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Full text of "Grundriss der Versteinerungskunde"

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HARVARD UNIVERSITY 




LIBRARY 

OF THE 

Museum of Comparative Zoology 



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ö'3o3 



GRUNDRISS 



DER 



VERSTEMERllGSRllDE, 



VOIV 



HANNS BRUNO GEINITZ, 

DR. PHIL., LEHRER AN DER KCEN. TECHNISCHEN BILDXJNGSANSTALT ZU DRESDEN, MITGLIEDE DER 
KAIS. LEOPOLDINISCH- CAROLINISCHEN AKADEMIE DER NATURFORSCHER, DER NATURFORSCH. GES. 
DES OSTERLANDES ZU ALTENBURG, DER SCHLESISCHEN GES. F. VATERL. CULTUR ZU BRESLAU, DER 
GES. F. NATUR- UND HEILKUNDE, DER F. SPEC. BES. VATERL. NATURGESCHICHTE, UND DES GEWERBE- 
VEREINES ZU DRESDEN, DES GEWERBEVEREINES ZU FREIBERG, DER GROSSH. SiECHS. GES. F. MINE- 
RALOGIE UND GEOGNOSIE ZU JENA , DER PFÄLZISCHEN GES. F. PHARMACIE UND TECHNIK ZU KAISERS- 
LAUTERN, DER RUSSISCH KAIS. NATURFORSCH. GES. IN MOSKWA. DES NATURWISS. VEREINES 
IM NEUSTÄDTER KREISE UND DES GEWERBEVEREINES ZU RONNEBURG. 



""mit 28 STEINDRUCKTAFELN 
UND 1 TABELLE. 



DRESDEN UND LEIPZIG, 
ARNOLDISGHE BUCHHANDLUNG. 
''^ 1846. 



1 j Ii y 




GRUNDRISS 



DER 



VERSTEINERUM8K11DE, 



VON 



HANNS BRUNO GEINITZ, 

OR. PHIL., MIT6LIEDE DER KAISERLICHEN LEOPOLDINISCH-CAROLINIStJHEN AKADEMIR 
DER NATURFORSCHER, DER RUSSISCH KAISERLICHEN NATÜRFORSCHENDEN GESELL- 
SCHAFT IN MOSKWA, LEHRER DER PHYSIK AN DER KÖNIGLICHEN TECHNISCHEN 
BILDUNGSANSTALT, UND DER GESELLSCHAFT FÜR NATUR- UND HEILKUNDE, DER 
FÜR SPECIELLE, BESONDERS VATERLÄNDISCHE NATURGESCHICHTE, DES GEWERBE- 
VEREINES ZU DRESDEN, DER NATURFORSCHENDEN GES. DES OSTERLANDES ZU 
ALTENBURG, DES NATURWISSENSCHAFTLICHEN VEREINES IM NEUSTÄDTER KREISE, 
DER PFÄLZISCHEN GES. FÜR PHARMACIE UND TECHNIK, DER GROSSHERZ. 
SACHS. GES. FÜR MINERALOGIE UND GEOGNOSIE , DER SCHLESISCHEN 
GES. FÜR VATERLÄNDISCHE CULTUR ETC. MITGLIEDE. 



MIT 26 STEINDRUCKTAFELN. 



DRESDEN UND LEIPZIG, 

m DER ARTV0LD1SCHR1\ Bl'CHHAlVDLriVG. 

1845. 



HERRN 

LEOPOLD VON BUCH, 

HERRN 

OBERBERGRATH PROF. D". GERMAR, 



HERRN 

HOFRATH PROF. D". REICHENBACR 

WIDMET DIESE BLÄTTER 



ALS ZEICHEN SEINER INNIGEN HOCHACHTUNG 
UND VEREHRUNG 



VORWORT. 



Eine Reihe von öffentlichen Vorträgen, weiche in den er- 
sten Monaten des verflossenen Jahres vor einem gebildeten 
Publicum zu halten mir vergönnt war, und eine spätere 
Unterredung mit einem hochverehrten Freunde, dem Herrn 
Oberbergrath Professor Dr. Germar, gaben Veranlassung 
zur Bearbeitung der nachstehenden Blätter. 

Auch ist es wohl an der Zeit, wieder einmal von 
dem Rechenschaft zu geben, was der unermüdliche Geist 
der Naturforschung in dem Reiche der untergegangenen 
Schöpfung gelichtet hat. Wenn man diese Entdeckungen 
verfolgt, so weifs man in der That oft nicht, ob die grofse 
Mannichfaltigkeit der Natur mehr zu bewundern sei, oder 
der Fleifs der Naturforscher, womit der jene bedeckende 
Schleier gelüftet wurde. 

In dem Zwecke dieses Grundrisses der Versteinerungs- 
kunde liegt es nicht, zu sehr in das Einzelne einzugehen, 
doch soll darin eine kurze Charakteristik der meisten fos- 



VI 



VORWORT. 



silen Gattungen und, so weit es der Raum erlaubt, der 
für die Gattung typischen und zu der Erkennung der For- 
mationen wichtigsten Arten gegeben werden. Allgemei- 
nere Folgerungen aber und eine kurze Geschichte der Pa- 
läontologie werden in der Einleitung ihren Platz finden. 

Bei der Systematik zog ich aus mehreren Gründen 
im Allgemeinen den Weg von dem Vollkommeneren zu 
dem Unvollkommeneren vor und begann mit dem Menschen. 
Im Einklänge hiermit hätte in den meisten Fällen aller- 
dings auch der in jüngeren Formationen vorkommenden 
Art der Vorrang vor der in älteren Formationen gebühren 
müssen; wenn ich aber bei Aufführung der Arten, so wie 
auch bei einigen Gattungen, unter anderen denen der Ce- 
phalopoden, den umgekehrten Weg einschlug, so hoffe 
ich, dafs die Methodik diese Inconsequenzen einigermafsen 
entschuldigen werde. 

Ein ähnlicher Vorwurf der Inconsequenz trifft mich in 
Bezug auf die Fische, da ich in dieser Klasse nur die 
Stellung der Ordnungen, nicht aber die der Familien und 
Gattungen änderte, welche Anordnung ich jedoch dadurch 
rechtfertigen möchte, dafs die lebenden Gattungen einer 
Familie nicht immer vollkommener als die fossilen sind, 
und dafs ich das schöne Ganze des von Agassiz gegebenen 
Systems nicht muthwillig zerreifsen wollte. 

Indem ich auf die Ausarbeitung dieser Blätter die 
ganze Mufse eines Jahres verwendete, wurde mein Unter- 
nehmen durch die freundlichste Unterstützung mehrerer Män- 
ner wesentlich gefördert. 



VORWORT. 



VIT 



. . Der Herr Oberbergrath Professor Dr. Germar eröffnete 
mir nicht nur die Schätze des mineralogischen Museums in 
Halle und die seiner werthvollen Bibliothek, sondern ihm 
verdanke ich auch höchst schätzbare Mittheilungen über 
die fossilen Säugethiere und Insecten; Herr Hauptmann 
V. Gutbier in Zwickau hatte die Güte, die Zeichnungen der 
Rhinoceroszähne und Hirschgeweihe auf Taf. HI. nach der 
Natur auszuführen; Herr Professor Dr. Burmeister in Halle 
war so freundlich, mein Manuscript über die Gliederthiere 
zu revidiren; Herr Dr. Reufs in Bilin übernahm die Mühe 
der Bearbeitung des Textes und der Zusammenstellung 
der Zeichnungen von den Polythalamien; Herr Professor 
Dr. Ehrenberg in Berlin opferte seine kostbare Zeit der 
Anordnung der Infusorientafel; Herr Medicinalrath Professor 
Dr. Choulant, Herr Hofrath Professor Dr. Reichenbach 
und Herr Professor Dr. Günther in Dresden, die Herren 
Professoren Dr. Glocker und Dr. Göppert in Breslau, 
Dr. Cotta und Dr. Reich in Freiberg, Dr. v. Holger und 
Herr Hofer in Wien unterstützten mich kräftig durch Mit- 
theilungen von Versteinerungen und werth vollen, zum Theil 
sehr kostbaren Büchern. 

Allen diesen Herren spreche ich hier meinen innigsten 
Dank für ihre wohlwollende Güte aus. 

Wenn solche Männer die Hand reichen, so ist es 
grofse Freude, ein Werk zu beginnen und zu vollenden, 
und sollte es mir gelingen, durch dasselbe der paläonto- 
logischen Wissenschaft einige Dienste zu leisten und der- 
selben wieder einige Freunde und Anhänger verschaffen 



VIII 



VORWORT. 



ZU könneiK so würde der Zweck dieses Grundrisses er- 
reicht sein. 

Schlüfslich kann ich nicht unterlassen, die grofse 
Genauigkeit, mit welcher der Herr Lithograph Afsmann 
die oft sehr schwierigen Lithographieen zu meiner grofsen 
Zufriedenheit ausgeführt hat, öffentlich zu rühmen. 

Alle Lithographieen sind nach der Natur, oder, mit 
nur sehr wenigen Ausnahmen, nach Originalahbildungen 
angefertigt worden. 

Dresden, am 24. Mai 1845. 



Greinitz. 



I ]¥ H A Ii T. 



Vorwort. Seite 

Die Thierwelt 
der früheren Schöpfungen. 

A. Vertebrata. Wirbelthiere 1 

I. Klasse. Mammalia. Säugethiere 1 

II. Klasse. Aves. Vögel 58 

III. Klasse. Reptilia. Amphibien 65 

IV. Klasse. Pisces. Fische 113 

B. Arthrozoa. Gliederthiere 179 

V. Klasse. Insecta. Insecten 180 

VI. Klasse. Arachnoidea. Spinnenthiere. 189 

VII. Klasse. Crustacea, Krebse 193 

VIII. Klasse. Fermes. Würmer 249 

C. Gastrozoa. Myxozoa, Bauchthiere oder Schleim- 

thiere. . , 254 

IX. Klasse. Mollusca, Weichthiere 254 

X. Klasse. Radiata, Strahlthiere 522 

XI. Klasse. Polypi. Korallenthiere 561 

XII. Klasse. Infusoria. Infusionsthierchen 696 

Allgemeines, 
anch als Einleitung geltend. 

1. Ueber die Bildung unserer Erde 723 

2. Ueber die Entstehung der Versteinerungen 724 

3. Ueber das Vorkommen der Versteinerungen 729 



Seite 

4. Ueber die Reihenfolge der neptunischen Gebirgsformationen und 



deren Charakter. (Hierzu die Tabelle.) 730 

5. Ueber die Verbreitung der fossilen Pflanzen in den einzel- 

nen Formationen 761 

6. Geschichte der Versteinerungskunde 764 

Abkürzungen von Namen der in dem Grundrisse der Versteinerungs- 
kunde citirten Autoren , nebst Hinvseisen auf ihre Schriften. . 773 
Index 778 



IlovrioiilT oiü 

; ') i ;ii I'j (fi iV/ .n Vn"i<,V)\f/ . 
0T;id}9^»jjüB .x>i\nmntv)\(\. .oafjßlyl .1 

v^i^l .9a8ßlH';7r 

. r ') b il / 
.ri-yt^oanl .nboattl .oa^ßlX . 

: J ' . .OÄfiy .... 

> r. IT Vr. . • i o o \ \\ T) ', ~. 



Reilieiifol^e der iiicptnailsclieii Cicbii'gs- Formationen 

in wck'Iiou Vci'SteiiK'i'ungon vorküiniiicii. 



lopoclie. Herracliaft des Me 



Knochen ; sildeuropdisclio Kmi 



[tuir, Torf, Inl 
heniireccie, Knoclienliölilen, Bolinerzgnil 



tiärgebirge. 

(Terliary-System; Terrait 



ß. muicrcs 31. 



Sürswasseriiiiarz von Vnrh und Fallienan in Uülimen u. s. w. 
SüTswaaserkalk mit Scliicferllion und Polirschicfer von Biliii und Eger ii 
Biilimcn. 

SiifswasBerkalk von Slcinlieim in Wnrlemherg, von Nönllingen inJJaiern ntn 

lies Main?,er niiu Wiener uecKens. 
Oeninffcr Kalks cliie Ter. Olicre B raiinltolilen. ? Radoboj in Croatien. 



Suliapennincnrormalion. 



Paris 



Beckens. 



I Crolikalkformalion des Pariser Beckens, mil dem Gypse des Honima 
(lon-Tlioji). 

I Untere B raunlt olilen formati on, mit Scliiefcrllion, Braiinkolilentlion i 
nicn, Sachsen, Allenburg u. s. w. 

Fischreicher Schiefer des Monte Bolca und Lihanon. 



Itreidegebirge. 

(Crelaceous- System. Terra 



g) Untere 
1) ? Obert 
0) Kreidci 



Ohe 



(Gm 



Feuersteinen (Upper 



1 II. s. w.; lipper G'reeiisamI , 

Jnterer Gninsand; loioer G/'c 
Hilslhon (Specton- clcty). 



Waldformation ()Vcal(lcii-formalioii). 



Agassi?,, mehr dem Oolilhengehirge als dem Kreidegehirge an. 



In Deutschland, 



Jurakalk 
rallinisch od 
Mergel. 



Mille mit PlioladomyaMurchi^ 



An der Siidltüsle Englands, 

ii) Portlandstein (Portlandxlone). 
g) Portlandsand, 
f) Kimmeridgelhon (Kimmeriikjc 
clay). 

e. Oxfordoolilh. (Coralray.) 



ii) Oxford-Thon (0,r/i>/v/.c/flf/), mit 

dem 1(clhtmi/-rock und dem Brad- 

ford-Thon. 
c) Cornbrash- und Forest-m a rhi e, 

wozu der Kalkscliiefcr von S t o n e s- 

field gehört, 
h) Unler-Oolilh (Great ■ Oolife und 

inferior OoUlc). 



einem vielfachen Wechsel von 
Tgt'I-, Kalksfein- und Thonschich- 
1 hestchend. (Lime Regis u. a. 0.) 



6. Regelniiifsig gc= 

y. Spongilcnlagcr. 

/J. Wolilgoschiclitet 

a. Impressakalke. 



;e (Coralray). 
mite, Kalke. 

Iiichtele Kalkbänke. 



Ornalenlhon. 

Eisenoolithe und Tlione. 
. Graublaue mergelige Kalke, Neigimg 



Gelbe 
d) Weif, 

) Gyps 



4. Wuscliclkulkgebii'ge 



niuschelknlk. 



d) Lcttenkohlc. (Flammendolomile, Kalksloinbii 

c) Hauplniuschelkalk. Kalkstein von Friedrich; 
h) Salzgcbirgo (Gyps oder Anhydrit, Thon und 



Steinsalz, dazwischen sparsf 



Thonige Sandsteine 



d} Leltenkohle V.Mattstedt hei Jena. 
/ 5. Fischreiche, oftglaiiconitische 
ScJiichten des Krienberges v. 
I Küdersdorf hei Berlin, Matt- 



b) Bunte Gypsmergcl ■ 



3. Zechsieingebirge. 
(Alter FIritzkalk; 
Magnesian limcslone.) Ii 



iigeln in Sachsen, Liiwenherg 



c) Mergelscbiefer 
h) Kupferschiefer, 
a) Weifsliegcndcs 



f Ii 

I i 



2. Stcinkolilcngebirge. 



Ncio red sanilslone z.Th. C. Ro thi i og cudos (rotlics Todlliegciidcs; GMs- roiigc). 
Carbonifcroiis System, ( B. Kohlcnsan ds tein, Schiefcrihon und Sieinkohlenl 
. Kohleakalkstcin (Bergkalk; Carboniferous-, Mountain- 



1. Grauwackengebirge. 

(Lower Palaeozoic System, 
Terrain do transition.) 



acke; Devonian System, ald-red-santhtotie). 
vacke; Silurtan-Syslem). 

Cambrian System). Arm an Versteinerungen, 
sko verschieden sind. 



DIE 



THIERWELT 



DER 



FRÜHEREN SCHÖPFUNGEN. 



Wie in der ganzen Natur überhaupt die Zahl Drei vorwaltet, 
so zerfällt auch das Reich der Thiere in drei Hauptabtheilungen, 
in die Wir b elthi er e , die Glied er thiere und die Schleim- 
thiere. An der Spitze von allen Thieren steht der Mensch, 
und höchst geistvoll sagt Oken in seiner Naturphilosophie: „Das 
Thierreich ist nur das zerstückelte höchste Thier — Mensch." 

A. Vertebrata. Wirbelthiere. 

Die Wirbel-, Skelett-, Knochen- oder Rückgratthiere sind die 
vollkommensten Thiere. Ausgezeichnet durch ein inneres sym- 
metrisches Knochengerüste oder Skelett, welches sich deutlich in 
Kopf, Rumpf und Gliedmafsen trennen lässt, bewegen sie sich 
durch äufsere Muskeln und durch ihre, nur einigen Reptilien feh- 
lenden, vier Gliedmafsen. Der wesentlichste Theil des Skelettes, 
an welchen sich die übrigen Knochen befestigen, ist ohne Zwei- 
fel die Wirbelsäule, welche zur Aufnahme und zum Schutze des 
Rückenmarkes dient. Oben oder vorn erweitert sich diese zur 
Schädelhöhle, um das Gehirn, die unmittelbare Fortsetzung des 
Rückenmarkes, dort aufzunehmen. 

!• Klasse. Mammalia. Säugethiere *). 

Es sind die entwickeltsten Wirbelthiere, welche durch Lungen 
athmen und lebendige Junge gebären, die sie mit Milch aus ihren 
Zitzen säugen. Sie haben rothes und warmes Blut. Ihre Bedeckung 
besteht meistens in Haaren, welche sich mannichfach umbilden kön- 
nen, wie in Borsten und Stacheln, in die Hörner des Nashorns 



Anm. Das Zeichen vor der Gattung bedeutet ausgestorbene Gattungen. 
Bei Bearbeitung dieser Klasse habe ich Pictefs träite elementaire de 
Paläontologie, Geneve, 1844, zu Grunde gelegt und bin seiner Anordnung vor- 
zugsweise gefolgt. 
Geinitz, Versteinerangkunde. 1 



2 



SaüGKTIIIERK. 



und in die eigenthümlichen hornigen Bildungen, zu welchen auch 
Nägel, Krallen und Hufe gehören. 

Der Oberkiefer aller Säugethiere, welcher den Mittel- oder 
Zvvischenkiefer einschliefst (bei dem Menschen ganz verwachsen), 
ist innig mit dem Schädel verbunden und unbeweglieh. 

Zähne stehen nur in den Kiefern und sind immer in Höhl- 
ungen eingekeilt. 

Wiewohl die Gestalt der Zähne nach der Lebensweise der Thiere 
sehr verschieden ist und daher einen vortrefflichen Charakter zur Bestimm- 
ung der Gattung abgiebt, so kann man an ihnen doch Wurzel und KronC;, 
Zahnsubstanz und Schmelz oder Email unterscheiden. Nach ihrer 
Stellung und ihrem Zwecke bezeichnet man sie als Schneide- oder V o r - 
der Zähne im Zwischenkieferbeine, als Eck-, Spitz , Reifs- oder 
Hundszähne und als Backen-, Mahl - oder Kauzähne und drückt die 
jedesmalige Anzahl, wie etwa für die 32 Zähne des Menschen, .durch fol- 
gende Formeln aus : Vdz. ; Eckz. oder -j- ; Bckz. IZl oder 

Ihr Hals besteht, mit Ausnahme von einigen Delphinen und 
Manatis, immer aus sieben Wirbeln. Ein Schlüsselbein ist nur 
bei den Säugethieren vorhanden, deren vordere Gliedmafsen zum 
Graben, Fliegen oder Greifen bestimmt sind. Die Gliedmafsen 
sind meistens fünfzehig, und ein Fufs wird Hand genannt, wenn 
die innere Zehe, der Daumen, von den übrigen Zehen getrennt 
und diesen entgegengesetzt werden kann. 

Man kennt jetzt gegen 1400 lebende und gegen 300 fossile. 
Arten dieser Klasse '"')• 

Gehören auch ganze Skelette vorweltlicher Säugethiere zu 
den Seltenheiten, so findet man doch häufig von ihnen Kiefern, 
Zähne, Schädel, Knochen, Hörner und Hufe, wovon die ersteren 
immer die befsten Merkmale zu ihrer Bestimmung abgeben. Im 
Allgemeinen sind zwar die fossilen Knochen mürber als frische 
und kleben daher stark an der Zunge, indem aus ihnen die thier- 
ische Gallerte mehr oder weniger verschwunden ist, indessen rich- 
tet sich ihre Beschaffenheit doch vorzugsweise nach den umhüllen- 
den Gesteinen, welche den zerstörenden Atmosphärilien und den 
Gewässern leichteren oder schwereren Eingang gestatten. Das 
nordische Eis erhielt Jahrtausende lang einen Mammuth mit dem 
Fleische, der Haut und den Haaren, und einem meiner Schüler 
ist es geglückt, eine aus Mammuthknochen bereitete Gelee so- 

*) Nach Lund's neuesten Entdeckungen in Brasilien, ist ihre Anzahl viel 
beträchtlicher. {London^ Edinburgh and Dublin philosophical Magazine. 
Vol. 24. p. 541.) 



ZWEIHANDER. 



3 



gar in Bezug auf ihre Schmackhafligkeit noch prüfen zu kön- 
nen 

Die ersten Spuren von Säugethieren , welche man Beutelthie- 
ren zuschreibt, wurden im Schiefer von Stonesfield, einer zur 
Juraformation gehörigen Bildung, entdeckt. In der Formation der 
Kreide hat sich bis jetzt noch keine Spur eines Säugethieres ge- 
zeigt; erst in tertiären Gebilden erscheinen sie wieder und zwar 
mit einem, namentlich in den untersten Schichten, von den For- 
men der jetzigen Schöpfung sehr abweichenden Charakter. Nach 
oben hin nehmen sie nicht nur an Zahl, sondern auch an Aehn- 
lichkeit mit den jetzt lebenden Formen immer mehr zu. Es scheint, 
dafs in der Tertiärzeit die gröfseren Dickhäuter die Oberhand ge- 
habt haben, denn sie zeigen sich hier in gröfserer Anzahl und 
Mannichfaltigkeit als in der jetzigen Welt. Die auf höherer Stufe 
stehenden Raubthiere sind in Europa wenigstens hier noch unter- 
geordnet und kommen meistens in jüngeren Bildungen vor. Für 
sie, so wie überhaupt für fossile Säugethierknochen , werden das 
Diluvium, die südeuropäische Knochenbreccie und vor Allem die 
Höhlen, immer die reichsten Fundgruben bleiben. 

1. Ordn. JBimana. Zweihänder. 

Der Mensch. 

Die Knochenhöhlen, deren man in Deutschland ^ Süd -Frank- 
reich, England und Schottland sehr viele kennt, ebenso wie die 
200 Höhlen Brasiliens, welche Lund ''■■'•') untersuchte, bergen aufser 
den Ueberresten fossiler Thiere nicht selten auch ganze Skelette, 
vereinzelte Knochen und bisweilen auch Kunstproducte von Men- 



*) Duflos fand einen Rhinozerosknochen von Egeln bestehend aus: 
72,50 phosphorsaurem Kalk mit geringer Spur v. Bittererde u. Thonerde, 
. 8,25 Wasser, nebst Spuren von organischer thierischer Materie, 

8,50 schwefelsaurem Kalk, 

6,50 kohlensaurem Kalk, 

1,50 Kieselsäure, 

1,75 Eisenoxyd. (Briefl. M'itth. des Prof. Germar.) 
Dr. Schmidt in Jena*) sowie Middleton und Daubeny**) wiesen die Existenz 
von Fluor fast in allen fossilen Knochen von Säugethieren, Reptilien und 
Fischen nach. 

,**) Edinburgh new philas. Journal by Jameson. 1844. p. 38. Leonh. Jahrb. 
an versch. O. 1840. p. 120. 1841. p. 492, 502, 606. 



') Briefliche Mittheilungen. 

'*) Lond. Ed. üubLphil. Mag. 1844. Fol. 25. p. 15, 122, 260. 



1* 



4 



SÄÜGETIIIERE. 



sehen. Diefs scheint ein klarer Beweis für die Sündfliith zu sein, 
über welche die heilige Schrift uns berichtet. Allein abgesehen 
davon, dafs diese Fluth eine mehr lokalere gewesen sein mag, 
als man gewöhnlich annimmt, und dafs Avir fossile Menschen viel 
eher in Asien, der Wiege der Menschheit, als in anderen Welt- 
theilen suchen müssen, so kann auch das Vorkommen von mensch- 
lichen Resten in Höhlen nicht allein jene Frage, ,,ob der Mensch 
nur der gegenwärtigen oder schon einer früheren 
Schöpfung angehöre,'"' entscheiden. 

Fafst man die Nachrichten in Bezug auf das Vorkommen an- 
geblich fossiler Menschen zusammen "'•') , so ergiebt sich , dafs bis 
jetzt noch kein Beispiel von einer Auffindung ihrer Reste 
aus Bildungen bekannt ist, welche älter als das Dilu- 
vium wären. 

Scheuchzer's homo diluDÜ testis oder Beingerüste eines 
in der Sündfluth untergegangenen Menschen, aus dem tertiären 
Schiefer von Oeningen, ward von Cuvier als das Skelett eines 
grofsen Salamanders erkannt; der versteinerte Reiter von Fon- 
tainebleau, welcher 1823 in Paris grofses Aufsehen erregte, wurde 
von der Pariser Akademie für eine zufällige Sandstein -Concretion 
erklärt; das angebliche Menschenbein aus dem alten Kalke von 
Sorau ■'••"') ist eine ebenso zufällige Biiduijg, und die häufig einem 
früheren gigantischen Mehschengeschlechte zugeschriebenen Knochen 
stammen, wie sich jedesmal bei genauerer Untersuchung ergab, von 
Mammuthen oder anderen grofsen Landsäugethieren, bisweilen auch 
von Wallfischen her. 

Die Auffindung wirklicher Menschenskelette im KalktulF und 
Travertino, welche immer jünger als Diluvium waren, kann nur 
beweisen, dafs auch in gegenwärtigen Zeiten sich festere Kalk- 
gesteine noch bilden können, und das Erscheinen von Menschen- 
schädeln in dem Torfe von Flandern und Modena '"'■' •) kann die 
obschwebende Frage am allerwenigsten erledigen. 

Das Vorkommen menschlicher' Ueberbleibsel in Höhlen wurde 
leider selten mit gehöriger Sorgfalt beobachtet, und wenn es ge- 
schah, so zeigte es sich, wenigstens in Frankreich f), dafs die- 

*) Buckland, rcliquiae diluvianae ; Hermann v. Meyer, Palaeologica, 1832. 
Keferstein , die Naturgeschichte des ErdkÖrpers, 1834. Germar, in schrift- 
lichen Mittheilungen. Pictet, traite elem. de Paleontologie, 1844 u. A. 

**) Lausitzische. Magazin v. d. Oberlaus. Ges. d. Wiss. Bd. 13. 
Leonh. Br. Jahrb. 1839. p. 124. 

-}-) Pictety tr. el. de Pal,] 



zvveiiiXnder. 5 

seihen nicht mit Thierknochen vermengt waren, sondern auf ihnen 
lagen. 

Meistens mochten diese Hohlen Zufluchtsorte oder Begräbnifs- 
plätze jener Menschen, deren Skelette wir in ihnen noch linden, 
gewesen sein, und es ist jedenfalls das Wahrscheinlichste, dafs 
derartige Skelette viel später in dieselben gelangten als die der 
wirklichen fossilen Thiere. Die Raubthiere mögen früher diese 
Höhlen längere Zeit bewohnt haben , was oft nicht bezweifelt wer- 
den kann, oder ihre Knochen, mit Knochen anderer Thiere und 
zugleich mit Gerollsteinen , durch Diluvialfluthen erst in dieselben 
geführt worden sein. Ebenso hatten auch die Menschenknochen, 
welche, mit Knochen vorweltlicher und jetztweltlicher Thiere zu- 
sammen, in Lehmausfüllungen von Spalten bei Köstritz im Reufs- 
ischen aufgefunden wurden, bestimmt erst späteren Einfluthungen 
diese Nachbarschaft zu danken. 

Alle andere Auflindungen von Knochen, welche die Existenz 
der Fraeadamlten beweisen sollten und welche in verschiedenem 
Lichte schon gründlich beleuchtet worden sind, liefsen das, was 
man beweisen wollte, immer noch unentschieden, und ebenso wenig 
können die auch von Koch in dem bunten Sandsteine Amerikas 
und in dem Kalksteine ''"*) an dem Ufer des Missisippi im Staate 



*) Nach Mittheiliiiigeii von Mrs. Koch setzen die Eingeborenen Ame- 
rikas ihre entseelten Verwandten häufig in Höhlen oder Gräben bei. 

**) Einem Briefe des Herrn Dr. Koch entnehme ich hier folgende Worte: 
„St. Louis, den lö.Dec. 1844. Die Fufseindrücke in Felsen bei Sulphur-Springs 
in Jefferson-County sind nicht künstlich gemacht, sondern wirkliche Fufs- 
eindrücke mehrerer verschiedener lebender Geschöpfe. Die gröfsten und 
tiefsten sind von der Länge und Gestalt derer eines grofsen Mannes, welche 
von einem unbekannten Wasserthiere herrühren mögen. Andere gehören einer 
grofsen Reiher Art an und sind den im bunten Sandsteine des östlichen 
Amerikas vorkommenden ganz ähnlich. Kleinere Fufstapfen endlich, welche 
theilweise in die der gröfsesten getreten waren, zeigten mit Fufseindrücken 
eines Menschen von 13 und von ^4 Jahren eine so täuschende Aehnlichkeit, 
dafs die drei hiesigen testen Aerzte nicht zu sagen wagten, dafs dieselben 
nicht menschliche Fufseindrücke seien. 

In der Entfernung von 20 Schritten etwa sah ich ähnliche Eindrücke 
des grÖfseren Geschöpfes noch einmal, und ungefähr 7 engl. Meilen von hier 
entfernt oder 1 engl. Meile von Herculanum glückte es mir, 2 Eindrücke 
eines vierzehigen Thieres zu bemerken. Letztere mögen jenem Thiere an- 
gehören, von welchem ich dicht bei ihnen und in demselbeu Gesteine, wel- 
ches nicht Bergkalk ist (wie Silliman meint, Amcric. Journ. of Science 1842), 
sondern vielmehr der oberen silurischen Formation (?) angehört, einen volU 
ständigen fmmerus auffand." 



6 



SAUGETHIERE. 



Missouri, beobachteten Fufstapfen, wenn sie auch wirklich von 
Menschen herrühren sollten, etwas über das gröfsere Alter unseres 
Geschlechtes entscheiden. Kalkige Gesteine, wie diefs der Pläner- 
mergel von Sachsen selbst zeigt, ebenso sandige Bildungen, kön- 
nen, wenn sie thonhaltig sind, durch längere Berührung mit Was- 
ser sö erweicht werden, dafs sie leicht Eindrücke in sich auf- 
nehmen. 

Blan stellt endlich auch noch einen anderen Grund für das 
Vorkommen antediluvialer Menschen auf: „Wie ist es möglich,'' 
hörte ich oft sagen, ,,dafs die Welt so lange ohne den Men- 
schen, für welchen sie allein nur geschaffen wurde, bestanden 
haben soll?" 

Bezeugen aber solche Worte nur menschliche Eitelkeit, wel- 
che dem Thiere gern alle geistige Thätigkeit absprechen möchte, 
um sich desto höher zu stellen, so läfst sich dagegen, auf die Er- 
fahrung gegründet, mit noch viel gröfserem Rechte antworten, dafs 
es Gesetz der Natur sei, nach gröfserer Vollkommenheit 
zu streben. Diefs sehen wir nicht nur im Individuum, sondern 
auch in der Entwickelung ganzer Familien und Klassen, ja des 
ganzen Thierreiches. Jede Weltschöpfungsepoche hat ihre nur in 
ihr vorwaltenden Typen, welche in späteren Epochen durch andere 
von noch gröfserer Vollkommenheit wieder verdrängt wurden. Soll 
nun unsere jetzige Schöpfung die einzige Ausnahme von dieser, 
Regel sein, und ist es daher nicht viel wahrscheinlicher, dafs der 
Mensch erst bei dem jüngsten Akte der Schöpfung, als das voll- 
kommenste Geschöpf unseres Planeten, gleichsam als Krone des 
Ganzen, die Erde betrat? 

9. Ordn. ^uadrumana. Vierhänder. 

Die erste Spur eines fossilen Affen war ein 1837 in den 
tertiären Bildungen der Siwalik - Berge , am Fufse des Himalaya, 
durch Backer und Durang entdecktes Bruchstück eines Oberkie- 
fers '•). Dieser hatte einige Aehnlichkeit mit dem des Schlank- 
affen, Semnopithecus ^ Cuvier, liefs jedoch auf eine Gröfse dieser 
Affenart von der des Orangutangs schliefsen. Bald darauf fanden 
Cautley und Falconer in jenen Gegenden auch ein fossiles Affen- 
Sprungbein auf, welches in Gröfse und Form dem des Semno- 
pithecus Entellus glich. 



*) Wagner, in Wiegmanan's Archiv f. Naturgeschichte. 5. Jahrg. 1. Bd. 
p. 171. 



vierhander. 



7 



Fast zu gleicher Zeit wies Lartet in tertiären Schichten bei 
Auch, im Dep. du Gers, Bruchstücke von Vierhändern nach, unter 
welchen eine Kinnlade einen, dem noch lebenden Siamang, Eylobales 
syndactylus ^ nahe verwandten fossilen Affen andeutete, der von 
Blainville den Namen Pithecus antiquus erhielt. 

In den gelehrten Anzeigen der k. baierschen Akademie der 
Wissenschaften, 1839. No. 38 ■^'), beschreibt Wagner das fossile 
Schädelfragment eines Affen, welches aus den jüngsten tertiären 
oder diluvialen Ablagerungen an dem Fufse des Pentelikon, in 
Griechenland, stammt. Die Art, zu der diefs Fragment gehörte, 
scheint in der Mitte zwischen Hylobates und Semnopithecus ge- 
standen zu haben, wefshalb sie von Wagner t Mesopithecus 
penteliciis genannt wurde. Dieser Affe besafs ^ höckerige Backen- 
zähne, T grofse Eckzähne und f Schneidezähne, wie es allen 
AfFen der alten Welt zukommt. Dem Gibbon oder Hylobates 
näherte er sich durch die kurze Schnauze, eine sehr breite Na- 
senöffnung und den starken Vorsprung der unteren Augenhöhlen- 
wand über den Kiefertheil, dem Semnopithecus Maurus und prui- 
nosus aber durch die Gestalt seiner Zähne. 

Von einer anderen Art, welche Owen zur Gattung Macacus 
bringt, wurden Backenzähne in dem Londonthone von Kyson, in 
Suffolk, gefunden ''"^'). 

Auch Affen der neuen Welt, oder Breitnasen, wel- 
che nur in Amerika leben und sich von denen der alten Welt 
schon durch einen Backenzahn mehr auf jeder Seite der Kiefern 
leicht unterscheiden, wurden durch Lund in den Höhlen Brasiliens 
entdeckt. 

Sie werden durch mehrere Arien repräsentirt, wovon eine, 
i Protopithecus Brasiliensis^ von 4' Höhe, einer neuen fossi- 
len Gattung angehört, 

Callithrix primaevus mehr als doppelt so grofs als ihre heu- 
tigen Geschlechtsverwandten, die Sapajou's, war '^•')? und 

Cebus macrognathus dem lebenden Winsel- oder Rollschwanz- 
affen nahe verwandt war. 

Die dritte Familie der Quadrumanen, die Krallenaffen oder 
Uistitis, mit f Bck., wird durch die ausgestorbene Art Jacchus 
grandis^ Lund, aus den Höhlen von Brasilien, welche die dop- 



*) Wagner, in Wlegmann^s Archiv f. Naturg. 5. Jahrg. 1. Bd. p. 171. 
♦*) Pictet, Pal. p. 130. 

Leonh. Br. Jahrb. 1840. p. 125. 



8 



SAUGETHIEBE. 



pelte Gröfse der lebenden Arten übertraf *), und J. penicillato 
affinis vertreten. 

3. Ordn. €Mroptera. Handflüg^ler. 

Ihre langen vorderen Gliedmafsen sind mit den Hintergliedern 
durch eine Flughaut verbunden, über welche nur die Krallen der 
Zehen hervorragen. Den Vordergliedern, welche sich durch die 
sehr langen Finger auszeichnen, fehlen öfters die Krallen, dem 
Daumen jedoch nie. Ihr Gebifs ist verschieden, doch haben sie 
meistens alle drei Arten von Zähnen. Es sind meist nächtliche 
Thiere mit kleinen Augen, grofsen Ohren, mit Brustzitzen und gro- 
fsen Ohrmuscheln. Einige haben starke Schlüsselbeine. 

Seit sich ergeben hat, dafs die Fterodaktylen des Solenhofer 
Schiefers zu den Reptilien gehören, sind keine älteren fossilen 
Fledermäuse bekannt als die aus tertiären Bildungen. 

Vespertilio Linne. Fledermaus. 

An den Vordergliedern ist nur der Daumen bekrallt. Vdz. 
Bckz. f. 

V. murinus L., die in Deutschland so gewöhnliche Art, erwähnt 
Karg unter den Versteinerungen von Oeningen, und sie scheint wenigstens 
der Linne'schen Art verwandt gewesen zu sein. 

V. Parisiensis Cuv. , das von Cuvier erkannte Exemplar einer 
Fledermaus, aus dem tertiären Gypse des Montmartre, gleicht an Gröfse, an 
Zahl und Form seiner Zähne der V. serotinus Daub. ''•'). 

In den Lehmausfüllungen der Spalten im Gypse bei Köstritz, in 
Knochenhöhlen bei Baireuth, Lüttich (nach Schmerling zu Rhino- 
lophus Cuv., der Hufeisennase, gehörend), in Devonshire, in Sar- 
dinien, im Gouvt. Tomsk (nach Fischer v. Waldheim) '''''''^') und in 
Brasilien (nach Lund) t) hat man Theile von Fledermäusen gefun- 
den, welche mit jetzt noch lebenden Arten gröfse Aehnlichkeit 
zeigen. 

Die europäischen gehören meistens zu Vespertilio^ 5 brasilianische Ar- 
ten zu der in Südamerika noch jetzt verbreiteten Gattung Phyllostoma 
Geoffroy, oder den Blattnasen, mit ^ Vdz., wozu auch der Vampyr gezählt 
wird, und eine wurde von Lund als Molos sus Cuv. (Dysopus III.) bestimmt. 



*) Leonh. Br. Jahrb. 1840. p. 741. 
♦*) Leonh. Br. Jahrb. 1843. p. 854. 

de Blamville im L. Br. Jahrb. 1843. p. 854. 
J-) L. Br. Jahrb. 1840. p. 125; 1841. p. 495. 



HANDFLLGLER. FLEISGHFRESSER. 



9 



Reste von Fledermäusen wurden von Owen ''■) in dem Roth - Crag 
von Suffolk mit denen von Quadrumanen und Beutelthieren zugleich erkannt, 
und H. V. Meyer •^'"0 findet in 2 Knochen aus dem tertiären Becken von Mainz 
grofse Aehnlichkeit mit dem Daumengliede einer Fledermaus. 

4. Ordn» Carnivora. Fleiischfreisiser. 

Ihre Zehen sind bekrallt, ihre Backenzähne nach ihrer Nahr- 
ung verschieden. 

A, Insectivora. Insektenfresser. 

Es sind kleine, meistens unterirdische Thiere, deren Vorder- 
glieder zum Graben bestimmt und defshalb mit einem Schlüssel- 
beine versehen sind. Da sie von Insekten und Würmern leben, 
so sind ihre Eckzähne nur klein und die Backenzähne mit vielen 
spitzen Höckern bedeckt. Die Schnauze ist gewöhnlich rüssel- 
artig verlängert. 

Ihre Existenz beginnt erst mit den mittleren Schichten der 
Tertiärformation. 

1. G. Erinaceus L. Igel. Herisson, 
Vrdz. f, die mittleren länger; Eckz. klein; Bckz. 
E. arDernensis Blainv., aus einem Süfswasserkalke, und 
E. soricino'ides Blainv., aus den Schichten von Sansans bei Auch, 

mit 1 Vrdz. mehr als der gewöhnliche Igel, gehören beide den mittleren 

tertiären Bildungen an 

E. fossilis Schmerling, aus den Knochenhöhlen bei Lüttich, war 

dem gemeinen Igel, E. europaeus^ sehr ähnlich t). 

2. G. Centetes Iiiiger. Tanreck. Borstenigel. Tenrec. 
Vrdz. f; Eckz. i; Bckz. |-. 

C. antiquus BL, aus dem mittleren tertiären Süfswasserkalke der 
Auvergne, ist nach einem halben Kiefer bestimmt, dessen Zahnbildung von 
der des auf Madagaskar noch lebenden Tanrecks nur durch das Vorhanden- 
sein eines siebenten Backzahns abweicht ff). 

3. G. Sorex L. Spitzmaus. Musaraigne. 
Vdz. %; Bckz. 

Ein Kiefer aus tertiären Bildungen von Sansans bei Auch zeigt grofse 

*) L. Br. Jahrb. 1843. p. 372, 629. 
♦*) L. Br. Jahrb. 1843. p. 389. 

Pictet, Pal. p. 141. 
f) Keferstein, Ntg. d. E. p. 208. 
-}"{-) Pictet, Pal. p. 142. 



10 



SÄUGETHIBRE. 



Aehnlichkeit mit der gemeinen S., S. araneus, Reste von Spitzmäusen aus 
der Knochenbreccie Sardiniens, aus den Höhlen von St.Macaire und bei Lüt- 
tich und aus den Spaltausfüllungen bei Köstritz, stimmen gleichfalls mit 
lebenden Arten fast überein ). 

4. G. Mygale Cuv. Rüsselmaus, Desmau. 

Vdz. i; Bckz. V*. Füfse mit Schwimmhäuten. 
Ein Oberarmknochen von Sansans hat nach Pictet grofse Aehnlichkeit 
mit dem der an den Pyrenäen noch lebenden Bisamratte. 

5. G. Talpa L. Maulwurf. Taupe. 

Vdz. ^; grofse Eckz. ; J Bckz.; Vorderpfoten, deren Zehen 
etwas verwachsen sind, mit 5 Krallen. 

Pictet führt 3 Arten aus tertiären Bildungen der Auvergne und von 
Sansans an, worunter T. antiqua und T. minuta Bl. nach Oberarmknochen 
bestimmt sind. Reste von Maulwürfen in den Spaltausfüllungen von Köstritz 
und den Höhlen von Frankreich und Belgien, lassen sich nicht von denen 
des gemeinen M., T. europaea, unterscheiden und mögen später dorthin ge- 
kommen sein. 

B. Ferae, Raubthiere. Eigentliche Fleischfresser. 

Es sind die gröfsten und gefährlichsten Räuber der Thier- 
welt, wie sich diefs schon in ihrem Gebifs zeigt. Starke und 
gekrümmte Eckzähne ragen weit über die 6 Vorderzähne jedes Kie- 
fers hervor. Ihre Backenzähne sind schneidend oder mit stumpfen 
Höckern versehen. 

Die den Eckzähhen zunächst stehenden sind spitz oder zusammenge- 
drückt, und heifsen f als c h 6 Backenzähne oder Lückenzähne, weil 
sie mehreren fehlen, auf diese folgt der grofse, mit mehreren Spitzen und 
meist mit einem Höckeransatze versehene Fleisch- oder Reifs zahn. 
Die letzten 1 — 2 höckerigen Backzähne, welche zum Kauen dienen, heifsen 
Mahlzähne. 

Vereinzelt finden sie sich zuerst in tertiären Gebilden, wäh- 
rend das Diluvium und die Höhlen an ihnen so reich sind. Auf- 
fallend ist es, dafs sie, nach Dr. Koch's Mittheilungen, in den 
Knochen führenden Schichten Nordamerikas gänzlich zu mangeln 
scheinen. 

a. Sohlengäng^er. 

Sie treten mit ihrem ganzen Fufse auf. Ihre Füfse haben 
5 Zehen und Krallen. 



♦) H. V. Meyer, Pal. p. 126. 



FLEISCHFRESSER. 



11 



1. G. Ursus L. Bär. Ours. (Taf. IV. Fig. 1. 2. 3.) 

Die starke Entwickelung der zahlreichen Höcker auf den hin- 
teren Backenzähnen zeigt (Fig. 2.), dafs diese Thiere auch gern 
vegetabilische Nahrung zu sich nehmen. Es sind im Allgemeinen 
sehr plumpe Thiere, deren Gliedmafsen kürzer und breiter gebaut 
sind als bei anderen Raubthieren. Ihr Kopf verlängert sich in 
eine stumpfe, vorragende Schnauze. Backenzähne findet man bei 
ihnen f bis f, da die Lückenzähne leicht ausfallen. Die Eck- 
zähne haben hinten eine Längskante, sind ohne Furchen, und ihre 
Wurzel ist viel länger und stärker als die Krone, die aus dem 
Kiefer hervorragt. 

U, spelaeus Blumenbach. Höhlenbär. Espece ä front bombe 
Cuv. — H. v. Meyer, Pal. p. 45. — Taf. IV. f. 1 nach Br. Leih. tb. 45. f. 1; 
und Taf. IV. f. 2, 3 nach Jäger, foss. Säugeth. Würtemb., 1839. tb. 12. 
f. 2, 3, 4, 20. 

Der Schädel des Höhlenbär's wird 16'' — 18'' lang, mithin etwa um 
länger als der des braunen und schwarzen Bär's, und zeichnet sich be- 
sonders durch das plötzliche Abfallen der Stirn nach der Nasenwurzel herab 
aus. Im Ganzen war diese Art etwas schlanker und gröfser, als unsere 
jetzigen Bären es sind. 

Zwar kommen Reste davon auch ausnahmsweise im tertiären Kalke bei 
Gmünd vor, und man kennt dieselben aus verschiedenen diluvialen Bildungen, 
indefs findet man sie nirgends häufiger' als in den Knochenhöhlen von 
' Deutschland, England und Frankreich. Bronn berichtet in der Lethaea 
p. 1280, dafs die Menge der Knochen von Individuen jeden Alters, die man 
in einigen Höhlen beisammen findet, auf viele Hunderte von Individuen 
schliefsen lassen, welche theils gleichzeitig, theils in aufeinander folgenden 
Generationen dort gewohnt, ihre animalische Beute dort eingetragen haben 
und endlich dort gestorben sind; dafs durch das öftere Ein- und Ausgehen 
dieser Thiere nicht selten sogar die engeren Durchgangsstellen der Höhlen 
geglättet wurden; dafs aber einige Höhlen auch unzweideutig zeigen, wie 
sie durch spätere Einfluthungen mit derartigen Knochen sich angefüllt haben. 

U. arcto'ideus Blum. — Esptce ä front plus plat Cuv. — H. 
V. M., Pal. p. 46. — Pictet, Pal., p. 149. 

Von der Gröfse des Eisbären, war er übrigens dem braunen Bär sehr 
ähnlich und unterscheidet sich von dem Höhlenbär, dessen Grösse er nicht 
erreichte, durch eine weniger gewölbte Stirn und eine gröfsere Entfernung 
des Eckzahnes von dem ersten Backzahn. 

Man findet ihn mit diesem zusanmien in den Höhlen, doch ist er weit 
seltener als jener und kann schon defshalb nicht als das weibliche Indivi- 



12 



SAÜGETHCERE. 



(luuni des Höhlenbären, wie de Blainviile meint, betrachtet werden. Eher 
würde er nur eine Varietät davon sein. In Knochenhöhlen von Franken, 
Bize, Lunel - Vieil, Salleles. 

U. priscus Goldfufs. — Espece ä petü cräne Cuv. Seine Stirn 
ist vollkommen flach, an Gröfse glich er dem braunen Bär. 

Man fand ihn in der Höhle von Gaylenreuth in Franken; 

U. arvernensis Croizet et Jobert. — Fielet, Pal. p. 151. Von 
der Gröfse des braunen Bärs, mit fast flacher Stirn und einer schmä- 
leren Schnauze als bei allen anderen fossilen Arten, ist er im sandi- 
gen Diluvium am Puy-de-Döme aufgefunden worden. 

Aufser einigen anderen Arten, deren Bestimmung noch nicht als 
ganz zuverlässig betrachtet w erden kann , zeigt Milne - Edwards ein 
Schädelbruchstück eines Bären aus einer Knochenbreccie von Oran in 
Algerien an, und Lund den U. brasiliensis aus Höhlen Brasiliens. 

t 2. G. Amphiarctos Blainviile. Sivalours. 

Diefs Geschlecht, wovon nur eine Art, A. Simlensis^ Caut. 
u. Falc, von der Gröfse des Ursus spelaeus aus den Siwalik-Ber- 
gen in Ostindien, bekannt ist, unterscheidet sich von den Bären 
nur durch den Mangel des einen ihrer drei Höckerzähne. 

3. G. Nasua Storr. Coati Cuv. Nasenthier. 

Bck. f (Lückz. 1 oder f). In Süd-Amerika lebend. 

Lund fand Reste einer Art in den Höhlen Brasiliens, früher 
erkannte Cuvier ihre Existenz in der Knochenbreccie von Nizza 
und die eines ihnen verwandten Thieres im tertiären Gypse von 
Montmartre. 

4. G. Meies Storr. Dachs. Blaireau. 
Bck. f oder i (| Lückz.). 

Die hiervon in verschiedenen Knochenhöhlen Frankreichs auf- 
gefundenen Ueberbleibsel scheinen von dem gemeinen Dachse {M. 
taxus oder vulgaris^ Ursus meles L.) kaum verschieden zu sein. 

5. G. Gulo Storr. Yielfrafs. Glouton. 
Bckz. t oder i. 

G. spelaeus Goldf. — Glouton fossile Cuv. Bei aller Aehn- 
lichkeit mit dem noch lebenden G. borecdis unterscheidet sich die fossile 
Art, nach Germar, durch etwas beträchtlichere Gröfse, stärker vortre- 
tende Jochbeine und eine verhältnifsmäfsig längere Schnauze. Der Un- 
lerkiefer ist weniger hoch und das Kinnloch {Foramen mentale) steht 
etwas weiter nach vorn, zwischen dem 2ten und 3ten Zahne. 



FLEISCHFRESSER. 



13 



In den Höhlen von Gaylenreuth, von Sundwich bei Iserlohn und 
nach Germar im Diluvium von Egeln mit Mammuth- und Rhinoceros- 
Knochen. 

G. diaphorus Kaup, Karst. Archiv. Bd. 5. p. 150. tb. 2. f. 
1, 2. Atl. d. oss. f. Iwr. 2. ib. 1. f. 1, 2, früher G, antediluvia- 
nus Kaup, aus dem tertiären Kiese von Eppelsheim, unterscheidet sich 
durch die enorme Gröfse seines letzten Backzahnes von dem leben- 
den und dem fossilen Vielfrafs. Dieser Zahn ist viel länger als breit, 
vorn breiter als hinten; seine vordere Hälfte trägt einen breiten Höcker, 
und die hintere ist einfach gerundet. Pictet möchte diese Art mit 
Amphicyon vereinigen. 

Jedenfalls aber verbindet sie mit den folgenden Gattungen 
die bärenartigen und hundeartigen Thiere. Allmählig verändert 
sich bei ihnen die Zahl der Höcker auf den hinteren Backenzähnen, 
während der Fleischzahn an Entwickelung zunimmt und dessen 
Höckeransatz sich verkleinert '^'). 

6. G. Yiverra L. Zibeththier. Civette Cuv. 

Ein lang gestreckter Leib, kurze Beine, f Bckz., von denen 
4 Lckz., X Fleischz. und f Höckerzähne sind, zeichnen ihr Ske- 
lett besonders aus. 

Man kennt hiervon nur wenige fossile Arten aus der Ter- 
tiär- und Diluvialzeit. 

V. (Genetta) Parisiensis Cuv., aus dem Gypse von Mont- 
martre, war der im südlichen Frankreich noch lebenden Geuettkatze 
ähnlich. 

V. antiqua und V. zibetto'ides Bl., aus der Auvergne und 
von Sansans, mochten der asiatischen Zibethkatze sehr nahe stehen, 
allein 

V. gigantea Bl. , aus dem Süfswasserkalke von Soissonnais, 
hat die Gröfse grofser Hyänen erreicht. 

Man kennt aufserdem noch fossile Viverra- Reste aus Bengalen 
und Neuholland. (H. v. Meyer, p. 49 u. Pictet p. 171.) 

t 7. G. Falaecyon Blainv. Arctocyon Blainv. (^nalaiog , alt; 

y,v(x)v j Hund.) 

Als P, primaevus Bl. , (Pictet, Pal. pag. 156. PI. 4. f. 1.), 
bezeichnet Blainville einen Kopf aus einer alten tertiären Schicht von 
La Fere. Durch seine niedergedrückte Form nähert er sich den Phoken 
und Fischottern. Die Schnauze ist kurz und etwas abgestutzt. Im 



*) Pictet, Pal. p. 154. 



14 



SXÜGETHIBRE. 



Oberkiefer stehen 3 Lückenzähne, 1 sehr starker Fleischzahn und 3 
grofse, höckerig-e Mahlzähne. 

t 8. G. Agnotherium Kaiip. (uyvwg, unbekannt; wildes 

Thier.) 

A. antiquum Kaup, Atlas des Ossements foss, Uvr. 2, Ib. l. f. 3, 4. 
Hiernach ein Eckzahn und Backzahn Taf. II. Fig. 8, 9. Tertiär von 
Eppelsheim. 

Sie treten nur mit den Zehen auf. 

Die hier folgenden hundeartigen Thiere haben einen Kopf mit 
vortretender Schnauze. Ihre schneidenden Backenzähne, die sehr 
kleinen Höckeransätze an den Fleischzähnen und ^ grofse höcker- 
ige Mahlzähne zeigen , dafs sie sowohl thierische als vegetabil- 
ische Nahrung zu sich nehmen. 

9. G. Catiis L. Hund. Fuchs. Wolf. 

Bckz. f (Lückz. f). Vorderfüfse mit 5, Hinterfüfse mit 4 
Zehen. Die fossilen Arten erscheinen mit dem Anfange der ter- 
tiären Epoche und gehen bis in die jetzige Schöpfung. 

C, viverroides Bl. (Pictet p. 161), mit den zwei höckerigen Mahl- 
zähnen der Hunde und einem spitzen, wenig zusammengedrückten Fleisch- 
zahne der Zibetthiere , zu denen es von Cuvier auch gestellt wurde, scheint 
einen Uebergang zwischen beiden Gattungen herzustellen. 

Im tertiären Gypse von Montmartre. 

C. Parisiensis Cuv. (Pictet p. 161), eine dem Polarfuchse (C 
lagopus L.) sehr verwandte Art, gehört dem Gypse von Mont- 
martre an. 

C, spelaeus Goldf. Höhlenwolf. — Loup ou chien fossile Cuv., 
H. Y. Meyer, Pal. p. 49. — Keferst. II. p. 195. — Taf. IV. f. 5. 
der fünfte untere linke Backenzahn. Er ist von dem lebenden Wolfe 
wohl kaum zu unterscheiden. 

Man kennt ihn aus dem Lehme von Cannstadt, den Knochenhöh- 
len von Franken, England, Frankreich und der Knochenbreccie von 
Sardinien. 

C. spelaeus minor Wagner. Höhlenfuchs. — v. Meyer, Pal. 
p. 49. — Keferst. II. p. 195. 

Reste von Füchsen, welche dem gemeinen C. vulpes L. wahr- 
scheinlich zuerkannt werden müssen, fand man in dem tertiären 
Schiefer von Oeningen und in mehreren Knochenhöhlen von Deutsch- 
land, England und Frankreich. 



FLEISCHFRESSER. 



15 



C. familiaris fossilis v. Meyer, Pal. p. 49. Kefersl. II. p. 194. 

Auch der Haushund ist aus den Knochenhöhlen von Deutschland, 
Belgien und Frankreich und aus der Knochenbreccie bekannt. 

Aus den mittleren tertiären Bildungen am Rheine, aus den ober- 
sten tertiären Schichten der Auvergne wurden von Kaup,von Croizet 
und Jobert und aus den Höhlen Brasiliens durch Lund noch einige, 
Füchsen und Wölfen ähnliche Arten entdeckt. 

t 10. G. Speothos Lund. (anlog ^ Höhle; ^kiVy laufen.) 

Von den Hunden nur durch den Mangel des einen höckerigen 
Backzahns und durch eine etwas w^eniger verlängerte Schnauze 
unterschieden. Lund fand S. pacwora in Höhlen Brasiliens mit 
zahlreichen Knochen der Pakas zusammen. 

11. G. Amphicyon Lartet. {u/nql^ ringsum; xvtov, Hund.) 

Es war, nach Pictet, ein grofser Fleischfresser, welcher sich 
durch die Zahnbildung den Hunden sehr näherte. Bckz. f (Lückz. 
f,T Flschz. mit schwachem Höckeransatze, f Mahlz.). Nur der 
letzte Mahlzahn hat durch seine Kleinheit Aehnlichkeit mit dem 
der bärenartigen Thiere, mit welchen diese Thiere auch den we- 
niger verlängerten Kopf und den schwerfälligen Körperbau ge- 
mein hatten. 

A. major Bl., womit nach Blainville wahrscheinlich Canis gi- 
ganteus Cuv. (Oss. foss. 4e ed. VII, 481 nach Pictet) zusammenfällt, 
stammt von Sansans bei Auch. 

A. minor, Bl., ebendaher, nur ^ gröfser als der Dachs. 

12. G. Hyaenodon Layser. {Eyaena; odcbv, Zahn.) 

Im Unterkiefer stehen 3 höckerige Backzähne, von denen der 
letzte der gröfste ist und durch seine schneidige Form sehr an 
den Fleischzahn der Hyänen erinnert. Eine solche Form an dem 
letzten Zahne kommt in der jetzigen Schöpfung nicht mehr vor. 
Uebrigens sind y Bckz. (| Mahlz., i Flschz., |Lckz.), j- Eckz. 
und f Schdz. vorhanden. 

H. leptorhyncus Layser, Compt. rend. VII. p. 1004, ist nach 
einem Unterkiefer aus den tertiären Gebilden der Auvergne und H, 
brachyrkynchus Blainv., Compt. rend X. 134, nach einem ganzen Kopfe, 
der an der Tarn gefunden worden war, bestimmt. 

Mit dieser Gattung vereinigt Pomel die Gallungen Taxothe- 
rium und Pterodon de Blainville (Jahrb. 1845. p. 124). T. Pari- 



16 



SÄÜGETHIERE. 



siense stammt aus den ältesten Tertiiirgebilden von Paris. (Pictet, 
tb. 4. f. 2.) 

13. G. Hyaena Brisson. Hyäne. Hyene. 

Bckz. I (i Lckz.). Alle Füfse mit 4 Zehen. 

Die Hyänen, welche bekanntlich gegenwärtig nur Afrika und 
das südliche Asien bewohnen, erscheinen in Europa bei Beginn 
der tertiären Epoche und waren in der Diluvialzeit häufig in Deutsch- 
land, Frankreich und Belgien zu finden. 

H. spelaea Goldf. — Höhlenhyäne. y. Meyer, Pal. p. 50. — 
Keferst., p. 213. — Pictet, p. 180. — Taf. IV. f. 4. a. b. 

In ihrer Zahnbildung den noch lebenden Hyänen sehr ähnlich, 
übertraf sie dieselben an Gröfse. 

Sie ist die gewöhnlichste unter den fossilen Arten. Im Diluvium 
von Westeregeln bei Magdeburg, Köstritz, Cannstadt, Eichstädt, Abbe- 
ville, Valdarno u. a. 0. — in den Knochenhöhlen von Gaylenreuth, 
Lunel-Vieil, Pondres, Sundwich, Kirkdale u. a. 0. und nach von Meyer 
in der tertiären Muschelnagelflue des Moliereberges. 

In den Höhlen haben sich nicht selten sogar noch die Excre- 
mente von ihr versteinert erhalten, und nach Bronn pflegen da, wo 
Hyänen -Reste einigermafsen zahlreich sind, die von Bären zu ver- 
schwinden. 

H. Perrieri Croiz. et Job., ausgezeichnet durch einen zwei- 
lappigen Höckeransatz an dem Fleischzahne, übrigens der gefleckten 
Hyäne ähnlich und 

H. arvernensis Cr. et Job., welche der gestreiften Hyäne 
sich nähert, sind dem tertiären Sande in Puy de Dome entnommen, 
und, während Cautley und Falconer aus den oberen tertiären Gebil- 
den am Himalaya Hyänen nachwiesen, wurden sie durch Lund aus Bra- 
siliens Höhlen bekannt. 

14. G. Felis L. Katze, Luchs, Leopard, Panther, Tiger, 
Jaguar, Löwe u. s. w. 

Ihr starker, gedrungener Körperbau, der sich besonders in 
dem rundlichen Kopfe ausspricht , verbunden mit grofser Biegsam- 
keit, macht die katzenartigen Thiere zu den stärksten und zugleich 
gewandtesten aller Raubthiere. Sie haben auf jeder Seite des Kie- 
fers einen Backzahn weniger als die Hyäne, also f Bckz., von 
denen -| Lckz. sind. Nur der obere der sehr grofsen Fleisch- 
zähne ist mit einem sehr kleinen Höckeransatze versehen, und nur 
in dem Oberkiefer steht dahinter noch ein kleiner höckeriger 



RAUBTHIERE. 



17 



Mahlzahn, im Unterkiefer fehlt dieser gänzlich. 5 Zehen an den 
Vorderfüfsen und 4 an den Hinterfüfsen zeichnen durch ihre zu- 
rückziehbaren Krallen sie besonders noch aus. 

In der früheren Welt traten sie zuerst in der mittleren Ab- 
theilung des Tertiärgebirges auf, waren in der Diluvialzeit aber 
von einer noch gröfseren Entvvickelung als die der jetzigen Zeit. 

Aus dem tertiären Sande von Eppelsheim bestimmte Kaup 
3 Arten: 

F. aphanista Kaup, (Karst. Arch. Bd. 5. p. 152. tb. 2. f. 
3 — 5; Atl. aux Oss. foss. livr, 2. tb. 2. f, 1.), glich dem Löwen 
und der F. spelaea am mehrsten. 

F. ogygia Kaup, (Karst. Arch. Bd. 5. p. 156. Ib. 2. f. 6 — 8; 
Atl. aux Oss. f. livr. 2. tb. 1 f. 6. u. tb. 2. f. 3.), war dem Cuguar 
(F. concolor) oder dem Gepard (F. jubata) an Gröfse gleich. 

F. antediluviana Kaup, (Karst. Arch. Bd. 5.- p. 157. tb. 2. 
f. 9 — 12; Atl. aux Oss. f. livr. 2. tb. 2. f. 5.), war beinahe von 
der Gröfse der vorigen, allein von schlankerer Geslalt. 

Lartet fand 2 Arten von Katzen zu Sansans. 

F. arvernensis Croizet et Jobert, welche die Gestalt des männ- 
lichen Jaguar hatte. 

F. pardinensis Cr. et Job., ähnlich dem Cuguar, 

F. brevirostris Cr. et Job., von der Gröfse des Luchses, 

F. issidoriensis Cr. et Job., etwas kleiner als der Leopard und 

F. megantereon Bravard (Pictet, Pal. p. 184), stammen aus 
dem Sande in der Auvergne. 

Die letzte Art zeichnet sich dadurch besonders aus, dafs ihr 
dritter Schneidezahn viel gröfser ist, als bei allen anderen Katzen- 
arten. Ebenso ist das Kinn mehr verlängert und das Kinnloch 
steht weiter unten als bei anderen Arten. 

Bravard errichtete, auf diese Charaktere fufsend, dafür seine 
Gattung Stenodon^ und Kaup vereinigte diesen ganz ähnliche Zähne 
zu seiner neuen Gattung Machai rodus^ {(nd/uiQa^ Schlachtmes- 
ser; odovg, Zahn.). (Pictet^ Pal. p. 185.) 

M. cultridens Kaup, Atl. aux Oss. foss. livr. 2. tb. 1. f. 5. 
(Vgl. H. V. Meyer p. 128 über Felis (Ursus^ cultridens). 

F. spelaea Goldf. — Höhlenlöwe. — Chat fossile grande 
espece Cuv. — H. v. Meyer, Pal. p. 52. Keferst. II. p. 209. 

Der Höhlenlöwe war dem lebenden Löwen sehr ähnlich, über- 
traf ihn jedoch an Gröfse und näherte sich in seinem Kopfbau etwas 
dem Panther. Goldfufs beschrieb ihn zuerst aus den Muggendorfer 

Geinitz, Vcrsteiticrun^skuudc, 2 



18 



SÄITGETHIERB. 



Höhlen; seine Reste finden sich häufig in vielen Knochenhöhlen von 
Deutschland, England und Frankreich. 

F. antiqua Cuv., der sich dem Tiger sehr näherte, ward ans 
den Höhlen von Gailenreuth bekannt. 

Aus Indien sind durch Cautley und Falconer, aus den Höhlen 
Brasiliens durch Lund noch mehrere Arten bekannt gemacht worden, 
welche den gröfseren, noch lebenden Katzenarten mehr oder weniger 
ähneln. 

t 15. G. Cynailiirus Wagler, (xvcov, Hund; aiXovQog^ Katze), 
mit der amerikanischen Art C. minutiis Lund, schliefst sich an 
die Katzen eng an und ist nur als Untergattung von Felis zu be- 
trachten. Kleiner noch als die Hauskatze, unterscheidet sie sich 
von allen anderen Geschlechtsvervvandten durch den gänzlichen 
Mangel eines inneren Höckeransatzes an dem oberen Fleischzahne. 
(Pictet, p. 187.) 

16. G. Mustela L. Marder, Iltis, Wiesel. Marte, Putois. 

Zierliche Thiere mit langgestrecktem Leibe, kurzen Beinen 
und einem Höckerzahne hinter jedem Fleischzahne. 

M. pl est Otis Layser, aus den oberen tertiären Schichten am 
Fuy-de-Döme, 

M. genetto'ides Blainv., von Sansans, (Pictet p. 174) und 
M. martes fossilis (ßelette Cuv.; Keferst. p. 221), aus den 
Muggendorfer und Lütticher Höhlen, sowie aus dem Diluvium von Genf, 
ähneln durch f Bckz. (J Lckz.) den eigentlichen Mardern, während 
M. antiqua v. Meyer p. 54. (^Putois. Cuv.; Pict. p. 175) aus den 
Höhlen des südlichen Frankreichs, besonders von Lunel-Vieil, aus denen 
von Lüttich und Kirkdale durch f Bckz. (§ Lckz.) sich mehr dem 
Iltis nähert. 

17. G. Mephitis Cuv. Stinkthier. Moufette. 
Vor der Auffindung einer Art in den brasilianischen Höhlen 
durch Lund, kannte man noch keinen fossilen Repräsentanten die- 
ser Gattung. 

18. G. Lutra Ray. Fischotter. Loutre. 

• Ein dicker, platter Kopf mit f Bckz. (f Lckz.), kurze Beine, 
deren fünf Zehen durch Schwimmhäute verbunden sind, machen 
diese Gattung leicht kenntlich. 

L, antiqua v. Meyer, p. 55, aus den Knochenhöhlen von Lunel- 
Vieil, und den Bohnerzgruben von Würtemberg (Jäger, foss. Säug. 
Würt. tb. 3. f. 25, 26), scheint etwas stärker als die gemeine Fisch- 
otter gewesen zu sein. 



ROBBEN. BEUTEL THIERE. 



19 



L. clermontensis führt Fielet p. 176 aus der Auvergne an. 

L. Valletoni GeofF. St. Hilaire, aus dem Süfswasserkalke 
von St. Geran (Dep. Allier), diente dem Entdecker zum Typus der 
(nach Pictet p. 176) noch nicht hinreichend charakterisirten 

19. G. Potamotherium G. St. Hil. (norainbg, Flufs; d-ri^lov wildes 

Thier.) 

C. Pinnipedia* Schwimmfüfser, Robben. 

Ihr ganzer Bau ist vorzugsweise zum Schwimmen bestimmt, 
wefshalb ihre hinteren Beine einander genähert und nach hinten ge- 
richtet und die Zehen aller vier Fiifse durch Schwimmhäute ver- 
bunden sind. Sie haben alle drei Arten von Zähnen und sind, 
ihrer Zahnbildung nach, ächte Fleischfresser. 

Die wenigen fossilen, noch nicht genauer bestimmten Arten, 
welche man bisher von ihnen gefunden hat, beschränken sich auf 
die beiden Geschlechter Phoca L., Robbe, Phoque^ und Tri- 
chechus L., Wallrofs, Morse. 

t 

5. Ordn. JfKarsupialia. Beuteltliiere* 

Zwei platte Knochen, zur Stütze eines häutigen Beutels oder 
zweier Hautfalten an dem Ende des Bauches, welche die Saug- 
warzen des Weibchens umgeben, sind für sie charakteristisch. 

Bestätiget sich die jetzt allgemeine Annahme, dafs die in 
dem Schiefer von Stonesfield aufgefundenen Unterkiefer Beutelthie- 
ren angehören, womit sie auch nach Owen's neuesten Untersuch- 
•ungen am meisten übereinstimmen, so lebten Thiere dieser Ord- 
nung schon zur Zeit der Jura -Epoche, und sie sind die ältesten 
Repräsentanten der Säugethiere. Nach Agassiz aber erinnern diese 
Reste ebenso gut auch an Wassersäugethiere. (Br. Leth. p. 543.) 

a. Fleischfressende Beuteltliiere. 
1. Gatt. Didelphys L. Beutelratte. Sarique. 

Eine amerikanische Gattung, mit V Vdz. , grofsen Eckz. und 
y spitzhöckerigen Bckz.; welche schon in den ältesten Zeiten der 
Tertiärbildungen in Europa gelebt hat, wie die aus dem Gypse des 
Montmartre bekannte Art 

D. Cuvieri, (v. Mey. p. 56), welche der in Brasilien leben- 
den D, murina am mehrsten gleicht, und eine von Owen beschriebene 
Art von Suffolk es herausstellen. 

Die Existenz dieser Thiere in Brasilien, welche Lund in mehreren 
fossilen Arten aus dem Diluvium und den Höhlen nachwies, ist weniger 
auffallend. 

2'' 



20 SXüGETIIIERE. 

t 2. G. Phascolotherium Broderip. ((fdoxcoXogf Mantelsack; 
d-riQinv, wildes Thier.) 

Unterkiefer mit 3 Lckz. und 4 wahren Bckz. 
Ph. Bucklandi Brod. — Didelphys aus dem Oolith von Stones- 
field. Buckl. Geol. PI. 2. Fig. A. Hiernach Taf. III. f. 13. 

t 3. G. Thylacotherium Owen. Heterotherium oder Am- 
phitherium Blainv. (d^vXaxog, Beutel; d^rj^lov , wildes Thier.) 

Unterkiefer mit 6 entfernten Schneidezähnen, 1 mittelgrofsen 
Eckzahn, 6 Lückenzähnen und 6 dreizackigen Backenzähnen. 

T. Prevostii Cuv. Didelphys (?) Prevostii v. Meyer p. 55. — 
Fielet, Pal. 17. f. 1, 2. 

T. Broderipii Owen. — Pictet, Pal. 17. f. 3. 

Alle drei stammen aus dem Schiefer von Stonesfield. 

Von den beiden in Neu -Holland noch lebenden Gattungen, 
Dasyurus GeolFr. und Thylacinus Temm., kennt man Reste 
in den Knochenbreccien und in den Höhlen jenes Welttheiles. 
(Pictet, p. 331.) 

b. Fruchtfressende Beuteltliiere. 

Die zugleich auch fossilen Gattungen Halmattirus III. (Ma- 
er opus Shaw., Känguruh), Hypsiprytnnus HL, das Hacken- 
thier oder die Känguruh-Ratte und Phascolomys GeofTr., der Wom- 
bat, als einziger Repräsentant der wurzelfressenden Beute 1- 
thiere, scheinen auch früher ihr jetziges Vaterland nur inne ge- 
habt zu haben, denn von ihnen finden sich fossile Reste nur in 
den Knochenhöhlen und der Knochenbreccie Australiens. 

6. Ordn. Giires. ]¥a§;etliiere. JRongeurs. 

Mit ihren beiden langen, meifselförmigen Vorderzähnen in 
jedem Kiefer, welche auf ihrer äufseren Seite mit Schmelz bedeckt 
sind und von der hohlen Wurzel aus nachwachsen, benagen und 
zerfeilen sie die oft harte vegetabilische Kost, welche sie zu sich 
nehmen. Zu diesem Zwecke kommt ihnen die eigenthümliche Be- 
wegung des Unterkiefers von hinten nach vorn zu Statten. Da 
die Eckzähne fehlen, so ist zwischen Vorderzähnen und Backen- 
zähnen eine grofse Zahnlücke. Aufserdem befördern noch quer- 
stehende Falten und Höcker auf der Oberfläche der Backenzähne 
die Zerkleinerung der Nahrung. Füfse meist fünfzehig und bekrallt. 

Sie waren in der Vorweif seltener als in der jetzigen an- 
zutreffen. 



NAGElillEKE. 



21 



1. G. Sciurus L. Eichhörnchen. Ecureuil. 

Mit f Bckz. und spitzen, zusammengedrückten Schneidezäh- 
nen. Die im Gypse von Montmartre, in Spalten bei Köstritz und 
in einigen Höhlen aufgefundenen Knochen von Eichhörnchen lassen 
noch keine nähere Bestimmung zu. 

2. G. Spermophilus Cuv. Ziesel. 
Mit y Backenzähnen. 

S. sup er ciliar is KauT^^ welche von Fielet zu ylrc^om^s, dem Mur- 
melthiere, gerechnet wird, aus dem Sande von Eppelsheim, ist die ein- 
zige fossile Art. 

3. G. Myoxus Schb. Siebenschläfer. Haselmaus. Loir. 

Mit t- Bckz.; Vorderfüfse wie hei den Eichhörnchen, mit 4 

Zehen und einem Daumenstummel. 

Man kennt 2 fossile Arten aus dem Gyps des Montmartre, eine dritte, 
M. primig enius v. Meyer (p. 61), Arctomys primigenius Raup, 

aus dem Sande von Eppelsheim, und ßl. spelaeus fand Fischer in 

Rufsland. 

4. G. Dipus Gmel. Gerbillus Desm. Merioiies lllig. Spring- 
hase. Springmaus. Schenkelmaus. Gerboise. 

Diese jetzt meistens in Afrika und Asien vorherrschende Gatt- 
ung wiefs Jäger in den Bohnerzgruben von Würtemberg und Fi- 
scher in Rufsland nach. 

5. G. Lagostomus brasiliensis Lund. 

Aus den Knochenhöhlen Brasiliens, am mehrsten der in den 
Ebenen von Buenos-Ayres häufigen Viscacha gleichend. 

t 6. G. Megamys d'Orb. (/m'yag, grofs; f.ivg, Maus.) 

Mit einer tertiären Art aus Palagonien, welche nur auf eine 
tibia und eine rotula gegründet ist. (Fielet, p. 194.) 

Einige andere, zum Theil in Amerika noch lebende Gattungen, 
welche in ihrer Form den Ratten gleichen, J Bckz. haben und 
sich durch die spitze Verlängerung der hinteren Ecke des Unter- 
kiefers auszeichnen, lebten in Europa während der Terliärzeit. 
V. Meyer und Fielet führen von ihnen auf: 

t 7. G. Archaeomys Layser (aQ/^aTog^ alt; itivc^ Maus.) 
mit 1 Art aus Süfswassergebilden der Auvergne; 



22 



SAÜÜETHIERE. 



8. G. Aulacodon Temm. («vlag, Furche; oScbv, Zahn.) 

wovon Luiid eine Art aus Brasiliens Hohlen als Nelomys sulcidens 
bezeichnete; 

9. G. Nelomys Jourdan (v7]Xt7jg, grausam; fivg^ Maus.) 
mit einer Art aus Brasiliens Höhlen; 

10. G. Loncheres Iiiig. (ßcUmys Geoffr.) Stachelratte, 

aus Brasiliens Höhlen und aus tertiären Süfswasserschichten der 
Auvergne und 

t 11. G. Lonchophorus Lund, 

eine der vorigen verwandte Gattung, mit einer Art, aus den Höh- 
len Brasiliens. 

12. G. Mus L. Maus. Ratte. Rat. 

Sowohl in den Knochenhöhlen als in den Knochenbreccien 
Europas, Brasiliens und selbst in Indien werden Theile von Ske- 
letten gefunden, welche denen noch lebender Ratten und Mäuse 
sehr ähnlich sind. Eine Art aus dem Schiefer von Oeningen soll 
der Hausmaus gleichen. 

13. G. Cricetus Fall. Hamster. 

Eine tertiäre Art aus dem Sande von Eppelsheim nennt Kaup 
C. vulgaris fossilis. 

14. G. Hypudaeus III. Arvicola Lacep. Lemnus Link. Wqs- 
sermaus. Feldmaus. Lemming. Campagnol. 

Früher, wie jetzt noch, ebenso häufig als die Mäuse, werden 
mehrere Arten von ihnen in den Knochenhöhten von Deutschland, 
England, Frankreich und Belgien, so wie in der Knochenbreccie 
von Nizza, Corsica und Sardinien gefunden. 

t 15. G. Omegadon Pomel. 

Nach der Form der Schmelzfalten in den Backenzähnen so 
genannt. Tertiär im Puy-de-Döme. 

16. G. Castor L. Biber. Trogonterium Fischer. 

Die Schwimmhäute an ihren Hinterfüfsen zeigen, , dafs diese 
Thiere zum Leben am Wasser bestimmt sind. Schwanz nieder- 
gedrückt und mit Schuppen bedeckt. Bckz. |. 

Die Biber erschienen zuerst mit dem Ende der tertiären Epoche, 
und die ältesten Arten scheinen aus der Molasse der Schweiz, aus 



NAGETHIERE. 



23 



den sandigen Schichten im Puy-de-Dome und aus dem Crag von 
Essex zu sein. (v. Mey. p. 57.) Exemplare aus Torfmooren, die 
man hier und da fand, scheinen von noch lebenden Bibern wenig 
verschieden zu sein. 

C. spelaeus nennt Münster eine Art aus der Gailenreuther Höhle, 
C. Cumeri und C. Werneri^ woraus Fischer seine Gattung Trogontke- 
rium schuf, kamen aus dem Sande von Rufsland. Caulley fand einen 
fossilen Biber auch in den Siwalik- Bergen. 

17. G. Myopotamus Cuv. Bibermaus, i^ivg, Maus; noiafwc^ 

Flufs.) 

Nur durch einen cylindrischen Schwanz vom Biber verschie- 
den und an Flüssen Süd-Amerikas wohnend. 
1 Art in den Höhlen Brasiliens. 

t 18. G. Gergoveamy s Croizet. 

Neue Gattung aus dem Puy-de-Döme. 

t 19. G. Steneofiber Geoffr. {ot tvog^ eng; fiber^ Bibep.) 

Eine auf einen tertiären Schädel aus der Auvergne er- 
richtete Gattung, welche den Bibern verwandt gewesen zu sein 
scheint. Ebenso standen denselben sehr nahe: 

t 20. G. Falaeomys Kaup, (/rc/Ja/og, alt; f.ivg^ Maus.) 
t 21. G. Chalicomys Kaup (xuh'§, Kies; /nvg, Maus.) und 
t 22. G. Chelodus Kaup, früher Aulacodon typus Kaup, 
(...; dd(av, Zahn), 

welche Gattungen nach Kieferbruchstücken aus dem tertiären Sande 
von Eppelsheim bestimmt wurden. 

23. G. Hystrix L. Stachelschwein. Porc-epic. 

Bckz. I; Vorderfüfse mit 4 grofsen Grabkrallen, Hinterfüfse 
fünfzehig. Sie leben in Erdhöhlen der warmen Erdstriche. 

Von ihnen kennt man nur aus dem Diluvium des Val d'Afno und 
aus tertiären Sehichten am Himalaya fossile Reste. 

Hieran schliefsen sich nach Bietet: 

24. G. Synetheres F. Cuv. 
mit 2 fossilen brasilianischen Arten und 

t 25. G. Theridomys Jourdan. (ßi]QtSiov , kleines wildes Thier; 

[-ivg^ Maus.) 

mit 1 Art aus tertiärem Süfswasserkalke der Auvergne. 



24 



SAUGE rillEKE. 



26. G. Lepus L. Hase. Kaninchen. Lievre. 

Am Berge Perrier gefundene Knochen zeigen, dafs die Ha- 
sen in der letzten Zeit der Tertiärepoche erschienen. Zur Dilu- 
vialzeit waren sie häufiger, und man unterscheidet: 

L. diluvianus Cuv., welcher dem gemeinen Hasen sehr nahe 
stand, aus den Knochenhöhlen von Kirkdale, Sundvvich u. a. 0., 

L. priscus^ dem fossilen Kaninchen aus der Knochenbreccie 
in Corsica, bei Nizza, Cette und Westeregeln bei Magdeburg (Keferst. 
p. 215), und eine dritte der vorigen ähnliche Art ans den Höhlen 
von Lüttich und Lunel-Vieil. 

Die Höhlen Brasiliens bergen einen dem dort noch lebenden 
L. Brasiliensis ähnlichen Hasen. 

27. G. Lagomys Cuv. Pfeifhase. Hasenmaus. (Xayog^ Hase; 

{.ivq, Maus.) 

Wie die Hasen, mit denen sie auch zugleich vorkommen, mit 
% gefurchten Vorderz. u. f Bckz. 

•Die ältesten Reste scheinen die aus dem Oeninger Schiefer 
und am Puy-de-Döme zu sein. L. corsicanus Bourdet, aus der 
Knochenbreccie von Corsica und L. Sardus Wagner, aus der 
von Sardinien zeigen, dafs diese jetzt nur in Sibirien lebenden 
Thiere früher über ganz Europa verbreitet waren. 

t 28. G. Titanomys H. v. M. (L. Br. J. 1843. p. 390.) 

Mit einer tertiären Art von Weifsenau bei Mainz. 
29. G. CaviaL. AnoemaFr. Cuv. Meerschweinchen. Cohaye, 

Vorderfüfse mit 4, Hinterfüfse mit 3 Zehen , deren Nägel 
dick und hufartig sind. Bckz. |. 

Das bei uns jetzt einheimische M. stammt bekanntlich aus Bra- 
silien, wo auch einige fossile Arten durch Lund entdeckt wurden. 

Anoema Oeningensis König, ist eine noch zweifelhafte Art 
aus dem Schiefer von Oeningen. 

An diese Gattung schliefsen sich durch ihre hufartigen Nä- 
gel an: 

30. G. Kerodon F. Cuv. {yJQag, Horn; oöwv, Zahn.) 
mit 2 fossilen Arten aus Brasilien und Patagonien, 

31. G. Dasyprocta Hl. (SagvnQwxjog^ hinten dicht behaart.) 
Chloromys F. Cuv. Agouti^ 

mit einigen fossilen Arten aus Brasiliens Höhlen und einer, nach 
Pictet noch zweifelhaften, Art vom Puy-de-Döme, 



ZAHNLOSE. 



25 



32. G. Coelogenys F. Cuv. Paka, Backenthier, (xotXoc> 
hohl; ylvvQj Kinn.) 

nur in Brasilien, sowohl lehend als fossil und 

33. G. Hydroc hoeriis Briss. Wasserschwein, Cabiai^ 
(yöcoQ , Wasser; xoiQog, Ferkel.) 

wovon eine Art an den Flüssen Amerikas lebt und 2 Arten durch 
Lund in Brasilien entdeckt wurden. 

6. Ordn. Edentata. Zahnlose. 

Bruta L. Fischer. 

Die UnvoUkomraenheit ihrer Zähne, welche häufig auch fehlen 
oder die Wurzeln und das Schmelz entbehren (die Vorderzähne 
im Unterkiefer fehlen immer), grofse klauenartige, abwärtsgebeugte 
Krallen, welche meistens in einer Scheide stecken, und die Lang- 
samkeit ihrer Bewegungen stellen diese Thiere niedriger als die 
der vorigen Ordnungen. 

Sie leben vorzugsweise von Blättern, einige von Insecten 
oder von beiden zugleich und bewohnen in der jetzigen Well nur 
tropische Gegenden, besonders Süd-Amerika. Fossile Arten zeigen 
ihre Existenz während der Tertiär- und Diluvial -Epoche auch in 
Europa an. 

lieber die Phyllophagen oder die Blätterfressenden verdanken 
wir Owen, dem berühmten englischen Anatom, in neuester Zeit 
eine Monographie ■■^), aus welcher abermals hervorgeht, wie die 
in der jetzigen Schöpfung zwischen vereinzelten Formen bestehen- 
den Lücken durch Gestalten der Vorwelt ausgefüllt werden. 

Sie zeichnen sich durch das Vorhandensein weniger Zähne 
aus, welche aus einer gefäfsreichen und einer cämentartigen har- 
ten Zahnsubstanz bestehen, wovon die erstere den breiten, mitt- 
leren Theil des Zahnes einnimmt. Ein Fortsatz des Jochbeines 
steigt gegen den Unterkiefer herab. Schulterhöhe und Raben- 
schnabelfortsatz sind mit einander verwachsen. 

Die erste Familie, welche die Faul thiere oder die Tar- 
digrada umfafst, hat keinen Repräsentanten in der früheren Well. 



*) Description of the Skeleton of on extinct gigantic Sloth, Mylodon 
robustus Owen, by Richard Owen. London, 1842. und: Zoological Summary 
of the Extinct and Living Animals of the Order Edentata, by Prof. Owen 
in Jameson^s Edinburgh new philos. Journ. 1843. p. 353. 



26 



sXüGETHIERE. 



Dagegen war eine andere Familie, von ihrem schwerfälligen 
Gange Gravigrada genannt, welche durch ihre Charaktere die 
Faulthiere und die noch lebenden Edentaten mit längerem Kopfe 
verbindet, in gigantischen Gestalten sehr entwickelt. Ihre Beine sind 
kurz und stark, gleich oder fast gleich; Hände fünf- oder vier- 
zehig, Füfse vier- oder dreizehig; 1 — 2 abgestutzte äufsere Zehen 
zum Unterstützen und zum Schreiten, die übrigen gekrümmten zum 
Greifen bestimmt. Jochbogen geschlossen, Schlüsselbeine voll- 
kommen, Schwanz mittelgrofs, dick und zum Unterstützen bestimmt. 

t 1. G. Megalonyx Jefferson. (/.ifyug, grofs; ow'^, Klaue.) 

I'fast elliptische, in der Mitte der Krone ausgehöhlte Backen- 
zähne mit vorstehenden Rändern. Die Vorderbeine sind die länge- 
ren. Tibia und fibula sind von einander getrennt; die Ferse ist 
lang, zusammengedrückt und hoch, und die Krallen sind grofs 
und zusammengedrückt. 

M. Jeffersoni Cuv. (Megatherium Jeffersoni Desm., Fisch.) ist 
die einzige sicher bestimmte Art, deren Gröfse etwa die eines grofsen 
Ochsen erreicht haben mochte und demnach die des gröfsten jetzt 
lebenden Edentalen um das Dreifache übertraf. Es gehört dem Dilu- 
vium oder noch jüngeren Gebilden von Nord- und Südamerika an. Die 
ersten Knochen davon wurden 1796 o' tief im Boden einer Höhle der 
Grafschaft Green Briar in West-Virginien aufgefunden. Döüinger wiefs 
es zuerst in Südamerika nach, Spix und Martius, sowie Lund fanden 
Reste von dieser oder einer neuen Art in den Knochenhöhlen Brasiliens. 

t 2. G. Megatherium Cuv. (j.ilyag, grofs; d^r^^iov, wildes Thier.) 

Mit |t an einander stofsenden, viereckigen Bckz., deren Krone 
queergefurcht ist; Hände vierzehig, Füfse dreizehig; die beiden 
äufseren Zehen sind abgestutzt. Von den grofsen, verschieden ge- 
stalteten Krallen sind die mittelsten Zehen zusammengedrückt und 
die gröfsten. Oberschenkel mit ungetheiltem Kopfstück, tibia und 
ßbula an beiden Enden zusammenhängend; astragalus oben an 
seiner vorderen Seite ausgehöhlt; die Ferse ist lang und dick. 

M. Cu viert Desm. — Bradypus giganteus Pander und <P Alton. — 
Riesenfaulthier. — Parkitison, Organ, rem. P. 3. P?. 22. 1. — 
Buckl. Geol. and Min. PL 5. — Dr. Leth., Tb. 44. f. 4. — Pictet, Pal. 
PL 5. 

Hiervon findet sich ein vollständiges Skelett in dem Museum von 
Madrid, welches 1789 3 Meilen südwestiieh von Buenos -Ayres entdeckt 
wurde. Ein zweites wurde 1795 in Lima, ein drittes in Paraguay 



ZAHNLOSE. 



27 



und verschiedene unvollständige spüler an verschiedenen Orten Ameri- 
kas aufgefunden, welche v^ohl alle ein gröfseres Alter als die der 
vorigen Gattung haben. Alle Zähne des Megatherium sind verhält- 
nifsmäfsig breiter als die von Megalonyx^ Mijlodon und ScelidoUierium. 

Das Madrider Skelett hat eine Länge von 12' und übertrifft eine 
Höhe von 6'. Nach Owen erreicht das Megatherium die Länge von 
18 engl. Fufs, vom Kopf bis zum Ende des Schwanzes, die Biegung 
des Rückens mit gemessen. Mit Megatherium-^GSi^n wurden öfters 
auch Theile eines knochigen Panzers gefunden, welche man lange für 
die Bedeckung der Megatherien gehalten hat, nach den Ansichten von 
Owen und Pictet würden dieselben aber eher von Glyptodon herrühren. 
Sellow brachte solche Panzer-Fragmente aus der Banda-oriental in Bra- 
silien nach Berlin, wo sie noch jetzt unter den Schätzen des dor- 
tigen Musei aufbewahrt werden. Sie wurden in den Abhandlungen 
der Berliner Akademie 1827, 1828 und 1834 von Weifs und d'Alton 
beschrieben und abgebildet. 

t 3. G. Mylodon Owen. {Orycterotherium Harlan.) (invXfjy 
Mühle; 0(5 wv, Zahn.) Taf. I. M. rohustus Owen. 

Von |- getrennten Backenzähnen ist der vorderste des Ober- 
kiefers fast elliptisch und von den übrigen mäfsig entfernt; die 
übrigen dreieckigen sind auf der inneren Seite gefurcht. Der 
vordere Zahn des Unterkiefers ist gleichfalls elliptisch, der vor- 
letzte viereckig und der letzte, welcher der gröfste ist, zwei- 
lappig. Die Beine haben gleiche Länge, die Hände sind fünfzehig, 
die Füfse vierzehig, an beiden der zwei äufseren Zehen abgestutzt, 
und die übrigen bekrallt. Die Krallen sind grofs, ungleich und 
halbkegelförmig. Das obere Ende des Schenkels zeigt einen Ein- 
druck von einem runden Bande; tibia und fibula sind getrennt; 
der astragalus ist oben auf der vorderen Seite flach und die Ferse 
lang und dick. Owen unterscheidet in seinem Prachtwerke über 
das Mylodon robustus drei Arten: 

M. Darwiniz Ow., von Darwin in Patagonien, 

M. Harlani Ow., (ßlegalonyx laqueatus Harlan^ Oryctolherium 
Missouriense Harlan) von Koch in Benton- County in Nordamerika ent- 
deckt und später von Parkinson aus dem Oregon -Staate beschrieben und 

31. robustus Owen, worüber der englische Anatom das oben 
angezeigte vortreffliche Werk schrieb. Es unterscheidet sich von 
M. Darwinii durch ein kürzeres Kinn und dadurch, dafs der letzte 
Zahn dreifurchig ist, von M. Harlani aber dadurch, dafs die mittlere 
dieser Furchen gerundet und der 2te Backzahn fast dreiseitig ist. 



28 



SAUGBTIHERE. 



Das auf Tafel I. abgebildete Skelett mifst von dem vorderen 
Ende des Kopfes bis zu dem Ende des Schwanzes, wenn man den Krümm- 
ungen der Wirbelsäule folgt, 11 engl. (10,32 Par.) Fufs. Der Kopf 
des Mylodon ist länger aber schmäler als der eines Ochsen, und endet 
in eine abgestumpfte Schnauze. Der Rumpf ist kürzer als der eines 
Flufspferdes, und das Becken gleicht an Breite dem eines Elephanten, 
welches es an Tiefe sogar noch übertrifft. Dieses ruht auf starken 
aber kurzen Hintergliedern, die mit rechtwinkelig dagegen stehen- 
den Füfsen enden, welche die Länge des Oberschenkels erreichen. 
Man sieht, wie dieselben vorzugsweise zum Unterstützen des ganzen Thie- 
res bestimmt waren, wozu auch zugleich der lange kräftige Schwanz 
mit beitrug, während das Thier mit dem vorderen Körper sich an 
den Bäumen emporrichtend, dieselben entblätterte. Zu diesem Zwecke 
mochten die Vorderfüfse ihm theils als Stütze, theils zum Herablangen 
eines frischen, mit üppigen Blättern bedeckten Zweiges gedient haben. 
Jedenfalls ist aber die frühere Ansicht , nach welcher das Mylodon ein 
kletterndes Thier gewesen sein soll, durch Owen gründlich widerlegt 
worden. 

t 4. G. Scelidotherium Owen. Piatony x Lund. (oxtkig, 
Schinkenbein; d^riQiov, vt^ildes Thier.) 

Bckz. J, die oberen dreieckig; von den unteren ist der vor- 
dere dreieckig, der zweite und dritte etwas zusammengedrückt, 
auf seiner äufseren Seite gefurcht, und der letzte sehr grofs und 
zweilappig. Der Kopf des Oberschenkels zeigt den Eindruck eines 
stielrunden Bandes; tihia und fihula sind getrennt; astragalus 
vorn mit 2 Aushöhlungen; Ferse lang und dick, Krallen grofs 
und halbkegelförmig. 

S. leptocephalum Ow., welches grofse Thier in Südamerika lebte; 

S. Bucklandi (Megatherium B.) Lund, von der Gröfse des 
Megalonyx^ wurde wie die folgenden in den Höhlen Brasiliens entdeckt. 

S. Cuvieri (Meg. C.) Lund, von der Gröfse eines Ochsen und 

S. minutum {Meg» m.) Lund, von der Gröfse eines Schweines. 

An diese Gattungen schliefsen sich folgende noch nicht ge- 
nau gekannten Gattungen an: 

t 5. G. Platyonyx Lund; (nXaxvg, platt; ovv'^y Klaue.) 
6. G. Coelodon Lund; (xoiXo^, hohl; oömv, Zahn.) 

nach Owen mit § Bckz., nach Fielet mit ^ Bckz., dessen einzige 
Art die Gröfse des Tigers hatte, und 



ZAHNLOSE. 



29 



7. G. Sphenodon Lund. (a(frjv^ Keil; oddv, Zahn.) 

Mit J Bckz., nach einer Art aus Brasilien von der Gröfse 
eines Schweines bestimmt. 

Die Gürtelthiere, welche die dritte Familie bilden und 
ihren Namen einem knochigen Panzer von Gürteln verdanken, un- 
terscheiden sich durch eine gröfsere Anzahl von Backenzähnen, 
eine verlängerte Schnauze und kürzere Füfse von den übrigen 
Edenlaten. Sie sind jetzt nur auf Südamerika beschränkt, hatten 
indefs in der Diluvialzeit auch eine viel nördlichere Verbreitung, 
t 8. G. Glyptodon Ow. (ylvTizög, geschnitten; oScov, Zahn.) 

Ihre f Bckz. nähern sich durch ihre Structur denen der Ar- 
madille, sind aber auf beiden Seiten mit zwei tiefen Längsfurchen 
versehen. Die massiven Füfse haben kurze und niedergedrückte 
Klauenglieder; durch den abwärtsgehenden Theil des Jochbogens 
ist es den megalherienartigen Thieren noch sehr verwandt. 

G. clavipes Owen (Pictet, p. 228. tb. 8. f. 1.), die einzige 
Art, mochte nur \ so grofs sein als das Megatherium und lebte 
in der Diluvialzeit in Nordamerika. 

Dieser Art werden nach Pictet jene Panzerfragmente zuge- 
schrieben, welche bei MegaÜierium p. 27 Erwähnung fanden und von 
Weifs auf Taf. 2. F. 4 — 6 abgebildet worden sind. Diese Pan- 
zer bestehen aus etwa l^' breiten und sehr dicken, meistens sechs- 
seitigen Stücken, welche mit breiten, rosettenförmigen Rändern 
an einander gränzen und auf ihrer unteren (inneren) Fläche flach 
vertieft sind. 

t 9. G. Hoplophorus Lund. {onlov, Waffe; cpoQtoj, tragen.) 
Mit einigen Arten aus Brasilien, etwa von der Gröfse eines 
Ochsen, nähert er sich durch das abwärtsgehende Ende des Joch- 
bogens und die plumpe Gestalt den Megatherien, durch seine ver- 
kürzten Füfse aber dem Glyptodon und war, wie diese Gattung, 
mit einem ähnlichen Panzer bedeckt. (Pictet, p. 229.) 

t 10. G. Pachytherium Lund. {na^vg, dick; d^r^Qiov, 

wildes Thier.) 
Ist nur unvollkommen gekannt, 
t 11. G. Chlamydotherium Lund, früher Oryctotherium 
(X^a/Avg, ein Reiterrock; d-tiqiov^ wildes Thier.) 
In der Bildung der Knochen und des Panzers, sowie auch 
durch das Vorhandensein kleiner Schneidezähne dem Armadill ähn- 



*) Später brauchte Harlan diesen Namen für einen andern Edentaten 



30 



SXUGETHIBRE. 



lieh, durch die Backenzähne aber an die Faulthiere und Mega- 
therien erinnernd, bildet es mit seinen 2 brasilianischen Arten, 
wovon die eine an Gröfse dem gröfsten Rinozeros gleicht, einen 
Uebergang zu der jetzt noch lebenden Gattung: 

12. G. Dasypus L. Gürtelthier, Armadill, Tatu, 

von welcher Lund mehrere in Brasilien gefundene fossile Arten 
anführt, die den dort noch lebenden Arten ähnlich sind. 

Die aus dem Sande der Auvergne citirte Art und D. maxirms 
und antiquus^ 2 grofse fossile Arten aus Nordamerika, gehören, nach 
Pictet, wohl zu anderen Gattungen. 

t 13. G. Euryodon Lund. (^tvQvg breit; oöwv, Zahn.) und 

t 14. G. Heterodon Lund. (ezeQog verschieden; odwv^ Zahn.) 

weichen von Dasypus durch einige Veränderung in der Zahnbild- 
ung ab. 

Auch die Ameisenfresser oder Myrmecophaga fehlten 
nicht in der früheren Welt, und sie sind nach Pictet die ein- 
zigen Edentaten, von welchen man wahrscheinlich fossile Reste 
auch in Europa fand. Diese bestehen in einem Klauengliede aus 
dem tertiären Sande von Eppelsheim, welches von Cuvier einem 
gigantischen PangoUn (Schuppenthier, Manis L.) zugeschrieben 
wurde, nach Kaup jedoch vielleicht zu dem Deinotherium gehört 
und von Lartet mit einigen bei Sansans im Dep. du Gers auf- 
gefundenen Ueberbleibseln zu der 

t 15. G. Macrotherium Lartet dnuxQog^ grofs; d^ijQlov, 
wildes Thier.) 

erhoben wurde, deren Klauen demnach denen des Schuppenthie- 
res glichen und deren Zähne ohne Wurzeln und Email wie bei 
den Faulthieren waren. (Pictet, p. 233. tb. 8. f. 3.) 

t 16. G. Glossotherium Owen. (yXcuooa, Zunge; &7]Qhv, 
wildes Thier.) 

Ist nur nach dem oberen Theile eines Schädels aufgestellt 
worden, an welchem der scharfsinnige Anatom Beweise entdeckt zu 
haben glaubt, dafs die Zunge sehr entwickelt gewesen sei. Owen 
fand diesen Schädel in der Banda oriental. 



aus dem Missouri, welchen er 0. Missouriense nennt. (Leonh. Br. Jahrb. 
1843. p. 117.) 



DICKHÄUTER. 



31 



9. Ordn. IPachydermata. Oickliänter. 

(Vielhufer und Einhufer.) 

Wir sehen diese Ordnung während der Zeit der tertiären 
und diluvialen Bildungen in Europa eine hochwichtige Rolle spie- 
len. An Zahl und Mannichfaltigkeit und selbst auch an Gröfse 
die heut noch lebenden Typen bedeutend übertreffend, füllen die 
untergegangenen Geschlechter dieser Ordnung fühlbare Lücken aus, 
welche nicht nur zwischen einzelnen lebenden Gattungen, sondern 
zwischen ganzen Ordnungen der lebenden Säugethiere stattQnden. 

Sie erschienen in Europa gleich mit Beginn der Tertiär- 
epoche, also früher noch als die Raubthiere, deren späteres Auf- 
treten, wie Germar sehr pafsend bemerkt, schon das Vorhandensein 
einer gröfseren Anzahl von Thieren voraussetzte. Wollte man 
hieraus einen Schlufs für das Alter der knochenfiihrenden Bild- 
ungen Nordamerikas ziehen, in welchen, nach Koch, die Raub- 
thiere gänzlich zu fehlen scheinen, so würde es der sein, dafs 
jener Erdtheil erst später als die alte Welt von Säugelhieren be- 
völkert worden sei. 

1. Farn. Riisselthiere. 

Ein langer Rüssel, grofse Stofszähne, emailirle Backenzähne 
mit einer breiten Kaufläche, und fünf von einer dicken Haut um- 
hüllete Zehen an allen Füfsen, aus welcher nur die hufartigen 
Nägel hervorragen, sind Charaktere, welche die einzige noch le- 
bende Gattung dieser Familie, Elephant, mit den jetzt ausgestor- 
benen verwandten Geschlechtern gemein zu haben scheint. 

1. G. Elephas L. Elephant. 

Die Backenzähne bestehen aus verticalen Leisten, von denen 
eine jede aus Knochensubstanz und aus einer dieselbe umgeben- 
den Schicht von Email gebildet ist, welche durch ein steini- 
ges Cäment mit einander verbunden sind. Diese Zähne, welche 
sich durch das Kauen, und zwar vorn am mehrsten, bedeutend 
abnutzen, werden durch neue, von hinten hervortretende, wieder 
ersetzt, so dafs man auf einer Seite des Kiefers bald einen Zahn, 
bald zwei Zähne antrifft. Ueber die Bildung dieser Zähne s. wei- 
ter unten bei Mastodon. 

E. primigenius Blumenb. Mammuth. Mammont. — H, 
V. Mey.^ Pal. p. 64. — E. mammonteus Cuv. Fischer, Oryctogr. du Gouv. 
de Moscou. 1837. tb, 1. — Eichwald, de Pecorum et Pachyderm. comm., 
Act, Ac. C. Leop. Not. Cur. Vol. 17. tb. 52. Hiernach Taf. l\. Fig. 
2, in ^ natürlicher Gröfse. 



S2 



SÄUGETIHERE. 



Der Mammuth war wenig gröfser als der noch lebende asiatische 
Elephant, w elchem er übrigens auch am nächsten verwandt war. Wesent- 
liche Unterschiede von diesem finden sich jedoch in dem Bau seines 
Kopfes. Es liegt nämlich der Jochbogen gegen die Längenaxe des 
Kopfes viel schiefer, und der Unterkiefer ist vorn gerundeter und 
stumpfer als bei dem lebenden Elephanten. Die Backzähne sind aus 
einer gröfseren Anzahl von Leisten zusammengesetzt, die Höhlungen, 
in welchen die Stofszähne safsen, sind tiefer, und die Stofszähne selbst 
sind länger und ihre Krümmung macht, anstatt in eine Ebene zu fallen, 
eine schwach spiralförmige Biegung. 

Ein fast noch unversehrtes Mammuth wurde 1799 an dem Aus- 
flusse der Lena, in einer ungewöhnlich aussehenden Eisscholle ent- 
deckt. Das Eis schmolz in dem Laufe der Zeit darüber hinweg, 
- und es zeigte sich später, dafs man hier mit einem Mammuth zu 
thun habe, das noch mit Fleisch, Haut und Haaren bedeckt war. Als 
Adams 1806 das , was Füchse , Eisbären und andere Raubthiere da- 
von noch übrig gelassen hatten, sammelte, zeigte es sich, dafs diefs 
Thier ein kurzes, hellgelbes Wollhaar und ein braunes, 12 — 15 
Zoll langes, gerades Haar, welches letztere eine ölähne bildete, ge- 
tragen hatte. Das Skelett, welches aufser den Stofszähnen, die früher 
aus Unkenntnifs des kostbaren Fundes abgesägt worden waren und einer 
Beschädigung an dem einen Fufse vollständig ist, ziert jetzt das Pe- 
tersburger Museum. 

Ein glücklicher Zufall führte im Februar 1841 zu einer g^anz ähn- 
lichen Entdeckung, indem Motschulsky an den Ufern des Tas ebenfalls 
einen vollständigen Mammuth mit Fleisch, Haut und Haaren in der vom 
Wasser losgespülten, gefrorenen Erde auffand, wovon die Reste durch 
die Bemühungen des Staatsrathes Ladyschevsky nach Tobolsk geschafft 
worden sind. Darin soll sogar der Magen mit einigen zurückgeblie- 
benen Nahrungsstoffen noch erhallen gewesen sein. (Leipz. Zeit. 1843, 
No. 121.) 

Aus der Körperbedeckung dieses Thiercs geht aber hervor, dafs der 
Mammuth nicht für ein warmes , sondern für ein kaltes Klima bestimmt 
war, wofür auch die ungemein häufigen Reste sprechen, welche in 
nördlichen Gegenden, besonders in Sibirien, davon aufgefunden wor- 
den. Stofszähne sieht man dort so häufig, dafs man annehmen kann, 
dafs -y des im Handel vorkommenden Elfenbeines von Mammuthen her- 
stamme. Darüber aber, dafs diese Thiere wirklich in jenen Gegenden ge- 
lebt haben und nicht erst durch Wasserfluthungen hingeführt seien, läfst 
die gute Erhaltung der Knochen und ganzer Skelette kaum einen Zweifel 
mehr übrig. 



DICKHÄUTER. 



33 



1817 entdeckte Kotzebue Mammiithknochen in den im atlantischen 
Meere umhergetriebenen Eisschollen. Ueberhaupt aber gehören die Reste 
der Mammuthe zu den häufigsten Erscheinungen im Gebiete des Diluviums. 

Man kennt sie aus Europa (Deutschland, England, Frankreich), 
Asien und Nordamerika. Je weiter nach Norden man vorschreitet, um 
so mehr nimmt, nach Koch's Mittheilungen, in Amerika das Mammuth 
vor allen anderen Zeitgenossen die Oberhand. Ausgezeichnete Fundgru- 
ben für Deutschland sind Thiede, Canstadt und Burgtonna. Germar 
fand Kiefern und Zähne bei Westeregeln und Halle, v. Braun bei Bern- 
burg *), V. Holger einen Backzahn bei Eggenburg in Oesterreich, Giocker 
in Mähren, und bei Gernsheim wurde 1844 aus dem Rheine ein Unter- 
kiefer gefischt. Sein Gewicht betrug 53 Pfund, und ein Backzahn 
daran war 1' lang und sV' breit. (Nürnb. Corr. 206. 1844.) 

E. priscus Goldf. — v. Meyer p. 69. 

Er gleicht durch die rautenförmige Bildung der Schmelzleisten 
mehr dem afrikanischen Elephanten. 

Im Diluvium am Rhein, bei Thiede und Wittenberg. 

Es werden noch andere Arten genannt, deren Bestimmung in- 
dessen weniger sicher ist. 

Guyon sammelte fossile Reste von Elephanten in Algerien, und 
Cautley und Falconer in den jungen tertiären Schichten am Fufse des 
Himalaya. 

t 2. G. Mastodo n''-^) Cuv. Zitzen zahn. Mastotherium 
Fisch. (/LiaoTog, Zilie; döwv^ Zahn). 
Während die Backenzähne der Elephanten aus einzelnen mit 
einer Lage von Schmelz bedeckten Platten oder Leisten bestehen, 
welche durch einen steinigen Cäment {Crusta petrosa) zusammen 
verkittet werden, so zeigen die der mastodonartigen Thiere nur 
eine Knochensubstanz (Elfenbein), ihre Krone ist mit einer dicken 
Schmelzschicht und nur die Wurzel mit einer steinigen Schicht 
(Crusia petrosa '^'**) bekleidet, welche nach Koch dem Cämente 

*) Vergl. auch Gä'a v. Sachsen, p. 136. 

**) Ich folge bei der Auseinandersetzung der Gattungen Mastodon, Te- 
tracaulodon, Dinotherium und Missourium den Ansichten des Herrn Dr. 
Koch, welche derselbe vor seiner Abreise nach Amerika im Mai 1844 mir 
noch mitzutheilen die Güte hatte; denn diese Thiere sind es gerade, auf 
deren Studium der unermüdliche Koch die gröfste Sorgfalt verwendet hat. 
Die Richtigkeit der Koch'schen Ansichten wird auch durch Grant bestätigt. 
QLond. Dubl. Edinb. phil. Mag. 1843. p. 464.) 

***) Ueber die Zusammensetzung Aqx Crusta petrosa s. Bischoff in Leonh. 
Br. Jahrb. 1842. p. 147. 
Geiiiitz , Verateineriingskunde. 3 



I 



84 



SÄIGETHIERE. 



zwischen den einzelnen Leisten des Mammutlizahnes entspricht. 
Die Krone der ersteren Zahne hat im Querschnitte mehr eine ver- 
längert eiförmige, die der lertteren mehr eine verlängert viereckige 
Form. In Bezug auf das Hervortreten neuer Zähne befolgen beide 
dasselbe Gesetz. Es bilden sich nämlich die neuen Zähne in 
Kapseln, welche sich im hinteren Theile des Kiefers vorfinden, 
und treten sofort hervor, wenn die älteren Zähne durch den Ge- 
brauch nutzlos geworden sind und aus dem Kiefer herausfallen, 
so dafs es diesen Thieren, welche zu einem langen Leben be- 
stimmt waren, nie an dem nöthigen Gebisse fehlen konnte. 

Die Elephanten erhalten nach und nach auf jeder Seite des 
Kiefers 8, im Ganzen also S'2 Backenzähne, itlastodon und Te- 
tracaulodon aber 6, und im Ganzen daher nur 24. 

So lange der Elephant noch saugt, sind auf jeder Seite je- 
des Kiefers nur 3 Zähne vorhanden, von denen aber nur 2 sicht- 
bar sind, während der dritte in der Kapsel verborgen ist. Mit 
dem zunehmenden Alter erhält das Thier noch 5 andere Zähne ; 
immer jedoch findet man höchstens 2 auf jeder Seite in Gebrauch, 
da der nächstfolgende noch in der Kapsel eingeschlossen und in 
seiner Bildung begriffen ist. Aeltere Individuen lassen nur einen 
ausgebildeten Zahn auf jeder Seite des Kiefers erkennen. 

Mastodon und Tetracaulodon erhalten zuerst 2 Milchzähne, 
welchen mit zunehmendem Aller nach und nach 3 andere Zähne 
und im alten Zustande ein sechsler folgen. 

Bei Mastodon nehmen die Zähne an Gröfse zu, von dem 
ersten bis zum sechsten. Die Milciizähne sind vorn, die letzten. 
Zähne umgekehrt hinten am schmälsten. - Die Zähne des Ober- 
kiefers sind breiter und kürzer als die des Unterkiefers und haben, 
mit Ausnahme des M. Cuvieri^ eine Abtheilung weniger als die 
letzleren. Es zerfallen die Zähne nämlich in mehrere quere Haupt- 
abtheilungen, welche der Länge nach durch eine starke Vertiefung 
in eine doppelte Menge warzenförmiger Erhöhungen getrennt wer- 
den, denen auf der unteren Seite ebenso viele Wurzelenden ent- 
sprechen. Ebenso ist auch die Gestalt der Zähne des Tetra- 
caulodon^ welche Gattung wiederholt mit Mastodon vereinigt worden 
ist; Koch zeigte jedoch, dafs an dem hinteren Ende der Zahnkrone 
eines wirklichen Mastodon noch ein hackenförmiger Ansatz vor- 
handen ist, welchem gleichfalls ein Wurzelende entspricht. 

Mastodon hat nur im Oberkiefer 2 Stofszähne von Elfen- 
bein , die mit einer dünnen Lage der steinigen Kruste bedeckt 



DrCKflAUTER. 



35 



werden; Tetracaulodon hatte aber auch noch im Unterkiefer 
2 kleine Stofszähne. 

Mastodon giganteus Cuv. — Taf. II. Fig. 3. {\). — M. maximm 
Cuv. ; Mammonth Ohioticum Blumenb. ; Amerikanischer Mammuth; Ohio- 
Thier; Harpagmotlierium Canadense Fisch.; Fleischfressender Elephant 
Hunter. 

^ H. V. Mey. p. 70. — Br. Leth. p. 1235. tb. 44. f. 6. 

Die Krone seiner ersten beiden Milchzähne ist etwas länger als 
breit und zerfällt durch eine Längs- und eine Quer-Vertiefung in 2 zwei- 
warzige Haupterhöhungen, und an beiden Enden befindet sich daran 
noch der kleine höckerförmige Ansatz. Die 3 nachfolgenden Zähne 
zerfallen in 3, der sechste Zahn in 4 und im Unterkiefer sogar in 
5 zweiwarzige Hauplabtheilungen. Der höckerförmige Ansatz ist an 
dem letzten Zahne am gröfslen. 

Ein vollkommenes Skelett davon ist in Philadelphia, welches Koch 
untersuchte, und ein anderes in Baltimore. Es hat bei dem ersten 
Anblicke mit dem eines Elephanten grofse Aehnlichkeit, doch ist es 
noch robuster als jenes gebaut, indem alle einzelnen Knochen des Masto- 
don kürzer und dicker sind. Die Augen des Thieres waren klein, die 
Geruchsorgane hingegen sehr ausgebildet. Aus der Beschaffenheit der 
Zähne schliefst Koch, dafs seine Hauptnahrung in Baumzweigen, Rohr 
und anderen Pflanzen bestanden habe, welche es sich, wie der Elephant, 
durch seinen langen Rüssel verschafl'te. Diefs stimmt allerdings auch 
mit dem Vorkommen seiner Ueberreste, welche am häufigsten in einer 
sumpfigen Gegend des Staates Kentucky, welche den Namen Big-Bone 
Lick führt, gefunden werden, so dafs es wahrscheinlich einst die Moräste 
und Urwälder der vereinigten Staaten Nordamerikas, besonders Ken- 
tucky und Ohio, bewohnt hat. 

M. angustidens Cuv., v. Mey. p. 71.; Br. Leth. p. 1238. 

Die Zähne sind verhältnifsmäfsig viel schmäler und länger als 
die der vorigen Art; /der erste Milchzahn besitzt noch 2, der zweite 
hingegen schon 3 Hauptabtheilungen. Bei ihrer Abnutzung stellen die 
Warzen Flächen von der Form eines dreiblälterigen Kleeblattes dar. 

Man hat ihn öfters in tertiären Schichten des südlichen Frank- 
reichs, Deutschlands' und der Schweiz gefunden, nach Koch scheint 
aber sein Lieblingsaufenthalt Brasilien gewesen zu sein. 

M. longirostris Kaup, Atlas aux oss. foss. livr. 3. tb. 16 — 18. 
Hiernach: Taf. II. Fig. 4. (i). — Br. Leth. p. 1237. tb. 43. f. 5. — 
M. Avernensis Croiz. et Job. 

Diese Art mochte die Höhe von Ii' und die Länge von 18' erreicht 
haben. Ihre Backzähne waren noch schmäler als die der vorigen 

3^^ 



36 



SÄUGBTHIERE. 



Art, an der Krone in mehr Querabtheilungen zerlegt, und die ein- 
zelnen Warzen zeigten nach ihrer Abnutzung ähnliche Kleeblatlflächen 
wie bei der vorigen. 

In mittleren tertiären Bildungen von Eppelsheim bei Mainz, Georgens- 
gmünd, in jüngeren am Puy-de-D6me in der Auvergne und zu Sansans. 

Koch unterscheidet, aufser den von H. v. Meyer aufgeführten 
Arten, noch: 

M. Cuvieri Hays und M, rugadens Koch, eine noch un- 
beschriebene Art, welche beide aus der Nähe des Missouri stammen. 
Der Name der letzteren Art ist wegen der dichtstehenden kleinen Falten 
gewählt, welche das ganze Email überdecken. 

t 3. G. Tetracaulodon Godman. {rtTqa^ vier; xavXbg, Stiel; 

oöcov^ Zahn). 

Der vorigen Gattung höchst ähnlich, allein mit 2 kleinen 
Stofszähnen im Ober- und im Unterkiefer und Backenzähnen ohne 
einen hackenförmigen Anhang (s. u. Mastodon). Nach Koch ist 
der Unterschied beider Geschlechter auch durch mikroskopische 
Untersuchungen ihrer Fangzähne dargethan worden. Diese Stofs- 
zähne (Fang- oder Schneidezähne) tragen unverkennbare Spuren, 
dafs sie beim Wühlen zum Ausroden der Nahrungsmittel gebraucht 
worden sind. Von feinem Elfenbein gebildet, stecken sie fast 
bis zur Hälfte in der Kinnlade verborgen, so dafs sie mit grofser 
Kraftäufserung angewandt werden konnten, und sind an ihren freien 
Theilen, von der Mitte an bis zu dem äufsersten Ende, mit einer 
sehr dicken steinigen Rinde (crusta petrosa) bedeckt. Es scheint 
daher, als haben diese Thiere die früheren Binnenseeen und grö- 
fseren Flüsse bewohnt und an deren schattigen Ufern von den 
dort wachsenden Wurzeln, Knollen und üppigen Gewächsen aller 
Art sich genährt. Koch schliefst aus einem Unterkiefer, welchen er 
auffand, dafs die weiblichen Individuen des Tetracaulodon zu der 
Zeit ohngefähr, wo sie den zweiten Milchzahn verloren, auch die 
Stofszähne im Unterkiefer eingebüfst haben. 

T. Godmani Hays. Diefs ist die Art, welche von vielen Sei- 
ten für identisch mit Mastodon giganteus und zwar für ein junges In- 
dividuum desselben gehalten worden ist. 

Die Stofszähne des Unterkiefers sind nur 4- ihrer Länge äufser- 
lich sichtbar. Sie laufen ganz geradlinig und nach beiden Enden spitz 
zu. Das Wurzelende ist ohne Markhöhle und statt dieser erkennt man 
hier nur eine Oeffnung von der Dicke einer Stecknadel, welche den 



DICKHÄUTER. 



37 



Zahnnerv empfing. Das entgegengesetzte emailiiie Ende des Zahnes ist 
etwas kolbenartig. Die oberen Stofszähne biegen sich hingegen von 
oben nach unten und nach der Seite. An den Spitzen dieser 4 Zühne 
zeigt sich durch Abreibung der härteren Rinde ihr langer Gebrauch. 

Im Diluvium oder in vielleicht noch jüngeren Gebilden von Nevv- 
York und Missouri. 

T. Kochii Graut. Von dieser einen Art entdeckte Koch 3 
alte Individuen und 1 Junges in Missouri. Sie besitzt ebenfalls 2 Stofs- 
zähne im Oberkiefer, aber nur einen (?) etwas links stehenden im 
Unterkiefer, und sollte daher eher Tricaulodon heifsen. Die oberen 
sind an ihrem hervorragenden Theile kolbig und am Wurzelende spitz; 
der untere ist überall fast von gleicher Dicke und hat eine sehr grofse 
Markhöhle. Allen 3 Zähnen fehlt die Email -Schicht, und sie sind nur 
mit einer dicken Lage der steinigen Kruste bedeckt. 

T. Haysii Graut, aus ähnlichen Bildungen Nordamerikas wie 
die vorigen beiden, steht dem Dinotherium am nächsten. 

Die oberen Stofszähne sind gerade und in der Mitte ihrer Länge 
am dicksten. Alveolen im Unterkiefer zeigen, dafs die unteren zu- 
sammengedrückt waren und sich al)wür(s bogen. Statt der Emailschicht 
sind die ersteren auch nur mit jener steinigen Uinde bedeckt. Di© 
Krone der Backenzähne ist jedoch emailirt. 

T. tap iro'ides Koch, wurde 1840 und 

T. Bucklandi Graut, 1842 von Koch im Missouri -Staate entdeckt. 

t 4. G. Dinotherium (Deinotherium) Kaup. — Taf. II. Fig. 7. 
(^ötivbg, fürchterlich; &7]qiov^ wildes Thier). 

Diese von Klipstein "•') im tertiären Sande von Eppelsheim ent- 
deckte Gattung weicht durch ihre zwei grofsen, abwärts und 
rückwärts geboge neu Stofszähne im Unterkiefer so sehr 
von den bisher bekannten Thierformen ab, dafs die Ansichten, 
ob Dinotherium ein Land- oder Wasserthier war, noch immer 
getheilt sind. Kaup rechnet es den Landthieren zu und vermuthet, 
dafs die von Cuvier einem gigantischen Pangoliu • ) zugeschrie- 
bene Klaue von Deinotherium herrühre. Nach seiner Ansicht 
mochte das Thier die Gestalt haben, wie es Taf. II. Fig. 7 zeigt, 
und ihm scheint seine Lebensart die gewesen zu sein, dafs es 
sich auf der Erde langsam fortbewegte und mit den ungeheueren 



*) Beschreibung u. Abbild, von dem in Rheinhessen aufgefundenen co- 
lossalen Schädel des Dinothcrii gi^antci, von KUpstein u. Kaup., Darm- 
stadt. 1836. 

**) S. u. Ameisenfresser. 



38 



SÄUGE l lllEKE. 



Stofszähnen die Erde nach Wurzeln und Knollen aufwühlte, um 
dieselben mit seinem Rüssel zum Munde zu führen. 

Nach Buckland war es ein Wasserthier, wofür der wallfisch- 
ähnliche Bau seines Hinterkopfes spricht. PIctet bildet das- 
selbe hiernach in seiner Paleontologie auf PI. 16 mit einem wall- 
lischartigen Körper ab und rechnet es zu den pflanzenfressenden 
Fischsäugethieren. 

Durch Arten der vorigen Gattung bestimmt jedoch Koch wohl 
mit allem Rechte als Stellung des Deinotherium die, welche es 
hier einnimmt. 

D. giganteum Kaup. Atl. aux Oss. foss. livr. 1. tb. 1 — 5. 
Hiernach: Taf. II, Fig. 5 und 6, Backzähne; 7, ideale Zeichnung nach 
Kaup. — Br. Leih. p. 1231. — Dieser Art gehört der ausgezeich- 
nete Schädel von 3',4 Pariser Länge an, welcher 1836 in Eppels- 
heim ausgegraben wurde. Er zeichnet sich, nach Kaup, durch die un- 
geheueren Schläfengruben, welche mit einem gewaltigen Schläfenmus- 
kel zur Bewegung des kolossalen Unterkiefers erfüllt gewesen waren; 
durch kleine nach hinten sich ölfnende, über den beiden vorderen 
Backzähnen liegende Augenhöhlen; durch schwache Jochbeine und eine 
ungeheuere Grube für den Kussel; durch 2 ganz hinten und hoch lie- 
gende Gelenkköpfe für den Atlas; durch Mangel der Nasenbeine; kurze 
Stirnbeine und eine quere Hinterhauplsgrube, die vielleicht auch zur 
Aufnahme eines den grofsen Rüssel des Thieres bewegenden Muskels 
diente, vorzüglich aus. 

Das Dinotherium scheint im ganzen 24 Backenzähne gehabt zu 
haben, von denen jederseits 5 stehen, vor welchen aber ein ande- 
rer wahrscheinlich schon ausfiel. Ihre Krone hat eine viereckige 
oder länglich viereckige Gestalt, und ist in 2, bei dem zweiten obe- 
ren Milchzahne und dem dritten, mittleren Backzahne in 3 dachförmige 
Quererhöhungen abgetheilt, deren Schärfe gekerbt ist. 

Das Thier mag zum gröfsten Theile in Binnenseeen oder grö- 
fseren Flüssen, ähnlich dem Tapir, wohin es auch Cuvier stellte, 
gelebt und seine Nahrung in Wurzeln, Knollen und Wassergewäch- 
sen bestanden haben, indem ein Unterkiefer von so bedeutendem 
Gewichte, welches durch 2 grofse Stofszähne noch vermehrt wurde, 
einem Landthiere nur Beschwerde und Hindernifs sein mufste. Es 
mochten aber seine Stofszähne nicht nur zum Ausroden der Nahrung 
dienen, sondern wohl auch als furchtbare Waffe und als Anker, so 
dafs sich das schwimmende Thier mit ihnen an dem Ufer einhakte, 
um ohne Gefahr schlafen und athmen oder sich besser an das Land 
ziehen zu können. 



DICKHÄUTER. 



39 



Aufser Eppelsheim hat man Zähne und Knochen im Süfswasser- 
kalke des Gers-Dept. bei Auch und bei Sansans gefunden , im Tegel bei 
Wien, in tertiären Schichten der Schweiz, in den Bohnengruben Wür- 
tembergs und im Thone über der Braunkohle bei Altenburg. 

Dem D. medium Kaup von Eppelsheim und D. Bamricum v. Mey., 
ebendaher, aus Baiern und Frankreich, wurde von Koch noch eine 
vierte Art, D. angustidens Koch, aus Ostindien hinzugefügt, von wo 
ein Unterkiefer im brittischen Museum und ein halber Unterkiefer in 
den Händen des Herrn Kammerherrn v. Ende in Dresden sich befindet. 
D. australe nannte Owen eine fossile Art aus Australien. 

t 5. G. Missourium Koch. 

Einzige Art; M. theristocaulodon Koch. — Taf. II. Fig. 1. 
Aus Diluvium oder Alluvium im Staate Missouri. 

Diefs ist das gröfste unter allen bis jetzt bekannten fossilen Säuge- 
thieren, 30' lang und 15' hoch. Es mochte noch an dem Anfange 
unserer jetzigen Weltepoche gelebt haben, da Dr. Koch unter diesem 
Gerippe eine Pfeilspitze fand, welche aus Feuerslein gearbeitet und 
denen sehr ähnlich ist, welcher die Indianer sich jetzt noch bedienen. 

Im Allgemeinen ist diefs Skelett dem eines Tetracaulodon höchst 
ähnlich, wefshalb es, sowie Tetracaulodon selbst, von Owen für ein 
Mastodon giganteum gehalten worden ist'"). 

Zahl und Form der Backenzähne ist fast gänzlich wie bei Tetra- 
caulodon^ nur sind sie relativ kleiner und mit einer dickeren Lage 
von Email bedeckt. Wesentlich weicht es jedoch davon ab durch 2 
ungeheuere (lO' lange) Stöfs- oder Fangzähne im Oberkiefer, welche 
viel fester und tiefer in dem Kiefer eingesetzt sind als bei Mastodon 
und dem Elephanten. Die steinige Rinde, welche dieselben bedeckt, 
ist hier über \" dick, bei dem Mastodon kaum is". Ganz eigen- 
Ihümlich ist auch die horizontale Krümmung dieser Zähne, welche 
englische Anatomen einer zufälligen ovalen Verdrückung zuschrieben. 
Ist diese aber schon bei der Gestalt des Zahnes, dessen Querschnitt 
65" hoch und 6" breit ist, nicht wohl anzunehmen, so versichert auch 
Koch, dafs er bei dem Ausgraben den rechten Zahn noch ganz un- 
versehrt in dem Schädel habe sitzen sehen und dafs derselbe erst in 
St. Louis durch einen* unglücklichen vFall abgebrochen sei. 

Der ganze Bau des Missourimns weist, nach Koch, darauf hin, 
dafs es mehr in dem Wasser als auf dem Lande gelebt hat. Der 
Kopf ist sehr flach, dem des Nilpferdes ähnlich und war, anstatt mit 



*) London, Edinb., Dubl. Phil. Mag. 1843. p. 56. etc. 



SÄL'GEIHIERE. 



einem Rüssel, vermuthlich nur mit einer verlängerten Schnauze ver- 
sehen. Der erste Halswirbel besitzt mächtige Querfortsätze. Die 
vorderen Rückenwirbel haben Dornfortsätze von 18 — 27" Länge. Die 
Rippen sind verhältnifsmäfsig dünn und kurz und stehen mit ihren schar- 
fen Kanten nach- innen und aufsen. Das Schulterblatt ist 3' 1" lang 
und 2' 7'' breit; der Schulterknochen 3' bh" lang und der Umfang 
seines dicksten Theiles beträgt 3' 3". 

Alle Knochen des M. endlich, die Wirbel nur ausgenommen, zei- 
gen keine Markhöhlen, sondern nur eine knöcherne zellige Masse, 
welche im lebenden Thier wahrscheinlich mit Fett erfüllt war. 

Nach dem geringen Räume für das Gehirn zu schliefsen, mufste 
das M. ein träges Thier sein, welches sich nur wenig bewegt zu haben 
scheint und mit seinen Sichelzähnen eine grofse Menge Rohr oder andere 
Gewächse, die es zu seiner Nahrung brauchte, auf einmal zusammen- 
raffte. Letztere dienten ihm ferner zum Bahnen des Weges durch dicht 
stehendes Rohr, zum Schutz für seine Augen und seine dünnen Rippen, 
sowie auch zum Ankern am Ufer. 

2, Farn. Kigentliclie Dickhäuter. 

Stofszähne fehlen, und die Füfse sind 4-, 3- oder 2zehig. 
Sie spielen schon am Anfange der tertiären Epoche eine wichtige 
Rolle. 

6. G. Hippopotamus L. Flufspferd. Nilpferd. 

Plumpe Thiere mit fast gleich langen Gliedmafsen, 4zehigen 
Füfsen und J Backz. Die vorderen derselben sind kegelförmig, die 
hinteren gröfseren sind aus 2 Paaren dreiseitiger Zacken gebildet, 
welche durch Abnutzung kleeblattförmige Kauflächen entstehen las- 
sen (Taf. lY. Fig. 11.). Die Eckzähne im Oberkiefer sind gerade, 
die im Unterkiefer rückwärts gekrümmt und sehr dick. Vdz. 
die oberen kegelförmig und zurückgekrümmt, die unteren lang, 
cylindrisch, gerade und liegen fast horizontal. 

Die einzige lebende Art, das Flufspferd, ist nur auf Afrika 
beschränkt, wo es die Flüsse bewohnt, 2 fossile Arten waren 
über einen grofsen Theil von Europa verbreitet. 

H. major Cuv. v. Mey. p. 73; Keferst. p. 211; Er. Leth. p. 
1218. tb. 46. f. 1. — Hiernach ein hinterer Backzahn Taf. IV. Fig. 11. (i) 

Es war wenig gröfser als die lebende Art, hatte jedoch etwas 
niedrigere Beine. 

In den jüngsten tertiären Bildungen am Puy-de-D6me, im Dilu- 
vium von England, Frankreich, Italien und Sicilien, und nach Kefer- 
slein auch in Deutschland. 



DICKHÄUTER. 



41 



H, minutus Cuv. , aus der Knochenbreccie von Dax, hatte die 
Gröfse eines Ebers. 

Zwei Arten aus den Siwalikbergen, mit ^ Vdz. und f Bckz., 
vereinigen Cautley und Falconer zu der Untergattung Hexapro- 
todon. (Wiegm. Arch. 1839. Bd. 2. p. 413.) 

t 7. G. Potamohippos Jäger. 
Aus den Bohnerzgruben Würtembergs , ist nacii wenigen Zäh- 
nen bestimmt, welche denen des Hippopotamus am ähnlichsten sind. 
(Jäg. Foss. Säugeth. Würt. tb. 4. f. 51. 52. 64 — 75.) , 

8. G. Sus L. Schwein. Cochon. 
Vdz. f-; Eckz. y, dreikantig; Bckz. f. 

Fossile Reste kennt man nur aus den jüngeren tertiären und 
diluvialen Schichten. 

S. palaeochoerus Kaup. All. aux Oss. foss. livr. 2. tb. 9. 
f. 1 — 46. — Taf. IV. Fig. 9, Backzahn nach Jäger, foss. Säug. Würt. 
tb. 10. f. 27. Ihre Backzähne sind durch den gekerbten Rand, wel- 
cher die Höcker umgiebt, leicht kenntlich. 

Aufserdem kennt man noch mehrere Arien aus dem Sande von Eppels- 
heim, am Puy-de-Döme u. v. a. 0. Die aus den Knochenhöhlen von Deutsch- 
land, Frankreich und England, aus der Knochenbreccie und den Torfmooren 
bekannten Reste scheinen dem wilden Schweine S. scrofa anzugehören. 

Cautley und Falconer trennen die in tertiären Lagen am Hi- 
malaya gefundenen Reste unter dem Namen Chaerotherium von 
Sus ab. 

9. G. Dicotyles Cuv. — Pekari. 

Zwei Arten leben noch in Südamerika, mehrere fossile zeigt 
Lund aus Brasiliens Höhlen an. 

t 10. G. Choeropotamus Cuv. (xoT^og, Ferkel; noTaf-ilgj Flufs). 

i Bckz., denen des Nilpferdes ähnlich, indem die hintersten 
4 im Quadrate stehende Haupthöcker, aufserdem aber noch einen 
kleinen Höcker zwischen den vorderen, einen zwischen den hin- 
teren und einen zweilappigen, in der Mitte stehenden zeigen. 

C. Parisiensis Cuv., (Br. Leth. p. 1222. tb. 46. f. 5.) um- 
fafst ein Schädel- und ein Unterkieferstück aus dem Gypse des Mont- 
martre und aus tertiären Schichten von England. 

t 11. G. Hyotherium H. v. Mey. — Br. Leth. p. 1222. 
(vg, Schwein; ^riQiov ^ wildes Thier.) 

Eine Art aus tertiären Süfswasserschichten von Georgensgmünd ; 
H. Sömmeringü v. Mey. (Br. Leth. tb. 46. f. 7.) 



42 



SAÜGETHIERE. 



H, medium H. v. Mey. (Leonh. Jahrb. 1843, p. 385) ist häufig 
in Tertiärschichten des Mainzer Beckens. 

t 12. G. Hyracotherium Owen Maus; d^t]Qiov^ 

wildes Thier). 

Zwei Arten, aus dem tertiären London-Thone und zu Kyson 
in Suffolk. (Pictet, Pal. p. 258.) 

t 13. G. Anthracotherium Cuv. Kohlenlhier (ävd^Qu^, 
Kohle; d-riQiov^ wildes Thier). 

Bckz. y, von denen die unteren mit stumpf kej^elförmigen, 
jedoch nicht gerundeten Spitzen, die oberen viereckigen mit 4 
stumpfen Haupterhöhungen und einer verschiedenen Anzahl von 
kleinen Erhöhungen versehen sind. Eckz. denen des Tapir ähn- 
lich; die 4 unteren Vdz. , wie bei dem Schweine, nach vorn 
liegend. (Pictet, p. 259.) 

Man kennt von dieser Gattung mehrere Arten, welche den 
tertiären Gypsen und Braunkohlen angehören. 

A. Alsaticum Cuv. — Taf. IV. Fig. 12. (Der zweite Backzahn 
des Unterkiefers nach Br. Leth. tb. 46. Fig. 4, aus einem Braunkoh- 
lenlager von Böchelbrunn im Elsafs.) 

Andere Arten kommen in der Braunkohle von Cadibona im Pie- 
montesischen, in der Auvergne und in Bengalen vor. 

Vor kurzem wurde der letzte Unterkieferzahn einer Art in der 
Braunkohle zu Rott, östlich des Siebengebirges, entdeckt. (Leipz. Zeit. 
1844. No. 188.) 

14. G. Rhinoceros L. Nashorn. — Aceratherium Kaup. — 
Coelodonta Bronn. 

Vdz. verschieden, Eckz. fehlen, Bckz. |-. Diese sind, aufser 
dem dreiseitigen hintersten Zahne, vierseitig und fast quadratisch. 
Ihre eigenthümliche Gestalt geht aus den Abbildungen auf Taf. III. 
hinreichend klar hervor. Der lange Schädel steigt nach hinten 
zu allmählig empor und fällt hinten wieder senkrecht ab. Die von 
den Zwischenkieferbeinen seitlich getrennten Nasenbeine sind lang 
und stark, oben gewölbt und vereinigt, und tragen 1 — 2 aus 
Haarsubstanz gebildete Hörner. Fiifse dreizehig, aufser bei R. in- 
cisims^ dessen Vorderfiifse vierzehig sind. Nur Asien und Afrika 
beherberget die noch lebenden Arten, in der jüngeren Tertiär- 
und in der Diluvialzeit hingegen spielten die fossilen Rhinoceros- 
Arten auch in Europa eine mächtige Rolle, und hatten so ziem- 
lich dieselbe Verbreitung wie der Mammulh, 



DICKHÄUTER. 



43 



Köpfe fossiler Rhinoceros -Arten hielt man lange für die 
Köpfe des Greifen, Gryphus antiquitatis Schubert, und die Hör- 
ner des Nashorns wurden für die Klauen dieses fabelhaften Vogels 
gehalten, welche Ansicht jedoch von Fischer widerlegt worden ist *). 

R. tichorhinus Cuv. — Taf. III. Fig. 5, 9, 10, II, 12. — 
R, antiquitatis Blum. R, Pallasii Desm. — Fischer, Oryct. du Gouv. 
de Mosern, tb, 2 u. 3. — Br. Leth. p. 1211. ib. 43. f. 7. tb. 47. f. 3. — 

Schon im Jahre 1771 wurde im gefrorenen Sande am Ufer des 
Flusses Wilhui bei Irkuzk, ein vollständiges Cadaver dieser Art gefun- 
den, von welchem Pallas berichtet, dafs es mit langem Haare, beson- 
ders an Kopf und Füfsen, bedeckt gewesen sei. Daher mochte auch 
dieses Thier, gleich dem Wammuthe, mehr für nördlichere als südlichere 
Gegenden bestimmt sein. Es war dem afrikanischen Nashorn ähnlich 
und trug, wie dieses, zwei lange Hörner. Von allen anderen fossilen 
und lebenden Arten unterschied es sich vorzüglich durch die Bildung 
des Nasenbeines, welches sich in der Spitze niederbeugt und sich mit 
dem vorderen Theile des Oberkiefers verbindet, welcher bei allen an- 
deren Arten frei steht. Auch sind die Nasenlöcher durch eine kno- 
* chenartige Scheidewand von einander getrennt. Die Backzähne ähneln 
denen des oslindischen Nashorns; die Schneidezähne, welche noch 
unbekannt sind, scheinen sehr bald ausgefallen zu sein oder ganz 
zu fehlen. 

Sehr verbreitet im Diluvium von Sibirien, England, Deutschland, Ober- 
Italien und in den Knochenhöhlen von Franken (Schueiderloch), Sundwich, 
England. Ein sehr vollständiges Individuum, von Ober-Gebrau bei Nord- 
hausen, ist in dem Halle'schen min. Museum. Die auf Taf. III. abgebil- 
deten Zähne wurden bei Oelsnilz im sächs. Voigllande vom Herrn 
V. Gulbier aufgefunden, welchem ich auch die Zeichnungen derselben ver- 
danke. Im vorigen Jahre wurden auch Zähne und Knochen im Sande 
der Lösnitz bei Dresden entdeckt. 

R. S chl ei er m ackert Kaup. Atl. aux Oss. foss. livr. 3. tb, 
10. f, 1. tb. 11, 12. f. 1—7. tb. 13. Hiernach: Taf. lU. Fig. 6, 7, 
Backzahn und Oberschenkel. 

Es steht dem in Sumatra lebenden am nächsten, ist auch zwei- 
hörnig und hat 1 stehen bleibende Schneidezähne. Es übertraf es 
jedoch durch seine bedeutendere Gröfse, durch kürzere und stumpfere 
Nasenbeine, durch eine' scharfkantige Erhöhung auf der Oberfläche des 
Schädels über den Schläfen gruben u. s. w. Den starken seillichen 
Fortsatz am Oberschenkel zeigt Taf. III. Fig. 7. 



Fischer de Waldheini ^ sur Ic Gryphus Antiquitatis. Moscou. 1836. 



44 



SaUGETHIERK. 



Tertiär bei Eppelsheim, Georgensgniünd, Egeln (n. Germar) und? 
in den Bohnerzgruben der würtembergischen Alb. 

R. incisivus Cuv. — Aceratherium incisimm Kaup. All. aux 
Oss. f. litr, 3. tb. 10. f. % und tb. 14, 15. — Taf. III. Fig. 8. a, 
Backzahn und 8. b, Schneidezahn. 

Bei aller Aehnlichkeit mit R. Schleiermacheri, welches jedoch gröfser 
ist, mit % Schneidezähnen, unterscheidet es sich von diesem durch 
glatte, dünne, schmale und feich emporrichtende Nasenbeine, welche 
gar kein Horn trug-en, und durch seine vierzehigen Vorderfüfse. 

Mit der vorigen Art ist sie für die Teg-elbildungen der Tertiär- 
fofmation bezeichnend, und kommt, nach Bronn, im Tegelkalke zu 
Oppenheim und Budenheim, im Sande von Eppelsheim bei Alzey, zu 
Mombach, zu Westeregeln bei Magdeburg, im Wiener Becken, zu 
Georgensgmünd bei Nürnberg und in Frankreich zu Sansans im Gers 
Dep. u. a. 0. vor. 

Aufser einigen anderen weniger wichtigen Arten, die in Europa 
noch vorkommen (H. v. M. Pal. p. 76, 77), wiesen Cautley und Fal- 
coner Rhinocerosreste an den Ufern des Jrawadi in oberen tertiären 
Schichten am Himalaya, Andere dieselben in diluvialen Bildungen Nord- 
amerikas nach. 

t 15. G. Elasmotherium Fischer (tlaof-iUy Platte; &)]^iov, 
wildes Thier). 

Diese Gattung, welche einige Verwandtschaft mit dem Nas- 
horn und dem Pferde zeigt, ist nur nach einem halben Unterkiefer 
mit 4 Backenzähnen bestimmt, v. Meyer nennt diese Art aus Si- 
birien: E. Fischeri^ und Fischer einen Zahn aus der Nähe des 
caspischen Meeres: E. KeyserlingiL 

16. G. Tapirus L. Tapir. 

Nase in einen kurzen Rüssel verlängert; vordere Füfse mit 
4, hintere mit 3 Zehen; Vdz. |-; Eckz. y; Bckz. Die Aehn- 
lichkeit der letzteren mit denen des Vinotherium wurde dort schon 
hervorgehoben. 

Man kennt nur drei lebende Arten, zwei an den Flüssen 
Amerikas und eine an denen von Indien. 

Die wenigen bekannten fossilen Arten hatten in der Diluvial- 
zeit dieselbe Verbreitung, aufserdem wiefs Kaup durch T. priscus 
{AtL aux Oss. f. livr. 2. tb. 3.) ihre frühere Existenz in Eppels- 
heim nach, und T. arvemensis gehört den tertiären Bildungen des 
Puy-de-Döme an. 



DICKHÄUTER. 



45 



t 17. G. Lophiodon Cuv. — Taf. IV. Fig. 10. nach Jäger 
{Xüffiov, Hügel; oöcov , Zahn). 

Eine durch ihr Gebifs dem Tapir sehr verwandle Gattung, 
mit f Ydz., i Eckz. und | Bckz. Der gröfsere Theil der letz- 
teren zeigt ebenfalls Querhiigel, welche aber schiefer als bei dem 
Tapir stehen und von welchen an den ersten des Oberkiefers nur 
einer vorhanden ist, während die hinteren Backenzähne deren 3 
und die übrigen 2 zeigen. 

Zahlreiche Reste von diesen Thieren, welche man besonders 
in den mittleren Bildungen der Tertiärformation findet, zeigen ihre 
früher häufige Existenz besonders in Deutschland und Frankreich. 

L. Isselense v. Mey. (p. 87), ist die gröfsle Art und übertraf 
den indischen Tapir wohl noch um ein Drittlheil an Gröfse. 
Tertiär bei Issel, Argenton, Soissons. 

L. giganteum v. Mey. — Palaeotherium gig. Cuv. Fast ebenso 
grofs, bei Montabusard und Gamat. 

L. Buxovillanum v. Mey. p. 87. — Br. Leth. p. 1217. tb. 46. 
f. 3. Fast von der Gröfse des indischen Tapirs. Im tertiären Süfs- 
wasserkalke zu Buschweiler im Elsals. 

V. Meyer führt im ganzen 11 bestimmte und einige unbestimmte 
Arten an, Avelche meistens von Issel, Argenton, Soissons, Buschweiler 
und Eppelsheim stammen. Fischer fand eine Art in dem Kalkstein von 
Orenburg und Koch entdeckte ein Lophiodon auch in Nordamerika. 

t 18. G. Palaeotherium Cuv. (nuXuwg, all; ^tjQiov, wildes 

Thier). 

Dem Tapir ähnliche Thiere, mit beweglichem Rüssel an einem 
dicken Kopfe, ziemlich langem Halse, kurzem Schwänze und drei- 
zehigen Füfsen. Ihr Gebifs besteht aus 44 Zähnen, als: f Vdz., 
T spitzen Eckz., etwas länger als die ersteren,. und f Bckz. 

Gleich bei dem Anfange der Tertiarzeit traten sie auf und 
man kennt von ihnen allein aus dem Gypse des Montmartre 7 — 8 
Arten, von denen man öfters fast vollständige Sklelette darin auf- 
fand. Noch in wenigen Arten nur sind sie in den mittleren Schich- 
ten dieser Epoche, wie bei Georgensgmünd , Issel und Argenton 
zu finden; in jüngeren tertiären Bildungen scheinen sie fast gänz- 
lich zu fehlen. 

F. magnum Cuv. — Br. Leth. p. 1206. tb. 44. f. 3. Von 

der Gröfse eines Pferdes, aus dem Gypse des Montmartre. 



46 SÄÜGETHIERE. 

F. medium Cuv. — Taf. IV. Fig. 7, Backzahn. Fig. 8, Eckzahn, 
nach Jäger, f. Säug. Würt. tb. 7. f. 21 und tb. 8. f. 17. — Br. Leth. 
p. 1207. tb. 46. f. 9. 

Von der Gröfse eines Schweines, mit schlanken, ziemlich langen 
Beinen, sehr kurzen Nasenbeinen und verhältnifsmäfsig grofsen und dicken 
Eckzähnen. 

Im Gypse des Montmartre, in der Molasse zu Bonsac im Gironde- 
Dep. und in den Bohnerzgruben von Würtemberg ziemlich häufig. 

P. minimum Cuv., von Montmartre, scheint nur die Gröfse eines 
Hasen erreicht zu haben. 

i 19. G. Anchitherium H. v. M. 

Zu dieser neuen Gattung erhebt v. M. das Palaeoth. Aure- 
Uanense Cuv., welches aus den mittleren tertiären Schichten von 
Montabusard, Orleans, Montpellier und Georgensgmünd bekannt ist. 
(H. V. M. in Leonh. Br. J. 1844. p. 298.) 

t 20. G. Chalicotherium Kaup (/«Af?, Kies; &rjQiovj 
wildes Thier). 

Nach einigen Zähnen von Eppelsheim aufgestellt, welche eine 
Uebergangsstufe vom Lophiodon zu dem Tapire vermuthen lassen. 

t 21 G. Anoplotherium Cuv. {uvonXog, wehrlos; d^riQLOv, 
wildes Thier). 

f Vdz., X Eckz. und y Bckz. stehen in einer ununterbroche- 
nen Reihe, ein Charakter, welchen man nur bei dem Menschen 
und den Affen zu erblicken gewöhnt ist. Die vorderen Bckz. 
sind zusammengedrückt, die hinteren des Oberkiefers sind vier- 
eckig, die des Unterkiefers mit 2 sichelförmigen Falten versehen. 
Ihre Beine sind schlank, die Füfse haben 2 entwickelte Zehen, 
denen sich bei einigen Arten noch eine verkrümmte Zehe beigesellt. 

Die Thiere dieser Gattung lebten nur an dem Anfange der 
tertiären Epoche. 

a. Die eigentlichen Anoplotherium -Arten waren stark und 
plump gebaut und hatten einen langen, dicken Schwanz. Zu ih- 
nen gehört: 

A. commune Cuv. — Taf. IV. Fig. 6. nach Kaup. — Br. Leth. 
p. 1200. tb. 44. f. 2. tb. 47. f. 4. — Fielet, tb. 12. 

Von der Gröfse eines Esels, mit einem dicken Schwänze von 
der Länge des ganzen Körpers. 

Zu Paris, auf der Insel Wighl und in den Bohnerzgruben der Alb. 



DICKHÄUTER. 



47 



6. Xiphodon Cuv. ('^ifog, Schwert; oJwi-, Zahn). Schlanke 
Arten mit kurzem ynd dünnem Schwänze. (Br. Leth. tb. 47. f. 5. 
— Pictet, Pal. tb. 13.) 

A, gracile Cü\.^ fast von dem Ansehen einer Gazelle. 

Zu Paris und in den Bohnerzgruben der Alb. 

c. Dichobune Cuv. Kleine Arten, von der Gröfse der 
Hasen oder Kaninchen. 

Drei Arten im Gypse des Montmartre. 

t 22. G. Microtherium H. v. M. Oplotherium de Layser u. 
Parieu {onlov , Waffe; d^r^Qiov, wildes Thier). 

Den Dichobimen ähnlich, doch mit hervortretenden und ge- 
krümmten Eckzähnen. Zähne und selbst das Skelett bieten, nach 
H. V. Meyer, einige Aehnlichkcit mit den Wiederkäuern , Fleisch- 
fressern und selbst Nagern dar. (L. Br. Jahrb. 1841. p. 461 u. 
1842. p. 487.) 

In tertiären Schichten zu Weisenau und Hochheim in dem 
Mainzer Becken, in der Molasse der Schweiz und im Dep. de 
l'Allier. 

t 23. G. Adapis Cuv. 

Obere Vdz. wie in Anoplotherium , Eckz. wie in Oplotherium, 
Bckz. theilweise mit Querhügeln, einen Uebergang vom Anoplo- 
therium zum Tapire andeutend. 

Eine Art im Montmartre. 

t 24. G. Cainolherium Bravard {'/Mtvog, ungewöhnlich; 
O-r/^iov^ wildes Thier), 

aus tertiären Schichten der Auvergne, und 

t 25. G. Choerotherium Cautley et Falconer (/oiQog, 
Ferkel; &i]Qiov, wildes Thier), 

aus Schichten am Himalaya, sind noch sehr wenig gekannt, 
t 26. G. Macrauchenia Owen (f^axQog, grofs; auchenia). 

soll einen Uebergang von den Palaeotherien zu dem Kameele bil- 
den, indefs ist der Kopf der einzigen, im Sande von Patagonien 
gefundenen Art noch nicht gekannt. (Pictet, p. 280.) 

t 27. G. Toxodon Owen (ro^'or, Bogen; odcjv^ Zahn). 

Ein Schädel des T. platensis Ow., welcher in einem tertiären 
Thone an dem Ufer des Sarandis, eines kleinen Nebenflusses des 



48 



SÄUGETHIERE. 



Rio Negro, 120 engl. Meilen NW. von Monte -Video gefunden 
wurde, ist das Einzige, was man von dieser merkwürdigen Gatt- 
ung mit Sicherheit kennt. (Pictet, Pal. p. 282. tb. 14.) 

Durch ihren besonders am Hinterhaupte niedergedrückten Schä- 
del mit einem kleinen Gehirne und nach oben weit offener Nase 
den Cetaceen verwandt, von welchen sie sich durch die Gröfse 
der Stirnhöhlen und ihre Schneidezähne entfernt, durch ihre 
schwerfällige Form einem gigantischen Edentaten sich nähernd, 
jedoch durch das Vorhandensein von f Schneidezähnen, denen der 
Nagethiere ähnlich, davon unterschieden, und durch y Bckz., de- 
ren Email einen unregelmäfsig zusammengedrückten Cylinder bildet, 
gleichfalls den Nagethieren nahe stehend, verbindet diese Gattung 
zugleich mehrere Ordnungen der Säugethiere mit einander. 

3. Farn. £mliufer. 

Mit der einzigen noch lebenden Gattung Pferd, deren Füfse 
nur mit einem einfachen Mittelfufsknochen und mit einem einzigen 
starken, grofshufigen Zehen enden. 

28. G. Equus L. Pferd. 
Vdz. f; Eckz. klein; Bckz. f. 

Während der letzteren Zeit der tertiären Epoche und in der 
ganzen Diluvialzeit war Europa schon von Pferden bewohnt, welche 
den lebenden Arten sehr glichen. Pictet macht darauf aufmerk- 
sam, wie auch in Amerika, welches bekanntlich seine Pferde erst 
der Einführung durch die Spanier zu danken hat, lange vorher 
schon, während der Diluvialepoche, Pferde gelebt hatten. 

E, f ossilis. — E, adamiticus Schi. Es war dem lebenden 
Pferde höchst ähnlich und hatte etwa die Gröfse des Zebras. Von 
seinen Ueberresten ist das Diluvium (Sand und Lehm) von Europa und 
Asien, wo es gröfstentheila mit dem Nashorn und Mammuth zusammen- 
lebte, oft ganz erfüllt ■••). Auch in den Knochenhöhlen von Frankreich, 
in der südeuropäischen Knochenbreccie und in den Torfmooren sind 
sie nicht selten, und E. simhnsis vertritt diese Art in tertiären Schich- 
ten am Himalaya. 



*) Von Berlin aus wird unter dem 2. Mai 1843 (Leipz. Ztg. 1843. No. 
105.) berichtet, dafs sich bei den Füfsen eines, bei den Erdarbeiten der 
Bonn-Cölner Eisenbahn im Sande bei Roisdorf gefundenen präadamitischen 
Pferdes, Beweise für eine Knochenkrankheit dieses Thieres herausgestellt 
hätten. 



WIEDERKÄUER ODER ZWEIHUFER. 



49 



E. a s in US fossilis, der fossile Esel soll in Knochenhöhlen von 
Frankreich und Belgien vorgekommen sein. 

t 29. G. Hi'ppotherium Kaup (^Imrog^ Pferd; d-r^qlov). 

Bei aller Aehnlichkeit mit den Pferden unterscheiden sich 
die Hippotherien durch ihre Backenzähne, deren Schmelzschicht 
viel zahlreichere, zickzackartige Fallen bildet, als es bei Pferden 
und Eseln der Fall ist. Während bei den letzteren nur die Ru- 
dimente von zwei kleinen Zehen an dem Hufe erkennbar sind, 
so zeigt sich bei der fossilen Gattung selbst noch eine vierte. 
Man kennt deren zwei Arten: 

H. gracile Kaup. — Equus mulus primigemus^ H. v. Mey., Pal. 
p. 79, welches dem Maullhiere an Gröfse glich, und 

H. nanum Kaup. — E, asinus primigenius H. v. M., welches 
etwas kleiner als der Esel war, beide aus tertiärem Sande von Eppelsheim. 

8. Ordn. Muminantia. Wieflerkäiier oder 
Zweihufer. 

Eine scharf begränzte Ordnung von Säugethieren mit 4 Magen 
und zweihufigen Füfsen, an welchen letzteren gewöhnlich noch 2 
verkümmerte Zehen, sogenannte Aflerklauen, vorhanden sind. Bei 
den meisten fehlen die Vdz. im Oberkiefer, so wie auch die 
Eckzähne, und es gilt für die Wiederkäuer die Formel: Vdz. y 
(I); Eckz. 8 (1); Bckz. f (f) (f). Die letzteren sind theils aus 
2 halbmondförmigen Schmelzröhren gebildet, wie an den 3 hin- 
teren, oder nur aus einer, wie an den vorderen Zähnen, welche 
Böhren durch eine gemeinschaftliche Schmelzschicht eingefafst wer- 
den. Tiefe Rinnen finden sich auf beiden äufseren Seiten. 

Die fossilen Formen aus dieser Ordnung schliefsen sich en^ 
an die noch lebenden an, und es giebt unter ihnen nur wenige 
Gattungen, welche nicht auch noch jetzt existiren. Sie beginnen 
erst in den mittleren tertiären Bildungen und nehmen in den dar- 
überliegenden jüngeren Schichten an Häufigkeit zu. 

a. Üngehörnte Wiederkäuer. 
1. G. Camelus L. Kameel. Chameau. 

Vdz. f ; Eckz. Bckz. J. Zwei Arten kennnt män bis jetzt 
nur aus den jüngeren tertiären Gebilden der Siwalik- Berge am 
Fufse des Himalaya, von denen C. Sivalensis Caut. et Falc. dem 
Dromedare sich nähert. 

Geiiiitz, Versteineningskunile. 4 



■50 SAÜGETIIIERB. 

t 2. G. Merycotherium Bojaniis. 

Einige Backenzähne, von mehr trapezoidischer Form , ähneln 
übrigens sehr denen der vorigen Gattung. 
M. Sibiricum Boj., ist die einzige Art. 

3. G. Auchenia III. Lama. 

; Bckz. die übrigen Zähne wie bei Camelus. Lund wies 
ihre Existenz in Brasiliens Höhlen nach. 

Die nächstfolgenden drei Gattungen schliefsen sich eng an 
die Hirsche an, doch mögen sie hier ihren Platz finden, da ihnen 
Geweihe oder Hörner fehlen. 

4 G. Moschus L. Moschusthier. Chevrotain. 

Vdz. §; Eckz. des Oberkiefers lang hervorragend; Bck. J. 
Man kennt hiervon nur wenige fossile Arten: 

M. antiquus Kaup, aus dem Sande von Eppelsheim, und M. 
Beng alensis Pentland, aus Bengalen. H. v. Meyer nennt als andere 
Fundorte noch die rauhe Alb und die Insel Wight, und neuerdings wurde 
eine sehr kleine Art in den Braunkohlengruben zu Rott, östlich am 
Siebengebirge entdeckt. (Leipz. Zeit. 1844. No. 188.) 

t 5. G. Dorcatherium Kaup. 

Hirschartige Thiere mit y Bckz. und langen Eckzähnen im 
Oberkiefer. 

Z>. Aurelianense (Cerms Aurelianensis v. Mey.) glich 
dem Bebe. 

Aus dem Süfswasserkalke von Montabusard. 

t 6. G. Falaeomeryx H. v. M. 

Von den Hirschen durch Mangel eines Geweihes, durch her- 
vortretende Eckzähne und durch die etwas abweichende Art der 
Faltung im Schmelze der Backenzähne verschieden. (Br. Leth. p. 
1186.) 

H. V. M. führt drei Arten dieser Gattung aus tertiären Schich- 
ten des Mainzer Beckens von Weisenau an. (J. 1843. p. 387.) 

t 7. G. Vremotherium GeofFr. 

Aus tertiären Bildungen der Auvergne, ist noch wenig ge- 
kannt. 



WIEDERKAÜER oder ZWEIHUFER. 



öl 



b. Gehörnte Wiederkäuer. 
8. G. Cervus L. Hirsch. Reh. Cerf. 

Die Hirsche unterscheiden sich von anderen Wiederkäuern 
durch ihre soliden, meistens ästigen Geweihe, welche sie jährlich 
abwerfen, durch 2 Vdz., § oder o Eckz. und f Bckz., welche 
letztere an der mittleren Vertiefung der äufseren Fläche einen 
kurzen und spitzen Anhängsel haben. 

Die ältesten Hirsche, welche man kennt, sind die aus den 
mittleren tertiären Schichten Frankreichs, besonders bei Auch. Aus 
einer der hier vorkommenden Arten schuf Lartet seine Untergatt- 
ung Dicroceras. Die oberen tertiären Bildungen aber und das 
Diluvium von Deutschland und Frankreich besonders zeigen, dafs 
in vormaligen Zeiten die Arten dieser Gattung ebenso mannich- 
faltig waren, als sie es noch in der jetzigen Weltepoche sind, 

C. meg aceros Hart; C. eury cerus (Aldr.) fossilis; C. gi^ 
ganteus Bl. ; Riesenhirsch; Irisches Elenn; Fossil Elk. — Taf. HI. Fig. 
1. — Annales d. sciences natur. Aoüt 1826. PL 39 (vorzügliche Ab- 
bildung). — Br. Leih. p. 1181. tb. 44. f. 5. 

Der Riesenhirsch oder vielmehr das Riesenelenn war nicht gröfser 
als das gemeine Rennthier, schlors sich durch sein flaches, schaufel- 
artiges und an dem Rande zackiges Geweih mehr an das Elenn an, 
von welchem es sich aber durch seine Gröfse und durch eine geringere 
Anzahl von Zacken unterscheidet, deren nicht über 10 (bei dem Elenn 
bis 15) vorhanden, und welche immer auf beide Ränder vertheilt zu 
sein scheinen. 

Eine Stange dieser Geweihe erreichte nicht selten die Länge von 
6', und man kennt Geweihe, deren entfernteste Enden beider Stangen 
12 — 13' von einander abstehen. War das Thier in den damaligen Ur- 
wäldern zu leben bestimmt, so läfst sich diefs wohl nur mit der An- 
nahme vereinigen, dafs die gröfsere und üppigere Entwickelung der 
einzelnen Bäume auch eine gröfsere Entfernung derselben von einan- 
der zur Folge hatte, jedenfalls aber bewohnte das Thier die Torf- 
moore und Brüche, denn fast in allen Ländern Europas, am häufig- 
sten aber in Irland, hat man sie nur in Süfswassergebilden, besonders 
im KalktufTe, in Knochenhöhlen und im Torfe gefunden. Auch glaubte 
man, sogar noch Beweise für ihr Leben in geschichtlichen Zeiten zu 
haben, und Goldfufs erkennt in dem „grimmen Scheidt''' der Nibelungen 
den Riesenhirsch wieder. 

C. Guettardi Raup; C. Tarandm priscus. — Taf. HI. Fig. 2. 
a. b. c. d. e. Altersfolgen der Stangen. 

4'^ 



52 



SÄÜGETIIIERE. 



Er war dem lebenden Rennlliiere höchst ähnlich. Schottin fand 
Geweihe von ihm in dem Diluvium von Köstritz, v, Gutbier bei Oelsnitz 
und Schmerling^ in Belgien. 

C. priscus Kaup in Leonh. Br. Jahrb. 1839. p. 297. tb. 3. 
%. 2. — Hiernach: Taf. III. Fig. 3. 

Diese Art war unserem Edelhirsche sehr ähnlich, doch zeigt ihr 
Geweih unter der Krone 4 Sprossen, der Edelhirsch nur 3; beide 
Stangen stehen selbst viel weiter noch als bei dem Damhirsche aus- 
einander; endlich ist das ganze Geweih bis zu der letzten Sprosse 
von oben nach unten zusammengedrückt und sein unteres Dritttheil 
ist auf der oberen Fläche flach, auf der unteren gerundet und vorn 
etwas schmäler als hinten. 

Aus dem Diluvium (Lös) bei Bensheim. 

Kaup vermuthet, dafs der gröfste Theil der aus dem Diluvium 
und den Knochenhöhlen Deutschlands stammenden Edelhirsch -Geweihe 
zu dieser oder zu der folgenden Art gehören möchten. 

C. primigenius Kaup in Leonh. Br. Jahrb. 1839. p, 168. tb. 2. 

Nach Kaup ist sein auffallendstes Unterscheidungszeichen vom Edel- 
hirsche, dafs das Geweih unter der Krone bis zur dritten Sprosse stark 
zusammengedrückt ist. Auch ist die dritte Sprosse um höher ge- 
stellt, als es bei dem Edelhirsche der Fall ist. Mit Mammuth und 
Rhinoceros tichorhinus zusammen im Diluvium bei Eberstadt, und mit 
Ursus spelaeus bei Fürth im Odenwalde. 

Die zahllosen anderen Arten fossiler Hirsche, welche zum Theil 
noch einer Revision bedürfen, zu nennen, würde dem Zwecke dieses 
Grundrisses nicht entsprechen. 

Auch aus den tertiären Schichten am Himalaya, von den Ufern 
des Irawadi im Reiche der Birmanen, in Nord- und Südamerika 
hat man fossile Arten dieser Gattung entdeckt. (Pictet, p. 305.) 

9. G. Camelopardalis L. Giraffe. 

Diefs Geschlecht, jetzt nur noch in Afrika repräsentirt, war 
in früheren Zeiten auch in Frankreich zu finden, wo man in der 
Nähe von Issoudun einen Unterkiefer "0 fand. 

Falconer entdeckte ferner 2 Arten Giraffen in den oft genann- 
ten Schichten der Siwalik -Berge am Himalaya '"•''') mit Anoplotherium 
Sivaleme Falc. und Camelus Sioalensis Falc. zusammen. 



*) Duvernoy, Compt. rend., 29. Mai 1843. 
♦♦) PhiL Mag. Fol. 25. No. 165. 1844. p. 212. 



WIEDBRKAÜKR OUBR ZWElilUPER. 



^3 



t 10. G. Sivatherium Cautl. u. Falc. (ßiwalik. &t;^wv, 
wildes Thier). 

