- 
schritt gegenüber der Zenodotischen bezeichnete, anderseits 
aber auch, daß sie hinter der berühmteren des Aristarch nicht 
weit zurückstand. ^^^ 

Vergl. F. A. Wolf, Prolegom. c. 44; Nauck p. 25-58; Senge- 
busch I 50 ff.; L. Cohn, PW. II 995 ff.; Wilamowitz, Hom. Unters. 67 ff., 
Eur. Her. P 137. 

Hesiod: Die 'YiroGfiKai Xeipovoc und 'Acmc erklärte 
A. für unecht. 

Lyriker: nachweisbar für Alkman, Alkaios, Anakreon, 
Simonides, Pindar, doch hat er höchst wahrscheinlich die 
übrigen vier^^\ wie die Meliker überhaupt, ebenfalls heraus- 
gegeben. Insbesondere muß dies aus seiner Abhandlung 
über eine Stelle des Archilochos (irepi xfic dxvujLievnc cKuxd- 
Xnc) für diesen Dichter erschlossen werden. Seine Ein- 
teilung der strophischen Dichtungen in metrische KUiXa^^^ 



(1) Nach Tatian adv. Graec. 31, 22 schrieb A., wie auch Thea- 
genes, Zenodot, Eratosthenes, Aristarch und Krates, irepl tt^c Trotr|C€U)c 
*0|Lii^pou ToO T€ T^ouc oCiToO kqI xp6vou Ka6' öv fJKiiace. Vergl. Senge- 
busch I 15. Zitiert wird A. in den Scholien c. 200 mal. 

(2) Daran zweifelt ohne, ersichtlichen Grund Wilamowitz, Zur 
Textgeschichte der griech. Lyriker, Berlin 1900, p. 17. 

(3) Der neuentdeckte Bakchylides ist in xCiiXa eingeteilt, hingegen 
der voraristophanische Timotheos und Isyllos von Epidaurus noch 



32 I- Griechische Periode. 

war eine kritische Leistung allerersten Ranges und grundlegend 
für alle Zeiten. Auch dürfen wir ihn wohl als den Urheber 
des alteren, alexandrinischen Systems der Metrik bezeichnen, 
welches, neben dem jüngeren sog. Varronischen , die ganze 
Folgezeit beherrscht.^^^ 

Vergl. Nauckr 60ff. 273ff.; Susemihl I 436-439. 

Dramatiker: bezeugt für Euripides (Schol. Orest. 714. 
1038. 1287. Hipp. 171. Troad. 47) und zu erschließen für 
Aischylos und Sophokles aus den sog. uiroOdceic zu Aisch. 
Pers. Prom. Septem. Agam. Eum.; Soph. Antig. Philokt. Oed. 
Col. Von den 25 überlieferten, aber stark verkürzten Ein- 
leitungen tragen noch sieben seinen Namen (Aisch. Eum., 
Soph. Antig., Evr. Medea, Orest. Phoen. Bacch. Rhesus). Eine 
vollständige Aristophanische uttöGccic enthielt folgende Bestand- 
teile: 1. Inhaltsangabe (argumentum). 2. Erörterung des dem 
Drama zugrunde liegenden Mythos. Ferner, ob und auf 
welche Weise derselbe bei den beiden anderen Tragikern be- 
handelt wurde (Formel: Keixai r\ inuGoiroüa xai uapä tiö beiva^^ 
oder Http' oubex^piu^*)). 3. Schauplatz, Chor, Prologsprecher ^*) 
(f] |Litv CKrjVTi uTTOKciTai 6 be x6poc cuv^cttikcv dH upo- 



nicht. Vergl. DlONYS. de comp. 22 KiöXa hi ime bilax vuvl X^tciv, oöx 
olc 'ApiCTO<pdvric fi tOjv öXXujv tic imerpiKiJüv bi€CKÖC|LiTic€ rdc ^bdc. 

(1) Es wäre dies eine natürliche Folge seiner kolometrischen 
Studien gewesen. Auch kennen wir keinen Gelehrten nach Aristo- 
xenos, dem man einerseits so tiefe metrische Kenntnisse würde zu- 
trauen wollen und der anderseits seinem System ein solch kanonisches 
Ansehen hätte verschaffen können. Vergl. Westphal, Metrik I* 105-232; 
F, Leo, Hermes XXIV (1889) 280-301; Susemihl II 226-237. 

(2) Z. B. AlSCH. Prom. ^v irapeKßdcei irapA CoqpoxXei ^v KöXxoic, 
irapA b^ €Cipmibi;) öXiwc oCi Kdrai Pers. rXaOxoc ^v toic irepl Alcx^Xou 
juOOtJv ^K TU)v 0OIVICCÜJV 0puv(xou <pTicl ToOc TT^pcac irapoTreTTOiflceai usw. 
SoPH. Antig. Philokt., EvR. Bacch. Phoen. 

(3) Aisch. Eum., Evr. Ale. Medea Orest. 

(4) In den erhaltenen ÖTroO^ceic finden sich diese Angaben am 
häufigsten. 



Aristophanes. 33 

XoTitei). 4. Resum6 (xecpdXaiov) der Hauptteile des Dramas. 
5. Didaskalie/^) 6. Ästhetisches Urteil. ^^^ 

Vergl. A. Kirchhoff, Z. f. Gymnas., Suppl. Bd. VII (1853) p. 46-53; 
F. W, Schneidewin, de hypothesibus trag. Graec. Arist Byz. vindi- 
candis 1856, p. 3-38; Nauck, p. 252-263; Ä. Trendelenburg, Gramm. 
Graec. de arte trag, iudiciorum reliquiae, Bonn 1867, pp. 141 (bes.1-69); 
Susemihl, Arist. Poet., Lpz. 1874, p. 20, Anm. 3; Wilamowitz, Eur. 
Heracl. P 145 f. 

Aristophanes (Schol. Nub. 958, Thesm.'162. 917, 
Ran. 152. 1204). Auch hier gehen die zahlreich erhaltenen 
uTToOdceic in letzter Linie auf den alex. Namensvetter zurück: 
Ach. I. II (metrisch), Eq. I. II. III (metr.), Nub. I-III. IV (metr.), 
V-VII. <VIII-X>, Vesp. I. iKmetr.), Pax I-III. IV (metr.), Av. 
I-III. IV (metr.), Lysist. I. II (metr.), Eccl. I. II (metr.), Ran. I. 
II (metr.) <in. IV>, Flut. I-IV. <V> VI (metr.). Vergl. Nauck, 
63-66. 

Menander: nicht bezeugt, doch sehr wahrscheinlich. 
Vergl. seinen Ausspruch: iL Mevavbpe kqi ßie, irÖTCpoc äp' 
ujLid)v irötepov dTT€|LiijLir|caTO (Syrianvs in Hermog. II 23, 8 Rabe, 
Rhet. Gr. IV 101 W.), und in einem Epigramm (Kaibel 1085 
= CIO 6083) stellte er ihn neben Homer. Mit dieser Be- 
wunderung des Dichters steht keineswegs im Widerspruch 
der Titel seiner Schrift: TTapdXXTiXoi Mevdvbpou xe Kai dcp' 



(1) Daß diese nicht ausschließlich den Didaskalien des Aristo- 
teles entnommen wurden, zeigt SCHOL. Eur. Andr. 446 ctXtKptvOic hi 
ToO 6pd|üiaT0C xpövouc oök Ictx Xaßclv oö b€6(6aKTai T^p 'A6fiVT]av. 
Auch das wievielte Drama des Dichters das betreffende Stück war, 
wurde angegeben. Vergl. öiröOecic zu SOPH. Ant. X^XeKxai hk. tö bpäina 
toOto TpidKocTOv 6€iJT€pov, ZU EVR. Alc. t6 bpäiLia iiron^Ori xV. Doch 
lassen sich die überlieferten Zahlen weder mit einer chronologischen, 
noch mit einer alphabetischen oder einer tetralogischen Reihenfolge 
in Einklang bringen. Aristoph. Tfipac wird als 9., Aves als 35. Stück 
bezeichnet, was ebenfalls nicht stimmt. 

(2) AISCH. Agam. SOPH. Antig., Oed. Col. EvR. Orest., Phoen., 
Hipp., Ale, Andrem., Rhes., Suppl. ARISTOPH. Ach., Eq., Nub., Vesp., 
Av., Ran. 

Qu dem an, Grundriß der Gesch. der klass. Phil. 3 



34 J- Griechische Periode. 

Obv ?KX€i|iev(*) (d. h. ^entlehnte' oder ^nachahmte'. So auch im 
Latein, z. B. de furtis Vergilianis). 

2. Abhandlungen: TTepi ^raipiöiuv. Vergl. Nauck, p. 277-279. 
TTepl TTpociJüTrujv. Wahrscheinlich durch die Vermittlung des 
Juba, die Quelle für Pollvx IV 1 33 - 1 54. Beide Schriften gingen 
vermutlich aus seinen Studien tiber die neue Komödie hervor. 
Vergl. Nauck, 275 ff.; £. Rohde, de lul. Pollucis . . . fontibus, Lpz. 1870. 

TTapoijLiiat (ineTpiKai und ä|Li€Tpoi) in 6 Buch. 

Vergl. Nauck, 235-242; Leutsch, Philol. III 566; 0. Crusius, 
Analecta ad paroemiogr. Graec. 77 ff., Philol. Suppl. VI 275 ff. 

TTepi dvaXoTiac (gegen Chrysippos irepi Tfjc Kaxd Xe- 
Eeic dvuj|LiaXiac). 

Vergl. Varro ling. VI 2. IX 2. X 68. CHARlS.gramm. 1 117, 1, 
Sext. Empir. adv. Math. p. 608, 2. 

S.AeHeic. Die folgenden Spezialtitel waren wohl nur Unter- 
abteilungen: Tiepi Tüjv uiroTTTeuojLievuiv ixx] eipficGai toTc Tra- 
XaioTc (Seltene Wörter oder bekannte in ungewöhnlicher Be- 
deutung, deren Vorkommen bei den Klassikern bezweifelt 
worden war) irepi övojLiaciac fiXiKiwv (vollständige Sammlung 
aller Ausdrücke für Altersstufen bei Menschen und Tieren) 
TTcpi cuTT^viKÄv ovojLidTujv (Verwandtschaftsbezeichnungen) 
uepi TTpoccpujvriceujv (Personenbenennungen, die nur in der An- 
rede gebraucht wurden) 'TToXiTiKd övöjLiaTa', Titel nicht über- 
liefert, aber aus den Fragmenten von L. Cohn erschlossen 
(Ausdrücke des gesellschaftlichen und politischen Lebens) 
'AxTiKai und AaKUJViKai Xegeic. 

Mit diesem Meisterwerke wurde A. der Begründer der 
wissenschaftlichen Lexikographie. ^^^ Es bildete (direkt oder 



(1) Auf ähnliche Untersuchungen scheint die hübsche Anekdote 
über A. bei ViTR. VII praef. 5 hinzudeuten. Vergl. auch die Schrift 
eines Latinos(?) irepl tüjv oök lötiwv Mevdvbpij) in 6 Buch. (Porphyrios 
bei EvsEB. pr. ev. X 3, 12). In unserer Oberlieferung sind besonders 
Verse des Euripides und Menander verwechselt worden. 

(2) Zur Geschichte der griech. Lexikographie überhaupt siehe 
M. H, E. Meier, Opusc. acad. II 10-146 und besonders L. Cohn in 
Iw. Müllers Handbuch II» 1 p. 577-599. 



Aristophanes. Canon Alexandrinus. 35 

mittelbar) die Grundlage und eine Fundgrube für alle Späteren, 
z. B.Didymos,Pamphilos,Diogenian,Suetonius, Philon vonByblos, 
Athenaios, PoUux, Eustathios. 

Vergl. M.Dittrich, Philol. I (1846) p. 225-259; iVauc/f, p. 69-334, 
Rhein. Mus. VI 322-351, M61anges Gr6co-Romains III 166ff.; EMiUer, 
M61anges de litt6rature grecque, Paris 1868, p. 427-434; Fresenius, 
de X^g€U)v Aristophanearum et Suetonianarum excerptls Byzantinis, 
Wiesbaden 1875, pp. 146; L. Cohn, de A. B. et Suetonio Tranquilio 
Eustathii auctoribus, Lpz. 1881 (= Jahrb. f. Philol. Suppl. XII 285-374), 
Jahrb. f. Phil. CXXXIII 825-839, PW. II 1001-1003. 

Canon Alexandrinus: Qvint. inst. 1,4,3 quo (sc. 
iudicio) quidem ita severe sunt usi veteres grammatici ut . . . 
auctor^ alios in ordinem redegerint, alios omnino exemerint 
numero^^^ 10, 1, 54 Apollonius in ordinem a grammaücis 
datum non venit quia Aristarchus atque Aristophanes neminem 
sui temporis Chellenistisch' Wilamowitz) in ordinem redege- 
runt 10, 1, 59 ex tribus receptis^^^ Aristarchi iudicio scrip- 
toribus iamborum ad ?Hiv maxime pertinebit unus Archilochus, 
SviDAS s.v. Aeivapxoc: Tiüv jueTct AimocOevouc dTKpiO^VTUJ v eic. 

Aus den uns erhaltenen Verzeichnissen hat Usener, nach 
Ausscheidung späterer Zusätze, folgenden Kanon aufgestellt :^^^ 
Epiker: Homer, Hesiod, Peisandros, Panyasis,<Antimachos>/^^ 
lambiker: Semonides, Archilochos, Hipponax. 
Tragiker: Aischylos, Sophokles, Euripides, <Ion, Achaios>. 
Komiker: Alte Komödie: Epicharm, Kratinos, Eupolis, 
Aristophanes, Pherekrates(?), Krates(?), Piaton (?). 



(1) Diese Stellen beweisen unwideriegiich, daß der Kanon eine 
Auswahl repräsentierte. Siehe auch p. 36*. 

(2) Doch bleibt noch manches zweifelhaft, wenigstens für die 
Urheber der Kanones. So können die von mir eingeklammerten 
Namen, teils wegen des Quintilianeischen Zeugnisses, teils aus anderen 
Gründen, nicht in den ursprünglichen Verzeichnissen gestanden haben. 

(3) Es ist nicht wahrscheinlich, daß schon Aristophanes diesen 
von seinem Lehrer Kallimachos so schart getadelten Epiker in den 
Kanon aufgenommen hat. 

3* 



36 I- Griechische Periode. 

Mittlere: Antiphanes, Alexis. Neuere: Menander, 
Philippides (?), Diphilos, Philemon, Apollodoros(?).^^> 

Elegiker: Kallinos, Mimnermos, <Philetas, Kallimachos>. 

Lyriker :^^^ Alkman, Alkaios, Sappho, Stesichoros, Pindar, 
Bakchylides, Ibykos, Anakreon, Simonides. Vergl. Sen. 
epist. 27, 6 novem lyricis, Petron. 2 Pindarus novem- 
que Cund Oberhaupt') lyrici, Qvint. inst. 10, 1, 61 no- 
vem lyricorum longe Pindarus princeps. 

Historiker: Thukydides, Herodot, Xenophon, Philistos(?), 
Theopompos, Ephoros, <(Anaximenes^ Kallisthenes, 
Hellanikos, Polybios>. 

[Redner :^^^ Demosthenes, Lysias, Hypereides, Isokrates, 
Aischines, Lykurgos, Isaios, Antiphon, Andokides u. 
Deinarchos (cod. M, fehlt in cod. C).]^*^ 



(1) Zweifelhaft ist, ob diese Dreiteilung bereits dem Aristophanes 
bekannt gewesen. WergL Susemifü I 426. II 23 f. Siehe jedoch p. 18* 

(2) Sen. epist. 49, 5 negat Cicero, si duplicetur sibi aetas, kabi- 
tunim se tempus quo legat lyricos. Die diesem Ausspruch zugrunde 
liegende Geringschätzung erhält ihre eigentliche Pointe erst durch 
die Annahme, daß dem Cicero auch noch andere als obige neun 
Lyriker bekannt waren. 

(3) Schon die nicht chronologische Reihenfolge, die ungefähr 
mit der späteren Wertschätzung übereinstimmt, deutet auf nach- 
bezw. nicht-aristophanischen Ursprung. 

(4) Ober die seit Ruhnken viel umstrittene und noch immer 
nicht gelöste Frage nach dem Umfang, Ursprung und Inhalt dieses 
Kanons mag in Kürze folgendes besonders hervorgehoben werden: 

1. Das unzweideutige Zeugnis des Quintilian ist nicht anzufechten. 

2. Nach Quintilian können die Canones des Aristophanes und Aristarch 
nicht identisch gewesen sein. 3. Eine Begründung mit literarischen 
Werturteilen, wie bei Dionysios und Quintilian, darf bei der hervor- 
ragend ästhetisch-kritischen Richtung des Aristophanes als wahr- 
scheinlich gelten. 4. Die Beschränkung auf die Dichter^ in Anbetracht 
der Arbeiten des Kallimachos und Hermippos, der platonischen 
Studien des Aristophanes und der erst kürzlich nachgewiesenen Be- 
schäftigung des Aristarch mit Herodot (siehe unten), ist nicht ohne 
weiteres, wie dies heute meist geschieht, als sicher anzunehmen. 



Canon Alexandrinus. Aristarchos. 37 

Vergl. D. Ruhnken, Opusc. I 385-392; Parthey, Alex. Museum, 
122ff.; Bemhardy, Qriech. Lit. I 185; F, Ranke, vita Arist, 104 ff. 
(in Thiersch's Plutos); G, Steffen, de canone qui dicitur Aristophanis 
et Aristarchi, Lpz. 1876, pp. 62; 0. Hampe, lieber den sog. Kanon 
der Alex., Progr. Jauer 1877, pp. 18; Bergk, Griech. Lit. I 284-291; 
Brzoska, de canone decem oratorum, Breslau 1883; P» Hartmann, 
de canone decem oratorum, Qoetting. 1891; Susemihl I 445. 484. 
II 674 f. 694-697; I. Cohn FW. II 999 f.; 0. Kroehnert, Canonesne 
Poetarum Scriptorum Artificum per antiquitatem fuerint, Königsberg 
1897, pp.67; W. Heidenreich, de Quint. lib. X, de Dionys. Halic. de 
imit. lib. II, de canone qui dicitur Alex, quaestiones. Erlangen 1900, 
pp. 62; Wilamowitz, Zur Textgeschichte der griech. Lyriker, Berlin 
1900, p. 4-11. 63-71, der den Kanon im Sinne einer Auswahl rund- 
weg für eine Fabel erklärt. 

Ober A. im allgemeinen, vergl. A, Nauck, A. B. gramm. Alex, 
fragmenta, Halle 1848, pp. 306 (grundlegend); Wilamowitz, Eur.Her. 
P 137-153; Susemihl I 428-448; L. Cohn, FW. II 994-1004. 

Aristarchos von Samothrake (c. 217/5 bis c. 145/3). 
Der größte Schüler des Aristophanes. Ober sein Leben 
besitzen wir einen kurzen Artikel des Suidas^*\ Er war der 
fünfte Bibliothekar. A. galt dem ganzen Altertum als der 
Kritiker Kai' dHoxnv. 

Vergl. CiC. Att. 1, 14, 3 meis orationibus quarum tu Äristarchus 
es, epist. 9, 10, 1 alter Äristarchus hos (sc. versiculos) ößeXtZei. HOR. 



5. Der Kanon der zehn Redner läßt sich weder als alexandrinisch 
noch als pergamenisch direkt nachweisen; Er begegnet zuerst bei 
Caecilius, Doch darf die Tatsache, daß seine Zeitgenossen, Dionysios, 
Cicero und auch Didymos, wie es scheint, von einem solchen Kanon 
keine Kenntnis zeigen, nicht als Beweis für dessen Nichtexistenz 
gelten, denn auch Quintilian nimmt auf ihn keinerlei Rücksicht. Da 
Fs. Flvt. Vitae X orat. durch die Vermittelung gerade des Caecilius 
auf Hermippos (s. u.) zurückgeht, so kann recht wohl dieser der Ur- 
heber des Rednerkanons gewesen sein. ' 

(1) Vergl. noch die Notiz bei Athen. I 21 C: KaXXicTpaxöc t€ 
6 'ApicToqpdveioc 'Apicxapxov . . kokOjc €tpT]K€v ircX ti?i ^i\ €C»p06|uiu)C 
djLiTT^X^cGat, qp^povTÖc ti koI toO toioiJtou irpöc iraibeiac dH^Taciv. Sein 
Forträt glaubt Marx, Index lect. Rostock 1889, in einer Büste des 
kapitolinischen Museums zu erkennen (Ann. de Tlnst. 1841 Tafel Q). 



38 I- Griechische Periode. 

ars 450 fiet Aristarchus. Athen. XIV 634C imdvTiv ^KdXci (sc. Panai- 
tios) . . biä TÖ ^abiujc KaxainavTcOccGai xfjc tO&v Troiii|uidTU)v biavoiac. 
SCHOL. Hom. B 316 irdvu fipicroc TpaMMa^iKÖc A 235 xal jLidXXov irei- 
CT^ov 'Apicrdpxip ^ xCp *€p|uiainr(<;i , cl Kai 6oK€t dXiiGcuciv. HlBR. 
in Ruf. 1 Aristarchus nostri temporis. Amm. 22, 16, 16 A. gramma- 
ticae rei doctrinis exceUens. Evqen. praef. ad Hexam. Dracontii : quod 
si Vergüius et vatum summus Homerus \ censuram mentere novam 
post fata subire \ quam dat Aristarchus, TuccaVariusqueProbusque, 

Diese Wertschätzung verdankt A. zum nicht geringen Teil 
der Begeisterung seiner zahlreichen Schüler(^H40 nach Suidas), 
welche die Kenntnis seiner Arbeiten der Nachwelt Oberlieferten 
und ihrem Verfasser zu einem kanonischen Ansehen verhalfen, 
wodurch namentlich die weit größeren Verdienste des Aristo- 
phanes verdunkelt wurden. Denn wirklich bahnbrechende 
Leistungen hat A. nicht aufzuweisen, und keine seiner Aus- 
gaben, auch die Homerische nicht, ist zur Vulgata geworden. 
Seine nicht wegzuleugnende eminente Bedeutung beruht ledig- 
lich auf der Vervollkommnung der iextkritischen Methode, der 
sorgfältigen Beobachtung des Sprachgebrauchs, namentlich des 
homerischen, und auf dem Gebiet der Grammatik, die mit ihm 
einen gewissen Abschluß erreichte. 

Eine heftige wissenschaftliche Fehde ^^^ bestand zwischen 
A. und Krates und deren Schülern ^*l 

A. soll nach Suidas 800 ßißXia uTTOjLiVTmdTUJv iliövujv^*) 



(1) Vergl. Sengebusch, Hom. Diss. I 30-33; ABlau, de A. dis- 
cipulis, Jena 1883, pp. 78. 

(2) Vergl. SviDAS s. v. 'Apicrapxoc und das berühmte Spott- 
epigramm des Krateteers Herodikos bei Athen. V 222 A (pcOrcx*, *Api- 
CTdpxeioi, ^tt' eöp^a vuixa OaXdmic | '€\Xd6a, xf^c HouOf^c beiXöxcpoi 
K€|uidöoc I TU)vioßö|uißuK€c, |uiovocu\\aßoi, oTci iLi^iuiiiXe | xö cqplv Kai ccpuiiv 
Kai xö \x\y ^hk. xö viv. | xoOG' iiyXv cir] 6ucTr^|ui<p€\ov. Hierauf scheint 
Ben. epist. 88, 39 anzuspielen: Aristarchi ineptiaSy quibus aliena car- 
mina compinxit, recognoscam et aetatem in syüabis conteram? 

(3) Eine moderne Analogie bietet der Streit zwischen der 
Boeckhschen und Hermannschen Schule. 

(4) Selbst wenn diese Zahl nur eine konventionelle wäre (siehe 
oben p. 27^) und auf jeden Homerischen Gesang, jedes Drama oder 



Aristarchos. 39 

verfaßt haben, doch wurden seine cuTTpam^ctia^^) höher geschätzt. 
Vergl. Didymos in Schol. B 111. 
Homer: 

1. Text mit kritischen Zeichen (siehe p. 87f.). Es gab 
zwei Ausgaben, wie aus der Schrift seines Schülers und Nach- 
folgers Ammonios irepi toO jurj T^TOvevai nXeiovac (sc täv 
biio) dKböceic Tf\c 'Apiciapxeiou biop0uiceujc hervorgeht (Schol. 
K 397). Vergl. Lehrs, p. 23; Ludwich I 17 ff. Von Aristar- 
chischen Lesarten sind in den Scholien 681 überliefert, direkt 
zitiert wird er c. 1000 mal. 

2. TTTOjiivrmaTa, zum Teil erst durch seine Schüler nach 
Vorlesungen veröffentlicht.^*^ Sie schlössen sich, wie es scheint, 
oft eng an Aristophanes an. Vergl. Schol. B 133 rd Kax' 
'ApiCTOcpdvTiv u7T0|Livri|LiaTa 'ApiCToipxou. 

3. CuTTPaMMctTa: TTepi IXidöoc Kai 'Obucceiac (vergl. Didy- 
mos in Schol. A 349) TTpöc OiXnTclv (Schol. A 524. Bill) 
TTpöc Kuüjnavöv (Schol. A 97. B 798. QUO) TTpöc xöEe- 
vujvocTrapdboHov (gegen die Chorizonten, in Schol. M 435; 



Gedicht ein öiröiiiviiiLia käme, so würde dies noch immerhin eine er- 
staunliche literarische Fruchtbarkeit ergeben. 

^ (1) Ober den Unterschied belehrt uns Galen. XVIII (2) 173 irdcac 
d|uia\OLic TTOiy^cacOai xdc ^HriTi^ceic kiroubdcaincv kroxacin^vac tüöv dXr]- 
eOüv 9'ä|uia Kai xp^ci^^wv tQ t^xvi;), ttl &'^PMnv€i(]i in/ix* clc ßpaxuXoTiav 
kc%6rn\v cuvirfin^vac — oCi ydp C)iroiLiv/\|uiaTi tö toioOtov dWd 
cuTTP<iMMOiTi TTp^irei — la^iT* eic |uif^KOC tocoOtov öcov k\f dpxfl tuiv 
dSirrtceujv ^K€tvoi TreirodivTai. Vergl. auch Lehrs, p. 21ff.; Wilamo- 
witz, in Die Kultur der Gegenwart 18 p.94f.; Fr.Leo^ Abhandl.Goetting. 
Gesell, der Wiss. 1904, p. 258: ''Als ein unterscheidendes Merkmal 
darf man ansehen, daß ein Buch tzepX toO 5^va stets ein selbständiges 
Buch bedeutet, das unabhängig vom Texte gelesen werden kann. 
Das ÖTTÖjLivTiiLia ist nur mit dem Text zusammen zu lesen und gehört . . . 
mit dem Text zusammen." 

(2) Darauf deuten Bemerkungen wie Schol. B 111 2v xivi tuiv 
i?lKpißiu|ui^viuv ÖTroiLivT)|adTiuv. H 130 ^v toIc ^HriTaciii^voic 'Apicrdpxou. 
Vergl. noch Porph. Her. epist. 2, 1, 257 cum multa reprehenderet 
(sc, Aristarchus) et in Homero aiebat neque se posse scribere quem- 
admodum vellet neque velle quemadmodum posset 



40 !• Griechische Periode. 

Sengebusch I 57; Susemihl II 149 f.) irepi tou vaucTaGjnoö 
mit öldTpa^^a<Ka^te> (Schol. A 166. 807. K 53. M 258. 449). 
Aristarch hielt Homer für einen Athener aus der Zeit der 
dorischen Wanderung. 

Vergl. über seine MethodeC»): Wolf, Proleg. 226 ff.; Lehrs, de 
Arist. studiis Homericis, Königsberg 1833^ 1882^ (grundlegend); 
Sengebusch I 24 ff.; L. Sundop, de versibus quos A. in Homeri Iliade 
obelo signavit, Königsberg 1862, pp. 54; A Roemer, Ueber die Werke 
der Aristarcheer im cod. Venet. A, in Abh. Münch. Akad. II (1875), 
p. 241-324, Blatt f. bayr. Gymn. XXI 273ff., Abh. Münch. Akad. XXII 
(1904), p. 579-591; A. Ludwich, Aristarchs Homerische Textkritik 
nach den Fragm. des Didymus, 2 Bde, Lpz. 1885; Wilamowitz, Hom. 
Unters. 1884, p. 383-387, Eur. Heracl. P 154; RCauer, Grundfragen 
der homer. Kritik, Lpz. 1895, p. 11-34; Munro, Appendix zur Odyssee 
Ausgabe 11 439-454, Oxford 1901; Susemihl I 453-458; R. C. Jebb, 
Homer, Boston 1888 (übersetzt von Emma Schlesinger 1889), p. 92ff.; 
I. Cohn, Philol. Anz. XVII 39 ff., PW. II 863-870; W. Bachmann, Die 
aesthetischen Anschauungen Aristarchs in der Exegese u. Kritik der 
homer. Gedichte, Progr. Nürnberg 1902. 

Hesiod: AiöpGujac mit kritischen Zeichen und ii7ro|Livr|- 
ILiaTtt. Vergl. Svidas s. v. Aristonikos: irepi tijüv CTnneiiüv xuiv 
ev TTj 0eoTOVi(jt 'Hciöbou. 

Vergl. Ftoc/i, Fleck. Jahrb. CIX (1874), p.815-829. CXVp. 433-440; 
Waeschke, de Arist. studiis Hesiodeis, in Act. Sem. Ups. 1874, p. 149- 173 ; 
Schömann, Opusc. II 510ff. III 47ff. 

Archilochos (Clem. Alex. Strom. I 326^) Alkaios 
(Hephaest. p. 138) Anakreon (Athen. XV 671*') 

Pin dar (70 mal in den Schol. erwähnt). 

Vergl. P. Feine, de Aristarcho Pindari interprete, Diss. Jenens. 



(1) Sein kritisches Verfahren, wie es uns namentlich aus den 
Mitteilungen des Aristonikos entgegentritt, kann mit den Worten des 
Porphyrios bezeichnet werden: "Oimipov ^H *0|ui/|pou cacpiiviZciv, aöxöv 
dHilToO|ui€vov ^auTÖv (in SCHOL. Z201, p. 297 Sehr.) oder aöxöc äaxnöv 
Tä TzoXkäi *'0|uiiipoc ^HiiY^rai (p. 281, 3). Auf denselben Grundsatz läuft 
eine Notiz hinaus, die auf A. selbst zurückgeführt wird: 'Apfcrapxoc 
dHioi Td (ppaZöfaeva öirö toO ttoititoO |uiu9ikü)c fevb^x^cOai kotA Ti\y 
TroiT)TiKi?|v ^Houciav, |uiti6^v ?Hu) tüjv <ppa2o|Li^vu)v öirö toO ttoititoO irepi- 
epTa^oiLi^vouc (SCHOL. E 385). 



Arista^chos. 41 

II (1883) 253-327; E. Hom, de Aristarchi studiis Pindaricis, Qreifs- 
wald Diss. 1883, pp. 90; Susemihl I 460-462. 

Aischylos (Schol. Theoer. 10, 18 Lykurgos) Euri- 
p i d e s (Schol. Rhesus 540) Sophokles (Af. Schmidt, Didymi 
fragm. Lpz. 1854, p. 262 ff.) 'OjLicpdXTi des Ion (Athen. XIV 
634^). Vergl. Schol. Dionys. Thrax p. 160, 32 Hilg.: töv dau- 
Toö bibdcKttXov CuJYpacpricac Iv tijU crrjOei auToO Tfjv Tpayu)- 
biav il[x)f pa(pr{ce (sc Dionysios) biet tö dTiocTTiOiZieiv ("aus- 
wendig wissen') auiöv (sc. 'Apicrapxov) Tiäcav Trjv rpaTiubiav. 

Aristophanes (28 mal in den Schol. erwähnt). 

Vergl. 0. Gerhard, de Aristarchi Aristophanis interprete, Bonn 
1850, pp.45; Schneider, de Aristoph. schol. fontibus, p.86f.; A.Roemer, 
Münch. Akad. XXII (1904) 605ff., Rhein. Mus. LVII 139ff. 

'Apicidpxou [ek tö] 'HpobÖTOu a' inröjuvTijLia.^^) 

Vergl. Grenfell andHunt, The Amherst Papyri Pars 11 (1901) 3, 12. 

A. unterschied zuerst acht Redeteile. Vergl. Qvint. inst 
1, 4, 20 octo partes secuti sunt, ut Aristarchns et aetate 
nostra Palaemon, qui vocabulum sive appellationem no- 
mini subiecerunt tamquam speciem eins. Die Entwicklung 
war folgende: 

Demokrit, Plato: 1. övo|uia, 2. iif\na. Vergl. Plvt. Quaest Plat 
10, 1 b\ä t{ TTXdrujv cTirc töv Xötov äl övoindruiv Kai ^nimd- 
TUJv Kcpdwuceai; DiOG. Laert. 9,48. 
Aristoteles (u. Theodektes) : 1. övo|uia, 2. ^f^ina, 3. cuv6€C|uiöc 'Kon- 
junktion', 4. dpepov 'Artikel' (Poet. 20). Nach DiONYS. de 
comp. verb. 2 und Qvint. inst. 1 4, 19 war letzterer aber noch 
nicht als selbständiger Redeteil angenommen. 
Stoiker: 1. övoina, 2. irpocirfopia 'appellatio, Eigenname', 3.pf\^a, 
4. cuv6€C|aöc, 5. fipOpov 'Artikel und Pronomen', 6. |ui€cött]c, 
Trav6^KTT]c 'Adverbium' (von Antipater hinzugefügt). 



(1) Es ist dies kleine Fragment einer der ältesten Belege für 
das Studium auch der Prosa seitens der großen alexandrinischen 
Philologen. Vergl. auch Radermacher, Rhein. Mus. LVII 139 ff.; Diels^ 
Didymus Commentar, p. XXXVII. XLI. Ob der vor kurzem von Gren- 
fell und Hunt in Oxyrhynchos entdeckte Kommentar zum 2. Buche des 
Thukgdides alexandrinischen Ursprungs ist, wird sich erst nach dessen 
Veröffentlichung feststellen lassen. 



42 I- Griechische Periode. 

Aristarch: 1. övo|uia, 2. Mm«» 3. dvrujvuiuiia Tronomen', 4. ^ir(p- 
pniuia 'Adverbium', 5. |ui€toxi?| Tartizipium', 6. ÄpGpov, 7. cuv- 
66CILIÖC, 8. TTpöGccic Träposition'/^) Bei den Römern trat an 
Stelle des im Latein fehlenden Artikels die Interjektion, 
Vergl. QviNT. inst. 1,4, 19. 
Vergl. Glossen, de gramm. Graec.primordiis, Bonn 1829, p.4dff.; 
Lersch, Sprachphilos. II 11-170; Steinthal op. cit II lOOff.; Schö- 
mann, Die Lehre von den Redetheilen etc., Berlin 1862, p. 12 ff.; 
K. E. Ä, Schmidt, Beitr. zur Gesch. der Gramm, des Griech. u. Latein., 
Hallel859; i?.Sc/imfd^, de Stoicorumgrammatica, Halle 1839; Th, Kum- 
pel, Casuslehre, Halle 1845, p. 1-70; Graefenhan op. cit. I 457ff.; 
0. Fröhde, die Anfangsgr. der röm. Gramm., Lpz. 1892; L Jeep, 
Gesch. der Lehre von den Redetheilen bei den lat. Gramm., Lpz. 1893; 
Ribbach, de Aristarchi arte grammatica, Nürnberg 1883. Ober die 
grammatische Terminologie siehe auch unten p. 89-91. 

Ober Aristarch im allgemeinen, vergl. Busch, de biblioth. Alexand. 
51 ff.; Susemihl I 451-462. II 673; L. Cohn, PW. II 862-874. 

Hermippos von Smyrna, Peripateticus, 6 KaXXijudxeioc.^^) 
losEPH. Ap. 1, 163 dvfip irepi irficav Icxopiav ^irijueXric. 
„In der stupenden, zuweilen auch stupiden Erudition seiner 
Bioi liegen die Wurzeln der gesamten biographisch-historischen 
Gelehrsamkeit, die vom 2. Jahrh. an teils berichtigt, teils er- 
weitert und kombiniert, meist aber einfach kompiliert wird" Diels. 
Man hat H. nicht nur der Unzuverlässigkeit geziehen, 
sondern ihn auch als einen Geschichtsfälscher großen Stils ge- 

(1) Die Alten, bes. die Stoiker, gewohnt im Homer die Quelle 
alles Wissens zu suchen (vergl. Fabricius, Bibl. Gr. I 527-546), 
glaubten, daß folgende Verse bereits die Kenntnis der aristarchischen 
acht Redeteile voraussetzen: //. I 185 aÖTÖc libv KXiciiivbe tö cöv 
T^pac ö<pp* €0 elbflc (Plvt. Quaest Plat. 10, 1 *'0|uiiiPov hk Kai 
v€avi€Ucd|a€vov clc Iva cxixov ^laßaX^v äiravTa, <sc. |ui^pii toO Xöifou» 
und //. XXII 59 irpöc hi |ui€ töv 60ctiivov ?ti qppov^ovT* ^X^t^- 

COV (SCHOL. ad lOC. CT)ILl€lU)T^OV ÖTl Td ÖKTlb \iipr\ TOO XÖTOU ?X€i ö 

ct(xoc). 

(2) Wegen seiner pinakographischen Tätigkeit so genannt zum 
Unterschied von Hermippos von Berytos; denn daß H. ein Schüler des 
Kallimachos gewesen, wie allgemein angenommen wird, läßt sich 
nicht erweisen. Wahrscheinlich war er ein jüngerer Zeitgenosse des 
Aristophanes von Byzanz. 



Aristarchos. Hermippos. Polemon. 43 

brandmarkt Er scheint aber lediglich darauf bedacht gewesen zu 
sein, alles, was die Schätze der alexandrinischen Bibliothek für 
seine biographischen Zwecke boten, auszubeuten, ohne sich auf 
eine Sichtung des Wahren vom Falschen einzulassen, hierin 
dem Sueton sehr ähnlich. Gerade dadurch wurden seine B loi 
eine so reiche Fundgrube für alle Späteren. Die uns er- 
haltenen Titel waren wohl nur Unterabteilungen jenes bände- 
reichen Werkes: irepi vojnoGeTuiv, irepi tAv diTTd cocpÄv, 
Tiepi 'l7T7TU)vaKT0C, TTcpi TTuGaTÖpou, Tiepi 'ApicTOT^ouc, irepi 
fopYiou, irepi IcoKpdTOuc, irepi tu»v 'IcoKpdTOuc juaGriTUJV, 
irepi Ati|lioc9^vouc, irepi öeocppdcTou, irepi XpuciinTOu, irepi 
^vööHuüv dvbpu)v laipuiv, irepi juaTÄv, vielleicht auch irepi 
Tiüv diTÖ cpiXococpiac elc Tupavvibac Kai buvacTeiac jueGecxri- 
KÖTu)v. Die Bioi sind insbesondere eine der Urquellen für 
Didymos, Plutarchs Lykurgos, Solon, Demosthenes, Ps.Plut 
Vitae X orat. und Diogenes Laertius, der auch die wertvollen 
Schriftstellerverzeichnisse und Testamente ihm, wenn auch 
nicht direkt, verdankt. 

Vergl. A.Lozynski, H. Smymaei peripatetici fragmenta, Bonn 1832, 
pp. 143; Susemihl I 492-495; B. Keil, Analecta Isocratea 1885; Leo, 
Griech.-röm. Biogn, p. 124-127; H, Diels, Didymus' Demosthenes- 
Commentar, p. XXXVII f. 

Polemon von Ilium, 6 cxriXoKÖTrac (blühte c. 177). 

Berühmter Epigraphiker, Kunstschriftsteller und Perieget. 

Vergl. Plvt. Quaest Symp. V 2, p. 675^ iroXujLiaeoOc Kai 
ou vucTdCovTOc dv ToTc 'GXXtivikoTc updil^iaciv dvöpöc. 

TTepi TTic 'AGrjvTiciv dKpoiröXeujc, 4 B. irepi ific 
lepdc ööoO (von Athen nach Eleusis) irepi Tf\c iv Cikuävi 
iroiKiXTic CTOclc (daraus irepi xuiv dv Cikuujvi TrivdKiüv) irepi 
Tiliv dv AaKebaijLiovi dvaGTijudxujv irepi xuiv 0i*|ßTici 'Hpa- 
KXeiuJV irepi tuiv dv AeXcpoTc Gricaüpujv irepiriTTicic 
1Xiou, in 3 B. irepi CajuoGpdKTic irepi tu)V dv Kapxn^övi 
TrdirXuiv Trepi 'HXiboc (?) Eine große Anzahl Städtegründungs- 
geschichten (Phocis, Pontos, Italien, Sizilien, Karien). 



44 !• Griechische Periode. 

Streitschriften (dviiTpacpai): Gegen TimaioSy in mindestens 
12 B. Gegen Eraiosthenes^^\ in wenigstens 2 B. Gegen 
Anaxandrides, Neanthes, Adaios, Antigonos^^^ Briefe philo- 
logischen Inhalts, z. B. irepi dböHujv övojlkxtujv (Worte, die 
in malam partem gebraucht wurden) und irepi täv Kaid 

TTÖXeiC dlTlTpCtjLljLldTUJV. 

Vergl. Preller, Polemonis periegetae fragmenta, Lpz. 1838; 

C. Müller, Frag, bist graec. III 108-148; SusemM I 665-676. Zu 
der bei Susemihl angeführten Literatur über die Frage, ob Pausanias 
den Polemon benutzt (Wilamowitz, Kalkmann, dagegen Ourlitt), füge 
hinzu Heberdey, Reisen des Paus, in Griechenl., Abh. des arch.-epigr. 
Seminars X, Wien 1894 und bes. Frazer, Pausanias I p. LXXXIII-XC, 
ebenfalls gegen Polemon als Quelle des Pausanias. 

Demetrios von Skepsis, blühte 150 v. Chr. 
DiOG. Laert. V 84: ttXoOcioc Kai eÜYevfjc äv0piJü7TOc Kai cpiXö- 
XoTOC aKpwc. 

Verfasser des TpiüTKÖc AidKOCjiioc, in 30 B., eines 
Werkes von staunenswerter, wenn auch konfuser Gelehrsam- 
keit, das besonders von Apollodoros, Strabo und Alexander 
Polyhistor ausgebeutet und wohl noch von Aihenaios direkt 
benutzt wurde. Vergl. Strabo XIII 603 dvöpi diLureipiu Kai 

^VTOTTltU CppOVTlCaVTl T€ TOCOÖTOV TTCpi TOUTlüV djCTC TpidKOVTa 

ßißXouc cuTTpdvpai ctixujv ilr\fr\cxv jniKpui nXeiöviuv dHrjKOVia 
Toö KaraXÖTOu TÄvTpuiujv (Hom.B816-877), 609 Tpam^Aa- 
TiKÖc. Berühmt ist seine Hypothese, daß das Homerische 
Troja bei Bundrbaschi und nicht bei Hissarlik zu suchen sei.^*^ 
Vergl. R.Stiehle, Philol. V (1850) 528-546. VI 344-347; B. Niese 
(D. S. als Quelle Strabos), Rh. Mus. XXXII (1877) 285 ff.; R. Gaede, 

D. S. quae supersunt, Greif swald 1880, pp. 66 (grundlegend); Suse- 
mihl I 681-685; E. Schwartz, PW. IV 2807-2813. Siehe auch 
unter ApoUodor. 



(1) Ober dessen angebliche Unkenntnis attischer Dinge. 

(2) Kunstgeschichtlichen Inhalts. 

(3) Vergl. Jebb, Joum. of Hellenic Stud. II 34f. III 203ff. 



Polemon. Demetrios. Apollodoros. 45 

Apollodoros von Athen, blühte 150 v. Chr. 

Ps. Heracl. Alleg. Hom. 7 irepi iräcav icTopiav dvöpi 
beivui. Plin. nat. 7, 123 grammatica enituit cui Amphictyones 
Graeciae honorem habuere. Gell. 17, 4, 4 scriptor celebra- 
tissimus. Der bedeutendste Schüler des Aristarch. 

XpoviKot, in iambischen Trimetern, von der Zerstörung 
Trojas, 1184-144. Erweiterte Ausgabe bis 120/119 (Tod 
des Akademikers Boethos). Beruhte auf den Forschungen 
des Eratosthenes, Das Werk des A. war die Hauptquelle 
chronologischer Kenntnis im Altertum. Ausgiebig benutzt, 
wenn auch oft durch Mittelquellen, z. B. von Philodem, Laer- 
tius Diogenes, Diodor, Demetrios Magnes, Dionysios von Hali- 
kamass, Porphyrios, Stephanos Byzantius, den Verfassern von 
MttKpößioi (Ps. Lucian, Phlegon), Eusebios, Suidas. Q. Lutatius 
Catulus, Cicero, Nepos, Atticus, Velleius, Plinius d. Aelteren, 
Gellius usw. Berühmte Ansetzung der Blütezeit auf das 40. Jahr 
(dKjLiri, fiK|LiaZ;e, T^TOve, clarus habetur), vielleicht im An- 
schluß an Aristoxenos. 

Vergl. H. Diels, Rhein. Mus. XXXI (1876) p. 1-54 (grundlegende 
Abhandlung); G. R Unger, Philol. XI (1882) 602-651 (verfehlte Hypo- 
thesen); Bergk, Qriech. Lit. I 300 ff.; C. IVac/ismu^/i, Einl. in das Stud. 
der alt. Gesch. 1895, p. läl-136 (mit ausführlichen Literaturangaben); 
Wüamowitz, Hermes XI (1876) 70 ff.; E, Schwariz, PW. I 2857-2863; 
F. Jacoby, Apollodor's Chronik (Philol. Unters. XVI) 1902, pp. 416 
(Hauptwerk). 

TTepi Geujv, in 24 B.^^^ Die großartigste Leistung des 
A. und eine Fundgrube mythologischer Gelehrsamkeit für 
alle Späteren. (^) 



(1) Photios las dieses Werk in einer Epitome des Sopatros. 

(2) Die unter A.*s Namen erhaltene BißXioe/iKii ist eine reich- 
haltige mythologische Kompilation, die aber mit A. nichts zu tun 
hat, was zuerst überzeugend von C. Robert nachgewiesen wurde. 
Vergl. de Apollodori bibliotheca, Berlin 1873, pp. 91; E. Schwartz, 
PW. I 2875-2886 mit der dort zitierten Literatur. Altere in Heynes 
Ausgabe und bei Fabricius, Bibl. Qr. IV 289 ff. Auch geht die 
'Bibliothek' nicht direkt auf A.*s irepl eeOöv zurück, sondern das in 



45 I* Griechische Periode. 

Vergl. R, Muenzel, Quaest. mythograph., Bonn 1883, de Apollo- 
dori TTcpl ecuiv libris, Bonn 1883; E. Schwartz, PW. I 2872-2875; 
F. Zucker, Spuren von ApoUodoros' irepl Gcuiv bei Christi. Schrift- 
stellern der ersten 5 Jahrh., München. Diss. 1904, pp.39, dazu F,Jacoby, 
Berl. Phil. Woch. 1905, p. 1617-1623; G. Wentzel, de grammaticis 
Qraecis quaest., I ^iriKX/iceic, Qöttingen 1890; E. Hefermehl, Prole- 
gomenon in schol. veterrima quae sunt de Iliadis libro <t> specimen. 
Studia in Apollodori Trcpl Ocuiv fragmenta, Berlin. Diss. 1905, pp. 45. 

TTepi ToO veuiv KaTaXÖTOu,in 12 B. Wie die Chronica 
die xpovoypacpiai des Eratosthenes, so scheint diese Schrift 
das große Werk des Demetrios von Skepsis verdrängt zu haben. 

Vergl. B. Niese, Rh. Mus. XXXII 267-307; £. Schwartz, PW. I 
2863-2871. 

TTepi Cwcppovoc, 4 B. TTepi '€7TixapjLiou Kommentar 
in 10 B. Sehr wahrscheinlich hat A. auch die maßgebende 
Textrezension dieser Schriftsteller besorgt. Vergl. Wilamowitz, 
Textgesch. der griech. Lyriker, p. 24—29. 

TTepi ^TUjiioXoTiüjv, in mindestens 2 B. 

Vergl. Varro ling. VI 2 huius rei (sc. originum vocabu- 
lorum) auctor satis mihi Chrysippus et Antipater et Uli, in 
quibus si non tantum acuminis, at plus litterarum, in quo 
est Aristophanes et Apollodorus. 

TTepi (piXocöq)iJüv aipeceujv (ein Teil von irepi Oeujv?) irepi 
vo|Lio9eTUJv(?) Tiepi tujv 'AGrjVTiciv diaipOüv (^raipibujv bei 
Athen. XIII 586 A). 

Ober A. im allgemeinen: Fabricius, Bibl. Qr. IV 287-299; 
Heyne, A. Bibliotheca I 385 ff.; C. Müller, Fragm. Hist. Qr. I p. XXXVIII 
-XLIV, fragm. p. 428-469. IV 649 f.; SusemiM II 33-44; Münzel, 
PW. 12855 f.; £. Sc/iivarfe, ebenda 2856-2875; F. Jacoby op. eil 1-38. 



diesem Werke aufgespeicherte Material scheint den Späteren (Ovid, 
Diodor, Hygin usw.) meist durch ein um 100-50 v. Chr. entstandenes 
mythologisches Kompendium (cuvaTiufi^ laOeiwv) übermittelt worden 
zu sein. Vergl. E, Schwartz, de scholiis Homericis ad historiam 
fabularem pertinentibus, in Jahrb. f. Phil. Suppl. XII (1881) p. 403-464; 
E, Bethe^ Quaest. Diodoreae mythograph., Qöttingen 1889, pp. 106, 
Hermes XXVI (1891) 593-634; Wilamowitz, Eur. Her. V 168ff.; Suse- 
mihi II 50-52. 



Apollodoros. Ammonios. Dionysios Thrax. 47 

Ammonios (Schüler und Nachfolger des Aristarch). 
Der sechste und letzte bekannte Bibliothekar. ^^^ 

TTepi ToO ixx] T^TOvevai irXeiouc (sc. twv öOo) ^Kböceic 
TTic 'ApicTapxeiou biopGuJceujc (? = irepi rfic dircKboGeicTic 
<'ApiCTapx€iou> biop9u)C€wc). Eine wichtige Quelle für Didymos. 
TTepi Tujv UTTÖ TTXdTiüvoc juerevTiveTlii^vuJv & *Ojiiripou Cut" 
TpaiLijiia TTpöc 'A0TivoKX^a (Didymos, Schol. Hom. f 368). Cut- 
TpajUjLia irepi TTivbdpou. TTepi tujv Kujjnujboujuevwv 
(über die in der Komödie verspotteten Personen, mit sachlichen 
Erklärungen). ^^^ TTepi xdiv 'A0r|vr|civ draipibujv TTepi irpoc- 
ujbiac(?). 

Vergl. Blau, de Aristarchi discipulis, Jena Diss. 1883, p. 5-13; 
A. Römer, Die Werke der Aristarcheer im Cod. Ven. A., in Münch. 
Akad. II (1875) pp. 241 ff.; La Roche, Homer. Textkritik, p. 68-78; 
Susemihl II 153-155; L. Cohn, PW. I 1865f. 

Dionysios Thrax (Schüler des Aristarch), c. 170-c. 90. 

ScHOL. Dionys. Thrax: aTOtv ciroubaioc Kai 7ToXij|Lia9f]c 
ujcxe TTCtvTac u7TepßdXXec0ai xouc Kar' auröv. 

*T€xvTi (sc. TpctmuaxiKri). Ober diese erste griechische 
Grammatik (mit Ausschluß der Syntax und Stilistik), die aber 
nur die Ergebnisse früherer Forschungen geschickt und 
sehr kurz zusammenfaßte, ist weder das Altertum noch das 
Mittelalter hinausgekommen, denn selbst die '€pujTr||LiaTa des 
Moschopulos (13. Jahrb.), auf denen wiederum die huma- 
nistischen Bearbeitungen des Chrysoloras, Theodorus Gaza, 
Laskaris und Chalkondyles beruhten, stehen noch ganz auf 
seinen Schultern. Dasselbe gilt von den Römern, z. B. Varro, 
Remmius Palaemon, Dositheos, Donatus, Diomedes, Charisius 
und Priscian. Auch unsere heutige grammatische Termino- 
logie (worüber p. 42 und 89-91) ist im großen und ganzen 



(1) Denn von zwei anderen Onesandros (c. 89 v. Chr.) und Dio- 
nysios (c. 50 n. Chr.) wissen wir nichts Näheres. 

(2) Vergl. SCHOL. Arist. Av. 1297, Fax 363, Vesp. 947 und 1239, 
wo *Ap|uiö6ioc für 'A|ui|uiiI)vioc verschrieben zu sein scheint. 



48 I- Griechische Periode. 

die des Dionysios. Einen ähnlichen Einfluß dürfte kaum ein 
zweites Buch gleichen Umfangs aufzuweisen haben. 

Von den zahlreichen Kommentatoren sind die wichtigsten: 
Choeroboskos, Melampos (6. Jahrh.), Stephanos (7. Jahrb.), 

Heliodoros. 

Vergl. W, Hoerschelmann, de D. T. interpretibus veteribus, Lpz. 
1874, pp.92, Acta soc. phil. Ups. IV (1875) p.333ff. V (1875) p. 297 ff.; 
A. Hilgard, Heidelberg. Qymn. Progr. 1880, pp. 52 und praefatio zu 
seiner Scholien-Ausgabe. Die T^xvn zuerst gedruckt bei Fabricius 
Bibl. Qr. VII (1715) 26-34. Grundlegende Ausgabe von G. Uhlig, mit 
ausführlichen Proleg. Lpz. 1883, pp. C + 224. 

TirojavrmaTa und cuTTPam^aTa(?) zur Rias und Odyssee 
(28 mal erwähnt). Wie sein Lehrer Aristarch, hielt D. Homer 
für einen Athener. 

€ic 'Hciobov(?) TTpöc KpdiTiTa (von Didymos in Schol. 
IL IX 464 erwähnt) TTepi ttocotiitujv (ebenda IL II 111) TTepi 
djüicpdceujc (vielleicht Teil einer Rhetorik) MeXerai (Stilübungen 

oder controversiae?). 

Im allgemeinen vgl. M.Schmidt, Philol. VII 360-382 VIII234-253. 
510-520; Susemihl II 168-175. 687L; L. Cohn, PW. V 977-983. 

DiDYMOS von Alexandrien (c. 65 v. Chr.-c. 10 n. Chr.). 
QviNT. inst. I 8, 20 Didymo, quo nemo plura scripsit, accidisse 
comperhim est, ut cum historiae cuidam tamquam vanae repugnaret, 
ipsius proferretur über qui eam continebat. Athen. IV 139 c koK^ 
ht toOtov At)|uititpioc ö Tpoi2f|vioc ßißXioXdGav biä tö irXf^Ooc iDv 
^k6^6iuk€ cuTYpciMM<iTU)v ^CTl^öip TpicxiXia irpöc toic irevTaKodoic ; Sen. 
Epist. 88, 37 quattuor milia librorum Didymus grammaticus scripsit, 
misererer, si tam multa supervacua legisset; Hier, apud Rvpin. Apol. 
II 20 Graeci Chalcenterum miris efferunt laudibus quod tantos libros 
composuerit quantos quivis nostrum alienos sua manu describere 
non possit'y Macrob. sat. 5, 18, 9 grammaticorum facile eruditissimus^ 
5, 22, 10 grammaticorum omnium quique sint quique fuerint instruc- 
tissimus. Amm. 22, 16, 16 XaXK^vTepoc eminuit Didymus multiplicis 
scientiae copia memorabilis; SviDAS s. v. 'Airitüv: ö la^Tac; s. v. *Hpa - 
kX€{öt)c TTovTiKÖc: ö irdvu. 

Der beispiellosen kompilatorischen Tätigkeit dieses Mannes 
verdankte das Altertum einen großen, wir mittelbar den weit- 



Dionysios Thrax. Didymos. 49 

aus größten Teil unserer Kenntnis alexandrinischer Gelehr- 
samkeit. Bei diesem unsterblichen Verdienst fällt der öfters 
nachweisbare Mangel an Akribie, tieferem Verständnis und 
Zuverlässigkeit im Einzelnen nicht schwer ins Gewicht, und 
so ist das jetzt übliche Verdammungsurteil, wie es besonders 
scharf von Römer ausgesprochen ist, durchaus unberechtigt. 
Vergl. zur Charakteristik Wilamowitz, Eur. Her. V 157-168; 
A. Römer, Abh. der Münch. Akad. XIX (1892) 631-643. XXII (1904) 
615-620; Susemihl II 208-210; I. Cohn, PW. V 446. 454; Diels, 
Didymus Commentar, p. XXXIII ff. 

L AiopOwceic und u7ro|Livr|jLiaTa: 
TTepi TTic 'ApicTapxeiou biopGuiceujc (sc. 'IXidöoc 
xai 'Oöucceiac). 

Vergl. oben (p. 39), unten (p. 76) und Lehrs, p. 16-29; Lud- 
wich I 41 ff. 177-631; A, Römer, Bl. f. bayr. Gymn. 21 (1885) p.273 
-294. 369-399, Abh. der Münch. Akad. XVII (1885) 656 ff. 

Kommentare zu: Hesiod, sicher zur Theogonie, wahr- 
scheinlich auch zu den Erga. Vergl. Schmidt, p. 299 f. 

Pindar (60 mal in den Schollen namentlich zitiert). 
Vergl. Schmidt, 214-240; C. Lehrs, Die Pindarscholien, Lpz. 
1863, p. 2-18; L. Cohn, PW. V 450f. 

Zu den 'EmviKia des Bakchylides. Nur einmal er- 
wähnt, doch wird er vermutlich alle Gedichte erklärt haben. 
Vergl. Schmidt, 300. 

Aischylos: In unseren knappen und arg verstümmelten 
Schollen wird D. zwar nicht erwähnt, doch ist ein Kommentar 
desselben mit Sicherheit zu erschließen. 

Vergl. J. J. Frey, de Aesch. scholiis Mediceis, Bonn 1857. 

Sophokles (9 mal in den Schollen zitiert und bezeugt 
von Athen. II 70^). 

Vergl. Schmidt, 261-274; G. H^o/^, de Soph. schol. Laurentiano- 
rum variis lectionibus, Lpz. 1843, p. 12-29. 

Euripides (in den Schollen 19 mal zitiert). Vorurteils- 
volle Kritik des Dichters. 

Vergl. Schmidt, 274-283; Barthold, de schol. in Eurip. veterum 
fontibus, Bonn 1864; L. Cohn, PW. V 452f.; W. Elsperger (p. 79). 
G a d e m a n , Grundriß der Gesch. der klass. Phil. 4 



50 I- Griechische Periode. 

Die erhaltenen Tragikerbiographien gehen in ihren Haupt- 
teilen auf D. zurück. 

Ion von Chios, jedenfalls zum Agamemnon. Achaios, 
jedenfalls zu den *AeXa. Vergl. Schmidt, 301-305. 

Kratinos(?) Eupolis. Vergl. Schmidt, 307-309. 

Aristophanes:^*^ 

Vergl. Schmidt, 246-261. 283-299; Schneider, de veterum in 
A. schol. fontibus, Sundiae 1838; L. Cohn, PW. V 455-458 und unten 
p. 79' (Arist Byz. - Didymus - Symmachos - Scholien). 

Menander KronosdesPhrynichos. Vergl.Sc/imi£ft,306f. 

Thukydides: Ausgabe und Kommentar sind zweifel- 
hafty doch ist die erhaltene Vita des Markellinos in ihrem 
ersten Teile (§ 1-45) wahrscheinlich Didymeisch. 

Vergl. Sc/imfd^, 321-334; F.Ritter, Rh. Mus. III (1845) 321-359; 
Wüamowitz, Hermes XII (1877) 341«.; Smemihl II 203 f. Anm. 314, 
dagegen L. Cohn, PW. V 460 f. 

Texte u. Kommentare zu den attischen Rednern: 

Antiphon(?) Isaios Hypereides Aischines Iso- 
krates (?) Deinarchos (?) Vergl. Schmidt, 317 ff. Demos- 
thenes: 

Vergl. Schmidt, 310-317; L. Cohn, PW. V 458 ff. und jetzt 
Diels und Schubart^ Didymus* Commentar zu Demosthenes (Papyrus 
9780), Beriin 1904, pp. LIII u. 95; F. Leo, Qoett. Gelehrt Anz. 1904, 
p. 254-261; A. Körte, Rhein. Mus. LX, p. 388-417. 

'PriTopiKä ÜTTOjuvrijLiaTa, in mindestens 10 B. Exege- 
tische Parerga zu den attischen Rednern. Vergl. Schmidt, 321. 

Das Buch irepi toö beKareueiv, erwähnt von Harpokration, 
dessen Lexikon hauptsächlich auf Didymos beruht, war ver- 
mutlich ein Exkurs zum Demosthenes-Kommentar. 



(1) In den erhaltenen Scholien wird Didymos am häufigsten 
erwähnt (61 mal). 



Mixe TpatiKrj 

A^SlC KUJjLilKrj 



Didymos. 51 

IL Lexikographische Werke: 

Die Hauptquelle, wenn auch meist 
indirekt, aller späteren Lexikographen, 
z. B. des Pamphilos, Diogenian, AeUus 
Dionysios, Pausanias, Photios, Phry- 
nichos, Hesychios. Auch von Athe- 
naios, Macrobius und Scholiasten 
direkt oder indirekt benutzt. 
Vergl. Schmidt, 27-111; Wissowa, de Macrobii Saturn, fonti- 
bus, Breslau 1880, p.45ff.; L Cohn, FW. V 461-464. 

TpoTTiKfi Mixe 'ATTOpouja^vTi Mixc, in mindestens 
7 B. Beide Werke nur einmal erwähnt Ai€(p6opuTa 
Mixe (Form- und Sinnwandel von Worten. Vergl. Athen. IX 368^, 
SCHOL. Arist. Aves 768, Plut. 388). Vergl. Schmidt, p. 15-20. 
Vielleicht gegen die ähnlich betitelte Schrift des Königs Juba 
gerichtet (s. u. p. 61). 

TTepiTraGOüv, 'Abwandlungen'. Zu diesem Werke schrieb 
Herodian einen Kommentar. Vergl. Schmidt, p. 343-345. 401-403. 
Nach L Cohn, FW. V 465 war das als selbständige Schrift 
zitierte Buch Trepi opOotpacpiac nur ein Teil von irepi TraGOüv. 

III. Literarhistorische und antiquarische Schriften: 

Eivx] IcTOpia 'Mythen- und Sagenkunde', yergl Schmidt, 
p. 356-368; L Cohn, op. cit. p. 466. 

CujLATTOCiaKd (= CiijLAjLAiKTa?), in mindestens 10 B. Hier 
wurden vermutlich die von Sen. epist 88, 37 verspotteten 
Fragen erörtert: in his libris (sc. Didymi) de patria Homeri 
quaeritnr (ein vielbehandeltes Thema, vergl. Sengebusch, Diss. 
Homer. II 1-22), in his de Aeneae matre vera^ in his tibi- 
dinosior Anacreon an ebriosior vixerit, in his an Sappho 
publica fuerit (Welcher, Kleine Schrift. II 80-144). 
Vergl. Schmidt, p. 368-386. 

TTepi VupiKUJV ttoititiüv. Daraus z. B. das lange Frag- 
ment über die Musikinstrumente der Lyrik bei Athen. XIV 
634P-637P. 



52 '• Griechische Periode. 

• Vergl. Schmidt, p. 386-396; C. Ä. Bapp, de fontibus quibus 
Athenaeus in rebus musicis lyricisque enarrandis usus est, Leipz. 
Stud. VIII 85-160, dazu L Cohn, Phil. Anz. XVII <1887> p. 463!f., 
PW. V p. 468!.; Susemihl II 206, Anm. 331-333. 

eic ''lujva(?) dvTeHTiTnceic. Ob diese Schrift, falls 
der Titel richtig überiiefert ist, nur eine Unterabteilung des 
obigen Werkes oder der CujLATrociaKct oder ein selbständiges 
Buch war, läßt sich nicht ermitteln. 

TTepi Trapoi)iiujv, 13 B. Die erhaltene Sprichwörter- 
sammlung des Zenobios stellt sich dar als eine ^TriT0)Lir) tujv 
Tappaiou xai AibiijLiou Tuapoijiiujv. 

Vergl. 0. Cnisiiis, Analecta critica ad paroemiographos graecos, 
Lpz. 1883, pp. 176; L Cohn, op. cit. p. 467 f.; Schmidt, p. 396-398. 

TTepi TUJV dHövujv tujv CöXujvoc dvTiTpaq)r) Trpöc 
'AcKXTiTTidbTiv (Flyt. Sol. 1). 

TTepi T^c KiKdpujvoc TToXiTeiac^^^ (d.h. überCiceros de 
republica). Vergl. Amm. 22, 16, 16, Svidas s. v. TpdTKuXXoc. 

TTepi TTÖXeujc Kaßdccou (?) Trepi brmujv und 'über spar- 
tanische Gebräuche', gegen Polemon gerichtet (Athen. IV 139^ 
— 140^), waren vermutlich nur Exkurse in seinen Kommentaren 
zu Homer, den Rednern oder den Komikern. 

Im allgemeinen vergl. M, Schmidt, Didymi Chalcenteri gramma- 
tici Alexandrini fragmenta, Leipzig 1854, pp. 423 (grundlegende und 
musterhafte Sammlung); Susemihl II 195-210. 688 f.; L Cohn PW. 
V 445-472. 

Tryphon von Alexandrien (älterer Zeitgenosse des Didymos). 

Ein konfuses Verzeichnis seiner zahlreichen Arbeiten über 

griechische Grammatik gibt Suidas, Titel anderer werden be- 



(1) Da eine solche Abhandlung ganz aus dem Rahmen seiner 
sonstigen schriftstellerischen Tätigkeit herausfällt, so weist L Cohn, 
op. cit. p. 471 f., die Schrift dem Claudius Didymos (um 50 n. Chr.) 
zu, der auch irepl rf^c irapä 'PiwiLiaioic dvaXoTiac geschrieben hat. 
Trifft diese bestechende Vermutung das Richtige, so müssen aller- 
dings sowohl Ammian, wie der Gewährsmann des Suidas jenen mit 
dem weit berühmteren Alexandriner verwechselt haben. Die Anti- 
kritik des Sueton mag aus seinen Studien zur Vita Ciceronis hervor- 
gegangen sein. 



Didymos. Tryphon. 53 

sonders von Athenaios, Apollonios Dyskolos und Herodian 
zitiert. 

•TTepi TpÖTTUJV. Vergl.Äutter/brd,Schol.Aristoph. voLIII 
20 1 - 309 ; Spengel, Rhet. Qr. III 1 89 ~ 2 1 4. Vermutlich ist aber 
dieses berühmte Büchlein nur eine Epitome des Originals. 

7T€pl CXimOlTlüV Trepl )i€TpUJV. 

TTepi biaXeKTujv. Von einem etwa so betitelten großen 
Werke scheinen die folgenden uns überlieferten Titel nur Unter- 
abteilungen gewesen zu sein: TTepi Tf\c '€XXr|vujv biaVeKTou Kai 
'ApT€iujv Kai Ttiyivujv Kai Aiupieujv Kai 'l)i€paiiJüv Kai Cupa- 
Kociujv TTcpi Tijüv TTap' '0)Lir)puj Kai CiiLiiüvibij Kai TTivbdpiu, 
Kai 'AXKjLiävi Kai toTc aXXoic XupiKoTc biaXcKTUJV irepi 
TrXeovaciioO toO ^v Tfj AioXibi biaX^KTip Trepi '€XXt]Vic)lioO, 
mindestens 5 B. 

TTepi *ATTiKfic TTpociubiac Trepi irveuiidTUJV Tiepi öpGo- 
Tpacpiac Kai tOüv dv auT^ Z!T]Tou)i€vujv (d. h. deren Probleme) 

Trepi dpxaiac dva-fviüceujc ('antike Schreibweise'). 

TTepi övojaaciiuv. Nach Athen. IV 174^ handelte es 
über musikalische Bezeichnungen. Vieles aus diesem Werke 
findet sich bei Athenaios und Pollux, ob aber auf direktem 
Wege oder durch Vermittelung anderer Quellen und welcher, 
ist kontrovers und nicht zu entscheiden. 

Vergl. Bapp, op. cit. p. 107-125. 134-138; L Cohn, Philol. Anz. 
XVII (1887) p. 463ff. 

TTepi iraGujv ("Abwandlungen') irepi ific iv liovocuXXä- 
ßoic dvaXoyiac irepi Tfjc iv KXiceciv ('Deklinationen') dva- 
XoTiac irepi rfic ^v euOeicji dvaXoTiac Trepi pinndTiüV dva- 
Xofiac ßapuTÖvuJV. 

TTepi öpGpiüV^^) irepi TTpoctUTriüv Trepi dvTUJvu- 
jaiiüv Trepi iLieTOxfic Trepi TipoOdceiüv irepi cuvbdc)iiJüv 
irepi eTTippTiiLidTUJV irepi ^rmdrojv dTKXiTiKUJv Kai dTrapeju- 
cpdTUJV Kai irpocTaTiKUJV Kai euKTiKUJV Kai dTrXOüc irdvTUJV 
TTepi övo)idTUJv cuTKpiTiKujv ('adjektiv. Komparation') Tiepi 

(1) Zur Terminologie siehe p. 89-91. 



54 !• Griechische Periode. 

övojLidTUJV xapttKTfjpujv. Auch hier haben wir vermutlich 
eine Reihe von Sondertiteln eines umfangreichen Werkes, wie 
etwa Tuepi dvaVoTiac und 7T€p\ jla^pujv Vötou. TTepi cpuTi- 
Kujv, 7T€pi tijjiüv (seltene Tier- und Pflanzennamen). 

