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Full text of "Handbuch der Allgemeinen und Speciellen Arzneiverordnungslehre: Auf ..."

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Di'iiied.R.lvol)ort 

pnact.Arzt. 



HANDBUCH 

der 
allgemeiDen und speciellen 

Arzneiverordiiimgslelire. 

Auf Grundlage 
der 

Fhannacopoea SermaniGa ed. altera 

bearbeitet von 



Dr. €• L Ewald, und Äpoth. E. Lfideeke 

Professor an der Kgl. Unlversltlt in Berlin. (Simonis Apotheke) in Berlin. 



Zetiute 

neu umgearbeitete und Teimelirte Auflage. 



BerliQ 1883. 

Verlag von August Hirschwald. 

If.W. Unter den Linden 68. Digitized by V^OOQIC 



Alle Hechte vorbehalteu. 



BOSTON MEDICAL LIBRARY 

HITIIE 

FIMJICIS A. COÜNTWAY 



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VoiTede zur zehnten Auflage. 



JJic mit dem 1. Januar d. J. zm- Ausgabe gelangte Pharmacopoea 
Germanica editio altera hätte naturgemäss, auch wenn dieselbe nicht 
ohnedies bcnöthigt gewesen wäre, eine erneute Umarbeitung des vorlie- 
genden Werkes zur Folge haben müssen. Prof. Waidenburg war mit 
den Vorbereitungen hierzu beschäftigt, als ihn sein früher Tod aus dieser 
wie aus so vielen anderen Arbeiten herausriss und seinem fleissigen 
Schaffen ein Ziel setzte. Ihm ist in diesem Jahre auch Herr Dr. C. 
Simon gefolgt. Herr E. Lüdecke ist wie in der Uebernahnie der 
Apotheke so auch hier an seine Stelle getreten. 

Nicht nur der hierdurch eingetretene Wechsel der Persönlichkeiten, 
auch die Berücksichtigung der neuen Pharmacopoe sowie die grosse 
Rührigkeit, welche das therapeutische Gebiet in den letzten Jahren be- 
lebte, hat eine Reihe von Aenderungen, welche ebensowohl in Kürzungen 
und (wenigen) Streichungen, als in vielfachen Erweiterungen und Ein- 
schiebungen bestehen, veranlasst. 

lieber die Grundsätze, welche uns bei der Herausgabe der neuen 
Auflage leiteten, hat sich der Eine von uns schon in einem „Arznei- 
verordnung und Pharmacopoe« betitelten Aufsatz (Bcrl. klin. Wochen- 
schrift. 1883. No. 1.) ausgesprochen. Sie bestehen in möglichster Con- 
servirung des gegebenen Bestandes, aber in der x\usmerzung vieles 
überflüssigen Ballastes, welcher einer niefit geringen Anzahl der aufge- 
führten Arzneikörper angehängt war. 

Denn bei einer genaueren Prüfung der vorigen Auflage konnten wir 
uns nicht verhehlen, dass sehr Vieles darin mit Beharrlichkeit von einer 
derselben in die andere übertragen worden war — wesentlich wohl aus 
Rücksicht auf eine mehr vermuthete wie wirklich vorhandene und jeden- 
falls nicht nothwendige Liebhaberei mancher Practiker — , was einer 
strengeren Kritik nicht Stich halten konnte. Vieles stammte aus einer 
Zeit, die ihre Freude und Befriedigung darin fand, »nach unendlichen 

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IV Vorrede zur zehnten Auflage. 

Itcceplen das Widrige zusammenzugicsseii", den Erfolg ihrer Therapie 
mit grosser Kritiklosigkeit zu beurtheilen und demzufolge Indicationen 
aufzustellen, welche den Anforderungen einer vorgeschrittenen und strenger 
richtenden Gegenwart durchaus nicht mehr entsprechen. Auf der anderen 
Seite tauchen, seitdem sich die Therapie das Feld der organischen Ver- 
bindungen mehr wie bisher erschlossen, seitdem die genauere therapeu- 
tische Durchforschung der transatlantischen Länder und der gesteigerte 
Verkehr mit ihnen uns auch ihre therapeutischen Schätze in gesteigertem 
Masse zugeführt hat, man kann wohl sagen fast täglich neue Heilmittel 
auf, wie es überdies an neuen Indicationen für ältere Präparate nicht 
gebricht. Viele von ihnen führen nur ein Eintagsleben. Nach ober- 
flächlichen und unzureichenden Beobachtungen angepriesen, fallen sie 
ebenso schnell der Vergessenheit anheim, als sie mit grossem Aufwand 
von Reclame aufgetaucht sind, und über Vieles, was vor und in diesen 
letzten 7 Jahren als eine gewichtige therapeutische Errungenschaft galt, 
ist jetzt schon wieder der Stab gebrochen. Hierzu kommt, dass die 
Tendenz der gegenwärtigen Medicin mehr und mehr darauf ausgeht, be- 
stimmten prägnanten Indicationen durch eine möglichst einfache Arznei- 
verordnung, deren Tragweite möglichst genau zu übersehen ist, gerecht 
zu werden, nicht aber nach dem Grundsatze, „wer Vieles bringt, wird 
Manchem Etwas bringen« die verschiedenartigsten Stoffe zusammenzu- 
häufen. Auch haben wir gelernt, durch die Vereinfachung der Appli- 
cationsmethoden (Capsules, Compression von Arzneimitteln, Inhalationen, 
subcutane Injection, Clysmata etc.) eine Menge von Zusätzen, Geschmacks- 
corrigentien, Deckungsmitteln u. s. w. der älteren Pharmacie überflüssig 
zu machen. Wir suchen mehr und mehr das wirksame Princip der 
einzelnen Droguen zu isoliren, bestimmte, wohlcharakterisirte chemische 
Complexe zu verwenden, deren Zusammensetzung uns schon a priori 
bestimmte Rückschlüsse auf ihre arzneiliche Wirkung gestattet. 

Man denke nur an die umschriebene Wirkung einzelner Alkaloide, 
deren Zahl sich täglich mehrt, an die Theorie der Chloral-, der Formamid- 
Quecksilberwirkung, an die synthetisch dargestellten Körper, wie das 
Homatropin und jüngstens das Kairin, an die grosse stets wachsende 
Gruppe von Präparaten der organischen Verbindungen, wie die Benzole, 
Aldehyde etc. 

So hat sich die Arznei Verordnung in den letzten Jahren sehr ver- 
einfacht, wird sich in Zukunft noch mehr vereinfachen und die langen 
Recepte eines vanSwieten, Heim, Rademacher, Hufeland, Rust, 

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Vorrede zur zehnten Auflage. V 

Oesterleu u. s. f. werden melir und mehr der Vergessenheit anheira- 
fallen. Dies ist denn auch der Ort, wo wir am meisten reinigend und 
streichend vorgegangen sind. Indessen haben wir auch hier mit grosser 
Selbstbeschränkung verfahren und nur das ausgemerzt, was unumgänglich 
noth wendig war. Auch so bleiben noch eine grosse Zahl von Recept- 
formeln übrig, für welche wir keine Verantwortung übernehmen möchten. 
Aber wie wir schon an der angeführten Stelle bemerkt haben, handelt 
es sich bei einer Arznei Verordnungslehre im Wesentlichen um die Bei- 
bringung des vorhandenen Materials, während die Begutachtung desselben 
in den Hintergrund tritt, so dass die Herausgeber nur zwanglos, wo es 
ausdrücklich bemerkt ist, für die Güte und Brauchbarkeit desselben 
eintreten. 

In dem allgemeinen Theil sind des Nachschlagens wegen sämmtliche 
Arzneiformen — auch die heutzutage kaum noch in Frage kommenden, 
wie z. B. die llotulae — beibehalten worden. Die Fortschritte der 
neueren Technik und die Specialwissenschaften, bei letzteren unter gütiger 
Beihilfe bewährter Fachgenossen, sind überall berücksichtigt. 

Von einer Kritik der neuen Pharmacopoe haben wir uns, mit ganz 
wenigen Ausnahmen, fern gehalten. Bekanntlich wird dieselbe augen- 
blicklich in der pharmaceutischen Presse einer z. Th. wenig günstigen 
Besprechung unterzogen. Wir hielten es für richtig an dieser Stelle nicht 
darauf einzugehen. 

Zum Schluss noch einige auf die Anordnung des Stoffs bezügliche 
Bemerkungen : 

1) Die der Pharm. Germ. ed. II. angehörigen Mittel sind durch 
einen * hervorgehoben, die in den früheren Ausgaben üblichen Bezeich- 
nungen n (neu) f (selten) haben wir als verwirrend bei Seite gelassen. 
Bei selteneren oder neueren nicht in der Pharmacopoe enthaltenen Mitteln 
rathen wir, dass sich der Arzt erst mit dem Apotheker ins Ein vor- 
nehmen setzt 

2) Die lateinischen und deutschen Benennungen der Pharmacopoe 
sind gesperrt gedruckt. 

3) Die Charakteristik der Rohpräparate (Droguen, Salze etc.) ist 
überall insoweit angegeben — wo möglich mit den Worten der Phar- 
macopoe — als sie für den Arzt von Interesse ist. Lediglich pharma- 
ceutische Daten haben wir fortgelassen. 

4) Der immer mehr zunehmende internationale Verkehr macht es 
noth wendig, wo immer möglich, die englischen und französischen Bcr 

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VI Vorrede zur zehnten Auflag^e. 

Zeichnungen beizufügen, sit3 sind nur da fortgelassen, wo die betreffenden 
Broguen in den Pharmacopöen nicht aufzufinden waren oder ganz gleich- 
lautend mit der bei uns üblichen Bezeichnung sind. 

5) Seltenere Gifte resp. ihre Alkaloide, wie Muscarin, Del|)hinin cic., 
sowie die Antidote sind nicht berücksichtigt, ebenso die Geheimmiitel. 
Für Beides sind die Specialwerke zu consultiren. Betreffs der volumctri- 
schen Bestimmungen rauss auf die Pharm, tierni. ed. 11. verwiesen 
werden. 

6) Bei den in der neuen Pharmacopoe gestrichenen, in der alten 
mit Maximaldosen versehenen Mitteln sind dieselben nach der allen 
Pharmacopoe hinzugefügt. 

7) Mehrfache Zuschriften machten uns auf die Unzuverlässigkeit der 
den Recepten beigefügten Preise aufmerksam, wir haben dieselben um 
so lieber fortgelassen, als es uns, abgesehen von dem angeführten, aus 
der wechselnden Taxe hervorgehenden üebelstande überhaupt nicht recht 
würdig erscheinen wollte, diese in der übergrossen Mehrzahl der Fälle 
nur um 25 Pf. differirenden Preisbestimmungen, die überdies die üeber- 
sichtlichkeit hindern, beizufügen. Die Preise der einzelnen Mittel sind 
ja nach der Taxe angegeben — von dem Worte Cucumeris ab nach der 
mit dem 1. Januar 1883 erschienenen Medicinaltaxe — und so kann 
sich Jeder, dem es darauf ankommt, den Preis eines Receptes im con- 
creten Falle ungefähr berechnen. 

8) Aus dem therapeutischen Theil des Inhaltsverzeichnisses sind die 
Namen der Autoren hinter den Zahlen als ohne Belang fortgelassen. 
An ihre Stelle sind die sich auf die Zahlen beziehenden Mittel und 
Präparate getreten, eine bei der Benutzung desselben zur schnellen 
Orientirung sehr nützliche Massnahme. 

Für die sorgfältige Abfassung dos Registers .sind wir Herrn 
Dr. J. Boas zu Dank verpflichtet. 

Berlin, im März 1883. 

€. A. Ewald. E. Lfldecke. 



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Inhalt. 



Erster ITlieil. 

llgemeine Arzneiverordnungslehre 8«it6 

Einleitende Bemerkongen 3 

Grewichts- und Masskonde 6 

a) Gewichte ß 

b) Raum- und Hoblmasse 10 

c) Flächen- und Längenmasse » 12 

Die Arzneiverordnungsformen 14 

I. Arzneiformen, welche dem Magen einverleibt werden (innere 

Mittel im engeren Sinne) 14 

1. Trockene Formen 14 

a) Species 14 

b) Pulver, Puloeres 15 

c) Pillen, Püulae 19 

d) Bissen, Boli 24 

e) Gelatinekapseln, Capsulae gelatinosae 25 

f) Gallerttafeln, Oelatifiae medicatae in lameUia .... 25 
g) Pastillen, Plätzchen, Tabletten, Trochisd, PaatiUi . . 26 
h) Zeltchen, Tabernacula 28 

i) Zuckerkügelchen, Rotulae 28 

k) Morsellen, Aforsuli 28 

i) Ueberzuckerungen, Con/ectiones 29 

m) Stäbchen, Stängelchen, Bncilti 29 

2. Halbflüssige Formen 29 

a) Latwerge, Electuarium 29 

b) Kräaterzucker, Gonaervn 31 

c) Gallerte, Oelatirut 31 

3. Flüssige Formen 33 

a) Tropfen, Quttae 33 

b) Mischung, Mixtura 36 

c) Saturation 38 

d) Emulsion 40 

e) Schüttelmixtur, Mixtura agitanda 42 ' 

f) Lecksaft, Linctus 43 

g) Extractionsformen 44 

a) Macerations-Aufguss, lnfu8um J rigide paraUtm . . 44 

ßi Digestions-Aufguss 46 

yS Al]ürgUBS, Jn/usum 46 

d) Abkochung, Decoctum 48 

h) Molken, Serum LacHs 51 

i) Eräutersaft, Succuä herbarum 53 

11. Arzneiformen zur Application auf dieäussereH&ut 54 

1. Trockene Formen . 54 

a) Aetzstifte 54 

b) Streupulver, Pulvis adapersorim /^ • • ^J 

c) Trockene Umschläge, Fomenta sicca • orgitfeed b^GoO^te 



Viri lahalt. 

2. Weiche und halbflüssige Formen 56 

a) Pflaster, Emplastrum . 56 

b) Salbe, Unguentum 59 

c) Flüssige Salbe, Linimentum 63 

d) Breiumschlag, Cataplasma 64 

e) Pasten 65 

3. Flössige Formen 66 

a) Nasse Uinschläge, Bähungen, Fomentationea, Epithematn 66 

b) Waschungen, Lotiones 67 

c) Bader, Balnea 69 

4. Elastisch -flüssige Formen 74 

a) Dampfbäder, Balnea vapona 74 

b) Gasbäder 75 

c) Räucherungen, Fumigationea 76 

III. Application auf die tieferen Hautschichten, das sub- 
cutane Bindegewebe und die unmittelbar darunter 
gelegenen Theile 77 

1. Endermatische Methode 77 

2. Subcutane Injection 80 

IV. Application auf die Schleimhäute 84 

1. Application auf die Schleimhaut der Augen 85 

. 2. Application auf die Schleimhaut der Nase 88 

3. Application auf den äusseren Gehörgaug unl das Mittelohr 90 

4. Application auf die Schleimhaut der Mund- und Schlundhohlc 92 

5. Application von Medicamenten auf die Athmungsorgane . . 97 

6. Application auf die Schleimhaut der Uamorgane 103 

7. Application auf die Schleimhaut der weiblichen Sexualorgane 106 

8. Application auf die Schleimhaut des Mastdarms 109 

V. Injectionen von Arzneimitteln in die Venen 114 

VI. Injectionen von Arzneimitteln in seröse Höhlen und Cysten 115 

Zi^reiteir 1?liei]. 

Specielle Arzneiverordnungslehre 117 

Erklärung der Zeichen 118 

Alphabetisches Verzeichniss sämmtlicher gebräuchlichen Arzneimittel . . 119 

Register der Mittel und Präparate 702 

Register der Autoren 772 

Therapeutisches Register 798 



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Allgemeine Arzneiverordnungslehre. 



Ewald nnd Simon, Anneiverordniingslclire. 10. Aufl. 



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Einleitende Bemerkungen. 



D 



'ie in Krankheitsfällen ertheilten therapeutischen Verordnungen werden, so- 
weit sie ArzneistofFe betreffen, entweder mtlndlich oder schriftlich gegeben. 
Mündliche Verordnungen sind nur bei indifferenten Stoffen statthaft; wo sie 
erfolgen, muss die Anweisung die genaue Bezeichnung des Arzneimittels und 
seiner Gebrauchsweise enthalten; darf man dem Gedächtniss der Ki*anken 
nicht vollkommen trauen, so ist es noth wendig, der Arznei Verordnung eine 
schriftliche Notiz beizugeben, die aber, da sie eben nur die volksthümliche 
Benennung eines Mittels und seine Gebrauchsweise enthält, keineswegs als 
eine schriftliche Arzneiverordnung im strengeren Sinne des Wortes bezeichnet 
werden kann. 

Für die mündliche Verordnung eignen sich namentlich solche Mittel und 
Präparate, welche auch ohne ärztliche Anweisung oft in Gebrauch gezogen 
werden, und deren Wirkungsweise eine gewisse volksthümliche Bekanntschaft 
erworben hat, so z. B. Leberthran, Wiener Trank, Kurella'sches Binistpulver, 
Brustthee, Hoffmanns-Tropfen u. s. w. — Als eine nicht unwesentliche Rück- 
sicht für die mündliche Arzneiverordnung darf die bezeichnet werden, dass 
die in Folge dieser Verordnung mittelst Handverkaufs aus der Apotheke ent- 
nommenen Mittel in der Regel bedeutend billiger zu stehen kommen, als bei 
der Verabfolgung auf ein geschriebenes Recept (da die betreffenden Gefässe in 
der Regel mitgebracht werden, die Verabreichung ohne Signatur erfolgt u. s. w.). 

Auf Stoffe von nur einigermassen differenter Wirkung oder Präparate, die 
solche Stoffe enthalten, darf die mündliche Verordnung sich nicht erstrecken. 

Oft ist die Arzneiverordnung insofern eine gemischte, als man die be- 
treffenden Arzneistoffe aus der Apotheke auf ein sclmftliches Recept verab- 
folgen lässt, aber füi* ihre weitere Vorbereitung zum Gebrauch den Kranken 
oder dessen Umgebung mit mündlichen Instructionen versieht. So verordnet 
man z. B. Macerations-Species. aus welchen mittelst domestiker Bereitung ein 
Macerations-Infusum hergestellt wird u. s. w. Diese Verordnungsweise, welche 
allerdings manche Ökonomischen Vortheile darbietet, ist jedoch nur da statt- 
haft, wo die für die schliesshche Herstellung der Arzneiverordnung nothwen- 
digeu Manipulationen keine besondere Gescliicklichkeit und Aufmerksamkeit 
erfordern, und wo man überzeugt sein darf, dass der Zweck der Verordimng 
auch bei minder exacter Ausftlhrung doch nicht beeinträclitigt werde. 

Die schriftliclie Arzneiverordnung, das Recept, Praescriptio medica, 
besteht 1) aus der Benennung der zur Verwendung kommenden Arzneistoffe 
und Bezeichnung ihrer Quantität, 2) der Anweisung ftir den Pharmaceuten, 
in welches Verhältniss oder in welche Fonn jene Arzneistoffe zu bringen seien, 
und 3) aus der Anweisung für den Kranken über den Gebrauch der Arznei. 
Ist eine solche Verordnung bereits von der Pharmakopoe gegeben, so dass 
nur der Name dereelben, nicht aber ihr Combinations-Verhälüiiss^iu^lp 



Einleitende Bemerkungen. 



dem Recepte anji^eftlhrt wird, so bezeichnet man sie als Formula officinalis im 
Gegensatze zur Fonnula magistralis, welche erst vom Arzte selbst zusammen- 
gestellt wird. 

Als foinnelle Einleitung zu dem Recepte wii'd demselben die Ueberschrift, 
welche Ort und Datum der Vorschrift enthält, sowie das Wort Recipe (ge- 
wöhnlich in der Abktlrzung 1^ oder Rec.) vorangeschickt. Die zu verabrei- 
chenden Araneistoffe werden in gesonderten Reihen aufgeführt und hinter jedem 
einzelnen Namen die Gewichte oder Masse angegeben. Sind diese für mehrere 
der verordneten Arzneistoffe dieselben, so wird die Gewichts- und Massbe- 
zeichnung nur bei dem letzten, mit der vorangängigen Bemerkung ana (in 
Abkürzung aa) aufgeführt. 

Die einzelnen Bestandtheile der Arzneiverordnung haben eine für den 
Zweck derselben verschiedene Dignität; dasjenige Mittel, welches den eigent- 
lichen Träger der therapeutischen Intention bildet, bezeichnet man als Basis, 
Hauptmittel, während dasjenige, welches man ihm etwa beigesellt, um diese 
Intention sicherer zu erreichen, das Unterstützungsmittel, Adjuvans, bildet. 
Setzt man noch einen Stoff hinzu, welcher der Ai'znei eine für die Sinnes- 
wahmehmung angenehme Beschaffenheit geben soll, so bezeichnet man diesen 
als Corrigens, während derjenige Stoff, durch welchen die Arzneiverordnung 
ihre Form erhält, das Constituens oder Excipiens abgiebt. Diese verschiedenen 
Kategorien von Bestandtheilen finden sich aber keineswegs in jedem Recepte 
vor, vielmehr strebt eine rationelle Ai*zneiverordnung danach, so einfach als 
möglich componirt zu sein, mithin die Basis so passend auszuwählen und in 
so ausreichender Dosis zu geben, dass sie keines Adjuvans bedarf und, wo es 
sein kann, das Excipiens gleichzeitig mit den Eigenschaften eines Conngens 
auszustatten. 

Die Reibenfolge, in welcher die einzelnen Mittel im Recepte aufzuführen 
sind, wird durch ihre Dignität bedingt. Das Hauptmittel wird zuerst genannt, 
und dann folgen ihm Adjuvans, Corrigens und Excipiens. 

Verordnet man, wie z. B. in Species, eine Reihe von Mitteln, die unter 
sich als gleichberechtigt betrachtet werden sollen, so ordnet man die Reihen- 
folge gewöhnlich der Art, dass die gleichnamigen botanischen Theile nach 
einander genannt werden und zwar meist mit den Radices beginnend und auf 
Stipites, Folia und Flores übergehend; oder man führt zuerst diejenigen In- 
gredienzien auf, welche in ansehnliclieren Gewichtsmengen gegeben werden. 

Die Bezeichnung der Arzneistoffe erfolgt, sofern sie in der Pharmakopoe 
aufgeführt sind, unter ihren officinellen Namen; Abkürzungen sind .nm* in 
soweit zulässig, als sie das Verständniss nicht beeinträchtigen und müssen da, 
wo sie möglicherweise zu einem Irrthume führen könnten, gänzlich vennieden 
werden. (So darf z. B. nicht Kai. chlor, verordnet werden, da dasselbe 
ebensowohl Kalium chloratum wie Kali chloricum bedeuten könnte.) Der Ge- 
brauch von Zeichen für einzelne Benennungen, wie er ehedem üblich war, ist 
gänzlich beseitigt.*) 

*) Zum Verständniss der auf Recepten älterer Aerzte noch zuweilen vorkommen- 
den und namentlich in alten Werken häufig benutzten Zeichen theilen wir die wich- 
tigsten derselben mit: VAqua; (J Ferrum; 2 Hydrargyrum; C^ oder J Argentum; 
© Aurum; tj Plumbum; $ Stibium; ? Cuprum; % Stannum; A Sulfur; ^ Tar- 
tarus; O Zincum; »-p Acetum; -f- Acidum; Ü Alumen; oo Arsenicum; -^ Gera; 
Y Gummi; CD Nitrum; Vl^pis; 4: oder X Magnesia; Q Sal; 0% Oleum; 
^ö Oxymel; 9 oder ® Saccharum; □ Sapo; @ Sebum; -^- oder ""v" Spiri- 
tus; 7f Tinctura ; Jß Hcrba; ^^oder 5 oder § Pulvis; % Recipe. Selbstverständ- 
lich ist diese Zeichenschrift wie jede Geheimnisskrämeroi aus der neueren Arznei Ver- 
ordnung ausnahmslos zu verbannen. 

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Einleitende Bemerkangen. 



Die Bezeichnung der Quantitätsverhältnisse für die Arzneistoffe muss so 
deutlich geschehen, dass die Möglichkeit eines Missverständnisses ausgeschlossen 
bleibt. Man verordnet ausschliesslich Gewichts mengen. Bei flüssigen Ai'znei- 
stoffen, die in kleineren Quantitäten zur Anwendung kommen, pflegte man 
früher das Mengenverhältniss fast ausschliesslich nach Tropfen und bei solchen, 
die in sehr grossen Quantitäten gebraucht werden, zuweilen nach Massen 
zu bezeichnen. Die neue Pharmacopoea Germanica verbietet jedoch ausdrück- 
lich diese Massbestimmungen, und dies mit vollkommenem Rechte im Interesse 
einer exacteren Dosirung. Man thut deshalb gut, sich keine Ausnahme von 
dieser Vorschrift zu gestatten ; besonders achte man darauf, die gewohnte imd 
deshalb lieb gewordene Verordnung nach Tropfen durch Gewichtsbestimmungen 
zu ersetzen, da gerade die Grösse der Tropfen, je nach der Mündung des 
Tropfgefässes und je nach der grösseren oder geringeren Schnelligkeit, mit 
welcher getropft wird, erheblich variirt. 

Zur Bezeichnung der Gewichtsmenge bedient man sich des Decimalsystems ; 
die zu Grunde liegende Einheit ist 1 Gramm. Eine HinzufUgung des Wortes 
Gramm kann zwar geschehen, ist aber überflüssig. Man bemühe sich, die Zahlen 
möglichst wenig complicirt und dem Decimalsystem angemessen zu gestalten, 
wobei hauptsächlich die durch 5 theilbaren Zahlen zu berücksichtigen sind.*) 

Bei dem früher üblichen Medicinalgewicht waren gewisse Zeichen in Ge- 
brauch (s^ = Ujicia; 3 =Drachma; 9 = Scrupulus; ß = Vj)» ^® j^^zt nur 
noch zum Verständniss älterer Verordnungen oder der Receptur anderer Länder, 
m welchen das frühere Gewicht noch in Anwendung ist, Beachtung verdienen.**) 

Wo man die Gewichtsmenge eines als Menstruum oder Excipiens dienen- 
den Stoffes nicht genau bestimmen kann, drückt man dies durch die Angabe: 
q. 8. (quantum sufficit oder quantum satis) aus. 

Die Anweisungen für die pharmaceutischen Manipulationen, welche mit 
den Arzneistoffen vorzunehmen sind, werden denselben, und zwar in geson- 
dei'ten Reihen, beigefügt (z. B. solve in, coque cum u. s. w.). Das Recept 
schliesst mit den Buchstaben M. D. S. (Misce, Da, Signa); wo die Manipula- 
tion (solve, coque u. s. w.) bereits ausführlich erwähnt ist, oder wo nur ein 
Arzneistoff verordnet wird, föllt das M. selbstverständlich weg. 

Wo für die Verabreichung der Arznei noch eine besondere Anweisung 
nothwendig ist, wird diese dem D. hinzugefilgt (z. B. D. in vitro nigro). Ist 
die Form der Arzneiverordnung erst noch näher zu bestimmen, so geschieht 
dies durch die Formel: f. (fiat) Emulsio, Pulvis, flaut Pilulae u. s. w., welche 
hinter dem M. folgt, und welcher man dann noch die nähere Anweisung über 
die Verabreichungsart hinzufügt (z. B. M. f. Pilul. Nr. X; consp. Lycopod., 
d. in scatuia, oder M. f. pulv., dispensentur tales doses No. X, d(entur) in 
Charta cerata u. s. w.). 

Ein wichtiger Theil des Receptes ist die durch den eben erwähnten 
Buchstaben 8. emgeleitete Signatur, welche die Anweisung enthält, wie die 
Arznei genommen werden solle. Je grösser die Genauigkeit ist, mit welcher 
die Anweisung ertheilt wird, um so entschiedener ist man gegen Missver- 
ständnisse gesichert; die oft aus Bequemlichkeit gemissbrauchte Formel: 
„Nach Verordnung" oder „Laut Bericht" ist nui* da anzuwenden, wo es sich 

*) Bei zusammengesetzten Recepten suche man die Gewichtsmenge eines jeden 
einzelnen Mittels in möglichst abgerundeten Zahlen zu bestimmen, ohne auf die Ab- 
randung des Gcsammtgewichts einen wesentlichen Werth zu legen Nur in der Armen- 
praxis verdient auch die Gesammtquantität insofern eine Berücksichtigung, als der 
Preis der Arzneiflaschen nach ihrem Inhalt in Abstufungen von je 100 Gramm sich 
berechnet, also beispielsweise eine Mixtur von zusammen 200 Gramm schon des Gc- 
fässes wegen billiger ist als eine solche von 205 Gramm. 

**) Siehe die Zusammenstellung der verschiedenen Zeichen und Massbestimmui^- 
gen p. 6. T 

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Gewichts- und Masskundc. 



um nicht sehi* differente Arzneistoffe handelt, und wo man auf die Intelligenz 
oder das Gedächtniss des Kranken und seiner Umgebung sich verlassen kann. 
Die Sitte mancher Aerzte, die Signatur in lateinischer Sprache abzufassen 
und ihre Uebersetzung dem Apotheker zu tiberlassen, ist eine durchaus unge- 
rechtfertigte. 

Den Schluss des Receptes bildet (in gesonderten Reihen) der Name dessen, 
fllr den die Arznei bestimmt ist, und die Unterschrift des behandelnden Arztes. 

Soll eine schon früher gemachte Ai^znei, wenn dieselbe heftig wirkende 
Stoffe, wie z. B. Narcotica, enthält, auf dasselbe Recept noch einmal ange- 
fertigt werden, so muss letzteres vom Arzte mit einem desfallsigen Vermerke 
versehen werden. Derselbe besteht in der Bezeichnung „Reiteretur" nebst 
Datum und Namen des Arztes. Ohne eine solche Anweisung ist die Reite- 
rirung von derartigen Arzneien gesetzlich unzulässig. 

Die Recepte werden nach usueller und zweckmässiger Form auf Octav- 
blättem geschrieben, die breit genug sein müssen, um neben der Arzneiver- 
ordnung noch Raum für die Taxirung der Arznei und Bemerkungen des Apo- 
thekers (über die verabreichten Gefässe u. s. w.) zu lassen. 

Sind auf einem und demselben Recepte mehrere Arznei Verordnungen 
vorhanden, so wird zwischen jede ein trennendes Zeichen (Strich oder Doppel- 
kreuz oder ein wiederholtes 1^) eingeschoben. Werden beide Seiten des Recept- 
blattes beschrieben, so ist dies auf jeder Seite durch ein Verte zu bemerken. 

Die Handschrift auf den Recepten muss leserlich sein, und die Unsitte 
mancher Aerzte, Hieroglyphen auf das Papier zu werfen, an denen die Divi- 
nationsgabe des Apothekers scheitert, ist sorgfältig zu meiden. Deutlichkeit 
und volle Verständlichkeit der Arzneiverordnung auch für den pharmaceutischen 
Novizen ist unumgänglich nothwendig, wenn nicht der Arzt sich zum Mitschul- 
digen von oft verderblichen Missgriffen machen will. 

Es ist möglichst zu vermeiden, Recepte mit Bleistift und ähnlich verlösch- 
baren Matei-ialien zu schreiben. Wo dies dennoch aus irgend einem Grunde 
geschehen muss, hat nach ausdrücklicher Ministerialverftlgung das Recept nur 
eine Gültigkeit von höchstens acht Tagen. 

Eine speciellere Belehrung über die bei den Arzneiverordnungen vorkom- 
menden Aeusserlichkeiten und Technicismen bietet die Beispielsammlung, welche 
wir bei der Besprechung jeder einzelnen Arzneiform geben werden. 



Gewichts- und Masskunde. 

a. Gewichte. 

Seit dem 1. Januar 1868 ist als Medicinalgewicht für den Norddeutschen 
Bund und später füi* das gesammte Deutsche Reich das Grammsystem einge- 
führt worden. 

Dasselbe ist femer gültig in Frankreich, Italien, Belgien, Oesterreich. 
1 Gramm ist das Gewicht eines Kubikcentimeters desti Hirten Wassers 
bei 4" C. 

1 Kilogramm . . . . = 1000 Gramm, 
1 Hectogramm . . . = 100 
1 Dekagramm . . . = 10 



1 Decigi'amm . . . . = 0,1 
1 Centigramm . . . = 0,01 - 
1 Milligramm . . . ^ 0,001 - 



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Gewichts- und Masskunrle. 



Bei der Receptur ist es am einfachsten, die Gewicbtsmengen nur nach 
Grammen zu bestimmen, wobei man die Bezeichnung Gramm nicht hinzuzu- 
setzen braucht. Z. B. verschreibe man statt 1 lÖlogramm 1000,0; statt 

2 Hectogramm: 200,0; statt 5 Dekagramm: 50,0; statt 6 Gramm: 6,0; statt 

3 Decigramm: 0,3; statt 25 Centigramm: 0,25; statt 6 Milligramm: 0,(306. 

Seit dem 1, Januar 1872 ist das Grammsystem auch für das Civilgewicht 
obligatorisch. Das Medicinalgewicht stimmt demnach gegenwäi*tig mit dem 
Civilgewicht vollkommen tiberein, mit dem unwesentlichen Unterschiede, dass 
in dem letzteren das Dekagramm auch die Bezeichnung Neuloth erhält. 

1 Kilogramm = 2 Pfund = 100 Dekagramm oder Neuloth = 1000 Gramm. 
1 - = 50 - - - = 500 - 

1 - - - = 10 - 

Das frühere Zollgewicht verhielt sich zum gegenwärtigen Granimgewicht folgen- 
dermasscn : 

früheres Zollpfund = 500,0 Gramm 

Loth = Vja Pfund . . . . = lG,66...(lfiV3) Gr. 
Quentchen = » ,„ Loth. . = 1,66...(IV3) - 
Zent = »',0 Quentchen. . = 0,166 ..(V«) - 

Kom = Vio Zent = 0,016...(V6o) - 

Die Umrechnung des Gramragewichts in das frühere Zollgewicht ergiebt: 
1 Kilogramm = 2 ZoDpfund 
1 Hektogramm = 0,2 - = 6 Loth 

1 Dekagramm = 0,02 - =0,6 =6 Quentchen 

1 Gramm = 0,002 - = 0,06 = 0,6 - = 6 Zent 

1 Decigramm = 0,0002 - = 0,006 = 0,06 - = 0,6 - = 6 Korn 
1 Centigramm = 0,00002 - = 0,0006 = 0,006 - = 0,06 - = 0,6 - 
1 Milligramm = 0,000002- = 0,00006 = 0,0006 - = 0,006- = 0,06 - 

Bis zum 1. Januar 1868 war in allen Staaten Deutschlands, bis zum 
1. October 1869 in Oesterreich, und auch gegenwärtig ist noch in England, 
Spanien, Portugal, Russland u. a., auch in den meisten Staaten Amenka's das 
Unzengewicht als Medicinalgewicht gebräuchlich: 

* 1 Medicinalpfund (Libra) = 12 Unzen 

1 Unze (5) = 8 Drachmen 

1 Drachme (3) =: 3 Scrupel 

1 Scrupel (a) = 20 Gran. 

Das gegenwärtige Grammgewicht verhält sich zum früheren Medicinal- 
gewicht genau in folgender Weise : 

1 Gramm = 16,42038 Gran des früheren preuss. Medicinalgewichts. 

1 Decigramm = 1,64204 - - . - 

1 Centigramm = 0,16420 - - - - 

1 Milligramm = 0,01642 - - - - 



1 Dekagramm (Neuloth — 164,2038 Gran = 2 Drachm. 2 Scrup. 4,20 Gran 
1 Hectogramm = 1642,038 - = 3 Unzen 3 Drachm. 1 Scrup. 

2,04 Gran. 
1 Kilogramm = 16420,38 - = 2 Libr. 10 Unz. 1 Dr. 2 Scrup. 

0,38 Gran. 
1 Pfund des gegenwärtigen Medicinal- und Zollgewichts = 1 Libra 5 Unzen 
2 Scrupel 10,19 Gran = ca. 17 '/u Unzen des früheren preussischen Me- 
dicinalgewichts. 

Die Reduction des früheren Gewichts in das neuere ergiebt genau fol- 
gende Zahlen: 

1 Gran = 0,0609 Gramm 
1 Scrupel =1,218 
1 Drachme = 3,654 



1 Unze = 29,23 



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8 



Gewichts- und Masskunde. 



Bei der praktischen Verwendung zur Receptur jedoch kann man ohne 
erhebliche Fehler die obigen Zahlen sich abrunden und 1 Gran = 0,06, 
9 j == 1,2, 5j = 3,6 (woftir bei nicht differenten Stoffen 3,75 oder 4 Gramm 
gesetzt werden darf), 5j = 30,0 annehmen. 

Folgende Tabelle enthält die genaue und die annähernde Reduction des früheren 
Gewichts in das Grammsystem: 



Altes Gewicht 



Gramm genau 



Gramm annähernd, 
resp. abgerundet 

Die mit f beseichn«ten Zahlen 
entsprechen der laut Minister.» 
Vert vom 29. Aug 1867 den 
Apothekern Torgeschriebenen 
Umrechnung. 



Gramm. 

Eventuelle Verord- 
nung zur Yollsländigen 
Abrandung nach dem 
Decimalsystem. 



Vno Gran 

/lOO " 

Vs. - 

'Jr : 

." : 

.'/" . 

. " . 

1 - 

IV. - 

2 - 

3 - 

4 - 

5 - 

6 - 

7 - 

8 - 

9 - 

10 - 

12 - 

16 - 

1 Scrupel 

iVa - (4 Drachme) 

2 - 

2% - 

1 Drachme 

4 Scrupel 

1 */, Drachme 

2 - 

3 - 

4 - (J Unze) 

5 - 

6 . 

7 - 

1 Unze 



0,0005 

0,0006 

0,00075 

0,001 

0,0012 

0,0015 

0,002 

0,003 

0,004 

0,005 

0,006 

0,0075 

0,010 

0,012 

0,015 

0,020 

0,030 

0,061 

0,091 

0,122 

0,183 

0,244 

0,305 

0,365 

0,426 

0,487 

0,548 

0,609 

0,731 

0,974 

1,218 

1,827 

2,436 

3,045 

3,654 

4,872 

5,48 

7,31 
10,96 
14,62 
18,27 
21,92 
25,58 
29,23 



0,0005 

0,0006 

0,0008 i 

0,001 

0,0012 [ 

0,0015 ^ 

0,002 

0,003 

0,004 

0,005 

0,006 

0,008 

to,oi 

0,012 
t0,015 
tO,02 
tO,03 
tO,06 

0,09 

0,12 

0,18 

0,25 

0,3 

0,35 

0,4 

0,5 

0,55 

0,6 

0,75 
tl,0 
tl,25 
t2,0 
t2,5 

3,0 

t3,75 

t5,0 

t5,5 

t7,5 

tll,0 

tl5,0 

1 18,75 

t22,5 

25,0 

30,0 



Diese kleinsten Quan- 
titäten werden nur 
äusserst selten in 
Einzeldosen verord- 
net, kommen somit 
nur ausnahmsweise 
zur Receptur. Wo 
dies dennoch ge- 
schieht, ist eine Ab- 
rund ung meist in- 
opportun. 

0,01 

0,015 

0,02 

0,03 ^ 

0,05 (= V« Giln) 

0,1 (= 1,64 Gran) 

0,2 

0,25 

0,3 

0,4 

0,5 

0,6 
0,75 

1,0 

2,0 

2,5 

3,0 

4,0 ; bei indifferenten 

. Q [Mitteln 5,0.] 

7,5 oder 10 
10,0 oder 12,0 
15,0 

20,0 

25,0 

30,0 oder bei indiffe- 
renten Mitteln 25,0 



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Gewichts- und Masskunde. 



Altes Gewicht. 



Gramm genau. 



Gramm annähernd, 
resp. abgerundet. 

Die mit t bezeichueton Zahlen 
entsprechen der laut Minister.- 
Verf. vom 29. Aug. 1867 den 
Apothekern vorgeschriebenen 
Umrechnung. 



Gramm. 

Eventuelle Verord- 
nung zur vollständigen 
Abrandung nach dem 
Decimalsystcm. 



iVi Unzen 
2 
3 

37, - 
4 
5 
. 6 
7 
8 
10 
1 Libra . 

IV, - . 

2 

3 - 



43,85 

58,5 

87,7 

102,3 

116,9 

146,1 

175,4 

204,6 

233,8 

292,3 

350,8 

526,0 

702,0 

1052,0 



45,0 
t60,0 
t90,0\ 
100,0/ 
120,0 

1 150,0 

tl80,0\ 
200,0 / 
230,0 
300,0 

t360,0 
500,0 
700,0 

1000,0 



50,0 

60,0 oder 50,0 

100,0 

120,0 oder 125,0 
150,0 

200,0 

250,0 
300,0 

300,0 oder 400,0 
500,0 
750,0 
1000,0 



Das üiizengewicht in denjenigen Ländern, in denen es noch besteht oder 
bis vor kurzem bestanden hat, ist nicht tiberall gleich werthig; nur die Ein- 
theilung desselben ist tiberall fast die gleiche. Eine Ausnahme in dieser letz- 
teren Beziehung bilden nur Portugal imd Spanien (früher auch Frankreich 
sowie die italienischen Staaten) insofern, als daselbst 1 Scrupel nicht =. 20, 
sondern = 24 Gran ist. Allein in Deutschland gab es ein verschiedenes 
Prenssisches, Ntimberger, Baierisches, Hessisches, Badisches, Oesterreichisches 
Medicinalgewicht. Das frühere Preussische verhielt sich zum Nürnberger un- 
gefälfr wie 50 : 51, zum Baierischen ungefähr wie 40 : 41, zum Oesterreichischen 
wie 50 : 60. 

Das englische Medicinalgewicht hat mit dem früheren Preussischen die 
Benennungen der Theil-Gewichte gemein: 1 Poünd = 12 Ounces, 1 Ounce 
-^ 8 Drams, 1 Dram = 3 Scniples, 1 Scrupel ^^ 20 Grains. 

In Frankreich wird ausser dem Grammsystem zuweilen noch ein anderes, 
altes Medicinal-Gewicht gebraucht, welches als Poids de Livre mötrique be- 
zeichnet wird. 1 Livre (Pfund) enthält 4 Quarterons, 1 Quarteron 4 Onces 
(üncen), 1 Once 8 Gros (Drachmen), 1 Gros 3 Scrupules oder Deniers, 1 Scru- 
pule 24 Grains*). 

1 Livre . . . = 500,0 Grammes, 
1 Quarteron = 125,0 
1 Once . . . = 31,25 
1 Gros . . . = 3,90 
1 Scrupule . = 1,30 
1 Grain . . . = 0,054 
Das noch bestehende oder früher gebräuchliche Unzengewicht der ver- 
schiedenen Länder, mit dem Grammgewicht verglichen, ergiebt folgendes 
Verhältniss: 

1) 1 Gramm = 13,71 Gran des früheren Oesterreichischen Medicinal- 

Gewichts, 



*) 1 Gran französischen Medicinal-Gewichts entspricht genau 54 Milligramm, wird 
aber, der Bequemlichkeit in der Receptur wegen, zu 50 Milligramm angenommen, so 
dass das Pfund nicht 9216, sondern 10,000 Gran enthält. 



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10 Gewichts- und Masskunde. 



3) 


- = 15,43 


4) 


- r^ 16,00 


B) 


- r= 16,10 


6) 


r^ 16,12 


7) 


- = 16,16 


8) 


- = 16,42 


9) 


= 18,43 


10) 


- = 20,05 


11) 


- = 20,08 


12) 


^ 20,37 


13) 


- --= 22,30 



2) 1 Gramm ^^ 15,36 Gran Holländisches, früher Belgisches, Ba- 
disches und Schweizer M.-G., 
Englisches M.-G., 
Baierisches M.-G., 
Nürnberger und Russisches M.-G., 
Hessisches (und Dänisches) M.-G., 
Schwedisches M.-G., 
früheres Preussisches M.-G., 
Französisches Livres-G., 
Spanisches M.-G., 
Portugiesisches M.-G., 
Römisches M.-G., 
früheres Italienisches M.-G., 

Da in est erreich das frühere Gran- und Unzengewicht einen anderen Wcrth 
hatte wie in Preussen, so ist auch die Umrechnung in das Grammgewicht von der 
unseren verschieden. 

1 Gran des früheren österreichischen Medicinalgewichts = 0,0729 Gramm. 
1 Scrupel - - - - = l,4o8 

1 Drachme - - - - = 4,375 

1 Unze - - - - = 35,0 

1 Libra - - - - = 420,0 

Für die Umrechnung aus dem früheren Gewicht in das neue metrische wird der 
österreichische Arzt die obigen Zahlen bequem in folgender Weise abkürzen können: 
1 Gran = 0,07; 1 Scrupel -=1,5; 1 Drachme = 4,0 oder 4,5; 1 Unze = 35,0; 
1 Libra = 420,0 oder ca. 400,0. 

Das in Russland zu Recht bestehende Gewicht ist mit dem früheren Nürn- 
berger, welches in Süddeutschland verbreitet war, identisch. Dasselbe weicht nicht 
wesentlich von dem früheren preussischen ab, und man wird keinen nennenswerthen 
Fehler machen, wenn man die oben für das frühere preussische Gewicht angegebene 
Tabelle benutzt Genau ist das Verhältniss des früheren Nürnberger, jetzt noch in 
Russland herrschenden Medicinalgewichts zu dem Grammgewicht das folgende: 

1 Gran russischen Medicinalgewichts = 0,0621 Gramm. 

1 Scrupel - - = 1,242 

1 Drachme - - = 3,726 

1 Unze - - = 29,808 

1 Libra - - = 357,7 

Zur Abrundung wird man setzen 1 Gran = 0,06 ; 1 Scrupel = 1 ,25 ; 1 Drachme 
= 3,75 oder 4,0; 1 Unze = 30,0; 1 Libra = 360,0. 

Will man, umgekehrt unser metrisches Gewicht in das russische Medicinalgewicht 
übertragen, so hat man einfach 1 Gramm = 16 Gran (genau 16,1) zu setzen, und 
die weitere Umrechnung ist leicht. Man wird hierbei ohne Bedenken grösstentheils 
30 Gramm = 1 Unze; 10 Gramm = 3 Drachmen; 5 Gramm = iVj Drachmen; 
1 bis 1,5 Gramm = 1 Scrupel; l Decigramm = iVi Gran; 1 Centigramm = '/« Gran 



annehmen dürfen. 



b. Raum- oder Hohlraasse. 

Die Pharmacopoea Germanica schreibt ausdrücklich vor, sich niemals der 
Masse, sondern stets der Gewichte zur Bestimmung der Quantität der ver- 
ordneten Medicamente zu bedienen. Eine solche Vorschrift ist namentlich un- 
bestimmten Massen gegenüber nothwendig. Ein solches unbestimmtes Mass 
bilden gegenwärtig nur noch die Tropfen, da sie ihrer Grösse nach sehr diffe- 
riren, wogegen die im bürgerlichen Leben gesetzlichen Hohlmasse jetzt in 
präciser Weise geregelt sind. Die Mher üblichen Masse schwankten in sehr 
erheblichen Grenzen: selbst das verhältnissmässig genaueste und gangbarste 



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Mass- und Gewichtskunde. 11 



Hohlmass, das Quart (Mensura)*), war in den einzelnen deutschen Land- 
strichen erheblich verschieden ; noch unbestimmter und deshalb völlig unbrauch- 
bar waren die übrigen deutschen Masse, wie Kanne, Nösel, Seidel u. a. 

Seit dem 1. Januar 1872 ist an Stelle all dieser unbestimmten Masse 
das dem Grammgewicht entsprechende Raummass in Deutschland in Kraft 
getreten: 

1 Liter (oder Kanne == 1 Kubikdecimeter = */|ooo Kubikmeter 

= 1000 Kubikcentimeter 

1 Schoppen = V'2 Liter = 500 Kubikcentimeter 

1 Kubikcentimeter = Vioo« Liter. 



1 Liter enthält genau 1 Balogramm oder 2 Pfund destillirten Wassers 
bei 4" Cels. 

1 Kubikcentimeter enthält genau 1 Gramm destillirten Wassers bei 4" C. 

Durch die Einführung dieses Masses wurde nicht nur eine Uebereinstim- 
mung desselben mit dem in Frankreich, Belgien, Italien üblichen hergestellt, 
sondern es gewinnt das Ranmmass dadurch auch jene flir wissenschaftliche 
Zwecke nothwendige Correctheit, die ihm bisher gemangelt hat. — Für münd- 
liche Arzneiverordnungen kann man sieh desselben bedienen. 

Die ftir die Signatur gebräuchlichen Masse sind: 

1) Tropfen. Von fetten und specifisch schweren ätherischen Oelen 
(Oleum Caryophyll. und Oleum Amygd. amar.), von wässerigen Flüssigkeiten 
und Tinctm*en wird 1 Gramm = 20 Tropfen, also ein Tropfen = 0,05; von 
den übrigen ätherischen Oelen und Tincturen, Chloroform, Essigäther und 
Spir. aether. 1 Gramm = 25 Tropfen, also 1 Ti*opfen = 0,04; von Aether 
1 Gramm ~ 50 Tropfen, d. h. 1 Tropfen = 0,02 berechnet. 

Diese Verhältnisse sind jetzt in den preussischen Officinen nach den 
ministeriellen Bestimmungen zur Arzneitaxe durchweg massgebend und machen 
die früheren, sehr complicirten Angaben überflüssig. 

2) Theelöffel. Ein Theelöffel, dessen Grösse im übrigen sehr variirt, 
fasst, ganz geftillt, im Durchschnitt 5 Gramm Flüssigkeit; knapp gefüllt — wie 
im allgemeinen bei Verordnungen gerechnet werden kann — ungefähr 4 Gramm. 
Ein Theelöffel Pulver variirt in Bezug auf sein Gewicht, je nach der Natur 
des Pulvers, sehr beti'ächtlich. Ein Theelöffel Magnesia usta wiegt etwa 
0,5 Gramm, ein Theelöffel Ej'äuterpulver etwa 1,5, ein Theelöffel Salz von 
gewöhnlicher Schwere, Zucker, Schwefel etwa 2,5 bis 3,5, ein Theelöffel Me- 
talloxyde und Schwefelmetalle 3,0—5,0. Im allgemeinen jedoch werden die 
Pulver in der Weise gemischt, dass das Durchschnittsgewicht der Mischung 
sich auf etwa 3,0 belaufen dürfte. — Eine Messerspitze, das ungenaueste 
aller Masse, kommt etwa 'A— V4 Theelöffel gleich. 

•) Das preussische Quart fasste genau 1143 Gramm = 39'/» Unzen des früheren 
Med icinal- Gewichts destillirten Wassers bei 19° C. Man hatte sich aber daran ge- 
wohnt, in den Apotheken auf das Quart stets 36 Unzen (1052 Gramm) zu berechnen, 
welche gewogen, nicht, wie man voraussetzen sollte, in ein 3G Unzen haltendes Gefass 
gemessen wurden. Nach der bisherigen Ph. mll. entspricht: 

1 Berliner Quart Wasser = 1170 Gramm. 

Spir. Vini rectificatiss. . . = 960 

- Spir. Vini crudi = 1020 

Oleum Olivarum = 1050 

Das österreichische Mass (Mensura austriaca) wurde zu 40 Unzen destillirten 
Wassers berechnet, und da, wie oben angegeben, sich das frühere österreichische Gc^ 
wicht zum preussischen wie 5:6 verhielt , so mass ein österreichisches Quart Wasser 
48 Unzen = 1404 Gramm preussischen Medicinal-Gewichts. Bei Spiritus Vini rccti* 
ficatiss. wurde das österreichische Quart zu 32 Unzen berechnet 

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12 Mass- und Gcwichtslcunde. 



3) Kinderlöffel. Ein Kinderlöffel wird = 2 Theelöffeln = V, Ess- 
löffel berechnet. 

4) Esslöffel. Auch die Esslöffel variiren sehr in ihrer Grosse. Man 
berechnet im allgemeinen 1 Esslöffel zu 15 Gramm Flüssigkeit. Dieses Mass 
ist aber nur für kleine Esslöffel annähernd richtig, oder für grössere nur dann, 
wenn sie, wie es in der Regel bei der Darreichung von Arzneien geschieht, 
knapp gefüllt sind. Grössere Esslöffel, wie sie im Haushalte meist vorkommen, 
ganz geftillt, messen 20—25 Gramm Flüssigkeit. — Ein Esslöffel Species kann 
durchschnittlich auf 10,0 berechnet werden. 

5) Ein Weinglas oder Tassenkopf wird meist zu 100,0 Gramm be- 
rechnet, ist aber ebenfalls, gemäss der sehr wechselnden Grösse dieser Gefässe, 
eine äusserst schwankende Massbestimmung. 

Das in Frankreich gebräuchliche Mass entspricht genau unserem gegen- 
wäiügen; nur hat dasselbe folgende Eintheilung: 

1 Litre = 10 D^cilitres = 100 Centilitres = 1000 Milülitres. 
1 Litre Wasser entspricht genau an Gewicht 1 Kilogi*amme. 

1 D^cilitre - - - . . 1 Hectogi'amme. 

1 Centilitre- - . . ^ 1 Decagramme. 

1 Millilitre - - - - . i Gramme. 

Aeltere Mass -Bezeichnungen sind: 1 Pinte = ca. Vio I^iti'e, 1 Chopine 
oder S^tier = Vi Pinte, 1 Poisson = 7* Chopine. 

In Grossbritannien sind folgende Masse gebräuchlich: 
1 Gallon (Congius) = 8 Pinten = ca. 4 Liter. 
1 Pint (Octarius) = 16 Fluidounces = ca. Vi Liter. 
1 Fluidounce (Fluidouncia) = 8 Fluiddrams; entspricht dem Gewicht 

einer Unze (ca. 30,0). 
1 Fluiddram (Fluiddrachma) = 3 Fluidscruples. 
1 Fluidscruples = 20 Minima. 
1 Minim entspricht dem Gewicht eines Grans oder ca. 0,06 Gramm. 



c. Flächen- und Längenraasse. 

Die Flächen- und Längenmasse kommen fast nur bei der Verordnung von 
Pflastern in Betracht. 

Das frühere Längenmass war: 

1 Fuss (10 = 12 ZoU; 1 ZoU (l'O = 12 Linien (12'"). 
Dem entsprechend war das Flächenmass: 

1 Quadratfuss (HO = 144 Quadratzoll; 
1 Quadratzoll (Q") = 144 Quadratlinien (D'")- 
Zu wissenschaftlichen Zwecken hatte man sich seit lange des französi- 
schen Decimalmasses bedient, welches nun auch bei uns seit dem 1. Januar 
1872 allgemeine und alleinige Gültigkeit erlangt hat. 

Die Einheit bildet das Meter oder der Stab (französisch M6tre) = 
3' 2" 3,8'" unseres früheren Masses. 

1 Millimeter (oder Strich) . = 0,001 Meter (== 0,46'" unseres frü- 
heren Masses). 
1 Centimeter (oder Neuzoll) = 0,01 - (= 4,6"'). 

1 Decimeter =1,1 - (=3" 10'"). 

Um das alte Längenmass in das neue umzurechnen genügen folgende 



Daten: 



1 Linie = 2,17 Millimeter. 

1 ZoU = 26 - = 2,6 Centimeter. 

1 Fuss =313 - = 31,3 - = 3,13 Decimeter. 

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Gewichts- xmd Masskunde. 13 



Dem entspricht das Flächenmass, welches nach Quadratcentimetern zu 
berechnen ist: 

1 Qnadratcentimeter r= 0,0001 Quadratmeter = 100 Quadratmillimeter. 
1 Qnadratcentimeter ist ungefälir = 0,15 [~\" = 21 \~\'" des früheren Maasses. 
1 Quadratzoll = 676 Quadratmillimeter ^^ 6,76 Qnadratcentimeter. 

Bei der Receptur von aufgestrichenen Pflasteni verordnet man entweder 
das Flächenmass nach Quadratcentimetern, oder was vorzuziehen ist, das 
Längenmass der Länge (longitudo) und der Breite (latitudo) gesondert nach 
Centimetem. 

Diese präcise Massangabe ist den oft sehr ungenauen Massbestim- 
mungen, wie sie meist üblich sind (z. B. Thalergrösse , Grösse der Hand- 
fläche u. s. w.) bei weitem vorzuziehen. (Das Nähere weiter unten bei den 
Pflastern.) 



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Die Arzneiverordnungs-Formen. 



1/ie Arzneiverordnungen zerfallen, je nach den Organen, durch welche sie 
dem Körper zugefllhrt werden, in folgende Formen: 

I. Arzneiforraen, welche dem Magen einverleibt werden 
(innere Mittel im engeren Sinne). 

1. Trockene Formen, 
a. Species. 

Die Species bestehen in gröblich zerkleinerten Drogen, deren weitere 
Präparation für den Gebrauch im Hause des Kranken durch Maceration, Di- 
gestion, Aufguss oder Abkochung u. s. w. bewirkt wird; gewöhnlich werden 
Species zum Aufguss oder zur Abkochung verordnet (Species ad Infusum thei- 
forme). Die meisten zu Species verordneten Substanzen sind Theile von Ve- 
getabilien (Wurzeln, Hölzer, Stengel, BlUthen) ; in nicht seltenen Fällen werden 
Salze, entweder für sich in Speciesform, meistens aber mit Kräutern vermengt, 
als Species verordnet. 

Die in der Apotheke vorgenommene Zerkleinening der rohen Drogen zu 
Species wird entweder durch Zerschneiden (Concision) oder Zerquetschen (Con- 
tusion) bewirkt. Das Zerschneiden geschieht in Stampfkästen von starkem 
Holze, in denen mit Messera versehene Stampfer auf- und niedergestossen 
werden, oder in der Art, dass zunächst die Drogen durch Schneidemaschinen 
in Scheiben zerschnitten und diese demnächst in Stampf kästen zerkleinert wer- 
den. Die Contusion wird in metallenen oder steinernen Mörsern oder zwischen 
eben solchen Walzen bewirkt. Nach der Zerkleinerung werden die Species 
zuerst auf einem gi'öberen Siebe von den noch nicht genug zerkleinerten Stücken, 
später auf einem feineren Siebe von dem beigemengten Pulver befreit. 

Für die Verordnung in Species eignen sich nur solche Mittel, bei deren 
Dosirung es nicht auf Genauigkeit ankommt, und für deren weitere Bereitung 
es keiner besonderen Gescliicklichkeit bedarf. 

Wie bei der Mehrzahl der Arznei Verordnungen, hat man auch bei den 
Species darauf zu sehen, dieselben dem Geschmacke des Kranken möglichst 
zugänglich zu machen; die für diese Fonn meistens gewählten Corrigentien 
sind entweder zuckerhaltig (Rad. Liquiritiae, weniger zweckmässig: Caricae, 
Passulae, Manna, Saccharum in frustulis, welches letztere man füglich im 
Hause billiger beschaffen kann) oder aromatisch (Fol. Menth., Gort. Fruct. 
Aurant., Gort. Ginnamom. Gassiae). Sogenannte Verschönenings-GoiTigentien, 
wie Zusätze von Flor. Rosar., Flor. Gyani, sind für die zu innerlichem Ge- 
brauche bestimmten Species vollkommen obsolet. 

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Species. — Pulver. 



15 



Das Verschreiben der Species geschieht entweder der Art, dass die gleich- 
namigen botanischen Theile, von der Wurzel beginnend, untereinander geordnet 
werden, oder dass die vorzugsweise wirksamen Bestandtheile (Bases) zueilst 
und demnächst die secundär wirksamen (Adjuvantia) und schliesslich die Ver- 
besserongs-Zusätze (Corrigentia) genannt werden. 

Man verordnet die Species in einer Gesammtquantität und weist den Kran- 
ken an, wieviel derselben er für den jedesmaligen Gebrauch zu verwenden 
hat, oder man lässt in der Apotheke die zur jedesmaligen Anwendung kom- 
mende Menge besonders dispensiren; letztere Methode vertheuert die Verordnung 
unnützer Weise, da es sich hier durchgängig um indifferentere Medicamente 
handelt, bei denen es auf eine genaue Dosirung nicht ankommt. 

Die Signatur der Species giebt ihre weitere Bereitungsweise entweder in 
allgemeiner (zum Theeaufguss) oder in genauerer Bezeichnung der Dosis und 
Manipulation an; letzteres ist insofern zweckmässiger, als bei der häuslichen 
Bereitung meistens auf den Unterschied zwischen Infusion und Abkochung 
wenig Gewicht gelegt wkd. 

Beispiele. 



I. 1^ 

Rhiz. Graminis 50,0 
Rad. Liquiritiae 10,0 
Herb. Millefol. 25,0 
Fol. Menth, pip. 
Fruct. Foenic. ana 5,0. 
C(oncisa) (Contusa). M. f. spec. D. S. 
Einen Essloffel voll mit zwei Tassen 
kochenden Wassers aufzugiessen. 
[Infusions-Species ] 



II. I^ 

Rad Sarsaparill. 25,0 
Cort. Frangul 10,0 

Fruct. Aurant. 5,0 
Fol Senn. 10,0. 
C. M. f. spec. D. S. Einen kleinen Ess- 
loffel voll mit zwei Tassen Wasser auf 
eine einzukochen. 

[Decoct-Species.] 



m. ^ 

Rad. Valerian. min. 50,0 
Fol. Meliss. 25,0. 
C. M. f. spec. D. S. Einen halben Ess- 
löfFel mit einer Tasse kalten Wassers 
zu übergiessen und mehrere Stunden 
stehen zu lassen. 

[Macerations-Species ] 



IV. 



I^ 



Rad. Gentian. 20,0 
Rhiz. Galangae 
Fol. Menth, pip. 
Cort. Cinnam. Cass. ana 10,0 
C. M. F. spec. D. S. Mit einer Flasche 
Rothwein zu übergiessen und 24 Stun- 
den lang an erwärmtem Orte stehen zu 
lassen. 

[Digestions-Species.] 



b. Pulver, Pulveres. 

Je nach dem Grade der Feinkömigkeit, welche ein Pulver besitzt, be- 
zeichnet man dasselbe als ein gröbliches (Pulvis grossus s. grossiusculus) oder 
feines (Pulvis subtilis); der früherhin als ausnahmsweise bezeichnete Grad der 
Feinkömigkeit, welchen man Pulvis subtilissiraus oder alcoholisatus benannte, 
ist jetzt, bei dem zweckmässigeren Zustande der Zerkleinerungs- Apparate, jedem 
feinen Pulver eigen. 

Die zum Pulvern dienenden pharmaceutischen Operationen bestehen darin, 
dass die betreffenden Substanzen entweder im eisernen oder steinenien Mörser 
zerstossen oder in Mahlgängen zermahlen und durch ein feines Sieb geschlagen 
werden. Die namentlich bei einigen Metallsalzen von hohem specifischem Ge- 
wicht und einigen Kalksalzen anzuwendende Zerkleinenmgs-Methode besteht 
im Schlemmen (Elutriatio) , wobei die betreffenden Substanzen unter Wasser 
zerrieben werden, was mittelst eines Schlemm-Apparates geschieht. 

Zur Verordnung in Pulverform eignen sich diejenigen Substanzen, welche 
an und fllr sich in diese Form gebracht werden können, also Vegetabilien, 

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16 Pulver. 

trockene Harze, trockene Extracte, nicht zerfliessliche Salze; es können jedoch 
auch halb- oder ganzflüssige Substanzen (flüssige Extracte, ätherische Oele, 
Tincturen, Balsame), wenn dieselben nicht in zu grosser Quantität dargereicht 
werden sollen, durch Vermengung mit einem als Excipiens dienenden Pulver 
in die in Rede stehende Form gebracht werden. Man sei jedoch darauf be- 
dacht, immer nur verhältnissmässig geringe Quantitäten der halb- oder gänz- 
flüssigen Substanz der Pulvergrundlage beizumengen; durchschnittlich darf man 
als Regel annehmen, dass zu 1 Gramm der Pulvergnindlage höchstens etwa 
0,3 einer halb-, oder 0,1 — 0,15 einer ganz flüssigen Substanz beigemengt 
werden dürfen. (Beispiel IV— VII.) 

Als Constituentia dienen hauptsächlich: Saccharum, Saccharum Lactis, 
Gummi Arabicum, Pulvis Radicis Liquiritiae. Des Zuckei*s bedient man sich 
meistens zur Aufnahme trockener Substanzen und der ätherischen Oele, wäh- 
rend Milchzucker am zweckmässigsten für die Anwendung von Tincturen und 
geringen Mengen unlöslicher Salze, Gummi Ai*abicum für die Verreibung mit 
weichen Harzen, Balsamen und Seifen, und Rad. Liquiritiae für die Verreibung 
von flüssigen oder weicheren Extracten gebraucht wird. 

Zur Gesclmiacks-Correction der Pulver dienen theilweise die eben ange- 
gebenen Constituentia, femer Gewürze (Cort. Cinnamomi Cass. , Gort. Fruct. 
Aurant., Rhiz. Zingiberis u. s. w.), Elaeosacchara. Bei solchen Mitteln, welche 
leicht Nausea erregen und deren Wirkung dadurch häufig nicht zur vollen 
Geltung kommt, ist Pulvis aörophorus ein sehr vortheilhaftes Geschmacks- 
Corrigens, welches auch in den meisten Fällen den beabsichtigten Heikweck 
wesentHch untei^stützt (vergl. Beispiel IX). 

Von der Pulverform auszuschliessen sind solche Mittel, welche einen sehr 
scharfen Geschmack haben und durch das Constituens nur unvollkommen ver- 
deckt werden können, oder deren reizende oder corrosive Einwirkung auf die 
Schleimhaut bei dem längeren Verweilen des Pulvers im Munde zu fürchten ist. 

Man verordnet die Pulver entweder in abgetheilten Dosen, oder in der 
Gesammtquantität, in welchem letzteren Falle dem Kranken das Maass der 
Einzelgaben vorgeschrieben wird. Die erstere Verordnungsweise muss überall 
da Platz greifen, wo es sich um nur einigermassen differente Mittel handelt, 
da bei der durch den Kranken selbst bewirkten Eintheilung kaum ein an- 
näherndes Innehalten der vorgeschriebenen Dosis erwartet werden darf. Man 
giebt bei dieser Verordnungsform entweder die Dosis für je ein Pulver an 
und bedient sich dann in der Subscription der Formel: Dispensentur oder 
dentm* tales doses . . . , oder man bestimmt die Summe der einzelnen Dosen 
und weist dann den Apotheker an: Divide in partes aequales No. . . . Ei-stere 
Form der Verordnung, welche eine grössere Sicherheit für die stricte Inne- 
haltung des bestimmten Gewichtes des Arzneistoffes in jedem einzelnen Pulver 
darbietet, ist überall da anzuwenden, wo es sich um differente Mittel, z. B. 
Morphin, Apomoi*phin, arsenige Säure u. s. w., handelt. 

Die mittlere Grösse des einzelnen Pulvers darf auf 0,5—1,0 Gramm an- 
genommen werden; stärker wiegende Pulver zu verschreiben, wird nur da 
nöthig sein, wo durch eine grössere Quantität eines halb- oder ganzflüssigen 
Zusatzes eine grössere Menge des Excipiens bedingt wird, üeber 1,5 geht 
man jedoch bei der Verordnung der Grösse des einzelnen Pulvers selten hin- 
aus, während andererseits 0,2 als das Minimum desselben anzusehen ist; diese 
letztere Grösse hat jedoch insofern ihr Bedenkhches, als leicht beim Ausschütten 
jedes Pulvere eine Quantität desselben an der Kapsel hängen bleibt, somit bei 
sehr kleinen Pulvera die dargereichte Arzneidosis wesentlich verkürzt werden 
kann. Dieser Uebelstand wird übrigens jetzt dadurch vermieden, dass in den 
meisten Apotheken nur satinirtes, ganz glattes Papier zu Pulverkapseln ver- 
wendet wird (Charta laevigata s. dentata). 

Die abgetheilten Pulver werden in Papierkapseln dispensü't (Dentm* in 

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Pulver. 17 

Charta); bei Pulvern, welche ätherische Oele, stark riechende und leicht 
Feuchtigkeit anziehende Substanzen (namentlich Extracte) enthalten, wird 
Wachspapier (Charta cerata) angewendet. 

Am Schlüsse der Verordnung abgetheilter Pulver ist jedesmal zu erwähnen, 
in welchem Vehikel dieselben zu nehmen sind, wenn nicht dem Kranken dartlber 
mündliche Anweisung ertheilt worden ist. 

Bei lang fortgesetztem Gebrauch eines Pulvei's, zumal in der Armenpraxis, 
ist es bei weniger differenten Substanzen, z. B. Bromkalium, vielfach Sitte, die 
einzelnen Pulver in der doppelten, selbst di-eifachen Quantität der jedesmaligen 
Einzeldose dispensireu zu lassen und den Kranken anzuweisen, pro dosi nur die 
Hälfte oder den dritten Theil eines solchen Pidvers zu nehmen. 

Bei der Verordnung der Pulver in Gesammtquantität (gewöhnlich Schachtel- 
pulver genannt) wird der Kranke angewiesen, die jedesmal zu nehmende Dosis 
selbst abzutheilen; die beiden dabei in Anwendung kommenden Quantitäts- 
Bestimmungen sind: eine Messerspitze oder ein TheelÖfFel voll; die eratere ist 
euie durchaus ungenaue, da sie durch die variii'enden Formen der Messer und 
die nicht festzustellende Ausdehnung, in welcher das Pulver die Messerspitze 
bedeckt, oder bis zu welcher Höhe es aufgeschichtet wii^d, wesentlichen 
Schwankimgen unterworfen wird. Im allgemeinen will man die Gabe einer 
Messei*spitze etwa der eines halben Theelöffels gleich rechnen, thut also viel 
besser daran, bei diesem, doch wenigstens annähernd zu tixü^enden Maasse 
stehen zu bleiben. 

Der gestrichene Theelöffel mittlerer Grösse enthält von einem Pflanzen- 
pulver durchschnitthch 2,5 Gramm; etwas grössere Gewichtsverhältnisse, ca. 3,0 
haben Pulver, deren quantitativ grösster Bestandtheil Zucker ist; ein zum 
grossen Theil aus Salzen bestehendes Pulver wiegt 3,0—4,0, selbst bis 5,0; 
ein Pulver, welches den zehnten Theil Magnesia und darüber enthält wird so 
leicht, dass der gestrichene Theelöffel nur etwa 1,5 — 2,0 wiegt. Von der 
Magnesia usta für sich allein wiegt ein Theelöffel voll etwa 0,5. — Ein ge- 
häufter Theelöffel beträgt etwa die Hälfte mehr als ein gestrichener. 

Die in Rede stehende Form wird selten in Papierdüten, meistens in 
Schachteln (D. in scatula), in der Armenpraxis zweckmässig in Kruken (D. in 
oUa grisea), welche bei der Reiteratur wieder benutzt und schliesslich dem 
Apotheker wieder zurückgegeben werden können, verordnet. Enthält das 
Pulver stark riechende oder leicht Feuchtigkeit anziehende Substanzen, so dis- 
pensirt man es in Gläsern mit weitem Halse, die entweder mit einem Kork, 
der an einem übergreifenden Hobsdeckel befestigt ist, oder mit einem einge- 
schliffenen Glasstöpsel bedeckt werden (D. in vitro opei'culo ligneo s. epistomate 
vitreo clauso). 

Die Methode, die Pulver trocken nehmen zu lassen, erscheint, selbst ab- 
gesehen von dem Widerwillen, den die meisten Patienten dagegen haben, un- 
geeignet, da beim Schlucken leicht Pulvei-partikeln in den Kehlkopf kommen 
und heftigen Hustenreiz eiregen. Nur bei ganz kleinen und leicht löslichen 
PulveiTi ist es rathsam, dieselben auf die Zunge zu legen und mit einem Schluck 
Wasser hinunterspulen zu lassen. 

Das Vehikel, welches meist für das Einnehmen der Pulver verordnet wird, 
ist Wasser; bei solchen Pulvern, welche schwere Metallsalze enthalten, nament- 
lich Hydrarg. chlorat. mite, ist Zuckerwasser oder Haferschleim vorzuziehen, 
um das rasche Niedei^chlagen des Salzes einigennassen zu behindern. Kaffee 
oder Fleischbrühe als Vehikel der Pulver zu verordnen, hat insofern seine 
Bedenken, als leicht dem Kranken dadurch ein Widerwille gegen diese Getränke 
eingeflösst wird. Roth wein wird zuweilen als Vehikel verordnet, um die Wirk- 
samkeit der dargereichten Mittel zu unterstützen. 

Sehr Übel schmeckende Pulver werden in Oblate gehüllt, oder, wenn sie 

Ewald niul Kimon, Arziielveronlmiugslehrc. 10. Anfl. 9 

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18 



Pulver. 



nicht mehr als etwa 0,5 wiegen, in Deckelkapseln aus Gelatine, Capsulae 
operculatae, gegeben (Beispiel X). 

In neuester Zeit sind Oblatenkapseln, Capsulae amylaceae, in Ge- 
brauch gekommen (Limousin), welche eine sehr zweckmässige Umhüllung 
schlecht schmeckender Pulver bilden und meist mit Leichtigkeit genommen 
werden. Dieselben sind in dreierlei Grössen voiTäthig und besitzen eine flach 
linsenfönnige Gestalt. Das abgetheilte Pulver wird vom Apotheker in eine 
halbe Kapsel eingefilllt, sodann wird eine zweite gleich grosse halbe Kapsel 
am Rand angefeuchtet umgekehrt genau darauf gelegt und sodann der Rand 
beider Hälften mittelst einer kleinen Presse zusammengedrückt. Die Dispen- 
sation mittelst dieser Kapseln ist nicht viel theurer als mittelst Papierhtilsen, 
und sie gewährt ausser anderen naheliegenden Vortheilen auch noch den, dass 
vom Pulver beim Einnehmen nichts verloren geht. Vor dem Einnehmen taucht 
man die Kapsel einen Moment in Wasser, legt sie sodann auf die Zuuge und 
spült sie sodann durch einen Schluck Wasser oder Thee hinunter (Beispiel XI). 
Dadurch dass man das Corrigens ganz weglassen kann, vermag man die Kapsel 
relativ klein zu wählen. 



Beispiele. 
A. Abgetheilte Pulver. 



I. Bf 

Hydrai-gyri chlorat. mit. 0,1 
Sacch. lactis 0,5. 
M. F. pulvis. Dispensentur tal. dos. No. 4. 
D. S. Viertelstündlich ein Pulver mit 
etwas Wasser oder Haferschleim zu 
nehmen. 



II I^ 

Magnesiae ustae 

Pulv. Tub. Jalapae 

Sacchari albi ana 0,25. 
M. f pulv. dent. tal. dos. No. 6. S. Zwei- 
stündlich ein Pulver. 



III. IV 

Stibii sulfurati aurantiaci 
Pulv. Rad. Ipecacuanh. ana 0,25 
Elaeosacch. Foenicul. 0,5. 
M. f. pulv., div. in part. aequal. No. 8. 
Dent. in Chart, cerat. S. Zweistündlich 
ein Pulver in Wasser zu nehmen. 



VI. Bf 

Extr. Cannab. ind. 0,5 
Pulv. Gummi Arab. 5,0. 
M. f. pulv. div. in part. aequal. No. 10. 
D S. Zwei- bis dreistündlich ein Pulver. 



IV. IV 

Tinct. Belladonn. 0,15 

tere c. 
Sacch. Lact. 1,0. 
Fiat. pulv. disp. tal. dos No. 4. S. Mor- 
gens und Abends ein Pulver in Wasser 
zu nehmen. 



V Bf 

Ol. Crotonis 0,05 
Sacch. alb. 0,4. 
M. f. pulv. Divid. in dos. aequal. No 4. 
D. S. Vierstündlich ein Pulver in Ha- 
ferschleim zu nehmen. 



vn. H' 

Extr. Hyoscyami 0,05 
Rad. Liquir. pulv. 1,0. 
F. pulv. disp. tal. dos. No. 5. S. Zwei- 
stündlich ein Pulver. 



VIII. Bf 

Camphor. trit. 0,1 
Pulv. Gummi Arab. 1,0. 
F. pulv. disp tal. dos. No. 10. d. in chart. 
cerat. S. Zweistündlich ein Pulver. 



IX. Bf 

Morphini hydrochlor. 0,1 
Pulv. aeroph. 10,0. 
M. pulv. div. in octo part. aequal. S. 
Abends ein Pulver mit Wasser während 
des Aufbrausens zu nehmen. 



X. Bf 

Chinini sulfurici 0,1 

Sacchar. Lact. 0,3. 
F. pulv. disp. tal dos. No. 6. d. in capsulis 
operculatis. S. In der fieberfreien Zeit 
viertelstündlich eine Kapsel mit Pulver 
zu nehmen. 

XI. I^' 

Seealis cornuti pulv. 0,5. 
Dispens, tal. dos. No. 10. D. in capsulis 
amylaceis. S. Stündlich ein Stück leicht 
angefeuchtet zu nehmen. 



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Pulver. — Pillen. 



19 



B. Schachtelpnlver. 



xn. 1^ 

Tartari depur. 
Sulfur. depurat. 
Sacchari ana 10,0. 
M. f. polv. d. in scatul. S. Morgens und 
Abends einen Theelöflfel voll in Wasser 
zu nehmen. 



XIII. 



IV 



Natr. bicarbon. 10,0 

Pulv. Rad. Rhei- 

Elaeosacch. Menth, ana 5,0 

Sacch. alb. 25,0. 
'.. f. pulv. d. in vitro benc claaso. S. 
Morgens und Abends einen Theelöffel 
voll in Wasser zu nehmen. 



XIV. Kf 

Pulv. Cort. Chin. fusc. 10,0 
„ Rhizom. Zingib. 1,0 



Elaeosacch. Macid. 5,0 
Sacch. alb. 20,0. 
M. f. pulv. d. in vitro bene obturato. S. 
Vormittags einen Theelöffel voll in einem 
Weinglase Rothwein zu nehmen. 



XV. Bf 

Pulv. Rad. Valerian. 

. « n Rhei 

Magnesiae carb. ana 5,0 

Sacch. alb. 10,0. 
F. pulv. d. in olla. S. Morgens un(f Abends 
einen Theelöffel voll in Wasser zu nehmen. 



XVI. Rr 

Cubeb. 50,0 
Tub. Jalap. 5,0. 
F. pulv. d. in scatula. S. Zweimal täglich 
einen gehäuften Theelöffel in Oblate zu 
nehmen. 



c. 



Pillen, Pllulae. 



Sehi' schlecht schmeckende oder die Mundschleimhaut reizende oder ätzende 
Substanzen, welche von der Verordnung in Pulverform ausgeschlossen sind, 
werden mit Vortheil in Pillenfoinn dargereicht*), ebenso eignet sich diese Form 
für die nicht geringe Zahl von Patienten, welche gegen die Einnahme von 
Pulvern oder Solutionen einen entschiedenen Widerwillen haben. Dagegen ist 
zu bemerken, dass es andererseits auch viele Individuen giebt, welchen es 
unmöglich ist, Pillen zu verschlucken, weshalb namentlich in der Kinderpraxis 
von dieser Ai-zneiform ganz abzusehen ist. Bei Verordnung von Medicamenten 
auf längere Zeit gewährt die Pillenform insofern Vortheile, als sie ein geringeres 
Volumen erfordert und bei trockner Aufbewahi'ung das Verderben der Medi- 
camente verhütet. 

Die nonnale Consistenz ehier Pillenmasse muss derart sein, dass dieselbe 
sich leicht kneten, ausrollen und in einzelne Kugeln zerschneiden lässt, ohne 
dabei zu zerbröckeln oder durch Zerfliessen selbständig die Form zu verändern. 

Die eben bezeiclniete Consistenz ist nach der Pharm. Germ, keinem phar- 
maceutischen Präparate, wenn wir nicht etwa Gera (und Mica panis) ausnehmen 
wollen, mehr zuzusprechen; es wird* also diese Consistenz immer nur durch 
Mischungen herzustellen sein, indem man denjenigen Substanzen, welche einen 
grösseren Grad von Weichheit besitzen, Pulver zumischt und häi'tere Sub- 
stanzen duich Zusatz von Flüssigkeiten oder weichen Extracten auf den er- 
forderlichen Consistenzgrad bringt. 



*) Wir möchten noch auf eine bisher selten geübte Verwendung von Pillen auf- 
merksam machen, die wir für gewisse Fälle ganz besonders empfehlen. Sie besteht 
darin, dass man die Pille nicht ganz hinunterschlucken, sondern — nach Art der 
Hjrpoglottides der Alten, ähnlich wie mit unseren Bonbons — im Mund halten und 
langsam zergehen lässt. Diese Methode ist ganz besonders zur Erzielung einer lokalen 
Wirkung in der Mund- und Rachenhöhle zu empfehlen. Hier sind schlecht schmeckende 
Medicamente zu vermeiden (Beispiel XV FT.). 

Digiti^« by VoiOOQlC 



20 Pillen. 

Wüi'de es bei weichen Extracten darauf ankommen, dieselben ohne weiteren 
Pulverzusatz zur Pillenconsistenz zu bringen, so könnte man dies durch Ab- 
dampfen bewirken; es ist dies Verfahren jedoch deshalb nicht zu empfehlen, 
weil es zeitraubend ist, in manchen Fällen die Qualität des Medicaments beein- 
ti'ächtigen könnte, und weil schliesslich solche Pillen leicht Feuchtigkeit aus 
der Luft anziehen und zei*fliessen. 

Die Mischungs- Verhältnisse zur Herstellung einer Pillenmasse sind folgende : 

1) Extracte. Die Extracte des ersten Consistenzgrades (Consistenz des 
frischen Honigs) lassen sich mit der doppelten Quantität Pflanzenpulver zur 
Pillenmasse formen (Beispiel L). Exti*acte des zweiten Consistenzgrades 
(dickere Extract- Consistenz, Mus- oder Latwergen-Consistenz) bedürfen Vg bis 
*/, eines vegetabilischen Pulvers (Beispiel IL und HL), Extracte der diitten 
Consistenz (trockne Consistenz) etwas Mucilago Gummi Arabici oder einer ge- 
ringen Quantität Spiritus zur Pillenmasse (Beispiel IV.)*). 

2) Trockne Harze (Resina Jalapae, Resina Guajac.) und ihnen ähnliche 
Körper (wie Opium, Kino, Katechu) verhalten sich in Bezug auf ihr Eingehen 
zur Pillenmasse wie Pflanzenpulver und bedürfen zur Erzeugung einer solchen 
die sub 1. angeführten Quantitäten von Extracten. Verordnet man solche Sub- 
stanzen nur in kleinen Dosen, so können sie jeder guten Pillenmasse ohne 
weiteres hinzugefügt werden. 

3) Gummihai'ze (Asa foetida, Galbanum, Ammoniacum, Gutti) erfordern 
zur Bildung einer Pillenmasse von Exti-acten ersten Consistenzgrades etwa den 
achten bis zehnten Theil ihi'es Gewichtes, von Extracten zweiten Consistenz- 
grades den vierten bis sechsten Theil, von Extracten dritten Consistenzgi'ades 
etwa die Hälfte. Gegen Spiritus und Mucilago Gummi Arabici verhalten sich 
die in Rede stehenden Substanzen wie die Extracte dritten Consistenzgrades 
(Beisp. V. und VI.). 

4) Componirt man eine Pillenmasse mit Seife, so wird dadurch der Be- 
darf der Masse an weichen Bestandtheilen wesentlich vennindert und genügen 
dann wenige Tropfen Gummi-Schleim oder Spii'itus, um die normale Consistenz 
hervorzurufen. 

5) Balsame und ätherische Extracte (Extr. Cubeb., Filicis und Cinae) 
können nur zur Pillenmasse gebraucht werden, wenn vorher weisses Wachs 
(die Hälfte oder der dritte Theil) damit gemischt worden ist; die so erhaltene 
Mischung verhält sich etwa wie ein Extract des zweiten Consistenzgrades 
(Beisp. VHL). 

Balsamum Copaivae geht auch mit der Hälfte Magnesiae ustae eine Ver- 
bindung ein, welche mit gleichem Theile Pulver eine Pillenmasse giebt. 

6) Aetherische Gele können in kleinen Quantitäten (etwa 1 Tropfen auf 
1 — 3 Gramm) jeder Pillenmasse ohne Weiteres zugesetzt werden. Will man 
grössere Quantitäten verordnen, so setzt man gleiche Theile weisses Wachs 
hinzu und erhält dann eine Verbindung,^ welche sich mit jeder nicht zu weichen 
Pillenmasse vereinigen lässt (Beisp. IX. und X.). 

7) Mineralische Pulver verhalten sich zu den vegetabilischen in Bezug auf 
ilir Eingehen in Pillenmassen (vergl. oben sub L) durchschnittlich wie 3:2; 
bei specifisch sehr schweren metallischen Substanzen (Stib. sulf. nigr., Hydrarg. 



*) Den ersten Consistenzgrad haben: Extr. Cinae, Extr. Cubebar., Extr. Dauci, 
Extr. JFilic., Extr. Gramin. liquid., Extr. Mezerei, Extr. Taraxaci liquid., Saccus Juni- 
peri inspissatus, Mel und Fei Tauri recens. Den dritten Consistenzgrad haben: Extr. 
Aloes, Extr. Aloes acid. sulf. correct., Extr. Catechu, Extr. Chinae fusc, Extr. Colo- 
cynthidis, Extr. Colocynthid. comp , Extr. Colorabo, Extr. Ipecac, Extr. Ligni Campechiani, 
Extr. Monesiae, Extr. Myrrhae, Extr. Opii, Extr. Ratanhae, Extr. Rliei compos., Extr. 
Senegae, Extr. Str}^clin. aquos. und spirituos., Succus Liquirit. crudus und Fei Tauri 
siccum. Sämmtiiehe übrigen Extracte, so wie Succus Liquiritiac depuratus und Fei 
Tauri inspissalum haben den zweiten Consistenzgrad. 

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Pillen. 21 

sulf. nigr.) stellt sich das Verhältniss wie 2:1. Im allgemeinen eignen sich 
mineralische Pnlver in grösseren Mengen weniger fUr die Verordnung in Pillen- 
substanz; namentlich gilt dies von den löslichen Salzen, welche, wenn man 
ihnen nicht ein Pflanzenpulver zufügt, leicht durch ihre hygroskopische Eigen- 
schaft ein Zerfliessen der Pillen herbeiführen (Beisp. XL und XIL). Kleinere 
Gaben differenter mineralischer Mittel (Hydrarg. chlor, mite, Tartar. stib. u. s. w.) 
werden von jeder guten Pillenmasse aufgenommen. 

8) Viele vegetabilische Pulver, wie namentlich Pnlv. Rad. Rhei, Pulv. 
Rad. Liquir., geben mit Zusatz von einer geringen Quantität Wasser eine 
brauchbare Pillenmasse (Beisp. XIII.). Die viel gebrauchte Combination von 
Rad. Alth. mit Wasser giebt nur unter Zusatz von etwa der Hälfte Zucker 
eine gute Pillenmasse (Beisp. XIV.) 

9j Bei der Verordnung leicht zersetzlicher Metallsalze (Argent. nitric. 
u. s. w.), bei denen man den Contact mit organischen Substanzen vermeiden 
will, bedient man sich statt aller eben genannten Pillenmassen der Argilla, 
welche unter Zusatz weniger Tropfen destillu'ten Wassere eine sehr gute 
Pillenmasse giebt, die der Resorption des Medicaments im Magen kein Hinder- 
niss entgegenstellt (Beisp. XV.). 

Die Ingi'edienzien , welche zur Pillenmasse verechrieben sind, werden in 
einem (meist eisernen) Möreer mit (eiserne^n) Pistill gemischt, gehörig durch- 
geknetet, zu Stangen ausgerollt und durch die Pillenmaschine in die vorge- 
schriebene Anzahl von unvollkommenen Kugeln geschnitten, welche durch Be- 
handlung mit dem Rollbrett ihre volle Rundung erhalten. Die Pillenmaschine 
besteht aus einem Holzbrett, auf welchem eine eiserae oder Holzplatte mit 
(meistens 30) Halbröhren eingelassen ist, und einer zweiten mit genau ent- 
sprechenden Halbröhren versehenen ähnlichen Platte. 

Die Veroixlmmg von Pillen geschieht meistens in der Art, dass man die 
Gesammtquantität des zu verabreichenden Mittels nennt und die Einzelndose 
aus der Division der Oesammtquantität hervorgehen lässt; seltener verordnet 
man die Composition der einzelnen Pillen und bestimmt die Gesammtquantität 
durch Multiplication. 

Zunächst werden beim Verschreiben der Pillen die wirksamen Bestandtheile 
in ihrer Gesammtquantität angegeben, dann die Constituentia der Pillenmassen 
hinzugefügt und diese selbst nun in so viele Theile zertheilt, dass jeder der- 
selben die gewünschte Dosis enthält. — Namentlich beim Verschreiben diflfe- 
renter Mittel ist es nothwendig, dass man sich vorher die Grösse der Einzel- 
dose und die Zahl der zu verabreichenden Gaben genau bestimmt und aus 
der Multiplication beider Factoren die Grösse der Gesammtquantität feststellt. 

Hält die Verordnung annähernd die oben angeführten Verhältnisse zwi- 
schen tn»cknen und weichen Bestandtheilen inne, so wird mau in der Anwei- 
sung für den Apotheker sich auf die einfache Formel : F(iant) pil. beschränken 
können, alle anderen Anweisungen in Bezug auf die Reihenfolge der vorzu- 
nehmenden Mischungen, die Art der Manipulationen sind tlberflUssig und wer- 
den am besten der Praxis des Apothekers überlassen, dem überhaupt bei der 
Anfertigung von Pillen eine gewisse Selbständigkeit in vielen Fällen nicht ab- 
zusprechen sein wird ; diese darf sich jedoch natürlich niemals darauf erstrecken, 
nach seinem Belieben durch Hinzuftigung anderer als der vorgeschriebenen 
Constituentia die Gestaltung der Pillenmasse herbeizuführen, sondeni nur 
ilarauf, entweder durch Minimalquantitäten indifferenter Zusätze (Pulv. Alth., 
Mucilago, Gera) oder zuweilen durch Austrocknen mittelst vorsichtiger Erwär- 
mung der Arzneiverordnung die Ausführbarkeit zu sichern. Nur diese Be- 
deutung darf es haben, wenn das Recept den Apotheker anweist, lege artis 
zu verfahren, wohingegen es unzulässig ist, die Fonnel so weit auszudehnen, 
dass dem Apotheker selbst die Wahl der Constituentien anheimgegeben wird. 
Diese müssen, sofern sie nicht ganz indifferent sind, immer mit dem Zwecke 

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22 Pillen. 

der Arzneiverordnung tibereinstimmen, und es hängt demnach die Wahl des 
Constituens meist von therapeutischen Massregeln ab, welche nur der Arzt 
und nicht der Apotheker zu bestimmen hat. 

Bei der Eintheilung der Pillenmasse ist die Zahl der daraus resultirenden 
Pillen der stets im Auge zu behaltende Gesichtspunkt, da nur aus ihr die Be- 
stimmung der Einzelndosis hervorgehen kami. Die von manchen Aeraten noch 
befolgte Gewohnheit, ein Gewichtsverhältniss der einzelnen Pillen anzugeben, 
würde nur dann zulässig sein, wenn die mit Gewichtsbestimmung verordneten 
Bestandtheile genau eine Pillenmasse ergeben. Ist dies nicht der Fall, enthält 
vielleicht gar die Verordnung einen Bestandtheil mit der Bezeichnung q. s., 
so ist dem Arzte die Controle über den Gehalt der einzelnen Pille vollkommen 
entzogen. — Verordnet man eine bestimmte Anzahl von Pillen mit gleich- 
zeitiger Angabe des Gewichtes jeder einzelnen Pille, so muss man dem Apo- 
theker durch Zusatz von q. s. bei dem Constituens oder durch die Ermächti- 
gung l. a. in der Subscription die Möglichkeit geben, die Verordnung sicher 
auszuführen. — Im allgemeinen suche man durch die Berechnung der ein- 
zelnen Quantitäten annähernd das Verhältniss zu erreichen, dass die einzelne 
Pille 0,1 — 0,15 wiegt, da kleinere Pillen leicht im Schlünde stecken bleiben, 
grössere, namentlich von ungeübten Patienten, schwer verschluckt werden*). 

Theils um das Aneinanderkleben der Pillen zu verhüten, theils um den 
Geschmack derselben zu verdecken, werden sie entweder mit einem Streu- 
pulver bestreut oder mit einem Ueberzuge versehen. Zum Bestreuen (Con- 
spergiren) sind hauptsächlich folgende Pulver in Gebrauch: Lycopodium, Pulv. 
Gort. Cinnamomi Cass., l^ilv. Rhiz. Iridis, Pulv. llad. Liquiritiae, Amylum, 
Saccharum alb., Magnesia usta und carbonica. Von diesen Pulvern sollen 
Pulv. Gort. Cinnamomi Cass. und Pulv. Rad. Liquir. als Geschmacks-, und 
Pulv. Rhiz. Iridis als Geruchs-Corrigens dienen; wo eine derartige Correction 
nothwendig, da ist dieselbe durch die weiterhin zu erwähnenden Verfahrungs- 
weisen sicherer zu erzielen. Ein sonstiger Vorzug des einen Streumittels' vor 
dem andern ist nicht motivirt und somit die Wahl desselben ziemlich gleich- 
giltig. Wird in der Verordnung kein solches bestimmt angegeben, so geschieht 
das Bestreuen immer mit Lycopodium. — Das Ueberziehen (Obducation) wird 
entweder mit Metallfolie (Silber und Gold — Beisp. IX. und X.) oder mit 
Gelatine volbsogen. Der Ueberzug mit Metallfolie gewährt zwar den PiUen 
ein sehr elegantes Aussehen, verdeckt aber den Geruch nicht im mindesten 
und ist deshalb bei übelriechenden Mitteln nicht zu wählen. Viel zweckmäs- 
siger ist in letzterer Beziehung das Gelatiniren (Beisp. V.), welche Procedur 
aber wegen des nöthigen Ti'ocknens der Pillen etwa 12 Stunden in Anspruch 

*) Bei der Verordnung richte man es so ein, dass ungefähr folgende Verhältnisse 
Platz greifen: 

Anzahl der zu Gesammtquan- Anzahl der za Gesammtquan- 

verschreibenden ti tat der Pillen- verschreibenden tität der Pillen- 



Pillen. 




masse. 


Pillen. 




masse. 


15 Pillen 


= 


2,0 


60 Pillen 


= 


7,5 oder 8,0 


20 - 


= 


2,5 


80 - 


= 


10,0 


25 - 


= 


3,0 


100 - 


= 


12,0 


30 - 


= 


4,0 


120 - 


= 


15,0 


40 - 


= 


5,0 


150 - 


= 


18,0 


50 - 


= 


6,0 


200 - 


= 


25,0 



Eine andere Anzahl von Pillen, als in dieser Tabelle aufgeführt, zu verordnen, 
empfiehlt sich nicht, da immer auf möglichste Abrundung der Zahlen zu achten ist. — 
Um obige Ziffern im Gedächtniss zu behalten, merke man nur, dass zu der Pillen- 
Anzahl eine Pillenmasse gehört, deren Gewicht in Decigraramen die nächste abgerun- 
dete ZiflFcr nach der Pillen- Anzahl ist: zu 15 Pillen 20 Decigramm, zu 20 Pillen 
25 Decigramm, zu 25 Pillen 30 Decigramm, zu 40 PiUen 50 Decigramm u. s. w. 

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Pillen. 



23 



nimmt und deshalb bei rasch auszuführenden Verordnungen nicht anwendbar 
ist. — Weniger vollkommen dem Zweck entsprechend als das Gelatiniren, aber 
darum um vieles schneller ausführbar, ist das sogenannte Dragiren der Pillen, 
welches in der Art bewirkt wird, dass man die Pillen erst mit Mucilago Gummi 
Mimos. befeuchtet und dann in einem Gemisch von gleichen Theilen Amylum 
und Zucker, welchem man auch etwas ätherisches Oel oder Pulv. Finict. Va- 
nillae zusetzen kann, wälzt (Beisp. XVI.). — Noch vollkommener wird das 
Dragiren im schwingenden Kessel (der sog. spanischen Küche) bewu*kt; diese 
Procedur, bei welcher die äusserste Eleganz der Pillen erreicht und jeder Ge- 
ruch des Medicamentes noch vollkommener als beim Gelatmii^en verdeckt wkd, 
lässt sich jedoch nur bei gi'össeren Massen (5 — 10 Pfund) in Vollzug bringen 
und findet deshalb nur auf solche Pillen Anwendung, die vorräthig gehalten 
werden (Rhabarber-Aloe-, Asa foetida- Pillen, Pilul. Valett., Pillen aus Bals. 
Copaiv. Cubeben u. s. w.). 

Die Pillen werden meistens in Schachteln gegeben; in der Armenpraxis 
bedient man sich auch bei dieser Arzneiform zweckmässiger der thönemen 
Kruken; stark riechende Pillen und solche, die vermöge ihrer Bestandtheile 
Neigung zum Zei^fliessen haben, verordnet man (namentlich wenn eine grössere 
Quantität vorgeschrieben ist) in Gläsern mit Holz- oder Glasstöpseln (Beisp. IV., 
V., VIII. und XIV.). In neuerer Zeit werden in vielen Apotheken elegante 
Gläser mit aufzuschraubendem zinnernen Deckel verabfolgt. 

Bei der Gebrauchsanweisung der Pillen ist nur die Zahl- und die Zeitbe- 
stimmung nothwendig. Ein besonderes Vehikel für das Einnehmen der Pillen 
zu verordnen, wie dies früher zuweilen geschah (Mus, Backpflaumen u. s. w.) 
ist unnöthig; gut bereitete, nicht zu grosse und zu kleine Pillen werden von 
nicht allzu ungeschickten Patienten leicht genommen. 



Beispiele. 



I. I^ 

Extr. Cinae 1,0 

Pulv. Flor. Cinae 2,0. 
M. f. pil. No. 25. consp. Pulv. Cort. Cin- 
nam. D. S. Morgens 5 Pillen zu nehmen. 



n. IV 

Extr. Absinthii 8,0 

Pulv. Rad. Rhei 4,0. 
M. f. pil. No. 100. consp. Pulv. Rhiz. Irid. 
D. S. Morgens und Abends zwei bis drei 
Pillen. 



ni. Bf 

Extr. Cascarill. 2,0 

Pulv. Rad. Colombo 1,0. 
M. f. pil. No. 25. consp. Lycopod. D. S. 
Stündlich eine Pille. 



IV. Bf 

Extr. Aloes 6,0. 

P. cum Mucilag. Gummi Mim. q. s. (s. gut- 
tis nonnullis; massa pilular. e qua for- 
mentur pil. 50 consp. Lycopod d. in 
vitr. S Morgens und Abends eine bis 
zwei Pillen zu nehmen. 



V. IV 

Galban. 10,0 

Extr. Valerian. 1,0. 
M. f. pil. No. 100. obducant. gelatina. D. in 
vitro. S. Morgens und Abends drei Pillen. 



VI. Bf 

Asae foetid. 5,0. 

F. ope spirit. vini q. s. Massa pilul , e 
qua forment. Pilul. No. 40. Obduc. 
massa Tragacanth. D. S. Dreimal täg- 
lich zwei Pillen. 



VII. Bf 

Pulv. Rad. Rhei 2,0 
Saponis medicat. 1,0. 
F. ope Spirit. rectificat. guttis nonnullis 
Massa pilular. e qua formentur Pil. 25. 
consp. Magnes. D. S. Morgens und 
Abends eine bis zwei PiUen. 



vni. 



IV 



Extr. Filicis aeth. 2,0 

Cer. alb. 1,0 

Pulv. Kamalae 2,0. 
M. f. pil. No. 40. consp. Pulv. Rad. Li- 
quir. D. S. Morgens und Abends fünf 
Pillen. 



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2\ 



Pillen. 



Bissen. 



LX. I^ 

Ol. Carvi aeth. 0,> 

Pulv. Rad. Rhei 

Myrrhae pulv. ana 2,0 

Extr. Trifol. 4,0. 
M. f. pil. No. 60. obduc. Argent. foliat. 
D. in vitro. S. Zweistiindlich eine Pille. 



X. IV 

Ol. Sabin. 
Cor. alb. ana 2,0 
Pulv. Bulb. Sein. 6,0 
Extr. Sab. 2,0. 
M. f. pil. No. 100. obduc. Auro. fol. D. 
in vitro. S. Stündlich zwei Pillen. 

XI. Vf 

Zinci acetici 3,0 

Eitr. Valerian 1,0. 
M. f. pil. No. 30. consp. Pulv. Rad. Li- 
quir. D. in vitro. S. Dreimal täglich 
zwei Pillen. 



XII. 



Kali sulfurici 

Pulv. Rad. Rhei 

Eitr. Taraxaci ana 4,0. 
M. f. pil. No. 100. consp. Pulv. Rad. Li- 
quirit. D. S. Morgens und Abends fünf 
Pillen. 



xni. ^ 

Kalii jodat. 

Pulv. Rad. Liquir. ana 3,0. 
F. c. Aq. destillat. gutt. nonnullis massa 
pilul., e qua forment. Pil. 50. consp. 



Lycop. D. S. Dreimal täglich eine bis 
zwei Pillen. 

XTV. I^ 

Hydrarg. bichlor. corr. 0,2 j 

solve in 
Aq. dest. quant. suif. 
Pulv. Rad. Alth. 2,0 
Sacch. 1,0. 
F. mass. pil. e qua forment. Pil. No. 25. consp. 
Lycop. D. S. Zweimal tägl. eine Pille. 



XV. 



i<f 



Ai^ent. nitr. 0,15 

solve in 
Aq. dcstill. q. s. 
Argill. 2,0. 
F. Pil. 15. conspei^. Bol. alb. D.S. Drei- 
mal täglich eine Pille. 

XVI. ^ 

Castorei Canadens. 
Extr. Artemis, aeth. ana 1,5. 
F. pil. 25. obducant. Mucil. Gumm. Mim. 
et Amylo saccharato. D. in vitro. S. 
Halbstündlich eine Pille. 



xvn. Bf 

Ammonii. chlorat. 

Sacch. alb. ana 5,0 

Balsam. Tolutan. 0,25 

Succ. Liquir. dep. 10,0. 

Pilul. No. 100. consp. Elacosacch. 
Anisi. D. S. Nach ßcdürfniss 1—2 
Pillen im Munde zu halten und lang- 
sam zerfliessen zu lassen. 



M. F. 



d. Bissen, Boii. 

Der Bolus ist eine Pille von p'ossem Volumen, von 0,25—2,0 Gramm, 
und wird in ninder oder oblonger Form gegeben. — Die Mischungsverhältnisse 
zur Darstellung eines Bolus sind die bei den Pillen bereits erwähnten. 

Diese im allgemeinen nur selten vorkommende Arzneiform ist fUr die- 
jenigen Mittel in Gebrauch, welche in ziemlich beträchtlichen Dosen genommen 
werden sollen und in ihi^er ursprünglichen Form dem Patienten zu widrig er- 
scheinen. Die Grösse der zu verabreichenden Dosis wllrde bei diesen Mitteln, 
in Pillenform gegeben, die Nothwendigkeit herbeifuhren, eine grössere Anzahl 
Pillen (10—20) auf einmal zu nehmen, eine Procedur, welche den meisten 
schwieriger ist, als das Verschlucken eines einzigen Bolus. 

Beispiele. 
I. R 

Bals. Copaiv. 10,0 
Ger. alb. 5,0 
Cubeb. pulv. 15,0. 
M. f. Massa e qua forment. Boli oblongi 20. 
consp. Pulv. Cort. Cinnam. Cass. D. in 
vitro. S. Viermal täglich einen Bissen 
m nehmen. 



ir. IV 

Pulv. Flor. Kusso 20,0. 

F. ope Mucil. Gummi Mimos. q. s. Boli 
oblongi 20. consp. Amylo. D. S. Inner- 
halb zweier Stunden zu verbrauchen. 



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Bissen. — Gallertkapseln. — Gallerttafcln. 



25 



in. Bf 

Tartar. stibiat. 0,1 
Rad. Ipecac. 2,5. 
F. c. Mucil. Gumm. Mim. q. s. Boli rotund. 
No. 4. consp. Amylo. D. S. Viertelstünd- 
lich ein Stück. 



IV. I^ 

Sulfur. depurat. 

Tartari depurat. ana 2,5 

Elect. e Senn. 5,0. 
F. Boli 25. consp. Pulv. Rad. Liquirit. 
D. S. Dreimal täglich ein Stück. 



e. Gelatinekapseln, Capsulae gelatinosae. 

Substanzen (meistens öliger Natur), welche von besonders widrigem Ge- 
rüche und Geschmacke sind und in grösseren Dosen dargereicht werden sollen, 
verordnet man zweckmässig in ovalen oder kugeligen Kapseln, welclie aus 
Gelatine und Glycerin bereitet, dann geftillt und verschlossen werden. Sie 
sind entweder fest oder, besonders die grösseren, in elastischer Form herge- 
stellt (Capsulae gelatinosae elasticae). Meistens sind dieselben mit bestimmter 
Füllung in der Apotheke vorräthig, und zwar in der Grösse einer Erbse bis 
zu der einer Bohne (etwa 0,25 — 1,0 Gramm) und grösser. 

Die Vortheile der Gelatinekapseln bestehen darin, dass sie den Geschmack 
und Geruch des Mittels vollständig verdecken, und dasselbe in genau abge- 
theilter Dosis dem Magen zuführen. Die Gallei*te löst sich übrigens im 
Magen leicht genug auf, um der Resorption des Mittels kehi Hindemiss ent- 
gegenzusetzen. 

Am meisten sind Gelatinekapseln mit Bals. Copaivae (in verschiedenen 
Verbindungen mit Eisenpräparaten, Myrrhe, Extr. Cubebarum), fetten Oelen 
(Ol. Ricini, Jecoris — selbst Kapseln von der Grösse einer Kirsche bis Nuss 
sollen sich leicht verschlucken lassen), ätherischen Oelen (Ol. Therebinthinae, 
Ol. contra Taeniam), Pix liquida u. s. w. in Gebrauch. 

Jedoch hat die Verwendung derartiger Kapselpräparate, die man in ihrer 
kleineren Form von etwa Pillengrösse auch als Gelatineperlen (Perles g61a- 
tineuses) bezeichnet, wegen der Vortheile, die dieselben in genannter Be- 
ziehung bieten, sich in letzter Zeit auch auf eine Reihe anderer Präparate 
erstreckt, von denen wir nur die Aetherperlen , Chloralperlen, Valeriana- 
perlen u. a. nennen. 

Das Einnehmen der Gallertkapseln geschieht der Art, dass sie befeuchtet 
auf die Zunge gelegt und mit einem Schlacke Wasser hinabgespült werden. 



^ 



Beispiele. 



D. S. 



Capsul. gelatinosar. 
Bals. Copaiv. 

et 
Extr. Cubebar ana 0,3 

replet. No. 12. 
Dreimal täglich eine Kapsel zu 



nehmen. 



II. 



^ 



Capsul. clastic. 

replet. cum 
Extr. filicis aether. 1,5 
dent. No. f). 
D. S. In einer halben Stunde zu nehmen. 



f. Gallerttafeln, Gelatinae medicatae in lamellis. 

In neuester Zeit wurde der Versuch gemacht, Medicamente in Form fester 
dünner Gallerttafeln zu verabreichen (Almen in Upsala). Man mengt eine 
bestimmte Dosis Pulver in aufgelöste Gelatine und giesst diese Mischung auf 
eine Fläche, die in bestimmte Quadrate eingetheilt ist. Auf diese Weise kann 

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20 Gallerttafeln. — Pastillen. 

man berechnen, wie viel Gehalt jedes einzelne Quadrat besitzt. Es wird als 
ein Vorzug dieser Bereitung angegeben, dass die Medicamente in dieser Form 
sehr haltbar sind, sich bequem dosiren lassen, und dass das Compendiöse 
derselben es dem Arzt gestattet, eine grössere Zahl von Medicamenten stets 
bei sich zu führen, was vornehmlich ftir die Landpraxis und zur Mitnahme 
auf Reisen zu beachten ist. Ferner soll der Preis sich billiger stellen als bei 
anderen Arzneiverordnungsfonnen , und endlich sollen die Gallerttafeln von 
wählerischen Patienten und Kindern gern genommen werden. 

Es ist einleuchtend, dass für die Genauigkeit dieser Dosirung alles auf 
die Sorgfalt ankommt, mit der die Vertheilung des Medicaments innerhalb der 
Gelatinelösung erfolgt, und man immer gut thun wu*d, derartige Präparate nur 
aus besonders renommirten Officinen zu beziehen. 

Folgende Gelatinae werden voniehmlich von Alm6n empfohlen: Gelatina 
Morphii acetici, Gelatina Tartar. stibiati, Gelat. Plumbi acetici, Gelat. Extr. 
Opii, Gelat. Opii, Gelat. Hydrargyri chlorat. mit., Gelat. Pulv. Rad. Ipecac, 
Gel. Pulv. ipec. opiat.. Gel. Pulv. Fol. Digit, Gel. Fem carbon. 

g. Pastillen, Plätzchen, Tabletten. — Trochlsci, Pastiiii. 

Diese in neuerer Zeit vielfach verordnete Fonn besteht aus runden oder 
ovalen Plätzchen (etwa vom Gewichte eines Gramm) aus Zucker- oder Choco- 
laden-Masse, welche als Vehikel für das ihr innig beigemengte Medicament 
dient. Die Bereitung der Pastillen geschieht derart, dass die Arzneisubstanz 
in ihrer Gesammtquantität der Zuckermasse, welche durch Zusatz flüssiger 
Substanzen (Gummischleim, Alkohol) oder der Chocoladen-Masse, welche durch 
Wäi-me erweicht worden, zugesetzt, die Masse dann auf einer Marmor- oder 
Holzplatte ausgerollt und mittelst kleiner, stempelartiger Pressen in so viele 
Theile ausgestochen wird, dass jeder derselben einen bestimmten Quantitäts- 
Antheil des Medicamentes enthält. Die Plätzchen werden dann entweder bei 
gelinder Wärme getrocknet, oder (wenn sie aus Chocolade bestehen) abgekühlt. 
Die früher gebräuchliche Methode, die Gesammtquantität zu einer Pilleumasse 
zu verarbeiten , diese in gi*osse Pillen zu zerschneiden , welche plattgedrückt 
und getrocknet wurden, lieferte ein Erzeugniss, welches den jetzt gewöhnlichen 
Pastillen an Eleganz nachstand. 

Zur Verordnung in Ti'ochiscen eignen sich vorzugsweise solche Sub- 
stanzen, welche entweder schwer oder gar nicht löslich und dainim neben 
dem Vehikel keine oder nur schwache Geschmacks -Eindrücke hervorrufen; 
lösliche, übelschmeckende Substanzen verordnet man nur dann zweckmässig 
in Pastillen, wenn ihre Einzelndosis eine so geringe ist, dass die von ihr 
hervorgerufene Geschmacks -Empfindung vom Vehikel verdeckt werden kann 
(z. B. Morphium). 

Kürzlich ist auch versucht worden (J. Rosenthal, Berliner klinische 
Wochenschrift. 1882. No. 6.), Tabletten durch Compression mittelst Schrau- 
benpresse herzustellen, derart, dass jede einzelne eine relativ grosse Menge 
des Medicaments, ohne Constituens auf ein möglichst kleines Volumen zusam- 
mengedrückt, enthält. Namentlich ftlr Flor. Kusso, von denen 1 oder 2 Gramm 
zu einer Tablette zusammengepresst werden können, ebenso für Magnesia usta, 
Fol. Menth, pip., Chinin, Natr. bicarb. u. a. hat dieses Verfahren den Vorzug, 
dass dadurch eine grössere Quantität des Mittels in bequemer Weise beizu- 
bringen ist (Beisp. VI.). 

Die Vortheile, welche die Verordnung in Pastillenform gewährt, sind fol- 
gende: Vor den Pulvern zeichnen sich die Pastillen dadurch aus, dass sie 
ohne Kapseln dargereicht werden, mithin keine Vertheuerung durch das Invo- 

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Pastillen. 



lucrum eintritt, dass femer eine Verringerung der Dosis durch Hängenbleiben 
von Pulvertheilen am Papiere oder am Löffel und Glase nicht möglich ist; 
den Pillen gegenüber haben die Trochisei den Vortheil, dass die Bestimmung 
der Einzelndosis nicht durch einen Rechnnngsfehler compromittirt werden kann, 
und dass das Einnehmen der Pastillen im allgemeinen den Patienten bei weitem 
mehr zusagt, als das der Pillen. Für die Kinderpraxis stellen sich die Pastillen 
entscliieden als die zweckmässigste Form dar. — Der zuweilen dieser Aranei- 
form gemachte Vorwurf, dass sie combinirte Verordnungen ausschliesse, wenn 
dies überhaupt als Vorwurf gelten darf, ist nicht stichhaltig, da man entweder 
durch gleichzeitiges oder kurz aufeinander folgendes Darreichen von Pastillen 
mit verschiedenem medicamentösen Gehalte die meisten Combinationen wird 
bewirken können oder auch leicht durch Verabredung mit dem Apotheker be- 
liebige Verbindungen, sofern sie den oben angegebenen Forderungen entsprechen, 
in dieser Form herstellen lassen kann (Beisp. I. und IL). Zudem sind eine 
Anzahl solcher Verbindungen, welche durch die Erfahining bereits sanctionirt 
sind (wie z. B. Pulv. Plummeri, Morphium mit Ipecacuanha, Stibium sulfur. 
aurant. mit Extr. Hyoscyami u. s. w.) in den meisten Apotheken schon vor- 
räthig. Es muss aber darauf aufmerksam gemacht werden, dass eine grosse 
Zahl von Medicamenten sich für die Pastillenform überhaupt nicht eignen, 
nämlich die leicht löslichen und zugleich schlecht schmeckenden, wie z. B. 
Calcium chloratum, Chinium hydrochloratum, Zincum valerianicum u. a. Da- 
gegen sind unlösliche, wie Stibium sulfurat. aurant., FeiTum reduct., Magnesia 
usta, und schwer lösliche, wie Chininimi sulfuricum, sehr vorzüglich für die 
Pastille. 

Bei der Verordnung von Tinctm^en in kleinen Gaben (1—3 Tropfen) oder 
ätherischen Oeleu lassen sich zweckmässig Trochisei extemporiren ; man hält 
zu diesem Zwecke Pastillen aus reinem Zucker vorräthig, welche eine kleine 
Quantität Flüssigkeit aufnehmen können; diese Trochisei Sacchari s. exci- 
pientes werden mit 1—3 Tropfen einer Tinctur befeuchtet imd dann an der 
Luft getrocknet (Beisp. IV.), oder sie werden mit dem ätherischen Oele im- 
prägnirt (Beisp. V.). 



Beispiele. 



I. I^ 

Trochisc. Bism. subnitr. (0,05) No. 12. 
D. sub signo I. 

Trochisc. Morphin i acetic. (0,005) 
No. 12. 
D. sub signo II. 
D. S. Stündlich eine Pastille von No. I. 
und No. n. 



n. i^ 

Trochiscor. Santonini (1,0) No. 6. 
D. sub signo No. I. 
IV 
Trochisc. Magnesiae ustae (0, 1 ) No. 1 . 
D. sab signo No. II. 
S. Abends imd Morgens eine Pastille No. I. 
und drei Standen nach der sechsten 
Pastille die Pastille No. II. 



ni. i;, 

Hydrargyr. jodat. flav. 1,0 
Opii 0,1. 
M. f. c. Massa Cacao Trochisc. No. 20. 
D. S. Morgens und Abends eine Pastille. 



IV. -Bf' 

Trochisc. Sacchari No. 20. 
quor. quisque humectetur 

Tinct. Belladonn. 0,05. 
D. in vitro. S. Zweistündlich ein Plätzchen. 



V. 



^ 



Troch. Sacchari No. 25. 

humectentur 
Ol. Salviae 0,26 
Spirit. vini 1,0 
D. ad vitrum bene clausuni. S. Stündlich 
ein bis zwei Plätzchen. 



VI. Bf 

Flor. Kusso 1,0 
Con>pr. ut fiat tabula. 

Dispens, toi. dos. No. 20. 
D. S. Morgens innerhalb einer halben 
Stunde mit schwarzem Caffee zu nehmen. 



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Zeltchcn. — Zuckerkügelchcn. — Morsellen. 



h. Zeltchen, Tabemacula. 

Diese Mher öfters angewendete Form ist jetzt nur noch hin und wieder 
fUr die Einhüllung von Santonin gebräuchlich. Das Vehikel besteht aus Zucker 
und zu Schaum geschlagenem Ei weiss, welche zu einem steifen Brei gemischt, 
mit Santonin versetzt, durch Trichteiformen aus Papier oder Blech gedrängt 
werden und so schneckenhausförmige Massen darstellen. — Da diese Mischung 
eine sehr unvollkommene und das Gewicht der einzelnen Tabemacula ein 
sehr variirendes ist, so ist bei dieser Form eine genaue Dosirung unmöglich 
und dieselbe durch die stets ganz exact gearbeiteten Trochisci Santonin! zu 
ersetzen. 



i. Zuckerkugelchen, Rotuiae. 

Unter dieser Bezeichnung versteht man kleine Kugelsegmente, welche 
dmch Auströpfeln zur Breiconsistenz erhitzten Zuckei*s bereitet werden. Diese 
Form ist zweckmässig zur Darreichung von Tinctureu und ätherischen Oelen 
in kleinen Gaben zu verwenden, indem man die Zuckerkügelchcn in ein Glas 
schütten lässt, an dessen Wandungen früher einige Tropfen der Tinctur oder 
des Oeles möglichst vertheilt sind und nun durch mehrmaliges Schütteln des 
Glases die Aufnahme der Flüssigkeit in die Zuckerkuchen bewirkt (Bei- 
spiel I. und IL). 

Wo es darauf ankommt, die betreffende Flüssigkeit genauer zu dosiren, 
bedient man sich besser der Trochisci Sacchari (s. oben, IJeisp. IV., bei den 
Pastillen). 

Beispiele. 



1. I^ 

Rotular. Sacchari No. 20 

iramitte in vitrum, antea 
Tinct. Castorei sibir. 0,1 
agitalione intus obductum. Tunc vas bene 
agita ut rotuiae perfecte humectentur. 
D. in vitro. S. Halbstündlich ein Plätz- 
chen. 



IL Bf 

Ol. Can-i 

Ol. Menth, ana 0,r> 

Rotular. Sacchar. 10,0. 
F. 1. a. Rotul. d. in vitro. S. Nach der 
Mahlzeit fünf Plätzchen zu nehmen. 



k. Morsellen, Morsuli. 

Unter Moi'sellen versteht man ein Präparat aus Zucker, welcher mit wenig 
Wasser gelöst zm* fadenziehenden Consistenz gekocht wird, dem man dann 
unter Umrühren die mcdieamentösen Substanzen und meist auch einige Corri- 
gentien (geschnittene Mandeln, Gewürze) mehr oder weniger fein gepulvert 
zusetzt, und welcher schliesslich in angefeuchtete Holzftn-men gegossen und in 
oblonge Tafeln von 5 Centimeter Länge und h()chstens 2,5 Centimeter Breite 
zerschnitten wird. 

Bei der ungleichmässigen Weise, in welcher die Arzneisubstanzen sich mit 
dem Zucker mengen, sowie bei der Unmöglichkeit, die Morsellen von genau 
gleichem Gewichte darzustellen, ist die Bestimmung der Einzelndosis unaus- 
ftlhrbar, weshalb diese Form höchstens bei solchen Medicamenten in Anwen- 
dung kommen dai-f, deren genaue Dosirung nicht erforderlich ist. — Ausserdem 
ist diese Form deshalb ausser Gebrauch, weil wegen der damit verbundenen 
pharmaceutischen Manipulationen immer nur grössere Quantitäten (mindestens 
180,0 Gramm — was auch die officinelle Taxe für Arbeiten und Gefässe 
annimmt) verordnet werden können, deren Anfertigung eine unnütze Ver- 
theuerung der Arznei herbeiftlhrt. Um übelschmeckende Substanzen, naraent- 

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Ueberzuckerungen. — Stäbchen. — Latwerge. 09 



lieh in der Kinderpraxis, in angenehme Formen zu bringen, bieten sich die 
Trochisci und Rotulae als Auskunftsmittel dar, welche diesen Zweck vollkom- 
mener erreichen, genauer in der Dosirung sind, und deren Bereitung mit ge- 
ringeren Kosten und Umständen verknüpft ist. 

Die Technik der Verordnungsweise ergiebt sich aus folgendem Beispiel: 



Pulv. Cort. Fruct. Aurant. ana 10,0 
Amygd. dulc. excorticat. in frustul. 
concis. 20,0. 
F. 1. a. Morsuli No. 40. d. in scatul. S. 
Tädich drei Stück zu nehmen. 



1^ 
Sacch. 200,0 

coque c. Aq. dest. q. s. 

ad consistentiam tabulandi 
adde 
Ferri pulverati 

1. Ueberzuckerungen, Confectiones. 

Diese, ebenfalls fast gänzlich ausser Gebrauch gekommene Form besteht 
in der üebei-zuckerung vegetabilischer Substanzen, deren Geruch oder Ge- 
schmack verdeckt oder gemildert, oder deren m'sprünghcher Consistenzzustand 
gewahrt werden soll. Die Form, deren man sich zuweilen noch fllr Flor. Cinae, 
Fruct. Cubebae, Rhiz. Calami, Fruct. Aurant. u. dgl. bedient, ist der extem- 
porären Verordnung unzugänglich, da die Bereitung dereelben nur in grösseren 
Quantitäten ausgeftlhrt werden kann. 

m. Stäbeben, Stängelchen, Baciiii. 

Unter dieser Bezeichnung verstand man eine aus vegetabiHschen Pulvern 
und Zucker bestehende Mischung, welcher dm-ch Traganth-Schleim oder andere 
Klebosubstanz Pillenconsistenz verliehen ward, und die dann nur in Cylinder 
gerollt und ausgetrocknet wurde. Diese Cylinder werden zuweilen plattge- 
drtlckt und spiralförmig gewunden. Diese Form ist fllr den innerlichen Ge- 
brauch verlassen. 

Eine ähnliche Form war der Teig, Pasta, bei welcher eine derartige 
Mischung in Täfelchen geformt wurde, meist ohne nachher ausgetrocknet zu 
werden. 

2. Halbflüssige Formen. 

Latwerge, Electuarium*). 

Eine Mischung pulverförmiger Substanzen mit Säften oder Extracten (oder 
den Extracten ähnlichen Präparaten: Pulpae) zu einer Masse von musartiger 
Consistenz nennt man eine Latwerge; dieselbe darf aus einem schräg gehal- 
tenen Gefässe nicht ausfliessen, muss sich aber mit einem Spatel oder Löffel 
leicht abstechen lassen. Die Unterscheidung zweier Consistenzgrade der Lat- 
werge in Electuarium spissum und mollo ist in der Praxis nicht festzuhalten 
und ohne jede Bedeutung. 

Die am häufigsten zur Bildung einer Latwerge gebrauchten flüssigen oder 
halbflüssigen Substanzen sind die Mellagines, Mel, Pulpa Prunomm und Ta- 
marindorum, Syinipe; seltener werden fette Oele, Balsame und resinöse Sub- 
stanzen (z. B. Balsam. Copaiv., Terebinthina laricina) zu diesem Zwecke ver- 
wendet. Oft bedient man sich der officinellen oder doch in den Apotheken 
vorrätlng gehaltenen Latwergen als Vehikel für andere Arzneisubstanzen, 
welche denselben in geringer Quantität noch beigemengt werden können, ohne 
ihre Consistenz wesentlich zu veräudeni (Beisp. L). 

*) In der französischen Pharmacie wird häufig diese Form als Opiatum bezeichnet, 
eine Benennung, welche leicht zu Irrungen Anlass giebt. 

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30 



Latwerge. 



Das durchschnittliche Mischungsverhältniss , welches erforderlich ist, um 
aus einem vegetabilischen Pulver eine Latwerge zu bilden, gestaltet sich fol- 
gendermassen: 

Auf 1 Thl. Pulver 2—5 Tlil. Syrup, Mellago oder Mel. depur. 

(Beisp. II. und III.) 
- 1 _ - 4_6 - Pulpa (Beisp. IV.). 

Schwer lösliche Salze erfordeni mindestens etwa gleiche Theile Syrup 
und zwei Theile Pulpa; metallische Pulver sind von dieser Verordnungsform 
möglichst auszuschliessen, da sie sich leicht aus der Mischung absetzen. 

Balsame und fette Oele geben mit gleichen Theilen vegetabilischer Pulver 
Latwergen-Consistenz (Beisp. VI. und VII.). 

Vollkommen genau zutreffende Mischungen zur Latwergen-Consistenz wer- 
den selten durch die Verordnung des Arztes angegeben; vielmehr begnügt 
man sich auch hier damit, durch die dem indifferenten Constituens beigesetzte 
Bezeichnung q. s. dem Apotheker die Hei'stellung der kunstgerechten Foim zu 
überlassen. 

Es ist diese Verordimngsweise bei der in Rede stehenden Ai*zneifonn um 
so melu» gerechtfertigt, als es sich hier immer um Mittel handelt, bei denen 
es auf eine genaue Dosuimg der Einzelndosis nicht ankommt; eine solche ist 
bei den Latwergen nie zu erreichen, weil das Mischungsverhältniss der Be- 
standtheile auch bei den besten Manipulationen kein vollkommen gleichmässiges 
wird oder bleibt, und die immer dem Kranken überlassene Abtheilung der 
einzelnen Gaben kaum annähernd gleiche Dosirung derselben bewirkt. 

Von der Verordnung in Latwergen bleiben ausser den differenten Mitteln 
und den schweren metallischen Pulveni auch diejenigen Substanzen ausge- 
schlossen, welche leicht einer chemischen Zei^setzung unterliegen (Natr. bicarb., 
Stib. sulfurat. aurant.), die in der Latwergenform an und für sich durch die 
Natur der weichen, gährungsfähigen Constituentia schneller herbeigefülui; wh'd. 
— Der letztere Umstand muss auch als Motiv dafUi* gelten, dass man nie 
Latwergen in grossen Quantitäten verordnet; dm^hschnittlich sind 50,0—60,0 
als das Maximum der Gesammtmenge einer Latwerge anzunehmen. — Als 
CoiTigentia für den Geschmack der Latwergen bedient man sich aromatischer 
Pulver und ätherischer Oele (Beisp. III., IV., V.). 