Der Kopf dieses Thieres, den man nur kennt, ist höchst 
eigenthümlich. An Gröfse dem eines Elephanten gleich, mit sehr 
entwickeltem Hinterkopfe, kurzer Gesichtsfläche und sehr stark ge- 
neigter Stirn, mit Nasenknochen, welche sich eigentlich zu einer 
spitzen Wölbung über den äufseren Nasenlöchern erheben, mit 
Hörnern, welche über den Augenbrauen entspringen, gewinnt das- 
selbe ein sehr ungewohntes Ansehen. Die Bildung der 6 oberen 
Backenzähne stellt das Thier zu den Wiederkäuern, wiewohl es 
auch einige Aehnlichkeit mit Pachydermen hatte. Es wurde die- 
ser Kopf am Himalaya gefunden. (Pict. p. 294. tb. 15. f. 5.) 

11. G. Antilope Pallas. Antilope, Gazelle, Gemse u. s. w. 

Thiere dieser Gattung zeichnen sich bekanntlich durch hohle, 
gerade oder gebogene, drehrunde oder geringelte Hörner aus, 
welche sie nicht abwerfen können. Ihre Backenzähne, welche in 
der mittleren Furche der äufseren Fläche weder eine Leiste, noch 
ein Anhängsel haben, haben grofse Aehnlichkeit mit denen der 
Schafe und Ziegen. 

Wir sehen diese Gattung in der Vorwelt nur sehr schwach 
vertreten. 

Fundorte, wie die Umgebungen von Montpellier, Meliere -Berg, 
Sansans und die Siwalik-Berge, von welchen man Reste dieser Gattung 
citirt, gehören der mittleren und oberen Terliärformation an; ebenso 
kennt man auch Ueberbleibsel aus dem Diluvium und den Knochenhöh- 
len von Südfrankreich, Belgien, England und Brasilien. 

t 12. G. Leptotherium Lund (XenTog, dünn; &7](){ov, wildes 

Thier), 

mit zwei Arten aus den Höhlen Brasiliens, schliefst sich hier an. 
13. G. Ovis L. Schaf, Mouton, und 
14. G. Capra L. Ziege, Chdvre^ 

sind hier und da in Knochenhöhlen und in der Knochenbreccie auf- 
gefunden worden , jedoch ist die Bestimmung ihrer Reste wegen 
der grofsen Aehnlichkeit beider Gattungen sehr schwierig, sobald 
nicht Schädel oder Hörner von ihnen vorhanden sind. 

Capra Rozeti macht Pomel aus tertiären Schichten des Puy- 
de-D6me bekannt. (Compt. rend. 1844. 19. p. 225.) 



54 



sXüGETHIERE. 



15. G. Bos L. Rind, Ochs, Stier, Kuh. Boeuf. 

Die Hörner dieser grofskopHgen Wiederkäuer sind ebenfalls 
hohl und sitzen auf knochigen, seitwärts gerichteten Kernen. Ihre 
Backenzähne zeichnen sich durch kleine Leisten aus, welche sich 
längs der Vertiefung zwischen den beiden Haupttheilen des Zahnes 
erheben. 

Sie erschienen in Europa zuerst an dem Ende der Tertiär- 
zeit, und man findet sowohl in den da entstandenen als in den 
späteren Schichten von ihnen zahlreiche Ueberbleibsel. 

Keine Thiergattung zeigt besser als die der Ochsen, wie 
in historischen Zeiten manche Art durch Verfolgung des Men- 
schen auf einen immer kleineren Raum zurückgedrängt wird 
und endlich gänzlich erlischt. So war der europäische Auerochs 
noch vor 2000 Jahren in allen gröfseren Waldungen Europas zu 
Hause, gegenwärtig hat er sich in geringer Anzahl in einen Win- 
kel Litthauens und in einige Thäler des Kaukasus geflüchtet, und 
nur der Schutz des Gesetzes hat seine gänzliche Ausrottung noch 
verhindert 

Auch die wilde Stamm-Race unseres Hausochsen scheint von 
der Erde jetzt gänzlich verschwunden zu . sein ■• '' ). 

Dürfte man der Sage trauen, so^ hätte in der historischen 
Zeit in Europa aufser diesen beiden Arten noch eine dritte wilde 
Ochsenart gelebt, der Bison der Alten, und Herbenstein drückt 
die angeblich frühere Verwechselung beider Arten in folgenden 
Worten aus: 

^^Bison sum^ Polonis Zuhr^ Germanis Bisont^ ignari Uri 
nomen dederunt. 

ürus sum, Polonis Tur, Germanis Äuerox, ignari Bison- 
tis nomen dederunt''^ 

Mit grofser Gelehrsamkeit sucht indefs Pusch in Polens Pa- 
laeontologie die Identität des europäischen Bison mit dem Auer- 
ochsen zu beweisen. 

Bei der Unsicherheit, die selbst bei der Unterscheidung ei- 
niger lebenden Ochsenarten noch herrscht, ist es wohl nicht zu 
verwundern, dafs zum Theil eine noch gröfsere unter den aus- 
gestorbenen Arten lange Zeit obwalteLe. Cuvier und Bojanus wie- 



♦) Pusch, Polens Paläontologie, Stuttgart. 1837. p. 196. 
**) In keinem Falle kann man den Auerochsen als Stammrace des Haus- 
ochsen betrachten, wie diefs von Pusch gründlich gezeigt worden ist. 

***) Rcrum Moscovitiearum comment. Sigism, lib. bar. de Herbenstein. 



WIEDERKÄUER ODER ZWEIHUFER. FISCIISXUGETHIERE. 



55 



sen von letzteren zuerst drei verschiedene Species nach, welche 
ich nach den von Pusch ausgesprochenen Ansichten hier anführe: 

B. priscus Bojanus. liiesenbüffel. (B. Caesarts v. Seh!.; B. 
urus priscus Cuv. ; B. latifrons Harl. u. Fischer ; B. Pallasii Bär ; 
B. colossus; Bison fossilis. — Fusch, Pol. Pal. tb. 15. f. 2 ) 

Diese Art, welche sich am mehrsten den Bisons, sowohl dem 
amerikanischen Bison, als dem litthauischen Auerochsen nähert, ist die 
häufigste unter allen fossilen Ochsenarten, und man findet ihre Schädel 
und Hörner in denselben Diluvialschichten, in welchen die Knochen 
der Mammuthe, Mastodon- und Rhinoceros-Arten vorkommen. Vorzüg- 
lich zeichnen sich die Hornkerne dieser Ochsen durch ihre beträcht- 
liche Länge und die viel bedeutendere horizontale Entfernung der bei- 
den Enden von einander aus. 

B. primigenius Cuv. und Bojanus. B. taurus priscus vel fos- 
silis Cuv. früher; B. urus priscus Schloth. — Pusch, P. P. Tab. 14. 
f. 6. a. b. 

Er ähnelte mehr unserem zahmen Rinde, ist aber von ihm docii 
speciell verschieden. Nach Pusch stehen die Hörner an den Enden 
der zu beiden Seiten nur sehr wenig eingebogenen Scheitelkante zwi- 
schen Hinterhaupt und Stirn mit ihr in einer Richtung; die Stirn ist 
viereckig platt, fast so hoch als breit und nach der Stirnnath merk- 
lich concav eingedrückt; die Ebene des Hinterhauptes macht mit der 
Stirn einen Winkel von 55 Grad, und die Fläche des Hinterhauptes 
ist ebenfalls viereckig. 

Im Diluvium, am gewöhnlichsten aber in Torfmooren und ande- 
ren oberflächlichen Alluvionen. 

B. Pallasii Dekay. B. moschatus fossilis?; B. canaliculatus 
Fischer, Oryct. du Gouv, de Moscou. tb. 3. b. 

Die in Sibirien und bei Neu-Madrid in Nordamerika aufgefunde- 
nen Theile zeigen einen dem im Norden Amerikas lebenden Bisamstier, 
B. moschatus, sehr ähnlichen, wenn nicht vielleicht ganz gleichen Ochsen an. 

B. trochocerus H. v. M. gehört dem Diluvium Ober- Italiens an. 

Auch in Amerika (Kentucky), in Asien (an den Siwalik- Bergen 
und am Irawadi) und in Afrika sind Reste fossiler Ochsen entdeckt 
worden. 

9. Ordn. Cetacea. Fiischisäiig^etliiere. 

An ihren fischähnlichen Körpern sind die Vorderfnfs© in Flos- 
sen und die Hinterfüfse in eine horizontale Schwanzflosse umge- 
wandelt. Durch ihr Gebifs nähern sich einige den Pachydermen 



56 



SAUGETIIIERE. 



Die fossilen Reste dieser Tliiere sind im Ganzen nicht häufig 
und noch wenig gekannt, blieben indessen schon den älteren ter- 
tiären Schichten nicht ganz fremd. 

Die Angaben über fossile Arten der Gattungen 

1. G. Manatus Cuv. Lamantin, und 

2. G. Halicore III. Dujong^ 

beziehen sich, wie es scheint, auf die neue, zwischen beiden 
stehende 

t 3. G. üalianassa H. v. Meyer. {Balitlierium Kaup, 
Cheirotherium Bruno), 

von welcher Gattung fossile Reste in der Molasse zu Baldringen 
in Oberschwaben mit denen von Metaxytherium zusammen aufge- 
funden worden sind. (Leonh. Br. Jahrb. 1842. p. 101.) 

t 4. G. Metaxytherium Christol. (fniaiv^ dazwischen; 
d^TfQLOVf wildes Thier), 

welche die Backenzähne des Lamantins und das Skelett der Dujongs 
besafs. (Leonh. Br. J. 1841. p. 862. u. 1842. p. 622.) 

Die Backenzähne hatten mit denen von Hippopotamus grofse 
Aehnlichkeit, und Cuvier gründete daher auch auf solche Zähne 
seine Arten Hippopotamus medius und E. duhius^ welche indefs 
nun mit der neuen Gattung vereint worden sind. Auch die Rippe 
und der Wirbel, welche Cuvier einem Lamantin und dann einem 
Wallrosse zuschrieb, gehören aufser anderen Resten zu dieser Gatt- 
ung, von M^elcher 1840 in einem festen Kalksteine bei Beaucaire 
ein vollständiges Gerippe entdeckt wurde. 

Die mittleren und oberen Tertiärbildungen von Frankreich, 
besonders die oberen von Montpellier, schlössen Ueberbleibsel von 
Metaxytherium^ welches nach Pictet wahrscheinlich zu den Pflan- 
zenfressern gehörte, ein. 

t 5. G. Zeuglodon Owen. Zygodon Owen. Jochzahn. Basi- 
losaurus Harlan (Cavyh]^ Joch; 6dm', Zahn). 

Die Backenzähne dieser Gattung sind in der Mitte einge- 
schnürt, so dafs sie aus zwei, durch ein schwaches Stielchen ver- 
einigten Theilen bestehen. Ihr Unterkiefer ist innen ausgehöhlt, 
wie bei den Cachelots, und ihre kurzen und niedergedrückten Glie- 
der verweisen sie in die Ordnung der Cetaceen. 

Z. ce toi des Owen, wurde durch Harlan in tertiären Schich- 
ten von Louisiana und Alabama in den vereinigten StiJaten entdeckt, und 



, FISCHSAÜGBTHIERE. 67 

in dem letzleren Staate fand Buckley einige Jahre später ein ganzes 
Skelett dieser Art von 70 Fufs Länge ■• )• 

6. G. Delphinus L. Delphin. 

Ihre NasenölFnung ist in ein Sprrtzloch verwandelt, um das 
mit ihrer Nahrung eingeschluckte Wasser wieder auszuspritzen. 
In beiden Kiefern stehen 9 — 50 kleine, gleich grofse kegel- 
förmige Zähne. 

Auch in tertiären Meeren lebten Delphine, und in den Schich- 
ten von Dax, Angers, an den Apenninen und zu Calvert in Ma- 
ryland hat man mehrere fossile Arten von ihnen schon aufgefunden. 

t 7. G. Arionius H. v. Mey. 

Dieses den Delphinen verwandte Meer- Säugethier wird von 
H. V. Meyer ■"""') so charakterisirt: 

„Kopf dem Typus der delphinartigen Thiere ähnlich , die 
Hinterhauptsfläche nach oben concav; Stirnflache platt, horizon- 
tal und von namhafter Breite; unmerklicher Uebergang vom Schä- 
del zur Schnauze; der Zwischejikiefer in der Gegend des Sprilz- 
Apparates erhaben; weit klaffender Xasencanal lings der Schnauze; 
langschnauzig ; geringe Unsymmetrie in der Gegend des Spritz- 
Apparates; die Symphysis des Unterkiefers nicht unter i von der 
Totallänge des Schädels; der Rachen mit vielen Zähnen bewaff- 
net, welche im Oberkiefer nicht früher ausfallen; die Zähne von 
pyramidaler Bildung, die Krone derselben nach oben flacher wer- 
dend, vorn und hinten mit einer scharfen Kante versehen, sonst 
leicht gestreift, die Kanten und Streifen nicht ausschliefslich der 
Schmelzbekleidung eigen. Das vollständige Thier wird nicht unter 
12' Länge gemessen haben.'' 

A» servatus^ die einzige Art, aus der Molasse Baldringens im 
würterabergischen Oberschwaben. 

8. G. Monodon L. Narwall. 

Mit 2 horizontalen, sehr langen und schraubenförmig gewun- 
denen Eckzähnen im Oberkiefer, von denen der rechte meistens 
verkümmert ist. 

Ihr Vorkommen im fossilen Zustande ist zweifelhaft, 
t 9. G. Ziphius Cuv. 

Nach Cuvier eine den Delphinen verwandte, jetzt ausgestor- 
bene Gattung mit drei Arten, von welchen zwei aus tertiären 

*) Edinb. new. philos. Journ. 18^3. p. 77. 
*♦) Leonh. Br. Jahrb. 1841. p. 330. 



58 



SÄÜGBTHIERE. VÖGEL. 



Schichten der Provence und von Angers stammen. Nach de Blainville 
hat diese Gattung aber ihren lebenden Repräsentanten in Delphi- 
nus micropterus Cuv. 

10. G. Physet&r L. Pottwall. Cachelot. 
Nach Marcel de Serres gehören einige Knochen aus den obe- 
ren tertiären Gebilden von Montpellier, und nach Owen und Char- 
lesworth einige aus dem Crag von Felixstow dieser Gattung an. 
(Pictet,p. 320.) 

t 11. G. Cetotherium Brandt. 
, Mit diesem Namen belegte Brandt Cetaceen-Reste von Anapa, 
welche sehr an Balaenoptera erinnern. 

12. G. Balaena L. Wallfisch. 

Auch die gigantischen Bewohner unserer Meere fehlten nicht 
ganz in der früheren Schöpfung. 

B. C ortest Destnoulins, etwa von 12' Länge, wird aus jungen 
tertiären oder noch jüngeren Schichten Italiens und 

B. Cuvieri Desm., ungefähr von 21' Länge, aus ähnlichen 
Schichten der Lombardei angeführt. 

Unbestimmte Reste yon Wallfischen werden aus der Dauphine, 
von Montpellier, aus Schottland, England und anderen Orten citirt. 

IL Klasse. Aves. Vögel. 

Rückgraththiere mit rothem, warmem Blute, welche Eier legen 
und mit Federn bedeckt sind. 

Die in Flügel umgebildeten Vorderglieder, die schiiTarlige 
Gestalt ihres Rumpfes ''), in dessen Innerem grofse Luftzellen vor- 
handen sind, und die markleeren, hohlen Knochen der meisten 
Vögel zeigen unverkennbar, dafs die Vögel ihrer ganzen Organi- 
sation nach zu dem Athmen in der Luft und vorzugsweise zu dem 
Fliegen bestimmt sind. 

Die Zahl ihrer Halswirbel variirt von 9 bis zu 28. Ober- 
und Unterkiefer, welche sich zu einem Schnabel verlängern, sind 
beide beweglich und zahnlos Anstatt des Fufswurzel- und 

Mittelfufsknochens besitzen sie nur einen Knochen, den Lauf, an 
welchem die Zehen unmittelbar befestiget sind. 

*) Nur bei einigen, nicht mit Flugfertigkeit begabten Vögehi ist das 
Brustbein flach. 

**) Der sogenannte Zahn auf dem Rande des Schnabels einiger Vögel 
ist nur eine eckige Erhöhung desselben. 



VOGELFAHRTEN IN ÄLTEREN GESTELNEN. 



59 



Bei der grofsen Einförmigkeit in dem Baue der Vögel bieten 
die Füfse, Schnabel und Flügel die Hauptanhaltepuncte für ihre 
Classification dar. 

Während die Klasse der Vögel in der jetzigen Schöpfung 
eine so bedeutende Rolle spielt "••), so scheint sie in früheren 
Zeiten gerade am untergeordnetsten gewesen zu sein, und die Kennt- 
nifs von fossilen Arten aus dieser Klasse ist leider noch sehr gering. 

Das Vorkommen der Vögel und der Säugethiere setzt eine 
Atmosphäre voraus, welche nicht zu reich an Wasserdämpfen und 
an Kohlensäure i«t, und gerade diese Bedingung scheint in früheren 
Epochen unseres Erdballs nicht so erfüllt gewesen zu sein, wie 
jetzt. Bei ihrer flüchtigen Lebensweise konnten die Vögel sich wohl 
auch eher den Finthen entziehen, in welchen andere Thicre das 
Grab fanden, und bei der Leichtigkeit ihres Körpers, welcher selbst 
nach dem Tode des Thieres noch einige Zeit auf der Oberfläche 
der Gewässer umhergetrieben wurde, mufsten die meisten von ihnen 
wohl die Beute marinischer Raubthicre werden. 

1. Vogelfalirten in älteren Ges»teinen. 

(Taf. V. Fig. 1, 2, 3.) 

Der bunte (neu-rothe) Sandstein ist es gewöhnlich, in wel- 
chem Fufseindrücke von Thieren und Abdrücke dieser Fährten *" ) 
aufgefunden werden. 1836 wies Ilitchcock in einigen Schichten 
dieses Gesteines von Massachusetts und Connecticut zahlreiche Ein- 
drücke nach, welche theilweise denen von Vogelfüfsen glichen, 
theilweise aber auch von Reptilien herrühren mochten. 

Hitchcock nennt die ersteren Ornithiclinitcn , von oQvig, Vo- 
gel und l/vtov, Fährte, und unterscheidet von ihnen mehrere Arten. 

Ornithichnites Hitchc. (L. Br. J. 1836. p. 467. tb. 5.) 

0. giganteus II. — Buckl. Min. and Geol. PL 26 b. ßg. 1. 

Die Fährten zeigen einen dreizchigen Fufs an und sind ganz ähn- 
lich denen von 0. tuberosus. Die Zehen bleiben ziemlich gleich dick 
und enden in eine gerade dünne Klaue. Die Länge eines Fulses ohne 
Klauen beträgt 15" engl., die mit Klauen 16^ — 17"; die Dicke einer 
Zehe 1$", die Breite derselben 2". Innere Zehe mit 2, milllcrc mit 
3 Gliedern. Die Schrittweite war 4' — 6'. 



*) Nach Leunis (Synopsis der drei Naturreiche, 1844) beträgt die An- 
zahl der bekannten Arten über 6000. 

**) Vergl. Fährten von Sauriern im bunten Sandsteine. 



60 VOGEL. 

0. tuberosus H. — Taf. V. Fig. 2. 

Nur halb so grofs als die vorigen Fährten und mit relativ länge- 
ren Klauen. Schrittweite 24" — 33''. 

0. ingens H. Mit drei schmalen, lang zugespitzten Zehen. 
Länge des Fufses 15" — 16". Ein 8" — 9" langer Anhang hinter der 
Ferse rührt vermuthlich von Federn her, weiche über der Ferse stan- 
den und sich im Schlamme mit abgedrückt haben. Schrittweite 6'. 
Hiervon findet sich auch eine kleinere Varietät. 

O, diver sus H. — Taf. V. Fig. 1. 

2" — 6" lange Fährten mit drei langen, schmalen Zehen und einem 
Federbüschel hinter der Ferse. Schrittweite 8" — 2l". Sie kommen 
am häufigsten vor und gehören vielleicht nur jüngeren Individuen der 
vorigen Art an. 

0, tetradactylus H. Drei Zehen stehen nach vorn, eine vierte, 
welche nicht mit der Ferse zusammenhängt, ist fast unter einem rech- 
ten Winkel nach innen und hinten gekehrt. Länge 2|f" — 32". Schritt- 
weite 10" — 12". 

0. palmatus H. — Taf. V. Fig. 3. 

Mit vier nach vorn gerichteten freien Zehen und breiter Ferse. 
Die beiden äufseren Zehen sind die kürzesten, und die beiden inneren 
sind von einander am meisten getrennt. Länge 2^" — 3". Schritt- 
weite 8". 

Solch eine Stellung der Zehen kommt bei keinem lebenden Vogel 
vor, und es scheint, als ob diese Fährten eher den Reptilien zuzu- 
rechnen seien. 

0. minimus H. Hat nur 3 kurze, breite Vorderzehen. Länge 
i" — 1^". Schrittweite Z" — b". 

Auch diese Fährten dürften eher von Reptilien als von Vögeln 
abstammen. 

Die meisten dieser Fährten, wenigstens 0. ingens und 0. 
diversus, scheinen von Sumpfvögeln herzurühren, wiewohl die er- 
sleren und 0. giganteus sich ihrer Gröfse halber mit keiner der 
lebenden Arten passend vergleichen lassen. Selbst die Fufslänge 
des Straufses, des gröfsten aller lebenden Vögel, beträgt bei einem 
8' hohen Individuum nur 10". Indessen stimmen auch alle neue- 
ren Beobachtungen dahin überein, dafs diese Fährten von Zwei- 
füfsern entstanden sind " ). 

♦) In einem Briefe an Mantell sagt Deane: „Die Fährten sind unab- 
änderlich die eines Zweifüfsers und auf der oberen Seite der Schichten, 
während die untere den Convex- Abdruck zeigt. Zuweilen kann man bis 



VOGELKNOCHEN IN DER KREIDEFORMATION. 



Der von Koch am Missisippi angeblich in silurischen Schich- 
ten entdeckten Spuren von reiherartigen Vögeln geschah schon bei 
menschlichen Fufseindriicken (p. 5.) Erwähnung. 

9. Vog^elknochen in der Kreideformation. 

Rechnet man das von Mantell in dem Haslingssande des Wal- 
des von Tilgate aufgefundene und von Owen als der Tarso-Meta- 
tarsal -Knochen eines dem Reiher ähnlichen Sumpfvogels bezeich- 
nete Knochenfragment ab , so ist das Vorkommen von Vogelknochen 
in Schichten der Kreideformation das älteste. 

Escher von der Linth fand in dem zu ihr gehörigen Schiefer 
von Glaris ein Skelett, welches H. v. Meyer für das eines Vogels 
erkannte und als solches beschrieb "0- die Füfse dieses Vo- 

gels nicht zum Waten eingerichtet waren, so gehörte er nicht 
zu den Sumpfvxigeln , pafste hingegen am befsten in die Ordnung 
der Sperlingsvögel und besafs ungefähr die Gröfse der Lerche. 

Owen zeigte in drei Knochen, besonders in einem derselben 
von 9" engl. Länge, aus der Kreide von Maidstone, welche er 
durch Lord Enniskillen erhielt, die grofse Aehnlichkeit mit dem 
Oberarmknochen des Albatros^ von welchem sich der fossile Kno- 
chen durch drei schärfere Kanten unterscheidet 

Gervais bezeichnet Vogelknochen mit dem Gattungsnamen 
Osteornis (Knochenvogel) und nennt den von Mantell aufgefun- 
denen 0. ardeaceus, den von Meyer bestimmten Vogel 0. sco- 
lopacinus und den von Maidstone 0, diomedeus. (L. Br. J. 
1844. p. 877.) 

3, Vögel in tertiären nnd jüng^eren 
l§chichten. 

Schon Cuvier bewies, dafs der Gyps von Montmartre wenig- 
stens 11 Arten Vögel einschliefse , unter welchen 3 Raubvögel 
{Haliaetos, Buteo^ Strix)^ 1 Hühnervogel (Coturnix)^ 4 Sumpf- 
vögel (Ibis^ Scolopax^ Pelidna und Numenius gypsorum) und 2 
Schwimmvögel (Pelecanus) waren***), und noch 1842 zeigte GeofFroy- 
St.-Hilaire in der Akademie zu Paris das fast vollständige Skelett 



über 10 auf einander folgende Fährten eines Individuum zählen." (L. Br. J. 
1844. p. 248 , 635.) 

*) L. Br. J. 1839. p. 683. 

**) L. Br. J. 1841. p. 856. 
L. Br. J. 1844. p. 877. 



62 



VOGEL. 



eines ganzen Vogels ans den Kalkbrüchen des Montmartre vor. 
{Compl, rend. Tome 14. p. 219.) 

Nach einigen Vogelknochen aus dem London- Thone schuf 
Owen die neue Gattung Lithornis (Steinvogel) und nannte die 
Art L. tmltnrinvs. König bezeichnete den Schädel eines Schwimm- 
vogels aus dem London -Thone von Sheppey zu Ehren des ver- 
dienten Buckland: Bucklandium. 

Nach H. V. Meyer umschliefst das Tertiärgebilde von Wei- 
senau Ueberreste von wenigstens einem Dutzend Vögeln verschie- 
dener Art, welche sich auf zwei Raubvögel, auf sperlingsartige, 
hiihnerartige, Sumpf- und Schwimmvögel vertheilen lassen '"')• 

Im Süfswasserkalke des Cantal-Dep. glaubt Jourdan, Knochen 
eines Cathartes entdeckt zu haben, an dem Moliere -Berge kom- 
men, nachBourdet, Knochen von Hühnern vor, und Karg und Schinz 
zeigen eine sehr grofse Schnepfe aus dem Schiefer von Oeningen 
an. (Pictet, Pal. p. 347.) 

Unbekannter sind die Nachrichten über die in jüngeren ter- 
tiären Bildungen der Auvergne aufgefundenen Vogelreste, von denen 
Gervais •'■ '■) indessen auch mehre Gattungen bezeichnet. 

Aufserdem sind aus dem diluvialen Sande, aus den Knochen- 
breccien und den meisten Höhlen Knochen aus allen Ordnungen 
der Vögel bekannt geworden, welche jedoch entweder keine Be- 
stimmung zulassen oder noch einer genaueren Untersuchrng be- 
dürfen. Lund allein zeigt aus den Höhlen Brasiliens 33 fossile 
Arten aus 26 Geschlechtern an, worunter 1 Raubvogel, 18 Sing- 
vögel, 6 Kletter-, 4 Hühner- und 5 Sumpfvögel sind. Sie ge- 
hören fast alle in die dort einheimischen und zum Theil Süd- 
amerika eigenthümlichen Gattungen. Nur eine jener Arten ist von 
jetzt lebenden Vögeln gänzlich verschieden und deutet auf eine 
ausgestorbene Form aus der Familie der Hühnerstelzen (Alectori- 
den). Sie hatte die Gröfse des amerikanischen Straufses ***). 

Selbst Eier und Federn fossiler Vögel fand man in ter- 
tiären und jüngeren Gesteinen noch eingeschlossen, erstere in dem 
Süfswasserkalke der Auvergne und letztere in den Kalken des 
Monte-Bolca und in dem Gypse von Aix t). 



♦) L. Br. J. 1843. p. 398. 
L. Br. J. 1844. p. 877. 
L. Br. J. 1843. p. 237. 
t) Pictet, p. 348. — Jahrb. 1844. p. 877. 



VÖGEL IN TERTIÄREN UNI) JÜNGEREN SCHICHTEN. 



63 



Aber zu den interessantesten Auffindungen in neuester Zeit 
gehören ohnstreitig die riesenhaften Vögel im Schlamme der Flüsse 
Neuseelands. 

Owen's Vermuthungen bei Untersuchung eines grofsen Ober- 
schenkel-Bruchstücks aus Neuseeland, dafs dasselbe einem riesen- 
haften Vogel angehört habe, welcher die meiste Verwandtschaft 
mit dem dort noch lebenden Apteryx habe'"), fanden schon 1843 
eine glänzende Bestätigung. Es wurden nämlich durch dem Mis- 
sionär Revd. Williams aus Neuseeland zwei Kisten Knochen nach 
London gesendet, welche durch Buckland, Broderip und Owen 
untersucht wurden. 

Die Knochen der ersten Kiste bestanden in Oberschenkeln, 
Schienbeinen, Becken, Halswirbeln, Rabenschnabelbeinen und einem 
Tarsalbeine und liefsen auf einen sehr starken Vogel von etwa 
14 Fufs Höhe schliefsen. 

Der Charakter dieses Riesenvogels geht im Allgemeinen aus 
nachstehendem Briefe hervor: 

(An Dr. Buckland. Nach Aufstellung einer Liste von 23 Knochen.) 

Es ist genug des Angekommenen, um zu zeigen, dafs diese 
Knochenreste dem nämlichen Vogel angehören, von welchem ich schon 
1839 ein Bruchstück beschrieben habe. Er ist verschieden vom Straufse, 
v\^eil er dreizehig, verschieden von den dreizehigen Struthioniden durch 
die Abwesenheit der Luft im Femur und durch die Kürze des Mefa- 
tarsal (Mittelfufsknochens) gegen die Tibia (Schienbein). In diesen 
Charakteren zeigt der grofse Vogel eine bedeutende Verwandtschaft 
mit Apteryx^ der unter allen lebenden Vögeln ihm theilweise am näch- 
sten steht, aber einen vierten Zehen besitzt. Ich habe ihn daher als 
Meg alornis Novae Hollandiae bezeichnet. Er ist vollkommen 
stark genug, um Fufstapfen so grofs wie Ornithichnites giganteus 
Hüchcock und noch gröfser zu machen, und alle noch vorhandenen 
Zweifel, ob diefs Eindrücke von einem grofsen dreizehigen Vogel 
seien, sind durch den Anblick dieser Knochen aus meinen Gedanken 
verschwunden. 

R. Owen." (L. Br. J. 1843. p. 335.) 



*) Lond. Ed, D. phil. Mag, V, 22. p. 558. — Apteryx, mit der einzigen, 
etwa 32" hohen Art, A, australis Temk. oder dem Kiwi, ist bisher immer 
unter die straufsartigen Vögel gezählt worden, gehört jedoch, nach Reichen- 
bach, zu den schnepfenartigen Vögeln, unter welchen er die straufsartigen 
vertritt. 



64 VÖGEL. — VÖGEL IN TERTiXUEN UNü JÜNGEREN SCHICIITEX. 



Dinornis Owen (Je^o^, ungeheuer; oQviq, Vogel). 

Unter diesem Namen fafst Ow^en die früher als Megalomis 
bezeichneten und die anderen, später von ihm beschriebenen Ar- 
ten neuseelander Riesenvögel zusammen. 

D. Novae Z ealandiae Ow. (Megalomis Novae HoUandiae.) 

Der vollständigste Unterschenkel jener Sendung ist 2' 4^" engl, lang 
und entspricht einem 14" langen Oberschenkel. Der Umfang des ersteren 
dieser Knochen ist am Binnenende 15" und in der Milte 5". Die Länge 
des Tarsal- Beines (Laufes) beträgt 12", sein Umfang in der Mitte 4" 
5'", seine Breite am Aufsenrande 3" lO"'. Durch diese verhältnifs- 
mäfsige Kürze und Stärke dieses dreitheiligen Knochens steht der 
Vogel dem Apteryx näher als den anderen lebenden Strutkioniden, 
von welchen letzteren, ebenfalls dreizehigen Vögeln er sich durch 
das Verhältnifs der Beinknochen und die dichtere Structur, wie bei 
Apteryx ohne Luftröhre, genügend unterscheidet. Der Mangel einer 
Hinterzehe trennt ihn von Apteryx und Didus, der Dronte oder dem 
Dudu, welcher auf der Insel Rodriguez, wahrscheinlich gleichzeitig mit 
diesem auf der nördlichen Insel von Neuseeland lebenden Vogel, er- 
loschen ist. Sein Becken hatte gröfsere Aehnlichkeit mit dem der 
Trappen als mit dem der straufsartigen Vögel. (Jahrb. 1844. p. 242.) 

Später unterscheidet Owen nach dem ihm zugekommenen 
Vogelknochen von den Ufern der Wairon, die in die Armuths- 
Bai ausmündet, fünf ausgestorbene Dinornis- Arten Neuseelands ■'■'): 

D. gig anteus: eine von Williams aufgefundene, 2' lO" lange 
Tibia (Unterschenkel) entspricht einem lO' hohen Vogel; 

D. strnthioides: war l' hoch; 

D. didiformis: war dem Dudu, Didus ineptus, am meisten 
verwandt ; 

D. dromaeoides: mochte 5' hoch sein; 

jD. otidiformis: von der Gröfse des gemeinen Trappen. 

Keiner dieser Knochen besafs eine Luftröhre, wefshalb auch 
keiner jener Vögel zum Fliegen bestimmt war, zweifelsohne die 
Veranlassung zur baldigen Ausrottung derselben. 

Im Dinornis Novae Zealandiae oder D. giganteus erblickt 
man den gröfsten ■''■) aller bis jetzt bekannten Vögel, welcher, 

*) L. E. D. phil. Mag. Vol. 24. p. 378. — Jahrb. 1844. p. 381. 

**) F^ast unbegreiflich ist es, wie man noch häufig selbst in den neue- 
sten Schriften den Riesengreifen, Gryphus antiquitatis Schub., unter den 
Vögeln aufgeführt findet, da es doch längst erwiesen ist, dafs dieser in das 
Reich der Fabeln gehörende Vogel durch menschliche Phantasie aus Hörnern 
und anderen Theilcn fossiler Rhinocerosse entstand. 



REPTILIEN. 



65 



wie es auch mit den anderen Arten dieser Gattung der Fall zu 
sein scheint, wahrscheinlich unserer jetzigen Weltepoche noch an- 
gehört hat. 

III. Klasse. Reptüia. Amphibia. Reptilien. 
Amphibien. 

Rückgratthiere mit kaltem Blute, welche durch Lungen ath- 
men, Eier legen, mit Schuppen oder Schildern bedeckt, oder 
nackthäutig sind. Einigen fehlen die Beine gänzlich, andere ha- 
ben 2, die meisten jedoch 4 Beine. 

Beide Kiefern sind nur bei den Schlangen beweglich. Aufser 
bei den Schildkröten und der Fipa oder Wabenkröte sind diese 
mit spitzen scharfen Zähnen bewaffnet, welche theils in Höhlungen 
eingekeilt sind, wie bei den Säugethieren, theils mit dem Kiefer- 
rande verwachsen und theils an der Innenseite des Kiefers ange- 
wachsen sind, wo sie bisweilen in Längsrinnen stehen. Selbst 
im Gaumen sind bei ihnen oft Zähne befestigt. Die Zahl der 
Wirbel und Rippen ist sehr verschieden. Den Fröschen fehlen 
die letzteren ganz, und den Schlangen mangeln das Becken und 
die Schlüsselbeine. Gegenwärtig kennt man an 800 lebende Arten. 
(Leunis, Synopsis der drei Naturreiche, p. 125.) 

Wie in der Geschichte der Menschheit gewisse Eiitwickelungs- 
stufen nicht zu verkennen sind, wie der Bebauung der Wissen- 
schaften immer die Ausbildung der Kunst vorausging, und wie die 
einzelnen Völker berufen waren, einen immer höheren Zweig der 
Kunst und später der Wissenschaft zu cultiviren, während von 
ihnen die Stufe oft nicht erreicht ward, welche ihre Vorgänger 
in Bezug auf das niedrigere Stadium einnahmen, ganz so geschah 
es auch bei der allmählich emporsteigenden Entwicklung der thier- 
ischen Schöpfung, die unseren Erdball bewohnte. Kaum giebt es 
hierfür einen schöneren Beweis, als uns die Geschichte der Rep- 
tilien darbietet. Zuerst in dem Kupferschiefer und Zechsteine mit 
einer der jetzigen Welt ganz fremden Form beginnend, bezeugen 
die Fährtenabdrücke im bunten Sandsteine und die Knochen und 
Zähne im Muschelkalke . schon die grofse Entwickelung einer nur 
dem Trias eigenthümlichen Saurier-Familie. In der Juraformation 
aber erkennt man, dafs diese Ordnung gerade hier durch die 
Gröfse und hohe Ausbildung ihrer Organismen einen Glanzpunkt er- 
reichte, welchen man füglich mit der Höhe vergleichen kann, auf 

Geinitz, Vergteiiierungskiimle. 5 



66 



BEPTIIIEN. 



welcher einstens Athen und Rom in Bezug auf die Künste standen. 
Nur in der gleich darauf folgenden Kreideformation erscheinen 
ähnliche, wenn auch wenige, grofsartige Gestalten; den spateren 
Weltepochen blieben diese fremd. 

Die Reptilien zerfallen in 4 Ordnungen: Schildkröten, 
Saurier, Schlangen und Frösche. 

1. Ordn. Testudinata. ChelonU. ISchildkröten. 

Ein kurzer breiter vierbeiniger Leib ist von einem mit 
Hornmasse umgebenen Knochenpanzer bedeckt; die Kiefern sind 
zahnlos. Der Knochenpanzer besteht aus Rücken- und Brust- 
ßchild, welche entweder nur durch eine Haut- oder Knorpelmasse 
zusammenhängen oder zu einem Stücke verwachsen sind. 

Die am Rande des Rückenschildes stehenden Hornplatten heifsen 
Randplatten, die von diesen eingeschlossenen Scheibenplatten; 
von diesen liegen die Wirbelplatten auf den Wirbeln, die Sei- 
ten- oder Rippenplatten diesen zu beiden Seiten auf den Rippen, 
und die Brustplatten bedecken das Brustschild. 

Bei den Land- und Süfswasserschildkröten sind alle 
vier Beine gleich lang, bei den Seeschildkröten sind die Vor- 
derbeine die längeren. (Leunis, Synopsis der drei Naturreiche, 
p. 129.) 

Die älteste Spur einer Schildkröte ist ein durch Owen bestimm- 
ter Oberschenkel aus dem neu-rothen Sandsteine zu Elgin. 

1. G. Testudo L. Landschildkröte. Tortue, 

Rücken- und Brustschild sind mit einander verwachsen, das 
erstere ist hoch gewölbt und erlaubt, dafs der kurze, runde 
Kopf und die Beine unter dasselbe zurückgezogen werden können. 
Hinterfüfse mit 4, Vorderfüfse mit 5 Zehen, welche bis an die 
stumpfen Nägel verwachsen und daher unbeweglich sind. 

Die ältesten Landschildkröten kommen in tertiären Bildungen 
vor und wurden durch H. v. Meyer in dem Gypse von Aix, in 
den Schichten von Weisenau bei Mainz, in der Molasse der Schweiz "' ) 
und durch Marcel de Serres bei Montpellier "• '"■) nachgewiesen. 

Eine riesenhafte Schildkröte aus den tertiären Schichten der 
Siwalikberge im nördlichen Indien bezeichnen Cautley und Fal- 
coner als 



*) L. Er. Jahrb. 1843. p. 392 und 699. 
Br. Jahrb. 184J. p. 735. 



SCHILDKRÖTEN. 



67 



t 2. G. Colo ssochely s (y.oloaoog, Kolofs; /iXvg, eine 
Schildkröte), 

und betrachten dieselbe als Untergattung von Testudo '0, womit sie 
durch die Wölbung des Schildes und die BeschalFenheit ihrer ko- 
lossalen Bewegungsorgane übereinstimmt. 

C. Atlas C. u. F., soll die Länge von 18' und aufrechtstehend 
die Höhe von 7' engl, erreicht haben. 

Das ganze Schild mochte bei ihr 12' 3" lang und 8' breit gewesen 
sein. Am vorderen Ende verengt es sich zu nur 8" Breite, erhält 
bei ausgewachsenen Individuen hier die Dicke von 6i^\ ist an dem 
vorderen Ende zweispaltig und auf der unteren Seite mit einem dicken 
keilförmigen Kiele unterstützt. Nach Vergleichen mit der lebenden 
Testudo Indica war der Kopf gegen 2' lang. 

Als t 3. G. Testudinites Sellowii beschreibt Weifs ^'^) 
den Panzer einer Schildkröte aus dem südlichen Brasilien, wo der- 
selbe mit den unter Glyptodon beschriebenen Edentaten -Panzern 
zusammen vorkam. 

4. G. Emys Schweig. Süfswasserschildkrote. 

Rückenschild ziemlich flach und mit dem Brustschilde durch 
Knorpel verbunden. Längs des Rückens liegen 5 Schuppen, welche 
aber nicht bis zu dem Vorderrande gehen. Zwischen ihnen und 
den 12 paarigen Randschuppen liegen 4 paarige Seitenschuppen. Au- 
fserdem ist am Vorderrande, am Ende der Rückenlinie, gewöhn- 
lich noch eine kleine unpaarige Randschuppe vorhanden, welche 
indessen selbst bei einer und derselben Art öfters fehlt oder noch 
von einer zweiten begleitet wird. Kopf und Rumpf sind nicht 
ganz unter das Schild zurückziehbar. Vorderfüfse mit 5, Hinter- 
füfse mit 4 Zehen, welche, wie die aller Süfswasserschildkröten, 
beweglich und mit Schwimmhäuten und Nägeln versehen sind. 

Die ältesten Arten von Emys kennt man aus der Waldfor- 
mation (Wealdenformation) und aus der Kreide 

E. Ren st et i Mantell, aus der Kreide von Maidstone in Kent, 
war der E. Europaea nahe verwandt. 

E. Menkei (H. v. Mey. in L. Er. J. 1841. p. 445.) gehört der 
Waldformation von Schaumburg-Lippe an. 



*) Lond. Ed. Buhl. phil. Mag. Vol. 25. p. 532. 

**) Abhandl. der Berliner Akademie 1827 u. 1828. tb. 4. f. 1, 2. 

***) Jahrb. 1841. p. 729, 857. 

5- 



68 



REPTILIEN. 



Die Existenz dieser Galtung in tertiären Schichten ist durch H. 
V. Meyer von Weisenau bei Mainz und in dem Molassesandstein der 
Schweiz durch Owen bei Sheppey und durch Marcel de Serres ■ ■ ) 
bei Montpellier dargethan worden. Aus den Torfgebilden von Enk- 
heim und Diirrheim beschreibt v. Meyer '•••^'^•') eine Art, welche mit Bos 
primigenius und mit Knochen noch lebender Thiere zusammen dort 
häufig gefunden wird, womit vielleicht auch die von Nilfson in Schoö- 
nen gefundenen Schildkröten f) übereinstimmen. 

Auch andere der noch lebendea Gattungen von Süfswasser- 
schildkrölen waren in der Vorzeit vertreten. 

5. G. Clemmys Wagl. 

glaubt H. V. Meyer in den Tertiärgebilden von Weisenau bei Mainz 
und bei Wiesbaden erkannt zu haben tt); 

6. G. Chelydra Schweig. Alligator-Schildkröte 
{ytlvg, Schildkröte; vd^a^ Wasserschlange), 

wegen des langen, mit Hornstücken bedeckten Schwanzes, wurde 
durch denselben Forscher in dem Schiefer von Oeningen ttt) auf- 
gefunden, und 

7. G. Trionyx Geolf. Weich-Schildkröte (j^iy drei; 
ovv'^j Klaue), 

so genannt wegen des weichen Schildes und ihrer nur die drei 
Innenzehen bedeckenden Klauen, ist von mehreren Orten bekannt. 

T. Parisiensis Cuv., aus dem Gypse des Montmartre, und meh- 
rere andere tertiäre Arten aus Frankreich wurden schon von Cuvier 
beschrieben, drei Arten bestimmte Owen aus dem Londonthone von 
Sheppey tttt), und auch in der Molasse des Waadt-Landes u. a. 0. der 
Schweiz deuten eigenthümliche Panzerfragmente ihre Existenz an. 

Mit den letzteren fanden sich Rippenplatten zusammen, welche 
mit Grübchen bedeckt sind und zugleich, wie die Platten auf an- 
deren Schildkröten, mit Eindrücken oder Rinnen zur Aufnahme der 
Schuppengrenzen versehen sind. H. v. Meyer bildet daraus sein 
neues Genus 



*) Jahrb. 1843. p. 393 u. 1839. p. 4. 
**) Jahrb. 1841. p. 737. 

Museum Senckenbergianum. Bd. 2. Hft. i. 
•«-) Jahrb. 1843. p. 123 u. 391. 
-j-l) Jahrb. 1843. p. 391, 586. 
-i-j-f) Jahrb. 1844. p. 329. 

Jahrb. 1842. p. 493. 



SCHILUKRÖTEN. 



m 



t 8. G. Trachyaspis H. v. Mey. (tQu/vg, rauh; äomg, 
runder Schild). 

An diese Galtung schliefsen sich noch mehrere ausgestorbene an: 

t 9. G. Cimochely s Owen (? xtif-iai^ liegen; yß^vq^ Schildkröte), 

aus der Kreide von Maidstone; 

t 10. G. Eiirysternum Mün. (^EVQvg, breit; otIqvov , Brust), 

mit einer Art, E. Wagleri Mün., aus dem lithographischen Schie- 
fer von Solenhofen, worüber H. v. Bleyer in Münsters Beitr. z. 
Petref. Hft. 1. p. 89 eine genaue Beschreibung gab, und 

t 11. G. Idiochely s H. v. Mey. (^löiogy eigenthümlich; 
ytXvq, Schildkröte). 

7. Fitzingeri H. v. Mey. — Taf. VI. Fig. 15. Nach Münst. 
Beitr. z. Petr. Hft. 1. tb. 7. f. 1. (J). Aus dem jurassischen Kalk- 
schiefer von Kelheim an der Donau. 

12. G. Chelonia Brong. See-Schildkröte (yeXm'T]). 

Das schwach gewölbte Schild ist zu klein, um Kopf und 
Füfse darunter verbergen zu können. Die vorderen Beine sind länger 
als die hinteren, und die Zehen durch eine Haut zu Ruderfüfsen fest 
verbunden. Mund mit sehr starker, am Rande gezähnter Horn- 
bedeckung. 

Während die Thiere dieser Gattung, zu der auch die 7' lange 
Riesenschildkröte gehört, jetzt nur noch die wärmeren südlicheren 
Meere bewohnen, so hatten sie in früheren Epochen unserer Erde 
auch eine viel nördlichere Verbreitung. Wie wir fast überall die 
Meeresthiere sich früher entwickeln sehen als die der süfsen Ge- 
wässer oder die des Landes, so waren auch die Meerschildkröten 
die älteren. 

Cuvier führt Reste von ihnen aus dem Muschelkalke von LuneviHe 
auf, Münster aus dem Lias von Bristol und Alldorf bei Nürnberg, Man- 
tell aus dem Hastingssande (Waldform.) von Tilgate, v. Meyer aus dem 
Jura-Schiefer von Solenhofen, aus dein Kreide-Schiefer von Glaris, der 
Kreide von Mastricht (Palaeol. p. 103), Owen beslimmte drei Arten aus 
dem Londonthone von Sheppey, v. Meyer mehrere aus der Molasse 
der Schweiz (Jahrb. 1839. p. 6.), und Fischer wiefs diese Gxiltung im 
verhärteten Thone Sibiriens nach. 



*) Jahrb. 1843. p. 699. 



f 



70 



REPTILIEN. 



Orcln. ^auria. iSaiirier. 

Der Körper der Saurier ist lang gestreckt, entweder mit 
Schildern oder mit Schuppen, welche nie emaillirt sind, ausnahms- 
weise wohl auch nur mit Haut (Pleurosaurus) bedeckt. Sie ha- 
ben meistens 4 Beine. 

In dieser Gattung treten zahlreiche Formen auf, welche nicht 
allein als Uebergänge von den Saurien zu den drei anderen Ord- 
nungen der Reptilien zu betrachten sind, sondern auch auf die 
Klassen der Säugethiere, der Vögel und der Fische hinführen. 

Um so schwieriger und gewagter mufs daher auch eine Sy- 
stematik der fossilen Saurier sein, zumal manche ihrer Gattungen 
zur Zeit nur nach einzelnen Zähnen bekannt sind. Seitdem H. v. 
Meyer s Palaeologica zur Geschichte der Erde und ihrer Geschöpfe, 
1832 erschienen u. p. 201 desselben Werkes von diesem Gelehr- 
ten ein System der fossilen Saurier nach der Entwickelung ihrer 
Bewegungsorgane gegeben worden war, ist die Wissenschaft mit 
einem so grofsen Schatze von neueren Entdeckungen bereichert 
worden, dafs das gesammte Material eine neue Anordnung bedurfte. 

Bronn's Eintheilung "••) in Wasserbewohner und Land- 
bewohner, von denen die ersteren in Zehenfüfser und Flos- 
senfüfser, die letzteren in Zehenfüfser und Flederfüfser 
zerfallen, ist auf die ganze Organisation, die natürlichen Verwandt- 
schaften und die wahrscheinliche Lebensweise dieser Thiere ge- 
gründet. Eine neue Klassilication der gesammten Reptilien wurde 
im L. Br. Jahrb. 1838, p. 362 von Fitzinger gegeben. 

Owen nimmt 8 Ordnungen der Reptilien an, welche folgende 
sind: Dinosaurier, Enaliosaurier , Krokodilier, Lacertier, Pterosau- 
rier, Chelonier, Ophidier, Batrachier '••''') 

Was von den Besten geschaffen wurde, ist in den nachste- 
henden Blättern zusammengestellt oder wenigstens angedeutet wor- 
den, wobei die verschiedenen Gattungen in die nachstehenden 5 
Ordnungen vertheilt worden sind: 

A. Pterosaurier, welche in der Luft und auf dem Lande 
lebten ; 

B. Lacertier, welche vorzugsweise das Land bewohnten; 

C. Krokodilier, welche vorzugsweise im Wasser sich auf- 
hielten ; 



*) Lethaea, 1837. p. 498 u. a. a. O. 
**) L. Br. J. 1844. p. 114. 



SAURIER. 



71 



D. Enaliosaurier, welche ausschliefslich dem Meere ange- 
hörten; 

E. Labyrinthodonten, als Anhang. 

In den Pterosaurien und Lacertiern erkennt man das Empor- 
streben der Saurier nach den höheren Klassen des Thierreiches^ 
die Krokodilier sind recht eigentliche Saurier , die Enaliosaurier 
repräsentiren gewissermafsen in der Ordnung der Saurier die Klasse 
der Fische, und die Labyrinthodonten scheinen die Saurier, Ba- 
trachier und Fische zu verbinden, lebten jedoch, wie es scheint, 
auch vorzugsweise auf dem Lande. 

Ueber die riesenhafte Gröfse einiger dieser Thiere geben 
die vielfach aufgefundenen Ueberreste von ihren Skeletten ge- 
nügenden Aufschlufs. Fischer v. Wald heim beschrieb in seiner 
Oryctographie du Gouv. de Moscou einen Saurierzahn von den 
Ufern der Oca, dessen Krone 9" lang und an der Basis 4" breit 
ist, und ähnliche Zähne, von 8" Länge und IJ" Durchmesser, 
wurden von Koch im vorigen Jahre bei Gay-Head, auf der Insel 
Marthas Wingard, in der Nähe von Bedford entdeckt. (Briefl. Mitth.) 

Die ältesten Saurier kommen im Kupferschiefer vor (s. Rep- 
tilien p. 65.) 

Die fossilen Saurierknochen aus dem Muschelkalke von Jena be- 
stehen nach Prof. E. Schmid aus: 
6,55 schwefelsaurer Kalkerde, 
10,68 kohlensaurer Kalkerde, 
0,53 kohlensaurer Talkerde, 
65,03 phosphorsaurer Kalkerde, 
10,60 Fluorcalciura, 
3,11 phosphorsaurer Thonerde. 
1,85 phosphorsaurem Eisenoxyd, 

98,35 nebst Spuren von Chlornatrium und organischer Materie. 

A. Pterosaurier. Flieg- Sldisen. 

Saurier mit Flughaut. Sie lebten in der Luft und auf dem 
Lande. Einzige Gattung: 

t Fterodactylus Cuv. Ornithocephalus Sömmering. Flieg- 
Echse (nreQovy Flügel; ddxjvXog^ Finger). 

Taf. VI. Fig. 1. PL crassirostris Goldf. aus dem litho- 
graphischen Schiefer von Pappenheim (|). 

Diese merkwürdigen Thiere füllen die Lücke aus, welche in 
der jetzigen Schöpfung die Vögel von den Reptilien trennt. Die 



72 RKPTILIEX. 

Umrisse ihres Kopfes, die geräumige Brust, die langen Flügel und 
die aufrechte Stellung des Ganzen verkünden den Vogel, womit 
sich indessen die spitzen Zähne der Kiefern und die Krallen der 
Zehen in keinem Falle vereinigen lassen, und in einer ebenso lehr- 
reichen als anziehenden Abhandlung sagt Goldfufs '-) : „Bei diesen 
sonderbaren Thieren erkennt man die Bahn, die die Natur ver- 
folgte, als sie bei dem Fortschreiten ihrer animalischen Bildungen 
vom Reptile zum Vogel und zum Säugelhiere hinaufstrebte. Die 
wenigen wesentlichen Organe, die der Bewegung, erlitten die 
gröfste Umwandlung, indem sie theils denen des Vogels, theils 
denen der Fledermaus ähnlich wurden, dabei aber alle Knochen 
des Reptils der Zahl nach beibehielten und immer noch deren 
Grundtypus durchblicken liefsen. Der Schädel, im Schwanken 
zwischen der Form des Monitor und des Krocodils, versteckt seine 
Reptiliennatur unter den äufseren Formen des Vogels, konnte sich 
jedoch der , Zähne nicht entäufsern, da diese zur Lebensunterhaltung 
dieser Geschöpfe unentbehrlich waren. 

Nur wenige Verschmelzungen gesonderter Knochen und 
Schwindungen verschiedener Fortsätze sind indefs zur wirklichen 
Umwandlung in den Vogelschädel noch nöthig. Die hervortretende 
und bei verschiedenen Arten abweichende Länge des Halses ist 
abermals eine Abweichung von der den Reptilien eigenthümlichen 
Form und deutet auf ein Hinneigen zur Vogelbildung, ohne jedoch, 
bei veränderlicher Länge, die Zahl der Wirbel zu verändern. Der 
Grundlypus des Krokodils ist in allen wesentlichen Theilen der 
Wirbel noch zu erkennen. Der Körper bedurfte eines erweiter- 
ten Brustkastens und einer starken Befestigung der Vorderglieder. 
Daher ist das schildförmige Brustbein im Uebergange von den 
Vögeln zu den Reptilien begriifen. 

Vermöge seines Beckens und seiner hinteren Extremitäten 
konnte das Thier, wie das Eichhörnchen, eine sitzende Stellung 
einnehmen, während es seine Klauen benutzte, um sich an Fels- 
abhängen, in Klüften oder an Bäumen anzuklammern und an stei- 
len Wänden emporzuklettern. Die Zähne dienten dem Thiere, 
wie es scheint, mehr zum Festhalten als zum Zerkleinern seiner 
Beute, und diese mochte aus Insekten, und vielleicht auch aus 
Wasserthieren bestehen, welche es, über dem Wasser schwebend, 
erhaschte." 



*; Act. Ac, Cacs. Leop. Carl. ISat. Cur. T. XT. P. 1, p. 63—112. 



SAÜRIBK. 



73 



Am Pt. crassirostris wurde von Goldfufs die interessante 
Entdeckung gemacht, dafs diese Eidechse, ausnahmsweise von allen 
anderen Reptilien, mit einem Pelze von Straufsfedern ähnlichen 
Haaren bedeckt war. 

Die Pterodactylen gehören nur der Juraformation an. Mit 
der kleinsten Art beginnend, reihen sie sich, nach H. v. Meyer, 
folgendermafsen an einander an '^') : 

P. Meyeri Münst. in L. Br. Jahrb. 1842. p. 35; H. v. Mey. 
in Mün. Beitr. Hft. 5. p. 24. 

P. brevirostris Sömm. , Buckl. Geol. II. tb. 22. f. 0; H, v. 
Mey. Pal. p. 244. Etwa von der Gröfse des Sperlings. 

F. Kochii H. v. Mey. in Münst. Beitr. 5. p. 24. 

P. longirostris Cuv., Buckl. Geol. II. tb. 21. nach Cuvier und 
Goldfufs; H. v. Mey. Pal. p. 243. 

F. medius Mün. in Act. Ac. Leop. XV. 1. p. 51. tb. 6; H. 
Y. Mey. Pal. p. 247. 

F. er ussirostris Goldf. in Act. Ac. Leop. XV. 1. p. 63 — 112. 
Ib. 7 — 10. Hiernach Buckl. Geol. H. PI. 22; Br. Leih. tb. 26. f. 4. 
— Taf. VI. flg. 1. 

F. macronyx Buckl., II. v. Mey. Pal. p. 249; Br. Leth. 
p. 541. tb. 27. Fig. 15. Etwa von der Gröfse eines Raben. Aus 
dem Liasschiefer von Lyme Regis in England und zu Banz und Grötz 
in Baiern. 

F. grandis Sömm. Cuv., Goldf. in Act. Ac. Leop. XV. 1. p. 
63 — 112; H. V. Mey. Pal. p. 251. Mehr als um die Hälfte gröfser 
als der vorige. 

Alle, aufser P. macronyx^ stammen aus dem lithographischen 
Schiefer von Solenhofen, Eichstädt, Kelheim und Monheim. 

B. liacertier. Eidechsen. E2eh!sen. 

Saurier, welche unseren lebenden Lacerten oder Eidechsen 
verwandt und durch ihre deutlich von einander getrennten und be- 
krallten Zehen (an Vorder- und Hinterfüfsen gewöhnlich 5) vor- 
zugsweise zum Leben auf dem Lande bestimmt waren. Mehrere 
ihrer fossilen Gattungen, wie Igumodon und Megalosaurus ^ bie- 
ten durch ihre Zähne und eine weite Markhöhle in ihren Glied- 
mafsenknochen einige Aehnlichkeit mit schweren Landsäugethieren 
dar. Ihr Kopf ist im Allgemeinen weniger verlängert als bei den 
Krokodiliern, und die Nasenlöcher liegen am Ende der abgerun- 



*) Münst. Beitr. Hft. 5. p. 24. 



74 



REPTILIEN. 



deten Schnauze. Die Augen sind mit einem gegliederten Knochen- 
ringe versehen, die Zähne nicht in Höhlungen eingekeilt, sondern 
sind mit ihrer Basis fest auf den Kiefern oder auf dem inneren 
Rande derselben angewachsen. Ihr Leib ist mit Schuppen bedeckt. 

In diese Gruppe gehören, nach Owen, t Thecodon {Thecodon- 
tosaurus) und t Palaeosaurus aus dem conglomeratischen Zechstein- 
Dolomit von Bristol , und t Cladeiodon aus dem bunten Sandsteine 
von Warwickshire , als die ältesten Lacertier Englands, welche 
von den lebenden Lacerten durch die Einfügung der Zähne in 
getrennte Höhlungen abweichen, aber doch die Form und Structur 
ihrer Zähne besitzen '•). 

1. G. Lacerta L. Eidechse. 

Von wirklichen Lacerten hat H. v. Mey. über 400 Wirbel und 
mehrere Knochen aus den tertiären Bildungen von Weisenau unter- 
sucht. (L. Er. J. 1843. p. 595.) 

Als Lacerta neptunia beschreibt Goldfufs (Nov, Act. Leop. 
C. N. C. XV. P. i. p. 115. tb. 14. f. 2.) eine Eidechse aus dem 
lithographischen Schiefer von Monheim. Sie unterscheidet sich von der 
gemeinen Lacerta agilis L. durch etwas geringere Gröfse , durch eine 
geringere Anzahl der Rückenwirbel, durch breitere Rippen und durch 
weniger, aber gröfsere Zähne (im Oberkiefer 26). Die Länge dieser 
kleinen Eidechsen, von deren vermuthlich weicher Hautbedeckung sich 
nichts mehr vorfand, war h'" . 

t 2. G. Raphiosaurus Ow. (Qucpiov, Nadel; ouvQog)^ 
wurde nach einem Unterkieferfragmente mit 22 pfriemeaförmigen 
Zähnen und einigen Wirbeln und Backenknochen aus der Kreide 
von Maidstone bestimmt. 

t 3. G. Protorosaurus H. v. Mey. (jiQiojog, erster; cuvQog). 
Er ist der älteste von allen lebenden Reptilien, welche un- 
seren Erdball bewohnten, und gehört, mit nur wenigen Zeitge- 
nossen '■*'*), dem Kupferschiefer oder bituminösen Mergelschiefer 

*) L. Br. J. 1842. p. 493. 

*♦) Murchison und de Verneuil fuhren in der Uebersicht der fossilen 
Arten in den Aeqnivalenten des Permischen Systems (der Zechsteluforma- 
tion), aufser Protorosaurus Spcneri, von Reptilien noch folgende auf: The- 
codontosaurus (Riley u. Stutchbury) antiquus und Palaeosaurus (Ril. u. St.) 
Cylindricodon und platyodon aus England (Bristol), Rhophalodon (Fischer 
V. Waldheim) Wangenheimii (L. Br. J. 184L p. 607. Anm. bei Hylaeo- 
saurus), Brithopus (Kutorga) priscus, Orthopus (Ktg.) primacvus und Syo- 
don (Ktg.) biarmicum aus Rufsland. 



SAURIER. 



75 



von Deutschland an. In diesen Gesteinen wurden Theile dieser 
seltenen Versteinerung bei Kupfersuhl, Gliicksbrunn , Rothenburg 
a. d. Saale, im Mansfeldischen und bei Richelsdorf in Hessen auf- 
gefunden, welche insgesammt gestatten, sich ein Bild von dem 
ganzen Skelette dieser Eidechse zu verschaffen. 

Protorosaurus Speneri, wie M. v. Meyer (Pal. p. 109 
u. 208; Münst. Beitr. z. Petr. Hft. 5. p. 1—21. tb. 8.) die Art 
benannte, welche alle bis jetzt bekannten Theile dieser Skelette 
zu umfassen scheint, erreichte über 3^' Länge. Es wurde von 
ihr 1706 durch Spener eins der vollständigsten Exemplare in dem 
Kupferschiefer bei Kupfersuhl entdeckt, welches noch immer das 
einzige ist, an welchem der Kopf noch erhalten blieb. Dieser 
war etwa 7i Mal länger als ein gewöhnlicher Rückenwirbel, und 
daher würde sich, nach H. v. Meyer, die Länge des Kopfes zur 
Länge des Halses ungefähr wie 2:3, und zur Länge des ganzen 
Thieres ungefähr wie 1 : 10 verhalten haben. 

Auf jedem Kieferarrae safsen 11 hakenförmige Zähne, welche 
wenig über die Mitte der Kieferlänge zurückführten. 

Der Hals, welcher in dem von Meyer beschriebenen Exem- 
plare (in Münst. Beitr. z. Petr. Hft. 5. p. 1 — 21. tb. 8.) von 
Richelsdorf am deutlichsten sichtbar ist, ist, wie gewöhnlich, aus 
7 Wirbeln zusammengesetzt. Der erste derselben, oder der Atlas, 
ist sehr klein und besteht aus getrennten Theilen, der zweite ist 
nicht viel kürzer als der siebente, der dritte so lang als der 
fünfte oder nicht viel länger als der sechste, und der längste 
von allen ist der vierte. Die Stachelfortsätze dieser Wirbel sind 
sehr breit, nehmen aber von dem relativ längsten an, dem zwei- 
ten, welcher die doppelte Breite des Körpers erreicht, bis zu 
den Rückenwirbeln allmählich an Breite ab. 

Die Anzahl der Rückenwirbel mochte sich, nach einem von 
Link beschriebenen Exemplare von Kupfersuhl, bis auf 18 belaufen. 
Ihre durchschnittliche Breite giebt v. Meyer zu 7'" an, und sie 
zeichnen sich durch ihre hohen und breiten Stachelfortsätze aus. 
Die Rippen, welche sich an diese Wirbel befestigen, und von wel- 
chen auch Germar (Verstein. d. Mansfelder Kupferschiefers. 1840. 
flg. 16.) Bruchstücke von Eisleben beschreibt und abbildet, sind 
lang, im Querschnitte bei ihrem Anfange rhombisch, verflachen 
sich nach unten und erhalten durch eine Längsrinne ein zwei- 
theiliges Ansehen. 

Der Schwanz scheint nach dem Link'schen Exemplare nicht 
unter 30 Wirbel gehabt haben zu können. (H. v. M.) 



76 



REPTILIEN. 



Die hinteren Gliedmafsen waren an dieser Eidechse auffallend 
länger als die vorderen und verhielten sich zu einander ohngefähr 
wie 3 : 2. 

An den von Zenker ""•) beschriebenen Exemplaren, welche 
auf dem Jenaer Museum aufbewahrt werden, erkennt man noch 
2 Reihen, theils runder, theils vieleckiger Handwurzelknochen, und 
dafs der Frotorosaurus ^ wie die lebenden Lacerten, mit 5 Fingern 
und 5 Zehen begabt war. Der erste Finger, der Daumen, be- 
stand aus 3, der zweite und dritte aus wenigstens 4, der vierte, 
nach H. v. M., wahrscheinlich aus 5 und der fünfte aus 3 Gliedern. 

Nach Germar beziehen sich wahrscheinlich die Angaben man- 
cher älteren Schriftsteller in Bezug auf die Auffindung vorgeb- 
licher AfFenknochen und Menschenhände auf diese Eidechse. Link 
bezeichnete das von ihm beschriebene Skelett als Krokodil, mit 
welchem jedoch der Protorosaurus seiner Bewegungsorgane halber 
füglich nicht verwechselt werden kann; Swedenborg hielt sein 
Exemplar, welches 1733 in der Gegend von Glücksbrunn im Mei- 
ningischen aufgefunden wurde und das jetzt die K. Mineraliensammlung 
in Wien besitzt, für eine Meerkatze; Cuvier, Zenker und Germar 
stellten diese Eidechse zu der lebenden Gattung Monitor (Gaea 
v. Sachsen, p. 93), bis endlich H. v. Meyer ihre Eigenthümlich- 
keiten nachwies. 

t 4. G. Rhynchosaurus Owen (Qvy/og^ Schnabel; ouvQog). 

Knochen und Fährten des R. articeps Owen charakterisiren 
den oberen neu-rothen Sandstein zu Grinsill bei Schrewsbury '■■'■'). 

Der Schädel ist sehr schmal, vierseitig pyramidal, seitlich zusam- 
mengedrückt, und sinkt mit seiner oberen Fläche in einem Bogen ge- 
gen die Spitze des Maules herab. Die Schläfengruben und Augenhöhlen 
sind weit, die Kinnladen kurz, zusammengedrückt und abwärts 
gekrümmt, welche Charaktere, neben anderen, am mehrsten auf 
die Bildung der Eidechsen hindeuten, wiewohl das allgemeinere 
Ansehen des Schädels, so wie auch der scheinbare Mangel der 
Zähne, mehr noch mit dem Schädel der Schildkröten und Vögel 
übereinstimmt. Die beiden Endflächen des Wirbelkörpers sind stark 
verlieft. 

Die Fufsspuren, welche mit diesen Knochen zusammen gefunden 
werden, zeigen aber die Krallen bestimmter, eine undeutliche Spann- 

*) Zenker^ de primis animalium vcrtebr. et pot. ampJiih. in terrae strat, 
vcsiigiisy 1836. 

**) L. Bi. J. 1842. p. 493 u. 1844. p. 114. 



SAÜRFER. 



77 



haut und eine kleinere innere Zehe, welche in einiger Entfernung 
hinler den 3? oder 4? Vorderzehen steht. (L. Br. J. a. a. 0.) 

t 5. G. Geosaurus Cuv. Erd-Echse. Ealilimnosaurus Ritgen. 
(j'^^ Erde; ouvQog). 

G. Soemmeringii Dekay. — Lacerta gigantea Sömm. — H. v. 
Mey. Pal. p. 105 u. 206. — Br. Leth. p. 533. Tf. 26. F. 10. 

Schädel mit kurzer Schnauze , ähnlich dem Monitor^ mit grofsen 
Augenhöhlen und gegliedertem Knochenringe in den Augen. Die Zähne 
sind flach, spitz, etwas gebogen, an beiden scharfen Seiten fein ge- 
zähnelt und an ihrer Basis mit einer Verdickung fest auf dem Kiefer 
aufgewachsen. Jederseits stehen im Oberkiefer deren 17 — 18. Die 
hintere Gelenkfläche der Wirbel ist concav und die Querfortsätze sind 
grofs. FUfse und Bedeckung sind unl)ekannt. Diese Eidechse wurde 
nur 12^' — 13" grofs und kommt im Schiefer von Solenhofen vor. 

t 6. G. Pleurosaurus H. v. Mey. {nlevQui.^ Rippe; ouvQog). 

P. Goldfusii II. V. Mey. (Pal. p. 105 u. 205; in Münst. Beitr. 
z. Petr. Ilft. 1. p. 71. tb. 6.) aus dem, dem lithographischen Schie- 
fer von Solenhofen verwandten Kalkschiefer von Dailing, ist die ein- 
zige bekannte, nicht viel über einen Fufs lange Art. Das Skelett, 
welchem leider Kopf, Uals, Vorderglieder und Brust fehlen, zeigt 
bei einer grofsen Anzahl von Bippen unverkennbar, dafs von den 
Bauchrippen 2 hinter einander liegende auf einen Wirbel kommen. 
Die Bippen sind ziemlich stark und lang. Meyer fand den Bippen- 
apparat, womit der Bauch dieses Sauriers umschlossen war, mehr 
complicirt als in allen anderen bisher von ihm verglichenen Thieren, 
und schliefst aus demselben auf eine starke Lungenlhätigkeit des Thie- 
res, welches wahrscheinlich mit einer weichen, für Farbenwechsel 
geeigneten Haut, wie am Chamäleon, bedeckt war. Die vordere und 
hintere Gelenkfläche der Wirbelkörper war nicht convex. Ober- und 
Unterschenkel verhallen sich zu einander wie 3 : 2. Der wohl er- 
haltene linke Hinterfufs liefs 4 Zehen mit Nagelgliedern erkennen. 

7. G. Racheosaurus H. v. Mey. (^Qu/jg, Rückgrat; oavQog). 

R. gracilis H. v. M. (Pal. p. 105, 204. — Br. Leih. p. 535.), 
aus dem lithographischen Schiefer von Solenhofen, ist die einzige Art, 
welche die Länge von sV erreichen mochte. Kopf, Hals, Brust und 
die Vorderglieder unbekannt. Von den Wirbeln gehören 15 zu dem 
Rücken, eine viel gröfsere Anzahl zu dem Schwänze. Ihre Körper 
sind doppelt so lang als in Aeolodon, in der Mitte etwas verdünnt, 
am hinteren Ende concav und, nach Bronn, mit einer schiefen Ge- 



78 



REPTILrEN. 



lenkfläche an beiden Enden versehen. Die Dornforlsälze der Wirbel breiten 
sich so aus, dafs sie am Rücken sich fast berühren, und neigen sich stark 
nach hinten. Vor den Dornfortsätzen der Schwanzwirbel erhebt sich 
ein kleiner Dornfortsatz, welcher spitz und dünn, wie ein wirklicher 
Dorn, gebildet ist. Aehnliches kommt nur bei Fischen vor. Die Länge 
des Unterschenkels beträgt weniger als ein Drittel von der des Ober- 
schenkels. Hinterfiifse vierzehig mit dem Rudimente einer fünften Zehe; 
die Hautbedeckung scheint aus sehr dünnen und leichten Schuppen be- 
standen zu haben. 

t 8. G. Pholidosaurus H. v. Mey. (q:oVig, Schuppe von 
Schlangen und Eidechsen). 

P, Schaumhur g ensis nennt H. v. Meyer (L. Br. J. 1841. p. 443.) 
das Wirbel-, Rippen- und Schuppengerüste eines eigenthümlichen Sau- 
riers aus dem Sandsteine der Wealdenformation zwischen Bückeburg 
und Eilsen im Fürstenthum Schaumburg-Lippe. Er unterschied an diesem 
Skelette, welches früher für eine Trionyx gehalten wurde, drei Arten 
von Schuppenknochen, welche für das Thier sehr bezeichnend sind: 
Rücken-, Seiten- und Bauchschuppenknochen. 

t 9. G. Mosasaiirus Conybeare. Maas-Echse. 

Ein riesenhaftes Geschlecht von Sauriern, welches die frühe- 
ren Meere während der Bildung der Kreide bewohnte. In der 
Aehnlichkeit seines Kopfes steht das Thier, nach v. Meyer, zwi- 
schen Monitor und Iguana. Seine Zähne (Taf. VI. Fig. 13.), wel- 
che auch mit auf den Zwischenkiefern stehen , waren nur Anfangs 
hohl und füllten sich während ihres Wachsthums aus. Ihre Krone 
ist rückwärts gebogen, fast halbkegelförmi^, und die äufsere, obere 
Seite derselben besitzt 2 scharfe Kanten. An der Basis ist sie 
mit einem Zahnknochen oder Sockel innig verbunden, mit wel- 
chem der Zahn in gesonderten Höhlen befestigt ist. Der Ersatz- 
zahn steht daneben in einer gesonderten Höhle und dringt in den 
knochigen Körper, welcher den Zahn trägt, bald quer, bald von 
der Seite ein ' ). 

Auf jeder Seite des Unterkiefers sitzen 14 Zähne, auf dem 
Flügelknochen, wie es scheint, 8. An den Wirbeln, deren Ge- 
sammtzahl auf 133 berechnet worden ist, ist die hintere Gelenk- 



*) Einige Zähne aus der Kreide von Norfolk, welche denen von Mo- 
sasaurus ähnlich, aber von ihnen durch die elliptische Basis der Zahn- 
krone verschieden sind, gaben, nach Bronn (L. Br. J. 1842. p. 492.), zu der 
Errichtung der Gattung Lei o dort Ow. Veranlassung. 



SAURIER. 



79 



fläche convex und nur die vordere concav, wie bei dem Krokodil. 
Die letzten Schwanzwirbel besitzen gar keine Fortsätze, und schon 
in der Mitte des Rückens fehlen die Gelenkfortsätze, welchen 
Charakter der Mosasaurus mit dem Delphine gemein hat. Hände 
und Füfse scheinen flossenartig, etwa wie die der Pleurosauren, 
gewesen zu sein. (H. v. Mey., Pal. p. 219.) 

M. Hofmannt Mantell. — Tal. VI. Fig. 13. Nach L. Br, Leth. 
tb. 34. f. 5. d. — Parkinson^ Organic Remains, Vol, 3. PL 19. /*. 1. 
— Munt. GeoL of Süss. PI. 20. 

Das ganze Thier hat, nach Bronn, über 24' Länge erreicht; sein 
Kopf allein mafs 3' 9"; der Rumpf mit dejm Schwänze 20' 6" und der 
Schwanz allein über 10'. 

In der Kreide des Petersberges und zu Seichen bei Maslricht, 
so wie auch zu Lewes in Sussex. 

t 10. G. Iguanodon Mantell {Iguana^ Leguan; oöcbv^ Zahn). 

Riesenhafte Eidechsen, deren Zähne am mehrsten an die der 
in warmen Gegenden Amerikas lebenden Leguane erinnern, aber 
den Charakter der Pflanzenfresser so auffallend an sich tragen, dafs 
selbst Cuvier sie erst für Rhinoceroszähne halten konnte. Sie 
wachsen nicht, wie die Krokodilzähne, aus abgesonderten Höhlen 
hervor, sondern längs der inneren Seite des Zahnbeines, an dem 
sie mit einer Seite der Knochensubstanz ihrer Wurzel befestigt sind, 
und wurden später durch neue, seitlich hervortretende Zähne ver- 
drängt *). Ihre Form ist spateiförmig, der Stiel des Spatels kantig, 
oben etwas eingebogen und sich dann in den breiten, oben stumpf 
zugespitzten Spatel ausbreitend. Dieser breite Theil ist aufsen ge- 
wölbt, innen flach und mit zwei stumpfen gröfseren und zwei da- 
mit abwachsenden kleineren Längskanten, vorn und hinten aber 
mit scharfem sägeförmigem Rande versehen. Durch Abnutzung die- 
ser Zähne bei dem Kauen bildet sich oben eine ebene Kaufläche, 
während die Zähne anderer Saurier sich entweder gar nicht ab- 
nutzen oder dabei immer zugeschärft erhalten *'"). 

Die Knochen, welche man von diesem Thiere kennt, sind 
kolossal. Das Bruchstück eines Schenkelknochens, welcher viel 
gröfser war als der des gröfsten Elephanten, mifst an der schmäl- 
sten Stelle 22" im Umfange und mochte 4 — 5' lang gewesen sein. 
Nach H. V. Meyer (Pal. p. 212.) ist ein Mitlelhandknochen zwei- 



*) Buckland's Geologie von Agassiz, p. 265. 
*♦) Bronn's Leth. p. 761, 



80 



KEPTILIEN. 



mal so breit als im Elephanten, 6" lang und wiegt 6 Pfund. 
Aufserdem schreibt man dieser Eidechse ein Horn zu, welches 
wie ein kleineres Horn des Rhinoceros, diesem Thiere aufsafs. 

Nach einer sorgfältigen Vergleichung dieser und anderer Kno- 
chen des Iguanodon mit denen der 5' grofsen Iguana schliefst 
Mantell, dafs dieses Ungeheuer etwa die Länge von 70' engl, 
(von der Schnauze bis an das Schwanzende) erreicht haben mochte, 
dafs der Schwanz 52^' lang gewesen sei und der Umfang des 
Körpers 14^' betragen habe. Seine Zehen waren mit platten Nägeln 
bedeckt ' ). 

/. Anglicum Holl, Petrefactenkunde , p. 84. — /. Manteliii H. 
V. Mey. Pal. p. 110. — Buckl. Geol. PI. 24. — Br. Leth. p. 763. 
tb. 34. f. 6. 

Zähne , Wirbel , Schenkelbeine und andere Knochen kennt man 
aus dem Hastings- Sandsteine und aus anderen Schichten der Wealden- 
formation des südöstlichen Englands. 

11. G. Iguana Daud. Leguan. 

/. (?) Haueri H. v. M.'in Mimst. Beitr. Hft. 5. p. 33. tb. 6. f. 12. 

Einige Zähne mit gekerbtem Seitenrande, welche grofse Aehn- 
lichkeit mit dem Keim- oder Ersatzzahne der Leguane haben, besitzt 
Hr. Geheimerath v. Hauer aus dem Tertiärgebilde des Wiener Beckens 
von Nufsdorf. 

t 12. G. Hylaeosaurus Mantell. Wald-Echse (vh], Wald; 
öavQog, Eidechse). 

Diese Eidechse, welche 1832 in der Wealdenformation von 
Tilgate Forest in Sussex entdeckt wurde, mochte ohngefähr 25' 
lang gewesen sein. Mit fast biconcaven Wirbeln , den Hautschilden 
der Krokodile und den Schulterblattbogen der Flesiosauren, näherte 
sie ein ungeheuerer Rückenkamm, ähnlich den hornigen Dornen auf 
dem Rücken der Leguane, den letzteren. Die Knochen, welche 
jenem Kamme zur Unterstützung dienten, sind zusammengedrückt, 
bilden ein langes, fast gleichschenkeliges Dreieck, wechseln von 
5 — 17" Länge und von 3 — 1" Breite an der Basis. (Br. Leth. 
p. 765. tb. 34. f. 7. — Buckl. Geol. v. Ag. p. 261. — Owen in 
L. Br. J. 1842. p. 493.) 

Mit diesen Resten zusammen kommen in der Wealdenformation 
eigenthümliche Zähne vor, welche man früher Jäger's Phytosaurus 

*) Owen im L. Br. J. 1842. p. 493. 



SAURIER. 



81 



cylindricodon und neuerlich Fischer's Rhopalodon '•') zuschrieb, 
und welche, wenn nicht zu Hylaeosaurus ^ so doch zu einem anderen 
erloschenen Lacerten- Genus gehören. (L. Br. J. 1842. p. 493.) 

t 13. G. Megalosaurus Buckl. Riesen-Eidechse. 
{fiiyag, grofs ; oavQog^ Eidechse.) 

Schon aus dem Namen geht hervor, dafs Megalosaurus eine 
Eidechse von riesiger Gröfse war. Wurde sie darin zwar von Igua- 
nodon noch übertroffen, so ergiebt sich doch aus der Vergleich- 
ung der Gröfse und der Proportionen der ihr angehörigen Knochen 
mit dem Skelette lebender Eidechsen, dafs sie die Länge von 
40 — 50' erreicht habe. Nach Buckland (Geol. v. Ag. p. 255.) 
messen die Schenkelknochen und das Schienbein beide an 3', so 
dafs das ganze Hinterbein beinahe 4' Länge erreichen mufste, und 
die Länge des Mittelfufsknochen 13" ist. Daraus, dafs die Knochen 
des Oberschenkels und Schienbeines Markhöhlen, wie die Knochen 
der Landsäugethiere, haben und nicht in der Mitte dicht sind, 
wie diefs bei Krokodilen und anderen Wasservierfüfsern der Fall 
ist, schliefst man mit Recht, dafs die Megalosauren hauptsächlich 
auf dem Lande lebten. 

Ein Unterkieferfragment mit vielen Zähnen, von welchen Taf. 
VL Fig. 14. einen darstellt, läfst erkennen, dafs der Kopf sich 
in eine gerade und schmale, seitlich zusammengedrückte Schnauze 
endigte. Die Zähne aber zeigen unverkennbar, dafs diese Rie- 
seneidechse ein Fleischfresser war. Sie sind flach, spitz, nach 
rückwärts gebogen, zweischneidig, mit fein gezähneltem Rande 
und erreichen die doppelte Gröfse von der in der Abbildung. 

M. Bucklandi Mant. GeoL of Sussex. — H. v. ]\Iey. Pal. p. 110 
u. 210. — Br. Leth. p. 530. tb. 34. f. 1. ~ Buckl. Geol. v. Ag. p. 
254. tb. 23. 

In den Oolith- Schiefern von Stonesfield, in der unteren und mitt- 
leren Abtheilung der Wealdenformation Englands, im Kalke von Caen, 
und Reste von dieser oder einer anderen Art in den Knochenhöhlen 
von Banwell (Sommersetshire) und Franken, im Oolith der Normandie 
und im Jura bei Solothurn. 



*) Rhopalodon Fischer. Die Zähne stehen entfernt und sind hohl 
gestielt. Auf dem Stiele sitzt eine keulenförmige und zugespitzte Krone, 
welche längsgestreift und gefurcht ist. R. Wangenheimii ¥, wurde in einem 
Geschiebe hi Rufsland gefunden. 
Geiiiitz, Vcrsteineriingskuude. 6 



KEI'TILIEN. 



€. Krokodilier. 

Saurier mit Schwimmhäuten, welche den lebenden Krokodilen 
verwandt waren und vorzugsweise im Wasser lebten. 

Die lebenden Krokodile sind längs des Rückens mit ver- 
knöcherten, gekielten Schildern gepanzert, und ihr zusammenge- 
drückter Schwanz ist mit einem Kamme versehen. Der Kopf der 
Gaviale oder Ganges -Krokodile zeichnet sich durch eine sehr 
verlängerte, schmale Schnauze aus, während die Schnauze der ei- 
gentlichen Krokodile, zu welchen das Nil -Krokodil gehört, 
und die der amerikanischen Krokodile, des Kaimans oder Alli- 
gators, viel kürzer und stärker ist. An dem vorderen Ende der 
Schnauze liegen die Nasenlöcher. In den Kiefern dieser Saurier 
stehen viele spitz-kegelförmige Zähne, welche in gesonderten Höh- 
len eingekeilt sind und durch neue, von der Basis des alten Zah- 
nes emporwachsende, öfters wieder ersetzt werden. Alle haben 
vier kurze Beine, deren Zehen durch ganze oder halbe Schwimm- 
häute verbunden sind. Letztere fehlen an den Vorderfüfsen der 
eigentlichen Krokodile. Nur 3 Zehen sind bekrallt Die lange 
schmale Schnauze erlaubt den Gavialen nur, sich von Fischen und 
anderen weicheren leichter zerstörbaren Thieren zu nähren, wäh- 
rend die Natur den Krokodilen und Kaimans mit ihrer kürzeren 
und gedrungeneren Schnauze einen kräftigeren Raub, die Säuge- 
thiere, zugewiesen hat. 

Die dem Gavial ähnlichen Saurier sind daher auch die älte- 
ren, und in der langen Zeitperiode, während welcher die man- 
nichfachen Gebilde der Juraformation entstanden, zeigten sie sich 
in ihrer gröfsten Entwickelung. Erst mit Beginn der Tertiärfor- 
mation, wo die Säugethiere recht eigentlich erst beginnen, um 
immer mehr und mehr unseren Erdball zu beleben, stellten die 
den eigentlichen Krokodilen und Alligatoren näherstehenden Formen 
sich ein, welche denn auch in der jetzigen Schöpfung die Oberhand 
unter allen Eidechsen behielten. 

Die neuesten gründlichsten Abhandlungen liber diese Gruppe 
verdanken wir Bronn und Kaup '"'*), welchen ich die folgenden 
Schilderungen der einzelnen Gattungen entnahm. 

Kaup theilt die Ordnung der Krokodile nach dem Wirbelkörper 
in 3 Hauptabtheilungen: 



♦) Leunis, Synopsis der drei Naturreiche, 1844. p. 131. 
*♦) Abhandlungen über die gavialartigen Reptilien der Liasformation von 
T)r. II. Bronn u. Dr. J. J. Kaup, Stuttgart 1841. 



SAURIER. 



83 



A. mit convex-concaven Wirbeln, ähnlich denen der Säugethiere: 
Steneosaurus Geoffr.; 

B. mit concav- convexen Wirbeln, ähnlich denen der Vögel: Cro- 
codilus mit seinen Untergattungen Crocodilus^ Alligator^ Gavialis; 

C. mit biconcaven Wirbeln, ähnlich denen der Fische und Ich- 
thyosaurier; 

a) mit seitlichen Augen: Teleosaurus^ Pelagosaurus ^ Aeolodon; 

b) mit nach oben gerichteten Augen : Mystriosaurus^ Engyommasaurus. 
In eine von den beiden letzten Abiheilungen ist, nach Kaup, 

Metriorhynchus und Macrospondylus zu stellen. 

1. G. Crocodilus Cuv. Krokodil. 

Der Kopf eines Krokodils wurde 1831 von Spencer im Lon- 
donthone auf der Insel Sheppey gefunden. Kuckland, welcher den- 
selben in seiner Geology PI. 25. f. 1. abbildet, nennt diese hier 
und da im Londonthone Englands vorkommende Art: 

C. Spenceri. Schnauze breit, kurz und stark. 

Aus den tertiären Schichten von Weisenau unterschied II. v. 
Meyer (L. Br. J. 1843. p. 393.) nach Zähnen und Schädelknochen: 

C, Bruchii II. v. M., war ohngefähr halb so grofs als das ge- 
wöhnliche Krokodil; 

C. Rathii H. v. M., erreichte etwa die halbe Gröfse des vorigen; 

C. medius II. v. M., stand in seiner Gröfse zwischen diesen 
beiden Arten und 

C. Brauniorum H. v. M., war nur halb so grofs als C. Rathii. 

Krokodile wurden ferner auch im plastischen Thone von Auteuil, 
im Kalke von Meudon, im Gypse von Montmartre, in der Braunkohle 
der Provence, in tertiären Bildungen von Montpellier, in den Siwalik- 
Bergen u. a. a. 0. gefunden. 

Die aus diluvialen Schichten bekannten sind den lebenden Kro- 
kodilen am ähnlichsten 

C. plenidens ^ aus dem Molasse -iSandstein der Schweiz, erhob 
H. v. Meyer zur Gattung Plerodon und nannte die Art PL crocodiloi- 
des. (L. Br. J. 1839. p. 4.) 

t 2. G. Macrospondylus H. v. Mey. (/.lay.Qog^ grofs; 
onovövlog^ Wirbel.) 

Als Crocodilus Bollensis hatte Jäger '•'•O das Skelett eines 
Sauriers aus dem Liasschiefer von Boll in Würtemberg bezeichnet, 

*) Buckland, Geol. v. Ag. p. 271; H. v. M. Pal. p. 107, 160; Keferst. 
II. p. 257; Br. Leth. p. 822; L. Br. Jahrb. 1843. p. 393. 

**) Ueber fossile Reptilien Würtembergs, Stuttgart, 1828. p. 6. tb. 3. 



«4 



KEPTILIEN. 



Meiches vielleicht seit einem Jahrhunderle eine Zierde des Dresdener 
Natiiraliencabinetes ist. 

Leider felilen demselben Kopf und Füfse, und es besteht nur 
aus 9 — 10 Wirbeln, Ober - und Unterschenkeln und einigen losen Zähnen. 

Die bedeutende Länge der in ihrer Mitte sehr verengten Wir- 
belkörper (Taf. VL Fig. 7, in 5- nat. Gröfse) gab zu dem Namen M. 
Bollensis Veranlassung. Ob sie an beiden Enden concav waren, lälst 
sich kaum deutlich erkennen. Die Unterschenkel scheinen kürzer als 
die Oberschenkel zu sein. Von den dabei liegenden Zähnen ist 
es noch z\¥eifelhaft, ob sie zu den übrigen Resten gehören. Der 
vollkommenste von ihnen ist 2" 4'" lang und an der abgebrochenen 
Wurzel 4'" breit. Er ist vollkommen gerade und glatt, und hat sei- 
ner Form nach mehr Aehnlichkeit mit einem Belemniten als mit einem 
Zahne. Im Uebrigen mufs ich auf Kaup, Bronn und v. Meyer's An- 
sichten hierüber verweisen '"'). 

Die übrigen fossilen Gattungen, welche zu dieser Familie 
gehören , stimmen mehr mit den Gavialen ) als mit den eigent- 
lichen Krokodilen überein. Nach Bronn besitzen sie alle „den 
langen Rüssel der Gaviale mit endständigen vorderen, und fast 
auch am Ende der Gaumenfläche stehenden hinteren Nasenöß'nungen; 
eine flachere Stirne als die jungen Gaviale; kleine flach- 
randige und mehr nach oben gerichtete (nur bei Leptocra- 
nius und Geoffroy's Teleosaurus mehr denen der Gaviale ähnliche) 
Augenhöhlen, ohne Knochenringe in den Augen; gröfsere Schei- 
tellöcher als die Gaviale, die ganze hintere Scheitelfläche einneh- 
mend, länger als breit (statt quer); Zähne in getrennte Höhl- 
ungen eingekeilt, kegelförmig, längsstreifig, die Ersatzzähne in 
sich aufnehmend; 17 Brust- und Lendenwirbel und lange, mitten 
stark verengte, biconcave (nur bei Metriorhynchus convex-con- 
cave) Wirbelkörper, denen sich an den Halswirbeln kurze axt- 
förmige Rippen anlenken; einen zusammengedrückten Ruderschwanz; 
Extremitäten mit anderen Gröfseverhältnissen als bei den lebenden 
Gavialen, indem die Vorderbeine gegen die Hinterbeine und ge- 
wöhnlich auch die Unterarme und Unterschenkel mit den Zehen 
gegen die Oberarme und Oberschenkel schwächer sind ; Vorder- 
füfse mit 5, Hinterfüfse mit 4 bekrallten Zehen; eine Bedeckung 

*) Gavialart. Rept. p. 1 u. 24; Leth. p. 528; Pal. p. 106 u. 207. 

*♦) Die diese Saurier von den lebenden Gavialen mehr oder weniger 
unterscheidenden Merkmale sind , nach Bronn's Vorgange , mit gesperrter 
Schrift angegeben. 



SAURIER. 



85 



des Körpers ringsum nur mit grofsen viereckigen und oft po- 
rösen Schilden, und endlich eine Verbreitung in den Gebilden der 
Oolithenperiode." (Bronn, Gavialart. Rept. p. 24.) 

Sie zerfallen, nach Bronn, in zwei Gruppen und werden 
von ihm p. 26 u. 27 folgendermafsen charakterisirt : 

a. 

t 3. G. Mystriosaurus Kaup. {ij.vötqIov, eine Art Löffel; 

„Am hinteren Ende der Gaumenfläche findet sich eine eigen- 
thümliche kurze Anschwellung des (?) Keilbeines, unter welche 
die hintere Nasenölfnung (das Arterienloch) von hinten eindringt; 
zu deren Seite kleine spitzeckige Fliigelbeine ; davor die langen 
Gaumenbeine, welche die Gaumenlöcher nach hinten weit über- 
ragen. 

Die Augenhöhlen sind klein, sehr nahe beisammen und ganz 
nach oben gerichtet; die Scheitellöcher mitten, hinten und aufsen 
nur durch einen schmalen kantenartigen Rand eingefafst. Die rüs- 
selförmige Schnauze ist mitten schmäler und sein löffeiförmiges 
Ende verkürzt; die Nasenlöcher sind etwas quer und an dem ver- 
deckten, schief abgestutzten Schnauzenende fast ganz nach vorn 
• gerichtet. Am Unterkiefer ist der Symphysen -Theil beträchtlich 
länger als der Ast -Theil. Symphysen -Winkel vo» 35*^ — 40% unten 
abgerundet. 

Zähne (mit 2 Kielen) |±||^^., wovon 2—5 auf dem Un- 
terkiefer-Aste stehen und darauf bis gegen oder an den Augen- 
höhlenrand reichen. An den Brustwirbeln ist die Mitie bis auf 
f verengt. Rabenschnabelbein in der Mitte stark verengt. Die 
vorderen jßeine haben f von der Länge der hinteren." (Bronn, a. 
a. 0. p. 26.) Die Hinterzehen nehmen von der innersten nach 
der äufsersten an Länge zu. Die Panzerbildung besteht am Rumpfe 
aus 10 Längenreihen von Schilden, welche beträchtlich kürzer sind 
als die Wirbel. (Bronn, im Jahrb. 1844. p. 871.) 

M. Laurillardi Kaup, Gavialart. Rept. p. 2. tf. 1. f. 1 — 6. 
If. 2. f. l. — Bronn ib. p. 28. — Crocodilus cylindrirostris und C. 
Altorfmus Holl. Petref. p. 85. — Streptospondylus Altorfensis H. v. Mey. 
Pal. p. 106. z. Th. 

Diese Art mochte etwa 13' lan^ gewesen zu sein. 1\!an fand 
sie im Lias- Kalke von Altdorf bei Nürnberg. 

M. Chapmanni (Teleosaurus Chapmanni) Buckland, Geol. PK^ 
25. — Bronn u. Kaup. l. c. p. 2 u. 27. 



86 



REPTILIEN. 



Ein fast vollslündiges Skelett von 18' engl, wurde 1824 im Lias- 
schiefer bei Whitby in Yorksliire entdeckt, iu welcher Stadt es noch 
aufbewahrt wird. 

M. Brongniarti (Engy ommasaurus Bvoiigniart i) Kaup, 
Br. Leth. p. 527; Gavialart. Rept. p. 35. 

Aus dem Altdorfer Liaskalke. 

t 4. G. Aeolodon H. v. M. Falaeosaiirus Geoffr. 
(^aiolog, veränderlich; odtuv, Zahn.) 

Bei grofser Aehnlichkeit des Schädels mit dem der vorigen 
Gattung stehen, nach Bronn, auf jeder Seite des Kiefers nur 
"2^2 6"^ Zähne, oben zuerst 2 kleine und ein 1 grofser, unten 
zuerst 3 grofse, und die anderen sind abwechselnd grofser und 
kleiner. Brustwirbel sind 12 — 13 und Lendenwirbel 4 — 5 vor- 
handen; die Länge des Oberschenkels beträgt, nach v. Meyer, 
etwas mehr als das Doppelte von der Länge der Unterschenkel- 
knochen, und das Becken hat eine sehr eigenthümliche Bildung. 

A. priscus (Crocodäus priscus) Sömmering. — H. v. M. Pal. 
p. 105 u. 202. — ^ Br. Leth. p. 523. — Palaeosaurus Geoffr. Mem. de 
PAcad. r. d. sciences de VInst. de France^ t. XU. 1833. p. 48. 

Einzige Art, 3' lang, 1812 im lithographischen Schiefer von 
Dailing bei Mohnheim in Baiern gefunden. 

t 5. G. Gnathosaurus H. v. M. (yrdd^og, Kinnbacken; oavQog). 

Unterkiefer sehr lang und vorn nicht verdickt. Die Zähne 
sind pfriemenförmig und etwas zusammengedrückt, im Querdurch- 
schnitte oval, nach vorn gerichtet und etwas rückwärts gekrümmt, 
glatt und jederseits 40 an Zahl, von denen die vordersten 8 die 
gröfsten sind und die hinteren allmählich kleiner werden. 

G. subulatus H. v. M. im Museum Senkenhergianum ^ Bd. 1. 
(1833.) p. 1. tb. 1. f. 1, 2. — Hiernach Taf. VL Fig. 3. 

Einzige Art, aus dem lithographischen Schiefer von Solenhofen. 

t 6. G. Metriorhynchus H. v. M. (juh^wg, mäfsig; 

Qvy/oQj Schnabel.) 
Die Schnauze ist mittelmäfsig lang und mehr kegelförmig, 
vorn verengt, dann etwas erweitert und endlich gegen die Spitze 

*) Dieser Name wurde 1837 von P^itainger für ein in einem Sandstein- 
blocke angeblich ans Böhmen gefundenes Reptil, P. Stcr7ibergii, welches 
jetzt in dem Prager Museum ist, und neuerdings von Riley und Stutchbury 
für einige im englisclien Zechsteine (s. bei Protorosaurus, p. 74. Anm.) vor- 
kommende Reptihenreste abermals verbraucht. 



SAU»I£R. 



87 



wieder verschmälert. Nach Bronn stehen unten 22 zweischneidige 
Zähne; die Wirbel sind convex-concav; die Brustwirbel unten zwei- 
kielig, ihre Querfortsätze an der Basis vierkantig pyramidal und 
hinter der Fläche für den Rippenkopf mit einer tiefen Grube ver- 
sehen. 

M, Geoffroyi H. v. M. Pal. p. 106 u. 227. — Br. Leth. p. 519. 
tb. 26. f. 8. a. b. 7. b. d. — Steneosaurm rostro- minor Geoffroy. 

Einzige Art im Lias- Oxford -Thone von Honfleur und im Kim- 
meridge- Thone von Hävre. 

t 7. G. Leptocranius Bronn, (lenjog, dünn; y.Qaviov, Schädel.) 

Der sehr verlängerte Schädel läuft unter den Schläfen keil- 
förmig zusammen. Der Unterkiefer ist vorn lölFelförmig, die Augen- 
höhlen sind grofs und stehen ganz seitlich. Jede Kieferseile trägt 
36 — 40 kegelförmige Zähne. Einzige Art: 

L. longirostris Bronn, Leth. p. 517. tb. 26. f. 7. — Strep- 
tospondylus Altorfensis H. v. M. Pal. p. 106. — Steueosaurus rostro- 
major Geoffr. 

Der merkwürdige Oberschädel hat, nach Bronn, 3' Länge und 
ist, an mehreren Stellen gemessen, doch nur f so breit als ein Ga- 
vial- Schädel von 3l" Länge; auch verläuft er viel allmäliliger in die 
Schnauze. 

In den Oolithen zu Hävre und Honfleur. 

b. 

t 8. G. Felagosaurus Bronn, (nelayog, Meer; ouvQog.) 

Wie bei Mystriosaurus^ beobachtete Bronn am hinteren Ende 
der Gäumenfläche eine Anschwellung des Keilbeines, unter welche 
die hintere Nasenöffnung (das Arterienloch) von hinten eindringt. 

Vorzüglich unterscheidet sich die neue Gattung von Mystrio- 
saurus durch gröfsere Augenhöhlen, welche weiter aus einander 
stehen , als ihre Breite beträgt (die sie trennende Fläche verengt 
sich nach hinten); durch etwas längere, in der Mitte breilere 
Schnauze, deren löffeiförmiges Ende niedergedrückt eiförmig ist 
und nach oben gerichtete Nasenlöcher trägt; durch den Symphysen- 
theil, der etwas kürzer als der Asttheil ist, mit einem Symphy- 
senwinkel von 28^; durch fjf| Zähne, von denen die oberen brö 
an die Augenhöhlen reichen und unten 5 auf dem Kieferaste stehen; 
durch kürzeren .Hals; bis auf 4 in der Mille verengte Brustwirbel; 
ein in der Mitte wenig verengtes Rabenschnabelbein, und Vorderbeine, 
die nur halb so lang als die hinteren sind. (Bronn, Gav. R. p. 26.) 



88 



RKPTILIEN. 



Die einzige Art Iiommt im Liasschiefer vor. 
Bronn nennt dieselbe: 

P. typus Br., Gavialart. Rept. p. 8. 28 u. 30. tb. 3. Hier- 
nach Taf. VI. ¥ig. 4, restaurirter Schädel in i Gröfse und Fig. 
4 a. die Gaiimengegend, auch restaurirt, in l Gröfse. 

Das Exemplar von Bronn liefs auf die Länge von 5' schlie- 
fsen. Ein fast vollständiges Exemplar von lO^' Länge beschreibt 
Dr. Schmidt '^') als Macrospondylus Bollensis H. v. M. 

Es wurde im mittleren Liasschiefer zu Holzmaden in Wür- 
temberg gefunden. 

t 9. G. Teleosaurus Geoffroy '•""•). (jtUog, vollkommen; oavQog.) 

Teleosaurus hat (nach Bronn, a. a. 0. p. 26, 27 u. 36.), 
abgesehen von dem nicht bekannten Nasenende, einen beträchtlich 
kürzeren und breiteren Hinterschädel; gleich lange und breite Schei- 
tellöcher; kleine, fast runde, vielleicht mehr nach oben gerichtete 
Augenhöhlen und eine längere, spitzere Schnauze mit schlankeren 
und zahlreicheren Zähnen als die lebenden Gaviale. Hiervon stehen 
im Oberkiefer wenigstens 45, welche sich seitwärts nach aufsen 
kehren. Die Anschwellung des Gaumens an der hinleren Nasen- 
üllnung ist sehr unbeträchtlich. Der Panzer bestand aus Schilden 
mit über einander geschobenen Rändern, wodurch fast \ jeder 
Schuppe bedeckt wurde. Der Bauchpanzer bestand aus Querreihen 
von je 6 grofsen, dicken und flachen Schilden; nur die des Schwan- 
zes waren gekielt. 

Die Reste von T. Cadomensis GeofFr. (Br. Leth. tb. 26. 
f. d.) stammen aus der Juraformation von Caen. 

t 10. G. Glaphyrorhynchus H. v. Mey. (yld(pv^ Höhle; 
Qvy/og, Schnabel.) 

Die einzige Art, 

G. Aalensis H. v. Mey. (L. Br. J. 1842. p. 303.) aus dem 
Unter -Oolith von Aalen in Würtemberg, ist ein sqhmalkieferiger Sau- 

Ueber den Liasschiefer in Würtemberg von Dr. med. Schmidt in 
Metzingen bei Urach. 

**) Geoffroy Saint-Hilaire stellte in den Memoires de Vacademie royale 
des Sciences de V Institut de France, T. XII. p. 1 — 139 die Familie der 
Teleosaurier mit den Gattungen Cyst o s aurus, Stene os aurus , Pa- 
laeosaurus und Teleosaurus auf. Wiewohl der gelehrte Naturforscher 
in diesen 5 Abhandlungen schätzbare Mittheilungen über die lebenden kro- 
kodilartigen Thiere giebt, so hat sich doch seine Familie der Teleosau- 
rier nicht erhalten können, wie diefs vorzüglich H. v. Meyer (Palaeologica) 
und Bronn (a. a. O.) nachweisen. 



SAURIER. 



89 



rier, welcher leicht an den ovalen, schräggestellten ZaTinhöhlen er- 
kannt werden kann. 

t 11. G. Poecilopleuron Deslongchamps. (notxllog^ mannich- 
faltig; nliVQä, Rippe.) 

B. Bucklandi Desl. (Br. Leth. p. 521.) aus dem zuk Jurafor- 
mation gehörigen Kalke von Caen, ist die einzige Art. Kopf und 
Hals fehlen. Die Zähne sind kegelförmig, erhaben -gestreift und hohl. 
Die Wirbelkörper, deren im Schwänze etwa 33 vorhanden waren, 
sind an beiden Enden concav. Die Rippen sind dreierlei Art. Vor- 
derglieder nur halb so lang als die hinteren, wie es bei Teleosaurus 
vorkömmt, aber beide zeichnen sich durch beträchtliche Hohlheit ihrer 
Knochen aus und sind in bekrallte Zehen getheilt, welche kürzer als 
bei den Krokodilen sind. 

Sämmlliche 1836 bei Caen zusammen gefundene Ueberreste zeigen 
ein Thier von der Gröfse des Megalosaurus an. 

t 12. G. Flaieosaurus H. v. Mey. {nlazlgy breit.) 

P. Engelharti H. v. Mey. (L. Br. J. 1839. p. 77; 1841. p. 182.) 
aus dem oberen Keuper- Sandsteine bei Nürnberg, welcher ungefähr 
die Gröfse des Thaumatosaurus besitzen mochte, unterschied sich von die- 
sem durch eine beträchtliche Markhöhle und Jeste Textur seiner Knochen. 
In diesem Saurier bestand, nach v. Meyer, durch Verschmelzung von 
wenigstens 3 Wirbeln, ein sogenanntes Heiligenbein, welches man bis- 
her nur an Säugethieren gekannt hatte. 

t 13. G. Thaumatosaurus H. v. Mey. Wunder-Saürus. 
(&avf.ia , Wunder.) 

/ T. oolithicus H. v. Mey. (L. Br. J. 1841. p. 176.) umfafst 

Knochen- und Kieferfragmente aus den Oolithen von Neuffen in 
Würtemberg. 

Seine Zähne waren schwach gekrümmt, conisch, gestreift, 
mit langen Wurzeln in Höhlungen befestigt, und deuten ein sehr 
grofses Thier an *). Die Textur der Wirbel und anderer Knochen 
ist sehr zellig. 

t 14. G. Cetiosaurus Owen, (x^rog, Seeungeheuer; oavQog.) 

Ein gigantischer Saurier aus der Oolithformation Englands, 
dessen Wirbel und Extremitäten, welche letztere ohne Markhöhle 



*) Der unter Ischyrodon Meriani begriffene Zahn aus dem Rogen-Eisen- 
steine des mittl. Jura im Canton Aargau besitzt nach H. y. Meyer (L. Br. J. 
1841. p. 183.) viel Aehnlichkeit mit den Zähnen des Thaumatosauras. 



90 



REPTILIEiN. 



sind, auf ein räuberisches Seelhier schliefsen lassen, welches von 
Krokodiliern und Plesiosauren gelebt haben mag. Sowohl durch 
die Gröfse, als auch durch die BeschaiFenheit seiner Wirbel nähert 
es sich den Cetaceen, unterscheidet sich aber durch die Conca- 
vität seiner Gelenkflächen von ihnen. Es dürfte die Länge von 40' 
erreicht haben. (Lond. Edinb. and Dubl. phil. Mag, 1842. Vol. 20. 
p, 329; L. Br. J. 1843. p. 859. 

t 15. G. Folyptychodon Owen, (nolvg, viel; mv/jj ^ Falte; 

odcov^ Zahn.) 

Unter dieser Gattung begreift der englische Anatom mehrere 
Reste eines wahrscheinlich meerischen Riesenkrokodiliers aus dem 
unteren Grünsande zu Hythe und einige Zähne aus derselben 
Bildung von Maidstone. Die Zähne dieses Sauriers sind kegel- 
förmig, etwas gekrümmt, und an ihrer Krone laufen zahlreiche 
dichtstehende Längsrippen bis nahe zur Spitze empor. (Lond. Ed. 
Dubl phU. Mag. 1842. Vol. 20. p. 61; L. Br. J. 1842. p. 620.) 

D. dnaliosaurier. 

Saurier mit Flossenfüfsen , welche nur die Meere bewohnten. 

Yier Flossen- oder Ruderfüfse, welche unbekrallt und äufser- 
lich nicht in Zehen gesondert sind, deren Zehen aber aus einer 
oft langen Reihe von allmählig kleiner werdenden Gliedern be- 
stehen, zeichnen diese Saurier ganz besonders aus. Hierzu kommt 
noch die Lage der Nasenlöcher oben am Anfange der Schnauze, 
also ganz nahe den Augenhöhlen, in welchen letzteren ein ge- 
gliederter Knochenring liegt. Die Wirbel bieten vorn und hinten 
vertiefte Gelenkflächen dar. 

t 1. G. Ichthyosaurus König. Fisch-Echse. Proteos aurus 
Home. Gryphus Wagler. (JxSvg, Fisch; oavQog.) 

Ichthyosaurier (Taf. V. Fig. 6.) haben die spitze Schnauze 
und den kurzen Hals der Delphine, die Zähne des Krokodils, un- 
geheuere Augen mit gegliedertem Knochenringe, wie bei Vögeln, 
Schildkröten und den eigentlichen Eidechsen, die biconcaven Wir- 
bel der Haifische, das Brustbein der Eidechsen, einen ziemlich 
langen Schwanz und die Pfoten der Cetaceen. 

Die Zwischenkieferbeine, welche fast die ganze vordere Hälfte 
der Schnauze einnehmen, sind in dieser Gattung besonders entwickelt. 

Die Zähne sind kegelförmig und an ihrer emailirten Krone 
(Taf. V. Fig. 6. b.), sowie auch an ihrer Wurzel einfach längs- 



.t 



SAURIER. 



91 



gestreift. Sie sind in viel gröfserer Anzahl (bisweilen an 180) 
als in den Krokodilen vorhanden und stehen, v^^ie die der Del- 
phine, in Längsrinnen, wo ihre Stellung durch schwache Erwei- 
terungen angedeutet wird. Wegen des häufigen Verlustes der 
Zähne, welcher durch die Gefräfsigkeit der Ichthyosauren bedingt 
war, hat die Natur für einen hinreichenden Vorrath von Keimen 
neuer Zähne in beiden Kiefern gesorgt. Die jungen Zähne ent- 
stehen an der Basis der alten, treten in die hohle Krone der 
letzteren ein und stofsen sie endlich ab. Es konnte ihre Er- 
neuerung noch rascher als bei den Krokodilen erfolgen, da bei 
letzteren der junge Zahn sich erst in der hohlen Krone des alten 
bildete. 

Die Wirbelsäule ist aus mehr als 100 Wirbeln zusammen- 
gesetzt, von welchen wenigstens 5 dem Halse und gegen 40 den 
Rippen zukommen. Der Wirbelkürper hat die Form eines Damen- 
bretsteines und nähert dadurch die Ichthyosauren auffallend den 
Fischen. Die Höhe derselben übertrilTt ihre Länge 2- bis 3mal. 

Ihre Ruderfiifse, welche den Ichthyosauren auch nicht das 
geringste Fortschreiten zu Lande gestatten konnten, zeigen klar, 
dafs dieselben nur auf das W^asser, und zwar auf das Meer, be- 
schränkt waren, wo sie in Fischen und anderen Meerthieren reiche 
Nahrung vorfanden. 

Zur Zeit der Liasbildungen waren sie in ihrer gröfsten Ent- 
faltung und erreichten oft eine bedeutende Gröfse. Wohlerhaltene 
Skelette und Reste von ihnen, selbst noch Excremente (Taf. V. 
Fig. 6. c), hat man aus dieser Zeit, doch auch aus jüngeren 
Schichten der Juraformation, vielfach kennen gelernt, und der 
Reichthum an diesen untergegangenen Geschöpfen läfst der Ver- 
muthung Raum, dafs sie gesellig beisammen gelebt haben. 

Aufser den vielen wissenschaftlichen Beiträgen zur Kenntnifs 
dieser Geschöpfe, welche wir Conybeare, de la Beche, Cuvier 
und Owen zu danken haben, ist vorzüglich der Abhandlungen von 
Jäger „rfe Ichthyosauri sive Proteosauri fossilis specimibus^ Stutt- 
gardiae^ 1824," und „über fossile Reptilien Würtembergs, Stutt- 
gart, 1828," so wie eines Prachtwerkes von Hawkins: ^^Memoirs 
of Ichthyosauri and Plesiosauri^ London, 1834" zu gedenken. 
Schätzbare Mittheilungen ertheilten aber auch Bronn in seiner in 
jeder Beziehung vortrefflichen Lethaea und in dem Jahrbuche '0, 
H. v. Meyer u. A. 



*) L. Br. Jahrb. 1844. p. 385. 



92 REPTILIEN. 

In einem Berichte über die britlisclien Reptilien ) unter- 
scheidet Owen 10 Arten, welche, bis auf eine aus dem Kimrae- 
ridge-Thone, alle dem Lias entnommen sind. Die am vollständig- 
sten gekannten Arten sind folgende: 

/. chiroparamecostinus Hawkins (^y^iQ^ Hand; 7ia()Uiii^>crig, 
länglich; ooztov ^ Knochen). — Taf. V. Fig. 6 u. 7 (Zähne, so weit sie 
aus dem Kiefer hervorragen Nach Hawkins PI. 17 u. 18. 

Pas ganze Skelett ist, nach Hawkins, p. 32, 7' engl. lang. 
Beide Kiefern haben gleiche Länge, im oberen stehen 110, im unteren 
100 Zähne. Von III Wirbeln gehören 40 dem Rücken an **"^). Jedes 
der Vorderglieder enthält 95 Knochen, nämlich Oberarm, radius und 
ulna^ eine aus 7 Knochen gebildete Hand, an welcher 7 Phalangen 
mit 85 Knöchelchen befestigt sind; an jedem der Hinterglieder aber erkennt 
man aufser dem Oberschenkel, der tihia und fibtda^ 3 Fufsknochen 
und 5 Reihen von 33 Knöchelchen. 

Das ganze Skelett wurde 1830 im Liaskalke zu Walton bei Glas- 
tonbury, andere Theile dieser Art zu Street und Long -Sutten entdeckt. 

/. communis de la Beche u. Conybeare. — Br. Leth. p. 504. 
tb. 28. f. 2. — Butjkl. Geol. PI. 8. f. 1 . — /. communis und /. pla 
tyodon bei Jäger , foss. Rept. Würt. (nach Owen f). 

Die Krone der Zähne ist kegelförmig, mittelmäfsig spitz, leicht 
gebogen und dicht gestreift. 

In Deutschland die gewöhnlichste Art. 

Im Lias von Würtemberg (Göppingen, Ohmden bei Boll), bei 
Banz und Mistelgau im Baireuthischen und in England (Lyme Regis 
und Bath) hat man schon mehrere vollständige Skelette von 5' — 8' 
Länge und viele einzelne Theile von ihnen aufgefunden. Jäger be- 
schreibt sogar Wirbel von S'" Höhe und 2V Länge, welche auf 
Thiere von 26' Länge schliefsen lassen. 

/. intermedius Conyb. — Br. Leth. p. 506. tb. 26. f. 2. — 
Buckl. Geol. PI. 8. f. 2. 

*) Auszug in L. Br. Jahrb. 1843. p. 503. 

**) Die bezeichnende Zahl dazu ist bei den Lithographieeii vergessen 
worden. 

***) Die Uniknickung des Schwanzes nach unten fand Owen {ISote 
on the Dislocation of the Tail at a certain point observable in thc Skeleton 
of many Ichthyosauri , 1838.) bei den meisten Ichthyosauren wiederkehrend, 
und diefs tritt bei /. communis ohngefähr bei dem dreifsigsten Schwanz- 
wirbel ein. 

t) L. Br. Jahrb. 1844. p. 503. 



SAÜlUER. 03 

Eine kleinere Art, etwa von b' Gröfse, mit Zähnen, deren 
Krone spitzer als in /. communis und mit weniger erhabenen Streifen 
versehen ist. 

Im Lias von Wiirtemberg- und England. 

/. platy odon de la B. u. Con. — Br. Leth. p. 505. tb. 26. 
f. 2. — Buckl. Geol. PI. 7. — /. giganteus Leach (nach Owen). — 
/. chiroligostinus Hawkins, PI. 3 — 5. 

Die Zähne sind oval-kegelförmig, seitlich zusammengedrückt, zwei- 
schneidig und mit abgeplatteten Längsstreifen versehen. Nach Hawkins 
stehen sie auf den Kiefern, Zwischenkiefern und Zahnbeinen, und es 
waren von ihnen im Oberkiefer 40 — 50, im Unterkiefer 35 — 45 auf 
jeder Seite vorhanden. 

Das von Hawkins auf PI. 3 abgebildete vollständige Skelett ist 
18' engl. lang. 

Man kennt diese Art, nach Owen, aus dem Lias von Lyme, 
Bristol, Whitby, Bitton und von Ohmden in Würtemberg. 

/. trigonodon Theodori, L. Br. Jahrb. 1843. p. 136, 502; 1844. 
p. 248, 340, 697. 

Der vorigen Art nuhe verwandt. Die Zähne sind leicht nach 
hinten gekrümmt und besitzen aufser 2 scharfen Seitenkanten nocli eine 
dritte gerundete Längskante, so dafs ihr Durchschnitt dreieckig ist. 
Einem 7' langen Kopfe zu Folge, welcher im Lias von Banz im Bai- 
reuthischen aufgefunden wurde, hat Theodori die Länge des ganzen 
Thieres auf 32' geschätzt. 

I. tenuiTostris de la B. u. Conyb. — Jäger, foss. Rept. Würt. 
tb. 2. f. 9 — 12, 15, 16—21. — Buckl. Geol. PI. 9. — /. chirostron- 
gidostinus Hawk. PI. 13 — 16. 

Mit einer sehr langen und dünnen Schnauze und viel schlanke- 
ren, etwas gebogenen Zähnen, welche nur schwach gestreift sind. 
Nach Hawkins standen 140 im Oberkiefer und 120 im Unterkiefer. 

Auch hiervon kennt man Köpfe von 2' und Skelette von 3^' 
— 8' Länge. 

Es ist eine der gewöhnlichsten Arten in England (Lyme, Strat- 
ford, Bristol, Street u. s. w.) und bei Amburg, Boll in Würtem- 
berg, bei Banz und bei Solothurn. 

Koprolithen oder versteinerte Excremente von 
Ichthyosauren. 
Taf. V. Fig. 8. Nach Hawkins PI. 27. (1). 

Das Vorkommen versteinerter Excremente von Sauriern ist 
ein jetzt unbestreitbares Factum. Wer auch nur einen flüchtigen 



REPTILIEN. 



Blick auf die Excremente verwandter lebender Tliiere, wie auf die 
der Riesenschlauge geworfen hat, wird es nicht mehr bezweifeln. 
Noch mehr aber ist die Natur dieser Körper durch ihre chemischen 
Bestandtheile dargethan worden, welche vorzugsweise phosphor- 
saurer und kohlensaurer Kalk sind '•'), und durch ihr häufiges Vor- 
kommen in der Bauchhöhle der im Lias von Lyme Regis gefunde- 
nen Ichthyosauren- Skelette. (Buckl. Geol. PI. 13.) 

Mantell und Buckland ■'■■■■), welche die Wissenschaft mit der 
Entdeckung von Koprolithen zuerst bereicherten, lenkten hiermit 
auch die Aufmerksamkeit auf die eigenthümliche Textur dieser Kör- 
per. Die Koprolithen, welche im Lias von Lyme Regis an der 
Severn- Mündung und an anderen Orten wie Kartoffeln im Boden 
zerstreut liegen, zeigen eine compacte, erdige Textur, einen fett- 
glänzenden Bruch und sind meistens spiralförmig gewunden. Buck- 
land fand an ihnen 3, nie aber mehr als 6 solcher Windungen. 
Diese spiralförmige Windung hatte ihren Grund wahrscheinlich in 
der Beschaffenheit der inneren Fläche der Darmröhre und sie läfst 
uns schliefsert, dafs die Ichthyosauren einen Darmkanal wie die noch 
lebenden Haifische und Rochen besafsen. Bei diesen Fischen, ge- 
rade den räuberischsten unter den Bewohnern der jetzigen Meere, 
läuft eine ununterbrochene spiralförmige Falte längs der inneren 
Wandung der kleinen Gedärme herab, mit welcher die spiral- 
förmige Windung der Excremente vollkommen im Einklänge steht. 
Duvernoy '^'''''^') findet in den Koprolithen mit spiralen Windungen 
und erdigem Bruche die gröfste Aehnlichkeit mit den Excrementen 
der Boa constrictor und betrachtet sie, unter dem Namen IJro- 
lithen, als Harnsedimente der Saurier, während nach seiner An- 
sicht die nicht gewundenen und solche, welche Schuppen und Grä- 
ten enthalten, wirkliche Koprolithen sind. Hawkins und Mantell 
bilden viele Koprolithen von Ichthyosauren ab, welche länglichen 
Rollsteinen oder länglichen Kartoffeln gleichen und gröfstentheils 
die Länge von 2" — 4" besitzen. 

t 2. G. Plesiosaurus Conyb. Ealidracon Wagl. Meerdrache. 
(nXriotog^ nahestehend; oavQog.^ 

Die Plesiosauren sind, wie schon Cuvier sagte, vielleicht 
die auffallendsten Bewohner der früheren Welt. Mit dem Kopfe 



*) S. u. Koprolithcs Mantcllii. 
**) ßuckl. Geol. V. Agassiz, p. 208 u. f. 
Campt, rend, 1844. T. 19. p.. 255. 



SAURIER. 



95 



einer Eidechse vereinigen sie die Zähne des Krokodils, mit einem 
ungeheueren dem Körper einer Schlange ähnlichen Halse den 
Rumpf und den Schwanz eines gewöhnlichen Säugethieres, die 
Rippen des Chamäleons und die Schwimmfiifse des Wallfisches. 
(Buckl. Geol.) Sie lebten gleichzeitig mit den Ichthyosauren , wa- 
ren wie diese zum Athmen in der Luft bestimmt und scheinen 
mit ihnen seichte Meere bewohnt zu haben. 

Der Kopf ist sehr klein und hat die Bildung des Gaumens, den 
Knochenring in den Augen und die Lage der kleinen Nasenlöcher 
oben vor den Augen mit den Ichthyosauren gemein, gleicht aber 
dem Krokodil durch die aus besonderen Zahnhöhlen emporwachsenden 
Zähne. Die Schnauze ist niäfsig lang, verdickt sich vorn und weicht 
hinten stark aus einander. Die Zähne, welche bis unter die Augen- 
höhlen stehen, sind sehr lang, dünn, spitz, und auf ihrer Schmelz- 
fläche fein gestreift, ihre Wurzel ist glatt, gerundet und hohl, so 
dafs ihre Erneuerung wie bei den Krokodilen erfolgte. Sie variiren 
nach Alter und Art. 

Am abweichendsten von allen anderen Wirbelthieren sind die Ple- 
siosauren durch ihren schlangenartigen Hals, welcher aus ohngefähr 33 
Wirbeln besteht "••). Dieser ist viel länger als der Schwanz, in wel- 
chem man 26 Wirbel erkannte. Im Ganzen beläuft sich die Zahl der 
Wirbel auf 85 — 90. Alle Wirbel zeigen wenig vertiefte Gelenkflächen 
und sind in der Mitte selbst wieder etwas erhöht, an ihrer unteren 
Seite aber erkennt man an ihnen 2 kleine ovale Grübchen. Die Be- 
wegungsorgane waren ähnlich wie bei den Ichthyosauren gebildet, 
unterscheiden sich jedoch durch gröfsere, längere und schmälere Form, 
welche sich auch in den einzelnen Knöchelchen ausspricht. 

P. dolichodeirus Conyb. — Taf. V. Fig. 5. (5' 8" engl, grofs) 
und Fig. 4. ein idealer Umrifs des lebenden Thieres. — Nach Hawkins, 
Mem. of Jchthyos. and Fies. PL 24. (/. tessarestarsostinus), — Buckl. 
GeoL PL 16 — 18. 

Der Hals dieses Plesiosaurus ist fast fünfmal länger als der Kopf 
und zweimal so grofs als der Schwanz, so dafs der Kopf kaum den 
dreizehnten Theil der ganzen Körperlänge ausmacht. 

Man kennt diese Art, nach Owen, aus dem Lias von Watchett, 
Bath und Bristol in Somerset, von Lyme und von Bitton in Glou- 
cestershire. 



*) Bei allen Säugethieren sind immer nur 7, bei den Vögeln 9—28 und 
bei den lebenden Reptilien 3—8 Halswirbel vorhanden. 



96 



REPTILIEN. 



P. macrocephalus Con. — Buckl. Geol. PI. 19. f. 1. — Owew, 
a descripHon of a Specimen of the Ples, macroceph. in Trans. Geol. 
Soc. Ind Ser. Vol. V. PI. 43. 

Unterscheidet sich von voriger Art vorzüglich durch einen viel 
gröfseren und längeren Kopf, welcher beinahe die halbe Länge des 
Halses erreicht. 

Owen führt ihn aus dem Lies von Lyme, Street und Balh auf. 

Neben 10 Arten aus dem englischen Lias bestimmte Owen 5 aus 
dem Kimmeridge-Thone und eine Art aus dem englischen Grünsande. 

Die in Deutschland von Plesiosaurus aufgefundenen Reste be- 
schränken sich auf Wirbel und wenige andere Knochen aus dem Lias- 
kalke und Sandsteine von Banz und Bamberg •') und auf die in den 
Triasgebilden nicht selten vorkommenden Wirbel. 

t 3. G. Pliosaurus Owen, (nldw, ich schiffe.) 

ist ein Mittelglied zwischen Plesiosaurus und den Krokodilen. Seine 
Halswirbel sind viel kürzer als die Rückenwirbel, wodurch der 
Hals viel kürzer als bei Plesiosaurus wird. Bei aller Aehnlich- 
keit mit der letzteren Gattung, nähern sich die Zähne des Pliosaurus 
mehr den Krokodilen. Vorgekommen im Kimmeridge-Thone von 
Market -Ruset, Weymouth und Shotover in Britannien. (L. Br. J. 
1842. p. 491.) 

t 4. G. Nothosaurus Münst. Bastard-Saurier. 
(voSog^ unächt; oavQog.) 

Hierzu: Dracosaurus Münst. Drachen-Saurier"''"'') und die früher 
dem Plesiosaurus zugeschriebenen Ueberreste im Muschelkalke '"'*''■). 

Die Nothosauren vertreten die Plesiosauren der Juraformation 
in der Trias. Sie besafsen, nach Bronn, einen Jangen schlangen- 
förmigen Hals mit wenigstens 27 Wirbeln, mindestens 22 Brust- 
und Lendenwirbel und über 24 Schwanzwirbel. Die Gelenkflächen 
sämmtlicher Wirbel sind etwas vertieft. Die für Plesiosaurus cha- 
rakteristischen Grübchen an der unteren Seite der Schwanzwirbel 
fehlen t). Ihre vorderen Extremitäten waren sehr verlängert und 



*) Theodori in L. Br. Jahrb. 1844. p. 697. 
**) H. V. Mey. in L. Br. Jahrb. 1839. p. 559. 

**♦) Von dem unermüdlichen H. v. Meyer ist bald eine umfassendere 
Bearbeitung der Saurier des Muschelkalkes und insbesondere der Gattung 
]\othosauru8 zu erwarten. 

•{-) Nur an einigen im Muschelkalke aufgefundenen Wirbeln, welche Mün- 
ster als Plesiosaurus speciosus bezeichnete, waren solche Grübchen vor- 
handen. (Br. Leth. p. 199.) 



SAURIER. 97 

endeten in eine lange spitze Flosse, die hinteren waren kürzer. 
(Br. Leth. p. 188.) 

In neuerer Zeit wurden von dieser Gattung auch mehrere 
Schädel in dem Muschelkalke von Baireuth und von Crailsheim 
entdeckt '*•) , welcher unter der folgenden Gattung Erwähnung ge- 
schehen soll. 

Die Zähne sind sehr verlängert, kegelförmig, gebogen und an 
der Schmelzfläche scharf gestreift. Die Streifen laufen nach oben in 
einander. Innerlich sind sie, wenigstens unten, hohl. Grofse 
Zähne, welche im vorderen Ende der Schnauze auf ^em Zwischen- 
kiefer sitzen, hatten nach H. v. Meyer die Bedeutung von Schneide- 
zähnen. Aufser diesen waren im Oberkiefer noch gröfsere Eckzähne 
vorhanden, welche im Unterkiefer fehlten. Die Abweichungen der 
grofsen oberen Zähne im Noth. mirahilis von den unteren haben, 
nach demselben Gelehrten, die- Errichtung des Dracosaurus ver- 
anlafst, welcher demnach, wenigstens nach den Zähnen, nicht 
existirt 

Die Nothosauren beginnen mit N. Schimperi H. v. Mey. '^■'•■■^) 
schon im bunten Sandsteine von Sulzbad, im Muschelkalke werden 
sie häufiger und erreichen an der oberen Gränze desselben ihre 
gröfste Entwickelung und Ausbreitung, so dafs die glauconitischen 
Schichten von Rüdersdorf, Mattstedt bei Jena und die Bildungen 
von Crailsheim in Würtemberg ganz davon erfüllt sind. 

iV. giganteus Münst. — Br. Leth. p. 189. 

Knochen aus dem Muschelkalke, von der Dicke der Bärenknochen, 
und 2" hohe und an der Basis dicke Fangzähne lassen auf die 
sehr bedeutende Gröfse dieser Art schliefsen. 

N. mir ab i Iis Münst. — Taf. VI. Fig. 12. Nach Br. Leth. p. 189. 
tb. 13. f. 14. 

Ein Unterkiefer aus dem Muschelkalke von Baireuth liefs die 
Gröfse des Thieres zu 7' annehmen. Derselbe erweitert sich vorn 
und ist an dem breiten vorderen Ende sehr stumpf. Die erhabenen 
Streifen der Zähne (Fig. 12.) vermindern sich an Zahl durch Zusam- 
menlaufen schon von i der Höhe von der Wurzel an. 

iV. angustifrons H. v. Mey. Beitr. z. Palaeont. Würt. p. 47. 
tb. 10. f. 2. 



♦) H. V. Mey. in L. Br. J. 1639. p. 659; 1842. p. 99, 184 und Pal. 
Würt. p. 47. 

**) L. Br. J. 1839. p. 559. 
***) L. Br. J. 1842. p. 100. . 
Gcinitz, Versteiuerungskunde. ^ 7 



REPTILIEN. 



Ein Über 6" langer Schädel aus dem Miischelkalke von Crails- 
heim, welcher sich sehr allmählich bis an das abgerundete Schnauzen- 
ende verlängert. 

N. venu st IIS Münst. — Br. Leth. p. 189. 

Er war nur 4- so grofs als N. mirabilis. M. v. Meyer führt 
von ihm einen Schädel von Esperstädt an. Einzelne Knochen dieser 
Art sind nicht selten im Saurier -Dolomit des Muschelkalkes von Jena, 
Querfurth, Baireuth u. a. 0., wo Muschelkalk vorkömmt. 

iV. (Dracosaurus) Bronnii Münst. — Taf. VI. Fig. 6. Wir- 
bel, nach H. v. M. im Mus. Senck. 1833. Bd. 1. tb. 2. f. 10. (i) und 
Taf. VI. Fig. 11. Zahn, nach Br. Leth. tb. 13. f. 15; — das Luneviller 
Reptil in Alberti's Monographie des bunten Sandst. u. s. w. 

Die Zähne sind dünn, stark gebogen und eng gestreift. Die 
Streifen vereinigen sich erst oberhalb der Mitte. 

Häufig im Muschelkalke von Baireuth, Rüdersdorf in Thüringen, 
bei Crailsheim in Würtemberg, am Schwarzwalde und bei Luneville, 
besonders in seinen obersten Schichten. 

N. (Plesiosaurus) . . . . ? — Taf. VI. Fig. 5. a, b, c. Nach 
H. V. Mey. im Mus. Senck. Bd. 1. tb. 2. f. 1. 

Der Körper der Schwanzwirbel ist in der Mitte nur unbedeutend 
eingezogen und zeigt auf seiner oberen, seitlich etwas vorstehenden 
Fläche eine eigenthümliche kreuzförmige Figur (5. a.), die an das 
sogenannte Blücher -Kreuz erinnert, in welche die Fortsätze eingelenkt 
waren. Seine Gelcnkflächen sind kreisrund und schwach concav, allein 
in der Mitte der hinteren derselben (Fig. 5. c.) erhebt sich eine kleine 
Convexität, ähnlich wie bei Plesiosaurus. 

Im Muschelkalke bei Jena, bei Beichlingen und bei Baireuth 
nicht selten. 

t 5. G. Simosaurus H. v. Mey. {oii-iog^ Stumpfschnauze; 

OUVQOg.) 

Der Kopf dieses Sauriers erinnert, nach H. v. Meyer ), 
durch die drei Paare deutlich unterschiedener Löcher in der Ober- 
seite, welche, von vorn anfangend, die Nasenlöcher, Augenhöhlen 
und Schläfengruben darstellen, zunächst an Nothosaurus ^ ohne 
dafs jedoch die Augenhöhlen und Schläfengruben so ganz der 
Oberseite angehören, als im letzten Genus. In beiden Gattungen 
ist die Schnauze unmittelbar vor den Nasenlöchern gewöhnlich am 
schmälsten, indem sich ihr äufserstes Ende erweitert. Hier ist 



'•O L. Br. Jahrb. 1842. p. 184 u. 302. 



4 



SAURIER. 



99 



dieses Ende viel breiler und stumpfer gerundet, als in Nothosaurus. 
Wie bei dieser Gattung, liegen nahe an dem vorderen Ende zwei 
grofse, getrennte Nasenlöcher, und die Augenhöhlen kommen auf 
die vordere Hälfte der ganzen Länge des Schädels, wodurch bei 
beiden die Gesichtsstrecke sehr verkürzt wird. In Simosaurus ist der 
Kopf verhältnifsmäfsig kürzer und breiter als in Nothosaurus^ bei- 
den fehlte aber eine eigentliche Scheitelwölbung, und in beiden 
ist ein ovales Scheitelloch an der schmälsten Stelle des Scheitel- 
beines anzutreffen. Die Schläfengruben liegen bei ersterem weiter 
aus einander als bei letzterem, bei Nothosaurus sind die Augen- 
höhlen im Allgemeinen länger als breit, bei Simosaurus hingegen 
fast eben so breit als lang. Hier liegen die Augenhöhlen näher 
den Schläfengruben, dort näher den Nasenlöchern; die Nasenlöcher 
sind in Simosaurus ein wenig länger als in Nothosaurus, und in 
ersteren ist ihr vorderer Winkel auffallend spitz u. s. w. Die 
Zähne stecken, wie die des Nothosaurus, seines Verwandten und 
Zeitgenossen, mit langen starken Wurzeln in getrennten Höhlen. 
Sie stehen bei Simosaurus von der Gegend vor den Nasenlöchern 
an bis in die Gegend der hinteren Hälfte der Schläfengrube, auf 
jeder Seite des Oberkiefers 25 — 26 an Zahl, und nehmen nsich 
vorn allmählig an Gröfse und Stärke zu. Bei Nothosaurus hin- 
gegen führen die Zähne nur bis in die Gegend der vorderen Schlä- 
fengrube zurück, und gleichwohl ist ihre Zahl ungefähr um die 
Hälfte gröfser als in der verwandten Gattung. Die Zähne? sind 
kleiner und nehmen nach vorn nur unbedeutend zu, wofür sie 
jedoch durch die starken und grofsen Zähne entschädigt sind, welche 
schon früher beschrieben wurden. In Simosaurus sind die klei- 
neren Zähne etwas stärker und stumpfer kegelförmig, an der Basis 
ihrer Krone etwas eingezogen und hier mit einer scharfen Kante 
versehen, übrigens im Durchschnitte fast kreisrund. Die Längs- 
streifen, welche bis in die Spitze gehen, verlieren sich am unte- 
ren Ende da, wo die Krone bauchiger wird. Die Zähne des Un- 
terkiefers sind gleichförmiger und kleiner als die im Oberkiefer, 
wie es bei Nothosaurus der Fall ist, dessen Zähne jedoch noch 
kleiner und schlanker sind. (H. v. Meyer.) 

Von 5. Gaillardoti H. v. Mey. (L. Br. J. 1842. a. a. 0. u. 
Pal. Würt. p. 45. tb. 11. f. 1.) beschrieb H. v. Meyer mehrere Schä- 
del, welche im Muschelkalke von Luneville und bei Ludwigsburg in 
Würtemberg aufgefunden wurden. 

S. Mougeoti H. v. Mey., L. Br. J. 3842. a. a. 0. 

Hiervon kennt man Unterkiefer aus Luneville, 

7'^ 



100 



REPTILIEN. 



t 6. G. Charitosaurus H. v. Mey. (xotQig, Anmiith; ouvQog.) 

C. Tschudii H. v. Mey. in L. Br. J. 1838, p. 415.- Tat'. VI. 
Fig. 8. Unterkieferhälfte aus dem Miischelkalke von Esperstädt. 

Die Zähne (Fig. 8. a. vergröfsert) sind ziemlich von gleicher 
Gröfse, verengen sich stark an der Basis ihrer Krone, laufen nach 
oben in eine scharfe Spitze aus und sind längsgestreift. Sie stecken 
in gesonderten Höhlen und scheinen in allen Stücken denen von Simo- 
saurus sehr ähnlich zu sein. 

t 7. G. Conchiosaurus H. v. Mey. Muschel-Saurier. 

{y.oyyjov f Muschel; oavQog.) 

Der Schädel dieses Sauriers' gleicht am meisten dem eines 
Alligators; seine Nasenlöcher liegen ain Ende der Schnauze. An 
der Seite derselben steht in dem Oberkiefer (Taf. VI. Fig. 2.) 
ein grofser, spitzer und gekrümmter Zahn, und vor diesem we- 
nigstens noch ein kleiner. Hinter ihm findet man aber wenigstens 
11 kleinere kolbige kegelförmige Zähne von ungleicher Gröfse 
(Fig. 2. a. und b.), die an ihrer Basis verengt und bis zur Spitze 
gestreift sind (Fig. 2. c). Sämmtliche Zähne stehen in gesonder- 
ten Höhlen und sind unten hohl. Einzige Art: 

C. clavatus H. v. Mey. im Mus. Senck. 1833. Bd. 1. tb. 1. 
f. 3, 4, wovon die Abbildung auf Taf. VI. entnommen wurde, kommt 
in dem Muschelkalke von Baireuth und von Esperstädt vor. 

Anhang. 

t 8. G. Belodon H. v. Mey. (ßtlog, Pfeil; oSwv, Zahn). 
Hierzu: Phytosaurus Jäger. 

Die Zähne sind breit, dick und haben fast die Form eines 
Pfeiles, indem ihre Krone zusammengedrückt und schwach gekrümmt 
ist, oben aber spitz zuläuft. 

ß. Plieninger i H. v. Mey., Pal. Würt. tb. 12. f. 20 — 24, ist, 
nebst einer anderen Art mit längeren Zähnen, auf den Keupersandstein 
(Stuben- oder Streusandstein) von Würtemberg beschränkt. 

Die Identität dieser Gattung mit Phytosaurus suchte Plieninger 
schon bei der Versammlung deutscher Naturforscher 1843 in Mainz 
nachzuweisen, und diese Ansicht wurde von ihm in den Beiträgen 
zur Paläontologie Würtembergs, 1844. p. 91 u. f., noch ausführ- 
licher durchgeführt. 

Taf. VI. Fig. 9. a. gieht, nach Jäger's Abbildung seines Phy- 
tosaurus Cylindricodon (foss. Rept. W^ürt. tb. 6.) einen Umrifs des 



SAURIER. 



101 



Kiefers; Fig. 9. c. stellt einen wirklichen Zahn in halber natür- 
licher Gröfse dar; Fig. 9. b. in halber natürlicher Gröfse die Aus- 
füllungen der Zahnhöhlen mit Gesteinsmasse, welche von Jäger 
für die Backzähne eines pflanzenfressenden Sauriers gehalten wor- 
den waren. 

Diese Reste, so wie die des Fhytosaurus ciibicodon, waren 
im grobkörnigen Keupersandsteine von Rübgarten in der Nähe von 
Tübingen gefunden worden. 

t 9. G. Brachytaenius H. v. Mey. (ßQu/vg, kurz; 
laivluy Streif.) 

B. perennis H. v. Mey. (Münst. Beitr. z. Petref, Hft. 5. 
p. 22. tb. 8. f. 2.) begreift nur die Krone eines Zahnes aus dem 
gelben Jurakalke von Aalen , welcher am mehrsten an die Zähne 
des Belodon Plieningen erinnert, jedoch weniger zusammengedrückt 
und in seiner oberea Hälfte mit 2 scharfen, schwach gezähnelten 
Kanten versehen ist. 

t 10. G. Termato^aurus Flfen. (rt^fna^ Gränze: aavQog.y 

Als T. Alherlii bezeichnet Plieninger (Pal. Würt. p. 123 — 
125. tb. 12. f. 25. 37. 93. 94.) ganz eigenthümliche Zähne, welche 
weder mit Saurierzähnen aus der Trias übereinstimmea, an deren 
oberer Gränze sie in dem Sandsteine von Tübingen in Würtem- 
berg vorkommen, noch mit Saurierzähnen aus der Juraformation. 
Sie sind schlank, gegen die Kuppe ziemlich gedrungen und aus- 
gebaucht, übrigens mehr cylindrisch und mit einer sehr regel- 
mäfsigen, im Allgemeinen parallelen und ziemlich gedrängten Streif- 
ung von halbcylindrisch- abgerundeten und nach unten regelmäfsig 
gabelnden Erhöhungen und cylindrisch -ausgerundeten Vertiefungen 
bedeckt. 

t 11. G. Neustosaurus Raspail. (vtvozrig, der Schwimmer.) 

N. Gigondarum^ nach Raspail ein neues Geschlecht fisch- 
arliger Reptilien aus den Bergen von Gigondar, das aber noch 
zu wenig gekannt ist. (Notiz in L. Br. J. 1843. p. 238.) 

£. Ijabyrinthodontra. 

Saurier mit prismatischer Zahnstructur , wie sie sehr ähnlich 
an den Zähnen einiger Säugethiere vorkömmt. Der Querschnitt 
dieser Zähne stellt labyrinthartige Zeichnungen dar (Taf. V. Fig. 
10. b.) , welcher Charakter ihnen den so bezeichnenden Namen 
verschafft hat. 



102 



REPTILIEN. 



Sie sind ausschliefslich auf die Trias- oder Muschelkalkfor- 
niation besciiränkl, und sowohl in dem bunten Sandsteine, dem 
Muschelkalke, als in der Lettenkohle und dem Keuper wird diese 
Familie durch ei^enthümliche Geschlechter vertreten. 

Mit gewohnter Genauigkeit haben H. v. Meyer und Plieninger '') 
diese Familie zum Gegenstande einer monographischen Arbeit ge- 
wählt, nachdem Owen an einigen, im Sandsteine bei Warwick 
gefundenen Zähnen die Structur derselben schon nachgewiesen hatte. 

Der englische Anatom stellt diese Saurier in die Ordnung 
der Batrachier, und nach seiner Ansicht würden dieselben ohn- 
gefähr das Ansehen gehabt haben, wie es Taf. V. Fig. Ii. aus- 
drückt. Er findet es ferner auch wahrscheinlich , dafs die in dem 
Keuper und bunten Sandsteine vorkommenden Fährten und Fährten- 
abdrücke von diesen oder ähnlichen Thieren herrühren, wie diefs 
nach Owen's Zeichnung aus Fig. 11. auf Taf. V. '^'*) hervorgeht. 

In den Beiträgen zur Paläontologie Würtembergs beweist 
aber H. v. Meyer, dafs die Laijyrinlhodonten wegen der Gegen- 
wart des Thränenbeines, des Ober- und Unter -Hinterhauptbeines, 
des Schlafbeines, des hinteren Stirnbeines und des Jochbeines keine 
Batrachier sein können, da den letzteren alle genannten Beine feh- 
len, und dafs sie im Gegentheil sich unmittelbar an die Saurier 
anreihen, da die meisten Knochen ganz ähnlich wie im Krokodil 
und in älteren fossilen Sauriern gebildet sind. Die in einem Löcher- 
paare bestehende Nasenöffnung ist, nach demselben Gelehrten, la- 
certenartig, ihre Lage aber auf der Oberseite wie im Krokodil 
und in älteren Sauriern. Die verhältnifsmäfsige Gröfse der Augen- 
höhlen, deren Begränzung durch Knochenplatten und die Lage auf 
der Oberseite sind krokodilartig. In Betreff der Gegend, wo die 
Augenhöhlen auftreten, gleicht Capüosaurus dem Krokodile, Mas- 
todonsaurus den Lacerten und Metopias den Schildkröten und 
einigen älteren Sauriern. Der Gelenkfortsatz des Hinterhauptes ist 
ähnlich den Batrachiern und Säugethieren. Die Gaumenbewäffnung 
erinnert zunächst an Batrachier, die Structur der Zähne an Saurier 
und Fische, und die Art des Einsetzens vielleicht an Saurier; die 
Art der Befestigung der Zähne ist wie in Sauriern und Fischen, die 
Beschaffenheit der Rippen und Wirbel wie in Sauriern, zumal in 
älteren fossilen, und auch der Körpcrgröfse nach waren diese Thiere 
Saurier. (II. v. Mey. Pal. Wärt. p. 31.) 

*) Beiträge zur Paläontologie Würtembergs von H. v. Meyer und Th. 
Plieninger. Stuttgart, 1844. 

*♦) Nach Ilichardson , Gcology for Beginners. London , 1842. 



SAURIER. 



103 



Die Oberfläche des Hauptstirnheines zeigt ein merkwürdiges 
Netz von Unehenheiten, welches bei Mastodonsaurus in mehreren 
längslaufenden Strahlen und Rinnen besteht, bei CapUosaurus und 
Metopias aber aus einer centralen grübchenreichen Gegend, von wel- 
cher aus die Strahlen und Rinnen mehr oder weniger divergirend 
sich verbreiten. Bei Metopias liegt diese centrale Grübchengegend 
mehr in der vorderen Hälfte, bei CapUosaurus in der hinteren 
Hälfte der Länge des Hauptstirnbeines (v. Mey. Pal. W. p. 21). Auch 
das Nasenbein und andere flache Knochen, als das Brustbein, das 
Schulterblatt u. a. , sind mit ähnlichen mehr oder weniger netz- 
förmigen oder strahlenförmigen Grübchen und Erhöhungen geziert, 
welche in den verschiedenen Gattungen auch von einander abwei- 
chen. Endlich ist noch eines leierförmigen Eindruckes auf dem 
Felde zwischen den Augenhöhlen und den Nasenlöchern zu ge- 
denken, welcher an den Labyrinlhodonten sehr auffallend hervor- 
tritt und dessen Form sich hauptsächlich nach der Lage der Augen- 
höhlen richtet. Man nennt diesen Eindruck die Brille, da seine 
beiden Arme an das vordere innere Ende der Augenhöhlen grun- 
zen, ähnlich wie das mittlere Gestell einer Brille an die Umfassung 
der Gläser. 

Fährten nach zu schliefsen, welche aus den nämlichen Ge- 
steinsbildungen bekannt sind, in denen man die Ueberreste der 
Labyrinthodonten bis jetzt nur gefunden hat, gehörten diese Thiere 
wohl vorzugsweise dem Lande an. 

t 1. G. CapUosaurus Münster. {Caputh Kopf; ouvQog.) 

Der Kopf ist nach vorn stumpf gerundet; die ovalen, etwas 
kleineren Augenhöhlen liegen ohngefähr in der Mitte der hinteren 
Hälfte der Schädellänge; die Nasenlöcher am vorderen Schnauzen- 
ende sind, wie die Augenhöhlen, weit von einander entfernt. In 
einiger Entfernung hinter den Augenhöhlen ist das Scheitelbein 
mit einem kleinen Loche durchbohrt, welches an der äufseren Fläche 
rund, an der inneren queioval ist. 

Zwei Arten im Keuper. 

C. robustus H. v. Mey. u. Flieninger, Pal. Würt. p. 6, 73 u. 
a. a. 0. tb. 9. f. 1 u. 2. 

Mehrere Schädel aus dem Keupersandsteine von Stuttgart. Die 
Zähne sind bis in die Nähe der Krone fein gestreift, stecken nicht 
in Alveolen und sind auf dem Kieferknochen aufgewachsen. 

C. arenaceus Münst.; H. v. Mey. in L. Br. J. 1842. p. 302; 
Pal. Würt. p. 11. Schädel aus dem Keuper von Bcnk in Franken. 



104 



REPTILIEN. 



t 2. G. Mastodonsaurus Jäger. Salamandroides Jäger. 
Batracliosaurus Fitzinger. Labyrinthodon Owen. 

Der Kopf ist nach vorn zugespitzt; die grofsen, länglich- 
ovalen Augenhöhlen liegen etwas hinter der Mitte des Schädels und 
in geringerer Entfernung von einander als hei Capitosduriis. Die bei- 
den Nasenlöcher am Schnanzenende sind klein, vor ihnen stehen am 
vorderen Ende des Unterkiefers 2 grofse Zähne. Auch in dieser 
Gattung ist ein kleines, scharfrandiges Scheitelloch zu erkennen. 
An Zähnen ist, besonders im Oberkiefer, ein Ueberflufs vorhanden. 
Der Gröfse nach unterscheidet H. v. Meyer im Schädel des 31. 
mittelgrofse, welche am Rande des vorderen Schnauzenendes 
sitzen und die Schneidezähne zu vertreten scheinen, kleine, wor- 
aus im Kieferrande die eigentlichen Backenzähne bestehen, und 
grofse Zähne, welche in der vorderen Hälfte der Zahnreihe von 
den Backenzähnen weiter nach innen auftreten und entweder auch 
dem Gaumenknochen oder dem Pflugscharbeine angehören. 

Die Gestalt der Krone der grofsen Zähne ist spitz kegel- 
förmig und die Krone schwach einwärts gekrümmt, ihr Querschnitt 
kreisrund, das obere Fünftheil platt, die unteren f sind durch vertiefte 
Linien gestreift, und im unteren Dritttheile verdoppeln sich diese 
Linien in Zahl. Aehnlich sind die mittelgrofsen Zähne beschalfen, 
während die kleinen einen ovalen Querschnitt zeigen und nur die 
untere Hälfte der Krone gestreift erscheinen lassen. 

Die Zähne sind in eigenen napfartig vertieften Gruben auf- 
gewachsen. (H. V. Mey. Pal. Würt.) 

M.^ Jaegeri H. y. Mey. u. Plieninger, Pal. Würt. p. 11, 57, 
73 u. a. a. 0. tb. 3., tb. 4. f. 1 — 4, 6., tb. 5. f. 1 — 5., tb. 6. f. 
1, 2., tb. 7. f. J, 3, 4., tb. 9. f. 9., tb. 10. f. 3 — 6., tb. 12. f. 4, 5. 
Taf. VI. Fig. 10. Ein Zahn nach Jäger , foss. Reptilien Würtemb. 1828. 
tb. 4. f. 5. ii). 

Schädel von 3' Länge, Zähne und verschiedene Knochen aus 
der Lettenkohle von Gaildorf und dem Leltenkohlensandsleine bei Bi- 
berfeld. 

M. Meyeri Münst. Zähne aus dem Muschelkalke von Rothen- 
burg an der Tauber. 



*) Foss. Rept. Würtemb. 1828. p. 38 u. foss. Säiigeth. Würt. 1835. p. 1. 

**) Batrachiosaurus {Hatrachiolherium) Harlan ist ein den Ichthyo- 
sauren und den Batrachiern verwandtes Genus, von welchem ein Kieferende 
am Yellowstone- Flusse unfern des Missouri aufgefunden wurde. (L. Br. 
J. 1839. [). 623; 1840. p. 742.) 



SAURIER. 



105 



M. Andriani Münst., Beitr. z. Petref. Hf. 1. p. HO. tb. 13. f. 8. 

Grofse Zahne aus dem Keiipersandsteine von Ober- und Unter- 
franken. 

Mehrere Arten von Labyrinthodon beschreibt Owen aus dem 
neu-rothen Sandsteine von Warwick und Leamigton, wozu nament- 
lich der Zahn von L. pachygnathus Owen (Taf. V. Fig. 10.) 
gehört '*'). 

t 3. G. Metopias H. v. Mey. {^tiMniag^ mit grofser 
breiter Stirn.) 

Der Kopf ist in der Gegend des Hinterhauptbeines am brei- 
testen, nimmt nach vorn an Breite allmählig ab und rundet sich 
in der Gegend der Nasenlöcher, also am vorderen Ende, stumpf 
zu. Seine gröfste Breite verhält sich zu der gröfsten Länge wie 
11 : 14. Die Augenhöhlen liegen etwas vor der Mitte der Schä- 
dellänge und weit von einander entfernt. Das Scheitelloch ist 
längs oval, vorn etwas spitzer als hinten, und liegt an der Gränze 
des hinteren Längenviertheils. 

M. diagnosticus H. v. Mey. in L. Br. Jahrb. 1842. p. 302; 
V. Mey. u. Plien. Pal. Würt. p. 18, 73 u. a. a. 0. tb. 10. f. 1. 

Einzige Art aus dem Keuper- oder Schilfsandsteine der Gegend 
von Stuttgart. 

Dem Muschelkalke allein gehört die folgende Gattung an: 

i 4. G. Xestorrhytias H. v. Mey. (y^egiog^ geglättet; 
? ^vTig, Runzel), 

wovon nur X. Perrini aus Luneville bekannt ist '■••■ ), 
und dem bunten Sandsteine: 

t 5. G. Odontosaurus H. v. Mey. {pdwv, ouvQog.)^ 

welche Gattung von H. v. Meyer 1834 nach Kieferfragmenten und 
einer gröfseren Knochenplatte mit Strahlen und Rinnen auf der 
Oberfläche aufgestellt worden ist. Er beschreibt diese Reste, wel- 
che aus dem bunten Sandsteine von Sulzbad {ßouh-les-Bains) stam- 
men, als 0. Voltzii'^'^'^. 



*) L. Br. Jahrb. 1841. p. 629 und 1843. p. 239. — H. v. Mey. u. Plien. 
Pal. Würt. p. 36. 

**) H. V. Mey. u. Plien. Pal. Würt. p. 6 u. 128. 

***) H. V. Mey. im 2. Bde. der Mem. de la Soc» d'hist. nat. de Strass- 
bourg, Pal. Würt. p. 1. 



106 



REPTILIEN. 



t 6. G. Trematosauriis v. Braun, (rgru-ta, ein Loch; oavQog.) 

Aus dem bunten Sandsteine der Umgebungen von Bernburg 
besitzt der Herr Kammerpräsident v. Braun in Bernburg eine aus- 
gezeichnete Sammlung von Köpfen und mannichfachen Knochen, 
welche mit Mastodonsaurus sehr grofse Aehnlichkeit haben, wahr- 
scheinlich aber eine neue Gattung .dieser Familie bilden. Ihnen 
fehlt weder das Scheitelloch, wefshalb diesen Sauriern vorläufig 
der Name Trematosauriis v. Br gegeben wurde, noch die brillen- 
artige Vertiefung zwischen den Augenhöhlen und Nasenlöchern, so 
wie die eigenthümliche Furchung sämmtlicher Schädelknochen. 

Im Kopfe stehen zwei Reihen Zähne neben einander, von 
welchen eine dem Kieferbeine, die andere einer dem Kieferbeine 
seitlich angehefteten Zahnleiste angehört. Die Zähne, deren Zahl 
sehr grofs ist, reichen, nach innen kleiner werdend, bis hinter 
die Augenhöhlen; die Vorderzähne sind klein und schwach, doch 
besitzt der Unterkiefer zwei stark hervortretende gerade konische 
Fangzähne. Die Nasenlöcher sind elliptisch und öffnen sich mit 
platten Rändern 

Hr. v. Braun, welcher zwei Arten seiner Saurier unterschei- 
det, ertheilte darüber die ersten Mittheilungen bei der Versamm- 
lung der Naturforscher im Jahre 1841 zu Braunschweig, und wird 
sich durch neue Mittheilungen über dieselben in den schon von 
ihm bearbeiteten „Beiträgen zur Geognosie und Paläontologie An- 
halts" zum gröfsten Danke verpflichten. 

Fährten von Sauriern im bunten Sandsteine. 

t Chirosaurus Kaup. Cheirotherium Kaup. (^yßQt Hand; 

aavQog.) 

Wiewohl die Füfse der Labyrinthodonten noch unbekannt sind, 
so dürfte doch hier an dem Ende dieser die Trias bezeichnenden 
Familie gerade der passendste Ort sein, eigenthümlicher Reliefs 
zu gedenken, welche am meisten an die von Reptilien -Tatzen 
erinnern. 

Nachdem schon früher Eindrücke von Fufstapfen im bunten 
Sandsteine bei Dumfries in Schottland entdeckt, von Dunkan in den 
Trans, Royal Society of Edinburgh 1828 • ) beschrieben worden 



*) L. Br. J. 1844. p. 569. 

**) Buckland, welcher diese Eindrücke in seiner Geology PI. 26 abbil- 
det, weist auf ihre grofse Aehnlichkeit mit denen von Landschildkröten hin. 



SAÜRrER. 



107 



waren, wurde Hr. Consistorialrath Sickler in Hildburgliausen im 
Frühjahre 1833 auf eigenthiimliche Gestalten aufmerksam, die er 
auf einigen beslofsenen Platten des bunten Sandsteines von Hefs- 
berg bei Hildburgliausen wahrnahm ; nach seiner Meinung konnten 
dieselben nur von organischen Wesen herrühren, und schon im 
Sommer 1834 zeigte es sich, wie schön seine Ansicht darüber 
gerechtfertigt wurde. Denn als von neuem die Brüche von Hefs- 
berg erölTnet waren, fanden sich jene Gestalten in einer Deutlich- 
keit, wie man sie kaum hätte ahnen können. Sie kommen als 
Reliefs auf der unteren Seite der Sandsteinplatten vor und haben 
ganz das Ansehen von einer Hand. Dabei läfst sich immer ein 
deutliches Fortschreiten und eine sich gleich bleibende Schrittweite 
beobachten, wodurch die Vermuthung, dafs man in diesen Reliefs 
die Hochabdrücke von Thierfährten zu erkennen habe, fast zur 
Gewifsheit erhoben wird. Da der Sandstein, auf dessen unte- 
rer Fläche die Reliefs sich zeigen, auf einer Mergelthonschicht 
von ^' Höhe aufliegt, so scheint nur die Erklärung zulässig zu 
sein, nach welcher jene vierhändigen Thiere einst in den weichen 
Thon eingetreten sind und ihre Fufseindrücke durch später darauf 
abgelagerten Sandschlamm ausgefüllt wurden. Und wie ein jeder 
Thon bei dem Austrocknen an seiner Oberfläche Risse erhält, so 
mufste es auch geschehen, dafs die unter der Reliefplatte liegende 
Schicht durch zahlreiche Risse durchkreuzt wurde, deren erhabene 
Abdrücke auf den Reliefplatten früher irrigerweise darin Wurzeln 
oder üppige Schlingpflanzen erblicken liefsen. 

Chir asaurus Barthii Kaup. — Taf. V. Fig. 9^ nach Sickler. 

— Chirotherium Barlhii Kaup in L. Br. Jaiirb. 1835. p. 328. — Ch. 
majus und Ch. minus Sickler, Sendschreiben an Blumenbach, 1834:; 
die Plastik der Urwelt im Werralhale, 1836; Buckl. Geol. PI. 26, 27. 

— Palaeopühecus Voigt in L. Br. Jahrb. 1835. p. 32-i. — Affe oder 
Beutelthier Bronn im Jahrb. 1835. p. 232. — Didelphys Wiegmann, Ar- 
chiv 1835. p. 127, 395. — Amphibium Berthold, Gött. Anz. 1835. p. 32; 
L. Br. Jahrb. 1841. p. 667 u. a. a. 0. — H. v. Meyer u. Plieninger, 
Pal. Würt. p. 79. 

Die Tatzenreliefs von Ch. majus zeigen einen Vierhänder an, des- 
sen hintere Hände über das Doppelte gröfser als die vorderen waren. 
Die Länge der ersleren betrug an einem Exemplare 8" Nürnb. , bei 
einer Breite von 5", die der letzteren 4" bei einer Breite von 3". 
An diesen Tatzen erkennt man einen Daumen und 4 andere Zehen, 
und an beiden das frühere Vorhandensein einer spitzen Klaue. Vor 
jeder gröfseren Tatze steht eine um die Hälfte kleinere, welches 



108 



REPTILIEN. 



Verliältnifs sich auf gröfseren Platten in regelmäfsigen Entfernungen 
der Schrittweite des Thieres wiederholt. Dabei ist abwechselnd der 
Daumen des ersten Tatzenpaares nach der einen , der des nächsten 
Paares nach der anderen Seite gewendet, so dafs man hieraus das 
frühere Fortschreiten des Thieres selbst noch ersieht. Sämmtliche Ab- 
drücke liegen nicht nur fast in einer geraden Linie, sondern es kehrt 
sich der Daumen sogar mehr nach aufsen und bezeichnet somit einen 
Gang ,,ew fauchant^"" wie er, nach Link, unter den lebenden Rep- 
tilien nur dem Chamäleon eigen ist. 

Die Schrittweite des beschriebenen Individuums betrug l' 2"; 
allein es wurden durch Sickler auch Reliefs von 12" Länge bei 2' 
Schrittweite aufgefunden. 

Ein anderes Thier zeigen die Fährtenabdrücke auf Taf. V. 
Fig. 12. an, welche Sickler '') mit Chirosaurus Barthii zusammen 
bei Hefsberg entdeckte. 

Buckland wies 1838 Chirosaurus -Y^\iv\Qn und solche von 
Landschildkröten, welche letztere denen von Dumfries glichen, in 
einem Sandsteine von Liverpool nach ■* '-). 

Cotta lenkte 1839 die Aufmerksamkeit auf eigenthümliche, 
hufeisenförmige Reliefs aus dem bunten Sandsteine bei Pölzig im 
Altenburgischen und Klein -Förthen im Reufsischen •"'••■•••"^') , welche 
auf Taf. V. Fig. 13 u. 14. in natürlicher Gröfse abgebildet sind. 
Diese Körper dürften indefs eher krebsartigen Thieren oder Schleim- 
thieren angehören, als Thierfährten sein t), zumal da hier niemals 
eine Anordnung derselben vorgefunden worden ist, woraus man 
auf ein regelmäfsiges Fortschreiten des Thieres hätte schliefsen 
können. 

Zu gleicher Zeit beschreibt Laspe eine dreizehige Fährte 
aus demselben Sandsteine von Klein -Förthen. Bei einer Länge von 
1^ — 2" verdicken sich die Zehen keulenförmig nach vorn tt). 

Koch und Schmid bereicherten die Fährten- Wissenschaft mit 
der Entdeckung von Fährten im bunten Sandsteine von Jena ttt), 
welche theils den Hefsberger Fährten, theils den von Cotta ent- 



*) Die Plastik der Urwelt, tb. 7. 

L. Br. Jahrb. 1839. p. 491—493. 
***) Ueber Thierfahrten im bunten Sandsteine, 1839. u. in L. Br. Jahrb. 
1839, p. 10. 

-»•) Geinitz in d. Mitth. aus d. Osterlande, 1839. p. 110. 
ii) Laspe in L. Br. Jahrb. 1839. p. 416. 

•)"{-|) Koch mid Schmid, die Fährtenabdrücke im bunten Sandsteine 
bei Jena. 1841. 



SCHLANGEN. 



109 



deckten hufeisenartigen Körpern gleichen, und in demselben Jahre 
noch machte Haidinger eine neue Art vorweltlicher Thierfährten 
aus Siebenbürgen bekannt *), welche nach ihm von Schildkröten 
herrühren. Bei Würzburg wurden ähnliche Entdeckungen durch 
Rumpf gemacht. (Briefl. Mitth.) 

3. Ordn. Ophidia. iSchlangen. 

Dem langen, walzenförmigen Körper der Schlangen entspricht 
natürlich auch ein langes Skelett. Bisweilen zählt man daran bis 
300 Wirbel und 200 Rippen. Die Beine fehlen äufserlich ent- 
weder ganz, oder es sind von den Hinterbeinen nur schwache Ru- 
dimente noch sichtbar. Die beiden Hälften des Unterkiefers sind 
vorn nicht verwachsen , sondern nur durch ein sehniges Band ver- 
bunden. Unter - und Oberkiefer sind beweglich. Mit dem Kiefer- 
rande sind die Zähne innig verwachsen , welche hakenförmig nach 
rückwärts gekrümmt und theils hohl (Giftzähne), theils auf dem 
Rücken nur mit einer tiefen Furche versehen (Furchenzähne) 
sind. Der Rücken der Schlangen ist mit Schuppen und der Bauch 
mit einfachen (Halbringen), unter dem Schwänze aber mit paarigen 
oder unpaarigen Schildern bedeckt. 

Mit Sicherheit kennt man fossile Schlangen nur aus tertiären 
Schichten, und die mannichfachen Angaben über ihre Auffindung 
in älteren Bildungen beruhten meistens auf der Verkennung anderer 
schlangenartig gewundener Körper. So mögen die sogenannten 
schlangenförmigen Absonderungen, welche so häufig in der unte- 
ren Abtheilung des Muschelkalkes vorkommen, von Seeschwämmen 
herrühren und vielleicht am besten den Alcyonien zuzuschreiben 
sein, während andere ähnliche Körper, welche mit wirklichen 
Schlangen höchstens die Art ihrer Windung gemein haben, jedoch 
keine Spur eines Skelettes zeigen, entweder unorganischer Natur 
oder von niedrigstehenden Organismen entstanden sind. 