Vergl. Ä. von Velsen, Tryphonis grammatici Alexandrini frag- 
menta, Beriin 1859, pp. 110; Susemihl II 210-213. 689. 

Thbon von Alexandrien (1. Jahrh. v. Chr.). 
'Der Didymus der Alexandrinischen Dichter'. 
TTTOjavrjiiaTa zu Lykophron^^^ Theokrit, Kallima- 
chos' AiTia, Apollonios Rhodios, Nikandros und zur 
Odyssee(?). AdHic kujjlaikti. 

Vergl. C. Giese, de Theone grammatico eiusque reliquiis, Diss. 
Münster 1867, pp. 68; Wilamowitz, Eur. Heracl. P 156; Susemihl 
II 216f. 

3. Die Stoiker als Philologen. Die pergamenische 

Schule. (^) 

Hauptcharacieristica: Allegorische Interpretation des 
Homer. Vertretung des Prinzips der Anomalie im Gegensatz 
zur Analogie. Systematisierung der Grammatik und Einführung 
einer grammatischen Terminologie. 

Vergl. im allgemeinen: C. F. Wegener, de aula Attalica littera- 
rum artiumque fautrice, Copenhagen 1836, pp. 293 (zum großen Teil 
veraltet); Gräfenhan I 440!!., 505!!., II 23!!., III 236; R. Schmidt, de 
Stoicorum grammatica, Halle 1839 (grundlegend); Lersch, Sprach- 
philosophie I 45!!., II, III 41!!.; J. Classen, de grammat. Graecae pri- 
mordiis, Bonn 1829, p. 72 ü.; Striller, de Stoicorum sturfiis rhetoricis 
(Bresl. Abh. I 2), 1886, pp.61; Ste/n^/ia/, Gesch. der Sprachw. P331Ü.; 
Reitzenstein, Gesch. der griech. Etymol., p.l57 !!. Ä. Conze, Sitzungsber, 

(1) Bildete den Grundstock des erhaltenen Kommentars des 
Tzetzes. 

(2) Ptolemaios Askalonites schrieb TTepl rf^c KpaTTiTeiou alp^- 
ceiwc (SCHOL. Hom. f 155). Ihre bedeutendsten Vertreter waren: Hero- 
dikos von Babylon, Tauriskos, Karystios, Zenodotos der Jüngere, Tele- 
phos, Artemon, Alexander Polyhistor, Demetrios Ixion, Athenodoros 
Kordylio, Asklepiades von Myrlea. 



Theon. Chrysippos. Krates. 55 

Berl. Akad. 1884, p. 1259«.; Dziaizko PW. 111 414f. (Bibliothek). 
Wilamowitz, Antig. von Carystos, p. 158-168 (Attalische Kultur und 
Stellung zu Alexandrien); Sandy s\ op. cit p. 146-154. 

Chrysippos von Soli, c. 281/277 bis c. 208/204. 

Er soll 705 Werke verfaßt haben. €1 jaf| tap fjv Xpüc- 
iTTTTOc, ouK Sv fjv CTod. Aus dem lückenhaften Schriften- 
verzeichnis bei DioG. Laert. VII 190 ff. sind folgende Abhand- 
lungen hier erwähnenswert: 

TTepi Tfic KttTct TOtc V^Heic dvujjLAaViac^*^ 4 B. Die 
erste Schrift über einen Gegenstand, der Jahrhunderte lang in 
der grammatischen Forschung eine bedeutende Rolle spielen 
sollte. 

TTepi Tujv 7T€VTe 7ttu)C€ujv (Kasuslehre) Trepi tOüv iv\- 

KUJV Kttl TIXtiOuVTIKOIV ^KCpOpUJV, 6 B. 7T€pl Xßcujv, 5 B. 
7T€pi C0X0lKlC)iUJV TTCpi COXoiKlZÖVTUJV XOTUJV XÖTOl TTttpa 

Tctc cuvTiGeiac Tiepi rfic cuvriGeiac, 7 B. irepi djLAcpißoXuöv 
(6 Werke über dieses Thema) irepi tuiv ctoixciujv toö 

XÖfOU Kttl TlIlV X€TO)Ll^VUJV T^X^T] XÖTUJV Kttl TpÖlTOJV, 5 B. 

7T€pi TUIV ^TU)iOXOTlKlJÜV, 7 B. 

TTepi irapoijLiiOüv, 2 B. irepi iroirmaTOJV irepi toO ttüjc 
bei TUJV TToiTiiidTujv dKoueiv, 2 B. (Quelle der gleichnamigen 
Schrift des Plutarch) irepi xiic ^iiTOpiKfic, 4 B. 

Vergl. Aronis, Xpiücimroc TPom^^^TiKöc, Diss. Jena 1885, und die 
obengenannten Schriften (p. 54). 

Krates von Mallos. 

Leidenschaftlicher Gegner Aristarchs und seiner Schule. 

Vergl. Strabo I 30 'ApicTdpxou Kai KpdTTiToc . . t&v Kopu- 

cpaiujv dv t^ dTricTrjjLiij TauTij (sc. TpOMiiAaTiKfi). Bibaculiis bei 

Svet., gramm. 11 p. 110 en cor Zenodoti^^\ en iecur Cratetis! 

(1) In seiner technisch-grammatischen Bedeutung ist das Wort 
früher nicht nachweisbar. Vermutlich ist dvaXotia ebenfalls zuerst 
von Chrysippos als terminus geprägt worden. 

(2) Dies kann sich nur auf den Krateteer Zenodotos von Mallos, 
einen heftigen Gegner Aristarchs und nicht auf den berühmteren 
alexandrinischen Namensvetter beziehen. 



56 !• Griechische Periode. 

2 p. 100 primus igitur, quanhtm opinamur^ Studium gram- 
maticae in urbem intulit Grates Mallotes, Aristarchi 
aequalis qui missus ad senatum . . . sub ipsam Enni mortem 
(168 V. Chr.), cum . . . prolapsus in cloacae foramen crus f re- 
gisset, per omne legationis simul et valetudinis tempus plu- 
rimas acroases subinde fecit assidueque disseruit ac nostris 
exemplo fuit ad imitandum. Gell. 2, 25, 4 duo autem Graeci 
grammatici illustres, Aristarchus et Grates, summa ope ille 
dvaXoTiav, hie dvujjaaXiav defensitavit. Siehe unter Aristar- 
chos, p. 42. 

Homer^^^: AiöpGujcic mit u7T0jLAvr|)LiaTa 'ÜjUTipiKä (Allego- 
rische Exegese) und einer vita Homeri CuTTpaMMCtta Tuepi 
IXidboc Kai 'Obucceiac. 

Vergl. £. Maaß, Aratea 1892, p. 167-203; J.Helck, de Cratetis 
Mallotae studiis criticis quae ad Iliadem spectant, Lpz. Diss. 1905. 

Hesiodos: Kommentar zu den "epTCt, vielleicht mit Text. 
Vergl. E,Maaß, op. cit. p. 213, Anm. 4. 

Euripides: Schol. Orest. 1226. 1686. Phoen. 208. 
Vergl. Wilamowiiz, Analecta Eurip. p. 157. 

Aristophanes: Schol. Eq. 793. 963 (?). Vesp. 352(?). 
884. Pax 269. Ran. 295. 

Vergl. Consbruch, Zu den Traktaten trepl Kiwinujbiac in Comment. 
in honorem Studemundi, Straßburg 1889; Susemihl II 11, Anm. 54; 
G. Kaibel, Die Prolegomena irepl Kuüjuip&iac, Berlin 1898, pp. 70 (dazu 
ZielinskU Woch. f. class. Phil. 1898, p. 1331-1345). 

TTepi 'AxTiKfic biaXcKTOu (XÖeujc), in mindestens 5 B. 



(1) Krates verlegte die Wanderungen des Odysseus in den At- 
lantischen Ozean (ll\x) eaXdccnc), im Gegensatz zu Aristarch (Gell. 14, 
6, 3), worauf vielleicht die Nachricht der 'quidam' bei TAG. Germ. 3 
zurückgeht. Menelaos ließ er von Gadeira (Cadix) aus, Afrika um- 
schiffend, Indien erreichen und nach siebenjähriger Fahrt zurück- 
kehren (Strabo I 31), so daß „in der Phantasie dieses Mannes be- 
reits still ein Gedanke aufgekeimt war, der später von welthisto- 
rischer Bedeutung werden sollte" Labbert, Übrigens war Strabo be- 
reits im Jahre 1470 von Guarino ins Lateinische übersetzt worden und 
nachweislich dem Kolumbus durch Toscanelli bekannt. 



Krates. Demetrios Magnes. Dionysios. 57 

Ob Krates der Verfasser der mehrfach erwähnten TTivaKec 
der pergamenischen Bibliothek war, läßt sich nicht ermitteln. 
Vergl. C. Wachsmuthy de Gratete Mallota, mit Fragm., Leipzig 
1860, pp. 78 (grundlegend), Philol. XVI 666 ff., Rhein. Mus. XLVI 552ff.; 
E.Lübberty Rhein. Mus. XI (1875)428-443; Susemihl II p. IV f., 4-12. 
703; Sandys^ p. 156-160. 

Demetrios Maqnes (Zeitgenosse des Cicero). 
TTepi ö)iUJVüjLAUJV iröXeiüv. TTepi tujv öiliujvüjliujv 

TTOITITÜÜV T€ Kttl CUTTP^^^^V. ^^^ 

Kapitel über Deinarchos erhalten bei Dionys. Halic. de 
Dinarcho, c. 1. Eine fleißig ausgebeutete Fundgrube und 
eine wichtige, indirekte Quelle für Diogenes Laertios. 

Vergl. Nietzsche, Rhein. Mus. XXIII p. 632-653, XXIV p. 181-228; 
G, Ä. Scheurleery deD. M., Leiden 1858, pp. 128; E, MaasSy de biogr. 
Graec. (Philol. Unters. III) 1880, p. 23-47; Wilamowitz, Antigonus 
V. Garystos, p. 104. 322 ff.; Susemihl I 507 f.; E. Schwartz FW. IV 
2814-2817; R Leo, Griech.-röm. Biogr., p. 39-46. 



IL Die Griechisch-Römische Periode 

(c. 146 bzw. 31 V. Chr. bis 476 n. Chr.).(^> 
Dionysios von Halikamassus. 
Kam 30 v. Chr. nach Rom, wo er mehr als 20 Jahre 
lebte. Sein Geschichtswerk, die sog. Archäologie, erschien 
7 V. Chr. Mit dem ungerechten Verdammungsurteil, das 
namentlich Norden (s.u.) über D. gefällt hat, vergl. die Licht 
und Schatten verteilende Charakteristik bei Rhys-Roberts, op. 
cit. p. 43—49. Eifriger Gegner des Asianismus. 



(1) Ein ähnliches Werk für die spätere Zeit scheint ein ge- 
wisser Ägresphon (Name wohl verstümmelt), nach SviDAS s. v. 'AttoX- 
Xiiivioc ?T€poc Tuaveüc, geschrieben zu haben. 

(2) Einige Gelehrte, obwohl sie zeitlich in diese Periode ge- 
hören, sind aus sachlichen Gründen schon unter der alexandrinischen 
Epoche behandelt worden. 



58 n. Qriechisch-ROmische Periode. 

*Epistula I. ad Ammaeum: Nachweis, daß die 
wichtigsten Staatsreden des Demosthenes der Rhetorik des 
Aristoteles voraufgehen, mithin von derselben unbeeinflußt 
sind. 

Ttt^p Tnc TToXiTiKTic cpiXococpittc (d, h. Rhetorik). Eine 
Verteidigung der Rhetorik gegen die Philbsophie. Haupt- 
sächlich gegen die Epikureer gerichtet und vielleicht ins- 
besondere gegen Philodem. 

•TTepl cuvGdceujc övojactTujv (de compositione ver- 
borum). Das selbständigste Werk des D. und für uns die 
wertvollste Schrift tlber diesen Gegenstand. Die von D. 
selbst angekündigte Arbeit Trepi dKXoTnc övojaotTojv scheint 
nie herausgegeben zu sein. 

•TTepi Tüjv dpxaiujv <Attikijüv> ^riTÖpujv. Unvoll- 
ständig erhalten. 1. Teil: Lysias, Isokrates, Isaios. 2. TTepl 
Tflc XcKTiKTic AriiiocG^vouc beivÖTTiTOc TTepl Aeivdpxou. Ein 
Muster antiker, philologisch-literarischer Kritik. 

•TTepl ixiixi]ce{x)Cy 3 B. Siehe auch oben p. 19. 

Epistula ad Pompeium: Rechtfertigung seiner in der 
Demosthenes -Abhandlung geübten ungünstigen Kritik über 
Plato als Stilist. Nach irepi )Lii)ir|ceujc II verfaßt. 

•TTepi GouKubibou. *Epistula II. ad Ammaeum 

(Tiepi TUJV ÖOUKUbibOU lblUJ)LldTU)V). 

TTepl cxnMOtTUJv (de figuris), zitiert von Qvint. inst. 9, 3, 89. 

Vergl. im allgemeinen: R Blaß, de D. H. scriptis rhetoricis, 
Bonn 1863, Griech. Beredsamkeit von Alex, bis Augustus, Beriin 
1865, p. 169-191; Rößler, de D. H. scriptis rhetor. fragm. Lpz. 
1873; L Sad4e, de D. H. scriptis rhetor., Straßburg 1878; £. Egger, 
L*histoire de la critique chez les Qrecs, p. 396-406; W.Schmid, Der 
Atticismus I (1887) p. 1-26; H.Usener, D.H. librorum de imitatione 
reliquiae, Bonn 1889; G. Amman, de D. H. rhet. fontibus, München 
1889, pp. 110; E. Norden, Antike Kunstprosa, p. 79-81; F. Leo, 
Griech.-röm. Biogr., p. 31 ff.; Rhys-Roberts, D. H., the three literary 
letters, Cambridge 1901 (Bibliographie, p. 209-219); Croiset, His- 
toire de la Litt6rature grecque, V 356—370; Radermacher, PW. V 



Dionysios. Caecilius. 59 

962-971; M, Egger, Denys d*Halicaraasse, Paris 1902, pp. 300; 
G, Saintsburg, History of Literary Criticism, I 127-137; Sandys, op, 
cit, 279-287. 

Caecilius von Calakte (Zeitgenosse des Dionysios). 

SviDAS, s.v.: ßißXia b'auToO TroXXä...Kai fiXXa irXeTcTa. 
Seine Arbeiten bewegten sich auf denselben Qebieten, wie 
die des D., denn auch als Geschichtschreiber ist C. aufge- 
treten. Obwohl sich von seinen Werken nichts erhalten hat, 
so beweist doch die ausgiebige Benutzung seiner Schriften 
von Seiten Späterer, daß sein Einfluß ein weit tieferer und 
nachhaltigerer gewesen ist als der des Dionysios. 

TTepi icTopiac, vermutlich eine Methodologie der Qeschicht- 
schreibung mit besonderer Rücksicht auf den historischen Stil. 
LvciAN TTuic bei IcTOpiav cuTTpaqpeiv mag dieser Schrift manches 
entlehnt haben. 

T^Xvn pTiTOpiKri (QviNT. inst. 3,6,48. 5,10, 17). Wahr- 
scheinlich war die Schrift Trepi cximotTiüv nur ein Teil der 
T^XVT]. Sie war die vollständigste, wie auch die einfluß- 
reichste der vielen diesen Gegenstand behandelnden Werke. 
Wergl Brzoska, PW. III. 1177-1179. TTepi övpouc WergLBrzoska, 
op. cit, 1179f. u. unten. Katd <t>puTUJV, 2 B. Tivi biacpepei 
6 'Attiköc ZifiXoc ToO 'Acmvoö. Beide Werke richteten sich 
gegen den Asianischen Stil und verfochten die atticistische 
Richtung. Vergl. Wilamowitz, Hermes XXXV (1900), p. 1-53 
(Asianismus u. Atticismus). 

TTepi ToO xctpctKTfipoc tujv bexa priTÖpuJv: Sein 
Meisterwerk. Darin berühmte Untersuchungen über die Echt- 
heit der erhaltenen Reden. Hauptquelle für Ps. Plvt. Vitae X 
orat. Ein Abschnitt aus diesem Werke scheint die als selb- 
ständige Monographie von Suidas zitierte Schrift TIepi Atijlio- 
cG^vouc TToToi auToö Tvricioi XoToi Kai iroioi vööoi gewesen 
zu sein. CuTKpicic TTXdrujvoc Kai Auciou, zu Ungunsten 
Piatons. CuTKpicic AriiiocGdvouc Kai KiKepuJVOC. Vergl. Plvt. 



50 n. Qriechisch-ROmische Periode. 

Dem. 3, wo behauptet wird, daß C. dieser Aufgabe nicht ge- 
wachsen war. CuTKpicic AimocGevouc Kai Aicxivou. 

KaXXippTiMOCuvTi (= dKXotn XeHeiuv Katct CTOixeTov), 
das erste Atticistische Lexikon. AeHiKÖv ptiiopiKÖv (?) Da 
dies die übliche byzantinische Bezeichnung für 'Lexikon' ist, 
so werden wir es hier wohl nur mit einem anderen Titel für 
das ebengenannte Werk zu tun haben. 

Vergl. Brzoska, PW. III 1174-1187 (mit reichhaltigen Litera- 
turangaben bis 1896); JB/a/J, op. cit. p. 191-222; /?. Weise, Quaest. 
Caecil., Berlin 1888, pp. 52; Boysen, de Harpocrationis lexici fontibus 
quaestiones, Kiel 1876, pAS-33\ Burkhardt, Caecilii rhetoris fragm., 
Basel 1863 (fragm. p. 26-47) ; Neue Fragmentsammlung von E, Ofen- 
loch (im Druck); Croiset, op. cit., V 374-378; Rhys-Roberts, Amer. 
Journal of Philol. XVIII (1897), p. 302-312 (Caecilius of Calacte, a 
contribution to the history of Qreek Literary Criticism). 

•Anonymus (Ps. Longin) TTepi övpouc (l.Jahrh. n.Chr.). 

Einer der geistvollsten Essays auf dem Gebiete der lite- 
rarischen Kritik, dessen Einfluß im 17. und 18. Jahrb., nament- 
lich in Prankreich (Boileau), England und Italien, sich nur 
mit dem der Poetik des Aristoteles und der Ars Poetica des 
Horaz vergleichen läßt^^l Das Beobachtungsmaterial war, 
wie dies aus der Schrift selbst hervorgeht, dem Caecilius 
entnommen. 

Vergl. Buchenau, de scriptore libri TTepl öipouc, Marburg 1849; 
Martens, de libello TTepl öipouc, Bonn 1877; £. Egger, op. cit. p. 426 
-439; Coblentz, de libelli TTepl öi|iouc auctore, Straßburg 1888, pp. 76; 
Ph. Caccialanza, Riv. di filol. XVIII (1890), p. 2-73; Rhgs-Roberts, 
Journal of Hellenic Studies XVIII (1897), p. 176-211 und in seiner 



(1) ^Das schönste stilkritische Buch der Griechen' Wilamowitz 
in Kultur der Gegenwart I 8, p. 148. Vgl. auch das berühmte Bio- 
gium des englischen Dichters Alex, Pope: 'Thee, bold Longinus! 
all the Nine inspire, | And bless their critic with a poet*s fire. | An 
ardent judge who zealous in his trust | With warmth gives sentence, 
yet is always just: | Whose own example strengthens all his laws; | 
And is himself that great sublime he draws". 



^%xn^^^^ 



OF 

i^UFgRt^L^^ Caecilius, TTepl fi\\fovc. Juba. 



61 



Ausgabe, Cambridge 1899, pp. 288 (Bibliographie, p. 247-261); 
F, Marx, Wiener Studien XX, p. 169 ff., dagegen G. Kaibel, Hermes 
XXXIV (1899), p. 107-132 und B. Keil, Verhandl. der 47. Philol. Ver- 
samml., p. 47 f.; Saintsburg, op. cit. I 152-173; Croiset, op. cit. V 378- 
383; J. Churton Collins, Studies in Poetry and Criticism, London 
1905, p. 204-262; E. Hefermehl, Rhein. Mus. LXI p. 283-298. 

JüBA IL König von Mauretanien ^^^ (Unter Augustus). 

Plvt. Sert. 9 6 irdvTUJv iCTopiKüüraTOC ßaciXeujv; Plin. 
nat. 5,1 Studiorum claritate memorabilior quam regno; Athen. 
III 83^ övbpa 7ToXu)ia0^CTaTov. Seine rein kompilatorischen 
Werke, die er aber mit Angabe seiner Hauptquellen heraus- 
gab, enthielten viel nützliches Material, das Spätere, wie Plutarch, 
Athenaios, Pollux, ausbeuteten. 

'0)ioi6TTiT€c, in mindestens 15 B. Kulturgeschichtliche 
Parallelen. Seine Hauptquellen waren Varro, Dionysios Ha- 
licarn., Nepos, Livius. Ausgiebig benutzt von Plutarch in den 
Quaest. Rom., im Romulus, Numa und Marcellus. 

TTepi cpOopäc X^Heujc, in mindestens 2 B. TTepi TPCtcpiKnc 
Ktti Z:uJTpa9UJV, in mindestens 8 B. Von Plinius im Quellen- 
Verzeichnis zu B. 36. 37 genannt, aber nicht zu B. 35, wo 
vielleicht nur Jubas Gewährsmänner an die Stelle des von 
Plinius gewiß benutzten Buches traten. 

GeaTpiKf] icTopia, in mindestens 17 B. Reste des 
Werkes besonders bei Athenaios und Pollux, doch ist die 
Frage, ob diese direkt oder durch Mittelquellen auf Juba 
zurückgehen oder dieselben Gewährsmänner benutzten, nicht 
zu entscheiden. Die zweite Möglichkeit ist die wahrschein- 
lichste. 

Vergl. Bapp, op. cit., p. 110 ff. (verfehlt); Rohde, de lul.Pollu- 
cis in apparatu scenico enarrando fontibus, Lpz. 1870, pp. 91 ; Su- 
semihl, II 404-414. 



(1) Nicht zu verwechseln mit dem Grammatiker Juba, ebenfalls 
aus Mauretanien (c. 200 n. Chr.). Durch sein umfangreiches auf 
Heliodor aufgebautes metrisches Handbuch wurde dessen System 
bei den späteren römischen Metrikem das herrschende. 



52 n. Griechisch-Römische Periode. 

Pamphilos aus Alexandrien (um 30 n. Chr.). 
AeijLAüüv^^) <f|?> Trepi t^ujccOüv firoi XÖeujv^^^ in 95 B. 
Ein monumentales Repertorium, halb Lexikon, halb Real- 
enzyklopädie, unter Hadrian von Julitis Vestirms in einen 
Auszug von 30 B. gebracht CEXXnviKct övöjaaTa). Dieser 
wurde seinerseits von Diogenianos in 5 B. verkürzt, die 
sogenannte A^Hic TravTobaTrfi Kard ctoixcTov oder TTe- 
pi€pT07T€VTiT€c(^) (d. h. die armen Studenten). Eine Epi- 
tome dieses Werkes ist das erhaltene Hesychios-Leidkon^ 
das aber mit Zusätzen, z. B. aus einem Kyrillos-Lexikon, und 
auch anderweitig umgearbeitet auf uns gekommen ist. Das 
Originalwerk des Pamphilos scheint noch dem Sueton, 
Athenaios und Herodian vorgelegen zu haben. Später be- 
hauptet Dioflf^ian das Feld - denn eine Benutzung des Vestinus 
läßt sich nicht erweisen - und ist eine der Hauptquellen 



(1) JcTi bi iToiKtXujv irepioxi^ (Suidas). Mit diesem Titel für ein 
Sammelwerk oder für Miscellanea, vergl. Ciceros Gedicht Limon 
(SVET. Vita Ter. 7), Sueton Pratum, L Äteius Philologus *'YXn (= Silva), 
Probus Silva observationum sermonis antiqui (SvET. gramm. 24), 
*Statius Silvae, Sotion K^pac 'AinaXOeCac, Ps, Aristoteles TT^ttXoc, IuL 
Äfricanus Kccroi, Clem. Alex, CrptwibiaTdc, *Ps, Eudokia 'luDvid (Viola- 
rium) 'AvOiipA. Einige dieser Titel, aber ohne Verfassemamen, 
zählen Plinius d. Ältere und Gellius in ihren praefationes auf. 

(2) Jedenfalls nur ein Nebentitel desselben Werkes, worauf 
schon das Fehlen einer Buchzahl nach Aetjuiiiv hindeutet. Welche 
Bewandtnis es mit der Nachricht des Suidas hat, Zopyrion habe die 
Buchstaben von A-D veriaßt, läßt sich nicht ermitteln. Möglich ist, 
daß Zopyrion der Urheber des großartigen Planes war und daß 
Pamphilos das postume Werk, sei es auf Grund des bereits ge- 
sammelten Materials, sei es selbständig, vollendet hat. 

(3) Unhaltbar ist die mit viel Scharfsinn, namentlich von Weber 
und ihm folgend von Egenolff, verfochtene Ansicht, daß Diogenian 
zwei Werke verfaßt habe : 1, die A^Eic, eine direkte (?) Epitome 
der Realencyklopädie des Pamphilos; 2. die TTepicpToir^viiTec, ein 
alphabetisch, nicht sachlich geordnetes, selbständig aus den Quellen 
zusammengestelltes Wortlexikon, welch letzteres dem Hesychios zu 
Grunde liege. 



Pamphilos. Plutarch, 63 

für: das Etymol. Magnum; die Schölten zu Plato, Kallimachos, 
Nikander; das Kyrill- Lexikon, Photios und Suidas. Spuren 
seiner Benutzung lassen sich noch bis ins zwölfte Jahrh. 
verfolgen. 

Vergl. M. Schmidt, Prolegomena zu Hesychios IV 2 (1867*); 
C. F, Ranke, de lexici Hesychiani vera origine et genuina forma, 
Quedlinburg 1831, pp. 145 (dazu Welcher, Klein. Sehr. II 542-596); 
H. Weber, Philol. Suppl. Bd. III (1867), p. 449-624, Qoetting. Gelehrt 
Anz. 1867, p. 401-446; Naber, Prolegom. zu Photios 1866; L Cohn 
in Iw. Müllers Handb. II 1», u. PW. V, p. 778-783 (Diogenianos); 
J. Schoenemann, de lexicographis antiquis qui rerum ordinem secuti 
sunt, Hannover 1886, p. 62-110; G,Wentzel, degramm.Graec.quaestl 
'€inK\y|C€ic deorum etc., Goettingen 1890, pp. 65 (ein Werk 'GmicX/iceic 
<^1. Jahrh. v.Chr.> als letzte Quelle für Pamphilos, Diogenian, Athe- 
naios, schol. Lycophrontea, Clemens); R, Reitzenstein, Gesch. der 
griech. Etymologica, Lpz. 1897, pp. 417 (Hauptwerk). Siehe auch 
unter Athenaios, Dionysios, Pausanias, Harpokration, Hesychios Illus- 
tris, Philon von Byblos, Photios, Suidas. Im allgemeinen, K, Krum- 
bacher, Byzant. Lit*, p. 561 f. 570-579. 

Ober die direkten und indirekten Quellen, den Umfang 
und die Art der Abhängigkeit dieser Lexika untereinander 
ist erst in neuerer Zeit einiges Licht verbreitet worden, aber 
allgemein angenommene Ergebnisse sind nur in wenigen 
Fällen erzielt worden, denn bei dem Verlust der Originale, 
wie der meisten jüngeren Quellen, ist der konstruktiven Phan- 
tasie ein zu breiter Spielraum gelassen. 

Plutarch von Chaeronea (c. 46 -c. 128) als Philologe. 

Kommentar zu Hesiods "Ep^a, mit ßioc. Stark benutzt 
von Proklos und mittelbar durch Tzetzes. 

Vergl. Plutarchi Opera V 20-32 D., Moral. VII 51-98 Bern.; 
0, Westerwick, De P. studiis Hesiodeis, Münster 1893, pp. 77. 

Bioc TTivbdpou KpotTTiToc Bioc (des Akademikers) TTepl 
Eupiiribou (?) MiiGujv ßißXia (?) 3 B. (?) TTujc KplvoO^€V 
Tfiv dXriOf^ IcTopiav; (benutzt von Lucian?) [TTepi ßtiTopiKflc 
3 BJ [TTepl TttuToXoTiac] TTepl iroiiiTiKnc (? = *7rijüc bei töv 
yiov TTOiTmdTUJv ÄKOueiv;) Alriai tujv 'Apdrou biocri- 
^eiujv EU NiKdvbpou OripiaKd Airiai ßapßapiKai TTepl 



54 II. Griechisch-Römische Periode. 

dvböHuJV dvbpa)v(?) XpTiC)iUJV cuvaTUJTn TTepi qpiXoXÖTWV 
TrapacK€ua)v [TTepi juerpiüv] (Plvt. Moral. VII 465-472) 
'0)LiTipiKai jLieX^Tai, 4 B., vermutlich mit den öfter zitierten 
libri de Homero (Gell. 2, 8, 1. 2, 9, 1. 4, 1 1, 1 1) zu identifizieren. 
Ein Teil dieses Werkes mag auch die Schrift Trepi toö xpö- 
vou 'IXidboc gewesen sein. 

Vergl. Graefenhan, op. cit. III, p. 271-273; H.Ämoneit, De Plu- 
tarchi studiis Homericis, Königsberg 1887, pp.49; H, Schrader (siehe 
unten). 

Unter diesen sämtlich verloren gegangenen Abhand- 
lungen sind einige sicher apokryph, andere vielleicht Exzerpte 
aus echten Werken. Unter den erhaltenen literarhistorischen 
befinden sich ebenfalls einige Pseudepigrapha. Die wich- 
tigsten sind folgende^^^: 

*Ps. Plut. Vitae X oratorum. Siehe oben p. 37*. 43. 59 und 
Ä, Prasse, de Plut. quae feruntur vitis X oratt., Marburg 1891, pp. 90. 

*Bioi AriiLiocGevouc xai KiK^pujvoc. 

Vergl. über seine Quellen; F. Gebhard, de P. in Demosthenis 
vita fontibus ac fide, München 1880; H, Ä, Holden, Einl. zur vita 
Demosth., Cambridge 1893, p. XI-XXII (Bibliography,. p. 140f.); 
Ä, Gudeman, The Sources of Plutarch's Life of Cicero, in Univ. of 
Penn. Publicat. VIII (1902), pp. 117. 

•'ApicToqpdvouc xai Mevdvbpou cuTKpicic. Sehr zu 
Ungunsten des A. 

•TTepi Tf]c 'HpoboTou KaKoriGeiac. Aus verletztem 
Lokalpatriotismus hervorgegangen. 

Wergh G.Lahmeyer, de libelli Plutarchi qui de malignitate He- 
rodoti inscribitur et auctoritate et auctore, Qoettingen 1848, K. A.Häb- 
ler, Quaest. Plutarcheae duae, I de auctore libri Trepl . . KaKonOefac, 
Lpz. Diss. 1873. 



(1) Ein vollständiges Schriftenverzeichnis (227 Nummern) gibt 
der sogenannte lampnos-Katalog (4. Jahrh.?), der aber einige Wie- 
derholungen und Spezialtitel enthält, und Echtes und Unechtes zu- 
sammenwirft. Vergl. M, Treu, Progr. Waidenburg i.S. 1873, pp. 54. 
Ober die 25 im Katalog fehlenden Titel, siehe Treu, p. 38-42. Be- 
merkenswert sind nur die 'CuiLiTrociaKd und *de vita et poesi Homeri. 



Plutarch. Philon von Byblos. 65 

•TTepl Tujv dpecKÖVTujv 9iXoc6qpoic qpuciKUJV boT- 
^driüv diriToiLiri, 5B. Aus Aätios kompiliert. 

Vergl. H. Diels, Doxographi Graeci, Berlin 1889, p. 1-41.48. 

•AiTiai 'Puj)LiaiKa(. Hauptquelle: Varro, durch die 
Vermittelung Jubas. 

Vergl. Franc, Leo, de P. quaest. Roman, auctoribus, Halle 1864, 
pp. 47; Ä, Barth, de lubae öilaoiöthciv a Plutarcho expressis in quaest. 
Romanis et in Romulo Numaque, Qoettingen Diss. 1876, pp. 54; 
Glaeser, de Varronianae doctrinae apud Plutarchum vestigiis, Lpz. 1881. 

*TTujc bei TÖv veov TroiTundTOJv dKOiieiv (de audiendis poetis). 

Vergl. Ä. Schlemm, de fontibus Plutarchi De audiendis poetis etc., 
Goettingen 1893, pp. 102. 

•TTepi Toö ßiou Ktti TTOirjceujc 'OjLArjpou. 

Diese für antike Homerexegese sehr interessante Schrift 
kann in der uns vorliegenden Gestalt von Plutarch nicht her- 
rühren, doch scheint der Kompilator umfangreiches Material 
den 'O^TipiKtti )Li€X^Tai entnommen zu haben. 

Vergl, Diels, op.cit., p.88— 99; Bemadakis in Praef. zu Plut. Moral. 
VII, p.IX-XLIV; H.Schrader, de Plutarchi '0|uir]P*Ka1c lüteX^raic et de eius- 
dem quae fertur vita Homeri, Gotha 1899, pp. 40, und im allgemeinen : 
Ä, Gudeman, Plutarch as a philologian, Proceed. Amer. Philol. Assoc. 
XXV (1894), p. 6ff.; Saintsburg, I 137-146; Ä. B. Hersman, Studies 
in Greek Allegorical Interpretation, II Plutarch, Diss. Chicago, 1906, 
p. 25-60. 

Herenniüs Philon von Byblos (61-141). 

TTepi KTrjceujc Kai ^KXoTnc ßißXiuJv, in 12 B/^^ 

TTepi TTÖXeuJV Kai oöc dKdcTTi aÖTuiv dvböHouc 
fiv€TK€v, in 30 B. Ein berühmtes Sammelwerk, das nach- 
weisbar von Hesychios Milesius, Oros und besonders von 
Stephanos Byzantius ausgebeutet wurde. 

TTepi irapaböHou iCTopiac, 3 B. Ober dieses Werk 
läßt sich nichts ermitteln. TTepi biacpöpujc CTmaivo)Li€vuJv: Ein 
Synonymen-Lexikon, das uns in der Bearbeitung des Am- 
monios Trepi ö)Lioiujv Kai bia9Öpuiv X^Seu)v erhalten ist. 

(1) Viel früher schrieben Ärtemo 6 KacavfepeOc ein umfangreiches 
Werk irepl ßißXCujv KTf\ce\uc xal xpi^c€ujc (ATHEN. XII 515EXV694A-D) 
und der PergamenerT^fipftos irepl ßißXmxf^c ^imireipCac, 3B. (SviDASs.n.). 
Gudeman, Grundriß der Gesch. der klass. Phil. 5 



55 II' Qriechisch-Römische Periode. 

Vergl. Daub, de Suidae biographicorum origine et fide in Jahrb. 
f. Phil. Suppl. Bd. XI, p. 437!.; £. Rohde, Philo von Byblos und Hesy- 
chios von Milet in Rh. Mus. XXXIV (1879), p. 561-574 (= Kleine Schrift. 
I p. 365-381). 

DiONYsios von Halikarnassus, 6 ^ouclKÖc (unter Hadrian). 

MouciKfi icTopia, 36 B. Eine ausführliche Geschichte 
aller Dichtungsarten und musischen Agone. Eine reiche 
Fundgrube fOr die späteren Lexikographen, doch reichen 
unsere Mittel nicht aus, deren Abhängigkeit genauer fest- 
zustellen. 

Vergl. L, Cohn, PW. V 986 f. und die dort angeführte Literatur. 

Ablius Dionysios (vielleicht identisch mit dem Vorigen) und 
Pausanias (um 160). 

Auf den sogen. AeHiKoi ^riTopiKd dieser Atticisten be- 
ruht im wesentlichen das in den späteren Lexika (Phrynichos, 
Eustathios, Photios, Suidas usw.) über den attischen Sprach- 
gebrauch überlieferte Material. Doch auch hier ist Charakter 
wie Umfang der Quellenbenutzung äußerst schwierig zu be- 
stimmen. 

Vergl. I. Cohn PW. V 987-991, mit reichhaltigen Literatur- 
angaben. Füge hinzu H, Heyden, Quaest. de Ael. D. et P. Atticistis, 
Etym. Magn. fontibus in Leipz. Stud.VIII 2 (1886), p. 173-264 ; E. Schwabe, 
Aelii Dionysii et Paus. Atticist. fragm. collegit etc., accedunt fragm. 
lexicorum rhetoric. apud Eustathium, Lpz. 1890, pp. 288. 

Valerius Harpokration aus Alexandrien (2. Jahrb.). 

•A^Heic Tiüv biKa ^TiTÖpujv. Eine auf alten Quellen 
(Didymos, Caecilius) beruhende, sorgfältige Kompilation, die 
namentlich für das attische Gerichtswesen und den technischen 
Sprachgebrauch der Redner von größter Wichtigkeit ist. 

Vergl. M, /f. E. Meier, Opusc. acad. II 147-170; Boysen, de 
Harpocrationis lexici fontibus, Kiel 1876, pp. 105, doch siehe Sto- 
fentin, Jahrb. f. class. Phil. 1879, p. 113ff.; L Cohn, Jahrb. Suppl. 
XIII 113 ff. 



Dionysios ö ihouciköc. Pausanias. Harpokration. Galenos. 57 

Galenos aus Pergamum (geb. 130). 

Der berühmte Arzt hat auch eine große Anzahl philo- 
logischer Abhandlungen verfaßt: 

€i f) cpiXoXoTia xp^ciMOV eic Tf]v ^GiKf]v cpiXococpiav 
€1 xP^cifiiov dvdTViüC)Lia toTc Traibeuoiiidvoic n TraXaid kuj- 
jiiubia (vielleicht gegen Plutarch gerichtet s. o. p. 64) €1 bu- 
vatai TIC elvai KpiTiKÖc Kai fPCtMMaTiKÖc TTpöc touc im- 
Ti)LiiüVTac TOic coXoiKiCouci tQ cptüvq. 

TUJV TTttpCt TOIC 'ÄTTIKOIC CUTTpCt^CÖClV ÖVOjLldTlüV 

48 B. TUJV TTttp' €u7r6Xibi ttoXitikOüv övojidTiüv, 3 B. 

TUJV TTttp' 'AplCTOCpdVTJ TTOXlTlKUJV ÖV0^dTUJV, 5 B. TlüV TTttpd 

KpttTivuj usw. TUJV ibiujv kujjliikujv övojLidTUJV TTapabeifiuaTa 
'Attikujv TiapdcTiiLioc uTiep övoiudTUJV öpGÖTtiTOC, 3 B. 

TTepiTTXaTUJViKiüv biaXöfUJV cuvöipeujc iiepi tiüv iv OiXrj- 
ßifj ^eTaßdceuJV Kommentar zu Piatos Timaios. Zahlreiche 
Erläuterungen zu den logischen Schriften des Aristoteles. 

Ober seine schriftstellerische Tätigkeit — wir kennen 
über 250 Werke, von denen c. 100 echte und c. 18 unechte 
erhalten sind — verbreitet sich Galen in seinen Abhand- 
lungen *7Tepi Tflc TdHeujc tiüv ibiujv ßißXiuJv und *TTepi tujv 
ibiujv ßißXiujv/^> 

Galen ist der einzige antike Schriftsteller, von dem Äuße- 
rungen über methodische Textkritik und Hermeneutik, und 
zwar von trefflicher Art, erhalten sind. 

Vergl. Bröcker, Die Methoden Galens in der literarischen Kritik, 
in Rhein. Mus. XL 415 ff.; Iw, Müller, Galen als Philologe, in Verhandl. 
der 44. Philologenversaraml. in München 1891, p. 80-91; Rutherford, 
Scholia Aristoph. III 55-57. 

Hermogenes^^^ von Tarsus. 
Schon als Knabe von 15 Jahren hielt er Vorträge, denen 
der Kaiser Marcus Aurelius beiwohnte. Im frtihen Mannes- 



(1) Vollständiges Verzeichnis bei Fabr. Bibl. Gr. V 397-471, 
daraus Kühn, Opera omnia I, p. LXVIIff. 

(2) Philostr. vita Sophist 11 7 und SviDAS s. v., mit manchen 
Fabeleien. 

5* 



58 II* Griechisch-Römische Periode. 

alter verlor er die Fähigkeit der Improvisation ^*\ "Oijtoc 
'€p|LiOT^VTic, ö iv iraici ^fev TGpwv, iv bk TnpacKOuci iraic." Ohne 
ein neues System zu gründen oder neue Ideen einzufahren, 
hat H. durch die geschickte Formulierung und gleichsam 
Kodifizierung der rhetorischen Lehre, wie Dionysios Thrax 
in der Grammatik, Jahrhunderte lang die Schule beherrscht. 
Unter seinen zahlreichen Kommentatoren sind besonders er- 
wähnenswert: Metrophanes, Syrianos, Sopatros der Jüngere, 
Markellinos (5. Jahrh.) und Byzantiner, wie Eustathios (verloren), 
Phoibammon, Doxopater, Gregorios von Korinth und Planudes. 

Hauptwerk: Tdxvn ^nTopiKn, in fünf Teilen: 1. TTpo- 
TU)Liväc|iaTa 'Stilübungen'; 2. irepi tiüv crdcecDv Von den 
Rechtsfällen'; 3. Tiepi eupdceujc, 'de inventione'; 4. trepi Ibeujv 
'de dicendi generibus', mit berühmten kritischen Urteilen über 
verschiedene Schriftsteller (^^; 5. irepi ibieGöbou beivÖTTixoc 'über 
die Methode einer wirkungsvollen Beredsamkeit'. Vergl. die 
Rhet. Graeci von Spengel u, von Walz. 

Vergl. R, Volkmann, Die Rhetorik der Griech. und Römer, 
Lpz. 1885*; Wilamowitz, Kultur der Gegenwart I 8, p. 149. 

Apollonios Dyskolos (c. 150 n. Chr.). 

Begründer der wissenschaftlichen Syntax "CuvtaHic dvaT- 
KaiOTdTTi Tipöc dHriTnciv tujv 7T0iTi)ixciTiüv". Die Originalwerke 
sind zum größten Teil schon früh verloren gegangen, doch 
bieten für den Verlust die Institutiones grammaticae des 
Priscian einigermaßen Ersatz. "Quid Apollonii scrupulosis 
quaestionibus enucleatius possit inveniri?" "summus auctor 
artis grammaticae quem nos, quantum potuimus, sequi de- 
stinavimus" Priscian. 

TTepi ^€plC|LloO TUJV toO Xötou laepiüv (die 8 Rede- 
teile Aristarchs), in 4 B. Von diesen waren begreiflicher- 

(1) Nichts anderes besagt die Bemerkung des Philostrat: k bi 
dvbpac f^KUüv d<pi3p^eTi Ti\v &i\v. Er erreichte ein ansehnliches Alter, 
wie denn seine x^x^n auch nicht die Sprache eines Jünglings führt 

(2) Die Redner, Xenophon, Aischines Socraticus, Herodot, Thu- 
kydides, Hekataios. 



Hermogenes. Apollonios. Herodianos. 59 

weise am ausführlichsten das Substantivum COvo^aTlKÖv) und 
das Verbum CPnMCtTiKÖv) behandelt. Im Original erhalten 
sind nur: *TTep\ dvxujvuiiiac (Pronomen) *TTepi dmppTiiiid- 
TU)v (Adverbium) *TTepi cuvbeciuijüv (Konjunktion). TT e p i 
cuvxäHeiüc, in 4 B. 

Von anderen Werken des A. seien noch erwähnt: irepi 
CTOixeiujv Tiepi iipocifjbiiüv iiepi cxriiidTiüv iiepi 

öpGofpacpiac iiepi biaXdKTUJV Aujpiboc, 'Idboc, AioXiboc, 
'ATGiboc. 

Vergh Lersch, Sprachphilos. III 111-141; Gräfenhan, op. cit. 
III 109-132; L. Lange, Das System des A. D., Göttingen 1852; E. Egger, 
A. D., essai sur rhistoire des th6ories grammaticales dans Tanti- 
quit6, Paris 1854, pp. 354; //. Steinthaly Gesch. der Sprachwiss. IP 
p. 220-345; I. Cohn PW. II 136-139 (mit weiteren Literaturangaben). 

Ablivs Herodianos 6 xexviKÖc (Sohn des Vorigen). 

Der größte Grammatiker des Altertums. "Quid Herodi- 
ani curtibus certius . . . qui (sc. Apollonios et Herodianos) omnes 
antiquoTvm errores grammaiicorum purgaverunf* Priscian. 
"Artium minutissimus scisciiator" Amm. 22, 16, 16. Apollo- 
nios und Herodian genossen bis zur Renaissance ein kano- 
nisches Ansehen und bezeichnen in der Tat den Höhepunkt 
des sprachwissenschaftlichen Studiums im Altertum. Ihr Stern 
begann erst in der Neuzeit zu erblassen, als die vergleichende 
Sprachwissenschaft das wahre Wesen und die Gesetze lingui- 
stischer Entwicklung aufdeckte. 

KaOoXiKfi Trpocujbia, in 21 B.^^^ Von diesem grund- 
legenden Meisterwerke sind nur zahlreiche Exzerpte bei spä- 
teren Grammatikern erhalten, während seine Homerische 
Prosodie in unsere Homerscholien verarbeitet ist. Siehe 
unten p. 76. Herodian überragte selbst seinen Vater an 



(1) B. 1-19 handelte über Akzente und Prosodie (rövoi, 
irpoci|i5(ai), B. 20 über Quantität und Spiritus (xpövoi, irvcOiiiaTa), 
B. 21 über Akzentänderung beim Lesen, sowie über ItkXioc, bia- 
cToX^), cuvaXoi<pif|. Er besprach im ganzen an 60000 Wörter. 



70 n. Griechisch-Römische Periode. 

schriftstellerischer Fruchtbarkeit ^^^ doch hat sich auch von 
seinen anderen Werken, mit Ausnahme der nicht gerade 
hervorragenden Schrift •TTepi luovripouc X^EeuJc (über eigen- 
tümliche anomale Wortformen), nichts' im Original erhalten. 
Den Zitaten nach zu urteilen, scheinen die folgenden die be- 
deutendsten gewesen zu sein: TTepi iraOoiv *Ober Flexion 
der Wörter' trepi öpGofpaqpiac irepi KXiceujc övo^(iTlüv 
Trepi ^TiiLidTiüv Tiepi cuCutiujv irepi ßapßapiciuoö Kai 
coXoiKic|ioO Trepi bixpöviuv iiepi luovocuXXdßujv Trepi 
cxniLiaTOC irepi fmapTTnadvojv XdEeiüv irepi dpiG^jüv. 

Vergl. Lobeck, Pathologiae Graeci sermonis elementa, Königs- 
berg 1843; K. Lehrs, Herodiani scripta tria, Königsberg 1857^ pp. 522; 
A, Lentz, Herodiani technici reliquiae, 2 Bde., Leipzig 1867-1870, 
pp. CCXXVIII u. 564, VII u. 1264 mit Indices von A. Ludwich (grund- 
legendes Meisterwerk); E. Miller, Jahrb. f. Philol. 118 (1871) p. 505-532. 
603-629, Quaest. Herodianeae, Bonn 1866; P, Egenolff, Bursians 
Jahresber. XXXVIII (1884) p. 54 ff. 91 ff. 

Phrynichos aus Bithynien (unter Commodus). 

CocpiCTiKf] irpo TiapacKeuri, in 37 B. Ein atticistisches 
Lexikon, das uns aber nur aus Exzerpten bekannt ist. Als 
Muster galten ihm Plato, die zehn Redner, Thukydides, Xeno- 
phon, der Sokratiker Aischines, Kritias und Antisthenes, unter 
den Dichtern die drei großen Tragiker und Aristophanes. Ob 
das erhaltene, von Suidas unter dem Titel •'Attikicttic (= k- 
XoTH ^TiiLidTUJv Ktti övojadTUJv 'AxTiKiIiv) erwähnte Buch von 
Phrynichos selbst herrührt, ist seines elementaren Inhalts 
wegen zweifelhaft, doch mag viel Material aus dem echten 
Werke exzerpiert sein. 

Vergl. Lobeck, Phrynichi eclogae usw., Lpz. 1820, pp. CXXX 
u. 841; W. G, Rutherford, the new Phrynichus, mit Kommentar, 
London 1880, pp. 550; R, Reitzenstein , Proleg. zum Lexikon des 
Photios (im Druck). 



(2) Priscian spricht von einem "pelagus Herodiani scriptorum". 
Ein vollständiges Verzeichnis der uns bekannten Titel gibt Lentz, 
op. cit. I praef. XV sq. Vergl. auch Lehrs op. cit. p. 418 ff. 



Phrynichos. Pollux. Hephaistion. 71 

IvLivs PoLLVx (TToXubeiJKTic) aus Naukratis (c. 180). 

Kurze biographische Notiz bei Philostr. Vitae Soph. 2, 
p. 96 f. ^. Vielleicht identisch mit dem von Lucian (im Lexi- 
phanes und TriTÖpiüv bibdcKaXoc) verspotteten Rhetoriker. 

*'Ovo|LiacTiK6v, in 10 B. Ein sachlich geordnetes 
Lexikon, dessen Stoff dem Didymos, Tryphon, Juba, Pamphi- 
los und Sueton entnommen ist. Am wichtigsten sind B. IV 
(von den Wissenschaften und Künsten, darunter besonders 
wertvoll die Artikel über das Theater, die Masken und 
die musikalischen Instrumente) und VIII (Attisches Gerichts- 
wesen). 

Vergl. E, Rohde, op. cit (p. 34); E. Althaus, Quaestiones de 
I. P. fontibus, Berlin 1874, pp. 38; F. de Stoj'entin, de I. P. in pu- 
blicis Atheniensium antiquitatibus enarrandis auctoritate, Breslau 1875, 
pp. 115; E, Zamke, Symbolae ad I. P. tractatum de partibus corporis 
humani, Lpz. 1885, pp. 76. 

Hephaistion (Lehrer des Kaisers Verus). 

Aaßibv bk Tiap' iixox) 6 iräciv KXoTrfjv öveibiCujv 'Hcpai- 
CTiwv dHibiOTTOirjcaTO Tr]v Xuciv (Athen. XV 673^). 

Hauptwerk: TTepi ladxpiuv, 48 B. Vergl. Longin. Proleg. 
ad Heph. p. 88, Westph. icx^ov be öti iipOüTOv iTio\r\Qe iiepi 
^eTp^JV iLiTi' (48) ßißXia, ei9' öcxepov iixijeixev aurd eic Iv- 
beKtt, eiTtt TTCiXiv €ic Tpia, elra nXeov eic ^v toutou toO *dT- 
Xeipibiou. Dieses ist allein erhalten mit einem wertvollen 
Appendix trepi ttoithhoitiüv 'poetische Kompositionstypen'. ^^^ 
Wie die Grammatik des Dionysios Thrax, so erlangte auch 
dieses Büchlein kanonisches Ansehen und bildete die Grund- 
lage des Schulunterrichts bis zur Renaissance. Es enthält 
in knappster Form so ziemlich das wichtigste, was uns über 
griechische Metrik aus dem Altertum erhalten ist. 



(1) Daraus besonders erwähnenswert die Stellen über die Para- 
base in der Attischen Komödie und über die verschiedene Anwen- 
dung der kritischen Zeichen in den Lyrikern und tragischen Chören: 
tA CTm^a tA irapA rote iroiriTatc äXXuJc irap' äXKoic Keirai. Siehe p. 87 f. 



72 W« Griechisch-Römische Periode. 

Ferner schrieb H. irepi tujv iv iroiriiuaci rapaxoiv Kuj|ai- 
Kujv d7ropTi|LidTU)v Xuceic rpaTiKai Xuceic. 

Vergl. R.Westphal, Scriptores metrici Graeci I pp. 310, Lpz. 1866 
(mit Scholien) und Consbruch, mit Scholien, Lpz. 1906. 

Athenaios von Naukratis (um 200 n. Chr.) 
Verfasser der •AeiTrvococpicTai, in 15 B., von denen 
jedoch Buch I, 11, Anfang von III nur in einem Auszug und 
B. XI und XV in verstümmelter Gestalt erhalten sind. Die 
praefatio stammt von einem Epitomator her, denn das Ori- 
ginal umfaßte ursprünglich 30 B. Dieses "Lexikon in Form 
von Tischgesprächen" ist eine der reichhaltigsten Fundgruben 
griechischer Kultur, die wir überhaupt besitzen, und durch 
die zahlreichen Zitate aus verlorenen Dichtern, namentlich 
der mittleren ^^^ und neuen Komödie, von ganz einzigem Werte.^^^ 
Athenaios verfügte über ein großes Quellenmaterial, doch lassen 
sich die direkt benutzten Werke nicht mehr genau bestimmen. 
Wenn wir von der umfangreichen Symposienliteratur und den 
kulinarischen Schriften, die Athenaios zu Gebote standen, ab- 



(1) Vergl. VIII 336 D; "'AXeHic 5*lv 'AcuJTobiöacKdXiy, (prid Cwriwv 
ö 'AXeHavbpedc ^v rote ircpl tüjv Tifiujvoc CiXXuJv — kyOj fäp oök din^v- 
TTjca TCf) öpdiLiaxi* irXciova tt^c m^ct^c KaXou|i^vT]c Kiu|Liip5iac 
ävafvoi)Q 6pd|LiaTa tujv ÖKTaKociujv xal toOtujv ^kXoyäc 
TTOiifcd |i€ voc oö irepUruxov r^ 'AcujTobibacKdXip , dXX' oö6' dvaYpa- 
cpfic dEiuiG^v Tivi cOvoiba* oöt€ ydp KaXXifxaxoc oötc *ApiCTO- 
<pdvT]C aÖTÖ dv^Ypaipav, dXX' oö6* ol rdc Iv TTepYdiiif) dva- 
Tpacpdc iroiTicd|Li€voi. Diese interessante und wichtige Notiz wirft 
ein günstiges Licht auf die Sorgfalt und Arbeitsweise des Verfassers 
und hätte von denen, die in Athenaios nur einen mechanischen Ab- 
schreiber sehen, mehr beachtet werden sollen. 

(2) Obwohl uns nur eine Epitome vorliegt, werden an 750 Schrift- 
steller erwähnt, über 500 Dichter, mit mehr als 1000 Titeln von 
Dramen. Darunter von Aischylos 27, Epicharm 25, Kratinosl7, Sopho- 
kles 49, Aristophanes 42, Euripides 33, Alexis 108, Antiphanes 106, 
Eubulos 47, Menander46, Diphilos 29, Philemon 19, Timokles 24, 
Nikostratos 18, Ephippos 12 (nur aus A. bekannt), Phrynichos 9. 
Insgesamt hat Athenaios rund 10500 Verse erhalten, von denen nur 
etwa 500 auch anderweitig überliefert sindl 



Athenaios. Diogenes Laertios. 73 

sehen, so scheinen ihm Didymos, Tryphon, Favorinus (jeden- 
falls nicht die Hauptquelle) und Pamphilos das meiste Material 
geliefert zu haben. Von Späteren ist er stark ausgebeutet 
worden, so von Eustathios (aus der Epitome), Suidas (aus 
einer vollständigeren Ausgabe als der erhaltenen) und wahr- 
scheinlich schon von Aelian in der TToikiXti icTopia. Macro- 
bius verdankt ihm ebenfalls viel, besonders die dramatische 
Einkleidung und den Plan des Werkes. 

Vergl. K.Bapp, Leipz. Stud. VIII (1885), p. 85-160, Corament. 
in honorem Ribbeckii, 1888, p. 253-258; F. Rudolph, Leipz. Stud. 
VII 8ff. llQff., Philol. Suppl. Bd. VI (1891) p. 109-163; A. Brunk, 
Comment. Gryphisw., Berlin 1887; C. Hirzel, Der Dialog II 352-356; 
G. Kaibel, Praef. ad Athen. 1887, p. I-XL (p. XXXI-XXXVII gegen 
G. Wissowa, s. u. p.ll9); G. Wentzel PW. II 2025-2033; W. Ditten- 
berger, Athenaeus u. sein Werk, in Apophoreton, Berlin 1903, p. 1-28. 

Diogenes Laertios (c. 200 n. Chr.). 
•OiXocöcpiüv ßiujv Kai boTMOiTiuv cuvaTUJTni in 
10 B.(^^ Der Verfasser ist ein gedankenloser und nachlässiger 
Abschreiber, doch ist sein inhaltreiches Werk als die einzige 
erhaltene Philosophengeschichte für uns von ganz unschätz- 
barem Werte. Die Frage nach seinen direkten, wie mittel- 
baren Quellen ist ein vielumstrittenes Problem. Nach Wila- 
moiviiz schöpfte er aus: Favorin, Diokles' €7Tibpo|af| cpiXocöqpiüv, 
Athenaios, Phlegon, Epiktet, Myronianus, Pamphila, Alexander 
Polyhistor, Epikur,Doxographen und Apophthegmensammlungen. 
Nach Usener war seine Hauptquelle die Aiaboxai (oder eine 
Epitome dieses Werkes) des Nicias von Nicaea (unter Nero), 
der seinerseits besonders die großen Werke des Sotion und 
Diokles verarbeitet hatte. Bei einem Autor wie Diogenes 
ist jedenfalls eine direkte Benutzung zahlreicher Quellen aus- 
geschlossen. Manche Vitae erwecken den Eindruck, als ob 



(1) Der Schluß des 7. B. (Schriftenverzeichnis des Chrysippos) 
ist verloren. Im ganzen sind es 81 vitae, von denen die längsten, die 
des Plato undEpikuros, ein Buch für sich bilden (III u. X). Zitiert 
werden über 300 Schriftsteller. 



74 II. Griechisch-Römische Periode. 

sie aus zwei voneinander unabhängigen Quellen, einer bio- 
graphischen und einer doxographischerif einfach zusammen- 
geschweißt wären. 

Vergl. E. Maaß, de biographis Graecis in Philol. Unters. III 
(1881) p. 3-141, der Favorin als Hauptquelle vertritt, widerlegt von 
Wilamowitz, ebenda p. 141-163; R Leo, Griech.-röm. Biogr. p. 35-84; 
H. Usener, Epicurea p. VI-XXXVI, Sitzungsber. Berl. Akad. 1892, 
p. 1023-1034; und den ausführlichen Artikel, mit reichhaltigen Lite- 
raturangaben, von E. Schwartz FW. V 738-763. 

Cassivs Longinos. 

Lebte 30 Jahre in Athen und wurde 273 von Aurelian 
als Anhänger der Königin Zenobia von Palmyra hingerichtet. 

EVNAPIOS vita Soph. p. 456a, 2: BißXioey|icTi Tic fjv ^mjjuxoc Kai irepi- 
iraToOv |Liouc€lov; Flotinos apud FORPHYR. vita Flotini 14: OiXöXotoc 
jLi^v ö AofYivoc, (piXöcocpoc 6^ |LiTi6a|LiÜL»c; FORPHYR. op. cit. 20f: Kpiri- 
KuÜTaTOC Kai ^WoTilbicÜTaToc . . . ^v Kpicei irpiIiToc; HIER, epist. 125, 18: 
criticum diceres esse Longinum censoremque Romanae facundiae 
notare quem vellet et e senatu doctorum excludere; Svidas s. v.: 

Ö KpiTlKÖC. 

Hauptwerk: OiXöXotoi 6|iiXiai, in mindestens 21 B. 
Daraus wohl nur Teile: 'AiropriiiaTa '0|iTipi^a TTpoßXrmaxa 
'Oianpou Kai Xüceic 2 B. (identisch mit dem Vorigen?) TTepi 
Tiüv irap' 'Ojaiipijj iioXXd crmaivoucOüv XdHewv, 4 B. €i cpiXö- 
cocpoc ''Oi^Tipoc. Tiva irapa xdc kxopiac oi TpawuaTiKOi 
djc icTopiKct dHriToOvTai. 'Attikujv XdHeujv iKboceic 

KttToi CTOixeTov, 2 B. Kommentare zu Hephaistions '€tx€i- 
pibiov, zur Midiana des Demosthenes und zur Rhetorik des 
Hermogenes. 

Wenige Zitate aus den öfbiiXiai ausgenommen, hat sich 
von all diesen Werken nur eine nicht bedeutende rhetorische 
Abhandlung (*d(pop|iai Xötou) erhalten, die Ruhnkens Scharf- 
sinn in der Rhetorik des Apsines entdeckte. Ober die dem 
Longinos lange Zeit zugeschriebene Schrift irepi övpouc, siehe 
oben p. 60. 

Vergl. D. Ruhnken, de vita et scriptis Longini 1776; E, Egger, 
L'histoire de la critique chez les Grecs 1886*, p. 475-484. 



Longinos. Porphyrios. 75 

PoRPHYRios von Tyrus, 233 -c. 305. 

Schüler der Neuplatoniker Plotin und Longin. Einer der 
bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit, dessen €icaTU)Tn zu 
den Kategorien des Aristoteles, in der Obersetzung des Boe- 
thius, die Grundlage des Studiums der Logik während des 
ganzen Mittelalters bildete. Von den 50 uns bekannten Werken, 
meist philosophischen Inhalts, ist nur wenig auf uns gekommen. 
In das Gebiet der Philologie gehören folgende Schriften: 

'0)LiTipiKd CriTriiaaTa (ein großer Teil ist in unseren 
Homerscholien erhalten) TTepi toö ^v 'Obucceiqi tüjv 
Nuiaqpaiv ävxpou (Odyss. XIII 102-112). Die Nymphen- 
grotte wird zu einer Allegorie des Universums umgedeutet. 
Es ist diese Schrift wohl das beste erhaltene Beispiel jener 
uralten, unheilvollen allegorischen Exegese der homerischen 
Gedichte ^^\ die von der stoisch-pergamenischen Schule zum 
Prinzip erhoben wurde und sich bis in die späteste Zeit einer 
unglaublichen Beliebtheit erfreute. ^^^ 

TTepi Tf\c '0|iripou qpiXocoqpiac nep\ rfic Ü 'Ojarjpou 
dqpeXeiac toiv ßaciXduJv iiepi TTapaXeXei)a)Lidvajv tuj ttoitit^ 
övoiudTOJv TPct^MaTiKai diropiai irepi tujv Kard TTivbapov 
ToO NeiXou tttitOüv €ic tö GouKubibou irpooiiiiiov. TTepi 
Ctutöc und Ttepi dTaXfbidTUJv (beides allegorische Schriften). 
Neben der OiXöcocpoc \cTopia (Pythagoras bis Plato) wird auch 
eine OiXöXotoc icTopia, in 5 B., erwähnt, aus der Evsbb. 
Praep. evang. X 3 und Clem. Alex. Strom. VI 2 ein wertvolles 
Bruchstück eines Dialogs (der Sprecher ist Longinos) über 
Plagiate im Altertum erhalten haben. 

Vergl. Fabricius, Bibl. Gr. V- 725-758; Graefenhan III 43 f. 



(1) Sie beginnt bereits mit Theagenes, siehe oben p. 10. Einen 
kurzen Oberblick bis auf Plutarch gibt Hersman, op. cit. (p.65) I p.7-23. 

(2) Vergl. noch die *0|LiTiPiKal dUnropiai des Ps, Herakleitos. 
Bei den Römern erreichte diese exegetische Verirrung ihren Höhe- 
punkt in des Fulgentim Virgiliana Continentia (6. Jahrh.). Eine zu- 
sammenfassende Darstellung der allegorischen Interpretation im 
Altertum wäre eine sehr dankenswerte Arbeit. 



76 II* Griechisch-ROmische Periode. 

298—302 und besonders H, Schrader, Porphyrii quaestionum ad Iliadem 
pertinentium reliquiae, Lpz. 1882, pp. 507, Hermes XX (1885) p. 380!!., 
Porphyrii quaest. ad Odysseam pertinentium reliquiae, Lpz. 1890, 
pp. 207; Wilamowitz, Kultur der Gegenwart I 8 p. 195f. 

Die griechischen Scholien^^^ und ihre QxxtWtn. 

Vergl. im allgemeinen: £. Hübner, Encyclopaedie usw., 1889, 
p. 34-40; Wilamowitz, Eur. Heracl. I* p. 173-210; A. Römer, Philol. 
LXV(1906) p. 24-81 (Zur Würdigung und Kritik der Tragikerscholien). 

Homer: 

Subscriptiones im cod. Venet. A der Ilias: TTapaKeixai 
Tct 'ApicToviKOu cTiiLieTa (s. unten) Kai Aibufnou iiepi 'Api- 
CTttpxeiou biopOiLcewc (Ausgabe), Tivct hk Kai ^k ttic 
'IXiaKTic Tipociubiac (Prosodie und Akzente) 'HpiübiavoO 
Kai Ik tujv NiKdvopoc iiepi ctitm^c^^^ (Interpunktion). 
Sogenannte "Viermänner-Scholien".^^^ 

Zitiert werden in den Ilias-Scholien — die zur Odyssee 
sind in sehr verstümmelter Gestalt auf uns gekommen — 
mehr als 135 Schriftsteller. 

Vergl. im allgemeinen: Lehrs, op. cit. 1-15; Luc/ti;ic/i;opp. citt 
unter Aristarch und Didymos, femer L. Friedländer, Nicanoris irepl 
UiaKfJc CTiTiLinc, Berlin 1857*, pp. 292, Aristonici^*) irepl ctiMudv 



(1) cxöXiov in der Bedeutung von ^gelehrter Anmerkung' findet 
sich zuert bei Galen. XVIII (2) 847 tA ö'^Huj Tfjc T^xvnc irepl Ti\v \i- 
Hiv Iti TzXeiova cxöXia, denn bei CiC. Att. 16, 7, 3 hat es vielmehr den 
Sinn ^Resum6' ^Kurze Abhandlung', wie der Zusammenhang lehrt. 
Vergl. Rutherford, Schol. Aristoph. III p. 21, Note 19. 

(2) Nur am Schluß von TA findet sich irepl *0|iTipiKf)c cTiTinfJc. 
Er wird am seltensten erwähnt (23 mal). 

(3) Das Kennzeichen für Schollen des Aristonikos ist öti (d. h. 
1^ bm\f] usw. irapdKetTai öti), die des Didymos erkennt man teils 
am Inhalt, teils an der Partikel oötwc (sc. Aristarchos), die des 
Herodian u. Nikanor am Inhalt. 

(4) Andere Werke dieses sorgfältigen Forschers, eines Zeitgenossen 
Strabos, waren irepl tOjv CTijLieduv tuiv ^v GeoTovicji 'Hciöbou, vermut- 
lich auch zu den Opera und Kommentare zur Ilias und Odyssee, eine 
Quelle für Herodian, Orion und andere. Die von Strabo I 38 er- 
wähnte Schrift ^v Totc irepl MeveXdou irXdvric betrachtet L. Cohn als 



Scholien: Homer. Hesiod. Pindar. 77 

'IXidöoc reliquiae, Goettingen 1853, pp.360; 0. Camuth, Aristonici ircpl 
omeiuüv 'Obucc€iac reliquiae, Lpz. 1869, pp. 176, Nicanoris irepl 'Obuc- 
c€iaKf)c cTiTMfJc reliquiae, Berlin 1875, pp. 68; T/i. Beccard, de scho- 
liis in Homeri Iliadem Veneti A, Berlin 1850, pp. 92; A, Römer, 
Die Werke der Aristarcheer im cod. Ven. A., Münch. Akad. II (1875) 
p. 241 ff. XXII p. 436 ff.. Die exegetischen Schol. der Ilias im cod. 
Ven. B., München 1879, pp. 135; J. Schwarz, de schol. in Hom. Iliad. 
mythologicis, Breslau 1878, pp. 32; E, Schwaiiz, de scholiis Homericis 
ad historiam fabularem pertinentibus, in Jahrb. f. ci. Phil. Suppl. Bd. 
XII (1881) p. 403-464; G. Rauscher, de scholiis Homericis ad rem 
metricam pertinentibus, Straßburg 1886, pp.60; G.Lehnert, de scho- 
liis ad Hom. rhetoricis, Diss. Lpz. 1896, pp. 111; L Cohn, PW. II 
964-966 (Aristonikos). Ein alphabetisches Verzeichnis aller antiken 
Homerforscher, das aber der Sichtung bedarf, gibt Fabric, Bibl. Gr. 
I 502-527. Siehe auch Sengebusch, Hom. Diss. I. 

Hesiod: 

Die Scholien gehen in letzter Linie auf Didymos und 
Aristonikos zurück (s. 0. p. 49. 76*). 

Andere antike Interpreten waren: Zenodot, ApoUonios, 
Praxiphanes, Aristophanes (s, 0.), Aristarch mit Kommentar, 
Krates (s. o.), Seleukos, Epaphroditos, Demetrios Ixion, Dio- 
nysios Corinthius (beide nur aus Suidas als Erklärer bekannt), 
Plutarch (s. o.), *Proklos, *Ioh. Tzetzes, *Triklinios. 

Vergl. H, Flach, Glossen und Scholien zur hesiod. Theogonie, 
mit Prolegomena, Lpz. 1876, pp. 443; Wüamowitz, op. cit p. 191, 
Anm. 144. 

Pindar: 
Hauptquelle: Didymos, c. 60 mal direkt zitiert (s. 0.). Von 
den etwa 30 uns bekannten antiken Pindarinterpreten oder 
-kritikern mögen die folgenden noch Erwähnung finden: Zeno- 
dot, Kallimachos, Aristophanes (s. o.), Kallistratos, Aristarch 
(s. c), Krates (s. 0.), Ammonios, Aristonikos, Asklepiades, 



eine Art Exkurs zum Kommentar des 4. B. der Odyssee, doch spricht 
dagegen der Plural. 'AcOvraKTo övöinara, in 6 B. (Substantive mit 
ungehörigen Buchstabenverbindungen). TTepl toO Iv 'AXeHavbpeicji 
Mouc€(ou, nach Photios in Sopatros* '€K\oTa( ausgebeutet. Kommen- 
tar zu Pindar. 