Die Einzelngabe des Electuarium ist in der Regel der Theelöffel; das 
Gewicht derselben ist durchschnittlich auf 5,0 — 10,0 Gramm anzunehmen. — 
Das Einnehmen geschieht in der Art, dass die Eiuzelngabe der Latwerge 
entweder ohne weitere Einhüllung oder in feucht gemachte Oblate gewickelt 
vei*schluckt wird, ohne vorher im Munde zerkleinert zu werden. Bei weicherer 
Consistenz der Latwerge setzen sich leicht die pulverigen Bestandtheile der- 
selben zu Boden, und ist es deshalb rathsam, jedesmal vor dem Einnehmen 
die Latwerge mit einem Theelöffel umiilhren zu lassen. 

Die Dispensation der Latwergen geschieht in thönemen und porzellanenen 
Kruken (olla grisea und oUa alba); die Tectur wird meistens durch Papier- 
Verechluss oder Deckel von Holz, Poraellau oder Silber bewirkt. 



Beispiele. 



L I^ 

Tinct. Jalapae 
Tub. Jalap. pulv. ana 5,0 
Electnar. e. Senn. 00,0. 
M. f. clect. d. in olla alba. S. Morgens 
und Abends einen Theelöffel voll. 



IL 



^ 



Flor. Kusso 20,0 

Aeid. citric. pulv. 1,0 

Ol. Citri 0,1 

Meli, depurati 50,0. 
M. f. elect. d. in olla alba. D. S. In 
drei Gaben innerhalb einer Stunde zn 
nehmen. 



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Latwerge. — Kniuterzucker. — Gallerte. 



31 



m. 



Bf 



Cort. Chinae fusc. pulv. 5,0 
1*q1v. Cort. Fr. Aurant. 2,5 
Cort. Cinnam. Cass. 1,0 
Syr. Aurant. Cort. 25,0. 
M. f. elcct. D. S. Vor der Mahlzeit einen 
Theelöflfel voll zu nehmen. 



rv. i^ 

Pulv. Fol. Senn. 
Elaeosacch. Carvi ana 5,0 
Pulp. Tamarindor. dcp. 25,0. 
M. f. elect. D. S. Dreimal täglich einen 
gehäuften Theclöffel. 



Tartari depurati 
Sulf. depurat. ana 2,5 



Fruct. Foeniculi 1,5 
Pulp. Tamarind. dep. 25,0. 
M. f. elect. D. S. Morgens und Abends 
einen Theelöffel. 



VI. Bf 

Cubeb. pulv. 20,0 
Catechu pulv. 5,0 
Bals. Copaiv. 25,0. 
M. f. elcct. D. S. Drei- bis viermal täg- 
lich einen Theclöffel voll in Oblate zu 
nehmen. 



Vir. I^ 

Pulv. Liquiritiae compos. 
Ol. Ricini ana 15,0. 
M. f. elect. D. S. Dreimal täglich einen 
Theelöffel voll. 



b. Kräuterzucker, Conserva. 

In Bezu^ auf Consistenz steht die Form der vorigen nahe; dieselbe hat 
jedoch für die Receptur insofern keine Bedeutung, als sie nur bei einigen 
wenigen in den Apotheken vonätliig gehaltenen Präparaten vorkommt. Sie 
besteht in der Mengung von Zuckerpulver mit zerstampften frischen Vege- 
tabilien und soll als Ei*satzmittel für die Verordnung derselben in frischem 
Znstande dienen (Conserva Cochleariae, Nasturtii und Chelidonii). Ausserdem 
bedient man sich der Conserva Rosarum nicht selten als Constituens für Pillen 
und Electuarien. 

Beispiele. 



Conserv. Chelidonii 20,0 
Nasturtii 30,0. 
M. f. electuar. D. S. Morgens und Abends 
einen Theelöffel. 



II. R 

Süb. sulfurat. laevig. 10,0 
Conserv. Rosar. 5,0. 
F. pil. No. 100. consp. Cort. Cinnam. Cass. 
D. S. Täglich drei bis vier Pillen. 



c. Gallerte, Gelatina. 

Als Gallerte bezeichnet man eine erstaiTte homogene, mehr oder weniger 
durchsichtige Masse von elastischer Consistenz, welche aus einem umgekehrten 
GefUsse nicht ausfliesst, sich nicht, wie die Pillen- und Electuarien-Masse, in 
beliebige Formen diilcken lässt, ohne ihi'e Consistenz zu verHeren, bei höheren 
Temperaturgraden schmilzt, um bei der Abkühlung wieder zu erstarren. 

Als Grundlage einer solchen Masse dienen entweder animalische, leim- 
gebende Gewebe (KalbfÜsse, Colla piscium, Coniu CeiTi rasp., französische 
Gelatbie) oder Vegetabilien , welche einen bedeutenden Gehalt von Amylum, 
Gummi oder ähnlichen Substanzen (Lichenin, Bassorin) enthalten (Arrow-Root, 
Liehen islandicus, Can^ageen, Tragacantha, Tubera Salep) oder frische Frucht- 
säfte (durch ihren Gehalt an Pectiu). 

Die Darstellung der Gallerte geschieht meistens durcli Kochen (namentlich 
bei KalbfUssen, Colla piscium, Cornu Cervi rasp., Liehen Island, und CaiTa- 
geen), durch Anrühren mit kaltem und darauffolgendes Uebergiessen mit heissem 
Wasser (Amylum, An'ow-Root, Salep), oder durch blosses Amühi'en mit kaltem 

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i-2 Gallerte. 



Wasser (Tragacautha), oder schliesslich durch Versetzen und Kochen mit Zucker 
(frische Fruchtsäfte). 

Zur Gallerte sind erforderlich bei 500,0 Gramm Wasser: 
von Colla pisciimi, Gelatina, Carrageen . . . etwa 20,0 

- Hirschhorn, Liehen Islandicus, Amylum, 

Arrow-Root - 50,0—100,0 

- Salep und Ti-aganth - 10,0*). 

Finichtsäfte (Succ. Rub. Idaei, Succ. Ribium) werden mit der Hälfte bis 
V4 ihi'es Gewichtes an Zucker zur Gallerte gekocht. 

Die durch Kochen bereiteten Gallerten erstarren zu solchen ei-st, nach- 
dem sie an einem kühlen Orte einer niedi'igen Temperatur ausgesetzt ge- 
wesen sind. 

Die von Colla piscium, Cornu Cervi, Liehen Lslandicus und CaiTageen ge- 
kochten Gallerten werden, bevor sie zum Gelatiniren abgekühlt werden, heiss 
colirt; sind Zusätze zu denselben zu machen, so werden dieselben unmittelbar 
vor dem Abkühlen beigefügt. 

Die Gallerten dienen entweder an und für sich als einhüllende oder er- 
weichende oder (wie die Fruchtgallerten) als kühlende Mittel, oder sie erhalten 
durch Zusätze von Wein den Charakter leichter Reizmittel. Als Nahrungs- 
mittel haben sowohl die leim- wie die stärkehaltigen Gallerten den Werth 
eines Ersparungsmittels , indem sie einen Theil des Eiweisses vor der Zer- 
setzung schützen (Voit) und sind erstere von Senator lebhaft für die Fieber- 
diät empfohlen worden. Die Leim enthaltende Gallerte kann man als Grund- 
lage für wirksamere Stoffe (wie z. B. stark eingekochte Fleischbrühe, Fleisch- 
extract) benutzen. 

Die den Gallerten gemachten Zusätze sind in der Regel flüssiger Natur 
(Syinipe, Wein, Tincturen, äthensche Gele). Die Quantität des zuzusetzenden 
Syrups und Weins muss in der Colaturmenge mit in Anschlag gebracht wer- 
den (will man z. B. eine versüsste und weinhaltige Gallerte von 20,0 Colla 
piscium auf 500,0 Colatur bereiten lassen, so lässt man die Colla piscium nur 
mit 300,0 Wasser kochen und setzt dann 100,0 Wein und 100,0 Syrup hinzu) ; 
von Tincturen darf man etwa nur 50,0 auf 100,0 Gelatine setzen; von äthe- 
rischen Gelen wenige Tropfen entweder in Substanz oder als Oelzucker. 
Pulverige, in Wasser unlösliche Substanzen sind als Zusätze möglichst zu 
meiden, da sie der Gallerte ein unscheinbares, oft widriges Aussehen ertheilen. 
Besondei-s zu wanien ist vor dem Zusätze von gerbstoff haltigen Substanzen, 
namentlich aber Tannin selbst, zu Gallerten aus leimgebenden Stoffen, indem 
durch einen solchen Zusatz der Leim als lederartige Verbindung in Flocken 
präcipitirt wird. 

Zusätze von Samten, namentlich mineralischen, sind nur in sein* geringen 
Quantitäten zu machen, da sie das Gelatiniren beeinträchtigen. 

Difl*erente Substanzen, deren Dosirung irgend welche Aufmerksamkeit er- 
fordert, werden in dieser Form nicht gegeben, weil die Abtheilung der Ein- 
zelngabe eine sehr variirende ist. 

Bei der geringen Haltbarkeit der Gallerten verordnet man dieselben nie 
in Quantitäten, die für länger als drei Tage ausreichen sollen. 

Als Einzelngabe der Gallerten wird in der Regel der Thee- oder Kinder- 
löffel, seltener der Esslöffel angenommen; das Gewicht dieser Gabe ist durch- 
schnittlich 5,0—20,0. 

*) Diese Quantitäten sind nur als Minima zu betrachten, ein Hinausgehen über 
dieselben, oft selbst bis auf das Doppelte, verdirbt die Qualität der Gallerte nicht, 
sondern giebt nur eine steifere Consistenz; bei hoher Luft-Teraperatur ist es meistens 
sogar rathsam, grössere Quantitäten als die hier angegebenen zu verordnen. 

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Gallerte. — Tropfen. 



^:\ 



Die Verabreichung der Gallerten geschieht in Ki'uken oder in weithal- 
sigen Gläsern. 

Beispiele. 

m. 



^ 



Collae piscium 15,0 

coque c. 
Aq. fönt q. s. 
ad Col. 150,0 
cui adbuc calidae 
adde 
Vini Rhenani 150,0 
Syr. Aurant. Cort. 25,0 
Ol. Citri 0,1. 
D. in olla, repone in loco fri^do ut in 
gelatinam abeat. S. Stündlich einen 
Esslöffel. 

n. i;^ 

Carrageen 

Lieben Island, ab amarit. liberat. 
ana 20,0 
coq. c. 
Aq. fönt. q. s. 
ad Colat. 200,0 
adde 
Tinct. Pimpinell. 10,0 
Syr. balsamici 50,0. 
D. in olla, repone in loco frigide ut f. 
gelatina. S. Bei Hustenanfällen zwei 
bis drei Tbeelöffel zu nebmen. 



Tub. Salep. puly. 5,0 

tere c. 
Aq. fönt. 50,0 

adde 
Vini rubri 1000,0 
Syr. Cinnamom. 25,0 
Tinct. Zingiberis 2,5. 
D. in olla, repone in loco frigide, f. ge- 
latina. S. Stündlich ein bis zwei Tbee- 
löffel. 



IV. Bf 

Collae piscium 10,0 

coque c. 
Aq. fönt. 

ad Col. 150,0 
adde 
Acid. citr. pulv. 0,5 
Syr. Rub. Idaei 50,0. 
D. in olla, repone in loco frigido, ut in 
gelatinam abeat. S. Tbeelöffelweise zu 
nehmen. 



Eine der Gallerte in Bezug auf ihi'e Consistenz nahestehende Form, welche • 
in neuerer Zeit vielfach zur Anwendung kommt, ist die sogenannte Oelgallerte 
(äolidificirte Fette). Dieselbe besteht aus der Zusammenschmelzung eines fetten 
Oeles oder eines Balsams mit dem vierten bis sechsten Theile Cetaceum, wo- 
dm'ch eine Substanz erzielt wird, welche sich bequem tbeelöffel- oder messer- 
spitzenweise in Oblate nehmen lässt. — In Gebrauch sind Oelgallerten von 
Oleum Jecoris, Ol. Ricini und Balsam. Copaivae. 

3. Flüssige Formen. 

Bei allen in flüssiger Fonn dargereichten Arzneien tritt die Nothwendig- 
keit, die chemischen Eigenschaften der verordneten Substanzen zu berücksich- 
tigen, mit doppelter Schärfe hervor, da unpassende chemische Combinationen 
m Flüssigkeiten sofort Zersetzungen bedingen und abgesehen von der dadurch 
alterirten Arznei^irkung auch mehr oder weniger auffallende Veränderungen 
in der äusseren Beschaffenheit der Arzneiform herbeiführen würden. 

Die für den inneren Gebrauch bestimmten flüssigen Arzneiformen werden 
entweder a) durch die Verordnung und Mischung an und für sich flüssiger 
Substanzen, oder b) durch Auflösung fester Substanzen in flüssige, oder end- 
lich c) durch Extraction fester Substanzen mittelst flüssiger hergestellt. 

a. Tropfen, Guttae*). 

Diese hauptsächlich durch die Darreichungsweise characterisirte Arznei- 
form wird voraugsweise für solche Arzneisubstanzen angewendet, welche in 

*) Die fruber gebniucbliche und jetzt nocb in vielen Handbüchern figurirende 
Benennung Mixtura concentrata ist deshalb ganz unzweckmässig, weil in den 
meisten Fallen gerade einfacbe Arzneisubstanzen in Tropfenform gcg^hen T^^rden^QJp 

£v»ld ui:d Simon, Arziiciverorclniiiigslclire. lU. Aufl. o O 



34 Tropfen. 

nur geringer Menge genommen werden sollen (ätherische Oele, Tincturen, 
Lösungen von Extracten, Alkaloiden, sehr differenten Salzen und stark wir- 
kenden einfachen Arzneistoifen, wie Jod, Phosphor u. s. w., destillirte Wässer, 
Säuren, seltener Säfte, Oele und Balsame). 

Die Bereitung der Tropfen, sofern solche nicht aus einer einfachen flüs- 
sigen Arzneisubstanz bestehen, geschieht durch Mischung oder Auflösung. 
Diese letztere, wenn sie sich z. B. auf Extracte in Tincturen oder destillirten 
Wässern bezieht, giebt nicht immer eine gänzlich klare, oft sogar eine so ti'Ube 
Flüssigkeit, dass die Gleichmässigkeit der Mischung immer ei*st durch Um- 
schUtteln wieder herzustellen ist; eine Ausgleichung dieses Missverhältnisses 
durch vorgängige Filtration ist bei den Extractmischungen nicht zulässig. 
Als Auflösungsmittel wendet man an: destilhrte Wässer, Spiritus, Spiritus 
aethereus, Aether, seltener Säfte, Glycerin, ätherische Oele (Ol. Terebinth. 
als Menstruum für Campher und Phosphor) und fette Oele (Ol. Crotonis in 
Ol. Ricini). 

Die Geschmacks -Correction der Tropfen wird durch Zusatz ätherischer 
Oele, aromatischer Tincturen oder Syrupe bewirkt. 

Die Bestimmung der Einzelngabe besteht meistens in der Angabe der 
Tropfenzahl. So scheinbar genau diese Bestimmung sich dai'stellt, so ist sie 
in der That eine Überaus schwankende und von äusseren Bedingungen beein- 
flusste. Je grösser und je dicker der Rand des Gefässes ist, aus welchem 
geti'öpfelt wird, um desto grösser wird, vermöge des stärkeren Adhärireus 
der Flüssigkeit am Glase, die Tropfenbildung sein; dieser Unterschied kann 
so gi'oss sein, dass der Tropfen aus dem einen Glase sich zu dem aus einem 
andern verhalten kann wie 2:1. Es ist demnach selbstverständlich, dass die 
in den meisten Lehrbüchern angegebenen Tropfenzahlen von Gewichtsmengen 
verschiedener Flüssigkeiten nur einen sehr bedingten Werth haben, da eine 
solche Bestimmung von der vorgängigen Feststellung der Dimensionen des 
Glases abhängen müsste, welches den Normaltropfen ergiebt*). Um annähernd 
ein Verhältniss zwischen Tropfenzahlen und Gewichtsmengen herzustellen, 
haben die ministeriellen Bestimmungen zur Preussischen Arzneitaxe folgende 
Scala normirt: 
o fette und specifisch schwere ätherische Oele (Ol. Caiyophyll. und 

/^ Ol. amygd. amar.) und Tincturen . . 1 Gramm = 20 Tropfen 

Chloroform, Aether acet., Spir. aeth. und 

ätherische Oele und Tincturen .... 1 - r^- 25 

Aether ' 1 - =50 

Zur Ergänzung dieser in den Preussischen Officinen überall massgebenden 
Bestimmungen dürfte noch hinzuzufügen sein, dass von Syrupeu 1 Gramm 
= 15 Tropfen zu rechnen ist, und von wässrigen Flüssigkeiten und Säuren 
etwa 20 Tropfen auf ein Gramm kommen. 

Seltener wird statt Angabe der Tropfenzald der halbe oder ganze Theelöifel 
/ als Bestimmung der Einzelngabe genannt. Durchsclinittlich darf man annehmen : 

1 Theelöffel (knapp voll) eines Saftes = ca. 5,0 Gramm. 

1 - wässriger Flüssigkeiten, fetter und 

ätherischer Oele und Tincturen. ...==- 4,0 

1 - ätherischer Tincturen = - 3,0 

1 - Aether = - 1,5 

*) Die französische Pharmakopoe empfiehlt sehr zweckmässig den Salleron 'sehen 
Tropfenzähler (Compte-gouttes). Derselbe besteht aus einem Fläschchen, an dessen 
Seite ein kleines Capillarröhrchen angebracht ist, welches an seinem Ende schräg ab- 
geschnitten ist. Durch dieses Röhrchen lässt man die Arznei heraustropfon ; die ein- 
zelnen Tropfen haben alle eine gleiche bestimmte Grösse und fallen langsam genug 
herab, um leicht gezählt werden zu können. 

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Tropfen. 



35 



Da sich voraussetzen lässt, dass in Tropfeumischungen, welche so dihiirt 
sind, dass sie theelöffelweise gegeben werden, das der Mepge nach wesent- 
lichste Constituens aus einer wässrigen Flüssigkeit besteht, so lässt sich für 
solche Mischungen das Durchschnittsgewicht des Theelöifels auf 4,0 annehmen. 
Ein etwaiges, durch den Zusatz eines Saftes bedingtes Mehrgewicht wird in 
der Regel kaum in Betracht kommen. 

Bei beiden Verordnungsweisen ist somit absolute Genauigkeit in Bestim- 
mung der Einzelndosis nicht zu en*eichen, weshalb die IVopfenform im allge- 
meinen für sehr diiferente Arzneistoffe der Verordnung in Pulvern, Pillen und 
Trochisci an Zweckmässigkeit nachsteht. 

Bei der Verordnung von Tropfen mit flüchtigen Mensti'uis ist noch ein 
weiterer Umstand zu berücksichtigen, welcher auf die Grösse der Einzelndosis 
wesentlich alterirend einwu-kt : hat eine solche Mischung längere Zeit, nament- 
lich in hoch temperirten Ki*ankenzimraern , gestanden, so ist ein Theil des 
Solutions-Mittels vei-flüchtigt und die Flüssigkeit dadm'ch in ihrem Araneigehalte 
concentrirter geworden, und zwar oft in einem über alle Berechnung hinaus- 
gehenden Masse. Die zur Vermeidung dieses Uebelstandes üftera in Anwen- 
dung gebrachte Cautele, solche Mischungen in einem Glase epistomate viti-eo 
clauso zu verordnen, erfüllt ilu'en Zweck keineswegs, da bei Glasstöpseln, 
wenn sie nicht jedesmal mit äussereter Sorgfalt eingesetzt werden, die Ver- 
dunstung noch leichter vor sich geht, als bei gut verschliessenden Korkstöpseln. 

Abgezählte Ti-opfen werden entweder auf Zucker eingenommen oder 
(namentlich Säuren) duich irgend ein Dilutions-Mittel (Wasser, Zuckerwasser, 
Haferschleim) verdünnt (Beispiel VIL). Sein* unangenehm riechende oder 
schmeckende Tropfen können in Deckelkapseln eingenommen werden, deren 
Füllung der Patient sich vor dem Einnehmen selbst besorgt (Beisp. X.), eine 
Procedur, die jedoch nur geschickten Kranken zugemuthet werden darf. — 
Wird das Einnehmen theelöffelweise vorgeschrieben, so lasse man bei solchen 
Substanzen, welche leicht das Metall anzugreifen im Stande sind, z. B. Jod 
(Beisp. VI.), Säuren u. s. w., einen porzellanenen Theelöffel in Anwendung 
bringen, oder den Theelöffel durch ein kleines Trinkglas, welches genau 
4,0 Wasser fasst, ersetzen. Solche Gläser, welche man zum Inhalte von 4,0 
(Theelöffel), 8,0 (Kinderlöffel) und 15,0 (Esslöffel) anfei-tigt*), empfehlen sich 
überhaupt zum Einnehmen, da sie das Abtheilen in gleichmässigere Gaben 
ermöglichen, das Einnehmen bequemer machen und, nanientlich bei liegenden 
Kranken, das Verschütten der Medicamente weniger leicht zu befürchten ist, 
als bei der Darreichung in Löffeln. 



Beispiele. 



Tincturae aromat. 

r, amar. ana 10,0. 
D. S. Vor Tische zwanzig Tropfen auf 
Zucker. 



II. Bf 

Tinct. Aconit, aeth. 

„ Coleb, ana 5,0 

« Opii 2,5. 
M. D. S. Zweistündlieh fünf Tropfen. 



III. Bf 

Ol. Carvi 0,15 

Tinct. Valerian. aether. 10,0. 
D. S. Zweistündlich zwanzig Tropfen. 



y 



IV. Bf 

Extr. ßelladonn. 1,0 ^ 

solve in 

Aq. Amygdalar. amar. 10,0. 
D. S. Umgeschüttelt stündlich zehn Tropfen. 



*) Vorzuziehen wäre es, wenn Gläser von 5,0, 10,0 und 20,0 Gramm Inhalt an- 
gefertigt würden, die an Stelle der in ihrer Grösse sehr variirenden Thee-, Kinder- und 
Esslöffel überall in Anwendung kämen. 

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36 



Tropfen. — Mixtur. 



V. ^ 

Morph, acet. 0,2 
solve in 

Aq. amygdalar. amar. 20,0. 
Filtra. D. S. Zweistündlich zehn Tropfen. 



VI. 



D. S. 



Jodi 0,1 

Kalii jodat. 1,0 

solve in 
Aq. destill. 50,0. 
Morgens und Abends einen (por- 



zellanenen) TheelöfFel voll. 



Vn. Bf 

Acid. phosphor. 

Syrup. simpl. ana 5,0. 
D. S. Dreimal täglich zehn Tropfen in 
Zuckerwasser zu nehmen. 



Vin. Bf 

Camphor. 0,5 
solve in 

Spir. aeth. 10,0. 
D. S. Stündlich fünfzehn Tropfen. 



IX. Bf 

Ol. Crotonis 0,05 
„ Ricini 50,0. 
D. S. Stündlich (bis zur Wirkung) einen 
Theelöffel. 



X. Bf 

Kreosoti 0,15 

Ol. Amygdal. 5,0. 
D. S. Dreimal täglich fünf Tropfen in 
einer Deckelkapsel zu nehmen. 



b. Mischung, Mlxtura. 

Eine in grösserer Quantität (über ca. 60,0 Gramm) verordnete flüssige 
Arzneiform, welche ohne Anwendung weiterer pharmaceutischer Production 
lediglich dmxh die Mischung flüssiger Substanzen oder Auflösung von festen 
Substanzen in flüssigen hergestellt wird, wird mit dem Namen Mixtur be- 
zeichnet. (Eine Trennung der Mixtur von der Solution ist in praxi unnöthig.) 

Da die Mixtur thee- oder esslöffelweise genommen wird, so ist das Vehikel 
fast immer wässriger Natur. Man bedient sich zur Mischung (oder Lösung), 
wenn reines Wasser angewendet werden soll, regelmässig der Aqua destillata. 
Ein Preisunterschied zwischen letzterer und Aqua communis findet (nach einer 
neueren ministeriellen Verordnung) nicht mehr statt, so dass auch die früher 
noch zuweilen statthabenden ökonomischen Rücksichten für die Verordnung der 
Aqua communis in Fortfall gekommen sind. 

Bei der grösser.en Quantität der Einzelngaben, in welcher die Mixtur ver- 
ordnet wird, ist die Wahl der Geschmacks -Comgentien von wesentlicher Be- 
deutung. Diese Correction kann entweder schon durch das Menstruum bewirkt 
werden, indem man solches durch ein aromatisches Wasser wählt, oder man 
fUgt der Mischung aromatische Tinctui^en, ätherische Flüssigkeiten, Elaeosac- 
chara oder Syrupe hinzu (Beisp. I. und IL). Die Anwendung der Elaeosacchara 
hat bei Lösungen immer das Unangenehme, dass sie das klare Aussehen der- 
selben beeinträchtigt; bei längerem Stehen solcher Arzneien scheidet sich der 
geringe Gehalt an ätherischem Oele aus und schwimmt auf der Oberfläche, so 
dass, wenn dann die Arznei vor dem Einnehmen nicht gehörig umgeschUttelt 
wird, ein Löffel derselben den grössten Theil des ätherischen Oeles enthalten 
kann. Bei der Wahl der Syrupe hat man zunächst in's Auge zu fassen, dass 
das Corrigens in Bezug auf seine Wirkung nicht der beabsichtigten Wirkung 
der Arznei entgegenstehe, vielmehr dieselbe, wenn es angeht, als Adjuvans 
unterstütze; so sind z. B. zu beruhigenden Arzneien Syrupus Amygdalarum, 
Syrupus Papaveris u. s. w. zu setzen (Beisp. HI.); zu kühlenden Mixturen: 
Fruchtsäfte (Beisp. IV.); zu bitteren, tonisirenden und excitirenden: bitterliche 
und aromatische Syrupe, z. B. Syi\ Aurant. CJort., Syi\ Cinnamom. (Beisp. V. 
und VI.); zu abfühi'enden : Syr. Sennae, Syr. Rhei, Syi\ Rhamni cath. (Beisp. VIL); 
zu Vomitiven: Oxymel Scillae, Syr. Ipecacuanhae, S}t. Violarum QBeisp. VIIL). 
Von entschiedener Bedeutung ist es, bei der Auswahl eines Synips den idio- 
synki*atischen Geschmacksrichtungen des Individuums Rechnung zu tragen, da 

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Mixtur. 37 

man sonst oft durch ein Comgens, das im allgemeinen vollkommen motivirt 
erscheint, gerade den entgegengesetzten Eifect erzielen kann. 

Zur Einhüllung scharfer Arzneien reichen die Syrupe in der Regel nicht 
aus, und bedarf es hierzu eines Zusatzes von schleimigen Substanzen (Beisp. IX.). 

Um den Mixturen ein eleganteres Aussehen zu verleihen, bedient man sich 
der färbenden Synipe; rothe Färbung wird bewirkt durch Syr. Rubi Idaei, 
Ribium, Cerasorum, Rhoeados, Mororum; bläuliche Färbung durch Syr. Violarum 
(doch nur in neutralen Flllssigkeiten , da er bei Zusatz von Säuren roth, bei 
Prävalenz von Alkalien grün, bei Tartarus stibiatus violett färbt) ; milchweisses 
Aussehen durch Syr. Amygdalarum; gelbes durch Syr. Croci. 

Die Aufmerksamkeit, welche man früherhin der eleganten Färbung der 
Mixturen widmete, ist jetzt im allgemeinen wesentlich in den Hintergrund ge- 
treten, und zwar um so mehr, je weniger diese wohlgemeinte Besti'ebung sich 
eines gelungenen Eifolges zu erfreuen hatte, da die meisten färbenden Syrupe 
in Contact mit salinischen Substanzen oder mit nicht durchaus klar sich lösen- 
den extractiven Stoffen den Mixturen ein trübes, nichts weniger als appetit- 
liches Ansehen verleihen. 

Diejenigen Mixturen, welche Substanzen enthalten, die duixih den Einfluss 
der Luft eine chemische Zersetzung erleiden (wie Argent. nitric. und Aqua 
chlorata), werden in schwarzen Flaschen verordnet (Beisp. X.); es ist zweck- 
mässig, den Patienten vorher mitzutheilen, dass das Medicament in dieser ihnen 
sonst unangenehm auffallenden Weise werde verabreicht werden. 

Alle Mixturen, welche gährungsftlhige Substanzen enthalten (Extracte, 
Syinip), müssen in möglichst niedriger Temperatur (durch Einstellen in ein 
Glas mit kaltem Wasser, welches oft erneuert wu'd) aufbewahrt werden. 
Zweckmässig ist es, solche Mixturen, namentlich in warmer Jahreszeit immer 
nur in einer für die Dauer von höchstens 24 Stunden berechneten Menge zu 
verordnen. Selbstverständlich ist es, dass Mixturen, in denen die Zeichen der 
Gähmng sich bereits kundgeben (Brausen, veränderter Geruch), nicht weiter 
ztir Anwendung kommen. 

Die Einzelngabe bei Mixturen ist in der Regel der Thee-, Dessert- oder 
Esslöffel, seltener der Tassenkopf oder das Weinglas. Der Theelöffel wird 
durchschnittlich auf 4,0, der Dessert- oder Kinderlöffel auf 8,0, der Esslöffel 
auf 15,0, der Tassenkopf oder das Weinglas auf 100,0 berechnet (vgl. oben 
S. 11 und 12). Zweckmässig bedient man sich auch zum Einnehmen der 
Mixturen der bei den Tropfen erwähnten mensurirten Einnehmegläser. Die 
dort angeftlhrte Cautele in Bezug auf die Anwendung metallener Löffel gilt 
auch hier. 

Die Methode, die abgetheilten Einzelndosen der Mixtur in besonderen 
Fläschchen von etwa 15,0—120,0 Inhalt verabreichen zu lassen, kommt bei 
uns selten vor, während sie in England sehr gebräuchlich ist. Eme solche 
abgetheilte Einzelndose führt den Namen Haustus (Beisp. XL). 

Eine durch elegantes Aussehen und guten Geschmack charakterisirte Mixtur 
wird als Julep bezeichnet (z. B. eine Mischung von Phosphorsäure Wasser 
und Syr. Rub. Idaei oder Beisp. IV.). 



Beispiele. 



L I^ 

Liquor Kali acet. 15,0 
Tinct. Rhei aquos. 25,0 
Aeth. acet. 2,5 
Aq. Menth, pip. 100,0 
Syr. Aurant. Gort. 2.^,0. 

M. D. S. ZTieistuTidlich einen Esslöffel. 



IL I^ 

Natr. phosphor. 20,0 

solve in 
Aq. destillat. 150,0 

adde 
Elaeosacchar. Citri 5,0 
Syr. Sacc. Citri 20,0. 
D. S. Umgeschüttclt stündlich einen Ess- 
löffel. 

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38 



Mixtur. 



Saturation. 



IIT. Bf 

Natr. nitr. 10,0 

solve in 
Aq. destillat. 100,0 

ad de 
Aq. Laurocerasi 10,0 
Syr. Amygdalar. 25,0. 
D. S. Stündlich einen EsslöfTcI. 



IV. Bf 

Acid. tartarici 5,0 

solve in 
Aq. destillat. 125,0 

addc 
Syr. Rub. Idaei 25,0. 
D. S. Stündlich einen Esslöffel. 



V. I^ 

Extr. Trifol. fibrini 5,0 
Aq. Menth, piper. 150,0 
Syr. Zingiberis 50,0. 

M. D. S. Dreimal täglich einen Esslöffel. 



YI. 1^ 

Liquor. Ammonii acet. 25,0 
Aeth. acet. 5,0 
Aq. destillat. 200,0 
Syr. Cinnamomi 25,0. 
M. D. S. Stündlich einen Esslöffel. 



VII. Bf 

Magnes. sulfur. 25,0 

Acid. sulf. dil. 2,5 

Aq. destillat. 100.0 

Syr. Rhamni cathart. 25,0. 
D. S. Halbstündlich einen Esslöffel bis 
zur Wirkung. 



v::r. r- 

Tartari stibiati 0,25 

solve in 
Aq. destillat. 75,0 

adde 
Syr. Ipec^ic. 25,0. 
D. S. Viertelstündlich einen Ej>slöffcl bis 
zur Wirkung. 



IX. I^ 

Acid. nitric. 

hydrochlor. ana 2,5 
Mucil. Gummi Arab. 
Syr. Sacchari ana 25,0 
Aq. destillat. q. s. 
ad Mixturam 200,0. 
M. D. S. Zweistündlich einen Esslöffel. 



X. I^ 

Aq. chlorat. 50,0 
Aq. destillat. 150,0. 
M. D. in vitro nigro. S. Zweistündlich 
einen Kindcrlöffcl. 



XI. 



Bf 



Kalii jodat. 1,0 

solve in 
Aq. destillat. 20,0 
Syr. simpl. 5,0. 
M. Disp. tal. dos. No. 0. S. Täglich eine 
Flasche in zwei gleiche Theilc getheilt 
zu verbrauchen. 



c. Saturation. 

Unter Saturation versteht man die Auflösung eines kohlensauren Salzes 
in einer Flüssigkeit, welche eine die Kohlensäure an Stärke Übertreffende 
(meist organische) Säure enthält, woraus ein Salz resultirt, dessen Basis die 
des fiiiheren kohlensauren Salzes und dessen Säure die hinzugesetzte ist. Die 
Kohlensäure wh'd dabei theilweise von dem als Mensti'uum dienenden Wasser 
aufgenommen, theilweise entweicht sie bei der Bereitung. Durch vorsichtige 
Manipulation bei der Anfertigimg dieser Arzneimischung kann man es ermög- 
licben, dass das ganze Quantum der frei werdenden Kohlensäure in der Flasche 
zurückgehalten wird, und wird diese DaiTcichungsweise von einigen Praktikern, 
welche den Hauptweiih der Wirkung in der Kohlensäure suclien, besondei*s 
empfohlen, jedoch mit Unrecht, indem eine so angefertigte Saturation leicht 
das Gefäss, in welchem sie enthalten ist, zersprengt, aber auch abgesehen 
davon, beim ersten Oeffnen der Flasche ein grosser Theil der freien Kohlen- 
säure explodirend unter Herausscbleuderung einer nicht geringen Menge der 
Flüssigkeit entweicht, und der im Gefässe verbleibende Rückstand nicht reicher 
an Kohlensäure ist, als bei gewöhnlicher Anfeiiigungsweise. — Wo es dem 
Arzte darauf ankommt, die Kohlensäui'e als wirksames Agens darzureichen, 
da genügt die Form der gewöhnlichen Saturation nicht, und ist man dann 

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Saturation. 39 



Acid. citr. 


Acid. tart.*) 


ca. 1,0 


ca. 1,1 


- 0,5 


^ - 0,5 


- l,i 


- 1,2 


- 0,9 


- 0,9 


- 0,8 


- 0,8 



gezwungen, wenn man nicht von Brausepulvern, kohlensauren Wässern u. s. w. 
Gebrauch machen will, zu der ui'sprUnglichen Form der Potio River! zu- 
rückzukehren, welche darin besteht, dass man zuerst eine starke alkalische 
Solution und unmittelbar darauf Citronensaft nehmen und so die Entwicklung 
der Kohlensäure im Magen vor sich gehen lässt (Beisp. IV. und V.). Die 
Pharmacopoea Germ. edit. II. bestimmt übrigens, abgesehen von der oben 
besprochenen Verwendung der ursprünglichen Form der Potio Riveri, „dass, 
wenn Saturatio ohne Angabe der Bestandtheile verordnet wird, Potio Riveri 
zu dispensiren ist". 

Die normalen Saturations -Verhältnisse für die zu Satui'ationen am häufig- 
sten verordneten Salze sind folgende: 

Acetum. 

1 Gramm Kali carb. pur. . . . 18,0 

1 - Natr. carp. dep. ciyst. 9,0 

1 - Natr. carb. siccum . . 20,0 

1 - Natr. bicarb 15,0 

1 - Ammon. carbon. dep. 14,0 
Vom Liquor Kali carbonici entsprechen 3 Gramm 1,0 Kali carbon. — 
Kali bicai'bon. wird nicht zu Saturationen verordnet, da der Ueberschuss des- 
selben an Kohlensäure aus der Saturation entweicht. — Natr. bicarbon. wird 
aus dem Grunde zuweilen verordnet, weil es eine constantere Qualität des 
Salzes darstellt, als dies bei dem Natr. carb. crystallisatum der Fall ist, wel- 
ches einen schwankenden Gehalt an Krystallwasser besitzt. Magnesia carbon. 
wird selten zu Saturationen verwendet, weil ihr Kohlensäuregehalt ein sehr 
geringer ist, und weil eine mit diesem Salze bereitete Saturation fast immer 
ein opalisirendes Ansehen erhält, welches den Apotheker veranlassen dürfte, 
eine Filtration voraunehmen , dm-ch die das letzte noch rückständige Quantum 
an Kohlensäure vollends entweichen müsste. Jedenfalls ist eine Saturation von 
Magnesia carbonica mit Acid. tart. unzulässig, da die weinsteinsaure Magnesia 
eine sehr schwer lösliche Substanz ist. . 

Die am gewöhnlichsten zur Saturirung verwendeten sauren Flüssigkeiten 
sind Acetum und Succus Citii. Der letztere ist nicht immer von gleichem 
Gehalt an Citronensäure , so dass man bei der Verordnung das nothwendig 
werdende jQuantum nicht vorherbestimmt, sondern quantum satis ad perfectam 
saturationem hinzusetzen lässt. Man berechnet etwa auf 5,0 Kali carb. den 
Saft von drei Citronen, dessen Flüssigkeits-Volumen durch Wasserzusatz auf 
60,0 gebracht wird. Hat man die Absicht, die Säure oder das Alkali in der 
Saturation prävalben zu lassen (was aber in praxi selten vorkommt), so ver- 
ordne man q. s. ad saturationem acidam oder alkalinam. 

Nicht selten macht man die Saturation dadurch zur Trägenn diflFerenter 
AiTsneistoffe , dass man Aceta, welche einen medicamentösen Gehalt haben 
(Avet Digitalis, Colchici, Scillae), zur Darstellung der Saturationen verwendet. 
Wenn auch diese Essige in Bezug auf ihr Saturations -Verhältniss dem ge- 
wöhnlichen Essige ungefähr gleich stehen, so ist es doch sicherer, bei der 
V^erordnung dei-selben ihr Quantum fest zu bestimmen und die Menge des 
Salzes mit dem q. s. ad perf. saturat. zu bezeichnen (Beisp. IV.), oder zu der 
festgesetzten Dosis des medicamentösen Essigs noch Aceti pmi q. s. hinzu- 
zufügen (Beisp. \TI.). 

Zur CoiTCction der Saturationen bedient man sich meistens der aroma- 
tischen W^ässer, der Elaeosacchara und der Syrupe, von welchen letzteren 
häufig die Fnichsäfte vei*wendet werden. Man sei jedoch hierbei darauf vor- 
bereitet, dass urspiilnglich rothe Syrupe, wenn die Saturation eine neutrale ist, 
ihre Farbe verändern und meist ein schmutzig-blaugraues Ansehen annehmen, 

*) Von Acid. citricum ist gewöhnlich eine um ein wenig kleinere Menge zur 
Sättigung erforderlich als von Acid. tartaricum, etwa im Verhältniss von 9 : 10. 

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40 



Satural ion. — Emalsion. 



welches dem eleganten Aeussern der Mixtur entschieden Abbruch thut, ohne 
jedoch die beabsichtigte Geschmacks -Verbesserung zu beeinträchtigen. 

Die Gesammtmenge einer Saturation gehe nie über 200,0 — 250,0 (von 
denen 1 — 2 stündlich ein Esslöffel genommen wii^d) hinaus, da bei Verordnung 
einer grösseren Quantität die Arznei zu lange stehen und der geringe Kohlen- 
säuregehalt derselben vollends entweichen würde. 

Beispiele. 

I. I^ I Aq. Cinnam. 60,0. 

D. S. Halbstündlich einen Esslöffel und 
einen Thcelöffel Citronensaft nachzu- 
nehmen. 



Kali carb. pur. 5,0 
Acet. 90,0 
Aq. destill. 
Syr. simpl. ana 25,0. 
D. S. Stündlich einen Esslöffel. 



II. 



^ 



Natr. carb. pur. 3,0 

solve in 
Aq. Menth. 100,0 

adde 
Acid. tart. q. s. (1,5) 

ad perf. Satur. 
Syr. Aurant. Cort. 30,0. 
D. S. Stündlich einen Esslöffel. 



IIL 



Kali carb. 5,0 

Succi Citr. rec. expr. q. s. 

ad perfect. Saturat 150,0 
Elaeos. Citri 
Sacch. alb. ana 5,0. 
S. Stündlich einen Esslöffel. 



D. S. 
VI. 



Natr. bicarb. 

Elaeos. Menth, pip. ana 10,0 

Aq. fontan. 100,0. 

Wie bei IV. 



IV. 



I* 
Kali carb. pur. 2,5 
Sacch. alb. 5,0 



1^ 
Acet. Scill. 25,0 

„ Digital. 5,0 
Kali carb. pur. q. s. (1,66) 
ad perf. Saturat. 
adde 
Aq. Petroselini 100,0 
Syr. simpl. 25,0. 
D. S. Stündlich einen Esslöffel. 

Vn. Bf 

Natr. carb. 5,0 
Accti aromat. 25,0 
Aceti q. s. 

ad perfect. Saturat. 200,0 
Syr. Aurant. Gort.- 10,0. 
I M. D. S. Zweistündlich einen Esslöffel. 



d. Emulsion. 

Unter Emulsion versteht man die Mengung von Wasser mit einem darin 
unauflöslichen Körper, welche durch Vermittlung einer dickflüssig machenden 
Substanz ermöglicht wird; entweder findet sich der in Wasser zu suspen- 
dirende Körper (Emulgendum) und die vennittelnde Substanz (Emulgens) in 
einem und demselben Arzneistoffe vereuit vor, und dann bezeichnet man die 
Mengung mit Wasser als eine Emulsio v er a (Samen-Emulsionen), oder beide 
Köi'per werden erst bei der Arzneibereitung mit einander gemengt: Emulsio 
spuria. 

Die wahre Emulsion wird fast ausschliesslich aus Mandeln, Mohn, Hanf- 
samen dadurch bereitet, dass die betreffenden Substanzen (meist im steinernen 
Mörser) zerstossen und mit Wasser so weit angerührt werden, dass eine ho- 
mogene, milchartige Flüssigkeit entsteht, welche durch Coliren von den an- 
hängenden Samenhüllen befreit wird. In diesen Emulsionen ist das fette Oel 
der betreffenden Samen das Emulgendum, welches durch einen dem Gummi 
ähnlichen Körper, Emulsin, der in dem Samen vorhanden ist, im Wasser 
suspendirt wird (Beisp. I. und II.). 

Zur Darreichung in falscher Emulsion kommen fette und zuweilen äthe- 
rische Oele, Balsame, Harze, Gummi-Resinen , Campher, Wachs, Wallrath, 

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Emulsion. 41 



auch wohl Moschus, Castoreum, Ambra, Lycopodium*). Als Emulgeudum be- 
dient man sich des Gummi Arab., des Traganths, oder des Eigelbs, der 
erstellen beiden vorzugsweise ftlr Oele, der letzteren mehr für harzige Sub- 
stanzen (Beisp. III. bis VII.). Als Menstruum Emulsionis dient in der Regel 
das reine Wasser, jedoch wird zuweilen auch ein aromatisches Wasser, ein 
Infusum oder ein Decoct dazu verwendet (Beisp. VIII. und IX.). 

Im allgemeinen kann man die emulgirende Kraft von 10,0 Gramm Gummi 
Arab. gleich 1 Eidotter rechnen. (Vom Traganth, welcher seltener zu diesem 
Zwecke angewendet wird, kommt 1 Gramm ungeftthi* 10 Gramm Gummi Arab. 
gleich. — Mucilago Gummi Arab. zur Bereitung einer Emulsion ist deshalb 
unzweckmässig, weil die technische Ausführung dieser Verordnung die Güte 
der Emulsion geßihrden würde, und deshalb vom Apotheker fast immer die 
Quantität der verordneten Mucilago auf die entsprechende Menge Gummi 
reducirt ^^-ird). 

Durchschnittlich verordnet man zur Emulsion halb so viel Gummi als 
fettes Oel oder Harz, ohne dass jedoch die Grenze fUr das Zustandekommen 
einer Emulsion durch diese Verhältnisse bedingt würde**). 

Bei der Bereitung der Emulsion mischt man zunächst das Emulgendum 
mit dem Emulgens in einem flachen (meist porzellanenen) Mörser und setzt 
dann vorsichtig unter stetem ümiühren das Menstruum hinzu, welches etwa 
das 6 — 12 fache des angewendeten Emulgendum, mithin das 12 — 24 fache des 
Emulgens betragen kann. — Nach der Ph. Oerm. werden, wenn nicht ein 
anderes Verhältniss dii'ect vorgeschrieben ist, die Samen-Emulsionen aus 1 Theil 
Samen zu 10 Colatur, die Oel-Emulsionen aus 2 Theilen Oel, 1 Gummi Arab., 
17 Aq. dest. bereitet. 

In der Regel verschreibt man Emulsionen (sowohl die wahren als die 
falschen) in massiger Gesammtquantität (bis höchstens 200,0 oder 250,0), da 
dieselben leicht dem Verderben ausgesetzt sind und entweder durch Alteration 
des Oeles ranzig, oder durch Zersetzung des Gummi sauer werden. 

Salze und Säuren zur Emulsion zuzusetzen, ist durchaus unzweckmässig, 
indem durch derartige Zusätze die Ausscheidung des Emulgendum in den 
meisten Fällen schnell herbeigeführt wird. Höchstens werden neutrale Salze 
(Kali nitricum) in geringen Quantitäten von den Emulsionen ertragen, und 
zwar von den wahren besser als von den falschen. Aus diesem Grunde ist 
die in manchen Lehrbüchern angeführte Form der Saturations-Emulsion eine 
vollkommen irrationelle, die auch, abgesehen von ihrer technischen Unzweck- 
mässigkeit, nach keiner Seite hin ii'gend welche Vortheile darbietet. 

Die Correction der Emulsionen wird durch Anwendung von aromatischen 
Wässern, Zusatz von Oelzuckem (oder einigen Tropfen ätherischen Oeles, die 
bei der Bereitung mit dem Emulgendum subigirt werden) oder Syrupen (wobei 
jedoch die sauren zu vermeiden sind) bewirkt. 



Beispiele. 



L I^ 

Amygd. dulc. excortic. 25,0. 

P. c. 
Aq. destill. 100,0 
„ Flor. Aurant. 50,0 



Emulsio, 
Colat. adde 
Aq. Amygd. amar. 10,0 
Syr. simp], 25,0. 
D. S. Stündlich einen Esslöffel. 



*) Lycopodium giebt eigentlich keine, am wenigsten, wie von einigen Lehrbüchern 
angegeben wird, eine wahre Emulsion, sondern streng genommen, nur einen Schüttel- 
trank, aus dem sich, bei sorgfältigster Bereitung, immer doch das Lycopodium oben 
absetzt. 

*•) Bei der Emulsio Ol. Ricini wird die Quantität des Gummi gewöhnlich niedriger 
(etwa V4 ^cs Oeles) gegriffen, um die abführende Wirkung der Arznei nicht zu hemmen. 



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42 



Emulsion. — Schüttclmixtur. 



n. 



M. D. 



m. 



Sem. Papaveris 25,0. 

F. c. 
Aq. destill. Emulsio 
in Colat. 150,0 
solve 
Kali nitr. 5,0 

adde 
Extr. Hyoscyami 0,5 
Syr. Amygd. 25,0. 
S. Stündlich einen Esslöflfel. 



I* 



Ol. Ricini 30,0 
Ol. Crotonis 0,1 
Gummi Arab. 7,5 
F. c. Aq. destill. 
Emulsio 150,0 
cui adde 
Syr. Sennae 25,0. 
M. D. S. Stündlich einen Esslöflfel bis zu 
mehrmaliger Wirkung. 



IV. 



Bals. Copaiv. 20,0 
Gummi Arab. 10,0 
F. c. Aq. destill. 
Emulsio 150,0 
cui adde 
Tinct. aromat. 5,0 
Syr. balsamic. 25,0. 
D. S. Zweistündlich einen Esslöffel. 



V. 



^ 



Ammoniaci 20,0 
Vitelli ovi unius 

f. c. 
Aq. Menth, piper. 

Emulsio 100,0 
cui adde 
Syr. Cinnamom. 20,0. 
M. D. S. Zweistündlich einen Esslöffel 



VI. I^ 

Resinae Guajaci 15,0 
Gummi Arab. 7,5 

F. c. 
Aq. Flor. Sambuc. 

Emulsio 150,0 
cui adde 
Extr. Aconiti 0,05 
Spir. Aetheris nitrosi 5,0 
Syr. simpl. 25,0. 
M. D. S. Stündlich einen Esslöffel. 



vn. 



^ 



Camphor. tritae 1,0 
Pulv. Tragacanth. 0,5 
Liq. Ammon. anisat. 5,0 
Syr. Cinnamom. 25,0 
Aq. Cinnamom. q. s. 
ad Emulsionem 200,0 
M. D. S. Stündlich einen Esslöffel. 



VIII. 



^ 



Ol. Amygdal. dulc. 50,0 
Gummi Arab. 25,0 

F. cum 
Inf. Rad. Ipccac. (c 0,5) 150,0 
Emulsio 

in qua solve 
Natr. nitrici 5,0 

adde 
Tinct. Strychn. 1,0. 
Syr. Amygdalarum 25,0. 
M. D. S. Stündlich einen Esslöffel. 



IX. IV 

Sem. Papaveris 20,0 

F. c. 
Dec. Gort. Chin. fusc. (e 10,0) 200,0 
Emulsio 
cui adde 
Aeth. acetici 2,0 
Syr. Aurant. Cort. 25,0. 
D. S. Stündlich einen Esslöffel. 



e. Scbuttelmixtur, Mlxtura agitanda'i'). 

Unter Schüttelmixtur versteht man die Mischung eines nnauflöslichen 
specifisch leichten Pulvers mit so vieler Flüssigkeit, dass die daraus hervor- 
gehende Combination sich giessen lässt. Dieselbe enthält, wenn sie umge- 
sehüttelt ist, das Pulver in ziemlich gleichmässiger Vertheilung, die sich aber 
alsbald, wenn die Mischung einige Minuten lang ruhig gestanden hat, durch 
Absetzen des Pulvers wieder verliert. Im allgemeinen darf diese Arzneiforra 
als eine unzweckmässige bezeichnet werden, da sie, abgesehen von ihrer lln- 
appetitlichkeit, eine für die Dosirung des darzureichenden Präparates höchst 
ungenaue ist, und viele Pulver die Eigenthümlichkeit haben, sich am Boden 



*) Die Bezeichnung Mixtura media ist ausser Gebrauch gekommen, weil die- 
selbe von einigen Autoren nicht auf die Qualität der Mixtur, sondern auf deren 
Mengenvcrhältniss, im Gegensatze zur Mixtura concentrata, bezogen wurde. 



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Schüttelmixtur. 



Lecksaft. 



43 



der Grefässe in Form einer festen adhärirenden Masse anzusetzen, die durch 
Schütteln nicht wieder zur Vertheilung gebracht wird. Man kann die Schllttel- 
mixtur um so mehr entbehren, als sie in den meisten Fällen leicht dxu'ch eine 
viel zweckmässigere Applicationsform (Pillen, Pulver, Electuarium) ersetzt 
werden kann. Jedenfalls vermeide man es, differente unlösliche Stoffe oder 
schwere metallische Pulver in der Schtittelmixtur zu verabreichen. 

Die Menge des der Flüssigkeit beizufügenden Pulvers darf, um die Flui- 
dität der Arznei nicht zu gefährden, gewisse Grenzen nicht tibersteigen und 
bei leichten mineralischen Pulvern etwa 10,0 — 15,0 für 200,0, bei vegetabi- 
lischen, die durch die Aufiiahme von Wasser quellen, nur 5,0—12,0 betragen. 

Ein Zusatz von Syrup zur Schtittehnixtur dient nicht blos zur Geschmacks- 
Correction derselben, sondern auch dazu, das mechanisch beigemengte Pulver 
nach dem Umschtitteln etwas länger in der Flüssigkeit suspendirt zu erhalten. 

In der Signatur ist die Anweisung, dass das Medicament umzuschtitteln 
sei, niemals zu unterlassen. 

Beispiele. 

m. 



I 



Bf 



Tartar. stibiat. 0,1 

Pulv. Rad. Ipecac. 2,0 

Aq. destill. 50,0 

Oxymellis Scillae 25,0. 
M. D. S. UmgeschQttelt viertelstündlich 
einen Esslöifel, bis mehrmal Erbrechen 
erfolgt ist. 

II. Bf 

Flor. Kosso 10,0 
Aq. destill. 150,0 
Syr. Menth, piper 50,0. 
M. D. S. Umgeschüttelt in zwei Portionen 
im Zwischenraum einer halben IStunde 
aastrinken zu lassen. 



M 



Pulv. Cubebarum 10,0 

Aq. Menth, piper. 150,0 

Vini rubri gallici 

Syr. Aurant. Gort, ana 25,0 
, D. S. Umgeschüttelt stündlich einen 
Esslöfftl. 



IV. 



I^ 



Magnes. carbon. 10,0 
Natr. nitr. 5,0 

Aq. Amygd. amar. dilut. 150,0. 
M. D. S. Umgeschüttelt stündlich einen 
EsslöfPel. 



f. Lecksaft, Linctus. 

Eine Ai'zneiform von geringem Flüssigkeitsgrade, in welcher der Syrup, 
statt wie sonst den Zusatz zu bilden, meist die Grundlage ausmacht, wu'd als 
Linctus bezeichnet. — Derselbe eignet sich wegen seines starken Zuckergehaltes 
vorzugsweise für die Kinderpraxis. Bei der dickflüssigen Consistenz des Linctus 
können pulverförmige Substanzen in demselben etwas leichter suspendirt wer- 
den, als in den gewöhnlichen SchUttelmixturen, olme dass jedoch eine voll- 
kommen gleichmässige und dauernde Vertheilung auch im Lecksaft stattfände, 
weshalb derselbe, wenn er einen Pulverzusatz enthält, jedesmal vor dem Ein- 
nehmen umgeschüttelt werden muss. 

Der starke Syrupgehalt des Linctus bedingt eine selir grosse Gährungs- 
föhigkeit desselben, weshalb er, namentlich wenn er zum Vehikel leicht zer- 
setzlicher Pulver dienen soll (wie z. B. des Stibium sulfuratum aurantiacum) 
nur in geringeren Quantitäten (höchstens etwa 50,0 — 75,0) verordnet wer- 
den darf. 

Die Linctus werden theelöffelweise gegeben; das Gewicht einer solchen 
Einzelngabe stellt sich durchschnittlich auf 5,0 — 6,0 Gramm. 

Beispiele. 

Aq. Flor. Aurant. 10,0 
M. D. S. Umgeschüttelt stündlich einen 
Theelöffel voll. 



Moschi 0,1 

Syr balsamic. 50,0 



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44 



Extractionsformen. — Macerations-Aufguss. 



IL I^ 

Stib. sulfurat. aurant. 0,2 

Syr. Foeniculi 50,0. 
D. S. Umgeschüttelt zweistündlich einen 
Theelöffel. 



III. IV 

Extr. Hyoscyami 0,1 

Syr. Alth. 50,0 

Aq. Araygdal. amar. dilut. 10,0. 
M. D. S. Zweistündlich einen Esslöflfel. 



g. Extractionsformen. 

Um die löslichen Bestandtheile fester Substanzen in flüssige Form über- 
zuführen, werden dieselben mit einer Flüssigkeit auf längere oder kürzere 
Zeit und unter Einwirkung mehr oder minder hoher Temperatur -Verhältnisse 
in Berührung gebracht. Findet diese Berührung bei gewöhnlicher Temperatur 
statt, so wird dieser Prozess als Maceration bezeichnet, während derselbe, 
wenn er unter massiger Temperatur-Erhöhung (50—75" C.) erfolgt, den Namen 
der Digestion trägt. Ein Extrahben der löslichen Substanz durch kui-z- 
dauernde Einwirkung der zur Kochhitze erwärmten Flüssigkeit heisst Infu- 
sion; lässt man diese Einwirkung längere Zeit stattfinden (mindestens \ Stunde), 
so ist dies die Decoction. Diese vier Prozesse können nntereinander in 
mehrfacher Weise combinirt werden, wenn es sich darum handelt, verschie- 
dene in einem und demselben Körper enthaltene Solubilia, von denen jedes 
einer anderen Extractionsfonn zugänglich ist, zu extrahiren, oder wenn man 
die eine verschiedene Behandlung erfordernden Solubilia aus verschiedenen 
Körpern gewinnen will. 

Die zur Bereitung der Extractionsform verordneten festen Substanzen 
müssen vorher in Speciesform gebracht werden; resinöae Stoffe wendet man 
als Pulvis grossiusculus an. 

Die nach Bereitung der Extractionsform vorzunehmende Trennung der 
Flüssigkeit von der verwendeten festen Substanz geschieht entweder durch 
das vorsichtige Abgiessen der Flüssigkeit, Decantiren (was aber insofeni 
unzweckmässig ist, als einerseits nicht eine vollständige Befreiung der Flüs- 
sigkeit von festen Substanzen bewirkt, andererseits einen grossen Theil der 
extrahirten Flüssigkeit in den festen, nicht weiter zur Verwendung kommen- 
den Substanzen zurücklässt), oder durch Durchseihen, Coliren. Diese letztere 
Procedur wird so bewirkt, dass die Gesammtmasse der Extractionsflüssigkeit 
und der festen Substanz auf ein (meist leinenes) Tuch gegossen, und der auf 
diesem verbleibende Rückstand mit der Hand oder bei grösseren Quantitäten 
mittelst einer Presse ausgepresst wird. Die colirte Flüssigkeit enthält immer 
noch feinere, von den Maschen des Colaturtuches nicht zurückgehaltene Par- 
tikel der verwendeten festen Substanz, entbehrt deshalb also in den meisten 
Fällen der vollständigen Klarheit. Wo eine solche herbeigeftlhrt werden soll, 
ist sie nur mittelst der Filtration durch ungeleimtes Papier zu bewirken. 
Die Operation ist natürlich an eine längere Zeitdauer geknüpft und darf des- 
halb bei rasch anzufertigenden Arzneien niemals vorgeschrieben werden. 

Zusätze, welche den in Rede stehenden Arzneiformen beigefügt werden 
sollen, werden in der Regel erst gemacht, wenn die Trennung der Flüssigkeit 
von den festen Bestandtheilen durch Coliren, resp. Filtriren bewirkt worden 
ist ; Ausnahmen hiervon finden nur in denjenigen Fällen statt, in welchen der 
betreffende Zusatz zur vollständigeren Durchftlhrung des Extractionsprozesses 
mitwirken soll (z. B. Zusatz von Säuren zur Chinarinde vor deren Extraction). 

a. Macerations-Aufguss, Infusum frigide paratum. 

Zur Darreichung im Macerations-Aufguss eignen sich besonders aromatische 
und bittere Stoffe, bei denen es nicht darauf ankommt, dass ihr Gehalt an 
Solubilien durch die Extraction vollkommen erschöpft werde, und wo die Aus- 
fühinmg der Arzneiverordnung einigen Aufschub ertragen kann. ^ 

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Macerations-Aufguss. 



45 



Als Menstruum der Maceration dient Wasser, Wein, Spiritus in verschie- 
denen DUutionsgraden, selten Bier. In Fällen, wo es sich um die Extraction 
resinöser Substanzen handelt, wird das Menstruum immer alkoholhaltig sein 
müssen. 

Die Zeitdauer der Maceration bestimmt sich durch die grössere oder ge- 
ringere Löslichkeit der zu extrahirenden Stoffe und durch den gi'össeren oder 
geringeren Werth, welcher auf die vollkonmiene Extraction derselben gelegt 
wird« Bei aromatischen Stoffen werden in der Regel 2 — 3 Stunden zur Ma- 
ceration genügen, während man sie bei bitteren und resinösen Stoffen 12 bis 
24 Stunden andauern lässt. Eine Maceration durch mehrere Tage zu ver- 
ordnen, ist unzweckmässig, da einerseits durch eine solche längere Maceration 
nicht mehr bewirkt wird, als auch innerhalb 24 Stunden bewirkt werden kann, 
andererseits durch eine so lauge Procedur der Bereitungspreis des Medica- 
mentes unnütz vertheuert wird. — Wem es darauf ankommt, eine mehrtägige 
Maceration nach traditioneller Vorschrift ausfahren zu lassen, thut gewiss 
besser daran, Macerations-Species zu verordnen und dieselben im Hause des 
Patienten maceriren zu lassen. 

Die als Corrigentia der zu extrahirenden Substanz beigefügten aroma- 
tischen oder versüssenden Species werden mit derselben macerirt (Beisp. II.); 
Syrupe, Tincturen, Aether oder ätherische Oele werden erst der Colatur 
zugesetzt 

Die Gesammtmenge des Macerations- Aufgusses ist in der Regel eine 
grössere, .als die der schon erwähnten anderen flüssigen Ai'zneiformen und 
erstreckt sich oft auf den Inhalt einer Wein- oder Quartflasche; ebenso wer- 
den die Einzelndosen oft grösser als gewöhnlich (bis zum Weinglase oder 
Tassenkopf) geginffen. Bei Macerationen mit einem wässerigen Menstruum ist 
es jedoch gerathen, die Gesammtmenge nur so gross zu verordnen, dass sie 
in 3—4 Tagen verbraucht werden kann. 



Beispiele. 
III. 



^ 



M. D. 



II. 



Rad. Valerian. concis. 10,0 

Fol. Meliss concis. 5,0. 
Macera per horas tres 
cum Aq. destillat. q. s. 

ad Colat. 150,0 
cui adde 

Aeth. acet. 5,0 

Syr. Cinnamom. 25,0. 

S. Zweistündlich einen Esslöffel. 



10,0 



D. S. 



Ligni Quassiae conc. 25,0 
Gort. Ginnam. Cass. conc. 
Caryophyllor. cont. 5,0. 

Macera per nychthemeron 
cum Vin. Mosell. 500,0 

Cola et filtra. 
Morgens und Abends ein Weinglas. 



D. S. 



IV. 



Gort. Ghin. Galisayae conc. 20,0 
Gort. Fruct. Aurant. conc. 10,0 
Acid. hydrochlorici 2,5. 

Macera cam 
Aq. destillat. 200,0 
Spir. Vini gallic. 50,0 

per 12 horas 
Golat. filtratae 

adde 
Syr. Zingiberis 25,10 
Ol. Ginnam. Gass. 0,1. 
Dreimal täglich einen Esslöffel. 



D. S. 



Aloes grossiuscule pulv. 10,0 

Groci 

Rad. Rhei conc. ana 1,0 

Macera cum 
Spir. Vini dilut. 
Aq. destillat. ana 100,0 

per 12 horas. 

Filtra. 
Morgens und Abends ein Liqueur- 



gläschen voll zu nehmen. 



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46 Digestions- Au fgass. — Aufguss. 



ß, Digestions-Aufgus. 

Die in Rede stehende Form unterscheidet sich von der vorigen nur durch 
den Umstand, dass bei ihrer Anwendung die Solubilia aus den verwendeten 
festen Stoffen unter Emwirkung der höheren Temperatur vollständiger extra- 
hirt werden; auch diese Form wird hauptsächlich für die Darreichung aroma- 
tischer, bitterer und resinöser Stoffe gewählt. 

Die Temperatur, unter welcher die Digestion von statten geht, darf immer 
nur eine massig hohe (50 — 75 • C.) sein; das Digestions-Geföss bedarf eines 
guten Verschlusses, um die Verdunstung der Flüssigkeit zu verhüten. (In der 
Regel verbindet man das Gefäss mit einer durch einen Nadelstich durch- 
bohrten Blase). Um die Berührungsfläche zwischen der festen Substanz und 
der Flüssigkeit öfters zu erneuern, verordnet man gewöhnlich ein mehrfach 
wiederholtes UmschUtteln. — Für die Zeitdauer gilt das bei der Maceration 
Gesagte; es ist deshalb auch der Digestions-Aufguss bei Aranei Verordnungen, 
die eine schleunige Ausflihinmg bedingen, nicht anzuwenden. 

In Bezug auf die Correction, die zu verordnende Gesammtmenge und die 
Bestimmung der Einzelngabe finden die beim Macerations-Aufguss gemachten 
Bemerkungen auch hier ihre Anwendung. 



Beispiele. 

Fruct. Juniperi cont. 25,0 
Galbani gross, pulv. 10,0 
Croci conc. 2,5 

infunde 
Spir. dilut. 150,0 
Aq. fontan. 250,0 

Stent in loco tepido 

in vase lege artis clauso 



Digerc c. 
Aq. fönt. 150,0 
per horas sex 
Colaturae 
adde 
Syr. Rhamni cathart. 25,0. 
D. S. Zweistündlich einen Esslöflfel. 



III. I?f 

per 12 horas saepius ; Cort. Cascarill. cont. 15,0 

agitando ! Fruct. Aurant. immatur. cont. 10,0. 



Colaturae filtratae 
adde 
Syr. Asparagi. 50,0. 
D. S. Dreimal täglich ein Liqueurglas 
voll. 



Digere c. 
Villi gallici rubri 200,0 

per nychthemeron 
Colaturae 

adde 
Syr. Aurant. Cort. 25,0. 



n. I^ D. S. Morgens und Abends ein halbes 

Fol. Juglandis conc. 10,0 Weinglas voll zu nehmen. 



Meliss. 5,0 

y. AnfgQSS, Infusum (sensu strictiori). 

Die kurze Zeit (5 Minuten) dauernde Extraction löslicher Araneistoffe aus 
festen Substanzen durch bis zum Kochpunkte erhitztes Wasser stellt das In- 
fusum dar. Diese Procedur wird (nach den für die deutschen Officinen gel- 
tenden Bestimmungen) dadurch bewirkt, dass man die betreffenden Species in 
einer Infundirbüchse (meist von Zinn, seltener Porzellan) mit kochendem Wasser 
übergiesst, einen gut schliessenden Deckel aufsetzt und 5 Minuten hindurch 
im Wasserbade den Dämpfen kochenden Wassers aussetzt, dann die ver- 
schlossene Infundirbüchse dm'ch Einstellen in kaltes Wasser abkühlt und nach 
dem Erkalten das Coliren der Flüssigkeit vornimmt. — Früher (theilweise 
auch jetzt noch in ausländischen Officinen) wurde das Infusum in der Art be- 
reitet, dass man kochendes Wasser auf die Species goss, den Deckel auf die 
Infundirbüchse setzte und dann während der allmäligen Abkühlung die Ex- 
traction von Statten gehen Hess (Beisp. I.). 

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Aufguss. 



47 



Nach der Vorschrift der Ph. Germ, gilt die Regel, dasa, wenn keine Ver- 
ordnung der Gewichtsmenge der zu infundirenden Species von Seiten des 
Arztes getroffen ist, der zehnte Theil vom Gewichte der Colatur für die Species 
berechnet wird*) (z. B. zu einem Inf. Rad. Althaeae 200,0 werden 20,0 Rad. 
Althaeae benutzt). Dasselbe ist auch für das Decoctum der Fall. — Das In- 
fusum, welches als conceutratum bezeichnet wird, enthält das IV, fache an 
Species, während das concenti'atissimum aus der doppelten Quantität bereitet 
wird. — Will man andere Quantitäts-Verhältnisse befolgt wissen, so muss dies 
in der Verordnung ausdi'Ucklich bemerkt werden. Bei Mitteln, welche eine 
sehr heftige Wirkung haben, wie z. B. bei Ipecacuanha, Digitalis, ist diese 
Quantitäts-Bestimmung niemals zu unterlassen (Beisp. III.). — Werden mehi'ere 
Species gleichzeitig zu einem Infusum verordnet, so ist es selbstverständlich, 
dass die Quantität jeder einzelnen angegeben werde (Beisp. IV.). 

Zur Darreichung im Infusum eignen sich vorzugsweise alle ätherisches 
Oel mid andere Riechstoffe enthaltenden Vegetabilien , ferner namentlich die- 
jenigen Pflanzentheile , welche ihrer zarteren Textur wegen leicht von dem 
heissen Menstruum durchdrungen und extrahirt werden (Blätter und Blüthen) ; 
sollen härtere Theile (Wuraeln) infiindirt werden, so muss man sie, von der 
allgemeinen Regel abweichend, nicht in Form von Species, sondern in der 
eines gröblichen Pulvers der Infusion aussetzen (Ipecacuanha — Beisp. V.). 
Die Annahme, dass das Infusum einzelner Arzneisubstanzen mehr geeignet sein 
sollte, als deren Decoct, da durch die erstere Procedur nur gewisse Arznei- 
stoffe exti-ahirt werden, andere im Residuum verbleiben sollten, verliert bei 
der gegenwärtigen Bereitungsweise ihre Geltung ; man kann jetzt nur statuiren, 
dass das Infusum bei schwerer zu durchdringenden Stoffen in Bezug auf die 
Menge der gedachten Bestandtheile, nicht aber auf deren Qualität vom Decoct 
abweiche. Beispielsweise dürfte ein Infusum Corticis Chinae aus 15,0 einem 
Decoct aus 10,0 ziemlich gleichkommen, und würde es sich demnach für die 
Arzneiverordnung in ökonomischer Beziehung vortheilhafter herausstellen, der 
letzteren Verordnungsweise den Vorzug zu geben. 

Als Menstruum für das Infusum darf in Rücksicht auf dessen Bereitungs- 
weise nur Wasser dienen, welchem höchstens solche Zusätze beigefügt werden 
dürfen, die nicht flüchtiger Natur und darauf berechnet sind, die Erschliess- 
barkeit der zu extrahirenden Substanz zu vermehren (Beisp. VI.). 

Anderweitige Zusätze zum Infusum werden erst nach dem Erkalten der 
Colatur beigefügt. 



I. 



D. S. 
11. 



D. S. 



Fol. Senn. conc. 10,0 

infunde Aq. fervid. q. s. 

ad Colat. 100,') 
in qua solve 

Kali tartarici 10,0 

Syr. Rhamni cathart. 20,0. 

Halbstündlich einen Esslöffel. 



Beispiele. 

m. 



1^ 

Infusi Rad. Valerianae 150,0 

adde 
Liqor. Ammom. succin. 5,0 
Aeth. acet. 2,5 
Syr. Cinnaraom. 25,0. 
Zweistündlich einen Esslöffel. 



M. D. 



IV. 



Infus. Fol. Digital, (e 0,5) 100,0 

in quo solve 
Natr. nitr. 5,0 
Syr. simpl. 25,0. 
S. Stündlich einen Esslöffel. 



IV 



Fol. Menth, pip. conc. 
„ Meliss. conc. ana 10,0. 
F. Infus. 150,0 
cui adde 
Tinct. Gentian. 5,0 
Syr. Aurant. Cort. 10,0. 
D. S. Stündlich einen Esslöffel. 



*) Früher wurde auf 1 Unze Colatur 1 Drachme Species, also der achte Theil, 
'^"*'"^"*- Digitizedby^^OOgle 



48 Abkochung. 



Rad. Ipecac. gross, pulv. 0,5 
inf. 1. a. Aq. dest. q. s. 

ad Colat. 150,0 
in qua solve 

Tart. stibiat. 0,05 



VI. I^ 

Rad. Rhei conc. 10,0 

Kali oarbon. pur. 5,0 

F. Infus. 200,0 

cui adde 

Elixir. Aurant. comp. 10,0 



adde I Sjr. Aurant. Cort. 20,0. 



Syr. simpl. 25,0. 
D. S. Zweistündlich einen Esslöflfel. 



M. D. S. Stündlich einen Esslöffel. 



fj, Abkochung, Dccocium. 

Die längere Zeit (mindestens Va Stunde) fortgesetzte Extraction löslicher 
Arzneistoffe aus festen Substanzen durch bis zum Kochpunkte erhitztes Wasser 
stellt die Abkochung dar. Die Bereitungsweise derselben ist nach den für 
die deutschen Apotheken gesetzlichen Bestimmungen folgende: Die zum De- 
cocte zu verwendenden Species werden mit dem nOthigen Wasser Übergössen 
und in der zugedeckten Infundirbtichse eine halbe Stunde lang den Dämpfen 
kochenden Wassers ausgesetzt; das Coliren wird, während die Flüssigkeit 
noch heiss ist, vollzogen, die Colatur dann durch Einstellen in kaltes Wasser 
abgekühlt und nach dem Erkalten mit den noch etwa beizufügenden Zusätzen 
versehen. 

Verordnet man ein Decoct ohne nähere Quantitäts-Bestimmung der Species, 
so wird, wie beim Infusum, 10 Species auf 100 Colatur berechnet [wovon nui* 
Tubera Salep eine Ausnahme bilden, von welchen 1,0 auf 100,0 verwendet 
wird*)]. Ein Decoctum concentratum wird aus 15 Species, ein De- 
coctum concentratissimum aus 20 Species ad 100 Colatur bereitet. Bei diffe- 
renten Arzneistoffen ist die Quantitäts-Bestimmung der abzukochenden Substanz 
unerlässlich. 

Eine Abweichung von dieser Bereitungsweise, wie sie zuweilen noch von 
einigen Aerzten, die ausdrücklich die Abkochung igne aperto anordnen, beliebt 
wird, ist füi* keine Arzneisubstanz motivu't. 

Bei der früher befolgten Procedur, im offenen Gefässe zu kochen, 
musste man bei jeder Verordnung entweder die Zeitdauer des Kochens und 
das Quantum der Colatur, oder das Quantum des Aufgusses und die Menge, 
bis zu welcher derselbe eingekocht werden sollte, bestimmen; in der Regel 
rechnete man bei der ersten Aügabe eine halbstündige Kochdauer und eine 
Unze Colatur aus einer Drachme Species, bei der zweiten Hess man IV« bis 
2 Unzen auf eine Drachme aufgiessen und auf eine Unze einkochen (Bei- 
spiel II.). 

Zur Darstellung im Decoct eignen sich Arzneistoffe, welche keine flüch- 
tigen Bestandtheile enthalten, und deren härtere Textur eine Extraction der 
löslichen Substanzen nur bei länger fortgesetzter Einwirkung des siedenden 
Wassers möglich macht. 

Die abzukochenden Stoffe werden entweder zerschnitten oder in gröb- 
lichem Pulver der Decoction zugesetzt; als Mensti'uum dient fast ausschliess- 
lich Wasser; vor der Abkochmig dürfen nur solche Zusätze gemacht werden, 
welche die vollständigere Lösung der zu extrahirenden Stoffe vermitteln (Bei- 
spiel vni.). 

•) Das Decoctum Tub. Salcp. wird eigentlich mit Unrecht als ein Decoct be- 
zeichnet, da es genau genommen ein durch Aufquellen mit heissem Wasser bereiteter 
Schleim ist; zu dessen Darstellung werden die Tub. Salep. möglichst fein gepulvert, 
zuerst mit kaltem Wasser in einer Flasche umgeschiittelt und dann durch Zusatz von 
heissem Wasser aufgequollen (Beisp. VI.). 

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Abkochung. — Extractions-Pormen. 



49 



^ 



Beispiele. 
V. 



Rhiz. Filicis conc. 25,0 

coque c. 
Aq. fönt. q. s. 

ad Colat. 150,0 
cni adde 
Elaeosacchar. Tanaceti 10,0 
Syr. Rhamni cath. 25,0. 
D. S. Im Zeitraum von zwei Stunden zu 
verbrauchen. 



n. 



^ 



Cort. Frangul. conc. 

Ligni Guajaci rasp. ana 25,0 

coque c. 
Aq. fönt. 500,0 

ad remanentiam 250,0 
Colat. adde 
Tinct. aromat. 5,0 
Syr. Aurant. Cort. 50,0. 
D. S. Morgens und Abends ein halbes 
Weinglas zu nehmen. 



m. ^ 

Decoct. Rad. Colombo 200,0 

cui adde 
Acid. hydrochlor. 3,0 
Syr. simpl. 25,0. 
D. S. Stündlich einen Esslöffel. 



IV. I^ 

Decoct. concentrat. Rad. Sarsa- 
parill. 250,0 
cui adde 
Syr. Cinnaruom. 25,0. 
D. S. Morgens und Abends einen Esslöffel. 



D. S. 



VI. 



D. S. 



VII. 



D. S. 



VIII. 



Decoct. concentratiss. Ligni Guajaci 
100,0 
adde 
Vini Colchici 2,5 
Succ. Sambuci insp. 10,0. 
Stündlich einen Esslöffcl. 



Bf 

Tub. Salep pulv. 1,0 
f. 1. a. Decoct. 100,0 
post refrigerat. adde 

Tinct. Strychn. 1,0 

Syr. Ipecacuanh. 25,0. 

Stündlich einen Esslöffel. 



Decoct. Rad. Rhei (10,0) 150,0 

in quo solve 
Mannae elect. 25,0 
Stündlich einen Esslöffel. 



D. S. 



Decoct. Cort. Chin. 

ope Acid. hydrochl. 1,0 

parati 100,0 

cui refrigerato adde 
Aeth. acetici 2,0 
Syr. Zingiberis 25,0. 
Stündlich einen Esslöffel. 



Aus den vier erörterten Fonnen können mannigfache Combinationen ge- 
bildet werden, je nachdem man die Extraction der löslichen Substanzen dui'ch 
aufeinanderfolgende Einwirkung mehrerer der angeführten Proceduren bewerk- 
stelligt. In praktischer Anwendung kommen folgende Combinationsformen vor: 

1) Das Macerations-Infus und das Macerations-Decoct. Die be- 
treffenden Species werden erst mit dem Menstruum eine bestimmte Zeit hiji- 
dnrch macerirt und dann eine Viertel- resp. halbe Stunde in der Infundirbüchse 
der Kochhitze ausgesetzt (Beisp. IX. und X.). 

2) Das Digestions-Decoct. Die Flüssigkeit wird nach dem Ende der 
die vorgeschriebene Zeit hindurch bewerkstelligten Digestion noch eine halbe 
Stunde lang mit den Species gekocht (Beisp. IX.). 

3) Das Decocto-Infusum. Diese Form wird gewählt, wenn man gleich- 
zeitig verschiedene Species verordnet, von denen die einen durch Abkochung, 
die anderen durch heisse Infusion geeigneter zu extrahiren sind. Man bewirkt 
dies entweder dadurch, dass man zuerst die Decoct- Species abkochen lässt 
und gegen Ende des Kochens die Infusions- Species zusetzt oder (weniger 
zweckmässig) dadurch, dass man zuei*st die letzteren mit der noch siedenden 
Decoct -Colatur infundirt und dann mit dieser eine Viertelstunde lang den 
Dämpfen aussetzt (Beisp. XII. und XIII,). Durchaus unzweckmässig, weil zu 
coraplicii-t, ist das Verfahren, das Infusum und das Decoctum getrennt bereiten 

Kwaltl iiihI Slin 11, Arxufivorordnungsiclirc. 10. Aufl. Digitized by VJlOOQ IC 



50 



Extractions-Formen. 



zu lassen und die Colatur beider zu mischen, oder erst die Species mit der 
Hälfte der Flüssigkeit infnndiren und coliren, dann den ausgepressten Rück- 
stand mit der anderen Hälfte abkochen und coliren zu lassen und beide Co- 
laturen zusammenzumischen. Dieses letztere, gänzlich ausser Gebrauch ge- 
kommene Verfahren wurde als Infuso-Decoctum bezeichnet (Beisp. XIV.). 



IX. 



D. S. 



X. 



Rad. Gary ophy Hat. conc. 20,0 
Gort. Cinnam. Cass. conc. 5,0 

Macera cum 
Aq. dest. 200,0 

per horas sex 

tunc Stent in balneo vaporis 

per horae quadrantem. 

Colatur. refrigerat adde 
Syr. Aurant. Cort. 25,0. 
Stündlich einen Esslöffcl. 



Beispiele. 
XII. 



D. S. 
glas. 



Rad. Sarsapar. conc. 
„ Caricis arenar. conc. ana 25,0 

Macera per 12 horas cum 
Aq. fönt. 500,0 

tunc coq. 

per hör. dimidiam 

Colat. adde 
Extr. Graminis 25,0. 
Morgens und Abends ein Trink- 



XI. H' 

Rad Rhei conc. 20,0 
Rhiz. Zingiber. conc. 5,0 

Digere cum 
Aq. fönt 200,0 

per horas quatuor 

tunc coque per horam dimidiam 

Colatur. refrigerat adde 
Syr. Rhei 50,0. 
D. S. Stündlich einen Esslöffel. 



D. S. 

xni. 



Rad. Senegae conc. 10,0 
coq. c. Aq. fönt. q. s 
sub finem coctionis 
adde 
Pol. Digitalis conc. 0,5. 
In Colat. 150,0 
solve 
Natr. nitr. 5,0 

adde 
Syr. Althaeae 25,0. 
Stündlich einen Esslöffel. 



D. S. 
XIV. 



Ligni Guajaci rasp. 2.i,0 
coq. c. Aq. fönt. q. s. 

ad Colat. 250,0 
quam adhuc fervidam 
infunde super 
Pruct. Carv. cont. 10,0. 
Post refrigerationem 
denuo cola et adde 
Syr. Rhamni cathart. 15,0. 
Stündlich einen Esslöffcl. 



D. S. 



Gort. Chinae conc. 20,0 

infunde Aq. fönt. q. s. 
ad Gol. 150,0. 

Residuum cxpress. 

coq. c. Aq. fönt. q. s. 
ad Gol. 150,0 

Colat. raixtis adde 
Syr. Aurant. Cort. 25,0 
Vini gallici rubri 50,0. 
Morgens ein Weinglas zu nehmen. 



Als eine besondere Extractionsform wird in der Regel noch die Tisane 
oder richtiger P tisane*) aufgeführt. Dieselbe besteht aus einer durch Ab- 
kochung oder durch combinirtes Extractionsverfahren bereiteten Flüssigkeit 
von grösserer (über 200,0 Gramm hinausgehender) Quantität, welche weinglas- 
oder tassenkopfweise genommen wird (Beisp. n., X. und XV.). 

XV. Bf 

Rhiz. Graminis 25,0 
Rad. Alth. 
„ Liquirit. ana 10,0 
coque c. Aq. fönt. q. s. 
ad Colat. 500,0. 
D. S. Im Laufe des Tages weinglasweise zu verbrauchen. 



•) Von Tmött'vij, enthülste Gerste, die ursprünglich meistentheils zu derartigen 
Abkochungen verwendet wurde. ^^ 

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^8» 



Molken. 51 



h. Molken, Serum Lactis. 

Unter Molke versteht man (Kuh-, Ziegen-, Esel- oder Schaf-) Milch, aus 
welcher durch eine coagulationsbewirkende Substanz der Käse und die Butter 
zum bei weitem grössten Theile ausgeschieden sind, so dass die rttckbleibende 
Flüssigkeit eine Auflösung des Milchzuckers und der in der Milch enthaltenen 
Salze darstellt, welcher aber meistens noch Spuren von Fett und Casein bei- 
gemengt sind. Eine gute Molke, Serum Lactis dulce, muss von süsslichem 
Geschmack und weisslich-grünem, opalisirendem Ansehen sein. Die Reaction 
auf Lakmuspapier ist auch bei sorgföltiger Bereitung eine sam-e. 

Zur Darstellung der Molken bedient man sich meistens des Labs und der 
vegetabilischen Säuren, des Alauns, der Tamarinden, seltener der Mineral- 
säuren. In den Molkenanstalten, namentlich den schweizerischen, lässt man 
eine kleine Quantität Milch spontan sauer werden, und benutzt diese (Sur- 
oder Molkenessig) als Zusatz zu kochender Milch, um aus dieser das CaseKn 
auszuscheiden. Es hat jedoch diese Methode keinen Vorzug vor den ander- 
weitig benutzten Verfahrungsweisen, vielmehr haftet an ihr der Uebelstand, 
dass sie nur von sehi* geübter Hand vollzogen wevden kann und auch dann 
noch ein sehr ungleichmässiges Resultat ergiebt, da das Quantum der gebil- 
deten Milchsäure ein, je nach den atmosphärischen Verhältnissen, sehr vari- 
irendes ist. — Viel zweckmässiger, weil in ihren Erfolgen constanter, ist die 
Bereitung der Molke durch Lab, und zwar dm^ch solche Präpai'ate desselben, 
welche den m*sprünglichen animalischen Geruch dieses Mittels der Milch nicht 
mittheilen. Als solche Präpai*ate sind das Pepsin und die Lab-Essenz, 
Liquor seripar US, zu bezeichnen. Das Pepsin, und zwar das durch Auslaugen 
und vorsichtiges Eindämpfen der Kälbermagen gewoimene, muss bei regelrechter 
Beschafifenheit im Wasser klar löslich sein und in einer Quantität von höch- 
stens 0,3 Gramm die Gerinnung von einem Liter Milch bewirken. Die Lab- 
Essenz, welche das Pepsin im aufgelösten Zustande enthält, wird durch 
Extraction der frischen Kälbermagen gewonnen; ein derselben gegebener 
Zusatz von Kochsalz und Alkohol schützt die animalische Substanz vor der 
Zersetzung. (Die officinelle Formel für die Bereitung der Lab -Essenz be- 
stimmt, dass von der abgeschabten inneren Haut des Labmagens eines Saug- 
kalbes 3 Theile mit 26 Theilen weissen Weines und 1 Theil Kochsalz drei 
Tage unter öfterem Umschtitteln macerirt und dann filtrirt werden.) Die 
Molkenbereitung mittelst dieses Präparates geschieht in der Ai*t, dass einem 
halben Liter der kalten Milch ein Theelöflfel der Essenz zugesetzt und die 
Mischung gelinde erwärmt (bis auf 32" R.) und dann decantui; oder colirt 
wird. (Nach der früher officinellen Vorschrift soll 1 Th. Liquor zu 200 Th. 
auf 35 — 40'*X3. ei*wärmter Milch gesetzt werden.) — Vor der hin und wieder 
noch empfohlenen Bereitung der Molken durch Streifen von getrocknetem 
Kälbermagen ist ausdrücklich zu warnen, da dieselben die Molken mit einem 
ekelhaften, cadaverösen Geruch und Geschmack imprägniren. 

Zur Bereittmg saurer Molken, Senim Lactis acidum, wird nach der 
Ph. Geim. Weinstein benutzt und zwar wird 1 Th. Tartarus depuratus zu 
100 Th. kochender Milch hinzugefügt und nach erfolgter Gerinnung wird 
durchgeseiht und filtrirt. Man kann saure Molken auch aus Weinsteinsäure 
und anderen vegetabilischen Säuren, namentlich Essig und Citronensäure , be- 
reiten; diese Bereitungsweise ist aber nicht mehr im Gebrauch und bietet 
auch keine besonderen Vortheile dar. Man rechnet etwa 1,2 Acid. tartaricum, 
1,0 Acid. citricum, 20,0 Succus Citri oder die gleiche Quantität Essig fllr 
1 Liter Milch zur Molkenbereitung erforderlich. 

Einzelne zur Molkenbereitung verwendete saure oder scharfe, veg^tabil^ 

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52 Molken. 

lische Stoffe verleihen der Molke dui'ch ihren anderweitigen Gehalt noöh eine 
besondere arzneiliche Kraft; hierher gehören die Molke durch Tailarus depu- 
ratus, durch Pulpa Tamarindorum , dui'ch Wein und durch Semen Sinapis. 
Mit Taii;aru8 depur. bereitet man die Molke, indem man mindestens 4,0 des- 
selben zu einem Liter kochender Milch setzt. Diese Molke enthält noch einen 
kleinen Theil weinsteinsauren Kali's und dllrfte dadurch auf die Secretion des 
Darmkanals gelinde, anregend wirken. Von der Phaim. Germ, ed I. wird 
eine grössere Quantität Tartarus depuratus, 10,0 auf das Liter Milch vorge- 
schrieben; diese als Serum Lactis acidum s. tartarisatum bezeichnete Molke 
weicht von der gewöhnlichen durch ihren entschieden sauren Geschmack ab 
und äussert die oben erwähnte Wirkung auf den Daimkanal in stärkerem 
Masse. Aus einer solchen sauren Molke durch Neutralisirung mittelst Gonchae 
praeparatae, Magnesia carbonica oder Natrum bicarbonicum i^-ieder eine süsse 
(Serum Lactis dulcificatum) herzustellen, ist unzweckmässig, da man durch 
richtiges Innehalten der Verhältnisse alsbald eine süsse Molke erzielen kann, 
und bei dem Dulcificiren der Molke deren Salzgehalt in ganz unbestimmbarer 
Weise vermehrt wird. Will man die Molke salzhaltig machen, so thut man 
dies in viel präciserer Weise, indem man einer gut bereiteten Molke ein be- 
stimmtes Quantum von Kali tai*taricum, Tartarus natronatus, Nati\ phospho- 
ricum u. s. w. zufügt. Um die abftlhrende Beschaffenheit der Molke zu er- 
höhen, wird derselben oft Milchzucker (in beliebigen Quantitäten) zugesetzt. 

Das Serum Lactis tamarindinatum, Tamarinden-Molke, wird bereitet, 
indem man zu 100 Theilen kochender Milch 4 Pulpa Tamarindorum cruda 
setzt, colirt und filtrirt. Diese letztere Procedur reicht jedoch nicht hin, um 
der Molke eme vollständige Klarheit zu geben; soll sie vollständig weinklar 
werden, so kann man dies nur durch mehrmaliges Aufkochen mit Eiweiss 
bewirken. Es ist jedoch diese Beschaffenheit keinesweges eine unerlässliche, 
am wenigsten die medicinische Wirkung der Molken tangirende; man begnügt 
sich, (ieselben bei der häuslichen Bereitung als eme trübe, schwach gelbliche 
Flüssigkeit darzureichen. 

Die Weinmolke, Serum Lactis vinosum, wurde durch Zusatz von Franz- 
oder Rheinwein (200,0—350,0 auf 1000,0) bereitet. Der schwankende Gehalt 
des Weines an Säure bedingte die Unzweckmässigkeit des Präparates, dessen 
vorausgesetzte medicinische Nebenwirkung dadurch illusorisch wird, dass das 
Aroma und der Alkohol des Weines bei seiner Erhitzung zum grossen Theile 
verloren gehen. Zweckentsprechender würde es sein, wenn man, wo die Wir- 
kung des Weines mit der der Molke vereinigt werden soll, einer fertigen, gut 
bereiteten Molke die beliebige Quantität Wein zusetzte. 

Die Alaun-Molke, Serum Lactis aluminatum, erhält man durch Zusatz 
von 1 Alumen pulveratum auf 100 kochender Milch und uachheriges Coliren. 
Die Alaun -Molke ist von herbem Geschmack und grünlich -weis&em Aussehen 
und unterscheidet sich von der gewöhnlichen Mofike durch ihre entschieden 
adstringirende Wirkung, indem sie einen Theil der schwefelsauren Thonerde 
aufgelöst enthält. 

Die durch Zusatz von Schwefelsäui'e zu kochender Milch (ca. 2,0 Acid. 
sulfur. dilutum auf 1 Liter) gewonnene Molke, Serum Lactis vitriolatum, 
lässt zwar in Bezug auf Sicherheit der Bereitung nichts zu wünschen übrig, 
doch schliesst die Natur des zu vein^^endenden Zusatzes dieses Präparat min- 
destens von der häuslichen Bereitung vollständig aus, um so mehr, als das- 
selbe keinerlei therapeutische Vortheile vor den mit organischen Säuren be- 
reiteten Molken darbietet. 

In vielen Fällen wird die Molke als Vehikel für andere Arzneistoffe be- 
nutzt oder in ihrer Wirkung mit der anderer Arzneisubstanzen combinirt, wie 
dies auch schon bei der Tamarinden- und theilweise auch bei der Alaun- 

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Molken. — Kräatersaft. 



53 



mölke der Fall ist. Die gebräuclilichsten Combinationeii der Art sind 
Zusätze von aromatischen Tincturen, Salzen (Tartarus natronatus, Nati*. 
phosphor.), Eisenpräparaten (Serum Lactis martiatum), Mineral wässera, 
Kräutersäfteu. 

Oekonomischer Rücksichten halber wird es gerathen sein, in den meisten 
Fällen die ohne schwierige Proceduren vor sich gehende Bereitung der Molke 
im Hause des Patienten vollziehen zu lassen und sich zu dem Zwecke der in 
neuerer Zeit eingeftlhrten Molkenbereitungs- Präparate zu bedienen. Hierher 
gehören ausser der schon erwähnten Lab- Essenz die Trochisci seripari 
simpl. (0,3 Acid. tartar. enthaltend), die Trochisci seripari tamarindi- 
nati (enthaltend die Solubilia von 7,5 Pulp. Tamarind.), die Trochisci 
seripari aluminati (1,0 Alumen) und Trochisci seripari ferruginosi 
(^0,3 Acid. tartar. und 0,12 Fen\ acet. oxydatum). Sämmtliche Trocliisci sind 
je zu V4 Liter Milch berechnet; der Trochiscus wird in der kochenden Milch 
unter Umständen aufgelöst. 

Die Verordnung der Molken geschieht, wenn man sie in der Apotheke 
bereiten lässt, immer nur der Art, dass man das Consumtions- Quantum für 
einen Tag vorschreibt, welches aus etwa 200,0 — 600,0 Gramm zu bestehen 
pflegt. Die Einzelngabe pflegt nach Bechern (zu 150,0 — 200,0 Inhalt) be- 
messen zu werden. Im allgemeinen darf man annehmen, dass von der ange- 
wandten Milch zwei Drittel als Molke resultiren, so dass zur Herstellung eines 
Bechers Molke ' . Liter Milch erforderlich ist. 



Beispiele. 



D. S. 



Lactis vaccini 500,0. 

Coq. et adde 
Acid tartar 0,(5. 
Post separationem 

Casei butyTiquc 
cola refrigera 

et 
admisce 
Vitellum ovi unius 
Denuo coque 
usqae ad Albuminis 
coagulationem, 
refrigera et filtra. 
In Filtrati 350,0 
solve 
Natr. phosphor. 150,0. 
Tassenweise zu verbrauehen. 



IL ^ 

Seri Lactis tamarindinati 250,0 
Elix. Aurant. comp. 10,0. 

D. S. Morgens nüchtern zu verbrauchen. 



III. I^ 

Seri Lactis dalc. 200,0. 

D. S. In zwei Theilen mit gleichen Quan- 
titäten Obersalzbrunn im Zwischenraum 
einer halben Stunde Morgens zu ver- 
brauchen. 



i. KriUtersaft, Succus herbamm. 

Der durch Pressen gewonnene Saft frischer Kräuter wird, namentlich im 
F'rlihh'ng, wo die Holzfaser der Pflanzen noch wenig, der Salz- und Albumen- 
gehalt derselben desto stärker entwickelt ist, km'gemäss gebraucht. Die Be- 
reitung des Kräutersaftes geschieht durch Zerstampfen der frischen Kräuter 
mittelst eines hölzernen Pistills in einem steinernen Mörser und Auspressen 
des Saftes zwischen Leinwand. Der Kräutersaft enthält neben den aromati- 
Kchen, bittem u. s. w. Stoffen der verwendeten Pflanzen: Zucker, Pflanzen- 
Eiweiss, Schleim, Amylum, Chlorophyll, Salze, Wasser. 

Der Kräutersaft wird rein oder mit Zusätzen von Molke, Mineralwässern, 

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54 



Kräutersafl. — Aetzstiftc. 



Fleischbiilhe gebraucht, und zwar in Quantitäten von 50,0 — 200,0 täglich, 
welche esslöflfel- oder tassenkopfweise genommen werden. 

Zuweilen lässt man auch, um die abführende Wirkung des Kräuteraaftes 
zu sichern, Salze in demselben auflösen, oder um ihn der Verdauung weniger 
beschwerlich zu machen, schwach aromatische Mittel zusetzen. 

Die Verordnung des Kräutersaftes geschieht immer nur auf einen Tag, 
da er bei längerem Aufbewahren sauer wird und verdirbt. 

Vor der häuslichen Bereitung des Kräutersaftes ist entschieden zu warnen, 
da, abgesehen von der schwierigen Manipulation, welche dieselbe erfordert, 
leicht gefilhrliche Verwechselungen der angewendeten Pflanzen vorkommen 
können. 

In einigen Gebirgs - Kurorten , in denen wegen der Ueppigkeit der mon- 
tanen Flora die Kräutersaft -Kuren eine wesentliche Rolle spielen, sucht man 
dieses Kurmittel dadurch haltbarer zu machen, dass man demselben (nach 
Angabe der Producenten) Milchzucker zusetzt. Es erreicht dieses Verfahren 
jedoch nur unvollkommen den beabsichtigten Zweck, indem der mit Zucker 
versetzte Kräutersaft in der Regel schon nach wenigen Tagen, zumal bei 
warmer Jahreszeit, in Gährung übergeht. 

In Deutschland kommen am häufigsten zur Verwendung: Succus Taraxaci 
Millefolii, Nasturtii, Chelidonii (dieser letztere jedoch nur als geringer Zusatz 
zu den anderen, etwa 1,0 auf 10,0). 



Beispiele. 



l. IV 

Succ. Taraxaci 
„ Millefolii ana 50,0 
„ Chelidonii 5,0. 
D. S. Des Morgens halbstündlich zwei 
Esslöffel mit einer halben Tasse Kalb- 
fleischbrühe zu nehmen. 



IL R' 

Succ. Taraxaci rcc. expr. 100,0 

Seri Lactis 300,0. 
D. S. Nüchtern halbstündlich einen Becher 
zu nehmen 



m. 



^ 



Succ. Millefolii 

„ Nasturtii ana 50,0 
Tinct. aromat. 5,0. 
D. S. Morgens in zwei Theilen je mit 
einem Becher Friedrichshaller Bitter- 
wasser gemischt zu nehmen. 

IV. ^ 

Succ. Taraxaci 

Millefolii ana 75,0 
in quo solvc 
Tartar. natronat. 25,0. 
D. S. Halbstündlich einen Esslöffel. 



II. Arzneiformen zur Applicaton auf die äussere Haut. 



1. Trockene Popmen. 



a. 



Aetzstifte. 



Zum Aetzen in intensiver Form werden längliche Stifte caustischer Sub- 
stanzen benutzt, am meisten Argentum nitricum, auch Verbindungen desselben 
mit Arg. chlorat., Kali nitricum, ferner Kali causticum fusum, Alaun, Cuprum 
sulturicum, Zincum chloratum, Calcaria usta u. a. Die zu benutzenden Stoffe 
werden auf verschiedene Weise umhüllt, entweder durch mit CoUodium um- 
zogene Seidengaze, oder in Bleifederhülsen eingelegt. Alaun und Cuprum 
sulfuricum werden in Stiftform geschliffen und können ebenfalls in Ilolzfonnen 
gefasst werden. 



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Streupulver. — Tro<*.kene Umschläge, 55 



b. Streupulver, Pulvis adspersorius. 

In Pulverfonn werden Arzneimittel auf die äussere Haut angewendet, 
theils um als Deckungsmittel deraelben zu dienen, thells um durch Aufsaugung 
des Hautsecretes Erosionen der Haut zu verhindern oder zu heilen; bei Wun- 
den und Geschwüren werden Streupulver angewendet, um durch Verklebung, 
Aetzung oder Coagulation Blutungen zu stillen (Pulveres st}T)tici), oder die 
putride Beschaifenheit von Wundsecreten zu beseitigen, oder endlich um den 
Vitalitäts- Zustand runder Flächen in einer der Heilung förderlichen Weise 
umzustimmen. Je nach diesen verechiedenen Zwecken sind die Streupulver 
entweder möglichst indififerente Substanzen (Lycopodium, Mehl, Amylum, Reis- 
mehl, Argilla, Magnesia, Talcum), oder solche, die durch ihre chemische Be- 
schaffenheit geeignet sind, den oben erwähnten arzneilichen Indicationen zu 
dienen, also: Gummi Arabicum, fein gepulverte Harze — Ferrum sulftiricum, 
Acidum tannicum, Acidum salicylicum — Kohle, Calcaria chlorata — China- 
rinde, Alaun, Cuprum sulfur., Argentum nitricum, Calomel, Jodoform u. s. w. 

Die Streupulver mUssen in möglichster Feinheit verabreicht wei*den; bei 
den indifferenten Pulvern kann man die Gesammtmasse dispensiren und die 
jedesmal zu verbrauchende Quantität von dem Patienten aufstreuen lassen, 
bei den differenten thut man wohl, die Einzelndosis für die jedesmalige An- 
wendimg gesondert zu verordnen; wo diese, lediglich aus dem verordneten 
Arzneistoffe bestehend, zu klein sein würde, um eine bequeme Manipulation 
zu gestatten, da setzt man soviel von einem indifferenten Pulver hinzu, um 
die Einzelndosis auf mindestens 0,5 Gramm greifen zu können. Weitere Be- 
sthnmungen über das Volumen der Einzelndosis in ihrem Verhältnisse zur 
Applicationsfläche lassen sich auch annähernd nicht geben, da nicht blos die 
Grösse der letzteren, sondern die grössere oder geringere Menge der Secretion, 
die von dem Applicationszweck bedingte grössere oder geringere Stärke der 
aufzustreuenden Pulverachicht die mannigfachsten und a priori nicht festzu- 
stellenden Modificationen hervorrufen. 

Die Procedur des Aufstreuens geschieht mittelst der Hand oder eines 
flachen Löffels oder Spatels. Indifferente Pulver streut man aus einem Mous- 
selinsäckchen oder aus einem mit weichen Federn oder Watte besetzten Knopfe, 
welcher vorher in der Pulvermasse gewälzt wird. 

c. Trockene Umschligei Fomenta sicca. 

Gröblich gepulverte oder fein geschnittene Arzneisubstanzen, welche mit 
der Haut in mittelbarer oder unmittelbarer Berührung erhalten werden und 
vorzugsweise durch ihre Temperatur, nebenbei durch schwächere oder stärkere 
Aromata, zuweilen durch ZufÜgung reizender oder epispastischer Stoffe wirken, 
werden als trockene Umschläge bezeichnet. Die Substanzen, welche am 
meisten zu trockenen Umschlägen vei'wendet werden, sind aromatische Kräuter 
(Flor. ChamomiU., Flor. Sambuc, Species aromaticae), Kleie, Bohnenmehl. 

Die gewöhnlichste Weise, in welcher diese Arzneiform in Anwendung ge- 
zogen wird, ist die der Kräuter sacke (Pulvinaria medicata s. Sacculi me- 
dicati), Säckchen in der Regel von weicher, lockerer Leinwand, welche mit 
den Species oder gröblichen Pulvern gefüllt, erwärmt und auf der Haut durch 
eine leichte Bandage festgehalten werden. — Femer gehören hierher die so- 
genannten trockenen Bäder, meistens aus erwärmter Kleie bestehend, 
welcher aromatische oder schwach reizende Substanzen (Senfmehl) zugemischt 
werden. Diese Mischung wird in einen Sack geschüttet, in welchen Hände 
oder Füsse mehrere Stunden hindurch gesteckt i^erden« 

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56 Pflaster. 



Zu den trockenen Umschlägen gehört aucli die Bedeckung der Haut mit 
einem besonders schlechten Wärmeleiter, Wolle oder Watte, welche man noch 
mit verschiedenen Zusätzen imprägnirt, in der Voraussetzung, gleichzeitig eine 
reizende Einwb'kung zu erzielen, so z. B. Wolle oder Watte mit Campher- 
oder Salmiak - Spiritus besprengt oder mit Campher -Pulver eingerieben; bei 
der sogenannten Fettwolle und Kammwolle dürfte das in derselben enthal- 
tene ranzige Fett die örtlich reizende Einwirkung auf die Haut vermitteln. 
In ähnlicher Weise wirkt das unter dem Namen Wald wolle bekannte Prä- 
parat, welches aus der durch einen fUulnissartigen Process vom Zellgewebe 
getrennten weichen und wollenartig verfilzten Holzfaser der Kiefemadel be- 
steht, dem noch ein geringer Antheil von ätherischem Oele anhaftet, resp. 
wieder zugemischt wird. 

Die Substanzen zu trockenen Umschlägen werden in der Regel als Species 
verachrieben, und der Patient erhält die Anweisung über die Fonn, in welcher 
sie zu verwenden sind. 



2. Weiche und halbflüssige Formen. 

a. Pllasteri Emplastrum. 

Eine ftii' die äussere Anwendung bestimmte Arzneifonn von einer Con- 
sistcnz, welche der des Wachses sich nähert, wird als Pflaster bezeichnet. 

Das Pflaster wird entweder 1) nur als Mittel fUr chirurgisch -technische 
Zwecke (zum Vereinigen von Wund- und Geschuürsrändem , zum Festhalten 
von Verbän<len und Umschlägen, zur Application von Compressiv -Verbänden) 
benutzt, oder 2) als Schutz- und Deckungsmittel der Haut, oder schliesslich 
3) als Ti'äger von Arzneistoffen, deren Einwirkung auf die Haut beab- 
sichtigt wird. 

Für die ad 1. und 2. genannten Zwecke bedient man sich ausschliesslich 
der officinellen Pflasterformen, nur etwa mit der Rücksicht, dass man bei all- 
gemeiner Reizbarkeit der Haut oder entzündlicher Beschaifenheit der Verband- 
stelle diejenigen Pflastermassen wählt, welche frei von Harz sind, wie das 
Emplastnim Lithargyr. und saponatum, während da, wo es darauf ankommt, 
der Pflaster-Application die möglichste Festigkeit zu geben, das Emplastimm 
adhaesivum in erster Reihe steht. 

Nur für den ad 3. ermähnten Zweck kommt der Arzt zuweilen in die 
Nothwendigkeit, durch die magistralö Vorschrift eine Pflastermasse zu com- 
poniren; aber auch hier wird es sich nicht dainim handeln, eine solche ab 
origine herzustellen, sondern nur darum, den betreflbnden Arzneistoff in pas- 
senden Verhältnissen einer einfachen oder zusammengesetzten Pflasterform 
hinzuzufügen. 

Die für die Herstellung von zusammengesetzten Pflastern zu benutzenden 
Pflast^rgrundlagen theilen sich: 

1) in resinöse Stofl^e, welche dui*ch einen grösseren oder geringeren 
Zusatz von Fett, Oel, Wachs oder Terpenthin Pflaster -Consistenz 
erlangen, z. B. Colophonium, Resina burgimdica, Pix nigra; 

2) in Bleiseifen, Verbindungen von Bleioxyd mit Oelsäuren; hierher 
gehören: Emplastnim Lithargyi*. simpL, Empl. Cerussae, Empl. Minii 
und Empl. fuscum; ferner das Empl. saponatum, eine Verbindung 
von Blei mit einem kleinen Zusätze von Natronseife; 

3) in Verbindungen von resinösen Substanzen mit Bleiseifen; hierher 
gehören das Empl. adhaesivum, Empl. LithargjT. compositum. 

Will man solchen Pflastergrundlagen medicamentöse Stofl^e beimischen, 
oder medicamentöse Pflaster noch mit anderen Ai'zueistoffen versetzen, so smd 

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Pflaster. 57 

dabei folgende Quantitäts- Bestimmungen im Auge zu behalten: von vegetabi- 
lischen Pulvern, Extracten, Opium, Castoreum u. s. w. kann einer guten 
Mastergrundlage bis zu einem Sechstel beigemengt werden, ohne ihre Con- 
sistenz wesentlich zu verändern; schwere Pulver (Salze, Schwefel, Jod, Metall- 
verbindungen) können bis zu einem Viertel in die Pflastergrundlage aufge- 
nommen werden ; ätherische Oele und Campher bis zu einem Zwölftel, Balsame 
und fette Oele bis zu einem Achtel. Will man grössere Quantitäten, als die 
hier aufgeführten, in die Pflastergrundlage aufnehmen lassen, so muss man 
bei den pulvei*förmigen Substanzen, durch deren Aufnahme die Pflastergrund- 
lage zäher wird, Zusätze von erweichenden Stoßen (Terpenthin, Oele oder 
Campher) hinzufügen, während die Aufnahme grösserer Quantitäten von äthe- 
rischen Oelen, Campher, Balsamen durch ZufUgung festerer Substanzen (Colo- 
phonium, Wachs) vermittelt werden muss. 

Die Zusätze zu den Pflastermassen werden in folgender Weise bewerk- 
stelligt: Lösliche Salze und Extracte werden mit wenigen Tropfen Wasser; 
Opium, Castoreum mit etwas schwachem Spiritus; metallische Pulver, Campher 
mit einigen Tropfen Oel vorher angerieben, und dann mit der durch grössere 
oder geringere Wärme flüssig oder weich gemachten Pflastermasse gemischt; 
feine vegetabilische Pulver und Flüssigkeiten bedürfen vor der Zumischung 
keiner weiteren Präparation; leicht zerreibliche Substanzen, wie Schwefel und 
Jod, werden nur möglichst fein gepulvert und dann zugesetzt. Die Mischung 
aller Substanzen geschieht durch sorgfältiges Kneten im metallenen oder por- 
zellanenen Mörser (Malaxiren). 

Die Dispensii-ung der Pflaster geschieht in der Art, dass die Pflastermasse 
entweder in Stangenform ausgerollt (selten in Tafeln oder Kruken gegossen) 
verabreicht wird, oder dass man sie auf eine Unterlage streichen lässt; diese 
letztere besteht aus Leinen (linteum), weichem Leder (corium s. aluta), seltener 
Taftl (taifetas), Wachsleinwand (linteum ceratum), Papier (chai*ta). Bei Pflastern 
von richtiger Consistenz genügt es, dieselben vor dem Auflegen gelinde zu 
em'ärmen, um ihr Kleben an der Haut zu bewirken; bei zu spröden oder zu 
weichen Pflastermassen ist dies nicht der Fall, und müssen solche durch über- 
gelegte Heftpflastersti-eifen festgehalten werden oder dadurch, dass die be- 
treffiende Pflastermasse auf Heftpflaster gestrichen wird, wobei man einen Rand 
desselben frei lässt. 

Die Pflastermasse wird in verschiedener Dicke auf die Unterlage aufge- 
tragen; die normale Dicke ist etwa die eines starken Papiers, wobei die 
Textur der Unterlage durch den Pflasterüberzug nicht mehr sichtbar ist. Soll 
das Pflaster lediglich zu Klebezwecken dienen, und jede Reizung der Haut, 
die durch dickeres Auftragen leicht bewirkt wird, vermieden werden, so 
schreibt man vor, das Pflaster dünn auszustreichen (extende tenuiter s. tenuis- 
sime), wobei dann fast nur die Zwischenräume der Texturfasem mit Pflaster- 
masse gefüllt werden; soll ein intensiver Hautreiz ausgeübt werden, so trägt 
mau die Pflastermasse etwa messerrückendick auf (extende crasse). 

Die Grössen -Bezeichnungen werden am besten durch bestimmte Masse 
ausgedrückt, wobei es am gerathensten ist, die Länge sowohl als die Breite 
des Pflasters nach Centimetem, weniger gut das Ganze nach Quadrat - 
Centimetem zu bestimmen. 10 Quadrat-Cm. erfordern ca. 1 Gramm 
Pflastermasse. Anstatt dessen kann man auch entweder eine Zeichnung 
des Pflasters dem Recept beifügen, oder endlich die Grösse desselben nach 
bekannten Gegenständen bemessen. Unter den von anderen Gegenständen ent- 
nommenen Bezeichnungen sind folgende die gangbarsten: Grösse eines Mark- 
stückes (MagnitMarki), wozu etwa 1,0 erforderlich; Grösse eines Thalers (Magnit. 
Thaleri) — etwa 1,25; Grösse eines Fünftnarkstückes (Magnit. Monet. Markör, 
quinq.) = etwa 2,0; Grösse einer Spielkarte (Magnit. Chartae lusoriae) = 5,0 1 

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58 



Pflaster. 



Handflächengi'össe (Magnit. Palmae s. volae manus) = etwa 7,5; Handgrösse 
(Magnit. manus) = etwa 15,0. 

Die angegebenen Verhältnisse der Pflastermasse zu den Grössen -Bestim- 
mungen beziehen sich auf die mittlere Stärke; dünn aufgetragene Pflaster er- 
fordern die Hälfte, dick aufgetragene das Doppelte der genannten Quantitäten. 

Soll das Pflaster eine ganz bestimmte Form haben, z. B. etwa der Gegend 
hinter dem Ohre entsprechen (forma auricularis) , so wird dieselbe auf dem 
Recepte bezeichnet und in der Subscription des Receptes auf diese Zeiclmung 
hingewiesen, oder man schneidet, wo es sich um gi^össere Formen handelt, 
dieselben aus Papier und legt sie dem Recepte bei. 

Die Herren DD. Unna und Hielck in Hamburg haben mit besonderer 
Berücksichtigung des Hammeltalgs als Pflastergrundlage tmd der Verwendung 
von einfachem ungestärkten Mull als Unterlage und des entfetteten Mulls als 
Bedeckung desselben eine grosse Anzahl von Salben- und Pflastermullpräpa- 
raten angegeben (s. Berliner klinische Wochenschrift. 1881. No. 35 und 1882. 
No. 27.), die sich durch grosse Schmiegsamkeit, leichte und sichere Adaption 
imd bedeutende Haltbarkeit auszeichnen soUen (Beisp. VI. und VH.). Dieselben 
erfordern wegen des Temperatun\'echsels im Sommer eine etwas geringere 
Menge leichter schmelzenden Fettes wie im Winter, wortlber das Original ein- 
zusehen ist. 

Beispiele. 



I. ^ 

Resin. burgund. 150,0 

liquat. adde 
Sebi ovilli 5,0. 
Semirefrlgerat. ext. crasse supr. corium. 
longit 20 Centimet., latitud. 10 Centim. 
D. S. 



IL 



Opii 0,5 

Myrrh. 1,0 

Empl. Lithargyr. 10,0. 
1. a. Empl. ext. supr. taffet. D. S. 
Morgens und Abends einen Quadratzoll 
gross auf die Schläfe zu legen. 



III. Bf 

Tartar. stibiat. 1,0 

Empl. adhaesiv. 5,0. 
Misce malaxando extend. supr. cor. magnit. 
Chartae lusoriae. D. S. Reizpflaster. 



IV. R 

Camphor. trit. 1,5 
Empl. fusci 10,0. 
Ext. lenuissime supr. chart. D. S. Zum 
Auflegen auf rheumatisch afficirte Stellen. 



V. ^ 

Empl. Litharg}Ti simpl. 
Empl. saponat ana 10,0 

liquatis adde 
Ol. Macidis 0,5 
Ol. Chamom. citrat. 0,1. 
F. emplastr. extend. supr. cor. magnit ud. 
manus, margine emplastr. adhaesiv. ob- 
ducto. D. S. Auf die Magengegend zu 
legen. 



VI. 



H' 



10,0 



M 



Hydrarg}T. dep. 37,0 

Ungt. Hydrargyri Ph. G. 

Sebi bcnzoinati 40,0 

Adipis benzoinatae 13,0. 
f. e. Zur Imprägnirung von Salben- 
mull. — Quecksill^rsalbenmull 40 pCt. 



VII. 



M. f. 



Empl. adhaesiv. Ph. G. 85,0 
Terebinth. venet. 5,0 
Plumbi jodati 5,0. 
c. Zur Bestreichung von Mull. — 



Jodblei-Pflastermull 10 pCt. 



Eine wesentlich von den vorstehenden Pflasteni abweichende Art, welche 
aber durch magistrale Formeln nicht verordnet zu werden pflegt, besteht 
darin, dass man Unterlagen mit Flüssigkeiten überzieht, deren Rückstand nach 
dem Vertrocknen entweder schon an und für sich oder durch leichte Befeuch- 
tung Klebefühigkeit besitzt. Hierher gehören namentlich das Emplastrum 
adhaesivum anglicum (eine auf Seidenzeug aufgetragene Lösung von Colla 
Piscium), das Empl. Mezerei cantharid. und ähnliche. 

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Salbe. 59 



b. Salbe, Unguentum. 

Die am häufigsten zur Application von Medieamenten auf die äussere 
Haut angewendete Form ist die Salbe. Dieselbe ist eine Masse von butter- 
ähnlicher Consistenz, d. h. bei gewöhnlicher Temperatur nicht zerfliessend, 
aber ohne Kraft- und Wärmeanwendung vertheilbar. Die Salbe besteht aus 
einer Grundlage (Constituens s. Excipiens), welche an und flir sich die eben 
beschriebene Consistenz darbietet, imd (hi den meisten Fällen) aus einem 
dieser Grundlage beigemengten flüssigen oder festen (pul verförmigen) Arznei- 
stoffe. 

Als Salbengrundlagen dienen: 1) Fette, welche ohne weitere Präparation 
Salben -Consistenz darbieten; diese Bedingungen erfüllen nur Adeps suillus, 
Medulla ossium bo\is, Butter, Ol. Cocois, Kaliseife. Diese Substanzen können 
ohne weiteren Zusatz zur Salbengrundlage verwendet werden; in Bezug auf 
die Butter, die übrigens ihres leichten Ranzigwerdens halber selten als Con- 
stituens gebraucht wird, ist zu bemerken, dass sie vorher durch Waschen und 
Kneten ihres Koclisalzgehaltes beraubt werden muss. — 2) Mischungen von 
festeren Fetten oder fettähnlichen Stoffen (Wachs, Walhath, Paraffin) 
mit weichen Fetten oder Oelen. Die festeren Fette, wie Sebum ovillum, | 
Sebum ceninum, Ol. Cacao, bedüi'fen, um in Salbenforai gebracht zu werden, 
eines Zusatzes von doppeltem Quantum weichen Fettes (vom Paraffin sogar 
des Vierfachen) oder eines gleichen Theiles oder mindestens der Hälfte eines | 
flüssigen fetten Oeles oder eines kleinen Theiles (etwa Vh — Va) eines äthe- 
rischen Oeles. — 3) Unguentum Glycerini, welches vielfach als eine der 
pas.sendsten Salbengnmdlagen in Anwendung gebracht wii'd. — 4) Unguen- 
tum Paraffin i, Vaselin, jetzt officinell wie das Ung. Glycerini und vor 
allen anderen Salbengruudlagen den Vorzug verdienend, weil es nicht ranzig 
wird und ein ausgezeichnetes Excipiens darstellt. , 

Von den eben erwähnten Salbengrundlagen ist das einfache Schwemefett 
die am meisten gebrauchte und in ökonomischer Beziehung die zweckmässigste, 
indessen sind alle Salben, die lediglich mit Schweinefett bereitet werden, leicht 
dem Ranzigwerden ausgesetzt, ein Uebelstand, welcher sich auch beim Un- 
guentum rosatum geltend macht, in welchem duiTh Zusatz von Wasser die 
Neigung zur Rancidität noch erhöht ist. Haltbarer ist die aus blos vegetabi- 
lischen Fetten zusammengesetzte Wachssalbe. — Das Unguentum Glycerini 
und das Unguentum Paraffini sind in Bezug auf ihre Haltbarkeit jeden- 
falls die passendsten Salbengrundlagen, die auch in anderer Beziehung sehr 
wesentliche Vortheile bieten, ja, genau genommen, auch in ökonomischer Hin- 
sicht der einfachen Fettsalbe nicht nachstehen, insofeni die mit ihnen berei- 
teten Salben nicht dem Verderben ausgesetzt sind und deshalb in grösserer 
Quantität verordnet werden dürfen. Ausserdem enthält das Unguentum Gly- 
cerini die meisten ihm beigesetzten Araneistofl^e in wirklicher Lösung, wälu'end 
bei den anderen Salben die Zusätze mehr oder weniger um' in mechanischer 
Mengung mit der Grundlage vereint sind. Schliesslich gewährt das Unguentum 
Glycerini den für die chirurgische Praxis sehr erheblichen Vortheil, dass es 
nicht über die Applicationsstelle durch Zerfliessen hinausgeht und sich leicht 
lÄ-ieder von dieser durch Abwaschen entfernen lässt, ohne eine starke mecha- 
nische Reizung derselben nothwendig zu machen. Indessen gilt fast das 
Gleiche auch vom Vaselin, während dem Unguentum Glycerini der Uebelstand 
anhaftet, sehr leicht zähe, kleisterartig zu werden und einen den Patienten 
unangenehmen Druck auszuüben. Wo also eine Zersetzung des Fettes nicht 
im therapeutischen Interesse liegt, wie dies beim Unguentum Hydi'argyrum 
cinereum und bei den Jodsalben der Fall ist, für welche letztere die 

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()0 Salbe. 

Glycerinsalbe auch deshalb unpassend sein würde, weil das Jod mit dem 
Stärkemehl sicli verbindet, bediene man sich des Unguentum Paraffini oder 
Glycerini. 

Die den Salben zugeftigten Zusätze, Excipienda, können entweder flüs- 
siger, halbflüssiger oder fester Natur sein. Unter den flüggjggjj^ Excipiendis 
könnea Tineture n und_£]i l(>rofonn der Salbengnindlage oiszu etwa einem 
Si^ Lchstel des Gewichts derselben zugefügt werden, ohne eine erhebliche Ver- 
änderung ihrer Consistenz zu bewirken; ätherische Gele werden nur in viel 
geringerer Quantität ertragen (bis zu einem Zehntel des Gewichts der Salben- 
grundlage) und bewirken, überachüssig zugesetzt, ein Zerfliessen der Salbe; 
flüssige Säuren (Acid. nitricum) können bis zu einem Achtel zugesetzt werden, 
kaustische Flüssigkeiten ( Liq. Ammon.^ca ugt., Liq. Kali caust.) bis' zur Hälfte, 
da dieselben mit dem Fettgehalt der Salbe eine Seifenverbindung eingehen, 
welche sich der Salbenconsistenz nähei*t. — Dip.kflüflg |pe Substanzen, wie B^l - 
same und flüssige Exti*a cte^ können höchstens zu emem Vierte l des Gewichts 
einer Salbengrundlage beigemengt werden. — Bei den ^^gjgn Arzneistofl'en 
machen sich folgende Verhältnisse geltend: Harze^ Seifenunolegetabilische 
Puher, trockene Extracte und denen ähnliche Körper, wie Gpium, Casto- 
reiim u. s. w., können bis zu einem Drittel in die Salbengrundlage eintreten, 
Extracte von Extract- Consistenz bis zu einem Viertel, lösliche Salze bis zu 
einem Viertel, mineralische Pulver bis höchstens zur Hälfte — Campher 
verhält sich wie ein ätherisches Gel und darf deshalb nur in geringen Ge- 
wichtsmengen einer Salbenginmdlage beigesetzt werden, wenn er nicht ein 
Zei*fliessen derselben herbeiftlhren soll. 

Bei der Bereitung der Salbe werden die weichen und flüssigen Fette, aus 
denen dieselbe gebildet wird, im porzellanenen Möi*ser innig zusammen ver- 
rieben. Die festen Fette und fettähnlichen Stoffe werden erat bei möglichst 
gelinder Temperatur geschmolzen und dann mit den weichen Fetten venneben. 
Zusätze von »flüssigen Substanzen und Campher werden durch einfaches, im 
Mörser vorzunehmendes Mischen mit der Salbengrundlage bewirkt (Beisp. I., 
n., lU., Xni.). Ist die Salbengrundlage durch Schmelzung bereitet, so ge- 
schieht diese Zumengung erst nach dem Erkalten (Beisp. IV., V.). Vegeta- 
bilische und mmeralische Pulver, sofern sie nicht in Wasser löslich sind, 
werden mit der Salbengnindlage in der Weise gemischt, dass man sie zu- 
nächst mit einem geringen Theile derselben oder mit wenigen Tropfen eines 
fetten Geles fein verreibt und diese Mischung dann mit der Totalquantität 
der Salbengi'undlage mischt; ebenso Seifen und leicht zu pulvernde Harae 
(Beisp. IX.). Lösliche Pulver und Extracte, sowie Gpium und Castoreum, 
werden mit einigen Ti'opfen Wasser oder je nach der Natur der Substanz mit 
einer gelingen Quantität Alkohol angerieben und dann der Salbengnindlage 
zugesetzt (Beisp. VII.) mit Ausnahme von Tartarus stibiatus, welcher als ganz 
feines trockenes Pulver zugemischt werden muss. Schwer zu pulvenide Harae 
(Resina Pini, Golophonium) werden bei möglichst gelinder Temperatur ge- 
schmolzen und mit der Salbengrundlage gemischt (Beisp. XU.). 

Die Zusätze zum Unguentum Glycerini werden in dei*selben Weise bewirkt, 
nur mit der Ausnahme, dass diejenigen Substanzen, für welche oben ein vor- 
heriges Verreiben mit Gel angegeben worden, statt dessen mit einer kleinen 
Menge Glycerin subigirt werden (Beisp. VHL). 

Eine Geruchs-CoiTection der Salben wird dadurch bewirkt, dass man die- 
selben mit einer geringen Quantität ätherischer Gele, sph'ituöser Substanzen 
(Aq. Coloniensis, Tinct. Vanillae), wohlriechender fetter Gele (Gl. Jasmini) 
oder Balsame (Bals. penivianum) versetzt. — Meistens bedient man sich der 
ätherischen Gele, von denen für 5,0 der Salbe meistens 1 — 2 Tropfen aus- 
reichen. — Eine Correction des Aussehens der Salben durch färbende Zusätze 
(Ol. Alcannae, Kannin, Rad. Curcumae, Tinct. Croci) wü*d selten angewendet. 