Coluber L. Natter. 

C. (Tropidonotus?) Podolicus H. v. Mey. in L. Br. J. 1844. 
p. 563. 

Schlangenwirbel aus dem Tertiärgebilde ''■ ") am Dniester in Podo- 
lien, in welchen Pusch in seiner Palaeontologie (p. 168. tb. 15. f. 5. 
a, b, c) grofse Aehnlichkeit mit denen der Siren lacertina fand. 



*) L. Br. Jahrb. 1841. p. 546. 

**) Pusch in L. Br. Jahrb. 1842. p. 179. 



110 



REPTILIEN. 



C. Owenii H. v. Mey. (L. Br. J. 1844. p. 331 ii. 565), aus 
dem Molasseinergel von Oeningen, unterscheidet sich von der vorigen 
Art durch etwas gröfsere Wirbel, deren hintere Gelenkfortsätze mehr 
nach hinten, statt in voriger mehr nach aufsen gerichtet sind. 

C Von beiden Arten sind die durch H. v. Meyer 

aus dem Tertiärgebirge von Weisenau untersuchten Wirbel verschie- 
den, welche kleiner sind, und mit denen zugleich auch einige Unterr 
kiefer vorkommen. 

Cuvier bestimmte Wirbel einer Coluber aus den tertiären Mergeln 
von Argenton und dem Pariser Gypse ■•■'^), Lartet aus dem Gfers-Dep. •^■*-^'), 
Wagler aus der Knochenbreccie von Sardinien und Owen aus dem 
Londonthone von Sheppey. 

Als Ophis dubius bezeichnete Goldfufs t) eine Art aus der 
Braunkohle des Siebengebirges bei Bonn. 

Als t Palaeophis Owen 2 Arten aus dem tertiären Sande 
von Kyson und aus dem Londonthone von Bracklesham, von welchen 
die eine mindestens 20' Länge erreicht haben mochte ff). 

4« Ordn* JBatrachia. liurche. 

Bald mit kürzerem, bald mit längerem Körper, welcher mit 
einer nackten, schuppenlosen Haut bedeckt ist, und welchem viele, 
in anderen Reptilien noch vorhandene Knochen, wie die Rippen, 
gänzlich fehlen oder verkümmert sind (vergl. Labyrinthodonten). 
Kein Reptil zeigt I>«sser das wundersame Durcheinandergreifen von 
Tliierklassen, als gerade der Batrachier, indem derselbe eine förm- 
liche Metamorphose erleidet. Dasselbe Individuum, welches zuerst 
in der Jugend durch Kiemen athmet, gleichsam ein Fisch ist, wird 
später erst zu einem durch die Lungen athmenden Reptil. Hierbei 
erscheinen auch erst die Beine, welche dem jungen Batrachier 
fehlten. Pefshalb sind an diesen Thieren bald 4, bald 2, bald 
gar keine Beine äufserlich sichtbar. 

Wirkliche Batrachier kennt man bis jetzt noch aus keiner 
älteren Formation als aus der tertiären ttt). Alle Angaben aber 
über das Vorkommen lebender Frösche und Kröten in älteren Ge- 
steinen beruhen gewifs nur auf Täuschungen. 



*) L. Br. Jahrb. 1843. p. 396 u. 1844. p. 365. 

**) Keferstein, Naturgesch. 2. p. 270; v. Mey. Pal. p. 164. 

***) L. Br. Jahrb. 1839. p. 737. 

-«-) Nov. Act. Je. Leop. Carl. JSat. Cur. 15. 1. p. 127. ib. 13. /. 8. 
it) L. Br. Jahrb. 1842. p. 493. 
Itf) H. V. Mey. Pal. Würt. p. 30. 



LURCHE. 



III 



a. Üngeschwänzte Batracliier. 

Körper kurz und breit, ohne Schwanz und vierbeinig. 

1. G. Rana L. Frosch. 

R. diluniana Goldf., JSov, Act. Ac. Leop. Car. Nat. Cur. 15. 
1. p. 119. tb. 12. f. 1 — 9., tb. 13. f. 1 — 3. 

Er übertraf den gemeinen Wasserfrosch merklich an Gröfse und 
unterscheidet sich von diesem vornehmlich durch die Kürze seines 
Körpers im Verhältnifs zu der Länge des Kopfes. 

In der schieferigen Braunkohle bei Rott u. a. 0. am Sieben- 
gebirge. 

Knochen von anderen Arten dieser Gattung beschreibt Pusch 
aus tertiären Schichten am Dniester in Podolien, H. v. Meyer von 
Weisenau, und einen fossilen Knochen von Shukowce Eichwald als 
R, wlhynica, 

2. G. Bufo Laurent. Kröte. 
Hinterfüfse mit halber Schwimmhaut. 

Krötenknochen kommen nach Pusch zugleich mit Froschknochen 
am Dniester vor, und wohl mögen auch einige bei Weisenau, an wel- 
chem wichtigen Fundorte H. v. Meyer die Existenz zahlreicher Arten 
ungeschwänzter und geschwänzter Batrachier nachwies, hierzu gehören. 

t 3. G. Latonia H. v. Mey. 

Der gröfste der hier vorkommenden ungeschwänzten Batrachier 
stand an Gröfse der Ilornkröte (Ceratophrys) Amerikas nicht nach und 
war von der Latonia (Ceratophrys) Seyfriedä H. v. Mey. aus der ter- 
tiären Ablagerung von Oeningen speciell verschieden ■•■■••'). 

Ein Exemplar der Latonia H. v. Mey., des grofsen Frosches von 
Oeningen, war früher immer für einen Vogel gehalten worden 

......? Fossile Knochen , welche Thiere von der Gröfse der 

amerikanischen Kröte anzeigten, fand Lartet im Gers-Dep., und Can- 
tor schrieb die Fragmente eines Batrachierschädels , dessen Länge etwa 
lO" betragen zu haben scheint, und welche in der Ebene Nahun 
von Sandstein umschlossen gefunden worden waren, gleichfalls einem 
ungeschwänzten Batrachier zu f). 



*) L. Br. Jahrb. 1842. p. 180; Paläont. v. Polen, tb. 15. f. 5. d—l, 
**) L. Br. Jahrb. 1843. p. 395 u. 1844. p. 565. ^ 
***) L. Br. Jahrb. 1844. p. 690. 

-J-) Wiegm. Arch. 1839. 2. p. 390. — Ueber ältere Angaben vergl. H. v. 
Meyer's Palaeologica. 



112 



REPTILIEN. 



b. Geschwänzte Batrachier. 

Ihr eidechsenälinlicher Körper ist verlängert, rund und lang 
geschwänzt. Meistens haben diese Thiere 4, selten 2 Beine. 
Zähne stehen in beiden Kiefern und in dem Gaumen. 

1. G. Triton Laur. Wassermolch. 

Schwanz zusammengedrückt. 

T. noachicus Goldf., Nov. Act. Ac. Leop. Car. Nat. Cur. 15. 
1. p. 126. tb. 13. f. 6, 7. 

Er war von den lebenden Arten durch den Bau seines Schädels 
sehr verschieden. Der Kopf war 3a'" lang und 2^"' breit, der Rumpf 
6|'" und der Schwanz 12'" lang, so dafs die Gröfse des ganzen 
Thieres etwa 2" betrug. 

In der schieferigen Braunkohle am Siebengebirge. ■ 
T. palustris (?) fossilis; wird von Karg aus dem Oeninger 
Schiefer angeführt, und eine sehr kleine Art fand Lartet im Gers- 
Departement. 

2. G. Salamandra Laur. Erdmolch. 
Schwanz drehrund. 

5. ogygia Goldf., Nov. Act. Ac. Leop. Car. Nat. Cur. 15. 1. 
p. 124. th. 13. f. 4, 5. 

Er unterschied sich von dem lebenden Erdmolche durch seinen 
Schädelbau und durch die weit nach hinten liegenden Augenhöhlen, 
von dem Wassermolche aber durch einen breiteren Kopf. 

Mit Rana diluviana zusammen in der schiefrigen Braunkohle am 
Siebengebirge. 

3. G. Cryptobranchus Leuckart. (xgvnTog^ verborgen; 
ßQayyog^ Kieme.) 

{Salamandra Barton, Cuv. etc. Äbranchus Harl. Menopoma 
Harl. Protonopsis Bart. Salamandrops Wagl. Proteus Cuv. Proteo- 
cordylus Eichw. Andrias Tschudi. Palaeotriton Fitzinger. Hydrosa- 
lamandra Leuckart.) 

Die Kiemen sind bleibend und später nur noch durch einen 
länglichen Spalt an den Seiten des Halses angedeutet. Kopf und 
Rumpf sind etwas platt, die Füfse kurz und dick, vorn vier-, 
hinten fünfzehig, die Zehen klein und getrennt, der Schwanz, wie 
bei den Tritonen, zusammengedrückt. Die typische Art lebt in 
den Sümpfen Nordamerikas. (Br. Leth. p. 1166.) 



LURCHE. — FISCHE. 



113 



Mit dieser Gattung vereinigte van der Hoevcn das Skelett 
aus dem Süfswasserschiefer von Oeningen, welches Scheuchzer als 
Homo dilumi testis 1726 beschrieb, und welches damals die ge- 
bildete Welt in so grofses Erstaunen setzte. Cuvier erkannte zu- 
erst seine nahe Verwandtschaft mit den Salamandern und bestimmte 
dasselbe als Salamandre gigantesque. 

Die ganze Länge des Thieres, an dem man das Schwanzende 
nicht kennt, ist, nach Bronn, etwa 3', von welchen der Schwanz 
ohngefdhr i ausmachen mochte. Der Kopf ist 4" lang und 6 ' 
breit, und die Augenhöhlen haben 1^" Durchmesser. Vorn in den 
Kinnladen steht eine doppelte Reihe kleiner Zähne. Die Wirbel 
(bis zu dem Becken 19) sind länger als breit. Die kurzen Rip- 
pen und die Extremitäten zeigen nichts Eigenthiimliches. (Holl, 
Petrefactfenkunde, p. 95 u. Bronn^ Leihaea, p. 1169.) 

IV. Klasse. Pisces. Fische. 

Es sind Rückgralthiere mit rothem, kalten Blute, welche 
durch Kiemen athmen, mit Schuppen oder Schildern bedeckt sind 
und sich im Wasser mit Flossen bewegen. 

Die Kiemen sind an bogenförmige Knochen, die Kiemen - 
bogen, befestigt und mit einem Deckel, dem Kiemen de ekel, 
bedeckt. Dieser besteht aus 3 Knochenstücken , von denen der 
Vorderdeckel dem Augenhöhlenrande zunächst liegt, darunter 
der Unter deckel sich an die innere Seite des horizontalen 
Astes des Vorderdeckels legt, und der Zwischen deckel die 
hintere untere Ecke bildet. Der Oberkiefer theilt sich mit dem 
Alter gewöhnlich in zwei bestimmte Stücke, die Kiefern odei* 
Kinnladen und die Z wischen kiefern. Alle Theile des 3Iundes 
können mit Zähnen besetzt sein, welche, mit Ausnahme des Säge- 
fisches, nie eingekeilt sind. Die Entwickelung der Zähne nimmt 
im Allgemeinen nach dem äufseren Rande hin zu, wo sie dann 
ausfallen oder abbrechen und wieder durch solche ersetzt werden, 
die auf dem inneren Rande der Kiefern entstehen. Die Wirbel- 
säule, &ei es nun, dafs sie aus einem einfachen Rückenstrange 
oder aus getrennten, mit ihren kreisrunden Seiten an einander 
gefügten Wirbeln besteht, erlaubt wegen der verticalen Fortsätze 
kaum die geringste Biegung des Rückens. 

Die Bewegungsorgane der Fische bestehen in häutigen, durch 
strahlenförmige Knochen (Strahlen) ausgespannten Flossen , wel- 
che nach ihrer Lage Brustflossen (Br.)? Bauch flössen (B.), 

Geiiiitz, Versteincrnngakuiulc. 8 



114 



FISCHE. 



welche beide paarig stehen, Afterflossen (A.), Rückenflos- 
sen (R.) und Schwanzflossen (S.) heifsen. Diese Strahlen 
sind meistens gegliedert, oder bestehen nur aus einem steifen 
Stücke (Flossenstache.l). 

lieber dip Naturgeschichte der fossilen Fische haben beson- 
ders Blainville, Cuvier und Agassiz neues Licht verbreitet. 

Man kennt jetzt über 8000 Arten von Fischen, darunter 
ohn gefähr 1500 versteinerte. 

Von letzteren folgt hier eine Uebersicht ihrer Gattungen und 
der gewöhnlichsten Arten, wie sie in dem klassischen Werke „Äe- 
cherches sur les Poissons fossiles^ par Louis Agassh^ Neuchatel, 
1833 — 1843"*) gegeben worden ist. 

Die Fische beginnen in kleiner Anzahl schon in dem Ueber- 
gangsgebirge, etwas zahlreicher zwar, aber ebenso einförmig noch 
als jene, zeigen sie sich in der Steinkohlen-, der Zechstein- und 
Muschelkalk -Formation. Den Flacoiden, als den ältesten For- 
men, gesellten sich erst in der oberen Abtheilung der Grauwacken- 
gebilde die Ganoiden zu, ,und von ihnen zeigen sich bis vor 
der Bildung des Lias nur Heterocercen oder Arten mit un- 
symmetrischer Schwanzflosse. In der Juraformation, zu welcher 
Agassiz auch die Wealdenbildungen zählt, finden sich die beiden 
Ordnungen der Flacoiden und Ganoiden in gröfster Menge, 
von ersteren besonders grofse Flossenstacheln und gefurchte Zähne, 
von letzteren aber nur Homocercen oder Arten mit symmetri- 
scher Schwanzflosse. Mit der Formation der Kreide sieht man jene 
beiden Ordnungen, welche in der lebenden Schöpfung vorwalten, 
die Ctenoiden und Cycloiden, zum ersten Male auftreten, 
doch kommen hier noch mehr als f jetzt nicht mehr lebender 
Gattungen vor. In den unteren Tertiärbildungen, als im Thone 
von London, im Grobkalke von Paris und im Monte Bolca ge- 
hören etwa f der Arten jetzt lebenden Gattungen an, und die 
Arten der Molasse, der oberen Subapenninenformation und des 
Crags von Norfolk erstrecken sich meistens auf gemeine Galtungen 
der tropischen Meere. Demohnerachtet aber ist Mallotus villosus^ 
den man an Grönlands Küsten häufig in Thonnieren findet, nach 
Agassiz der einzige fossile Fisch, welcher mit denen unserer Meere 
vollkommen identisch ist. 



*) Die Fortsetzung dieses Prachtwerkes erscheint jetzt unter dem Titel: 
,,Mono^rapJiie des Poissons fossiles du vieux gres rouge ou Systeme de- 
vonieii (Old-red-Saitdslune), Soleure, livr, L — //. 1844. 



KREISSCHÜPPER. 



115 



1. Ordn. CycioMes Ag, Cycloiepidoti Ag, 
Krells j^chiipper. 

{xi;xXo^, Kreis; eiSog^ Gestalt.) 
Taf. VII. Pig. 30. 31. Taf. VIII. Fig. 1. 

Fische mit einem vollkommenen Knochenskelelte, mit kreis- 
runden oder elliptischen Schuppen, welche aus hornigen Schich- 
ten gebildet sind und deren Hinterrand ganz und nicht gezüh- 
nelt ist. 

Sie erscheinen zuerst in der Kreideformation. Die Gattungen 
und Arten nehmen in den tertiären Bildungen zu, und in der le- 
benden Schöpfung bildet diese und die folgende Ordnung mehr 
als I von allen bis jetzt bekannten Arten von Fischen, während 
das vierte Viertel auf die Ordnungen der Ganoiden und Placoiden 
vertheilt ist. 

Erste Abtlieilung. 

Mit zwei Rückenflossen, von denen die eine stachelig, die andere 
^ weich ist. 

1. Farn, ^combero'ides Cuv. lüakrelen« 

Mehr oder weniger verlängerte, meistens spindelförmige Fische 
mit 2 Brustflossen oder unter der Kehle gelegenen Bauchflossen. 
Die verticalen Flossen sind unbeschuppt und die Rückenflossen 
bald zusammenhängend, bald getrennt. Kiemendeckel ohne Dornen 
und Zähne. Kiefern mit starken kegelförmigen oder glattem Sam- 
met ähnlichen Zähnen besetzt. Schuppen sehr klein. Eine grofse 
Zahl ihrer Gattungen ist ausgestorben. 

t 1. G. Gasteronemiis Ag. {yaoTi^Q^ Bauch; Faden.) 

Körper zusammengedrückt •). Leib sehr breit. Bauchflossen 
an der Brust, von einem sehr grofsen Beckenknochen getragen. 
Sie bestehen aus einem langen einfachen Strahle vor einem klei- 
nen Knochen. Zähne sehr klein. 

Zwei Arten im Monte Bolca. 

t 2. G. Acanthonemus Ag. (^ay.avd-a^ Stachel; v^jf^ia^ Faden.) 

Nahe verwandt der Gattung Equula C. Körper untersetzt. 
Rückenflossen zusammenhängend. Dornige Strahlen der R. und A. 

*) Unter „zusammengedrückt" ist stets „seitlich zusammengedrückt oder 
comprimirt," unter „niedergedrückt" aber „von oben zusammengedrückt oder 
depriniirt" verstanden. 

8- 



116 



FISCHE. 



sehr entwickelt. B. an der Brust. Schnauze vorstreckbar. Zähne 
bürstenförmig. 

Wenige Arien im Monte Bolca und tertiär im Vicentinischen. 
3. G. Yomer Cuv. Spiegelfisch. 

Körper untersetzt, zusammengedrückt, mit sehr kleinen Schup- 
pen besetzt. Kopf grofs. Profil sehr schief. B. an der Brust. 
R. getrennt. Wirbelforlsätze stark, die der Hinterleibswirbel vor- 
wärts gekrümmt. Flossenstrahlen kurz und dünn. 

Wenige Arten bei Glaris, im Monte Bolca und am Libanon. 

4. G. .^ewÄ L. Sonnenfisch. 

Körper untersetzt. Kopf grofs. Schnauze vorstreckbar. R. 
dornig, aus sehr langen Strahlen gebildet. Von 2 A. ist die eine 
stachelig, die andere weich. Die weichen R. und A. sind von 
dicken knochigen und stacheligen Schildern begleitet. Bauchrand 
mit ähnlichen Schildern. Wirbel kurz. Rippen sehr schlank und 
an sehr starke untere Wirbelfortsätze befestigt. 

Eine Art. 

5. G. Lichia Cuv. 

Körper verlängert und zusammengedrückt. Erste Rücken- 
flosse aus freien, beweglichen Stacheln und aus einem vorwärts 
gerichteten, feststehenden Stachel gebildet. 2 freie Stacheln vor 
der A. Zähne bürstenförmig. 

Eine Art im Monte Bolca. 

6. G. Trachinotus Lacepede. (jQa/vg, rauh; vwrog, Rücken.) 
Körper untersetzt und erhoben. Profil sehr schief. Erste 
R. mit freien Stacheln. Zähne sarametartig. ^ 
Eine Art im Monte Bolca. 

t 7. G. Carangopsis Ag. (Caranx; oxpig^ Gesicht.) 

Körper verlängert, zusammengedrückt. Erste R. aus ziem- 
lich langen Stacheln bestehend, ohne einen nach vorn gerichteten. 
Keine freien Stacheln vor der A. Zweite R. der A. gegenüber. 
Zähne bürstenförmig. 

Vier Arten im Monte Bolca. 

t 8. G. Amphistium Ag. (äf.i(pi^ ringsum; iotIov^ Segel.) 

Körper breit und untersetzt, wahrscheinlich flach. R. zusam- 
menhängend, über die Hälfte des Rückenrandes einnehmend. A. 
sehr grofs. 

Eine Art im Monte Bolca. 



KRBISSCIIÜPPER. 



117 



t 9. G. Palimphyes Ag. (jiahf^Kfvtjg, wiederbelebt.) 

Körper untersetzt. R. getrennt. B. sehr grofs. Der fleischige 
Theil (Fufs) des Schwanzes ist breit. Wirbel kurz und zahlreich. 
Drei Arten aus den Schiefern von Glaris. 

t 10. G. Archaeus Ag. («^/«ro^, alt.) 

Körper mehr oder weniger verlängert. Wirbel lang und an 
Zahl gering. Knochen der Zwischenfortsätze dünn. 
Zwei Arien von Glaris. 

t 11. G. Isums Ag. Qoog, gleich; ovqu^ Schwanz.) 

Körper untersetzt. Kopf grofs. Fufs des Schwanzes sehr 
zurückgezogen. Skelett stark. 
Eine Art von Glaris. 

t 12. G. Pleionemus Ag. (nlttog^ voll; rtjiK/.^ Faden.) 
P. macrospondylus von Glaris. 

t 13. G. Ductor Ag. 

Körper verlängert, cylindrisch. Fufs des Schwanzes breit. 
Wirbel lang und gering an ZahJ. 
Eine Art vom Monte Bolca. 

14. G. Thynnus Cuv. Thunfisch. 

Körper verlängert. R. zusammenhängend. Falsche Flossen 
hinler der R. und A. Ungleiche Schuppen bilden ein Schild um 
die Brust. 

Zwei Arten vom Monte Bolca. 

15. G. Orcynus Cuv. 

Durch sehr lange Brustflossen vom vorigen unterschieden. 
Zwei Arten vom Monte Bolca. 

16. G. Cybium Cuv. 

Körper verlängert. R. zusammenhängend. Falsche Flossen. 
Grofse Zähne in den Kiefern. 

Eine Art vom Monte Bolca, eine aus dem Londonthone von 
Sheppey. 

t 17. G. Go7iiognathus Ag, {ymna^ Winkel; yvd&og^ Kiefer.) 
Zwei Arten von Sheppey. 



118 



FISCHE. 



t 18. G. Enchodus Ag. Qy/og, Schwert; oSovgy Zahn.) 

Sehr entwickelte, an der inneren Seite gewölbte, an der 
äufseren mehr zusammengedrückte Zähne nehmen den ganzen Um- 
fang der Kinnlade ein. Am Rande derselben stehen bürstenför- 
mige Zähne. 

E. halocyon Ag., Vol. 5. p. 64. tb. 25. c. fig. 1 — 16. — 
Esox Lewesiensis Mant., Geol of Süss. tb. 44. f. 1, 2. tb. 33. f. 2 — 4. 

Die Zähne stehen sehr entfernt und ihre Zahl ist gering, etwa 
6 — 7 gröfsere auf jeder Seite des Unterkiefers. 

In weifser Kreide von England, im Plänerkalke von Strehlen 
und Böhmen. 

t 19. G. Anenchelum Blainv. («v«, an, auf; ey/jXiovj 
kleiner Aal.) 

Körper aalarlig verlängert. Kopf stumpf. Zähne stark. R. 
zusammenhängend. B. aus einigen langen Strahlen gebildet. Wir- 
bel lang und schlank. Die Seitenfortsatzknöchelchen an die mitt- 
leren Wirbelfortsätze angedrückt. 

Sechs Arten von Glaris. 

t 20. G. Nemopteryx Ag. (yri^a^ Faden; utIqv^^ Flügel.) 

Körper verlängert. S. abgerundet. Br. sehr grofs. Zähne 
sehr stark. Wirbelsäule kräftig. 
Zwei Arten von Glaris. 

t 21. G. Xiphopterus Ag. Qufog^ Schwert; nrefjov^ Flügel.) 
X. falcatus vom Monte Bolca. 

t 22. G. Palaeorhynchum Blainv. (naXaibg, alt; 
Qvy/og^ Schnabel.) 

Körper aalartig. Kopf klein, mit gleichen zahnlosen Kie- 
fern, die sich in einen langen, dünnen Schnabel verlängern. R. 
und A. sehr entwickelt. S. klein und gabelig. Seitenfortsätze 
der Wirbel paarweise. 

Sieben Arten von Glaris. 

t 23. G. Hemirhynchus Ag. halb; Qvy/og^ Schnabel.) 

Körper verlängert. Oberkiefer schnabelartig verlängert und 
zahnlos. Schuppen grofs. Skelett schwach. Dornfortsätze schlank. 
Zwischenfortsatzknöchelchen paarweise. 



KRKISSCHUFFER. 



119 



S. Farn. :KipMotdes üg. 

Es sind verlängerte, kleinschuppige Fische, deren Oberkiefer 
schnabelartig verlängert ist. B. stehen an der Brust. Zähne bürsten- 
förmig. Das starke Skelett besteht aus langen Wirbeln, deren 
Dornfortsätze breite, senkrechte Platten bilden. Gelenkfortsätze 
sehr entwickelt. 

1. G. Tetrapterus Raffinesque. (teTQameQog^ vierflügelig.) 

Oberkiefer sehr verlängert. Die R. beginnt im Nacken. B. 
an der Brust. Schuppen lang und dünn. Wirbel sehr lang und 
in der Mitte sehr vertieft. 

Eine Art aus der Kreide von Lewes, eine Art aus dem London- 
thone von Sheppey. 

I 2. G. Coelorhynchus Ag. (xotXog^ hohl; qvyyoQ^ Schnabel.) 
Eine ausgestorbene Gattung mit zwei Arten von Sheppey. 

3. Farn, ^phyreno'ides Ag^« 

{Sphyraena; uSog^ Gestalt.) 

Verlängerte Fische mit grofsen Schuppen, grofsen schnei- 
denden Zähnen und getrennten Rückenflossen. Die Bauchflossen 
stehen am Unterleibe und die Wirbel sind wenig zahlreich. 

1. G. Sphyraena Bloch. Pfeilhecht. 

Körper dünnleibig. Kopf verlängert. Starke schneidende 
Zähne stehen auf den Zwischenkiefern, dem Gaumenbeine und dem 
Unterkiefer. Eine stachelige R. ist von einer weichen getrennt. 
Wirbel verlängert und wenig zahlreich. 

Vier Arten vom Monte Bolca und Libanon. 

t 2. G. Sphyraenodus Ag. {Sphyraena; odovgy Zahn.) 

Kinnladen mit sehr starken, aber einförmigen und schwach 
zusammengedrückt - kegelförmigen Zähnen. 
Eine Art von Sheppey. 

t 3. G. Hypsodon Ag. (yxpi^ empor; oöwv^ Zahn.) 

H. Lewesiensis Ag. (Vol. 5. p. 99. tb. 25. a. u. b.) aus der 
Kreide von England, in den Conglomeraten des Tunnels von Oberau 
in Sachsen; zwei Arten von Sheppey. 

t 4. G Saurocephalus Harl. (oo^v^og^ Eidechse; xecpalrj, Kopf.) 

Zähne sehr zusammengedrückt und gerade. 

Zwei Arte,n in weifser Kreide , eine vielleicht bei Bilin (Reufs). 



120 



FISCHE. 



i 5. G. Saurodon Hays. {oavqog^ Eidechse; oJcoy, Zahn.) 

Zähne zusammengedrückt, an ihrem Gipfel schief und an der 
Basis gestreift. 

Eine Art in weilser Kreide. 

t 6. G. Cladocyclus Ag. {ycladog^ Zweig; y.vylog^ Kreis.) 

Die trichterförmige Oeffnung der Schuppen in den Seiten- 
linien ist ästig. 

Zwei Arten, aus der Kreide und von Brasilien. 

t 7. G. Rhamphognathus Ag. {^a^icpog^ Schnabel; 
yvdd-og^ Kiefer.) 

Körper verlängert. B. am Unterleibe. Von den sehr ver- 
längerten Kiefern überragt der obere den unteren. 
Eine Art vom Monte Bolca. 

t 8. G. 31 esogast er Ag. (f.iaoog^ mitten; yaorriQ^ Bauch.) 

Körper verlängert. B. am Unterleibe. Kopf kurz und stumpf. 
Kiefern gleich lang. 

Eine Art vom Monte Bolca. 

4. Farn. JBlenniol'des Ag, 

Untersetzte, meistens kleine Fische mit kleinen Schuppen. 
Die Bauchflossen stehen an der Kehle. Eine einzige, sehr lange 
Rückenflosse besteht theils aus dornigen , theils aus weichen Strah- 
len. Zähne mehr oder weniger entwickelt. 

In der jetzigen Schöpfung nicht zahlreich, in der früheren 
nur durch eine Gattung vertreten. 

t Spinacanihus Ag. (Spinax ; ay.avd^a ^ Stachel.) 

Die erste R. besteht aus Stacheln, deren Länge der des Ganzen 
Körpers gleich kommt und wovon die ersten an ihrer Basis ge- 
zähnelt sind Die zweite R. ist schlank. 

S. blennioides Ag. vom Monte Bolca. 

5. Farn. XtopMotdes Cuv. 

Sehr unregelmäfsige Fische. Ihre Br. werden durch armartig 
verlängerte Knochen getragen. B. an der Brust. Die Schuppen 
fehlen oder werden durch knochige Höcker oder kleine Dornen 
vertreten. Kopf grofs. Kiefern mit zahllosen scharfen Zähnen be- 
walTnet. 



KHErSSCIIÜPPER. 



121 



Lophius L. Artcdi. Seeteufel. (Ao^/a, . Mähne.) 

Kopf sehr breit und niedergedrückt. Rachen sehr grofs. Von 
den beiden R. erstreckt sich die erste bis auf den Kopf. 

L. brachysomus Ag., vom Monte Bolca, ist die einzige fossile Art. 

6. Farn. JLahrol'des Cuv. 

Längliche Fische mit grofsen Schuppen. Eine einzige Rücken- 
flosse, deren vorderer Theil aus dornigen Strahlen gebildet wird. 
Bauchflossen an der Brust. Kinnladen mit fleischigen Lippen. Keine 
Zähne am Gaumenbeine. Schlundknochen mit grofsen Zähnen. Ar- 
ten sehr zahlreich in der lebenden Schöpfung. 

Labrus L. Artedi. Lippfisch. 

Körper untersetzt. Skelett plump. Lippen dick und fleischig. 
Kiemendeckel ohne Stacheln und Zähne. 

Eine Art vom Monte Bolca, eine aus der Molasse der Schweiz. 

Zweite Abtheilung. 
Mit einer einzigen weichen Rückenflosse. 
7. Fam. Cyprino'ides Ag. Karpfen. WeiTsfiscbe. 

Längliche, sehr regelmäfsige Süfswasserflsche, von denen nur 
wenige in Salzseeen leben. Bauchflossen am Hinlerleibe. Die un- 
teren Schlundknochen mit einer Reihe oder mehreren Reihen von 
starken Zähnen. Der kleine Mund ist mit fleischigen, oft bärtigen 
Lippen umgeben. Wirbelsäule kräftig, aus wenigen Wirbeln ge- 
bildet. Sie haben 3 Kiemenstrahlen. 

Sie scheinen in den süfsen Gewässern der Tertiärepoche 
ebenso häufig als in unseren jetzigen Seeen und Flüssen gelebt zu 
haben. Nur eine Gattung von ihnen ist gänzlich ausgestorben. 

t 1. G. Acanthopsis Ag. (axavd^a^ Stachel; oipig, Gesicht.) 

Körper sehr verlängert, zusammengedrückt und schlecht ge- 
staltet. Schwanzflosse abgestutzt oder gerundet. R. ein wenig vor 
den B. Bart kurz. Unteraugenhöhlen beweglich, zweispaltig und 
in scharfe Spitzen endend. Schunpen kaum bemerkbar. 

A. angustus Ag. aus dem Schiefer von Oeningen. 

2. G. Cobitis L. GrundeL 

Körper verlängert, cylindrisch. Wangen glatt. Unteraugen- 
höhlen unbeweglich und unter der Haut verborgen. " Schlundzähne 
keilförmig geschliffen. Schuppen klein. 



122 



FISCHE. 



Zwei Arleu von Oeningen, eine Art ans dem Süfswasserkalke 
von Mombach. 

3. G. 6?oöeo L. Gründling. 

Körper cylindrisch. R. gegenüber den B., mit einem grofsen 
einfachen Strahle. Die kegelförmigen Schlundzähne stehen in 2 
Reihen. Schuppen von mittler Grofse und sehr dünn. 

G. analis Ag. von Oeningen. 

4. G. Tinea Cuv. Schleihe. 

Körper untersetzt. Flossen dick. Schuppen klein. 
Zwei Arten von Oeningen, eine aus dem Süfswasserkalke von 
Steinheim. 

5. G. Leuciscus Klein. Ag. Weifsfisch. 

Körper spindelförmig und mit grofsen Schuppen bedeckt. 
Schlundknochenzähne in zwei Reihen. Skelett stark. 

Elf Arten, theils von Oeningen, theils aus dem Polirschiefer, 
der Braunkohle und dem Süfswasserkalke. 

L. papyraceus Bronn., Zeilschr. f. Mineral, v. Leonhard, 1828. 
p. 395. — Taf. VIII. Fig. 1. Nach Agass. Vol. 5. p. 31. tb. 56. f. 5. 

Häufig in der Braunkohlenformation, als: in der Papierkohle bei 
Bayreuth und Bonn und dem Polirschiefer von Kutschlin bei Bilin 
in Böhmen. 

t 6. G. Aspius Ag. 

Körper zusammengedrückt, verlängert und mit grofsen, an 
ihrem Hinterrande vorspringenden Schuppen bedeckt. Mund schief 
von oben nach unten gespalten. Der untere Kiefer überragt den 
oberen, Schlundzähne verlängert und in zwei Reihen. R. hinter 
den B. S. sehr gabelförmig. Skelett dünn. 

Zwei Arten, von Oeningen und aus der Braunkohle von Menat. 

i 7. G. Rhodens Ag. (^oJfog, rosenfarben.) 

Körper untersetzt, zusammengedrückt, mit grofsen dünnen 
Schuppen bedeckt. Schlundzähne schiefllächig. R. der A. gegen- 
über. S. gabelförmig. Nur kleine Fische. 

Zwei Arten von Oeningen. 

t 8. G. Cyclurus Ag. (xvxlog, Kreis; ovQa^ Schwar.z.) 

S. abgerundet. R. und A. sehr grofs. Wirbelsäule an ihrem 
Ende aufwärts gekrümmt. Wirbel dick und kurz. Schuppen dick 
und verlängert. 

Eine Art von Oeningen, eine von Menat. 



KUEISSCHUPPEB. 



12e3 



8» Farn. Cyprinodontes Ag. 

Längliche, sehr regelmäfsige und kleine Fische mit grofsen 
Schuppen. B. am Unterleibe. Die Kiefern tragen Zähne. Mehr 
als drei Kiemenstrahlen. 

Die Arten sind alle tertiär und gehören zu der Gattung: 

Lebias Cuv. 

Körper wenig verlängert. Kiefern horizontal abgeplattet und 
mit einer Reihe von gezähnelten Zähnen besetzt. Kiemendeckel 
grofs. Kiemenstrahlen zahlreich. R. gegenüber der A. 

Fünf Arten tertiär. 

9« Farn. Msocides Cuv« 

Dünnleibige und grofsschuppige Fische. B. am Hinterleibe. 
Die zahnlosen Oberkiefern stehen mit den Zwischenkiefern in einer 
Linie. Zähne des Unterkiefers, des Gaumens und Pflugschaarbeines 
im Allgemeinen sehr stark und kegelförmig. 

Aufser Istieus sind alle Süfswasserfische. 

1. G. Esox L. Cuv. Hecht. 

Körper verlängert, cylindrisch. Kopf grofs, mit verlängerter, 
stumpfer und niedergedrückter Schnauze. Rachen weit. Oberkiefern 
zahnlos. Zwischenkiefern mit kleinen konischen Zähnen. - Starke 
Zähne im Gaumen, in der vorderen Gegend des Nasenbeines und 
des Unterkiefers. Kiemenstrahlen sehr zahlreich. S. wenig aus- 
gerandet. R. und A. sehr nahe der S. und einander gegenüber. 
Schuppen grofs. Skelett dünn. 

F. Otto Ag. im Diluvialmergel bei Breslau. 

Eine Art von Oeningen. 

t 2. G. Holosteus Ag. (ßXog^ ganz; ooiiov^ Knochen.) 

Körper sehr verlängert. Skelett dünn. Rippen schwach. 
Muskelgräten zahlreich und grofs. 
Eine Art von Oeningen. 

t 3. G. Sphenolepis Ag. (a(p7]v^ Keil; Xemg, Schuppe.) 

Körper verlängert. Schnauze spitz. R. gegenüber der B. 
S. kaum gabelförmig. Schuppen grofs. 

Zwei Arten im Gypse von Montmartre, und bei Oeningen. 

t 4. G. Istieus Ag. (IotIov, Segel.) 

Körper verlängert. Die grofse R. nimmt fast den ganzen 
Rückenrand ein. A. sehr zurückgestellt. Schuppen grofs. Wir- 



124 



FISCHE. 



bei selir kurz. Dornforlsälze sehr gedrängt. Fortsatzknöchelchen 
weniger zahlreich als die Fortsätze. Kleine Zähne in den Kinnladen. 
Vier Arten in der Kreideformation bei Münster. 

lO. Farn. JEaleco'ides Ag. 

Regelmäfsige Fische mit mehr oder weniger grofsen Schup- 
pen. B. am Hinterleibe. Im Oberkiefer finden sich öfters Zähne. 
Diese sind im Allgemeinen kegelförmig. Skelett schlank. Kleine 
oder mittlere Fische. 

1. G. Mallotus Cuv. {(.laXlwTog^ wollig.) 

Ein verlängerter Körper mit schlankem Skelette ohne Brust- 
bein. R. in der Mitte. A. sehr grofs. Zähne sammetartig. 

M. villosus Cuv., Salmo grönlandicus Bloch, Ag. Vol. 5. p. 98. 
tb. 60. — Er wird 5 — 7" lang und lebt noch im ganzen Nordmeere. ^ 
An Grönlands Küsten findet man das Skelett davon häufig in Mergel- 
nieren, welche die Form des Fisches angenommen haben. 

Es ist nach Agassiz die einzige Art fossiler Fische, welche zu- 
gleich noch lebend gefunden wird. 

2. G. Osmerus Arledi. Stint. (loixrjQrig, riechend.) 

Körper verlängert. R. den B. gegenüber. Starke kegel- 
förmige Zähne in den Kiefern und auf dem Gaumenbeine. 

Eine Art im Grünsande von Ibbenhühren und eine im Schiefer 
von Glaris. 

t 3. G. Osmeroi'des Ag. (Osmerus; tldog.) 

R. weit vorn. Kopf abgeplattet. Mund ziemlich klein. Brust- 
beinrippen fehlen. 

Unter fünf Arten der Kreideformation ist die gewöhnlichste: 

0. Lewesiensis Mant. (Salmo Geol. of Süss. pL 40. f. 1., 
pL 33. f. 12., pl. 34. f. 1, 2. — Taf. VII. Fig. 30. Eine Schuppe, nach 
Ag. Vol. 5. p. 105. tb. 60. 6; 60. c. — Gein. Char. tb. 2. f. 3. a. b. 

Häufig im Plänermergel und Plänerkalke von Sachsen und Böh- 
men und in der Kreide von Lowes in England. 

t 4. G. Acrognathus Ag. (uitQogj der höchste; 
yvudog^ Kiefer.) 

A. Boops Ag., mit grofsem, breitem, abgeplattetem Kopfe, in 
der Kreide von Lewes. 

t 5. G. Aulolepis Ag. (dvkog^ Röhre; linig^ Schuppe.) 

A. typus Ag. Ebendaher. 



KREISSCIIÜPPER. 125 

6. G. Alosa Cuv. Alse. 

Körper regelmäfsig. Wirbelsäule aus zahlreichen Wirbeln ge- 
bildet. Briistbeinrippen sind vorhanden. Die Mitte der oberen 
Kinnlade ist ausgerandet. 

Eine Art tertiär von Oran. 

t 7. G. Megalops Cuv. (/.(e'yag, grofs; wxp^ Gesicht.) 
Eine Art im Londonthone von Sheppey. 

8. G. Chipea L. Häring. 
Körper regelmäfsig, mit Brustbeinrippen. R. in der Mitte 
des Rückens. 

Vierzehn fossile Arten, meistens tertiär. 

9. G. Engraulis Cuv. Sardelle. 
Körper verlängert. Maul grofs. Die spitze Schnauze über- 
ragt den Unterkiefer. R. den B. gegenüber. Ohne Brustbeinrippen. 
Eine Art vom Monte Bolca. 

t 10. G. Halec Ag. 

Kopf breit und abgeplattet. Rachen weit aufgerissen. Un- 
terkieferknochen sehr schmal. Brustbeinrippen fehlen. 

H. Sternhergii Ag. Vol. 5. p. 123. tb. 63. Kleine Zwi- 
schenfortsatzknöchelchen der R. sehr breit. 

Im Pläner von Böhmen. 

t 11. G. Flatinx Ag. (nXuTiy^^ Ruder.) 

Körper verlängert. R. sehr zurückgestellt. Br. sehr lang. 
Wirbelsäule sehr kräftig. Brustbeinrippen fehlen. 
Zwei Arten vom Monte Bolca. 

t 12. G. Notaeus Ag. (vcuTog^ Rücken.) 

Körper untersetzt. S. abgerundet. Die R. breitet sich über 

den gröfsten Theil des Rückens aus. B. am Unterleibe. Wirbel 
höher als lang. 

Eine Art im Gypse des Montmartre. 

t 13. G. Coelogaster Ag. (xotlog^ hohl; yaGjrjQ^ Bauch.) 
A. analis Ag. 

II. Farn. Anguilliformes Cuv. Aale. 

Sehr verlängerte Fische mit sehr kleinen Schuppen. B., bis- 
weilen sogar auch die Br. fehlen. Sie haben kleine, im Allge- 
meinen kegelförmige Zähne. 



126 



FISCHE. 



1. G. Anguilla Tliunb. Flufsaal. 

Die Br. mit Kiemen, welche sich von beiden Seiten unter 
den Flossen öffnen. Die R. beginnt in einer bestimmten Entfern- 
ung vom Nacken. 

Acht Arten, von denen sechs vom Monte ßolca, eine von Oeningen 
und eine aus dem Süfswasserkalke sind. 

t 2. G. Enchelyopus Ag. (ty/eXrg, Aal; novg^ Fufs.) 

Körper sehr verlängert. R. bis zu dem Nacken verlängert. 
Brustgürtel sehr dünn. 

Eine Art vom Monte Bolca. 

3. G. Sphagebranchus Bloch, {ocpuyrj^ Kehle; ß^dy/ot,^ Kieme.) 
Eine Art vom Monte Bolca. 
4. G. Ophisurus Lacep. (o(pig, Schlange; ovqu^ Schwanz.) 

Eine Art vom Monte Bolca. 
t 5. G. Leptocephalus Ag. (Xenrbg, dünn; xeqjaXr]^ Kopf.) 
Zwei Arten ebendaher. 

Ordn. Ctenoi'des Ag. Ktenoiden. Ctenote* 
pidoti Ag*. Kammiseliapper« 

(xTetg, Kamm; elSog^ Gestalt.) 
Taf. VII. Fig. 29. 

Die rundlichen Schuppen sind aus hornigen Schichten ge- 
bildet, von denen die unteren stets die oberen überragen und 
welche an ihrem hinteren, das ist an dem äufserlich sichtbaren 
Rande kammförmig gezähnelt sind. 

Ihre geognostische Vertheilung ist wie die der Cycloiden. 

1. Farn. JPerco'ides Cuv. {Percas Barsch.) 

Längliche Fische mit rauhen Schuppen. Kiemendeckel stark 
gezähnelt oder stachelig. Zwischenkiefern, Unterkiefern, der vor- 
dere Theil des Pflugschaarbeines und sehr häufig auch das Gau- 
menbein mit Zähnen besetzt. Starke dornige Strahlen auf dem 
vorderen Theile des Rückens bilden eine von den weichen Strah- 
len verschiedene Flosse oder vereinigen sich damit. Die B. ste- 
hen oft an der Brust. 

A. H oloccntri. 
Mit mehr als 7 Kiemenstrahlen. Ihre B. aus einem Stachel 
und 5 oder mehreren weichen Strahlen gebildet. 



KAMMSCHÜPPER. 



127 



t 1. G. Sp^henocephalus Ag, (ocfrjv^ Keil; xKpalrj^ Kopf.) 

Eine einzige R. mit einigen dornigen Strahlen nur am Vor- 
derrande. Sie ist nur wenig breiter als die A. Kopf schlank. 
Eine Art in der Kreide Westphalens. 

t 2. G. Hoplopteryx Ag. (onlov^ Waffe; meQv^^ Flügel.) 

Der dornige Theil der R. besteht aus sehr grofsen Strahlen 
und ist eben so breit als der weiche Theil. Diese Flosse zieht 
sich bis an das Ende der A. Kopfknochen gezähnelt. 

Eine Art ebenda. 

3. G. Beryx Cuv. 

Eine einzige R., nur vorn mit einigen Dornstrahlen. Kopf 
grofs und sehr stumpf. 

Unter den fünf in der Kreide vorkommenden Arten ist die 
gewöhnlichste: 

B. ornatus Ag. — Taf. VII. Fig. 29. — Ag. Vol. 4. tb. 14. «, 
14. b. f. 1. 2, tb. 14. c. f. 1 — 6 u. 14. d. — Zeiis Lewesiensis Mant., 
Geol. of Süss. pl. 34. f. 6., pl. 35 u. 35. — Gein. Kieslingsw. p. 5. 
tb 4. f. 1. — Reufs, Bölim. Kr. tb. 2. f. 2, tb. 5. f. 12. 13. 15, 
tb. 12. f. 1. 2. 

Der Kopf ist sehr dick, die Flossen sind verhältnifsmäfsig schwach, 
die Schuppen quer -eirund, und der breite mittlere Theil der hinteren 
Hälfte ist kammförmig. 

Im Grünsande von Schweden (His. Leth. Suec. tb. C. 4.), im Pläner- 
kalke von Sachsen (Strehlen), Böhmen, und in der Kreide von Sussex. 

t 4. Gatt. Acanus Ag. («xotro^, Stachel.) 

Der dornige Theil der R. sehr ausgebreitet und aus dicken 
Strahlen gebildet, welche länger als die weichen Strahlen sind. 
Mehrere starke Strahlen vor der A. 

Vier Arten in der Kreide von Glaris. 

t 5. G. Podocys Ag. (novg^ Fufs; wxvg^ schnell.) 

Unterkiefer vorragend. R. sehr entwickelt und langstrahlig. 
Die R. erstreckt sich bis zu dem Nacken. 
Eine Art in der Kreide von Glaris. 

t 6. G. Acrogaster Ag. {äy.Qog^ der höchste; yaoi-^Q., Bauch.) 

Unterleib sehr entwickelt und vorragend. Nur einige Stacheln 
vor der R., welche, wie die A., sich kaum über die Mitte erstreckt. 
Eine Art in der westphälischen Kreide. 



128 



FISCHE. 



7. G. Myripristis Cuv. Qivgiog^ zahllos; nQtoibg, zersägt.) 

Der Vorderdeckel mit 2 parallelen Reihen von Zähnen be- 
deckt, ohne Stachel an seiner Ecke. Kiemendeckel, Gesichts- und 
Schädelknochen gleich gezähnelt. Zwei ohngefähr gleiche R. 

Zwei Arten vom Monte Bolca. 

8. G. Holocentrum Art. (oXog, ganz; centrum,) 

Kiemendeckel stachelig und gezähnelt; ebenso der Vorder- 
deckel an seiner vorderen Ecke mit einem vorwärts gerichteten 
Dorn. Schädelknochen und Unteraugenhöhlen ebenso gezähnelt. 
Von den beiden R. ist die erstere die breitere und aus dicken 
dornigen Stacheln gebildet. 

Zwei Arten vom Monte Bolca. 

t 9. G. Fristigenys Ag. (nQiojog^ gesägt; ytvvg^ Kinn.) 

Unteraugenhöhlen stark gezähnelt. Die dornigen Strahlen der 
R. sind länger als die weichen und nehmen einen ebenso grofsen 
Raum als diese ein. 

Eine Art vom Monte Bolca. 

B. Eigentliche Barsche, 

Mit 7 oder mehr Kiemenstrahlen. Bauchflossen aus einem 
Stachel u. 5 oder mehreren weichen Strahlen gebildet. 2 R. 

10. G. Enoplosus Lacep. (Jvonlog^ bewaffnet.) 

Körper breit, zusammengedrückt. Vordere R. sehr hoch. 
B. sehr grofs. 

Eine Art vom Monte Bolca. 

11. G. Smerdis Ag. {o[,itQÖig^ ein Fischchen.) 

Erste Unteraugenhöhle stark gezähnelt, ebenso der vordere 
Kiemendeckel, ohne Stachel an seiner Ecke. Der Kiemendeckel 
endet hinten in einem abgerundeten Vorsprunge. Zwei gleich 
schmale R. S. gabelförmig. 

Zwei Arten vom Monte Bolca, drei tertiär. 

12. G. Perca L. Cuv. Barsch. 

Beide R. genähert. Der vordere Kiemendeckel gezähnelt, mit 
stärkeren Zähnen am unteren Rande. Ein starker Stachel steht 
an der Ecke des Kiemendeckels. Unterer Rand des Zwischen- 
und Unterkiemendeckels gezähnelt. Desgleichen stehen Zähnchen 
am Schulterblalte und an der Ecke des Oberarmknochens. 

Drei Arten tertiär. 



KAMMSCIIÜPPER. 



129 



15. G. Ldhrax Cuv. Seebarsch. 

Kiemendeckel mit doppelter Spitze. Unteraugeiihöhle, Zwi- 
schendeckel und Unterdeckel glatt. Der Vorderdeckel gezähnelt, 
mit gerundeter Ecke und an seinem Unterrande mit stärkeren Zäh- 
nen. Kiemendeckelstücken schuppig. 

Zwei Arten vom Monte Bolca , eine im Grobkalke von Passy. 

14. G. Apogon Lacep. (^unoyovog, Nachkomme.) 

RR. sehr entfernt. Der vordere Kiemendeckel mit doppel- 
tem und gezähneltem Rande. Körper grofs. Schuppen grofs. 
Eine Art vom Monte Bolca. 

15. G. hat es Cuv. (Xaioc, ein Nilfisch.) 

Der vordere Kiemendeckel gezähnelt, an seiner Ecke mit 
einem starken, nach hinten gekrümmten Stachel. Ecke des Ober- 
armes gezähnelt. S. abgerundet. 

Drei Arten im Monte Bolca und eine im Grobkalke von Sevres. 

t 16. G. Cyclopoma Ag. (^xvxlog, Kreis; nw^ia^ Deckel.) 

Der Kiemendeckel endet in eine starke und lange Spitze. 
Vorderdeckel stark gezähnelt. Die Zähnchen an seiner Ecke und 
an dem Unterrande richten sich vorwärts. Ecke des Oherarm- 
knochens abgerundet. Die beiden R. vereinigen sich fast an ihrer 
Basis. S. abgerundet. 

C. Serrani. 

Mit 7 oder mehr Kiemenstrahlen. B. aus einem Stachel und 
5 oder mehr weichen Strahlen gebildet. RR. vereinigt. 

17. G. Dules Cuv. 
Kiefern mit sammetartigen Zähnen. Kiemendeckel stachelig. 
Vorderdeckel gezähnelt. 6 Kiemenstrahlen. 
Zwei Arten vom Monte Bolca. 

18. G. Pelates Cuv. (mluTTjg, Nachbar.) 

Vorderdeckel gezähnelt. Kiemendeckel in einem starken Dorn 
endend. Kiefern mit sammetartigen Zähnen. Dornige Rücken- 
strahlen zahlreich, und dieser Theil der R. unterscheidet sich kaum 
von den weichen Strahlen. , 

Eine Art vom Monte Bolca. 

19. G. Serranus Cuv. Sägebarsch. 
Der dornige Theil der R. vereinigt sich mit ihrem weichen 
Theile. Die Kiefern sind mit Hundszähnen bewaffnet, zwischen 

Geinitz, Versteinerungskunde. 9 



130 



welche sich bürstenförmige Zähne mengen. Vorderdeckel fein ge- 
zühnclt; der Kiemendeckel endet in 2 — 3 Qaclie Dornen. 7 Kie- 
menslrahlen. Kopf- und Deckelstücken sind schuppig. 
Mehrere Arten vom Monte Bolca. 

•H.A i, 

S. Farn. Sparotdes Cuv. Ifleerlbrassen. 

Längliche, rauchschuppige Fische. Deckelstücken glatt oder 
schwach gezähnelt, niemals stachelig. Verschieden geformte Zähne 
stehen im Unterkiefer und auf den Zwischenkiefern. Gaumen un- 
bewaffnet. Die dornigen Strahlen des vorderen Theiles der K. 
sind mit den weichen zu einer Flosse vereiniget. B. an der Brust. 
Höchstens 6 Kiemenstrahlen. 

Die ältesten Arten finden sich am Monte Bolca. 

1. G. Ventex Cuv. (Deniex^ ein Meerfisch.) 

An den Rändern der Unter- und Zwischenkiefern stehen con- 
ische Zähne, von denen die vorderen die gröfseren sind und 
sich hakenförmig krümmen. Wangen schuppig. 

Fünf Arten im Monte Bolca und eine im Grobkalkc von Nanterre. 

2. G. Pagellus Cuv. 

Zwei Reihen kleiner Mahlzähne stehen in den Zwischen- und 
Unterkiefern, kleine, schlanke, kegelförmige am vorderen Theile 
des Kiefers. 

Eine Art vom Monte Bolca und Libanon. 

t 3. G. Sparnodus Ag. (^ana^vog^ selten; 6öovgj Zahn.) 

Eine Reihe dicker, kurzer und stumpf- kegelförmiger Zähne 
stehen an dem Rande der Zwischen- und Unterkiefern. 
Sechs Arten vom Monte Bolca. 

4. G. Sarg US Cuv. (od^yog, ein Meerfisch.) 

An dem vorderen Theile der Zwischen- und Unterkiefern 
stehen scharfe Schneidezähne. 

5. Cuvieri Ag., eine kleine verlängerte Art. 

3. Fain. ^cienol'de* Cuv« Cmberfisclie« 

Längliche, rauhschuppige Fische. Deckelstücken gezähnelt 
oder dornig. Zwischen- und Unterkiefern mit Zähnen. Nasen- und 
Schlundbein zahnlos und eine gewölbte Schnauze bildend. Die 
verlicaleu Flossen sind mehr oder weniger schuppig. B. an der 
Brust. 



KAMMSCIIÜPPER. 



131 



1. G. Pristipoma Cuv. (nQiaTog^ gesägt; nwfia, Deckel.) 

Die dornigen Strahlen der R. sind mit den weichen Strahlen 
vereinigt. 7 Kiemenstrahlen. Schnauze sehr gewölbt. Mund klein. 
Kiemendeckel stumpf. 

Eine Art vom Monte Bolca. 

t 2. G. Odonteus Ag. (oJwv, Zahn.) 

Der sehr hohe dornige Theil der R. ist durch eine Aus- 
randung von dem weichen Theile getrennt. Zwischen- und Un- 
terkiefern mit einer Reihe von dicken kurzen Kegelzähnen. Vor- 
derkiemendeckel sehr fein gezähnelt. 

Eine Art vom Monte Bolca. 

4. Farn. Cotto'ides Agf« 

Längliche, eckige Fische mit rauhen, schildförmigen Schup- 
pen, welche entweder dachziegelförmig oder in einer schlaffen 
Haut liegen. Der dicke, eckige Kopf ist mit Erhöhungen oder 
gezähnelten und stacheligen Knochenplatten bedeckt, ünteraugen- 
höhlen sehr entwickelt und hinten mit dem Vorderdeckel verglie- 
dert. Deckelstücken gezähnelt oder dornig. Die stark entwickel- 
ten dornigen Strahlen der R. sind mit den weichen Strahlen bald 
vereinigt, bald von ihnen getrennt. B. an der Brust. 

Am Monte Bolca kommen zwei ausgestorbene Gattungen von 
ihnen vor, die in jüngeren Süfswasserbildungen erscheinenden Arten 
gehören zu der Gattung Cottus, 

t 1. G. Pterygocephalus Ag. (nri^v^y Flügel; xtcpaXri^ Kopf.) 

Die dornigen Strahlen der R. sind sehr lang, getrennt und 
erstrecken sich bis über den Kopf, während die weiche Partie 
den ganzen Rücken einnimmt. Schuppen gekielt. 

Eine Art vom Monte Bolca. 

t 2. G. Calliptery X Ag. (xaXbg, schön; njtQv'^y Flügel.) 
Grofse verlängerte Fische, Wenig dornige Strahlen stehen 
\os der R. , welche sich längs des ganzen Rückens ausbreitet. 
Die A. fast ebensa breit. 

Zwei Arten vom Monte Boka. ^ 

3. G. Cottus L. Groppe. (xotto?.) 

Kopf sehr dick und breit, höckerig oder dornig. RR. un- 
terschieden; die erste schmal. Untere Strahlen der Br. einfach. 
B. aus wenigen Strahlen gebildet. 6 Kiemenstrahlen. 

Drei Arten tertiär. 

9* 



132 



FISCHE. 



5. Farn* Gohiotdes Ag. 

Verlängerte, cylindrische Fische mit rauhen Schuppen. Deckel 
g^ezahnelt. Dornstrahlen des Rückens schlank und biegsam. B. 
an der Brust und vereint. Mit 5 Kiemenstrahlen. KiemenöfF- 
nung klein. 

Gobius L. Meergrundel. 

B. vollständig vereint in der Form eines Trichters. Kopf 
gerundet. Die erste R. ist dornig und schmaler als die zweite. 
Zwei Arten vom Monte Bolca. 

6. Fam. Vheuties €uv. liederfisclie. SStaclieljsehwänze. 

Eiförmige, zusammengedrückte Fische mit rauhen Schuppen. 
Der kleine Mund ist mit einer einzigen Reihe von Zähnen auf den 
Unter- und Zwischenkiefern bedeckt. Gaumen unbewaffnet. Dor- 
nige Strahlen der R. mit den weichen vereint. B. an der Brust. 

Beide Gattungen existiren noch jetzt. 

1. G. Acanthurus Lacep. Chirurg, {axavd^a, Stachel; 
ovQüLj Schwanz.) 

Zähne scharf und gezähnelt. Auf jeder Seite des Schwanzes 
steht ein schneidender und beweglicher Stachel. 
Zwei Arten vom Monte Bolca. 

2. G. Naseus Commers. Nashornfisch. Einhornfisch. 

Zähne kegelförmig. Stirn mehr oder weniger vorragend. 
4 Kiemenstrahlen, 3 weiche Strahlen in den B. Schwanz mit fest 
stehenden Stacheln bewaffnet. 

Zwei Arten vom Monte Bolca. 

7. Farn. Axilostomes €uv. Röhrenmäiiler. 

Mehr oder weniger verlängerte, cylindrische oder zusammen- 
gedrückte Fische mit rauhen Schuppen, welche bisweilen in breite 
Rückenplatten umgewandelt sind. Der Kopf ist zu einer langen 
Röhre verlängert. Mund klein. 

Die ältesten Arten dieser Familie finden sich in dem Schie- 
fer von Glaris; am Monte Bolca kommen einige jetzt ausgestor- 
bene Gattungen vor. 

1. G. Amphisyle Klein. {a^(pif ringsum; cvlri. Beute.) 

Der Rücken ist mit breiten schuppigen Platten bepanzert, von 
denen die erste mit dem vordersten Stachel der R. vergliedert ist. 
Eine Art vom Monte ^ Bolca. 



KAMMSCIIUITER. 



2. G. Aulo Stoma Lacep. Flöten maul. (dvXbg^ Flöte; 
oToi-ia, Maul.) 

Bauchschuppen am Hinterleibe. Die weiche R. , vor welcher 
einige freie Stacheln stehen , der sehr zurückgestellten A. gegen- 
über. Die Röhre ist weit und zusammengedrückt. Die Kiefern 
sind zahnlos. 

Eine Art vom Monte Bolca. 

3. G. Fistularia Lacep. Pfeifenfisch, (fistula^ Rohre.) 
Röhre sehr lang und niedergedrückt. Kiefern und Zwischen- 
kiefern mit kleinen Zähnen. Eine einzige R. gegenüber der A. 
Der mittlere Strahl der S. ist fadenförmig. 

Eine Art im Schiefer von Glaris, eine im Monte Bolca. 

t 4. G. Rhamphosus Ag. (^dfiKpog, Schnabel.) 

Ein ungeheuerer, an seinem Hinterrande gezähnelter Stachel- 
strahl sitzt auf dem Nacken. Die weiche R. gegenüber der A. 
Die S. ist viereckig. Die Schnauze ragt nasenartfg über die Kie- 
fern hervor. 

Eine Art vom Monte Bolca.. 

t 5. G. Urosphen Ag. (ov()«, Schwanz; G(p^v\j KeiK) 
Der verlängerte, cylindrische Körper endet mit einer grofsen 
keilförmigen Flosse. Die Röhre ist, wie bei den Fistularien, verlängert. 
Eine Art vom Monte Bolca. 

6. Farn. Chetodontes Cuv. Squamipennes Cuv. 
iSchuppenflosser. 

Kurze, breite, stark zusammengedrückte Fische mit sehr rauhen 
Schuppen. Dornige Rückenstrahlen stark, gewöhnlich an die wei- 
chen Strahlen sich anlehnend, selten davon getrennt. Die verti- 
calen Flossen sind schuppig und daher schwer von dem Körper 
zu unterscheiden. Kiemendeckel gezähnelt oder stachelig. B. an 
der Brust, bisweilen fehlend. 

Häufig am Monte Bolca, bisweilen im Grobkalke. Drei ihrer 
Geschlechter gehen nicht bis in die jetzige Schöpfung. 

t 1. G. Semiophortis Ag. (orji^ietocpSQog , Fahnenträger.) 

R. sehr hoch, in ihrem vorderen Theile, aufser dem ersten 
dicken Strahle und einigen kleineren Stacheln sehr weich, und 
längs des Rückens sich ausbreitend. A. viel kürzer. B. sehr 
verlängert. Profil sehr gerade. 

Zwei Arten vom Monte Bolca. 



134 



FISCHE. 



2. G. Ephippus Cuv. (i(pmnog, Reiter.) 

Die sehr dicken Strahlen, welche den vorderen Theil der R. 
bilden, sind schuppenlos. Eine starke Ausrandung trennt die dor- 
nigen und die weichen Strahlen. 

Zwei Arten vom Monte Bolca. 

3. G. Scatophagus Cuv. (oyMTocpdyog , kothfressend.) 

Die vorderen der dicken dornigen Strahlen, welche die 
erste R. bilden, sind die längsten. S. mit 4 Stacheln. Schuppen 
sehr klein. 

Eine Art vom Monte Bolca. 

4. G. Zanclus Cuv. 

Die wenig zahlreichen dornigen Strahlen der R. nehmen an 
Gröfse schnell zu und lehnen sich an den sehr hohen vorderen 
Theil der weichen Flosse an. Schnauze weit vorspringend. 

Eine Art vom Monte Bolca. 

t 5. G. Macrostoma Ag. (/^laxQog, grofs; gto/hu, Mund.) 

Rachen sehr grofs. R. und S. niedrig, aber sehr breit. 
Eine Art im Grobkalke von Nanterre. 

6. G. Holacanthus Lacep. (oXog, ganz; äxavd^a, Stachel.) 

Ein grofser, nach hinten gerichteter Stachel an der Ecke 
des Vorderdeckels, dessen Ränder gewöhnlich gezähnelt sind. Dorn- 
strahlen der R. kräftig, allein weniger hoch als bei Pomacanthus, 

Eine Art im Grobkalke von Chatillon. 

7. G. Pomacanthus Cuv. (nwfia^ Deckel; uxuvd^a, Stachel.) 
Eine Art vom Monte Bolca. 

8. G. Platax Cuv. Breitfisch. 

Körper sehr zusammengedrückt, in die hohen und schuppigen 
senkrechten Flossen verfliefsend. Die kurzen dornigen Strahlen 
stehen in dem vorderen Rande der Flossen verborgen. B. sehr lang. 

Vier Arten vom Monte Bolca. 

t 9. G. Pygaeus Ag. {nvyaXogj zum Hintertheile gehörig.) 

RR. vereinigt, der dornige Theil ist dickstrahlig, der weiche 
abgerundet oder zugespitzt, indem die mittleren Strahlen die länge- 
ren sind. A. ähnlich, aber kürzer. 

Acht Arien vom Monte Bolca. 



KAMM8CHÜPFEH. 



1^5 



10. G. Toxotes Cuv. Schütze, (to^ott;^.) 

R. sehr zurückgestellt, an ihrem weichen Theile, welcher 
mit dem dornigen Theile verschmolzen ist, schuppig. A. der R. 
gegenüber und ihr ähnlich. Unterkiefer vorspringend. 

Eine Art vom Monte Bolca. 

9* Farn. Pleuronectes €uv^ ISeitenscliwimmer« iSchollen. 

Butten. 

Unsymmetrische, stark zusammengedrückte, mehr oder weniger 
breite Fische, welche oft ebenso hoch als lang sind, mit sehr rauhen 
Schuppen. Der Schädel ist so gedreht, dafs beide Augen auf 
einer Seite zu liegen scheinen. Die^eite, auf welcher der auf 
der Seite liegende Fisch schwimmt, ist die flachere. Die verti- 
calen Flossen werden nur aus weichen Strahlen gebildet, welche 
sich stark vorwärts über den Kopf und den Bauch biegen. Die 
B. verfliefsen oft in einander. Von den ungleichen Br. fehlt die 
untere bisweilen. 

Rhombus Cuv. Steinbutte. 

Sehr breit. Die R. verbreitet sich von dem Ende des Un- 
terkiefers, ebenso wie die A. bis fast zur S. hin. 

R. minimus Ag., eine kleine Art vom Monte Bolca, ist die 
einzige fossile Form dieser in nordischen Meeren so häufig vorköm- 
menden Fische. 

3. Ordn. Ganoides Ag^. Goniolepidoti AgM 
Granoiden. Grlanzschupper. ficksicliiipper. 

(yavoü), ich glänze, — ywvia^ Ecke.) 
Taf. VII. Fig. 19—28. 

Eckige, rhomboidale oder vielseitige Schuppen, welche aus 
knochigen oder hornigen Schichten gebildet und mit einer dicken 
Lage von glänzendem Email bedeckt sind, unterscheiden die Ga- 
noiden leicht von allen anderen Fischen. 

Sie beginnen mit der Steinkohlenformalion und gehen bis in 
die jetzige Schöpfung. 

Bei einigen ihrer Gattungen setzt die Wirbelsäule bis in den 
längeren oberen Lappen der Schwanzflosse fort (Heterocercen), 
und diese bezeichnen die Formation bis zu dem Muschelkalke her- 
auf; alle jüngeren Ganoiden, von der Juraformation an, haben 
einen regelmäfsigen , symmetrischen Schwanz (Homocercen). 



136 



FISCHE, 



1. Fam« Xtepidotdes Ag, Jtjepidostei Ag. 

(Xfniöodörjg^ schlippenartig.) 

Bürstenförniige Zähne in mehreren Reihen oder kleine stumpfe 
Zähne in einer Reihe. Schuppen eben, rhomboidal und mit dem 
Körper, welcher von ihnen ganz bedeckt wird, parallel. Skelett 
knochig. Kein Repräsentant dieser Familie existirt in der jetzigen 
Schöpfung. 

A. Körper verlängert, spindelförmig. 

Sie gehören zu den Heterocercen, und ihre Zähne sind bür- 
stenförmig. 

t 1. G. Acanthodes Ag. Acanthoessus Ag. 
{uy.avd^wdrig , stachelig.) 
Schuppen aufserordentlich klein. R. gegenüber der A. Br. 
grofs; der erste Strahl der Br., der R. und A. ist dick, stark und 
steif; die folgenden Strahlen und die der S. sind sehr fein. Un- 
terkiefer länger als der obere. Rachen weit aufgerissen. 
A. Bronni Ag. Vol. 2. p. 124. tb. 1. 

In Thonnieren aus der Steinkohlenformation des Hundsrückens. 
A, sulcatus kommt im Süfswasserkalke der Steinkohlenformation bei 
New House vor. 

t 2. G. Vipterus Sedgwick u. Murchison. Catopterus Ag. 
(jiieQov^ Flügel.) 
Zwei R. sind zwei ähnlichen A. gegenüber gestellt. B. vor der 
vorderen R. Br. klein. Schwanz wie bei Palaeoniscus. Schup- 
pen mittelmäfsig. ^ 

D. macrolepidotus Sedgw. u. Murch., Ag. Vol. 2. p. il5. tb. 2. 
f. 1 — 4., tb. 2. a. f. 1 — 5. 

In dem Schiefer von Caithness und dem alten rothen Sandsteine 
zu Dovvnton-Hall. 

t 3. G. Amblypterus Ag. (äf.ißXvg, stumpf, mtQov^ Flügel.) 
Alle Flossen sind sehr breit und aus zahlreichen Strahlen 
gebildet. Br. sehr grofs. A. breit. R. in dem Zwischenräume 
zwischen den B. und der A. Nur im oberen Schwanzlappen stehen 
kleine Strahlen, an dem Rande der anderen Flossen nicht. Schup- 
pen mittelmäfsig. 

Vier Arten aus der Steinkohle von Saarbrück, Lebach, Börsch- 
weilcr und eine von Ceara in Brasilien, drei von New Häven und 
A. Agassizii Münsl. (Ag. Vol. 2. p. 105. tb. 4. «. f. 1—8.) kommt 
im iMuschelkalkc von Espcrstädt in Thüringen vor. 



GLANZ- ODER ECKSCHÜPPER. 



137 



t 4. G. Palaeoniscus Ag. Schildflossenfisch, (nalaibg, alt; 
oploKog, ein Meerüsch.) Taf. VII. Fig. 24. 

Alle Flossen sind mittelgrofs, und an ihren Rändern ste- 
hen kleine Strahlen. R. dem Zwischenräume zwischen den B. 
und der A. gegenüber. Schuppen mittelgrofs. Immer liegen dicke 
ungleiche Schuppen vor der R. und der A., von der Gestalt spa- 
tel- oder lanzettförmiger Schilder. (Taf. VII. Fig. 26. b.) 

Dreizehn Arten aus der Steinkohlen- und Zechsteinformation. 
Die Arten aus der ersteren haben glatte, die aus der letzteren 
Formation gestreifte Schuppen. 

F. Freieslebeni Ag. Vol. 2. p. 5 u. 66. tb. 11 u. 12. — Ger- 
mar, Verstein. d. Mansfelder Kupferschiefers, p. 12 u. f. fig. 9 — 14. 
Hiernach Taf. VII. Fig. 26. a — e. (i). 

Dieser in dem Kupferschiefer von Mansfeld so überaus häufige 
Fisch wird, nach Germar, gewöhnlich 6 — 7" lang, doch kommen 
auch kleinere Exemplare und gröfsere bis zu lO" Länge vor. Die 
Länge des Kopfes verhält sich zur Länge des Körpers bis an die 
Schwanzspitze wie 1 ; 4^. Die Brustflossen haben etwa i der Länge 
des Kopfes und die Afterflosse sitzt genau in der Mitte zwischen den 
Bauchflossen und der unteren Schwanzflosse. 

Die Augenhöhle liegt weit nach vorn über dem vorderen Ende 
des Oberkiefers, und der Kopf war mit einer körnigen Haut über- 
zogen. Die Schuppen bilden Rhomboide, die am Bauche und am 
Rücken kleiner sind, und am oberen Schwanzlappen zu spitzen Rhomben 
werden. Die den Kiemen zunächst liegenden Schuppen sind an ihrer 
vorderen Seite mit ziemlich kleinen Furchen bezeichnet , welche 
parallel den schmalen Seiten des Rhomboides und bis fast an den 
fein gekerbten Hinterrand gehen (Fig. 26. «.). In der Mitte gewahrt 
man nur 5 — 7 solcher Furchen, welche von ungleicher Länge sind, 
und näher dem Schwänze bleiben nur noch eine bis drei Furchen 
übrig. Die Schuppen des oberen Schwanzlappens (Fig. 26. c.) führen 
gewöhnlich nur eine abgekürzte, diagonale, eingedrückte Linie, und 
neben dieser zuweilen noch eine oder zwei kürzere. Ging das Email 
verloren, so sieht man, wie jede Schuppe in die über ihr liegende 
gleichsam eingezapft war (Fig. 26. rf.). (Germar.) 

Eine schildförmige Schuppe von den Flossen ist Fig. 26. b. dar- 
gestellt. 

P. e leg ans Sedgw. vertritt die vorige Art in dem Magnesian- 
Limeslone Englands. 

F. macropomus Ag. VoL 2. p. 81. tb. 9. f. 6. 7. 



138 



FISCHE, 



Eine sehr verlängerte Form; der Körper verengt sich kaum nach 
hinten. Der Kopf nimmt ^ der ganzen Körperlänge ein. Schuppen 
sehr gleichmäfsig grofs und eben so breit als hoch. Flossen sehr 
klein. Br. scheinen gröfser und verhältnifsmäfsig länger als bei an- 
deren Arten gewesen zu sein. R. weit zurückgestellt. 

In Thonnieren (Geoden, Schwielen) des Kupferschiefers von 
Ilmenau. 

F. Vratislaeiensis Ag. Vol. 2. p. 60. tb. 10. — Hiernach 
Taf. VII. Fig. 25. a. b. (vergröfsert). 

Der kurze Körper verengt sich sehr wenig nur bis zu dem 
Fufse des Schwanzes; Kopf verhältnifsmäfsig klein; die B. nehmen 
nicht genau die Mitte des Bauches ein, die R. steht dem Zwischen- 
räume zwischen den B. und der A. gegenüber. Die S. ist grofs, be- 
sonders übertreffen die Strahlen des unteren Lappens die von anderen 
Arten an Gröfse. Die fast platten Schuppen behalten eine gleiche 
Breite und bilden schiefe Reihen, welche am Rückenrande etwas vor- 
wärts, am Bauchrande etwas rückwärts gekrümmt sind. 

Häufig in einer röthlichen Kalkschicht des Rothliegenden bei 
Ruppersdorf an der schlesisch- böhmischen Grenze. 

t 5. G. Osteolepis Valenciennes u. Pentland. Pleiopterus Ag. 
{ooitovj Knochen; Xenlg, Schuppe.) 

Zwei R. sind von einander weiter als bei Dipterus entfernt; 
die erste in der Mitte des Rückens, die zweite in der Mitte 
zwischen dieser und dem Schwänze. Die beiden A. sind den R. 
nicht gegenübergestellt, wie bei Dipterus^ sondern sie wechseln 
mit jenen ab, indem die erste dem Zwischenräume zwischen bei- 
den R. gegenüber and die zweite unmittelbar vor dem unteren 
Schwanzlappen steht. S. wie bei Palaeoniscus. Er. grofs und 
gerundet. B. klein und dem vorderen Ende der ersten R. gegen^ 
über. Schuppen gröfser als bei Palaeoniscus. 

0. macrolepidotus und 0. microlepidotus Val. u. Pentl., sind häufig 
in den Schiefern von Caithness und Pomona (welche wahrscheinlich 
alter als die Steinkohle sind), eine dritte Art kommt in Nieren von 
Gamrie vor. 
• 

t 6. G. Pierichihys Ag. {nxiQov, Flügel; i/ßvg, Fisch.) 
Mit acht Arten aus dem alten rothcn Sandsteine (Old-red Sandstone). 

t 7. G. Coccosleus Ag. (xoxxog, Beere; oarlov^ Knochen.) 
Mit drei Arten ebendaher. 



GLANZ- ODER E€KSCHUPPER. 



139 



t 8. G. Chelotiichthys Ag, (xilwvrj, Schildkröte; l/ßvg, Fisch.) 
Mit zwei Arten aus dem alten rothen Sandsteine von Riga, 
t 9. G. Cephalaspis Ag. (yti(faXri, Kopf; aomg, Schild.) 

Vor allem merkwürdig durch seinen Kopf, welcher ein gro- 
fses breites Schild bildet, dessen Seiten sich nach hinten wie die 
Hörner des zunehmenden Mondes verlängern. Der ganze Kopf 
scheint wegen der dichten Stellung seiner Knochen aus einem 
einzigen Stücke zu bestehen. Zwei kleine, nach oben gewendete 
Augen stehen ziemlich in der Mitte dieses Schildes. Verhältnifs- 
mäfsig viel weniger dick ist der Körper. Der Rücken ist ge- 
wölbt und nach dem Nacken hin stärker erhoben. Der Schwanz 
ist sehr verengt und verlängert sich in einen langen Fufs, der 
die S. trägt. Von den beiden R. erkennt man nur die Basis der 
vorderen Strahlen deutlich; die erste steht unmittelbar hinter dem 
Nacken und breitet sich bis zur Mitte des Rückens aus, die zweite 
steht ganz am Fufse des Schwanzes. Die A. ist sogar noch etwas 
weiter zurückgestellt. 

Alle Arten dieser Gattung sind im alten rothen Sandsteine von 
England und Schottland gefunden worden. 

t 10. G. Cheiracanthus Ag. {/^tQ, Hand; ay.avd^a, Stachel.) 

Ihr ganzer Körper ist mit sehr kleinen Schuppen bedeckt, 
ähnlich wie Acanthodes^ womit überhaupt eine grofse Aehnlichkeit 
obwaltet. Die Er., B., R. und A. werden ebenfalls durch einen 
dicken, dornigen Stachel unterstützt, allein die R. steht in der 
Mitte des Rückens, dem Zwischenräume zwischen den B. und der 
A. gegenüber. 

Mehrere Arten im alten rothen Sandsteine. 

t 11. G. Cheirolepis ixiiQ, Hand; Imig,) 

Durch Kleinheit der Schuppen der vorigen Gattung gleich, 
durch die Flossenbildung aber davon unterschieden. Ihre Stellung 
ist etwa so wie bei Acanthodes, Die weit zurückgestellte R. ist 
gegenüber der A., die B. in der Mitte zwischen Br. und A. Alle 
diese Flossen bestehen aus sehr dünnen, wiederholt tief gabeligen, 
knochigen Strahlen, wodurch diese Gattung sich von Cheiracan- 
thus und Acanthodes hinlänglich unterscheidet. S. wie bei Fa- 
laeoniscus. Rachen grofs. Zähne im Allgemeinen sehr klein. 

Drei Arten im alten rothen Sandsteine. 



J40 



FISCHE. 



t 12. G. Diplacanthus Ag. (ömloog, doppelt; äxavO^u/ 1 

Stachel.) 

Vier Arten im alten rothen Sandsteine, 
t 13. G. Coccolepis Ag. (xoxxog^ Beere; lenig.) 

C, Bucklandi Ag., ein kleiner Fisch, kommt als Heterocerce 
ausnahmsweise in der Juraformation, und zwar bei Solenhofen, vor. 
Sein Körper ist mit sehr kleinen, regelmäfsigen, einförmigen Schup- 
pen bedeckt, welche, unter der Lupe betrachtet, eine sehr feinkörnige 
Structur zeigen. R. ist sehr grofs und vertical nach hinten zu ab- 
geschnitten, wodurch sie eine dreieckige Form erhält. Sehr selten. 

t 14. G. Plectrolepis Ag. (nX^xr^ov; Xemg,) 

B. Körper platt und breit 
a. Heterocerci. 

t 15. G. Platysomus Ag. (nXuTvg, breit; owfia^ Körper.) 
(Stromateus Blainv. z. Th.) 

Der platte Körper ist sehr erhoben und kurz. Zähne bür- 
stenförmig. Der obere Schwanzlappen ist sehr verlängert und trägt 
am Rande kleine Strahlen. R. und A. einander gegenüber und 
von der Mitte des Körpers bis zu der Verengung des Schwanzes 
gehend. Br. klein. 

Fünf Arten in der Zechsteinformation. 

P. gibbosus Ag. Vol. 2. p. 164. tb. 15. f. 1 — 4. — Germar, 
Verst. des Mansf. Kupfersch. p. 25. 

Körper eirund, stark zusammengedrückt, ohne Kopf und Schwanz 
ebenso hoch als lang. Br. klein und dicht an dem Hinlerrande der Kie- 
mendeckel, dem unteren Rande nahe. B. ? A. und R. einander gegen- 
über, beide bei f des Körpers beginnend und bis an den Schwanz 
fortsetzend. S. gabelförmig. Die Schuppen bilden lang gestreckte 
Rhomboide, deren Oberfläche mit feinen, dichtstehenden, wellenförmigen, 
parallelen, ziemlich diagonalen Linien besetzt ist. Der Körper bildet 
bei den Rückenflossen eine vorstehende Ecke, hinter welcher er nach 
dem Schwänze zu steil abfällt (nach Germar). Er wird bis zu 8" 
lang und findet sich, immer auf der Seite liegend, nicht selten in 
dem Kupferschiefer von Mansfeld. 

P. rhombus Ag., der mit ihm zusammen, jedoch seltener, vor- 
kommt, unterscheidet sich von ihm durch gleichmäfsige Wölbung des 
Rückens und schmale lanzettförmige Brustflossen , welche länger als in 
der vorigen Art sind. 



i 



GLANZ- ODER ECKSCIIüPPER. 



141 



f 16. G. Gyrolepis Ag. (yi^Qog, rund; Unig.) 

Diese dem Muschelkalke eigene Gattung ist nur nach ihren 
Schuppen hestimmt, welche auf der Oberfläche durch ihre An- 
wachsstreifen concentrische Vorsprünge machen. 

G. tenuistriatus kg. Vol. 2. p. 174. tb. 19. — Taf. VII. Fig. 27. 

Die Schuppen sind etwas länger als breit, wenig schiefwinkelig 
und mit genäherten feinen, oft in einander tliefsenden und gabelnden, 
fast diagonalen Streifen bedeckt. 

Häufig in den oberen Schichten des Muschelkalkes von Rüders- 
dorf bei Berlin, Mattstedt bei Jena, bei Rottweil, Rietheim, Biberfeld 
und Bayreuth, bei Tarnowitz in Schlesien, Luneville in Frankreich und 
in der Knochenbreccie an der Mündung der Axe in England. 

G, Albertii Ag. Vol. 2. p. 173. tb. 19. 

Der emailirte Theil ist fast gleichseitig und fast rechtwinkelig. 
Mehrere Falten laufen darauf schief von dem Vorderrande nach dem 
Hinterrande. 

Noch häufiger im Muschelkalke, sowohl mit voriger Art zusam- 
men, als auch in tieferen Schichten. 

t 17. G. Eurynotus Ag. (tvQvg, breit; vwiog^ Rücken.) 

Durch die Form des Körpers und der R. nähert sich diese 
Gattung mehr den platten Formen, durch die paarigen Flossen in- 
dessen Amblypterus. Die R. nimmt den ganzen Rücken ein und 
ihre vorderen Strahlen sind sehr verlängert. A. gegenüber dem 
hinteren Theile der R., und auch ihre ersten Strahlen sind viel 
länger als die folgenden. S. weniger stark entwickelt. B. sehr 
grofs und in der Mitte des Hinterleibes. Er. noch gröfser, bis 
zu den B. ausgebreitet. Die paarigen Flossen haben jedoch we- 
niger Strahlen als bei Amblypterus. Kopf klein und die Kinnladen 
Vfiit ^elir kleinen stumpfen Zähnen. . , 

Eine Art im bunten Sandsteine von Sunderland in Massachuseil», 
die beiden anderen von New-Hawen und Burdie-House. 

b. Homocerci. 

t 18. G. Tetragonolepis Bronn. (rerQdywvog ^ viereckig; Xfmg.) 

Körper flach, sehr erhoben und kurz. R. und A. einander 
gegenüber, von der Mitte bis zu der Verengung des Schwanzes 
sich ausbreitend. Br. und B. klein. S. viereckig. Zähne keu- 
lenförmig abgerundet und in einer Reihe. 

Ein und zwanzig Arten, meist aus dem Lias. 



142 



FISCHE. 



T, momlifer Ag. Vol. 2. p. 212. tb. 21. a. f. 2 — 5. Hier- 
nach Taf. VII. Fig. 23. a. b. Schuppen von dem vorderen Theile 
des Rumpfes. 

Aus dem Lias von England. 

t 19. G. Dapedius de la Beche. (Sdntöov^ Fufsboden.) 

Zähne in einer einzigen Reihe, an ihrer Spitze ausgezackt. 
R. beginnt nahe dem Nacken. A. kürzer, ein wenig zurück- 
gestellter und kleiner. S. gabelförmig, sehr klein. Br. gröfser. 

Zwei Arten aus der Juraformation. 

t 20. G. D ory opterus Germar. {66qv, Speer; mtgov^ Flügel.) 

D. Hoffmanni Germar, Münst. Beitr. z. Petref. Hft. 5. p. 35. 
tb. 14. f. 4. 

Dieser Fisch, an welchem weder Schuppen noch Zähne deut- 
lich zu erkennen sind, hat zur Zeit im Systeme noch eine un- 
sichere Stellung. Es lassen sich, nach Germar, an ihm jedoch 
folgende Gattungscharaktere erkennen: ein in der Seitenansicht ei- 
runder, an den Seiten flacher Körper, mit deutlichem Knochen- 
skelett, eine sehr hohe spiefsförmige Rückenflosse; in der Mitte 
der Höhe des Körpers hinter den Kiemendeckeln sitzende Brust- 
flossen; kleine, schmale, in der Mitte des Bauches befindliche Bauch- 
flossen und eine gabelförmige, gleichlappige Schwanzflosse. 

Die Art war 3'' 7'" lang und kam aus dem Kupferschiefer von 
Eislehen, 

2L G. Amhlyurus Ag, (^u/jßXvg^ stumpf; ovqu^ Schwanz.) 

Durch Form des Kopfes und der S. nähert er sich dem Tetra- 
gonolepis^ während die anderen Flossen, so wie die Form der 
Kiefern und Zähne mehr mit Semionotus übereinstimmen. R. lang, 
gegenüber den B. A. klein und schmal. S. breit und abgestutzt. 
Der Körper ist breit und flach, der Rachen weit aufgerissen und 
mit kleinen spitzen Zähnen bewaffnet. Die Kiefern sind schmal. 

Eine Art aus dem Lias von Lyme Regis. 

C, Körper verlängert und spindelförmig, Schwanz gabelförmig 
oder abgerundet. 

Sie sind alle Homocercen. 

t 22. G. Semionotus Ag. (o7]f.uTov^ Fahne; vwwg, Rücken.) 

Kopf verlängert. Kiefern mit feinen bürstenförmigen Zähnen. 
Die lange R. beginnt etwas vor den B. und breitet sich bis der 
A. gegenüber aus. Br. mittelmäfsig. B. klein. A. verlängert und 



GLANZ- ODER ECKSCHÜPPER. 



143 



zugespitzt. S. gabelförmig. Der obere Schwanzlappen ist der 
gröfsercy allein die Strahlen, welche ihn bilden, sind alle auf 
dem letzten Schwanzwirbel befestigt und unter sich parallel. Die 
Schuppen verlängern sich nur auf den äufseren Strahlen des obe- 
ren Lappens, welche zugleich die gröfsten in dieser Flosse sind. 
Kleine Strahlen auf den äufseren vorderen Strahlen der Flossen. 

Unter sechs Arten, welche meistens aus dem Lias stammen, kommt 
S. Bergeri Ag. (Vol. 2. p. 224. tb. 26. f. 2. 3. — Palaeoniscum 
arenaceum Berger, Verslein, der Coburger Gegend) im Lias der Um- 
gegend von Coburg vor. 

t 23. G. Pentrolepis Ag. 
< t 24. G. Lepidotus Ag. (UmScDTog^ schuppig.) 

Taf. VIL Fig. 21. Zaline von L. MantelUi Ag. 

R. gegenüber dem Anfange der A. und beide von gleicher 
Form. S. gabelförmig, der obere Lappen ein wenig gröfser. Br. 
und B. mittelgrofs. Kleine Strahlen am vorderen Rande aller 
Flossen. Zähne stumpf. 

Unter ein und zwanzig Arten gehören die meisten der Jura- 
formation, einige der Kreideformation und dem Grobkalke an. 

t 25. G. Pholidophorus Ag. (cfoXig^ Schuppe; (fO(jia)y 
ich trage.) 

Körper verlängert. R. gegenüber den B. und klein. S. 
gabelförmig, gleichlappig. Die Schuppen breiten sich ein wenig 
noch auf dem Anfange des oberen Schwanzlappens aus. Zähne 
bürstenförmig. 

Viele Arten im LiaS von Seefeld und im Schiefer von Solenhofen. 

t 26. G. Nothosomus Ag. (lo^o^, unächt; oojf.ia^ Körper.) 
Eine Art. 

t 27. G. Ophiopsis Ag. (ocpig, Schlange; oiptg^ Gesicht.) 

,^ Bei einer übrigens grofsen Aehnlichkeit mit Pholidophorus 
sind die Lappen der S. sehr ungleich. Die lange R. nimmt die 
halbe Länge des Rückens ein. Die rhomboidalen Schuppen sind 
auf dem ganzen Körper sehr regelmäfsig, und ihre Oberfläche ist 
glatt. Das Skelett ist ziemlich stark. Die kleinen kegelförmigen 
Zähne im Rachen sind verhältnifsmäfsig gröfser als bei den Pho- 
lidophoren. 

Drei Arten in der Juraformation. 



144 



FISCHE. 



t 28. G. Microps Ag. (f^rxQogy klein; a>i//, Auge.) 

Unterscheidet sich von Pholidophorus nur durch die ganz re- 
gelmäfsige Form der Schuppen an der Basis der S. Zähne bür- 
stenförmig. •• '''^-^ 

M. fnrcatus Ag. im Lias von Seefeld. 

" f 29. G. Notagogus Ag. (vwzog^ Rücken; dyaiybg^ Führer.) 

Die Strahlen der kleinen Seitenzwischenfortsätze des Rückens 
bilden zwei bestimmte Flossen. Zähne bürslenförmig. 

Unter den vier Arten kommen zwei in dem lithographischen 
Schiefer von Solenhofen (iV. ZietenU Ag.) und Kehlheim (iV. denticu- 
latus Ag.) vor. 

t 30. G. Propterus Ag. (jiqo, vor; njtQov^ Flügel.) 

Diese Gattung unterscheidet sich von Notagogus dadurch, dafs 
die Strahlen der ersten R., besonders die ersten, viel länger als 
die der zweiten sind. Das Skelett ist knochig und stark, die 
Wirbel sind dick und kurz, d. h. viel höher als lang. Die A. liegt 
ein wenig hinter der zweiten R. und die B. sieht man dem Ende 
der ersten R. gegenüber. S. schlank. 

Zwei Arten in Kehlheim. 

S. Fam. Sauro'ides Ag. 

(oavQogy Eidechse; ilöog^ Art.) 

Zähne kegelförmig und spitz, mit kleinen bürstenförmigen Zäh- 
nen abwechselnd. Flache, rhomboidale Schuppen laufen parallel 
dem Körper, welcher ganz damit bedeckt wird. Skelett knochig. 

A. Heterocerci. 

Mit verlängertem, spindelförmigem Körper. Sie sind alle älter 
als die Juraformation. 

t 1. G. Diplopterus Ag. (ömXoog^ doppelt; 7rT«()öV, Flügel.) 

Zwei R. stehen zwei ähnlichen A. gegenüber, wie bei Dipterus. 
Der Schwanz ist sehr grofs. Kiefern mit dicken konischen Zähnen. 
., _ ^wei Arten 1^1 djBr Steinkohlenformation, drei im alten rothen 
Sändsteine Englands^ ' , „ . 

t 2. G. Megalichthys Ag. Vol. 2. P. % p. 89. 154. 

(jÄtyag^ grofs; l/ßvg^ Fisch.) 
Eine Art aus dem alten rothen Sandsteine und zwei Arten aus 
der Stcinkohlcnformation , mit riesenmäfsigen Zähnen und Schuppen wie 
in der folgenden Gattung. 



GLANZ- ODER ECKSCHÜPPER. 



145 



f 3. G. Platygnathus Ag. {nXuivgj breit; yvu&og^ iCiefer.) 
Mit drei Arten aus dem alten rothen Sandsteine, 
t 4. G. Dendrodus Owen. Ag. {devS^ov^ Baum; Söovg^ Zahn.) 
Ebendaher. 

t 5. G. Lamnodus Ag. (Lamna; oöovg^ Zahn.) 
Mit zwei Arten im alten rothen Sandsteine von Riga, 
t 6. G. Cricodus Ag. (xQixog^ Ring; oöovgy Zahn.) 
Mit einer Art ebendaher, 
t 7. G. Py gopterus Ag. (iwy^^ After; nreQov, Flügel.) 

A. sehr verlängert. R. dem Zwischenräume zwischen A. und 
B. gegenüber. Der Oberkiefer überragt den Unterkiefer. Kleine 
Strahlen längs der äufseren Strahlen der Flossen. 

Einige Arten gehören der Steinkohlenformation, einige der Zech- 
steinformation an. 

F. Humboldli Ag. Vol. 2. P. 2. p. 74. tb. 54. 55. — Germar, 
Verstein. d. Mansfelder Kupfersch. p. 22. 

Er wird bisweilen über 2' lang und ist die gröfsle Fischart des 
Kupferschiefers. Nach Germar erkennt man ihn leicht an der deut- 
lichen Wirbelsäule, an einer fast bis zu der Schwanzflosse sich fort- 
ziehenden Afterflosse und an der der A. fast gerade gegenüberstehen- 
den R. Die rhombischen, verhältnifsmäfsig kleinen Schuppen sind glatt. 
Im Unterkiefer stehen etwa eine Linie lange, kegelförmige Zähne. 

Im Kupferschiefer von Mansfeld, Nendershausen, Rigelsdorf und 
Glücksbrunn '•■'). 

t 8. G. Acrolepis Ag. (äxQogj der höchste; lemg^ Schuppe.) 

A. kurz. Jede Schuppe wird von einem Kegel überlagert. 

A. S edgewicki Ag. im Magnesian Limestone von East-Thickley. 

A» asper Ag. Vol. 2. P. 2. p. 81, oder Palaeoniscus Dun 
keri Germar, Verst. d. Mansf. Kupfersch. p. 19. f. 1 — 5. — Kurtze, 
Commentatio de Fetrefactis, Halae^ 1839. 

Eine grofse Art, welche 2^' lang werden mochte, sehr ausge- 
zeichnet durch ihre Schuppen, welche, nach Germar, mit hohen, ge- 



*) Das mineralogische Museum in Halle besitzt von dieser grofsen Art 
Rippen, Schuppen und Zähne. Vielleicht gehören derselben auch die lang- 
gezogenen Körper im Kupferschiefer an, >velche an Schuppen und Kräten so 
reich sind und welche die Exkremente gerade dieser Art gewesen sein mochten. 
Geinitz, Versteineniiigskunde. 10 



146 



FISCHE. 



schlängelten, hier und da verästelten, glatten, diagonal laufenden Run- 
zeln bedeckt sind, die durch tiefe Furchen gebildet werden. 
Im Mansfelder Kupferschiefer. 

i 9. G* Saurichlhys Ag. (oavQog^ Eidechse; Ix^vg^ Fisch.) 

Man kennt davon nur Bruchstücke von Köpfen, und Agassiz 
stellt diese Gattung, welche durch ihre Zähne einen förmlichen 
Uebergang von den Fischen zu den Sauriern, mit welchen sie 
auch früher vereinigt wurde, macht, nach mikroskopischen Be- 
obachtungen darüber, zu den Heterocercen der Sauroiden. Die 
Zähne sind längsgefaltet, wie Eidechsenzähne, und stehen, wie 
diese, in Fugen. 

S. tenuirostris Münst. Beiträge zur Petrefactenkunde, Hft. 1. 
tb. U f. 3. — Hiernach Taf. VII. Fig. 22. (Kiefer). — Ag. Vol. 2. 
P. 2. p. 88. 

Das Köpfchen war in eine lange, schmale Schnauze verlängert 
und mit einer fein gekörnelten Haut bedeckt (Fig. 22. a. vergröfsert). 

S. apicalis Münst. (Beitr. z. Petr. Hft. 1. tb. 14. f. 1. 2. — 
Ag. Vol. 2. P. 2. p. 85.) ist wenig davon vesschieden. Auf dem 
langen, schmalen Kiefer stehen in unregelmäfsiger Entfernung abwech- 
selnd kleinere und gröfsere kegelförmige Zähne, welche ein wenig 
rückwärts gekrümmt, leicht zusammengedrückt, an ihrer Basis gefaltet 
und an ihrem mit Email bedeckten Scheitel glatt sind. 

Beide Arten im Muschelkalke von Bayreuth, bei Esperstädt und 
im Saurier -Dolomit des Muschelkalkes bei Jena. 

t 10. G. Graptolepis Ag. (yQanTog, geschrieben; Xtnig.) 

Ist nur nach Schuppen bestimmt. 

t 11. G. Orognathus Ag. C'^Qog, Berg; yrdd^og, Kiefer.) 

t 12. G. Pododus Ag. (novg, Fufs; odovg, Zahn.) 

Beide Gattungen sind nur nach Kieferfragmenten bestimmt. 

Alle drei stammen aus der Steinkohltjnformation. 

B. Homocerci. 

Mit verlängertem, spindelförmigem Körper. 

a. Schwanzflosse gabelförmig. 

t 13. G. Eugnathus Ag. (f^, gut; yvd&og^ Kiefer.) 

Diese Gattung vertritt in der Juraformation Pygopterus und 
Acrolepis der älteren Formationen, von welchen sie im Allgemei- 
nen die Gestalt und Stellung der Flossen hat. Auch ist die S. 



GLANZ- OJHER ECKSCHüPPKR. 



147 



ungleichlappig, indem der obere Lappen mehr zurückgestellt ist 
als der untere, indessen gehört sie doch zu den Homocercen. 
Die Flossen sind grofs, die Schuppen bilden breite Rhomben, 
sind gefurcht und am Hinterrande alle eigenthümlich gezähnelt. 
Der Zahnapparat ist bei ihnen sehr entwickelt und zeigt, dafs 
diese Fische Fleischfresser waren. Man findet sehr grofse und 
kleinere kegelförmige Zähne. Die gröfsten stehen vorzüglich in 
Mitte des Unterkiefers. Die Schnauze ist in eine Spitze verlängert. 

Die Arten herrschen im Lias vor, einige finden sich in höheren 
Schichten der Juraformation. 

t 14. G. Conodus Ag. (xwvog, Kegel; oSovg^ Zahn.), 

mit der einzigen Art, C. ferox Ag. aus dem Lias von Lyme 
Regis, weicht von Eugnathus nur durch einige Eigenthümlichkeiten 
in dem Zahnapparate ab. 

t 15. G. Ptycholepis Ag. (nrvxrj, Falte; Itnlg.) 

Nahe verwandt mit Eugnathus. Der Kopf ist jedoch kür- 
zer und die Zähne sind zwar ebenso dick und kegelförmig, je- 
doch viel weniger unregelmäfsig. Die S. ist viel schlanker, ihre 
Strahlen sind sehr dünn; und die R. steht mehr nach vorn als 
nach hinten. 

F. hollensis Ag., aus dem Lias von Boll und Lyme Regis, ist 
die einzige Art. 

t 16. G. Caturus Ag., früher Uraeus Ag. (xura), unterhalb; 

ovQUy Schwanz.) 

Sehr regelmäfsige Fische, welche sich der vorigen Gattung 
durch ihre untersetzte Gestalt und die Schwäche der Schuppen 
nähern. Die S. ist grofs, gleichlappig, eckig und breit aus- 
gerandet ; ihr erster Strahl ist bis an sein Ende mit kleinen 
Stützen versehen. R. weit vorn, gegenüber den B. , von mittler 
Gröfse wie die B. und A. Die Br. sind kleiner als bei Pachy- 
cormus. Kiefern mit dicken, gedrängten Kegelzähnen bewaffnet. 

Elf Arten in der Juraformation, besonders in ihrer oberen Ab- 
theilung. 

t 17. G. Pachy cormus Ag. (nuyvg^ dick; xoQfiög, Stamm.) 

Körper in der Mitte sehr aufgequollen. S. sehr breit. Br. 
grofs. R. den B. gegenüber. Schuppen sehr dünn. 

Mehrere Arten in der Juraformalion, besonders im Lias. 

10- 



148 



FISCHE. 



i 18. G. Amhlysemius Ag. {ä/nßXvgf stumpf; orji.ta, Fahne.) 

Die Fische dieser Gattung waren dünnleibiger, ihre Wirbel 
weniger stark und deren Dornfortsätze dünner als bei Caiurus. 
Das Ende der Wirbelsaule sehr erhoben. Die S. regelmäfsig ga- 
belförmig. Die R. ist die breiteste von allen Flossen. 

Eine Art in den Oolithen Englands. 

t 19. G. Sauropsis Ag. {oav^og^ Eidechse; oipig, Gesicht.) 

Wirbel sehr kurz (nicht halb so lang als hoch) und sehr 
zahlreich {S, longimanus Ag. mit etwa 140). Schuppen aufser- 
ordentlich klein. Br. sehr entwickelt. B. in der Mitte des Bauches. 
Eine kleine R. steht der A. gegenüber; letztere ist breit und zieht 
sich bis zu dem Anfange des Schwanzes. Die S. ist gleichlappig, 
sehr breit und gabelförmig. Der kurze dicke Kopf trägt auf sei- 
nen Kinnladen sehr scharfe, entfernte Kegelzähne. 

Drei Arten in der Juraformation. 

t 20. G. Thrissops Ag. {Thrissa; Si%\j ^ Auge, Gesicht.) 

Von der Form eines Härings, mit grofsen und dünnen Schup- 
pen. R. klein und gegenüber der sehr langen A. S. gabelförmig. 
Die Wirbel sind fast eben so lang als hoch. Ihr Anzahl über- 
schreitet nicht 60. Es kommen Formen mit sehr breiter und tief 
ausgeschnittener S. vor, mit sehr langen Rippen und Fortsätzen, 
und grofsen dünnen Schuppen, welcher höher als lang sind. Alle 
Arten von Solenhofen gehören hierher. Andere haben eine viel 
kleinere und wenig ausgezackte S. Die R. entspricht der Mitte 
der A. Schuppen klein und dick. Ihr Leib ist weniger aufge- 
quollen. 

Die Arten sind alle jurassisch. 

t 21. G. Thrissonotus Ag. {Thrissa; nozog, Rücken.) 

Von dem Ansehen der Pachycormen, steht es in mehreren 
Hinsichten zwischen Sauropsis und Thrissops. R. in der Mitte 
des Rückens. A., wie bei Thrissops^ verlängert. 

T. Colei von Lyme Regis ist die einzige Art. 

t 22. G. Leptolepis Ag. {Xembg^ dünn; }^e7iig, Schuppe.) 
Taf. VII. Fig. 28. Nach Agassiz. 

Schuppen sehr dünn. R. gegenüber den B. S. gabelförmig. 
Rachen aufgerissen. Kiemendeckel breit. Unterkiemendeckel grofs, 
was beweist, dafs diese Fische keine Häringe waren. Bürsten- 



-I 



GLANZ- ODER ECKSCIIÜPFER. 



149 



förmige Zähne im vorderen Theile der Kiefern, gröfsere weiter 
hinten. 

Alle Arten in der Juraformalion, am häufigsten in der oberen 
Abtheilung derselben. 

L. sprattiformis Ag. Vol. 2. Part. 2. p. 130. Ib. 61. a. f. 1. 
— Clupea sprattiformis de Blainville. 

Ein kleiner, 3 — 4" langer Fisch, von der Form der Anchovis, 
welcher sehr häufig in dem lithographischen Schiefer von Solenhofen 
und Pappenheim ist. Der Kopf nimmt etwa ein Viertheil der ganzen 
Körperlänge ein; die Augenhöhle ist sehr grofs, die Wirbel (42) sind 
dick und kurz. Rückenflossen ziemlich verlängert. 

Die unter dem Namen Lumhricaria früher zu den Wür- 
mern gestellten, in einander geschlungenen Röhren (Taf. XVI. 
Fig. 26.) sind nach Agassiz, welcher dieselben öfters in der Bauch- 
höhle zwischen den Rippen mehrerer Thrissops- und Leptolepis - Ar- 
ien gefunden hat, wirkliche Fischdarme, und er nennt sie daher 
Cololithen'-'), 

t 23. G. Aspidorhynchus Ag. (uanig, Schild; Qvy/og, Schnabel.) 

Im Allgemeinen sehr verlängerte Fische. Der Oberkiefer über- 
ragt den Unterkiefer bedeutend und bildet einen langen Schnabel. 
Br. und V. gerundet. R. weit zurückgestellt und gegenüber der 
A. S. gabelförmig. Die Schuppen sind sehr grofs und oft doppelt 
so hoch als lang. In beiden Kiefern stehen ungleich grofse ke- 
gelförmige Zahne. 

Mehrere Arten Iheils in der Jura-, Iheils in der Kreideformalion, 
die meisten im lithographischen Schiefer von Solenhofen und Kclheim. 

t 24. G. Belonostomus Ag. {ßtlovrj, Spitze; oio^ia^ Mund.) 

Etwas mehr verlängert als die Arten der vorigen Gattung; 
beide Kiefern sind aber gleich lang und der obere ist ohne eine 
Auszackung, in welche sich der unlere einlegen könnte. Der 
Rachen ist tief gespalten. Kiefern mit sehr scharfen, ungleich 
grofsen Zähnen. Augenhöhleu sehr grofs. Wirbel länger als in 
Aspidorhynchus, 

Man findet die Arten von dem Lias an bis zu der Kreide. 

t 25. G. Saurostomus Ag. (oavQog, Eidechse; (rro/m, Mund.) 

S. esocinus Ag. , die einzige Art, hat einen verlängerten Unter- 
kiefer mit dreieckigen, zusammengedrückten und schneidenden Zähnen. 

Im Lias des badener Oberlandes. 



) Agastsiz in Buckland's Geologie und Mineralogie, 1838. 2. Bd. PI. 15. 



150 



FISCHE. 



b. Schwanzflosse gerundet, 
t 26. G. Megaltirns Ag. (fityag^ grofs; ovqu^ Schwanz.) 

S. sehr grofs und gerundet. R. dem Zwischenräume zwi- 
schen den B. und der A. gegenüber. Auch die übrigen Flossen 
gerundet. S. mit schmalen, verlängerten Strahlen. Die Kinnladen 
des grofsen Kopfes sind mit grofsen konischen und kleineren Zäh- 
nen dazwischen versehen. 

Vier Arten im lithographischen Schiefer von Solenhofen und 
Kelheim. 

t 27. G. Macrosemius Ag. (/nuxQog, lang; oT^fneTov, Fahne.) 

3L rostratus Ag., die einzige Art, ist ein kleiner Fisch, 
dessen R. sich mit sehr grofsen Strahlen längs des ganzen Rückens 
ausbreitet. Die S. ist nicht gabelförmig, allein gerundet wie bei 
Megalurus. Ihr oberer Lappen ist schwächer als der untere. Br. 
grofs. B. und A. klein. Kopf dick. Rachen klein, aber mit 
starken grofsen Zähnen. 

In Solenliofen. 

An diese Gattung schliefsen sich die beiden lebenden: Lepi- 
dosteus Lacep., der Knochenhecht, und Polypierus GeolFr. an. 

3. Farn. Celacanthes A^. 

Alle Knochen und besonders die Strahlen sind in ihrem In- 
neren hohl, wie diefs bei keinem anderen Ganoiden der Fall ist. 
Der gröfste Theil der Strahlen ist steif oder nur an ihrem Ende 
gegliedert. Die Wirbelsäule verlängert sich mehr oder weniger 
deutlich in beide Hauptlappen des Schwanzes. 

t 1. G. Coelacanthus Ag. (xotlog, hohl; uxavd^a, Stachel.) 

Die Fortsätze theilen sich an ihrer Basis in zwei Arme, eine 
Gabel bildend, welche den Wirbelkorper einfafst. Diesem Fort- 
satze folgt ein Knöchelchen, welches mit ihm so vereinigt ist, 
dafs es eine directe Verlängerung bildet. Der eigentliche Strahl 
ist an seiner Basis auch gabelig. Alle drei Knochenstücke sind 
hohl. Eine A. und zwei R., wovon die vordere dem Ende der 
Br., die hintere dem Baume zwischen den B. und der A. entspricht. 
Letztere steht der S. sehr nahe. Die S. wird von kleinen Zwi- 
schcnseitenforlsätzcn getragen, und der Schwanz verlängert sich 
über die Strahlen hinaus, welche als ein kleines Bündel geglie- 
derter Strahlen ihn umgeben. 

Hierdurch nähert sich diese Gattung der 



GLANZ- ODBK ECKSCHUFrEK. 



151 



f 2. G. Undina Münst. (mytholog. Name), 

aus dem lithographischen Schiefer von Kelheim, welche sich je- 
doch durch ihren Zaiinapparat davon unterscheidet. Undina hat 
pflasterförmige Zahne, Coelacanthus kegelförmige. 

Sechs Arten von Coelacanthus kommen nur im Sleinkohlengebirge, 
im Zechsteine und im Muschelkalke vor. 

t 3. G. Macropoma Ag. (fiaxQog, lang; mo(j.u, Deckel.) 

Diese Gattung hat den untersetzten Körper und die Stellung 
der Flossen mit der vorigen gemein. Die zweite R. wird von 
einem starken Knochen getragen. S. sehr entwickelt. Die Strah- 
len strotzen auf ihrer scharfen Seite von Dornen, welche ohne 
Zweifel zur Vertheidigung dienten, während die von der vorigen 
unbewaffnet sind. 

M. Manteliii Ag. Vol. 2. P. 2. p. 174. tb. 65. a. b. c. d. 

Dieser Fisch wurde mehrere Fufs lang und war mit grofsen ge- 
körnelten Schuppen bedeckt. 

Koprolithen von Fischen. (Ichthyocopros.) 

Von Macropoma Mantellii stammen die als Koprolithes 
Manteliii Ag. bezeichneten Exkremente (Taf. VIII. Fig. 2. u. 3.). 
Durch ihre spiralförmig -blätterigen, unregelmäfsig gefalteten und 
gefurchten Ueberlagerungen ähneln sie sehr einem Lärchenzapfen, 
womit sie auch so lange verwechselt wurden, bis Mantell und 
Buckland ihre wahre Natur nachwiesen. Der spiralförmigen Windung 
dieser Körper geschah schon früher Erwähnung '^'), und die Fur- 
chen und Falten rühren vermuthlich von dem Muskeldrucke der 
Darmwände her **). 

Mantell fand Koprolithen in der Kreide von Lewes, im Leibe 
dieses Raubfisches, noch in Berührung mit seinem langen Magen, 



*) S. unter Koprolithen von Ichthyosauren , p. 93. 

**) Nach der neuesten und genauesten Untersuchung durch Herrn Che- 
miker Stein in Dresden bestand ein Koprolithes Mantellii aus dem Pläner- 
kalke von Strehlen aus: 
1,111 Kieselsäure, 
30,162 kohlensaurem Kalke, 
4,170 kohlensaurer Magnesia, 
3,441 Thonerde, 
54,988 phosphorsaurem Kalke, 
5,335 basisch phosphorsaurer Magnesia, und Spuren eines festen Fettes, 
so wie von Chlor, Schwefelsäure, Ammoniak und Kali. 



152 



FISCHE. 



an welchem die Magenhaut noch zu erkennen war. Aehnliches 
wurde an anderen Arten im Lias von Lyme Regis beobachtet. 

Kleinere Formen von anderen Koprolithen kommen in dem 
Muschelkalke bei Jena vor , und aus dem Muschelkalke von 
Backleben bei Kölleda besitzt das mineralogische Museum in Halle 
ein schönes Exemplar. 

Auch aus der Steinkohlenformation sind Koprolithen bekannt. 
Buckland citirt sie aus England und Schottland, v. Gutbier ■'■'') bil- 
det einen Koprolithen von der unteren Gränze des Kohlengebirges 
von Zwickau ab, und vielleicht dieselbe Art (Taf. VIII. Fig. 4.) 
beschreibt Girard ■•■'^•') aus dem Kohlengebirge von Hohenelbe in 
Böhmen. 

Vor allen anderen zeichnet sich KoproUthes MantelUi dadurch 
aus, dafs er, trotz seiner mannichfaltigen Form, in der Nähe des 
hinteren Endes immer am breitesten ist, und aus einer zahlreichen 
Menge von "Windungen besteht. Er ist häufig in der Kreide von 
England und im Plänerkalke von Sachsen und Böhmen. 

Die Koprolithen aus älteren Formationen bestehen, wie es 
scheint, aus sparsameren, entfernteren Windungen, verlängern sich 
gewöhnlich mehr nach hinten und haben mehr Aehnlichkeit mit 
Koprolithen von Sauriern. 

i 4. G. Hoplopygus Ag. (pnXovy Waffe; nvyrj, After.) 

H. Binneyi ist ein kleiner Fisch aus der Steinkohle von 
Manchester. Die S. ist etwas dreilappig; der Kopf ist sehr breit 
und die grofsen Schuppen ähneln denen von Coelacanthus. 

t 5. G. Uronemus Ag. {ovQa, Schwanz; vijfia^ Faden.) 

Unterscheidet sich durch seine lange R., welche sich fast von 
dem Nacken an bis an den Schwanz erstreckt. Auch die A. ist 
von der S. nicht getrennt. Es sind kleine Fische aus der Stein- 
kohlcnformation. 

t 6, G. Holoptychius Ag. (oXo^, ganz; nTv/jj , Falte.) 

Ausgezeichnet durch grofse runzelige Schuppen, ausgeschnitzte 
Schädelknochen, wie jene der Krokodile, und kegelförmige Zähne, 
welche die Gröfse der der gigantischen Saurier noch übertreffen. 

Häufig in devonischen Grauwacken- und in Steinkohlen -Bildungen. 

♦) Gein. in Leonh. Br. Jahrb. 1842. 

Geogn. Besclir. d. Zwickaaer Schwarzkohlcngcb. tb. 7. f. 7. 
Leonh. Br. Jahrb. 1843. p. 757. tb. 8. f. 1. 2. 



GLANZ- ODER ECKSCIIÜPPER. 



153 



f 7. G. Glyptosteus Ag. (ylvnTog, geschnitzt; ootIov, Knochen.), 
und 

t 8. G. Glyptolepis Ag. (yXvnTog; Itmg, Schuppe.), 

nähern sich sehr der vorigen Gattung, mit welcher sie in devon- 
ischen Bildungen vorkommen. 

t 9. G. Phyllolepis Ag. (cpvXXov^ Blatt; lenlg, Schuppe.) 
Nach dünnen Schuppen von fast 3" Durchmesser bestimmt, 
deren Vorkommen wie das von Holoptychius ist. 

t 10. G. Ctenolepis Ag. (xreig^ Kamm; Xenlg.)^ 

und 

11. G. Gyrosteus Ag. (yvQog^ rund; oartov^ Knochen.), 
gehören der Juraformation an. 

4. Farn. JPycnoüontes Ag. 

Ihre Zähne sind abgeplattet oder gerundet und stehen in 
mehreren Reihen. Schuppen flach rhombisch, parallel dem Kör- 
per, der ganz von ihnen bedeckt wird. Skelett knochig. Körper 
flach und breit. 

Kein Repräsentant dieser Familie lebt in der jetzigen Schöpfung, 
t 1. G. Py cnodus Ag. (nvxvbgj häufig; odovg, Zahn.) 

Fische mit untersetztem Körper. Ihr Unterkiefer ist ganz 
mit dicken, abgeplatteten Zähnen bedeckt, welche auf jeder Seite 
in 3 — 5 Reihen stehen und die Form von Bohnen oder gerunde- 
ten Halbcylindern haben. Am Ende der Schnauze stehen 2 oder 
mehrere breite meiseiförmige Zähne. Aehnliche, allein etwas schmä- 
lere Schneidezähne stehen im Oberkiefer. Das Pflugschaarbein 
trägt 5 Reihen stumpfer, platter, bohnenförmiger Zähne, welch© 
ganz ähnlich denen des Unterkiefers sind. Die S. ist breit und 
gabelförmig, die anderen Flossen sind wenig entwickelt. Die nie- 
drige R. geht etwa von der Mitte des Körpers bis zu dem An- 
fange des Schwanzes. A. ihr ähnlich. Br. dünn und feinstrahlig. 

P. priscus, aus dem Keuper von Würtemberg, ist die älteste 
Art; zwanzig Arten beschreibt Agassiz aus der Juraformation, zehn 
aus den Kreidegebilden , zwei vom Monte Bolca und eine andere tertiäre. 

F. cretaceus Ag. Vol. 2. PI. 2. p. 198. tb. 72. a. f. 60. — 
P. rhomhoidalis Reufs., Böhm. Kr. p. 10. tb. 4. f. 46 — 54. — Taf. VII.Fig. 19. 

Längliche Zähne von rhomboidischer Form, an dem spitzeren Ende 
nach der einen Seite hin schwach gebogen, mit einer platten oder 
schwach gewölbten, glatt emaillirten Krone. 



154 FISCIIB. 

Nicht selten im unleren Plänar von Plauen bei Dresden und in 
den enls|)rechenden Schichten bei Bilin. In der Kreide von Kenl. 

t 2. G. Periodus Ag. (ntQ), herum; oSovg, Zahn.) 

Von der vorigen Gattung nur durch die Zähne verschieden, 
deren Krone von einer breiten Furche umgeben wird. 

F. Königii Ag. aus dem Londonthone von Sheppey ist die 
einzige Art. 

t 3. G. Gyronchus Ag. {yvQOQj rund; oyxog^ Geschvi^ulst.) 

Man kennt davon nur den Oberkiefer, welcher grofse Aehn- 
lichkeit mit dem vom Fycnodus hat. Es ist gleichsam ein Fycno- 
dus^ dessen Zähne in der Hauptreihe oder der mittleren des Pflug- 
schaarbeines nach ihrem Längsdurchmesser hin verlängert sind, 
während die von Pycnodus mehr in die Quere sich ausdehnen. 

Eine Art von Stonesfield. 

t 4. G. Acrotemnus Ag. (Jxkqoq, der höchste; 
ril-ivio , ich spalte.) 

Die Zähne gleichen grofsen P«/c/joö?m5- Zähnen, zeigen aber 
eine vorspringende Kante. 

A. Faha stammt aus der Kreide von Kent. 

7 5. G. Scrobodus Münst. (scrobs^ eine Grube; oSovg, Zahn.), 

ist der einzige spindelförmige Pycnodonte, welcher bekannt ist. 
S. subovatvs Münst., aus dem Schiefer von Solenhofen. 

t 6. G. Globulodus Münst. (Globulus^ Kiigelchen; oöovg.)^ 

mit der Art G. elegam Münst. (Beitr. z. Petr. Hft. 5. p. 47.), aus 
dem Zechsteine, könnte, nach Agassiz, durch seinen Zahnapparat 
nur mit Plaiysomus verwechselt werden. 

t 7. G. Micro dort Ag. QitxQogj klein; odatv, Zahn.) 

Körper abgeplattet, sehr erhoben, kurz und zusammengedrückt. 
II. und A. sehr lang, einander gegenüber und bis zur Basis der 
S. verlängert, welche letztere stark ausgezackt und gabelförmig 
ist. Kleine, flache, eckige Zähne stehen in mehreren Reihen. 

Fünf Arten von Solenhofen. 

i 8. G. Sphaerodus Ag. (offatguy Kugel; ddovg^ Zahn.) 

Zähne vollkommen halbkugelig. Körper abgeplattet. R. und 
A. lang, einander gegenüber, und die gabelförmige S. fast be- 
rührend. 



GLANZ- ODEU ECKSCllUPPEa. 



155 



Zwei Arien im Keuper von Würtemberg, drei Arten in der Jura- 
formation, drei in der Kreide, fünf tertiär und vier aus unbestimmten 
Formationen. 

t 9. G. Placodus Ag. (nXä'^, Tafel; oöovg.) 
Vieleckige Zähne mit abgerundeten Ecken und abgeplatteter, 
ganz glatter Oberfläche. Aufser den breiten Gaumenzähnen, von 
denen die gröfsten in der Mitte stehen, sind vorn einige dicke 
Schneidezähne vorhanden. Schuppen und Skelett sind unbekannt. 
Mehrere Arten kommen im Muschelkalke und im bunten Sand- 
steine vor. 

P. gigas Ag. Vol. 2. P. 2. p. 218. tb. 70. f. U — 21. 

Die gröfste Art dieser Gattung, mit 14 flachen Mahlzähnen, wel- 
che in 4 Reihen stehen, und mit grofsen, dicken, sehr stumpfen 
Schneidezähnen. 

P. Andriani Münst., Ag. Vol. 2. P. 2. p. 219. tb. 70. f. 8 — 13. 
— Hiernach Taf. VIT. Fig. 20 {\). 

Unterscheidet sich von der vorigen Art durch etwas mehr ver- 
längerten Schädel, kleinere Mahlzähne und dünnere Schneidezähne. 

Einzelne Mahlzähne beider Arten von einander zu unterscheiden 
dürfte jedoch schwer gelingen. 

Sie kommen im Muschelkalke von Bayreuth, Rüdersdorf, Matt- 
stedt bei Jena und Luneville vor. 

t 10. G. Gyrodus Ag. (yvQog^ rund; oöovg.) 

Die äufsere Form dieser Fische, Stellung der Flossen und 
Structur der Schuppen erinnert ganz an die der Pycfiodus- und 
Microdon- Arten, Die elliptischen oder kreisrunden Zähne zeigen 
eine Furche, welche ihren Gipfel von der Umgebung trennt und 
ihnen ein nabelartiges Ansehen ertheilt. 

Neunzehn Arten in der Juraformation, sechs in der Kreideforma- 
tion und eine im Londonthone. 

t 11. G. Colobodus Ag. (xoXoßog^ knollig; oöovg,) 
C. Hogardi Ag., aus dem Muschelkalke, hält, seiner Form 
nach, die Mitte zwischen Microdon und Sphaerodus. Die Zähne 
sind fein gestreift, gegen die Basis abgerundet und cylindrisch, und 
in der Mitte ihrer keulenförmigen Krone erhebt sich eine kleine Warze. 

t 12 G. Pisodus Owen, (nioov^ Erbse; oöovg,) 
t 13. G. Phyllodus Ag. (gjvXXov^ Blatt; oöovg,) 
Hierunter begreift Agassiz Zahnplatten mit einer eigenthüm- 
lich blätterigen Structur der Zähne, welche diese tragen. In Bezug 



15G 



FISCUE. 



auf ihre allgemeine Form ähneln sie Pyctiodus und stehen in 
Reihen, sind jedoch aus 4 — 8 — 10 über einander liegenden 
Schichten gebildet, von denen jede kaum die Stärke von einem 
Viertheile einer Linie hat, und welche sich in den Maafsen wie- 
der ersetzen, als die oberen sich abnutzen. 

Sechs Arten aus dem Loudonthone von Sheppey. 

5. Farn. Scelerodermes €uv« Harthäuter. 

Gaumenbogen unbeweglich. Schnauze vorspringend, mit ei- 
nigen deutlichen Zähnen bewaffnet. Flache Schuppen, in der 
Form breiter rhombischer oder vieleckiger Platten, bedecken in 
schiefen Reihen den ganzen Körper. Skelett faserig. Knochen- 
bildung langsam. 

Von den noch lebenden Gattungen dieser Familie kommt nur 
von Ostracion eine fossile Art vor. 

t 1. G. Acanthoderma Ag. {axav&u, Stachel; Si^fia^ Haut.) 

Zwei Arten aus dem Schiefer von Glaris, von dem Typus der 
Hornfische {Batistes L.). 

f 2. G. Acanthopleurus Ag. früher Pleuracanihus Ag. 
(Jly^avd^oL^ Stachel; nXtvQa^ die Seite.) 

Zwei Arten von Glaris sind den Arten von Batistes nahe ver- 
wandt, welche nur einen Strahl auf dem Rücken haben. Bei einer 
längeren Form unterscheiden sie sich jedoch durch das Vorhandensein 
von einem starken Dorn in den Bauchflossen. 

t 3. G. Blochius Volta. 

Der Körper ist sehr verlängert, schmal und mit schief ste- 
henden, kleinen rhombischen Schuppen bedeckt. Der sehr ver- 
längerte Kopf endet in einen langen, durch beide Kiefern gebil- 
deten Schnabel. Diese sind gleich lang und mit sehr feinen 
Zähnen bewaffnet. Die kleinen B. stehen unter den Br. Die R. 
nimmt den ganzen Rücken ein, die A. die hintere Hälfte des 
unteren Randes. Beide werden durch sehr schlanke Strahlen ge- 
bildet. Die Hinterleibshöhlung ist kurz. 

B. tongirostris Volta vom Monte Bolca. 

t 4. G. Dercetis Münst. u. Ag. (Mythol. Name.) 

Bei einer verlängerten Form des Körpers wie in der^ vor- 
igen Gattung, ist der Kopf zwar auch schnabelartig verlängert. 



GLANZ - ODER ECKSCIIUPPER. 



157 



doch kürzer, und der Oberkiefer etwas langer als der Unterkiefer. 
In beiden stehen lange, kegelförmige Zahne, welche mit mehreren 
Reihen von kleineren wechseln. Die mittleren Zähne sind die 
längsten. Br. sehr grofs. B. am Hinterleibe, aus 5 Strahlen ge- 
bildet, welche stärker und kürzer als die der Br. sind. Die R. 
beginnt vor den B. und breitet sich bis an den Schwanz aus. Die 
A. fängt weiter hinten an und zieht sich gleichfalls bis zu der 
etwas ausgezackten S. Die Seilen dieses Fisches sind mit drei 
Reihen knochiger, an ihrer Oberfläche gekörnelter Schilder be- 
deckt, welche in ihrer Mitte einen eckigen Vorsprung machen. 
Zwei Arten aus der Kreide von Lewes und Westphalen. 

t 5. G. Rhinellus Ag. {qiv^ die Nase.) 

Ein kleiner Fisch vom Libanon, von sehr verlängerter Ge- 
stalt und mit einer hageren Schnauze. Skelett schlank. Flossen 
sehr entwickelt. Von zwei R. ist eine dem Kopfe, die andere 
dem Schwänze genähert. S. ziemlich grofs und gabelförmig. Drei 
Reihen von Schildern erinnern an Dercetis. 

Eine Art vom Monte Bolca. 

t 6. G. Glyptocephalus Ag. (ylvmög^ geschnitzt; 
KScpaXrj^ Kopf.) 

Nähert sich durch die Form des Schädels sehr den Balisten. 
Dieser wird aber von in regelmäfsigen Reihen geordneten Knöt- 
chen eigenthümlich bedeckt. 

Im Londonthone von Sheppey. 

7. G. Ostracion L. Koffer fisch. (ooTQaxov^ gebrannter Thon.) 

Körper viereckig, dreieckig oder fünfseitig, und mit grofsen 
sechsseitigen Platten bedeckt. 

O. micrurus Ag. vom Monte Bolca. 

6. Farn. €fyfnnodontes €uv. JSTacktzähne* 

(yvjiivbg^ nackt; dSovg^ Zahn.) 

Gaumenbogen unbeweglich. Kiefern mit einer Kette von El- 
fenbein bedeckt, welches aus vereinigten Zähnen gebildet ist. Spitz- 
oder stachelförmig hervorspringende Schuppen bedecken schief den 
ganzen Körper. Das Skelett ist faserig und die Knochenbildung 
langsam. 



158 



FISCME, 



Nur von einer noch lebenden Gattung kennt man fossile 

Arten. 

Diodon L. Igel fisch. 

Der Körper ist kreisrund, verlängert oder kugelig und ganz 
mit Stacheln besetzt. 

D. temüspinus Ag. vom Monte Boica und eine zweite tertiäre 
Art aus Süd- Italien. 

9, Farn. M^ophohranches €uv. Bttschelkiemer. 

Die Kiemen sind zu kleinen runden Büscheln vereinigt. Der 
verlängerte eckige Körper ist mit eckigen Platten bedeckt. Eine 
röhrenförmige Schnauze endet in den kleinen freien Kiefern. Das 
Skelett ist knochig. 

Nur eine Art gehört der ausgestorbenen Gattung Calamo- 
Stoma an, die übrigen gehören zu noch lebenden Gattungen. 

i 1. G. Calamostoma Ag. (x«A«^(o^, Rohr; oiofia^ Mund.) 

Körper kurz. Die R. beginnt unmittelbar an dem Nacken. 
Die Kinnladenröhre ist schmal. 
Eine Art vom Monte Bolca. 

2. G. Sygnathus Cuv. Meernadel. 

Körper sehr verlängert. Röhre sehr lang und mit einem klei- 
nen Munde endigend, dessen Unterkiefer senkrecht steht. R. auf der 
Mitte des Rückens. Der Schwanz endet in eine kleine gerun- 
dete Flosse. 

Eine Art vom Monte Bolca. 

8. Farn. A^ccipenserides iStöre« 

Ihr Körper ist theilweise mit mehreren Längsreihen grofser 
Schilder bedeckt, welche an den Seiten noch zwei breite, mit 
schuppigen Flitterchen besetzte Binden frei lassen. Der Mund ist 
klein, zahnlos und unter der schnabelartigen Verlängerung offen, 
der untere Lappen der S. ist sehr entwickelt. 

Agassiz führt drei fossile Arten auf, von denen die eine zu 
der noch lebenden Gattung Accipenser L., Stör, zwei andere zu 
einer nur fossilen, Chondrosteus Ag., gehören. Erstere stammt 
aus dem Londonthone von Sheppey, letztere sind aus dem Lias 
und tertiär. 



KÖHNSCIIÜPPER. FLOSSENSTACflELN. 



159 



4« Ordn. JPlacoMes Ag^« Körniscliiipper« 
Knorpelfijsehe CiiTier, 

(7ila§, Tafel; elSog, Form.) 
Taf. VII. Fig. 1—18. 

Ihre Bedeckung besteht, statt der Schuppen, aus kleinen har- 
ten Körnchen, welche der Haut eine chagrinartige Beschaffenheit 
ertheilen. Das Skelett ist weich und knorpelartig, d. h. ohne 
Knochenfasern, indem sich hei ihnen die Kalkmasse nur körnig, 
nicht faserig oder fadenförmig absetzt. Zu ihnen gehören die 
Haie, Rochen und Chimären. Da bei den fossilen Arten die- 
ser Ordnung gewöhnlich nur die festeren kalkigen Theile, Flossen 
und Flossenstacheln, Zähne und Wirbel sich erhalten haben, so 
ist die Kenntnifs von diesen untergeordneten Formen weit geringer 
als die von anderen Ordnungen. Ueberreste von ihnen kommen 
in allen Formationen vor. 

Taf. VII. Fig. 1. stellt den in dem Mittelmeere noch leben- 
den Spinax Blainvillei Risso, nach Agassiz, Vol. 3. tb. B. f. 1. 
verkleinert vor, um ein allgemeines Bild eines Haifisches zu ge- 
ben. Eine ähnliche Form haben die Chimären, während die Rochen 
flach sind. 

A. Flossenstacheln. Ichthyodorulithen* 

(IxO^vg^ Fisch; öoqv^ Lanze; Xid^og^ Stein.) 

Ihre Stellung vor den Rückenflossen geht aus Taf. VII. Fig. 1. 
hervor. Eigenthümlich ist ihre Structur und die Art ihrer Be- 
festigung. Sie sind nämlich wirklich faserig und knochig, ganz 
wie die Knochen der gewöhnlichen Fische und haben nicht das 
körnige Ansehen anderer Theile der Haie und Rochen. Sie sind 
symmetrisch, bestehen immer nur aus einem einzigen Stücke und 
zeigen an ihrer Basis keine Gliederungsfläche, wie das bei den 
Knochenfischen der Fall ist. Ihr unterer Theil, welcher in dem 
Fleische sitzt, ist schief abgeschnitten und endet in eine stumpfe 
Spitze, deren hintere und innere Fläche eine mehr oder weniger 
tiefe Aushöhlung (Taf. VII. Fig. 3. a.) zeigt, welche sich im In- 
neren des Stachels öfters bis gegen das Ende emporzieht. 

Aufser Pleuracanthus und Myliobates nähern sich alle hier 
folgenden Gattungen von Flossenstacheln mehr dem Haien als den 
Rochen. 



160 



FISCHE. 



i 1. G. Onchus Ag. 

Sie sind von mittlerer Gröfse, ihre Seitenflächen längsgefurcht, 
und zwischen diesen Furchen finden sich mehr oder weniger breite, 
abgerundete Rippen. Der Hinterrand ist ebenso gefurcht oder glatt. 

Arten in silurischer Grauwacke (Ludlow), im alten rothen Sand- 
steine und zwei im Kohlenkalke (Bristol). 

t 2. G. Ctenacanthus Ag. (xralg, Kamm; ay,av&a, Stachel.) 

Gigantische, sehr zusammengedrückte, an ihrer Basis breite 
Stacheln, mit einer kleineren Aushöhlung als bei Oracanthus und 
einem sehr tief in dem Fleische verborgenen Theile. Oberfläche 
längsgestreift, Hinterrand mit kleinen Stacheln besetzt. 

Eine Art im alten rothen Sandsteine, drei im Kohlenkalke von 
Bristol. 

t 3. G. Oracanthus Ag. (o^jo?, Berg; ayurS-a.) 

Stacheln von beträchtlicher Dicke, an ihrer Basis sehr breit 
und nicht tief im Fleische sitzend, an der sichtbaren Oberfläche 
mit Sternen geschmückt. Sie bilden wahrscheinlich mit den Zäh- 
nen von Orodus ein und dasselbe Geschlecht. 

Drei Arten im Kohlenkalke von Bristol. 

t 4. G. Gyracanthus Ag. {yvQog^ rund; äyMv&u.) 

Ihre Oberfläche ist durch schiefe Falten und Furchen aus- 
gezeichnet, welche von der Mitte der vorderen Seite aus abwärts 
nach hinten laufen, wo sie an der Gränze von einigen Längs- 
furchen enden. 

G. formosus Ag. — Taf. VII. Fig. 3. Nach Agassiz Vol. 3. tb. 
5. f. 5 — 6. 

Diese Stacheln erreichen die Länge von 15 Zoll und sind in 
dem Steinkolüengebirge von England sehr verbreitet. 

t 5. G. Tristychius Ag. (jQt^ drei; ozlyog^ Reihe.) 

Die Oberfläche der Stacheln, welche nicht in dem Fleische 
safs, zeigt stark hervortretende Längsfurchen, zwischen welchen 
feine, häufig in einander laufende Streifen liegen; die Basis ist 
nur fein gestreift. Längs der vorderen Seite laufen drei Kiele 
herab, von denen der mittlere der hervortretendste ist. Zwischen 
ihnen bemerkt man feine Längsstreifen. Am Hinterrande stehen 
scharfe Stacheln, wie bei Hybodus. 

Eine Art im Schieferlhone der Steinkohlenformation bei Glasgow. 



KÖRNSCHUPPER. FLOSSBNSTACHELN. 



161 



t 6. G. Pfychacanthus Ag. (jirvyji^ Falte; ay.avd^a.) 

Ein schwach sichelförmig gekrümmter Stachel, welcher an 
der Seite zusammengedrückt und am vorderen Rande stumpf ge- 
kielt ist. Oberfläche eng und fein gefaltet, Hinterrand wie bei 
Hybodus. 

Im Süfswasserkalke der Kohlenformation von Bourdie-House. 

t 7. G. Sphenacanthus Ag. (aq^^v^ Keil; äxavd^a.) 

Ein einziger Stachel von Bourdie-House, mit stark hervor- 
tretenden Falten und Furchen, welche von dem Gipfel bis an die 
Basis herablaufen. Er ist vorn und an den Seiten gerundet, hin- 
ten flach abgeschnitten und fein gekerbt. 

t 8. G. Nemacanthus Ag. (vrj/^ia^ Faden; äxavd^a.) 

Seitlich zusammengedrückte Stacheln mit flachen Seiten, vorn 
kielartig und in der Mitte mit einer fadenförmigen Erhöhung, wel- 
che in eine schwache Rinne übergeht. Die innere Höhlung ist 
schmal, an der Basis nur von der halben Dicke des Stachels, 
und setzt sich dann sehr schmal bis zu dem Anfange der Knöt- 
chen fort. Von hier verbreitet sich auf der hinteren Seite nur 
noch äufserlich eine Rinne bis an den Gipfel herauf. Die ge- 
rundeten Ränder dieser Rinne sind mit kleinen, verlängerten und 
abgeplatteten zahnartigen Erhöhungen bedeckt. Der obere Theil 
der vorderen Fläche trägt rundliche Wärzchen, welche parallel der 
vorderen fadenförmigen Erhöhung zu Reihen geordnet sind; die 
ganze übrige Oberfläche ist fein gestreift. 

Zwei Arten im Lias bei Bristol. 

t 9. G. Leptacafithus Ag. {XtnTog^ dünn; uxav&a.) 

Kleine schwertförmige Platten, am hinteren Rande mit schar- 
fen Zähnen und am vorderen schneidend , übrigens fein gestreift. 

Mehrere Arten im Lias von Lyme Regis und im Jura von Sto- 
«esfield und bei Caen. 

t 10. G. Asteracanthus Ag. (aar^^), Stern; äxavd-a,) 

Ziemlich grofse, schwach gekrümmte Stacheln, vorn gerun- 
det, hinten mit zwei genäherten Reihen von Zähnen, übrigens 
ganz mit sternförmig angeordneten Knötchen bedeckt, und nur an 
der Basis glatt. 

Charakteristisch für die oberen Schichten der Juraformation, wo 
sie die Oracanthen des Kohlenkalkes zu vertreten scheinen. 
Gcinitz, Versteinerungskunde. 1 J 



162 



FISCHB. 



t 11. G. Prisfacanthns Ag. (n^iaTÖg^ gesägt; ay.aida.) 

Sehr verlängeric und so zusammengedrückte Strahlen, dafs 
die innere Höhlung nur einem Spalte gleicht. Der Vorderrand ist 
scharf schneidend, der Hinterrand ebenso dünn und sägeförmig 
gezahnt. 

Eine Art aus dem Jura von Caan und Stonesfield. 

t 12. G. Myriacanthus Ag. (^(ivqIoq^ zahllos; axavS-a.) 

Diese Stacheln sind vierseitig und an den Seiten der hinteren 
Fläche mit grofsen, zusammengedrückten, scharfen und nach oben 
gekrümmten Dornen besetzt. Der Raum dazwischen ist fast flach 
und fein längsgestreift, und in seiner Mitte, in der halben Länge 
des Stachels, bemerkt man noch einige ähnlich gebildete, aber 
abwärts gekrümmte Dornen. Die Seitenflächen sind etwas zusam- 
mengedrückt und runden sich nach der vorderen Fläche hin ab. 
Feine Längsstreifen und in Längsreihen geordnete rundliche Knöt- 
chen bedecken die Seitenflächen und die vordere Fläche. Auf der 
Mitte der letzteren steht eine Reihe von sehr grofsen, aufwärts 
gerichteten Dornen, welche ähnlich den hinteren Dornen, aber 
noch gröfser als diese sind. 

Drei Arten aus dem Lias von Lyme Regis. 

i 13. G. Hybodus Ag. (vßog^ Buckel; oöot^g^ Zahn.) 

Hiervon kennt man Stacheln und tlieilweise auch die zu ihnen 
gehörigen Zähne. 

Die Stacheln sind grofs, ein wenig gekrümmt, und werden 
nach unten zu dicker und breiter als nach oben, wo sie in einer 
schwachen Spitze enden. Ein ziemlich bedeutender Theil steckt 
in dem Fleische, ist sehr fein gestreift und zeigt an dem Hinter- 
rande eine offene, sehr erweiterte Furche. Der äufsere Theil ist 
etwas von der Seite zusammengedrückt, am Hinterrande abgeschnit- 
ten und vorn gerundet. Der seitliche und vordere Theil zeigt 
starke Längsfalten und entsprechende Furchen dazwischen, der Hin- 
terrand ist mehr oder weniger flach, fein längsgestreift und zeigt 
zwei Reihen dicker, nach unten gekrümmter, scharfer Zähne. 
Arten kommen schon im bunten Sandsteine vor und hören erst in 
der Kreide auf. 

H. apicalis Ag. Vol. 3. p. 43. Ib. 10. f. 22. — Hiernach. 
Taf. VH. Fig. 2. 

Eine kleine Art von Stonesfield. 



KÖRNSCHÜPPEK. FLOSSENSTACHELN. 



163 



t 14. G. Leiacanthus Egert. {Ittog^ glatt; uxavd^a,} 

Unterscheidet sich von Eyhodus dadurch, dafs dem Hinter- 
rande der Stacheln die Zähne mangeln. 

Eine Art aus dem Muschelkalke von Bayreuth und Luneville. 

t 15. G. Ptychodus Ag. (mv/^^ Falte; döovg.) 
Auch hiervon kennt man die Zähne. 

Ihre Strahlen sind sehr dick und bilden nicht ein Stück, wie 
die der anderen Gattungen, sondern flache Stäbe oder vielmehr 
breite Platten, vrelche innig mit einander verbunden sind, so dafs 
man sie nur noch durch Längsfurchen an der äufseren Oberflache 
unterscheiden kann. Ihr Vorderrand ist höckerig, und diese Höcker 
bilden auf den Seiten breite, gerundete Rippen und mehr oder 
vt^eniger deutliche quere Eindrücke. Gegen die Basis des Hinter- 
randes zu stehen dicke knochige Fasern senkrecht oder schief, 
welche zur Befestigung der Stacheln gedient haben mögen. 

Alle Arten stammen aus der Kreide. 

F. articulatus Ag. Vol. 3. p. 58. tb. 10. a. f. 5. 6. — Mantell, 
Geol. of Süss. tb. 39. — Gein. Char. p. 12. tab. 1. f. 6. 

In der Kreide von Lewes, im Plänerkalke von Strehlen bei 
Dresden und in Böhmen. 

16. G. Spinax Cuv. (Taf. VII. Fig. 1.) 

Die fossilen Stacheln dieser Gattung sind glatt und gehören 
daher zu der Untergattung Acanthias des Prinzen Musignano. 

S. major Ag. Vol. 3. p. 62. tb. 10. b. f. 8 — 14. — Gein. 
Kieslingsw. p. 3. tb. 4. f. 4. 

1 — l" lang; in der Kreide von Lewes und im Plänerkalke von 
Sachsen und Böhmen. 

17. G. Chimaera L. Ag. Seedrache. 

Die Stacheln sind an den Seiten flacher als bei Spinax^ vorn 
gekielt und an den Hinterrändern gezähnelt. 
Eine Art in der Kreide von Lewes. 

t 18. G. Pleuracanthus Ag. (nXtv^ä^ die Seite; axavd-a.) 

Die ganze Oberfläche des Stachels ist gerundet, von vorn 
nach hinten etwas zusammengedrückt, und auf jeder Seite mit einer 
Reihe von abwärts gekrümmten Zähnen bewaffnet. 

R. laevissimus Ag. , aus dem Kohlengebirge von Dudley, ist die 
älteste Art der bekannten Formen von Rochen. 

11* 



164 



FISCHE. 



19. G. Myliobates Dumeril. {^ivllaq^ Mühlstein; ßariq^ Roche.) 

Auch von dieser Gattung der Rochen beschreibt Agassiz meh- 
rere fossile Stacheln. 

B. Zähne und einige andere üeberreste der Placoiden. 

Alle Zähne der Placoiden, welche in früheren Zeiten theil- 
weise für versteinerte Schlangenzungen (Glossopetren) gehalten, 
theihveise Krötensteine (Bufoniten '■) genannt wurden, haben eine 
knochige Wurzel, welche in der dicken Haut verborgen liegt, von 
sehr verschiedener Form, und eine mit dickem Email bedeckte Krone, 
welche in dem Munde hervorragt. Die Beschaffenheit der letzteren 
ist bei den verschiedenen Gattungen dieser Ordnung verschieden. 
Sie stehen weder in Höhlen (Alveolen) , noch sind sie an beson- 
deren Rändern der Kiefern befestigt, sondern sitzen ganz einfach 
in der Haut, welche den Rachen auskleidet. Daher ist ihnen 
meistens auch eine Beweglichkeit möglich, wie sie in keiner an- 
deren Klasse der Thiere wieder vorkömmt. Die der Haien und 
Rochen stehen in mehreren Reihen, von denen die vorderen sich 
zuerst abnutzen, ausfallen und durch jene der inneren Reihen wie- 
der ersetzt .werden. Fortwährend bilden sich hinter den schon 
vorhandenen Zähnen neue, welche später allmählig nach vorn 
rücken. Die Basis von allen ist breit und flach, niemals kegel- 
förmig oder spitz. 

Nur die tertiären Arten ähneln noch den jetzt lebenden For- 
men, die in älteren Formationen weichen sehr von ihnen ab. 

a« Cestraciontes. Fflasterförmige Haifischzähne. 

Mehr oder weniger flache und stumpfe Zähne, deren Krone 
aus kleineren an einander gefügten Röhren besteht, welche der 
Oberfläche eine poröse Beschaffenheit ertheilen. Der einzige Re- 
präsentant in der lebenden Schöpfung ist Cestracion Plülippi bei 
Neu -Holland. 

t 1. G. Orodus Ag. C^Qog^ Berg; döovg^ Zahn.) 

Zähne verlängert, in der Mitte zu einem stumpfen und que- 
ren Kegel erhoben und ihrer ganzen Länge nach mit einer Kante 
versehen, von welcher schiefe, an den Rändern verzweigte Run- 



*) Hierunter verstand man auch Zahne von Ganoiden, besonders von 
Pycnodonten. 



KÖRNSCHUPPER. ZAHNE. 



165 



zeln herablaufeii. Zu ihnen gehören die als Ctenacanthus oder 
als Oracanthus beschriebenen Stacheln. 

Zwei Arten im Kohlenkalke von Bristol. 

t 2. G. Ctenopty chius Ag. (xra^, Kamm; titv/tj^ Falte.) 

Sie erscheinen als kleine, stark zusammengedrückte Orodus- 
Zähne, deren Querwurzeln einen förmlichen Kamm von mehr oder 
weniger gerundeten und losgerissenen Vorsprüngen bilden. 

Mehrere Arten im Kohlenkalke, Schieferthone und Süfswasser- 
kalke der Steinkohlenformation Englands, mit Stacheln von Gyracan- 
thus, Ftychacanthus und Sphenacanthus zusammen. 

t 3. G. Eelodus Ag. Psammodus z. Th. Buckel; 
oSovg^ Zahn.) 

Ihre Oberfläche ist vollkommen glatt und ihre Mitte in der 
Form eines stumpfen Kegels aufgequollen. Bald sind diese Zähne 
verlängert, gerundet und nur in der Mitte erhaben, bald zeigen 
sie eine Reihe stumpfer Kegel, von denen der mittelste der 
gröfste ist. 

Im Kohlengebirge. 

f 4. G. Chomatodus Ag. Psammodus z. Th. 
{/fil^a^ Wall; odovg,) 

Meistens sehr verlängerte, in der Mitte bald flache, bald 
erhobene, bisweilen sogar auch schneidende Zähne, deren Krone 
an ihrer Basis mit einer Reihe concentrischer Falten umgeben ist. 

Im Kohlenkalke. 

t 5. G. Psammodus Ag. im engeren Sinne, (tpafif-iog^ Sand; 

Breite und flache Zähne, mit einer sandartigen porösen Ober- 
fläche. Die Basis ist ebenso breit als ihre Krone. 
Drei Arten im Kohlenkalke. 

t 6. G. Cochliodus Ag. Psammodus z. Th. 
{xo/Uag^ Schnecke; oSovg.) * 

Die Zähne haben eine zusammengerollte Form, und es sind 
ihrer nur wenige vorhanden. 

C. contorlus k^. Vol. 3. p. 113. tb. 19. f. 14; tb. 14. f. 16 — 33. 

Der erste Zahn ist dreieckig, seine hintere Seite ist die gröfste 
und gerade, die innere Seite ist S-förmig gekrümmt und die vordere 
kurze gleichfalls gerade. Die Oberfläche ist vorn niedergedrückt und zeigt 



166 



FISCHE. 



eine Furche parallel mit dem Vorderrande, während sie hinten stark 
aufgequollen ist. 

Mit vier anderen Arten im Kohlenkalke von Armagh. Aufser- 
dem bei Bristol und Clifton. 

t 7. G. Sfrophodus Ag. Psammodiis z. Th. 
(^OTQOcprjy Drehung; döovg.) 

Die Zähne sind verlängert, mehr oder weniger verengt und 
an beiden Enden abgestutzt, der Länge nach etwas gekrümmt, in 
ihrer Milte oder nach dem einen Ende zu etwas gewölbt, mit 
einer netzförmigen porösen Oberfläche. 

Die Arten beginnen in der Trias, herrschen in der Jura- 
periode vor und gehen bis in die Kreide. 

S. angustissimus Ag. Vol. 3. p. 128. tb. 18. f. 28 — 30. — 
Tab. VII. Fig. 4. (f), nach Gein. Beitr. z. Kenntn. d. thür. Muschelk. 
tb. 3. f. 6. 

Sie sind flach, gerade, an ihren schmalen Enden gerundet und 
auf ihrer Oberfläche netzförmig -porös. 

Häufig im oberen Muschelkalke von Mattstedt bei Jena, Rüders- 
dorf bei Wilhelmshall und bei Luneville. 

t 8. G. Ceratodus Ag. Psammodus z. Th. (xtQag^ Horn; dSovg.) 

Ihre innere Seite ist fast gerade, während die ihr entgegen- 
gesetzte äufsere vorspringende Hörner hat. Die Krone zeigt 
feine Pünktchen, wie die vorigen Gattungen. Wahrscheinlich ge- 
hören die Stacheln von NemacantJms zu ihnen. 

Viele Arten kommen im Lias von Aust-Cliff bei Bristol, eine 
Art im Jura von Stonesfield vor. 

t 9. G. Ctenodus Ag. (xrtlg^ Kamm; oSovg,) 

Zähne, welche einem Fächer mit gezähnelten Seiten gleichen. 
Wenige Arten in der Steinkohle und dem Steinkohlenkalke 
Englands. 

t 10. G. Acrodus Ag. (ax()og, der höchste; döovg.) 

Fische, welche ihren Kiefern nach die gröfste Aehnlichkeit 
mit dem Ceslracion von Neu- Holland haben. Eine knochige Wur- 
zel, mit körniger Structur, trägt die Krone von Email, welche in 
der Mitte aufgequollen, an den Seiten zugerundet und an beiden 
Enden verschmälert ist. Von einem mittleren Längskiele laufen nach 
beiden Seiten sich verästelnde Runzeln über die ganze Oberfläche 
herab. 



KÖRNt^CIfUPl'ER. ZAHNE. 



167 



A. GaillardoH Ag. Vol. 3. p. 146. Ib. 22. f. 16 — 20. — 
Taf. VII. Fig. 5. a. b. 

Es sind kleine , nachenförmige Zähne , welche sich sehr häufig, 
besonders in den oberen Schichten des Muschelkalkes von Thüringen 
(Mattstedt), am Krienberge bei Rüdersdorf, bei Bayreuth und in V\^ür- 
4emberg finden. 

Eine andere Art im Kupferschiefer, sieben Arten im Lias, einige 
noch in den Oolithen und in der Kreide. 

t 11. G. Ptychodus Ag. (nTv/rj, Falle; QSovg.) 

Zähne von eckiger, mehr oder w^eniger vierseitiger Form. 
Ihre Krone ist immer breiter und verhältnifsmäfsig höher als die 
abgestumpfte W^urzel. Sie breitet sich nach den Seiten hin be- 
sonders aus und erhebt sich in der Mitte zu einer grofsen Warze, 
welche auf ihrem abgeplatteten Gipfel mit dicken, stark hervor- 
tretenden Querfalten bedeckt ist. Der übrige Theil der Krone 
zeigt unregelmäfsig in einander verfliefsende Höckerchen oder 
schwächere, gedrängtere und unregelmäfsigere Falten. 

Alle Arten gehören der Kreideformation , besonders der ei- 
gentlichen Kreide und deren Aequivalenten an. 

P. latissimus Ag. Vol. 3. p. 157. tb. 25. a. u. h. f. 24 — 26. 
— Gein. Char. p. 63. Ib. 7. f. 5; tb. 17. f. 1. 2. 3. — Taf. VII. 
Fig. 6. a. 5. 

Viereckige, hinten steil abfallende oder eingedrückte Zähne, mit 
5 — 8 sehr starken und scharfkantigen, parallelen Falten auf dem er- 
habenen mittleren Theile der Krone und einem breiten, höckerigen 
Rande. Gewöhnlich breiter als lang, bisweilen auch ebenso breit als 
lang, kommen sie, 1 — ^" grofs, häufig in der Kreide von England, 
im Plänerkalke von Sachsen und Böhmen, bei Quedlinburg, im Grün- 
sande von V\^estphalen und, nach Catullo, im Vicentinischen und Ve- 
ronesischen vor. 

P. polygyrus Ag. ist immer breiter als lang, flach gewölbt, 
und eine gröfsere Anzahl (ohngefähr lO) etwas gebogener und bis- 
weilen gespaltener Falten zieht sich bis fast zu dem Rande. 

In der Kreide von England, selten im Pläner von Deutschland 
(Quedlinburg, Strehlen, Oberau und Plauen bei Dresden). 

P. decurrens Ag. Vol. 3. p. 154. tb. 25. b. f. 1 — 8. Gein. 
Char. p. 64. tb. 17. f. 8. 9. 10. 12. — Taf. VII. Fig. 7. 

Ein hoher schmaler, quer gefalteter Höcker, welcher vom vorde- 
ren bis zum hinteren Rande reicht, in der Mitte aber am höchsten ist, 



1G8 



FISCHE. 



bildet den mittleren Theil dieser Zähne , so dafs nur die beiden Sei- 
ten sich flugelartig daneben ausbreiten. 

Gegen 4'" breit, mit P. latissimus zusammen und eben so häufig. 

b. Myhodontes Ag. 

Spitze Haifischzähne, beiderseits mit Nebenzähnen versehen ^ 
und längsgefaltet. 

t 1. G. Hybodus Ag. (yßog^ Buckel; dSovg.) 

Von dieser Gattung kennt Agassiz ganze Kiefern und ver- 
schiedene andere Theile des Körpers, als Stücken der Haut, die 
früher beschriebenen Flossenstacheln und die Zähne. 

Auf einer langen, schmalen und niedrigen Wurzel erhebt sich 
in der Mitte des Zahnes ein schmaler, spitzer Kegel, häufig von 
der Länge der Wurzel , und neben ihm auf jeder Seite stehen 
1 — 4 kleinere, welche nach den Enden hin allmählig an Gröfse 
abnehmen. Der mittlere Kegel ist ein wenig zusammengedrückt, 
und zwar auf der äufseren Seite mehr als auf der inneren. Die 
Oberfläche aller dieser Kegel ist mit deutlichen senkrechten Falten 
bis an die Spitze oder f der Höhe bedeckt. Auf der knochigen 
Wurzel, deren unterer Rand gewöhnlich dem Emailrande parallel ist, 
bemerkt man unter der Lupe netzförmige Structur und kleine Foren. 

Die Arten erscheinen zuerst in dem Muschelkalke, gehen 
durch die Juraformation hindurch und enden schon in der Kreide. 
Agassiz beschreibt neun aus der Trias , elf aus der Juraformation 
und eine Art aus der Kreide von Lewes. 

H, plicatilis Ag. Vol. 3. p. 189. tb. 22. a. f. 1; tb. 24. 
f. 10 u. 13. — H. y. Meyer und Plieninger, Palaeontol. Würtembergs, 
tb. 12. f. 70. 71. — Gein. Thür. Muschelk. tb. 3. f. 8. — Taf. VH. 
Fig. 8. 

Zahnwurzel dick, Hauptkegel auf jeder Seite mit 2 — 3 Neben- 
kegeln und mit vielen Falten bedeckt, welche, nach oben zu in ein- 
ander laufend, theilweise bis zu der Spitze gehen. 

Häufig im oberen glauconitischen Muschelkalke des Krienberges 
bei Rüdersdorf, zu Mattstedt bei Jena, in der Knochenbreccie von 
Schwemmingen, Echterdingen und Crailsheim in Würtemberg. 

i 2. G. Cladodus Ag. (^xXudog^ Zweig; döovg,) 

Zähne wie die von Hybodus^ mit dem Unterschiede, dafs 
die an dem Ende stehenden Nebenzähnchen gröfser sind als die 
zwischen ihnen und dem Hauptkcgel. 



KÜRNSCHÜPPER. ZÄHNE. 



169 



Acht Arten im Kohlenkalke von Armagh, Bristol und dem Kalke 
von Bourdie-House. 

t 3. G. Sphenonchus Ag. (o(prjv^ Keil; 07x0c,, Haken.) 

Hier ist nur ein einziger, sehr entwickelter Hauptkegel vor- 
handen, welcher hakenförmig einwärts gebogen, übrigens fast cy- 
lindrisch, sehr dick und an der Basis gefaltet ist. Nebenzähne 
fehlen oder sie sind nur schwach angedeutet. 

Eine Art im Lias , zwei in der oberen Jura- und Wealdenfor- 
mation Englands. 

t 4. G. Diplodus Ag. (ömXoog^ doppelt; döovg, Zahn.) 

Hier entwickeln sich die Nebenzähne auf Kosten des Haupt- 
kegels , welcher kaum die Hälfte der Höhe der ersteren erreicht. 
Diese Seitenzähne sind gewöhnlich nach vorn gekrümmt, sehr scharf, 
cylindrisch und von verschiedener Zahl, bis 5 auf einer Wurzel. 

Zwei Arten in der Steinkohlenformation von England. 

c. Squalides, 

Spitze Haifischzähne, mehr oder weniger halbkegelförmig, auf 
der inneren Seite stark, auf der äufseren schwach gewölbt oder 
fast flach. 

1. G. Notidanus Cuv. 

Jeder Zahn besteht aus einer Reihe von Zähnchen, von denen 
der erste der gröfste ist und jeder der folgenden allmählig klei- 
ner wird. Dieses vorderste Zähnchen ist bei den Zähnen im Un- 
terkiefer verhältnifsmäfsig gröfser als bei denen im Oberkiefer. 

N. Münsteri Ag. im Jura bei Streitberg und Randen, JV. mi- 
crodon Ag. in der Kreide von England und im Plänerkalke von 
Sachsen, einige Arten sind tertiär, und auch in der jetzigen Schöpfung 
finden sich noch Repräsentanten. 

t 2. G. Corax Ag., früher Galeus Cuv. z. Th. 

Eine ausgestorbene Gattung, von welcher man nur die Zähne 
kennt. Sie haben eine starke und grofse, d. h. weit von vorn 
nach hinten laufende , unten etwas concave Wurzel , welche eine 
breite, spitze, stark rückwärts geneigte Krone trägt. Diese ist 
auf der äufseren Seite schwach, auf der inneren stark gewölbt, 
und gleicht etwas einem schiefen Halbkegel. Unten breitet sich 
die hintere Seite etwas nach hinten aus, oder es steht ein klei- 
ner niedriger Zahn dahinter, welcher mehr oder weniger deutlich 



170 



FISCHE. 



davon gelrennt ist. Dadurch, dafs diese Zähne massiv und nicht 
holil sind, und dafs ihr scharfer Vorder- und Hinlerrand durch 
Randzähnchen von fast gleicher Grofse gekerbt ist, unterschei- 
den sie sich von den übrigens sehr ähnlichen Zähnen des noch 
lebenden Galeus. 

Die Arten gehören der Kreideformation an, eine Art ist tertiär. 

C. pristodontus Ag. Vol. 3. p. 224. tb. 26. f. 9 — 13. — 
Gein. Char. tb. 1. f. 1. — C. heterodon Reufs, böhm. Kr. p. 3. tb. 3. 
— Taf. VII. Fig. 11. 12. 

Die hintere Seite verläuft unter einem Bogen allmähiig in die 
liintere Ausbreitung. Bei C. appendiculatus Ag. ist ein kleiner hin- 
terer Zahn deullich von dem Hauplzahne getrennt. 

Zwischenstufen zwischen beiden sind von Agassiz unter anderen 
Namen beschrieben worden. 

Sie sind häufig in den oberen Schichten der Kreideformation, 
als in der Kreide von England, dem Kalke von Mastricht, dem Plä- 
nerkalke von Strehlen und Weinböhla in Sachsen, von Teplitz und 
Bilin in Böhmen, sehr selten in älteren Schichten, als: im unteren Plä- 
ner von Plauen bei Dresden oder dem Grünsande von Kreibitz in Böh- 
men, Kieslingswalda im Glatzischen, Haldem und Aix-de-Chapelle. 

3. G. Galeocerdo Müll. u. Henle. Galeus Cuv. z. Th. 

Die Zähne unterscheiden sich von denen der vorigen Gattung 
durch die grofse Unregelmäfsigkeit der Kerbzähnchen an ihrem 
ganzen Rande, während bei Galeus Cuv. der Vorderrand ganz 
glatt und nur der Hinterrand gezähnelt ist. 

Man kennt zwei Arten aus der Kreide, drei tertiäre und zwei 
noch lebende. 

Hier schliefsen sich vielleicht die folgenden vier Gattungen 
am befsten an: 

t 4. G. Aellopos Münst. (utlXonog^ schnell.) 

Ausgezeichnet durch die beträchtliche Gröfse der zweiten 
Rückenflosse, welche dort, wo sie eingesetzt ist, höher als der 
Körper ist. Die Schwanzflosse scheint sich sehr zu verlängern. 
Das Chagrin der Haut ist gleichmäfsig granulirt. Die Wirbelkör- 
per sind ebenso hoch als lang. 

Zwei grofse Arten von Solenhofen. 

t 5. G. Scylliodus Ag. (ßcyllium; odovg.) 

Ein Haifisch von mittlerer Gröfse, aus der Kreide von Kenl, 
welcher sich Scyläum durch die dreispitzige Form und die Klein- 



KÖRNSCHUPPER. ZÄHNE. 



171 



heit seiner Zähne nähert. Der Rachen war an seiner Mündung 
sehr gekrümmt. 

t 6. G. Thyellina Münst. (Mythol. Name.) 

Ein kleiner Haifisch aus den Kreidegebilden bei Münster, 
dessen beide Rückenflossen weiter zurück stehen als die Baucli- 
flossen. Die gröfsere zweite R. ist gegenüber der A. Alle Flos- 
sen sind vorn gerundet, die S. aber ist kurz und ihr oberer Lap- 
pen schwach ausgezackt. 

t 7. G. Arthropterus Ag. (a^^^ov, Glied; nnQov^ Flügel.) 

Nach Brustflossen von bedeutender Länge (5'') bestimmt. 
Aus dem Lias. 

8. G. Sphyrna Rafin. Zygaena Cuv. Hammerfisch. 

Da die Zähne des lebenden Hammerfisches nicht nur in bei- 
den Kiefern verschieden sind, sondern auch in einem und dem- 
selben Kiefer bald Zähne mit feiner Randzähnelung, bald ohne die- 
selbe vorkommen, so ist es noch nicht mit Sicherheit anzugeben, 
ob einzeln aufgefundene fossile Zähne dieser Gattung angehören. 
Sie haben übrigens viel Aehnlichkeit mit einigen Arten von Car- 
charias^ unterscheiden sich aber durch schmälere Form. 

Zwei Arten aus der Kreide, zwei tertiäre. 

9. G. Squatina Dum. Meerengel. 

Von dieser noch im Mittelmeere lebenden Gattung kommt, 
nach Reuss, eine fossile Art im Pläner von Böhmen vor. 

t 10. G. Hemipristis Ag. (^y"? halb; nqioTog^ gesägt.) 

Die Arten dieser Gattung stehen, nach Agassiz, zwischen 
Galeocerdo und einigen gekrümmten Zähnen von Carcharias ^ un- 
terscheiden sich aber dadurch, dafs die Randzähnelung in einiger 
Entfernung von dem Gipfel aufhört und der letztere glatt erscheint. 

Drei Arten, deren geologisches Alter noch nicht genau ge- 
kannt ist. 

11. G. Carcharias Cuv. 

Diese in der lebenden Schöpfung so reich entfaltete Gattung 
der Haie hat nur wenige fossile Vertreter, welche der Unter- 
gattung Prionodon Müller u. Henle angehören. Ihre Zähne 
sind schief oder gerade, breit- oder schmal -dreieckig mit einer 
breiten Basis und an beiden Rändern, wenigstens stets in dem 
Oberkiefer, gezähnelt. 



172 



FISCHE. 



Zwei Arten im Grünsande von Sentis in Sl. Gallen, und im Kreide- 
mergel von Bockum. 

t 12. G. Qlyphis Ag. (yXi;^/^, Kerbe.) 

Zähne lang und schmal, mit breiterer Wurzel und in der 
Nähe des Gipfels sich etwas erweiternd, so dafs sie die Form 
eines Steinmeifsels annehmen. Ihre Wurzel ist massiv und hat zwei 
sehr vorstehende Hörner. Diefs ist die BeschaiFenheit der vorde- 
ren Zähne im Unterkiefer des lebenden Carcharias (Prionodon) 
Glyphis^ welche Agassiz zu der Gattung Glyphis erhebt. 