78 n. Griechisch-Romische Periode. 

Chrysippos (nicht der Stoiker), Artemon, Palamedes (einer 
der AemvocoqpicTtti des Athenaios), Drakon iiepi tOüv TTiv- 
bdpou ^6Xujv, Hephaistion und die Byzantiner Eustathios (s. u.), 
•Thomas Magister, *Moschopulos und*Demetrios Triklinios {s.n.). 
Vergl. A. Boeckh, Pindar II 1 praef. IX ff., und index auctorum 
II (von Kritz) II 2 p. 351; K. Lehrs, Die Pindarscholien, Lpz. 1873, 
pp. 207; Wilamowitz, op. cit. p. 184-186. 

Aischylos: 

Antike Forscher: Chamaileon (s.o.), Glaukos TrepiAicxiiXou 
jiijOaiv, Aristophanes , Aristarch. Grundstock wird Didymos 
gewesen sein (s. o.), doch werden keine Gewährsmänner in 
den oft wertvollen, aber sehr zusammengeschrumpften Scho- 
lien genannt. (^^ 

Vergl. J. Richter, de Aesch. Soph. Eur. interpretibus Graecis, 
Berlin 1839, pp. 120; J. J. Frey, de Aesch. scholiis Mediceis, Bonn 
1857, pp. 39; W, Seelmann, de propagatione schol. Aesch., Halle 1875, 
pp. 37; A. Römer, Münch. Akad. 1888, pp.231ff.; F. A Paley, Com- 
mentarius in schol. Aesch., Cambridge 1878, pp. 44; Wilamowitz, 
Hermes XXV 161 ff. 

Sophokles: 

Hauptgewährsmann, auch für den Bioc, Didymos. Antike 
u7T0|LiVTi)LiaTiCTai: PhilochoTOS iiepi CoqpoKXdouc lauOujv (s.o.), 
Dikaiarchos, Istros, Satyros, Duris irepi CocpoKX^ouc Kai Eu- 
piTiibou, Salustius und bes. Aristophanes, Aristarch. Die 
byzantinischen Scholien sind wertlos. 

Vergl. J. Richter, op. cit.; Bemhardy, Gr. Lit 112, p. 378 ff.; 
G. Wulff, de Soph. schol. Laurent. Lpz. 1843, pp. 287; P. Jahn, quaest. 
de schol. Laurent. I (Verhältnis zu Suidas), Berlin 1884, pp.62; Wi- 
lamowitz, op. cit., p. 197 f. (über Salustius). 

Euripides:^^^ 
Nur zu neun Stücken erhalten (Hecuba Orest. Phoen. 
Medea HippoL Alcest. Androm. Troad. Rhesus) mit ßioc und 

(1) Die beiden Ausnahmen Kallistratos (Pers. 917 K) und Epa- 
phroditos zu den Ama des Kallimachos (Eum. 2) beziehen sich nicht 
auf die Exegese der Dramen. 

(2) Mit den Tragikern und dem Theater überhaupt befaßten 
sich z.B.: Aristoteles, Äristoxenos, Herakleides Ponticus, Philochoros, 



Schollen: Aischylos. Sophokles. Euripides. Aristophanes. 79 

vnToe^ceic. Subscriptiones zum Orestes: irapaTeTpaTiTai ^k 
ToO Aicvuciou U7ro^vri^aTOC öXocxepÄc Kai tujv jliiktüjv 
und zur Medea: TTpöc bidqpopa dvTiTpctcpa Aiovuciou 
öXocxeptc Ktti Tiva tujv Aibujiou. Andere Euripides- 
Forscher waren: Dikaiarchos, Alexander Aetolus, Aristophanes, 
Kallistratos, Aristarch, Krates. 

Vergl. Bemhardy, II 2 p. 1 !. 498 ff.; Th, Barthold, de scholiorum in 
Eur. veterum fontibus, Bonn 1864, pp. 63; Wüamowitz, op. cit, p. 199 f.; 
de Rhesi scholiis, Greifswald 1877, pp. 14; W, Elsperger, Reste und 
Spuren antiker Kritik gegen Euripides, gesammelt aus den Euri- 
pidesscholien, Diss. München 1906, pp. 59 (vollständig in Philol. 
Suppl. Bd. XI <1907». 

Aristophanes: 
Subscriptiones zu Nub. Fax Aves: KCKiJüXicxai ^k toö 
'HXiobCüpou, TiapaTeTpctTTTai ^k toO Oaeivou^^^ Kai 
Cu)a)adxou(^^ Kai fiXXujv tivOüv^*) KeKiüXicrai irpöc xd 



Dikaiarchos, Alexander Aetolus, Kallimachos, Aristophanes^ Aristarch, 
Didymos, Juba, Hephaistion, Dionysios 6 ^ouciköc (s. o.) Asklepia- 
des TpaTiuöoOjLieva, Karystos von Pergamum irepl AibacKaXidiv, Duris 
ircpl TpaTiü&iac, Telephos Bioi rpaTiKiIiv Kai kujiuikuüv, Heliodoros 
irepl TpiTTÖbuiv, Amarantos irepl cktivtic, Charikles irepl toO dcTiKoO 
ÄTuivoc, Ptolemaios (Vater des Aristonikos) irepl tuiv ö|io(u)c eipri- 
jLi^vuüv rcapä Totc TpaxiKotc (versus iterati, Entlehnungen und Reminis- 
zenzen), Dionysodoros irepl tuiv irapA rote TpaTiKotc i^inapTTm^viuv, 
Menaichmos vonSikyon irepl xexviTULiv (die sog. Dionysischen Künstler), 
Rufus' |LiouciKi?| IcTopia (nach Photios von Sopatros exzerpiert), Nestor 
OearpiKA öiro|ivif||uaTa, Philostratos I irepl TpaTif)öiac, Sueton, Ludicra 
historia. 

(1) Fünf und zwar törichte Notizen werden ihm in den Schol. 
zu den Equit. zugeschrieben. 

(2) 36 mal (19 mal zu den Aves) genannt. Terminus ante quem 
ist Herodian, der ihn zitiert 

(3) Zu diesen gehörten vermutlich Werke wie Artemidoros' 
cuvaTUüTn u. Sopatros' äKXoTal öidcpopai, 12B. Am häufigsten werden» 
erwähnt: Lykophron (8), Eratosthenes (19), Aristophanes (8), Kalli- 
stratos (30), Aristarch (26)^ Apollodoros von Athen (6), Demetrios 
Ixion (9), Apollonios 6 Xaiptboc (15), Timachidas (8, in den Ran.), 
Euphronios (27), Didymos (61), Herodian (20) und 17 andere Ge- 
lehrte. Von weiterer antiker Literatur über die Komödie überhaupt 



80 II* Griechisch-ROmische Periode. 

HXiobiüpou, TrapaT^TpctTTTai dK Oaeivou Kai Cu|Li|Lidxou ira- 
payiyparcTax Ik toiv Cumudxou Kai fiXXuJv cxoXiuJv. 

Vergl. 0. Schneider, de vett in Arist. scholiorum fontibus, Stral- 
sund 1838, pp. 132; Ä. Schauenburg, de Symmachi in A. interpre- 
tatione subsidiis, Halle 1881, pp.33; F, Clausen, de scholiis vett. in 
Aves Arist compositis, Kiel 1881, pp. 78; K, von Holzinger, Ober die 
Parepigraphae des Arist, eine Scholienstudie, Wien 1883, pp. 61; 
K, Zacher, Die Hss u. Klassen der Aristoph. Schollen, in Fleck. Jahrb. 
Suppl. Bd. XVI (1888), p.503ff.; Wüamowitz, Eur. Her. P 179-184; 
W, Meiners, Quaest ad scholia Arist hist pertinentes, Diss. Hallens. XI 
(1890), p. 217-413; C, B. Gulick, de scholiis Arist quaestiones my- 
thicae in Harvard Studies V (1894), p. 83-166; W. G. Rutherford, 
Schol. Arist Bd. III (1905), pp.494 (A chapter in the history of anno- 
tation); A. Römer, Studien zu Arist, Lpz. 1902, pp. XIV u. 196. 

Ober Heliodors kolometrische Arbeiten vergl. Chr, Thiemann, 
Heliodori colometriae Aristoph. quantum superest usw., Halle 1869, 
pp. 144; 0. Hense, Heliodoreische Untersuchungen, Lpz. 1870, pp. 182. 

Thukydides: 
Die uns erhaltenen dürftigen Scholien, wie die wert- 
volle Vita des Markellinos gehen doch wohl in letzter Linie 
auf Didymos (siehe p. 50) zurück. Von anderen hypomne- 
matischen Schriften zu Thukydides seien erwähnt: Dionysios 
(p. 58), Claudius Didymos irepi toiv n)LiapTTi|iA^vu)v Tiapd xnv 
dvaXoTiav 0ouKubibi] (Suidas), Antyllos^^^, Numenios, lulius 



ist erwähnenswert: Aristoteles (im verlorenen Teil der Poetik), Theo- 
phrast, Chamaileon (s.o.), Eumelos, Diodoros von Tarsus (Aristo- 
phaneer), Krates, Herodikos von Babylon der Krateteer Ku)|Li4jbo0jLi€va 
(das in den Komödien Verspottete), Ammonios (siehe p. 47) , Diony- 
siades XapaxTf^pcc f^ qpiXoKUüibiipböc (^v ^ toOc xapciKTfJpac diraYT^XXci 
Ttliv TToiTiTwv. Suidas), Doteridas irepl KUü|uip6(ac, Galen (s. o.), Plu- 
tarch (s. o.), Telephos (siehe p. 79^, Nikanor Kuj|iiuöoO|i€va, Antiochos 
von Alexandrien irepl toiv ^v t^ ih^cij KUü|uif)5(<ji Kiu|iiü6ou|i^vu)v ttoititäv, 
*Platonios u. *die anonymen Traktate ircpl KUüiniiibiac, Eustathios* Kom- 
mentar zu Aristophanes (verloren). Auch die erhaltenen Einleitungen 
de comoedia won *Euanthius und *Donatüs zu Terenz gehen auf alte 
griechische Gelehrsamkeit zurück. 

(1) "dHiÖTTicToc dvi?|p juapxupfjcai Kai IcTopiav fvwvai Kai bibdSai 
beivöc" Marken vita Thucyd. 53. 



Schollen: Aristophanes. Thukydides. Plato. 81 

Vestinus, Porphyrios, Asklepiades (kaum 6 MupXeavöc) und 
ein von Grenfell und Hunt gefundenes, aber noch nicht ver- 
öffentlichtes längeres Bruchstück aus einem Kommentar zum 

2. Buche. 

Vergl. E, Schwabe, Quaest. de Thucyd. schol. fontibus in Lpz. 
Stud. IV (1881), p. 67-150; R Ältinger, de rhet. in oratt Thucyd. scholiis, 
München 1885, pp. 66. 

Plato: 
Infolge der Beliebtheit, wie der Autorität, deren sich 
Plato zu allen Zeiten erfreute, sind seine Werke schon früh- 
zeitig Gegenstand exegetischer Forschung geworden; auch 
über sein Leben gab es eine reichhaltige Literatur. Von all 
diesen Erläuterungsschriften ist aus früher Zeit nur weniges 
auf uns gekommen. Unser Text geht auf eine Rezension 
zurück, die nach Alexandrinischer Art mit kritischen Zeichen 
versehen war und die tetralogische Ordnung des Thrasyllos^^^ 
(unter Tiberius) befolgte. 1. Biographica: Speusippos, 
Hermodoros, Philippos Opuntius, Xenokrates, Arisioxenos, 
Favorinus, *Apuleius de doctrina et nativitate Piatonis, ""Dio- 
genes Laeriius B. III, *Olympiodori vita, zum Kommentar 
des' Alkibiades L Vor allem gehören die Briefe Piatos, 
namentlich der 7., hierher, die, wenn auch insgesamt unecht, 
doch sehr viel zuverlässiges Material enthalten. 2. Exe- 
getica^^K' Vi toö TTXdTtüvoc ÜTro)LAVTi)LAaTicTai' z.B.: Krantor 
'6 TTpOüTOC (?) TOÖ TTXdxtüvoc ar\xr\xr\c\ Ammonios (siehe p. 47), 
Poseidonios zum Timaios, Tauros von Berytos (1. Jahrh.) zum 
Gorgias und Timaios, Plutarch, Galen, Longinos, Porphyrios, 



(1) Aristophanes hatte die platonischen Dialoge in Trilogien 
eingeteilt, wir wissen aber nicht in wie viele, die Briefe hielt er für 
echt. Thrasyllos nahm 9 Tetralogien an. Wie zu Demosthenes und 
Aischines gab es auch eine Ausgabe des Plato von Atticus (dem 
Freund Ciceros?). Ob dieselbe auf unseren Platotext irgend welchen 
Einfluß ausgeübt, läßt sich nicht ermitteln. 

(2) Bei weitem am häufigsten wurde der Timaios erklärt, und 
zwar scheint hier der große Poseidonios, wie in zahlreichen anderen 
Fällen, die ganze Folgezeit beherrscht zu haben. 

Qu de man, Grundriß der Gesch. der klass. Phil. 6 



g2 II- Qriechisch-Römische Periode. 

lamblichos, Syrian, *Hermeias zum Phaidros, * Proklos ^^\ 
Olympiodoros und die unvollendete latein. Obersetzung (mit 
Kommentar) des Timaios von Chalcidius (4./5. Jahrb.). Dieses 
Werk vermittelte dem Mittelalter im wesentlichen seine Kennt- 
nis der platonischen Philosophie. 3. L exikol o gisch es ://ar- 
pokration MH\c TlXaitüvoc in 2 B., Areios Didymos TTepi 
TÄv Trapd TTXdxtüvi dTropouiii^vuüv XeHetüv (Fragmente erhalten), 
Boethos (2. Jahrh.) X^Hetüv TTXaxtüviKUJv cuvaTUifil (eine Quelle 
des Photios), * Timaios (3. Jahrh.) TTepi Ttüv Trapd TTXdTUivi 
X^Hetüv. 4. Rhetorica: Dionysios, Caecilius, Metrophanes 
TTepi xapaKTtjpujv TTXdTU)voc, Eevocpuivroc usw. Unsere Scho- 
lien gehen zum größten Teil auf atticistische Lexika und 
Platoglossarien zurück, die sonstigen Quellen lassen sich 
nicht näher bestimmen. 

Vergl. Naber, Proleg. zu Photios, p. 54-71; Th, Mettauer, de 
Piatonis scholionim fontibus, Zürich 1880, pp. 122; L. Cohn, Unter- 
suchung über die Quellen der Platoscholien in Fleck. Jahrb. Suppl. 
Bd. XIII (1883), p. 771-864, Philol. Anzeiger XV (1885), p. 48-55; 
Flach, Hesych. Miles., p.XVff. 

Aristoteles: 

Antike Scholien zu den Schriften des A. sind nicht vor- 
handen, um so zahlreicher sind die Ausleger seiner Werke 
und seine Biographen, deren Forschungen in den vom 
3. Jahrh. an erhaltenen Kommentaren und Biographien uns 
vorliegen. Die namhaftesten Arbeiten sind: 

Ariston von Keos (vergl. Gercke FW. 11 953-956), Saty- 
ros Bioi dvböHu)v dvbpOüv, Hermippos (s. o.) mit Schriften- 
verzeichnis, Sotion Aiaboxcti tOüv cpiXocöcptüv, Apollodoros 
Chronica (Quelle des Dionys. ad Ammaeum, vergl. Diels, Rh. 
Mus. XXXI, p.43ff., Jacoby, ApoUodors Chronik, p. 316-328), 
Andronikos^^^ von Rhodus (Zeitgenosse Ciceros), der Ordner 

(1) Von den erhaltenen Exegeten wohl der bedeutendste. Auf 
uns gekommen sind Kratylos, Parmenldes, Alkibiades I, Republik, 
Timaios, verloren die Erläuterungen zum Phaidros, Phaidon, Qor- 
gias, Philebos, Theaetet, Sophistes und zu den Leges. 

(2) Mit A. beginnt eine neue Epoche der Arist. Forschung. 



Schollen: Plato. Aristoteles. Demosthenes. 83 

und Herausgeber aristot. Werke (vergl. Gercke PW. I 2164 
-2167), Aristokles (vergl. Gercke PW. 11 934 f.), *Diogenes 
Laeriius (s. o.p. 73f.), Hesychios Milesius (==Suidas). Kom- 
mentatoren: Nikolaos Damascenus Oeuüpia tujv 'ApiCTOT^Xouc 
(Kompendium der Arist. Lehre); Alexandros vonAegae (Lehrer 
Neros) zu den Kategorien; Aspasios (2.Jahrh.) zur Nikomach. 
Ethik *I-IV. *Vn. *Vin, verloren zu Kateg., Physik, • Meta- 
phys., de caelo; Adrastos (150 n.Chr.) irepi ttic TctHeuuc tujv 
'A. cuTTpa|i|idTujv; Alexandros von Aphrodisias (c. 200), der 
größte Interpret des A., 6 Öirnrnic genannt. * Analytik IB. 1, 
*Topik, *Meteorologie, *de sensu, * Metaphysik I-V (die 
anderen Bücher sind untergeschoben), verloren sind z.B. die 
Kommentare zu Kateg., Analytik I 2. II, Physik, de caelo, de 
anima (vergl. Gercke, PW. I 1453-1455); Porphyrios (s.o. 
p. 75); Themistios (4.Jahrh.) *Paraphrasen zu Anal, pr., Phy- 
sik, de anima, parva naturalia; Ammonios (5. Jahrh.) zu *Tr€pi 
dp)LATiv€iac; Joh. Philoponos (6. Jahrh.)^z. B. zu *Analytik, •Me- 
teorologie, 'Metaphysik; Simplikios (6. Jahrh.) zu * Physik, *de 
caelo, *de anima; Boethius (6. Jahrh.) zu *TT€pi ^pimiveiac (mit 
lat. Übers.), * Kateg., *Analytica, *CocpiCT. ^Xctxoi, *ToTriKd 
(vergl. Hartmann PW. III 596-601). 

Vergl. im allgemeinen: Gercke PW. II 1040-1051 (A.s Werke). 

Demosthenes; 
Zu 18 Reden von Ulpian und Zosimos (minderwertig). 
Inhaltsanzeigen des Libanios Fragmentarisches Spezial- 
lexikon zur Aristocratea (Fayum Papyri, vergl. Blass, Hermes 
XVII 148 ff.) und vor allem umfangreiche Reste des Didymos- 
Kommentars zu Dem. (s. o. p. 50). Ästhetische Kritik: Dio- 
nysios (p.58). Biographen: Plutarch (p. 64), Pseudo-Lucian 
Encomium Dem., Libanios, Zosimos, Photios cod. 265, Suidas. 
Unter den nicht erhaltenen biographischen und exegetischen 
Werken sind besonders erwähnenswert: Demetrios Pha- 
lereus (p. 21), Hermippos (p. 43), Satyros, Caecilius, Longi- 
nos, Hermogenes, Salustius, ApoUonides, Aelius, Theon, 

6* 



34 II* Qriechisch-ROmische Periode. 

Gymnasios. Viele andere bei A. Westemiann, Griech. Bereds., 

p. lll.(^) 

Vergl. £. Wangrin, quaest. de scholl. Dem. fontibus, I de Har- 
pocratione et Aelio Dionysio Pausaniaque Atticistis, Halle 1883, pp. 39 
(dagegen L. Cohn, Philol. Anz. XV [1885], p. 55«.). 

Aischines: 

Unmittelbare Quellen unserer Scholien waren atticistische 
Lexika, und die Kommentare des Aspasios und ApoUonios, 
die in letzter Linie auf Didymos und Caecilius zurückgehen. 
Von diesem zitiert Suidas auch eine spezielle Schrift cuTKpi- 
cic AriliOcOdvouc Kai Alcxivou (s.o. p.60). 

Vergl. F. Schultz, Jahrb. f. Phil. XCIII (1866), p. 289-315; Th, 
Freier, Quaest. de scholl. Aesch. fontibus usw., in Lpz. Stud. V (1882), 
p. 239-392. 

Lykophrons Alexandra: 

Unschätzbarer Kommentar zu diesem ckotcivöv TroiTiiia 
von Johannes Tzetzes, der in letzter Linie auf Theon beruht 
^(siehe p. 54). Er bildet, wie es scheint, die Redaktion 
älteren Scholienmaterials^*\ von dem ein Rest im cod. A. sich 
findet. Daß Stephanos Byzantius Theon noch direkt benutzt 
hat, läßt sich nicht erweisen, ist aber wahrscheinlich. Einen 
sonst gänzlich unbekannten Erklärer Namens Sextion erwähnt 
das Etym. Magn. s. v. 'AfnavTic. 

Vergl. Scheer, Rh. Mus. XXXIV (1879), p. 272 ff., 442 ff. und in 



(1) Umfangreiche Arbeiten zu den attischen Rednern überhaupt 
enthielten ferner: Hermippos, die trivaKcc des Kallimachos und der 
Pergamener, Theopomp, B. X der Philippica, irepl tOöv *Aey|vijci br\^a- 
YU)Tü^v (Athen. IV 166 D), Dionysios u. Caecilius (p. 57 ff.), Hero von 
Athen irepl dpxatujv ^iixöpujv Kai xdiv Xöyujv, oTc iv(Kr|cav irpöc dXXf|- 
Xouc dTUiviZöiLievoi (Suidas), *Harpokraäon (p. 66), Ts. Plvt. vitae 
X orat. (p. 64). 

(2) Dieses hat der Besitzer und Abschreiber der Hs, der Erz- 
bischof Niketas von Serrae (11. Jahrh.), nach eigener Aussage aus 
uns unbekannten älteren Werken gesammelt: KdvxaOea cuv/iOpoica 
XeSiKoO X^Seic. Ahnliche Scholien wird wohl auch Tzetzes ausge- 
schrieben haben. 



Scholien: Aischines. Lykophron. Apollonios. Kallimachos. 35 

'seiner Ausgabe p. Vff.; Susemihl, Alex. Lit. I p.277 Anm. 45; Wila- 
mowitz, Eur. Her. P, p. 190-192. 

Apollonios Rhodius: 

Subscriptio zum cod. Med.: TrapdKeixai xd cxöXia dx 
Tiijv AouKiXXou Tappaiou (c. 130 n. Chr.) Kai Cocpo- 
kX^ouc (c. 150 n. Chr.) Kai ©dtüvoc (p. 54), des ältesten von 
diesen. ^^^ Noch früher verfaßte Chores, ein Schüler des A. 
ein cuTTpct)bi)bia irepi icxopiüiv toö 'AttoXXuüviou.^^) Ein Kom- 
mentar lag bereits, wie es scheint, dem Varro Atacinus und 
Ovid, sicher dem Valerius Flaccus und Statins vor, und 
unter Hadrian schrieb einen solchen der bekannte Gramma- 
tiker Eirenaeus (=Minucius Pacatus)S^^ Diese Scholien ge- 
hören zu den reichhaltigsten und gelehrtesten, die uns er- 
halten sind. Marianos (6. Jahrh.) machte eine Metaphrase 
der Argonautica in 5608 iambischen Trimetern. 

Vergl. J.Ä. Weichert, A. R., Meißen 1821, p. 400 ff.; Bemhardy, 
Qr. Lit. II 1, p. 370 ff.; Susemihl, I 389-391; Wilamowitz, Eur. Her. 
P 186; E.Bethe, Quaest. Diod. mythogr., Qött. 1887, p.87ff. 

Kallimachos: 

Auf uns gekommen sind sehr dürftige und minderwertige 
Scholien zu den Hymnen, Vergl. W, Reinecke, ^eschoXWsCdWm. 
Diss. Hallens. IX (1887) pp. 65. Im Altertum erklärten Arte- 
midoTOs, dessen Sohn Theon, und Epaphroditos die ATxia, 
ein Archibios 6 AttoXXujviou die Epigramme, ein Salustius 
(der Erklärer des Sophokles?) die 'GkciXti. Ferner werden 
zitiert ein uTr6)LAVTi)Lia eic KaXXijLAaxov töv Trouiiriv des Astyages 
(c. 200 n. Chr.) und Nikanor Tiepi CTiT^nc ttic Trapd KaXXi- 



(1) Bin langes Zitat in den Schol. Arg. IV 264 kehrt wörtlich 
wieder in den Schol. Aristoph. Nub. 397, ein einzig dastehender 
Fall in unserer Scholienüberlieferung. 

(2) Ob schol. I 623 'AcKXniridönc ö MupXcavöc öeiKvOc öti 
irapÄ KX^uivoc (sc. 'ApTovauxiKuiv) Trdvxa \x£Tl\yefKev 'AiröXXiiivioc einen 
Kommentar u. nicht vielmehr nur ein cOttpommoi über Entlehnungen 
des A. voraussetzt (vergl. p. 34^), läßt sich nicht entscheiden. 

(3) Ober ihn M, Haupt, Opusc. II, p. 434-440. 



85 II- Qriechisch-Römische Periode. 

^dx^i. Endlich hat der obenerwähnte Marianos Metaphrasen 
der '€KaXTi, AiTia, Hymnen und Epigramme in 6810 iam- 
bischen Trimetern verfaßt. 

Aratos: 

Erhalten sind Scholien und eine vita (die IIL) von dem 
Mathematiker Theon (4. Jahrh.), zu Germanicus' Aratea und 
selbständige Kommentare von Hipparchos, dem berühmten 
Astronomen, von Geminus (= Poseidonios\ die €icaTU)Ti^ 
eines Achilles (3.Jahrh.), Leontios Tiepi KaracKeuf^c 'Apareiac 
cqpaTpac (7. Jahrh.) und vier vitae, deren Grundstock, wie es 
scheint, dem Boethos entnommen ist Von den mehr als 
30 Aratinterpreten waren die bedeutendsten Attalos von Rhodos, 
Boethos Sidonius (1. Jahrh. v. Chr.), Diodoros, Sporos von 
Nikaea (2. Jahrh. n. Chr.), mit vita (die IL). 

Vergl. Susemihl, I 293-297 und besonders E, Maaß, Aratea 
(Philol. Unters. XII 1892), de Achille . . Arati interprete p. 9-59, de 
Arati codice Hipparcheo p. 63-117, de Arati interpretum . . catalogo 
p. 121-164; Wilamowitz, Eur. Her. P 190. 

Theokritos: 

Alte Scholien und ÜTroG^ceic nur zu den ersten 18 Ge- 
dichten, etwa im 11. Jahrh. zusammengestellt. Maßgebende 
editio von Artemidoros (1. Jahrh. v. Chr.), grundlegender 
Kommentar von Theon. Andere Erklärer waren: Asklepiades 
von Myrlea (vergl. Wentzel FW. 11 1628-1631), Munatios 
(2. Jahrh. n. Chr.), Amarantos zu den GaXucia (Zeitgenosse 
des Galen), Eratosthenes (6. Jahrh.), Nikanor von Kos (aus 
unbestimmter Zeit). 

Vergl. Wilamowitz, Eur. Her. P, p. 1871. 

Nikandros: 
Stbph. Byz. s. V. KopÖTTTi: Ol u7ro)LAVTi|LiaTicavTec G^ujv 
(ScHOL. Theo, 237), nXouxapxoc, AriiiriTpioc (mit Bei- 
namen Chloros, c. 150 v. Chr.). Deren Kommentaren wer- 
den unsere vielfach sehr gelehrten Scholien entnommen 



Scholien: Arat. Theokrit. Nikandros. Dionys. Per. — Krit. Zeichen. 87 

sein. Andere Erklärer waren Antigonos (l.Jahrh. v. Chr.), 
Pamphilos(?) und Diphüos von Laodikea (Athen. VII 314^). 
Vergl. Wüamowitz, op. cit, p. 188-190. 

Dionysios Periegetes (unter Hadrian). 

Wertvolle alte Scholien (4.-5. Jahrh.), ein ausführlicher 
Kommentar des Eustathios und eine dHriTncic eic xfjv Aio- 
vuciou Tr€pir|"niciv (Zeit unbestimmbar) sind erhalten. 

Vergl. Knaack PW. V 9221. 

Die kritischen Zeichen, CruiieTa, notae.^^^ 

*'O߀Xoc ( — ): irpöc rd dOexoOiLieva lirl toO ttoiiitoO, fjYOUv 
v€voeeu|Li^va f^ öiroßeßXiiM^va (R I) prudentiores viri quorum summus in 
hac re fuit Äristarchus, quotiens improbarent versus quasi out malos 
aut non Homericos, obelum potissime notandum existimarent nam 
et ipsius Homeri proprios, sed non eo dignos eadem hac nota con- 
demnarunt (?) Z.B.: SCHOL.Hom. A 29. 96. 133. 139. 192. Daher 
6߀\(Z:€iv == ^für unecht erklären'. 

'AcT^piCKoc Ka6* tauTÖv ( Jä; ): liic Ka\(I)c €lpr)|Lidvu)v tOüv 
^ttOöv iv aÖTi|) xCp TÖTri|i (R I) irpöc toOc aÖTÖuc cxixouc o\ Ketvrai Iv äXXoic 

|LI^P€CIV TTJC irOlf|C€lUC Kai ÖpOuÜC ?XOVT€C (pdpOVXai, CT]^a(vDÜV ÖTl OÖTOl 

Kai dXXaxoO eiprivrai (R II) Aristophanes apponebat Ulis locis quibus 
sensus deesset, Äristarchus autem ad eos (sc. versus) qui hoc 
puta loco rede positi erant, cum aliis scilicet non rede ponerentur, 
item Probus et antiqui nostri, Z.B. SCHOL. Hom. A 12. 103. 405 
B 56. 116. 176. 180. 453 T 257, siehe jedoch p. 71. - DiOG. Labrt. 
III 66 irpöc Ti\v cu|Li(pDüv(av tujv boY^dTiuv (sc. TTXdTiuvoc). 

AiirXf) direpicTiKTOC KaOapd^*) (>)• irapdKcixai: 1. irpöc 
T^iv diraH clpim^viiv XdSiv. 2. irpöc tV^v toO itoiiitoO cuvfiOciav ('In- 



(1) Mit solchen Zeichen waren nachweislich versehen die biop- 
Ouüceic (kritische Ausgaben) von Homer, Hesiod, Pindar, Sappho, 
Alkaios, Alkman, Anakreon, Aischylos, Sophokles, Euripides, Ari- 
stophanes, Piaton, Hippokrates, Demosthenes; doch haben sich nur 
wenige in den Hss erhalten. So z.B., außer bei Homer, zur Mi- 
diana des Demosthenes. Bei den lateinischen Schriftstellern ist die 
Anwendung von notoß direkt bezeugt fürEnnius, Lucilius, Historiker, 
Lucrez, Vergil und Horaz, nachweisbar auch für Terenz. 

(1) **primus Leogoras Syracusanus apposuit Homericis versibus 
ad separationem Olympi (sc. montis, so stets bei Homer) a caelo'\ 



gg II. Griechisch-ROmische Periode. 

konsequenz'). 3. irpöc toOc X^tovrac ni\ eTvai toO qötoO itohitoO 
'IXidöa Kai 'OöOccciav, (sc. XiüpiJovrac: Xenon und Hellanikos). 
4. irpöc TÄc TU)v iraXaidiv Icxopiac. 5. irpöc rdc xüöv vdiwv Ivöoxdc 
6. irpöc Ti?|v 'AttikViv cOvraEiv. 7. irpöc ti?|v iroXOcimov X^Eiv. (V) Usus 
est ea in multis Äristarchus,nunc ea quae praeter consuetudinem 
tarn vitae nostrae quam ipsius poetae apud eum invenirentur ad- 
notans, nunc proprias ipsius figuras, interdum ea in quibus co- 
piosus est, rursus quae semel apud eum ponerentur, Similiter in 
nostris auctoribus Probus, Z. B. SCHOL. Hom. A 3 B238. 300. 397. 
412. 485. 659 T 11. 54 A 141 € 211 DiOQ. Laert. III 65 irpöc xd ööt- 
ILiaxa Kttl xd dp^CKOvxa TTXdxiwvi. 

"OßeXoc ^€xd dcxcpicKOu ( — )k-): die Övxa ^i^v xd ^wf] 
xoO iroir|xoO ixi] KaXi£)C bi Kei^eva ^v aöxt^j) xtp xöirip, dXX' kv dXXip (R 1) 
propria nota est Aristarchi, utebatur autem ea in his verbis qui 
non suo loco positi erant item antiqui nostri et Probus, Z.B.SCHOL. 
Hom. A 195 B 27. 64. 160. 164 A 195. 320 H293 028. 39. 557 K387. 409. 

''O߀Xoc irepiecxiTM^voc ( -r ): DiOQ. Laert. 3, 66 irpöc xdc 
elKaiouc d6exf|C€ic. 

AiirXf) irepiecxiTM^vr] (^): irpöc xdc tP«9Ac xdc Zr^vo- 
Öoxciouc Kai Kpdxrixoc (?) xal aöxoO 'Apicxdpxou. apponebatur quae 
Zenodoius non rede adiecerat aut detraxerat aut permutaverat in 
his et nostri ea usi sunt, Z.B. SCHOL. Hom. A 56. 60. 80. 208. DiOQ. 
Laert., op. cit. irpöc xdc Mwy öiopOUiceic (Piatons). 

'AvxiciYMCi ( ^ )• ^P^c xoOc iviiXXatM^vouc xöirouc koI pii\ 
cuvijtbovxac ponebatur ad eos versus quorum ordo permutandus 
erat, Z. B. SCHOL. Hom. B 188. 192 G 535. Schon von Aristophanes 
benutzt. Vergl. SCHOL. Arist. Ranae 153. 

'AvxiciT l^oi irepiecxiTM^vov ( 3* ) : öxav 60o iDci bidvoiai, 
xö aöxö cimaivoucai (Tautologie) xoO iroir]xoO t^Tpa^öxoc d^90x^pac, 
Ö1TUJC xi^v ^xdpav ^Xrixai (R II) cum eiusdem sensus versus duplices essent 
et dubitaretur qui potius legendi, sie et apud nostros, Z. B. Schol. 
Hom. B 192. DiOO. LaeRT. 111, 66 irpöc xdc öixxdc XP^ceic xal ^exa- 
e^ceic xu)v Tpa<P»A)v (im Platotext). 

KcpaOviov (T): ör^Xot . . iroXXdc lr]TY\c€ic irpöc xatc irpoeipr]- 
jLi^vaic ponitur quotiens multi versus improbantur, ne per singulos 
obelentur, 

X (xpnci^ov): In den Tragiker- und Aristophanesscholien. 

Antike Schriften: Aristonikos (siehe p. 76*), Diogenianos (?) 
irepl xOjv ky ßißXioic cimetujv (Suidas); Philoxenos irepl crmeiiuv xiliv 
^v NXidöt (Suidas), Hephaistion, im Schlußkapitel des ""'Erx^ip^^iov 



Kritische Zeichen. Grammatische Termini. 



89 



(irepl \xiTpw\). *DlOQ. Laert. III 65 ff., Suetonius (=*ISID. Orig. 1, 21 ff. 
de notis scripturanim). In Osanns Anecd. Romanum (R), Villoisons 
Anecd. Venetum (V), Cramers Anecd. Paris. (P., lateinisch). Alle 
bei Reifferscheid, Suet. reliquiae, p. 137-144. 

Moderne Literatur: Gräfenhan, op. cit. II 92-99; Nauck, 
Aristoph., p. 17ff, Lex. Vindob., p. 271ff.; Ludwich, op. cit. I 20f.; 
C. Wachsmuth, Rhein. Mus. XVIII (1863), p. 178-188; La Roche, Text, 
Zeichen usw. des cod. Yen., Wiesbaden 1862; H. Schröder, de nota- 
tione critica a veteribus grammaticis in poetis scenicis adhibita, Bonn 
1863, pp. 62; Susemihl I 432 Anm. 17, p.454; Ä, Römer, Die Notation 
der alex. Philol. bei griech. Dramatikern, Mfinch. Akad. XIX (1892), 
p. 1-52. 



Die wichtigsten grammatischen Termini. 



Griech, 
L "OvoiLia. 
r^voc: 

dppeva, ei^Xea, cxeOr) (oö- 
ö ^ T € p o V Stoiker). Vergl. Arist. 
Rhet. 3, 5 TTpoJTaTöpac Tä yivt] 
TUJv övo^dTUJv öiijpei, Soph. 
Elench. 14. Alexandrinische 
Gelehrte fügten hiiizu koivöv 
(ö i] ßoOc), lTr(Koivov(d dexöc). 



Latein. 0) 
L Nomen. 

1. Genus: 
virile, muliebre, neutrum, com- 
mune (canis), promiscuum 
(aquila). Die späteren Termini 
^masculinum' u. Femininum' 
begegnen zuerst bei Quintiliam 
Dessen grammatische Termino- 
logie scheint aber der auch 
für die Späteren maßgebenden 
Grammatik seines Lehrers, 
Remmius Palaemon, entnom- 
men zu sein. Varro sagt mos, 
femina oder virile, muliebreS-^ 

2. Numerus: singularis; multi- 
tudo (Varro u. Caesar), pluralis 
(QviNT. inst. 1, 5, 16), plurativus 

(Gell. I 16, 13). 

(1) Lateinische Bezeichnungen, soweit sie nicht Obersetzungen 
der griechischen sind, stammen hauptsächlich von Varro und Nigi- 
dius Figulus, doch ist deren Terminologie von den späteren Gramma- 
tikern zugunsten der Übertragungen aus dem Griechischen verworfen 
worden, die so durch die Vermittlung des Latein bis auf den heutigen 
Tag daä Feld behauptet haben. Siehe auch p. 41 f. 

(2) 'femininum nomen' findet sich aber Varro rust. 3, 5, 6. 



2. 'ApiO^öc: ^viKÖc, irXr]6uv- 
TiKöc u. öu'iKÖc (vonZenodot 
hinzugefügt?) 



90 



II. Qriechisch-ROmische Periode. 



3. KXicic TTTtiiceic: 

a) övo|LiacTiKi^, cOeda, öpef|. 

b) T€VlKl^, iraTpiKl^l, KTT]TIK1?|. 
C) ÖOTlKfl, imCTaXTlKfl. 

d) alTiariKrj. 

e) KXr|TiKr|, TTpocaTopeunK^i. 
Daß diese Termini nach- 
aristotelisch sind, beweist Arist. 
Analyt 1, 36 p. 48, 39ff.B xard rfiv 

TOO ÖVÖjLiaTOC ITTÖJCIV . . . KOTÄ TÄC 

kX{c€ic tOöv övoiLidxujv . . . toOtijj 

. . TOUTOU . . . TOOtO. 



II. 'Pf\^a CuZuTia.O) 
a) Aiae^c€tc: 

Arist. Cat. 4, Soph. Elench. 4: 
iroi€!v, irdcxciv (Iv^pteia, ird- 
eoc). Stoiker: öpOöv, öirnov, 
oöö^T€pov (intransit. medium), 
yiicr] (medium). Dionysios: 
iv^Pfeia, irdOoc, |ui€cÖTTic. Spä- 
tere: lvepT€TiKf|, iraGriTiKfi, |li€- 
cÖTTic (inkl. des 2. Perfekts). 



3. Declinatio^') casus: 

a) nominah'tnis (Varro), rectus 
(Nigidius). 

b) casus interrogandi(Nigidius), 
patricus u. communis (Varro), 
paternus, patrius, possessi- 
vus, genetivus (Quintilian). 

c) casus dandi (Nigidius und 
Varro), commendativus, da- 
tiuus (Quintilian). 

d) casus accusandi (Varro), 
incusativus, accusativus^^, 

e) casus vocandi (Varro), sa- 
lutatorius, vocaiiuus, 

f) sextus,Latinus casus (Varro: 
^quia Latinae linguae pro- 
prius est'), ablativus^^K 

II. VerbumW ConiugatioW 

a) Genera, adfectus, significatio: 
activum passivum neutrum, 
commune (curro, criminor te 
und a te), deponens^^ oder Sim- 
plex. Varro kennt nur zwei 
genera (verba faciendi et pa- 
tiendi). 



(1) Bei Varro noch von der Flexion überhaupt, im engeren 
Sinne zuerst bei Quintilian. 

(2) Falsche Obersetzung von alriaxiKfi, statt causativus, was 
sich auch zuweilen findet. 

(3) Zuerst bei Quintilian. Daß der Terminus von Caesar (in 
de analogia) geprägt sei, geht nicht mit Sicherheit aus DiOM. gramm. 
I 122, 14 (nach Plinius) hervor. 

(4) Bei Dionysios Thrax nach Akzenten geordnet 

(5) Hängt mit ^pOii, ^f)|Lia, von der Wurzel ^er' zusammen. Die 
Alten erklärten es mit ^verberato aßre'I 

(6) Die vier Konjugationen sind nach-varronisch. 

(7) Diese Bezeichnung begegnet erst bei Späteren. 



Qrammatische Termini. 



91 



b) 'CtkAiccic (Dion. Halic. de 
comp. verb. 6 imiiceic ^ima- 
TiKai). Protagoras (s. oben 
p. 12). Dionysios: öpicn- 

Kf](*) irpOCXaTlKfl €ÖKTlKf] (jlTO- 

TaxTiKfi dirap^imqpaTOC. 

c) Xpövoi: 

Plat. Soph. 262 C ir€pl tuiv öv- 

TUIV f^ YlTVO|Ll^VUJV f^ f «TOVÖTUJV 

f^ iLicXXövTUiv c«) ARIST. Top. 2,4 
TÖ |Li^v Yotp ToO irap€\T]XueöTOC 
Xpövou icri, TÖ bi xal toO irap- 

ÖVTOC Kai TOO jLldXXoVTOC 

Stoiker: ivecTdJTa^irapiüxnKÖxa, 
ILidXXovra Dionysios: iyecuhc, 
iTap€Xr)Xu6(i)C, |li^XXujv. ö irapc- 
XiiXuOdjc ?X€i öiaqpopdc T^cca- 
pac: iraparaKTiKÖv TiapaKci- 

|Ll€VOV (t^XCIOV) ÖirOCUVTCXlKÖV 

(öirepr^Xciov) döpiCTOv. 

d) TTpöcujira: Trpilixov, ÖcOrepov, 

TpiTOV. 



b) Modi, qualitates, Status, incli- 
natio: finitus, indicativus im- 
perativus optativus subiunc- 
tivus infinitus, infinitivus. 



c) Tempora: 

praesens (instans) futurum 
praeteritum imperfectum per- 
fectum plusquamperfectum. 
Die Ausdrücke futurum ex- 
actum und consecutio tempo- 
rum sind nicht antik. 



d) Personae: 
tertia. 



prima, secunda. 



Vergl. Graefenhan, op. cit. I 457-491, II 286-306, III 108-132, 
IV 144-181 ; Lorsch, op. cit II 170-256; Stem^Äa/, Gesch. der Sprachwiss. 
II 209-306; L Jeep, Zur Gesch. von den Redeteilen bei den latein. 
Grammat. 1893, p. 124-259. Andere Literatur p. 42 (in^pii Xötou, 
partes orationis). 



IIL Die Römische Periode 



(168 V. Chr.-c. 600 n. Chr.). 

Allgemeine Literatur: Suetonius de grammat. et rhetoribus. 
W. ff, D, Suringar, Historia Critica scholiastarum Latinorum, 3 Bde, 
Leyden 1835; Graefenhan, op. cit II 246-420, IV 40-456; Teuffel- 
Schwabe, Rom. Lit, 2 Bde., 1890«^ <= Teuffel); Schanz, Rom. Lit 
<« Schanz), in Müllers Handbuch VIII 1 (1898«), ll 1 (1899»), ll 2 



(1) Weil Definitionen (öpoi) im Indikativ stehen. 

(2) Das doppelte Präsens ist von den Späteren verworfen worden. 



92 HI. Römische Periode. 

(1901«), iii (1905«), IV 1 (1904); V,E.JuUien, les professeurs de litt6- 
rature dans l'ancienne Rome et leur enseignement depuis Torigine 
jusqu'ä la mort d'Auguste, Paris 1885, pp. 380; Sandys Hist. ofClass» 
Scholarship 1906* p. 167-275; Saintsbury, Hist. of Literary Criticism I 
211-367. 

L. Accivs, 170-c. 86 v. Chr. 

Pragmaiica, in troch. Septenaren. Über die Entwicklung^ 
der griech. Komödie und des Satyrspiels. 

Didascalica, in Form der Satira Menippea, teils Prosa, 
teils in Versen verfaßt, und in mindestens 9 B. Es handelte 
nach den Fragmenten Ober Homer und Hesiod, den A. wie 
schon Ephoros und die Pergamener für den Alteren hielt ^^^, 
über die Tragiker, über die verschiedenen Dichtungsarten, 
über die Echtheit des Plautinischen Nachlasses und über die 
Chronologie römischer Dichter, Naevius, Livius Andronicus 
und Pacuvius. 

Berühmt sind seine orthographischen Reformvorschläge: 
Vokallänge von A E V (auch 0?) durch Verdoppelung^*^; er 
schrieb agceps, aggulus, agcora, scena, Hectora statt Hecto- 
rem, ei = I und vermied y und z. 

Vergl. Madvig, Opusc. Acad. I (1834) p. 87-110; Lachmann, 
Kl. Schrift. II 67-72; F. Ritschi, Opusc. IV 142-163; 0. Ribbeck, 
Rom. Dichtkunst 1267; E.Norden, Rh. Mus. XLVIII 530!!.; G.L. Hen- 
drickson, Am. Joum. Philol. XIX (1898) p. 285-311 (A pre-Varronian 
chapter o! Roman literary history); Leo, Plautin. Forsch., p. 32; 
Schanz, VIII 1» p. 95-98; F.Marx PW. I 146 f. 

L. Aelivs Stilo^*^ Praeconinvs aus Lanuvium (blühte c. 100 v.Chr.). 

Der erste römische Philologe, Lehrer des Cicero und 

Varro. Cic. Brut. 205 eruditissimus et Graecis litteris et 



(1) Hierin zeigt sich der Einfluß des Krates. Vergl. die oben 
(p. 56) zitierte Suetonsstelle. 

(2) Alteste inschriftlich erhaltene Beispiele: aastutieis (Carm. 
epigr. 2, siehe £. Lommatzsch, Woelfflins Archiv XV [1906] p. 138) 
c. 180, also voraccianisch , paastores (CoRP. I 551 a. 132 v. Chr.), 
vootum (Corp. XI 3081 Faliskisch). 

(3) SvET. gramm.3 Praeconinus quodpatereiuspraeconium fece- 
rat vocabaturetStilo quodorationesnobilissimo cuiquescribere solebat. 



Accius. Aelius Stilo. 93 

Latinis antiquiiaiisque nosirae et in inventis rebus ei in 
actis scriptorumque veterum litterate peritus quam scientiam 
Varro nosier acceptam ab illo etc. Varro ling. 7, 2 homo im- 
primis in litteris Latinis exercitatus. Gell. 1, 18, 2 (nach 
Varro) litteris omatissimus memoria nostra, 10, 21, 2 doc- 
tissimus eorum temporum. 

Interpretatio (Explanatio) carminum Saliorum. Vielleicht 
zielt auf dieses Werk der Spott des Hör. epist. 2, 1, 86 Sa- 
liare Numae Carmen qui laudat et illud \ Quod mecum igno- 
rat, solus volt scire videri, 

Index comoediarum Plautinarum.^^^ Von den 130, bezw. 
100 Komödien, die unter Plautus' Namen erhalten waren, 
hielt Stflo 25 für echt^^^ (Gell. 3, 3, 12, die Hauptstelle für 
die Plautusstudien im Altertum). Dieser Index bildete zweifel- 
los nur eine Art Exkurs zu einer ästhetisch-kritischen Studie 
über Plautus, und in eben diesem Werke wird auch wohl das 
berühmte Urteil über des Dichters Sprache gestanden haben: 
"Licet Varro Musas, Aeli Stilonis sententia, Plautino dicat 
sermone locuturas fuisse, si Latine loqui vellent" (Qvint. inst. 
10, 1, 99). 

De proloquiis (irepi dHiuj|LidTU)v, ^Satzformen' nach stoi- 
scher Terminologie). 

Ob seine Etymologien und Bemerkungen zum Sprach- 
gebrauch der Zwölf Tafeln selbständigen Werken oder einem 
Glossarium entnommen waren, läßt sich nicht entscheiden. 
Letztere Annahme ist die wahrscheinlichere. 

VergL van Heusde, de L. Aelio Stilone, Utrecht 1839; RMentz, 



(1) Andere Verfasser von Indices Plautini - sie gehören alle 
dem 1. Jahrb. v. Chr. an - zählt Gell. 3,3, 1 auf: Accius^ Volcacius 
Sedigitus (in de poetis. Ober dessen Dichterkanon, bei Gell. 15, 
24 erhalten, siehe H, Reich, Der Mimus 1 p. 337-353), Servius Clodius, 
Äurelius Opillus, Manilius, Varro, denen vielleicht Äteius Philologus 
(in den irivaKcc) hinzuzufügen ist. 

(2) Vermutlich die 21 "fabulae Varronianae", Commorientes und 
Colax (bezeugt von TER. Prol. Eun. 25. Prol. Adelph. 7), Fretum, 
Feneratrix. 



94 ni. Römische Periode. 

de L. Aelio Stilone, Comment. Jenens. IV (1890) p. 1-60 (fragm. 
p. 27-35); F. Marx, Proleg. zur Rhet. ad Herenn. 1894, p. 138-141; 
E, Norden, de Stilone, Cosconio, Varrone grammaticis, Greif swald 
1895; G. Goetz PW. I 5321. 

C. IvLivs Caesar 102-44. 

De analogia, in 2 B., Cicero gewidmet. Der Einfluß 
dieses Buches war ein bedeutender und nachhaltiger. 

Inhalt: Cic. Brut 253 in maximis occupationibus ad te 
ipsrnn ...de ratione loquendi accuratissime scripserit primo- 
que in libro dixerit, verbonan delectum originem esse elo- 
quentiae. Fronto p. 221 N. duos de analogia libros scrupu- 
losissimos scripsisse . . . de nominibus declinandis, de ver- 
borum aspirationibus et rationibus. Gell. 1, 10, 4 in primo 
de analogia libro scriptum est: 'habe semper in memoria 
atque in pectore ut tamquam scopulum, sie fugias inauditum 
atque insolens verbum\ i statt u in Worten, wie maxumus, 
lacruma, soll zuerst von Caesar geschrieben worden sein. 
Vergl. QviNT. inst. 1, 7, 21, Isid. orig. I 26, 15. Andere Stellen 
bei Wilmanns, de M. T. Varronis libris grammaticis, p. 173. 

Vergl. F. Schütte, de C. lul. Caesare grammatico, Halle 1865; 
Hauser, Caesaris commentariorum textus cum praeceptis grammaticis 
ab eodem scriptore traditis comparatio, Villach 1883; G, L. Hendrick- 
son, in Class. Philology I (1906) p. 97-120 (Einfluß auf Cic. de orat). 

F. NiQiDivs FiovLVS (t 45 v. Chr.). 

Cic. Tim. 1 Vir cum ceteris artibus, quae quidem dignae 
libero essent, omatus omnibus, tum acer investigator etc. 
Gell. 4, 9, 1 homo . . iuxta M. Varronem doctissimus. Schol. 
Cic. Bob. p. 317 vir doctrina et eruditione studiorum praestan- 
tissimus. Serv. Aen. 10, 175 est solus post Varronem. 

Das einzige philologische, namentlich durch Gellius be- 
kannte Werk war betitelt Commentarii grammatici, in min- 
destens 29 B., und behandelte hauptsächlich die Orthographiei 
Synonymik und Etymologie. Auch die auf Nigidius zurück- 
geführten grammatischen Termini (s. o. p. 89^ 90) entstammten 
dieser Schrift. Von einer rhetorischen Abhandlung de gestu 



Caesar. Nigidius. Ateius Philologus. Varro. 95 

ist uns nur der Titel überliefert, vielleicht war sie die Haupt- 
quelle für QviNT. inst. 12, 3, 65-136. 

Vergl. M. Hertz, de N. F. studiis et operibus, Berlin 1845; 
A. Röhrig, de N. F. Leipz. Diss. 1887, pp. 64; H, Swoboda, P. N. F. 
operum reliquiae, mit ausführlichen Prolegomena, Wien 1889, pp. 144; 
Schanz, VIll 1» p. 359 f. 

L. Atbivs Praetextatvs Philoloqvs^^^ (t c. 29 v. Chr.). 

^Inter grammaticos rhetor, inter rhetores grammaticus* Capito 
bei SVBT. gramm. 10. 

In Athen geboren, Freund des Sallust und des Asinius 
PoUio. Für ersteren soll er ein Breviarium rerum omnium 
Romanarum ''ex quibus quas vellet eligeref (Svet. 1. c), 
für letzteren praecepta de ratione scribendi verfaßt haben. 
Sein Hauptwerk war betitelt: "YXti "quam omnis generis coe- 
gimus ut scis octingentos in libros" (Svet. 1. c), doch waren, 
wie Sueton bezeugt, zu seiner Zeit nur noch 'paucissimi com- 
mentarif erhalten. Von anderen Schriften werden zitiert: 
TTivaKEc, in 3 B. Liber glossematorum An amaverit Didun 
Aeneas (d. h. utrum Anna [so Naevius] an Dido Aenean ama- 
verit). Doch waren diese wohl nur Abschnitte aus der "YXti. 

Vergl. Svet. gramm. 10; /f. Graff, M61anges gr6co-romaines 
II 274-320, Petersburg 1860. 

M. Tbrentivs Varro von Reate, 116-27. 

Berühmtes Elogium des Gelehrten bei Cic. ac. 1, 9. 
Vergl. außerdem Dionys. Arch. 2,21 dvi?ip xOüv xard rfiv a(ni\v i\\\- 
Kiav dKimacdvTiuv ircXuireipÖTaToc. QviNT. inst. 10, 1, 95 vir Romano- 
rum eruditissimus . . . peritissimus linguae Latinae et omnis anti- 
quitatis et rerum Graecarum nostrarumque, Plvt. Rom. 12 dvbpa 
TujjLiaiiuv ^v icTopiqi ßißXiaKOÜTaxov. Symmach. epist. 1, 2, 2 Romanae 
eruditionis parens. Lavrent. Lydvs de mag. 1,5 ö iroXu^ae^cTaToc. 
AvQ. civ. 6, 2 homo omnium facile acutissimus et sine ulla dubita- 
tione doctissimus . . . vir doctissimus undecumque Varro qui tam 
multa legit, ut aliquid ei scribere vacasse miremur, tam multa scrip- 
sit (c. 74 Werke in c. 620 Büchern) quam vix quemquam legere po- 
tuisse credamus. Von sich selbst sagt Varro ling. 5, 9 non solum 

(1) Vergl. oben p. 3. 



96 III* Römische Periode. 

ad Aristophanis lucemam, sed etiam ad Cleanthis lucubravi (d. h. icti 
bin Philologe und stoischer Philosoph). 

Seine enzyklopädischen Werke bildeten für alle Späteren 
die Grundlage ihrer Kenntnis altrömischer Kultur. ^^^ Ober 
das 6. Jahrh. hinaus hat sich aber von diesen, außer einem 
Teil von 'de lingua Latina', nichts im Original ^^^ erhalten. Ein 
Verzeichnis seiner Schriften - es ist leider in der Mitte ab- 
sichtlich abgebrochen - hat Hieronymus^^^ verfaßt, um zu 
beweisen, daß die literarische Produktivität des Origenes die 
des Varro tibertroffen habe. 

/. Römische Altertumskunde: 

Antiquitates rerum humanarum et divinarum, in 
41 B. Es existierte auch eine Epitome in 9 B., vielleicht von 
Varro selbst verfaßt. Unsere Kenntnis dieses großartigen 
Werkes verdanken wir hauptsächlich Augustin. Vergl. Schanz, 
VIII 1^ p. 370 f. mit der dort zitierten Literatur. Annales, 
3 B. de vita populi Rom. ad Atticum, in 4 B. (vergl. Dicaearch, 
Bioc 'GXXdboc) de gente populi Romani, in 4 B. (verfaßt 
43 V. Chr.) de familiis Troianis (wahrscheinlich eine Quelle von 
Verg. Aen. B. VI) Aetia (vergl. Kallimachos Aixia und Plutarch 
p. 65) Res urbanae, 3 B. Tribuum über (vielleicht nur ein 
Teil von de gente populi Romani. Fehlt im Verzeichnis des 
Hieronymus, doch wird es von Varro selbst zitiert). 
//. Literarhistorische Werke: 

De bibliothecis , in 3 B.^*^ de proprietate scriptorum. 



(1) Tarro kommt mir vor wie ein Kranen, der aus den reichen 
Schiffsladungen der alexandrinischen Zeit die Waren auf die Fracht- 
wagen der Nachwelt hebt* Usener, 

(2) Denn die Schrift de re rustica und einige Satirae Menippeae 
gehören mehr der Fachwissenschaft, bezw. der Literaturgeschichte an. 

(3) Erhalten in der Praefatio zu Rufins Obersetzung von Origenes' 
Homilien zur Genesis (47 Titel). Et alia plura quae enumerare longum 
est. Vix medium descripsi indicem et legentibus fastidium est 
Hieronymus selbst hatte wohl den Katalog vollständig abgeschrieben. 

(4) Vergl. Dziatzko, Beiträge zur Kenntnis des antiken Buch- 
wesens 18Q2, p. 17 f. und über römische Bibliotheken überhaupt, der- 



Varro. 97 

3 B. de poetis (vermutlich nur ein Teil der Imagines, fehlt 
bei Hieronymus, s. unten) de poematis, 3 B. (eine Art Poetik) 
de lectionibus, 3 B. de compositione saturarvm (Teil von 
de poematis? Fehlt im Katalog) de originibus scenicis, 3 B. 
(vielleicht die Quelle ftlr Liv. 7, 2) de scenicis actionibus, 
3 B. de actis scenicis, 3 B. (Didaskalien? Ritschi vermutete 
de actibus scenicis 'Akteinteilungen') de personis, 3 B. (Ober 
Masken) Quaestiones Plautinae, 5 B., wovon de comoe- 
diis Plautinis, das im Katalog fehlt, wohl eine Unterabteilung 
bildete. Mit Auceic von dTroprunaTa, wie Ritschi glaubte, kann 
dies umfangreiche Werk sich nicht befaßt haben. In jedem 
Falle enthielt letzteres Buch die epochemachenden Unter- 
suchungen Ober den plautinischen Nachlaß. ^^^ Disciplina- 
mm librilX (artes liberales: grammatica, dialectica, rhetorica,geo- 
metria, arithmetica, astrologia (d. h. astronomia), musica (inkl. 
Metrik), medicina, architectura.^^^ De descriptionibus (? = irepi 
XapttKxripujv), in 3 B., handelte, wie es scheint, tlber die Charakter- 
typen in der Komödie (z. B. Sklave, Parasit, Leno, Hetäre, 
Väter, Söhne, Miles Qloriosus, Pappus, Maccus, Dossennus). 
.Nach anderen (z. B. Usener), aber weniger wahrscheinlich. 
Ober grammatische Rexion. Imagines (Hebdomades ^^^), 



selbe in FW. III 415«.; Af. Ihm, im Centralbl. f. Bibliotheksw. 10/11 
(1893) p.470-476; O.Hirschfeld, Verwaltungsbeamte, 1905» p.298-306. 

(1) Gell. 3, 3, 3 praeter illas unam et viginti quae Varronianae 
vocantur (20 erhalten mit Resten der Vidularia) . . . consensu omnium 
Plauti esse censebantur, quasdam (nach Ritschi 19) item alias pro- 
bavit adductus filo atque facetia sermonis Plauto congruentis eas- 
que iam nominibus aliorum occupatas Plauto vindicavit, 

(2) Auf diese Einteilung, mit Ausschluß der Architektur und 
Medizin (s. unter Martianus Capeila p. 120^), gehen die sieben artes 
liberales des Mittelalters (Trivium und Quadrivium) zurück. Vergl. 
die versus memoriales: "Gram, loquitur, Dia, vera docet, Rhet, 
verba colorat \ Mus, canit, Ar, numerat, Ge, ponderat, Ast, colit 
astra", und besonders E, Norden, Antike Kunstprosa II p. 670-687. 
724-731. 743-747, mit der daselbst zitierten Literatur. 

(3) Ober die Rolle, welche die Siebenzahl im Altertum spielt, 
siehe die erschöpfende Abhandlung von W,H, Röscher, Die Hebdo- 

Qudeman, Qrundrifi der Qesch. der klass. Phil. 7 



98 III- Romische Periode. 

in 15 B., veröffentlicht 39 v. Chr. VergL Plin. nat. 35, 11 
Varro benignissimo invento^*^ insertis voltaninum suorum fe- 
cimditati 700 iüustriwn aliquo modo hominum imaginibus 
non passus intercidere figiwas aut vetustatem aevi contra 
homines valere, inventor muneris etiam dis invidiosi, quando 
immoTtaUtatem non solvm dedit, verum etiam in omnes terras 
misit, ut praesentes esse ubique ceu di possent Jedes 
Bildnis war mit einem Epigramm ^^\ das nicht immer von 
Varro selbst herrührte, versehen. Daran knüpften sich literar- 
historische Erörterungen, so z. B. ob Homer älter als Hesiod 
gewesen. Vergl. Gell. 3, 11, 3 und über diese vielumstrittene 
Frage, E. Rohde, op. cit. (p. 18^). Varro hielt sie für gleich- 
altrig. Buch 1 enthielt die Einleitung (darin wohl die aus- 
führliche Erörterung über die Siebenzahl, vergl. Gell. 3, 10). 
Die übrigen 14 B. verteilten sich auf sieben Fächer in 2 Bücher- 
gruppen, je einer für Nichtrömer und für Römer. Die Reihen- 
folge innerhalb der Fächer war wohl, wie in allen Werken 
de viris illustribus, eine chronologische. Die erhaltenen Zi- 



madenlehre usw., Lpz. 1906, pp. 240 (Bd. XXIV Nr. 6 der Abb. der 
säcbs. Gesell, der Wissenscb.). 

(1) Vielleicht haben wir aber in dem fpacpdov des Kallimachos 
einen Vorgänger, wenn nicht das direkte Vorbild, der Varronischen 
Imagines zu suchen. 

(2) Von den fünf erhaltenen Dichterepigrammen weist Gell. 3, 
11, 6 das auf Homer ausdrücklich dem 1. B. der Imagines, das des 
Plautus (1, 24, 3) aber dem 1. Buch von Varros de poetis zu, und 
derselben Stelle müssen demnach die ebenda angeführten Grab- 
schriften des Naevius und Pacuvius entnommen sein, wie dies für 
die anderen Angaben über Naevius und Ennius direkt bezeugt ist. 
Vergl. Gell. 17, 21, 43. 45. Da nun alle diese Zitate vortrefflich zu 
dem Inhalt der Imagines passen, wie nicht minder das bereits von 
Cic. Tusc. 1, 34 überlieferte Grabepigramm des Ennius (Aspicite, o 
cives, senis Enni imaginis formam), so scheint der Schlufl berech- 
tigt, daß die angebliche Schrift de poetis eben nur der Titel des 
ersten Faches der Imagines war, woraus sich auch das Fehlen dieser 
Schrift im Katalog des Hieronymus ohne weiteres erklären würde. 



Varro. 99 

tate^^^ beziehen sich nur auf Dichter, Redner, Philosophen, Künstler, 
Könige oder Feldherren. Alle anderen Fächer beruhen daher 
nur auf unsicherer Vermutung, insbesondere ist die allgemeine 
Annahme, Varro habe den NichtrOmern für jedes Fach eine 
genau entsprechende Zahl (49) römischer Vertreter gegen- 
übergestellt, ganz unwahrscheinlich, denn eine solche kann 
Varro jedenfalls für Dichter, Künstler, Philosophen und Me- 
diziner nicht zu Gebote gestanden haben. Von diesem groß- 
artigen Werke existierte auch eine Epitome in 4 B., vielleicht 
nur den Text enthaltend. 

///. Grammatik, 
*De Lingua Latina^^\ in 25 B. (B. V-XXV waren 
Cicero gewidmet). Von diesem Werk sind nur B. V-X auf 
uns gekommen. Inhalt nach Varros eigenen Angaben (V 1. 
VI 99 VII 5. 110 VIII 24): I Einleitung, II- VII Etymologie, 
VIII-XIII Flexion, Analogie und Anomalie, XIV -XXV Syntax. 
Ober die nicht erhaltenen Bücher, vergl. Wilmanns op. cit., 
p. 1—46 de sermone Latino, in 7 B. (nach dem Katalog 
5 B.), behandelte im speziellen die Lautlehre, Orthographie, 
den Akzent, Rhythmus und Stilistik ^% insofern sie durch "na- 
tura, consuetudo, analogia und auctoritas'' bedingt waren. 
Vergl. Wilmanns, p. 47 — 97 de utilitate sermonis, 4 B (?) 



(1) Qell. 11. citt. (Dichter), AVSON. Mos. 306 (Künstler im 
10. B.), Symm. epist. 1, 2j 2. 8; 1, 4 (Philosophen und Feldherren), 
NON. p. 528 (Demetrios von Phaleron als Redner oder Staatsmann), 
Lavr. Lydvs de mag. 1, 30 (Aeneas), Plin. nat. 26, 10-12. 29, 4-13 
(Verzeichnis der Arzte, das nach Ritschls wahrscheinlicher Vermutung 
auf die Imagines zurückgeht). 

(2) Vor 43 (Ciceros Tod) und nach 45 v. Chr. veröffentlicht. 
Vergl. CiC. Att. 13, 18 (45 v. Chr.) perfeci sane argutulos libros ad 
Varronem (d. h. die Academica) . . . cum ipse homo TroXuTpacpuÜTaToc 
numquam me lacessisset (d. h. ^mich nie durch die Widmung eines 
Werkes belästigt hati'). 

(3) Die Primärquelie, direkt oder indirekt, über diese Gegen- 
stände fflr alle Späteren, z. B. Censorinus, Augustin, Macrobius, Mar- 
tianus Capeila, Cassiodorus, Isidorus und die Grammatiker. 

7* 



100 III* Römische Periode. 

und de similitudine verborum, 3 B. (?) waren vielleicht nur 
Spezialtitel. Vergl. Wilmanns, p. 134-138 de grammatica. 
Vergl. Wilmanns, p. 98-117 de antiquitate litter arum 
'Geschichte des Alphabets' (dem Accius gewidmet). VergL 
Wilmanns, p. 117-126. de origine linguae Latinae (aus 
dem Aeolischen abgeleitet). VergL Wilmanns, p. 126-133. 
Vergl. Ritschi, Opusc. III 352-402 (de M.Varronis disciplinanim 
libris), III 419-505 (die Schrifstellerei des Varro), III 506—592 (Ober 
Varros Imaginum . . libri, mit Beiträgen von L. Merklin, H. Brunn, 
L. Uriichs, M. Schmidt); Parerga, p. 73-245 (Die Fabulae Varro- 
nianae des Plautus); Lersch, op. cit I 117-127 II 143-153; G.Bois- 
sier, M. T. Varron, sa vie et ses ouvrages, Fans 1861, pp. 337; 
G. Wilmanns, de M. T. V. libris grammaticis, Berlin 1864, mit Frag- 
mentsammlung (p. 141-223); R. Reitzenstein, M. T. V. und Joh. Mau- 
ropus Eucheita, Lpz. 1901, pp.92; //. H^iY^^msen, de Varronianae doc- 
trinae apud fastorum scriptores vestigiis, Bonn 1906; H.Peter, Hist. 
Roman. Fragm. II (1906), p. XXXII-XXXX. 9-26 Münzer, Beitr. zur 
Quellenkritik der Naturgesch. des Flinius, Berlin 1897, p. 137-199. 
251-299; Teuffei, I» 290-298; Schanz, VIII 1* p. 368-377. 

Philologen und Rhetoriker der Kaiserzeit 
C. luiius Hyginüs.^^^ 

SchQler des Alexander Polyhistor, Lehrer des lulius Mo- 
destus und Freund des Ovid. Vorsteher der palatinischen 
Bibliothek unter Augustus. Vergl. Svet. gramm. 20. 

Kommentar zu: Helvius Cinna, Propempticon PoUionis 
Vergils Aeneis, in mindestens 4 B., und zu den Georgica. 
Die Art der Zitate deutet aber mehr auf cvrXQaii^aTa als auf 
einen fortlaufenden Kommentar. 

De vita rebusque inlustrium virorum, in mindestens 6 B. 
Auch scheint eine Epitome in 2 B. vorhanden gewesen zu 
sein, die bereits dem Asconius Pedianus vorlag. Exempla. 
Eine Sammlumg von Curiosa, vielleicht in der Art des Vale- 



(1) Nicht zu verwechseln mit dem sogenannten tiygin (vor 207 
n. Chr.), dem angeblichen Verfasser der erhaltenen Genealogie, Astro- 
nomie und der Fabulae. Vergl. Schanz, VIII ll 1*, p. 331-339. 



Varro. Hyginus. Verrius Flaccus. IQI 

rius Maximus, De famüiis Troianis. Beruhte vermutlich auf 
der gleichnamigen Schrift des Varro. Nach Serv. Aen. 5, 389 
von Vergil benutzt. Vergl. Colvm. 1, 1, 13 Hygini quasi pae- 
dagogi eius (Vergilii). Urbes Italicae (Hauptquelle wahrschein- 
lich die Italica des Alexander Polyhistor, doch sind Catos 
Origines wohl auch benutzt worden) De proprietatibus deonim 
De dis Penatibus. 

Vergl. C. B. Bunte, de C. lul. Hygini vita et scriptis, Marburg 
1846; 0. Ribbeck, Proleg. Vergil. vol. I 117; Schanz, VIII lll', p.326 
-331; H.Peter, Hist. Rom. Fragm. II (1906) p.CI-CVII 72-77. 

M. Verrivs Flaccvs. 

SvET. gramm. 17 docendi genere maxime inclaruit 
. . ab Augusto quoque nepotibus eius praeceptor electus 
. . centena sestertia accepit. decessit aetatis exactae sub 
Tiberio. Einer der ausgezeichnetsten römischen Gelehrten. 