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Salbe. 61 

Die Verordnung der Fett -Salben erfolgt in der Regel so, dass die ver- 
ordnete Quantität in wenigen (im Sommer höchstens in drei) Tagen verbraucht 
werde; nur in denjenigen Fällen, in denen die Rancidität der Salben dem 
Heilzwecke eher förderlich als hinderlich ist, kann man diese Beschränkung 
umgehen; bei Verordnung der Glycerin- und Paraffinsalbe fällt dieselbe ganz 
fort, indem diese selbst bei hoher atmosphärischer Temperatur sich lange Zeit 
unverändert erhalten. Die Gesammt- Quantität der in emigen Tagen zu ver- 
brauchenden Salbe wird natürlich durch die Anwendungsweise derselben bedingt. 
Für diejenigen Salben, welche als Einreibungen benutzt werden, bestimmt 
man die Einzelndose durch annähernde Bezeichnungen, welche dem Volumen 
allgemein bekannter Gegenstände entnommen sind, z. B. Grösse eines Steck- X 
nadelknopfes (ca. 0,05— -0,1), einer Linse (ca. 0,2), einer Erbse (0,3 — 0,5), 
einer Bohne (0,5 — 1,0), einer Haselnuss (1,5 — 2,0). Bei sehr diflferenten 
Mitteln verordnet man auch oft das Ganze in Einzelndosen dispensirt (Bei- ; 
spiel XV.). 

Bei Verband -Salben müssen die Grösse der Applicationsstelle, die Art 
der Application und die mehr oder minder häufige Wiederholung des Ver- 
bandes zur Bestimmung der Gesammt - Quantität in's Auge gefasst werden. 
(S. a. unter „Pflaster" die Salbenmulle.) Diese Verhältnisse sind jedoch meist 
so variabler Natur und werden durch die Verschiedenheiten in der Manipula- 
tion beim Verbinden so sehr beeinflusst, dass man nicht im Stande ist, auch 
nur annähernd irgend welche Quantitäts- Bestimmungen zu trefifen. Man thut 
deshalb wohl daran, bei kleineren Verbandstellen etwa 25,0—50,0, bei gi'ös- 
seren etwa 50,0 — 100,0 zu verordnen, mit der Massgabe, dieselbe emeueni 
zu lassen, wenn sie vor vollständiger Konsumtion ranzig geworden sein sollte, 
da hier, wo es sich meist um die Berührung der Salbe mit Geschwürs- oder 
Wundflächen handelt, in allen Fällen die Aufti'agimg eines ranzigen Fettes 
als direct schädlich zu bezeichnen ist, und ebensowohl Schmerzen verursacht, 
als zur Putrescenz der Wundsecrete beiträgt und die Heilung dadurch ver- 
zögert. Namentlich in Hospitälern kann man — soweit sie überhaupt noch 
angewandt werden — die Anwendung ranziger Salbien nicht stark genug 
perhorresciren, da hier die chirurgische Behandlung alles, was Putrescenz des 
Wundsecretes und damit Entwickelung von Hospitalbrand erzeugen kann, aufs 
ängstlichste zu venneiden hat, tmd unter den ätiologischen Momenten dieser 
Hospital-Plage möglicherweise der geringe Werth, den man auf die Beschafl'en- 
heit der Verbandsalben zu legen pflegt, eine nicht unwichtige Rolle spielt. — 
Auch in dieser Hinsicht ist wiederum auf die Vorzüge der Glycerin- und Pa- 
raflfinsalben hinzuweisen; natürlich ist bei ersteren die Rücksicht massgebend, 
dass sie mit chemisch reinem Glycerin bereitet seien, da sie sonst durch ihre 
unreinen Beimischungen (ätzende Sabse und ranzige Säuren) eben so schädlich 
wirken können, als ranzig gewordene Fettsalben. 

Die Darreichung der Salben geschieht fast ausschliesslich in Stein- oder ^ 
Porzellankruken. Die ersteren, welche gewöhnlich in der Armenpraxis gewählt 
werden, smd stets porös, saugen, einmal verwendet, einen Theil des Fettes 
auf, welches dann ranzig wird, und bei Emeueining der Salbe in demselben 
Gefdsse zum Verderben derselben wesentlich beiträgt. Es wäre deshalb 
wünschenswerth, die Steinkruken auch aus der Annen- und Hospitalpraxis , 
gänzlich zu entfernen und durch die nicht erheblich theureren Porzellan- oder I 
Glaskruken zu ersetzen. 

Der Vei'schluss der Salbenkiniken geschieht entweder durch Wachspapier, 
oder durch Holzdeckel, welche aber beide insofern unzweckmässig sind, als 
die an ihnen haftende Salbenquantität leicht ranzig wird und auf das Verderben 
der übrigen Salbe influirt. Den besten, allerdings etwas theureren Verschluss 
geben Porzellandeckel und dünne Blechkappen, welche mit einem leichten 
Silbeniiederschlage übei'zogen sind. . ^^^J^ 

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62 



Salbe. 



Als besondere Formen von Sälben haben wir schliesslich zu erwähnen 
das Unguentum pomatum s. pomadinum nnd das Ceratnm. 

Das Unguentum pomatum ist eine hauptsächlich für kosmetische Zwecke, 
namentlich für das Einfetten der Haare bestimmte Salbe, die sich namentlich 
durch ihre Eleganz und besondere Rücksichtnahme auf die Geruchs-Correction 
charakterisirt. Als Salbengrundlage dient hier in der Regel die MeduUa ossium, 
welche man mit Extracten (meistens tonisirenden) , scharfen Tincturen oder 
öligen Digesten scharfer Substanzen, wohlriechenden fetten und ätherischen 
Oelen versetzt (Beisp. XIIL). 

Das Gerat um ist von härterer Consistenz als die gewöhnliche Salbe, 
steht deshalb eigentlich zwischen ihr und dem Pflaster. Als Cerat-Grundlage 
bedient man sich meistens eines Gemisches aus Oel mit einem der festeren 
Fette, namentlich Wachs, Wallrath und Cacao-Butter. Das Gerat dient eben- 
falls zum Anfetten spröder oder wunder Hautstellen, auf welche man keinen 
Salbenverband auftragen kann oder will. Das Gerat wird nicht in Kruken, 
sondern in Tafeln gegossen dispensirt (Beisp. XIV.). 

Beispiele. 



I. I^ 

Chloroformii 2,5 

Ol. Cocois 20,0. 
M. terendo exactissime, f. unguent. d. in 
oUa bene clausa. S. Dreimal täglich 
eine Bohne gross einzureiben. 



n. Bf 

Ungt. cerei 10,0 
Ol. Amygdal. amar. aeth. 0,2. 
M. f. ungt. d. in olla bene clausa. S. Zwei- 
stündlich eine Erbse gross einzureiben. 



ni. I^ 

Adipis suilli 20,0- 
Liq. Kali caust. 10,0. 
M. f. unguent. D. S. Dreimal täglich in 
die Gelcnkstellen einzureiben. 



IV. IV 

Cer. alb. .5,0 
Ol. Olivar. 1.9,0. 

Leni calore liquat. et 
semirefrigeratis 
adde 
Bals. Peruv. 5,0 

Acid. carbolic. in spirit. vini q. s. 
solut. 1,0. 
M. f. u. D. S. Zum Verbinden wunder 
Brustwarzen. 



V. 



Bf 

Ol. Cacao 

„ Olivar. ana 10,0 
Leni calore liquat. et 

semirefrigerata 
misce terendo 
cum 
Catechu pulverat. 5,0. 
D. S. Auf Charpie gestrichen zum Ver- 
bände von Decubitus-Stellen. 



VI. Bf 

Adip. suill. 30,0 

Sapon. domest. pulv. 10,0 

Rhiz. Veratri pulv. 2,5. 

M. terendo f. ungt. D. S. KrUtzsalbc. 



Vn. Bf 

Extr. Myrrhae 5,0 

tere c. 
Aq. dest. gutt. nonnullis 

adde 
Ungt. Glycerini 25,0. 
D. S. Zur Bestreichung von Hämorrhoidal- 



knoten. 



VIII. 



D. S. 



Bf 



Kali bichromici 1,5 

tere c. 
Glycerini puri glitt, nonnullis 

adde 
Ungt. Glycerini 10,0. 
Aetzsalbe. 



IX. 



Bf 



Hydrargyr. praecip. alb. 2,0 
tere c. Ol. Amygdal. dulc. 
gutt. nonnullis 
Unguent lenientis 10,0. 
P. unguent. D. S. Eine Linse gross einzu- 
reiben. 



X. 



Bf 



Hydrargyri chlorat. raitis 0,5 
Opii puri 0,25 

tere c. Aq. dest. gutt. nonnull. 
ad misce 
Unguent. rosat. 10,0 
D. S. Dünn auf Charpie gestrichen zum 
Verbände von Schanker-(TeschwQren. 



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Salbe. — Liniment, 



63 



XL ü- 

Camphor. trit. 0,5 
Unguent. flavi 10,0. 
F. unguent D. S. Eine Erbse gross drei- 
mal taglich einzureiben. 



XH. Bf 

Resin. burgundicac 
Cer. flav. ana bfi 
leni calore liquat. 
addc 
OL Olivar. 10,0 
scmirefrigerata 
misee cum 
Pulv. Summit. Sabinae 5,0 

adde 
Ol. Sabinae 0,5. 
D. S. Auf Leinen gestrichen zur Be- 
deckung von Condylomen. 



XÜL Bf 

Extr. Chin. frig. parat. 5,0 

Mise. c. 
Medull. oss. 25,0 

adde 
Tinct Cantharid. 0,5 



D. S. 



Ol. Rosar. 

^ Amygd. am. aeth. ana 0,1. 
China-Pomade. 



XIV. I^ 

Ol. Cacao 15,0 \ 

Ol. Olivar. 5,0 

Leni calor. liquat. et 

semirefrigcrata 
misce c. 
Carmini 0,1 

antea cum 
Tinct. Vanill. 0,5 

in pultem redact. efFunde in 
capsulam papyraceam. 
D. in Charta cerata. S. Gerat, zum Be- 
streichen wunder Stellen. 



XV. I^ 

Unguent Hydrarg. einer. 1,0. 
Dispensen t. tal. dos. No. 10. D. in Chart. 

cerat. S. Morgens und Abends ein Stück 

nach Vorschrift einzureiben. 



c. FIQssiie Salbe, Linimentum. 

Unter der Bezeichnung Liniment versteht man eine zum Einreiben be- 
stimmte Arzneiform von dickflüssiger (der des Syrups gleichkommender) Con- 
slstenz, welche entweder dadurch hergestellt wird, dass man ein Fett durch 
Zusatz von Flüssigkeit über die Salben-Consistenz hinaus verdünnt, oder dass 
man durch Combination von Oelen mit einer caustischen Substanz eine seifen- 
artige Verbindung bewirkt, oder schliesslich Seife in wässerigen oder schwach 
alkoholischen Flüssigkeiten auflöst. 

Zur Herstellung eines Linimentes aus Fetten von Salben-Consistenz bedarf 
es eines halben bis gleichen Theiles einer Flüssigkeit. Will man aus einem 
festen Fett ein Liniment haben, so sind 1 — 3 Theile Flüssigkeit dazu erfor- 
derlich. — Bei Anfertigung eines Linimentes aus fettem Oele mit caustischen 
Substanzen (caustische Ammoniak-, Kali- und Natron-Flüssigkeit, sowie Aqua 
Calc.) varüren die Znsätze der letzteren von V4 — !*)• 

Zu einer Grundlage von Liniment -Cousistenz können ätherische Oele, \ 
Tincturen, Campher, Chloroform, fette Oele in beschränkten Quantitäten (höch- 
stens jedoch bis zu einem Drittel) zugefügt werden, ohne die Consistenz er- 
heblich zu ändern. Sollte bei einem derartigen Zusätze sich wirklich die Ah- 
setznng der einen oder anderen Substanz ergeben, so ist dies keinesweges als 
ein wesentlicher Uebelstand zu betrachten, da diu'ch Umschütteln des Lini- 
mentes vor dessen Anwendung die Homogenität der Mischung leicht wieder 
herzustellen ist. 

*) Das Linimentum saponato-camphoratum (ßalsamum Opodeldoc) führt eigentlich 
mit Unrecht den Namen Liniment, da es bei gewöhnlicher Temperatur nicht flüssig 
ist, und wenn es bei der Anwendung flüssig gemacht wird, nicht die Consistenz eines 
S>Tups, sondern die einer Spirituosen Flüssigkeit annimmt. Ebenso weichen das Li- 
niment. Aeruginis und das Liniment, contra combustiones von den hier gegebenen 
Verhältnissen ab, indem das erstere eine Mischung von essigsaurem Kupfer mit Honig, 
das andere die Mengung einer Höllenstein! ösang mit Leinöl ist. 

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(54 



i'lussigc Salbe. 



Auch Emulsionen ans fetten Oelen mit Eigelb oder Gummi Arabicum 
können als Linimente dienen; dieselben sind namentlich in Verbindung mit 
Oleum Terebinthinae in Gebrauch (Beisp. VI.). 

Die Gesammt- Quantität eines zu verordnenden Linimentes ist nur dann 
durch Rücksichten beschränkt, wenn man Salben zur Herstellung desselben 
benutzt. 

Die Einzelgabe der zu Einreibungen bestimmten Linimente wird in der 
Regel zu 1 — 2 Theelöffeln und mehr abgemessen (das Gewicht des Thee- 
löflTels ^— 4,0). Bei Verband - Linimenten lässt man eine mit dem Liniment 
befeuchtete Compresse auf die Applicationsstelle auflegen. 

Die Linimente werden in gewöhnlichen, mit Korkstöpseln verechlossenen 
Glasflaschen verordnet. 



I. 



Beispiele. 
IV. 



Adipis suilli 20,0 
Chloroformii 10,0. 
M. f. Liniment, d. in vitro S. Dreimal 
tadich einen Theelöffel voll einzureiben. 



II. IV 

Carbonei sulfurati 10,0 
Ungt. Rosmarini comp. 20,0. 

M. f. Liniment. D. S. Zweistündlich einen 
TheelöflFel voll einzureiben. 



IIL 



I* 



Liquoris Ammon. caust. 
Tinct. Opii crocat. 
Ungt. Hydrarg. einer, ana 5,0 
Ol Hyoscyami 15,0. 
M. f. Liniment. D. in vitro. S. Umgc- 
schüttelt einzureiben. 



^ 



Tinct. Amicae 25,0 

in qua solve 
Sapon. venet. 10,0 

cui adde 
Liq. Ammon. caust. 5,0 
Ol. Lavandul. 0,5. 
M. f. Liniment. D. in vitro. S. Theelöffel- 
weise einzureiben. 



V. V(f 

Ol. Lini 50,0 

Aq. calcar. 25,0 

Liq. Plumbi subacet. 15,0. 
M. f. Linim. D. S. Zum Verbände. 



VI. ^ 

Ol. Therebinth. 

Aq. destill. ana 25,0 

Ol. Lini 10,0 

Vitell. ov. 1. 
M. f. Linimentum. D. S. Zum Einreihen. 



Zum Auftragen von Arzneistoifen auf die äussere Haut, mit der Absicht, 
dieselbe mit den Medicamenten in länger dauerndem Contact zu erhalten, be- 
dient man sich in neuerer Zeit öfters des Collodium, welchem man namentlich 
ätzende oder reizende Substanzen in geringem Quantitäts-Verhältnisse zusetzen 
kann (so z. B. 2,0—3,0 Hydrargyi*. bichlor. corros. oder 0,5 Ol. Sinapis auf 
25,0 Collodium). — Das Traumaticin, welches in seinen sonstigen Eigenschaften 
viele Analogie mit dem Collodium darbietet und wie dieses als Deckmittel 
benutzt wird, verträgt derartige Zusätze nicht. 



d. Breiumschlag, Cataplasma. 

Diese grösstentheils der domestiken Bereitung anheimgegebene Arzneiform 
besteht aus emer Mischung von festen, meist gröblich gepulverten Substanzen 
mit Flüssigkeiten zu dünnerer oder dickerer Brei-Consistenz. Den Tj^pus einer 
solchen Mischung, der auch vorzugsweise als Cataplasma bezeichnet wird, 
bilden die Anquellungen amylumhaltiger Substanzen (Brotkrume, Hafergilitze, 
Roggenmehl, Leinsamen) mit heissem Wasser oder heisser Milch. Aehnlich 
sind die Kräuterumschläge, welche durch das Anrühren gröblich gepulverter 
Vegetabilien (Fol. Hyoscyami, Crocus, Herb. Meliloti) mit heissem Wasser 
bereitet werden, wozu man immer nur die betreffenden Substanzen in grob 

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Breiumschlag. 



65 



gepulverter Form als Species aus der Apotheke verabreichen lässt, Fenier 
gehören hierher die Pastenbildungen aus Honig mit pulverförmigen Substanzen 
(früher als Unguenta mellita bezeichnet) und schliesslich der Sinapismus (teig- 
ähnliche Mischung von gestossenem Senf mit Wasser). Anderweitige Vehikel 
für die Cataplasmen, wie z. B. schwarze Seife (die früher zum KerndTschen 
Cataplasma verwendet wurde), sind ausser Gebrauch gekommen. 

Die Cataplasmen der ersten Categorie wirken im allgemeinen nur durch 
die feuchte Wärme, welche sie an ihi'er Applicationsstelle entwickehi. Wo es 
daher nur auf die Anwendung der letzteren ankommt, bedient man sich in 
letzter Zeit vielfach der Cataplasmes instantan^s des Dr. Leli^vre. Dieselben 
bestehen aus den in dünnen Platten gepressten und mit einer zarten Zeug- 
schicht überzogenen Blättern einer Fucus-Art, welche wenige Minuten in 
heisses Wasser gelegt zu einer Cataplasma-Consistenz aufquellen. Das Cata- 
plasma wird dann mit einer dünnen Gummitafel überdeckt, um die Wärme 
zurückzuhalten. Sie zeichnen sich durch das stete Zurhandsein, Schnelligkeit 
und Einfachheit der Bereitung und Reinlichkeit aus. Ein Fehler, der hier 
und bei den altgebräuchlichen Cataplasmen häufig in der domestiken Bereitung 
gemacht wird, besteht darin, dass die Cataplasmen viel zu klein gemacht 
werden. Ein wirksames Cataplasma muss mindestens die Grösse eines Bogen 
Schreibpapiers haben (s. auch bei „nasse Umschläge" p. 67.). 

Zuweilen werden die Cataplasmen noch mit Flüssigkeiten imprägnirt, 
welche ihre arzneiliche Wirkung modificiren sollen, so z. B. mit Spiritus cam- 
phoratus, Tinct. Opii, Liq. Plumbi subacetic. u. s. w. Derartige Zusätze werden 
entweder der Gesammtflüssigkeit, mit welcher das Cataplasma angei*ührt wird, 
beigegeben , oder besser in abgetheilter Dosis auf jeden einzelnen Umschlag 
applicirt. 

Die Cataplasmen werden entweder unmittelbar auf die Haut gelegt, oder 
auf eine Unterlage von weitmaschigem Gewebe (Mull, Tüll, Gaze). Die letz- 
tere Applicationsweise ist die bessere, insofern sie die Haut rein erhält, und 
nach der Wegnahme nicht Partikeln zurückbleiben. 

Die Temperatur, welche den Cataplasmen bei deren Anwendung gegeben 
wird, ist in der Mehrzahl der Fälle die lauwarme, die der Haut nur um einige 
Grad übersteigende. Ueberdeckt man das Cataplasma mit einem impermeablen 
Stoff (Wachstaffet) oder mit mehrfach zusammengelegtem Seidenzeug, so hin- 
dert man die rasche Abkühlung und kann den Wechsel des Umschlages sel- 
tener eintreten lassen. 



Beispiele. 



L 



^ 



Fol. Hyoseyami 

Herb. Conii grossiusc. pulv. ana 10,0 
Farinac Sem. Lini 150,0. 
D. S. Species zum Brei umschlage. Den 
vierten Theil mit Kamillenthee zu einem 
dicken Brei anzurühren und vor jedes- 
maliger Application den Umschlag mit 
einem TheelÖffel der ad b. verordneten 
Tiuctur zu vermischen. 



^ 



Tinct. Opii croc. 20,0 
S. Zusatz znm Breiumschlag. 



n 



Mellis 50,0 

Croci pulv. 3,0 

Farinae Hordei q. s. 
ut f. massa pultacca. D. in olla. Feder- 
kieldick auf Leinwand gestrichen, auf 
die Geschwulst aufgelegt. 



e. Pasten. 

Die Pasten haben die Consistenz eines leicht knetbaren Teiges. Sie 
werden zum Aetzen in die Tiefe benutzt, und zwar werden sie entweder auf 

Kwald and Simon, Arznei vcronlnuneslchre. 10. Aufl. ;; 

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(i6 l^asteu. — Nasse Umschläjjc. 



kranke Hautstellen, um das Krankhafte zu zerstören und später eine gesunde 
Granulation an dessen Stelle hervorzurufen, applicirt, oder sie dienen zur 
Schorf bildung und langsamen Perforation gesunder Haut, um in der Tiefe 
liegende Abscesse bei messerscheuen Patienten, oder wo die Anwendung des 
Messers aus irgend einem Grunde unthunlich ist, allmälig zu öfiben. Sie be- 
wirken zugleich eine Irritation der Umgebung und führen Adhäsionen zwischen 
der Haut und den darunter liegenden Theilen herbei, wodurch in vielen Fällen, 
z. B. bei Abscessen im Abdomen, die Gefahr des Oeffnens vermindert oder 
beseitigt wird. 

Zu den Aetzpasten werden verwandt: Calcaria usta, Kali causticum, Zin- 
cum chloratum, Acidum arsenicosum u. s. w. (vgl. diese Mittel). Als Consti- 
tuens dient Sapo, Argilla, Pulv. Althaeae u. a. Man kann auch die Aetzmittel 
in PulverfoiTO verschreiben und zum Gebrauch dann mit ein wenig Wasser 
zu einem Teige anrühren lassen. (Ueber die einzelnen Aetzpasten vgl. den 
speciellen Theil.) 

3. Flüssige Formen, 
a. Nasse UnSChläge, Bibungen, Fomentationes, Epithemata. 

Wenn Flüssigkeiten mit einer grösseren oder kleineren Hautfläche in 
einem längere oder kürzere Zeit dauernden Contact erhalten werden, so be- 
zeichnet man diese Procedur als Bähung, Fomentatio, und die dazu verwendete 
Flüssigkeit als Fötus, Fomentum oder Epithema. 

Man benutzt diese Fomi, theils um durch die Temperatur der Flüssigkeit 
selbst zu wirken (Fomentatio frigida, tepida oder calida), oder um sie 
zur Trägerin von Arzneistoffen zu machen, aus denen die Flüssigkeit besteht, 
oder welche dereelben beigemengt sind (Umschläge von Bleiwasser, aromati- 
schen Infusionen, narkotischen Abkochungen, Auflösungen von Extractivstoffeu, 
Salzen u. s. w.). 

Die Flüssigkeit wird in der Regel durch leinene Compressen, welche mit 
derselben imprägnirt sind, auf den Körper applicirt. Zuweilen bedient man 
sich auch des Bade- oder Feuerschwammes (oder der namentlich fiiiher in 
England gebräuchlichen Spongiopiline). Handelt es sich um lauwarme 
oder warme Umschläge, so müssen die Compressen mit einem Stoffe überdeckt 
werden, welcher die rasche Abkühlung und somit auch das allzu oft wieder- 
holte Wechseln verhindert. Hierher gehören auch die oben (p. 65.) bespro- 
chenen Umschläge in fester Form (Cataplasmes instantanes) und die sogen. 
Priessnitz 'sehen Binden, bei welchen ebenfalls die feuchte Compresse mit 
einem mögUchst impermeablen Stoff (Guttapercha, Guttaperchapapier, festen 
Zeugen etc.) umwunden bez. überdeckt i^ird, um die applicirte oder sich bil- 
dende Wärme möglichst lange festzuhalten. — Sollen kalte Umschläge eine 
geringere Temperatur haben, als die des Brunnenwasser, so erreicht man 
dies entweder dadurch, dass man Eis in Wasser schmelzen lässt, oder die 
Compresse längere Zeit hindurch mit Eisstücken in Berührung erhält, oder, 
wo eine intensiv niedrige Temperatur erzielt werden soll, durch gestossenes 
Eis selbst, welches in eine Schweinsblase oder einen Gummisack gefiillt wird. 
Wo es an Eis gebricht, kann man gewisse wärmebindende Salzauflösungen 
fNatr. sulfuric, Kochsalz, Salpeter, Schmuck er 'sehe Fomentationen) zur Her- 
stellung einer niedrigen Temperatm» benutzen. 

Wo die Fomentation als Trägerin von Arzneistoffen dienen soll, wird ent- 
weder die betreffende Flüssigkeit als solche in der Apotheke angefertigt, oder 
es werden nur die Stoffe, aus denen sie heimeltet werden soll, versclirieben 

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Umschläge. — Waschungen. 



67 



und die weitere Procedui» (Infusion, Abkochung, Auflösung) der häush'chen 
Bereitung tiberlassen. 

Die von der Hydriatik viel benutzten nassen Einwickelungen sind 
Fomentationen mit kaltem Wasser, welche über den ganzen Körper mit Aus- 
nahme des Kopfes gemacht werden und bei kurzer Dauer eine starke Herab- 
setzung der Körper- Temperatur, bei längerer Anwendung eine bedeutende 
Reaction gegen die Haut hervorrufen. Sie werden in der Art vollzogen, dass 
der Körper in ein nasses leinenes Betttuch dicht eingeschlagen und, wenn man 
Schweiss erzielen will, mit einer Wollendecke tiberdeckt wird. 

Beispiele. 



I. ^ 

Nalr. sulfurici cryst. 300,0 
Natrii chlor. 200,0. 
Cont. misceant. D. S. Einen Theelöffel voll 
in einem Tassenkopf Wasser aufzulösen 
und die Compresse hinein zu tauchen. 



IL I^ 

Fol. Malvae 100,0 
Herb. Conii 50,0. 
C. M. f. spcc. D. S. Einen Esslöffel voll 
mit zwei Tassen heissen Wassers auf- 
zugiessen und den Aufguss lauwarm 
umzuschlagen. 



in. ^ 

Inf. Flor. Chamom. 250,0 
Liq. Plumbi subacetici 20,0 
Tinct. Opii 5,0. 
M. D. S. Gelinde erwärmt zum Um- 
schlage. 



IV. Bf 

Acid. tannici 1,0.« 
D. tales. dos. No. 10. S. Je ein Pulver 

in einem Esslöffel Wasser gelöst zum 

Umschlage zu benutzen. 



b. Waschungen, Lotiones. 

Bei der Waschung wird die Fltissigkeit mit der Haut nur in momentane 
Berührung gebracht, so dass sie für die Einwirkung von Ai'zneistoffen auf den 
Körper eine bei weitem minder geeignete Form darstellt, als die Bähung und 
am häufigsten nm* dazu dient, fremde Stoffe von der Haut zu entferaen (des- 
infieirende Waschungen). In manchen Fällen wbd die Waschung benutzt, um 
durch ihre Temperatm* zu wirken. Wenn auch ftlr diesen Zweck der Contact 
mit der Haut ein fltichtiger ist, so gentigen die kalten Waschungen, nament- 
lich wenn sie mehrmals täglich angewendet werden, doch häufig, um eine 
antifebrile Wu'kung hervorzurufen. In letzterem Falle kann man dm'ch eine 
sehr feine tropf bar-fltissige Vertheilung der Fltissigkeit auf der Körperoberfläche 
und die dadurch hervorgerufene grössere Verdunstung eine nachhaltige und 
ziemlich ergiebige (1 — 1,5") Temperaturherabsetzung erzielen. Zu dem Zweck 
empfiehlt Fiashar, die Kranken erst in der Bauch- und dann in der Rücken- 
lage aus einem Spray- Apparat mit kaltem Wasser zu bestäuben. Die Procedur 
soll den Kranken sehr wohlthuend, der Erfolg ein 1— r2 Stunden dauernder 
sein. Auch in denjenigen Fällen, in denen eine rasch vortibergehende Ein- 
wirkung auf die Haut durch bestimmte Temperaturgrade oder durch gewisse 
Arzneistoffe den therapeutischen Zweck bildet, und wo man eine schnelle 
Keaction von Seiten der Hautgefässe hervorrufen will, ist die Waschung ange- 
zeigt. (Essig -Waschungen bei Miliaria, Waschungen mit verdünntem Wein oder 
warmem Wasser bei Typhus, kalte Waschungen bei fieberhafter Phthisis u. a.). 

Die Waschungen werden an Ki'anken am besten dadurch vollzogen, dass 
man einen mit der Fltissigkeit imprägnirten Schwamm rasch tiber die Haut 
ftlhrt und die zurückgebliebene Nässe mit einem weichen, feinen Leinenstoffe 
auftrocknet. — In vielen Fällen liegt es jedoch im Zwecke der Waschung, 
den medicamentösen Stoff dereelben längere Zeit mit der Haut in Beilllirung 



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68 



Waschungen. 



zu lassen, so dass man die Flüssigkeit entweder auf der Haut eintrocknen 
lässt, oder das Abtrocknen nur oberflächlich vollzieht. Dies gilt namentlich 
von den sogenannten kosmetischen Waschwässem, deren wii'ksame Bestand- 
theile: Salzlösungen, Harze, suspendirte Pulver nur dann ihren allerdings sehr 
fraglichen Effect auf die Haut geltend machen können, wenn sie mit derselben 
durch Eintrocknung in längerem Contact bleiben. 

Die Waschflüssigkeiten werden, sofern sie nicht überhaupt durch dorae- 
stike Mittel herzustellen sind, entweder vollständig in der Apotheke angefertigt, 
oder man verschreibt den betreffenden Arzneiköi^per mit der Bemerkung, wie- 
viel davon der jedesmaligen Waschung zuzusetzen sei. 



Beispiele. 



I. 



Kali hypermanganici 1,0 

solve in 
Aq. dcstilL 100,0 
D. S. Einen Theelöffel voll der Waschung 
zuzusetzen. 



n. Bf 

Aq. chlorat. 200,0. 
D. S. Einen Esslöffel voll der Waschung 
zuzusetzen. 



III. IV 

Boracis .5,0 
solve in 
Aq. Rosarum 200,0 

adde 
Tinct. Benzocs 20,0. 
D. S. Abends einen Esslöffel voll dem 
Waschwasser zuzusetzen und die Wa- 
schung auf dem Gesichte eintrocknen 
zu lassen. 



Häufig werden zu Waschungen pulverformige Substanzen verordnet (Wasch- 
pulver, Pulveres collutorii), welche in der Regel weniger einen medi- 
camentösen, als kosmetischen Zweck haben, und die namentlich da in Anwen- 
dung kommen, wo die Haut eine grosse Reizbarkeit hat und die Application 
von reiner Seife nicht erträgt. Die Waschpulver wu'ken vorzugsweise durch 
milde mechanische Friction reinigend auf die Haut. Als gewöhnliches Vehikel 
der Waschpulver dienen Mandelkleie oder feines Weizen- oder Reismehl, denen 
man geringe Quantitäten von Seife, wohlriechenden Oelen luid Tincturen, zu- 
weilen Pulv. Rhiz. Iridis, Talcum, fein gepulverten Bimstein u. dgl. zusetzt. 



Farin. Oryzae 50,0 
Tinct. Irid. 
Spir. Jasmin, ana 5,0. 
M. leni calor. exsicca 



Beispiel. 

et adde 
Sapon. medicat. 10,0 
Talci praepar. 25,0. 
M. f. pulv. S. Waschpulver. 



Für medicamentöse Waschungen bedient man sich häufig der in den Offi- 
cinen meist vorräthig gehaltenen Combinationen von Seife mit verschiedenen 
Arzneistoffen (Sapones medicati); die gebräuchlichsten dieser Verbindungen 
sind: Jod-, Schwefel-,. Tannin-, Campher-, Salicyl- und Theer- Seifen (s. unter 
Sapo im speciellen Theil). 

Die Abreibungen sind Waschungen, bei denen man neben der Tem- 
peratur des angewandten Mediums auch das mechanische Moment der Friction 
zur Geltung kommen lässt. Meistens vollzieht man dieselben in der Art, dass 
der obere Theil des Körpers mit einem in kaltes Wasser oder in eine kalte 
Kochsalzlösung getauchten Leintuche umgeben, dieses dann rasch und ki*äftig 
auf der Haut hin und her frottirt und letztere dann mit einem rauhen Hand- 
tuche trocken gerieben wird. Die Abreibungen bilden einen starken mecha- 
nischen Reiz ftlr die Haut, in Folge dessen die Hautgefässe sich erweitern 
und stärker mit Bhit fllUen. Es geschieht auf diese Weise einerseits eine Ab- 
leitung des Blutes von tieferen Theilen nach der Haut hin, wobei die letztere 

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WaschuTigen. — Bäder. ßO 



fiicli mehr ei*wärmt, andererseits wird, wenn die Abreibung mit immer eraeutem 
kalten Wasser oder im kalten Bade geschieht, eine grössere Blutgefäss-Ober- 
fläche der abkühlenden Wirkung des kalten Mediums ausgesetzt und dadurch 
die temperaturvermindemde Wirkung desselben erhöht. 

e. Bäder, Balnea. 

Bei den Bädern ist, wie bei den übrigen flüssigen, fUr die äussere Haut 
berechneten Araneiformen, entweder die Temperatur des Bades das wirksame 
Agens desselben, oder der Gehalt an Arzneistoffen, welche demselben beige- 
mengt sind. — Feiner ist beim Bade zu berücksichtigen, ob dasselbe fllr den 
ganzen Körper (mit Ausnahme des Kopfes) berechnet ist, oder für einen 
grösseren oder geringeren Theil desselben. — Ein den ganzen Körper umfas- 
sendes Bad, bei welchem der Wasserspiegel dem auf dem Boden der Wanne 
sitzenden Badenden bis zum Halse reicht, bezeichnet man als Ganz- oder 
Vollbad (Balneum totale s. univereale). Die zu demselben erforderliche 
Wasserquantität beträgt für einen Erwachsenen etwa 20 Eimer k 10 Liter; 
Vollbäder für Kinder werden nach der wechselnden Grösse der Badegeftlsse 
verschiedene, kaum annäherad zu bestimmende Wasserquantitäten erfordern; 
die für Blinder im frühesten Lebensalter gebrauchten Wannen sind mit 2 bis 
3 Eimern zu ftülen, während die Wannen mittlerer Grösse 6 bis 12 Eimer 
erfordern. — Ein bis an die Mitte des Leibes reichendes Bad wii'd als Halb - 
bad, Semicapium, bezeichnet, und erfordert etwa die Hälfte bis zwei Drittel 
der eben genannten Quantitäten. Werden nur einzelne Theile des Körpera 
dem Bade ausgesetzt, so nennt man dasselbe ein Localbad, Balneum topi- 
cum 8. locale. Als solche sind am meisten in Gebrauch das Sitzbad, Insessus 
8. Encathisma, das Fussbad, Pediluvium, das Armbad, Brachiluvium, das Hand- 
bad, Maniluvium. Sitzbäder, welche in der Regel in eigens für dieselben ge- 
formten Wannen genommen werden, erfordern 2—3 Eimer Badeflüssigkeit; 
Fussbäder, je nachdem sie bis zum Knöchel, zur Mitte des Schienbeines oder 
bis zum Knie genommen werden, Vj — l'/? Eimer; Armbäder 4 — 6 Liter, 
Handbäder 1 — 1\\ Liter. 

Ausser den eben genannten Bäderformqn werden noch verechiedene andere, 
indess meistentheils nur als Combination mit dem Voll- oder Halbbade zur 
Anwendung gebracht. Hierher gehören: 1) die Uebergiessung (Superfusio), 
welche in der Regel mit einem Topfe oder Eimer verschieden temperirten 
Wassers vollzogen wird, und wobei es wesentlich auf die Höhe ankommt, von 
welcher herab die Uebergiessung gemacht wird; 2) das Brause- oder Regen - 
bad (Impluvium), eine Combination von mehr oder weniger feinen Wasser- 
strahlen, welche aus der Höhe herabfallen oder mittelst mechanischen Druckes 
auf den Körper geleitet werden. Ist die Wassermasse nicht in viele einzelne 
Strahlen zertheilt, sondern in einen einzigen gesammelt, so bezeichnet man 
sie als Douche- oder Spritz-Bad. 

Je nach der Temperatur des angewendeten Wassers theilt man die Bäder 
in kalte (bis -f 15« R. oder ca. 19" Cels.), kühle (über -f 15« bis -+ 22" R. 
-^ 19* bis 27,5» C), laue (über + 22» bis 27» R. = 27,5» bis 33,75» C), 
warme (über -f 27» bis 32» R. = 33,75» bis 40» C), heisse (über + 32» 
bis 35» R.«r= 40» bis ca. 44» C). 

Die Zeitdauer eines Bades variirt von fünf Minuten bis zu einer halben 
Stimde. Kalte und kühle Bäder werden ftlr die gewöhnlichen Zwecke in der 
Regel nur sehr kurze Zeit genommen (meistens nur so lange, bis die durch 
sie beabsichtigte Reaction eingetreten ist und der veimehrte Turgor der Kör- 
peroberfläche sich bemerkbar macht); nur zur methodischen Behandlung der 



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70 Bäder. 

typhösen Fieber behufs Temperatureniiedrigung (Brand) Jürgensen, Lieber- 
meister u. a.) dauern sie längere Zeit und kommen nöthigenfalls mehrere 
Male an einem Tage zur Anwendung. (Die Temperatur des Kranken wird 
etwa alle 2 Stunden gemessen und das kalte Bad jedesmal wiederholt, so oft 
die Temperatur in der Achselhöhle bis zu einer gewissen Höhö, im Durch- 
schnitt 39", gestiegen ist. Unter Umständen ist es zweckmässig, den Kranken 
zunächst in ein lauwarmes Bad von 27* R. zu setzen, und alle 3 — 4 Minuten 
kaltes Wasser zu dem Bade hinzuzuftigen, so dass es bis zu 23—18" R. all- 
mälig abgekühlt wird (v. Ziemssen). Der Kranke bleibt ca. V4 — V^ Stunde 
lang im Bade, bis er eine intensive Frostempfindung äussert. Um die tempe- 
raturvermindemde Wirkung des kalten Bades zu steigern, empfiehlt es sich, 
den Körper im Bade frotth*en zu lassen, wodurch eine Erweiterung der Haut- 
gefässe eintintt und in Folge dessen die Abkühlung des Blutes von einer 
gi*össeren Gefässoberfläche her, demgemäss intensiver erfolgt (Winternitz). 
Das Verweilen in warmen Bädern werde für gewöhnliche Zwecke nie über 
eine halbe Stunde ausgedehnt. Für gewisse Hanterkrankungen, Verbrennun- 
gen etc. hat Hebra, für die Behandlung acuter fieberhafter Krankheiten, be- 
sonders des Typhus abdominalis, hat Riesa vortreffliche Erfolge von den 
permanenten lauwarmen Vollbädern gesehen. Die Kranken verweilen 
zu diesem Zwecke Tag und Nacht in eigens dazu eingerichteten oder gewöhn- 
lichen mit einem muldenförmig zur Aufnahme des Kranken über die Wanne 
geschlagenen Leintuch versehenen Wannen, in denen die Temperatur des 
Wassers dauernd nur 1 oder 2"^ C. unter der Körpertemperatm* gehalten wu'd. 
Verbrennungen bis zu 2. und 3. Grades, Decubitus, Excoriationen, gangränöse 
Geschwüre etc. heilen bei dieser Methode überraschend schnell resp. nehmen 
einen gutartigen Verlauf. In den meisten Fällen von Typhus gelingt es, die 
hohen Temperatursteigerungen ganz zu verhüten und eine annähernd normale 
oder nm* von geringen Temperatursteigerungen unterbrochene Curve des Tem- 
peraturverlaufs zu erhalten. 

Für chirurgische Zwecke wurden bis vor kurzer Zeit die permanenten 
Localbäder vielfach empfohlen und mit Vortheil angewendet. Dieselben be- 
stehen darin, dass einzelne Theile des Körpers (Gliedmassen mit Splitter- 
brüchen u. 8. w.) Wochen lang in einem stets gleich temperirten topischen 
Wasserbade gehalten werden, welches mit einer Vorrichtung für ununterbro- 
chenen Zu- und Abfluss des Wassers versehen ist. Das unangenehme Auf- 
quellen der Haut an den dem localen permanenten Bade ausgesetzten Gliedern 
lässt sich durch einen Zusatz von Kochsalz zum Bade, wodui'ch die Diffusion 
verringert wird, fast ganz veimeiden. Bei den permanenten Vollbädern hat 
RiesB keine Aufquellung der Haut beobachtet, sondern im Gegentheil unter 
Umständen Verschwinden von Anasarka. 

Arzneiliche Zusätze zu Bädern werden entweder unmittelbar der Gesammt- 
flüssigkeit des Bades beigefügt oder vorher, namentlich wo eine vollkommene 
Extraction bewirkt werden soll, mit einer kleineren Quantität Wasser behandelt, 
die dann zu dem Bade hinzugethan wird. 

Die Formen, unter denen Arzneistoffe als Zusätze für Bäder meistens ver- 
wendet werden, sind: Species (deren im Hause bereitetes Decoct oder Infus 
dem Bade zugesetzt wird), gröbere oder feinere Pulver (welche man in der 
Regel direct dem Bade zusetzt und durch Umrühren in dem Bade vertheilt, 
resp. auflöst), Flüssigkeiten (spirituöse und wässerige Extractionen z. B. Fich- 
tennadel- oder Malz-Extract, Säuren, Salzlösungen, Laugen), Seifen (entweder 
als Pulver oder in Foim von Schmierseifen). Zuweilen beabsichtigt man, erst 
in der Badeflüssigkeit durch einen chemischen Prozess die Entwickelungen 
desjenigen Stoffes vor sich gehen zu lassen, welcher als therapeutisches Agens 
wirken soll; in diesem Falle wU'd der eine Factor dieses Prozesses zunächst 

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Bäder. 7 1 

der BadeflUssigkeit zugesetzt und unmittelbar vor dem Bade der andere (so 
z. B. Kalium sulfuratum und Acidum sulfuricum zur Darstellung von Schwefel- 
bädern). Aehnllch verfälirt man in denjenigen Fällen, in denen man Verbin- 
dungen zur therapeutischen Geltung bringen ^ill, welche, präformirt, sich als- 
bald zersetzen würden, und deren Zustandekommen man deshalb erat im Bade 
vor sich gehen lässt (so z. B. kieselsaure Verbindungen, wie sie in den künst- 
lichen Teplitzer Bädern erzeugt werden). 

Das Vehikel der Bäder ist fast ausschliesslich Wasser, nm* in seltenen 
Fällen bedient man sich der Milch, der Molken und des Weines. — Die an 
Kurorten gebräuchlichen Moorbäder bestehen aus einer feinkörnigen Moor- 
erde, welche in der Regel längere Zeit hindurch mit Mineralwasser in einem 
die weitere Zersetzung begünstigenden Contacte gelassen wird. Die Schlamm- 
bäder haben die Consistenz eines weichen Cataplasma und combiniren in ihrer 
Wirkung den Effect der feuchten Wärme mit dem der organischen und mine- 
ralischen Substanzen, welche im Moor enthalten sind (Humussäure, Ameisen- 
säui*e, Schwefelwasserstoff, Eisensalze u. s. w.). 

Die Bereitung und Dosirung der arzneilichen Bäder ergiebt sich aus fol- 
gender Uebersicht der gebräuchlichsten derselben: 

Ameisen-Bäder. Infusum von 300,0-— 750,0 Formic. ruf. contus. dem 
Bade zugesetzt. 

Aromatische Bäder. Ein mehrere Liter betragender Theeaufguss von 
200,0—500,0 aus Spec. aromatic, Rhiz. Calam., Flor. ChamomilL, Herb. Ma- 
joran., Fol. Menth, pip. dem Bade zugesetzt, oder Spir. Calami, Aq. Coloniensis, 
Spir. Serpylli (50,0—100,0). 

Bouillon -Bäder. Eigentliche Bouillon -Bäder (aus etwa 6 — 8 Pfund 
Rind- oder Kalbfleisch) werden selten verordnet; statt ihrer bedient man sich 
der fälschlich als Bouillon -Bäder bezeichneten Abkochungen aus Hammel- 
füssen (4 — 6 Stück 4 Stunden lang mit 4 Liter Wasser gekocht und dem 
Bade zugesetzt). Diese Bäder sind eigentlich nur Leimbäder mit geringem 
Fettgehalt. 

Eisen-Bäder. Ferrum sulfuricum siccum (50,0 — 200,0), Liquor Fem 
sesquichlorati (15,0 — 60,0), Ferr. phosphor. oxydatum (etwa 10,0 — 20,0) in 
Acid. phosphor. q. s. gelöst, Tartarus ferratus s. Globuli martiales pulverat. 
(50,0 — 250,0) dem Bade zugesetzt. Um die adstiingirende Wirkung der 
Eisenbäder auf die Haut zu mildem, setzt man denselben mit Vortheil Argilla 
(30,0 — 150,0) hinzu. — Vielfach in Anwendung gebracht werden in neuerer 
Zeit die kohlensam-en Eisenbäder aus 1 Th. Ferr. sulfur. siccum, 2 Th. Natr. 
chlorat. und 3 Th. Nati\ bicarb. bestehend, welche Substanzen in einem Glase 
schichtweise übereinander gelagert dispensiii; und zusammen dem Bade zuge- 
setzt werden (pro balneo 150,0—200,0 dieses Gemenges). 

Beispiel. 

Fern sulfurici sicci 

Argillae ana 100,0. 

M. f. pulv. d. tal. dos. No. 10. S. Ein Pulver dem Bade zuzusetzen. 

Fichtennadel-Bäder. Die domestike Bereitung dieser Bäder aus den 
Fichtennadeln selbst ist, auch in den Gegenden, in denen das Material in 
Fülle vorhanden ist, kaum auszuführen, da die einfache Abkochung der Sub- 
stanz nicht genügt, um deren ExtractivstoflTe und ätherische Bestandtheile zu 
gewinnen. Man bedient sich des in den Officinen oder in den Fichtennadel- 
Rurorten bereiteten Extractes, von dem je nach dem Concentrationsgrade 
desselben V«— 1 Pfund einem Bade zugesetzt werden muss. Wo das Extract 

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Räder. 

lediglieh durch Abkochen und Eindampfen gewonnen worden ist, ist es nöthig, 
dem Bade noch ',5 — 1 Theelöffel Oleum Pini sylvestris zuzusetzen. 

Gerbstoff haltige Bäder. Dieselben werden am besten durch directen 
Zusatz von Acidum tannicum bewirkt. Man löst 20,0 — 100,0 in einem Glase 
Wasser auf und setzt dieses dem Bade zu. Minder vollkommen und theils 
viel umständlicher und imsauberer ist die Bereitung der gerbstoff haltigen Bäder 
durch Abkochung von Cortex Quercus, Salicis, ülmi (Abkochung von 1 Pfiind 
mit 2—3 Liter Wasser) oder von Galläpfehi (V4— Vj Pfund mit 2 Liter Wasser 
abgekocht) oder durch Zusatz von Gerberlohe. 

Jod- und Jodkalium-Bäder. Wo freies Jod im Bade einwirken soll, 
verordnet man dasselbe mit Jodkalium, Kochsalz oder Mutterlaugensalzen, und 
zwar bis höchstens 7,5 Jod mit 15,0 Jodkalium oder 1 — 3 Pfund Kochsalz 
oder Mutterlaugensalz. Diese Bäder dürfen nicht in Zink- oder Kupferwannen 
gegeben werden. Es ist bei diesen Bädern zu berücksichtigen, dass dieselben 
eine ziemlich starke Entwickelung von Joddämpfen erzeugen, vor denen der 
Patient dadurch geschützt werden kann, dass die Wanne mit einem wachs- 
leinenen Deckel überdeckt wird, in dem nur ein Ausschnitt für den Kopf frei 
bleibt. — Wo nur Jodkaüum im Bade zur Geltung kommen soll, ist demselben 
eine Quantität von 50,0 — 120,0 beizusetzen. 

Kleien-Bäder. 1 — 3 Pfund Weizenkleie in einem leinenen Beutel mit 
4 — 6 Liter Wasser abgekocht und das Decoct dem Bade zugesetzt. 

Kohlensäurehaltige oder moussirende Bäder. Bäder mit Ent- 
wickelung freier Kohlensäure lassen sich in verschiedener Weise herstellen, 
am einfachsten und wohlfeilsten aus 1 — 2 Pfund roher Pottasche oder Soda 
mit gleichem Gewicht roher Salzsäure. Hiermit lassen sich zugleich Koch- 
salz-, Eisen- oder andere Bäder combiniren, derart dass man zu den bei diesen 
angegebenen Badeingi'edienzen noch Pottasche oder Soda mit Salzsäure hin- 
zuftigt. Kohlensäurereicher aber auch wesentlich kostspieliger wird das Bad, 
wenn man an Stelle des einfach kohlensauren Kali oder Natron das doppelt- 
kohlensaure Natron benutzt. [Aus diesem letzteren Salz zu 1 Pfund (in einer 
No. 1 signirten Kruke) und 1 Pfund roher Salzsäure (Flasche No. 2) besteht 
das Struve'sche einfach mussirende Bad. Das Struve'sche moussirende 
Kochsalzbad enthält neben dem Natrum bicarbonicum noch 2 Pfund Koch- 
salz; das moussirende Eisenbad ausser den Ingredienzen des einfachen 
moussirenden Bades noch (Flasche No. 3) reines Eisenvitriol, 15 Gramm, ge- 
löst in 222 Gramm Wasser mit etwas Schwefelsäure angesäuert (H. E. Eich« 
ter, Hantz).] 

Laugen-Bäder. 50,0 — 250,0 Liquor Natr. caust. oder V* — 1 Pfund 
Pottasche oder \-2 Pfund krystallisirte Soda im Bade gelöst. Weniger 
zweckmässig ist die Bereitung mit Asche von Buchen- oder Eichenholz, wovon 
2—8 Pfund mit einigen Litern Wasser abgekocht werden. 

Leim-Bäder. 1 — 2 Pfund Colla animalis in kochendem Wasser gelöst 
und dem Bade zugesetzt. 

Malz-Bäder. 4 — 6 Pfund mit einigen Litern Wasser eine halbe Stunde 
lang gekocht, durchgeseiht und dem Bade zugesetzt oder '4 — 1 Pfund Extr. 
Malti zum Bade. 

Mineralsäure-Bäder. 50,0 — 150,0 rohe Salpeter-, Salz- oder Schwe- 
felsäure oder Königswasser zum Bade. Auch bei diesen Bädern sind metallene 
Wannen zu vermeiden. 

Mutterlaugen-Bäder vergl. Soolbäder. 

Salz-Bäder. 3 — 5 — 15 Pfund See- oder Kochsalz zum Bade (vergl. 
Soolbäder). 

Schwefel -Bäder. 50,0 — 200,0 Kalium sulfuratum ad balneum im Bade- 
wasser aufgelöst. Soll eine stärkere Entwickelung des Schwefelwasserstoffgases 



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Bädor. 73 

erfolf^en, so setzt man noch 15,0 — 25,0 Acidum sulfuricum crudum liinzii. 
Unter denselben Verhältnissen kann man sich des Calcium sulfuratum crudum 
und des Acidum hydrochloricum crudum bedienen. Um die reizende Einwir- 
kung der Schwefelsäure auf die Haut einigermassen zu corrigiren imd um sie 
den natürlichen Schwefelbädern ähnlich zu machen, versetzt man sie oft mit 
Colla animalis (V4 — * , Pfund), welche dem Bar^gin der natürlichen Schwefel- 
thermen substituiii; wird. Elegantere Schwefelbäder lassen sich nach folgender 
Formel zusammensetzen: 

Beispiel. 

Calcii sulfurati crud. 25,0 
Natrii chlorat. 7,5 
Extr. Saponar. 5,0 
F. c. Aq. fönt. q. s. 
Globulus. 
D. tal. dos. quinque. S. Je eine Kugel in einem Bade aufzulösen. 

Diejenigen Schwefelbäder, in denen nicht der Schwefelwasserstoff, sondera 
der Schwefel selbst in feinster Vertheilung als therapeutisches Element zur 
Geltung kommen soll, werden am besten in folgender Weise hergestellt: Man 
löst 50,0 — 150,0 Natrum subsulfurosum im Bade auf und setzt 25,0 — 75,0 
Essig hinzu. 

Seifen-Bäder. V4 — V« Pfund Sapo doraesticus, Sapo aromat. pro balneo 
oder Sapo kalinus dem Bade zugesetzt. 

Senf- Bäder. 100,0 — 250,0 gestossenen Senf zum Bade. '' 

Sool-Bäder. 1—3 Liter Mutterlauge oder 2—6 Pfund Mutterlaugensalz, 
wozu noch 2 — 10 Pfund Kochsalz zuzusetzen sind. Die zu den künstlichen 
Soolbädem zuzusetzende Mutterlaugen- und Kochsalzmenge wurde bisher ge- 
wöhnlich sehr niedrig gegriffen, mindestens erheblich niedriger als an den 
natürlichen Soolquellen, bei denen die Anwendung von 15 — 30, ja selbst bis 
zu 50 Pfund Salz zu einem Bade nicht ungewöhnlich ist. Dass zu den künst- 
lichen Bädern so geringe Quantitäten Mutterlauge imd Salz meist verordnet 
werden, wird zum grossen Theil durch den theuren Preis derselben verschuldet. 
In neuester Zeit hat man den erfolgreichen Versuch gemacht, das Stass furter 
Salz als „Badesalz", welches sehr wohlfeil und den Mutterlaugensalzen ähn- 
lich zusammengesetzt ist, in die Praxis einzuführen (Siegmund). Von diesem 
kann inan relativ gi'osse Quantitäten verordnen: 5 — 20 Pfund zu einem Bade 
(1 — 4 pCt. der Badeflüssigkeit, Siegmund). Nötzel in Colberg (Berl. klin. 
Wochensclunft. 1882. No. 31.) sagt: Ein Soolbad unter 2 pCt. verdient kaum 
den Namen eines solchen, eins von 2 — 4pCt.i8t ein scliwaches, von 4 — 6 pCt. 
ein mittelstarkes, von 6— lOpCt. ein starkes zu nennen. Das Stassfurter Salz 
enthält als Hauptbestandtheile: Chlormagnesium, Chlorkalium, Chlomatrium und 
schwefelsaure Magnesia. 

Sublimat-Bäder. 2,5 — 10,0 Hydrarg. bichlorat. con-os. dem Bade zu- 
gesetzt. Man sei mit dieser Verordnung vorsichtig und lasse die jedem ein- 
zelnen Bade zuzusetzende Quantität, in mindestens 12 — 16 Theilen Wasser 
gelöst, gesondert dispensiren. 

Die in neuerer Zeit in Frankreich in Gebrauch gekommenen Bains a l'hydro- 
f^re bestehen aus Vorrichtungen, durch welche die Badeflüssigkeit entweder durch 
Druck einer Quecksilbersäule, oder durch die Einwirkung comprimirter Luft in einen 
dampfförmigen Nebel zerstäubt wird. Die Wirkung dieser Bäder ist noch nicht ge- 
nügend erforscht, jedenfalls ist sie von der der gewöhnlichen Bäder in vieler Beziehung 
verschieden. 

Von gashaltigen Bädern werden wesentlich die kohlensäurehaltigen 
benatzt. Man kann ein solches bereiten entweder durch Einleiten von Kohlen- 



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74 Bäder. 

säure in das Badewasser, wozu es aber immerhin gi'össerer und umständ- 
licherer Apparate bedürfte, oder durch Auflösen von doppelt -kohlensaurem 
Natron und alhnäligem Zusatz einer Mineralsäure, z. B. der Schwefelsäure. 

Endlich ist noch der electrischen Bäder (farado- galvanisches Bad) 
Erwähnung zu thun, bei welchen der constante oder faradische Strom dem 
Badewasser zugeleitet und so eine Electrisation des ganzen Körpers bewirkt 
wird, indem das Badewasser als Electrode dient. Man benutzt hierzu hölzerne 
Badewannen mit doppelter Wandung, deren innere durchlöchert ist, so dass 
das Wasser zwischen beiden Wänden circuliren kann. In diesen Zwischen- 
raum, also von der Berührung mit dem Körper des Badenden ausgeschlossen, 
sind an mehreren Stellen Kupferplatten eingelassen, welche die Zuleitungs- 
drähte von der Batterie aufnehmen. Bei Neurasthenie, nei'vöser Dyspepsie 
und ähnlichen allgemeinen nervösen Zuständen empfohlen. 

Die in den obigen Angaben enthaltenen Quantitäts- Bestimmungen der 
arzneilichen Zusätze sind für Vollbäder für Erwachsene berechnet und zwar 
für Wannen mittlerer Grösse von dem oben angegebenen Inhalt (ca. 200 Liter). 
Für grössere Wannen mit beträchtlicherem Flüssigkeitsinhalt, ebenso für 
kleinere Wannen ist das Mass der zuzusetzenden Medicamente demgemäss zu 
modificiren. Namentlich bei topischen Bädern, sowie bei Bädern für Kinder 
muss dasselbe nach der hierbei erforderlichen geringeren Wassermenge redu- 
cirt werden, also bei Sitzbädern V« — "^ bei Fussbädem Vij — Vs? ^^i Hand- 
bädem V,*— V,«- — Bei Bädern für Kinder »/g— 'Z*— V.. 

Exacter wäre es wohl bei der erheblich wechselnden Grösse der ge- 
bräuchlichen Wannen, die medicamentösen Zusätze zu den Bädern nicht so zu 
normiren, dass man die zu einem ganzen Bade nothwendige Gewichtsmenge 
des Medicaments angiebt, sondern vielmehr derai*t, dass man die Concentration 
der Flüssigkeit festsetzt, d. h. dass zu je 1 Liter Wasser zuzusetzende Ge- 
wichtsquantum bestimmt (Siegmund). Indess bewirkt diese letztere Verord- 
nungsweise mancherlei Unbequemlichkeiten für das Publikum und ist in vielen 
Fällen schwer durchführbar. Auch ist für die meisten medicamentösen Bäder 
eine exacte Dosirung der Concentration nicht von so grosser Bedeutung, dass 
die durch die WannengixJsse bedingten Schwankungen derselben — zumal 
wenn der Arzt auf die ungefähre Grösse und Füllung der Wanne einige 
Rücksicht nimmt — für das Heilresultat ins Gewicht fallen. Nur bei der An- 
wendung sehr differenter Medicamente ist die genaue Concentrations- Bestim- 
mung entschieden vorzuziehen. 



4.^ Elasüsoh- flüssige Formen, 
a. Dampfbäder, Balnea vapons. 

Werden Flüssigkeiten, statt in tropfbarer Form, erst, nachdem sie in 
Dämpfe umgewandelt sind, mit der Haut in Contact gebracht, so bezeichnet 
man dies als ein Dampfbad, und zwar als ein allgemeines, wenn der ganze 
Körper der Einwh'kung der Dämpfe ausgesetzt wird, als ein lokales, wenn 
nur einzelne Köi'pertheile mit den Dämpfen in Berührung kommen. Wie bei 
den flüssigen Bädein, stellt sich auch bei den Dämpfen entweder die Einwir- 
kung eines gewissen Temperaturgrades als therapeutischer Zweck dar, oder 
man beabsichtigt, die Dämpfe als Vehikel für Arzneistoffe zu benutzen. 

Die Entwickelung von Dämpfen für allgemeine Dampfbäder geschieht fast 
ausschliesslich in den eigens dazu eingerichteten Anstalten, und zwar so, dass 
Dämpfe aus den Dampfentwicklem in die Baderäume geleitet werden, eine 
Methode, welche vor der fi-üheren primitiven, Wasser auf heisse Platten zu 



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Dampfbäder. 



giessen, den Vorzug hat, dass man den FtiUungsgiad der Baderäume besser 
bestimmen und constanter erhalten kann. — Die Vorrichtungen, welche man 
ersonnen hat, um das allgememe Dampfbad durcli domestike Surrogate zu 
ersetzen, sind sämmtlich äussert unvollkommener Natur und nicht selten mit 
Gefahren in ihrer Anwendung verknüpft, so dass es gerathen erscheint, nui' 
in ganz exceptionellen Fällen von häuslichen Dampfbädern Gebrauch zu 
machen und sie dann in der einfachsten Weise dadurch herzustellen, dass 
man den Kranken auf einem Gurtbette lagern lässt, ihn rings mit wollenen 
Decken umhängt, die durch Reifen vom Körper abgehalten werden und den 
Kopf frei lassen; unter das Bett wird eine Wanne mit heissem Wasser ge- 
stellt nnd die Dampfentwickelung dadurch begünstigt, dass man von Zeit zu 
Zeit glühende Bobsen oder heissgemachte Steine in das Wasser wirft. 

Lokale Dampfbäder stellt man dadurch her, dass man den betreffenden 
Körpertheil mit Decken umhängt und unter diese die Dämpfe aus einem Koch- 
geschirr mit röhrenförmigem Halse oder Trichter-Aufsatz einströmen lässt. 

Besondere Sorgfalt und Vorsicht erfordert die zuweilen in Anwendung 
kommende Procedur, den Körper der Einwirkung von Spiritus -Dämpfen aus- 
zusetzen. Die in der Regel befolgte Methode, unter dem Sitze des Ki^anken 
ein flaches, mit Spiritus gefülltes Gefäss zu erhitzen, hat durch Entzündung 
der Dämpfe zu wiederholten Unglücksfällen Anlass gegeben; gerathener ist 
es deshalb, die Erwärmiipg des Spiritus in einer mit einem röhrenförmigen 
Ansatz versehenen Blechflasche mehrere Fuss vom Patienten entfernt vorzu- 
nehmen und die sich entwickelnden Dämpfe durch ein Kautschukrohr unter 
die den Kranken umhüllenden Decken zu leiten. 

Diejenigen Arzneistofl'e, ftir welche Dämpfe als Vehikel dienen sollen, 
müssen flüchtiger Natur sein, also ätherische Oele, Spirituosen u. dgl. Die 
Application geschieht der Art, dass man die betreffenden Substanzen der 
Flüssigkeit zumischt und diese bis zum Kochen erwärmt, oder die Stoffe, so- 
fern es sich um Vegetabilien in Substanz handelt, mit der Flüssigkeit kocht 
und die dabei sich entwickelnden Dämpfe in der oben beschriebenen Weise 
auf den ganzen Körper, resp. auf einzelne Theile desselben einwirken lässt. 

Beispiele. 



I. R 

Flor. Chamomill. 25,0 

Rhiz. Calami 50,0. 
C. c. m. f. spec. D. S. Die Hälfte mit 
Wasser zu kochen und die sich ent- 
wickelnden Dämpfe als örtliches Dampf- 
bad zu benutzen. 



IL T\f 

Mixt, oleoso-balsamic. 20,0. 
D. S. Einen Esslöffel voll mit einem Liter 
Wasser gemischt zum Sieden zu erhitzen 
und die Dämpfe auf den betreffenden 
Körpertheil zu leiten. 



b. Gasbäder. 

Verschiedene Gasarten (Kohlensäure, schweflige Säure, selten Schwefel- 
wasserstoff u. a.) werden therapeutisch dazu benutzt, um mit der Haut in 
einen längere oder kürzere Zeit dauernden Contact gebracht zu werden. Die 
Gasbäder werden entweder als aUgemeine oder als lokale genommen. Im 
ersteren Falle muss die Vorrichtung so getroffen werden, dass die Athemorgane 
vor den Einströmungen des Badegases geschützt bleiben; eine solche Vomch- 
tung stellt der Gal^s'sche Räucherkasten dar, oder eine mit einem festschhes- 
senden Holzdeckel und Ausschnitt fUi* den Hals versehene Badewanne. — Die 
Benutzung von Kohlensäre zu Bädern findet meistens an Kurorten statt, deren 
Quellen mit reichlichem Gehalt an diesem Gase ausströmen, es lässt sich je- 



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Gasbiidcr. — Räiicherunfi^cn. 



doch auch durch künstliche Vomchtungen die Möglichkeit von kohlensauren 
Gasbädeni an allen beliebigen Orten herstellen. 

Die Benutzung der schwefeligep Säure als Badegas findet in der Regel 
im Gal^s'schen Räucherkasten statt und wird einfach durch allmäliges Ver- 
brennen von Schwefelstücken vermittelt. 

Der Schwefelwasserstoff wird selten flii' sich allein oder mit atmosphäri- 
scher Luft gemengt, sondern meistens mit Dämpfen gemischt zum Baden be- 
nutzt. Vorrichtungen zu solchen Bädern finden sich in den meisten Schwefel- 
Thermen vor und bestehen in Kabinetten mit durchlöchertem Fussboden, unter 
denen das Thermalwasser hindurchströmt, so dass der Badende sich in einer 
mit Dämpfen und Quellgasen gesättigten Atmosphäre befindet. Künstlich Hesse 
sich dies durch eine Schwefelwasserstoff-Entwickelung (verdünnte Schwefelsäure 
auf Schwefeleisen gegossen) darstellen, deren frei werdendes Gas dmxh ein 
Gefäss mit kochendem Wasser geleitet wird. 

Auch Sauerstoff in Form von Wasserstoffsuperoxyd ist zu localen Bädern 
bei schlecht eiternden Wunden und Geschwüren, sowie bei Gangraena senilis 
verordnet worden. 

Erwähnung verdienen bei dieser Gelegenheit die sogenannten türkischen 
oder römischen Bäder, in denen der Körper längere Zeit hindurch den 
Einwirkungen einer zu hoher Temperatm' erwäm^n Luft ausgesetzt wird, 
und welche mit verschiedenen Proceduren (Massiren des Körpers, Einwii'kung 
von Douchen u. s. w.) combinirt sind. 

c. Räiicberiingen, Fumigationes. 

Man unterscheidet zweierlei Methoden des Räucherns : bei der einen wer- 
den die zum Räuchern verwendeten Substanzen direkt der Flamme oder dem 
Glühen ausgesetzt, so dass dieselben ihre chemische Constitution ändern, theils 
mit dem Sauerstoff der Luft Oxydationsprodukte bilden, theils sich zersetzen; 
bei der anderen sollen Stoffe in Dampffoim übergehen, resp. sublimiren, ohne 
der Oxydation unterworfen zu sein. Zur ersteren Klasse gehören einerseits 
indifferente Stoffe, meist organische Substanzen, wie z. B. Harze und Zucker, 
welche bei unvollkommener Verbrennung stark riechende (empjTcumatische 
oder äthensche) Oxydationsprodukte erzeugen, andererseits sehr differente 
anorganische Substanzen, wie Arsenik und Zinnober, welche in der Glühhitze 
Dämpfe und Gase entwickeln, die sehr intensiv nicht nur auf die äussere Haut 
einwirken, sondern auch resorbirt werden und eine allgemeine Wirkung ent- 
falten. — Zur zweiten Klasse gehören theils Stoffe, welche ätherische oder 
andere leicht verdunstende Substanzen (z. B. Jod) enthalten, die dm'ch die 
höhere Temperatur einfach verflüchtigt werden sollen, oder Stoffe, die bei 
einem hohen Hitzgrad sublimiren, wie z. B. Schwefel. 

Die Räucherungen, namentlich aus harzigen Substanzen und Zucker, 
werden entweder in der Weise vollfülirt, dass mau dieselben in Speciesform 
auf eine Pfahne mit glühenden Kohlen, resp. auf ein rothglühendes Blech 
streut und den sich entwickelnden Rauch an die dailiber gehaltenen leiden- 
den Körpertheile streichen lässt; oder man bereitet aus den zu verwendenden 
Medicamenten unter Zusatz einer geringen Menge Salpeter Trochiscen in 
Fonn von Räucherkerzchen (Candelae fumales). Diese letztere Form ist 
namentlich in den Fällen nothwendig, in denen differente Stoffe, wie Arsenik 
oder Zinnober, welche genau dosirt werden müssen, benutzt werden (siehe 
Beispiel). 

Die Räuchenmgen mit denjenigen Substanzen, welche in Dampfform oder 
in sublimirtem Zustande auf den Körper einwirken sollen (Schwefel, Jod), 

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Enderraatische Methode. 77 



werden durch Erwärmimg auf einer blecheraen Pfanne bewirkt, so dass eine 
Verbrennung der Substanzen und eine Oxydation nicht stattfindet. 

' Man kann nicht nur einzelne kranke Hauttheile den Räucherungen aus- 
setzen, sondern auch den ganzen Körper, gewöhnlich mit Ausnahme des 
Kopfes, so dass die Augen und die Respirationsorgane (wenn man nicht 
gerade auch durch die Inhalationen wü'ken will) ausserhalb der Rauchatmo- 
sphäre bleiben. Bei Räucherungen des ganzen Körpers werden die Augen 
verbunden und Decken um den Hals des entkleideten Patienten befestigt; 
unterhalb der Decken werden sodann die Dämpfe entwickelt. 

Die neuere Arzneiverordnungslehre hat die Fumigationen , welche früher, 
besonders am Anfange unseres Jahrhunderts, eine ziemliche Rolle spielten, 
mehr und melir aufgegeben; ob mit Recht, lässt sich kaum entscheiden. Im 
Orient, zumal in Persien, sind dieselben auch jetzt noch ausserordentlich 
häufig im Gebrauch und in hohem Ansehen, und versichern selbst europäische 
Aerzte (z. B. Polak), dass sie sich von der grossen Wirksamkeit derselben in 
vielen Fällen (z. B. von den Merkurräucherungen bei allgemeiner Syphilis) 
auf's unzweideutigste überzeugt haben. 

Als Substitution der Räucherungen wu'd zuweilen auch die Methode be- 
folgt, dass man den Rauch ausserhalb des Krankenzimmers entwickelt, den- 
selben auf Watte leitet und mit dieser dann die krankhaften Stellen bedeckt 
oder reibt — gewiss eine sehr unvollkommene und wenig wirksame Appli- 
cat ionsweise. 

Beispiel. 

IV 
Acidi arsenicosi 0,5 
Hydrarg. sulfurat. rubri 10,0 
Rhizom. Ghinae nodos. 40,0. 
M. f Trochisc. No. VIII. S. Täglich zwei Räucherungen. 
[Persische Methode bei inveterirter Syphilis.] 



III. Application auf die tieferen Hautschichten, das sub- 
cutane Bindegewebe und die unmittelbar darunter 
gelegenen Theile. 

1. Endermatisolxe Methode. 

Unter endermatischer Methode vereteht man die Anwendung von Arznei- 
stoffen auf die ihrer Epidermis absichtlich beraubte Haut, zu dem Zwecke, 
um von dieser Applicationsstelle aus das Eindringen der Arzneistoffe in den 
Organismus zu vermittehi. 

Die Procedur, mittelst welcher die Applicationsstelle vorbereitet wii'd, be- 
steht in der Regel in der Anlegung eines Vesicators, Abtragung der blasen- 
fdrmig erhobenen Oberhaut und Offenhalten der Wundstelle (statt dieses Ver- 
fahrens führt man in seltenen Fällen, namentlich wo man rasch Blasenbildung 
erzielen wiU, eine lokale Verbrennung durch Contact mit einem heissera Me- 
tallstttcke [Hammer, Münze] herbei), welche nun regelmässig entweder mit 
einer medicamentösen Salbe verbunden oder mit einem medicamentösen Pulver 
bestreut wird. Das letztere Verfahren verdient um deswillen den Vorzug, weil 
e« eine genauere Dosirung des anzuwendenden Mittels gestattet. 

Die Applicationsstelle wird, wo es sich um Beseitigung eines örtlichen 
Leidens, z. B. einer Neuralgie, handelt, dem leidenden llheile möglichst nahe 



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78 Endermatische Methode. 



gele^; will man eine allp^emeine Wirkunp: ei-zielen, so wählt man eine Stelle, 
welche den Patienten am wenigsten genirt (die Magengrube, den Ober- 
ann u. 8. w.). 

Die Stoffe, welche für das endennatische Heilverfahren meistens benutzt 
werden, oder richtiger früher benutzt worden sind (da die endermatische 
Methode in letzterer Zeit durch die subcutanen Injectionen mit Recht beinah 
ganz verdrängt ist), sind solche, welche schon in kleinen Dosen eine sehr 
bedeutende Wirkung entfalten, mithin Narcotica und narcotische Alcaloide 
(namentlich Morpliium und Strychnin), heftig wirkende Acria (Canthariden, 
Aloö), Nervina (Moschus, Castofeum), Metallsalze (Tartarus stibiatus, Calomel). 
Man wählt diese Behandlungsweise in denjenigen Fällen, in welchen entweder 
der längere Fortgebrauch des Mittels bei innerer Darreichung die Verdauungs- 
organe in ihrer Function wesentlich beeinträchtigen wtlrde, oder wo diese 
Organe sich schon in einem Zustande befinden, der ihren Contact mit diffe- 
renten Arzneisubstanzen ausschliesst , oder einer genügenden Resorption des 
Medicamentes hinderlich ist, oder wo ein unbesiegbarer Widerwille gegen den 
Geruch oder Geschmack eines Arzneimittels den innerlichen Gebrauch des- 
selben unmöglich macht, oder endlich, wo man local auf einen kranken Theil 
du'ect einwirken will. Bei temporärer Unzugänglichkeit der Verdauungsorgane 
(Anwesenheit fremder Körper in der Speiseröhre) ist die endermatische An- 
wendung brechenerregender Mittel empfohlen worden, aber deshalb unzweck- 
mässig, weil der Eintritt ilirer Wirkung entweder ganz unsicher oder an emen 
zu langen Zeitraum gebunden ist. 

Contraindicirt ist die endermatische Methode bei ki^anker oder bei selir 
vulnerabler Haut, wo von der Wundstelle aus sich weitgi'eifende Erytheme 
auf die Nachbarpartien zu verbreiten pflegen; so ganz besonders bei gewissen 
Oonstitutionskrankheiten, z. B. dem Diabetes, dessen Tendenz zu schweren 
Hautgangränen nach geringfügigen Verletzungen bekannt ist. 

Das Verbinden mit der medicamentösen Salbe oder das Einstreuen des 
Pulvers geschieht in der Regel ein bis drei Mal täglich, nachdem die Wund- 
stelle vorher sorgfältig, aber schonend, von Eiter, diphtheritischen Ablagerun- 
gen u. 8. w. gereinigt worden ist. Der bleibende Contact des Mittels mit der 
Wunde ist durch einen einfachen Pflasterverband zu sichern. 

Beim Eintritte heftiger Wirkungs-Erscheinungen hat man angerathen, das 
Mittel durch Auswaschen der Wundstelle oder Application eines trockenen 
Schröpf kopfes wieder zu entfernen. Diese Massregeln können jedoch nur dann 
von Nutzen sein, wenn seit der Anwendung des Mittels nur ein sehi* kurzer 
Zeitraum verflossen ist; ist aber, was ja nach der Natur der Substanz mehr 
oder minder schnell der Fall ist, schon Resorption eingetreten, so kann von 
einer Entfernung des Mittels durch so mechanische Verfahrungsweisen nicht 
mehr die Rede sein, und es ist dann gerathen, ohne weiteres zur Anwendung 
von Antidotis entweder auch auf endermatischem oder subcutanem Wege, oder 
per 08 überzugehen. 

Bei Verordnung von Salben zur endermatischen Anwendung hat man 
darauf zu sehen, dass der medicamentöse Stoß" in der Salbengrundlage mög- 
lichst gleichmässig vertheilt sei. Bei löslichen Stoffen dürfte dies am voll- 
ständigsten durch die Anwendung der Glycerin- oder Vaselinsalbe ermöglicht 
werden. Um der beim Gebrauche narkotischer Stofl'e häufig eintretenden Ver- 
heilung der Wundstelle entgegen zu wirken, verbindet man gewöhnliche Salben- 
grundlagen mit Unguentum initans oder setzt dem Unguentum Glycerini einen 
Antheil Tinctura cantharidum hinzu. 

Da die Applicationsstelle in der Regel nur von geringer Grösse, etwa 



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Enderraatiscte Methode. 79 



der eines Zwanzigpfennig- bis Einmarkstückes ist, so wird die Gesammt- 
qnantität der Verbandsalbe auf 10,0 — 15,0 zu bemessen sein; die Menge des 
hinzuzuftigenden medicamentösen Stoffes wii*d meistens so bestimmt, dass man 
für die Einzebidosis die doppelte Quantität der innerlich dai*zureichenden an- 
nimmt. Wollte man also beispielsweise Extr. Belladonnae zur endermatischen 
Anwendung verordnen, so würde sich die jedesmalige Dosis = 0,03 stellen; 
bei jedesmaligem Verbände würde für die Applicationsstelle von der Grösse 
eines Zehnpfennigstückes 0,3 — 0,5 (Grösse einer Erbse) erforderlich sein; 
mithin müssten zu 5,0 Gramm Salbengrundlage etwa 0,3—0,5 Extract beige- 
ftigt w^erden. 

Einstreupulver zur endermatischen Anwendung müssen von möglichster 
Feinheit sein. Da die differenteren Stoffe in zu kleinen Dosen gegeben wer- 
den, um fllr sich ein der Manipulation zugängliches Pulver zu constituiren, 
so werden sie mit indifferenten Arzneistoffen, am besten mit Zucker verrieben. 
Wählt man diesen als Constituens, so gewährt dies den Vortheil, dass er 
sich in dem Secrete der Wundfläche vollständig löst, während er gleichzeitig 
einen gelinden Reiz auf diese ausübt und ihre Verheilung hindert. Dahin- 
gegen sind Pflanzenpulver unlöslich und ballen sich mit dem Wundsecrete 
zu kleinen, ziemlich festen Conglomeraten zusammen; Gummi, das zuweilen 
verwendet wird, hat den Nachtheil, die Wundfläche mit einem klebenden 
Ueberzuge zu bekleiden, welcher möglicherweise der Resorption der Arznei- 
substanz entgegensteht, und befördert überdies die unvollkommene Verheilung 
der Wunde. 

Die Quantität des Constituens muss möglichst gering sein, so dass die 
einzelnen Emstreupulver höchstens etwa 0,3 wiegen. G^rathen dürfte es wohl 
sein, Einstreupulver, in denen stark giftige Substanzen enthalten sind, durch 
eine auffallendere Dispensation (etwa in farbigen Papierkapseln) als für den 
äusseren Grebrauch bestimmt zu bezeichnen. 



Beispiele. 



I. H« 

Extr. Opii 1,0 
Unguenti Glycerini 10,0 
Tinct. Cantbarid. 1,0. 
M. f. Unguent. D. S. Dreimal täglich 
eine Erbse gross auf Charpie gestrichen 
zum Verbände der Vesicatorstelle. 



n. Bf 

Stiychnini nitr. 0,05 

Sacchari albi 2,0. 
M. f. pulv. div. in octo part. aeq. d. in 
Charta coerulea. S. Zweimal täglich 
ein Pulver in die Vesicatorstelle einzu- 
streuen. 



Historische Erwähnung verdienen die zu verschiedenen Zeiten aufge- 
tauchten Vorschläge, die Arzneimittel mittelst Impfung durch Lanzettenstiche 
unter die Oberhaut zu bringen; diese von Lafargue und später von M. Lan- 
genbeck und Honigberger, welcher Impfungen mit Tinct. Quassiae als 
sicheres Präservativmittel gegen die Cholera rühmte, empfohlene Methode hat 
bis jetzt noch wenig Anhänger gefunden und dürfte sich auch in der Folge- 
zeit schwerlich einer grösseren Verbreitung zu erfi*euen haben. Das Verfahren 
ist bei den kleinen Quantitäten, welche der Impfträger aufzunehmen vermag, 
nur für äusserst differente Arzneimittel anwendbar und in diesem Falle un- 
zweckmässig, weil es nur eine ungenaue Dosirung gestattet. Bei minder 
differenten Arzneistoffen, die zur Entfaltung ihrer Wirkungen grössere Gaben 
erfordern, ist die Impfung vollends irrationell. 



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80 Subcutane Injection. 



2. Subcutane Iiijection- 

Sowohl die endennatisclie Methode, als gaiiz besonders die letzterwähnte 
werden durch die hypodermatische Methode mehr und mehr verdräng. 
Die Methode der hypodermatischen oder subcutanen Injectionen ist 1855 dui'ch 
Alexander Wood in die Therapie eingefülui; worden. Sie hat in der Zeit 
ilu*e8 Bestehens sich den allgemeinsten Eingang in die ärztliche Praxis aller 
Länder verschafft und sich überall so vollkommen bewährt, dass sie wohl als 
eine der bedeutendsten Errungenschaften der neueren Zeit auf dem Gebiete 
der practischen Medicin angesehen werden darf. 

Das Verfahren besteht darin, Arzneimittel in genauer Dosirung in das 
Unterhautbiudegewebe einzuspritzen, um mittelst derselben entweder eine locale 
oder eine allgemeine Wirkung zu erzielen. Man benutzt zu diesem Zwecke 
eine kleine gläserae Injectionsspritze (meist die Pravaz 'sehe oder Lue r 'sehe 
Spritze), an deren Mündung eine zu einer lanzettenförmigen Nadel zugespitzte 
feine silberne CanUle befestigt wird. Auf dem Piston der Spritze befindet 
sich eine genau graduirte Scala, auf der man die Quantität der bei dem 
jedesmaligen Pistonstande in der Spritze enthaltenen Flüssigkeit ablesen kann. 
Einfassung der Spritze und Piston sind meist aus Silber gearbeitet; in neuerer 
Zeit werden sie auch aus Hartgummi angefertigt (Leiter 'sehe Spritze). Das 
Verfahren ist derart, dass man zunächst die Spritze mit so viel der medica- 
mentösen Flüssigkeit füllt, als man dem Organismus einverleiben will; sodann 
sticht man die lanzettenfönnige Endigung der Canüle unter Erhebung einer 
Hautfalte in das subcutane Gewebe ein und injicui; langsam durch Herab- 
drücken des Pistons die Flüssigkeit in das Uiiterhautbindegewebe. Nach Ent- 
fernung der Spritze aus der Haut wird die kleine, dm^chaus unbedeutende 
und gewöhnüch wenig oder gar nicht blutende Stelle zweckmässig mit einem 
Streiftihen Heftpflaster verbunden. Sehr viele AnfUnger und selbst Geübtere 
machen den Fehler, dass sie die Canüle der Pravaz 'sehen Spritze zu lang- 
sam und nicht tief genug emstossen. Dadurch wird einmal die kleine Pro- 
cedur etwas schmerzhafter, sodann aber entstehen bei differenteren Mittehi 
(Chinin, Sublimat u. a.) leichter Abscedirungen. Im Gegensatz zu der obigen, 
noch aus der fiilheren Auflage dieses Werkes hinübergenommenen Angabe, 
pflegen wir keine Hautfalte zu erheben, sondern im Gegentheil die für den 
Einstich gewählte Stelle zwischen Daumen imd Zeigefinger der Unken Hand 
etwas anzuspannen und dann mit der wie eine Schreibfeder gefassten 
Spritze, ähnlich wie man in einen Abscess einstösst, mit kurzem schnellem 
Stosse die Canüle sofort 5 — 10 Mm. einzutreiben. Besondere Aufmerksamkeit 
ist auf die peinhchste Reinhaltung der Canüle zu vei*wenden. Wh* injiciren 
niemals, ohne Spritze und Canüle vorher mehrmals mit kochendem Carbol- 
wasser ausgespritzt zu haben. 

Sehr wichtig ist eine genaue Dosirung der zu injicirenden Flüssigkeit. 
Hierzu gehört zunächst eine Kenntniss des Rauminhalts der in Gebrauch ge- 
zogenen Spritze. Die verschiedenen Spritzen variiren in dieser Beziehung 
innerhalb gewisser Grenzen, und es ist deshalb nothwendig, dass jeder Arzt 
den Lihalt seiner Spritze, bevor er dieselbe in Gebrauch zieht, genau abwägt. 
Indessen werden jetzt kaum andere als 1 Ccm. resp. 1 Grm. destillirtes Wasser 
fassende Spritzen, deren Piston in 50 Theile graduirt ist, verfertigt; 1 Theil- 
strich entspricht also 0,02 Ccm. Flüssigkeit. Da im allgemeinen nur kleine 
Arzneidosen zur subcutanen Injection ziu* Verwendung kommen, so kann man 
10 Grm. Wasser -{- dem Volumen der Arzneisubstanz = 10 Ccm. rechnen, 
also auch den Inhalt der Spritze, welche mit einer medicamentösen Lösung 
gefüllt ist, ohne weiteres = 1 Ccm. setzen. Selten sind die in 40 Theil- 
Btriche getheilten, ganz veraltet die sog. Lu er 'sehen, 0,8 — 0,9 Gim. destillirtes 

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Subcutane Injectioil. 81 



Wasser fassenden und in 45 Striche getheilten, wonach Übrigens auch jeder 
Theilstrich 0,02 Ccm. entspricht. 

Die subcutanen Injectionen sind indicirt: 

Um durch Resorption eine prompte Wirkung entweder auf einen localen 
Herd oder auf die Centralapparate des Körpers herbeizufUhren. In dieser 
Weise werden sie vornehmlich bei spastischen und neuralgischen, oder über- 
haupt schmerzhaften Leiden imd bei Schlaflosigkeit, Manie, Delirien, in 
jüngster Zeit auch als Excitantia angewandt, femer bei Haemorrhagien , In- 
toxicationen (namentlich Curare bei Strychninvergiftung) , Intermittens, bei 
Amblyopien und Amaurosen (Nagel), Aneurysmen, Blutungen innerer Organe, 
Utemskrankheiten (besonders Myomen und Fibromen) bei parenchymatösen 
Geschwülsten u. s. w. 

Wo es sich um die Hervorbringung einer örtlichen Wirkung, z. B. 
Beseitigung einer Neuralgie, handelt, wählt man die Einstichstelle dem lei- 
denden Theile möglichst nahe (meistens lässt sich bei Neuralgie ein Punkt 
auffinden, der gegen Druck besondere Empfindlichkeit zeigt; dieser Point 
douloureux ist als passende Einstichstelle zu wählen). Zur HervoiTufung all- 
gemeiner Wirkungen ist die Injectionsstelle beliebig auszuwählen. Wo Wie- 
derholungen nothwendig sind, wechselt man mit der Injectionsstelle. 

Die Mittal zur subcutanen Injection lassen sich vorläufig noch nicht be- 
grenzen. Vorausgesetzt, dass eine Drogue resp. ein Präparat in genügender 
Concentration in Wasser oder Glycerin oder stark verdünntem Sph'itus löslich 
und von nicht allzu heftigen örtlichen Reizerscheinungen begleitet ist, steht 
seiner Vei*wendung zur subcutanen Injection nichts im Wege. Daher die noch 
immer wachsende Menge in Vorschlag gebrachter Mittel. 

Die wichtigsten hierbei in Betracht kommenden Medicamente sind folgende: 

Acidum benzoicum. 1 Theil in 12 Spiritus gelöst, eine volle Spritze 

und, wenn nöthig, mehrere in kurzen Zwischenräumen hinter einander, 

als Excitans und gegen Urämie. (Lösung und Spritze muss vor dem 

Gebrauche leicht erwärmt werden, Eohde). 

Acidum carbolicum. Von einer 1 — 2 pCt. wässerigen Solution werden 

1 — 2 Spritzen injicirt, also 0,01 — 0,04 des Medicaments (zuerst von 

Hueter empfohlen). 

Aconitin um. Von einer Solution von 0,1 in 10,0 Wasser werden 0,2 bis 

0,4 (d. h. 10—20 Theile der Spritze), also 0,002—0,004 Aconitin injicirt. 

Aether aceticus oder sulfuricus als Excitans bei schwerem Collaps 

zu 1, 2 und mehr Spritzen. Ebenso Spiritus aethereus. 
Apomorphinum hydrochloricum. Solution von 0,1 in 10,0 Aq., davon 
0,5—1,0 (25 Theile bis zu einer vollen Spritze), also 0,005—0,01 Apo- 
morphin pro dosi als Emeticum. 
Atropinum sulfuricum. Solution von 0,02 auf 10,0 Wasser, von welcher 
0,5—1,0 (demnach 10—25 Theile der Spritze), enthaltend 0,0004—0,001 
Atropin! pro dosi injicirt werden. Ebenso das Atropinum valeriani - 
cum. Die combinirte Anwendung von Atropin und Morphium im Verhält- 
niss von 1 Theil Morphium auf Vio Theil Atropin und weniger ist von 
Hussbanm und Fraignaud empfohlen. Sie sollen die toxischen Effecte 
der Einzelbestandtheile unbeschadet der Gesammtwirkung aufheben. Ge- 
latine Discs mit 0,01 Morphium und 0,0015 Atropin*). 
Camphora. 1 Theil in 12 Spiritus gelöst, eine volle Spritze pro dosi, 
als Excitans (Bohde). 

*) Gelatine Discs sind kleine, äusserst dünne quadratische Scheiben von Gela- 
tine, welche die entsprechende Dosis des Medicaments beigemischt enthalten und sieh 
in wenig Tropfen Wasser unter Erwärmen schnell lösen. Sie verderben selbst nach 
jahrelanger Aufbewahrung nicht. Von Samson vorgeschlagen und in England viel in 
Ge^^a^ch. Digitized by ^OOQ 16 

Evftld und Simon, Arzneivcrordnungslehre. 10. Aufl. 6 ^ 



82 Subcutane Injection. 



Chininum sulfuricum und hydrochloricum. 1,0 mit Hülfe einiger 
Tropfen Acid. sulfiir. in 10,0 Wasser oder in 1:6 Glycerin (ohne Säure- 
zusatz) gelöst, davon 0,3—1,0 (d. h. V» bis zu einer vollen Spritze), 
also 0,03 — 0,1 zur Injection. 

Diese Injectionen rufen häufig Reizersclieinungen, heftige Schmerzen, 
Abscesse etc. an der Einstichstelle hervor. Nach Köbner giebt Chininum 
hydrochlor. 0,15 — 0,25 mit Wasser und Glycerin ana 0,5 (also höchstens 
im Verhältniss von 1:4 des Menstruums) beim Erwärmen eine klare 
Lösung, welche, lauwarm eingespritzt, keine Reizsymptome hervorruft. 

Chininum bisulfuricum löst sich schon wie 1:3 in Glycerin. 

Chininum hydrobromicum soll die sedirende Bromwirkung mit der 
Chininwirkung verbinden (Gubler). Löst sich beim Erhitzen in circa 
15 Theilen Wasser, in 4 Theilen Glycerin. 1,0 in 6 Glycerin und 4 
Wasser gelöst, so dass die Spritze 0,1 Bromchinin enthält. Von Sonlez 
bei Intermittens in Dosen bis zu 0,5 — 1,0 angewendet. 

Weitere Chininsalze, wie Chin. ferro-citricum , bitartaricum, valeria- 
nicum u. s. w. sind empfohlen, aber noch mehr wie die schon genannten 
entbehrlich. 

Chloratum hydratum. 5,0 mit Aq. destill. 10,0. 1 — 5 Spritzen, die 
ungefähr 0,5—2,5 Chloralhydrat pro dosi enthalten. Wenig geeignet. 

Coffetnum purum und citricum. 0,1 in Spiritus und Aq. dest. ana 2,5, 
davon 0,5—1,0 = \\ — l Spritee, also 0,01 — 0,02 Coffein und mehr 
pro dosi. Discs mit 0,03. 

Coniinum. 0,1 in Spir. dilut. und Aq. destill, ana 5,0, davon 0,1 — 0,2 
der Spritze, enthaltend 0,001—0,002 Coniin. 

Curare oder Woorara. Sehr ungleiches Präparat von selu* verschie- 
dener LösUchkeit. 0,1 in 10,0 Wasser, davon 0,2—1,0 (20—50 Theile 
der Spritze), enthaltend 0,002—0,01 Curare. Die Dosis ist nicht genau 
festzustellen und muss sich theils nach der Wirksamkeit des vorher 
am Thier zu prüfenden Präparats, theils nach dem vorliegenden 
Fall richten. Bei Lyssa hat Offenberg in 4»;, Stunde 0,19, Penzoldt in 
10 V, Stunde 0,36 Curare injicirt (Beri. klin. Wochenschr. 1882. No. 3.). 

Digital in um. 0,1 in Spiritus und Wasser ana 10,0; davon 0,2 — 0,G 
(10—30 Theilstriche). entsprechend 0,001—0,003 Digitalin. 

Emetinum. 0,1 mit etwas Acid. sulfuricum in 20 Aq. destill, gelöst; da- 
von 0,5—1,0 = 0,0025—0,005. 

Extractum Fab. Calabaricae in glyceriniger Lösung (1 : 60, M. Rosen- 
thal) und in wässeriger Lösung 0,15 : 4,0 (Eschenburg bei IMsmus neo- 
natorum zu 1—5 Tropfen). Gelatine Discs mit 0,01 Extr. Calab. 

Extractum Opii in Aq. destill, ana gelöst und filtrirt. Dosis der jedes- 
maligen Injection 0,06 — 0,15, enthaltend 0,03—0,075 des Medicaments 
(Lebert). 

Extractum Seealis cornuti aquosum (Ergotbaum nach Bon jeau, Ergo- 
tinum bis dialysatum). 2,5 mit Spiritus dilut. und Glycerini ana 5,0, 
V, — 1 ganze Spritze zu injiciren. Mehr empfiehlt sich das Ergotinum 
dialysatum ad injectionem (Berg), rein oder mit Wasser (1:4) verdünnt 
zu 0,2 — 0,5 pro dosi. Von Dragendorff ' ist eine Solut. acid. sclerotinici, 
welche das wh'ksame Princip des Seeale coniut. enthalten soll, in den 
Handel gebracht. 0,04—0,05 in 0,2-- 0,25 Wasser. 

Ferrum oxydatum dialysatum, Ferrum albuminatum, peptona- 
tum etc. Eisenpräparate empfehlen sich wegen ihrer Schwerlöslichkeit, 
ihrer localen Irritation und weil meist ein chronischer Gebrauch der- 
selben benöthigt, nicht zu subcutanen Injectionen. Auch das von flu- 
gnenin empfohlene Ferrum pyrophosphor. c. Ammon. citrico hat sich 
uns nicht bewälu't. Es ist überdies selir leicht zersetzlich. 

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Subcutane Injection. 83 



Hydrargyrum bichloratum (corrosivum). 0.25 in 25,0 Wasser gelöst, 
den Inhalt einer Spritze auf zwei Injectionssffellen vertheilt, 1 — 2 Mai 
täglich zu injiciren (Lewin). 0,25 in 15,0 Wasser gelöst; davon 0,3 — 0,6 
(0,005 — 0,01 Sublimat) pro dosi (A. Eulenbnrg). Empfohlen wird die 
Quecksilberalbuminatlösung nach v. fiamberger und das 1 proc. Hydrar- 
gyrum peptonatum. Sehr gelobt wird (Lassar) die Verbindung einer 
Iproc. Sublimatlösung mit 3 proc. Chlornatrium (Stern). Das wesent- 
lichste Erfordemiss bei allen subcutanen Quecksilberinjectionen ist die 
peinlichste Desinfection und Sauberkeit der Spritzen und Canülen und 
ein bis durch die Fascie in die Muskelsubstanz gehender Einstich. Ge- 
latine Discs = 0,004 Sublimat. 

Hydrargyrum bijodatum gelöst in einer Solutio Kalii jodati (A. Martin). • 
Etwa Hydrarg. bijod. 0,25, Kalii jodat. 2,5, Aq. destill. 25,0; davon 
eine halbe bis zu einer vollen Spritze pro dosi = ca. 0,005—0,009 des 
Medicaments. 

Liquor Ammonii anisati, pure, % — 1 Spritze voll, als Excitans. (In 
jede Extremität den vierten Theil injicirt. Ztllzer). 

Liquor Kalii arsenicosi. Mit 2 — 3 Theilen Wasser verdünnt, in Einzel- 
dosen zu 0,15 — 0,2 der Solut. Fowleri. Sowohl zur Erzielung einer all- 
gemeinen Wirkung (Chorea, Tremor, Neurosen, Eulenburg), als auch 
zur Erzielung örtlicher Effecte bei malignen Neubildungen empfohlen. 

Morphinum aceticum oder Morphinum hydrochloricum. 0,1 in 
Aq. destill. 5,0 gelöst; davon 0,3 — 0,5 — 1,0 (also Morphinum 0,006 bis 
0,01 bis 0,03), d. h. Vs bis zu einer vollen Spritze pro dosi. (Will man 
in Ausnahmefällen grössere Dosen verwenden, so mache man die Lösung 
concentrirter.) Wässerige Morphiumlösungen unterliegen leicht einer 
Schimmelbildung. Solche getrübte Lösungen durch Filtriren zu reinigen 
und brauchbar zu machen ist ganz zu vermeiden, weil durch das Fil- 
triren und die dabei statthabende Absorption des Filterpapiers die Do- 
sirung ungenau wird. Empfohlen wurde, statt des reinen Wassers das 
Camphorwasser zu benutzen. Wir haben dabei dieselbe Pilzbildung auf- 
treten sehen. Besser ist es, das Wasser dm'ch Glycerin zu substituiren 
und Lösungen von 1 : 10 bei gelindem Erwärmen anzufertigen, die man 
durch Zusatz von Wasser ana verdünnen kann. I^ Moi'phii hydrochlorat. 
oder acetic. 1,0 calefiat c. Glycer. pur. 10,0; solut. perfect. adde aq. 
dest. 10,0. Hiervon entspricht 0,1 — 0,6 Ccm. den obigen Dosen. Ge- 
latine Discs zu 0,01 Morphium. 

Nicotinum. 0,02 in 5,0 Wasser gelöst; davon 0,25 (12^ Spritzentheile) 
= 0,001 Nicotin injicirt (Erlenmeyer). 

Pilocarpinum muriaticum. 0,2 in 10,0 Wasser; davon 1 Spritze = 
0,02 Pilocarpin. 

Spiritus aethereus. 1 — 2 Spritzen, auf die vier Extremitäten vertheilt, 
als Excitans (Ztllzer). 

Strychninum sulfuricum oder nitricum. 0,1 in 10,0 Wasser gelöst; 
davon 0,15—0,3—0,6 (7—15—30 Theile der Spritze), also 0,0015 bis 
0,003 bis 0,006 Strychnin, zu jeder Injection. 

Tinctura Cannabis indicae mit Wasser ana; davon 0,3 — 0,70 (15 bis 
35 Theile) pro injectione (A. Eulenburg). 

Tinctura Opii. 0,25—0,6 (10—30 Theile der Spritze) ohne weitere 
Beimischung. 

Veratrinum. 0,05 in 5,0 Spir. dilut. und 5,0 Aq. destill, gelöst; davon 
0,25—0,6 (10— 30 Theilstriche), enthaltend 0,001— 0,003 Veratrm; zur 
Injection wenig geeignet. i^r\n]o 

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84 Subcutane Injectiou. — Application auf die Schleimhäute. 

Zweitens kommen die subcutanen Injectionen zur Verwendung, um local 
an irgend einer Stelle im Unterhautbindegewebe eine Reizung herbeizuführen 
und dadurch ableitend zu wirken (parenchymatöse Substitution nach 
Lnton). Lnton empfiehlt zu diesem Zwecke Kochsalz, Alkohol, Tinct Jodi, 
Tinci Cantharid., Cuprum sulfuricum, Argent. nitric. u. a. 

Drittens wird die hypodermatische Methode in neuester Zeit zur Zer- 
störung von Neubildungen benutzt. Verwandt werden hierbei folgende 
Mittel: 
Acidum aceticum. 1 Theil der Säure mit B Theilen Wasser verdünnt; 
davon 1 — 1'/« Spritzen voll (ca. 1,0 — 1,5 in die Geschwulst zu injiciren 
(firoadbent). 
Acidum carboli cum s. 0. Bei Osteochondi^omen (Hueter), Naevi (Bradlcy), 

Milztumoren (Mosler). 
Argentum nitricum. 0,1 auf 200,0 — 300,0 Aq. destill. Mehrere Spritzen 
voll werden in die Geschwulst injicirt, und unmittelbar nachher wird 
eine gleiche Menge Solutio Natrii chlorati 0,1 ad 100,0 Aq. destill, 
nachgespritzt (Thiersch). 
Jod. 6 Tropfen bis zu einer vollen Spritze Tinct. Jodi unverdünnt bei 
Strumen und chronischen Lymphdrüsenschwellungen zu injiciren (Lücke). 
Statt der Jodtinctur kann auch eine Jod-Jodkaliumlösimg (etwa Jodi 0,5, 
Kalii jod. 2,5, Aq. 50,0), die weniger schmerzhaft ist, injicuH; werden. 
In jüngster Zeit wh'd auch su^mucöse Injection gegen Hypertrophia 
tonsillarum empfohlen, entweder Solut. Kalii jodati (1 : 50, Jakubowitz) 
oder Jod- Jodkaliumlösung (Jodi 0,12, Kalii jodat. 2,5, Aq. 30,0, Eumbold) 
oder Jod-Glycerin (1—2 Jod ad 100 Glycerin, B. Fränkel) oder reine 
Jodtinctur (einige Tropfen). 

Auch als Jodglycerin und Jodöl verwendet. 
Pepsinum in Lösung, gleichfalls von Thiersch und NuBsbaum vereucht. 
Spiritus vini. V2 — 1 Spritze, gegen Struma (Schwalbe). 
Tartarus stibiatus. 0,4 in 10,0 Aq. destill, gelöst; einige Tropfen zur 

Injection. (Bei Balggeschwülsten der Kopfhaut, v. Kraf^Ebing.) 
Zincum chloratum. Von dem an der Luft zerflossenen Salze werden 
1 — 5 Tropfen injicirt (Riebet). 

Die Versuche von Menzel und Perco, die subcutanen Injectionen mög- 
licherweise zur Einverleibung von Nahrungsmitteln nutzbar zu machen, 
indem Fette, Milch, Eidotter, frisches Blutserum u. a. vom subcutanen Gewebe 
aus resorbirt werden, haben sich nicht bewährt, weil die Menge des dem 
Körper auf diese Weise beizubringenden Nährstoffes viel zu gering ist, um 
den gewünschten Erfolg auf die Ernährung zu haben. 



IV. Application auf die Schleimhäute. 

Die Schleimhäute bilden ein sehr empfängliches Receptions-Organ für die 
Anwendung von Arzneimitteln und vermitteln deren Resorption meistens in 
sehr rascher und vollständiger Weise. Es ist deshalb im aUgemeinen zu be- 
merken, dass bei dieser Applicationsweise der Begriff der „äusserlichen Medi- 
cation", sofern derselbe sich auf ein stärkeres und sorgloseres Dosiren der 
Ai'zneimittel bezieht, wegfällt, vielmehr deren Gabe mit gleicher Vorsicht ab- 
zumessen ist, wie bei der inneren Darreichung, und in den meisten Fällen die 
Gabengrösse der letzteren nicht zu überschreiten, in einigen Fällen kaum zu 
erreichen sein dürfte. Es hat dies letztere namentlich für diejenigen Schleim- 
hautstellen Geltung, von denen aus erfahrungsgemäss die Resorption mit be- 
sonderer Leichtigkeit erfolgt (Mastdarm). 

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Application auf die Schleimhaut der Augen. 85 



1. Application auf die Sohleimliaut der Augen. 

Die für die CoHJnnetiva palpebrarum und bulbi bestimmten Arzneitnittel 
werden derselben in flüssiger, seltener in Pulverform zugeführt, oder es wer- 
den dünne, mit der bestimmten Dosis des Arzneimittels — besonders A tropin, 
Duboisin und Eserin — imprägnirte Gelatineplättchen (Lamellen), die, vorher 
in Wasser getaucht, sich leicht resorbiren, auf die Innenfläche des inneren 
Augenlides eingelegt (Almän). Diese Darreichung hat den Vorzug grösserer 
Genauigkeit der Dosii'ung, eignet sich aber wegen der damit immerhin ver- 
bundenen Reizung mehr zum einmaligen wie zum dauernden Gebrauch. Ausser- 
dem wird die Schleimhaut der Augen nicht selten mit Aetzmitteln in Substanz 
behandelt. 

Die flüssigen Arzneimittel theilen sich in solche, welche in genau abge- 
messenen Quantitäten auf die Conjunctiva gebracht werden, und solche, welche 
in grösseren Mengen als Wasch- oder Umschlagmittel Verwendung finden, und 
von denen nur ein geringer Antheil auf die Conjunctiva selbst übergeht. 

Bei den ersteren, den Augentropfwässern (Guttae ophthalmicae , In- 
stillationes), wird entweder eine locale (ätzende oder adstringirende) Wü'kung 
auf die Conjunctiva beabsichtigt, oder es soll dieselbe als Vermittelungsorgan 
für die Uebertragung der Arzneiwirkung auf die Pupille dienen (Mydriatica 
und Myotica). 

Die Mittel, die hierbei zur Anwendung kommen, sind sämmtlich diffe- 
renter Natur, so dass die für die Lösung berechnete Dosis eine sorgfältig 
erwogene sein muss. 

Die Anwendung geschieht in der Art, dass man entweder eine Anzahl 
von Tropfen von einem feinen Pinsel, von einem Glasstäbchen oder Glasröhr- 
chen (mit Kautschuk -Aufsatz) auf die Bindehaut des herabgezogenen unteren 
Augenlides oder in den inneren Augenwinkel fallen lässt. Soll eine bestimmte 
Stelle der Bindehaut getroffen werden, so ist es am zweckmässigsten , die 
Flüssigkeit unmittelbar mit einem Pinsel aufzutragen. 

Die Gesammtquantität eines Augentropfwassers wird bei der geringen 
Menge der jedesmal zu verbrauchenden Gabe immer nur eine sehr beschränkte 
sein und sich auf etwa 5,0 — 20,0 belaufen dürfen. Die bei jeder einzelnen 
Application verwendete Dosis beträgt 1 — 5 Tropfen; eine grössere Quantität 
zu applich*en ist unmöglich, da die Capacität der Applicationsstelle dies nicht 
zulässt. 

Augenwaschungen und Augenbähungen, gewöhnlich als Augen- 
wässer, Collyria, bezeichnet, sollen durch ihre Temperatur und ihren Arznei- 
gehalt wirken. Bei der Anwendung von Flüssigkeiten in der eben genannten 
Form wird die Schleimhaut des Auges selbst nur von einer sehr geringen 
Menge der Flüssigkeit, die sich auf den inneren Augenwinkel oder die Con- 
jnnctivalränder überträgt, getroffen, so dass diese Form, wo es sich um arznei- 
liche Zwecke handelt, nicht als eine zweckmässige gelten kann, indem die zur 
Einwirkung kommende Dosis nicht vom Willen des Arztes, sondern von zu- 
fälligen Bedingungen bestimmt wird. Man dürfte deshalb die Collyrien eigent- 
lich nur als Träger bestimmter Temperaturen verwenden oder als Vehikel für 
solche Arzneimittel, welche flüchtiger Natur sind, und bei denen deshalb ein 
Eindringen in das Auge dm'ch die Evaporation des Mittels ermöglicht wird, 
oder schliesslich als Veliikel für diejenigen Mittel, die nur auf die Augenränder 
zu wirken bestimmt sind. 

Augenwässer werden in Gesammtquantitäten von 100,0 — 250,0 verordnet, 
mit der Massgabe, dieselben in annähernd bestimmten Einzelndosen als 
Waschung oder Umschlag zu vei^^enden; in der Regel lässt man stark mit 
dem AugenwasEer befeuchtete Compressen über dem Auge ausdrücken, resp. 

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S6 



Aujrenwässer. 



auf dasselbe legen und in letzterem Falle nach dem Eintrocknen wechseln. 
Soll dem Augenwasser eine bestimmte Temperatur ertheilt werden, s6 ist dies 
auf der Verordnung zu bemerken. 

Nicht selten werden Augenwässer in feinem Strahle und von massiger 
Fallhöhe auf das Auge geleitet, um mit der Temperatur des Augenwassers, 
resp. seinem medicamentösen Gehalte auch die Einwirkung eines mechanisch 
erregenden Momentes zu verbinden. Solche Augendouchen werden mit 
einer feinen Injections - Spritze oder besser dadurch bewirkt, dass man aus 
einem hoch angebrachten Reservoir mittelst eines beweglichen Schlauches einen 
continuirlichen Wasserstrahl auf das Auge leitet. 

Die früher öfters verordneten Augenbäder, welche in eigens zu diesem 
Zwecke geformten kleinen Porzellanwännchen genommen wurden, sind wegen 
der mühsamen Procedur, die sie bedingen, und wegen der Unvollkommenheit, 
in der sie das Auge berühren, gänzlich ausser Gebrauch gekommen. — In 
neuester Zeit sind dagegen die Pulverisations-Apparate (s. unten) viel- 
fach zur Irrigation der Augen benutzt worden. 

Beispiele. 



I. ^ 

Argent. nitr. fus. 0,02 

solve in 
Aq. destill. 10,0. 
D. in vitr. nigro. S. Dreimal täglich drei 
bis vier Tropfen ins Auge zu bringen. 



n. I^ 

Atropini sulfurici 0,05 

solve in 
Aq. destill. 10,0. 
D. S. Täglich zweimal einen Tropfen ins 
Auge zu bringen. 



III. I^ 

Inf. Fl. Chamomill. (e 10,0) 100,0 

in quo solve 
Plumbi acetici 0,5 

adde 
Tinct. Opii 2,5. 
D. S. Leicht erwärmt zum Umschlage auf 
das Auge. 



IV. E^- 

Hydrarg. bichlor. corros. 0,2 
Aq. Foenicul. 
„ Rosar. ana 100,0. 
D. S. Compressen mit der Flüssigkeit be- 
ifeuchtet am inneren Augenwinkel aus- 
zudrücken. 

V. I^ 

Mixtura oleoso-balsam. 25,0. 
D. S. Einen Theelöffel voll mit einem 
Glase Wasser gemischt zur Augen- 
douche. 



VI. I^ 

Laracllae Eserini sulfur. (Calabarin). 
Vis Milligr. enthaltend. 



VII. I^ 

Lamellae Atropini sulfur. 
\'n Milligr. 



Eine gebräuchliche Form zur Application von Medicaraenten auf die 
Schleimhautflächen des Auges sind die Augensalben, Unguenta Ophthal- 
mie a. Als Bedingung für diese Form gilt, dass die Mischung der medicamen- 
tösen Steife mit der Salbengnmdlage so sorgfältig und gleichmässig als möglich 
vollzogen werde, dass femer die Salbengrundlage eine tadellose Beschaffenheit 
habe und nicht durch ihr chemisches Verhalten Zersetzung des Medicamentes 
oder eine unerwünschte reizende Einwirkung auf die Augenschleimhaut herbei- 
führe. In dieser Beziehung dürfte das Unguentum Glycerini und das Vaselin 
mehr als irgend ein anderes Constituens allen Anfordenmgen entsprechen, und 
wird dasselbe deshalb von vielen Ophthalmologen auch fast ausschliesslich als 
Vehikel benutzt. Es gewähren die mit Ung. Glycerini bereiteten Augensalben 
den Vortheil, dass alle in Wasser löslichen Salze, sowie alle Extracte in der 
Salbe in vollständiger Lösung, also in der gleichmässigsten Vertheilung sich 
befinden, dass femer die Salbe sich mit dem Secrete der Augenschleimhaut 
und mit den Thränen mischt und über die ganze Oberfläche der Conjunctiva 
gleichmässig vertheilt wii*d. Bei Verordnung von sehr differenten Mitteln, wie 

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Augcnsnlben. — Augenstreupulver. 



S7 



z. B. Atropin. sulfur., sofern sie der Anwendung des Patienten selbst tiber- 
geben werden, ist es bei weitem zweckmässiger, sie in Salbenform zu ver- 
abreichen, als in Augentropfwasser, da bei der ersteren Verordnungs- 
weise jede gefähi'liche Eventualität und jeder Missbrauch des Mittels ausge- 
schlossen ist. 

Die in Augensalben verordneten Substanzen sind dieselben, welche in 
Augentropfwässem ihren Platz finden, nur dass in den Salben auch unlösliche 
Metallverbindungen, welche von den Wässern ausgeschlossen sind, untergebracht 
werden können. Die Dosis der den Augensalben einzuverleibenden Medicamente 
werde eben so vorsichtig, wie bei den Augenwässem gegriffen; rathsam ist 
es, wenn Ungt. Glycerini als Salbengrundlage gebraucht wird, nur die Hälfte 
der gewöhnlichen Dosis zu verordnen. 

Die Gesammtquantität einer Augensalbe werde, mit Rücksicht auf die 
Kleinheit der Einzelgabe und auf die Nothwendigkeit, diese Salbe immer in 
frischer und tadelloser Qualität anzuwenden, immer nur auf 5,0 bis 10,0 be- 
messen. — Die Einzelgabe wird nach den bei Salben im allgemeinen er- 
wähnten Grössenbestimmungen gegriffen, meistens Stecknadelknopf-, Linsen- 
bis Erbsengrösse. 

Die Application der Augensalben geschieht am besten der Art, dass man 
die verordnete Quantität mittelst eines feinen Pinsels auf die Innenfläche des 
herabgezogenen unteren Augenlides aufträgt, dann das Auge schliessen lässt 
und durch sanftes Hin- und Herreiben der Augenlider über dem Bulbus die 
gleichmässige Vertheilung der Salbe bewirkt. Soll die Salbe nur die Lidränder 
treffen, so wird dieselbe mittelst der Fingerspitze vom äusseren Augenwinkel 
nach dem inneren hin eingestrichen oder sanft eingerieben. — Uneigentlich 
bezeichnet man oft als Augensalben solche, welche in der Nähe des Auges 
und in der Absicht, auf dasselbe zu wirken, eingerieben werden, so die 
Schläfen- und Stirnsalben. 

Beispiele. 



I. I^ 

Atropini sulf. 0,05 

Ungt. Glycerini 6,0. 
Misce exactissime, f. UDgt. D. S. Zweimal 
täglich einen Stecknadelknopf gross anf 
die Innenfläche des unteren Augenlides 
zu bringen. 



n. H' 

Opii 0,1 

ope Aq. dest. 

in pult, homogen, redact. adde 
Hydrarg. chlorat. mit. 0,25 
Ungt. cerei 7,5. 
M. f. ungt. D. S. Morgens und Abends 
eine Linse gross in den Lidrand einzu- 
reiben. 

Einige wenige Substanzen werden als Augenstreupulver (Pulvis insper- 
sorios ophthalmicus) in der Art benutzt, dass dieselben, aufs feinste gepulvert, 
mittelst eines trockenen Pinsels auf die innere Augenlidfläche oder auf die 
Conjunctiva bulbi aufgetragen werden; die Methode, sie aus einer Federspule 
einzublasen oder mit den Fingern einzustreuen, ist unzweckmässig, weil man 
es dann nicht in der Gewalt hat, die beabsichtigte Applicationsstelle genau zu 
treffen. Gewöhnlich lässt man nach der Application das Auge schliessen und 
später reinigen. — Die für diesen Zweck verwendeten Substanzen sind meistens 
Hydrargyrum chloratum mite, Hydrargyrum oxydatum rubrum, Argentum ni- 
tricum, Alumen ; in der Regel werden diese Stoffe rein oder mit einem Beisatze 
von Zucker angewendet. 

Als Aetzmittel in Substanz bedient man sich der Stifte aus Cuprum 
snlfnricum oder Argentum nitricum, welches letztere auch in verschiedenen 
Vermischungen mit Kali nitricum zm* Anwendung kommt. Zum Aetzen der 
Thränenwege benutzt man feine Metallsonden oder Darmsaiten, welche mit 
Argentum nitricum überzogen, resp. getränkt sind. 



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88 Application auf die Schleimhaut der Nase. 

Die Anwendung von Medicamenten in elastisch -flüssiger Form verdient 
schliesslich Erwähnung. Dieselbe besteht darin, dass man entweder die Dämpfe 
heisser aromatischer Theeaufgüsse an das Auge leitet, oder flüchtige SuIh 
stanzen in der Hand verreibt und nahe dem Auge verdunsten lässt. Auch die 
Anwendung von Kissen, mit aromatischen Kräutern, Campher u. dgl. geftiUt, 
dürfte hierher gehören. In einigen Kurorten sind Vorrichtungen getroffen, 
um die sich entwickelnden Gase an das Auge zu leiten. 

2. Application auf die SoMeimliaut der Nase. 

Bei Krankheiten der Nasenhöhle werden Medicamente am häufigsten in 
flüssiger Form local applicirt. Die einfachste, aber selten zweckmässige 
Methode besteht darin, dass man die medicamentöse Flüssigkeit aus der 
Handfläche oder einem flachen Gefässe einfach in die Nase hinaufziehen lässt. 
Mehr zu empfehlen ist die Injection der Flüssigkeit mittelst einer kleinen 
Spritze. Bei weitem am zweckmässigsten jedoch ist die Anwendung der 
Nasendouche (nach Weber), indem vermittelst derselben sowohl die vorderen, 
als die hinteren Nasenhöhlen von dem Medicamente durchspült und mit dem- 
selben in Berührung erhalten werden. Die Weber'sche Nasendouche besteht 
aus einem langen Schlauche, in dessen eines Ende ein olivenförmiges Ansatz- 
stilck zum Hineinstecken in die Nase eingefügt ist, und dessen anderes Ende 
an eine durchbohrte Metallscheibe befestigt ist. Letztere wird in das die 
medicamentöse Flüssigkeit enthaltende Gefäss, welches in einiger Höhe auf- 
gestellt wird, gesetzt; darauf wird die Flüssigkeit am Nasenstück angesogen 
und dieses sodann in eines der Nasenlöcher gesteckt. Da es häufig unappe- 
titlich und ekelhaft oder des in Anwendung zu ziehenden Medicamentes wegen 
unmöglich ist, die Flüssigkeit in der eben beschriebenen Weise anzusaugen, 
thut man besser, den Schlauch vorher durch Eingiessen oder Einlegen in die 
medicamentöse Flüssigkeit zu füllen, oben und unten mit den Fingern abzu- 
klemmen und dann in der geschilderten Weise einzuführen. Die Heberwirkung 
hat dann ebenfalls statt. Am zweckmässigsten bedient man sich aber eines 
mit der Flüssigkeit gefüllten und dem entsprechenden Ansatz versehenen Irri- 
gators. Am meisten zu empfehlen aber ist die Injection der Flüssigkeit ver- 
mittelst besonderer Apparate. Es werden verwandt Stempelspritzen, ca. 100 Gr. 
haltend, und Gummiballons mit Doppelventil, die sog. englische Spritze. Man 
injicire stets ei'wärmte Flüssigkeit und benutze zur Injection das engere Nasen- 
loch. Die Flüssigkeit fliesst theils durch das andere Nasenloch, theils durch 
die Choanen und die Mundhöhle ab. 

Man benutzt zu den Injectionen imd zur Nasendouche: Wasser, Infusa 
von Chamillen, Flieder u. dgl., hauptsächlich aber Lösungen von Kai. chlo- 
ricum (15 — 60:1000, Michel), Kochsalz, Salmiak, Alaun, Tannin, Liquor 
Fem sesquichlorati , Borax, Natiium carb. (letzteres ist hauptsächlich bei 
trockenen Nasenkatarrhen, sowie bei Krustenbildung in der Nase von vorzüg- 
licher Wirkung, Waldenbnrg), Borsäure, Salicyl- und Carbolsäure, ungefähr 
in der Dosis von 1,0 zu 100,0 Aqua destill. (0,5—1,0—2,5 ad 100,0 Aqua), 
ferner unter Umständen Aqua Calcis (bei Diphtheritis) , Aqua chlorata, Kalii 
hypermangan. u. a. Die Temperatur sei ungefähr 30 — 36** C. 

Ausser den Injectionen und Douchen kommen auch Einpinselungen 
zur Anwendung und zwar theils wässerige Lösungen (Alaun und Tannin 
ca. 6,0 ad 25,0 Aqua; Argent. nitric. 1,0 ad 10,0—25,0 Aqua; Hydrarg. bichlor. 
corros. ca. 1,0 ad 25,0 — 50,0 Aqua; Liquor Ferri sesquichlorati, mit 1 bis 
5 Theilen Wasser verdünnt, auch pure als Aetzmittel; Plumbum acetic, Zin- 
cum sulfur. 5,0 ad 25,0 — 50,0 Aqua; Zincum chlorat. 1,0 ad 10,0 — 25,0 u.a.), 
theils verschiedene Oele, theils Lösungen von Salzen in Glycerin (z. B. Borax 
5,0, Glycerin 25,0). 

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Schnupf- und Niesepulver. 89 



Die Medicamente können ferner in Form trockener Pulver local auf 
die kranke Schleimhaut applicirt werden , und zwar kann man dieselben ein- 
fach schnupfen lassen (vergl. unten) oder man bläst dieselben mittelst eines 
Insufflators oder schlimmsten Falls einer gewöhnlichen Glasröhre oder eines 
Federkiels in die Nasenhöhlen ein. Der Insu fflationsapp arat (Rauchfuss) 
besteht aus einer Röhre aus Glas, Hartgummi oder Silber, welche an dem einen 
Ende der Krümmung der Rachenkehlkopf höhlung entsprechend gebogen, und 
an deren anderem Ende ein Gummiballon befestigt ist; in der Nähe des 
letzteren besitzt die Röhre eine Oeffhung, welche durch einen Schieber oder 
mit dem Finger zu verschliessen ist. In diese OeiFnung wird das zu be- 
nutzende medicamentöse Pulver eingefüllt und darauf die erstere verschlossen. 
Man führt nun das Instrument unter Leitung des Kehlkopfspiegels ein und 
presst dann den Gummiball zusammen, wodurch sich das Pulver, indem die 
durch die Röhre entweichende Luft dasselbe mit fortreisst, in den Kehlkopf 
entleert. Sehr zweckmässig ist eine von B. Praenkel angegebene Modification. 
Es befinden sich hier, wie an einem Spray-Apparat, zwei Gummiballons, von 
denen der eine aufgeblasen gleichsam als Windkessel dient. Der Druck an 
einem kleinen Ventil erlaubt der comprimirten Luft, durch die Röhre des In- 
snfflators zu entweichen. Am einfachsten kommt man zum Ziel, wenn man 
über das Ende der Röhre, welches nicht in den Mund, die Nase etc. eingeführt 
wird, einen Gummischlanch zieht, den der Arzt zwischen den Zähnen hält und 
durch den er im richtigen Moment das Pulver einbläst. Diese Insufflations- 
Apparate sind auch fttr andere Höhlen, namentlich für den Pharynx, brauchbar. 
Von Medicamenten kommen hier hauptsächlich Borsäure, Acidum tannicum, 
Alaun, Borax, Calomel, Argentum nitric, Jodoform in Betracht. In jüngster Zeit 
hat das Jodoform in seinen verschiedenartigen Applicationsweisen, als Pulver, 
als Salbe, als Bacillus etc. bei den mannigfaltigsten clironischen und acuten 
Schleimhauterkrankungen ausgedehnte und erfolgreiche Anwendung gefunden. 
— Femer können aus den local zu applicirenden Mitteln Salben bereitet 
werden, die man auf die kranken Theile aufträgt. 

Endlich kann man auf die Nasenhöhlen durch Dämpfe einwirken. Man 
bedient sich der einfachen Wasserdämpfe, der Dämpfe verschiedener Infusa, 
der Essigdünste, des Ammoniaks, der Carbolsäuredämpfe u. s. w. Auch zer- 
stäubte Flüssigkeit, die verschiedensten Medicamente enthaltend, kann mit 
Hülfe des Pulverisateurs zur Anwendung kommen. 

Im Vorstehenden haben wir die localen Behandlungsmethoden gegen die 
Krankheiten der Nasenhöhlen auseinandergesetzt. Es wird aber auch die voll- 
kommen gesunde Nasenschleimhaut häufig zur AppHcation von Medicamenten 
benutzt, wenn man ableitend von anderen Organen, hauptsächlich aber durch 
Erregung von Reflexactionen wirken will. Die Foim, deren man sich hierbei 
vorzugsweise bedient, ist das Schnupf- oder Niesepulver, Pulveres errhini 
und stemutatorii; die ei'steren wirken weniger reizend auf die Schleimhaut 
ein und bedingen nur eine erhöhte Secretionsthätigkeit derselben, während die 
letzteren durch Beimischung reizender Bestandtheile Niesen eiTegen sollen. Es 
lässt sich jedoch diese verschiedenartige Wirkungs-Intensität nicht vorher be- 
messen, da namentlich bei solchen Individuen, welche nicht an den Gebrauch 
von Schnupftabak gewöhnt sind, die Berührung der Schleimhaut mit selbst 
ganz indifferenten Pulvern Niesen hervorruft. 

Die Schnupf- und Niesepulver werden am zweckmässigsten in demjenigen 
Ffeinheitsgrade verordnet, welcher dem Schnupftabak eigen ist, da bei grös- 
serer Feinheit des Pulvers leicht Partikel desselben dm'ch den Luftstrom aus 
den unteren Theilen der Nase in die oberen oder in den Schlund fortgeführt 
werden und hier unerwünschte Nebenwirkungen erzeugen. — Nicht selten be- 
dient man sich des Schnupftabaks, um die vom Schnupf- und Niesepulver 
vorausgesetzten Heilwirkungen zu erzeugen (es ist dies jedoch nur bei den- 

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fO Application auf den äusseren Gehörgang und das Mittelohr. 

jenigen Individuen statthaft, deren Nasenschleimhaut nicht durch den habituellen 
Tabakgebrauch ihre Empfindlichkeit eingebUsst hat) ; zuweilen wählt man den 
Schnupftabak als Vehikel und mischt demselben niesenerregende Substanzen 
bei (eine Procedur, die der domestiken Bereitung tiberlassen bleibt). Will man 
vom Schnupftabak gänzlich abstrahiren, so bedient man sich vegetabilischer 
Pulver mit Aromgehalt (Pulv. Rhiz. Iridis, Pulv. Herb. Meliloti, Pulv. Fabarum 
de Tonca, Pulv. Flor. Lavandulae), denen man als reizende Substanzen Zucker, 
Sapo medicatus, Pulv. Flor. Convallar., Rad. Asari, Rhiz. Veratr., oder starke 
Riechstoffe: Rad. Valerian., Asa foetid., Moschus, ätherische Oele, seltener 
Ammon. carbon. oder Ammonium carbonicum pyro-oleosum zusetzt. — In den 
meisten Officinen sind derartige Mischungen als Pulveres errhini oder stemu- 
tatorii vorräthig. 

Als Gesammtquantität eines Schnupfpulvers wird etwa 15,0 — 30,0 ver- 
ordnet und die Anwendung der Einzelgabe „prisenweise" bestimmt. 