G. hastalis Ag. aus dem Londonthone. 

13. G. Carcharodon Smith. {Carcharias; döwv.) 

Es sind Carcharias - Arien mit halbmondförmiger S. und sehr 
breiten, dreieckigen, an den Rändern gezähnelten Zähnen. Wäh- 
rend in der lebenden Schöpfung nur eine einzige Art, C. Lamia^ 
existirt, kennt man eine grofse Anzahl fossiler Arten, welche 
meistens durch die beträchtliche Gröfse der Zähne auf eine bedeu- 
tende Entwickelung jener Haifische schliefsen lassen. 

C. (Carcharias) megalodon Ag. Vol. 3. p. 247. tb. 29. f. 3. 

— Hiernach Taf. VH. Fig. 17. in \ Gröfse. 

Agassiz beschreibt vierzehn tertiäre Arten und einige von un- 
bekannten Fundorten. 

t 14. G. Otodus Ag. (wg, Ohr; oöovg, Zahn.) 

Wie bei allen Squaliden, sind die vorderen Zähne gerade 
und pyramidal, während die hinteren immer kürzer werden und 
mehr und mehr sich nach rückwärts krümmen. Die innere Seite 
ist stark, die äufsere flach gewölbt. Die Basis der Krone ist 
meistens glatt und nur bei einigen Arten gefaltet. Bei Otodus 
trägt eine breite und starke, in der Mitte ausgeschnittene Wurzel 
den breiten, scharfrandigen Zahn, welcher an seiner Basis jeder- 
seits mit einem zusammengedrückten und scharfen Höcker oder 
Nebenzahn innig verbunden ist, der auf beiden Seiten ziemlich 
gleiche Form und Entwickelung hat. 

Die mehrsten Arten kommen in der Kreide, einige in tertiä- 
ren Bildungen vor. 

0. appendiculatus Ag. Vol. 3. p. 270. Ib. 32. f. 1 — 25. 

— Gein. Char. Ib. 1. f. 3. — Taf. VH. Fig. 9. 10. 

An Form und an Gröfse sehr variabel, mit breiten, bald stumpf-, 
bald spitzwinkeligen Nebenzähnen. 



KÖRNSCHÜPPER. ZÄHNE. 



173 



Sehr häufig in der Kreide von England, im Plänerkalke von 
Strehlen, Quedlinburg, Teplitz und anderen Orten von Deutschland, 
seltener in älteren Schichten. Agassiz citirt diese Art aus den ver- 
einigten Staaten von den Ufern des Delaware -Canals, aus der Kreide 
der Normandie und aus dem Gault von Speeton. 

15. G. Oxyrhina Ag. {oE,vg^ spitz; q\v^ Nase.) 

Zähne ohne Seitenzähne oder Seitenhöcker, übrigens fast von 
der Form der 0^oc?wä- Zähne, mit welchen man sie sehr leicht 
verwechseln kann, wenn dieselben ihrer Wurzeln beraubt sind. 
Im Allgemeinen sind jedoch die Zähne von Oxyrhina schmäler, 
und ihre Wurzel ist weniger breit. Der Typus dieser Gattung ist 
0. Spallamani (Lamna Oxyrhina Cuv.) im grofsen Weltmeere. 

Eine Art gehört der Juraformation an, drei Arten kommen in 
der Kreide und elf in tertiären Bildungen vor. 

0, Manteliii Ag. Vol. 3. p. 280. tb. 33. f. 1 — 9. — Gein. 
Char. tb. 1. f. 4. — Reufs, böhm. Kr. tb. 3. f. 1 — 6. — Taf. VII. 
Fig. 13. 14. 

Häufig im Plänerkalke von Böhmen, Strehlen, Quedlinburg, Gos- 
lar, im Kreidemergel bei Aachen und Schweden, und in der weifsen 
Kreide von England. 

0. angustidens Reufs. — Taf. VII. Fig. 15. a. b. c. 

Diese viel schmälere Art von Zähnen ist aufserordentlich häufig 
in dem unteren Pläner von Plauen bei Dresden und bei Bilin. 

16. G. Lamna Cuv. mit den Untergattungen: t Sphenodus Ag. 
(^oq)7]v^ Keil; oöovg,) und t Odontaspis Ag. {oÖcüv; 
uoTiig^ Schild.) 

Die Zähne dieser Gattung nähern sich sehr denen von Oto- 
duSy sind jedoch etwas schmäler als diese, und ihre Seitenkegel 
(Seitenzähne) sind viel kleiner. Bei Odontaspis Ag. entsprechen 
den dünnen und langen Zähnen auch lange und sehr spitze Seitenzähne. 

Zwei Arten in der Jura-, sechs in der Kreideformation, etwa 
zehn tertiäre und mehrere Arten noch in den jetzigen Meeren. 

L, (Odontaspis) raphiodon Ag. Vol. 3. p. 296. tb. 37. «. 
f. 11 — 16. — Gein. Char. {Enchodus halocyon) tb. 17. f. 13. 14. — 
Taf. VII. Fig. 16. a. b. c. 

Diese Zähne sind hoch und schmal, auf ihrer inneren Seite stark 
gewölbt, an den Rändern aber dennoch sehr scharf, unten nach au- 
fsen, in der Mitte nach innen und oben wieder nach aufsen gebogen, 
wie diefs in schwächerem Maafse ^uch bei Oxyrhina und bei Otodus 



174 



FISCHE. 



der Fall ist. Die gewölbte Seite ist von unten bis über die Mitte 
der Höhe fein gestreift, die äufsere flache Seite ihrer ganzen Länge 
nach in der Mitte gekielt. Nebenzähne habe ich nur einmal vor- 
gefunden. 

Im Grünsande bei Aachen und Regensburg, im unteren Pläner 
von Plauen bei Dresden und in Böhmen, selten im oberen Pläner von 
Strehlen, in der Kreide von Lewes. 

d. Zähne und andere Ueberreste aus der Familie 
der Rochen. 

Sie zeichnen sich nicht allein durch ihre flach -scheibenförmige 
Gestalt, sondern auch durch die Eigenthümlichkeit ihres Chagrins 
aus. Man unterscheidet nämlich in der Ordnung der Placoiden 
zwei Arten davon. Entweder ist ihre Haut mit schuppigen Plätt- 
chen versehen, welche an ihrem Hinterrande verschieden ausge- 
schnitten sind, oder es finden sich statt derselben harte Höcker, 
welche auf einer breiten Basis ruhen und bald körnig sind, bald 
mehr oder weniger, oft stachelig, hervorspringen. Die letztere 
Beschaffenheit, wofür Agassiz den Namen „6owc/eÄ" braucht, hat 
das Chagrin der eigentlichen Rochen , während der gröfste Theil 
der Haifische mit einem einförmigen Chagrin bedeckt wird und 
bei Myliobates und Trygon die Haut vollkommen glatt ist. — Hierzu 
auch die Flossenstacheln von Pleuracanthus und Myliobates. 

t 1. G. Squalo Kaja Riley. Spinacorhmus Ag. 

Eine Form, die die Haifische und Rochen verbindet. Ein 
Haifischkopf, dessen vorderer Theil in einen langen Schnabel ver- 
längert ist, Wirbel so wie Brust- und Bauchflossen ähnlich stark 
entwickelt wie bei dem Hairochen (Rhinobates) ^ ein mit einem 
Stachel bewaffneter Schwanz, wie Trygon und Myliobates^ und das 
Chagrin der eigentlichen Rochen zeichnen diese Gattung hinrei- 
chend aus. 

Eine Art aus dem Lias von Lyme Regis. 

2. G. Raja L. Eigentlicher Roche. 

Körper rhombisch, mit vorragender Schnauze und zwei Rücken- 
flossen. Agassiz kennt das Chagrin von zwei fossilen Arten, wel- 
che beide aus tertiären Schichten herrühren. 

R. anliqua aus dem Crag von Norfolk. 

3. G. Pristis Latham. Sägefisch. 
Aufser den kleinen Kieferzähnen haben die Sägefische noch 
gröfsere, von der Form sehr verlängerter, zusammengedrückter 



KÖKNSCIIÜPPEK. ZÄUNE. 



175 



Kegel, welche an ihrem Hinterrande hohlkehlig sind. Diese Zähne 
sitzen auf beiden Seiten der unter dem Namen „Säge" bekannten 
schnabelartigen Verlängerung der Schädelknochen. 

F. bisulcatus Ag. von Sheppey, ist ein Stück jener Säge. 

4. G. Try'gon Adanson. Stechroche. Pfeilschwanz. 

Von der Form der eigentlichen Rochen, aber mit einem säge- 
förmig gezähnten Stachel am Schwänze. 
Zwei Arten vom Monte Bolca. 

5. G. Torpedo Dumeril. Zitterroche. 

Auch diese Gattung, mit kreisrundem Körper, wird am Monte 
Bolca durch T. gigantea Ag. vertreten. 

t 6. G. Asterodermus Ag. {uottiq^ Stern; ötQi-ia^ Haut.) 

Ein kleiner Roche von Solenhofen, mit verlängerten, cylindri- 
schen, in der Mitte ihrer Länge niedergedrückten Wirbelkörpern, wel- 
che mehr denen der Haifische als jenen der Rochen ähneln. Die 
ganze Oberfläche des Körpers ist mit kleinen stacheligen Sternchen 
bedeckt. Die Flossen bestehen aus platten, einfachen, aus wenigen 
Gliedern bestehenden Strahlen. 

t 7. G. Cyclarthrus Ag. (xvxXo^, Kreis; uq9-qov, Glied.) 

Ausgezeichnet durch cylindrische Glieder der Brustflossen- 
strahlen, welche in der Nähe ihrer Basis hurz und dick sind. 
Aus dem Lias von Lyme Regis. 

t 8. G. Euryarthra Ag. C^vQvg, breit; Ixq^qqv^ Glied.) 

E. Münsteru Ag., von Solenhofen, deutet durch die breiten, 
flachen, aus Avenigen , aber sehr grofsen Gliedern bestehenden Brust- 
flossenstrahlen eine grofse Rochenart an. 

9. G. Myliohates Dum. (/nvXiugy Mühlstein; ßaug, Roche.) 

Die Kiefern dieser Rochen tragen, anstatt spitzer Zähne, 
breite Zahnleisten mit flacher Krone, welche durch feine Nähte 
mit einander so vereinigt sind, dafs sie parketirte Platten bilden, 
deren Theile unter sich bald gleich, bald ungleich und in mehre- 
ren symmetrischen Reihen angeordnet sind. In dieser Gattung sind 
die mittleren Zähne der beiden Kiefern aufserordentlich in die Quere 
entwickelt; übrigens ist die Zahnplatte des Unterkiefers flach und 
länger als die des oberen Kiefers, welche um den vorderen Rand 
desselben gekrümmt und auf ihren Seiten leicht gewölbt ist. 

Fünf Arten leben, vierzehn fossile sind alle tertiär. 



J-6 



FISCHE. 



10. G. Aetobatis Müll. u. Henle. («VoCj stürmisch; 

ßoLTig, Roche.) 

Der Unterkiefer macht einen Vorsprung vor dem kürzeren 
und rechtwinkelig abgeschnittenen Oberkiefer. Beide sind mit einer 
einzigen Reihe von queren Zähnen versehen, und ohne Seitenleisten. 
Die Zahnplatte, deren Oberflüche der Breite nach fast flach ist, 
bedeckt nicht die ganze Fläche, vi^ährend sein vorderer Theil den 
Kiefer beträchtlich überflügelt, was um so mehr hervortritt, als 
die Zähne nach vorn gekrümmt sind. 

Aufser zwei, an der Küste von Brasilien, in dem indischen und 
rothen Meere lebenden Arten, sind vier Arten fossil, wahrschein- 
lich tertiär. 

11. G. Zygobates Ag. {L^vyhg^ Joch; ßaTig^ Roche.) 

Die Zahnleisten stehen hier in mehreren Reihen, welche von 
der Mitte nach dem Rande zu sich an Breite allmählig verringern. 

Zwei Arten leben an der Küste von Brasilien, zwei sind ter- 
tiär, in der Molasse der Schweiz und im Crag von England. 

t 12. G. Janas sa Münst. (Mythol. Name.) 

Die Anordnung ihrer Zähne hat einige Aehnlichkeit mit der 
von Zygobates. Ihre Zahnleisten haben eine röhrenförmige Structur, 
wiewohl ihre Krone emailirt ist. Die vorderen Zähne sind die 
kleinsten. Aufser drei Hauptreihen von Zähnen stehen kleinere 
auf den Seiten. 

/. angulata Münst. Beitr. 1. p. 67. tb. 4. f. 1. — Germ. 
Beitr. d. Mansf. Kupf. p. 26. — Gaea v. Sachsen, p. 95. 

Im Kupferschiefer von Glücksbrunn, Liebenstein, Kamsdorf, Eis- 
leben, Mansfeld und Riegelsdorf. 

t 13. G. Dictea Münst. (Dicte^ Mythol. Name.) 

Hiervon kennt man einen fast vollständigen Abdruck von ab- 
geplatteter Form. Die Brustflossen sind breit, abgerundet und 
verlängern sich nach vorn über die Seiten des Kopfes. Die erste 
Rückenflosse scheint gelappt zu sein. Die Haut ist sehr fein cha- 
grinirt. In der Mitte des Kiefers stehen verlängert -birnförmige 
Zähne in vier schwach nach hinten divergirenden Reihen. Die 
vorderen Zähne sind die kleinsten. Hinten steht auf jeder Seite 
ein sehr dicker, flacher Zahn, und aufserdem eine Reihe von 
rhombischen Zähnen. 

Im Zechsteine von Thalitter. 



KÖHNSCnUFPER. ZAHNE. 



177 



e. Zäliiie und andere Ueberreste aus der Familie der 
Cliimären oder ^androelien. 

Die beiden lebenden Gattungen dieser Familie sind Chimaera 
lind Gallo rhynchus. 

Die vorderen Zähne oder die der Zwischenkiefern der in dem 
Mittelmeere lebenden Chimaera monstrosa^ oder der Seeratze, sind 
länglich und fast zweimal höher als breit , und enden nach vorn 
mit einem scharfen, gezähnelten Rande. Aeufserlich zeigen sie 
verticale Rippen, abwechselnd aus sehr harter und etwas weniger 
harter Zahnsubstanz, woraus sich die Zähnelung des Randes er- 
klärt; innerlich unterscheidet man schiefe, unter sich parallele 
Rlätlerschichten. Die Zähne des Oberkiefers stehen horizontal und 
bilden auf dem Gaumen einen knochigen Boden von der Form 
eines Dreiecks, dessen innerer Rand der breiteste ist. 

Die fossilen Arten gehören weder zu Chimaera noch zu Cal- 
lorhynchiis ^ sondern bilden mehrere eigenthümliche Gattungen. 

t 1. G. Ischyodon (Jschyodus) Egerton. 

Die zum Zermalmen der Nahrung dienenden Höcker im Un- 
terkiefer stehen von einander getrennt und sind stark entwickelt. 
Besonders breit ist der Höcker in der Mitte. 

t 2. G. Ganodus Egert. {yavog^ Glanz; odovg.) 

Hier stehen diese Höcker viel gedrängter und sind in eine 
einzige, mit einer knochigen Schicht bedeckte Erhöhung vereinigt. 

t 3. G. Psittacodon Ag. {ipmaxT^^ Papagai; oöovg.) 

Unterkiefer vorn in eine Spitze verlängert. 

Agassiz führt die drei genannten Gattungen noch als Untergattungen 
von Chimaer a auf, und beschreibt von Ganodus vier Arten aus den 
Oolithen von Stonesfield, von Ischyodon eine aus dem Lias, zwei aus 
dem mittleren, sechs aus dem oberen Jura, zwei aus der Kreide von 
England und eine Art aus der Molasse der Schweiz. Von Psittacodon 
kommen zwei Arten in den Oolithen und zwei in der Kreide von 
England vor. 

t 4. G. Elasmodus Eg. (llao/na, Platte; oöovg.) 
Mit einer Art aus dem Londonthone von Sheppey. 

t 5. G. Psaliodus Eg. (ipuXiog, weifs glänzend; odovg.) 

Mit einer Art ebendaher. 
Geinitz , Versteinernugskuncle. , 12 



178 



FISCHE. — ^ÜRNSCHUPPER. WIRBEL. 



t 6. G. Edaphodon Buckl. (eSafog^ Fufsboden; oSwv.) 

Mit drei Arfen aus dem Sande von Bagshol und dem London - 
thone von Sussex. 

t 7. G. Passalodon Buckl. (nuGoulog^ Pfahl; dSwv,) 

Eine Art aus dem Sande von Bagshot. 

C. Wirbel. 

Von den manniclifachen Wirbeln der Haifische, worüber Prof. 
Müller in Agassiz Poiss. foss. Vol. 3. p, 361 u. f. die schätzbarsten 
Mittheilungen gegeben hat, führe ich nur die in dem Plänerkalke 
von Sachsen, Böhmen, und, nach Glocker, auch bei Oppeln in 
Schlesien, so wie in der Kreide von England nicht selten vor- 
kommenden Wirbel von Lamna (Taf. VII. Fig. 18.) an. Im voll- 
kommenen Zustande gleichen sie einem Damenbretsteine , da beide 
Seitenflächen sich nach der Mitte zu allmählig vertiefen, und sind 
etwa dreimal höher als breit. Ablösungsstücke von ihnen haben oft 
ein Schild- oder patellenähnliches Ansehen. Aeufserlich wie inner- 
lich sieht man bei ihnen dicht- concentrische Streifen und Furchen, 
welche durch radiale Streifen durchkreuzt werden. 

Sie enthalten sehr vielen phosphorsauren Kalk. In Strehlen 
bei Dresden und bei Hundorf in Böhmen erreichen sie bisweilen 
eine Höhe von 2 Zoll. 



B. Arthrozoa. Gliederthiere. 



Die Gliederthiere verdanken ihren Namen dem eigenthiimlichen Bau 
eines länglichen, symmetrisch gebildeten Körpers, welcher in mehr 
oder weniger deutliche, gürtelförmige Abschnitte oder Ringe ge- 
theilt ist. Ein inneres Skelett fehlt ihnen fast gänzlich, statt 
dessen ist aber den meisten von ihnen ein äufseres (Hautskelelt) 
zuertheilt worden, welches in einer derben, hornigen oder kalkigen 
Hülle besteht, und vorzüglich zur Befestigung der Muskulatur ihrer 
Bewegungsorgane gebraucht wird. 

Die Bewegungsorgane der Gliederthiere stehen paarig und 
sind, an den Würmern und mehreren Crustaceen ausgenommen, 
gegliedert. Ihre Zahl variirt zwischen 6 und mehr noch als 100. 

In vielen Würmern und den Tausendfüfsern geschieht die 
Ausbildung der hinter einander liegenden Leibesringe so gleich- 
mäfsig, dafs in jedem gleiche oder gleich viele Antheile sowohl 
der inneren als der äufseren Organe enthalten sind ; bei den übrigen 
Gliederthieren aber entwickeln sich einzelne Ringe vor den übrigen 
besonders und bewirken dadurch eine Ungleichartigkeit der Leibes- 
ringe. Gewisse Ringe reifsen dann auch gewisse Organe an sich, 
wie die vordersten die Sinnesorgane, während die mittleren am 
liebsten die Bewegungsorgane, Respirationsorgane und das Herz 
an sich ziehen, und die Verdauungs- und Geschlechtsorgane in 
den hinteren Ringen ihren Platz finden. Nach ihrem Inhalte hat 
man die vorderen Ringe als Kopf (caput)^ die mittleren als Brust 
oder Brustkasten (thorax)^ und die hinteren als Bauch oder 
Hinterleib (abdomen) bezeichnet. (Burmeister Handb. d. Naturg. 
p. 519 u. 520.) 

Die Säfte der Gliederthiere sind in der Regel ungefärbt, und 
ihre Fortpflanzung geschieht, wie bei den meisten Thieren, durch 
das Ei. 

12* 



180 



INSECTEN. 



V, Klasse. Insecta. Insecten. 

Der Körper der Insecten ist deutlich in Kopf, Brust und 
Hinterleib geschieden. Sie athmen durch Luftröhren, haben sechs 
gegliederte Beine, sind meistens geflügelt und bestehen eine mehr 
oder minder vollständige Metamorphose. 

Aus dem Eie entwickelt sich eine Larve (Made, Raupe), die 
sich verpuppt, und erst aus der Puppe (Nympfe) schlüpft das voll- 
kommene Insect hervor. 

Am Kopfe dieser Thiere unterscheidet man: zwei gegliederte, 
sehr bewegliche Fühler oder Antennen , welche sich in der Nähe 
der Augen befinden; zwei unbewegliche zusammengesetzte Augen, 
deren Oberfläche aus zahlreichen sechseckigen Linsen besteht (Netz- 
augen), neben welchen öfters noch zwei oder drei einfache oder 
Nebenaugen stehen; die Mundtheile, Kiefern (mandibulae) mit Ober- 
und Unterlippe (Zunge), und zwei Paare, in Hülfsorgane für den 
Mund verwandelte Füfse, welche hier Unterkiefer (maxillae) und 
Unterlippe (lablum)^ woran man den hornigen Theil als Kinn, den 
häutigen als Zunge unterscheidet, genannt werden. Die 3 — 6 
freien Englieder der Unterkiefer und Unterlippe bilden die Taster 
(palpi). (Burm. Hdb. d. Naturg. p. 588.) 

Die Brust besteht aus drei verwachsenen Hornringen, von 
denen jeder ein Fufspaar trägt, und der Hinterleib ist aus 3 — 9 
zusammen verbundenen Ringen gebildet. 

Keine Klasse der lebenden Thierwelt hat eine so grofse An- 
zahl von Formen aufzuweisen, als die der Insecten, und schon 
möchte sich die Anzahl der in der jetzigen Schöpfung unterschie- 
denen Arten auf 80,000 belaufen. 

Wie die Klasse der Insecten auf die Existenz der höher or- 
eanisirten Thiere und Pflanzen noch gegenwärtig einen entschei- 
denden Einflufs ausübt, so war es wohl ohne Zweifel auch früher 
der Fall. Mit dem ersten Dasein der ersten Spuren von insecten- 
fressenden Säugethieren und Vögeln, mit dem Emporblühen einer 
Flora von Phanerogamen, deren Befruchtung doch vorzugsweise 
durch Insekten bewirkt wird, durften diese Thiere nicht fehlen, 
und umgekehrt setzt wieder ihr Vorhandensein die Existenz ge- 
wisser Pflanzen und Thiere voraus. 

Die See ernährt, nach Germar (Act. Ac. Caes. Leop, Car. 
Nat. Cur. Vol. 19. P. 1. p. 189.), kein einziges Insect; nur 
einige Gattungen und Arten, wie Pogonus aus der Familie der 



[NHECTE.N. 



181 



Carabicinen , Halobales ■'•) aus der Familie der Wasserlaiifer, noch 
einige Arten von Käfern und einige Fliegen sind an die Nähe des 
Meerwassers gebunden. 

Fossile Insecten sind daher vorzugsweise in Süfswasserbild- 
ungen, und zwar vornehmlich in denjenigen zu erwarten, in wel- 
chen wir die Reste einer ausgedehnten Phanerogamenflora vorfinden, 
womit auch die bisherigen Erfahrungen über ihr Vorkommen voll- 
ständig übereinstimmen. 

Die ältesten Insecten sind durch Buckland ) in England, 
und durch Germar *'^"^') bei Wettin in der Steinkohlenformation er- 
kannt worden. 

Prast, Strickland, Dale und Brodie fanden Flügel von Li- 
bellen {Aeschna Uaslna Strickl.) mit vielen Käferflügeln im Lias 
von England (Leonh. Br. Jahrb. 1842. p. 497. 750; 1843. p. 501; 
1844. p. 127.), und 

Westwood bestimmte einen anderen Neuropteren-Fliigel (f He- 
merohioides) aus dem Juraschiefer von Stonesfield. (L. Br. J. 1839. 
p. 729.) 

Die Insecten des lithographischen Schiefers von Solenhofen 
wurden vorzüglich durch Germar gesichtet. (Die versteinerten In- 
secten Solenhofens in Act. Ac. Caes. Leop. Car. Nat. Cur. Vol. 19. 
P. 1. p. 189-222; in Münst. Beitr. z. Petref. Hft. 5. p. 79.); 

Brodie wies Spuren von Insecten in der Wealden-Forma- 
tion des Wardour- Thaies, westlich von Salisbury nach. (L. Br. 
J. 1843. p. 238.) 

Am zahlreichsten sind die fossilen Insecten in tertiären 
Gebilden beobachtet worden, welche Thatsache mit dem Charak- 
ter der Tertiärformation, in welcher eine Menge localer Süfswas- 
serbildungen zwischen Meeresniederschlägen eingelagert sind, vor- 
trefflich zusammenpafst. 

Der fossilen Insecten im Kalkschiefer von Oeningen gedenkt 
schon Knorr t). 

Landgreve beschrieb einen im Polirschiefer des Habichlwal- 
des aufgefundenen Käfer, welcher am meisten dem Aphodius ßme- 
tarius Fabr. glich. (L. Br. J. 1843. p. 137.) 



*) Die Larve einer Art von Halobates wurde im Bernsteine der Ostsee 
gefunden. (Germar, briefl. Mitth.) 

**) Geol. p. 459; Leonh. Br. Jahrb. 1842. p. 751. 

***) Münst. Beitr. z. Petref. Hft. 5. 

•}■) Sammlungen der Merkwürdigkeiten der Natur. 1755. 



182 



INSBCTEN. 



V. Ciiarpenlier beschrieb die durch Unger bei Radoboj in 
Croatien aufgefundenen Insecten, welche in einem, dem dortigen 
Grobkalke aufliegenden, bituminösen Mergelschiefer mit vielen Pflan- 
zenresten zusammen vorkommen. {Act. Ac. Caes. Leop. Car. Nat. 
Cur. Vol. 20. P. 1. p. 401 — 410.) 

Eine umfassende Schrift über die Insecten der Braunkoh- 
lenformation verdanken *wir wiederum Germar'), welchem Ge- 
lehrten auch Goldfufs und Münster ihre Insectenabdrüche aus der 
schieferigen Braunkohle des Siebengebirges von Arzburg, Bayreuth, 
Aix in der Provence u. a. 0. zur Untersuchung milgetheilt hatten. 

Die zahlreichen Insecten, welche sich bei Aix in einem ter- 
tiären, die Gypsschichten trennenden Kalkmergel finden, werden 
von Abdrücken verschiedener Pflanzen begleitet. Die meisten von 
ihnen haben ihre hornige Substanz noch erhalten, doch scheint die 
Farbe verloren gegangen zu sein, da sie in der Regel einfarbig, 
braun oder schwärzlich sind. Marcel de Serres hat in einer eige- 
nen Abhandlung in den Annales des sciences natur. T. 15. p. 18. 
diese Insecten näher beschrieben (Burm. Hdb. d. Entomol. Bd. 1. 
p. 636.), geht aber, nach Germar, offenbar zu weit, wenn er in 
ihnen eine Menge der noch in der Umgegend lebenden Arten zu 
erkennen glaubt. 

Die meisten Insecten werden im Bernsteine gefunden, wel- 
ches fossile Harz zu der Aufbewahrung der Insecten der Tertiär- 
zeit ganz vortrefflich geeignet war. Jedenfalls klebte das Insect 
an jenem Harze fest, als es noch in einem flüssigen Zusande war, 
und wurde von dem aus dem Baume nachquellenden Harze um- 
hüllt. Nach der Schnelligkeit, mit welcher diese Umhüllung ge- 
schah, richtet sich auch die Beschalfenheit der eingeschlossenen 
Insecten, und die genauen Beobachtungen Burmeister's ergaben, 
dafs solche, welche längere Zeit mit der freien Luft in Berührung 
standen, mehr oder weniger entstellt und auf der ganzen Ober- 
flache mit einem weifsen, schimmelartigen Ueberzuge umgeben 
waren, der bisweilen selbst die zunächst angelegene Harzmasse 
getrübt und entstellt hat, während andere, welche rasch eingehüllt 
wurden, vollkommen gut, selbst mit ihren natürlichen Farben er- 
halten ^wurden. (Burm. Handb. d. Entomol. Bd. 1. p. 634,) Ger- 
mar, Burmeister ''''), Rathke und Berendt in Danzig trugen zu der 



*) Insectorum protogaeac spccimcn sistens Insevta Carbonum fossilium 
{Faunae Insectorum Europac fasciculus 19. Halac, 1837.). 

*♦) Handbuch der Entomologie. Berlin, 1832. Band 1. p. 633 u. f. 



KÄFER. 



183 



Kenntnifs dieser Geschöpfe besonders viel bei, und der Letztere 
ist noch gegenwärtig mit einer ausführlichen Bearbeitung der Bern- 
steininsecten beschäftigt. Nach ihm ''') enthält der Bernstein nur 
Land- und zwar meistens Waldinsecten. Eine Nepa war damals 
das einzige, ihm aus dem Bernstein bekannte Wasserinsect. Am 
häufigsten sind die Dipteren, am seltensten die Lepidopteren. 

Die Insectenfauna des Bernsteins schliefst sich, nach Germar, . 
an die von Nordamerika an, und fast jedes, im Bernstein ge- 
fundene Insect läfst sich seiner Form nach zu einer in Nordame- 
rika oder in Europa noch lebenden Gattung ziehen , ja bei sehr 
vielen ist sogar kein Unterschied von der noch lebenden Art zu 
erkennen gewesen. 

An fossilen Hölzern, im Quadersandsteine von Sachsen und 
Böhmen, im Grünsande von Aachen, in den mit nordischen Ge- 
schieben vorkommenden Hölzern, in den rheinischen Holzopalen 
und in der Ukraine **) zeigen sich öfters die Spuren von eigen- 
thümlichen Verletzungen, welche am meisten an die Höhlungen, 
theils die Gänge, theils die Fluglöcher erinnern, welche von Holz- 
und Borkenkäfern in dem Holze und der Rinde unserer lei)enden 
Bäume gebildet werden. 

Sie mögen allerdings zum Theil von fossilen Insecten her- 
rühren, manche dieser Höhlungen aber müssen bestimmt auf Ga- 
strochänen und andere Bohrmuscheln zurückgeführt werden, (ß. 
Gaslrochaena.) 

Alle Insecten zerfallen, nach Burmeister '*"''"''*), dessen Defini- 
tionen ich hier wiedergebe, in zwei Hauptgruppen und in sechs 
Ordnungen. 

A. Insecten mit voHkommener Verwandlung. 

Die Larve ist eine längliche Made, Raupe oder Engerling. Die 
Puppe ruht allermeist und frifst nie. Das vollkommene Insect hat nur 
zvveigförmige Fliigeladern. 

' 1. Ordn. Coleoptera. (JEleutherata.) [Käfer. 

Sie besitzen beifsende Mundtheile und vier ungleiche Flügel, 
von denen die vorderen hornartige Deckschilde bilden. 



*) Berendt, die Insecten im Bernsteine. Danzig, 1830. 
*♦) Gein. Char. d. Sachs. Böhm. Kreidegeb. p. 13; Göppert, d. Gatt, 
der foss. Pflanzen. Bonn, 1841. p. 25. 

***) Handbuch der Entomologie. Bd. 2. p. 39. 



184 



INSBCTEN. 



Curculioniden aus der Steinkohlenformation Englands beschreibt 
Buckland und bezeichnet dieselben als CurcuUoides Ansticii und 
C. Prestvicü Buckl. (Geol. IL PI. 46''. f. 1 u. 2.) Sie wurden 
beide in Eisensteinnieren bei Coalbrook-Dale entdeckt. 

Cerambycinen , Scarabaeiden und Carabicinen wurden im Lias 
von Gloucestershire, in den Juraschiefern von Stonesfield und So- 
lenhofen entdeckt, und Germar beschreibt in den Act. Ac. etc. l. c. 
und in Miinst. Beitr. Hft. 5. Cerambycinus duhius Miinst., Sca- 
rabaeides deperditus Germ, und Carabicina? decipiens Germ, von 
Solenhofen. 

Zahlreiche Formen finden sich in tertiären Bildungen, wie 
in der Braunkohlenformation an dem rheinischen Siebengebirge, 
wo die Mehrzahl der beobachteten Insecten eben in diese Ordnung 
gehört; bei Oeningen, Aix und in dem Bernsteine. 

Ordn* Wymenoptera. iJPiessata.) 
Aderllüg'ler. 

Saugende Mundtheile mit bleibenden, beifsenden Oberkiefern 
und vier ungleiche, feinbehaarte Flügel zeichnen sie aus. Sie 
sind es, nach Germar, besonders, welche zur Befruchtung der 
Phanerogamen beitragen. 

Bis jetzt wurden sie nicht vor der Juraformation beobachtet.~ 

Zwei am meisten an Apiaria erinnernde Arten, A.? antiqua 
Miinst. und A.7 lapidea Germ., lehrte Germar aus Solenhofen kennen. 

In tertiären Gebilden sind sie sehr häufig, und namentlich 
gehören bei Aix und im Bernsteine, sowohl an der Ostsee als in 
Sicilien (L. Br. J. 1842. p. 750.), die Ameisen zu den gewöhn- 
licheren Erscheinungen. An beiden Orten kommen Schlupfwespen, 
und bei Aix mehrere Blattwespen vor. 

3. Ordn. Ijepidoptera. iGlossata.) 

Mit vier grofsen, ganz oder zum Theil von breiten Schup- 
pen bedeckten Flügeln, verkümmerten Oberkiefern und saugenden 
Mundtheilen. 

Fossile Schmetterlinge gehören bis jetzt noch unter die gröfs- 
ten Seltenheiten. 

Einen Abendfalter, Sphinx SchrÖteri Germ. (a. a. 0.), er- 
wähnt Schlotlieim ''O und ist in Schröler's Literatur Th. 1. tb. 3. 

*) Versteinerungskunde, p. 42. (N. Germar.) 



SCHMET TERi.INGE. ZWEIFLÜGLER. 



185 



f. 16. abgebildet; einen anderen, dem S. Tiliae ähnlich, beschreibt 
V. Charpentier ■') als S. atams Charp. aus dem tertiären Mer- 
gelschiefer von Radoboj in Croatien. An diesem scheinen drei 
grofse dunkele Flecken, die sich vom äufsersten Vorderrande fast 
bindenartig über einen grofsen Theil des Flügels ziehen, noch die 
ehemalige Zeichnung und Färbung des Thieres anzudeuten. Be- 
rendt erwähnt aus dem Bernsteine eines gröfseren Abendfalters 
und mehrerer Raupen. 

Eine Galleria wurde unter dem Namen Tlneites lithophüus 
Germ, aus dem Juraschiefer von Eichstädt bekannt; einen Tagfal- 
ter aus der Gattung Satyrus^ eine Zygaena und eine Bombyx be- 
stimmte Marcel de Serres von Aix. 

4. Ordn. mptera. Zweiflüg'ler, 

Zwei nackte, durchsichtige Flügel, und statt der hinteren 
gestielte Knöpfchen, Schwingkölbchen, machen die Zweiflügler leicht 
kenntlich. Ihre Mundtlieile sind saugend, die Kiefer borstenförmig. 

Vereinzelt kommen sie im Lias von England '^'''^) und im 
Jurakalkschiefer von Baiern vor, häufig dagegen in tertiären Ge- 
bilden. 

Als Musca lithophila beschrieb Germar a. a. 0. eine Fliege 
von Solenhofen; als Asilicus lithophilus eine Raubfliege, wel- 
che dem Asilus crahroniformis am meisten ähnelt, von Kelheim; 
als Sciara prisca Münst. eine Schwammmücke von Solenhofen. 

In dem tertiären Mergelschiefer von Aix erkannte Marcel de 
Serres eine Empis^ eine Nemestrina^ eine Oxycera^ ' ein dem Xylo- 
phagus ater Latr. verwandtes Thierchen, ein Microdon Meig. und 
eine Ochthera; mehrere Bibionen {Eirtaea Latr.), zwei Pentlie- 
triae; einige kleinere Sciarae und eine Plalyura 

Unter den Dipteren von Radoboj gehören, nach Unger, zwei 
Arten zu Rhipidia^ fünf zu Bibio und eine zu Lepfogaster, (L. 
Br. J. 1843. p. 369.) 

Im Bernsteine finden sie sich, nach Burmeister, äufserst 
zahlreich, und zwar aus fast allen Familien, vor allen anderen 
aber kleinere Fliegen, Schwammmücken und Mücken. 



*) Jet. Ac. etc. Fol. 20. P. 1. p. 408. th. 22. /. 4. 

**) Der Flügel einer Tipula aus dem Lias von Gloiicestershire erwähnt 
Buckman im Lond. Ed. Dubl. ph. Mag. V. 24. p. 377. 
Burm. Hdb. d. Entom. Bd. 1. p. 639. 



186 



INSECTE.V. 



B. Insecten mit unvollkommener Verwandlung; 

(1. h. Larve, Puppe und vollkommenes Insect gleichen sich sehr, die 
Puppe bewegt sich und frifst. Das vollkommene Insect hat netzförmige 
Flügeladern. 

5. Ordn. Weuroptera. ]Vetzflü§^ler. 

Sie erhielten ihren Namen von den vier grofsen, netzförmig- 
geäderten, gleich- oder ungleichförmigen Flügeln. Sie haben freie 
meistens beifsende Mundtheile. Ihre Metamorphose ist mitunter 
vollkommen, gewöhnlich unvollkommen. 

Als Uebergangsglied der Insecten mit vollkommener Ver- 
wandlung in die mit unvollkommener tritt hier die zahlreiche Fa- 
milie der Phryganeoden auf, deren Larven in süfsen Gewässern 
leben, den Schmetterlingsraupen ähneln, aber in selbstgebildelen 
Röhren stecken, welche sie aus kleinen Steinen, Muscheln oder 
Rohrstücken zusammenspinnen. Aehnliche Röhren finden sich in 
tertiären Süfswassermergeln der Auvergne und gaben zu der Be- 
nennung Indusitenkalk Veranlassung. (Vergl. Br. Leth. p. 1161.) 
Auch im Bernsteine hat man ausgebildete Phryganeen beobachtet. 

Eine Hauptform dieser Ordnung ist die bekannte Familie 
der Libellen oder Wasserjungfern, deren Existenz schon im 
Lias von England (Aeschna Brodiei Buckman , Lojid. Ed, Vubl. ph. 
Mag, V, 24. p. 377.) erkannt worden ist. Die wichtigsten Fund- 
orte für sie sind jedoch die Schiefer der oberen Juraformation des 
südlichen Baierns, aus • welchen Graf Münster, neben vielen ande- 
ren Schätzen der Vorwelt, auch viele Libellen auffand, über wel- 
che sich daher Germar's und v. Charpentier s Untersuchungen gleich- 
falls verbreiten konnten. 

Die lebenden Libellen vertheilen sich auf die drei Galtungen: 
Libellula L. , Aeschna F. und Ayrion F.; nach v. Charpentier ''■) 
sind unter den fossilen die Aeschniden am häufigsten, seltener die 
Agrioniden und am seltensten die Libelluliden. 

Viele Libellen, einige vom Bau der Aeschna grandis, auch 
Larven derselben, finden sich bei Aix und in Oeningen. 

Aescha L. 

Nach V. Charpentier ist das grofse, schöne Exemplar des 
Dresdener Museums, LibelluUles Solenhofensis Cliarp. (Libellulina 



*) L. Br. J. 1840. p. 501. 



netzflCglek. 



187 



europaea ib. 48. f. 1.) ein Aeschnide männlichen Geschlechts; das 
von L. V. Buch (über den Jura in Deutschland, 1839.) abgebildete 
aber ein weibliches Individuum dieser Gattung, und die in den 
Act. Ac, etc. Vol. 19. P. 1. tb. 23. f. 12 — 15. von Germar dar- 
gestellten Individuen sind weibliche Aeschniden. 

A. longiolata Münst. — Taf. VIII. Fig. 5 und 5. a. — Nach ' 
Germar in Münst. Beitr. p. 7^. tb. 9. f. 1; tb. 13. f. 6. und nach 
einer späteren Handzeichnung Germar's ergänzt. 

Dieser prachtvolle Abdruck aus Solenhofen ist ein männliches 
Exemplar. Am vorderen Ende des Kopfes erkennt man, nach Ger- 
mar, die ausgespreitzten Mandibeln, und an der Seite einen einzelnen 
feinen pfriemenförmigen Fühler. Charakteristisch für die Art ist zwi- 
schen der Wurzel und der Mitte des oberen Flügels ein dreieckiges 
Feld, das mit 7 Zellen (3. 2. 1. 1.) ausgefüllt ist, während dieses 
Feld bei allen lebenden Libellen, nach Burmeister's Beobachtung, deren 
nur 5 (2. 1. 1. 1.) erkennen läfst. 

Agrion Fabr. 

A, Latreillii Münst., Germ, in Act. Ac. etc. Vol. 19. P. l. 
p. 218. th. 23. f. 16. 

Diese Art übertrifft die lebenden Agrioniden an Gröfse, und ihre 
Längsadern scheinen dichter gestanden zu haben als bei A. virgo u. a. 
Gleichfalls von Solenhofen. 

Die Flügel eines zierlichen Agrioniden beschreibt v. Charpenticr 
in L. Br. J. 1841. p. 332. tb. 1. aus Radoboj. 

Libellula L. 

Eine Libellula aus Solenhofen kommt, nach v. Charpentier, 
durch einen in der Mitte sehr dünnen Hinterleib und dessen fast 
kugelförmigen Hinterrand , der L. Sabinae aus China sehr nahe, 
ist aber beträchtlich gröfser. (L. Br. J. 1840. p. 502.) 

L. piatyp tera v. Ch. Act. Ac. Vol. 20. P. 1. p. 408. Ib. 22. 
f. 3. Von Radoboj. 

Die Familie der Platlflügler, zu welcher auch die Schwamm- 
fliegen, Florfliegen, Ameisenlöwen gehören, hat in einer, der 
nordamerikanischen Corydalis cornuta ähnlichen Form ihre ältesten 
Repräsentanten in Englands Steinkohlenformation. (Buckl. Geol. - v. 
Ag. I. p. 459.) 

Des Hemerobioides aus den Juraschiefern von Stonesfield ge- 
schah schon früher Erwähnung, und die durch Unger in Radoboj 
entdeckten Ameisenlöwen beschreibt v. Charpentier (a. a. 0.) als 
Myrmcleon brcvipenne und M. reticulatum. 



188 



INSECTEN. 



Hemerobius und Mynneleon kommen nicht selten im Bernsteine 
vor, und einen Termiten erkannte v. Charpentier in Radoboj. 

Eine besondere Hauptform der Neuroptera bilden die Gerad- 
flügler (ßrthopterä) ^ welche sich durch ihre festeren leder- 
artigen Vorderflügel und ihre gröfseren, fächerartig gefalteten Hin- 
terflügel vor den übrigen Mitgliedern auszeichnen. 

Unter den Insecten waren die Orthopteren mit am frühesten 
vorhanden, und sie wurden durch Germar schon in dem Schiefer- 
thone der Steinkolilenformation von Wettin entdeckt. Man hielt 
die hier vorkommenden Flügel von ihnen früher für Pflanzenreste, 
und Rost benannte eine Art in seiner hiaugural Dissertation (de 
Filicum ectypis. Halae^ 1839.) als Dictyopteris didyma. Göppert 
erkannte zuerst, dafs ein solcher Aderverlauf, wie ihn diese Flü- 
gel zeigten, keinem Farren zukommen könne, und Germar wies 
in den aufgefundenen Oberflügeln die Structur der Blattinen nach. 
Er unterschied in Münster's Beiträgen (Hft. 5. p. 92 u. 93. tb. 13. 
f. 1 — 4.) vier Arten dieser Schaben: 

A Blattina didyma^ welche auf ein Thier von beträchtlicher 
Gröfse, etwa wie Blatta Maderae ^ hinwies; 

B. anaglyptica^ welche ein Thier von der Gröfse der Blatta 
americana andeutete ; 

B. anthracophila^ von der Gröfse der vorigen, und 

B. flabellata, welche um ein Drittlheil kleiner als die vorigen 
beiden Arten sein mochte. 

Mit diesen Flügeln kam ein anderer vor, welchen Germar (a. a. 
0. p. 93. tb. J3. f. 5.), wegen seiner Aehnlichkeit mit dem der Feld- 
heuschrecken oder der Grashüpfer, Acridites carbonatus nannte. 

Viel gewöhnlicher sind die Schaben oder Blattarien in dem 
Bernsteine. 

Dafs die Geradflügler, und besonders die Heuschrecken, auch 
in Solenhofen nicht fremd waren , bezeugen Locusta speciosa Münst., 
Locusta prisca Münst., Chresmoda obscura Münst., Phaneroptera 
Germari Münst. und Gryllites? dubius Germ. (Münst. Beitr. Hft. 5.); 
häufiger sind dieselben im Bernsteine und in tertiären Gesteinen, 
wie bei Aix, wo eine Forßcula^ mehrere Achetae, eine kleine 
Gryllotalpa^ eine Xya und ein Gryllus gefunden worden sind. 
(Burm. Entom. 1. p. 640.) 

Deutliche Abbildungen eines Grashüpfers von Radoboj ver- 
danken wir V. Charpentier (a. a. 0.), nach welchen die Zeich- 
nungeu von 



HALBFI.ÜGLER. 



189 



Oedipoda melano stica v. Charp. — Taf. VIII. Vig. 6 und 7, 
welche ein Männchen und ein Weibchen dieser Art darstellen, co- 
pirt wurden. 

Die Flügeldecken sind linear und überragen den Hinterleib etwas. 
Drei grofse schwarze Flecken auf der Oberseite der Hinterschenkel, 
und namentlich deren schwarze Spitze oder Knie dürften (nach v. 
Ch.) das Charakteristische für diese Heuschrecken der Vorwelt sein. 

6. Ordn. JHEemiptera. Halbflügler. 

Sie haben, nach Burmeister, saugende Mundtheile, welche 
einen Schnabel bilden, der gegen die Brust zurückgeklappt ist. 
Von den vier Flügeln sind die zwei vorderen oft härter als die 
hinteren, doch fehlen nicht selten beide, wie diefs in der Familie 
der Läuse der Fall ist. 

Brodie glaubt einen gleichflügeligen Halbflügler in der Weal- 
denformation des Wardour- Thaies erkannt zu haben. 

Die Halbflügler Solenhofens, welche Germar beschrieb, sind: 
t Düomoptera dubia Germ., Ricania hospes Germ., Belostomiim 
elongatum Germ., Nepa primordialis Münst. und Fygolampis gigan- 
tea Münst. 

Bei Aix kommen, nach Marcel de Serres, vorzugsweise nur 
Wanzen aus verschiedenen Gattungen, z. B. Pentatoma ^ Coreus, 
Lygaeus^ Syrtis^ Reduvius^ Hydrometra^ Gerris und Nepa^ und 
eine der Cicada plebeja ähnliche Zirpe vor. 

Die Zirpen oder Cicaden sind ziemlich häufig im Bernsteine. 
Burmeister erwähnt eine Flata und mehrere Arten von Jassus^ 
und einige Arten von Cixia^ welche Germar in dem Bernsleine 
entdeckte, sind denen von Mittelamerika ähnlich. 

VI. Klasse. Arachnoidea. Spinnenthiere* 

Gliederthiere, deren gleichartige Bewegungsorgnnc blofs zum 
Gehen tauglich sind; mit inneren Respirationsorganen, theils blo- 
fsen gefalteten Säcken (Lungen), theils einfachen oder verästelten 
Röhren {Tracheen)^ und mit wenigstens vier Gangfufspaaren. Stall 
einer Verwandlung häuten sie sich blofs mehrere Male. 

Sie haben nur einfache Augen in bestimmter, allermeist ge- 
ringer Zahl (selten jederseits 40, meist 1, 2, 4, 6, 8). Ist 
der Kopf frei beweglich, so findet sich ein Paar Fühler über 
dem Munde, ist er mit der Brust zum Cephalothorax verwach- 
sen, so fehlen die eigentlichen Fühler. Im ersteren Falle ist die 



190 



SFINNENTIMERE. 



Brust deutlich gegliedert und vom Hinterleibe in ihrer Form nicht 
zu unterscheiden; im letzteren Falle ist die Brust von dem Hinter- 
leibe meistens recht gut zu unterscheiden. Die Beine sitzen bald 
nur an der Brust, bald mit am Hinterleibe. Sie bestehen aus 6 
Gliedern, von denen das letzte, der Fufs, bisweilen wieder in 
mehrere Glieder gesondert ist. Der letztere an seiner Spitze mit 
einer oder zwei Klauen. Die Mundtheile sind unbedeutend ent- 
wickelt. 

Die Mitglieder dieser Klasse, deren mehr als 1000 Arten 
jetzt leben, halten sich am Tage gewöhnlich versteckt, unter Stei- 
nen, in Gebüschen und Erdlöchern auf, gehen bei Nacht ihrer Nahr- 
ung nach, und scheinen alle vom Raube zu leben. . (Burmeister, 
Hdb. d. Naturgesch. 1837. p. 573.) 

1« Ordn« Arachnidae. Cryptodecapoda. 
I§piiiiieii. 

Kopf und Brust sind zu einem Cephalothorax verwachsen, 
welcher aus fünf innig verschmolzenen Ringen besteht und mei- 
stens kurz und dick ist. Die Fühler fehlen. 

Vorn an ihm findet sich die Mundöifnung, umgeben von 
zwei oft scheeren- oder klappenartigen Oberkiefern, einer Unter- 
lippe oder Zunge, und ein Paar Unterkiefer, welche letzteren eigent- 
lich schon zu den Beinen gehören. Der lange Taster derselben, der 
eigentliche Fufs, ist bald fadenförmig, bald scheerenförmig, bald 
zangenförmig und hat höchstens sechs, oft weniger Glieder. Die 
übrigen vier Fufspaare dienen meistens zum Gehen. 

Der Hinterleib ist entweder ungegliedert und, wie bei den 
Milben, mit der Brust verwachsen, gewöhnlich aber, wie bei 
den eigentlichen Spinnen, von ihr gesondert; oder er ist ge- 
gliedert (hat dann 6 — 12 Ringe), aber nur, wie bei den Scor- 
pionen und Afterscorpionen, durch eine schwache Zusam- 
menschnürung vom Cephalothorax gesondert. (Burm. Hdb. d. Na- 
turg. p. 576.) 

Fossile Ueberreste von Spinnen sind bei weitem seltener als 
die der Insecten. 

A. Fossiler Scorpion aus dem Steinkohlengebirge. 

t Cycl ophthalmus Corda. (y.vy.log^ Kreis; b(f d^al[.iog^ Auge.) 

Im seinem ganzen Baue nähert sich dieser Scorpion der le- 
benden Galtung Androctonus Ehrb. , mit welcher er auch durch 



SPINNEN. 



191 



das Vorhandensein von 12 Augen übereinstimmt. Diese stehen 
bei ihm in einem Kreise, durch welchen Cliarakler dieser Scor- 
pion zum Typus einer neuen Gattung geworden ist. Seine Länge 
beträgt ohne das abgebrochene Schwänzende^ 32'", 

In den Verhandlungen der Gesellschaft des vaterländischen 
Museums in Böhmen, 1835, wird von Sternberg berichtet, wie 
eins der kleineren Augen und das linke grofse Auge noch ihre 
ursprüngliche Form haben und die Hornhaut in einem runzeligen 
Zustande erhalten sei; wie man an jedem Kiefer nicht allein drei 
vorstehende Zähne, sondern auch noch Haare, mit welchen die 
hornige Haut bedeckt war, beobachten könne; dafs die Ringe des 
Thorax und des Schwanzes, wie es schien, von allen bekannten 
Arten sich unterschieden; dafs die charakteristischen Zangen der 
rechten 11'" langen Scheere noch wohl erhalten seien, und dafs 
die hornige Bedeckung dieses Scorpions aus einer oberen rauhen, 
beinahe undurchsichtigen und biegsamen Schicht von dunkelbrauner 
Farbe, und einer unteren zarten, gelben und weniger elastischen 
Schicht bestehe. Beide Schichten waren, unter dem Mikroskope, 
aus sechsseitigen Zellen bestehend gefunden worden, welche durch 
Wände scharf von einander getrennt sind, und selbst die Poren 
der Tracheen und Eindrücke der Muskelfasern glaubt man daran 
noch erkannt zu haben. (Buckland, Geol. v. Agassiz, 1. p. 457; 
II. Fl. 46.) 

Dieses merkwürdige Geschöpf wurde 1834 vom Grafen Stern- 
berg in einem Steinbruche, am Ausgange von Steinkohlenlagern 
bei Chomle unweit Radnitz in Böhmen entdeckt. Es ist das älteste 
spinnenartige Thier, welches man kennt. 

B. Fossile Spinnen aus jüngeren Formationen. 

Aus dem lithographischen Schiefer von Solenhofen beschrieb 
Münster (Beitr. z. Petr. Hft. 1. p. 97. tb. 8. f. 2. 3. 4.) drei 
Spinnen, welche er, wegen ihrer Aehnlichkeit mit Phalangium L., 
dem gewöhnlichen Weberknechte, Phalangites priscus nannte. 

Unger fand den deutlichen Abdruck einer Spinne in dem ter- 
tiären bituminösen Mergelschiefer von Radoboj. (L. Br. J. 1840. 
p. 377.) 

Marcell de Serres, Murchison und Northampton haben fos- 
sile Spinnen in tertiären Süfswasserschichten bei Aix in der Pro- 
vence entdeckt (Buckl. Geol. v. Ag. I. p. 456; II. PL 46''. f. 12; 
L. Br. J. 1842. p. 750.), von denen zwei Arten zu Argyronecta 
und eine zu Chelifer^ dem Bücherskorpione, zu gehören scheinen; 



192 



SPINNEXTHIERE. 



häufiger kommen Spinnen im Bernsteine vor, aus welchem ein 
CheJifer oder Ohisium^ Scorpio Schweiggeri Holl. (Petrefactenk. 
p. 177.), ein Trombidium (Keferst. Naturg. d. Erdk. II. p. 371.) 
und die merkwürdige Gattung 

t Entomocephalus Holl entdeckt wurden. 

Der Kopf ist in ihr von der Brust getrennt und es scheint 
diese Gattung einen Uebergang von den Spinnen zu den Ameisen zu 
bilden. Von den sechs Augen stehen vier fast in einer geraden 
Linie; Füfse sind acht vorhanden. 

Es formicoides Holl, Petref. p. 178. 

Brust und Hinterleib länglich; Kopf viereckig; Lippe dreieckig; 
Kiefer fast sichelförmig und an deren Spitze ein cylindrischer Haken, 
welcher scharf zugespitzt und fast so lang als der Kiefer ist. Die 
Füfse endigen in einem Büschel kurzer, steifer Haare. Das ganze 
Thier ist von brauner Farbe und Sh" lang. 

9. Ordn. Myriapoda. Taujsendfüfser. 

„Ihr Leib besteht aus lauter gleichen oder abwechselnd glei- 
chen, deutlich gesonderten Ringen, deren jeder ein oder zwei 
Paar Füfse trägt. Der Kopf ist deutlich abgesetzt, und hat jeder- 
seils vier, acht, oder zahlreiche einfache Augen und vorn ein 
Paar Fühler.'' (Burm., Hdb. d. Natg. p. 574.) Linne vertheilte die 
Arten unter seine beiden Gattungen Scolopendra und Julus. 

,,Die Scolopendriden zeichnen sich, aufser durch ihren 
langen, platten, aus vielen Gliedern bestehenden Leib, wo jedes 
Glied an beiden Seiten mit einem kürzeren Beine versehen ist, 
auch durch ihre eigenthümliche Construction der Frefswerkzeuge 
aus. Es wird nämlich der Kopf auf der Unterseite, wo er die 
gewöhnlichen, aus einer Lippe, Mandibeln und Tastern zusammen- 
gesetzten Frefswerkzeuge führt, noch von einer besonderen Platte 
bedeckt, welche aus mehreren Theilen besteht, und an jeder 
Seite eine grofse gegliederte Klaue trägt, womit das Thier seine 
Beute fafst. Dieser ganze Apparat ist aber nicht dem Kopfe 
selbst angehörig, sondern entspringt aus dem ersten Körperseg- 
mente, welches noch überdiefs das letzte Fufspaar trägt. Nach 
der Zahl der Abschnitte, aus denen der Körper besteht, und dem 
daran beündlichen Beine, unterscheidet man mehrere Gattungen, 
unter welchen Geophilus diejenigen Arten begreift, bei denen der 
Körper mehr als 21 Abschnitte enthält. Die jetzt lebenden Arten 
hsilten sich gern an feuchten und dunkeln Orten auf, sind beson- 



TAUSBNüFtSSER. — KREBSE. 193 

ders bei Nacht lebhaft, und manche leuchten des Nachts mit phos- 
phorischem Lichte." (Germar in Münst. Beitr. 5. p. 89.) 

Geophilus proavus Germar. — Taf. Vlll. Fig. 18. (etwas 
verkleinert), nach Münst. Beitr. Hft. 5. p. 89. tb. 9. f. 9. 

Er übertrifft alle lebenden Arten an Gröfse und mag gegen 
100 Fufspaare gehabt haben, da man an dem Fossile, welchem 
das hintere Ende fehlt, deren schon 78 zählen kann. 

Im Juraschiefer von Kelheim: 

Julus fahulosus Marc, de Serres, gehört dem tertiären 
Süfswasserkalke von Aix an. (Keferst. Naturg. d. Erdk. II. p. 370.) 

Eine Scolopendra soll in dem Kreideschiefer von Glarus 
vorgekommen sein; sicherer jedoch ist ihre Existenz im Bernsteine 
nachgewiesen. (Keferst. Nat. d. E. II. p. 370.) 

VII. Klasse. Crustacea. Krebse. 
Krustenthiere *). 

Die Krebse sind Gliederthiere, deren vordere Körperringe 
sich mehr ausgebildet haben als die hinteren. Sie stellen daher 
zwei Hauptabschnitte dar, den vorderen, Brustkasten oder Ce- 
phalothorax, den hinteren oder Hinterleib. Jener trägt Füh- 
ler, Augen, Frefswerkzeuge und Füfse; dieser nur Flossen oder 
gar keine Bewegungsorgane. Sie athmen durch Kiemen, welche 
theils an den Füfsen des Brustkastens, theils an den Flossen des 
Hinterleibes sitzen. 

Am ersten Ringe des Körpers, welcher nicht immer ein selbst- 
ständiger Kopf ist, sitzen l) die Sinnesorgane: zwei aus mehreren 
Aeugelchen zusammengesetzte, gestielte oder ungestielte Augen (Netz- 
augen), neben denen bisweilen noch einfache (Nebenaugen) sich finden, 
und 2 Paar Fühler oder Antennen; 2) die Kauwerkzeuge, welche 
eigentlich nur aus den sogenannten Oberkiefern (mandibulae) bestehen, 
die zwischen der Oberlippe (labrum) und Unterlippe (Zunge, lingua) 
liegen. Alle anderen sogenannten Mundtheile, deren Zahl von 2 bis zu 5 
Paaren wechselt, und von denen die vorderen Unterkiefer (maxillae)^ 
die hinteren Kaufüfse genannt werden, sind nur veränderte Fiifse 
(accessorische Mundtheile, Burm.). Sie bestehen immer aus zwei un- 

*) Ich lege hier die Ejntheilung Burmeister's zu Grunde, welche der- 
selbe in seinem Handbuche der Naturgeschichte, Berlin 1837, und in seiner 
Schrift: „die Organisation der Trilobiten aus ihren lebenden Verwandton 
entwickelt, Berlin, 1843" gegeben hat. 
GeiiiUz, Versteiuerungskunde. 13 



194 



KREBSE. 



gleichen Lappen, von welchen der äufsere bald kleinere, bald gröfsere 
wohl Taster (paJpus) genannt wird, und dienen zum Auffischen und 
Festhalten der Nahrungsmittel. 

Der übrige Brustkasten trägt blofs Bewegungsorgane. Von letz- 
teren unterscheidet Burmeister: a) Beine, welche nur mit einfacher 
Klaue enden und zum Gehen bestimmt sind; b) Scheeren, mit ei- 
ner Zange endend, indem das vorletzte Glied einen Fortsatz parallel 
dem letzten Gliede aussendet; c) Klammer- oder Raubfüfse, deren 
letztes Glied gegen das vorletzte zurückgeklappt ist; d) Flossen- 
füfse, kurze, zweireihige, gegliederte Fortsätze, am Rande mit Bor- 
sten besetzt, die zum Schwimmen dienen; e) Rankenfüfse, lang und 
spiralförmig aufgerollte Flossenfüfse; f) Blattfüfse, ungegliederte, 
zweilappige, dünne, häutige, am Rande mit Borsten besetzte Fortsätze, 
ebenfalls nur zum Schwimmen brauchbar. 

Der Hinterleib hat entweder gar keine äufseren Organe, oder 
ähnliche Flossen- und Blattfüfse; sein Ende ist gewöhnlich etwas ge- 
spalten und mit Lappen oder Borsten besetzt. (Burm. Hdb. d. Nat. 
p. 544 — 546.) 

Die Krebse leben vorzugsweise im Wasser, nur wenige be- 
ständig auf dem Lande; ihre Nahrung besteht in thierischen Stof- 
fen. Mitglieder dieser Klasse bewohnten schon die ältesten Meere, 
die unsere Erde bedeckt haben. Diesen Krebsen ist jedoch ein 
der jetzigen Schöpfung ganz fremder Typus aufgeprägt, und erst 
in den mittleren Formationen neigen die von den lebenden immer 
noch abweichenden Krebsgattungen sich den jetzigen mehr zu. 

A. Malacoslraca. 

Die Grundzahl ihrer Brustkastenringe ist zehn. Augen zu- 
sammengesetzt, mit facettirter Hornhaut; Bewegungsorgane stets 
zwiefach, am Brustkasten Füfse, am Hinterleibe beständig Flos- 
sen. (Burm.) 

!• Ordn^ Arthrostraca. 

An dem frei abgesonderten Kopfe sind zwei ungestielte Netz- 
augen und zwei Paar Fühler, ein Paar Kiefern und drei Paar 
accessorische Mundtheile zu erkennen. Nur sieben von den zehn 
Brustkastenringen sind selbstständig geblieben und tragen paarige 
Gangfüfse. (Burm.) 

a. Isopoda. Gleichfüfser. Asseln. 

Der flach gedrückte Rumpf besteht aus sieben freien Ringen, 
in welchen sieben Paar Gang- oder z. Th. Ruderfüfse befestigt sind. 



ISOPODEN. 



193 



Hinterleib ein- bis siebengliederig-, mit Kiemen tragenden Flossen. 
Einige leben auf dem Lande und haben Aggregate einfacher Au- 
gen, andere leben nur in dem Wasser, und von diesen sind meh- 
rere Schmarotzer und haben dann verkümmerte Augen. (Burm.) 

Als Isopoden beschreibt Graf Münster '^') mehrere fossile 
Krebse aus Solenhofen (Sciilda^ Alvis^ Urda, Norna und 
Reckur Münst.), welche jedoch, nach Burmeister's brieflichen Mit- 
theilungen, anderen Gruppen angehören. 

Die einzigen fossilen ächten Isopoden sind nur die beiden 
folgenden von Milne Edwards beschriebenen Gattungen; 

t 1. G. Archaeoniscus Milne Edwards. (aQ/atog^ alt; 
Oniscus^ Kelleresel.) 

A, Broda M. Edw. — L. Er. J. 1843. p. 238 u. 1844. p. 638. 

In der Wealdenformation des Wardourthaies in Wiltshire wurden 
von Brodie neben Insectenresten auch Körper von Isopoden entdeckt, 
welche den Habitus der Cymothoiden haben und an Serolis erinnern 
sollen. Sie besitzen gewöhnlich die Länge von und die Breite 

von 0,"'o9, lassen im ganzen 12 Glieder erkennen, von denen 5 
auf den Schwanz kommen würden. Das Endschild oder der sechste 
Schwanzabschnitt ist halbkreisrund und schwillt vorn und in der Blitte 
höckerartig an, wie in einigen Sphaeromatiden. 

t 2. G. Palaeoniscus Milne Edw. (nalaibg^ alt; Oniscus.) 

P. Brongniartii M. Edw. — L. Br. J. 1844. p. 639. 

Kleine, bis lange, flach -ovale Körper dieser Art kommen 

in grofser Menge in einem Cythereen- Mergel unter den grünen ter- 
tiären Mergeln bei Paris vor. Am Kopfe erkannte man Fühler und 
kleine seitliche Augen, am Brustkasten die 7 Ringel und an dem Hin- 
terleibe 2 Abschnitte, von denen der letzte halboval -schildförmig ist 
und an den Seiten fast sichelförmige Flossenanhänge zeigt, wodurch 
das Thier sich sehr den Sphaeromen nähert. 

3. G. Sphaeroma (?) Latr. 

Körper eiförmig, mit zwei kleinen seitlichen Flossen am letz- 
ten Ringe des Hinterleibes, welche die Kiemen nicht bedecken, 
sondern unter paarigen Schwimmblättern liegen. 



*) Beitr. z. Petref. Hft. 3 u. 5. 

**) Dieser Name wurde schon früher von Agassiz einer Gattung fossi- 
ler Fische gegeben. 

13- 



196 



KREBSE. 



S. antiqua Desm. beschreibt Desmarest (er. foss. p. 138.) aus 
dem Jiiraschiefer von Pappenheim und 

S. mar gar um Desm. aus dem Knochengypse von Paris. 

b. Laemodipoda^ Kehlfüfser. 

Rumpf rund oder flach; der vierte Ring auch noch mit dem 
Kopfe verwachsen, daher nur sechs freie Ringe übrig bleiben. 
Hinterleib fehlt oder ist eingliederig. (Burm.) 

Nach Gray ist ein Fossil von Solenhofen zunächst mit der 
Galtung Nymphon Müll, verwandt. 

c. Amphipoda, Flohkrebse. 

Rumpf seitlich zusammengedrückt; sieben selbstständige Brust- 
kastenringe mit verschieden gestalteten Füfsen. Hinterleib stets 
siebengliederig, mit Endflossen, aber ohne Kiemen, die nur am 
Brustkasten sitzen. (Burm.) 

Noch nicht fossil beobachtet. 

2. Ordn. Thoracostraca. iJPodophthalma.} 

Kopf unbeweglich, mit zwei gestielten, beweglichen, facet- 
tirten Augen. Brustkasten ganz oder gröfstentheils von einem ein- 
fachen Panzer bedeckt. Hinterleib stets siebengliederig. (Burm.) 

a. ^tomatopoda. Maulfürser. 

Von den zehn Ringen des Brustkastens tragen die beiden 
vorderen accessorische Mundtheile und verlieren daher ihre Selbst- 
ständigkeit, von den übrigen selbststandig gebliebenen Füfsen 
ähneln die hintersten, oder auch alle, Flossen. Kiemen variabel, 
doch meistens am Hinterleibe ; dieser mit grofser Endflosse. (Burm.) 

Die fossilen Stomatopoden sind sehr selten und zur Zeit nur 
aus dem lithographischen Schiefer von Fappenheim und aus dem 
fischreichen Schiefer des Monte Boica bekannt. 

t 1. G.? Nor na Münst. (Nord. Myth.) 
Die einzige und noch wenig gekannte Art, iV. lithophila Münst. 
(Beitr. 3. p. 22. tb. 3 u. 4. f. 9.) von Solenhofen, könnte, nach Bur- 
meister, mit Mysis verwandt sein, wenn man die langen dünnen Beine 
für vielgliedrige Ruderfüfse nehmen darf. 

t 2. G.? Urda Münst. (Nord. Myth.) 
Krebse dieser Gattung haben, nach Münster, welcher sie wie 
die vorige Gailling den Isopoden zurechnet, eine lange, fast cy- 



STOMATOPODEN. 197 

lindrische Gestalt, 14 Füfse, einen sechs- bis siebengliedrigen 
Schwanz, welcher mit fünf grofsen, schmalen Schwimmflossen, 
unter denen die mittelste am breitesten ist, endet. An einem 
Exemplare waren vier Fühler zu erkennen. 

Erst bei genauerer Kenntnifs der Beine läfst sich entscheiden, 
ob diese Thiere Macruren oder Stomatopoden seien. Sie zu den lelx- 
teren zu stellen, findet Burmeister defshalb angemessener, da der Ent- 
decker von einem abgesetzten Kopftheile spricht. 

Münster beschreibt vier Arten von Solenhofen. 

3. G. Squilla Fabr. Schaufel krebs. 

Squilla antiqua Münst., Beitr. 5. p. 76. tb. 9. f. 11, mochle 
am meisten der lebenden S. scabricauda Lam. ähneln, besafs jedoch an 
dem letzten langen Gelenke des zweiten Fufspaares nur 6, statt 8, Seiten- 
zähne und eine glatte, nicht rauhe , mittlere Schwanzflosse. 

Das einzige bekannte Exemplar ist vom Monte Bolca. 

t 4. G. Reckur Münst. (Nord. Myth.) 

R. punctatus Münst., Beitr. Hft. 5. p. 77. tb. 9. f. 10. 

Kopf grofs, vierseitig und gerundet, seine vordere Seite breiler 
als die gegen den Rumpf gekehrte. Rumpf fast cylindrisch, an sei- 
nem vorderen Ende mit einem fast eiförmigen, dreitheiligen Rücken- 
schilde, das in der Mitte glatt ist, dessen Seiten aber schwach ge- 
bogen , etwas gewölbt und reihenweise granulirt sind. Der Schwanz 
hat 4 deutliche, in der Mitte winkelförmig eingebogene Glieder und 
endet mit einer grofsen, breiten Klappe, zu deren Seiten 2 schmale 
Schwimmflossen liegen. (Münst.) 

Im Jura - Dachschiefer von Daiting. 

t 5. G. Naranda Münst. (Skand. Myth.) 

N. an mala Münst., Beitr. 5. p.i 78. tb. 14. f. 5. 

Diesen kleinen Krebs von Kelheim verweist Burmeister aus der 
Abtheilung der Isopoden auch in die der Stomatopoden und erkennt in 
ihm einige Verwandtschaft mit Alima oder Erichthus. 

t 6. G. Bostrychopus Goldf. (ßooiQv'^^ Locke; novg, Fufs.) 

B. antiquus Goldf. in Act. Ac. Caes. etc. T. 19. P. 1. p. 35^, 
tb. 32. f. 6. 

Dieser merkwürdige Krebs, welcher in dem Grauwackenschiefer 
von Dillenburg aufgefunden worden ist, gleicht auf den ersten An- 
blick einer Comatula. Aus einem ovalen Mitlelkörper von \\'" Länge 



198 



KREBSE. 



Strahlen nämlich ringsum eine grofse Anzahl (60) verschieden ge- 
bogener, gegliederter Fäden aus, welche von, der Stärke eines Haares 
und bis lO'" lang sind. Die zahlreichen Glieder derselben sind etwas 
breiter als lang, erweitern sich an ihrem vorderen Ende und bilden 
• hier vortretende Ecken. Der Mittelkörper besteht aus einem Kopf- 
bruststücke, in dessen Mitte vier Paar Füfse befestigt sind, und 
einem Hinterleibe. Das hinterste Fut'spaar, welches das vorhergehende 
an Länge und Dicke übertrifft, bildet am Ende eine scheibenförmige 
Fufsplalte, an deren Rande 16 gegliederte Fäden eingefügt sind. Das 
vorletzte Fufspaar ist, wie es scheint, zugespitzt, und trägt 3 — 4 geglie- 
derte Fäden. Beide Fufspaare sind nach hinten gerichtet, wogegen die 
zwei kleineren vorderen, an welchen die zehn übrigen gegliederten 
Fäden sitzen, nach vorwärts stehen. Der Hinterleib stöfst mit sei- 
ner ganzen Breite an das Kopfbruststück an, verschmälert sich nach 
hinten, ist in sechs Abschnitte getheilt und endet mit einigen Schwanz- 
blättern. Längs seiner unteren Seite ist auf ihm eine Mittelfurche 
eingedrückt. (Goldf.) Nach Burmeister gehört diese Gattung zu den 
Stomatopoden , und zwar in die Abtheilung der Schizopoden, in die 
Nähe von Mysis^ Noctiluca etc. 

b. Decapoda^ Zelinfüfser. 

Bei den Decapoden oder eigentlichen Krebsen sind Kopf- 
und Brustkasten, oder vielmehr Kopf- und Rückenschild, zu einem 
gemeinsamen Schilde, dem Kopfbruststücke (cephalothorax ^ Rücken- 
schild bei Münster, carapace bei Desmarest) verwachsen. Daran 
erkennt man vorn zwei gestielte Augen, und zwischen diesen zwei 
Paar Fühler oder Antennen, die mittleren oder oberen, und die 
äufseren oder unteren. 

Sie haben, nach Burmeister, alle eigentlich zehn Brustkasten- 
ringe, von denen aber nur die fünf hinteren selbstständig bleiben 
und zehn Gangfüfse tragen. Von letzteren sind gewöhnlich die 
vorderen in Scheerenfüfse umgewandelt. Die fünf vorderen ver- 
steckten Brustkastenringe tragen fünf Paar sogenannter Unterkiefer- 
oder Kaufüfse, welche Hülfsorgane für den Mund abgeben. Am 
Grunde neben den Gangfüfsen sitzen die Kiemen. 

1. JSMlacrura» Ijaiigschwänze. 

In den Langschwänzen sind die Flossenfüfse des vorletzten 
Hinterleibsringes nach hinten ausgestreckt und bilden mit dem letz- 
ten Ringe eine grofse, fünfblälterige Endflosse. Der Hinterleib 
ist bald ausgestreckt, bald gekrümmt. 



MACRUREN. 



199 



Die Langschwänze sind die ältesten Decapoden und erschei- 
nen in wenigen Arten schon im bunten Sandsteine und im 
Muschelkalke; neue Geschlechter, obgleich noch in geringer An- 
zahl, finden sich im Lias, in grofser Menge kommen sie aber in 
der oberen Juraformation vor. 

Alle Decapoden, welche älter als die wenigen in der Kreide- 
formation gefundenen sind, scheinen in ausgestorbene Gattungen 
vertheilt werden zu müssen, und selbst hier findet sich noch ein 
ausgestorbenes Geschlecht. 

Die Krebse von Solenhofen beschrieb Graf Münster in den 
Beiträgen zur Petrefactenkunde, Hft. 2. 1839. 

Die Makruren der jetzigen Schöpfung leben meistens im Meere. 

a, Caroidea. Garneelenkrebse **). 
t 1. G. Saga Münst. (Scand. Myth.) 

Kleine Krebse, die einige Aehnlichkeit mit der lebenden 
Gattung Mysis Latr. darbieten. 

Ihr Rückenschild ist vorn sehr spitz, und der Schwanz , mit 
seinen engen Schwimmflossen, verschmälert sich sehr nach hinten. 
Mittlere Fühler kurz und schwach, äufsere von der Länge des 
übrigen Körpers , mit einer lanzettförmigen Schuppe zur Seite. 
Drei Paar Frefsspitzen haben die Gestalt der Füfse, sind aber 
kleiner und kürzer; übrigens sind sie, wie die eigentlichen Fufs- 
paare, an der Basis in zwei Arme getheilt, haben an den Seiten 
Schwimmflossen und an der Spitze einen einfachen Nagel. (Münst. 
B. 2. p. 80.) 

Zwei Arten von Solenhofen und Dailing. 



*) Nach H. V. Meyer (foss. Kr. p. 25.) kommen zwei Arten dieser Krebse 
im bunten Sandsteine von Sulzbad vor, welche den Qattungen Gebia und 
Galathea am nächsten verwandt sind. 

**) „Da die Garneelenkrebse stets einen Körper haben, der höher ist 
als breit, so fallen sie im Tode, wie die Fische, auf die Seite; bei den 
übrigen Macruren aber und bei den Stomatopoden ist der Leib breiter als 
hoch, sie liegen also im Tode auf dem Rücken oder auf dem Bauche. Man 
mufs daher versteinerte Macruren, die auf der Seite liegen, für Caroideen 
halten , die auf dem Bauche oder Rücken liegenden dagegen für« Paguriden, 
Palinuriden, Astaciden oder Stomatopoden, je nachdem ihre sichtbare Or- 
ganisation es verlangt. In ähnlicher Weise unterscheiden sich auch die 
Amphipoden und Isopoden, jene haben ein corpus compressum, diese 
ein corpus deprcssum^ s. deprcssiusculum.'^ (Burmeister, in brieflichen Mit- 
theilungen.) 



200 KREBSE. 

t 2. G. Eider Münst. (Nord. Myth.) 

Auch hiervon sind nur die Extremitäten gekannt. Die inne- 
ren Fühler sind zweiborstig und zeigen an ihrer Basis längliche 
Schuppen. Frefsspitzen klein, mit Nägeln wie an den Füfsen. 
Die ersten zwei Paare der letzteren sind klein und kurz, die drei 
folgenden länger; Blätter der Schwanzflosse zugespitzt; letzere mit 
langen falschen Füfsen. (Münst. B. 2. p. 77.) 

Zwei Arten von Solenhofen. 

t 3. G. Rauna Münst. (Nord. Myth.) 

Kleine Krebse, deren Rückenschild in einen zahnlosen Schna- 
bel verläuft, mit langen falschen Füfsen am Schwänze und kurzen 
dicken Nägeln an den ungleichen eigentlichen Füfsen. Innere 
Fühler fein, borstig und ziemlich lang, äufsere lang und mit 
langen, schmalen Schuppen an ihrer Basis. Die Frefsspitzen ha- 
ben die Gestalt von geraden Füfsen. (Münst. B. 2. p. 78.) 

Zwei Arten von Solenhofen. 

t 4. G. Blaculla Münst. (Wend. Myth.) 

Man kennt von diesen, wahrscheinlich sehr weichschaaligen 
Krebsen bis jetzt nur die Extremitäten, nach welchen dieselben 
der lebenden Gattung Nica Risso sehr ähnlich sein sollen, von 
derselben sich aber dadurch unterscheiden, dafs sämmtliche Füfse 
zweifingerig sind. (Münst. B. 2. p. 75.) 

Zwei Arten von Solenhofen und Eichstädt. 

t 5. G. Aeger Münst. (Nord. Myth.) 

Das breite Rückenschild ist hinten herzförmig ausgeschnitten 
und vorn in einen schmalen, oben ungezahnten Schnabel verlängert. 
Die vier sehr langen, borstigen, inneren Fühler sind lang gestielt 
und gleich lang, die beiden äufseren übertreffen an Länge den 
ganzen Körper und haben zur Seite eine schmale, stachelähnliche 
Schuppe stehen. Vor allen anderen Organen zeichnen sich auch 
ihre äufseren Frefsspitzen aus, welche das Ansehen von langen 
Füfsen haben, und zu deren beiden Seiten lange, bewegliche 
Stacheln sitzen, die aber gewöhnlich nur einseitig erscheinen. Die 
Füfse, von denen das erste Paar das längste ist, sind alle zwei- 
llngerig und, die beiden letzten Paare ausgenommen, zum grofsen 
Theil gleichfalls mit zwei Reihen beweglicher Stacheln besetzt. 
Der Schwanz geht gegen das Ende spitz zu , ist gewöhnlich ge- 
krümmt und zeigt viele blattförmige Anhänge und falsche Füfse. 



AIACRÜREN. 



201 



Seine mittlere Endflosse ist kurz und spitz, die übrigen vier sind 
lang und gerundet. (Münst. B. 2. p. 64.) 

A. spinipes Desm., Crust. foss. p. 134. tb. IL f. 4. (Palae- 
mon sp.) — Münst. Beitr. Hft. 2. p. 65. tb. 24. 

Es ist die typische Art dieses Geschlechtes, welche mit einigen 
anderen, als A, tipularius Schloth. (Macrurites tip.)^ nicht selten in 
dem Schiefer von Solenhofen und Eichstädt gefunden wird. 

- t 6. G. Udora Münst. (Nord. Myth.) 

Von Aeger durch kürzere Fühler und die zwei letzten Fufs- 
paare unterschieden, welche nur einfmgerig und kürzer sind. Auch 
fehlt dem Rückenschilde der Schnabel, und das letzte Schwanz- 
glied ist länger. (Münst. B. 2. p. 69.) 

Vier Arten von Solenhofen und Eichstädt. 

t 7. G. Kölga Münst. (Nord. Myth.) 

Die Repräsentanten dieser Gattung sind, nach Münster, in 
der Jetztwelt Hippolyte und Alpheus. 

Sie sind von Antrimpos durch einen dickeren und zusammen- 
gebogenen Körper und durch ihre Füfse, von welchen nur die 
beiden vorderen Paare zweifingerig, die hinteren dagegen ein- 
fingerlg sind, leicht zu unterscheiden. Das breitere und kürzere 
Rückenschild verläuft vorn in einen gezahnten oder glatten Schna- 
bel. Das zweite Fufspaar ist das längste. (Münst. B. 2. p. 60.) 

Münster beschreibt acht Arten aus dem Schiefer von Eichstädt, 
Kelheim und Solenhofen. 

t 8. G. Drobna Münst. (Nord. Myth.) 

Diese Gattung unterscheidet sich von den anderen besonders 
durch Eigenthümlichkeiten der drei ersten Fufspaare, deren er- 
stes zwei bewegliche Finger hat und länger ist als das zweite, 
welches letztere eine breite, dicke Scheere mit einem kleinen, 
beweglichen Finger hat. Die Finger der übrigen Scheeren sind 
lang und schmal; das dritte Fufspaar ist das längste. Der Rücken 
ist eingebogen und die Schuppe an der Basis der äufseren Fühler 
ist eirund. (Münst. B. 2. p. 58.) 

Zwei Arten von Solenhofen und Daiting. 

t 9. G. Bylgia Münst. (Nord. Myth.) 

Die Krebse dieser Gattung stimmen in den meisten Stücken 
mit den Arten von Antrimpos überein, jedoch ist ihr Rückenschild 
viel kürzer, die Scheeren des ersten Fufspaares sind kürzer und 



202 



KREBSE. 



viel dicker, und von den Beinen ist das zweite Paar am längsten. 
(Miinst. B. 2. p. 56.) 

Zwei Arten von Solenhofen und Eichstädt. 

t 10. G. Vusa Münst. (Nord. Mylh.) 

Diese Krebse unterscheiden sich von allen anderen durch 
ihre langen, fadenförmigen Füfse, an denen unverhältnifsmäfsig 
grofse, spindelförmige Scheeren hängen. Das Rückenschild ist 
kurz, der Schwanz lang und mit blätterförmigen falschen Füfsen und 
schmalen, gerundeten Endflossen versehen. (Münst. B. 2. p. 71.) 

Zwei Arten aus Solenhofen. 

t 11. G. Antrimpos Münst. (Äntrimp^ Meergott der Wenden.) 

Schmale, langgestreckte Krebse mit fast cylindrischem Kopf- 
brustschilde, das vorn in einen spitzen, gezähnten Schnabel ver- 
läuft, langem Schwänze und langen Endflossen. Auch die äufse- 
ren Fühler sind sehr lang und an ihrer Basis mit einer langen 
Schuppe versehen, dagegen sind aber die inneren, zwei- und drei- 
fadigen kurz. Die äufseren Frefsspitzen gleichen langen Füfsen 
und bestehen aus fünf sichtbaren Gliedern. Beine von ungleicher 
Länge und sämmtlich zweifingerig ; das erste Paar ist das kürzeste, 
das dritte das längste. In der Jetztwelt scheint diese Gattung 
durch Pemeus Fabr. vertreten zu sein. (Münst. B. 2. p. 49.) 

Münster beschreibt neun zum Theil grofse Arten von Antrimpos 
aus dem Schiefer von Solenhofen, Eichstädt, Kelheim und Pointen. 

t 12. G.? Hefriga Münst. {Eefrig ; Nord. Myth.) 

Rückenschild hinten wenig ausgebogen und vorn schnabel- 
artig verlängert. Jeder der mittleren Fühler besteht aus drei eng- 
gegliederten, borstigen Fäden, von welchen die längsten die halbe 
Länge des Körpers erreichen. Doppelt so lang als diese sind die 
äufseren Fühler, an deren Basis schmale, spitze Schuppen stehen. 
Die Frefsspitzen sind den Füfsen ähnlich. Alle Fufspaare haben 
eine einfache, etwas gebogene Klaue; das erste Paar ist am kür- 
zesten und dicksten, das zweite am längsten. Der Schwanz ist 
ziemlich dick; das mittlere Blatt der langen Schwanzflossen spitz, 
die anderen gerundet. (Münst. B. 2. p. 73.) 

Zwei Arten von Solenhofen. 

t 13. G. ? Bomhur Münst. (Nord. Myth.) 

Kleine Krebse, von der äufseren Form der Anlrimpos- Xvltn^ 
allein besonders durch ein sehr kurzes Rückenschild, welchem auch 



MACRUREN. 



203 



die schnabelartige Verlängerung fehlt, und durch einen sehr stark 
zusammengekrümmten Schwanz von ihnen unterschieden. (Münst. 
B. 2. p. 74.) 

Zwei Arten von Solenhofen. 

t 14. G. Megachirus Bronn. Mecochirus Germar. 
{{.liyag^ grofs; y/iQ'^ Arm, Hand.) 

Rückenschild vorn wenig, hinten stark ausgebogen, mit einigen 
schwachen Furchen, welche sich von oben gegen den Seitenrand 
herabziehen , übrigens dem des Flufskrebses ähnlich. Sehr lange, 
eng gegliederte, borstige, äufsere oder Seiten -Fühler sitzen auf 
langen gegliederten Stieleiu Das erste Fufspaar, vorzüglich aber 
die Mittelhand desselben, ist ungewöhnlich lang und endet vorn 
mit einem langen, beweglichen Finger, der an der einen Seite 
durch eine flossenartige Bildung geflügelt ist. Die Mittelhand oder 
das Glied, welches mit dem Finger articulirt, wird an ihrem vor- 
deren Ende breiter und oft sehr stark ausgebogen. Die Mittel- 
hand des zweiten Fufspaares ist dagegen kurz und vorn sehr breit; 
die drei hinteren Fufspaare sind schmal und enden in spitz ge- 
bogene Klauen, die an einer schmalen Mittelhand sitzen. Der lange, 
gewöhnlich sehr gekrümmte Schwanz endet in fünf grofse, fächer- 
förmige, gerundete, hinten gefranste Flossen. (Münst. B. 2. p. 29.) 

M. locusta Germar. — Taf. VIII. Fig. 17. Etwa f nach 
Münst. Beitr. 2. p. 31. tb. 11. — M. locusta und M. longimanus Münst., 
Er. Leih. p. 475 u. 476. tb. 27. f. 1 u. 16. — M. longimanatus Schlotheim. 

Rückenschild klein und fast herzförmig. Die äufseren Fühler er- 
reichen fast die Länge des ersten sehr langen Fufspaares, welches letz- 
tere länger als der übrige Körper ist. Der geflügelte Finger hat 
ziemlich die halbe Länge der Mittelhand. 

Häufig in den Schiefern von Solenhofen und Eichstädt, von wo 
auch die anderen selteneren Arten herstammen. 

t 15. G. Pterochirus Bronn. Münster. (jixiQov^ Flügel; y/iQ-) 

Hierunter sind diejenigen Arten von Megachirus begriff'en, 
deren Finger und Mittelhand des ersten Fufspaares an beiden Sei- 
ten durch Flossenbildung geflügelt sind. (Münst. B. 2. p. 27.) 

Sie kommen mit den vorigen zusammen vor. 

t 16. G.? Carcinium H. v. Mey. (xag/Jvog^ Krebs.) 

C. sociale H. v. Mey. (L. Er. J. 1841. p. 96; 1842. p. 589; 
1844. p. 337.), ist ein kleiner Krebs, welcher durch die überwiegende 
Länge des vorletzten Gliedes am ersten Fufse dem Megachirus und 



204 



KRKBSE. 



Pterochinis ähnlich wird, und sich durch das vorletzte Glied des zwei- 
ten Fufses an Megachirus anschliefst. 

Er kommt in grofser Menge im Liegenden des Jurakalkes, im 
mittleren oder braunen Jura bei Dettingen in Würtemberg, im Oxford- 
thone von Dives in der Normandie vor. 

t 17. G.? Magila Münst. (Preufs. Myth.) 

Das längliche, etwas bauchige Rückenschild endet vorn in 
eine schnabelartige Spitze. Innere Fühler sehr kurz, äufsere lang, 
dünn und borstig, auf einem langen, dreigliederigen Stiele. Das 
erste Fufspaar ist grofs und dick, und endet mit zwei eingebo- 
genen Scheeren, an welchen der unbewegliche Finger kurz und 
fast gerade, der bewegliche länger und krumm ist. Die anderen 
sind schmal und kurz, und die drei hinteren haben nur eine ein- 
fache Klaue. Der lange, etwas umgebogene Schwanz endet in 
fünf Schwimmflossen, von denen die mittlere schmal und kurz ist. 

Von den lebenden Gattungen Thalassina und Gehia Leach 
unterscheidet sich Magila besonders durch das zweite dicke Fufs- 
paar, welches noch deutliche kurze Scheeren hat. (Münst. B. 2. 
p. 25.) 

Drei Arten von Solenhofen und Eichstädt. 

t 18. G.? Aura Münst. (Griech. Myth.) 

Von allen anderen Krebsen durch die Scheeren des ersten 
grofsen Fufspaares unterschieden, welche bis fast an die Basis 
in zwei lange Finger getheilt sind. Rückenschild kurz. Schwanz 
lang, mit fünf schmalen Schwimmflossen. (Münst. B. 2. p. 26.) 

A. Desmarestii Münst., von Solenhofen, ist die einzige seltene 
Art dieser Gattung. 

t 19. G.? Brome Münst. (Griech. Myth.) 

Münster vereinigt unter diesem Namen drei Arten aus den Schie- 
ferbrüchen von Solenhofen und Dailing, welche noch wenig gekannt 
sind. (Münst. Beitr. 2. p. 47.) 

ß. Astacina. Krustenkrebse, 
t 20. G. Eryon Desmarest. (Jqvo), ich ziehe, schleppe.) 

Das Kopfbrustschild ist flach, breit oder oval, -vorn abge- 
stumpft; die mittleren (oberen) Fühler sind sehr kurz, zweitheilig, 
viergliederig ; die äufseren kurz, lang gestielt und an der Basis 
von einer breiten Schuppe bedeckt; die Augen lang- und dick- 
gestielt, an der Seite der äufseren Fühler. 



MACRUREN. 



205 



Der Hinterleib (Schwanz) hat ohngefähr die Lunge des Riicken- 
schildes; seine mittleren Glieder verlängern sich seitlich in einen 
spitzen Winkel; das letzte Glied endet mit fünf fein gefranzten 
Schwimmflossen. 

Die Beine (Füfse) sind sechsgliederig, schlank, und nehmen 
von vorn nach hinten an Länge allmählig ab, die vier ersten 
enden mit einer zweifingerigen Scheere, das fünfte hat nur einen 
einfachen, geraden, langen Nagel. (Münst. B. 2. p. 2.) 

Die Arten dieser Gattung sind auf die Juraformation be- 
schränkt. 

E. arctiformis v. Schlotheim (Macrurites arctiformis). — Taf. 
VIIL Fig. 8, von oben; Fig. 9, von unten (^). Nach Münst. Beitr. 
Hft. 2. p. 3. tb. 1. — Br. Leth. p. 474. tb. 27. f. 2. — E. Cuvieri 
Desm., Crustaces fossiles^ Paris ^ 1822. p, 128. pl. 10. f. 4. 

Das breite granulirte Kopfbruststück lauft zu beiden Seilen nach 
vorn in drei spitze, vorwärts gekrümmte Zacken aus. 

Häufig bei Eichstädt und Solenhofen. 

Seltener als dieser Krebs sind die anderen zwölf Arten von 
Eryon, die Münster und H. v. Meyer {Act. Ac. Caes. Leop. Car. 1836. 
V. 18. p. 261. tb. 11. 12.) aus Solenhofen und Eichstädt beschreiben. 
Bei einigen von ihnen ist das Rückenschild breiter als lang, und am 
vorderen Rande mit Einschnitten versehen, bei anderen, wie bei E. 
Schuberti v. Mey., ist das Rückenschild ohne Einschnitte und entweder 
länger als breit oder fast so breit als lang. 

t 21. G. Glyphea H. v. Mey. 

Kopfbruststück lang und schmal, durch zwei Querfurchen in 
drei Theile getrennt, von welchen der erste vorn in eine schna- 
belförmige, zweitheilige Spitze ausläuft, der mittlere aber sich 
weit hinterwärts zieht; unter dem vorderen Haupttheile ist der 
Seitenrand mit einem mehr oder weniger stumpfen Winkel einge- 
bogen; die Rückenlinie ist gerade, (v. Meyer '"'.) Die mittleren 
Fühler sind gabelig, vielgliederig; die äufseren sehr lang, bor- 
stenförmig und fein gegliedert; beide sitzen auf einem dreiglie- 
derigen Stamme; an der Basis der äufseren steht eine kleine 
Schuppe; halbkugelige Augen an der Seite der letzteren. Erstes 
Fufspaar lang, mit starken Scheeren; zweites und drittes lang und 
schmal, mit dünnen Scheeren; viertes und fünftes nur mit einem 
klauenförmigen Ende. Der grofse Schwanz mit fünf grofsen 



*) Neue Gattungen fossiler Krebse, Stuttgart. 1843. 



20() 



KHEB8B. 



Schwimmflossen. Sie finden iliren Repräsentanten in dem leben- 
den Astacus, (Münst. B. 2. p. 15.) 

Nach V. Meyer bilden die von Münster beschriebenen Arten 
die neue Gattung Eryma II. v. Mey. '•), und Burmeister möchte 
mit Glyi)hea auch Alvis und vielleicht selbst Sculda Münst. 
(Beitr. 3.) vereinen. 

Bezeichnend für die Juraformation. 

G. modestiformis Schloth. (Macrourites m.) — Taf. VIII. Fig. 
10. Nach Münst. Beitr. Hft. 2. Ib. 9. f. 2. 

Diese Art wird ^" bis über 2j" grofs, ist auf ihrer dicken 
Schaale fein punktirt und zeichnet sich besonders durch ihre grofsen 
Scheeren und einen kurzen Schnabel am vorderen Ende aus. 

Nicht selten im lithographischen Schiefer von Solenhofen und 
Kelheim. 

Aufserdem werden von Münster noch acht Arten aus diesen 
Schiefern beschrieben, denen v. Meyer mehrere aus anderen Bildungen 
der Juraformation, unter diesen G» liasina und G, grandis aus dem 
Lias von Würtemberg, noch hinzufügt. 

t 22. G. Klytia H. v. Mey. (Griech. Myth.) 

„Wie bei Glyphea^ wird der Cephalotliorax durch zwei Haupt- 
querfurchen in drei hinter einander liegende Haupttheile geschie- 
den, welche indefs, etwa mit Ausnahme der randlichen Gegend 
des mittleren Haupttheiles, keine scharf ausgedrückten Erhaben- 
heiten oder Vertiefungen darbieten, welche denen in Glyphea 
ähnlich wären; auch ist der mittlere Haupttheil nicht so weit nach 
hinten gezogen, zwischen ihm und dem hinteren Haupttheile liegt 
eine gabel- oder sichelförmige Rückenregion, und unter dem vor- 
deren Haupttheile biegt sich der Seitenrand nicht (oder nur wenig) 
ein; übrigens ist der Rücken auch vollkommen geradlinig." (H. 
V. Mey., neue Gatt. foss. Krebse, 1840. p. 19.) 

Arten in der mittleren Jura- und in der Kreideformation. 

K. ventrosa II. v. Mey. (a. a. 0. p. 20. tb. 4. f. 29.), im 
Terrain ä Chailles von Chaviez im Dep. d. ob. Saöne. 

K. Mandelslohii H. v. Mey. (a. a. 0. p. 21. tb. 4. f. 30.) 

Im braunen Jura von Dettingen in Würtemberg mit Carcinium 
sociale^ und bei Thurnau und Rabenslein mit K, ventrosa zusammen. 

K. Leachii Mantcll {Astacus L.), Geol. of Sussex tb. 29. f. 1. 
4. 5; tb. 30. f. 1 — 3; tb. 31. f. 1 — 4. — Gein. Char. p. 39. Ib. 9. 



♦♦) L. Br. J. 1840. p. 587. 



^ MACBÜREN. 207 

f. 1. — Glyphea L. Rom. Kr. p. 105. — Klytia L. Keufs, ßöhm. Kr. 
p. 14. tb. 6. f. 1 — 6. 

Der Cephalothorax dieses Krebses ist eirund, bis 3^' lang, und 
hat ohngefähr die Form von dem eines Flufskrebses , welcher seitlicli 
zusammengedrückt ist, verengt sich nach vorn allmählig, nach hinten 
schneller, ist vorn in der Mitte zugespitzt, und hinten zur Aufnahme 
des Schwanzes halbmondförmig ausgeschnitten. Er wird zum gröfsten 
Theile von einem dicken Rande eingefafst, welcher auf seiner oberen 
Seite von einer tiefen Furche begleitet ist. In dem vorderen Theile, 
wo der Seitenrand auch etwas eingebogen ist, sind beide nur noch 
schwach angedeutet. Die Charaktere der Klytia prägen sich sehr deut- 
lich in ihm aus,' denn der Cephalothorax wird durch zwei breite und 
tiefe Querflächen in drei Theile geschieden, von welchen der mittlere 
am kürzesten ist und sich nach hinten verlängert. Die randliche Ge- 
gend desselben zeigt zwei Verdickungen, welche durch eine Querfurche 
von einander getrennt sind. Zwischen dem mittleren und hinteren 
Felde liegt in der Mitte des geradlinigen Rückens eine schmale, ga- 
belförmige Wulst. Die ganze Oberfläche ist dicht mit spitzen Knöt- 
chen bedeckt, welche nach vorn hin gröfser werden. Die Scheeren- 
füfse erreichen in meinem Exemplare die Länge von wenigstens 6". 
Hiervon nimmt die Scheere 4?" ein, und if bis 2'' kommen auf die 
unteren Glieder. Die Hand ist vierseitig, ohngefähr if lang und 
über l|-" breit, und die Länge des unbeweglichen Fingers ist dem- 
nach Beide Finger oder Zangen sind ganz gerade, verengen sich 
sehr allmählig nach vorn und tragen an ihrem inneren Rande hohe, 
stumpf dornige Fortsätze. Alle Fufsglieder sind mit zahlreichen grö- 
fseren und kleineren spitzen Höckern besetzt. Reufs entdeckte an 
seinen Exemplaren die Einlenkungsstellen der dicken hinteren 4 Fufspaare. 

Im Plänerkalke von Strehlen bei Dresden, im Plänerkalke und 
Plänermergel von Böhmen und in der Kreide von Sussex. 

t 23. G. Bolin a Münst. (Griech. Mylh.) 

Bolina unterscheidet sich von Glyphea- vorzüglich durch die 
langen, schmalen Scheeren und die grofsen, nierenförmigen Augen, 
durch gröfsere Dicke und Länge der äufseren Fäden der mittleren 
Fühler und durch eine lange, spitze Schuppe an dem grofsen 
Stiele der äufseren Fühler. (Münst. B. 2. p. 23.) 

Die beiden Arten kommen bei Solenhofen vor. 

t 24. G. Orphnea Münst. (Orphne, Griech. Myth.) 
Das Rückenschild dieser Gattung, welche der lebenden Gatt- 
ung Gebia am nächsten stehen soll, ist vorn stumpf und kürzer 



208 



KRKBSE. 



als (1er Schwanz. Die äufsereii Fühler, welche anf einem fünf- 

gliederigen Stiele befestigt sind , übertreffen an Länge den ganzen 
Körper; die inneren zwei Paare erreichen nur ^ dieser Länge; 
die Frefsspitze ist sechsgliederig und die Augen ruhen auf cylin- 
drischen, beweglichen Stielen. Von den Beinen, welche sämmtlich 
mit einer einfachen, gebogenen, spitzen Klaue endigen, zeichnet 
sich das vordere Paar durch seine Breite und Länge aus. (Münst. 
B. 2. p. 39.) 

Man kennt hiervon die fünf von Münster beschriebenen Arten 
aus Solenhofen und Eichstädt. 

f 25. G. Brisa Münst. (Griech. Myth.) 

Bei aller Aehnlichkeit dieser Gattung mit Orphnea unter- 
scheidet sie sich von ihr durch das Vorhandensein von breiten 
Schwimmflossen nicht nur an dem Ende, sondern auch an den 
Seiten des Schwanzes. (Münst. B. 2. p. 45.) 

Zwei Arten kommen bei Solenhofen und Eichstädt vor. 

y. Palinuridae. 

t 26. G. Pemphix H. v. Mey. Blasen krebs. {n^Kfi^j Blase.) 

Der Cephalothorax ist cylindrisch, wird nach hinten zu schmä- 
ler, zeichnet sich durch viele warzenförmige Erhöhungen aus und 
wird durch zahlreiche Furchen in drei Hauptregionen und mehrere 
Unterabtheilungen getheilt. Sein Vorderrand verläuft in der Mitte 
in einen kurzen, lanzettförmigen Schnabel, dessen Oberseite rin- 
nenförmig eingedrückt ist, und an der Seite in mehrere spitze 
Zacken. Der vordere Haupttheil ist sechseckig; unter seinen Er- 
höhungen zeichnet sich besonders die an der Gränze des zweiten 
Haupttheiles in der Mitte liegende aus, welche eine quer -ovale, 
bis fast trapezische Form hat. Die mittlere, kleinste Region reicht 
mit einer breiten Ausbiegung in die hintere, ziemlich lange Re- 
gion hinein. 

Der Schwanz übertrifft den Cephalotorax an Länge und nimmt 
nach hinten sehr allmählig an Breite ab, seine breiten, gerunde- 
ten fünf Endflossen sind längs der Mitte gekielt und nach den 
Rändern hin feinstachelig. 

Die inneren Fühler bestanden aus zwei kurzen, schwachen 
Fäden, welche auf kurzgliederigen Stielen safsen; die äufseren 
waren stärker und länger. 

Das erste Fufspaar war länger und stärker als die anderen, 
und mit einer Scheere bewaffnet. Seine Oberfläche ist, wie der 



MACRÜREN. 209 

Cephalothorax, mit Warzen bedeckt. (Br. Leth. p. 182; H. v. Mey. 
foss. Krebse, p. 3-10. u. in L. Br. J. 1842. p. 261.) 

F. Sueurii Desmarest, hist. nat, des crust. foss. p. 132. tb. 10. 
f. 8. 9. (Palinurus Sueurii). — Taf. VIII. Fig. 14. Nach H. v. Mey., 
foss. Kr. tb. 1. (J). 

Auf diese grofse Art, welche in dem Muschelkalke von Fried- 
richshall so häufig ist, in dem Muschelkalke von Villingen, Rottweil 
und vielen anderen Orten von Schwaben, bei Würzburg, Äugst, Aar- 
gau, im Saarbrückenschen bei Blittersdorf , im französischen Departe- 
ment des Niederrheins, in Lothringen u. a. 0. aufgefunden worden 
ist, pafst die vorangegangene Beschreibung vorzugsweise. 

F. Alb er tu H. v. Mey., foss. Kr. p. 9. tb. 4. f. 37. 

Der Cephalothorax ist etwas kürzer und unterscheidet sich von 
dem des F. Sueurii vorzüglich durch das hintere Ende des vorderen 
Haupttheiles , welches, bei dem Mangel einer quer -ovalen Erhöhung, 
hier eine kurze Zuspitzung besafs, nach welcher von den Seiten her 
zwei gabelförmige Wülste zusammenliefen. Die Rückenlinie ist durch 
eine Längswulst bezeichnet. 

Bis jetzt ist nur ein Exemplar aus dem Wellenkalke von Horgen 
am Schwarzwalde bekannt. 

t 27. G.? Liogaster H. v. M. {UTog, glatl; yaoTtjQ^ Bauch.) 

Kleine zierliche Krebse, welche in dem mittleren Haupttheile 
des Rückenschildes einige Aehnlichkeit mit Pemphix haben, von 
diesem sich aber schon durch die glatte Beschaffenheit ihrer Ober- 
fläche, vorzüglich des vorderen Haupttheiles leicht unterscheiden. 
(H. v. Mey. in L. Br. J. 1844. p. 567.) 

Im Muschelkalke von Friedrichshall. 

t 28. G. Palinurina Münst. 

Diese Gattung vertritt, mit einigen kleinen Arten in den 
lithographischen Schiefern, die noch lebenden Palinuren, von wel- 
chen sich die fossilen Arten fast nur durch ihre Kleinheit und 
Kürze unterscheiden '•'). 

Das Rückenschild ist kurz, eiförmig und läuft nach vorn 
spitz zu; die mittleren Fühler sind kurz und bestehen aus zwei 
feinen, vielgliederigen Armen, die äufseren sind aufserordentlich 



*) Die noch lebende Gattung Palinurus Fabr., zu welcher Desmarest 
Pemphix Sueurii und Glyphea Regleyana rechnete, scheint in der Vorwelt 
noch nicht existirt zu haben. (H. v. Mey. foss. Kr. p. 7.) 
Geinttz, Versteinernngskunde. 14 



210 



KREKSB. 



lang, eng gegliedert und werden von einem grofsen, dreiglie- 
derigen Stiele getragen. 

Die Beine, von denen das erste Paar das kürzeste ist und 
die mittleren die längsten sind, haben siimmtlicli an ihrem Ende 
einen einfachen, kurzen, spitzen Nagel. Die beiden iiufseren Frefs- 
spitzen gleichen schmalen, kurzen Füfsen. Den ziemlich Jangen 
und stark gekrümmten Schwanz beschliefsen fünf fächerförmige 
Schwimmllossen. (Münst. B. 2. p. 36.) 

Drei Arten von Solenhofen. 

i 29. G. Cancrinos Münst. (Griech. Myth.) 

Grofse Krebse, welche sich durch die unverhältnifsmäfsige 
Dicke der Fühler leicht erkennen lassen. Sämmtliche Fufspaare 
sind dick und haben an der Mittelhand einen einfachen , dicken 
Nagel. Der Schwanz ist so lang als der übrige Körper und seine 
Endflossen sind breit. (Münst. B. 2. p. 43.) 

Sehr seilen bei Solenhofen und Eichstädt. 

8. Paguridae. Einsiedlerkrebse. 

30. G. Pagurus Fabr. Eremiten krebs. 

Der Cephalothorax der fossilen Faguren ist unbekannt und 
war vermuthlich so weich, dafs er sich nicht lange erhalten konnte. 
Der lange und stark gekrümmte Hinterleib (Taf. VIII. Fig. 13.) 
besteht aus flach -sattelförmigen Gliedern, auf denen zwei tiefe, 
nach hinten divergirende Längsfurclien ein mittleres Feld abschei- 
den. Diese Furchen beginnen in dem vorletzten Gliede dicht an 
dem vorderen Rande, in allen vorderen Gliedern erst nahe der 
Mitte ihrer Länge. Dieses mittlere Feld wird in dem vorletzten 
Gliede durch eine mittlere, vertiefte Längslinie in zwei gleiche 
Hälften getheilt. Das letzte Glied hat in der Mitte ein ei -lanzett- 
förmiges Feldchen, zu deren beiden Seilen sich zwei längere Flos- 
sen ausbreiten. 

A'on den Füfsen sind nur die grofsen Scheerenfüfse (Taf. VIII. 
Fig. 12.) vollkommen gekannt, welche von ungleicher Gröfse sind, 
wie an dem Eremiten- oder Bernhardskrebse, Pagurus Bernhar- 
dus L., von den übrigen kleineren und dünneren Beinen sind nur 
Rudimente gesehen worden. 

P. antiquus Olto (Callianassa antiqua Otto). — Taf. VIII. Fig. 
12 u. 13. — K«)m Kr. p. 106. tb. 16. f. 25. — Gein. Verstcin. von 
Kieslingswalda , p. 6. tb. 1. f. 1 — 4. 



MACRUREN. 



211 



Das erste Glied der grofsen Scheerenfüfse ist schief kegelförmig 
und hat eine Längsfiirche , nahe dem inneren Rande (welche in der 
Abbildung- nicht angegeben ist); das zweite Glied ist im Durchschnitte 
drei- oder vierkantig, und ist auf der sichtbaren mittleren Kante mit zwei 
Reihen kleiner Körner besetzt; das dritte breitere und gröfsere Glied 
ist etwas vierseitig, verengt sich nach dem vorigen zu, ist flach gewölbt ; 
das vierte, oder die Hand, ist vierseitig, länger als breit,, und endet 
in ein kurzes, gerades, nur an der Spitze wenig eingebogenes Zangen- 
glied. Das andere Zangenglied ist schwach gekrümmt. Die ganze Ober- 
fläche ist, mit Ausnahme der Knochen auf dem zweiten Gliede, ganz glatt. 

Im Grünsandsteine von Kieslingswalda in der schlesischen Graf- 
schaft Glatz ungemein häufig, in entsprechenden Schichten bei Kreibitz, 
von Glocker bei Schirmdorf und Triebitz bei Landskron in Böhmen 
entdeckt, und bei ? Quedlinburg. 

P. F au ja Sil Desm., Cr, foss. p. 127. tb. 11. f. 2. (Pagurus F.). 
— Br. Leth. p. 736. tb. 27. f. 23. — Rom. Kr. p. 106. 

Das dritte und vierte Glied scheint relativ kurzer als in voriger 
Art zu sein, ersteres, nach Römer, in der Mitte der Höhe stumpf 
gekantet und hier grob gekörnt; Hand und Finger sind, nach Des- 
marest, an den Rändern gezähnelt, und ihre Oberfläche ist durch Kör- 
nelung rauh. 

Im Kreidemergel bei Gehrden, Quedlinburg und Dülmen, in der 
Kreide bei Mastricht und in England. 

£. Anomura, 

t 31. G. Prosopon H. v. Mey. (tiqoocotiov ^ Maske, Gesicht.) 

Eine^ Gattung, welche in der Mitte zwischen den Macruren 
und Brachyuren zu stehen scheint. Den letzteren nähert sie sich 
besonders durch die Beschaffenheit des Einschnittes an der hinte- 
ren Seite des Rückenschildes, welcher zur Aufnahme des Hin- 
terleibes dient. Dieses Schild ist ziemlich gleichmäfsig gewölbt, 
hat einige Aehnlichkeit mit einer Maske oder einem Gesichte, und 
ist durch zwei Querfurchen in drei Hauptstücke getrennt. 

Die Arten kommen in den Oolithen und P. tuberosum in der 
untersten Abtheilung der Kreideformation (im Neocomien) vor. 
(H. V. Mey., foss. Krebse, p. 25; in Münst. Beitr. 5. p. 70.) 

P. heb es H. v. Mey., foss. Kr. p. 23. tb. 4. f. 32. 

Rückenschild (i'' grofs) rundlich- viereckig, fast so breit als 
lang; die gröfste Breite liegt ziemlich in der Mitte. Auf der Mitte 
des vorderen Haupttheiles sondert sich durch zwei Längsfurchen ein 
dreieckiges Feld ab, welches nach vorn in eine gewölbte Spitze zu- 

14* 



212 KRBBSB. 

läuft. In demselben liegen ferner an der Basis des Dreieckes zwei 
rundliche Höcker. Die Seitengegend daneben ist stark aufgetrieben 
und besitzt an der Seitenecke eine starke Warze. Die beiden auf- 
getriebenen Seiten des mittleren Hauptlheiles, welche auch an ihrem 
äufseren Hände zu einer Warze anschwellen, sind auf dem Rücken 
durch eine schmale Wulst verbunden, welche von dem wenig in das 
hintere Hauptschild hineinragenden Theile durch einen Quereindruck 
geschieden wird. Das hintere Hauptstück ist schwächer gewölbt. Die 
ganze Oberfläche der Schaale ist dicht mit kleinen Wärzchen bedeckt. 

Im Unteroolith von Crune (Dep. de la Moselle). 

P. Simplex H. v. Mey., foss. Kr. p. 23. tb. 4. f. 33. Aus 
dem Scyphien- Mergel oder dem unteren Cordt- Rag von Streitberg. 

F. tuberosum H. v. Mey., foss. Kr. p. 21. tb. 4. f. 31. Im 
Neocomien oder der untersten Abtheilung der Kreideformation von Bou- 
cherans im Dep. des Jura. 

P. spinosum H. v. Mey. in Münst. Beitr. Hfl. 5. p. 71. tb. 15. 
f. 1. 2. Aus dichtem gelben Jurakalke von Aalen in Würtemberg. 

P. rostratum H. v. Mey., foss. Kr. p. 24. tb. 4. f. 34; in 
Münst. Beitr. Hft. 5. p. 74. tb. 15. f. 4 — 6, und 

P. marginatum H. v. Mey. in Münst. Beitr. Hft. 5. p. 72. tb. 
15. f. 3, aus dem Jurakalke von Aalen, möchte v. Meyer, unter dem 
neuen Gattungsnamen Pithonoton^ von den anderen Arten trennen. 

8. JBrachyura, Kurzscliwänze. Kralblben. 

Sie unterscheiden sich von den Macruren durch den Mangel 
einer Endflosse am Schwänze, so wie auch dadurch, dafs ihr Hin- 
terleib beständig gegen die Brust geklappt ist. Derselbe ist bei 
männlichen Individuen zungenförmig und verschmälert sich sehr 
nach dem Ende, bei den weiblichen hingegen breiter, fast kreis- 
förmig oder eiförmig. 

Die Brachyuren treten zuerst mit der Kreideformation auf, 
und die fossilen Arten haben im Allgemeinen einen den lebenden 
Formen ähnlicheren Charakter, als diefs bei den älteren Lang- 
schwänzen der Fall ist. Gegenwärtig bewohnen sie das Meer oder 
Flufsmündungen , und nur wenige von ihnen können eine Zeit lang 
auf dem Lande leben. 

1. G. Portunus Fabricius. Ruderkrabbe. 

Der Cephalothorax ist eben, nicht höckerig, breiter oder 
eben so breit als lang, an seinem vorderen Seitenrande gezähnelt 
und gegen den Hinterrand zusammengezogen; der Rand zwischen 



BRACHYDREN. 



213 



den Augenhöhlen ist gezähnelt oder buchtig; diese liegen von ein- 
ander in mäfsiger Entfernung, weiche gerade so grol's als die ' 
Länge des Hinterrandes ist, und umschliefsen die kurz gestielten 
Augen. 

Das erste Fufspaar ist am Ende flossenartig abgephittet. Der 
Schwanz beim Männchen aus fünf Gliedern gebildet, von denen 
das vorletzte das gröfste und an der Seite seiner Basis mit einem 
ziemlich vorspringenden Fortsatze versehen ist; der Schwanz des 
Weibchens besteht aus sieben Stücken, von welchen das letzte 
viel kleiner als das vorletzte, dreieckig und spitz ist. {Desmarest^ 
crust. foss. p. 85. — Br. Leth. p. 1157.) Zuerst in tertiären Gebilden. 

F. Hericartii Desm., Crust. foss. p. 87. tb. 5. f. 5. — Br. 
Leth. p. 1158. 

Der Rand zwischen den Augenhöhlen ist spitz und fiinfzähnig, 
der vordere ^ Seiteurand jederseits mit fünf gröfseren Zähnen und dar- 
unter mit einem Stachel besetzt. 

Der Cephalothorax, etwa von 6" Gröfse, wird sehr häufig im 
oberen tertiären Meeressandsteine von Paris gefunden. 

2. G. Podophthalmus Lam. Stie lauge, (novg^ Fufs ; 
oqjS'alf.ibg Auge.) 

Der ebene, nicht höckerige Cephalothorax ist viel breiter 
als lang und endet zu beiden Seiten in eine scharfe Ecke. Die 
lang gestielten Augen stehen in einer Grube oder Furche des 
zahnlosen Vorderrandes, welcher zwischen denselben einen Vor- 
sprung macht. 

Das erste Fufspaar ist an der Basis etwas erhaben, übrigens 
ähnlich wie in der vorigen Gattung. Schwanz ähnlich dem von 
Portunus. {Desmar. crust. foss. p. 88.) 

F. Bucha Reufs, die Versteinerungen der böhmischen Kreide- 
formation, 1. Abth., Stuttgart, 1845. p. 15. tb. 50. 

Der Cephalothorax einer kleinen Art aus dem Plänermergel von 
Hochpetsch in Böhmen. 

F. Defrancii Desm., Cr. foss. p. 88. tb. 5. f. 6. 7. 

Aus tertiären Schichten von Sceaux bei Paris. 

3. G. Cancer Fabr. Grabe. 

Cephalothorax eben, oberhalb ziemlich gewölbt und etwas 
breiter als lang. Seine theils glatten, theils sägeförmig gezähnten 
Seiten runden sich am Vorderrande in einem Kreisbogen ab, lau- 
fen aber nach der schmalen hintereu Seite hin gegen einander. 



214 KREBSE. 

Die Augen stehen auf kurzen Stielen, und der Zwischenraum zwi- 
sclien ihnen ist gezähnelt oder buchtig-. 

Die Fiifse enden in einer Spitze, mit Ausnahme derer, wel- 
che Scheeren tragen. 

Der Schwanz besteht bei dem Männchen aus fünf bis sechs, 
bei dem Weibchen aus sieben Stücken. 

Die ältesten Arten sind tertiäre. 

C, punctulatus Desin., Cr. foss. p. 92. tb. 7. f. 3. 4. — 
Hiernach Taf. Vlll. Fig. 15, von oben, und Fig. 16, ein Weibchen von 
unten (-5). 

Die Länge des Schildes verhält sich zur Breite wie 3:4; seine 
ganze Oberfläche ist mit Wärzchen bedeckt. 

Häufig in den kalkigen tertiären Schichten der Umgegend von 
Verona , Vicenca und Bologna. 

C. Sismondae H. v. Mey., aus tertiären Schichten bei Turin, 
steht der vorigen Art ziemlich nahe ). 

4. G. Grapsus Lam. Wanderkrabbe. 

Cephalothorax eben, schwach gewölbt, vierseitig, mit Augen- 
höhlen, welche an den Enden des breiten Vorderrandes liegen. 
Hinterrand schmal. Der mittlere, erhabenste Theil des Schildes 
ist von den Seitenflächen, so wie von dem Vorderrande desselben, 
durch eine starke Vertiefung geschieden, und man erkennt an ihm 
sehr deutlich die vorn liegende Blagengegend , die fast mit dieser 
zusammenhängende Geschlechts- oder Genilalgegend , und dahinter 
die auch zusammenhängenden Gegenden des Herzens und der hin- 
teren Leber. Die Kiemengegenden, welche den mittleren und 
hinteren Theil der Seitenflächen des Schildes einnehmen (der vor- 
dere Theil derselben bildet die vordere Lebergegend), lassen am 
äufseren Rande öfters unter sich parallele Wülste und Vertief- 
ungen erkennen, welche der Richtung der inneren Kiemen ent- 
sprechen. 

Der Schwanz ist in beiden Geschlechtern siebengliederig. 

Die vier letzten Fufspaare sind unter sich gleich, sehr lang 
und enden in einer gegliederten Spitze. (Desm.^ crust. foss. p. 97.) 

G. dubius Desm., Cr. foss. tb. 8. f. 7. 8. Aus grauem Thone. 

G. speciosus H. v. Mey. in L. Br. J. 18i4. p. 690. Im ter- 
tiären Schiefer von Oeningen. 



*) L. Br. J. 1843, p. 591. — -Bronn, paläontol. Collectaneen , p. 61. 



RACHYÜRBN. 



215 



5. G. Gonoplax Leach. Eckschild, {y^vog^ Ecke; 
nlu^, Platte.) 

Der Cephalothorax unterscheidet sich von dem der vorigen 
Gattung durch leichte Ausbiegungen des breiten Vorderrandes, wel- 
cher auf beiden Seiten in eine Ecke verläuft. Die Augen sind 
lang gestielt; der Raum zwischen ihnen macht in der Mitte einen 
schmalen , bald spateiförmigen , bald eckigen Vorsprung. Die ein- 
zelnen Gegenden sind auf dem Schilde wohl zu unterscheiden. 
Die Magengegend ist sehr breit und fällt mit der vorderen Leber- 
gegend in dieselbe Querlinie. Schwanz siebengliederig. Fiifse 
sehr lang, im Durchschnitte vierseitig, und mit mittelgrofsen Schee- 
ren. {Desm. Crust. foss. p. 98.) 

Desmarest rechnet fünf Arten von Krebsen hierher, welche mei- 
stens in einem erhärteten, graulichen, thonigen Kalke incrustirt bei 
der Meerenge von Malacca gefunden werden. 

Aufser G. incerta Desm., p. 104. tb. 8. f. 9, welche Art ein 
wirklicher Gonoplax ist, gehören die übrigen, G. Latreillii^ G, incisa^ 
G. emarginala und G. impressa Desm., nach Milne Edwards (Suites ä 
Buffon^ hist. nat. des Crustaces^ Vol. II. p. 64. *), zur Gattung Ma- 
crop hthalmus Latr., von welcher noch eine andere Art aus Ma- 
lacca durch Lucas als M. Desmarestii Luc. beschrieben wird. (L. Br. J. 
184L p. 263.) 

Die Angabe von Gaillardot, dafs Gonoplax Latreillii im Muschel- 
kalke von Luneville vorkomme, widerlegt H. v, Meyer, welcher die 
dafür angesprochenen Reste einem Wirbelthiere zuschreibt. (L. Br. J. 
1843. p. 590.) 

6. G. Gelasimus Latr. Ocypoda F. (yeldoi/nog ^ lächerlich.) 

G. nitidus Desm., Cr. foss. p. 106. tb. 8. f. 7. 8, von unbe- 
stimmtem Fundorte, ist die einzige fossile Art. 

7. G. Gecarcinus Leach. Erdkrabbe. 

G. trispinosus Desm. {Cr. foss. p. 108. tb. 8. f. 10.) ist die 
einzige Art, und deren Fundort nicht gekannt. 

8. G. Atelecyclus Leach. (ärtXrjg, unvollkommen; nvxXog^ Kreis.) 

Cephaltohorax gewölbt, höckerig, fast kreisförmig, etwas vier- 
seitig, mit scharfen, gezähnelten vorderen und hinteren Seilen- 
rändern u. s. w. (Desm. Cr. foss. p. 110.) 

*) Eine Mittheilung, die ich ebenfalls Herrn Prof. Burineister verdanke. 
Leider war mir nicht vergönnt, die Arbeit von Milne Edwards selbst einzusehen. 



216 



KREBSE. 



A. rugosus Desm. (Cr. foss. p. III. tb. 9. f. 9.), etwa 9"' 
breit und 8"' lang, wurde im tertiären Kalke bei Montpellier entdeckt. 

9. G. Leucosia Fabr. Linsenkrabbe. 
Cephalothorax halbkugelförmig gewölbt, vorn und hinten zu- 
sammengezogen, und am vorderen Ende mit zwei kleinen Grüb- 
chen für die Augen, welche nahe beisammen stehen. Die ein- 
zelnen Regionen sind auf dem Schilde kaum von einander zu 
unterscheiden. 

Der Schwanz besteht bei dem Männchen aus fünf schmalen, 
bei dem Weibchen aus vier breiten Stücken. 

Füfse lang, besonders aber an ihren dünnen, gleichartigen 
En^en. 

L. cranium Desm., Cr. foss. p. 113. tb. 9. f. 10 — 12. — Taf. 
VIII. Fig. 11. a. b. c. 

Das vordere Ende des fast kreisförmigen Schildes tritt wenig 
hervor. Sein scharfer Rand ist fein gekerbt und die Oberfläche mit 
zahllosen vertieften Punkten besäet, zwischen welchen noch feinere 
zu bemerken sind. 

Aus grobkörnigem Sande, wahrscheinlich von Ostindien. 

10. G. Inachus Fabr. Meerspinne (Inachos^ Griech. Myth.) 

/. Lamarckii Desm., Cr. foss. p. 116. tb. 9. f. 15. 16. 
Wahrscheinlich aus dem Londonthone von Sheppey. 

11. G. Dorippe Fabr. (Myth.) 

D. Rissoana Desm., Cr. foss. p. 120. tb. 10. f. 1 — 3. 
Aus Ostindien. 

t 12. G. Dromiliihes Milne Edwards. (Dromia; Ud^og, Stein.) 

Diese Gattung erhielt ihren Namen wegen der Aehnlichkeit 
in Form und Eintheilung des Cephalothorax mit der lebenden Dromia. 

Bisher war von ihr nur eine einzige Art aus dem Londonthone 
von Sheppey bekannt, in neuester Zeit beschreibt Reufs die Rücken- 
schilder und Bruchstücken von den Scheeren eines kleinen Brachyuren 
aus dem Plänermergel von Postelberg in Böhmen als D. pustulosus 
Reufs (die Verstein. der böhmischen Kreideformation, 1. Abth. Stutt- 
gart, 1845. p. 15. tb. 7. f. 26. a — c. f. 29, tb. 11. f. 23.). 

13. G. Ranina Latr. Albunea Fabr. Froschkrabbe. 
(rana^ Frosch.) 
Cephalothorax länglich, fast umgekehrt eiförmig, mit glattem 
Rande, vorn breit und abgestumpft, hinten ziemlich schmal. Der 



BRACHYURBN. POECILOPODEN. 



217 



siebena^liederige Schwanz gleiclit einem langgezogenen Dreiecke. 
Die Fiil'se sind zum Schwimmen eingerichtet und enden in einer spitz- 
ovalen, an ihrem Ende etwas gekrümmten Fläche. Ihre zusammen- 
gedrückten Enden haben die Form eines gezähnellen Dreieckes. 

R. Ädrovandi Desm.,' Cr. foss. p. 121. tb. 10. f. 5 — 7, tb. 
11. f. 1. 

Häufig im gelben grobkörnigen Kalke bei Verona, 
t 14. G. Heia Münst. (Nord. Myth.) 

Cephalothorax oblong, elliptisch oder viereckig, vorn ab- 
gestutzt und gezahnt, in der Mitte flach gewölbt. Schwanz sechs- 
gliederig. Von den dicken Füfsen hat das erste Paar sehr grofse, 
plattgedrückte, inwendig mit Stacheln besetzte Scheeren. (Münst. 
Beitr. 3. p. 24.) 

H. speciosa Münst. und H. oblonga Münst. (Beitr. 3. p. 24. 
25; tb. 2. f. 1 — 4.) kommen in tertiären Meerwasser- Gebilden bei 
Bünde, erstere Art auch bei Bodenburg im Hildesheimischen vor. 

B. Ostracodermata. 

Die Grundzahl in ihren Brustkastenringen scheint drei zu sein, 
und ihre Anzahl ist meistens sechs, neun, zwölf. Augen zusam- 
mengesetzt, mit einfacher, glatter Hornhaut. Die Jungen von allen 
sind einäugig und bringen gewöhnlich blofs Fühler und Taster 
als Bewegungsorgane mit auf die Welt. Sie sind beständig Was- 
serbewohner. (Burm.) 

3» Ordn. Aspidostraca. Entamostraca. 
ISchaalenkrebse. 

Sie haben stets Augen mit glatter Hornhaut und meistens 
zwei oder vier Fühler. Die meisten schwimmen im Wasser frei 
umher, wefshalb diesen die Gangfüfse ganz fehlen. (Burm.) 

a. Poecilopoda* Stachelfüfser. 

Sechs Gangfüfse am Brustkasten, sechs Kiemenfüfse am Hin- 
terleibe; jene zugleich Fühler und Kiefern. Zusammengesetzte 
Augen und Nebenaugen. (In Halicyne sollen die Augen gänzlich 
fehlen, was Burmeister jedoch bezweifelt.) Brustkasten und Hin- 
terleib jeder \on einer grofsen, schildförmigen Schaale bedeckt. 
(Burm.) 



218 



KREHSE. 



1. G. Limulus Fabr. S tieisch wahz. 

Das vordere Schild ist oberhalb stark gewölbt und bedeckt 
den grofsen Mund und die sechs Kieferfiifse, welche um den- 
selben herumstehen; das Hinterleibsschild ist am Rande mit be- 
weglichen Stacheln bewaffnet und endet hinten in einem steifen 
und spitzen Stachel. 

Aechte Limulus - Arien scheinen zuerst in der oberen Jura- 
formation aufgetreten zu sein, sind aber hier, wie in jüngeren 
Formationen, sehr selten. Den Limulus oculatus Kutorga aus dem 
? Kupfersandsteine am Ural hält Bronn *') eher für einen Eurypte- 
rus^ und die Arten aus der Steinkohlenformation und dem Muschel- 
kalke bilden neue Geschlechter. 

L. Walchii Desm. (Cr. foss. p. 140. th. 11. f. 6.), so wie die 
von Münster aufgefundenen und von van der Hoeven beschriebenen 
fossilen Arten wurden aus den Kalkschiefern von Baiern, bei Kelheim 
und Solenhofen, hervorgezogen, und sie bieten in den beiden Schil- 
dern keinen wesentlichen Unterschied mit dem noch lebenden moluk- 
kischen Krebse , Limulus polyphemus L., dar. Auch besitzen sie an 
dem Rande des Hinterleibsschildes jederseits sechs bewegliche Stacheln; 
während aber bei den lebenden Arten der Endstachel dreikantig ist, 
so besitzen die fossilen auf der oberen und unteren Seile desselben 
eine Längsfurche. 

In L. brevispina Münst. scheinen diese Furchen zu fehlen, und 
in der gröfsten aller Arten, dem 

L. giganteus Münst. aus Solenhofen, dessen Schwanzstachel 
8" lang und 8'" breit ist, zeigen sich oben und unten zwei Längs- 
furchen '•'••••). 

i 2. G. Ha Heyne H. v. Mey- (aXixog, vom Meere.) 

Von Limulus durch den Mangel (?) von Augen verschieden. 

H. agnota H. v. Mey., früher Limulus agnotus H. v. Mey., 
{Olenus serotinus Goldf.), und 

H. laxa H. v. Mey. rühren aus dem oberen dolomitischen Mu- 
schelkalke von Rottweil her t). 

H.? prisca {Limulus priscus) Münst., Beitr. 1. p. 71. tb. 5. f. 1. 
Ihr scheinen wenigstens die Netzaugen zu fehlen. 

Aus dem Muschelkalke von Bayreuth. 

*) L. Br. J. 1839. p. 489. 

**) Recherches sur Vhistoire naturelle des Limulus, Leyde, 1838. 

L. Br. J. 1839. p. 680; Münst. Beitr. 3. p. 26. tb. 1. f. 9. 
J-) L. Br. J. 1838. p. 415; 1844. p. 567. 



POECILOPODEN. PH VLLOFOUEX. 



219 



i 3 G. Belinurus König, {ßtlog, Pfeil; otoa, Schwanz.) 

Diese Gattung unterscheidet sich von Limulus durch die Ar- 
ticulation des langen Stachels am Schwänze und durch Querein- 
driicke an den Seiten des Hinterleibes, wodurch eine grofse Aehn- 
lichkeit mit gewissen Trilobiten entsteht; doch sollen die Quer- 
eindriicke nicht durch die ganze Fläche hindurchgehen, so dafs 
die Bauchgegend blos von einer einzigen Platte bedeckt war. 

B. {Limulus) trilobitoides Buckl., Geol. II. tb. 56". f. 3. En- 
tomolithus monoculites Martin. 

Aus einer Eisenniere , welche in der Steinkohlenformation von 
Colbrook Dale häufig vorkommen. 

Einen ganz ähnlichen, mehr trilobitenartigen Körper bildet Par- 
kinson {Organ. Rem. Vol. 3. PL 17. f. 18.) aus demselben Gestein 
von Dudley ab. 

b. Phyllopoda» Blattfüfser. 

Bewegungsorgane gleichartig und blofs zum Rudern geeignet. 
Wirkliche Kiefern und ein bis drei Paar accessorischer Mundtheile. 
Die ungegliederten aber gespaltenen Füfse sind mit gefranzten 
Hautlappen versehen. Sie haben zwei zusammengesetzte Augen 
und meistentheils auch Nebenaugen. Brustkasten und Hinterleib 
sind gegliedert, und der erstere besteht in den lebenden Gattungen 
aus zwölf, der letztere aus zwei bis achtzehn Gliedern. Thiere 
mit oder ohne Schaale, alle aber nur zum Leben im Wasser be- 
stimmt. 

Von den noch lebenden Gattungen ist nur der Blattfufs, 
Apus *) Scopoli^ im fossilen Zustande aufgefunden worden; da- 
gegen werden dieselben durch die auf die beiden älteren For- 
mationen beschränkten Paläaden vertreten, von denen Burmeister 
gezeigt hat, dafs sie sich unmittelbar an die lebenden Phyllopo- 
den, besonders an Branchiopus, anschliefsen. 

Palaeadae Burmeister. Paläaden. 

Sie zeichnen sich durch zwei grofse, zusammengesetzte Augen, 
kurze, unentwickelte Fühler und weiche, blattartige, Kiemen tra- 

*) Schimper entdeckte einen Apus in einer Schicht des bunten Sand- 
steines von Sulzbad, welche sehr reich an Posidonia minuta (?) ist. Er 
besitzt grofse Aehnlichkeit mit dem in süfsen Gewässern Deutschlands hau 
figen Jpus cancriformisj und Schimper nennt ihn Jpus ajitiquus. (L. Br. J. 
1840. p. 338.) 



220 



KREBSE. 



gende Füfse aus, und unterscheiden sich von den lebenden Phyl- 
lopoden wesentlich durch das schwankende Zahlenverhältnifs ihrer 
Brustkastenringe. (Burmeister, die Organisation der Trilobiten aus 
ihren lebenden Verwandten entwickelt. Berlin, 1843.) 

1. Farn. Xurypteridae Burm. 

Es sind Paläaden ohne Schaale. Ihr Rumpf besteht wahr- 
scheinlich aus neun Ringen, von denen der erste ein Paar fünf- 
gliederiger Ruderfüfse trägt. Hinterleib mit drei bis sechs Ringen. 
Nur im Grauwackengebirge. 

Eurypterus Dekay. {iVQvg^ breit; njfQov^ Ruder.) 

E. retnipes Dekay. — Burm. Tril. p. 62. — Br. Leth. p. 109. 
tb. 9. f. 1. — Fischer de Waldheim ^ notice sur V Eurypterus de Podolie^ 
Moscou, 1839. tb. 4. f. 2. 

Länge 3V; Breite oben 1^'^ 

Im Thonschiefer von Westmoreland und New -York. 
E. lacustris Harlan. — Burm. Tril. p. 62. 
Länge fast \ Breite 2V. 

In der Grauwacke von Williamsville bei BufFalo. 
E, tetragonophthalmus Fischer, notice etc. tb, 4. f. 1. 
Augen weit entfernt von einander und viereckig. Rumpf schlank, 
Hinterleib noch schlanker, Glieder am Rande spitz. 
Im Grauwackengebirge Podoliens. 

3. Farn. Cytherinidae Burm. 

Die bisher noch unbekannten Thiere stecken in zweiklappigen, 
bohnenförmigen Schaalen, deren oberer Rand convex und geschlos- 
sen ist, während der untere concave sich öffnet. 

Zu dieser Familie rechnet Burmeister vorläufig nur die Cy- 
therinen *) aus dem älteren Gebirge. 

t Cytherina Lam. (Cythere^ Griech. Mylh.) 

Eine Meeresgattung. 

C, b alt hie a Hisinger, Lethaea Suecica, p. 10. tb. 1. f. 2; 
tb. 30. f. 1. 

Schaale länglich, und auf der einen Seite fast geradlinig. Bis 
10'" lang und 6''' breit. 

Im jüngeren Uebergangskalke von Gothland. 

*) Die Cytherinen aus jüngeren Gebirgsarten sollen , wie es gewöhnlich 
geschieht, den Ostracoden einverleibt werden. 



TRILOBITEN. 



221 



C. Phaseolus His. , Leth. Suec. p. 9. tb. 1. f. 1. — Klöden, 
die Versteinerungen der Mark Brandenburg, Berlin, 1834. tb. 1. f. 10. 11. 
Schaale länglich, fast nierenförmig , glatt. 5'" lang, 2'" breit. 
Aus dem Sandsteine bei Hoburg in Gothland. 

3. Farn. OCrilolbitae Trilolbiten. JPalaeadae Dalman. 

Der Leib dieser merkwürdigen Krebse besteht aus drei deut- 
lichen Hauptabschnitten und jeder aus mehreren Ringen, die alle 
von hornigkalkigen Panzerstücken bedeckt waren. Nur diese letz- 
teren sind in den fossilen Resten der Trilobiten erhalten geblieben. 
In einigen Gattungen, zumal bei Calymene, Homalonotus^ Phacops, 
Harpes und Odontopleura^ hat der Panzer eine ungleich körnige, 
granulirte Oberfläche, welche an einer besonderen dünneren Ober- 
hautschicht haftet und nur theilweise ihre Granulation der unteren 
derberen Panzerlage mittheilt; bei den meisten übrigen Gattungen 
fehlt eine solche granulirte Schicht, und statt ihrer hat die Pan- 
zerlage selbst feine Risse, Leisten oder Punkte, die den Linien 
an der Innenfläche unserer Hand ähneln. Namentlich bei Asaphus 
und lllaenus bemerkte Burmeister diese Sculptur deutlich. Der 
untere oder innere Theil der Panzerstücke bildet eine stets dün- 
nere Hornlamelle, welche sich durch eine sehr regelmäfsige, pa- 
rallele Streifung auf ihrer freien Oberfläche auszeichnet. 

Der Kopf ist deutlich vom Rumpfe gesondert und wird von 
einem grofsen, halbkreisförmigen oder parabolischen Schilde be- 
kleidet, dessen mittleren Theil der wirkliche Kopf einnimmt und 
hier als Kopfbuckel hervorragt, vermittelst einer mehr oder 
minder deutlichen Furche von dem übrigen Schilde sich absetzend. 
Die Seitentheile dieses Schildes sind selbstständige Stücke (Wange n - 
Schilder) und hängen mit dem Mittelschilde nur durch eine 
. Naht zusammen, welche im Schilde als vertiefte Linie (daher Ge- 
sichtslinie) wahrgenommen wird. Der Verlauf dieser Linie ist 
bei den verschiedenen Gattungen manchen Abweichungen unter- 
worfen. Gewöhnlich entspringt sie zu beiden Seiten am hinteren 
Rande des Kopfschildes (aber bei Phacops schon am Seitenrande), 



*) Dem vortrefi'lichen Werke von Burmeister: „die Organisation der 
Trilobiten aus ihren lebenden Verwandten entwickelt, Berl. 1843. 4." ent- 
lehnte ich vorzugsweise das über Trilobiten hier Mitgetheilte. Des Verfas- 
sers Eintheilung beibehaltend, habe ich nur die Reihenfolge umgekehrt, weil 
naeh brieflichen Mittheilungen desselben, die Trilobiten mit Zusammenkugel- 
ungsvermögen vor den beständig ausgestreckten den Vorrang verdienen, und 
ich das System der Thiere in diesem Grundrisse von oben herab behandele. 



222 



KKEBSE. 



wendet sich von da gerade vorwärts oder schief einwärts, S-förmig 
geschwungen zu den Augen, bildet über ihnen die Deckelplatten, 
verläuft nun weiter zum Rande des Kopfschildes, ihn entweder an 
zwei Stellen neben der Mitte (z. B. bei Paradoxides und Caly- 
mene)^ oder in der Mitte selbst (bei Asaphus) ^ oder gar nicht 
(bei Phacops) überschreitend. Im letzleren Falle gehen die bei- 
den Hälften der Gesichtslinien unter einem Bogen in einander über. 
In den beiden ersten Fällen entstehen also zwei Wangenschilder, 
ein rechtes und ein linkes, neben dem Mittelschilde; im dritten 
Falle hängen beide Wangenschilder vor dem Mittelschilde an ein- 
ander. Aufser diesen Schildern giebt es noch ein Schnauzen- 
schild, welches unten vor dem Munde liegt und, wenn die bei- 
den Hälften der Gesichtslinie getrennt über den vorderen Schildrand 
wegsetzen, durch eine untere Quernaht, die dem Schildrande vorn 
parallel verläuft, abgesondert wird. An ihm hängen das abwärts 
gewölbte, untere Stück des Kopfes (clypeus) und ein Paar bauchige 
Seitentheile, welche wahrscheinlich die Kiefer bedeckten. 

Alle Trilobiten besitzen, nach Burmeister, zwei Augen, weN 
che theils als Kugelsegmente, theils als Stücke einer Kegelzone 
gewölbt sind, und aus der Gesichtsnaht in der Mitte neben dem 
Kopfbuckel hervortreten. Die Naht klafft an dieser Stelle mehr 
oder weniger und beschreibt einen kleinen Bogen, unter dem das 
Auge hervorquillt. Dieser Bogen begränzt die Deckelplatte des 
Auges. Trilobiten mit sehr flach gewölbten Augen hielt man 
früher für blind. Die aus vielen Linsen zusammengesetzten Augen ''■) 
sind mit einer glatten Hornhaut bedeckt, welche jedoch ihrer Fein- 
heit halber bei einigen Gattungen verloren ging und dann die 
Augen facettirt erscheinen läfst. 

Der gegliederte Rumpf wird von 6 — 20 gleichartigen Ring- 
schildern bedjeckt, deren Verbindung mit einander bei mehreren 
Gattungen eine Zusammenkugelung des Leibes gestattete. Der mitt- 
lere Theil dieser Ringe ist halbcylindrisch gewölbt und wird von 
den seitlichen, flacheren Ausläufern durch eine Furche geschieden. 
Hierdurch beurkundet sich das Dreilappige in der Form der Tri- 
lobiten auch nach der zweiten queren Dimension. 

Den Hinterleib bedeckt das Schwanzschild, welches in 
seiner allerdings undeutlicheren Gliederung dem Rumpfe sehr ähn- 
lich wird. Burmeister nennt den mittleren gewölbten und ge- 
ringelten Theil dieses Schildes die Achse. 



*) Burmeister zählte am Auge des Phacops arachnoides 162 Linsen. 



TRILOBITEN. 



223 



Die grofse Aehnlichkeil, welche im Bau der Trilobiten und 
dem der lebenden Pliyllopoden besieht, läfst auch annehmen, dafs 
ihre Füfse weiche, häutige, gefranzte Schwimmblätter waren, ähn- 
lich etwa der Form, in welcher sie auf Taf. IX. Fig. 1. im Durch- 
schnitte dargestellt sind. Ihrer Weichheit halber konnten sie sich 
nicht gut erhalten ■'). Nach Analogie der Phyllopoden bewegten 
sich übrigens die Trilobiten nur schwimmend , gewöhnlich wohl 
dicht unter der Oberfläche des Wassers, den Rücken nach unten, 
die Bauchseite nach oben gewendet. In der Nähe der Küsten 
und an untiefen Stellen des Meeres scheinen die Trilobiten am 
liebsten, oft in grofser Anzahl beisammen gelebt zu haben; ihre 
Nahrung bestand, wie es scheint, aus kleineren Wasserthieren, 
vielleicht auch der Brut ihrer nächsten Verwandten, und das Ver- 
mögen von vielen, sich zusammenkugeln zu können, schützte die- 
selben gegen äufsere Gefahren. 

Wie viele Krebse, bestanden auch sie eine Metamorphose, 
und Battus oder Agnostus scheint Burmeistern nichts anderes als 
der Jugendzustand dieser Krebse zu sein. 

Die Trilobiten gehören zu den ältesten Bewohnern der frü- 
heren Meere und verbreiten sich vom Thonschiefer aufwärts bis 
in die Steinkohlenformation. Die Gattungen mit kleineren flacheren 
Augen, denen das Zusammenkugelungsvermögen abgeht, sind nur 
in den älteren Theilen dieser Schichtenfolge zu finden, doch kom- 
men neben ihnen auch immer Arten mit Kugelungsvermögen vor; 
die letzteren reichen mit eigenthümlichen Gattungen bis in den 
Bergkalk hinein, aber die ersteren fehlen daselbst ganz, lieber 
dem Bergkalke giebt es keine Trilobiten mehr. 

Von lebenden Thieren so abweichende Gestalten, wie man 
in den Trilobiten zu erblicken gewohnt war ** •'■'), mufsten die Auf- 
merksamkeit der Naturforscher um so mehr auf sich ziehen, als 
sie für die Kenntnifs der älteren Gebirgsschichten eine höchst 
wichtige Rolle spielen. 

Aus der reichhaltigen Literatur über Trilobiten hebe ich fol- 
gende, für ihre Kenntnifs besonders wichtige und von mir ver- 
glichene Schriften heraus: 

Wahlenberg ^ Petrißcata Telluris Siiecanae, in nov. actis 
reg. soc. scient. Upsaliensis^ VoL 8. Upsalae^ 1821; 

*) Die von Goldfufs, Sternberg und Castehiau für Trilobitenfüfsc an- 
gesprochenen Theile hält Burmeister noch für sehr problematisch. 

**) Diefs drücken die Namen für die Trilobiten: EntomoUthus para- 
doxus L. und Paradoxides Brongn. hinreichend aus. 



224 



KHBBSE. 



Alexandre Brongniart^ histoire naturelle des Crusiacis fos- 
siles. Paris, 1822; 

D. E. Eichwaldi, de Trilohitis ohsermiiones. Casani, 1825; 

Dal man, über die Paläaden oder die sogenannten Trilobi- 
ten, übersetzt von Engelhart. Nürnberg, 1828; 

Quenstedt, Zahlenverhältnisse der Trilobiten, in Wieg- 
mann's Archiv 1837. Bd. 1. p. 337; 

L. V. Buch, Beiträge zur Bestimmung der Gebirgsformationen 
in Rufsland, in Karsten's Archiv Bd. 15. 1840; 

Goldfufs, systematische Uebersicht der Trilobiten, in Leonh. 
Br. Jahrb. 1843. p. 537; 

Burmeister, die Organisation der Trilobiten aus ihren le- 
benden Verwandten entwickelt. Berlin, 1843; 

Emmerich, über die Trilobiten, in Leonh. Br. Jahrb. 1845. 
p. 18. 

I. Trilobiten mit Zusammenkugelungsvermögen. 

Die Seitenlappen der Rumpfschilder stehen nur Anfangs wage- 
recht, biegen sich dann aber mehr oder weniger senkrecht nach 
unten herab. Die Augen sind grofs und ragen weit empor. Der 
hornige Panzer hatte eine feste Beschaffenheit, und das Schwanz- 
schild ist an Gröfse und Gestalt dem Kopfschilde ziemlich ent- 
sprechend. 

Sie sind die vollkommeneren, und finden sich meistens in 
jüngeren Schichten als die übrigen Trilobiten. 

1. Calymenidae. Mit nach hinten verschmälerter Rumpfachse , granulirler 
Scbaale , und gew öhnlich mehr als zehn Rumpfringen. 

A. Mit dreiz ehngliederiger Rumpf achse. 

t 1. G. Calymene Brongn. Amphion und Zethus Pander. 
(xaXog^ schön; /uipT] ^ Mond.) 

Kopfschild halbmondförmig, ziemlich stark gewölbt, mit 
ringsum aufgeworfenem Rande versehen, und an der hinteren Ecke 
stumpf, abgerundet, nicht ausgebogen. Der Kopfbuckel ist stark 
gewölbt, an der Seite gelappt, wird nach vorn schmäler und stöfst 
hinten mit einem wulstförmigen Rande an den Rumpf an. Die 
Augen ragen stark hervor, sind nur von mittlerer Gröfse und las- 
sen keine Hornhaut erkennen; sie stehen bald auf der Mitte, bald 
auf der vorderen Hälfte der Wangen. Die beiden Gesichlslinien 
sind durch eine Randnaht verbunden. 



TRILOBITEN. 



225 



Die dreizehn Rumpfringe sind stark gewölbt; ihre hoch ge- 
wölbte Achse ist von den gleichfalls hochgewölbten Seitenlappen 
scharf gesondert. 

Das Schwanzschild ist schmäler , doch oft länger als das 
Kopfschild; seine sieben-, neun- oder elfgliederige Achse wird 
nach hinten schnell schmäler und rundet sich ab, (Burm.) 

Die Arten beginnen zum Theil schon in den ältesten, am 
häufigsten sind sie jedoch in jüngeren ' Grauwackenschichten und 
im Kohlengebirge. 

C. Blumenbachii Brongniart a. a. 0. p. 11. pl. 1. f. , 1. — 
Entomolühus paradoxus Blumenbach. — Entomostracites tuberculatus Wah- 
lenberg a. a. 0. p. 31. u. 295. — Parkinson , org. rem. III. pl. 17. 
f. 11. 13. 14. — Dalman, a. a. 0. tb. 1. f. 2. 3. — Buckland, Geol. 
pl. 46. f. 1 — 3. — Bronn , Leth. tb. 9. f. 3. — Hisinger , Leth. Suec. 
tb. 1. f. 3. 4. — Burmeister, Tril. p. 96. tb. 2. f. 1—3. — Hiernach 
Taf. IX. Fig. 2. a. b. 

Kopfschild vorn ganzrandig, mit stark aufgeworfenem Rande; 
Kopfbuckel undeutlich vierlappig, indem die beiden vordersten Lappen 
nur schwach von einander getrennt sind; der vierte hinterste Lappen 
ist der gröfste. Augen auf der Mitte der Wangen. Schwanzschild 
viel kleiner als das Kopfschild, mit kurzer, breiter, siebengliederiger 
Achse und sechs Furchen auf jeder Seite, von denen die vier mittleren 
der Länge nach vom Rande aus gespalten sind. Die ganze Oberfläche ist 
bei wohl erhaltenen Stücken fein granulirt. Länge l\ — 3". (Burm.) 

Nach Archiac und Verneuil "•) in der oberen silurischen Grau- 
wacke von Wifsenbach, Daun, Contentin, Angers, Golhland, Oeland, 
Scandinavien, Ostgothland, Dalecarlien, Shropshire; im Cederngebirge 
in Süd -Afrika, sehr häufig in den vereinigten Staaten: Ohio, Trenton 
Falls, Grafschaft Perry, Tenessee u. s. av. 

Andere Arten sind nach Burmeister: 

C. Trist ani Brongn. a. a. 0. pl. 1. f. 2. A — K. 

Aus silurischer Grauwacke von Prüm, Contentin, Lahunaudiere 
(Bretagne) und vom Cederngebirge in Süd -Afrika. 

C, polytoma Dahn. a. a. 0. tb. 1. f. 1. 

Im rothen Grauwacken- (Uebergangs -) Kalke Oslgothlands und 
Esthlands. 

C. callicep hala Green, Burm. p. 98. 



*) Fauna der paläozoischen Gebilde in den Rheinlanden, in Sedgwick 
und Murchison, über die älteren oder paläozoischen Gebilde, bearbeitet von 
G. Leonhard. Stuttgart, 1844. 

Ceiiiitz y, Versteiiiernngskuade. 15 



226 



KREBSE. 



In Nordamerika von Hampshire in Virginien, an den Ufern des 
Miamis bei Cincinnati und aus Indiana, in einem schwarzgrauen Grau- 
wackenkalke. 

I 2. G. Homalonotusi König. Trimerus Green, Murchison. 
Dipleiira Goldf. (ofnulbg, ähnlich; vwrog, Rücken.) 

Kopfschild hyperbolisch, mit ziemlich scharfer Vorderecke, 
sanft geschwungenen Seitenrändern, ziemlich geradem Hinterrande, 
ohne rückwärts vorgezogene Ecken. Die ganze Oberfläche ist 
sanft gewölbt, breitet sich nach dem äufseren Rande ziemlich flach 
aus, während der Saum am Hinterrande durch eine Furche ab- 
gegränzt und leicht gewölbt ist. Kopfbuckel ungetheilt, hinten 
etwas breiter als vorn, wo er sich zurundet. Augen neben der 
Mitte des Kopfbuckels, flach gewölbt, und relativ etwas kleiner 
als bei Calymene. Die Gesichtslinie ist vorn dem Rande des Kopf- 
schildes parallel, doch von ihm entfernt, scharfwinkelig, auf der 
flachen Ausbreitung des Kopfschildes verlaufend, von da unter 
einem Bogen sich zum Auge, und dann S-förmig geschwungen 
zur hinteren Seitenecke wendend, die durch sie halbirt wird. 

Rumpfachse nach hinten verschmälert, wenig gewölbt; der 
hintere Rand jedes Achsenringes ist scharfkantig vorgezogen, der 
vordere durch eine mehr oder weniger vertiefte Querfurche von 
dem hinteren Theile gesondert. 

Schwanzschild ähnlich dem Kopfschilde, allein kleiner und 
schmäler. (Burm.) 

A. Dipleura Green. Das äufsere Ende der Gesichtslinie 
halbirt die Hinterecke selbst. Die Achsenglieder sind nicht brei- 
ter als die Seitenlappen und sehr deutlich von ihnen abgesetzt. 

H. Dekayi Green. — Bronn, Leth. p. 113. pl. 9. f. 6. 7. — 
Burm. p. 101. 

In New -York, bei Northumberland in Pennsylvanien, Mount Hope 
in der Gegend von Baltimore. 

B. Trimerus. Das äufsere Ende der Gesichtslinie trifft den 
Rand etwas vor der Ecke des Kopfschildes nach aufsen zu. Die 
Achsenglieder sind breiter als die Seitenlappen und sehr wenig 
von ihnen abgesetzt. 

a. Arten ohne Stacheln und Hocker. Trimerus Green, Homalonotus König. 

H, Knightii König. — Bronn, Leth. p. 119 tb. 9. f. 14. — 
H. Knightii und H. Ludensis Murch. Sil. Syst. — Burm. p. 101. 

Oberfläche glatt. Schwanzschild spitz, mit acht- bis neunringeliger 
Achse und sechs Seitenrippen. Körper 3 — 4" lang. 



TRILOBITEX. 



227 



Nach Archiac und Verneiiil in silurischer Grauwacke von Ludlow, 
N6hou, Wifsenbach, Daun, Ehrenbreitenstein , Martelange, Altenahr, 
am Rheinufer, an der Ahr und Lahn; in devonischer von Torquay. 

H, delphinocephalus Green. — Br. Leih. p. 112. tb. 9. f. 5. 

— Burm. p. 102. 

Das spitze Schw^anzschild ist am Ende zurückgebogen, hat eine zehn- 
bis zwölfringelige Achse und acht Seitenrippen. Körperlänge 3 — 6". 

In einer gelben, stark eisenhaltigen Grauwacke aus der Eifel; 
im Uebergangskalke Englands (Wenlock, Dudley) und Nordamerikas 
(Williamsville, Niagara, New -York). 

b. Arten mit dicken, symmetrischen Stacheln auf der ganzen Rückenfläche. 

Homalonotus Murch. 

H. armatus Burm. p. 103. tb. 4. f. 1. — Hiernach Taf. IX. 
Fig. 1. (Kopfschild und die ersten beiden Rumpfringe, in ^ nat. Gr.) 

Kopfbuckel achtslachelig, Seitenschilder mit einem Stachel, Hin- 
terrand mit drei, jeder der Rumpfringe mit zwei Stacheln. Körper- 
länge 3 — 6''. 

In Grauwackenschichten der Eifel bei Daun. 

Herschelii Murch. Sil. Syst. pl. 7 bis. f. 2. — Burm. p. 103. 

— Arch. u. Vern. a. a. 0. p. 173. 

Körperringe vierstachelig, Seitenlappen mit einem Stachel, Schwanz- 
achse an der Basis vierstachelig. 

In silurischer Grauwacke von Brüm, Contentin, Lahunaudiere 
(Bretagne) und im Cederngebirge in Süd -Afrika. 

B. Mit elfgliederiger Rumpfachse. 

t 3. G. Cyphaspis Burm. (xvcfog, Buckel; danlg, runder Schild.) 

-Oberfläclie gekörnelt. Kopfschild etwas kürzer als halb- 
kreisförmig, mit stark herabgezogenen Seiten, ringsum verdicktem 
Rande, hoch gewölbtem, einem Ei ähnlichen Kopfbuckel, wel- 
cher ohne Furchen ist, an seinem hinteren Ende aber von zwei 
Längswulsten begleitet wird. Die kleinen Augen liegen auf hohen 
Höckern neben dem Kopfbuckel. Die Gesichtslinie beginnt am 
Hinterrande, nahe der in einen Stachel ausgezogenen Aufsenecke, 
und läuft von dem Auge geradlinig zum Vorderrande. 

Die Rumpfachse verschmälert sich nach hinten. 

Schwanzschild sehr klein, mit gegliederter Achse und un- 
deutlichen Rippen. 

C. clavifrons Dalman (Calymene clavtfrons und Cal. bellatula)\ 
Dalm. a. a. 0. tb. 1. f. 4. a. d. — Burm. p. 104. tb. 3. f. 3. 4. — 
Hiernach Taf. IX. Fig. 4. 

15* 



228 



KREBSE. 



Im grauen silur. Grauwackenkalke OstgoUilands bei Husbyfjöd, 
bei Ladegaard's Oen in Norwegen, und in einem ganz ähnlichen Kalke 
aus der Eifel. 

t 4. G. Phacops Emmrich. Pleuracanthus und Peltura 
Milne Edwards. (q)axüg, Linse; wxp^ Auge.) 

Kopfschild halbkreisförmig oder etwas parabolisch, biswei- 
len auch mondförmig; am Aufsenrande scharfkantig oder etwas 
ausgebreitet , am Hinterrande verdickt. Kopfbuckel hoch ge- 
wölbt, einfach oder gelappt, vorn breiter als hinten, und dort 
breiter oder eben so breit als der Abstand beider Augen. Die 
Gesichtslinie läuft vorn um den Kopfbuckel herum und dann 
von dem hinteren Augenwinkel S-förmig zum Seitenrande (was in 
den beiden Abbildungen nicht ausgedrückt worden ist). Die gro- 
fsen hochgewölbten Augen bilden ein Stück einer Kegelzone. 

Die Achse der Rumpfringe ist etwas stärker gewölbt als 
ihre Seitenlappen. 

Schwanzschild mit deutlich gegliederter Achse und stark ge- 
rippten Seiten. 

A. Arten mit einfachem, ungetheiltem, trapezoidalem Kopf- 
buckel, der hinten einen kurzen Stiel und daneben zwei Knötchen 
hat. Kopfecken stumpf, das Schwanzschild am Ende abgerundet. 

F. latifrons Burm. p. 105. tb. 2. f. 4 — 6. — Hiernach Taf. 
IX. Fig. 5. — Calymene macrophlhalma Brongn. Crust. foss, p. 15. 
pL 1. f. b. A — C. — Bronn, Leih. p. III. tb. 9. f. 4. — Buckl. 
Mi7i. and Geol. pl. 46. f. 4. — Arch. u. Vern. a. a. 0. p. 170. 

Schaale stark gekörnelt; Kopfbuckel ungetheilt und an den Sei- 
ten gerade; Schwanzachse sieben- bis neunringelig; Seitenrippen 5 — 7. 
Länge 1 — 3". 

Nach Burmeister im Grauwackenkalke der Eifel, des Harzes, des 
Fichtelgebirges, Böhmens, Englands und Nordamerikas. Archinac und 
Verneuil führen noch andere Fundorte an, die sich wahrscheinlich auf 
Ph. macrophthalmus (p. 229.) beziehen. 

P. protuberans Dalm. {Cal. prot.). — Burm. p. 107. tb. 3. f. 6. 

Die Seiten des Kopfbuckels sind etwas winkelig oder doch ge- 
bogen, wodurch sich diese Art leicht von der vorigen unterscheidet. 

In einem grauen Kalksleine vom Branikberge bei Prag, und nach 
Slernberg aus Weslphalen. 

B. Arten mit gelapptem Kopfbuckel; ihnen fehlen die iso- 
lirten Knötchen in den Hinterecken neben dem Stiele des Kopf- 
buckels, statt ihrer erscheint eine Querwulst. 



TRILOBITEN. 



229 



a. Kopfbuckel mit zwei Seitenlappen. 
cc. Die Hinterecken des Kopfschildes sind abgerundet oder stumpf. 

Ph. anchiops Green (Calymene a.). — Burm. p. 107. 
In einem schwarzen Grauwackenkalke von Ulster und Murron 
(New -York). 

Ph. rotundifrons Emmr. — Burm. p. 108. tb. 4. f. 2. 
Bei Dillenburg auf dem Westerwalde. 
Ph. proaevus Emmr. — Burm. p. 108. tb. 4. f. 3. 
Aus böhmischer Grauwacke von Ginec. 

ß. Die Hinterecken des Kopfschildes sind zugespitzt. 

Ph. conop hthalmus Emmr. — Burm. p. 109. tb. 4. f. 5. 6. 
In einem gelblich- grauen Kalksteine von Reval und Ladegaard's 
Oen bei Christiania. 

b. Kopfbuckel mit drei oder vier Seitenlappen. 
a. Die Hinterecken des Kopfschildes sind abgerundet und ragen nicht hervor, 
aa. Kopfbuckel mit drei mittleren Söitenlappen. 

Ph. macropht halmus Brongn. (Calymene macr.) a. a. 0. p. 14. 
tb. 1. f. 4. A. B. — Burm. p. 110. 

Augen sehr grofs. Der vorderste Theil des Kopfbuckels ist 
quer rhombisch und vorn ziemlich scharfeckig; die drei folgenden 
Lappen werden allmählig kleiner und der hinterste ist am stärksten 
gewölbt. Schwanzachse zehn- bis zwölfgliederig. 

Im älteren Grauwackenkalke von Hunaudiere in der Bretagne 
und der Petersburger Hügel. 

Ph. odontocep halus Green (Calym. odont). — Burm. p. 110. 
tb. 4. f. 4. 

In einem grauen Sandsteine aus Ulster in New -York, 
bb. Kopfbuckel mit vier mittleren Seitenlappen. 

Ph. sclerops Dalm. (Calym. sei.). — Burm. p. III. 

Der vordere, nierenförmige Theil des Koptbuckels ist am gröfs- 
ten, die anderen nehmen an Gröfse ab. Schwanzachse achtringelig ; 
Seitenrippen sechs. Länge li — ü". 

Im grauen silurischen Kalke bei Ifusbyfjöd in Ostgothland, im 
rothen Kalke bei Skarpasen und bei Furudal in Dalecarlien. 

ß. Die Hinterecken des Kopfschildes ragen als ausgezogene Spitzen hervor; 
Kopfbuckel vierlappig. 

aa. Schwanzschild am Ende zugespitzt, ohne Seitenstacheln. 

Ph. Hausmanni Brongn. (Asaphus H.) Cr. foss. p. 21. pl. 2.» 
f. 3. A. B. — Burm. p. lU. — Arch. u. Vern. a. a. 0. p. 172. 



230 



KREBSE. 



Die sehr grofsen Augen breiten sich bis fast an den Rand des 
Kopfschildes aus. Schwanzachse neunzehn- bis zwanzigringelig ; Sei- 
tenrippen fünfzehn. Lange 3 — 5". 

In silurischer und devonischer Grauwacke von Kemmenau, Prag, 
am Moldau -Ufer bei Kosorz, Branik, Karlstein. 

Ph. caudatus Brünn (Trilob. caud.). — Parkinson, org. rem. 
III. tb. 17. f. 17. — Asaph. caud. Brongn. Cr. foss. p. 22. pl. 2. f. 4. 
— Dahn. Pal. p. 65. tb. 2. f. 4. — Buckl. Geol. and Min. II. pl. 45. 
f. 9 — 11; pl. 46. f. 11 — 12. — As. Cordieri Castelnau, Essai sur le 
Systeme Silurien de PAmerique septentrionale ^ pl. 4. f. 2. 

Augen kleiner als bei der vorigen Art; Schwanzachse vierzehn- 
ringelig; Seitenrippen acht, Ende des Schwanzschildes in eine Spitze 
verlaufend. Länge 2 — 3''. 

Im silurischen Grauwackenkalke Englands (Dudley, Ludlow), Schwe- 
dens (Gothland) und Nordamerikas (Lockport). 

Ph. mucronatus Brongn. (Asaph. mucr.) Cr. foss. p. 22. pl. 2. 
f. 4. — Dahn. Pal. p. 65. tb. 2. f. 4. — Entomostrae. caud. Wahlenb. 
a. a. 0. tb. 2. f. 3. — As. longicaiidatus Murch. Sil. Syst. — ? A. 
Limularius Green, Casteln. ess. etc. tb. 4. f. 1. — Burm. p. 113. 

Durch das Schwanzschild der vorigen Art ähnlich, von welcher 
sich diese durch gröfsere Augen, welche den zweiten und dritten Lap- 
pen des Kopfbuckels überragen, unterscheidet. Schwanzach^e vierzehn- 
bis fünfzehngliederig; acht bis neun Seitenrippen; hinteres Ende in 
eine Spitze auslaufend. Länge 3 — 4''. 

In den Grauwackenkalken Englands (Dudley, Wenlock), Schwe- 
dens (Ostgothland, Schonen), im Thonschiefer von Mösseberg und in 
der Eifel bei Daun. 

bb. Das Schwanzschild hat an seinem ganzen Umfange lange Stacheln. 

Ph. arachnoides Höninghaus, Brief von Crefeld d. 10. März 
1835. — Burm. p. 115. tb. 4. f. 8. — Hiernach Taf. IX. Fig. 6. 

Das Kopfschild dieser Art verläuft vorn in eine scharfe Ecke; 
seine hinteren Ecken mit langgezogenen Hörnern; Band des Sch'vvanz- 
schildes zehnstachelig. Jedes einzelne Auge hat 162 Linsen. Länge 
l-li". 