De verborum significatu. Von wenigen Werken 
gilt das Wort des Terentianus Maurus "Habent sua fata 
libelir in so zutreffender Weise wie von diesem lexikogra- 
phischen Repertorium fOr altes Latein, antike Gebräuche, 
Sakral- und Staatswesen. Etwa um den Anfang des 3.Jahrh. 
wurde das Original von einem gewissen Pompeius Festus in 
einen nachlässig verfertigten Auszug von 20 B. gebracht, und 
von diesem veranstaltete der bekannte Historiker der Lango- 
barden, Pau/us Diaconus (c. 725 -797), eine weitere Epitome. 
Ende des 15. Jahrh. existierten von dem Werke des Festus, 
wenn auch durch Feuer beschädigt, noch die Artikel von der 
Mitte von M bis zur Mitte von V. Auch von diesen ver- 
schwand ein beträchtlicher Teil, nachdem aber bereits einige 
Abschriften, z. B. von Angelus Politianus und Pomponius 
Laetus, genommen waren. 

Ober das Verfahren der Epitomatoren, über die nur teilweise 
durchgeführte alphabetische Anordnung des Originals und die Text- 
geschichte überhaupt, vergl. besonders R. Reitzenstein, Verrianische 
Forsch., in Breslauer Philol. Abhandl. 1 (1887) u. Schanz, VIII ii 1«, 
p. 321-324, mit den anderen dort angeführten Schriften. 



102 III- Römische Periode. 

Fasti Praenestini: Zum Teil und zwar inschriftlich 
erhalten (Corp. I 295). Zu diesem Kalender hatte Verrius 
einen Kommentar verfaßt, den Ovid in den Fasti benutzt zu 
haben scheint, wobei aber keineswegs ausgeschlossen ist, daß 
Ovid auch Varro eingesehen hat. 

Vergl. H. WintheTy de fastis Verrii Flacci ab Ovidio adhibitis, 
Berlin Diss. 1885; //. Nettleship, Lectures and Essays, I p. 201-247; 
Münzer, Beiträge zur Quellenkritik der Naturgesch. des Plinius, Ber- 
lin 1897, p. 299-322. 

De Orthographie: Aus diesem Werke scheint, direkt 
oder indirekt, das Wichtigste, was wir über diesen Gegen- 
stand bei Späteren finden, entnommen zu sein. So z.B. bei 
Quintilian, Terentius Scaurus, Velius Longus, Flavius Caper, 
Charisius, Diomedes, Marius Victorinus u. Fs.-Apuleius, de 
orthographia. 

Vergl. L Mackensen, de V. F. libris orthographicis, Gomment 
lenens. VI (1896), pp. 62. 

de obscuris Catonis, Vergl. Willers, de Verrio Flacco 
glossarum interprete, Halle 1898. 

Im allgemeinen, vergl. £. Hübner, Grundriß zu Vorles. über 
latein. Literat. 1878 *§ 83 (mit der älteren Literatur); Teuffel", p. 609 
-613; Schanz, VIII H 1», p. 319-326; Vahlen, Prooem., p. 1877/8. 

Fenestella (starb unter Tiberius). 

Lact. inst. 1,6, 14 diligentissimus scriptor. Lact. ira22,5 
maximi auctores tradiderunt . . . nostrorum Varro et Fenes- 
tella. Ftlr seine hohe Wertschätzung zeugen auch Stellen 
wie SvET. vita Ter. 1, Macrob. sat. 1, 10, 5 und die oben 
angeführte Stelle des Seneca (p. 7). Er wird namentlich ftlr 
Staats-, religions- und sittengeschichtliche Angaben oft zitiert. 
Nur wenige von diesen lassen sich mit Leichtigkeit in seinen 
Annales, von denen ein 22. B. angeführt wird, inhaltlich 
unterbringen, doch wird nirgends ein besonderes antiqua- 
risches Werk erwähnt. 

Vergl. L Mercklin, De F. historico et poeta, Dorpat 1844; J.Poeth, 
de F. historiarum scriptore et carminum, Bonn 1849; H, Peter, Die 
geschichtl. Literat über die römische Kaiserzeit, Lpz. Bd. I (1897) 113, 



Verrius Flaccus. Fenestella. Asconius. Plinius. 103 

Hist. Rom. Fragrmenta 11, p. CIX-CXIII. 79-87; Tmffel, p.606f.; Schanz, 
VIII, II 2*, p. 201— 203. Als carminum scriptor wird F. nur von Hie- 
ronymus erwähnt, was wohl auf einem Versehen (so Scaliger) beruht 

Q. AscoNivs Pedianvs (3-88 oder 9 v. Chr. -76 n. Chr.). 

Hier, chron. (nach Sueton): LXXIII aetatis suae anno 
captus luminibus XII postea annis in summo omnirnn honore 
consenescit 

Von seinem Meisterwerk, dem Kommentar zu allen Reden 
Ciceros — vielleicht die hervorragendste Leistung historischer 
Exegese im Altertum — , sind uns erhalten, wenn auch nicht 
ganz vollständig: pro Milone, pro Scauro, in Pisonem, pro 
Comelio, in toga Candida, 

Vergl. Madvig, de Q. A. F. et aliorum veterum interpretum in 
Cic. Oratt. commentariis, Kopenhagen 1828; C, Licktenfeld, de Q.A.P. 
fontibus ac fide, Bresl. Abhandl. II (1888), pp. 88. 

Liber contra obtrectatores^^^ Vergilii. Vgl. Donat. vita 
Verg.p.65f.: Pauca admodtmi obiecta ei proponit eaque circa 
historiam fere et quod pleraque ab Homero sumpsisset, sed 
hoc ipsum crimen sie defendere assuetum ait: Cur non Uli 
quoque eadem fvrta temptarent? verum intellecturos facilius 
esse Hercidi clavam quam Homero versum subripere. Haupt- 
quelle vielleicht I. Varius. Vita Sallustii, nur von Ps.- 
Acro zu HoR. sat. 1, 2, 41 erwähnt. 

Vergl. im allgemeinen: Wissowa, FW. II 1524-1527; H.Peter, 
Gesch. Lit. etc. I 114f.; Schanz, op. cit VIII, lll*, p. 335-337. 

C. Plinivs Secvndvs, der Ältere (23-79). 
* Naturalis Historia,37B. Die erste römische Real- 
enzyklopädie, ein Werk von staunenswerter, wenn auch kon- 

(1) Z.B. Bavius, Mevius, (Serv. ecl. 3, 90. 7,21); eines Anonymus 
Antibucolica; Aeneomastix des Carbilius Pictor, ein Vergiliomastix 
(Serv. Aen. 5, 521); Herennius, de vitiis Vergilii; Ferellius Faustus, 
de furtis Vergilii; Q. Octavii Aviti '0|lioiötiit€c. Wergl. Ribbeck, Pro- 
leg, ad Verg., p. 96- 113; Nettleship in Coningtons Vergil- Ausgabe, 
vol. I (1881), p. XXIX-LVI. Unsere Kenntnis dieser 'obtrectatores 
Vergilii' verdanken wir hauptsächlich dem Macrobius, vergl. be- 
sonders sat. 1, 24, 6. 3, lOff.; 5, 3-16 und DONAT. vita Vergilii 1. c. 



104 III* Römische Periode. 

fuser Gelehrsamkeit. Nach der Quellenliste (B. 1) sind 463 
Schrifsteller (146 römische und 317 ausländische, namentlich 
griechische) benutzt. Die am Ende der Inhaltsverzeichnisse 
angegebene Summe der 'res (bezw. medicinae für Bd. 20 
-33. 35), historiae et observationes ergibt (für B. 3.4.5 sind 
sie ausgefallen) die Zahl 35,846, insgesamt an 38,000. Vergl. 
Plin. epist 3, 5, 6 optus diffusvm, eruditum nee minus varium 
quam ipsa natura. 

Ober Plan, Zweck und Charakter des Werkes, siehe 
seine Praefatio. Ober die Art und den Umfang der Benutzung 
seiner Quellen, die Plinius gewissenhaft alle genannt hat, 
siehe unten. 

Dubii sermonis libri 8^^^ (verfaßt 67 n. Chr.). 
Ein von den Späteren viel benutztes Buch. Er vertrat das 
Prinzip der Analogie in den Sprachformen, doch ohne strenge 
Konsequenz. Die Grundztlge des Werkes lassen sich be- 
sonders aus Charisius rekonstruieren. 

Studiosi: Plin. epist. 3, 5, 5 Studiosi tres in sex Vo- 
lumina propter amplitudinem divisi quibus oratorem ab 
incunabulis instituit et perfecit. Das Werk verfolgte also 
einen ähnlichen Zweck wie die institutio oratoria des Quin- 
tilian, der es öfter zitiert, und Gell. 9, 16, 1 sagt von dem- 
selben: libros . . Studiosorum . , non medius fidius usquequaque 
aspernandos. In his libris multa varie ad oblectandas eru- 
ditorum hominum aures ponit refert etiam plerasque senten- 
tias quas in declamandis controversiis lepide arguteque 
dictas putat. 

Vergl. über die Quellen der Naturalis Historia, besonders 
F, Münzer, Beiträge zur Quellenkritik der Naturgeschichte des Plinius, 



(1) Plinius selbst (nat. praef. 28) erwähnt ein Werk de gram- 
matica, welches Charisius (bezw. lulius Romanus) häufig zitiert, wie 
auch Priscian unter dem Titel ars oder ars grammatica. Da es aber 
in dem chronologischen Schriftenverzeichnis seines Neffen (Plin. 
epist. 3, 5) fehlt, so wird es wohl ein Teil der libri dubii sermonis 
oder der Studiosi, oder ein Nebentitel gewesen sein. 



Plinius. Valerius Probus. 105 

Berlin 1897, pp. 443, und die reichtialtigen Literaturangaben bei Teuf- 
fel^, p.761f. und Schanz, VIII ii,2*, p.379f.; A Klotz, Quaest Plinia- 
nae geogr., in Quellen und Forsch, zur alten Gesch. u. Geogr. II, 
pp. 217, Berlin 1906. Ober Plinius als Grammatiker: //. Neumann, 
de Plin. dubii sermonis libris Charisii et Prisciani fontibus, Kiel 1881 ; 
«/. W, Beck, Studia Gelliana et Pliniana, in Fleck. Jahrb. Suppl. XIX 
(1893), p. 1 ff. Die Quellen in den grammat. Büchern des Plinius, in 
Philol. LH (1894), p.506ff., C. Plin. See. libri dubii sermonis reli- 
quiae, Lpz. 1894; H, Nettleship, Lectures and Essays II, Oxford 1895, 
p. 150ff.; D. Detlefsen, Symbola philol., Bonn. 1867, p. 695-715; und 
zur Charakteristik noch H, Peter, Gesch. Literat, der Kaiserzeit I 
119-123. 

M. Valerivs Probvs von Berytos (blflhte 80 n. Chr.). 

Der größte römische Textkritiker. Wie Aristarch, 
dessen Arbeitsweise und Methode er sich aneignete, genoß 
er bei den Späteren den Ruf eines Kritikers par excellence. 
Vergl. Mart. 3, 2, 12 (an sein Buch) nee Probum timeto. 
Gell. 1, 15, 18 grammaticum illustrem, 4, 7, 1 inter suam 
aetatem praestanti scientia /uft9, 9, 12 in legendis pensitan- 
disque veteribus scriptis bene callidi; Avson. 47, 20 nomen 
grammatici merui non tam grande quidem quo gloria nostra 
subiret Aemilium (Asprum) aut Scaurum Berytivmve Probum 
205, 12; Macr. sat. 5, 22, 9 vir perfectissimus notat . . 
quod tantum virum fugisse miror und Eugenius 1. c. (p. 38). 
Vita bei Svet. gramm. 24. Diu centuriatum petiit, donec tae- 
die ad studia se contulit. legerat in provincia quosdam 
veteres libellos . . . durante adhuc ibi antiquorum memoria 
necdwn abolita sicut Romae. hos cum diligentius repeteret 
atque alios deinceps cognoscere cuperet . . . multaque 
exemplaria contracta emendare ac distinguere et 
adnotare^^^ curavit, soli huic nee ulli praeterea gramma- 

(1) d.h. mit notae nach alexandrinischer Manier versehen. FQr 
Probus direkt bezeugt sind Asteriscus, Diple u. Obelus cum as- 
terisco, was den Gebrauch des Obelus selbst wohl mitbedingt Siehe 
oben (p. 87) das Anecdotum Parisinum, das auf Sueton zurückgeht. 
In einer verderbten Stelle desselben Scholions werden dem Probus 



106 ^''' Römische Periode. 

ticae parti deditus . . nimis pauca et exigua de quibusdam 
minutis quaestiuncidis edidit reliquit autem non mediocrem 
silvam observationum sermonis antiquu Gell. 15, 30, 5 ego 
cum Probt mvltos admodum commentatiomxm libros ad- 
quisierim neque scriptum in his inveni etc. Mag dies auch 
übertrieben sein, so wird man doch die angefahrten Stellen 
durch die Annahme in Einklang bringen können, daß aus 
seinem Nachlaß und aus Aufzeichnungen seiner Schaler, ähn- 
lich wie bei Aristarch, ein stattliches Material seiner exege- 
tisch-kritischen Studien herausgegeben wurde. Auch werden 
die mit notae versehenen Ausgaben, da sie nach alexandri- 
nischem Muster bearbeitet wurden, wohl auch hypomnema- 
tischen Charakter ^^^ gehabt haben, wie denn Bioi ebenfalls 
nicht fehlten. 

Ausgaben: Lucretius Vergilius: Zu seiner Methode, 
vergl. Gell. 13, 21, 4 in primo georgicon quem ego, inquit 
(Probus), librum manu ipsius (sc. Vergilii) correctum legi, 
urbis per i litteram scripsit, 9, 9, 12 sqq. Oft von Servius 
zitiert. Die erhaltene Vita ist fälschlich als de commentario 
Valeri Probi sublata aberliefert. Vergl. E. Norden, Rhein. 
Mus. LXI (1906), p. 166-178 (de vitis Vergilianis: Donatus, 
Servius, Probus). Horatius: Nie in den Schollen erwähnt. 



aber alle dort angefahrten 21 notae vindiziert: his solis in adnota- 
tionibus Ennii Lucilii et historicorum usi sunt f Varros hennius 
(Vargunteius Bergk Vargunteius Ennius Reifferscheid, In hennius 
steckt vielleicht Herennius, der obtrectator Vergilii, siehe oben p. 103^) 
haelius aequae (Aelius Reifferscheid) etpostremo Probus qui illas 
in Vergilio et Horatio et Lucretio apposuit ut Homero Ari- 
starchus. Da Aristarch nicht annähernd so viele Zeichen benutzte, 
so geht schon hieraus die Unzuverlässigkeit der Notiz für Probus 
hervor. 

(1) Daß Probus sich in seinen Ausgaben nicht auf das emen- • 
dare, distinguere, adnotare beschränkt hatte, scheint mir aus Donat. 
Ter. Phorm. 372 ^male loquV pro ^male dicere* ,.,et quaerit Probus 
quis ante Terentium dixerity und aus Macrob. 1. c. hervorzugehen. 



Valerius Probus. 107 

Außer diesen drei im Anecdotum Parisinum bezeugten Edi- 
tionen lassen sich noch folgende nachweisen: 

Terenz.^^^ Auch die erhaltene vita des Sueton geht 
vermutlich auf eine vita des Probus zurück. Persius mit 
erhaltener vita "de commentario Valerii Probi sublata". 
Plautus (von Leo vermutet) und Sallust Aus Gell. 1, 1, 
15, 18. 3, 1, 5. 6, 7, 3 ergibt sich jedenfalls, daß Probus 
auch mit diesen beiden Schriftstellern sich kritisch be- 
schäftigte. ^^^ 

De notis antiquis. So lautete vermutlich der Titel eines 
größeren Werkes, von dem der commentarius satis curiose 
factus de occulta litteranim significatione in epistulanim 
C. Caesaris scriptura (Gell. 17,9,5) und die erhaltene Schrift 
* iuris notarum libri wohl nur Unterabteilungen waren. 

Von grammatischen Schriften werden noch erwähnt: 
epistula ad Marcellum (Gell. 4, 7, 1), de inaequalitate con- 
suetudinis, de dubiis generibus, de dubio perfecto. Diese 
letzten werden der silva observafionum sermonis antiqui 
(siehe oben p. 62^) angehört haben. 

Apokryphe Schriften sind: ein * Kommentar zu den Bu- 
colica und Georgica des Vergil, Tersius und *Juvenal Scholien 
und zahlreiche grammatische Abhandlungen, wie die *CathO' 
lica {=^Sacerdos, artis grammat. lib. II), *ars Probi, *Appen- 
dix Probi; denn daß diese Abhandlungen, um ihnen einen 
höheren Wert zu geben, dem berühmten Namen unterge- 



(1) Vergl. DONAT. Ter. Ad. 323 Probus assignat hoc Sostratae, 
Eun. 1 non eam Probus distinguit 

(2) Sollte in der interessanten Stelle bei Hier. adv. Ruf in. 1, 16 
unter aliorum in alios Probus gemeint sein, so würde er auch Lucan 
ediert haben: quod puer legeris Aspri in Vergilium et Sallustium 
commentarios, Vulcatii (?) in orationes Ciceronis, Victorini in dia- 
logos eius et in Terenti comoedias praeceptoris mei Donati, aeque 
in Vergilium et aliorum in alios, Plautum videlicet, Lucretium, Flac- 
cum, Persium atque Lucanum, 



108 ^1'* Römische Periode. 

schoben wurden, ist eine wahrscheinlichere Annahme als der 
Notbehelf, zwei oder gar drei homonyme Grammatiker zu 
statuieren. 

Vergl. Suringar, op.cit. 159-61.98-101, 118-31; 0. Jo/in, Pro- 
leg, ad Pers.CXXXVI-CLX; J.Steub, de Probis grammaticis, Jena 1871 ; 
Th, Mommsen, M. V. Probus de notis antiquis, in Ber. der sächs. 
Gesell. V (1863), p. 91-134; J. Wollenberg, de Probo carm. Verg. 
editore, Zu Boeckhs Jubiläum, Berlin 1857, pp. 12; B, Kühler, de 
Probi Berytii commentariis Vergil., Berlin 1881, pp. 40; J.W.Beck, de 
M. Val. Probo, Groningen 1886, pp. 42; F. Leo, Plautin. Forsch., Ber- 
lin 1895, p.21ff.; Teuffel\ p. 729-734; Schanz, VIII, \\2\ p.338-345. 

M. Pabius Qvintilianvs, aus Calagurris in Spanien 
(c. 35 -c. 95). 

Schtller des bertlhmten Grammatikers Remmius Palae- 
mon^^^ und des Redners Domitius Afer. Nach Hieronymus 
(d. h. Sueton) primus Romae publicum scholam et salarivm 
e fisco accepit Unter seinen Schülern befanden sich der 
jüngere Plinius, wahrscheinlich auch Tacitus und JuvenaL 
Er war der einzige Rhetor, der es zum Konsulat brachte. 
Vergl. auch Mart. 2, 90, 1 Quintiliane, vagae moderator 
summe iuventae \ gloria Romanae, Quintiliane, togae. 

De causis corruptae eloquentiae (Qvint. inst. 2, 4, 4L 
5, 12, 17-23.. 8, 3, 57 f. 6, 76). Weder zeitlich, noch inhalt- 
lich, kann diese Schrift als eine Vorgängerin des Taciteischen 
Dialogus betrachtet werden.^^^ 

Vergl. A.Reuter, de Q. libro qui fuit de causis etc., Göttingen 
1887, pp. 77. 

*Institutio oratoria (um 95), in 12 B. Plan des 
Werkes I 21: B. I quae sunt ante officium rhetoris, II prima 
apud rhetorem elementa . . de ipsa rhetorices substantia, 
III -VII diß inventione, VIII -XI de elocutione, XII de moribus 
oratoris, de eloquentiae genere. Von diesen hat das X. B., 



(1) Ober ihn vergl. Schanz, VIII u 2* p. 332-334 und oben p.89. 

(2) Vergl. meine Ausgabe des Dialogus, Proleg. XXVI ff. LXff. 



Valerius Pfobus. Quintilian. Suetonius. 109 

wegen der in demselben enthaltenen literarischen Kritik, eine 
besondere Berühmtheit erlangt. 

Ober seine Quellen (namentlich das Verhältnis zu Dionysios von 
Halicamassus), siehe oben p. 19 u. Peterson, Quint Bk. X Introduct, 
XXII-XXXIX. Über Chrysippos: Gudeman, Proleg. zu Tac.Dial. 1894, 
p. XCIXf. Im allgemeinen: C, von Morawski, Quaest. Quint., Berlin 
1874, pp.68; H,Nettleship, Lectures and essays II, p. 76 ff. 169 ff.; Teichert, 
de fontibus Quint rhetoricis, Königsberg 1884, pp.58, andere Literatur 
bei Schanz, VIII, n, 2', p.351, und Ober Q. als Kritiker, siehe Samte- 
burg, Hist of Lit. Grit. I 289-323. 

• C. SvETONivs Tranovillvs (c. 75-c. 160). 

Freund des jüngeren Plinius (vergl. epist. 1, 18. 1, 24. 3, 
8. 5, 10. 9, 34). Unter Hadrian eine kurze Zeit lang Geheim- 
sekretär. 

Die enzyklopädische schriftstellerische Tätigkeit Suetons 
läßt sich an Umfang und Einfluß nur mit derjenigen Varros 
vergleichen. Indem er dessen Arbeiten zum großen Teil in 
eine dem Zeitgeschmack besser angepaßte und zur Benutzung 
praktischere Form brachte, hat er mit dazu beigetragen den 
Verlust der Varronischen Originale herbeizuführen, doch sind 
auch von seinen Werken nur die Caesares vollständig er- 
halten, die dann bis ins Mittelalter das Muster biographischer 
Qeschichtschreibung blieben. Er schrieb in griechischer^^^ wie 
lateinischer Sprache. Aus zahlreichen Zitaten, Fragmenten und 
einem unvollständigen Schriftenverzeichnis bei Suidas lassen 
sich seine philologischen, historischen und kulturgeschichtlichen 
Werke inhaltlich annähernd rekonstruieren. 

*de vita Caesarum (von Caesar bis Domitian) de regibus. 

de viris illustribus (Index, Einleitung, vitae).^^^ 

1. de poetis (33 Namen von Livius Andronicus bis Lucan): 
Terenz, Vergil, Horaz, Persius, Lucan erhalten, teils im Ori- 



(1) Die Griechen nennen ihn gewöhnlich nur TpdTicuXXoc. 

(2) Nach dem Vorgang des Antigonos von Karystos, Aristoxenos, 
Hermippos, Satyros, Varro, Nepos, Santra, Hyginus. Die Indices 
der Schriftsteller sind erhalten. 



110 '''• Römische Periode. 

ginal, teils in überarbeiteter Gestalt, teils verkQrzt. 2. de 
oratoribus (15 Namen, von Cicero bis Domitius Afer), er- 
halten die vita des Passienus Crispus. 3. de historicis 
(Sallust, Nepos, Livius, Fenestella, Asconius und *Plinius) 
4. de philosophis (Varro, Nigidius Figvlus, Seneca) 5. *de 
grammaticis et rhetoribusS^^ Der Index der ersteren 
enthält 22 Namen von Saevius Nicanor bis Valerius Probus, 
der letzteren 1 1 von Plotius Gallus bis Quintilian. Erhalten • 
sind die Einleitungen, 20 bezw. 5 vitae und kOmmerUche Reste 
von 9 anderen. 

Roma: De institutis moribusque Romanorum (nepi 
vo|Lii^ujv Kai ^Oujv) de anno Romanorum (eine Hauptquelle 
des Censorinus de die nat. c. 19 und Macr. sat. 1, 12-14) 
Ludicra historia (irepi tujv irapa 'Puj)Liaioic Geujpiujv xai 
dTiivujv). Ausgiebig von Tertullian de spectaculis benutzt Da 
in diesem Werke nachweislich auch auf griechische Spiele 
Bezug genommen wurde, so ist es nicht unwahrscheinlich, 
daß die teilweise erhaltene und namentlich von Eustathios 
ausgebeutete Arbeit irepi tujv irap' "GXXtici naibiujv zur Lu- 
dicra historia^^^ gehörte, de gener e vestium de institutione 
officiorum. 

Prata (oder Pratum, vergl. Aeiiuiüv), in mindestens 10 B.: 
de homine (z. B. de vitiis corporalibus) de naturis rerum. 
Andere Spezialtitel sind unsicher, so: de tempore de mundo 
de naturis animantium. 

*Verborum differentiae. Von zweifelhafter Echtheit. In 
der einen Hs des Traktats werden sie Suetons Pratum zu- 
gewiesen, wo sie sich aber schwer unterbringen lassen. 



(1) Zusammen mit dem Dialogus und der Germania des Tacitus 
überliefert Das große Bruchstück ist aber seinerseits in verkürzter 
Gestalt auf uns gekommen. 

(2) War diese Schrift ein Teil der Roma, so wird man wohl an- 
nehmen müssen, daß von jener oder auch von beiden eine griechi- 
sche Bearbeitung existierte. 



Suetonius. Terentius Scaurus. m 

Suetonisches Gut mögen sie immerhin enthalten. Auch *de 
rebus variis (grammat. Fragm. werden zitiert) werden Exzerpte 
aus einem oder mehreren Werken sein, de notis (irepi tiIiv 
dv ToTc ßißXioic cTi)Lieiu)v). Siehe oben p. 89. 

Griechische Schriften: TTepi ttic KiKdpu)Voc TToXiTeiac. 
Siehe oben p. 52. *TT€pi bucqpymuuv XeHeiüv f^xci ß\acq)Ti- 
md)v Kai TTÖOev dKdcxTi (große Bruchstücke erhalten) Quelle 
Didymos AeHic KUi)LiiKr|. TTepi diricriiLiujv iTopvOüv. Quelle 
vielleicht Aristophanes oder Apollodoros (siehe oben p- 34. 46). 
Nach Schanz war der Eroticus des Apuleius eine lateinische 
Bearbeitung. 

Vergl. Reiff erscheid ^ Suetoni reliquiae praeter Caesares, Lpz. 
1860 (darin Quaest. Sueton. p. 363-477, Ritschelii in vitam Terentii 
commentarii p. 481-536); Schanz, Hermes XXX 401-428, Rom. Lit. 
VIII III* p. 47-66; Teuffei, II p. 873-878; K Leo, Griech.-röm. Biogr. 
p. 1-16. 140-145; //.P^fer, Die geschichtl. Liter, über die röm. Kaiser- 
zeit II 67 ff. 241 ff. 328 ff.; Mac4, Essai surSuetone, Paris 1900, pp. 450 
(Bibliographie p. 17-24); Körtge, in Suetonii de viris illust. usw., 
Halle 1900. 

Q. Terentivs Scavrvs (unter Hadrian). 

Von Ausonius dreimal (47, 20. 205, 12. 210, 8.) mit Va- 
lerius Probus auf eine Stufe gestellt. Gell. 11, 15,3 gram- 
maticus vel nobilissimus, 

*de orthographia (Anfang verloren). Ein wertvoller 
Traktat. Als Quelle wird der mehrfach zitierte Varro an- 
genommen, wahrscheinlicher ist Verrius Flaccus direkt be- 
nutzt, Varro nur mittelbar. 

Kommentare zu Plautus (Rvfin. gramm. VI 651) Vergils 
Aeneis (vergl. Serv. Aen. 3, 484, Schol. Veron. Aen. 4, 146. 
5, 95) Horaz (Porph. Hör. sat. 2, 5, 92 , Charis. gramm. I 
202. 210). 

Ars grammatica. Besonders von Charisius, Diomedes 
und Donat stark benutzt. De Caesellii erronbus. 

Vergl. Teuffel\ II p.886f; Schanz, VIII lll* p. 166-168. 



112 in. Römische Periode. 

Vblivs Lonqvs (unter Hadrian). 

*De orthographia de ixsu antiquae lectionis. Ober 
Anomalien in der Wortableitung ^^^ Kommentar zur Aeneis 
(zitiert in den Scholien und Macrob. sat. 3, 6, 6). 

Vergl. Schanz, VIII iii« p. 169 f. 

Flavivs Caper (Ende des 2. Jahrb.). 

De latinitate de dubiis generibus. Die erhaltenen 
Traktate de orthographia (teilweise metrisch) und de verbis 
dubiis tragen seinen Namen mit Unrecht. Seine echten Schriften 
sind von Julius Romanus, Nonius, Servius und vor allem von 
Priscian ausgiebig benutzt worden. 

Vergl. Sc/ianz, VIII III« p. 173 f. und GoetzFV/. III 1506-1508 (mit 
weiteren Literaturangaben); G, Keil, de Plavio Capro, Diss. Hall. X 
(1889) p. 243-306. 

Abmilivs Aspbr (Ende des 2. Jahrb.). 

Von AvsoN. 47, 20 mit Probus und Scaurus zusammen- 
genannt Kommentare zu: Sallust Terenz Vergil mit 
Quaestiones Vergilianae, vielleicht eine Art Prolegomena. 

Vergl. Lämmerhirt, op. cit p. 401-404; Suringar II 124-142; 
Schanz, VIII ili« p. 171 f.; Goetz PW. I 547. 

A. Gbllivs (unter Marcus Aurelius). 
Verfasser der *Noctes Atticae, in 20 B. (vom 8. B. sind 
nur die Kapitelüberschriften erhalten). Eine ungemein reich- 
haltige Sammlung von LesefrQchten auf fast allen Gebieten 
des Wissens. Als Frontonianer ist Gellius ein Anhänger der 
archaischen Literatur, und dieser Vorliebe verdanken wir eine 
große Anzahl poetischer und prosaischer Fragmente der vor- 
ciceronianischen Zeit.^^^ Seine Mitteilungen sind sehr zuver- 

(1) Z. B. TituSy Titianus, aber lupus, lupinus. 

(2) Von Gesetzen, Edicta usw. abgesehen, zitiert Qellius an 260 
Schriftsteller, darunter von Griechen 30 Dichter und mehr als 80 Pro- 
saiker; von Römern c. 30 Dichter und über 100 Prosaiker. Am 
häufigsten begegnen: Homer, Plato, Aristoteles, Plutarch; Ennius, 
Plautus, Lucilius, Laberius, Vergil, Cato, Claudius Quadrigarius, 
Sallust, Nigidius Figulus, Cicero, Varro, Plinius. 



Longus. Caper. Asper. Qellius. Nonius. 113 

lässig, doch stammen sie nicht immer, trotz gegenteiliger Ver- 
sicherung, aus eigner Lektüre der zitierten Schriftsteller, auch 
sind sie oft stark verkürzt. Avo. civ. 9, 4 nennt ihn vir ele- 
gantissimi eloquii et multae ac facundae scientiae. Benutzt 
haben ihn, wie es scheint, bereits Apuleius und Ammianus; 
Nonius und Macrobius beuten ihn stark aus, ohne aber seinen 
Namen je zu nennen. 

Vergl. Th. Vogel, de A. 0. vita, studiis, scriptis, Zittau Progr. 
1860, pp. 25; L Friedländer, Sittengeschichte III« p. 500-505 (Chrono- 
logisches zu Qellius); «/. Kretzschmer, de A. G. fontibus I (de aucto- 
ribus Qellii grammaticis), Greifswald 1860, pp. 114, Fleck. Jahrb. 
LXXXV (1862) p. 361 ff.; I. Mercklin, die Citiermethode und Quellen- 
benutzung des A.G., in Fleck. Jahrb., Suppl. Bd. III (1860) p. 632-710; 
I. Ruske, de Gellii fontibus quaest. select., Breslau 1883, pp. 72; 
Nettleship, Lecturesand Essays, I, Oxford 1885, p. 248 ff.; «/. W, Beck, 
Studia Gelliana et Pliniana, in Fleck. Jahrb., Suppl. Bd. XIX (1892) 
p. Iff.; Schanz, VIII 3* p. 185-190; Saintsbury, op.cit. I 323-329. 

NoNivs Marcellvs (Anfang des 4. Jahrb.). 

Verfasser von *Z)^ compendiosa doctrina, in 20 Ka- 
piteln, von denen das 16. (de generibus calciamentorum) ver- 
loren gegangen ist. K. 1-12 sind sprachlichen, 13—20 sach- 
lichen Inhalts. Nonius ist ein gedankenloser, mechanischer 
Abschreiber, sein Werk ist aber für uns von unschätzbarem 
Werte, da wir ihm die bei weitem größte Zahl aller uns 
erhaltenen Dichterfragmente der republikanischen Zeit ver- 
danken. 

Ober seine Arbeitsweise und Quellenbenutzung vergl. besonders 
M. Hertz, N. M. und Aulus Gellius in Jahrb. f. Phil. LXXXV (1862) 
pp. 705-726. 779-799; P. Schmidt, de N. M. auctoribus gramma- 
ticis, Lpz. 1868, pp. 50; Barieis, de Terentii memoria apud Nonium 
servata, Straßburg 1884, pp. 50; H. Caesar, de Plauti memoria apud 
Nonium servata, Straßburg 1886, pp. 75; 0. Fröhde, de N. M. et Verrio 
Flacco, Beriin 1890, pp. 52; W^. M. Lindsag, N. M.'s Dictionary of Re- 
publican Latin, Oxford 1901 ; J. Vahlen, Ennius 1903, p. LXXXIX-XCVI; 
Schanz, VIII IV 1 (1904) p. 131-136; Fr. Marx, Lucilius, proleg. I (1904) 
p. LXXVIII-CVI. II (1905) p. VIII-XXII. 

Gudeman, Orundrifi der Gesch. der klass. Phil. 8 



114 III- Romische Periode. 

Flavivs Sosipater Charisivs (4. Jahrh.). 

Verfasser eines uns unvollständig überlieferten, reich- 
haltigen und aus guten Quellen geschöpften Lehrbuchs der 
Grammatik in 5 B. (nur 2 und 3 vollständig, vom 5. nur 
ein Pragm. de idiomatibus erhalten). Obwohl Charisius meistens 
seine Vorgänger nennt, ist die genauere Zuweisung an be- 
stimmte Gewährsmänner mit dem vorhandenen Material nicht 
möglich. Am ausgiebigsten scheinen Remmius Palaemon 
(wenn auch nicht direkt) und lulius Romanus ausgebeutet 

zu sein. 

Vergl. F, Balte, de artium scriptoribus latinis, Bonn 1886, pp. 54, 
Fleck. Jahrb. CXXXVII (1889) p. 401-440; C.EMarshaU, deQ.Remmii 
Palaemonis libris grammaticis, Lpz. 1887, pp. 88; O. Fröhde, de C. 
lulio Romano Charisii auctore, in Fleck. Jahrb. Suppl. XVIII (1892) 
p. 567ff.; I. Jeep, Die Lehre von den Redetheilen, Lpz. 1893, p. 1-13; 
Goetz PW. III 2147-2149, Bursians Jahresb. LXVIII (1891) p. 145ff.; 
Schanz, VIII, iv 1 p. 149-152. 

DiOMBDES (c. 350). 

Seine ars grammatica, in 3 B., hat inhaltlich große 
Ähnlichkeit mit der des Charisius und des Donat Daher ist 
die Quellenfrage besonders kompliziert. Von den drei Möglich- 
keiten: Benutzung des Charisius oder umgekehrt und gemein- 
sames Quellenmaterial, ist die zweite auszuschalten. Die 
erste hat namhafte Vertreter, doch spricht die sorgfältige 
Disposition, ebenso wie die von der Arbeitsweise des Chari- 
sius sehr vorteilhaft abweichende Verarbeitung des Materials 
entschieden fQr die dritte Annahme. Unter den direkt be- 
nutzten Grammatikern scheinen Charisius u. Diomedes auch 
dem Terentius Scaurus (s. p. 111) viel entlehnt zu haben. 

Vergl. F, Bölte, Fröhde, opp. citt.; I. Jeep, op. cit. p. 56-68 
(Charisius Quelle des D.); Leo, Die beiden metrischen Systeme des 
Altertums, in Hermes XXIV (1889) p. 281 ff.; Schanz, VIII, iv, 1 
p. 152-155; Goetz PW. V 827-829. Ober die Quellen der Poetik 
(gramm. I p. 482-492), vergl. E. Kött, de Diomedis artis poeticae 
fontibus, Jena Diss. 1904, pp. 50; J.Kayser, de veterum arte poetica 
quaest. selectae, Lpz. 1906. 



Charisius. Diomedes. Donatus. 115 

Aelivs Donatvs (c. 350). 

Lehrer des Hieronymus. "Pereant qui ante nos nostra 
dixerunV Don. apud Hier, in Eccl. p. 390. 

Ars grammatica (in 2 Teilen, eine ars minor und eine 
ars maior für reifere SchQler). Die ars minor hatte einen 
fast beispiellosen Erfolg, denn sie bildete die Grundlage des 
lateinischen Unterrichts bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts.^^) 
Die indirekten Quellen sind dieselben, wie bei den vorigen, 
die unmittelbaren lassen sich aber nur vermutungsweise be» 
stimmen. 

Kommentar zu Terenz (mit Verlust des Hautontimo- 
rumenos). Doch ist dieser nur ein Konglomerat aus Ex- 
zerpten des Originals mit vielen Zusätzen, die teilweise 
einem Kommentar des Euanthius entnommen sind. Auch 
Eugraphius scheint darin benutzt zu sein. Die Scholien des 
codex Bembinus enthalten ebenfalls Donatisches Gut, doch 
kann der Scholiast kaum aus dem Original selbst geschöpft 
haben. Kommentar zu VergiL Davon ist erhalten 

die praefatio, die Einleitung zu den Bucolica, und eine in 
der Hauptsache auf Sueton zurückgehende Vita Vergilii. 

Vergl. zur Ars: I. Jeep, op. cit. p. 24-56. Zum Terenzkom- 
mentar: Suringar, op. cit. I 78-86; H. Usener, Rhein. Mus. XXIII 
(1868) p. 493 ff.; F. Leo, Rhein. Mus. XXXVIII (1883) p. 317-347; 
P, Rosenstock, de Donato Terentii et Servio Vergilii explicatore usw., 
Königsberg 1886, pp. 85 (mangelhaft); «/. «/. Hartman, de Terentio et 
Donato, Leyden 1895, pp. 239; H. Gerstenberg, de Eugraphio Terentii 
interprete, Jena 1886, pp. 117; Rabbow, Jahrb. f. Phil. CLV (1897) 
p. 305-342; R. Sabbadini, Estr. dagli studi ital. di filol. class. II 
(1894) 1-132; E. Smutny, de schol. Terent. quae sub Donati nomine 
fenintur auctoribus et fontibus in Diss.Vindob. VI (1898) p. 95-137; 
Wessner, Unters, zur latein. Scholien-Literat. , Bremen 1899, p. Iff., 
Praef. zur Scholienausgabe p. XLIV-XLVIII. Zum Vergilkommentar: 
Suringar, 11 31-59; Ribbeck, Proleg. zu Verg., p. 178-185 und be- 
sonders Cr. Lämmerhirt, de priscor. Script, locis a Servio allatis, in 



(1) Im Altfranzösischen und Altenglischen (Chaucer) ist Donat 
(Donet) geradezu zu einem Synonymon von 'Grammatik' geworden. 

8* 



\IQ III. Romische Periode. 

Diss. lenen. IV (1890) p. 339 ff.; «/. C. Watson, Donatus's Version of the 
Terence Didascaliae, in Transact. Amer. Philo!. Assoc. XXVI (1905) 
p. 125-157; im allgemeinen: Schanz, VIII IV 1 p. 145-149; Wessner, 
PW.V 1545-1547. 



Maurus(?) Servivs Honoratus(?), (geb. um 355). 

Der Verfasser des erhaltenen K^rpz7-Kommentars ist 
uns etwas näher bekannt, weil Macrobius ihn in den Satur- 
nalien als Sprecher und Autorität auf dem Gebiete der Vergil- 
erklärung eingeführt hat (1,2, 15. 1, 24, 8. 1, 24, 20. 6, 6, 1). 

Die erhaltene Scholienmasse zerfällt in zwei Gruppen. 
Die kürzere (der echte Serviiis) befaßt sich vorwiegend mit 
Grammatik, Stilistik und Rhetorik und diente augenscheinlich 
rein pädagogischen Zwecken; die aus fiihrlichere,die sogefiannten 
Scholia Danielis^^\ enthalten außerdem eine große Anzahl 
sachlicher, sehr wertvoller Zusätze, die ein Unbekannter aus 
einem oder mehreren gelehrten Werken gesammelt hat. 
Servius benutzte besonders den Aelius Donatus, wahrschein- 
lich Sueton und für das Grammatische, wie es scheint, haupt- 
sächlich Flavius Caper. Der Anonymus oder sein Gewährs- 
mann schöpft z. B. aus Probus und Asper, dem die zahl- 
reichen Sallustzitate entnommen sind. Die Obereinstimmungen 
mit Macrobius erklären sich am besten durch die Annahme 
gleicher Quellen. Andere dem Servius zugeschriebene gram- 
matische Abhandlungen sind belanglos. ^^^ 

Vergl. Suringar, op. cit. II 59-92; G, Lämmerhirt, op. cit. p.311 
-406; E, Thomas, Essai sur Servius et son commentaire surVirgile, 
Paris 1880, pp. 350; G. Thilo, Prolegom. zur Servius-Ausgabe, I (1881) 
p. I-XLVII. LXVI-LXXVII; Saintsbury, op. cit. I p. 334-341. Weitere 
Literatur bei Teuffei IP, p. 1099-1101; Schanz, VIII IV, 1 p. 155-159. 



(1) Weil von P. Daniel zuerst veröffentlicht (1600). 

(2) Der Kommentar des Servius wird vielfach noch überschätzt 
Er enthält ein Sammelsurium von nicht uninteressanten sprachlichen 
Notizen, aber es geht dem Verfasser jedes tiefere ästhetische Ver- 
ständnis ab, und seine Zuverlässigkeit und Gelehrsamkeit lassen viel 
zu wünschen übrig. 



Servius. Hieronymus. 117 

HiERONYMVS (c. 348-420). 

Einer der gelehrtesten Männer seiner Zeit. Er ist wohl 
auch einer der letzten gewesen, der vor dem Untergang der 
antiken Kultur mit der lateinischen und griechischen Literatur, 
namentlich der der Dichter, im vollen Umfang und aus erster 
Hand vertraut war.^^^ Das Jahr 374 bedeutet einen Wende- 
punkt in seinem Leben, indem er, angeblich durch ein Traum- 
gesicht veranlaßt, sich ausschließlich theologischen Studien 
hingab. (^^ Für den klassischen Philologen kommt hauptsäch- 
lich in Betracht: 

Die Chronik des Eusebios.^^^ Vergl. Hier, chron. 
praef. 3 sciendum etenim est me et interpretis et scriptoris 
ex parte officio usvm, quia et graeca fidelissime expressi 
et nonnulla, quae mihi intermissa videbantur, adieci, in Ro- 
mana maxime historia quam Eusebius, huius conditor libri . . 
perstrinxisse mihi videbatur, itaque a Nino et Abraham 
usque ad Troiae captivitatem pura Graeca translatio est, 
a Troia au^^m (1184) usque ad XX Constantini annum (325) 
nunc addita, nunc mixta sunt plurima quae de Tranquillo 
(d. i. Suetonius, de viris illustribus) et ceteris inlustribus in 
historicis curiosissime excerpsi, a Constantini autem supra 
dicto anno usque ad consulatum AugustorumValentis sexies 
et Valentiniani iterum (378) totum meum est 



(1) Dafür zeugt besonders sein Briefwechsel (von 370-419). 

(2) Siehe die berühmte Stelle Epist. 22, 30 Christianum me 
esse respondi » » , mentiris, ait (sc. iudex), Ciceronianus es, non 
Christianus, **ubi enim thesaurus tuus, ibi et cor tuum" . . . tanto 
dehinc studia divina legisse, quanto non ante mortalia legeram. 

(3) Das Originalwerk ist nur aus Bruchstücken bei byzantinischen 
Chronographen bekannt, doch dienen zur Rekonstruktion außer der 
Arbeit des Hieronymus, der nur das 2. B., die Kavövcc, übertrug, 
noch eine armenische Übersetzung und syrische Auszüge. Eusebios 
datierte nicht, wie gewöhnlich angenommen, durchweg nach den Jahren 
Abrahams (2016 » 1 v. Chr.), sondern nach Olympiaden. Zu den der 
ersten Olympiade (Abrah. 1240 = 1. Oct. 776) voraufgehenden fügte 
er aber bei jedem 10. Jahre diejenigen von Abrahams Geburt hinzu. 



11g III. Römische Periode. 

Die Quellen für die Zusätze waren, außer Sueton, be- 
sonders das Breviarium des Eutrop, eine römische Stadt- 
chronik vom Jahre 334, eine nicht näher zu bestimmende 
Latina historia de origine gentis Romanae und eine Geschichte 
des Bürgerkrieges vom Tode des Pompeius (48 v. Chr.) bis 
zur Schlacht bei Actium (31), vielleicht aus einer I/i;iii5-Epi- 
tome. Diese Weltchronik des Hieronymus erlangte kanonisches 
Ansehen und beherrschte das ganze Mittelalter, doch ist 
das Werk mit der größten Flüchtigkeit gearbeitet und 
daher reich an schweren und unentschuldbaren Versehen 
aller Art. H. selbst nennt es mit allzu richtiger Selbst- 
erkenntnis ein "opus tumultuarium"; dennoch ist es für uns 
eine unschätzbare Fundgrube geschichtlicher Oberlieferungen, 
wie denn Eusebios-Hieronymus, alles in allem, wohl die be- 
deutendste Leistung auf dem Gebiete der Chronologie im 
Altertum ist. 

Vergl. Mommsen, Abhandl. der sächs. Gesell, der Wiss. I (1850) 
p. 669 ff.; Ä. Gutschmid, Kleine Schrift. I 417-444 (in Anschluß an 
die Ausgabe von Schöne). Zu den reichhaltigen Literaturangaben 
bei Schanz, VIII IV p. 387-391 (Leben); 401-404 (Chronik) füge hin- 
zu: C. Wachsmuth, Einieit. in das Stud. der alt. Gesch., Lpz. 1895, 
p. 163-176. 185-187; G. Boissier, la fin du Paganisme, I», (1898) 
p. 324-334; Sandys, op. cit.* p. 232-235 

Macrobivs (Anfang des 5. Jahrb.). 

Saturnalia, in 7 B. In der Form eines Gesprächs, 
dessen Einkleidung er dem Platonischen Symposium, den 
Deipnosophistae des Athenaios und den Quaestiones con- 
vivales des Plutarch entlehnte, hat Verfasser eine erstaun- 
liche Fülle interessanter und zuverlässiger Tatsachen aus 
älteren Werken abgeschrieben. Er behandelt römische Alter- 
tümer aller Art, doch den weitaus größten Raum nehmen Er- 
örterungen über Vergil ein (z. B. de doctrina, furtis Vergüii). 
Seine direkten Hauptquellen verschweigt Macrobius prinzipiell, 
zitiert aber statt dessen zahlreiche von jenen angegebene 



Hieronymus. Macrobius. Martianus Capella. 119 

Vorgänger. ^^^ Besonders ausgebeutet sind Gellius, Sueton, 
Seneca und Vergil-Kommentare (aber nicht Servius!^^^), und 
von den Griechen Plutarch und Athenaios. Ober Zweck, 
Inhalt und Plan des Werkes verbreitet er sich in einer Prae- 
fatio, in der er wiederholt die sorgfältige Disposition des 
Ganzen hervorhebt. Vergl. § 3 ff. nee indigeste tamquam in 
aeervum eongessimus digna memoratu, sed variarum rerwn 
disparilitas, auetoribus diversa, eonfusa temporibns . . in quod- 
dam digesta eorpus est . . nee mihi vitio vertas, si res quas 
ex lectione varia mutuabor, ipsis saepe verbis quibus ab 
ipsis auetoribus enarratae sunt explicabo. 10 tale hoc prae- 
sens opus volo: multae in illo artes (^wissenschaftliche Kennt- 
nisse'), multa praecepta sint, multarum aetatum exempla, sed 
in unum conspirata, 

Kommentar zu Ciceros Somnium Scipionis (einem Teil 
des 6. B. von de republica). Dieser bis ins Mittelalter hinein 
viel gelesenen, neuplatonischen Exegese verdanken wir die 
Erhaltung des Ciceronianischen Originals. De differentiis 
et societatibus Graeci Latinique verbi. Nur in mittelalter- 
lichen, ziemlich umfangreichen AuszQgen erhalten. Von den 
bilinguen Glossarien abgesehen, ist dieses Werk wohl das 
einzige erhaltene Beispiel vergleichender Sprachwissenschaft 
im Altertum. 

Vergl. G. Wissowa, de Macr. Saturn, fontibus, Breslau 1888; 
H, Linke, Quaestiones de Macr. Sat. fontibus, Breslau 1888; Teuffei, 
II p. 1141-1144; Saintsburg, I 329-334; Sandys,* p. 237-240. 

Martianvs Capella (c. 420). 
De nuptiis Philologiae et Mercurii, in 9B. Es war 
diese in der Form der Satira Menippea verfaßte Enzyklopädie der 



(1) Erwähnt werden nahezu 200 Schriftsteiier, oft mit sonst nicht 
erhaltenen Zitaten, darunter 25 griech. Dichter, 60 griech. Prosaiker, 
25 latein. Dichter und an 75 latein. Prosaiker. Am häufigsten, nach 
Homer (über 200 mal) und Vergil (c. 700 mal), begegnen Cicero, 
Ennius, Lucrez und Varro. 

(2) Sonst hätte ihn M. kaum als Mitredner teilnehmen lassen. 



120 I'I* Romische Periode. 

sieben 'liberales artes' (s. oben p. 97) eines der beliebtesten 
Schulbücher des Mittelalters. Vergl. Greg. Tvr. Hist. Franc. 
10, 31 p. 449, 15 ff. si te . . Martianus noster Septem disciplinis 
erudiii (folgt eine Inhaltsangabe). Die beiden ersten Bücher 
sind eine groteske Allegorie, die Hochzeit des Merkur und 
der Philologia behandelnd, bei der die einzelnen 'Artes' als 
Brautjungfern auftreten und die ihnen zukommende Wissen- 
schaft auskramen. ^^^ Hauptquelle war Varros Disciplinarum 
libri, daneben für die Rhetorik (B. V) besonders Aquila Ro- 
maniis, für Geographie und Geometrie (B. VI) Pliniiis und 
Solinus, für die Musik (B. IX) Aristides Quintilianus, 

Vergl. Proleg. in Eyssenhardt's Ausgabe, p. XXXI ff.; Teuffei, 
11 p. 1156-1159; Sandys,^ p. 241-243. 

Priscianvs (unter Anastasius 491-518). 

Lebte in Konstantinopel. **Communis hominum praeceptof^ 
u. "Romanae lumen facundia^' (Eutyches) *^Latinae eloquen- 
tiae decus'' (Alcuin). 

*Institutiones grammaticae, in 18 B. Es ist dies 
das reichhaltigste und umfangreichste Werk über die latei- 
nische Sprache, das wir besitzen. Bis zur Zeit der Renais- 
sance blieb es, neben Donat, das verbreitetste Schulbuch und 
ist in mehr als 1000 Handschriften erhalten. Vergl. p. 68 
u. Priscian. Praef.: conatus sum supra nominatontm prae- 
cepta virorum (Apollonios Dyskolos und Herodianos^^^) quae 
congrua sunt visa in Latinum transferre sermonem, 
collectis etiam omnibus fere quaecumque necessaria nos- 
trorum quoque inveniuntur artium commentariis gram- 
maticorum. Für uns liegt der ganz einzige Wert dieser 



(1) Angeblich wegen Zeitmangels kommen die zwei letzten 
Varronischen 'artes', Medizin und Architektur, nicht mehr zum Wort. 
Infolgedessen kennt das Mittelalter nur sieben freie Künste (Quadri- 
vium und Trivium)! 

(2) Weitere griech. Gewährsmänner waren Juba, Heliodor und 
Hephaistion für die Metrik, Dionysios Thrax Scholiasten. Für das 
Lateinische scheint Flavius Caper am ergiebigsten benutzt zu sein. 



Martianus Capella. Priscian. Cassiodorus. 121 

Kompilation darin, daß sie den Verlust der Leistungen der 
großen griechischen Sprachforscher einigermaßen ersetzt, und 
in dem Reichtum der Zitate aus römischen Schriftstellern. 

Vergl. Encyclop, Brittanica, s. n.; Jeep, Redeteile, p. 89—97; 
Teuffei II 1242-1244. 

Cassiodorvs Senator (c. 490 -c. 585). 

Quaestor unter Theoderich von 507-511, Konsul 514, 
nahm er auch unter dessen Nachfolgern eine leitende Stellung 
ein. Kurz vor der Obergabe Ravennas an Belisarius (540) 
hatte er sich in ein von ihm begründetes Kloster in Scylla- 
cium (Scillace), seinem in Süd-Italien gelegenen Geburtsort, 
zurückgezogen und lebte hier über vier Dezennien lang theo- 
logischen und historischen Studien. Nicht seine zahlreichen 
Schriften, nicht seine wenig tiefen ^^^ oder ausgebreiteten 
Kenntnisse des klassischen Altertums verschaffen dem Cas- 
siodor einen ehrenvollen Platz in der Geschichte der Philo- 
logie, sondern die Tatsache, daß er seinen Mönchen die 
Pflege der geistigen Wissenschaften und Sammlungen, sowie 
das Abschreiben von Handschriften zur Pflicht machte; denn 
dies wurde vorbildlich für andere Klöster, die dann in der 
Zeit der Barbarei die Vermittler und Erhalter der lateinischen 
Literatur geworden sind. 

Vergl. Ä, Olleris, Cassiodore, Conservateur des livres de Tan- 
tiquit6 Latine, Paris 1841, pp. 41; Mommsen, Prooem. zu den Variae 
(Monum. Germ. XII), p. XI-XVII; J. Franz, Das Leben von Cassiodor, 
Berlin 1877; E.Norden, Die antike Kunstprosa II 663; Ebert, op. cit. 
1498-514; Hodgkin, Italy and her invaders III 315 ff. IV 384 ff.; 
Teuffei II 1246-1253; Sandys,^ p. 258-270; Hartmann PW. III 1672 
—1676; M.Roger, L'enseignement des lettres classiques d'Ausone ä 
Alcuin, Paris 1905, p. 175-187. 

(1) Es findet sich bei ihm die älteste Erwähnung der Germania 
des Tacitus (c. 45), doch mit der Bemerkung ^hoc quodam Comelio 
scribente legituf ! Peinliche Genauigkeit verlangte er von seinen 
Mönchen nur beim Kopieren der heiligen Schriften, für die klas- 
sischen Autoren war der Korruption Tür und Tor geöffnet durch 
seine Forderung **ubicumque paragrammata in disertis hominibus 
(d. h. die Klassiker) reperta fuerunt, intrepidus vitiosa recorrigaV^ 




122 III- Römische Periode. 

IsiDORVs von Sevilla (c. 570-636). 

"Der größte Exzerpist und Kompendiator, den es viel- 
leicht gegeben haf Ebert 

Von den sehr zahlreichen Schriften dieses "letzten Lite- 
rators des römischen Reiches" kommt hauptsächlich in Betracht 
das buntscheckige, aber sehr inhaltreiche Werk: 

*Etymologiae (Origines), in 20 B.^^^ Es ist eines der 
einflußreichsten Bücher des ganzen Mittelalters. Sein Wert 
ftir uns liegt, wie bei Macrobius, Priscian und vielen anderen, 
lediglich in der Verwertung verlorener Quellen antiker Ge- 
lehrsamkeit, die er allerdings mit wenig Sachkenntnis und 
daher oft mit groben Mißverständnissen - Isidor war des 
Griechischen so gut wie unkundig - ausschreibt. Die Haupt- 
quellen - die direkt benutzten verschweigt er oder umschreibt 
sie mit 'quidam, veteres, philosophi dicunt' - waren Lucrez, 
Sallust, Vitruvius, Plinius (Solinus), Hieronymus, Augustinus, 
Martianus Capella, Orosius, Boethius, und vor allem Suetons 
Pratum. Varro scheint ihm nicht mehr vorgelegen zu haben. 

Vergl. Ä. Ebert, op.cit. I 588-594 (602); Roger, op. cit., p. 195 
-201 ; H, Dressel, de Isidori Originum fontibus in Rivista di Filol. III 
(1875), p. 207-268; Sandys,^ p. 456-458. 

Lateinische Scholien und deren Quellen. 

Die lateinischen Scholien stehen an Wert, wie an Um- 
fang hinter den griechischen weit zurück. Von der Mehr- 



(1) Es ist unvollendet und von seinem Freunde, dem Bischof 
Braulio, herausgegeben worden. Inhalt: I-III Septem liberales artes, 
IV de medicina, Vde legibus et temporibus, VI de libris et officiis 
ecclesiasticis, VII de deo, angelis et fidelium ordinibus, VIII de ec- 
clesia et sectis diversis, IX de Unguis, gentibus, regnis, militia, civibus, 
affinitatibus, X vocum certarum alphabetum, XI de homine et por- 
tentis, XII de animalibus, XIII de mundo et partibus, XIV de terra 
et partibus, XV de aedificiis et agris, XVI de lapidibus et metallis, 
XVII de rebus rusticis, XVIII de hello et ludis, XIX de navibus, aedi- 
ficiis et vestibus, XX de penu et instnimentis domesticis et rusticis. 



Isidorus. Lateinische Scholien und Kommentare. 123 

zahl der bedeutendsten Autoren, deren Werke auf uns 
gekommen, besitzen wir überhaupt keine Scholien, doch sind 
uns bei einigen die Namen antiker Erklärer und Herausgeber 
Oberliefert. 

Naevivs: 

SvET. gramm. 2. C. Octavius Lampadio Naevii Punicum 
Bellum . . . uno volumine et continenti scriptura expositum 
divisit in Septem libros . . Varro ling. 7, 39 erwähnt zwei 
sonst gänzlich unbekannte Kommentatoren namens Cornelius 
und Virgilius, 

Plavtvs: 

Pinakographen, siehe p. 93\ Glossographen: Aurelius 
Opillus, Servius Clodius (Claudius). Kommentatoren: Si- 
senna^^^ (bezeugt für Amph. Aul. Capt. Poen. Pseud. Rud.), 
Terentius Scaurus (wohl nur zufällig allein für Pseud. be- 
zeugt). Auf eine exegetische Beschäftigung mit Plautus 
deuten auch die metrischen Argumenta. Davon sind akro- 
stichische zu allen Stücken, mit Ausnahme der Bacchides und 
Vidularia, wo sie mit deren Anfängen verloren gegangen, 
erhalten, und nicht akrostichische zu Amph. Aul. Merc. Miles 
in den codd. Palatini, zum Pseud. und verstümmelt zum 
Persa und Stichus im ambrosianischen Palimpsest. Dida- 
skalien: zum Pseudolus und Stichus im Ambrosianus. Sti- 
chometrische Reste zum Trinum. und Truc. 

Vergl. Ritschi, Parerga, p. 249-300 (die plautinischen Dida- 
skalien), p. 357-387 (de veteribus Plauti interpretibus). 

Ennivs: 
C. Octavius Lampadio (Gell. 18, 5, 11 Fronto p. 20, 4 N.); 
M. Pompilius Andronicus Annalium elenchi (um 100 v.Chr.) 
von Orbilius herausgegeben (Svbt. gramm. 8); M. Antonius 



(1) Mit dem Zeitgenossen des Cicero, dem Historiker und 
Redner L. Cornelius Sisenna, kann dieser Kommentator, trotz Ritschi, 
Parerga, p. 376 ff. u. Klotz, Altröm. Metr., p.562f., unmöglich iden- 
tisch sein. Er wird wohl der Hadrianischen Zeit zuzuweisen sein. 



124 III- Römische Periode. 

Gnipho^^^ (ScHOL. Bern. Verg. georg. 2, 119, vergl. Bücheier, 
Rh. Mus. XXXVI, 334). Probus, mit kritischen Zeichen (?). 
Siehe oben p. 106. 

Tbrbntivs: 
Zu Donatus, Eugraphius, Euanthius, scholia Bembina, 
(siehe oben p. 115), SchoL Terentiana ed. Schlee, Lpz. 1903. 
Andere gelehrte Forschungen knüpfen sich an folgende Namen 
an, meist in Suetons Vita Terentii erwähnt: Varro, Cornelius 
Nepos, Porcius Licinus, Volcacius Sedigitus, Santra, Q. Co- 
sconius, Maecius, Tarpa, Vagellius(?) Probus mit kritischen 
Zeichen und Kommentar (?) Aemilius Asper (s. o. p. 112) 
Helenius Acro (bezeugt fOrEun. undAdelphoe) Arruntius 
Celsus zum Phormio(?). Dazu kommen die erhaltenen Didas- 
kalien und die *Periochae des C. Sulpicius Apollinaris. 

Vergl. K.Dziatzko, Rh. Mus. XX (1865), p. 578-598. XXI p. 64-92 
(über die Terentianischen Didaskalien); Th. Opitz, de argument me- 
triconim Latin, arte et origine in Lpz. Stud. VI (1883), p. 195 ff. 

LvciLivs: 
Nach der korrupten Stelle im Anecd. Paris, (s. o. p. 106) 
öfter ediert mit kritischen Zeichen. Andere Lucilius-Forscher 
waren: Laelius Archelaus, Vettius Philocomus, Pompeius 
Lenaeus (?), Valerius Caio, Curiius Nicias (Freund Ciceros), 
Ateius Capito, Probus (?). Vergl. E Marx, C. L. carm. reliq. I 
(1904), proleg., p. L-LIX. CXXIX (testimonia). 

LvCRETivs: 
Ausgabe mit kritischen Zeichen von Probus. Einen 
Kommentar erwähnt Hier. apol. in Ruf. 1, 16 (s. o. p. 107). Nach 
demselben Hier, chron. soll Cicero das postume Werk des 
Lucretius herausgegeben haben (emendavit). Das Verbum 
hat aber hier nicht den späteren technischen Sinn, sondern 
bedeutet nur so viel als „ließ eine Reinschrift machen", ver- 



(1) Falls ein solcher Kommentar existierte, so kann er nach 
SvET. gramm. 7 nur zu den untergeschobenen Schriften gehört haben. 



Lateinische Scholien und Kommentare. 125 

mutlich durch seinen Freund Atticus, den Epikureer und 
Buchhändler, 

Cicero: 

Die Briefe und die Reden edierte M. Tullius Tiro. Kom- 
mentatoren zu den Reden: *Asconius (s. p. 103). *Ps. As- 
conius (zur div. in Caec, Verr. 1. 2. 3,1-35). *Scholia 
Bobiensia (Place, post red. in sen., post red. ad Quin, 
Plane, Mil., Sest., Vat, in Clodium et Curionem, de aere 
alieno Milonis, de rege Alexandrino, Arch.- SuU. Mur. dorn, 
nicht erhalten, aber bezeugt). *Scholiasta Gronovianus (div. 
in Caec, Verr. 1.2, Catil.2.3.4, Lig., Marcell., Deiot., S.Rosc., 
Manil., Milo, vollständig erhalten nur die 3. und 4. Catili- 
naria), minderwertig. Ganz wertlos sind Schol. Ambros. 
(Catil. 4, Mareen., Lig., Deiot.). Nur dem Namen nach kennen 
wir Volcacius (Hier. apol. in Ruf. 1, 16), Sacer zu Rab. post. 
(Char. gramm. I, 21, 10). Zu de inv.: *C. Marius Victorinus 
(4. Jahrh.), Grillius (4./5. Jahrb.). Topica: * Victorinus, 
*Boethius, Somnium Scipionis:*Macrobius (s. p.ll9), 
*Favonius Eulogius. Zu den Dialogen: Victorinus (Hier. 
1. c). Perner schrieb Statilius Maximus de singularibus 
apud Ciceronem positis (sehr häufig von Charisius zitiert). 

Vergl. Schanz, VIII l', p. 281-284 und P. Hildebrandt, de schol. 
Cic. Bobiensibus, GOttingen 1894, pp. 64. 

Sallvstivs: 
Aemilius Asper (siehe oben p. 112). Direkt zitiert wird 
aus seinem Kommentar zu den Historien und dem Ca- 
tilina. Doch wird er sicherlich auch den Jugurtha erklärt 
haben. (^^ Ob er eine kritische Ausgabe besorgte, ist nicht 
zu erweisen, doch ist es sehr wahrscheinlich. 

Gbrmanicvs: 
Aratea: *Scholia Basileensia (vor Lactanz) ed. Breysig 
1867, p. 55-104. Scholia Sangermanensia (8. Jahrb.). 

(1) Hier. adv. Rufin. 1, 16 wenigstens scheint dafür zu sprechen: 
quod puer legeris Aspri in Vergilium et Sallustium commentarios. 



126 III- Römische Periode. 

Verqilivs: 

Erhaltene Scholien und Kommentare: *Servius (p. 116). 
*Scholia Veronensia: Exzerpte aus Ecl. Georg. Aeneis. Zu 
ersteren sehr dürftig, auch zur Aeneis sehr lückenhaft, 
von B. VI und XI fehlen Scholien gänzlich. Der Wert dieser 
Scholien ist sehr hoch einzuschätzen. Nachweisbar benutzt 
waren Cornutus, Asper, Velius Longus. Auch sind wertvolle 
literarische Fragmente daselbst erhalten. Rhetorisch-ästhe- 
tischer Kommentar des Tiberius Claudius *Donatus zur 
Aeneis. *Ps. Probus zu den Bucolica und Georgica, rein 
sachlich. Kurze vita, Einleitung über bukolische Poesie, 
Gattung, Versmaß usw. Von Ecl. dürftige Reste mit Aus- 
nahme von 6, 31 über die Elemente (in Thilo-Hagens Ser- 
vius III 2, p. 331-344). Weniger lückenhaft sind die An- 
merkungen zu den Georgica, eine längere astronomische 
Abhandlung zu 1, 233ff. (p. 360-365). lunius ^Philargy- 
rius zu den Eclogen, in zwei Passungen, einer kürzeren 
und längeren, erhalten. *Scholia Bemensia zu den Ecl. und 
Georgica, mit der subscriptio: haec omnia de <tribus)> com- 
mentariis Romanorum congregavi (vielleicht Adamnanus): id 
est Titi Galli et Gaudentii et maxime lunilii Flagrii (d. h. 
lunius Philargyrius). Diese "Dreimänner -Scholien" liegen 
uns aber nur in einer Epitome vor. *Anonymi Brevis expo- 
sitio Vergilii Georgicorum. Die anderen Anonymi sind wertlos. 

Unter den überaus zahlreichen Gelehrten, deren Arbeiten 
über Vergil uns ganz verioren gegangen oder nur aus Zi- 
taten und Bruchstücken bekannt sind, erwähne ich: Plotius 
Tucca und L. Varius (editio princeps), M. Valerius Probus 
(maßgebende Ausgabe mit kritischen Zeichen) Obtrectatores 
Vergilii und dessen Verteidiger (p. 103). Julius Hyginus 
(p. 100 f.). I. Annaeus Cornutus Aemilius Asper (p. 112) 
Velius Longus Q. Terentius Scaurus (p. 111). Andere 
bei Suringar und Ribbeck. 

Vergl. Suringar, op. cit. II 1-350; Georgii, Die antike Aeneis- 
kritik aus den Scholien und anderen Quellen hergestellt, Stuttgart 



Schollen: Vergil. Horaz. 127 

1891, Die antike Aenelskrltlk Im Kommentar des Tlberius Claudius 
Donatus, Stuttgart 1893, Praef. zur Ausgabe Bd. I, p. VIII-XV (1906), 
Die antike VergUkritlk In den Buc. u. Georg., In Phil. Suppl. IX 
(1902) p. 52-328; O. Ribbeck, Proleg. ad Verg. c. 9; Schanz VIII ll 
P, p. 80-92. 

HoRATivs: 
*Porphyrio (vor Gellius und nach lulius Romanus, also 
etwa Anfang des 3. Jahrb.): Grammat.-rhetorisch-ästhetischer 
Kommentar, in verkürzter^^^ und lückenhafter^^ Gestalt er- 
halten.^^^ Hauptquelle: Helenius Acro, einmal von F. selbst 
erwähnt (Sat 1, 8, 25 memini me legere apud Helenium 
Acronem). Von Gewährsmännern nennt er außerdem nur 
Claranus (Sat 2, 3, 83), Terentius Scaurus (Sat. 2, 5, 92), 
Sueton (Epist. 2, 1, 1), der aber häufig benutzt zu sein 
scheint, und sodann qui de personis Horatianis scripserunt 
(Sat. 1, 3, 21. 90). Sonst begnügt er sich mit einem Hin- 
weis auf alii, quidam, dicitur, fertur, putant, sunt qui, tradi- 
tur, veteres und nonnulli veterum grammaticorum (Sat. 1,3, 11). 
Ps. Acro (5. Jahrh.): Der Name Acro wurde dieser 
buntscheckigen und ziemlich minderwertigen Scholienmasse 
erst im 15. Jahrh. beigelegt. In der Hauptsache geht der 
Kommentar auf Porphyrio in seiner unverkürzten Form zu- 
rück. Commentator Cruquianus: Es sind dies Schollen, die 
Cruquius (f 1628) aus einem später verbrannten cod. Blan- 
dinius antiquissimus, wie er behauptet, abgeschrieben hatte. 
Es scheint aber, daß er nur einiges Material aus anderen Hss ent- 
nommen und vor allem moderne Schollen-Ausgaben, wie die des 
G. Fabricius, ausgebeutet hat. Was sich an wichtigen Notizen 



(1) Vergl. Sat. 1, 9, 22 mit 1, 10, 83. 1, 6, 41 mit der vita. An 
beiden Stellen wird auf Erörterungen hingewiesen, die in unserem 
Porphyrio sich nicht mehr finden. 

(2) Es fehlen z. B. die Anmerkungen zu Sat. 2, 3, 103-141 und 
2, 6, 72-117. 