In neuerer Zeit ist auch der Verauch gemacht worden, die Nasen- 
schleimhaut als Weg für die Resorption von Heilmitteln zu be- 
nutzen (Noäly Ouänean de Mussy, Bambert). Das Einzige, was aus dieser 
Empfehlung vielleicht Nachahmung verdient, ist die Application eines Morphium 
enthaltenden Schnupfpulvers bei Neuralgia supraorbitalis, temporalis, facialis 
(Morphin muriatic. 0,05, Pulv. Flor. Malv. oder Sacchari 1,0. 2 — 3sttindlich 
eine Prise. Eambert). 

In elastisch -flüssiger Form werden starkriechende und fluchtige Stoffe 
angewendet, deren Dämpfe man in die Nase einziehen lässt: ätherische Oele, 
Aether, aromatischer Spiritus, Campher, Acidum aceticum, Liq. Ammonii caust., 
Amylnitrit u. dgl. Derartige Substanzen werden entweder von einem Taschen- 
tuche oder aus einer Flasche durch die Nase aufgeathmet, oder man imprägniii; 
Baumwolle, Feuerschwamm u. dgl. mit den betreffenden Substanzen, um sie in 
trockener Form poii:ativ zu haben, oder endlich man conservirt sie in Form 
der sogenannten Riechsalze, Saliaodorata. Dieselben bestehen aus Salzen, 
welche entweder mit Riechstoffen getränkt sind (z. B. kleine Krystallstücke 
von Tartarus depuratus oder Kalium sulfuricum mit wenigen Tropfen Mixtura 
oleoso-balsamica oder Acidum aceticum aromaticum befeuchtet) oder dmxh ihre 
Vermischung Riechstoffe entwickeln (z. B. saures schwefelsaui'es Kali mit essig- 
saurem Natron, befeuchtet mit einigen Tropfen ätherischen Oeles, welches die 
Entwickelung der Essigsäure begünstigt, oder gebrannter Marmor mit Salmiak- 
pulver, ebenfalls mit einigen lYopfen ätherischen Oeles oder einer starkriechen- 
den Tinctur, etwa Tinct. Moschi, befeuchtet, wobei sich ein rein aromatisches 
Ammoniakgas bildet). Solche Riechsakse müssen in wohlverschlossenen Ge- 
fässen (Gläsern mit eingeschliffenem Glasstöpsel, die meistens noch in einem 
ledernen Futterale stecken) aufbewahrt werden. 



3. Applioation auf den äusseren Qehörgang und das Mittelolir. 

Die füi* die Haut des Gehörganges bestimmten Mittel werden demselben 
in Form von Einspritzungen, Eintröpfelungen, Einpinselungen, Einblasungen 
von Pulvern oder durch Einleitung von Dämpfen zugeführt. Im allgemeinen 
hat man sich bei der grossen Reizbarkeit der Haut, sowie bei der Schmerz- 
haftigkeit, welche eine entzündliche Schwellung derselben mit sich führt, 
vor der Anwendung hoher Dosen der Arzneimittel, sowie hoher Temperatur 
zu hüten. 

Einspritzungen werden entweder zu dem Zwecke gemacht, um den 
Gehörgang von eingedrungenen fremden Körpern oder angesammelten Secre- 
tionsproducten zu reinigen, und bestehen dann nur aus lauwarmem Wasser, 
einem leichten Theeaufguss oder müden Salzlösungen (Natr. carbon., Borax, 

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Eintröpfelungcn. — Einpinsclungen. — Ohrensalben. 91 

Natr. sulfur., Natr. chlorat.), oder sie enthalten adstringirende, desinficirende, 
reizende oder ätzende Bestandtheile, welche dann den eben genannten Vehikeln 
incorporirt werden (Carbolsäure, Salicylsäure, Borsäure, Tannin etc.). Injec- 
tionen der letzteren Form werden in nur wenig stärkerer Concentration ange- 
wendet, wie Augenwässer. Am zweckmässigsten bedient man sich eines kleinen 
Gummiballs, der mit einem aus Gummi bestehenden Fortsatz versehen ist. 
Letzterer kann, ohne Neben Verletzungen befürchten zu müssen in den Gehör- 
gang selbst vorgeschoben werden (Hartmann). — Die Gesammtquantität solcher 
Injectionen wird zu 200,0 — 300,0 verordnet, und die jedesmalige Einzeldose 
beträgt etwa 7,5 — 15,0, den Gehalt einer Injections- Spritze für das Ohr. 
Häufig ist es zweckmässig, jedesmal mehrere Spritzen voll hinter einander zu 
injiciren. 

Ein tropf elungen in das Ohr haben den Zweck, den Gehörgang längere 
Zeit hindurch mit der betreffenden Flüssigkeit in Contact zu halten und so die 
erweichende, reinigende, reizende, adstringirende, ätzende oder narkotische 
Wirkung derselben zu sichern. Die Eintröpfelungen bestehen, wenn sie eine 
erweichende oder reinigende Wirkung herbeiführen sollen, aus milden Oelen 
(Mandelöl) oder Glycerin ; um reizend einzuwirken, bedient man sich ätherischer 
Gele (namentlich des Ol. Cajeputi), der Campher- Lösungen u. dgl.; adstrin- 
girende, ätzende oder narkotische Wirkung bewirkt man durch Lösungen von 
Metallsalzen oder Alkaloiden (z. B. Argent. nitric. solut. 0,5—1,0 m 10,0, Sphit. 
vini rectiftns. bei chronischer eitriger Mittelohrentzündung, Schwarze). — Die 
Procedur des Eintröpfeins geschieht mit einem kleinen Löffel oder Glasstabe. 
Der Tragus i^Trd bei Seite gedrückt uud die Flüssigkeit die man bei entzünd- 
lichen Affectionen zweckmässig vorher erwärmt, in der Seitenlage des Kopfes 
eingegossen. — Die Dosis der zu Eintröpfelungen bestimmten differenten 
Medicamente werde sehr niedrig, etwa wie bei den Augen -Tropfwässem, 
gegriffen. 

Ohrentropfen werden in einer Gesammtquantität von 5,0 — 20,0 verordnet 
von denen je 2 — 6 Tropfen die Einzelgabe bilden. 

Die Einpinselungen unterscheiden sich von den Eintröpfelungen eigent- 
lich nur durch die bei ihrer Anwendung vorgenommene Manipulation, ge- 
währen aber den Vortheil, dass man die Einwirkung der Flüssigkeit auf eine 
bestimmte Stelle dirigiren, resp. beschränken kann. In Bezug auf die Heil- 
zwecke der zm' Verwendung kommenden Stoffe gilt das bei den Eintröpfe- 
lungen Gesagte. 

Uneigentlich versteht man unter Ohrensalben solche, welche in der 
Nähe des Ohres und mit dem Zwecke, auf dieses Organ einzuwirken, appliciii; 
werden. Meistens wählt man fUr solche Salben den Processus mastoideus als 
Applicationsstelle. Bei dieser Arzneiform, welche nicht mit der sehr resorptions- 
fäMgen Haut 'des Gehörganges in Berührung kommt, ist die vorsichtige Dosi- 
rung, die bei den eigentlichen Ohrensalben erforderlich ist, nicht inne zu halten, 
vielmehr werden hier oft die gewöhnlich bei der Application auf die äussere 
Haut obwaltenden Dosenverhältnisse beträchtlich überschritten. 

Am meisten werden neuerdings die Einblasungen von Pulvern, sowohl 
bei Affectionen des äusseren Gehörganges als auch bei solchen der Pauken- 
höhle, wenn theilweise oder völlige Zerstörung des Trommelfells vorhanden 
ist, benutzt. Die Einblasungen geschehen, ebenso wie in Nase und Larynx, 
mit dem Pulverbläser (Insufflator, s. o.). Bei chronischer eitriger Mittelohr- 
entzündung mit Perforation des Trommelfells wird nach Bezold die Einblasung 
von Borsäure vorgenommen, ausserdem kommt Alaun und Jodoform vielfach 
zur Anwendung. 

Um Arzneimittel in Dampfform auf das Ohr einwirken zu lassen, bedient 
man sich meistens der Einleitung von Dämpfen aus reinem Wasser oder aro- 
matischen Infusionen in den äusseren Gehörgang. Gewöhnlich sttllpt man 

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02 Application auf die Schleimhaut der Mund- und Schlundhöhle. 



einen Trichter mit dessen Basis auf die Mündung des Gefösses, in welchem 
die verdampfende Flüssigkeit enthalten ist, und lässt durch das Trichterrohr 
die Dämpfe in das Ohr einströmen. Man hüte sich aber hierbei, zu heisse 
Dämpfe anzuwenden, da dieselben leicht Verbrennung oder entzündliche 
Schwellung der Schleimhaut des G^hörganges herbeiführen. — Auch auf die 
Schleimhaut der Eustacliischen Röhre werden zuweilen Dämpfe applicirt, indem 
man dieselben in den zuvor durch die Nase in die Tuba eingelegten Katheter 
einströmen lässt. 

Bei den zuweilen in den äusseren Gehörgang eingelegten flüchtigen Stoffen, 
namentlich Campher (in Baimiwolle gewickelt in Form der sogenannten Ohren- 
pillen) oder Chloroform, Aether u. dgl. auf Baumwolle getröpfelt, beabsichtigt 
man ebenfalls eine Einwirkung des Arzneimittels in elastisch - flüssiger Form, 
die sich entweder direct auf das Ohr, oder auf andere Theile, deren Nerven- 
gebiete dem Ohre nahe liegen, beziehen soll. 



4. Applioaüon auf die Schleimhaut der Mund- und 
SoMundliölile. 

Auf die Schleimhaut des Zahnfleisches werden Arzneimittel angewendet, 
theils um dasselbe von fremden Bestandtheilen zu reinigen, theils um reizend, 
adstringirend, ätzend oder narkotisch auf dasselbe einzuwirken. Man benutzt 
zu dem erstgenannten Zwecke vorzugsweise die Zahnpulver, Pulveres denti- 
fricii, oder die Zahn seifen, Sapones dentifricii. 

Die Zahnpulver haben vorzugsweise die Bestimmung, mechanisch zu 
wirken und durch eine dem Schleifen ähnliche Procedur Ablagerungen aus 
den Mundsecreten auf das Zahnfleisch und die Zähne zu entfernen. Es eignen 
sich darum vorzugsweise indifi'erente feinköraige , namentlich unlösliche und 
schwer lösliche Pulver zu diesem Zwecke, wie Conchae praeparatae, Talcum, 
Magnesia, Ossa Sepiae, Garbo vegetabilis, Lapis Pumicis, denen man ent- 
weder der Geschmacks-Correction halber, oder um gleichzeitig leicht adstrin- 
girend zu wirken, aromatische Pflanzenpulver (Pulv. Rhiz. Calami, Pulv. 
Rhiz. Iridis, Myn'ha, Pulv. Cori. Chinae u. s. w.) zusetzt; nicht selten ver- 
mischt man die Zahnpulver noch mit Substanzen, welche den Reinigungs- 
prozess auf chemischem Wege untei^stützen sollen, wie z. B. Sapo medicatus, 
Acid. lacticum, Acid. phosphoricum, Acid. tartaricum, Tartainis depuratus, 
Camphor. 

Die Geschmacks-, Geruchs- und Gesichts-Correction wird bei Verordnung 
der Zahnpulver wesentlich beiUcksichtigt. In Bezug auf die beiden ersteren 
bedient man sich ausser den schon oben erwähnten Pflanzenpulvern auch der 
ätherischen Oele (Ol. Menth, pip., Ol. Caryophyllor. u. s. w.) und aromatischer 
Tincturen (Tinct. Vanillae). Ein eleganteres Aussehen ertheilt man den Zahn- 
pulvern durch direct färbende Zusätze (Carmin, Cochenille, Lackfarben, Pulvis 
Ligni Santalini u. s. w.). Die Mischungsverhältnisse, unter denen flüssige 
Zusätze von Zahnpulveni aufgenommen werden, sind dieselben, wie bei den 
Pulvem für innerlichen Gebrauch (vergl. S. 16.). 



Talci praep. 25,0 
Pulv. Rhiz. Irid. 10,0 
Sapon. medic. 5,0 
Carmini 0,25. 



Beispiele. 

Tere cum Spir. dilut. 

gutt. nonnull. 
Post oxsiccationem 
adde 
Ol. Caryophyllor- 0,25. 
D. in scat. S. Zahnpulver. 



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Zahnpulver. — Zahnsei/en. — Zahnlatwergen. — Zahntincturen. 93 



U. I^ 

Carbon, pulverat. 20,0 
Pulv. Rhiz. Calam. 10,0 
Pulv. Cort. Chin. fasc. 5,0 
Myrrh. pulv. 2,5. 

M. f. pulv. D. S. Zahnpulver. 



ni. I?r 

Tartan depurati 
Sacch. Lact, ana 10,0 
Magnes. carbon. 2,5 
Ol. Menth, pip. 0,2. 
M. f. pulv. D. S. Zahnpulver. 



Die Zahn seifen bestehen aus einer guten neutralen Natronseife, welcher 
man aromatische Pflanzenpulver oder unlösbare indifferente Pulver in<5orporirt 
und durch Zusatz von ätherischen Oelen und färbenden Substanzen angenehmen 
Geruch und elegantes Aussehen ertheilt. Die Quantität des von der Seife auf- 
genommenen Pulverzusatzes ist fast unbeschränkt zu nennen, indem das Drei- 
fache des Seifengewichtes zugefügt werden kann, namentlich wenn man durch 
Zusatz von Flüssigkeit (Syi'up. simpl., Mucil. Gummi, Mel. depurat. u. s. w.) 
die Aufnahme des Pulvers vermittelt. Die Zahnseifen werden meistens in 
flachen Porzellanschachteln dispensirt. Bei ihrer Anwendung fährt man mit 
einer befeuchteten Zahnbürste über die Oberfläche der Seife, reibt die von 
der Bürste aufgenommene Quantität auf das Zahnfleisch imd die Zähne ein 
und spült den Schaum mit Wasser ab. 

Die Zahnlatwergen, Electuaria dentifricia s. gingivalia, sind dazu be- 
stimmt, entweder reinigend auf Zahnfleisch und Zähne, oder bei kranker Be- 
schaffenheit des Zahnfleisches heilend auf dasselbe zu wirken. Die reinigenden 
Zahnlatwergen werden aus den bei den Zahnpulvern zu gleichem Zwecke 
genannten Bestandtheilen componirt, denen man Zusätze von S^Tupus simplex, 
Mel depuratum oder rosatum u. dgl. in genügender Menge zm* Herstellung 
der Latwergenform (s. S. 30.) macht. Um heilend auf das ki'anke Zahnfleisch 
zu wirken, sind in der Regel adstnngirende oder reizende Substanzen, wie 
Alaun, gerbsäurehaltige oder bitterliche Stoffe (Pulv. Cort. Chinae, Pulv. Cort. 
Cascaiillae, Pulv. Rhiz. Calami, Myrrha u. s. w.) indicirt, die ebenfalls mittelst 
der oben genannten Excipientia nach den Regeln der Kunst in Latwergenform 
gebracht werden. Narkotische Latwergen zur Beseitigung von Zahnschmerzen 
oder bei schmerzhafter Beschaffenheit des Zahnfleisches werden im allgemeinen 
nur selten angewendet. 

Die Zahnlatwerge wird mit der Fingerspitze oder mit einer weichen 
Bürste auf das Zahnfleisch aufgetragen, eingerieben und mit Wasser ab- 
gespült. 

Die Gesammtquantität einer Zahnlatwerge werde im allgemeinen nicht 
über 50,0 verordnet, da diese Form leicht dem Verderben ausgesetzt ist. 
Dieser letztere Umstand bedingt die allgemeine Unzweckmässigkeit der in 
Rede stehenden Arzneiform, welche vor den Zahnpulvern, resp. den Zahn- 
tincturen, gar keine Vortheile bietet und stets durch diese ersetzt wer- 
den kann. 

Zahntincturen, Tincturae gingivales, werden fast ausschliesslich dazu 
verwendet, heilend auf das erkrankte Zahnfleisch zu wirken, und empfehlen 
sich vorzugsweise zu diesem Zwecke, da sie es ermöglichen, die kranken 
Stellen genau zu treffen, und der Akt der Application nicht, wie bei den 
übrigen Zahnraitteln, mit mechanischer Reizung verbunden ist. Meistens be- 
dient man sich der aromatischen und adstringirenden Stoffe in Form von 
Extract-Lösungen oder Spirituosen Tincturen. Die Application geschieht in 
der Art, dass man mit dem Pinsel oder Schwäramchen die Tinctur auf das 
Zahnfleisch aufträgt und, nachdem man sie eine Zeit lang mit demselben in 
Contact gelassen, abspült. 

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04 Zahntropfen. — ZahnpiUen. — Mund- und Gurgelwässer. 





B 


eispiele. 


I. Bf 

Alumin. 5,0 
Tart. dep. 

Coccion. pulv. ana 2,5 
Aq. Menth, pip. 
Spir. Cochlear. ana 50,0. 
M filtr D S Zahntinctur 






n. Hr . - 

Tinct. Myrrh. 

Ratanh. sacch. ana 7,5 
Spir. dilut. 50,0 
Ol. Calami acth. 0,5. 
M. filtr. D. S. Zahntinctur. 







Wesentlich verschieden von den Zahntincturen sind die Zahn tropfen, 
besser Zahnschmerztropfen, Guttae antodontalgicae , welche nicht sowohl 
auf das erkrankte Zahnfleisch, als in die Höhlungen schmerzhafter, cariöser 
Zähne applicirt werden. Man bedient sich vorzugsweise stark reizender oder 
narkotischer Stoffe (Oleum Caryophyllorum, Kreosot, Chloroform, Tinct. Opii u.dgl.) 
zu diesem Zwecke, welche, auf Watte getröpfelt, mit der Pulpa des schmer- 
zenden Zahnes in Berührung gebracht werden. — Nicht selten verwendet man 
namentlich narkotische Stoffe auch in trockener Form als sogenannte Zahn- 
pillen, Pilulae odontalgicae , zu diesem Zwecke, indem man kleine, in die 
Höhlung des Zahnes passende KUgelchen (etwa aus Opium mit Ol. Caryophyll. 
u. s. w.) in dieselbe einlegt. 

Auf die Schleimhaut des Mundes und Schlundes werden Arznei- 
mittel, sofern sie nicht in Substanz auf einzelne erkrankte Stellen gebracht 
werden, meistens in Lösungen, Aufgüssen, Abkochungen als Mund- oder 
Gurgelwässer, Collutoria, Gargarismata, angewendet. Die in dieser Form 
gegebenen Mittel können ziemlich concentrirt — etwa bis zur doppelten Con- 
centration als für die innere Verordnung üblich -- angewendet werden; nur 
wenn man sich wesentlich differenter, namentlich narkotischer oder metallischer 
Mittel in dieser Form bedient, sei man mit der Dosis voraichtig und mache 
die Patienten auf die mit dem Herunterschlucken der Flüssigkeit verbundene 
Gefahr aufmerksam; bei Kindern, welche es nicht in der Gewalt haben, 
das Eintreten des Fluidums aus dem Munde in die Speiseröhre zu verhüten, 
nehme man von der Anwendung differenter Mund- und Gurgelwässer voll- 
kommen Abstand. 

Die Mund- und Gurgelwässer haben den Zweck: 1) adstringirend oder 
ätzend, oder 2) einhüllend, entzündungswidrig, beruhigend, oder endlich 
3) neutralisirend , desinficirend zu wirken; es kommen demnach hier metal- 
lische und vegetabilische Adstringentien (Plumbum acet., Cupnim sulfur., 
Alumen, verdünnte Mineralsäuren, Tannin und andere gerbsäurehaltige Mittel, 
wie China, Catechu u. s. w.), Aromatica (wie Myrrha, Cochlearia, Salvia, 
Chamomilla, Calamus), EmoUientia (Rad. Althaeae, Flor. Sambuci, Fol. und 
Flor. Malvae), Narcotica (Opium, Hyoscyamus, Belladonna) in Anwendung. 
Die Neutralisation saurer Mundsecrete wird durch alkalische Lösungen (Natrium 
carbonicum und bicarbonicum, Borax) bewirkt; die Desinfection hat den Zweck, 
entweder kryptogamische Gebilde auf der Mundschleimhaut zu zeretören, oder 
foetide Exhalationen zu vertilgen oder zu verdecken (Kalium chloricum, Cuprum 
sulfuricum, Acetum pyrolignosum , Alkohol, Aqua Calcariae, Aqua chlorat., 
Auflösungen von unterchlorigsauren Salzen, Kahum hypermanganicum , Aqua 
Kreosoti, Acid. carbolic, Acid. salicylic, Lösungen von ätherischen Oelen und 
aromatischen Tincturen). 

Bei Kranken, die gegen Geschmacks-Eindrücke sehr empfindlich smd, ist 
es nothwendig, den Mundwässern ein Geschmacks -Corrigens (Syrup, aroma- 
tische Tincturen, Aether u. s. w.) zuzusetzen, bei Gurgelwässem ist eine solche 
Correction weniger nothwendig. — Die Quantität eines Mundwassers wird auf 
200,0—500,0 verordnet, welche in Einzelngaben von etwa einem Esslöffel zur 
Anwendung kommen. 

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finselungen. — fiinspntzungeü. 



95 



Soll nicht die gesammte Schleimhaut des Mundes von der Wirkung der 
Arzneimittel getroffen werden, sondern diese sich nur auf einzelne bestimmte 
Stellen beschränken, oder will man in mehr intensiver Weise, besonders auf 
die Rachenschleimhaut, einwirken, so wendet man Pinselungen mit wässerigen 
Lösungen oder mit sogenannten Pinselsäften (Litus) an. Die letzteren be- 
stehen aus einer concentrirten Lösung der betreffenden Arzneimittel, zu welcher 
in der Regel ein grösserer Zusatz von Syrup gemacht wird, um die Dickflüs- 
sigkeit und somit die Möglichkeit der circumscripten Anwendung zu erhöhen. 
Die Vehikel, deren man sich in den Litus bedient, werden gewöhnlich aus der 
Zahl der adstringirenden oder säuerlichen Syrupe (Mel rosatum, Sjrr. Mororum 
u. 8. w.) gewählt. Besonders empfehlenswerth als Vehikel ist Glycerin. — 
Die Medicamente, welche man zu den Pinselungen verwendet, sind meistens 
ätzende, adstringh^ende, desinficirende, resolvirende, auch reizmildemde. Hervor- 
zuheben sind Argentum nitricum (1,0 ad Aq. destill. 50,0—25,0—15,0), Alumen 
und Acidum tannicum (5,0 ad Aq. 25,0), Zinc. chlorat. (0,5 — 1,0 ad Aq. 25,0), 
Zinc. sulfuric. (1,0 — 2,5 ad Aq. 25,0), Tinct. Jodi (bei Hypertrophia tonsilf., 
besonders bei Pharyngitis follicularis — pm^e aufzupinseln — vorzüglich wir- 
kend), Natrium benzoicum (0,5—1,0—2,0 ad Aq. 50,0), Borax (5,0 ad Glycerini 
25,0), Kalium bromatum (5,0 ad Glycerini 25,0), Chloroform, Acid. hydrochlori- 
cum (1,0 ad 25,0 — 50,0 Syrup.), Aqua Calcis, Acid. salicylicum und Acidum 
lacticum (bei Diphtheritis) , Alkohol (desgl.) u. a. Die Flüssigkeiten werden 
mittelst eines feinhaarigen, aber im allgemeinen möglichst dicken Haarpinsels, 
oder mittelst eines an einem Stiele befestigten weichen Schwammes auf die 
kranken Schleimhautpartien aufgetragen. — Man verordnet die zum Pinseln zu 
benutzenden Arzneien meist in kleinen Quantitäten, etwa 25,0, höchstens 50,0. 

Gegen hypertrophirte Tonsillen sind von Jakubowitz imd B. Fraenkel 
submucöse Einspritzungen von Jodkaüumlösung, 1 pCt., von Lugol'scher Lösung 
(Jod 0,12, Jodkali 2,5, Aq. destill. 30,0) und Jod - Glycerinlösung , 1—2 pCt., 
empfohlen (cfr. Bert. klin. Wochenschrift. 1872. No. 5.) 

Neben den Pinselungen sind bei Krankheiten der Rachenschleimhaut die 
Einathmungen zerstäubter Flüssigkeiten, sowie die Douchen mit 
zerstäubten Medicam enten am wii'ksamsten. (Das Nähere über diese 
Medication folgt nuten bei der localen Therapie der Athmungsorgane. Hier 
sei nur erwähnt, dass die Douche mit zerstäubter Flüssigkeit mit Hülfe des 
Waldenburg'schen oder Lister'schen Pulverisateurs bewii'kt wird.) 

Unter Umständen kommen auch Einspritzungen medicamentöser Flüs- 
sigkeiten mittelst einfacher Spritzen oder besonders construirter Apparate zm* 
Verwendung. Es werden hierzu ungefähr dieselben Medicamente wie zu den 
Gurgelungen verwandt, nur ist eine gi'össere Concentration derselben statthaft. 



Beispiele. 



L I^ 

Decoct. Ratanh. 150,0 
Aq. Menth, pip. 50,0. 
D. S. Mundwasser. 



n. 



D. s. 



Boracis 10,0 
solve in 
Decoct. Flor. Malvae 150,0 
Aq. Laurocerasi 25,0 
Oxymeliis 50,0. 
Gurgelwasser. 



ni. Bf 

Kali chlorici 5,0 

solve in 
Inf. Fol. Salviae 200,0. 
D. S. Stündlich einen Esslöffel voll zum 
Ausspülen des Mundes zu benutzen. 



IV. Rf 

Natrii bicarbonici 10,0 
Natrii chlorat. 5,0 

solve in 
Aq. Meliss. 150. 

D. S. Mundwasser. 



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96 Schlundpulver. — Kaumittel. — Application auf die Schleimhaut des öesopha^. 



Boracis 5,0 
solve in 
Aq. Rosar. 

Meli, rosat. ana 10,0. 
D. S. Pinselsaft. 



VI. I^ 

Chloroformii 5,0 
Glycerini 25,0. 
D. S. Pinselsaft. 



VII. I^ 

Acid. hydrochlorici 2,0 
Syr. Mororum 50,0. 
D. S. Pinselsaft. 



In fester Form werden Arzneimittel auf die Schleimhaut des Mundes 
und Schlundes entweder in Substanz, oder in feinem Pulver angewendet. Es 
handelt sich in ersterer Beziehung fast ausschliesslich um Aetzmittel (Argent. 
nitricum, Cuprum sulfur., Acidum chromicum, Kalicaust, Zincum chloratum u.a.); 
nadeiförmige Kr>'stalle von Chromsäure sind von Lewin, Waidenburg, Fraenkel 
ift die chronisch congestionirten Tonsillen eingestochen worden. — In Form 
feiner Pulver werden gleichfalls Aetzmittel (hauptsächlich Argentum nitri- 
cum), aber in Verbindung mit einem indifferenten oder wenigstens nicht 
caustischen Vehikel (voraehmlich Saccharum, ungefähr 5 bis 20 Theile aut 
1 Theil Argentum), benutzt, femer Adstringentia (Alaun, Tannin, Borax u. dgl.), 
auch Hydrarg. chlorat. mite (gleichfalls in Verbindung mit mehreren Theilen 
Saccharum oder Alumen ustum) u. a. Man bedient sich zu diesem Zwecke 
eigens dazu construirter Insufflationsapparate (s. S. 89.), oder in Er- 
mangelung dei'selben einfacher Glasröhren oder zweier ineinander gesteckter 
offener Federkiele und bläst dann mit dem Munde das Pulver aus diesen 
Röhren an die erki*ankte Stelle. Die Dosis des Pulvers für die jedesmalige 
Insufflation ist ca. 0,1 — 0,25. 

Zuweilen verordnet man Ai'zneimittel in Substanz, um sie durch die Kau- 
bewegungen im Munde zerkleinern zu lassen, Kaumittel, Masticatoria ; man 
hat dabei die Absicht, entweder den Speichel mit den Extractivstoüen zu 
imprägniren und so dieselben auf die Mundschleimhaut einwirken zu lassen 
(z. B. Rad. Pyrethri bei Zungenlähmung oder Zungenschmerz), oder um durch 
die aromatischen Bestandtheile der Kaumittel fötide Exhalationen zu verdecken 
(Caryophylli , Cort. Cinnamom., Siliq. Vanill.). Dem letzteren Zwecke sucht 
man auch zuweilen durch kleine Pillen oder Pastillen zu entsprechen, welche 
Riechstoffe enthalten, und die man im Munde zergehen lässt. Hierher gehören 
femer diejenigen Pastillen, welche Medicamente enthalten, die eine Wirkung 
auf die Phaiynxschleimhaut , bei Katarrh derselben, ausüben; z. B. die be- 
kannten Pastillen aus Salmiak und Succ. Liquiritiae, femer die Emser Pa- 
stillen, auch Pastillen mit Stibium sulfuratum aurantiacum, Balsam. Tolut. u. a. 
Auch hier lässt man die Pastillen, an deren Stelle man auch Pillen setzen 
kann, gleich den Bonbons langsam im Munde zergehen, damit die Medicamente 
eine möglichst lange dauernde locale Wirkung entfalten. 



Auf die Schleimhaut des Oesophagus, zumal dessen obere Partie, 
werden unter Umständen (z. B. bei Perichondritis arytaenoidea, Stricturen u. a.) 
Medicamente gleichfalls local applicirt. Es kommen hierbei fast nur Solu- 
tionen von Adstringentien (hauptsächlich Tannin und Alaun), ungefähr in 
gleicher Concentration wie beim Touchiren des Pharynx, zm* Verwendung. 
Man bedient sich hierzu am besten kleiner Schwämme, welche an einem ent- 
sprechend gebogenen langen Draht befestigt sind. 

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Insufflationen in den Kehlkopf. 97 



5. Application von Medicamenten auf die Athmungsorgane. 

Der Larynx und zum Theil auch die obere Partie der Trachea ist 
durch die Laryngoskopie einer ausreichenden localen Behandlung zugänglich 
geworden. Man kann mit Zuhülfenahme des Kehlkopfspiegels Medicamente 
in der verschiedensten Form auf einzelne Theile der genannten Organe mit 
gleicher Sicherheit appliciren, wie auf irgend eine andere, dem Auge des 
Beobachters freiliegende Schleimhaut. 

In fester Form werden einerseits Aetzmittel in Substanz (Argentum 
nitricum, Ejystalle von Chromsäure) mittelst eigens dazu construirter Aetz- 
mittelträger applicirt, andererseits bedient man sich sehr feiner Pulver, die 
man in den Larynx entweder einbläst, oder die man einathmen lässt. Zum 
Einblasen benutzt man am zweckmässigsten einen Insufflationsapparat (s. S. 89). 
Die Insufflatoren oder einfache gläserne Röhren, abgeschnittene Federkiele etc. 
benutzt man auch, um den Kranken das medicamentöse Pulver einathmen 
zu lassen. Derselbe steckt sich die Röhre über den Zungenrücken möglichst 
tief in die Schlundhöhle, schliesst den Mund und macht darauf eine tiefe In- 
spiration; hierbei entleert sich dann das Pulver in den Pharynx, den Larynx 
und selbst in die Trachea. Will man nur bestimmte circumscripte Partien 
von dem Pulver berühren lassen, so ist diese Methode natürlich nicht an- 
wendbar, und es ist dann nur die Insufflation unter Leitung des Kehlkopf- 
spiegels zu benutzen. — Von den anzuwendenden Medicamenten sind dieselben 
hervorzuheben, wie die oben bei der localen Behandlung des Pharynx er- 
wähnten, denen noch das Natr. benzofc, Jodoform und die Salicylsäure zuzu- 
fügen wären. Auch Mischung und Dosis ist im allgemeinen die nämliche, nur 
möge man, besonders am Anfang der Behandlung, in Betreff beider mit Vor- 
sicht verfahren. 

Beispiele. 



L ^ 

Hydrarg. chlor, mit. 1,0 

Sacch. alb. 5,0. 
M. F. Pulvis. D. S. Kehlkopfpulver. 



IL ?f 

Aeidi tannici 

Sacch. alb. ana 2,5. 
M. F. Pulvis. D. S. Kehlkopfpulver. 



III. Bf 

Jodoformii Fab. Tone, desodor. 10,0. 
D. S. Zur Insufflation. 

Am häufigsten werden Medicamente auf die Schleimhaut des Larynx in 
flüssiger Form applicirt. Zum Touchiren des Larynx bedient man sich 
am zweckmässigsten feinhaariger Pinsel oder weicher Schwämmchen, 
welche an einem entsprechend gekrümmten Drahte befestigt sind. Von Medi- 
camenten kommen hauptsächlich Caustica und Adstringentien (vornehmlich Ar- 
gentum nitricum und Tannin), meistens in wässeriger Lösung zur Verwendung ; 
auch können Glycerinlösungen (z. B. Borax und Kalium bromatum in Gly- 
cerin u. a.) in Gebrauch gezogen werden. Die Concentration ist ungefähr 
dieselbe wie die oben für die Application auf die Pharynxschleimhaut ange- 
gebene; und überhaupt kommen hier unter Umständen auch alle diejenigen 
Medicamente zur Benutzung, welche oben bei dieser Gelegenheit aufgezählt 
suid. Die Application geschieht mit Hülfe des Kehlkopfspiegels. 

Einspritzungen in den Kehlkopf mittelst der verschiedenen zu diesem 
Zwecke construirten Spritzen empfehlen sich nur ausnahmsweise und sind 
immer nur mit der grössten Vorsicht anzuwenden. Von Medicamenten werden 
hier gleichfalls fast nur Adstringentien benutzt (namentlich zu erwähnen ist 
die Aqua Calcis bei Diphtheritis und Croup). 

Ewald und Simon, Arzneiverordnungslehre. 10. Aufl. Digitized^by V^OOQ IC 



98 Inhalationen zerstäubter Flüssigkeit. 



Die neben den Pinselungen wirksamste Methode zur Behandlung der Kehl- 
kopfschleimhaut ist die Inhalation zerstäubter medicamentöser Flüs- 
sigkeiten. Diese Methode erstreckt ihre Wirksamkeit auf den gesammten 
Respirations-Tractus : den Pharynx, den Larynx, die Trachea, die grossen und 
die kleinen Bronchien, endlich auch auf die Lungen. Sie ist deshalb nicht 
nur bei Ki^ankheiten derjenigen Organe (Pharynx und Larynx) anwendbai', 
welche auch anderen localen Medicationen zugänglich sind, sondern sie hat 
auch den bedeutsamen Vortheil voraus, bei Ki'ankheiten der tieferen Theile, 
die anderen Applicationen vei'schlossen sind, noch Nutzen zu entfalten. 

Die Zerstäubung von Flüssigkeiten wird zwar schon seit langer Zeit in 
den Gradirwerken zu therapeutischen Zwecken nutzbar gemacht, auch giebt 
es bereits seit Jahrzenten in einzelnen Bädeni, wie z. B. in Oeynhausen und 
Nenndorf, sehr zweckmässige Vorrichtungen, um die dortigen Mineralquellen 
zu zerstäuben und die mit den Bestandtheilen derselben ei*ftlllte Luft von den 
Kranken einathmen zu lassen; aber erst im Jahre 1858 wurde durch Sales- 
Girons* Erfindung eines portativen Pulverisateurs das Verfahren verallgemeinert 
und zu einer neuen Methode der respiratorischen Therapie erhoben; 
nunmehr erst wm'de es möglich an jedem beliebigen Orte jede beliebige 
medicamentöse Flüssigkeit den Athmungsorganen einzuverleiben. 

Der von Sales-Girons construh'te Apparat (Pulv^risateur des liquides) be- 
ruht auf dem Prinzip, dass eine durch eine Luftpumpe unter starken Druck 
gebrachte Flüssigkeit in eine feine Ausflussröhre gedrängt und der aus dieser 
tretende Strahl gegen eine Platte geschleudert wird, an welcher er in einen 
feinen Nebel zerstiebt. Die Mängel des ersten Sales-Girons'schen Pulverisateurs 
forderten zur Constructipn anderer zweckmässigerer Inhalations - Apparate 
heraus. Unter denjenigen, welche gleichfalls das Princip des Anprallens eines 
unter hohem Drucke stehenden Flüssigkeitsstrahles gegen eine Platte fest- 
halten, sind als die gebräuchlichsten zu erwähnen die von Lewin» Waiden- 
burg, Schnitzler. Die zuerst von Mathieu angegebene, aber etwas compli- 
cirte Methode der Zerstäubung durch Mischung comprimirter Luft mit Flüssig- 
keit ist wesentlich vereinfacht einerseits durch die Windler'sche Modification, 
nach welcher die medicamentöse Flüssigkeit aus einem Becher mit feiner 
unterer OeflFnung gerade über der Ausflussöffnung der comprimirten Luft ab- 
tröpfelt und von dieser mit fortgerissen und zerstäubt wird, andererseits durch 
die Bergson'sche Vorrichtung. Diese letztere besteht darin, dass ein starker 
Luftstrom durch eme von zwei Gummiballons hergestellte Art Blasebalg 
(bei dem sogenannten Rafraichisseur wird statt des Blasebalgs mit dem 
Munde Luft eingeblasen) aus einer zugespitzten Glasrölire gedrängt wu*d, 
deren Oeffnung mit dem gleichfalls zugespitzten Ende einer anderen in die 
medicamentöse Flüssigkeit eintauchenden Glasröhre zusauMuentrifft. Durch den 
starken Luftstrom, welcher über der zweiten Röhre hingetrieben wird, verdünnt 
sich der Luftinhalt in derselben, die Flüssigkeit steigt in die Höhe und wird 
bei ihrem Ausüitte aus der Röhrenmündung von dem Luftstrome getroffen 
und zerstäubt. — Eine Modification dos letzteren Apparates ist der Lister'sche 
Sprayapparat. Hier ist die Röhre, in welche die Luft hineingetrieben 
^drd, auch nach unten, d. h. nach der das Medicament enthaltenden Flasche 
zu, durchbohrt. Die Luft drückt deshalb auf die medicamentöse Flüssigkeit 
(wie in einem Heronsball), und es verbindet sich demgemäss mit der Aspi- 
rationswirkung des einfachen fiergson'schen Apparats noch die Druckwirkung, 
wodurch die Zerstäubung sehr verstärkt wird. — Ein anderes und jetzt fast 
ausschliesslich verwendetes Princip ist die Zerstäubung der medicamentösen 
Stoffe mittelst Wasserdampf; dasselbe wurde zuerst von Siegle in Anwen- 
dung gebracht und hat sich als das zweckmässigste bewährt. Hier wird statt 
der comprimirten Luft der Druck siedenden Wasserdampfes angewendet, 
welcher in einem Metallkessel mit entsprechendem Dampfrohre erzeugt wird, 

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Inhalationen zerstäubter Flüssigkeit. 99 

Manche dieser in verschiedenen Fonnen hergettellten Apparate sind zur Ver- 
meidung von ÜDglticksfällen mit einem Sicherheitsventil versehen. Im Grossen 
ist dies Princip auch in dem sog. Lister'sclien Dampfspray vei'werthet. Da 
es übrigens bei allen diesen Apparaten nur darauf ankommt, in einem ge- 
schlossenen Gefäss einen gewissen Luftdruck herzustellen, so kann man — 
wo es nicht auf die Temperatur des Nebels ankommt — jede mechanische 
Kraft (Wasserleitung, Uhrwerk u. s. w.) in geeigneter Weise dazu verwenden. 
Waidenburg machte indessen besonders darauf aufmerksam , dass in vielen 
Fällen die Inhalationen kalter Flüssigkeit, nicht warmer — wie sie der 
Siegle*8che Apparat liefert. — indicirt ist, und wenigstens bei manchen chro- 
nischen Affectionen die Kälte wirksamer sich erweist als die Wärme. 

Die Procedur, welche beim Inhaliren befolgt wird, ist der Art, dass der 
Kranke in geringer Entfernung von dem in Thätigkeit gesetzten Apparate, den 
Kopf etwas nach hinten gebeugt, sitzt oder steht, den Mund weit geöffnet, 
die Zunge möglichst hervorstreckt und den ausströmenden Nebel in ruhigen 
Zügen einathmet. Bei Affectionen des Pharynx und Larynx lasse man nur 
oberflächlich inspiriren; bei Affectionen der Trachea, Bronchien und Lungen 
hingegen ist eine möglichst tiefe Inspiration nothwendig, doch darf die Ath- 
mungsthätigkeit nie gewaltsam angestrengt werden. Die Zeitdauer der jedes- 
maligen Procedur ist ungefähr 5 — 15 — 30 Minuten. In chronischen Fällen 
reicht es gewöhnlich aus, dieselbe ein oder zwei Mal täglich vornehmen zu 
lassen; in gewissen acuten Krankheiten hingegen, z. B. bei Croup und Diph- 
therie, ist eine häufigere Application indicirt. 

Bei Kindern unter 3 — 4 Jahren gelingt es gewöhnlich nicht, die Inhala- 
tionsmethode in wirksamer Weise zur Anwendung zu bringen ; indess giebt es 
auch Eander, die gelehrig genug sind, um in regelrechter Weise die Inhala- 
tionen ausführen zu können. Man möge deshalb in dringenden Fällen den 
Versuch nicht scheuen und einige Geduld aufbieten, um vielleicht doch zum 
Ziele zu gelangen. 

Durch zahlreiche Versuche ist endgiltig festgestellt — was schon physio- 
logisch a priori selbstverständlich war — , dass beim Inhaliren der zerstäubten 
medicamentösen Flüssigkeit ein Theil derselben bis in die klemsten Bronchien 
und in die Lungen eindringt; die bei weitem grösste Masse der Flüssigkeit 
jedoch schlägt sich im Phaiynx, im Larynx und in der Trachea nieder. Es 
ist aus diesem Grunde erklärlich, dass die Wirkung der Inhalationen auf die 
oberen Theile des Respirations-Tractus, mit Einschluss des Pharynx, eine 
energischere ist als auf die Endigungen desselben. 

Die wichtigsten der bisher in Inhalationsform zur Anwendung gekommenen 
Mittel sind folgende: 

Acidum carbolicum .... 0,5— 1,0— 5,0 auf 500,0 Aq. dest.*), 
salicylicum .... desgleichen, 

lacticum 20,0—30,0—50,0 - 500,0 - 

tannicum 1,0— 2,5—10,0 - 500,0 - 

Alumen desgleichen, 

Ammonium chloratum. . . desgleichen. 

Aqua Amygdalar. amar. . 2,5— 5,0—15,0 - 500,0 - 

Calcariae pure oder mit 2-4 Theilen Wasser verdünnt 

- chlorata 5,0— 25,0— 50,0 auf 500,0 Aq. 

- hydrosulfurata . . . 15,0— 30,0— 50,0 - 500,0 - 

- Kreosoti 5,0— 15,0— 50,0 - 500,0 - 

- Laurocerasi 2,5— 5,0— 15,0 - 500,0 - 

- Picis 20,0—100,0—500,0 zu 500,0 (selbst zu 

Aq. picis pure zu steigen) 

*) Die mittleren Dosen sind im Allgemeinen die am häufigsten anzuwendenden. 

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100 Inhalationen zerstäubter Flüssigkeit. 

' » ■ ■ . ■ . 

Borax 1,0 — 2,5 —10,0 auf 500,0 Aq. 

Extractum Belladonnae . . 0,05— 0,1 — 0,25 - 500,0 - 

Conii maculati . 0,25— 0,5 — 0,75 - 500.0 - 

Hyoscyami . . 0,25— 0,5 — 1,0 - 500,0 - . 

Opii 0,05— 0,25— 0,5 - 500,0 - 

Stramonii . . . 0,05— 0,25— 0,5 - 500,0 - 
Flor. Sambuci, Flor. Tiliae 

u. a. Infusum e5,0 —10,0 —25,0 - 500,0 - 

Hydrarg. bichlor. corros. . 0,1 — 0,25— 0,5—1,0 auf 500,0 Aq. 

Jodum purum 0,02— 0,05— 1,0 zu einer Solut. talii jo- 

dati (s. unten) 500,0 

Kali chloricum 1,0 — 2,5 —10,0 auf 500,0 Aq. 

hypermanganicum . . 0,5 — 1,0 — 5,0 - 500,0 - 

Kalium bromatum 1,0 — 2,5 —10,0 - 500,0 - 

jodatum 1,0—1,5 — 2,5 - 500,0 - 

Liquor Ferri sesquichlor. . 1,0 — 5,0 —20,0 - 500,0 - 

Kali arsenicosi . . 0,5 — 1,0 — 3,0 - 500,0 - 

- caustici .... 2,0 —10,0 —40,0 - 500,0 - 

Natri caustici ... 2,0 —10,0 —50,0 - 500,0 - 

Lithium carbonicum .... 1,0 — 2,5 —10,0 - 500,0 - 

Natrium benzoYcum .... desgleichen, 

Natrium chloratum .... 1,0 — 2,5 —10,0 - 500,0 - 

Natrium bicarbonicum . . . 1,0 — 2,5 — 10,0 - 500,0 - 

carbonicum .... 1,0 — 2,0 — 5,0 - 500,0 - 

Oleum Pini 0,5—2,5 —10,0 - 500,0 - 

- Terebmth 0,5—2,5 —10,0 - 500,0 - 

Plumbum aceticum .... 0,5 — 1,5 — 5,0 - 500,0 - 

Tmct. Cannabis indic. . . 0,5 — 1,5 — 5,0 - 500,0 - 

- Conii maculat. ... 0,5—1,0—5,0 - 500,0 - 

- Opii simpl 0,25— 1,0 — 5,0 - 500,0 - 

Zincum sulfuriciun 0,5 — 1,5 — 5,0 - 500,0 - 

Verschiedene Mineralwässer, wie die von Ems, Salzbrunn, Weilbach, Nenn- 
dorf u. a. pure oder mit gleichen Theilen Wasser oder Wasser mit Milch 

verdünnt. 

Obgleich die Reihe der in dieser Anwendungsform zu gebrauchenden 
Mittel mit vorstehender Tabelle nicht abgeschlossen ist, sondern durch passende 
Verbindungen leicht erweitert werden kann, möge man doch im allgemeinen 
die Zahl der Medicamente nicht zu weit ausdehnen und hauptsächlich nur 
solche berücksichtigen, von denen sich eine locale Wirkung auf Schleimhäute 
erwarten lässt, nicht solche, durch die man nur eine allgemeine Wirkung in 
Folge der Resorption voraussetzen darf. Die allgemeine Praxis hat sich nur 
für eine kleine Zahl der oben aufgeführten Mittel, und zwar im wesentlichen 
die lösenden, adstringirenden und antiseptisch wirkenden entschieden. Bezüg- 
lich der Dosis ist zu bemerken, dass diese immer mit einiger Vorsicht zu 
greifen sein wird, indem eine ziemlich ausgedehnte Schleimhautfläche mit dem 
Mittel in Berührung kommt, dessen fein vertheilter Zustand die Resorption 
wesentlich erleichtert. Auch hat sich durch die Erfahrung herausgestellt, 
dass man durch ziemlich verdünnte Lösungen im ganzen bessere Resultate 
erzielt, als durch die concentrirten, die von manchen Seiten empfohlen werden. 
Man wird deshalb die Dosis der in dieser Weise zur Anwendung kommenden 
Substanzen mindestens eben so vorsichtig begrenzen müssen, wie bei der 
innerlichen Darreichung. 

Die Form, in welcher die Mittel zu verordnen sind, ist selbsti'edend die 
der Solution, resp. Mixtur (bisweilen auch Infusa); complicirtere Arzneiformen, 

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Inhalation von Dämpfen. 101 



wie z. B. die Emulsion, eignen sich deshalb nicht znr Inhalation, weil einer- 
seits ihre Resorption erschwert ist, und sie andererseits vermöge ihrer Dick- 
flüssigkeit leicht Verstopfung der feinen Röhren des Apparates herbeifllhren. 

An die Inhalationen der zerstäubten Flüssigkeiten reihen sich die der 
Dämpfe, Dünste und Gase an. Zu den Dampf- und Dunstinhalationen 
sind natürlich nur solche Substanzen zu benutzen, welche entweder selbst 
flüchtig sind, oder aus welchen bei höherer Temperatur flüchtige Substanzen 
sich entwickeln. (Von manchen Seiten wurde der Missgriff begangen, Sub- 
stanzen, welche diese Eigenschaft nicht besitzen, wie z. B. Argentum nitricum, 
zur Dampf-Inhalation zu verwenden. Erhitzt man eine Höllensteinlösung zum 
Verdampfen, so entwickeln sich nur reine Wasserdämpfe, und nur zufällig 
können durch Verspritzen der Lösung während des Siedens auch kleine Quan- 
titäten der Höllenstein-Solution den Dämpfen mechanisch beigemengt werden.) 
Das einfachste zur Dampf- Inhalation benutzte Mittel ist das Wasser. Dem 
Wasser können entweder Medicamente hinzugesetzt werden, welche flüchtige 
Bestandtheile enthalten, z. B. aromatische Kräuter (Flor. Chamomillae, Flor. 
Tiliae, Flor. Sambuci, Flor. Amicae u. a.) und einzelne Narcotica (Fol. Nico- 
tianae, Herba Conii maculat., Fol. Belladonnae u. a.) oder Substanzen, welche 
in ihrer Totalität sich verflüchtigen, wie Ol. Terebinthinae , Jod, Kreosot, 
Salmiak u. a. Dieser Art der Verdampftmg in Verbindung mit Wasser, welche 
man Halitus genannt hat, steht die Methode der trockenen Verdampfung 
oder Räucherung, Suffitus, gegenüber. Zu letzterer verwerthet man vor- 
nehmlich balsamische Substanzen (Olibanum, Ammoniacum, Benzoö u. a.), 
hauptsächlich auch Pix liquida, Gera alba, femer manche Narcotica (wie 
Opium, Fol. Nicotian. Tabacum, Fol. Stramonii u. a.), sodann auch Zinnober, 
Arsenik, Salmiak, Salpeterpapier u. a. Endlich sind Substanzen, welche schon 
bei niederer Temperatur sich verflüchtigen, selbst ohne Anwendung von Wärme 
zur Dampf- oder Dunstinhalation zu verwenden; hierher gehören die verschie- 
denen ätherischen Oele, femer Chloroform, Aether, E^reosot, Aceton, Acid. 
acetic, Campher, Jodäther u. a. 

Die Einathmungen der Dämpfe geschehen entweder in der Art, dass man 
die Zimmerluft mit denselben imprägnirt, oder die betreffenden Dämpfe mittelst 
bestimmter Vorrichtungen direct in die Athemorgane gelangen lässt. Aether- 
und Chloroform-Dämpfe werden, wenn irgend möglich, durch besondere mas- 
kenartige, vor Mund und Nase gehaltene Hauben, die mit Flanell oder Filz 
tiberzogen sind und auf welche das betreffende Medicament aufgegossen wird, 
eingeathmet. Dabei ist dafHr zu sorgen, dass die atmosphärische Luft neben- 
her noch Zutritt hat. Nur in Ermangelung solcher Masken kann man sich 
mit einem tutenfbrmig zusammengelegten und vor Mund und Nase gehaltenen 
Taschentuche behelfen. Aetherische und empyreumatische Oele lässt man 
zweckmässig in der Weise einathmen, dass man einige Tropfen des Oeles in 
einem Weinglase, welches zum dritten Theile mit Wasser gefüllt ist, mit 
demselben schüttelt imd die aufsteigenden Riechstoffe inhalirt. Für eine 
grosse Menge zur Einathmung verwendeter Stoffe zieht man mit Vortheil 
die Inhalationsröhren, d. h. kleine gläseme Cylinder, oder statt ihrer 
auch einfache Fläschchen mit weitem Hals, in Gebrauch, welche mit einem 
losen Wattenpfropf gefüllt sind, auf den die zu inhalirende Substanz gebracht 
wird; der durch Inspirationsbewegungen durch die Watte gehende Luftstrom 
imprägnirt sich vollständig mit den Inhalationsstoffen und führt dieselben in 
die Athemorgane ein. Auch kann man die Kranken einen Respirator tragen 
lassen, welcher mit einem Wattepfropf oder Schwanmi versehen ist, auf den 
die zu inhalirende Substanz gebracht wird (Curschmann, Berl. klin. Wochen- 
schrift. 1879. No. 29.). libenso Dünste mancher fester Stoffe, wie Jod und 
Campher, können auf diese Weise eingeathmet werden, und bestehen die so- 
genannten Cigarettes camphr6es im wesentlichen aus Vorrichtungen ^^f^\^v^p 



102 Inhalation von Dämpfen und Gasen. 



— Für die Einatlimung von reinen Wasserdämpfen, oder solchen, die mit 
medicamentösen flüchtigen Stoffen imprägnirt sind (Halitus), ist folgende sehr 
einfache Vorrichtung ausreichend: Man bringt unter einen mit Wasser und 
dem Medicament gefüllten blechernen Topf eine Spiritusflamme, setzt auf die 
Oeflftiung des Topfes einen passenden Trichter mit langem im Winkel gebo- 
genen Ausflussrohr (welches dann natürlich nach oben sieht) und lässt den 
Dampf durch den IVichter entweder direct mit offenem Mimde einathmen, 
oder man schaltet noch einen Gummischlauch ein, den man an dem Trichter- 
ende befestigt. Zweckmässiger ist es, einen Retorten- ähnlichen Apparat in An- 
wendung zu ziehen, der oben noch eine durch einen Stöpsel verschliessbare, 
zum Einfüllen der Flüssigkeit zu benutzende Oeffnung besitzt. Das Ende der 
Retorte wird in ein cylindrisches Mundstück geleitet, derart, dass die atmo- 
sphärische Luft freien Zutritt hat und die Dämpfe noch genügend abkühlen 
kann; die Abkühlung kann noch durch kalte, auf den Cylinder zu legende 
Schwämme befördert werden. — Es ist zu bemerken, dass diese immerhin 
complicirte Art der Inhalation durch die neue Methode der Inhalation zer- 
stäubter Flüssigkeiten, welche einfacher herzustellen und auch wirksamer ist, 
fast vollständig entbehrlich geworden ist. 

Die trockenen Räucherungen (Suffitus) geschehen entweder ohne beson- 
deren Apparat in der Nähe des Kranken, indem derselbe die entwickelten 
Dämpfe frei mit offenem Munde einathmet, oder man bedient sich in manchen 
Fällen gleichfalls einfacher Apparate mit Mundstück, vermittelst derer der 
Ki'anke inhalirt. Bequem, wenn auch nicht immer zweckmässig, ist die von 
vielen Seiten gerühmte Dampf - Inhalation vermittelst medicament öser Ci- 
garren oder mit Hülfe von Pfeifen nach der Art der Tabakspfeifen. Will 
man sich indess dieser Methode bedienen, so muss man darauf achten, dass 
der Patient in türkischer Weise raucht, d. h. derart, dass er den Dampf in 
Wirklichkeit in die Lungen einathmet, nicht einfach — wie dies gewöhnlich 
beim Rauchen geschieht — den Rauch in die Mundhöhle einzieht und dann 
wieder aus derselben herauslässt. 

Es bleiben nun noch die Inhalationen von Gasen zu erwähnen. Benutzt 
werden Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff, Kohlensäure, Kohlenwasserstoff, 
Ajnmoniak, Schwefelwasserstoff, Stickstoffoxydulgas u. a., alle natürlich — 
mit theilweiser Ausnahme des Sauerstoffs und Stickoxyduls — in Verbin- 
dung mit atmosphärischer Luft. Die Inhalation geschieht entweder derart, 
dass die Atmosphäre mit den betreffenden Luffcarten imprägnirt, und der Pa- 
tient kürzere oder längere Zeit hindurch dem Aufenthalte in dieser Atmosphäre 
ausgesetzt wird, oder dass man Gasströme direct durch geeignete Vorrichtun- 
gen den Athmungsorganen zuftihii;. Meist sind derartige Applicationen an Kur- 
orten in Gebrauch, in denen die betreffenden Gasarten (00^, H2S, N) mit den 
Quellen ausströmen und entweder ohne weiteres über denselben eingeathmet 
werden, oder wo man das gashaltige Wasser durch feines Zerstäuben in 
Nebelform verwandelt und so in die Athemorgane einströmen lässt. Hierher 
gehört auch der für gewisse Krankheitszustände empfohlene Aufenthalt in 
Bleichfabriken (Chlorgas), in Kuhställen, in Leuchtgas- Anstalten, die Treutler- 
schen Stickstoff- Inhalationen u. s. w. — Die Apparate, die zur Einathmung 
von Gasen benutzt werden, sind entweder gewöhnliche Gasometer oder grosse 
Thierblasen, oder Gummiballons, die mit einem Mundstück versehen sind. 

Den Gas-Inhalationen sind auch die pneumatischen C abinette anzu- 
reihen, in welchen zwar gewöhnliche atmosphärische Luft, aber in compri- 
mirtem (resp. verdünntem) Zustande zur Anwendung kommt. Der Kranke 
hält sich längere Zeit (ca. 1 — 2 Stunden) im Cabinette auf. Ein derartiges 
pneumatisches Cabinet ist zuerst von Tabariä construirt und therapeutisch 
verwerthet worden; wegen seiner Kostspieligkeit hat es nur langsam Nach- 

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Injeotionen in die Blase und Harnrohre. 103 

ahmung gefiinden. Gegenwärtig sind jedoch solche Apparate bereits in den 
meisten grösseren Städten und Kurorten vorhanden. 

Hieran schliesst sich die Anwendung der transportablen pneumati- 
schen Apparate, welche zur Einathmung sei es comprimirter, sei es ver- 
dünnter Luft, oder zur Ausathmung in verdünnte Luft, bei Krankheiten nicht 
nur des Eespirations - , sondern auch des Circulationsapparates dienen. Die 
grösste Verbreitung derselben hat der von Waldenbnrg nach dem Princip 
der Gasometer construirte gefunden. Ihm schliessen sich die Apparate von 
Biedert, Fraenkei etc. an. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle die 
verschiedenen Constructionen eingehend zu besprechen oder über den Werth 
der sogen, pneumatischen Therapie überhaupt ein motivirtes Urtheil abgeben 
zu wollen. Ihre besten, ja vielleicht ihre einzigen Erfolge hat sie bei den 
emphysematösen (asthmatischen) und verwandten Zuständen der Lungen er-* 
reicht. Wir verweisen indess in dieser Beziehung auf Waldenbnrg*) und 
Rossbaoh^, bei welch* letzterem sich eine kritische und objective Bespre- 
chung der Methode findet. 

Die Dampf-, Dunst- und Gas - Inhalationen haben entweder den Zweck, 
local auf die Schleimhaut der Respirations-Organe zu wirken oder allgemeine 
Wirkungen hervorzurufen. Für den letzteren Zweck sind vorzugsweise die 
anästhesirenden Inhalationen von Chloroform- und Aetherdämpfen in Gebrauch, 
und zwar nicht blos als Vorbereitungsmittel für Operationen, sondern auch als 
Heilmittel bei gewissen Leiden spastischer oder neuralgischer Natur, femer 
manche narkotische Inhalationen, die Einathmung von Sauei'stoff u. a. 

lieber die Dosis der zu Einathmungen verwendeten Stoffe lassen sich 
keine allgemeinen Angaben machen, da dieselbe je nach der Art des Stoffes, 
der Natur des zur Behandlung kommenden Leidens, sowie der Individualität 
des Kranken den vielfachsten Modificationen untei'worfen ist. Ebenso ist die 
Dauer der jedesmaligen Inhalation in denjenigen Fällen, in welchen die Dämpfe 
direct den Athemorganen zugeführt werden, nicht im allgemeinen zu bestinmien, 
weil auch diese von der inhalirten Substanz, sowie von der Art, in welcher 
die Einathmung ertragen wird, abhängt. 

üeberhaupt kann das Specielle über die verschiedenen Inhalations- und 
Respirations- Methoden nicht in diesen kurzen Abriss aufgenommen werden, 
und muss hierüber auf die betreffenden Lehrbücher verwiesen werden. 

6. Application auf die SoMeimliaut der Hamorgane. 

Die directe Einwirkung auf die Schleimhaut der Blase wird durch In- 
jection von Mitteln, welche in Wasser gelöst sind, herbeigeführt. Die hierbei 
zu befolgende Procedur besteht darin, dass man, nachdem die Blase durch 
Einlage eines Katheters entleert worden ist, die mit der Flüssigkeit gefüllte 
Injections-Spritze oder den Schlauch eines Irrigators (Fürstenheim), am ein- 
fachsten einen mit Trichter versehenen Schlauch (Hegar) in die äussere Mün- 
dung des Katheters einführt imd die Einspritzung resp. Eingiessung in lang- 
samer und stetiger Weise vollzieht. Die Injectionen in die Blase werden 
entweder in der Absicht gemacht, die Flüssigkeit längere Zeit mit der Schleim- 
haut in Contact zu lassen oder sie nur momentan in einen solchen zu bringen, 
in welchem letzteren Falle man die Sonde h double courant anwendet, durch 
deren zweite Röhre die injicirte Flüssigkeit alsbald aus der Blase abfliesst. 
Handelt es sich nur um das Einbringen bestimmter Flüssigkeitsmengen in die 

*) Die pneumatische Behandlung der Respirations- und Circulationskrankheiten 
Berlin. Hirschwald. 18S0. 

**) Lehrbuch der physikalischen Heilmethoden. Berlin. Hirschwald. 1881. 



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104 Injectionen in die Blase und Harnröhre. 

Blase, 80 kann man auch, namentlich bei Patienten, welche an einer exces- 
siven Reiz- und Reflexerregbarkeit der Harnblase leiden, von dem Einführen 
eines Katheters ganz Abstand nehmen. Man führt zu dem Zweck das mit 
einer kleinen Canüle armirte Ende eines Imgatorschlauches in die obere 
Hamröhrenöffhung ein, di'ückt die Lippen der Harnröhre um die Canüle fest 
zusammen und hat nun nur den mit der einzubringenden Flüssigkeit gefüllten 
Irrigator hoch genug zu heben, um den Widerstand des Splüncter vesicae zu 
überwinden (Berthole). 

Der therapeutische Zweck der Blasen -Injectionen, abgesehen von denen, 
welche als Vorbereitungsmittel für chirurgische Operationen gemacht werden, 
kann dainn bestehen, reinigend, einhüllend, narkotisch, adstringirend, ätzend, 
chemisch neutralisirend oder lösend und desinficirend resp. antiseptisch zu 
wirken. Zu reinigenden Injectionen bedient man sich des warmen Wassere, 
zu einhüllenden meistens der Milch und schleimiger Abkochungen, zu narko- 
tischen der Abkochungen von Hyoscyamus, Belladonna, der Lösungen von 
Opium -Präparaten, zu adstringirenden und ätzenden- der gerbsäurehaltigen 
Stoffe, des Alaim, der Zink-, Kupfer-, Blei- und Silbersalze; zu chemisch 
neutralisirenden und lösenden wendet man, je nach der Natur des Schleimes 
und der Concretionen , Lösungen von Aq. Calcariae, von Kalium carbonicum, 
Borax, schwache Lösungen von Salz-, seltener von Phosphorsäure an. Als 
Desinficientien resp. Antiseptica dienen die Salicylsäure , Natrium benzolcum, 
Thymol, Carbol u. s. f. 

Die Dosis, resp. Concentration der zu Injectionen in die Blase zu ver- 
wendenden Stoffe wird etwas stärker gegriffen, wie bei den übrigen auf die 
Schleimhäute applicirten flüssigen Formen. — Die Grösse jeder Injection be- 
läuft sich auf etwa 50,0—150,0. 

In Wasser unlösliche Substanzen, wie z. B. Jodoform, werden in Gestalt 
von Gelatine-, Cacao- etc. Stäbchen (s. u.) mit Hülfe einer Leitungssonde in 
die Blase vorgeschoben. 

Auf die Schleimhaut der Harnröhre werden die Arzneimittel sowohl in 
flüssiger, als in fester Form applicirt. Die erstere wird auf dem Wege der 
Injection der betreffenden Schleimhaut zugeführt. Die Einspritzungen vollzieht 
man in folgender Art: Man führt die mit möglichst rund geschliffener Spitze 
versehene Spritze (am besten Zinn -Spritzen, nur für Injectionen aus Argent. 
nitric. Glasspritzen; die Spritzen aus Gummibeuteln haben sich nicht bewährt) 
in die Harnröhre bis nahe an die Fossa navicularis ein, drückt die Lippen 
der Harnröhre fest an das Instiniment, macht langsam und ohne gewaltsames 
Forciren die Injection und zieht dann die Spritze so heraus, dass unmittelbar 
nach, ihrer Entfernung die Labien durch den Druck des Daumens und des 
Zeigefingers ventilartig an einander schliessen, und die Inj ections -Flüssigkeit 
in der Harnröhre zurückgehalten wird; öffnet man die Finger nach Verlauf 
von 1 — 2 Minuten, so muss die eingespritzte Masse, wenn die Injection richtig 
vollzogen worden ist, in Form eines kleinen Strahles von der Harnröhre aus- 
gepresst werden. 

Die Injectionen in die Harnröhre sind meistens adstringirender oder cau- 
stischer, selten einhüllender oder narkotischer Natur. Harzige oder balsamische 
Stoffe (die entweder pur oder der gleichmässigen Vertheilung wegen in Emul- 
sionsform verschrieben werden), Tannin, Salicylsäure, Metallsalze (Zink, Blei, 
Kupfer, Silber, Sublimat), Rothwein sind die hier vorzugsweise zur Anwendung 
kommenden Substanzen, denen oft narkotische Zusätze (in Form von Tinct. 
Opii, Aq. Laurocerasi u. dgl.) gemacht werden. 

Die Grösse jeder Injection beträgt ca. 7,5 — 15,0, und die Abmessung 
derselben wird durch das Volumen der Injections-Spritze bewirkt. Die in der 
Regel verordnete Gesammt-Dosis beläuft sich auf 150,0—250,0. Beim Füllen 
der Spritze tauche man diese nicht in das Arzneiglas, wodurch immer ünrein- 

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Application in die Harnröhre. 



105 



lichkeiten hineingebracht werden, sondern ziehe den Stempel aus der Spritze, 
schliesse die untere Oeffnung mit dem Daumen und giesse die Solution in 
die Spritze hinein. Dann setze man den Stempel wieder ein und drücke ihn 
zur Entfernung etwaiger Luftblasen mit nach oben gehaltener Spitze etwas 
nach abwärts. 



Beispiele. 



I 



Dec. Fol. Malvae 250,0 

adde 
Aq. Laurocerasi 15,0. 
D. S. Den vierten Theil zu einer Ein- 
spritzung in die Blase zu nehmen. 



n. Bf 

Acid. hydrochloric. 2,5 
Aq. Chamomill. 250,0 
Tinct. Opii 5,0. 
D. S. Morgens und Abends den vierten 
Theil in die Blase einzuspritzen. 

m. Bf 

Bals. Copaiv. 10,0 



Bals. Peruv. 2,5 
Gummi Arab. 5,0. 
F. 0. Aq. dest. 
Emuls. 200,0. 
D. S. Drei- bis viermal täglich eine Ein- 
spritzung in die Blase zu machen. 



IV. I^ 

Zinci sulfur. 
Plumb. acet. ana 0,5 

solve in 
Aq. destill. 200,0. 
D. S. Dreimal täglich eine Einspritzung 
in die Harnröhre. 



Feste Arzneiformen werden jetzt häufiger auf die Schleimhaut der 
Harnröhre applicirt. Specielle Erwähnung verdienen hierbei nur die Salben, 
die Aetz mittel in Substanz und die Kerzen. Salben werden entweder 
auf Charpie- Bäuschchen oder Leinwand - Cylindem in die Harnröhre gebracht 
und längere oder kürzere Zeit mit derselben in Berührung gelassen. Ausser 
den Quecksilber-Präparaten und dem Höllenstein dürften kaum andere Arznei- 
stoffe in dieser Form zur Anwendung kommen. — Die Aetzmittel in Sub- 
stanz werden mittelst gefensterter Porte -caustiques an die betreffende Stelle ' 
geführt. Sehr präcis lassen sich Caustica und Adstringentien an bestimmte 
circumscripte Stellen der Hamröhrenschleimhaut mit HlÜfe des Endoskops 
(Beleuchtungsspiegel ftir die Harnröhre und Blase) appliciren. 

Die Kerzen, Cereoli, Baccilli medicamentosi , sind cylindrische , dem 
Lumen der Harnröhre entsprechende Körper, welche aus Darmsaiten oder 
aus Geweben, die mit Fimiss getränkt sind, oder aus zusammengerollten 
Pflasterstreifen oder aus Gelatine resp. Cacaobutter bestehen und dazu dienen 
sollen, entweder mechanisch erweiternd auf die Harnröhre zu wirken, oder 
deren Lumen zu untersuchen (Cereoli dilatatorii s. exploratorii) oder Arznei- 
mittel in die Harnröhre einzuführen (Cereoli medicati s. armati); namentlich 
wendet man die Kerzen ftir den letzteren Zweck an, sei es um die Schleim- 
haut der Harnröhre mit Salben in Contact zu bringen, sei es um Aetzmittel oder 
Adstringentien (z. B. Tannin) oder Narcotica, Jodoform etc. auf dieselbe zu 
appliciren. Derartige Bougies gelatineuses sind jetzt in den meisten Apotheken 
mit bestimmtem Gehalt vorräthig. Ebenso lassen sie sich aus Cacao verfertigen. 

Beispiel. 

Jodoform, faba Toncae desod. 2,0 
Butyri e Cacao 20,0. 
M. len. calor. F. bacill. medicamentos. Bougie No. 
[Zur Einführung in die Harnröhre bei chron. Gonorrhoe, bei Behandlung von Stricturen, 
zur Einführung in die Blase bei Urin-Zersetzung und Katarrh.] 



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106 Application auf die Schleimhaut der Vagina. 



7. Applloatton auf die SoMeimliaut der weibliolien Sexual- 

Organe. 

Um auf die Schleimbaut der weiblichen Sexual-Organe zu wirken, zieht 
man tropfbar-flüssige, elastisch-flüssige, pulverisii*te und feste Arzneiformen in 
Gebrauch. 

I. Application auf die Vagina. Unter den tropfbar-flüssigen Arznei- 
fonnen werden zumeist die Injectionen angewendet; zur Vollziehung derselben 
bedient man sich nur noch wenig der sogenannten Mutterspritzen, welche in 
ihrem Volumen den gewöhnlichen Klystierspritzen entsprechen, sondern meist 
der Irrigatoren mit Gummischlauch und Canüle aus Glas oder Hartgummi. 
Letztere sind der Krümmung der Vagina entsprechend gebogen und endigen 
in einem kolbenförmigen, mehrfach durchbohrten Knopf, so dass die Injections- 
Flüssigkeit aus einer grösseren Anzahl feinerer Oeffnungen an die Wandungen 
der Vagina und den Gebärmutterhals tritt. 

Die Scheiden-Einspritzungen sind dazu bestimmt, reinigend, antiseptisch, 
narkotisch, adstringirend (styptisch) oder ätzend zu i^irken, und es kommen 
deshalb alle diejenigen Mittel, deren wir bei der früheren Besprechung von 
Injectionen Erwähnung gethan, auch hier in Anwendung (hauptsächlich Tannin, 
Alaun, Acetum, Acidum carbolicum, Plumbum aceticum, Zincum sulfuricum, 
Ferrum sesquichloratum, Argentum nitricum, Hydrargyr. bichloratum corros., 
Jod, Natrium chloratum, Natmm carbonicum, aromatische Infiisa u. a.). Bei 
der geringeren Empfindlichkeit, welche meistens die Schleimhaut der Scheide 
darbietet, werden die Dosirungs -Verhältnisse der zu den Injectionen verwen- 
deten Arzneistoffe etwas weitgreifender zu bemessen sein. Das Volumen einer 
jedesmaligen Einspritzung beträgt etwa 50,0 bis 150,0 und die Gesammt- 
masse der zu verordnenden Flüssigkeit wird demnach mehrere Pfunde be- 
tragen müssen. 

Als eine in neuerer Zeit von namhaften Gynäkologen vielfach in Anwen- 
dung gezogene Inj ections- Methode ist die Uterus-Douche zu erwähnen, 
welche mittelst einer Druckpumpe oder eines nach Ermessen hoch gehängten 
Irrigationsgefässes applicirt wird und einen continuirlichen Wasserstrahl erzeugt, 
der mit grösserer Kraft an die betreffende Schleimhaut tritt. An Badeorten 
finden sich in der Regel Vorrichtungen, um derartige Injectionen unter be- 
deutendem Drucke in die Vagina treten zu lassen (Douches ascendantes). 

Wo es darauf ankommt, nur ganz beschränkte Stellen des Collum uteri 
oder der Vaginalschleimhaut namentlich mit differenten Substanzen in Berüh- 
rung zu bringen, ersetzt man die Injectionen durch Einpinselungen concentrirter 
Solutionen. Dieselben werden nach vorgängiger Einfllhrung eines Mutterspiegels 
mittelst eines Haarpinsels oder auch eines Glasstäbchens auf die betreffende 
Stelle gebracht. Zur Anwendung in dieser Form kommen vorzugsweise So- 
lutionen von Argent. nitricum, Acid. chromicum, Acid. acet., Acid. nitricum, 
Kreosot, Zincum chloratum u. s. w. 

Will man eine medicamentöse Flüssigkeit auf längere Zeit in Contact 
mit der Vaginalschleimhaut erhalten, so kann man dies dadurch be\\irken, 
dass man cylindrische oder konisch geformte Schwämme, mit der betreffen- 
den Flüssigkeit imprägnirt, in die Vagina einführt und dort entweder durch 
ihr eigenes Aufquellen oder durch anderweitige mechanische Hülfsmittel fest- 
hält. Viel mehr empfiehlt es sich, Tampons — aus entfetteter Watte be- 
reitet und behufs leichter Entfernung mit einem aus dem Introitus hervor- 
hängenden Faden umwickelt — mit einer Lösung des Mittels zu imprägniren 
(vorzugsweise wählt man die Lösungen in Glycerin) und mehrere (bis 10) 
Stunden liegen zu lassen. — Ausserdem wählt man in diesem Sinne, zumal 

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Vaginalkugeln. 107 



wo es sich um die Application antiseptischer Mittel handelt, in den letzten 
Jahren gerne die Form der permanenten Irrigation. 

Waschungen der Vaginalschleimhaut werden mittelst Schwämme voll- 
zogen, sind aber nicht Seitens der Kranken, sondern nur durch den Arat, 
namentlich vor Operationen an der Portio vaginalis und der Scheidenwandung, 
anszufUhren. « 

Bäder in Form von Sitzbädern werden zwar häufig angewendet, um 
auf die Vaginalschleimhaut zu wirken, dürften jedoch, wenn sie unter gewöhn- 
lichen Bedingimgen gegeben werden, schwerlich einen Contact der Badefltissig- 
keit mit der Schleimhaut herbeiführen. Um einen solchen zu ermöglichen, 
muss man sich der eigens dazu geformten Sack'schen Sitzbadewanne bedienen, 
in welcher die Badende stark nach hinten gelehnt sitzt und die Genital-Partien 
so tief gelagert sind, dass der Eintritt des Wassers in die Vagina durch den 
Druck desselben stattfindet. Noch zweckmässiger ist der Gebrauch des ge- 
fensterten Mutterspiegels , eines Speculums von gewöhnlicher Form, dessen 
Wandungen vielfach durchbrochen sind; wü'd dasselbe während des Sitzbades 
eingeführt, so erweitert es den Eingang zur Vagina, gleicht deren Krümmung 
aus und gestattet der Badeflüssigkeit den vollkommen freien Eintritt in die- 
selbe. Der vom Erfinder des Badespiegels, Raoiborski, gemachte Vorschlag, 
medicamentöse Substanzen in fester Form in das Speculum einzulegen und 
von der Badeflüssigkeit lösen zu lassen, gewährt keine weiteren Vortheile, 
entzieht vielmehr dem Arzte die Controle über die Intensität der zur eigent- 
lichen Wirkung kommenden Lösung. 

Als elastisch -flüssige Applicationsformen sind die Dampfbäder und die 
Gasdouchen zu erwähnen. Die Dampfbäder werden in der Regel so ge- 
macht, dass die Patientinnen sich über ein grösseres Gefäss, welches mit/ 
heisser Flüssigkeit gefüllt ist, setzen und die Dämpfe zu ^en Genitalien auf- 
steigen lassen. Auch hierbei findet schwerlich der Eintritt der dampfförmigen 
Flüssigkeit in die Vagina statt, wenn nicht die vorgängige Erweiterung und 
Wegsammachung derselben durch Einführung eines gefensterten Speculums die 
mechanischen Hindemisse für diesen Eintritt beseitigt hat. — Die fUr Anwen- 
dung der ärzUcherseits übrigens recht selten verordneten Dampfbäder meist 
gebräuchlichen Substanzen sind entweder heisses Wasser oder Infusionen aro- 
matischer Vegetabilien (Chamomilla, Valeriana u. s. w.), da nur bei diesen 
letzteren vorauszusetzen ist, dass die arzneilichen Stoffe, von den Dämpfen 
getragen, zur Wirksamkeit kommen. 

Die Anwendung der Gasdouche hatte vor einiger Zeit, seitdem man 
auf Simpson's Empfehlung in der Kohlensäure ein wirksames Mittel gegen 
neuralgische Beschwerden des Uterus zu sehen venneinte, hier und da Ver- 
breitung erfahren. Man ertheilt die Gasdouche, indem man entweder aus 
einem Gasometer einen beweglichen Schlauch in die Vagina einleitet (ein Ver- 
fahren, welches aber in den meisten Fällen für den häuslichen Gebrauch 
keine Anwendung finden düi^fte), oder indem man Kautschukbeutel mit dem 
betreffenden Gase füllt und dasselbe durch den Druck in die Vagina ein- 
strömen lässt. 

In Pulverform werden neuerdings mehrere Antiseptica (Acid. salicyli- 
eum und Jodoform) verwendet und zwar vorzugsweise nach plastischen Ope- 
rationen am Damm, der Scheide und der Portio vaginalis, doch auch zur 
Heilung bestimmter Geschwürsformen, nach deren Ausschabung u. s. w. 

In Substanz wendet man fast ausschliesslich die Aetzmittel an, 
welche durch geeignete Aelzmittelträger sowohl mit der Vaginalschleimhaut, 
als mit dem Gebärmutterhalse in Berührung gebracht werden können. Eine 
andere Anwendungsform der Medicamente in Substanz oder in Species oder 
gröblichen Pulvern, welche als die der medicinischenPessarien bezeichnet 
wurde, ist jetzt wenig in Gebrauch; sie bestand darin, leinene Säckchen, mit 

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108 Vaginalkugeln. — Mutterzäpfchen. 



Species gefüllt (z. B. Cort. Chinae, Cort. Quercus u. 8. w.) in die Vagina ein- 
zuführen und daselbst längere Zeit liegen zu lassen. 

Salben werden, auf Charpiebäuschchen gestiichen, in die Vagina einge- 
führt und mittelst Pessarien darin festgehalten, eine Anwendungsform, welche, 
so lange man sich dazu der Fette bediente, nicht als zweckmässig bezeichnet 
werden konnte, da die meisten Salben -Constituentia unter dem Einflüsse des 
Vaginalschleimes in ranzige Zersetzung übergehen und irritirend auf die 
Schleimhaut wirken. 

Zweckmässiger als die Salben sind die sogenannten Vaginalkugeln, 
bestehend aus einem etwas festen Gerat (2 Th. Wachs und 1 Th. Fett oder 
2 Th. Wachs und 1 Th. Oel), welchem man ein Medicament (Narcotica, 
Adstringentia, allenfalls auch Unguent. Hydrargyr. einer.) incorporirt, es zu 
Kugeln formt und diese in die Scheide einführt. Als ganz besonders zweck- 
entsprechend dürfte sich für diese Applicationsform das Oleum Cacao em- 
pfehlen, welches unter gewöhnlicher Temperatur consistent genug ist, um sich 
leicht in die gewünschte Form bringen und einfuhren zu lassen, unter dem 
Einflüsse der Körperwärme aber flüssig wird, ohne alsbald in ranzige Zer- 
setzung überzugehen. In neuerer Zeit hat man Vaginalkugel -Kapseln aus 
Gelatine hergestellt, deren Höhlung etwa 3,0 Gr. Cacaobutter fast. Sie be- 
stehen aus 2 Hälften, welche sich leicht durch Berührung mit dem warmen 
Spatel zusammenkitten lassen. Das betreffende Medicament wird mit Cacao- 
butter oder Vaseline vermischt in sie hineingestrichen. Eine von Becquerel 
angegebene Form, welche der eben abgehandelten sich anschliesst, ist die der 
Tanninstifte, einer Mischung ans Tannin, Traganth und Rad. Althaeae zu 
einer weichen Masse, welche in die Vagina eingeführt wird und dort bis zum 
Schmelzen liegen bleibt. 

Den Vaginalkpgeln analog und nur durch ihre mehr cylindrische oder 
konische Form von ihnen unterschieden sind die Mutterzäpfchen, Suppo- 
sitoria vaginalia, zu deren Anfertigung man sich ebenfalls statt der früher 
gebräuchlichen Seife mit Vortheil des Oleum Cacao bedient. Da die Cacao- 
butter durch Umschmelzen leicht ranzig wird, so ist die obige Form der Va- 
ginalkugeln besonders empfehlenswerth und vnrd dadurch auch der lästige 
Geruch vieler Stoffe, wie Jodoform etc., vermieden. 

Das Gewicht einer Vaginalkugel beträgt etwa 3,0—10,0. 

Beispiele. 



m. i^ 

üngt. Hydrarg. einer. 
Cer. alb. ana 10,0. 
M. Divid. in part. aequal. No. 5. F. 1. a. 
globuli. S. Nawjh Bericht. 



IV. B^ 

Acid. tannic. 0,5 

Ol. Cacao 3,0. 
F. 1. a. suppositorum. d. tal. dos. No. 10. 
S. Nach Bericht. 



I. Bf 
Morph, aoet. 0,05 
Cer. alb. 2,5 
Adip. suill. 1,25. 

M. 1. a. f. globulus, d. tal. dos. No. 5. 
S. Täglich eine Kugel einzuführen. 

II. Bf 
Jodoform. 1,0 

tere in Ol. Amygdal. gutt. nonn. 
Ol. Cacao 4,0. 
len. cal. liquef. f. 1. a. globulus vaginal, 
in capsul. gelatinös. D. t. glob. No. 5. 

Zuweilen werden, hauptsächlich zur allmäligen' Dilatation der Vagina, 
Bougies in dieselbe eingeführt; seltener bedient man sich dieser Form, um 
Arzneistoffe an die Vaginalwandungen zu bringen. Die Bougies werden, wie 
die fllr die Harnröhre bestimmten, aus zusammengerollten Pflasterstreifen an- 
gefertigt. In ähnlicher Weise wendet man die Pressschwämme an, welche, 
in cylinderförmige Stücke geschnitten, in die Scheide eingelegt werden und 
durch ihr Aufquellen die Wandungen derselben auseinander zu drängen be- 
stimm t sind. 

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Application auf die Schleimhaut des Uterus. — Ciysmata. 109 

II. Application auf die Schleimhaut des Uterus. Injectionen von 
Flüssigkeiten in die Uterushöhle wurden zwar schon seit langer Zeit häufig 
versucht, immer aber fanden sich auch eifrige Gegner, welche dieselben mehr 
oder weniger vollständig verwarfen, indem nicht selten in deren Gefolge hef- 
tige Erscheinungen, Koliken, Ohnmächten, Peritonitis selbst mit lethalem Aus- 
gange, beobachtet wurden. Man nahm an und konnte auch in vereinzelten 
Fällen nachweisen, dass diese Zustände durch Austritt der InjectionsflUssigkeit 
in die Bauchhöhle bewirkt wurden. Die Gefahren lassen sich indessen durch 
bestimmte Gautelen vermeiden, und seitdem diese bekannt sind, haben die 
intrauterinen Injectionen und Irrigationen einen berechtigten dauernden Platz 
in der Therapie aller Gynäcologen gewonnen. Die Cautelen beruhen haupt- 
sächlich darauf, dass der Canalis cervicalis vor der Anwendung der Injectionen 
genügend erweitert werde (Sims), damit die injicirte Flüssigkeit neben dem 
eingeftihrten Instrumente ungehindert ablaufen könne. Femer muss die Injec- 
tion langsam und mit geringem Drucke geschehen. Zur Ausführung derselben 
sind verschiedene Instrumente in Gebrauch, von denen wir die firaun'sche 
Spritze und Eicord*s Catheter k double courant, sowie den Uterus -Katheter 
von Bozemann-Fritsch erwähnen. Zur Ausspülung des Uterus post pai*tum 
bedient man sich einfacher gebogener Glasröhren oder starker Zinnkatheter. 
Mannigfache Medicamente sind bereits zu den intrauterinen Injectionen benutzt 
worden ; die wichtigsten sind : Liquor ferri sesquichlorati, Tinctura jodi, Acidum 
tannicum, Alumen, Argentum nitricum, Acidum chromicum, Natrium chlora- 
tum u. a. Die Concentration ist je nach dem einzelnen Falle verschieden; 
ebenso die Menge der einzuspritzenden Flüssigkeit. Während bei nicht er- 
weitertem Cervicalkanal schon wenige Tropfen Flüssigkeit zuweilen die hef- 
tigsten Erscheinungen nach sich ziehen, kann bei genügend erweiteiiem Ca- 
nalis cervicalis und deshalb ungehindertem Abfluss, zumal unmittelbar nach der 
Entbindung und in den ersten Tagen des Wochenbetts, mehrere Hundert Gramm 
Solution ohne Schaden die Geburtshöhle passiren lassen (Eiegel, F. Weber). 
lÄe höchste Vorsicht ist indess immer bei diesen Injectionen geboten, und dürfen 
dieselben nur von geübter Hand ausgeführt, niemals den Hebammen oder 
Wärterinnen überlassen werden. 

Die langsame Erweiterung der Canalis cervicalis geschieht mit Hülfe von 
Pressschwämmen oder mittelst Bougies aus Laminaria digitata, indem diese 
letzteren die Eigenschaft besitzen, durch Anziehen von Feuchtigkeit allmälig 
erbeblich an Dicke zuzunehmen. Bei genügend durchgängigem Cervicalcanal 
ist auch die Auftragung concentrirter Lösungen auf die Gebärmutterschleimhaut 
mittels des Haarpinsels, der Wieke oder kleiner Leinenläppchen, die durch 
einen Faden am Ende der Sonde befestigt werden, empfohlen worden. — Viel- 
fach wurden und werden auch jetzt noch bacilli uterini, namentlich auf 
K Xartin's Empfehlung mittels eines von diesem Autor angegebenen Instru- 
ments (der Uteruspistole) in die Körperhöhle emporgeftlhrt. In dieser Fonn 
werden besonders styptische und adstringirende Mittel auf die Körperschleim- 
haut applicirt. 

Auch in Substanz können Medicamente auf die Schleimhaut des Uterus 
zumal des Canalis cervicalis, applicirt werden; das Hauptmittel ist hier Ar- 
gentum nitricum in Form der Aetzstiffces. Auch Einblasen pulverförmiger 
Medicamente mit Hülfe von Insufilatoren (vgl. Application auf die Schleimhaut 
der Athmungsorgane) wäre zu versuchen. 

8. Applioaüon auf die Schleimhaut des Mastdarms. 

Die Schleimhaut des Mastdarms dient sehr häufig als Applications-Organ 
für Medicamente, sowohl fUr solche, welche dazu bestimmt smd, lediglich 
lokal zu wirken, als für solche, welche einen Einfluss auf den G^sammt- 

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110 Clysmaia. 

Organismus ausüben sollen. Am häufigsten bedient man sich der flüssigen 
Fonn, indem man Solutionen, Mixturen oder Emulsionen in den Mastdarm in- 
jicirt; diese Anwendungsweise bezeichnet man als Kly stier, Clysma, Enema. 

Die Klystiere haben entweder 1) den Zweck, die Schleimhaut des Mast- 
darms mit emem den Durchgang der Fäcalmassen erleichternden schlüpfrigen 
Ueberzuge zu versehen, sein Lumen durch AnfÜllung mit Flüssigkeit zu er- 
weitem und Reflex-Bewegungen in den die Defäcation vermittelnden Muskeln 
anzuregen und durch Zusammenwirken dieser Momente Stuhlentleerung her- 
vorzurufen (entleerende Klystiere), oder 2) Arzneistoffe auf die Schleimhaut 
des Mastdarms zu appliciren, um dieselben hier zur lokalen Wh'kung zu 
bringen, oder sie der Resorption zu unterwerfen (arzneiliche Klystiere), oder 
schliesslich 3) Nahrungsstoffe dem Körper zuzuführen (nährende Klystiere). 

Die Clysmata evacuantia bestehen in ihrer einfachsten Form nur aus 
kaltem oder warmem Wasser, welches unter gewöhnlichen Bedingungen schon 
geeignet ist, sofern man es in genügender Weise injicirt, Stuhlentleerung 
hervorzurufen; um ein solches Clysma jedoch sicherer wirksam und die Wir- 
kung selbst minder beschwerlich zu machen, setzt man demselben meistens 
noch reizende Stoffe (aromatische Infusionen, Honig, Zucker, Essig, Salze, 
Ol. Terebinthinae, Ol. Ricini, Ol. Crotonis) oder Oleosa (Ol. provinciale) hinzu. 
Zusätze von Milch werden in derselben Absicht gemacht, wie die von Oel. 
Nicht selten ist es nöthig, die angesammelten und verhärteten Fäcalmassen 
zu erweichen, um deren Durchgang durch den Mastdarm möglich zu machen; 
zu diesem Zwecke bedient man sich ausser einem grossen Theile der eben 
angegebenen Substanzen der Abkochungen von Kleie, der Injectionen von 
Seifenwasser u. s. w. Um durch schnelle HervoiTufuug von Entleerungen 
einen revulsivischen Reiz auszuüben, z. B. bei Intoxicationen , soporösen Zu- 
ständen, spastischen Affectionen, setzt man den Klystieren meistens Essig zu. 

Die Clysmata medicata werden sowohl dazu benutzt, arzneiliche Sub- 
stanzen, die auf eine Lokalwirkung beschränkt bleiben sollen, der Schleim- 
haut des Mastdarm zuzuführen, als auch und hauptsächlich um diese letztere 
zum Vermittelungs-Organe für eine beabsichtigte Allgemeinwirkung zu machen. 
Es ist deshalb noth wendig, die Klystiere ihrer Beschaffenheit und Quantität 
nach so zu modificiren, dass sie nicht alsbald wieder durch angeregte Reflex- 
bewegungen ausgestossen werden. Man erreicht dies einerseits durch die ge- 
ringere Menge der eingespritzten Flüssigkeit, andererseits dadurch, dass man 
sie mit einem Beisatze versieht, welcher einen deckenden Ueberzug über der 
Mastdarmschleimhaut bildet und so deren Reizempfänglichkeit vermindert. In 
der Regel bedient man sich hierzu des Amylum, welches, erst zu einem dünnen 
Kleister gekocht, dem Clysma hmzugefttgt wird; ähnlich wirken Zusätze von 
Reisschleim, Mucil. Gummi Mimos., Abkochungen von Hafergrütze u. s. w. 
Nicht selten bedient man sich solcher Klystiere, um styptische Wirkung zu 
erzielen, namentlich bei Diarrhöen, wo Amylumklystiere als eines der wesent- 
lichsten Hilfsmittel zu betrachten sind. 

Die in Form von Clysmata medicata angewendeten Arzneistoffe sind 
meistens Narcotica und Nervina (Opium, Belladonna, Asa foetida, Valeriana), 
seltener different wirkende Salze, und zwar nur solche, welche schon in 
kleinen Dosen ihren Effect üben (Argentum nitricum, Liq. Ferri sesquichlor., 
Plumbum aceticum u. a.). 

Die Arzneiform, welche man für die Clysmata medicata wählt, ist am 
zweckmässigsten in der Emulsion, da diese am meisten dazu geeignet ist, die 
nothwendige Herabsetzung der Reizbarkeit in der Mastdarmschleimhaut zu be- 
wirken und das längere Verweilen des Clysma im Rectum zu ermöglichen. 
Man verordnet diese Form entweder aus der Apotheke, oder lässt sie durch 
domestike Bereitung improvisiren, etwa in der Art, dass man das betreffende 
Medicament in Tropfenform verschreibt und einer Mischung aus einem dünnen 

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Clysmata. - 111 

Amylnmkleister, dem noch eine geringe Quantität Oel zugesetzt werden kann, 
beifügt. 

Oft bedient man sich der Klystiere, um Entozoen, und zwar solche, 
welche in den Falten des Mastdarms ihren Sitz haben, aus denselben zu ent- 
fernen. Man setzt in diesen Fällen dem Clysma Mittel zu, welche direkt 
feindlich auf die Parasiten wirken (Essig, Knoblauch, Decoct. Sem. Cinae, 
Benzin, Kupfersalze). 

Die Clysmata nutrientia werden in solchen Fällen angewendet, in 
denen die Eniährung durch die Magenschleimhaut, durch ünwegsamkeit der 
Speiseröhre, Krampfzustände, Gemüthskrankheiten erschwert oder unmöglich 
ist. Man bedient sich gewöhnlich zu solchen Klystieren der Fleischbrühe und 
des Eigelbs, welchen man in der Regel noch einen Zusatz von Amylum macht, 
um die Resoi^ption der Nährstoffe durch längeres Verweilen derselben im Mast- 
darm zu ermöglichen. In neuester Zeit ist es gelungen, die Fähigkeit durch 
Klystiere zu eniähren, in hohem Grade zu vervollkommenen (Leube), indem 
durch Beimischung von Pancreas selbst Fleisch in fein zertheiltem Zustand 
vom Rectum aus zur Resorption gebracht werden kann (vgl. Succus pancrea- 
ticus im speciellen Theile) oder aber direct peptonisirtes Fleisch, sog. Pepton- 
solution in Wasser gelöst, entweder allein, oder in Verbindung mit anderen, 
leicht löslichen, zur Resorption geeigneten Stoffen (Traubenzucker (Ewald) 
zum Clysma verwendet wird. Es ist aber bei diesen sog. Emährungs- 
kly stieren nothwendig, etwa eine halbe bis eine ganze Stunde vorher ein 
Reinigungsklystier von reinem lauwaimem Wasser vorangehen zu lassen und 
die Menge der zum eigentlichen Ernährungsklystier verwendeten Flüssigkeit 
so gering zu wählen, dass sie der Kranke bei sich behalten kann. Wesentlich 
erleichtert wird letzteres, wenn das Klystier resp. die Canüle möglichst hoch 
über dem Sphincter hinaufgebracht wird. Eventuell kann man dem Clysma 
zur Beruhigung des Darms etwas Opium, am besten m Tinctur, oder Chloral 
zusetzen. Durch diese Klystiere gelingt es zuweilen, Wochen lang ohne jede 
andere Nahrungszufuhi* das Leben zu fristen, jedenfalls aber über acute 
Krisen von ein- und mehrtägiger Dauer fortzuhelfen. 

Die Quantitätsverhältnisse der Clysmata dürften etwa folgendermassen zu 
normiren sein: Für entleerende Klystiere bei Erwachsenen nimmt man zwei 
kleine Tassenköpfe, etwa '200,0 — 300,0, für grössere Kinder 1 — IVj Tassen- 
köpfe, etwa 100,0—200,0, für kleinere Kinder V,— 1 Tassenkopf, 50,0 bis 
150,0, für Zurückzuhaltende Klystiere (arzneiliche und nährende) die Hälfte 
der eben angegebenen Quantitäten oder auch weniger. In manchen Krank- 
heitszuständen, z. B. bei Stercoralkoliken , Heus u. a., mjicirt man mittelst 
Clysopompes oder Irrigatoren und einer hoch in den Mastdarm hinaufgeführten 
Sonde sehr bedeutende Quantitäten (500,0—1000,0) Flüssigkeit in den Darm- 
kanal, um mechanisch eine Ei'weichung der Kothmassen und Entleeining zu 
bewirken. 

Die Mischungsverhältnisse der gebräuchlichsten, der häuslichen Bereitung 
ttberlassenen Clysmata sind folgende: 

Gewöhnliche eröffnende Klystiere bestehen aus IVa Tassenköpfen eines 
aromatischen Infusums, meist Chamillen- oder Baldrianthee, mit Zusatz von 
einem Esslöffel Rüb- oder Baumöl und einem Thee- bis Kinderlöffel Koch- 
salz. Hier, wie bei allen anderen Klystieren, kommt es auf Homogenität der 
Mischung nicht an, vielmehr ist die Form der rohen Schüttelmixtur dem beab- 
sichtigten Zwecke keineswegs hinderlich. In Bezug auf den Zusatz von Salz 
ist zu bemerken, dass derselbe in denjenigen Fällen, in welchen durch ent- 
zündete Hämorrhoidalknoten, Erosionen des Mastdarms u. s. w. eine grosse 
Empfindlichkeit der Schleimhaut vorhanden ist, vermieden werden muss. 

Gelinde Verstärkung der purgirenden Kraft erreicht man, wenn man 
statt des Baumöls 1 — 2 Esslöffel Ol. Ricini nimmt, oder dem Klystiere 1 bis 

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112 Clysmata. 

2 Esslöflfel Honig hinzusetzt — Seifenklystiere bereitet man aus ca. 15,0 bis 
25,0 Seife, in warmem Wasser aufgelöst. — Essigklystiere bestehen aus einer 
Mischung von 2 — 4 Esslöffeln käuflichen Essigs mit Wasser oder Chamillen- 
thee. — Stärkemehlklystiere bereitet man, indem man einen Dessert- oder 
Esslöffel Stärke mit kaltem Wasser anrührt und mit Vi— 1 Tasse kochenden 
Wassers aufquillt. — Zu Bouillonklystieren rührt man eine Abkochung von 
V4— Vs Pftind Kalb- oder Rindfleisch auf 1—1*/« Tassen mit einem Eigelb 
und etwa einem Theelöffel Stärkemehl zusammen. Zuweilen nimmt man statt 
des Amylum Salep in gleicher Quantität. — Weinklystiere , welche als Ana- 
leptica, namentlich bei starken Blutverlusten, empfohlen worden sind, werden 
aus einem stark alkoholhaltigen und nicht sauren Weine gegeben, etwa Port- 
wein oder gutem französischen Rothwem, rein oder mit gleicher Quantität 
Wasser gemischt. 

Die Temperatur der Clysmata ist meistens lauwarm und wird in der 
Regel so bestimmt, dass die mit der Flüssigkeit gefüllte Metallspritze an 
empfindlichen Hautpartien, wie der Wange oder den Lippen, kein stechendes 
Wärmegefühl erregen darf. — Heisse Klystiere werden nur ausnahmsweise 
und zwar in denjenigen Fällen gegeben, in denen man revulsivisch wirken 
und eine schnelle Entleenmg hervorrufen will. — Kalte Klystiere wirken 
heftig reizend, wenn sie von sehr niedriger Temperatur (etwa + 5 bis 8" R.) 
gegeben werden; Klystiere von gewöhnlicher Zimmer-Temperatur haben meist 
keine unmittelbaren Entleerungen zur Folge und werden entweder als Topica 
bei Krankheiten des Mastdarms gebraucht, um die adstrmgirende oder ent- 
zündungswidrige Wirkung der Kälte zur Geltung zu bringen, oder durch Aus- 
übung eines milden Reizes die Stuhlentleerungen allmälig zu reguliren. 

Zur Application der Klystiere bedient man sich meistens der einfachen 
Klystierspritzen. Zweckmässig ist es, namentlich fUr ungeübte Hände, 
sich einer Gummi-Canüle zu bedienen, welche erst, sorgfältig eingeölt, in den 
Mastdarm geschoben wird und in welche man dann die Spritze einsetzen 
lässt, da bei diesem Verfahren Verletzungen der Mastdarmschleimhaut, die 
bei roher Procedur leicht erfolgen, sicher vermieden werden. In neuerer 
Zeit bedient man sich der verschiedenartigen Clysopompes, die so einge- 
richtet sind, dass der Patient im Stande ist, sich das Klystier selbst zu geben; 
sie bestehen sänmitlich aus einer Druckpumpe mit langem, beweglichem 
Schlauche, aus welchem das Wasser stossweise oder, wie beim Eguiuer'schen 
Irrigateur, in continuirlichem Strahle in den Mastdarm geleitet wird. Dieselben 
sind fast ganz durch die einfachste Methode des Eingiessens (Hegar) verdrängt 
worden. Man bedarf zu diesem Zwecke nur eines mit dem in's Rectum ein- 
zuführenden Endstück versehenen Schlauches, in dessen anderes Ende ein 
Glastrichter eingefügt wird. Giesst man Flüssigkeit in den hoch gehaltenen 
Trichter, so fliesst dieselbe, bei passender Lagerung des Patienten, in den 
Darm, und es können auf diese Weise sehr grosse Quantitäten Flüssigkeit 
in den Darm eingeführt werden. Die passendste Lagerung des Patienten, 
bei welcher der Druck im Darm am meisten und zwar unter Null herab- 
gesetzt wird, ist die Knieellenbogenlage mit hochstehendem Becken und herab- 
hängendem Kopfe. Indessen genügt fUr gewöhnlich auch schon die Seiten- 
lage mit geringer Beugung der Oberschenkel. Aber selbst in der Rücken- 
lage lässt sich das Verfahren meist noch mit grossem Vortheil ausfuhren 
(Mosler), wodurch die Methode besonders bequem wird. Vor dem Beginn 
des Eingiessens muss selbstverständlich erst für Entleerung der Luft aus dem 
Schlauche Sorge getragen werden. Mit Hilfe eines passenden Irrigators kann 
man sich auf diese Weise jede Art von Klystier selbst setzen, besonders wenn 
an dem Ende des Gummischlauches, oder an der Canüle, wie dies jetzt zu 
geschehen pflegt, ein leicht regulii'barer Hahn angebracht ist. 

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Application von Dämpfen und Gasen ins Rectum. — Suppositorien. 113 



Be 



^ 



Tinct. Opii 1,5 
Dec. Rad. Alth. (ex. 20,0) 400,0. 
D. S. Zu drei Klystieren. 



ispiele. 

Inf. Flor. Chamom. 200,0 
Emuls. 
D. S. Zu zwei Klystieren. 



n. IV 

Inf. Fol. Nicotian. (e 4,0) 200,0 

fiat. c. 
Gummi Arab. 10,0 
Ol. Ricin. 20,0 
1. a. 

Emulsio. 
D. S. Den dritten Theil zum Klystier. 



in. 



^ 



Fol. Belladonn. 2,5 
Rad. Valerian. 15,0 

in f. Aq. fenr. q. s. 

ad Colat. 150,0. 
D. S. Zu drei Klystieren. 



IV. Rr 

Asae foet. 7,5 
Vitell. ovi unius 
f. c. 



D. S. 



Plumbi acet. 0,5 

solve in 
Aq. Chamom. 100,0. 
Zu zwei Klystieren. 



VI. Kf 

Acid. tannic. 0,25. 
D. tal. dos. No. 5. S. Ein Pulver in 
einem Tassenkopf warmen Wassers zum 
Klystier. 



vn. 



^ 



C. c, 
D. 



Furfur. Tritici 
Herb. Centaur. 
Herb. Millefol. 
Rad. Valerian. ana 50,0. 
F. spec. div. in octo partes aequal. 
S. Ein Päckchen mit zwei Tassen 
heissen Wassers zu übergiessen und den 
Aufguss zum Klystier zu benutzen. 



Die Anwendung der elastisch-flüssigen Form auf die Schleimhaut 
des Mastdarms findet nur selten statt. Die Dampf-Sitzbäder können kaum 
hierher gerechnet werden, da die aufisteigenden Dämpfe schwerlich weiter 
gehen, als bis zur Aftermündung. Einblasungen von Luft sind zuweilen an- 
gewendet worden, um auf diesem Wege Unwegsamkeiten der oberen Darm- 
partien zu beseitigen. Man benutzt zu diesem Zwecke einen Blasebalg; weit 
vortheilhafter jedoch bedient man sich, wo er zur Hand ist, eines pneuma- 
tischen Apparates, mittelst welches man einen Druck resp. Zug von bestimmter, 
beliebig zu steigernder Kraft auszuüben vermag. Gasdouchen von kohlen- 
saurem Gase werden in Kurorten bei lokalen Krankheiten des Mastdarms be- 
nutzt. — Am gebräuchlichsten sind die sogenannten Tabakrauch-Klystiere 
bei eingeklemmten Brüchen. Dieselben werden am einfachsten in der Weise 
ertheiit, dass man den Kopf einer mit brennendem Tabak gefüllten Pfeife 
mit einem Gummischlauch in Verbindung setzt und diesen in den Mast- 
darm leitet. 

In fester Form werden die Arzneimittel auf die Schleimhaut des Mast- 
darms als Salben und Suppositorien angewendet. Salben führt man, auf 
Charpiebäuschen oder auf kerzenartig gewickelte Pflastercylinder gestrichen, 
in den Mastdarm ein. Diese Anwendungsform steht an Zweckmässigkeit der 
der Suppositorien bedeutend nach. Die Suppositorien, Stuhlzäpfchen, 
sind cylindrisch oder konisch geformte Stücke einer festen, seifenartigen oder 
zerfliesslichen Substanz, welche in den Mastdarm gesteckt werden, um ent- 
entweder durch ihren Reiz auf die betreffenden Muskeln Defäcationsbewegungen 
hervorzurufen, oder Krampf des Sphincter ani mechanisch oder dynamisch zu 
überwinden, oder die Schleimhautfläche mit einem emolliirenden , schützenden 
Ueberzuge zu versehen, oder schliesslich dieselbe mit Medicamenten, meist 
narkotischer Natur, in Contact zu bringen. 

Die entleerenden Stuhlzäpfchen werden entweder aus einer dünnen Talg- 
kerze oder aus Seife geschnitten; bei der Wahl der letzteren Substanz nehme 

Evald und Simon, Arxnelverordimngslchre. 10. AuH. Digitizec^by VjOOg IL 



114 Injectionen in die Venen. 



man darauf Rücksicht, keine zu harte Seife anzuwenden; venetianische eignet 
sich am besten zu diesem Zwecke. 

Um medicamentöse Stoffe mit der Schleimhaut des Mastdarms in Ver- 
bindung zu bringen, werden dieselben entweder in Salben- oder in flüssiger 
Form auf die eben erwähnten Suppositorien applicirt oder mit einem geeig- 
neten Constituens gemischt und zum Suppositorium geformt. Als solches 
Constituens empfiehlt sich vorzugsweise die Cacaobutter, deren Vortheile für 
diesen Zweck wir oben, bei Besprechung der Vaginalkugeln, angedeutet haben. 
Die Bereitung solcher Zäpfchen geschieht folgendermassen : man mischt den 
medicamentösen Stoff mit der bei gelinder Temperatur geschmolzenen Cacao- 
butter, lässt sie unter Umillhren halb erkalten und giesst sie dann in jede 
gewünschte Form. Dieselben werden jetzt auch in Form von Spitzkugeln 
verschiedener Grösse auf kaltem Wege mit Hilfe vom Compressionsmaschinen 
entweder aus Cacaobutter, oder aus Gelatine verfertigt. Dieselben sollen den 
Vortheil gleichmässigerer Vertheilung des bez. Medicamentes und, die letzteren, 
leichterer Resorption haben. 

Das Gewicht eines Suppositoriums wird zu 2,5—5,0 angenommen. 



Beispiele. 



I. I^ 

Extr. Belladonn. 0,2 

adde 
Ol. Cacao leni calor. liquat. 15,0. 
Misce terendo et semirefrigerata cffunde in 
capsulas chartaceas cylindricas No. 5. 
D. S. Stuhlzäpfchen. 



n. Sf 

Aeid. tannic. 1,0 

f. 1. a.c. 
Ol. Cacao 25,0. 
Suppositoria No. 10. D. 



V. Injectionen von Arzneimitteln in die Venen. 

Die Injection von Arzneimitteln in die Venen ist, abgesehen von den 
operativen Schwierigkeiten, welche sie darbietet, eine mit zu vielen Gefahren 
ftii* den Kranken verknüpfte Applicationsform , als dass sie jemals zu einer 
allgemeineren Anwendung gelangen könnte, und dass sie nur als ultimum re- 
fugium in solchen Fällen Platz greifen darf, in denen die gewöhnliche Dar- 
reichungsform per OS absolut unmöglich geworden ist, und die sonst als Ersatz- 
mittel geltenden Methoden des Clysma und der subcutanen Injection nur eipe 
zu langsam eintretende Wirkung in Aussicht stellen. Ein derartiges Sachver- 
hältniss tritt fast ausschliesslich nur dann ein, wenn, einer Indicatio vitalis 
entsprechend, rasch wirkende Narcotica oder Brechmittel in Krankheiten ge- 
geben werden sollen, in denen ein mechanischer oder spastischer Verschluss 
des Schlundes oder der Speiseröhre stattfindet, also bei fremden Körpern in 
den genannten Theilen, Tetanus, Hydrophobie u. s. w. — Die Menge des 
zu injicirenden Mittels wird im allgemeinen geringer zu bemessen sein, als 
für ^e subcutane Injection in Gebrauch gezogen wird. — Selbstredend ist 
die für die Injection einzig mögliche Form die flüssige, und können demnach 
nur vollständig lösliche Stoffe hier in Anwendung kommen. Die Temperatur 
der zu injicirenden Flüssigkeit muss ungefähr der des Blutes entsprechen. 

Von der grössten Bedeutung bei gewissen Krankheitszuständen ist die 
Transfusion von Blut gesunder Personen. Das zu benutzende Blut ist 
am besten defibrinirt anzuwenden. In betreff der Technik der Operation 
müssen wir auf die chirurgischen oder akiurgischen Handbücher verweisen. 
Der gebräuchlichste Transfusions-Apparat ist der von Martin; besondere Vor- 
züge versprechen einige neuerdings empfohlene Apparate (Hasse, Eonssel, 
Soliliep). Die Transfusion verdient häufiger in Anwendung gezogen zu wer- 

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Injectionen in seröse Höhlen und Cysten. 115 



den, als bisher üblich war (bisher hauptsächlich bei Anämie durch Blut- 
verluste angewandelt), und sind die Indicationen für dieselbe wesentlich zu 
erweitem; namentlich ist sie bei verschiedenen Vergiftungen (z. B. mit 
Kohlenoxydgas, Leuchtgas, Phosphor u. s. w.), wie bereits geschehen, viel- 
leicht auch bei manchen constitutionellen und Infectionski'ankheiten , theil- 
weise nach vorhergegangener Blut-Depletion (Landois und A. Eulenburg) zu 
versuchen. Sollte es sich bewahrheiten, wofür neuere Untersuchungen sprechen, 
dass die Gefahr grösserer Blutverluste und Anämien zu einem grossen Theil 
in der ungenügenden mechanischen Füllung des Gefässsystems , weit weniger 
in dem Mangel an Sauerstoflfträgem besteht (Schwarz) und so die Gefahr 
der Blutleere durch Füllung des Gefässsystems mit indifferenten Flüssigkeiten, 
Transfusion von Salzwasserlösungen von 0,6 pCt. (Kronecker, Schwarz) be- 
seitigt werden kann, so dürfte der Transfusion eine gi*osse Zukunft bevor- 
stehen. Die Transfusionen mit Milch haben sich dagegen nach eingehender 
Prüfung eines englischen Comit^s als unzuverlässig und gefährlich erwiesen. 

In neuester Zeit hat man statt der Transfusion von Blut in die Venen 
auch die Transfusion in das peripherische Ende einer Arterie versucht (ar- 
terielle Transfusion: Hueter), und scheint diese Methode unter Umständen 
gewichtige Vorzüge darzubieten. 

Schliesslich ist noch der Lammblut-Transfusionen zu erwähnen, 
welche schon vor langer Zeit zum öfteren versucht und ^^ieder verlassen, 
in neuester Zeit durch Gesellius und namentlich Hasse wieder aufgenommen 
worden sind, um bald von neuem von der Tagesordnung zu verschwinden, 
nachdem das Problematische ihrer Wirksamkeit und selbst die Gefährlichkeit 
derselben von verschiedenen Seiten festgestellt worden ist (besonders durch 
Landois, Pannm und Ponfick). 

VI. Injectionen von Arzneimitteln in seröse Höhlen 
und Cysten. 

Um in serösen Säcken oder entleerten Cysten adhäsive Entzündungen 
zu Stande zu bringen und somit ihre Verwachsung herbeizuführen, werden 
zuweilen reizende Substanzen in Lösung injicirt und längere oder kürzere Zeit 
mit den Wandungen jener Höhlen in Contact erhalten. Die Stoffe, deren man 
sich hieran bedient, sind vornehmlich adstringirende Lösungen, Chloroform, 
verdünnte Jodtinctur oder auch Antiseptica (Carbolsäure , Kali hypennanga- 
nicum u. a.). Die Procedur, um die es sich handelt, bildet meistens entweder 
einen integrirenden Theil einer anderen Operation (Operation der Hydrocele, 
Punctio ovarii u. s. w.) oder die Nachbehandlung nach chirurgischen Ein- 
griffen (Thoracocentese bei Pyothorax), und es ist deshalb Sache der opera- 
tiven Technik, die Art des Verfahrens, sowie den Sättigungsgrad der einzu- 
spritzenden Solution zu bestimmen. 

Ausgehend von einer längeren Versuchsreihe hat Ponfick vorgeschlagen, 
in Fällen acuter Anämie Blut mittelst eines Tioicarts direct in die Bauch- 
höhle zu injiciren resp. durch Druck einlaufen zu lassen. Es wird dort, 
ohne zu peritonitischen Erscheinungen Veranlassung zu geben, schnell aufge- 
saugt und es lässt sich durch Färbung und Messung ein vermehrter Gehalt 
des Blutes an Köi'perchen und Hämoglobin nach der Operation nachweisen. 
Am Lebenden ist diese Operation mit gutem Erfolg von Ponfick, Kaozorowsky, 
Golgi, Moaler und Ewald ausgefUhii; worden. 



Digiti; 



z|<iby Google 



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Specielle Arzneiverordnnngslehre. 



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Erklärung der Zeichen« 



Die in der Ph. Germ. ed. altera enthaltenen Mittel sind mit einem Stern versehen. 
Der officinelle Name der Mittel wird durch die grössere fette Schrift bezeichnet. 



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Acetlll s. Diaethylacetal. 

AcetOHUIII» Spiritus pyro-aceticus depuratus, Liquor pyro-aceticus 
depuratus, Aether lignosus. Esprit (Ether) pyro-acetique. Pyroacetic 
Spirit. Aceton, Brenz-Essiggeist (Mwlg), Essiggeist, Acetonyl- 
oxyd. Nach C. A. Beeker ist das Aceton identisch mit dem geheimen 
Weingeist der Alchimisten, dem Spiritns vini LuUiani seu philo- 
sophici. [Wasserhelle, leicht entzündbare Flüssigkeit von 0,823 bis 0,824 spec. 
Gewicht, ätherischem Geruch, stechendem Geschmack, löslich in Wasser, Alko- 
hol und Aether. Wird durch trockene Destillation wasserfreier, essigsaurer Salze 
mit schwacher Base und Reinigung des Destillats mittelst Chlorcalcium gewonnen. 
Der €«d. ned. lamborg. schrieb vor, zu 3 Th. essigsauren Bleioxyds 1 Th. 
Calc. usta zuzusetzen und durch trockene Destillation eine Flüssigkeit von 0,8 spec. 
Gewicht darzustellen. Das englische Aceton, Aceton, anglicum, dessen Wir- 
kungen höher gestellt werden, wird durch Destillation aus holzessigsauren Salzen 
bereitet, und scheint noch eine Spur empyreumatischer Beimischung zu enthalten, 
die sich bei Lösung in Wasser durch leichte Trübung zu erkennen giebt. — 10,0 etwa 
20 Pf.] Das Aceton hat in neuerer Zeit als angeblich specifisches Vor- 
kommniss im Harn und Athem von Diabetikern eine besondere Bedeutung 
gewonnen und ist darauf die Theorie der Acetonaemie gegründet worden. 

Innerlich [bei Phthisis laryngea, trachealis und pulmon. empfohlen (lastings), 
auch als Nervinum bei Neurosen], in Tropfenform zu 5-10-15 Tropfen, 
am besten ohne weitere Beimischung. [WcpI's Antiphthisic Capsules enthalten 
1 Tropfen Aceton und 9 Tropfen Ol. Jecoris.] Diese Dosen sind, wenn man 
überhaupt irgend welchen Nutzen von der Darreichung des Acetons er- 
wartet, offenbar viel zu gering. Jedenfalls ist es unrichtig, dass dasselbe 
zu Irritation der Respirations-, Verdauungs- oder Centralorgane Veran- 
lassung gebe. Auf der Frcrlchs'schen Klinik sind sehr grosse Gaben 
Aceton ohne jede Störung der Athmung und ohne alle Hirnerscheinungen 
gegeben worden. 

Aeusserlich zu Inhalationen entweder als Zusatz zur Flüssigkeit 
in zerstäubter Form [0,1-1,0 auf 100,0 Aq.] oder in Dampfform (Krockcr) 
[am bequemsten, indem man mit Aceton befeuchtete Wattencylinder in eine gläserne, 
an einem Ende etwas zugespitzte Röhre (Inhalationsröhre) legt und Inspirationen, 
wie beim Cigarrenrauchen macht], zu Waschungen und zu Einreibungen in 
Form des Liniments empfohlen. 



1. I^ 

Inf. Rad. Valerian. 100,0 
Acetoni 15,0 
Syr. Aurant. Gort. 30,0. 
MDS. 3stdl. einen Esslöffel. 
[Bei Neuralgie und Rheumatismus.] 
0. ▲. Becker. 



2. I^ 

Acetoni 

Ol. olivar. ana 5,0 
Tinct. kaiin. 1,0. 
M. F. Linimentum. S. Zum Einreiben. 
[Bei rheumatischen Schmerzen.] 

0. A. Beoker. 

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120 Acetum aromaticum. 



'*'Aeetuill. Acetum purum, Acetum vini, Vinaigre, Vinegar. Essig, 
Weinessig. [Soll so stark sein, dass 20 Th. nach Vermischung mit 0,5 Ccm. Baiyum- 
nitratlösung und 1 Ccm. Zehntelnormalsilberlösung ein Filtrat geben, welchesi weder 
Chlor noch Schwefelsäure enthält. Der Essig soll in 100 Th. 6 Th. Essigsäure ent- 
halten; 10 Gr. Essig müssen daher 10 Ccm. Normalkalilösung sättigen. Das Acetum 
Ph. AHstr. ist ziemlich genau von derselben Stärke. — Der in den Fabriken käufliche 
Essig ist in der Regel stärker und wird in den Officinen bis zu dieser Sättigungs- 
Capacität mit Wasser verdünnt. 100,0 10 Pf.] Cave : weinsteinsaure Sake, aus 
denen der Essig saure weinsteinsaure Salze fällt. 

Innerlich zu Saturationen. [Vgl. diese im allgemeinen Theile S. 38.] 
Selten als Zusatz zu anderen Mixturen [25,0-50,0 auf 150,0]; häufig in 
Getränk [100,0-150,0 auf 1 Liter Wasser mit Zucker] als kühlendes Getränk 
in fieberhaften Krankheiten, bei Vergiftungen durch Narcotica und Alkalien. 
Eine solche zum Getränk dienende Mischung heisst Oxykrat. lieber 
Essigmolken vergl. Serum Lactis [S. 51.]. 

Aeusserlich zu Mund- und Gurgelwässern [20,0-100,0 auf 250,0], 
Klystieren [30,0-120,0 rein oder mit anderen Zusätzen, Charaillenthee, Oel, Asa 
foetida u. s. w.], Injectionen [bei Blutflüssen mit adstringirenden Substanzen], 
Waschungen, Umschlägen [mit Wasser ana oder Zusätzen von Kochsalz, 
Weingeist, Tinct. Arnicae (z. B. 2 Essig, 1 Weingeist: Liquor discutiens Phil. nlL) 
u. s. w.], Bädern [2-3 Pfund auf ein Bad], in Dampfform [Einathmungen 
von Dämpfen des warmen Essigs, Besprengungen der Fussböden, Verdampfen auf 
glühender Platte]. 

*Acetiiiii aromaticttin« Ac. Berolinense. Gewürzessig. [Ol. La- 

vandulae, Menthae piper., Rosmarini, Juniperi, Cinnamomi Cassiae ana 1,0, Olei Citri, 
Ol. Caryophyllor. ana 2,0, Spirit. vini 300,0, Acid. acetic. dilut. 450,0, Aq. destill. 
1200,0. 3 Tage am kalten Orte stehen lassen und filtriren. — 100,0 50 Pf. — Nahezu 
gleiche Compositionen sind: Acetum antisepticum, cardiacum, pestilentiale, prophy- 
lacticum, bezoardicum, quatuor latronum, Vinaigre de quatre voleurs, Pestessig, Vier- 
räuberessig u. s. w.] 

Innerlich zu 7,5-15,0 öfters täglich, in Saturationen [die Satura- 
tions-Verhältnisse sind dieselben, die bei Acetum angegeben], als Zusatz zu Mix- 
turen [25,0-50,0 auf 150,0]. 

Aeusserlich wie Acetum. 

Acetum eampliorataill. Garn pher- Essig. [Camph. l in Spintus 
dilut. 60 gelöst und Acetum 180 zugesetzt.] 

Aeusserlich als Riechmittel, zu Waschungen und Fomen- 
tationen. 

Acetum Cantharidis Ph. Und. Spanisch-Fliegen-Essig. [2 ge- 
stossene Cantharid. mit 18 Acetum concentr. 8 Tage lang macerirt. — Das Acetum 
Cantharid. Ph. Edinb. wird aus 3 Canth., 5 Acet. concentr., 15 Acet. pjrolign. und 
Vj Euphorb. durch siebentägige Maceration bereitet.] 

Aeusserlich als Hautreiz. 

Acetum Capsici aunui« [EineMaceration von spanischem Pfeffer mit Essig; 
von Landerer als Hautreiz bei Kindern empfohlen, wo man die Einwirkung der Can- 
thariden fürchtet] 

Acetum Colchicit Zeitlosen-Essig. [Aus Sem. Colchici conts. und 



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Acetum pyrolignosum orudum. 121 

Spir. ana 1 und Acct. pur. 9, darch 8tägige Digestion; nach dor ftrani. Ph. aus Rad. 
Colchici 1:12. — 10,0 10 Pf.] 

Innerlich zu 2,0-7,5 mehrmals täglich in Mixturen und Satu- 
rationen. [Man tbat hier, wie beim Acet. scillit., besser, die Quantität des Essigs, 
als des wirksameren Bestandtheiles , genau anzugeben und die Quantität des Salzes 
mit q. s. zu bezeichnen. Die Saturations -Verhältnisse sind ungefähr dieselben wie 
beim gewöhnlichen Essig.] 

3. I^ I 4. I^ 

Acetum Colchici 25,0 | Magnes. carbon. dep. 7,5 



Aq. Menth, pip. 100,0 
Acet. Colchici 
SjT. Aurant. Cort. ana 20,0. 
MDS. 3stdl. einen Esslöffel. 
[Bei acuter Gicht.] 

Boudamore. 



Ealii carbon. 

(od. Ammon. carb.) q. s. ad perf. 

sat. cui adde 
Tinct. Opii 0,5 
Aq. Flor. Sambuc. 100,0 
Syr. Sacchar. 25,0. 
MDS. Stdl. bis 2stdl. einen Esslöffel. 

Acetttin conceiitrataiii s. Acidum aceticum dilutum. 

Hcetnm Digitalis. Fingerhut-Essig. [Fol. digit. 5 mit Spirit. 5, 
Acetum pur. 9 und Aqua 36 durch 8 Tage macerirt. — 10,0 10 Pf.] Vorsichtig 
aufzubewahren. 

Innerlich zu 0,5-1,0-1,5-2,0! mehrmals täglich, 10,0! als Tages- 
gabe, am besten unvermischt in Tropfen (10-20-30 Tropfen pro dosi) 
oder, was weniger empfehlenswerth, in Mixturen (5,0-15,0 auf 200,0). 
Saturationen sind unzweckmässig wegen der möglichen Zersetzung oder 
Abscheidung des Digitalin. 

Acetttin Opii« Black drops, Liquor Opii sedativus Battleyi s. ace- 
ticus. Opium-Essig, schwarze Tropfen. Ein in den britischen und 
amerikanischen Pharmakopoen heimisches Präparat, das ganz zweck- 
mässig erscheint. Der Gehalt an Opium schwankt nach den einzelnen 
Vorschriften; als Durchschnittsverhältniss darf man annehmen, dass das 
Acetum Opii die Tinct. Opii simpl. an Stärke bedeutend übertrifift [so 
giebt z. B. die Pbarm. ofthe United States folgende Formel: 16 Tb. Opium, 3I^ux 
moscbata, 2 Crocus, 24 Saccharnm, im Sandbade mit einem Ueberschuss von Acet. 
concentr. , digerirt, ausgepresst, filtrirt und auf 104 Th. abgedampft. — Die Pli, 
Morfeg. (1854) lässt 6 Th. Opium, Safran, Muskatnuss ana 1 Tb. mit 48 Tb. Acet. 
Vi Stunde lang im Sand bade erhitzen, filtriren und auf 30 Th. abdampfen. Noch star- 
ker im Gehalt an Opium ist das Acet. Opii Ph. ■iM. (1 : 4) und der Ph. Edinh. (1 : 3).] 

Innerlich [je nach der Stärke des Präparats] zu 3-5-10 Tropfen 2-3 
Mal täglich. 

Acetam plambicam s. Liq. Plumbi subacetici. 

Acetum puram« Acetum destillatum. Reiner Essig. [Acld. 
acet. dilut 1, Aq. destill. 4. — Dasselbe Präparat, welches die Pharm, germ. ed. 
altera als Acetum bezeichnet. Es stand früher dem Acetum crudum gegenüber, 
welches jetzt fortfallt.] 

^Aeetam p^roligiioSHlii crudam« Acidum pyro-lignosum crudum, 
Acidum pyroxylicum crudum, Acetum ligni, Acetum lignorum empyreu- 
maticum (irudum. Pyroligneus acid. Acide pyroligneux. Roher Holz- 
essig, rohe Holzsäure. [Essig mit einem stets ungleichen Gehalte an Methyl- 
alkohol, Phenol, Brenzkatechinsäure, Ameisensaure, Kreosot und anderen Producten der 



122 



Acetura pyrolignosum rectificatum. 



trockenen Destillation. 10 Tbeile müssen mindestens 10 Com. Normalkalilösnng 
sättigen. — 100,0 15 Pf.] Cave: Licht. 