In einem aschgrauen devonischen Kalke von Gerolstein in der Eifel. 
Ph. st eilt (er Burm. p. 115. tb. 4. f. 8. 
In einem aschgrauen Kalke der Eifel. 



TRILOBITBN. 



231 



C. Mit zehn gliederiger Rumpfachse. 

t 5. G. Aeonia Burm. Calymene Dalm., Green. Asaphus 
Emmr. (aiwviog, langwährend.) 

Kopfschild halbkreisrund, mit verdicktem Rande. Der stark 
gewölbte Kopfbuckel ist parabolisch, ungetheilt oder seitlich schwach 
gefurcht, rundet sich vorn zu und stöfst, gleich breit bleibend, 
hinten unmittelbar an dem Gliederungsrande an. Die Gesichtslinien 
laufen von oben fast gerade nach den Augen und wenden sich 
unter denselben S- förmig nach dem Hinterrande. Augen mäfsig 
grofs, stark gewölbt, glatt und ziemlich dicht an dem Kopfbuckel. 
Die Rumpfachse ist von den Seiten stark geschieden. Das Schwanz- 
schild ähnelt dem Kopfschilde, ist jedoch kleiner und hat eine 
kurze, deutlich gegliederte Achse. 

A. diops Green (Calymene d.). — Burm. p. 117. tb. 3. f. 5. 

In einem schwarzen Sandsteine aus dem Staate Ohio. 

A. CO nein na Dalm. (Calym. conc). Pal. p. 40. tb. 1. f. 7. — 
Burm. p. 117. tb. 3. f. 1. 2. — Gerastos laevigatus Goldf. in Leonh. 
Br. Jahrb. 1843. p. 557. tb. 4. f. 7. — Hiernach Taf. IX. Fig. 7. a. b. 

Kopfhuckel ungetheilt und mäfsig gewölbt; Schwanzachse nieder- 
gedrückt. Länge \" . 

In (?) silurischer Grauwacke von Gothland, in devonischer der Eifel, 
und im Steinkohlengebirge, über den Productenschichten '•') von der 
Mülke bei Hausdorf in der schlesischen Grafschaft Glatz. 

A. cornuta Goldf. (Gerastos cornutus) in Leonh. Br. Jahrb. 
1843. p. 558. tb. 5. f. 1. 

Aus der Eifel. 

2. Asaphidae. Mit nach hinten nicht verschmälerter Rumpfachse und 
glatter, in sich sculpirter Schaale. 

A. Mit z ehngliederiger Rumpfachse. 

t 6. G. Illaenus Burm. Illaenus und Bumastes Aut. 
(lllalvü)^ ich schiele.) 

Das Kopfschild gleicht am meisten dem vierten Theile einer 
Kugelfläche, aus welcher der Kopfbuckel nur hinten wenig her- 
vortritt. Die Gesichtslinien, welche auf dem abgeplatteten A or- 
derrande durch eine Quernaht verbunden sind, steigen hier unter 
einer leichten Schwingung zum Auge hinauf, und durchbrechen 
nicht weit von der Rumpfachse den Hinterrand. Die Augen sind 



*) V. Buch, über Goniatiten und Clymenien in Schlesien, Berlin, 1839. 



232 



KREBSE. 



Iialbmoiidförmig, niedrig und glatt. In dem grofsen und stark 
gewölbten, halbmondförmigen Schwanzschilde ist eine kurze Achse 
erkennbar. 

Die Oberfläche aller Panzerstücke ist fein und unregelmäfsig 
concentrisch liniirt und punktirt. 

A. Illaenus Aut. Rumpfachse nicht breiter als die Sei- 
tenlappen und deutlich von ihnen abgesetzt. 

/. crassicauda Wahl. (Entomostrac. er.) a. a. 0. tb. 2. f. 5. 6. 
— Dalm. Pal. p. 51. Ib. 5. f. 2. — His. Leth. Suec. tb. 3. f. 5. — 
Br. Leth. p. 115. Ib. 9. f. 9. — Cryptonymus Rudolphii, Cr. Rosen- 
bergii^ Cr. Parkinsonii Cr. Waldenbergn Eichwald, observ. etc. p. 50. 
51. 52. tb. 4. f. 3; tb. 2. f. 1; tb. 4. f. 1; tb. 3. f. 2. — Burm. 
p. 119. tb. 5. f. 2. — Arch. u. Vern. a. a. 0. p. 172. — Taf. IX. 
Fig. 8. a. b. c. nach Dalnian. 

Die Augen sind dem hinleren Rande des Kopfschildes sehr ge- 
nähert. Länge 1 — 3". 

In silurischer Graüwacke von Cornden bei Schelve, bei Salop 
und Montgomery in England, in Dalecarlien, bei Hushyfjöd in Ost- 
gothland, bei Christiania, in Esthland bei Reval und Petersburg, in 
der Bretagne; in devonischer Graüwacke von Prefseck. 

/. gig anteus Guettard. — Burm. p. 119. tb. 3. f. 10. 

Im unteren silurischen Thonschiefer von Angers. 

B. Bumastes Murch. Die Rumpfachse ist relativ breiter 
und von den Seitenlappen nur sehr unvollständig durch eine leichte 
Längsvertiefung abgesetzt. 

/. barriensis Murch. — Burm. p. 120. 

In den mittleren silurischen Schichten Englands, bei Barr in 
Staffordshire, Brand -Lodge und Presteign. 

B. Mit neunglied eriger Rumpfachse. 

t 7. G. Archegoniis Burm. Illaenus Dalm. Asaphus Emmr. 
Calymene H. v. Mey. Phillipsia Portlock ') z. Th. 
{aQ/Jyovog, uranfänglich.) 

Durch den Lauf der Gesichtslinie, so wie durch die kleinen, 
aber flacher gewölbten Augen und die kurzen Rumpfringe scheint 
sich Archegonm unmittelbar an Illaenus anzuschliefsen, nähert sich 
aber auch ebenso sehr der folgenden Gruppe durch höhere Wölb- 



*) Von Phillipsia beschreibt de Köninck, description des animaux fos- 
siles, Li^ge, 1842 — 1844. p. 595—607, sechs Arten aus dem Kohlenkalke von 
Vifi<i, Ratingen, Bolland, Kildare, Miatchkova, Borofsk n. a. O. 



TRILOBITEN. 



283 



ung des Kopfbuckels und die wenigstens häufig längere, gewölb- 
tere Scliwanzachse. 

A. Dysplanus Burm. Kopfschild gewölbt, parabolisch mond- 
förmig,. mit lang ausgezogenen Hinterecken und undeutlich um- 
gränztem Kopfbuckel; Rumpfringe kurz, Seitenlappen ungefurcht, 
Schwanzschild flach gewölbt, herzförmig, mit kurzer, ungeglie- 
derter Achse, die kaum bis zur Mitte reicht. 

D. centrotus Dalm. (Asaph. c.) Pal. p. 51. tb. 5. f. 1. — 
Burm. p. 120. 

Im Grauwackenkalke Ostgothlands bei Husbyfjöd, und bei Chri- 

sliania. 

B. Archegonus. Kopfschild mehr kreisabschnittähnlich, an 
den Ecken nicht in Spitzen ausgezogen; die Gesichtslinie läuft 
schief über den abgeplatteten breiten Kopfrand hinab, wie bei 
Illaenus. Kopfbuckel hoch g:ewölbt und ziemlich deutlich abgesetzt; 
in der Mitte daneben stehen die kleinen Augen. Die Seitenlappen 
der Rumpfringe haben einen schiefen Eindruck. Die hohe Schwanz- 
achse reicht weit über die Mitte des Schildes hinaus. 

A. aequalis H. v. Mey. (Calymene? aeq.) in Act. Ac. Caes. 
etc. IX. 2. p. 100. tb.. 56. /. 13. — Burm. p. 121. tb. 5. f. 3. — 
Hiernach Taf. IX. Fig. 10. 

Kopf- und Schwanzschild fast parabolisch. Schwanzachse zwölf- 
ringelig, Seitenfurchen acht. Länge l". 

In dem zum Steinkohlengebirge gehörenden Schiefer bei Herborn 
und bei Altwasser in Schlesien. 

A. globiceps Phill. — Burm. p. 122. — PhilUpsia gl. de Köninck, 
descript. des anim. foss. p. 599. tb. 53. f. 1. 

Im Kohlenkalksteine von Kildare in Irland und von Vise. 

C. Mit achtgliederiger Rumpfachse. 

t 8. G. Asaphus Brongn. Asaphus und Nileus Dalm., 
Isoteles Dekay, Hemicrypturus Green. 
(aaacprig, undeutlich.) 

Die Augen sind grofs, hoch, sehr stark hervorgequollen, 
und haben eine dicke, glatte Hornhaut. Den Verlauf der Gesichts- 
linien, welche sich über dem Kopfbuckel in einem Bogen oder in 
einem Winkel mit einander vereinigen, zeigt Fig. 9. a. b. auf 
Taf. IX. Das Schwanzschild gleicht dem Kopfschilde an Umfang 
und Gestalt. 



234 



KREBSK. 



A. Nile US Dahn. Die Seilenlappen durch keine Furche 
von der Rumpfaclise gesondert und ohne diagonale Furchen; Kopf- 
8child ohne sichtbaren Buckel; Schwanzschild ohne Achse. 

A. (N.) armadillo Dalm. Pal. p. 49. tb. 4. f. 3. — Hisinger, 
Leih. S. p. 16. tb. 3. f. 3. — Burm. p. 123. — Taf. IX. Fig. 9. a. b. 
nach Dalman. 

Kopf- und Schwanzschild kurz und breit; ersteres mit stumpfen 
Hinterecken. Augen weit von einander. Rumpfachse etwa doppelt so 
breit als die Seitenlappen. Länge 1 — 2". 

Im Grauwackenkalke Ostgothlands bei Husbyfjöd und Skarpasen ; 
in Dalekarlien bei Rältwick; in Esthland bei Petersburg. 

B. Die Seitenlappen durch eine tiefe Furche von der Rumpf- 
achse gesondert und mit diagonalen Furchen. 

a. Die Gesichtslinie beschreibt vorn einen Bogen. 

A. palpebrosus Dalm. Pal. p. 48. tb. 4. f. 2. — His. Leth. 
S. p. 15. tb. 3. f. 1. — Burm. p. 124. — Symphysurus p. Goldf. in 
L. Br. J. 1843. p. 553. 

Im Grauwackenkalke Ostgothlands bei Husbyfjöd. 

A. laeviceps Dalm. Pal. p. 47. tb. 4. f. 1. — His. Leth. S. 
p. 15. tb. 2. f. 8. — Burm. p. 124. — Symphysurus l. Goldf. a. a. 0. p. 553. 

Ebendaher. 

A. expansus L. (Entomol.) — Entomost. exp. Wahl. a. a. 0. 
— Dalm. Pal. p. 45. tb. 3. f. 3. — Br. Leth. p. 114. tb. 9. f. 7. — 
His. Leih. S. p. 14. tb. 2. f. 6. — A. cornigerus Brongn., Cr. foss. 
p. 18. pl. 2. f. 1. — Cryptonymus Lichtensteinii ^ Cr. Panderi und Cr. 
Schlothemii Eichw., diss. etc. p. 47. 45. Ib. 2. ^ 3; tb. 3. f. 1; tb. 4. 
f. 2. — Burm. p. 124. tb. 5. f. 1. 

Der Kopfbuckel ist hinten zusammengezogen und hier beiderseits 
dicht am Gliederungsrande von einem Höcker begleitet. Die hinteren 
Ecken des Kopfschildes sind stumpf. Länge 2 — 3'^ 

Im Grauwackenkalke Schwedens, bei Husbyfjöd und auf Oeland; 
in Esthland bei Heval und Petersburg; in Norwegen bei Christiania. 

A. tyrannus Murch. — Burm. p. 126. tb. 5. f. 4. 

Wird 6 — lO" lang; in den ältesten silurischen (Llandeilo) Schich- 
ten Englands, Caermarlhenshire, Pembrokeshire. 

b. Die Gesichtslinic beschreibt vorn einen Winkel. 

aa. Die Schwanzachac ragt hervor und ist durch eine F'urche im Schilde 
deutlich abgesetzt. 

A. raniceps Dalm., Pal. tb. 3. f. 4. — Crypl. Weissii Eicinv., 
diss. p. 46. tb. 2. f. 2. — Burm. p. 126. 



TRILOBITKN. 



235 



Mit A. expatisus zusammen. 

A. extetiuatus Wahl. (Entom. ext.) a. a. 0. Ib. 7. f. 4. — 
Dalm. Pal. p. 43. tb. 2. f. 5. — His. Leth. suec. p. 13. tb. 2. f. 3. 

Im gTiinen Kalksteine bei Husbyfjöd und Heia in Ostgothland; 
im schwarzen Kalksteine von Aggersbakken bei Christiania. 

bb. Isoteles Dekay. Die Schwanzachse ragt nicht oder sehr wenig aus 
dem Schilde hervor. 

A. platycephalus Stokes. — Isoteles gigas Dek. , Br. Leth. 
p. 115. tb. 9. f. 8. — Brongniartia isotela Eaton. — Burm. p. 127. 
tb. 2. f. 12. 

Im schwarzen Grauwackenkalksteine von Trentonfalls in New-York, 
bei Cincinnati im Ohiostaate u. a. a. 0. 

D. Mit sechsgliederiger Rumpfachse. 

t 9. G. Ampyx Dalm. {afxnv^^ Stirnband.) 

Das Kopfschild ist grofs und dreieckig, der Kopfbuckel ragt 
stark hervor; Augen sind bis jetzt noch nicht beobachtet worden. 
Die Sertenlappeu der Rumpfringe sind breit. Im dreieckigen 
Schwanzschilde erkennt man eine deutlich vorragende Achse. 

A. nasutus Dalm. Pal. p. 54. tb. 5. f. 3. — Br. Leth. p. 116. 
, tb. 9. f. 11. — His. Leih. suec. p. 18. tb. 3. f. 8. — Burm. p. 128. 

Kopfbuckei fast birnförmig und vorn in eine über den Rand hin- 
aus sich ausbreitende Spitze verlaufend. 

Im Grauwackenkalke von Skarpasen und Husbyfjöd in Oslgoth- 
land; bei Varving nahe bei Sköfda in Westgothland. 

A. mammillatus Sars, Burm. p. 128. 

Im Grauwackenkalke von Ladegaarts Oen und Hjorlnaestangen bei 
Christiania. 

A. rostratus Sars, Burm. p. 128. 
Mit der vorigen Art zusammen. 

II. Trilobiten ohne Kugelungs verm ö gen. 

Die Seitenlappen der Rumpfschilder bleiben gleich breit und 
verschmälern sich nie auf der nach oben und aufsen gewendeten 
Seite gegen den Rand hin, was immer bei den Trilobiten mit 
Kugelungsvermögen der Fall ist. Jeder Seitenlappen ist in der 
Regel durch eine diagonale Furche getheilt. Die Augen sind klein, 
flach gewölbt und lang gestreckt. 

Sie sind die unvollkommeneren und gehören vorzugsweise der 
unteren und mittleren Abtheilnng des Grauwackengebirges an. 



23(5 



KHEUSE. 



I. Die SeilenlapptMi der RumptVinge liegen in einer und derselben 
Ebene, biegen sich nicht nach unlen, enden aber hinterwärls in eine 

mehr oder weniger hervorgezogene Spitze, die einen stumpfen 
Winkel gegen den Lappen bildet. 

A. Ogygidae. Mit einfachem, grofse m Schwanzschild e, dess en 
Achse y ielglie d erig ist und die Länge des Rumpfes 
erreicht oder übertrifft. 

I 10. G. Trinucleus Murch. Cryptolithus Green. 
(treSj drei; nucleus^ Niifs.) 

Kopfschild fast halbkreisförmig, mit breitem, warzig punk- 
tirtem Rande und lang ausgezogenen Hinterecken. Der mittlere 
Kopfbuckel ist hoch gewölbt und hinten stark verengt. Augen 
und Gesichtslinien noch nicht beobachtet. Der Rumpf besteht aus 
sechs schmalen Ringen, deren mittlerer Theil kaum halb so breit 
als der seitliche ist. Schwanzschild dreiseitig, mit sechs- oder 
mehrgliederiger Achse und einigen radialen Furchen an seinen 
Seiten. 

Tr. Cataracti Murch. — Brongn., Cr. foss. tb, 4. f. 7. — 
Asaph. Cyllarus His. Leth. suec. Suppl. II. p. 3. tb. 37. f. 3. — 
Burm. p. 66. tb. 1. f. 1. 

In der unteren silurischen Grauwacke Englands, Schwedens und 
Nordamerikas (Montreal). 

Tr. granulatus Wahl. (Entom. gr.) a. a. 0. tb. 2. f. 4. — 
^5. gr. Dalm. Pal. p. 43. tb. 2. f. 6. — Brongn. Cr. foss. tb. 3. f. 7. 
— Burm. p. 66. 

o 

Bei Alleberg in Schweden. 

Tr. fimbriatus Murch. — As. seticornis His. Leth. suec. Suppl. 

II. p. 3. tb. 37. /". 2. Burm. p. o6. 

Im Grauwackenschiefer von "Furudal und Dragga in Dalecarlien. 
Tr. ornatus Sternberg. — Burm. p. 67. 

Bei Builth und in böhmischer Grauwacke (zwischen Zebrak und 
Proskales). 

Tr. tesselatus Green (Cryptol. tess.). — Br. Leth. p. 118. 
tb. 9. f. 13. — Burm. p. 67. 

In einem schwarzen Grauwackcnkalke bei Trenlonfalls und Glen- 
falls in New-Yorl^; auch auf der Insel Montreal. 

t lll^. G. Ogygia Burm. (wyvytog^ uralt.) 

Kopfschild halbkreisförmig oder parabolisch, flach; Kopfbuckel 
hinten verengt und mit drei schwachen Seitencindriicken ; Hinter- 
ecken mehr oder weniger verlängert. Augen halbkreisförmig, neben 



1 RILOBITEN. 



237 



der Mille des Kopfbuckels. Die Gesichtslinie läuft dem Vorder- 
rande parallel, wendet sich unter einem fast rechten Winkel mit 
stumpfer Ecke nach dem Auge, und geht, nachdem sie dieses 
verlassen hat, S- förmig nach dem Hinterrande, den sie etwa in 
f seiner Breite vom Kopfbuckel an durchschneidet. Rumpf acht- 
gliederig, mit schmaler Achse. Das Schwanzschild entspricht in 
Form und Gröfse dem Kopfschilde, hat eine lange, vielgliederige 
Achse und radial gefurchte Seiten. 

Die Arten kommen in den ältesten Schichten vor. 

0. Bucha Burm. p. 69. tb. 1. f. 2. — Asaphus dilatatm Brünn, 
Dalm. Pal. p. 67. tb. 3. f. 1. — As. de Buchii Brongn. Cr. foss. p. 
20. pL 2. f. 2. — Park. Org. Rem. III. PL 17. f. 13. 

Kopf- und Schwanzschild halbkreisförmig; das erstere mit zu- 
gespitzten Hinterecken. Die Schwanzachse enthält nach dem Alter des 
Individuums 11 — 17 Glieder. Länge 3 — 5". 

Nach Parkinson bei Llanelly; nach Brongniart in einem schwar- 
zen Grauwackenkalke von Dynevors-Park. 

0. Guettardi Brongn. Cr. foss. p. 28. pl. 3. f. 1. — Br. 
Leih. p. 120. tb. 9. f. 19. — Burm. p. 70. 

Im schwarzgrauen silurischen Thonschiefer von Angers. 

B. Mit einfachem, ziemlich grofsem Schwanz schilde, dessen 
Achse aus wenigen Gliedern besteht und kürzer als 
der Rumpf ist. 

a. Mit acht Rumpfringen. 

■\ 12. G. dontopleura Emmr. Acidaspis Murch.? 
{döovg^ Zahn; nXivQa, Seite.) 

Das Kopfschild ist kürzer als ein Halbkreis; neben dem ziem- 
lich gewölbten Kopfbuckel stehen drei kleine Buckel in zwei Rei- 
hen; der Gliederungsrand ist breit. Gesichtslinie wie bei Ogygia; 
Augen sehr klein. Die acht schmalen, aber stark gewölbten Rumpf- 
ringe liegen mit ihren Seitenlappen in einer Ebene; jeder der 
letzteren hat eine Querwulst, welche in einem schief nach hinten 
gerichteten !Endslachel endet. Schwanzschild mit zweigliederiger 
Achse, einer Seitenrippe und grofsen Randstacheln. Die ganze 
Oberfläche ist mit regelmäfsig geordneten Höckern bedeckt. 

In oberen silurischen Schichten (dem Kalksteine von Wenlock 
entsprechend): Eifel, England. 

0. ovata Emmr. — Battus tuberculatus Klöden, Verst. d. Mark 
Brandenburg, p. 112. tb. 1. f. 16- 2:3. — Burm. p. 72. tb. 2. f. 11. — 
Hiernach Taf. IX. Fig. 11. Kopfschild und die beiden ersten Rumpfringe. 



238 



KREBSR. 



Körper breit- elliplisch , un seinem ganze» Umlange mit dünnen 
Stacheln besetzt; Seitenlappen des Rumpfes zweistachelig^, Schwanz- 
schild zwölfstachelig:. Länge J". 

Das vollständige Exemplar bei Burmeister lag in einem Kalk- 
steine, der als Geschiebe in Schlesien gefunden worden ist; die von 
Klöden als Battus tuberculafus beschriebenen Kopfbruchstücke jünge- 
rer Individuen dieser Art kommen häufig in Kalksteingeschiehen der 
Mark vor. 

0. elliptica Burm. p. 73. tb. l.'f. 4. — Arges armatus Goldf. 
in Act. Ac. Caes, 19. /. tb. 33. f. 1. d. e. 

Körper elliptisch; Seitenlappen des Rumpfes oinstachelig, Schwanz- 
schild zehnstachelig. Länge 

Aus dem Grauwackenkalke der Eifel. 

t 13. G. Arges Goldf. (Griech. Myth.) 

Kopfschild mit einem hinten in lange Hörner auslaufenden 
Rande umgeben; Kopfbuckel hoch angeschwollen, meistens gelappt; 
Allgen noch nicht beobachtet; Gesichtslinien gerade, vorn nach bei- 
den Seiten divergirend. Rumpf achtgliederig; die Seitenlappen in 
Stacheln auslaufend. Schwanzschild mit undeutlich viergliederiger 
Achse und stacheligem Rande. (Goldf. in L. Br. J. 1843. p. 544.) 
Die ganze Oberfläche ist fein gekörnelt; auf dem Umfange, wo die 
Stacheln entspringen, stehen grofsere Höcker. 

A. armatus Goldf. in Act. Ac. Caes. etc. Vol. 19. P. 1. p. 
355. tb. 33. f. 1. a. c. — Burm. p. 74. 

Im devonischen Grauwackenkalke der Eifel. 

b. Mit zehn Rumpfringen. 

t 14. G. Bronteus (Brontes) Goldf. Goldius de Kon. 
(Griech. Myth.) 

Kopfschild flach gewölbt und gerandel; Kopfbuckel stumpf, 
dreieckig, vorn bogenförmig abgeschnitten, an der Seile undeut- 
lich gelappt und nach hinten sich verengend. Gesichtslinien gerade, 
einander parallel, und hinter dem Auge c/^- förmig nach dem Hin- 
terrande laufend, den sie in der Mitte der Seitenschilder erreichen. 
Rumpfringe gewölbt, gleich breit mit den Seitenlappen. Schwanz- 
Bchild grofs, fast kreisrund oder parabolisch, mit kurzer, ein- 
gliederiger Achse , von welcher radiale Furchen und Leisten aus- 
gehen. 

Im devonischen Grauwackenkalke der Eifel und bei Elbers- 
reulh im Fichlelgcbirge. 



TKILOBITEN. 



239 



Br. flabellifer Goldf. in Act. Ac. Caes. XIX. 1. p. 361. tb. 
33. f. 3. — Br. alutaceus, Br. granulatus Br. flabellifer und Br. in- 
termedius Goldf. in L. Br. J. 1843. p. 549. tb. 6. f. 1 — 4. — Hier- 
nach Taf. IX. Fig. 18. Schwanzschild. — Römer, Harzgebirge, p. 37. 
tb. 9. f. 1. — Br. radiatus Münsl. — Burm. p. 75. — Arch. u. Vern. 
a. a. 0. p. 172. 

Die ganze Oberfläche ist granulirt. Schwanzschild parabolisch, 
mit fünfzehn Rippen oder vierzehn von denselben eingeschlossenen 
Furchen. 

In silurischer Grauwacke von Ober-Ludlow; in devonischer von 
Devonshire, Elbersreuth, der Eifel und dem Harze, wo Schwanz- und 
Kopfschilder häufig gefunden werden, und bei Bogoslowsk. 

Br. signatus Phill. — Br. scuber Br. canaliculatus Goldf. u. 
Br. sign. Phill., Goldf. in L. Br. J. 1843. p. 550. tb. 5. f. 4 u. tb. 6. 
f. 5 — 7. — ? Römer, Harzgeb. p. 37. tb. 2. 3. — Burm. p. 139. 

Die Oberfläche ist glatt oder fein concentrisch gestreift; das 
Schwanzschild ist relativ etwas breiter als an der vorigen Art, seine 
Rippen sind etwas schmäler, zwischen ihnen erhebt sich oft gegen 
den Rand hin noch eine kleinere Rippe, und die mittlere Rippe ist 
hinten gespalten. 

In devonischer Grauwacke der Eifel, am Winterberge und bei 
Grund im Harze, bei Wenlock und Aymestry. 

Br. laticauda Wahlb. (Entom. l.) a. a. 0. tb. 2. f. 7. 8. — 
Äs. l. Brongn. Cr. foss. pl. 3. f. 8. — Burm. p. 76. 

Oberfläche glatt; Schwanzschild mit dreizehn radialen Leisten. 

Im weifsen Grauwackenkalke von Osmundsberg in Dalecarlien. 

C. Olenidae. Mit einfachem, aber sehr kleinem Schwanz- 
schilde, dessen Achse m ehrglied e rig, aber stets viel 
kürzer ist als der Rumpf. 

t 15. G. Paradoxides Brongn. Olenus div. L Dalm. 
(naQudo'iog , wunderbar.) 

Kopfschild halbmondförmig, in lange Hörner auslaufend; Kopf- 
buckel kolben- oder umgekehrt eiförmig, durch drei Querfurchen 
in vier Abschnitte getheilt, deren vorderster sehr grofs ist, und 
deren hinterster den Gliederungsrand mit dem Rumpfe bildet. Ge- 
sichtslinien ziemlich parallel. Augen länglich mondförmig, flach 
gewölbt. Rumpf vielgliederig , mit allmählig nach hinten ver- 
schmälerter Achse; Seitenlappen mit einer diagonalen Furche, und 
in einer nach hinten gewendeten Spitze endend. Schwanzschild 
kreis- oder eirund, mit kurzer gegliederter Achse. 



240 



KREBt^E. 



In sehr alten Grauwackenscliichten in Böhmen, Schweden 
und bei Petersburg. 

P. bohemicus Boeck, Sternb. , Burm. p. 78. tb. 1. f. 6. — 
Hiernach Taf. IX. Fig. 15. — Etitom. paradoxus L. — Entom. para- 
doxissimus Wahlb. a. a. 0. tb. 1. f. 1. — Parad. Tessini Brongn. 
Cr. foss. tb. 4. f. 1. — Olenus Tessini Dalm. Pal. tb. 6. f. 3. — 
Pat, T. Buckl. Geol. II. tb. 46. f. 8. — Br. Leth. p. 120. tb. 9. f. 16. 
— Ol. T. His. Leth. Suec. p. 18. tb. ^. f. 1. — OL pyramidalis, 
Ol. latus u. Ol. longicaudatus Zenker, Beitr. z. Naturg. d. Urwelt. 

Der mittlere Theil des Kopfschildes ist ziemlich quadratisch; 
der Kopfbuckel keulenförmig; die Hinterecken des Kopfschildes ver- 
längern sich bis über die Hälfte der Rumpflänge herab. Bei jungen 
Individuen {Olenus pyramidalis Zenker und Trilobites gracilis Boeck) 
enthält die Rumpfachse 16 — 18, im reiferen Lebensalter hingegen (Tril. 
bohemicus Boeck, Sternb., Tr. longicaudatus Zenk., Olenus Tessini var. 1. 
Dalm.) 20 Ringe. Länge 1 — 6". 

In einer schwarzgrünen Grauwacke Böhmens, bei Horrowic und 
Ginec; im Alaunschiefer von Olstrog, Dämmen und Carlsfors in Schweden. 

F. spinulo sus Wahlb. (Entom. sp.) a. a. 0. tb. 1. f. 3. — 
Brong. Cr. foss, tb. 4. f. 2. 3. — Dalm. Pal. tb. 6. f. 4. — His. 
Leth. suec. tb. 4. f. 2. — Burm. p. 80. 

Kopfbuckel parabolisch; Hinterecken des Kopfschildes kürzer als 
die halbe Länge des Rumpfes; der letztere sechzehnringelig. Länge l''. 

Mit voriger Art zusammen, und im Thonschiefer von Angers. 

t 16. G. Olenus Burm. Paradoxides und Olenus aut. 
(Griech. Myth.) 

Kopfschild breiter als bei Paradoxides; Kopfbuckel parabo- 
lisch, vorn etwas schmäler als hinten und zugerundet, jeder- 
seits mit drei leichten Einschnürungen. Die Augen bilden einen 
länglichen Bogen. Die Gesichtslinien laufen oberhalb der Augen 
ziemlich parallel, divergiren aber unterhalb derselben. Rumpf- 
achse vielgliederig (ob immer 14?), schmäler als die Seiten, de- 
ren Lappen in einer kurzen, nach hinten gebogenen Spitze enden. 
Schwanzschild breit, vorn gerade, hinten bogig oder stumpfwin- 
kelig dreiseitig, mit deutlich gegliederter Achse. 

Die Arten kommen in alten Grauwackenbildungen mit der 
vorigen Gattung zusammen vor. 

0. gibbosus Wahl. (Entom. g) a. a. 0. p. 39. tb. 1. f. 4. 
Par. g. Brongn. Cr. foss. p. 35. tb. 3. f 6. — His. Leth. p. 19. 
tb. 4. f 3. — Burm. p. 81. Ib. 3. f. 9. 



TRILOBITEN. 



241 



Kopfschild zwischen dem vorderen Ende des Kopfbuckels und 
der Gesichtslinie durch eine quere Wulst ausgezeichnet; Rumpfachse 
mit vierzehn, Schwanzachse mit fünf Ringen. Länge l". 

Die Kopfschilder junger Individuen (Taf. IX. Fig. 16. nach ßurm. 
tb. 5. f. 8.) umfassen, nach Burmeister p. 56, zum Theil die von 
Dalman als Battus und von Brongniart als Agnostus beschriebenen 
Schilder. 

Sehr häufig im Alaunschiefer und Stinksteine von Andrarum. 
0. forficula Sars, Burm. p. 82. 

In einem kalkhaltigen, schwarzgrauen Alaunschiefer von Rusielök- 
bacjien bei Christiania. 

0. scarabaeoides Bromel, Wahlb. (Ent. sc.) a. a. 0. tb. 1. 
f. 2. — Par. sc. Brongn. Cr. foss. tb. 3. f. 5. — Burm. p. 83. 

Die Jugendform dieser Trilobiten ist, nach Burmeister p. 56. 
tb. 5. f. 5. 6. u. hiernach Taf. IX. Fig. 17, ein Agnostus Brongn. 
{Battus Dalm.). 

Im Alaunschiefer von Andrarum. 

2. Campylopleuri. Die Seitenlappen der Rumpfringe biegen sich von 
der Mitte an abwärts und schliefsen mit einem bogig abgerundeten Ende. 
Auf ihrer Fläche sind sie der ganzen Länge nach gefurcht. 

t 17. G. Conocephalus Zenker, {xwvog^ Kegel; xecpaXtj, Kopf.) 

Kopfschild halbmondförmig, mit ringsum aufgeworfenem Rande; 
der innere ist nur wenig gebogen. Der Kopfbuckel wird nach 
vorn schmäler und ist jederseits durch drei Einschnitte in vier 
Lappen getheilt. Die kleinen Augen stehen entweder neben den 
vorderen Ecken des Kopfbuckels oder auf der Mitte der Seiten. 
Die Gesichtslinien convergiren von vorn bis zu den Augen, und 
divergiren von hier bis zu der in einen Stachel ausgezogenen 
Hinterecke des Kopfschildes. Die Achse des vierzehngliederigen 
Rumpfes ist hoch gewölbt und von den breiteren Seitenlappen 
durch eine tiefe Furche getrennt; Schwanzschild kreisabschnitt- 
ähnlich, mit fünfgliederiger Achse und schwachen Seitenfurchen. 

In der Grauwacke Böhmens von Ginec. 

C. Sulzeri Kinsky, Schlotli., Bronn Leth. p. 121. tb. 9. f. 15. 
— Conoc. costatus Zank. Beitr. tb. 5. f. G — K. — Burm. p. 86. tb. 1. 
f. 10. — Hiernach Taf. IX. Fig. 12. Kopfschild. 

Die Augen stehen neben dem vorderen Ende des Kopfbuckels. 
Länge 1^ — 2". 

C striatus Emmr. — Burm. p. 86. tb. 1. f. 9. 

Die Augen stehen in der Mitte der Seitenschilder. Länge \\ — 2''. 
Geinitz, Versteineruugskunde, 16 



242 KBKBSE. 

t 18. G. Ellipsocephalus Zenk. (llXeixpigy Ellipse; 
xecfaXf), Kopf.) 

Kopfschild halbkreisförmig, ohne verlängerte Ecken, und 
äufserlich ohne erhabenen Vorderrand. Der Kopfbuckel ist flach 
gewölbt, nur durch eine leichte Vertiefung von dem übrigen Theile 
des Schildes und von dem Gliederungsrande getrennt. Augen läng- 
lich mondförmig, sehr schmal und nach aufsen gerückt. Die kurzen 
Gesichtslinien convergiren ein wenig bis zu den Augen, und di- 
vergiren von diesen nach hinten. Rumpfachse zwölfgliederig, flach 
gewölbt und ziemlich so breit als die Seiten. Schwanzschild klein, 
eiaem kurzen Kreisabschnitte gleichend. 

Die einzige bekannte Art ist: 

E. Hoffii Schloth., Sternb., Bronn Leth. p. 122. tb. 9. f. 18. 
— E. ambiguus Zenk. a. a. 0. — Burm. p. 87. tb. 1. f. 8. — Taf. 
IX. Fig. 13 u. 14. 

In der alten Grauwacke von Ginee in Böhmen. 

. t 19. G. Harpes Goldf. (Griech. Myth.) 

Kopfschild sehr grofs und hufeisenartig, mit breitem, flachem 
Aufsenrande und langgezogenen Hinterecken. Der stark gewölbte, 
ovale Kopfbuckel ist hinten verengt und hier mit zwei elliptischen 
Seitenlappen verziert. Augen klein und neben der vorderen Hälfte 
des Kopfbuckels. Rumpf vielgliederig (über 20 Glieder), mit 
hoch gewölbter Achse, welche die Breite der Seitenlappen hat. 
Schwanzschild noch nicht beobachtet. 

H. ungula Sternb. — Harpes speciosus Münst. u. H. macroce- 
phalus Goldf. in Act. Ac. Caes. XIX. 1. p. 359. tb. 33. f. 2. — Burm. 
p. 88. tb. 1. f. 11. — Arch. u. Vern. a. a. 0. p. 172. 

Der breite vordere Rand des Kopfschildes ist punktirt. 

In devonischer Grauwacke von Elbersreuth, der Eifel, Ober- 
scheld im Nassauischen, und Barton. 

c. Lophyropoda, 

Bewegungsorgane gleichförmig und blofs zum Rudern geeig- 
net, aber gegliederte Flossenfüfse. Sie haben ein Paar wirk- 
liche Kiefern und ein bis drei Paar accessorische Mundtheile, 
wie die Phyllopoden. Ihre Füfse sind nicht zahlreich, zwei- bis 
dreigliederig, einfach oder gespalten und mit langen Flossenbor- 
sten versehen. Die Grundzahl der Brustkastenringe ist drei bis 
neun. 



I-OPHYROPOUEN. 



243 



Von ihnen kommen nur die Miischelkrebse oder Ostracoda 
fossil vor. Sie unterscheiden sich von den übrigen Gattungen der 
Lophyropoden durch eine grofse zweiklappige Schaale, einfache 
Augen, kurze Fühler und einen ungegliederten Hinterleib. 

1. G. Cypris Müller. (xvnQig^ Griech. Myth.) 

Eine zweiklappige hornige ^chaale ist mit dem Thiere am 
Rücken verbunden. Vor dem Munde stehen zwei Fufspaare, von 
welchen das erste fühlerförmig, vielgliederig und, wie das zweite 
drcigliederige, mit langen Borsten besetzt ist; das dritte und vierte 
sehr klein, das fünfte und sechste zum Anklammern geschickt, 
ohne Flossenborsten, jenes aber mit einer Kieme versehen. (Bur- 
meister, Handb. d. Naturgesch. p. 556.) 

Cytherea (Cythere) Müll., Cytherina Aut. unterscheidet 
sich von der Süfswassergattung Cypris Müll, fast nur durch ihr 
Vorkommen im Meere. 

Bean erwähnt eine Cypris^ C. arcuata B., aus der Kohlen- 
formation von Newcastle ; de Köninck beschreibt Cythere Phil- 
lipsiana (de Kon. descr. d. an. foss. p. 585. ib. 52. f. 1.) aus 
dem Kohlenkalke von Vise in Belgien und, Bolland in Yorkshire. 
Die als Cypris bezeichneten Arten kommen in gröfster Menge in 
der Wälderformation und der Tertiärformation vor, wo sie bis- 
weilen ganze Schichten erfüllen; die zu Cytherina gerechneten be- 
ginnen eigentlich erst mit dem Kreidegebirge. Von Letzteren 
wurden durch Römer '''') und Reufs '■•'■■'"■••') elf Arten bekannt, wel- 
che meistens im Plüner gefunden werden. 

a. Cypris. 

C. V aldensis Fitton Obsermt. on some of the strata between 
the Chalk and Oxford Clay. London, 1836. PL 21. f. 1. — Taf. VIII. 
Fig. 19. a. b. — Nach Sowerby , Blin. Conch. PL 485. f. 3. 4. (C. 
Faba). — Br. Leth. tb. 27. f. 24. b. c. 

Länglich eiförmig, stark gewölbt, fein punktirt; der untere Rand 
ist etwas concav und macht an dem einen Ende einen kleinen rund- 
lichen Vorsprung. Der Rand, an welchem die Schaalen zusammen- 
stofsen, ist convex und zwischen beiden Schaalen etwas ausgehöhlt. 
i — lang. 



L. Br. J. 1838. p. 495. 
*♦) Verst. d. norddeutsch. Kreidegebirges. 
**♦) Verst. d. böhm. Kreideformation. 

16^ 



244 



KREBSE. 



In grofser Menge überall in der ganzen Wealdenformation Eng- 
lands mit mehreren anderen, zum Theil höckerigen '••') Arten dieser 
Gattung, verbreitet. 

C. Faha Desm. Cr. foss. tb. 11. f. 8. Br. Leth. tb. 36. f. 11. 

Der vorigen Art sehr ähnlich, doch etwas schmäler und glatt. 

Häufig in tertiären Schichten am Puy-de-D6me. 

Unter diesem Namen werden gewöhnlich die kleinen glatten Ar- 
ten von Cypris aus tertiären Süfswassergebilden bezeichnet, welche 
Desmarest's Art mehr oder weniger gleichen. 

b. Cytherina. 

C. suhdeltoidea Münst. in L. Br. J. 1830. p. 64. — Taf. VIII. 
Fig. 21. — Röm. Kr. p. 105. tb. rS. f. 22. — Reufs, Böhm. Kr. p. 16. 
tb. 5. f. 38. 

Diese im Pläner, besonders im Plänerkalke von Sachsen und 
Böhmen sehr gewöhnliche Art wird ^ — l'" lang, ist eirund — oder 
breit eirund — dreiseitig, stark gewölbt, glatt, und läuft an dem einen 
Ende in einen spitzen Schnabel aus. 

C. ovata Röm. Kr. p. 104. tb. J6. f. 16. — Reufs, Böhm. Kr. 
p. 16. tb. 5. f. 35. 

\"' lang, breit eiförmig, gleichseitig, mäfsig gewölbt, an dem 
breiten Ende am flachsten, glatt und glänzend. (Reufs.) 

Nicht selten im Plänerkalke von Böhmen und Sachsen; im Plä- 
nermergel von Lemförde. 

Die Cytherinen aus den tertiären Ablagerungen von Paris, 
Castellarquato, Palermo, Dax und dem nordwestlichen Deutschland 
beschrieb Römer in einer Monographie: „die Cytherinen des Mo- 
lassegebirges" (L. Br. Jahrb. 1838. p. 514. tb. 6.), und in dem 
tertiären Steinsalzgebirge von Wieliczka wurden durch Philippi 
drei neue Arten dieser Gattung entdeckt. (L. Br. Jahrb. 1843. 
p. 569.) 

2. G.? Cypridina M. Edw. •)• 

Eine zwei- und gleichklappigc Schaale ist mit dem Thiere 
am Rücken verbunden. Auf jeder dieser Schaalen erhebt sich in 



*) Vergl. Fitton, observ. etc. PL 21. 

**) Nach Burmeister ist es überhaupt noch sehr zweifelhaft, ob Cypri- 
dina, Cyprella und Cypridella Krebse sind. 

Dasselbe gilt auch für den auf Taf. VIII. Fig. 20. a. b. c. abgebildeten 
Körper, welchen ich bisher den Krebsen zurechnete, welcher aber, nach 
Burmeister, vielleicht ein Samenkorn ist. Die dicke, fein gekörnelte Schaale 



LOPHYROPODEN. 



245 



oder oberhalb der Mitte ein dem Auge des Thieres entsprechen- 
der Höcker, durch welchen sich diese Gattung von Cypris un- 
terscheidet. 

C. Edwardsiana, C. annulata und C. concentrica de 
Köninck (descr. d. an. foss. p. 587. u. 588. tb. 52. f, 2. 3. 4. 5.), 
kommen in dem Kohlenkalke von Vise vor; die einzige lebende Art 
gehört dem indischen Ocean an. 

i 3. G.? Cyprella de Kon. 

Die zweiklappige Schaale ist unten zugespitzt, oben schna- 
belförmig und hat eine dreieckige Oeffnung. Ein hervorstehender 
Höcker auf jeder Seite entspricht den Augen. 

C. chrysalidea de Kon. {descr. d. an. foss. j». 589. 52. 
f. 6.), aus dem Kohlenkalke von Vise, ist die einzige bekannte Art. 

i 4. G.? Cypridella de Kon. 

Schaale kugelig, nicht gegliedert, an beiden Seiten mit zwei 
vorragenden, einander gegenüberstehenden Augenhöckern, und zwei 
Oeifnungen, von denen die hintere kreisförmig ist, die vordere 
aber eine quere, bogenförmige Linie bildet. 

C. er u data de Kon. (descr. d. an. foss. p. 590. tb. 52. f. 7.), 
aus dem Kohlenkalke von Vise, welche durch zwei sich rechtwinkelig 
schneidende Furchen sich auszeichnet, ist die einzige bekannte Art. 



dieses über 2'" langen Körpers ist, von aufsen gesehen, elliptisch und endet 
vorn in einer spitzen Ecke. Der ganze Körper ist stark seitlich zusammen- 
gedrückt und die beiden Seiten hängen als breite, gerundete Lappen herab, 
ähnlich wie an dem Panzer einiger Macruren, wozu aber der Panzer zu 
dick wäre. Längs der Mitte der inneren Fläche läuft eine tiefe und breite 
Längsfurche, welche nach dem spitzen Ende zu von zwei anderen Furchen 
eingefafst wird. (In der Zeichnung b. sind diese Furchen von der mittleren 
nicht geschieden.) 

Hält man, mit Burmeister, die versteinerte Masse für ein calcinirtes 
Albumen, dessen Aufsenfläche wie die Testa granulirt war, so würde die 
Hauptfurche für die Stelle zu halten sein, in welcher der bereits ausge- 
wachsene und verloren gegangene Embryo lag. Die Herren Schlechtendahl 
und Reichenbach halten diese Ansicht allerdings für möglich, wenn auch 
eben nicht für wahrscheinlich, und es ist einige Aehnlichkeit dieses Kör- 
pers mit dem Samen von Lucuma mammosum von Mexico nicht zu ver- 
kennen; bei der grofsen Armuth aber an Vegetabilien im Plänerkalke von 
Strehlen, welchem dieser Körper entnommen wurde, müssen sich gegen die 
vegetabilische Natur dieses Körpers schon einige Bedenken einstellen. 



246 



KREBSE. 



4. Ordu. JProthesmia. Haftkrebise« 

Sie haben im reifen Lebensalter gewöhnlich keinen Kopf, 
insofern das Vorderende des Leibes nur etwas verdickt und ab- 
g-erundet ist und an ihm keine Sinnesorgane bemerkbar werden. 
Wenigstens sind alsdann keine Augen vorhanden. Wo die Zahl 
der Brustkastenringe deutlich nachzuweisen ist , beti'ägt dieselbe 
sechs. Der Hinterleib fehlt oder hat keine Bewegungsorgane. 
(Burmeister.) 

Aus dieser Ordnung sind bis jetzt nur die Rankenfüfser (fiir- 
ripedid) im fossilen Zustande bekannt. Aufserdem gehören zu ihr 
aber noch die Schmarotzerkrebse {SipJionostoma) und, nach Bur- 
meister, auch die mikroskopischen Räderthiere {Rotatoriä). 

Cirripedia, (statt Cirrhopodd), Rankenfüfser. 

Diese Thiere, welche meistens in dicken, kalkigen, aus meh- 
reren Stücken gebildeten Schaalen stecken und damit unbeweglich 
angeheftet sind, verdanken ihren Namen den sechs Paar geglie- 
derten, rankenförmigen Bewegungsorganen ihres Rumpfes. Kopf 
und Hinterleib fehlen. Der Mund ist in der Schaale nach unten, 
der After nach oben gekehrt. 

Die lebenden Cirripedien sind alle Meeresbewohner. 

1. G. Pollicipes Lam. Fufsklaue. Anatifera etc. Gray. 
(polleXj Daumen; pes^ Fufs.) 

Das kalkige Gehäuse, welches von einem langen, lederartigen 
Stiele getragen wird, besteht aus fünf Hauptschaalenstücken und 
mehreren kleineren Stücken an der Basis. 

Die Anordnung dieser Schaalen ist (Taf. IX. Fig. 20.) aus 
der idealen Zeichnung von Pollicipes Eausmamd Dunker und Koch''") 
ersichtlich, in welcher a. die unpaarige hintere Rand- oder Rücken- 
schaale, b. die beiden gröfseren hinteren Seitenschaalen, und c. 
die beiden vorderen Seitenschaalen bezeichnet. 

P. radial US Dunk. u. Koch, norddeutsch. Ool. p. 35, aus dem 
unteren Oohlh bei Holtensen, scheint die älteste Art dieser Gattung 
zu sein. 

Häufiger kommen die Pollicipeden im Kreidegebirge und in 
tertiären Schichten ^vor, P. cornucopiae Leach im Mittelmeere und 
P. Mitella im chinesischen Meere vertreten diese Gattung noch 
in der jetzigen Welt. 

*) Be tr. z. Keniitn. de.« norddeutschen Oolithengeb. Braunschweig, 1837. 



CIRRIPEDIE?». 



247 



F. Hausmanni Dunk. u. Koch, norddeutsch. Oolith. p. 52. 
tb. 6. f. 6. — Hiernach Taf. IX. Fig. 20. 21. 

Rückenschaale (Fig. 20. a. u. 21.) dreiseitig pyramidal, mit brei- 
tem, stumpfem Kiele; hintere Seitenschaalen (b.) rhomboidisch, vorn 
mit ein bis zwei schmalen Längsfalten; vordere Seitenschaalen (c.) 
schief dreieckig, etwas gewölbt und mehrentheils mit Längslinien, 
welche die stärkeren, oft wellenförmigen queren Zuwachsstreifen durch- 
schneiden. 

Im Hilsthone, des EUigser Brinkes, welches, nach Römer, die 
unterste Bildung der Kreideformation in Deutschland ist. 

F. Bronnii Rom. Kreide, tb. 16. f. 8. — Taf. IX. Fig. 22. 

— Belemniten- Schnabel. Nilss. Petr. Suec. tb. 2. f. 1. 2; His. Leth. 
Suec. tb. 30. f. 2; Br. Leth. tb. 32. f. 16; Gein. Char. tb. 14. f. 9. 

— Anatifera Nilssoni Steenstrupp (L. Br. J. 1843. p. 864.). — Reufs, 
Böhm. Kr. tb. 5. f. 40. 41; tb. 12. f. 4. 

Rückenschaale (Fig. 22.), welche zur Zeit noch allein gekannt 
ist, dreiseitig pyramidal, oben zugespitzt und etwas nach vorn ge- 
bogen. , Längs der Mitte läuft eine scharfe Kante herab , welche die- 
selbe in zwei dachförmige Flächen scheidet. Diese lassen feine Quer- 
linien erkennen, welche den unteren, an der Mittelkanle unter einem 
stumpfen oder rechten Winkel zusammenstofsenden Kanten parallel laufen. 

Im Hilsconglomerat bei Essen, im Plänerkalke von Sachsen und 
Böhmen, in ähnlichen Bildungen an vielen Orten in Schweden, im 
Petersberge bei Mastrichl. 

F. gl ab er Rom. Kr. p. 104. Ib. 16. f. 11. — ? F. gracilis Rom. 
Kr. p. 104. tb. 16. f. 14; Gein. Char. p. 65. tb. 17. f. 16 — 18. — 
Reufs, Böhm. Kr. p. 17. tb. 5. f. 45 — 49; tb. 13. f. 86 — 91. 

„Rückenschaale lang keilförmig, vorwärts gar nicht übergebogen, 
gewölbt, in der Mitte gekielt, an den Seiten gewölbt; Mitteischaalen 
rhombisch, in der Mille am breitesten, etwas breiter als hoch, in 
der Milte gekantet, neben dem oberen vorderen Rande mit flacher 
Furche; vordere paarige Schaalen schinkenförmig, gewölbt, vorn mit 
zwei schwachen Längskanten; alle Schaalen sind ziemlich dünn und 
fein quergestreift, nur die vorderen zeigen auch feine ausstrahlende 
Streifen.'' (Römer.) 

Im Kreidemergel am Lindner Berge bei Hannover, im Plänermergel 
und Plänerkalke von Sachsen und Böhmen nicht selten. 

F. radiatus Sow. b. Fitton, observ. on some of the strata 
betw. the Chalk and Oxford -Ool. tb. 11. f. 6. — Rom. Kr. Ib. 16. 
f. 13. — Reufs, Böhm. Kr. Ib. 5. f. 42. 



248 



KREBSE. 



Fitton und Römer bilden rhombische , Reufs dreiseitige Seiten- 
schaalen ab, von deren Spitze scharfe, divergirende Linien nach un- 
ten strahlen. 

Es ist zweifelhaft, ob diese Schaalen aus dem unteren Griin- 
sande Englands , dem Hilsthone bei Bredenbeck und dem Plänerkalke 
von Hundorf in Böhmen zu einer Art gehören, jedenfalls scheinen sie 
von P. radiatus aus dem unteren Oolithe verschieden zu sein. 

Viele Arten dieser Gattung sind überhaupt nur nach Seitenschaa- 
len, andere nur nach Rückenschaalen bestimmt worden, so dafs sich 
später auch wohl hier zeigen wird, dafs die grofse Anzahl der Arten 
verringert werden müsse. 

Mehrere andere Arten aus der Kreideformation, welche Steen- 
strup in der Isis 1841 Sowerby bei Fitton, Römer, Reufs a. 
a. 0. bekannt machen, so wie P. angustatus Gein. mufsten 
hier übergangen werden. 

P. atitiquus nennt Michelotti eine Art aus den mittlen tertiären 
Bildungen bei Turin. (L. Br. J. 1840. p. 742.) 

P. carinatus Philippi (L. Br. J. 1835. p. 512. tb. 4. f. 3 — 9.) 
wurde im Tertiärkalke von Tremonti bei Messina entdeckt. 

t 2. G. Lorica Sow. jun. (lorica^ Panzer.) 

L. pulchella Sow., aus der oberen Kreide bei Rochester, ist 
nach Bronn (L. Br. J. 1844. p. 384.) ein Mittelding zwischen gestiel- 
ten und sitzenden Cirripedien. 

3. G. Baianus Lam. Seetulpe. Seeeichel, (ßulavog^ Eichel.) 

Die tulpenförmige Schaale der Balanen besteht aus sechs 
dreieckigen Kalkschaalen, welche zu einem abgestutzten Kegel fest 
vereinigt sind. Dieser sitzt mit einer runden Bodenscheibe fest, 
und seine obere ovale Oeffnung wird durch vier bewegliche Deckel- 
klappen geschlossen. Eine höchst genaue Schilderung der Bala- 
nen verdanken wir Bronn in den Ergebnissen seiner Reisen in 
Italien, Bd. 2. p. 486 u. f., und in der Lethaea geognostica p. 
1151 u. f. 

Die Thiere, welche von diesen Schaalen eingeschlossen sind, 
wohnen, nach Bronn, am Rande des Meeres theils beständig un- 
ter Wasser, theils zeitweise in der Luft, innerlich mit einem Vor- 
rathe von Wasser versehen. Sie sitzen an Felsen oder anderen 



♦) L. Br. J. 1843. p. 863 u. 864. 

*♦) Nachtrag zur Charakteristik u. s. w. p. 7. tb. 4. f. 10. 



CIRRIPEUIEN. 



249 



Körpern. Ihre zahlreichen Arten gehören hauptsächlich den jünge- 
ren tertiären Schichten und der jetzigen Schöpfung an. 

Petzholdt *) entdeckte den Balanen höchst ähnliche Körper 
in dem Schieferthone der Pottschappeler Steinkohlenformation bei 
Dresden. Römer führt einen kleinen Baianus aus dem Hilscon- 
glomerate von Essen an (Rom. Kr. p. 129.); ^hr vereinzelt er- 
scheinen die Balanen im Grobkalke, häufiger werden sie erst in 
der jüngeren Tertiärformation mit der Molasse, dem Crag und 
den Subapenninengebilden, welche letzteren sie besonders zu cha- 
rakterisiren scheiaen. 

Einige Arten leben gesellig, wie die auf Taf. IX. Fig. 19. 
abgebildeten Balanen, welche man häufig zu Maigen bei Eggen- 
burg in Niederösterreich auf Ostreen aufsitzend findet, andere le- 
ben einzeln. 

Die Eggenburger Balanen, welche ich Herrn Professor v. Hol- 
ger verdanke, erreichen die Höhe von 2" und zeichnen sich beson- 
ders durch einen nach unten kegelförmig verlängerten Boden aus. Die 
einzelnen Klappen, welche den abgestutzten Kegel bilden, haben auf 
ihrer Oberfläche viele unregelmäfsige , stumpfe Längsrippen, welche 
unter der äufseren Oberfläche scharfe Lamellen und tiefe Furchen da- 
zwischen bilden. Die innere Fläche ist quer gestreift, Sie scheinen 
eine noch nicht benannte Art zu bilden, und in diesem Falle würde 
ich den Namen B. Holgeri vorschlagen. 

Aufser einigen von Bronn in der Lethaea beschriebenen Ar- 
ten wurden die Balanen aus den jüngeren tertiären Meerwasser- 
gebilden Deutschlands durch Münster bekannt. 

Anhang. 

t Cyclus de Köninck (descr. des anim. foss. p. 591.), mit 
zwei Arten aus dem Kohlenkalke von Vise und Tournay, hat im 
Systeme noch gar keine Stellung und ist, nach Burmeister, viel- 
leicht der Abdruck eines Cephalothorax von der Innenseite, in 
welchem Falle er eher einem Arachnoiden als einem Crustaceum 
angehören könnte. 

VIII. Klasse. Kermes. Würmer. 

Gliederthiere mit langgestrecktem Körper, welcher aus mehr 
oder weniger deutlich abgesetzten, gleichen Körperringeln zusam- 



*) Additamcnta ad Saxoniae Palaeologiam, 1841. th. 1 ; L. Br. J. 1842. p. 402. 
*♦) Beitr. z. Petr. Hft. 3. p. 27. tb. 7. 



250 



WL'RiMKR. 



mengesetzl ist. Die Bewegungsorgane sind ungegliedert und sitzen 
theils an einigen, theils an allen Ringen, oder fehlen. 

Fossile Würmer sind bis jetzt nur aus der Ordnung der 
Annulaten mit Sicherheit nachgewiesen worden. 

Annulata^ Annelides. Rundwürmer, 
Rotliwürmer. 

Der Lumbricarien, in welchen Münster Würmer zu erblicken 
glaubte, welche der Gattung L\imbricus L., dem Regenwurme, ver- 
wandt wären, geschah schon unter den Fischen Erwähnung, 
da dieselben von Agassiz für die Därme von Leptolepis und Thris- 
sops erklärt worden sind. 

In dem fünften Hefte der Beiträge zur Versteinerungskunde 
beschreibt Münster (p. 98.) ein wurmartiges Fossil aus dem Jura- 
schiefer von Kelheim, welches er, wegen oberflächlicher Aehn- 
lichkeit mit Hirudo^ dem Blutegel, Hirudella angusta nennt. 

Bestimmt läfst sich in der Vorwelt nur das Vorhandensein 
der Röhrenwürmer erkennen, da die kalkige oder aus verkit- 
tetem Sande gebildete Röhre, in welcher dieselben eingeschlossen 
waren , sich zur Erhaltung im fossilen Zustande wohl eignete. 

1. G. Serpula L. Wurmröhre. Serpula^ Spinorbis^ 
Vermilia und Galeolaria Lam. 

"Das cylindrische, entweder stielrunde oder flachgedrückte 
Thier wird von einer hinten (am Anfange) geschlossenen , vorn 
(am Ende) off'enen Kalkröhre eingehüllt, welche sich von dem 
spitzen Anfange an sehr allmählig nach dem off'enen Ende hin er- 
weitert, mehr oder weniger gebogen und gewunden und, theils 
einzeln, theils mit mehreren vereint, auf anderen Körpern auf- 
gewachsen ist. 

Auf ihrer inneren Fläche sind diese Röhren stielrund oder 
gerundet, und glatt, auf ihrer äufseren aber häufiger prismatisch 
und kantig als cylindrisch, nicht selten höckerig und durch Wachs- 
thumsschichten quer gestreift. 

♦) S. Coiolithen, p. 149. 

**) Nur an einigen Individuen, welche auf Inoceramus Jironp^niarti auf- 
sitzen, und wahr^;cheinlich zu S. deprcssa Goldfufs (Petr. tb. 20. f. 6.) ge- 
hören, glaube ich das in Kalk verwandelte Thier selbst erkennen zu müssen, 
an welchem indessen eine Gliederung nicht bemerkbar ist. Dieselben Indi- 
viduen zeigen durch quere, blätterige Zuwachsschichten auch »ehr deutlich 
die Art des Wachsthums jener Kalkröhren. 



■d 



RUNDWLRMB«. 



251 



Stellenweise Anscliwellungen der Röhren, welche in einigen 
Arten bisweilen bemerkt werden, scheinen auch Verdickungen einzel- 
ner Ringe des Thieres zu entsprechen. 

Zahlreiche Arten von Serpein kommen in allen Formationen, 
welche überhaupt Versteinerungen führen, vor, und werden noch 
lebend in den jetzigen Meeren gefunden. 

VortrelFliche Abbildungen und Beschreibungen der wichtig- 
sten fossilen Arten finden sich in dem ersten Theile von Gold- 
fufs's Fetrefacla Germaniae^ Düsseldorf, 1826 — 1833. 

S. gordialis y. Schlotheim. — Taf. XVI. Fig. 20. 21. 22. — 
S. Plexus Sow. Min. Conch. tb. 598. f. 1. — Goldf. Pelr. I. p. 234 
u. 240. tb. 68. f. 8; tb. 71. f. 4. — Gein. Char. p. 65. tb. 22. 
f. 7 — 11. — Reufs, Böhm. Kr. p. 19. 

Glatte und runde, fadenförmige Röhren von -g- — l'^' Dicke, wel- 
che theils schlangenförmig, theils spiralförmig in einer Ebene oder 
über einander gewunden sind, oder auch knäuelartige Durchschling- 
ungen bilden. 

Nach Goldfufs im mittleren Jura bei Streitberg, Nettheim, Hei- 
denheim und in der Walkererde bei Buxweiler; auch fast in allen 
Schichten der Kreideformation. lieber dem Quadersandsteine, von Ban- 
newitz und Welschhufa bei Dresden ist eine, dem unteren Pläner ent- 
sprechende Sandschicht von ihnen ganz erfüllt, im Plänermergel von 
Sachsen sind sie in glauconithaltigen Kalkknollen gewöhnlich, und die 
im Plänerkalke bei Strehlen häufig auf Muscheln und Seeigeln auf- 
sitzenden Serpein gleichen am mehrsten den Abbildungen in Fig 21 
u. 22. Goldfufs citirt diese Serpula aus der Kreide und dem Grün- 
sande von Münster, Paderborn, Essen, Osnabrück, Mastricht, Regens- 
burg und England. 

S. spirographis Goldf. (Petr. I. p. 239. tb. 70. f. 17.), S. par- 
mla Münst. (Goldf. Petr. I. p. 239. tb. 70. f. 18.) und S. implicata 
V. Hagenow (L. Br. Jahrb. 1840. p. 668. tb. 9. f. 17.) möchte ich 
wieder mit S. gordialis Schi, vereint wissen. 

S. valvata Goldf. I. p. 225. tb. 67. f. 4. Hiernach Taf. XVI. 
Fig. 23.' In natürlicher Gröfse und vergröfsert. 

Die glatte, rundliche Schaale macht zwei spiralförmige Umgänge, 
welche an Dicke schnell zunehmen und mit schief abgeschnittener 
Mündung enden. 

Auf Conchylien des Muschelkalkes von Bayreuth und Jena. 

S. lumbilicata v. Hag. in L. Br. Jahrb. 1840. .p. 666. — Taf. 
XVI. Fig. 24. a. 6. c. 



252 



wCrmer. 



Vier bis fünf gewölbte, scheibenförmig aufgerollte und mit ein- 
ander verwachsene Umgänge sind mit der einen ganzen Fläche auf- 
gewachsen und bilden auf der anderen einen liefen Nabel. Längs 
des äufseren Randes (Rückens) der Windung läuft eine Furche. 

Im Plänerkalke von Strehlen und in der Kreide von Rügen. 

S. Rotula Goldf. I. p. 237. tb. 70. f. 7. — Reufs, Böhm. Kreide- 
verst. p. 18. Ib. 13. f. 94. 

An Gestalt und Gröfse der vorigen ähnlich, jedoch nicht mit 
der ganzen Fläche aufgewachsen, mit scharf gekieltem Rücken und 
jederseits mit einer Seitenfurche. 

Aus dem Grünsande von Regensburg und im Plänerkalke bei 
Bilin in Böhmen. 

S. septemsulcata Reich. — Taf. XVI. Fig. 18. a. b. c, — 
Gein. Char. p. 66. tb. 22. f. 6. 

Die dicke, durch sieben hohe Längskiele und diesen entspre- 
chende Zwischenfurchen ausgezeichnete Schaala ist regelmäfsig halbkreis- 
förmig gekrümmt, und nimmt an Dicke allmählig zu. Der runden 
inneren Höhlung entsprechen die stielrunden Steinkerne dieser Röhren. 

Im unteren Quader (Bannewitz) und unteren Pläner von Sachsen 
nicht selten. 

Eine ähnliche Art ist S. heptagona v. Hag. (L. Br. Jahrb. 
1844. p. 669.); S. sexsulcata Münst. (Goldf. P. L p. 238 tb. 70. 
f. 13.) unterscheidet sich aber von S. septemsulcata durch das Vor- 
handensein von nur sechs Kielen. Letztere Art stammt aus einer 
kalkigen Schicht über dem Eisensande von Amberg und ist jurassisch. 

S. tri angularis Münst. — Taf. XVL Fig. 19. a. b. — Goldf. 
P. I. p. 236. tb. 70. f. 4. — Gein. Kiesl. p. 7. tb. 4. f. 15. 

Schlangenförmig gebogen, dreiseitig, mit der ganzen Bauchseite 
und einem Saume aufgewachsen. Seiten gewölbt, mit feinen Anwachs- 
linien; Rücken scharf, oft faltig gekielt. Zu beiden Seiten des Kieles 
läuft eine schwache Furche. Nicht selten verdickt sich die Schaale 
zu unregelmäfsigen Ringen. 

S. lophioda Goldf. Petr. I. p. 234. tb. 120. f. 2. 

Mit schwächerem, nur linsenförmigem Kiele. 

S. Trachinus Goldf. Petr. I. p. 233. tb. 120. f. 1. 

Mit höherem, gekräuseltem Kiele, welcher aber vorn verschwindet 
und hier einer Furche Platz macht. 

S. laevis Goldf. Petr. I. p. 236. tb. 170. f. 3. 

Ohne deutlichen Kiel und ohne Furche, und mit gewölbteren Seiten. 

Es scheinen diese drei Arten, so wie auch S. carinella Sow. 
{Min. C. tb. 598. f. 2.), nur Varietäten von S. triamjularis zu sein, 



rünüwCrmer. 



253 



und sie gehören sämmtlich dem Grünsande Westphalens und dem Plä- 
nerkalke von Strehlen bei Dresden an. 

S. carinella bildet Sowerby aus dem Grünsande von Blackdown ab. 

S. filiformis Sow. — Fitton, observ. on the str, etc. PI. 16. 
f. 2. — Taf. XVI. Fig. 25. — Parkins. Org. rem. PL 7. f. 2. — 
S. socialis Goldf. Petr. I. p. 233. tb. 69. f. 12. — Reufs, böhm. Kr. 
tb. 5. f. 26, 

Die langen, dünn fadenförmigen und glatten, bald rundlichen, 
bald mehr kantigen Röhren liegen bündeiförmig beisammen, sind mit 
einander verwachsen und verschlingen sich in einander. 

Schon im jüngeren Uebergangskalke der Eifel, häufiger aber in 
den baierischen und schwäbischen Oolithen und in der Walkererde zu 
Navenne und Vesul kommen, nach Goldfufs, Formen vor, welche die- 
ser Art zugeschrieben werden können, vorzugsweise gehört dieselbe dem 
Grünsande, und zwar den Schichten desselben an, welche dem unteren 
Pläner von Sachsen oder den unmittelbar darunter liegenden oberen 
Schichten des unteren Quaders entsprechen. Kieslingswalda in der 
Grafschaft Glatz, die von Reufs für diese Art angeführten Fundorte, 
so wie auch Kreibitz in Böhmen, Quedlinburg, Regensburg und Black- 
down, von welchen Orten man diese Serpein kennt, gehören gerade 
in diese Region der Kreideformation. 

2. G. Terehella Lara. 

Die noch an den Küsten lebenden Terebellen bauen sich zu 
ihrer Wohnung eine lange, cylindrische, sich allmählig erweiternde 
Röhre, welche sie aus verschiedenartigen kleinen Körpern zusam- 
menkitten. 

T. lapilloides Münst., aus dem Jurakalke von Streitberg, ist, 
nach Bronn (Leth. p. 473. tb. 27. f. 19; Goldf., Petr. I. p. 242. tb. 71. 
f. 16.), die einzige fossile Art dieser Gattung. 



4 



C. Gastrozoa. Myxozoa. Bauchthiere oder 
Schleimthiere. 

Kein symmetrisches inneres Knochengerüst, keine symmetrische 
Anordnung der Bewegungsorgane ist in der dritten Hauptgruppe 
des Thierreiches zu finden, und den meisten Schleimthieren fehlt 
sogar auch der Kopf mit den Sinnesorganen. Ihr Leib ist ein 
blofser, bald mehr rundlicher, bald flacher, scheibenförmiger, bald 
auch länglicher, aber stets ungegliederter Sack, in welchem die 
oft sehr vollkommen entwickelten Verdauungs- und Fortpflanzungs- 
organe stecken. Bisweilen finden sich an ihm einige oder viele 
regelmäfsige Ausstrahlungen, welche entweder ungegliedert sind, 
0(]er aus einer zahllosen Menge von Gliedern bestehen; in der 
Anzahl dieser Ausstrahlungen aber sieht man gewöhnlich die Zah- 
len fünf oder vier vorwalten. Bei den sack- und röhrenförmigen 
Bauchthieren liegt der Mund vorn, bei den scheibenförmigen in 
der Mitte an der Unterseite; um ihn stehen meistens einziehbare 
Fühlfäden, oder lange, hohle, nicht einziehbare Fangarme. Aus 
der weichen, schleimigen Haut dieser Thiere, welche eine grofse 
Neigung zu Abscheidungcn von kohlensaurem Kalke besitzt, son- 
dern sich bei manchen äufsere kalkige Schaalen ab, in anderen 
entsteht ein inneres Kalkgerüst, andere bleiben aber nackt und 
schleimig. 

Die Fortpflanzung geschieht bei den meisten durch das Ei, 
und nur in den niedrigsten Familien durch Theilung und Sprossen- 
bildung. (Burmeister, Grundrifs der Naturgeschichte, Berlin, 1845.) 

IX, Klasse. Mollusca. Weichthiere. 

Es sind symmetrische Bauchtiere, welche meistens einen deut- 
lichen Kopf und Sinnesorgane besitzen. Ihr weicher Leib ist eine 
ziemlich grofse, fleischige Höhle mit vorderer Mundöfl'nung; er 



WEICHTHIBRB. 



255 



wird ganz oder zum Theil von einem weichen, vielen Schleim 
absondernden Hautlappen, dem Mantel, umhüllt, welcher an den 
Seiten des Rückens entspringt und die kalkigen Schaalen absondert, 
von denen die meisten Weichthiere umgeben werden. Unter dem 
Mantel liegen zugleich die Athmungsorgane, bei den meisten fal- 
tige und büschelförmige Kiemen, bei anderen eine grofse, faltige 
Lunge. Alle haben einen wahren Darm, mit AfteröfFnung und 
einer grofsen Leber. Gefäfssystem, Herz und Nervensystem sind 
vorhanden. Bei den meisten bildet die untere Kante des Bauches 
eine fleischige Schwiele, auf welcher sie fortkriechen, und die 
daher den Namen Fufs erhalten hat. (Burm. Grundr. d. Naturg.) 

Diejenigen Weichthiere, welche mit Kalkschaale bedeckt sind, 
werden vorzugsweise Schaalthiere genannt, und zwar Schnecken 
{Cochleae^ testae), wenn das Gehäuse einschaalig ist, Muscheln 
(conchae)^ wenn es zweischaalig ist, und Vielschaalige (Viel- 
kammerige, Polythalamia Lam. z. Th.), wenn es aus mehreren Schaa- 
len besteht. Die nähere Eezeichnungsweise für die Unterschiede an 
dem Gehäuse wird bei den verschiedenen Ordnungen selbst angege- 
ben werden. 

Die Mollusken sind in unendlichen Formen über die ganze 
Erde verbreitet. Die meisten bewohnen das Meer, andere das 
Land, wo sie sich feuchte und kalkhaltige Orte auswählen, eine 
kleine Anzahl nur die süfsen Gewässer. Die Wasserbewohner näh- 
ren sich zum gröfsten Theile von AVasserthieren, die Landbewoh- 
ner von Vegetabilien. 

In allen neptunischen Gebirgsformationen, und zwar schon 
in den ältesten ihrer Schichten, treffen wir wohl erhaltene Schaa- 
len von Weichthieren an. Wie es aber in allen Klassen der Fall 
ist, so treten auch die Mitglieder dieser Klasse zuerst mit einem 
der jetzigen Welt fremden Charakter auf, gingen wieder unter und 
wurden durch neue Formen ersetzt, welche denen der gegen- 
wärtigen Schöpfung immer ähnlicher und ähnlicher wurden. Nur 
sehr wenige ihrer Gattungen gehen von der ersten Schöpfungs- 
epoche bis in die letzte herauf. 

Sowohl diesem Umstände , der grofsen Mannichfaltigkeit in 
den verschiedenen Familien, Gattungen und Arten, als auch dem 
grofsen Reichthume an Individuen, der sich zum Theil schon im 
Grauwackengebirge , mehr noch aber in jüngeren Gebirgsforma- 
tionen beurkundet, und der kalkigen Beschaffenheit ihrer Schaale, 
welche zur Erhaltung im fossilen Zustande vortrefflich geeignet 
war, und wodurch der neueren Geognosie eine so kräftige Stütze 



256 



WEICHTHIERE. 



geworden ist, verdankt es diese Thierklasse, dafs die ausgezeich- 
netsten Paläontologen ihre Untersuchungen über sie vorzugsweise 
verbreiteten. Dem Vaterlande wird es immer zum Stolze gerei- 
chen, Arbeiten die seinen zu nennen, wie die hier folgenden sind: 

Bronn: Lethaea geognostica. Stuttgart, 1837 — 1838. 
v. Buch: Recueil de planches de petrißcations remarquables. Ber- 
lin, 1831. 

— ExpUcation de irois planches d Ammonites. 

— lieber Ammoniten und ihre Sonderung in Familien, über die 

Arten, welche in den älteren Gebirgsschichten vorkommen, 
und über Goniatites insbesondere. Berlin, 1832. 

— lieber Terebrateln. Berlin, 1834. 

— lieber Delthyris oder Spirifer und Orthis. Berlin, 1837. 

— lieber Goniatiten und Clymenien in Schlesien. Berlin, 1839. 

— lieber Productus und Leptaena, Berlin, 1842; etc. etc. 
Deshayes: Vescription des coquilles fossiles des environs de Paris. 

Paris, 1837. 

Goldfufs: Petre facta Germaniae. Düsseldorf, 1826' — 1844. 
de Köninck: Vescription des animaux fossiles. Liege, 1842 — 
1844. 

Lamarck: Histoire naturelle des ßnimaux sans v>ertehres. Paris, 
1815 — 1822. Die neue, vermehrte Auflage dieses Werkes 
von Deshayes und Milne Edwards erscheint seit 1835. 

d'Orbigny: Paleontologie frangaise. Terrains cretaces et Terr. 
jurassiques. Paris, 1842 — 1845. 

V. Schlotheim: Die Petrefactenkunde. Gotha, 1820. Mit spä- 
teren Nachträgen. 

Sowerby: Mineral- Conchology of Great - Britain. 1812 — 1830. 
Deutsch bearbeitet von Desor und Agassiz. Solothurn, 1842. 

V. Zielen: Die Versteinerungen Würtembergs. Stuttgart, 1830 
— 1833. (Durch seine Abbildungen ausgezeichnet.) 

Andere treffliche Arbeiten werden theils unter den Citaten, 
theils in dem allgemeineren Theile dieses Grundrisses Erwähnung 
linden. 

1. Ordn. Cephalopoda. Kopffufiser. 

Sie haben einen deutlichen, grofsen, rundlichen Kopf mit 
zwei grofsen Augen und grofsen, fleischigen, mit Saugnäpfchen 
besetzten Fangarmen, welche um den Mund herumstehen und zum 
Greifen so wie zum Rudern dienen. Im Munde liegen zwei einem 



kopffCssek. 



257 



Papageischnabel ähnliche Kiefern, welche man öfters fossil in dem 
Muschelkalke findet, und eine mit Hornspitzen besetzte Zunge. 
Der Leib ist von einem weiten, sackförmigen Mantel umhüllt, 
welcher am Nacken mit dem Thiere verwachsen, an der Kehle 
aber frei ist und hier den Eingang zu einer Höhle bildet, in wel- 
cher die Kiemen liegen und der Mastdarm mündet. Der Mantel 
umgiebt entweder am Rücken eine hornige oder eine poröse 
kalkige Platte (den Sepienknochen des Tintenfisches, der Se- 
2na ofßcmalis)^ oder wird selbst von einer allermeist vielkammer- 
igen Schaale mehr oder weniger eingeschlossen. Im ersteren Falle 
legt sich an die innere Seite jener Platte ein länglicher Beutel 
(Tinten sack) an, der eine braune Flüssigkeit (Sepie) abson- 
dert, mit welcher das lebende Thier zum Schutze gegen äufsere 
Angriffe das Wasser trübt; im letzteren Falle lebt das Thier in 
der einzigen, oder bei Vorhandensein von mehreren Kammern, in 
der vordersten (obersten) Kammer, seinen Schutz gegen schwächere 
Angriffe wenigstens in der es umgebenden Schaale findend. Jede 
der einzelnen Kammern war von dem Thiere eine Zeit lang be- 
wohnt, und zwar so lange, als die Gröfse derselben dem Um- 
fange des Thieres genügte; war diefs nicht mehr der Fall, so hob 
sich das Thier empor und bildete unter und neben sich durch 
Abscheidung einer neuen Kalkscheidewand eine neue, gröfsere 
Kammer. Durch eine Oeffnurig, welche entweder innerlich oder 
randlich die Kammern durchbricht, stellte ein faseriger Strang 
(Nervenrölire, Sipho) die Verbindung von allen einzelnen Kam- 
mern mit dem lebenden Thiere her. 

Der vordere Theil der Schaale wird die Mündung (Mund- 
öffnung, apertura)^ und der freie Rand derselben der Mundsaum 
genannt; die äufsere Seite bei gewundenen Schaalen ist die Rücken- 
seite, die innere die Bauchseite ■•''). 

Die Cephalopoden sind Meeresgeschöpfe, und beginnen in 
grofser Anzahl schon im Grauwackengebirge zu erscheinen. 

A. Dihranchiata Owen **). Acetibulifera d'Orbignj 

Cephalopoden mit zwei Kiemen und mit Saugnäpfen an ihren 
Fangarmen. Der Kopf ist deutlich vom Rumpfe gelrennt. 



*) Der übrigen Benennungen halber bitte ich, den betreffenden Artikel 
unter den Schnecken einzusehen. 

*♦) Wiegmann's Archiv f. Naturgeschichte. 1839. Bd. 2. p. 203. 
*+*) Pal. fr. Terr. cret. L p. 28; Terr. jur. I. p. 32. 
Geinitz, Versteineningskimde. 17 



258 



WEICHTfHERE. 



a. Mit acht Fangarmen. 
1. Faiii. Octopoda, AchtfüTser. 

Schaala äufserlicli, einkammerig und symmetrisch oder fehlend. 
Das Thier hat acht Arme von gleicher und bedeutender Länge, 
und der Mantel keine seitlichen Flossen. (Burm.) 

Nacktschaalige hat man bis jetzt noch nicht fossil gefunden. 

1. G. Argonauta L. Papiernautilus. (^Argonauten. Griech. Myth.) 

Das Thier steckt in einer kahnfürmigen , quer gerippten, 
dünnen, zerbrechlichen Schaale; zwei seiner mit zwei Reihen Saug- 
näpfchen besetzten Arme sind am Ende flossenartig erweitert und 
dienen als Segel. 

A. argo L. , die im Mittelmeere lebt, wurde durch Monda in 
blauen tertiären Mergeln zu Cornigliano in Piemont (L. Br. J. 1838. 
p. 459), durch Sismonda bei Turin (L. Br. J. 1839. p. 488; 1844. 
p. 117.) gefunden. 

t 2. G. Bellerophon Montfort. (Griech. Myth.) 

Schaale eng -Spiral eingerollt, kugelförmig, oder vom gerun- 
deten, in der Mitte meist gekielten Rücken her platt gedrückt. 
Die Windung wird vom letzten Umgange eingeschlossen oder ist 
von beiden Seiten im doppelten Nabel noch etwas sichtbar. Münd- 
ung bogenförmig, oft an beiden Seiten etwas verlängert. (Bronn, 
Leth. p. 96.) 

Es vertritt diese Gattung die vorige im Grauwackengebirge, 
in dessen oberer (devonischer) Abtheilung sie häufig vorkommt. 

B, hiulcus Sow. Min. Conch. tb. 470. f. 1. — Taf. X. Fig. 1. 
a. b. c. — De Köninck a. a. 0. p. 348. tb. 27. f. 2. 

Schaale sehr eng genabelt; Rücken breit, gerundet und flach 
gekielt; Oberfläche parallel dem Mundsaume dicht gestreift; in der 
Nähe des Kieles biegen sich jedoch die Streifen schnell rückwärts 
gegen denselbe;i. Bis grofs. 

Häufig im Kohlenkalke von Tournay und Vise in Belgien, Har- 
lingstone und Cronstone in Derbyshire, Bolland in Yorkshire, in Ir- 
land, bei Coalbrookdale , nach Castelnau am Brie -See in Nordamerika, 
und bei Altwasser in Schlesien. 

B. decussatus Flemming. Taf. X. Fig. 3. Nach de Köninck, 
p. 339. tb. 29. f. 2. u. Ib. 30. f. 3. 

Von der vorigen Art durch spiralförmige Linien unterschieden, 
welche sich mit sehr feinen Zuwachslinien kreuzen. 



KOPFFtSSER. 



259 



In denselben Schichten von Belgien, Schlesien, Yorkshire und 
in devonischer Grauwacke von Pfaffrath. 

Wie viele Arten aufser diesen beiden besonders aus devonischer 
Grauwacke noch hervorgezogen wurden, geht aus de Koninck's Werk 
und aus der schon mehrfach citirten Uebersicht paläozoischer Ver- 
steinerungen von Archiac und Verneuil hervor. 

b. Mit zehn Fangarmen. 
2, Fand. Xeuthidae» (Ijongmeen.) 

(rtvd^ig^ eine Art Tintenfisch.) 

Längliche Thiere, denen eine äufsere Schaale fehlt, und die 
eine dünne, hornige Rückenplatte (Schulpe) enthalten, welche 
mehr oder weniger die Form einer Feder hat und hinten (unten) 
bisweilen mit einem kleineren oder gröfseren Kegel endet. Als 
nackte Cephalopoden besitzen sie auch einen Tintenbeutel. Von den 
zehn Armen, welche sämmtlich an ihrem Ende mit Saugnäpfchen 
bedeckt sind, sind gewöhnlich zwei viel länger als die anderen 
acht, und werden an ihrem Ende breiter. Aus den Saugnäpfen 
der längeren Arme ragen bei der lebenden Ony choteuthis (Lich- 
tenstein) gekrümmte Haken von horniger Substanz hervor, wie diefs 
bei keiner anderen lebenden Gattung mehr vorkommt. 

1. G. Loligo Lam. Calmar. 

Das Thier der Loligo ist verlängert; ihr Mantel breitet sich 
hinten zu zwei dreieckigen Hautlappen aus; die Rückenplatte ist 
schmal, lancett- oder degenförmig, und gleicht in der lebenden L. 
vulgaris sehr einer Schreibfeder. 

L,? Schübleri Quenstedt, das Flötzgebirge Würtembergs , Tü- 
bingen, 1843. p. 254. — Ziet. Verst. Würt. tb. 37. f. L — Hiernach 
Taf. XH. Fig. 8. (J). 

Eine dünne, breit pfeilförmige , etwas trapezoidale , unten oval 
sich erweiternde, oben spitz zulaufende Rückenplatte, mit dickem mitt- 
lerem Kiele. 

Im Liasschiefer von Boll in Würtemberg. 

Es scheint diese Art unter den als Loligo beschriebenen noch 
am sichersten dieser oder der folgenden Gattung zugezählt werden 
zu können. L. Bollensis oder L. Aalensis gehört zu den Belemniten. 

L. subsagittata Miinst. Beitr. z. Pelr. Hft. 1. (2. Aufl.) p. 107. 
tb. 10. f. 3. 

17.. 



260 



WEfCHTIlIERE. 



Eine Rückenpiatie aus den lithographischen Schiefern von Eich- 
städt, welche nach Münster der der lebenden Loligo sagüta am ähn- 
lichsten sein soll. 

2. G. Sepioteuthis Blainv. (oipla^ Tintenfisch; Twd\c.) 

.Von Loligo dadurch unterschieden, dafs die seitlichen Haut- 
lappen sich längs des ganzen Körpers herabziehen. Die innere 
Rückenplatte wird breiter als die von Loligo. 

Nach d'Orbigny (L. Br. J. 1844. p. 116.) und Fielet {tr. elem. 
de Paleont. IL p. 317.) finden sich Ueberresle dieser Gattung im Lias 
von Deutschland, und vielleicht gehört Z,ö%o Schiibhri hierher. 

t 3. G. Teuthopsis (Teudopsis) Deslongchamps. (jiv&\g; 
oipig^ Aussehen.) 

Die hornigen Rückenplatten sind mehr spateiförmig, erwei- 
tern sich vorn eiförmig, verengen sich allmählig nach hinten, 
und haben einen mittleren, stark hervortretenden Kiel. 

T. Bunellii Deslongch. — d'Orbigny, Pal. fr. terrains juras- 
siques^ PL 1. Es ist die einzige bekannte Art. 

Auf der ei -lanzettförmigen, 5'' langen Rückenplatte liegt ein 
wenig über l'' langer Tintenbeulel. 

In der Juraformation von Calvados. 

t 4. G. Acanthoteuthis (früher Kelaenö) Münst. Enoplo- 
teuthis d'Orb. {äy.avd-a^ Stachel; rfvd^tg.) 

Ihrem länglichen Körper und der Form ihres Kopfes nach 
gehört/ Acanthoteuthis nur in diese Familie, wiewohl man bis jetzt 
nur die acht kürzeren, nicht auch die beiden längeren Kopfarme 
kennt. Jeder der ersteren ist seiner ganzen Länge nach mit zwei 
Reihen gekrümmter Häkchen besetzt, welche aus den Saugnäpfen 
hervorragen. Wie schon erwähnt, kommen solche Häkchen unter 
den lebenden Gattungen nur an den längeren Armen von Onycho- 
teuthis Lichtenstein vor, während die Saugnäpfe der kürzeren Arme, 
nach R. Wagner, höchstens hornige, gezähnelte Ringe tragen. 

A. speciosa^ A. Ferussacii und A. Lichtensteinii Münst. (Beitr, 
z. Petr. 2. Aufl. Hft. 1. p. 105 — 106. tb. 9. u. tb. 10. f„ 1. 2.) wur- 
den von d'Orbigny {Pal. f. terr. jur. p. 140.) mit Recht zu einer 
Art wieder vereinigt. 

Die wahrscheinlich zu dieser Art gehörenden Rückenplaiten (d'Orb. 
Pal. fr. terr. jur. p. 140. tb. 23. f. 1.) sind sehr schmal und glei- 
chen einem dreischneidigen Degen. Münster hatte dieselben Onycho- 
teuthis angusta, 0. lata und 0. tricarinata genannt. 



kopffOsser. 



261 



Im lithographischen oder kalkigen Schiefer von Solenhofen, Eich- 
städt und Daiting, und in einem bituminösen Schiefer des oberen Jura 
des Dep. de l'Ain. 

Die von Münster beschriebenen breiteren Arten, mit lancett- 
förmigem Ende, wie A. hrevis Miinst. (Beitr. 5. p. 97. tb. 1. f. 3.), 
dürften wohl eher von Belemniten herzuleiten sein. 

5. G. Ommastrephes d'Orb. •). (ofn/iia^ Ansehen; pr^icfM^ 
ich kehre um.) 

Die lange, schmale, degenförmige Rückenplatte hat einen 
mittleren Kiel und endet hinten mit einem umgekehrt- und schief- 
kegelförmigen Körper, welcher, da er hohl ist, einem Schöpf- 
eimer gleicht. (Pictet, Pal. IL p. 320. tb. 14. f. 8.) 

Die wenigen' Arten kommen, nach d'Orbigny, in der Jurafor- 
mation und noch lebend vor. 

t 6. G. Conoteuthis d'Orb. {xwvog^ Kegel; Twdig.) 

Von der vorigen Gattung nur dadurch verschieden, dafs sich 
in dem eimerartigen Kegel Querscheidewande befinden, wie in 
der Höhlung der Belemniten, wodurch es den Uebergang von 
Ommastrephes zu den Belemniten macht. (d'Orb. Pal. fr. Terr. er. 
L p. 620.) 

C. Dupiniana d'Orb. wurde dem Neocomien Frankreichs ent- 
nommen. 

3. Fam. ^epiadae. 

Die Sepien haben einen viel breiteren und gedrungeneren 
Körper als die Loligineen , welchem auch eine starke , breite, 
kalkige Rückenplatte entspricht; letztere endet hinten in einer 
Spitze. 

7. G. Sepia L. Sepie. Tintenfisch. Seche. Seiche. 
Die Rückenplatte der lebenden S. ofßcinaUs ist unter dem 
Namen: Sepienknochen, os sepiae^ .allgemein bekannt. Sie ist 
oval, länglich elliptisch, hat in der Mitte einen breiten, flachen 
Längskiel, endet hinten in einer kleinen, festen Spitze, und besteht 
aus einer porösen Kalkmasse, welche äufserlich von einer hornig- 
perlmutterartigen Schicht bedeckt wird. Die erstere ist durch 
wellenförmige Streifen geziert, auf der letzteren sieht man von 
der Endspilze eine Menge Linien ausstrahlen, welche von con- 
centrischen Linien durchkreuzt werden. (Vergl. Belemnites.) 

*) D'Orbigny schreibt bisweilen Omnastrephes oder Omastrephes ^ wel- 
ches jedenfalls Druckfehler sind. 



262 



WBICHTHIBRE. 



S. hastiformis Büppell, Abbild, u. Beschreib, einiger neuen 
oder wenig gekannten Versleinerungen. Frankf. a. M. 1829. tb. 3. f. 2. 

Eine dem gewöhnlichen Sepienknochen ähnliche Rückenplalte aus 
dem lithographischen Schiefer von Solenhofen. 

t 8. G. Belosepia Voltz. (ßeXog^ Pfeil; ofjma.) 

Die hierunter begrilFenen fossilen Körper entsprechen den 
hinteren Theilen der gewöhnlichen Sepienknochen, von denen sie 
sich nur durch etwas andere Dimensionen unterscheiden, so dafs 
man Belosepia nur als Untergattung von Sepia betrachten kann. 
Arten tertiär. 

B. Cuvieri Voltz (Beloptera Cuv. u. Belopt. sepioidea de Blainv.), 
Er. Leth. p. 1127. tb. 42. f. 19. 

Häufig im Grobkalke des Pariser Beckens und in Belgien. 

t 9. G. Beloptera Desh. {ßtlog; uTiQov^ Flügel.) 

Der kalkige innere Knochen ist länglich, vorn fast cylindrisch 
verlängert, läuft hinten in einen stumpfen Schnabel aus und hat 
an beiden Seilen eine fliigelartige Ausbreitung. Der cylindrische 
Theil enthält eine conische, gehämmerte Höhlung, welche der 
Alveole der Belemniten zu vergleichen ist. Arten tertiär. 

B. belemnitoidea Blainv. {Sepia parisiensis d'Orb.), Br. Leth. 
p. 1129. tb. 42. f. 18. — Pict. Pal. p, 315. tb. 14. f. 2. 

Im Grobkalke zu Grignon. 

B. an mala Sow. Min. Conch. tb. 591. f. 3 — 5. 
Aus dem Londonthone von Highgate. 

4. Farn. Belemnitidae» Belemniten. 

t 10. G. Belemnites Breyn. {Cetocis^ Acamas, Thalamus^ 
Callirhoe und Paclites Montfort Actinocamax Miller; 
Pseudolebus Blainv.; Belemnosepia Agassiz und Buckland; 
B elopeltis Voltz; Belemnitella d'Orbigny.) 
{ßtltl-ivov^ Geschofs, Wurfspiefs.) 

Wer an der Küste von Pommern und auf der Insel Rügen 
umherwanderte, dem blieben auch jene Körper nicht fremd, die 
an vielen Orten so häufig, und fast überall unter dem Namen der 
Donnerkeulen bekannt sind. Längst auch haben sie schon die 
Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die Alten sollen sie, als an- 
geblich von Jupiter berührt, heilig verehrt haben, und auch in 

"f) Bronn, Leth. p. 402, u. im Jahrb. f. Min. a. a. O. 



kopffCsser. 



263 



späteren Zeiten erklärte man ihren Ursprung noch auf die man- 
nichfachste Weise. Die wahre Natur der Belemniten ist indefs, 
nach wichtigen Vorarbeiten von Münster *), Quenstedt*'"), Voltz 
Buckland und Agassiz t) , d'Orbigny tt) u. A. , erst in der neue- 
sten Zeit durch Owen ttt) dargethan worden. Nach jenen in 
England gefundenen Exemplaren sind an der zusammengesetzten, 
inneren Schaale der Belemniten folgende Theile zu unterscheiden: 

1) Die Scheide {rostre d'Orb., guard Ow.), welche der 
Spitze eines Wurfspiefses gleicht, sich gewöhnlich allein noch 
erhalten hat und zu dem Namen Belemnit Veranlassung gab. Diese 
spitzt sich hinten (unten) zu, und erweitert sich vorn (oben, an 
der Basis), wo sich eine kegelförmige Höhlung (Alveole) in die- 
selbe einsenkt. Sie besteht aus spathigem Kalke, welcher sich 
in concentrischen Schichten um die Achse der Scheide so abge- 
setzt hat, dafs er im Längsdurchschnitte (Taf. XII. Fig 21. e.) 
hyperbolische Linien, im Querdurchschnitte aber (Taf. XII. Fig. 
15. a. b; Fig. 19. a. b; Fig. 21. a. b.) radiale und concen- 
trische Linien erkennen läfst. Die Exemplare aus der Kreide sind 
gewöhnlich verkieselt, welcher Frocefs dann von der Oberfläche 
aus erfolgt ist. 

2) Der Alveolit {Phragmacone Owen. Taf. XIL Fig. 21.6/.) 
oder der gekammerte Schaalentheil , welcher in der conischen 
Höhlung an der Basis des Belemniten steckt. Seine Scheidewände 
sind nach aufsen concav und werden, analog denen der lebenden 
Spirula^ an der meist breiteren Bauchseite von einem randlicheu 
Sipho durchbrochen. Sie bestehen hauptsächlich aus Perlmutter- 
substanz, die auf beiden Seiten mit einer dünnen Lage einer wei- 
fsen, zerbrechlichen Kalkmasse überzogen ist. 

3) Der ho r nig- kalkige Knochen {osselet dOrb.), wel- 
cher an der Spitze der Alveole beginnt, als dünne Decke dieselbe 
auskleidet, und so den Alveolit von der Scheide des Belemniten 



*) Bemerkungen zur näheren Kenntnifs der Belemniten. Bayreuth, 1830. 
**) Ueber Loligo Bollensis, in L. Br. J. 1839. p. 156. u. a. a. O. 
***) Ueber Actinocamax y in L. Br. J. 1839. p. 522; über Belopeltls, 
in L. Br. J. 1840. p. 342. 742; 1841. p. 623. 

i) Geologie und Mineralogie, I. p. 410. u. f. II. tb. 38 u. 44'. 
-{•f) Paleontologie frangaise, 

ftf) A Description of certain Belemnites , preserved, with a great 
Proportion of their Soft Parts ^ in the Oxford Clay at Christian Malford, 
Wilts. In the Quaterly Journal of the Geological Society. London, 1845. 
p. 119. 



264 WEICllTHIEHE. 

trennt, sich aber dann mehr oder weniger weit über die letzte 
Scheidewand des Phragmacones erstreckt, um die breite vordere 
Eingeweidekammer zu bilden, welche den Tintenbeutel und einige 
andere innere Theile d^es Belemniten enthält. Diese Kammer ist 
nur unten dutenförmig geschlossen, und breitet sich nach oben 
hin als ein mehr oder weniger erweitertes Rückenschild {Belo- 
peltis^ wozu auch Loligo Bollensis gehört) aus (Taf. XII. Fig, 12, 
unvollkommen; Taf. XXllI. Fig. 9. a. b.). Es besteht dieser Knochen 
aus dünnen Lagen hornig-kalkiger, mit Perlmuttersubstanz bekleide- 
ter Masse, und entspricht den beiden Gattungen Ommastrephes und 
Conoteuthis^ so wie auch der convexen, breiten, hinteren Platte 
des Sepienknochens, während die kleine Endspitze des letzteren 
der Scheide des Belemniten, und die Reihe der Querplatten in 
jener nebst dem porösen, kalkigen, durch wellenförmige Quer- 
streifen ausgezeichneten Theile den Querscheidewänden des Be- 
lemniten - Alveoliten entspricht. 

Das Thier des Belemniten, welches Owen nach den englischen 
Exemplaren sehr genau kennen lehrte, zeichnete sich durch acht 
lange, emporstehende Fangarme aus, von denen jeder 15 — 20 
Paar Haken trug, die aus den Saugnäpfen entspringen, ein Cha- 
rakter, der aufserdem nur noch der lebenden OnycJwteuthis und 
der fossilen Acanthoteuthis zukommt. Die beiden herabhängenden 
Arme sind nur unvollständig gekannt. Zwei halbkreisförmige Vor- 
sprünge, die mit ihrer concaven Seite gegen einander gekehrt 
sind, einem gekrümmten Bande von 1'" Höhe und 1"' Breite glei- 
chend , erkannte Owen als die Augen des Thieres. 

Aufser einem ovalen Tintenbeutel, in welchem sich häufig 
noch die erhirtete Sepie ■■*') vorfindet, und dem Darm, sind auch 
noch zwei Seitenflossen, häutig- faserige Ausbreitungen des Man- 
tels, von halb -eiförmigem Umrisse bekannt, deren breiter Theil 
vorn liegt, von wo aus sich dieselben nach hinten allmählig 
verengen. 

Die Kiefern dieser Thiere scheinen hornig gewesen zu sein, 
da man in Begleitung der Belemniten keine kalkigen findet. Die 



*) Die fossile Sepie ist hart, zerbrechlich, läfst sich zu einem dunkel- 
braunen Pulver zerreiben und hat beim Gebrauche einen etwas dunkleren 
Ton als die römische Sepie. Römer fertigte schon seit längerer Zeit seine 
Handzeichnungen mit Sepie von Loligo Bollensis an, welche man nur mit 
Wasser und etwas Gummi stark einzureiben braucht, um sie sofort benutzen 
zu können. 



KOPFFlSSER. 



265 



Dicke, zu welcher der graue, musculöse Mantel zusammengedrückt 
worden ist, betrug nach Owen l'"- 

Ihrer relativen Gröfse, Form und Stellung der Seitenflossen 
nach, glichen die Belemniten, nach Owen, den lebenden Gattungen 
Rossia und Sepiola^ und vereinigten aufserdem Charaktere der 
Sepia ^ des Onychthoteuthis und, wegen der Lage des randlicli- 
ventralen Siphos auch mit Spirula. 

Die mit unzählbaren " ) Namen belegten Arten der Belemni- 
ten sind auf das Oolithengebirge und Kreidegebirge beschränkt. 
Unter ihnen kann ich hier nur einige der wichtigsten herausheben. 

Sie zerfallen, nach Münster (a. a. 0.) und nach v. Buch 
(über den Jura in Deutschland, p. 33.), nach ihrer Scheide in 
folgende drei Gruppen: 

1) Belemniten mit einer kurzen, allein selbst in den Alveo- 
liten noch einschneidenden Spalte an der Basis der Scheide, 
welche jederzeit auf der breiteren, dem Sipho gegenüber liegenden 
Rücken Seite ■■'■■0 die Mitte einnimmt. 

Sie gehören ausschliefslich der oberen Kreideformation an, 
und d'Orbigny vereinigte sie unter dem Gattungsnamen Beiern- 
niiella d'Orb. 

B. mucronatus Schloth. — Taf. XII. Fig. 20. (f). — Brongniart, 
desc. geol. des env. de Paris, 1822. tb. 3. f. ]. — ■ Nilsson, Petrißcata 
Suecana, tb. 2. f. 1. A. £. — Hisinger, Lethaea Suecica, tb. 10. f. 6. 
— Sow. Min. Conch. tb. 600. f. 1. 2. 3. — Mantell, Geology of 
Sussex, tb. 16. f. 1. — Br. Leth. tb. 33. f. 10. 11. — d'Orb. Pal. 
fr. terr. er. I. tb. 7. 

Die rauhe, fast cylindrische Scheide, die sich nach hinten zu 
erst sehr wenig verengert und bisweilen sogar sich etwas verdickt, 
ist an der Basis stumpf dreikantig, wird allmählig plattrund und endet 
hinten ziemlich schnell mit einer kurzen, pfriemenförmigen Spitze. Die 
Mitte der Bauchseite ist an der Basis kielartig erhöht und von zwei 
flachen Furchen eingefafst, welche schwach von einander divergiren 
(so dafs der Kiel nach hinten zu flacher und breiter wird), in der 
Nähe der Endspitze die Seite erreichen, jederseits nur noch als zwei 



*) Den Belemnites dilatatus Blainville z. B. zertrennte allein Raspail 
in 32 (!) verschieden benannte Arten , welche indefs alle durch d'Orbigny 
(Pal. fr. Terr. cret. p. 39.) wieder eingezogen wurden. Die Bemühungen 
V. Buch's, Bronn's, Quenstedt's und einiger Anderen, die Errichtung neuer 
Arten zu beschränken, finden leider noch immer nur bei Wenigen Nach- 
ahmung. 

+*) Diese Seite wurde bisher häufig als Bauchseite bezeichnet. 



266 



WEICIITIKERE, 



verlieffe Linien sichtbar sind, und sich verlieren, ehe sie die Spitze 
erreichen. Alveole, Alveolit und Spalt sind lang. 

Diese Art ist leitend für das obere Kreidebirge , und findet sich 
häufig in der weifsen Kreide von Rügen, Dänemark (auf Moen), Eng- 
land (Brighton und Lev^es in Sussex, Danes Dike in Yorkshire), Ir- 
land, Frankreich (an vielen Orten); überall in Kreide und Kreide- 
mergel von Polen, Schweden (Kjugestrand und Köpinge); im Kreidetuff 
bei Mastricht u. s. w. 

2) Belemniten mit einer mittleren Rinne auf der Bauch- 
seite, dem Sipho zunächst, welche gewöhnlich nur in die oberen 
Lagen der Scheide, bisweilen aber auch bis an die Alveöle ein- 
schneidet, und welche sich von der Basis an mehr oder weniger 
weit nach der Endspitze hinzieht. 

a. Mit zwei Seitenfurchen, welche auf der jener Rinne ge- 
genüber liegenden Seite (nach d'Orbigny Rückenseite) einen brei- 
ten, flachen Kiel abschneiden. 

Aus der Aehnlichkeit im Verlaufe dieser Linien mit denen von 
B, mucronatus^ liefs sich vermulhen, dafs die Rinnenseite die Rücken- 
seile, und die gegenüberliegende die Bauchseite wäre, in welchem 
Falle diese Abtheilung sich an die erste Gruppe anschliefsen würde. 
Weder aus d'Orbigny's Abbildungen und Beschreibungen (Pal. fr. Terr. 
er. /.), noch aus meinem Exemplare von B. minimus läfst sich für 
die Lage des Siphos ein sicherer Schlufs ziehen. 

Die Arten kommen nur in der unteren Kreideformation bis 
zu dem Plänerkalke herauf vor. 

B. minimus Lister. — Taf. XII. Fig. 17. u. 18. (Var.: B. sub- 
fusiformis Raspail.) — B. Listen Mant. Geol. of Süss. tb. 19. f. 17. 18. 
23. — B. min. Sow. M. C. tb. 589. f. 1 — 7. — B. lanceolatus Sow. 
M. C. tb. 600. f. 8. 9; B. attennatus Sow. M. C. tb. 589. f. 8 — 10. 
(Var.) — Br. Leth. tb. 33. f. 13. — ? B. subquadratus Römer, Kreide, 
p. 83; Ool. tb. 16. f. 6. — Gein. Charakt. tb. 17. f. 30 — 34. — Acti- 
nocamax fusiformis und Act. Milleri Voltz (n. d'Orb.). — d'Orb. PaL 
fr. Terr. er. I. tb. 4. f. 9—16; tb. 5. f. 3—9. (Var.) — Phillips, 
Geol. of Yorkshire, 1835, tb. 1. f. 18. (Var.) 

Die äufscrlich rauhe, verlängerte Scheide ist allermeist etwas 
spindelförmig und läuft hinten in eine (nach Sowerby, tb. 589. f. 9. 
nnd nach d'Orbigny a. a. 0. Ib. 5. f. 6 — 9, bisweilen sehr ver- 
längerte, oder auch, nach Phillips a. a. 0. und d'Orb. tb. 5. f. 3. 4, 
sehr kurze und stumpfe) Spitze aus; an dieser erkennt man bisweilen 
eine kurze, undculliche Furche. Mittlere Furche gewöhnlich kurz. 
Die seitlichen Furchen (in den Abbildungen nicht sichtbar) werden 



kopffL'sser. 



267 



aus zwei Doppellinien, sowohl vertieften als erhabenen daneben ge- 
bildet, zwischen welchen letzteren sich nach vorn hin eine dritte er- 
habene Linie einzulegen pflegt. Je nach der Form der Scheide sieht man 
diese Doppellinien nach hinten zu mehr oder weniger aus einander 
laufen; übrigens sind sie oft kaum zu bemerken. 

In der Nähe der Basis ist der Querdurchschnitt rundlich drei- 
eckig, wobei die Furchenseite die Basis des Dreieckes, die von den 
Seitenfurchen eingefafste die gegenüberliegende Ecke vertritt; nach 
hinten zu wird der Durchschnitt mehr kreis- oder eirund. 

Der Alveolit ist kurz. Ein Exemplar mit dem spitzen Ende war 
etwa 4'" lang und vorn 2'" breit, und enthielt gegen 15 Kammern. 

Wo die Alveole beginnt , hat die Basis dieser Belemnilenscheide 
grofse Neigung, sich von dem übrigen Theile eigenthiimlich abzulösen, 
was zur Errichtung des AcHnocamax Veranlassung gab. Das vordere 
Ende (Taf. XII. Fig. 17. a. 18. a.) erhebt sich dann zu einem Schei- 
tel, in dessen Mitte sich eine runde Vertiefung einsenkt. Aus dieser 
läuft eine tiefe Rinne bis in die früher erwähnte mittlere Rinne herab, 
während nach der entgegengesetzten Seite sich eine breite Falte herab; 
zieht, und noch mehrere schmälere Falten und Rinnen nach den seit- 
lichen Theilen verlaufen; die ganze Oberfläche ist concentrisch liniirt. 

B. minirrms ist nicht immer so klein als der Name erwarten 
läfst, sondern wird bisweilen sogar gegen b" lang. 

Vorkommen: Im Neocomien des südlichen Frankreichs, und Falls 
B. subquadralus hierher gehört, im Hilsthone und Hilsconglomerate Nord- 
deutschlands (des Elligser Brigs, des Hilses, bei Bradenbeck und 
Schandelahe); selten im unteren Quader Sachsens; häufig im Galt Eng- 
lands, und im unteren und mittleren Pläner Sachsens (Plauen bei 
Dresden, Oberau), bei Langelsheim, Sarstedt und Rethen, selten im 
Plänerkalke von Strehlen bei Dresden und Hundorf in Böhmen. 

b. Theils ohne Seitenfurchen, theils mit zwei Seitenfurchen, 
welche dann der Bauchseite genähert sind oder wenigstens nicht 
oberhalb der Mitte der Seitenfläche liegen. 

Sie kommen im mittleren und oberen Jura vor. 

B. canaliculatus v. Schloth. — Taf. XIL Fig. 13. 14. (B. 
semihastatus de Blainv.). — Ziet. Verst. Würt. tb. 21. f. 1. 3. — Br. 
Leth. p. 416. tb. 21. f. 19. — v. Buch, Jura, p. 62. — Quenst. Flötzg. 
Würt. p. 368. — d'Orb. Pal. fr, Terr. jur, I. p. 108. tb. 13. f. 1—5. 
Nach V. Buch und Bronn gehört auch B. semihastatus de Blainv., nach 
Quenstedt noch B. Aldorßensis, apiconus., acutus u. A. zu ihm. 

Scheide pfahlförmig oder verlängert spindelförmig (i?. semihasta- 
tus de Blainv.), mit einer schmalen, ziemlich scharfrandigen Rinne 



268 



WEICIITIHERE. 



versehen , welche nach hinten zu schwacher wird und sich in der 
Nähe der Spitze oder an der Spitze gänzlich verliert. Von dieser 
Furche schneidet ein feiner Spalt bis an den Sipho ein. Etwas un- 
terhalb der Mitte der Seiten erkennt man die schwachen Längsfurchen. 
Querdurchschnitt an und in der Nähe der Basis fast kreisrund, und 
nach hinten zu immer mehr querelliptisch. 

Er fehlt nie in den oberen Schichten (Oxford- Thon) des mitt- 
leren Jura Deutschlands (Thurnau, Rabenstein, Würgau, Bärendorf in 
Franken; Wasseralfingen, Dellingen, NeufTen am Stuifenberge in Wür- 
temberg; bei Goslar in Hannover), der Schweiz (im Porrentruy am 
Mont- terrible , im Aargau, im Kanton Basel) und Frankreichs (Port- 
en -Bassin in Calvados). 

B. ha Status de Blainv. — Taf. XII. Fig, 12. (n. Bronn). — 
B. unicanaliculatus Ziet. Verst. Würt. tb. 24. f. 8. — B. semisulcatus 
Münst. a. a. 0. p. 6. tb. 1. — Br. Leih. p. 415. tb. 21. f. 15. — 
V. Buch, Jura, p 72. — Quenst. Flötzg. p. 446. — d'Orb. Pal. fr. 
Terf. jur. 1. p. 121. tb. 18. 19. — B. semihastatus de Blainv. z. Th. 

Scheide verlängert spindelförmig, ganz ähnlich dem B. canali- 
culatus ^ nur schwellt der bauchige Theil der Spindel, nach Quenstedt, 
viel dicker an, denn er kann durch die Furche nicht in gleichem 
Grade deprimirt werden, weil diese nur in der Alveolen- (Basal-) 
Gegend einer schmalen, scharfkantigen, tiefen Rinne gleicht, über die 
Mitte hinaus sich aber verflacht und kaum noch verfolgt werden kann. 
Wie bei der vorigen Art, dringt auch hier von der Furche ein glat- 
ter Spalt bis zur Alveole hinab. Eine schwache Seitenfurche in der 
Milte jeder Seile ist auch an dieser Art zu bemerken. 

Im oberen Jura (Coralrag und den lithographischen Schiefern) 
von Wiirlemberg und Franken (Thurnau, Würgau, Müggendorf, Streit- 
berg, Amberg, Pappenheim), Hannover, Hohnsein in der sächsischen 
Schweiz und in Frankreich. 

3) Belemniten ohne Basalrinne und ohne Seitenfurchen, 
aber mit kurzen Rinnen von der Spitze aus. 

Sie linden sich nur im unteren und mittleren Jura. Zu ihnen 
gehört der gröfste aller Belemniten, 

B. giganleus \. Schloth. — Taf. XII. Fig. 21. a. b. c. d. e. 
(Nach Zielen, Verst. Würt. Ib. 19. y.) — B. Aalensis Voltz, Br. Leih, 
p. 407. tb. 21. f. 14. — V. Buch, Jura, p. 59. — Quenst. Flölzg. 
p. 329. — d'Orb. Pal fr. Terr, jur. p. 112. ib. 14. 15. — Nach Quen- 
stedt und d'Orbigny gehören hierzu: -B. elUpticus Miller, B. quinquc- 
sulcatus , B. r/ladius und B. gigas de Blainv. , B. compressus Sow., B. 



kofffCssek. 



269 



longus Voltz", B. quinquesulcatus Ziet., B. grandis Schübler, B. bipar- 
titus und B. bicanaliculatus Ilarlmann. 

Die Scheide wird bis 2' lang und an der Basis bis 3" breit. 
Ihre Dicke bleibt entweder in der oberen Hälfte der Länge ziemlich 
gleich, oder nimmt nach vorn hin zu {B. grandis Schüb. b. Ziet.). 
Die andere Hälfte verjüngt sich ganz allmählig nach dem hinteren, 
unteren Ende, der Spitze. Im Durchschnitte ist sie elliptisch bis birn- 
förmig, an der Bauchseite enger als an der Rückenseite. Der Raum 
zwischen beiden ist abgeplattet, mit einer Einbiegung nach innen, 
w^elche nach der Spitze zu immer merklicher wird; daher läuft zu 
beiden flacheren Seiten der meistens slark seitlich zusammengedrückten 
Spitze eine Furche (ß. acuminatus Ziet. T. 20. 5.), oder es bilden 
sich noch mehrere kürzere Furchen, wie an dem abgebildeten Exem- 
plare. Hiernach und nach dem verschiedenen Alter erhält diese Art 
ein verschiedenes Ansehen , worauf de Blainville und v. Zielen meh- 
rere ihrer neuen Arten gründeten. 

Im mittleren braunen Jura Würtembergs überall, zu Rabenstein 
in Franken, zu Bergen im Anspachischen, an der schlesisch- pol- 
nischen Gränze zu Weichrow^ von wo mir Herr Berghauptmunn v. 
Charpentier Alveoliten dieser Art mittheilte, und in Frankreich. 

B. paxillosus v. Schlpth. — Taf. XII. Fig. 16. (|). — Ziet. 
Verst. Würt. tb. 23. f. I. nebst anderen, von Quenstedt hiermit ver- 
vereinigten, als B. laemgatus^ B. carinatus^ B. subaduncatus ^ und 
wahrscheinlich .auch B. furgidus, B. apicicurvatus und B. quadrisulca- 
tus. — Br. Leth. p. 409. tb. 21. f. 16. — v. Buch, Jura, p. 33. — 
Quenst. Flötzg. p. 209. — B. Bruguierianus d'Orb. Pal. fr. Terr. jur. 
p, 84. tb. 7. f. 1 — 5. 

Scheide pfahlförmig und bis \' lang. An der Spitze liegen, 
symmetrisch zu den Seiten, zwei der Rückenseite etwas genäherte, 
deutliche Furchen (Dorsolateralfurchen). Zwischen beiden ist in der 
Mitte des Bauches und des Rückens bisweilen noch eine kleinere, wie 
die in Fig. 16. an der Spitze auf der linken Seite in \ der Breite 
angedeutete Furche die Mitte des Rückens bezeichnet. 

Im unteren Liasschiefer (Belemnitenschiefer ) von Würtemberg, 
Baden, Franken (Rabenstein), Frankreich (Lyon, Nancy u. v. a. 0.) 
und von Lyme Regis in England. 

B. acuarius v. Schloth. — v. Buch, Jura, p. 34. — Quenst. 
Flötzg. p. 275. — B. gracilis Ziet. Verst. Würt. tb. 22. f. 2. — d'Orb. 
Pal. fr. Terr. jur. p. 76. tb. 5. — Nach d'Orb, gehören hierher: B. 
tabularis Young, B. longissimus Mill., Pseudolebus slriatus und Ps. lae- 



270 



WEICIITHIERR. 



vis Bl., B. tabularis Phill., B. lagenaeformis Harlin. b. Ziel , B. Ion- 
giscatus VoUz, B. temiis und B. semistriatus Münst. u. s. w. 

Scheide bis l' lang-, sehr dünn, nadeiförmig, mit zwei, an der 
Gränze des Uückens gegen die Seiten , von der Spitze nach vorn hin- 
laufenden Rinnen. 

Nicht selten im oberen Lias zu Boll, in den Marmorbrüchen von 
Berg, bei Altdorf, Mistelgau, Geisfeld bei Bayreuth, zu Banz und in 
Frankreich. 

B. Owenii Pratt, aus dem Oxfordthon von Christian Malford, 
die Art, an welcher Owen das Thier der Belemniten kennen lehrt, 
soll der vorigen Art sehr ähnlich sein. 

B. clavalus v. Schloth. — Taf. XII. Fig. 19. (Nach B. sub- 
clavatus Ziet. Verst. Würt. tb. 22. f. 5.) — Br. Leth. p. 414. tb. 21. 
f. 23. — Quenst. Flötzg. p. 182. — d'Orb. Pal. fr. Terr. jur. p. 103. 
tb. 11. f. 19 — 23. 

Scheide bis 2" lang, verlängert keulenförmig, zuletzt ziemlich 
rasch in eine ungefurchte Spitze zulaufend, mit rundlichem Querschnitte. 

B. pistilliformis de Blainv. ist eine Varietät dieser Art mit 
stumpferem und kürzerem hinterem (unterem) Ende. 

Nach Quenstedt zu Millionen in den Steinmergeln des mittleren 
Lias von Würlemberg , mit Terebratula numismalis zusammen ; in den 
oberen Liasmergeln von Nancy u. a. 0. Frankreichs und in England. 

B. digitalis Faure -Biquet. — Taf. XII. Fig. 15. (|.) — Ziet. ' 
Verst. Würt. tb. 23. f. 6. {B. irregularis Schloth.) u. f. 9. — Br. 
Leth. p. 412. tb. 21. f. 17. — v. Buch, Jura, p. 42. — Quenst. Fl. 
p. 275. — B. irregularis Schloth., d'Orb. Pal. fr. Terr. jur. p. 74. 

Die 3'' lange Scheide gleicht einem Finger oder einem breit- 
gedrückten Cylinder, der an dem hinteren Ende abgerundet ist. Hier 
ist er entweder mit einem kleinen, warzenförmigen Stachel oder mit 
einer Grube versehen, von welcher auf der Bauchseite eine Rinne 
ziemlich weit herauf geht. 

Im oberen Liasschiefer von Würtemberg, Franken (Altdorf, Bay- 
reuth und Banz) und Frankreich. 

Zu der dritten Gruppe der Belemniten gehören höchst wahr- 
scheinlich auch die als Loligo Bollensis (Zieten, Verst. Würt. 
tb. 25. f. 4-7. — Buckl. Geol. tb. 28. f. 6. 7; tb. 29. f. 2.) 
bezeichneten Rückenschilder von Belemniten. Quenstedt beschreibt 
dieselben mit folgenden Worten: ,,Es sind dünne, parabolische 
Kalkknochen, im Anfangspunkte des Unterrandes etwas gespalten, 
aber beiderseits dieser Spaltung wohl gerundet und ganz. Oben, 



kopffL'sser. 271 

wo sich die Parabel Öffnet, sind die Knochen immer zerrissen. 
Eine feine fadenförmige Linie, nach oben convex, lialbirt die Pa- 
rabel, in der Mitte zwischen dieser Linie und den Schenkeln (In- 
den sich markirte hyperbolische Aawachsstreifen , deren äufserer 
Schenkel sich plötzlich zurück nach unten biegt, und dem Aufsen- 
rande ein fein gefiedertes Ansehen giebt. Besagte Structur findet 
sich immer in der oberen, braun gefärbten Schicht (denn was 
über dieser braunen Schicht liegt, ist nur ein höchst dünner, un- 
terbrochener weifser Anflug), die dickeren darunter liegenden Kalk- 
platten zeigen sie nicht. Unter diesem Schilde findet sich immer 
ein mit schwarzer Sepientinte erfüllter, birnförmiger Beutel, mit 
seiner schmalen, halsförmigen Mündung der Oeffnung der Parabel 
zugekehrt. Dieser Tintenbeutel ist rings von einer perlmutter- 
glänzenden Kalkschicht umgeben u. s. w. — L. Aalensis unter- 
scheidet sich von L. Bollensis nur dadurch, dafs sein beiliegen- 
der Tintenbeutel weniger stark von Tinte strotzt." (Quenstedt, 
Flötzgebirge Würtembergs, 1843. p. 252.) 

Diese Körper kommen im oberen Lias von Würtemberg mit 
Belemnites acuarius zusammen vor, von welcher Art sie vielleicht 
auch herrühren. 

Sehr ähnlich sind auch die im Lias von Lyme Regis ge- 
fundenen, welche von Buckland abgebildet worden sind. 

5. Faiii. Spirulidae, 

Der einzige lebende Repräsentant dieser Familie ist die zier- 
liche Spirula Peronii Lam., das sogenannte Posthörnchen, dessen 
Gehäuse einige in einer Ebene liegende und sich einander nicht 
berührende Windungen macht. Die nach aufsen concaven Kam- 
merscheidewände sind am Rande der Bauchseite durch einen Sipho 
durchbrochen. 

10. G. Spirularostra d'Orb. 

In den tertiären Schichten der Umgegend von Turin ent- 
deckte Bellardi einen Körper {Spirularostra Bellardiana d'Orb. Fal. 
fr. Terr. jur. L p. 35. — Pict. Pal IL p. 316. tb. 14. f. 5.), 
der die Spirula mit Sepien und Belemniten verbindet. Er besteht 
aus einer gekammerten Schaale, welche ähnlich der Spirula Pe- 
ronii^ doch weniger eingerollt ist, und in seiner hinteren Hälfte 
von einer dicken Kalkmasse umgeben wird. Diese läuft nach 
unten und hinten in einen spitzen Schnabel aus und entspricht 
offenbar der Scheide der Belemniten. 



272 



WELCHTIIIEHE. 



B. Tetrahranchiala Owen. Tentaculifera d'Orbignj. 

Ceplialopodcii mit vier Kiemen und ohne Sangwarzen an ihren 
zahlreichen, cylindrischen und nicht sehr langen Fangarmen, wel- 
che um den Mund herumstelien. Der Kopf ist weniger deutlich 
vom Körper getrennt als Lei den Thieren der Dibrancliiaten. Die 
Schaale ist mehr oder weniger äufserlich und in Kammern ge- 
theilt. Alle Kammern stehen durch einen Sipho mit dem Thiere, 
welches jedesmal nur die letzte, äufserste Kammer bewohnt, in 
Verbindung. Ein Tintenbeutel fehlt. In der jetzigen Schöpfung 
wird diese Gattung nur durch den Nautilus Pompüms L. , das 
Schiffsbool, vertreten. 

1. Fain. Jfautilidae» nrautileen Q^uenstedt *}» 

,,Die geradlinig gestreckte oder in einer Ebene (Krümmungs- 
ebene) beliebig gekrümmte '^''••) Röhre ist durch querliegende, au- 
fsen concave Scheidewände in Kammern getheilt. Die Scheide- 
wände, deren Ränder einfach oder auf- und niedergebogen 
sind, werden in irgend einem Punkte ihrer mit der Krümmungs- 
ebene gebildeten Schnittlinie (Ventrodorsallinie) durchbrochen. Die 
Durchbruchsöffnung drängt die Scheidewand dutenförmig nach hin- 
ten. Der Sipho, aus einer gegliederten Haut bestehend, geht 
durch sämmtliche Duten (Trichter) hindurch, und befestigt sich 
an der Spitze der Schaale. 

Die Schaale besteht aus einer äufseren, matten, kalkigen, 
und einer inneren perlmutterglänzenden Schicht." (Quenst.) 

t 1. G. Orthoceratites (Orthoceras) Breyn. Geradhorn. 
(oQd^dg^ gerad; xt^ag^ Horn.) 

Schaale geradlinig, nach vorn ganz allmählig an Stärke zu- 
nehmend. Die Kammern sind niedrig, nur die letzte, in welcher 
das Thier gerade lebte, ist unverhältnifsmäfsig verlängert. Der 
Sipho wankt von der Mitte nach dem Rande (Bauchseite oder 
Rücken) hin. Der Theil der Schaale, auf welchem äufsere Quer- 



*) De notis Nautilearum primariis. Bcrolini, 1836. — L. Br. J. 1840. 
p. 253. 

*+) Moseley in Cambridge und Naumann in Leipzig fanden, dafs die 
eingerollten Conchj'lien logarithmischen Spiralen folgen. (L. Br. J. 1841. p. 
394; Poggond. Annalen f. Phys. u. Chemie. 1845. Bd. 64. p. 538.) 

Die abwärtsgehenden Biegungen der Ränder heifsen Loben, die 
zwischen diesen befindlichen aufwärtsgehenden Sattel. 



KOPFFüSSER. 



273 



streifen hinterwärts gebogen sind und einen Sinus bewirken, is^ 
nach Quenstedt die Rückenseite. 

Auf Taf. X. Fig. 4. ist in i nat. Gr. ein eigenthümlicher 
Körper abgebildet, welcher, wie es scheint, noch üeberreste der 
weichen Theüe des Orthoceratitenthieres enthält. Er wurde im 
Grauwackenschiefer von Bögendorf bei Schweidnitz in Schlesien 
durch Herrn Apotheker Beinert in Charlottenbrunn aufgefunden, 
dessen bekannter Güte ich diesen Körper auch verdanke. Wäre 
diefs Exemplar wirklich ein Orthoceratit, so würde der wulst- 
förmige Körper auf der rechten Seite den Sipho bezeichnen. Die- 
ser zeigt auf der ganzen Oberfläche unregelmäfsige Längsfurchen, 
und ist nur einem Strange von feinen neben einander liegen- 
den Fäden vergleichbar. Auf ihm, so wie auf dem links von 
ihm befindlichen vertieften Theile (der inneren Scheidewand viel- 
leicht), so wie auf der rechten Seite, deuten feine, mehr oder 
weniger regelraäfsig von einander entfernte Querlinien noch die 
frühere Lage der Kammerscheidewände an. Das obere Ende scheint 
häutige Masse gewesen zu sein, welche noch jetzt in inniger Ver- 
bindung mit dem als Sipho angesprochenen Körper und dessen 
Nebenpartieen steht, und welche in mehrere kurze, oben gerun- 
dete Arme ausläuft, von denen der eine (in der linken oberen 
Ecke bei a.) noch wohl erhalten ist. Möglich wäre es sogar, 
dafs die bei b. sichtbare schmälere Wulst einen längeren Ruder- 
arm anzeige. 

Die Orthoceratiten begannen in den ältesten Grauwacken- 
schichten, waren die steten Begleiter der Trilobiten und beschlos- 
sen ihre Existenz auf unserem Erdballe noch vor der Bildung der 
Steinkohle. 

Quenstedt unterscheidet von ihnen folgende Gruppen: 

A. Vaginati. Ein grofser randlicher Sipho , welcher oft 
mehr als die Hälfte des Durchmessers einer Scheidewand einnimmt, 
schliefst, wie eine Scheide (m^ma), einen kleineren Sipho ein. 
Die Enden der einzelnen Trichter sind an den Steinkernen durch 
elliptische Linien scharf markirt. 

Hauptleitmuscheln in den ältesten nordischen Grauwackenkal- 
ken beider Hemisphären. 

0. duplex sive 0. gigauteus Wahl. (0. spiralis Pander.) — 
Quenst. a. a. 0. p. 262. — Hisinger, Leth. Suec. p. 28. tb. 9. f. 1. 
Schaala glatt, ohne deulliche Querstreifen, aber mit einer zahllosen 
Menge von vertieften Punkten übersäet. Der Abstand der einzelnen 

Geiuitz, Versteinerangskunde. 18 



274 



WEicirniiEUE. 



Scheide>Yände ist, nach Quenstedt, sehr veränderlich, und das Gesetz 
der Zunahme schwankt zwischen und 9-. 

Das oben beschriebene schlesische Exemplar ist dieser Art rm 
ahnlichsten. 

0. rag in at US v. Schloth. — Taf. X. Fig". 5. Kammer von oben, 
i. Nach Br. Leth. p. 100. tb. 1. f. 9. — 0. undvlatus Fand. — 0. 
cancellatus Eichwald, die Urwelt Rufslands. Hft. 2. 1842. p. 67. tb. 3. 
f. 9. 10. — Quenst. p. 263. 

Schaale w ellenförmig gebogen , so dafs selbst die Steinkerne 
noch geringelt erscheinen, und deutlich quergestreift. 

0. Irocklearis His. {Leth. Suec. p, 28. tb. 9. f. 7.), mit klei- 
nerem Sipko^ scheint nur eine Varietät dieser Art zu sein. 

0. duplex und 0. vaginatus finden sich stets zusammen in den 
Kalken von Eslhland, Livland, Lithauen, Ingermannland, Skandinavien 
und Nordamerika. 

13. Gochleati. Der Sipho, oder vielmehr die Ausfüllung der 
Trichter, welcher ohngefähr die Mitte der Scheidewände einnimmt, 
schwillt so an, dafs er einer Reihe von über einander liegenden, 
niedergedrückten Kugeln gleicht, und mit einem Schneckengehäuse 
(Cochlea) verglichen wurde. Derselbe findet sich gewöhnlich allein, 
woraus auf die grofse Zerbrechlichkeit der Schaale und der Scheide- 
wände geschlossen werden darf. Bigsby schrieb solche Körper 
Korallen zu, und belegte sie mit dem Namen Huronia. Auch 
Bronn's Actinoceras ist auf verwitterte Steinkerne solcher Or- 
thoceratiten gegründet. 

Sie gehören den oberen silurischen Schichten an. 

0. cochleatus v. Schloth. — 0. crassiventris Wahl., His. Leth. 
Suec. p. 30. tb. 10. f. 3. — Quenst. p. 264. 

Die Einschneidungen des Sipho sind so eng, dafs der Vergleich 
mit einer Schnecke ganz passend ist. Seine einzelnen Glieder sind 
sehr breitgedrückt. 

Diese Art kommt auf Gothland, in Livland bei Pernau, und im 
Huronensee mit vielen sehr ähnlichen Formen vor. 

Actinoceras^ Strahlenhorn, Bronn (Leth. p. 98. tb. 1. f. 8.) 
umfafst verwitterte Steinkerne von Orthoceratiten aus dieser oder 
der folgenden Gruppe, welche am Huronensee so häufig sind. Ca- 
stelnau beschreibt in seinem Essai sur le Systeme silurien de VAme- 
rique septentrionale , Paris, 1843, viele dem 

0. (Actin.) Richardsoni Stockes (Taf. X. Fig. 3. in ^ nat. 
Gr., nach Gast. a. a. 0. Ib. 8. f. 2.) sehr ähnliche Formen theils als 
Huronien, theils als Arten von Actinoceras. 



KOPFFL'SSER. 



275 



Diese verbinden die zweite und dritte Gruppe von Quen- 
stedt, die 

C. Gigantei^ deren einzelne Trichter, nach Quenstedt, 
oben stärker aufgebläht als bei den Vaginaten, und weniger als 
bei den Cochleaten, verhältnifsmäfsig sehr lang sind und sich 
unten nur mäfsig verengen. 

D. Reguläres. Hier, so wie auch bei allen folgenden 
Familien wird der Sipho viel kleiner als bei den vorhergehenden, 
tritt höchst selten hart an den Rand, sondern nähert sich immer 
der Mitte. Hier sind die Duten der Scheidewände cylindrisch. 
Die äufserste Schaalenschicht ist gewöhnlich quer gestreift, selten 
über noch vorhanden. 

Sie gehen von den ältesten Grauwackenschichten bis in die 
Steinkohlenformation empor. 

a. Mit fernstehenden Scheidewänden. Der Sipho liegt gern 
nach der Mitte hin. 

0. regularis v. Schloth. — Taf. X. Fig. 6. Nach Br. Leth. 
p. 100. tb. 1. f. 10. — 0. cinctus Sow. M. C. th, 588. f. 3. — His. 
Leth, Suec. p. 29. tb, 9. f. 3. — Quenst. p. 267. 

Der Sipho liegt in der Mitte der fast kreisrunden Röhre. Zu- 
nahme der Kammern iV bis -^V Nicht selten läuft auf dem Rücken (?) 
eine scharf markirte Linie herab, die, nach Quenstedt, durch einen 
Muskeleindruck des Mantels entstanden ist. Die äufsere Scliaale ist 
fein punktirt. 

0, giganteus Sow. {M. C. tb. 246.) ist, nach Quenstedt, nur 
eine grofse Varietät dieser Art, mit ovaler Oeffnung. 

0. gracilis Blumenbach, verkiest im silurischen Grauwacken- 
schiefer von Dillenburg, mit centralem Sipho und einer Zunahme von 
^V? ist wenig von 0. regularis verschieden. 

Archiac und Verneuil bezeichnen als Fundorte für 0. regularis: 
die silurische Grauwacke von Prag, Wifsenbach, Oeland, Petersburg, 
Reval, West-Gothland, und die devonische von der Eifel und Elbers- 
reuth; für 0. giganteus: die devonische G. von Elbersreuth? und Ge- 
rolstein in der Eifel, den Kohlenkalk von Yorksliire, Closeburn und 
Schottland; für 0. cinctus: die silurische G. von Reval und Schweden, 
die devonische von Pethervvin, Newton, Schübelliammer , und den Koh- 
lenkalk von Lancashire, Yorkshire, Vise und Tournay. 

b. Mit nahestehenden Scheidewänden. Der Sipho liegt zwi- 
schen der Mitte und dem Rande, und schwillt nicht selten kugel- 
förmig an. 



276 



WEICHTHIERE. 



0. fragt Iis v. Schloth., Ouenst. p. 269. 

Schaale fein gestreift; Siplio fast in der Mitte; Zunahme i. 

0. acuarius Münst. (Beitr. Hft. 3. p. 95. tb. 17. f. 5.), von 
fast cylinderförmiger Gestalt, mit centralem Sipho und glatter Schaale, 
schliefst sich hier an. 

In devonischer Grauwacke von Elbersreuth und Gattendorf. 

E. Vndulati. Auf der Schaale treten wellige Erhebungen 
und Vertiefungen scharf hervor, vrelche, so wie die ihnen parallel 
kaufenden feinen Streifen auf dem Rücken, ausgezeichnete Busen 
bilden, deren Convexität nach der Spitze (hinten) gerichtet ist. 
Der Sipho liegt zwischen der Mitte und der Bauchseile. 

0. undulatus v. Schloth., Quenst. p. 271. 

Die Wellen, die selbst auf den Steinkernen noch hervortreten, 
steigen von der Bauchseite aus auf den Seiten stark empor , um auf 
dem Rücken den tiefen Busen zu bilden. Zunahme tV- 

In den alten nordischen Grauwackenkalken , die sich über die 
Mark Brandenburg verbreitet haben. 

F. Annulati. Die Schaale und Steinkerne erheben sich 
zu scharfen Ringen, welche sammt ihrer Streifung in einer Ebene 
liegen und nie einen Busen bilden. Sipho klein und meist in 
der Mitte. 

0. annu latus Sow. M. C. p. 183. tb. 133. — His. Leth. Smc. 
p. 29. tb. 9. f. 8. — Quenst. p. 271. 

Ringe wenig scharf; in dem Räume dazwischen liegen wenige 
feine Streifen. 

Im Kohlenkalke von Colebrookdale in Shropshire, und in Gothland. 
0. nodulosus v. Schloth. — Quenst. p. 271. 
Die dichter stehenden Ringe tragen auf jeder Kante 12 — 16 ge- 
rundete Knoten. 

In devonischen Eifelschichten. 

0. undulatus His. Leth. Suec. p. 28. tb, 10. f. 2. — Quenst. 
p. 272. 

Durch entfernte Querringe mit zahlreichen zwischen denselben 
liegenden Streifen und regelmäfsige Längsfurchen, bildet diese Art 
einen Uebergang zu der folgenden Gruppe. 

In Gothland bei Djupviken und bei Capellhamn. 

Nach Quenstedt zeigen die Annulaten eine grofse Neigung, ihre 
geradlinige Richtung zu verlassen und Lituiten zu werden. 

G. Lineati. Schaale mit scharf hervortretenden Längsstrei- 
fen und nur untergeordneten Querstreifen. Junge Exemplare, auf 



kopffCsser. 



277 



welchen die ersteren weniger ausgeprägt sind , können leicht mit 
Regularen verwechselt werden. 

0. lineatus His. LetL. Suec. p. 29. tb. 9. f. 6. — 0. sfriatus 
Marklin. — Quenst. p. 272. 

Längsstreifen dünn und scharf. Sipho in der Mitte. Zunahme |-. 

Im alten Grauwackenkalke von Mösseberg in Westgothland. 

0. angulatus Walilb., His. Leth. Suec. p. 28. tb. 10. f. 1. 

Schaale längsgerippt, mit 20 — 30 Rippen; Sipho deutlich. Die 
Stärke der Schaale nimmt viel bedeutender zu als bei anderen Or- 
thoceratiten , so dafs diese Art, welche aufserdem sich oben schwach 
krümmt, einen Uebergang zu Cyrtoceras bildet. 

H. Inflati. Die Stärke der letzten Kammer nimmt gegen 
die der übrigen Schaale beträchtlich zu, verringert sich öfters auch 
wieder, so dafs sie dann birn- oder spindelförmig (Gompho Ge- 
ras Murch.) wird. Diefs ist der Fall bei 

0. fusiformis Sow. (M. C. tb. 588. f. 2. — 0. pyriformis 
Phill.), aus dem Kohlenkalke von Irland und von Preston in Lancashire. 

0. sub fusiformis und 0. subpyrif ormis Münst. (Beitr. Hft. 
3. p. 103. tb. 20. f. 7. 6. u. 10.) kommen, nach Arch. und Vern., 
im devonischen Grauwackenkalke von Schübelhammer , Pfaffrath, deE 
Eifel, Oberscheld und Pskof vor. 

t 2 G. Lituites Breyn. Schnörkel hörn. 

Die gekammerte Schaale ist in einer Ebene bald mehr, bald 
weniger spiral gewunden und setzt dann gewöhnlich noch eine 
Strecke geradlinig fort (Taf. X. Fig. 7.). Im letzteren Falle erhält 
sie das Ansehen eines Krummstabes {liluus). Die Windungen be- 
rühren sich entweder gar nicht, oder es drückt sich wenigstens 
niemals der Rücken der vorhergehenden Windung in die Baruch- 
seite der folgenden ein. 

Die Lituiten begleiteten die Orthoceratiten und starben mil 
ihnen auch aus. 

A. Cyrtoceras (Cyrlocera) Goldf., Pkragmacoceras Bro- 
derip und Murchison z. Th. Bogenhorn. (xvQTog^ krumm; yJ^ag.) 
Der Bogen überschreitet kaum einen Halbkreis; der Sipho ist der 
convexen Rückenseite genähert. 

L. (C.) depressus Goldf. — Br. Leth. p. 101. tb. 1. f. 5. — 
Römer, Harzgebirge p. 35. tb. 10. f. 2. — Quenst. p. 277. 

Schaale niedergedrückt; Kammern niedrig; Zunahme |r. 

In devonischer Grauwacke der Eifel und von Pfaffrath. 



278 



WEICHTHIERE. 



B. Flexuosi. Die Schaale nähert sich mehr der Form 
eines Hakens oder Hufeisens, und der Sipho ist stets der Bauch- 
seite genähert. Arten silurisch. 

L. flexuosus V. Schloth. — Quenst. p. 278. 
In der Eifel. 

Diejenigen Phragmacoceraten, in welchen der Sipho der Bauch- 
seite genähert ist, schliefsen sich, nach Quenstedt, hier an. 

C. Spirulites (ßpirula Aut.)- Die Schaale ist, wie bei 
der lebenden Spiriila^ in von einander entfernt liegende Umgänge 
gewunden, die jedoch bisweilen auch hart an einander treffen, 
und bildet nach vorn hin einen sanft gekrümmten Stab, dessen 
schwach concave Seite der Spira. zugekehrt ist. Allermeist ziehen 
sich auf dem Rücken die Querstreifen in einen Busen herab. Bei 
den eigentlichen Spiruliten Q. wird die Kammerscheidewand hart 
an der Rückenseite durchbrochen, bei den Falcaten Q. liegt 
er zwischen dem Rücken und der Mitte, und bei den Perfecten 
Q. oder den wahren Lituiten- Stäben neigt sich derselbe ein wenig 
der Bauchseite zu. 

L. (S.) nodosus Goldf. — Er. Leth. p. 102. tb. 1. f. 4. — 
L. lituus His. Leth. Suec. p. 27. tb. 8. f. 5. 

Die quer -geringelte und gestreifte Schaale macht 1 — -3 Umgänge 
und setzt dann gerade fort. Sipho rundlich. 

In silurischer Grauwacke von Dalecarlien und Oeland; in de- 
vonischer von Plymouth und Newton. 

L. falcatus v. Schloth. — Quenst. p. 280. 

Mundöffnung ein wenig zusammengedrückt. Querstreifen bilden 
auf dem Rücken der Schaale einen starken Busen nach hinten. Re- 
präsentant der Falcaten. 

' Im ältesten Grauwackenkalke Livlands. 

L. lituus Monlf. — Taf. X. Fig. 7. Nach Bronn, Leth. tb. 1. 
f. 3. a. (i). 

Dieser wahre Lituit kommt in den tiefsten silurischen Schichten 
von Schweden und Rufsland vor. 

D. Imperfecti. Das letzte Ende entfernt sich nur wenig 
von der grofsen Spira mit hart an einander liegenden Umgängen. 
Die äufsere Schaale ist gewöhnlich glatt, und auf der inneren 
Seite derselben sind mehrere Furchen, die einen nach hinten ge- 
öffneten Sinus bilden. 

L. zmperfectus Wahl. — L. convolmns His. Leth. Suec. p. 27- 
tb. 8. f. 6. 



KOPFFÜSSBR. 



279 



Schaale scheibenförmig, mit stielrunden, fein quergestreiften Um- 
gängen, und einem dem Rücken genäherten Sipho. 

Im alten Grauwackenkalke von Schweden und Livland. 

3. G. Nautilus Aristot. Schiffsboot. (vavzlXog^ Schiifer.) 

Die Umgänge liegen so hart an einander, dafs die Riicken- 
seite der früheren Windungen in der Bauchseite der späteren we- 
nigstens einen Eindruck bewirkt, dafs aber in den meisten Fällen 
der frühere Umgang von dem späteren, wenn nicht ganz, so doch 
zum gröfsten Theil eingehüllt wird. 

Es ist diese Gattung in allen Formationen, und durch JV. 
Pompilius L. auch in den jetzigen Meeren vertreten, Allein der 
Nautilus der älteren Gebirge, wo Goniatiten vorkommen, hat, nach 
V. Buch, allermeist eine viel geringere Zunahme und ist weniger 
involut (d. h. die frühere AVindung wird viel weniger von der 
späteren umhüllt), als der in jüngeren Formationen. 

A. Imperfecti. Die Schaale ist nur wenig involubel und 
nimmt sehr langsam an Dicke zu, wodurch sie den imperfecten 
Lituiten, mit welchen sie auch gleiches Alter haben, sehr ähnlich 
werden. Der Sipho liegt nahe der Mitte ihrer Scheidewände, de- 
ren Ränder noch einfach sind. 

L. imperf ectus Quenst. (p. 283.), und eine grofse Reihe von 
Arten aus älteren englischen Formationen, als: N. p entagonus Sow. 
(M. C. tb. 249. f. 1.), N. cariniferus Sow. {M. C. tb. 482. f. 3. 
4.), iV. triangulatus Sow. {M. C, tb. 458. f. 2.), N. multi- 
carinatus Sow. {M. C. tb. 482. f. 1. 2.) im ßergkalke, und N. 
globatus Sow. (ßl. C. tb. 481.) im Kohlengebirge, gehören hierher. 

B. Moniliferi, Zwischen den Scheidewänden der Schaale 
finden sich kugelförmig angeschwollene Duten des Sipho, die einer 
Perlenschnur gleichen. Die Ränder der Scheidewände bilden an 
den Seiten einen flachen und weiten abwärtssteigenden Bogen (Si- 
nus^. Nur im Muschelkalke. 

iV. bidorsatus v. Schloth. Nachtr. tb. 21. f. 2. — Ziel. Verst. 
Würt. tb. 18. f. 1. — Hiernach Taf. X. Fig. 8. (4). — Br. Leth. 
tb. 11. f. 21. 

Sein Rücken ist breit und flach, oder durch eine flache Furche 
zweitheilig. Die Seiten fallen steil ab, wefshalb auch seine Mündung 
frapezoidal ist. Nicht selten l' grofs. 

Leitmuschel für die oberen Schichten des Muschelkalkes, mit 
Ammonites nodosus zusammen, bei Jena, Ballenstedl, Rüdersdorf bei 



i 



280 ■ , M'BICHTIIIEKE. 

Berlin, Göttingen, Bayreuth, am Schwarzwalde, bei Luneville in Frank- 
reich u. a. a. 0. 

Von diesem Nautilus mag wenigstens der eine jener Cepha- 
lopoden- Kiefern herrühren, die mit ihm und mit Ammonites no- 
dosus im Muschelkalke zusammen vorkommen, einem Vogelschnabel 
(Qvy/og) nicht unähnlich sind, und defshalb von Blainville i Rhyn- 
cholythus und \ Conchorhynchus genannt worden sind. 

Rh. hirundo Faure - Biquet. — Taf. XII. Fig. 7. a. b. c. — 
Br. Leth. p. 181. tb. 11. f. 17. — Münst. Beilr. Hft. 1. (2. Aufl.) p. 
71. tb. 5. f. 6—10. 

Dieser Kiefer ist unten (c.) flach und hinten gekerbt, oberhalb 
zu einer Spitze gewölbt, und im verticalen Längsschnitte symmetrisch. 
Der vordere breitere Theil ist von dem hinteren schmäleren durch 
eine tiefe Bucht getrennt. 

Im Muschelkalke von Bayreuth, Thüringen, Würtemberg und 
Frankreich. 

Rh. duplicatus Münst. (Beitr. Hft. 1. p. 70. tb. 5. f. 4. 5.) 
verbindet die eben beschriebene mit der folgenden Art. 

Im Muschelkalke von Laineck bei Bayreuth. 

Rh. (Conch.) avirostris v. Schloth. {Rh. Gaillardoti d'Orb. 
— C. ornatus de Blainv. — Br. Leth. p. 182. tb. 11. f. 16. — Münst. 
Beitr. Hft. 1. p. 69. tb. 5. f. 2. 3. 

Kiefer symmetrisch, dreieckig, vorn spitz; der Kieferrand, oder 
der Rand des vorderen Theiles ist nach dem hinteren Theile faltig 
übergeschlagen. Die Rückenseite der oberen convexen Fläche ist feder- 
artig gestreift. 

Mit vorigen beiden zusammen. 

D'Orbigny beschreibt in der Pal. fr. Terr. jur. I. p. 163. fos- 
sile Cephalopodenschnäbel aus dem Oxfordthone Frankreichs, und schreibt 
dieselben dem Nautilus gigunteus d'Orb. zu. 

V. Hagenow entdeckte Rh. cretaceus in der Kreide von Rügen. 

C. Bisiphites. „Ein kleiner deutlicher Bauchlobus, oft 
tief herabgehend, während die Seitenloben sich kaum herabsenken, 
tritt auf Steinkernen oft so deutlich hervor, dafs ihn Montfort für 
einen zweiten Sipho ansah und aus Exemplaren der Art sein Ge- 
schlecht Bisiphites machte. Die Schaale erhält durch Längs- und 
t^uerstreifen ein netzförmiges Ansehen." (Quenst.) Sie sind, nach 
V. Buch, vorzugsweise dem unteren und mittleren Jura eigen. 

N. aratus v. Schlolh. — N. giganleus Schübl. b. Ziet. Verst. 
Würt. Ib. 17. f. 1. 2. - y. Buch, Jura, p. 32. — Quenst. p. 286. u. 
Flötzg, p, 131 



KOFFFÜSSER. 



281 



Er wird bis ij' grofs, nimmt besonders nach der Höhe hin an 
Gröfse schnell zu, und seine Windungen sind nicht ganz involut. An 
den Seiten bilden die Scheidewände einen weiten Busen. Wegen der 
deutlichen Linien nannte ihn Sowerby (l/. C. tb. 182. — d'Orb. Pal. 
fr. Terr. jur. p. 148. tb. 25.) N. striatus. 

In den untersten Liaskalken von Würtemberg, Frankreich und 
England. 

D. Simplices. Die Ränder der Querscheidewände sind 
ohne hervortretende Loben ; nur in der Jugend ist ein Bauchlobus 
vorhanden. Längsstreifen undeutlich; Querstreifen fein und haar- 
förmig, auf den Seiten zuweilen in Bündel vereinigt. 

Vom mittlen Jura bis in die lebende Welt. 

iV. Simplex Sow. M. C. tb. 122. — Römer, Kreide, p. 84. — 
Geinitz, Char. p. 66. 

Zusammengedrückt, glatt und eng genabelt. Mündung halbmond- 
förmig. Der Sipho ist dem Bauchrande etwas genähert. 

Im Hilsconglomerat bei Osterwald, im Grünsande der Waterlappe, 
in England und im unteren Pläner von Plauen bei Dresden; sehr häufig 
im oberen Pläner von Sachsen (Strehlen bei Dresden), Böhmen (Te- 
plitz, Bilin), Schlesien (Oppeln), Sarstedt, Goslar und Quedlinburg. 

E. Undulati. Auf der Schaale und selbst auf den Stein- 
kernen sind scharf ausgeprägte, wellenartige Falten vorhanden, 
welche mit ihren parallelen feinen Streifen auf dem Rücken einen 
tiefen, nach hinten gebogenen Sinus bilden. 

N. elegans Sow. M. C. tb. 116. — Gein. Char. p. 42. u. 66. 
— Röm. Kr. p. 85. — d'Orb. Pal. fr. Terr. cret. I. p. 87. tb. 19. 

Windungen sehr involut, mit hohen, schwach gewölbten Seiten 
und ziemlich schmalem Rücken. Zahlreiche, meist dichotome Falten 
bedecken wenigstens die vorderen Kammern. Bis grofs. 

In allen Schichten des Kreidegebirges bis zum Kreidemergel 
herauf. Steinkerne, welchen die Wellen fehlen, sind, besonders im 
verdrückten Zustande, nicht von iV. simplex zu unterscheiden. 

N. Bonelli Catullo, Observaz4oni geogn. zool.^ Mem. della soc. 
geol. dl Parigi, 1838, Padova^ 1840. 

Schaale fast kugelig, sehr eng genabelt, an den Seiten schwach 
zusammengedrückt, und mit wellenförmig gekräuselten Rippen bedeckt. 

Häufig im Juradolomit von Venedig. 

N. Freieslebeni Gein. in L. Br. J. 1841. p. 637. tb. 9. A. 
Der Nautilus des Zechsteines, welcher mit Corbula Schlotheimii 
zusammen bei Gera und Ilmenau vorkommt. 



282 



WBICHTIIIKRE. 



F. Aganites (Lobali Ag.). „Die Gränzen der Scheidewände 
bilden auf dem Rücken einen flachen, auf den Seiten einen tiefen 
Sinus (Lobus). Ein spitzer Bauchlobus scheint auch nie zu feh- 
len. Der Sipho nähert sich der Bauchseite. 

Vom mittleren Jura an in allen jüngeren Formationen." (Quenst.) 

N. aganiticus Montf., Schloth., v. Buch, Jura, p. 71. — N. 
sinuatus Sow. M. C. tb. 194. — Quenst. p. 289. — d'Orb. Pal. fr. 
Terr. jur. p. 157. tb. 32. 

Mündung zusammengedrückt. Der Seitenlobus ist weit und tief, 
mit geneigten Wänden, und liegt ziemlich genau in der Mitte der 
Seite. Der daneben gelegene Bauchsatlel ist niedriger als der den 
zweikantigen Rücken überschreitende Sattel. 

Im oberen Jura von Müggendorf, Pappenheim, Wasseralfingen, 
Schönfeld bei Gräfenberg, Randen und, nach Sowerby, im unteren 
Oolithe von Yeovil. 

N. Danicus Schloth. (v. Buch, Jura, p. 71. — Quenst. p. 289.), 
aus den gelben Kreidekalken von Faxoe; 

N. Aturi Bast. (iV. Ziczac Sow. M. C. tb. 1. f. 5. — v. Buch, 
Gon. u. Clym. in Schles. f. 6 — 8. — Quenst. p. 289.), aus tertiären 
Schichten vom Kressenberge bei Traunstein, von Dax, Paris, Marmora auf 
Malta, aus dem Londonthone von Highgate; 

iV. lingulatus v. Buch (Quenst. p. 290.), aus Tertiärschichten 
des Kressenberges, sind die anderen Mitglieder dieser interessanten 
Gruppe , welche durch die Bildung ihrer Loben und durch die Lage 
des Sipho den Uebergang der eigentlichen Nautili zu den Clymenien 
bildet. In iV. aganiticus erreicht, nach v. Buch, der Sipho fast die 
Mitte, in iV. Aturi liegt er der Bauchseite ziemlich nahe, und in den 
Clymenien liegt er unmittelbar an der inneren Wand dieser Seite. 

F. Clymenia Münst. '*•) Planulites Aut. Der Sipho liegt 
bei den Arten dieser Gruppe unmittelbar an der Bauchseite, wo 
er die trichterförmig sich verengende Kammerwand durchbohrt. 
Der Rand der letzteren bildet wellenförmige Einsenkungen oder 
einfache schiefwinkelige Seitenloben und abgerundete Seiten- und 
Rückensättel, welche sämmtlich ohne Zähne und Einschnitte sind. 
Da der Sipho häufig nicht sichtbar ist, so sind die Clymenien am 
sichersten durch ihren Rücken- (Dorsal-) Sattel von den mit ihnen 
leicht zu verwechselnden Goniatiten zu unterscheiden, welche lelz- 



*) Ueber die Clymenien und Goniatiten im Uebergangskalke des Fich- 
telgebirges. Bayreuth, 1832. Zweite Auflage, auf welche sich die Citate 
beziehen , 1843. 



KOPFFtSSER. 



283 



teren auf der Milte des Rückens stets einen Rücken- (Dorsal-) 
Lobus haben. (Münster.) 

Die zahlreichen Arten gehören der jüngeren devonischen 
Grauwacke an, und sie zerfallen, nach Münster, in zwei Haupt- 
abtheilungen. 

a. Clymenien, deren Loben schwach gebogen und gerun- 
det sind. 

C. laevigata Münst. p. 5. Ib. 1. f. 1. — v. Buch, Gon. u. 
Clym. in Schles. p. 13. — Taf. X. Fig. 10. (Loben und Sattel einer 
Kammerwand.) 

Schaala scheibenförmig, fast gar nicht involut, gewöhnlich ganz 
glatt. Der breite Dorsal- Sattel ist bogenförmig abgerundet, der Sei- 
tenlobus ist einfach gerundet. 1 — l" grofs. 

Im schwarzgrauen devonischen Kalksteine von Schübelhammer im 
Fichtelgebirge, und vielleicht bei Ebersdorf in der Grafschaft Glatz. 

C. compressa Münst. p. 6. tb. 1. f. 4. 

Windungen bis zu f involut, seitlich zusammengedrückt. Der 
Seitenlobus erhebt sich nach der Bauchseite hin viel Aveniger als bei 
der vorigen Art. 

Schübelhammer. 

b. Clymenien mit einfachen, spitzen Seitenloben und abge- 
rundeten Sätteln. 

Diese theilt v. Buch in die aufsteigenden und die ge- 
wölbten. Bei den ersteren (Taf. X. Fig. 9. a.) geht der Rand 
der Kammer vom Rücken her plötzlich mit einer kleinen, senk- 
rechten Fläche herunter, der andere (Ventral-) Schenkel dieser 
Vertiefung steigt aber wieder ganz sanft in die Höhe, so dafs 
der Lobus ein V bildet. Dann steigt aber die Kammerwand im- 
mer noch höher bis zur Sutur (Naht, wodurch die beiden auf 
einander liegenden Windungen mit einander zusammenhängen) ge- 
wöhnlich über die Höhe des Rückens hervor. In der zweiten 
Abtheilung (Taf. X. Fig. 11.) zieht sich die Dorsal -Wand des 
kleinen Seiten -Lobus etwas gegen den Rücken, bildet dort eine 
rückkehrende Spitze und geht an der Ventralseite in einem Bogen 
wieder herauf. Eine dieser ähnliche Bildung ist bei den Aga- 
niten zu finden, (v. Buch.) 

a, Adscendentes f die Aufsteigenden. 

C. undulata Münst. — Taf. X. Fig. 9. (Steinkern) u. 9. a, 
(Rand der Kammerwand.) Nach Münster, tb. 2. a, f. 6. a. u. 2. c. 
— C. sublaevis und C. inaequistriata Münst. p. 8. tb. 2. f. 3. u. 4. 



284 



WEICIITIIIERB. 



Scheibenförmig, mit 7 — 9 sehr schwach involiiten und wenig zu- 
nehmenden Umgängen, bis über 3" grofs. Die Schaale ist fein ge- 
streift und die Slreifen biegen sich, wie bei allen Clymenien, zuerst 
ein wenig nach vorn, dann auf dem Rücken rückwärts, welche Bieg- 
iing bei dieser Art unter einem scharfen Winkel erfolgt. Den Loben 
nach gehört sie, wie die folgende, zu den Aufsteigenden; bei einer 
Abreibung der Seitenflächen werden die Loben denen der Clym. lae~ 
vigata sehr ähnlich. 

Schübelhammer und Ebersdorf. 

C. pl anorbiformis Münst. p. 7. Ib. 2. f. 1. (C. linearis Münst. 
p. 9. tb. 2. f. 5. — V. Buch, Gon. u. Clym. p. 13.) 

Unterscheidet sich von voriger durch noch geringere Stärkezu- 
nahme der Windungen. Mit ihr zusammen. 

ß. Incumbentes j die Gewölbten. 

C. striata Münst. p. 11. tb. 3. f. 3. — v. Buch, Gon. u. Clym. 
p. 13. — Taf. X. Fig. U. (Loben und Sättel.) 

1^" grofs , mit seitlich zusammengedrückten , ohngefähr J invo- 
luten Windungen. Der Rücken ist schmal. Schaale wellenförmig fein 
gestreift. 

Mit vorigen zusammen und bei Petherwin. 

*l 2» Farn. JLwfnonitidae* Ammoneen v. Buch. 
Ainmonsliörner. 

Die Ammoneen sind vielkammerige Cephalopoden , deren Kam- 
merwände allermeist nach oben (aufsen) hin gewölbt sind, und 
deren Sipho längs des Rückens zwischen den Kammerwänden und 
der äufseren Schaale läuft. 

Der Rund der Scheidewände ist auf- und niedergebogen, und so 
entstehen die (abwärtsgebogenen) Loben und die dazwischengelegenen 
(aufwärtssteigenden) Sättel, welche, bisweilen noch mit Nebenloben 
und Nebensätleln , um den Umfang der Schaale höchst regelmäfsig um- 
herslehen. L. v. Buch zeigte, dafs man an allen vollkommenen Am- 
moneen sehr bestimmt sechs '•) solcher Hauptloben unterscheiden kann, 
welche nach seiner Bezeichnung folgende sind (Tal. X. Fig. 21. u. 22.); 
Der auf dem Rücken liegende Lobus ist der Rücken- oder Dorsal- 
Lobus (D). Der Sipho theilt denselben in zwei symmetrische Hälften 
und zieht an seiner Befestigungsstelle den mittleren Theil desselben 



*) Nur bei den unvollkommeneren Ammoneen, Goniatiten und Conoce- 
ratiten, fehlen zuweilen einige dieser Loben, doch mangelt der Rücken- 
lobus nie. 



KÜPFFiJSSER. 



285 



gewöhnlich ein Stück mit empor. An den Riickenlobus gränzt links 
und rechts der Rücken- oder D orsal-Sattel (Sd), welcher von 
dem Seiten- oder Lateral-Sattel (SL) durch den oberen Sei- 
tenlobus (L) getrennt ist. Neben dem Lateralsattel liegt auf der 
anderen Seite der untere Lateral-Lobus (1), an welchen dann 
der Bauch- oder Ventral-Sattel (SV) gränzt, zwischen welchem 
und dem die Mitte der Bauchseite einnehmenden Bauch- oder Ven- 
tral-Lobus (V) häufig noch mehrere Hülfs- oder Auxiliarloben 
(a^, c^, a^, ö*) und Hülfssattel liegen. 

Die Ammoneen bewohnten die früheren Meere bis zn der 
Zeit, in welcher die Kreide sich bildete. 

Cuvier sprach 1802 zuerst aus, dafs das Thier der Ammo- 
niten ein sepienartiges Thier gewesen sein müsse, Lister bemerkte 
zuerst die blätterartigen Zeichnungen ihrer Loben und Sättel, Bronn 
und d'Orbigny zeigten später die den Ammoneen eigenthümliche 
Lage ihres Siphos, und nach einem etwas mifsglückten Versuche 
von de Haan (1825) , die Ammoneen in eine systematische Reihe 
zu ordnen, wurde diese Aufgabe erst durch v. Buch gelöst, wel- 
cher die Reihen der vielnamigen Ammoniten lichtete und sie (a. a. 0. 
s. p. 256.) in die von ihm fest begründeten Gruppen vertheilte. 

t 1. G. Ammonites v. Buch "'^'). {Ammonites im weiteren Sinne.) 

Ammoneen, deren Windungen in einer Ebene spiral auf- 
gerollt sind, wobei alle so dicht auf einander liegen, dafs der 
Rücken der früheren Windungen mehr oder weniger tief in die 
Bauchseite der folgenden eingedrückt ist (dafs, mit anderen Wor- 
ten, die Windungen mehr oder weniger involut sind). Sie ent- 
sprechen hierdurch der Gattung Nautilus, 

A. Goniatites de Haan, v. Buch, (ywna, Winkel.) Lo- 
ben und Sättel sind gänzlich ohne Zähne und Einschnitte. Feine 
Streifen auf der Oberfläche der Schaale biegen sich erst vorwärts, 
dann aber auf dem Rücken wieder zurück, wie diefs bei den 
Nautileen der Fall ist, während die Streifen aller anderen Ammo- 
neen sich auf dem Rücken nach vorn wenden. Ohne Berücksich- 
tigung ihrer Loben würde es häufig sehr schwer sein, sie von 
Clymenien unterscheiden zu können. 

Die Goniatiten mit einfachem Rückenlobus sind nur auf das 
Grauwackengebirge beschränkt; die mit getheiltem Rückenlobus hin- 
gegen gehen bis in das untere Steinkolilengebirge. 



*) Ueber Ammoniten, über ihre Sonderung in Familien u. s. w. 1832. 



286 



WEICHTHIEBE. 



Beyrich (de Gonialiiis in montibus Rhenanis occurrentibus. 
Bet^olmi^ 1837) vertheilt die Goniatiten in die hier bezeichneten 
sechs Gruppen. 

a. Nautilini. Mit einem einfachen trichter- oder zungen- 
förmigen Riickenlobus und einem einzigen, breit ausgezogenen 
Seitenlobus. 

A. (G.) compressus Beyr. p. 5. tb. 1. f. 6. — Spirula co-m- 
pressa Goldf. — Gyroceratües gracilis H. v. Mey., Br. Leih. p. 102. 
tb. 1. f. 6. — Taf. X. Fig. 16. (Loben). 

Riickenlobus sehr klein, Seitenlobus fast verschwindend. In Ge- 
stalt und Gröfse der Spirula Peronii sehr ähnlich, kommt diese Art 
sehr häufig verkiest im Thonschiefer von Dillenburg vor. 

b. Simplices. Mit einem einfachen, trichter- oder zungen- 
förmigen Riickenlobus und einem einzigen, mehr oder vv^eniger 
spitzen Seitenlobus. 

A. (G.) retrorsus v. Buch, Ammon. tb. 2. f. 13. — Beyr. p. 
6. tb. 1. f. 10. Hiernach Taf. X. Fig. 17. (Loben). 

Nach Arch. u. Vern. im devonischen rothen Grauwackenkalke 
von Oberscheld, Adorf und Martenberg. 

A. (G.) pessoides v. Buch, Gon. u. Clym. p. 4. f. 1. 

Durch seine sehr schwach involuten acht Windungen, deren 
flacher Rücken fast rechtwinkelig an die flachen Seiten gränzt, wird 
er einem Damenbretsteine sehr ähnlich. Der lange, zungenförmige 
Riickenlobus ist von dem ihm ähnlichen Seitenlobus durch einen vier- 
mal breiteren Rückensattel getrennt, in welchem letzteren sich oben 
eine flache Vertiefung einsenkt. Diese über l"- grofse Art und 

A. (G.) biimpressus v. Buch (Gon. u. Clym. p. 5. f. 2.), bei 
welcher auch noch der Seitensattel oben vertieft ist, stellen durch 
ihre Hülfsloben eine Verbindung zwischjen der zweiten und dritten 
Gruppe Beyrich's her. 

Sie kommen in Ebersdorf vor. 

c. Aequales. Mit einem Rückenlobus wie an den Vor- 
hergehenden und zwei oder mehreren Seitenloben, welche 'nach 
der Naht hin allmählig an Gröfse zu- oder abnehmen. 

A. (G.) Münsteri v. Buch (Münst. Gon. u. Clym. p. 21. tb. 5. 
f. 3.), und 

A. (G.) orbicularis Münst. (a. a. 0. p. 22. Ib. 5. f. 4.) sind 
beide ganz involut, unterscheiden sich dadurch, dafs der erstere zwei 
spitze, der zweite zwei gerundete Seitenloben (was vielleicht durch 
Abreibung entstanden ist) hat, und kommen bei Schübelhammer und 
Elbersreulh vor. 



I 



KOPFFÜSSBR. 



287 



A. (G.) Becher i Goldf., v. Buch, Amin. tb. 2. f. 2. — Beyr. 
p. 80. tb. 1. f. 8. — Hiernach Taf. X. Fig. 18. (Loben). 
Mit vier zungenförmigen Seitenloben. 

Im rolhen devonischen Kalke von Eibach und Oberscheld. 

d. Irreguläres. Mit einfachem, trichterförmigem Rücken- 
lobus und unsymmetrischen Schenkeln der zwei oder mehreren 
Seitenloben. 