(3) Daß der Kommentar zu einem Texte gehörte, geht aus Satl, 
9, 52 hervor: ubi duo puncto interposita sunt alteram personam 
loqui intellegas. 



128 in. Römische Periode. 

trotzdem findet, geht nicht auf antike Quellen zurück. Die 
grundlegende Rezension des Textes mit notae wird Probus 
verdankt. Einen weiteren nicht genau zu identifizierenden 
Horazerklärer, namens Modestus, erwähnt eine vita Pseudo- 
Acroniana: commentati in illum sunt Porphyrion, Modestus 
et Helenius Acron. Acron omnibus melius. 

Vergl. Suringar, op. cit. III 1-189; O, Keller, in Symbola phi- 
lol. Bonnens. (Ober Porphyrion, Pseudoacron und Fulgentius, Scho- 
liasten des Horaz), Lpz. 1867, p. 489-503; P. Wessner, Quaest. Por- 
phyrioneae in Comment lenens. V (1894), p. 155 ff.; J.Endt, Studien 
zum Commentator Cruquianus, Lpz. 1906, pp. 86. Der Versuch von 
P. Graffunder, Entstehungszeit und Verfasser der akronischen Horaz- 
scholien, in Rh. Mus. LX (1905), p. 128-144, Ps.Acro als die QueUe 
fflr Porphyrio zu erweisen, ist gänzlich mißlungen. Im allgemeinen: 
Schanz VIII u 1*, p. 128-131, Vlll Ul, p. 175-179. 

OviDivs: 
Zum Ibis. ed. R. EUis 1881, p. 43-104. Aus dem 7.-8. 
Jahrh. und fast wertlos. 

LvcANVs: 
*Commenta Bernensia (cod. Bern. 370) Adnota- 
tiones, in zahlreichen Hss. Kommentare ähnlicher Art werden 
wohl die in alten Bacherkatalogen (z.B. von Tegernsee und 
Corbie) erwähnten gewesen sein. Nur dem Namen nach 
bekannt sind die exegetischen Arbeiten des Horazscholiasten 
Porphyrio, des Comutus^^\ Vacca (6. Jahrh.) mit Vita, und 
Polemon, in mindestens 5 B. (Lavr. Lydvs, de magist. 3, 46). 
Dazu kommt die vita Lucani (nach Sueton) und ein ano- 
nymer Kommentar (Hier. adv. Ruf in. 1,16). 

Vergl. Schanz VIII n 2*, p.96f.; H.Hagen, Suppl. Fleck. Jahrb. 
1867, p. 696-733. 



(1) Vielleicht identisch mit L. Annaeus Comutus, dem Philo- 
sophen, Rhetor und Grammatiker, Lehrer des Lucan und des Per- 
sius, Erklärer des Vergil und Hesiod. Vergl. O. Jahn, Proleg. ad 
Persium, p. VIII-XXIV. 



Schollen: Horaz. Ovid. Lucan. Persius. Juvenal. Statius. 129 

Persivs: 
Comuti^^H?) •Commentum. Ein Kommentar wird auch 
von Hier., 1. c. 1, 16, erwähnt. Hauptausgabe von Probus 
besorgt, mit Vita. Vergl. Schanz VIII ii 2\ p. 69. 

IVVENALIS: 

Für die spätere Zeit grundlegende Textrezension von 
Nicaeus, einem Schüler des Servius. Die erhaltenen Scholien 
zerfallen in zwei Gruppen: Scholia Piihoeana (im cod. 
Pithoeanus [9. Jahrh.] und im Sangallensis [9. Jahrh.] ohne Text). 
Die Scholien bis 8, 193 veröffentlichte G.Valla (1486) fälschlich 
unter dem Namen des Probus. Scholia Comuii in codd. 
deteriores erhalten. Der minderwertige Charakter dieser 
Scholien verbietet es, sie mit dem berühmten Comutus in 
Verbindung zu bringen, wie denn schon dessen Lebens- 
zeit gegen die Identität sprechen würde ^^^ Vergl. Schanz, 
VIII 11 2«, p. 183f. 

Stativs: 
ScHOL. Theb. 6,364(342): de his rebus . . . ex libris in- 
effabilis doctrinae Persei praecepioris (Cornutus?) seorsum 
libellum composui /"Caelius Firmianus Lactaniius Placidus?] 
Scholien zur Achilleis. 

Vergl. Schanz, VIII lll 2« p. 136 f. 



(1) Vergl. Vita Persii: librum imperfectum reliquit versus ali- 
qui dempti sunt ultimo libro et quasi finiturus esset, leviter correxit 
Comutus et Caesio Basso petenti ut ipsi cederet tradidit edendum. 
Dies beweist, daß Cornutus überhaupt keinen Kommentar zum Per- 
sius verfaßt hat. 

(2) Es ist wahrscheinlicher, daß sowohl bei Persius (aus nahe- 
liegenden Gründen) als auch bei Juvenal (weil ebenfalls Satiriker?) 
der berühmte Name hinzugefügt wurde, wie bei Ps. Acro Horaz, 
Ps. Probvs Vergil, als daß ein gleichnamiger Kommentator beider 
Dichter existiert haben sollte. 

Gudeman, Grundriß der Gesch. der klass. Phil. 9 



130 IV. Mittelalter. 

IV. Das Mittelalter. 

1. Die Byzantinische Epoche (529-1453). 
Im allgemeinen: K, Krumbacher (=Kr.), Gesch. der byzant. 
Literatur (in J. Müllers Handbuch IX 1) 1897«, p. 499-604. 725-730. 
1139-1142 (grundlegendes Meisterwerk), Kultur der Gegenwart, 
Theil 1 8 (1905) p. 237-282 (Charakteristik); Wilamowitz, Eur.Heracl. 
P 193-2 19 W; Sandys, Hist. of Class. Scholarship, p. 386-439. 

Lexica und Etymologica: Der Wert der überaus zahl- 
reichen Arbeiten dieser Art beruht lediglich auf den Resten 
antiker Gelehrsamkeit , die sie uns aufbewahrt haben , denn 
keine derselben zeichnet sich durch Originalität oder eigenes 
Studium der einschlägigen Quellen aus. Die bekanntesten 
sind: Oros, Orion, das Etymologicum magnum genuinum, 
Etymologicum Oudianum, das erweiterte Etymologicum 
magnum, die bilinguen Lexica des Ps, Kyrillos und des 
Ps. Philoxenos, Hesychios von Alexandrien (s. oben p. 62), 
CuvttTUJT^ XeEeujv XP^ICIMUJV ^k biaq)6pujv coq)iJüv xe Kai 
^riTÖpujv iToXXOüv (Quelle des Suidas), sechs Lexica Segueriana, 
Photios, Suidas (s. u.). 

Zur Literatur siehe besonders unter Pamphilos p. 63. Die ver- 
lorenen Etymologica verzeichnet Fabricius, Bibl. Gr. VI 601-605. 

Hesychios Illvstris von Milet (6. Jahrh.). 
'OvojLiaxöXoToc Fj irivaE tOüv dv naxbeia. övojiidcTUJv be- 
handelte, nach Literaturgattungen geordnet, alle namhaften 
Schriftsteller Griechenlands. Hauptquellen waren: Philon von 



(1) p. 194: „Diese Byzantiner sind eigentlich gar nicht als 
Schreiber, sondern als Emendatoren aufzufassen, sie sind nicht die 
Kollegen der braven, stupiden Mönche, die treufleißig nachahmten, 
was sie nicht nur nicht verstanden, sondern auch nicht zu verstehen 
meinten, sondern sie sind unsere Kollegen. An ihren Zeit- und 
Sinnesgenossen in Italien müssen sie gemessen werden ... Ihr 
Scharfsinn ist gar nicht gering, sie haben so manchen Vers für 
immer geheilt und noch viel öfter das Auge von Jahrhunderten ge- 
blendet." 



Lexica: Hesychios Illustris. Photios. 131 

Byblos und die MouciKfj icxopia des Aelius Dionysios (siehe 
oben p. 65!.). Dieses reichhaltige Werk wurde von einem 
Unbekannten in einen alphabetischen Auszug gebracht, der 
von Suidas ausgebeutet wurde. ^^^ 

Vergl. Ar., p. 323-325; H. Flach, Rhein. Mus. XXXV p. 191-235. 

Photios (c. 820-c. 891). 

Patriarch von Konstantinopel (858-867. 877-886). "Eine 
der mächtigsten Gestalten, welche die Geschichte der griech. 
Literatur kennt" Krumbacher. Die welthistorische Bedeutung 
des Mannes beruht auf seiner Tätigkeit als Kirchenfürst. Der 
Altertumswissenschaft gehören zwei Werke an: 

BißXioOrjKTi oder MupioßißXov (vor 857 verfaßt). Ent- 
hält eine kritische Beurteilung von 280 Büchern (oft mit 
längeren Exzerpten und Inhaltsangaben), die Photios angeblich 
als Gesandter in Syrien in einem wissenschaftlichen Kreise 
gelesen und besprochen hatte. Von metrischen Paraphrasen 
der Bibel abgesehen, fehlen die Dichter vollständig, auch die 
bedeutendsten Vertreter der Philosophie und Historiographie 
(z. B. Xenophon, Piaton, Aristoteles, Thukydides, Polybios, 
Plutarch)y doch las er viele Werke, die uns nicht mehr oder 
nur fragmentarisch erhalten sind (z. B. Ktesias, Theopomp, 
Ephoros, Dionysios Halic, Diodor, Appian, Arrian, Cassius 
Diö). In den Exzerpten und in den vorzüglichen Charakte- 
ristiken besteht der große Wert des Buches. Ob letztere 
aber durchweg originell sind, muß nach Analogie seiner theo- 
logischen Schriften bezweifelt werden. Vermutlich war des 
Hesychios 'OvojbiaTÖXoToc eine stark ausgebeutete Quelle. 

AeEeujv cuvaTUJTn. Nach Andeutungen in der BißXio- 
Oi^KT] (cod. 151 — 158) und den Untersuchungen moderner 



(1) Wenn Svidas s. v. 'Hciixioc sagt; oö ^mroiifi 4cti toOto ßi- 
ßXiov, so hat er diesen Satz in seiner gedankenlosen Weise einfach 
aus seiner Vorlage mit abgeschrieben, denn 1. ist die Behauptung 
nachweisbar falsch, 2. würde ein Suidas kein so offenes Geständnis 
abgelegt haben. 



132 IV. Mittelalter. 

Forscher ist dies Lexikon eine Kompilation aus Harpokra- 
Hon, einer Epitome des Diogenianos (Hesychios?), dem 
platonischen Glossarium des Timaios, dem homerischen des 
Apion und vor allem aus den atticistischen Lexica des Dio- 
nysios, Pausanias und Phrynichos (siehe p. 66. 70). 

Vergl. Prolegomena in Nabers Ausgabe und im allgemeinen: 
Fabricius, Bibl. Gr. X 660-776. XI 1-37; J. Hergenroether, Photios, 
3 Bde, Regensburg 1869 (Hauptwerk), bes. Bd. 3 p. 3-260 (Schriften 
des Photios); Kr., p. 73-79 (Eberhard), 515-525; Saintsburg, 1 175-187. 

KONSTANTINOS VII. PORPHYROGENNBTOS. 

Byzant Kaiser von 9 12(945) -959. Von den zahlreichen 
Werken, die wir weniger seiner Feder als seiner zielbewußten 
Anregung verdanken, ist für das Studium des Altertums das 
wichtigste die monumentale: 

Enzyklopädie der Geschichte. In der Über- 
zeugung, daß "dir* äireipöv t€ Kai djbirixavov fi ttic icxopiac 
cujLiirXoKri", ließ er eine historische Anthologie veranstalten, 
und zwar nach sachlichen Gesichtspunkten. Es waren 53 
Abschnitte, von denen uns etwa 26 Titel bekannt sind, doch 
sind nur w^r auf uns gekommen: 1. •irepi irpecßeiOüv (ganz 
erhalten), 2. *nep\ dpcTfic Kai KaKiac (etwa die Hälfte), 
3. irepi fvuiiiiujv und 4. irepi dirißouXujv Kaxd ßaciX^ujv 
T€Tovuia)v, in Exzerpten. Beachtenswert ist, daß einige 
der umfangreichsten Geschichtswerke, wie die des Polgbios, 
Dionysios Halic, Diodor und Cassius Dio, schon den damaligen 
Exzerptoren nicht vollständiger zu Gebote standen als uns. 

Vergl. Kr., p. 252-264 (speziell p. 258-261); C. Wachsmuth, 
Einl. in das Studium der Gesch., p. 69-77; L. Cohn PW. IV 1037 
-1040. Hauptausgabe von de Boot, Boisseuain u. Büttner -Wobst, 
Berlin, 4 Bde, 1903-1907. 

SVIDAS. 

"Pecus est Suidas, sed pecus aurei velleris" Justus Lipsius. 
Lexikon (verfaßt zwischen 976 und 1028).^^^ Teils 

(1) d. h. nach Johannes I Tzimiskes (969-976) und vor dem 
Tode Konstantinos VIII (1025-1028). Vergl. SviDAS s. v. 'Aödii. Auf 



Konstantinos Porphyrogennetos. Suidas. 133 

Wörterbuch, teils Konversationslexikon. Trotz der großen 
Nachlässigkeit und der schweren Versehen, die man dem 
Suidas nachgewiesen, bleibt seine Kompilation dennoch ein 
Werk von staunenswerter Gelehrsamkeit und ist für uns, bei 
dem Verlust seiner vorzüglichen Quellen, von unschätzbarem 
Werte, besonders für die Literaturgeschichte.^^^ Wenn auch 
eine reinliche Scheidung seiner direkten und indirekten Quellen 
bisher nicht gelungen ist, so scheint doch die überwiegende 
Masse seines Materials auf folgende Schriften zurückzugehen: 
1. Lexica: Harpokration, Aelius Dionysios und Pau- 



dieselbe Zeit führt seine Erwähnung des Simeon Metaphrastes als 
eines kürzlich Verstorbenen (ö juaKaphiic). Auf diese Indizien hat 
zuerst aufmerksam gemacht R, Bentley, Diss. on the Epistles of Pha- 
laris 1690, p. 89 W. 

(1) Von der Reichhaltigkeit dieser Enzyklopädie kann folgende 
Zusammenstellung ein Bild geben. Im ganzen enthält das Werk 
etwa 12000 Lemmata, davon über 900 biographischen Inhalts. Die 
längsten Artikel sind Origenes {3% Seiten bei Bekker), Jesus (3), 
Homer (2^^)^ Pgthagoras (2*/,), Dionysios Äreopagites (2), Demo- 
sthenes(l%), Zitate finden sich insgesamt aus c. 400 Schriftstellern, 
in einigen Fällen mit gänzlicher Unterdrückung des Namens, so z. B. 
bei Artemidoros, dem Historiker Herodian, dem Periegeten Pausa- 
nias, Diogenes Laertios, Theodoretos, Sophronios. Ober 50 mal 
zitiert werden: Kratinos (mit 21 Titeln), Euripides (mit 21), Kallimachos, 
Athenaios, Äppian, Ober 100 mal: Herodot, Lysias (mit 28 Reden), 
Aristoteles, Menander (mit 49 Titeln), losephos, Dio Cassius, Proko- 
pios. Ober 200 mal : Hesiod, Thukydides, Xenophon, Piaton, Johannes 
Damascenus, Diogenes Laertius (270 Obereinstimmungen), Theodoret. 
Ober 300 mal: Demosthenes (mit 51 Reden). Ober 400 mal: Homer, 
Aelian, Am häufigsten benutzt werden, von den biblischen Schriften 
abgesehen, Sophokles (c. 800 mal, mit 31 Titeln), Polybios (670 mal), 
Anthologie (965 mal), und allen voran Aristophanes (3401 mal, mit 
17 Titeln). Auch die Römer gehen nicht ganz leer aus, doch werden 
von Autoren nur Ennius, Fabius Pictor (der aber griechisch schrieb), 
Asinius Pollio, Livius, Suetonius (Schriftenverzeichnis) und Juuenal, 
sehr kurz und nicht ohne arge Versehen behandelt, vergl. z. B. s. v. 
KopvoÖTOc: 60u) c\)xxp&(pee 'Pu))Lia(u)v flcTT]v, T(toc A(ßioc, oö öiapprt 
iroXd Kai kXcivöv övo|ia xal KopvoOroc usw.; die Artikel 'Advioc TTui- 
Xiujv u. TTujX(ujv ö 'Ac(vioc. 



134 IV. Mittelalter. 

sanias die Atticisten, Heüadios, Eudemos, Glossarien zu Hero- 
dot, Euripides, Menander, KaUimachos, rhetorische Lexica und 
vor allem eine Epitome des Hesgchios von Alexandrien und 
eine CuvaTuiyn XeEeuiv xPH^iMUJV, die auch Photios be- 
nutzte. 

2. Schollen und Kommentare: Aristophanes (in 
einer vollständigeren Fassung als die erhaltenen), Homer (ähn- 
lich denen des Venetus B), Thukgdides, Sophokles (haupt- 
sächlich zum Oed. Tyr. Oed Colon, und Aias), Philoponos 
und Alexandros von Aphrodisias zu Aristoteles. 

3. Historiker: Herodot, Thukgdides, Xenophons Am- 
basis, Polgbios, losephos, Arrian, Aelian, Byzantiner. Doch 
dOrfte Suidas diese Autoren fast ausschließlich in der histo- 
rischen Anthologie des Konstantinos (siehe oben) gelesen 
haben. POr die christlichen Schriftsteller scheint Georgios 
Monachos, obwohl er ihn nirgends nennt, seine Hauptquelle 
gewesen zu sein. 

4. Literaturgeschichte: Hier hat Suidas vor allem 
des Hesgchios 'Ovo^aTÖXofoc ausgeschrieben. ^^^ Auch Athe- 
naios (B. I und II in der noch unverkürzten Passung) und Dio- 
genes Laertios (s. o. p. 133^) sind vielfach benutzt 

Vergl. Fabricius, Bibl. Gr. VI 389-400. 419-595; G.Bemhardg, 
Proleg. zu Suidae Lexicon, vol. I p.XXVlI-LXXXII; A, Daub, Studien 
zu den Biographica des Suidas, Tübingen 1883, p. 124-153 (Suidas 
u. Hesychios), Fleck. Jahrb., Suppl. Bd. XI p. 403-490; D. Volck- 
mann, de Suidae biographicis, Bonn 1861, Symbola phil. Bonnens. 
in honorem Ritschelii, Lpz. 1867, p. 715-731; C.Wachsmuth, ebenda 
p. 135—153; E. Rohde, t^tovc in den Biographien des Suidas in 
Rhein. Mus. XXXIII (1878) p. 161-220. 638-639. XXXIV p. 620-623 



(1) Daß eine solche Abhängigkeit mitunter eine gewisse Selb- 
ständigkeit nicht ausschließt, zeigt in eklatanter Weise der bissige 
Ausfall in dem Artikel Tucian'. Gegen eine ausgedehnte selbstän- 
dige Lektüre von selten des Suidas spricht deutlich die fast völlige 
Ignorierung des Lucian (er zitiert ihn nur 5 mal, aber nie mit Namen), 
sowie vor allem die des Plutarch und Lykophron, drei der beliebtesten 
Schriftsteller in der Byzantiner-Zeit. 



Suidas. Tzetzes. I35 

(«Kleine Schrift. I p. 114-184); R. Roellig, Quae ratio inter Photii 
et Suidae lexica intercedat, Diss. Halle 1887, pp. 66; Ar. p. 562-570; 
G. Wentzel, Berichte der Berl. Akad. 1895, p. 477-487. 

loHANNEs Tzetzes, c. 1110— c. 1185. 

Tzetzes zeichnet sich aus ebenso durch eine achtung- 
gebietende Belesenheit, unleugbaren Reiß und vielseitige 
Sammlertätigkeit, als durch Unzuverlässigkeit, Geschmacklosig- 
keit und abstoßende Selbstüberhebung/^^ 

Antiquarisch 'historische Arbeiten: BißXoc icxopiijüv, 
600 Kapitel in 12674 politischen Versen, gewöhnlich Chili- 
ades^^^ genannt. "Ein ungeheurer, versifizierter Kommentar 
zu den eigenen Briefen" Krumb. Das Werk enthält eine 
konfuse Sammlung literarischer und geschichtlicher Details. 
Die Chiliaden wurden ihrerseits mit Schollen vom Verfasser 
selbst versehen. Allegorien^^^ euhemeristischer Art zur 
Ilias und Odyssee in c. 10000 Versen. Kommentar mit 
Schollen zur Ilias, Carmina Iliaca (Antehomerica, Home- 
rica, Posthomerica), ebenfalls mit Scholien. Ausgeschrieben 
sind Tryphiodoros, Quintus Smyrnaeus und Joh. Malalas. 
Theogonia, ein mythologisches Handbuch in Versen. 

Kommentare und Scholien: Zu Hesiods Opera et Dies 
und 'AcTTic. Ausgeschrieben ist Proklos, der seinerseits den 
Plutarch ausbeutete (siehe oben p. 63). Da ersterer nur in 
Bruchstücken, letzterer gar nicht erhalten ist, so kommt dieser 
Arbeit ein selbständiger Wert zu. Zu Aristophanes: Auf 
uns gekommen sind Scholien zu Wolken, Frösche, Plutos und 
iJiTo0ec€ic zu Ritter und Vögel. Besonders berühmt wurde 



(1) Chil. 1, 277 o^bi rap MvriiLiov^CTepov toO TUtIox) Qioc äXKov \ 
"Avbpa Tuiv irpiv t€ Kai tuiv vOv kii(pr]V€v kv ß(qj. Alleg. ad Iliad. 
15, 87 '€|iol ßißXioe/|Kii yäp Vj xeqpaXf) TUTX<iv€i | B(ßXoi ö' f\^\v oö ird- 
peici b€ivu»c dxpriiLiaToöciv. 

(2) So vom ersten Herausgeber Gerbel (1546), der zur Erleichte- 
rung des Zitierens 13 Verstausende annahm. 

(3) *0 "Oiiripoc, ö irdvcoqpoc, f\ OdXacca tOöv Xötujv. Siehe oben 
p. 42 ^ 



136 IV. Mittelalter. 

eine Notiz zum Plutos (Scholion Plautinum), siehe oben p. 24. 
Diese Scholien sind vielfach identisch mit anderen anonym 
erhaltenen. Zu Lykophrons Alexandra: die einzige er- 
haltene Erklärung dieses dunkelsten Gedichts der griech. 
Literatur. Siehe oben p. 84. Zu den Halieutika des Oppian. 
Aus Zitaten kennen wir auch Scholien zu Nikandros. Andere 
Schriften bei Kr. op. cit. 

Vergl. Fabricim, Bibl.Gr.XI 229-259; H.Giske, de loh.Tzetzae 
scriptis ac vita, Rostock Diss. 1881, pp. 92; G. Hart, de Tzetzarum 
nomine, vitis, scriptis, Suppl. Bd. Jahrb. f. Phil. XII (1881) p. 1-75; 
Chr, Härder, de loh. Tzetzis historiarum fontibus quaest, Kiel 1886, 
pp. 89. Weitere Literatur bei Kr, p. 526-536. 

EVSTATHIOS. 

Erzbischof von Thessalonice, 1175. Seine philologischen 
Arbeiten wurden vor diesem Jahr in Konstantinopel verfaßt. 

Kommentare zur Ilias und zur Odyssee (irapcK- 
ßoXai), mit Proömien Ober Homerische Poesie Oberhaupt 
und ober Homer selbst. Jedem Gesang geht eine kurze In- 
haltsangabe voran. Wie man den Wert dieses großartigen 
Sammelwerkes heute wegen seiner Weitschweifigkeit und 
seines Mangels an Originalität zu unterschätzen geneigt ist, 
so hat man es früher in Nichterkenntnis seiner Unselbständig- 
keit und vor der Veröffentlichung der Scholien des Venetus 
A. gleich sehr überschätzt. Seine Hauptquellen sind: Homer- 
scholien, ^Lexica rhetorica' (d. h. Atticisten, wie Dionysios und 
Pausanias), das echte Etymologicum Magnum, Suidas, sodann 
Strabon, Stephanos von Byzanz (in vollständiger Form), Hera- 
kleides von Milet, Sueton (griech. Schriften) und Aristophanes 
von Byzanz, aber kaum in einem Originalwerk.^^^ 

Kommentar zu Pindar: Davon ist nur erhalten das 
sehr wertvolle Proömium, über lyrische bezw. Pindarische 



(1) Anonymi abgerechnet, zitiert Eustathios über 400 Schrift- 
steller, am häufigsten, von Homer abgesehen, Hesiod, Äischylos, 
Aristophanes, Herodot, Euripides, Lykophron, Strato, AeMus Diony- 
sios, allen voran Sophokles (über 200 mal). 



Tzetzes. Eustathios. Planudes. 137 

Poesie, die Olympischen Spiele und das Leben Pindars, von 
den vier überlieferten Bioi des Dichters der beste. 

Schollen und Paraphrase des *Dionysios Periegetes. 

Vergl. oben unter Aristophanes, Sueton (p. 31.35.111), Fabri- 
cius, Bibl. Qr. I 457-501 (index auctorum ab Eustathio laudatonim) ; 
Stallbaums Ausgabe des Homer. Kommentars, vollständiger Index, 
pp. 508; Naber, ProXeg, zuPhotios I p.48ff.; H.Schrader, E Schwabe, 
opp. citt (p. 65. 66); L Cohn, de Heraclide Milesio, in Berl. Stud. 
I (1884) p. 603-718; Kr., p. 536-541; M, Neumann, E. als kritische 
Quelle für den Iliastext in Jahrb. Suppl. Bd. XX (1893) p. 143-340. 

Maximvs Planvdes 1260-1310. 

Lebte in Konstantinopel und ging im Jahre 1296 als Ge- 
sandter nach Venedig. Er ist einer der ersten byzantinischen 
Philologen, der des Lateinischen kundig war. Auch kennen wir 
keinen vor oder nach ihm, der auch nur annähernd eine so 
ausgedehnte Tätigkeit als Obersetzer römischer Schriftsteller 
aufweisen könnte. ^^^ Planudes scheint auch der erste ge- 
wesen zu sein, der das indische (arabische) Ziffersystem in 
Europa einführte, wie er überhaupt philologische und mathe- 
matische Kenntnisse vereinigte. 

TTepi TPa^lnaTiKfic, irepi cuvxdEeuJC. Schollen zu Theokrit 
und dem Rhetor Hermogenes. Eine prosaische Bearbeitung 
der Aesopischen Fabeln mit einer Vita, im Mittelalter ein 
sehr populäres Volksbuch. Doch ist die Autorschaft des Pla- 
nudes sehr zweifelhaft. 

Sammlungen: Sprichwörter CuvaTUJT^ kXeT€ica 
diTÖ biacpöpujv ßißXiujv (Exzerpte aus Plato, Aristoteles, Strabo, 
Pausanias, Cassius Dio, Synesios, Dio Chrysostomos, Lydus u.a.). 
Diese Miscellanea sind für die Textkritik der betreffenden 



(1) Von solchen Prosa-Übertragungen (ineTaqppdceic) vor Planu- 
des sind uns nur folgende bekannt: Belogen des Vergil, von einem 
gewissen Arrianos, alle Werke des Dichters von Polybios, dem Freund 
des Philosophen Seneca, die Historiae des Sallust von Zenobios, das 
Breviarium historiae Romanae des Eutropius von Capito und von 
*Paionios, 



138 IV. Mittelalter. 

Autoren wertvoll. Anthologia Planudea. Bis 1606, in 
welchem Jahre Salmasius die Anthologia Palatina entdeckte, 
war jene die einzige Quelle für die Sammlung des Kephalas. 
Die Anthol. Plan., obwohl kürzer ^^^^ enthalt aber zahlreiche 
Epigramme, die in der Palatina fehlen, und bietet vielfach 
bessere Lesarten. 

Obersetzungen: *Caesars de Bell. Gall. *Disiicha 
Catonis *Ovids Metamorphosen und Heroides (letztere auf 
Grund einer wertvollen, jetzt verlorenen Hs) *Ciceros Som- 
nium Scipionis *Donatns' Ars minor *Augustinus, de trini- 
tate und *Boethius, de consolatione philosophiae, seine ge- 
lungenste Leistung. Die poetischen Partien sind in denselben 
Versmaßen übertragen. 

Vergl. Fabricius, Bibl. Gr. XI 682-693; A, Gudeman, de Heroi- 
dum Ovidii codice Planudeo, in Berl. Stud. VIII (1888) pp. 90, Amer. 
Philol. Assoc. XX (1889) p. 6ff.; M, Treu, Kommentar zu Planudis 
Epistulae, Breslau 1890; weitere Literatur bei Ar. p. 543-546. 727f. 
897. 907. 

Manvel Moschopvlos. 

Schüler des Planudes. Er verfaßte eine vielbenutzte, 
auf Dionysios Thrax beruhende Schulgrammatik, '€pujTr||LiaTa 
Tpa)ii|LiaTiKd, deren großer Einfluß nicht nur in den ähn- 
lichen Arbeiten des Chrysoloras, Chalkondyles, Gaza deutlich 
hervortritt, sondern sich bis auf die Grammatik des Melan- 
chthon verfolgen läßt. Außerdem gab M. eine ansehnliche 
Zahl von Schülerkommentaren zu klassischen Schriftstellern 
heraus, deren wissenschaftlicher Wert aber hinter dem päda- 
gogischen weit zurücksteht. Z. B. zur Ilias A und B, zur 
Batrachomyomachia, zu Hesiod, Pindars Olympioniken, Euri- 
pides, Theokrit, Philostratos' Imagines und Heroicus. 

Vergl. L. Voltz, Fleck. Jahrb. CXXXIX (1889) p. 579-599 (Ein- 
fluß der 'epujTifiiLiaTa) ; K. Hartfelder, Ph. Melanchthon, Berlin 1889, 
p. 225 ff.; M, Treu, Planudis Epist. p. 208-212 (Lebenszeit). 



(1) Planudes nahm die anstößigen Stellen nicht auf. 



Planudes. Moschopulos. Thomas Magister. Triklinios. 139 

Thomas Magister (Zeitgenosse des Planudes). 

Seine philologischen, wohl ausschließlich für die Schule 
bestimmten Arbeiten erhalten ihren einzigen Wert durch Zitate 
aus verlorenen Schriften. 

'€KXoTn övojudxujv Ka\ ^tulkxtujv *Attikijüv. Quellen: 
ältere Wörterbücher, wie die des Phrynichos, Ammonios, 
Moeris und die auch von Suidas benutzte CuvaruJTn XeEeuJv 
XPnd|iiujv u. a. Meist wertlose Schollen zu Aischylos, 
Sophokles, Euripides, Aristoph. Wolken, Frösche, Plutos. 

Vergl. Fr. Ritschi, Th. Magistri ecloga, HaUe 1832 mit ausführ- 
lichen Prolegomena; Ä. Zacher, op. cit. (p. 80). 

Demetrios Triklinios (Anfang des XIV. Jahrh.). 

"Der erste moderne Textkritiker" Wilamowitz. 

Schollen zu Pindar, mit zwei metrischen Traktaten und 
einer Paraphrase. Zu Hesiod und Aischylos (mit Ausnahme 
der Supplices und Choephoren), in des T. eigener Hs er- 
halten. Zu Euripides' Hecuba, Orestes, Phoenissae, Aristo- 
phanes und Theokrit Vor allem aber eine Textrezension des 
Sophokles, mit Kommentar und Exkursen irepi judxpujv oTc 
^XPi^caxo Coq)OKXfic und irepi cxnMaTUJv. Diese Ausgabe hat 
einen großen und schädlichen Einfluß auf die moderne 
Sophokles-Forschung ausgeübt, bis man die radikale Text- 
kritik und das verfehlte metrische System des T. erkannte. 

Vergl. Lehrs, Pindarscholien, p. 78-96; Zacher, op. cit.; Wila- 
mowitz, Eur. Heracl. P 194f. (Charakteristik des T.), Hermes XXV 
(1890) 161-170 (Aischylosscholien) ; Ar. p. 554f. 

2. Das abendländische Mittelalter. 

Philologische Leistungen im eigentlichen Sinne haben die 
etwa 8 Jahrh. von Isidorus bis Dante nicht aufzuweisen. ^^^ 
Die Beschäftigung mit den heidnischen Autoren war nirgends 



(1) Denn die grammatischen Schulschriften eines Beda, Ald- 
helm, Alcuin oder die Epitome des Festus von Paulus Diaconus 
wird man wohl kaum als solche betrachten können. 



140 IV. Mittelalter. 

Selbstzweck, sondern ging in erster Linie aus dem Bedürfnis 
hervor, die lateinische Sprache nach berühmten, formellen 
Mustern zu erlernen. Die gelesensten Schrifsteller im Mittel- 
alter, von den Kirchenvätern und Grammatikern wie Donat 
und Priscian, oder Isidorus abgesehen, waren: Terenz, Ver- 
gil, Ovid, die sogenannten Disticha Catonis, der Philosoph 
Seneca, Lucan, Persius, Statins* Thebais, Homerus Latinus 
(Pindarus Thebanus), Juvenal, Dictys Cretensis und Dares 
Phrygius, Martianus Capella, Boethius, demnächst Horaz, Cur- 
tius, Phaedrus, Suetonius. Des Griechischen waren nur wenige ^^^ 
Gelehrte kundig und auch diese, mit Ausnahme des loh. Scotus, 
in sehr geringem Grade. Selbst Aristoteles, der die Ge- 
dankenwelt der ganzen Epoche beherrschte, war bis zum 
12. Jahrh. ausschließlich in lateinischen Übertragungen, meist 
sogar aus dem Arabischen, zugänglich. Plato kannte man 
fast nur aus dem Timaios, in der Obersetzung des Chalcidius 
(5. Jahrh.), und etwa aus Apuleius de dogmate Piatonis. 

Die Erhaltung der römischen Literatur verdanken wir 
zum größten Teil der Ordensregel, die den Mönchen das 
Kopieren von Hss zur Pflicht machte. Die berühmtesten 
scriptoria und Klosterbibliotheken waren: Monte Cassino (ge- 
gründet 529), Bobbio (612) in Italien; St-Gallen (614), Rei- 
chenan (724), Fnlda (744), Lorsch (763), Hersfeld (768), 
Corvey (822), Hirschan (830) in Deutschland; Fleury (620), 
Ferriferes (630), Corbie (662\ Clnny (910) in Frankreich. Die 
AthoS'K\ösieT^^\ Um die Verbreitung klassischer Schriften 



(1) z. B. Beda, loh. Scotus Erigena, Aldhelm, Einhard, Alcuin, 
Dungal, Clemens, Hrabanus Maurus, Odo von Cluny, Papst Silvester 
II (Gerbert), Roger Bacon. Nach Alcuin stammt ÖTroxpiT^ic ^Heuchler' 
von hippo 'falsch' und chrisis 'Urteil' I 

(2) Die ersten Klöster wurden c. 880 errichtet, der eigentliche 
Gründer der Klosterkolonie war Athanasios, um 968. Die Zahl der 
Hss beläuft sich auf etwa 13 000, doch sind nur wenige nicht theolo- 
gische darunter, wie z. B. die Fabeln des Babrios, Katalog von 
Lampros, 2 Bde, Cambridge 1895-1900. 



Abendländisches Mittelalter. 141 

haben sich besonders irische Mönche (z. B. Columbamus, 
Dungal, Oallus) unsterbliche Verdienste erworben. 

Vergl. G, Kaufmann, Rhetorenschulen und Klosterschulen, in 
Raumers Histor. Taschenbuch, 4. Folge, Bd. 10 (1869); L. Traube, 
Textgesch. der regula S. Benedicti, in Abhandl. der Münch. Akad. XXI 
(1898), p. 601 ff. und im allgemeinen: A. H. L Heeren, Gesch. der class. 
Literatur im Mittelalter, 2 Bde., GOttingen 1822; F. Cramer, degraecis 
per occidentem studiis inde a primo medio aevo usque ad Carol. 
Magn., 2 Teile, Sundiae (Stralsund) 1848. 1853; F, Haase, de medii 
aevi studiis philologis, Breslau 1856, pp.45; E, Egger, L'Hell6nisme 
en France I 1-87; A. Ebert, Gesch. der Lit. des Mittelalters im 
Abendlande P (1889) II (1880) III (1887). Biographien und Inhalts- 
angaben; A, Tougard, L*Hell6nisme dans les 6crivains du moyen 
äge, Paris 1886; J, MuUinger, The schools of Charles the Great and the 
restoration of education in the 9th Century, London 1877; F. A. Specht, 
Geschichte des Unterrichtswesens in Deutschland bis zur Mitte des 
13. Jahrb., 1885; Rashdall(s.\i.p. 160. 164), Kaufmann (s.\i,p. 186); H.Ma- 
sius, in Schmid's Gesch. der Erziehung II 1 (1892); F. A,West, Aicuin and 
the schools of the West, 1892; C, J, B, Gaskoin, Alcuin, his life and 
his work, London 1904. M. Roger, L'enseignement des lettres clas- 
siques d'Ausone ä Alcuin, Paris 1905, pp. 454, sehr wertvoll (Biblio- 
graphie p. IX-XVIII); W,Schultze, Die Bedeutung der iroschottischen 
Mönche usw., in Centralbl. f. Bibliothekswesen VI (1884), p. 185ff., 
233 ff., 281 ff.; H, Zimmer, Ober die Bedeutung des irischen Elements 
für die mittelalterliche Cultur, in Preuss. Jahrb. LIX (1887), p.26ff.; 
H, O, Taylor, The classical heritage of the Middle Age, 1902; 
J, B. Clark, Libraries in the medieval and Renaissance periods, 
1894; G. H. Putnam, Books and their maicers during the Middle 
Ages, 2 Bde. 1896/7 (besonders I p. 16-146. 403-459); M.Mani- 
tius, Philologisches aus alten Bibliothekskatalogen, in Rhein. Mus. 
Suppl. Bd. XLVII, pp. 152. Analecten zur Gesch. des Horaz im Mittel- 
alter bis 1300, Göttingen 1893. B, Haur4au, Histoire de la Phi- 
losophie scolastique, 2 Bde, 1880' (Hauptwerk); G. /f. Luquet, Ari- 
stote et runiversit6 de Paris pendant le xili'' sidcle, 1894. C. Bursian, 
Gesch. d. class. Philol. in Deutschi., 1883, p.8-90; E, Norden, Die 
antike Kunstprosa II (1898), p. 659-731, Literaturnachweise p. 666f.; 
J. E, Sandys*, History of Class. Scholarship, p. 441-678, mit reich- 
haltigen Literaturangaben (besonders: Ober das Studium des Ari- 
stoteles, p. 524-608 und "The Survival of the Latin Classics", p. 616 
-665). 



142 IV. Mittelalter. 

Die ältesten Hss der wichtigsten klassischen 
Autoren. 

Vergl. E. Hübner, Bibliographie usw. 1889*, pp. 45-54 (Hssfrag- 
mente bis 8. Jahrb.). 57-64 (handschr. Verbreitung der klassischen 
Literatur); W.Freund, Triennium Philologicum Bd. I» (1906), p. 145 
-219 (Bibliothekskataloge, Papyri, Schriftsteller und Schriftenver- 
zeichnis, Haupthss nur gelegentlich angegeben). Verzeichnisse 
der literarischen Papyri^^^ : W, Wattenbach, Anleit. zur griech. Pa- 
läographie, Lpz. 1895', p. 9-22; P, Couureur, Revue de philol. XX 
(1896), p. 165-174; CHaeberlin, Centralbl. f. Bibliothek. XIV (1897), 
p. 1-13. 201-225. 263. 283. 337-361. 381-412. 473-499. 585f.; 
M. Ihm, ebenda XVI (1898), p. 341 ff. (die latein. Papyri); F, G. Kengon, 
The Palaeography of Greek Papyri, Oxford 1899, p. 129-148; Archiv 
f. Papyrusforsch. I (1900), p. 104-120. II 502-539 (Croenert). 111(1904), 
p. 257-299 (Blaß) ; Seymour de Ricci, in Revue des 6tudes Qrecques 
XVIII (1905), p. 303-382; K. Schmidt, Das humanist. Gymn. XVII 
(1906), p. 33-48. Die ausführlichen Berichte von Viereck^ Bursian's 
Jahresb. 1898, p. 135-186. 1899, p. 244-311, und P. Hohlwein, La 
papyrologie Grecque, Louvain 1905, pp. 169, schließen die litera- 
rischen Papyri aus. E. Chatelain, Les palimpsestes Latins, Paris 
1904, Pal6ographie des Classiques Latins, 1884-1900 (mehr als 
300 Faksimiles). 

Dem Alter nach kommen die Papyri an erster Stelle, 
sodann folgen in weitem Abstand die Palimpseste^\ wiederum 
Jahrhunderte später unsere Pergamenthss. Die überaus 
zahlreichen Papyrusfragmente ^^^ erhaltener Schriftsteller, ob- 
wohl sie oft um ein Jahrtausend älter sind als unsere Hss, 
haben insgesamt einen äußerst geringen Ertrag für die Text- 



(1) Ihre Entdeckung auf ägyptischem Boden verdanken wir 
Flinders Petrie und vor allem Grenfell und Hunt Die Gesamtzahl 
inhaltreicher Papyri ist bereits so groß, daß sie einen neuen Zweig 
der Altertumswissenschaft - die Papyrologie - ins Leben gerufen hat. 

(2) Den syrischen Palimpsest der Ilias (4. Jahrb.), Eurip. Phae- 
thon u. Demosthenes Fragm. ausgenommen, haben sich nur lateini- 
sche Klassiker in ^Codices rescripti' gefunden. 

(3) Unter diesen sind bis jetzt nur sehr wenige lateinische Bruch- 
stücke aufgetaucht, z.B.: Epitome des Livius (aus Buch 37-40. 48 
-55), Sallusts Catilina (aus Oxyrhynchos), Carmen de bello Actiaco 
(67 Verse) aus Herculaneum. 



Griechische und Lateinische Handschriften. 143 

kritik abgeworfen — ein ebenso erfreulicher wie schlagender 
Beweis für die relative Vorzüglichkeit unserer Oberlieferung. 

Der nicht minder gewaltige Zuwachs an neuen litera- 
rischen Texten kommt hauptsächlich der griech. Lyrik, (z. B. 
Archilochos, Sappho, Pindar, Bakchylides, Timotheos, Kalli- 
machos, Herondas) und dem Drama (Euripides, Menandros) 
zugute, doch sind auch größere Bruchstücke philologischer 
Werke zutage getreten, z. B. aus Kommentaren: Didymos zu 
Demosthenes, Anonymi zu Piatos Theaetet und Thukydides; 
aus den Kecxoi des lulius Africanus, aus der Gram- 
matik des Tryphon, uiroG^ceic eines Mimus und des Aiovuc- 
aXeHavbpoc des Kratinos. 

Der bequemeren Übersicht wegen folgt zunächst ein 
kurzes Verzeichnis der ältesten Hss in chronologischere^^ 
Reihenfolge bis zum 12. Jahrh., darauf ein genaueres der 
wichtigsten Hss nach Autoren geordnet. 

L 4, Jahrh. V, Chr.: Timotheos' Persae. 

3. Jahrh. v.Chr.: Zahlreiche Homerfragmente, Eurip. Antiope 
(123 vss), aus Piatos Phaidon u. Laches. 

2./1. Jahrh. v. Chr.: Alkman Fragment. 

1./2. Jahrh. n. Chr.: Bakchylides, Aristoteles' 'AGrivadwv iroXi- 
T€(a, Herondas, sechs Reden des Hypereides, Demosthenes Fragm., 
Herculanensische Rollen (Philodem, Epikur, Carmen de hello Actiaco), 
terminus ante quem 79. Menanders fciupTÖc (87 vss.), TTepiKeipoiu^vyi 
(51 vss.), KöXaH (101 vss.), codex Menandri (c. 1200 vss.) ^*^ PaeanePin- 
dars ^*), Hipponax (28 vss.), aus den KaxdXoToi des Ps. Hesiod, große 
Bruchstücke aus einem Historikern^) (Theopomp?), Sallust.^^^^ 

4./5. Jahrh.: Syrisch-griech. Palimpsest der llias (im Brit. Mu- 
seum) mit 3873 Vs. (aus M-TT. C-ß), cod. Ambrosianus der llias 
(Bruchstücke). Ebenfalls Palimpseste: Eur. Phaethon frg., Plautus, Cic. 
de rep., 6 Reden, Lucan, Sali. Hist., Fronto und Gellius Fragm. 
Terenz, Archetypus des Lucrez, Fragm. Vergil. 



(1) Die Zeitbestimmungen sind oft nur approximativ. Fragmente 
geringeren Umfangs, obgleich oft sehr frühen Datums, sind hier über- 
gangen. Hingegen habe ich einige jetzt verschollene Hss ver- 
zeichnet, deren Zeit sich bestimmen läßt. 

(2) Noch nicht veröffentlicht. 



144 IV. Mittelalter. 

5. oder 5./6. Jahrb.: Homer, Vergil, Livius u. Gaius Palim- 
pseste, Cassius Dio. Dioskorides und cod. Arcerianus der Gromatici 
(Quelpherbytanus) berühmte Bilderhss. 

6. Jahrh.: cod. Rom. des Vergil. 

8./9. Jahrh.: Cicero (Reden), Horaz, Seneca phil., Martial. 

9. Jahrh.: Plato Terenz, Lucrez, Cicero, Sallust, Livius, Ovid, 
Val. Max., Columella, Persius, Lucan, Seneca phil., Plinius d. Altere, 
Curtius, Statius* Thebais, Silius Italicus, Plinius d. Jüngere, Juvenal, 
Tacitus, (ann. I-VI) Suetonius, Florus, Claudianus. 

9./ 10. Jahrh.: Properz (fragm.), Caesar, Cicero, Horaz, Livius, 
Phaedrus, Persius, Lucan, Seneca phil., Val. Flaccus, Martial, Justinus, 
Ammian. 

10. Jahrh.: Thukydides, Lysias, Xenophon, Isokrates, Demo- 
sthenes, Plato, Aristoteles, Dionysios, Diodoros, Plutarch, Lucian, 
Appian, Athenaios. Caesar, Catullus, Cicero, Sallust, Livius, Ovid, 
Lucan, Persius, Curtius, Plinius d. Altere, Quintilian, Statius, Juvenal. 

11. Jahrh.: Homer, Hesiod, Pindar, Aischylos, Sophokles, He- 
rodot, Aristophanes, Aratos, Apollonios Rhodius, Polybios, Cassius 
Dio. Caesar, Sallust, Livius, Ovid, Tacitus (ann. XI-XVI. bist. I-V), 
Apuleius. 

12. Jahrh.: Hesiod, Pindar, Euripides, Plato Properz, Nepos, 
Varro ling. 

IL Homer: Venetus A (saec. X/XI) u. B. Hesiod: Pari- 
sinus 2771 (saec. XI) Mediceus (Florenz) 31, 39. 32, 16 (saec. XII/XIII). 
Pindar: Ambrosianus (Mailand) A (s. XII) nur Olymp. Vaticanus 
1312 (Ursinus) B (s. XII). Aischylos: Mediceus (Laurentianus) 
32, 9 (s. XI), auch Sophokles und Apollonios Rhodius enthaltend. 
Sophokles: Mediceus 32, 9 (s.o.) Parisinus 2712 (s. XIII). Eu- 
ripides: Marcianus (Florenz) 471 (s. XII) 5 Dramen Vaticanus 909 
(s. XII) 9 Dramen Parisinus (s. XIII) 6 Dramen. Florentinus (s. XIV) 
alle 19 Dramen. Herodot: Laurentianus 73, 5 (s. XI), Vatica- 
nus 123 Parisinus 1633. Aristophanes: Ravennas 180 (s. XI) 
Venetus A 474 (s. XII) ohne Ach. Eccl. Thesm. Lysist. Pari- 
sinus 2712 (s.XIIl). Thukydides: Laurentianus 69, 2 (s. X) Mo- 
nacensis 430 Vaticanus 126 (s. XI). Antiphon, Andokides, 
Isaios, Lykurgos: Crippsianus im Brit. Museum (s. XIII). Ly- 
sias: Palatinus in Heidelberg (s. X). Stammkodex der anderen er- 
haltenen Hss. Isokrates: Vaticanus -Urbinas (s.X) Vaticanus 65 
Laurentianus 87, 14 (s. XIII). Xenophon: Parisinus 1640 (s. X) 
für Anab. Cyrop. Parisinus 1738 für Hellenica. Parisinus 1302 (s. XIII) 
für Memorab. I. II, Parisinus 1740 vollständig. Aischines: Zwei 



Griechische und lateinische Handschriften. 145 

Hauptklassen (Hss sehr zahlreich). Demosthenes: Parisinus Z (s. X) 
Monacensis485<A> (s. X/XI) Marcianus 416. 418 (s.X/XI). Piaton: 
Clarkianus (Bodleianus) aus Patmos (geschr. 895) enthält die vier ersten 
Thrasylleischen Tetralogien. Venetus (s. XII) mit den sechs ersten Tetra- 
logien. Parisinus A 1807 (s. X) mit den beiden letzten Tetralogien. 
Aristoteles: Marcianus 201 (955 n. Chr.) Urbinas 35 für Organon. 
Parisinus 1853 (s. XII) für die Physica und die Metaphysik. Pa- 
risinus 1741 (s. X) einzige Hs für Poetik u. Rhetorik. Lauren- 
tianus 81, 11 (s. X) für die Ethik. Die anderen, sehr zahlreichen sind 
ziemlich jungen Datums. Aratos: Marcianus (s. XI). Apol- 
lonios Rhodius: siehe Aischylos. Quelpherbytanus (s. XIII) in 
Wolfenbüttel. Kallimachos Hymnen (zusammen mit den Homer, 
Hymnen): Mosquensis (s. XIV) in Moskau. Theokrit: Ambrosia^ 
nus 222<K> (s. XIII), Idyll. 1-17. 29. Vaticanus 915 (s. XIII), Idyll. 
1-18 (von hohem Wert für 1-12). Polybios: Vaticanus 124 (s. XI). 
S t r a b : Parisinus 1397 für I-IX. (s. XII) Parisinus 1393 für I-XVII 
<s. XIII) jedoch mit großen Lücken. D i n y s i s von Halikarnassos : 
Urbinas (s. X), Chisianus (s. X) für die Archäologie. Parisinus 1741 
(s. XI) für die rhetor. Schriften. Diodoros: Kodex aus Patmos 
<s. X) für XI-XVI. Vindobonensis 79 (s. XI) für I-V. Parisinus 1665 
(s. XII) für XVI-XX. Plutarch: Sangermanensis 319 (s. X), 

Palatinus 283 (s. XI) Seidenstettensis für die Vitae. Parisini 1675. 
1955. 1956. 1672 Urbinas 97 Vindobonensis 148 für die Moralia. 
Arrian: Parisinus 1683. 1753 für Anabasis und Indica. Ap- 
pian: Vaticanus 141 (s. X). Lu ki an os: Vaticanus 90(s. X), Har- 
leianus (s. X) im Brit. Mus., Vindobonensis 123 (s. XI). Athe- 
naios: Marcianus (s. X). Cassius Dio: Laurentianus 70,8 (s. XI), 
Marcianus 395 (s. X). 

Plautus: Ambrosianus (A) Palimpsest(^) (s. IV/V). vetus codex 
Camerarii B (s. XI) mit 20 Komödien. 1622 von Heidelberg in den 
Vatikan gebracht, cod. alter Camerarii, genannt Decuriatus (s. XII), 
mit den letzten zwölf Stücken (von Bacch. bis Trucul.). Kam ebenfalls 
jiachRom, ist aber seit 1815 wieder in Heidelberg. Terenz: cod. 
Bembinus (s. IV/V). Die anderen, meist s. X, gehen auf die minder- 
wertige Rezension des Calliopius (s. IV/V) zurück. Berühmte Bil- 
derhs Vaticanus C 3868. Cato de agricult.: Kollation des Poli- 
lianus eines jetzt wieder verschollenen cod. Marcianus. Parisinus 



(1) Fehlt gänzlich für Amphit. Asin. Aul. Cure, dürftige Reste 
von Capt. Cist. Vidul. (nur hier), fast vollständig Pseud. Stich., von 
den übrigen zwölf ist etwa die Hälfte erhalten. 

Gudeman, Grundriß der Gesch. der klass. Phil. 10 



146 IV. Mittelalter. 

6842 (s. XII/XIII) Ältestes Apographon des Marcianus. L u c r e t i u s : 
VossianusP30 Oblongrus<0>(s.IX), VossianusQ94 Quadratus<Q>(s.X) 
in Leyden. Cicero: Palimpsestblfttter aus Bobbio in Turin, Mai- 
land, Rom (s. IV/ V), pro M. Ponteio, G. Rabirio, Verrinen, pro Gaelio, 
pro Scauro, pro Tullio. Sammelhss der Reden: Vaticanus H 25 
(s. VIII/IX) 4 Reden, Parisinus 7794 (s. X) 10 Reden, Bruxellensis 
5345 (s. XII) 13 Reden. Vollständigere Hss nur jungen Datums, z. B, 
Quelpherbytanus 205 (s. XV) 38 Reden, Laurentianus 4825 (s. XV> 
41 Reden. Past alle in Palat. Vatic. 1525 (s. XV). Rhetorica : codd. mutili 
(die besseren) und integri, apographa eines verschollenen (nach 1422) 
cod. Laudensis (s. IX). Philosophica: Vossiani 84 (s. X) 86 (s. XI) für 
Topica, de leg., parad., Acad. pr., nat. deor., div. Gudianus 294 
(s. IX/X), Parisinus 6332 (s. X) für Tusc. Palat Vatic. 1513 (s. XI) 
fflr de fin. Bernensis 391 (s. X), Parisinus 6601 für de off. EpU 
stulae: Mediceus 49, 7. 9 (s. IX) für ad fam. Mediceus 49, 18 (s. XI V> 
fflr ad Att., ad Brut, ad Q. fr. Apographa aus den verschollenen codd« 
Veronensis und Vercellensis. Varro: Laurentianus 51, 10 (s. XI) 
fflr ling. Latin. Pur de re rust. wie bei Cato. Gatullus: Germa- 
nensis = Paris. 14 137 G (geschr. 1375). Oxoniensis O (c. 1400), 
Carm. LXII in einer Anthologie des cod. Thuaneus == Paris. 8071 
(s. IX/X). Stammkodex ein zweimal verschollener Veronensis (nach 
965 und wieder aufgefunden um 1323, abermals verloren zwischen 
1374-1433). Caesar: a-Klasse (lückenhaft): Paris. 5763 (s. IX/X) 
nur Bell. Gall. ß-Klasse (interpoliert): Paris. 5764 (s. XI/XII). Cod, 
Ashburnhamensis 7 t» jetzt in Plorenz (s. X), gehört zu a, enthält aber 
alle Gaesariana. Die erste und letzte Hs (auch andere) sind mit 
einer Subscriptio versehen. ^^^ Sallust: ^codd. lacunosi', mit Ver- 
lust von lug. 103,2-112, 3: Paris. 16024 (s. X). 'codd. integri, sed 
interpolati' : Monacensis 14477 (s. XI). Die Pragmente in Hss von 
Orleans, Rom, Berlin (s. IV/V), verbunden in Vatic. 3864 (s.X). 
Nepos: Parcensis in Löwen (s. XV) (beste Hs) Gudianus 166 



(1) Ahnliche "Subscriptiones" (emendavi, legi, recognovi, con- 
tuli) mit den Namen des Revidenten, oft mit Hinzufügung des Da- 
tums, des Orts und anderer Notizen, finden sich z. B. auch in Hss des 
Cicero, Vergil, Horaz, Livius, Mela, Persius, Lucan, Martial, Ps. Quinti- 
lian, Statins, luvenal, Apuleius, Pronto, Nonius, Macrobius, Martianus 
Capeila, Vegetius mil., Prudentius, Sedulius usw. Vergl. O. Jahn, 
Die Subscriptionen in den Hss der röm. Klassiker, in Bericht sächs, 
Akad. 1851, p. 327 ff. (grundlegend), F,Haasey de lat codd. mss 
subscriptionibus, Breslau 1860; E, Lommatzsch, Zeitschr. f. vergL 
Literaturgesch. XV p. 177-192. 



Griechische und lateinische Handschriften. 147 

in Wolfenbüttel (s. XII/XIIl). Vergilius: Sieben Uncialhss 

(s. IV/VI). Vollständig: Mediceus (M) 39, 1 (anno 494), Palatinus- 
Vaticanus <P> (s. VI?) 1631, Romanus -Vatic. 3867 (s. VI) mit 
Illustrationen. Gudianus t (s. IX), Bernensis (s. IX/X). Tibullus: 
Ambrosianus R 26 (s. XIV), Vaticanus 3270 (s. XIV/XV), Excerpta 
Parisina (s. IX/X), Excerpta Frisingensia (s. XI) in München. Ho- 
raz: Bernensis (B) 363 (s. VIII/IX), in irischer Handschrift, aus der 
Zeit des Sedulius, gehört der Recensio des Mavortius (527) an; 
Sueco-Vaticanus (R) 1703 (s. IX/X), Harleianus 2725 (s. IX/X). 
Propertius: Neapolitanus, jetzt in Wolfenbüttel (s. XII) Ottobo- 
nianus (Vatikan) 1514 (s. XV) Daventriensis 1792 (s. XV). Ovi- 
dius: Parisinus (Regius) 7311 (s. X), Parisinus (Puteanus) 8242 
(s. XI) für die Amatoria. Laurentianus (Marcianus) 225 (s. XI), Har- 
leianus 2610 (s. XI), Laurentianus 36, 12 (s. XI) für Metamorphosen. 
Vatic. Regln. (Petavianus) 1709 (s. X), Vatic. Ursinianus 3262 (s. XI), 
Monacensis 8122 (s. XII/XIII) für Fasti. Laurent. S. Marci 223 (s. XI), 
Gudianus 192 (s. XIII), Vaticanus 1606 (s. XIII) für Tristia. Zwei Pa- 
limpsestblättter in Wolfenbüttel (s. VI), Hamburgensis (s. XII), Mo- 
nacensis 384 (s. XIl/XlII) für ex Ponto. Cantabrig. <Cambridge> (s. XII), 
Vindobonensis (s. XII/XIII) für Ibis. Livius: /. Dekade: Verona 
Palimpsest (s. V), Laurentianus 62, 19(s.XI). III.Dekade: Paris. (Putea- 
nus) 5730 (s. V) und Fragm. in Palimpsesten. IV. Dekade: Fragmente 
(s. V), Bambergensis (s. XI). V, Dekade: Vindobonensis 15 (s.V). Einzige 
Hs. Manilius: Bruxellensis 10012 (s. X/XI), Lipsiensis 1465 (s. XI). 
V i t r u V i u s : Harleianus 2767 (s. IX), Gudianus 69 (s. XI). S e n e c a 
rhetor: Bruxellensis 9581, Antverp. 411, Vatic. 3872 (alle s. X), Ex- 
zerpte: Montepessulanus 126 (s. IX/X), auf Grund einer besseren Hs. 
Velleius Paterculus^^^: Apographon des B. Amerbach (1516) von 
der Abschrift, die Beatus Rhenanus von einem jetzt verschollenen 
cod. Murbachensis (Murbach, im Elsaß) gemacht hatte. Valerius 
M a x i m u s : Bernensis 366 (s. IX), Ashburnhamensis 1802 (s. IX). Die Epi- 
tome des lulius Paris (verfaßt um 5. Jahrh.), erhalten durch Vati- 
canus 4929 (s. X), beruht auf einer besseren und vollständigeren Hs 
als die des Originals. Beide gehen auf eine Recensio des Dom- 
nulus (s. V) in Ravenna zurück. Phaedrus: Pithoeanus (s. IX/X), 
Remensis (s. IX/X), 1774 verbrannt, aber kollationiert 1665 und 1769. 
Beide enstammen einer bereits epitomierten Vorlage. Seneca: 
Zu den Tragödien zwei Rezensionen : 1. Laurentianus-Etruscus (E) 37, 13 



(1) Andere Beispiele von editiones principes, die für uns die 
verlorene Hs ersetzen müssen, sind: Terentianus Maurus 1497 und 
die Aldina des lulius Obsequens 1508. 

10* 



148 IV. Mittelalter. 

(8. XI/XII), Pragm. aus Medea u. Oedipus im Plautus-Palimpsest 
und Paris.-Thuaneus (s. IX/X). 2. Alle anderen (A) nicht vor s. XIV 
und stark interpoliert, doch auf einem Archetypus des 4./5. Jahrh. 
beruhend. Dialogi: Ambrosianus C 90 (s. X/XI) de dementia, 
de benef.: Vatic. Palatinus 1547 (s. VIII/IX). Epistulae 1-88: 
Uurent. 76, 40 (s. IX/X), Paris. 8540 (s.X); 89-124: Bambergensis 
(s. IX/X), Argentoratensis (s. IX/X), 1870 in Straßburg verbrannt, 
vorher von Bücheier kollationiert. Alle Briefe zusammen nur in 
jflngeren u. schlechteren Hss (s. XII/XIII). Nat Quaest: Berolinensis 
(s. XIII). Apocoloqjntosis: Sangallensis 569 (s. X/XI). Curtius 
Rufus: Paris. 5716 (s. IX/X) u. andere (s.XII). Zweite interpolierte 
Klasse s. XIV. Columella: Sangermanensis in St. Petersburg 
(s. IX), die anderen viel jüngeren Datums. Persius: Fragm. Va- 
tic. 5750 (s. IV/ V) Palimpsest. Montepessulanus (Montpellier) 125 (s. IX) 
=»Pithoeanus des luvenal. Montepess. 212 (s. X) geht auf eine 
Recensio vom Jahre 402 zurück (siehe Subscriptio). Spätere überaus 
zahlreich. L u c a n u s : Palimpsestbldtter in Rom, Neapel, Wien (s. IV/V). 
Montepessul. H 113 (s.X), Parisinus 10314 (s. IX), 7502 (s.X), Voss. 63, 
(s. X), mit Subscriptio, die auf eine Recensio aus dem Jahre 674 
hinweist Petronius: Unverkürzte Exzerpte: LeidensisQ61 (Apo- 
graphon Scaligers einer jetzt verschollenen Hs), Paris. 7989 (s. XV), 
gefunden 1650 in Trau (Dalmatien), alleinige Quelle für die Cena 
Trimalchionis. Dioskorides: cod. Vindobonensis (s. V). Eine 
berühmte Bilderhs. Faksimiliert in der Sijhoff- Sammlung. 
Plinius d. Altere: 1. Vetustiores, die besseren aber nur fragmen- 
tarisch: Bambergensis B. 32-37 (s. X), Palimpseste (s. V/VI) zu 
B. 11-14. 23-25 u. a. 2. Recentiores (s. X-XII), vollständiger, 
gehen auf einen Archetypus zurück, in welchem II 187-1 V 67 
nach IV 67-V 34 stand. Alteste Hs: Paris. 6796 (s. X/XI). Va- 
lerius Flaccus: Vaticanus 3277 (s. IX/X) Stammhs. Silius Ita- 
liens: St. Gallensis, von Poggio 1416/17 bei Konstanz entdeckt, 
später verschollen. Die erhaltenen Hss (s. XV) sind Abschriften 
einer Abschrift jenes Kodex. Coloniensis (B. I-XVI 556), ebenfalls 
verloren. Lesarien bekannt durch seinen Entdecker L. Carrion und 
durch F. Modius. Statins: Parisinus (Puteanus) 8051 (s. X) für 
Thebais u. Ächüleis, Die anderen, und zwar die große Mehrheit, 
sind minderweriig. Vindobonensis 140, Matritensis (Madrid) M 31 
(s. XV) für die Silvae. Stammkodex ein von Poggio 1417 entdeckter, 
jetzt verschollener St. Gallensis, dessen Varianten Poliziano in die 
editio princeps eintrug. Martialis: (1) Parisinus 8071 (s. IX), 
Vossianus Q 86 (s. IX), Vindobonensis 277 (s. X) (2) Palatinus 1696 
(s. XV), Arondellianus 136 (s. XV), entstammen der Recensio des Tor- 



Griechische und lateinische Handschriften. 149 

quatus Oennadius (anno 401) (3) Edinburgensis (s.X), ein Puteanus 
(s. X), Vaticanus (s. X / XI), Vossiani (s. XII). Quintilianus: Ambro- 
sianus E 153 sup. (s. XI), mit Verlust von IX, 4, 135-XII, 11, 22. 
Bemensis 351 (s. X), Parisinus 18527 (s. X), verkürzt. Vollständige 
Hss jung (s. XV) und interpoliert. Prontinus: (1) Harleianus 
2666 (s. IX/X). (2) Parisinus 7240 (s. IX/X). Die übrigen weit jünger 
und verderbt luvenalis: (1) Siehe Persius (2) Zahlreich und 
korrupt. Eine Subscriptio im Laurent. 34, 42 u. Leidensis 82 (s.XI) 
deutet auf eine Rezension eines Nicaeus, Schüler des Servius (ver- 
mutlich der Vergilerklftrer, s. IV). Tacitus: Vaticanus 1862 (s. XV), 
Leidensis 18 (anno 1460) für Dialogus u. Germania. Stammkodex 
aus Hersfeld (?), nach 1460 verschollen. Vaticanus 3429 (geschrieben 
von Pomponius Laetus), für Agricola, Vatic. 4498 für Dial. Agric. 
Oerman. Sueton de gramm. (alle s. XV). Toletanus (s. XV), 1897 in To- 
ledo von R. Wünsch entdeckt, enthält Agric. Germ, und einige Briefe 
des Plinius, für Agric. wertvoll. Eine 1903 in Jesi (bei Ancona) ge« 
fundene und angeblich dem 12. Jahrh. angehOrige Hs des Agric. 
u. der Germ, ist noch nicht veröffentlicht, scheint aber von keiner Be- 
deutung zu sein. Mediceus I (s. IX) aus Corvey, alleinige Quelle 
für Ann. I-VI. Mediceus II, wahrscheinlich aus Monte Cassino und 
geschrieben zwischen 1053-1087, für Ann. XI-XVI. Hist. I-V. Die 
jüngeren Hss ohne Wert. Der Stammkodex des ganzen Tacitus scheint 
ein Fuldensis gewesen zu sein (vor 852). Suetonius: Pur de 
gramm. et rhet dieselbe Oberlieferung wie Tac. Dial. Parisinus 
6115»»Memmianus (s. IX) Vatic. Lipsii (s. XI/XII), Uurent 68, 7 
(s. XI) für die Caesares. Plinius der Jüngere: (1) Sehr alte franz., 
aber längst verschollene Hs, deren Lesarten in der Aldina (1508) 
benutzt wurden. (2) Laurentianus 47, 36 (s. IX), von derselben Hand 
wie Mediceus I des Tacitus und ursprünglich zusammengebunden. 
Vaticanus 3864 (s. IX/X) nur B. I-IV. (3) Florentinus (s. X/XI), 
Riccardianus 488 (s. IX/X) in Florenz. 100 Briefe (I-V 6). (4) codex 
archivii Casinatis 529 (anno 1429), B. I-<VIII^IX. Panegyricus in 
den Hss der Panegyrici überliefert, die sämtlich s. XV angehören 
und einem jetzt nicht mehr vorhandenen Mainzer Kodex (Maguntinus) 
entstammen. Drei Palimpsestblätter aus Bobbio, jetzt in Mailand. 
Fronto: Palimpsest aus Bobbio (s. VI), sehr lückenhaft. Ein Teil 
jetzt im Vaticanus 5760, ein anderer in Mailand. Gaius: Er- 
halten in einem Palimpsest (s.V), von Niebuhr 1816 in Verona entdeckt. 
Apuleius: Laurentianus 68, 2 (s.XI) für Apol. Flor. Metam. Bruxel- 
lensis 10054 (s. XI). Monacensis 621 (s. XII) für die übrigen philo- 
soph. Schriften. Stammkodex nach der Subscriptio die Recensio 
eines Sallustius (anno 397). A u s o n i u s : Eine alle Werke umfassend« 



150 V- Renaissance in Italien. 

Hs ist nicht erhalten. Leidensis 111 (s. VIII/IX). Leidensis 107 (s.XIV), 
die verschollene, aber der editio princeps (1472) zugrunde liegende 
Hs. Pflr Moseila: St. Oallensis 899 (s.X/XI). Ammianus Mar- 
cellinus: Von der jetzt verschollenen Hersfelder Hs des Qelenius 
(s. IX/X), sind sechs Blätter in Marburg wiedergefunden. Vaticanus 1873 
(s. IX/X) aus Fulda, von Poggio um 1417 entdeckt Claudianus: 
Die verlorene von Oyraldus benutzte Hs, Veronensis 163 (s. IX), 
St. Qallensis (s. IX), Vossianus 294 (s. XHI). Für de raptu Pros.: 
Laurent 24, 112 (s. XirXIÜ), Voss. 294, Ouelpherbytanus 228 
(s. XIII/XIV). 



V. Die Renaissance in Italien. 

Im allgemeinen vergl.: Ä, H. L Heeren, Gesch. des Studiums 
der class. Literat usw., Bd. II 1 (15. Jahrh.), GOttingen 1801 ; G, Voigt, 
Die Wiederbelebung des class. Alterthums, 2 Bde., Berlin 1894* (Biblio- 
graphie: Bd. II p. 511-525), pp. 1101 (Hauptwerk); J. A, Symonds, 
Renaissance in Italy, vol. II (The Revival of Learning) 1877; J.Burk- 
hardt, Die Cultur der Renaissance, 2 Bde., Lpz. 1896°; D, Comparetti, 
Virgilio nel medio evo, übersetzt von H. Dütschke, Lpz. 1875; Alfred 
von Reumont, Lorenzo di Medici, 2 Bde., 1874, bes. I 517-606. II 
1-149; E.Norden, Antike Kunstprosa 11732-809; R^C.Jebb, in Cam- 
bridge Modem History, vol. I 532-584 (Bibliographie p. 779-781), 
London 1902; R.Sabbadini, le scoperte dei codici Latini e Greci ne' 
secoli XIV e XV, Florenz 1905 pp.233; J. E. Sandys, Harvard Lec- 
tures on The Revival of Learning, Cambridge 1905, pp. 212. E.Hubner, 
Bibliographie d. class. Alt (1889*), p. 67-75; RA, Eckstein, Nomen- 
clator philologorum, Lpz. 1871; M^. Pöfe^/, Philot Schriftstellerlexicon, 
Lpz. 1882. 