Nur äusserlicli [verdünnt oder rein] als antiseptisches Mittel zu In- 
jectionen, Waschungen, Linimenten [Bestreichenatonischeroderbrandiger 
Geschwüre], Verbandwässern [1 mit 5-10 Wasser bei alten Fussgeschwüren]. 



5. ^ 

Plumb. acet. 0,5 
Acet. pyrolign. crudi 0,4 
Aq. 150,0. 
M. D. in vitro nigr. S. Einspritzung. [Bei 
Otorrhoea pumlenta, Blenorrhoea ure- 
thralis.] Buohanan. 



Furf. tritici 150,0 
Farin. Sem. Lini 25,0 



Acet. pjTolifjn. crudi q. s. 
ut f. cataplasma. [Bei Intertrigo Erwach- 
sener, bei Neigung zu profusen Seh weis- 
sen, Decubitus.] O. J. Me7er. 



7. 1^ 

Acet. pyrolign. crudi 25,0 
Ammon. carb. q.s. ad Saturationem. 
D. in vitro nigro. S. Zur Waschung sy- 
philitischer Excrescenzen und Warzen. 
Wilkinson. 



*Acetaiii pyroligBOsam rectiieatnm« Acidum pyro-lignosum recti- 
ficatum, Acidum pyroxylicum rectificatum, Acetum Lignorum empyreu- 
matic. rectific. Rectificirter Holzessig. Gereinigter Holzessig. Holz- 
essigsäure. Farblose oder gelblich klare Flüssigkeit von .brenzlichem und 
saurem Gerüche und Geschmacke, welche weder durch Baryumnitrat noch 
durch Schwefelwasserstoff eine Trübung erleiden und nicht unter 6 pCt. 
Essigsäure enthalten darf. 10 Gr. rectificirter Holzessig müssen min- 
destens 10 Ccm. Normalkalilösung zur Sättigung erfordern. [Aus 10 Theilen 
rohem Holzessig sollen 8 durch Destillation gewonnen werden. Geschmack und Ge- 
ruch minder unangenehm, als bei der rohen Holzsäure. — 100,0 25 Pf.] 

Innerlich zu 0,5-1,0-1,5 mehrmals täglich, in Boli, Tropfen 
[10-20-30 Tropfen] oder in wässerigerVerdünnung [am besten mit aroma- 
tischen Wässern, z. B. Aq. Menth, pip.]. 

Aeusserlich zu Pinselsäften [l''auf 5-10 Meli, rosat., bei Noma], 
Mund- und Gurgelwässern [1 auf 10-20], Zahnlatwergen. 



8. Bf 

Aceti pyrolign. rect. 5,0 
Rad. Calami pulv. 15,0. 
M. F. Boli No. 20. Consp. Pulv. Rad. 
Calami. D. S. 3stdl. zwei Stück zu ver- 
schlucken. 



Syr. Mororum. 50,0. 
M. D. in vitro nigr. S. Mundwasser. 



10. 



I^ 



MDS, 



Extr. Myrrh. pulv. 5,0 

Ol. Cass. Cinnam. 0,5 

Bals. Peruv. 0,75 

Acet. pyrolign. rectif. 10,0. 
Zahnlatwerge. Mehrmals täglich mit 
dem Finger auf das Zahnfleisch zu 
appliciren. 



Rosenessig. [Rosenblätter 1 mit Essig 8 infundirt 



9. IV 

Acet. pyrolign. rectif. 10,0 
Aq. Cinnam. simpl. 100,0 

Acetttin Rosae« 

und macerirt.] 

Nur äusserlich wie Acet. crudum, eleganter als dieser. [Acet. Rosae 

1 Esslöffel zu 1 Liter Wasser gegen Granulationen des Collum uteri und Fluor albus 
von Velpeai angewandt.] 

Acetam Rabi IdaeK Hinabeeressig. [l Tbell Syr. Rubi Idaei mit 

2 Th. Acet. pur. gemischt. Wird nur bei der Dispensation dargestellt. 

Nur zum Getränk bei Wohlhabenden [mit '4-10 Theilen Zutskerwasser]. 
Ac6tlllll Rutae« Rauten-Essig. [Bereitung wie bei Acetum Rosae.] 
Innerlich zu 7,5-15,0 öfters täglich, pur oder in Mixturen. 

g^ Bf b'lO. Digitizedby^OOgie 



Acida. 



123 



Aeusserlich wie Acetura. 

Aeetvm Sabadillae« Sabadillen-Essig. [SabadUlsamen mit 8 Essig. 
— 10,0 etwa 10 Pf.] 

Aeusserlich als Rubefaciens, bei Hautausschlägen, zur Vertilgung 
von Läusen [wegen der starken Röthnng der Haut bei Exanthemen zu vermeiden]. 

*Acetaill Scillae« Acetura scilliticum. Vinegar of squill. Vinaigre 
scillitique. Meerzwiebel-Essig. [5 trockene Meerzwiebel mit 9 Acetum dilut. 
und 5 Spiritus und Aq. destill. 36,0 drei Tage macerirt; nach der frani. Ph. 1 Th. 
getrocknete Zwiebeln auf 12 Essig. Klare gelbliche Flüssigkeit von saurem, hinten- 
nach bitterem Geschmack. 10 Gr. = 8,5 Normalkalilösung. — 10,0 10 Pf.]. 

Innerlich zu 1,0-2,0! mehrmals täglich, pr. die 10,0! in Tropfen 
[20-100 Tropfen in Zuckerwasser], Mixturen [oft zur theilweisen Auflösung von 
Gummiharzen], Saturationen [vergl. p. 38]. 

Aeusserlich zu Gurgelwässern [10,0-25,0 auf 250,0], Klystieren 
[10,0-15,0], Bähungen [warm], Einreibungen. 

11. ft 

Acet. Scillae 25,0 
Liq. Ammon. carb. pyro-oleosi 
[oder Kalii carb.J q. s. 
ad saturat., cui adde 
Aq. Petroselini 150,0 
Elaeosacch. Juniperi 20,0 
Spir. Acther. nitros. 5,0. 
MDS. 2stdl. einen Esslöffel. [Diuretische 
Saturation.] 



12. H 

Acet. Scillae 20,0-25,0 



Acet. 25,0 

Kalii carb. q. s. ad satur. 
Aq. Menth, pip. 150,0 
Syr. Papaver. 25,0. 
MDS. 2stdl. einen Esslöffel. Himly. 



13. IV 

Ammoniaci 7,5 
Acet. Scillae 15,0 
Aq. Foenicul. 200,0 
Succ. Liquirit. dep. 10,0. 
MDS. l-2stdLeinenEsslöflfel. [Expectorans 
bei profusem eitrigen Auswurf. 



Acida« Säuren. Man vermeide bei deren Verordnung: Basen, 
basische Salze, ferner solche Salze, deren Säure eine geringere Ver- 
wandtschaft zur Basis hat, als die hinzuzufügende [hierher ist auch die Seife 
zu rechnen], neutrale Salze, die eine Neigung haben, durch Abgeben eines 
Theiles ihrer Basis sauer zu werden [neutrale weinsteinsaure Salze], Schwefel- 
metalle, Haloidsalze [Brenn-, Jod-, Cyanmetalle; Chlormetalle ertragen in der 
Mehrzahl die Vermischung mit den stärksten Säuren]. Ausnahmen hiervon gel- 
ten fiir diejenigen Fälle, in denen man eine Zersetzung beabsichtigt [z. B. 
bei Brausemischungen]. 

Die für die stärkeren Mineralsäuren meist gebrauchte flüssige Form 
erfordert einen hohen Verdünnungsgrad und den Zusatz schleimiger Sub- 
stanzen. Um die feindselige Einwirkung der Säuren auf die Zähne zu be- 
schränken, lässt man nach dem Einnehmen den Mund mit einer alkalischen 
Auflösung [Natr. carb. dep. oder Natrium bicarbonicum etwa 10,0-15,0 auf 200,0] 
ausspülen oder die Zähne mit einem Zahnpulver aus Magn. carb. abreiben. 
[Das Acidum phosphoricum ist in dieser Beziehung nicht weniger für die Zähne zu 
achten, als die anderen Säuren.] 

Als Versüssungsmittel für die Säuren bedient man sich in der Regel 
der säuerlichen Syrupe. 

Die Mineralsäuren lassen sich auch in Pillen verordnen [mit gleichen 
Theilen eines schweren Pflanzenpulvers und eines Extractes], eine Form, die für 
die Zähne ganz ungefährlich ist. ^ 



124 Acidum aceticum. 



*Acidttm acftifim. Acid. acet. concentratum seu purum. Acet. 
concentratissimum s. radicale s. glaciale, Acid. aceticum crystallisatum Ph, 
ielfct., Alcohol aceti. Acetic Acid. Acide ac^tique. Essigsäure, Eisessig, 
Radical- Essig, Essig- Alkohol, Acetylsäure. [Die Ph. (Jerm. nimmt drei Ver- 
dünnung;sstafen der Essigsäure an: das Acidum aceticum (mit 96pCt. wasserfreier 
Essigsäure) das Acid. acet. dilut. (mit 30 pCt. wasserfreier Essigsäure) und das Ace- 
tum (mit 6 pCt. wasserfreier Essigsäure). 1 Gr. = 16 Ccm. Normalkalilösung. Das 
Acidum aceticum concentratum Ph.Anstr. entspricht jetzt dem Acid. acet. der Ph.Germ. 
ed. IL (früher hatte letzteres nur 81-85 pCt. wasserfreier Essigsäure), während das 
Acid. acet. dilut. Ph, Anatr. 20,4 pCt. enthält. — Spec. Gew. 1,064. — 10,0 10 Pf.] 

Innerlich zu 0,2-1,0. [Die innerliche Verordnung der Essigsäure ist wohl 
überhaupt entbehrlich, da man sie doch grösstentheils in Verdünnung giebt, mithin, 
auf einem umständlichen und theuren Wege wieder eine jener Dilutionsstufen bildet, 
wie sie im Acetum und Acid. acet. dilut. bereits vorhanden. Die grössere chemische 
Reinheit des Präparates ist ein Vorzug, der bei der Essigsäure für den Heilzweck 
kaum in Betracht kommen kann.] 

Aeusserlich als Riechraittel [mit Essigäther verbundeH, bei Ohn- 
mächten]; zu Gurgelwässern [1-3 auf 100 Aqua. — Gargarisma Acidi acetici 
nach naekensie enthält Acid. acet. 5, Glyccrin 6, Aquae 160 (besser abzurunden: 
Acid. acet. 5,0, Glycerin 10,0, Aq. dest. 200,0), gegen Angina bei acuten Exan- 
themen]; Linimenten [oft als Zusatz zu terpenthinölhaltigen Linimenten: 1-5 
ad 100]; als Rubefaciens [pure eingerieben oder auf ein aufgestreutes (indiffe- 
rentes) Pflanzenpulver getröpfelt]; als Aetzmittel bei Epithelial -Wuche- 
rungen und kleinen Tumoren der äusseren Haut, namentlich bei Warzen, 
Hühneraugen, ferner von Ctllmann bei frischen Schankern empfohlen. [Das 
Geschwür wird 2-3 Mal betupft und dann mit einer in kaltes Wasser getauchten 
Compresse verbunden. Am zweiten bis dritten Tage stösst sich der Brandschorf 
ab und hinterlässt eine reine Geschwürsfläche, die in etwa 10 Tagen unter einfacher 
Behandlung heilt. Am ersten und dritten Tage der Kur ein Laxans. Bei älteren 
oder indurirten Geschwüren ätzt C. ebenfalls mit Acid. aceticum, lässt aber innerlich 
Jod oder Qecksilber brauchen. — Das Aetzen mit Essigsäure ist ausserordentlich 
schmerzhaft.] Ferner ist die Essigsäure in neuester Zeit von Brtaibeat 
und in««re in Form parenchymatöser Injectionen zur Zerstörung 
von grösseren Geschwülsten, wie Carcinomen, Sarcomen, Cancroiden u. s. w. 
verwandt worden [1 Th. Acid. acet. mit 4 Th. — 2 Th. (I!) Aq. destill, ver- 
dünnt], ist nicht ohne Gefahr, wegen ihrer deletären Einwirkung auf das 
Blut (leine). 

Acidum aceticum aromaticum. GewürzteEssigsäure[25 Essig- 

säure mit 28 einer Mischung aas verschiedenen ätherischen Oelen: OL Caryophyll., 
Lavandul, Citri, Bergamott., Thym., Cinnam. Cassiae. — 1.0 10 Pf.]. 

Aeusserlich als Riechmittel [kleine Fläschchen mit Natr. sulf. sicc. 
gefüllt, welches mit Acid. acet. aromat. imprägnirt wird. — Auf die Haut gebracht, 
wirkt es als Rubefaciens, daher keine Einreibungen mit diesepi Mittel, wo man 
nicht epispastische Wirkung erzielen will]. 

Afidim aceticum aromatic0-cam|ili0ratum. [^3 Ol. Citri, V3 Ol. 

Caryophyll., 1 Camph., 64 Essigsäure. — Dieselbe Mischung war in der Pk. Bit« 
officinell. — 5,0 etwa 10 Pf.] 

Wie das vorige. ^ ^ 

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Acidum arscnicosam. 125 



Afidim aeetifiui ehUratui und bieliUratin. Monochlor- und 
Dichloressigsäure. 

Aeusserlich als Aetzinittel bei kleinen Neoplasmen, namentlich 
Teleangiectasien empfohlen (ünicr). 

*Afidani affticam dilltam. Acetum concentratum. Verdünnte 
Essigsäure, concentrirter Essig [10 Gr. = 50Ccm. Normalkalilösung, so dass 
lOOTheile SOTheilen Acidum aceticum entsprechen. Spec.Gew. 1,041. — 10,0 5Pf.]. 
Cave: kohlensaure und neutrale weinsteinsaure Salze. 

Innerlich zu 0,5-2,0 mehrmals täglich; rein oder in Mixturen 
[5,0-20,0 auf 150,0]. 

Aeusserlich als Riechmittel und zur Auflösung von hornartigen 
Auflagerungen auf der Haut. [Das als Hühneraugenmittel empfohlene Acetine 
ist eine mit rothem Anilin gefärbte verdünnte Essigsäure.] 

14a. R 



14. I^ 

Aetheris acetici 2,0 

Acid. acet. dil. 4,0-8,0 

Aq. Rub. Id. 150,0 

Syr. Rub. Id. 30,0. 
MDS. ] -2 stdl. einen Esslöffel. Sundelln. 



Acid. acet. dilati 20,0 
Glycerini 10,0 
Aq. 200,0. 
MDS. Zum Gurgeln. [Gegen Angina bei 
acuten Exanthemen ] Maokensie. 

Acidim aeeticnm tricUoratim. Dreifach gechlorte Essig- 
säure. Soll nach •• Liebreich ähnlich wie das Chloralhydrat hypnoti- 
sirend und anästhesirend wirken. Jedenfalls steht es dem Chloral nach 
und sind genauere Berichte über Dosis, Gebrauch und Wirkung nicht 
vorhanden. Dagegen ist es in neuerer Zeit wegen seiner ätzenden Wir- 
kung als Mittel gegen Warzen empfohlen. 

*Afidam arsenieosilBl. Arsenicum album, Oxydum Arsenici album, 
Arsenious acid, Acide ars^nieux, Oxyde ars^nieux. Arsenige Säure. 
Weisser Arsenik. Arsenigsäureanhydrid. Arsentrioxyd. — 10,0 5 Pf, 
Löslich in etwa 15 Th. heissen Wassers ohne Rückstand, in etwa 50 
kalten Wassers, in Alkohol schwer löslich. — Am besten nur mit 
schwachen Lösungen von Alkahen [vergl. Liq. Kalii arsenicos.], da mit den 
meisten anderen Basen unlösliche Verbindungen erzielt werden; ferner 
sind zu vermeiden Chlorwasser, Salpetersäure, Eisen und einige organische 
Stoffe, wie Eiweiss, Milch. 

Innerlich zu 0,0025-0,0035-0,005 [ad 0,005 pro dosil — ad 0,02 pro 
diel] 1-2 Mal täglich in Pulvern, Pillen [die asiatischen Pillen (vergl. 
Rad. Mudar) enthalten als Hanptbestandtheil Acid. arsenicos.] oder Lösungen. 
[In Preussen wird vornehmlich Liq. Kalii arsenicos. (s. diesen) verordnet, in Frank- 
reich if nivalis* Lösung, eine Verbindung von Jodquecksilber mit Arsen, femer 
it VaUngens' Lösung, das tor-chlorid des Arsens. Das nur äusserlich angewandte 
Präparat das Arseniat von Soda, die sogenannte Pearsan'sche Lösung]. 

Aeusserlich [auch der längere äusserliche Gebrauch kann Intoxication 
hervormfen!] zu Augenwässern [0,01-0,03 auf 10,0], Pinselungen, 
Waschungen, Umschlägen [bei inveterirten Condylomen und Exanthemen: 
0,025-0,1 auf 25,0], Verband wässern [0 015-0.2 auf 50,0], zu ätzenden 
Streupulvern, rasten und Salben [meist nach den bestimmten unten an- 
gefahrten Formeln, vergl. namentlich das früher officinelle Pulvis arsenicalis Cosmi], 
zu Zahnpasten [zur Abtödtung des Zahnnerven, meist in Verbindung mit Kreosot 
q. 8. ad massam pultaceam], forner zu Räucherungen und Inhalationen 



126 



Acidum arsenicosum. 



[0,01 Acid. arsenicosum wird auf Papier, das gerade zu einer Cigarre zusammen- 
gerollt werden kann, ausgebreitet, mit einigen Tropfen Wasser, damit das Medicament 
sich in^s Papier imbibire, befeuchtet, sodann getrocknet, gerollt und angezündet. 
kidiii's Arsenik-Cigarren gegen Asthma. Beachte die Verwendung zu Fliegen- 
wasser und Fliegenpapier! Als Rattengift!]. 



15. Bf 

Acid. arsenicos. 0,05 
Mucilag. Gummi Arab q. s. 
Pulv. Rad. Liquirit. 1,0. 
f. pil. 10. Consp. Lycopod. D.S. Täglich 
eine Pille. [Bei Psoriasis.] v. Hebra. 

16. Ht 

Acid. arsenicos. 0,05 
Opii pur 0,25 
Sapon. medic. q. s. 
ut f. pil. No. 16. Consp. Lycopod. D. S. 
Täglich eine Pille. [Bei Psoriasis ] 
▼. Hebra. 

17. Bf 

Acid. arsenicos. 0,1 
Opii 0,4 

Sapon. med. 1,0. 
M. F. pil. No. 30. S. 1-2 mal täglich eine 
Pille. [Gegen schwere Intermittenten.] 

Barton. 

18. Bf 

Acid. arsenicosi 0,5 
Piper, nigr. 5,0 
Mucil. Gummi Arab. 9,0. 
M. f. pilul. No. 100. consp. pulv. Canell. 
alb. D. S. Morgens und Abends eine 
Pille zu nehmen. 

[Vereinfachte Formel für die asiati- 
schen Pillen. — Die Arsenikdosis ist 
wenigstens für den Anfang besser auf 
die Hälfte zu reduciren und erst all- 
mälig zu steigern.] Bouohardat. 

19. 1^ 

Acidi arsenicosi 0,1 
Rad. Liquirit 4,0 
Mellis. q. s. 
ut. f. pil. No. 100. Consp. Sacch. lactis. 
D. S. 5-10 Stück täglich. 

Granules de Dioscoride. 
[Gegen Phthisis pulm.]* 

Moutard-Martin. 



20. I^ 

Acidi arsenicosi 0,1 
Kalii carbon. 0,1 
Aq. dest. 500,0 
Spir. Meliss. comp. 0,5 
Tinct. CJoccionell. q. s. 
ad colorandum. 
[l Gramm dieser Lösung enthält 0,0002 
Acid. arsenic. Wird in Frankreich statt 
der Solutio Fowleri viel gebraucht] 
Solutio arsenicalis DeTergie. 



21. Bf 

Acid. arsenicosi 0,3 
Hydrarg? sulfurat. rubr. 1,0 
Ung^. lenient. 8,0. 
M. F. pasta. v. Bebra. 

22. Bf 

Acid. arsenicos. 0,5-1,0 
Hydrarg. chlor. 15,0. 
M, f. pulv. D. in vitro sub sigillo. S. 
Streupulver für Krebsgeschwüre. 

23. Bf . 

Acid arsenicos. 0,25-0,5 

Hydrarg. chlor. 2,0 

Gummi Arab. 10,0 

Aq. q. s. 
ut. f. pasta moUis. 

Auf das durch Cataplasmen gereinigte 
Krebsgeschwür, V|-V« I^i^ie dick, auf- 
zutragen [bei grossen Geschwüren theil- 
weise]. — Nach 8-10 Tagen Erneue- 
rung des Verbandes; nach 5-6 maliger 
Appb'cation in der Regel reiner Ge- 
schwürsgrund. Milderes und weniger 
schmerzhaftes Verfahren, als die beiden 
vorhergehenden. Auch für lupöse Ge- 
schwüre empfohlen. Dupuytren. 

24. IV 

Acid. arsenicos. subt. pulv. 
Salfur. depur. ana 1,5 
Ungt cerei 25,0. 
M. f. unguentum. D. sub. sigillo. 

[Als Zcrstörungsmittel für Krebsge- 
schwüre, Excrescenzen, Naevi u. s. w., die 
mit Charpie, auf welche die Salbe, */, Linie 
dick, aufgetragen, verbunden werden.] 
Astley Cooper. 



25. 



Bf 



Acidi arsenicosi 3,0 
Hydrarg. chlor. 7,5 
Hydrarg. sulfurat rubr. 2,0 
Kreosoti 0,5 
Ungt. simpl. 25,0. 
M. F. unguentum. 
[Aetzmittel bei Lupus.] 

Hutchinson. 



26. Bf 

Acid. arsenicosi subt. pulv. 1,0 
Cerati simpl. 25,0. 
M. exact. F. unguent. D. S. Als Verband- 
mittel für Krebs und phagedänische 
Geschwüre. 



Bf 15-26. 



Digitized by^OOQ IC 



Acidum benzoicum. 



127 



27. 



IV 



dieser Paste in den hohlen Zahn zu 
bringen und dann die Höhlung mit Zahn- 
kitt zu verschliessen. Bleibt 24 Stun- 
den liegen. 
Abbot's Paste zum Kauterisiren 
der Zahnnerven. 



Acid. arsenicosi 
Morph, acet. ana 0,3 
Kreosoti q. s. 

ut f. Massa pultacea. 
D. S. Nachdem die cariöse Stelle sorg- 
fältig mit Watte gereinigt, ein Minimum 

*Addam benzoicnm. Flores Bcnzoes. Sal Benzoes acidum. Ben- 
zoic acid. Acide benzoique. Benzoesäure, Benzoeblumen [gelbliche bis 
gelblich- braune Blättchen oder nadeiförmige seidenglänzende Krystalle von süssl ich- 
scharfem, äusserst stechendem Geschmack. — 1,0 10 Pf.]. — Löst sich in Wein- 
geist und Aether leicht, in siedendem Wasser ziemlich schwer [20 Th.]. 
Cave: Amraon. carb. und andere alkalische Salze, Eisenoxydsalze. 

Innerlich zu 0,03-0,3 [die in der Regel angegebene Dosis von 0,18-0,6 
ist zu hoch gegriiTen, da der nachhaltig kratzende Geschmack des Mittels bei Gaben 
von über 0,3 unerträglich wird], in Pulvern [in neuerer Zeit von v. Signini 
gegen Tripper empfohlen, von Brain gegen Eclampsia parturientium, von Preriehs 
gegen urämische Affectionen (durch Gummi Mimos. oder Pulv. gummös, eingehüllt)], 
Pillen, Trochisci [Trochisci Acid. benzoici von flaekemie empfohlen, auch 
unter dem Namen „voice lozenges" bekannt, weil gegen Heiserkeit und andere Hals- 
leiden in Gebrauch], Lösungen [wässerige Lösungen sehr verdünnt, in maximo 
1 : 200; spirituöse und ätherische Solutionen concentrirter], Schüttelmixturen 
[wegen der geringen specifischen Schwere des Mittels unzweckmässig]. Das Mittel 
wirkt in hohem Grade gährungshemmend und ist ein vorzügliches 
Desinficiens, es übertrifft als solches die Salicyl- und Carbolsäure, 
wie Experimente lehrten (Stlk«wski^ Plcek), und ist hiervon ausgehend 
von Seut^r und Maekwtn fiir die Behandlung der Polyartritis verwendet 
worden. S. Natr. benzoicum. 

Aeusserlich zu desinficirenden Verbänden [Bnn's Benzoesäure- 
Gaze, Benzoe- Watte, Benzoe-Jute, die entfetteten Materialien werden mit weingeistiger 
Benzoesänrelösung getränkt], zu Pinsel- sowie zu Mundwässern [in wässe- 
riger spirituöser Lösung, etwa 0,5-1,0 auf 100,0 Aq., 25,0 Spirit. aromat.], auch 
zu Injectionen in die Urethra und die Scheide [0,1-0,5 ad 100,0 
Aq. dest.] zu versuchen, endlich zu subcutanen Injectionen [als Exci- 
tans und bei Urämie, R«kde: 1 zu 12 Spirit., davon eine Spritze voll zu injiciren]. 



28. Bf 

Acid. benzoici 
Gummi Arab. 
Sacchar. alb. ana 0,1. 
M. f. pulv. Dispcnsent. tal. dos. No. X. 
D. in capsulis amylaceis. S. 2stdl. ein 
Stuck nach Vorschrift zu nehmen. 



29. Bf 

Acid. benzoici 0,3 

Stibii sulfurati aurant. 

Camph. trit. ana 0,06 

Elaeosacch. Foenic. 0,6. 
M. f. pulvis. Dispensent. tal. dos. No. 6. 



D. in Chart, cer. S. 2stdl. 1 Pulver mit 
Haferschleim. [Bei drohender Lungen- 
lähmung.] BerendB. 



30. Bf 

Acid. benzoici 0,3 
Rad. Ipecacuanh. 0,06 
Stib. sulfurat. aurant. 0,03 
Sacch. albi 0,6. 
M. f. pulv. Dent. tal. dos. No. 6. D. in 
Chart, cer. S. 4 mal täglich 1 Pulver in 
Haferschleim. 
[Bei asthenischer Pneumonie.] 

Hom. 



Digitked 



fQfm^^ 



128 



Aoidum benzoicum. 



31. 



R 



Acid. benzoici 0,05 
Acid. tannici 0,01 
Pulv. Rad Rhei 0,2 
Pulv. gammos. 0,75. 
[. f. pulv. d. tal. dos. 12. 
Pulver. 
[Bei Keuchhusten.] 



S. 2stdl. ein 



Acid. benzoic. 1,25 
Rad Liquirit. 30,0 
Rhiz. Ind. 7,5 
Sulfur. depur. 15,0 
Sacch. alb. 60,0 
Ol. Anisi 

„ Foeniculi ana 0,5. 
M. f. pulv. d. in vitro. S. Mehrmals tag- 
lich Vi-1 Theelöffel. 

Pulv. pectoralis Wedelii. 



Schauspieler etc.] Pastilli antaphonici. 
Voice lozenges. 

34. Kf 

Acid. benzoic. 4,0 
Sulf. lact. 2,0 
Glycerin. 30,0. 
MDS. 2stdl. Bepinselung. [Bei Angina 
diphtherit. Weisenbursche Mischung.] 

35. Bf 

Acid. benzoic. 1,25 
Natr. bicarb. 4,0 
Natr. phosph. 6,0 

solve in 
Aq. Cinnamom. 150,0 

adde 
Tinct. Hyoscyami 7,5. 
D. S. Dreimal taglich einen Esslöffel. 
[Bei Lithiasis.] Ure. 

36. Bf 
Acid. benzoic. 1,5 
Camphorae 1,0 
Spiritus 12,0. 

D. S. Zur subcutanen Injection [1 Spritze 
voU]. [Als starkes Excitans.] 

Bohde. 

37. Bf 
Balsam. Peruviani 6,0 
Acid. carbol. puri 2,0 
Acid. benzoici 1,0 
Ungt. cerei 20,0 

MDS. Zum Einreiben [bei Kinn- oder Bart- 
flechte, Finnen im Gesicht]. Unguent. 
antiherpetic. acre. 



33. Bf 

Acid. benzoici 6,0 
Fruct. Anisi vulg. 10,0 
Succi Liquirit. 20,0 
Tragacanthae 5,0 

Pulver, admisce 
Glycerini 

Aq. Rosar. ana 10,0 
Yanill. sacchar. 0,5 
Rad. Liquirit. q. s. u. f. 

Massa, quae in pastill. vel tabul. 

C. redigatur. Ligno santol. rubro 

consp. 

D. S. Am Tage mehrmals 1-2 Stück zu 

nehmen. [Bei Heiserkeit und katarrhal. 

Halsbeschwerden, besonders für Sänger, 

*AfidllBI bwifllll. Acidum boracicum, Sal Sedativum Hombergii, 
Sal volatile Vitrioli narcoticum, Sedative Salt. Borsäure, Boraxsäure. 
[Kaum säuerlich schmeckend. — 10.0 15 Pf.] Farblose, glänzende, schuppen- 
formig sich anfühlende Krystalle. Löslich in Glycerin, 6 Theilen Wein- 
geist, schwer löslich in kaltem Wasser [20 Th.] und in 3 Theilen kochen- 
den Wassers. 

Innerlich zu 0,3-1,0 in Pulver, Pillen, Solution. [Selten in 
Anwendung kommend.] 

Aeus^erlich als Desinficiens in Form des Streupulvers [mit 
Stärke oder anderen Pulvern gemischt: bei Ohren- und Nasenleiden als Pnher viel- 
fach mit Erfolg angewandt, bei Geschwüren, Wunden, auch bei eczematösen und 
pruriginösen Ausschlägen Chicie], zu Salben (Lister), zur Imprägnirung 
von Verbandstoffen [englisches Lint oder andere Verbandstoffe mit kochender 
Borsäurelösnng durchtränkt, dann getrocknet und aufgelegt: Bardelcbcn.]. 
38. Bf 



Acid. borici pulv. 

Cerae alb. ana 5,0 

Ol. Amygdal. dulc. 

Paraffini ana 10,0. 
M. F. Ungucntum. D. S. Verbandsalbe. 

LiBter. 
a0" Bf 31-39. 



39. Bf 

Acid. boric. pulverisat. 15,0 
Pulv. Rhizom. Iridis 5,0 

Mf. pulv. D. S. 2stdl. 1 Schnupfpulver. 



Digitized by VoiOOQlC 



Acidum carbolicam crystallisatum. 139 

^Acillim carb#lifttm. Acidum carbolicum crystallisatum. Acidum 
phenylicum. Carbolic acid. Acide phenique. Carbolsäure, Phenyl- 
oder Phenolsäure, Phenol, Phenyloxydhydrat, Monooxybenzol. 
[Krystallinische farblose oder kaam röthliche, eigen thümlich nicbt unangenehm 
riechende, ätzend wirkende Masse, die in der Wärme zur einer wasserhellen Flüssig* ' 
keit Ton 1,06 spec. Gewicht, brennendem Geschmack und kreosotartigem Geruch 
schmilzt, in 20 Th. Wasser, in jedem Verbältniss in Alkohol und Aether, Cbloroform, 
Schwefelkohlenstoff, sowie in Glycerin, fetten und ätherischen Oelen und Natronlauge 
löslich. — 10,0 10 Pf.] 

Innerlich zu 0,01-0,05 [ad 0,1 pro dosi, ad 0,5 pro diel Grössere Dosen, 
selbst bis 0,25 und mehr, sind ohne Schaden gegeben worden] mehrmals täglich, 
am besten in Pillenform oder in spirituöser Lösung, auch in 
Emulsion und als Clysma. [Das Mittel ist erst in neuester Zeit zum inner- 
lichen Gebrauche versucht worden, und zwar vielfach mit befriedigendem Erfolg; 
hauptsächlich wurde es bei den verschiedensten Hautkrankheiten verwendet (Kaposi, 
T. lebra, i. FIciiMaiiii), ferner gegen Infectionskrankheiten, wie Typhus (TeM|pe8ti^ 
■■iit^ R«thc), Intermittens, Cholera, Milzbrand (Kliigelh«efer^ Seydelcr), Hunds- 
wuth, Schlangenbiss, auch gegen Phthisis, Keuchhusten (R«thc), Diabetes (Ebsteil 
und i.lHiller), Magen- und Darmerkrankungen, besonders bei chronischem Erbrechen, 
Diarrhoe, Cholera infantum und Cholera nostras (R«tbc), sowie gegen Flatulenz em- 
pfohlen und theil weise bewährt.] 

Aeusserlich pure als Aetzmittel [bei Pustula maligna: Klingclh^efcr^ 
Leichenvergiftung u. a], meist in Spirituosen, selten wässerigen Lösungen 
oder in Verbindung mit Oel oder Glycerin, in verschiedenen Verdünnungs- 
graden [5-20 pCt.], als Verbandmittel [Carbolgaze, Uster's Aseptic muH, 
Carbollint], zu Waschungen und Pinselungen, zuweilen auch in Sal- 
ben- oder Pflaster form, bei den verschiedensten Hautkrankheiten 
und Verletzungen [reine und inficirte Wunden], als Basis von Haarölen, bei 
Hautjucken (Uasar), femer zu Einreibungen [in l-2procentiger Lösung oder 
in Salbenform (1:32 Adeps.): gegen Krätze, namentlich der Kinder: 1l%nil, gegen 
Frostbeulen (1:60 Adeps.): Bilkley, gegen Verbrennungen (1:6 Ol. Oli- 
rarum): Mttel) mit Linimentum Calcis 1:30: Bilkley.)], zur schmerzlosen 
Cauterisation der Zahnpulpa bei Caries der Zähne (Ptelscli), zu Ein- 
spritzungen in die Blase bei Cystitis [0,05 bis 1,0 auf 100,0 Aqua; in 
manchen Fällen von fötider Absonderung bis 5,0 : 100,0: B«tt«iii], in die 
Tunica vaginalis durch den eingestossenen Trocart bei Hydrocele: tcfla, 
bei Vaginal- und Uteruskrankheiten, in die Harnröhre bei Gonorrhoe 
[0.1-0,5 auf 100,0], in die Nasenhöhlen bei Ozaena (Clark) [0,25-1,0 auf 
100,0] zu Klystieren [bei Diarrhöen und Krankheiten des Rectums: 0,05-0,1 
auf 150,0 Aqua], zu Pinselungen des Pharynx, zu Mund- und Gur- 
gelwässern [0,5-1,0 auf 100,0], sowie zu Inhalationen in zerstäubter 
Form [vergl. S. 98.] bei Diphtherie, Aphthen, Phthisis, Bronchitis 
putrida, Gangraena pulmonum (R«thc^ Lejdci^ lelfcr), als Riechmittel 
[s. Liquor Amonii caust.], endlich auch zu subcutanen Injectionen [2,0 
auf 100.0 Aqua, hiervon 1-2 Fr avaz 'sehe Spritzen: gegen Intermittens: Jessleri 
gegen Tumor albus, Drüsenschwellungen, akute Phlegmone und andere entzündliche 
Processe: Ineteri Erysipelas: Incter^ Aiflreeht) bei Angina faucium, Laryngitis 
acuta, Schwellung der Cervicaldrüsen , croupöser Pneumonie: lagen) bei Croup und 
Diphtheritis zur Injection in die Tonsillen (Ttnbc und Biel)| gegen akuten G^lenki' 

».jjc. . . . ... .^.- Digitizedby VjOOylv: 

Ewald nnd Simon, Arznei verordnnngslehre. 10. Aufl. 9 ^ 



130 Acidum carbolicum ciy stall isatum. 

rheumatistT»us: Kmiie^ ScMtw]; bei Haemorrhois ana mit Glycerin. Nach 
vorheriger Entleerung des Rectums, Einfettung der Knoten und Einstich 
der rait 3-10 Tropfen armirten Spritze in's Centrura des Tumors, Blaek- 
WMdj endlich auch zu parenchymatösen Injectionen. Iicter: Ein- 
spritzung von 1-2 Pravaz'sche Spritzen einer 2procentigen Lösung in 
die entzündeten Organe, z. B. Drüsen, Gelenke, sowie in Tumoren. [Die 
Anschauungen lieter^s über den Nutzen der parenchymatösen Injectionen bei Ery- 
sipelas, Gelenkentzündungen etc. haben sich nicht bestätigt.] 

Die weitgehendste Anwendung hat die Carbolsaure in der Chirurgie 
durch das Usler'sche Verfahren gefunden. Trotz mannigfacher Uebel- 
stande, die ihr anhaften und die dazu geführt haben nach Ersatzmitteln 
für dieselbe zu suchen, beherrscht sie noch immer das Feld. Hierauf 
des Genaueren einzugehen würde zu weit führen. Ebenso kann nur auf 
die ausgedehnte Verwendung, welche die Carbolsaure in der privaten und 
öffentlichen Hygiene als Desinficiens, als Antisepticum etc. findet, hin- 
gewiesen werden. Doch ist zu bemerken, dass nach den neuesten Unter- 
suchungen von K. K«eh die Carbolsaure in öliger oder alkoholischer Lösung 
zu Desinfectionszwecken (Vernichtung von Milzbrandsporen und Bacillen 
sowie anderer durch hohe Widerstandsfähigkeit ausgezeichneter Mikro- 
organismen) vollständig unbrauchbar, weil ohne jede Wirkung ist und 
die wässerige Carbolsaure erst in Lösungen von 5-10 pCt. einen entschie- 
denen Effect ausübt. 

Als zum Ustcr'schen Wundverband gehörig sind zu nennen: Wässerige 
Carbolsäurelösungen von 2-10 pCt. (zum Waschen, zum Spray, Aufheben der Instru- 
mente u. s. f.), 5-lOproc. Phenolöl, Phenolvaseline (1 Th. Phenol und 9 Vaseline), 
Protective, entweder aus Seidenzeug (Silk-protective) oder Baumwollenzeug (Cotton- 
protective). Das mit öliger Phenollösung getränkte Zeug wird auf beiden Seiten mit 
Copallack, dann auf der einen Seite mit einer Mischung aus 1 Th. Dextrin, 2 Stärke 
und 16 Th. einer 5proc. wässerigen Phenol lösung bestrichen. Unmittelbar vor der 
Anwendung behufs Desinfection mit 2,5proc. Lösung abgewaschen. Antiseptische 
Gaze (Kaliko, getränkt mit einner Mischung von 1 Th. Phenol, 5 Fichtenharz, 7 Pa- 
raffin). Phenoljute mit 2,5proc. Carbolwasser getränkt. Catgut (Schafdarrafäden, 
welche 2 Monate in einer Mischung von 5 Oel und 1 Acid. carbol. liquef. gelegen 
haben. Lister hat verschiedene Modificationen desselben angegeben). Antiseptische 
Seide (in 5proc. Carbollösung gekocht und einige Stunden in einer heissen Mischung 
von 1 Carbol auf 10 Wachs gelegen). Kautschuck- und Knochen -Drainröhren, in 
5proc. Carbollösung ausgekocht resp. aufbewahrt. 

Der Liqueur antiseptique von Peines besteht aus 8 Th. Carbol 
und 2 Th. Bromwasserstoffsäure. Das Carbolated Glycerin ist aus 
1 Carbol und 9 Glycerin gemischt. 

Als Antidot bei Vergiftung mit Carbolsaure werden ausser der 
Magenausspülung Baumöl oder Mandelöl mit etwas Ricinusöl, sowie Kalk- 
präparate, besonders Calcaria saccharat. in grösserer Menge in Wasser 
gelöst, empfohlen; auch äusserlich dienen Oele als Antidota (Cilfcrt). 



40. ^ 

Acid. carbolici 1,0 

solve in 
Spirit. q. s. 

cui adde 



Rad. Althaeae 
Extr. Gentian. ana 5,0. 
M. f. pilul. No. 100. Consp. Lycopod. 
D. S. 2stdl. 2-5 Pillen zu nehmen. 



« ^Q Digitizedby^OOQlC 



Acidum carbolicum cr}'stallisatum. 



131 



41. 1^ 

Acidi carbolici 5,0 
Solve pauxillo Spirit. 
adde 
Extr. et Pulv. Rhiz. Calami q. s. 
ut f. pilul. No. Gü. S. Täglich 6 Stuck 
zu nehmen. 

[Gegen Psoriasis, Prurigo u. a.] 

Neumann. 



42. V, 

Acid. carbol. 1,0 
Aq. dest. 120,0. 
MDS. 3-4 mal tägl. einen Kaffeelöffel. 
[Bei Pertussis.] Oltramftre. 

43. IV 

Acid. carb. 1,0 
Rad. Rhei pulv. 6,0 
Mucilag. Gummi Arab. q. s. 
u. f. pilul. No. 50. Obduc. Gelatina. D. S. 
Zur Verdauungszeit 1 Pille za nehmen. 
[Bei Dyspepsie durch Magengährung ] 
H. B. Bioliter. 



44. Bf 

Acid. carbol. 0,25 

Acid. tannici 2,5 

(Opii 0,1-0,3) 

Spirit. gutt. nonnull. 

Rad. Liquir. pulv. 5,0 

Mucilag. Gummi Arab. q. s. 
ut f. pilul. No. 50. Consp. Pulv. R^d. 
Liquir. D. S. 3 mal tigl. 2-3 Pillen zu 
nehmen. [Bei Phthisis mit Diarrhöen;] 
Waidenburg. 

45. Bf 

Acid. carbol. 1,5-2,5 
Aq. ()ÖÜ,0. 
D. S. 2-3stdl. 2 Essloffel. [Bei Typhus.] 
Murohison. 



4C. 



Acid. carbol. 

Spirit. nni rectificatiss. ana 0,75 
Tinct. Jodi gutt. XV. 
Infus, digital, (e 1,0:200,0). 
MDS. Stdl. l Essloffel. [Bei Typhus ab- 
dominalis.] Bothe. 

47. Bf 

Acid. carbol. 5,0 
Aq. dest. 150,0 
Aq. Menth, pip. 50.0. 
MDS. 2-4 mal täglich 1 Theelöffel. [Bei 
Diabetes.] Ebstein. Lebert. 

48. Bf 

Acid. carbol. 0,2 
Aq. Menth, pip. 30,0 
Tinct Valerian. aeth. 2,0 



Tinct Opii croc. 
Tinct Jodi ana 0,05-0,15 
Mucilag. Gummi Arab. 
Syr. Papaveris ana lO.O. 
MDS. 2 stdl. 1 Theelöffel. [Bei Cholera 
infantum.] 
Mixtura antidiarrhoica infantum. 

O. Q. Bothe. 

49. Bf 

Acid. carbol. 0,5 
Tinct. Jodi 0,25 
Tinct Opii croc. 1,5 
Tinct. Valerian. aeth. 3,5 
Aq. Menth. 15,0. 
MDS. 1-2 stdl. 30-40 Tropfen. Guttae 
antidiarrhoicae. 
[Choleratropfen.] 

C. G. Bothe. 



50. Bf 

Acid. carbol. 7,5 
Spir. dilut fiO,0. 
MDS. Innerlich 2 stdl. 10-20 Tropfen in 
Schleim zu nehmen. — Aeusserlich 
1 Theelöffel voll mit 1 Esslöffel voll 
Wasser zum Gurgeln und Pinseln. 
[Bei Angina, besonders Ang. scarlatin.] 
Cleaver. 

51. Bf 

Infus. Rad. Gentian. (4,0) 150,0 
Acid. carbol. 0,2 
Syr. simpl. 30,0. 
MDS. 3 stdl. 1 Esslöffel. 

[Bei invcterirter Intermittens.] 

Treulich. 

52. Bf 

Acid. carbol. 2,0 
Spirit 5,0-10,0. 
MDS. Aeusserlich. 

[Actzmittel bei verschiedenen Haut- 
krankheiten, namentlich Eczema, Pso- 
riasis, Lupus, Ulcus syphilit., Schlangen- 
biss, Wespenstich u. s. w.] 

J. Neumann. 

53. Bf 

Acid. carbol. 2,0 
Glycerini 
Spirit. ana 15,0 
Aq. 200,0. 
D. S. Aeusserlich. 

Lotio carbolica. Hutchinson. 



54. IV 

Acid. carbol. cryst 10,0 

solve in 
Aq. destill. 200,0. 
D. S. Zur Ausspritzung von Wunden. 
Lister. 

DigiÜ^Sd by V^OOQIC 

Bf 41-54. ^^Q 



132 



Acidam carbolicam crystallisatam. 



55. Bf 

Acid. carbol. pur 2,0 
Glycerini 3ü.o 
Mass. Gelat. alb. 55,0 
Aq. 15,0. 
M. f. bacill. No. 15. D. S. Nasenbougies. 
'[Bei übermässigem Nasenschleimfloss, 
Ozaena etc.] 



56. Bf 

Acid. carbol. 5,0 

Ol. Lini (s. Amygdal., s.Oliv.) 100,0. 
D. S. VerbandmitteL 

[Zum Li tep'schen Verband, zum Ein- 
ölen der Finger, Instrumente etc. Siehe 
aber das oben S. 1 30 betreffs der öligen 
Carbollösung Gesagte.] 

57. Bf 

Acid. carbol. 2,5 
Ol. Lini lt»,0 
Cretae albae q. s. 
ut f. unguentum molle. 

Liiter'sche Yerbandsalbe. 



58. . Bf 

Acid. carbol. 1,5 
Ol. olivar. 100,0 
Ol. Bergamott. gutt. XXX. 
MDS. Haaröl. [Bei Pytiriasis capitis und 
Kopfeczem.] LaMsr. 

59. Bf 

Acid. carbol. 1,0 
Acet. pyrolignos. 4,0 
Aq. 15,0. 
MDS. Aeusserlich. 
[Zum Bestreichen der Haut bei Favus, 
Krätze und anderen parasitischen Haut- 
krankheiten.] 
Acetum carbolicum seu phenylicum. 
Lemaire. 



60. I^ 

Acid. carbol. 2,5 

Acid. acetici 

Aq. ana 10,0. 
MDS. Zum Aufpinseln auf die Haut. 
[Sehr energisches Reizmittel, soll Senf 
und Veratrin übertreffen. Bei Lähmun- 
gen, Neuralgien, namentlich Ischias em- 
pfohlen. Bei Kindern ist die Lösung zu 
verdünnen, ebenso zur Anwendung in 
Form der Bepinselung oder besser Pul- 
verisation bei phagedäniscben und gan- 
gränösen Geschwüren] Diokinion. 

61. Bf 

Acid. carbol. 5,0 
Aq. 200,0. 
D S Ein Esslöffel mit einer Untertasse 
Wasser gemischt, ein Leinwandläppchen 

i^ Bf 55-08. 



damit getränkt, Morgens und Abends 

auf die juckenden Stellen aufzulegen. 

[Gegen Prurigo.] PintsohoTius. 

62. I^ 

Acid. carbol. 1,0 

Tale. 50,0 
M. f. p. S. Puder bei Hauljucken. 



63. Bf 

Acid carbol. 2,0 
Ungt. Vasel. 20,0-.S0,0. 
M. f ungt. D. S. Aeusserlich. Täglich eine 
Bohne gross auf die afficirten Stellen 
einzureiben. 
[Gegen Sycosis] PintiohoTlas. 



64. Bf 

Acid. carbol. 1,0 

Tinct. Jodi 

Aoid. tannici ana 2,0 

Unguent. cer. 30,0. 
M. f. Unguentum. D. S. Aeusserlich. 
[Gegen Frostbeulen] O. Q. Bothe. 



65. Bf 

Acid. carbol. 0,5 

Vasel. 

Unguent plumbi ana 10,0 

OL amygdal. 5,0. 
M. f. u. D. S. Frostsalbe. 



66. Bf 
Cerae alb. 4,0 
Colopbon. 

Ob Oliv, ana 2,0 
Acid. carbol. 5,0 
M. f. emplastrum. 
Auf Leinwand gestrichen, auf die kran- 
ken Stellen aufzulegen. 
[Gegen Lupus.] FintaohoTlus. 

67. Bf 

Acid. carbol. 2,5 

Spirit. 5,0 

Mucilag. Gummi Arab. 40,0. 
MDS. Zum Bepinseln abgeschürfter, exul- 
cerirter, leicht blutender Schleimhaut, 
besonders des Zahnfleisches, des Gau- 
mens, der Mandeln. ▼. Bigmond. 



68. Bf 

Acid. carbol. 0,15 
Ol. Menth, pip. 0,3 
Tinct. Myrrhae 60,0 
MDS. Mit weissem Syrup in beliebiger Quan- 
tität gemischt: zum Bürsten der Zähne. 
[Zum Aufhalten der Zahncaries.] 
Zahnbrandtropfen. 

B. H. Bichter. 



Digitized by^OOQlC 



Acidum chromicum. 



133 



69. Bf 

Acid. carbol. 1,0 
Aq, Colomensis.20,0. 
MDS. Einige Tropfen in Wasser zum Mund- 
spülen und Händewaschen ; mit Wasser 
verdünnt zum Zerstäuben in Kranken- 
zimmern. 
Desinficirendes Eau de Gologne. 

B. H. Biohter. 



70. 



MDS. 



71. 



Acid. carbol. 1,0 
Glycerini 12,0 
Aq. dest. 250,0. 
Guigelwasser. 
Gaigarisma Acidi carbolici. 

Maokensie. 



Acid. carbol. 5,0 
Spir. 25,0 

cui adde Solut. 



Acid. tannici 20,0 
Aq. dest. 100,0. 
D. S. 1-2 Esslöffel zu 1 Pfund Wasser, 
zur Inhalation in zerstäubter Form. 
[Bei Phthisis, Bronchiectasie , Bron- 
chitis putrida] Waldenborg. 



72. Bf 

Acid. carbol. 

Spir. dil. ana 1,0 

Tinct. Jodi 0,5 

Glycerini 

Aq. di6st. ana 2,5. 
MDS. 25-30 Tropfen auf 1-2 Esslöffel voll 
Wasser zur Inhalation in zerstäubter 
Form. [Bei Diphtheritis und bei Phthisis 
pulm.] Dieselbe Mischung zumTouchiren 
des Pharynx. 40 Tropfen obiger Mixtur 
auf eine Tasse Wasser zum Gurgeln. 
[Bei Diphtheritis und Scarlatina sowie 
als Prophylacticum gegen diese Krank- 
heiten.] G. 0. Bothe. 



^Acidui carb^lifum eradam. Rohe Carbolsäure. Gelbliche 
bis gelbbraune Flüssigkeit, welche mindestens 90 pCt. Acid. carbol. ent- 
hält. Nur zu Desinfectionsz wecken zu verwenden. [100,0 25 Pf.] 

*Af idnMi carb^lienm liqnefactam. Verflüssigte Carbolsäure. Eine 
Mischung aus 100 Theilen Carbolsäure und 10 Theilen Wasser. Klare, 
farblose, nach Carbolsäure riechende Flüssigkeit, welche sich in 1 8 Theilen 
Wasser klar löst. 

AfillllBl eUora-mtrasiUi. Acidum nitrico-hydrochloratum. Aci- 
dum nitrico-muriaticum. Aqua Regis s. regia. Nitromuriatic acid. Eau 
regale. Königswasser. Mischung aus 3 Acid. hydrochloricum und 1 
Acid. nitricum. 

Innerlich selten; Dosis wie Acid. hydrochloricum [vergl. ^ 76]. 

Aeusserlich zu Fussbädern [50,0-60 zum Fussbad]. Von Sc«U in 
Bombay auch zu Waschungen der Lebergegend bei Hepatitis empfohlen. 
Soll die Gallensecretion vermehren. 

^Afiilim elmmifam. Chromic acid. Acide chromique. Chrom- 
säure. Chromsäure-Anhydrid. Chromtrioxyd. [An der Luft zerfliessende, 
scbarlachrotbe Krystalle oder beller rotb gefärbte, lockere, wollige Masse von scbarf 
saurem Gescbmack, in Wasser leicbt löslicb, die Haut stark ätzend. — 1,0 5 Pf] 

Au^sserlich als Irritans [in Verdünnung] und als Causticum [pure 
oder höcbstens mit gleicben Tbeilen Wasser. Von Sehih und IHftirshall zur Aetzung 
von Condylomen und warzenartigen Excrescenzen (1 Tb. Acid. cbrom. in 1 Tb. 
Wasser gelöst), von Lewin^ f. Bnms u. a. zur Aetzung bypertropbiscber Tonsillen, 
sowie polypöser Excrescenzen auf der Laryngeal-Scbleimbaut pure mittelst besonderer 
Aetzmittelträger angewandt; das Verfabren ist sebr scbmerzbaft, meist mit Recht 
wieder verlassen. Dagegen ist das Einsteeben der Krystalle in die bypertropbirten 
Tonsillen von Lewin^ Waldeibirg empfoblen (s. o. p. 96). Femer wurde das Mittel 
in Verdünnung (1,0-5,0 auf 25,0 Wasser) auch zur Oauterisation dipbtberitiscber 
Fläcben benutzt, obne sieb bewäbrt zu haben. — Von Anatomen zur Härtung von 
Präparaten in Verdünnung mit Vortbeil verwertbet.] 

Digiti^ IBöVtsP^ÖC 



134 Acidum Crcssotinicam. 



Neuerlichst wurde das Mittel auch örtlich gegen Ozaeua und Go- 
norrlioe von toigall empfohlen [Verdünnung von 1 zu 1000,0 Wasser]. 

Afidnm ehrys^iiliaiiieam. Chrysophansäure [i,a 15 Pf.] in Pannelia 
parietina Rad. Rnei und Fol. Sennae enthalten; glänzende gelbe Nadeln, 
unlöslich in Wasser, schwach löslich in Aether, am besten in Alcohol und 
Benzol; gegen Psoriasis, Lupus, Favus empfohlen. Jarlseh^ NeintMi, Uig. 
Am besten als Salbe [1 : 10], wobei die gesunden Partien durch ein Heft- 
pflaster geschützt werden. Wegen ihrer Tendenz zur Reizung der Binde- 
haut sind im Gewicht schwächere Mischungen von 2-5 pCt. zu verwenden, 
üeberhaupt hat die Chrysarobinsalbe die Tendenz, Erytheme und Derma- 
titiden zu erregen, weshalb ¥•% empfiehlt, die eingeriebene Stelle ent- 
weder ganz mit CoUodium zu überziehen, oder mit Gummipapier zu 
überdecken, dessen Ränder mit Chloroform zum Anhaften an der Haut 
bestrichen werden. Von ReiM«iit bei den Dermatosen der Syphilis als 
Vaselinsalbe [1-2 : 10, je nach der Intensität der Affection] empfohlen. In der 
Literatur besteht hier eine Confusion der Namen, indem für Acid. chry- 
sophanic. auch Chrysarobiü gesetzt wird. Chrysarobin ist aber der von 
Th«Mp§«i vorgeschlagene Name für das Goapulver, pulv. Araroba, welches 
in seiner Wirkungsweise allerdings grosse Aehnlichkeit mit der Chryso- 
phansäure hat [s. A.]. 

73. Rf 

Acid. Chrysophanici 1,0 

„ acet. 0,2-0,5 
Vasel. 4,0. 
M. f. u. [Bei Favus nach Ablauf der entzündl. Erscheinungen.] 

Weber. 

"^Afidnm citricam. Acidum citricum cryst^-Uisatum, Acidum Citri. 
Citric acid. Acide citriquc. Citronensäure. [10,0 20 Pf., puk. 30 Pf.] 
Grosse, farblose Krystalle. Leicht in Wasser löslich. 

Innerlich in Pulver, namentlich zu Brausepulvern [s. Pdvcres 
aerophori], Pastillen [0,06 mit 1,25 Zucker], Lösung, besonders zur Be- 
reitung von Limonade statt frischen Citronensaftes [1 entspricht etwa 
5 Saft; 1 Kilo Wasser erfordert etwa 5,0 Citronensäure, Zucker q. s. und einen 
höchst geringen Zusatz von Citronenöl], und Saturationen [s. diese S. 38]. 

Aeusserlich [2,0 auf 250 Aqua] zu Gurgelungen [bei Zungenkrebs, 
•trcUj], ferner zu Pinselungen bei Diphtheritis [1,0 zu 5,0-10,0] u, a. 
zu versuchen. 

Afidui erfSS^tiniflUII» Cressotinsäure. [Weisse prismatische Kry- 
stalle, in kaltem Wasser schwer, in heissem Wasser, Alkohol und Aether leicht lös- 
lich. Das Natronsalz ist in Wasser leicht löslich; vergl. Natrium cresotinicum. — 10,0 
65 Pf.] Hat nach K«lbc ähnliche antiseptische Eigenschaften wie die Sa- 
licylsäure und ist deshalb auch in gleicher Weise wie die letztere 
äusserlich und nach Bisa auch innerlich zu verwerthen. 

Hcidnm formicicam. Acidum formylicum. Forraic acid. Acide 
forraique. Ameisensäure. Formylsäure. Hydrocarbonsäure. [Farblose, 
stechend riechende Flüssigkeit. Mit Wasser und Alkohol in allen Verhältnissen löslich. 
Wird auf chemischem Wege leicht hergestellt und als Nebenprodukt bei vielerlei Pro- 
cessen gewonnen. — 10,0 40Pf.] Kann als Ersatz des Spirit. formicarum und der 
Tinct. formicarum benutzt werden: zu Einreibungen und Waschungen 

■•* ^ '^^- Digitizedby^OOgie 



Acidmin hydrobromicum dilutum. 135 

[etwa 1,0-10,0 auf 100,0 Aqua oder Spirit. dilut.], zu Bädern und Kastendarapf- 
badem (■• E. Richter). Pure oder in starK concentrirter Lösung auf die 
Haut applicirt, wirkt es als Aetzmittel. » 

Das Mittel könnte auch innerlich in Spirit. dilut. gelöst [ca. 1 pCt.] 
gleich der Tinctura formicamm versucht werden. 

Aeklim galliflin. Sal essentiale Gallarum. Galläpfelsäure, 
Gallussäure. [Nadeiförmige, blassgelbe, seidenglänzende Krystalle, geruchlos, 
von schwach adstringirendem Geschmack; schwer löslich in kaltem, leichter in 
kochendem Wasser, Aether, Alkohol. — 1,0 etwa 5 Pf.] 

Innerlich zu 0,05-0,3-0,6 2-3 Mal täglich in Pulver, Pillen, So- 
lution. [Letztere Form unzweckmässig wegen der schweren Löslichkeit des Präpa- 
rates. — Von englischen Autoren ziemlich häufig angewendet, z. B. gegen Diabetes, 
Albuminurie, Lungenblutung — wohl meist dem Tannin an Wiricsamkeit nachstehend. 

Aeusserlich als Mundwasser [10-5,0 auf 100,0], Augenwasser 
[0,1-0,5 auf 25,0], in Salben [2,5-5,0 auf 25,0]. 

Adilim hydr^bramiciuil dilltnm. Verdünnte Bromwasserstoff- 
saure. Farblose, wasserhelle, oder saure, beim Erhitzen völlig flüchtige 
Flüssigkeit, von erstickendem Gerüche; sp. Gew. bei 10 pCt. 1077-1078. 

Wird von vielen Aerzten dem Kaliumbromid vorgezogen, dessen un- 
angenehme Nebenwirkungen ihr Gebrauch nicht zur Folge haben soll. 
In 2-4-6 Tropfen [0,10,2-0.3] stündlich bis 2stündlich in starker Ver- 
dünnung [1 : 100-150] gegeben bei Ohrensausen, Krampfhusten, Erbrechen 
Schwangerer, bei dyspept. Zuständen. 

74. Hr 

Ealii bromat. 5,0 
Acid. hydrobrom. dilut. 10,0 
Glycerini 6,0 

Tragacanth. 12,0 vel. q. s. 
M. f. pil. No. 240. C. Lycop. D. ad vitr. S. 2-3stdl. 3 Pillen. 

*Afiilttm IlydrMliUriciUü. Acidum hydrochloratum, Acidum mu- 
riaticum, Spiritus Salis acidus s. fumans Glauberi, Acidum salis culinaris 
s. communis s. marini. Muriatic acid. Acide chlorhydrique. Chlorwasser- 
stoffsäure, Salzsäure. Wasserstoffchlorid. [Spec. Gew. = 1,124 Gehalt 
an wasserfreier Säure = 25 pCt. 2 Gr. Säure = 13 7 Normalkaliumlösung. — 10.0 
5 Pf.] Cautelen beim Verordnen s. Acida, ferner Silber-, Blei-, Queck- 
silberoxydul-Salze. 

Innerlich zu 0,25-1,0 in Pillen oder Bissen [mit Pflanzenpulver 
q. s. zur Pillenmasse geformt], Mixturen [1,0-10,0 auf 100,0 mit starker Verdün- 
nung, oft mit etwas Aether, Spirit. aether.], Tropfen [mit mehreren Theilen 
Syrop verdünnt oder pure: 5-10-20 Tropfen, in Zuckerwasser], zum Getränk [der 
Zähne wegen selten; 2,5-5,0 auf 500.0 Wasser]. In neuerer Zeit mit Vorliebe bei 
Magenerkrankungen, entweder in Verbindung mit Pepsin oder allein ange- 
wandt, um eine mangelhafte Säureabsonderung der Magendrüsen zu ersetzen. 

Aeusserlich unverdünnt als Aetzmittel [auf Warzen und Excrescen- 
zen, auf den Grund hösartiger Hornhautgescbwüre], verdünnt als Mund- und 
Gurgelwasser [1,0-3.0 auf 100,0 mit Syr. Moror. oder Mel rosat.]. Pinsel- 
saft [1,0-2,5 auf 25,0 Syrup oder Honig], Augen wasser [0,1-0,15 auf 10,0 
Aq. dest. mit Zusatz von Mucil. Gummi Arab.], in Salben [1.5-3,0 auf 25,0 Fett], 
zu Waschungen, Umschlägen [5,0 auf 300,0], zu feädern [allgemeinen 

Digitized ^l^O^jgie 



13ß 



Acidum hydrochloricum. 



und Fussbädern, gewöhnlich mit Acid. nitricam zasammen, 60,0-120,0 xa einem 
ganzen, 30,0-60,0 za einem Fussbade; ferner zu moussirenden Bädern, rergL 
pag. 72; hier jedoch Acid. hydrocblor. cnidum vorzuziehen]. 



75. TV 

Aeidi hydrochlorici 
Extr. Colombo 

Pulv. Rad. Colombo ana 2,5 
Pulv. Tub. Salep. q. s. 
ut f. pil. No. 50. Consp. Pulv. Cass. 
Cinnam. D. in vitro. S. 4 mal täglich 
10 Stück. 



76. Bf 

Acid. hydrochlorici 5,0 

Decoct. Rad. Alth. (e 5,0) 150,0 

Aether acet. 2,5 

Syr. Rud. Id. 50,0. 
MDS. 2stdl. einen Esslöffel. 



77. IV 

Acid. hydrochlorici 5,0 
Aq. Menth, pip. spirit. 50,0 
Syr. Aurant. Ck)rt. 25,0. 
MDS. Nach jeder Mahlzeit 1-2 Theelöffel 
voll in etwas Wasser zu nehmen 
[Bei Dyspepsie, auf Säuremangel be- 
ruhend.] 

78. Bf 

Acid. hydrochlorici 
Aq. destill, ana 5,0 
Syr. Rub. Id. 20,0 
MDS. Stdl. 30 Tropfen in etwas Zucker- 
wasser zu nehmen. 



"^Afidui hyilroehlorienm erndani« Acid. hydrochloratum s. mu- 
riaticura crudum, Oleum Salis, Spir. Salis. Rohe Salz- oder Chlor- 
wasserstoffsäure [spec. Gew. = 1,160-1,170; Gehalt an wasserfreier Salz- 
säure 30-33 pCt. — 100,0 15 Pf.]. Das Präparat ist stärker als das vorige 
[etwa um ein Drittel], was bei der Dosirung zu berücksichtigen ist. 

Ueberall, wo es sich um die ausser liehe Anwendung grösserer 
Dosen der Salzsäure handelt, namentlich zu Bädern, oder wo man eine 
stark ätzende Wirkung erzielen will, verordne man dieses Präparat 
statt des vorigen. 

'^Acidum hYdrochlorifim dilntnm. Acid. hydrochloricum dilutum 
purum Ph. Awtr. V erdünnte Salzsäure [gleiche Theile Wasser und Salzsäure]. 

Innerlich in doppelter Dosis wie Acid. hydrochloricum, in Mix- 
turen und Tropfen [z. B. statt I^ 78 : I^ Acid. hydrochloric. dilut. 10,0, Syr. 
Rub. Idaei 20,0. M. D. S. Stündlich 30 Tropfen]. 

Aeidam hydr^eyaiiieam. Acid. hydrocyanatum, Acid. borussicum 
s. zooticum [nicht zu 'verwechseln mit Acid. cyanicum]. Hydrocyanic acid. 
Acide hydrocyanique. Cyanwasserstoffsäure, Blausäure, Monocyan- 
wasserstofi. [100 Th. dieser Säure sollen nach der Ph. lelfet.^ der Ph. «f the initei 
States, der British Ph.^ sowie nach der früheren Ph. Bav.^ dem C«d. ncd. Itnb. und 
dem Schtcht^schen Appendix 2 Th. wasserfreier Cyanwasserstoflfsäure entsprechen; 
stärker sind die Präparate der französischen Pharmakopoen, mit lOproc. wasserfreier 
Blausäure. — 1,0 5 Pf.] 

Innerlich 0,01-0,05 (!) [* 5-I Tropfen!] mehrmals täglich, am besten 
in Tropfen [mit alkoholischen Znsätzen in vitro nigro, da auch Licht zer- 
setzend wirkt]. 

Aeusserlich als Pinselwasser [0.25-0,5 auf 5,0 — bei Psoriasis, 
Pruritus, Neuralgien], Augenwasser [0,05-0,25 auf 5,0], in Salben [0,5 
auf 5,0 Fett]. 

79. IV 

Acid. hydrocyanici 1,0 
Tinct. Pimpinellae 9,0. 
M. D. in vitro nigro. S. 2-10 Tropfen auf Zucker zu nehmen. 
[10 Tropfen dieser Mischung enthalten einen Tropfen Blausäure, also die Maximal- 
dose derselben.] 

'W" ^ 75-79. DigitizedbyV^OOgie 



Acidum nitricum. 137 



*AddMl laetifMI. Acid. lactis. Milchsäure, Milchzucker- 
saure. Aethylidenmilchsäure. Lactic acid. Acide lactique. Farblose, 
syrupsdicke, saure Flüssigkeit. [Spec. Gew. = 1,21. — 10,0 55 Pf.] Löst sich 
in Wasser und Alkohol in allen Verhältnissen und, vermag fast alle 
Metalloxyde und sonstigen basischen Verbindungen zu lösen. 

Innerlich 0,3-1,5 [5-20 Tropfen] in wässeriger Lösung, Pa- 
stillen oder als Milchsäure -Limonade [Milchsäure 2,5, Syr. Rub. Idaei 60,0, 
Wasser 300,0]. 

Als Unterstützungsmittel der Verdauungsthätigkeit und Lösungsmittel 
für phosphorsaure Concremente empfohlen (nage«die). Als Lösungsmittel 
der Knochenerde bei Lithiasis durch Erdphosphate (Btlf«Hr), als schlaf- 
machendes Mittel, besonders bei Geisteskranken in Dosen von 10-25 Gr. 
empfohlen {fttjtr, IHeudel), aber nicht bestätigt (Böttieher^ Ancrbaeh). S. a. 
Natr. lact. 

Aeusserlich als Reinigungsmittel für die Zähne, femer, wegen 
seiner Eigenschaft, Pseudomembranen zu lösen, in neuester Zeit gegen 
Croup und Diphtheritis theils in Form der Injectionen, theils zur In- 
halation der pulverisirten Lösung [15-20 Tropfen ad 15,0 Aqua, anfangs 
halbstündlich, später l-2stündlich, A. Weber], auch zu Mund- und Gurgel- 
wässern [1 : 100-150 Wasser], sowie Bepinselungen [1 : 5-10 Wasser]. In 
l-2procentiger Lösung ist die Milchsäure auch zu Verband wässern und 
und Einspritzungen in die Blase (bei ammoniakalischer Hamgährung mit 
reichlicher Phosphatausscheidung) in Anwendung gezogen. 



80. ^ 

Acid. lactic. 10,0 
Sacchar. pulv. 50,0 
Elaeos. Menth, piper. 2,0 
Pulv. Gamm. Tragacanthi 1,0 
F. pastill. pond. 2,0. 
D. S. V4 Stunde nach der Mahlzeit 1—3 
Stück zu nehmen. 
[Bei Dyspepsie in Folge mangelhafter 
Magensaftsecretion.] 

Ewald*. 



81. Bf 

Acid. lactic. 1,0 
Talci 20,0. 
M. f. pulv. D. S. Zahnpulver. 

Lüdeke. 

82. Bf 

Acid. iactici 3,0 
Talci praeparati 25,0 
Ol. Flor. Naphae 0,05 
Ol. Caryophyllpr. 0,1. 
M. f. pulv. dentifricius. D. S. Zahnpulver. 



*Aeidllill nitrieuill. Spiritus Nitri acidus. Nitric acid. Acide ni- 
trique. Reine Salpetersäure, Azotsäure. Stickstoffpentoxyd. [Spec. Gew. 
= 1,185; Gehalt an wasserfreier Säure = 30,0 pCt. 3 Gr. = 14,3 Ccm. Normal- 
kalilösung; nach der Ph. Anstr. 48 pCt. enthaltend. — 10,0 5 Pf.] Cave s. Acida, 
femer Spiritus, ätherische Oele [die sie verharzt] und deren concentrirte 
Lösungen, viele organische Stoffe, da die Salpetersäure in schwacher 
Verdünnung zersetzend auf eine grosse Zahl derselben wirkt und durch 
Bildung von Gasen Explosionen herbeifuhrt. [Zum Einnehmen Glas- und 
Porzellanldffel ; beim Baden vermeide man Kupfer- oder Zinkwannen.] 

Innerlich zu 0,2-0,5-1,0; in Pillen oder Bissen [unzweckmässig, 
weil der Zusatz organischer Substanz Zersetzung bedingt], Tropfen, Mixturen 
[möglichst einfach, stark verdünnt und eingehüllt, 1,0-3,0 auf 100,0]. 

Aeusserlich unverdünnt als Aetzraittel [mit Holz- oder Glasstäbchen 
aufgetupft], zur Zerstörung kleiner Tumoren [Acid. nitr. fumans ist vorzu- 
ziehen], auch zum Bepinseln hypertrophischer und chronisch entzün- 
deter Tonsillen von Hafkint^sh empfohlen [darauf Mundspülen mit alka- 



138 



Acidam nitricum. 



lischen Lösungen]; verdünnt in Pinselsäften [0,5-1,0 auf 25,0], Gurgel- 
wässern, Einspritzungen [0,05-0,1 auf 30,0 bei Nach tripper, 1,0-2.0 auf 
100,0 Wasser bei Fluor albus], Waschungen, Bädern [50,0-120,0 auf das 
Vollbad], Verb and wässern [3,0-7 5 auf 200,0 Wasser — bei Hospitalbrand, 
(icrs«i], Linimenten [mit Aq. Cinnamomi simpl. ana, zum Aufstreichen auf 
torpide Frostbeulen (Rist'sches Frostwasser); von der von vielen verordneten Aq. 
Cinnamomi vinosa ist wegen häufig vorgekommener Explosionen ausdrücklich zu 
warnen — mit Oel, am besten mit Ol. Papaveris: 1 Acid. nitricum auf 8 OL Papa- 
yeris = Oleum oxygenatum], Salben [ganz unzweckmässig, da die Säure das 
Fett zersetzt, so z. B. das Ungt. oxygenatum, Alj«ii's oxygenirte Pomade]. Die 
Anwendung in Dampfform s. unter Fumigationes nitricae. 



83. Hr 

Acid. nitr. 1,0 

n hydrochlor. 2,0 
Aq. dest. 150,0 
Syr. simpl. 25,0. 
MDS. 3-4 mal täglich 1 Esslöffel. 
[Bei hartnäckigem ehren. Icterus.] 

Freriohs. 



84. I^ 

Acid. nitr. 7,5 
„ hydrochlor. 2,5. 
MDS. 4 mal täglich 20-30 Tropfen in ver- 
süsstem Gerstenschleim. [Bei Gompli- 
cation von Scorbut mit Syphilis.] 

Köohlin. 



85. 



^ 



Acid. nitr. 1,0 
Meli, rosat. 
Syr. Moror. ana 12,5. 
MDS. Pinselsaft. [Bei hartnäckigen sy- 
philitischen Mundgescbwüren.] 

Oppert. 

86. Hr 

Acid. nitrici 1,5 
Glycerini 10,0 
Aq. 250,0. 
MDS. Gurgel Wasser. [Bei tertiärer syphi- 
litischer ülceration im Pharynx.] 
Gai^risma acidi nitrici. 

MacXensie. 



dylomen. Darauf Bestreuung mit fein 
gepulvertem Alaun oder mit einem an- 
deren [unter Cuprum sulfur. aufge- 
führten] Streupulver. ▼. Sigmund. 



88. 



Acid. nitr. • 

hydrochloric. ana 1,0 
Aq. Rosarum 200,0 
MDS. Waschwasser. [Bei Pityriasis und 
Chloasma] Qreen. 



89. Bf 

Acid nitr. 15,0 
Aq. 100,0. 

MDS. Zum Umschlage. 



[Bei Prostbeulen.] 
V. Hebra. 



90. IV 

Acid. nitr. 2,0-4,0 

Tinct. Opii simpl. 4,0 

Aq. Rosarum 200,0 
MDS. Yerbandwasser. [Bei hartnäckigen 
syphilitischen Geschwuren.] Oppert. 



91. 



Acid. nitr. 

Meli, despumati ana 25,0 

Electuar. Theriao. 10,0 

Ol. Therebinth. 75,0 

Spirit. 150,0. 
M. f. Linim. D. S. Zur Einreibung. [Eine 
in Russland unter dem Namen Lini- 
mentum antichloricum viel be- 
nutzte, aber höchst unzweckmässige 
Composition.] 



87. hf 

Acid. nitr. 10,0 

Aether. nitr. 2,5. 
MDS. Zum Bepinseln von weichen Con- 

Von Rlvallie ist die Anwendung der sogenannten solidificirten 
Salpetersäure gegen Krebsgeschwüre warm empfohlen worden. Man 
wählt dazu eine stark concentrirte Säure von 1,36 sp6c. Gewicht [welche 
44 pCt. trockner Säure enthalt], tröpfelt sie auf trockene Charpiebäuschchen, 
die man in ein eine porzellanene Reibeschale legt, hält diese über eine 
Alkoholflamme und erwärmt sie massig, während man mittelst eines 
Glasstabes Säure und Charpie in eine innige Verbindung zu bringen 

H^ IV 83-91. DigitizedbyV^OOgie 



Acidum nitricura. 1.^9 



sucht und die letztere in eine gallertartige Masse verwandelt. Die 
Paste muss jedesmal [natürlich ausserhalb des Krankenzimmers] frisch be- 
reitet werden. Die Umgebung der zu ätzenden Stelle wird so weit mit 
nassen Corapressen bedeckt, dass noch ein Vj Zoll breiter gesunder Raum 
frei hervorsteht. Das Aetemittel bleibt 15 Minuten lang liegen; nach 
der Entfernung 24 Stunden lang Verband mit gesättigter Alaunauflösung, 
später mit Bleiwasser; dann wird der Schorf mit der Scheere halb ab- 
getragen und eine neue Paste aufgelegt. Nach etwa achtmaliger Wieder- 
holung dieses Verfahrens entfernt man den Schorf ganz durch warme 
Cataplasmen und erhält dann eine reine, einfach zu behandelnde Ge- 
schNvürsfläche. — Nach Rirallie's Angaben soll das Mittel unter massigen 
Schmerzen wirken, was sich aher bei den in Deutschland- angestellten 
Versuchen [z. B. von Rrcll] nicht bewährt hat; vielmehr steht die Sclimerz- 
haftigkeit dieser Aetzung mit der jeder anderen in gleicher Reihe. Dahin- 
gegen liegt ein wichtiger Vortheil des Rlfallle'schen Mittels darin, dass 
keine Blutung entsteht, wie dies bei der Anwendung des Chlorzinks u. s. w. 
oft der Fall ist; ferner wird die Resorption der Jauche verhindert, und 
die Entfernung des Schorfes lässt sich, im Vergleich zu anderen Aetz- 
mitteln, leicht bewirken. 

Eine andere Anwendung der Salpetersäure gegen Krebs ist die von 
Reits angegebene; seine Formel, die unter dem Namen Acid. compos. 
Reitzii bekannt geworden, ist folgende: ^ Acid. nitr. 120,0, Acid. 
hydrochlor., Aether ana 7,5, Boracis 5,5. Gemischt und in eine 1 bis ' 
IV2 Pfundflasche geschüttet, die nicht ganz luftdicht verschlossen sein 
darf, bleibt die Mischung einige Stunden stehen. Dieselbe langt nach 
einiger Zeit an, stark Blasen zu werfen, sich dann braun zu färben und 
sehr viel salpetrige Säure in Gasform zu entwickeln. Nachdem sie gleich- 
sam ausgegohren hat, nimmt sie eine grünliche Farbe an, woraut man 
sie dann in kleine Flaschen giesst, die nur bis zur Hälfte angefüllt und 
gut verschlossen werden. Die Bestandtheile derselben sind wahrschein- 
lich Salpetersäure mit salpetriger Säure, Chlornatriura und Borsäure, die 
sich zum Theil in Gestalt kleiner Schuppen ausscheidet. Bei der Be- 
handlung des Carcinoma machte Reiti mit folgendem Liniment den An- 
fang: Vf Acid. comp. Reitzii 3,0, Ol. Hyoscyami, Ol. Olivar. ana 25,0. 
Mit demselben wurden die oberen und unteren Extremitäten, nach dem 
Verlaufe der Lymphgefösse, am Abend unmittelbar vor dem Schlafen- 
gehen eingerieben und dies nach den Umständen alle 8-14 Tage wiedor- 
holt. Gleichzeitig, nur tüglich, wurde damit der Umkreis der krebsigen 
Entartung eingeschmiert oder eingepinselt, und das Geschwür selbst zwei 
Mal täglich mit trockener Charpie verbunden. Zum innerlichen Gebrauche 
verordnete er dann zugleich folgende Tropfen: R Acid. comp. Reitzii 
2,0, Liq. anodyn. mineralis Hoffmanni 4,0. MDS. Täglich einmal 
10 Tropfen in Zuckerwasser zu nehmen. Nach Reili und anderer Beob^ 
achtungen zeigt sich in dem Krebsgeschwür nach einer solchen Behand- 
lung die wohlthätige Reaction dadurch, dass die aufgeworfenen Ränder 
weicher werden, sich ebnen und reinigen. Gesellt sich während der 
Behandlung ein entzündlicher Reizzustand im Geschwür oder in den ver- 
härteten Drüsen hinzu, so werden Blutegel applicirt und die Mittel einige 
Tage hindurch ausgesetzt. Ausserdem wird dem Kranken alle 2-3 Wochen 

Digitized by^OOQlC 



140 Acidum nitricum. 



ein warmes Wannen- oder Dampfbad empfohlen. Bei Carcinoma uteri 
war die innerliche Behandlung dieselbe, allein die Einreibungen in die 
unteren Extremitäten wurden 3 Mal wöchentlich veranstaltet und 2 Mal 
wöchentlich folgende Einspritzungen in die Scheide, entweder allein oder 
mit reinem warmen Wasser abwechselnd gemacht: R» Acid. comp. Reitzii 
2,0, Aq. destillatae 400,0, Tinct. Opii 2,0. M. Bei nicht zu weit vor- 
geschrittener Dyskrasie und Entartung edler Organe soll der Erfolg im 
allgenjeinen ein glücklicher gewesen, und sollen selbst noch in unheil- 
baren Fällen die Schmerzen gehoben worden sein. Krebel theilt mit, 
dass die Schmerzen und Blutungen sich mindern, die Nächte ruhiger 
werden, die -fungösen Excrescenzen verschwinden, aber das Allgemein- 
befinden sich nur unbedeutend bessert. — Bei fungösen Geschwüren zei- 
gen sich die Einspritzungen nachtheilig, indem sie meist Blutungen hervor- 
rufen. Femer ist die Aetzung mit Salpetersäure empfohlen zur Zerstörung 
polypöser Wucherungen, flacher, plexiformer Angiome (illlrtth), zur Cau- 
terisation von Hämorrhoidalvorfallen (laasUn) und vonBisswunden toller 
Hunde und giftiger Schlangen. 

AciduH HitricVH crndlUM. Aqua fortis. Scheidewasser. [Spec. 
Gew. 1,323-1,331 = 50-52 pCt. wasserfreier Säure. 100,0 = 30 Pf.] 

Nur zum äusserlichen Gebrauch, wie Acidum nitricum. 

92. Bf 

Acid. nitr. crudi 
„ hydrochlor. crudi ana 30,0. 
MDS. Zum Fussbade. [Bei Hepatitis chronica, Dysmenorrhoe.] 

Sohönlein. 

Acidm litricUI dilvtUlt [Acidum nitricum und Aq. destillata zu 
gleichen Theilen gemischt. — Spec. Gew. 1,086-1,089. 10,0 = 5 Pf.] 

Innerlich wie Acid. nitricum, in doppelter Dosis. 

'^'AeidvH litrieUH fuiiaHS. Acidum nitrico-nitricum. Rauchende 
Salpetersäure. Spec. Gewicht 1,45-1,50. 10,0 = 10 Pf. 

Aeusserlich als Aetzmittel [mit Glas- oder Holzstäbchen aufgetupft] 
zur Zerstörung von Warzen und kleinen Tumoren, namentlich Teleangi- 
ectasien [?#■ Laigenbeek]. 

AciduH •leinicui. Oelsäure. Zur Bereitung der Pflaster ge- 
braucht, z. B. des Wctricfc'schen Heftpflasterbandes. 

AciduH oxalievHt Acidum subcarbonicum, Oxalsäure, Elee- 
säure. Carboxylsäure. Weisse Krystalle von stark saurem Geschmack. 
[5,0 etwa 10 Pf ] Löslich in 7 Th. Wasser [in kochendem Wasser in jedem 
Verhältniss]. Cave: namentlich Gummischeim, der einen starken Gehalt 
an apfelsaurem Kalk besitzt, mit dem sich die Oxalsäure alsbald nieder- 
schlägt. 

Innerlich zu 0,05-0,15-0,3 mehrmals'täglich, in Solutionen [1,0 
bis 1,5 in 200,0 Wasser oder Haferschleim mit Symp, mehrmals täglich einen Ess- 
löffel], Pulver [mit Zusatz von Zucker in Haferschleim zu nehmen]. 

Aeusserlich als Mundwasser [0,3-1,0 auf 100,0] bei Aphthen, 
scorbutischen Geschwüren. 

'''Acidui |lllM|lll0ricant Fhosphoric acid. Acide phosphorique. 
Reine Phosphorsäure. Trihydrophosphat. Orthophosphorsäure. [Spec. 
Gew. = 1,12; Gehalt an wasserfreier Säure s=20pCt. ; 16,6 pCt. nach der Ph. Austria, 

g— . ^2 DigitizedbyV^OOgie 



Acidum phosphoricum siccam. 



Ul 



45 pCt. nach der Ph. Gallica.] Klare , färb- und geruchlose Flüssigkeit von 
stark saurem Geschmack. Sie hat geringere Verwandtschaft zu den Basen, 
als Schwefel-, Salpeter- und Salzsäure, und fallt das aufgelöste Eiweiss 
nicht. [10,0 5 Pf.] 

Innerlich zu 0,5-1,5 und mehr, öfters täglich; in Pillen [auf Vs 
eingedampft] oder Bissen, Tropfen [10-30 Tropfen in Zuckerwasser oder mit 
Syrup], Mixturen [2 0-10,0 auf 100,0], zum Getränk [4.0-10,0 auf 1000,0]. 
Alt bewährte kühlende Fiebermedicin. 

Aeusserlich verdünnt zu Mundwässern [1,0-4,0 auf 100,0], Zahn- 
tropfen [selten], Einspritzungen, Verbandwässern, Zahnpulvern. 



93. IV 

Acid. phosphor. 
Cort Chinae 
Extr. Chinae ana 4,0. 
M. f 1. a. piL No. 100. Consp. pulv. Cass. 
Ginn&m. D. S. l-2stdl. drei Stück zu 
nehmen. 



94. IV 

Acid. phosphorici 5,0 

Aq. dest. 25,0 

Syr. Rub. Idaei 50,0. 
MDS 2stdl. 1 Kinderloffel in Wasser zu 
nehmen. 



Decoct. Rad. Alth. 150,0. 
MDS. Stdl. einen Esslöffel. 



96. IV 

Acid. phosphor. 2,0 

Tinct. Myrrhae 15,0. 
MDS. Zahntinctur (mit Wasser verdünnt 
als Mundwasser). 



97. IV 

Acid. phosphor. 5,0 

Carb. Til. pulverat. 

Pulv. Rhiz. Calami ana 20,0 

Myrrh. pulv. 5,0 

Ol. Bergamott. 

Ol. Caryophyll. ana 0,2. 
M. f. pulv. D. S. Zahnpulver. 



95. IV 

Acid. phosphor. 5,0 
Syr. Aurant Flor. 50,0 

AdduH |iliM|A*ricnH sieeUH. Acid. phosphoricum glaciale. 
Wasserfreie trockene Phosphorsäure. [Durch Abdampfen der gewöhn- 
lichen Phosphorsäure dargestellt. 1,0 etwa 5 Pf.] Zur Verordnung von Pillen 
zweckmässig. [Die Ph. fierm. ed. I. schrieb vor, gewöhnliche Phosphorsäure auf 
den fünften Theil ihres Gewichtes einzudampfen und dann zur Pillenmasse anstatt 
des eigentlichen Acid. phosph. glaciale anzuwenden — eine Verordnung, welche, 
wegen der grossen Kraft, mit welcher die glasige Phosphorsäure Wasser anzieht, für 
die Gleichmassig^eit der Dispensation jedenfalls sehr zweckmässig ist]. 
Innerlich zu 0,1-0,3 in Pillen. 

Aeusserlich als Aetzmittel [selten], zusammen mit Kalk zum 
AusfuUen hohler Zähne. 

99. IV 

Acid. phosphorici sicci 3,0 
Calcar. 3,25. 
Misce in mortaria calefacta. D. in vitro 
epistom. yitr. clause. S. Zum Ausfül- 
len hohler Zähne. Das Pulver wird in 
die wohl gereinigte und ausgetrocknete 
Zahnhohle eingebracht, geglättet und 
anf der Oberfläche befeuchtet und nimmt 
dann in kurzer Zeit die Consistenz und 
Farbe des Zahnes an. 

Dental succedaneum. 

Acilhuü picrilicuit Acidum picricum. Acidum picronitricum, 
Acid. carbazoticum. Pikrinsäure, Kohlenstickstoffsäure. Welter's 
Bitter. [Gelbe Krystalie, von intensiv bitterem Geschmack, in heissem Wasser, p 

^'^'^il^ 93-99. ^«Q 



98. IV 

Acid. phosphorici sicci 
Asae foet ana 8,0 
Pulv. Rhiz. Calami q. s. 
ut f. 1. a. pil. No. 120. Consp. Pulv. Rhiz. 

Irid. florent. 
D. in vitro. S. 3 mal täglich 6-8 Stück. 
[Bei Caries.] 

Bait. 



14^ Acidum pyrogallicum. 



sowie in Alkohol und Aetlier leicht löslich.] Das Mittel wirkt ähnlich der 
Carbolsäure und ist gleich dieser in neuester Zeit gegen die verschieden- 
sten Krankheiten empfohlen, und zwar innerlich 0,1-0,4-0,5 (!) [bei 
Keuchhusten, Dyspepsie, Chlorose, Toteres, Rheumatismus, intermittirenden Neural- 
gien, ganz besonders aber bei Intermittens, selbst Interraittens perniciosa und gegen 
Eingeweidewürmer] in Pillen oder in Lösung, besonders als Vinum pi- 
cricum, Vin picrique [dargestellt durch Mischen von 10,0 einer aus dem Mittel 
bereiteten Tinctur (1 : 10) mit 1 Liter Weisswein]; äusserlich gegen Krätze, 
atonische Geschwüre, indurirten Schanker, Gangrän, Cancroid u. s. w. 
ähnlich der Carbolsäure angewandt (Parlscl). [5,0 etwa 30 Pf.] Zur Er- 
härtung raicroscop. Präparate angewandt. 

100. I^r 

Ammonii picrinici 0,06 
Ammon. muriat. 1,5 
Succ. Liquirit. 4,0 
Aq. 90,0. 
MDS. Stdl. 1 Theeloffel (für Kinder von 6 Monaten und darunter), 2 Theelöffel 
(für Kinder von 1-2 Jahren). 
[Gegen Keuchhusten.] Dellenbaugh. 

Aeidum pyrogallieun. P} rogallussäure. Beim Erhitzen der Gallus- 
säure unter Abscheidung von Kohlensäure sublirairend. Sehr leichte, 
weisse, glänzende Blättchen oder Nadeln, von bitterem Geschmack. In 
2-3 Theilen Wasser, in Weingeist und Aether löslich. [1,0 15 Pf.] Von Jariseh 
gegen Psoriasis empfohlen. Wegen geringerer Verfärbung und weniger 
irritirenden Eigenschaften der Chrysophansäure in vielen Fällen — Psoriasis 
des Gesichtes, des behaarten Kopfes, bei Individuen mit sehr leicht reiz- 
barer Haut — vorzuziehen. Weisser sah einen Fall von tödtlicher Vergiftung 
in Folge von Blutdissolution. Jariseh hat unter 200 Fällen keine unan- 
genehmen Nebenwirkungen beobachtet. Man gebrauche die Vorsicht, nicht 
zu viel von der Salbe auf einmal einzureiben. 100 Gr. einer lOprocent. 
Salbe müssen für 6-8 Einreibungen des ganzen Körpers in 3-4 Tagen 
reichen, so dass etwa 1,5 Grm. Py rogallussäure in 24 Stunden zur Auf- 
nahme gelangen. Am besten als Vaselinsalbe 1 : 10. 

Aeidum pyro-ligBOsnm eriidam rectiieatum s. «Acetum pyro- 
lignosum crudum und rectificatum. 

^AeiduH salieylienm. Salicylic acid. Acide salicylique. Salicyl- 
säur e. Salicy 1. Ortho-Oxybenzoesäure. Spirsäure. [Perlmutterglänzende, 
silberweisse, nadeiförmige Krystalle. Geruchlos. Löslich in 358 Theilen Wasser, in 
50 Theilen Glycerin, leicht in hoissem Wasser, heissem Chloroform, heissem Gel, 
Alkohol und Aether. — 1,0 5 Pf.] -Wurde auf Kdbe's Anregung von Thierseh 
in die medicinische Praxis eingeführt. 

Innerlich theils refracta dosi zu 0,3-0,5-1,0-2,0 ein- bis dreistünd- 
lich, theils zu 2,0-5,0-8,0 auf einmal oder auf zwei kurz nach einander 
folgende Gaben vertheilt, oder auch die volle Gabe Morgens und Abends 
[die einmaligen grossen Dosen wirken als Antifebrilia namentlich bei Typhus (iass^ 
Liebermeister, ImmerminH^ L. Riesa, Ewald, Gvltilaminer^ Gnbler u. t. A.), Inter- 
mittens (Senator^ A. Riller) u. a.; die kleineren Dosen in häufigen Gaben sind wirk- 
sam bei akutem Gelenkrheumatismus (iass, Tranbe und Strieker), chronischen Magen- 
und Darmkatarrhen, besonders bei fauligen Diarrhöen (Varbringer), Cystitis (Ifried« 
reich, Furbrlnger), Phthisis, Dysenterie, Diphtherie (Raaow, Letseri«^) und^anderen 

g0r Ify 100. igitizedby g.. 



Acidum salicylicum. 148 



Infektionslcrankbeiten. In wiederholten kleineren Dosen za 0,3-0.5 Gr. ist die Salicyl- 
saure bei Neuralgien mannigfacher Art, besonders bei Ischias, TrigeminusafTectionen, 
Hemicranie angewendet und besonders Yon engl, und amerik.Aerzten(Abttt^Tiekwird) 
gerühmt worden. Auch als Antaphrodisiacum soll sich die Säure erwiesen haben. 
Jewelt giebt an, dass eine fünfmalige Darreichung von je 1,0 tägl. den Geschlechts- 
trieb für 3 Monate schwäche]: in Pulver [in Haferschleim zu nehmen, oder viel 
zweckmässiger in Oblate gdhüllt; besonders empfehlenswerth in capsulis amylaceis 
zu verordnen]; in Pillen [unzweckmässig ^ wenn die Einzeldose zu gross ist; bei 
kleinen Dosen dagegen brauchbar]; in Bissen [wohl zu empfehlen]; in Lösung 
[wässerige Lösung 1 : 300 ist nur für sehr kleine Dosen brauchbar; nicht viel besser 
Zusatz von Wasser 150,0 zur Spirituosen Losung 1 : 10. Kach Springer soll sich die 
Salicylsäure ziemlich leicht in Vichy- oder Selterwasser lösen (es bildet sich das Natron- 
salz) and angenehm zu nehmen sein. — Lösung in Glycerin 1 : 50 ist wenig zu em- 
pfehlen, weil zu viel Glycerin nothwendig. Brauchbar ist eine rein spirituöse (oder 
auch ätherische) Lösung: 1,0-5,0 in 10,0-50,0 Cognac oder Arac, reizt jedoch die 
Pharynxschleimhaut intensiv, deshalb in schleimigem Vehikel oder mit Milch zu neh- 
men und Schleimiges unmittelbar nachzutrinken. — In wässeriger Lösung mit Zusatz 
von Katrium phosphoric, Katrium carbon. oder bicarbon., Borax sehr empfehlens- 
werth, wobei aber die Salicylsäure ganz oder theilweise in Natrium salicylicum (vergl. 
dieses) umgewandelt wird: Acid. salicylicum 5.0, Aqua 50,0-200,0, dazu entweder 
Natr. phosph. 10,0, oder Natr. carbon. 5.0, Natr. bicarbon. 7,5-10,0, oder Borax 5,0]; 
in Emulsion; in Schüttelmixtur [in schleimigem Decoct, schleimiger oder 
Extractlösung]. 

Aeusserlich in Pulver [mit 1 :50 Amylum, Argilla, Garbo, Talcum]; 
zum Aufstreuen auf Wunden, nässende Hautausschläge, schweissige 
Füsse (Itllie), Nachtschweisse der Phthisiker (HifcBfctrn), Geschwüre [be- 
sonders bei jauchigen, malignen, gangränösen Ulcerationen, Decubitus, Diphtheritis], 
als Zahnpulver [mit Carbo, Conch. praep. u. a. 1 : 10-100], als Schnupf- 
pulver [0,1-1,0 zu 10,0 Sacchar., Acid. tannic. u. a. bei Ozaena, bei Heufieber 
(¥#•4^ BIbi)], zur Insufflation in den Pharynx und in die Mund- 
höhle [in Verbindung mit pulverisirter Kohle, Zucker, Tannin, Schwefel u. a. 1 zu 
5-50, bei Diphtheritis, malignen Ulcerationen im Pharynx und in der Mundhöhle]; 
in Lösung: zu Verbänden (Thierteh) [Watte oder Jute mit Salicylsäure ge- 
tränkt, in 3 und 10 pCt. Concentration , getrocknet. Zu Tampons für Wunden, — 
Salicylwasser [1 : 800 Aqua, oder in concentrirter Lösung (1 : 20-50) mit Hinzufügen 
von Borax (Btse)] als Verbandmittel an Stelle des Lister^schen Verbandes; dieselbe 
Lösung zur Zerstäubung bei Operationen an Stelle der Carbolsäure. — Acidum sali- 
cylicum in Oel (1 : 50) gleichfalls zu Verbänden], Waschungen [1 : 30 Aqua als 
Desinficiens, auch bei Fussschweissen und Hautausschläj^en], Mund- und Gurgel- 
wässern [1: 300-500 Aqua, auch mit Zusatz von Spiritus, aromatischen Wässern 
und Tincturen, Glycerin], Zahntincturen [in spirituöser Lösung (1:25-100)], 
Inhalationen in zerstäubter Form [1 : 500-1000 Aq. bei Bronchitis putrida, 
Bronchectasie, Krbringer], Einspritzungen [1:300-1000 in die Käse (bei 
Ozaena), in die Harnröhre, die Harnblase (bei Cystitis mit ammoniakalischer Harn- 
zersetzung, Frledreieh und FirMiger], zum Ausspülen des Magens [1 zu 
300 Aqua unter Anwendung der Magenpumpe: 9tsler], zu Klystiren [3,0-8,0 
ab Antifebrile (Bnss); 1,0-3,0 als lokales Desinficiens bei Darmkatarrhen (Krbringer), 
am besten in schleimiger Schüttelmixtur, z. B. mit Stärkelösung, auch mit Zusatz 
Ton Opiumtinctur: bei Dysenterie, Stephtnldes], zum Ausspülen des Darms 

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144 



Acid. salicylicum. 



[mit grossen Quantitäten der wässerigen Lösung bei Typhus: Jltslcr], zum Aus- 
spritzen der Pleura [bei Empyem nach der Thoracocenthese 1:600-1000 Aqua: 
Priedreich], zur subcutanen! njection [unzweckmässig wegen der schweren 
Löslichkeit in Wasser; spirituöse Losung zwar anwendbar, aber sehr schmerzhaft]; 
in Salben [1 : 10-50 Adeps oder Vaselin] , als Verbandmittel [bei Haut- 
krankheiten, namentlich Eczema faciei et capitis und Ulcerationen, Wagner] und zu 
Zahnpasten. 



101. Bf 

Acid. salicyl. pulv. 0,5-1,0 
Dispensent. tal. dos. No. 15. D. S. Stdl. 
1 Pulver in Oblate gehüllt zu nehmen. 
[Bei Rheumatismus articulorum acutus.] 
Traube. Strioker. 



102. Bf 

Acid. salicyl. pulv. 0,5. 

Dispensent. tal. dos. No. 10. D. in cap- 
sulis amylaceis. S. Stdl. 1 Stück ange- 
feuchtet auf die Zunge zu legen und 
mit Zuckerwasser oder Haferschleim 
herunterzuschlucken. 

[Bei Rheumatismus articul. acutus, Diph- 
therie, Dysenterie, Enteritis, Cystitis 
u. A.] 



103. Bf 

Acid. salicyl. 

Elaeosacch. Menth, pip. ana 0,5 
M. f. pulvis. Dispens, tal. dos. No. 10. 
D. S. Stdl. 1 Pulver in Haferschleim 
oder in Oblate zu nehmen. 



104. I^ 

Acid. salicyl. pulv. 5,0. 
D. S. Abends auf einmal in Haferschleim 
oder Milch zu nehmen. 
[Bei Typhus.] 



105. I^ 

Acid. salicyL 10,0 
Rhiz. Calami pulv. 5,0 
Mucilag. Gummi Arab. q. s. 

ut f. Boli No. 20. Consp. Pulv. Rhiz. Calam. 
D. S. Stdl. 1 Stück zu nehmen. 



106. Bf 

Acid. salicyl. 3,0 

solve in 
Aq. fervid. 800,0 
Syr.Amygdal. 100,0. 

MDS. 2 stdl. 1 Weinglas. 



107. Bf 

Acid. salicyl. 3,0 

solve in 
Cognac 60,0 

adde 
Vini Xerens. 80,0 

g^ Bf 101-112! 



MDS. 



108. 



Syr. Aurant. CJort. 30,0. 
1-2 stdl. 1 Essloffel voll. 

Türbringer. 



MDS. 



Bf 
Acid. salicyl. 3,0 

solve in 
Cognac 60,0 

adde 
Vini Xerens. 80,0 
Liq. Ferri sesquichlor. 1,0 
Syr. Cinnamorai 30,0. 
Mehrmals täglich 1 Essloffel voll. 
Vinum ferro-salicylicum. 

Fürbrinffer. 



109. Bf 

Acid. salicyl. 5,0 
Natr. phosphor. 10,0 

solve in 
Aq. 50,0. 

(Tinct. Aurant. Cort. 3,0.) 

D. S. Das Ganze Abends auf einmal zu 

nehmen. [Bei Typhus.] K Bieii. 



110. 



Bf 



Acid. salicyl. 5,0 
Natr. phosphor. 13,0 ' 

Liq Ammonii caust. 2,0 
Glycerini 
Aq. ana 10,0. 
(Bei Brechneigung noch Zusatz von Chlo- 
roform. 0,25.) 
MDS. Die Arznei Abends auf einmal zu 
nehmen. [Bei Typhus.j| Ewald. 

111. Bf 

Acid. salicylici 2,0 

Natr. sulfurosi 4,0 

Aq. 100,0. 
MDS. 2 stdl. 1 Essloffel. [Bei Infections- 
krankheiten.] BosiTsy. 



112. Bf 

Acid. salicyl. 3,0 
Ol. Amygdal. 30,0 
Gummi Arab. 15,0 
Aq. 120,0 

Syr. Menth, pip. 30,0. 
f. Emulsio. D. S. Stdl. 1-3 Essloffel 
Wonderlioh. 



M 



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Acidum siliclcam. 



145 



113. B^ 

Decoci Rad. Althaeae 150,0 

in quo solve 
Succ. Liquir. dep. 10,0 

adde 
Acid. salicylici 5,0. 
DS. Wohl umgeschüttelt stdl. 1 Esslöffel. 



114. I^ 

Acid. salicyl. 1,0 
Argill. 50,0. 
M. f. pulvis. D. S. Streupulver. 
Eczem, Intertrigo.] 



[Bei 



115. I^ 

Acid. salicyl. 3,0 
Amyl. 10,0 
Tale, venet. 87,0. 
M. f. pulv. S. Als Streupulver bei Nacht- 
schweissen der Phthisiker. 

Köhnhom. 



116. Rr 

Acid. salicyl. 0,25 

Acid. tannici 

Boracis ana 2,5 
M. f. pulvis. D. S. Schnupfpulver. [Bei 
Ozaena.] Waidenburg. 



117. lif 

Acid. salicyl. 0,5 
Ol. olivar. 25,0 
MDS. Zum Einölen der Bougies. Auf Watte- 
bauschchen bei Ulcus molle. 

Laiiar. 



118. I^ 

Acid. salicyl. 1,5 
Spirit. 3,0 
Adip. suill. 15,0. 
M. f. unguentum. D. S. Aeusserlich. 
[Bei atonischen Fussgeschwüren, Eczema 
faciei et capitis u. a.] Wagnet. 



119. Bf 

Acid. salicyl. 1,0 
Unguent. Glycerini 25,0. 

M. f. unguentum. D. S. Verbandsalbe. 



120. 



^ 



Acid. salicyL 2,0 
Yaselini 50,0 
Zinc. oxyd. 
Amyl. ana 25,0. 
M. len. ter. f. pasta. S. 



Eczemsalbe. 
Lassar. 



121. 



^ 



Acid. salicyl. 2,0 

Sulf. praecip. 10,0 

Vaselini 

Zinc. Qxyd. ana 45,0. 
M. f. pasta. [Bei Sycosis und Acne, 
Schutzpaste nach Stichelung und Löffe- 
lung der Haut.] Laiiar. 



122. 



^ 



Acid. salicyl. 0,5 
Ol. Cajeputi rect. 1,0 
Carb. pulver. 
Conch. praep. ana 25,0. 
M. f. pulvis. D. S. Zahnpulver. 



123. 



^ 



Acid. salicyl. 1,0 

solve in 
Spirit. 50,0 
Tinct. Myrrhae 10,0. 
MDS. 10-20 Tropfen in einem Weinglase 
Wasser zum Mundspülen und Bürsten 
der Zähne. 



124. 



Acid. salicyl. 
Ol. Menth, pip. ana 0,5 
Spirit. 3,0 
Calcar. carb. 5,0 
Sapon. venet. 20,0 
Carmini 0,2 
f. pasta. D. S. Zahnpaste. 

Aeidm selerotinieuni« Sclerotinsäure. Ein geruchloses, sauer 
reagirendes, mehr weniger zimmtfarbiges, amorphes Pulver, als solches 
haltbar, während die wässerige Lösuung sich in 2-3 Tagen zersetzt. Das 
wirksame Princip des Seeale cornutum von dem Character einer Säure. 
Von NIcItIa auf seine Wirksamkeit untersucht und in Dosen von 0,01 
bis 0,05 Gr. subcutan injicirt für dieselben Indicationen wie Extr. secal. 
comut. wirksam gefunden, v. Zicmssen wandte es mit Erfolg bei Hae- 
moptyse an. Er gebrauchte von einer Lösung von 4 : 100 zwei bis drei 
Pravaz'sche Spritzen in 24 Stunden. [0,1 15 Pf.] 

Acidui silicicUBl« Kieselsäure. [Die wasserhaltige amorphe Kiesol- 

Evaid und Simon, Arxueivcrordnangslehre. 10. Au0. ]q j 



146 Acidum succinicura. 



adde 
Syr. Cinnam. 25,0 
Aeth. aoet. 1,0. 
MDS. 2stdi. 1-2 Esslöffel. 



säure bildet eine durchsichtige, opalisirende Gallerte, welche, frisch gefallt, in reinen 
und kohlensauren Alkalien, sowie auch in Salzsäure und Schwefelsäure leicht löslich 
ist. Beim Trocknen und Glühen yeriiert sie ihr Wasser, und das Kieselsäure-Anhy- 
drid ist unlöslich.] 

Innerlich ist die lösliche Kieselsäure zu 0,06, 2raal taglich in 
Trochiscen in Verbindung mit Kalkphosphaten als Unterstützungsmittel 
der Knochenbildung bei retardirter Dentition, Rachitis, Osteomalacie, auch 
gegen Krebs und Diabetes empfohlen (Ittty). Auch als Pillenconstituens 
solcher Stoffe, die wie Argent. nitricum durch Pflanzenextracte zersetzt 
werden. Lässt sich auch als Pulver, sowie in alkalischer oder saurer 
Lösung verordnen. 

'^'AciduH succinieun» Sal Succini depuratum. Succinic acid. Sei 
volatile de succin. Goreinigte Bernsteinsäure. Succinsäure. [Gelb- 
liche Krystalle, in Wasser und Weingeist leicht löslich. — 1,0 5 Pf.] Nicht frei 
von empyreumatischem Oele, das wohl die Wirkung mit bedingt. Cave: 
Basen, kohlensaure Salze [wenn man nicht die Saturation beabsichtigt]. 

Innerlich zu 0,3-1,0 mehrmals täglich, in Pulver [mit anderen 
Nervinis, wie Moschus, Campher u. s. w., Pulvis gummös, als Constituens], Pillen, 
wässeriger oder alkoholischer Auflösung. 

Aeusserlich zu Pinselsäften [1:5-10 Mel oder Glycerin], Mund- 
und Gurgelwässern [1 : 10-50]. 

125. Bf 

Acid. succinici 2,5-5,0 

solve in 
Aq. Cinnam. simpl. 150,0 

AdduH snlfoearbraicUH. S. unter den Salzen [Kalk, Natron und 
Zink] dieser Säure. 

^AciduH sulfuricvmt Acidum sulphuricum rectificatum seu pu- 
rum. Acidum sulfur. concentratum purum Pfc. Aistr. Oleum Vitrioli depu- 
ratum. Sulphuric acid. Acide sulphurique. Reine Schwefelsäure. 
Gereinigte concentrirte Schwefelsäure. Wasserstoffsulfat. [Spec. Gewicht 
= 1,83-1,840, enthält 94-97 pCt. des ersten Hydrates der Schwefelsaure (SH^O^); 
von der Dicke eines Oeles. — 10,0 5 Pf.] 

Nur äusserlich: als Aetzmittel [pure oder mit einem Pflanzenpulver 
1,0 auf 7,5 zur Paste angerührt. Von Rietrd wird eine Paste aus Acid. sulfur. 
und Kohle empfohlen], stark verdünnt [0,05 auf 10,0] als Augentropf- 
wasser. Als causticum sulturico-crocatum s. aethiopicum, 
Unguentum melanicum, bezeichnet man ein Gemisch von pulverisirtem 
Safran und 1-1,5 Th. concentr. Schwefelsäure. Caustique sulfo-safran6 
(Velpean). 

'^'Aeidum sulfuriem eruduH. Acid. sulfuricum anglicanum Ph. Autr. 
Oleum Vitrioli. Rohe Schwefelsäure, Vitriolsäure, Vitriol, englische 
Schwefelsäure. [Spec. Gew. = 1,830-1,833; Gehalt an SE^O^ mindestens 91 pCt. 
— 100.0 15 Pf] 

Nur äusserlich: zu Bädern [namentlich zu Schwefelverbindungen: Cal- 
caria sulfurata. Kai sulfuratum; auf 1 Th. der Schwefel Verbindung rechnet man 
* •2-V4 Th. .>äure]; zum Behufe von Räucherungen, wie des Chlors aus 
Kochsalz und Manganhyperoxyd, der schwefligen Säure durch Behandeln 
mit Kohle oder Kupferspänen; offene Gefässe mit Schwefelsäure in grossen 

H^ ^ J25, Digitizedby^OOgie 



Acidum sulfaricuni dilutum. 



147 



Portionen zur Austrocknung der Luft in Ziramern hinzusetzen, ist gefähr- 
lich, man wähle zu diesem Zwecke lieber andere Mittel, wie z. ß. die 
Calcaria usta [vergl. diese]. 

'^'AeiduH snlfarieiim dilutum. Spiritus Yitrioli. Verdünnte. 
Schwefelsäure. [1 Th. Acid. sulfuricum mit 5 Th. Aq. dest. Spec. Gew. = 
1,110-1,114. — 10,0 5 Pf.] Die starke Verwandtschaft dieser Säure zu allen 
Basen macht die grösste Voi'sicht in der Verordnung nöthig. 

Innerlich zu 0,25-1,0-1,5 mehrmals täglich in Pillen oder Bissen 
[sehr unzweckmässig], Tropfen [5-30 Tropfen mit Sjrrup oder in Zuckerwasser], 
Mixturen [starke Zusätze von mucilaginösen Substanzen, Syrup oder Zucker], 
zum Getränk [2,0-4,0 auf 500,0 Wasser mit 25,0-50,0 Syrup], zu Molken 
[s. Serum Lactis im allgemeinen Theil]. 

Aeusserlich zu Mund- und Gurgelwässern [1,0-4,0 auf 100,0], 
Pinselsäften [1,5-3,0 auf 25,0], Waschungen, Fomentationen; selten 
in Salben [1,5-3,0 auf 25,0]. 



126. ^ 

Acid. sulfuric. dilut. 10,0 
Aq. dest. 

Syr. Rub. Idaei ana 50,0 
MDS. Stdl. 1 Theelöffel voll. Zugleich 
1-2 Tbeeloffel zu einem Glase Zucker- 
wasser als Getränk. [Bei H&emoptysis.] 



127. 1^ 

Decoct. Rad. Althaeae (10,0) 150,0 
Acid. sulfuric. dilut. 5,0 
Syr. Aurant. Flor. 25,0. 

MDS. 2 stdl. 1 Esslöffel. 



128. 



Erzielung der rothen Farbe den billi- 
geren Syr. Rhoeados oder Rub. Idaei 
nehmen. 



129. Bf 

Acid. sulfuric. dilut. 3,0-4,0 
Aq. dest. 1000,0 
Spirit. 60,0 
Ol. Citr. aether. 0,25. 
MDS. Täglich 3 mal 1 Weinglas voll. [Bei 
Bleikolik und als Prophylacticum gegen 
Bleivergiftung.] 
Schwefelsaure Limonade Qendrin^s. 



130. lir 

Acid. sulfuric. dilut. 25,0 
Ol. Terebinth, 
Spirit. ana 10,0. 
M. 1. a. d. in vitro bene obturato. S. Stdl. 
40 T/opfen in Zuckerwasser. [Bei Hae- 
morrhagia pulmonum, ventriculi.] 
Warren*s blutstillender Balsam. 



Acid. sulfuric. dilut. 12,0 
Tinct. Opii simpl. 4,0 
Syr. Violarum 100,0. 
MDS. 2 mal täglich, besonders Abends vor 
dem Schlafengehen, einen halben Ess- 
löffel in einer Tasse Haferschleim zu 
nehmen. [Gegen hektische Schwcisse.] 
a. A. Biohter. 
Statt des Syr. Violarum kann man zur 

Acidm snlfnrieiim ftimans. Oleum Yitrioli. Rauchende Schwe- 
felsäure, Nordhäuser Vitriolöl. . Pyroschwefelsäure. Wasserstoffbisulfat. 
[Spec. Gew. = 1,860-1,900. — 100,0 30 Pf.] 

Aeusserlich als starkes Aetzmittel, doch wegen der unange- 
nehmen Dämpfe unzweckmässig, [ßestandtheil des Liquor antarthriticus 
Pottii: Kochsalz 2, Terpenthin IV4J Acidum sulfuricum furaans 1]. 

Aeidm snlfiiriciiiii spiritvosnm. Haller'sches Sauer s. u. Mix- 
tura sulfurica acida. 

Aeidui sulfurosvillt Sulphurous acid. Acide sulfureux. Schwef- 
lige Säure. Monothionige Säure. Schwefeldioxyd. Irrespirables, farb- 
loses Gas von stechendem Geruch, entsteht beim Verbrennen des Schwefels. 
Das Gas wird in AVasser geleitet und dasselbe möglichst damit gesättigt; 
diese Verbindung, Aqua sulfurosa seu Acid. sulfurosum liquidum 



^rnV^i^^ 



148 Acidum tannicum. 



ist in neuerer Zeit innerlich [20 bis 60 Tropfen mit Aq. destill, verdünnt] 
gegen Pyrosis und chronisches Erbrechen (Lawstn), ferner gegen Diph- 
Üierie, Scarlatina und andere Infektionskrankheiten (I. E. Mehter) [vergl. 
;ioch Magnesia salfurosa: Sehtitin]; äusserlich zu Pinselsäften, Gurge- 
lungen [5 Tropfen zu ca. 100,0] und selbst in zerstäubter Form gegen Diph- 
therie und Aphthen von James lewar empfohlen. Das schwefligsauro Gas, 
direct durch Räucherungen mit Schwefel erzeugt, ist ein bedingtes Des- 
infectionsmittel. [S. Wolffhügel, üeber den Werth der schwefligen Säure als 
Desinfectionsmittel, in Mittheilungen ans dem kaiserl. Gesandheitsamte. I.] 

'*'Acidum tannicuHt Acidum gallo-tannicum, Acidum scytodephicum, 
Tanninum. Tannic acid. Acide tannique. Gerbsäure. Tannin. Weisses 
oder gelbliches Pulver von stark adstringirendem Geschmack. [10,0 15 Pf.] 
Löslich in Wasser, Alkohol, Aether, in 8 Th. Glycerin. Cave: organische 
Substanzen [namentlich organische Basen, wogegen jedoch häufig gefehlt wird], 
Salze. [Bei Verordnungen mit Blei-, Eisen- oder anderen Metallsalzen beabsichtigt 
man die Zersetzung, deren Product (z. B. Plumb. tannic.) für den betreffenden Heil- 
zweck nothwendig ist.] 

Innerlich zu 0,03-0,15-0,4 mehrmals täglich in Pulvern, Pillen, 
Trochiscen, Tropfen [in wässeriger, spirituöser oder glyrerinhaltiger Lösung], 
Mixturen [mit schleimigen Decocten, aromatischen Wässern, Wein oder in wässe- 
riger Lösung mit Synip]. 

Aeusserlich in Substanz zur Stillung von Blutungen [das Tannin- 
pulver auf die blutende Fläche aufgestreut oder auf einem Tampon in die blutende 
Höhle eingebracht], als Schnupfpulver [pure bei Epistaxis; ferner sehr zu 
empfehlen in Verbindung mit 1-2 Borax (Walilenbirg) bei Ozaena und als Pallia- 
tivum bei Schleimpolypen der Nase], als Schlund- und Kehlkopfpulver 
bei Pharyngitis und Laryngitis [1 mit MO Th. Zucker, zuweilen pure]; in 
Lösungen [1,0-5,0 auf 200,0 Wasser oder Wein]: zu Verbandwässern, Injec- 
tionen, Uterus- und Nasendouchen, Inhalationen in zerstäubter Form [vergl. 
im allgemeinen Theil], zu Pinselungen des Pharynx und Larynx [2,5-5,0 
auf 25,0 Wasser], zu Bädern [10,0-50.0]; in Salben [2,0-6,0 auf 25.0 Fett], 
in Seifenverbindung [Sapo tannini (ca. 1 auf 8) bei schweissiger Haut, bei 
Intertrigo, Pruritus pudendor.], in Glycerin gelöst als Tanninglycerolat, 
mit Collodium (Acid. tannici, Spirit ana 1, Collod. 10) bei übermässig secer- 
nirenden und leicht blutenden Geschwüren, Frostbeulen, impetiginösen Haut- 
erkrankungen, alsSuppositorien etc. Beequerel lässt bei Metrorrhagien, 
durch Schleimhautwucherungen im Collum uteri bedingt, Tanninstifte 
[aus 4 Th. Acid. tannic , 1 Th. Tragacanth. und Mica panis q. s. zu einer weichen, 
geschmeidigen Masse gefonnt] mittelst eines Speculums in den Uterus ein- 
führen und durch einen mit concentrirter Tanninlösung getränkten Charpie- 
Tampon zurückhalten, welcher letztere liegen bleibt, bis der Stift auf- 
gelöst ist. Die Manipulation wird alle 3—4 Tage wiederholt. Des- 
gleichen empfiehlt Schuster gegen Gonorrhoe Tanninstifte [aus Tannin 
und Glycerin geformt, etwa 4 Zoll lang] in die Harnröhre einzuführen und etwa 
10 Minuten liegen zu lassen. 



131. Bf 

Acid. tannici 0,06 
Opii 0,02 

Sacchari 0,5. r^r^ni^ 

^ _ Digitizedby VjOO vlC 

g^ ^ 131. o 



M. f. pulv. Dispens, tal. dos. No. 6. D.S. 
2stdl. 1 Pulver. [Bei profuser Diarrhoe:] 
Oppolser. 



Acidum tannicum. 



149 



132. I^ 
Acid. tannici 

Rad. Rhei pulv. ana 0,3 
Sacch. alb. 0,ß. 
M. f. pulv. Dent. tal. dos. No. 12. D. S. 
3 mal täglich 1 Pulver. [Bei Pyelitis 
und Pyelo-Nephritis.] Bosenstein. 

133. I^ 

Acid. tannici 3,0 
Extr. Aloes aquos. 1,0 
Extr. Graminis q. s. 
ut f. pilul. No. lüO. Consp. Lycopod. D. 
S. 4 mal taglich 4 ^'tück zu nehmen. 
[Bei Morbus Brightii.] Freriohi. 

134. Bf 

Acid. tannic. 1,2 
Morph, acet. 0,03 
Mucilag. Gummi Arab. q. s. 
ut f. pil. No. 8. Consp. Cinnam. D. S. 
Abends 1-2 Pillen zu nehmen. [Gegen 
hektische Nachtschweisse.] 

Hutohlnion. 

135. Rj 

Acid. tannic. 2,0 
Conserv. Rosar. q. s. 
ut {. 1. a. pil. No. 20. Consp. Sem. Lycop. 
D. S. Stdl. 1 Pille. [Bei Haemoptj'sis, 
Metrorrhagie, chronisch. Schleimflussen.] 
Ootterau. 

136. I^ 

Acid. tannic. 0,1-0,2 

Lupulin. 0,08 

Camphor. 0,03 

Pulv. gumm. arab. 0,1 

Sacchar. 0,5. 
M. f. pulv. Dent. tal. dos. No. 10. D. S. 
3-4 Stück im Tage zu nehmen. [Bei 
durch Tripper veranlassten Blasen- und 
Nieren katarrhen.] Freriohs. 



137. 



^ 



Acid. tannici 2,5 

solve in 
Aq. dest. 150,0 
Syr. Aurant. Cort. 25,0. 
D. S. 3 stdl. 1 Esslöffel. 



138. IV 

Acid. tannici 2,5 

solve in 
Aq. Menth, pip. spirit. 150,0 
Syr. simpl. 25,0. 
MDS. 2 stdl. 1 Ess löffel. 

139. ^ 
Acid. tannici 

Tinct. Opii simpl. ana 1,5-2,0 
Aq. dest. 180,0 
Syr. simpl. 15,0. 
MDS. 1-2 stdl. 1 Esslöffel, v. ZiemiBen. 



140. hf 

Acid. tannic. 2,5 
Vini aromat. 2'»0,0. 
D. S. 3 mal täglich 1 Esslöffel. [Bei in- 
veterirtem Tripper.] Bioord. 

141. ^• 

Acid. tannic. 2,5 
Aq. Cinnam. spirit. 
Mucil. Gummi Arab. ana 100,0. 
MDS. Halbstdl. I Esslöffel. [Bei Cholera 
und choleraartiger Diarrhoe.] 

A.V. Ghp&fe. 

142. Bf 

Acid. tannic. 1,0 

Vini rubr. 150,0. 
S. [Injcction bei invcterirtem Tripper und 
bei Fluor albus, wo man die Dosis des 
Tannins verdoppeln kann.] Bioord. 

143. Bf 

Acid. tannici 0,3-0,6-1,0 
Tinct. Jodi 1,0-2,0 
Aq. 150,0. 
MDS. Aeusserlich. [Sehr intensiv wirkendes 
Adstringens, zur Einspritzung in die 
Harnröhre, 3 mal täglich, nachdem vor- 
her der Urin entleert und reines Wasser 
. in die Harnröhre eingespritzt war. — 
Bei hartnackiger Gonorrhoe.] 

V. Sigmund. 

144. I^ 

Acid. tannici pulv. 2,0. 
Dispens, tal. dos. No. 3. S. 1 Pulver in 
*;, Schoppen Roth wein zu lösen und 
die Lösung mehrere Male täglich in die 
Harnröhre einzuspritzen. Bleibt dies 
erfolglos, so werden die beiden anderen 
Pulver zusammen in derselben Menge 
Rothwein gelöst und eingespritzt. [Zum 
Coupiren des Trippers im Anfangssta- 
dium.] P. V. Niemeyer. 

145. Bf 
Acid. tannici 
Aq. ana 50,0. 

MDS. Wohl umgeschüttelt zum Gurgeln 
und einige Zeit im Munde zu halten. 
[Bei Blutungen aus Tonsillen oder Uvula 
nach Operationen.] 
Gargarisme Acid. tannici forte. 

Maokensie^. 

146. I^ 

Acid. tannic. 3,0 

Glycerini 25,0 

Aq. 75,0. 
D. S. Zu Waschungen, Injectioncn u. s. w. 
[Bei Relaxation der Schleimhäute, wo 
man adstringirend , aber ohne zu irri- 
tiren, wirken will; ferner bei Hämor- 
rhagien.] Bayes. 



Omt^em^Q<^§^ 



1.^)0 



Acidum tartiiricum. 



147. Bf 

Acid. tannici 5,0 
Spir. camphor. 100,0. 

MDS. [Gegen Frostlciden.] 



Abarbanell. 



14S. I^ 

Acid. tannici 20,0 
Aq. 15,0. 
MDS. Aeusserlich. [Dick aufzutragen als 
Verband mittel bei eingewachsenen Nä- 
geln und Teleangiectasicn ; mit gleichen 
Theilen Wasser verdünnt: bei wunden 
Brustwarzen. — Auch zum Bepinseln 
hypertrophischer Tonsillen.] MlalL 



149. 



^ 



Acid. tannici 10,0 

solve in 
Aq. dest. 
Glycerini ana 20,0 

adde 
Tinct. Jodi 10,0-20,0. 
D. S. Zum Touchiren des Rachens. 



[Bei 



invetcrirtcr Pharyngitis catarrhalis oder 
follicularis.] Waldenburg. 



150. 



D. 



Acid. tannici 1,0 

solvc in 
Tinct. Spilanth. consp, 24,0. 
In den hohlen Zahn zu bringen. 



Zahntinctur. 



151. 



Acid. tannic. 0,5 
Ungt. Glycerini 25,0. 
F. ungt. D. S. Zur Einreibung. 
Pemiones.] 



[Bei 



152. 



Acid. tannic. 1,0 
Glycerini 25,0 
Chloroformii 0,3 
Cerati simpl. 6,0. 
M. f. unguentum. D. S. Aeusserlich. 
[Gegen Eczema des Gesichts bei Kindern.] 
Neligan. 



^Acidnm tartariemn« Acidum tartari, Sal essentiale Tartari. Tartaric 
acid. Acide tartrique. Weinsäure. Weinsteinsäure. [10,0 = 15 Pf. subt. 
pulv. 20,0]. Grosse, farblosedurchscheinende Krystalle. Löslich in ziem- 
lich allen Verhältnissen in Wasser und in 2-5 Theilen Weingeist. Cave: 
Basen, Kalisalze, salz- und schwefelsaures Eisen, Seifen. 

Innerlich zu 0,3-1,0 öfters täglich in Pulver [Limonadenpulver mit 
Zucker und ätherischem Gel], zu Brausepulvern [vergl. Pulv. aerophori], zu 
Trochisci [0,06 auf einen Trochiscus], zur Bereitung saurer Molken [Trochisci 
seripari simpl.], ]tf ixturen [4.0 mit 30.0-50,0 Syrup auf 200,0 Wasser, stündlich 
1-2 Esslöflfel], zum Getränk [5,0-10.0 mit 50,0-100.0 Syr. Rub. Idaei auf 1 Liter 
Wasser]. 

153. R wandt werden. Aehnlich das Pulvis 

refrigerans älterer Pharmakopoen.] 



Acid. tartar. 5,0 

Elaeosacch. Citri 1,0 

Sacch. alb. 150,0. 
M. D. in vitro. S. Limonadenpulver. 
[Nur geringe Quantitäten des Ol. Citri 
geben dem Limonadenpulver einen an- 
genehmen Geschmack. — Obiges Pulver 
Ifann auch l. a. leicht zu Trochisci ver- 

Acidum ?alerianicnm. 