A. (G.) Höninghausii v. Buch, Amm. tb. 2. f. 3. — Br. Leth. 
tb. 1. f. 1. — Beyr. p. 9. 

Devonisch bei Bensberg. 

A, (G.) contiguus Münst. Gon. u. Clym. p. 22. tb. 3. f. 8. 

Er ist ganz involut und hat zwei ungleiche Seitenloben. Die- 
sem, von Schübelhammer, scheint 

A, (G.) cucullatus v. Buch (Clym. p. 8. f. 4.) von Ebersdorf 
zu entsprechen. 

e. Primordiales. Mit getheiltem Rückenlobus und einem 
einzigen Seitenlobus, der meistens gerundet ist und nur selten in 
eine Spitze ausgeht. 

A. (G.) aequabilis Beyr. p. 10. tb. 2. f. 1. — Hiernach Taf. 
X. Fig. 19. (Loben). 

Aus rothem devonischem Kalke bei Dillenburg. 

f. Carhonarii. Mit getheiltem Rückenlobus, einem in 
eine Spitze auslaufenden Seitenlobus und einem gerundeten, ge- 
wöhnlich breiten Seitensattel. 

A. (Cr.) sphaericus Martin (A. carbonarius Goldf.), v. Buch, 
Amm. p. M. tb. 2. f. 9. — Beyr. p. 13. 

In den Aveslphälischen und Lütticher Kohlengruben, im Kohlen- 
kalke von Vise. 

A. (G.) diadema Goldf., Beyr. tb. 2. f. 8 — 10. — Hiernach 
Taf. X. Fig. 20. (Loben). 

Im Alaunschiefer von Choquier. 

B. Ceratites de Haan. (yJ^ug^ Horn.) Die Loben sind 
einfach gezähnt, die Sättel aber noch glatt. 

Die typische Art, Ä. nodosus^ bezeichnet den Muschelkalk; 
mehrere andere Arten wurden in der neueren Zeit aus dem süd- 
östlichen Tyrol von St. Cassian bekannt , wo sie in Kalkmergel- 
schichten höchst merkwürdiger Weise mit Orthoceratiten , Gonia- 



*) Beiträge zur Geognosie und Petrefactenkunde des südlichen Tyrols. 
Von Dr. Wifsmann und Graf Münster, Bayreuth, 1841. 



288 



WEICIITIMEHE. 



liten und eigentlichen Ammoniten zusammen vorkommen. Es wer- 
den diese noch immer räthselhaften Schichten gewöhnlich dem 
Muschelkalke entsprechend gehalten ■*). 

A. (C.) nodosus Boso, v. Schloth. Nachtr. ib. 31. f. 1. — Taf. 
XI. Fig. 1. (l). — Ziet. Verst. Wärt. tb. 2. f. 1. — Br. Leth. p. 178. 
Ib. 11. f. 20. — Nautilus undatus Rein. — Amm. undatus Alberti, Mo- 
nogr. d. bunt. Sandst. u. s. w. — Gaea v. Sachsen, p. 102. 

Er erreicht bisweilen die Gröfse von 8'' und zeigt gewöhnlich 
vier bis fünf Umgänge, welche i bis ^ involut sind. Der Rücken 
ist flach gewölbt und die Mündung fast vierseitig, höher als breit. 
Die flach gewölbten Seilen tragen auf jeder Windung zehn bis vier- 
zehn dicke, oben mit einem Knoten endende Rippen. Der Rücken 
nimmt mit dem Alter gewöhnlich an Breite zu. Den Sipho sah Wifs- 
mann '^''■'). Die Rippen variiren in ihrer Entwickelung gar sehr. An 
manchen Exemplaren sind sie nur noch schwach angedeutet, an an- 
deren, sogar auch bei jungen Individuen, treten sie um so höher 
hervor. Bei einem Exemplare von Mattstedt bei Jena findet sich aufser 
der einen Knotenreihe an der Gränze des Rückens noch eine zweite 
auf der Mitte der Seiten, deren Knotenzahl ohngefähr halb so grofs 
als die der oberen Reihe ist. 

In den oberen Schichten des Muschelkalkes (Ammonitenschichten) 
von Schlesien (Tarnowitz), Rüdersdorf bei Berlin, Thüringen (Jena, 
Weimar, Cölleda u. s. w.), Hannover (Göttingen), Franken (um Pyr- 
mont), am unteren Main und Neckar (Heidelberg), im badenschen und 
würlembergischen Schwarzwalde, in Rheinbaiern und in Frankreich 
(Luneville, Toulon). 

Vielleicht gehört zu Ammonites nodosus auch einer der als Rhyn- 
choUjthus p. 280. beschriebenen Kiefern. 

C. Ammonites Aut. im engeren Sinne. Loben und Sättel 
sind mannichfaltig gezähnt, gezackt und zerschnitten. Die Streifen 
und Rippen auf der Oberfläche der Schaale biegen sich stets auf 
dem Rücken nach vorn. 

Sie gehören ausschliefslich dem Oolithengebirge ''■*''') und dem 
Kreidegebirge an. 

a. Ariel es. Widderhörn er. Auf der Mitte des breiten 
Rückens erhebt sich ein kielartiger Sipho, welcher durch zwei 

*) L. Br. J. 1838-1844. 

**) L. Br. J. 1842. p. 309. 

Ueber die Ammoniten aus dem französischen Oolithengebirge, wel- 
che d'Orbigny (Val. fr. Terr. jur. /.) beschreibt und abbildet, vergl. Quen- 
ütedt in L. Br. J. 1845. p. 86. u. f. 



KOPFFÜSSER. 



289 



Rinnen von den Seiten getrennt wird. Letztere sind mit einfachen, 
starken, sich in der Nähe des Rückens schwach vorwärts biegen- 
den Rippen bedeckt, welche an der Rinne mit einer Verdickung 
schnell enden. Der Riickenlobus (D) ist etwas tiefer als breit, 
der Anheftiingspunkt seiner Scheidewand an dem Sipho ist genau 
in der Mitte seiner Tiefe. Der obere Seitenlobus (L) ist breiter 
als tief, erreicht nicht die Hälfte dieser Tiefe, und weit erhebt 
sich der Seitensattel (SL) über die anderen Sättel empor. Der 
untere Seitenlobus (1) ist ebenfalls breiter als tief, und der kleine 
Ventralsattel erreicht nicht die Hälfte der Höhe und Breite des 
Seitensattels, (v. Buch.) 
Arten nur im Lias. 

A. Bucklandi Sow. M. C. tb. 130. — Taf. XL Fig. 2. (i). 
Nach Zielen, Verst. Würt. tb. 2. L 2 — 4; tb. 27. f. 1. — Br. Leih, 
p. 421. tb. 22. f. 1. — v. Buch, Amm. tb. 3. f. 1.. — Quenst. Flölzg. p. 131. 

Mit sechs bis sieben wenig involuten Windungen, von denen 
jede auf ihren schwach gewölbten Seiten dreifsig bis vierzig entfernt- 
stehende, starke Rippen trägt. Mündung (Fig. 2. ö.) fast viereckig, 
etwas höher als breit. Der Seitenlobus ist wenigstens ebenso' breit 
als tief. 

Bis zu einem Durchmesser von mehr als 2', im unteren Lias 
von Würtemberg, der Schweiz, Frankreich und England. 

A. Conybeari Sow. M. C. tb. 131. — Ziet. Verst. Würt. tb. 26. 
f. 2; tb. 15. f. 1. (A. oblique -costatus.) — v. Buch, Jura, p. 28. — 
Quenst. Flötzg. p. p. 132. 

Unterscheidet sich vom vorigen durch geringeres Anwachsen der 
Windungen, wodurch mehr Windungen sichtbar werden als bei jenem 
und alle mehr in einer Ebene liegen, so wie durch eine viel grö- 
fsere Anzahl von Seitenrippen, welche auch gegen den Rücken hin 
weniger anschwellen. Er erreicht nie die Gröfse des vorigen, mit 
dem er zusammen vorkommt. 

A. Brooki Sow. M. C. tb. 190. — Ziet. Verst. Würt. tb. 27. 
f. 2. — V. Buch, Jura, p. 29. — Quenst. Flötzg. p. 132. 

Er wächst viel schneller als A. Bucklandi an. Bei seiner ge- 
wöhnlichen Gröfse von 1 — ^" im Durchmesser werden die Seiten von 
22 wenig zurückgebogenen und am Rücken nur schwach anschwellen- 
den Rippen bedeckt. Gewöhnlich ist er in der Nähe der Bauchseite 
am breitesten und verengt sich bedeutend nach dem Rücken zu. 

Häufig im Lias von Lyme Regis in England, von Gammelshausen 
und bei Göppingen, auch noch in den dunkelgefärbten Schieferkalken 
Würtembergs unmittelbar über den Liaskalken. 
Gcinitz, Versteiuerungskunde. 19 



290 



WEICHTHIBRE. 



b. Falciferi^ die Sicheltragenden. „Loben sehr ge- 
zähnelt und in der Tiefe mit bedeutender Breite, kaum schmäler 
als an ihrer Mündung. Sättel wenig eingeschnitten, besonders 
flach und fast alle, wenigstens von dem Laterallobus an, hinter 
einander in einer Linie, welche ohngefähr auch der Radius der 
Windung ist. Der Dorsallobus, viel kürzer als der obere Lateral, 
slüfsl die spitzen Enden seiner beiden Arme schief gegen den 
Lateral, so dafs beide Arme bedeutend divergiren, und seine Wände 
gehen schief zum Dorsalsattel herauf. Streifen und Falten der 
Seiten höchst zart und fein. Sie biegen sich erst vorwärts, dann 
mit schneller AVindung bedeutend zurück, und nahe am Rücken 
abermals so weit gegen die MundöiFnung hin, dafs hier eine aus- 
gezeichnete Sichel entsteht. Innere Seite der Windungen jederzeit 
mit besonders scharfer, ebener Fläche abgestumpft. Rücken meist 
scliarf, einzig aus dem Sipho bestehend." (v. Buch.) 

A. depressus v. Buch, rec. de Planches etc. PL 1. f. 3. — 
Hiernach Taf. X. Fig. 21. (Loben) und Fig. 22. — v. Buch, Jura, p. 
38. — A. elegans Ziet. tb. 16. f. 5. 6. — Quenst. Flötzg. p. 257. 

Er ist sehr involut, d. h. sein Anwachsen, und zwar in die 
Höhe, ist so bedeutend, dafs die spätere Windung die vorhergehende 
1" umschliefst. Innere Seiten der Windungen nach dem engen Nabel 
treppenförmig abgesetzt, äufsere Seiten hoch, mit mäfsig starken, sichel- 
förmig gekrümmten Falten bedeckt. Rücken scharf. Meist 4-^5^' grofs. 
Häufig im Liasschiefer von Würtemberg. 

A. Murchisonae Sow. M. C. tb. 550. — Ziet. Verst. Würt. 
tb. 6. f. 1 — 4. — V. Buch, Amm. p. 52. — Br. Leth. p. 426. tb. 22. 
f. 3. — Quenst. Flötzg. p. 306. 

Die Windungen sind i bis f involut und fallen nach innen zu 
treppenförmig ab. Die hohen Seiten verlaufen mehr oder weniger 
schnell nach einem scharfen Rückenkiele ab und tragen vierzehn bis zwan- 
zig flache Sichelrippen, welche einfach oder zwei- bis dreitheilig sind. 
Bis zu l' grofs im oberen Lias- Sandsteine und im unteren Oolilh 
von England und Schottland. 

A. opalinus Rein. — Taf. XI. Fig. 3. (?). Nach Ziet. tb. 4. 
f. 4. (^A. primordialis Schi., A. elUpticus. Sow.) — v. Buch, Amm. 
p. 52. — Br. Leth. p. 427. tb. 22. f. 4. — Quenst. Flötzg. p. 285. 

Schliefst sich durch seine Form an den vorigen an. Seine 
schneeweifse , oft noch opalglanzendc Schaale ist mit feinen und ab- 
wechselnd scharfen Sichel-Linien und Streifen bedeckt, welche sich bü- 
schelförmig vereinigen und dann das Ansehen von flachen Sichelrippen 
erhallen. Gewöhnlich von geringer Gröfse, doch auch 6 — l" grofs. 



KOPFFÜSSER. 



291 



Nach Quensledt für die untersten Thonlagen des braunen Jura 
Würtembergs charakteristisch. 

A, radians Rein. — Ziet. tb, 4. f. 3; tb. 7. f. 7. (cosfulatus) \ 
ib. 9. f. 7. (lineatus); tb. 10. f. 5. (mdulatus) ; tb. 14. f. 6. (stria- 
tulus); f. 7. (solaris); tb. 28. f. 3. (Aalensis). — Br. Leth. p. 424. 
tb. 22. f. 5. V. Buch, Jura, p. 43. — Quenst. Flötzg. p. 270. 

Windungen wenig involut (J bis f). Die ziemlich flachen Sei- 
ten wölben sich oben zu einem stumpfen oder gekielten Rücken zu- 
sammen und fallen nach innen (der Nabelgegend) häufig ohne Kante 
ab. Die Oberfläche ist mit etwa fünfzig Rippen bedeckt, welche un- 
ten nur schwach gebogen, fast ohne Knie sind, aber in der Nähe 
des Kieles sich schnell nach vorn biegen. 

Häufig im Liasschiefer Deutschlands, oft ganz flach gedrückt. 

A. Serpentinus Rein. — Br. Leth. p. 424. — v. Buch, Jura, 
p. 38. — Quenst. Flötzg. p. 258. 

Wenig involut. Wegen seiner geringen Höhenzunahme gleicht 
er einer spiralförmig gewundenen Schlange. Durch das treppenförmigo 
Abfallen der Windungen nach innen mit einer Kante unterscheidet er 
sich sogleich von dem vorigen. Hierzu kommt die mehr S-förmige 
Gestalt der schmalen Rippen und eine flache Einsenkung längs der 
Mitte der Seitenflächen. 

Nach v. Buch im fränkischen Jura bei Nürnberg, Bayreuth, Banz, 
und im oberen Lias von Schwaben. 

A. Walcotti Sow. M. C. tb. 106. — Br. Leth. p. 432. (pi- 
frons). — V. Buch, Jura, p. 39. — Quenst. Flötzg. p. 259. 

Hier tritt diese Einsenkung als flache Furche noch deutlicher 
hervor, da besonders die Sichelrippen erst über ihr deutlich hervor- 
treten, während die Furche selbst und die Fläche darunter nur fein 
gestreift ist. Uebrigens hat diese Art einen breiten Racken mit einem 
Kiele, welche nur bei den Arieten durch eine Furche von den Seiten 
getrennt ist. Gegen 3'' grofs. 

Im oberen Lias und unteren Oolith von Franken, Schwaben, Frank- 
reich und England. 

A. he oticus (hecticus et fonticola) Rein. — Br. Leth. p. 428. 
tb. 22. f. 9. — V. Buch, Jura, p. 67. — Quenst. Flötzg. p. 387. Nie 
über ly grofs und gewöhnlich viel kleiner. 

Nach V. Buch durch das auffallend grofse und hohe Knie, mit 
welchem der Sichelstiel der Falten in die zwei- bis dreitheilige Sichel 
übergeht, besonders ausgezeichnet. Windungen halbumfassend, elliptisch 
rundlich, etwa J höher als breit. Nach Quenstedt variirt diese Art 
sehr bedeutend, indem junge Individuen oft ganz glatt (A. laevigatus 

19* 



292 



WEICIITIHERE. 



Rein.) sind, anderen die Knotung mangelt und bei ihnen die Sicheln 
sehr gedrängt stehen {A. Lunula Münst.) u. s. f. 

Sehr häufig im oberen braunen Jura (Oxfordthone und Kelloway- 
Rock) Frankens und Schwabens, der Schweiz und Frankreichs. 

c. Amalthei. {AmaUhea^ die Ziege des Jupiter.) Die Si- 
cheln undeutlich, indem die Seitenrippen oder Falten sich erst 
oben stark nach vorn biegen und bis auf den starken Kiel fort- 
setzen, welchen sie dann meistens in Knoten oder Schuppen ab- 
iheilen. Nach V. Buch ist der Dorsallobus viel kürzer als der 
obere Lateral, und seine Wände gehen schief zum Dorsalsattel 
Iierauf, doch weniger schief als bei den Falciferen. Der obere 
und untere Lateral sind sehr breit, fast so breit als tief, Sättel 
und Loben aufserordentlich zerschnitten, so dafs in den Loben 
grofse und weit ausgreifende Arme, in der Mitte der Sättel sehr 
tiefe Secundärloben entstehen. Die Spitzen der Zähne stehen ge- 
wöhnlich senkrecht auf der Achse der Loben. 

Vom Lias an bis in die oberen Schichten des Jura. 

Ä. amaltheus v. Schloth. — Ziel. Verst. Würt. tb. 4. f. 1. 2. 

— Taf. XL Fig. 5. (1) nach Zieten. — Br. Leth. p. 434. Ib. 22. f. 13. 

— y. Buch, Ammon. tb. 3. f. 3; Jura, p. 37. — Quenst. Flötzg. p. 204. 

Flach scheibenförmig, zur Hälfte involut, mit knotigem Kiele, 
dessen Knotenzahl die wenig gebogenen Sichelfalten mehr als um das 
Doppelte übertrifft. Die oft noch erhaltene Schaale ist auf ihrer oberen 
Hälfte der Seite bis zu dem Kiele hin quer gestreift. Je glätter, um 
so flacher und hochmündiger sind die Individuen; junge Exemplare 
sind durch starke, dornige Erhöhungen auf den Seiten breitrückiger, 
sogar breiter als hoch, und werden im Alter erst wieder glatt; bei 
anderen bleiben die Stacheln das ganze Leben hindurch oder fehlen 
in der Jugend und kommen im Alter erst wieder. 

A. amalth. gibbosus Schloth. und A. Stockesü Sow. sind der- 
artige stachelige Varietäten. 

Die Gröfse beträgt an Individuen, wie sie in Unzahl im Lias- 
schiefer Würtembergs u. a. a. 0. vorkommen, gewöhnlich 2 — 3'^ 

A. costatus Rein. — Taf. XI. Fig. 4. (4). Nach Ziet. Verst. 
Würt. Ib. 4. f. 7. — Br. Leih. p. 436. tb. 22. f. 12. — v. Buch, Jura, 
p. 38. — Quenst. Flölzg. p. 206. 

Die vier bis fünf auf einander liegenden Windungen, von fast 
quadratischem Durchschnitte, haben einen breiten, rinnenförmigen Rücken, 
in dessen Mitte ein stark gekerbter Kiel (der Sipho) liegt, und ein- 
fache hohe Seitenrippen, welche ,an der Gränze des Rückens zu zwei 
Knoten anschwellen, von denen der untere spitzer, der obere stumpfer 



kopffC'sser. 



' 293 



ist. Die oft noch opalglänzende Schaale ist zwischen den Rippen 
noch längsgestreift. 

Wegen seiner grofsen Häufigkeit in den unteren Liasschichten 
Frankens, wo er sich 2 — 3'' grofs oft in Knollen (Geoden) von thon- 
igem Brauneisensteine findet, nannte ihn Schlotheim A. Franconicus. 

A. cordafus Sow. M. C. tb. 17. f. 1. 2. — Br. Leth. p. 437. 
ib. 22. f. 15. 

Windungen i bis f umfassend, nach innen steil abgesetzt; Sei- 
tenflächen erst parallel, dann schnell nach einem scharfen Kiel oder 
in einem gerundeten Rücken zusammenlaufend. Der Kiel ist nicht sel- 
ten auf jeder Seite von einer flachen Furche begleitet. Seiten mit 
stärkeren oder schwächeren, über die Mitte meist mehrtheiligen Rip- 
pen bedeckt, welche oben weit nach vorn und über den schwach ge- 
kerbten Sipho hinweg laufen. 

Bis 2" grofs, häufig in den Oolithen Schwabens und Frankens, 
der Schweiz, Hannovers, Frankreichs und Englands. 

A. Lamberti Sow. M. C. tb, 242. f. 1 — 3. — Ziel. Verst. 
Würt. tb. 28. f. 1. — Br. Leth. p. 438. tb. 22. f. 14. — v. Buch, 
Jura, p. 66. — Quenst. p. 384. 

Ist dem vorigen sehr ähnlich, unterscheidet sich jedoch vorzugs- 
weise durch die viel geringere Biegung der Falten nach vorn, welche 
unter spitzem {A. Lamberti) oder unter stumpfem Winkel (yl. ompha- 
lodes Sow.) sich auf der Milte des Rückens mit denen der anderen 
Seite verbinden. Zwischen den längeren Rippen setzen sich kür- 
zere ein. 

Vorzüglich im Oxfordthone und .in ihm meist in Thoneisenstein 
verwandelt. So in Würtemberg (Gammelshausen), Hannover, Franken, 
England ii. s. f. 

d. Capricorni. (capra^ Ziege; cornu^ Horn.) Ringartige, 
ungetheilte, gewöhnlich starke Rippen laufen über den breiten 
Rücken hinweg, auf welchem der Sipho nicht besonders hervor- 
ragt, so dafs die Windungen am meisten an das Horn eines 
Steinbocks erinnern. Der Rückenlobus geht senkrecht herab, die 
Seitenloben sind wenig tiefer als breit und unten oft breiter als 
oben. Die Windungen liegen auf einander oder umfassen sich 
nur sehr wenig. 

A. capricornus v. Schloth. — Taf. XI. Fig. 6. (4). Nach 
Ziet. Verst. Würt. tb. 4. f. 8. — A. planicosta Sow. M. C. tb, 73. 
— V. Buch, Amm. tb. 4. f. 4. b; Jura, p. 37. — Br. Leih. p. 440. 
tb. 23. f. 1. — Quenst. Flölzg. p. 158. 



294 



WEICHTHIEKB. 



Die sich kaum umfassenden Windungen sind im Durchschnitte 
fast breiter als hoch, und dicke, gerundcle Rippen schwellen auf dem 
Rücken zu einer breiteren, dickeren Fläche an. A, maculatus Phillips 
(Geol. of Yorhshire I. PL 13. f. 11.) ist eine Varietät, wo die Rip- 
pen auf dem Rücken nicht breiter werden. 

Im unteren Lias von Franken und Würtemberg, England und 
Frankreich. 

A. natrix v. Schlotli., Ziet. Verst. Würt. tb. 4. f. 5. — Quenst. 
Flölzg. p. 167. 

Sehr kleine Ammoniten, die wegen der geringen Umfassung der 
Windungen einer spiralförmig aufgerollten Schlange gleichen. An der 
Gränze des breiten Rückens bilden die deutlichen Rippen ein Knötchen, 
und laufen von hier zwei- bis dreitheilig über den schwach gewölb- 
ten Rücken hinweg, dem gegenüberliegenden Knötchen zu. 

Im mittleren schwarzen Jura Würtembergs. 

A. fimbr latus Sow. M. C. tb. J64. — Ziet. Verst. Würt. tb. 12. 
f. 1. — Br. Leth. p. Ml. — v. Buch, Jura p. 44. — Quenst. Flötzg. 
p. 260. 

Wellenartig gekräuselte, streifenförmige Linien laufen ringförmig 
über Seiten und Rücken hinweg. Bevor er die Gröfse von ^" er- 
reicht, sind diese Streifen, nach Quenstedt, nur einfache, feine Linien 
{A. lineatus v. Schloth.). Die im Durchschnitt fast kreisrunden Um- 
gänge umschliefsen sich höchst wenig. 

Im oberen schwarzen Jura Würtembergs besonders im jüngeren 
Zustande häufig. 

e. Planulati, (planus^ eben.) Alle Windungen liegen fast 
in einer Ebene. Die Rippen spalten sich oberhalb der Hälfte der 
Seiten ohne Knoten, und laufen über den abgerundeten Rücken 
hinweg. Nach v. Buch ist der Dorsallobus theils kürzer, theils 
länger als der obere Lateral , hat senkrechte Wände und Arme, 
die Seitenloben sind wohl dreimal tiefer als breit und mit weit 
verbreiteten abstehenden Armen versehen, und nach dem unteren 
Lateral senken sich zwei oder drei Auxiliarloben mit ihrer Münd- 
ung schief herab. 

Sie finden sich besonders in den Oolithen und den oberen 
Kalksteinschichten der Juraformation, nicht aber in der Kreide. 

A. polyplocus Rein. — Taf. XI. Fig. 8. (i). Nach Ziet. Verst. 
Würt. tb. 8. f. 7. — ßr. Lelli. p. 445. tb. 23. f. 5. — v. Buch, Jura, 
p. 73. — Quenst. Flölzg. p. 443. 

Windungen höher als breit, sich mehr als die Hälfte umschlie- 
fsend. Die flachen Seiten sind gegen einander geneigt und mit 30 



kopffCsser. 



295 



bis 40 fast geraden Rippen besetzt, welche sich in der Nahe des 
Rückens unregelmäfsig in zwei bis fünf Falten theilen, die über den 
Rücken hinAveglaufen. Bis 4" grofs. 

Im Jurakalke von Hohnstein in Sachsen, im mittleren weifsen 
Jurakalke Würtembergs! , in Franken, der Schweiz und in Polen. 

A, biplex Sow. M. C. tb. 293. f, 1. 2. — Taf. XI. Fig. 7. 
(i). Nach Br. Leih. p. 443. tb. 23. f. 3. (Ä. communis.) — v. Buch, 
Jura , p. 74. — Quenst. Flötzg. p. 444. 

Windungen nur ^ sich umschliefseud , mit gewölbten Seiten. 
Scharfe Rippen theilen sich oben bestimmt in zwei Rippen, welche 
sich auf dem schmalen, gewölbten Rücken etwas nach vorn biegen. 
Bis über 4" grofs. 

Mit vorigem zusammen. 

A. Tarkinsonii Sow. M. C. tb. 307. — Ziet. Verst. Würt. tb. 
10. f. 7. — Quenst. Flötzg. p. 360. 

Windungen ^ umschliefsend, mit hohen, fast flachen Seiten, wel- 
che schwach gegen einander geneigt sind. Starke Seitenrippen thei- 
len sich in der Nähe des Rückens unregelmäfsig in zwei Theile, 
nicht selten steht auch eine ungetheilte Rippe dazwischen, und unter 
einem Winkel von 50 bis 60 Grad gehen dieselben bis zu einer 
Furche, die längs der Höhe daß Rückens läuft. Hier wechseln die 
Enden der Rippen meist mit einander ab. Wenn diese Furche schwä- 
cher entwickelt ist, so wird er dem A. Lamberti sehr ähnlich. Bis 
über 1' grofs. 

Im oberen braunen Jura Würtembergs! bei Hildesheim, bei Hohn- 
slein in Sachsen, durch Herrn Berghauptmann v. Charpentier bei Li- 
pitze in der Nähe von Bodzanowitz und Sternalitz mit Pholadomya 
Murchiscni zusammen aufgefunden, u. a. a. 0. 

f. Dorsati. {dorsum^ Rücken.) Rücken breit, mit der 
Seite fast im rechten Winkel verbunden. Eine einfache Knoten- 
reihe, durch welche einfache Falten gewöhnlich in doppelte zer- 
Iheilt werden, läuft nahe am Rücken fort; Rucken jederzeit schmä- 
ler als die Seite, wodurch die meisten Arten ziemlich scheiben- 
artig werden. Auch hier gehen die Auxiliarloben schief gegen 
den oberen Lateral, wenn auch nicht bei allen Arten, (v. Buch.) 

A. Davoei Sow. M. C. tb. 350. — Taf. XI. Fig. II. (i)- Nach 
Ziet. Verst. Würt. tb. 14. f. 2. — Br. Leth. p. 447. — v. Buch, Jura, 
p. 45. — Quenst. p. 171. 

Fünf bis sechs nur J involute Windungen liegen fast alle in 
einer Ebene, und sind im Durchschnitt fast viereckig. Seiten wenig 
gewölbt, Rücken breit. Auf mehreren der schmalen Rippen steht an 



296 



WEICHTIIIERK. 



der Gränze zwischen Seiten und Rücken ein stumpfer Knoten, von 
wo diese Rippe zweilhcilig über den Rücken läuft. 

Im mittleren Lias von Deutschland, namentlich Würtemberg, Eng- 
land und Frankreich. 

g. Coronarii. (corona^ Krone.) Eine ausgezeichnete Reihe 
von Spitzen dehnt den Rücken so aus , dafs er -.ganz flach und 
viel breiter als die Seite wird. Scharfe, weit hervortretende Fal- 
ten werden durch die Spitzen zerspalten. Die Windungen greifen, 
hei verhältnifsmäfsig geringer Höhe, sehr weit über einander und 
bilden einen tiefen iimbüicus (Nabel). Der obere Lateral steht 
jederzeit über den Spitzen, der untere darunter. Der Dorsallobus 
ist länger als der obere Lateral, mehrere Auxiliarloben sind aber 
noch in Stellung und Form denen der Planulaten ganz ähnlich. 
Nur in den mittleren Oolithen. (v. Buch.) 

A. cor onatus v. Schloth. — A. Blagdeni Sow. M. C. th, 201. 
— Ziet. Verst. Würt. tb. 1. f. 1. — Quenst. p. 326. 

Windungen sehr breitrückig, an der inneren Seite mit dicken 
Rippen bedeckt, welche an der Rückenkante zu hohen Knoten an- 
schwellen und von da drei- bis vierspaltig über den gerundeten 
Rücken laufen. Individuen von l" Durchmesser erreichen, nach Quen- 
stedt, eine Höhe von . 

Leitend für den mittleren braunen Jura, besonders in Würtem- 
berg; im unteren Oolith von Scherborne. 

A. anceps Rein., Ziet. Verst. Würt. tb. 1. f. 2 u. 3. — Quenst. 
Flötzg. p. 365. 

Diese kleinen, breitrückigen Ammoniten, die häufig im oberen 
braunen Jura Würtembergs vorkommen, scheinen wegen ihrer grofsen 
Aehnlichkeit mit A. coronatus junge Exemplare davon zu sein. 

A. Humphresianus Sow. M. C. tb. 500. f. 1 — 3. — Ziet. 
Verst. Würt. 67. f. 2. Hiernach Taf. XI. Fig. 9. (i). Die Loben (A.) 
sind verfehlt. 

Dem A. coronatus sehr ähnlich, doch ist der Rücken viel höher 
gewüUit und die Windungen sind weniger umfassend. 

Häufig im mittleren Jura Würtembergs (und zwar in den Eisen- 
oolithen), Englands, Frankreichs, Frankens, und im Jurakalke von 
Hohnstein in Sachsen oft von der Seile ganz zusammengedrückt. 

A. convolutus v. Schloth. — Taf. XL Fig. 10. (f). Nach 
Br. Leth. Ib. 23. f. 9. (A. annularis). — Quenst. Flötzg. p. 382. 

Windungen wenig involut, breiter als hoch, und häufig einge- 
schnürt. Durch das Zwcitheiligc der Rippen erinnert er sehr an A. 
biplex^ von welchem er sich jedoch durch spitze Knötchen unter- 



KOr'FFiJsSBR. 



297 



scheidet, die sich gewöhnlich an den Theilungspunkten der Rippen 
erheben. 

Von l" Gröfse, häufig im oberen braunen Jura Würtembergs 
und im Jurakalke von Hohnstein in der sächsischen Schweiz. 

h. Macrocephali. Die Grof sköpf ig en. Die Stärke- 
zunahme der Windungen ist vorzüglich in die Breite ungemein stark. 
Rücken und Seiten verbinden sich zu einem völligen Halhzirkel. Ge- 
gen die früheren Windungen fällt aber die Seite oft mit scharfer 
Kante und zuweilen senkrecht herab. Der untere Lateral steht alle- 
zeit über der inneren Kante, nicht wie bei den Coronariern dar- 
unter. Die Arten finden sich in den Oolithen und in der Kreide, 
(v. Buch.) 

A. macrocephalus v. Schloth. — Taf. XI. Fig. 12. (f). Nach 
Ziet. Verst. Würt. tb. 14. f. 3. — A. Herweyi Sow. M, C. tb. 195. 

— Br. Leth. p. 455. tb. 23. f. 11. — v. Buch, Jura, p. 61. — 
Quenst. p. 363. 

Zusammengedrückt kugelig, mit engem Nabel. Durchschnitt der 
sehr umfassenden Windungen halbmondförmig; scharfe hohe Radialrip- 
pen gehen ohne Knoten zwei- bis dreitheilig über den Rücken hinweg. 

1 — 22" grofs im oberen braunen Jura Würtembergs! 

A. peramplus Sow. M. C. tb. 357. — A. Lewesiensis Mantell, 
Geol. of Süss. tb. 22. f. 2. — Gein. Char. p. 39. u. 67. tb. 12. f.*2. 

— d'Orb. Pal. f. Terr. cret. I. p. 333. tb. 100. f. \. % 

Windungen 4 bis J involut, stark gewölbt nach den vorigen 
abfallend, etwa doppelt so hoch als breit. Die gewölbten Seiten ver- 
laufen allmählig in den gerundeten oder stumpf gekielten Rücken. Ent- 
ferntstehende , stumpfe , oben schwach nach vorn gekrümmte Rippen 
beginnen am unteren Rande der Seiten mit einem flachen Knoten und 
werden nach oben flacher und undeutlicher. Bei gröfseren Exemplaren 
lagern sich an der letzten Windung zwischen die gröfseren Falten 
noch' vier bis fünf kleinere. Bei einem Durchmesser von 4" zählt 
man auf eine Windung zehn bis zwölf, bei 12" etwa die doppelte 
Menge von Rippen. Auf einem Exemplare bemerke ich auf der Schaale 
ganz ähnliche Querstreifung, wie bei A. amaltheus zuerst von Quen- 
stedt beobachtet wurde. 

Bis über 2' grofs häufig im Plänerkalke von Sachsen und Böh- 
men, seltener im mittleren Pläner und in den diesen entsprechenden 
Schichten Frankreichs und anderer Länder. 

A. Decheni Rom. Kreide, p. 85. tb. 13. f. 1. 

Scheibenförmig, mit vier bis fünf, i bis f involuten Windungen, 
die nach den früheren von einer Kante steil abfallen, mit schwach 



298 



WEICHTHIERE. 



gewölbten Seiten, die sich mit dem gerundeten oder stumpf gekielten 
Rücken allmälilig vereinigen. An der Seitenkante beginnen entfernt 
stehende Ha'uptrippen, von denen sich die meisten kurz darauf zu einem 
schmalen hohen Knoten erheben und, erst rückwärts gebogen, nebst 
zwei bis drei schwächeren und kürzeren Rippen zwischen ihnen, mit 
einer starken Biegung vorn über den Rücken laufen. 

Wiewohl ich noch kein Exemplar mit ganz vollkommenen Loben 
beobachtet habe, so zeigt doch das eine entschieden, dafs diese Art 
zu den Macrocephalen gestellt werden mufs. In der Gröfse von 1 — 
3" der häufigste Ammonit in dem Plänerkalke von Strehlen. Aufser- 
dem in Böhmen und, nach Römer, im Quader des Teutoburger Waldes. 

i. Armati. Die Bewaffneten. Mehrere Spitzenreihen 
laufen parallel über die Seiten, selten über den Rücken. Dieser 
wird flach, oft breiter als die Seite und ist mit ihr durch eine 
Kante fast im rechten Winkel verbunden, auf welcher die obere 
Spitzenreihe steht. Der Dorsallobus ist etwas tiefer als der obere 
Lateral, dieser nicht selten dreimal tiefer als breit. Der Dorsal- 
sattel ist mehr als doppelt so breit als dieser, mit einem tiefen 
Secundärlobus in der Mitte, und oben ganz flach. Der untere 
Lateral ist sehr klein. 

• In den jüngeren Oolithen und in der Kreide, A. Birchü Sow., 
A. Backeriae Bronn und A. Ziphus Ziet. hingegen im Lias. (v. 
Buch.) 

A. Rhotomagensis v. Buch, Amm. p. 15. — Taf. XI. Fig. 14. 
(verkleinert). Nach Bronn, Leth. tb. 33. f. 1. — d'Orb. Pal. fr. Terr. 
er. I. p. 345. tb. 105. 106. 

Windungen dick, im Durchschnitte fast achtkantig, mit einigen 
zwanzig dicken, gerade über den Rücken laufenden Radialrippen be- 
deckt, welche meist abwechselnd an der inneren Seite der Windungen 
und in der Mitte der Seiten entspringen. Die ersteren schwellen bald 
nach ihrem Anfange, beide an dem oberen Theile der Seiten und dar- 
auf an der Gränze des Rückens zu einem spitzen Knoten an , und auf 
der Mitte des Rückens entsteht durch einen länglichen Knoten an je- 
der Rippe ein unterbrochener Kiel. Bei älteren Exemplaren werden 
die Knoten undeutlicher und verschmelzen mehr mit den stark erho- 
benen Rippen. 

Bis zu einer Gröfse von 1^' vom unteren Quader an (ßannewitz 
bei Dresden, bis zu dem oberen Pläner (Strehlen) in Sachsen, Böh- 
men und Norddeutschland, in der Kreide von England und den glau- 
conitischen Schichten von Frankreich. 



kopfflsser. 



299 



A, Manteliii Sow. M. C. tb. 55. — Manl. GeoL of Süss. tb. 22. 
f, 1. — Gein. Char- p. 67. — Rom. Kr. p. 88. — d'Orb. Pal. fr. Terr. 
er. 1. p. 340. tb. 103. 104. 

Dick scheibenförmig, zu ^ involut, mit flach gerundeten Seiten 
und gerundetem oder durch drei Höcker dreiseitig werdendem Rücken. 
Im Durchschnitt breiter als hoch. Starke Rippen, von denen die ab- 
wechselnden erst später beginnen, verdicken sich nach oben alhnählig. 

Bis über l' grofs häufig im unteren Quader (Bannewitz, wo die 
Arbeiter ihn und den vorigen versteinerte Bäben nennen), im Pläner- 
mergel des Tunnels von Oberau, im Pläner von Böhmen, dem Harze 
u. s. w. 

k. Dentati und Ornati. Die Gezähnten und Ge- 
schmückten. „Rücken flach oder vertieft, schmal und ungekielt; 
an die grofsen und fast parallelen Seitenflächen mittels je einer 
rechtwinkeligen, gezähnten Kante angränzend, deren Zähne von 
den Radien der Seitenflächen oft unabhängig (minder zahlreich) sind. 
Diese zeigen nämlich feine Radial - Rippen , welche in ihrer Mitte 
gegabelt und an diesen Theilungspunkten mitten auf der Fläche 
öfters mit je einem kleinen Knötchen besetzt sind. Zum Unter- 
schiede von der vorigen Familie ist der Rückenlappen viel weniger 
lief als der obere Seitenlappen. 

Im Oxfordthone, in den höheren Oolithen und in der Kreide." 
(Bronn.) 

A. ornatus v. Schloth. — Taf. XI. Fig. 13. (f). Nach Ziet. 
Verst. Würt. tb. 13. f. 5. {A. deeoratus). — A. Castor und A. Pol- 
lux Rein. — v. Buch, explic. de trois planches, tb. II. f. 3. (A. Pol- 
lux). - A. Dunkani Br. Leth. p. 460. tb. 23. f. 13. 15. 16. — 
Quenst. p. 378. 

Windungen halb umschliefsend, im Durchschnitte sechsseitig. Sie 
sind mit feinen, etwas gebogenen Rippen besetzt, von denen etwa 
der dritte Theil in der Mitte der Seiten zu spitzen Knoten anschwillt. 
Hier spalten sich die Rippen gewöhnlich in zwei, und diese vereini- 
gen sich meistens wieder an den spitzen Knötchen, welche einen 
schmalen , glatten Rücken begränzen. Die Knotenlinie des Rückens 
enthält gewöhnlich mehr als die doppelte Anzahl der Seitenknoten. 
Die gewöhnlich nur l" grofsen Individuen werden theils rundmündig, 
theils hochraündig. 

Im oberen braunen Jura Würtembergs , Frankens, Frankreichs, 
und dem entsprechenden Oxfordthone und Kelloway-Rock Englands. 

A. varians Sow. M. C. tb. 176. — Ziet. Verst. Würt. tb. 14. 
f. 5. — Brongn. descr. des env, de Par. tb. 6. f. 5. — Br. Leth. 



300 



WEICHTIIIERE. 



p. 725. tb. 23. f. 2. — Rom. Kr. p. 89. — d'Orb. Pal. fr. Terr. er. 
I. p. 311. tb. 92. 

Windungen halbumfassend, schnell an Gröfse zunehmend, höher 
als breit. Jede Windung ist auf der unteren Seite mit etwa vierzehn 
Rippen bedeckt, welche an ihrem Anfange und etwas unterhalb der 
Mitte der Seiten zu spitzen Knoten anschwellen, hier sich meist thei- 
len, und nun divergirend nach den in gröfserer Anzahl an der Gränze 
des Rückens vorhandenen Knoten laufen, oder, bevor sie dieselben 
erreichen, sich auch wohl noch einmal theilen. Der flache Rücken 
tragt einen hohen, glatten Kiel. 

Im Pläner bei Sarstedt, Iburg, Goslar, Bochum, im Grünsande 
an der Waterlappe, in der chloritischen und Tuff- Kreide Frank- 
reichs (Rouenl), und in verschiedenen Schichten der Kreideformation 
Englands. 

I. Flexuosi. Die Gekrümmten. Zu beiden Seiten des 
Rückens stehen ebenfalls Zähne; dieser hebt sich darüber hinaus 
und ist knotig. Seitenfalten neigen sich sehr stark vorwärts ge- 
gen den Rücken, sind gewöhnlich schon unter der Hälfte gegabelt 
und bilden hier längliche Knoten, welche den unteren Theil der 
Seitenfläche etwas erheben. Der Dorsallobus ist um vieles kürzer 
als der obere Lateral. 

In den oberen Juraschichten bis in die Kreide, (v. Buch.) 

A. flexuosus Münst. — A. disciis Rein. — Ziet. Verst. Würt. 
tb. 11. f. 2. u. ^;b, 28. f. 7. — Br. Leth. p. 463. tb. 23. f. 17. — 
Quenst. Flötzg. p. 441. 

Windungen sehr hoch, fast ganz umschliefsend. Die Rippen 
sind etwas sichelförmig gebogen und erheben sich an der Kante des 
schmalen Rückens und der hohen, flach gewölbten Seiten zu abwechseln- 
den, stumpfen Knoten. Zwischen ihnen liegen mehrere kürzere Rippen. 

Meist gegen 2" grofs, doch auch bis l' grofs im oberen wei- 
fsen Jura, dem Coral-Rag Deutschlands. 

A. noricus Schloth. — Röra. Kr. p. 89. tb. 15. f. 4. — Gein. 
Char. p. 67. 

Scheibenförmig, Windungen halbumfassend, höher als breit, mit 
lang eiförmiger Mündung, mit zahlreichen, schwach sichelförmigen, 
oben stark vorwärts gerichteten Rippen bedeckt. Diese spalten sich 
ziemlich weit unten, oder zwischen sie legen sich über der Mitte der 
hohen Seiten kürzere Rippen. Bevor sie unter einem Winkel von 
etwa 60'' den gekerbten Rückenkiel erreichen, schwellen sie an der 
Gränze des Rückens meistens zu einem länglichen Knoten an. 



kopffCsser. 



301 



Bis über 2' grofs im Plänerkalke von Strehlen und, nach Rö- 
mer, im Hilsthone und Hilsconglomerate von Norddeutschland. 

t 2. G. Hamites^ im weiteren Sinne. Qiamus ^ Haken, Angel.) 

Ammoneen, deren Windungen in oder aufserlialb einer Ebene 
Spiral gewunden oder beliebig gebogen sind, von einander ent- 
fernt liegen oder sich berühren, und im letzteren Falle gar nicht 
oder nur eine Strecke weit involut sind. Sie entsprechen der 
Nautileengattung Lituites. Loben und Sättel sind gezackt und zer- 
schnitten, dafs sie sich hierdurch unmittelbar an die entwickeltsten 
Ammoniten anschliefsen. 

Bevor diese Thiere für immer aus der Reihe der lebenden 
Geschöpfe ausschieden, liefs die Natur, anscheinend mit launen- 
hafter Sorgfalt, sie noch einmal in wunderlichen Formen sich ent- 
wickeln, die auf das Kreidegebirge und zumal auf dessen obere 
Abtheilung beschränkt sind 

Die Hamiten wurden von den Autoren in die hier beschrie- 
nen Untergattungen, jedoch nur künstlich getrennt. 

A. Scaphites Park. Sow. Kahnammonit. Die Schaale 
bildet anfangs mehrere spirale, involute Windungen, welche in 
einer Ebene liegen, wie bei einem ächten Ammoniten, setzt aber 
dann eine Strecke gerade fort und biegt sich zuletzt, mit ihrer 
ovalen Mündung wieder rückwärts gegen die Spirale. Nach d'Or- 
bigny zeigen die Kammerscheidewände aufser den sechs Hauptloben 
noch Hülfsloben, und es könnten defshalb, so wie ihrer lavolu- 
bilität wegen, die Scaphiten noch am ehesten als selbstständige 
Gattung aufgeführt werden. Der Rückenlobus ist eben so lang 
als der obere Seitenlobus, der untere Seitenlobus ist ohngefähr 
um die Hälfte kleiner, und viel kleiner noch sind die übrigen 
Loben. 

H. (S.) aequalis Sow. — Taf. XH. Fig. 1. — S, aeq. und S, 
ohliquus Sow. M. C. tb. 18. — S. costatus und S. striatus Mant. Geol. 
of. Süss. tb. 22. — Br. Leth. p. 728. tb. 33. f. 8. — S. aeq. und S. 
cost. Gein. Char. p. 40. 67. — S. aeq. , S. obl. und cost. Rom. Kr. 
p. 90. — S. aeq. und S. compressus d'Orbigny, Pal. fr. Terr. er. p. 
517. 518. tb. 129. f. 1 — 7; tb. 128. f. 4. 5. — Reufs, Böhm. Kr. p. 23. 



*) Die angeblichen Scaphiten, Hamiten und Turriliten aus der Jura- 
formation, und namentlich aus dem Lias von Frankreich (d'Orbigny, Pal.fr. 
Terr. jur. 1. p. 172. tb. 41. 42.), können füglich für nichts anderes als 
für verdrückte Ammoniten gehalten Averden. Vergl. auch Quenstedt in L. 
Br. J. 1845. p. 86. 



302 



WEICHTHIERE. 



Die Schaale ist elliptisch, quer -gestreift oder gerippt, an den drei 
ersten Windungen sehr involut, am gerade fortlaufenden Theile bauchig 
und nahe der Mündung wieder verengt. Sie wird mit feinen, schwach 
sichelförmig gekrümmten Rippen bedeckt, die sich in zwei bis drei 
andere zertheilen und mit ihnen über den gewölbten Rücken hinweg- 
laufen; an dem gerade fortlaufenden Theile aber stehen die Rippen 
entfernter und schwellen gewöhnlich zu einem oder zwei länglichen 
Knoten an, um hierauf drei- bis sechstheilig über den Rücken zu 
gehen. Bis lg" lang. 

Im oberen Grünsande, im Kreidemergel und in der Kreide von 
England (Yeovil, Lewes, Brighton); in der unteren chloritischen Kreide 
des Pariser Beckens und der Provence; im mittleren und oberen Plä- 
ner bei Hannover, Iburg, Alfeld, Goslar, Liebenburg, Quedlinburg; 
im Plänerkalke von Strehlen und Weinböhla in Sachsen, und Oppeln 
in Schlesien; im Grünsande (bei Kreibitz), im Plänermergel, Pläner- 
kalke und Pyropensande von Böhmen; in der weifsen Kreide von Rügen. 

B. Crioceras (Crioceratites) Leveille. Topaeum Sow. 
Spiralammonit. (yQiog^ Widder.) Die Schaale bildet in einer 
Ebene eine regelmäfsige Spirale, deren Windungen sich nirgends 
berühren. Von den sechs Loben ist der obere Laterallobus der 
längste, und zwar länger als der Rückenlobus. Alle Loben und 
Sättel sind an ihrer Basis schmal und breiten sich an ihrem Ende 
stark aus. 

Man kennt die Crioceraten nur aus dem unteren Kreidegebirge, 
fünf Arten aus dem französischen Neocomien '^■) oder dem englischen 
Speeton Clay *'•') , und zwei aus dem Galt. 

C. Toxoceras d'Orb. B o genammonit, (to§ov^ Bogen; 
xeQag.)^ ist von Crioceras nur daduröh unterschieden, dafs die 
Schaale, anstatt einer regelmäfsigen Spirale, nur einen stark ge- 
krümmten Bogen bildet, welcher Umstand indefs nicht einmal einen 
Artunterschied bedingen kann. 

Wie unverkennbar ist nicht die Aehnlichkeit zwischen Crioceras 
Dumlii Lew. (d'Orb. a. a. 0. tb. 113.) und Toxoceras Duvalianus und 
T. elegans d'Orb. (a. a. 0. tb. 117.) selbst in den Loben! und alle 
drei wurden im unteren Neocomien von Caslellane (Basses-Alpes) ge- 
sammelt. 

D. Ancyloceras d'Orb. (äyxvXogy krumm.) Wie sich Crio- 
ceras zu Ammonites verhält, so Ancyloceras zu Scaphiies, indem 



*) d'Orb. Pal fr. Terr. er. 1. p. 457—472. tb. 113—115. 
*♦) Phillips, GeoL of Yorkshire, P. U. ib. 1. /. 29. 



kopffCssbr. 



303 



die Schaale in einer Ebene einige regelmafsig-spirale, sich nicht 
berührende Windungen macht, hierauf ein Stück ziemlich gerade 
fortsetzt, und sich endlich hakenförmig der Spirale wieder zu- 
kehrt. Die sechs Loben sind sehr ungleich und denen der Crio- 
ceraten sehr ähnlich. 

d'Orbigny beschreibt elf Arten von Ancyloceras , aus dem Neo- 
comien von Frankreich, welche, nach ihm, von den in unteren Kreide- 
bildungen Englands vorkommenden '^■) verschieden sind. 

E. Hamiles Park. d'Orb. Hakenammonit. (hamus, Haken.) 
Hierunter begreift d'Orbigny nur diejenigen Hamiten, deren Schaale 
lang -elliptische Krümmungen in einer Ebene bildet. In Bruch- 
stücken erscheinen dieselben parabolisch, hakenförmig oder fast 
gerade. Unter den sechs sehr ungleichen Loben ist der gröfste 
der obere Seitenlobus, welcher stets zweilappig und kürzer als 
der Rückenlobus ist. Auch ist in einigen Arten der Bauclilobus 
zweilappig. 

Die Arten kommen in allen Schichten des Kreidegebirges vor. 

H. rotundus Sow. M. C. Ib. 61. f. 2 — 4. — Brongn. descr. 
des env. de Paris, tb, 7. f. 5. 6. (//. mrgulatus), — Fitton, a. a. 0. 
tb. 12. f. 2. — Br. Leth. tb. 33. f. 9. — d'Orb. Pal. fr. Terr. er. 
tb. 132. /*. 1—4. — Taf. XII. Fig. 4. u. 4. A (Loben). 

Die Schaale ist im Durchschnitte kreisrund, mit einfachen und 
gleichen Rippen bedeckt, welche etwas schiefe und verbogene, eng 
an einander liegende Ringe bilden. Querdurchschnitt kreisrund. 

Die Loben und Sättel dieser Art sind in Fig. 4. A. zum ersten 
Male gezeichnet, und, den Rückenlobus ausgenommen, ziemlich richtig. 
Es sollte in letzterem die Entfernung seines tiefsten Endes bis zu dem 
Befestigungspunkte am Sipho ohngefähr seiner ganzen Tiefe betra- 
gen. Der obere Seitenlobus, mit seinen beiden, wieder zweitheiligen 
Armen ist um ^ tiefer als der Rückenlobus, während der untere Sei- 
tenlobus (l) kaum die Tiefe des letzteren erreicht. Der Bauchlobus 
(V) gleicht ohngefähr dem oberen Seitenlobus, ist aber um \ kleiner 
als er. Die oberen Enden der Sättel fallen in die Richtung einer 
Rippe, sind an der Basis eng, breiten sich nach oben aus, theilen 
sich oben in zwei Hauptarme, und diese wieder in zwei Nebenarme 
(welche Eigenthümlichkeit in der Zeichnung nicht gut hervortritt). 



*) Harn, grandis und //. gigas Sow, (M. C. tb, 593.), Scaph. HUsti 
Sow. b. Fitton (a. a. O. tb. 25. f. 2.), aus dem unteren Grünsande; H. in- 
termedius und H. Beanii Phill. {YorksJi. IL tb. 1. f. 22 u. 28.) aus dem 
Speeton Clay. 



304 WEICIITIIIBRB. 

Im Galt von England und Frankreich, im Plänermergel von Böh- 
men, im Plänerkalke von Böhmen und Sachsen. 

Der dem H. rotundus sehr ähnliche H. attenuatus Sow., wel- 
cher mit ihm um so eher verwechselt werden kann, als er mit ihm 
zusammen vorkommt, weicht in der Lobenbildung von ihm ab. Nach 
d'Orbigny's Zeichnung sind die Loben von H. attenuatus an der Basis 
weniger schmal und der Bauchlobus ist nicht zweitheilig. Wie selten 
glückt es aber, Exemplare mit Loben zu finden! 

H. ellipticus Mant. Geol of Süss. tb. 23. f. 9. — Rom. Kr. 
tb. 14. f. 5. — Gein. Char. p. 41. 

Die Schaale ist seitlich zusammmengedrückt und im Querdurch- 
schnitte elliptisch. Glatte, fast gerade Querrippen, die durch ihren 
gleich breiten Zwischenraum getrennt werden, erheben sich jederseits 
an der Gränze des Rückens zu einem spitzen Knötchen. 

Im Plänerkalke von Strehlen, im Pläner bei Hildesheim und in 
England. 

H. armatus und H. plicatilis Sow. M. C. tb. 168. u. tb. 234. 
f. 1. — Mant. Geol. of Süss. tb. 23. f. 1. 2. — Rom. Kr. tb. 14. f. 7. 

— Gein. Char. tb. 12. f. 4; tb. 14. f. 2; Kiesl. p. 8. tb. 5. f. 1. 2. 

— d'Orb. Pal. fr. Terr. er. p. 547. tb. 135. — Reufs, Kreidev. tb. 7. 
f. 5. 6. — Taf. XII. Fig. 2 u. 3. 

Er windet sich nicht nur in einer Ebene, sondern häufiger noch 
aus derselben heraus (Fig. 3.) und bildet dadurch einen förmlichen 
Uebergang zu den Turriliten. Im letzteren Falle liegen die Wind- 
ungen gewöhnlich von einander entfernt, bisweilen aber auch, wie 
es Römer's Abbildung zeigt, thurmförmig auf einander. Die Ober- 
fläche ist gerippt; zwischen gröfseren Rippen, welche gewöhnlich 
vier Reihen von Dornenknoten auf den Seiten und dem Rücken tragen, 
liegen drei bis sechs, gewöhnlich aber fünf feinere Rippen. 

Im Galt, oberen Grünsande, Kreidemergel und in den diesen 
Bildungen entsprechenden Schichten von Deutschland, Frankreich und 
England. 

F. Turrilites Montf. Thurmammonit. {turris^ Thurm.) 
Die bald rechts, bald links gewundene Schaale ist thurmförmig; 
ihre Windungen liegen meistens eng auf einander (Turrilites)., 
bisweilen jedoch auch von einander entfernt (Helicoceras d'Orb.) 
Von den sechs Loben ist der Rückenlobus meistens kürzer als der 
obere Seitenlobus, selten länger als er. 

So wie Hamites armatus bisweilen als Helicoceras und selbst 
als Turrilites auftritt, so findet sich umgekehrt Turrilites polyplocus auch 
als Helicoceras. 



kopffCsser. 



305 



H. (T) polyplocus Rom. Kr. p. 92. tb. 14. f. 1. 2. — Gein. 
Char. tb. 13. f. 1. — Kiesl. p. 8. tb. 5. f. 4. — T. Senequierianus 
d'Orb. Pal. fr. Terr. er, p. 579. tb. 141. f. 1. 2. — Taf. XII. Fiff. 5. 
(verkleinert und nach mehreren Exemplaren ergänzt.) 

Die Schaale macht mehrere stark gewölbte und fein gerippte 
Umgänge, welche sich gewöhnlich berühren, ausnahmsweise jedoch 
auch (Kiesl. tb. 5. f. 4.) von einander entfernt liegen. Die Anzahl 
der Rippen auf jedem Umgange ist ohngefähr 60 — 70. 

Häufig im Plänerkalke von Strehlen und Weinböhla in Sachsen, 
seltener in dem von Hundorf in Böhmen und Oppeln in Schlesien, 
im Kreidemergel bei Dülmen und Lemförde, und im oberen Galt bei 
Aiglun (Var) in Frankreich. 

T, undulatus Sow. M. C. tb. 7b. f. 3. — Mant. Geol. of Süss, 
tb. 23. f. 14. 16. — Gein. Char. tb. 13. f. 3. — T. Scheuchzerianus 
Bosc, d'Orb. PaL fr. Terr. er. p. 602. tb. 146. f. 3. 4. — Reufs, 
böhm. Kreidev. p. 24. tb. 7. f. 8. 9. 

Auf jeden Umgang der thurmförmig gewundenen Schaale kom- 
men nur 18 — 25 breite und stumpfe, fast gerade Rippen, über Avel- 
che, so wie über die Zwischenräume feine Längs- oder Querlinien 
hinweglaufen. 

Im oberen Grünsande von Czencziz und Malnitz in Böhmen, im 
Plänerkalke von Strehlen, im grünen Kalkmergel Englands, und in 
chloritischer Kreide Frankreichs. 

T. eos latus Lam., Sow. M. C. tb. 36. — Brongn. Env. de Par. 
tb. 7. f, 4. — Mant. Geol. of Süss. tb. 23. f. 15, tb. 24. f. 1 — 5. 

— Br. Leth. tb. 23. f. 7. — d'Orb. PaL fr, Terr. er, tb. 145. — 
Röm. Kr. p. 91. 

Die Längsrippen, deren Anzahl zwischen sechzehn und zwanzig 
wechselt, zertheilen sich in zwei bis drei Höcker, von denen der 
obere länglich ist. 

Im Grünsande von England, im Kreidemergel von Frankreich 
(in der mittleren chloritischen Kreide des Pariser Beckens und in der 
Provence), im Flammenmergel bei Langelsheim und im Pläner bei Sar- 
stedt und Rethen. 

H. (T.) tuberculatus Sow. M. C. tb. 74. — Mant. Geol. of 
Süss. tb. 24. f 7. — T. Bergeri Brongn. Em. de Par. tb. 7. f. 3. 

— d'Orb. Pal. fr. Terr. er. tb. 143. f 3—6. (T. Bergeri) u. tb. 
144. f. 1. 2. 

Diese Art unterscheidet sich von der vorigen durch einen Höcker 
mehr in jeder Rippe. Die oberen Höcker sind länglich, die unteren 
kleiner und rund. 
Geinitz, Versteinerangskande, ^ 20 



306 AVEICIITIIIERE. 

Im Kreideniergel (Plänerkalke) von Ringmer in England, Salz- 
gitter, Langelsheim und Alfeld in Deutschland, im oberen GauU und 
in der unteren chloritischen Kreide von Frankreich. 

G. Ptychoceras d'Orb. (tctv/j)^ Falte.) Die Schaale bil- 
det einen geraden Stab, welcher sich so schnell zurückbiegt, dafs 
das zuriickgebogene Stück ganz auf ihm aufliegt. Die Mündung 
ist rund oder oval. Von den sechs Loben ist der obere Seiten- 
lobus kürzer als der Rückenlobus, und der untere Seitenlobus 
wieder um ^ kürzer als der obere. 

d'Orbigny beschreibt zwei Arten aus dem Neocomien des Dep. 
Basses-Alpes. 

t 3. G. Baculites Lam. Stabammonit. (baculum^ Stab.) 

Ein Ammonit, dessen Schaale geradlinig ist, und der sich 
zu den Ammoneen verhalt, wie Orthoceratites zu den Nautileen. 
Der Sipho liegt auf der schmäleren Seite, die daher Rückenseite 
ist. Der Rückenlobus ist gleich lang oder kürzer als der obere 
Seitenlobus. Der Rückensattel ist breit. Der untere Seitenlobus 
ist kürzer als der obere. Bisweilen ist der Bauchsattel sehr klein 
oder fehlt ganz. Der Bauchlobus ist sehr klein und aus unglei- 
chen Theilen gebildet. 

B. incurvatus Dujardin, d'Orb. Pal. fr. Terr. er, p. 564. tb. 
139. f. 8—10. — Gein. Kiesl. p. 9. tb. 1. f. 5. — Taf. XIL Fig. 6. 
(^); a. (eine Kammervvand und Loben). 

Im Durchschnitte oval, auf der Rückenseite stumpf gekielt. Die 
Seifen sind in der Nähe der Bauchseile mit einer Reihe entferntste- 
hender, runder Knoten besetzt. Oberfläche mit stärkeren und schwä- 
cheren Faltenlinien bedeckt, welche von der Rückenseite herablaufen und 
mit einem Sinus sich in der Nähe der Knoten nach der Bauchseite 
wieder heraufbiegen. 

Im oberen Grünsande von Kieslingswalda in der Grafschaft Glatz, 
und am Salzberge bei Quedlinburg; nach d'Orbigny in der Tuffkreide 
der Touraine. 

B. anceps Lam. — Nilss. Petr. Suec. tb. 2. f, 5. — His. Leth. 
Snec, p. 31. tb. 4. f. 2. — Br. Leth. p. 732. tb. 33. f. 6. — d'Orb. 
Pal. f. Terr. er. p. 564. tb. 139. f. 1—7. — Reufs, böhm. Kr. p. 24. 
Ib. 7. f. 1. 2. Hierzu nach d'Orbigny: ß. vertebralis Defr., B. dis- 
similis Desm. und B. Faujasä Haan. 

Der vorigen Art sehr ähnlich, jedoch ohne Knoten. 

Im Plänermergel und Pyropensande von Böhmen, im Plänerkalke 
von Sachsen, Oppeln in Schlesien, im diesen entsprechenden Kreide- 



KOFFFÜSSBR, 



307 



mergel bei Aachen, Lemförde, Blankenburg, im Baculitenkalke bei 
Valogne (Manche); in der Kreide von Rügen, bei Balsberg, Kjuge- 
strand und Köpinge in Schweden. 

t 4. G.? Conoceras Bronn. Kegelhorn, (y.wvog^ Kegel.) 

Nach Bronn ist die Schaale kegelförmig, kurz, gerade; 
die Spitze abgerundet, die Scheidewände stehen dicht beisammen, 
und der Sipho liegt, wie es scheint, dicht am Rande, so dafs 
man in dieser Gattung, Wenn sich die Lage des Sipho bestätigen 
würde, mit Quenstedt '*"'*) einen gestreckten Goniatiten erblicken 
müfste. 

C. angulosa Br. wurde, mit Orthoceratiten zusammen, am Hu- 
ronensee in Nordamerika aufgefunden. 

Anhang. 

t Aptychus H. v. Mey. Unfalter. (ä, nTv/tj, Falte.) (Trigo- 
nellites Park., Tellinites und Solenites Schloth., Lepadites 
Germ., Ichthyosiagones Bourdet, Münsteria des 
Longchamps.) 

Ein- noch immer problematischer Körper, welcher aus zwei 
dreiseitigen Schaalen besteht, die sich zu einander wie. rechts zu 
links verhalten, und die gewöhnlich, in der Form der Fig. 9. auf 
Taf. XIL, neben einander ausgebreitet liegen. Selten findet man 
sie zusammengeklappt, am häufigsten einzeln. Die eine Fläche 
ist gewölbt, die andere vertieft. Der eine (innere) Rand, mit 
welchem die Schaalen an einander liegen, ist gerade; an diesen 
gränzt, bald stumpf-, bald rechtwinkelig, der eine äufsere, ge- 
wöhnlich etwas concave Rand an; der andere Theil des äufseren 
Randes, welcher der von jenen Seiten gebildeten Ecke gegenüber 
liegt, ist meistens der längste und bogeuartig convex. Neben dem 
inneren Rande der einen Schaale sieht man eine flache Vertiefung 
herablaufen, welcher eine flache Erhöhung der anderen Schaale 
entspricht. Es kommen dick- und dünnschaalige Arten vor. 

Von den ersteren unterscheidet H. v. Meyer *'"' *) solche , deren 
Oberfläche glatt ist, als Laaves^ und zwar breite Formen (A. latus), 
und längere Formen (A. longus); und solche, deren Oberfläche ge- 



*) Leth. p. 98 u. 1285. 
**) L. Br. J. 1838. p. 166. 

***) Act. Ac. Caes. etc. XV. 2. p. 165. — Mus. Senckenb. 1833. /. p. 
24. 25. tb. 2. /. 19—22. — L. Br. J. 1838. p. 416. 

20" 



308 



W'EICIITHIERB. 



streift ist, als Jmbricati ^ und zwar mit zahlreicheren und tieferen 
Streifen (^4. profundus)^ und mit wenigen und flachen, an der Kante 
gekörnten Streifen (Ä. depressus). 

Die dünnschaaligen Arten gehören alle zu den längeren gestreif- 
ten Formen, und haben zum Theil auf ihrer Oberfläche erhabene Wülst- 
chen. Unter ihnen hat A. ovatus einen ovalen Umrifs, A. bulla- 
tus eine etwas spitzere Form und ist mit gekörnten Wülstchen be- 
deckt; auf dem noch spitzeren A. elasma gleichen die Wülstchen 
mehr vertieft liegenden Streifen. 

r. j/1 j)|g (jicke kalkige Schaale der glatten Aptychen ist auf der 
gewölbten Oberfläche glatt und besteht aus lauter kleinen, dicht 
an einander stehenden Zellen, welche nach Abreibung der sehr 
dünnen, oberflächlichen Schicht die ganze Oberfläche porös er- 
scheinen lassen. Voltz nennt sie daher Cellulosi. Ihre concave 
Fläche ist parallel dem äufseren Rande gestreift, welche Streif- 
ung, nach Voltz ■ ) und Coquand "''"' ) , von einer hornigen Schicht 
herrührt. 

Eine solche hornige Schicht scheint keiner Äptychus- Art ge- 
fehlt zu haben, und bei mehreren dünnschaaligen Imbricaten, wie 
Ä. elasma, herrscht sie so vor, dafs die kalkige Schicht ganz zu 
fehlen scheint, und dafs dieselben von Voltz als Cornei von den 
übrigen Imbricaten getrennt wurden. Immer hat diese Schicht 
eine von der kalkigen unabhängige Zuwachsstreifung. 

Dafs man es hier nicht mit gewöhnlichen Muschelschaalen zu 
thun habe, wofür die Aptychen früher gehalten wurden, erhellt 
theils aus ihrer Structur und dem Mangel an Muskeleindrücken, 
theils daraus, dafs die beiden auf einander geklappten Hälften sich 
nur in drei Punkten berühren. Wiegen der zweifachen Zuwachs- 
streifung hält V. Meyer die Aptychen für eine aus zwei Hälften 
zusammengesetzte und in dieser Hinsicht Bivalven ähnliche Schaa- 
lenbildung im Inneren eines Weichthieres , und glaubt an den dick- 
schaaligen Arten sogar eine rudimentäre Schlofsbildung zu erkennen. 

Rüppell ■■'''•') hatte zuerst einen Theil der Aptychen für Deckel 
von Ammoniten, in deren Mündung man sie häufig t) findet, ge- 
halten, eine Ansicht, welche von Volz auf alle Aptychen ausge- 

*) L. Br. J. 1837 a. v. O. 
♦*) L. Br. J. 1842. p. 625. 

*+*) Abbild, u. Beschr. einiger neuen oder wenig gekannten Verst. von 
Solenhofen, ]829. 

f) Nach Voltz (L. Br. J. 1838. p. 669) .sitzt fast auf jedem Ammoniten 
von Voirons bei Genf eiii Jptychus. 



KOPFFÜSSER. 



309 



dehnt wurde, gegen welche v. Meyer aber einwendet, dafs der 
lebende Nautilus keinen derartigen Deckel besitzt, dafs mit vielen 
Ammoniten keine Aptychen zusammen vorkommen, dafs man noch 
gar keine den gröfseren Ammoniten entsprechenden Aptychen ge- 
funden hat, dafs bisweilen zweierlei Aptychus- Arien in einem Am- 
moniten, und eine Art Aptychus in verschiedenen Ammoniten-Arten 
vorkommen ''•). 

Coquand (a. a. 0.) hält die Aptychen für innere Schaalen 
und zwar Rückenschilder eines dem Teudopsis Biinellii am näch- 
sten stehenden Ceplialopoden. 

Die verschiedenen Arten kommen fast ausschliefslich im Ooli- 
thengebirge und Kreidegebirge vor; Archiac und Verneuil führen in- 
defs A. antiquus Goldf. aus dem Kohlengebirge von Herborn und 
A. vetustus Arch. u. Vern. aus devonischer Grauwacke der Eifel an. 

A. ovatus V. Mey. {Mus. Senckenb. I. p. 24. tb. 2. f. 19.), 

A. elasma v. Mey. {Mus. Senckenb. 1. p. 25. tb. 2. f. 21. 22.) 

und 

A. sanguinolarius Quenst. (Flötzg. Würt. p. 256.) gehören 
zu den hornigen Imbricaten, wie die schwarze Farbe der Schaalen 
anzeigt, und kommen im Lias von Würtemberg vor. Der letztere findet 
sich, nach Quensledt, häufig in den Brüchen von Ohmden immer in 
der Nähe der Mündungen von Ammoniten aus der Gruppe der Fal- 
ciferen. 

A. {Trigon) lamellosus Park. Org. rem. V. 3. tb. 13. f. 10. 
11. — Teilin. solenoides Schloth., Rüpp. a. a. 0. tb. 1. f. 1. 3. 5. — 
Lepad. solen. Germ. — A. imbricatus profundus v. Mey. — Br. Leih, 
p. 467. tb. 15. f. 16. — Hiernach Taf. XH. Fig 11. (4). 

Die innere concave Fläche der kalkigen Schaale ist fein gestreift, 
die äufsere convexe mit nahe an einander siehenden , erhabenen Leist- 
chen bedeckt. 

Diese Art entspricht, nach Quenst. (Flötz. p. 445.), der Mündung 
des Amm. flexuosus, mit welchem sie, neben Planulaten, im lithogra- 
phischen Schiefer Solenhofens häufig zusammen gefunden wird; nach 
Bronn ist sie im Oxfordthone zu Müggendorf (verkiesell) , und zu 
Grumbach bei Amberg (in Hornsteinnieren) eine gewöhnliche Erschein- 
ung; Glocker fand sie in Mähren. 

A. {Trigon.) latus Park. Org. rem. V. 3. tb. 13. f. 9. 12. 

— Tellin. problematicus v. Schlolh., Rüpp. a. a. 0. tb. 2. f. 1 — 3. 

— Lepad. probt. Germ. — A. {laevis) latus v. Mey. — Br. Leih. p. 466. 



, *) L. Br. J. 1842. p. 627. 



310 



WEICHTHIKRE. 



tb. 15. f. 15. — Ziet. Verst. Würt. tb. 37. f. 6. — Hiernach Taf. XII. 
Fig. 9. 10. (i). 

Sehr dickschaalig und breit, auf der inneren Fläche gestreift, 
auf der äufseren (gewölbten) glatt oder punktirt. 

Die Gestalt dieser Art pafst, nach Quenstedt (Flötzg. Würt. p. 
445.), am besten zur Mündung des Amm. injlatus Rein. (Ziet. Verst. 
Würt. tb. 1. f. 5.), mit welchem zusammen sie im mittleren weifsen 
Jura iH Würtemberg an der Altmühl so häufig sind. Auch im oberen 
Jura von Franken sind sie bei Müggendorf, Thurnau , Amberg und So- 
lenhofen sehr gewöhnliche Erscheinungen; nach Bronn kennt man sie 
noch aus dem Oxfordthone des Porrentruy in der Schweiz, und von 
Quenoche in Frankreich. 

Im Kreidegebirge gehören die Aptychen zu den Seltenheiten. 

Coquand beschrieb 1842 (a. a. 0.) mehrere Arten aus dem Neo- 
comien der Nieder- Alpen ; früher schon entdeckte Voltz einen Aptychus 
in der Kreide zu Meudon '••), und 1842 wurden A. cretaceus Münst. und 
A. complanatus Gein. aus dem Plänermergel von Luschitz und dem 
unteren Quader von Tyssa in Böhmen von mir beschrieben '''■■"). 

t Graptolithus L. Prionptus Nilsson. Lomatoceras oder 
Feilenhorn feronn. (y^dq^M^ ich schreibe, ritze; 
lid^og, Stein.) 

In Bezug auf diese noch immer so problematische Gattung, 
welche von vielen zu den Corallen, von einigen sogar zu den 
Pflanzen gerechnet wird haben mich meine Nachforschungen 

seit 1842 nicht eben viel weiter geführt, als ich früher t) schon 
aussprach. Der einzige neue Beitrag zu dem Früheren ist, dafs 
ich an einigen von ihnen Structur fand, und dafs ich mehrere 
der von den gewöhnlichen Formen abweichenden Graptolithen, wel- 
che Hisinger in der Lethaea suecica beschreibt, mit meinen An- 
sichten in Einklang zu bringen suchte. 

Die dünne Schaale der Graptolithen ist linienförmig, gerade 
oder krumm , verläuft hinten (unten) sehr allmählig in eine Spitze, 
ist im Querdurchschnitte eiförmig bis flach zusammengedrückt, ent- 
weder an beiden Rändern gezähnt, oder an einem ganzrandig, in 
welchem Falle die Zähne über einander liegen, und bisweilen so- 



*) L. Br. J. 1838. p. 669. 

**) Char. d. Sch. u. Petr. d. sächs. böhm. Kreideg. III. p. 69. tb. 17. 
f. 25. 27—29. 

♦♦♦j The American Journal by Silliman 1844. V. 47. p. 371—374. 
I) L. Br. J. 1842. p. 697. tb. 10. f. 15—29. 



KOPFFÜSSBU ? 



311 



gar auch an beiden Rändern glatt, eine Folge der Zusammen- 
drückung von oben. 

Schief vom gezähnten Rande herab- oder herauflaufende Schei- 
dewände theilen das Ganze in niedrige und flache Kammern, welche 
durch einen Nahrungskanal (Stpho) verbunden sind, der, wie bei 
den Ammoneen, zwischen den Kammern und der Schaale auf der 
Rückenseite zu liegen scheint. Als eine erhabene und vertiefte 
Linie sieht man denselben, wenn beide Ränder gezackt oder beide 
glatt sind, längs der Mitte herablaufen, wenn aber nur ein Rand 
gezackt ist, längs des glatten Randes oder parallel mit ihm. 

Diese scheinbar so abweichenden Hauptformen der Graptoli- 
then lassen sich leicht mit einander in Einklang bringen, wenn 
wir annehmen, dafs die beiden symmetrischen Hälften eines auf 
beiden Seiten gezackten Graptolithen längs der Mitte so zusammen- 
geklappt waren, wie wir es bei den meisten Arten dieser Gatt- 
ung noch jetzt sehen, dann müssen die Zähne auch paarig stehen, 
oder dicht auf einander liegen. Es scheint, als ob das Thier 
sich nicht willkürlich hätte zusammenklappen können, sonst würde 
man bei einigen Arten, die man stets zusammengeklappt findet, 
auch ausgebreitete Individuen sehen, und umgekehrt. Ein solches 
willkürliches Zusammenklappen würde sich auch nicht mit der, 
wenn auch dünnen, doch festen Schaale verlragen können, die 
man bisweilen die Kammern bedecken sieht, und auf deren frü- 
heres Vorhandensein man durch die ziemlich constante Form der 
Arten geführt wird. Die Annahme, dafs bei den, nur auf einer 
Seite gezähnten Graptolithen im lebenden Zustande sich beide Hälf- 
ten gewölbt gegen einander geneigt haben, findet ihren Beweis 
nicht nur in der Gestalt vieler Exemplare des Gr. Priodon^ son- 
dern erklärt auch recht gut, wie der Sipho häufig mehr oder we- 
niger entfernt vom ungezähnten Rande liegt, welche Lage dann 
durch Zusammendrücken von oben hervorgebracht werden mufste, 
und wie auch beide Ränder bisweilen zahnlos sein können. 

Die inneren^ Theile der Kammerwände sind, ihrer Flachheit 
halber, nur selten noch zu erkennen. 

Die Graptolithen gehören den älteren, silurischen Grauwacken- 
bildungen, besonders dem Thonschiefer und dem älteren silurischen 
Kalke an, wo sie die Begleiter der Trilobiten und Orthocerati- 
ten sind. 

Sie zerfallen in geradlinige und in spiralförmig gebogene. 
Die ersteren entsprechen den Orthoceratiten und Baculiten, die an- 
deren den Lituiten, Cyrtoceratiten und Hamiten. 



312 



WEICHTHIKRK. 



a. Geradlinige. 

1. G. foliaceus Murchison, the Silurian System P. II. p. 694 
— 696 pl. 26. f. 3. 3. a. — Taf. X. Fig. 12 u. 12. a. (vergröfsert). 

Eine flach ausgebreitete Art, deren beide Ränder daher gezackt 
sind. Die Ivleinen Zacken der Ränder sind durch flache Bogen mit 
einander verbunden. Die schwach sichelförmig gebogenen Kammerscheide- 
wände laufen nach dem Sipho herab. Die ganze Oberfläche zeigt eine 
netzförmige Structur, welche ganz ähnlich der von Calamopora spon- 
gites ist. (Eine ähnliche Structur hat, nach Quenstedt ■*') , die Schaale 
des Orthoceratites Wadii Schloth. , welche nach ihm bestimmt nicht 
von Calamoporen herrührt, sondern im Mantel des Thieres ihren Er- 
klärungsgrund finden mag.) 

In den Llandeilo-flags, den ältesten silurischen Schichten von 
Abberreiddy Bay, SW. von Dinas '•••') ? Thonschiefer von Linda bei 
Pausa im sächsischen Voigllande, und im Kieselschiefer von Ronneburg 
(Sachsen - Altenburg). 

G, (F.) Pristis His. {LelL Suec. p. 114. tb. 25. f. 5.), aus 
dem dunklen Grauwackenkalke von Dalecarlien, schliefst sich unmittel- 
bar an G. foliaceus an, nur sind die Zähne spitzer und relativ gröfser. 

G, (P.) Folium His. (a. a. 0. tb. 25. f. 8.), aus dem Thon- 
schiefer von Dalecarlien, scheint das obere Ende einer der beiden 
vorigen Arten zu sein. 

G. dentatus Vanuxem {American Journal by Silliman. 1844. F. 
47. p. 370. PI, 8. f. 2.), aus dem Thonschiefer {Utica Slate) von 
Pensylvanien und Virginien, ist ein G. Pristis mit etwas gedrängter 
stehenden Kammern und spitzeren Zähnen. 

2. G. (L.) Priodon Bronn, Leth. p. 56. tb. 1. f. 13. — Taf. 
X. Fig. 13. (vergröfsertes Stück). 

Eine zusammengeklappte Art, mit eiförmigem Querdurchschnitte 
(etwa wie in der idealen Zeichnung Fig. 13. aus welcher auch 
die Lage des Siphos zu ersehen ist) und rückwärtsgekrümmten, paa- 
rigen Zähnen. Die Scheidewände gehen von den Hakenzähnen schwach 
sichelförmig nach der Rückenseite herab, um sich an dem in einer 
Rinne gelegenen Sipho zu vereinigen. 

In der ältesten Grauwacke von Böhmen, in einem schwarzen 
Grauwackenkalke von Fougerolle bei Caen in der Normandie. 

G. Ludensis Murch. (Sil. S. II. tb. 26. f. 1. 2. — G. virgu- 



♦) L. Br. J. 1840. p. 263. 

*♦) Lond. Ed. Dubl. phil. Mag. V. 20. p. 60. 



KOI'FFÜSSER ? 



313 



latus aus dem Ludlow- Schiefer von England, ist eine Varietät mit 
etwas rückwärts gekrümmteren Haken. 

G. (P.) teretiusculus His. (Leth. S. Suppl. 2. p. 5. tb. 38. 
f. 4.), welcher im Thonschiefer von Fogelsang mit G. sagittarius sel- 
ten vorkommt, scheint nichts anderes als ein vom Rücken aus gese- 
hener G. Priodon oder G. sagittarius zu sein. 

3. G. sagittarius L. und G. scalaris L. (Syst. nat.), His. 
Leth. Suec. tb, 35. 4. 6. — Fucoides serra Brongn. Hist. des veget. 
foss. I. p. 71. pl. 6. f. 7. 8. Taf. X. Fig. 13. 

Diese dünne und lang gestreckte Art ist gleichfalls zusammen- 
geklappt und unterscheidet sich von G. Priodon durch seine geraderen 
Scheidewände und kaum gekrümmten Zähne, welche den Zähnen einer 
Säge auffallend ähneln. Bei dieser Art kommt es nicht selten vor, 
dafs, durch Zusammendrückung von der Rückenseite aus, beide Ränder 
glatt erscheinen , und der G. scalaris L. **) wird sicher nichts anderes 
sein als ein so zusammengedrückter G. sagittarius. 

Beide Abänderungen sind gemein im Thonschiefer Schwedens, 
im Thonschiefer von Linda bei Pausa im sächs. Voigtlande, und von 
Ronneburg im Herz. Altenburg. 

Eine von allen anderen Graptolithen sehr abweichende Form ist 
der von Hisinger (Leth. Suec. tb. 38. f. 3.) abgebildete G. geminus 
His. und der G, Murchisoni Beck (Murch. Sil. S. tb. 26. f. 4. a.), 
da beide zweiarmig sind, indem hier zwei Arme von einem kurzen 
gemeinschaftlichen Stiele symmetrisch fortlaufen. Der äufsere Rand je- 
des Armes ist glatt, der innere gezähnt. G. geminus^ welcher sel- 
ten ist und in Schweden mit G. sagittarius zusammen vorkömmt, hat 
kleine Zähne , welche ganz denen von G. sagittarius entsprechen. 

G. Murchisoni hingegen entspricht seinen Zähnen nach mehr dem 
G. Ludensis (G. Priodon), mit welchem er in England zugleich auch 
auftritt. 

Da ich beide zweiarmige Graptolithen nur nach der Abbildung 
kenne, so kann ich über sie kein sicheres Urtheil gewinnen, möchte 
indefs vermuthen, dafs G. geminus ein G. sagittarius, und G. Murchi- 
soni ein G. Priodon sei, welcher durch irgend eine äufsere Ursache 
der Länge nach in zwei, hinten noch zusammenhängende Hälften ge- 
trennt worden ist. 



*) Jmer. Journ. 47. p. 372. 

**) Dafs in der Zeichnung von Hisinger (Leth. Suec. tb. 35. /. 4. 6.) 
die Kammerscheidewände der beiden Seiten nicht auf einander stofsen, möchte 
ich nur als Verdrückung oder Verschiebung der einen Hälfte betrachten. 
Aehnliches fand ich auch bisweilen an Ronneburger Exemplaren. 



314 



WEICHTHIERE. 



4. G. (Orth.) serratus Schlolh. Nachtr. 1822. tb. 8. f. 3. — 
KnoiT Petrcf. tb. 3. Kap. 4. p. 163; Suppl. tb. 4. C. f. 5 u. 6. z. Th. 
— Taf. X. Fig 12. *. (nach Schlolheim). 

Eine zusammengeklappte Art, wie G. Priodon und G. sagittarius^ 
mit kurzen, spitzen Zähnen und schief nach dem Sipho herauf (nicht 
herab, wie es bei den anderen Arten geschieht) laufenden einfachen 
Scheidewänden. 

Mit G. sagitlarius zusammen bei Ronneburg. 

b. Spiralförmig gebogene. 

5. G. convolutus His. Leth. Suec. p. 114, tb. 35. f. 7. — 
G. spiralis Gein. a. a. 0. — Gezähnelte Lituiten Knorr, Petr. III. Suppl. 
tb. 4. C. f. 5. 6. z. Th. u. tb. 10. f. 1. (ein verkehrt gewundenes 
Exemplar). — Schloth. Nachtr. tb. 6. f. 2. — Taf. X. Fig. 14. 15. 

Anfangs spiral gewunden und dann in eine schwach gebogene 
Linie auslaufend, allermeist an der inneren Seite der Windungen glatt 
und an der äufseren gezähnt. Individuen, bei welchen der innere 
Rand gezähnt und der äufsere ganz ist, verhalten sich zu einander 
wie rechts gewundene Schnecken zu links gewundenen. Uebrigens 
sind sie so selten, dafs ich unter vielen Hunderten, die ich von Ron- 
neburg und Linda bei Pausa kenne, nur ein Ezemplar fand. Vielleicht 
ist das deutliche Exemplar bei Knorr gerade seiner Seltenheit wegen 
abgebildet worden. Die jüngsten Formen (Fig. 15.) besitzen die läng- 
sten, gerade aufrecht stehende oder rückwärts gekrümmte Zähne, so 
dafs hier die Kammern nur mit einem sehr kleinen Theile zusammen- 
hängen. Bei allen Individuen (Fig. 14.) nimmt der Zusammenhang der 
Kammern zu. Der Sipho liegt, je nach der verschiedenen Zusammen- 
drückung, bald unmittelbar am glatten Rande, bald von ihm etwas 
entfernt. 

Im Thonschiefer von Furudal in Dalecarlien, Linda im sächs. 
Voigllande und Ronneburg im Altenburgischen. 

t G.? Conularia Miller. 

Diese Galtung wird gewöhnlich den Cephalopoden, von d'Or- 
bigny *) , de Köninck ' ■* ) und Archiac und Verneuil ** *0 aber den 
Pteropoden zugezählt. 

Nach d'Orbigny ist die Schaale der Conularien gerade, ver- 



♦) Pal. fr, Terr, crct. II. p. 4. 
*♦) Descr. des an. foss. p. 494. 

*♦*) In Murchison, über d. älteren oder paläozoischen Gebilde, p. 188. 



SCHNECKEN. 



315 



längert, pyramidal, sehr dünn, vierseitig, quergefaltet und längs- 
gefurcht, und innerlich in Querkammern getheilt " ). 

Die wenigen bis jetzt bekannten Arten finden sich in oberen 
silurischen und devonischen Bildungen. 

C. quadrisulcata Mill., Sow. M, C. tb. 260. f. 3 — 6, aus 
schotlischem Grauwackenkalke. 

C. teres Sow. M. C. tb. 260. f. 1. 2, mit vorigem zusammen 
oder im Kohlenkalke? 

C. irregularis de Kon. a. a. 0. tb. 45. f. 2, aus dem Koh- 
lenkalke von Tournay. 

^. Ordn. Gasteropoda. Bauchfüfjser. 
I§chneckeii. 

„Leib lang gestreckt, mit deutlichem Kopfe, woran zwei 
oder vier Fühler, die hinteren mit Augen am Grunde oder an der 
Spitze. Am Bauche eine flach ausgebreitete, fleischige Sohle zum 
Kriechen (der sogenannte Fufs, nach dessen Anheftung die Ga- 
steropoden in Halsfüfser und Bauchfüfser im engeren Sinne zer- 
fallen); der Mantel dünn, die Eingeweide einschliefsend , und ge- 
wöhnlich eine spiral aufgerollte Schaale absondernd , in welche, 
wie in den Mantel, das gereizte Thier meist den ganzen Rumpf 
mit dem Kopfe zurückziehen kann. Sie athmen meistens durch 
Kiemen, einige auch durch Lungen." (Burmeister, Grundr. der 
Naturg. 1845. p. 91.) Die mehrsten leben im Meere, viele auf 
dem Lande, wenige in süfsen Gewässern. Die Meeresschnecken 
haben allermeist eine dickere Schaale als die Land- und Süfswas- 
serschnecken. 

Bei den Beschreibungen der fossilen Schaalen folgte ich dem 
von Goldfufs in nachstehenden Worten bezeichneten Sprachge- 
brauche : 

„Die einkammerigen Schneckengehäuse sind entweder kegelförmige 
Röhren oder kreiseiförmige Schüsseln, oder sie bilden spiralförmige 
Windungen oder Umgänge (anfractus) und endigen sich in eine 
Spitze (apex^ mucro^ Vertex). Legt man die Schaale auf die Münd- 
ung (MundölTnung, apertura), welche der Spitze gegenüber als unterer 
Theil (basis) betrachtet wird, so gehen die Windungen von der lin- 



*) Höninghaus, der ein Exemplar der C. quadrisulcata der Breite und 
Länge nach durchsägen liefs, hat darin keine Spur von Kammern entdeckt. 
L. Br. J. 1839. p. 71.) 



316 



WEICHTHIERE. 



ken zu der rechten Hand (cochleae dextrae)^ und nur bei wenigen 
in entg-egeng-esetzter Richtung {cochleae sinistrae). 

In der Milte der Schnecke befindet sich die Säule oder Spin- 
del (columella) ^ um welche die Gänge gewunden sind. Sie ist an 
der Basis entweder abgestumpft (truncata) ^ oder über die Schaale hin- 
aus verlängert (caudata) ^ oder bildet einen offenen Nabel (umbilicus 
pervius) , der nicht selten durch eine Schwiele halb geschlossen ist (um- 
bilicus subobtectus). Die Windungen sind bei einigen von der letzten, 
untersten Windung eingeschlossen (testa involuta)^ oder nur wenig aus 
ihr hervorragend (testa convoluta), bei anderen aber kegel- oder Ihurm- 
förmig hervorstehend (testa turrita). 

Die Linien, worin die Windungen an einander stofsen, werden 
Nähte (sulurae) genannt. Die letzte, gröfste Windung heilst Bauch 
(venter)^ und ihr oberer Theil Rücken (dorsum). Der äufsere Rand 
der Mündung wird Aufsenlippe oder der rechte Rand (labium^ 
labium externum) genannt, und der innere,- welcher sich an die Spin- 
del anlegt, die Innenlippe oder der linke Rand (labium^ labium 
internum). Verlängerungen der Lippe bilden den Schnabel (rostrum)^ 
und ein Fortsatz des Bauches, der Lippe oder der Spindel heifst 
Schwanz (cauda) oder Canal. Häufig bezeichnen Quernähte 
(Mundwülste, mrices) die Stellen, wo im jüngeren Alter die Lippe 
safs. Streifen, welche von der Spitze der Schaale bis zur Basis 
laufen , heifsen Längsstreifen (striae longitudmales) , und solche, 
welche die Längslinien durchkreuzen und der Spirallinie der Windung 
folgen, werden Querstreifen (striae transversales) genannt. Linne, 
Brugiere, Brocchi, Lamarck, Basterot, Sowerby und d'Orbigny betrach- 
teten die Basis der Schaale als den oberen, und die Spitze als den 
unteren Theil." 

Viele Schnecken haben einen Deckel, durch welchen die Münd- 
ung geschlossen wird. 

Die Gasteropoden zerfallen nach ihren Kiemen in sechs ver- 
schiedene Abtheilungen: Nucleobranchiata ^ Nudibranchiata , Tecti- 
branchiata^ Pulmobranchiata ^ Pectinibranchiata und CyclobrancMata^ 
oder Kern-, Nackt-, Dach-, Lungen-, Kamm- und Kreiskiemer *). 



*) d'Orbigny, Pal. fr. Terr. er. II. — d'Orbigny's Systematik der Gaste- 
ropoden, welche hier durchgeführt ist, verdient ihrer Natürlichkeit halber 
den Vorzug vor der künstlicheren Lamarck's, wenn auch die letztere im 
Allgemeinen eine schnellere üebersicht der Gattungen gestattet. Vergl. Des- 
hayes, traite elementaire de Conchyliologie. Paris, 1839. p. 1I3. Die Ein- 
theilung in Phytophagen und Zoophagen hat, nach Deshayes, nur in Bezug 
auf die Schaalen Werth, da unter den ersteren Natica ein gefräfsiger Zoo- 



SCHNECKEN. 



317 



A. Nucleohranchiata d'Orb. Kernkiemer. Heteropoda Lam. 

Kielfüfser. 

Kiemen federbuscharlig^, meistens auf einem Kerne sitzend, 
welcher das Herz trägt. Kopf meistens deutlich, mit Augen, zwei 
Fühlern und einem rüsselförmig verlängerten Maule. Leib gestreckt, 
an der Bauchseite mit einer zusammengedrückten Flosse. 

Sie schwimmen im Meere, den Bauch nach oben gerichtet, 
so dafs die Flosse als Segel dient. 

Nimmt man die von d'Orbigny in diese Abtheilung gestell- 
ten Bellerophons (s. p. 258.) aus , so ist von den Kernkiemern 
bis jetzt nur eine einzige Schaale einer Carinaria aus den mitt- 
leren Tertiärschichten von Turin bekannt. 

B. Nudibranchiata* Nacktkiemer. Tritoniacea Lam. 

Der nackte Körper, auf dessen Mantel die Kiemen bald auf . 
dem Rücken, bald an den Seiten äufserlich befestigt sind, erlaubt 
den Nacktkiemern nicht, sich im fossilen Zustande zu zeigen. 

C. Tectibranchiata. Dachkiemer. Bulleacea und 
Aplysiacea Lam. 

Die Kiemen liegen an der Seite, werden vom Mantel be- 
deckt und haben die Form eines Kegels. Der Fufs ist sehr grofs. 
Einige Dachkiemer sind nackt, andere (Bullaea) haben eine innere, 
noch andere (Bulla) eine äufsere Schaale. Sie können nur mit- 
telst Wassers athmen und gehören vorzüglich den gemäfsigten und 
warmen Meeren an. 

Mit Sicherheit ist nur eine Gattung in der Vorwelt nachge- 
wiesen worden: 

Bulla Lam. Blasenschnecke. Bulla. Hierzu: Bullina 
Ferussac oder Alicula Eichwald. 

Schaale aufgerollt, länglich- oder kugelig- eiförmig, ohne 
Spindel, mit kaum vortretendem Gewinde. Die Mündung hat theils 
die Länge der Schaale, theils erhebt sich das Gewinde ein wenig 
darüber hinaus (Bullina). Die Aufsenlippe ist scharf. 

Einige Arten kommen schon in den Oolithen vor, mehrere 
sind tertiär. 

phag ist, und unter den letzteren sämmtliche Cerithien Phytophagen sind. 
(Menke, Zeitschr. f. Malako -Zoologie. 1844. Febr.) 



318 



\YEV:i[THIB|{E, 



B. lignaria L. — Taf. XVI. Fig. 6. a. b. — Desh. Coq. de 
Par. IL p. 44. tb. 5. /. 4 — 6. — Br. Leth. p. 997. tb. 40. f. 13. — 
Philippi, Beiträge zur Kenntnifs der Tertiärversteinerungen des nord- 
westlichen Deutschlands. Cassel, 1844. p. 51. 

Schaale länglich -eiförmig, nach dem kleinen, etwas vertieften 
Gewinde zu schmäler, quergestreift. Die Mündung erweitert sich nach 
unten beträchtlich. 

Fast in allen Tertiärbildungen und noch lebend im Mittelmeere 
und europäischen Ocean. 

B. cylindroides Desh. Coq. de Par. IL p. 40. tb. 5. f. 22 — 24. 

Schaale fast cylindrisch, an der Basis dünn gestreift. Mündung 
linear, unten etwas erweitert. Das verborgene Gewinde bildet einen 
kleinen Nabel. 

Ziemlich häufig im Pariser Grobkalke. 

B. cylindrica Brug., Desh. Coq. de Par. IL p. 42. tb. 5. f. 
10 — 12. — Br. Leth, p. 998. tb. 40. f. 14. 

Sie wird nach unten zu breiter als die vorige, ist mehr, oval 
als cylindrisch, und (nach Deshayes überall, nach Bronn nur unten) 
quergestreift. 

Im Grobkalke von Paris, Sternberg in Mecklenburg, im kalkfüh- 
renden Sande in Brabant und in der Ukraine, im Londonthone Englands. 

B, (Bullina) Lajonkairiana Bast., Br. Leth. p. 999. tb. 44. 
f. 15. — Alicula Volhynica Eichw. — Phil. Tert. p. 18. 51. 

Diese kleine, olivenförmige, glatte Art, an welcher das Gewinde 
als kleine Spitze die Mündung überragt, bezeichnet das Tegelgebilde, 
obschon sie, nach Bronn, auch früher und später fossil und lebend 
vorkömmt. 

Im Grobkalke Mecklenburgs; im Tegel zu Bordeaux, in Touraine, 
bei Kassel (Wilhelmshöhe), Freden, Wien (Gainfahrn), in Siebenbürgen, 
Volhynien, Podolien ; in der Subapenninenformation Italiens (Nizza, 
Siena), Moreas; und lebend im Mittelmeere. 

D. Pulmohr anchiata. Pulmonata. Lungenschnecken. 

Die Lungenschnecken athmen nur freie Luft und haben, statt 
der Kiemen der anderen Schnecken, an der rechten Seite des 
Mantelrandes eine Oeffnung, den Zugang zu einer Höhle, deren 
Wände einen faltigen Sack (Lunge) bilden. Der Fufs ist mitlei- 
mäfsig grofs. Schaale fehlt oder ist ohne Deckel. 

Sie leben in süfsen Gewässern oder auf dem Lande, und 
nähren sich nur von Vegetabilien. In meerischen Bildungen wird 



SCHNECKEN. 



319 



man die Lungenschnecken vergeblich suchen; im Gegentheil wird 
aber ihr Vorkommen Moräste und Sümpfe, Flüsse und Bäche der 
Vorwelt am besten bezeichnen können. 

Allen älteren Formationen scheinen diese Thiere gefehlt zu 
haben, mit Sicherheit kennt man sie nur aus tertiären Schichten, 
in welchen sie jedoch viel sparsamer als in der jetzigen Schöpf- 
ung waren. 

1. Farn. Ititnaciflae» 

Diese Familie, welche die Gattungen Vaginulus^ Limax, Arion^ 
Parmacellus^ Cryptellus und Testacellus umfafst, begreift Thiere 
nur mit einer inneren, oft gänzlich fehlenden Schaala und scheint 
früher gemangelt zu haben. 

3. Faiii« Colintacidae* 

Körper in einer spiral gewundenen Schaale, mit vier Füh- 
lern, von denen die beiden oberen Augen tragen. Sie leben auf 
dem Lande. Mehrere ihrer Gattungen, welche Vitrina^ Succinea^ 
Helix^ Achatina ^ Bulimus^ Pupa und Clausüia sind, kommen hier 
und da, wie im Süfswasserkalke von Polen *) u. a. 0., fossil vor. 

1. G. llelix L. Schnirkelschnecke. Heiice, (FX/^, 
alles Gewundene») 

Schaale kugelig, niedergedrückt kugelig, fast scheibenförmig 
bis kegelförmig, mit etwas vorstehendem Gewinde. Mündung ganz- 
randig, mit getrennten Rändern, durch das Anlegen an den vor- 
letzten Umgang etwas eingedrückt. Nabel spiralförmig utid tieL 

Die gewöhnliche Weinbergsschnecke, H. pomatia L., und die 
Gartenschnecken geben den Typus für diese Gattung ab, von wel- 
cher man gegen 300 lebende und viele fossile Arten kennt. 

H. Moroguesi Brongn. — Taf. XVL Fig. 5. a. b, — Desh. 
Coq. de Par. p. 55. tb. 6. f. 1. 2. 4. 

Schaale fast kugelig, glatt, aus sechs gewundenen Umgängen 
bestehend. Bei grofser Aehnlichkeit mit H. nemoralis L. wird sie 
ohngefähr breit und um -J etwa niedriger. 

Mit Lymneen zusammen, kommt sie in einem Sumpfkalke von 
Paris, der zu den oberen Schichten des Pariser Beckens gehört, und 
im tertiären Sandsteine von Falkenau in Böhmen vor. 



+) Pusch, Polens Palaeontologie. Stuttgart, 1837. p. 185. 



320 



WEICHTHIERE. 



3. Farn. Auriculidae d'Orb. 

Der Körper ist in einer spiral gewundenen Schaale einge- 
schlossen, deren Spindel gefaltet ist. Am Kopfe stehen zwei Füh- 
ler und an der Basis derselben die Augen. Sie leben bald im 
Wasser, bald auf dem Lande. 

Ihre Gattungen, CaricMum^ Scarabaeus und Auricula, schei- 
nen nicht. fossil zu sein, 

4:. Farn. JDymneidae d'Orli. 

Körper in einer Schaale, mit zwei zusammenziehbaren Füh- 
lern. Sie leben nur im Wasser. 

Unter den hierzu gehörigen Gattungen: Lymneus^ Chilina^ 
Physa^ Planorbis und Ancylus, ist die am gewöhnlichsten fossil 
vorkommende : * 

1. G. Limneus (Lymneus^ Lymnaeus ^ Lymnea^ Limnaea, 
Limnea) Lam. (li/nv?]^ Sumpf.) 

Schaale dünn, länglich, mit stark hervortretendem Gewinde, 
einer ganzrandigen , länglichen Mündung, scharfer Aufsenlippe, die 
sich unten als schiefe Falte unter die Spindel herabzieht, um sich 
an dieser spiralförmig emporzuwinden. 

Als Typus für diese Gattung gilt der in Sümpfen so gemeine 
L. stagnalis Müll. Eine diesem sehr ähnliche Art kommt , mit Helix 
Moroguesi zusammen, bei Falkenau in Böhmen vor. 

2. G. Physa Draparnaud. Bulin Adanson. {(fvodo), aufblähen.) 

Walzen- oder eiförmig aufgerollt, mit sehr vorstehendem 
Gewinde und einer länglichen, oben eckigen Mündung. Die dünne, 
scharfe Aufsenlippe biegt sich nach innen unter die gewundene 
Spindel. 

Ph. columnaris Desh. (Coq. de Par. II. p. 90. tb. 10. f. 11 
u. 12.) ist eine sehr verlängerte, fast walzige Art, welche gegen 2i" 
lang wird. 

Tertiär bei Paris. 

3. G. Planorbis Müller. Tellerschnecke, (planus, platt; 
Orbis, Kreis.) 

Schaale scheibenförmig aufgerollt, so dafs alle Umgänge von 
unten und oben noch sichtbar sind. Mündung länglich und durch 
das Hereintreten der vorletzten Windung etwas mondförmig. 

Mehrere Arten beschreibt Pusch aus dem Süfswasserkalke von 

Polen. 



SCHNECKEN. 



321 



E. Pectinibranckiata, Kammkiemer. 

Die Kiemen liegen im Nacken des Thieres In einer beson- 
deren Höhle, und haben, wie die Fischkiemen, ein kammförmiges 
Ansehen. Kopf deutlich und mit zwei Augen versehen. Fast 
immer wird das Thier von einer spiral gewundenen Schaale be- 
deckt, deren Mündung mit einem hornigen oder kalkigen Deckel 
zu verschliefsen ist. 

Diefs ist die umfassendste Abtheilung der Gasteropoden, aus 
welcher alle neptunischen Formationen Gattungen umschliefsen. In 
der Vertlieilung jener Gattungen, Arten und Individuen in den 
verschiedenen Schichten der Erdrinde spricht sich abermals das 
Streben der Natur, eine immer gröfsere Vollkommenkeit zu er- 
reichen, auf das deutlichste aus. 

In kleiner Zahl zeigen sich die Arten und Individuen zuerst 
in silurischer Grauwacke; viel zahlreicher, jedoch noch wenig von 
einander verschieden, verbreiten sie sich in dem Kohlengebirge. 
Noch immer von einförmigem Charakter, hat die Zahl der Indivi- 
duen im Muschelkalke schon so zugenommen, dafs einige Natica- 
Arten hier ganze Schichten erfüllen und grofsentheils gebildet zu 
haben scheinen; im Oolithengebirge gesellen sich mannichfaltigere 
neue Gattungen den früheren bei, oder die früheren werden durch 
entwickeltere Formen ersetzt; im Kreidegebirge vermehren sich 
die Arten und Individuen bedeutend, und in tertiären Gebilden 
findet man fast alle in der Jetztwelt noch lebenden Gattungen 
durch eine, wenn auch bisweilen nur geringere, Anzahl von Ar- 
ten vertreten. 

1, Farn. Cyclostomidae d'Orli. 

Das Thier trägt zwei spitz kegelförmige, zusammenziehbare 
Fühler^ an deren Basis die Augen sind. Kopf rüsselförmig. Schaale 
spiral gewunden. Es sind Landbewohner, welche unseren Erdball 
zuerst in der Tertiärzeit betraten. 

Odontostoma diOvh. \ä% noch nicht fossil beobachtet worden. 

1. G. Helicina Lam. (eli'^y das Gewundene.) 

Schaale niedergedrückt, nicht glänzend glatt (wie bei Odon- 
topleura). Mündung halbmondförmig, öfters mit einem zurückge- 
schlagenen Rande (Mundsaume). Spindel schwielig, aber ohne 
Fallen. 

Dieser Gattung wurden bisher einige Arten zugeschrieben, wel- 
che anderen Gattungen zuertheilt v, erden müssen. So bildet //. com- 

Geiiiitz, Versteiueriingskuude. 21 



322 



>VEICnTlIIEHE. 



pressn Sow. (M. C. tb. 10. f. 1 — 3.), aus dein Lias von Loiceslershire, 
nach Agassiz ein neues Genus: Ptychomphalus Ag. 

2. G. Cyclostoma Lam. {xvylog, Kreis; orofia, Mund.) 

Sclmale verlängert oder niedergedrückt, nicht glänzend glatt. 
Mündung kreisrund, mit vereinigten, gewöhnlich zurückgeschlage- 
nen Rändern. Spindel glatt. Deckel spiral. 

Hier und da vielleicht in tertiären Schichten und im Diluvium. 
(Vergl. Pusch, Pol. Pal. p. 95.) 

t 3. G. Strophostoma Desh. Ferussina Grateloup. 
Feriissacia Leufroy. (oTQOffog, ein gedrehetes 
Band; oTOfiiu^ Mund.) 

Schaale kugelig -eiförmig; Mündung rund, ganzrandig, schief, 
einfach und nach oben gerichtet. Nabel mehr oder weniger weit, 
nach Leufroy bisweilen ganz fehlend. 

Die Arten scheinen alle den mittleren und oberen Tertiär- 
schichten zuzukommen. 

Bronn beschreibt von ihnen vier (Leth. p. 1013), unter 
welchen 

St. tricarinatum Braun (L. Br. J. 1838. p. 291. tb. 2. A.) 
in der Nähe von Hochheim im Mainzer Becken mit Arten von Cyclo- 
stoma und Helix zusammen gefunden wurde. 

Die Windungen sind rundlich und durch drei Kiele (an der obe- 
ren und an der unteren Naht und an dem Rande des weiten Nabels) 
etwas dreiseitig. 

9. Farn. JLmpullaridae d'Or1>. 

Thiere mit kammförmigen Kiemen und aufserdem einem Lun- 
gensack, so dafs sie einen Theil des Jahres auch aufser dem 
Wasser leben können, während sie eigentlich Flufsbewohner sind. 
Schaale spiral, mit ovaler, ganzrandiger Mündung; von Natica, 
mit deren Schaalen man sie häufig verwechselt hat, durch eine 
nicht schwielige Spindel und durch eine dünne, mit einer dicken 
Oberhaut bedeckten Schaale unterschieden. 

Die Mitglieder dieser Familie, Ampullaria Lam., mit läng- 
licher, aufgequollener Schaale, Ceratodes Guilding, mit nieder- 
gedrückter Schaale, und Ampulloides d'Orbigny, mit bauchiger 
Schaale, leben noch in süfsen, Gewässern der wärmeren Zone und 
sind in keinem Falle älter als tertiär. 



SCHNECKEN. 



323 



3. Farn. Paludinidae d'Orb. 

Die Tliiere dieser Familie haben zwei conisch- pfriemenförmige 
Fühler, vor welchen die Augen stehen, einen riisselförmigen Mund 
ohne oder mit zurückziehbarem Rüssel, einen ganzen oder an den 
Seiten ausgeschnittenen Mantel. Ihre Schaale ist mehr oder weni- 
ger verlängert, spiral, von verschiedener Form, und hat eine 
ganzrandige Mündung. 

Truncatella Risso ist nicht fossil gekannt. 

1. G. Faludina Lam. Sumpf s chnecke. Vivipara Montf. 
{palus^ Sumpf.) 

Schaale oval bis kegelförmig, mit ovaler Mündung, deren 
Ränder sich oben in einem Winkel vereinigen. Deckel hornig. 

Die lebenden bewohnen die süfsen Gewässer; mehrere fossile 
Arten umschliefsen oft in grofser Anzahl die Wealdenformation Eng- 
lands *) und einige tertiäre Süfswassergesteine. 

P. pygmaea Fer. — Taf. XV. Fig. 23. Nach Desh. Coq. de 
Par. p. 130. tb. 15. f. 9. 10. — Pusch, Pol. Pal. p. 95. 

Schaale spitz kegelförmig, glatt, mit sechs gewölbten Umgängen. 
Sie ist eine der längeren Formen und kommt, nach Deshayes, in mit- 
tel-tertiären Schichten von Montmorency und Palaiseau, und, nach Pusch 
mit P. inflata Fer. zusammen, im Bassin von Mainz, besonders bei 
Laubenheim und Hombach, zu Millionen zusammengehäuft vor. Diese 
beiden Arten sind nach diesem Gelehrten fast eben so häufig im so- 
genannten Grobkalke von Horostkow in Ostgalizien, in den Muschel- 
sanden Volhyniens und Podoliens, und im oberen Cerithiensandsteine 
der Gegend von Szydlow in Polen. 

Da sie indefs an den letzteren Orten mit Cerithien und anderen 
Meeresgeschöpfen ihren Aufenthalt theilten, so möchten sie wohl eher 
der folgenden Gattung einverleibt werden. 

2. G. Paludestrina d'Orb. Hydrobia? E^Lrlm. Bithynia? Gray. 
(paludester^ sumpfig.) 
Die Schaale entspricht ganz jener der Paludinen, das Thier 
bewohnt aber die Meeresküsten und die Mündungen grofser Flüsse. 

3. G. Melania Lam. (f^aXag^ schwarz.) 
Schaale thurmförmig, mit einer dicken Oberhaut bedeckt. 
Mündung oval; Aufsenlippe buchtig, etwas nach vorn gewendet. 
Deckel hornig. 



*) Sowerby, M. C; Fitton, ohservat, of the strata etc.; Mantell, Geol 
of Sussex etc. 

21 * 



324 



WEICHTIIIBKE. 



Die lebenden Melanien halten sich nur in süfsen Gewässern 
wärmerer Gegenden auf; die fossilen sind daher auch nur in Siifs- 
wassergebilden zu suchen, und zur Zeit nur aus tertiären Schich- 
ten bekannt. 

Alle Schaalen aus marinen Formationen, die ihrer äufseren 
Aehnlichkeit halber bisher der Gattung Melania zugezählt wur- 
den, sind den Gattungen Eulima^ Pyrgiscus und Rissoma zuzuer- 
kennen. 

Die Untersuchung der Steinkerne sogenannter Melanien aus älte- 
ren Formationen, welche mit den wahren Melanien insbesondere nur 
darin übereinstimmen , dafs ihre Mündung ganzrandig und die Spindel 
glatt ist, führte auch Agassiz zu der Annahme, dafs jene keine wah- 
ren Melanien seien , da bei ihnen die Art ihrer Aufrollung eine ganz 
andere sei '•'). 

4. G. Melanopsis Lam. Melanopside. (Melaniä; 
oyjig^ Ansehen.) 

Schaale fast spindelförmig oder cylindrisch- kegelförmig, mit 
ganzrandiger , ovaler, oben zugespitzter, unten etwas ausgerande- 
ter Mündung. Die rechte Lippe legt sich oben an den letzten 
Umgang an, die innere Lippe ist schwielig und die Spindel ge- 
krümmt und unten abgestutzt. 

Süfswassergattung der gemäfsigten Zone, und tertiär. 

M. Martiniana Ferussac. — Taf. XVL Fig. 1. a. b. 

Schaale eiförmig, nach unten und oben verengt, mit ganz nied- 
rig kegelförmigem Gewinde. An dem oberen Ende der sich weit 
heraufziehenden rechten Lippe beginnt ein starker, stumpfer Kiel, wel- 
cher parallel der Naht auf dem letzten Umgange bis an die Mündung 
läuft und da, wo er mündet, die Lij)pe ein wenig zurückbiegt. Aufser 
unregelmäfsigen Zuwachsstreifen ist die Oberfläche glatt. Das Gewinde 
tritt bald mehr bald weniger als bei dem abgebildeten Exemplare 
hervor. Sie steht der M. carinata Sow. am nächsten. 

Im Tegelsande von Bisens im südlichen Mähren durch Glocker, 
am Lager Wäldchen und bei Gumboldskirchen bei Wien durch v. Hol- 
ger entdeckt. 

5. G. Turritella Lam. Thurmschnecke, (turris, Thurm.) 

Schaale lang kegelförmig bis thurmförmig, mit einer runden 
oder vierseitigen ganzrandigen Mündung, deren Ränder hinten ge- 
trennt sind. In der Aufsenlippe zeigt sich öfters eine Bucht. Ein 



*) Sowerby's Mineral- Conchologie. Solothurn, 1842. p. 67. 



SCHNECKEN. 



325 



aus sehr zahlreichen Umgängen gebildeler horniger Deckel , so 
wie ein mehr ausgebreiteter Mantel und die kürzere , rundlichere 
Mündung unterscheiden die Turritellen von den Melanien. 

Turritellen werden schon aus dem Grauwackengebirge und 
dem Kohlenkalke ■') angeführt, doch rechnet de Köninck diesel- 
ben meistens den Gattungen Murchisonia und Pyrgiscus (Chetn- 
tiitzia) zu. 

? T. acus (sarcata) v. Buch, Gon. ii. Clym. p. 18. f. 16. — 
Arch. u. Vern. a. a. 0. p. 190. — Taf. XIV. Fig. 8. 

Pfriemenförmig , kaum lO'" lang, mit zehn Windungen, die in 
der Mitte einen kielartigen stärkeren, und zu beiden Seiten einen 
schwächeren Querstreifen haben. Sie ist vielleicht eine Murchisonia. 

In einem dem Kohlenkalke entsprechenden Schiefer bei Hausdorf 
in der schlesischen Grafschaft Glatz. — 

Im oberen Zechsteine von Altenburg finden sich kleine Stein- 
kerne, die zwar das Ansehen von Turritellen haben, allein keine nähere 
Bestimmung zulassen. Das Letztere gilt auch für die folgende Art. 

? T. ohliterata Goldf. P. III. p. 106. tb. 196. f. 14. — Al- 
berti, Monographie d. bunten Sandsteins u. s. w. p. 237. — ? T. (Ro- 
stellaria) sca/a/a Goldf. , Aut. , Gaea v. Sachsen, p. 103. 

Lang kegelförmig, mit ebenen, fast vierkantigen, glatten Um- 
gängen , welche sich in ihrer ganzen Breite an einander schliefsen. 

Kommt in den Stylolithenschicliten oder Mehlbatzen des Rüders- 
dorfer und Thüringer Muschelkalkes vor. — 

Aus dem Lias von Baiern (bei Pretzfeld und Altdorf) lehrte Gold- 
fufs sechs Arten von Turritellen kennen. 

Nach d'Orbigny *••') aber fehlten die Turritellen selbst noch 
im Juragebirge, und begannen ihre Existenz zuerst in den Meeren, 
aus welchen das Kreidegebirge sich abschied. 

In tertiären Meeren scheinen -sie sogar noch häufiger als in 
den gegenwärtigen gewesen zu sein. 

T. granulata Sow. M. C. tb. 565. f. 1. 2. — Gein. Char. p. 
44. — d'Orb. Pal. f. Terr. er. II. p. 46. tb. 153. f. 5 — 7. — Reufs, 
böhm. Kr. p. 51. — Taf. XIV. Fig. 9. 10. 

Thurmförmig, aus 12 — 15 schwach gewölbten, durch Quer- und 
Längsstreifen körnigen Windungen gebildet. Auf diesen treten ge- 
wöhnlich fünf gekörnte Querstreifen am stärksten hervor, von welchen 



*) Von Goldfufs, Petr. III.; Münster, Beitr. 3. p. 88; Archiac u. Vei- 
neuil in Murchison's paläoz. Geb. u. A. 
**) Pal. fr. Terr. er. II. p. 33. 



32G 



WEICHTHIERB. 



der oberste hart an der Naht liegt und ein förmliches Band bildet. 
Zwischen sie schieben sich hier und da dünnere Streifen ein, so dafs 
auf dem letzten Umgange noch einige deutliche Querstreifen zu den 
fünfen hinzutreten. Der nicht gekörnte Raum läfst aufserdem noch 
sehr zarte, dichtstehende Querlinien erkennen. 

Im unteren Quader von Tyssa! u. a. a. 0. von Böhmen, bei 
Kieslingswalda im Glatzischen, bei Blackdown in England und in den 
Umgebungen von Uchaux (Vaucluse). 

An Steinkernen verschwindet bisweilen das Korn , und Fig. 10. 
ist nichts anderes als T. granulata. 

T. quinquecincta Goldf. (III. p. 106. tb.' 196. f. 17.) und 

T. JSöggerathiana Goldf. (III. p. 107. tb. 197. f. 1.), aus 
dem Grünsande von Aachen und Haldem, sind wohl kaum von T. gra- 
nulata zu trennen. 

T. multistriata Reufs, westl. Böhm. 1843 (statt 1844) p. 207. ; 
böhm. Kreideverst. p. 51. tb. 10. f. 17; tb. 11. f. 16. 

Das Gewinde besteht aus 10 — 12 durch eine tiefe Naht getrenn- 
ten Umgängen, und ist relativ kürzer als das der vorigen, von wel- 
cher sich diese Art ferner durch gewölbtere Umgänge und vier bis 
sechs schmale, stets glatte Querstreifen unterscheidet, zwischen denen 
fünf bis acht feine Querlinien und aufser diesen sogar noch feinere 
liegen. 

T. multistriata Reufs und T. quadricincta Goldf. (III. p. 
106. tb. 196. f. 16.) sind Individuen mit vier Querstreifen, T. Ha- 
genoviana Münst. (Goldf. III. p. 108. tb. 197. f. 5.) mit fünf, und 
T. sex eine ta Goldf. (III. p. 107. tb. 197. f. 2.) mit sechs Quer- 
streifen. Der letzteren entspricht auch T. difficilis d'Orb. (Pal. fr, 
Terr. er. II. p. 39. tb. 151. f. 19. 20.) aus einem die chloritische 
Kreide vertretenden rothen Sande von Uchaux in Frankreich. 

Sie gehören sämmtlich dem oberen Grünsande und dessen Ae- 
quivalenten an, und kommen bei Aachen, Haldem, Quedlinburg, Kies- 
lingswalda, und im Plänermergel Sachsens und Böhmens nicht selten, 
jedoch auch in dem Plänerkalke vor. 

T. imbrieataria Lam. — Taf. XIV. f. 6. Nach Desh. Coq. 
de Par. II. p. 271. tb. 35. f 1. 2-, tb. 36. f. 7. 8.; tb. 37. f. 9. 10 ; 
Ib. 38. f. 1. 2. — ßr. Leih. p. 1045. tb. 41. f. 1. Hierzu nach Bronn : 
T. edila^ elongata und conoidea Sow. M. C. tb. 51. 

Verlängert thurmförmig , fast pfriemenförmig , mit flachen, am 
unteren Rande stumpf gekielten Windungen, welche durch eine tiefe 
Naht getrennt und ungleich quergestreift sind. Zuwachslinien lassen 
diese Streifen fein gekörnelt erscheinen. 



SCHNECKEN. 



327 



Sie ist nach Brongniart für die mitüereu Schichten des Pariser 
Grobkalkes bezeichnend, gehört auch in England dem Londonthone, 
und in anderen Ländern vorzugsweise der Grobkalkgruppe an; bei 
Turin und in Polen kommt sie in mitteltertiären Schichten vor. 

T. Ar chimedis Brongn. Calc. trapp, p. 55. tb. 2. f. 8. — Br. 
Leth. p. 1047. tb. 42. f. 36. — Taf. XIV. Fig. 7. (nach Brongniart). 

Verlängert thurmförmig, ausgezeichnet durch zwei starke, doch 
stumpfe Querkiele, die in der Mitte und in der Nähe des unteren 
Randes jeder Windung liegen. Zwischen denselben liegen ohngefähr 
fünf feine, unter sich gleiche Querlinien, und auch die übrige Ober- 
fläche ist quer liniirt. 

Nach Bronn im trappischen Grobkalke von Val Ronca im Vicen- 
tinischen, und hauptsächlich bezeichnend für das Tegelgebilde von Bor- 
deaux, Wien (Gainfahrn) , Siebenbürgen (Bujtur, Korod), Galizien (Tar- 
nopol), Volhynien (Shukowce) und Polen (Korytnice). 

T. nindobonensis Partsch, aus dem Tegel von Gainfahrn bei 
Wien, steht der vorhergehenden durch das Vorhandensein von zwei 
starken Kielen sehr nahe, unterscheidet sich aber schon dadurch von 
ihr, dafs von den feinen Linien zwischen denselben die mittelste 
stärker ist als die übrigen, und dafs oberhalb des oberen Kieles 
eine der Linien noch als schwächerer dritter Kiel hervortritt. 

6. G. Scalaria Lam. Wendeltreppe. Scalaire. 
{scala^ Treppe.) 

Schaale mehr oder weniger verlängert, ohne Oberhaut, mit 
erhabenen Längsrippen, welche die verschiedenen Mundvvülste be- 
zeichnen. Die gewölbten Umgänge berühren sich öfters kaum. 
Mündung rund oder oval, mit zusammenhängenden Rändern. Stein- 
kern stets glatt. Der hornige Deckel besteht aus nur wenigen 
Umgängen. 

Die Fauna der Sealarien beginnt in den ältesten Schichten 
des Kreidegebirges und gehört gegenwärtig den warmen gemäfsig- 
len Meeren an. 

Sieben Arten, welche d'Orbigny aus Frankreich beschrieb, sind 
auf das Neocomien und den Galt vertheilt. Sechs Arten bestimmte 
Philippi aus den tertiären Gebilden von Cassel, Freden und Luilhorst. 

S. decussata Lam. — Taf. XV. Fig. 9. a. b. Nach Desh- 
Coq. de Par. II. tb, 23. f. 1. 2. — Philippi, Tertiärv. p. 21. 

,. ^Schaale klein, beinahe pfriemenförmig , quergestreift, mit ge- 
ränglen dünnen Längslamellen; die Basis mit einer ebenen, sehr fein 



328 



WEICHTHIERE. 



gestreiften Scheibe gekrönt; Oeffnung rund, mit scharfen Rändern." 
(Philippi.) 

7. G. Rissoa Frcminville. Melania Aut. z. Th. (Risso^ nom. pr.) 

Schaale dick, ohne Oberhaut, mehr oder weniger verlängert, 
mit spitzem Gewinde, einer halbmondförmigen Mündung, einer ge- 
raden oder ausgebogenen Aufsenlippe, 'welche sich immer wulst- 
förmig verdickt. Hierdurch unterscheiden sie sich von den ihnen 
nahe verwandten Paludinen und Littorinen. Deckel hornig. 

Sie sind nicht früher als in dem Kreidegebirge mit Sicherheit 
nachgewiesen worden; die lebenden Arten lieben felsige Meeres- 
küsten. 

a. Rissoa Frem. d'Oib. 

Mündung oval oder rundlich, mit dickem und geradem Rande. 

Aufs er R. Dup iniana d'Orb. {Pal. fr. Terr. er. II. p. 60. tb. 
155. f. 8 — 10.), aus dem oberen Galt Frankreichs (Ervy) , wurden 
durch Philippi einige tertiäre Arten von Freden und Luithorst bekannt. 

b. Ris soina d'Orb. 

Mündung halbmondförmig, schmal, ausgebogen, mit einer 
dicken, in der Mitte stark vorgezogenen Aufsenlippe, so dafs unten 
und oben eine leichte Bucht entsteht. 

R. incerta d'Orb. Pal. fr. Terr. er. IL p. 62. tb. 155. f 11 — 13. 

Im Grünsande von Ervy (Aube). 

R. coc lilearella Bast. — Melania c. Lam., Desh. Coq. de Par. 
II. p. 117. tb. 14. f 13 — 17. — Br. Leth. p. 1023. tb. 40. f. 20. — 
R. multiplicata Piisch, Pol. Pal. p. 96. tb. 9. f. 8. 

Thurm -kegelförmig, mit etwa acht flach gewölbten Umgängen, 
welche mit zahlreichen (16 — 40) schwachen Längsfalten bedeckt sind. 

Im Pariser Grobkalke mit seh- feinen (über 32) Falten; im Tegel 
zu Bordeaux mit etwa 34 Faltjn; in Touraine mit etwa nur 18 Fal- 
ten; fein gefaltet bei Angers u. a. 0., um Wien, zu Gainfahrn (mit 
20 — 30 Fallen), in Galizien , Siebenbürgen (mit etwa 20 Falten), in 
Volhynien (mit 28 — 40 Falten), und in Polen; in der Subapenninen- 
formation Italiens und Siciliens; und mit feinen Falten, nach Deshayes, 
im indischen Oceane? {Bronn.) 

-t. Farn. Pi/ramidellidae d'Orb. Plicacea üain. 

Den Thieren aus dieser Familie fehlt ^ie rüsselförmige Schnauze 
der Paludiniden. Sie haben zwei Fühler, welche nach d'Orbigny 
bei Pyramidella hörnerartig und an der Seite geöffnet, und nach 



SCHNECKEN. 



329 



Philippi '^j bei EuUma {Melania) distorta Desh. pfriemenförmig sind, 
und an deren Grunde die Augen sitzen. Der Deckel ist hornig. 
Der gewundenen Schaala fehlt die Oberhaut, wodurcli sie sieh 
von den Melanien leicht unterscheiden. Mündung ganzrandig, nach 
aufsen nicht verdickt, ohne oder mit Zähnen an der Spindel, wel- 
che letztere stets mit der Innenlippe bedeckt ist und sich oft 
weit herabzieht. 

In die Gattungen dieser Familie verweist d'Orbigny die aus 
dem Oolithen- und Kreidegebirge bisher für Melanien angesproche- 
nen Schaalen. 

1. G. Eulimä Risso. Melatiia Aut. z. Th. 

Nach Philippi (a. a. 0.) wurde von Risso das Genus Eu- 
Uma für sehr ausgezeichnete, kleine, thurmförmige oder pfriemen- 
formige Gehäuse gebildet, welche immer höchst glänzend, mit ganz 
flachen, sehr schrägen Windungen, und einer einfachen, ovalen 
oben spitz zulaufenden Mündung versehen sind. Die Spindel ist 
von der Innenlippe bedeckt und ein Nabel fehlt gänzlich. 

Fyrgiscus Philippi; Pat^thenia Lowe; Ckemnitzia dOrb. de 
Kon.; Loxoneina Piiill. {mgyigy.og, Thürrachen.) 

Seitdem Lowe nähere Kenntnifs über das Thier des Pyrgis- 
cus verbreitet hat , möchte Philippi diese Gattung nicht melir von 
Eulima trennen. 

Sie unterscheidet sich, nach Philippi, von Eulima durch Längs- 
rippen auf den Windungen, und eine senkrechte, gerade Spindel, 
welche eine Verlängerung der Achse des Gehäuses ist, und mit 
der vorletzten Windung einen bestimmten V»lnkel macht; aufser- 
dem allenfalls, nach d Orbigny, durch ein weniger spitzes Gewinde 
und durch mehr von einander getrennte Umgänge. Die Trennung 
dieser Gattung von Eulima ist ziemlich künstlich, und es wird Pyr- 
giscus eigentlich nur die längsgerippten Eulimen, die als Melanien, 
Turritellen, Loxonemen u. s. w. beschrieben worden sind, begrei- 
fen. Und seitdem nun de Köninck auch noch glatte oder nur 
schwach gestreifte Arten, welche sich von seinen Eulimen nur 
durch gewölbtere Umgänge unterscheiden, und die bauchigeren und 
meist glattscheibigen Phasianellen von Goldfufs zu Chemnitz-ia rech- 
net, dürfte es wohl am gerathensten sein, der Ansicht Philippi's 
zu folgen und Pyrgisciis oder Chemnit'Aa mit Eulima wieder ganz 

*) Wiegmaiin'.s Archiv für Naturg. 1841. I. p. 48. 



830 



WElCtmilERB. 



ZU vereinigen, wonach diese Gattung folgende Hauptcharaktere ha- 
ben würde. 

Eulitna. 

Schaale pfriemenformig, ihurinförinig bis oval- kegelförmig, 
mit einer einfachen, oben spitz zulaufenden Mündung, deren Au- 
fsenlippe scharf ist, und deren Innenlippe die gekrümmte oder ge- 
rade Spindel ganz bedeckt, so dafs kein Nabel mehr sichtbar ist. 

Die lebenden Eulimen bewohnen die Küsten fast aller Oceane, 
und den fossilen begegnet man in den meisten marinen Formationen. 

a. Elllima Risso. Gewinde pfriemenformig; Umgänge ganz 
flach, glatt und glänzend. 

E. suhulata Risso. — Taf. XV. Fig. 27. Nach Br. Leth. p. 1021. 
tb. 42.. f. 46. {Melania Cambessedesii Payr.) — Pusch, Pol. Pal. p. 96. 

Schaale gerade, sehr schlank, pfriemenformig, lang zugespitzt, 
mit flachen Umgängen, in deren Ebene die Nähte liegen, und läng- 
licher lanzettförmiger Mündung. 

Nach Bronn in Tegelgebilden um Bordeaux, Dax, Touraine, um 
Wien, im sandigen Grobkalke von Korytnice in Polen, in Podolien; 
in der Subapenninenformation Italiens (Nizza, Piacenza) und Siciliens; 
in quartären Muschellagern auf Ischia und lebend im mittelländischen 
und adriatischen Meere. 

E. amphora d'Orb. Pal. fr. T. er. IL p. 66. tb. 156. f. 1. 

Ei -kegelförmig, oben in eine pfriemenenförmige Spitze auslaufend, 
mit etwa 10 glatten und fast ebenen Mündungen, und einer äufserlich 
verdickten Spindel, an welche sich der dicke innere Mundrand befe- 
stigt hat. Gegen 3" lang. 

In einem der mittleren chloritischen Kreide entsprechenden ro- 
then Sande von Uchaux (Vaucluse), und im Grünsande im Glatzischen. 

b. Cliemnitzia de Kon. Gewinde thurmförmig oder oval- 
kegelförmig (Phasianella Lam. bei Goldfufs); Umgänge flach oder 
stark gewölbt, glatt, längsgestreift oder gerippt (Pyrgiscus Phil., 
Chemnitzia d'Orb.). 

E. (Phas.) ovata Goldf. P. III. p. 113. tb. 198. f. 15. — 
Taf. XIV. Fig. 14. 

Oval -kegelförmig, glatt, mit stark gewölbten Umgängen, von 
welchen der letzte doppelt länger ist als das übrige Gewinde. 

In devonischer Grauwacke der Eifel, und im Kohlengebirgo bei 
Waldenburg in Schlesien. 

E. (Phas.) venlricosa Goldf. III. p. 113. Ib. 198. f. 14. — 
Chemn. ventr. de Kon. a. a. 0. p. 468. Ib. 41. f. 9. 



SCHNECKEN. 



331 



Sie unterscheidet sich von der vorigen durch ein relativ län- 
geres Gewinde. 

Mit jener zusammen, und im Kohlenkalke von Tournay und Vise. 

Hier, wenn nicht bei Rissoina^ mag auch die folgende Art 
vielleicht den geeignetsten Platz finden. 

E. QleL) Schlotheimii Quenst. — Taf. XV. Fig. 24. — Turbinitis 
dubius Schloth. Nachtr. tb. 32. f. 7. — Rostellaria? obsoleta Goldf., 
Alberti, Monogr. p. 53. — Turritella obsoleta Goldf., Ziet. V. Würt. 
Ib. 36. f. 1. — Melania dubia Br. Leth. p. 175. 1286. tb. 11. f. 1. 
— Buccinites communis Pusch P. P. p. 175. — Melania Schlotheimii 
Quenst. Flötzg. Würt. p. 31. 

Kurz-thurmförmige, aus 6 — 8 hochgewölbten glatten Windungen 
bestehende Steinkerrie, welche auf eine 'längliche, sich oben verengende 
Mündung und eine schwach verdickte, etwas ausgebogene Aufsenlippe 
schliefsen lassen. 

Ueberau im unteren Muschelkalke von Thüringen (vergl. Gaea 
von Sachsen), Bayreuth, Heidelberg, Rottweil am Schwarzwalde, und 
bei Boguchwolowice und Woikowice-Koscielne in Polen. 

E. (Mel.) Heddingtonensis Sow. M. C. tb. 39. f. 2. 3. — 
Br. Leth. p. 392. tb. 21. f. 9. — Goldf. P. III. p. 112. tb. 198. f. 
11. — Taf. XV. Fig. 25 und 26 (Steinkern). 

Die dicke Schaale ist thurmförmig (bis 5" lang), und macht 
ohngefähr 10 Umgänge, die sich von einer Kante im oberen Drit- 
theile der Mündung nach der Naht hin schief abdachen, unterhalb 
dieser Kante, in der Mitte der Umgänge, aber vertieft sind. Die 
ganze Oberfläche ist mit dichten Zuwachsstreifen bedeckt. Dieser 
Streifung nach ist die Aufsenlippe der Mündung oberhalb der Mitte 
etwas eingebogen. Die Mündungen der Steinkerne liegen von einan- 
der weit entfernt. 

Häufig im mittleren und oberen Jura von England (Heddington), 
Frankreich (Normandie und Moutiers), Baiern (Kelheim), Hannover 
(Lindner Berg und Hildesheim) u. a. 0. 

Aechte Pyrgisci oder längsgerippte Eulimen sind: 

Melania Kaupii Goldf. (III. p. 110. tb. 197. f. 15, aus de- 
vonischer Grauwacke von Nassau; 

Mel Oltonis Goldf. (III. p. 110. tb. 198. f. 1.), aus einem 
zum Kohlengebirge gehörigen Schiefer bei Waldenburg in Schlesien; 

Mel. armillata^ M. tricinata \i. ü/. orM«^« Mün. Goldf. (III. 
p. 110. III. tb. 198. f. 2. 3. 4.), angeblich in Grauwacke von Regnitx- 
losau im Bayreulhischen ; 



332 



WEICH rillKKE. 



Mel. constricta Marlin und Mel. Lefeburei Leveille (Goldf. 
III. p. III. 112. tb. 198. f. 6. 8.), aus dem KohlenUalke von Ratin- 
gen, Tüurnay u. Vise, die meisten der von de Köninck {descr. des 
an. foss, p. 461 etc. tb. 41.) als Chemnifzien beschriebenen Arten aus 
dem Kohlenkalke von Belgien (Vise, Tournay), Bolland, Kildare in 
Ir'aid; 

Mel. Blainvillei Mün. (Goldf. III. p. 112. tb. 198. f. 9), aus 
dorn Liaskalke von Banz; 

und die von Philippi (Tertiärverst. p. 35.) aus tertiären Schich- 
ten beschriebenen Arten. 

2. G. Niso Risso. Bonellia'^) Desh. 
• 

Die Schaale ist von der einer EuUma nur durch das Vor- 
handensein eines Nabels verschieden. Als Typus gilt für Niso: 

N. terebellata Bronn (Leth. p. 1025. tb. 40. f. 18. Bulimus 
terebellatus Lam.), welche im Pariser Grobkalke und im Londonthon 
Englands und Alabamas in Nordamerika, im Tegelgebilde von Bor- 
deaux, Dax, Angers, Baden und Wien, in der Subapenninenformation 
Italiens und Siciliens und vielleicht noch lebend in einigen Meeren 
gefunden wird. 

N. minor Phil. (Tert. p. 53), in tertiären Schichten von Fre- 
der und Luithorst, ward 5 — 6'" grofs. 

3. G. Pyramidella Lam. (nvQai^iig^ Pyramide.) 

Schaale thurmförmig, mit oder ohne Nabel, vollkommen glatt. 
Mündung eckig oder oval, mit scharfer Aufsenlippe. Spindel un- 
ten verlängert und mit ein bis drei dicken Querfalten versehen. 

Die Pyramidellen suchen die Tiefen der gröfseren warmen 
Meere. 

F. canaliculata d'Orb. {Pal. fr. Terr. er. II. p. 104. tb. 164. 
f. 3 — 6) , aus der mittleren chloritischen Kreide von Uchaux (Vau- 
cluse), dürfte die älteste Art sein. 

F. (Auricula) terebellata Lam., Desh. Coq. de Par. II. p. 
191. tb. 22. f. 7. 8. — Br. Leth. p. 1026. tb. 40. f. 24. — Phil. 
Tertiärv. p. 54. — Taf. XV. Fig. 10 (nach Bronn). 

Schaale verlängert thurmförmig, glänzend glatt; Umgänge zahl- 

"*) Dieser Name war .schon früher an eine Gattung der fufslosen Holo- 
thurien vergeben. 

**) Philippi in Wiegm. Arch. 1841. I. p. 48. 



SCHiNECKBN. 



333 



reich, schmal, flach, durch eine wenig vertiefle Nahl getrennt; Münd- 
ung schmal eiförmig; Spindel mit 3 ungleichen Fallen." (Bronn.) 

Im Pariser Grobkalke; im Tegel von Bordeaux, Dax, Angers, 
in Touraine, bei Wien?, in Siebenbürgen (zu Bujtur) und bei Fre- 
den und Luithorst. 

t 4. G. Nerinea Defrance. Nerinaea, Nerine. 
(Nerine = Nereis ^ Rom. Myth.) 

Gehäuse thurmförmig, dickschaalig, in einen kurzen Canal 
auslaufend. Die Umgänge sind an der Naht erhaben, oft knotig, 
in der Mitte flach oder vertieft. Die Mündung ist schief, fast 
viereckig und verläuft oben wie unten in einen kurzen Canal, 
wefshalb man die Nerineen bisher gewöhnlich neben Cerithium stellte. 
Sehr bezeichnend für sie sind an der Spindel ein bis drei, und 
an der inneren Wand der Schaale ein bis zwei spiral herablau- 
fende Kiele, welche auf Steinkernen als tiefe Rinnen erscheinen. 

Die Arten beginnen in der Juraformation, für deren obere 
Schichten sie besonders bezeichnend sind, und gehen nicht über 
die an die Kreide sich anschliefsenden Gosauschichten '*') herauf. 
Wir verdanken die wichtigsten Mittheilungen über diese Gattung 
den Herren Voltz • ''^ , Rronn '^■''■'') , Goldfufs und d'Orbigny. 

N. suprajurensis Voltz, Br. Leth. p. 397. tb. 'il. f. 12; 
Jahrb. 1836. tb. 6. f. 2. 3. — Hiernach Taf. XIV. Fig. 11. (i). — 
V. Buch, Jura in Deutschland p. 79. 

Die Umgänge sind sattelförmig, in der Mitte mehr oder weniger 
vertieft, mit erhöheten glatten Nähten und etwa 14 abwechselnd etwas 
stärkeren Querstredfen versehen. An der Spindel sind 2 Falten, an 
der inneren Schaalenwand ist eine Falte vorhanden. Es kommt noch 
eine längere Varietät von ihr vor als die Abbildung zeigt. 

Diese Art ist für die oberste Bildung des Jura in Deutschland 
und Frankreich leitend und ist häufig bei Kelheim an der Donau, im 
Porrentruy in der Schweiz u. s. w. 

N. Visurgis Rom. — Bronn im Jahrb. 1836. p. 559. tb. 6. f. 8. 

„Umgänge in der Mitte etwas vertieft und daselbst mit zwei er- 
habenen gegliederten Spirallinien versehen; Naht erhöhet, knotig, mit 
etwa 24 Knoten auf einem Umgange; Falten stark, drei, wovon eine 

*) Eigenthümliche Schichten der süddeutschen Alpen und bei Neuchatel, 
welche zugleich Kreide- und Tertiär- Versteinerungen enthalten. 

**) Ueber das fossile Geschlecht JSerinea. L.B. Jahrb. 1836. p. 538u. f. 

*+*) Uebersicht u. Abbildungen der jetzt bekannten Nerinea -Arten. L. 
B. Jahrb. 1836. p. 544 u. f. 



334 WEICIITHIERE. 

• 

oben, eine auf der Spindel unlen und eine aufsen unter der Mitle 
ist," also fast ganz wie bei der vorigen Art. 

„Im oberen weifsen Jura (Coral-Rag), am Spitzhut bei Hildes- 
beim, zu Goslar, zu Hannover am Lindner Berge, am Oslerwalde bei 
Hoheneggelsen und an der Haferkost; im Dolomit des Coralrags am 
Kahleberg bei Echte zwischen Göttingen und Braunschweig." (Bronn.) 

N. Geinitzit GoW.'^) III.' p. 47. tb. 177. 8. — N. Borsonü 
Cat., Geiii. Char. p. 43. tb. 14. f. 16. 17. — Rom. Kr. p. 78. — 
Taf. XIV. Fig. 12 (Steinkern). 

Schaale eben, etwas über der Mitte der inneren Wand mit ei- 
ner hohen Falte; Spindel mit drei Falten, von denen die oberstesehr 
weit nach aufsen tritt, die mittlere aber, welche der Wandfalte ge- 
genüber liegt, und die dritte gleich hoch sind. 

An dem abgebildeten Steinkerne entspricht natürlich jeder der 
bezeichneten 4 Falten eine Rinne. 

Im unteren Quader von Giersdorf! bei Löwenberg bis 6'' lang, 
und bei Roschütz unweit Dresden. 

5. Fam. A.ctenoidae d'Orb. 

Die Thiere aus dieser Familie besitzen einen Deckel und 
nähern sich hierdurch, nach d'Orbigny, den Fyramidellen; indefs 
fand Philippi , der über das Thier der im Mittelmeere lebenden 
Tornatella fasciata berichtet '■), dafs die Stellung desselben ganz in 
der Nähe von Bulla sei. 

Schaale spiral, gewöhnlich oval, ohne Oberhaut, häufig mit 
punktirten Streifen geziert. Gewinde kurz, bisweilen ganz ein- 
gehüllt. Mündung ganzrandig oder unten ausgerandet ; Aufsenlippe 
einfach, scharf oder zurückgeschlagen und verdickt, öfters gezäh- 
nelt. Spindel meistens mit dicken Querfalten bedeckt. 

Diese Familie zeigt sich zuerst im Oolithengebirge und ver- 
breitet sich durch die jüngeren Formationen bis in die Meere der 
jetzigen Welt. 

t 1. G. Äctaeonella (Acteonella) d'Orb. 
Schaale verkürzt, bauchig, flaschenförmig, dick und glatt. 



*) Herr Goldfufs hat vollkommen Recht, diese Art von N. Borsonü 
Catullo (Sagfrio di Zoologia fossile, p. 170. T. 3.; L. Br. Jahrb. 1836. tb. 
6. f. 12.), welche viel länger und schlanker ist und die Wandfalte genau in 
der Mitte ihrer Umgänge hat, zu trennen, und ich kann seine wohlwollende 
Berichtigung nur mit vielem Danke anerkennen. 

*♦) Wiegm. Archiv 1.841. T. p. 55. 



SCHNECKEN. 



335 



Gewinde entweder ganz von dem letzten Umgange eingehüllt oder 
sehr kurz. Mündung lang und schmal , unten etwas erweitert, oben 
zu einem engen Canale verengt. Aufsenlippe scharf, ohne Zahn 
oder eine Verdickung; Spindelrand besonders oben und unten stark 
überzogen. Spindel mit drei dicken, wenig schiefen Falten. 

Die bekannten Acteonellen gehören alle der chloritischen 
Kreide an und wurden bisher als Tornatellen oder Volvarien be- 
schrieben. 

2. G. Volvaria Lam. Wickelschnecke. Volvaire. 
(volvere^ wickeln.) 

Schaale fast cylindrisch, ganz eingerollt, mit kaum hervor- 
tretendem Gewinde und spiralförmig punktirt- gestreift. Mündung 
schmal, von der Länge der ganzen Schaale, mit scharfer Aufsen- 
lippe , und an der Basis ausgerandet oder wie abgeschnitten. Spin- 
del mit einigen sehr schiefen Falten am Grunde. 

V. tetiuis Reufs (böhm. Kreidev. p. 50. tb. 10. f. 20.), eine 
kleine, ohngefähr 4'' lange Art, welche im Plänermergel von Luschitz, 
Priesen und Postelberg in Böhmen vorkommt, scheint bis jetzt die 
einzige Art zu sein, welche vor der Tertiärzeit exislirte. 

V. bulloides Sow. Lam. — Taf. XIIL Fig. 6. — Desh. Coq. 
de Yar. IL p. 7J2. tb. 95. f. 4 — 6. — Br. Leth. p. 1108. tb. 42. 
f. 9. 

Schaale verlängert, cylindrisch, oben stumpf und schwach ge- 
nabelt. Spindel dreifaltig. 
Im Pariser Grobkalke. 
V. acutiuscula Sow. M, C. tb. 487. 

Mit vier Spindelfalten und einem etwas vorsiehenden Gewinde. 
Mit voriger zusammen, und im Londonthone Englands. 

3. G. Actaeon (Acteon) Montfort; Tornatella Lam. Speo 
Risso; Globiconcha d'Orb. (Actaeon, Rom. Myth.) 

Schaale eingewickelt, mit mehr oder weniger kurzem Gewinde, 
kugelig bis spitz- eiförmig, allermeist quergestreift. Mündung läng- 
lich, gewöhnlich gekrümmt, unten erweitert und nicht ausgerandet, 
mit einfacher, scharfer Aufsenlippe. Spindel mit Falten (Actaeon) 
oder ohne Falten (Globiconcha). 

So lange als von Globiconcha das Thier noch nicht gekannt 
ist, welches vielleicht die Trennung dieser Gattungen rechtfertigen 
könnte, wird es am zweckmäfsigsten sein, dieselben zu vereinigen, 



336 



\yE!ClITiriK5?E. 



welclie Vereinigung dem Geognosten wenigstens nur willkommen 
sein kann. 

Einige Actaeen haben sicli schon im Oolithengebirge einge- 
stellt, gewöhnlicher sind sie in der Kreide, mehrere kommen in 
tertiären Bildungen vor, und einige leben noch in den wärmeren 
und gemäfsigteren Meeren. 

A. (Auricula) ovum Dujard. , d'Orb. Pal. fr. Terr. er. II. 
p. 123. tb. 167. f. 19. 20. 

Bauchig eirund, glatt, mit sehr kurzem Gewinde, einer schma- 
len gekrümmten Mündung, einfacher Aufsenlippe und einer Spindel- 
falte. 

Im reihen Sande der Umgegend von Cassis an den Rhonemünd- 
ungen, welcher nach d'Orbigny die chloritische Kreide vertritt. 

Dieser Art gleichen die Exemplare aus dem Plänermergel und 
Plänerkalke von Böhmen (um Bilin) und Sachsen (Strehlen), welche 
von Römer (Kr. p. 77. tb. 11. f. 3.) und mir (Char. p. 48. tb. 
16. 1 — 3.) als Aur. ov. und Pedipes glabratus beschrieben und abge- 
bildet wurden, an Avelchen wir indefs niemals eine Spindelfalte beob- 
achten konnten, und daher müfslen wir sie eher für eine Globi- 
concha^ etwa die ihr ganz ähnliche GL rotundata d'Orb. {Pal. fr. Terr. 
er. II. p. 143. tb. 169. f. 17.) ansprechen , wiewohl ich glaube , dafs wir 
es hier nur mit Dujardin's Art zu thun haben. 

A. {Tom.) inflata Fer. — Taf. XV. Fig. 11. «. 6. Nach Desh. 
Coq. de Par. II. tb. 24. f. 45. 

Eiförmig, nach oben und unten verengt, mit einer an der Ba- 
sis erweiterten Mündung und einer Spindelfalle. Die ganze Oberfläche 
ist regelniäfsig quer gestreift und die Streifen werden durch feine 
Längslinien durchschnitten. 

Im Pariser Grobkalke; in mitteltertiären Schichten von Valognes, 
Dax und Bordeaux. 

A. {Torn) g ig ante a Sow., Goldf. III. p. 48. Ib. 177. f. 12. 

Wird bis 3" lang, ist bauchig -eiförmig, hat ein kurzes zuge- 
spitztes Gewinde und kommt nach Goldfufs im Tegel bei Wienerisch- 
Neusladt, zugleich mit einer noch gröfseren und relativ längeren, sehr 
dickschaaligen Art, der F. Lamarchii Münster.^ vor. 

A. {Torn.^ punctato-sulc ala Phil. Tertiärv. p. 20. tb. 3. 

f. 22. 

„Gehäuse eiförmig, spitz, quergestreift; die Streifen grubig jiunk- 
tirt; das Gewinde länger als die halbe Mündung." 

lieber 3'" lang und gegen "l" breit in tertiären Schachten von 
Cassel, Freden und Luithorsl. 



SCHNECKEN. 



337 



4. G. Ringicula Desh. Ringinella und Avellana d'Orb. 
Auricula^ Cassis und Pedipes Aut. (ringor, den 
Mund weit öffnen.) 

Diese Gattung unterscheidet sich von der vorigen durch eine 
wulstförmig verdickte oder zurückgeschlagene Aufsenlippe, welche 
nicht selten gezähnt und an der Basis bisweilen schwach ausge- 
randet ist. Spindel gefaltet. 

Aeltere Arten als die des Kreidegebirges, wo sich dieselben 
am weitesten ausgebreitet zu haben scheinen, sind nicht bekannt. 
Einige leben noch jetzt in der Tiefe der wärmeren und gemäfsig- 
ten Meere. 

R. (^Aur.) incrassata Spw. Min, Conch. th. 163. f. 1- 3. — 
Aur. ringens Park. org. rem. III. tb. 5. f, 4. — Aur. mcr. Mant. 
GeoL Süss. tb. 19. f. 2. — Cassis avellana Brongn. env. de Par. tb. 
6. f. 10. — Pedipes incrassatus Quenst., Br. Leih. p. 707. — Rom. 
Kr. p. 77. — Gein. Char. p. 74. — Atell. incr. d'Orb. Pal. fr. Terr. 
er, p. 133. tb. 168. f. 13 — 16. — Taf. XVI. Fig. 3. a. b. 4. 

Schaale kugelig- eiförmig mit niedrigem Gewinde, das sich zu dem 
letzten Umgange etwa wie die Spitze eines Eies zu dessen übriger 
Oberfläche verhält, und durch vertiefte Linien quergestreift. Letzte 
Windung mit ungefähr 26 — 36 Querstreifen. Aeufsere Lippe sehr 
verdickt und innerlich gefaltet. Spindel dreifaltig. 

Avellana cassis d'Orb. (^Pal. fr. Terr. er. II. p. 138. tb. 169. 
f. 10 -13.), wozu d'Orbigny auch Cassis avellana bei Brongniart (a. 
a. 0.) rechnet, soll sich durch 5 Spindelfalten von R. incrassata un- 
terscheiden. 

Ich war nie so glücklich, an den Exemplaren von Sachsen, Böh- 
men und Schlesien deutliche Spindelfaden erkennen zu können, habe 
sie defshalb auch nicht gezeichnet, und rathe, die letztere nur als 
Varietät zu betrachten. 

Im unteren Grünsande von Blackdown u. a. 0. Englands, im un- 
teren Quader von Tyssa und Kreibitz in Böhmen, im Grünsande von 
Kieslingswalda im Glatzischen, im Pläner von Sachsen (an der Walk- 
mühle bei Pirna), Böhmen (a. v. 0.), vielleicht auch im Plänerkalke von 
Strehlen. In Frankreich charakterisirt R. incrassata nach d'Orbigny 
den Galt, R. cassis die unlere chloritische Kreide. 

R. (Aur.) ringens Lam. — Taf. XVL Fig. 2. Nach Desh. Coq. 
de Par. II. p. 72. tb. 8. f. 16. 17. — Pedipes ringens Br. Leih. p. 
1014. tb. 42. f. 8. 
Geinitz, Versteiuerungskunde. 22 



WKICIITHIERE. 



Es ist der Typus der Gattung- Ringicida. Schaale eiförmig, auf- 
gequollen, oben 'spitz, unten abgerundet, fein und regelmäfsig quer 
gestreift. Aufsenlippe verdickt, Innenlippe weit zurückgeschlagen. 
Spindel oben gewöhnlich mit einer kleinen schiefen Falte, unten mit 
2 schiefen Falten, von denen die unterste mit der sanften Ausbieg- 
ung des unteren Randes der Mündung einen schwachen Ausschnitt 

Im Grobkalke und im unleren und oberen Meeressande des Pa- 
riser Beckens, und, wie es scheint, auch in jüngeren Tertiärbildungen. 
(Vergl. Bronn.) 

Ihr sehr ähnlich ist: 

R. striata Phil. (Tertiärv. p. 28. tb. 4. f. 23.) von Cassel, 
Freden und Luithorst. 

6. Farn. Waticidae d'Orli, 

Das Thier der Naticiden ist so voluminös, dafs es sich öfters 
(bei Sigarelus) nicht in sein Gehäuse zurückziehen kann, und be- 
sitzt zwei kegelförmige, niedergedrückte Fühler. Der grofse Fufs 
breitet sich hinten zu einem Lappen aus, der gewöhnlich einen 
Theil der Schaale umhüllt , während der Kopf von einem anderen 
Lappen bedeckt ist, welcher vom Fufse geschieden ist. 

Schaale Spiral, niedergedrückt, kugelig bis kugelig-eiförmig. 

Die Naticiden sind Meeresgattungen. 

1. G. Natica Lam. Nabelschnecke. Ampullaria Aut. 
{natare^ schwimmen.) 

Schaale dick, kugelig, niedergedrückt bis eiförmig, mit kur- 
zem Gewinde. Mündung oval oder halbmondförmig, ganzrandig, 
halbrund und schief gegen die schwielige, ungezähnte Spindel. 
Diese Schwielen verengen und verdicken bisweilen den Nabel. Die 
Aufsenlippe ist scharf. 

Unter dem Namen Euspira fafst Agassiz diejenigen iVo^- 
(«ca- Arten zusammen, welche eine deutliche Spindel mit deutlich 
sichtbaren Windungen und eine kleine spiralige Schwiele im Nabel 
haben. Die meisten von ihnen sind fossil. 

Diese Gattung hat in allen marinen Formationen ihre Reprä- 
sentanten und ist in der jetzigen Schöpfung in allen, besonders 
aber in den wärmeren Meeren zu finden. 



*) Sowerby's Mineral - Conchologle p. 14. 



SCHNECKEN. 



339 



N. suhcostata Arch. u. Vern., Goldf. P. III. p. 116. tb. 198. 
f. 22. In devonischer Grauwacke bei Pfaffrath. 

iV. Omaliana de Kon. descr. des an. foss. p. 479. tb. 42. f. 1. 

Die einzige Art im Kohlenkaike von Belgien (Vise). 

N. oolithica Zenker, Taschenbuch von Jena, 1836. p. 228.' — 
Gein. in L. Br. J. 1842. p. 577. tb. 10. f. 4 — 6. 

Eine kleine zusammengedrückt -kugelige Art, von der Gröfse 
eines Senfkorns bis zu der einer Linie, welche im oberen Muschel- 
kalke des Jägerberges bei Jena eine Schicht gänzlich erfüllt. 

iV. (Ämpull.) canaliculata Mant. Geol. of Süss. p. III. tb. 
« 18. f. 11. — Fitton, Observ. tb. 11. f. 12. — Gein. Char. p. 47. 
tb. 15. f. 25. 26. — N. acutimargo Rom. Kr. p. 83. tb. 12, f. 14; 
Gein. Char. p. 73. — N. GauUina d Orb. Pal. fr. Terr. er. II. p. 156. 
tb. 173. /: 3 — 4. — Reufs , böhm. Kreidev. p. 49. tb. 11. f. 1. — 
Taf. XV. Fig. 17. 

Schaale kugelig, immer breiter als hoch, aus 4 gewölbten Um- 
gängen gebildet, welche parallel der oberen Naht gekantet sind 
und durch eine breite und tiefe Rinne von einander getrennt werden. 
Das Gewinde ist sehr niedrig, bisweilen sogar etwas niedergedrückt. 
Mündung eiförmig. Nabel ziemlich breit, ohne Schwiele. Die Schaale 
ist mit starken Zuwachsstreifen bedeckt. 

Im unteren Grünsande und im Galt von England, sehr verbreitet 
im Galt von Frankreich; im unteren Quader von Tyssa; im Grünsande 
von Kieslingswalda und Quedlinburg, im Plänermergel von Böhmen; 
im Plänerkalke Von Strehlen (bis 2" breit) und in Böhmen. 

N. vulgaris Reufs, Westl. Böhmen 1844. p. 209. — ^ Gein. Kies- 
lingswalda, p. 10. tb. 1. f. 21 — 23. — ^. crefacea Goldf. P. III. 
p. 119. tb. 199. f. 12. — Taf. XV. Fig. 18. a. b. 

Kugelig- eiförmig, etwas höher als breit, mit 5 gewölbten Um- 
gängen und mehr oder weniger vorstehendem Gewinde, das ohngefähr 
ein Dritttheil der Höhe der letzten Windung hat. Mündung gekrümmt- 
eiförmig. Nabel sehr klein (in der Abbildung Fig. 18. a. viel zu 
grofs erscheinend) und fast nur in einem kurzen Spalte bestehend. 
Die Oberfläche zeigt mehr oder weniger deutliche Zuwachsstreifen. 

Bis l" lang, sehr gemein im unteren Quader von Tyssa, an der 
Gränze des unteren Quaders und oberen Grünsandes bei Kreibilz in 
Böhmen, Kieslingswalda, im oberen Grünsande von Aachen und Coes- 
feld, im Plänermergel und Plänerkalke von Sachsen und Böhmen. 

N. ervyna d'Orb. {Pal. fr. Terr. er. IL p. 159. tb. 173. f. 7.), 
aus dem Galt von Ervy, vertritt diese Art in Frankreich. 

22- 



340 



WEICHTIUBRE. 



Von N. mlgaris aus wird durch die etwas längere iV. lamellosa 
Rom. (Kr. p. 83. tb. 10. f. 13.) ein vollkommener Uebergang zu der 
noch längeren folgenden Art hergestellt. 

^. ewaltata Goldf. III. p. 119. tb. 199. f. 13. — Turbo ro- 
tundatus Sow. M. C. tb. 433. f. 3. 4. und? T, conicus Sow. M. C. 
tb. 433. 1. 2. — Litorina rolunda u. L. pungens Sow. bei Fitton, 
Observ. etc. tb. 18. f. 5. — Auricula spirata Rom. Kr. p. 77. tb. 
11. f. 4. — Littorina rot. Gein. Char. p. 45. u. VII.; Litt, conica 
Sow., Gein. Kieslingsw. p. 10. tb. 1. f. 24. 25. — iV. Clementina 
d'Orb. Tal. fr.- Terr. er. p. 154. tb. 172. f. 4. — Taf. XV. Fig. 19. 

Oval -kegelförmig, mit 5 gewölbten Umgängen, von denen der 
letzte etwa doppelt so lang ist als das übrige Gewinde. Mündung 
oval; Nabel sehr klein oder? ganz bedeckt. Oberfläche durch Zu- 
wachsstreifen bisweilen runzelig. 

Im unteren Grünsande von England und im Galt Frankreichs sehr 
verbreitet; im Grünsande von Kieslingswalda; im Plänerkalke von Streh- 
len bei Dresden. 

iV. bulbiformis Sow., Goldf. P. III. p. 120. tb. 199. f. 16.17. 

— d'Orb. Pal. fr. Terr. er. II. p. 162. tb. 174. f. 3. 

„Eiförmig zugespitzt, dickschaalig, durch Zuwachsstreifen ge- 
streift, mit einem vorstehenden, treppenförmig abgestutzten Gewinde. 
Die Windungen sind am oberen Rande kantig, und bilden innerhalb 
der Kante eine breite Rinne neben der Naht. Die Mündung ist ei- 
förmig und die Schwiele der inneren Lippe ist sehr dick und breit." 
(Goldfufs.) 

In der mittleren chloritischen Kreide von Frankreich (Uchaux), 
und häufig in den eigenthümlichen Schichten von Gösau, von w^oher 
ich dieselben Herrn Dr. Lösch in Dresden verdanke. 

N. hemielausa Sow. M. C. tb. 479. f. 4. u. 5. — Pusch, Pol. Pal. 
p. 101. tb. 9. /. 16. — Taf. XV. f. 14. a. b. von Palermo. 

Eiförmig, etwas höher als breit, mit niedrig kugelförmigem Ge- 
winde. Nabel durch den oberen Theil der inneren Lippe halb ver- 
deckt. Mündung oval. 

Im englischen Crag, in dem sandigen Grobkalke von Polen und 
im Kalke von Palermo. 

iV. glaucinoides Desh. Coq. de Par. II. p. 166. tb. 20. f. 7. 8. 

— Pusch, Pol. Pal. p. 100. tb. 9. f. 14. — (Nicht A'. glauc. Sow. 
M. C. tb. 5. Z'. 1— 3 u. tb. 479. f. 3.) — Taf. XV. Fig. 15 nach 
Deshayes. 

Schaale quer eiförmig, mit kurzem stumpfen Gewinde, einem 



i 



SCHNECKEX. 



341 



grofsen tiefen Nabel, in dessen Mitte von der inneren Lippe der ova- 
len Mündung aus eine gerundete Wulst herabsteigt. 

In den oberen Schichten des Pariser Grobkalkes, im sandigen 
Grobkalke von Korytnice! in Polen und im Muschelsande von Zuckowce 
in Volhynien. 

Sie scheint nicht verschieden zu sein von; 

N. millepunctata Lam. (Bronn, Leth. p. 1036. tb. 40. f. 29.), 
auf deren Oberfläche häufig noch zahlreiche rostfarbene Fleckchen sicht- 
bar sind, welche in Längsreihen zu schiefen Spiralreihen geordnet 
sind. 

Diese kommt häufig im Tegel von Bordeaux, Dax, in Touraine, 
bei Turin, in Mähren, um Wien (bei Gainfahrn mit einer dünneren 
Wulst im Nabel); in der Subapenninenformalion bei Perpignan, in Süd- 
frankreich, in Italien, Sicilien; in quaternären Muschellagern auflschia; 
und lebend im europäischen und im indischen Ocean und am Senegal 
vor. 

N. compressa Bast., Bronn Leth. p. 1034. tb. 42. f. 38. — 
N. cepacea Pusch, Pol. Pal. p. 102. tb. 9. f. 13. — Taf. XV. Fig. 
16. a. b. 

Schaale fast kugelig, etwas schief eiförmig mit kurzem, spitzem 
Gewinde und länglicher Mündung. Die ganze linke Lippe ist zurück- 
geschlagen, so dafs der ganze Nabel durch einen breiten Saum ver- 
deckt wird, dessen linker Rand mit einem Bogen der Mündung zu- 
läuft. 

In den Tegel-Gebilden bei Wien, Dax, in Siebenbürgen (Buj- 
tur), Galizien (Tarnopol) und im sogenannten sandigen Grobkalke von 
Korytnice in Polen. 

2. G. Narica d'Orb. (naris, Mündung.) 

Schaale kugelig, breiter als hoch, meistens längsgestreift, 
mit kurzem Gewinde und halbkreisförmiger Mündung. Innen- und 
Aufsenlippe sind scharf und der Nabel ist breit, einfach und nicht 
schwielig, wodurch sich Narica von Natica unterscheidet. 

Die Verschiedenheit des Thieres, das man aus wärmeren Mee- 
ren kennt, rechtfertigt die Trennung beider Geschlechter noch mehr. 

N. (Nat.) lirata Phill. Yorkshire II. p. 224. tb. 14. f. 22 u. 
31. — De Kon. descr. des an. foss. p. 476. tb. 42. f. 5. 

Schaale niedergedrückt, mit ziemlich gleichweit entfernten Längs- 
rippen und Streifen dazwischen bedeckt. Ihre 4 gewölbten Windungen 
sind durch tiefe Nähte getrennt. 

Im Kohlenkalke von Vise, Bolland und Yorkshire, 



342 



»EICHTHIBRE. 



N. cretacea d'Orb. Pal. fr, Ten: er. IL p. 170. tb. IIb. f. 7 — 10. 

Schaale etwas niedergedrückt, schief, eng-quer-gefurcht und un- 
regelmäfsig längsgestreift mit 4 sehr gewölbten Windungen. 

Im Sande von Cassis an den Rhonemündungen, welchen d'Or- 
bigny der unteren chloritischen Kreide parallelisirt. 

3. G. Sigaretus Adanson. Milchnapf. Crypto Stoma Blainv. 

An der niedergedrückten, ohrförmigen Schaale liegt das sehr 
kleine Gewinde ganz seitlich. Mündung oval und sehr weit. 

Goldfufs führt (P. III. p. 13. tb. 168. f. 14. 15.) zwei Si- 
gareten aus dem Uebergangskalke der Eifel an, welche man etwa 
zu Pileopsis rechnen könnte, während S. carinatus Münst. (Goldf. 
III. p. 13. tb. 168. f. 16.) von St. Cassian vielleicht eine Nerita 
ist. d'Orbigny kennt nur tertiäre und lebende Sigareten. 