A. Die eingewanderten griechischen Gelehrten. 

Vergl. H, Hodius, de Graecis illustr. linguae Graecae litterarum- 
que humaniorum instauratoribus, eorum vitis, scriptis et elogiis, 
London 1742, daraus ein Auszug C. F. Boemer, de doctis hominibus 
Graecis Graecarum litterarum in Italia instauratoribus, Lpz. 1750; 
Bemhardy, Griech. Literat. 1 745-752. 

Manvbl Chrysoloras, 1350-1415. 
Wurde von Konstantinopel 1396 nach Florenz berufen, 
lehrte dann in Pavia 1402, in Venedig 1408, führte später 



Chrysoloras. Plethon. Bessarion. Oaza. 151 

ein Wanderleben und starb in Konstanz 1415. Er war der 
erste Lehrer des Griechischen in Italien seit 700 Jahren. 
Seine bedeutendsten Schüler waren: Guarino (in Konstanti- 
nopel), Niccolo Niccoli, Lionardo Bruni, Marsuppini und Tra- 
versari. 

'epuüTrmaxa xfic '€XXT]viKf|c: Die erste griech. Gram- 
matik der Renaissance. Wörtliche latein. Obersetzung von 
Piatos Republik. 

Vergl. Hodius, p. 12-54; Boemer, p. 1-35; Voigt, I 222-232; 
Symonds, op. cit. p. 108 ff.; Sabbadini, op. cit p. 43f. 51-54. 

Georqios Gemistos Plethon, c. 1356-c. 1450. 
Berühmter Platoniker. 1438 Lehrer des Griechischen 
in Ferrara und Florenz. Starb in der Peloponnes. Sein be- 
deutendster Schüler war Bessarion. 

Vergl. Fabricius, Bibl. Gr. XII 85-102; F, Schnitze, G. Q. F., ^ 
Jena 1874, pp.320; Voigt, II 119-122; Symonds, p. 198-210. 

Bessarion, 1403-1472. 

Geboren in Trapezunt, 1437 Erzbischof von Nicaea, 
1438 auf dem Konzil zu Ferrara und zu Florenz, 1451 Legat 
in Bologna, 1463 Patriarch von Konstantinopel, starb zu Ra- 
venna. Obersetzte die Metaphysik des Aristoteles und Xeno- 
phons Memorabilia. 

Er vermachte seine Sammlung von 900 griech. Hss, 
die reichste des Abendlandes, der Stadt Venedig, wo sie 
später den Kern der St. Marcus-Bibliothek bildete. 

Vergl. Hodius, p. 136-177; Boemer, p. 36- 104; Ersch und Gruber, 
Bd. 9 (1822) p. 295-299; Voigt, II 123-132; Symonds, p. 198-210; 
H, Vast, le Cardinal Bessarion, St. Petersburg 1883; Krumbacher, 
Byz. Lit, p. 117f.; R. Rocholl, Bessarion, Lpz. 1904, pp.250. * 

Theodoros Gaza, c. 1430-c. 1478. 
Geboren in Saloniki. Lehrte 1447 in Florenz, 1448 in 
Ferrara, 1450 Professor der Philosophie in Rom, 1455 in 
Neapel, starb als Abt von San Giovanni a Piro in Calabrien. 



152 V- Renaissance in Italien. 

Besonders berühmt waren seine latein. Obersetzungen, die 
aber eine rhetorische Eleganz auf Kosten der Treue er- 
strebten. Hohe Verdienste erwarb sich Gaza um die ersten 
römischen Drucke (besonders für Gellius und Plinius den 
Alteren). 

rpafi^aTiKfi eicaTUiTi^i lange ein beliebtes Schulbuch^ 
noch von Erasmus und Budaeus benutzt Es enthielt zum 
ersten Male auch die Syntax. 

Obersetzungen: Aristoteles hist. animalium, Problemata;^ 
Theophrastos de plantis; Dionysios decompositioneverborum; 
Batrachomyomachia. C2eßrosCatou.Laelius ins Griechische. 

Vergl. Hodius, p. 55-101; Boemer, p. 121-136; Voigt, 11 14a 
-146; L. Stein, Archiv f. Gesch. der Phil. II 3 p. 426-458. * 

Dbmetrios Chalcondylbs, 1424-1511. 

Geboren zu Athen, lehrte in Perugia, Rom, Padua, Florenz, 
Mailand. Lehrer Reuchlins und Th. Linacre's. 

'epu)Tii)iaTa. Herausgeber der editiones principes des 
Homer (1488), Isokrates (1493), Suidas (1499). 

Vergl. Hodius, p. 211-226; Boemer, p. 181-191. 

KoNSTANTiNos Laskaris, c. 1434— c. 1501. 

Geboren in Konstantinopel, lehrte in Mailand, Neapel, 
Messina und lebte eine Zeitlang in Rom bei Bessarion. 

'epujT/|)iaTa (Mailand 1476). Das ^rste gedruckte grie- 
chische Buch. 

Vergl. Boemer, p. 170-180; Ch.Graux, OSuvres II 531!!.; Sab- 
badini, p. 67!. 

B. Die italienischen Humanisten. 

Francesco Petrarca, 1304-1374. 
'Primus ex lutulenta barbarie os caelo attollere ausus 
est* lul. Caes. Scaliger. 

Geboren den 20. Juli 1304 zu Arezzo, gebildet in Avignon, 
Montpellier, Bologna (1322), 1326 in Avignon, bereiste 1333 



Gaza. Chalcondyles. Laskaris. Petrarca. Boccaccio. 153 

Frankreich, Deutschland und Holland, 1337 in Rom, poeta 
laureatus in Rom 8. April 1341, lebte seit 1353 in vielen 
Städten Italiens, starb in Arquä bei Padua 19. Juli 1374. Der 
Wiedererwecker des klassischen Altertums. Petrarca selbst 
entdeckte Cicero pro Archia poeta in Lüttich und 1345 in 
Verona Ciceros Briefe ad Att., ad Q. fr. und ad Brut. 

Von den zahlreichen Arbeiten über Petrarca, den Dichter wie 
den Humanisten, vergl. L.Geiger, Petrarka, Lpz.1874, pp.267; G.Körting, 
P.'s Leben und Werke, Lpz. 1878, pp. 729; Voigt, 120-156; Symonds, 
op. cit. p. 69-87; P, de Nolhac, de patrum et medii aevi scriptorum 
codd. in bibliotheca Petrarcae olim collectis, Paris 1892, P6trarque 
et Thumanisme, Paris 1892, pp. 439; Sabbadini, op. cit. p. 23-28. 
37-40; Norden, Antike Kunstprosa 11 p. 732-740. 

Giovanni Boccaccio, 1313-1375. 

Begeisterter Bewunderer und Freund des Petrarca. 
In Monte Cassino, dessen verwahrloste Bibliothek er uns 
schildert, scheint er eine Hs des bis dahin, wenige Spuren 
ausgenommen, gänzlich verschollenen Tacitus entdeckt zu 
haben. Aus dieser stammt der berühmte Mediceus II (Historiae 
I-V und Ann. XI -XVI enthaltend). Von seinem unsterb- 
lichen Decamerone und dem Dante -Kommentar abgesehen, 
kommt hier nur eine Reihe von Werken in Betracht, in 
denen er zwar ein ungeheures Material gelehrter Details 
zum ersten Male sammelte, aber ohne kritische Sichtung und 
Plan. Auch kennzeichnet ihn eine verhängnisvolle Sucht, die 
Mythologie ä tout prix zu allegorisieren. Seine Zeitgenossen 
haben aber gerade darin sein besonderes Verdienst erblickt. 

Oenealogia deorum gentilium de casibus illu- 
strium virorum de claris mulieribus de montibus, silvis, 
fontibus, lacubus, fluminibus. 

Vergl. G, B. Baldelli, Vita di B., Florenz 1806; Voigt, 1 162-164; 
Symonds, p. 87-97. 133; M. Landau, G. B., sein Leben und seine 
Werke, Stuttgart 1877; G.Körting, B.'s Leben und Werke, Lpz. 1880, 
pp. 742 (Hauptwerk); Sandys, Harvard Lectures, op. cit. p. 20-27; 
O. Hecker, Boccaccio-Funde, Braunschweig 1902, pp.320; Sabbadini, 
p. 29-33. 



154 V* Renaissance in Italien. 

CoLVTivs Salvtatvs (Coluccio di Piero de* Salutati), 1330-1406. 

Nach einem wechselvollen Leben kam er nach Florenz, 
wo er 1375 als Nachfolger Niccolis Staatskanzler wurde, 
welches Amt er bis zu seinem Tode verwaltete. Er war ein 
fast fanatischer Sammler von neuen Hss und entdeckte Ciceros 
Briefe ad fam.(^> 

Vergrl. Voigt, I 190-211. II 191; Symonds, p. 103 ff.; Sabbadini, 
p. 34 f. passim. 

NiccoLO DE NiccoLi, 1363-1437. 

Berühmter Sammler von Hss, die er meistens selbst, 
aber nicht mechanisch, abschrieb, indem er offenbare Ver- 
sehen korrigierte, andere Hss damit verglich, Kapiteleinteilungen 
und Inhaltsangaben hinzufügte. Bei seinem Tode zählte seine 
Bibliothek 800 Bände, die der Laurentiana in Florenz, das 
er während seines Lebens nur selten verließ, einverleibt 
wurden. Niccoli war gleichsam die Zentrale für alle Be- 
strebungen der Humanisten, soweit sie auf die Eriangung 
von neuen Hss zielten. Die Mittel erhielt er durch Cosimo 
von Medici. 

Vergl. Voigt, I p. 295-306; Sabbadini, p. 85-92. 

LiONARDO Brvni (Aretino), 1369-1444. 
Studierte in Florenz unter Chrysoloras und lebte bis 1404 
als Schützling des Kanzlers Salutatus und Hauslehrer bei den 
Medici, 1405 wurde er unter Innozenz VII apostolischer Sekretär. 
Nach dem Konzil zu Konstanz (1415) nahm er seinen perma- 
nenten Wohnsitz in Florenz, wo er 1427 Staatskanzler wurde, 
zu welchem Amt er bereits früher (1410), aber unter un- 
günstigeren Bedingungen, erwählt worden war. 



(1) Salutatus wollte die von Petrarca in Verona entdeckten Briefe 
Ciceros vollständig besitzen. Statt des cod. Veronensis schrieb man 
ihm aber versehentlich auch den cod. Vercellensis ab, der die bis 
dahin unbekannten epist ad, fam, enthielt. Beide Codices befanden 
sich damals in Mailand. 



Salutatus. Niccoli. Bruni. Aurispa. Guarino. 155 

Sein Ruf beruht hauptsächlich au! seinen Obersetzungen: 
Aristoteles Oeconomica, Ethik, Politik, Metaphysik Xenophon 
Hiero Plato Phaidon, Gorgias, Phaidros, Kriton, Apologie, 
Briefe Demosthenes de Corona und Aischines c. Ctesiph. 

Vergl. Ersch und Gruber, XIII p. 228-230; Voigt, 1307-311. II 
163-173. 

Giovanni Avrispa, 1370-1459. 

Geboren zu Noto in Sizilien, lehrte er seit 1424 ab- 
wechselnd in Venedig, Bologna und Ferrara, 1441 in Rom 
als Sekretär des Papstes Eugen IV., wo Laurentius Valla sein 
Schüler war; er starb in Ferrara. In Basel, wo er sich 
während des Konzils aufhielt, fand er Tertullian, in Mainz 
entdeckte er 1433 die Panegyrici mit dem Panegyricus des 
Plinius (die einzige bekannt gewordene alte Hs) und den 
jDona^Kommentar des Terenz, in Köln die Rhetorik des For- 
tunatianus. Sein unsterblicher Ruhm gründet sich aber auf 
die 238 Bände griechischer Klassiker, die er von Konstanti- 
nopel im Jahre 1423 nach Italien brachte. 

Unter seinen Schätzen befanden sich die berühmten Hss 
des Aischylos, Sophokles und Äpollonios (siehe oben p. 144), 
Pindar, Aristophanes, der nicht minder berühmte Venetus A 
der Ilias; ferner Demosthenes, Plato, Xenophon, Aristoteles, 
Strabo, Diodoros, Plutarch, Arrian, Lucian, Athenaios, Cassius 
Dio usw. 

Vergl. Voigt, I 263-265. 556-561. II 83f.; Sabbadini, op. cit. 
p. 46 f. und Biografia documentata di O.A. 1890, pp. 208. 

GvARiNO von Verona, 1370-1460. 
Studierte unter Chrysoloras in Konstantinopel, lehrte in 
Venedig, Trient, von 1410-1414 in Florenz, sodann in Padua, 
Verona (1420), Bologna, zuletzt in Ferrara, von 1429 bis zu 
seinem Tode. Guarino ist neben Vittorino wohl der hervor- 
ragendste Pädagoge der italienischen Renaissance. Er über- 
setzte zehn vitae des Plutarch, Strabo (B. I-X), einiges von 
Isokrates und Lucian, edierte Plautus, Livius, Plinius' Natur- 



156 V* Renaissance in Italien. 

geschichte und vor allem Catullus. Zahlreiche Kommentare^ 
die unter seinem Namen gingen, scheinen aber nur Nach- 
schriften seiner Schüler gewesen zu sein, z, B. zu Cic. de off. 
Paradoxa, Laelius, Epist. Rhet. ad Her., Val. Max., Persius. 

Vergl. F. A. Eckstein, AUg.EncycLs.n.; Voigt, I 3441. 547-556. 
II 177. 384. 390. 394; R. Sabbadini, la Scuola degli Studi di Ouarino, 
Catina 1895; Sandys, op. cit. p. 75-80. 153f. 

ViTTORiNO DA Feltre (Ramboldini), 1378-1446. 

Sohn eines armen Schreibers, studierte in Padua, lehrte 
in Venedig 1414-1418, 1422 Lehrer der Beredsamkeit da- 
selbst, 1425 nach Mantua berufen, wo er bis zu seinem Tode 
der Leiter einer berühmten Schule war. 

Vergl. Voigt, I p. 533-544; Symonds, p. 289-297; £. Benoit^ 
Victorin de Feltre ou de T^ducation en Italie ä T^poque de la re- 
naissance, 2 Bde., Paris 1853; Schmid, Gesch. der Erziehung, II 2^ 
p. 14 ff.; W,H, Woodward, V. da F. and other humanist educators,. 
Cambridge 1897 (Hauptwerk); Sandys, op. cit. 70-75. 

Francesco Poooio Bracciolini, 1380-1459. 

Geboren in Terranuovo bei Arezzo. Er wuchs unter dem 
Protektorat der Medici, Salutatus und Niccoli in Florenz auf^ 
war apostolischer Sekretär unter 8 Päpsten, von 1403-1453^ 
und wurde in letzterem Jahre von Cosimo di Medici als 
Nachfolger des Staatskanzlers Marsuppini nach Florenz be- 
rufen. Er bereiste Deutschland, Frankreich und England auf 
der Suche nach Hss. Das Glück war ihm wie keinem zweiten 
Humanisten hold, und so ist denn sein Name unvergänglich 
mit diesen Entdeckungen, die er teils selbst, teils durch seine 
Emissäre machte, verbunden. Unter seinen Funden waren 
die bedeutendsten: 

Plautus (20 Komödien, die letzten 12 bis dahin unbekannt),^ 
Teile des Lucretius, Zehn Reden des Cicero (davon unbekannt 
pro S. Rose. Amer. und pro Murena), Aratea, Vitruvius, 
Columella, Manilius, Petronius (die Cena Trimalchionis wurde 
erst 1650 in Trau in Dalmatien gefunden), Valerius Flaccua 
(I-IV 317), ein vollständiger Quintilian, Frontinus, Statius^ 



Vittorino. Poggio. Biondo. Kyriakos. 157 

Silvae, Tacitus* Annalen I-VI, Dialogus, Germania, Sueton de 
gramm. et rhet., Silitis Italicus, Ammianus Marcellinus, und 
zahlreiche Grammatiker, z. B, Nonius, Priscian, Festus, Caper, 
Eutyches, Ps.-Probus. Auch um die Sammlung von Inschriften 
hat sich Poggio die größten Verdienste erworben. 

Vergl. Voigt, I 235-256. 327-339. II 7-16. 74-79; Symonds, 
p. 134 ff. 230-246; Ch. Nisard, les gladiateurs de la r6publique des 
lettres aux XV% XVI% XVII« sidcles, Paris 1860, p. 117-194; Sandys, 
Harvard Lectures, p. 32-40; Sabbadini, p. 76-84 passim. 

Flavio Biondo, 1388-1463. 

Apostolischer Sekretär von 1433 bis zu seinem Tode. 
Unzweifelhaft der gelehrteste Archäologe der Renaissance. 
Seine drei Werke, Roma instaurata (1446), lialia illustrata 
(1453) und Roma triumphans, sind eine großartige Enzy- 
klopädie der römischen Altertümer und italienischen Landes- 
kunde, die Jahrhunderte lang die solide Grundlage dieses 
Wissenszweiges blieb und auch heute noch nicht ganz ent- 
behrlich ist. 

Vergl. Voigt, II 34-36. 85-88. 507; Ä. Masius, F. Biondo, sein 
Leben und seine Werke, Lpz. 1879, pp. 65. 

Kyriakos (de' Pizzicolli) von Ancona, 1391 -c. 1450. 

Der Schliemann der Renaissance. Einer Kaufmanns- 
familie entsprossen, wurde er schon von seinem 9. Jahr an 
auf Reisen mitgenommen. Nach einer langen Lehrzeit in 
Padua von 1405-1412 ging er wiederum zur See und be- 
reiste dann wiederholt die Inseln des Mittelmeers, Ägypten, 
Griechenland, Byzanz, Kleinasien und ganz Italien, überall 
rastlos Inschriften sammelnd, Handschriften und Kunstwerke er- 
werbend. Seine nicht geringen Kenntnisse in den alten Sprachen 
hat er mühsam in seinen Mußestunden sich selbst angeeignet. 
Sein berühmter Ausspruch ''Ich gehe, die Toten zu erwecken" ^^^ 
kann als Motto für die Renaissance überhaupt gelten. Auch 



(1) Biondo Ital. illustr. 339 qui monumenta investigando vetu- 
stissima mortuos, ut dicebat, vivorum memoriae restituebat. 



158 V- Renaissance in Italien. 

ist er wohl der erste gewesen, der sich des historischen Wertes 
epigraphischer Quellen voll und ganz bewußt wurde. ^^^ Seine 
großartigen Sammlungen ("antiquarum rerum commentaria') 
sind nie herausgegeben und daher bald verzettelt worden, 
so daß uns nur Bruchstücke erhalten sind. Seine bona fides, 
früher oft angezweifelt, ist von neueren Forschern mit über- 
zeugenden Gründen nachgewiesen worden. ^^^ 

Vergl. Tiraboschi, Storia della letteratura Italiana VI (1824*) 
p. 263-297; Mommsen in CORP. III p. XXII ff. 129ff.; Voigt, I 269-286; 
B.deRossi, Inscript. Christ. II 356-387; Symonds, p. 155 ff.; 0,Jahn, 
Cyriacus von Ancona und Albrecht Dürer, in Populäre Aufsätze 333 
-352; E. Ziebarth, N. Jahrb. f. Phil. V (1902) p. 214-226 (K. als Be- 
gründer der Inschriftenforschung); Sandys, p. 43—45. 

Francesco Filblfo, 1398-1481. 
Einer der gefeiertsten Wanderlehrer der Renaissance. ^^^ 
Geboren zu Tolentino, gebildet in Padua, lehrte er in 
Venedig (1417), Bologna (1428-1429), Florenz (1429-1434), 
Siena, Mailand (1440 - 1474). 1453 wurde er in Neapel als poeta 
laureatus gekrönt, und in demselben Jahre verlieh ihm Papst 
Nikolaus V. die Würde eines apostolischen Sekretärs. Seine 
eminenten Kenntnisse im Griechischen erwarb sich F. unter 
Joh. Chrysoloras in Konstantinopel, wo er als Gesandter Vene- 
digs und als Sekretär des Kaisers Johannes VIIl von 
1420-1427 weilte. Von 1474-1481 lebte er in Rom 
und starb in Florenz. Von seinen zahlreichen Schriften 



(1) "inscriptiones maiorem longe quam ipsi libri fidem et no- 
titiam praebere," 

(2) Boeckh, in C. L 0. I p. IX vir diligens et verus maleque tarn- 
quam falsarius notatus, Henzen CORP. VI. 1 p. XL. 

(3) Das in folgenden, kläglichen Versen enthaltene Selbstlob 
entspricht zum Teil den Tatsachen und spiegelt jedenfalls das Urteil 
seiner Zeitgenossen über den Wert seiner Leistungen wieder: "Si 
me Vergilius superat carminibus Ullis \ Laudibus, oraior illo ego 
sum melior \\ Sin Tullii eloquio praestat facundia nostro | Versi- 
bus nie meis cedit ubique minor. | Ädde quod et lingua possum 
praestare Pelasga \ Et Latia, Talern quem mihi des alium?" 



Kyrtakos. Pilelfo. Valla. 159 

kommen hier nur seine Obersetzungen in Betracht: Eine 
Rede des Lysias, Xenophons Cyrop., Ages., rep. Laced., Ps.- 
Plut Apophthegmata, Arist Rhet. Von Konstantinopel brachte 
er (1427) an 40 griech. Autoren nach Italien, darunter Homer, 
Hesiod, Pindar, Herodot, Euripides, Thukydides, Xenophon, 
Demosthenes , einige Werke des Aristoteles, Theokrit und 
Polybios, eine Sammlung, die nur von der des Aurispa Ober- 
troffen wurde. 

Vergl. C. de Rosmini, Vita di F. F., 3 Bde., Mailand 1808; G.Favre, 
M61anges d'histoire litt6raire, Genf Bd. I (1856) p. 9-146; Nisard, 
op.cit.p. 1-115; Voigt, 1348-366. 512-515. 524-530. II50f 95-101; 
Symonds, p. 267-289; Benaducci, Contributo alla biografia di F.F., 
Tolentino 1902; SabbadinU p. 48. 

Lavrbntivs Valla (Lorenzo della Valle), 1407-1457. 

Geboren zu Piacenza, in Rom unter Aurispa und Bruni 
erzogen, 1431 Prof. der Rhetorik in Pavia, lehrte er von 1433 
an in Mailand, Genua, Ferrara und Mantua. 1435-1448 Hof- 
gelehrter Alfons' V. in Neapel, von 1448 in Rom als Prof» 
und Sekretär Nikolaus' V. Valla ist der erste moderne Ver- 
treter der historischen Kritik. Besonders berühmt ist sein 
Nachweis, daß die sogenannte "Konstantinische Schenkung", 
wie auch der Briefwechsel Senecas mit dem Apostel Paulus, 
Fälschungen sind. 

Vergleich zwischen Cicero und Quintilian, zu Ungunsten 
des ersteren (1430), nicht gedruckt und jetzt verschollen. 
Elegantiae Latini sermonis 1444 (59. Auflage 1536). 
Von diesem noch jetzt nützlichen Meisterwerke hat man den 
Gebrauch der lateinischen Sprache als einer "toten" datiert^^^ 

Kommentar zu Quintilian (gedruckt 1494). Ober- 

setzungen: Aesop, Herodot, Thukydides, Homers Ilias 1 - 16 (in 
Prosa), Demosthenes de Corona. 

Vergl. Joh. Vahlen, Lorenzo Valla, Berlin 1870% pp. 71, L. V. 
opuscula tria mit Exkursen, Wien 1869, pp. 205; Voigt, I 460-476. 



(1) "Ego pro lege accipio quidquid magnis auctoribus placuit" 
Valla. 



150 V- Renaissance in Italien. 

486-488. 1188-92. 148-152. 179. 184f. 192f. 209f. passim.; Symonds, 
p. 258-265; Nisard, op. ciL p. 195-304; Mancini, L. V., Florenz 1891, 
pp. 339; M. Wolff, L. V., sein Leben und seine Werke, Lpz. 1893, 
p. 142; W.Schwahn, L. V., Ein Beitrag zur Gesch. des Humanismus, 
Berl. Diss. 1897, pp .61. 

Marsiolio Ficino, 1433-1499. 

Aus Florenz. Von Cosimo di Medici erzogen, studierte 
er Medizin in Bologna, kehrte 1459 nach Florenz zurück, wo 
er sich hauptsächlich dem Studium der platonischen Philo- 
sophie widmete. Aus dieser Beschäftigung gingen die Ober- 
setzungen des Hermes Trismegistos , lamblichos, Proklos, 
Porphyrios, Dionysios Äreopagites, Plotinos und vor allem 
die berühmte des Plato (1482 und seitdem öfter heraus- 
gegeben) hervor. Diese ist wohl, neben der Obersetzung der 
Anthologia Planudea von Hugo Grotius, die glänzendste Lei- 
stung auf dem Gebiete der lateinischen Obersetzungsliteratur 
überhaupt 

Vergl. Creuzer, Opusc. II 5 p. 10-21 ; Baehr, in Ersch und Qruber 
I Sekt. Bd. 44 p. 1-18; Voigt, II 322; Symonds, p. 324ff.; R.Sieve- 
king, Gesch. der piaton. Akademie zu Florenz, Göttingen 1812, pp. 62; 
Sandys, op. cit. p. 89-94. 

Anqelvs Politianvs (Angioio de* Ambrosini von Monte Pulciano), 

1454-1494. 

Gebildet in Florenz, 1477 Erzieher Lorenzos di Medici, 
seit 1480 Prof. der griech. und latein. Literatur in Florenz. 
P. ist nicht der bedeutendste Philologe, wohl aber das viel- 
seitigste Genie der Humanistenzeit, ebenso hervorragend als 
Lehrer, wie als lateinischer und italienischer Dichter. Zu 
seinen Schülern zählte auch Reuchlin. Schon mit 16 Jahren 
übersetzte er Homers Ilias II -V (das erste Buch von 
Marsuppini) in latein. Hexameter, und als Achtzehnjähriger 
edierte er Catulliis. Seine wichtigsten philologischen Ar- 
beiten sind: 



Ficino. Politianus. Victorius. 15| 

Miscellanea (1489) Berühmte Praelectiones (Einl. 
zu seinen Vorlesungen, manche in Versen ^^^) zu Homer, He- 
siod, Vergil, Quintilian, Statins* Silvae, Suetonius und Persius. 
Obersetzungen: Kallimachos, Herodian (der Historiker), 
Epiktet, Piatos Charmides, Plutarchs Eroticus, Teile des Hippo- 
krates und Galen. Seine wertvollste textkritische Leistung ist 
die Ausgabe der Pandekten. 

Vergl. Heeren, op. cit. p. 247-269; J.Maehly, A. P., ein Cultur- 
bild aus der Renaissance, Lpz. 1864; J, Bemays, Gesamm. AbhandK, 
II pp.330ff.; Symonds, p. 345-355; Sandys, Harvard Lectures p. 95-99; 
R, Jebb, in Cambridge Modern Hist. I p. 555 f.; Sahbadini, op. cit. 
p. 151-156. 

Petrvs Victorivs (Pietro Vettori), 1499-1584. 

Der größte Philologe der humanistischen Periode Italiens. 
Lehrte 1514 in Pisa, 1527 im diplomatischen Dienste seiner 
Vaterstadt Florenz, 1534 Erzieher Alessandro Farneses in 
Rom, seit 1538 Prof. der klass. Sprachen in Florenz. 

Textausgaben mit Kommentar: Cicero 1534 epoche- 
machend Eurip. Elekt, ed. princeps 1545 Sophokles mit 
Kommentar und Schollen 1547 Aischylos 1557 Aristot 
Ethik(1547'), Rhetorik (1548. 1579), Poetik (1560. 1573), Politik 
(1576), de partibus animalium (1548) mit vorzüglichen Ober- 
setzungen. Xenophons Memorabilia (1551); Ps.-Demetrios 
TTepi dpjLiTiveiac; Dionys. Halik., Isaios, Deinarchos; Hippar- 
chos in Arati et Eudoxi Phainomena; Clemens Alexandrinus 
(1550), Porphyrios, de abstinentia (1548). Terenz (1565); 
Sallust (1576); Notae zu Varro, de re rust. Variae lec- 
tiones, 38 B. 

Vergl. Bandini, P. V. vita, Florenz 1758; Creuzer, op. cit. p. 21 
-36; H Kümmel, Jahns Jahrb. XCV (1865) p. 545ff. XCVI p. 133!!.; 
325-342, 421-438; W.Rüdinger, P. V. Halle 1896, pp. 150. 

(1) Silvae genannt, deren jede aber ihren eigenen Titel hatte: 
Nutricia (Allgemeines Lob der Poesie) Rusticns (zu Hesiods, Opera 
und Vergils Georgica) Manto (Panegyricus au! Vergil) Ambra 
j(Lob Homers). 

Qu de man, Grandriß der Gesch. der klass. Phil. 11 



J52 ^* Renaissance in Italien. 

Verzeichnis der wichtigsten Editiones principe s. 

1465 Cicero, de off. und Paradoxa, von Pust und Schoeffer in Mainz. 

1469 Caesar, Vergil, Livius, Lucan, Apuleius, Gellius (Rom), Plinius 
der Altere (Venedig). 

1470 Persius, Juvenal, Martial, Quintilian, Suetonius (Rom) Terenz 
(Straßburg) Sallust, Horaz, Tacitus, Juvenal (Venedig) Gua- 
rinos Obersetzung des Strabo (Rom). 

1471 Nepos (Venedig) Ovid (Rom, Bonn) Campanus' Obersetzung 
des Plutarch. 

1472 Plautus (G. Merula, Venedig) Catullus, Tibullus, Propertius, 
Statius (Venedig) Obersetzung des Diodor I-V von Poggio 
und des Appian von Candidus. 

1473 Lucretius (Perrandus von Brescia) Perrottos Obersetzung des 
Polybius I-V (Rom, Sweynheym u. Pannartz). 

1474 Valerius Placcus (Bonn) Vallas Obersetzung der Ilias. 

1475 Senecas Prosawerke (Neapel). 

1481 (?) Hesiod, Opera et Dies, zusammen mit Theokrit (I-XVIII) 
in Mailand (?). 

1484 Senecas Tragödien (Perrara). 

1485 Plinius' Epist. (Venedig). 

1488 Homer [ed. Chalcondyles] (Plorenz). 

1495 Hesiods Opera omnia (Aldus). 
1495-1498 Aristoteles (Aldus). 

1496 ApoUonios Rhodius (J. Laskaris), Lucian (Florenz). 

1498 Ciceros Opera omnia (Mailand von Alexander Minutianus). 
Aristophanes [ohne Lysist. u. Thesmoph.] (Aldus). 

1499 Aratos (Aldus in Astron. veteres). 

1500 Kallimachos (Laskaris). 

1502 Herodot, Thukydides, Sophokles (Aldi). 

1503 Euripides [ohne Elektra, die erst Victorius 1545 veröffentlichte] 
(Aldus). Früher erschienen waren Med. Hipp. Ale. Andr., ver- 
mutlich von De Alopa ^i Florenz 1496 gedruckt und von J. Las- 
karis ediert. Datum und Ort, wie oft, fehlen. 

1513 Pindar zusammen mit Kallimachos, Lykophron, Dionys. Perieg., 

Plato Orat. Attici (Aldus). 

1514 Athenaios (Aldus). 

1516 Xenophon [ohne Agesilaus, Apologia, TTöpoi] (Junta) Strabo, 

Pausanias (Aldus). 
1518 Aischylos (Aldus). 
1520 Velleius (Beatus Rhenanus, Basel). 
1525 Xenophons Opera omnia, mit Ausnahme der Apologie (Aldus). 



Edittones principes. Drucker. 153 

1530 Polybios (ed. Opsopoeus, i. e. Koch, in Hagenau). 

1532 Aristophanes* Opera omnia (Basel). 

1533 Diogenes Laertius (Proben, Basel). 

1539 Diodoros (XVI-XX) von Vinc. Opsopaeus, Basel; vollständig, 

soweit erhalten, .von H. Stephanus 1559. 
1544 losephos (Basel). 
1548 Cassius Dio (R. Stephanus). 

1551 Appian (C. Stephanus), vollständiger von H. Stephanus (1557). 
1572 Plutarch (H. Stephanus). 

Der erste lateinische Schriftsteller, der gedruckt wurde, 
war Laciantius, 1465 in Rom, und in demselben Jahre 
Cicero de officiis. Das erste griechisch gedruckte Buch über- 
haupt war die Grammatik des Konstantinos Laskaris, 1476 
in Mailand. Das erste Buch in Oktavformat war ein Sallust 
aus dem Jahre 1475. 

Vergl. Chr. Saxe, Onomasticon, 2 Bde, 1790; S.RG. Hoffmann, 
Lexicon Bibliographicum , 3 Bde, 1832 (nur griech. Autoren); F. A. 
Schweiger, Handb. der class. Bibliographie, 2 Bde, 1834; L. Hain, 
Repertorium bibliographicum ab arte typographica inventa usque ad 
annum MD, 4 Bde, 1838, Register von C. Burger, Lpz. 1891 (das voll- 
ständigste Inkunabelnverzeichnis); J,J, Brunei, Manuel deLibraire etc., 
8 Bde, 1880. A F, Didot, Essai sur la Typographie, 1851; Encyclop, 
Brittanica, s. v. Typography; J,W, Clark, Libraries in the Mediaeval 
Renaissance Period, Oxford 1894; G. H Putnam, Books and their 
Makers during the Middle Ages, 2 Bde, New York 1897. B. Bot- 
field, Praefationes et epistulae editt. principibus auctorum veterum 
praepositae, Cambridge 1861. — 

Ober Aldus Manutius^^ (1459-1515), seine Söhne und die ersten 
Drucke (27 editt. principes): A. A, Renouard, Annales de Timprimerie 
des Aldes, 3 Bde, Paris 1834^; J. Schuck, A. M. u. seine Zeitgenossen 
in Italien und Deutschland, Berlin 1862; A,R Didot, A. M. et rhell6- 
nisme ä Venice, Paris 1875, pp. 715 (Hauptwerk); £. Goldsmidt, The 
Aldine Press at Venice, Edinburgh 1877; H, T, Brown, The Venetian 
Printing Press, London 1890, pp.480; H, Omon^, Catalogues deslivres 
grecs et latins imprim6s par A. M. ä Venice, reproduits en photo- 
typie, Paris 1894. 

Andere berühmte Drucker von Inkunabeln waren: C.Swegnhegm 



(1) Für die schönen Typen der Aldinae wurde als Muster die 
Handschrift des Marcus Musurus genommen. 

11* 



154 V^- Frankreich. 

und Arnold Pannartz aus Mainz, 1464 in Subiaco, 1466-1476 in Rom 
(23 Autoren innerhalb zweier Jahre). Giunti von 1499-1592 in Vene- 
dig, Florenz, Lyon (editt luntinae). 



VI. Frankreich. 

Vergl. im allgemeinen: //. Rigault, Histoire de la querelle des 
anciens et des modernes, Paris 1856, pp. 490; E, Egger, THell^nisme 
en Prance, 2 Bde, Paris 1869, pp. 960; A, Sicard, les 6tudes classiques 
avant la Revolution, Paris 1887; A, Lefranc, Histoire du College de 
France, Paris 1893, pp. 446; E, Hübner, Bibliographie der class. 
Alterthumsw. 1889*, p. 80-87; Hauptwerk über die Gesch. der Pariser 
Universität (gegründet zwischen 1160-1170) ist //. T. Rashdaü, the 
Univ. of Europe in the Middle Ages, Oxford Bd. I (1895) 271-557 
mit reichhaltigen Literaturangaben. Füge hinzu : 0. /f. Luquet, Aristote 
et Tuniversit^ de Paris pendant le XIII'' sidcle, Paris 1904. 

Die Stephani (fitienne). 

Berühmte Drucker- und Gelehrtenfamilie. 1. Henri 
Etienne (1460-1520). 2. Robert (1503-1559) und 3. Charles 
(1504- 1564), Söhne von Henri. 4. Henri II, Sohn von Robert 
(1528-1598). 5. Sein Sohn Pau/ (1566-1627). 6. Anton, 
Sohn von Paul (1592-1674). Von diesen waren die be- 
deutendsten, und auch als Philologen hervorragend, Robert 
und vor allen Henri IL Sie wirkten in Paris und Genf. 

Hauptdrucke von Robert Etienne: Plautus, Terenz, Cicero, 
Horaz, Dionysios Halik., Cassius^io, Eusebios und der Thesau- 
rus linguae Latinae (1531-1536), bis auf Forcellini (1771) 
das vollständigste Lexikon der latein. Sprache. Henri IL Etienne : 
Xenophon, Thukydides, Piaton, Theokrit, Diodor, Appian, 
Anthologie und zahlreiche andere Ausgaben und Erläuterungs- 
schriften. Die meisten dieser Drucke wurden zur Vulgata^^\ 
und so wird noch heute bei vielen, z. B. Plato, nach der 
Seitenzahl des Stephanus zitiert. Sein Ruhm gründet sich 
jetzt vor allem auf sein Lebenswerk, den Thesaurus Grae- 



(1) Bis etwa auf I. Bekker. 



Die Stephani. Budaeus. Tumebus. ^55 

cae linguae (1572)^^^ in 5 Foliobdn, das in seiner wieder- 
holt verbesserten und erweiterten Gestalt (zuletzt 1865) das 
einzige große Lexikon der griech. Sprache geblieben ist. 

Vergl. Greswell, £., a View of the Early Parisian Press, with 
Lives of the Stephani, 3 Bde, Oxford 1833; J. Ä, Renouard, Annales 
de rimprimerie des fitiennes, Paris 1848*; L Feug^e, Essai sur la 
vie et les ouvrages de Henri fitienne, Paris 1853; E, Egger, op. cit. 
p. 198-221; M. Pattison, Essays I 66-124; Putnam, Books and their 
Makers etc. II 3-87. 

GuiLLAUME Bud6 (Budaeus), 1467-1540. 

Geboren in Paris, studierte in Orleans, im diplomatischen 
Dienst Louis XII. und Franz I., Bibliothekar und Requeten- 
meister seit 1522. Das College de Prance wurde auf seine 
Anregung hin gegründet. 

Flut de fortuna Roman., Alexander, de tranquillitate, 
Ps.-Plut. Placita. Annotaiiones in Pandecta (1508) Com- 
mentarii Linguae Graecae (1519) De asse et parti- 
bus eins (1514). Mit diesem Werk wurde B. der Begründer 
der wissenschaftlichen Metrologie. 

Vergl. D, Rebittä, G. B. restaurateur des 6tudes grecques en 
France, Paris 1846; E. de Budä, vie de G. B., Paris 1884, pp. 301; 
Egger, op. cit. I 161-163. 171-173. 

Adrien Turn^bb (Turnebus), 1512-1565. 

Aus Andely in der Normandie, studierte in Paris, 1533 
Prof. in Toulouse, 1547 in Paris am CoUöge de France, wo 
Scaliger kurze Zeit sein Schüler war, 1552-1556 Direktor 
der königlichen Druckerei. Der erste hervorragende Text- 
kritiker Frankreichs (bes. im Plautus und Cicero). 

Druckte die editio princeps von Philo Judaeus, Synesios, 
die Scholien des Triklinios zu Sophokles, mit wertvoller Ein- 
leitung. Herausgeber des Aischylos, der Ethik des Aristot, 
Appian, Cicero de legibus. Kommentar zu Horaz und Varros 



(1) "At Thesaurus me hie de divite reddit egenum \ Et facit 
ut iuvenem ruga senilis aret" 



156 VI. Prankreich. 

de lingua Latina. Seine textkritischen und exegetischen Auf- 
sätze sind zum großen Teil gesammelt in den berühmten Ad- 
ver saria^ 30 B. (1564/5). Eine Monographie über sein ^ 
Leben und seine Werke fehlt. 

Denis Lambin (Lambinus), 1520-1572. 

Aus Montreuil-sur-Mer in derPicardie, studierte zu Amiens, 
lebte lange Jahre in Italien (1549—1560), meistens in Rom 
und in der Begleitung des Kardinals Tourron, 1561 Prof. am 
College de France, starb vor Schrecken über die Pariser 
Bluthochzeit 

Ausgaben mit Kommentar von Horaz, Cicero, Lucrez, 
Plautus, Nepos. Diese epochemachenden Arbeiten sind eben- 
so ausgezeichnet durch ihren musterhaften Stil, wie durch kri- 
tischen Scharfsinn und eminente Gelehrsamkeit. Sie sind 
auch heute noch nicht entbehrlich, wie denn das in ihnen 
gesammelte exegetische Material den Grundstock der heutigen 
Kommentare zu jenen Autoren bildet. 

Vergl. P. Laxer in Orellis Onomasticon Ciceronis, vol. I Ap- 
pendix p. 478-491; Horawitz in Ersch und Gruber II 41 (1887) 
p. 270-274. 

. Marcvs Antonivs Mvrbtvs, 1526—1585. 

Berühmter lateinischer Stilist und Textkritiker, geb. zu 
Muret bei Limoges, lehrte zu Poitiers, Bordeaux, Paris und 
Toulouse, von 1554 an in Venedig, Padua und seit 1563 mit 
großem Erfolge in Rom. 1576 wurde er Priester. Seine 
Schriften sind ein Muster feinsinniger Exegese und metho- 
discher Kritik. 

Ausgaben meist mit ^Kommentar: Catullus, Tibullus, 
Propertius, Horaz, Terenz, Ciceros Catilinariae und Philip- 
picae, Salliist, Seneca, Tacihis* Annalen I-V Aristot Ethik, 
Oecon. Topik, Rhet. I. II. und Plato, Republ. I. II. Variae 
Leciiones (1559), sehr oft gedruckt 

Vergl. D. Ruhnken, Mureti Opera omnia, 4 Bde, 1789 (vita in 
Bd. IV 518-581); C. Defol, M. A. Muret, Paris 1881, pp. 500; M. Pat- 
tison, Essays I 124-132; Sandys, Harvard Lect, p. 168-171. 



Turnebus. Lambinus. Muretus. los. Scaliger. 157 

losEPH IvsTVs ScALiQER (dc la Scala), 1540—1609. 

Einer der größten Philologen aller Zeiten. 

"Aquila in nubibus, quod Graeci dicunt (Arist. Equit. 1013. 
Aves 978), vere tu es; vides, immo pervides omnia et quidquid ve- 
naris capis" Lipsius. **Unus forte Joseph Scaliger, quem ex Omni- 
bus qui post renatas litteras fuerunt, omni antiquitatis scientia con- 
summatissimum fuisse constat, non multum ab hac perfectione ab- 
fuif Wyttenbach. **The most richly stored intellect that ever spent 
itself in acquiring knowledge" Pattison. "Melius morbos quam re- 
media novimus" Scaliger. 

Sohn des Philologen Julius Cäsar Scaliger^^^ geb. zu 
Agen (an der Garonne), gebildet in Bordeaux unter Muret, 
Buchanan und seinem Vater, studierte er kurze Zeit in Paris. 
Von 1563-1593 lebte er in der Familie des Grafen de la 
Rochepozay und begleitete ihn 1565 nach Rom, 1566 be- 
suchte er England, begab sich 1570 nach Valence (Dauphin^), 
um unter dem berühmten Cuiacius Jurisprudenz zu studieren. 
1572-1574 Prof. in Genf, wohin er nach den Greueln der 
Bartholomäusnacht geflüchtet war. Die nächsten 20 Jahre 
verbrachte er auf Reisen in Süd-Frankreich oder auf den 
Schlössern seines Protektors Rochepozay. 1593 nahm er 
einen Ruf als Nachfolger von Lipsius nach Leiden an, der 
Verpflichtung Vorlesungen zu halten enthoben. Er starb da- 
selbst am 21. Jan. 1609. Seine bedeutendsten Werke waren: 

Coniectanea in Varronis de ling. Lat. 1565. Metri- 
sche Obersetzung des Lykophron 1566. Catalecta Virgilii 
et aliorum poetarum veterum 1572. Festus 1576 "Das 
bisher unerreichte, ja in solchem Umfange einzige Muster 
divinatorischer Kritik" Bemays. Catullus, Tibullus, Pro- 
pertius 1577. Manilius 1579. Publilius Syrus 1598. 
De emendatione Temporum 1583 und Thesaurus 
T empor um 1606. Diese beiden monumentalen Werke sind 
ebenso ausgezeichnet durch eine wohl nie wieder erreichte 
Beherrschung der gesamten chronologischen Oberlieferungen 

(1) Ober ihn Ch. Nisard, les gladiateurs etc. I p. 305-400; 
Saintsbury, Hist. of Lit. Criticism II 69-80. 



168 VI. Frankreich. 

des Altertums wie durch divinatorisches Genie.^^^ 24 In- 
dices zu Gruters Thesaurus inscript. Latin. 1603. Mit 
diesen musterhaften, innerhalb zehn Monate verfertigten In- 
dices ist Scaiiger der Begründer der wissenschaftlichen Epi- 
graphik geworden. Apuleius 1600 Caesar 1606 de re 
nummaria 1616. 

Vergl. J. Bemays, J. J. Scaliger, Berlin 1855, pp. 319, vollstän- 
diges Schriftenverzeichnis, p. 267-305 (Hauptwerk); L. Müller, Gesch. 
der class. Philol. in den Niederlanden, Lpz. 1869, p. 267-305; M,Pat- 
tison, Essays I 196-244; Ch, Nisard, le triumvirat litt6raire <Lipsius, 
Scaliger, Casaubonus> au XVI. si^cle, Paris 1852, p. 149-308 (ein viel 
zitiertes, reichhaltiges und interessantes Buch, das aber von Scaliger 
ein tendenziös entstelltes Zerrbild bietet^^^); M. Haupt, Opusc. III 
p. 30-33 (Charakteristik Scaligers). 

IsAAC Casaubon (Casaubonus), 1559-1614. 

"Est doctissimus omnium qui hodie vivunf Scaligerana. 
Geboren in Genf, studierte 1578 daselbst, 1583 Prof. der 
griech. Sprache ebenda, 1596 in Montpellier, 1598 in Lyon, 
1599 in Paris, 1603 Bibliothekar Heinrichs IV., flüchtete nach 
dessen Ermordung 1610 nach England, wo er am 1. Juli 1614 
starb und in der Westminsterabtei bestattet wurde. 

De Satyrica Graecorum poesi et Romanorum Satira 1605 
(ed. Rambach, Halle 1774 mit Vita Casauboni). Grundlegend. 

Ausgaben und Kommentare; Strabo 1587. Polyainos 
1589 edit. princeps. Aristoteles 1591. Theophrasts Cha- 
raktere 1592. Athenaios 1598. 1840® (in Schweighäusers 
Ausgabe), sein Meisterwerk. Polybios 1609 (berühmte Ein- 
leitung über griech. Historiographie). Sueton 1595. Scrip- 
tores Hist. Aug. 1603. Persius 1605 (1833*), epoche- 
machend; der weitschweifige Kommentar ist noch heute un- 



(1) Seine Rekonstruktion der Chronica des Eusebios fand eine 
glänzende Bestätigung durch die später entdeckte armenische Ober- 
setzung. 

(2) Vergl. auch denselben in Les gladiateurs (op. cit.) II pp. 1 
-206 über Scioppius, Scaligers Gegner. 



los. Scaliger. Casaubonus. Salmasius. Du Gange. 159 

entbehrlich. ^^^ Apuleius 1614. Daneben wertvolle kritische 
und exegetische Beiträge, z. B. zu Aristophanes , Theokrit, 
Dionysios Halicarnass., Diogenes Laertius, Plinius' Epist 

Vergl. M, Pattison, J. Casaubon, Oxford 1892^ (Hauptwerk); 
Nisard, op. cit. p. 309-456; J, J. Nazelle, J. Casaubon, sa vie et son 
temps, Paris 1897, pp. 234; Fr. Hoffmann in Hist. Taschenbuch, Folge V 
Bd. X (1881), Lpz. p. 1-60; Pufnam, Books and their makers 11 87-101. 

Claude de Saümaisb (Salmasius), 1588-1653.* 

"Non homini, sed scientiae deest quod nescivii Salma- 
sius'* Balzac. 

Geboren 15. April 1588 zu S6mur en Auxois, studierte 1604 
in Paris, 1606 in Heidelberg Jurisprudenz, und hier entdeckte 
er die Anthologie des Kephalas (Anthol. Palatina) (s. oben 
p. 138). 1631 Prof. in Leiden, 1650 am Hof der Königin 
Christine von Schweden; 1651 nach Holland zurückgekehrt, 
starb er in Spaa 1653. Berühmt ist seine Fehde mit dem 
englischen Dichter Milton. 

Ausgaben: Florus 1609 Scriptores Historiae Augustae 
1620 Tertullian de pallio, Achilles Tatius 1640, Simplicius* 
Kommentar zu Epiktet 1640. Grundlegende antiquarische 
Abhandlungen sind de lingua hellenistica 1643, das erste 
Werk über diesen Gegenstand de annis climactericis et anti- 
qua astrologia 1648, de re militari Romanorum 1657, de 
modo usurarum, de mutuo. Sein magnum opus ist aber 
Plinianae exercitationes in Solini Polyhistorem 
1629, ein Werk von enzyklopädischer Gelehrsamkeit und eine 
unerschöpfliche Materialsammlung für alle Späteren. 

Vergl. Saxe, Onomast. IV 188 ff.; Fr. Creuzer, opusc. II p. 65-75; 
L. Müller, p. 141. Eine Monographie fehlt. 

Charles du Fresnb sieur du Canoe, 1610—1688. 
"Einer der größten Gelehrten aller Zeiten*' Krumbacher. 
Aus Amiens, studierte Jura in Orleans, 1631 Parlaments- 
advokat in Paris, 1645 Schatzmeister in Amiens, von 1668 



(1) "La sauce valait mieux que le poisson" Scaliger» 



170 VII. Holland. 

an in Paris. Sein Ruhm gründet sich in erster Linie auf 
seine großartigen, noch immer ganz unentbehrlichen Lexika: 
Glossarium ad scripiores mediae et inftmae Latinitaüs 1678 
und Glossarium ad scripiores mediae et inftmae Graecitatis 
1688, die ein ganz neues Forschungsgebiet erschlossen. Das- 
selbe gilt von seiner Ausgabe dev Byzantinischen Historiker 
1680. 

Vergl. Hardouin, Essai sur la vie et les ouvrages de du Gange, 
Parts 1849; L. Feug^e, la vie et les ouvrages de du Gange, Paris 
1852; Ersch u. Gruber, I 28 p. 199 f. 

Bernard de Montfaucon, 1655-1741. 

Geboren auf dem Schlosse Soulage (Languedoc). Nach 
einer kurzen militärischen Lautbahn trat er 1676 in den 
Benediktiner-Orden ein, seit 1701 lebte er in Paris. Begründer 
der paläographischen und archäologischen Disziplinen. Zur 
Bestimmung einer festen Chronologie auf Grund des Schrift- 
charakters hat Montfaucon allein 11630 Hss untersucht 

Hauptwerke: Palae]ographia Graeca 1708. Bi- 
bliotheca bibliothecarum manuscriptorum nova 
1739, in 2 Poliobänden, Katalog und Beschreibung aller von 
ihm in einem Zeitraum von 40 Jahren untersuchten Hss, ein 
erst in der allerneuesten Zeit entbehrlich gewordenes Hilfs- 
mittel. UAntiquiti expliqu4e et repräsentäe en ftgnres, 15 Bde, 
1719-1724. 

Vergl. E. de Broglie, la soci6t6 de Tabbaye de Saint Germain, 
2 Bde, 1891. 



VII. Holland. 

Vergl. L Müller, Gesch. der class. Philol. in den Niederlanden, 
Lpz. 1869, pp. 249; G. D. J. Schotel, de Academie te Leiden in de 
16% 17« en 18" Eeuw, Haarlem 1875, pp.410. 

Universitätsgründungen: Leiden 1575, Franeker 1585, 
Groningen 1614, Amsterdam 1632, Utrecht 1636. 



Du Gange. Montfaucon. Erasmus. m 

Desiderius Erasmus, 1467 — 1536. 

Geboren zu Rotterdam 28. Oktober 1467, gebildet in 
Gouda, Utrecht und bes. Deventer. Von 1483-1496 lebte 
er als Mönch in Klöstern bei Gouda und Cambray, studierte 
scholastische Philosophie in Paris, begab sich 1498 nach Eng- 
land, wo er auch 1505 und 1509, diesmal als Prof. in Cam- 
bridge, sich aufhielt. Nach einem weiteren Wanderleben (1514 
in Deutschland, 1516 in Brüssel, 1521 in Basel, 1529 in 
Freiburg) wollte er nach Holland zurückkehren, starb aber 
in Basel, 11. Juli 1536. E. ist der gefeiertste Gelehrte des 
Reformationszeitalters. Unter seinen überaus zahlreichen 
Schriften und Ausgaben, die hier in Betracht kommen, sind 
die berühmtesten: 

Adagiüy zuerst 1500 in Paris erschienen, über 800 
Sprichwörter enthaltend und bis zur Mitte des 17. Jahrh. 
oft mit reichhaltigen Zusätzen wiederholt. Plutarch 1514, 
Seneca 1515, Scriptores Hist Aug. Sueton 1517, Curtius 
Ruf US 1518, Cyprian 1520, Cic. de off., Lael., Cato, Parad. 
1520 Aristoteles 1531 Ptolemaios 1533 (edit. princeps) 
Novum Testamentum 1516 (epochemachend) Cicero- 
nianus, sive de optimo genere dicendi 1528. Dieser berühmte 
Dialog rief eine heftige Gelehrtenfehde hervor. Zu den leiden- 
schaftlichsten Gegnern des Erasmus gehörte Jul. Caes. Sca- 
ligerS"^ 

Von größerem Einfluß war der in demselben Jahre ver- 
öffentlichte Dialog De recta Latini Graecique sermonis Pro- 
nuntiatione. In dieser Schrift empfahl E., halb im Scherze, 
den bis dahin ausschließlich geltenden Itacismus in der Aus- 
sprache des Griech. zu Gunsten des Etacismus aufzugeben. 



(1) Zur Geschichte des Xiceronianismus' , vergl. Bemhardy, 
Gnindr. der röm. Literat. 1872*, p. 115 ff.; Ch. Nisard, les gladia- 
teurs etc. I 305-376 (Scaliger u. Erasmus); Sabbadini, Storia del 
Ciceronianismo, Turin 1886 (behandelt nur die Anfänge); Zielinski, 
Cicero im Wandel der Jahrhunderte 1897; E, Norden, Antike Kunst- 
prosa II p. 773-779; Sandys, Harvard Lectures, p. 145-173. 



172 VII. Holland. 

ein Vorschlag, der trotz des Widerspruchs von Reuchlin^^\ dem 
Melanchthon sich anschloß, bald allgemein angenommen wurde. 
Vergl. FX. Hoffmann, Essai d*une liste d'ouvrages et disserta- 
tions concernant la vie et les 6crits d'^rasme, Bruxelles 1866; 
H. Durand de Laur, Erasme, 2Bde, pp. 1290, Paris 1872; R.B.Dmm- 
mond, E., bis Life and Character, 2 Bde, pp. 790, London 1873; H, A. 
Erhard, Gesch. des Wiederaufblühens wissensch. Bildung usw., Magde- 
burg 1832, in Bd. II 461 ff. (wo auch die ältere Literatur verzeichnet 
ist), derselbe, in Ersch u. Qruber, AUgem. Encycl. I Bd. 36, p. 155 
-212 (mit chronolog. Schriftenverzeichnis); G, Feug^re, Erasme, fitude 
sur sa vie et ses ouvrages, Paris 1874; Kämmet in Allgem. deutsch. 
Biogr. Bd. VI p. 160-180; W.H. Woodward, D. E. concerning the aim 
and method of education, Cambridge 1904, pp. 261; Fr. Paulsen, 
Gesch. des gelehrt. Untern in Deutschi. P (1896) p. 63-66. 143-145. 

lüSTUs Lipsiüs, 1547-1606. 

"Perfectus litteris Latinis, Graecarum mediocriter peritus" 
Ruhnken. "Lipsius n'est Grec que pour sa Provision" Scaliger. 

Einer der genialsten Textkritiker der Neuzeit. 

Geboren 18. Okt. 1547 zu Issche bei Brüssel, gebildet 
in Ath und in Köln, studierte 1563 Jurisprudenz und klassische 
Philologie in Löwen (Louvain), 1567 in Rom, 1572 Prof. in 
Jena, 1576 in Löv^ren, 1579 Prof. in Leiden, 1592 in Löwen 
und Historiograph des Königs von Spanien. 

Ausgaben: Tacitus 1574\ epochemachendes Meister- 
werk. Seneca Velleius Valerius Maximus. Kommentar 
zu Plinius' Panegyricus. Dazu kommen zahlreiche textkritische 
und bahnbrechende antiquarische Abhandlungen, z. B. de gla- 
diatoribus 1582 de amphitheatro 1584 de militia Romana 
1595 PolioTcetica 1596. 

Vergl. A, de Reiffenberg, de J. L. vita et scriptis commentarius 
1823; Ch. Nisard, le triumvirat etc. 1852, p. 1-148; L Müller, op. cit. 
p. 24-29. 33-35; E, Amiel, J. L. un publiciste du XVI. si^cle, Paris 
1884; van der Haeghen, Bibliographie Lipsienne, 3 Bde, Gent 1888. 

(1) Daher spricht man auch von ^Reuchlinianem' und ^Eras- 
mianern'. Der Streit ist in neuerer Zeit wieder entbrannt, sed adhuc 
sub iudice lis est. Auf Seite der letzteren stehen z. B. Blass, Zacher, 
Jebb, für erstere treten Rangab6, Hatzidakis und die Griechen über- 
haupt' ein. 



Erasmus. Lipsius. 0. J. Vossius. Meursius. D. Heinsius. 173 

Gerhard Johannes Vossius, 1577-1649. 

Geboren bei Heidelberg, gebildet in Dordrecht und Leiden, 
1600 Rektor in Dordrecht, 1615 in Leiden, seit 1622 Prof. 
daselbst, 1631 am Athenaeum in Amsterdam. Der größte 
holländische Polyhistor, eifriger Sammler von Hss Ccodices 
Vossiani' in Leiden). 

Hauptwerke: Aristarchus sive de arte grammatica 7 B., 
1635. 1835 De historicis Graecis 1624. 1838 
de historicis Latinis 1627. Die erste wissenschaftliche und 
auf lange Zeit grundlegende Darstellung der klass. Historio- 
graphie. Commentaria rhetoricarum sive oratoriarum institu- 
tionum in 7 B. 1606 und oft aufgelegt de vitiis sermonis 
ars rhetorum de artis poeticae natura. 

Vergl. J. G, Crane, de Vossiorum luniorumque familia, Franeker 
1820; Pökel, s. v. (Schriften). 

Johannes Meursius (Jan de Meurs), 1579-1639. 

Geboren zu Loogduynen (bei Haag), studierte in Leiden, 
1610 Prof. daselbst, 1625 Prof. an der Akademie in Soroe 
(Dänemark). 

Ausgaben: Piatons Timaios Lykophron Hesychios 
Milesius Konstantinos Porphyrogennetos Phlegon von 
Tralles Theophrasts Charactere Catos de agricultura. Be- 
sonders berühmt sind seine zahlreichen Monographien, die auch 
heute noch eine reiche Fundgrube antiquarischen und literar- 
historischen Wissens bilden. Opera omnia, 12 Folio-Bde von 
J. Lami, Florenz 1741-1763, die wichtigsten Arbeiten stehen 
auch in den Thesauri antiquitatum des Gronovius und des 
Graevius. 

Daniel Heinsius, 1580/81-1655. 

'Parvus Scaliger' Casaubonus. 

Geboren zu Gent, studierte in Franeker und Leiden unter 
Scaliger, Prof. und Bibliothekar in Leiden 1605. Herausgeber 
zahlreicher griech. und latein. Texte: Hesiod 1603 Griech. 



174 VII. Holland. 

Bükoliker mit Schollen Maximus Tyrius Arist Poetik 1610 
u. Politik 1621 Clemens Alexandr. 1616 Paroemiographi 
1619. Silius Italicus 1600 Horaz 1610 Seneca 1611 
Terenz 1616 Ovid 1629 (seine bedeutendste Leistung) 
Livius 1634 Vergüius 1636. 

Vergl. L. Müller, op. cit p.38f.; Fr. Jacobs, Ersch u. Gniber, 
Allgem. Encycl. II Bd. 5, p. 14-17. 

HuQO Grotius (Hulg de Groot), 1583-1645. 

" Alfter pueri Terentiwn legunt, aliter Grotius". 

Geboren zu Delft 10. April 1583, studierte in Leiden 
1594 unter Scaliger, 1601 Historiograph Hollands, 1607 General- 
fiskal, 1613 Ratspensionär in Rotterdam. Als Parteigenosse 
Oldenbameveldts (hingerichtet 1619) ins Gefängnis geworfen, 
entkam er 1621 in einer Bücherkiste versteckt nach Ant- 
werpen und Paris, 1631 in Holland, 1632 in Hamburg, 1634 
im Dienst der Königin Christine von Schweden, starb auf 
der Rückkehr in seine Heimat in Rostock, 28. Aug. 1645. 
Grotius zeichnete sich als Theologe, Historiker, Philosoph, 
Dichter und vor allem als Jurist und Philologe aus. Durch sein 
unsterbliches Werk de Uwe belli et pacis (1625) wurde er 
der Begründer des Völkerrechts. Er edierte Lucan, Silius 
Italicus, Martianus Capeila. Besonders berühmt sind seine 
glänzenden metrischen Übersetzungen von £urip. Phoenissae, 
Theokrit und vor allem der Anthologia Planudea. 

Vergl. H, Luden, H. 0., Berlin 1806; J. Hasemann, Ersch und 
Gniber I 94 p. 199-226; Caumont, fitude sur la vie et les travaux 
de Grotius, Paris 1862; Neumann, H. G., Berlin 1884. 

JoH. Fr. Gronovius, 1611-1671. 

"Latinitatis scientia princeps" Wyttenbach. "Numquam 
interitura est vera educatio, donec Gronovii opera legentur" 
Markland. 

Geboren in Hamburg 8. Sept 1611, studierte in Leipzig, 
Jena, Altdorf, 1634 in Leiden und Groningen als Schüler 
des G. J. Vossius und Salmasius, bereiste England, Frankreich 



D. Heinsius« Grotius. J. Pr.Qronovius. N. Heinsius. Qraevius. 175 

und Italien, 1642 Prof. in Deventer, 1659 als Nachfolger des 
D. Heinsius in Leiden, wo er am 28. Dez. 1671 starb. 

G. ist alles in allem der hervorragendste Latinist Hollands. 
Viele seiner Ausgaben sind bis zum Anfang des 19. Jahrh. 
die Vulgata gewesen. 

Livius 1645 (sein Hauptwerk) die beiden Seneca 1649 

Gellius 1651 Statins 1653 (darin besonders berühmt 

die Ausgabe mit Kommentar zu den Silvae) Martial 1661 

Plautus 1664 (vergl. Ritschi, Opusc. II 155 f.) Sallust 

1665 Plin. nat 1669 Phaedrus 1669 Tacitus 1672. 

Vergl. L Müller, p. 42-44; Wilkins, J. Fr. G., Hamburg 1723; 
Anonyme vita (Westerhof?) in den Lectiones Plautinae, Amsterdam 
1740; Creuzer, op. cit. p. 108 ff.; Eckstein, in Ersch und Qruber I 
92 p. 193-200. 

NicoLAüs Heinsius, 1620-1681. 

''Sospitator poetarum Latinorum". 

Aus Leiden, studierte unter seinem Vater Daniel Heinsius, 
1641 in England, 1645 in Frankreich, 1646 in Italien, 1649 
in Schweden, 1654 im Dienste der Königin Christine von 
Schweden, 1656 Stadtschreiber in Amsterdam, 1659 wieder 
in Schweden, 1671 in Moskau. Er lebte später als Privat- 
gelehrter in Vianen und starb im Haag 1681. Genialer Text- 
kritiker lateinischer Schriftsteller. 

Claudian 1650 Ovid 1652 (sein Meisterwerk) 
Vergil 1664 Prudentius 1667 Velleius 1678 Valerius 
Flaccus. Zahlreiche wertvolle Beiträge zu Catullus, Propertius, 
Silius, Phaedrus, Tacitus u. a. in seinen Adversaria. 

Vergl. L Müller, p. 51-54 und vita in Burmanns Ausgabe der 
Adversaria; Fr. Jacobs, Ersch u. Gruber II 5, p. 19-22. 

JoH. Georg Graevius, 1632-1703. 
Geboren zu Naumburg, 1645-1649 in Schulpforta, stu- 
dierte seit 1650 in Leipzig, Deventer (unter Gronovius) und 
Leiden, 1656 Prof. in Duisburg, 1658 am Athenaeum in De- 
venter, 1662 in Utrecht. 



176 VII. Holland. 

Ausgaben: Hesiod Justin Sueton Cicero In llBdn, 
unvollendet (Hauptwerk, besonders wertvoll die Rezension der 
Briefe) Kallimachos. Berühmt als Herausgeber des 
Thesaurus antiquitatum Romanarum 1699 in 12 Bdn und 
Thesaurus antiquitatum et historiarum Italiae 9 Folio-Bde, 
fortgesetzt von Burmann, 15 Bde 1704. 

Vergl. L Müller, p. 44 f. und Frotscher, Eloq. virorum narra- 
tiones de hominibus excell. I (1826) p. 134-196, Schriften 197-204. 

Jacob Gronovius, 1645-1716. 

Aus Deventer, studierte daselbst und in Leiden unter 
seinem Vater Joh. Fr. Gronovius, bereiste England, Spanien 
und Italien, Prof. in Pisa und seit 1679 in Leiden. 

Herausgeber des: Polybius 1670 Macrobius 1670 
Stephanus Byzantius 1681 Harpokration 1682 Mela 1685 

Amm. Marceil. 1693 Phaedrus 1703 Arrian 1704 
Herodot 1715 Tacitus 1721 usw. und vor allem des 

Thesaurus antiquitatum Graecarum, 13 Folio- 
Bde, 1702. 

Vergl. Eckstein, Ersch u. Qruber I 92, p. 200-203. 

Jacob Perizonius (Voorbroek), 1652-1715. 

Aus Dam, gebildet in Deventer, studierte seit 1661 in 
Utrecht und Leiden, 1681 Konrektorin Delft, 1682 Prof. in 
Franeker, 1693 in Leiden. Herausgeber des Aelian, Curtius, 
Dictys u. Dares. Sein Ruhm knüpft sich besonders an seine 
Animadversiones historicae 1685 (1771, mit vita), in denen 
er als erster die Glaubwürdigkeit der älteren römischen Ge- 
schichte in Zweifel zog. Auch in der Annahme altrömischer 
Heldenlieder ist Perizonius, neben dem späteren Vico, der 
bedeutendste Vorläufer Niebuhrs. 

Vergl. Hofman-Peerlkamp, Bibl. crit. nova V p. 545-552; F,Ä, 
Eckstein, in Ersch u. Grubers Encycl. III 17, p. 108—113; Schwegler, 
Rom. Gesch. I 35. 135 f., 427. II 526. III 198; G. Kramer, Elogium 
Perizonii, Berlin 1828, pp. 96 (eine von Niebuhr gestellte Bonner Preis- 
aufgabe). 




JFOR^ 
J. Qronovius. Perizonius. Burmann I. II. Hemsterhusius. Valckenaer. 177 

Peter Bürmann der Ältere, 1668-1741. 

Geboren in Utrecht, studierte daselbst und in Leiden unter 
Graevius, 1696 Prof. in Utrecht, 1715 in Leiden. Seine zahl- 
reichen Ausgaben erfreuten sich lange einer ungeheuren Be- 
liebtheit, einige sind auch heute noch unentbehrlich: Phaedrus 
Horatius Valerius Flaccus Petronius 1709 Clau- 
dian 1714 Velleius Quintilian 1720 Justin 
Poetae Latini minores Ovid 1727 Sueton Luc an 
1740 VergiL 

Vergl. Saxe, Onomasticon V 466-477; L.Müller, p.45f., 54-59. 

TiBERiüs Hemsterhusius (Hemsterhuis), 1685-1766. 

Geboren zu Groningen, studierte daselbst und in Leiden, 
1704 Prof. der Philosophie und Mathematik am Athenaeum 
in Amsterdam, 1717 in Franeker, 1740 in Leiden. Lehrer 
Valckenaers und Ruhnkens. Begründer der holländischen 
Hellenistenschule. 

Ausgaben des Pollux 1706 Lud an 1743 Aristoph. 
Plutos, mit Schollen 1744 (epochemachend). 

Vergl. D. Ruhnken, Elogium H., pp. 33, mit Anm. von Bergmann 
1824, p. 303-336; Hand, in Ersch u. Gruber 11 5, p. 290-292; L Müller, 
p. 74-82. 

Peter Bürmann (Secundus), 1714-1778. 

Geboren in Amsterdam, Neffe des Obigen, studierte in 
Utrecht, 1736 Prof. in Franeker, 1744 am Athenaeum in 
Amsterdam. 

Herausgeber der Anihologia Latina (mit Kommentar) 
1773 Aristophanes Claudian u. a. 

Vergl. G.CHarless, Vitae philol. nostra aetate clariss. I 95-170. 

Ludwig Caspar Valckenaer, 1715 — 1785. 
Geboren zu Leeuwarden 7. Juni, studierte seit 1731 zu 
Franeker und Leiden, 1741 Prof. in Franeker, 1766 Nach- 
folger von Hemsterhusius in Leiden. ''Er übertraf an Wucht 
der Gelehrsamkeit alle Zeitgenossen" Wilamowitz. 