154. Bf 

Acid. tartar. pulv. 
Magnes. carbon. 
Sacchar. ana 0,3. 

M. f. pulv. dent. tal. dos. No. 5. S. Brause- 
pulver. [Pulvis Magnesiae eflfervescens.] 

Valerianic acid. Acide valerianique. Bal- 
driansäure. ArayLsäure. [Farblose, ölartige Flüssigkeit, flüchtig, von starkem 
Baldriangenich; löslich in Wasser, Weingeist, Aelher. Spec. Gew. 0,940-0,950. — 
1,^ 15 Pf.]. 

Innerlich zu 0,1-0,5 in alkoholischen oder schleimigen Solu- 
tionen. [Selten rein angewandt, häufiger in den Salzverbindungen mit Ammoniak, 
Wismuth, Zink, Eisen, Atropin, Chinin; vergl. diese.] 

Aconitinnillt Aconitina. Aconitin. Alkaloid des Aconit [A. Na- 
pellus]; weisse körnige Masse ohne Geruch, intensiv bitter schmeckend; in 
150 Th. kalten, 50 Th. heissen Wassers, leichter in angesäuertem Wasser, 
sehr leicht in Alkohol und Aether löslich. [0,01 5 Pf.] 



I^ 147-154. 



Digitized by CjOOQIC 



Adcps suillus. 



151 



Innerlich zu 0,001-0.004 2-3, Mal täglich [ad 0.004 pro dosi, ad 0,03 
pro diel] in Pillen, alkoholischer Lösung [1 Th auf 60 Th.] und Tro- 
chisci [zu 001] [gegen Rheumatismus und Neuralgien]. 

Aeusserlich in Salben [1-2 Th. auf 60 Th] und weingeistigen Lö- 
sungen [zum Eintröpfeln in den Gehörgang, Betupfen der Hornhaut, Einreibungen]; 
zur subcutanen Injection [0,1 mit Zusatz einiger Tropfen Salzsäure in 10 
Wasser gelöst, davon etwa 5-20 Theilstriche einer gewöhnlichen Pravaz' sehen 
Spritze = 0,001-0,004 Aconitin pro dosi zu injiciren]. 



155. Kf 

Aconitini 0,05 
Extr. Hyoscyam. 1,0 
Succ. Liquir. dep. 4,0. 
M. f. pilul. No. 50. Consp. Lycopod. D. 
S. Morgens und Abends 1-2 Pillen zu 
nehmen. 



D. S. 3 mal täglich 10-15 Tropfen zu 
nehmen. [Bei Rheumatismus.] 



157. 



Aconitini 0,1 

solve in 
Spirit. q. s. 
Vaselin. 6,0. 
F. ungt. D. S. Zur Einreibung. [Bei 
Gesichts-Neuralgie.] Brookei. 



156. I^ 

Aconitini 0,02 
Vini Colchici 10,0. 

*Adeps SuilluSt Axungia Porci vel porcina. Lard. Graisse, 
Sain doux, Axonge. Schweineschmalz. Schweinefett. [10,0 10 Pf] 
Kommt als Salbenconstituens, als welches es bisher fast ausschliesslich 
gebraucht wurde, mehr und mehr ausser Anwendung. In allen Fällen, 
wo die geringe Preisdifferenz zwischen der Adeps und dem ünguent. ce- 
reum, ünguent. Glycer. und der Vaseline nichts ausmacht, zieht man 
letztere vor, weil sie weniger leicht oder gar nicht dem Ranzigwerden 
ausgesetzt sind. 

Aerunt Cuprum subaceticum. Viride Aeris. Subacetate of Copper, 
Verdigris, Verd-de-Gris. Grünspan. Basisches Kupferacetat. Basisch 
essigsaures Kupferoxydulhydrat [mehr oder weniger mit heterogenen Substanzen 
verunreinigt]. Nur unter Zusatz von Säuren in Wasser löslich. [10,0 subt. 
pulv. 15 Pf.] Cave: alle stärkeren Säuren, alle das Kupfer reducirenden 
Substanzen [Zink, Eisen, Zucker], ferner Schwefelmetalle und die Haloide.. 

Innerlich fast nie angewendet, vielmehr ist dazu die Aerugo 
crystallisata [Cuprum aceticum; s. diese.s] in Gebrauch. 

Aeusserlich als ätzendes Streupulver [bei unreinen, wuchernden 
Geschwüren], im Liniment [ehedem officinell], in Salben [1 auf 8-10 Kett], 
im Gerat [früher officinell]. in Pflastern, in Augenwässern [verwerflich, 
durch das Cnpram aceticum zu ersetzen]. 



Leni calore liquat. 
Aerug. pulv. 6,0. 
M. f. empl. Bust'sches Hühneraugen- 
pflaster [wegen seiner grösseren Weich- 
heit dem früher officineilen Ceratum 
Aerug. vorzuziehen]. 



158. Bf 

Cer. flav. 15,0 
OL Olivar. 4,0. 

Leni igne liquatis et panlulum 
refrigeratis adde: 
Ammoniaci 15,0 
Terebinth. comm. 4,0. 

^Aetlier« Aether sulfuricus. Aether depuratus (fh. Anstr.). Aether vi- 
trioli. Naphtha vitrioli. Oxydum Aethylicum (Pfc. Neeriand). Ether. fether. 
Aethyläther. Schwefeläther. Aether^ [Spec. Gewicht nicht höher als 728. 
— 10,0 5 Pf.] Löslich in Wasser 9-10, in Alkohol in allen Verhältnissen. 

Innerlich 5-10-20 Tropfen l-2stündlich, am besten rein in mög- 

Digiti^te5.158. 'IM 



152 Aether. 

liehst einfachen Vehikeln [Thee, Zuckerwasser u. s. w.] oder in Capsules 
[Perles d'Ether, deren jede etwa 5 Tropfen enthält; man termeidet bei dieser 
Darreichungsform den manchen Kranken unerträgh'chen Geruch, die Dosirung ist 
genauer, die Conservirung des Mittels auf längere Zeit zu ermöglichen], als ana- 
leptisches, beruhigendes, krampfstillendes Mittel. 

Aeusserlich als Inhalationsraittel zur Hervorrufung von An- 
ästhesie [durch das Chloroform nicht vollkommen verdrängt, da von vielen Seiten 
her die grössere Gefahrlosigkeit der Aether- Inhalationen behauptet wird. (Weiger 
in Wien empfiehlt als das gefahrloseste Anästheticum eine Mischung von 9 Th. Aether 
mit 1 Th. Chloroform.) Man lasst die Einathmungen aus den (verschieden angegebe- 
nen) In halations- Apparaten oder von einer vor den Mund gehaltenen Compresse 
machen], als Riechmittel [bei Ohnmächten, heftigen Dyspnoe- An fällen, Asphyxie 
durch toxische Gase, Smith lässt bei Lumbago Aether bis zum deutlichen Nachlass 
der Schmerzen einathmen, worauf auch die Steifigkeit schwinden soll. Er will dies 
bei sich selbst und Anderen vielfach beobachtet haben], zu Einreibungen [pure: 
cave die Nähe der Flamme^; oder in Salben form. (Frostschutzpomade der Ba- 
ronin Stempel: Aether 15,0, Seb. ovill. 30,0, Empl. Lithargyri molle 4,0; auf er- 
frorene oder gegen Frost empfindliche Hautstellen einzureiben)], Aufgiessungen 
und Auftröp feiungen [bei Rheumatismus articulorum acutus ist das Aufgiessen 
von Aether auf die entzündeten Gelenke ein vorzügliches schmerzstillendes Mittel, 
zugleich kühlend durch die Verdunstung des Aethers. — Auch bei eingeklemmten 
Brüchen empfohlen — für diesen Zweck dürfte vielleicht die sogenannte Aeth er- 
Gallerte zweckmässig sein; dieselbe besteht aus 4 Th. Aether und 1 Th. Eiweiss, 
die in einer Flasche mit einander geschüttelt werden und zu einer fast plastischen 
Masse aufquellen. — RiehtrilMi hat in neuerer Zeit zur Hervorrufung örtlicher An- 
ästhesie die mehrere Minuten lang fortgesetzte Application fein zerstäubten Aethers 
auf die Operationsstelle empfohlen. Der von ihm benutzte Spray-producer kann durch 
jeden Zerstäubungsapparat ersetzt werden. Das Verfahren hat sich nicht nur für ober- 
flächliche Haut-Incisioneh als sehr zweckmässig bewährt, sondern einige Chirurgen 
haben es selbst für grössere Operationen, sogar zurOvariotomie und zum Kaiserschnitt, 
benutzt und erklären sich mit dem Erfolg befriedigt, indessen hat es sich zu letzteren 
Zwecken nicht eingebürgert. Die Methode verdient hauptsächlich für diejenigen Fälle 
Beachtung, in denen die Anwendung der Chloroform-Inhalationen gefürchtet wird oder 
ganz unthunlich ist. Auf eine eigenthümliche Eigenschaft der Aether- Inhalationen 
machte in jüngster Zeit Wood aufmerksam. Ganz im Beginne der Aethereinathmung 
soll nämlich ein schnell vorübergehendes Stadium der Betäubung eintreten, welches 
man daran erkennt, dass der hochgehobene Arm des Patienten herabfällt. Diesen 
Augenblick könne man b^fenutzen, um kleinere Eingriffe, Zahnextractionen, Abscess- 
öfTnungen etc. namentlich bei Kindern schmerzlos vorzunehmen. Eine eigentliche 
Narcose ist zu dieser Zeit noch nicht da. Zerstäubung von Aether längs der 
Wirbelsäule 2-3 Mal täglich ist neuerdings auch gegen Chorea gerühmt worden. Ln- 
betiky^ Perrond^ Fabbry], Klystieren [bei Asphyktischen 1,0-1,5 ad Clysma], als 
Augen mittel [man tröpfelt den Aether in die hohle Hand und lässt ihn vor dem 
Auge verdunsten], als Ohrenmittel [Einleitung von Aetherdämpfen in das Ohr, 
am besten aus einer dünnwandigen Glasflasche, die in der Hand erwärmt wirdj gegen 
Olirensausen empfohlen von ielioux], zu Zahn tropfen [pure oder mit Kreosot u.a. 
— Blaee's Zahntropfen enthalten 1 Alumen pulv. in 50 Aether], zu Pinselungen 
[bei Aphthen, Soor, Stomatitis, Pharyngitis, Diphtherie, Hautgeschwüren neuerlichst 
von Black sehr gerühmt]. 



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Aether accticus. 153 



1j9. I^ 

Aether. 20,0 
Ol. Terebinth. 5,0. 
MDS. Mehrmals täglich 15-30 Tropfen. 
[Durande*sches Mittel gegen Gallen- 
steine.] 
Das von Bademaoher empfohlene und 
auch von anderen vielfach gebrauchte 
Burande*sche Mittel enthält statt des 



reinen Aethers Spir. aether., und zwar: 
16 Th. desselben auf Ol. Terebinth. 1 Th. 



160. Bf 

Aetheris 10,0 

Spir. Vini rectific. 20,0 

Tinct. benzoTc. rect. 2,0-5,0. 

MDS. Zu Waschungen mit einem Schwäram- 
chen bei Seborrhoe. Hebra. 



*ActIlcr aceticns« Naphta acetici. Naphtha seu Aether vegeta- 
bilis. Acetas aethylicus (fh. Nor?.). Aethylacetat. Essigäther. [Spec. 
Gew. = 0,900-0 904. — 10,0 10 Pf.] Löslich in 10 Wasser. 

Innerlich wie der vorige [den meisten Patienten angenehmer wegen seines 
erfrischenden Geruches]. 

Aeusserlich als RiechmitteL zu Einreibungen, Klystieren, Zahn- 
tropfen. 

*Aethcr amylicns nitrosus seu amylo-nitrosus. Amyliura nitro- 
sum. Amylenum nitrosum. Amyli nitras. Nitrite of amyl. Arayl- 
nitrit. Salpetrigsäure- Am ylät her. Salpetrigsaures Arayl. [Im frischen Zu- 
stand farblose, später gelbliche, ätherisch riechende, sehr flüchtige Flüssigkeit; in 
Wasserunlöslich, spec. Gew. = 0.877]. In neuester Zeit vielfach und zwar 
zum grossen Theil mit Recht empfohlen. 

Innerlich zu 1-2 Tropfen mehrmals täglich: Wood. Gordtn Pricc hat 
es mit grossem Erfolg bei intermittirenden Fiebern der Tropen ange- 
wendet. 

Aeusserlich zur Inhalation [aus einem Riechfläschchen , oder besser 
2-5 Tropfen auf ein Taschentuch oder Baumwolle getropft oder auf heisses Wasser 
gegossen] bei einer Reihe von Krankheiten häufig wirksam bewährt, so 
bei Angina pectoris (Brnnton u. a.), Herzfehlern (Wood, Jones), Asthma, 
Spasmus glottidis (Jones), Hemicranie (nur bei der angiospastischen Form, 
bei der die Gesichtshaut blass erscheint, wirksam und bewährt (•. Berger, 
A. Eilenbnrg und Guttmann u. a.), Cardialgie und anderen Neuralgien 
(Nckel), bei Ohrensausen (Ifliehael^ während des Einathraens wird das 
Sausen stärker, um hinterher zu verschwinden), Tetanus (Vood), Eclampsia 
parturientium (Jenlis), Hämorrhagien des Uterus (Bern), Epilepsie (Welr 
lUteheil^ Crichttn^ Browne), Melancholie (fflcynert), Seekrankheit (CUpham), 
endlich auch als Antidot gegen Chloroform-Asphyxie (JI. Sehulier^ Coghiil). 

Aether bntyricns. Aether butyli. ßutteräther. 

Aeusserlich zum Einreiben bei Hautjucken empfohlen (B. E. Biehter). 

Aether eantharidatus« Canthariden-Aether. Durch Maceration 
der Canthariden 2 mit Aether 3 gewonnen; enthält Cantharidin in un- 
reinem Zustande. Nur zur Bereitung des Collod. cantharid. [s. dieses] ver- 
wendet; vielleicht als schnell wirkender Hautreiz mit Vortheil zu ge- 
brauchen [10,0 etwa 75 Pf.]. 

Aether chinicus« China- Aether. Ein durch Destillation des 
chinasauren Kalkes mit Schwefelsäure und Alkohol gewonnenes Präparat, 
welches von Pignaee« zur Inhalation bei Intermittens empfohlen worden ist. 

Aether jodatns« Jodäther, Jodwasserstoff- Aether, Jodäthyl. 
Eine sehr schwere Flüssigkeit. [Spec. Gew. = 1,92. — 1,0 40 Pf.] Zur 
Inhalation bei Lungenleiden von Buette empfohlen; man lässt den Jod- 



154 Aether Methylen 



Jodäther aus einem Weinglase, wo er von einer dünnen Wasserschicht 
bedeckt ist, einathmen; die Jodwirkung soll sehr schnell [schon nach 
wenigen Minuten soll das Jod im Urin nachzuweisen sein] eintreten, ohne dass 
üble Zufälle, wie bei anderen Jodkuren, sich benaerkbar machen sollen. 

Aether Methyleni. Aether methylicus. Ether of Methylene. Methyl- 
äther. [Eigenartige chemische Verbindung, dargestellt aus einer Mischung von glei- 
chen Theilen Aether und Methylenbichlorid. Spec.Gew. 1,0. Siedepunkt 32^C. Geruch 
verschieden von dem des Aethers, weniger stechend wie der des Chloroforms oder Me- 
thylenchlorids]. Zu anästhesirenden Inhalationen [ca. 4,0-8,0 für klei- 
nere, ca. 8,0-24,0 für grössere Operationen] von Richards«! empfohlen. Ist nicht 
so gefahrlos, wie Rieharil8«ii auf Grund seiner mitgetheilten Beobach- 
tungen behauptete, es ist sogar ein Todesfall darnach beobachtet (Uw- 
soi Tait). Auch zu Application auf die Haut als locales Anästheti- 
cum zu benutzen. 

Aether Petrolei.' Petroleumäther. [Spec. Gewicht 0,670-0,075. 
Destillat aus amerikanischem Petroleum. — 10,5 5 Pf.] 

Innerlich zu 5-15 Tropfen mehrmals täglich [äusserst selten in An- 
wendung], rein [auf Zucker], in Gallertkapseln, in ätherischen Lösungen. 

Aeusserlich wie Petroleum [vergl. Ol. Peirae Italicum]. 

Aether phosphoratns. Phosphorhaitiger Aether [l Th. Phos- 
phor mit 160 Th. Aether 4 Tage macerirt, und der Aether dann von dem nicht auf- 
gelösten Rückstande des Phosphors (etwa die Hälfte) abgegossen, so dass die Flüssig- 
keit nur noch * j Th. (also etwa V's pCt.) Phosphor enthält]. Das Präparat 
ist wegen seines unsicheren Gehaltes durchaus nicht zu empfehlen. 
[1,0 2 Pf.] 

Innerlich: 0,2-1,0 [in schleimigem Vehikel. — Bestandtheil des in Oester- 
reich patentirten Zörnlaib^schen Fieberäthers, der aus Aeth. phosphor. (etwa 15,0) 
Ol. Caryophyll. (etwa 0,5) und Ol. Terebinth. rectific. (etwa 4,0) zusammengesetzt ist]. 

Aethylennm bromatum. Aethylbromür. Bromäthyl. Farblose, 
ätherartig riechende Flüssigkeit von 1,4 spec. Gew. Wenig in Wasser, 
in allen Verhältnissen in Aether und Alkohol löslich. Empfohlen zur 
localen Anästhesie (Ninnclj). Soll sich bei Anwendung des Thermocauter 
nicht entzünden, weder Stillstand der Respiration noch Herzstillstand 
verursachen und eine schnelle Narcose bewirken, aus der die Kranken 
ohne üble Nachwirkung erwachen. 

Aethylennm ehloratum. Liq-uor HoUandicus. Elaylum chloratum. 
Aetherinum chloratum. Oleum Batavorum aethereum. Dutch liquid. 
Chloräthyl. Holländische Flüssigkeit. Elaylchlorür. Schwerer Salz- 
äther. Chlorkohlen Wasserstoff. [Löslich in Alkohol, wenig in Wasser. Spec. 
Gew. 1,27. — Dem Chloroform in Geruch und Geschmack ganz ähnlich, aber viel 
leichter zersetzlich. — 1,0 etwa 10 Pf.] 

Innerlich [wie Chloroform angewendet]: 5-10-20 Tropfen 3-4 Mal täg- 
lich in Aether, Alkohol, fetten Oelen. 

Aeusserlich: zu anästhesirenden Inhalationen [selten], zur ört- 
lichen Anästhesie [sowohl für sich allein, als in Verbindung mit Aether von 
R«ttensteii gerühmt]. 

Aethylidenam biehloratam. Aethylidenchlorid. Von •. Lieb- 
reich als Inhalations-Anästheticum empfohlen und von ihm nach voran- 

Digitized by^OOQ IC 



AloS. 



155 



gegangenen Experimenten an Thieren, auch bei Operationen an Menschen 
(f. Ungenbeek, Bardelebei, Albreehl) geprüft und bewährt gefunden. Soll 
vor dem Chloroform den Vorzug haben, dass, sobald man mit der In- 
halation des Mittels nachlässt, auch die Narcose sofort aufhört und keine 
üblen Nachwirkungen hinterlässt. Die Verbrauchsmenge ist grösser als 
bei Chloroform. Eignet sich, wie es scheint, hauptsächlich für kurz- 
dauernde Operationen, namentlich Zahnoperationen. [1,0 etwa 10 Pf.] 

Aleohol s. Spiritus. 

♦Aloe» Der eingekochte Saft der Blätter von A. ferox, A. spicata, 
vulgaris und lingua. [Nach der Ph. germ. ed. I. von Aloe Capensis, A. lucida, 
A. socotorina.] Aloes. Suc d'Aloes. Aloe, Cap-Aloe. [Hauptbestandtheile: 
Extractivstoff und Harz. — 10,0 subt. pulv. 15 Pf.] In Weingeist fast ganz, in 
Wasser etwa zur Hälfte löslich. 

Innerlich zweckmässig nur in Pillen, die Pulverform wegen des 
schlechten Geschmackes und die flüssige Form wegen der theilweisen 
ünlöslichkeit gänzlich zu vermeiden. — Die Aloe lässt sich mit einer 
sehr geringen Quantität Mucilago oder mit Extracten, Seife, leicht zu 
Pillen formen, die man, um den nauseosen Geruch zu vermeiden, am 
besten gelatiniren lässt. Alte officinelle [nur noch jetzt bei dem Laienpubli- 
kam beliebte] Formeln sind die Pilulae Rufi s. Rufii oder die Species 
hierae-picrae [16 Th. Aloe mit Crocus, Cubeben, Cass. Cinnamom. und Rad. 
Asari ana 1 Th. Die Anwendungsform ist 1 Th. auf 40 Th. Wachholder-Branntwein ; 
bei den meisten Consumenten dieses Mittels ist das letztgenannte Vehikel desselben 
das wesentlichste. Aehnlich der vielberufene DaubiU'scke Kräuter-Liqueur und die 
Legion anderer drastischer Mittel in spirituöser Form, welche in neuerer Zeit an- 
gepriesen werden]. Die Dosis ist nach dem Heilzwecke verschieden; als 
Reizmittel 0,02-0,05, als gelind eröffnendes Mittel 0,05-0,1-0,3, als 
Drasticum 0,3-1,0. 

Aeusserlich im Clysma [0,5-1,25 ad clysma], Augenpulver [0.5 
bis 1,5 auf 5,0-10,0 Zucker], in Augensalben [0,1 auf 3,0-5,0], Salben, 
Pflastern, Einstreupulvern, Verbandwässern in Spirituosen Lö- 
sungen [bei schlecht eiternden Wunden, Geschwüren u. a.]. Mit Ausnahme der 
Clysmata kaum noch angewendet. 

Mucilag. Tragac. q. s. 
ut. f. pil. 120. Consp. Pulv. Cinnam. D. S. 
Täglich 2 mal 2-3 Stück. [Bei Chlorose 
mit Untcrlteibsstockungund Amenorrhoe.] 

Badius. 



161. ^ 

Aloes pulv. 4,0 

Sapon. med. 2,0. 
M. f. pil. 50. Consp. Ciunam. D. S. 1-2 
Stück zu nehmen. v. Gr&fe. 



ir,2. 



ut 



Aloes pulv. 1,0 

Rad. Rhei pulv. 

Sapon. med. ana 3,0 

Extr. Taraxaci q. s. 
. piL 50. Consp. pulv. Rhiz. Ind. flor. 
S. Morgens und Abends 3-8 Stück. 
[Gelind abführendes Mittel.] 



163. IV 

Aloes pulv. 2,0-4,0 
Ferr. pulv. 8,0 
Rad. Rhei pulv. 4,0 



164. 



^ 



Aloes 

Extr. Hyoscyami ana 1,2 

Chinini sulfurici 0,6 

Ferri sulfurici 0,4. 
M. f. pilul. No. 120. Consp. Lycopod. 
D. S. 1 oder 2 Mal täglich 1 Pille zu 
nehmen. [Gegen chronische Stuhlver- 
stopfung iu Folge von Atonie des Darm- 
kanals.] 

David Bell. 



C^ogt 



156 



Aluinen. 



165. Bf 

Aloes 

Ferri sulf. sicc. ana p. aeq. 

Spir. villi q. s. f. pil. 
pond. 0,1. 
Italienische Pillen. Zu 2-5 Stock pro die. 



166. 



Aloes 4,0 

Myrrh. 20,0 

Mastiches 10,0 

Croci 5,0 

Rhad. Rhei 

Fruct. Cubeb. 

Rad. Gary ophy Hat. ana 2,5 

Aceti q. s. 
ut f. pilul. pondere 0,2. Belaeri. 

Diese und ähnliche Vorschriften bilden 
die unter dem Namen Lebenspillen, 
Grains de vie, früher vielfach bekann- 
ten Präparate. 



168, I^ 

Aloes pulv. 
Myrrh. pulv. 
Croci pulv. 
Kali carbon. ana 1,5 
Ammonii chlorat. 1,2 
Vini albi 100,0. 
Macera per septem dies et filtra. S. Mor- 
gens 1 Theelöflfel voll zu nehmen. [Als 
Stomachicum.] 

Vinum AloSs compositum. 

Beasley. 



167. 



D. S. 



Aloes pulv. 

Myrrh. pulverat. 

Croci 

Kali carbon. ana 3,0 

Succi Liquirit. dep. 12,0 

coq. c. Aq. q. s. 
ad Colat. 300,0 

addt; 
Tinct. Cardamom. 25,0. 
Esslöffelweise zu nehmen. 
Decoct. Aloes compos. 
Ph 



169. I^ 

Aloes pulv. 

Rad. Rhei pulv. ana 1,0 

Herb. Absinth, pulv. 

Herb. Chamaedryos pulv. 

Rad. Gent. pulv. 

Cort. Fruct. Aurant. pulv. ana 6,0 

Spirit. dilut. 2hO,0. 
Diger. per aliquot horas. Cola et filtra. 
D. S. 15-20 Tropfen. 

8tougthon*sches Elixir. 



Lond. 



170. 



MDS. 



Aloes 10,0 

Therebinth. 

Ungt. basilici ana 50,0 

Vitell. ovi unius. 

Zum Verbinden von Wunden. 

Boerhave. 



Aloim ist der von Merk dargestellte Bitterstoff der Aloe ßarbadensis. 
In Dosen von 0,1-0,2 purgirend (fr«iiiiiäller), in Dosen von 0,2-0,5 
drastisch wirkend (Hüler). Sabcutane Injection von 0,04 — 0,08 blieb in 
den Versuchen von K«hii beim Menschen erfolglos; BIIIcp dagegen erzielte 
mit Dosen von 0,15 — 0,2 einer Glycerinlösung von 1 : 8 oder 1 : 5 nach 
4-6 Stunden eine reichliche breiige Stuhlentleerung. 

^Alamen« Alumen crudum, Sulphas aluminico-kalicus cum Aqua. 
Sulphas Aluminiae et Lixiviae c. Aqua, Alum crude, Alun blanc. Kali- 
Alaun. Roher, gemeiner Alaun. Alaun. Schwefelsaures Kali-Aluminium. 
Kuliura-Aluminiumsulfat. [Reagirt sauer. — 100.0 20 Pf., subt. pulv. 10,0 5 Pf.] 
Farblose, durchscheinende harte Krystalle oder krystallinische Bruchstücke. 
Löslich in 10,5 Wasser, unlöslich in Weingeist. Cave: Salze von schwacher 
Säure, Schwefelverbindungen, thierischen und Pflanzcnleim, Eiweiss, Farb- 
stoffe. 

Innerlich; 0,1-0,3-1,0 mehrmals täglich, in Pulvern [mit Zucker 
ana: Alumen saccharatum], Pillen oder Boli [mit Extracten], Auf- 
lösungen [mit Zusatz von aromatischen Wässern oder sauren Syrupen, z. B. Syr. 
Succ. Citri], in Molken [vergl. diese]. 

Aeusserlich: in Pulvern [subt. pulv.] zum Betupfen des Zahn- 
fleisches, zum Ein blasen in den Schlund und Kehlkopf, als Streupulver 
[bei Blutungen (mit Colophonium, Catechu oder auch mit Ferr. sulf. ana, oder mit 

fi^ IV 165-170. Digitizedby^OOgie 



Alumen. 



\hl 



Kino — 2 Alaun, 1 Kino: Alumen kinosatum — ; mit Sang, dracon. — 2 Alaun, 
1 Sang, dracon. : Alumen draconisatum), wunden Brustwarzen (mit Gumm. Arab ), 
atonischen Geschwüren (mit Carbo oder adstringirenden Pfianzenpulvern)] , Zahn- 
pulver, Augenpulver [1 : 4,5 Zucker], Schnupfpulver [1:2-5]; in Auf- 
lösunfi;en: als Pinselsaft [2 0-5,0 zu 25,0 Saft], Mund- und Gurgelwasser 
[1,0-5,6 auf 100,0], zu Inhalationen in zerstäubter Form [s. S. 99], Kly- 
stiren und Injectionen [1,0-2,5 auf 100,0], Augenwässern [0,2-0.3 auf 25,0], 
Umschlägen und Waschungen [5,0-10,0 zu 100,0]; in Salben [1.0-2,0 auf 
25,0 Unguent. cer.], Augensalben [0,1-0,2 auf 10,0]. 

Aq. Foenicul. 90,0. 
MDS. Alle 6 Stunden einen Kinder- bis 
Esslöffel. [Potio aluminosa contra tus- 
sim convulsivam des Londoner Kinder- 
Hospitals.] Golding Bird. 



171. ^ 

Alumin. crud. 

Sacch. alb. ana 1,0 

Pulv. Doweri 0.3. 
F. pulv. Div. in 5 part. aeq. D. S. 2 stdl. 
1 Pulver. [Bei Hämoptoe.] Skoda. 



172. 



Alum. crud. 
Amyli ana 0,3 
Sacch. 0,6. 
M. f. pulv. D. tal. dos. No. 6. D. S. 2 stdl. 
1 Pulver. [Bei Hamorrhagie.] 

Oppolzer. 



173. 



^ 



Alum. crud. 7,5 
Aq. dest. 120,0 
Acid. sulf. dilut. 0,5 
Olei Citri 0,05 
Syr. Citri 60,0. 
MBS. Stdl. 1 Esslöffel. [Bei Bleikolik.] 

Oendrin. 



174. 



Alumin. 4,0 
solve in 
Aq. Menth, pip. 100,0 

adde 
Tinct. Cinnam. 25,0 
Syr. Papaver. 50,0. 
MDS. 1-2 stdl. 1-2 Esslöflfel. 
trorrhagie.] 



[Bei Me- 
Flenok. 



175. 



176. 



Alumin. 5,0 
Aq. Salviae 200,0 
Tint. Pimpin. 15,0 
Syr. Moror. 25,0. 
MDS. Gurgelwasser. [Bei Angina.] 



Vogt. 



177. Bf 

Alumin. 1,0-1,25 
Zinci sulfuric. 0,3 
Aq. fönt. 150,0. 
D. S. Zur Einspritzung in die Harnröhre, 
4-5 mal täglich, [Bei Gonorrhoe, im 
Stadium starker Secretion.] Zeissl. 



178. 



Alumin. 4,0 
Vitelli ovi cocti unius 
Glycerini 2,0. 
M. f. unguent. 

[Eine sehr zweckmässige Composition, 
event. in Verbindung mit Opium, bei 
Frostbeulen, Eczem etc.] 

Heymann. 



179. 



Alumin. ust. 
Sacchar. lact. ana 5,0 
Morph, muriat. 0,01. 
In pulv. subt. red. D. in scatul. S. Zur 
Insufflation auf die Rachenschleimhaut. 



Alumin. 1,5 
Extr. Conii 0,6 
Syr. Rhoead. 10,0 

*Alanifll astuni» Alumen spongiosum, Alumen calcinatum, Sulphas 
aluminieo-kalicus, Sulphas Aluminiae et Lixiviae anhyder, Alumen cal- 
cinatum, Alum burnt s. dried, Alan brule s. calcine. Gebrannter 
Alaun. [10,0 pulv. 10 Pf.] 

Aeusserlich: stärker zusammenziehend als der vorige. Als Streu- 
pulver zum Einstreuen bei Caro luxurians, Blutungen [in Verbindung mit 
Gummi Mimos.], Augenpulver, Schlund- und Kehlkopfpulver. 

Alaminiam aeeticnm seu Argilla acetica. Acetat of Aluminium. 
Ac^tate d'Alumine. Essigsaure Alaunerde, Essigsaure Thonerde. 



158 Ammoniacum. 



Klare gelatinöse Flüssigkeit, von sehr styptischem Geschmack, mit Wasser 
mischbar, durch Wärme zersetzlich. [1,0 ca. 15 Pf.] — Durch Auflösen von 
Alumina pura in Acidum aceticum q. s. ex tempore zu bereiten. [Vergl. 
noch Liquor Aluminii acetici]. 

Innerlich 0,5-1,25 innerhalb 24 Stunden [bei atonischen Blutungen, 
Diarrhoe] in Solution mit Zusatz von Syrup. 

Aeusserlich zur Injection [0,4-1,0 auf 100,0] bei Tripper [wegen 
des unbestimmten Verhältnisses der Essigsäure, die leicht, im Ueberschusse vorhan- 
den, zu reizend wirltt, nicht zu empfehlen]. Zu Umschlägen und Fomentätionen 
bei Fussgeschwüren, Herpes, übelriechenden Fuss- und Achselsch weissen 
von Burow dringend empfohlen. Als Antisepticum zur Conservirung 
thierischer Theile. Als Verbandflüssigkeit besonders von der Freiburger 
Klinik (laass) empfohlen. 

AlHmimiam hydratuM. Alumina hydrica pura, Argilla pura, Terra 
aluminis. Aluminium oxydatum. Thonerde- Hydrat, Aluminiumhydrat, 
Aluminiumhydroxyd. Reine Thon- oder Alaunerde. Weisses, feines 
Pulver, in Wasser unlöslich. [1,0 5 Pf.] Als Absorbens und gelindes 
Adstringens empfohlen. 

Innerlich 0,15-0,3-0,6 pro dosi, in Pulver; die Darreichung in 
Emulsionen, Schüttelmixturen u. s. w. ist unzweckmässig. 

Aeusserlich als Streupulver [bei Intertrigo, nässenden Ausschlägen 
u. dergl.]. 

'^'Alnmininm sulflirieam» Alumina sulfurica. Aluminiumsulfat. 
Schwefelsaure Thonerde. Stärker styptisch als das Aluminium aceticum, 
milder als Alaun. [In neuester Zeit wieder von Curtis SMith als Desinficiens zu 
Einspritzungen hei Leucorrhoe, Ozaena u. s. w. empfohlen. — 10,0 ^ Pf.] 

Dosis ungefähr wie Alaun. 

Aluminium ehloratnm. Aluminium-Chlorid. Von CaMgee als 
Desinficiens empfohlen, in Lösung von etwa 3,0 in 1 Liter Wasser. Im 
Handel wird als Desinfectionsmittel für Latrinen, Stallungen, Schiffe etc. 
ein verunreinigtes Präparat unter dem Namen Chloralum verkauft. 

'^'Ammoniaeiimf Gummi-resina Ammoniacum. Ammoniacum depu- 
ratum. Gummi ammoniacum. Ammoniac. Gomme ammoniaque. Ammo- 
niakgummi. Persisches Ammoniakgummiharz. [Von Dorema Ammoniacum. 
— 10,0 20 Pf.]. 

Innerlich 0,3-1,0 mehrmals täglich, in Pillen [mit Seife und Pflanzen- 
pulver], Emulsionen [Ammoniakmilch — am zweckmässigsten mit Eigelb: 
Ammoniaci 5,0 his 10,0 auf Aq. 200,0 mit Vit. ovi 1]. 

Aeusserlich zu Pflastern [mit Essig, mamentlich mit Acetum Scillae 
(2 Th. Ammoniacum mit 1 Th. Acet. Scill.), eine beliebte Pflasterform, Ercr'sche 



Pflastermasse. 



180. Bf 

Ammoniaci 



181. Bf 

Ammoniaci 
Extr. Helena 



Sapon. med. ' Extr. Polygal. amar. 

Rad. Rhei ana 5,0. | Pulv. Bulb. Scill. ana 4,0. 

F. pilul. 100. Gonsp. Lycopod. D. S. | F. pil. 120. Consp. Pulv. Anis, stell. S. 

3 mal täglich 6-8 Stück. ' 3 mal täglich 4 Stück. [Expectorans 



I 



und Diureticum.] 



I^ 180-181. DigitizedbyVjOOgle 



Ammonium carbonicum. 159 



182. ^ 

Ammoniaci 5,0-10,0 

Vitell. ovi unins 

Aq. Foenic. 200,0 

Liquor Ammon. Anis. 5,0 

Syr. Alth. 25,0. 
MDS. Umgeschüttelt, 2stdl. 1 Esslöffel. 



183. I^ 

Ammoniaci 10,0 
Terebinth. laric. q. s. 
ut f. emplastrum. 

D. S. Die Pllasterraasse wird dick auf 
Leder gestrichen, aufgelegt und bis zum 
Reifen des Abscesses liegen gelassen. 
[Gegen Bubonen.] Kopp. 

^Anmoninm bromatum« Ammoniumbromid. Brom- Ammonium. 
Weisses krystallinisches Pulver. In Wasser leicht, in Weingeist schwer 
löslich. Ist in neuester Zeit für die gleichen Indicationen wie Brom- 
kalium empfohlen [zumal gegen Epilepsie und Delirium tremens, in Verbindung 
mit Bromkalium (Br«wii-Sequard^ Witte)]. [1,0 2 Pf.] 

Innerlich, am besten in Lösungen, in gleichen Dosen wie Ka- 
lium bromatum. Beispiele: vergl. Kalium bromatum. 

^AnmoHiniii earbonicam» Ammoniacum carbonicum, Ammonia^ 
carbonica, Ammonium carbonicum siccum, Ammonium subcarbonicum, 
Alkali volatile, Alkali volatile siccum, Sal Aikali volatile, Sal volatile 
Ammoniaci, Carbonas Ammoniae alkalinus, Sesquicarbonas ammoniacus 
Pli. Korr,, Carbonas ammoniacus. Carbonate of Ammonium. Smelling 
Salt. Carbonate d' Ammoniaque. Ammonium-Carbonat. Kohlensaures 
Ammoniak. Flüchtiges Laugensalz. Reines Hirschhornsalz. [10,0 15 Pf.] 
Dichte, harte, durchscheinende, faserig krystallinische Masse von stark 
ammoniakalischem Geruch. In 4 Th. Wasser langsam, aber vollständig 
löslich. Cave: Säuren [mit Ausnahme bei Saturationen], saure Salze, Erd-, 
Metall- und Alkaloidsalze; nur neutrale Kali- und Natronsalze dürfen 
ohne Furcht vor Zersetzung hinzugefügt werden. — Bei der Erwärmung 
der Lösung verliert dieselbe einen grossen Theil ihrer Kohlensäure. [Vergl. 
noch Liquor Ammonii carbonici]. 

Innerlich 0,2-0,4-0,6 mehrmals täglich [in neuester Zeit namentlich 
wieder gegen Pneumonie, sowohl der Erwachsenen als der Kinder, gerühmt 
(Sderlii^ Patloi^ Steren u. A.)]; in Pulver [in Charta cerata oder noch besser 
Capsal. operculat. oder Capsulis amylaceis], Pillen [unzweckmässig, da viele 
organische Substanzen, deren man sich als Vehikel bedient, Säuren enthalten, welche 
die Kohlensäure austreiben und so die Pillen aufblähen], Auflösungen, Mix- 
turen und als Saturation [1 Tb. Ammon. carbon. wird durch 14 Th. Acetum 
gesattigt]. 

Die angenehmste Form des Ammonium carbonicum lür den inner- 
lichen Gebrauch ist die der Aqua Ammonii bicarbonici, welche in 
kleinen Flaschen von ca. 200,0 Inhalt [0,2 Ammon. carbon.] angefertigt 
wird. [1 Flasche etwa 30 Pf.]. 

Aeusserlich als Riechpulver, in Salben [1-3 Th. auf 10 Th.], 
Linimenten [wozu sich Liq. Ammon. caust. besser eignet], Waschwässern 
[1-2 auf 25; wo man Hautreiz hervorrufen will, eine concentrirtere Lösung]. 



184. H 

Ammon. carb. 0,5 
Camph. trit. 0,12 
Sacch. alb. 1,2. * 
M. f. pulv. D. tal. dos. No. 12. D. in 
Chart cerat. S. Halbst undl. 1 Pulver. 
[Bei Cholera.] Alben. 



185. Bf 

Ammon. carb. 
Sacchari ana 5,0. 
M. f. pulv. Div. in 15 part. aeq. D. in 
capsul. operculat. S. Stdl. bis 2stdl. 
eine Kapsel. 



DigiJ^e9l§2 



GpQi^ 



160 



Ammoninm chloratum. 



18f. 



^ 



Ammonii carbon. 5,0 
Aq. dest. 250,0 
Syr. Papav. 50,0. 
D. S. Alle 10 Minuten einen Esslöflfel voll. 
[Bei Anfällen von convulsiv. Asthma.] 
▼an Swieten. 



187. 



MDS. 



Ammon. carb. 2,5-5,0 
Aq. dest. 

Aq. Petroselini ana 100,0 
Syr. Alth. 50,0. 
l-2stdl. 1 Esslöffel. [Bei Scharlach- 



fieber und Hydrops scarlatinosus.] 



188. Bf 

Ammonii carb. . 

Marmor, ust. ana 10,0 

Mixt, oleosi bals. 5,0. 
D. in vitro epistom. vitr. claus. S. Riech- 
pulver. 



189. 



M. f. 



^ 



15,0 



Ammonii carbon. 
Ol. Menth, pip. 
Ol. Cajcputi ana 0,5. 
pulv. D. S. Mit Weingeist zu be- 



feuchten, als Riech mittel. 



Köhler. 



Amnomiam earbonienm pyro-oleosnM. Ammoniacum carboni- 
cum pyro- oleosum, Ammonia carbonica pyro- oleosa, Sal volatile Cornu 
cervi. Brenzliges kohlensaures Ammoniak, brenzliges Hirsch- 
hornsalz. [10,0 20 Pf.] Cave: wie beim vorigen. ]VergL auch Liquor Am- 
monii carbonici pyro-oleosi]. 

Innerlich 0,2-0,6 in denselben Formen wie das vorige [hat einen 
weit unangenehmeren Geschmack als Ammonium carbonicum. Wurde in neuester 
Zeit wieder von Lebert gegen die Pneumonie der Säufer besondejs warm empfohlen]. 

Aeusserlich wie Ammonium carbonicum. 

^AmmOHinm ehloratui» Ammoniacum hydrochloratum, Ammonia 
hydrochlorica dep.. Chloret, ammonicum Ph, Ndrr,, Ammonium hydro- 
chloricum dep., Flores Salis Ammoniaci simplices. Muriate of Ammonia. 
Chlorhydrate d'Ammoniaque. Ammonium chlorid. Salmiak. Chlor- 
ammonium. [10,0 5 Pf., subt. pulv. 10 Pf.] Weisse harte, faserig krystalli- 
nische Kuchen oder weisses färb- und geruchloses luftbeständiges Krystall- 
pulver. In 3 Th. Wasser leicht löslich. Cave: basische Salze der Al- 
kalien und Erden, Metallsalze [zumal Silber-, Quecksilberoxydul- und Bleisalze]. 

Innerlich zu 0,3-1,0 mehrmals täglich [viel grössere Dosen (bis 2,5 
pro dosi) sind gegen Drüsenverhärtungen (z. B. gegen Kropf von Stereis zu 0,6 Gr. 
3 Mal täglich) u. s. w. empfohlen und ohne Schaden gebraucht worden], als schleim- 
lösendes, Auswurf beförderndes Mittel in Pulvern, Pillen, Electuarien, 
Auflösungen. [Als bequeme portative Form sind Tabletten von 1 Salmiak mit 
8 Succ. Liquiritiae (Tablettes pectorales, Salmiak-Pastillen) oder Bacilli 
von Succ. Liquiritiae mit Salmiak zu empfehlen. — In neuester Zeit ist Salmiak in 
Dosen von 0,6-1,2 gegen Myalgien, Neuralgien, namentlich Hemicranie, auch 
gegen frische Fälle von Ischias, ferner als Emmenagogum empfohlen (Anstie^ Ch«l- 
«elcy)]. 

Aeusserlich zu Inhalationen [fiieseler Hess Salmiak in einem Por- 
zellantiegel, der durch eine Weingeistlampe erhitzt wird, im Krankenzimmer ver- 
flüchtigen; bei weitem vorzuziehen ist die Inhalation des Mittels in Form zerstäubter 
Lösung (vergl. den allgemeinen Theil S. 99)], zu Riechpulvern [Salmiak mit 
gebranntem Kalk ana gemischt und mit Mixt, oleoso-balsani. befeuchtet], zu Streu- 
pulvern [Einstreuen von Salmiak in die Strümpfe als Volksmittel zur Hervorrufung 
von Fusschweiss], zu Pinselsäften [3,0-5.0 auf 25,0], Mund- und Gurgel- 
wässern [1,0-3,0 auf 100,0], Injectionen, Klystieren, Augenwässern 
[0,25-0.5 auf 25,0], Waschungen und Fomentationen [mit Wasser, Essig, 

fi^ Bf 186-189. Digitizedby^OOgie 



Ammonium chloratum. 



161 



z. B. 1 Th. Salmiak, 8 Essig, 24 Wasser (Embrocatio frigida Ph. mil.), bei 
Drüsenanschwellungen, Quetschungen u. s. w.]» Salben und Linimenten 
[1 zu 5-10]. 



190. ^ 

Ammon. chlorat. 5,0 

Elaeosacch. Anisi 

Succ. Liquir. dep. pulv. ana 10,0. 

M. f. pulvis. D. S. Nach Bedürfniss 

messerspitzenweise trocken zu nehmen. 



191. 



^ 



D. S. 



Ammon. chlor. 5,0 

Pulv. Rad. Alth. 

Pulv. Rad. Liquir. ana 15,0 

Stib. sulfur. aurant. 0,6. 

3-4 Mal täglich einen Theelöffel 
in einer kleinen Tasse Thee zu nehmen. 
[Bei Bronchialkatarrh.] Jul. Meyer. 



192. ^ 

Opii pulv. 0,25 
Ammon. chlorat. 
Succ. Liquir. ana 3,0. 
M. f. pil. No. 50, consp. Pulv. Rad. Li- 
quir. D. S. 3-6 Pillen zweimal täglich 
zu nehmen. 



193. 



^ 



Stibii sulfurat. aurant. 1,0 
Ammon. chlor. 
Extr. Dulcamar. ana 5 
Pulv. Rad. Liquir. q. s. 
ut f. pil. No. 100, consp. Pulv. Irid. flor. 
D. S. Stündlich 2-3 PiUen. 



194. Bf 

Ammonii chlorat. 5,0 

Sacch. alb. 10,0 

Pulp. Prunor. 30,0. 
M. f. electuarium. D. S. Zweistündlich 
1 Theelöffel. 



195. ^ 

Ammon. chlor. 

Succ. Liquir. dep. ana 5,0 

Aq. q. s. ad 2üO,0. 
D. S. Stündlich einen Essloffel. 

[Mixtura solvens.] 



196. IV 

Decoct. Rad. Alth. (7,5) 150,0 



Ammonii chlorat. 1 ,2 
Tinct. Opii sirapl. 0,5 
SjT. Seneg. 15,0. 
MDS. 2stündlich 2 Esslöffel. [Bei acutem 
Bronchialkatarrh.] Oppolier. 



197. 



D. S. 



198. 



Tart. stib. 0,05 
Ammon. chlorat. 5,0 
Succ. Liquir. 10,0 
Aq. Foenicul. 150,0. 
Zweistündlich einen Esslöffel. 
[Mixtura solvens stibiata.] 



^ 



Ammon. chlorat. 7,5 

Aq. Flor. Aurant. 150,0 

Syr. Amygd. 50,0. 
MDS. Zweistündlich einen Esslöffel. 

[Diese und ähnliche sogenannten ele- 
ganten Salmiak -Mixturen schmecken viel 
schlechter als die mit Succ. Liquirit., wes- 
halb die letzteren in den meisten Fällen 
vorzuziehen.] 



199. I^ 

Ammon. chlorat. 15,0 

Acet. aromatic. 

Aq. Flor. Chamom. ana 100,0 

Tinct. Amicae 15,0. 
D. S. Zum Umschlag. [Bei Quetschungen.] 



200. IBf 

Ammon. chlorati 5,0 

Camphorae 1,0 

Adipis suüli 30,0. 
[Zum Einreiben bei scrophulösen Drüsen- 
anschwellungen.] Ou^neau de Mussy. 



201. ^ 

Ammon. chlorati 10,0-20,0 

solve in 
Decoct. Sem. Papaveris 100,0 
Tinct. Opii simpl. 5,0. 
MDS. Zu Umschlägen. [Bei Anschwellun- 
gen der Mamma.] Ouöneau de Massy. 



Zu äusserlichen Zwecken kann man sich auch des etwas billigeren 
Ammonium chloratum crudum [30,0 15 Pf.] bedienen. 

^Amnsniiim eUoratiim ferratum. Ammoniacum hydrochloratum 
ferratum, Ferro -Ammonia hydrochlorata, Ammonium iliuriaticum ferru- 
ginosum seu martiatum, Flores Salis Ammoniaci martiales, Ferrum am- 

Ewald and Simou, Arzneiverorduungclehre. 10. Aufl. ^^ 



162 



Ammonium citricum. 



moüiatum, Ferrum ammoniacale, Hydrocliloras aimnonicus c. Sesqui- 
chloreto Ferri, Murias Ferri ammonicalis, Sal ammoniacum martiatum. 
Ammoniated iron, Fleurs martiales ammoniacales. Eisensalmiak. Am- 
monium -Ei.^enchlorid. [10 15 Pf.] Rothgelbes, an der Luft feucht wer- 
dendes Pulver. Leicht in Wasser löslich. Cave: wie beim vorigen, 
ferner Gerbsäure , Spirituosa [welche bei Sonnenlicht reducirend auf das Eisen- 
chlorid wirken]. 

Innerlich 0,3-0,5-1,0 mehrmals täglich, in Pulvern [unzweckmässig, 
weil das Mittel leicht Feuchtigkeit aus der Luft anzieht], in Pillen, am besten 
in Auflösungen und Mixturen [2.0-5,0 auf 100,0]. 



202. I^ 

Ammon. chlorat. ferrat. 2,0 
Chin. sulf. 2,5 
Extr. Aloös 1,25 
Succ. Liquir. dep. q. s. 
ut f. pil. 60, consp. Lycop. D. S. 3 Mal 
täglich 4-6 Pillen zu nehmen. 

Freriohs. 



Ammon. chlorat. ferrat. pulv. 
Aluminis ana 1,0 
Pulv. aromat. 2,0 
Ol. Cassiae Cinnamom. 0,2 
Extr. Chin. spirit. q. s. 
ut f. pil. 40. Consp. Pulv. Cass. Cinnam. 
D. in vitro. S. Früh und Abends 6 Stück. 
[Bei habitueller Metrorrhagia atonica.] 
Formey. 



204. 



^ 



Ammon. chlorat. ferrat. 
Galbani ana 3,0 
Asae foetid. 6,0 
Castorei Canad. 1,0. 
;. f. pil. No. 100. Consp. Lycop. D. 
S. 3-5 Pillen Morgens und Abends zu 
nehmen. [Bei Herzklopfen Chlorotischer.] 
Behrends. 



205. Bf 

Ammon. chlor, ferrati 5,0 
Rad. Ipecacuanh. pulv. 
Extr. Hyoscyami ana 0,5 
Succi Liquir. dep. q. s. 
ut f. pil. No. 100. Consp. Pulv. Rad. 
Liquir. D. S. Dreistündlich 6 Pillen. 
[Bei Bronchialkatarrhen Chlorotischer.] 



AmmOHiam eitrieu» Gitras ammonii. Ammoniumeitrat. Ci- 
tronensaures Ammoniak. 

Innerlich in flüssiger Form durch Saturation von Ammon. carb. 
mit Succi Citri oder Acid. citric, in gleicher Dosis wie Ammon. carb. 
[Bietet keine Vortheile vor dem Liq. Ammon. acct.] 

Ammomiim jodatui« Ammoniacum hydro*jodicum, Joduretum 
Ammonii. Jodammonium. Weisses, krystallinisches Pulver, in Wasser 
leicht löslich, aber sehr zersetzlich. [1,0 10 PL] 

Innerlich 0,1-0,25-0,6 in Solution [mit Zusatz von einigen Tropfen 
Liq. Ammon. anisat. und starkem Zusatz von einfachem Syrup, beides um die Zer- 
setzbarkeit zu vermindern. Von fiawberiii als schnell wirkendes Antisyphiliticum 
innerlich und äusserlich empfohlen. Desgleichen von Waring • Cirrtn dringend 
empfohlen, namentlich bei beginnender Struma, Scrofulosis, Milztumoren, indem be- 
hauptet wird, dass es sicherer als Jodkalium wirkt]. 

Aeusserlich in Salben form [1,0 auf 25,0 Fett]; besser ex tempore 
bereitet, indem man 1 Jodkali mit 8 Ammon. chlorat. in einem Kissen 
auf die zu vertheilende Geschwulst auflegt (Breslai). 



206. 



^ 



Ammonii jodat. 3,0 
Aq. destill. 100,0 
Liq. Ammonii anisat. 0,25 
Syr. simpl. 50,0 
MDS. 3 stündlich l Esslöffel voll. 

g^ Bf 202-207. 



207. Bf 

Ammon. jodat. 0,15 
Ol. Olivar. 25,0. 
D. S. Zur Einreibung. [Bei syphiliti- 
schen nächtlichen Muskel- und Gelenk- 
schmerzen.] Ghamberini. 
Digitized byV^OOQ IC 



Ammonium nitricum. 1(5.1 



AmnominM mitrieaM. Nitrum flammans. Nitras Ammonii. Am- 
moninra nilrat. Ammoniumnitrat. Salpetersaures Ammoniak. Kry- 
stallinisches, in Wasser leicht lösliches Salz. [10,0 15 Pf.] 

Innerlich: 0.5-1,5. Am besten durch Saturation mit Acid. nitr. — 
In seiner Wirkung wenig geprüft. 

208. Bf 

Ammon. carb. dep. 6,0 

Acidi nitrici q. s. ad satur. 
adde 

Aq. Amygd. amar. dilut. 100,0 

Syr. Rub. Id. 25,0. 
MDS. 2stündl. einen Esslöffel. Hankel. 

AmmOHinm phosphorienM» Ammoniacum phosphoricum. Am- 
monia phosphorica. Ammoniumphosphat. Phosphorsaures Ammo- 
niak. Krystallinisches, leicht lösliches Salz. [10,0 20 Pf.] 

Innerlich: 0,5-2,0 dreimal täglich in Lösung. 

209. Bf 

Ammonii phosphor. 25,0 
Aq. dest. 150,0 
Syr. Asparad 25,0 
MDS. 2-8 mal täglich einen Esslöffel. [Bei acuter Gicht, Gelenkrheumatismus, 
hamsaurer lithischer Diathese.] Buokler. 

AmmeHinm picrinicnm seu picronitricnM. Fikrinsaures Am- 
moniak. Als Chininsurrogat von iiijariliii-Beaimeti und bei Intermittens 
von Snidcr und Vairlanil in Gaben von 0,01-0,05, 2-3 Mal täglich em- 
pfohlen, zu 0,02 pr. dos. [Vorsicht im Steigen! Die höchste bisher angewandte 
Tagesdosis war 0,5. Nach Versuchen an Thieren ist das Mittel ein energisches Herz- 
gifl (Parisei). — Auch aus äusseren Gründen sei man mit der Verordnung und der 
AafbewahruDg des Mittels vorsichtig, da es leicht explodirti] 

Amveiinm snlfarieam. Sal secretum Glauberi. Ammonium- 
sulfat. Schwefelsaures Ammoniak. [Wie Ammon. phosphoricum.] 

AmmMÜHm tartarieu« Tartras Ammonii. Ammoniumtartrat. 
Weinsteinsaures Ammoniak. Durch Sättigung von kohlensaurem Ammo- 
niak mit Weinsteinsäure dargestellt. 

Analog dem essigsaurem Ammoniak und ohne Vorzug vor demselben. 

AMneninil arienm» Uras Ammonii. Ammoniumurat. Harn- 
saures Ammoniak. Weisses Pulver, in Wasser schwer löslich. [1,0 15 Pf.] 

Aeusserlich: in Salben [1 auf 15-20 Ungt. cerat.]; gegen Eczema, 
Impetigo und — Lungenschwindsucht (!) von Bair empfohlen [in der Praxis 
vollständig unbewährt]. 

Ammeninm yalerianienm. Yalerianas Ammonii. Baldrian- 
saures Ammoniak. [Dargestellt durch Sättigen von Baldriansäure und kohlen- 
saurem Ammoniak; dieser giebt eine syrupsdicko Flüssigkeit (aus der sich in der 
Kälte kleine Krystalle absetzen), die einen starken Geruch sowohl von Baldriansäure 
wie von Ammoniak bieten. Das Präparat ist ungenau, da es fortwährend Ammoniak 
entweichen lässt; — zweckmässiji;er wäre es vielleicht, statt dieses Mittels jedesmal 
eine bestimmte Quantität Baldriansänre mit Liquor Ammonii caust. vorzuschreiben. 
1,0 etwa 15 Pf.J. 



fifi^qgi^ 



^'^'m 



164 Amygdalae dulces. 



Innerlich zu 0,1-0,3 pro dosi, 1,0-4,0 pro die in Lösung [von 
Vreriehs, zugleich mit Extractom Belladonnae, gegen Kearalgia plexns hepatici und 
Cardialgie gereicht, in neuerer Zeit auch in Frankreich gegen Neuralgie gerühmt. 
teitiiger empfiehlt das Mittel gegen die asiatische Cholera; er verordnet: 

210. I^ 

Ammon. valerianici 2,5 

Aq. dest. 150,0 

Syr. Sacch: 25,0. 
MDS. Vj-ViStündl. einen Esslöifel. 

und lässt diese Mischung mit Ausschluss aller anderen Medicamente 2- 3 mal des Tages, 
nach eingetretener Reaction in grösseren Zwischenräumen, im ganzen 4-6 Mal brauchen; 
dabei äusserlich Eisabreibungen, alternirend mit heissen Frottirungen , ein Bad mit 
30,0-50,0 Kali causticum, zum Getränk Eis- und Selterwasser; voü Wiener Beob- 
achtern vollständig unbewährt gefunden]. 

*Amygdala6 amarae» Semen Amygdali amarum. Bitter Almonds. 
Amandes ameres. Bittere Mandeln. [Hauptbestandtheile: Amygdalin, 
fettes Gel, Emulsin; man verordnet fast< nur Amygd. excorticatae . da die Schalen 
das Präparat unansehnlich machen. — 10,0 9 Pf., excort. 10 Pf.] 

Innerlich selten anders angewendet, als um der Süssmandel-Emul- 
sion einen angenehmen Geschmack zu ertheilen, etwa 1 Amygdal. amar. 
zu 10-25 Amygdal. dulc. [Gegen Wechselfieber dürfte heut zu Tage schwerlich 
ein Arzt noch zu bitteren Mandeln in Substanz (3 Mal täglich 7-8) seine Zuflucht 
nehmen.] 

Aeusserlich zu cosmetischen Pulvern und Pasten [die beim 
Gebrauche mit dem Wasch wasser eine Emulsion bilden]. 

211. Bf 

Amygd. amar. excort. 25,0 
subtilissime tritis adde 

Benzoes pulv. 

Gummi arab. 

Boracis ana 5,0 

Rhiz. Irid. fiorent. 50,0. 
M. f. pulv. D. S. Waschpulver. 

[Da das feine Zerstossen der ölhaltigen Mandeln zwar möglich, jedoch höchst 
schwierig ist, bedient man sich meist der Mandelkleie, welche das Aromatische der 
bitteren Mandeln ohne das fette Gel derselben besitzt; vergl. Furfur Amygdal] 

'"'Amygdalae dnlces. Semen Amygdali dulce. Sweet Almonds. 
Amandes douces. Süsse Mandeln. [Hauptbestandtheile: Emulsin und fettes 
Gel; werden ebenfalls meist als excorticatae verordnet. — 10.0 9 Pf. excortic. 10 Pf.] 

Innerlich in Emulsion [Emulsio amygdalina, Emuls. comm. Ph. MÜit.^ 
Almonds milk, Orgeat]. Die Emulsion wird entweder als selbständiges 
Arzneimittel oder als Vehikel anderer Arzneistoffe gegeben; in letzterer 
Beziehung sei man jedoch vorsichtig, da die Emulsion nur neutrale Zu- 
sätze verträgt. — In der Regel nimmt man 10,0-20,0 süsser und 1,0-2,0 
bitterer Mandeln auf 100,0 Emulsion [statt der bitteren Mandeln ist es oft 
zweckmässiger der Emulsion Aq. Amygdalarum amararum, etwa 2,0 auf 100,0, zu- 
Äsetzen, deren arzneiliche "Wirkung bei der geringen Quantität nicht in Betracht 
kommen kann]. — Zur Versüssung der Emulsion: Zucker [5,0-15,0 auf 100 0] 
oder Syrup [Syr. Amygdal., Syr. simpl., Syr. Alth.; Cave Fruchtsyrup]. um 
die Emulsion noch schleimiger zu machen, kann man etwas Gummi Arab. 

1^210-211. Digitizedby^OOgie 



Amygdalinam. 105 



[2,0-5,0 auf 1000] zusetzen. [Wenn für die Emulsion kein besonderes Zahlen- 
verhältniss angegeben wird, so soll nach der Ph. fierM. ed. I. aus 1 Th. Amygdal. 
10 Colatur bereitet werden.] 

Zur schnellen Bereitung einer Mandel -Emulsion kann man sich 
aUenfalls des Syr. Amygdal. bedienen, indem man denselben mit Wasser 
[1 Syr. zu 5-6 Aq. destill, oder Aq Amygdal. amar dilut.] verdünnt; doch 
schmeckt dieses Surrogat der Emulsion so süss, dass es namentlich er- 
wachsene Kranke leicht anwidert. — Mit guter trockener Orgeade 
[in den meisten Fällen findet man das Präparat etwas ranzig] kann man eine 
recht angenehme Emulsion extemporiren. 
212. 



Bf 

Amygd. dulc. excort. 50,0 

f. 1. a. 
Emulsio Colat. 500,0 

adde 


213. 


Amygdal. dulc. 25,0 
Amygdal. amar. 5,0 
F. Emulsio 200,0 
in Colatura solve 


Syr. Alth. 50,0 

Aq. Amygd. amar. 5,0. 

Stündl. eine halbe Tasse. 




Natr. nitr. 5,0 
Gummi Arab. 5,0 
Sacchari albi 10,0 




MDS. 


2 stündl. einen Esslöffel. 



MDS. 

AmygdaliHnm« Amygdalina. Amygdalin. [Krystallinischer Be- 
standtheil der bitteren Mandeln, welcher sich in Berührung mit Emulsin und Wasser 
in Bittermandelöl und Blausäure zersetzt, und zwar in den Verhältnissen, dass 1.0 
Amygdalin 0,06 Blausäure und 0.5 Bittermandelöl ergeben; es würde also Amygdalin 
1,0 etwa 60,0 Aq. Amygdal. amar. gleichkommen. — 0,1 3 Pf.] Die Anwendung 
des Amygdalins hat wegen der zu kleinen Gaben, für die man immer 
die Emulsion frisch bereiten musste, wenig Eingang gefunden: man 
müsste z. B., um 10,0 Aq. Amygdal. amar. zu ersetzen, 0,16 Amygdalin 
in Emüls. amygdal. auflösen. 

^Amylinii Hitrosnin« Die officinelle Bezeichnung der Pli, ger«. ed. IL 
für das Amylnitrit. Siehe Aether amylicus nitrosus. 

Anylnn« [Die Ph. fiem. und Aastr. bestimmen ausdrücklich Amylum 
Tritici (vergl. unten), während die Ph. B^r. Ed. lY. sich auch gegen die Kartoffel- 
starke duldsam verhielt.] Stärke. S. Amylum Tritici. 

Amylnm jodatim« Joduretum Amyli. Jodstärkemehl. [Dunkel- 
blaues Pulver, dessen Lösliohkeitsverhältnisse wie die des Amylum; bereitet aus 
1 Th. Jod und 60 Th. Amylum. — 5,0 etwa 10 Pf.] Nach vielen Autoren 
(tiesMeville) ein wirksames und leicht erträgliches Jod-Präparat. 

Innerlich: 0,5-2,5 2-3 Mal täglich in Pulvern. 

Amyliim Maramtae. Arrow, root. Pfeilwurzstärke. [10,0 5 Pf.] 
Das Stärkemehl der Maranta arundinacea oder Maranta indica; in neuerer 
Zeit vielfach als Ernährungsmittel für schwache Kinder in Gebrauch ge- 
kommen, kaum aber in der Wirkung von der des gewöhnlichen Stärke- 
mehls unterschieden. Die industrielle Speculation hat sich dieses Gegen- 
standes bemächtigt und eine Anzahl sogenannter Kraftmehlarten einge- 
führt, die in der Regel nichts anderes sind als Mischungen des eben er- 
wähnten Stärkemehls mit Kartoffel- und Weizenstärke, Zucker, Choko- 
lade, Kaffee u. s. w. Hierher gehören z. B. das Racahout des Arabes 
[Amylum Marantae mit Chokolade], die Coca [Amylum Marantae, Chokolade und 
Kaffee], Revalenta, Ervalenta, Arvalenta u. s. w. [Mehl von ver- 
schiedenen Hülsenfrüchten mit Zucker und Currie-powder.] Cassawa-Mchl, 

Digiti^ 212-213. 



ir.6 Amvlum Tritici. 



Tapioca und Tara pico sind Stärkemehlarten von anderen exotischen 
Pflanzen [Jatropba Manihot, Curcuma angustifolia a. s. w.], die aber ebenfalls 
die Verbindung mit der ehrlichen heimischen Kartoffelstärke nicht scheuen. 
Am besten thut man daher, alle diese theuren Nahrungsmittel, trotz der 
pomphaften Anpreisungen, mit denen sie in die Welt gesendet werden, 
bei Seite zu lassen, da sie mehr oder weriiger Producte einer gewinn- 
süchtigen Industrie sind und keine Vortheile für die Ernährung bieten 
[yergl. Farina legaminosa und Farina pro infantibus]. 

"^Amylnm Tritiei. Triticum vulgare Villars. Starch. Amydon. 
Weizenstärke. Stärke, Stärke- und Kraftmehl. [100,0 30 Pf.] In 
Weingeist und kaltem Wasser unlöslich, mit heissem Wasser Kleister 
bildend, der dann mit kaltem Wasser in jedem Verhältnisse mischbar ist. 

Innerlich: als Constituens für Pulver, alsMucilago [1,0 giebt 
mit etwas kaltem Wasser zu einem Brei angerührt, mit 150,0 heissem Wasser eine 
stark schleimige Flüssigkeit; bei grösserer Quantität des Amylum erhält man steife 
Gallerte. — Beide Formen sind mit Recht nicht beliebt, da sie den meisten Kranken 
widerlich erscheinen], als Conspergens bei Pillen. Auch als Nahrungs- 
mittel bei Gastrointestinal-Catarrhen empfohlen (l. LehMann). [Die reine 
Stärke kann für sich allein die Nahrung nicht ei'setzen ; dagegen vermögen gewisse 
Pflanzennahrungsmittel, welche Stärke zwar als Hauptbestandtheil , dagegen auch 
stickstoffhaltige Körper, wenn auch nur in geringer Quantität besitzen, wie Hafer- 
schleim, Reis, Roggen, Gerste, Weizen u. s. w., das Leben längere Zeit hindurch zu 
unterhalten. Der Gebrauch derselben als alleiniges Nahrungsmittel ist namentlich 
bei den Brechdurchfällen der Kinder häufig empfehlenswerth.] 

Ae US serlich als Streupulver bei Intertrigo, wegen der erfolgen- 
den Kleister- und Säurebildung unzweckmässig, bei Blutungen [mit styp- 
tischen Substanzen vermischt, doch — besser diese letzteren allein], als Zusatz zu 
Waschpulvern [besser durch feines Weizenmehl zu ersetzen, dessen Kleber- 
gehalt die Haut angenehmer berührt, als das hartkömige Amylum], zu Kly stieren 
[1-2 Theelöffel Stärke zum Clysma, mit etwas kaltem Wasser angerührt, dann mit 
etwa Vj-l Tasse voll kochenden Wassers aufgequollen]. 

Ol. Lavandul. ana 1,0 
Balsam. Peruviani 0,4 
M. f. pulv. D. in scatula. S. Wasch- 
pulver. 
Sapo arom. pro balneo (ehemals 
officinell). 



214. ^ 

Sapon. hisp. alb. pulv. 100,0 

Amyli Trit. 50,0 

Rhiz. Irid. flor. pulv. 25,0 

Ol. Bergamott. 

Ol. de Cedro 

Anilinam sulfarieim. Schwefelsaures Anilin. [Farblose Kry- 
stalle, welche aus der Behandlung des Anilins oder Phenylamins (eines Products der 
Krystallisation aus dem Steinkohlentheer) mit Schwefelsäure resultiren, in Wasser 
leicht löslich sind und an der Luft eine schwach rosenrothe Färbung annehmen. — 
10 etwa 10 Pf.] 

Innerlich zu 0,05-0,1-0,12, 2-3 Mal täglich in Pulver, Pillen 
oder Solution (Cave Licht). [Gegen Chorea von Turnbull gerühmt, gegen 
Epilepsie von Winigradow^ von Drasehe ohne jeden Erfolg verwendet.] 

AnthraciteSf Steinkohle. [Hauptbestandtheil Kohle, ausserdem Bei- 
mischungen von Eisen, Schwefel, Mangan, Jod u. s. w. — um diese anorgani- 
schen Beimischungen als therapeutisches Agens zu verwerthon, empfahl Vjes die 
Steinkohle innerlich (1,0-2,0 pro die, fein gepulvert als Latwerge mit Pulpa pru- 

I^ 214. Digitizedby^OOgie 



Anthracokali. Iß? 



norum oder Mellago graminis, oder in Pillenrorm mit Fei Tauri inspiss., Extr. Rbei, 
Valerianae, Qaassiae n. a.) als Ersatzmittel der Mineralquellen, welche dieselben 
Bestandiheile enthalten , zu reichen. Die naturgemass ganz ungenaue Dosirung des 
Eisens etc. sollte von der Anwendung des Mittels abhallen. 

Anthraeokalif Lithanthracokali. Steinkohlenkali. Alkoholi- 
sirte Steinkohle 5 mit schmelzendem Kalihydrat 7 gemischt. Ein 
schwarzes, zartes, stark abförbendes, stark alkalisch reagirendes Pulver 
von bituminösem Geruch, in Wasser zum grossen Theil löslich. [1,0 etwa 
5 Pf.] Cave: Säuren, Metall-, Erd- und Alkaloidsalze. 

Innerlich zu 0,1-0,5 3-4 Mal täglich in Pulver, Pillen [mit 
Extr. Dulcamarae], Auflösungen [0.5-0,15 auf 150,0]. Gegen inveterirte 
Hautausschläge als Specificum empfohlen (P«lya)^ aber durch zahlreiche 
spatere Versuche als unwirksam erwiesen. 

Aeusserlich in Salben [1 auf 25-30 Fett] bei chronischen Exan- 
themen (Gilbert). 

Anthracokali salfaratum. 7 Th. Kali, 5 Th. Steinkohle, 4 Th. 
Schwefel. Dieselben Löslichkeitsverhältnisse und Cautelen, wie beim 
einfachen Anthracokali. [1,0 etwa 5 Pf.] 

"^Antidotuin Arseniei. Gegengift der arsenigen Säure. 100 Th. 
Ferrisulfatlösung [Liq. ferr. salfur. oxydat.J mit 250 Th. Wasser vermischt 
und dieser Flüssigkeit alsdann unter Uraschütteln und möglichster Ver- 
meidung der Erwärmung eine Mischung aus 15 Th. gebrannte Magnesia 
und 250 Th. Wasser hinzugefügt. Eine braune Schüttelmixtur, welche 
zum Gebrauch jedesmal frisch zu bereiten ist. Es müssen zu diesem 
Zweck mindestens 500 Gr. der Eisenlösung und 150 Gr. gebrannte Mag- 
nesia jederzeit vorräthig gehalten werden. — Die Magnesia zersetzt das 
Eisenoxyd und es scheidet sich Eisenoxydhydrat ab, welches mit der ar- 
senigen Säure eine schwer lösliche Verbindung bildet. Das Eisenoxyd- 
hydrat verbindet sich aber nur im frischen Zustande mit der arsenigen 
Säure, daher muss das Antidot für den Gebrauch jedesmal frisch und 
möglichst rasch bereitet werden. 

Innerlich theelöffel- bis esslöffelweise [pure], V4-V2 stündlich. 

AHtimoniiim und dessen Präparate s. Stibium. 

Apiolnilf Apiol. [Grünliche oder gelbliche, ölige, stark nach Petersilie 
riechende und stechend scharf schmeckende Flüssigkeit, welche aus den Semina 
Petroselini durch Digestion mit Aether gewonnen wird]. Löslich in Alcohol und 
Aether. [1,0 etwa 30 Pf.] 

Innerlich zu 0,25-0,5-1,0 pro die, ausschliesslich in Gallertkapseln 
zu 0.25. [Von J©ret und ll«iiiolle enthusiastisch gegen Wechselfieber, von De- 
l«ni gegen Nachtschweisse der Phthisiker gerühmt, jedoch bei späterer Prüfung 
nicht bestätigt.] 

Apemerphinnii« Apomorphia. Emeticomorphin. Apomorphin. 
[Amorphes oder krystallinisches , weisses oder graugrünliches Pulver; in Wasser, 
besonders bei Zusatz von etwas Salzsäure , leicht löslich. ^ Die wässerigen Lösungen 
werden beim Stehen grün.] Wirkt wie das folgende Pj^^jparat, welches thera- 
peutisch für gewöhnlich vorgezogen wird. ^ 

^ApOMorphimiim hydroehlorieim. Apomoibr.binhydrochlorat. 

■' Digitizedby^OOQlC 



16S 



Aporaorphinum hydrochloricum. 



Salzsaures Apomorphin. [Dargestellt durch Einwirkung concentrirter Salzsäure 
auf Morphinum hydrochloricum bei hoher Temperatur. Leicht in Wasser lösliches, 
krystallinisches Pulver, wird in Lösung grünlich.] Wirkt nach neueren Unter- 
suchungen von Ütty Pieree^ Siebert^ itiegel^ BöhM u. a. als ein energisches 
Emeticum. Sowohl innerlich genommen als subcutan injicirt, entfaltet 
es meist sehr schnell, mindestens innerhalb 10-20 Minuten, eine sichere 
brechenerregende Wirkung, ohne local den Digestionstractus anzugreifen, 
noch bemerkenswerthe AÜgemeinerscheinungen hervorzurufen. [0,1 60 Pf.] 

Ad 0,01 pr. dos.! ad 0,05 pr. die.! See empfiehlt innerlich 0,012! 
pro dosi, zur subcutanen Injection 0,006-0,01 ; ähnlich Sicbert^ Riegel und 
B5hM. S. im allgem. Theil. Bei Vergiftungen, zumal mit narcotischen 
Substanzen, wo die Einfuhrung der Magensonde Schwierigkeiten macht. 
Bei Laryngitis crouposa, auch Pneumonie empfohlen. Doch hat uns 
(Ewald) das Mittel in letzterem Fall meist im Stich gelassen. Im Durch- 
schnitt ist etwa 0,01 pro dosi innerlich als Emeticum zu reichen. In 
neuester Zeit ist Apomorph. hydrochlor. auch als Expectorans [bei 
heftigen Bronchialkatarrhen, Asthma, Pneumonie] innerlich mit Vortheil benutzt 
worden und zwar zu 0,001-0,005 pro dosi (Vr««Miller^ Vriedreieh, Jirasi 
und lUssbaeh). Letzterer empfiehlt es in Verbindung mit Morphium, um 
die Häufigkeit des Hustens zu verringern und den Schleim gleichzeitig 
dünnflüssiger und expectorirbarer zu machen. Auch zum Coupiren epi- 
leptischer Anfalle von Vallender empfohlen. Bei jeder Aura soU V4 Pra- 
rai'sche Spritze einer Lösung von 0,1 : 10,0 injicirt werden. 0,001 bis 
zu 0,02! Kindern etwa den vierten Theil. Ebenso hat Veretl während der 
Aura des epileptischen Anfalls 2-3 Mgr. an der Stelle, wo sich selbige be- 
merklich machte, mit angeblich jedesmaliger Coupirung der Anfalle injicirt. 

Die innerliche Darreichung geschieht in Pulvern, Pillen, Lö- 
sungen. 

Subcutan ist eine einprocentige Lösung als Emeticum zu empfehlen. 
[Vergl. S. 81.] 



215. ^ 

Apomorph. hydrochlor. cryst. 0,01 
Sacchar. alb. 0,5. 
M. F. pulvis. Dispens, tal. dos. Bio. 5. 
D. S. Viertelstündl. ein Pulver bis zum 
Erbrechen. 



216. Bf 

Apomorphini hydrochl. cryst. 0,05 

Rad. Liquir. pulv. 

Succ. Liquir. dep. ana 3,0. 

M. F. pilul. No. 50. Consp. Lycopod. 

D. S. 1 -2stündl. 1-3 Pillen (und mehr) 

zu nehmen. [Als Expectorans.] Jurasi. 



217. 



Apomorphini hydrochlor. cryst. 

0,01.0,2(1) 
Aq. dest. 120,0 
Acid. hydrochlor. /^25 
Syr. sirapl. 30,0.^ « 

Aqia Ammomi biearboniei. 



MDS. l-2stündl. einen EsslSflfel. [Ex- 
pectorans. Die grossen Dosen wirken 
leicht als Emeticum.) JTarasi. 



218. I^r 

Morph, hydrochlor. 0,03 
Apomorph. hydrochlor. 0,03-0,06 
Acid. hydrochlor. dilut. 0,5 
Aq. 150,0. 

M. d. i. vitro nigro. S. 2-4stundl. 1 Esa- 
löffel. Bossbaoh. 



219. Bf 

Apomorphini hydrochlor. 0,01 

solve in 
Aq. dest. 15,0 
Syr. Althaeae 10,0. 
MDS. Stündlich 20 Tropfen. Expectorans 
bei Kindern. Theelöffelweisc als Brech- 
mittel bei Kindern. 



niakwasser. S. JjCnmonium carbonicum. 
SV^ I^ 215-219. 



Doppeltkohlensaures Ammo- 

Digitized by VorOOQlC 



Aqua Amygdalarum amararum. 169 

*Ai|va Amygdalarain amararnni. Bittermandelwasser. [12 Th. 
bittere Mandeln werden, nachdem ihnen durch Pressen das fette Oel entzogen worden, 
mit 80 Th. Wasser und 1 Th. Spiritus 12 Stunden ausgezogen und lOTh. eines schwach 
weingeistigen Wassers abdestillirt. — 1000 Bittermandelwasser sollen 1 Th. wasserr 
freier Blausäure enthalten. Die Aq. Amygdal. amar. concentr. der Ph. Aastr. ist viel 
schwächer, 1000 Th. enthalten nur 0,6 Blausäure]. Cave, wie bei Acid. hydro- 
cyanic: Alkalien, Chlorwasser, Salpetersäure, Metallsalze. [10,0 15 Pf.] 

Innerlich zu 0,5-1,0-2,0 [ad 2,0 pro dosil ad 8.0 pro die!] mehrmals 
täglich pur in Tropfen [10-20 40 (!) pro dosi] oder mit Wasser und Syrup 
verdünnt, in Mixturen [2,0-10,0 auf 100,0]. 

Aeusserlich in Dampfform [von erwärmtem Sande, auf den Aq. Amygd. 
amar. gegossen, einzuathmen; nicht zu empfehlen, eher als Zusatz zur Inhalation 
zerstäubter Lösungen vergl. p. 99], Kl y stieren [0,5-2,0 ad clysma], Ein- 
spritzungen [selten, stark verdünnt], Augenwässern [zur Lösung von Sal- 
zen wie Salmiak, Chlorbaryum u, s. w.], Waschungen [pur bei Pruritus pu6en- 
dorum, reizt aber, statt zu sediren; mit Wasser verdünnt und Watte damit ge- 
tränkt: bei Neuralgien — wirkungslos], Bädern [100,0-120,0 zum Bade — un- 
nütz, theoer!]. 

D.S. 2 stündl. 5-15 Tropfen. [Bei Neur- 
algien, Krampfhusten u. s. w.] 

223. Hf 

Aq. Amygd. amar. 
Liq. Ammon. anis. ana 12,5 
Aq. Flor. Aurant. 150,0 
Mucil. Gummi Arab. 25,0. 

MDS. Stündlich einen Esslöffel. [Bei 
Cholera.] GebeL 



220. ^ 

Aq. Amygd. amar. 2,0 
Aq. Flor. Aurant. 100,0 
Syr. Alth. 25,0. 
MDS. Stündlich einen Esslöffel. [Bei 
Keuchhusten.] Wendt. 



221. I^ 

Aq. Amygdal. amar. 3,0-6,0 

Natr. bicarbon. 1,0 

Emulsionis Amyg«ial. 50,0 

D. S. 6 stündl 1 Theelöffel. Für ein 

9 monatliches Kind. [Bei Keuchhusten.] 

West. 



224. ^ 

Aq. Amygd. amar. 

- Plumbi Goulardi ana 60,0 

- Rosarum 90,0. 
MDS. Aeusserlich zum Bähen oder Waschen 

[Oertliches Sedativum.] 
Liquor anterethicus Hufelandi. 



222. Bf 

Extr. Hyoscyami Ö,5 
Aq. Amygd. amar. 10,0. 

Ai|va amygdalarum amararvm diluta. Aqua Cerasorum. Aqua 
Cerasorum amygd alata. Kirschwasser. [Aqua Amy^dalar. amar. 1, Aq. 
dest. 19. — Die Aqua Amygdal. amar. diluta Ph. Aistr. besteht aus 1 Aqua Amygdal. 
amar. concentr. Ph. Aistr. und 11 Wasser, ist demnach genau so stark, wie die unsere. 
Vergl. Aq. Amygdal. amar. — 100,0 15 Pf.] 

Innerlich: 1 Theelöffel bis zu 1 Esslöffel voll mehrere Male täg^ 
lieh, pure, oder als Zusatz oder Excipiens von Arzneien. 

Aqua Anisi. [Destillat aus den Sem. Anis! vulgär. — 100,0 etwa 10 Pf.] 
Als Zusatz zu expectorirenden Mixturen. 

Aqva antimiasmatiea KöehlinK Starke Verdünnung [l : 80] des 
Liq. Cupr. chlor, ammoniat. [Vergl. diesen. — 100,0 etwa 20 Pf.] 

Aqua aromatica« Aqua aromatica spirituosa Ph. Aistr. Aqua ce- 
phalea. Aqua s. Balsamum Embryonum. Schlag.wasser. [Der curiose 
Name Bals. Embryon. , der besonders in Oesterreich noch gang und gebe ist, rührt 
von dem mehrfach empfohlenen äusserlichen Gebrauch des Mittels als Einreibung in 
die Bauchhaut bei zum Abortus neigenden Schwangeren her. — Von 2 Pfand ver- 



no Aqua Asae foetidae. 



schiedenor aromatischer Stoffe 12 Pfund geistig-wässerigen Destillats — trübe, stark 
aromatisch riechend. — 100,0 35 Pf.] 

Aova Asae foetidae. Asantwasser. [l : 16 Wasser. — 10,0 etwa 
5 Pf.] Wie die folgende. 

Aqua Asae foetidae eomposita. Prager Wasser. Siehe: Aqua 
foetida antihysterica. 

Aqua caerulea s. coerulea s. saphirina s. coelestis. [Cuprum limat. 1, 
Salmiak 2 mit Kalkwassor 50 und 380 destillirton Wassers macorirt und filtrirt. — 
mO etwa 15 Pf.] 

Aqva Calami. [lO Destillat von 1 Rhiz. Calarai, — 100,0 etwa 20 Pf.] 

*Aaaa Calcariae« Calcaria soluta. Aqua Calcis. Aqua Calcariae 
ustae. Kalkwasser. Kalklösung. [Gesättigte Lösung von Kalkerdehydrat, 
etwa 1 Th. in 600-700 Wasser. — 100,0 5 Pf.] 

Innerlich zu 50^0-150,0 einige Male täglich, allraälig steigend bis 
zu 300,0-600,0 pro die [am besten des Morgens, nach Art der Mineralbrunnen 
zu trinken, rein oder mit Milch, süsser Molke, Fleischbrühe, Kräutersaft u. s. w. Nur 
bei grosser Empfindlichkeit des Magens sind schwache narcotische Zusätze (wie Aq. 
Amygdalar. amar., geringe Quantitäten Tinct. Opii) erlaubt. — In neuester Zeit auch 
gegen Diphtherie empfohlen (Letserieh), etwa V2 - 1 stündlich y.^ Esslöffel mit Milch 
oder Schleim]. 

Aeusserlich: wegen seiner von Küehenmeister entdeckten Eigen- 
schaft, Pseudomembranen zu lösen, ein vortreffliches Mittel gegen Croup 
und Diphtheritls und zwar am besten in Form der Inhalation, durch 
Zerstäubung des unvermischten Präpamtes (Küchenmeister^ Biermer, Wildei- 
barg u. a.), ferner zu Mund- und Gurgel wässern (pure bei Diphtheritis 
der Mund- und Schlundhöhle, auch bei syphilitischen Mundgeschwüren (Kiehen- 
meister), mit Milch ana gegen Brennen im Munde: lel»]; Injectionen in den 
Rachen und in die Nase [bei Diphtheritis und Coryza), Einspritzungen in den 
Kehlkopf ((i«ttstelii), Pinselungen [pure oder mitSyr. simpl. ana], Klystie- 
ren [pure oder mit Zusatz von Haferschleim, bei Dysenterie, bei Dickdarmkatarrhen: 
Küchenmeister; gegen Ascariden: hreer], Injectionen [bei Tripper ohne wei- 
teren Zusatz: Behreiid: zur abortiven Behandlung des Trippers (in Verdünnung von 
1:4) stündlich bis anderthalbstündlich wiederholte Einspritzungen, später Alaun- 
lösungen (6-10: 150) mit Zusatz von 5,0 einer Iprocent. Salicylsäurelösung : Knehea- 
melster], Verband wasser [pur], Liniment [mit Ol. Lini ana, öfters mit 
einem kleinen Zusatz von Opiumtinclur, bei Verbrennungen]. 

226. R 



225. Bf 

Aq. Calcariae 15,0 
Natr. cuust. 0,06 
Aq. 180,0. 
MDS. Zu örtlichen Bädern, Umschlägen, 
Bähungen, Einspritzungen. [Bei Affec- 
tionen der äusseren Geschlechtstheile, 
namentlich diphtheritischen Auflagerun- 
gen derselben und geringer Schleimeiter- 
absonderung.] V. Sigmund. 



Aq. Calcariae 3,0 
Glycerini 150,0 

cui leniter calefacto 
adde 
Aeth. 3,0. 
D. S. Eine Compresse mit der Flüssig- 
keit getränkt aufzulegen, und Perga- 
ment oder Taffet darüber zu legen. [Bei 
Brandwunden, Ulcerationen, Gangraena 
senilis.] 

Glyc6rol6 calcaire anesth6tique. ' 
Bruyne. 

Al|lia Camphorae • Ph. .imerle. Campher wasser. [2 Th. Camphor 

' I^ 225-226. Digitizedby^OOQlC 



Aqua chlorata. 171 



mit wenigen Tropfen Spiritus, 4 Th. Magn. carbon. und 250 Th. Aqua destill, ge- 
schüttelt und filtrirt.] 

*Al|va earbolisata. Carbolwasser. Eine Mischung aus 33 Th. 
verflüssigter Carbolsäure und 967 Th. Wasser. Zu Verbandwässern, Des- 
infectionsz wecken etc, S. Acid. carbolicum. 

Al|1ia carbonica« Kohlensaures Wasser. [Brunnenwasser mit 
Kohlensäure imprägnirt. — V2 Quart-Flasche etwa 30 Pf.] Als kühlendes Ge- 
tränk, wo die salinischen Theile des Seiter- oder Sodawassers entbehr- 
lich sind. 

Aqua earmiliatiTa. Ph. Aistr. [Flor. Chamom. lOO.O, Cort. Aurant, Cort. 
Citri, Fol. Menth, crisp., Sem. Carvi, Sem. Coriandri, Sem. Foenicul., ana 30,0. Aq. 
4000.0. Macera per 24 horas, abstrahe 2000,0.] 

Innerlich zu carminativen oder bitteren Mixturen. 

Aqua earminatiTa regia. [Aq. carminat. 300,0, Spir. aromat. 100,0 
Sacch. alb. 50 0, Coccion. 1.] 

Innerlich zu 20,0-30,0 pro dosi. 

Aqua CarTl. [Wie Aqua Anisi.] 

Aqua Cascarillae. [l auf lO Destillat. — 100,0 etwa 20 Pf.] 

Aqva Castorei. Bibergeil-Wasser. [1 Gast. Sib. mit 1 Spir. uad 
Wasser q. s. zu 8 Destillat.] 

Innerlich zu 10,0-30,0 pur oder als Zusatz zu krampfstillenden 
Mixturen. 

Aqva Castorei Rademacheri« [l Castorei Canad. mit l Spir. und Wasser 
q. s. zu 8 Destillat. — 10,0 etwa 30 Pf.] 

Innerlich zu 30,0 pro die bei üteruskrankheiten. 

Aqua CeraSdrimi« Aqua Cerasorum nigrorum. Black cherry water. 
Kirsch Wasser. [Wässeriges Destillat aus gestossenen Kirschkernen.] Selten 
vorräthig gehalten; statt dessen die Aq. Amygdal. amar. diluta. 

Aqva Cerasornm amygdalata vergl. Aq. Amygd. amar. dilut. 

Aqva Chamdlllillaf. Eamilknwasser. [10 Destillat von 1 Flor. 
Chamomill. oder 1 Aq. Chamomill. concentr. verdünnt mit der nöthigen Menge Aq. 
dest. — 100,0 15 Pf.] Als Zusatz oder Excipiens krampfstillender Mixturen. 

Aqua Chamomillae eoneentrata. Concentrirtes Kamillen- 
wasser. [Aus 1 Th. Chamillen 1 Th. geistig-wässeriges Destillat] 

Innerlich thee- bis esslöfifelweise pur, oder als Zusatz zu Mixturen. 
[5,0-25,0 auf 100,0.1 

Aeusserlich zum Umschlägen und Klystieren. 

*Aqiia ehlorata« Chlorum solutum. Liquor Chlori. Chlorum in 
Aqua. Aqua Chlori Ph, Aistr, Chlorina liquida. Aqua oxymuriatica. 
Acidum muriaticum oxygenatum. Chlorine-water. Chlore liquide. Chlor- 
wasser, Chlorlösung, Chlorflüssigkeit. [MitChlor gesättigtes destillirtes Wasser. 
Soll mindestens 0,4 pCt. Chlor enthalten. — 100,0 35 Pf.] Cave: organische 
Stoffe, Ammoniak, Metallsalze von niederer Oxydationsstufe, Licht, Ver- 
ordnung auf lange Zeit. 

Innerlich zu 2,0-4,0 pro dosi, 15,0-50,0 pro die [mit Aqua destill. 
Syrupus Sacchari verdünnt, am besten ohne jeden weiteren Zusatz ; gefärbte Syrupe 
entfärben sich mit Chlor. Früher viel im Typhus angewendet (SehÖHleiH) , vor 

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172 Aqua Cinnamomi. 



einigor Zeit von neuem gegen Typhus und die übrigen Infektionskrankheiten von 
Vjes gerühmt. Derselbe legt Gewicht darauf, dass Chlorwasser sehr concentrirt zu 
reichen und zwar mit nur V2 Wasser verdünnt, 3-4mal täglich 1 Theelöflfel. — 
Auch neuerdings wieder gegen Gährungsvorgänge im Magen empfohlen: B»t- 

Aeusserlich zu Mund- und Gurgelwässern [1 Th. mit 2-5 Th. 
Wasser verdünnt], zu Pinselsäften [mit Syr. simpl. ana], zu Inhalationen 
[in sehr diluirter Mischung, etwa 5,0-50,0 zu Aqua 500,0 zur Zerstäubung, da 
sonst die aus concentrirteren Mischungen sich entwickelnden Dünste vollkommen 
irrespirabel sind; zu versuchen bei Bronchitis putrida und Diphtherie. — Chlor- 
Inhalationen wurden besonders in den dreissiger Jahren viel versucht und theilweise 
selbst als Mittel gegen Phthisis viel gerühmt (fiinnil^ C«ttereai), indess ist ihre 
Nutzlosigkeit und selbst Gefährlichkeit bei Phthisis genügend nachgewiesen (TmI- 
mMehe^ SUkes u. a.); dagegen sollen die in manchen Fällen von Catarrh der Respi- 
rationsorgane nützlich sein (TMln^aehe u. a.). — Der Aufenthalt in Bleich- 
fabriken wirkt wie eine Chlor-Inhalation], zu Injectionen [rein oder mit 1 bis 
4 Th. Wasser verdünnt], zu Verbandwässern und Waschungen [mit 
Wasser ana zur Zerstörung contagiöser Stoffe: Senmelweis empfahl dringend, zur 
Verhütung des Puerperalfiebers, dass Aerzto und Studenten, wenn sie vorher 
Obductionen gemacht oder sich anderweitiger Ansteckung ausgesetzt haben, vor dem 
Besuche der Wöchnerinnen sich die Hände ausgiebig mit Aqua chiorata waschen — 
jetzt ist man über diese zarte Antiseptik längst hinaus; ausgiebige und öftere Be- 
netzung der diphtheritischen Stellen und deren Umgebung bei Diphtheritis hielt 
A. V. firife für das beste örtliche Verfahren], zu Bädern [1 Liter aufs Bad], zu 
Kl y stieren [ülosler empfiehlt gegen Oxyuris Eingiessen grösserer Quantitäten 
Wassers in den Darm mit Zusatz von 1 Esslöffel Aqua chiorata]. Linimente 
und Salben sind höchst unzweckraässig, da die Zersetzung sehr schnell 
vor sich geht. 

227. l^ 

Aq. chlorat. 20,0 
Syr. Alth. 40,0. 
MDS. Alle 10 Minuten 1 Theelöffel. 
[Bei Cholera asiatica. — Dabei häufige Darreichung von Eisstücken, welche der 
Kranke im Munde zergehen lässt.] Angelstein. 

*Aqiia Cimtamoilli« Aqua Cinnamomi spirituosa seu vinosa. 
Zimmtwasser. Wenigeistiges Zimmtwasser. [Geistig -wässeriges Destillat 
1 auf 10. — Angenehm riechend und schmeckend. — 100,0 30 Pf.] Die neue 
Pharmacopoe kennt den Unterschied zwischen Aq. Cinnamomi und Aq. 
Cinn. spirituosa, welchen die Ph, ^erm. ed. I. machte, nicht, sondern be- 
zeichnet das Destillat von 1 Th. Zimmt, 1 Th. Weingeist und dem nöthi- 
gen Wasser einfach als Aq. Cinnamomi. 

Innerlich: pur theelöffel- bis esslöffelweise mehrmals täglich oder 
als Zusatz zu bitteren aromatischen Mixturen. 

Aeusserlich: rein oder verdünnt als Verbandwasser und zu 
Einreibungen. [Die alte Formel für das RnsCsche Frostmittel, welche Aqua 
Cinnamomi spirit. zu Acid. nitricum setzt, ist gänzlich zu verwerfen, indem sich 
unter Entwickelung von sehr viel salpetriger Säure und Salpeteräther die Mischung 
zersetzt und das Gefäss gewöhnlich zertrümmert. 

Al|1ia Citri« Citronenschalenwasser. [1 frische Citronenschalen 
zu 12 Destillat. — Riecht und schmeckt angenehm. — 100,0 etwa 25 Pf.] 

99^ R 227. Digitizedby V^OOQIC 



Aqua Cochleariae. 173 



Al|Va Coehleariae« LöTfelkrautwasser. [l frisches Kraut zu 12 De- 
stillat. — 100,0 etwa 30 Pf ] Als Zusatz zu antiscorbutischen Mundwässern. 

Al|na Colonieiisis« Cölnisches Wasser. Eau de Cologne. [Dieses 
Präparat wird, da es nirgends officinell, in jeder Apotheke (wie auch in jeder Par- 
famerie- Fabrik) nach- einer eigenen Vorschrift bereitet; alle Formeln pflegen Ol. 
Keroli und Bergamottae mit mehr oder weniger Zusatz anderer ätherischer Oele in 
Spiritus dilutus auflösen zu lassen, etwa im Yerhältniss von ätherischem Oel 1 zu 
50 Spiritus.] 

Innerlich zu 10-15 Tropfen als Analepticum [bei Krämpfen u. s. w.] 

Aeusserlich als Riechmittel, zu Waschungen, Einreibungen 
[bei Frostbeulen]. 

*Al|va destiUata. Hydrolat. Distilled water. Holy-water. Eau 
destille. Destillirtes Wasser. [100,0 5 Pf.] — Da der Preis-Unterschied 
zwischen Aq. destill, und Aq. commun. nicht in Betracht kommt [100 Aq. 
dest., 200 Aq. comm. filtr. 5 Pf.], SO ist es rathsam, bei allen Mixturen und 
Salzlösungen destillirtes Wasser zu verordnen. 

Al|Va Enplirasiae. [2 frisches Kraut auf G Destillat. — 100,0 '20 Pf.] 
Als Augen Wasser und Coustituens zu solchem empfohlen. 

*Al|va FlorUB Avrantih Aqua Florum Naphae. Orangenblüthen- 
wasser. [Das käufliche Orangenblüthwasser mit 1 Th. Aqua destillata verdünnt; 
jedoch ist darauf zu sehen, dass das erstere frei von Kupfer sei, da es häufig in 
kupfernen Flaschen (Estagnons) versendet wird. — Riecht und schmeckr sehr an- 
genehm, doch nur, wenn es gehörig verdünnt ist, etwa 1-2 Th. auf 50 Th. Flüssig- 
keit. — 100,0 30 Pf.] 

Innerlich: rein [esslöffelweise], öfter alsConstituens oderCorrigens von 
Mixturen, welche ausserdem keine riechenden Bestandtheile enthalten dürfen. 

Aeusserlich als Zusatz von Waschwässern. 

*Al|1ia Foenieilli« Fenchelwasser. [Izu30 wässeriges Destillat. — 
100,0 10 Pf. — Die Aqua Foeniculi Ph mil. ist eine Solutio Elaeosacchari Foeniouli.] 

Innerlich: rein [thee- bis esslöflFel weise] oder als Constituens von 
Mixturen [namentlich in der Kinderpraxis]. 

Aeusserlich: als Augenwässer [mit Aqua Rosarum ana] oder als 
Constituens eines solchen. 

Al|na foetida antihysterica« Aqua Asae foetidae composita. Aq. 
foet. Pragcnsis. Aqua antihysterica Pragensis. Zusammengesetztes 
Stinkasantwasser. Präger Wasser. [Asa foet., Castor. Canad., Galban., 
Valerian., Myrrh., Angelic. und andere aromatische Substanzen etwa 3 Th. mit 5Th. 
Spiritus auf 10 spirituös-wässerigen Destillats. — Trübe. — 10,0 10 Pf.] 

Innerlich: l-2stündlich einen Theelöffel, rein oder in Mixturen 
[10,0-50,0 auf 100,0]. 

Aeusserlich: zu Klystieren [mit mehreren Theilen Wasser verdünnt]. 
(Rmberg). 



228. H 

Aq. foet. antihyster. 

Syr. simpl. ana 25,0. 
MDS. 2-3stdl. 1 Kinderlöflfel voll. [Bei 
Spasmus glottidis.] Bomberg. 



229. Bf 

Aquae foetid. antihyst. 50,0 
Melissac \b^\0 

Aetheris acet. 2,5. 
MDS. Stdl. 1 Esslöffel. [Bei Hysterie] 



Aqua Fnietvvni ^verevs Rademaeheri. Aqua Glandis. Eichel- 



174 Aqua hydrosulfurata. 



Wasser. [5 von der Cupula befreite, zerslossene frische Eicheln zu T'/j geistig- 
wässerigen Destillats. — 100,0 etwa 20 Pf.] 

Aljaft hmninifa« [Lösung von huminsaurem Eisenoxyd 0,12 in 350,0 Wasser 
Bräunliche, klare, neutral reagirende Flüssigkeit. Von Kleiv in Ratibor als Eisen- 
präparat empfohlen, aber wenig verbreitet.] Nach Art der Mineralwässer wein- 
glasweise zu gebrauchen. 

Ai|aa hydrosvlfiirata s. hepatica s. hydrothionica. Acidum hydro- 
thionicum liquidum. Sulphuretted water. Eau d^acide sulfhydrique. 
Schwefelwasserstoffwasser. [100,0 etwa 20 Pf.] Cave: Metallsalze, 
Basen, "Luft. 

Innerlich: rein zu 150,0-500,0 täglich, oder stündlich becher- 
weise [als Antidotum bei acuten und chronischen Metall Vergiftungen]. 

Anstatt der einfachen Aqua hydrosulfurata ist von Lepige eine mit 
Schwefelwasserstoffgas gesättigte Verbindung von gleichen Theilen Gly- 
cerin und Aqua empfohlen worden. Diese Mischung absorbirt zwar weniger 
Gas als reines Wasser, hält sich aber länger unzersetzt. 

Aqva RyjSSOpi. [Wie Aq. Chamom. — 100,0 etwa 20 Pf.] 

Aqva Jvniperi. Wachholderwasser. [6 Destillat aus 1 Wacb- 
holderbeeren.] 

Aqua KredSdti« Kreosotum solutum, Aqua Binelli. Kreosot- 
wasser. [1 Th. Kreosot in 100 Th. Wasser aufgelöst. Stets zur Dispensation 
frisch SU bereiten. Trübe. — 10,0 3 Pf. 

Innerlich: theelöffelweise [bei chronischen, besonders pituitösen Bronchi- 
tiden, Gangraena pulmonum, Diabetes, chronischem Erbrechen, Diarrhoe, bei Magen- 
gährung (Ewald)]. 

Aeusserlich: zu Einspritzungen [namentlich in Fisteln mit stocken- 
der fötider Eiterung; zur Ausspritzung des Cavum Pleurae, bei Empyem nach vor- 
genommener Thoracocentese , bei übelriechendem Ausflusse; 1,5 auf 400,0 Wasser; 
KassniMi], zum Umschlag, zu Mundwässern [vergl. Kreosot]. Die blut- 
stillende Kraft der vor mehreren Jahren warm angepriesenen Aqua Bi- 
nelli hat sich bei weiteren Beobachtungen nicht bewährt. 

Aqva Lauro-Cerasi. Water of Laurel. Eau destille de Laurier- 
Cerise. Kirschlorbeerwasser. [12 frische Blätter zu 10 geistig-wässerigen 
Destillats. — Soll an Blausäure der Aq. Amygdal. amar. gleich sein. Der Geschmack 
der Aqua Lauro-Cerasi ist lieblicher als der der Aq. Amygdal. amar. — 10,0 15 Pf.] 
Nach der Ph. germ. ed. altera ist überall statt Aqua Lauro-Cerasi die Aq. 
amygd. amar. zu dispensiren. 

Aqua Layandlllae« Lavendelwasser. [l Fl. Lavandul. zu 4 wässe- 
rigen Destillats..] 

Aqua Magnesiae carbonicae« Doppelt kohlensaures Magnesia- 
wasser. [Frisch präcipitirte Magnes. carbon. in Wasser vertheilt und durch hinein- 
geleitete Kohlensäure darin aufgelöst. — Statt des früher officinellen Präparates ge- 
braucht man jetzt ausschliesslich das in den Mineralwasser-Fabriken bereitete, welches 
schöner ist, als der Apotheker es sich selbst bereiten kann, und zudem billiger zu 
stehen kommt.] 

Aquae Melissae« Melissenwasser. [Wie Aq. Chamom. — 100,0 
15 Pf.] Als Constituens krampfstillender u. s. w. Mixturen. ^ 

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Aqna Melissac cönccntrata. 175 

Al|iiae Melissae eoneentrata« Concentrirtes Melissenwasser. 
[Wie Aq. Chamom. concentr. bereitet und angewendet.] 

*Al|lia Menthae erispae« Krauseminzwasser. [Wie Aqua Cha- 
momillae. — 100,0 15 Pf.] 

*Al|va Menthae piperitae. Pfefferminz was ser. [Wie Aq. Cha- 
mom. — 100,0 15 Pf. — Die Aq. Menth, pip. Ph. mil. ist eine Auflösung von Elaeo- 
sacch. Menth, pip. in Wasser.] 

Innerlich als Zusatz oder Constituens von Mixturen. 

Aqva Menthae piperitae spiritaosa seu vinosa. Weingeistiges 
Pfefferminzwasser. [Aus 1 : 5 weingeistigen wässerigen Destillats. ^ 100,0 
25 Pf.] 

Innerlich als Constituens oder Zusatz zu Mixturen, auch rein, 
thee- bis esslöfifelweise. 

Al|Va Nieotianae Bademaeheri« [l frische Blätter von Nicotiana Ta- 
hacum oder (!) N. rustica zu 1 geistig -wässerigen Destillats. — 10,0 etwa 10 Pf.] 
(Bei Cholera, lUdeniieher). 

Aqna Nnevm Tomiearvm Rademaeheri. [48 geisUgen- wässerigen 

Destillats aus 32 Sem. Strychn, — 10,0 etwa 10 Pf.] 

Innerlich: 15-30 Tropfen mehrmals täglich. [Lebermittel: Raile- 
maeker.] 

Aqna Opii. [l Opium zu 5 wässerigen Destillats. — 10,0 60 Pf. -~ Ent- 
hält keine der wirksamen Basen des Opium, sondern nur das ätherische Oel desselben 
(und zwar in geringer Quantität), daher der Geruch.] 

Aqna oionisata. S. die folgende. 

Aqna OXygenata« Sauerstoffwasser. [Wasser unter hohem Druck 
mit Sauerstoff imprägnirt.] Schon im vorigen Jahrhundert von Odicr gegen 
Dyspepsie, Gastralgie u. a. Neurosen, Asthma, Schwächezustände u. s. w. 
empfohlen und wieder verlassen, in neuerer Zeit wieder von Beiiarquay 
versucht und von Lender ebenso wie die Aq. ozonisata, Ozonwasser, gegen 
die verschiedensten Erkrankungen angepriesen. Der therapeutische Non- 
sens dieser Sauerstoff- und Ozonwwässer, Inhalationen, Einathmungen von 
ozonhaltiger Luft etc. ist von 0. LIebreieh, Ewald u. A. nachgewiesen. 

Aqna oxymuriatiea s. Aqua chlorata. 

Aqna Persieae fdliornm. Pfirsichblätterwasser. [1 Pfirsich- 
blatter zu 4 wässerigen Destillats.] 

Ein dem Kirschlorbeer- und Bittermandelwasser analoges, aber leicht 
zersetzliches und darum überflüssiges Destillat. 

Aqva Petrosf lili. [l zu 20 Destillat. — 100,0 10 Pf.] Als Zusatz zu 
diuretischen Mixturen. 

Aqua phagedaeiica« Aqua phagedaenica lutea, Liq. Hydrargyri bi- 
chlorati corrosivi cum Calcaria usta. Yellow Wash. Eau phagedönique. 
Phagedänisches Wasser. Altschadenwasser. [1 Th. Sublimat auf 300 Th. 
Aq. Calcariae. — Es bildet sich ein safranfarbener Niederschlag (Quecksilberoxyd hydrat 
und Quecksilberchlorid), weshalb jedesmal vor der Application die Flüssigkeit umzu- 
schüttein ist.] 

Aeusserlich: als Verbandwasser oder zu reizenden Injectionen 
[in Fistelgeschwüre u. s. w.] 

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176 Aqua phagcdaenica nigra. 



Aqua pkageilaeniea deeelor* s. Liquor Hydrargyri bichlorati corrosivi. 
Aqua phagedaeniea nigra. Gray lotion, Black wash. Schwarzes 

Wasser. [1 Th. Calomel mit 60 Th. Aqua Calcar. 1. a. gemischt. Es bildet sich 
ein schwarzer Niederschlag, dessen chemische Zusammensetzung noch nicht genau 
definirt ist. Die Aqua phagedaeniea nigra Rustii enthält noch Opium; vergl. Hy- 
drarg, chlor, mite. Der Liq. Hydrargyri chlorati mitis cum Calcaria usta 
€•4. mti. lamb« s. Aqua nigra enthielt 1 Th. Calomel auf 32 Th. Kalkwasser.] 
Aeusserlich: wie die Aqua phagedaeniea. 

*AqHa Pieis« Aqua picea. Tar water. Eau de Goudron. Theer- 
wasser. [1 Pix liqnida mit 10 Aqua unter öfterem Umrühren mindestens zwei 
Tage macerirt, dann decantirt und filtrirt. — 100,0 10 Pf.] 

Innerlich: rein, esslöffel-, tassen oder becherweise [nach Art der Mi- 
neralbrunnen] gegen chronische Exantheme, gegen chronische Katarrhe, 
namentlich Bronchitis putrida, auch Phthisis pulmon. u. a. — [Sulfur. 
depur. 1 mit Aqua Picis 12 gekocht und decantirt, bilden die in Italien gegen 
Kierensteinkolik sehr beliebten lithonthriptischen Tropfen PalmierPs, die zu 
10-20 Tropfen genommen werden. 

Aeusserlich: als V er band was s er [bei Exanthemen, syphilitischen und 
anderen Geschwüren], als Injection [bei chronischen Schleimflüssen der Blase], 
in zerstäubter Form zur Inhalation [bei Katarrhen mit profuser Secretion, 
Bronchitis putrida, in manchen Fällen von Phthisis u. a. sehr zu empfehlen; vergl. 
S. 99], auch in Dampf form [durch Erhitzen von Theerwasser und Einathmen 
der aufsteigenden Dämpfe, s. Allgem. Theil]. 

In Frankreich sind in letzterer Zeit eine Anzahl anderer Präparate 
in Aufnahme gekommen, die empfehlenswerth scheinen: Nach tmyi wird 
ein Liqueur de Goudron concentrö et titre aus 10 Kilogramm Theer, 
20 Liter Wasser und 1 Kilogramm Natr. carbonic. bereitet, die in einem 
Destillationsapparat erwärmt werden. Das Destillat wird aufgefangen, 
der Rückstand mit Wasser behandelt, so dass man 40 Liter Flüssigkeit 
erhält; die decantirte Flüssigkeit wird mit dem Destillat vereinigt, 
einige Tage stehen gelassen und filtrirt. Das Präparat ist braun, sehr 
aromatisch und mischt sich mit Wasser zu einer klaren, bernsteinfarbenen 
Flüssigkeit. Zur innerlichen Darreichung wird von dem Mittel un- 
gefähr ein Theelöffel zu einem Glase Wasser hinzugefügt; äusserlich 
zu Injectionen [1 zu4Aq.], zu Waschungen [bei Hautausschlägen, mit Aqua 
ana]. — Eine andere Formel wird von Jeannel angegeben und als Emul- 
sion de Goudron bezeichnet: Theer mit Natr. carb. ana 10,0 ver- 
rieben und mit 1 Liter Wasser gemischt. AdrliH empfiehlt als Solution 
alcaline concentröe de Goudron: Theer 100, Liq. Natr. caust. 50, 
Aq. 850; oder was er noch für besser hält, eine Emulsion de Gou- 
dron v^getale, bereitet aus 100 Th. Theer, 150 Th. Eigelb und 750 Th; 
Wasser. Diese Verbindung soll sich mehrere Monate halten, ohne zu 
verderben. 



230. Bf 

Acidi tannici 5,0 
Aq. Picis 100,0 
- destiU. 500,0. 



MDS. Zur Inhalation in zerstäubter 
Form. [Bei Bronchiectasie , Bronchitis 
putrida u. a.] Waidenburg. 



*Al|lia PllMibi s. Aqua plumbica, Aq. satumina. Plumbum aceti- 
cum basicum solutum dilutum. Lead water. Lotion d'ac^tate de plomb. 

gt^ Bf 230. Digitizedby^OOQlC 



Aqua Plumbi Goulardi. 177 



Blei Wasser. [I Th. Liq. Plumb. subacetici auf 49 Th. destillirten Wassers. — 
Wenig trübe. — 100,0 10 PfJ 

Aeusserlich: zu Fomentationen, Verbänden [Watte, vorher in 
heissem Wasser aufgequollen und dalin ausgedrückt, mit Aq. Plumbi getränkt, zu 
Umschlägen und Verbänden. Gossypium saturninum, Bleiwatte: I. E. Riehter], 
Waschungen, Augenwässern [mit Tinct. Opii], Injectionen, Kly- 
stieren [100,0-200,0 ad clysma]. 

Al|lia Plumbi Goulardi« Aqua Goulardi seu Aqua vegetomine- 
ralis Goulardi. Acetum Plumbi dilutum. Ph. Und. White wash. Gou- 
lard'sches Wasser. [1 Liq. Plumb. subacetic, 4 Spir. dilut., 45 Aq. comm. 
— Weiss, trübe, vor dem Gebrauche umzuschütteln. — In der Armenpraxis verordne 
man Liq. Plumb. subacetic. und lasse im Hause Spiritus und Wasser zusetzen. — 
100,0 5 Pf.] 

Nur äusserlich, wie Aqua Plumbi. 

Aqva ttnassiae Rademaeheri. [9 Cortic. Lign. Quass., 48 Lign. Quass. 

zu 128 geistig-wässerigen Destillats. — 10,0 etwa 5 Pf.] 

Innerlich: 4 Mal täglich V2 EsslöflFel. [Lebermittel: Rademieher.] 

"^Aljva Rosaet Aqua Bosarum. Rosenwasser. [4 Tropfen Rosenöl 
mit 1000 Gr. lauwarmen Wassers geschüttelt und filtrirt. — 100,0 15 Pf. — Das 
französische Präparat ist |zwar viel angenehmer riechend, aber bedeutend theurer.) 

Innerlich: als Zusatz zu Emulsionen [stark verdünnt, sonst widrig]. 

Aeusserlich: als Oonstituens von Augen- und [kosmetischen] 
Waschwässern. 

Al}Va RosmariMi eompt s. Aqua Hungarica. [Geistig-wässeriges Destillat 
aus Rosmarin und Lavendel.] 

Aqua Rvbi Idaeit Himbeerwasser. [Aus 1 Th. Himbeerkuchen. 
2 Th. Destillat. Angenehmer riechend als schmeckend — 100;0 20 Pf.] 
Innerlich: als Zusatz zu [säuerlichen] Mixturen. 

Aqua Rvbi Idaei eoneentratat Concentrirtes Himbeerwasser. 
[Aus 5 Th. Himbeerkuchen 1 Th. geistig- wässerigen Destillats.] 

Innerlich: wie das vorige, in kleineren Dosen [etwa 10,0-25,0 
ad 100 0] 

Aqua Rutae« Rautenwasser. [Wie Aqua Chamomill. — 100,0 
etwa 20 Pf. 

Aqvae Salviae. Salbeiwasser. [Wie Aqua Cham. — 100,0 15 Pf.] 

Aqva Salriae eoneentrata. Concentrirtes Salbeiwasser. [Wie 

Aq. Chamom. concentr.] 

Aqua Sambvei« Hollunderwasser. Fliederwasser. [Wie Aq. 
Chamom. — 100,0 15 Pf.] 

Aqua Sambvei eoneentrata. Concentrirtes Fliederblumen- 
wasser. [Wie Aq. Camom. concentr.] 

Aqna Stibiata. [AuHösung von 0,25 Tart. stibiat. in 30,0 Wasser, nach 
dem früheren C«d. med. Iinb.] 

Aqna Tiliae« Lindenblüthenwasser. [Wie Aqua Chamomillae. — - 
100,0 15 Pf.] ^ 

Evald und Simon, Ar»neiver«rdnung8lehre 10. Aufl. Digitiz^(^by V^jOOQlC 



178 Aqua Tiliae concentrata. 



Ai|iia Tiliae eeiceitrata« Concentrirtes Lindenblüthen- 
wasser. [Wie Aq. Chamom. concentr.] 

Al|lia Valeriame« Baldrianwasser. [Wie Aqua ChamomiU. — 
100,0 15 Pf.] 

Al|Ha mllieraria Krailtzii. [Destillat von Essig und Spiritus über 
Oxalium, Salmiak, Potasche und Kupfervitriol. — 10,0 etwa 10 Pf.] 

Al|lia Tullieraria spiritliosa« Aqua vulneraria vinosa, Aqua vul- 
neraria cum Alcohole. Weisses Wundwasser. Weisse Arquebusade. 
[Geistig -wässeriges Destillat (6) von aromatischen Kräutern (1). — 100,0 35 Pf.] 

Verbandwasser. [Nicht zu verwechseln mit der Aqua vulneraria The- 
denii s. Mixtura vulneraria acida.] 

ArgeBtam ehlorato - aiiiiiiMiat«iii. Ammonio-chloride of silver. 

Silbersalmiak. [Kochende Ammoniakflüssigkeit wird mit frisch präcipitirtem 
Chlorsilber gesättigt, die noch kochende Flüssigkeit filtrirt, wobei sich bei Lichtaus- 
schluss Krystalle von diesem Salze ansetzen. — Bläulich-weisses, nach Ammoniak 
riechendes Pulver. — 0,1 etwa 10 Pf.] 

Innerlich zu 0,003-0,005-0,007 [mit grosser Vorsicht anzuwenden und 
wegen der Unsicherheit des Präparates nicht zu empfehlen, zumal es leicht durch eine 
Auflösung von Argent. chlorat. in Liq. Ammon. caust. ersetzt werden kann ; so giebt 
K^j^p z. R. folgende Formel an : I^ Agenti nitr. fus. 0,6, Aq. dest. 60,0, Solut. filtr. 
instilla Liq. Natrii chlorati q. s. ad praecipitandum. Praecip. sedulo ablutum solve 
in Liq. Ammon. caust. 45,0, Acid. hydrochloric. q. s. ut praocipit, evitetur et Argent. 
muriat. in statu solutionis permaneat. Pondus fluidi filtrati sit 75,0. — D. in vitro 
nigro. — Ein Gramm dieses Liq. Argen ti chlorato-ammoniati Koppii enthält etwa 
0,005 Argent. chloratum. — Von K»pp gegen Chorea empfohlen: 3 Mal täglich 3 bis 
5 Tropfen in einem Esslöffel destillirten Wassers. 

Argeitvin ehloratvin Rademaeheri« [Präcipitat aus Argentum nitri- 

cum und Chlomatrium, welches, nachdem es ausgewaschen, mit Spirit. dilut. in loco 
umbroso digerirt wird. Die bei diesem Process hervorgerufene graue Färbung, welche 
auf Reduction beruht, wird nicht durch den Alcohol, wie R. meint, sondern durch den 
nicht gänzlich abgeschlossenen Einfluss des Lichtes bedingt. Wird dieser vermieden, 
bleibt das Präparat weiss. — 1,0 35 Pf.] 

Innerlich: 4 Mal täglich zu 0,05-0,12 in Pillen oder Pulvern 
[als Antepilepticum , Anthelminthicum, Antisyphiliticum — bei Rademieher: Ge- 
himmittel]. 

•Aeusserlich in Salben [0,15-0,6 auf 10,0 Unguentum cereum]. 

Argentum eyaaatvm* Oyansilber. [Durch Fällung des salpetersauren 
Silbers mit Blausäure. — Weisses, unlösliches, geschmackloses Pulver. — Ohne be- 
sondere Vorzüge für die Anwendung.] 

HrgentHm foliatHin. Blattsilber. Zum Ueberziehen der Pillen. 
[1 Lamelle etwa 3 Pf. ; 30 Pillen zu versilbern kostet 25 Pf. — Die einzige Indication 
für die Wahl dieses Pillen-Ueberzuges ist die beabsichtigte Eleganz der Arznei.] 

Areeatmii jddatvnit Jodsilber. Präcipitat aus salpetersaurem 
Silber durch JodKalium. Von Scrre gegen Syphilis [zu 0,005 pro dosi] 
empfohlen. 

Argentun ■itrieun erystallisatui. Krystallisirtes salpeter- 

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Argentum nitricum. 179 



saures Silberoxyd. [0,1 5 Pf.] Nitrate of silver. Nitrate d'argent 
crystallis6. 

Innerlich: wie das folgende. 

^Argeitnm litrieui« Argentum nüricum fusum. Nitras argenti, 
Lapis infernalis. Lunar caustic. Pierre infernal. Silbernitrat. Sal- 
petersaures Silberoxyd. Höllenstein. Weisse, glänzende oder grauweisse 
schmelzbare Stäbchen mit krystallinisch strahligem Bruch. In 0,6 Th. 
Wasser, in 10,2 Weingeist und in Ammoniak klar löslich. [0,1 5 Pf.] 

Innerlich: 0,005-0,01-0,03 [ad 0,03 pro dosi, ad 0,2 pro diel] 1-3 Mal 
täglich, in Pillen [am besten in Verbindung mit Argilla; mit organischen Stoffen 
deshalb unzweckmässig, weil das vorher aufgelöste Salpetersäure Silber, mit organi- 
scher Substanz in Berührung, der Zersetzung unterliegt], Pastillen [mit Choco- 
lade, wo das salpetersaure Silber im fetten Gele nur vertheilt, nicht gelöst ist; mit 
Nutzen angewendet], Auflösungen [am besten in destillirtem Wasser, ohne jeden 
weiteren Zusatz (in vitro nigro), da fast alle Substanzen zersetzend auf dieses Prä- 
parat wirken. 0,25 auf 25,0 Aq. destill, zu 10-60 Tropfen (=0,005-0,03), oder 
0,25 auf 100,0 Aq. destill., etwa V3-I-2 Theelöffel voll; Lippen und Zähne eileiden 
bei dieser Medication bald eine Färbung]. — Die vielfach gehegte Meinung, 
dass für den innerlichen Gebrauch das Argentum nitricum crystallisatum 
zu bevorzugen sei, ist durchaus irrig, da dem Argentum nitricum crystal- 
lisatum das Argent. nitric. fusum in Bezug auf chemische Reinheit 
nicht nachsteht. Die Ph, denn. ed. IL kennt daher nur das letztere 
Präparat. ' 

Aeusserlich: als Aetzmittel pur [der sehr stark geschmolzene, grau 
aussehende Höllenstein ist dem weissen vorzuziehen, da er härter ist] oder in ver- 
schiedenen Mischungsverhältnissen mit Salpeter zusammengeschmol- 
zen, wodurch die ätzende Wirkung mitigirt und die Oonsistenz des Aetz- 
stiftes erhöht wird: Lapis mitigatus. Eine dieser Mischungen [1 Argent. 
nitric. mit 2 Kali nitric] ist von der Ph. dem. zu einem officinellen Mittel 
^Argeitum litrievin evm Kalio litrieo, erhoben worden. [Von day« wird 

ein Lapis mitigatus in folgender Zusammensetzung empfohlen: Argenti nitrici 2, 
Kali nitrici 1, Kali sulfurici 1. Der Zusatz des schwefelsauren Kalis soll das Prä- 
parat weniger zerfliesslich machen ; allein auch bei der Composition ohne Kali, sul- 
furic. pflegt eine zu grosse Zerfliesslichl{elt nicht vorhanden zu sein.] Die Aetz- 
stifte werden für den praktischen Gebrauch in verschiedener Weise un^- 
hüUt; am zweckmässigsten bedient man sich hierzu des CoUodiums oder 
einer mit Collodium umzogenen Seidengaze. In hölzernen Röhren nach 
Art der Bleistifte eingelegte Aetzstifte bezeichnet man als Crayons au 
Nitrate d'Argent. Zur directen Reizung der Schleimhaut des Rachens, 
Kehlkopfs, Uterus, der Nase, Urethra, Vagina dienen besonders construirte 
Aetzmittelträger, Sonden oder Bougies, an denen der gepulverte Silber- 
salpeter mit Gummischleim angebacken oder der feste angeschmolzen 
wird; zu Schlund- und Kehlkopfpulvern [0,1-1,0 zu 5,0 Saccharum, 
besser Alumen ustum; vergl. den allgemeinen Theil S. 88 u. ff.], Inhalationen 
[vergl. S. 99], Pinselungen [im Mund, Rachen und Kehlkopf 1,0 auf 10,0-50,0 
Aq. dest.], Injectionen [die adstringirenden Injectionen bei Tripper von 
0,1-0.5 auf 50,0, die caustischen Injectionen 1,0 auf 25,0 (Dekeney), Injectionen 
in die Scheide 0,1-0 3 auf 25.0 (auch in Substanz auf Wattebäuschen, Tampons) in's 

Digi^^l) byOOOQtC 



180 



Argentam nitricutn fuäum. 



Ohr bei Otorrhoea punilenta 0,005-0,03 auf 25,0, in die Harnblase bei Catarrh der- 
selben 0,05 auf 100,0, in Fistelgänge 0,05-025 auf 25,0], Kly stieren [0,1-0,25 
ad clysma bei Ruhr und Typhus], Augenwässern [Augentropfwässer 0,025-0,1 
auf 25,0, Augenpinselwässer 0,1-0,3-0,5 auf 25,0], Salben [1-5 auf 25 Fett], 
Augensalben [etwas schwächer], Verband wässern [1,0 auf 50,0, bei Ver- 
brennungen, wuchernden syphilitischen Geschwüren. R»Üimb4 empfiehlt Charpie 
mit concentrirter Höllensteinlösung imprägnirt (schwarze Charpie) als Verband- 
mittel bei atonischen, leicht blutenden u. s. w. Geschwüren und Wunden], 

Zur subcutanen Injection ist Argentum nitricum in neuester Zeit 
von Thierseh und Nissbiam bei Carcinom und anderen Tumoren, von 
Bmasehin» und LitUn bei alter Ischias empfohlen. Eine Lösung des 
Mittels [1 : 2000 Aqua] wird durch mehrere StichöfiFnungen in die Ge- 
schwulst eingespritzt, und mehrere Minuten nachher wird eine Solution 
von Natrium chloratum [1 : 1000 Aqua] in dieselbe Geschwulst injicirt. 
•tmasehin» giebt an 5-10 Tropfen einer 25procent. Lösung in der Gegend 
des Foram. ischiadicum einzuspritzen. 



231. • Bf 

Arg. nitr. 1,0 
Argillae 10,0. 

F. c. Aq. dest. q. s. 
Pil. 100. Consp. Bol. alb. D. S. 3 Mal 
täglich 1-3 Stück. 
[Bei Tabes dorsuaUs nach der von 
Oharoot, Vulpian und Wonderlioh em- 
pfohlenen Methode.] 

232. ^ 

Arg. nitr. 0,4 
solve in 

Aq. dest. q. s. 