S. canaliculatus Sow. Min. Conch. tb. 384. — Desh. Coq. 
de Par. IL p. 182. tb. 21. f. 13. 14. — Taf. XV. f. 12. 13. 

Die dünne Schaale ist niedergedrückt eiförmig, stark gewölbt 
und fein quer-gestreift, ihr Nabel grofs, das Gewinde flach. 

Aus dem Londonthone Englands, dem Pariser Grobkalke und den 
mitteltertiären Schichten um Bordeaux und Dax. 

S. (Crypt.) elegans Philipp! ( Tertiärverst. p. 20 u. 54. tb. 3. 
f. 4) hat ein spitzeres Gewinde. 

Tertiär bei Cassel und Freden. 

7. Farn. Weritidae d'Orl). 

Das weniger voluminöse Thier, welches sich in sein Gehäuse 
zurückziehen kann, hat einen kurzen, ungetheilten Fufs und zwei 
sehr lange, conische Fühler, an deren äufserer Seite die gestiel- 
ten Augen sitzen. Deckel kalkig, halbkreisförmig und mit einem 
Anhängsel versehen. ' 

Schaale niedergedrückt kugelig oder quer - eiförmig, dick, 
ungenabelt. Gewinde sehr kurz, bisweilen verborgen. Mündung 
halbmondförmig, mit einem dicken, oft über die Spindel ausgebrei- 
teten und gezähnten Rande. 

Die Neritiden finden sich theils in süfsen , theils in salzigen 
Gewässern aller Länder. 

1. G. Nerita L. Schwimmschnecke. Mondschnecke. Nerita 
und Neritina Lam. V etat es Montf. (hjQiTrjg^ eine 
Meerschnecke mit einem bunten Deckel.) 
Schaale fast halbkugelig, mit kurzem Gewinde, unten eben, 
ungenabelt. Mündung halbkreisförmig; Aufsenlippe scharf oder in- 



SCHNECKEN. 



343 



nerlicli gekerbt oder gezähnt; Innenlippe flach, bisweilen scharf, 
bisweilen gezähnt oder gekerbt. Der kalkige Deckel hat einen 
seitlichen Anhängsel. 

Nerüa und Neritina sind nur nach dem Mittel, in welchem 
sie leben, unterschieden worden, und gleichen einander übrigens. Die 
Neriten leben an der Oberfläche der seichteren Meere, auf Felsen 
geheftet sich dem Wellenschlag aussetzend; die Neritinen gehören 
vorzugsweise süfsen Gewässern an. 

Mehrere Neriten kommen schon in devonischer Grauwacke von 
Schübelhammer und Elbersreuth mit Clymenien und Orthoceratiten 
zusammen vor '•' ). 

Die Neriten aus dem Kohlenkalke von Belgien, England und Ir- 
land, welche de Köninck (descr. des an. foss. p. 481 — 486. tb. 22. 
u. tb. 42.) beschreibt, gleichen meistens sehr einer Natica, zu wel- 
cher Gattung auch iV. variata, N. plicistria^ iV. spirata und N. am- 
pliata von Phillips gestellt wurden, während Goldfufs N. ampliata als 
Pileopsis ampL beschrieb. 

N. spirata Sow. M. C. tb. 463. f. 1. 2. — de Kon. /. c. 
p. 484. tb. 42. 3. rf. 

Schaale fast kugelig, etwas niedergedrückt, mit sehr kurzem 
Gewinde, das aus 4 flach-gewölbten, seitlich etwas zusammengedrückt 
ten Windungen besieht, von gleichförmigen Anwachsstreifen bedeckt. 
Mündung rundlich, etwas quer-oval. Aufsenlippe scharf. 

Häufig im Kohlenkalke von England und Belgien. 

JY. costellata Mün. Goldf. P. III. p. 115. tb. 198. f. 21. - : 

Halbkugelig, mit einem sehr kleinen, in den letzten Umgang 
eingesenkten Gewinde; und auf dem ersteren mit 8 dicken Quergürteln, 
in deren eben so breiten Zwischenräumen sich ein kleines Gürtelchen 
erhebt. Nur die beiden oberen Gürtel sind durch einen doppelt brei- 
teren Raum (mit 4 feineren) getrennt. 

Diese echte Nerüa kommt im oberen Jurakalke von Nattheim 

vor. 

iV. cancellata Ziet. und die angeblichen Neriten aus der Kreide- 
formation scheinen zu Neräopsis Sow. zu gehören. 

N. tr icarinata Lam., Desh. Coq. de Par. IL p. 160. tb. 19. 
f. 9. 10. — Hiernach Taf. XV. Fig. 20. 

Schaale durch 3 Querkiele auf dem letzten Umgange ausgezeich- 



*) Münster, Beitr. 3. p. 83. tb. 15. f. 3. (IS. scmtstriataMim.) u. tb, 15. 
f. 4. (ZV. vcnusta Mün.). 



344 



\yEICHTHlERE. 



iiet, zwischen welchen sie quer gestreift ist. Gewinde sehr klein. 
Innenlippe gezähnt. 

Im Pariser Grobkalke und bei Valogne. 

N. (Neritina) conoidea Lam. , Desh. Coq. de Par. II. p. 
149. th. 18. — Brongn. Calc. trapp, p. 60. tb. 2. f. 22. — Br. 
I.eth. p. 1030. tb. 40. f. 23. 

Schaale niedrig-kegelförmig, mit fast elliptischer Basis, welche 
von einer bis zum hinteren Rande sich ausbreitenden Schaale bedeckt 
ist. Mündung klein, halbkreisförmig; Innenlippe gekerbt. 

Im ältesten Tertiärgebirge des Pariser Beckens, auch bei Sois- 
sons unter dem Grobkalke ; an den Abhängen der Pyrenäen in naher 
Berührung mit Kreide ; im trappischen Grobkalke des Ronca - Thaies 
bei Vicenza. 

2. G. Neritopsis Sow. (nerita; oxpig, Ansehen.) 

Die Schaale gleicht der einer Nerita in allen Stücken, nur 
ist ihr Spindelrand (die Innenlippe), anstatt eben zu sein, ausge- 
zackt und zahnlos. 

Diese Gattung scheint erst in der Juraformation zu beginnen 
und verbreitet sich durch die Kreide- und Tertiärforraatiou bis in 
die Meere der Jetztwelt. 

JS.? {Nerita) cancellata Ziet. Verst. Würt. p. 44. tb. 32. 
f. 9. — Hiernach Taf. XV. Fig. 21. — Quenst. Flötzg. Würt. p. 489. 

Regelmäfsig von einander entfernte Querrippen werden durch 
Längsrippen regelmäfsig durchkreuzt und ertheilen der Oberfläche ein 
netzartiges Ansehen. 

Häufig in den oberen Schichten des meisten Jura von Wür- 
temberg. 

N. Robineausiana d'Orb. (Pal. fr. Terr. er. II. p. 174. tb. 
176. f. 1 — 4.), aus dem unteren Neocomien Frankreichs, steht ihr durch 
Form, Quer- und Längsrippen sehr nahe, unterscheidet sich aber 
durch eine gröfsere Anzahl von Querrippen. 

N.? (Nerita) costulata Röm. Kr. p. 82. tb. 12. f. 12. — 
Gein. Char. p. X.; Kiesl. p. 10. — ? N. ornata d Orb. Pal. fr. Terr. 
er. II. p. 176. tb. m. f. 8 — 10. 

Quer-eirund, niedergedrückt mit 3 Windungen, von denen die 
ersten sehr klein sind, die letzte grofs, bauchig und nach vorn ge- 
zogen ist. Oberfläche mit schmalen gerundeten Querrippen bedeckt, 
deren man auf der letzten Windung 20 zählt, die durch breitere, fein 
längslinirte Zwischenräume gelrennt sind. 



SCHiVECKEPf. 



345 



Bis lang, im unleren Pläner von Plauen und Teltschen bei 
Dresden, und? in der unteren chloritischen Kreide von Rouen. 

t 3. G. Pileolus Sow. Hütelschnecke, (pileolus, Käppchen.) 

Schaale niedergedrückt kegelförmig, vy^ie eine Patella ^ ohne 
sichtbare Windung, mit fast in der Milte liegendem Scheitel, aber 
durch seine flache Basis und die bis an das hintere Ende sich aus- 
breitende Innenlippe sehr an Nerita erinnernd. Aufsenlippe vor- 
stehend; Mündung halbkreisförmig. 

Man kennt nur fossile Arten, und zwar aus der Juraformation: 
F. plicatus und P. laevts Sow. (M. C. tb. 432.). 

Mit der folgenden Art sind noch einige andere tertiär. 

P. neritoides Desh. Coq, de Par. II. p. 146. tb. 17. f, 17. 
18. Hiernach Taf. XV. Fig. 22. 

Länglich oval, glatt, mit rückwärts gekrümmtem Scheitel und 
scharfer gezähnelter Innenlippe. 

Im Pariser Grobkalke. 

8. Fam. Vrochidae d'Orlj. 

Das ziemlich kleine Thier hat einen einfachen dreieckigen 
Fufs, welcher oben mit gleichen, öfters sehr langen Fädchen be- 
setzt ist. Der breite Kopf trägt zwei faden- oder kegelförmige 
Fühler, an deren äufseren Basis die Augen auf einem Stiele sitzen. 
Deckel hornig oder kalkig. 

Schaale spiral, mehr oder weniger kegelförmig oder nieder- 
gedrückt, inwendig perlmutterartig. 

Die lebenden Arten sind alle Meeresbewoliner. 

1. G. Trochus L. Kreiselschnecke. Troque. Trochus^ 
Turbo^ Monodonta und Phasianella Aut. (trochus, 

Kreisel.) 

Schaale kreisel- bis kegelförmig, mit einer flachen oder ge- 
gewölbten Basis, flachen oder gewölbten, oft im Umfange gekiel- 
ten Windungen und einer ganzrandigen , entweder eckigen oder 
runden Mündung, die Ränder der letzteren mehr oder weniger von- 
einander getrennt, und der Aufsenrand scharf. Spindel gerade 
oder gekrümmt. Der Nabel ist eng oder fehlt, wird aber nie 
von einer dicken Schwiele bedeckt. Der Deckel ist hornig oder 
kalkig, und spiral. 

a. Trochus Aut. 

Windungen eben oder flach gewölbt, an ihrem unteren Rande 
gekielt; Basis mehr oder weniger flach, Mündung quer- dreiseitig 



846 



WEICHTiriEUE. 



oder schief rundlich- vierseitig, innerlich perlmuttergliinzend. Der 
Nabel ist klein und nicht schwielig. Deckel meistens hornig. 

b. Turbo L. d'Orb. Aut. Wirbelschnecke {iurbo ^ Wirbel.) 

Windungen und Basis stärker gewölbt, wefshalb die Münd- 
ung rund oder rundlich ist; Spindel gekrümmt, an der Basis bis- 
weilen zahnartig verlängert und abgestutzt {Monodonta Lam.). 
Nabel klein und nicht schwielig. Deckel kalkig. 

c. Pliasianella Lam. Littorina Ferussac bei de Kö- 
ninck (?). {phasianus^ Fasan.) 

Schaale eiförmig oder kegelförmig; Gewinde öfters verläng- 
ert. Mündung oval, länger als breit, oben eckig, mit getrenn- 
ten Rändern. Deckel kalkig. — 

Das Thier des Turbo unterscheidet sich von dem des Tro- 
chus nach d'Orbigny nur durch einen stumpfen fleischigen An- 
hängsel an der inneren Basis der Fühler und die kalkige Be- 
schaffenheit seines Deckels, Charaktere, welche wohl kaum zu- 
reichen, beide in ihrer Schaale einander höchst ähnliche Formen 
von einander zu trennen, zumal da, wie de Köninck bemerkt, 
auch einige Natica- Arien kalkige, andere aber hornige Deckel be- 
sitzen. Die Phasianellen entsprechen, nach d'Orbigny, selbst durch 
ihren kalkigen Deckel, welcher übrigens, der ovalen Mündung 
halber, auch oval ist, gänzlich dem Thiere des Turbo ^ so dafs 
ich mit Deshayes '^*) nicht nur Trochus^ Turbo und Monodonta, 
sondern nach Fhilippi's Erklärung ■■•' • '•) und d'Orbigny's Untersu- 
chungen des Thiers der Fhasianella auch diese Gattung wenig- 
stens noch mit Trochus vereinigen zu müssen glaube. Die Trochi 
kommen fast in allen Meeresformationen vor, und schmücken noch 
in vielen buntfarbigen Arten die felsigen Orte unserer jetzigen 
Meere, wo sie sich vorzugsweise von Vegetabilien nähren. 

a. Trochus "•••• •'^ * ) . 

f. Alber tinus Goldf., Ziet. Verst. Würt. tb. 68. f. 5. — 
Zenker, lasch, von Jena p. 230. — Gäa von Sachsen p. 103. — 
Kegel-kreiselförmig , aus etwa 5 Windungen gebildet, welche 



*) Einige Littorinen wurden schon früher der Gattung Natica einver- 
leibt. 

**) Menke's Zeitschr. f. Malakozoologie. 1844. Februar. 
Wiegm. Archiv f. Naturg. 1841. I. p. 49. 
Ueber die Arten aus paläozoischen Gebilden s. Goldfufs Petr. III. 
p. 49 u. f. — Münster, Beitr. Hft. 3. p. 88. — Sandberger in L. Br. J. 
1842. p. 709. — De Köninck, descr. des an. foss. p. 444 u. f. — Archiac 
und Verneuil in Sedgwick und Murchison, von Leonhard p. 192 etc. 



SCHNECKEN. 



347 



treppenförmig abgesetzt sind, da sie nahe der oberen Naht und dicht 
an dar unteren mit einem gekörnelten Kiele versehen sind, zwischen 
welchem die Fläche fast eben ist. Nabel niäfsig grofs. 

Hier und da im unteren Muschelkalke, als dem unteren Tere- 
bratulitenkalke bei Jena und Naumburg. 

T. Baster oti A. Brongn. ewi). de Par. tb. 3. f. 3. — Pusch, 
Pol. Pal. p. 107. tb. 10. f. 15. — Gein. Char. p. 46. tb. 13. f. 9. 

— Goldf. III. p. 58. tb. 181. f. 7. — Reufs, böhm. Kreidev. p. 48. 

Schaale kegel-kreiselförmig , mit 5 schwach gewölbten und ober- 
halb der Basis schwach gekielten Windungen. Jede der letzteren trägt 
5 Querstreifen, welche durch schief rückwärts laufende Längsstreifen 
deutlich gekörnt sind. Bis l" grofs. 

Im oberen Grünsande und im Kreidemergel; so im Plänermergel 
von Böhmen, im Plänerkalke von Strehlen, nach Goldfufs bei Haldem, 
Ilseburg, Köpingen, Zamosc und in chloritischer Kreide um Paris. 

T, Requienianus d'Orb. Pal. fr. Terr. er. II. p. 186. tb. 177. 
f. 1 u. 14. — T. Reichii Gein. Char. p. 47. tb. 15. f. 24. (schlecht). 

— ? r. pUcatus Reufs, westl. Böhmen p. 208. 

Schaale schief-kreiselförmig , etwas niedergedrückt, so dafs ihre 
4 — 5 schwach gewölbten und an der Basis stumpf gekielten Wind- 
ungen in einer wenig gekrümmten Ebene liegen. Die Umgänge 
tragen starke Längsfalten, welche zwar nicht ganz senkrecht herab- 
laufen, jedoch viel weniger schief als die Längsstreifen der vorigen 
Art. Diese werden durch feine, an der Basis aber starke Querstrei- 
fen durchkreuzt. 

In der chloritischen Kreide von Cassis an den Rhonemündungen; 
im unteren Pläner von Plauen bei Dresden und in den Conglomerat- 
schichten des Tunnels bei Oberau, von woher ich sie früher theils 
als T. Basteroti, theils als T. Reichii bestimmt habe. 

b. Turbo. 

T. (r.) gregarius Schloth. {Buccinites gregarius) Nachtr. tb. 
32. f. 6. — Buccinum gregarium Schloth., Gein. in L. Br. J. 1842. 
p. 577. tb. 10. f. 6. — B. helicinum Zenk. Taschenb. v. Jena p. 
229. — Gäa von Sachsen p. 104. — Goldf. III. p. 93. tb. 193. f. 
3. — Hiernach Taf. XIV. Fig. 15. a. b. c. 

Ei-kegelförmig, glatt, enggenabelt, mit 4 — 5 stark gewölbten 
Windungen, von denen die letzte bauchig ist. 

In den unteren und mittleren Schichten des thüringer Muschel- 
kalkes und bei Rüdersdorf ganze Schichten erfüllend ; aufserdem bei 
Laineck im Bayreuthischen. 



348 WKICIITIIIKRE. 

T. Helicites Mün., Goldf. III. p. 93. Ib. 193. f. 3. — Heli- 
cites turbilinus Schloth. — Buccmum turbilinum Gein. in L. Br. J. 
1842. p. 577. tb. 10. f. 6. — Gäa v. Sachsen p. 104. 

Ist kürzer als die vorige Art, mit welcher sie zusammen vorkommt ; 
eiförmig, mit 3 — 5 Windungen, von denen die letzte bauchiger ist. 

T, Cyclo Stoma Zielen, Verst. Würt. tb. 33. f. 4. — T. cy- 
slostomoides Dunker und Koch, Verstein. d. norddeutschen Oolithen- 
geb. tb. 1. f. 13. — Quenstedt, Flötzg. Würt. p. 198. — Goldf. III. 
p. 94. tb. 193. f. 7. — Hiernach Taf. XIV. f. 16. 

Ei-kegelförmig, mit 6 stark gewölbten Umgängen, welche auf 
der ganzen Oberfläche mit feinen, gekörnten Spiralstreifen bedeckt 
sind. Mündung kreisförmig, etwas abstehend. 

Im mittleren Lias bei Banz, Berg, Quedlinburg, Goslar und im 
Würtembergischen. 

T. conicus (Delphinula conica) Lam., Desh. Coq. de Par. 
II. p. 205. tb. 24. f, 14. 15. -— Hiernach Taf. XV. Fig. 8. a. b. 

Schaale kegelförmig, mit scharfer Spitze und scharf gekielten 
Umgängen. Auf dem letzten Umgange tritt unter dem ersten noch 
ein zweiter Kiel hervor. Mündung rundlich. 

Häufig im Pariser Grobkalke, besonders zu Grignon. 

Einige Monodonten, M. Purpura (purpurea) Arch. u. Vern. 
aus dem devonischen Grauwackenkalke von Ffaffrath, M. laevigata 
Mün. aus dem Oolithe von Auerbach in der Oberpfalz, und M. or- 
nata Mün. aus dem oberen Jura von Nattheim wurden von Goldfufs 
(III. p. 101. tb. 195. f. 4 — 6.) beschrieben. 

c. Phasianella Lam. 

T. (P.) turbinoides Lam., Desh. Coq. de Par. IL p. 265. 
tb. 40. f. 1 — 4. 

Ei-kegelförmig, mit kurzem, spitzem Gewinde und stark gewölb- 
ten Umgängen, von denen der letzte bauchig ist. 

Sehr häufig im Grobkalke des Pariser Beckens, bei Valognes 
und in Belgien. 

P. ventricosa Goldf. (III. p. 113. tb. 198. f. 14.), aus de- 
vonischem Grauwackenkalke der Eifel, ist dem P. turbinoides sehr ähn- 
lich und hat ein nur um wenig längeres Gewinde. 

Mit diesem zusammen kommt eine andere ei - kegelförmige Art 
vor, deren letzte Windung etwa doppelt so lang ist als das Ge- 
winde, P. ovata Goldf. (III. p. 113. Ib. 198. f. 15.), mit welcher 
Exemplare aus der Kohlenformation von Altwasser in Schlesien (Taf. 
XIV. Fig. 14.) übereinstimmen. 



siCHNECKE.N. 



349 



2. G. Phorus Montf. Troclms Aut. ((fOQog^ tragend.) 

Bei der Gestalt eines niedergedriickt-kreiselförmigen Trochus 
unterscheidet sich Phorus von dieser Gattung durch eine weit aus- 
gerandete und am Spindelrande sehr erweiterte Mündung, durch 
eine andere Beschaffenheit des hornigen Deckels und dadurch, dafs 
die Schaalenoberfläche, besonders an den Nähten, mit fest ange- 
kitteten fremdartigen Körpern bedeckt ist. 

Schon in der Kreideformation kommen einige Phori vor, und ich, 
müfste den beiden bisher bekannten Arten, Ph. canaliculatus d'Orb. 
Pal. fr. Terr. er. tb. 176. f. 13 — 14. {Tr. agglutinans Mant. Geol. 
Süss. tb. 18. f. 9.), und Ph. (Tr.) onustus Nilss. Petr. Suec. tb. 
3. f. 4. (His. Leth. Suec. tb. 11. f. 4.) noch eine dritte Art hinzu- 
fügen, wenn ich nicht annehmen könnte, dafs dieselbe nur eine Va- 
rietät meines Troehus granulatus (Char. p. 46. tb. 15. f. 20.) sei. 

Dieser Phorus? (Taf. XIV. Fig. 18.) ist kegel-kreiselförmig , hat 
4 — 6 ebene, an der Basis scharfkantige und vieleckige Windungen, 
welche mit dichten gekörnelten Querlinien, und vielen angekitteten 
fremden Körpern (die in der Abbildung absichtlich nicht mit gezeich- 
net wurden) bedeckt sind. Rechnet man diese ab, so hat man ei- 
nen Troehus granulatus mit etwas vorstehendem unterem Rande der 
Umgänge, welcher knotig ist, während bei Tr. granulatus die ober- 
ste dicht an der Naht liegende Körnerreihe grofskörniger ist. Basis 
flach gewölbt. 

Im unteren Fläner bei Dresden mit Tr. granulatus zusammen. 

Ph. (T.) conehyliophorus Born. — Taf. XIV. Fig. 17. a. b. — 
T. agglutinans Lam. u. T. coneh. Desh. Coq. de Par. IL p. 241 — 242. 
tb. 31. f. 8 — 10; tb. 31. f. 1. 2. — Br. Leth. p. 1044. tb. 40. f. 35. 

Schaale niedrig-kreiseiförmig, mit sehr ausgebreiteter flacher Ba- 
sis, deren Rand scharf und vieleckig ist. Die Umgänge sind ziem- 
lich flach und zeigen da, wo sie nicht mit fremden Körpern bedeckt 
sind, wellenförmige Querstreifen und dieselben durchkreuzende Zuwachs- 
streifen. Diese Zuwachsstreifung tritt auf der Basis sehr deutlich her- 
vor, welche übrigens dicht-concentrisch gestreift ist. Der Nabel ist 
Üieils von der Innenlippe bedeckt, theils offen und enthält im letzte- 
ren Falle an seinen Seitenwänden gewöhnlich einige dünne senkrechte 
Blätter, welche in die stärkeren, spiralen Anwachsstreifen verlaufen. 

Häufig im Pariser, im Belgischen und Mecklenburger Grobkalke 
und im Londonthone Englands; im Kalke von Palermo und noch le- 
bend im Mittelmeere. 



350 



WEICIITHIERE. 



3. G. Rotella Lam. Rädelschnecke. RculeUe. Plychomphalus 

Ag. und Helicina Lara, bei Sowerhy z. Th. (rotella^ 
statt rotula^ Rädchen.) 

Die Rädelschnecken sind dem Thiere nach echte Trochi und 
unterscheiden sich von ihnen nur durch eine schwielige Verdick- 
ung der Spindelbasis, welche den Nabel gänzlich bedeckt. Ihre 
Form ist niedergedrückt kugelig, oder kugelig-kreiselförmig ; das 
Gewinde kurz und niedergedrückt. Sie bewohnen jetzt nur wär- 
mere Meere und sind in geringer Zahl auch schon in älteren For- 
mationen zu finden. 

R. (Helix) heliciformis Scliloth., Goldf. III. p. 102. tb. 195. 
f. 7. — Hiernach Taf. XIV. Fig. 25. 

Schaale niedergedrückt- kugelig, sehr fein gestreift, mit 4 fast 
drehrunden, schnell zunehmenden Windungen und kreisförmiger Münd- 
ung. Der obere Rand der Umgänge ist weit übergreifend. 

Im devonischen Grauwackenkalke von Pfaffrath. 

R. {Hei.) expansa Sow. mit R. (H.) solanoides Sow. M. C, 
tb. 273. — Goldf. III. p. 102. tb. 195. f. 8. 9. 

Kugelig - kreiseiförmig, fast linsenförmig, mit feinen Querlinien 
bedeckt. Gewinde niedrig, aber spitz. Die Umgänge sind an ihrem 
Umfange scharf-gekielt, über dem Kiele flach concav, unter demsel- 
ben auf dem letzten Umgange gewölbt. Die Schwiele ist von einer 
Furche umgränzt. 

' Im Lias von Lyme-Regis, Banz, Boll und Frankreich. 

R. Archiaciana d'Orb. {Pal fr. Terr, er. IL p. 192. tb. 178. 
f. 4 — 6.), aus der unteren chloritischen Kreide von Mans (Sarthe). 

4. G. Delphinula Lam., d'Orb. Lappenschnecke. Dauphinule 

( delphinus , D elphin. ) 

Das Thier der Delphinula entspricht nach d'Orbigny ganz 
dem des TrocJms^ wefshalb auch Deshayes diese Gattung mit 
Trochus vereinigen will. Sein Deckel ist ebenfalls hornig und 
Spiral. 

Die Schaale ist niedergedrückt und genabelt; die runde Münd- 
ung hat vereinigte Ränder und einen starken, beim Wachsthum 
der Schaale sich öfters erneuernden, bisweilen gefranzten Mund- 
wulst. 

Nach dieser Restimmung gehören mehrere der Lamarck'schen 
Arten theils zu Turbo ^ theils zu Euomphalus. 

Nach d'Orbigny beginnt diese Gattung zuerst im Lias mit 
D. laevigata d'Orb., ist im Neocomien durch D. Dupiana 



SCHNECKEN. 



351 



d'Orb. (Pal. fr. Terr. er. II. p. 209. tb. 182. f. 1—4.) vertre- 
ten, findet sich noch in tertiären Schicliten und bewohnt jetzt die 
wärmeren Meere. 

t 5. G. Scoliostoma Braun, (oxoliug^ verdreht; oiofia^ 

Mund.) 

Schaale kegelförmig mit stielrunden Umgängen, von welchen 
der letzte sich mit der Mündung seitwärts nach oben richtet und 
den Nabel bedeckt. Die Mündung ist ganzrandig, fast kreisrund 
und hat einen wulstförmig verdickten Rand , wodurch sich diese 
Gattung eng an Velphinula anschliefst. Einzige Art: 

Sc. Dannenbergi Braun in L. Br. J. 1838. p. 297. tb. 2. f. B. 

Die Schaale erscheint durch feine Längs- und Querstreifen ge- 
gittert. 

Aus silurischem Grauwackenkalke von Wissenbach. 

t 6. G. Euomphalus Sow. Weitnabel sehn ecke, (ei..., 

grofs; dfKpalog^ Nabel.) 

Straparolus Montf. Helicites Martin; Schloth. Wahlb. 
Trochilita Schloth. Wahlb. Euomphalus und Cirrus Aut. 
Maclurites Lesueur, Blainv. Cirus u. Skenea Fleming; Tur- 
bo^ Omalaxis und Omalaxon Desh. Bifrontia Desh. So- 
larium Desh. Blainv. d'Orbigny z. Th. Schitzostoma Bronn; 
Centrifugus His. Ampullaria und Globulus Sow. Pleu- 
rotomarium Fischer; Spirorbis Steininger; Inachus Hisinger 
z. Th.; Ecculiomphalus Portlock, Morris, (de Köninck.) 

Schaale kreisrund, niedergedrückt-kegelförmig bis scheiben- 
förmig, weit genabelt; Windungen gewölbt oder eckig- niederge- 
drückt, mit glatten oder gestreiften, nie gekerbten inneren Rän- 
dern; Mündung eckig oder rundlich; die scharfe Aufsenlippe ist 
oberhalb mit einer mehr oder weniger tiefen Bucht versehen. 

Die Euomphalen sind im Grauwackengebirge und irn Kohlen- 
kalke am häufigsten und sterben in der Kreide gänzlich aus. Hier 
werden sie schon theilweise, und im Tertiärgebirge, sowie in der 
lebenden Schöpfung, gänzlich durch die eigentlichen Solarien ver- 
treten, mit welchen d'Orbigny die Euomphalen vereinigt. 

E. catillus Sow. M. C. tb. 45. f. 3. 4. — Schitzost. cat. 
Br. Leth. p. 95. tb. 3. f. 10. — Goldf. III. p. 87. tb. 191. f. 6. — 
de Kon. a. a. 0. p. 427. tb. 24. f. 10. — Taf. XIV. Fig. 22. a. b. 

„Scheibenförmig, auf beiden Seiten concav. Die 4 Windungen 
nehmen schnell an Dicke zu. Ihre obere und untere Fläche ist flach 



352 



WBICHTHIERB. 



convex und steigt an jeder Seite empor, um einen erhabenen Kiel 
zu bilden, so dais die äufsere convexe Flache zwischen diesen Kie- 
len eine beträchtliche Ausdehnung erhält. Die gedrängten Zuwachs- 
streifen sind regelniäfsig und laufen ohne Unterbrechung über die Kiele 
hinweg. Bisweilen machen sich auch einige schwache Gürtelchen be- 
merkbar." "Goldfufs. 

Im Kohlengebirge von Falkenberg in der Grafschaft Glatz, Ra- 
lingen, Derbyshire, Buxton, Yorkshire, Vise und Lives. 

E. pentangulatus Sow. M. C. th. 45. f. 1. 2. — Er. Leth. 
p. 94. tb. 2. f. 11. — de Kon. a. a. 0. p. 430. tb. 24. f. 9. — 
Sch. catillus Fischer, Oryct. du gouv. de Moscou^ tb. 49. f. 3. 4. — 
E. quinquangulatus Goldf. III. p. 87. tb. 191. f. 4. 

Umgänge fast fünfseitig, mit einer vorspringenden scharfen Kante 
auf der oberen Seite und einer stumpfkantigen unteren Seite. 

Nach Archiac und Verneuil im Kohlenkalke von Ratingen, York- 
shire, Northumberland, Dublin, Vise, Tournay, Namur, Sable, an der 
Dwina, Fedotova und Miatchkova. 

E. Serpula de Kon. a. a. 0. p. 425. tb. 23 his. f. 8; tb. 25. 

f. 5. — Hiernach Taf. XIV. Fig. 23. a. b Goldf. III. p. 86. tb. 

191. f. 1. — Serpularia centrifuga Römer, Harzgeb. p. 31. tb. 8. f. 13. 
— E. Baerii Eichwald, die Urwelt Rufslands 1. p. 102. tb. 4. f. 10. 

Die fast in einer Ebene liegenden, mehr oder weniger weit 
von einander abstehenden Windungen sind drehrund bis quer ellip- 
tisch, welcher Form auch die Mündung entspricht. 

In devonischem Grauwackenkalke von Pfaffrath, Villmar und bei 
Grund im Harze; von Herrn Apotheker Beinert im Kohlenkalke von 
Ebersdorf in der Grafschaft Glatz aufgefunden und im Kohlengebirge 
von Belgien, Irland und in Rufsland. 

7. G. Solarium Lam. Cadran. (? solarium^ Sonnenuhr.) 

Diese der vorigen sehr ähnliche Gattung besitzt, nach de 
Köninck, einen gekerbten oder gekörnten Nabelrand, und einem 
oder zweien der gekerbten oder gekörnten Nabelwülste entspre- 
chen 1 — 2 kleine Spalten, während die Aufsenlippe der Mündung, 
wie es bei Euomphalus der Fall ist, niemals ausgeraudet ist. 
Die Oberfläche der Solarien ist gewöhnlich mit Körnern und Kno- 
ten verziert. 

Das Thier gleicht nach d'Orbigny dem des Trochus. 

Die Existenz der Solarien ist von der Kreide an bis in die 
jetzige Schöpfung erwiesen. 



SCHNECKEN. 



353 



S. decemcostatum v. Buch, in Karsten's Archiv 1838. Bd. 11. 
p. 316. — Reufs, westl. Böhm. p. 208; Böhm. Kreideverst. p. 48. 
tb. 10. f. 12. 

„1-2 — 4'" breit, 1 — 3'" hoch, kreisrund, niedrig kegelförmig, 
mit 4 runden, gewölbten, durch eine tiefe Naht getrennten Umgängen. 
Sie werden von 10, durch sehr feine schräge Längslinien gekörnte, 
erhabene Querstreifen bedeckt. Basis mäfsig gewölbt, durch eine 
Kante von der oberen Fläche gesondert, sonst mit schwachen, nicht 
gekörnten Spiralstreifen geziert. Nabel klein, gezähnt. Mündung schief, 
vierseitig-rundlich." 

In den Pyropenlagern von Trziblitz und Meronitz; im Pläner- 
mergel von Luschitz, Priesen, Wollenitz in Böhmen; und, wenn Turbo 
sulcifer Römer, Kr. p. 81. tb. 12. f. 1. dazu gehört, auch im Kreide- 
mergel bei Ilseburg. 

S. plicatum Lam., Desh. Coq. de Par. IL p. 219. tb. 24. f. 
1fr — 18. — Sow. Min. Conch. tb. 524. f. 4 — 6. — Br. Leih. p. 
1039. — Taf. XIV. Fig. 20 (nach Desh.). 

Schaale niedergedrückt, mit fast ebenen, durch eine vertiefte 
Naht getrennten Umgängen, mit ungleichen Querstreifen bedeckt, welche 
durch Längslinien durchkreuzt und gekörnelt werden. Die Basis ist 
gewölbt und stöfst mit einer Kante an den letzten Umgang an, der 
weite Nabel ist mit einer vorstehenden gekerbten Kante umringt. 

Häufig im Pariser Grobkalke, im Londonthone von Barton, auch 
in der Ukraine. 

S. disjunctum Lam. — Taf. XIV. Fig. 21. a. b. — Nach 
Deshayes, Coq. de Par. II. p. 223. tb. 26. f. 21. 22. (Bifrontia dis- 
juncta). 

Scheibenförmig, glatt, von beiden Seiten zusammengedrückt, 
oberhalb eben, unterhalb convex und tief genabelt. Nabel mit schar- 
fem einfachem Rande umgeben. Von den übrigen Umgängen ist 
der letzte getrennt. Dieser ist am Rande gekielt und die kleine 
Mündung ist schief dreieckig. 

Im Pariser Grobkalke. 

8. G. Orbis Lea. (orbis^ Kreis.) 

Unterscheidet sich nach Bronn von der vorigen Gattung durch 
seine viereckige, nicht ausgerandete Mündung und einen ungekerb- 
ten Nabelrand. 

0. rot eil a Lea, Br. Leth. p. 1040. tb. 40. f. 39. 

Im Grobkalke von Alabama und im Tegel-Gebilde von Arapatak 
in Siebenbürgen. 

Geiuitz, Versteiuerungskunde, 23 



354 



WBICHTIIIERE. 



\ 9. Farn. Maliotidae d'Orlb. 

Das Thier der Haliotiden, welches oft so grafs ist, dafs es 
sich nicht in sein Gehäuse zurückziehen kann,, hat einen breiten 
eiförmigen Fufs, einen sehr deutlichen Kopf, welcher vorn an der 
äufseren Seite der kegelförmigen Fühler gestielte Augen trägt. Ein 
Deckel fehlt oder ist nur angedeutet. Die Kiemen bilden regel- 
mäfsige, fast gleiche Kämme. Der Mantel ist entweder ausge- 
zackt oder dem Spalte oder den Löchern der Schaale gegenüber 
durchbohrt, so dafs das Thier durch diese Oeffnung hindurch be- 
quem athmen kann. 

Schaale kreiseiförmig oder ohrförmig gewunden, allermeist 
perlmutterartig und oft an der Mündung mit Löchern oder mit ei- 
nem Spalte oder einem tiefen Sinus versehen. 

1. G. Stomatia (Stomatia und Stomaiella) Lam. (ctto/mcc, 

Mund.) 

Schaale länglich, eiförmig, ohrförmig, undurchbohrt; ihr Ge- 
winde besteht aus wenigen sehr niedergedrückten Umgängen. Die 
ganzrandige Mündung ist sehr breit gezogen und hat eine scharfe 
Aufsenlippe. Das Thier nähert sich durch seine inneren Anhäng- 
sel im Grunde der Fühler sehr dem des Turbo, unterscheidet sich 
aber von ihm schon durch den Mangel der Fäden am Fufse. 

Jetzt bewohnen die Stomatien warme Meere, und d'Orbigny 
lehrte in der 

St. aspera d'Orb. (Pal. fr. Terr. er. IL p. 237. tb. 188. f. 
4 — 7.), aus der unteren chloritischen Kreide bei Cognac, die erste 
fossile Art dieser Gattung kennen. 

t 2. G. Pleurotomaria Defrance. Spaltschnecke. Scissu- 
rella d'Orb. Cirrus, Euomphalus ^ Schizostoma Aut. 
z. Th. {nltvQov^ Rippe; To/naQtov^ kleiner Schnitt.) 

Schaale kegel- bis niedergedrückt -kreiseiförmig, mehr oder 
weniger deutlich genabelt. Mündung verschieden; Spindel einfach; 
Aufsenlippe scharf, mit einem längeren oder kürzeren Spalte ver- 
sehen, welchem die Zuwachsstreifung der Schaale entspricht. 

Schon die ältesten Meeresbildungen, namentlich die devoni- 
sche Grauwacke und der Kohlenkalk, umhüllen zahlreiche Fleuro- 
toraarien; im Oolithen- und Kreidegebirge sind sie sehr häufig, 
mit den älteren tertiären Gebilden aber verlassen sie für immer 
den Schauplatz der thierischen Schöpfungen. 



SCHNECKEN. 



355 



PI. (Helicites) delphinuloides Schloth. — Helix cirrifor- 
mis Sow. M. C. tb. 175. /*. 4 — 6. — Schiz. Delpk. Goldf. III. p. 
78. tb. 188. f. 3. — Hiernach Taf. XIV. Fig. 24. — ? de Kon. a. 
a. 0. p. 377. tb. 36. f. 4. — Ptychomphalus cirr. Ag. 

Schaale kreiseiförmig, mit 6 — 7 drehrunden oder etwas nieder- 
gedrückten Windungen und zahlreichen feinen Zuwachsstreifen. Zwei 
schmale Querkiele begränzen an der Peripherie der Umgänge ein brei- 
tes flaches Band, auf welchem durch einen rückwärts laufenden Si- 
nus der Zuwachsstreifen der Spalt oder vielmehr die tiefe Bucht der 
Aufsenlippe bezeichnet wird. Unter demselben erhebt sich nicht sel- 
ten auf der letzten Mündung noch ein dritter Kiel. 

In devonischer Grauwacke von Pfafi'rath, im Kohlenkalke von 
Ratingen, Tournay nnd Derbyshire. 

PL neocomiensis d'Orb. Pal. fr. Terr. er. p. 240. tb. 188. 
f. 8 — 12. — Cirrus depressus Sow., Gein. Char. p. 47. tb. 14. f. 
8. — Taf. XV. Fig. 5. 6. 

Schaale kreiseiförmig, bald mit höherem Gewinde, bald nieder- 
gedrückt, im Umfange der gewölbten Basis stumpfkantig, überall durch 
scharf hervortretende concentrische und Zuwachs-Linien netzförmig ge- 
körnelt. Die Windungen sind stark gewölbt, durch eine tiefe Naht 
von einander getrennt und zeigen oberhalb ihrer Mitte die schmale 
Spaltdecke. Mündung quer-eiförmig; Nabel tief und weit. Die Stein- 
kerne sind mehr oder weniger glatt. 

Im Neocomien des Pariser und mittelländischen Beckens; im un- 
teren Pläner von Plauen bei Dresden und im Tunnel bei Oberau. 

PI. depressa Mant. und PI. perspectiva Mant. z. Th. {Geol. 
of Süss. tb. 18. — Cirrus persp. und C. depressus Sow. M. C. tb. 
428.) würde ich wegen der Convexität ihrer Windungen, der tiefen 
Naht und der quer-eiförmigen Mündung am liebsten mit PL neocomien- 
sis vereinigen, wenn nicht die Exemplare aus dem Plänerkalke von 
Strehlen und aus der Kreide von England immer fast glatt wären 
und, aufser feinen Querstreifen, fast nur an der Basis schwache Längs- 
streifen zeigten. Sie werden gewöhnlich zu der folgenden Art ge- 
zogen. 

PL (Trochus) linearis Mant. G. S. p. 110. tb. 18. f. 17. 
— PL perspectiva Mant. z. Th. — PL distincta Duj., Rom. Kr. p. 
82. — Gein. Char. p. 46. tb. 13. f. 8; tb. 15. f. 18. 19. — Goldf. 
III. p. 75. tb. 187. f. 1. — Hiernach Taf. XV. Fig. 1. — PL persp. 
d'Orb. PaL fr. Terr. er. II. p. 255. tb. 196. 

Bei einer kreiseiförmigen Gestalt besteht diese Art aus 5 — 6 
in der Mitte , am unteren und am Nabel-Rande gekanteten Umgängen, 

23* 



356 



WEICHTIIIERE. 



welche mit dichten Querlinien (etwa 20) bedeckt sind, die durch al- 
lermeist feine Zuwachslinien gekörnelt werden. Die Schaale dacht 
sich von dem mittleren Kiele nach dem unteren, sowie auch nach 
der Naht hin, ziemlich eben ab. Die Basis ist flach gewölbt; die 
Mündung fast fünfseitig; der Nabel tief und enger als bei der vori- 
gen Art. Die schmale Spaltdecke liegt auf dem mittleren Kiele der 
Windungen. 

Diese Art variirt in ihrer Höhe , durch geringere Schärfe des 
unteren Randes und des mittleren Kieles (in welchem Falle sie der 
PL neocomiensis ähnelt), gröfsere oder geringere Zahl ihrer Querlinien 
und deutlicheres Hervortreten der Zuwachsstreifen. Ich glaube nicht, 
dafs PI. velata und PI. disticha Goldf. , PI. granulifera und PI. plana 
Mün. (Goldf. III. p. 76. tb. 187. f. 2. 5. 3. 4.), sowie PI. Mailleana 
d'Orb. und PI. formosa Leymerie (d'Orb. Pal. fr. Terr. er. II. p. 253. 
259. tb. 195. 199. f. 1. 2.) von PL linearis getrennt werden können. 

Im Plänerkalke von Sachsen, Böhmen und Schlesien (Oppeln) 
und im Chalkmarl von England; in chloritischer Kreide von Haldem, 
Coesfeld, Lemförde und an vielen Orten in Frankreich. 

PL seriato - granulata Goldf. III. p. 75. tb. 186. f. 10. — 
PL secans d'Orb. PaL fr. Terr. er. II. p. 261. tb. 200. f. 1 — 4. — 
Reufs, böhm. Kr. p. 47. tb. 10. f. 8. — Taf. XV. Fig. 2 (von unten). 

Sie unterscheidet sich von PL linearis durch viel dickere und 
entferntere Querstreifen und Zuwachsstreifen, welche letzteren auf der 
Basis fehlen, und durch einen weiteren Nabel. 

Im unteren Quader von Böhmen (Postelberg, Laun u. a. 0.); 
in der chloritischen Kreide von Cognac. 

PL gigantea Sow. bei Fitton , oiser». etc. tb. 14. f. 14. — ■ 
Rom. Kr. p. 82. — Gein. Nachtrag zur Char. p. 10. tb. 5. f. 5. — 
Goldf. III. p. 77. tb. 187. f. 6. — Taf. XV. Fig. 3. 4. a. b. 

Schaale conisch-kreiselförmig, mit etwa 6, im Durchschnitte fast 
dreiseiligen Umgängen, die an ihrer Basis gekielt sind. Die schmale 
Spaltdecke liegt über der Mitte der Windungen^ und die letzteren 
steigen oberhalb des Spaltes sanft geneigt nach der wenig vertieften 
Naht empor, und fallen unterhalb desselben eben oder schwach con- 
cav nach dem Kiele herab. Die ganze Oberfläche ist unregelmäfsig, 
aber dicht quer-linirt, und sämmtliche Linien werden durch feinere oder 
gröbere Zuwachslinien feiner odfer gröber gekörnelt. Der Nabel ist 
tief, aber ziemlich eng. Steinkerne haben in der Mitte der Wind- 
ungen eine breite Rinne, welche unmittelbar in der Spaltgegend am 
tiefsten ist und sich nach unten allmählich verflachL 

Im Hilsthon des Elligser Brinkes; im unteren Grünsand von Eng- 



SCHNECKEN. 



357 



laiid; im unteren Pläner von Plauen bei Dresden , und in den diesem 
entsprechenden Conglomeaischichlen von Janegg bei Teplitz; in der 
Umgegend von Aachen. d'Orbigny beschreibt einige Arten aus dem 
Neocomien, PL Robinaldi {Pal. fr. Terr. er. II. p. 243. tb. 190. f. 5 — 8.), 
PL Lahayesi u. PL simplex (PaL fr. Terr. er. II. p. 251. tb. 193 y 
p. 252. tb. 194.) aus der chloritischen Kreide Frankreichs, welche 
der PL gigantea identisch zu sein scheinen. 

PL (Troehus) sublaevis Gein. Char. p. 73. — • Reufs, westl. 
Böhm. p. 209; Böhm. Kreidev. p. 47. tb. 10. f. 9; tb. 12. f. 10. — 
Taf. XIV. Fig. 19. 

Diese kleine Art ist häufig im Plänermergel und in den Grana- 
tenlagern von Böhmen. 

t 3. G. Catantostoma Sandberger. (xMTwvr?/^, bergab; 
oTO/iia^ Mund.) 

Die Schaale dieser Gattung hat die Form und den verwach- 
senen Spalt der Pleurotomarien, unterscheidet sich aber von ih- 
nen durch die Beschaffenheit des letzten Umganges, der sich in 
seinem letzten Drittheile mit einer plötzlichen Wendung herabbiegt, 
und, indem er seine Aufsenlippe einrollt und dadurch verdickt, 
eine lang ovale, schief auf der Achse liegende Mündung bildet. 
(Goldfufs.) 

Die einzige Art ist; 

C. clathratum Sandb. in L. Br. J. 1842. p. 392. tb. 10. f. 
7. — Hiernach Taf. XV. Fig. 7. — Goldf. III. p. 78. tb. 188. f. 2. 
Aus devonischem Kalkmergel von Villmar. 

f 4. G. Murchisonia Archiac und Verneuil. Melania^ Turri- 
tella^ Cerühium., Schizostoma^ Pleiirotoma Pleiiroto- 
maria Aut. 

Schaale thurmförmig, meist eckig oder knotig; Mündung läng- 
lich, oval oder, ähnlich dem Cerithium^ an der Basis mit einem 
abgestumpften kurzen Canale versehen; Aufsenlippe mit einem ähn- 
lichen Spalte wie Pleurotomaria. Die Murchisonien sind, nach de 
Köninck, thurmförmige Pleurotomarien und nähern sich durch ihre 
allgemeine Form den Turritellen und Cerithien, mit denen sie so 
häufig auch verwechselt worden sind. 

' Nur einige Arten dieser Gattung kommen in silurischer Grau- 
wacke vor, die übrigen gehören alle der devonischen und dem 
Kohlenkalke an. 



358 



WEICHTHIERE. 



M. subsulcata de Kon. a. a. 0. p. 416. tb. 38. f. 4. — 
Hiernach Taf. XIV. Fig. 5. 

Aus dem Kohlenkaike von Vise. 

M. {Rostellaria) angulata Phill., de Kon. a. a 0. p. 412. 
Ib. 38. f. 8; tb. 40. f. 8. 

Thurmförmig, mit etwa 8, in der Mitte gekielten Umgängen, 
auf deren Oberfläche sich bisweilen noch 2 — 6 kleine Querkiele zei- 
gen, welche in gleicher Entfernung von einander liegen. Mündung 
fast dreieckig. 

In devonischer Grauwacke von Brushford und Petherwin in Eng- 
land und Pfaffrath; im Kohlenkalke von ßolland und Vise. 

M. V erneuiliana de Kon. a. a. 0. p. 414. tb. 38. f. 5. — 
31. angulata Arch. u. Vern. — Goldf. III. p. 25. tb. 172. f. 5. 

Sie unterscheidet sich von der vorigen durch einen doppelten 
Kiel in der Mitte, und ist übrigens glatt. 

Im devonischen Eifelkalke und im Kohlenkaike von Vise. 

M. Hercynica Rom. Harzgeb. p. 29. tb. 8. f. 4. 

Sie hat den doppelten Kiel der vorigen und aufserdem die schwäche- 
ren Kiele von M. angulata, die aber hier nicht in regelmäfsiger Ent- 
fernung stehen. 

t 5. G. Porcellia Leveille. (Nauiilus und Bellerophon Aut.) 

Scliaale scheibenförmig, sehr niedergedrückt, fast symme- 
trisch (ammonitenartig) , weit genabelt, mit einander berührenden 
Umgängen, einer ovalen oder fast fünfseitigen Mündung, und ei- 
ner scharfen, in der Mitte gespaltenen Aufsenlippe. 

Die Lage' des engen Spaltes in der Mitte des Rückens der 
fast symmetrischen Schaale unterscheidet diese Gattung von den 
Pleurotomarien. Dieser Spalt ist, wie bei diesen, nur vorn olFen, 
übrigens aber bedeckt. 

Wohl mit grofsem Rechte daher stellt de Köninck (a. a. 
0. p. 358.) diese Gattung, sowie auch die ihr ganz ähnliche, 
doch enger genabelte und ganz symmetrische Gattung B eller o- 
phon (s. p. 258.) in die Familie der Haliotideu. 

Die Porcellien kommen nur in devonischer Grauwacke und 
in der Kohlenformation vor , und de Köninck beschreibt 3 Arten 
derselben aus diesen Schichten, Vielehen Münster (Beitr. 5. p. 61.) 
noch eine vierte aus dem Eifelkalke hinzufügte. 

f 6. G. Ditremaria (früher Rimulus) d'Orb. (diä, durch; 
TQfj(.ia^ Loch.) 

Schaale kreiseiförmig, trichterförmig genabelt, mit einer breit 



SCHNECKEN. 



359 



ausgerandeten Mündung, von welcher sich ein schmaler Theil bis 
in die Spitze des Nabels eniporzielit. Die Schaale wird von ei- 
ner ovalen AthmungsöfTnung durchbrochen, welche in einiger Ent- 
fernung von der Aufsenlippe ist. 

Alle Arten kommen im Lias und in der Wealdenformation 
vor (d'Orb. Pal. fr. Tetr. er. IL p. 277.) 

t 7. G. Cirrus Sow. d'Orb. (^cirrus, Haarlocke, Ranke.) 

Schaale kegel- bis niedergedrückt kreiseiförmig, mit runden 
Umgängen und ganzrandiger runder Mündung, und langen, äufser- 
lich theils offenen, theils verschlossenen Athmungsröhren versehen, 
welche auf dem letzten Umgange vertheilt liegen. 

C. Leachii Sow. {M. C. tb. 219.), aus dem unteren Oolith 
von Dundry, ist der Typus für diese Gattung. 

C. armatus de Kon. (a. a. 0. p. 443. tb. 24. f. 13.) kommt 
im Kohlenkalke von Vise vor. 

8. G. Haliotis L. Seeohr. (aXiog, vom Meere; 
ovg^ Ohr.) 

Schaale flach ohrförmig, mit einer sehr weiten Mündung und 
einer Reihe von Athmungslöchern , welche sich nach dem kurzen 
Gewinde hin an einander reihen und von denen nur die vorderen 
Olfen sind. 

Diese Schnecken heften sich auf Felsen wie die Patellen an; 
fossilen Arten begegnet man nur im Tertiärgebirge. 

Haliotis volhynica Eichw. (Pusch Pol. Pal. p. 184) kommt 
im Muschelsande von Polen vor. 

lO. Farn. Jfanthinidae d'Orb. 

Janthina^ die einzige Gattung in dieser Familie, ist noch 
nicht fossil gekannt. 

11. Farn. Cypreadae d'Orb. 

Ihr grofses Thier kann sich in die Schaale zurückziehen und 
besitzt einen Mantel, dessen beide Lappen die Schaale umhüllen 
und die diese bildenden Kalkschichten abscheiden können. 

Die Schaale vergröfsert sich nur bis in ein gewisses Alter, 
begränzt dann ihren Umrifs und verdickt sich nur noch durch 
äufserliche Wülste. 

Alle Gattungen dieser Familie zeigen sich zum ersten Male 
in den Tertiärgebilden und sind den jetzigen Meeren nicht fremd. 



3(>0 



WEICHTHIEUE. 



1. G. Ovula Lister. (ovulum^ Eichen.) 

Diese Gattung, von welcher nur wenige fossile Arten in 
den Tertiürgebilclen um Paris bekannt sind, unterscheidet sich von 
Cypraea durch den Mangel der Kerbzähne am inneren Rande der 
Mündung. 

0. tuber culosa Duclos, Desh. Coq. de Par, II. p. 717. tb. 96. 
/*. 16; tb. 97. f. 17. 

Eine grofse eiförmige, in der Mitte aufgeblasene glatte Schaala 
mit 2 hohen stumpfen Höckern auf der Wölbung des Rückens. 
Bis b" lang, zu Retheuil und Guise-Lamothe. 

2. G. Cypraea Lam. Por cellanschnecke. Porcellaine. 

Cypraea und Erato Risso. {KvnQig, Venus.) 

Die eiförmige oder länglich-eiförmige Schaale ist an beiden 
Rändern eingerollt und ihre lange, schmale Mündung, welche die 
Schaale noch überragt, ist an beiden Seiten gekerbt und an den 
Enden ausgerandet. Gewinde kaum sichtbar. 

Nach Bronn beginnt diese Gattung schon in der Kreide, 
mehrere Arten sind tertiär, viele gehören den wärmeren Mee- 
ren an. 

C. inflata Lam. — Taf. XIII. Fig. 5. a. b. Nach Desh. Coq. 
de Par. II. p. 724. tb. 97. f. 1. 8. 

Eiförmig, in der Mitte stark aufgeblasen, glatt, mit gekrümm- 
ter, ziemlich breiter und schwach ausgerandeter Mündung; die Spindel 
mit stumpfen Kerbzähnen, die Lippe innerlich regelmäfsig gekerbt, 
äufserlich aber mit einer schwachen Kante versehen. 

Es ist die gewöhnlichste Art dieser Gattung im Pariser Grob- 
kalke. 

3. G. Marginella Lam. Rändel - Schnecke. Porcellana 

Adanson. {margo, Rand.) 

Schaale verlängert eiförmig, glatt, mit kurzem Gewinde. Die 
Aufsenlippe der unten ausgerandeten Mündung ist äufserlich wulst- 
förmig verdickt, die Spindel gefaltet, die Falten fast gleich. Die 
fossilen Arten sind tertiär. 

M. eburnea Lam. Tai". XIII. Fig. 7. Nach Desh. Coq. de 

Par. p. 709. ib. 95. f. 14 — 16. 20 — 22. 

Die kleine verlängerlc Schaale hat ein spitzes Gewinde, wel- 
ches fast der Länge des letzten Umganges gleicht. Windungen schwach 
gewölbt; Mündung eng; Spindel vierfallig. 



SCHNECKEN. 



361 



Im Pariser Grobkalke ; in mitteltertiären Schichten zu Ronca und 
Sangonini , und bei Korytnice und Krzeminiec. 

13. Farn. Olividae d'Orl). 

Diese Familie, welche ihr grofser Fufs und ihr kurzer Man- 
tel von der vorigen unterscheidet, hat noch einen sehr eigen- 
thümlichen Charakter in einer Wasser zuführenden Oeffnung am unte- 
ren Theile des Fufses. Der letztere hüllt öfters die ganze Schaale ein. 
Der kleine Kopf verbirgt sich bisweilen in den Falten des Mantels. 

Die Schaalen dieser Thiere, welche fast immer von den Lap- 
pen des Fufses bedeckt werden, sind glatt und glänzend, mei- 
stens dick und länglich, haben eine ganzrandige Lippe, eine 
verdickte und häufig gefaltete Spindel, bisweilen auch einen 
Deckel. 

Die Vertheilung dieser Arten ist wie in der vorigen Familie. 

1. G. Oliva Lam. Olivenschnecke. 

Schaale fast cylindrisch, glatt, mit kurzem Gewinde, dessen 
Nähte rinnenartig vertieft sind. Mündung länglich, an der Basis 
ausgerandet. Ueber dieser Ausrandung läuft eine bandförmige Ver- 
dickung mit einigen vertieften Linien spiralförmig nach der Spin- 
del herab. • Die letztere ist schief gestreift oder gefaltet. Aufser 
den zahlreichen noch im Meere lebenden Arten sind mehrere tertiär. 

0, mitreola Lam. — Taf. XIIL Fig. 2. a. b. Nach Desh. 
Coq. de Par. II. p. 742. tb. 96. f. 21. 22. 

Schaale länglich zugespitzt, schmal, mit verlängertem und spitzem 
Gewinde, dessen Umgänge eben und insgesammt etwas kürzer als die 
letzte Windung sind. Die Spindel ist an der Basis dünn gestreift. 

Sehr häufig in der Umgegend von Paris; nach Pusch in Vol- 
hynien. 

2. G. Ancillaria Lam. Ancillaire. Ancilla Lam. Anaulax 
Roissy. (? ancilis^ auf beiden Seiten eingeschnitten.) 

Diese Gattung hat die Charaktere der vorigen, nur sind die 
Nähte nicht rinnenartig vertieft, sondern die ganze obere Hälfte 
der Schaale, sowie der bandartige Theil an der Basis hat das 
Ansehen , als ob er mit einer Firnifsschicht überzogen sei. 

Die fossilen Arten sind tertiär. 

A. glandiformis Lam. — Taf. XIIL Fig. 3. a. b. — Br. 
Leth. p. IUI. tb. 42. f. 11. — A. coniformis Pusch, Pal. Pol. tb. 11. 



3(32 



WEICIITIIIKRE, 



f. 1. — Anolax inflata Borson, Brongn. Calc. trapp. *) tb. 4. f. 12. 

Eiförmig, bauchig, am oberen Ende der ziemlich breiten Münd- 
ung am breitesten, mit einem kurzen, stümpfwinkeligen Gewinde, des- 
sen Nähte durch die überdeckende Schicht, welche sich bis fast zur 
Mitte der Mündung heraufzieht, gänzlich verschwunden sind. An der 
Basis der Spindel liegen 2 tiefe Furchen. Bis l" lang. 

Leitend für die Tegelformation um Wien (Pözzleinsdorf , Baden, 
Enzesfeld), nach Philippi bei Freden und Cassel; im sandigen Kalke 
von Polen (Korytnicel), Podolien, Frankreich (Bordeaux), Turin 
u. a. 0. 

3. G. Terebellum Lam. S chräubelschnecke. Tarriere. 
Terebellum und Seraphs Montfort. 

Die fast cylindrische Schaale ist noch mehr eingerollt, als 
bei den vorigen Gattungen, so dafs die schmale, sich nach un- 
ten erweiternde Mündung heinahe der ganzen Länge der Schaale 
gleichkommen würde, wenn der äufsere scharfe Rand das untere 
Ende erreichte. Die Spindel ist glatt. 

T. fusi forme Lam. — Taf. XIIL Fig. 4. Nach Desh. Coq. 
de Par. IL p. 738. tb. 95. f. 30. 31. 

Das stumpfe Gewinde tritt ein wenig hervor und die schmale 
Mündung endet oben in einem engen Spalt. 

Im Pariser Grobkalke und Londonthone Englands. 

13. Faiii. ^trotnhidae d'Orli. 

Mantel mittelgrofs. Fufs verlängert und zweitheilig; der vor- 
dere dieser Theile gleicht einem Pferdefufs, während der hintere 
verlängert ist und einen hornigen, messerartigen Deckel trägt. 
Kopf verlängert, dreitheilig, der mittlere Theil rüsselartig, die 
seitlichen Theile mit den voluminösen Augen endend, an deren 
Seiten kurze Fühler sitzen. 

Schaale mehr oder weniger verlängert, kegel-, thurm- oder 
spindelförmig, in einem gewissen Alter an ihrer Mündung sich 
verdickend oder sich in einen verschieden gestalteten Flügel ausbrei- 
tend und an der Basis in einen Canal verlängert, neben welchem 
eine mehr oder weniger deutliche Bucht ist. 

Die Arten kommen vom Oolithengebirge an in allen Meeres- 
formationen vor und sind in den jetzigen Meeren ziemlich häufig. 



*) AI. Brongniart, memoire aur les terrains de Sediment superieura cal- 
careO'trappeens du Vicentin. Paris y 3823. 



SCHNBCKBN. 



363 



1. G. Rostellaria Lam. Schnabelschnecke. Rostellaria und 
Chenopus Philippi. Rosteilum und Hippocrenes ^ Hypocrene 
Montforl. {rostelliim^ Schnäbelchen.) 

Schaale spindelförmig* oder thurmförmi^ , unten in einem mei- 
stens geraden, spitz-schnabelförmigen Canale endend. Der äufsere 
Mundrand ist ganz oder mehrtheilig, und breitet sich zu einem, 
gewöhnlich rückwärts (nach oben) gekrümmten Flügel aus. Ein 
flacher Ausschnitt an der Basis des Flügels verläuft in den Canal, 
und bisweilen ist aufserdem noch ein zweiter Ausschnitt daneben 
vorhanden. 

Die fossilen Arten - beginnen im Lias ''^), werden in der 
Kreideformation und den Tertiär - Gebilden häufiger, und gehören 
zu den gewöhnlicheren Bewohnern der jetzigen Meere. 

R. Burmeisteri Gein. Taf. XIII. Fig. 16. — R, Parkinsoni 
Mant., Gein. Char. p. 44. 70. tb. 15. f. 2; tb. 18. f. 3. — Reufs, 
böhm. Kreidev. p. 46. tb. 9. f. 7. 

Schaale thurmförmig, mit 6 — 8 gewölbten und längsgerippten Um- 
gängen, von denen der letzte in einen sehr langen und dünnen ge- 
raden Canal und in einen sich weit ausbreitenden, etwas sichelför- 
mig-gebogenen Flügel verläuft. Dieser ist ohngefähr im oberen Drit- 
theile gekielt, und steht rechtwinkelig gegen den Canal so wie ge- 
gen einen pfriemenförmigen Fortsatz, der sich bis zur Spitze des Ge- 
windes, welches er nicht berührt, emporhebt, lieber die Rippen und 
Zwischenräume laufen Querlinien hinweg und der Kiel wird durch Längs- 
rippen knotig. 

Gemein im unteren Quader von Tyssa an der sächsisch - böhm- 
ischen Gränze, im Plänermergel von Böhmen und Sachsen, in dem 
Fyropen führenden Conglomerate und Pyropensande von Meronitz und 
Trziblitz ; seltener im Plänerkalke von Sachsen und Böhmen. 

Wenn der pfriemenförmige Fortsatz abgebrochen ist, so hat diese 
Art alle Charaktere der 

R. Parkinsonii Mant. (G. S. tb. 18. f. 1. 2. 4. 5. 6. 10. — 
Parkinson , Org. Rem. III. tb. 5. f. 11. — Sow. Min. Conch. tb. 349. 
f. 5. 6 ; tb. 558. f. 5. 6. — d'Orb. Pal. fr. Terr. er. II. tb, 208. 
f. 1. 2.), von der R. Burmeisteri vielleicht die vollkommenen Exem- 
plare umfafst. 

R. Parkinsonii gehört in England dem Kreidemergel und. vor- 
züglich dem Grünsande von Felmersham und Blackdown an, welcher 
die meisten Versteinerungen mit dem Quader von Tyssa gemein hat, 



*) Goldfufs beschreibt 5 Arten aus dem Lias und 2 aus den Oolithen. 



364 



WEICUTHIERE. 



in Frankreich aber dem Galt. Da Sowerby mit R. Parkins. aus dem 
Grünsande noch eine nahe verwandte Art aus dem Londonthone ver- 
eint, so nennt Agassiz die erstere (Ä. Park, auf Sowerby's tb. 
558.): R. Sowerby. 

Die von Fitton aus dem Grünsande von Blackdown abgebil- 
dete R. Parkinsonn weicht von dieser Art sehr ab, und ich nannte 
sie R. Reussii '^^''"^ , da sie Reufs aus dem unteren Quader und dem 
Plänermergel von Böhmen kennen lehrte und später '^"•'''''^'^ beschrieb. 

R. calcarata Sow. Min. Conch. tb. 349. f. 6. 7. — R. ste- 
noptera Goldf. F. III. p. 18. tb. 170. f. 6. — Gein. Char. p. 70. 
tb. 18. f 2. — d'Orb. Pal. fr. Terr. er. II. p. 285. tb. 207. f. 3. 
4. — Reufs, böhm. Kr. p. 45. tb. 9. f. 5. 

Sie gleicht einer R. Parkinsonii, mit schmalem Flügel, welchem 
der aufrechte pfriemenartige Fortsatz fehlt. 

Im Plänermergel von Böhmen, im Galt und dem unteren Grün- 
sande von Frankreich und England. 

R. (Chenopus) Buehii Miin. Beitr. 1. p. 107. tb. 12. f. 1. 
— Goldf. Petr. III. p. 17. tb. 170. f. 4. — Reufs, böhm. Kr. p. 45. 

Gestalt ziemlich ähnlich der vorigen Art, jedoch ohne Längs- 
rippen, statt derselben überall quergestreift. Ein scharfer Kiel der 
letzten Windung verläuft bis zur Spitze des langen schmalen Flügels 
und ein mit ihm rechtwinkeliger pfriemenförmiger Fortsatz überragt 
das Gewinde. 

Im unleren Quader von Tyssa und Laun, in grünlicher Kreide 
bei Haldem und häufig im Plänerkalke von Strehlen. 

R. papilionacea Goldf. P. III. p. 18. tb. 170. f. 6. — Gein. 
Char. p. 71. u. Kieslingsw. tb. 1. f. 11. 

Schaale längsgerippt, mit kurzem, aber hohem, unten und oben 
etwas verlängertem Flügel. 

Im unteren Quader von Tyssa, im Grünsande von Kieslingswalda 
im Glatzischen und von Aachen, im Plänermergel von Luschitz und 
Plänerkalke von Strehlen. 

R. anserina Nilfson, Petr. Suec. tb. 3. f. 6. — R. vespertilio 
Goldf. III. tb. 170. f. 5. — Gein. Kieslingswalda p. 9. 

Thurmförmig, mit 6 — 8 convexen, längsgerippten und theilweise 



*) Sowerby's Mineral-Conchologie. 1841 p. 381. 

**) Observations ort somc of the strata bctw. thc Chalk etc. ib. 18. 
/. 24. 

***) Char. p. 70. tb. 18. f. 24. 
***+) Böhm. Kr. p. 45. tb. 9. f. 9. 



SCHNECKEN. 



365 



qucr-linirten Windungen. Die Rippen des letzten Umgangs werden von 
mehreren stärkeren und schwächeren Querleisten durchbrochen, die zu 
dem 4 — 7 zähnigen Bande des Flügels laufen, und schwellen dadurch 
zu Knötchen an. Der Canal ist kurz. 

Im Grünsande von Kieslingswalda und Haldem, bei Kreibitz in 
Böhmen und bei Köpinge in Schweden. 

R. pes pelecani Lam. — Br. Leth. p. 1088. tb. 41. f. 30. 
— P. pes carboms AI. Brongn. Calc. tr. tb. 4. f. 2. 

Schaale thurmförmig, in der Mitte mit knotigem Kiele. Aufser 
dem gröfseren befinden sich auf dem letzten Umgange noch 2 andere 
Kiele, von denen der obere wenig schwächer als der Hauptkiel ist. 
Jeder Kiel verläuft in einen Vorsprung des grofsen dreilappigen Flü- 
gels, von denen der obere erst an seinem oberen Ende das Gewinde 
verläfst. Der fast blattförmige Canal ist etwas vorwärts gebogen. 

Vorkommen: fast in allen Schichten der Tertiärformation, na- 
mentlich auch im Tegel von Gainfahrn bei Wien, und lebend im Mit- 
telmeere. Nicht bei Paris. 

R. fis Sur ella Lam. — Hippocrenes f. Phil. — Desh. II. p. 
622. tb. 83. f. 2. 3. 4; tb. 84. f. 5. 6. — Br. Leth. p. 1086. 

Thurmförmig, -mit vielen scharfen Längsrippen bedeckt. Ihre 
schmale Aufsenlippe läuft als schmaler, gespaltener Kiel bis fast zur 
Spitze des Gewindes empor. Schnabel kurz und spitz. 

Häufig im Grobkalke von Paris und im Londonthone Englands. 

2. G. Strombus L. Strombus und Pterocera Lam. Flügel- 
schnecke und FI ü gel hornsch necke. (oTQOfißog^ ein 
gewundener Körper.) 

Schaale oval bis oval - kegelförmig, bauchig, allermeist mit 
niedrigem Gewinde, und einer flügelartig ausgebreiteten Aufsen- 
lippe, welche bei Strombus einfach oder gezähnelt, bei Pterocera 
aber gezackt ist und bisweilen in lange Stacheln verläuft. Die 
erstere dieser beiden Untergattungen hat einen kürzeren und brei- 
teren, die letztere einen etwas längeren, oft rückwärts gekrümm- 
ten Canal, neben welchem sich an der Basis des Flügels ein mehr 
oder weniger tiefer Ausschnitt befindet. Da das Thier des Strom- 
bus identisch mit dem der Pterocera ist '^'), so können beide Gatt- 
ungen nicht von einander getrennt werden. 

Die ältesten Strombiten sind die aus dem oberen Jura und 



*) d'Orbigny, Pal fr. Terr. er. II. p. 313. 



366 



WEICHTHIERE. 



den unteren Schichten der Kreideformation, von welchen d'Orbigny 
mehrere kennen lehrte. 

S. oceani AI. Brongn. — Strombites denticulatus SchloUi. — 
Pteroceras Oceani Römer , Oolithengebirge Ib. 11. f. 17. — Br. Leih, 
p. 401. tb. 21. f. 7. — V. Buch, Jura p. 83. — Goldf. Petr. II. 
p. 15. tb. 69. f. 4. 

Von dieser bauchig-eiförmigen Art werden gewöhnlich nur die 
Steinkerne gefunden. Sie bestehen aus 5 — 6 Umgängen , deren letz- 
ter sich in der Mitte zu einem stumpfen Kiele erhebt und auch noch 
Spuren von anderen Kielen erblicken läfst. An vollständigen Schaa- 
len erkennt man, dafs der Flügel in 10 Zacken ausläuft. 

In den obersten Schichten des weifsen Jura am Langenberge bei 
Ocker im Harze und bei Hildesheim, bei Kelheim an der Donau, bei 
Ingolstadt, in der Schweiz bei Porrentruy, Solothurn lind Basel, in 
Frankreich bei Hävre und Montbeliard. 

S. ornatus Desh. l.c.p. 628. tb.85.f.3 — 5. Hiernach Taf.XIlI. f. 15. 

Verlängert eiförmig, in der Mitte etwas bauchig, mit kegel- 
förmigem, spitzem Gewinde, Längsrippchen und Querstreifen. Der 
letzte Umgang ist etwas länger als das Gewinde. Mündung schmal 
mit verdickter, gezähnelter, äufserlich gefurchter Aufsenlippe. 

Im Grobkalke des Pariser Beckens. 

S. Bonelli AI. Brongn. Calc. trapp, p. 74. tb. 6. f. 6. — 
Br. Leth. p. 1085. 

Ueber 2" grofs, eiförmig-spindelförmig, mit kegelförmigem Ge- 
winde. Die gewölbten Umgänge, besonders der Rücken des letzten, 
sind mit dicken Knoten besetzt; der Canal ist kurz, zurückgekrümmt, 
und die äufsere Lippe am Rande sehr dick, oben fast ungelappt, aber 
mit breiter Rinne. 

Nach Bronn eine der bezeichnendsten Arten des Tegel- Gebildes 
zu Bordeaux, Turin und Wien (Gainfahrn !). 

f 3. G. Pterodonta d'Orb. {meQov^ Flügel; odovg^ Zahn.) 

Schaala länglich- oval und bauchig, mit kegelförmigem Ge- 
winde. Die ovale Mündung verläuft in einen kurzen schiefen Ca- 
nal oder ist an der Basis einfach ausgerandet. Der äufsere Mund- 
sauni breitet sich aus und biegt sich öfters nach oben , wie bei 
Slrombus, hat aber weder einen Sinus, noch eine Ausrandung, 
und immer bemerkt man in seiner Nähe einen länglichen Wulst. 
Die Oberfläche der Schaale ist glatt. 

d'Orbigny fand Arten dieser Gattung bisher nur in chlorili- 
scher Kreide von Frankreich. 



SCHNECKEN. 



367 



Conus L. Kegelschnecke. (xMvog, Kegel.) 

Die Kegelschnecken, welche nach d'Orbigny eine eigenlhüm- 
liche Familie bilden, haben einen verlängerten, nicht ausdehnba- 
ren Fufs, einen mittelgrofsen Kopf mit 2 kurzen Fühlern, welche 
im vorderen Drittheile ihrer Länge die Augen tragen. Ihre Ath- 
mungsröhre ist lang und ausdehnbar; Deckel schmal und sehr lang. 

Die Schaale ist länglich, eingerollt, und hat ein kreisel- 
oder kegelförmiges Gewinde; die Mündung ist lang, schmal, zahn- 
los, und an der Basis schwach ausgerandet. 

Schon im Oolithengebirge und Kreidegebirge erscheinen ei- 
nige Arten, die aber in dem Tertiärgebirge und in den jetzigen 
Meeren sich bedeutend vervielfachen. 

C. cylindr accus Gein. Char. p. 72. tb. 18. f. 18. — Rauls, 
Böhm. Kreidev. p. 47. tb. 11. f. 11. 19. 

Schaale fast cylindrisch, erst in der Nähe der Basis sich ver- 
engend, mit sehr niedrigem Gewinde, das nur aus wenigen Um- 
gängen besteht. Die glatte Schaale zeigt an der Basis einige Spiral- 
linien. 2 — 6'^' grofs. 

Im unteren Quader von Tyssa, im Plänermergel von Luschitz 
und im Pyropen führenden Conglomerate von Meronitz in Böhmen. 

C, scmicostatus Mün. Goldf. p. 14. tb. 169. f. 2. 

Kurz kreiseiförmig, mit niedrigem, gekieltem Gewinde, dessen 
Umgänge concav und quergestreift sind. 

Im oberen Grünsande zu Haldem. 

C. divcr siformis Deshayes, Coq. de Paris IL p. 747. tb. 98. 
fi 9 — 12. — Taf. XIII. Fig. 1. a, b, 

Schaale kreiseiförmig, glatt, bisweilen noch mit braunen Quer- 
linien, an der Basis quergestreift, mit schwach erhabenem Gewinde, 
das aus 10 — 11 Umgängen besteht, und mit gekrümmter, oben tief 
ausgerandeler Lippe. 

Im oberen Meeressande bei Paris und, \ bis über 2" hoch, häu- 
fig im Tegel von Pözzleinsdorf bei Wien. 

C. vindoboniensis VdLiisch^ von Gainfahrn bei Wien, ist hier- 
von kaum unterschieden. 

C. deperditus Brug., Desh. Coq. de Par. II. tb. 98. f. 1. 2. 
— Br. Leth. p. 1118. T. 42. f. 14. 

Die Schaale ist lang kreiseiförmig, schmäler, als bei der vori- 
gen, das Gewinde etwas länger und wird durch eckige Umgänge 
treppenförmig. 

Es ist nach Deshayes die häufigste Art in den Grobkalken der 
Umgegend von Paris, als Grignon, Parnes, Mouchy, Courtagnon; 



368 



WBICHTHIERE. 



kommt nach Bronn in dem Sande Belgiens, im Vicentinischen, im 
Tegel- Gebilde zu Turin und in der Subapeuuinen - Formation Italiens, 
und nach Pusch bei Korytnice und Zuckowce in Polen vor. 

Farn, Volutidae d'Or1>. 

Meerthiere von mehr oder weniger grofsem Umfange, ohne 
'Loch unter dem Fufse und ohne Deckel. 

Ihre verschieden gewundene Schaale hat immer eine faltige 
Spindel. 

1. G« Voluia Lam. Rollenschnecke, {volvere^ rollen.) 

Schaale eiförmig, mehr oder weniger bauchig, mit warzen- 
förmigem Gewinde. Mündung verlängert, mit einfachen, nicht 
ausgebreiteten Rändern, an der Basis jedoch ausgerandet. An der 
Spindel sind die unteren Falten die gröfsten und schiefsten. 

Mehrere Arten dieser Gattung erscheinen schon in dem Kreide- 
gebirge *) ; in tertiären Gebilden und in der jetzigen Welt sind 
sie nicht selten. 

V. deperdita Goldf. III. p. 14. tb. 16.9. f. l. 

Schaale verlängert eiförmig, quergestreift und längsgerippt. Die 
flachen, entfernt stehenden Rippen schwellen in der Naht zu einem 
Knoten an und verlieren sich auf der letzten "Windung. 

In der Tuffkreide des Petersberges bei Mastricht. 

V. spinosa Lam. — Taf. XIII. Fig. 8. — Nach Desh. Coq. 
de Par. IL p. 690. tb. 92. f. 7. 8. 

Kreiseiförmig, an der Basis quergestreift, mit kurz kegelförmi- 
gem Gewinde, und unregelmäfsigen, entfernten Längsrippen, welche 
sich nach den Nähten hin dornartig zuspitzen. Spindel vier - bis sechs- 
faltig. 

Sehr häufig im Pariser Grobkalke. 

2. G. Mitra Lam. {mitra. eine Kopfbinde.) 

Schaale verlängert,' spindelförmig, mit verlängertem, spitzem 
Gewinde, und einer sclimalen, an der Basis ausgerandeten Münd- 
ung. Unter den parallelen Querfalten der Spindel sind die un- 
tersten die kleinsten. 

M. c an cell ata Sow. (dOrb. Pal. fr. Terr. er. II. p. 329. tb. 
221. f. 5.), aus der mittleren chloritischen Kreide von Südfrankreich, 
beginnt im Kreidegebirge die Reihe der übrigens nur tertiären oder 
noch lebenden Arien. 

*) d'Orbigny, Pal. fr. Terr. er. II. p. 323 u. f. 



SCHNECKEN. 369 

31. leucozona Andrzeiowski. — Taf. XIII. Fig. 9. a. b. — 
Pusch, Pal. Pol. p. 119. tb. 11. f. 6. 

Verlängert eiförmig, fast spindelförmig, mit 6 Umgängen, deren 
jeder 8 — 10 dicke Längsrippen trägt. Die Spindel ist dreifaltig, die 
innere Fläche der Aufsenlippe mit etwa 8 Querfältchen bedeckt. Münd- 
ung länglich und eng. 

Im Molassensande von Zuckowce in Polen und von Pözzleins- 
dorf bei Wien. 

M. crassidens Desh. (Coq. de Par. IL p. 676. tb. 90. f. 3. 
4. 7. 8.). 

Häufig bei Paris, unterscheidet sich von voriger Art fast nur 
durch die vierfaltige Spindel. 

M. incognita Basterot. — Taf. XIII. Fig. 10. Nach Pusch 
Pal. Pol. p. 119. tb. 11. f. 5. 

Fast spindelförmig, glatt, nur an der Basis quergestreift, mit 
6 wenig gewölbten Umgängen und dreifaltiger oder undeutlich vier- 
faltiger Spindel. Die Aufsenlippe ist glatt. Gegen 8'" lang. 

Tertiär bei Dax und Merignac in Frankreich, Korytnice in Po- 
len und bei Wien. 

3. G. Cancellaria Lam. Gitterschnecke. Xcancellare ^ 

gittern.) 

Schaale eiförmig oder kegelförmig, mit keinem oder mit ganz 
kurzem und undeutlichem Canale. Der äufsere Mundsaum ist in- 
nerlich gefurcht. Das Vorhandensein von Spindelfallen unterschei- 
det diese Schaalen leicht von den ihnen übrigens sehr ähnlichen 
der Gattung Buccinum. 

Die fossilen Arten sind alle tertiär und besonders häufig in 
mitteltertiären Schichten bei Turin und bei Asti im Piemonte- 
sischen ■• ). 

C. evulsa Sow. M. C. tb. 361. f. 3 — 5. — Desh. Coq. de 
Par. II. p. 503. tb. 79. f. 27. 28. Hiernach Taf. XIII. Fig. 22. 

Länglich eiförmig, nach beiden Enden allmählich schmäler wer- 
dend, mit Längsrippen und Querstreifen bedeckt. Mündung oval; die 
verdickte Aufsenlippe ist innerlich regelmäfsig gefurcht. Spindel ge- 
krümmt und dreifaltig. 

In den älteren Tertiärgebilden: dem Grobkalke von Paris, bei 
Antwerpen, im Londonthone Englands und in der Ukraine; var. Tau- 
rinia nach Bellardi bei Turin. 



Bellardi in L. Br. J. 1840. p. 343. 
Geiuitz, Versteinernngskuude. 



24 



370 



WEICHTIIIERE. 



C. buccinula Basteroi, Pusch, Pal. Pol. p. 129. tb. 11. f. 18. 
Von der vorigen Art fast nur durch dünnere Rippen unter- 
schieden. 

Häufig im südwestlichen Frankreich, im Tegel bei Wien (Enzes- 
feld), bei Korytnice in Volhynien, und nach Philippi bei Freden. 

4. G. Struthiolaria Lara. 

Die einzige fossile Art dieser Gattung ist St. umbilicata Bel- 
lardi^ welche der Entdecker in den Subapenninen-Mergeln von But- 
tiera fand. (L. Br. J. 1839. p. 622.) 

15. Farn, JBEuricidae d'Orb. 

Das Thier von dieser Familie ist mit ungleichen Kiemen, ei- 
ner langen Athmungsröhre und einem Kopfe versehen, welcher 
2 Fühler trägt, an denen die Augen sitzen. Fufs mittelgrofs. 
Deckel hornig. Die Aufsenlippe ist immer wulstförmig verdickt. 

Die Arten sind alle tertiär oder leben noch im Meere. 

Murex Lam. Stachelschnecke. Rocher. Typhis Montf. 

Schaale eiförmig oder länglich, mit einem längeren geraden 
oder kürzeren gebogenen Canale, und einer rundlichen Mündung, 
deren Aufsenlippe stets wulstförmig erhöht ist. Mit dem Alter 
bilden sich durch Zuwachs mehrere solcher höckerigen oder stachel- 
igen Mundwülste auf einem Umgange. Deckel hornig. 

Bei Murex ordnen sich die Längswülste der verschiedenen 
Umgänge in schiefe Längsreihen an einander. 

Bei Tritonium {Triton) Cuv. , der Kinkhornschnecke, stehen 
dieselben um i Umgang, bei Ranella Lam. um ^ Umgang aus- 
einander. 

Diese 3 Gattungen, welche die gröfste Aehnlichkeit mit ein- 
ander haben, zeigen sich zuerst in tertiären Bildungen. 

M. calditrapa Lam. — Taf. XIIL Fig. 17. Nach Desh. Coq. 
de Par, II. p. 588. tb. 81. f. 26. 27. 

Länglich oval, aus 2 ungleichen, an ihrer Basis zusammenge- 
fügten Kegeln gebildet, mit entfernten Längswülslen bedeckt, deren 
jeder einen spitzen Dornen trägt. Oberhalb derselben sind die Um- 
gänge fast eben. Die Mündung ist eiförmig, die Spindel an ihrer 
Basis neben dem länglichen Canale lief ausgefurcht. v 

Sehr häufig im Grobkalke des Pariser Beckens. 

M. brandaris L. — Bronn Lcth. p. 1080. tb. 41. f. 26. 



SCHNECKEN. 



371 



Das aus etwa 8 Umgängen bestehende Gewinde ist kurz kegel- 
förmig, der letzte Umgang bauchig, und fällt schnell nach dem ge- 
raden und langen Canale ab. Oberfläche quer- und längs - gestreift. 
Jeder Umgang trägt auf der Mitte seiner starken Längsfalten einen 
spitzen Dorn, welche Dornen eine kielartige Kante mit einander 
verbindet; unterhalb der oberen Dornenreihe steht auf dem letzten 
Umgange noch eine zweite, und auf der Mitte des Canals erhebt sich 
eine dritte Reihe spitzer Knoten. 

Diese Art gehört den obersten Schichten der Tertiärformation 
an, besonders der Subapenninenformation Italiens (Piacenza!), Paler- 
mo! und findet sich noch lebend in europäischen Meeren. 

Tritonium corrugatum Lam., Br. Leth. p. 1082. tb. 41. f. 
28, von welchem T. leucostomum Pusch, Pal. Pol. tb. 11. f. 25. viel- 
leicht die Jugendform ist, kommt nach Bronn in den Tegel- Gebilden 
bei Bordeaux, Wien (zu Gainfahrn!) und in Polen zu Korytnice, in 
den Subapenninen-Gebilden Südfrankreichs (Perpignan), Italiens (Astü), 
Siciliens (im Kalke von Palermo) und auch lebend im Mittelmeere vor. 

16. Farn. JFuäidae d'Orl). 

Das Thier ist dem aus der vorigen Familie sehr ähnlich, un- 
terscheidet sich aber von demselben durch eine andere Beschaffen- 
heit seines hornigen Deckels. 

Die Schaale verlängert sich unten in einen Canal; die Aufsen- 
lippe ist nicht wulstförmig verdickt, wie bei .den Muriciden. 

1. G. Fusus Lam. Spindelschnecke. Fuseau, Hierzu: 
Pyrula Lam. Birnelschnecke. (fusus^ Spindel; 
pyrum^ Birne.) 

Schaale spindelförmig (Fusus) oder feigenförmig (Pyruh), 
mit länglicher, oben erweiterter Mündung, ganzrandiger, scharfer 
Aufsenlippe, faltenloser Spindel und langem Canale. 

a. Fusus Lam. Schaale mehr oder weniger verlängert 
spindelförmig. 

Schon im Kohlenkalke -), im Oolithengebirge '•'') und im 
Kreidegebirge '■'•'■' ) kommen mehrere Arten von Fusus vor, häu- 



*) de Köninck, descr. des an. foss. p. 490. 
++) Goldfufs, Petr. III. p. 22. 

***) Goldfufs a. a. O. — d'Orbigny, Pal fr. Terr. er, II. p. 331. — 
Geinitz, Char. p. VI. — Reufs, Böhm. Kreidev. p. 43 u. A. 

24'' 



372 



WEICHTHIERE. 



figer werden sie jedoch erst im Molassengebirge, und das Maxi- 
mum ihrer Entwickelung fällt in die gegenwärtige Schöpfung. 

F. rngosus Lam. — Taf. XIII. Fig. 21. — Desh. Coq. de 
Par. IL p. 519. tb, 75. f. 4 — 7. 10. 11. 

Verlängert spindelförmig, entfernt längsgerippt und quergestreift. 
Auf jedem halben Umgange stehen 7 Rippen, die aber mehr als läng- 
liche Knoten erscheinen. Die ovale Mündung verläuft in einen langen, 
unten schwach gewundenen Canal. 

Häufig im Pariser Grobkalke. 

F. longaevus Lam., Desh. Coq. de Par. II. p. 523. tb. 74. f. 
18 — 21. — Br. Leth. p. 1068. tb. .il. f. 22. 

Diese Art wird bis 5" lang und ist bauchig-spindelförmig. Das 
lang - kegelförmige Gewinde verläuft öfters am oberen Ende in einen 
engen Cylinder. Der letzte Umgang ist plattgedrückt und der Canal 
lang und schlank. 

Mit der folgenden Art zusammen, häufig in Frankreich, Eng- 
land und Mecklenburg. 

F. bulbiformis Lam. — Taf. XIIL Fig. 20. — Desh. Coq. 
de Par. IL p. 570. tb. 78. f. 5 — 10. 15—18. — Br. Leth. p. 1068. 
tb. 4. f. 20. — Pyrula biübus Defr., Pusch Pol. Pal. tb. 12. f. 11. 

Die ovale, scheinbar geglättete Schaale besteht aus 6 gewölb- 
ten Umgängen, von denen, der letzte bauchig und stets länger als 
das Gewinde ist. Die Mündung ist eiförmig, der Canal verhältnifs- 
mäfsig kurz und breit. 

Diese Art bildet einen wahren Uebergang zu der Gattung Py- 
rula^ indem in verschiedenen Exemplaren das Gewinde bald höher, 
bald niedriger ist. Die Abbildung auf Taf. XIII. stellt ziemlich ihre 
längste Form dar. 

Häufig im Pariser Grobkalke, im Londonthone, in diesen ana- 
logen Schichten bei Sternberg in Mecklenburg und im sandigen Grob- 
kalke bei Korytnice in Polen. 

b. Pyrula Lam. Pirula. Birnelschnecke. (pirum, 

Birne.) 

Schaale birn- oder feigenförmig, mit niedrigem, bisweilen 
sogar eingedrücktem Gewinde und einem langen geraden Canale. 

F. carinatus (P. c arinata) Römer, Kreidev. p. 78. tb. 11. 
f. 12. — Gein. Char. p. 72; Kiesl. tb. 1. f. 14. — Taf. Xlli. Fig. 
18 u. 19 (Steinkern). 

Schaale kreiseiförmig, etwas länger als breit, mit niedrig -ke- 
gelförmigem, kleinem Gewinde, deutlich quergestreift, mehr oder we- 



SCHNBCKEH. 



373 



niger undeutlich und unregelmäfsig längsgestreift. Der letzte der 3 
Umgänge zeigt 2 entfernte Kiele, welche Knötchen tragen. Die Fläche 
zwischen dem oberen Kiele und der Naht, sowie die zwischen bei- 
den Kielen, ist eben. Steinkerne sind glatt, doch bemerkt man auf 
den Kielen noch undeutliche Knoten. 

Im Grünsande und unteren Pläner von Kieslingswalda , Kreibitz, 
Lemförde und im Plänerkalke von Strehlen. 

F. quadratus Sow. bei Fitton, observ. etc. tb. 18. f. 17. — 
Pijrula Cottae Römer, Kr. p. 79. tb. 11. f. 9. — Goldf. III. p. 27. 
tb. 172. f. 13. — ? Fus. Albensis d'Orb. Pal. fr. Terr. er. II. p. 334. 
tb. 222. f. 8 — 10. 

Durch längeres Gewinde und Mangel an Knötchen auf den Kie- 
len von P. carinata unterschieden. 

Mit dieser bei Kreibitz und Strehlen zusammen; in grüner Kreide 
von Coesfeld, im ? Galt Frankreichs, und im Grünsande von Black- 
down. 

F. reticulatus (^Pyrula reticulata) Lam., Br. Leth. p. 1071 
tb. 41. f. 21. — F. condita Brongn. Calc. trapp, p. 75. tb. 6. f. 4. 
— P. cancellata Eichwald. 

Schaale feigenförmig und durch Streifen gegittert; die gröfseren 
Spiralstreifen stehen weiter aus einander als die Längsstreifen. Zwi- 
schen den ersteren liegen noch 2 — 7 feinere Streifen. Gewinde sehr 
niedrig. 

Nach Bronn in dem Tegel von Bordeaux, Angers, Touraine, 
Wien, Korytnice, Zuckowce in Volhynien, in Siebenbürgen, in der 
Schweizer Molasse, in der Subapenninenformation des Piacentesischen 
und noch lebend im ostindischen und rothen Meere. 

2. G. Pleurotoma Lam. Clavatula Lam. Defrancia Millet. 
(^nXiVQov , Rippe; to(.u)^ Schnitt.) 

Thier und Schaale wie Fusus^ von welcher Gattung Pleuro- 
toma nur durch einen Ausschnitt im oberen Theile der äufseren 
Lippe unterschieden ist. Das Vorhandensein desselben giebt sich 
immer auch durch die Biegung der Zuwachsstreifen leicht zu er- 
kennen. 

Aus dem Kreidegebirge sind mehrere Arten bekannt; im 
Molassengebirge werden die Pleurotomen so gewöhnlich, dafs 
Deshayes allein aus dem Pariser Becken 65 Arten von ihnen un- 
terschied. 

P. induta Goldf. III. p. 19. tb. 170. f. 10. — Rostellaria elon- 



374 



WEICIITHIERE. 



gata Römer, Kr. p. 78. tb. 11. f. 5. — PL Römeri Reufs, westl. 
Böhmen p. 203. — Böhm. Kreidev. p. 43. tb. 9. f. 10. — Taf. XIV. 
Fig. 1. 

Schlank-spindelförmig, mit 6 — 7 schwach gewölbten Windungen, 
welche gewöhnlich mit einem einfachen Bande an die obere Naht 
angränzen. Die letzte Windung verläuft allmählich in einen mäfsig 
langen, etwas gebogenen Canal. Die ganze Oberfläche ist mit feinen 
Querlinien bedeckt, welche durch zahlreiche schmale Längsrippen (ohn- 
gefähr 16 auf einem Umgange) und feine Längslinien durchkreuzt 
werden. 

Im Plänermergel von Böhmen! und Plänerkalke von Sachsen 
(Strehlen); bei Haldem und Aachen? 

F. granulato - cincta Mün., Goldf. IIL p. 20. tb. 171. f. 5. 
— Taf. XIII. Fig. 23. a. h. 

Schaale oval-spindelförmig, mit kurzem, etwas gedrehetem Ca- 
nale und thurmförmigem Gewinde. Die 6 — 7 Windungen sind in ih- 
rer Mitte ein wenig concav, nahe der oberen Naht durch eine Reihe 
breiter, oft aber spitzer Knötchen gekielt und an der unteren Naht 
mit einer Reihe schwächerer Knötchen besetzt. Diese letztere Reihe 
tritt in der Mitte der letzten Windung noch deutlicher hervor. Dicht- 
stehende Quer - und Längslinien lassen die ganze Oberfläche gekörnelt 
erscheinen. 

Im Tegel von Enzesfeld und Pözzleinsdorf bei Wien. 
P. tuberculosa Bast. (Goldf. IIL p. 20. tb. 171. f. 6. — 
Pusch, Pal. Pol. 143. tb. 12. f. 6) 

unterscheidet sich von der vorigen fast nur durch einen etwas 
längeren Canal und weniger deutlich hervortretende Querlinien. 

Im mittleren Molassengebirge (Tegel) von Enzesfeld, Bordeaux, 
bei Korytnice in Polen, in Ostgalizien und bei Warowce in Podolien. 

3. G. Fasciolaria Lam. (fascia^ Binde.) 

Von Fusus nur durch 1, 2 oder 3 sehr schiefe Spindelfallen 
unterschieden, von Cancellaria aber durch den Canal. Die we- 
nigen fossilen Fasciolarien sind tertiär. 

F. funiculosa Desh. Coq, de Par. II. p. 508. tb. 79. f. 12. 

Im Grobkalke von Grignon bei Paris. 

F. polonica Pusch, Pol. PaL p. 143. tb. 12. f. 3. 

Verlängert spindelförmig (^1^" etwa lang), quergefurcht, auf der 



*) Mit diesem Namen belegt Philippi eine Art aus tertiären Schichten 
von Freden und Diekholz. (Tertiärversteinerungen, 1844. p. 56.) 



SCHNECKEN. 



375 



Mitte der Windungen eine Reihe spitzer Stacheln. Mündung verlängert. 
Aufsenlippe innerlich verdickt und gekerbt. Spindel einfaltig. 

Im sandigen Grobkalke von Korytnice und Warowce. 

F. (usus Philippi, Tertiärverst. 1844. p. 25. u. 59. 

Bei Cassel und Freden. 

4. G. Turbinella Lara, (turbo, Kreisel.) 

Die Schaale dieser Gattung ist von Cancellaria fast nur durch 
das Vorhandensein eines, wenn auch kurzen, doch deutlichen Ca- 
nals unterschieden. 

T. parisiensis Desh, beschreibt der Entdecker aus dem Pa- 
riser Becken. 

t 5. G. Borsonia Bellardi, 

mit der einzigen Art, B, prima Beil., aus dem oberen Subapen- 
ninensande aus Piemont, hat die Form und den Ausschnitt der 
Pleurotoma^ nähert sich aber durch 2 fast parallele ungleiche Fal- 
ten au der Basis der schwieligen Spindel der Turbinella, (L. Br. 
J. 1839. p. 622.) 

Farn. Cassidae d'Orb. 

Das Thier hat ungleiche Kiemen, eine sehr lange Ath- 
mungsröhre, und einen breiten Fufs mit einem schmalen verlänger- 
ten Deckel. 

Die gewundene Schaale ist bauchig und ihre Lippe zeigt 
allermeist durch das Vorhandensein von Mundwülsten die verschie- 
denen Perioden ihres Wachsthumes an. 

1. G. Cassis Lam. Sturmhaube. Casque. (cassis^ Helm.) 

Schaale aufgeblähet; die längliche, enge Mündung geht plötz- 
lich in einen kurzen rückwärts gekrümmten Canal über. Die Spin- 
del, über welche die innere Lippe weit übergeschlagen ist, zeigt 
einige Querrunzeln, die Aufsenlippe ist häufig gezähnt und äufser- 
lich wulstförraig verdickt. 

Mehrere Arten sind tertiär. 

C. texta Bronn, Leth. p. 1092. tb. 42. f. 1. — Taf. XIIL f. 
13. a. b, 

Nach Bronn, welcher C. laemgata und C. striata Defr., oder C. 
Deucalionis C. Adami Eichwald und C. sahuron Desh., Adans. , Pusch 
(Pal. Pol. Taf. XL f. 3.) mit ihr vereinigt, ist die Schaale eiför- 
mig-kugelig, in der Jugend spiralförmig gestreift, und wird mit dem 



376 



WEICHTHIERE. 



Alter glätter. Ein parallel mit der Naht laufender vertiefter Streifen 
läfst diese gerandet erscheinen. Das Gewinde ist niedrig, aber spitz 
kegelförmig. Innere Lippe auf der Spindel runzelig, die äufsere 
hat innerlich parallele schmale Kerbzähne, und ihre äufsere Ver- 
dickung zeigt noch öfters 4 oder 5 rothgelbe Flecken. 

Häufig in den Tegel-Gebilden um Bordeaux, Dax, in Touraine, 
bei Turin, Wien (Baden und Gainfahrn), von Volhynien, Podolien, 
Polen; in den Subapenninen-Gebilden Italiens (Nizza! Piacenza!); im 
Kalke von Palermo und noch lebend in wärmeren Meeren. 

2. G. Cassidaria Lam. Helmschnecke. Cassidea Brongn. 
Morio Montf. und Oniscia Sow. {cassis^ Helm.) 

Diese Gattung unterscheidet sich von der vorigen durch ei- 
nen längeren , rückwärts gebogenen Canal und durch die Beschaf- 
fenheit der Aufsenlippe, welche nicht wulstförmig, sondern nur 
gerandet oder etwas nach aufsen gebogen ist. 

Mehrere Arten sind tertiär. 

C. carinata Lam. — Taf. XIIL Fig. 14. — Desh. Coq. de Par. 
II. p. 633. tb. 85. f. 8. 9. u. tb. 86. f. 7. — Br. Leth. p. 1091. tb. 42. f. 2. 

Schaale eiförmig, bauchig, mit feinen Querstreifen; auf der letz- 
ten Windung mit 3 oder 4 schmalen Querleisten gekielt, von denen 
die oberen etwas knotig erscheinen; die Zwischenräume sind breit 
concav. u ciu"^! ' 

Häufig im Grobkalke des Pariser Beckens und in Belgien, im 
Londoner Thone; nach Philippi bei Cassel; im Thoneisensteine am 
Kressenberg in Baiern und als Steinkerne zu Pinczow in Polen. 

3. G. Harpa Deshayes. Harfe. Harpe, (harpa, Harfe.) 

Aufser den marinen kennt man nur einige tertiäre Arten von 
Harpa im Pariser Becken. 

Entferntstehende , schmale Längsrippen und eine breitere Aus- 
randung der Schaale an der Basis der Mündung unterscheiden die- 
selben von dem sehr ähnlichen Buccinum. Der äufsere Mundsaum 
steht noch etwas mehr ab, als es bei Buccinum stromboides der 
Fall ist. 

Deshayes beschreibt H. mutica Lam. und H. elegans Desh., beide 
von bauchig-eiförmiger Form und mit sehr kurzem Gewinde. - 

18« Farn. Buccinidae d'Orb. 

Thiere mit ungleichen Kiemen, einer oft sehr langen Ath- 
mungsröhre, 2 Fühlern, an deren Seite oder äufseren Basis ge- 



SCHNECKEN. 



377 



wohnlich die Augen stehen, mit kleinem Mantel und einem mehr oder 
weniger grofsen, bisweilen zweigabeligen Fufse. Ihr Deckel ist 
hornig. 

Die Schaale besitzt einen kurzen, abgestutzten und rück- 
wärts gekrümmten Canal; die Aufsenlippe verdickt sich bisweilen. 

1. G. Columbella Lam. Colombelle. {columha^ Taube.) 

Schaale eiförmig oder verlängert, dick, häufig bauchig; 
Mündung schmal, verlängert, etwas buchtig, in der Mitte ver- 
engt, an der Basis ausgerandet (statt eines Canals). Die Lippe 
ist auf der Innenseite, besonders in der Mitte ihrer Länge, sehr 
verdickt. Die Innenlippe schlägt sich oft weit über die Spindel 
um, und ist glatt oder gefaltet. 

Einigen fossilen Columbellen begegnet man schon in tertiären 
Gesteinen; jetzt bewohnen sie die sandigen Küsten der wärmeren 
Oceane. 

t 2. G. Columbellina (Colombellina) d'Orb. 

Schaale eiförmig, dick und bauchig. Mündung schmal, ge- 
bogen, oft in der Mitte verengt, an der Basis ausgerandet und 
oben in einen abstehenden Canal verlängert. Hierdurch unter- 
scheidet sich Columbellina von Columbella^ mit welcher Gatt- 
ung sie die Verdickung des inneren Randes der Aufsenlippe ge- 
mein hat. 

Ihre Arten sind auf das Kreidegebirge beschränkt, aus welchem 
d'Orbigny {Pal. fr. Terr. er. II. p. 347 u. 348.) C monodacty - 
lus und C. ornata bestimmte. 

3. G. Buccinum Lam. Meertrompete. Buccin. Hierzu: 
Nassa Lam. 

Schaale eiförmig oder ei - kegelförmig; Mündung oval oder 
länglich, an der Basis tief ausgerandet, ohne oder mit nur ganz 
kurzem, stark zurückgekrümmtem Canale. Die Spindel ist wellenar- 
tig gekrümmt, oben angeschwollen, bald nackt, bald von der In- 
nenlippe verdeckt. Aufsenlippe nicht verdickt. 

Die Bucciniten finden sich sparsam in älteren, häufig dage- 
gen in jüngeren Meeresbildungen. Wohl die meisten Bucciniten 
aus dem Uebergangsgebirge gehören zu Macrocheilus Phillips, und 
die des Muschelkalkes wahrscheinlich zu Turbo. 

B. mutabile L. — Taf. XHL Fig. 12. a. b. — Br. Leth. 
p. 1099. tb. 41. f. 33. — Nassa mutabilis Pusch, Pol. Pal. p. 122. 
— Nassa Caronis Brongn. Calc. trapp, tb. 3. f. 10. 



378 WEICHTHIERE. 

Schaale eiförmig, mit kegelförmigem spitzem Gewinde, glatt, an 
der Basis quergefurcht. Die Umgänge sind stark gewölbt und neh- 
men schnell an Breite zu; der letzte Umgang ist etwas geebnet. Ue- 
ber die in der Mitte sehr verdickte Spindel ist die innere Lippe weit 
übergeschlagen. Die scharfe Aufsenlippe ist innerlich quergefaltet und 
hinter ihr etwas wulstförmig. Die kurze Ausrandung an der Basis 
wird durch die oberste Querfurche begränzt. 

In den Tegelgebilden um Wien (Gainfahrn I), Bordeaux, Turin, 
in Volhynien, Polen; in der Subapenninenformation Südfrankreichs, Ita- 
liens; in Sicilien und lebend im Mittelmeere. 

B. stromboides Lam., Desh. Coq. de Par. II. p. 647. tb. 86. 
f, 8 — 10. — Br. Leth. p. 1096. tb. 41. f. 31. 

Die Schaale wird bis 2" lang, ist länglich-eiförmig, fast glatt 
(doch treten auf allen Umgängen die Zuwachsstreifen stark hervor), 
und an der Basis quergestreift. Die elliptische Mündung nimmt über 
der Länge ein und unterscheidet sich von der aller anderen Buc- 
cmwffi- Arten durch ihre Aufsenlippe, welche in der Nähe der schwa- 
chen Ausrandung ziemlich weit absteht. 

Sehr häufig im Pariser Grobkalke und, nach Pusch, auch in 
Tegelgebilden Volhyniens. 

Viele Buccina sind längs- und quergerippt, und zu ihnen ge- 
hören auch einige in Tegelgebilden bei Wien vorkommende, als: 

B. Rosthorni Partsch, B. prismaticum Brocchi, B. reti- 
culatum L., B. costulatum Renier u. a. 

t 4. G. Macrocheilus Phill., de Kon. Buccinmn Aut. 
Loxonema Römer. (/naxQog, grofs; /aAo^, Lippe.) 

Schaale verlängert oder fast eiförmig, mit spitzem Gewinde; 
Mündung länglich; Spindel gefaltet und angeschwollen; Aufsen- 
lippe scharf und ausgebogen. 

Von Buccinum unterscheidet sich Macrocheilus durch die ge- 
rundete Form der Mündung an ihrer Basis, indem hier die Aus- 
randung nur sehr gering ist. 

Im Grauwackengebirge und Kohlenkalke. 

M. arculatus {Buccinum ar culatum) Schlolh., Goldf. III. 
p. 28. tb. 172. f. 15. 

Die dicke Schaale dieser 2 — 3'' langen Art ist eiförmig zuge- 
spitzt und mit Längslinien und Streifen bedeckt. Ihre gewölbten Um- 
gänge sind an der Naht mehr oder weniger kantig. Die Aufsenlippe 
ist einfach und glatt. 

Varietäten dieser Art sind, nach Goldfufs: 



SCHNECKEN. 



379 



a. „iüf. elong atus. (Buccinwn acutum Sow. M. C. th. 566. f. 1. 

— Buccinum Schlotheimi Arch. u. Vern. — Macroch, imbricalus Phill. 

— Loxonema imhricatum Römer, Harzgeb. p. 30. tb. 8. f. 11. — 
Macr. acutus de Kon. descr. etc. p. 473. tb. 4^0. f. 10.; tb, 41. f. 13.) 

Die letzte Windung ist eben so lang wie das übrige Gewinde 
und wenig bauchig. Die Oberfläche zeigt feine Zuwachsstreifen, und 
die Ränder der Windungen legen sich glatt an einander. 

b. M. ventricosus. (Bucc. imbricat. Sow. M. C. tb. 566. f. 
2. — M. arcul. Phill. — Loxonema Phillipsii Rom. Harzgebirge p. 
30. tb. 8. f. 9.) 

Die letzte Windung ist sehr bauchig und länger als das übrige 
Gewinde. An ihrer Naht zeigt sich ein schmaler, convexer Absatz, 
der den übrigen Windungen fehlt. 

c. M. sub costatus. (Bucc. subc. Schi.) 

Sowohl bei der bauchigen Spielart, als bei den folgenden, bil- 
den sich die Zuwachsstreifen zu regelmäfsigen , entfernter liegenden 
Linien aus. 

d. M. torosus. {Bucc. arculat. Schi. — Bucc. arculat. Arch. 
u. Vern.) 

Sowohl verlängerte als bauchige Spielarten bilden an der Naht 
der letzten Windung, oder auch der übrigen, einen gerundeten, 
wulstigen Absatz, der noch mehr hervortritt, wenn sich die Schaale 
unterhalb desselben zusammenzieht, und hier eine flache Rinne ge- 
staltet. 

e. M. carinatus. 

Die Wulst an der Naht ist flach, und bildet einen ebenen Ab- 
satz, mit einem vorstehenden, stumpfen Kiele. Die Zuwachsstreifen 
sind gewöhnlich in regelmäfsige , entfernte* Linien umgewandelt." 

Nach Archiac und Verneuil (a.> a. 0. p. 188.) in devonischer 
Grauwacke von Pfaffrath, der Eifel, Plymouth, Newton, Bradley; im 
Kohlenkalke von Whitewell, der Insel Man, BoUand, Northumber- 
land, Kildare, Vise und Tournay. 

5. G. Purpura? Lam. Pourpre. 
F. trochlea?? Lam., Philipp! Tertiärverst. p. 6L 
Tertiär bei Freden. 

6. G. Terebra Bruguiere. Schraubenschnecke, (ierebra^ 

Bohrer.) 

Schaale thurmförmig, mit spitzem Gewinde, einer länglichen, 
an der Basis tief ausgerandeten Mündung und einer unten ver- 
drehten oder schiefen Spindel. 



380 



WEICIITHIERE. 



Unter einigen tertiären Arten ist die gewöhnlichste : 

T. fuscata Bronn, Leih. p. 1103. tb. 42. f. 5. — Taf. XIII. 

Fig. 11 a). 

Schaale lang tliurmförmig, etwa fünfmal länger, als die Breite 
der letzten Windung beträgt, mit 12 flach gewölbten Umgängen , welche 
mit dichten, unregelmäfsigen, oberhalb der Mitte schwach vorwärts 
gebogenen Längsfalten bedeckt sind. Längs dieser Biegung läuft bei 
vielen Arten dieser Gattung eine flache spiralförmige Furche. 

Nach Bronn im Tegelgebilde um Bordeaux, in Touraine, um 
Wien (Gainfahrn, Baden), in Siebenbürgen (im Hatzeger Thale und 
zu Bujtur), in Volhynien (zu Zaliszge und Szuskowce); in der Sub- 
apenninenformation Südfrankreichs (Perpignan), Italiens (Nizza, Andona, 
Casteir arquato, Siena); lebend am Senegal und im indischen Oceane. 

• 7. G. Cerithium Bruguiere. Hornschnecke. Ceriie. Potamides 
Brongn. {xtQug, Horn.) 

Schaale thurmförmig, Mündung länglich und schief gegen die 
Längsaxe, an der Basis mit einem kurzen, abgestutzten oder rück- 
wärtsgebogenen Canale. Die äufsere Lippe, welche sich öfters 
wulstförmig verdickt, bildet auch noch oben eine kurze und enge 
Rinne. Deckel klein, kreisrund und hornig. 

Nach d'Orbigny ■■) nähern sich die Cerithien der Gattung 
Terebra am meisten. 

Nach Deshayes, welcher Aehnlichkeit zwischen ihnen und 
den Turritellen findet, sind gegenwärtig schon 140 lebende und 
gegen 300 fossile Cerithien bekannt, von welchen nur eine im 
Kohlenkalke von Vise ''' ) vorkömmt, etwa 40 Arten auf das Ooli- 
then- und Kreidegebirge, die übrigen aber alle auf das Molas- 
sengebirge vertheilt sind. 

C. clathratum Römer, Kreide p. 79. tb. 11. f. 17. — Taf. 
XIV. Fig. 4 (unvollkommen). 

Die Schaale bildet 10 — 12 flachgewölbte Umgänge, welche auf 
jeder Hälfte 7 — 8 schmale Längsrippen tragen. Diese werden durch 
4 — 5 Querlinien durchschnitten, so dafs an den Durchschnittspunkten 
runde Knötchen entstehen, von denen gewöhnlich die an der Naht 
liegenden am gröfsten sind. 

Sehr gewöhnlich im Plänerkalke von Strehlen bei Dresden. 

C. trimonile Michelin, d'Orb. Pal. fr. Terr. er. IL p. 369. 



*) Pal. fr. Ten: er. II. p- 352. 
*♦) de Kon. dcscr. d. an. f. p. 493. 



SCHNECKEN. 



381 



Ib. 230. f, 1 — 9. — C. Luschitzianum Gein. Char. p. 27. tb. 18. 
f. 21. — Reufs, böhm. Kreidev. p. 42. tb. 10. f. 2. 

„Hoch thurmförmig , mit 10 — 12 niedrigen, abschüssigen, hart 
an einander liegenden, durch eine sehr wenig vertiefte Naht getrenn- 
ten Umgängen, auf deren jedem 3 breite und flache Querstreifen ver- 
laufen, welche durch 15 — 20 seichte Längsfurchen in eben so viele 
kleine rundliche Knoten getheilt werden. Zwischen den Querleisten 
lind auf denselben sieht man noch zahlreiche (auf jeder Windung 
9 — lO) feine Querlinien, sowie auch feine, etwas wellenförmige 
Längslinien darüber verlaufen. Die Basis des letzten Umganges und 
der kurze Canal ist nur mit feinen Spiralstreifen bedeckt. Höhe: Breite 
= 2,5 : 1." (Reufs.) 

Sehr häufig im Galt von Frankreich und im Plänermergel und 
Pyropenlager von Böhmen (Luschitz, Priesen, Meronitz) u. a. 0. 

C. plicatum Brug. Lam. — Taf. XIV. Fig. 2. — Desh. Par. IL 
p. 389. tb. 55. f. 5 — 9. — Br. Leth. p. 1057. tb. 41. f. 5. — Goldf. 
III. p. 37. tb. 174. f. 15. — C. lignüarum Eichwald. 

Schaale lang thurmförmig, schmal, mit etwa 12 ziemlich flachen 
Umgängen, welche durch eine tiefe Naht getrennt werden. Die Um- 
gänge sind mit 15 — 20 deutlichen Längsfalten besetzt, welche durch 
4, selten 5 steile Querleisten in 4 geebnete Knötchen zertheilt wer- 
den. Auf dem letzten Umgange findet man eine viel gröfsere An- 
zahl solcher Knotenreihen. 

C. lignitarum Eichw. ist etwas bauchiger, die Längsreihen 
etwas schmäler und 2 — 3 derselben zuweilen zu Mundwülsten vereinigt. 
Es scheinen nur ältere Individuen von C. plicatum zu sein. 

Nach Bronn in den oberen Meeresschichten des Pariser Grob- 
kalkes, in Belgien, England und in Vicenza; im Tegel um Bordeaux, 
Dax, Turin, Mainz, in Steyermark, bei Wien; im Thonmergel Süd- 
frankreichs, und mit Mundwülsten versehen im Tunnel von Triebitz, 
bei Landskron in Böhmen; sowie in der Subapenninen- Formation Ita- 
liens (Nizza!). 

C. ein dum Brug. — Desh. Coq, de Par. p. 388. tb. 49. f. 
12 — 14. — Br. Leth. p. 1055. tb. 41. f. 9. — Goldf. III. p. 37. 
tb. 174. f. 16. a — i. 

Unterscheidet sich von voriger Art hauptsächlich durch das Vor- 
handensein von nur 3 gröfseren Knötchen auf den in der Mitte etwas 
rückwärts gekrümmten Längsfalten. 

Nach Bronn im Grobkalke von Paris; im Vicentinischen (zu Ca- 
stellgomberto) ; im Londoner Becken; im Tegel von Bordeaux, Dax, 
in Touraine, bei Turin, Wien, Mainz; in Volhynien (Krzeminiec) , in 



382 



VVEIGHTHIERE. 



den blauen Mergeln von Montpellier; im Crag Englands; in der Sub- 
iipenninen-Formation Italiens (Asti, Siena), Siciliens (Palermo) und 
Belgiens (Antwerpen). 

C. marg aritaceum Brongn. Calc. trapp, p. 72. tb, 6. f, 11. 
— Br. Leth. p. 1054. tb. 41. f. 8. — Goldf. III. p. 38. tb. 175. f. 1. 

Jeder Umgang ist mit 5 rosenkranzartigen, eng-gekörnten Quer- 
ringen bedeckt, von denen der zweite und der fünfte von oben, 
welcher letztere in der Nahtfurche liegt, die kleinsten sind. 

Nach Bronn in Tegelgebilden um Bordeaux, Dax, Turin, Mainz, 
Wien, in Galizien, Siebenbürgen, Polen; seltener in jüngeren Schich- 
ten von Montpellier und in der Subapenninen - Formation Italiens und 
Siciliens. 

8. G. Triforis Desh. Trifore. 

Diese Gattung unterscheidet sich von Cerithium nur durch 
ein kleines gerandetes Loch im Rücken der letzten Windung. Eine 
Art lebt noch im Mittelmeere. 

T. plicatus Desh. (Par. II. p. 431. tb. 71. f. 13—17.) kommt 
im oberen Meeressandsteine des Pariser Beckens vor. 

19. Fam. Vermetidae d'Orl». 

In diese Familie stellt d'Orbigny alle Gasteropoden, welche, 
gesellig lebend, theils an einander, theils an andere Körper ange- 
heftet sind, mit Fühlern am Kopfe, und einem runden Spiralen 
hornigen Deckel versehen sind. 

Ihre gewundenen Schaalen sind im jugendlichen Alter regel- 
miifsig und frei, im älteren Zustande aber angeheftet und öfters 
zu einer unregelmäfsigen Masse in einander verschlungen. 

1. G. Vermetus Adanson. Serpulorbis Sassi. {vermis^ 
Wurm.) 

Schaale röhrenförmig, im jungen Zustande oft regelmäfsig 
in einer erhabenen Spirale gewunden und an deren Spitze aufge- 
wachsen, oder die Umgänge liegen in einer Ebene; im vorge- 
rückten Alter hingegen wird sie fast immer unregelmäfsig und 
nimmt dann alle möglichen Formen an. 

Dem Thiere nach nähern sich die Vermeten am meisten den 
Turritellen, von denen sie fast nur durch das Vorhandensein von 4 
Fühlern abweichen ; ihre Schaalen hingegen sind aufserordentlich leicht 
mit denen von Serpula zu verwechseln , und lassen sich von diesen 



SCHNECKEN. 



383 



nur durch innere 0«ersclieidewände am Anfange der Schaale unter- 
scheiden , welche den Wurmröhren fehlen. 

Die Vermeten sind in tertiären Schichten und in den jetzi- 
gen Meeren nicht selten. d'Orbigny führt sogar schon 2 Arten 
aus dem Neocomien und der Kreide von Frankreich auf, welche 
gänzlich einer Turritella gleichen. 

V. int ort US Br. Leth. p. 990. tb. 36. f. 18. 

Diese Art wurde von Lamarck, wie viele andere von anderen 
Autoren, als Serpula beschrieben. 

Nach Bronn ist „die Schaale einzeln oder gesellig, drehrund, 
in eine lange, dünne und unregelmäfsige, seitlich aufsitzende und da- 
her gewöhnlich abgeplattete Spirale gewunden, deren Umgänge meist 
fest an einander liegen, mit einigen Längsrippen versehen und in die 
Quere mit dichten Runzeln bedeckt; das Ende der Röhre etwas zur 
Seite hinausstehend, fast gerade oder gebogen, gegen die Mündung 
hin allmählich drehrund und glatt werdend. 

Im Tegelgebilde um Dax, in Touraine, bei Angers, Wien 
(Gainfahrn), in Volhynien; in der Subapenninenformation Italiens (An- 
dona, Piacenza) und Siciliens (Palermo); endlich noch lebend im Mit- 
telmeere." (Bronn.) 

2. G. Siliquaria Bruguiere. (siliqua, Schote.) 

Von voriger Gattung durch einen Spalt unterschieden, der 
längs der ganzen Schaale läuft. Gewöhnlich zeigt sich an dieser 
keine Spur einer äufseren Anheftung, wie bei Vermetus. 

Arten tertiär und lebend. 

S. anguina Lam., ßr. Leth. p. 992. tb. 36. f. 17. — Taf. 
XVI. Fig. 17. 

Die stielrunde Schaale beginnt mit einem kegelförmigen Gewinde 
und setzt dann in einem fast geraden oder entfernt gewundenen Theile 
fort. Quer über die Schaale laufen unregelmäfsige Risse hinweg, 
welche jedoch an dem letzteren Theile sparsamer auftreten, um hier 
Läng§streifen Platz zu machen. 

Nach Bronn in der Tegel-Formation zu Bordeaux, Dax, in Tou- 
raine, zu Angers; in der Subapenninen-Formation Italiens (zu Piacenza 
im blauen Thone), Siciliens; auf Rhodos, Ischia; lebend im Mittel- 
meere und im indischen Oceane. 

SO. Farn. CrepiduUdae d'Orli. 

Thiere mit einem breiten, gerundeten, wenig ausdehnbaren 
Fufse , einem die Schaale umhüllenden Mantel , welcher vorn am 



384 



WEICHTHIERE. 



Nacken eine Kiemenhöhle bildet, mit einem breiten, niedergedrückten 
Kopfe und kurzen niedergedrückten Fühlern. 

1. G. Capuliis Montfort. Mützenschnecke. Cabochon. 
Pileopsis Lam. AmaWiea Schuhm. Acroculia Phill., 
Arch. u. Vern. {capuliis^ Handhabe; capochon, 
Dragonermütze.) 

Schaale schief kegelförmig, mit einem rückwärts gekrümm- 
ten, bisweilen etwas eingerollten Scheitel. Mündung rund oder 
oval (Vorderrand kürzer als der Hinterrand), inwendig nahe dem 
Hinterrande mit einem hufeisenförmigen Muskeleindrucke, der sich 
nach vorn hin öffnet. 

Mehrere Arten zeigen sich schon im Grauwackengebirge, von 
wo an ihre Zahl bis in die jetzige Schöpfung stets zunimmt. 

Immer an Meeres-Felsen oder Muscheln befestigt, bringen 
die Mützenschnecken ihre Existenz ziemlich einförmig zu. 

C. velustus {Fil. vetusta) Sow. M. C. tb. 607. f. 1 — 3. — 
de Kon. a. a. 0. p. 332. tb. 22. f. 7.; tb. 23 bis. f. 2. — Hierzu 
nach de Köninck: Pil. triloba und Pil. quadriloba Goldf. Petr. HI. 
p. 11. tb. 168. f. 6. 7. 

Schaale schief-kegelförmig, mit einem stark rückwärts gekrümm- 
ten und etwas eingerollten Scheitel, und mit wellenförmigen Quer- 
streifen bedeckt. Mündung 3 bis 12 lappig, welchen Lappen unregel- 
mäfsige Längsfalten der Schaale entsprechen. 

Im devonischen Grauwackenkalke von Schübelhammer und der 
Eifel?; im Kohlenkalke von Ratingen, Queen's County, in Irland, 
Preston in Lancashire, Whitewell in Yorkshire, Vise und Tournay in 
Belgien. 

C. (F.) retortella Lam. — Taf. XVL Fig. 11. a. b. — 
Nach Desh. Coq. de Par. tb. 2. /. 17. 18. 
Nicht selten im Pariser Grobkalke. 

C. (F.) cornucopiae Lam. — Taf. XVL Fig. 9. 10. — Nach 
Desh. Coq. de Par. p. 23. tb. 2. f. 13 — 16. — Hipponyx cornucopiae 
Br. Leth. p. 1007. tb. 40. f. 12. 

Schaale schief - kegelförmig, mit hohem eingebogenem Scheitel 
und eirunder Basis, durch Querstreifen runzelig, durch Längsstreifen 
gegittert. 

Diese Art ist der Typus der Untergattung 

Hipp onyx Defr.^ und unterscheidet sich von anderen Cö/^m/ms- Arten 
durch die Absonderung einer Kalkmasse unter der Schaale, welche einen 
ähnlichen Muskeleindruck als diese zeigt, und auf welcher die Schaale 



SCHNECKEN. 



385 



befestigt ist. Letztere sitzt bei anderen Arten unmittelbar auf dem 
fremden Boden auf. 

Im Grobkalke des Pariser Beckens, in der Manche (Hauteville 
bei Valogne) und in Belgien. 

t 2. G. Brocchia Bronn 

ist ganz wie Capulus beschaffen; „nur ist der Rand der rechten 
Seite immer rundlich ausgeschnitten. Hinter diesem Ausschnitte 
bildet die Schaale eine Art Ohr, welches hinten durch eine scharfe, 
sich vom Scheitel herabziehende und fast spaltförmige Falte begränzt 
ist, und hinter welcher der Rand abermals etwas in die Höhe zu 
gehen pflegt. Der hufeisenförmige Muskeleindruck öffnet sich nach 
jenem Randausschnitte hin." (Bronn.) 

Br. sinuosa u. Br. laevis Br. (Leth. p. 1009. tb. 40. f. 8; 
Reise nach Italien tb. 3.) gehören bis jetzt ausschliefslich der Sub- 
apenninenformation Italiens und Siciliens an. 

3. G. Calyptraea Lam. Infundibulum Sowerby. (^xaXvnTQa^ 
Decke, Schleier.) 

Schaale kegelförmig, an der Basis kreisrund, mit erhabenem, 
fast spitzem Scheitel. Aeufserlich zeigt sich eine undeutliche spi- 
ralförmige Naht, innerlich eine spiralförmige Lamelle, welche die 
Höhlung zum Theil verschliefst. Mündung ganz- und scharfrandig. 

C. cretacea (Inf, cretaceum d'Orb. Pal. fr. Terr. er. II. p. 
390. tb. 234. /. 1 — 3.), aus der chloritischen Kreide von Royan, ist 
die älteste Art; alle anderen Calyptraeen sind tertiär oder leben noch 
jetzt in dem Meere. 

C. trochiformis Lam. — Taf. XVI. Fig. 7. a. b. Nach Desh. 
n. p. 30. tb. 4. f. 1 — 4. 11 — 13. ~ Br. Leth. p. 1001. tb. 40. f. 10. 
— Bronn vereinigt hiermit: Infundibulum echinulatum, tuberculatum 
u. spinulosum Sow. Min. Conch. tb. 97. f. 2. 4. 5. 6. 

Etwas aufgequolten-kegelförmig , mit fast in der Mitte liegendem 
Scheitel, deutlichem Gewinde von 2 — 3 Umgängen. Oberfläche glatt 
oder mit zahlreichen kurzen hohlen Nadeln oder Knötchen besetzt. 

Im Pariser Grobkalke, im Londonthone Englands (Barton) und 
den unteren Tertiär-Schichten anderer Länder. 

Crepidula Lam. Pantoffelschnecke. {y.Qi]nig, eine Art 
von Schuhen.) 

Schaale länglich oder eiförmig, oben flach gewölbt, unten 
concav, mit randlich liegendem Scheitel. Die innere concave Fläche 

Geiuitz, Versteinerungskimde. 25 



SS6 



WEICHTHIERE. 



( Mündung) wird etwa zur Hälfte von einer dünnen horizontalen 
Kalkplatte verdeckt, und Steinkerne lassen spirale Windungen er- 
kennen. Nach Bronn giebt es völlige Uebergangsstufen zwischen 
dieser Gattung und Cahjptraea. 

Die Pantoffelschnecken leben auf Felsen und Muscheln der 
warmen und gemäfsigten Meere; fossile kennt man nur aus tertiä- 
ren Gesteinen. 

31. Farn. WissurelUdae d'Orb. 

Symmetrische Thiere mit einem Mantel, vor welchem sich 
eine breite Hohle öffnet, welche die beiden kammförmigen , et- 
was kegelförmigen Kienienlappen enthält. 

Die Schaale ist symmetrisch, schildförmig, oder niedrig-ke- 
gelförmig, innerlich hohl, und entweder im Scheitel durchbohrt 
oder vorn mehr oder weniger ausgerandet. 

Arten aus dieser Familie leben in allen, besonders aber in 
wärmeren Meeren, wo sie sich an Felsen anhängen. 

1. G. Fissurella Bruguiere. (ßssura^ Spalte.) 

Schaale schildförmig oder niedrig - kegelförmig, mit durch- 
bohrtem Scheitel. 

Schon im Kreidegebirge kommen einige sehr seltene Arten 

vor: 

F. Bucha Gein. Char. p. 48. tb. 16. f. 5. aus dem Conglo- 
inerate des Tunnels von Oberau in Sachsen. 

F. depressa Gein. Char. p. 75. tb. 18. f. 24. — Reufs, böhm. 
Kr. p. 49. tb. 11. f. 10. 

Im Plänermergel von Luschitz in Böhmen. 

F. patelloides Reufs, böhm. Kr. p. 41. tb. 11. f. 4. 
, Im Plänerkalke unweit Postelberg. 

Häufiger findet man sie tertiär. 

F. graeca Lam. — Taf. XVI. Fig. 12. a. b. c. — Desh. 
Coq. de Par. JL p, 19. tb. 2. f. 7 — 9. — Br. Leth. p. 993. 

Länglich eirund, hinten verschmälert. Vom Scheitel aus, wel- 
cher etwas nach hinten gerückt ist, strahlen nach dem gekerbten 
Mündungsrande gegen 20 Streifen herab, zwischen denen 1 — 3 schwä- 
chere und unregelmäfsigere liegen. Sämmtliche Streifen sind durch 
concenlrische wellenförmige Streifen schuppig geworden. 

Nach Bronn im Pariser Grobkalke; in der Tegelgruppe von Bor- 
deaux. Dax, Krzeminiec in Volhynien; in Tlionmergeln Südfrankreichs; 
in der Subapenninenformation Siciliens, Moreas, Belgiens (Anvers); 



SCHNECKEN. 



387 



in den sogenannten quartären Muschellagern zu Pozzuoli bei Neapel; 
lebend im Mittelmeere, im europäischen und indischen Oceane, im 
rothen Meere u. s. w. 

2. G. Rimularia {Bimulaire et Rimule) Defrance. (rimula^ 

Spaltchen.) 

Sie unterscheidet sich von Fissurella durch eine etwas bauchige 
Wölbung der vorderen Schaalenhälfte , durch nicht durchbohrten 
Scheitel und, statt dessen, durch einen Spalt zwischen dem Schei- 
tel und dem vorderen gewölbten Schaalentheile. 

R, (Emarg.) clathrata Sow. M. C. tb, 519. f. 1. 

Aus dem Unter-Oolith von Ancliff. 

Einige Arten sind tertiär (Br. Leth. p. 996.), oder leben noch. 

3. G. Emarginula Lam. {emargimre, ausranden.) 

Schaale schild- oder niedrig - kegelförmig, mit einem etwas 
rückwärts gekrümmten Scheitel, am Vorderrande gespalten oder 
ausgerandet. 

Die älteste Art scheint E. decussata Mün. zu sein, welche 
Goldfufs (P. III. p. 9. tb. 167. f. 16.) aus dem Oolithe von Streit- 
berg beschreibt. 

Einige Arten lehrten d'Orbigny (Pal. fr. Terr. er. II. p. 167 
u. f.) und Reufs (böhm. Kr. p. 41.) aus dem Kreidegebirge kennen; 
die anderen sind tertiär oder leben. 

E. elegans Defr. — Taf. XVI. Fig. 8. a. b. Nach Desh. II. 
p. 16. tb. 3. f. 1 — 4. 

Länglich-oval, kegelförmig, gerippt, durch Querstreifen gegit- 
tert. Der randliche Spalt ist sehr klein. 

Im Pariser Grobkalke. 

Paramophorus Blainville 

begreift diejenigen Arten von Emarginula., deren Schaale an bei- 
den Enden abgestutzt und daher fast parallelopipedisch ist, und 
welche, statt eines Spaltes, vorn nur eine schwache Ausrandung 
zeigt. 

Einige Arten kommen im Pariser Grobkalke vor. 

4. G. Pate IIa. Napfsch necke. Metoptoma Phill. (patella^ 

Schüssel.) 

Schaale schildförmig, mehr oder weniger kegelförmig, von 
ovalem oder kreisrundem Umrisse, mit geradem oder schwach rück- 

25=^- 



388 



WEICHTHIERE. 



wärts gekrümmtem, stets undurchbohrtem Scheitel; ohne Spalt oder 
raiidlichen Einschnitt. 

Die Patellen scheinen in allen Meeresformationen vertreten zu 
sein; d'Orbigny rechnet indefs alle fossilen Arten, welche älter als 
die Tertiiirgebilde sind,, der nach ihrer Schaale ganz ähnlichen Gatt- 
ung Acmaea Eschholtz (Patelloidea Quoy) zu, deren Athmungsorgane 
in der Milte liegen , während dieselben bei Patella um den Umfang 
des Thieres verlheilt sind. 

Oft schon wurden andere Körper für Patellen gehalten, welche 
zum Theil in ganz andere Thierclassen gehören. 

So haben die Deckelklappen einiger Hippuriten, die Schaalen 
von Crania u. Orhicula^ bisweilen grofse Aehnlichkeit damit; Pa- 
tella Orbis Rom. (Kr. p. 76. tb. 11. f. 1. — Gein. Char. p. 48. 
tb. 16. f. 4. — Reufs, böhm. Kr. p. 41. tb. 7. f. 27.) aus dem Plä- 
ner von Sachsen und Böhmen, ist sicher nur der Abdruck oder die 
Ablösungsfläche eines Fischwirbels. Ebenso haben Abdrücke und Ab- 
lösungsflächen der grofsen Rückenwirbel von Lamna^ die in dem Plä- 
nerkalke von Sachsen und Böhmen vorkommen, oft täuschende Aehn- 
lichkeit mit Patellen, und lassen bisweilen nur durch den Gehalt an 
phosphorsaurem Kalk ihre wahre Natur erkennen. 

Goldfufs, Phillips und de Köninck beschrieben die Fatellen der 
älteren Gebirge. In der Kreideformation verschiedener Länder begeg- 
net man bisweilen der 

P. laevis Sow. M. C. tb. 139. f. 3—4. — Taf. XVI. Fig. 13. 
a. b. c. — P. ovalis Nilss. Petr. Suec. tb. 3. f. 8. — His. Leth. Suec. 
p. 45. tb. 30. f, 8. — Reufs, böhm. Kr. p. 42. tb. 11. f. 7. 

Schaale flach-kegelförmig und, concentrische Anwachsstreifen aus- 
genommen, glatt. Basis eiförmig. Scheitel aufserhalb der Mitte und 
schwach zurückgekrümmt. 

Im Kreidemergel von Folkstone, bei Balsberg und im sandigen 
Kalke von Svenstorpsmölla in Schweden, im Plänermergel von Luschitz 
und im unteren Planer von Kreibitz in Böhmen. 

F. angulosa Gein. Nachtr. z. Char. p. 11. tb. 6. f. 2 — 4. — 
Taf. XVI. Fig. 14. 

Schaale dick, niedrig-kegelförmig, mit fast in der Mitte liegen- 
dem Scheitel, von welchem 3 — 6 schwache Kanten nach der rund- 
lichen oder eckigen Basis herablaufen; dazwischen von der Basis aus 
fein gefurcht. 

1 — 3'" grofs, häufig auf Ammoniten und dergleichen aufsitzend, 
im Plänerkalke von Strehlen bei Dresden. 



SCHNECKEN. 



389 



Z2» Farn. Chitonidae d'Orli. 

Die Schaale ist aus getrennten Theilen zusammengesetzt, und 
die Kiemen stehen, wie bei den Patellen, um den Mantel des 
Thieres herum. Fühler und Augen fehlen. 

Chiton Lam. Käfermuschel. Oscabrion. (/jrwv^ Kleid.) 

Die Schaale besteht aus 8 dachziegelförmig an einander ge- 
reiheten Theilen, von welchen die beiden am Ende befindlichen 
fast halbkreisförmig sind. 

Die Arten leben besonders an tropischen Meeresküsten; fos- 
sile sind aufserordentlich selten. 

Die ältesten Arten sind die von Sandberger im devonischen Kalke 
und Rotheisenstein von Villmar und Weilburg beschriebenen Chitonen. 
(L. Br. J. 1842. p. 399. J 1843. p. 781.) 

de Köninck giebt über 4 Arten des Kohlenkalkes von Belgien 
Rechenschaft, unter denen Chiton priscus Mün. (Beitr. I. 2. Aufl. 
p. 60. tb. 13. f. 4. — de Kon. a. a. 0. p. 321. tb. 23. f. 1. — 
Sandb. in L. Br. J. 1842. p. 399.) zugleich bei Villmar, und im Koh- 
lenkalke von Tournay vorkommen, und citirt aufserdem noch eine ter- 
tiäre Art aus dem Pariser Becken. 

? Ch. Cottae Gein. 

Nach Münster's und de Koninck's Abbildungen zu urlheilen, möchte 
es kaum noch zweifelhaft erscheinen, jene hufeisenförmigen Reliefs (Taf. 
V. Fig. 13 u. 14.), welche von Cotta im bunten Sandsteine von Pöl- 
zig im Altenburgischen und Klein-Pörthen im Reufsischen (s. p. 108.) 
entdeckt und als Thierfährten beschrieben wurden, der Reihe fossiler 
Chitonen beizuzählen. 

Farn. JDentalidae d'Orb. 

Das Thier ist verlängert kegelförmig, und vorn abgestutzt; 
sein Fufs rüsselförmig und endet in einem conischen Anhängsel; 
der Kopf deutlich gestielt und mit Fühlern versehen. Die Kiemen 
stehen symmetrisch in 2 Bündeln am Nacken. 

Die einzige Gattung ist: 

Dentalium Lam. Meerzahn, (dens^ Zahn.) 

Die Schaale ist regelmäfsig verlängert, gerade oder schwach 
gekrümmt, und sowohl an ihrem vorderen dicken als an dem hin- 
teren schmalen Ende geöffnet. 

Man findet Dentalien in allen Meeresformationen, doch wer- 
den siö erst in der jetzigen Schöpfung zahlreich. 



390 



WEICUrillERE. 



D. priscum Mlin. Goldf. III. p. 2. tb. 166. f. 3. — de Kon. 
a. a. 0. p. 316. tb. 22. f. 1. 

„Fasl gerade, etwas zusammengedrückt, sehr dünn, mit schie- 
fen, etwas entfernten, schwach ausgedrückten, schiefen ringförmigen 
Streifen." (Goldfufs.) 

Im Kohlenkalke von Tournay, und nach Sandberger im devoni- 
schen Kalke von Villmar. 

D. laeve Schloth. Nachtr. tb. 32. f. 2. — Alberti, Monogra- 
phie p. 57. — Gäa von Sachsen p. 104. — Goldfufs P. III. p. 2. 
tb. 166. f. 4. — Taf. XVI. f. 15. 

Ziemlich stark gekrümmt und schnell an Dicke zunehmend, dreh- 
rund, glatt, dickschaalig. 

In den mittleren Schichten des Muschelkalkes von Thüringen, 
Göttingen, Laineck bei Baireuth, zwischen Dietersweiler und Glatten! 
u. a. 0. 

D. gl ab r um Gein. Char. p. 74. tb. 18. f. 28. — Taf. XVI. 
Fig. 16. 

Wenig gebogen oder gerade, langsam an Dicke zunehmend, 
mit eiförmigem Durchschnitte, glatt. 

Im unteren Quader von Tyssa in Böhmen. 

D. medium Sow. M. C. tb. 79. f. 5. 6. (unvollkommen). — 
Sow. b. Fitton a. a. 0. tb. 18. f. 4. — Gein. Char. p. 74. tb. 18. 
f. 25. 26. — Reufs, böhm. Kr. p. 40. tb. 11. f. 4. 

Nach Reufs: „1^ — 24'' lang, sanft gebogen, mit kreisrundem 
oder breit elliptischem Querschnitt. Die Oberfläche mit zahlreichen 
feineren und gröberen erhabenen Längslinien bedeckt, welche von noch 
feineren concentrischen Linien durchkreuzt werden. Selten ist die Röhre 
ganz wohl erhalten, gewöhnlich zusammengedrückt und der Länge nach 
zerbrochen." 

Dem Flänermergel von Böhmen (Luschitz, Priesen) und Sachsen 
(Oberau, Pirna) fehlt diefs Dentalium nie; bisweilen kommt es auch 
im Plänerkalke von Strehlen vor. In England findet es sich im Grün- 
sande von Blackdown. 

D. decussatum Sow. (M. C. tb. 70. f. 7. — d'Orb. Pal. fr. 
Terr. er. IL p. 400. tb. 236. f. 1 — 6.), von Sussex und aus dem 
englischen und französischen Galt, scheint von /). medium nicht ver- 
schieden zu sein. 

Z>. elephantinum (L.) Brocchi. 

Schaale dick, bis 25'' lang, schwach gekrümmt, mit kreisrun- 
dem Querschnille und gedrängt stehenden, dickeren und schwächeren 



MUSCHELN. 



391 



Längsrippen bedeckt, welche flach und gerundet sind, und Uber welche 
zarte concentrische Linien laufen. 

Im Tegel von Baden bei Wien. 

D. Bouei Desh., welches mit ihm zusammen vorkömmt, zeigt 
nur feine Langslinien, die aber auch sehr gedrängt stehen und 
häufig von wellenförmigen concentrischen Linien durchkreuzt werden. 

3. Ordn. Conchifera^ Muiscbeln. 

Den Muscheln fehlt der Kopf und mit ihm fehlen auch alle 
Organe, die in und an demselben ihren Sitz haben, als Augen, 
Ohren und Fühler. Daher nannte sie Cuvier Acephala^ Blain- 
ville Acelophora, Sie haben einen zahnlosen Mund, der mit 
fleischigen, fühlerartigen Lippen versehen ist, im grofsen Mantel 
verborgen liegt, und dessen Lage nach Blainville, Deshayes, Gold- 
fufs, Bronn, de Köninck u. A. die vordere Gegend der Muschel 
bezeichnet. Der Mantel, welcher sich in zwei grofse, gleiche 
Lappen theilt, die sich öffnen und schliefsen können, und wel- 
cher äufserlich allermeist von zwei Sc h aalen bedeckt wird (da- 
her der Name Bivalven), hüllt das ganze Thier ein, umschliefst 
demnach Leber, Herz, Eingeweide und Kiemen. Letztere sind 
blattförmig, wefshalb d'Orbigny die Muscheln Lamellibranchia 
nennt, und ihnen entspricht bisweilen eine deutliche Kiemenröhre, 
die dann am hinteren Ende der Muscheln neben der Afterröhre 
mündet. Viele Gattungen besitzen einen fleischigen, cylindrischen 
oder zusammengedrückten Fufs, dessen Zusammenziehbarkeit ihnen 
einige Beweglichkeit gestattet. Er tritt aus dem aufklappenden 
Theile der Schaalen hervor und ist mehr dem Munde als dem Af- 
ter genähert. 

Unabhängig von den Muskeln des Mantels , welche auf der in- 
neren Seite der Schaalen die Manteleindrücke (Taf. XVIL Fig. 6. 
10. 18. 20, b.; Taf. XVIII. Fig. 1. 12, b. 16 etc.) bewirken, lau- 
fen von der einen zur anderen Schaale 1, 2 oder mehrere starke 
Muskeln, welche zum Schliefsen der Schaale dienen und deren Ein- 
drücke oder Befestigungsstellen an den Schaalen auf Taf. XVII. Fig. 
6. 10.; Taf. XVIIL Fig. 1. 11. 12. 16 u. a. sichtbar sind, während 
ein sehniges Band (Ligamentum) oben am Schlofsrande, wo die 
Schaalen mit einander vereiniget sind, diese zwingt, sich zu ölTnen. 

Die Schaalen der Muschel sind entweder frei oder auf Felsen 
aufgewachsen , und im letzteren Falle stets unsymmetrisch. Wenn 
beide Schaalen gleich sind, so nennt man die Muscheln gleich- 



392 



WEICH rillERE. 



schaalig, glei chklapp ig oder symmetrisch, im entgegenge- 
setzten Falle aber un gleich sc h aalig, ungleich klappig oder un- 
symmetrisch. Der Anfang der Schaalen heifst ihr Buckel oder 
Wirbel (apex^ umbo, nalis^ sommet^ crochet) , da er gewöhnlich 
mehr oder weniger vorragt. Bei den meisten Muscheln ist' er etwas 
nach vorn, also der Mundgegend zu, gekrümmt. Vor ihm zeigen 
sehr viele Muscheln eine kleine, ovale oder herzförmige Vertiefung, 
das Mondchen (lunula, anus) ^ hinter ihm ein längeres und schmä- 
leres vertieftes Feld, das Schildchen (area^ mlva^ ecusson^ su~ 
iure) , welches das Schlofsband (ligamentum) aufnimmt. 

Linne, Bruguiere, Brocchi, Lamarck, Basterot, Sowerby und 
d'Orbigny bezeichnen umgekehrt die Mundgegend, nach welcher der 
Wirbel sich gewöhnlich hinwendet, als hintere, und die Aftergegend 
als vordere Seite. 

Aufser dem Schlofsbande und den Schliefsmuskeln, welche die 
Schaalen zusammenhalten, haben die meisten Muscheln in der Wirbel- 
gegend noch einen Apparat zu diesem Zwecke, das Schlofs (cardo, 
charniere) ^ welches aus in einander greifenden Erhöhungen (Zäh- 
nen) und Vertiefungen (Schlofs gruben) besteht. In einiger Ent- 
fernung davon sind bei einigen auch noch Nebenzähne (Seiten- 
zähne) anzutreffen. 

Der Schaalenrand, an w^elchem Wirbel, Schlofs und Band lie- 
gen, heifst der Schlofsrand (margo cardinalis)^ und ich bezeichne 
denselben k mit Blainville, Goldfufs und Bronn al« den oberen, da er 
über dem Rücken des Thieres liegt, während Linne, Bruguiere, Brocchi, 
Lamarck, Baslerot und Sowerby ihn als den unteren betrachteten. 
Dem Schlofsrande gegenüber liegt der untere Rand, und die senk- 
rechte Entfernung beider Ränder von einander stellt bei den gleich- 
klappigen Muscheln, deren natürliche Stellung eine verticale ist, die 
Höhe, bei den ungleichklappigen aber, deren natürliche Stellung eine 
horizontale ist, die Breite dar. Streifen, Falten oder Rippen, welche 
in dieser Dimension die Schaalen bedecken, nenne ich mit Goldfufs 
und Bronn, um Verwechselungen zu vermeiden, ausstrahlende. 
Läfst sich die Schaale durch eine in dieser Dimension gezogene Li- 
nie in zwei gleiche Hälften theilen, so nennt man sie gleichseitig, und 
wenn diefs nicht möglich ist, ungleichseitig. Die Längendi- 
mension ist bei den Muscheln diejenige, welche von vorn nach hin- 
ten geht, welcher Bezeichnung auch Deshayes, Goldfufs, Bronn, d'Or- 
bigny, Quensledt u. A. folgen. Da man indessen sehr häufig die 
Länge als Breite, und die Breite als Länge bezeichnet hat, wie diefs 
von Linne, Bruguiere, Lamarck, Brocchi, Sowerby, Nilfson, Deshayes 



MUSCHELN. 393 

u. A., bisher auch von mir, geschah, so werde ich nach dem Vor- 
gange von Goldfufs die dem unteren Rande parallel laufenden, also 
von vorn nach hinten gehenden Streifen, Falten oder Rippen stets 
concentrische nennen. 

Der Querdurchmesser, welcher die Dicke bestimmt, geht durch 
den gewölbtesten Theil beider Schaalen und wäre in Fig. 18. auf 
Taf. XIX. durch eine horizontale Linie zu bezeichnen. 

Stellt man die Schaalen vertical, und zwar so, dafs der Schlofs- 
rand oben liegt und das vordere Ende vom Beschauer abgekehrt ist, 
so stimmt die Bezeichnung der linken und rechten Schaale mit 
dem gebräuchlichsten, hier gewählten Sprachgebrauche überein, wäh- 
rend d'Orbigny, dem die hintere Gegend einer Muschel die vordere 
ist, weil die freien Muscheln allermeist in dieser Richtung angetrof- 
fen werden, die linke Schaale als die rechte und die rechte als die 
linke betrachten mufste. 

Bei ungleichklappigen Schaalen kann man nicht füglich von links 
und rechts sprechen, da ihre natürliche Stellung, nach d'Orbigny, im- 
mer eine horizontale ist, und die rechte Schaale wird daher bei ih- 
nen zur Unte r s cha al e , die linke zur Ober- oder Deckeischaale. 

Bei meinen Abbildungen habe ich, mit wenigen Ausnahmen, 
Blainville's Schaalenstellung gewählt, da diese nicht nur die gebräuch- 
Hchste ist, sondern auch nach d'Orbigny's Ausspruche dem wir 
die besten Mittheilungen über diesen Gegenstand verdanken, unter al- 
len bisher üblichen Methoden der natürlichen sich am mehrsten nähert. 

Die Abbildungen Fig. 1 — 5, 16 — 17 auf Taf. XVII. zeigen die 
von Deshayes eingeführte Schaalenstellung, welche nach d'Orbigny von 
der natürlichen am meisten abweicht; würde man aber diese Figuren, 
so wie Fig. 19 — 21. auf Taf. XIV. senkrecht gerade umkehren, so 
hätte man die Stellung, welche d'Orbigny als die richtigste bezeich- 
net, nach welcher der After oben, der Mund unten und der Wirbel 
in eine der i horizontalen Richtungen zu liegen kommt. 

Die Muscheln leben nur im Wasser, und bei weitem die 
meisten im Meere. Einige verbergen sich im Sande oder Schlamme, 
lassen hier, wenn sie ihren Ort verändern, nur eine seichte Furche 
zurück oder senken sich auch tiefer darin ein; andere graben sich 
Höhlungen in Kalkfelsen und können in diesem Falle ihren Ort 
nicht mehr verändern; viele befestigen sich an einem Felsen ent- 
weder mittelst eines Bartes {byssus) oder mit ihrer Schaale selbst, 



*) Palcontologie fran^aisc, Terrains cretaces T, III. 



394 WEICHTIIIERB. 

deren Substanz sich dann innig mit dem Grunde vereinigt und 
die Schaalen sehr unregelmäfsig werden läfst. 

Die Vertheilung der Muscheln ist wie die der Schnecken 
(vergl. p. 321.), nur mit dem Unterschiede, dafs sich schon in 
den älteren Formationen eine grüfsere Anzahl von ihnen einstellt. 

Statt der bisher üblichen Eintheilung <ler Muscheln in Dimya- 
ria^ Muscheln mit 2 Muskeleindrücken, und Monomy aria^ Muscheln 
mit einem Muskeleindrucke in jeder Schaale, welche Eintheilung nur 
auf einem untergeordneten Charakter gegründet ist, lege ich hier d'Or- 
bigny's natürlichere zu Grunde und gebe die Reihenfolge der Gatt- 
ungen, so weit dieselbe aus den bis jetzt veröffentlichten Heften des 
dritten Bandes von d'Orbigny's Paleontologie ersichtlich ist. 

A. Orthoconchae d'Orb. 

Thier symmetrisch, Schaale allermeist gleich- 
klapp ig; normale Stellung vertical; Muskeleindrücke 
wenigstens zwei in jeder Klappe. 

a. Sinupalliatae. Der Manteleindruck bildet in 
der After gegend einen Sinus oder Ausschnitt. Der Man- 
tel ist theilvveise geschlossen und die beiden Röhren sind ausdehn- 
bar, vereinigt oder getrennt. 

1. Farn. Ciavag ellidae d'Orb. 

Das verlängerte Thier besitzt einen ganz geschlossenen Man- 
tel, hinten eine weit ausdehnbare Röhre, welche die Kiemen- und 
Afterröhre enthält; einen undeutlichen, vorn liegenden Fufs und 
riemenartige Kiemen zu beiden Seiten des Körpers. 

Die Schaale ist entweder mit einer langen, nach hinten 
verlängerten und sich verengenden Kalkröhre ganz verwachsen oder 
wenigstens von ihr eingeschlossen, oder eine ihrer Klappen ist 
frei. Nach Deshayes ist das Schlofs einfach und besteht nur aus 
einem linearen Bande. 

1. G. Clavagella Lam. {clava^ Keule.) 

Die eine Klappe ist am vorderen Theile der lang - keulen- 
förmigen Kalkröhre innig mit ihr verwachsen und äufserlich sicht- 
bar, während die andere frei im Inneren dieser Röhre liegt. Das 
vordere (in der Abbildung obere) Ende der letzteren ist abge- 
stutzt, zeigt in der Mitte einen Spalt und ist am Rande mit röh- 
renförmigen Fortsätzen umstellt. 



MUSCHELN. 395 

C. cretacea d'Orb. Fal. fr, Terr. er. III. p. 300. tb. 347. 
Diese, die älteste Art, wurde in der Kreide von Royan ent- 
deckt. 

C, coro n ata Desh. Coq. de Par. p. 8. tb. 5. f. 15. 16.; Tr. 
el. de Conch. II. p. 23. Ib. 1. f. 11. — Hiernach Taf. XVII. Fig. 1. 

— Sow. M. C. tb. 480. 

Röhre gerade, am vorderen Ende mit etwa 8 regelmäfsig ver- 
zweigten Röhrchen. 

Im Pariser Grobkalke, im Londonthone zu Rarton, und in den 
tertiären Kalken von Medoc, Pauliac, St. Estefe und Rlaye. 

C. bacillaris Desh. Tr. el. de Conch. P. //. p. 24. tb. 1. 
f. 5 — 10. 

Röhre ziemlich gerade (bis 5" lang und dann höchstens 8/" 
breit), am vorderen ebenen Ende nicht nur mit einem mittleren Spalte, 
sondern auch mit einer tiefen seitlichen Furche versehen, die in dem 
Spalte beginnt und eine Strecke auf der Röhre verläuft, und mit vielen 
zweitheiligen Röhrchen umstellt. 

Im Kalke von Palermo und nach Philippi *) in den Tertiärbild- 
ungen von Osterweddingen und Westeregeln bei Magdeburg. 

2. G. Aspergillum Brug. Arrosoir. (aspergo^ hinstreuen.) 

Beide Schaalen sind mit der langen Kalkröhre verwachsen, 
welche an ihrem vorderen Ende gleichfalls mit ästigen Röhren um- 
stellt und hier noch aufserdem mit zahlreichen Löchern durch- 
bohrt ist. 

Es ist nur eine fossile Art dieser Gattung: 
A. Leognanum Höningh. (Desh. Tr. el. p. 16.), aus den Te- 
gelgebilden von Rordeaux, bekannt. 

? 3. G. Gastrochaena Spengler. Fistulana Brug. Lam. (yaorrjg^ 
Bauch; xaivoj, klaffen.) 

Die keulenförmige Kalkröhre, welche theils frei ist, Iheils 
in anderen Meereskörpern eingesetzt, ist am vorderen dicken Ende 
geschlossen, am hinteren schmäleren offen, und umschliefst 
zwei gleichklappige, nach vorn hin weit aufklaffende Schaalen, 
welche, nach Deshayes, frei in ihr liegen. 

Die kleine Reihe der Arten beginnt mit der Kreideformation. 

G. {¥.) streue Gein. Nachtr. zur Char. p. 11. tb. 4. f. 5—7. 

— Taf. XVII. Fig. 2. 3. 



*) L. Br. J. 1845. p. 447. 



39(> 



WKICIITHIERE. 



Die Rölire bildet eine kurze, gerade oder etwas gjekrüminle, 
glatte Keule, welche am geschlossenen Ende gerundet ist, nach dem 
hinteren offenen sich schnell verengt und in Austerschaalen sitzt. Die 
inneren Schaalen sind länglich eiförmig und concentrisch gestreift oder 
gefaltet. 

Im unteren Fläner von Plauen bei Dresden. 

G.? oder Teredo? (Serpula) Ämpkisbaena Goldf. Petr. I. 
p. 70. f. 16. — Fist. amph. Gein. Nachtr. p. 11. tb. 4. f. 11 — 14. 
— Reufs, böhm. Kr. p. 19. tb. 5. f. 29 — 32. 

Eine lange walzenförmige, gerade oder gekrümmte, weite, runde 
Rühre, die sich sehr allmählich verdickt und vorn mit einem gerun- 
deten Ende schliefst. Oberfläche glatt, mit ziemlich regelmäfsig ent- 
fernten, ringförmigen kantigen Linien, welche von Anwachsringen her- 
rühren. Innere Schaalen noch unbekannt. 

Von dieser Art rühren jene wurmförmigen, keulenförmigen und 
eiförmigen Höhlungen und die Ausfüllungen derselben her, welche ich 
früher (Char. p. 13. unten, und Taf. 6. f. 2. 3.) Insecten zuschrieb. 
Ihre Umgebung zeigt sehr häufig noch kohlige vegetabilische Sub- 
stanz. 

Röhren und Ausfüllungen ihrer Bohrlöcher sind nicht selten im 
Pläner von Sachsen und Böhmen. Die ersleren beschrieb Goldfuls aus 
dem Grünsande ? von Bochum in Westphalen und der Mergelkreide 
von Mastricht. 

Teredo argonnensis Buvignier (d'Orb. Pal. fr. Terr. er. III. 
p. 302. tb. 348. f. 1. 2.), aus dem Galt von Grand - Pre (Ardennes) 
und Varennes (Meuse), begreift Röhren und Bohrlöcher, welche von 
denen der G. amphisbaena nicht verschieden sind. 

Ob die dickeren und längeren Ausfüllungen ähnlicher Höhlungen, 
welche ich (Char. p. 13.) als Cerambycites beschrieb, von Gastro- 
chaenen, Teredo oder wirklich von Insecten herrühren, vermag ich 
noch nicht zu sagen. 

Sie kommen im Quadersandsteine von Sachsen und Schlesien nicht 
selten in Hölzern vor und finden sich in diesen oft in solch einer 
Menge beisammen, dafs öfters kaum noch etwas vom Holze zu se- 
hen ist. 

3. Fam. JPholadidae d'Orl). 

Das Thier ist verlängert, sein Mantel eine ziemliche Strecke 
geschlossen, die gemeinschaftliche hinlere Röhre sehr lang, der 
vordere Fufs stumpf und breit. 

Die Schaale ist frei oder liegt in einer Kalkröhre, und ihre 



MUSCHELN. 



397 



beiden Klappen haben weder Schlofs, noch Schlofsband, sind aber 
mit eigenthümlichen, bisweilen zahlreichen Kalkplüttchen versehen, 
welche in der Nähe der Wirbel oder am vorderen Ende liegen. 

1. G. Teredo L. Pfahlmuschel, Pfahl- oder Bohrwurm. 
- Taret, Tavier. Sepiaria Lam. Cloisonnaire. Tenthredo Arisl. 
Xilophagus Plinius. (jiQ?]öcüv.) 

Die beiden kleinen Schaalen, welche sich niedergedriickt- 
" kreisförmig zusammenbiegen, und vorn und hinten weit klaffen, 
haben im Innern ihres Wirbels eine löffelarlige Kalkplatte und 
werden von einer, häuiig sehr langen, mehr oder weniger gera- 
den Kalkrhöre eingeschlossen, welche hinten stets offen und hier 
durch eine mittlere Scheidewand getheilt, vorn aber im älteren 
Zustande geschlossen ist. 

Nach d'Orbigny zeigen sich die Pfahlmuscheln zuerst in der 
Juraformation. Sie leben alle im Holze, und bohren sich, in 
grofser Anzahl beisammenlebend, in dieses hinein, so dafs sie 
den Schiffen dadurch höchst verderblich werden. 

T. Requienianus Matheron (d'Orb. Pal. fr. Terr. er. III. p. 
303. tb. 348. f. 3 — 6.), und die unter Gastrochaena aufgeführten, viel- 
leicht zu Teredo gehörigen Arten durchbohrten die Hölzer der creta- 
cischen, einige andere (Sow. M. C. tb. 102. f. 5 — 8. — Philippi in 
L. Br. J. 1845. p. 448.) die der tertiären Meere. 

2. G. Teredina Lam. 

Die beiden hinten weit klaffenden Schaalen liegen äufser- 
lich am vorderen Ende einer langen , hinten offenen Kalkröhre ; 
sind oben, nahe den vorspringenden Wirbeln, durch ein ovales, 
kalkiges Rückenschild geschieden, zeigen kein Ligament, wohl 
aber dicke löffelartige Plättchen in der Wirbelhöhlung. 

Eine fossile Art kommt, nach Deshayes, schon in der Kreide 
des Dröme Departements vor; 

T. (Fist.) personata Lam. (Desh. Coq. de Par. p. 18. tb. 1. 
f. 23. 26. 28.; Tr. el. de Conch. p. 66. tb. 2. f. 11 — 13. — Hier- 
nach Taf. XVII. Fig. 4. — Teredo antenautae Sow. M. C. tb. 102. 
f. 1 — 4.) in tärtiären Schichten von Paris, Reims und Epernay. 

3. G. Pholas Ii. Bohrmuschel. Pholade. Xilophaga Tourton; 
Jouannetia Desm. (cfcoläg^ versteckt.) 

Schaale rundlich oder verlängert, vorn und hinten für den 
Durchgang des Fufses und der Röhre weitklaffend. Der Mantel- 



398 



WEICHTIIIERE. 



eindruck macht hinten einen tiefen Sinus. Der hintere Muskelein- 
druck liegt nahe dem oberen Rande, etwa in der Mitte der Länge, 
der vordere unter dem Wirbel, an einer eigenthümlichen Platte, 
welche den letzteren bedeckt und durch viele kleine senkrechte 
Plättchen gestützt wird. Im Inneren der Schaale befindet sich un- 
ter dem Wirbel ein langer löiFelstielartiger Zahn. Taf. XVII. 
Fig. 5. a. h. 

Nur wenige Pholaden sind in einer Röhre eingeschlossen, 
die anderen dagegen frei. 

Sie bohren Löcher in verhärtetem Thon oder Stein, Koral- 
len oder Holz und senken sich in diese Körper, mit der vor- 
deren Seite nach unten gekehrt, um so tiefer ein, je mehr sie 
wachsen. 

Nach d'Orbigny zeigten sie sich in jurassischen Meeren 
zuerst. 

Ph. prisca bestimmte Sowerby (iüf. C. th. 581.) aus dem Grün- 
sande Englands, und aus dieser Art könnte man vielleicht jene, von mir 
(Char. p. 99. tb. 24. f. 1. 2.) als Sclerotites bezeichneten kugel- 
igen und länglichen Körper herleiten, welche die inneren Wände 
oblonger Höhlungen im sächsischen, schlesischen und mährischen Qua- 
dersandsteine bedecken und darin oft mit einer bituminösen Kohle zu- 
sammenliegen 

Zwei Pholaden beschreibt d'Orbigny aus den Kreidegebilden von 
Frankreich. 

Neben mehreren anderen Arten kommt 

Ph. Candida L. (Desh. Tr, el p, 79. tb. 3. f. 13. 14.) lebend 
im europäischen Oceane, und zugleich fossil in oberen tertiären Schich- 
ten von Schweden, Norwegen und im Crag von England vor. 

3, Farn. jnCyacidae d'Orb. 

Der Mantel des Thieres ist fast seiner ganzen Länge nach 
geschlossen und läfst nur vorn eine OefFnung für den Durchgang 
des Fufses. Eine lange fleischige Röhre am hinteren Ende um- 
schliefst die After- und die Kiemenröhre. 

Die Schaale ist ungleichseitig, verlängert oder eiförmig und 
klafft an beiden Enden. Der Manteleindruck bildet hinten einen 



*) Göppert, sowie auch Corda (in brieflichen Mittheilungen), und Roth 
(die Kugelform im Mineralreiche. 1843.) erklärten diese Körper für Ab- 
sonderungen. Seitdem fand ich sie aber in Bannewitz in der Rinde deut- 
licher Hölzer sitzen. 



MUSCHELN. 



399 



tiefen Sinus. Jede Schaale zeigt zwei Muskeleindriicke. Ligament 
innerlich oder äufserlicli. Schlofs verschieden. 

Wie die Pholaden sich in Steine einsenken, so bohren sich 
die Myaciden tief in den Sand oder Schlamm, und behalten, wie 
jene, während ihrer ganzen Lebenszeit denselben Wohnort. 

1. G. Solen L. Messe rschei de. CmM/m*, Ensis, Legumimria^ 
Süiquaria Schumacher, {owltjv.) 

Die langgestreckte, zusammengedrückt-cylindrische , sehr un- 
gleichseitige Schaale ist mit einer Oberhaut bedeckt, an beiden 
Enden abgestumpft und sehr klaffend. Von den beiden Muskel- 
eindrücken, welche am Riickenrande liegen, ist der hintere oval, 
der vordere sehr verlängert und schmal. Das Schlofs liegt theils 
am vorderen Ende, theils in der Mitte der Länge, ist theils zahn- 
los, theils besteht es aus in einander greifenden, nicht divergi- 
renden Zähnen. Das Band liegt äufserlich in einem lippenartig 
umgebogenen Schaalentheile. 

Mit S. siliquosus de Kon. (descr. des an. foss. p. 63. tb. 5. 
f. 3.) beginnt diese Gattung schon im Kohlenkalke von Vise sich zu 
zeigen; einige Arten beschreibt Goldfiifs (P. IL p. 276.) sogar schon 
aus dem Grauwackenkalke der Eifel. Auch im Kreidegebirge ge- 
hören die Messerscheiden noch zu den gröfseren Seltenheiten, und 
erst in tertiären Bildungen werden sie gemeiner. Gegenwärtig be- 
wohnen sie in Menge die sandigen Küsten, wo sie sich senkrecht, 
mit der Röhre nach oben gerichtet, ziemlich tief einsenken. 

S. compressus Goldf. IL p. 276. tb 159. f. 4. — Gein. Char. 
p. 76. tb. 21. f. 4. — ? S. aequalis d'Orb. Pal. fr. Terr. ci\ IIL 
p, 321. tb. 350. f. 5—7. 