Qu de man, Grundriß der Gesch. der klass. Phil. 12 



178 VII. Holland. 

Hauptwerke: Homers Ilias 1747 Eurip. Phoenissae 
1755, Hipp.acced.Diatribe inEurip.perditarum fabu- 
larum reliquias 1768 (epochemachend) Theokritos, 
Bion und Moschos 1781 (grundlegend). Callimachi fragm. 
(ed. Luzac 1799). Diatribe de Aristobulo (ed. Luzac 
1806), epochemachendes Meisterwerk, in welchem die litera- 
rischen Fälschungen dieses Alexandriners mit glänzendem 
Scharfsinn und tiefer Gelehrsamkeit aufgedeckt werden. 

Vergl. Wyttenbach, in Vita Ruhnkenii, p. 175-181; J. T. Berg- 
man. Memoria L. C. V. 1871; L Müller, p. 82 f.; Wilamowiiz, Eur. 
Heracl. P 231 f. 

David Rühn(e)ken, 1723-1798. 
Geboren in Stolp (Hinterpommern) 2. Jan. 1723, ge- 
bildet in Schlawe und Königsberg, studierte 1741 in Witten- 
berg, 1743 in Leiden, 1757 Lektor, 1761 Prof. daselbst. 
Einer der bedeutendsten Kritiker und latein. Stilisten Hollands. 
Timaei Lexicon vocum Platonicarum 1754. Historia 
critica oratorum Graecorum 1768, sein Meisterwerk und 
die erste wissenschaftliche Darstellung der griech. Beredsamkeit. 
(F. J. Schardam) de vita et scriptis Longini Ausgaben der 
Hom. Hymnen an Demeter und Dionysos Velleius Hesy- 
chios Dictata in Terentium, in Ovidii Heroidas, in Suetonium. 
Elogium Hemsterhusii, eine stilistisch, wie inhaltlich 
meisterhafte Biographie. 

Vergl. D.Wyttenbach, de vita Ruhnkenii, p. 67-300, mit Anmerk. 
von Bergmann, p. 353-464; L, Müller, p. 84-88. 101-103; H, Petrich, 
D. R., in Z. f. Gymn. XXXIV (1880) p. 81-111. 

Daniel Albert Wyttenbach, 1746-1820. 

Geboren in Bern, studierte seit 1760 in Marburg, Göttingen 
und Leiden (unter Ruhnken), 1771 Prof. in Amsterdam, 1799 
-1816 Nachfolger Ruhnkens in Leiden. 

Hauptwerke: Plutarchi Moralia (Recensio, Animad- 
versiones, letztere unvollendet, index), 14 Bde. Einleitungen 
wie Kommentar noch heute unentbehrlich. Vita Ruhnkenii 



Valckenaer. Ruhnken. Wyttenbach. Peerlkamp. Cobet. 179 

1799 vortreffliche Biographie Piatons Phaidon. Opuscula, 
2 Bde, 1821 Andere Werke bei Pökel. 

Vergl. G. L Mahne, Vita Wyttenbachii, Leiden 1823; L Müller, 
p. 91-96; Creuzer, op. cit. p. 189-194. 

Peter Hofman-Peerlkamp, 1786 — 1865. 

Geboren in Groningen, studierte daselbst und in Leiden, 
1803 Gymnasiallehrer in Haarlem, 1804 Rektor in Dockum, 
1816 in Haarlem, 1822-1848 Prof. in Leiden. Hervor- 
ragender Kritiker und lateinischer Stilist Seine mit glänzen- 
dem Scharfsinn gehandhabte Methode, die lateinischen Dichter 
an subjektiven Kriterien poetischer Vollkommenheit zu messen, 
führte ihn zu zahlreichen Umstellungen und zur Annahme 
weitgehender Interpolationen - so blieb von den Oden des 
Horaz nur etwa ein Viertel als echt übrig. Dieses Prinzip, 
in welchem er in Scaliger und Guyet Vorgänger hatte, hat 
lange einen verhängnisvollen Einfluß ausgeübt. (Gruppe, Lehrs, 
M. Schmidt, Ribbeck, Baehrens.) 

Hauptwerke: Xenophon Ephesius mit Kommentar 1818 
Tacitus' Agricola 1827 Horaz, Oden 1834, Ars poet. 1845, 
Sat. 1 863 Vergils Aeneis 1 843 Properz mit Kommentar 1 865. 

Vergl. L Müller, p. llOf. 

C. Gabriel Cobet, 1813-1889. 

Geboren zu Paris, studierte 1836 in Leiden, seit 1840 
auf wissenschaftlichen Reisen, 1847 Prof. in Leiden. Einer 
der hervorragendsten griechischen Textkritiker und Paläo- 
graphen der Neuzeit. 

Prosopographia Xenophontea 1836 de arte int er- 

pretandi usw. 1 847 Eur. Phoen. 1 847 Diogenes Laertius 

1850 Xenoph. Anab. 1859, Hellen. 1862 Lysias 1863. 

Besonders wertvoll: Variae Lectiones, 2 Bde, 1873* 

Novae Lectiones, 2 Bde, 1853 Miscellanea critica 1876 

Collecianea critica 1878. 

12* 



180 VIII. England. 

Vergl. J. J. Hartman, Biogr.' Jahrb. XII (1889), pp 53; J.J.Cor- 
nelissen, ad Cobeti memoriam 1889; G, Rutherford, Class. Review 
in (1890) p. 470-474; Schriftenverzeichnis in Mnemos. XXXIV (1906) 
p. 430-443. 

VIII. England. 

Im allgemeinen : </. E. Sandys, in Social England V 53-70. VI 
297-313. Eine umfassende Darstellung der Gesch. philolog. Studien ^ 
in England fehlt. Einiges bieten die vorzüglichen Werke von J. B, 
Mullinger, History of the Univ. of Cambridge, 2 Bde, Cambridge 1873 
und H, T, Rashdall, the Universities of Europe in the Middle Ages, 
Bd. I, Oxford 1895. Chronologisches Personenverzeichnis bei Hübner, 
Bibliogr., p. 95-98. Charakteristik bei G. Hermann, Opusc. VI 91-102, 
Wilamowitz, Eur. Her. P p. 227-230. 

Qründungsjahre der ältesten und berühmtesten Colleges: 
In Oxford: Univ. College 1249, Balliol 1260, Merton c. 1264, Exeter 
1314, Oriel 1326, Queen's College 1340, New College 1386, Lincoln 
1427, All Souls 1437, Magdalen 1456, Corpus 1516, Christ Church 
1532, Trinity 1554, St. Johns 1555, Jesus 1571. In Cambridge: 

Peterhouse 1257, Cläre 1326, Caius 1347, Pembroke 1347, Corpus 
Christi 1352, King's College 1441, Queen's 1448, Catharine 1473, 
Jesus 1496, Christ 1505, St. John's 1511, Magdalene 1519, Trinity 
1546, Emmanuel 1584. In Schottland: St. Andrews 1406, Glasgow 
1453, Aberdeen 1494, Edinburgh 1582. In Irland: Trinity (Du- 
blin) 1591. 

Burney's Pleiade: Bentley, Dawes (1708-1766), Markland (1693 
-1776), John Taylor (1704-1766), Toup (1715-1785), Tyrrwhitt (1730 
-1786), Porson, Vergl. Dict. National Biogr. s. v.; zu Dawes, 
auch Monk, Life of Bentley II 367-371, Wilamowitz, op, eil; zu Tay- 
lor: Wolf, Literar. Analecten I 500-502. 

Richard Bentley, 1662-1742. 

"Nobis et ratio et res ipsa centum codicibus potiores sunf 
Bentley, zu Hör., Carm. 3, 27, 13 "Apparet permultum interpretis 
interesse, iudicium simtd adferat an solam eruditionem" zu carm. 
saec. 68 "An Größe des kritischen Talents ist ihm Niemand gleich- 
gekommen" Boeckh. "Er ist der erste und größte Kritiker ge- 
wesen und geblieben" Urlichs. 

Geboren in Oulton bei Wakefield in Yorkshire am 
27. Jan. 1662, studierte 1676 in St. John's College, Cambridge, 



Englische Universitäten. R. Bentley. 181 

1683 Lehrer in Spalding (Lincolnshire), 1683 magister artium, 

1684 Lehrer des Sohnes von Dr. Stillingfleet (Bischofs von 
Worcester) in Oxford und später dessen Hauskaplan, 1694 
Königlicher Bibliothekar, Master von Trinity College, Cam- 
bridge 1700-1742, daneben Erzdiakonus von Ely 1701 und 
Prof. der Theologie 1716. 

Epistula ad Millium 1691. Darin besonders be- 
rühmt die Entdeckung der Synapheia in anapäst. Systemen, 
die Wiederherstellung der ursprünglichen Gestalt des Lexicon 
des Hesychios und die Monographie über Ion von Chius, 
A Dissertation on the Epistles of Phalaris, Themi- 
stocles, Socrates, Euripides and others and the Pables 
of Aesop, zuerst 1697 und erweitert als Antwort auf Boyle's 
Gegenschrift, der die Echtheit der Briefe vertrat, 1699, 
ed. W. Wagner 1883, deutsch von W. Ribbeck, Leipzig 
1857. Unsterbliches Meisterwerk der höheren Kritik, das 
auch heute kein Philologe ungelesen lassen sollte. ^^^ 
Horaz 1711 (1869 ed. Zangemeister). Epochemachend und 
auch jetzt noch für das Studium des Dichters unentbehrlich. 
Terenz (zusammen mii Publilius Syrus und Phaedrus) 1726. 
Grundlegende Recensio. Mit der kurzen Einleitung ^Schedi- 
asma de metris Terentianis* wurde B. der Begründer 
der wissenschaftlichen lateinischen Metrik. Die jetzt übliche 
Bezeichnung der Metra durch Akzente stammt von B. 
Fragmente des Kallimachos (in der Ausgabe des Grae- 
vius) 1693. Vorbildlich für alle späteren Fragmentsammlungen. 
"qua nihil in hoc genere praestantius prodiit auf magis ela- 



(1) Hauptinhalt: Berühmte Einleitung Aber die Ursache des 
Streites Zeit des Phalaris, des Pythagoras Therikleische Becher 
Zankleer u. Messenier Ursprung und Geschichte der attischen Ko- 
mödie und Tragödie Attischer Dialekt Sizilische Münzen. Da- 
neben zahllose, glänzende Emendationen, metrische Beobachtungen 
und lehrreiche Miscellanea auf fast allen Gebieten des griechischen 
Altertums, z. B. Zeit des Suidas, Qriech. Alphabet, Literarische Fäl- 
schungen, Charondas* und Zaleucus' Gesetze. 



182 VIIL England. 

borattari' Valckenaer. Entdeckung des Digamma im 

Homer. ^^^ Zuerst in einer Randbemerkung zu Collins On Pree- 
thinking 1713 und in seiner Ausgabe von Miltons Verlorenem 
Paradies 1732. Manilius 1739 Berühmte Emendationen 
zu Menander, Philemon 1710 und Lucaru 

Vergl. J. H, Monk, Life of R. B., 2 Bde, pp. 8H London 1833« 
(Hauptwerk); F, A, Wolf, Literar. Analect. 1 1-95. II 493-499 (= Klein. 
Schrift II 1030-1089); Hand, in Ersch und Gruber, IX p. 48-52; 
Q, Hermann, Opusc. II 263-268 (Charakteristik); J. Mähly, R. B., 
Lpz. 1868, pp. 179; J. Bemays, Rhein. Mus. VIII 1-24; R, C. Jebb, 
R. B., London 1882, pp. 224 (deutsch von WOhler, Beriin 1885), Dict. 
National Biography IV 306-314; Sandys, in Social England IV 59-70. 

Richard Porson, 1759-1808. 

Nach Bentley der größte Textkritiker Englands. 

Geboren zu East Ruston (Norfolk), studierte in Trinity 
College, Cambridge 1778, Prof. daselbst 1792, Bibliothekar der 
London Institution 1805. 

Aischylos 1795. Eurip, Hecuba mit Kommentar 
und einem epochemachenden Appendix aber den Bau des 
griech. Trimeters (Canon Porsonianus). Eur. Orest 1798, 
Phoen, 1799, Medea 1801. Kritische Beiträge bes. zu Homer, 
Herodot, Xenophon, Aristoph., Pausanias, Suidas (Tracts and 
Miscellaneous Criticisms of R. P. ed. Kidd 1815, Adversaria 1812). 

Vergl. J. S. Watson, Life of R. F., London 1861 ; RA. Wolf, op. 
cit II 284-289; G. Hermann, Opusc. VI 92-95; Dict Nat Biogr, 
XLVI 154-163. 

Peter Elmsley, 1773-1825. 
Studierte in Christ Church, Oxford, Geistlicher von 1798 
-1825. In Italien 1816-1820, Prof. der Gesch. in Oxford 
1823-1825. Hervorragender Kritiker. Ausgaben: Thuky- 



(1) Bentleys Handexemplar mit dem eingefügten Digamma 
wurde an Heyne gesandt, der dessen Entdeckung zuerst allgemeiner 
bekannt machte. Vergl. Praef. zur Ilias p. XV und vol. III p. XCIII 
-XCVI. 



Bentley. Porson. Elmsley. Leake. Qaisford. 183 

dides 1804 Eur. Ale. Androm. Electra, Heraclid., Medea, 
Bakch. Arist Acharn. Soph. Oed. R., mit Schol. 

Vergl. G, Hermann, Opusc. VI 95 f.; Dict Nat Biogr., XVII 310f. 

William Martin Leake, 1777-1860. 

Hervorragender Topograph und Numismatiker. 

Geboren in Bristol, Artillerieoffizier 1794-1798 in West- 
indien, 1798 in Konstantinopel, 1800 in Kleinasien, 1801-1802 
in Ägypten, 1804 in der Türkei. Bereiste 1805-1810 Griechen- 
land, lebte später seinen wissenschaftlichen Studien in Eng- 
land, nachdem er 1823 in den Ruhestand getreten. 

Researches in Greece 1814 Topography of Athens 
and the demi 1821, 1841 (deutsch von Westermann, Die 
Demen von Athen 1841, die Topographie von Bauer und 
Sauppe 1844). Grundlegendes Werk, wenn auch jetzt zum 
Teil veraltet. Travels in the Morea, 2 Bde, 1830 Travels 
in Northern Greece, 4 Bde, 1835-1841 Numismata Helle- 
nica, 3 Bde, 1859. 

Vergl. Marsden, Memoir of the Life and Writings of L., London 
1864; Dict Nat. Biogr. XXXII 323-325; E. Curtius, Alterthum und 
Gegenwart II 305-322 (W. M. L. u. die Wiederentdeckung der class. 
Länder). 

Thomas Gaisford, 1779-1855. 

Geboren in Iford (Wiltshire), studierte 1800 in Christ 
Church, Oxford, 1812 Prof. der griech. Lit. daselbst, Kano- 
nikus 1823-1831, Dechant des Christ Church 1831-1855 
und Kurator der Bodleiana. Der hervorragendste Gelehrte 
Englands auf dem Gebiete der spätgriechischen Literatur. 

Cic. Tusc. 1805, de orat. 1809 Eur. Hec. Orest. Phoen. 
Suppl. Hephaistion und Proklos Chrestomathie 1810 
Terentianus Maurus Poetae Graec. minores, 4 Bde, 1820 
Stobaios, 4 Bde, 1822 Herodot 1824 Suidas 
1834 Paroemiographi Graeci 1836 Scriptores La- 
tini rei metricae 1837 Eusebios, 4 Bde, 1843 Ety- 
mologicum Magnum 1848, u. a. 

Vergl. Dict Nat Biogr., XX 370-372. 



184 ^III* England. 

George Qrote, 1794-1871. 

Geboren zu Clay Hill (Kent), seit 1810 im Bankgeschäft 
seines Vaters, von 1832-1841 hervorragendes Parlaments- 
mitglied. In den letzten dreißig Jahren widmete er sich 
historischen und philosophischen Studien. 

History of Greece, von den Anfängen bis auf 
Alexander den Gr., 12 Bde, 1856. 6. Aufl., 10 Bde, 1888 
(deutsch von Meißner, 6 Bde, Berlin 1883*). Dieses epoche- 
machende, auf den Originalquellen, soweit sie Grote damals 
zu Gebote standen, aufgebaute Meisterwerk gehört auch 
heute noch zu den besten Darstellungen der griechischen 
Geschichte. Besonders berühmt sind auch seine Erörterungen 
Ober die homerische Frage (Bd. II p. 119-209), die Sophisten 
und Sokrates (Bd. VIII p. 151-302). Hochbedeutend sind 
femer Plato and the other companions of Socrates, 3 Bde, 
1865. 5. Aufl. 1888 und Aristoteles (unvollendet), 2 Bde, 
1872. 2. Aufl., 1879. 

Vergl. W. Bentheim, in Ersch und Gruber I 94 p. 171-184; 
Doeüinger, Mflnch. Akad. 1872, p. 230f.; A. Bain, inEinl. zu Minor Works 
1873; Haniett Grote, the personal lue of Q. Q., 1873 (deutsch von 
Seligmann, Lpz. 1874); K. Lehrs, Populäre Aufsätze, 1875^ No. 16 (Georg 
Grote und C. A. Lobeck); Dict. NatBiogr.XXUl 284-293; Th. Gom- 
perz, Essays und Erinnerungen, Lpz. 1905, p. 184-196. 

Benjamin Jowett, 1817-1893. 

Berühmter Schulmann, Theologe und Philologe. Geboren 
in Camberwell, studierte in Oxford, seit 1838 am Balliol 
College tätig, als Pellow, Lector und seit 1870 als Rektor, seit 
1855 auch Prof. der griechischen Literatur in Oxford. Unter 
seinen philologischen Arbeiten ragen hervor: 

Obersetzung des Plato, mit meisterhaften Einleitungen 
1871. 2. Aufl. in 5 Bdn 1892, neben Frferes und Rogers 
Aristophanes die bedeutendste englische Obersetzung eines 
klassischen Autors. Obersetzung des Thukydides mit Kommen- 
tar, 2 Bde, 1 88 1 Obersetzung der Politik des Aristoteles 1 885. 



Qrote. Jowett. Munro. Jebb. 185 

Vergl. E. Ahbot und L, Campbell, Life and Letters of B. J., 
London 1897; Dict. Nat Biogr. Suppl Bd. III 49 ff.; L Campbell, 
Class. Review 1894, p. 473-476. 

HüQH Andrew Johnstone Münro, 1819 — 1885. 

Geboren in Elgin (Schottland), 1843 Fellow von Trinity 
College, Cambridge. Einer der bedeutendsten lateinischen 
Textkritiker. 

LucretiuSy 3 Bde, 1873. 1886^ (Einleitungen, Rezension, 
Kommentar und ProsaObersetzung). Die 'standard'-Ausgabe 
dieses Dichters. Aetna, Text und Kommentar 1867 Horaz 
1869 und Criticisms and Elucidations of Catuüus 1878. 1905^ 
Vergl.J.i).Z>u/'/;Biogr.Jahrb.VIII(1885)p.lll-118;i)frf.iVa^.ßfoflfr. 
XXXIX 307-309; W.H.Thompson, Journ. of Philol. 1885, p. 107-112. 

Richard Claverhoüse Jebb, 1841-1905. 

Einer der größten Gräzisten Englands. 

Geboren in Dundee (Schottland), gebildet in Cambridge, 
lehrte daselbst von 1863-1874, 1875 Prof. des Griechischen 
in St. Andrews (Schottland), 1889 Prof. in Cambridge. 

Theophrasfs Characters 1870 Modern Greece 1873 
Richard Bentley 1882 Erasmus 1890 The Growth and 
Influenae of Greek Poetry, Boston 1893 Attic Orators 
from Antiphon to Isaeus, 2 Bde, 1876. 1893^ Homer 
1886 (deutsch von Emma Schlesinger 1893) Sophokles, 
mit Einleitungen, textkritischem und exegetischem Kommentar 
und Prosaübersetzung, 7 Bde, 1883-1896 und Bakchy- 
lides 1905 mit ausführlicher Einleitung (pp. 240), Kommentar 
und Prosaübersetzung. Letztere beiden Werke dürften auf 
lange Zeit die Hauptausgaben dieser Dichter bilden. 

IX. Deutschland.^'^ 

Im allgemeinen vergl. C.Bursian, Geschichte der klass. Philo- 
logie in Deutschland von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 



(1) Einschließlich Österreichs und Dänemarks. 



186 IX. Deutschland. 

1883, pp. 1279 (Hauptwerk. Ober 1600 Namen). «/. F. Schröder, Das 
Wiederaufleben der klass. Studien in Deutschland im 15. Jahrh. und 
zu Anfang des 16. Jahrh. usw. Halle 1864; F, Paiüsen, Gesch. des 
gelehrten Unterrichts in Deutschi., 2 Bde, Lpz. 1892' pp. 1339 (Biblio- 
graphie II 704-711); E.Hühner, Bibliographie, p. 99-121 (Chrono- 
logisches Qelehrtenverzeichnis. C.450 Namen); Wilamowitz bei Lexis, 
Die deutschen Universitäten, Bd. I (1893), p. 457-475. Freund, Eck- 
stein, Pökel (p. 10. 150). 

Qrflndungsjahre der deutschen Universitäten: Prag 
1348, Wien 1365, Heidelberg 1385, Köln 1388 (bis 1794), Erfurt 1392 
(bis 1816), Leipzig 1409, Rostock 1419, Greifswald 1456, Freiburg i.B. 
1457, Basel 1460, Ingolstadt 1472 (1802 nach Landshut und 1826 nach 
München verlegt), Trier 1473 (bis 1798), Mainz 1477 (bis 1798), 
Tübingen 1477, Wittenberg 1502 (1817 mit Halle vereinigt), Prank- 
furt a/0. 1506 (1811 mit Breslau vereinigt), Marburg 1527, Königs- 
berg 1544, Dillingen 1549 (bis 1803), Jena 1558, Helmstädt 1576 (bis 
1809), Würzburg 1582, Graz 1585, Gießen 1607, Paderborn 1614 (bis 
1818), Rinteln 1621 (bis 1809), Altdorf 1622 (bis 1807), Bamberg 1648 
(bis 1803), Duisburg 1655 (bis 1818), Kiel 1665, Innsbruck 1672, Halle 
1694, Breslau 1702, Göttingen 1737, Erlangen 1743, Münster 1780, 
Berlin 1809, Bonn 1818, München 1826, Zürich 1832, Bern 1834, 
Straßburg 1621. Neugegründet 1872. Vergl. G, Kaufmann, Gesch. 
der deutschen Universitäten, 2 Bde, Berlin 1396; Rashdall, op. cit. 
II (1895) p. 211-275 (mit Literaturangaben); Paulsen, op. cit I 25 ff. 
und bei Lexis, op. cit. I p. 1-114 (mit Literaturangaben). 

1. Vor-Wolfische Periode. 

RuDOLPHUs AoRicoLA (latinisiert aus Roelef Huysman), 
1443-1485. 

Der erste deutsche Humanist. "Hoc vivo meruit Ger- 
mania laudis I quidquid habet Latium, Graecia quidquid 
habef. Aus der von Hermolaus Barbarus verfaßten Grab- 
schrift. 

Geboren in Laflo bei Groningen, studierte in Löwen, 
Paris, Ferrara (unter Theodorus Gaza) und Pavia, lebte von 
1480 an abwechselnd in Worms und Heidelberg, wo er Vor- 
lesungen hielt. Übersetzte Ps. Plato Axiochos, Teile Lucians 
und gab Seneca rhet. heraus. 



Deutsche Universitäten. Agricola. Reuchlin. Melanchthon. 1S7 

Vergl. L, Geiger, in Allg. deutsche Biogr. I 151-156; Bursian, 
101 f.; F. Raumer, Gesch. der Päd. I 65-71; Bezold, Der Humanist 
R. Agricola, 1884; Ihm, Der Humanist R. Agricola, sein Leben und 
seine Schriften, Paderborn 1893. 

Johannes Reuchlin, 1455-1522. 

Der Begründer der klassischen Studien in Deutschland. 

Geboren 22. Febr. 1455 zu Pforzheim, studierte 1470 
in Freiburg, 1473 und 1477 in Paris, 1474 in Basel, 1478 
in Orleans, 1482, 1490 und 1498 in Italien, wo Argyropolos 
und Politian seine Lehrer waren, 1484 und 1499 in Stuttgart 
als Advokat, 1496 nach Heidelberg berufen, 1502-1519 
Bundesrichter in Schwaben, 1520 Prof. in Ingolstadt, 1521 
in Tübingen, starb am 22. Juni 1522. Die berühmten Epi- 
stolae obscurorum virorum, verfaßt von Crotus Rubianus 
(Joh. Jäger) und Ulrich von Hütten, sind eine giftige Satire 
auf die Gegner Reuchlins und sind an ihn adressiert. 

Vocabularius breviloquus Synopsis grammaticae Graecae 

1475/6 (25. AufL 1504), anonym erschienen. Ausgaben von 

Xenoph. Apol. Ages. Hiero; Dem. de Corona u. Äisch. c. Ctesiph. 

Latein. Obersetzung der Batrachomyomachia. Diese Werke 

haben jetzt nur ein historisches Interesse. 

Vergl. L Geiger, AUg. deutsche Biogr. 28 p. 784-799, R., sein 
Leben u. seine Werke, Lpz. 1871 (Hauptwerk); ßursian, p. 120-131. 

Philipp Melanchthon (seit 1531 Melanthon, gräzisiert aus 
Schwarzert), 1497-1560.. 

^Praeceptor Germaniae\ 

Geboren in Bretten (Baden) 16. Febr. 1497, studierte 
1509 in Heidelberg, 1512 in Tübingen, lehrte daselbst von 
1514-1518, Prof. in Wittenberg von 1518 bis zu seinem 
Tode. Seine philologischen Werke, die hauptsächlich päda- 
gogischen Zwecken dienten, haben sich in der Schule bis 
ins 18. Jahrh. behauptet. 

Institutiones Linguae Graecae 1518. 44. AufL 1622. 
Grammatica Latina 1525. 84. Aufl. 1757. Ausgaben mit 



188 IX- Deutschland. 

Kommentar: Terenz 1516, Arist Wolken, Plutos AratiPhai- 
nomena Vergüius Aristot Ethik, Politik Hesiod Theo- 
gnis Demosifu Olynth. I, in Aristog. Lykurgos in Leocratem 
Cicero de off., de orat, LaeL, Orator, Topica, Epist. ad fam.. 
Reden Ovids Fasti Salltist Quint inst, orat X Tac. 
Germ. Latein. Übersetzungen: Pindar, Eurip., Reden im 
Thukgd., Aisch. c. Ctesiph., einige Reden des Demosih, u. a. 
Vergl. Wagenmann, Allg. deutsche Biogr. 21 p. 268-279; 
Camerarius, de vita Ph. M., ediert von Th. Strobel, Halle 1877; Klix, 
inEnzykl. der Päd. IV 663-678; Raumer, Gesch. der Päd. 1145-171; 
G, Ellinger, Ph. M., Berlin 1902; Paulsen, op. cit. I 112-116. 185 
-189. 203-209. 223-225. 258-260. Hauptwerk: K, Hartfelder, Ph. M. 
als praeceptor Germaniae, Berlin 1889 (in Monum. Germaniae paedag. 
Bd. VII). Vollständiges Schriftenverzeichnis in Corpus Reformatorum, 
Halle 1831 ff. (philologische in Bd. XVI-XX). 

Joachim Camerarius (Kammermeister), 1500—1574. 

Geboren zu Bamberg, studierte in Leipzig 1513-1518, 
in Erfurt 1518-1521, lehrte in Wittenberg 1521, in Leipzig 
1523-1524, in Nürnberg 1525, Prof. in Tübingen 1535, in 
Leipzig 1541. Der bedeutendste Philologe Deutschlands im 
16. Jahrh. 

Hauptwerke: Theokrit 1532 Sophokles mit Kommentar 
1534 Quintilian 1534 Macrobius 1635 Plautus 1552 
epochemachend Galen 1538 Thukgdides 1540 Cicero 
1540 Herodot 1541 Aristoteles Ethik 1578 Historia rei 
nummariae 1556. Andere Schriften bei Pökel sub nom. 

Vergl. Horawitz, Allg. deutsche Biogr. III 720-724; Ritschi, 
Opusc. II 99-113. III 67-87 (über Camerarius' Plautusstudien); Bur- 
sian, op. cit. p. 185-190. 

Johann Albert Fabriciüs, 1668-1736. 

Geboren in Leipzig, studierte daselbst 1686, Prof. am 
akademischen Gymnasium in Hamburg, 1708—1711 Rektor 
des Hamburger Johanneums. 

Bibliotheca Latina 1697. 1774. 1854, zuletzt in 6 Bdn, 
Florenz 1858. Bibliotheca Graeca, 14 Bde, 1728, 



Melanchthon. Camerarius. J. A. Fabricius. Qesner. Reiske. 189 

2. Aufl,, 12 Foliobde, ed. Harless 1809 (unvollendet), Index 1838. 
Ein monumentales Repertorium der griech. Litefaturgeschichte, 
einzig in seiner Art und auch heute noch durchaus unent- 
behrlich. Bibliotheca Latina mediae et infimae Latinitatis, 
6 Bde, Hamburg 1734, zuletzt von Mansi, 6 Bde, Padua 1754. 

Herausgeber des Sextus Empiricus, Leipzig 1718 
Hippolgtus Dio Cassius mit ausführlichem Kommentar, voll- 
endet von Reimarus 1752 Menologium u. a. 

Vergl. /f. S. Reimarus, de vita et scriptis J. A. F., Hamburg 1737; 
Creuzer, Opusc. p. 201-205; Baehr, in Ersch und Gniber I 40 p. 66 
-75; Bursian, p. 360-364. 

Johann Matthias Gbsner, 1691-1761. 
Reformator des klassischen Unterrichtswesens in Deutschland. 

Geboren in Roth (bei Nürnberg), studierte 1710 in Jena, 
1715 Konrektor und Bibliothekar in Weimar, 1729 Rektor in 
Ansbach, 1730 Rektor der Thomasschule in Leipzig, 1734 
als Prof. an die neugegründete Universität Göttingen berufen. 
Von seinen zahlreichen pädagogischen Schriften und Klassiker- 
Schulausgaben (z. B. Chrestomathia Ciceroniana, Pliniana) ab- 
gesehen, sind seine bedeutendsten Arbeiten: 

Scriptores rei rusticae 1734 Quintilian 1738 Clou- 
dianus mit Kommentar 1759 und Thesaurus linguae 
Latinae 1749, die hervorragendste Leistung auf dem Gebiete 
der latein. Lexikographie seit Robert Stephanus. Seine be- 
reits 1714 erschienene Abhandlung über die Zeit und den 
Verfasser des unter Lucians Schriften erhaltenen Phüopatris 
ist ein glänzendes, methodisches Muster der ^höheren Kritik'. 

Vergl. J.N.Niclas, in Biogr. acad. Gotting. IUI -180. 287-496; 
Eckstein, in Ersch und Qruber I 64 p. 271-279 u. in Allg. deutsche 
Biogr. IX 97-103; Raumer, op. cit. II 141-150 u. passim; Bursian, 
p. 387-393; F. Paulsen, op. cit. II p. 15-28; H.Sauppe, Göttinger 
Professoren, Gotha 1872. 

Johann Jacob Reiske, 1716-1774. 
Der größte Gräzist Deutschlands vor G. Hermann und 
einer der hervorragendsten arabischen Gelehrten seiner Zeit. 



190 IX. Deutschland. 

Geboren zu ZOrbig (Sachsen), studierte, ohne Kollegien 
zu hOren, in Leipzig 1733 namentlich Arabisch, 1738 in Leiden, 
wo er 1746 den medizinischen Doktorgrad erwarb. Nach 
Leipzig zurückgekehrt, mußte er, wie bereits in Holland, unter 
den erschwerendsten Umständen und in bitterster Armut sein 
Leben durch Lohnarbeiten fristen, denn als a. o. Prof. des Ara- 
bischen (1748) erhielt er nur 100 Thlr., die ihm obendrein 
nur unregelmäßig ausbezahlt wurden. Aus dieserDrangsal wurde 
er erst 1758 durch seine Wahl zum Rektor des Nicolaigymna- 
siums befreit In die nun folgende Zeit fallen seine berühmten 
Arbeiten. Von diesen sind einige der bedeutendsten erst 
von seiner Gattin nach seinem Tode herausgegeben worden. 

Konstantinos Porphyrogennetos de caerimoniis aulae By- 
zantinae 1754, editio princeps, mit latein. Obersetzung und 
Kommentar Theokrit 1766 Oratores Attici, 12 Bde, 
1770- 1775 (Hauptwerk). Postume Werke: Plutarch, 12Bde, 
1774—1782 Dionysios Halikarnassens., 6 Bde, 
1774-1777 Dio Chrysostomos, 2 Bde, 1784 Maxi- 
mos Tyrius 1 775 Libanius, 4 Bde, 1 791 - 1 794 "sospitator 
Libanii". Animadversiones ad auctores Graecos, 5 Bde, 
1766 Deutsche Obersetzung der Reden bei Tkukydides, 
des Demosthenes und Aischines, für ihre Zeit sehr anerkennens- 
werte Leistungen. 

Vergl. Autobiographie, Lpz. 1873; Briefe ed. R. Foerster, Lpz. 
1897, pp. 944; R, Foerster, in Allg. deutsche Biogr. 28 p. 129-140 (über 
seine Frau p. 140-142); Bursian, p. 407-416; Wilamowitz, Eur.HeracL 
V p.232; Schriftenverzeichnis bei Frotscher, Eloq. vir. narrat I p. 72-77. 

Johann Joachim Winckelmann^ 1717-1768. 

Begründer der antiken Kunstgeschichte und archäo- 
logischen Wissenschaft. 

Geboren zu Stendal, studierte 1738 in Halle, 1742 Kon- 
rektor in Seehausen, 1748 Bibliothekar des Grafen von Bünau auf 
Nöthenitz (bei Dresden), trat 1754 zum Katholizismus über, ging 
1755 nach Rom, wo er Bibliothekar der Kardinäle Archinto und 
Albani wurde, 1763 Präfekt der Altertümer und Scriptor an 



Reiske. Winckelmann. Heyne. 191 

der Vaticana. Von einer Reise nach Deutschland zurückkehrend, 
wurde er in Triest am 8. Juni 1768 ermordet. Von kleineren 
Arbeiten abgesehen, war er Verfasser zweier grundlegender, 
epochemacliender Werke: Die Geschichte der Kunst des 
Altertums, 2 Bde, 1764. 1870^ Monumenti antichi 
inediti, 2 Bde, 1767/1768, bahnbrechend namentlich für die 
kunstgeschichtliche Hermeneutik. Opera omnia, 8 Bde, 1828^ 
Vergl. W, V, Goethe, W. u. sein Jahrhundert 1805; J, Vogel, in 
Allg. deutsche Biogr. 43 p. 343-362; O.Jahn, Biogr. Aufsätze, 1864, 
p. 1-88; K,B, Stark, W., sein Bildungsgang u. seine bleibende Be- 
deutung, Berlin 1867, pp. 48; K, Justi, W., sein Leben, seine Werke 
u. seine Zeitgenossen, 3 Bde, 1898* (Hauptwerk); Bursian, p. 426-436. 

Christian Gottlob Heyne, 1729-1812. 
Geboren zu Chemnitz am 25. Sept. 1729, studierte seit 
1748 in Leipzig unter Ernesti und Christ, 1753 Kopist an 
der Bibliothek des Ministers Brühl in Dresden, 1757 Haus- 
lehrer, 1759 in Wittenberg. Aus einem Leben voll drückender 
Armut und Entbehrungen wurde er, in Deutschland damals 
noch unbekannt, allein auf die warme Empfehlung D. Ruhn- 
kens hin, über den Kopf von 39 Kandidaten als Nach- 
folger Gesners nach Göttingen berufen (1763). In einer fast 
50 jährigen akademischen Tätigkeit hat er Göttingen zu der 
berühmtesten philologischen Hochschule Europas erhoben 
und durch eine staunenswerte Produktivität ^^^ auf fast allen 
Gebieten der Altertumswissenschaft sich einen Weltruf er- 
worben. An den Leistungen der meisten seiner Vorgänger 
und Zeitgenossen gemessen, kommt seinen Arbeiten eine 
hervorragende Bedeutung zu. Er hat manchen philologischen 
Disziplinen, wie der Kunstgeschichte und Archäologie, das 
akademische Bürgerrecht verschafft und hat namentlich auf 
dem Gebiete der ästhetischen Exegese und der Mythologie 
bahnbrechend gewirkt; doch die epochemachenden Arbeiten 



(1) Seine Rezensionen in den Göttinger Gelehrten Nachrichten 
allein beziffern sich auf fast 8000! 



192 IX. Deutschland. 

eines Wolf, Lachtnann, Bekker, Hermann, Boeckh, Niebuhr 
und Savigny, die bald folgen sollten, haben die Verdienste 
Heynes lange Zeit verdunkelt. 

Hauptwerke: TibuUus 1755 Epiktet 1756 Vergil, 
4 Bde, 1775 (sein Meisterwerk), 4. Aufl. in 5 Bdn von Ph. 
Wagner, 1841 Pindar, 3 Bde, 1799* Ps. Apollodori 
Bibliotheca, mit vorzaglichem und noch immer unentbehr- 
lichem Kommentar, 2 Bde, 1782. 1802* Ilias, 8 Bde, 1802. 
Opusc. Acad., 6 Bde, 1785-1812 und Commentationes 
Gottingenses, 16 Bde, 1779-1800. Durch staunenswerte 
Reichhaltigkeit, vielseitige Gelehrsamkeit und originelle, metho- 
dische Forschung ausgezeichnet. 

Vergl. Ä. H. L Heeren, Chr. G. Heyne, Göttingen 1813, pp.544; 
Hand, in Ersch und Gruber II 7 p. 369-375; /f. Sauppe, GOttinger 
Professoren, 1872, p. 78 ff.; Bursian, in Allg. deutsche Biogr. XII 
375-378, derselbe, op. cit. p. 476-500; C. B. Stark, Systematik und 
Geschichte der Archäologie der Kunst, Lpz. 1880, p. 212-215; Paiüsen, 
op. cit. II* 34-42; F.Leo, Chr. G. Heyne, in Festschr. Gott. Gesellsch. 
d.Wissensch., Berlin 1901, p. 155-234 (speziell Heynes Verdienste um 
die GOtt. Gesellsch. der Wiss. behandelnd, Charakteristik p. 230-234). 

Joseph Hilarius Eckhbl, 1737-1798. 

Begründer der wissenschaftlichen Numismatik. Sein 
System der Anordnung antiker Münzen hat auch heute noch aus- 
schließliche Geltung. 

Geboren in Enzersfeld (Niederösterreich), lehrte an Wiener 
Gymnasien, 1772 Studien halber in Italien, 1773 Prof. an 
der Wiener Universität, 1774 Direktor des Kaiserlichen Münz- 
kabinetts. 

Docirina nummorum y^^^rum, 8 Bde, 1798. 1841*. 
Unsterbliches Meisterwerk. Bd. I enthält die grundlegenden 
Prolegomena über die Geschichte des antiken Münzwesens, 
Technik, Fälschungen, Bestimmung des Alters, das System 
der Anordnung, Literatur usw., dazu Bd. IV 183-501 über 
die geschichtlich wichtigen Aufschriften griechischer Münzen. 



Heyne. Eckhel. F. A. Wolf. 193 

Bde V-VIII behandeln die römischen Münzen mit ebenfalls 
erschöpfenden Prolegomena (Bd. V. Vlll 321-526). 

Vergl. Bursian, p. 496-499; F, Kenner, Allg. deutsche Biogr. 
V 633-635, derselbe, J. H. E. ein Vortragr, Wien 1871. 

2. Die neue Schule der Altertumswissenschaft 
Friedrich August Wolf, 1759—1824. 

Geboren zu Haynrode (bei Nordhausen) 15. Febr. 1759. 
Studierte in Göttingen, wo er, trotz des Widerstrebens des 
Rektors und Heynes, es durchsetzte, als ''studiosus philologiae''^^^ 
immatrikuliert zu werden (8. April 1777). Lehrte seit 1780 
in Ilfeld, 1782 Rektor in Osterode, von 1783-1807 Prof. in 
Halle, 1810 nach Berlin berufen. Mit Wolf beginnt eine neue 
Ära in der Geschichte der klassischen Studien, die sich durch 
eine methodisch-historische Erforschung des gesamten Alter- 
tums kennzeichnet (Wolfs 'Altertumswissenschaft'). Diese 
Epoche knüpft direkt an die weltberühmten Prolegomena ad 
Homerwn an. Die in denselben behandelten Fragen waren 
nicht neu, Vico, R. Wood und zum Teil auch schon Heyne 
hatten ähnliche Anschauungen, aber erst W. hat sie mit voll- 
endeter stilistischer Kunst, eminenter Gelehrsamkeit und mit 
exakter und zielbewußter Methode wissenschaftlich zu begründen 
versucht. Von seinen Hauptthesen hat sich aber keine einzige 
als stichhaltig erwiesen, und andere Werke von wirklicher Bedeu- 
tung, etwa mit alleiniger Ausnahme der Einleitung zur Leptinea 
des Demosthenes, die zum ersten Mal eine musterhafte Dar- 
stellung einiger wichtigen Punkte der attischen Staatsalter- 
tümer gab, hat Wolf nicht verfaßt Seine geschichtliche Be- 
deutung liegt vor allem in dem unermeßlichen Einfluß, den 
jene Prolegomena ausgeübt, in seiner zur allgemeinen Geltung 



(1) Wolf war aber nicht der erste, wie gewöhnlich angenommen 
wird, der sich mit dieser Bezeichnung einschreiben ließ, denn die Uni- 
versitäts-Matrikeln von Erlangen weisen bereits 1749. 1751. 1764. 1770 
u. 1774 vereinzelte Beispiele von ^'philologiae studiosi** auf. 
Quderoan, Qrundrifi der Gesch. der klass. Phil. 13 



194 IX* Deutschland. 

gebrachten Anschauung der Altertumswissenschaft und in 
seiner großartigen akademischen Lehrtätigkeit auf dem Ka- 
theder und im Seminar (in Halle). Von den Oberaus zahl- 
reichen Philologen, die er gebildet, sind die hervorragendsten : 
A. Boeckh, I. Bekker, Ph. Buttmann, G. Bernhardy und L. F. 
Heindorf. 

Piatos Symposium 1782 Demosthenis Leptinea 1789 
Herodian 1792 Homer mit Prolegomena 1795 (zu- 
letzt 1876) Arist Wolken, griech. u. deutsch 1812 Cic. post 
red. in senat, ad Quirit., de domo, de harusp. resp., pro Marceil. 
Alle diese Reden erklärte W. für unecht, letztere nach dem Vor- 
gang von Markland, und gab damit ein glänzendes Beispiel 
verunglückter Hyperkritik. Enzyklopädie der Philologie, 
ed. Stockmann 1831 (aus Vorlesungen herausgegeben) 
Literarische Analekten, 2Bde, 1820 Kleine Schriften, 2Bde, 
1869, pp. 1200 (darin Bd. 2, p. 803-895 Darstellung der 
Altertumswissenschaft). 

Vergl. W. Körte, Leben und Studien F. A. W/s des Philologen, 
2Bde, Essen 1833, pp. 677; J, F, J. Ämoldt, F. A. W. in seinem Ver- 
hältnis zum Schulwesen und zur Pädagogik, 2 Bde, 1861/62 (Bio- 
graphie Bd. 1); A, Baumeister, Allg. deutsche Biogr. 43 p. 737-748; 
Schmid, Encycl. IX* 385-421; Bursian, op. cit. p. 517-648; M, Pat- 
tison, Essays I p. 337-415; Paulsen, op. cit. II 208-227; M.Bemays, 
Ooethes Briefe an W., Berlin 1868; W, Schrader, Gesch. der Univ. 
Halle I (1894) p. 434-462; Ä, Hamack, Gesch. der preuß. Akad. der 
Wiss. II 565 ff. 660 f.; S. Reiter, F. A. W., in N. Jahrb. f. Altert. VII 
(1904) p. 89-111, F. A. W. u. D. Ruhnken, IX 2 (1906) p. 1-17, Wolfs 
Briefe an Goethe mit Anmerk., in Goethe-Jahrb. XXVII (1906) p. 3-96, 
(Vorarbeiten zu einer ausführlichen Biographie). 

a) Grammatisch-kritische Richtung. 

Ober Hermeneutik und Kritik im allgemeinen vergl. F. Schleier- 
macher, Gesamm. Werke III 3 (1835) p. 344 ff., VII 1 (1838) p. XVIII 
u. 390; G, Hermann, Opusc. VII 97-128 (de officio interpretis); 
A. Boeckh, Kleine Schrift. I 100 ff., V 248 ff., VII 262 ff., Encyclopae- 
die usw. p. 79-263 (die älteren Arbeiten p. 79. 169); G, Bernhardy, 
Grundlinien zur Encycl. der Philol. 1832, p. 53 ff.; //. Sauppe, Epist. 
Grit, ad G. Hermannum 1841 ; C. G, Cobet, de arte interpretandi usw. 



F. A. Wolf. - Hermeneutik und Kritik. - G. Hermann. 195' 

1847, pp. 163; J. H, C, Schubart, Bruchstücke zu einer Methodologie 
der diplomat. Kritik (speziell zu Pausanias) 1855, pp. 112; </. N, Madvig, 
Advers. Critica I (1871) p. 8-184 (meisterhaft); £. Tournfer, Exercices 
critiques, Paris 1875, pp. 175; H, Steinthal, Arten und Formen der 
Interpretation, in Philol. Vers. Wiesbaden 1877, p. 25-35; C, von Prantl, 
Verstehen und Beurteilen, Mflnch. Akad. 1877, pp. 37; F. Bücheier, 
Philologische Kritik, Bonn 1878; Fr. Blass, Hermeneutik und Kritik, 
in I. Müllers Handb. P 147-295; J. Vahlen, Der philologische Sinn 
1886, pp. 22; W^- M. Lindsay, An Introduction to Latin Textual Cri- 
ticism 1896, pp. 126 (mit speziellem Bezug auf Plautus); Wilamo- 
Witz, Eur. Heracl. V p. 247-257; A, Gercke, Die Analyse als Grund- 
lage der höheren Kritik (mit spezieller Rücksicht auf Homer) in N. 
Jahrb. 1901, p. 1-38. 81-112. 185-213; R.Jebb, in A Companion to 
Greek Studies, ed. Whibley, Cambridge 1905, p. 610-623. 

Gottfried Hermann, 1772-1848. 

Wahlspruch: 'AirXoOc 6 jliOOoc rfic dXT]9eiac iq>v (Eur. 
Phoen. 472). ''Est quaedam etiam nesciendi ars et scientia" 
Hermann. 

Einer der größten Gräzisten aller Zeiten. Langjähriger 
Gegner A. Boeckhs, der im schroffen Gegensatze zu H. mehr 
die histor.-antiquar. Seite der klass. Philologie betonte. 

Geboren zu Leipzig 28. Nov. 1772, studierte daselbst 
bereits 1786, in Jena 1793, Privatdozent in Leipzig 1794, 
Prof. extraord. 1 798, Ordinarius 1 803. Starb am 3 1 . Dez. 1 848. 

Seine bedeutendsten Schaler waren: L. Lange, Lobeck, 
Reisig, Thiersch, Meineke, Ritschi (nur kurze Zeit), Näke, 
Sauppe, C. F. Hermann, M. Haupt, L. Spengel, Trendelenburg, 
Classen, Bergk, Köchly, Bonitz, Hercher. 

Elementa doctrinae metricae 1816, epoche- 
machend. Kritische Ausgaben: Aristoph, Wolken 1790 
A /sc Air /os (vollendet von M. Haupt) 1852 SopAoW^s 1825 
Eurip. (Hecub. Herc. f. Suppl. Bakch. Alcest Ion Iphig. 
Aul. u. Taur. Helen. Androm. Cycl, Phoen. Orest.) Aristot 
Poetik Photios Orphiea Homer 1825 Bion vu Moschos 
(ed. M. Haupt) 1849 Plauti Trinum. 1800, Bakch. 1845 
Über Herrn Prof. Boeckhs Behandlung der griech. Inschriften 

13 • 



196 IX. Deutschland. 

1826 Opuscula, 8 Bde, 1827-1839 (Bd. VIII erst 1876). 
Von den 132 Abhandl. sind besonders erwähnenswert: in 
Bd. I: de poeseos generibus, de ellipsi et pleonasmo Bd. 11: 
de Bentleio eiusque editione Terenti Bd. III: de Rheso tra- 
goedia Bd. IV: de hyperbole Bd. V: de interpolationibus 
Homeri Bd. VI: Rezension von Dissens Pindar, Ober die Be- 
handlung griech. Dichter in England, Rezension von K. O.Müllers 
Eumeniden Bd. VII: de quinque iudicibus poetarum, de officio 
interpretis Bd. VIII: de iteratis apud Homerum. 

Vergl. O. Jahn, Biogr. Aufsätze, Lpz. 1849, p. 91-132; H. Köchly, 
G. H., Heidelberg 1874, pp. 330 und in Allg. deutsche Biogr. XII 
174-180; Bwrsian, p. 575-579. 666-686; F. Pcmlsen, op. cit II 404 
-407; WilamowUz, op. cit I 235-239. 

Christian August Lobeck, 1781-1860. 

"Die Werke eines jeden Gelehrten sind verfrüht, nur 
die postumen nichf* Lobeck. Hochverdient um die griech. 
Grammatik, griech. Mythologie und Religion. 

Geboren zu Naumburg a/S., studierte seit 1797 in Jena 
und Leipzig, 1802 Privatdozent in Wittenberg, 1810 außer- 
ordentlicher Prof., 1814 ordentL Prof. und Bibliothekar in 
Königsberg. 

Soph. Aias 1809. 1866® (noch immer unentbehrlich) 
Aglaophamus, 2 Bde, 1829, epochemachend und eine 
Fundgrube für das griech. Mysterienwesen. Phrynichos 1820 
Paralipomena grammaticae graecae, 2 Bde, 1837 Patho- 
logiae sermonis Graeci prolegomena 1843 Pathologiae 
sermonis Graeci elementa, 2 Bde, 1862. 

Vergl. K. Lehrs, Populäre Aufsätze, 1875*, Nr. 16; L. FriedlOnder, 
Allg. deutsche Biogr. XIX p. 29-35; Bursian, p. 572-575. 711-715; 
A. Ludwich, Briefwechsel von und an C. A. Lobeck und K. Lehrs, 
Lpz. 1894, p. 1050. 

AüOüST Immanuel Bbkker, 1785-187L 
Einer der hervorragendsten Textkritiker der Neuzeit 
Geboren in Berlin 21. Mai 1785, studierte von 1803 
-1807 in Halle unter Wolf, 1810 außerordentl., 1811 ordentL 



Q. Hermann. Lobeck. I. Bekker. Meineke. 197 

Prof. in Berlin. Auf ausgedehnten Reisen (1810-1812. 1815. 
1819 in Paris, 1817-1819 in Verona, Venedig, Mailand, Florenz^ 
Rom, Neapel, Raveiina, Turin, 1820 in London, Cambridge, 
Oxford, 1839 abermals in Italien, in Heidelberg und Leiden) 
kollationierte er Ober 400 Hss. Die von ihm besorgten Texte 
füllen 141 Bde. Die meisten seiner Ausgaben sind lange 
die Vulgata gewesen, und einige sind es heute noch. 

Theognis 1815 J. Tzetzes' Antehomerica, Homerica, 
Posthomerica 1816 Plato, 8 Bde, 1816-1823 Thuky- 
dides 1821 Oratt Attici, 4 Bde, 1823 Photios, 
2 Bde, 1824 Scholia in Iliad., 2 Bde, 1825 Pausanias, 
2 Bde, 1827 Herodian 1826 Aristophanes, 5 Bde, 1828 

Aratus 1828 Harpokration 1833 Aristoteles, 
4 Bde, 1831-1836 (BerU Akad. Ausgabe) Herodot 1833^ 
Sext Empiricus 1842 Homer 1843 (mit Digamma im 
Text) Polybios, 2 Bde, 1844 Pollux 1846 Cassius 
Di 1849 Appi an 1853 Lucian 1853 Suidas 1854 

losephus 1855 24 Bde des Corpus scriptomm Byzan- 
tinorum Tacitus 1825 Livius 1830 u. a. Homerische 
Blätter, 2 Bde, 1863-1872. 

Vergl. E,J, Bekker, Preuß. Jahrb. XXIX (1872) p. 553-585. 641 
-668; H, Sauppe, Zur Erinnerung an Meineke u. Bekker, Qottingen 
1872; M. Haupt, Opusc. III 239-248; C.Halm, Allg. deutsche Biogr. 
II p. 300-303; Bursian, p. 658-663; M Hertz, Deutsche Rundschau, 
Nov. 1885 (A. Boeckh und I. Bekker) dazu E. v. Leutsch, Philol. Anz. 
XVI (1886) p. 224-232; Ä. Hamack, Qesch. der preuß. Akad. der 
Wissensch., Berlin, Bd. I (1900) p. 857 f. 

AüQüST Meineke, 1790-1870. 

Geboren zu Soest (in Westfalen) am 8. Dez. 1790, stu- 
dierte in Leipzig, 1811 Prof. am Conradinum in Jenkau (bei 
Danzig), 1815 Prof. und 1817 Direktor in Danzig, 1826-1857 
Direktor des Joachimsthalschen Gymnasiums in Berlin, starb 
am 13. Dez. 1870. 

Theokrit, Bion u. Moschos 1826 Horaz 1834 (vier- 
zeilige Strophentheorie) Fragm. comicorum Grae- 



198 IX. Deutschland. 

<:orum, mit grundlegender Oesch. der attischen Ko- 
mödie, 5Bde, 1841 Analecta Alexandrina (mit den 
Fragm. des Euphorion, Rhianos, Alexander Aetolus, Parthenios), 
1843. Bahnbrechend und noch unentbehrlich Dionysios 
Periegetes 1846 Stephanus Byzantius, Bd. 1, 1849 
Strabo 1853 Alkiphron 1853 Stotmos Floril. 1857, eclog. 
phys. 1863 Athenaios 1858-1866 Aristophanes 1860 
Kallimachos 1861. 

Vergl. F. Ranke, A. M., Lpz. 1871; C. Halm, in Münch. Akad. 
1871, p. 266-270; E. Foerstemann, Allg. deutsche Biogr. XXI 220 
-224; Af./fauptOpusc. III p. 228-239; Burs/an, p. 764-769; /f. Saiipp«, 
Zur Erinnerung an Meineke und Bekker, Abh. Qott Akad. 1872; 
A, Hamack, op. cit. I p.862f. 

Karl Lachmann, 17P3-1851. 

Einer der genialsten Textkritiker aller Zeiten. 

Geboren in Braunschweig 2. Dez. 1793, studierte seit 
1809 in Leipzig und Göttingen (unter Heyne und Dissen), 
1815 Privatdozent in Göttingen, 1816 Privatdozent in Berlin, 
1818 außerordentL Prof. in Königsberg, 1825 außerordentl. 
und 1827 ordentl. Prof. in Berlin. 

Zur klassischen Philologie — denn auch als Germanist 
war L. von großer Bedeutung - gehören: 

Properz 1816, bahnbrechend Catidl, Tibull 1829 
Genesios (in Niebuhrs Corp. script. bist. Byzant.) 1834 Teren- 
tianusMaurusl836 Neues Testament 1831, grundlegend, 
namentlich für die Methodologie der wissenschaftlichen Text- 
kritik Oaius 1841 Betrachtungen über die Ilias 
1837. 1843, mit Zusätzen von M. Haupt 1847 (Liedertheorie), 
nach Wolf der zweite epochemachende Beitrag zur "Home- 
rischen Frage''. Doch sind auch Lachmanns Resultate, wie 
die Wolfs, von der heutigen Wissenschaft abgelehnt worden. 
Babrius 1845 Avian 1845 Gromatici veteres 1848 
-1852 Lucrez mit krit. Kommentar 1850. Unsterbliches 
Meisterwerk. Lucilius (ed. Vahlen) 1876 Kleine Schriften, 



Meineke. Lachmann. Lehrs. 199 

2 Bde, 1876 (die zur klass. Philologie in Bd. H von Vahlen 
ediert). 

Vergl. M, Hertz, K. L., Berlin 1851, pp. 306 (Schriftenverzeichnis 
p.XXIV-XXXII); J. Grimm, Kleine Schrift. 1145- 162; Bursian, p.789 
-800; K. Zacher, in Ersch und Gruber II 41 (1887) p. 105-126; 
Scherer, in Allg. deutsche Biogr. XVII 471-481; F.Leo, Zur Säkular- 
feier K. L.S, Gottingen 1893, pp. 18; «/. Vahlen, Berl. Akad. Bericht 
1893, p. 615ff., Briefe an M. Haupt (ed. Vahlen) 1893 ; K. Weinhold, 
Mitteil, über K. Lachmann, Berl. Akad. 1894^ pp. 37; A Hamack, 
op. cit. Bd. I p. 859-861. 

Karl Lehrs, 1802-1878. 

Geboren in Königsberg 14. Jan. 1802, studierte 1818 
daselbst unter Lobeck, Gymnasiallehrer in Marienwerder 1824, 
in Königsberg 1825-1845, Privatdozent 1831, außerordentl. 
Prof. 1835, ordentL 1845. 

De Aristarchi studiis Homericis 1833. 1882^ 
Epochemachendes Meisterwerk Quaestiones epicae 1837 
(speziell über den Homerkritiker Apion) Herodiani scripta 
tria emendatiora, mit einer lehrreichen Abhandlung über die 
Bedeutung von cpiXöXoToc, TpamiaTiKÖc, xpixiKÖc 1848 
Populäre Aufsätze aus dem Altertum 1856. 1875^ Stilistisch 
vollendete Abhandlungen, in denen in scharfsinniger, aber 
etwas einseitiger Weise der Versuch gemacht wird, der grie- 
chischen Religion eine ethische Grundlage, im Gegensatz zu 
einer natursymbolischen, zu vindizieren. Obersetzung von 
Piatos Phaidros und Symposion, mit Vorwort 1869, wohl 
die beste Verdeutschung dieser Dialoge Die Pindar- 
schollen 1873. Eine vorbildliche und meisterhafte Quellen- 
untersuchung. Q. Horatius Flaccus, mit vorzugsweiser Rück- 
sicht auf die unechten Stellen und Gedichte 1869, darin 
(pp. CCXXIlff.) eine ähnliche Behandlung von Ovids Heroides, 
deren Mehrzahl er für unecht erklärt. Diese hyperkritischen 
Arbeiten, durch Hofman-Peerikamp (siehe oben p. 179) an- 
geregt, sind eine bedauernswerte Verirrung. Kleine Schriften, 
ed. A. Ludwich, 1902, pp. 582. 



200 IX. Deutschland. 

Ve^l. L. Friedländer, in Allg. deutsche Biogr. XVIII 152-166; 
£. Kammer, Biogfr. Jahrb. 1(1878) p. 15-28; Bursian^ p. 718-724; 
A Ludn/fc/i, Brieh¥echsel (s. o. p. 196) p.75ff., Rede auf K.L., 1902, 
Briefe Lehrs* an M. Haupt, 1892, pp. 264. 

Leonard Spenqel, 1803-1880. 

Geboren in München, studierte seit 1823 daselbst, später 
unter G. Hermann in Leipzig, unter Boeckh und Buttmann in 
Berlin, Gymnasiallehrer in München von 1826-1835, Privat- 
dozent 1827-1841, ordentl. Prof. in Heidelberg 1842, in 
München 1847. Bahnbrechend auf dem Gebiete der griech. 
Rhetorik, das er gleichsam den Neueren wieder erschlossen hat. 

CuvaTU)T^ T€xvaiv sive artium scriptores, von den An- 
fangen bis auf Aristoteles, 1828. Noch unentbehrlich Rhe- 
iores Oraeci, 3 Bde, 1856. 2. Aufl. im Erscheinen Rhetorik 
des Aristot, 2 Bde, 1867 Varro de lingua Latina 1826. 
1885^ Zahlreiche wertvolle Aufsätze zur Rhetorik und zu 
Aristoteles. 

Vergl. A. Spengel, in Biogr. Jahrb. III (1880) p. 39-62; W, Christ, 
Gedächtnisrede, München 1881; Ch. Thurot, Rev. de phil. V 181-190. 

Johann Nicolaus Madviq, 1804-1886. 

Einer der hervorragendsten lateinischen Textkritiker und 
der bedeutendste Philologe Dänemarks. 

Geboren zu Swaneke (auf der dänischen Insel Bornholm) 
7. Aug. 1804, studierte in Kopenhagen von 1820-1825, da- 
selbst 1826 Privatdozent, 1829-1879 Prof. der latein. Sprache 
und Literatur, 1848 Unterrichtsinspektor der gelehrten Schulen, 
1848-1851 Kultusminister. Seit 1848 Mitglied des dänischen 
Rigsdag und wiederholt dessen Präsident. Trat erblindet 1874 
in den Ruhestand und starb am 12. Dez. 1886. Seine hervor- 
ragendsten Schüler sind: J. L. Ussing, Gertz und Nutzhorn. 

DeAsconii Pediani in Cic.oratt.comment. 1828. Muster- 
hafte und grundlegende Quellenuntersuchung. Cicero de 
finibus 1839. 1876*. Unsterbliches Meisterwerk. Emen- 
daiiones Livianae 1860, 1877^ Ein glänzendes Muster 



L. Spengel. Madvig. Ritschi. 201 

methodischer Textkritik. Livius (zusammen mit Ussing) 1866. 
1879*. Latein. Gramm. 1843, Griech. Syntax 1847. 
Berühmte und vorbildliche Schulbücher, in fünf Sprachen 
übersetzt Opusc. Acad., 2 Bde, 1842. 1887, Adversaria 
Critica, 3 Bde, 1884 (darin besonders wertvoll I p. 8-184 
die Methodologie der Textkritik), Kleine Schrift., Lpz. 1875 
Verfassung und Verwaltung des röm. Staates, 2 Bde, 
Lpz. 1882. 

Vergl. Bursian, p.946f. 1191 f.; J.L. Heiberg, Biogr. Jahrb. IX 

(1886) p. 202-221; Autobiographie, 1887; C. M. Franken, fAnemos.XW 

(1887) p. 124-128; Pranil, Sitzungsber. Mflnch. Akad. 1887, p. 263 
-271; O.Siesbye, J. N. M. in Tidskrift for Pilologie VIII (1887) p. 81 
-150; H. Nettleship, Essays II (1895) p. 1-23. 

Friedrich Ritschl, 1806-1876. 

Wahlspruch: ''Nil tarn difficilest quin quaerendo investi- 
gari passier Ter. Haut 675. ''Sospitator PlautV\ R. hat 
sich die hervorragendsten Verdienste um die Erforschung 
des Plautus, des archaischen Latein, der Metrik und Epigraphik 
erworben. Auch als akademischer Lehrer hat er, wie kein 
anderer seit G. Hermann, gewirkt und die Universität Bonn 
zu der bedeutendsten philologischen Hochschule seiner Zeit 
erhoben. 

Geboren zu Groß-Vargula (bei Erfurt) am 6. April 1806, 
studierte 1825 zu Leipzig unter Hermann, 1826-1829 unter 
Reisig in Halle, 1829 Privatdozent daselbst und 1832 außer- 
ordentlicher Prof., 1833 in Breslau, ordentl. Prof. 1834, 
1837-1838 in Italien, 1839 ordentl. Prof. in Bonn, 1854 Ober- 
bibliothekar, 1865 in Leipzig. Starb am 9. Nov. 1876. Zu 
seinen direkten Schülern gehörten unter anderen: J. Bemays, 

F. Blaß, K. Brugmann, Fr. Bocheler, P. Cauer, 0. Crusius, 
G.Curtius, D.Detlefsen, K.Dziatzko, B.L.Gildersleeve, G.Goetz, 
W. Heibig, W. Herbst, E. Hiller, E. Hobner, C. Hug, W. Ihne, 
L. Jeep, H. Keil, 0. Keller, A. Kießling, R. Klotz, G. Krüger, 

G. Löwe, P. Marquardt, H. Peter, A. Reifferscheid, 0. Ribbeck, 



202 '^* Deutschland. 

A. Riese, F. Rohl, R. und Fr. SchOU, J. M. Stahl, G. Uhiig^ 
H. Usener, J. Vahlen, C. Wachsmuth, A. Wilmanns. 

Plautus (Trinummus mit beiühmten Proiegomena), von 
G. Löwe, G. Goetz, F. Scholl vollendet Aischylos Septem 
1853 Priscae latinitatis momanenta epigraphica 1862. 
Parerga zu Plautus u. Terenz 1845. Darin besonders be- 
deutend: De Plaut! poetae nominibus, De aetate Plaut! , Die 
Fabulae Varronianae des Plautus, Die Plautinischen Dida- 
scaliae. De veteribus Plaut! inteipretibus Opuscula,b Bde. 
Darin besonders wertvoll: Bd. I: Die Alexandrin. Biblio- 
theken und die Sammlung der homer. Gedichte durch Pei- 
sistratos nach dem ''Scholion Plautinum". Bd. II: Ober die 
Kritik des Plautus, Ober den Mailänder Palimpsest des Plautus. 
Bd. III: Canticum u. Diverbium bei Plautus, Zu Camera- 
rius' Plautusstudien, Suetons Vita Terenti, Die Schriftstellere! 
des Varro und andere Varroniana. Bd. IV: Epigraphica. 
Vollständiges Schriftenverzeichnis in Opusc. V p. 727-756. 
Vergl. L. Müller, Fr. Ritschi, Berlin 1877, pp. 78; 0. Ribbeck, 
F. W. R., Ein Beitrag zur Gesch. der Philologie, 2 Bde, pp. 754 
(Hauptwerk); Bursian, p. 812-840; E. Rohde, Kleine Schrift. 11 452 
-462; B.LGildersleeve, Am. Joum. of Phil. V (1884), p. 339-355. 

Karl Halm, 1809-1882. 

Geboren in München, studierte daselbst 1826 unter 
Thiersch, Gymnasiallehrer in München 1833, in Speyer 1839, 
in Hadamar 1847, Rektor des Max -Gymnasiums in München 
1849, Oberbibliothekar und ordentl. Prof. daselbst 1856, starb 
am 5. Okt. 1882. 

Cicero (zusammen mit Orelli und Baiter) Vorzügliche 
Schulkommentare zu sieben Reden Ciceros Aesop 1852 
Rorus 1854 Tacitus 1854. 1883* Rhetores Latini mi- 
nores 1863 Valerius Maximus 1865 Sulpicius Severus 1866 
Minucius Felix und Firmicus Matemus 1867 (im Wiener 
Corpus Script, eccles.) Quintilian 1868 Nepos 1871 
Velleius Paterculus 1876 Salvianus 1877 Catalogus codd. 
Latin, bibl reg. Monac. 1873 ff. 



Ritschi. Halm. Sauppe. G. Curtius. 203 

yergl E.Woelfflin, Gedächtnisrede auf Karl von Halm, München 
1883 (Schriftenverzeichnis p. 33 ff.); Bursfan, p. 853 f. 949-952, Biogr. 
Jahrb. V (1882) p. 1-6. 

Hbrmann Saüppb, 1809-1893. 
Geboren zu Wesenstein (bei Dresden) am 9. Dez. 1809^ 
studierte 1827 unter Hermann in Leipzig, 1833 Gymnasial- 
lehrer und Privatdozent in Zürich, 1838 außerordentl. Prof., 

1845 Gymnasialdirektor in Weimar, 1856 ordentl. Prof. in 
Gottingen. Starb am 16. Sept. 1893. 

Epistula critica ad G. Hermannum, 1841 (=*» Aus- 
gewählte Schrift p. 80 ff.), mustergültige Untersuchung zur 
Methodologie der Textkritik, in der in glänzender Beweis- 
führung gezeigt wird, daß für die meisten Reden des Lysias 
ein cod. Palatin. die Grundlage bildet. Oratores Attici 
(mit Baiter), 9 Bde, 1839-1850 Philodem irepi KaKi&v 1853 

Piatons Protagoras mit Einl. und Kommentar 1858 u. 0. 
£uflfippivitaS.Severinil877 Die Quellen des Plutarch 
im Leben des Perikles 1867. Musterhafte Untersuchung. 
Ausgewählte Schriften, Beriin 1895. 

Vergl. Wilamowitz, Gott. Gelehrt. Nachr. 1894, p. 36-49; Loth- 
holz, in N. Jahrb. 1894, p. 299-304. 

Gborq Cürtiüs, 1820-1885. 

Geboren in Lübeck, studierte seit 1838 in Bonn und 
Berlin, 1842 Lehrer in Dresden, 1846 Privatdozent in Berlin^ 
1849 außerordentl Prof. in Prag, 1851 ordentl., 1854 in Kiel, 
von 1861-1885 in Leipzig. Curtius hat der vergleichenden 
Sprachwissenschaft einen Ehrenplatz unter den philologischen 
Disziplinen verschafft 

Die Sprachvergleichung im Verhältnis zur class. Philo- 
logie 1845 Tempora und Modi des Griech. und Latein. 

1846 Grundzüge der griech. Etymologie 1862. 
'1879^ Bahnbrechendes Werk und auch jetzt noch nicht 

ganz überholt. Oriech. Schulgrammatik 1852. Lange 
die verbreitetste Grammatik in Deutschland und auch heute 



204 IX- Deutschland. 

noch vielfach benutzt (in der Bearbeitung von Hartel). 
Das Verbum der griech. Sprache, 2 Bde, 1876. 
1880' Philologie und Sprachwissenschaft 1862 Kleine 
Schriften, 2 Bde, 1886. 

Vergl. Bursian, p. 975-980; Windisch, Biogr. Jahrb. IX (1886) 
p. 75-129; D, Pezzi, la vita scientifica di Q. Curtius, Turin 1888, 
pp. 47. 