Extr. Belladonn. 0,5 

Ol. Caryophyll. 0,3 

Rad. Gentian. pulv. 

Extr. Gentian. ana q. s. 
ut f. pil. 120. Consp. Lycopod. D. S. 
3 Mal täglich 2-3 Pillen. [Bei chron. 
Magengeschwür.] Freriohs. 



233. 



1* 



Argent. nitr. 0,1 

Opii in pulv. 0,2 

Acid. tannic. 2,5 

Mucil. Gummi arab. q. s. 
ut f. pil. No. 50. Consp. Lycop. D. S. 
4 Mal tägl. 2 Stück zu nehmen. [Bei 
chron. Durchfallen.] Xwald. 



234. 



^ 



Arg. nitr. 0,1 

solve in 
Aq. dest. 50,0 
Glycerini 10, 0. 
D. in vitro nigro. S. 2stdl. 1 Theelöffel. 
[Bei Diarrhoea Infant.] 

[Das reine Glycerin wirkt nicht zer- 
setzend auf das Arg. nitric. und mildert 

flV^ I^ 231-237. 



den herben metallischen Geschmack des- 
selben in sehr wirksamer Weise. 



235. Bf 

Arg. nitr. 0,5 
solve in 

Glycerini 25,0 
D. in vitro nigro. S. Zum äusserlichen 
Gebrauch. 
[Diese Lösung von Arg. nitr. in Gly- 
cerin (welche je nach Bedürfniss in ihren 
Proportionen wesentlich verändert werden 
kann) lässt sich mit Yortheil als Augen- 
pinselung, zur Bepinselung von Geschwü- 
ren u, s. w. verwenden. Bedingung dabei 
ist die chemische Reinheit des Glycenns, 
deren Mangel sich übrigens alsbald beim 
Contact mit Arg. nitr. darthun würde.] 



236. Bf 

Arg. nitr. 0,05 

Spir. aeth. nitrosi 25,0 
D. S. Pinselwasser. Ward. 

[Von dem genannten Autor deshalb 
empfohlen, weil diese Solution schnell 
trocknet und bei der Application ein an- 
genehm kühlendes Gefühl erzeugt.] 



237. Bf 

Argent. nitr. 1,0 
Hydrarg. oxyd. rubr. 2,0 
Plumbi jodat. 3,0 
Gerat. 

Vaselin. ana 6,0. 
M. f. u. S. Erbsengross auf die erkrankte 
SteUe einzureiben. [Bei Tinea capitis.] 
O'Callaghan. 



Digitized by V^OOQIC 



Ar^entum oxydatum. 



181 



238. I^ 

Arg. nitr. subt. pulv. 0,2 
Adip. suill. vel Vaselini 4,0 
Liq. Pinmbi subacet. 0,25. 
M. f. ungt. Gräfe -Ottthrie'scbe Salbe. 

[Der Zusatz von Liquor Plumbi sub- 
acet macbt die Salbe allerdings milder, 
aber nur, indem er einen Theil des Arg. 
nitr. zersetzt.] 



239. Bf 

Ungt. Zinci 15,0 
Bals. Peruv. 4,0 
Arg. nitr. 0,6-1,2. 
M. f. ungt. [Bei syphilitischen Geschwü- 
ren, wo die Vemarbung zögert.] 

Frioke. 



240. Bf 

Arg. nitr. 0,1-0,5 
Aluminis usti 5,0. 
M. f. pulv. D. S. Zum Einblasen in den 
Pharynx oder Larynx. [Bei Ulcera- 
tionen.] 
[Diese Mischung verdirbt nicht, wäh- 
rend eine solche von Arg. nitric. mit 
Zucker, wie sie üblich ist, bald schwarz' 
wird.] Waldenborg. 



241. 



Arg. nitr. 0,1 
Butyr. Cacao 2,0. 
F. 1. a. suppositor. urethr. D. S. Von 
Zeit zu Zeit ein Stück mittelst des 
DitteT sehen Porte-remedes in die Pars 
)rostatica der Harnröhre einzuführen. 
[Bei Pollutionen und Spermatorrhoe.] 
mtsmann. 



B 



ArgentHm Mitrieun CHm Argento eUorato 9 : 1 zeichnet sich 
durch seine Festigkeit aus, sonst wie Arg. nitr. fusum. 

Argfntmil OXydatlinit Silberoxyd. [Aus salpetersaurem Silber durh 
kaustisches Kali niedergeschlagen. — Grünlich-braunes Pulver. — 0.1 etwa 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,005-0,008. [Gegen Syphilis und vei-schiedeno Nerven- 
leiden empfohlen.] 

Argentnm pvrillllt Metallisches Silber. [Ein durch Eisen aus 
frisch präcipitirtem Chlorsilber reducirtes Präparat.] 

'^'Arffilla« Bolus alba« Bolus Turcica, Terra Lemnia, Terra sigillata 
alba. White Boles. Bol blanc. Weisser Thon. Weisser Bolus. [Kiesel- 
saure Tbonerde mit anderen kieselsauren Salzen in verschiedenen Verhältnissen ver- 
unreinigt. — 100,0 gross, pulv. 15 Pf.] 

Innerlich nur als Constituens für Pillen bei Substanzen, die durch 
organische Zusätze zersetzt werden, z. B. Argentura nitricum, Chlorbaryura 
u. s. w. — Diese Form ist ganz zweckmässig, sofern der Bolus sich mit 
destillirtem Wasser leicht zu Pillen formen lässt und das betreffende 
Medicament im Magen unzersetzt anlangt, dort vom Magensafte ausge- 
laugt wird und die Bolusmasse ohne weitere Belästigung der Verdauung 
durch den Darmkanal geht. 

Aeusserlich: zu Zahnpulvern, Streupulvern [bei Intertrigo der 
Kinder], Waschpulvern u. s. w., zu Augensalben [1-2 auf 10 Fett], zu 
Bädern [V4-V2 Pfund auf ein Bad, meist mit Zusatz von etwas Seife; bei Hyper- 
ästhesien: R^niberg]. 

Argilla rubra« Bolus Armena, Argilla ferruginea rubra. Armeni- 
scher oder rother Bolus. [Eisenhaltiger als der vorige. — Von ähnlicher 
Znsammensetzung ist ein heimisches Product, die Bevergern'sche Erde (bei der 
Stadt Bevergern in Westphalen gefunden), und als blutstillendes Mittel durch ihren 
Gebalt an Eisenchlorid wirksam. — 10,0 praep. etwa 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-2,0 mehrmals täglich in Pulvern; zum Con- 
spergiren von Pillen [ehemals mehr gebräuchlich]. 

Digtize^d^WrPQöle 



182 Arscnicum jodatum. 



Aeusserlich: als Mundpulver [bei Aphthen], zu Augen- und an- 
deren Salben. 

ArseBiemil jodat«nit Joduretum Arsenici. Jodide of Arsenic. Jodure 
d'ars6nic. Jodarsenik. [Ziegelrothe krystallinische, in Wasser lösliche Masse]. 

Innerlich; zu 0,005-0,015 2 Mal täglich in Pillen [mit Extr. Conii 
macul. gegen Brustkrebs, Lepra, Impetigo. — ThonBM]. 

Aeusserlich: in Salben [0,05-0,12 auf 10,0 Fett — gegen Herpes 
excedens — llett]. 

••n^ran bedient sich des Arsenikjodürs in Verbindung mit Jodqueck- 
silber gegen chronische Hautausschläge; die von ihm angewendete Formel: 
Solutio Donovani [seu Liquor Arsenici hydrojodat. et Hydrargyri, 
Liquenr jodoarsönicale de Donovan] ist nach B^aeliirdit folgendermassen zu- 
sammengesetzt: Arsenici jodati 0,2, Hydrargyri bijodati 0,4, Kalii jodati 
3,0-4,0, Aq. dest. 120,0. 1 Gr. dieses Präparats enthält ungefähr 1,5 Mgr. 
Arsen, jodati und 3 Mgr. Hydrar. bijodat. [Die ursprüngliche Ita^rai'sche 
Vorschrift stimmt hiermit jüicht vollkommen überein, was indess ohne Belang.] 

Innerlich zu 0,5-2,0 in schleimigem Vehikel mit aromatischem Zu- 
satz, gegen Lupus u. s. w. gegeben. Die von r. lebra angestellten Ver- 
suche waren nur von bedingtem Erfolge begleitet, [r. lebra lässt die 
Von^Tii'sche Solution folgendermassen bereiten : Arsenik 3,0, Jod 5,5, Quecksilber 
7,0 werden in einer Reibschale mit Alkohol befeuchtet, bis zur Trockne zusammen- 
verrieben, und darauf mit aus 2.3 Jod und ca. 150,0 Aq. destill, bereiteter Jodwasser- 
stoffsäure und 1200,0 Aq. destill, gekocht ad remanent. 100,0.] 

242. I^ 

Liq. Hydrojodat. Arsenici et Hydrargyri 4,0 

Aq. destiU. 80,0 

Syr. Zingiberis 16,0. 
MDS. Täglich 3-4 Esslöffel. Donovan* 

Arsenicmn siilfiirat«iii« Auripigmentum, Arsenicum flavum s. ci- 
trinum. Orpiment. Sulfure jaune d'Arsenic. Schwefelarsenik. Oper- 
ment. Rauschgelb. Gelber Schwefelarsenik. [10,0 etwa 12 Pf.] 

Nur äusserlich als Aetzmittel bei Krebs [schwächer und unsicherer 
als Acid. arsenic] , bei sehr unreinen Schankergeschwüren, bei purulenter 
Conjunctivitis, endlich als Depilatorium bei Hautkrankheiten. 

adde 
Aq. fervid. q. s. 



243. I^ 

Auripigmenti 2,0 
Calcar. caust. 15,0 
Farinae Tritici 2,5 



ut f. pasta. 
Pasta depilatoria s. Rusma Turcorum, 

Plenok. 

*AsÄ feetida« Gummi -Resina Asa foetida, Asa foetida depurata, 
Gummi-Resina Asa foetida depurata. Stercus Diaboli, Devils-dung, Hing. 
Stink-Asant, Teufelsdreck. [Das Gummiharz von Ferula-(Peucedanum) Arten, 
besonders Ferula Scorodosma und F. Narthex. — 10,0 pulv. 20 Pf] 

Innerlich: zu 0,2-10 [und darüber] mehrmals täglich, in Pillen 
und Bissen [mit einem geringen Zusatz von Mucilago oder Spiritus wird eine PiUen- 
masse dargestellt; das beste (oder vielmehr einzige) Beseitigungsmittel des üblen 
Geruchs ist der Ueberzug der Pillen mit Gelatine oder Drageemasse (Pilulae Asae 
foetidae gelatinatae und tragacanthatae zu 0,12-0,18 auf die Pille sind in den Apo- 
theken vorräthig). Will man auf das Gelatiniren nicht verzichten, aber nicht blos 
Asa foetida, sondern gleichzeitig auch andere Substanzen brauchen lassen, so ver- 

H^ IV 242-243. Digitizedby^OOgie 



Asa foetida, 



183 



ordne man diese für sich ebenfalls in Pillonform und combinire so nach Belieben 
beide Arzneien, da es für den Apotheker anmöglich ist, jede Mischung dragirt oder 
gelatinirt za halten und das Gelatiniren ex tempore kaum angeht, weil dasselbe häufig 
2-3 Tage erfordert. Als Beispiel dieser Verordnungsweise diene 1^ 247-248], in 
Emulsion [wegen des schlechten Geschmackes unzweckmässig — mit der halben 
Quantität Gummi oder der doppelten Menge Mucilago — etwa 2,0-5,0 auf 100,0 — 
Ton Kn^pp gegen Kopfschmerz empfohlen]. 

Aeusserlich: als Riechmittel [Asa foetida ist oft bei capriciösen Hy- 
sterischen ein beliebtes Parfüm, das man ihnen durch kleine Stückchen Asa foetida 
oder durch die Tincturen verschaffen kann], als Klystier [3,0-8,0 Asa foetida 
mit einem Eigelb auf 50 0-150,0 Flüssigkeit]. 



244. I^ 

Asae foetid. 15,0. 
F. ope Spirit. q. s. 
Pilul. No. 100. Consp. Pulv. Rhiz. Irid. 
florent. D. S. 3 Mal täglich 2-5 Pillen 
zu nehmen. 



245. I^ 

Asae foet. 8,0 
Sap. med. 4,0 
Ol. Foeniculi 0,3. 
F. pilul. 90. Consp. Lycop. S. 3 Mal 
täglich 10 Stück. 

Pil. Asae foetid. Ph. mü. 



246. 



^ 



Asae foet. 7,5 
Ferri pulv. 

Castor. Canad. pulv. ana 2,5 
Extr. Quass. q. s. 
ut f. pilul. 150. Consp. Lycop. D. in 
vitro. S. 2stdl. 3-4 Stück. Helm. 



D. S. 



247-248. Bf 

Pil. Asae foet. gelatin. 0,18 No. 50. 
No. 1. 

Fell. Taur. insp. 

Tub. Jalap. pulv. ana 6,0 
F. pil. 100. Consp. Lycop, D. S. No. 2. 
Gebrauchsanweisung: 3 Mal tägl. eine 
Pille von No. 1. und zwei von No. 2. 
zu gebrauchen. 



49. Bf 




Asae foet 




Rad. valerian pulv. 




Ferri jodat. sachhar. 


ana 4,0 


'. ope Mucilag. Pil. 100. 


Obduc. Traga- 


canth. D. S. 4 Mal tägl. 2-3 Pillen 



250. 



Asae foet. 4,0 
Galbani 



Myrrh. ana 2,0 
Castorei Canad. 1,0. 
F. c. Tinct. Valerian. q. s. pil. 80. Consp. 
Pulv. Croci. S. 3 Mal täglich 3-8 Stück. 
Sydenham. 



251. Bf 

As. foet. 6,0 
Pulv. Rad. Ipec. 0,6 
Extr. Digital. 0,4 
Succ. Liquir. q. s. 
ut f. pilul. No. 50. Consp. Pulv. Rhiz. 
Irid. flor. B. S. 3 Mal täglich 4 Stück 
zu nehmen. [Bei Asthma mit Endo- 
carditis rheumatica chron. complicirt] 
Bergion. 



252. 



I* 



Asae foet. 7,5 

tere cum 
Liquor. Ammonii acet. 30,0 
Aq. Menth, pip. 60,0 
Syr. Croci 15,0. 
MDS. l-2stdl. einen Thee- bis Esslöffel. 
[Ausserdem Klystiere mit Asa foetid. 
— Bei Spasmus glottidis.] Miliar. 



253. 



Bf 
Asae foet. 5,0 
Aceti 100,0. 
D. S. Den Klystieren beizumischen. [Die 
Beimischung des Essigs erhöht die Lös- 
lichkeit der Asa foet. nicht, sondern 
dient nur als Darmreiz.] 



254. 



"^ 



Asae foet. 2,0-4,0 
Yitell. ovi unius 

misce sensim terendo c. 
Inf. Valerian. (e 15,0) 120,0. 
F. emuls. D. S. Zu 2 Klystieren. ]Bei 
Keuchhusten.] TourtuaL 



Digiti^ 244-254. 



184 Asparaginum. 



255. Rf I D. S. Umgeschüttelt, mit einer Tasse 



Asae foet. 4,0 
Ol. Ricini 15,0 
Vitell. ovi unius 

terendo sensim misce c. 
Decoct. Rad. Taraxaci 120,0. 



warmer Abkochung von Weizenkleie zum 
Kly stier. 

[Bei symptomatischer Darmentzün- 
dung durch Kothanhäufung.] 

Berendt, 



AspAragimm« Asparamid. [Indifferenter, schön krystallisirbarer Stoff, 
enthalten im Spargel und der frischen Rad. Alth., löslich in 40 kalten, in 4 kochen- 
den Wassers. — 0,1 etwa 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-0,6 in Pulvern, Pillen, Syrup. [Soll harn- 
treibend und der Digitalis ähnlich wirken.] 

Aspidospermiiiam« Aspidospermin. Das Alkaloid der Rinde von 
Aspidosperma Quebracho. Von Pnade dargestellt als Base und als saiz- 
und schwefelsaures Salz. Leicht löslich in Alkohol und Aether, wenig 
in Wasser. Dasselbe soll nach den Untersuchungen von Pemoldt im All- 
gemeinen wie die Quebracho wirken. S. Cortex Quebracho. In Dosen 
von 0,05-0,08 innerlich. 

Atropinum« Atropium. Atropina. A tropin. [Alkaloid aus Atropa 
Belladonna. — Krystallinische , farblose, geruchlose Nadeln von widrig scharfem, 
bitterem Geschmack, sehr schwer löslich in kaltem, leichter in kochendem (30 Th.) 
Wasser, ziemlich leicht in kaltem Alkohol (8 Th.), schwerer in Aether, ätherischen 
und fetten Gelen. — 1 Th. Atropin soll in der Wirkung gleich sein ungefähr 200 Th. 
Extract. oder 600 Th. Fol. Belladonnae. — 0,1 25 Pf.] 

Da es zur Auflösung des Atropins stets einiger Tropfen Säure be- 
darf, so thut man besser, wenn man Lösungen verordnet, statt des Atro- 
pinum purum das Atropinura sulfuricum zu verschreiben. 

Dosis und Gebrauch wie beim Atropinum sulfuricum [ad 0,001 pro 
dosil ad 0,003 pro die!]. 

Atropinam salicylicam« Atropinsalicylat. Salicylsaures Atropin. 
Amorphes farbloses Pulver, dargestellt durch Mischung von 1,62 Atropin 
mit 0,78 höchst reiner Salicylsäure. 1 Th. in 20 Th. Wasser löslich. 
Das Atropinsalicylat soll ohne reizende Einwirkung auf das Auge sein. 

Dosis und Gebrauch wie beim folgenden. Indess ist seine Anwendung 
bis jetzt wesentlich auf die Augenpraxis beschränkt. 

^Atropinam snlfaricam« Atropium sulfuricum, Atropinae Sulfas. 
Sulphate of Atropia. Sulfate d'Atropine. Atropinsulfat. Schwefel- 
saures Atropin. [Vollständig in Wasser lösliche, amorphe, selten schwach krystal- 
linische, weisse Masse. Der vermeintliche Unterschied zwischen englischen und 
deutschen Präparaten, von denen man erstere für weniger reizend hielt, ist durch 
die genauen Beobachtungen f. firäfe's und Bueh^s längst widerlegt. — 0.1 35 Pf.] 

Innerlich: zu 0,0003-0,001 [ad 0,001 pro dosi! ad 0,003 pro die!] in 
Pillen [mit Succ. und Pulv. Rad. Liquir.], in Pulvern, Solution [gegen 
Keuchhusten, Krämpfe, Epilepsie. Chorea; — in neuester Zeit besonders gegen die 
hektischen Nachtschweisse der Phthisiker, so wie gegen die Schweisse bei Rheuma- 
tismus acutus u. a. gerühmt: Wilson^ Fräntielj bei Urticaria mit Erfolg angewandt: 
frantiel. IHeyer-Hini rühmt Atropin beim Keuchhusten in folgender Form: Atrop. 
(Atrop. sulfur.) 0,05, Aq. 30,0, Morgens 3, Abends 4 Tropfen in Zuckerwasser, also 
täglich 0,75 Mmgr. Wiglesworth hat es in noch kleineren Gaben von 0,3-0,5 Mmgr. 
einmal am Tage wirksam gefunden. 

g^ Bf 255. Digitized by Google 



Atropinum sulfuricam. 



185 



Aeusserlich: als endermatisches Pulver, zu subcutanen In- 
ject! onen [vergl. den allgemeinen Theil S. 81 — bei Krämpfen, Neuralgien und 
verschiedenen anderen Neurosen; in neuester Zeit besonders warm gegen Myalgie 
und rheumatische Schmerzen (Da Costa^ Wilson) empfohlen. Statt des Ergotin oder 
Extr. sec. com. empfiehlt Talke von einer O,lproc. Lösung von Atropin. sulf. 0,3 zwei 
bis drei Mal täglich zu subcutaner Injection bei Hämorrhagien ex utero und mens, 
nim.], als Augentropfwasser [0,03-0,08 auf 10,0 — bestes Erweiterungsmittel 
der Pupille], in Salben [0,02-0,05 auf 10,0 Fett]. Ein besonders zuverlässiges 
Präparat ist die Atropin-Gelatine, welche ä Blättchen 0,0025 Gr. Atropin 
enthält und mit einem feuchten Pinsel aufgenommen in den Conjunctival- 
sack gebracht wird. 



256. IV 

Atropini sulf. 0,03 

Succ. Liquir. dep. 

Pulv. Rad. Liquir. ana 5,0. 
F. pil. 100. Consp. Pulv. Rhiz. Irid. flor. 
D. S. 2 Mal täglich 1-3 Pillen. 



257. 



^ 



Atropini sulf. 0,1 

Sacch. lact. 4,0 

Gumm. arab. 0,9. 
MeU. q. s. f. 1. a. granula No. 100. Obd. 
argent. S. Abends 1-2 Granul. [Gegen 
Nachtschweiss der Phthisiker.] 



258. 



1^ 



Atropini sulf. 0,02 

Morph, muriat. 0,4 

Aq. destill. 20,0. 
D. S. Zur subcut. Injection. [1 Spritze 
enthält 1 Mgr. Atropin und 1 Ctgr, 
Morphin, also 10 Theilstriche 0,2 Mgr. 
Atropin.] 

259. IV 

Atropini sulfurici 0,006 
Argillae q. s. 
ut f. Pilul. No. 10. Consp. Lycop. D. 
S. Abends und wenn nöthig auch Nachts 
1 Pille zu nehmen. 
[Gegen profuse Schweisse.] 

Fraentzel. 



260. 



I* 



Atropini sulfurici 0,01 

solve in 

Aq. Laurocerasi 10,0 

D. S. Abends und nach Bedürfniss auch 

Nachts 10 Tropfen zu nehmen; in 10 

Tropfen 0,5 Milligr. Atrop. sulf. [Bei 

hektischen Seh weissen der Phthisiker.] 



261. 



^ 



D. S. 



Atropini sulfurici 0,03 

solve in 
Aq. dest. 2,5 

Täglich 1-2 Mal 1 Tropfen. Von 
Monat zu Monat 1 Tropfen tägl. mehr 
Sobald deutliche Besserung vorhanden. 
Stehenbleiben bei der letzten Dosis, 
dann wieder allmälig zurückgehen. Von 
Zeit zu Zeit, zumal bei Intoxications- 
erscheinungen. Aussetzen des Mittels. 
[Behandlung der Epilepsie nach Skoda.] 
M. Bosenthal. 
Es erscheint practischer, obige Losung 
diluirter zu verordnen, und dem ent- 
sprechend die Einzeldosis zu erhöhen, 
also etwa 0,03 auf 25,0 zu verschreiben 
und statt 1 Tropfen 10 Tropfen pro dosi 
zu reichen.] - 



262. Bf 

Atropini sulf. 0,04-0,08 
Aq. destill. 10,0. 
D. in vitro cum signo veneni et sub si- 
gillo S. Augentropfwasser. 

A. V. G-rafe. 



263. IV 

Atropini sulf. 0,05 
Camphor. 0,3 
Spirit. dilut. q. s. 

ad solut. 
Ungt. cerei 5,0. 
D. S. Bohnengross in die Stirn - 
Augenbrauen-Gegend einzureiben, 
gen neuralgische Schmerzen bei Iritis 
und Glaucom. 



und 

[Ge- 



Atropiiiam yalerianicumt Baldriansaures Atropin. Valeria- 
nate d'atropine. [Auflösung von Atropin in Baldriansäure, welche sich vorsichtig 
bis zu Syrupsdicke abdampfen lässt. — 0,1 etwa 30 Pf.] 

Dosis für den innerlichen Gebrauch wie beim atropinum sulfuricum. 
Von Miehea warm empfohlen. Hat vor Atrop. sulfur. nicht den gering- 
sten Vorzug. 

^ft 256-263. ^'Wm ^ 



186 Auro-Natrium chloratum. 



^Auro-Natriim cUorttamt Aurum natronato- chloratum, Aurum 
natronato-muriaticum, Murias Auri et Sodae, Aurum muriaticum natro- 
natura, Chloretum Auri natronatum. Chloro-aurate of Sodium. Chlorure 
d'or et de sodiura. Natrium-Goldchlorid. Goldchlorid-Natron, Chlor- 
goldnatrium. [Eine Auflösung von reinem Gold (65 Th.) in einer Mischung 
von Salpetersäure (65), Salzsäure (240), Wasser (200), Natriumchlorid (100). Die 
klare Flüssigkeit auf dem Wasserbad zur Trockne verdampft. Goldgelbes Pulver, 
Feuchtigkeit schwach anziehend. — 0,1 25 Pf.] Leicht in Wasser löslich. — 
Jeder Zusatz, namentlich organischer SuDstanzen und der meisten Salze, 
ist bei diesem höchst zersetzliclien Medicamente zu meiden; Auflösungen 
sind vor Licht zu schützen. 

Innerlich: 0,003-0,01-0,06 [ad 0,05 pro dosi I ad 02 pro diel — Das 
nach der th, Autr. bereitete Präparat, welches 80 Procent Goldchlorid besitzt, ad 
0,03! pro dosi und 0,11 pro die.] 1-2 Mal täglich, in Pulvern [auch der Zu- 
satz des Zuckers wirkt reducirend, ja sogar schon der organische Gehalt des um- 
hüllenden Papiers, weshalb die Verordnung in Pulvern unzweckmässig], in Pillen 
[das eben Gesagte findet auf die Verordnung in Pillen noch stärkere Anwendung], 
in Pastillen [mit Chokolade verrieben , wo das Goldchlorid fein vertheilt, von 
Fett umgeben, nicht gelöst ist und keine Feuchtigkeit anziehen kann. — Diese Form 
scheint eine sehr zweckmässige. — Gehalt jeder Pastille 0,002], in Auflösungen 
[nur mit Aq. dest., ohne jeden weiteren Zusatz — in vitro nigrol. 

Aeusserlich: als Pulver zu Einreibungen in die Zunge, täglich 
etwa 0,005-0,01-0,02 in die Zunge einzureiben. [Zusätze von Zucker, Rhiz. 
Irid. florent., (selbst vorher mit Wasser und Weingeist ausgewaschener^^ Kohle u. s. w. 
sind aus oben angeführter Rücksicht unzweckmässig; man könnte sich mit Vortheil 
des Talcum, der Argilla oder noch besser der Calcaria salfurica praecipitata bedienen, 
und die auf einmal zu verbrauchende Quantität in kleinen, schwarz umhüllten, wohl- 
verkorkten Probirröhrchen verabreichen. Allerdings dürfte diese Dispensirmethode 
etwas thener zu stehen kommen, jedoch wird man, wo es sich überhaupt um Wohl- 
feilheit handelt, leicht ganz und gar vom Golde Abstand nehmen können, da es wohl 
durch seine medicamentösen Eigenschaften nicht unentbehrlich ist.] Salben [0,03 
bis 0,2 auf 5,0], Augen wässern [0,01-0 02 auf 10,0]. 



pfen (enthält 0,002), allmälig steigend 
auf 50. Tropfen (0.005). 

[Dabei Sarsaparill-Decoct und ent- 
sprechende Diät. Bei secundärer Syphilis.] 
Iiehmann. 



264. I^ 

Auro-Natrii chlorat. 0,05 
solve in 

Aq. destill. 25,0. 
D. in vitr. nigr. S. 3 Mal täglich 20 Tro- 

Aailim cMoratim« Chloretum Auri, Aurum chloratum cum Acido 
hydrochlorico. Chlorid ofgold. Chlorure d'or. Goldchlorid. Chlorgold, 
Goldtrichlorid. [Lange orangcgelbe Nadeln, stark hygroskopisch, leicht in Wasser, 
Weingeist und Aether löslich. — Eins der eingreifendsten, corrosivsten Goldpräparate, 
das bei innerem Gebrauche Allgemeinwirkungen erzeugt, die denen des Sublimats 
ähnlich sind. — 0,1 etwa 40 Pf.] 

Innerlich: 0,002-0,01 in Auflösung [0,05 in 150,0 gegen Krebs, 
Syphilis u. s. w. empfohlen]. 

Aeusserlich: als Pulver zu Einreibungen in die Zimge [0,01-0,015 
pro dosi], als concentrirte Auflösung [zum Aetzen von Krebsgeschwüren — 
Reeanier löst 0,3 in 25 Aqua Regis auf: Liquor Auri nitrico-muriatici]. 
Bestandtheil des Itiidoli'sehen Verfahrens gegen Krebs. Nach An- 
gabe seines Erfinders ein untrügliches Heilmittel gegen Krebs, welches 

g^* j^ 264. . DigitizedbyV^OOgie 



Aurum cyanatum. 187 



mit seinem Erfinder die tour du monde gemacht und sich überall, wo es 
ernstlich geprüft wurde, als Humbug erwiesen hat. [Wir haben es nicht 
Yennocht die in der vorigen Auflage dieses Werkes gegebene umständliche Darlegung 
dieses, auch chemisch — weil sich die einzelnen Substanzen zum Theil gegenseitig 
zersetzen — ganz unsinnigen Verfahrens hier zu wiederholen.] 

Aurum cyanatumt Cyangold. [Gelbes, unlösliches Pulver, das mildeste 
— vielleicht gar nicht wirkende — Goldpräparat, weshalb dessen Dosis auch höher 
gegriffen werden darf, als die des vorigen. Die Zersetzlichkeit des Präparats erfordert 
dieselben Cautelen wie das Natrium-Goldehlorid.] 

Aarum foliatam. Feuilles d'or. Blattgold. [Zum Ueberziehen der 
Pillen, namentlich solcher, welche Schwefelwasserstoff entwickeln und den Silber- 
überzug schwärzen würden — sonst entbehrlich; vertheuert die Pillen. — 1 Lamelle 
etwa 10 Pf. 30 Pillen zu vergolden kosten 50 Pf.] 

Aarom jodatunit Jodgold. [Schwer in Wasser löslich.] 

Innerlich: 0,004-0,01 [auch wohl mehr, da das Präparat sehr wenig lös- 
lich], in Pulvern und Pillen [gegen Syphilis]. 

Aeusserlich: in Salben [0,1-0,2 auf 10,0 Fett]. 

Aarum eiydatanit Goldoxyd. [Wie die übrigen Goldpräparate gegen 
Syphilis angewendet, aber ebenso entbehrlich.] 

Aaram praecipitatum parim. Reiner Goldniederschlag. [Durch 
schwefelsaures Eisenoxydul aus Goldchloridlösung niedergeschlagen.] 

Innerlich: zu 0,01-0,03-0,06 mehrmals täglich in Pulvern, 
Pillen. 

Aeusserlich: zu Einreibungen in die Zunge. 

^AxiiHgia miiieraliSt Mineralfett. Aus dem Mineralreich gewonnene 
Kohlenwasserstoffe von fettartigem Charakter. Die flüssige Form dieser 
Präparate wird Paraffinöl oder Vaselinöl genannt, das feste Präparat 
als Ceresin bezeichnet. 1 Th. Ceresin und 4 Th. Paraffinöl zusammen- 
geschmolzefi geben die Vaselin genannte Masse, mit welcher das ün- 
guentum Paraffini identisch ist. S. Vaselin resp. ünguentum 
Paraffini. 

Bacrae Jiuiperi s. Fructus Juniperi. 

Bacilli Liqairitiaet Hustenstangen. [Durch Safran gefärbte Zucker- 
masse, mit Zusatz von Rad. Liquir., Rhiz. Iridis u. s. w.] — Volksmittel. 

Balsamum Canadeiiset Canada-Balm. Beaume de Canada. Ca- 
nadischer Balsam. [Eine feinere Sorte des Terpenthins, von Pinus balsamea 
s. Canadensis stammend. — Von aromatischem Geruch. — 10,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0, am besten in Pillen oder Bissen [mit Pulv. 
Cubebarum q. s. und etwas Wachs]. 

^Balsamum Copaüvae s. Copahu. Copaiba. Baume dlnde blanc. 
Baume de Copahu. Uopa'ivabalsam. Klare, gelb-bräunliche Flüssigkeit 
von eigenthüralich aromatischem Geruch und scharfem, bitterlichem Ge- 
schmack. [Hauptbestandtheile, wie bei allen natürlichen Balsamen, ein ätherisches 
Gel und ein fettes Harz; dickflüssig; löslich in Alcohol, Aether, ätherischen und 
fetten Gelen. — 10,0 20 Pf.] 

Innerlich: 0,5-1,0-2,0 pro dosi, 4,0-8,0 pro die; rein [10-40 Tropfen 
pro dosi. — Man lässt dann etwas Citronensaft oder einige Tropfen Tinct. Menth^ip« 

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188 Balsamum Copaivae. 



nachnehmen, oder auch vorher den Mund mit etwas Pfefferminzwasser ausspülen, 
oder die Tropfen mit schwarzem Kaffee, Thee oder Chamillenthee nehmen, oder lasse 
sie zuvor vom Patienten zuvor mit Zucker zu einer Paste verreiben: f. Signaiid], 
besser in Kapseln [deren jede circa 0,6 enthält und wovon 6-12 pro die ver- 
braucht werden können. — Der billige Preis, den jetzt die >)Capsules gelati- 
neuses au Copahu" haben (1 Dutzend 40 Pf.), macht jede andere künstliche Ver- 
ordnungsform ziemlich entbehrlich. Die Kapseln lassen sich sehr leicht nehmen, wenn 
sie etwas befeuchtet auf die Zunge gelegt werden und ein Schluck Wasser nachge- 
trunken wird. Auch findet man den Balsam in Kapseln, verbunden a) mit gleichen 
Theilen Extr. Cubeb. (1 Dtzd. 60 Pf.), b) mit Extr, Mjrrh. et Ferr. pulverat. (1 Dtzd. 
60 Pf.), und c) mit Myrrh, und Ferr. sulfuric. (1 Dtzd. 60 Pf.) in den meisten 
Apotheken vorräthig*)], in Pillen [mit Magnesia usta; der Balsam wird hierbei, 
unter Verlust eines grossen Theiles seines ätherischen Oeles, verseift. — Die Masse 
muss, bevor sie die nothwendige Festigkeit erlangt, etwa 8 Tage alt sein, ist aber 
in den meisten Apotheken vorräthig; dies^ Balsamseife belästigt die Verdauung nicht 
wesentlich, da sie sich in der Säure des Magensaftes alsbald zersetzt, wo dann die 
neugebildeten Magnesiasalze gelind abführend wirken, was beim Balsamgebrauch bis- 
weilen erwünscht ist. Zwei Theile Balsam mit einem Theile Magnesia geben, erwärmt, 
die zur Pillenmasse geeignete Composition, für deren spätere Dispensation noch 
Pflanzenpulver (Pulv. Cubebarum ana) erfordert wird. — Die Pillenbereitung 
mit Wachs ist bequemer und schneller zu beschaffen, als das eben erwähnte Ver- 
fahren ; die beste Proportion dürfte 2 Th. Balsam, 1 Th. Wachs und 3 Th. Pflanzen- 
pulver sein; von Wichtigkeit ist es, dass nicht das Wachs geschmolzen und in 
noch heissem Zustande mit dem Balsam vermischt werde, weil dabei ein Verlust an 
ätherischem Oel entsteht; man schreibe vor, das Wachs zu schaben und mit dem 
Balsam zusammenzurühren , wobei die nothwendige Vermischung so gut wie beim 
Schmelzen des Wachses erfolgt], in Bissen, alsElectuarium[2 Th, Balsam, 
1 Th. Cubebenpulver; das Einnehmen dieser allerdings schlecht schmeckenden Masse 
erleichtert man sich dadurch, dass man Stücke derselben in Oblate wickelt und ver- 
schluckt], in Emulsion [10,0-20,0 Balsam mit der Hälfte Gummi Arab. zu einer 
Emulsion von 150,0. — Solcher Emulsionen, natürlich mit möglichst geringem Wasser- 
gehalte bediente man sich früher zur Pillen bereitung, indem man sie mit Pflanzen- 
pulver anknetete, ein unzweckmässiges und längst verlassenes Verfahren], in Mix- 
turen [gewöhnlich Schüttelmixturon mit aromatischen Wässern und Zusatz von 
Spir. aether., Eisentincturen u. s. w. Durch Zusatz von Mineralsäure soll der Bals. 
Copn'iv. der Verdauung weniger lästig werden], in Gallerte [durch Vermischung 
von 6 Th. Bals. Copaiv. mit 1 Th. Cet. wird eine gallertartige Masse gewonnen (Bals. 
Copaiv. solidificatum, Gelatina Bals. Copaiv.), von welcher eine Messer- 
spitze bis ein halber Theelöffel in Oblate gehüllt, ohne Belästigung des Geschmacks 
genommen wird]. In den meisten Fällen wird durch die Mischung von 
Eisentropfen, Balsam und aromatischen Wässern nach den beliebten For- 
meln ein höchst widriges, tintenähnliches Gebräu dargestellt, welches die 
Unappetitlichkeit des Bals. Copaiv. noch steigert. 

Aeusserlich: zu Einreibungen in die Haut pure [bei Krätze, 
soll sehr wirksam sein: höhlieh, IHonti], zu Klystieren [5,0-200 in Emulsion], 

*) Rictrd hat in neuester Zeit Capsules au Copahu avec Pepsine et 
Bismuth (0,30 Balsam, 0,06 Pepsin und Bism. subnitr. ana) eingeführt; eine Com- 
position, von welcher vorausgesetzt wird, dass sie die unliebsame Wirkung des Bal- 
sams auf die Yerdauungsorgano verhüten soll (?). 

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Balsamum Copaivae. 



189 



Injectionen in die Harnröhre [etwa 5,0-10,0 in Emulsion von 200,0], Sup- 
positorien. 



265. IV 

Massae Bals. Copaiv. c. Magn. ust. 

(2 Bals., l Magn.) 
Pulv. Cubebar. ana 10,0. 
P. pil. 100. Consp. Cass. Cinnam. D. S. 
4 Mal täglich 5-10 Stuck. 

266. Bf 

Bals. Copaiv. 

Terebinth. ana 2,0 

M^gn. ust. q. s. 
ut f. pil. !No. 30. Consp. Cinnam. D. S. 
3 Mal täglich 3-5 Stück. [Bei Blasen- 
catarrh.] Osll. 



267. 



^ 



Sapon. Bals. Copaiv. (c. Magnes. 

parat.) 25,0 
Pulv. Cubebar. 
Tub. Jalap. ana 5,0. 
M. f. Bol. 50. Consp. Cinnam. D. S. 
3-6 Stück taglich zu verbrauchen. 



268. Bf 

Bals. Copaiv. 
Extr. Cubebar. ana 10,0 
Cubeb. pulv. 
Myrrh. pulv. ana q. s. 
ut f. boli No. 50- Obduc. gclatina. D. S. 
Mehrmals taglich 2-3 Stück zu nehmen. 
Qlobuli (^raefli. 



269. IV 

Bals. Copaiv. 30,0 

Magnes. ust. 3,0 

Cubebar. 40,0 

Ol. Menth, pip. 

Ol. Cinnam. ana 0,2. 
M. f. electuar. D. S. 3 mal tägl. 1 Thee- 
lÖffel voll in Oblate zu nehmen. [Bei 
subacuten und chronischen Blennor- 
rhagien.] Bayran. 



270. 



MDS. 



271. 



IV 
Bals. Copaiv. 20,0 
Gummi Arab. 10,0 

f. cum 
Aq. Menth, pip. q. s. 
Emulsio 150,0 

cui adde 
Syr. Zingiberis 20,0. 
Stdl. 1 Esslöffel. 



Bals. Copaiv. 80,0 
Gummi Arab. 20,0 
Aquae 50,0 
Ol. Menth, pip. 1,5 



Syr. simpl. 400,0. 
MDS. Mehrere Male taglich ^-l Esslöffel. 
Sirop au Copahu. 

Fache. 

[Niyht nur bei Gonorrhoe, sondern auch 
bei Croup und Diphtherie von Trideau 
mit Vortheil angewendet.] 



272. 



IV 

Bals. Copaiv. 

Syr. baisam. Tolut. ana G0,0 
Aq. Menth, pip. 120,0 
Spirit. 60,0 
Spir. nitrico-aeth. 8,0. 
MDS. 2 mal täglich 1 EsslöffeL [Potio 
C h p a r t i ; auch gegen Bluthusten em- 
pfohlen.] Wolff. 



273. fV 

Bals. Copaiv. 15,0 

Tinct. Ferr. chlorat. aether. 10,0 

Tinct aromat, acid. 5,0. 

MDS. 4 mal täglich 15-20 Tropfen zu 
nehmen. Zeissl. 



274. 



MDS. 



275. 



IV 
Bals. Copaiv. 20,0 
Spir. Juniperi 30,0 
Spir. Aeth. nitrosi 10,0. 
4 mal tägl. 30 Tropfen zu nehmen. 
Sohoemann. 



IV 

Bals. Copaiv. 40,0 

Natr. carb. cryst. 20,0 

Aq. q. s. ad 1000,0. 
MDS. Zur Injection. 

[Diese in Frankreich officinelle Mischung 
giebt eine vollkommene Emulsion, die sich 
gut erhält. Sie wird zu Injectionen in die 
Harnröhre, gewöhnlich mit 3 Theilen Was- 
ser verdünnt, bei Gonorrhöen benutzt; 
zuweilen mit Zusatz einiger Tropfen Tinc- 
tura Opii.] Jeannel. 

276. IV 

Bals. Copaiv. 1,0 

Aq. dest. 120,0 

Vitelli ovi 0,5. 
M. F. Emulsio. S. Zur Injection in die 
Harnröhre. Clerk. 



277. IV 

Bals. Copaiv. 15,0 

Vitelli ovi unius 

Decoct. Flor. Malvae 300,0 

Tinct. Opii crocat. 1,0. 
MDS. Zum Klystier. Velpeaa. 

"^^IV 265-277 



190 Balsamum CopaiVae siccura. 



Balsamum Copaivae sicciuli« ResinaCopaiv^ae. Balsamum Farisiense. 
Copaivharz. [Bals. Copaiv. mit Wasser gekocht (wobei das ätherische Oel ver- 
fliegt), bis es die Consistenz von Terebinth. cocta erlangt. — 10,0 etwa 40 Pf.] 

Innerlich: 1,0-4,0 pro die in Pillen [mit Magnesia, Cubeben nnd 
einem Extract. — Aller Wahrscheinlichkeit nach Bestandtheil der Raqain'schen Ge- 
he! mmittel, der Fi 1. Armenienses: Bals. Cop. sicc. 0,5, Magn. usta 15,0, Cubeb. 
10,0. Argillae rubrae 10,0, leni calore liquat. f. pil. pond. 0,5. Consp. Arg. rubr.] 

Aeusserlich: zu Suppositorien. 



278. Bf 

Bals. Copaiv. sicci 
Ol. Cacao ana 5,0 
Extr. Opii 0,02. 



M. F. Suppositorium. Dispens, tal. 
dos. No. 10. D. S. Morgens und Abends 
ein Stück einzulegen. [Bei chronischen 
Leukorrhöcn.] Ootombat. 



Balsamum de Mecca« Mecca-Balsam. [Die feinste Sorte des Ter- 
penthin; selten acht zu haben, — 1,0 etwa 15 Pf.] 

Innerlich: nach Art des Terpenthin zu brauchen. 

^Balsamum Nacistae« Ceratum Myristicae. Balm of nutmeg. 
Baume de Muscade. Muskatbalsam. [1 gelbes Wachs, 2 Ol. Olivar., 6 Ol. 
Alyristic. — Von bräunlich gelber Farbe und aromatischem Geruch. — 10,0 44 Pf.] 

Aeusserlich zu Einreibungen. 

'^'Balsamum Peraviaiiam s. Bals. Indicum nigr. Feruvian balm. 
Baume de Perou noir. Perubalsam. Schwarzer Perubalsam. Braun- 
rothe bis tief dunkelbraune in dünner Schicht durchsichtige, nicht faden- 
ziehende Flüssigkeit von bekanntem angenehmen Geruch. [Von Myroxylon 
Pereirae. 10,0 55 Pf. — Ziemlich leicht löslich in Alcohol.]^ 

Innerlich: zu 0,2-1,2 mehrmals täglich, in Pillen [mit Wachs wie 
Bals. Copaiv.], Bissen, Electuarium, Emulsion [5,0-10,0 Balsam mit der 
Hälfte Gummi zu 150,0 Emulsion]. 

Aeusserlich: zu Mundwässern, Zahntincturen, in Emul- 
sionsform [aber noch verdünnt] zum Bestreichen wunder Brustwarzen, als 
Zusatz zu Salben, Geraten, Pomaden, zum Badespiritus, zu 
Einreibungen [Verbindung mit ätherischen Oelen] u. s. w. [Nur sehr geringe 
Zusätze von Perubalsam geben einen angenehmen Geruch, z. B. 2,5 auf 30,0-50,0 
MeduU. oss. bov. als Haarpomade]. Besondere Erwähnung verdient die An- 
wendung des Perubalsams als Krätzmittel, welche in neuerer Zeit 
ganz allgemein geworden und wegen ihrer raschen, sicheren und den 
Kranken möglichst wenig belästigenden Wirkung den Vorzug vor allen 
übrigen Krätzkuren verdient. Das Verfahren besteht darin, dass der 
Kranke 10,0-15,0 Perubalsam über den ganzen Körper, mit Ausnahme 
des Kopfes, einreibt, einige Stunden später ein laues Seifenbad nimmt 
und 1-2 Tage nachher die Einreibung mit derselben Menge Balsam wieder- 
holt- [Dieses Verfahren hat auch in der Militairpraxis mit Recht alle übrigen 
Methoden fast gänzlich verdrängt.] 

279. I^ Ol. Amygd. dulc. 15,0 

Bals. Peruv. 6,0 Gummi Arab. 10,0 

Myrrh. 12,0 Syr. simpl. 50,0 

Extr. Opii 2,0. Aq. dest. q. s. ut f. 

F. 1. a. pil. 150. Consp. Rhiz. Irid. S. Emulsio 200,0. 

2stdl. 2-4 Pillen. [Bei chronischem D. S. Mehrere Male täglich einen Ess- 
Bronchialkatarrh.] Marcus. löffel voll. 

ocA jr [Bei hartnäckiger Bronchitis.] 

Bals. Peruv. 0,0d ,, i f^r^nir> 

1^278-280. -T^pseTOy^^OOgie 



Balsamam Tolatanum. 



191 



281. ^ 

Ol. Amygd. 6,0 
Gummi Arab. 3,0 
Aq. Rosar. 50,0 
Bals. Peruv. 1,5. 
F. 1. a. emulsiö. D. S. Umgeschüttelt zum 
Bestreichen der Brustwarzen. 
[Emulsio papillae.] 



282. I^ 

Bals. Peruv. 4,0 

Mixt, oleos.-bals. 24,0 

Aq. Coloniensis 30,0. 
MDS. Zum Waschen. [Bei Frostbeulen 
ersten Grades.] Bust. 



283. 



Baisami pemviani 4.0 



Spir. dilut. 200,0. 
MDS. Zum Einreiben. ▼. Hebra. 



284. 



Bals. Peruv. 
Sulfur. depur. ana 3,0 
Ungt. simpl. 50,0. 
M. F. unguentum. [Gegen Scabies bei 
Kindern.] J. Neumann. 



285. 



Bf 



MeduU. oss.. 50,0 
Ol. Jasmini 10,0 
Ol. Neroli 0,15 
Ol. Rosar. 0,25 
Ol. Amygd. amar. 0,1 
Bals. Peruv. 

Tinct. Cantharid. ana 10,0 
MDS. Haarpomade. 



Balsamam Tolataiiam« Balsam de Tolu. Balm of Gileadtree. 
Baurae dlnde sec. Tolubalsam. Opobalsam. [Trockene, harzige Masse. 
— 10.0 25 Pf. — Löslich in Alkohol.] 

Innerlich: zu 0,15-1,0 mehrmals täglich, in Pulver [mit Zucker 
verrieben], in Pillen, Pastillen [0,01 auf eine Pastille]. 

Aeusserlich: als Zusatz zu [schmerzstillenden] Salben. 

Boaehardat giebt folgende Vorschrift eines Sirop du bäume de 
Tolu (Syrupus Baisami Tolutani): Bals. Tolutani 50,0, Aq. dest. 500,0, 
Sacch. albi 100,0. Im Marienbade 12 Stunden zu digeriren, zu filtriren 
und das doppelte Gewicht Sacch. albi hinzuzufügen. 2-4 Esslöflfel voll 
in Tisanen zu nehmen. — Pierqain reicht diesen Syrupus de Tolu mit 
Syr. Capillor. Veneris und Sacch. ana 50,0 theelöffelweise bei Bronchitis. 



286. Bf 

Bals. Tolut. 6,0 
Stryacis 5,0 
Magnes. carb. q. s. 
ut f. pil. No. 30. Consp. Lycopod. S. 
6 Pillen taglich zu nehmen. [Bei In- 
continentia urinae.] Ohabrely. 



2S7. IV 

Bals. Tolutani 5,0 

Extr. Opii 0,5 

Zinci oxydati 1.5 

Ungt. plumbi 40,0. 
M. f. ungt. D. S. Zum Verbände. 

Freriohs. 



Baryta Mtüen. Acetas Baryi. Essigsaure Baryterde. 

Baryta earboiiea Ph. Edinb.^ Amer. Garbonas Baryi. Kohlensaure 
Baryterde. 

Baryta llitricaf Nitras Baryi. SaJpetersaurer Baryt. 
Diese Präparate werden zur medicamentösen Verordnung selten oder 
nie benutzt. [10,0 etwa 10 Pf.] 

Barynm cUoratam/ Baryta muriatica, Terra ponderosa salita, 
Chloretum Baryi c. Aqua, Murias Baryi. Salz saure Baryt- oder 
Schwererde. Chlorbaryum. [10,0 5 Pf.] Löslich in 2-3 Wasser. 
Unverträglich mit allen Salzen, ausgenommen die Chlor-, Jod- und Brom- 
verbindungen der Alkalien. 

Innerlich: zu 0,02-0,03-0,1-0,12 [ad 0,12 pro dosi, ad 1,5 pro diel] 
einige Male täglich; in Pillen, in Auflösung [etwa 2,5 in 25,0 Aq. Lauro- 
cerasi, 5-20 Tropfen pro dosi, zu nehmen]. ^ 



.192 Baryum jodatum. 



Aeusserlich: zu Augentropfwässern [0,05-0,2 auf 10,0] und als 
Verbandwasser bei Geschwüren. 



288. I^ 

Baiyi chlorati 2,0 
Aq. dest. 30,0. 
D. S. Für Kinder bis zu drei Jahren 
5-8-10, für grössere Kinder 10-20-30, 
für Erwachsene 20-30-60 (!) Tropfen, 



289. Vf 

Baryi chlorati 0,5 
Aq. dest. 150,0. 
Solv. D. S. Stdl. [eine Stunde vor und 
zwei Stunden nach der Mahlzeit ausge- 
nommen] 1 Esslöffel. Nach 8 Tagen 



[allmälig steigend] 1-2 mal täglich. wird die Gabe auf 1,0, später 2,0 (!) 

Hufeland. 1 und so fort bis zu 2,5 (!) erhöht. [Gegen 
I Tumor albus.] Idsfrano. 

Baryam jodatum« Baryta hydrojodica. Jodbaryum. [Feine weisse 
Krystalle, die leicht Wasser aus der Luft anziehen und sich leicht durch Freiwerden 
des Jods bräunen. — Höchst zersetzliches Präparat. — 5,0 etwa 100 Pf.] 

Innerlich: zu 0,005-0,01-0,015 3 Mal täglich, in Pillen [unzweck- 
mässig], in Lösungen [von denen man nur geringe Quantitäten verschreibe. — 
Gegen Scropheln]. 

Aeusserlich: in Salben [0,2-0,5 auf 25,0. — Von Uett zur Zerstörung 
scrophulöser Geschwülste angewendet]. 

Bebeeriliam« Bebeerin. Bibirin. [ Alkaloid aus der Cort. Bebeeru ; 
sehr bitter, in Weingeist und verdünnten Säuren leicht, in Wasser und Aether schwer 
löslich. Vergl. Buxinum. — 1,0 etwa 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,12-0,25 [gegen Intermittens] in Pulvern oder 
Pillen. Ebenso das 

Bebeerimim salAiriciuii. Schwefelsaures Bebeerin. Wird in 
Dosen wie Chinin in Pulvern und Pillen als fieberwidriges Mittel ge- 
braucht. Die Merck'sche Fabrik in Darmstadt zeigt ein Bebeerin. 
purum und ein B. hydrochlorat. an. 

Benzimuilf Benzole. Benzene. Benzin, Benzol. [Destillations- 
Product aus dem Steinkohlenther, der Benzoesäure u. s. w. — Wasserhelle Flüssig- 
keit von stechendem Geruch und süsslichem Geschmack, 0,68-0,70 spec. Gew., in 
Alkohol und Aether löslich, in Wasser unlöslich, aber demselben seinen Geruch 
mittheilend. — 100,0 35 Pf.] 

Innerlich: zu 0,2-0,5-1,0 mehrmals täglich in Tropfen und 
Mixturen. [Gegen Darm -Trichinen, in Verbindung mit Laxantien , von Mtsler 
empfohlen. Freriehs wendet das Benzin, 2 Mal täglich zu 20 Tropfen, bei solchen 
Digestionsstörungen, welche durch längeres Verweilen des Mageninhaltes und Bildung 
von Hefenpilzon bedingt werden, als gährungswidriges Mittel an. Dasselbe wirkt oft 
kräftiger als das Kreosot und ist bei manchen gastrischen Leiden, z. B. chronischem 
Erbrechen, ein unschätzbares Mittel. Durch Naanyn's Versuche ist die gährungs- 
widrige Eigenschaft des Benzins mit Sicherheit erwiesen.] 

Aeusserlich: als Tödtungsmittel gegen Hautparasiten von ItÄbcrt, 
Reynal und Barth empfohlen. [Letzterer wendet es zur Behandlung der Krätze 
in folgender Weise an: Man reibt die Haut mit trockenen Leinen so lange, bis sie 
stark geröthet ist, und lässt dann Benzin einreiben. Eine Stunde nach der Einreibung 
sind die Krätzmilben eingetrocknet. Das Verfahren ist zwar nicht schmerzlos, soll 
aber ausserordentlich schnell und sicher wirken, so dass weitere Versuche mit dem- 
selben, bei der Wohl feilheit des in Rede stehenden Mittels anzuempfehlen sein dürften.] 
mtsler empfiehlt Klystiere von Benzin [3,0-8,0 auf 500,0] als Tödtungs- 

g^ IV 288-289. Digitizedby^OOglC 



Benzoe. 



193 



mittel gegen Trichinen, ferner Eingiessungen grosser Quantitäten warmen 
Wassers in den Darm mit Zusatz von Vo Esslöflfel Benzin zu je 1 Liter 
gegen Oxyuris vermicularis. Uehner empfiehlt Inhalationen von Ben- 
zin gegen Keuchhusten. [Er lässt Benzin auf die Betten der Patienten träufeln, 
damit die Luft mit den Dünsten derselben geschwängert werde — ein Surrogat für 
den Aufenthalt keuchhustenkranker Kinder in den Gasrein igungsanstaiten. Zugleich 
giebt L. mehrere Male täglich einige Tropfen dieses Mittels innerlich] 



290. IV 

Benzini 6,0 

Mucilag. Gummi Arab. 

Solut. Succi Liquir. conc: ana 25,0 

Aq. Menth, crisp. 100,0. 
MDS. )-2stdl. 1 Esslöffel. [Bei Trichi- 

Budloir. 



291. Bf 

Benzini 30,0 
Adipis suill. 40,0. 

M. exactissime f. unguent. 
Einreibung. [Bei Kratze.] 



D. S. Zur 



Lambert. 



niasis.] 

^Benzo^« Resina Benzoe. Asa dulcis. Benzoi'n. Benjoin. Benzoe- 
harz. Graubräunliche, oft löcherige, leicht zerreibliche Masse. [Harz aus 
Styrax BenzoYn, welches vorzugsweise Benzoesäure und ätherisches Gel enthält. — 
10,0 27 Pf., subt. pulv. 45 Pf.] Löslich in Alkohol. 

Innerlich [höchst selten]: zu 0,3-1,0 raehrraals täglich, in Pillen 
oder Emulsion. 

Aeusserlich: zu Zahnpulvern [1 Th. auf 10-20 Th.] und anderen 
Zahnmitteln, sowie zu cosmetischen Waschmitteln, Räucher- 
species, Räucherpulvern. [Ein Decoct von Benzoe und Alaun giebt den als 
Stypticum empfohlenen, aber durchaus unbewährten Liquor Pagliari.] 

292. 



Benzoes 5,0 
Tartari depur. 10,0 
Rhiz. Irid. flor. pulv. 50,0 
Conchar, praepar. 10,0 
Ol. Menth, pip. 0,2. 
M. f. pulv. D. S. Zahnpulver. 



293. \<f 

Benzoes 5,0 

Sapon. Cocos pulv. 10,0 
Furfur. Amygd. subt. pulv. 
Rhiz. Irid. flor. pulv. ana 15,0 
Ol. Flor. Aurantii 0,2. 

M. f. pulv. D. S. Waschpulver. 



294. I^ 

Benzoes 

Baisami Tolutan. ana 1,0 
Ol. Amygd. 100,0. 

Digere, filtra et adde 
Ol. Citri 

Ol. Cajeputi ana 0,1. 
D. S. Zu Einreibungen bei flrysipelas, 
zum Bestreichen spröder Haut, zu Ein- 
tropfelungen in's Ohr etc. 
[Huile balsamique.] 

Bouohardat. 



295. 



Bf 
BenzoSs 

Opobals. ana 15,0 
Succin. 5,0 
Olibani 30,0. 
M. f. species. D. S. Räucherpulver. 

Berbfriliaill« Berberin. [Farbstoff der Berberis vulgaris; sehr bitter. 
— In kaltem Wasser fast gar nicht, in heissem ^Vasser leicht löslich. — 1,0 etwa 
20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,05-0,25 mehrmals täglich in Pillen oder Pulvern 
[als Tonicum und Stomachioum]. 

Bismatiim bromatmii. Gebromtes Wismutoxyd. 
Innerlich: zn 1-2 und mehr Gr., wie Bismut. nitric. Soll nebenbei 
eine sedative Wirkung entfalten. 



Ewald und Simon, Arziieivcrordnungslchrc. 10. Aufl. 



13 



194 Bismatham carbonicain. 



Bismatim carbeiicom« Bismuthum subcarbonicum. Carbonas 
s. Subcarbonas Bismuthi. Kohlensaures Wismutoxyd. 

Innerlich: zu 0,5-1,5-2,0 [für Kinder 0,1-0,3-0,6] 2-3 Mal täglich 
in Pulvern oder Pastillen [von Haniion dem Bismath, subnitr. vorgezogen, 
weil es im Magensäfte löslicher sein und keine Stuhlverstopfang erzeugen soll. Scheint 
in Frankreich und namentlich in Holland mehr als bei uns in Gebrauch zu sein und 
ist auch in die neueste Niederländische Pharmacopöe als officinell aufgenommen. — 
Gegen Gastralgie nach inflammatorischen Zuständen, krampfhaftes Erbrechen, Er- 
brechen und Diarrhoe bei Kindern]. 

Bismutiim hydrtcliloratam seu oiymiiriaticam. Salzsaures Wis- 
mutoxyd. 

Innerlich: zu 0,5-1,0 und mehr. Aeusserlich: in Salbenform 
bei Hauterkrankungen. 

296. ^ 

Bismuth. oxymur. 2,0 
Amyl. oryzae 2,0 
Kaolini 4,0 
Ungt. Glycerini 10,0 
Ap. Rosar. gutt. nonnuU. 
M. f. ungt. D. S. Zum Auftragen mit abgestutztem Pinsel. 
[Bei Chloasma, Ephelis.] Unna. 

Bismatum Ucticam crystallisatum« Krystallisirtes milchsaures 
Wismutoxyd. Zu 0,05-0,2-0,3 pf. d. 2-4 Mal täglich. Nur bei Darm- 
affectionen mit Rücksicht auf seine styptischen, in grösseren Dosen ätzen- 
den Eigenschaften. 

Bismutam iiitrieam ery^tallisatam« Trisnitras Bismuthi. Bis- 
muthum trisnitricupi- Neutrales salpetersaures Wismuthoxyd. 
[10,0 etwa 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,15-0,3 3-4 Mal täglich [gegen Diarrhoe der Phthisiker 
als sehr wirksam empfohlen — Thowpsti] in Pulvern [mit Magnesia und Gummi.] 

Bisquitiim salicylieiuii« Salicylsaures Wismutoxyd. 

'^'BisMatum subiiitricaM« Bismuthum hydrico-nitricum. Bismuthum 
nitricum praecipitatum. Magisteriura Bismuthi. Marcasita alba. Sub- 
nitras Bismuthi. Pearl -white. Subnitrate of Bismuth. Magistery of 
Bismuth. Chaux de Bismuth. Sous-nitrate de Bismuth. Basisches 
Wismutnitrat. Basisch salpetersaures Wismuthoxyd. Weisses mikro- 
krystallinisches, sauer reagirendes Pulver. [10,0 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,2-0,5-1,25 [die oft angeführten kleinen Dosen von 0,03 
bis 0,18 sind meist unwirksam; ebenso sind aber die zu hohen Dosen, wie sie MtB- 
Bcret angiebt — 8,0-22,5 pro die — wohl zu kühn gegriffen und bedürfen erst noch 
der weiteren Prüfung. Die Ph. Anstr. giebt 4,01 als Einzelgabe an. Gegen Brech- 
durchfall der Kinder empfiehlt SeisfMaim stündlich 0-2-0,4 des Mittels fast als 
Specißcum; es wirkt sicherlich gleich den übrigen empfohlenen Mitteln in den ver- 
schiedenen Epidemien und je nach der Schwere der Fälle verschieden], in Pulvern 
[am besten einfach mit Zucker vermischt — ITIoniieret lässt seine grossen Gaben der 
Milch oder Bouillon beimischen]. Pillen, Bissen, Pastillen. 

Aeusserlich: zu Nasen-, Schlund- und Kehlkopfpulvern [rein 
oder mit 1-5 Zucker], zu Injectionen bei Gonorrhoe [4,0-12,0 auf 100,0, um- 
geschüttelt zu injiciren], in Salben [1,0-3,0 auf 25,0]. 

m^* I^ 296. DigitizedbyCjOOQlC 



Bismuthum tannicum. 



195 



297. IV 

Bismut. subnitr. 0,5 
Elaeosacch. Citri 0,1 
Sacch. alb. 0,5. 

M. f. pulv. Disp. taL dos. No. 10. 
Chart, cerat. S. Stdl. 1 Pulver. 



D. ad 



298. Bf 

Bismut. subnitr. 1,0 
Morph, acet. 0,04 
Sacch. alb. 5,0 
M. f. pulv. Div, in dos. aeq. No. 8. D. 
S. 3 mal taglich 1 Pulver. [Bei Car- 
dialgie.] Oppolzer. 



399. 



Bf 



Bismut. subnitr. 0,25 
Rad. Ipecac. 0,015-0,03 
Magnes. carbon. 0,25 
Elaeosacch. Anisi 0,5. 
[. f. pulv. Disp. tal. dos. No. 12. D. in 
Chart cerat. S. 4 mal täglich 1 Pulver. 
[Bei Uebelkeit ohne Sordes.] 

Kopp. 



300. Bf 

Bismut. subnitr. 10,0 
Sacch. 3,0 
Tinct. Opii 1,0. 
M. f. pulv. Div. in 10 part. aeq. D. S. 
Eine Stunde vcr der Mahlzeit 1 Pulver 
zu nehmen. [Bei Diarrhoe durch chro- 
nische Darmgeschwüre.] 

Troutteau. 



301. Bf 

Bismut. subnitr. 0,5 
Morph, hydrochlorat 0,01 
Sacch. lact. 0,5. 
M. f. pulv. Disp. tal. dos. No. 10. S. 
Ein halbes bis ein ganzes Pulver zu 
nehmen. Wagner. 



302. Bf 

Bismuti subnitr. 6,0 
Extr. Conii 1,0 
Sapon. med. q. s. 
ut f. pilul. No. 1(X). Consp. Lycopod. 
D. S. Täglich 3 mal bei leerem Magen 
1 oder 2 Pillen zu nehmen. [Bei Magen- 
geschwüren und Magenkrampf.] 

H. B. Blohter. 



303. 



I* 



Bismut. subnitr. 
Extr. Chin. fusc. ana 6,0 
Extr. Opii 3,0 
Syr. Sacchar. q. s. 
ut f. bol. No. 30. Consp. Cinnam. D. S. 
2 mal täglich nach der Mahlzeit einen 
Bissen zu nehmen. [Bei Atonie des 
Magens mit oder ohne Gastrodynie.] 
Oliiooyiie. 



304. Bf 

Bismut. subnitr. 5,0 

Pulv. Rad. Liquir. 10,0 

Sulfur. jodati iJ,0. 
M. f. pulv. D. S. 10-12 Prisen taglich 



zu nehmen. 



[Bei Coryza chronica.] 
Sobrier. 



305. Bf 

Bismut. subnitr. 15,0 
Aq. Rosae 200,0. 
D. S. Umgeschüttelt 3 mal täglich eine 
Einspritzung. [Bei hartnäckigem Nach- 
tripper.] Bioord. 



306. Bf 

Bismut. subnitr. 5,0-7,5 
Aq. fönt. 120,0. 
D. S. Zur Einspritzung. [Bei Gonorrhoe, 
wenn Granulationen in der Harnröhre 
vermuthet werden.] Zeittl. 



Bismatam taimicam. Gerbsaures Wisroutoxyd. Wie Bismut. sub- 
nitricuno rait adstringirender Nebenwirkung. 

Bismitim valeriaiicam. Baldriansaures Wismutoxyd. Ba- 
sisches Wismuthvaleriat. [1,0 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,25 3-4 Mal täglich [als vortreffliches Mittel gegen 
Gastrodynie in neuester Zeit vielfach bewährt], in Pulvern, Pillen [besonders 
gelatinirten]. 



307. Bf 

Bismuthi valerian. 2,5 
Bismuthi subnitr. 5,0 
Extr. Belladonn. 0,5 



Extr. Valerianae q. s. 
ut f. piluL No. 100. Obduc. Argento. D. 
S. 3 stdl. 2-3 Pillen. [Bei Cardialgie.] 
Frericha. 

13* 

Dl^ 297-307. 



rT. 



196 Blattae orientales. 



308, Bf 

Bismat. valerian. 7,5 
Acid. salicyl. 



M. f. pulv. Div. in p. aeq. No. 10. D.S. 
3 mal tägl. 1 Pulver. [Bei Magenge- 
schwür mit Atonie der Magenmosku- 

Morph. hydrochlor. ana 0,1 1 latur.] Bwald. 

Sacch. lact. 5,0. | 

Blattae orieiltaleSf Schwarze Tarakanen. Schaben. [Insekten, 
zu den Orthopteren gehörig, in Russland heimisch]. Gelten in Russland als 
Volksmittel gegen Wassersucht. Die diuretische Wirkung derselben bei 
Hydrops in Folge von Herz- und Nierenkrankheiten ist in neuester Zeit 
von Kapriantw und Btgtntitw [auf Bttkin's Klinik] bestätigt worden. 

Innerlich: zu 0,06-0,3-0,6, mehrmals täglich, in Pulver, im In- 
fusum (frigide paratum 10,0 ad 120,0, esslöffel weise) , als Tinctur 
[20-40 Tropfen]. Bogtntlow stellt auch einen krystallinischen Stoflf aus 
den Tarakanen dar, den er Antihy dropin nennt. Ueber die thera- 
peutische Verwendung desselben liegen noch keine Beobachtungen vor. 

Bolftus ffryiMSt [Eine Pilzart, welche im Volke als Aphrodisiacum gilt 
und unter dem Namen Hirschbrunst bekannt ist. — 10,0 gross, pulv. 10 Pf.] 

BolftHS igBiarillS vergl. Fungus igniarius praeparatus. 

BoletlS Laricis vergl. Fungus Laricis. 

Boletus Salicis vergl. Fungus Salicis. 
*Bo1hs alba« Der jetzt officielle Namen für Argilla. S. diese. 

Bolus Anueiia s. Argilla rubra. 

BoracitfS« Boracit, auch Stassfurtit genannt, ein bei Stassfurt sich 
findendes, an borsauren Salzen reiches Mineral, soll nach C. A, Beeker mit 
dem Ludus Paracelsi, dem berühmten Geheimraittel des Partcdsas 
gegen den Stein, identisch sein. Beeker stellt aus demselben mehrere 
Präparate dar, die er bei Nierensteinen, Hamgries, Blasenleiden u. a. 
wirksam fand. Später auch von Koehler zu gleichem Zwecke lebhaft 
empfohlen. Indessen sind seine sogen. Erfolge von Bittet einer strengen 
Kritik unterzogen worden. Die Präparate sind: 1) Magnesia boro- 
citricaj borcitronensaure Magnesia, die er mit Sacch. album ana 
in Pulvern mehrmals täglich eine Messerspitze voll reicht; 2) Sal Am- 
moniaci boracit., Boracit-Salmiak [R' Sal ammoniaci boracit. 4.0-8,0, 
Aq. dest. 120,0-180,0, Syr. simpl. 15.0. Zweistündlich einen Esslöffel]; 3) ein 
kohlensaures citronensaures Boracitwasser [Boracitis citrat. , Natr. 
bicarbon. ana 2,0-12,0, Aq. 1000,0], welches nach Art der Mineralwässer 
verabreicht wird. 

309. I^ 

Magncs. borocitr. 40,0 
Sacch. alb. 80,0 
Ol. Citri gutt. I. 
MDS. 3 mal täglich 1 Kaffeelöffel auf » j Glas Wasser. 
[Bei Harnsteinen.] Köhler. 

*Borax« Natrium biboracicum. Natrium boracicum Ph. Anstr. Borax 
Sodae, Borax depurata, Borax vcneta. Boras natricus cum Aqua. Bo- 
rate of Soda. Sousborate de Soude Natriumborat. Zweifach bor- 
saures Natron mit Wasser. [Borax veneta wird aus dem Sassolin bereitet, 
weiches hauptsächlich an den Ufern einiger Seen im Toscanischen gewonnen wird 
und aus fast reiner Borsäure besteht; der aus China kommende Tincal (seifenartige 

Bf 308-309. Digitizedby^OOgie 



Borax. 



107 



Verbindung von Fischfett mit Borax) wird in England raffinirt und liefert einen eben 
so reinen Borax, wie der sogenannte venetianische. — 10,0 5 Pf., subt. pulv. 10 Pf.] 
Harte weisse Kry stalle, in 17 Th. kalten, der Hälfte ihres Gewichts sieden- 
den Wassers, leicht in Glycerin, gar nicht in Weingeist löslich. — Mit 
Gummischleim ist Borax nicht zu verordnen, weil er mit diesem einen 
zähen gallertartigen Körper bildet [ebenso Schleim von Stärkemehl, Salep]. — 
Cave femer: starke Säuren [namentlich concentrirte Säuren], Metall- und 
Erdsalze. 

Innerlich: zu 1,0-2,0 3-4 Mal täglich [angeblich aber keineswegs er- 
wiesen als wehentreibendes Mittel und Emmenagogum], in Pulvern, Auf- 
lösungen, Lecksäften [mit Mel rosat. 3,0-5,0 auf 100,0] , Pastillen [ie- 
Treai empfiehlt für die Kinderpraxis Trochisci pondere 2,0, welche 0,15 Borax und 
ausserdem ein Aroma enthalten, besonders gegen Aphthen, Soor, Ptyalismus, Glossitis, 
Angina. Bei ganz kleinen Kindern soll das aromatische Borax -Zuckerpulver auf die 
Zunge, resp. auf die Brustwarze der Mutter gestreut werden], 

Aeusserlich: zu Mundpulvern, Mund- und Gurgelwässern 
[2,0-5,0 auf 100,0], Pinselsäften, besonders gegen Aphthen, Soor und 
mercurielle Erkrankungen der Mundschleimhaut [1,0-4,0 auf 25,0 Syrup, 
oder Syrup mit Wasser ana, oder Glycerin], Augenwässern [1,0-5.0 auf 100,0], 
Augentropfwässern [0,1-0,25 auf 25,0], Augensalben [0,5-1,0 auf 5,0 
Fett], Injectionen [zumal in die Nase mittelst der Nasendouche; 1,0-3,0 auf 
100,0], Inhalationen [vergl. S. 99], Waschwässern [10,0-20,0 auf 100,0]. 

310. I^ 

Boracis 1,0-2,0 

Aq. Foeniculi 50,0 

Syr. Alth. 25,0. 
D. S. 2stdl. 1 Theeloflfel. [Bei Magen- 



saure, Aphthen.] 



Berends. 



311. 



D. S. 



Boracis 5,0 
Mellis rosati 20,0 
Aq. Rosar. 10,0. 
Zum Auspinseln des Mundes. 



312. Vif 

Boracis 5,0 
Glycerini 25,0 
D. S. Zum Pinseln des Pharynx, des La- 
rynx und der Nasenhöhle. 
[In vielen Fällen leichten Katarrhs 
von vortrefflicher Wirkung und bei reiz- 
baren Personen den gebräuchlichen Höllen- 
stein-Pinselungen vorzuziehen.] 

Waidenburg. 



313. 



MDS. 



Boracis 5,0 

solve in 
Infus. Flor. Sambuci 200,0 

adde 
Tinct. Myrrh. 5,0 
Oxymellis 50,0. 
Mund- oder Gurgelwasser. 



314. 



D. S. 



Boracis 

Glycerini 

Tinct. Myrrhae ana 15,0 

Aq. destill. 300,0. 

Zum Gurgeln. 

Gargarisma Boracis. 

Haokenzie. 



315. IV 

Boracis 15,0 
Morph, hydrochlor. 0,4 
Aq. Rosar. 200,0. 
D. S. Waschwasser. [In der Zwischenzeit 
Aufstreuen von Lycopodium oder Stärke- 
mehl. Bei Pruritus vulvae.] 

Meigs. 



316. Bf 

Boracis 2,0 

Inf. Fol. Hyoscyami (e 8,0) 60,0. 
D. S. 2 mal täglich eine Stunde hindurch 
mittelst Compressen auf das Auge zu 
appliciren. [Bei Photophobie.] 

Lebert. 



317, 



Boracis 

Aluminis crudi ana 3,0 
Glycerini 50,0. 

Aeusserlich. [Gegen hartnäckige 
nässende Ecieme der behaarten Kopf- 



MDS. 



Digitized by VJV 
I^ 310-317. 



198 



Bromalum hydratum. 



Bromallim hydratim. Hydras Bromali. Bromalhydrat. [Weisse, 
nadeiförmige Krystalle, von scharfem, stechendem Geruch, die Augen zu Thränen 
reizend.] Ist von Steinaaer^ sowohl durch Experimente an Thieren, wie 
Versuche an Menschen, eingehend geprüft worden, und empfiehlt er das 
Mittel gegen Epilepsie, Chorea und namentlich Tabes dorsalis. 

Innerlich: zu 0,05-0,1-0,5 [und selbst mehr] pro dosi, mehrere Male 
täglich; am besten in Pillen oder Capsul. opercuL, weniger gut in Lö- 
sung [wegen des sehr üblen , kratzenden Geschmacks], Steinaaer empfiehlt — 
um dem Blute gleichzeitig ein Alkali zuzuführen — daneben den Ge- 
brauch von Natr. bicarbon., etwa 1 Messerspitze voll ca. 4-5 Stunden 
nach dem Einnehmen des Bromalhydrats. Als Antidota gegen das 
letztere Mittel wirken Kalisalze. — [1,0 etwa 60 Pf.] 



318. l^r 

Bromal. hydrat. 
Succ. Liquir. dep. ana 1,5. 
M. f. pilul. No. 25 Obduc. gelatina et 
consp. Lycopod. D. S. 1-2-3 Pillen 
2-3 mal täglich. [Bei Kindern etwa die 
Hälfte der Dosis.] Steinauer. 



319. 



MDS 



Bromal. hydrat. 1,0 
Aq. dest. 100,0 
Mucilag. Gummi Arab. 
Syr. Rub. Idaei ana 50,0. 
3 mal täglich einen Esslöffel. 

Steinauer. 



BroMoformiimf Bromoform. Soll nach neueren Versuchen an 
Thieren, gleich dem Chloroform, eingeathmet anästhesirend wirken (Rt- 

"^Bromiim« Bromium. Brominum PL Amcr. Bromine. Murides. Brom. 
[Rothbraune, unangenehm riechende, ätzende Flüssigkeit. Spec. Gew. = 2,9-3,0. 
— 1,0 5 Pf.] In 40 Theilen Wasser, in Weingeist leicht löslich. Bei 
Mischungen mit Alkohol sei man sehr vorsichtig, da sich leicht Brom- 
äther bildet und Explosion verursacht. Nur mit destillirtem Wasser, 
mit Lösungen von Brom-, Jod- und Chlorsalzen zu verordnen. Da das 
Chlor das Brom aus seinen Verbindungen austreibt, kann man statt 
reinem Brom, zumal für den äusserlichen Gebrauch, Bromkaliura mit 
Zusatz von Chlorwasser und zwar für je 1 Th. Kai. bromat. 20 Th. Aq. 
Chlori verordnen, wobei aus 3 Th. Bromkalium jedesmal 2 Th. Brom 
frei werden. 

Innerlich: zu 0,003-0,01-0,03 2 Mal täglich in wässeriger Solution 
[0,25 Brom in 25,0 Wasser, 5-15 Tropfen 2 Mal täglich mit Zuckerwasser. — 0,05 
Brom in 30,0 Wasser: Aqua bromata von Salos^ theelöffel weise], tfanaii em- 
pfiehlt eine Aqua bromata, welche aus einem mit Brom gesättigten 
Wasser besteht; von dieser lässt er 0,5-0,75 in 150,0 Aq. dest. pro die 
nehmen. •• hält das Brom für specifisch bei diphtheritischen Erkran- 
kungen, desgl. Hngnet^ BrintOB u. a. 

Aeusserlich: als Antisepticum zu Fomentationen [0,5 in 
100,0], in Salben [0,1-0,2 auf 10,0 Fett], in Linimenten, zu Inhala- 
tionen [Bromi, Kali bromat. ana 0,2, Aq. destill. 100,0. Ein Schwamm, mit dieser 
Flüssigkeit getränkt, wird dem Kranken stündlich 5-10 Minuten lang, in einer Düte 
von starkem Cartonpapier , unter die Nase gehalten. Gegen Croup und Diph- 
theritis: RodanolT^ Ulthlen^ Sehüti^ Gottwald. — Auch Touchiren mit derselben 
Lösung: Sehits], zu Desinfectionszwecken (Wernieh). 

a^ 1^318-319. Digitizedby^OOgie 



Bromum chloratum. 



199 



320. Bf 

Bromi 0,1 
Kalii bromat. 0,25 
Aq. dest. 120,0 
D. S. StdI. 1 Theelöffel voll in etwas 
Wasser za nehmen. [Zugleich Brom- 
Inhalationen in der oben angegebenen 
Weise.] 

[Gegen Diphtherie und Croup.] 

Iioithlen. 



321. 



Bromi 0,1 

Aq. dest. 25,0. 
D. S. StdI. I Tropfen (zu wenig) mit 
1 Essloffel Wasser verdünnt aus der 
Tasse zu nehmen. [Bei Croup und 
Diphtheritis.] Osanam. 



322. 



^ 



Kai. bromat. 2,0-4,0 
Aq. destill. 100,0 
Syr. simpl. 30,0. 
D. S. 2stdl. 1 Esslöffel mit 1 Th. Aqua 
chlori (!) vermischt zu nehmen. Dal)ei 
wird noch einmal so viel Brom frei als 
Chlor im Chlorwasser enthalten war. 
[Bei Diphtheritis.] 

F. Clemens. 



323. 



Bromi 4,0 

Kalii bromat 8,0 

solve in 
Liniment, saponato-camph. 100,0. 
Zur Einreibung. 
Prieger's Linimentum bromatum. 



D. S. 



BroMHm eUoratttm. Chloretum Bromii. Chlorbrom. [l.O etwa 
8 Pf. — Höchst flüchtiges Präparat, welches stechende und schädlich wirkende 
Dämpfe verbreitet. 

Brneimun« Brucium. Caniramin. Brucin. [Alkaloid aller derjenigen 
Pflanzen, welche Strychnin enthalten, und steter Begleiter desselben; weisse kry- 
stallinische Masse von sehr bitterem Geschmack und höchst giftiger Wirkung, sehr 
schwer in Wasser, leicht in Weingeist, gar nicht in Aether und fetten Oelen löslich. 
— 0,1 etwa 10 Pf. — In Bezug auf seine toxische Wirkung steht das Brucin dem 
Strychnin sehr nahe; sehr häufig ist aber das Brucin mit Strychnin verunreinigt.] 

Innerlich: zu 0,005-0,03-0,06 [von IVligeidie bis zu 0,3 gegeben, nach 
denselben Indicationen wie Strychnin], in Pillen [0,6 mit 1,5 Conserv. Rosar. zu 
20 Pülen, 2 Mal täglich 1 Pille: Mtgeidie] und Tropfen [1,0 Brucin auf 25,0 
Alcohol; 2-25 Tropfen in Mixturen und Getränken]. 

Statt des Brucinum purum bedient man sich meistens der folgenden, 
leichter löslichen Salze: 

Braeiniim nitrienm. [0,1 etwa 10 Pf.] Dosis wie Brucinum. 

Braeinnm sttlfnrieHm. [0,1 etwa 10 Pf.] Dosis wie Brucinum. 

Bvlb« AUii eepae. Radix Cepae. Caepae. Onions, Oignons. 
Zwiebeln, Bollen. 

Innerlich: Succus recens expr. [15,0-60,0 täglich als Diureticum und 
Expectorans.] 

Aeusserlich: zerquetscht als Riechmittel [bei Ohnmächten] oder 
Epispasticum; gebraten als Bestandtheil der RcMdl'schen Kataplas- 
men: R Sapon. nigr. 90,0, Aq. fervid. 60,0, ebulliant per breve tem- 
pus, tunc adde: Cepar. sub cinere tostar. 90,0, Pulv. Sem. Sinap. nigr. 
15,0, ebuUiat massa per breve temporis spatium saepius agitando. Zur 
Zertheilung oder Maturation torpider Bubonen. [Das wichtigste Agens dieser 
ehemals sehr beliebten Kataplasmon ist die Seife und der Senf, da das scharfe äthe* 
rische Gel der Zwiebeln beim Braten (selbst unter der Asche) yerloren geht.] Als 
Beförderungsmittel des Haarwuchses [Bulb. AUii cep. No. 3, Spir. 
Vini Gallic. 500,0. Digere per nychthemeron]. 

Bmlbus Allii sativi. Radix Allii. Garlic. Ail. Knoblauch. 

Digi^^320.322. ^ßt^ 



200 



Bulbus Colchici. 



Innerlich: als Succus recens expr., im Aufguss [mit Milch oder 
Fleischbrühe, 20,0-25,0 auf 500,0]. 

Aeusserlich: als mildes Epispasticum; zu Kataplasmen, Kly- 
stieren [bewährtes Anthelminthicum, 3,0-8,0 ad clysma ebullirt], als Beförde- 
rungsmittel des Haarwuchses [wie Bulb. AUii cepae]. 

BnlbttS Colekiei. Radix Colchici. Zeitlosenwurzel. [Von Col- 
chicum auctumnale. — Bestandtheile : Colchicin (vergl. dieses). — 10,0 concentr. 
etwa 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,2-0,3 mehrmals täglich, in Pulver, Pillen, 
im Aufguss [die Präparate: Acetum, Tinctura, Vinum, Extr. acid. sind vor- 
zuziehen]. 

^Bulbus Scillae« Badix Scillae s. Squillae. Squill. Oignon de mer. 
Meerzwiebel. [Von Scilla maritima. — Enthält neben Schleim, Zucker u. s. w. 
einen scharfen, Brechen und Purgiren erregenden Stoff: Scillitin, der nach einigen 
Autoren krystallinisch darzustellen ist und die Charaktere eines Alkaloids zeigen 
soll. Nach Sehr^ff enthält die Zwiebel neben dem Scillitin (s. dieses), welches 
der Träger der narkotischen Eigenschaften der Scilla ist, noch einen nicht flüchtigen 
scharfen Stoff, der bisher für sich noch nicht dargestellt ist. — 10,0 conc. 5 Pf. subt. 
pulv. 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,1-0,25 [ad 0,21 pro dosi, 1,01 pro die], mehr- 
mals täglich, in Pulver [nicht zweckmässig, weil das Pulv. Bulb. Scillae sehr 
leicht Wasser anzieht und die Pulver dann breiartig zerfliessen], Pillen, Infus, 
weiniger oder spirituöser Maceration oder Decoct [1,0-3,0 auf 100,0], 

Aeusserlich: als Rubefaciens [die frische Wurzel zerquetscht und mit 
Essig angerührt, aufgelegt — entbehrlich], in Salben [wo die Scilla innerlich 
nicht vertragen wird, hat man dieselbe in. Salbenform, und zwar in sehr abenteuer- 
licher Weise anzuwenden versucht, so z. B. 1 Pulv. Scillae mit 2 üngt. cinereum oder 
1 Scilla mit 16 Succus gastricus vitulinus oder mit Liquor Kali caust. q. s. zum 
Schleim gekocht und mit Adeps q. s. zur Salbe angerührt (Ungt. Scillae Ph. paip.)], 
im Infusum [5,0 auf 100.0] zu Bähungen und Umschlägen; enderma- 
tisch [0,1-0,25-0 5, vorsichtig steigend — diese Application ist schmerzhaft, ver- 
ursacht leicht Hautentzündung, und der Nutzen ist mehr als problematisch]. 



324. I^ 

Bulbi Scillae 

Fol. Digit. ana 0,06 

Cort. Cinnam. Cass. 0,12 

Tartari boraxati 

Rad. Liquir. ana 1,2 

Ol. Juniperi 0,K 
M. f. pulv. Disp. tal. dos. No. 4. D. in 
Chart, cerat. S. 2-3 mal tägl. 1 Pulver. 

Pulvis diureticus Ph. paup. 
[Dass diese Pulver zerfliessen, liegt 
nicht blos, wie von einigen gemeint wiM, 
an der Anwendung des Tartar. boraxat., 
sondern wird schon durch die Scilla selbst 
bedingt.] 



325. 



Bulbi Scill. 0,6 
I^ 324-326. 



Bhiz. Calami mund. 
Natr. carb. dep. sicci ana 3,0 
Elaeosacch. Junip. 10,0. 
M. f. pulv. Div. in 10. part. aeq. D. in 
Chart, cer. S. 3 mal täglich 1 Pulver. 
Pulvis diureticus s. Pulvis Scillae 
cum Natrio carbon. 



326. 



^ 



Bulb. Scillae pulv. 
Bulb. Colchic. pulv. ana 0,12 
Ferri hydrici 0,15 
Sacch. Lact. 0,3. 
M. f. pulv. Disp. tal. dos. No. 6. S. 
3 mal taglich l Pulver. [Bei pleuriti- 
schem Exsudat mit Fortbestehen der 
chronischen Entzündung.] 

Daveri. 



Digitized by 



Goo 



'8 



le 



Batyli Chloralum hydratum. 



201 



327. IV 

Balb. Scillae pulv. 
Rad. Althaeae 
Extr. Scill. ana 2,5. 
M. f. pil. No. 50. Consp. Lycop. D. S. 
3 mal täglich 2 Pillen zu nehmen. 
[Der Zusatz von Althaea- Pulver ist 
deshalb nothwendig, weil ohne dasselbe die 
Pillen später zusammenfliessen würden.] 



328. 



R 



Bulb. Scillae pulv. 
Fol. Digit. pulv. ana 2,0 
Extr. Colocynth. 0,4 
Extr. Pimpinell. q. s. 
ut f. pil. No. 50. Consp. Lycop. 
Morgens und Abends 1-3 Pillen. 



D. S. 



329. 



R« 



Fol. Digital, pulv. 
Terebinth. laricin. ana 1,5 
Extr. Gratiol. 5,0. 
M. f. pil. No. 100. D. S. 3 mal täglich 
2-5 Stück. 



331. 



^ 



Bulb. Scillae 2,0 

infunde 
Aq. fervid. q. s. 
ad Colat. 150,0 
in qua solve 
Tartar. borax. 15,0 
Elaeosacch. Junip. 
Sacch. albi 10,0. 
MDS. 2stdl. 1 Esslöffel. 



332. Hf 

Bulb. Scillae 5,0 

Rad. Ononid. 

Ligni Sassafras ana 25,0 

Rhiz. Galangae 5,0. 
C. c. m. f. species. D. S. Mit einer Flasche 
Moselwein Übergossen, 3 Tage stehen zu 
lassen und, nach dem Durchseihen, 
Abends und Morgens ein Spitzglas zu 
nehmen. 



Bulb. Scillae pulv. 2,0 
Fol. Digit. pulv. 
Hydrarg. chlor, ana 1,0 
Extr. Chamom. q. s. 
ut f. pil. 30. Consp. Pulv. Cass. Cinn. 
D. S. 3 mal täglich 2 Pillen. 

Oesterlen. 

330. Rf 

Bulb. Scillae "pulv. 2,5 

Bvtyli CUoraliim liydratim. Crotonis chloralum hydratum. Bu- 
tylchloralhydrat. Crotonchloralhydrat. [Weisse, glänzende, blätterige 
Krystalle von eigenthümlichem Geruch und brennendem Geschmaclc. In Wasser schwer, 
in Alkohol, Aether, Glycerin leicht löslich. — Von Kraencr und Piiier dargestellt, 
von t. Liebreicli nach Versuchen an Thieren und Menschen in die Therapie eingeführt. 
Bewirkt zunächst Anästhesie am Kopf und Gesicht bei erhaltener Sensibilität an an- 
deren Körpertheilen , ohne Puls und Respiration zu beeinträchtigen. Erst in grossen 
Dosen vernichtet es die Reflexerregbarkeit und wirkt lähmend auf die Med. oblongata. 
Grosse Dosen des Butylchlorals unterscheiden sich von denen dös Chloralhydrats nach 
Uebreieh dadurch, dass erstere zunächst die Respiration, letztere zuerst das Herz 
lähmen. Deshalb ist bei Butylchloralvergiftung von der Einleitung der künstlichen 
Respiration Erfolg zu erwarten. 1,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,3 als schmerzstillendes Mittel, zu 0,3-0,6-1,2 
pro dosi als Hypnoticum, in Pulvern, Pillen, Mixturen [empfehlens- 
werth sind Lösungen mit Zusatz von Glycerin oder Spiritus]. Empfohlen nament- 
lich gegen Neuralgien im Bereich der Kopf- und Gesichtsnerven und zur 
Anästhesirung dieser Theile behufs Operationen (#. Uebreieh), erfolgreich 
angewendet nicht nur bei Neuralgie des Trigeminus (WiekliiM Legg^ Berger^ 
Yw u. a.), sondern auch bei anderen hartnäckigen Neuralgien, nament- 
lich bei Schmerzen der Tabetiker (•• Berger) , ferner auch bei stenokar- 
dischen Anfällen (#. Berger), bei Krampf- und Reizhusten (Yet, Will), so 
wie Keuchhusten (Will) wirksam befunden. EHieubirg hat einzelne Ertolge, 
im Ganzen jedoch sehr ungünstige Resultate gesehen. 

333. ^ M. f. pulv. Disp. tal. dos. No. 10. D. in 

Butyli Ghloral. hydrat. 0,1 capsulis amylaceis. D. S. 1-3 Stück zu 

Elaeosacch. Foenic. 0,3 nehmen. [Als Anodynum.] 



I^ 327-33^. 



Q 



j^le 



202 



Butyrum vaccinum. 



M. f. 



Butyli Chlorali hydrat. 

Conserv. Rosar. ana 2,5. 

pilul. No. 50. Consp. Lycopod. 
2-5 Pillen als schmerzstillendes Mittel ; 
6-20 Pillen (oder besser die obige Pillen- 
masse ana 5,0, davon 3-10 Pillen) als 
Hypnoticum. Yeo. 



334. Bf 335. Bf 

Butyl. Chloral. hydrat. 5,0-10,0 
Glycerini 20,0 
Aq. dest. 130,0. 
MDS. Einen Esslöffel voll zu nehmen, und 
wenn nöthig, nach 5 oder nach 10 Mi- 
nuten, wieder je 1 Esslöffel. [Bei Tic 
doulourcux und anderen Neuralgien.] 
O. Iiiebreioh. 

Bntyram yaeemmii. Butyrum insulsum. Butter. [10,0 etwa 15 Pf.] 
Als Constituens von Salben, höchst unzweckmässig wegen der sehr 
rasch erfolgenden Zersetzung. 

Bvxinmil SnlAirieiim« Buxinsulfat. [Buxin ist ein aus der Rinde und 
den Blättern Ton Buxns sempervirens dargestelltes Alkaloid. Dasselbe soll nach 
neueren Untersuchungen (Wals) identisch sein mit dem Bebe er in (vergl. dieses) 
und mit dem aus der Pereirawurzel gewonnenen Pelosin (niiekif;er). Buxin ist ein 
amorphes, weisses, lockeres Pulver, von intensiv bitterem Geschmack. Das Buxinum 
sulfuricum bildet eine hellgelbe, in Wasser lösliche MasseJ 

Innerlich ist das Mittel als Surrogat des Chinins [von Vltall, Pavb, 
Tibildi^ Albaiii^ HuMliii^ BtrbtgHa u. a.] dringend empfohlen, und zwar gegen 
Malariafieber sowohl als Therapeuticum wie als Prophylacticum, als Anti- 
zymoticum wie als Antipyreticum. — Zu 0,3-0,5 pro die als Prophy- 
lacticum zu 1,0-1,5 pro die [auf einmal in der Apyrexie] oder refracta dosi 
zu 0,12-0,15 als Therapeuticum, in Pulvern, Pillen, Lösung. 

Caetns opmitia« Aus Mexico stammend; giebt pulverisirt ein vor- 
treffliches Material für Breiumschläge, wie Versucne in der Berliner 
Charite erwiesen haben. Das Pulver quillt so stark auf, dass nur sehr 
geringe Quantitäten zu grossen Kataplasmen noth wendig sind; dieselben 
halten sich lange warm und feucht. Wenn das Präparat in grösseren 
Quantitäten zu uns importirt würde, wäre es vielleicht auch in ökonomi- 
scher Beziehung zu empfehlen. 

Cadmiun snUlirieam. Sulphas Gaduui. Cadmiumsulfat. Schwefel- 
saures Cadmium. [Krystallinische Substanz, die leicht Wasser aus der Luft anzieht. 
— 1,0 5 Pf.] Löslich in Wasser. 

Aeusserlich: in Augensalben [0,1 auf 3,0-6,0 Fett], in Augen- 
wässern [0.05-0,25 auf 10,0 Wasser zur Beseitigung von Leukomen bei dyskra- 
sischer Ophthalmie], als Injection [1,0-2,0 auf 100,0] bei Gonorrhoe (f. Slg- 
Mund) und Otorrhoe [1,0 auf 100,0 Inf. Rosar. mit 3,0-6,0 Tinct. Opii croc.:' 
Uucke]. 

*Calearia ehlorata« Calcaria hypochlorosa. Calcium hypochlorosum 
Pli. Austr. Chlorum Calcariae. Chloretum Calcariae- Calcaria chlorinica. 
Calcaria oxymuriatica. Chlorinated lime. Hypochlorite de chaux. Chlor- 
kalk. Unterchlorigsaurer Kalk. Bleichkalk, [ünterchlorigsaurer Kalk mit 
Chlorcalcium. Entwickelt durch den Zutritt der Kohlensäure der Luft viel Chlor. — 
100,0 20 Pf.] Weisses oder weissliches Pulver. Löst sich nur theilweise 
in Wasser, weshalb die Mischung [rasch] filtrirt werden muss. Cave: 
Luft, Licht, Wärme, alle Arten von Zusätzen. 

Innerlich: zu 0,1-0,3-0,6 [in Wasser suspendirt: 1,0-2,0 in 100,0 — bei 
Typhus, Dysenterie und I^eigung zu brandiger Zerstörung, bei Gangraena pulmonum 

ar Bf 334-335. ^9'^'^'^ by ^oogie 



Galcaria saccharata. 



203 



und Pbthisis mit fotiden Sputis; in neuerer Zeit auch gegen Chorea von BluMen ad 
0,5-1,0 pro die empfohlen], inTrochisci [mit Chokolade 0,06 auf den Trochisoas, 
langsam im Munde zergehen zu lassen, bei stinkendem Athem]. 

Aeusserlich: zu Zahnpulvern [unzweckmässig, da selbst bei der sorg- 
fältigsten Aufbewahrung Zersetzung stattfindet], zu Mund- und Gurgelwäs- 
sern [5,0 auf 150,0 gegen üblen Mundgeruch, 15.0-30,0 auf 250,0 ber Aphthen, 
Mundgeschwüron u. s. w.], Pinselsäften [0.5-1,0 auf 25,0 Schleim: bei Stoma- 
cace], zu Einspritzungen [0,02-0,06 auf 100,0 für Injectionen in die Harnröhre 
bei Nachtripper: liüig; 2,0 auf 100,0 zu Injectionen bei fistulösen Geschwüren, bei 
Cystitis], Augen wässern [0,02-0,05 auf 25.0 als Augentropf wasser, 1,-2,0 auf 
150,0 als Augen wasch Wasser bei Ophthalmia neonatorum (lenberg), 2,0-6,0 auf 50,0 
bei Augenblennorrhoe Erwachsener], zu Bädern [5,0-10,0 auf 500,0 Wasser zu 
localen, zu allgemeinen Bädern 250,0-500 0], Waschungen [15,0-30,0 auf 500,0, 
bei Krätze], Umschlägen und Verband wässern [8,0-15,0 auf 500,0], 
Salben [1: 10]. Als Streupulver [in Substanz, bei Hospitalbrand]. 

Am häufigsten wird wohl der Chlorkalk zu Bäucherungen benutzt, 
zu welchem Zwecke man das Pulver mit etwas schwachem Essig über- 
giesst, oder, was vorzuziehen ist, den Chlorkalk mit Wasser -anrührt, 
leinene Lappen darein taucht und dieselben über Bindfaden aufhängt. 
Zur Desinfection von Kranken-Eflfecten sollen dieselben mit einer con- 
centrirten Auflösung [25,0-50,0 auf 1000,0] überstrichen oder in derselben 
geweicht werden. — Zur Beseitigung des Gestankes von Excrementen: 
üeberschütten derselben mit Chlorkalkpulver; zur Tilgung des Leichen- 
geruches der Hände nach Sectionen: Räucherung der Hände mit Chlor- 
gas [durch Zugiessen von etwas verdünnter Schwefel- oder Salzsäure zu einem Brei 
aus Chlorkalk und Wasser]. 



336. I^ 

Calcar. chlorat. 2,5 
Aq. dest. 150,0 
filtra et adde 
Syr. simpl. 25,0. 
D. in vitro nigro bene clauso. 
1 Esslöffel. 



S. 2stdl. 



Ol. Caryophyll. 0,1. 

M. D. in vitro nigro. S. 1 Theelöffel voll 

mit einem Weinglase Wasser gemiseht 

zum Mundausspülen oder Reinigen der 

Zähne mittelst einer Schwammbürste. 

Chevalier. 



339. B, 

Calcar. chlorat. 0,1 
Aq. dest. 200,0 
Aq. Laurocerasi 25,0. 

M. filtr. D. S. Zur Einspritzung. 



337. I^ 
Calcar. chlorat. 3,0 
Tinct. Calauii 25,0 

filtra. 
D. S. 20-40 Tropfen 2 mal täglich. 

(Liquor antiscrophulosus Niemanni.) 

338. Bf 
Calcar. chlorat. 10,0 
Aq. dest. 50,0 

filtra et adde 
Spirit. 50,0 

Calcaria Saccliarata« [Eine Zuckerlösung mit Ueberschuss von Aotzkalk 
digerirt, abfiltrirt und zur Syrupsdicke eingedampft. — Wurde von Frankreich als vor- 
zügliches äusserliches Miltel gegen Verbrennung empfohlen und in neuester Zeit von 
Wiggers auch innerlich als Antidot gegen Vergiftung mit Carbolsäure und Oxal- 
säure vorgeschlagen.] 

Calearia sdata« Siehe Aqua Calcariae. nr^r^r,]^ 

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^ 336-340. -Wä 



340. IV 

Calcar. chlorat. 25,0 

Sapon. nigr. 50,0 

Aq. commun. q. s. 
ut f. linimentum. [Bei Krätze.] 

Schönlein. 



204 Calcaria usta. 



Calcaria usta« Calcaria caustica. Calcium oxydatum Pbr AhsIf. 
Calx Viva s. pura s. caustica. Oxydum calcicum. Lime. Chaux. Cal- 
ciumoxyd. Gebrannter Kalk. Aetzkalk. Ungelöschter Kalk. [100,0 
20 Pf.] 

Aeusserlich: als Aetzmittel. [Fein gepulvert mit schwarzer Seife ana 
auf Muttermäler mittelst eines gefensterten Pflasters aufzutragen. — Die Wiener 
Aetzpaste Pasta caustica Viennensis, Cauterium potentiale mitius (s. Kali causti- 
oum sicGum), besteht aus 6 Theilen Calcaria mit 5 Theilen Kali causticum siccum; 
diese Mischung ist äusserst schwer schmelzbar, wird deshalb meistens in Pulverform 
Yorrälhig gehalten und beim Gebrauch auf die zu ätzende Stelle gestreut, wo sie 
dann so viel Feuchtigkeit aus der Luft und aus den Geweben anzieht, um sich in 
eine Paste zu verwandeln. Die frühere Ph. WirtteMb. hatte bei ihrem Cauterium 
Potentiale mitius zu der angegebenen Mischung noch einen Zusatz von 2 Theilen 
Opium, wodurch der Schmerz gelindert werden sollte. — Das VilliM'sche Aetzmittel, 
welches namentlich zur Aetzung innerer Hämorrhoiden von AMHSStt^ J^bert de 
LaMballe angewendet wird, besteht aus 2 Th. Kali causticum siccum und 1 Th. 
Calcaria. Es lässt sich schmelzen und in Stangenform aasgiessen; das geschmolzene 
Mittel kann auch gepulvert, in vitro bene clause aufbewahrt und vor dem Gebrauche 
mit wenigen Tropfen Alcohol zur Paste angerührt werden. — Klnge's Aetzmittel 
besteht aus 8 Th. Calcaria und Kali caustic. siccum und Sapo medicat. ana 1 Th. 
gepulvert.] 

Zum Austrocknen der Luft in offenen Gefässen hingesetzt. 

Die Calcaria extincta, gelöschter Kalk, wirkt bei weitem milder 
ätzend, die Seifen jedoch, welche man aus Calcaria extincta mit Adeps 
verordnet [z. B. bei Tinea, Prurigo], haben fast jede Aetzkraft verloren. 

Caleimn bicarboiieiim« Calcaria bicarbonica. Bicarbonate of lime. 
Bicarbonate de chaux. Calciumbicarbonat. DoppeltkohlensaureKalk- 
erde. Bestandtheil eines in England viel gebrauchten Mineralwassers 
[Aq. Calc. bicarbonicae, Carrara- water, Carbonated Lime water] gegen alle 
Formen von Dyspepsie und Magensäure; 2-3 Liter pro die. 

^Caleittm carbMieum praeci)»itatiim. Calcaria carbonica praeci- 
pitata. Calcium carbonic. purum Pfc. Austr. Calcis Carbonas praecipitata 
Pli. Brit Carbonate of lime. Carbonate de chaux. Calciumcarbonat. 
Präcipitirter kohlensaurer Kalk. [10,0 5 Pf.]. Weisses mikrokrystalli- 
nisches, in Wasser fast unlösliches Pulver. 

Innerlich: zu 0,5-2,0 und mehr, öfters täglich in Pulvern, 
Pastillen und Schüttelmixturen. 

Aeusserlich: als Streupulver, rein oder mit passenden Zu- 
sätzen: Kohle, Alaun, China, Campher [bei nässenden Exanthemen, Geschwüren 
u. s. w.]; als Liniment mit Oel [bei Verbrennungen], als Zahnpulver 
[z. B. das Pulvis dentifricius anglicus aus 25,0 Calc. carb. mit 1,5-3,0 Cam- 
pher], zur Entwicklung von Kohlensäure [Papier mit Calc. carb. im- 
prägnirt, auf welche diluirte Säure gebracht wird. Dieses Papier mit der sich ent- 
wickelnden Kohlensäure in statu nascenti auf schmerzhafte Hautpartien aufgelegt, soll 
anästhesirend wirken: Chttii. Pflaster aus gährendem Mehl mit Kreide bestreut 
soll durch die moussirende Kohlensäure gleichfalls schmerzstillend wirken und wird 
namentlich auch gegen Pustula maligna empfohlen: Ch^dsk««] ^ j 

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Calcium chinovicum. 



205 



341. I^ 

Calcariae carb. praec. 45,0 
Magnesiae carb. 30,0 
Sem. Myristicae pulv. 2,0 
Sacchari 90,0 
Gummi Arab. 15,0 



Aq. dest. q. s. 
ut f. Trochisci No. 200. D. S. 4-10 Stück 
mehrere Male täglich. 

[Bei Dyspepsie mit Säurebildung im 
Magen.] 

Beasley. 



Caleilim ekinovienm« Calcaria chinovica. Chinovasaure Kalk- 
erde. Die Chinovasäure . [aus der Chinarinde gewonnen] in dieser Verbindung 
soll bei Darmaffectionen, zumal Diarrhoe und Dysenterie, ganz besondere 
Wirksamkeit entfalten (Kcrncr). 

Innerlich: zu 0,1-0,5, l-2stündlich, in Pulvern [mit Saccharum 
oder Calcaria phosphorica] oder in Schüttelmixturen. 

Aeusserlich: zum Clysma empfohlen [10,0-20,0 mit 150,0-200,0 Aq. 
dostill., mit Zusatz von Gummi Tragacanth. und einigen Tropfen Phosphorsäure]. 

Caleinn eUoratlim« Calcaria muriatica. Chloretum Galcii. Hydro- 
chloras Calca^riae, Murias Calcis. Chloride of Calcium. Chlorure de Cal- 
cium. Chlorcalcium. Salzsaurer Kalk. [10,0 etwa 10 Pf.] Zerfliess- 
lich an der Luft [das so gebildete Fiuidum heisst Ol. Calcis]. Cave: alle 
basischen Salze, schwefelsaure, phosphorsaure und Salze der meisten 
organischen Säuren, Borax, Blei-, Silber- und Quecksilberoxydulsalze. 
[Keine Abkürzung bei der Verordnung! zur Vermeidung der Verwechselung 
mit Calcaria chlorata.] 

Innerlich: zu 0,2-0,6 [und darüber] mehrmals täglich in Lösung 
[mit Zusatz Yon Succ. Liquir. depur.]. 

Aeusserlich: in Substanz [fein gepulvert in leinene Säcke gethan und 
auf ödematöse Theile, z. B. Oedema scroti, aufgelegt: lellerj die Substanz soll durch 
ihre hygroskopische Eigenschaft das Wasser aus dem Zellgewebe anziehen, macht 
sich dies jedoch bequemer indem sie den nöthigen Wasserbedarf aus der atmosphäri- 
schen Luft entnimmt], zu Verbandwässern [1 auf 24; RtileMtelier: als Zer- 
theilungs- oder Reifungsmittel bei Furunkeln, bei Geschwüren in der Fetthaut, bei 
schwammigen Auswüchsen], Augentropfwässern [0.05-0,1 auf 10,0], Sal- 
ben [3,0 auf 25,0], Waschungen [3,0-5,0 auf 250.0], Bädern [30,0-100,0 
pro balneo]. Als Austrocknungsmittel der Luft im Zimmer in ofifenen 
Schalen ausgesetzt. — Für diesen letzteren Zweck, sowie für die äusscr- 
liche Anwendung in grossen Dosen bedient man sich des billigeren Cal- 
cium chloratum crudum. [500,0 etwa 60 Pf.] Am verwendbarsten ist 
noch das Calcium chloratum crystallisatum, welches aus grossen 
farblosen in Wasser unter starker Wärmebindung löslichen Krystallen 
besteht. Man mischt es mit kaltem Wasser, Eis oder Schnee und kann 
damit (z. B. 4 Th. Calc. chl. cryst. zu 3 Th. Schnee lässt das Gemisch 
bis — 48 <* C. sinken) starke Temperaturemiedrigungen erzielen. 



342. I^ 

Calcii chlorat. 5,0 

Aq. dest. 30.0 

Aq. Laurocerasi 10,0. 

MDS. 3 mal täglich 30 Tropfen. 



Bemer. 



343. I^ 

Calcii chlorat. 

Natr. ohtorat. ana 25,0 

Farin. Fabar. 100,0. 
MDS. Mit Wasser zu einem Cataplasma 
anzurühren. 



[Bei Scropheln.] 

Caleimn jedatum. Calcaria hydrojodica. Jodcalcium. [Krystallif 
sirbare, an der Luft zer fliessende Substanz.] 

Digi^e541-^3. ^wic 



Calcium lacücum. 



Innerlich: zu 0,01-0,05-0,2 3 Mal täglich in wässeriger Lösung 
[gegen Scropheln; in neaerer Zeit von VireMt als Antisyphiiiticom mit Erfolg ge- 
braucht und sogar dem Jodkalium vorgezogen, ohne bis jetzt viel Nachahmung ge- 
funden zu haben]. 

Aeusserlich: in Salben [1,5-3,0 auf 25,0]. 

Caleimn laetieum« CaJcaria lactica. Lactate of Calcium. Lactate 
de chaux. Calciumlactat. Milchsaurer Kalk. Bis jetzt nur gebraucht 
in Form des Syrupus Calcariae phosphorico-lacticae [vergl. diesen]. 

Calciui iilios)»liolaetieiuii erystallisatmii solubile. Ery stall i- 
sirter phosphor-milchsaurer Kalk. In warmem Wasser leicht, in 
kaltem schwer löslich. Dosis und Gebrauch wie Calc. phosphor. 

^Caleimn pllM)lllorieiim« Calcaria phosphorica (bibasica). Calcium 
phosphoricum Pfc. Aisir. Calcis Phosphas Pli. Brit Phospihat of lime. 
i?hosphate de chaux. Calciumphosphat. Phosphorsaure Kalkerde, 
neutrale phosphorsaure Kalkerde. Leichtes weisses krystallinisches, in 
Wasser unlösliches Pulver. [10,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-2,0-5,0 mehrmals täglich, in Pulvern, Pastil- 
len. [In neuerer Zeit von Beieke als Unterstützungsmittel für den Zelienbildungs- 
process gerühmt, und bei Atrophie, Rachitis, scrophulösen Geschwüren mit Erfolg 
gegeben. Die Dosis muss aber sehr hoch gegriffen werden, wenn Wirkung erzielt 
werden soll; am besten thut man, jede Nahrang des Kindes mit mehreren Prisen 
phosphorsauren Kalks zu vermischen. — Sltlgiigiie und llilne Edwtrds gaben den 
phosphorsauren Kalk in grossen Dosen (2.0-5,0 täglich) mit Erfolg zur Beschleunigung 
der Callusbildung bei Fracturen. In neuester Zeit ist das Mittel auch von Pi^rry^ 
Bertraid und 6mI«m gegen verschiedene Knochen affectionen gerühmt und zwar 
gleichfalls in grossen Dosen, nämlich in Pulvern von 5,10-10.6, die Morgens und 
Abends zu einer Reis- oder anderen Suppe zugesetzt werden. fiHjr^t empfiehlt 2,0-6,0 
pro die gegen die Schweisse bei Phthisikern. An Stelle der Calcaria phosphorica 
werden auch geraspelte frische Knochen empfohlen. — Neuerlichst wird auch 
unter dem Namen Chlorhydrophosphate de chaux, (Calcaria chlorhydrophos- 
phorica) ein Gemenge von Calcaria phosphorica und Chlorcalcium bei Scrophulose, 
Chlorose u. a. empfohlen: Heretdier]. 

344. I^ I 345. IV 

Calcar. phosphor. 0,2 ' Calcar. phosphor. 10,0 ' 



Calcar. carbon. praecip. 0,1 
Perr. reduct. 0,ü3. 
F. c. Pasta Cacao Trochisc. d. tal. dos. 
No. 20. S. 3 mal taglich eine Pastille. 
Trochisci antatrophici. 



Calcar. carbon. 20,0 

[Ferri lactici 1,5-3,0] 
Sacch. lactis 30,0. 
M. f. pulv. D. S. 3 mal täglich thcelöffel- 
wcise im Essen. Küchenmeister. 



^Calcium [ihospliorieHm cradttm. Calcaria phosphorica (tribasica) 
ex ossibus. Ossa usta alba. Rohes Calciumphosphat. Gebrannte 
Knochen. Ein weisses oder grauweisses Pulver, in Salzsäure löslich. Es 
besteht zumeist aus Calciumphosphat (92), aus wenig Magnesiumphos- 
phat (über 1) und aus Calbiumcarbonat (6,5 pCt.). Nur in der Form 
der Cornu cervi raspatum und Cornu cervi ustum album (siehe 
diese) angewandt. 

Caleittm sibpliospliorieni. Calcaria subphosphorosa. Hypophos- 
phite of Calcium. Unterphosphorigsaurer Kalk. Vergl. Natrium 
subphosphorosum. 

8^ I^ 344-345. DigitizedbyVjOOgle 



Calcium sulfo-carbolicum. 207 



Caleivm snlfo-earboliettm. Calcaria sulfo-carbolica. Sulfocar- 
bolsaure Kalkerde. [In Wasser leicht löslich.] 10,0 = 1,8 Calc. 

Innerlich zu 0,3 mehrmals täglich gegen Rachitis und mit Aqua 
Calcariae gegen Diarrhoea ipfantilis von Semmm empfohlen. [Bei Er- 
wachsenen grössere Dosen.] Ist wegen seiner leichten Löslichkeit das ratio- 
nellste und am meisten zu empfehlende Kalkpräparat. 

346. Bf 

Calcar. solfocarb. 50,0 
Aq. dest 120,0 
Syr. Ck)rt. Aurant. 30,0. 
MDS. 3 mal taglich 1 Kinderloffel. [Bei Rachitis.] 

Swald. 

Caleimn salfiratmii. Calcaria sulfurata. Hepar Galeis. Hepar sul- 
furis calcareum. Sulphuretum Calcis. Sulphuret of Calcium. Foie de 
soufre calcaire. Schwefelcalcium. Kalkschwefelleber. [10,0 etwa 
15 Pf.] Beinahe unlöslich in Wasser. Cave: alle Säuren, Metalloxyde 
und Salze. — Calcium oxysulfuratum oder Miscella pro calcio oxy- 
sulfurato Pli. Awtr. ist ähnlich [Calcaria usta 30,0, Sulfur. 60,0]. Dasselbe 
wird zur Solutio Calcii oxysulfurati oder Solutio Ylemingkx 
[1 in 4 Wasser] verwendet. [Keine Abkürzung bei der RecepturI zur Vermeidung 
der Verwechslung mit Calcaria sulfurica.] 

Nur äusserlich: in Salben [1,5-3,0 auf 25.0, neuerlichst wieder sehr 
dringend gegen Acne, Furunkel, Carbunkel, scrophulöse Geschwüre — gleichzeitig 
mit interner Anwendung des Mittels — empfohlen: Riiger], zu Waschungen 
[5,0 auf 100,0], Bädern [60,0-120.0 pro balneo; die Wirkung wird erhöht durch 
Zusatz roher Salzsaure (zu gleichen Theilen). Die Boules Baregiennes (Globuli 
sulfurati) bestehen aus 8 Schwefelcalcium, 2 Kochsalz, Extr. Saponariae 1-lV«. Aus 
dieser Masse werden Kugeln Ton 50,0 Gewicht geformt und mehrere derselben im Bade 
aufgelöst]. 



347. IV 

1. Solut. Calcii oxysulfurat. 200. 

D. in vitro. 

IV 

2. Acid. hydrochlor. crud. 15,0 



Acid. sulfur. dilut. 30,0 
m. d. in vitro. 
D. S. Nach dem Eingiessen von 1 . in's Bad 
vor dem Einsteigen No. 2. zuzusetzen 
Liquor hydrosulfuratus pro balneo. 



Caleiui snlftirato-stibiatiim. Stibio-Galcium sulfuratum. Calcaria 
sulfurato-stibiata. Calx Antimonii cum Sulfure. Spiessglanz-Schwefel- 
kalk. Nur theilweise löslich. 

Innerlich: zu 0,1-0,3 mehrmals täglich, in Pillen, seltener in 
Pulvern, in Abkochungen [5,0 mit 1200.0 auf 1000,0 eingekocht: Aqua 
sulfurato-stibiata Ph. ptup., ähnlich Solutio Calcii sulfurato-stibiata; 
dieselbe wird pur oder mit Milch, Fleischbrühe, tassenweise gegeben]. 

Aeusserlich: zu Mundwässern [selten; 1,0 auf 150,0-200,0], Um- 
schlägen, Waschungen [1,0 auf 100,0], Bädern [30,0-60,0 pro balneo, 
erst mit Wasser abgekocht und dann dem Bade zugesetzt], Pflastern [3,0 auf 
25,0], in Salben und Pasten [als epilatorisches Mittel bei Triehiasis ^ der 
Spiessglanzschwefel wird zur Paste geformt, vorsichtig aufgetragen und nach 4 bis 
6 Minuten mit einem nassen Tuche wieder abgewischt; BHftl]. 



20S Calcium sulforicum ustam. 



348. ^ 349. Bf 

Calcii sulfurato-stib. 2,0 Cerae flav. 

Mucilag. Gummi Tragac. q. s. Calcii sulf.-stib. ana 5,0 

F. pil. 60. Consp. Cass. Cinnam. D. in Picis liquid. 25,U. 

vitro bene clause. S. 2 mal tägl. 5 Stück. F. 1. a. emplastr. extend. supra corium. 
[Bei chronischer Metallvergiftung.] Emplastrum antarthrit. 

Hufeland. Helgolandicum. 

*Caleiiim snlfwiemn «stm. Calcaria sulfurica usta. Gypsum 
ustum. Gebrannter Gyps. [10,0 =15 Pf.] Weisses amorphes Pulver, 
welches mit der Hälfte seines Gewichtes Wasser gemischt innerhalb 
5 Minuten erhärten muss. Hauptsächlich zum Gypsverbande gebraucht. 
— Zur Bereitung des C«rie-ie«etii'schen Pulvers [vergl. Pix Lithanthrac]. 

Die Calcaria sulfurica crystallisata nativa, Glacies Mariae, Lapis 
specularis, Glimmer, Fraueneis, Marienglas, wird häufig als Volks- 
mittel gegen rosenartige Entzündungen, Intertrigo sowohl innerlich, als 
äusserlich gebraucht. 

*Cattl)lll«ra. Camphor. Camphre. Campher. Kampfer. [Durch 
Sublimation aas Cinnamomum Camphora gewonnenes Stearopten. — 10,0 10 Pf., trita 
15 Pf.] Weisse, krystallinische mürbe Masse. In Wasser fast gar nicht, 
in Weingeist, Aether, fetten und ätherischen Oelen, in Chloroform, Kreo- 
sot, Schwefelkohlenstoff, wasserfreier Essigsäure leicht löslich; mit Hülfe 
von Gummi oder Eigelb lässt sich der Campher wie ein fettes Oel in 
Wasser oder Essig emulgiren. Pulver von Campher und Gummiharzen 
geben eine überraschend weiche Masse, deshalb Zusatz von Campher zur 
Geschmeidigkeit von Pflastern. Zu Pulver lässt sich der Campher, mit 
einigen Tropfen Spiritus befeuchtet, leicht reiben [Camphora trita]. 

Innerlich: zu 0,03-0,3 [bei torpiden Nervenfiebern, Hydrophobie, Cholera, 
bei Collaps], mehrmals täglich als Pulver [am besten mit reinem Gummipulver; 
man verordne nur auf kurze Dauer und in Charta cerata ; in capsulis operculatis hält 
sich der Campher sehr gut auf längere Zeit], in Pillen oder Bissen [mit 
Gummi Arab. und Succ. Liquirit.], in Auflösungen [in fettem Oel: Ol. cam- 
phoratum; in Spiritus: Spiritus camphoratus; in Aether und Chloroform — den Spi- 
ritus- und Aether-Auflösungen darf man jedoch kein Wasser zusetzen, weil sonst der 
Campher sich ausscheidet], in Emulsionen [zweckmässiger als die Emulsion mit 
reinem Campher ist die mit Ol. camphoratum (1 Campher, 8 Ol. Papaveris)]. 

Aeusserlich: in Substanz als Kaumittel [kleine Stückchen Cam- 
pher gekaut oder langsam auf der Zunge zergehen lassen: bei Angina], in hohlen 
Zähnen, im Ohr zu tragen [mit Baumwolle umhülli — die Plitcr'schen Ohren- 
pillen sind nichts weiter als Campher mit Oel und Wachs zur Pillen masse geformt 
und in Baumwolle gewickelt], in Kräuterkissen [bei rheumatischem Zahn- 
schmerz, Erysipelas: 0,5 auf 25.0 Species aromat.] in leinenen oder Mull-Säck- 
chen als Antispasmodicum bei Spasmus glottidis am Halse (A. y%gt\, 
WiMeiWrg), als Antaphrodisiacum in der Nähe der Genitalien ange- 
bracht; in Dampf form [die oben angegebenen Applicationsweisen wirken zu- 
meist in Form der Dämpfe; ferner Dämpfe von heissem Wasser, in welches Campher 
geworfen: bei Angina, Zahnschmerz u. s. w.], Inhalationen [durch gläserne 
Cylinder, in denen der Campher durch Wattepfropfe gehalten wird : Cigarettes cam- 
phrees (Risptil)], Bäucherungen [man lässt den Campher von heissen Metall- 
platten (nicht von glühenden Kohlen, auf denen er verbrennt) verdampfen und die 
Dämpfe an den leidenden Theil selbst gehen, oder man fängt sie mit Watte oder 

B^ I^ 348-349. Digitizedby^OOgie 



Camphora. 



209 



Wollenzeug auf (Lana camphorata — zweckmässiger durch Besprengen der Watte 
mit Spiritus camphoratus) und umhüllt den leidenden Theil damit], zu subcutanen 
Injectionen [1 zul2Spir.oder5Aether; 1 volle Spritze pr.dosi, alsExcitans: Rthilej 
oder auch in fettem Oel gelöst: Bill], in Pulvern, als Schnupfpulver, 
Augenpulver, Streupulver [bei gangränösen Geschwuren: mit Myrrha, 
China, Kohle], in Mund- und Gurgelwässern, Pinselsäften, Augen- 
wässern, Kly stieren [0,3-1,2 oder 3,0-10,0 Ol. camphor. emulgirt], Bädern 
[5.0-10 zum Fussbade], Linimenten [gewöhnlich die officinellen benutzt], 
Seifen, Salben [am besten der Campher erst in Oel aufgelöst und dann der 
Salbe zugesetzt: 1,5-3.0 auf 25 0], Pflastern [die meist sehr weich, oft schmierig 
werden], Seifen [Sapo camphoratus (etwa 3.0 auf 25 0)]. 



350. Bf 

Camph. trit. 0,05 

Gummi Arab. 0,5. 
M. f. puiv. d. tal. dos. No. 10. D. in 
Charta cerata. S. 3stdl. 1 Pulver. 



351. 



^ 



Camph. trit. 0,1 
Opii 0,03 

Kai. nitric. dep. 0,3 
Sacch. albi 8,0. 
M. f. pulv. D. S. Abends vor Schlafen- 
gehen in Thee zu nehmen. 

Pulvis diaphoreticus Graefii. 

352. ^ 
Camph. 1,5 
Moschi 0,4 

Extr. Opii aquos. 0,1 

Syr. comm. q. s. 
ut f. bol. 6. Consp. Cass. Cinnam. D. in 
Yitro. S. Den Tag über zu verbrauchen. 
[Als Analepticum.] Dupuytren. 

353. TV 
Camph. 2,5 

Extr. Opii aquos. 0,5 
Mucilag. Gummi Arab. q. s. 
ut f. bol. 6. Consp. Lycopod. D. in 
vitro. S. Abends 2-3 Stück. [Bei go- 
norrhoischen Erectionen und Reizung 
des Collum vesicae.] Bioopd. 

354. Bf 
Camph. 

Lactucarii gallici ana 3,0. 
M. f. pil. 20. Consp. Lycopod. D. S. 
Täglich 5-6 Pillen zu nehmen, haupt- 
sächlich vor Schlafengehen. [Bei Pria- 
pismus, Chorda, Harnröhren -Schanker, 
Gonorrhoe, zur Verhinderung der Erec- 
tionen.] Bioord. 

355. Bf 
Camph. 2,0 

Pulv. Secal. cornut. 4,0. 



F. c. Mucil. Gummi Mim. s. q. pil. 50. 
Consp. Lycopod. D. S. Morgens und 
Abends eine Pille. [Gegen Pollutiones 
noctumae.] Bobert. 



356. 



I* 



Camph. trit. 0,6 

Res. Guajac. nat. pulv. 4,0 

Sapon. stib. 2,0 

Extr. Calami q. s. 
ut f. pil. 60. Consp. Pulv. Rad. Calami. 
D. in vitro. S. 3 mal täglich 6 Stück. 
[Bei chronischer Gicht.] liessing. 



357. I^ 

Camph. 1,0 

Aether. acet. 12,0 

Tinct. Opii simpl. 3,0. 
D. S. V^-Vjstdl. 10-15 Tropfen. [Bei 
Cholera asphyctica.] Oppolser. 



358. Bf 

Camph. 10,0 

Aether. 20,0. 
D. S. 20-30 Tropfen in Wein zu nehmen. 
Liquor nervinus Bangii. 



359. Bf 

Camphorae 

Spir. dil. ana 10,0. 
MDS. 4 mal täglich 10-15 Tropfen. [Bei 
Dysenterie.] H. Munk. 



360. 



D. S. 



Camph. 0,3-0,5 
Gummi Arab. 5,0 

f. c. 
Aq. Flor. Aurant. 
Syr. Alth. ana 25,0 
Aq. dest. q. s. 