Quer - elliptisch, etwa dreimal länger als breit, flach gewölbt, 
glatt, mit niedrigem, etwas vor der Mitte gelegenen Wirbel. 

Im unteren Quader von Tyssa in Böhmen, im Grünsande bei 
Aachen und ? in der chloritischen Kreide bei Mans (Sarthe). 

S, Vagina L. — Desh. Coq. de Par. p. 25. tb. 2. f. 20. 21.; 
Tr, el. II. p. 107. tb. 6. f. 4—6. — Br. Leth. p. 978. tb. 37. f. 5. 

Schaale sehr verlängert, zusammengedrückt - cylindrisch, etwa 
sechsmal länger als breit, vorn schief abgeschnitten und mit aufge- 
bogenem Rande. Das Schlofs liegt am vorderen Ende und hat in je- 
der Klappe einen Zahn. 

Im Pariser Grobkalke, in mitteltertiären Schichten um Bordeaux, 
Wien, Kattau bei Eggenburg, in Ungarn, Polen, in oberen tertiären 



400 



WEICHTHIERE. 



Bildungen a. m. 0. und noch lebend im europäischen, americanischen 
und indischen Meere. 

S. coarctatus Gmelin, Lam., Desh. Tr. el. II. p. 112. tb. 5. 
f. 8. — Phil, in L. Br. J. 1845. p. 418. — Taf. XVII. Fig. 6. 

Die weifse, glatte Schaale ist 2^ mal länger als breit, an bei- 
den Enden gerundet, in der Mitte der Länge schwach eingebogen, 
und zeigt im Inneren der Schaale eine flache Falte. Ihr Schlofs, 
das in der linken Schaale einzähnig, in der rechten zweizähnig ist, 
liegt etwas vor der Mitte. 

In den Umgebungen von Bordeaux, bei Westeregeln und Oster- 
w^eddingen nahe von Magdeburg, in der Subapenninenformation Italiens 
und Siciliens, und noch lebend im Mittelmeere. 

Leguminaria Schumacher; Machaera Gould. (legumen^ 
Hülsenfrucht.) 

Diese Gattung begreift diejenigen Arten von Solen, welche 
in der Mitte der rechten Schaale zwei gerade Schlofszähne und 
ein Grübchen, in der rechten aber zwei tiefe Grübchen mit ei- 
nem knochigen Rande haben, und bei welchen im Inneren jeder 
Schaale vom Wirbel nach der entgegengesetzten Seite eine Rippe 
läuft, welche f der Schaalenbreite einnimmt. 

S. coarctatus scheint indefs die Leguminarien mit Solen wie- 
der zu verbinden. 

2. G. Panopaea Menard de la Groye. Lutraria u. Myacites 
Aut. Pleuromya Ag. Homomya Ag. z. Tli. '■'■). {Panope^ 
griech. Myth.) 

Die Schaale ist mehr oder weniger verlängert, ungleichsei- 
tig und klafft sowohl hinten als auch vorn in der Mundgegend. 
Die Manteleindrücke machen hinten einen sehr tiefen dreieckigen 
Sinus. Von den beiden länglichen Muskeleindrücken dehnt sich 
der vordere nach der Breite der Muschel aus, während der hin- 
tere schief liegt. 

*) Die neuen Gattungen, in welche Agassiz (Etudes critiques sur les 
Mollusques fossiles') die Myen vertheilt hat, verweist d'Orbigny ( Pal. fr. 
Terr. er. III.) in ältere Gattungen wieder zurück, und zwar: 1. Goniomya 
Ag. zu Pholadomya; 2. Ceromya Ag. zu Lyonsia und Isocardia; 3. Cerco- 
mya zu Anatina; 4. Homomya zu Pholadomya und Panopaea; 5. Arcomya 
zu Pholadomya; 6. Platymya zu Anatina, Lavignon, Pholadomya und Me- 
sodesma; 7. Macromya zu Mesodesma, Lucina, Pholodomya und Anatina; 
S. Ptychomya zu Crassatella; 9. Rhynchomya zu Anatina; 10. Pleuromya zu 
Panopaea; 11. Gresslya zu Lyonsia Tarton. 



4 



MUSCHELN. 



401 



Ein Schlofszahn jeder Schaale entspricht einer Grube der 
anderen. Das Schlofsband liegt äiifserlich und wird von einer 
kurzen, aber stark vorspringenden Schwiele getragen. 

Die Panopaeen sind von dem Muschelkalke an in allen jünge- 
ren Meeresformationen verbreitet, doch sind sie im Oolithen- und 
Kreidegebirge am häufigsten. 

Die Arten des Muschelkalkes, welche d'Orbigny in diese Gatt- 
ung verweist, wurden bisher als Myacites musculoides ^ M. ven- 
tricosus^ M. elongatus und M. mactroides Schloth. (Nachlr. z. 
Petrefactenkunde tb. 33. f. 1 — 4. — Ziet. Verst. Wiirt. tb. 64. f. 3; 
tb. 70. f. 10. — Goldf. II. Ib. 153. f. 10—12; tb. 154. f. 1.) be- 
schrieben, und Fig. 11. auf Taf. XVII. stellt eine solche dar. 

Sie klalTen hinten nur wenig, sind glatt und concentrisch ge- 
streift, und zeigen gewöhnlich eine flache Bucht, welche von dem 
Wirbel nach dem unteren Rande hin läuft. Der vordere Theil der 
Schaale ist verkürzt und gerundet, und die Schaalen sind in der Wir- 
belgegend nicht selten verschoben. 

Diese vier Arten und der M. radiatus Mün. (Goldf. II. p. 260. 
tb. 153. f. 13.) spielen so in einander über, dafs es fast unmöglich 
wird , dieselben zu unterscheiden. 

Sie kommen im Muschelkalke von Thüringen (bei Jena, Wei- 
mar, Arnstedt, Tonna), von Würtemberg! (Quenst. Flötzg. p. 34.), 
Bayreuth, Rüdersdorf, Tarnowitz und Polen ziemlich häufig vor. 

Unter den Panopaeen des Oolithengebirges, die gewöhnlich 
als Lutrarien aufgeführt werden, und welche d'Orbigny gleich- 
falls hier einordnet, sind keine gewöhnlicher, als die drei fol- 
genden : 

P. (Donacites) Alduini Brongn. — Taf. XVII. Fig. 12. — 
Br. Leth. p. 378. tb. 20. f. 17. — Amphidesma recurmm Phill. York- 
shire tb. 5. f. 25. — Pusch Pol. Pal. p. 79. tb. 8. f. 7. — Lutra- 
ria gregaria Merian. — Lutr. Aid., L. rugosa, L. gregaria und Z. 
striato-punctata Goldf. II. p. 254. 255; tb. 152. f. 8 — 11. — Myac. 
Aid. Quenst. Flötzg. Würt. p. 344. 

Schaale concentrisch gestreift, länglich-eiförmig-dreieckig, slark - 
gewölbt, vorn schief abgestutzt und mit einem herzförmigen, oben 
vertieften Mondchen versehen, dessen unterer Rand etwas hervortritt. 
Die Wirbel liegen weit nach vorn. 

Im mittleren und oberen Jura von W^üiiemberg, Hannover (am 
Kahleberg bei Echte, im Hildesheimischen), Braunschweig (bei der 
Porta Weslphalica), im Elsafs, in Frankreich, der Schweiz (Aargau, 
Basel), Polen und England u. s. w. 

Geinitz, VerateineruDgskunde. 26 



402 



>yEICHTHIERE. 



F. (I.) Jura s St Brongn., Goldf. II. p. 254. tb. 152. f. 7. — 
Ouensl. Flölzg. Würt. p. 345. (Myac. jur.) 

Sie ist länglicher- als die vorige, vorn in schiefer Richtung fast 
senkrecht abgeschnitten, wodurch eine stumpfe Kante enisteht, hinter 
»elcher sich eine flache Bucht herabzieht. Die Wirbel liegen wei- 
ter zurück als bei der vorigen. Die Schaalen sind, wie bei jener 
Art, häufig verschoben und ihre Oberfläche ist concentrisch gestreift 
und gerunzelt. 

Im braunen Jura Würtembcrgs, im Hannoverschen, zu Caen in 
Frankreich und durch Göppert bei Kreuzburg in Oberschlesien ent- 
deckt. 

F. (I.) unioides Goldf. II. p. 256. tb. 152. f. 12. — ? Unio 
Uasinus Schübl., Ziet. Verst. ^yü^t. tb. 61. f. 2. •) 

Sie ist der vorigen Art sehr ähnlich, doch liegen ihre Wirbel 
noch weiter zurück, das vordere Schaalenende fällt etwas weni- 
ger steil ab und die flache Furche dahinter ist weniger deutlich. 

Im Liaskalke von Amberg, Goslar und Göppingen. 

F. (Mya) plicata Sow. 31. C. tb. 419. f. 3. — Lutr. Gur- 
gites Brongn. env. de Par. tb. 9. f. 15. — Taf. XVII. Fig. 7. 

Schaale verlängert-eiförmig, oblong bis rhombisch, vorn gerun- 
det, hinten abgestutzt und weit klaffend, und mit starken concentri- 
schen Runzeln bedeckt, welche ziemlich regelmäfsig von einander ent- 
fernt sind. Die Wirbel liegen stets vor der Mitte, und von ihnen 
läuft eine flache Furche nach der hinteren unteren, gewöhnlich abge- 
rundeten Ecke. 

Von dieser Furche sprechen indefs weder Sowerby noch Brongniart, 
während sie in den späteren Beschreibungen und Abbildungen der L. 
Gurgites bei Nilfson {Petr. Suec. tb. 5. f. 9.), Hisinger (Lefh. Suec. 
p. 67. tb. 20. f, 1.), Goldfufs (Petr. II. p. 274. tb. 153. f. 7.) und 
von mir (Char. p. 75. tb. 20. f. 1. — Nachtrag tb. 2. f. 2.) deut- 
lich bezeichnet wurde. Römer bemerkte an F. plicata unter der Lupe 
sehr feine ausstrahlende Linien (Rom. Kr, p. 75. tb. 9. f. 25.), was 
mich früher verleitete, andere, wenn auch sehr ähnliche Steinkerne 
(Char. 20. f. 2.) für F. plicata zu hallen. 

Nach d'Orbigny unterscheidet sich F. Gurgites von F. plicata fast 
allein dadurch, dafs ihr vorderes Ende der Schaale schmäler, das 
hintere dagegen breiter ist. Die vielen Uebergangsstufen von der ei- 
nen zur anderen, die ich bei Kreibitz und bei Tyssa in Böhmen be- 



Nach Qnenstedt (Flötzg. Wart. p. 147.) ist Unio liasinus eine glatte 
Varietät von Pholadomya ambigua. 



MUSCHELN. 



403 



obachtete, lassen mich hier keinen Artanterschied mehr annehmen. 
Nach d Orbigny hätte Goldfufs P. plicata und P. Gurgites gerade ver- 
wechselt. Nach Kreibitzer Exemplaren, welche Hr. Grohmann in Ha- 
sel bei Böhmisch-Kamnitz gesammelt hat, dürfte es aber auch kaum 
möglich sein, ferner noch 

F. (Mya) mandibula Sow. (M. C. ib. 43. — d'Orb. Pal. fr. 
Terr. er. III. p. 344. tb. 360. f. 3. 4. — P. Beaumontn M(in., Goldf. 
II. p. 274. tb. 158. f. 4. — P. Jugleri Rom. Kr. p. 75. tb. 10. f. 4.) 
von P. plicata zu trennen, sondern es möchten diese nur sehr ver- 
kürzte Individuen dieser Art von rhombischem Umrisse sein, so dafs 
hiernach die längsten Formen von P. plicata oder P. Gurgites etwa 
doppelt so lang als breit, die kürzesten aber gleich lang sind. Si- 
cher werden noch einige französische Arten mit P. plicata zusammen- 
fallen. 

Im unteren Grünsande von England (vergl. Fitton); im Galt und 
in der chloritischen Kreide Frankreichs; im unteren Quader von Tyssa, 
Postelberg und Kreibitz in Böhmen; im Grünsande von Kieslingswalda, 
Quedlinburg, Aachen, Osterfeld; bei Köpinge und Mörby in Schwe- 
den u. s. w. 

P. Faujasii Menard, Sow. M. C. tb. 602. — Br. Leth. p. 973. 
tb. 37. f. 6. — Goldf. II. p. 275. tb. 159. f. 1. 

Grofse, sehr bauchige, concentrisch gestreifte Muscheln, von 
verlängert-eiförmiger Gestalt, mit gerundetem, wenig klaffendem vor- 
derem, und schief abgeschnittenem, weit klaffendem hinlerem Ende. 
Nach der unleren, hinteren gerundeten Ecke läuft eine sehr flache 
Bucht von der Richtung des Wirbels herab. Die niedrigen Wirbel 
liegen wenig vor der Mille. 

Im Londonlhone von England, in der Molasse der Schweiz; 
nach V. Buch bei Bialazurka in Polen; bei Piacenza und im Kalke von 
Palenno bis über o' breit und 32" hoch. 

F. in f lata Goldf. II. p. 275. tb. 158. f. 7. 

Sie ist vorn bauchiger, verlängert und verschmälert sich mehr als 
die vorige nach hinten. 

Steinkerne kommen bei Bünde vor, und wurden von Holger in 
mittelterliären Schichlen von Eggenburg in Nieder-Oeslerreich entdeckt. 

3. G. Pholadomya Sow. Pachymya Sow. Lysianassa 
Mün. Goniomy Homomya^ Arcomya Ag. 
{^Pholas ; Mya.) 

Die dünne Schaale ist bauchig, oval, länglich oder drei- 
eckig, ungleichseitig und klafft an beiden Enden, besonders aber 

26* 



404 



WEICHTHIERE. 



hinten; ihre Wirbel sind gegen einander gekehrt. Der Mantel- 
eindruck macht hinten einen tiefen Sinus. Die Muskeleindrücke 
liegen hinten und vorn. Statt der Zähne besteht das Schlofs nur 
aus einer schwachen zahnartigen Verdickung und einer Schwiele, 
die zur Befestigung des kurzen äufserlichen Ligamentes dient. 

Von den Panopaeen unterscheiden sich die Pholadomyen durch 
ihre dünne Schaale und den Mangel wirklicher Schlofszähne. 

Ihre gröfste Entwickelung fällt in die Zeit der Juraepoche, 
doch sind sie auch älteren ■'') Formationen nicht ganz fremd. In 
dem Kreide- und Tertiärgebirge sind sie nicht eben zahlreich ver- 
treten, und in den jetzigen Meeren kennt man nur eine Art. 

Ph. {Lutr.) amhigua Sow. M. C, th, 227. — v. Buch, Jura 
p. 35. — - Goldf. II. p. 267. tb. 156. f. 1. — Quenst. Flötzg. Würt. 
p. 147. 

Schaale quer-eiförmig, sehr bauchig, von vorn herzförmig, mit 
starken concentrischen Anwachsringen und 8 — 10 schmalen, jene durch- 
kreuzenden Rippen, die nur so weit zum Unterrande strahlen, als die 
Schaalen nicht klaffen. Vor den hohen, dicken, stark eingerollten 
Wirbeln, welche weit nach vorn liegen, bildet das Mondchen ein 
kurzes, aber tiefes Feld, hinter denselben zieht sich eine von zwei 
scharfen Kanten begränzte Area weit nach hinten. 

Nach Quenstedt ist Unio liasinus bei Ziet. (Verst. Würt. tb. 61. 
f. 2. s. Panopaea unioides) nur eine glatte Varietät von Ph. amhigua. 

Etwa 3" lang, hoch, ^" dick, oft noch gröfser, kommt 

sie im unteren Lias (« und ß der Tabelle) von Würtemberg bei Ba- 
lingen, Ofterdingen, Vaihingen bei Stuttgart, Göppingen u. s. w. und 
in England vor, in höheren Schichten am Rautenberge bei Schöp- 
penstedt, und nach Goldfufs auch in den Oolithen von la Rochelle, 
an der Porta Westphalica u. a. 0. 

Ph, Murchisoni Sow. M, C, tb. 545. — Br. Leth. p. 383. 
tb. 20. f. 19. — V. Buch, Jura p. 56. — Pusch, Pol. Pal. p. 84. 
tb. 8. f. 6. — Goldf. II. p. 265. tb. 155. f. 2. — Taf. XVII. Fig. 8. 

Schief eiförmig, vorn sehr verkürzt, ziemlich steil abfallend und 
herzförmig, mit sehr weit vorragenden, zugleich aber sich berühren- 
den Wirbeln fast am vorderen Ende. Sechs bis acht starke Falten, 
die vom Wirbel nach unten strahlen , werden durch zahlreiche con- 
centrische Runzeln knotig. Der hintere Muskeleindruck ist grofs und 
oval, der vordere kleiner und länglich. 

*) Z. B. Ph, radiata Goldf. (Petr. II. p. 265. tb. 155. f. 1.) aus der 
devonischen Gramvacke der Eifel und Ph. Omalina de Kon. {descr. p. 65. 
tb. 5. /. 4.) aus dem Kohlenkalke von Tournay. 



MÜSCHKLN. 



405 



Im minieren Jura, dem Oolithe von Schottland, England, Frank- 
reich (Normandie, Hävre), der Schweiz, Würtemberg, Hannover, zu 
Weichrow, Sternalitz und bei Pauki an der schlesisch-polnischen Gränze 
mit Ammonites Parkinsoni zusammen. 

Ph. Esmarki {Cardita E) Nilfs. Pelr. Suec. tb. 5. f. 8. — His. 
Letk. Suec. p. 61. tb. 18. f. 14. — Pusch, Pol. Pal. p. 87. tb. 8. 
f. 14. — Goldf. II. tb. 157. f. 10. d. 

Sie ist länglich herzförmig, höher als lang, vorn abgestumpft, 
nach hinten wenig verlängert, überall mit concentrischen Runzeln und 
in der Mitte der Schaalen mit zahlreichen ausstrahlenden, körnigen 
Rippen bedeckt. Die eingerollten Wirbel liegen vorn. 

Sie findet sich, nach Pusch, im Karpathen - Sandstein zwischen 
Käsmark und Igio in Ungarn , im sandigen Kreidekalke zu Käseberga 
in Schonen, und nach Goldfufs im Grünsande von Haldem. 

Mit dieser Art vereinigt Goldfufs längere Formen (Petr. II. p. 
272. Ib. 157. f. 10. a — e.), welche sich aber mehr an Ph. elliptica 
Mün. (Goldf. II. p. 273. tb. 158. f. 1.) anschliefsen. Diese Art ist 
quer-eiförmig bis quer - elliptisch und mit 15 — 20 ungleichen, aber 
scharf ausgeprägten Radialrippen bedeckt, welche durch concentrische 
Falten körnig erscheinen. Die Wirbel liegen etwa in der Mitte der 
vorderen Hälfte und die vordere und hintere Fläche ist von ausstrahlen- 
den Rippen befreit. Die Schaalen klaffen fast gar nicht und der un- 
tere Rand ist gerundet. 

Sie kommen im unteren Quader von Kreibilz, im Grünsande von 
Kieslingswalda , Haldem, Quedlinburg und bei Halbersladt vor. 

Ph. e long ata Mün. bei d'Orbigny (T. er. III. p. 350. tb. 362. 

— ? bei Goldf. Ib. 157. f. 3. aus dem unteren Oolithe. — Pholas 
giganteus Sow. bei Pitt. Ib. 14. f. 1.) ist den längeren Formen der 
Ph. elliptica sehr ähnlich, doch sind ihre ausstrahlenden Rippen we- 
der knotig, noch körnig. 

Im Nt'ocomien Frankreichs, im unteren Grünsande Englands. 
So ist auch Ph. Albina Reich (Gein. Char. p. 49. tb. 12. f. 1. 

— Rom. Kr. Ib. 10. f. 7. — Ph. nodulifera Mün., Goldf. p. 273. tb. 
158. f. 2.), mit 12 — 14 dicken, knotigen Rippen, aus dem unteren 
Quader von Niederschöna und dem der sächsischen Schweiz, eine der 
Ph. elliptica nahe verwandte Art. 

Ph. caudata Röm. Kr. p. 76. tb. 10. f. 8. — Corbula aequi- 
mlms Goldf. II. tb. 151. f. 15. — Gein. Kiesl. p. 11. tb 1. f. 28 — 30. 

— Taf. XVII. Fig. 9. 

Die kaum klaffende Schaale ist quer-eiförmig, bauchig, verschmä- 
lert und verflacht sich nach hinten. 



406 



WEICIITIIIERE. 



Von den weit vorragenden Wirbeln, welche fast in der Mitte 
liegen, strahlen 25 — 30 schmale Rippen nach dem unleren Rande, über 
welche dichtstehende feine Anwachslinien hinweglaufen. Nur der hin- 
tere Theil ist von Rippen befreit. Das Mondchen ist ei-lanzettförmig, 
die schmale Area von zwei Kanten begränzt. Aufser einem langen 
schmalen Sinus des Manteleindruckes, welcher mit stumpfer Spitze in 
der Mitte der Schaale endet, und den beiden in der Abbildung an- 
gedeuteten Muskeleindrücken scheinen in der einen Schaale 2 ? Schlofs- 
zähne, in der anderen einer gewesen zu sein, in welchem Falle sie 
allerdings nicht mehr zu Plioladomya gerechnet werden könnte ■^•). 

Im unteren Quader von Hochkirch bei Görlitz, ebenso bei Krei- 
bitz und im darüber liegenden unteren Pläner, in dem letzterem ent- 
sprechenden Grünsande von Kieslingswalda! , bei Aachen, Dülmen und 
Quedlinburg. 

Ph. {Mya) angulifera Sow. M. C. th. 224. f. 6. 7. — Ly- 
sian, ang, Goldf. II. p. 262. tb. 154. f. 5. 

Sie ist länglich, quer - elliptisch und auf ihrer Oberfläche mit 
dicken Fallen bedeckt, welche auf der Mitte der Schaale in einem 
spitzwinkeligen, mit der Spitze schief nach unten gekehrten V endi- 
gen, während die äufseren Rippen nach dem Unterrand laufen. 

Auf diesen Charakter gründete Münster sein Genus Ly sianass 
und Agassiz die Gattung Goniomy a. 

Sowerby unterscheidet aus der Juraformation noch Ph. {Mya) 
Itter ata und Ph. {Mya) V -scripta ^ welche jedoch wegen der 
UnvoUkommenheit ihrer Erhaltung schwer von einander zu unterschei- 
den sind. 

Vereinzelt kommen dieselben schon im Lias, häufiger im mitt- 
leren und oberen Jura von England, Würtemberg, der Schweiz (Aarau), 
im Bayreulhischen bei Banz, Gräfenberg und Derneburg vor. 

Ph. {Lys.) designata Goldf. II. p. 264. tb. 154. f 3. — 
Gon. des. Goldf., Gein. Kiesl. p. 12. tb. 2. f. 1. — Gon. consignata 
Goldf., Rom. Kr. p. 75. Ib. 10. f. 3. — Gon. caudata Ag. — Ph. 
Agassizii d Orb. Pal. fr, Terr. er. III. p. 352. tb. 363. f. ,1 — 3. 

Diese Art, welche die Lysianassen im Kreidegebirge verlrilt, 
ist über doppelt länger, als ihre Breite beträgt. Die Wirbel liegen ohn- 
gefähr im vorderen Drittheile der Länge. Nur in der Nähe des Wir- 
bels laufen die Fallen zusammen, nach unlen hin werden dieselben 



*) F, Römer vermuthet, dafs sie zu Cardium gehöre (L. Br. J. 1845. 
p. 388), was aber schon wegen des Manteleindruckes nicht der Fall ist, 
auch ist von Nebenzähnen keine Spur vorhanden. 



MUSCHELN. 



407 



durch mit dem Rande parallel laufende Falten verbunden und gehen 
allmählig in concentrische Falten über. 

Im Neocomien des Pariser Beckens, im unteren Quader und 
Grünsande von Kreibilz in Böhmen und Kieslingswalda im Glatzischen, 
im Grünsande und in der grünen Kreide von Quedlinburg, Dülmen, 
Ilseburg, Osterfeld, Coesfeld und Aachen. 

4. G. Mya L. Klaffmuschel, (/nvat) 

Schaale quer-oval oder länglich, ungleichseitig, fast ungleich- 
klappig, besonders hinten stark klalFend. Die starken Eindrücke 
des Mantels bewirken einen tiefen schiefen Ausschnitt. Von den 
beiden Muskeleindrücken ist der hintere dreieckig. Das innere 
Schlofsband befestigt sich an eine innere lölFelarlige Platte un- 
ter dem Wirbel der linken Schaale, wodurch sich Mya von allen 
anderen verwandten Gattungen unterscheidet. 

Die Myen leben in schlammigen Meeresbuchten und senken 
sich hier öfters 1^' tief ein, indem sie mit der Oberfläche nur 
noch durch ihre lange hintere Röhre communiciren. 

Fossile Arten kommen nur in den jüngsten Tertiärschichten 
und .gewöhnlich noch lebend vor. Unter diese gehört: 

M. arenaria L. — Taf. XVII. Fig. 10. 

Sie ist quer-eiförmig und verengt sich nach hinten, und der vor- 
dere kürzere Theil ijirer Schaale dacht sich von einer undeutlichen 
Kante schief ab. Aufser starken concentrischen Anvvachsstreifen ma- 
chen sich undeutliche radiale Linien an der Oberfläche bemerkbar. 

Im Crag von Norfolk, an der pommerschen Küsle u. s. w. 

5. G. Lutraria Lam. Lutricola Blainv. 

Schaale verlängert-quer-eiförraig, ungleichseitig, gleichklapp- 
ig, hinten stark-, vorn kaum klafl^end , mit sehr tiefem Mantel- 
ausschnitte, zwei ovalen Muskeleindrücken und einem inneren Bande, 
das an einem breiten, dreieckigen, inneren Vorsprunge befestigt 
ist. Vor dem letzteren steht in der linken Schaale ein Schlofs- 
zahn , dem in der anderen Schaale eine Grube entspricht, welche 
vom Befestigungsorte des Bandes durch eine Leiste getrennt wird. 
Dadurch, dafs diese beiden inneren Vorsprünge den Schaalen pa- 
rallel laufen, während bei Mya nur der eine innere Vorsprung 
diese Richtung hat, unterscheiden sich die Lutrarien von den Myen. 

Ihr Thier unterscheidet sich nicht von dem der Myen, 
mit welchen sie, nach d'Orbigny, eine gleiche Vertheilung und 
Lebensart haben. Denn die Lutrarien erschienen zuerst in den 



408 



WEICIITIHERE. 



jüngsten tertiären Bildungen und leben jetzt im reinen und schlam- 
migen Meeressande. 

6. G. Mactra L. Trogmuschel. (f.ia.xTQa, Backtrog.) 

Die Schaale ist quer -oval, rundlich, sehr häufig dreieckig, 
zusammengedrückt, gleichklappig und fast gleichseitig, und klafft 
nur hinten sehr wenig. In jeder Klappe liegt ein Schlofszahn, von de- 
nen der eine dachförmig gefaltet ist, der andere aus zwei diver- 
girenden Leisten besteht, und daneben eine nach innen vortretende 
Brücke mit einer Grube zur Befestigung des Schlofsbandes. Auf 
jeder Seite liegt dicht neben dem Schlosse ein leistenförmiger Seiten- 
zahn. Muskeleindrücke zwei, Mantelausschnitt kurz und rundlich. 

Vom Oolithengebirge an vervielfältigen sich die Arten dieser 
Meeresgattung bis zur jetzigen Schöpfung. 

Sie leben an sandigen Küsten und graben sich nur ober- 
flächlich im Sande ein. 

M. soll da L. — Taf. XVII. Fig. 20. a. b. (Der kleine rund- 
liche Mantelausschnitt ist hier nicht angegeben.) — Goldf. II. p. 253. 
tb. 152. f. 5. 

Die dicke, bauchige Schaale ist quer-oval-dreiseitig , vorn und 
hinten stumpf- gekielt und abgestumpft, concentrisch- gestreift und ge- 
furcht. Die Wirbel liegen etwas vor der Mitte, und an den Seiten- 
zähnen bemerkt man feine senkrechte Streifen. 

Nach Goldfufs tertiär bei Xanten, Cassel, SternUerg und lebend 
im Mittelmeere. 

M. triangula Renieri, Goldf. II. p. 253. tb. 152. f. 6. — 
Desh. Tr. el tb. 10. 4—6. — Phil. Tertiärv. p. 7. u. 45. 

„Schaale klein, dreieckig, beiderseits stumpf-gekielt, glänzend, 
glatt; beide Seiten gefurcht; die Seitenzähne des Schlosses senkrecht 
gestreift." (Philippi.) 

Mit den vorigen an denselben Orten zusammen und bei Freden. 

7.? G. Erycina'^) Lam. (Gr. Myth.) 

Diese, zu den Mactraceen gehörende Gattung begreift dünn- 
schaalige, zerbrechliche, gleichklappige , fast gleichseitige und sel- 
ten klaffende Muscheln mit zwei ungleichen divergirenden Sclilofs- 
zähnen (Taf. XVIII. Fig. 3. 6.) und einem Bandgrübchen dahin- 



*) Diesen Namen trägt auch ein Tagfalter (Burmeister, Hdb. der Na- 
turgeschichte. 1837. p. 623.) 



MUSCHELN. 



409 



ter (nach Deshayes). Schlofsband innerlich. Zu beiden Seiten 
des Schlosses steht ein kurzer, zusammengedrückter Nebenzahn. 

Die Arten sind tertiär, einige leben noch in den Meeren. 

E. fragt Iis Lam. (Desh. Coq. de Par. tb. 6. f. ö. 6. — Hier- 
nach Taf. XVIII. Fig. 3.) kommt im Pariser Grobkalke vor. 

t 8.? G. Edmondia de Kon. (Edmond^ Nom, pr.) 

Die gleichklappige, ungleichseitige Schaala ist bauchig, rund- 
lich oder quer - oval und concentrisch gestreift, wie eine Isocar- 
dia; doch fehlen ihr die Schlofszäline. Das innere Band ist an 
einer inneren Leiste befestigt, die sich von der Wirbelgegend 
aus bis nach hinten zieht. Das Mondchen klafft. Manteleindruck 
und Muskeleindrücke noch nicht beobachtet. Diese Gattung hat 
durch die Beschaffenheit ihres Schlosses und der vorragenden Wir- 
bel, sowie durch ein klaffendes Mondchen, grofse Verwandtschaft 
mit Ämphidesfiia ^ und de Köninck stellt sie zu den Mactraceen 
Lam. 

Dieser Gelehrte beschreibt zwei Arten, E. ufiioniformis (Iso- 
cardia un. Phill. GeoL of Yorkshire IL p. 209. tb. 5. f. 18.) und 
E. Josepha de Kon. (/. c. p. 68. tb. 1. /. 5.) aus dem Kohlen- 
kalke von England und Belgien. 

4. Farn. JLnatinidae d'Orli« 

Das eiförmige, zusammengedrückte Thier besitzt einen, fast sei- 
ner ganzen Länge nach geschlossenen Mantel, welcher sich nur in der 
Mundgegend zum Durchgange des kleinen keulen- oder fadenför- 
migen Fufses öffnet. Die beiden hinteren Röhren sind frei oder 
hängen mit einander zusammen. Bisweilen ist ein Bart vorhanden. 

Die Schaale ist rundlich, quer-oval oder verlängert, bauchig 
oder zusammengedrückt, dünn, oft perlmutterartig, ungleicliklappig 
und klafft besonders am hinteren Ende. Immer sind in jeder 
Schaale zwei Muskeleindrücke vorhanden. Das Schlofsband ist 
zwar innerlich, erscheint aber bisweilen auch aufserhalb, und ist 
in einem verschiedenartig gestalteten inneren Fortsatze befestigt. 
Das Schlofs entweder mit oder ohne einen inneren Fortsatz, wel- 
cher letztere Öfters durch eine innere Leiste oder Rippe unter- 
stützt wird. Der Wirbel ist gewöhnlich gespalten. 

1. G. Auatina Lam. Auriscalpium Schum. (anas^ Ente.) 

Schaale quer - verlängert, dünn und zerbrechlich, ungleich- 
klappig und ungleichseitig, klafft hinten stark, vorn nur wenig. 



410 



WElCIITillBRK. 



l>er Ausschnitt des Mantels ist klein. Das Schlofs besteht in je- 
der Schaale aus einem Zahne auf einem lölFelartigen Vorsprunge, 
an welchem letzteren sich das innere Band befestigt. Darunter 
liegt die bogenförmige Leiste, welche nach unten oder hinten 
läuft und auf Steinkernen eine tiefe Furche hinterläfst. Das Ende 
des Wirbels ist gespalten. 

Ziemlich häufig kommen die Anatinen nach d'Orbigny schon 
im mittleren Jura vor und auch dem Kreidegebirge fehlen sie nicht ; 
gegenwärtig bewohnen sie den sandigen Schlamm ruhiger Buchten. 

Tellina incerta Turm, und Teilina corbuliformis Rom. 
(Goldf. II. p. 234 tb. 147. f. 14. 15.), aus dem oberen Jura, rech- 
net d'Orbigny zu Anatina. 

A. lanceolata (Corbula lanc. Gein. Nachtr. 1843. p. 12. Ib. 2. 
f. 3.), von welcher A. Robinaldina d'Orb. {Pal. fr. Terr. er. p. 
374. tb. 370. f. 6 — 8.) aus dem unteren Neocomien von Saint -Sau- 
veur) schwerlich verschieden ist, kommt im Grünsande von Kieslings- 
walda in Schlesien und im unteren Quader von Kreibitz in Böhmen vor. 

2. G. Periploma Schum. (ntQin'klo)^ umherschiffen.) 

Die Periplomen unterscheiden sich von den Anatinen durch 
geringere Länge der Röhren des Thieres, dadurch, dafs die kür- 
zere hintere Seite, nach welcher die Wirbel sich hinbiegen, fast 
nur an ihrem Ende klafft, durch einen tieferen, mehr dreieckigen 
als runden Mantelausschnitt und durch einen dreizackigen Fortsatz, 
auf welchem das„ innere Band befestigt ist. 

Ihre Verbreitung in den Gebirgsformationen , sowie ihre Le- 
bensweise ist der von Anatina gleich. 

3. G. Lyonsia Turton. Magdala Brown; Osteödesma Desh. 
Ceromya und Gresslya Ag. 

Schaale bauchig oder zusammengedrückt, rundlich, länglich bis 
keilförmig, sehr dünn und zerbrechlich, perlmutterartig und mit 
einer Oberhaut versehen, ungleichschaalig und ungleichseitig, am 
hinteren Ende sehr stark klaffend, nach vorn hin aber nur we- 
nig für den Durchgang des Fufses und Bartes. Die schwachen 
Manteleindrücke zeigen einen fast dreieckigen Sinus*)- ^on den 
auch nur schwach hervortretenden Muskeleindrücken ist der vordere 
ovale etwas tiefer und kehrt sich öfters mit einem Vorsprunge 



*) Cardiomorpha de Kon., welche d'Orbigny mit Lyonsia vereinigen 
möchte, hat nach de Köninck einen einfachen Manteleindruck. 



MUSCHELN. 



411 



dem Wirbel zu. Schlofs zahnlos. Im Innern der Wirbel bemerkt 
man in einer der beiden Schaalen eine Rippe, welche nach hin- 
ten läuft, und welche zur Befestigung des inneren Bandes dient, 
in dessen Mitte sich ein schiefes Kalkplättchen vorfindet, welches 
nach hinten zu breiter wird und dann abgeschnitten ist. Die Wir- 
bel der Schaalen treten oft ziemlich stark hervor und sind dann 
etwas eingerollt. 

Die ältesten Arten beschreibt d'Orbigny aus der französischen 
Kreideformation. 

Ihre Vertheilung scheint wie die der folgenden Gattung zu 
sein, mit welcher die Arten grofse Aehnlichkeit haben. 

Thracia Pkillipsii Rom. (Kr. tb. 10. f. 1.) könnte z. B. eine 
Lyonsia sein. 

4. G. Thracia Leach. (d^gaxcog^ thracisch.) 

Quer verlängerte, hinten klaffende Muscheln, deren linke 
Schaale die kleinere ist, mit einem rundlichen hinteren und ei- 
nem verlängerten vorderen Muskeleindrucke, unter dem Wirbel ge- 
wöhnlich etwas ausgezackt, und mit einem cylindrischen Fortsatz 
zur Befestigung des Bandes versehen. 

Die Arten zeigen sich sehr sparsam im Kreidegebirge '^•'), 
mehrere leben noch in den wärmeren Meeren. 

Th. corbuloides Desh., Lam. 2. ed. VI. p, 83.; Tr. el. de 
Conch. tb. 9. f. 1—3. — Taf. XVIII. Fig. 5. 

Die Schaale ist quer - oval, hinten von einer stumpfen Kante' 
welche sich vom Wirbel nach der hinteren unteren Ecke herabzieht, 
schief abschüssig und am Ende gerade abgeschnitten. Von dieser 
Kante läuft eine breite flache Bucht bis an den unteren Rand, wäh- 
rend der übrige Theil der Schaale bis zur vorderen Gegend, welche 
steil abfällt, geebnet ist. 

Bis 2^ lang im Kalke von Palermo und noch lebend im Mit- 
telmeere. 

5. Farn. Vellinidae**). 

Mantel ganz frei, mit langen feinen oder verwachsenen Röh- 
ren. Fufs zusammengedrückt, klein, aber weit vorstreckbar, so 
dafs er zum Kriechen und Einbohren in den Ufersand dient. 



*) Römer's Th. Pkillipsii (Kr. tb. 10. f. 1.) mid d'Orbigny's Th. 
gibbosa ( Terr. er. III. tb. 374.). 

**) Leider konnte ich, um den Druck der vorliegenden Blätter nicht zu 



412 



WEICHTIUERE. 



Scliaaleii quer-verlängert, wenig oder nicht klaffend, in je- 
der Klappe mit 2 Miiskeleindriicken , einer tiefen Bucht im Man- 
teleindrucke und meistens 2 Zähnen. Schlofsband äufserlich. (Bur- 
meister.) 

Alle sind Meeresbewohner der flachen Küsten. 
1. G. Tellina Lam. Hierzu nach Deshayes: Tellinides 

Schaale bisweilen etwas ungleichklappig, quer -eiförmig oder 
elliptisch, meistens sehr flach, vorn stumpfer, hinten spitzer und 
an der hinteren Seite, nach welcher gewöhnlich die kleinen Wir- 
bel gekehrt sind, winkelig umgekehrt oder gefaltet. Allermeist 
2 Schlofszähne und 2 nahe liegende Nebenzähne in jeder Schaale, 
zwei Muskeleindrücke und eine grofse Bucht in dem Mantelein- 
drucke. 

Dem Oolithengebirge scheinen Teilinen nicht ganz fremd zu 
sein, in mehreren Formen sind sie sicher im Kreidegebirge nach- 
gewiesen, in tertiären Gesteinen werden sie zahlreicher uhd sind 
in den jetzigen Meeren ziemlich gemein. 

T. strigata Goldf. II. p. 234. tb. 147. f. 18. 

Fast quer - elliptisch, flach gewölbt, hinten von einer stumpfen 
Kante abschüssig, mit in der Mitte liegendem Wirbel und auf der 
ganzen Oberfläche mit dichtstehenden feinen radialen Streifen bedeckt. 
Den Sinus des Manteleindruckes bildet bei dieser Art nur eine zungen- 
förmige Bucht, die ohngefähr bis in die Milte der Länge reicht. 

Im unteren Quader von Tyssa (15'" lang, 9'" hoch), im Grün- 
sande von Aachen und Kieslingswalda. 

T. costulata Goldf. II. p. 235. tb. 147. f. 18. 

Diese der vorigen sehr ähnliche Art ist et>yas kleiner und oft 
relativ etwas länger als sie, ihre radialen Streifen oder Linien ste- 
hen entfernter und regelmäfsiger und erscheinen durch dichte concen- 
trische Linien gekörnelt. 

Im Grünsande von Aachen, Kieslingswalda und im unteren Plä- 
ner von Kreibitz. 

Mehrere tertiäre Teilinen beschreibt Philipp! von Cassel und 
Freden. 



lange zu verzögern, d'Orbigny's vortreffliche Paleontologie fran^aisc nur 

bis zur 98. Liefer. des 3. Bandes der Terrains cretaces benutzen, da die 

folgenden Hefte zur Zeit noch nicht im Buchhandel erschienen sind. (Im 
September 1845.) 



MUSCHELN. 



413 



2. G. Psammobia Lam. Psammotaea Lam. {ipaf-i^wg^ Sand.) 

Eine der vorigen sehr nahe verwandle Gattung, deren Schaa- 
len auch quer- elliptisch bis länglich -oval und flach gewölbt sind, 
in jeder Schaale 1 — 2 Schlofszähne (gewöhnlich 1 in der linken 
und 2 in der rechten), aber keine Nebenzähne besitzen. 

Sie klaffen stärker als die Tellinen, finden sich sparsam in 
der Kreide- und Tertiärformation und in den jetzigen Meeren. 

Ps. semicostata Rom. Kr. p. 74. tb. 11. f. 21. — Gein. 
Char. p. 49. tb. 16. f. 6. — ? Tellina subdecussata Köm. Kr. p. 74. 
tb. 9. f. 20. — Taf. XVIII. Fig. 8. 

Die flache quer- elliptische Schaale ist dicht- concentrisch linirt, 
welche Linien vorn von 10 — 17 feinen Radialrippen durchkreuzt 
werden. 

Im unteren Quader von Tyssa, im unteren Quader und unteren 
Pläner von Kreibitz und ? im Salzberge bei Quedlinburg. 

3. G. Donax L. Stumpfrauschel. 

Schaale quer - oval - dreiseitig, mit sehr kurzer, gewöhnlich 
schief abgestutzter hinterer Seite, 1 — 2 Schlofszähnen und 1 — 2 
Seitenzähnen in jeder Klappe. 

Einige Arten kommen vielleicht schon im Kreidegebirge ''') 
vor, andere beschreiben Eichwald und Pusch '^'■'■) aus tertiären 
Schichten von Polen. Gegenwärtig theilen sie das Vorkommen der 
Tellinen. 

Deshayes vereint Gratelupia Desm. mit Donax. Donax und Do - 
nacites Aut. aus älteren als cretacischen Formationen sind anderen 
Gattungen einzuverleiben. 

6, Farn. Corhulidae* (Corhulacea,) 

Mantel ganz frei, mit langen, freien oder verwachsenen Röh- 
ren. Fufs klein, zusammengedrückt. Schaalen mehr oder weni- 
ger ungleich, von querer Form, mit vorstehenden W^irbeln, und 
nicht klaffend. Band innerlich. Sie leben besonders in wärmeren 
Meeren. 

1. G. Corbula Lam. Axims Sow. z. Th. {corbula^ Körbchen.) 

Diese Muscheln sind ungleichschaalig, ungleichseitig, quer- 
verlängert und fast geschlossen. In jeder Schaale findet sich ein 



*) Römer, Kr. p. 73. 

**) Polens Paläontologie p. 183. 



414 



WEICHTHIERE. 



einzelner, kegelförmiger, gebogener, aufwärts steigender Schlofs- 
zahn mit einer zur Seite liegenden Grube zur Aufnahme des ge- 
genseitigen Zahnes. Sie liegt in der rechten Klappe hinter dem 
Zahn, in der linken vor demselben. Das schmale Band befesti- 
get sich bei jener in der Tiefe der Grube, bei dieser in einer 
Furche des gröfseren und breiteren Zahnes. (Goldfufs.) 

Die wenigen fossilen Arten dieser Gattung fangen mit dem 
Zechsteine an und sind übrigens auf die jüngeren Formationen ver- 
theilt. 

C. Schlotheimii Gein. Taf. XIX. Fig. 12. a. b. — Tellmi- 
tes dubius Schloth. Denkschr. d. Münchener Acad. tb. 6. f. 4. 5. — 
Axinus obscurus Sow. M. C. tb. 314. — Cucullaea Schloth. Gein. in 
L. Br. J. 1841. p. 638. tb. 11. f. 6.; Gäa von Sachsen p. 96. — 
Axin. obsc. u. A. Schloth.^ Arch. u. Vern. in L. Br. J. 1844. p. 737. 

Diese im oberen Zechsteine leitende Muschel dürfte nun endlich 
hier ihre richtige Stellung erhalten haben, welche seildem auch de 
Köninck '••') schon billigte. Ich habe an vielen Exemplaren den Zahn 
neben der Grube unter dem Wirbel, die beiden Muskeleindrücke, 
beobachtet und glaube, an einem Exemplare einen zungenlörmigen Si- 
nus im Manteleindrucke zu bemerken. Sie ist dünnschaalig, glatt, 
fast gleichschaalig , vorn verkürzt und gerundet, nach hinten keil- 
förmig - verlängert und am Ende gewöhnlich schief abgeschnitten. 
Von den bauchigen eingebogenen Wirbeln läuft eine stumpfe Kante 
nach der unteren hinteren Ecke, von welcher die hintere Seite con- 
cav nach dem Schlofsrande abfällt. Je älter die Individuen sind, um 
so bauchiger wird auch die Schaale in der Nähe des Wirbels. Die 
hintere Seite ist gewöhnlich schmaler, als es die Abbildung zeigt. 

Im oberen Zechsteinkalke bei Altenburg; Roschütz bei Gera, 
? Mügeln in Sachsen, im Zechsteindolomite von Glücksbrunn, am Süd- 
rande des Harzes und in England. 

C. revoluta {Tellina r.) Brocchi, Sow. 31. C. tb. 209. /*. 8 — 
13. — C. rugosa Lam., Desh. Coq. de Par. p. 51. tb. 7. f. 16. 17. 
20. — Goldf. II. p. 252. tb. 152. f. 2. — Phil. Tertiärv. p. 45. — 
Taf. XVIII. Fig. 4 (nach Deshayes). 

Dickschaalig, länglich dreieckig, ziemlich bauchig, ziemlich glatt 
oder mit regelmäfsigen concentrischcn Runzeln bedeckt. Die hintere 
Seite ist gekielt, verschmälert, und endet gewöhnlich in einer Ecke. 



*) In den „Rapports faits par M. M, Dumont et de Köninck sur un 
memoire de JSysty prcs. ä Vacad. royale de Bruxelles^^ wird Axinus mit 
Lucina vereiniget. 



MUSCHELN. 415 

Im Londonthone Englands, in mitteltertiärcn Schichten von Gain- 
fahrn bei Wien, bei Freden und Cassel. 

2. G. Fandora Lam. (Gr. Myth.) 

Ungleichschaalige^ quer - verlängerte Muscheln, mit zwei di- 
vergirenden Schlofszähnen in der flacheren und zwei diesen ent- 
sprechenden Grübchen in der gewölbteren Schaale. Das innere 
Muskelband ist, nach Deshayes, an einem senkrechten Zahne, wie 
bei Corbula^ befestigt. 

P. Defrancii Desh., aus dem Pariser Grobkalke, ist eine 
kleine quer - elliptische Muschel, deren Schaale vor dem Wirbel eine 
Ecke bildet. 

P. rostrata lebt in dem Mittelmeere. 

Fam. Petricolidae» ( Xiithophaga,} 

Muscheln mit klaffenden, oft nnregelmäfsigen Schaalen, ohne 
Zähne oder mit 2 — 3 Zähnen in jeder Klappe und mit äufserem 
Schlofsbande. Mantel und Fufs wie in der vorigen Familie. Sie 
bohren Gänge in Meeresfelsen oder suchen sich ähnliche Höhlungen 
aus und bewohnen diese während ihrer ganzen Lebensdauer, den 
After nach aufsen kehrend. 

1. G. Petricola Lam. Venerupis Lam. CoralUophaga Blainv. 
(petricola^ Felsenbewohner.) 

Schaale quer - oval oder fast dreiseitig, vorn gerundet und 
hinten abgestutzt, mit einem weit nach vorn liegenden Wirbel. 
Die Schlofszähne sind schmal und variiren der Zahl nach; denn 
bald liegen 3 in jeder Schaale, bald 3 in der rechten und 2 in 
der linken, bald in jener 2 und in dieser nur einer. (Goldfufs.) 
Muskeleindrücke sind 2 vorhanden; die Bucht im Manteleindrucke 
ist grofs. Sie bohren sich in Kalkfelsen oder Korallenbänken 
ein. 

Die wenigen fossilen Arten finden sich im Oolithen- und im 
Tertiärgebirge. 

Goldfufs beschreibt P. (F.) lamellosa"^) Mün. aus dem Jura 
von Streitberg und P. (F.) sub striata Mün. aus den Tegelgebilden 
von Wien, Deshayes einige Arten aus dem Becken von Paris, und 
Bronn aus der Subapehninenformation Italiens. 



*) Nicht Petr, lamellosa Lam. Bronn, Reise nach Italien 2. p. 599. 



416 



WEICHTHIBRE. 



2. G. Saxicata Lam. {saxum^ Fels; camim^ Höhlung.) 

Muscheln mit ähnlicher Schaale, wie Petricola^ allein sehr 
häufig mit rauher Oberfläche und stets mit einem undeutlichen 
oder zahnlosen Schlofs. 

Nach Deshayes suchten sie sich die Felshöhlen, die sie be- 
wohnen, erst auf. 

Einige Arten kommen in den Pariser Tertiärformationen, an- 
dere bei Casteir arquato und Fiacenza vor '"'■)• 

8. Faiii. Cytheridae* 

Mantel geschlossen, vorn und unten mit einer Spalte zum 
Durchtritt des dicken Fufses, hinten mit zwei langen Röhren. 
Ihre dicke Schaale ist äufserlich glatt, selten radial gestreift, be- 
sitzt 2 Muskeleindrücke, ein kurzes äufseres Band und gewöhn- 
lich 3 Hauptschlofszäline. Eigentliche Seitenzähne fehlen. 

Alle leben im Meere. 

1. G. Venus L. Venus und Cytherea Lam. (Myth.) 

Quer-ovale oder rundliche, ungleichseitige, nicht selten et- 
was dreiseitige Muscheln mit drei divergirenden Schlofszähnen un- 
ter dem Wirbel, von denen der mittlere häufig gespalten ist. 
Oefters steht in der linken Schaale vor ihnen in geringer Entfern- 
ung noch ein Seitenzahn, auf welchem Charakter die Errichtung 
der Gattung Cytherea beruht. Die beiden Muskeleindrücke sind 
grofs und die Bucht des Manteleindruckes ist tief-rundlich-dreieckig 
oder zungenförmig. Das äufserliche Band liegt in einer Furche, 
und vor den stark nach vorn eingekrümmten Wirbeln liegt mei- 
stens ein scharf begränztes Mondchen. 

Die Arten dieser Gattung scheinen mit dem Muschelkalke ihre 
Existenz begonnen zu haben. Sie nehmen an Zahl und Mannig- 
faltigkeit bis in die jetzige Schöpfung zu, wo sie sich in den 
wärmeren Meeren sehr zahlreich einstellen. 

V. mida^GoW. (Zielen, Verst. Würt. tb. 71. f. 3. — Gein. 
in L. Br. J. 1842. p. 578. tb. 10. f. 10. — Quenst. Flötzg. Würt. 
p. 68.), jene quer-ovale, bauchige, glatte Art, mit in der Mitte ste- 
henden, stark vorwärts gebogenen und einander genäherten, stumpfen 
Wirbeln, vor welchen ein ci-lanzeltförmiges Mondchen liegt, das durch 
eine Kante begränzt wird, und einer steil gewölbten hinteren Seite, 



*) Desh. Coq, de Par.. und Bronn, Reise nach Italien 2. p. 599. 



MUSCHELN. 

hat noch immer keine Schlofszähne erblicken lassen, und ihre Stellung 
ist daher immer noch zweifelhaft. Sie kommt häufig im Muschelkalke 
von Thüringen und Würtemberg mit anderen glatten Muscheln vor, 
welche zum Theil zu Area ' Trigonia und vielleicht auch zu Mactra 
gehören. 

Die Arten des Kreidegebirges, welche meistens quer -oval und 
glatt sind oder concentrisch linirt und gestreift, sind schwer von " 
einander zu unterscheiden, da hier die mannigfachsten Uebergänge 
von der einen zur anderen Form vorkommen. 

V. plana Sow. M. C. tb. 20. f. 2. 3. — Cyth. pL Goldf. p. 
238. tb. 148. f. 4. 

Sie ist fast quer-oval, convex oder zusammengedrückt, verengt 
sich nach hinten und hat hohe, stark vorgebogene Wirbel, welche 
kurz vor der Mitte liegen. Nach Goldfufs ist das Mondchen grofs, 
flach und von einer feinen Furche umgränzt. Die Oberfläche ist un- 
regelmäfsig concentrisch gestreift. 

Im Grünsande von Blackdown, bei Aachen und Hudimont. 

An diese Art schliefsen sich die Steinkerne aus dem unteren 
Quader von Tyssa in Böhmen eng an, welche ich (Char. p. 76. tb. 
20. f. 5.) als F. immersa Sow. b. Fitton beschrieb, deren liefe Furche 
vor den spitzen Wirbeln aber nicht mit der das Mondchen begrän- 
zenden Furche zu verwechseln ist, welche ich nicht beobachtete. Sie 
sind etwas länger als V. plana und gleichen daher am meisten der 
V. immersa Sow. b. Fitton tb. 17. f. 6. aus dem Grünsande von 
Blackdown, welche nach Sowerby ein tiefes unbegränztes Mond- 
chen hat. 

V, faha Sow. M. C. tb. 567. f. 3. 4. — Goldf. II. p. 247. - 
tb. 151. f. 6. — Gcin. Kiesi. p. 13. tb. 2. f. 7—9. — F. sublae- 
vis Sow. b. Fitton tb. 17. f. 5. — Taf. XVIII. Fig. 13 (schlecht). 

Die kleine Schaale ist quer - eiförmig, verengt sich ein wenig 
nach hinten und hat kleine, vor der Mitte liegende Wirbel, ein 
schmales Mondchen und ein scharfrandiges Schildchen. Ihre Ober- 
fläche ist dicht concentrisch linirt. 

Häufig im Grünsande von Blackdown , von Kieslingswalda , im 
unteren Quader und unteren Pläner von Kreibitz, bei Quedlinburg 
und Aachen. 

Tritt der Wirbel mehr in die Mitte und ist die hintere Seite 
weniger verengt, so hat man die 

V. ovalis Sow. (M. C. tb. 567. f, 1. — Goldf. p. 247. tb. 



417 



*) A. (Cucullaea) nuculifoimis Zenker, Gein. in L. Br. J. 1842. p. 577. 
Geiiütz, Versteinerungskimde. 27 



418 



W'EICHrHIBRB. 



151. f. 5. — NuctUa concentrica Gein. Char. p. 51. Ib. 10. f. 9. 
und tb. 20. f. 27 — schlecht). Die Wirbel derselben treten dann 
etwas stärker hervor, das Mondchen ist breiter und die Schaale ist 
meist stärker gewölbt, als bei F. faba, Sie erreicht oft die dop- 
pelte Gröfse der letzleren und ist dann ziemlich dickschaalig. Beide 
Arien können kaum von einander getrennt werden. 

Sie kommen beide zusammen vor, und F. omlis findet sich 
aufserdem auch häufig im Plänerkalke von Strehlen bei Dresden und 
von Böhmen. 

Kürzere, mehr quer - oval - rundliche Formen der V. omlis bil- 
den die 

V. caperata Sow. (HL C. tb. 518. f. 1 — 4. — Cyth. sub- 
rotunda Sow. b. Pitt. tb. 17. f. 2.), welche im englischen Grünsande, 
wie bei Kieslingswalda vorkommt. 

V. parva Sow. M, C. tb, 518. f. 5 — 7. — Goldf. II. p. 246. 
tb. 151. f. 4. — Gein. Char. p. 49. 76. tb. 20. f. 6.? 7. — Taf. 
XVIII. Fig. 14 (Steinkern?). 

Eine kleine, fast halbkugelige, glatte Art, mit einem kleinen, 
in der Mitte liegenden Wirbel, und einem schmalen, vertieften Mond- 
chen und Schildchen. 

Häufig im Grünsande Englands, im unteren Quader von Tyssa, 
im unteren Pläner von Kreibitz, bei Kieslingswalda, im Plänermergel 
von Böhmen und im Plänerkalke. 

Zu den wichtigsten tertiären Arten gehören die folgenden: 

V. decuss at a L. — Lam. h. n. 2. ed. T. 6. p. 356. — 
Desh. Coq. de Par. p. 142. tb. 23. f. 8. 9. — Taf. XVIII. Fig. 12. ö. b. c. 

Die quer - eiförmige , etwas vierseitige Schaale ist mit unregel- 
mäfsigen, feinen Längsstreifen bedeckt, weiche durch engstehende 
wellenförmig-concentrische Streifen gekörnelt werden. 

Lebend in europäischen und australischen Meeren, fossil bei Or- 
say in Frankreich und im Sande von Pözzleinsdorf bei Wien. 

V. gallina L. ■ — Lam. h. n» 2. ed. p. 347. — Br. Leth. 
p. 948. tb. 38. f. 6. 

Schaale eirund-dreieckig, etwas herzförmig, mit blättrigen, sich 
nach hinten 1 — 2 mal theilenden Querrunzeln bedeckt. 

Im Tegel Volhyniens, ? als Steinkerne am Manhartsberge in 
N.Oesterreich, in der Subapenninen - Formation Italiens und Siciliens, 
dem Kalke bei Palermo I und noch lebend in südeuropäischen und nord- 
emericanischen Meeren. 

V. (Cyth) Chione Lam. hist. nat. 2. ed. VI. p. 305. — Br. 
Leth. p. 954. Ib. 38. f. 3. 



MÜSCIIBLN. 



419 



Schaale grofs, quer-eirund, etwas herzförmig, sehr glatt, con- 
centrisch gestreift und aufserdem sehr undeutlich radial gestreift. Das 
Mondchen ist ei-lanzettförmig-. 

Sie kommt in den Tegelgebilden um Bordeaux, in Siebenbür- 
gen, Volhynien, sehr schön zu Pözzleinsdorf bei Wien, als Stein- 
kern am Manhartsberge in Niederösterreich, in Südfrankreich, der 
Schweizer Molasse, in der Subapenninen- Formation Italiens und Sici- 
liens, in den jungen Muschellagern zu Pozzuoli und lebend im Mittel- 
meere und am Senegal vor. 

F. (Cyth.) inflata Goldf. (II. p. 239. tb. 148. f. 6. — Phi- 
lippi, Tertiärv. d. nordwestl. Deutschi. p. 10.) 

ist der vorigen durch Gröfse und Form nahe verwandt, jedoch vorn 
etwas kürzer, hinten noch stärker gewölbt und noch deutlicher herz- 
förmig. Das grofse herzförmige ebene Mondchen ist von einer dop- 
pelten Furche begränzt. Bei der vorigen Art erkennt man nur eine 
deutliche Furche, doch ist an den Exemplaren von Pözzleinsdorf noch 
eine zweite angedeutet. Radiale Streifung fehlt. 

Tertiär bei Bünde, Alzey, Cassel, Freden und Piacenza. 

t 2. G. Thetis Sow. 

Diese gleichschaaligen, mehr oder weniger ungleichseitigen 
Muscheln sind fast kreisrund und gewölbt, haben vorstehende Wir- 
bel, ein äufserliches Schlofsband, 3 — 4 spitze Schlofszähne, zwei 
kleine kreisförmige Muskeleindriicke und einen Manteleindruck, des- 
sen tiefe Bucht sich fast bis an den Wirbel heraufzieht. 

Die beiden Arten, Th. major und Th, minor Sow. (ü/. C, 
tb. 513. — Br. Leth. p. 704. tb. 21.), welche von Römer unter 
dem Namen Th. Sowerbii (Röm. Kr. p. 72.) vereinigt werden, ge- 
hören dem unteren Grünsande von England an. 

t 3. G. Grateloupia Desm. (Grateloup.) 

Nach Bronn ist die Schaale gleichklappig, fast gleichseitig, 
quer-dreieckig, nach hinten etwas verschmälert, und ihre Wirbel 
sind klein. Den 3 Schlofszähnen in jeder Klappe (wie bei Venus) 
gesellen sich noch 3 — 6 unter sich parallele, gegen den Wirbel 
gerichtete Reihenzähne bei. Unter dem Mondchen ist in der lin- 
ken Klappe noch ein einzelner Zahn, wie bei Cytherea^ in der 
rechten ein Grübchen zu seiner Aufnahme. Das lange Band ist 
äufserlich, die beiden Muskeleindrücke sind rundlich. Der Man- 
teleindruck macht eine zungenförraige Bucht. 

27* 



420 



WKICHTIHERE. 



G. donaciformis Desm. (ßr. Leih. p. 956. Ib. 37. f. 19. — 
Donax irregularis Bast., Deshayes, Tr. el. de Conch. tb. 14. f. 18. 
19.), aus dem Faluns der Tegelbildung um Bordeaux und Dax, ist 
die einzige Art. 

Anhang, 

Lembulus Risso. ? Leda Schumacher, (lembulus, Nachen.) 

Schaala quer -oval, mit ihrem hinteren Theile oft in eine 
Spitze auslaufend und dann (nach v. Buch, dessen Nuculae acu- 
minatae hierher gehören, Jura p. 49.) mit einer Vertiefung oder 
Falte, welche dieser Spitze ganz nahe liegt und dem durch eine 
scharfe Kante bestimmten Schilde gleichlaufend. Ihre vordere Hälfte 
ist grofs, schon von dem Wirbel an im Halbzirkel gerundet, und 
diese Abrundung ist am unteren Rande bis zum hinteren Theile 
fortgesetzt. Das Mondchen ist klein; das Schild hingegen sehr 
ausgezeichnet. Die Wirbel kehren sich ausnahmsweise, wie bei 
mehreren Trigonien, nach hinten. Die Schlofszähne und Muskel- 
eindrücke sind wie bei Niicula^ wozu die Lembulus - Arien auch 
immer gerechnet wurden. Doch zeigt der Manteleindruck einen 
tiefen Ausschnitt, welcher von Deshayes"') an der Nuc. limatula 
abgebildet worden ist. 

Die fossilen Arten scheinen auf das Oolithen- und Kreide- 
gebirge vertheilt zu sein. 

L. productus (Nuc. producta) NilFs. P. S. tb. 10. f. 5. — 
His. Leth. Suec. p. 60. tb. 18. f. 10. — Pusch, Pol. Pal. tb. 6. 
f. 10. — Gein. Char. p. 77. tb. 20. f. 26. Taf. XIX. Fig. 15 (ob 
richtig ? ). 

Schaale quer-lang-eiförmig, flach gewölbt, hinten etwas verengt, 
gerundet und aufwärts gekrümmt, dicht concentrisch linirt. Die Wirbel 
liegen fast in der Mitte und der Schlofsrand bildet einen sehr stum- 
pfen Wirbel. 

Im Plänermergel von Böhmen (Luschitz!, Böhm. Kamnitz), und 
Sachsen, auch in den böhmischen Pyropenlagern; mit den vorigen bei 
Käseberga in Schweden und in der Kreide bei Zamosc. 

Die folgende Gattung verbindet durch die Charaktere der 
Cardien und einen hinteren Ausschnitt im Manteleindrucke die Ab- 
theilungen der Sinupalliaten und Integropalliaten. 



♦) Traite cl. de Conch. PI. 34. /. 4. 



MUSCHELN. 



421 



f Protocardia Beyrich. Cardium Aut. (jiQioicog, zuerst; Cardium.) 

Die Protocardien sind, nach Beyrich"^'), alle von abgerun- 
detem Umrisse, höchstens an der hinteren Seite abgestutzt, alle 
gleichklappig und fast gleichseitig, vollkommen schliefsend. Die 
Aufsenfläche der Schaale ist bei den 5 von ihm aufgeführten Ar- 
ten auf der Mitte der Seile und nach vorn glatt, oder nur quer- 
gestreift, an der hinteren Seite aber radial gerippt. Bei einer 
sechsten noch unbestimmten Art fehlen, nach ihm, auch diese hin- 
teren Radialrippen. Die innere Seile des unteren Randes ist bei 
Protocardia scharf, sobald üufsere Rippen fehlen, bei Cardium 
aber stets gekerbt. 

P. Hill an a {Cardium Hillamini) Sow. M. C. tb. 14. f. l. — 
Goldf. II. tb. 144. f. 4. — Gein. Char. p. 53. u. IX.; Kieslingsw. 
p. 13. tb. 2. f. 10. 11. — d'Orb. Pal. fr. Terr. er. III. p. 27. tb. 
243. — Taf. XIX. Fig. 4. 

Seliaale bauchig, rundlich, bald breiler, bald länger, eng-cou- 
centrisch gestreift, und am hinteren abgestutzten Ende mit 12 — 15 
schmalen ausstrahlenden Rippen bedeckt, welche bisweilen zweilheilig 
sind. Der Mantelausschnilt liegt unmittelbar unter dem hinteren Mus- 
keleindrucke, dem er an Gröfsc fast gleich kommt. 

Steinkerne sind eigentlich immer glatt und zeigen nur Spuren 
der Rippen an der hinteren Fläche, besonders am unteren Rande der- 
selben. Sonderbarer Weise ist aber an den Tyssaer Steinkernen al- 
lermeist die Beschaffenheit der Schaalenoberfläche deutlich ausgeprägt. 

Leilmuschel im unteren Quader von Sachsen (Koschülz, hier und 
in Plauen auch im untersten Pläner), Böhmen (Tyssa, Kreibilz); dem 
sich an diesen gleich anschliefsendeu Grünsande von Blackdown in 
England und Kieslingswalda, und in der chloritischen Kreide von 
Frankreich. 

b. Integropalliatae. 

Die Eindrücke des allermeist offenen Mantels sind ganz und 
bilden keinen hinteren Ausschnitt oder Sinus. 

1. Faiu. Ciirdidae d'Orb. 

Der Mantel ist nur hinten, wo zwei kurze gewimperle Röh- 
ren münden, geschlossen, übrigens offen. Der Fufs ist gewöhn- 
lich zusammengedrückt. 

Die verschieden gestaltete Schaale hat aufser den Schlofs- 
zähnen von diesen getrennte Nebenzähne. Ligament äufserlich. 

*) In Menke's Zeitschr. f. Malakozoologie 1845. Februar. 



422 



WEICIITIIIERE. 



1. G. Cardium L. Brugiere. Herzrauscliel. Bucarde, 
Bucardites Schloth. Hemicardium Cuv. (/uqöi'u^ 
Herz.) 

Schaale bauchig-, oft etwas herzförmig, auch seitlich zusam- 
mengedrückt {Eemicardium), mit vorstehenden Wirbeln , und an der 
inneren Seite des Unterrandes gekerbt. Zwei genäherte Schlofs- 
zähne unter dem Wirbel der rechten Schaale entsprechen einem 
oder zwei gegenüberliegenden der linken Schaale; auf beiden Sei- 
ten liegt, von diesen entfernt, noch ein Nebenzahn. Die -beiden 
Muskeleindrücke liegen an beiden Enden der Schaale. 

Die ächten Cardien, welche, nach Beyrich ■•■) , nicht vor der 
Kreideformation erscheinen, besitzen keinen Ausschnitt im Mantel- 
eindrucke. An einigen Cardien hingegen wurde ein solcher zuerst 
von Beyrich erkannt und berechtigte denselben, die einen solchen 
zeigenden Cardien in eine neue Gattung, Protocardia, zusammen- 
zufassen. 

C. Neptuni Goldf. II. p. 221. tb. 144. f. 9. — Gein. Cliar. 
p. 53. — ? Pinna Neptuni d'Orb. Pal, fr. Terr. er. III. p. 255. tb. 
333. f. 1—3. 

Gewifs verdient kein Cardium so sehr den Namen „Herzmuschel", 
unter welchem es auch allen Arbeitern in den Sandsteinbrüchen der 
Dresdener Umgegend bekannt ist, als dieses. Die bis 6'' hohe Mu- 
schel ist höher und gewöhnlich auch dicker als lang. Sie erhebt 
sich zu einem stumpfliantigen Rücken, welcher in den ganz vorn lie- 
genden und vorwärts gebogenen Wirbel verläuft, und von welchem 
die grofse herzförmige vordere Fläche steil abfällt oder senkrecht ab- 
geschnitten ist. Letztere trägt 9 — 10 hohe Rippen, die unter den 
M^irbeln ein glattes Mondchen einschliefsen. Die hintere gerundet- 
keilförmige Fläche ist gleichfalls steil abschüssig und in der Nähe des 
Wirbels sogar eingedrückt. Ueber sie, sowie über die ganze Ober- 
fläche laufen concentrische Streifen hinweg. 

Im unleren Quader und Grünsande oder unteren Pläner von Sach- 
sen (Bannewitz , Plauen etc.), Böhmen (Kreibitz), Schlesien (Kieslings- 
walda) und Mähren (nach Glocker zu Petersdorf bei Moletein). 

Viele Cardien, besonders aus der Kreideformation, sind mit ge- 
körnten, höckerigen oder stacheligen ausstrahlenden Rippen bedeckt, 
als : 

C. pustulosum Mün. Goldf. II. p. 221. tb. 144. f. 6. 



*) In Menke'« Zeitschr. f. Malakozool. 1845. Februar. 



MUSCHELN. 



423 



Diel's ist hocligewölbt, der Höhe nach eiförmig, vorn sehr ver- 
kürzt und fast abgestutzt, nach hinten etwas länger und stark ge- 
wölbt. Die vorstehenden Wirbel stehen vorn. Gedrängte, körnige 
Rippen liegen am vorderen Theile entfernter und ihre Körner schwel- 
len hier zu Warzen an. 

Im unteren Quader des Postelberges und, nach Reufs, in den 
Conglomeratschichten und dem Plänerkalke von Böhmen. 

C. alutaceum Mün. Goldf. II. p. 220. tb. IM. f. 6. 

Diese rundlich-ovale, sehr bauchige Art, mit dickem vorragen- 
dem Wirbel in der Mitte, welche von zahllosen gleichförmigen, fei- 
nen, gekörnelten ausstrahlenden Linien bedeckt wird, kommt im unteren 
und oberen Pläner von Plauen, Strehlen u. a. 0. bei Dresden, zu 
Haldem, bei Osnabrück, und in Böhmen vor. 

Sie wird, wenn das Korn vermischt ist, der feinstreifigen 

C. Cottaldinum (d'Orb. /. c. p. 22. tb, 242. f. 1 — 4.), aus 
dem Neocomien des Pariser Beckens, ist ihr sehr ähnlich. 

C. tubuliferum Goldf. II. p. 221. tb. 144. f. 7. — C. al- 
ternatum d'Orb. l. c. IIL p. 30. tb. 246. 

Schaale spitz - eiförmig, mit in der Mitte liegenden, weit vor- 
ragenden , aber schwach gekrümmten Wirbeln , und dichtstehenden, 
schmalen Rippen, welche gleich grofs bleiben und statt der Knötchen 
sehr kurze hohle Stacheln zeigen, die aber an Steinkernen als Knöt- 
chen erscheinen. 

Im unleren Quader von Tyssa, im Grünsande bei Aachen, Qued- 
linburg und Kieslingswalda , und in der chloritischen Kreide von St. 
Maure in Frankreich. 

C. alternans Reufs (westl. Böhmen p. 138 u. 196) unterschei- 
det sich von der vorigen Art dadurch, dafs jede zweite Rippe mit 
starken stacheligen Höckern besetzt ist, während die dazwischen lie- 
gende nur gekörnt ist. 

Im unleren Quader, in den Ilippuritenschichten und den Pyro- 
penlagern von Böhmen. 

C. produclum Sow., d'Orb. c. p. 30. tb. 247. — C. bi- 
spinosum Dujardin, Röm. Kr. p. 71. — C. asperum Mün., Goldf. II. 
p. 221. tb. 144. f. 8. — Gein. Char. p. 52. 

Bauchig, eiförmig, mit fast in der Mitte liegenden, vorragen- 
den Wirbeln, von den vorigen durch geringere Gröfse und dadurch 
unterschieden, dafs immer 2, bisweilen auch 3 feinere gekörnte Rip- 
pen von stärkeren eingeschlossen werden, welche spitze Knötchen 
oder Stacheln tragen. 

Im Hippuritenkalke von Böhmen, nach Römer im unteren Kreide- 



424 



WEICHTHIERE. 



mergel von Osterfeld und Haldem, und nach d'Orbigny charakteristisch 
für die cliloritische Kreide von Frankreich. 

d'Orbigny beschreibt noch einige Zwischenstufen, welche diese 
3 Arten zu verbinden scheinen. 

C. duhium Gein. Char. p. 21. Ib. 16. f. 21.; tb. 21. f. 11. 20. 
— Taf. XIX. f. 5. 

Es ist schief- oval -kreisrund, hat einen kleinen, vor der Mitte 
liegenden Wirbel, fällt nach beiden Seiten ziemlich gleichmäfsig ab, 
und die Oberfläche trägt 20 — 25 feine und glatte Längsrippen. 

Sehr häufig im unteren Quader und unteren Pläner von Sachsen 
und Böhmen, selten im oberen Pläner. 

C. Ottonis Gein. Kiesl. p. 14. tb. 1. f. 32. 33. — Taf. XIX. 
f. 6. 7. 

Diese Art ist der vorigen ähnlich, jedoch höher gewölbt und 
die hintere Seite fällt steil ab und ist etwas concav. Die gerunde- 
ten Rippen sind breiter, scheinen bisweilen durch Längslinien getheilt 
zu werden und zeigen concentrische Streifen und Linien. 

Im Grünsande von Kieslingswalda und dem entsprechenden unte- 
ren Pläner von Kreibitz. 

C. porulosum Lam. hist, nat. 2. ed. VI. p. 414. — Sow. 
M. C, tb. 346. f. 4 — 6. — Desh. Coq. de Par. p. 169. tb. 30. f. 
,l--4 Br. Leth. p. 944. tb. 38. f. 8. — Taf. XIX. Fig. 3. u. 3. a. 

Schaale fast kreisförmig und gleichseitig, mit geebneten Längs- 
rippen bedeckt, welche eine, an ihrem Grunde sägeartige Leiste tra- 
gen, nach deren Entfernung sie zweitheilig erscheinen. 

Im Pariser Grobkalke!, im Londonthone von Barton; in Tegel- 
gebilden der Touraine und Podoliens. 

f 2. G. Conocardium Bronn. Pleurorynchus Phill. Cardium 
Aut. {y.Mvog, Kegel; Cardium.^ 

Wiewohl diese Gattung auch neuerlich noch von de Köninck 
mit Cardium wieder vereinigt worden ist, so glaube ich doch, 
sie mit Beyrich (a. a. 0.) von ihm wieder trennen zu müssen. 

Die dicke, ungleichseitige Muschel hat einen fast geraden 
Schlofsrand, welchem zunächst sich die Schaale nach hinten und 
vorn verlängert. Die Vorderseite ist, den oberen cylindrischen 
oder kegelförmigen Fortsatz abgerechnet, abgestutzt, wie es bei 
einigen Cardien vorkommt. Ueber die Oberfläche strahlen Rippen 
hinweg. 

Die Arten sind auf das Grauwacken- und Steinkohlengebirge 
beschränkt. 



MUSCHELN. 



425 



C. alae forme Sow., Min. C. p. 575. tb. 552. f. 2. 3. — 
Bucardües hystericm Schloth. — de Köninck /. c. p. 83. th. 4. f. 12. 
— C, aliforme Sow., Goldf. p. 213. tb. 142. f. 1. — Hiernach 
Taf. XIX. Fig. 8 (schlecht). 

„Dreiseitig, vorn abgeschnitten und eine etwas convexe, dach- 
förmige oder ebene Herzfläche bildend, aus deren Mitte oben der ver- 
längerte Schlofsrand hervorsteht. Mit den gewölbten Seitenflächen stöfst 
diese vordere mit einer abgerundeten Kante mehr oder weniger recht- 
winkelig zusammen, und die bauchige Rückenwölbung geht nach hin- 
ten in eine keilförmig verschmälerte Verlängerung über. Die Wirbel 
liegen fast am vorderen Ende. Die Oberfläche ist mit gedrängten, 
schmalen Rippen bedeckt, welche nach vorn zu schmäler werden." 
(Goldfufs.) 

In devonischen Schichten '•'■) des Uebergangsgebirges von Ply- 
mouth, Newton, der Eifel, Pfaffrath, Hübichenstein , Elbersreuth, und 
im Kohlenkalke von Rolland, Scarlet, der Insel Man, Tournay und 
Vise. 

3. G. Isocardia Lam. Chama L. z. Tli. (7aog^ gleich; 
naQÖla^ Herz.) 

Schaale ungleichseitig, bauchig, herzförmig, mit von einan- 
der abstehenden, eingerollten Wirbeln. Das Schlofs besteht aus 
zwei zusammengedrückten, mit dem oberen Rande fast parallelen Zäh- 
nen, von denen der eine unter dem Wirbel, der andere hinter 
der Area liegt. Schlofsband äufserlich. Die beiden Muskelein- 
drücke werden durch den einfachen Manteleindruck verbunden. 

Die Isocardien leben in warmen und gemäfsigten Meeren. 

Goldfufs und de Köninck lehrten einige aus paläozoischen 
Gebilden kennen, häufiger werden sie indefs erst im Oolithen- 
gebirge. 

Is. striata d'Orb. — Taf. XIX. Fig. 1. Nach Goldf. P. II. 
p. 208. tb. 140. f. 4. — Rr. Leth. p. 373. tb. 20. f. 10. — Is. 
ohovata Rom. Oolith. p. 106. tb. 7. f. 2. 

Schaale sehr bauchig, etwas schief verlängert, am hinteren 
Rande wulstartig aufgeworfen, und überall fein-, aber scharf-concen- 
trisch gestreift. 

Im oberen Jura der Schweiz (im Porrentruy), von Frankreich 



*) Murchison, über die älteren oder paläozoischen Gebilde im Norden 
von Deutschland und Belgien. 1844. p. 225. 



426 



WEICH riHERK. 



(in der unteren Charentc und der oberen Saone), von Hannover und 
Braunschwei<>- (Wendhausen, llildesheim, am Kahleberg). (Bronn.) 

Is. cretacea Goldf. II. p. 211. Ib. 141. f. 1. — Gein. Char. 
p. 53. tb. 11. f. 6. 7.?; Kicslingsw. tb. 2. f. 14. 

Schaale oval-kreisförmig, hoch gewölbt, mit dicken, hohen Wir- 
beln , welche wenig nach vorn liegen. Oberfläche concentrisch ge- 
streift. 

Im unteren Pläner von Kreibitz, im Grünsande von Kieslings- 
walda, und in der grünen Kreide Westphalens. 

Is. (Ckama) cor L. (Br. Leth. p. 941. tb. 38. f. 10.) kommt 
in jüngeren Terliärgebilden und noch lebend im Mittelmeere vor. 

f 4. G. Cardiomorpha de Kon. (xa^dia; fioQcptj^ Gestalt.) 

Schaale dünn, schief- oder quer- verlängert, ungleichseitig, 
mit vorwärts gekrümmten Wirbeln. Schlofs zahnlos. Eine glatte 
Schlofsleiste nimmt den ganzen oberen Rand von den Wirbeln bis 
an das hinlere Ende ein. Das lineare Band ist äufserlich. Die 
beiden Muskeleindrücke sind durch einen einfachen Manteleindruck 
mit einander verbunden. 

Die Arten dieser Gattung wurden, ihrer Form halber, bis- 
her für Isocardien und Sanguinolarien gehalten. Sie gehören alle 
dem Kohlenkalke an. 

C, lamellosa de Kon. descr. des anim. foss. p. 110. tb, 1. f. 2. 

Die rundlich - quer - ovale, vorn verkürzte und etwas verengte 
Schaale ist bauchig und mit breiten blätterigen Anvvachsstreifen be- 
deckt, die besonders auf Steinkernen recht hervortreten. Ihre bauchi- 
gen, nach vorn und einwärts gekrümmten Wirbel liegen im vorderen 
Drittheile des schwach gekrümmten Schlofsrandes. 

Im oberen Kohlenkalke von Lives bei Namur und, bis 8'" lang 
und 6'" hoch, in dem diesem entsprechenden Kalkschiefer bei Alt- 
wasser in Schlesien. 

Mit ihr zusammen findet sich bei Altwasser eine quer-elliptische, 
bauchige Art, mit kleinen, weit vorn liegenden Wirbeln (Taf. XVIII. 
Fig. 7.), welche einigermafsen an C. laemgata {Sang, laev.) Goldf. u. 
C. striata (Sang, slr.) Mün.*) erinnert; und eine dritte kleine Art (Taf. 
XVIII. Fig. 6.), mit einem wenig vor der Milte liegenden Wirbel, 
deren vordere kürzere Seite gerundet ist und deren hintere Seite sich 
allmählig verengt, wie bei einigen Nucula - oder Z,emöw/MS - Arten. 
Ihre Oberfläche ist fein concentrisch linirt. Sie dürfte kaum von 



♦) Goldf. II. p. 279 u. 280. tb. 159. f. 14. u. 19. 



MUSCHELN. 



427 



C. lellinaria Goldf. {Sang, teil. P. IL p. 280. tb. 159. f. 18.), 
aus der Eifel, verschieden sein. 

3. Farn. Jlstartidae d'Orb. 

Dem Thiere der Astartiden fehlt eine deutliche Mundölfnung; 
sein Mantel breitet sich, seiner ganzen Länge nach offen, weit 
aus. Der Aftercanal ist getrennt. Der kurze, zusammengedrückte 
Fufs besitzt eine Furche. 

Die allermeist dicke Schaale besitzt sehr deutliche Schlofs- 
zähne, ein inneres oder äufseres Band, und aufser den beiden 
Muskeleindrücken hinten und vorn häufig noch ein Muskelband in 
der Höhlung der Wirbel. 

t 1. G. Opis Defrance. (Gr. Myth.) 

Schaale sehr dick, herzförmig, ganz geschlossen, mit sehr 
hohen, schmalen und vorspringenden Wirbeln. Ligament äufser- 
lich und sehr kurz. Der Schlofsapparat ist stark entwickelt und 
besteht in der rechten Schaale aus einem grofsen dreieckigen oder 
zusammengedrückten Zahne, vor welchem eine schmale, aber tiefe 
Grube liegt, in der linken aus einer Grube und einem Zahne, 
welcher der Grube der anderen Schaale entspricht. 

Durch seine äufsere Form nähert sich Opis auffallend den 
Cardien und Arcen, von welchen sie sich durch das Schlofs un- 
terscheidet; dieses nähert sie den Aslarten. 

Nur das Jura- und Kreidegebirge schliefst ihre Arten ein. 

0. (Trigonia) cardissoides Lam. hist. nat. 2. ed. VI. p. 
518. — Br. Leth. p. 703. tb. 32. f. 16. — 0, lunulatus Desh. tr. 
el. tb. 23. 3 — 5. — F. Römer, de Astartarum genere etc. p. 23. 

Die Schaale ist herzförmig, seitlich zusammengedrückt und hin- 
ten eckig gekielt. Vor den grofsen eingerollten Wirbeln liegt ein 
tiefes herzförmiges Mondchen, hinter ihnen eine grofse ovale Area, 
die von 2 Kielen eingefafst wird. 

Im oberen Jura bei Bayeux und Dundry (England). 

0. {Area) bicornis Gein. (Nachtr. z. Char. p. 14. tb. 5. f. 
10 — 12.), mit welcher 0. Galliennei d'Orb. {Pal. fr. Terr. er. III. 
tb. 237. bis. f. 6 — 8.) übereinstimmt, zeichnet sich vorzüglich durch 
seine sehr hohen, hörnerartigen Wirbel aus, welche schwach gegen 
einander gekrümmt sind, und etwa eben so weit vorragen, als die 
Höhe der Basalfläche beträgt. 

Im unteren Planer von Flauen bei Dresden. 



428 



WEICimilERB. 



2. G. Ast arte Sow. Crassina Lam. (Myth.) 

Schaale rundlich, oval oder länglich, ungleichseitig, ganz 
oder fast gleichklappig, ganz geschlossen und ziemlich dick. Das 
starke Schlofs besteht in der linken Schaale aus zwei starken, 
gleich grofsen, divergirenden Zähnen, nebst zwei Gruben, in der 
rechten aber aus einem, von jenen eingeschlossenen Zahne, wel- 
cher bisweilen noch von einem kleineren begleitet wird. Das 
Ligament ist äufserlich und kurz. Muskeleindrücke 3 in je- 
der Schaale, indem über dem vorderen noch ein kleinerer 
liegt. Der innere Schaalenrand ist nach F. Römer immer ge- 
kerbt. Die äufsere Oberfläche ist glatt, oder concentrisch - ge- 
rippt, gefaltet, gestreift. Die Arten mit radialer Streifung sind 
selten. 

Die ältesten Arten kommen im Kohlenkalke vor*'*'); dem Zech- 
stein- und Muschelkalkgebirge blieben sie fremd; um so gewöhn- 
licher sind sie aber in der Juraformation, seltener im Kreidege- 
birge; mehrere sind tertiär und einige leben noch an unseren Mee- 
resküsten. 

A. Voltzti Goldf. P. II. p. 190. tb. 134. f. 8. — Rö- 
mer a. a. 0. p. 17. Hierzu A. alta Goldf. u. A, integra Mün. Goldf. 
tb. 134. f. 9. u. 13. — Hiernach Taf. XVIII. Fig. 17. a. b. c. d. 

Die gewölbte Schaale ist kreisförmig-dreieckig, fast gleichseitig 
und unregelniäfsig oder fast regelmäfsig concentrisch gerippt. Mond- 
chen länglich herzförmig, Area lanzettförmig und beide scharfrandig. 

Im oberen Lias bei Goslar, Amberg, Banz, Altorf, im Elsafs 
bei Uhrweiler, im südlichen Frankreich bei Tuchan. 

A. similis Mün. Goldf. II. p. 193. tb. 134. f. 22. — Taf. XVHI. 
Fig. 17. 

Die niedrige Schaale ist quer-oval-kreisförmig, etwas vierseitig, 
mit wenig vor der Mitte stehendem Wirbel und mit wenigen (bis 9) 
scharfen concenlrischen Rippen bedeckt, deren flach-concave Zwischen- 
räume viel breiter und gestreift sind. 

Im Plänermergel von Böhm. Kamnitz; in der chloritischen Kreide 
von Haldem. 

Mit geringerer Zuverlässigkeit sind nach Römer die längsge- 
streiften Astarten dieser Gattung zuzurechnen. 



*) De Jstartarum genere et speciebuSj Berolinij 1842. — Bemerkungen 
über die Gattung Jstarte (L. Br. J. 1843. p. 58). 

**) A. transversa de Köninck a. a. O. p. 80. tb. 4. f. 11. 



MUSCHELN. 



429 



Zu diesen gehören: A. multistriata Sow. (bei Filton tb. 16. 
f. 17.) aus dem Grünsande von Blackdown, eine schmälere Art, von 
der Gestalt der A. formosa Sow. (bei Fitton tb. 16. f. 16.), unter 
welchem Namen ich sie in der Charakteristik tb. 21. f. 19, von Oberau 
abbildete, die auch im unteren Pläner bei Kreibitz vorkommt, A. 
Guerangeri d'Orb. (Pal. fr. Terr. er. III. tb. 266 bis. f. 1 — 5.) aus 
der chloritischen Kreide von Maus, u. A. Basteroti aus dem oberen 
Meersande von Klein- Spouwen , welche Goldfufs beschrieb. 

3. G. Crassatella Lara, (crassus, dick.) 

Schaale länglich, gerundet, drei- oder vierseitig, ungleich- 
seitig, ganz schliefsend und dick. Schlofs stark, in der linken 
Schaale aus zwei divergirenden Zähnen und drei Gruben, von de- 
nen die hintere sehr breit ist, gebildet, in der rechten von ei- 
nem starken Zahne und jederseits einer tiefen und breiten Grube. 
Ligament innerlich. Die beiden Muskeleindrücke sind tief. Ueber 
dem vorderen liegt ein dritter kleiner als längliches Grübchen und 
nach d'Orbigny noch ein vierter in der Höhlung des Wirbels. 
Die Schaale ist von einer dicken Oberhaut bedeckt. 

Die Crassatellen zeigen sich zuerst im Kreidegebirge; jetzt 
leben dieselben an sandigen Küsten der wärmeren Meere, sich 
hier senkrecht in den Sand einsenkend. 

C. arcacea Röm. Kr. p. 74. tb. 9. f. 24. — Taf. XVIIL 
Fig. 2. 

Quer - oval - dreiseitig, nach hinten verlängert und verschmälert, 
längs der hinteren Seite scharf gekantet und abgeschnitten, vor der 
Kante etwas niedergedrückt, mit etwas vorstehenden, weit nach vorn 
liegenden Wirbeln. Die Oberfläche ist regelmäfsig- und dicht-concen- 
trisch gefurcht. Feine ausstrahlende Linien, die man auf ihr biswei- 
len bemerkt, gehören der unter der dicken Oberfläche liegenden 
Schaale an. Der untere Rand scheint innen gekerbt zu sein. 

Im unteren Pläner von Kreibitz und im diesem entsprechenden 
Mergel von Quedlinburg und Dülmen. 

C. tumida Lam., Desh. Coq. de Far. p. 33. tb. 3. f. 10. 11. 
Er. Leth. p. 971. tb. 37. f. 10. 11. — Taf. XVIIL Fig. 1. 

Die dicke Schaale ist quer-oval-dreieckig und gewöhnlich stark 
gewölbt. Die hintere, von einer stumpfen Kante schief abfallende 
Fläche ist vorn etwas eingedrückt. Unter der regelmäfsig - engge- 
furajiten Oberfläche sieht man an abgeriebenen Stellen die längsge- 
furchte innere Schaale hervorblicken. Der untere Rand ist innerlich 
gekerbt. 



430 



WBICHTHIBRE. 



Nach Bronn häufig im Pariser Grohkalke und im südwestlichen 
Frankreich; im trappischen Grobkalke des Ronca - Thaies und in der 
Tegelbildung Volhyniens. 

t 4. G. Megalodon Sovv. Grof szahnmuschel. Megalodus 
Goldf. (^[.ilyag^ grofs; oöwv^ Zahn.) 

Schaale ungleichseitig, eiförmig oder herzförmig, mit einem 
grofsen, länglichen Zahn in jeder Klappe, welcher in der linken 
längs des hinteren Randes, in der rechten unter dem Mondchen 
liegt. Vor demselben steht in der ersteren noch ein zweiter ge- 
rundeter, kleiner Zahn. Unter dem Feldchen liegt aufserdem in je- 
der Klappe noch ein langer, zusammengedrückter Seitenzahn. Die 
den Zähnen entsprechenden Gruben sind |ief. Das Band ist halb 
äufserlich. Der vordere Muskeleindruck ist tief und schmal, und 
liegt unmittelbar neben dem Schlosse, der hintere aber weit ent- 
fernt, nach unten. (Goldfufs.) 

Die Arten sind auf das Grauwackengebirge beschränkt. Un- 
ter ihnen ist die gewöhnlichste: 

M. cucullatus Sow. M, C. tb. 568. — Goldf. II. p. 183. 
Ib. 132. f. 8. — Arch. u. Vern. a. a. 0. p. 222. 

Schaale eiförmig und glatt, mit vorstehenden eingerollten Wir- 
beln, die das vordere Ende überragen, und grofsem herzförmigem 
Mondchen. 

In devonischer Grauwacke vou Newton, Ogwell, Bradley, Pfaff- 
ralh, Bensberg, Sötenich und am Ufer der Lahn. 

t 5. ? G. Thalassides Berger. Sinemuria de Christol *). 
Pachyodun Stutchbury; Ginorga Gray '^''*''). Cardinia 
Ag. **'■'•'). Unio Aut. {ddlaooay Meer.) 

Nach Quenstedt (Flötzg. Würt. p. 143.) „haben diese Mu- 
scheln im Allgemeinen die Form unserer Süfswassermuscheln, und 
pflegten daher auch Unio genannt zu werden, allein schon ihr 
viel kräftigerer Schaalenbau unterscheidet sie. Defshalb kann auch 
ihr Schlofs und der Eindruck ihrer noch stärkeren Muskeln leicht 
aus dem harten Gesteine herausgearbeitet werden. Auf der rech- 
ten Schaale erhebt sich unmittelbar über dem starken vorderen 
Muskeleindrucke auf breiter Unterlage ein spitzer Zahn, der ge- 



*) L. Br. J. 1842. p. 484. — de Kon. dcscr. d. an. foss. p. 68. 
**) L. Br. J. 1842. p. 497. — 1843. p. 86. — 1844. p. 764. 
Vergl. die Note bei Cardinia. 



MUSCHELN. 



431 



wohnlich mit dem Zahne der lebenden Unio verglichen zu wer- 
den pflegt. Allein er ist glatt, weiter vom Wirbel entfernt, und 
erhebt sich nicht unmittelbar auf der Unterstiitzungsleiste , sondern 
es bleibt über, unter und hinter ihm ein freier Platz, nur zum 
vorderen Muskeleindrucke, wo er übrigens seine gröfste Breite 
hat, fällt er zur Tiefe hinab. Dabei findet sich hinter seiner Ba- 
sis der markirte Eindruck eines Hülfsmuskels, welcher bei Unio 
ganz an der entgegengesetzten Seite liegt. Diesem entsprechend 
hat die linke Schaale bei gleichliegenden Muskeln eine tiefe Grube, 
die ebenfalls auf freier Fläche liegt, kaum ist der Ober- und Un- 
terrand der Grube etwas aufgerichtet, um sich an die Wurzeln 
des Zahns der rechten Schaale sicherer anlegen zu können. (Die 
Grube fehlt der Unio ganz, der Zahn der rechten Schaale ver- 
steckt sich unter zwei gefurchten horizontal hervorstehenden Zäh- 
nen.) Während bei Unio die Zahnlamellen hinter den Wirbeln 
kaum eine Basis haben, so hat sich bei unseren Liasmuscheln eine 
sehr breite Basis erzeugt, auf der sich unterhalb der Wirbelspilze 
einige schwache Falten, oblitterirten Zähnen vergleichbar, schief 
nach hinten ziehen. Die Hauptfalte, welche sich lang nach hin- 
ten zieht, ist nicht etwa scharfkantig, wie bei Unio, sondern es 
ist nur eine breite Fläche, am oberen Rande durch eine nach 
hinten allmählig breiter werdende tiefe Furche begränzt, in wel- 
cher das Ligament sich festsetzte. An der rechten Schaale wird 
diese lange Schlofsfalte plötzlich gar schmal, die Ligamentgrube 
wird dadurch sehr breit, doch zieht ein stumpfkantiger Rücken 
ununterbrochen fort und verliert sich oberhalb des hinteren Mus- 
keleindruckes im Rande der Schaale (Sow. tb. 185.). Dagegen 
bildet sich unter dem Ende dieser Falte unmittelbar vor dem Mus- 
keleindrucke eine tiefe, etwas längliche Grube aus, deren Unter- 
rand zahnartig hervorspringt. An der linken Schaale verliert sich 
die lange Schlofsfalte nicht am Hinterrande der Muschel, sondern 
sie endigt unmittelbar über dem Muskeleindrucke in einem Zahne 
(Sow. tb. 223. f. 2.), der, ähnlich gebildet, wie auf der rech- 
ten, ebenfalls über sich eine Grube zeigt, aber auch unter sich 
eine flache Vertiefung, worin der Zahn der rechten Schaale ruht. 
Besonders tief sind die Muskeleindrücke, so dafs die Steinkerne 
denen von Trigonien oder Crassatellen gleichen, und unter den 
Wirbeln liegt ein kleines tief eingedrücktes, aber durch seine 
Anwachsstreifen stark begränztes Mondchen. Die Gruben vor und 
hinter den Wirbeln erinnern an Cyrena. In Schwaben werden 
diese Muscheln nur in den untersten Schichten des schwarzen Jura 



432 



WEICIITHIERE. 



gefunden, aber in den mannigfachsten Formen." Der Mantelein- 
druck ist einfach. 

Diefs Genus scheint auf das Oolilhengebirge beschränkt zu 

sein. 

Th. concinna (Unio c.) Sow. M. C. tb. 2*23. — y. Buch, 
Jura p. 31. — Goldf. 11. p. 181. tb. 132. f. 2. — Quenst. Fl. W. 
p. 145. _ Taf. XYII. Fig. 18. u. 19. 

Sie ist länglich - eiförmig, unregelmäfsig- und concentrisch-ge- 

streift. 

Vom Wirbel, der ohngefähr im vorderen Drittheile liegt, läuft 
eine stumpfe undeutliche Rückenkante nach der unteren hinteren Ecke. 

Im untersten Lias A'on Würtemberg, im Liassandsteine zwischen 
Osterwick und Schöppenstedt, in den untersten Schichten des Unter- 
ooliths zu Cropredy bei Banbury in Oxfordshire. 

-{-6.? G. Cardini a Ag. '). de Kon. Mya und Unio Aut. 
Pachyodon Stutchbury z. Th. '-'^O. {cardo^ Schlofs.) 

Die Schaale, welche die äufsere Form der lebenden Unio 
hat, ist gewöhnlich dünn, in die Quere verlängert- gleichklappig, 
ungleichseitig, geschlossen und glatt oder concentrisch gefurcht. 
Das Schlofs besteht aus einem Zahne, einer kleinen schiefen Grube 
zur Aufnahme des inneren Bandes, und zwei entfernten Seiten- 
zähnen, von denen der vordere der rechten Schaale und der hin- 
tere der linken in einander eingreifen. Der vordere Muskelein- 
druck ist oval, der hintere unregelmäfsig gerundet. Der Mantel- 
eindruck ist schmal und ohne Bucht. Aufser dem inneren Bande 
scheint noch ein kurzes äufseres vorhanden gewesen zu sein. Die 
kleinen, schwach gekrümmten Wirbel sind einander sehr genähert. 

de Köninck stellt diese Gattung in die Familie der Mactra- 
ceen Lam. unmittelbar neben Mesodesma. 

Diese Gattung begreift nur die Cardinien oder sogenannten 
Unionen des Steinkohlengebirges, an welche sich Fosidonia mi- 
nuta Goldf. vielleicht am befsten anschliefst. 



♦) Agassiz errichtete für die sogenannten Unionen des Oolithengebirges 
seine Gattung Cardinia und fügte derselben später auch die jener ähnlichen 
Muscheln des Steinkohlengebirges hinzu. Da die ersteren schon 1833 von 
Berger den Namen Thalassidcs (s. das.) erhalten haben, so möchte es ge- 
eignet sein, nur die sogenannten Unionen des Steinkohlengebirges und Fo- 
sidonia minuta als Cardinien zu betrachten. 

*♦) L. Br. J. 1844. p. 240. 



V 



MUSCHELN. 



433 



Unter den 11 bei Sowerby (M. C. /ft. 33.), Goldfiifs (II. Ib. 131. 
f. 15 — 20.) und de Köninck (p. 68 u. f. tb. H. und 1.) abgebilde- 
ten Arten hebe ich nur die folgenden heraus : 

C. tellinaria ( Unio t.) Goldf. II. p. 180. tb. 131. f. 17. — 
de Kon. p. 77. tb. H. f. 5; tb. 1. f. 14. — ? Taf. XVII. Fig. 13. 
14. 15. 

Die Schaale ist quer-elliptisch, vorn gerundet, hinten in einer 
gerundeten Ecke endend, flach gewölbt, und ihre Wirbel liegen weit 
vorn. Von diesen läuft eine stumpfe Kante nach der unleren hin- 
teren Ecke. Der fast gerade untere Rand ist etwas eingebogen. 

Im Schieferlhone und der Steinkohle bei Lüttich , bei Werden 
in Weslphalen , und in grofser Menge bei Ludwigsdorf in der schle- 
sischen Grafschaft Glatz. 

C. Goldfus si ana de Kon. descr. etc. p. 74. — U. unifor- 
mis (Sow.) Goldf. II. p. 181. Ib. 131. f. 20. — U. carhonaria (Goldf.) 
Gäa V. Sachsen p. 66. — Taf. XVII. Fig. 16. 17. 

Quer-eiförmig, an beiden Enden schief-abgestumpft, mäfsig ge- 
wölbt, mit weit vorn liegenden, stärker hervortretenden Wirbeln. 

In den Steinkohlenlagern zu Niederstaufenbach bei Kusel, bei 
Ilmenau, Löbejün und Weltin. 

? C. minuta (Posidonia m) Goldf. II. p. 118. tb. 113. f. 5. — 
Posidonomya m. Br. Leih. p. 164. tb. 11. f. 22. — Taf. XX. Fig. 11 (f ). 

Kleine, dünnschaalige , flache, concentrisch- gefurchte Muscheln, 
von rundlicher Form, welche schief in die Quere verlängert sind. 

Sie kommen nach Bronn selten im bunten Sandsteine bei Sulz- 
bad und Corcelles vor, wurden von Germar im Thone des bunten 
Sandsteines von Halle entdeckt, und finden sich vorzüglich in der 
Lellenkohlengruppe und im Keuper zu Rottweil am Schwarzwalde, zu 
Sinzheim bei Heidelberg, zu Hafsfurlh unweit Schweinfurt, bei Heil- 
bronn und Pforzheim vor, an welchen letzteren Orten sie nach Gold- 
fufs ßchichtenvveise aufgehäuft sind. 

3. Farn. Carditidae (Cyprinidae) d'Orb. 

Der Mantel, welcher sich seiner ganzen Länge nach ölfnel, 
gestattet hinten zwei kurzen, aber deutlichen Röhren den Aus- 
tritt. Der Fufs ist kurz. Bisweilen ist ein Bart vorhanden. 

Schaale ungleichseitig, ziemlich dick, ganz geschlossen, mei- 
stens zwei schiefe, gewöhnlich dicke Schlofszähne enthaltend. Band 
äufserlich. Muskeleindrücke nur zwei. 

Ceiuitz, V'ersteinernngskande, 28 



434 



WKIOlITHIBßB. 



1. G. Cardita Brug. Cardita, Venericardia und Cypricardia 
Lam. Coralliophaga Blainv. i^xaqöla^ Herz.) 

Schaale gerundet oder länglich, ungleichseitig und häufig 
mit ausstrahlenden Rippen bedeckt. Ein langer Schlofszahn läuft 
fast parallel dem oberen Rande, vor demselben, dicht unter dem 
Wirbel, befindet sich ein kürzerer, der sich entweder rückwärts 
krümmt {V etiericardia)^ oder nach vorn (Cardita) , biswei- 
len noch von zwei anderen begleitet wird (Cypricardia)'''), 
und, nach Goldfufs, sogar auch fehlen kann. Die Muskeleindrücke 
sind tief. Das äufserliche Band liegt in einer tiefen Furche. 

Die Carditen, welche mit dem Kohlengebirge begonnen zu 
haben scheinen, leben jetzt in seichten Meeren zwischen Felsen, 
hängen sich entweder an diese mittels eines Bartes fest, oder 
graben sich an den Küsten im Sande ein, mit dem After nach 
oben sich wendend. 

C. (Cypr.) squamifera {Modiola sq.) Phill. , de Kon. /. c. 
p. 92. th. 3. f. 11. 

Die kleine, quer- elliptische Schaale ist mit concenlrischen Lei- 
sten und dazwischen liegenden schiefen Längslinien bedeckt, fällt hin- 
ten von einem Kiele steil ab und ihre kleinen Wirbel liegen ganz 
vorn. 

Häufig im oberen Kohlenkalke von Vise, Tournay, Ratingen und 
BoUand. 

C. (Cypr.) Murchisoni Gein. Taf. XIX. Fig. 2. a. b. c. 

Sie ist quer - elliptisch, doppelt so lang als hoch, wird nach 
hinten etwas breiter und ist vorn und hinten gerundet. Der Wirbel 
liegt am vorderen Ende. Von dem flach gewölbten , diagonalen Rücken 
dacht sich die untere Seite sehr allmählig, die obere stärker gewölbt 
ab. Vier diagonale, schwache Rippen strahlen längs des Rückens 



*) Die Cypricardien sind meistens quer- oder schief-verlängert und ha- 
ben weit vorn liegende Wirbel. Die Mehrzahl ihrer Arten ist -nur concen- 
trisch gestreift oder gerippt, im Gegensatze zu den radial-gestreiften oder 
gerippten Carditen. Goldfufs beschreibt indefs auch concentrisch gestreifte 
Carditen. Nach de Koninck's mündlichen Mitth ei hingen gehört der gröfste 
Theil der von ihm beschriebenen Cypricardien, sowie auch Cypr. Murchi- 
soni, zu der neuen Gattung Allorisma King, deren Charaktere mir noch 
unbekannt sind, und ich glaube, zur Zeit die Cypricardien, AUorismen noch 
mit Cardita vereinigt lassen zu müssen. Die in Korallenmassen einbohrende 
Coralliophaga Blainv., welche von Cypricardia geschieden worden ist, ver- 
eint Bronn mit Venerupis (Reise nach Italien II. p. 599). 



MUSCHELN. 



435 



herab nach unten und hinten. Auf Steinkernen sind diese oft kaum 
erkennbar. Aufser einem langen Seitenzahne und einem mit ihm we- 
nig divergirenden , unter dem Wirbel liegenden scheinen vor dem 
letzteren noch ein paar kleine hakenförmige zu liegen. 

Mit und ohne ^chaale im Zechsteindolomite und oberen Zech- 
sleinkalke von Mühlberg bei Sachswerfen, Landwehr, Kalzenstein, 
Osterode und Neuhof bei Sachsa im Harze durch Mielecki'^) entdeckt, 
und bei Kamsdorf und Gera. 

C. (Ven.) tenuicosia Sow. b. Fitton, l. c. tb. II. /".?*. — 
Gein. Char. p. 76. tb. 20. f. 9. — d'Orb. PaL fr, Terr. er. III, 
p. 87. tb. 268. f. 1 — 5. 

Schaale flach -gewölbt, quer -oval -rundlich, mit einem vor der 
Mitte befindlichen, vorwärts gekrümmten Wirbel, und einer schief ab- 
geschnittenen hinteren Seite. Die zahlreichen (gegen 40) dünnen 
Rippen werden durch concentrische Streifen etwas dachziegelförmig. 

Im Galt von England und Frankreich; im Plänermergel von Böh- 
men (Luschitz, Kamnitz und Kreibitz), im Flänerkalke von Sachsen 
(in Strehlen h" ~l" lang). 

Verdrückte Exemplare sind der C. parmla Goldf. (II. p. 187. 
tb. 133. f. 13.) sehr ähnlich. 

C. {Ven.) senilis Lam. hist. nat, 2. ed. VI. p. 384. — Sow. 
C. p. 300. tb. 258. — Park. org. rem. IIL tb. 13. f, 15. 17. — 
Pusch, Pol. Pal. p. 68. — Taf. XVIII. Fig. 17 (nach Sowerby). 

Die dicke Schaale ist schief - herzförmig und mit ohngefähr 17 
starken, gewölbten, fast glatten Sirahlenrippen bedeckt. 

In Tegelbildungen von Polen, Volhynien und Podolien, bei Angers 
und im Crag von Suffolk. 

C. (Ven.) scalaris Sow. M. C. p. 515. tb. 490. f. 6. 7. — 
Goldf. II. p. 188. tb. 134. f. 2. — Pusch, Pol. Pal. p. 69. — Phi- 
lipp!, Tertiärv. p. 12. 47. 71. 

Die kleine (bis grofse) Schaale ist fast kreisrund und fast 
gleichseitig, hat ein lanzettförmiges Mondchen und 20 convexe Strah- 
lenrippen, deren Zwischenräume schmäler sind. Ueber beide laufen 
ziemlich entfernte concentrische Streifen. 

Im Crag von England, in oberen tertiären Schichten von Oster- 
weddingen und Westeregeln bei Magdeburg; bei Cassel, Bünde, Klein- 
Spouwen und Korytnice. 



L. Br. J. 1845. p. 456. 

28* 



436 



WEICHTHIBRB. 



2. G. Cyprina Lam. {KvnQig^ gr. Myth.) 

Schaale quer -oval, rundlicli oder dreiseitig, ungleichseitig, 
mit vorspringenden Wirbeln. Das breite Schlofs besteht in der 
rechten Schaale aus einer tiefen Grube, vor welcher ein kurzer, 
spitzer Zahn den Rand nicht erreicht, während ein grofser zwei- 
lappiger Zahn hinter der Grube sich bis an den Rand zieht; in 
der linken Schaale entsprechen zwei ungleiche Gruben, die zwi- 
schen zwei divergirenden ungleichen Zähnen liegen, den Zähnen 
der anderen Schaale. Hinter dem Schlosse ist in einiger Entfern- 
ung noch ein Seitenzahn mehr oder weniger deutlich entwickelt. 
Das vorspringende Band liegt äufserlich, wird von breiten ge- 
krümmten Schwielen getragen, und zieht sich bis unter die Wir- 
bel herab. Die beiden Muskeleindrücke sind oft sehr stark, und 
breiter als lang. Von Venus entfernen sich die Cyprinen weit 
durch ihren einfachen Manteleindruck. 

Vor der Kreideformation kennt man noch keine Cyprinen. 
Die lebenden Arten verbergen sich im Sande niedriger Meeres- 
stellen. 

C. {Venus) aequalis Sovv. M. C. tb. 21. — Goldf. III. p. 236. 
tb. 148. f.- 5. 

Eine grofse, oft 4" lange und 3$-" hohe, bauchige, schief- 
oval-rundliche Muschel, deren Wirbel weit vorn liegen und deren hin- 
tere Fläche schneller abfällt als die vordere. Die Oberfläche ist con- 
centrisch gestreift. 

Tertiär bei Bünde und Düsseldorf, im Crag von England, im 
Kalke von Palermo. 

4t. Farn. Cyclasidae d'Orli. 

Mantel ähnlich wie an den Thieren der vorigen Familie; 
Röhren verwachsen. Schaale dünn, mit horniger Oberhaut, un- 
gleichseitig, geschlossen. Band äufserlich. 

Sie leben alle in süfsen Gewässern. 

1. G. Cyrena Lam. (KvQTjVT], alte Geogr.) 

Schaale meist rundlich -dreieckig, bauchig gewölbt. Entwe- 
der liegen drei Schlofszähne in jeder, oder 3 in der einen und 
2 in der anderen Schaale; aufserdem sind zwei leistenförmige Sei- 
tenzähne vorhanden, von welchen, nach Goldfufs, der vordere 
meistens unter dem Mondchen, der entferntere hintere aber von 
den Hauptzähnen entfernter liegt. Nach Nyst zerfällt Cyrena in zwei 



MUSGHELM. 437 

Abtheilungeu; Corbicula Megerle, mit sägeartigen Seilenzähnen, 
und Pridonta Schumacher, mit ganzen Zähnen. (L. Br. J. 1839. 
p. 123.) 

Die fossilen Arten kommen in mannichfachen Formen in der 
Wealdenformation Englands und Norddeutschlands ■'*■) und in tertiä- 
ren Siifswasserbildungen vor; die lebenden findet man in tropi- 
schen Gegenden. 

C. subarata (Venulites subaratus) Schi., Br. Leth. p. 958. — 
C, Faujasii Desh. , Lam. hist. nat. 2. ed. VI. p. 280. — C. Brong- 
niarti Basterot, Goldf. II. p. 224. Ib. 146. f. J. — Hiernach Taf. 
XVIII. Fig. 11. 

Die Schaala ist quer- oval -dreiseitig , glatt oder concentrisch-li- 
nirt, an beiden Enden schief abgestumpft, so dafs sich vorn eine 
kleine, hinten eine gröfsere Abstumpfungsfläche bildet, welche durch 
stumpfe Kanten begränzt ist. Vor der hinleren Kante ist der hoch 
gewölbte Rücken etwas eingesenkt. 

In beiden Schaalen finden sich drei Schlofszähne, jedoch ist der 
hintere Zahn der rechten Klappe öfters kaum von der Randleiste ab- 
gesondert. (Goldfufs.) 

Wegen der Menge, in der sie bei Mainz und Alzey auf einan- 
der geschichtet liegt, nannte Faujas diese Art die Mainzer Venus. 
Mit Süfswasser- und Meeresconchylien zusammen, soll sie auch in den 
Tegelbildungen bei Bordeaux und in Belgien vorkommen. 

2. G. Cyclas Lam. Cyclade. {xvyläg, kreisförmig.) 

Ovale, bauchige, dünnschaalige Muscheln, bald ohne Haupt- 
schlofszähne , bald mit zweien in beiden Schaalen, oder mit ei- 
nem in der einen und zweien in der anderen, und einem leisten- 
förmigen Seitenzahne auf jeder Seite. 

Die lebenden Arten bewohnen die süfsen Gewässer gemäfsig- 
ter Klimate; die fossilen scheinen in der Wealdenformation zuerst 
aufzutreten, aber erscheinen hier auch sogleich in sehr grofser Menge. 

5« Fam. Jmcinidae d'Orl). 

Schaala rund oder oval, ungleichseitig, geschlossen, ohne 
oder mit sehr verschieden gestalteten und verschieden entwickel- 

*) Dunker beschreibt in den Studien des Göttingischen Vereins 1844 
p. 141 u. f. daraus 49 Arten dieser Gattung, mit welcher er indefs, viel- 
leicht sehr passend, die Gattung Cyclas vereinigt, wenn er p. 142 aus- 
spricht, dafs die mehrsten seiner Cyrenen nur 2 Schlofszähne in jeder 
Schaale hätten. 



438 



WBICHTIIIERE. 



ten Schlofszähnen , einem äufseren öder verborgenen Bande, zwei 
weit gelrennten länglichen Muskeleindrücken, und im Inneren ge- 
wöhnlich punctirt oder gestreift. 

1. G. Corhis Cuv. Korbmuschel. Corbeille, Idotaea Schum. 

(corbis^ Korb.) 

Schaale quer-eirund oder rundlich, mit vorwärts gekrümmten 
Wirbeln, vor denen ein Mondchen liegt. Das Schlofs besteht in 
jeder Klappe aus zwei divergirenden Zähnen, oder aus zwei in 
der einen und einem in der anderen Schaale, und zwei Seiten- 
zähnen, von denen der vordere den Hauptzähnen sehr genähert, 
der hintere denselben sehr entfernt liegt. Muskeleindrücke grofs, 
an beiden Enden; dicht über dem vorderen liegt ein dritter, sehr 
kleiner. Band äuf&erlich. Die Schaale ist gewöhnlich concentrisch 
gerippt und dazwischen radial gestreift. 

Die älteste Corhis ist C. normaniana d'Orb. im mittleren Jura 
von Port-en-Bessin. Die jüngeren Meeresformationen und die warmen 
Meere enthalten die übrigen wenigen Arten. 

C. lamellosa {Lucina /.) Lam. hist. nat. 2. ed, VI. p. 219. 
Desh. Coq. de Par. p. 88. tb. 14. f. 1—3. 

Die Schaale ist quer-oval, bei 21'" Länge 15"' hoch, mit 
schmalen und glatten concentrischen Leisten, und in deren Zwischen- 
räumen mit scharfen radialen Streifen bedeckt. Der niedrige Wirbel 
liegt hinter der Mitte. 

Nicht selten im Pariser Grobkalke. 

2. G. Lucina Brug. Loripes Poli; Ungulina Daudin ; 
Diplodonta Bronn. (Rom. Myth.) 

Schaale rund oder oval, mit kleinen spitzen, nach vorn ge- 
wendeten Wirbeln, vor denen bei den meisten Arten ein Mondchen 
liegt. Schlofs variabel, gewöhnlich aus zwei divergirenden Haupt- 
zähnen gebildet, von denen einer gespalten ist, und zwei Neben- 
zähnen, von denen der vordere dem Wirbel genähert, der hin- 
tere von ihm entfernt liegt. Letztere sind sehr unregelmäfsig und 
fehlen bisweilen ganz {Diplodonta Bronn). Band äufserlich, bis- 
weilen ein wenig verborgen. Muskeleindrücke nur zwei, wodurch 
sich Lucina von Corhis unterscheidet. 

Das Vorkommen von Lucinen im Grauwackengebirge wurde 
durch Goldfufs erwiesen; L. proavia Goldf. wird von Archiac und 
Verneuil zugleich auch dem Kohlengebirge zugeschrieben; dem 
Oolithen- und Kreidegebirge gehören nur wenige Arten an; in 



MUSCHELN. 



439 



tertiären Gesteinen werden sie häufiger, erhalten aber erst das 
Maximum ihrer Entwickelung- an den Küsten der jetzigen Meere. 

I. lenticularis Goldf. II. p. 228. tb. 147. f. 16. — Gein. 
Kieslingswalda p. 13. tb. 2. f. 4 — 6. — I. lens u. L. Reichii Rom. 
Kr. p. 73. tb. 9. f. 14. 15. — ? 1. Reichii Rom. u. jL. circularis 
Gein. Char. p. 49. 76. 

Schaala fast kreisrund, gleichmäfsig gewölbt und dicht- concen- 
trisch linirt, mit einem kleinen, schwach vorwärts gekrümmten Wir- 
bel in der Mitte. Diese Art wird bald etwas länger, bald etwas 
breiter, bisweilen auch etwas vierseilig, und ihre concentrischen Linien 
sind an Exemplaren des Plänerkalkes gew öhnlich verwischt (L. Reichii). 

Im unteren Quader von Tyssa u. a. 0. Böhmens, theils als 
glatte, theils als linirte Steinkerne; im Grünsande von Kieslingswalda, 
Quedlinburg und Aachen, im Plänermergel und Plänerkalke Böhmens 
und Sachsens. 

L. concentrica Lam. h. n. 2. ed. VI. p. 225. — Desh. Coq, 
de Par. p. 98. tb. 16. f. 11. 12. 

Kreisrund, flach-gewölbt, linsenförmig, mit sehr kleinem Mond- 
chen, und entfernten concentrischen Leislchen, zwischen welchen feine 
Längslinien nur unter der Lupe bemerkbar sind. 

Im Pariser Grobkalke. 

L. CO lumbella Lam. hist. nat. 2. ed. VI. p. 230. — Br. Leth. 
p. 959. tb. 37. f. 15. — Taf. XVIII. Fig. 9. a. b, c. 

Schaale fast kugelig, mit scharfen concentrischen Leisten be- 
deckt, und mit einem fast glatten, länglich - herzförmigen Mondchen. 
Besonders charakteristisch aber für sie ist eine tiefe Furche auf jeder 
Schaale, welche sich von dem etwas vorstehenden Wirbel in schie- 
fer Richtung nach unten zieht und einen Theil der Schaale abschneidet. 

Sehr gemein in den Tegelgebilden um Wien, Dax, Bordeaux 
u. s. w. , und noch lebend am Senegal. 

L. divaricata (Tellina d.) Lam. hist. nat. 2. ed. VI. p. 226. 
— Taf. XVIII. Fig. 10. Aus dem Tegel von Wien. 

Ihre fast kreisrunde, regelmäfsig gewölbte Schaale hat kleine 
in der Mitte liegende Wirbel und ist durch schiefe Linien geziert, 
welche vor der Mitte stumpfwinkelig aufwärts gebogen sind. 

Im Pariser und belgischen Grobkalke, dem Londonlhone Eng- 
lands, den Tegelgebilden um Bordeaux, Wien, in Siebenbürgen, Vol. 
hynien, in der Subapenninenformation Siciliens, lebend im Miltelmeer© 
und in anderen Meeren. 



440 



WEICHTHIERE. 



6. Farn. JTnionidae d'Orb* 

Das grofse Thier hat einen sich breit öffnenden Mantel und 
zwei getrennte Röhren. Der Fufs ist kurz und zusammenge- 
drückt, oder sehr verlängert und endet im letzteren Falle mit ei- 
nem Knopfe. 

Die verschieden gestaltige, ungleichseitige Schaale klafft bis- 
weilen ein wenig an ihren Enden auseinander. Schlofs zahnlos 
oder mit Zähnen. Band äufserlich. Hinten liegt ein, vorn lie- 
gen gewöhnlich zwei Muskeleindrücke. Oft ist eine dicke Ober- 
haut vorhanden. 

Die Thiere dieser Familie, welche die Gattungen Iridina 
Lam., Castalia Lam., Mycetopus d'Orb., Unio Retz., Mono- 
condylea d'Orb. und Anodonta Lam. enthält, leben alle in süfsen 
Gewässern. 

Unio Retzius; Mya L. z. Th. Fluf smus chel.^ 

Die vielgestaltige Schaale ist bald dünner, bald dicker, und 
ziemlich geschlossen; das Schlofs jeder Schaale besteht gewöhn- 
lich aus zwei Zähnen von sehr verschiedener Form. Ein Muskel- 
eindruck liegt hinten, zwei vordere sind von einander getrennt. 
Zu ihr gehört die Flufsperlmuschel, U, margaritifer Reiz. Man 
begegnet im Kohlengebirge und in der Juraformation Muscheln, 
welche wegen ihrer grofsen Aehnlichkeit mit Unionen auch die- 
sen Gattungsnamen erhielten, die aber, dem Meere angehörend, 
die Genera Cardinia und Thalassides bilden. 

Wahre Unionen mögen allerdings nicht vor der Entstehung 
der Wealdenformation gelebt haben. 

U. Martina Sow. (b. Fitton, observ. etc. tb. 21. f. 17.) aus 
dem Wälderthon Englands, kommt nach d'Orbigny (Pal. fr. Terr. er. 
III, p. 127. tb. 284.) in dem zum Galt gehörenden Eisenoolith von 
Wassy (Haule-Marne) vor. 

7. Vam. Trigonidae d'Orb. 

Einzige Gattung: 

Trigonia Brug. Trlgonellites Schloth. Lyridon Sow. Lyriodon 
und MyopJioria Eronn; Lyrodon Goldf. (jQiycovog^ 
dreieckig.) 

Die Ränder des Mantels sind ohngefähr drei Viertheile ihres 
Umfanges von einander getrennt. Kiemen schmal; der Fufs ist 



MUSCHELN. 



441 



sehr verlängert, schmal, in der Mitte knieförmig gebogen und 
kann sich am Ende zu einer schmalen Scheibe erweitern. 

Schaale dick, ungleichseitig, mehr oder weniger dreieckig, 
ganz geschlossen, bisweilen mit einem nach hinten gekrümmten 
Wirbel, und einer ausgezeichneten, schildförmigen hinteren Fläche, 
in welcher oben das äufsere Muskelband in einem klaffenden Spalte 
liegt. Das Schlofs besteht aus quergefurchten, divergirenden Zäh- 
nen, von welchen einer in der linken, zwei in der rechten Schaale 
sind. Nach d'Orbigny, welcher eine grofse Verwandtschaft zwi- 
schen Trigonia und Crassatella findet, zeigt eine jede Schaale 5 
Muskeleindrücke. Die beiden gröfseren ovalen werden nämlich von 
einem kleineren begleitet, und der fünfte liegt in der Höhlung des 
Wirbels. 

Die erste Trigonie, die auf unserem Erdballe erschien, ist 
eine Art aus dem Kohlenkalke, welche d'Orbigny in Peru bei Bo- 
livia fand. Im Muschelkalke sind die Trigonien sehr gewöhnlich, 
und bilden eine Untergattung Myophoria. Eben so häufig sind die 
eigentlichen Trigonien, deren Wirbel sich nach hinten krümmt, 
im Oolithengebirge. In der Kreideformation nimmt ihre Zahl wie- 
der ab ; die erste tertiäre Trigonie lehrte d'Orbigny aus Chili ken- 
nen, und nur eine einzige Art lebt noch gegenwärtig in den war- 
men Theilen des grofsen Weltmeeres. 

1\ vulgaris v. Schloth. — Taf. XXI. Fig. 2. — Ziet. V. W. 
tb. 58. f. 2. — Br. Leth. p. 170. tb. 11. f. 6. — Goldf. P. II. p. 
198. tb. 85. f. 16. — Gäa von Sachsen p. 105. — Quenst. Flötzg. 
Würt. p. 48. 

Schaale schief- oval- dreiseitig , an der Vorderseite unten gerun- 
det, mehr oder weniger regelmäfsig - und dicht- concentrisch gestreift. 
Die spitzen Wirbel liegen nach vorn, und von ihnen läuft eine ge- 
wöhnlich zweirippige Kante nach der hinteren unteren Ecke herab, um 
das gewölbte, in der Mitte scharf gekielte hintere Schild einzuschlie- 
fsen, auf dessen Seiten sich noch eine flache Rippe herabzieht. Die 
hintere Kante und eine andere vom Wirbel nach unten laufende Kippe 
trennen eine flache Vertiefung von dem übrigen Theile der Schaale 
ab, welche aber auf Steinkernen oft kaum noch hervortritt, so dafs 
man dann die T. (Myoph.) laevigata Bronn (Goldf. II. p. 197. 
ib. 185. f. 12.) zu erblicken glaubt. 

T. curvirostris Schi. (Goldf. II. p. 198. tb. 185. f. 15.) scheint 
nur jüngere Exemplare der T. vulgaris zu begreifen, bei welchen der 
Wirbel sich mehr der Mitte nähert, und jene durch die beiden aus- 



442 



WElClITUiKKK. 



strahlenden r»ii)pen gebildele Vertiefung etwas schmäler ist und deut- 
licher hervorlrill. 

T. uägaris und T. curmrostris sind, nach Goldfufs und Bronn, 
in allen Ablheilungeu des Muschelkalkgebirges verbreitet. So kom- 
men sie im bunten Sandsleine von Sulzbad und Zvveibrücken vor, ge- 
hören zu den gewöhnlichsten Erscheinungen im eigentlichen Muschel- 
kalke von Luneville in Frankreich, Würtemberg , Franken, Sachsen 
und Thüringen, Rüdersdorf bei Berlin, bei Tarnowilz in Oberschlesien 
und in Polen, nach Girard und Zeuschner '•') auch zu Raibel in Kärnthen 
( Tr. Kefersteinii Mün. , Goldf.) und zu Borigliano in den südöstlichen 
Alpen, und sie zeigen sich noch in dem Keuper des Schwarzwaldes. 

T. orhicularis Bronn, Leth. p. 174. Ib. 33. f. 11. — Goldf. II. 
p. 196. tb. 135. f. 10. — Taf. XXI. Fig. 3. Steinkern (undeutlich). 

„Sie ist quer-oval-kreisrund, vorn etwas stumpfer, halbkreisför- 
mig, hinten nach unten zu in eine schwach angedeutete abgerundete 
Ecke auslaufend, ziemlich zusammengedrückt (flach gewölbt), ohne alle 
Kante und Rippe. Schaale glatt. Nicht ganz l" lang und etwas we- 
niger hoch." 

Mit den vorigen zusammen im Muschelkalke bei Culmbach, Rohr- 
bach bei Heidelberg, in Würtemberg, bei Eisenberg im Altenburgi- 
schen, an der Rudelsburg bei Naumburg, im Rauthaie bei Jena u. s. w. 

T. Goldf US Sil Alberti, Monograph. p. 93. 132. — Goldf. IL 
p. 199. tb. 136. f. 3. — Gäa v. Sachsen p. 105. 

Quer-eirund-dreiseitig, mit 10 — 17 scharfen ausstrahlenden Rip- 
pen bedeckt, und concentrisch gestreift. 

Haufenweise in der Rhizocoralliumschicht unter dem Muschel- 
kalke bei Jena, im Keupersandsteine (?) bei Naumburg, im Keuper- 
dolomit bei Asperg und Roltweil u. a. a. 0. 

T. nat)is Lam. — Taf. XXI. Fig. 1. — Nach Ziet. V. Würt. 
tb. 58. f. 1. — Br. Leth. p. 368. tb. 20. f. 2. — Goldf. IL p. 202. 
Ib. 137. f. 4. — V. Buch, Jura p. 51. — Quenst. Flötzg. Würt. 
p. 288. 

Diese schöne Trigonie unterscheidet sich von allen anderen durch 
die senkrecht abgeschnittene vordere Fläche, deren Kanten gegen die 
Seiten hin mit 10 — 12 slarken Knoten besetzt sind. Von letzteren 
laufen horizontale Rippen über diese Fläche hinweg, welche gar keine 
Verbindung mit den übrigen Rippen der Schaale haben. Die hintere 
Kante slöfst an den unteren Rand fast rechtwinkelig an. Von etwa 
12 starken und knotigen ausstrahlenden Rippen laufen 4 — 5 gegen die 



♦) L. Br. J. 1843. p. 474. 476. — L. Br. J. 1844. p. 55. 



MUSCHELN. 



443 



vordere Kante, ohne dieselbe zu erreichen, die übrigen aber an den 
unteren Rand. Das hinlere Schild senkt sich mit bedeutender Con- 
cavität von den Wirbeln gegen den hinteren Rand. Seine Kauten sind 
abgerundet und nur nahe den Wirbeln mit kleinen Knoten bedeckt. 
Eine breite, nur concentrisch gestreifte Area trennt diese Kanten von 
den Kanten der Seitenfläche, welche ebenfalls nur flach gerundet sind 
und sich gegen den unteren Rand fast verlieren. Die Wirbel wenden 
sich sehr bestimmt nach hinten, also dem Gesetze bei allen übrigen 
Muscheln ganz entgegen. (v. Buch.) 

Im unteren braunen Jura, so in der Thonschicht über dem Lias 
von Boll, Krehbach bei Wisgoldingen in Würtemberg, bei Gunders- 
hofen im Elsasse, Günsberg bei Solothurn u. s. w. 

T. CO st ata Lam. — Park. Org, Rem, III. tb. 11. f, 4. — 
Sow. M. C. tb. 85. — Goldf. II. p. 201. Ib. 137. f. 3. — Br.^ Leth. 
p. 364. tb. 20. f. 4. — V. Buch , Jura p. 54. — Agassiz , Et. crit. 
p. 35. tb. 3. f. 12 — 14. 

Schaale schief-dreieckig, vorn gerundet, hinten mit einem hohen 
gekerbten Kiele, welcher von der Spitze des Wirbels bis in die un- 
tere hintere Ecke herabläuft. Nahe dem Kiele beginnen bis 20 und 
mit zunehmendem Alter viel mehr hohe und schmale concentrische Rip- 
pen, welche ohne Kante mit einer etwas S-förmigen Biegung in die 
vordere Seite übergehen. Das hintere Schild ist durch die Randkante 
und zwei andere gekerbte Rippen in 3 Abtheilungen getrennt, von 
denen die beiden äufseren viele gekörnte ausstrahlende Streifen, das 
mittlere Feldchen jedoch nur die hier senkrecht emporsteigenden, ge- 
körnelten Anwachsstreifen erkennen lassen. 

Sie ist im mittleren Jura von ganz Europa, wie es scheint, 
gleich häufig, besonders aber bei Metzingen, Wisgoldingen, Neuhau- 
sen, Rabenstein, Thurnau und Banz. 

T. aliformis Park. Org. Rem. III. tb. 12. f. 9. — T. alae- 
formis Sow. M. C. tb. 215. — Br. Leth. p. 700. tb. 32. f. 15. — 
Goldf. II. p. 203. tb. 137. f. 6. — Ag. et. er. tb. 1. f. 14 — 16/ 
tb. 8. f. 12. — Gein. Kiesl. tb. 2. f. 15. 16. — d'Orb. Pal. fr. Terr. 
er. III. p. 143. tb. 291. f. 1—3. — Taf. XVIII. Fig. 15. (Schlofs nach 
Goldfufs.) 

Schaale nierenförmig-dreiseitig, vorn dick und gerundet, hinten 
schmal und in eine stumpfe Spitze verlängert, oben concav. Ihre 
Oberfläche ist mit 18 — 22 starken, etwas knotigen ausstrahlenden Rip- 
pen bedeckt, welche sich theils bis an den vorderen Rand, ohne hier 
gegenseitig an einander zu slofsen , theils bis an den unteren Rand 
ohne Unterbrechung erstrecken. Der Wirbel krümmt sich stark nach 



444 

hinten und bewirkt dadurch die weite Concavilät der oberen hinleren 
Fläche oder des Schildes. Der Rand des letzteren bildet eine scharfe 
Kante, welche sich nach unten verflacht und durch eine Furche ge- 
- theilt ist, und welche die auf dem Schilde befindlichen, fast horizon- 
talen Rippen von jenen der anderen Schaalenoberfläche trennt. 

Im unteren Quader von Kreibitz in Böhmen, im Grünsande von 
Blackdown, von Kieslingswalda im Glatzischen, Quedlinburg, Aachen, 
im Galt des Pariser Beckens, in der Kreide von Alabama und auf der 
Hochebene von Bogota *•"'). 

T. s ulcataria Lam. — Gein. Char. p. 54. X. tb. 21. f. 3. — 
d'Orb. Pal. fr. Terr. er. III. p. 150. tb. 294. f. 5 — 9. 

Im unteren Quader von Tyssa in Böhmen, im Grünsande von 
Teignmouth in England (Sowerby's T, pennata M. C. tb. 237. f. 6.) 
und in der chloritischen Kreide von Frankreich. 

S, Farn. Wuculidae d'Orlb. 

Die Nuculiden sind voluminöse Thiere mit einem seiner gan- 
zen Länge nach weit geöffneten Mantel, ohne deutliche Röhren, 
mit einem grofsen zusammengedrückten Fufse, welcher gespalten 
ist oder sich an seinem Ende erweitern kann. Die Kiemen be- 
stehen aus freien Fasern. Die Schaale, welche gänzlich geschlos- 
sen ist, besitzt ein aus zahlreichen Zähnen und diesen entspre- 
chenden Gruben bestehendes Schlofs; entweder ein inneres, oder 
ein äufseres Band; zwei Muskeleindrücke auf jeder Seite, von de- 
nen der eine, wie gewöhnlich, vorn, der] andere hinten liegt, und 
sehr häufig eine Oberhaut. 

1. G. Nucula Lam. Nufsmuschel. (nucula^ Nüfschen.) 

Schaale quer -oval, oft etwas dreiseitig, und ungleichseitig. 
Das Band liegt innerlich und ist in der Richtung eines löffelarti- 
gen Fortsatzes unter dem Wirbel befestigt. Das Schlofs besteht 
aus zahlreiciien, senkrecht stehenden Zähnchen, welche wechsels- 
weise in einander greifen, und in eine stumpfwinkelig gebrochene 
Linie angeordnet sind. 

Arten dieser Gattung kommen in allen Meeresformationen al- 
ler Epochen und noch lebend in allen jetzigen Meeren vor. Sie 
halten sich am liebsten in verticaler Stellung im Sande oder sandi- 
gem Schlamme der Meere auf. 

Wirkliche iV'MCM/a- Arten haben stets einen einfachen Manlel- 



*) V. Buch in L. Br. J. 1838. p. 610. 



MUSCHELN. 445 

eindruck, und alle zu dieser Gattung bisher gezogenen Arten mit 
einem hinteren Ausschnitte im Manteleindrucke bilden die eigen- 
thümliche Gattung: Lembulns Risso, und verhalten sich zu Nucula 
wie Protocardia zu Cardium '"■). 

Die Steinkerne der ersteren zeigen oft eine tiefe, vom Wir- 
bel nach unten laufende Furche, wefshalb sie v. Buch Nucu- 
lae lobatae nennt; zu Lembulus gehören die Nucidae acuminatae 
V. Buch's, und, wie es scheint, die Rostratae d'Orbigny's '""'•'') 

N. Hammeri Defr. — Taf. XIX. Fig. 14. a. b. c (Stein- 
kern). Nach Goldf. P. II. p. 154. tb. 125. f. 1 — 3 (iV. H, u. N. ova- 
lis Z^et.). — Br. Leth. p. 370. tb. 20. f. 8. — v. Buch, Jura p. 48. 

Die Schaale ist quer-eiförmig bis länglich, bauchig, vorn abge- 
stutzt und mit einem herzförmigen Mondchen versehen, glatt, und ihr 
unterer Rand ist hinter der Milte auffallend convex. Die Wirbel lie- 
gen nahe am vorderen Ende. 

Diese Art ist in grofser Menge in den untersten Thonen des 
Jura an der Gränze des Lias zu finden, wird aber (nach Quensledt 
Fl. W. p. 292) im mittleren braunen Jura von Würlemberg am gröfs- 
ten (li" lang). Wie in Würtemberg, kommt sie, nach v. Buch, 
in der Thonschicht am Merzensee bei Banz, bei Thurnau, Mistelgau 
und vielen anderen Orten vor. 

N. truncata Nilfson, Petr. Suec. tb, 5. /". 6. — iV. omta 
Nilfs. /. c. f. 5. — His. Leth. Suec, tb. 18. f. 7. 8. . — N. pecti- 
nata Mant. Geol Süss. tb. 19. f. 5. 6. — Sow. ßl. C. tb. 192. f. 
7 — 10. — d'Orb. Pal. fr. Terr. er, III. p. 177. tb. 303. f. 8 — 14. 
— ? N. arduennensis d'Orb. III. p. 174. tb. 302. f. 4 — 8. — N. tr., 
N. OD. u. N. Blochmanni Gein. Char. p. 77. tb. 10. f. 8; tb. 20. f. 23. 
24. — iV. striatula Rom. Kr. p. 68. tb. 8. f. 26. — Taf. XIX. Fig. 10 
(Steinkern). 

Schaale quer-oval-dreiseitig, vorn abgeschnitten und unten eckig, 
hinten verlängert, verschmälert und gerundet. Die Wirbel liegen weit 
vorn, vor denselben ein herzförmiges vertieftes Mondchen. Der Unter- 
rand ist nach der Länge der Schaale mehr oder weniger convex und 
im Innern gekerbt. Dichte radiale Streifen der Oberfläche wechseln 
mit fast gleich breiten Zwischenräumen ab, und beide werden von 
concentrischen Linien durchkreuzt. Steinkerne sind glatt. 

Im Kreidemergel von Sussex, im sandigen Kalke von Käseberga 



*) Beyrich in Menke's Zeitschr. f. Malakozool. 1844. p. 64. 
**) V. Buch, Jura in Deutschland p. 49. 
***) Pal. fr. Terr. er. III. p. 163. 



446 WEICHTHIBRE. 

und Köpinge in Schweden, im Plänermergel und Plänerkalke von Sach- 
sen, Böhmen und Schlesien, im Galt Frankreichs. 

t 2. G. Pectünculina d'Orb. Pectunculus Aut. 

Schaale kreisrund, länglich oder eckig, flach gewölbt, fast 
gleichseitig und ganz geschlossen. Das Schlofs enthält unter den 
Wirbeln über den Zähnen eine dreieckige Grube zur Befestigung 
des äufserlichen Bandes, und aufserdem eine geradlinige oder kreis- 
bogenförmige Reihe von senkrechten oder schiefen Zähnen. Zwei 
Muskeleindrücke in jeder Schaale. 

Diese Gattung begann mit der chloritischen Kreide, um im 
Tertiärgebirge schon wieder zu verschwinden. 

Die von d'Orbigny ihr zugeschriebenen Arten sind Pectunculus 
Scolaris Sow. aus dem Londonthone, Pectunculus granulatus Lam. und 
Nucula deltoidea Lam. aus dem Pariser Grobkalke, Area aurita aus 
der Subapenninenformation, Pectunculus multistriatus und P, semiauri- 
tus Desh. , sowie zwei neue Arten aus den Kreidebildungen von Frank- 
reich. 

9« Farn. JLrcacidae d'Or1>. 

Der Mantel des voluminösen Thieres ist «einer gamen Länge 
nach weit offen; Röhren undeutlich; Fufs mehr oder weniger grofs, 
bisweilen ausdehnbar. Die Kiemen bestehen aus von einander ge- 
trennten Fäden. 

Schaale gleich- oder fast gleichklappig, rundlich, verlängert, 
eckig, mehr oder weniger regelmäfsig, hat nicht selten eine öf- 
ters zottige Oberhaut, und besitzt unter den Wirbeln ein linirtes 
dreieckiges Feld zur Aufnahme des äufseren Bandes. Das Schlofs 
besteht aus zahlreichen, gegenseitig in einander greifenden Reihen- 
zähnen, die in einer geraden oder gekrümmten Linie ängeordnet 
sind. Zwei Muskeleindrücke in jeder Schaale. 

1. G. Pectunculus Lam. Slalagmium Conrad '0. 
(pecten^ Kamm.) 

Schaale fast gleichseitig, mehr kreisrund, und ganz geschlos- 
sen. Schlofszähne in einem Bogen. Das dreieckige Bandfeld un- 
ter den Wirbeln ist winkelig linirt. Der innere untere Rand ist 
allermeist gekerbt. Die Arten finden sich von der Juraformation 



Vergl. de Köninck, rapport sur un mem. de M, T^yst, pres. ä Vac, 
r. de Bruxelles 1845. 



MUSOHBLN. 



447 



an in allen meerischen Bildungen oder leben noch in unseren Mee- 
ren, in dessen Sand oder Schlamm sie sich vertical einsenken, 
den After nach oben richtend. 

P. Lens Nilfs. P, S. tb. 5. f. 4. — His. L, S. p. 59. tb. 18. 
f. 6. — Gein. Char. p. 77. tb. 20. f. 18. 33. 

Diese Art ist genau kreisrund, flach -gewölbt, hat einen klei- 
nen, in der Mitte liegenden Wirbel und ist mit etwa 40 flachen Ra- 
dialstreifen bedeckt. 

Im unteren Quader des Postelbergcs, im Plänermergel von Sach- 
sen (bei Pirna) und Böhmen (a. v. 0.); bei Köpinge und Balsberg 
in Schweden. 

P. sublaevis Sow. M, C. tb. 472. f. 5. 6. — Goldf. II. p. 
160. tb. 126. f. 3. — Gein. Kiesl. p. 14. tb. 2. f. 19 — 21. 

Schaale fast kreisrund, etwas schief, wenig länger als hoch, 
stark gewölbt, mit kleinem, wenig vortretendem Wirbel, einer flachen 
Furche an der vorderen Seite, und mehr oder weniger deutlich ra- 
dial- und concentrisch-gestreift. 

Im Grünsande von Blackdown, Kieslingswalda, Kreibitz, Quedlin- 
burg und Aachen. 

P. polyodonta Bronn, Reise nach Italien p. 615. — Goldf. II. 
p. 161. tb. 126. f. 6. 7. — P. pulvinatus Brongn. Cö/c. tr. tb. 6. 
15. 16. 

Die dicke Schaale ist fast kreisrund oder etwas schief-eiförmig, 
und erreicht oft die Gröfse von Die Wirbel ragen wenig vor 

und sind sich sehr genähert. Die Oberfläche läfst sehr zarte radiale 
und concentrische Linien erkennen, die sich in ganz flache und breite 
Streifen ordnen. Ist aber die obere Schicht abgerieben oder verwit- 
tert, so treten deutlichere, rippenartige Streifen hervor. 

Tertiär bei Ortenburg, Alzey, Weinheim,. Osnabrück, Lemgo, 
Cassel, Osterweddingen, Düsseldorf, in Siebenbürgen, bei Turin, im 
Kalke von Palermo und noch lebend im Mittetmeere. 

P. insubricus Bronn. — Taf. XIX. Fig. 13. a. b. c. — 
Goldf. II. p. 161. tb. 126. f. 8. 

Schaale schief-kreisrund-eiförmig, bauchiger als die vorige, und 
ungleichseitiger, doch eben so zart radial- und concentrisch-linirt und 
gestreift. Die vordere Seite ist etwas eingedrückt und bildet ein flach 
erhabenes, grofses Mondchen, welches beiderseits von einer flachen 
Vertiefung eingefafst wird. Das Bandfeld ist klein und das Schlofs 
besteht aus 16 — 20 Zähnen. 

Tertiär bei Weinheim und sehr häufig im Tegelsande bei Wien 
(namentlich Pözzleinsdorf). 



448 



WEICHTHIERB. 



2. G. Area L. Archenmuschel. Arche, Cucullaea Lam. 
Kappenmuschel, (arca^ Arche.) 

Die quer - eiförmige, oft trapezoidale Schaale ist gleich- 
oder fast gleichklappig, ungleichseitig, entweder ganz geschlos- 
sen oder klafft am unteren Rande für den Ausgang eines Bartes 
(ßyssoarca^ Bissoarca)^ besitzt ein dreieckiges, winkelig-linirtes 
Bandfeld, und ihre Reihenzähne, welche bald senkrecht stehen 
(^/•ca), bald nach vorn und hinten sich horizontal umlegen (Cm- 
cuUaed)^ sind in eine gerade Linie geordnet. 

Viele Archen waren schon während der Entstehung der de- 
vonischen Grauwacke vorhanden , 11 Arten dieser Gattung schreibt 
de Köninck dem Kohlengebirge zu, einzelne kommen im Zech- 
steine und Muschelkalke vor, häufiger werden sie wieder im 
Oolithen- und Kreidegebirge, erlangten aber in der Tertiärzeit und 
in den jetzigen Meeren das Maximum ihrer Entwickelung. 

Die Archen mit Bart befestigen sich an Felsen oder Koral- 
lenbänken, die ohne Bart senken sich perpendiculär oder schwach 
geneigt im Meeressande ein. 

A. (Cuc.) glabra Park. Org. Rem. III. p. Iii. — Sow. Min. 
Conch. tb. 67. — Goldf. II. p. 149. tb. 124. f. 1. 2 {A. carinata 
Sow.). — Gein. Char. p. 49; Nachtr. tb. 3. f. 4. 5. 7. — A. Ma- 
theroniana d'Orb. Pal. fr. Terr. er. III. p. 238. tb. 325. — Taf. XIX. 
Fig. 11 (Steinkern). 

Schaale dick, hoch gewölbt, quer-oval-rhombisch, vorn gerun- 
det, hinten schief abgeschnitten und unten eckig, unregelmäfsig con- 
centrisch gestreift und nicht selten mit undeutlichen ausstrahlenden Li- 
nien bedeckt. Wirbel fast in der Mitte. Bandfeld breit und mit vie- 
len (in jeder Schaale 8) gebrochenen Linien verziert. Steinkerne ha- 
ben auf der hinteren Abstufungsfläche eine liefe Furche, welche ein 
herzförmiges Feld umgränzt. 

Junge Exemplare sind weniger ungleichseitig, bisweilen eben so 
hoch als lang, fallen hinten weniger steil ab, und ihre untere hin- 
tere Ecke tritt viel weniger hervor, als es bei älteren Individuen der 
Fall ist. Sie bilden die Varietät: C. ovalis Nilfs. (Petr. Suec. tb. 5. 
f. 3. — His. Leth. Suec. tb. 18. 5. — Gein. Kiesl. Ib. 3. f. 7.) 

Mit zunehmendem Alter wird diese Art ungleichseitiger, ist stets 
länger als hoch, die hintere Fläche fällt mehr oder weniger steil von 



*) Archiac und Verneuil in Murchison's paläoz. Gebilden u. s. w. p. 222. 
**) Gäa V. Sachsen p. 106. 



MUSCHELN. 



449 



einer gerundeten Kante ab, und die hintere unlere Ecke tritt immer 
stärker hervor, bis man endlich die C. carinata Sow. {M. C, Ib. 
207. f. 1.) erhält, deren schmälere Kante und spitzer Hinterrand ihr 
Hauptcharakter sind. 

C. decussata Park. {Org. rem. p. 171. — Sow. M. C. th. 206. 
f. 3 — 4.) unterscheidet sich von C. glabra fast nur durch deutlichere 
radiale Streifen und einen gekerbten inneren Rand, welchen Charak- 
ter ich an C. glabra niemals beobachten konnte. 

A. (C.) fibrosa Sow. (i/. C. tb, 207, f. 2.), aus dem Grün- 
sande Englands, 

^ A. Gabrielis und A, tumida d'Orb. {PaL fr. Terr. er. III. 
tb. 308. u. tb. 328.), aus dem Neocomien und der meisten Kreide 
Frankreichs, sind der A. glabra nahe verwandt, an die sich auch 
noch einige längere, bei d'Orbigny beschriebene Formen anschliefsen. 

Im unteren Quader von Sachsen und Böhmen (Tyssa, Postel- 
berg!), im Grünsande von England (ßlackdown !) , Kieslingswalda !, 
Quedlinburg, Coesfeld, Aachen, in der chloritischen Kreide von 
Frankreich, selten im Pläner von Sachsen, und im sandigen Kalke 
bei Köpinge in Schweden. 

A. diluvii Lam. hist. nat. 2. ed. VI. p. 476. • — Br. Leth. 
p. 938. tb. 39. f. 2. — Goldf. P. II. p. 143. Ib. 122. f. 2. — A. 
antiquata L., Pusch, Pol. Pal. tb. 6. f. 11. — Taf. XIX. Fig. 9. 10. 

Schaale quer - eiförmig - rhombisch, bauchig, hinten steil ab- 
schüssig, mit weit vorn liegendem, abstehendem Wirbel, und einem 
3 — 4 furchigen Bandfelde. Ohngefähr 30 flache, durch Anwachsstrei- 
fen etwas gekerbte Rippen bedecken die Oberfläche. Diese Art va- 
riirt in Breite und Höhe der Wölbung. 

In mittleren Tertiärbildungen von Bordeaux!, Dax, Cassel, Wein- 
heim, Wien, in Siebenbürgen, bei Bialazurka in Polen, in der Mo- 
lasse der Schweiz, der Subapenninenformation Italiens und lebend im 
Mittelmeere. 

A. biangula Lam. (Desh. Coq. de Par. p. 198. tb. 34. f. 1 — -6. — 
Br. Leth. p. 938. tb. 39. f. 3.), und 

A. hyantula Desh. {Coq. de Par. p. 199. tb. 34. f. 7. 8.), von 
denen die erstere im Grobkalke, die andere mehr in den Tegelgebilden 
Frankreichs u. a. 0. vorkommt, sind quer sehr verlängert, fast recht- 
winkelig-vierseitig, und haben sehr entfernte Wirbel, welche bei A. 
hyantula weiter emporstehen und fast ganz vorn liegen. Ihre lange 
hintere Seite ist 2-kantig und der untere Rand der Schaale ist vor 
der Mitte ausgebuchtet. Die ganze Oberfläche ist mit zahllosen un- 
gleichen, schuppig-körnigen Längsstreifen bedeckt. 

Geiuitz, Versteinerungskunde. 29 



450 



WEICHTHIERB. 



lO. Farn, mytiuaae d'Orto.r^I»iHia (A. \ TO«: 

. ■ ■. ■irii..' ■ : ■ :i 

Der Mantel ist mehr oder wei^iger weit, offen , ^dip Kiemen 
bilden glatte oder gewimperte Bänder, der Mund ist .ipi^ ^Tastern 
umgeben, der Fufs ist schmal und zungenförmig, und ein Bart 
dient dem Thiere zu seiner Befestigung. Die verlängerte Schaale ist 
mehr oder weniger geschlossen , gleichklappig und besitzt in je- 
der Klappe 2 — 3 Muskeleindriicke , wodurch sich die: Mytiliden 
von den Aviculiden unterscheiden. Das lange Band liegt an oder 
nahe dem Rande. 

1. G. Pinna L. Steckmuschel. (twW«:) 

Die sehr verlängerte Schakale ist dreieckig od^ . keilförmig, 
spitzt sich nach den ganz vorn liegenden Wirbeln zu und erwei- 
tert sich allmählig nach dem allermeist klaffenden, hinteren Ende. 
Der hintere Muskeleindruck ist grofs, der vordere kleine liegt am 
Ende des Wirbels. Das lange, lineare Band liegt innerlich. Schlofs 
zahnlos. Die ganze Schaale, welche aus einer inneren blätteri- 
gen und einer äufseren faserigen Schicht besteht, wird häufig durch 
eine LängsfuTche in ihrer Mitte getrennt. 

Die älteste Finna'^ ist P. flahellif ormis Martin (de Kö- 
ninck, /. c. p. 124. th, 5. /. 1.), aus dem Kohlenkalke von Eng- 
land und Belgien. 

Mehrere Arten dieser Gattung bezeichnen das Oolithengebirge. 
Häufig zeigen sich die Pinnen im Kreidegebirge, besonders im 
Quadersandsteine Sachsens, und in tertiären Schichten; ihre gröfste 
Entwickelung fällt indefs in die jetzige Zeit. Mit ihrem Barte an 
untermeerische Körper sich heftend, oder auch im Meeressande ein- 
gesenkt, bewohnen sie, das hintere Ende ihrer Schaale nach obc^ 
richtend, steinige und sandige Meeresplätze. 

iTijT-Tt — 

*) P. mevihr an acea (früher P. prisca) de Kon. (l. c. p. 123. ti. 1. 
f. 16.) aus dem Kolilenkalke von VIse und P. pris ca Män. (Goldf. II. p. r^l; 
tb. 127. f. 2.) ans dem Keupersandsteine von Würzburg, erinnern mehr an 
Mytilus als an Pinnau doch versichert de Köninck, dafs die erstere eine 
wirkliche Pinna sei. P. prisca Mün. (Beitr. z, Petr. I. 2. Aufl. p. 66. 
tb. 4. f. 4.), welche noch ganz problematisch ist, möchte eher ein Solen 
sein. Diese Versteinerung stammt aus dem Kupferschiefer vom Merzen- 
berge bei Gera. 



MUSCHELN. 451 

F. pyramidalis Münster, Gein. Char. p. 55. tb. 10. f. 1. — 
P. tetragona (ßrocchi) Sow. M, C. tb. 313. f. 1. 2. 

Das ist olinstreitig der geeigneteste Name für alle Abänderungen 
einer Art, die man fast in keinem Quadersandsteinbruche der sächsi- 
schen Schweiz vergeblich sucht. 

Sie gleicht einer langen vierseitigen Pyramide, welche von zwei 
Seiten mehr oder weniger zusammengedrückt ist, klafft am hinleren 
breiten Ende, und ist längs der Mitte ihrer Schaale gespalten. Ober- 
halb des Spaltes liegen 7 — 9, unterhalb desselben 5 — 7 schmale Längs- 
rippen, welche mit viel breiteren flach-concaven Zwischenräumen wech- 
seln. Der ungerippte Theil zeigt concentrisehe Anwachsstreifen, welche 
die Fdppen unter einem spitzen Winkel erreichen und dann, sich 
schnell umwendend, über die Rippen und Zwischenräume hinweglaa- 
fen, wo sie mehr oder weniger deutlich auch auf Steinkernen noch 
zu erkennen sind. 

Zu dieser Art gehören: P. restituta Höningh., P. decussata 
Goldf. , P. pyramidalis Mün., P. depressa Mün. (Goldf. P. II. 
p. 166. 167. tb. 138. f. 3; tb. 128. f. 1—3). 

Sie kommen zugleich im unteren und dem oberen Quader von 
Sachsen und Böhmen vor, wo sie, bis lO'' lang und gegen 3'' hoch 
am hinteren Ende, häufig gefunden werden; im Grünsande von Eng- 
land (Devizes), Kieslingswalda in Schlesien, Haltern in Weslphalen, 
bei Dülmen u. a. 0. 

P. quadrangularis Goldf. II. p. 166. tb. 127. f. 8. — d'Orb. 
Pal. fr. Terr. er. III. p. 256. tb. 333. — ? P. compressa Goldf. II. 
p. 167. tb. 128. f. 4. 

Diese Art, gewöhnlich von quadrati chem Durchschnitte, ist schma- 
ler und relativ länger als die vorige, von der sie sich besonders 
dadurch unterscheidet, dafs oberhalb des Spaltes 6 und unterhalb des- 
selben nur 2 Längsrippen liegen. 

Im Quadersandsteine der sächsischen Schweiz (selten), im Grün- 
sande von Kieslingswalda und HaUern.^ und in der chloritischen Kreide 
von Frankreich. 

P. Cottae Gein. Char. p. 55. tb. 11. f. 1. — ? P. obliquata 
Desh. Tr. el. de Conch. tb. 33. f. 3. — Taf. XIX. Fig. 21. in l 
nat. Gr. 

Es ist die dritte Art der sächsischen Pinnen, welche sich von 
den anderen nicht nur durch schwächere und kürzere Lüngsrippen, 
sondern durch ihre breite Form und das schief abgeschnittene , nicht 
klaffende hintere Ende unterscheidet. 

Im unteren Quader von Cotta in der sächsichen Schweiz. ^ > 

29=' 



452 



WBICHTIIIERB. 



2. G. Congeria Partsch. Dreissena van Benedeii; Enocephalus 
Münster; Mylilina und MytUomya Contraine; Tichogonia 
Rofsmäfsler. (Bronn.) {congero^ zusammenführen.) 

Die beiden fast gleichen Schaalen sind ungleichseitig, hoch 
gewölbt, schief nach unten und hinten verlängert und klaffen ein wenig 
am vorderen unteren Rande für den Durchgang eines Bartes. Ihre 
spitzen Wirbel liegen am vorderen Ende des Schlofsrandes und sind 
etwas eingerollt. Auf einer kurzen Scheidewand unter dem Wirbel 
liegt eine dreieckige Grube, welche nebst einer Rinne hinter dem 
Wirbel zur Aufnahme des Schlofsbandes dient. Der hintere Mus- 
keleindruck ist sehr grofs, zwei kleinere liegen vorn. Die Con- 
gerien kommen zuerst in den mitteltertiären Schichten zum Vor- 
schein, uad gegenwärtig leben noch einige Arten in Flüssen und 
stehenden süfsen Gewässern Europas. 

C. ungula caprae (Myt.) Mün. — Taf. XIX. Fig. 19 (von 
innen). — Goldf. P. II. p. 172. tb. 130. f. 1. — C. triangularis 
Partsch zum Theil. 

Die Schaale stellt ein ungleichseitiges Dreieck dar, steigt auf 
dem Rücken zu einer hohen, starfen Kante empor, von welcher die 
vordere oder untere, kaum klaffende Seite senkrecht abfällt und eine 
von oben nach unten concave Fläche bildet. Die hintere oder obere 
Seite dacht sich allmählig ab und verläuft oben etwas concav nach 
dem kurzen und geraden Schlofsrande. 

Im Tegel von Wien und an den Ufern des Plattensee's bei Ti- 
hany in Ungarn, in welchem nach längerem Hin- und Herrollen nur 
die dickeren Theile der Schaale erhalten werden, so dafs diese das 
Ansehen von Ziegen klauen erhalten, unter welchem Namen sie dort 
auch bekannt sind. 

C. subglobosa Partsch, Goldf. II. p. 173. tb. 130. f. 3. 4. — 
Br. Leth. p. 926. tb. 39. f. 13. — C. triangularis Partsch z. Th. 

Die hochgewölbte Schaale hat einen fast vierseitigen Umrifs und 
erhebt sich zu einem diagonalen Kiele oder einem breiteren Rücken. 
Die untere oder vordere, sleil abschüssige Fläche bildet unter den 
eingerollten Wirbeln eine herzförmige Vertiefung und klafft um so wei- 
ter, je älter die Individuen werden. Die hinlere Fläche beugt sich 
concav dem Schlofsrande zu. 

Mit Melanopsis Martiniana zusammen im Tegel zu Brunn und 
Mödlingen bei Wien und am Rochusberge bei Gaga im südlichen Mäh- 
ren (hier, mit schmalem diagonalen Rückenkiele, durch Glocker ent- 
deckt). 



MUSCHELN. 



453 



f 3. G. Myoconcha Sow. i/nvg^ Miesmuschel; y-oyxf], 
Muschel.) 

Schaale dick, verlängert, zusammengedrückt, sehr ungleich- 
seitig, und fast geschlossen. Drei Muskeleindrücke in jeder Klappe 
ähneln denen von Congeria. Muskelband länglich und äufserlich. 
Das Schlofs besteht aus einer Grube unmittelbar im Innern des 
Bandes und einem in diese einpassenden Zahne. 

Es erinnert diese Gattung durch Form und Muskelband unge- 
mein an Mytilus^ unterscheidet sich aber durch eine viel dickere 
Schaale, das Schlofs und die Muskeleindrücke. 

Der bisher alleinigen Art, der M. crassa Sow. (Min. Conch. 
th. 467.) aus dem Eisenoolith von Dundry bei Bristol, gesellte d'Or- 
bigny neuerdings zwei andere aus der chloritiechen Kreide von Frank- 
reich bei (d Orb. Pal. fr. Terr. er. III. p. 260. tb. 335 u. 336). 

4. G. Mytilus L. Bliesmuschel. Moule. Modiola Lam. 

Schaale dünn, verlängert, ungleichseitig - dreieckig, keilför- 
mig, schinkenförmig, vorn entweder zugespitzt und mit dem Wir- 
bel endend (Mytilus Lam.), oder gerundet und sich noch ein we- 
nig vor dem Wirbel ausbreitend (Modiola Lam.). Sie klafft nur 
sehr wenig unter dem Wirbel für den Durchgang eines Bartes. Das 
zahnlose Schlofs bildet gewöhnlich eine Schwiele, die von dem 
Hinterrande durch eine Furche getrennt ist, in welcher das äufsere 
Band liegt. Von den schwachen Muskeleindrücken ist der hintere 
grofs und der vordere klein und sehr undeutlich. 

Arten dieser Gattung scheinen auch den ältesten Formationen 
nicht zu fehlen, doch nimmt ihre Zahl bis in die jetzige Schöpf- 
ung hin zu. Sie leben in allen Meeren zahlreich beisammen, mit 
ihrem Barte sich an Felsen heftend, und richten ihre Wirbel senk- 
recht oder wenigstens schief nach unten. 

M. Hausmanni Goldf. IL p. 168. tb. 138. f. 4. — Hiernach 

Taf. XX. Fig. 16. — Gervillia ?, Gein. in den Mitth. aus dem 

Osterlande V. p. 72; in L. Br. J. 1841. p. 639 •); Gäa v. Sachsen 
p. 96. — Murch. u. Vern. in L. Br. J. 1844. p. 737. — Mielecki 
in L. Br. J. 1845. p. 456. 



♦) Die Beschreibung der Schlofszähne a. d. a. O. war nach einem Stein- 
kerne in der Sammlung des Herrn Rath Zinkeisen in Altenburg entworfen 
worden. Da an keinem der vielen anderen Exemplare, die ich seitdem un- 



454 



WEICriTIHBRE. 



Scliaale ei -lanzettförmig, mit gewölbtem Rücken, und von die- 
sem sanft nach hinten und oben , steil nach vorn und unten abschüs- 
sig. Die spitzen Wirbel >yenden sich kaum nach vorn und liegen 
fast am vorderen Ende. Bei Steinkernen erkennt man indefs immer 
noch einen kleinen spitzen Flügel vor ihnen. Der gerade Schlofs- 
rand erreicht nicht die Hälfte der Länge. Die Oberfläche ist concen- 
triscb, oft etAvas blälierig gestreift, und an den ältesten Individuen, 
von etwa l'' Länge , zeigt der Rücken bisweilen auch einige radiale 
Furchen. 

Es ist der stete Beglei'er der Corbula Schlotheimii in den Schich- 
ten des oberen Zechsteines, und findet sich, gewöhnlich kaum y 
grofs, im Kalke bei Alten urg, Schmölln, Roschütz bei Gera, Katzen- 
slein bei Osterode und zu Neuhof im Harz, bei Kamsdorf in Thüringen; 
m Dolomit von Mühlben?;- bei Sachswerfen, Scharzfeld u. s. w. 

M. eduliformis Schloth. Petr. p. 299. — M. vetustus Goldf. 
II. p. 169. tb. 128. f. 7. — M. arenarius Zenk. Beitr. z. Naturg. d. 
Urwelt, tb. 6. f. B. — Gäa v. Sachsen p. 106. 

Der Mytilus des Muschelkalkes ist dem des Zechsteines sehr ähn- 
lich, nur etwas länger und glätter, und erhielt von Schlotheim sei- 
nen Namen wegen der grofstn Aehnlichkeit mit dem in den nordi- 
schen Meeren so gewöhnlichen M. edulis. 

Im Muschelkalke von Po^en, Preufsen (Rüdersdorf), Thüringen, 
Franken, Hannover, Baden, Würtemberg, Frankreich; hier und da 
auch im bunten Sandsteine (Zweibrücken) und im Keuper (Bütt- 
stedt). 

Mytilus gibbosus {Mod. gibb.) Sow. M. C. tb. 211. f. 4. 5. 
— Quenst. Flötzg. Würt. p. 312. — Taf. XIX. Fig. 20. 

„Sie ist glatt, gleichschaalig , bauchig, die kleinen Wirbel sind 
sehr stark nach aufsen gekrümmt und von ihnen läuft eine Erhöhung 
zur Unterhälfte der Vorderseite, wodurch ein etwas flacherer Schaa- 
lentheil , der wie eine weite Lunula angesehen werden kann , auf der 
Vorderseite von der übrigen Schaale abgeschieden wird. Zugleich ist 
der Bogen der Muschel auf dieser Vorderseite concav, während er 
hinten gleichmäfsig convex ist. Sie bildet in den Jurasandsteinen Wür- 
tembergs nicht selten ganze Lager (if. gregaria Ziet.), kommt am gröfs- 
ten und häufigsten in dem mittleren braunen Jura Würtembergs vor." 
(Quenstedt.) 

Quenstcdt hält die damit in Würtemberg und England zusammen 



tersuchte, Schlofszähiie erkennbar sind, so mufs ich annehmen, dafs jene 
iür Zahnabdrückö gehaltenen Vertiefungen zufällige waren. 



MUSCHELN. 



4Ö5 



gefundenen Sowerby'schen Arten (M. subcarinata^ tripartäa, cuneata^ 
remformis, imbncata^ hillana und depressa) nicht wesentlich von ihr