Wilhelm Corssbn, 1820-1875. 

Geboren in Bremen, studierte 1840-1844 in Berlin, bis 
1846 Gymnasiallehrer in Stettin, bis 1866 in Schulpforta, 
lebte seitdem als Privatgelehrter. 

Über Aussprache, Vocalismus und Betonung 
der latein. Sprache, 2 Bde, 1859. 1870*, pp. 1925. Bahn- 
brechendes Meisterwerk. C.s Resultate sind zwar zum Teil 
nicht mehr annehmbar, aber als Materialsammlung wird das 
Buch stets unentbehrlich bleiben. Über die Sprache 
der Etrusker, 2 Bde, 1875. Epochemachend. Beiträge 
zur italischen Sprachkunde, pp. 632 (ed. H. Weber). 

Vergl. Mg, deutsche Biogr. IV 504f. 

August Nauck, 1822-1892. 

Einer der hervorragendsten Gräzisten des 19. Jahrh. 

Geboren zu Auerstädt (bei Merseburg) am 18. Sept. 1822, 
studierte 1841-1846 in Halle, 1846 Hauslehrer in DOna- 
mOnde (bei Riga), 1852 Gymnasiallehrer in Prenzlau, 1853 
-1858 in Berlin, 1859 Akademiker in St. Petersburg, 1869 
Prof. daselbst, trat 1883 in den Ruhestand, starb 3. Aug. 1892. 

Aristophanis Byzantii fragm., Halle 1848, pp.338. 
Musterhafte und grundlegende Monographie. Euripides 
1 85 1 . 1 87 1 ^ Sophokles 1 867 (besorgte auch zahlreiche Neu- 
auflagen des Schneidewinschen Kommentai^) Tragicorum 
Oraecorum Fragmenta 1856. 1889^ mit index tragicae 
dictionis 1892 "Das unerreichte Muster einer Fragmentsamm- 
lung" Wilamowitz. Homer, Odyssee 1874, Ilias 1879, 
mit zahlreichen homerischen Abhandl. in M61anges Gröco- 



0. Curtius. Corssen. Nauck. O. Ribbeck. 205 

Romains vol. IV (1876) 90-151. VII 407-508. VIII 579-730. 
In diesen Ausgaben ist sein antialexandrinischer Standpunkt 
mit bewunderungswürdiger eiserner Konsequenz in der Re- 
censio durchgeführt Porphyrius 1860. 1886^ Lexicon 
Vindobonense 1867 lamblichi de vita Pythagorica 1884 

Vergl. Th.Zielimki, A. N., Berlin 1893, pp.67 (-« Biogr. Jahrb. 
XVI). Vollständiges Schriftenverzeichnis, ebenda, p. 59-^65. 

Otto Ribbbck, 1827-1898. 

Geboren in Erfurt 23. Juli 1827, studierte seit 1845 in 
Berlin, und in Bonn unter Ritschi, 1853 am Seminar für ge- 
lehrte Schulen in Berlin, 1854 Gymnasiallehrer in Elberfeld, 
1859 außerordentL Prof. in Bern, 1862 in Basel, 1862 ordentl. 
Prof. in Kiel, 1872 in Heidelberg, 1877 an Ritschis Stelle in 
Leipzig, starb in Baden-Baden 18. Juli 1898. 

Scaenicae Romanorum poesis Fragmenta, 
2 Bde, 1897/98* Vergilii Opera, mit grundlegenden Pro- 
legomena, 5 Bde, 1868. (1895' verkürzt) Der echte und 
der unechte Juvenal 1865 und Horaz* Episteln 1869. Diese 
beiden Werke zeichnen sich ebenso durch eminenten Scharf- 
sinn, wie durch eine Peerlkampische Hyperkritik aus. Die 
römische Tragödie im Zeitalter der Republik 1875. Geniale 
und gelehrte, wenn auch oft etwas phantasievolle Rekonstruktion 
der römischen Dramen nach den Fragmenten und der mytho- 
logischen Oberlieferung. Geschichte der römischen 
Dichtung, 3 Bde, 1892. 18941 Stilistisch wie inhaltlich wohl 
die hervorragendste Leistung auf diesem Gebiete. Alazon, ein 
Beitrag zur antiken Ethologie 1882, Ko/axl883, A^ro/ftos 1885 
F. W. Ritschi, 'Ein Beih-ag zur Gesch. der Philologie', 
2 Bde, 1881. Ein biographisches Meisterwerk. Reden u. 
Vorträge, Lpz. 1899 (darin besonders erwähnenswert: Auf- 
gabe und Ziele einer antiken Literaturgeschichte, Die Poesie 
des Krieges im Epos der Griechen, Euripides und seine Zeit, 
Theokrit, mit sehr gelungener Obersetzung der Adoniazusen). 

VergL A. Hamrath, Deutsche Rundschau, Febr. 1902, pp. 22; 



206 IX- Deutschland. 

O. R., Ein Bild seines Lebens aus seinen Briefen, Stuttgart 1901, 
pp. 312; W.Diltheg, O. R., in Deutsche Rundschau XXIV 12 (1898); 
O. Crusius, Mflnch. Ailg. Zeit Beilage 1898, Nr. 180. 



b) Historisch-antiquarische Richtung. 

Hauptdisziplinen: Sprachgeschichte, Linguistik, Rhetorik, Metrik, 
Literatur, Geschichte, Religion, Mythologie, Kulturgeschichte, Privat-, 
Staats- u. Kriegsaltertflmer, Geographie, Chronologie, Metrologie, Nu- 
mismatik, Epigraphik, Kunstgeschichte, Archäologie. Vergl. A£oeckh, 
E, Hübner, S. Reinach (opp. citt. p. 8. 10) und C.B. Stark, Geschichte der 
Archäologie der Kunst, Lpz. 1880, p. 80-348, Hauptwerk Aber den 
Gegenstand, mit Einschluß außerdeutscher Länder. 

Barthold Georg Nibbühr, 1776-1831. 

Geboren am 27. August 1776 in Kopenhagen, studierte 
1793-1794 in Kiel, GOttingen und Edinburgh Jurisprudenz 
und Philosophie, 1796 Privatsekretär des dänischen Finanz- 
ministers Schimmelmann und Sekretär an der Kopenhagener 
Bibliothek, 1799 in dänischem Staatsdienst, siedelte 1806 nach 
Berlin tlber, wo er hohe Stellen im preuß. Finanzministerium 
verwaltete, 1816 preuß. Gesandter am Vatikan, 1823 Prof. 
in Bonn. Bereits 1810-1811 hatte er als preuß. Historio- 
graph an der neugegrtlndeten Berliner Universität Vorlesungen 
über rOm. Geschichte gehalten, aus denen sein unsterbliches 
Werk hervorgegangen ist Niebuhr ist auch der Entdecker 
von wertvollen Palimpsesten: Oaius (in Verona), neue Bruch- 
stocke der Ciceronianischen Reden pro M. Fonteio und C. Rabir. 
perd. (in Rom) und umfängliche Reste des spanischen Rhe- 
tors Merobaudes (in St. Gallen). Gründer des Rhein. Museums 
und Herausgeber des Corpus Script, hist. Byzantinae. 

Rom. Geschichte, 3 Bde, 1811-1832. 1874^ Mit 
diesem Meisterwerk ist Niebuhr der Begründer der philologisch- 
kritischen Geschichtswissenschaft geworden. Darin besonders 
berühmt der Nachweis des legendarischen Ursprungs der 
älteren rOm. Geschichte. Mit Ausnahme etwa seiner Hypo- 
thesen über eine nach Cato verschollene, umfangreiche Sagen- 



O. Ribbeck. Niebuhr. Weicker. 207 

poesie der Römer und Ober den Ursprung der plebs gelten seine 
Hauptresultate auch heute noch. Über die Geographie des 
Herodot 1812 Fronto 1816 Vorlesungen: Über alte Ge- 
schichte, 3 Bde, 1851 Ober alte Länder- und Völkerkunde 
1851 Über röm. Geschichte, 3 Bde (zuerst englisch 1843. 
1873^) 1846 Über röm. Altertümer 1858 Kleine Schriften, 

2 Bde, 1834. 

Vergl. K, G.Jacob, Niebuhrs Brief an einen jungen Philologen 
(mit Biographie), Lpz. 1839, pp. 233; S. Winkworth, the Life and 
Letters of B. G. N., 3 Bde, London 1853; H.Nissen, in Allg. deutsche 
Biogr. XXni 646-661; J. Classen, B. 0. N., Gotha 1876, pp. 181 
Bursian, p. 647-663; F. Eyssenhardt, B. G. N., Gotha 1886, pp.286 
W. Hesse, B. G. N., Augsburg. Allg. Zeit Beil. 1879, Nr. 301-303 
AHamack, op. cit. I 624 f., 670-674, passim, 11 379-409. 

Friedrich Gottlieb Welcker, 1784-1868. 

Geboren am 4. Nov. 1784 in Grtlnberg (Hessen), stu- 
dierte in Gießen, 1803 Lehrer daselbst, 1806-1808 Haus- 
lehrer bei W. von Humboldt in Rom, 1809 Prof. in Gießen, 
nahm 1813 am Befreiungskriege teil, 1816 Prof. in Göttingen, 
1819-1859 Prof. und Oberbibliothekar in Bonn, starb am 
17. Dez. 1868 nach langjähriger Erblindung. 

Die aeschyleische Trilogie Prometheus 1824, mit Nach- 
trag (gegen G. Hermann) nebst einer Abhandlung tlber das 
Satyrspiel 1826. Grundlegend. Die grieclu Tragödien, 

3 Bde, 1841, pp. 1614. Epochemachendes Meisterwerk. Geniale 
Rekonstruktion der attischen Tragödien, soweit sie uns aus 
Bruchstücken, aus Titeln und der mythologischen Oberlieferung 
bekannt sind. Der epische Cyklus, l.T. 1835. 2.T. 1849. 
18821 Alte Denkmäler, 5 Bde, 1849-1864. Ein Muster 
feinsinniger Kunstexegese Griech. Götterlehre, 3 Bde, 
1863. Epochemachend. Theognis 1826, mit ausführlichem, 
gelehrtem Kommentar. Die erste wissenschaftliche Recensio 
des Dichters. Kleine Schriften, 5 Bde, 1844-1867 (darin 
besonders wertvoll "Sappho von einem herrschenden Vor- 



208 IX* Deutschland. 

urteil befreit" und "Der Sophist Prodicus") ZoHgas Leben, 
2 Bde, 1819. 

Vergl. A. Baumeister, in Allg. deutsche Biogr. XLI 653-660; 
R. Kekiü4, F. 0. W.'s Leben, Lpz. 1880, pp.591; Bursian, p. 1018 f., 
1029-1046; Briefwechsel mit Boeckh bei M. Hoffmann, A. B., p. 153 
-208; Wilamowüz, Eur. Heracl. P 239f. 

AüQüST BoBCKH, 1785-1867, 
Geboren in Karlsruhe am 24. Nov. 1785, studierte in 
Halle von 1803-1806 unter F. A. Wolf und Schleiermacher, 

1806 Mitglied des Seminars für gelehrte Schulen in Berlin, 

1807 Privatdozent in Heidelberg, gleich darauf außerordentl., 
1809 ordentl. Prof., 1811 an die neugegrOndete Berliner 
Universität berufen. Starb am 3. Aug. 1867. Eine gleich 
allumfassende Kenntnis des griech. Altertums hat vor und 
nach Boeckh wohl niemand wieder besessen. Von seinen 
größeren Arbeiten ist keine, die nicht für alle Zeiten 
grundlegend wäre. Mit dem römischen Altertum hat sich 
B, nur gelegentlich in Vorlesungen näher beschäftigt (Flau- 
tus, Terenz, Horaz, Tacitus). Wie tiefgehend aber auch hier 
sein Wissen war, beweist seine Enzyklopädie (s. u.). Zu 
seinen hervorragendsten Schülern zählten: K. 0. Moller, G.Bem- 
hardy, L. Spengel, Fr. Haase, L. Preller, 0. Jahn, H. Bonitz, 
W. Henzen, G. Curtius, W. Corssen, H. Steinthal, M. Schmidt, 
R Curtius, W. Christ, A. Conze, U. Köhler, A. Kirchhoff. 

Oraecae tragoediae principum . . . nvm . . . genuina omnia 
sint usw. 1808. Eine bahnbrechende, ungemein reichhaltige 
Untersuchung, die heute öfter zitiert, aber, sehr mit Unrecht, 
selten gelesen wird. Pindar, 2 Bde, 1811-1821. 18251 
Epochemachend und besonders ftlr die Metrik und Kompositions- 
kunst des Dichters von fundamentaler Bedeutung. Corpus 
Inscript Oraecarum, 4 Bde (Bd. I. II von B. selbst). 
Mit diesem Werk ist B. der Schöpfer der wissenschaftlichen 
griech. Epigraphik geworden. Die Staatshaushaltung 
der Athener, 2 Bde, 1817. 1886^ Unsterbliches Meister- 
werk. Philolaos, mit Fragm. 1819 Metrologische Unter- 



Welcker. Boeckh. K.O.M011er. 209 

suchungen 1838 Manetho und die Hundssternperiode 1845 
Über die kosmischen Systeme der Griechen 1852 Zur Ge- 
schichte der Mondzyklen bei den Hellenen 1855 - alles Ab- 
handlungen, die Neues schufen und auch von der mathe- 
matischen Begabung B.s ein glänzendes Zeugnis ablegen* 
Die meisten seiner kleineren Untersuchungen, viele von ihnen 
von bleibendem Wert, finden sich in den Kleinen Schrift., 
7 Bde, 1872. Vorlesungen über Enzyklopädie und Methodo- 
logie der philologischen Wissenschaften 1877 ed. Bratuschek, 
1886' ed. Klussmann, pp.879. Ungemein inhaltreich und das 
einzige größere Werk dieser Art. 

Vergl. Stark, in Allg. deutsche Biogr. 11 770-783; E, v.Leutsch, 
Philol. Anzeiger XVI (1886) p. 232-260; Bursian, p. 687-705; Brief- 
wechsel zwischen A. B. und K.O.Müller, Lpz. 1883, pp.442; E,Cur- 
tius, Altertum u. Gegenwart IV p. 261 ff.; Ä, Hamack, op. cit. I 853 
-856, passim; M, Hoffmann, A. B., Lpz, 1901, pp. 483 (Hauptwerk. 
Leben u. Schriften p. 1-152, Briefe p. 153ff.); S.Reiter, A. B., in Neue 
Jahrb. f. kl. Alt V (1902) p. 436-458. 

Karl Otfried Müller, 1797-1840, 
Einer der genialsten und vielseitigsten Philologen des 
19. Jahrb., der während seines kurzen Lebens eine erstaun- 
liche Reihe von grundlegenden Werken, namentlich auf dem 
Gebiete der antiken Kulturgeschichte u. Mythologie, verfaßt hat. 
Geboren zu Brieg (Schlesien) am 28. Aug. 1797, studierte 
1814-1815/16 in Breslau, 1816-1817 in Berlin unter Boeckh, 
1818 Gymnasiallehrer in Breslau, 1819 außerordentl. Prof. in 
Qöttingen, 1823 ordentL Prof., reiste 1839 nach Griechenland. 
Starb am 1. Aug. 1840 in Athen an einem Wechselfieber, das er 
sich beim Kopieren von Inschriften in Delphi zugezogen hatte. 
Aeginetica 1817. Die erste ebenso erschöpfende wie 
vorbildliche Darstellung des gesamten Kulturlebens eines griech. 
Einzelstaates. Orchomenos und die Minyer 1820. 1844^ 
Die Dörfer 1824. 1844^ Äußere Geschichte, Religion, My- 
thus, Staat, Sitte, Kunst. Prolegomena zu einer wissen- 
schaftlichen Mythologiel825 Die Etrusker, 2Bde, 
1828. 1877 ed. Deecke. Epochemachendes und noch immer 

Gudeman, Grundriß der Gesch. der klass. Phil. 14 



210 IX. Deutschland. 

nicht ganz überholtes Meisterwerk. Handbuch der Archäo- 
logie der Kunst 1830. 1878\ Immer noch die einzige 
wissenschaftliche Gesamtdarstellung, wenn auch im einzelnen 
vielfach überholt. Denkmäler der alten Kunst, 2 Bde, 1832, 
vollendet von Wieseler Aischylos' Eumeniden, mit Kom- 
mentar und metrischer Obersetzung. Dieses berühmte Werk 
führte zu einer heftigen Fehde mit G. Hermann Varro de 
lingua Latina 1839 Festus 1839. 18681 Eine bedeutende 
Leistung und immer noch die einzige brauchbare Ausgabe 

History of the Literature of Ancient Oreece 
1840, deutsch herausgegeben von E. Müller, fortgesetzt von 
E. Heitz 1882-1884^ pp. 1310, in 2 Bdn. Ein im besten 
Sinne populäres Buch und auch heute noch sehr lesenswert. 
Kleine deutsche Schriften, 2 Bde, 1848 Kunstarchäologische 
Schriften, 5 Bde, 1873. 

Vergl. E. Müller, Ein!, zu "Kleine deutsche Schriften" Bd.I p.VII 
-LXXVIH; F. Ranke, K. O. M., ein Lebensbild, Berlin 1870, pp. 17; 
K. Dilthey, O. M., Gottingen 1898, pp. 40; K, Hillebrand, Ein!, zur franz. 
Obers, der griech. Literatur, Bd. I (1865) p. XVII-CCCLXXX (gtude 
sur O. Müller et sur l'^cole historique de la philologie allemande); 
A, Baumeister, in Allg. deutsche Biogr. XXII 656-667; Bursian, p. 1007 
-1029; M. Hertz, Index lectionum, Breslau 1884, pp. 13; E. CurtiuSy 
Altertum u. Gegenwart 11* p. 247 ff. 

Gottfried Bbrnhardy, 1800-1875. 

Geboren in Landsberg a.d.W., studierte 1817 in Berlin 
unter P.A. Wolf und Boeckh, 1820 Gymnasiallehrer in Berlin, 
1823 Privatdozent daselbst, 1825 außerordentl. Prof., 1829 
als ordentl. Prof. nach Halle an Reisigs Stelle berufen, 1844 
auch Oberbibliothekar. 

Wissenschaftliche Syntax der griech. Sprache 1829, 
pp. 525, dazu die Paralipomena 1862. Der erste, bahn- 
brechende Versuch einer Entwicklungsgeschichte der griech. 
Syntax, ein noch heute lehrreiches Werk, wenn auch vielfach 
veraltet. Eratosthenica 1822, pp. 288. Die erste, grund- 
legende Monographie über diesen Gelehrten, mit Pragment- 
^ammlung. Dionysios Periegetes 1828. Lange die maß- 



K. O. Müller. Bernhardy. Droysen. Ahrens. 211 

gebende Ausgabe Suidas, mit ausführlichen Prolegomena 
(Bd. I p. XXVII-XCVIU), 1834-1858. Ein großartiges Denk- 
mal soliden Gelehrtenfleißes. Griech. Literaturge- 
schichte, 3 Bde (unvollendet) 1836. 1892^ Rom. Lite- 
raturgeschichte, 2 Bde, 1830. 1872^ pp. 1040. Beide 
Werke auch heute noch unentbehrliche Hilfsmittel. Grund- 
linien zur Enzyklopädie der Philologie 1832, pp. 431. 

Vergl. Eckstein, in Allg. deutsche Biogr. II 462-465; Prantl, 
Münch. Akad. 1876, p. 211-215; R. Volckmann, G. B., Halle 1887, 
pp. 160; Bursian, p. 776-780. 

Johann Gustav Droysen, 1808-1884. 

Geboren in Treptow (Pommern), studierte 1826 in Berlin, 
1829 Lehrer daselbst, 1833 Privatdozent, 1835 außerordentl. 
Prof., 1840 ordentl. Prof. in Kiel, 1851 in Jena, 1859 in Berlin. 

Geschichte Alexanders des Großen 1833. 1892*. Vor- 
zügliche Biographie Geschichte des Hellenismus, 
3 Bde, 1878^ (Bd. I Alexander, Bd. II Gesch. der Diadochen, 
Bd. III Gesch. der Epigonen). Epochemachendes Meisterwerk. 
Obersetzungen des Azsc%/os 1884* und Aristophanes, 
mit vortrefflichen Einleitungen 1881*. Letzteres Werk ist 
wohl die genialste Obersetzung eines antiken Autors, die wir 
tlberhaupt besitzen. Unter seinen Kleinen Schriften, Lpz. 1893, 
ist besonders die Abhandlung erwähnenswert, in der D. die Ur- 
kunden in der demosthenischen Kranzrede als unecht nachwies. 

Vergl. M. Duncker, Biogr. Jahrb. VII (1884) p. 110-118; W. v. 
Giesebrechi, Mflnch. Akad. 1885, p. 208-219. 

Heinrich Ludolp Ahrens, 1809-1881. 

Geboren in Helmstedt, studierte seit 1826 in GOttingen 
unter 0. Müller und Dissen, 1829 Privatdozent daselbst, 1831 
Gymnasiallehrer in Ilfeld, 1845 Direktor in Linden, 1849 in 
Hannover. Begründer der griech. Dialektologie. 

De Graecae linguae dialectis (Dorisch und Aio- 
lisch), 2 Bde, 1839-1843. Bucolicorum Oraecorum 
reliquiae c. scholiis, 2 Bde, 1855-1859. Epochemachende 
und grundlegende Bearbeitung. Kleine Schriften, besorgt 

14* 



212 IX. Deutschland. 

von C. Haeberlin, mit Vorwort von 0. Crusius 1891. Darin 
besonders berühmt ''Die Mischung der Dialekte in der griech. 
Lyrik", p. 157-181. 

Vergl. Capelle, Biogr. Jahrb. IV (1881) p. 89-104, mit Schriften- 
verzeichnis; Ä. Müller, Allg. deutsche Biogr. XLV p. 716-720 und 
0. Crusius, 1. c. 

Otto Jahn, 1813-1869. 

Geboren in Kiel am 16. Juni 1813, studierte seit 1831 
daselbst unter Nitzsch, in Leipzig unter Hermann und in Berlin 
unter Boeckh und Lachmann, bereiste von 1836-1839 Prank- 
reich, die Schweiz und Italien, 1839 Privatdozent in Kiel, 
1842 außerordentL, 1845 ordentl. Prof. in Greifswald, 1847 
in Leipzig, 1849 aus politischen Gründen seines Amtes ent- 
setzt, 1855 an Welckers Stelle in Bonn. Starb in GOttingen 
am 9. Sept. 1869, nachdem er kurz vorher als Nachfolger 
Gerhardts nach Berlin berufen war. 

Ausgaben: Persius, mit Einleit. und Kommentar 1843. 
1868^ Ein philologisches Meisterwerk Censorinus 1845 
Juvenal 1851. Grundlegende Recensio Cic. Brut. 1849. 
1877*, Orator mit Anmerk. 1851. 1869' Horus Livii 
periochae 1853 JuL Obsequens Prodigia 1853 Apulei 
Amor et Psyche 1856. 1895* Pausaniae descriptio arcis 
Athen. 1860. 1901' Soph. Elektra 1861. 1882' Piatos 
Symposium 1864. 1875* TTepi öipouc 1867, 1905' ed. Vahlen. 

Archäolog. Aufsätze 1845 Archäolog. Beiträge 1847 
Beschreibung der Vasensammlung Ludwig I. von Bayern, mit 
meisterhafter Einleitung 1845 Oriech, Bilderchroniken, ed. 
Michaelis 1873 Biograph. Aufsätze 1866. Vortrefflich. 
Populäre Aufsätze 1868. Unter seinen anderen Abhandlungen 
sind besonders erwähnenswert: Der Aberglaube des bösen 
Blicks und Subscriptiones zu Latein. Hss. 

Vergl. A. Michaelis, in Allg. deutsche Biogr. XIII 668-686; 
J, Vahlen, O. J., 1870, pp. 24; Bursian, p. 1070-1080; Mommsen, 
Reden und Aufsätze, p. 458-461; Denkschrift betreffs des CORP. 
INSCR. LAT. bei Hamack, op. cit. II 505-517. 



Ahrens. O.Jahn. E. Curtius. Th. Mommsen. 213 

Ernst Curtius, 1814-1896. 

Geboren zu Lobeck am 2. Sept. 1814, studierte seit 1833 
in Bonn unter Welcker, in GOttingen unter 0. Moller, in Berlin 
unter Boeckh, 1836-1840 in Griechenland, 1843 Privatdozent 
in Berlin, 1844 außerordentl. Prof., 1849 Erzieher des späteren 
Kaisers Friedrich III., 1856 ordentl. Prof. in Göttingen, 1868 
in Berlin. Seiner Initiative wird die Ausgrabung von Olympia 
(1875-1881), deren Oberleitung er auch Obemahm, verdankt. 

Peloponnesos, 2 Bde, 1852, pp. 1134. Grundlegendes 
Meisterwerk Oriech. Geschichte bis zur Schlacht von 
Chaironeia, 3 Bde, 1861. 1888^ Ein historisches Kunstwerk 
ersten Ranges, dessen wissenschaftlicher Wert aber zum Teil 
durch eine idealisierte Rekonstruktion hellenischer Kultur be- 
einträchtigt wird. In alle Kultursprachen Obersetzt Sieben 
Karten zur Topographie von Athen (zusammen mit Kaupert), 
mit erläuterndem Text 1886 Die Stadtgeschichte von Athen 
1891 Oesammelte Abhandlungen, 2 Bde, 1894, Altertum 
und Gegenwart, Bd. I' pp.395. Bd. II* (1903) pp.346. Darin 
besonders erwähnenswert: Zur Gesch. des Wegebaues bei den 
Griechen; Die lonier vor der ionischen Wanderung (die berOhmte 
Hypothese der auf dem Seewege von Asien eingewanderten 
lonier enthaltend); Die griech. Götterlehre vom geschichtlichen 
Standpunkte. Zusammen mit Fr. Adler,G. Hirschfeld, G. Treu 
u. W. Dörpfeld Die Ausgrabungen zu Olympia, 5 Bde, 1876 
-1881 Die Baudenkmäler von Olympia 1892 Mit J. Franz 
und A. Kirchhoff, Fortsetzer des Boeckhschen Corp. inscr. Graec. 

Vergl. C. Broicher, Preuß. Jahrb. 1896, p. 582-603; L. Gurliü, 
Biogr. Jahrb. XXVIII (1901) pp. 113 (Schriftenverzeichnis, p. 139-144); 
Bursxan,p.l062f. 1066 f. 1129 ff. 1146f.; E. C. ein Lebensbild in Briefen 
ed. Fr. Curtius, Berlin 1903, pp. 725; L. Cisorio, E. C. e Tcodoro 
Mommsen, Massa 1898, pp. 26; Kekul^ v. Stradonitz, E. C. Rede, 
Beriin 1896, pp. 23; A. Michaelis, in Mflnch. Allg. Zeit. 1896, Nr. 182; 
R,P.Keep, Amer. Journ. of Phil. XIX (1898) p. 121-137. 

Theodor Mommsen, 1817-1903. 
Obwohl an Universalität hinter Scaliger zurückbleibend, 
kann M., alles in allem, als princeps philologorum bezeichnet 



214 IX. Deutschland. 

werden. Seine Forschungen galten ausschließlich dem römi- 
schen Altertum, wie die Boeckhs dem griechischen, aber er 
beherrschte es mit beispielloser, souveräner Meisterschaft, 
gleich groß als Historiker, Jurist, Metrologe, Numismatiker, 
Epigraphiker wie als Organisator wissenschaftlicher Arbeiten. 
Kein Philologe der Neuzeit hat eine auch nur annähernd so 
fruchtbare schriftstellerische Tätigkeit entfaltet^^^ und dabei eine 
so staunenswerte Anzahl bahnbrechender und epochemachen- 
der Werke geschaffen. 

Geboren in Garding (Schleswig) am 30. Nov. 1817, stu- 
dierte seit 1838 Jurisprudenz und Philologie in Kiel, 1845 
-1847 auf wissenschaftlichen Reisen in Frankreich und Italien, 
1848 außerordentl. Prof. der Rechte in Leipzig, 1850 wegen 
Beteiligung an der 1848 er Bewegung abgesetzt, 1852 ordentl. 
Prof. in Zürich, 1854 in Breslau, 1858 Prof. der alten Ge- 
schichte in Berlin, 1874-1895 Sekretär der Berl. Akad. 
starb am 1. Nov. 1903. Die hervorragendsten Werke sind: 

Die unteritalischen Dialekte 1850, pp. 376. 
Das röm. Münzwesen 1850. 1860^ pp. 932. Inscrip- 
tiones regni Neapolitani Latinae 1852, pp. 510. 
Röm. Geschichte, Bd. I-III, 1854-1856. 1903/4^ Un- 
sterbliches Meisterwerk. Ins Engl., Franz., Ital., Dan., Span., 
Ungar., Poln., Russ. übersetzt, Bd. V Die Provincen von 
Caesar bis Diocletian 1885. 1894^ Ins Engl., Ital., 
Franz., Russ. übersetzt. Die röm. Chronologie bis auf 
Caesar 1858. 1859^, pp. 335. Chronik des Cassiodorus 
1861. Corp. Inscr. Latin. I (1863), I 1* (1893) 11(1869), 
IV (1871), V 1 (1872) 2 (1877), III (1873), suppl. (1893), 
VIII 1 (1881) ex schedis Wilmannsii, IX (1883), X 1. 2 (1883), 
VI 3 (1886). Röm. Forsch. Bd. I (1863. 1864') pp.410, 
II (1879) pp. 556, grundlegende Untersuchungen. Solinus 
1864. 1895' Res gestae divi Aug. (Monum. Ancyranum) 

(1) Vollständiges Verzeichnis aller seiner Schriften, auch der 
nichtphilologischen, bei Zangemeister - Jacobs , Th. Mommsen als 
Schriftsteller, Berlin 1905*, pp. 154. 



Th. Mommsen. Kiepert. 215 

1865. 1883^ Digesta I (1868), 11(1870), 19051 Rom. 
Staatsrecht, 3 Bde, 1871-1875. 1888-1889^ lor- 
danes 1882 Chronica Minora, 3 Bde (Monum. Germ. IX. XI. 
XIII) 1891-1898. Cassiodori Varia 1894. Oesta 

pontificum 1898 Rom. Strafrecht 1 899. Ruf ins Obers, 
des Eusebios 1903 Cod, Theodosianus vol. I (1904). 
Von kleineren philologischen Arbeiten sind von spezieller Be- 
deutung: Lebensgeschichte des jüngeren Plinius, in Hermes 
III (1868) p. 397-430, (= Hist. Schrift. I p. 366 -468), Histor. 
Index zu Keils Plinius' Epistulae, Trimalchios* Heimat und 
Grabschrift in Hermes XIII (1878) p. 106-121, Remus- 
legende in Hermes XVI (1881) p. 1-23 (= Hist. Schrift. I 
p. 1-22), Ortlichkeit der Varusschlacht, Berlin 1885, pp. 71 
(= Hist. Schrift. I p. 200-246), Die Rechtsfrage zwischen 
Caesar und dem Senat, in Hist. Schrift. Ip. 92-145. Reden 
und Aufsätze 1905, pp.479. Gesammelte Schriften im Er- 
scheinen : Juristische Schriften, Bd. 1 pp. 480. II pp. 459 (1 905), 
Hist Schrift. I (1906) pp.566. 

Vergl. ßurszan, p.832f. 1180-1 186, pass/m; F. Jonas, Deutsche 
Rundschau 1897, p. 399-416; E. Pais, Riv. di storia antica IV (1900) 
p. 510-523; C. Bardt, Th. M., Berlin 1903«; AHamack, in Gesch. d. 
preuß. Akad. II 522-540 (Handschrift!. Denkschrift betreffs des Corpus), 
Th. M. Rede, Lpz. 1903, pp. 14; Hirschfeld, Zeitgeist 1903, Nr. 48; 
Chr. Huelsen, Mitteil. des deutsch, archäol. Instit. XVIIl (1903) p. 193 
-238; C.Wachsmuth, Sachs. Gesell, d. Wiss. 1903 p. 153-173; A. Dove, 
Beilage Münch. Allg. Zeit. 1904, Nr. 26 ff. (pp.22); H, Dressel, Zeiischr. 
f. Numismatik XXIV (1904) p. 367-376; 0. Gradenwitz, Zeiischr. der 
Savigny Stift Rom. Abth. XXV (1904) p. 1-31; K.J. Neumann, Hist 
Zeitschr. LVI (1904) p. 193-238; E. Schwartz, in Götting. Gelehrt 
Nachr. 1904, pp.l6; Th.Gomperz, Essays u. Erinnerungen, Lpz. 1905, 
p. 133-143; L.M. Hartmann, Th. M., in Biogr. Jahrb. u. Deutscher 
Nekrolog vol. IX (1906) p. 441-515. 

Heinrich Kiepert, 1818-1899. 

Hervorragender Geograph. Auf dem Gebiete der antiken 
Kartographie hat niemand vor oder.nach ihm gleich bedeutende 
Leistungen aufzuweisen. 

Geboren in Berlin am 31. Juli 1818, studierte daselbst 



216 IX. Deutschland. 

unter Boeckh und Ritter, von 1841 auf Reisen in Klein-Asien, 
1845 Direktor des geographischen Instituts in Weimar, siedelte 
1852 nach Berlin Ober, wo er 1855 als Mitglied der Aka- 
demie Vorlesungen hielt, seit 1859 Prof. extraord. daselbst, 
1874 ordentl. Prof. Starb am 21. April 1899. 

Lehrbuch der alten Geographie 1878, pp« 560. 
Ein durch Reichtum des Inhalts, wie durch Klarheit der Dar- 
stellung ausgezeichnetes Werk. Atlas von Hellas und den 
hellenischen Kolonien, in 15 Blättern, 1872 Atlas anti- 
quus 1859. 1885^ und zahllose, umfängliche Atlanten und 
kleinere Karten, die sowohl in der technischen Ausführung, 
wie in der sorgfältigsten Benutzung der Resultate histor.- 
geograph. Forschung unerreicht dastehen. 

Vergl. Selbstbiographie im 'Globus' 1899, Nr. 19; Paiisch, H. K., 
in Hettners Geograph. Zeitschr. 1901 ; S. Oünther, in Die Nation 1899, 
Nr. 31. 

Heinrich Schliemann, 1822-1890. 

Geboren am 6. Jan. 1822 in Neu-Buckow (Mecklenburg- 
Schwerin). Von 1836-1841 Verkäufer in einem kleinen 
Spezereiladen in dem Dorfe Pürstenberg, 1841 Schiffsjunge, 
1841-1844 Laufbursche in Amsterdam, während welcher 
Zeit er Englisch, Französisch, Holländisch, Spanisch, Italienisch 
und Portugiesisch sich aneignete, 1844-1847 in einem großen 
Kaufhause in Amsterdam, Agent desselben in St. Petersburg, 
wo er ein eigenes Geschäft gründete; 1850 wurde er in Kali- 
fornien Borger der Vereinigten Staaten, lernte 1858 Griechisch 
und zog sich als reicher JMann definitiv von seinem Geschäft 
zurück, um sich fortan, den Traum seiner Jugend verwirk- 
lichend, der archäologischen Wissenschaft zu widmen. Er 
starb am 26. Dez. 1890 in Neapel. Seine Ausgrabungen, von 
beispiellosem Erfolge begleitet, haben uns die Kultur des prä- 
historischen Hellas erschlossen und den mächtigsten Impuls zu der 
archäologischen Durchforschung griechischer Länder gegeben. 

Ithaka, der Peloponnes und Troja 1869 Trojanische 
Altertümer 1874, pp. 376 Ilios, Stadt und Land der Tro- 



Kiepert Schliemann. Brunn. Westphal. 217 

janer (mit 1800 Abbild.) 1880, pp. 462 Troja, Ergebnisse 
meiner neuesten Ausgrabungen, 1884, pp. 462. Bericht über 
die Ausgrabungen in Troja 1890 (1891). Ober die durch 
diese Werke hervorgerufene Literatur, siehe Hübner, Bibliogr. 
p. 232 f. Mykenae, mit Vorrede von W. E. Gladstone, 
1878, pp. 1213. Orchomenos 1881 Tiryns 1886, 
pp. 546. VorzOgliche zusammenfassende, kritische Darstellung 
von C* Schuchardt, Schliemanns Ausgrabungen ... im Lichte 
der heutigen Wissenschaft, 1890, engl. Obersetzung mit Bei- 
trägen von W. Leaf und W.Dörpfeld 1891, pp. 352. 

Autobiographie (in Ilios); Biographie bei Schuchardt, op. cit.; 
Joseph, H. S., Grundriß der Qeschichte seines Lebens u. seiner Aus- 
grabungen, Berlin 1902'; Bursian, p. 1113-1119; F. v. Duhn, H.S., 
in N. Heidelberg. Jahrb. 1891, p. 145-164; Brunn, Kleine Schriften, 
Bd. 111, p. 279-282. 

Heinrich Brunn, 1822-1894. 

Einer der bedeutendsten Vertreter der klassischen Kunst- 
archäologie. 

Geboren zu Wörlitz (bei Dessau), studierte seit 1839 in 
Bonn unter Welcker, Ritschi und 0. Jahn, lebte 1843-1853 
in Rom, 1 854 - 1 856 Privatdozent in Bonn, 1856-1 865 zweiter 
Sekretär des archäologischen Instituts in Rom, 1865 Prof. der 
Archäologie in München. 

Qeschichte der griechischen Künstler, 2 Bde, 
1859. 1889* (pp. 1411). Epochemachendes Meisterwerk. 
Griech. Kunstgeschichte, Bd. I (1893) Beschreibung der 
Münchener Glyptothek 1868. 1887S pp. 298. Musterhaft 
Denkmäler griech. und röm. Skulptur mit P. Bruckmann 1888. 
Zahlreiche bahnbrechende Abhandlungen in Kleine Schriften, 
3 Bde, 1898. 1905/6, mit Schriftenverzeichnis in Bd. III. 

Vergl. Ä. Emerson, in Amer. Journ. of Archaeol. 1894, No. 3. 

Rudolph Westphal, 1826-1892. 
Der bedeutendste Porscher auf dem Gebiete der antiken 
Musik, Rhythmik und Metrik. 

Geboren am 3. Juli 1826 In Oberkirchen (Schaumburg), 



218 IX. Deutschland. 

studierte seit 1845 in Marburg Matiiematik, Chemie, klassische 
und orientalische Philologie, 1856 Privatdozent in Tübingen, 
1858-1862 außerordentl. Prof. in Breslau, lebte bis 1868 
als Privatgelehrter in Halle und Jena, 1873-1879 Lehrer in 
Livland, Kurland, Moskau, seitdem in Leipzig, Bückeburg und 
Stadthagen, wo er am 10. Juli 1892 starb. 

Sein epochemachendes Meisterwerk, die erste systema- 
tische Behandlung des Gegenstandes, zuerst unter Mitwirkung 
von Roßbach, erschien 1887 in 3. Aufl. unter dem Titel: 
Theorie der musischen Künste der Hellenen 1885 
-1887, Bd. I Griech. Rhythmik, pp. 345. II Griech. Harmonik 
und MelopOie, pp. 294. III 1 Allgemeine Theorie der griech. 
Metrik, pp. 414. III 2 Griech. Metrik von A. Roßbach, 1888. 
Die Musik des griech. Altertums nach den alten Quellen, 
1883, pp. 360. Method. Grammat. der griech. Sprache, 
2 Bde, 1872, pp. 1122. Verbalflexion der Mein. Sprache 
1873, pp. 349. Ausgaben: Scriptores metrici Graeci, vol. I 
Hephaistion usw. 1866, pp. 310 Ps. Plut. de musica 1866 
CatuUus 1884^ Aristoxenus, übersetzt und erläutert 
Bd. I (1883), Bd. II (1893). 

Vergl. BuTsian, p. 981-990 ; H. Gleditsch, Biogr. Jahrb. XVllI (1895) 
p. 40-85 (Schriftenverzeichnis p. 86-90); A. Roflbach, Allg. deutsche 
Biogr. XLll 205-216. 

Hermann Usener, 1834-1905. 

Geboren in Weilburg a.d. Lahn 23. Okt. 1834, studierte 
in Heidelberg, München, Göttingen und Bonn, 1858-1861 
Lehrer am Joachimsthaler Gymnasium in Berlin, 1861 außerord. 
Prof. in Bern, 1863 Ordinarius in Greifswald, 1866 in Bonn 
als Nachfolger Ritschis, starb am 21. Okt. 1905. Bahnbrechend 
besonders auf dem Gebiete der vergleichenden Religions- 
wissenschaft. 

Quaestiones Anaximeneae 1856 Analecta Theophrastea 
1858 Commenta Bemensia 1869 Anecdoton Holderi, ein 
Beitrag zur Gesch. Roms in ostgotischer Zeit 1887 Altgriech. 
Versbau 1887 Epicurea, Lpz. 1887, pp. 512. Grund- 



Westphal. Usener. Rohde. 219 

legendes Meisterwerk. Dionysii Halic. de imitatione 1889 
Unser Platotext, Gott. Gelehrte Nachr. 1892, p. 25-52. 
181-215. Dionys. Halic, opuscula rhet. (mit Rader- 
macher) 1899-1904. Legenden der heiligen Pelagia, 
Festschr. PhiloL Versamml. Trier 1879 Weihnachtsfest 
1889 Der heil Theodosios 1890 Götternamen 1896 
Sintflutsagen 1899 Dreiheit 1903 
Vergl. Fr, Bücheier, N. Jahrb. f. klass. Altert. Vlll (1905) p.737 
-742; P. Wendland, Preuß. Jahrb. CXXII (1905) p. 373-388; A, Diete- 
rich, Archiv f. Religionswiss. Vlll (1906) p. I-Xl; E.Schwartz, Rede 
auf H. U., Berlin 1906, pp. 12. 

Erwin Rohde, 1845-1898. 

Geboren in Hamburg am 9. Okt. 1845, studierte seit 
1865 in Bonn, Leipzig und Kiel, 1870 Privatdozent in Kiel, 
1872 außerordentl. Prof. daselbst, 1876 Ordinarius in Jena, 
1878 in Tübingen, 1886 in Leipzig, in demselben Jahre in 
Heidelberg, wo er am 11. Jan. 1898 starb. 

Verfasser von zahlreichen musterhaften Abhandlungen 
und Rezensionen zur griech. Literaturgeschichte, Chronologie, 
Quellenkunde und Lexikographie (z. B. Studien zur Chrono- 
logie der griech» Literatur, Nekya, Philon von Byblos und 
Hesychios von Milet, Quellen des Pollux, des lamblichos vita 
Pythagorae, T^Tove in den Biographica des Suidas, Lucians 
AouKioc fj övoc) und vor allem von zwei bahnbrechenden 
Meisterwerken, die durch tiefe Gelehrsamkeit, geniale Kom- 
binationsgabe und stilistische Kunst gleich ausgezeichnet sind: 
Der griech. Roman u. seine Vorläufer, Lpz. 1876. 
1900^ Psyche, Seelenkult und Unsterblichkeitsglaube 
der Griechen, 2 Bde, 1891-1894. 1897* Kleine Schriften, 
2 Bde, pp. 948, Lpz. 1901 herausgegeben von Fr. Scholl. 

Vergl. J, Meltzer,ViiXr\temb. Korrespondenzbl. 1898, p. 205-210; 
W. Christ, E. R., Münch. Akad. 1898, p. 328 ff.; W. Schmid, Biogr. 
Jahrb. XXVI (1899) p.87-110 (Schriftenverzeichnis p. 111-114); O.Cru- 
sius, E. R., Tübingen 1902, pp.302; 0. /mmisc/i. Neue Jahrb. V (1902) 
p. 521 ff. 



Index. 



Accius, L. 92 

Acro u. Ps. Acro 127 

Aelius Stilo, L. 92f. 

Agricola, R. 186 f. 

Ahrens, H. L. 211 f. 

Aischylos, antike Erklärer des 16. 
17. 18. 32. 41. 49 

dK^/|, Berechnung der 45 

Aldus Manutius 163 

Alexandrinische Bibliothek, Ca- 
non, Museum, siehe sub nom. 

Alexandros Aetolus 26 

- von Aphrodisias 83 

- Polyhistor 54« 
Allegorische Exegese 54. 75*- •. 153 
Amarantos 79 

Ammonios 47 

Analogie u. Anomalie 34. 54. 55 \ 56 

Andronikos 82 

Antidoros 4 

Antigonos von Karystos 22 

Antiochos 80 

Apollodoros 45 f. 

Ps. Apollodoros 48* 

Apollonides 17^ 

Apollonios Dyskolos 68 f. vergl. 

17^ 120 
Aratos, antike Erklärer des 63. 86 
Aristarchos 37-42 vergl. 88 
Aristonikos 76 
Aristophanes comicus 13 

- , antike Erklärer des 33. 41. 
50. 56. 79» 

. ~ Byzantius 30-37 vergl. 8P 
Aristoteles 15-17. 41 

- , antike Erklärer des 83 f. 
Aristoxenos 19 f. 
Artemidoros 79. 86 

Artemon 54*. 65* 
Asconius Pedianus 103 
Asianismus 57. 59 
Asklepiades von Myrlea 54*. 85* 
Asper, Aem. 112 vergl. 116 
Ateius Praetextatus, L. 95 vergl. 3 
Athenaios72f.vergl.61.62. 134. 136 
Athenodoros Kordylio 54* 
Aurispa, Q. 155 

Bekker, I. 196!. 

Bentley, R. 180-182 vergl. 18 



Bemhardy, 0. 210f. 

Bessarion 151 

Bibliotheken, alexandrinische 24 f. 

- , pergamenische 55 

- , römische 96* 
Biondo, Flavio 157 
Boccaccio 153 
Boeckh, A. 208 f. 
Bruni, Leonardo 155!. 
Brunn, H. 217 
Budaeus, 0. 165 
Burmann, P., der Altere 177 

- der Jüngere 177 

Caecilius 59 f. vergl. 37*. 66. 85 
Caesar, Julius 94 
Camerarius, Joach. 188 
Canon Alexandrinus 35-37 
Caper, Plavius 112. 116 
Casaubonus, Isaac 168 f. 
Cassiodorus Senator 121 
Chalcidius 82. 140 
Chalkondyles 138 vergl. 152 
Chamaileon 18 
Charikles 79 
Charisius 114 vergl. 111 
Chrysippos 55 

Chrysoloras 151 f. vergl. 138 
Cicero 62* 

- , antike Erklärer des 125 
Ciceronianismus 171* 
classicus, Bedeutung 9* 
Cobet, C. 0. 179f. 

Cornutus 128*. 129 
Corssen, W. 204 
Curtius, E. 213 

- , G. 2031. 

Dawes 180 
Demetrios Ixion 54' 

- Magnes 57 

- Phalereus 21 

- von Skepsis 44 
Demosthenes, antike Erklärer des 

50. 74. 83f. 
biaip^v 12 
Didaskalien 16. 33* 
Didymos 48-52 vergl. 43. 66. 71. 

73. 76. 78. 79. 84 

- , Claudius 52* 



Index, 



221 



Dikaiarchos 20 

Dioeenes Laertios 73 f. vergl. 43. 

57. 134 
Diofifenianos 62 vergl. 132 
Diokles 73 

Diomedes 114 vergl. 111 
Dionysiades 80 
Dionysios,Aelius 66 vergl. 131. 132 

- Haue. 57-59 

- Halic. 6 ^ouaK6c 66 

- Thrax 47 f. vergl. 5 

- , Bibliothekar 47' 

- , Erklärer des Burip. 79 
Dionysodoros 79 
Donatus,Aeliusl 15f.vergl. 111.116 

- , Tib. Claudius 126 
Doppeltitel von Dramen 20* 
Doteridas 80 

Droysen, J. 0. 211 
Drucke, erste 163 
Du Gange 169 f. 
Duris 78« 

Eckhel, J. H. 192 f. 

Bditio princeps, als Grundlage des 

Textes 147* 
iTK€Kpi|u^vot ^Klassiker' 9* 
Elmsley, P. 1821. 
Ennius, antike Erklärer des 123 
Erasmianer 172* 
Erasmus, Desiderius 171 f. 
Eratosthenes 29 f. 
Etacismus 171 
Etienne, siehe Stephani 
Etymologicum magnum 130. 136 
Etymologie, im Altertum 15. 46 
Buanthius 115 
Eugraphius 115 
Euphronios 30*. 79 
Buripides, antike Erklärer des 17. 

20. 22. 32. 49. 56 
Eusebios 117 
Eustathios 136 vergl. 66. 73. 80. 87 

Fabricius, J. A. 1881. 

Fälschungen, literarische 17*. 18 

Pavorinus 73 

Penestella 102!. 

Pestus 101 

Pilelfo, Prancesco 158 f. 

Pulgentius 75« 

Oaisford, Th. 183 
Galenos 67 vergl. 4 



Gaza, Th. 151 vergU. 138 
Gellius, A. 112f. vergl. 119 
Gesner, J. M. 189 
Giunti (Junti) 164 
Gorgias 12 
Graevius, J. G. 175 f. 
Grammatik, Einteilung der 5 
TpaMfiatiKÖc 4—7 
Grammatische Termini 12.4 1 . 89-9 1 
Griech , Kenntnis des (im Mittel- 
alter) 140 
Gronovius, Jac. 176 

- , Joh. Pr. 174 f. 
Grote, George 184 
Grotius, Hugo 174 
Guarino 56*. 155 f. 

Halm, K. 202 f. 
Harpokration 66 vergl. 132 
Heinsius, Dan. 173 f. 

- , Nie. 175 
Heliodoros 61. 79 
Hemsterhusius, Tib. 177 
Hephaistion 71 
Herakleides Pontikos 17 f. 
Hermann, G. 195!. 
Hermeneutik und Textkritik 194!. 

vergl. 67 
Hermippos 42!, vergl. 37* 

- von Berytos 42* 
Hermogenes o7!. 

- , Erklärer des 68 
Herodianos 69!. vergl. 62. 76. 120 
Herodikos 38*. 54« 
Herodotos, antike Erklärer des 41 
Hesiod, antike Erklärer des 17. 

18. 27. 31. 40, 49. 56. 63 
Hesychios von Alexandrien 62. 134 

- vonMilet 130!. vergl. 65. 134 
Heyne, Gh. G. 191!. vergl, 182» 
Hieronymus 117!. vergl, 96 
Hippias 13 

Ho!man-Peerlkamp, P. 179 
Homer, antike Erklärer des 16*. 

17. 18. 21. 26. 31. 39. 44. 46. 

48. 49. 56. 65. 69. 74. 75 
Horaz, antike Erklärer des 127!. 
Hyginus, C. Jul. 100!. 

-- , Ver!asser der Pabulae 100 ' 
Hypomnema, Bedeutung 39* 
ötröOecic 32!. 

Indices Plautini 93* 
Irische Mönche 141 



222 



Index. 



Isidorus 122 
Itacismus 171 

Jahn, Otto 212 
Jebb, R. C. 185 
Jowett, Ben]. 184 
Juba II. 61 versrl. 71 

- der Grammatiker 61 ' 

Kallimachos 27 f. vergri. 98' 

- , antike Erklärer des 51. 85 
Karystios 16*. 54* 

Kiepert, H. 215f. 
Klosterbibliotheken 140 
Kolometrie 31' 
Komödie, Einteilung der 18'. 36* 

- , Schriften über die 29 f. 
47. 51. 67. 79 f.* 

Konstantinos VII. Porphyroeenne- 

tos 132 
Krateros 23 

Krates 55-57 vergl. 3. 38. 88 
Kritik, literar., im Altertum 13f. 16 

KpiTlKÖC 3f. 

Kritische Zeichen (ciiiuda, notae) 

87-89 vergl. 7P. 105* 
Ky riakos von Ancona 157 f. 

Lachmann, K. 198 f. 

Lambinus, D. 166 

Lamprias Katalog 64* 

Laskaris, Konst 152 

Leake, W. M. 183 

Lehrs, K. 1991. 

Lexikographie, antike 34. 63. 130 

Liberales artes 97 

Lipsius, Justus 172 

litteratus 4 

Lobeck, C. A. 196 

Longinus, Cassius 74 

Ps.Longinus ircpl öipouc60f.vergL 

64. 74 
Longus, Velius 112 
Lucilius, antike Erklärer des 124 
Lucretius, antike Erklärer des 124 
Lykophron, antike Erklärer des 

26 <, 27. 54 
Lykurgos, Tragikerexemplar des 

14 
Lyriker, antike Erklärer der 18. 

27. 31. 40. 51 

Macrobius 118f. vergl. 73. 113 
Madvig, J. N. 200f. 



Magister, Th. 139 
Marianus 85. 86 
Markland 180 
Marmor Parium 23 
Martianos Capeila 119 f. 
Meineke, A. 197 f. 
Melanchthon 187 f. vergl. 138 
Menaichmos 79 
Meursius, Joh. 173 
Mommsen, Th. 213-215 
Montfaucon, Bemard de 170 
Moschopulos, Manuel 138 
Müller, K. O. 209 f. 
Munro, H. A. J. 185 
Muretus, M. A. 166 
Museum, das alexandrinische 23 f. 
Musurus 163* 
Mythologisches Handbuch 46' 

Nauck, A. 204 f. 

Naevius, antike Erklärer des 123 

Nestor 79 

Niccoli, Niccolo 154 

Niebuhr, B. 0. 206 f. 

Nigidius Pigulus 94f. vergl. 89 

Nikanor 76. 80 

Nikias von Nicaea 73 

Nonius 113 

Obtrectatores Vergilii 103* 

Onesandros, Bibliothekar 47* 

Onomakritos 11 

Orion 130 

Oros 65. 130 

Orpheus von Crpton 11 

Palaemon, Remmius 89. 108*. 114 
Palimpseste 142' 
Pamphilos 62 f. vergl. 71 
Pannartz, A. 164 
Papyrusfunde 56. 142 f. 
Paulus Diaconus 101 
Pausanias, Atticist 66. 132 
Peerlkamp, siehe Hofman 
Peisistratos 11 
Pergamenische Schule 54 
Perizonius, Jac. 176 
Petrarca 152 f. 
Phaeinos 79 
Philetas 25 f. 
Philochoros 22 f. 
Philologie, im engeren Sinn 7 
- , im weiteren Sinn 8 



Index. 



223 



(ptXöXoYOC 1—3 

Philon von Byblos 65 f. vergl. 131 

Photios 131 vergl. 63 

Phrynichos 70 vergl. 66. 132 

mvaKcc 27. 28. 72^ 

Pindar» antike Erklärer des 18. 

27. 47. 49. 63. 75. 77 f. 
Placidus, Lactantius 129 
Planudes 137 f. 
Piaton 14 

- , antike Erklärer des 67. 81 f. 
Platonios 80 

Plautus, antike Erklärer des 123 
Plethon 151 

Plinius d. Alt 103-105 vergl. 61 
Plutarchos 63-65 vergl. 43. 61. 86 
Pofi^gio 156 f. 
Polemon 43 f. 
Politianus 160 f. 
Pollux 71 vergl. 61 
Porphyrio 127 
Porphyrios 75 f. 
Porson 182 
Poseidonios 81. 86 
trpaTTÖjicvoi, "Klassiker" 9^ 
Praxiphanes 21 f. vergl. 5 
Priscian 120 f. vergl. 68 
Probus, Valerius 105-108 vergl. 

88. 116 
Ps. Probus, 129 
Prodikos 12 
trpöc, in Titeln 25 f.» 
Protagoras 12 
Ptolemaios 79 

Quadrivium 97* 
Quintilianus 108 f. 

Redeteile 41. 42' 

Redner, antike Erklärer der 43. 

50. 58f. 64. 66. 84' 
Reiske, J. J. 189f. 
Reuchlin, Joh. 187 
Reuchlinianer 172' 
Ribbeck, O. 205 f. 
Ritschi, Fr. 201 f. 
Rohde, E. 219 
Romanus, Jul. 114 
Ruhnken, D. 178 

Sallust, antike Erklärer des 125 
Salmasius 169 
Salutato 154 



Sammelwerke, Titel 62' 
Sauppe, H. 203 
Scaliger, Jos. 167f. 

- , Jul. Caesar 167' 
Scaurus 111 vergl. 114 
Schliemann, H. 216 f. 
cxöXiov, Bedeutung 76' 
Schollen: 

Aischines 84 
Aischylos 78 
Apollonios Rhodius 85 
Aratos 86 
Aristophanes 79 f. 
Cicero 125 
Demosthenes 83 f. 
Dionysios Periegetes 87 
Euripides 78 f. 
Qermanicus 125 f. 
Hesiod 77 
Homer 76 f. 
Horaz 127 f. 
Juvenal 129 
Kallimachos 85 f. 
Lucanus 128 
Lykophron 84 f. 
Nikandros 86 f. 
Ovid 128 
Persius 129 
Pindar 77 f. 
Piaton 63. 81 f. 
Sophokles 78 
Statius 129 
Terenz 124 
Theokritos 86 
Thukydides 80 f. 
Vergil 126 f. 
Schriftsteller - Verzeichnisse (tri- 
voKcc) 27' 

- , mit krit. Zeichen 87' 

- , beliebteste im Mittelalter 
140 

Servius 116 
Sopatros 79 
Sophisten 11-13 
Sophokles, antike Erklärer des 19. 
20. 22. 32. 49. 78 

- , Apollonios Scholiast 85 
Sotion 73 

Spengel, L. 200 
Stephani 164f. 
Stephanus Byzantius 65 
Stoische Philologen 54 
Subscriptiones 76. 79. 85« 146' 



224 



Index. 



Suetonius 109-111 verfiel. 52'. 62. 

71. 116. 119. 136 
Suidas 132-135 vergl. 63. 73 
Sweynheym 163 
cOrrpoMMa 39' 
Symmachos, Aristophanes Scho- 

Hast 79 
Synonymik 12 

Tarraios, Lykillos 85 

Tauriskos 54' 

Taylor, J. 180 

Telephos 6. 54*. 65'. 79 

Terenz, antike Erklärer des 124 

Textkritik 67. 194 f. 

Theagenes 10. 16' 

Theater, Schrift über das 61. 78f.* 

Theokritos, antike Erklärer des 54 

Theon 54 vergl. 85. 86 

Theophrastos 19 

Thrasyllos 81' 

Thukydides, antike Erklärer des 

4P. 58. 75. 801. 
Titel, homonyme 20' 
Toup 180 
Tragödie, Schriften über die 19. 

22. 51. 78 f.« 
Triklinios 139 
Trivium 97« 

Tryphon 52-54 vergU 71. 73 
Tumebus 165 f. 



I Tyrrwhitt 180 
Tzetzes 135 f. vergl, 84 

Uebersetzungen, griech., aus dem 

Utein. 137'. 138. 152 
Universitäten, Qrflndungsjahre: 

Deutschland 186 

England, Schottland, Irland 180 

Holland 170 
Usener, H. 218 f. 

Valckenaer, L. C. 177 f. 

Varro 95-100 verel. 61. 65. 89 

Vergil, antike Erklärer des 126 

Verrius Placcus 101 f. 

Vestinus, Jul. 62 

Victorius, P. 161 

de viris illustribus, Verfasser von 

109« 
Vittorino da Feltre 156 
Vossius, 0. J. 173 

Welcker, F. 0. 207 f. 
Westphal, R. 217 f. 
Winckelmann, J. J. 190f. 
Wolf, F. A. 193 f. 
Wyttenbach, D. A. 178 f. 

Zenodotos 26 f. vergl. 12'. 88 

— der Jüngere 54*. 55 
Zopyrion 62* 
Zopyros 11 



Corrigenda et Addenda. 

p. 9 Z. 12 lies: 1906, pp, 166 

p. 13: Streiche c) 

p. 19 a. E.: öpxi^ccujc statt ^oxi^ceuic 

p. 24 Z. 9 lies: Neocorus (= L. Küster) 

p. 29 Mitte lies: G. Knaack FW 

p. 30 statt 'aber -384' lies: 'Artikel von G, Knaack PV/, VI 358-389. 

p. 70 a. E. lies: Froleg. zu Der Anfang des Lexikons des Photios, Lpz, 

1907, p. XXIX ff. (Phrynichos als Quelle des Photios). 
p. 105 Z. 4 füge hinzu: M. Rabenhorst, Philol. LXV (1906) p. 567 

-603 (Die Indices auctorum und die wirklichen Quellen 

der nat. bist, des Plinius). 
p. 214: Zu Bd. IL IV. VI 3 des Corpus hat Mommsen nur wertvolle 

Beiträge geliefert. 




DIE KULTUR DER GEGENWART 

IHRE ENTWICKLUNG UND IHRE ZIELE. TEIL I Abt 8 
HERAUSGEGEBEN VON PROF. PAUL HINNEBERQ 



In 2., vermehrter und verbesserter Auflage erschien: 

DIE GRIECHISCHE 

UND LATEINISCHE LITERATUR 

UND SPRACHE 

BEARBEITET VON ü. VON WILAMOWITZ-MOELLENDORFF. 
K. KRUMBACHER. J. WACKERNAGEL. FR. LEO. E. NORDEN. 

F. SKUTSCH. 

[VIII u. 494 S.] Lex.-8. 1907. geh. M. 10.—, in Uinwand geb. M. 12.— 

Inhalt: I. Die griechische Literatur und Sprache, Die griechische 
Literatur des Altertums : U. v. Wilamowitz-Moellendorff. — Die griechische 
Literatur des Mittelalters: K. Krumbacher. — Die griechische Sprache: 
J. Wackemagei. — IL Die lateinische Literatur und Sprache. Die römische 
Literatur des Altertums: Fr. Leo. — Die lateinische Literatur im Ober- 
gang vom Altertum zum Mittelalter: E. Norden. — Die lateinische 
Sprache: F. Skutsch. 

In dieser bereits nach Jahresfrist erschienenen zweiten Auflage haben 
die einzelnen Darstellungen, mit Ausnahme der Arbeit von U. von 
Wilamowitz-Moellendorff, die als unveränderter Abdruck der ersten 
Auflage zu bezeichnen ist, mannigfache Verbesserungen erfahren. 
Besonders gilt das von der Römischen Literatur des Altertums von 
Friedrich Leo, die fast volle zwei Jahre vor dem Erscheinen der ersten 
Auflage des Bandes geschrieben war: sie zeigt sich in der Neu- 
bearbeitung, von vielfachen Textänderungen abgesehen, um ein Drittel 
des Umfanges vermehrt. Aber auch die übrigen Monographien haben 
in reichem Maße Verbesserungen und Zusätze erfahren. So ist zu 
hoffen, daß die neue Auflage der gleichen Gunst bei Kritik und 
Publikum begegnen werde, deren sich ihre Vorgängerin erfreuen durfte. 

„In großen Zflgeh wird uns die griechisch-römische Kultur als eine kontinuierliche Ent- 
wicklung^ vorgeführt, die uns zu den Grundlagen der modernen Kultur führt. Hellenistische 
und christliche, mittelgriechische und mittellateinische Literatur erscheinen als Glieder 
dieser großen Entwicklung, und die Sprachgeschichte eröffnet uns einen Blick in die un- 
geheuren Weiten, die rückwärts durch die vergleichende Sprachwissenschaft, vorwärts 
durch die Betrachtung des Portlebens der antiken Sprachen im Mittel- und Neugriechischen 
und in den romanischen Sprachen erschlossen sind." (Deutsche Literaturzeitung.) 

Probeheft und Spezial-Prospekte ?^?.^tsz'i"Ä?m vÄ 

des Herausgebers, der Inhaltsübersicht des Gesamtwerkes, dem Autoren- Verzeichnis und 
mit Probestücken aus dem Werke) umsonst und postfrei vom Verlag. 



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Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. 



Die hellenische Knltar. Dargestellt von Fritz Banrngarten, Franz 
Poland, Richard Wagner. Mit 7 farbigen Tafeln, 2 Karten und 
gegen 400 Abbildungen im Text und aui 2 Doppeltafeln. [X u. 
491 S.] gr. 8. 1906. geh. JL 10.—, in Leinwand geb. JL Vt,— 
Dem Bedllrfnii nach einer sasAinmeiifMiendeii Dftntellimg der giiechlsohen und 
(in einem sweiten, in Yorbereitong beflndliolien Bande) der rOmlsohen Koltnr in weiterem 
Umfange, als sie bisher vorliegt, soll dies Werk Bechnnng tragen. Die Verfasser, die 
sämtlich im praktischen Schaldienst stehen, haben es als ihre Aufgabe angesehen, die 
gesicherten Ergebnisse der neueren Forschung in einer ftlr Jeden Ge- 
bildeten fafllichen and lesbaren Form darsabieten, anter besonderer Berflck- 
sichtigang der Bedürfnisse and der Ergebnisse des Unterrichts in den Oberklassen unserer 
höheren Schalen. Dem geschriebenen Wort tritt ergftnsend and weiterfahrend ein reich- 
haltiger Bilderschmack sor Seite, der um so weniger fehlen darfte, je lebendiger und 
anmittelbarer gerade das Kaltarieben des Altertums ans durch seine Denkm&ler veran- 
schaulicht wird. 

„Eine wohlgelungene Leistung, die mit groAer Gewissenhaftigkeit gemacht und von 
reiner Begeisterung far die Sache getragen ist. Die Sorgfalt und die Kenntnis der Ver- 
fasser verdienen aufrichtige Anerkennung; das Ergebnis ist ein Buch, das ein glflckliches 
Muster populftrer Behandlung eines manchmal recht spröden Stoffes darstellt. Man möchte 
ihm recht weite Verbreitung in den Kreisen dexjenigen wünschen, die sich nicht bloA mit 
dem konventionellen Namen des „Gebildeten" zufrieden geben, sondern in Wahrheit zu 
dem geschichtlichen Verst&ndnls unserer heutigen geistigen und politischen Lage vorzu- 
dringen trachten; und den Schfllem der oberen Klassen unserer Gymnasien sowohl als 
auch den Studierenden unserer Hochschulen, besonders den Anf&ngem, wird das Werk 
Ausgangspunkt und eine solide Grundlage für weitere quellenmUige Studien sein.*^ 

(Historische Vierteljahrsschrift. 1906. 4.) 
In dem, was die Verfasser bieten, liegt ein musterhaftes Beispiel von dem vor, was 
in schulpoUtisohen Kämpfen immer das Beste und Fruchtbarste ist: ein Stück ernster 
positiver ikjbelt, das mehr wert und wirkungskrftftlger ist als alle möglichen polemischen 
Darlegungen. Die Frage: „Was uns die Griechen sind?" hat vor einiger Zeit von berufener 
Seite eine ebenso treffende wie anziehende theoretische Beantwortung erfahren: hier liegt 
uns eine Art praktischer Antwort auf dieselbe Frage vor — eine iOitwort, so klar und 
deutlich wie nur möglich, . . . denn dies Buch wird sicher seinen Weg gehen als eine 
im besten Sinne populäre Darstellung des „stillen Tempels der groAen alten Zeiten und 
Menschen", durch den wir, nach Jean Pauls dem Buche vorangestelltem schönen Leitwort, 
die Jugend „zum Jahrmarkt des späteren Lebens" hindurohführen sollen, und In den auch 
wir selbst von diesem Jahrmarkt sehr zum Nutzen für unsere Lebensauffassung recht oft 
zurückzukehren das Bedürfnis haben." (Deutsche Literaturzeitung. Nr. 1. 1906) 

Charakterköpfe aus der antiken Literatur. Von Prof. Dr. Ed. Schwartz. 
Fünf Vorteäge: 1. Hesiod und Pindar; 2. Thukydides und Euripides; 
3. Sokrates und Plato; 4. Polybios und Poseidonios; 6. Cicero. 2. Aufl. 
[YI u. 126 S.] gr. 8. 1906. geh. JK 2.— , in Leinwand geb. JL 2.60. 

„Die Vorträge enthalten vermöge einer ganz ungewöhnlichen Einsloht in das Staats- 
und Gteistesleben der Qriechen, vermöge einer seelischen Feinfühligkeit in der Interpretation, 
wie sie etwa Burkhardt besessen hat, historisch-psychologische Analysen von groAem Beiz 
und stellenweise geradezu erhabener Wirkung . . . Die Verinnerlichung, die Schwartz auf 
diese Weise seinen Gestalten zu geben versteht, ist m. W. bisher nicht erreicht, und die 
gedankenschwere Kraft seiner Sprache tritt dabei so frei, ungesucht und einfach daher, daB 
man oft kaum weiA, ob die ernste Schönheit des Ausdrucks oder die Tiefe des Gedankens 
höhere Bewunderung verdient ** (Jahresbericht üb. d. höh. Schulwesen. 1903.) 

Bas Fortleben der Horazisehen Lyrik seit der Renaissance. Von 

Eduard Stemplinger. Mit 9 Abbildungen im Text. [XIX u. 476 S.] 
gr. 8. 1906. geh. *^ 8.— , in Leinwand geb. JL^,— 

Schildert das Fortleben der Horazischen Lyrik seit der Benaissanoe in England, 
Frankreich, Italien und vornehmlich in Deutschland. Wie Horaz als Lyriker die Welt- 
literatur, die Musik und bildende Kunst beeinflufit hat, wird zunächst in einer knappen 
Übersicht dargelegt. Im zweiten Teil werden die Oden und Epoden einzeln behandelt, 
insofern sie entweder im ganzen in ernsten und scherzhaften Um- und Nachdichtungen 
fortlebten oder sich in einzelnen Stellen lebens- und keimkräftig erwiesen. Beproduzierte 
Illustrationen (von der ältesten vom Jahre 1498 bis zur jüngsten 1905) und musikalische 
Vertonungen beleuchten den Einflufi des Horaz auf die Künste. Die Zusammenstellung 
gibt eine überwältigende, bisher nur bruchstückweise gekannte Anschauung von der weit- 
verzweigten Einwirkung des römischen Dichters auf das (Geistesleben der Kulturvölker. 
Ein ausftlhrllches Begister erleichtert die Benützung des Werkes. Eine wertvolle Zugabe 
ist die hier zum ersten Male gebotene Zusammenstellung der überall zerstreuten 
Übersetzungen der Lyrika.