Emuls. 200,0. 
l-2stdl. 1 Esslöffel. 



Ewald and Simon, ArtnciTerordiiungslvlire. 10. Aufl* 



14 



Disktizi 



ÜJ'^säö^i 



fi)9Jüfe 



210 



Camphora. 



361. Bf 

Camph. 

Extr. Opii aqaos. ana 0,07-0,15 
Mixt, gummös. 100,0. 
D. S. 2-3stdl. 1 Esslöffel. [Bei Gonorrhoe 
mit häufigem, schmerzhaftem Harndrang 
und gleichzeitigem Stuhldrang oder 
Diarrhoe.] ▼. Sigmund. 



362. TV 
Camph. 0,5-1,0 

Emuls. Amygd. dulc. 200,0. 
D. S. Istdl. 1 Esslöffel. 

Emulsio amygdalina camphorata. 

363. ^ 
Champh. 1,2 
Spirit. 0,3 
Magnes. carbon. 2,5 
Aq. dest. 200,0. 

D. S. 4-2stdl. 1 Esslöffel voll. [Bei Ty- 
phus abdom. und exanthem., namentlich 
als Mittel gegen den quälenden Durst 
von Lyons empfohlen.] 

MuroMion. 



364. I^ 

Camph. 0,5 

Gummi Arab. 5,0 
f. c. 

Aq. Valerian. 100,0 
Emulsio in qua solve 

Ammon. carb. pyro-ol. 1,0 

Extr. Opii 0,1 

Syr. Zingiberis 25,0. 
MDS. Halbstdi. 1 Esslöffel. [Bei Cholera.] 



365. Bf 
Camph. 

Myrrh. ana 5,0 
Cort. Chin. 

Flor. Cham, ana 10,0 
Carb. pulv. 20,0. 
M. f. pulv. S. Zum Einstreuen. [Gegen 
Gangraena und Caries.] Bust. 

366. Bf 
Camph. trit. 5,0 
Sulfur. praec. 10,0. 

MDS. Mit destillirtem Wasser so flüssig 
zu machen, dass die Masse leicht auf- 
gestrichen werden kann. [Bei Acne 
rosacea.] Morris. 



367. Bf 

Camph. 0,5 
Ol. Cajcputi 0,3 
Glycerini 10,0 
MDS. Umgeschüttelt einzureiben. [Bei 
rheumatischen Schmerzen.] 

Angelstein. 

i^ Bf 361-375. 



368. Bf 
Camph. 5,0 

Ol. Terebinth. 20,0. 
D. S. Zum Einreiben. [Bei Frostbeulen.] 

369. I^ 
Camph. trit. 1,0 
Aeth. sulfur. 5,0 

D. S. Zu subcutanen Injectionen bis zu 
20 Tropfen pro dos. 

370. Bf 
Camph. 25,0 
Aethens 50,0. 

MDS. Alle 5-6 Stunden mittelst eines 
Pinsels auf die kranken Partien aufzu- 
tragen. [Bei Erysipelas infantum.] 
Trousse^u. 



371. Bf 

Camph. trit. 

Bals. Peruv. ana 2,0 

Vaselini 25,0. 
M. f. ungt. D. [Gegen Frostbeulen.] 
Lockstaedt. 



372. Bf 
Camph. 0,06 

solve in 
Ol. Amygd. dulc. 30,0 

adde 
Liquor. Ammon. anis. 0,25. 
MDS. Täglich einige Tropfen in's Ohr zu 
lassen. [Gegen asthenische Schwer- 
hörigkeit.] Bust. 

373. I^ 
Camph. 0,5 
Vitell. ov. unius 
Extr. Opii aquos. 0,05 
Aq. comm. 150,0. 

MDS. Zum Klystier. [Gegen schmerzhafte 
Erection bei Tripper.] Bicord. 

374. I^ 
Camph. trit. 5,0 
Vitell. ov. dimid. 
Syr. Sacchar. 40,0 
Aether. 2,0 
Aquae 500,0. 

D. S. Zur Gurgelung. [Bei bösartiger 
Angina.] Bouchardat. 



375. 1^ 

Camph. trit. 0,3 

Morph, muriat. 0,12 

Bals. d. Toluol. 0,6 

Zinc. oxyd. alb. 2,0 

Vaselini 20,0 

Cer. flav. 2,5. 
M. f. ungt. S. Decubitussalbe. 

Freriohs. 

Digitized by VorOOQlC 



Camphora bromata. 2 1 1 



376. Bf 

Camph. trit. 10,0 
Alum. crud. 30,0 
Ammon. chlorat. 15,0 
Ceruss. venet. 250,0 
Cret. pulv. 370. 



Aq. q. 1. ad past. ex qua f. glob. pond. 
30,0, rec. praep. disp. S. Weiche Lein- 
wandlappen sind mit diesen Kugeln 
reichlich zu bestreichen, 3-4 mal in 24 
Stunden frisch aufzulegen. [Elisabethiner 
Kugeln.] Wertheim. 



Cam)iliora bronata« Bromure de carophre. Bromide of camphor. 
Monobromcampher. Bromcamphcr. [Weisse Krystalle, sehr flüchtig, schwer 
löslich in Wasser, leicht in Alcohol und Glycerin. — 1.0 5 Pf. — Von Swtrt zuerst 
dargestellt, von Benele zuerst therapeutisch geprüft und bei Delirium tremens zu 
2 0-3.0 pro die erfolgreich gefunden. Darauf auch zu 1.0-2,0 pro die gegen Epi- 
lepsie und hysterische Anfälle, sowie zu 0,4-0 5 und mehr pro die gegen dyspnoe- 
tische Zustände von B«irieTiUe> gegen Manie von Lawsoi^ von Ytleiiti als das beste 
Antidot gegen Strychninvergiftung, gegen Homicranie und Cephalalgio von Boell^ 
gegen Chorea, nächtliche Pollutionen und Tenesmus vesicae et rocti von datliftult 
empfohlen]. 

Innerlich: in Pulvern, Pillen, Bissen, Kapseln, Trochisci. 
[In Frankreich, wo das Mittel zuerst und am meisten benutzt worden, sind fast nur 
Capsules und Trochisci, welche 1 desselben enthalten, in Gebrauch], zu etwa 0,1 
bis 0,5 pro dosi, zu 0,4-3,0 pro die. [Gegen Strychninvergiftung sind selbst 
4,0-6 refracta dosi empfohlen: Yftlenti.] 

Aeusserlich: zu subcutanen Injectionen [nicht genügend geprüft 
wegen der Schwerlöslichkeit des Präparats in Wasser, verdient indess in spirituöser 
oder Glycerin lösung versucht zu werden.] 

Canphora carbolisata. Carbolated Camphor. Camphre phenique. 
Carbolkampfer. [Von einer concentrirten Solutio acidi carbolici (9 ad 1 Spi- 
ritus) werden 100 mit 25 Camphora pulv. gemischt. Man erhält eine ölige, blass- 
gelbliche Flüssigkeit, von schwachem Kampfergeruch, die sich weder mit Wasser 
noch mit Glyterin, sehr wohl aber mit Oliven- und Mandelöl in allen Verhältnissen 
mischt.] Dieses von Stulei dargestellte Präparat wird von demselben 
dringend als Verbandmittel an Stelle der Carbolsäure empfolilen und 
zwar entweder gemischt mit Ol. Olivar. oder, was er vorzieht, in einer 
Emulsion mit gleichen Theilen eines Infus. Herbae Saponariae (1 ad 
10 Aq.) oder einer Tinct. Saponariae Quillayae. Die Wunde wird mit 
dem Mittel gewaschen oder ausgespritzt und die Verbandstücke werden, 
ähnlich wie beim llstcr'schen Verfahren, mit demselben getränkt und in 
mehreren Lagen aufgelegt, mit Kautschuk, trockner Watte und einer 
Bandage bedeckt. Die Wirkung dieses Verbandes, welcher nicht im 
mindesten reizen, vielmehr die Schmerzen lindern und die Reactions- 
erscheinungen sowie die Eiterung massigen soll, wird von StHlei sehr 
gerühmt. 

Cannabiniim tannieiim. Gerbsaures Cannabin. Alkaloid aus 
Cannabis indica. [Als Hypnoticum neuerlichst eingeführt und von Vroiimnller 
empfohlen. — 0,1 30 Pf.] 

Innerlich: zu 0,2-0,5 in Pulvern (zur beruhigenden und schlaf- 
machenden Wirkung bei Exaltationszuständen , Geisteskranken, Steno- 
kardie: Ewtld.) 

Aeusserlich: Wegen seiner geringen Löslichkeit in Wasser und 
Glycerin zu subcutanen Injectionen noch nicht zu verwenden. 

Digitizecl^y^P^l^e 



212 



Ci'vntharides. 



^Cutliarides« Muscae hispanicae, Blistering-fly, Spanish-fly, Mouches 
d'Espagne. Spanische Fliegen. [Der möglichst wenig beschädigte Käfer 
Lytta vesicatoria, dessen vorzugsweiser Bestandtheil Cantharidin, ein weisser krystalli- 
nischer Körper, ist. — Von lUdecki wurde aus den Canthariden ausserdem ein öl- 
artiger, sauer reagirender, stark narcotischer, fast wie Nicotin riechender, fluchtiger 
Stoff dargestellt, über den indessen nichts weiteres verlautet hat. — 10,0 gross, pulv. 
35 Pf., subt. pulv. 40 Pf.] 

Innerlich: zu 0,01-0,05 [ad 0,05 pro dosi, ad 0.15 pro die!], einige Mal 
täglich [bei Hydrophobie öfters diese Dosis überstiegen], in Pulvern [subt. pulv. 
mit Zusatz von Gummi, unzweckmässige Form, weil leicht eine im Heilzwecke nicht 
liegende örtliche Reizung der Magenschleimhaut entsteht], in Pillen [mit Camphor 
oder Opium als Corrigentien der Cantharidenwirkung]. Zweckmässiger als diese 
Formen ist die DaiTeichung eines Oleum cantharid. oder der Tinct. 
cantharid. [s. diese], 

Aeusserlich: als Streupulver [subt. pulv., heftig reizend , bei sehr 
atonischen Geschwüren, vermischt mit Zucker, Amylum, Gummi, Lapid. cancr.] in 
Salben [entweder durch Zusatz der gepulverten Canthariden (1) zu Salben masse (8) : 
Unguentum epispasticumPh. ptvp.^ oder durch Digestion der Canthariden mit 
fettem Gel, so das officinelle üngt. cantharid.], zu Pflastern [zu deren Zusam- 
mensetzung man sich des Pulvers oder der öligen und der ätherischen Auszüge bedient 
(Empl. Mez. canth., Taffetas epispasticum Gilberti). Charta epispastica 
Pb. Irit^ Blistering paper, wird bereitet aus 4 Canth. pulv., 16 Gera alb., 16 Sper- 
macet., 8 Ol. Oliv., 3 Tereb., 1 Bals. Canad., 24 Aq. dest. — Vergl. die officinellen 
Empl. Cantharid.], als Fontanellkugeln [Pillen aus Canth. mit Rhiz. Irid.], 
als Canthariden- CoUodium Pfc. ü. S. [die gepulverten Canthariden sollen (unge- 
fähr im Verhältniss von 1 : 10) in Collodion gelöst werden. Eine andere Vorschrift 
giebt an: 1 Th. Collodiumwolle in 18 Th. Aether cantharidatus (durch Extraction 
von 2 Th. Canth. gross, pulv. mit 3 Aether) und 3 Spiritus zu löse% Die Appli- 
cation empfiehlt sich bei unruhigen Patienten und an Stellen, wo Pflaster nicht leicht 
haften. 



377. IV 
Cantharid. pulv. 0,2 
Camphor. trit. 0,3 
Pulv. Althaeae 3,0 

Mucil. Gummi Arab. q. s. a. 
F. pil. No. 20. Consp. Lycopod. D. S. 
3 mal täglich 2 Stück zu nehmen. 

378. ^ 

Canthar. subt. pulv. 1,0 

Ferri oxydat. fusc. 

Aloes ana 1,5 

Extr. Chamom. q. s. 
ut f. pil. 50. Consp. C'ass. Cinnam. S. 
3 mal täglich 1-2 Pillen zu nehmen. 
[Bei Amenorrhoe.] Oesterlen. 

379. Bf 

Canthar. subt. pulv. 0,6 
Ferri pulv. 1,2 
Succ. Liquir. 4,0. 
F. pil. 90. Consp. Lycopod. D. S. 4 mal 
täglich 3-4 Pillen. [Bei Enuresis pa- 
ralytica puerperarum und senilis.] 

M«iiiner. 

flV ^ 877-381. 



380. IV 

Canthar. gross, pulv. 0,12 
Ol. Amygd. 150,0. 

Digere per ^\ horam; lilti-atis 
addc 
Gummi Arab. 7,5 
Syr. opiati 30,0 
Aq. comm. 150,0. 
F. emuls. D. S. 2stündl. umgeschüttelt 
einen Esslöifel. LooksUeclt. 



381. IV 

Cantharid. pulv. 

Picis nav. 

Cerae flav. 

Adipis suilli ana 25,0 

Terebinth. 5,0 

Ol. Lavand. 

Ol. Thymi ana 0,5 
F. emplastr. Extende supra Taffet. 

Mouches de Milan. 
[Als Derivans bei Neuralgien und Zahn- 
schmerz.] 



Digitized by CjOOQIC 



Cantharidinum. 213 



382. I^ 

Canthar. pulv. 10,0 

Ol. Olivar. q. s. 
ut f. pasta mollis.. 

Yesicator nach Bzetonneau. 

Cantharidinum. Gantharidin. Canthariden-Gampher. [In weissen 
Tafeln krystallisirbares , flüchtiges Alkaloid, in Aether, Alcohol, fetten und ätheri- 
schen Oelen, aber nicht in Wasser löslich und mit Alkalien Salze bildend. — 0,1 
etwa 20 Pf.] 

In neuerer Zeit häufiger angewendet. Doch ist wegen der überaus 
heftigen Wirkung [etwa 50 Mal stärker als Cantharidenpulver] grosse Vorsicht 
von Nöthen. 

Capsnlae anylaeeae« Oblatenkapseln. Eine sehr zweckmässige 
Darreichungsform für dispensirte Pulver. [Vergl. den allgemeinen Theil 
pag. 18.] 

Cajisnlae gelatinosae. Gapsules g^latineuses. Gallertkapseln. 
[Eine jetzt vielfach gebrauchte Form für die Darreichung übelschmeckender oder 
übelriechender Arzneien. Die Kapseln werden aus elastischer Gelatine angefertigt, 
mit der betreffenden Mischung gefüllt und dann mit Gelatine geschlossen. — Das 
Einnehmen der Kapseln geht ziemlich leicht von statten, wenn man dieselben be- 
feuchtet auf die Zunge legt und dann mit einem Schluck Wasser hinunterspült. — 
Am häufigsten sind Kapseln mit Bals. Copaiv. (0,5 pro Capsula, 1 Dutzend 40 Pf.) 
Extr. Cinae aether., Aether, Ol. Chaberti, Ol. Terebinthinae, Extr. filißis aether., 
Natr. und Acid salicylicura (Ol. Ricini und Ol. Jecoris Aselli [bis zu 10 Gr. Inhalt]) 
vorräthig.] 

Cajisnlae operenlatae« Deckelkapseln. [Kleine aus zwei Stücken 

bestehende cylinderförmige Gallertbüchsen, die so gearbeitet sind, dass das eine Stück 
genau in das andere passt. Zum Einhüllen pulyerförmiger Substanzen sehr zweck- 
mässig. Die Dispensation in Capsul. opercul. wird aber doppelt so hoch berechnet, 
als die in Papierkapseln. — Bei dieser Verordnungsweise kann das sonst übliche 
Vehikel (Gummi, Zucker) gänzlich wegbleiben.] 

€a)»snlae Papayeris s. Fructus Papaveris. 
Caragaheen s. Garrageen. 

Carbo animalis« Garbo camis. Ivory-blak, animal charcoal. ' Ghar- 
bon animal. Fleisch- oder Thierkohlo. [Dieselbe wird entweder aus 
Fleisch und Knochen oder aus dem Blute, — so die Garbo animalis Ph« Ltid. — oder 
aus Knochen allein — Carbo ossium (Spodium, Ebur ustum, Comu cervi ustum 
nigrum) bereitet. — 1,0 subt. pulv. 5 Pf.] 

Innerlich: ?u 0,5-2,0 im Pulver. 

Aeusserlich: zu Streupulvern bei ichorösen Geschwüren [schlech- 
ter als die Holzkohle]. 

*Carbo ligni pttlveratus s. purus. Garbo praeparatus. Garbo vege- 
tabilis depuratus. Garbo Ligni depur. Ph. AHstr. Charcoal. Garbon v^g^tal. 
GepulverteHolzkohle. Präparirte oder gereinigte Holzkohle. [10,0 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,5 [und mehr] mehrmals täglich, in Pulvern 
[d. in vilro, weil die Kohle ihre absorbirende Kraft leicht an der Luft verliert. — 
Vegetabilische Kohle ist der Bestandtheil vieler antepileplischer Arkana, so z. B. des 
Welper'schcn Pulvers, welches aus verkohltem Hanfzwim bereitet und in sieben 

Digitize ^ 3g2. ^^IB C 



214 



Carbo panis. 



Dosen a 0,4 anjjewendet wird], Trochisci, Latwerge [gegen Halitiis foetidus 
als Palliativum empfohlen], in Capsul. operculat. bei Magengährung mit ab- 
normer Zersetzung und übelriechenden Ructus: Ewald. 

Aeusserlich: zu Mundwässern [3,0-5 auf 100.0, stark umgeschüttelt, 
gegen übelriechende Stomacace: t. liMebraadt] , Zahnpulvern, Zahnlat- 
wergen, Cataplasmen, Streupulvern [mit China, Myrrha, Calmus. Cha- 
momilla a. s. w.], Salben [10,0 auf 25 Fett: Aliberfs Grindsalbe]. 

887. 1^ 

Garb. pulv. 25,0 
Tartar. dep. 
Catechu pulv. 
Myrrh. ana 2,5 
Ol. CaryophyU. 0,5 
Ol. Bergamo«. 0,2. 

M. f. pulv. dentifric. 

Welper'sches Zahnpulver. 



383. 



MDS. 



Carbon, pulv. 25,0 

Ligni Quass. 

Magn. carb. ana 4,0. 

Mehrmals taglich einen Theelöflfel. 



[Gegen Pyrosis.] 



Heim. 



384. 



Carbon, pulv. 

Natr. bicarbon. 

Elaeosacch. Menth, pip. ana 0,5. 
M. f. pulvis. D. S. Vj-1 Stunde nach 
jeder Mahlzeit ein Pulver. [Bei Dys- 
pepsie mit abnormer Gascntwickelung 
im Magen und Darmkanal.] 



385. I^ 

Carbon, pulv. 0,4 
Acid. salicyl. 0,1. 
D. in Caps, opercul. No. 10. S. Eine halbe 
Stunde nach der Mahlzeit 1 Pulver zu 
nehmen. Ewald. 



386. Bf 

Carbon, pulv. 20,0 

Cort. Chinae 10,0 

Myrrhac 2,5. 
M. f. pulv. D. S. Zahnpulver. 

Pulv. dentifric. niger. 



888. 



^ 



Carbon, lign. pulv. 10,0 

Panis 50,0 

Sem. lini cont. 30,0 

Aq. ferrid. 250,0. 
MDS. Zum Umschlag bei stinkenden Wun- 
den und Absonderungen. [Ist das 
Cataplasma e carbono der Fh. 
Lond. mit dem Unterschied, dass statt 
Carb. animal. die wirksamere Carb. lign. 
genommen ist.] 



389. 



^ 



Unguenti Styrac. 
Carbon, pulv. ana 25,0 
Camphor. 

Myrrhae ana 3,0-6,0 
Ol. Terebinth. q. s. 
ut f. unguent. D. [Gegen schwammige, 
übel secemirende Geschwüre.] Bast. 



Carbo panis. Brodkohle. [10,0 subt. pulv. etwa 10 Pf.] 
Zu Zahnpulvern. 

Carbo popnli seu Carbo Belloci. Pappelkohle. [10,0 subt. pulv. 
etwa 30 Pf.] 

Innerlich: 1,0-5,0 3-4 Mal täglich, in Pulver oder besser in 
Pastillen (Pastilles de Belloc) von BelUe emphatisch gegen sämmtliche 
nervöse Magen- und Darmaffectionen angepriesen. 

390. IV 

Carbon, populi 

Magnes. carb. ana 15,0. 

Div. in 12 part. aeq. D. S. l-2stdl. 1 Pulver mit Zuckerwasscr, dabei 

Abends ein Salz-, Morgens ein erweichendes Klystier. 

[Bei Typhus.] Odllle. 

Carbo Spongiae« Spongia usta, Spongia marina tosta, Bumt sponge. 
Schwammkohle. [10,0 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich, in Pulvern oder Ab- 
kochung [25,0 auf 200,0]. [Selten in Gebrauch, seitdem die Anwendung der 
Jodpräparate allgemein geworden.] 

g^ Bf 383-390. DigitizedbyVoiOOgie 



Carboneum bichloratum. 215 



Carboneun bicUoratan. Carboneum chloratum. Pcrchlormethyl- 
chlorür. Ethylene perchlorö. Zweifach-Chlorkohlenstoff. [Tetra- 
chlorid of Carbon fälschlich yon Engländern genannt.] Wurde von SftBMB, 
Snlth u. a. zu Inhalationen empfohlen, theils als Anästheticum für 
chirurgische Operationen, theils als schmerzstillendes Mittel bei Neur- 
algien und Antispasmodicnm, zumal bei schmerzhafter Wehenthätig- 
keit. Es ist bei weitem unzuverlässiger und gefährlicher als Chloro- 
form, deshalb als Anästheticum nicht zu empfehlen (NinBeley^ losenaBB). 
Dagegen wird es als locales Anästheticum, in zerstäubter Form auf 
den schmerzhaften Theil applicirt, sehr gerühmt (Roiieiithal) und soll be- 
sonders nützlich sein bei Neuralgien, Hyperästhesien Hysterischer u. a. 
Rosenthal empfiehlt es auch als ein ausgezeichnetes Epispasticum in fol- 
gender Anwendung: Leinenstücke werden mit dem Mittel getränkt, auf 
die entsprechende Hautstelle gelegt und mittels Thierblase oder Wachs- 
tuch luftdicht abgeschlossen. Schon nach einer halben Minute kommt 
es zu lebhaftem Brennen und zur Röthung der Haut, die auch später 
fortdauert. In dieser Weise soll z. B. ein guter Erfolg bei Lumbago 
erzielt worden sein. 

Carbonean salfuratan. Sulfidum carbonicum Ph. N^rr.; Alcohol 
Sulfuris, Carburetum Sulfuris. Sulfuret of carbon. Charbon sulfur^. 
Schwefelkohlenstoff. Schwefel - Alkohol. Xanthogen. [Wasserhelle 
Flüssigkeit von höchst durchdringendem, üblem Gerüche, scharfem, brennendem Ge- 
schmack, leicht entzündlich, unlöslich in Wasser, leicht löslich in Aether, Alkohol, 
fetten und ätherischen Oelen. Löst Phosphor, Schwefel , Campher, Gutta-Percha. — 
10:0 5 Pf.]. 

Innerlich: zu 0,1-0,3 in Tropfen [2-6 Tropfen in Milch, Zuckerwasser, 
Schleim, vielleicht am besten in Capsules, die freilich vorher der Verabredung mit 
dem Apotheker bedürfen; im ganzen jedoch ist das Mittel, das als starkes Excitans 
bei Paralysen, bei Rheumatismus und Gicht, Amenorrhoe u. s. w. empfohlen wurde, 
sehr unzuverlässig und vollständig entbehrlich]. 

Aeusserlich: zur Einreibung rein oder in fettem Oel gelöst 
[zur Zertheilung von gichtischen Anschwellungen, Drüsen -Tumoren, Kropf]; zur 
Inhalation in Dampfform [SlnpsM empfahl dieselbe behufs Anästhesimng; 
nicht weiter geprüft]; als locales Anästheticum [HeleaMittetej SImoüIb^ 
hrrln, iiplessls u. a. Die Flüssigkeit wird äussorlich aufgetragen, und durch einen 
Blasebalg die Verdunstung derselben befördert. Vorzuziehen wäre wohl, die Flüssig- 
keit in zerstäubter Form local zu appliciren, wenn man sie überhaupt trotz des 
höchst üblen Geruches anwenden will.] 

391. IV 

Carbonei sulfurat. 
Ol. camphorati ana 10,0. 
D. S. Zur Einreibung. [Bei rheumatischen Neuralgien.] 

Carboneum tricUoratan. Chlorure d'6thylene perchlor6. Drei- 
fach-Chlorkohlenstoff, Chlorkohlenstoff. [Weisse Krystalle von cam- 
pherartig- aromatischem Geruch, geschmacklos, leicht flüchtig, unlöslich in Wasser, 
löslich in Alkohol, leicht löslich in Aether, fetten und ätherischen Oelen, gewonnen 
durch Zuleitung von Chlor zu Liquor Hollandicus bei grellem Sonnenlichte. -^0,1 
etwa 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,4 pro dosi in Pulver [mit Zucker verrieben] oder 
in alkoholischer Lösung. [Bei Cholera asiatica: in Berlin und Kopenhagen in so 

Digitized R/ %g^P^|iiiC 



216 Cardoleum. 



weit mit einigem Erfolg gebraucht, als durch dieses Mittel häufig der Puls wieder 
gehoben und die Haut zur Reaction gebracht wurde. Die erste aus Ostindien über- 
lieferte Formel für den Gebrauch des Chlorkohlenstoffs lautete: R Carb. trichlor. 4,0, 
Magnesiae carb. 2,0, Mixturae camphorat. 250,0. MDS. Vj-lstdl. einen Esslöffel. 
Diese Formel wurde jedoch später verlassen und statt ihrer meist das Pulver gewöhn- 
lich zu 0,3, zuweilen mit 0,12 Campher, V4 - \ 2 stündlich angewandt] 

Cardanonan ninas s. Fructus Cardamom. min. 

Cardolran« Kardol. [Weichbarz aus Anacardium occidentale; in Aether, 
Alkohol und fetten Oelen löslich; braune, theerähnliche Masse, von schwachem, eigen- 
thümlichem Geruch und blasenziehender Kraft. -— 1,0 15 Pf.] Von Frerichs u. a. 
als Vesicans empfohlen und den Canthariden in denjenigen Fällen vor- 
gezogen, wo es sich darum handelt, die plastischen Blutbestandtheile 
zu verringern, da die von Kardol gebildete Blase mit ziemlich bedeuten- 
der Infiltration des Zellgewebes verbunden ist; ausserdem soll das Kar- 
dol da vorzuziehen sein, wo man die Allgemeinwirkung der Canthariden 
vermeiden will. Wichtig ist es, das Kardol aus Anacardium occiden- 
tale, Noix d'Acajou [Cardoleum vesicans], nicht mit dem auf diese Weise 
bereiteten aus Anacardium Orientale [Cardoleum pruriens] zu verwechseln, 
dessen Anwendung leicht rosenartige Entzündungen weit über die Ap- 
piicationsstelle hinaus hervorruft [Erysipelas anacardium]; das Cardoleum 
pruriens unterscheidet sich von dem Cardoleum vesicans durch seine tief- 
schwarze Farbe. 

*Caricae« Figs, Figues. GetrockneteFeigen. [Fruchtboden mit den 
Früchten von Ficus carica. Bestandtheile: Fruchtzucker und Schleim. — 10 40 Pf.] 

Innerlich: im Decoct [10.0-15,0 auf 100,0], als Corrigens zu 
Species [so z. B. in den Species pectorales c. Fructibus; zu 16 Th. Species 
pectorales kommen 6 Siliqua dulcis, 4 Sem. Hordei excortic, 3 Caric. conc.]. 

Aeusserlich: in Substanz [die Feige wird in Milch aufgeweicht oder 
aufgekocht und auf entzündete Stellen im Munde oder Zahnfleische aufgelegt], in 
Abkochung zu erweichenden Mund- und Gurgel wässern. 

Carica Papaya. Siehe Papajotin. 

Carninmi« Carmin. [Farbstoff aus der Coccionella. — 1.0 etwa 20 Pf.] 
Leicht löslich in Liq. Ammon. caust. 

Als Färbungsmittel für Zahnpulver, Electuarien und cosmetische 
Pasten in Gebrauch. 

*Carrageeil« Caragaheen, Liehen s. Muscus Carageen, Fucus irlandi- 
cus seu crispus, Sphaerococcus crispus. Irländisch Moos. Perl- oder 
Seemoos. Perltang. Carrageen. [Hauptbestandtheil : gelatinöse Substanz; Jod- 
gehalt zweifelhaft, wahrscheinlich von dem getrockneten Seewasser herrührend, jeden- 
falls sehr unbedeutend. — 10,0 conc. 55 Pf.] 

Innerlich: als Decoct und zwar als Schleim, [minder concentrirte 
Abkochung 2.0 auf 200.0-300.0] oder viel besser als Gallerte [3,0-5.0 auf 
100.0; mit Milch erhält man bei geringerer Quantität Carrageen eine Gallerte]; als 
Zusatz: Fruchtsyrup und ein schwaches Arom. 

392. IV I Syr. Cerasor. 50,0 

Carrageen 10,0 | Acid. tartaric. 0,3 



coq. c. Aq. q. s. 
ad Colat. 150,0 
adde 



Aq. Laurocerasi 5,0. 
Repone in loco frigido ut in gelatinam 
abeat. D. in vitro. S. Tbeelöffelweise. 



IV 392. Digitizedby^OOgie 



Caiyophylli. 217 



393. IV 

Carrageen 6,0 

coq. c. Lact, vaccini q. s. 
ad Colat. 300,0 

in qua solve 



Sacch. 25,0 

adde 
Aq. Amygd. amar. 3,0. 
Repone in loco frigido. D. S. Täglich zu 
verbrauchen. Hufeland. 



*Caryopliylli. Cloves. Clous de Girofles, Girofles. Gewürznelken. 
Gewürznäglein. [Blüthenknospen von Eugenia caryophyllata (Caryophyllus aroma- 
tica). Die Früchte werden als Antophylli, Mutternelken, bezeichnet. Bestand- 
theil: ätherisches Oel. — 10.0 15 Pf., subt. pulv. 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-0,6 in Pulvern, Aufguss [3,0-6.0 auf 100.0]; 
oft als Corrigens und zur Conservirung leicht der Verderbniss ausge- 
setzter Mischungen, z. B. Electuarien. 

Aeusserlich: als Kaumittel, zu Zahnpulvern und Zahnlat- 
wergen, als Conspergens von (Zahn-) Pillen, zu Kräuterkissen, 
im Aufguss zu Mundwässern und in weingeistigem Auszug zu Zahn- 
tinkturen. 

Cassia caryophyllata. Cortex caryophyllatus. Nelkenzimmt. 
[Rinde von Persea sanguinea. Bestandtheile : ätherisches Oel und Schleim. — 10,0 
cont. etwa 15 Pf., subt. pulv. 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-1,0 mehrmals täglich [selten gebraucht]. 

Cassia cinnanonea s. Gort. Cass. cinnam. 

Cassia Fistvla« Fructus Cassiae Fistulae. Purging-Cassia. Cassia 
en batons. [Schoten von Cathartocarpus FisLula oder Bactyrilobium Fistula. — 
10,0 etwa 5 Pf.] 

Zur Bereitung der [schwach abführend wirkenden] Pulpa Cassiae. 

*Ca8toreiin« Castoreum canadense s. Anglicum s. Americanum. 
Bibergeil. Canadischer Bibergeil. Mit dem Geschlechtsapparat des 
amerikanischen Bibers, Castor americanus, in Verbindung stehender Beu- 
tel. [Enthält weniger ätherisches Oel als das folgende. — 1,0 subt. pulv. 20 Pf.] 

Innerlich: 0,5-1,0. 

Aeusserlich: als Zusatz zu Pflastern, Salben, krampfstillen- 
den Klystieren, Suppositorien. 
384. I?f I 395. B^ 



Castor. 5,0 
Cort. Cinnamom. 1,0 
Sacch. 10,0. 
M. F. pulvis. Div. in part. aeq. No. 20. 



Castor. 2,0 
Ol. Cacao 10,0. 
M. F. suppositorium. Dispens, tal. dos. 
No. 5. 



D. S. Stündlich 1 Pulver. j Suppositorium antispasmodicum. 

Pulvis antispasmodicus. i Bouohardat. 

Castoreni Sibiricnm« Castor, Beever. Sibirischer, russi- 
scher Bibergeil. Die Pb. dem. ed. II. kennt unter der Bezeichnung 
Castoreum nur das amerikanische Bibergeil. [Bestandtheile: Fett (Castorin), 
Harz, ätherisches Oel. — Ol subt. pulv. 50 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,6 [man könnte nach den Versuchen über die Arznei- 
wirkung des Castoreum diese Dosis bedeutend überschreiten, bis zu 1,0-2 0, das 
wichtigste Unterstützungsmittel für die kleine Dosis aber ist der hohe Preis] mehr- 
mals täglich. Am zweckmässigsten in fulvern oder Pillen [mit an- 
deren krampfstillenden Substanzen]. 

Aeusserlich: vollkommen entbehrlich. 

Cataplasna ad Decabituin s. Plumbum tannicum pultiforme. 

*Catecllll. Terra japonica. Bengal cutch, Japon earth. Cachou. 



218 Catecha. 

Catechu. Pegucatechu, japanische Erde, Cutsch. [Ein in Indien aus den 
Acacienarten Uncaria Gambir und Areca Catechu durch Auskochen von Holz und 
Blättern dargestelltes Extract. — Nur in grossen Quantitäten Wassers und in 
schwachem Weingeist ziemlich vollständig löslich. — Enthält eine eigenthümliche 
Gerbsaure: Tanningen-Säuro oder Catechu- Gerbsäure. — 10,0 5 Pf., subt. pulv. 
10 Pf.] Cave: Alkalien und Eisensalze. 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich, in Pulvern, Trochisci, 
Pillen [mit gleichen Theilen Extract], Auflösungen [in heissem Wasser, etwa 
3,0-5,0 auf 100,0 Wasser; in Wein: 5,0-10,0 auf 100,0 Wein]. 

Aeusserlich: in Substanz [bei Zahnschmerz in den hohlen Zahn ge- 
steckt], zu Zahnpulvern, Zahnpillen, Zahnlatwergen und Zahn- 
tincturen, als Streupulver [mit Alaun ana bei parenchymatösen Blutungen], 
in Auflösung [10 auf 100,0], zur Injection und zum Clysma. 



396. IV 
Catechu 0,5 
Opii puri 0,01. 

Disp. tal. dos. No. 6. D. S. 3stdl. ein 
Pulver. [Bei chronischem Durchfall.] 

397. ^ 
Catechu 

Fung. laricis ana 6,0 

Syr. Aurant. Cort. q. s. 
ut f. pil. 100. Consp. Pulv. Cort. Cinnam. 
D. S. Abends vor dem Schlafengehen 
5-10 Pillen zu nehmen. [Bei profusen 
nächtlichen Schweisscn.l 



solve in 
Aq. comm. bullicnt. 200,0. 
Solut. adhuc calidam cola, 
Colat refrigerat. adde 
Aq. Cinnam. simpl. 50,0 
MDS. 2stdl., umgcschüttelt, 1 Essloffel. 

399. Bf 

Catechu 

Myrrh. ana 15,0 
Bals. Peruv. 2,5 
Spir. Cochlear. 
Spir. dilut. ana 50,0. 
Digere et filtra. D. S. Zum Bestreichen 
des Zahnfleisches. [Bei scorbutischer 
Beschaffenheit des Zahnfleisches.] 



398. I^ 

Catechu 10,0 

*Cera alba. White Wax. Cire blanche. Weisses Wachs. [10,0 
15 Pf.] _ Wie Gera flava. 

Ccra arborfa« Baum wachs. [Gera flava und Resin. burgund. ana 4, 
Torebinth. commun. 1, mit wenig Curcuma gefärbt. — 10,0 etwa 10 Pf] 

Aeusserlich: als schwach reizendes Pflaster. 

*Cera llaTa, YellowWax. Bees-Wax, Cirejaune. Gelbes Wachs. 
[10,0 15 Pf. — Weisses und gelbes Wachs sind mit ätherischen Oelen, Fetten und 
den meisten Harzen durch Schmelzen zu verbinden. C. alba und flava bestehen haupt- 
sächlich aus Palmitinsäure-Myricilaether, der in Alkohol unlöslich ist, und freier 
Cerotinsäure, die sich in Alkohol löst. — Das weisse Wachs wird durch Bleichen des 
gelben gewonnen.] 

Innerlich: in Emulsion [in erwärmtem Mörser mit Gummi oder Eigelb 
und Wasser subigirt], als Constituens für Pillen [Gera rasa, nicht liquefacta, 
für Pillen aus Balsam, Kreosot, ätherischen Oelen, ätherischen Extracten]. 

Aeusserlich: in Substanz zum Ausfüllen hohler Zähne [schlechter 
als jeder andere Zahnkitt], zu Salben [1 Wachs und 3 Oel oder Fett], Pflastern, 
Bougies [s. Cereoli], auf Papier oder Seidengaze gestrichen [Charta cerata, 
Taffetas cerat.], als inperspiraUe Decke bei Rheumatismen, Drüsenge- 
schwülsten u. s. w. 
400. IV 

Cerae flav. 10,0 



Aq. Menth, crisp. 120,0 

1. a. Emuls. cui adde 
Syr. Croci 20,0. 
MDS. Umgeschüttelt, esslöfFelweise. 
[Bei Ruhr.] Vogel. 

J{f 396-400. DigitizedbyVoiOOgie 



Leni calor. liquat. in mortario 
calefacto f. cum 
Vitell. ovi unius 



Gera caponica. 219 



Cera japonica« Japanisches Pflanzenwachs. [Von einer ja- 
panischen Pflanze. Rhus soccedanea herstammend; härter als das weisse Wachs; in 
neuerer Zeit Ton einigen Pharmaceuten als Constituens für Pillen, namentlich aus 
Bals. Copaiv. , empfohlen und hier vielleicht, eben wegen der grösseren Härte, mit 
Nutzen angewendet ] 

Cerata« Wachssalben. In ihrer Consistenz zwischen Salben 
und Wachs in der Mitte stehend. Sie bestehen aus Wachs 1 mit fettem 
Oel 2, oder Cetaceum und fettem Oel je 1. [Ceratum Galeni der 
Dresdener Officinen besteht aus Gera alba 4, Adip. suill. 6, Ol. Amygdalarum 3. 
I. E. Riehter.] 

Ceratan Aeraginis« Gera viridis. Grünspanwachs. Grünes 
Wachs. [Gera flava 12, Resin. burgund. 6, Terpenthin 4, Aerugo 1. 10,0 15 Pf.] 

Als Hühneraugenpflaster und zum Tränken von Papier, welches 
zum Offenhalten der Fontanellen benutzt wird: Fontanell-Papier, 
Sparadrap. 

Cfratan Cetacei« ünguentum cetacei. ünguentum Adipocerae 
cetosae. ünguentum Spermatis Ceti. Sparadrap. Emplastr. Spermatis 
Ceti, Emplastr. emoUiens, Ceratum labiale album. Weisse Wachs- 
salbe, Wallrathpflaster, weisse Lippenpomade. [Wallrath, weisses Wachs 
ana 2 und Mandelöl 3. — 10,0 20 Pf.] 

Zum Bestreichen aufgesprungener Lippen [doch ist hier ein Gemisch von 
2 Th. Ol. Cacae und 1 Th. Ol. Provinc. bei Weitem vorzuziehen.] 

Ceratum Cetacei rabinn. Ceratum rubrum. Rothes Wachs- 
pflaster. Rothe Lippenpomade. [1 Wallrath, 6 weisses Wachs, 9 Mandelöl, 
roth gefärbt durch Radix Alkannae und versetzt mit etwas Ol. Gitri und Ol. Berga- 
mottae. Aehnliche Präparate sind das Geratum ad labium flavum und rubrum. — 
10,0 25 Pf] 

Wie das vorige. 

Ceratui fliscni Pb. Aistr. Ünguentum fuscum. [Emplastr. Plumb. 
simpl. 10, zum Schwarzwerden erhitzt, Ger. flav. uiid Seb. ana 3, Adeps 5.] 

Ceratum Hyristicae« Balsamum Nucistae. Baume de Muscade. 
Muskatbalsam. [1 gelbes Wachs, 2 Ol. Olivar., 6 Ol. Myristicae. — 10,0 40 Pf.] 
Aeusserlich; zu Einreibungen. 

Ceratan Resinae Pini. Ceratum picis. Ceratum Resinae bur- 
gundicae. Ceratum seu Emplastrum citrinum. Gelbes Wachspflaster. 
Tafelzug. [4 Wachs, 2 Resin. Pini, Seb. und Terpentin ana 1. — 10,0 15 Pf. — 
Das Emplastr. citrin. Pb. ptip. enthält mehr Harz und Talg.] 

Als Zugpflaster und als Excipiens für andere Substanzen benutzt. 

Cereoli Planbi seu satumini. Bleikerzen, Bleibougies. Mit 
Wachs und Liq. Plumb. subacet. getränkte und in der bekannten Bougie- 
form zusammengerollte Leinwandstückchen. — [1 Stück etwa 25 Pf.] 

Cereoli sinillices s. exploratorii s. dilatatorii. Einfache Bougies. 
Wie die vorigen aus einer Mischung von Wachs und Oel bereitet. [1 Stück 
etwa 25 Pf.] Beide Arten sind jetzt durch zweckmässigere Fabrikate voll- 
standig ausser Gebrauch gesetzt. 

Cerimi iiitricui« Cer-Nitrat. Salpetersaures Cerit. [In glei- 
cher Weise wie das folgende Mittel von SiiipMM empfohlen.] i 

Digitized by V^OOQIC 



220 Cerium oxalicum. 



Cerinn oxalican. Oxalsaures Cerit. [1,0 5 Pf.] 
Innerlich: zu 0,05-0,12 2-3 Mal täglich in wässeriger So- 
lution [gegen Magen- und Darm-Catarrhe, Dyspepsie, Pyrosis, und ganz besonders 
gegen Vomitus gravidarum von Sinpson empfohlen ; die Wirkung bei Vomitus gravid, 
von l^aatiel bestätigt.] 

'^'Cerassa. Plumbum hydrico-carbonicum. Plumbum carbonicum Pfc. 
Awtr. White flake. White lead. Blanc de plomb. Blei weiss. [10,0 5Pf.] 

Nur äusserlich als austrocknendes Streupulver [aus der Kinder- 
praxis zu verbannen], zu Salben und Pflastern [die officinellen Präparate.] 

*Cetaceilll. Sperma Ceti. Adipocera cetosa. Spermaceti. Blanc 
s. Sperme de Balaine. Walrath. [Der gereinigte feste Antheil des Inhaltes 
der Kopfhöhlen der Pottwale, vorzüglich des Phyretes macrocephalus. Grossblättrige 
Krystallmasse, schmilzt bei 50*54^; in 40 Th. siedenden Weingeist löslich. Haupt- 
bestandtheile : Cetin (der vollständig gereinigte Walrath) und ein fettes Oel. — 10,0 
10 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-1,5 mehrmals täglich, in Pulver [mit Zucker oder 
Gummi verrieben], in Bissen, in Emulsion [wie die Wachs-Emulsion]. Der 
innerliche Gebrauch des Walraths ist vollkommen entbehrlich und in 
neuerer Zeit höchst selten. 

Aeusserlich: zu Pflastern und Geraten [vergl. die officinellen Prä- 
parate], zu Salben [1 mit 2 Th. Oel], Wachspasten. 

Cetacean saccharatan« Cetaceum praeparatum seu tritum. Ce- 
taceum cum Saccharo. Präparirter Walrath. Walrathzucker. [1 Th. 
Cetaceum mit 3 Th. Zucker. — 10,0 10 Pf.] 

Innerlich: zuweilen als Hustenmittel verordnet, [ünzweckmässig.] 

Charta Cerata« [Mit Wachs getränktes, mehr oder weniger feines Papier; 
zum Einhüllen riechender oder hygroskopischer Pulver, zur Tectur von halben, zu 
Pflaster -Con Voluten (bei gestrichenen oder sehr klebenden Pflastern noch mit Seife 
zu bestreichen). — Das in Fabriken bereitete Wachspapier, welches für den tech- 
nischen Gebrauch ganz geeignet ist, enthält statt des Wachses meist Stearinsäure 
und ist deshalb bei der phaimaceutischen Anwendung zu vermeiden, da dieser nicht 
indifferente Stoff leicht zersetzend auf die Medicamente wirkt; so z. B. wird eine Jod- 
salbe durch die Tectur mit einem solchen Papier schnell decomponirt. — 400 Quadrat- 
Centimeter 5 Pf.] 

"^Charta nitrata* Charta nitrosa. Papier nitr^. Salpeterpapier. 
[Wird dargestellt, indem man ungeleimtes Papier, von mittlerer Stärke, das mög- 
lichst porös ist und keine Wollfasern enthält, mit einer Auflösung von Salpeter in 
Wasser 1 : 5 tränkt und sodann trocknet.] Zum Gebrauch wird das Papier in 
kleine Streifen, von ungeföhr V/4— V2 Quartblatt, zerschnitten und ein 
solcher Streifen angezündet, worauf derselbe langsam verglimmt und da- 
bei weisse Dämpfe bildet, die der Kranke mit offenem Munde einathmet. 

Das Salpeterpapier ist ein vortreffliches, bewahrtes Mittel gegen 
Asthma. Leichte asthmatische Anfälle werden durch die Einathraung 
der aus dem verglimmenden Salpeterpapier aufsteigenden Dämpfe, wenn 
die Einathmung sofort beim Beginn des Anfalles geschieht, beseitigt oder 
gemildert. Durch Anzünden des Papiers vor dem Schlafengehen wird häufig 
sogar ein drohender Anfall hintangehalten. Am besten ist es, einen 
Streifen Salpeterpapier auf einem Teller zu verbrennen; weniger em- 

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Charta oleosa. 221 



pfehlenswerth ist es, das Papier in Cigarrenform rollen und rauchen zu 
lassen. [400 Qaadrat-Centimeter 5 Pf. — Statt des einfachen Salpeterpapiers ist 
ein in Simon's Apotheke durch Tränkung von Salpeterpapier in einer Strammonium- 
tinctur hergestelltes Asthma-Papier von vorzüglicher Wirkung, welches perforirt ist 
und demzufolge ein bequemes Zertheilen gestattet. Dasselbe ist mit einem Isolir- 
streifen versehen, welcher die Handhabung beim Verbrennen ermöglicht. In Cartons 
verpackt eignet sich dies Präparat auch zur Mitnahme auf Reisen.] 

Charta oleosa« Oelpapier. [In eine Masse von Lithargyrum 2 Th., 
Cer. flav., Terebinth. ana 1 Th., welche mit 20Th. Leinöl 1-2 Stunden lang gekocht, 
wird in Seidenpapier getaucht und getrocknet. — Soll alle Vortheile des Wachstaffets 
und der Gutta-Percha- Verbände haben: nae-Hhil.] 

^Charta resinosa s. antarthritica s. antirheuinatica. Gichtpapier. 
[Papier mit SchifTspech und Terpenthin ana 6, Gera flava 4, Colophonium 10. — 
100 Quadrat- Centimeter 5 Pf.] Die frühere badische Pharmakopoe gab ein 
Gichtpapier, welches Mezereum enthielt; andere Vorschriften mischten 
noch stärker epispastische Stoffe, wie Euphorbium, Canthariden hinzu 
[früher der Cod. ned. lanli.]; derartige Präparate sollten, um Irrthümer 
zu vermeiden, lieber als Chartae vesicatoriae bezeichnet werden. Das 
sogenannte Papier chimique besteht aus Seidenpapier mit Leinölfimiss 
bestrichen, ein angenehmes und zweckmässiges Mittel zum Bedecken von 
Erosionen. 

Charta sinapisata» Senfpapier. [Mit entöltem Senfpulver überzogenes 
Papier, welches nicht ranzig riechen darf und mit Wasser befeuchtet, alsbald einen 
starken Geruch nach ätherischem Senföl zeigt.] 

Aeusserllch zu Hautreizen. Zur Application taucht man einen 
Streifen solchen Papiers in Wasser und legt es auf die Haut. 

ChinidillMl« Chinidin. Ein in verschiedenen Chinarinden, vor- 
zugsweise in der Pitoya-, Bogota- und Cartagenarinde (Ifitrqitrt) vor- 
kommendes Alkaloid, welches sich von Chinin stöchiometrisch durch 
den Mindergehalt von 2 Atomen Kohlenstoff, sowie durch die Eigenschaft 
unterscheiden soll, die Polarisationsebene nach rechts zu lenken, wäh- 
rend Chinin dies nach links thut. Das reine Chinidin bildet farblose, 
harte, glasglänzende, schief-rhombische Prismen, ist von stark bitterem 
Geschmack, jedoch dem Chinin an Bitterkeit nachstehend. Seine Wirk- 
samkeit steht nach neueren Beobachtungen der des Chinins nur wenig 
nach, ja es soll geringere Nebenerscheinungen machen. Die Preise der 
Chinidinsalze sind aber nur ca. ^g so hoch als die der Chinsalze. Die 
Anwendung und Grösse der Gaben kommt mit der des Chinins überein. 
Es sind folgende Salze dargestellt: 

Chinidinan borican. Borsaures Chinidin. 

Chinidinam hydrocUorican« Chinidinum muriaticum. Salzsaures 
Chinidin. 

Chinidinan salicylicam. Salicylsaures Chinidin. 

Chinidinan salfarican. Schwefelsaures Chinidin. [Durch Sätti- 
gen des Chinidins mit verdünnter Schwefelsäure; lange seidenglänzende, sternförmig 
gmppirte Nadeln. — Löslich. — 1,0 45 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-0,5-1,0 [in denselben Formen und nach denselben Dar- 

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222 Chinidinum tannicum. 



reichangsweisen wie das gleichnamige Ghininsalz. — Von Wanderlieh mit gutem Er- 
folge gegen Wechselfieber gegeben]. 



Sacchar. 10,0. 

M. f. pulv. div. in p. aeq. No. 5. S. 

Morgens und Abends 1 Pulver. 
[Bei Hemicranie.] Hager. 



401. ^ 
Chinidin, sulfur. 1,5 
Coffcini 

Acid. tartar. ana 1,0 
Morph, mur. 0,05 

Chmidininni tannican« Conchinum tannicum neutrale. Gerb- 
saures Chinidin. Als vollkommen geschmacklos für die Kinderpraxis 
sehr erapfehlenswerth. Rossayay, Apotheker in Arad hat eine ganze An- 
zahl sogen, geschmackloser Chininpräparate (Saccharola Chinini, Chinin- 
zucker, Pastilli Chinini etc.) auf den Markt gebracht. Dieselben werden 
von ■•ger lebhaft empfohlen. Chinidin- und Chinoidintannat sind von 
gleicher Wirkungsweise. S. u. Chinoidin. 

402. I^ 



[Als Katarrhmittel nach dem Grade des 
Fiebers tägl. 3-4 mal je 4-5 Pillen. Als 
Präscrvativmittel bei beginnender Entzün- 
dung der Athmungsorgane , sobald sich 
Schmerz in der Brust oder beim Athem- 
holen fühlbar macht, innerhalb 3 Stunden 
3 mal je 5 Pillen, dann alle 3 Stunden 
2-3 Pillen.] 



Chinidin, sulf. 10,0 
Tragacanthae 7,0 
Rad. Althaeae 
Rad. Gent, ana 3,0 
Lign. santol. rubr. 1,0 
Glyccrini 

Acid. muriat. ana 7,5. 
M. f. pil. No. 200. C. C. 

Hager'sche Katarrhpillen. 

Chinioidean s. Chinoidin. 

Chillinmi« Chinium. Chininum seu Chinium purum. Chinina pura. 
Quinia pura. Quinia. Quinine. Chinin. [0.1 15 Pf.] In Wasser wenig, 
in Alkohol und verdünnten Säuren leicht löslich, in 60 Th. Aether, in 
200 Glycerin löslich. Cave: Metallsalze, Salzbilder. 

Innerlich: zu 0,03-0,5-1,0 in Pulvern, Pillen, weiugeistigen 
Solutionen. [Das reine Chinin ist vollkommen entbehrlich, um so mehr, als bei 
vielen, die es verordnen, die Sitte herrscht, eine Quantität Säure hinzuzusetzen, um 
es löslich zu machen, wodurch dann eben die Salze, die man vermeiden will, erzielt 
werden.] 

Aeusserlich werden gleichfalls nur die Salze angewendet. Indess 
ist in neuerer Zeit zur subcutanen Injection gerade das Chininum 
purum als besonders geeignet von BerMtsIk empfohlen worden, und zwar 
in Aether gelöst [z. B. Chinini 5,0, Aetheris 15,0-20.0, filtrirt und auf 10,0 ver- 
dunstet. Hiervon kann eine Spritze voll (ungefähr 0,3 Chinin , entsprechend 0.44 
Chininum bisulfur.) injicirt werden. Indessen bemerkt Beraatslk selbst, dass auch 
diese Lösung in den Concentrationsgraden , die den gebräuchlichen Chinindosen ent- 
sprechen würden, leicht Entzündung und Abscessbildung an den Eintrittsstellen 
veranlasst. 

Von dem Chinin ist das in neuerer Zeit in die französische Heil- 
mittellehre aufgenommene Quinium, Quinine brüte, Quinine de La- 
barraque, Extrait alcoolique de quinquina ä la chaux, wohl zu unter- 
scheiden. Dasselbe wird bereitet, indem man Chinarinde pulverisirt, mit 
der Hälfte ihres Gewichtes gelöschten Kalks mischt, die Masse mit 
siedendem Alkohol behandelt und diesen abdampft; das Residuum stellt 
dann das Quinium dar. Dasselbe ist eine amorphe, fahle, bröckliche 
Masse, welche sämmtliche Bestandtheile der Chinarinde, mit Ausnahme 

g^ ^ 401-402. Digitizedby^OOgie 



Chininum aceticam. 223 



der Holzfaser, enthält Nach der französischen Vorschrift soll die Be- 
reitung immer derart sein, dass das Chinin im Quinium sich zum Cin- 
chonin wie 2 : 1 verhalte, und dass 100 Gr. Quinium bei der Behandlung 
mit Schwefelsäure 22,20 Gr. Chinin, sulf. und 11,10 Gr. Cinchon. sulf. 
ergeben. Es kann dies Verhältniss nur dadurch erreicht werden, dass 
man die zur Präparation benutzten Chinarinden in Bezug auf ihren Al- 
kaloidgehalt genau kennt und nach dem vorliegenden Postulate mischt. 

Nach ■•■chardat und LaveraM soll das Quinium hauptsächlich gegen 
rebellische Wechselfieber in Malariagegcnden erfolgreich und hier den 
anderweitigen China-Präparaten vorzuziehen sein. 

Das Quinium wird zu 0,1-1,0-1,5 2-10 Mal täglich in Pillen oder 
Boli gegeben. [Die Zuberoitung der Pillen ist einfach, da das Pi^äparat mit 
warmem Wasser erweicht, die Pillenmasse ergiebt.] Man hat auch ein Vinum 
Qttinii vorgeschlagen, bereitet aus 4,5 Quinium, 50,0 Alkohol und 
1000,0 Wein. Dieses Präparat wird von Boaehardat vornehmlich em- 
pfohlen, und zwar 30,0 [2 Esslöffel] pro dosi als Tonicum; 100,0 [etwa 
ein Weinglas voll] als Febrifugum. 

Chininan acetican. Essigsaures Chinin. [Schwer löslich.] 
Schlechtes Präparat, da es bei gewöhnlicher Temperatur schon nach 
Essigsäure riecht, mithin einen Theil derselben abgiebt und bei erhöhter 
Temperatur dieselbe ganz verliert. [0,1 etwa 12 Pf.] 

Chilinvn arseMicicnm. Arseniksaures Chinin. [Schwerlöslich.] 
Innerlich: zu 0,003-0,015. Entspricht nicht den Erwartungen, die 
der Urheber dieses Salzes, dem die Wirkungen der arsenigten Säure 
dabei vor Augen schwebten, davon hegte. [1,0 etwa 12 Pf] 

ChiniMlim bihydrocUoriciim. Saures salzsaures Chinin. Ein Ge- 
misch von Chin. hydrochl. mit einem gleichen Aequivalent Salzsäure. 
Zu subcutanen Injectionen empfohlen und angeblich stärker wirkend als 
Chinin, suifur. Auch in der Verbindung des Chininum bimuriaticum 
carbamidatum von JalTe (löslich in gleichen Theilen Wasser) zu dem- 
selben Zweck empfohlen, doch ebenso wie das erstgenannte nicht schmerzlos. 

"«'ChiniMUl bisalfuricwn. Chininum sulfuricum acidum. Chininum 
suifur. neutrale. Chininbisulfat. Zweifach schwefelsaures Chinin. Saures 
schwefelsaures Chinin. [0,1 10 Pf.] Weisse glänzende Prismen von bitte- 
rem Geschmack. 

Dosis wie Chininum sulfuricum. 

Wenn im allgemeinen die Darreichung des Chinins in flüssiger Form 
als die wirksamste betrachtet werden muss, so erscheint dieses viel zu 
selten gebrauchte Präparat einer grösseren Berücksichtigung werth, da 
es sich ohne weiteres in (10 Th.) Wasser löst; nur hat es den Fehler, 
schnell zu schimmeln. [Zweckmässig ist die in Fraokreich vielgebrauchte Form 
der Aqua carbonica febrifuga, welcher man folgendes Verfahren substituiren 
kann: Von einer Lösung von Chin. bisulfar, (0,5) in Aq. destill. (30,0) nehme man 
einen Theelöffel voll in einem Glase Selterwasser.] 

Chinrani carbolican« In neuester Zeit von Beraatsik dargestellt. 
Innerlich in Pillen [etwa 0,05 oder 06 mit Extr. Calami 0.03 und Pulv. Cass. 
Cinnam. q. s. zu jeder Pille, 6-10 Stück täglich], soll sich bei Puerperalfieber 
bewährt haben (U. Braan). [Da die schwache Basis Chinin mit der schwachen 

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224 Chininam chinicum. 



Säure Carbolsäure unmöglich zu einer festen chemischen Verbindung sich vereinigen 
lässt, so möchte wohl, will man beide Körper gemeinsam verordnen, es vorzuziehen 
sein, die Quantität beider im Recepte anzugeben.] 

CUnimilll cUnican« Chinasaures Chinin. [In dieser Verbindung 
ist, vieler Wahrscheinlichkeit nach, das Chinin in der Rinde vorhanden. — Leicht 
löslich.] 

ChiMinam citricvill« Chinium citricum. Citronensaures Chinin. 
[Schwer löslich. — 0.1 etwa 10 Pf.] 

Innerlich: 0,03-0,5-1,0. [Soll weniger leicht als andere Chininsalze Cin- 
chonismus hervorrufen.] Eine Lösung dieses Salzes mit einem üeberschuss 
von Citronensäure giebt mit Zucker einen nicht allzu schlecht schmecken- 
den Syrup: Syrupus Chinini citrici acidi. 

ChiniMvm dihydrobronatiiiii. Zweifach bromwasserstoffsaures 
Chinin. Zeichnet sich vor den anderen Chininsalzen durch seine Lös- 
lichkeit in Wasser aus und ist zu subcutanen Injectionen empfohlen. 

^Chininam ferro -Citrican. [6 Thl. Citronensäure in 500 Wasser gelöst 
und 3 Th. Eisenfeile zugesetzt. Der zur Syrupsdicke abgedampften Mischung wird 
1 Th. Chinin zugefügt. Durchscheinende, glänzende, rothbraune Blättchen, von eisen- 
artigem und bitterem Geschmack. Langsam in Wasser, schwer in Weingeist löslich. 
^ 1,0 15 Pf] 

Innerlich: 0,1-0,5-1,0 in Pulver, Pillen, Lösung. [Besonders 
bei Anämien, Chlorosen, Schwächezuständen, wo das Chinin mehr als Bittermittel 
und Tonicum dient.] 

ChiMinilll ferro-hydroeyailiewn. [Schiechtes, leicht zersetzliches Prä- 
parat, das von einigen Italienern ruhmredig gegen Intermittens mit entzündlichen 
Complicationen empfohlen wurde.] 

Chininan hydrobroniciuii. Chininum hydrobromatum. Brom- 
wasserstoffsaures Chinin. Chinin-Bromhydrat. [Leichtlösliches Pulver.] 

Innerlich: zu 0,1-0,5-1,0 pro die, in Pulver, Pillen oder Lö- 
sung; äusserlich zur subcutanen Injection [1 : 10 alkoholisirtem 
Wasser] von UMtf empfohlen, um die Wirkung des Chinins mit der des 
Broms zu combinireu. [diUer sah besonders günstige Erfolge von dem Mittel 
bei dem unstillbaren Erbrechen Hysterischer und anderen Magenneurosen, ferner 
gegen periodische Neuralgien, Kopfschmerz, Intermittens. — 1,0 etwa 75 Pf.] 

403. Bf 

Chinin, bromat. 1,0 
Aether. sulfur. 8,0 
Spir. vini 2,0. 
MDS. Vor dem Anfall auf einmal zu nehmen. [Bei Febris perniciosa algida.] 

Mo. Auliffe. 

*Chiiiiiiiin hydrocUorieam. Chininum seu Chinium hydrochlora- 
tum. Chinina hydrochlorica. Chininum muriaticum. Chinini seu Quiniae 
murias. Salzsaures Chinin. Weisse Krystallnadeln von bitterem Ge- 
schmack. [Ziemlich löslich in Wasser, etwas leichter in Alkohol. — 0,1 10 Pf.] 

Innerlich und äusserlich: wie das Chininum sulf. Chininum 
hydrochloricum ist nach Bias^s Untersuchungen dem bislang gebräuch- 
licheren Chininum sulfuricum bei weitem vorzuziehen und bat dasselbe 
wohl schon überflügelt. Es ist löslicher, bildet in Lösung nicht so leicht 
Schimmelpilze wie Chin. sulf. und enthält in derselben Dosis mehr der 

g^ Bf 403. Digitizedby^OOQie 



Chininum hydrocyanicura. 



225 



wirksamen Substanz, im Verhältniss von 83,6:74,3; ist aber freilich 
auch entsprechend theurer. KöbMer empfiehlt zur subcutanen Injection, 
folgende Lösung, welche das Verhältniss von 1 : 4 hat und vollständig 
reizlos sein soll: Chin. rauriat. 0,15-0,25, Glyc. Aq. ana 0,5. Disp. 
sine acido. Lauwarm zu injiciren. Kry stalle von salzsaurem Chinin 
fallen erst nach einer Viertelstunde aus. 



404. Bf 

Chinini hydrochlor. 0,06 
Ammon. chlorat. 
Pulv. Rad. Rhei ana 0,2. 
M. f. pulv. d. tal. dos. No. 12. S. Stdl. 
in der fieberfreien Zeit zu verbrauchen. 
Sohönlein. 



405. 



IV 



Chinini hydrochlor. 0,5 
Ammon. chlor. 8,0 

solve in 
Aq. Cerasor. nigr. 100,0. 
MOS 2 stdl. 1 Esslöffel. AngeUtein. 



406. I^ 

Chinini hydrochlor. 1,0 
Aq. dest. 100,0. 
D. S. Für kleine Kinder 6-8 mal täglich 
1 TheelöfFel, grösseren Kindern zu ^ Ess- 
loflfel. (Zusatz von einhüllenden Stoffen, 
wie Zucker, Schleim u. s. w., soll mit 
Fleiss vermieden werden.) 
[Gegen Keuchhusten.] Bins.' 

407. 1^ 

Chinini hydrochlor. 2,0 

Acid. hydrochlor. dilut. 3,0 

Tinct. Chinae compos. 

Spir. aeth. ana 8,0 

Ol. Menth, gip. 0,25. 
MDS. 4-ßmal taglich 20 Tropfen. 

(Zuweilen noch Zusatz von Tinct. Opii 
simpl. 2,0. — Ausserdem Chinin, hydro- 
chloric. 0,3, in Pulvern 3-4 mal täglich, 
oder statt dessen subcutane Injection 



von Chinin, hydrochlor. 1,0, Acid. hydro- 
chlor. 0,4, Aq. dest. 5,0 ; hiervon mehrere 
Male täglich 1 Spritze voll zu injiciren.) 
[Als Therapeuticum und Prophylacticum 
bei Cholera.] Botkin. 



408. 1^ 

Chinin, muriat. 0,1 
Extr. Belladonn. 0,005 
Sacchar. 1,0. 
M. f. pulv. d. tal. p. No. 10. S. 3 mal 
tägl. 1 Pulver. [Bei Keuchhusten er- 
probt, als die Gesammtdauer abkürzend.] 
Heubner. 



409. Bf 

Chinini hydrochlor. 3,0 
solve in 

Spir. Oryzae 100,0. 
D. S. Täglich 2 Esslöflfel voll auf einmal 
zu nehmen. [Bei Typhus und anderen 
fieberhaften Krankheiten, bei denen man 
die Wirkung des Chinins mit der der 
Spirituosa verbinden will. Heut giebt 
man wohl im Allgemeinen das Chinin 
und die Spirituosen getrennt, weil man 
das Chinin allein besser decken kann] 

410. Bf 

Chinini hydrochlor. 10,0 
Acid. hydrochlor. 4,0 
Aq. dest. 16,0. 
MDS. Zur subcutanen Injection. [Diese 
Mischung soll die zweckmässigste sein. 
S. aber im Text die Angabe von K ö b n e r.] 
Bematsik. 



ChiniMam hydrocliloricaiii anorphan« Von Keraer dargestellt und 
den 10. Theil billiger als das krystall. Salz. Es soll der Wirkung des 
letzteren nahekommen (kerMr), zum Theil, wie z. B. bei Keuchhusten 
(Eksteh), dieselbe erreichen. 

Ckiiinaii hydrocyaiicim« Blausaures Chinin. [Womöglich noch 
schlechter als das Chin. ferro-hydrocyan.] 

ChiMlMOn hydrojodicmi« [Durchaus entbehrliches Präparat, welches 
gegen atonisch-scrophulöse Leiden empfohlen und äusserlich angewendet wurde.] 

Chininan lacticun. Milchsaures Chinin. [Ziemlich leicht in 
Wasser löslich, die wichtigste, vielleicht die einzige Empfehlung, die man diesem 
Präparate geben kann.] 

Evaltl niid Simon, Arxncivcronlntingslelire. tO. Aufl. ic 



22ß Chininutn sulfuricum. 



ChilliMmi litricnm« [Noch nicht erprobt, schwer löslich.] 
Innerlich und äusserlich wie Chin. sulf. 

Chininni phosphoricum. Phosphorsaures Chinin. [Soll nach 
Peretra u. a., das mildeste der Chininsalze sein. — In Wasser und Alkohol schwer 
löslich. — 0,1 etwa 10 Pf.] 

ChiniMMI salicylicmi. Salicylsaures Chinin. [In neuester Zeit 
dargestellt, sein Werth noch nicht geprüft.] 

Chininui stibicui« Antimonsaures Chinin. [Nicht löslich; soll 
abführende, schweisstreibende und antitypische Wirkung in sich vereinigen; deshalb 
von La Caneha und PaUnbo bei Rheumatismus, Arthritis, herpetischen Ausschlägen, 
perniciösen Wechsolfiebem empfohlen.] 

Innerlich: zu 0,1-0,25-0,4 in Pulvern und Pillen. 

ChiniMan salfariean. Chinina sulfurica. Chinium sulfuric. Sulfas 
Quiniae Ph. Brit. und Pb. af the anited statcs. Sulphate of Quinia. Sulfate 
de Quinine. Chininsulfat. Basisch schwefelsaures Chinin. Weisse 
biegsame Krystalle von bitterem Geschmack. [Schwer löslich in Wasser, 
kaltem Alkohol und Aether. Die Löslichkeit wird durch Zusatz von etwas Schwofel- 
säure oder Mixt, sulfurica acida wesentlich erhöht, wobei aber auch das Präparat ver- 
ändert und saures schwefelsaures Chinin erzielt wird (s. Chin. bisulf.). — 1,0 
70 Pf.] Cave: Metallsalze, Salzbilder, Alkalien. 

Innerlich: als Tonicum zu 0,03-0,15 mehrmals täglich; gegen 
Intermittens, intermittirende Neuralgien, Typhus, Recurrens, Pyämie, 
Puerperalfieber, Rheumatismus acutus u. a. zu 0,3-0,5-1,0-2,0 innerhalb 
24 Stunden [jedoch sei man mit den iibergrpssen Dosen vorsichtig, da das Chinin 
keine indifTerente Substanz ist, und sein Missbrauch leicht krankhafte Erscheinungen 
hervorruft]. In der Regel vertheilte man früher bei Intermittens die 
Gesammtdosis des in der Apirexie zu verwendenden Chinins auf gleiche 
Theile und liess dieselben 1-2 stündlich nehmen, wobei jedoch zu rathen 
ist, 1-2 Stunden vor dem Anfalle aufzuhören, statt dessen 3-4 Stunden 
vorher doppelte Dosen zu geben. Zweckmässiger und ökonomischer ist 
die von PfeHfcr und n«rlti Meyer empfohlene, jetzt allgemein übliche 
Methode, grosse Dosen des Chinins in der fieberfreien Zeit auf einmal 
nehmen zu lassen; die Wirkung ist sicherer als bei den vertheilten Dosen, 
und die zu verbrauchende Gesammtmenge geringer. T«r«poff und Bernatsik 
stellen auf Grund grosser Beobachtungsreihen im Kaukasus und an den 
Ufern des Po und der Etsch als Normaldosis für die Behandlung des 
Sumpfwechsel fiebes 0,6 Gr. auf. Der nächste Anfall bleibt gewöhnlich 
aus, wenn zwei solcher Dosen gegeben werden, worauf man täglich eine 
solche Dosis bis zum 4.-5. Tag reicht und bei eintretender Chininvergiftung 
(Ohrensausen, Schwindel etc.) auf 0,3 herabgeht. Auf diese Weise kommt 
man für die Gesammtbehandlung mit 4,0 Gr. aus und erspart mehr an 
Chinin als mit zu grossen oder zu kleinen Dosen. Bei perniciösen Fiebern 
muss die Dosis von 0,6 häufiger, etwa alle 5 Stunden, in comatösen 
Fällen alle 3 Stunden am Tage gegeben werden. Als Zusatz zum 
Chinin wird bei perniciösen Wechselfiebern, namentlich solchen, die 
mit heftigen Gehirnsymptomen auftreten, oder wenn das Chinin Durch- 
fall hervorruft, das Opium gegeben. Ausser bei Wechselfieber wird auch 
bei anderen acuten fieberhaften Krankheiten das Chinin in neuester Zeit 



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Chininum sulfuricum. 227 



in sehr grossen Dosen als Antipyreticum gereicht. Bei Abdominal- 
typhus und anderen hochgradigen Fiebern empfehlen LieberMeister und 
iMler 1,0-1,5, bis selbst 2,5 auf einmal zu geben, oder innerhalb einer 
Stunde in Einzeldosen von etwa 0,5-1,0 zu verabreichen, dann elrst nach 
48 Stunden die gleiche Dosis oder, wenn nöthig, eine stärkere gebrauchen 
zu lassen. Liebenneister empfiehlt hohe Dosen namentlich bei biliöser und 
asthenischer Pneumonie, Rheumatismus articul. acutus, Pleuritis acuta und 
selbst bei Phthisis pulmonum. Ausser bei den fieberhaften Krankheiten 
hat das Chinin in neuerer Zeit ausgedehnte Anwendung bei Neurosen 
aller Art sowohl der sensibelen als der motorischen Sphäre, theils als 
schwefelsaures oder salzsaures Chinin, theils in den anderen genannten 
Verbindungen, theils mit anderen Nervinis und Roborantien zusammen 
gefunden. Bini hat das salzsaure Chinin mit gutem Erfolg beim Keuch- 
husten angewandt und hat darin von vielen Seiten Bestätigung erfahren 
(laseBliaeli, Blekel). Man giebt es am besten täglich mehremal soviel Deci- 
gramm als das Kind Jahre zählt in wässriger Lösung, so dass sich die 
ganze Tagesdosis auf 3-4 Kinderlöffel vertheilt. — Formen: in Pulvern 
[mit Oelzucker oder aromatischen PflanzeDpulvern, z. B. Pulvis Florum Chamomillae; 
besser die Darreichung in Capsulis operculatis oder Capsulis amylaceis, wo man 
keines weiteren Zusatzes, auch bei kleinen Chinindosen bedarf], in Trochisci [mit 
Chokolade, eine in der Kinderpraxis sehr zweckmässige Form] in Pillen, in 
weingeistigen Solutionen [deshalb nicht immer zu empfehlen, weil man bei 
grösseren Dosen Chinin zu grosse Gaben des Vehikels mit verabreichen muss ; häufig 
aber gerade wegen dieser Verbindung mit Alkohol zweckmässig], wässerigen 
Solutionen [mit Hülfe von Säuren (Acid. sulfuric. oder Acid. hydrochloricum) 
bereitet (vergl. oben)]. Als ein vortreffliches Vehikel für Chininsalz« em- 
pfehlen die Engländer (BatterbHry u. a.) und hat sich auch uns (Ewald) 
bewährt, die Milch. 30 Gr. Milch auf 0,05 Grm. Chinin geben eine fast 
geschmacklose Mischung. 

Aeusserlich: Endermatisch [Verband der denudirten Hautstelle mit 
Chininsalbe oder Einstreuen von Chininpulver] oder in Einreibungen in die 
Wangen- und Zungenschleimhaut. [Beide Formen obsolet.] In hypoder- 
matischer Injection [vergl. oben und S. 81], im Clysma [0,3-1,0-2,0 auf 
ein Clysma. iehaHi empfiehlt solche Clysraata als äusserst wirksam gegen Ascariden. 
Liebermeister empfiehlt Klystiere von grossen Dosen, selbst 2,0 pro Clysma, in Fällen, 
wo Chinin innerlich nicht vertragen wird], zu Suppositorien, in Salben 
[Sentnas empfiehlt Einreibungen von Chin. sulfur. 1, Adeps 40-80 zu 3-6 Mal täg- 
lich wiederholten Einreibungen in die Achselhöhlen und beide Leistengegenden b6i 
Intermittens und Remittens infantum]; als Zusatz von Haarpomaden [0,5-1.0 
auf 25,0]. In neuester Zeit hat Iclmh^lti an sich selbst das Chinin zu 
Einspritzungen in die Nase [Solution von 1:750 Aq.] gegen Heufieber 
[zur Zerstörung der in die Nase eingewanderten Keime] mit Erfolg angewandt. 
[Die Application geschieht mittelst Spritze oder besser mittelst der Weber^schen 
Nasendouche: Uns], ebenso ist es als Schnupfpulver und in Pillen bei 
beginnenden Nasenrachencatarrhen (Hager s. Chinidin, sulf. und B. Frar.Hkel) 
mit Erfolg verwendet worden. Zu Inhalationen in zerstäubter Form 
ist das Chinin gegen intermittirende Respirationskrankheiten gleichfalls 
versucht worden (Heber), und neuerlichst auch von (lerhardt gegen Pneu- 
monie empfohlen [Chinin, hydrochloric. in V2Proc. Lösung], desgleichen in 

Digiji^ by^OOQlC 



228 



Chininum sulfaricum. 



Pulverform zu Insufflationen in den Kehlkopf und in die Trachea 
[Chinini hydroohlor. 0,01-0,015, Natr. bicarb. 0,015, Gummi Arab. 0,25 pro dosi, 
gegen Keuchhasten: Letierieh^ BIm]. Endlich zu Injectionen in die 
Urethra gerühmt [in 1 pGt. Lösung, bei Gonorrhoe: laberkori]. 



4U. Vf 

Chinini sulf. 0,1 

Cort. Fruct. Aurant. 0,3 

Saccbar. 0,5. 
M. f. pulv. d. tal. dos. No. 8. S. In der 
fieberfreien Zeit zu verbrauchen. 



412. I^ 

Chinini salf. 0,1 
Sacch. albi 0,5. 

M. f. pulv. d. tal. dos. No. 12. [Bei 
Tertiana: am fieberfreien Tage 2stdl. 
1 Pulver, die übrigen 6 Pulver am Fieber- 
tage vor Eintritt des Paroxysmus halb- 
oder einstund l. zu verbrauchen. Diese 
Verordnung 3mal durchgebraucht, gleich- 
viel ob das Fieber wiederkehrt oder nicht; 
später Nachkur mit kleinen Chinindosen 
oder Chinoidin.] 



413. Bf 

Chinini sulf. 0,6. 

D. in Chart, amylac. No. 6. [Bei Tertiana 
am Tage vor dem Anfall und am An- 
fallstage 2 Pulver, an den folgenden 
1 Pulver täglich.] Bematsik. 



414. 



^ 



M. f. 



Chinini sulf. 0,2 

Opii 0,06 

Sacch. 

Elaeosacch. Menth, ana 0,3. 
pulv. D. S. Kurz vor dem Anfall 
zu nehmen. [Bei bösartigen Wechsel- 
fiebem.] Naumann. 



415. I^ 

Chinini sulf. 0,1 
Extr. Belladonnae 0,02 
Pulv. Flon Chamom. 0,5. 
M. f. pulv. d. tal. dos. No. 10. i. caps. amyl. 
D.S. 2stdl. 1 Capsel. [Der Zusatz von 
Extr. Belladonnae macht bei vielen Per- 
sonen, die an gastrischer Reizung leiden, 
das Chinin erträglicher.] 



416. 



Chinini sulf. 0,1-0,15 

Acid. tartar. 1,2 

Natr. bicarb. 

Sacch. alba ana 1,5. 
[. f. pulv. Disp. tal. dos. No. 10. D. S. 
Mehrere Male täglich 1 Pulver in Wasser. 
[Brausemischung.] Meirieo. 

Iflr Bf 411-423. 



417. Bf 

Chinini sulf. 2,0 

Extr. Trifol. fibr. q. s. 
ut f. pil. 20. Consp. Cass. Cinnam. D. S. 
In der fieberfreien Zeit zu verbrauchen. 



418. I^ 

Chinini sulf. 0,3 
Mass. pil. Yaletti 4,0 
Pulv. aromat. q. s. 
ut f. pil. 30. Consp. Cass. Cinnam. D. 
S. 3 mal täglich 4 Stück zu nehmen. 
[Eine bei erschöpften Constitutionen 
(namentlich durch dissoluten Lebens- 
wandel) trefflich wirkende Verbindung 
aus Eisen und Chinin.] 



419. 



^ 



Chinin, sulf. 3,0 
Sem. Colchici pulv. 1,0 
Extr. Digitalis 0,4. 
M. f. pil. No. 20. Consp. Lycopod. D. S. 
1-3 Pillen täglich. [Gegen Gicht] 

BeoguereL 

420. Bf 

Chinini sulf. 0,5 

Mixt sulf. acid. 0,5 

Aq, Cinnam. 100,0 

Syr. Ruh. Id. 25,0. 
MDS. 1-2stdl. 1 EsslöflFel. 



421. Bf 

Chinini sulf. 0,2 
Extr. Cannab. indic. 0,4 
Sacch. lact 3,0. 
M. f. pulv. Divid. in part. aeq. No. 6. 
D. S. 2stdl. 1 Pulver. [Bei Lungen- 
tuberculose.] Sooda. 



422. Bf 

Chinini sulf. 3,0 
Acid. sulf. dil. 1,5 
Aq. dest 150,0. 
D. S. l-2stdl. 1 Esslöffel voll zu nehmen. 
[Im nervösen Stadium des Typhus.] 

DietL 



423. 



Bf 



Chinini sulf. 1,0 
Acid. sulf. dil. 2,0 
Aq. dest 30,0. 
D. S. ^'i Tbeelöffel bis zu 1 Esslöffel 
pro dosi (in einem schleimigen Vehikel). 
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Chininum sulfurico-tartaricum. 



229 



[Dasselbe wird namentlich als Zusatz za 
Mixturen verordnet.] 
Liquor Cinchonae bisulf, der englischen 
Autoren. 



424. I^ 

Chinini sulf. 0,03 
Acid. sulf. dil. 1,0 
Aether. 0,3-0,6 
SjT. Aurant. Cort. 4,0 
Decoct. Scop. comp.*) 30,0. 
M. f. Haustus« S. 3stdl. einen solchen 
Trank zu nehmen. [Bei Typhus exan- 
thematicus, wenn Stimulantien erforder- 
lich sind.] Murohiaon. 



425. 



^ 



Chinini sulf. 0,1 
Acid. sulf. dil. 3,0 
Inf. Cort. Cascarill. 100,0 
Tinct. Hyoscyami 6,0 
Syr. Sacch. 25,0. 
MDS. 3 mal taglich einen vollen Esslöffel. 
[Bei Nachtschweissen.] Ghraves. 

426. I^ 

Chinini sulf. 0,3 

Vini hispan. 500,0, 
D. S. Stdl. l Esslöffel. 
[Chinin -Wein.] Magendie. 



427. Hf 

Aloes 

Rad. Angelicae 
Rhiz. Zedoar. ana 4,0 
Camphor. 
Croci ana 0,3 

Digere per aliquot horas c. 
Spirit. dilut 100,0 
in Colat solve 
Chinin, sulf. 2,0. 
D. S. Täglich 4-6Theelöffel zu verbrauchen. 
Warburg's Fiebertropfen. 
[Aehnlich dieser Mischung ist die T in et 
antifebrilis der österreichischen Fh. 
oastr. und das B6oanldr'sche Elixir 
aloetico-febrifugum.] 

Cliiiiiiiui sidfarie^-tartarieui. 



428. B, 

Chinini sulf. 1,0 
Ol. Cacao 6,0. 
M. F. suppositorium. [In Fällen, wo die 
innerliche Darreichung sich verbietet.] 
Boudin« 



429. 



10 



D. S. 



430. 



D. S. 
431. 



Chinini sulf. 5,0 
Ferri sesquichlor. gtt. 25 
Acid. hydrochlor. &1. gtt. 
Glycerini gtt. 15 
Extr. Trifol. fibr. 4,0 
Pulv. rad. Althaeae 0,5 
n n Gentian. q. s. u. f. piL 
No. 100. C. C. 
2-3 mal tägl. 1-2 Stück. 
Pill. Chinini c. ferro sesquichl. 

Hager. 

Chinini sulf. 1,0-2,0 
Aq. 100,0 

C. adde vitell ovi unius 
Tinct. Opii simpl. gtt. 15,0. 
Zu 2 Klystieren. 



^ 



Chinini sulf. (vel hydrochlor.) 1,0 

solve ope pauxill. 
Acid. hydrochloric. 

in 
Aq. dest. 75,0 
Glycerini 25,0. 
MDS. Aeusserlich. [Zur Einspritzung in 
die Harnröhre bei Gonorrhoe.] 

Haberkom. 



432. IV 

Chinini sulf. 

Acid. tannic. ana 2,5 

Bals. i)eruv. 1,0 

Contere et succ. affunde 
Aq. Coloniens. 5,0 
Admisce Ungt. rosat. 50,0. 
D. S. Uaarpomade. Unguentum contra 
Alopeciam et contra fissuram capillor. 

Sulfo-taxtras Chinü. Schwefel- 



weinsteinsaures Chinin. 

Barelli will die Erfahrung gemacht haben, dass dies Präparat, welches man 
durch eine Mischung gleicher TheÜe Weinsteinsäure und schwefelsauren Chinins ex- 
temporirt, wirksamer sei, als dieses letztere allein, und dass bei der Kur hartnäckiger 
Fieber oder Milztumoren nach Sumpffiebern nur die Hälfte der sonst nothwendigen 
Chinin-Quantität bei Darreichung dieses Präparates erfordert wird. 

Chinimim tMiicui. Gerbsaures Chinin. [1,0 30 Pf. — Das 



*) Yeigl. Herba Spartii Scoparii. Statt dieses bei uns ganz ungebräuchlichen 
Decoctes kann ein beliebiges anderes schleimiges oder aromatisches Constituens ge- 
wählt werden. ryr\nif> 



1^ 



230 Chinin um tariariciim. 



wenigst lösliche aller Chinin-Praparate, und darum dem Geschmack e am erti-aglichsten, 
aber auch in der Chininwirkung am mangelhaftesten. Indessen hat Beeker seine Re- 
sorptionsfähigkeit nachgewiesen und es mit Erfolg, von üigeiibieh bestätigt, bei 
Keuchhusten angewendet. In einem Esslöffel mit Zuckerwasser angerührt zu nehmen. 
Dosis doppelt so gross wie bei Chin. sulfur. In denjenigen Fällen, in denen wegen 
Diarrhöe andere Chininsalze niclit gereicht werden können, sowie bei Kachtsch weissen 
und anderen colliquativen Symptomen von IttiMin und Wtiff empfohlen. 

Innerlich: zu 0.1-1,0-2,5 und mehr pro dosi [in der Regel das 
2-4 fache von Chininum sulfuricum]. 

ChiüiiiHm tartarieam. Weinsteinsaures Chinin. [Dem citronen- 
sauren Chinin ähnlich und wie dieses zu brauchen.] 

Chiiiiiiam yaleriaiiicam. Baldriansaures Chinin. [0,1 15 Pf. 
— Ziemlich leicht in Wasser, leicht in Alkohol und Aether löslich.] 

Innerlich: zu 0,05-0,5 bei intermittirenden Neuralgien [namentlich 
auf hysterischem Boden], bei Interraittens mit grosser Reizbarkeit des 
Magens empfohlen; in Pulvern oder Pillen [nicht in Mixturen, da das 
Präparat leicht zersetzlich ist]. 

'^ClÜB^idiBUI. Chinioideum. Chinioidina. Chinioidinum. Chi- 
noidin, Chinioidin. [Trockne, glänzend braune, bitter schmeckende Masse, in 
Wasser fast gar nicht, in Alkohol und verdünnten Säuren leicht und vollständig 
löslich. — Chinoidin wird nach neueren Untersuchungen als eine amorphe Modification 
des Chinins angesehen, zu dem es wahrscheinlich in ähnlichen Beziehungen steht, wie 
der Traubon- zum Rohrzucker (Hemer ^ Binx). Es kommt neben dem Chinin und 
Chinidin in der Chinarinde vor und man erhält es als Rückstand aus der Chinin- 
bereitung, der nicht mehr zur Crystallisation gebracht werden kann, was wahr- 
scheinlich eine Folge der Einwirkung des Lichtes auf die äusseren Schichten der 
Rinde am Baum ist. — 10,0 20 Pf. — Durch Auflösen das Chinoidin in verdünnter 
Schwefelsäure und Behandeln mit Natriumhyposulfit erhält man ein harzfreies, gelbes 
klebriges Präcipitat, das gereinigte Alkaloid: amorphes Chinin, Beta-Chinin. 
Die Ph. n. besagt hierüber nichts.] 

Innerlich: zu 0,1-1,0-3,0 pro dosi [in der Regel berechnet man 2-3 Mal 
so grosse Dosen, als von Chinin], in Pulver [mit Zucker oder Gummi verrieben, 
nach Bernitilk am besten mit Zusatz von V, Acidum tartaricum], in Pillen, 
weingeistigen Auflösungen [s. Tinct. Chinoidini] und in wässerigen 
Lösungen und Säuren. 



433. I^ 

Chinoidini 

Elaeosacchari Calami ana 0,5. 
M. f. pulv. Dispens, tal. dos. No. 10. D. 
in Charta cerata. S. 3stdL 1 Pulver. 



434. l\f 
Chinoidini 4,0 
Aeid. tart. 0,3 

Mucil. Gummi Arab. q. s. 
ut f. pil. No. 30. Consp. Cass. Cinnam. 
D. S. Stdl. 1 Pille. 

[Durch den Zusatz von Säuren wird 
das Chinoidin viel leichter assimilirbar.] 

435. IV 
Chinoidini 5,0 



Aeid. sulf. dil. 2,0 
Aq. Menth, pip. 150,0 
Syr. Zingiberis 25,0 
Spir. aeüier. 2,0. 
MDS. Stdl. 1 Esslöflfel. 



436. Bf 

Chinoidini puri 10,0 

Aeid. tartar. 

Ferr. sesquichlor. ana 4,0 

Glycerini gtt. 20 

Rad. Althaeae 5,0 

Rad. Genth. q. s. u. f. 
Pil. No. 200. S. TägUch 4 mal 3-4 Pillen. 
[Bei Bergkrankheit, Fieber, Körper- 
schwäche, Bleichsucht.] 



^ 433.436. Digitizedby 



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Chinolinum. 23 1 



Chiü^idiiiim hydroehlorieam, salfarieam, aceticam, citriemn, 
taHBicam« Letzteres jüngstens von Bim als Ersatz des Chininum tanni- 
cum [aus dem theuren Chininum sulfuricum dargestellt] empfohlen. Alle diese 
Präparate lassen sich wie das Chinoidinum purum verwerthen; am geeignet- 
sten ist das Chinoidinum hydrochloricum nach Benttsik. — Von iNehek^ 
Chwtsiek^ Brtii werden günstige Resultate von der Anwendung der Chi-* 
noidinpräparate, besonders bei Intermittens und Puerperalfieber, berichtet. 

Chlliolill, eine aus der Destillation von Chinin oder Cinchonin mit 
Alfealien gewonnene, aber auch synthetisch darstellbare Flüssigkeit von ^ 
bitterem Geschmack, Geruch nach bitteren Mandeln, farblosem Aussehen. 
Schwer in kaltem, leichter in heissem Wasser löslich. Hat nach den 
Untersuchungen von ••ntih antiseptische, antizymotische und antipyre- 
tische Eigenschaften. So verhindert eine 0,2proc. Lösung die Fäulniss 
des Harns, eine 0,4proc. die des Blutes. Subcutane Injectionen von 0,2 
bis 0,35 Gr. gaben bei Thieren Temperaturemiedrigen von 1 — 1,5 pCt. 
Beim Menschen sollen Dosen von 1-2 Gr. pro die zur Anwendung 
kommen. Von Seifert wird es zur Pinseiung des Rachens iu 5proc. Lö- 
sung gerühmt. 

Chliolimiin bisnlfariciim, muriaticnm, tanicnm, tartaricnm 
sind angezeigt. Das Chinol. tartaric. zeichnet sich vor den anderen Chi- 
nolinsalzen dadurch aus, dass es an der Luft nicht zerfliesst. Es ist in 
5proc. Lösung von Rtch mit Erfolg beim Keuchhusten gebraucht worden. 
Brieger spricht dagegen dem Chinolin jede antipyretische Wirkung ab und 
erkennt ihm nur die zu, den Magen heftig zu reizen. 



437. Bf 

Chinol. tartarici 1,0 

Aq. dest. 

Svr. simpl. ana 75,0. 
MDS. 3stdl. l Esslöffel. 
[Bei Keuchhusten.] Eooh. 



438. I^ 

Chinol. tartar. 1,0 
Aq. dest. 

Syr. Rub. Idaei ana 50,0 
Aq. Laurocerasi 1,0-3,0 
D. ß. 3 Stunden vor dem Anfall in 2 bis 
3 Dosen zu nehmen. 

[Bei Intermittens.] Loewy. 

"""Chl^ralui hydratum. Chloratum hydratum crystallisatum. Hydras 
Chlorali. Hydrate of Chloral. Hydrate de Chloral. Chloralhydrat. 
Chloral. [Farblose Crystallo, von eigönthümlich stechendem Geruch, scharfem, 
bitterem Geschmack, leicht in Wasser löslich, von neutraler Reaction. Chloral ist 
eine Vorstufe des Chloroform und wird durch Zusatz von Alkalien in dasselbe über- 
geführt. — 1.0 5 Pf.] Das Chloralhydrat ist ein mächtiges Hypnoticum 
und Anästheticum; es bewirkt sehr schnell einen ruhigen, natürlichen 
Schlaf, der nicht von Kopfschmerzen gefolgt ist, und zeigt sich selbst 
dort noch wirksam, wo Morphium in grossen Dosen erfolglos angewendet 
wurde. Untersuchungen vieler anderer Autoren haben Uebreleh's Ent- 
deckung bestätigt und den hohen therapeutischen Werth des Chloral- 
hydrats ausser Frage gestellt. [Zuerst t. Ltngeiibeek^ Bardelebe h^ Westphil, 
Jistrtwits, BfMirqNiy u. a.] Das Chloralhydrat ist deshalb schnell zu all- 
gemeiner Verbreitung gelangt und darf mit vollem Recht als eine der 
wirksamsten Bereicherungen unseres therapeutischen Rüstzeuges angesehen 
werden. Dasselbe erweist sich in grossen Dosen wirksam bei jeder Art von 
Schlaflosigkeit; es hat vor den Opiumpräparaten ausser vielen anderen 
schon genannten noch den grossen Vorzug, dass sich die Patienten nicht daran ^ 



232 ^ Chi oral um hydratum crystallisatum. 

gewöhnen, derart, dass man die Dosis bald mehr und mehr zu erhöhen 
genöthigt wäre. In kleineren Dosen ist es femer ein empfehlenswertlies 
Sedativum bei verschiedenen Neurosen. Wo die Schlaflosigkeit Folge 
schmerzhafter Affectionen, namentlich peripherer neuralgischer Schmerzen 
ist, wirkt es zwar auch schlafmachend, aber nicht wie die Opiate zugleich 
schmerzstillend. Von Krankheiten, bei denen es sich wirksam zeigte, ver- 
dienen namentlich Erwähnung: Delirium potatorum (t. LtHgettlieek), Tris- 
mus und Tetanus (t. LtHgciibeck^ Llebreleh), schmerzhafte Gelenkentzün- 
dungen und schmerzhafte chirurgische Krankheiten (Uebrcich^ Btrdelebett), 
Eclampsia parturientium, Spasmen, Crampi und sonstige Neuralgien, 
Chorea (Britttn), Asthma (Biermer), Koliken, namentlich Gallenstein- 
und Nierensteinkolik (Beek^ fll'lUf), cutane Hyperästhesie und Prurigo 
senilis (Iparie), Seekrankheit (Börlng), Hysterie, Singultus, Pollutionen, 
Keuchhusten u. s. w. ; ferner in der Pädiatrik, wo man Opium-Präparate 
furchtet (Uebreieh), auch bei nächtlicher Micturation der Kinder als erfolg- 
reich gerühmt (IH'Rae); am wichtigsten und wirklich unschätzbar erweist 
sich das Chloralhydrat in der Psychiatrie (Liebreich^ Westphal^ JastrtwiU) 
als ein alle anderen Mittel übertreffendes Hypnoticum und Sedativum. 
Eine weitere Verwendung findet die antifermentative Fähigkeit 
des Chlorals, aus welchem Grunde es bei leichten Magengährungen in 
wiederholten kleinen Gaben von Erfolg ist (Ewald). [Die fortgesetzte Dar- 
reichung grösserer Dosen veranlasst schliesslich Rachencatarrh und führt zu grossem 
Widerwillen des Patienten gegen das Mittel.] 

Innerlich: als Hypnoticum zu 1,0-2,5-3,0! als Einzelgabe zu 6,0! 
als Tagesgabe [6,0-8,0 und mehrl bei Delirium potatorum]; wo noth wendig, in 
kurzen Pausen zu wiederholen. [Die Ph. II. hat die Maximaldosen des Chlorals, 
namentlich die Tagesgabe auffallend niedrig gestellt. Dieselbe wird vielfach über- 
schritten werden und sind namentlich Dosen von 3,0-5,0 mehrere Male kurz hinter- 
einander gereicht, ohne Gefahr: JastrtwlU^ während allerdings 7,0-8,0 auf ein- 
mal genommen, einen drohenden asphyktischen Zustand hervorzurufen vermögen]; 
als Sedativum zu 0,2-0,5-1,0-2,5 pro dosi l-2stündlich. In manchen 
Fällen wirken schon diese kleineren Dosen, etwa von 1.0 an, hypnotisi- 
rend. Bei Kindern namentlich sind immer zuerst die kleineren Dosen zu 
wählen. [Eine Verbindung kleiner Dosen Chloralhydrat (1,0) mit klei- 
nen Dosen Morphium (0,01) soll vorzüglich sedativ wirken, während kleine Dosen 
Chloralhydrat für sich allein excitiren : JastrtwiU. In Verbindnng mit grossen Dosen 
Bromkalium sollen gleichfalls schon kleine Mengen Chloralhydrat schlafmachend wir- 
ken, z. B. Chloral. hydrat. 1,0-1,2 mit Kalii bromat. 1,0-2-0: IR^Rw.] Ftfiie em- 
pfahl behufs Anästhesirung zu Operationen der Chloroforminhalation eine 
volle innerliche Gabe von Chloralhydrat vorauszuschicken, ein Verfahren, 
was sich sehr bewährt hat. Die Verbindung von Campher mit Chloral 
ist von Ttseher bei neuralgischen Schmerzen sehr gerühmt. Die beste Form 
der Darreichung ist die Lösung, für sehr kleine Dosen sind auch Pillen 
oder Bissen empfehlenswerth, ferner kommen Electuarien und in 
neuester Zeit auch kleine Gallertkapseln (Chloral perle) zur Ver- 
wendung. Doch vermeide man es, Chloral in concentrirter Form auf die 
Magenschleimhaut zu bringen, da vermöge seiner corrosiven Wirkung 
leicht Reizung und Aetzung eintreten könnte. 

Aeusserlich: in Substanz zu ungefähr 3,0 Gr. mit Erfolg in eine 

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Chloralum hydratum crystallisatum. 



533 



offene Wunde bei Tetanus und Trismus gebracht von Bigeltw^ zur sub- 
cutanen Injection als Sedativum und Hypnoticum [0,5-2,5 und mehr: 
nicht bewährt], dagegen im Clysma mit Erfolg angewandt und sehr em- 
pfehlenswertn, desgleichen zu Suppositorien. Zu Injectionen in die 
Trommelhöhle bei trocknen Mittelohrcatarrhen von Wreden und Liete be- 
nutzt [1,0 auf 30,0 Aqua.] [Sogar Injectionen in die Venen sind behufs 
Anästhesirung zu schweren Operationen und bei Tetanus versucht worden und zwar 
wurden 1,0-8,01 mit dem 5 fachen Wasser verdünnt in die Vena saphena injicirt: 
tre^ ieaefe und rum Wetter. Schwerlich wird das Verfahren in Anbetracht seiner 
grossen Gefährlichkeit Nachahmung finden.] 

Nach LIebreieh's neuerer Entdeckung ist ein wirksames Antidot gegen 
Chloral- (und Chloroform-) Vergiftung Strychnin in subcutaner Injection. 



439. I^ 

Chlorali hydrati 2,5 
Aq. dest. 

Mucil. Gummi Arab. 
[oder Syr. Aurant. Cort.] ana 15,0. 
MDS. Auf einmal zu nehmen als gewöhn- 
liches Hypnoticum [oder 1 Thee- bis 
Essloffel voll als Sedativum.] 

O. Iiiebreich. 



440. IV 

Chlorali hydrat. 4,0 
Aq. dest. 

Syr. Aurant. Cort. ana 15,0 
MDS. Abends 1 Esslöffel voll zu nehmen 
[als gewöhnliches Hypnoticum] oder auf 
einmal zu nehmen [bei Delirium pota- 
torum, wobei die Dosis des Chloral. hydr. 
bis zu 8,0 und mehr! erhöht werden 
kann]. O. Liebreich. 



MDS. 



441. R 

ChloraÜ hydrat. 3,0 
Kalii bromat. 5,0 
Aq. dest. 100,0 
Syr. Aurant. Cort. 50,0. 
Den dritten Theil Abends auf ein- 
mal zu nehmen. [Hypnoticum.] 

442. Tif 

Chlorali hydrat 5,0 
Aq. dest. 10,0. 
D. S. 1 Theelöffel voll in einem Glase 
Wein, Bier oder Limonade zu nehmen. 
[Hypnoticum.] O. Liebreich. 



443. 



^ 



MDS. 1 -2 stdl. 1 Esslöffel. [Sedativum, z. B. 
bei Geisteskranken.] Jastrowiti. 



444. IV 

Chlorali hydrat 9,0 
Morphin, acet 0,05 
Aq. dest. 80,0. 
MDS. Abends 1 Esslöffel voll zu nehmen. 
[Als Anodynum sedativ, und hypnotic] 
O. Liebreich. 



445. Bf 

Chlorali hydrat 5,0 
Aq. dest. 10,0. 
D. S. Abends die Hälfte in einer kleinen 
Tasse Milch zu nehmen. [Benimmt den 
kratzenden Geschmack des Chlorals.] 
Ewald. 

446. IV 

Chlorali hydrat 10,0 
Cer. flav. 7,5 
Ol. Cacao 12,5. 
F. Suppos. No. 5. 

447. IV 

Chloral, hydrat 4,0 
Sapon. med. 2,5 
Mellis q. s. 
ut f. suppositoria No. 2. Whidbome. 

448. IV 

Chloral. hydrat 2,5 
Aq. dest. 

Mucilag. Gummi Arab. ana 50,0. 
MDS. Zum Klystier. 

449. IV 

Chloral. hydrat 0,5 

Pulv. gummös. 1,5. 
M. f. pulv. D. in part. aeq. No. 10. S. 
Alle 10-15 Minuten 1 Pulver in der ge- 
sammten Muttermilch bis zum Eintritt 
der Wirkung zu nehmen. Monti. 



Chlorali hydrat 10,0 
Morphii acet. 0,1. 

Solve in 
Decoot Alth. 150,0 
Succ. Liquir. dep. 10,0 

(lll#r#dyMe« Unter diesem Namen wird ein local wirkendes, schmerz- 
stillendes Mittel in den Handel gebracht, dessen Zusammensetzung Ftrn- 
wie folgt angiebt: K Morph, muriat. 0,5, Aq. 16,0, Chloroform. 6,0, 

^'9'^il" 439-449 



2.^4 Chloroformlura 



Tinct. Cannab. 6,0, Acid. hydrocyan. dil. gtt. xij, Alcol. 24,0, Ol. Menth, 
pip. gtt. ij, Tinct. Capsic. ana gtt. x. 

^Chloroformiui« Formylum chloratum. Formylum perchloratum. 
[Die von einigen Autoren früher gebraachte Bezeichnang: Carboneum chloratum ist 
durchaus irrig und verwerflich, und giebt, wie dies schon vorgekommen, zu Miss- 
griflFen in der Verordnung Anlass.] Chloroform. Forraylchlorid. [Spec. 
Gew. = 1,485-1,489. — Angenehm aätheriscb-süsslich riechend, von süssem, bren- 
nendem Geschmack; farblos; mit Aether, Alkohol und fetten Gelen in jedem Verhält- 
niss mischbar; in Wasser wenig löslich, nicht brennbar. — Ein tadelloses Chloroform 
(und ob es dies sei, davon hat sich der Arzt vor jeder Anwendung zu überzeugen) 
muss das vorgeschriebene spec. Gewicht haben, mit Wasser geschüttelt blaues Lakmus- 
papier nicht röthen, mit gleichen Theilen Acidum sulfuricum gemengt, dieses nicht 
färben, und muss vollkommen flüchtig sein. — 10,0 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,15-1,0-1,5 mehrmals täglich pure in Tropfen 
[2-10-20 Tropfen auf Zucker. Bei hartnäckigem Erbrechen, Cardialgien, Neurosen 
des Magens sind häufig 5-6 Tropfen Chloroform auf Eispillen alle 10-15 Minuten ge- 
nommen, von vortrefflicher Wirkung: Ewald], in schleimigem Vehikel, in 
Oel-Emulsion [unzweckmässig] oder in ätherischer oder spirituöser 
Solution [gegen Wechselfieber von Belitu« gegen Agrypnia von Vytterhtreii, gegen 
Augenentzündung (Cinler und Biseh), gegen Bleikolik, neuralgische Leiden u. a. 
MeClellan empfiehlt Chloroform innerlich hauptsächlich bei Delirium tremens, ausser- 
dem bei Icterus, Koliken, Cholera.] — Bernitsik empfiehlt chloroformhaltige 
Lösungen als Menstruum für Morphin und Coffein [vergl. diese]. 

Aeusaerlich: zu Inhalationen: 2,0-10,0 als anästhesirendes 
Mittel vor Operationen [in der östereichischen Armee wird statt des reinen Chloro- 
forms eine Mischung desselben mit V« Aether zur Anästhesirung angewandt; hierbei 
sollen keine Todesfälle beobachtet worden sein. Vielfach verwendet wird jetzt eine 
Mischung von Chloroform 100, Aether 30 und Alcohol 30 Th. (Vtgel^ lltdefrty)^ 
WaehsnHth giebt ein Theil rectific. Terpenthin zu 5 Th. Chloroform. — Von Ni88- 
banm und Vterhart werden Chloroform -Inhalationen in Verbindung mit subcutanen 
Morphium-Injectionen zur Anästhesirung behufs Operation empfohlen; nach t. Ltijei- 
beek ist davon Gefahr zu befürchten. — Bei drohender Chloroformasphyxio ist 
die künstliche Respiration einzuleiten, am besten nach Hervorziehen des Unterkiefers 
(Handgriff von Little^ Ksnareh^ leiberg), im Nothfall mit Tracheotomie, auch Faradi- 
sation des Phrenicus vorzunehmen; endlich ist auch als Antidot Amylnitrit-Inhalation 
zu versuchen: Sebiller], bei heftigen Neuralgien, bei starken Convulsionen, 
epileptischen Anfällen, Eclampsia infantum (Simpstn), Eclampsia parturien- 
tium, Asthma, Photophobiascrophulosa, nach Strychnin Vergiftung, bei Lyssa, 
bei Lungenentzündung [von Binnigirtiier und Vtrreiitrapp empfohlen: Vj*!^^^* 
mehrere Minuten lang Inhalation von etwa 30 Tropfen], bei Delirium potatarum 
[wo das Opium seine Dienste versagt, vonVlrieh gerühmt]; zur örtlichen Appli- 
cation bei schmerzhaften Affectionen, so bei Zahnschmerz [einige Tropfen 
Chloroform auf Baumwolle in den schmerzenden Zahn oder in's Ohr gebracht: 
ffl. SlMtn], Neuralgie (Rtnx), Gallenstein- und Bleikoliken [Compressen, mit 
Chloroform getränkt, werden aufs Abdomen gelegt: nelsebnantt] , arthritisChen 
Entzündungen (Bartella), Orchitis [Einreibungen der leidenden Theile mit Chloro- 
form oder Umwicklung des Gliedes mit Watte, auf welche Chloroform getropft wird]; 
zur Injection behufs Radicalheilung der Hydrocele (t. LangeBbeek), mit 
Wasser vermengt als Augenwasser [0,3-0,5 auf 25,0], als Eintröpfelung 

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Chlorofonnium. 



235 



in's Ohr, zu Verbänden bei schmerzhaften, brandigen, krebsigen Ge- 
schwüren, zu Einreibungen [Chloroform 1 mit 2-10 Oel oder Glycerin oder 
auch mit Spirit. dilut., Spirit. Melissae comp., Aqua Colonionsis], in Salben [1:5 
bis 10 Salbengrundiage: bei Zoster, Neuralgien, Praritus pudendorum, schmei'z- 
haften Geschwüren des* Mastdarms], in Liniment [das Linimentum Cbloro- 
formi Pk. Brlt. besteht aas Chloroform und Linim. Camph. ana], zu Klystieren 
[5-10 Tropfen ad clysma bei Bleikolik]. Berrik empfiehlt zum Bestreichen der 
rusteln bei Variola und zur Verhütung von Narbenbildung, ein Stück 
feinsten Gummi in Chloroform zu lösen und damit 3-4 Mal jede Eruption 
mit einem weichen Pinsel zu bestreichen. — - Zur localen Anästhesirung 
der Haut wird Chloroform in zerstäubter Form vielfach gerühmt; be- 
sonders wird eine Mischung von 1 Aether zu 3-7 Chloroform empfohlen 
(Rlehardstn). — Zur localen Anästhesirung des Pharynx und La- 
rynx behufs Polypen- Operationen im Kehlkopfe wurde von Törck eine 
Mischung von Chloroform und Morphin, aceticum empfohlen [Morphin, 
acetic. 0.2, Spirit. 4,0, Chloroforraii 15,0. — Die local Anästhesie ist etwa 1-2 Stun- 
den nach der Pinselung mit dieser Lösung am stärksten. Vergl. Morphinam and Morph, 
aceticum.] — Neuerlichst wurde Chloroform auch in subcutaner In- 
ject ion mit Vortheil angewendet und zwar 0,5-1,0 [* 2-^ Spritze] in der 
Nähe des Foramen infraorbitale bei Tic douloureux; es soll mehrtägige 
oder selbst mehrwöchentliche Anästhesie auf die Injection folgen: Bartbtltw. 
Aehnlich wandte es ite zu 15 Tropfen Morgens und Abends injicirt bei 
Herpes Zoster an, doch haben sich eine ganze Zahl von Klinikern (Bew- 
nets, NtNlird-IHarllii, Labbe u. A.) dagegen ausgesprochen, weil die Wir- 
kung unsicher und gering, die Neigung zur Abscessbildung sehr gross ist. 



450. Bf 

Chloroformii 2,5 

subige cum 
Syr. Sacch. 100,0. 
D. S. SUrk umgeschuttelt, stdl. 1 Thee- 
löffel. [Bei Agrypnia senilis, wo Opium 
contraindicirt , bei asthmatischen An- 
fällen.] Donrault. 



451. 



D. S. 



452. 



D. S. 



453. 



D. S. 



1* 
Chloroformii - 
Gummi Arab. ana 10,0 
Aq. dest. 150,0. 

2 stdl. l Esslöffel. [Bei Diabetes.] 
Bemdt. 



Chloroformii 7,5 
Spir. camph. 
Tinct. Opii ana 1,0 
Ol. Cinnam. aeth. 0,3 
Spir. dil. 15,0. 
Halbstündlich 20-50 Tropfen. 
H*rt8home. 



Chloroformii 1,5 
Tinct. Valerian. aeth. 
Stdl. 10-20 Tropfen. 



10,0. 

[Bei hyste- 



rischen Neuralgien und Krämpfen ] 



454. Bf 
Chloroformii 80,0 
Morph, acet. 1,0 
Aceti 2,0 

Spir. dil. 20,0 
M. [Eine in England viel empfohlene 
Mischung, genannt Anodynum.] 

455. Bf 
Chloroformii 

Acid. acet. ana 5,0. 
MDS. In die Haut einzureiben oder mittelst 
Compresse aufzulegen. [Soll nicht nur 
auf die Hautoberfläche, sondern auch 
auf tiefere Theile stark anästhesirend 
wirken.] 

Chloroform-Essig. Foumiö. 

456. i;, ~ 
Chloroformii 
Eitr. Belladonn. 
Camph. 

Tinct. Opi ana 1,0 
Ol. Hyoscyami 50,0. 
M. f. linim. D. S. Mehrmals täglich ein- 
zureiben. [Bei Neuralgien, acuten und 
chronischen Rheumatismen.] 

Bioord^s Linimentum Sedativum. 



457. Bf 

Chloroformii 10,0 

Tinct. Aconiti 40,0 ibyGoOQle 
Bf 450-457. ^^ 



236 



Chrysarobinum. 



MDS. 



458. 



D. S. 
459. 



Aq. Coloniens. 20,0. 

Zur Einreibung. 

Mixtura anaesthetica 
Qa6ndau de MuBsy. 

Chloroformii 12,5 

Ol. Olivar. 100,0 

Mixt, oleoso-bals. 6,0. 

Zur Einreibung. Freriohs. 



Sapon. med. 2,0 

solve in 
Spiritus 14,0 

adde 
Chloroformii 4,0. 
D. ad yitr. foramine lato. S. Zur Einrei- 
bung. [Chloroform-Opodeldoc] 
H. B. Biohter. 



460. I^ 
Chloroformii 20,0 
Camphor. 2,5. 

D. S. Auf Watte in den leidenden Zahn 
zu bringen. [Gegen Zahnschmerzen.] 
[Ein unter dem Namen English 
odontine bekanntes und oft wirksames 
Antodontalgicum. — Aehnlich das unter 
dem Namen F e y t o n i a angepriesene Zahn- 
schmerzmittel, aus 20,0 Chloroform, 10,0 
Ol. Cajeputi, 5,0 Campher und 3 Tropfen 
Ol. Caryophyllor. bestehend.] 

461. I^ 
Chloroformii 3,0 
Acid. carb. cr}^st. 1,0 

Solve. 
S. Auf Baumwolle getröpfelt in den hohlen 
Zahn. 

462. R' 
Chloroformii 4,0-8,0 

Chlornm solntui s. 
Chordae eanstieae. 



Zinci oxyd. albi 2,0 
Ol. Oliv. 4,0 
Cerae alb. 15,0-60,0. 
M. f. unguent. D. [Zum Einreiben bei 
schmerzhaften Mastdarm-Geschwüren.] 
Ourling. 



463. 



M. f. 



Chloroformii 
Sulfur. depur. 
Natrii carbon. sicci ana 5,0 
Morph, acet. 0,4 
Vaselini 20,0. 

unguentum. D. S. Zur Einreibung. 
[Bei Pruritus pudendorum.] 

Vaneedam. 



464. ^ 
Chloroiformii 5,0 
Vaselini 25,0. 

MDS. Auf Leinwand gestrichen, äusserlich 
aufzulegen. [Bei Herpes 2^ster.] 

465. IV 
Ammon. pur. liq. 
Camphor. ana 15,0 
Chloroformii 10,0 
Tinct. Opii simpl. 5,0 
Spir. Vini 75,0. 

D. S. Zum Tränken von Hautumschlägen. 
[Gegen Neuralgien und rheumatische 
Schmerzen.] 

466. Bf 
Chloroformii 1,2 

fiat cum 
Vitello ovi unius 
Aq. dest. 120,0 
Emulsio. 
D. S. Zum Clysma in 4 Dosen zu vertheilen. 
[Bei Bleikolik.] Aran. 



Aqua chlorata. 

[Von Rtn sind Darmsaiten mit Lösung von salpeter- 
saurem Silber getränkt zur Aetzung schmaler Fistelgänge empfohlen worden. R. Ueb- 
releh substituirte den Darmseiten die viel zweckmässigeren Silberdrähte, welche er 
mit geschmolzenem Argent. nitr. überziehen lässt (Uebreiek'sche Sonden zur Aetzung 
der Fistula lacrimalis)]. 

^Chrvsarobiiiain. Chrysarobin. Goapulver — in Südamerika 
Bahia- oder Ararobapulver genannt. Gelbes, leichtes, krystallinisches 
Pulver, erhalten durch Reinigung des in den Höhlungen der Stämme von 
Andira Araroba ausgeschiedenen Secretes. S. Pulvis Araroba. [Chrysa- 
robin ist der von Thtmpstii für dieses Präparat in Vorschlag gebrachte Name und 
keineswegs identisch mit Chrysophansäure , wie jetzt vielfach angenommen. Es ent- 
hält 80-87 pCt. derselben (Aiield). Identische Namen sind Po de Goa, Po da Bahia, 
Poh di Bahia. In Brasilien, Indien und den portugiesischen Provinzen Afrikas als 
Antiherpeticum benutzt. — 1,0 15 Pf.] 

Innerlich: als Brech- und Abfuhrmittel von Tktmpsti^ an einer 

15r 458-466. Digitized by V^OOgle 



Cinchonidinum. 237 



grossen Zahl von Fällen (900) geprüft und gerühmt als prompt und ohne 
besondere Unbehaglichkeit wirkend. [Der EflFect ist am schnellsten bei leerem 
Magen; unmittelbar nach der Mahlzeit weniger gut, als bei vorgeschrittener Ver- 
dauung.] Die Dosen sind bei ganz kleinen Kindern 0,36, bei 12jährigen 
0,6, bei älteren Personen 1,0 Gr. Meist genügen schon 0,5-0,6 Gr., und 
wenn in leicht resorbirbarer Form (alkalischer Lösung oder Pillen) ge- 
geben, noch kleinere Gaben. Ebenso verhält sich die Chrysophansäure, 
doch soll das Chrysarobin wirken bei Kindern unter 4 oder 5 Jahren, 
wo die Säure zuweilen versagt. 

Aeusserlich: entweder in Pulverform [unzweckmässig] oder als 
Pasta oder in einer Mixtur mit Essig- oder Citronensaft, oder endlich 
als Salbe: 1-2 Th. zu 24 Constituens mit einigen Tropfen Essig, mit 
Collodium (1:10) und Gelatine (zu 5, 10-15 pCt.): Pick. [Die teigige 
Gelatinemasse wird in einem Gefäss in beisses Wasser gestellt, flüssig und mittels 
Borstenpinsels auf die von ihren Schuppen befreiten Psoriasio-Plaques aufgetragen.] 
Besonders wirksam bei Herpes circinatus und tonsurans, Psoriasis vulg., 
Pityriasis versicolor, Hentagra, Chloasma, Favus: Sqnire^ ile Champean^ 
miersperger^ Neimnii. Die Ph. <]erm. ed. II schreibt vor: wenn Chryso- 
phansäure zum äusserlichen Gebrauch verordnet wird, so ist 
Chrysarobin zu geben. 

ClBChMidiBan« Cinchonidin. [Ein Alkaloid, welches neben dem Chi- 
nidin in der Chinarinde vorkommt und früher mit dem Chinidin zusammen als eine 
Basis betrachtet wurde. Weisses, ausserordentlich voluminöses Pulver. — üeber die 
bisher mit dem Cinchonidin und zwar wesentlich mit dem schwefelsauren Salz ge- 
machten therapeutischen Versuche fehlt es zur Zeit noch an bestimmten Resultaten.] 

CilchMiliaill« Cinchonium. Cinchonin. [Weiss, krystallinisch, stark 
bitter, in kaltem Wasser kaum, in heissem Wasser und Alkohol schwer, in Aether 
gar nicht, nur in heissem Alkohol und in Säuren löslich. — 1,0 17 Pf.] 

Innerlich: in Pulver oder Pillen, in lV2fach grösserer Dosis 
als Chinin. 

467. IV 

Cinchonini 0,5 
Perr. reducti 0,3. 
M. f. pulv. d. tal. dos. No. 6. S. Zu Anfang der Mittagsmahlzeit 1 Pulver zu 

nehmen. [Bei Gastralgien von allgemeiner Schwäche, Reconvalescenz von 
Intermittens.] Bouohardat. 

CiMf hMiiam und Cinchoiidiiam salfnrie am, bromatiiin, muria- 

tif Ul sind die Salze der oben genannten in der Chinarinde enthaltenen 
Alkaloide, von denen das Cinchoninum sulfuricum in der Pb. Ilerm. ed. I. 
ofBcinell war. 

Die neben dem Chinin sich findenden Basen, also das Chinidin, 
Chinoidin, Cinchonin und Cinchonidin sind zwar bedeutend, bis zu 
dem 10 fachen billiger, als Chinin, aber auch unsicher in der Wirkung 
und, was die letzteren betrifft, bis jetzt noch nicht ausreichend geprüft. 

ClHBabaris s. Hydrargyrum sulfuratum rubrum. 

C^eciMella« Cochineal. Cochenille. [Von Coccus cacti, Scharlach- 
warm. Bestandtheil : rother Farbstoff: Carmin. — 10,0 subt. pulv. 30 Pf.] 

Innerlich: [in neuerer Zeit wieder empfohlen, nachdem das Mittel Jahr- 
zehnte hindurch als obsolet ausser Gebrauch war]. Die schön rothe Färbung 
einer Cochenille-Mixtur, unbestreitbar ihr wesentlichstes Verdienst wird 

Digitized ^y^O^^e 



238 Codeinum. 



nur hervorgebracht, wenn man einen den Carrainstoff auflösenden Zusatz, 
wie Kali tartaricum," Tartarus natronatus wählt; die Farbe wird noch 
erhöht, wenn man eine ganz kleine Menge Säure vorherrschen lässt. 
Aeusserlich: als Färbungsmittel zu Zahnpulvern, Zahntincturen. 



470. ^ 

Coccionellae pulv. 

Alum. ana 0,5 

Tartar. dep. 50,0 

Rhiz. Irid. florent. 10,0 

Magnes. carb. 5,0 

Ol. Bergamott 0,25. 
M. f. pulv. dentifricius. [Ein weisses 
Zahnpulver, welches beim Gebrauche 
roth wird.] 



4G8. I^ 

Coccionellae 5,0 
Magnes. ust. 20,0. 
M. f. pulv. D. S. 2stdl. 1 Theeloflfel. 
[Gegen Nierensand.] Badomaoher. 

469. Bf 

Coccionellae pulv. 2,5 

Kali tartaric. 2,0 

Aq. dest. 150,0 

Acid. sulf. dil. 0,25. 

Syr. simpl. 25,0. 
MDS. Stdl. 1 Esslöfifel. [Schon roth.] 

'^Codeimmi» Codein. [Eines der vielen Alkaloide des Opium; farblos, 
krystallinisch, in Wasser schwer, in Alkohol und Aether leicht löslich. — 0,1 30 Pf. 
— Wirkt entschieden seh laf machen d , aber in schwächerem Grade als Morphium. 
Sowohl seine physiologischen als therapeutischen Wirkungen sind von den verschie- 
denen Autoren aufs verschiedenste geschildert; namentlich bewegen sich die Dosen, 
in denen es einen Effect erzielen soll, zwischen sehr grossen Gegensätzen. Nach 
€1. BerBtrd's Versuchen an Thieren haben schon gleiche Dosen wie Morphium 
Schlaf zur Folge, aber nie einen so festen wie nach diesem letzteren Mittel. Auch 
nach Rtblqnet erzeugen schon 0,02-0,03 Codein einen ruhigen Schlaf, und Gaben von 
0,15-0,2 wirken stark hypnotisirend. Nach Trtisseai hingegen wirken 0,3 Codein 
nicht stärker als 0,012 Opium. Nach Prtnniller's neuen Beobachtungen muss das 
Codei'n, um Schlaf hervorzurufen, in sechs- bis achtfacher Dosis des Morphium ge- 
reicht werden. — Wahrscheinlich trägt die Verschiedenheit der Präparate an den 
verschiedenen Angaben die Schuld.] 

Innerlich: zu 0,015-0,03-0,05 [ad 0,05 pro dosil ad 0,2 pro diel] mehr- 
mals täglich [von verschiedenen Seiten werden viel höhere Dosen, bis 0,1 und selbst 
0,2 empfohleni — Bei Neuralgien schwächer als Morphium wirkend. Von Krebel 
als beruhigendes Mittel bei Neuralgien der Unterleibsnerven empfohlen; soll Schlaf 
erzeugen, ohne Congestion zum Gehirn zu bewirken, eine Angabe, welcher die Ver- 
suche französischer Autoren widersprechen], in Pulver, Pillen oder Syr up 
[Sirop de Cod^ine der französischen Pharmakopoe enthält auf 10,0 Saft 0,02 Codein]. 

Die Codeinsalze, Codeinum suliuricum und Codeinum hydro- 
chloricum, wirken nach Reü schwächer, nach VrtiiMäller stärker als 
das reine Codein. In jüngster Zeit wieder von Bndberg als frei von allen 
unangenehmen Nebenwirkungen bei Bronchitis empfohlen zur Sistirung 
des Hustenreizes. 

'^Coffemui« Theinum. Theobromium. Guaraninum. Coffein. [Al- 
kaloid, das sich merkwürdiger Weise in den Blättern und der Bohne des Caffee. in 
den Blättern der Theestaude, in den Cacaobohnen und in den Samen der PauUinia 
sorbilis, aus welchen die Guarana- Paste bereitet wird, findet. Man hat in neuerer 
Zeit auch vorgeschlagen , bei der in China durch die revolutionären Bewegungen oft 
gehinderten Theeproduction die theinhaltigen Blätter des CafTeebaums dem Thee zu 
substituiren. — Schön krystallinisch, seidenglänzend, in Wasser, Alkohol und Aether 
schwer löslich. — 0,1 5 Pf.] 

g^ Bf 468-470. DigitizedbyCiOOgle 



Coffeinum citricum. 



239 



Innerlich: zu 0,02-0,05-0,1 (ad 0,2! pro dosi, ad 0,6! pro die) 
in Pulvern, Pillen, Pastillen [mit Zucker] V4-V2 stündlich oder auch 
seltener gegen Hemicranie von limtn dringend empfohlen und vielfach 
bewährt. Auch als Analepticum bei Morphium-, Chloral-, Bromvergiftung 
(Ictril) mit Nutzen gegeben. 

Aeusserlich: in chloroformhaltiger oder spirituöser Lösung zur 
subcutanen Injection [gleichfalls bei Hemicranie; vergl. S. 81.] 

471. I^ 

Coffemi 1,0 



Sem. Cacao ab oleo liberat. 
Saccbari ana 2,5 
Mucilag. Gummi Arab. q. s. 
ut f. pil. No. 50, consp. Saccharo. 
Viertelstündlicb 1-3 Pillen. 



D. S. 



472. 



D.S. 



473. 1^ 

Coffemi 0,6 

solve leni calore in 
Spiritu 7,5 

antea mixt, cum 
Aq. dest. 2,0 

Solutioni refrigeratae ädmisce 
Cbloroformii 7,5. 
D. in vitro optime clause et cbarta nigra 
obducto. S. 15-20 Tropfen in kurzen 
Zwischenräumen beim Eintritt derVoi> 
boten der Migräne oder anderer Neu- 
ralgien zu nehmen. [40 Tropfen dieser 
Flüssigkeit wiegen ca. 1 ,0 und enthalten 
etwas über 0,03 Coffein.] 

BematBik. 



1^ 

Coffeini 1,0 

Past. Guaran. pulv. 

Saccb. alb. ana 2,0 

Mucilag. Gummi Arab. q. s. 
ut f. pil. No. 30. Consp. Saccharo. 
ViStdL 2 Pillen langsam im Munde zer- 
gehen zu lassen. [Bei Hemicranie; oft 
selbst gebraucht, meist mit palliativem 
Erfolge.] Waldenborff. 

Ceffeiiiam citricam. Citronensaures Coffein. [0,1 etwa 5 Pf. 
— Von namhaften deutschen Pharmaceuten (Witlsteiii^ lertitg) wird das Vorhanden- 
sein des citronensauren Coffems als eines Salzes in Abrede gestellt; die mit diesem 
Namen von linntB belegte Substanz soll nichts sein als reines Coffein, dem höchstens 
eine geringe Quantität Citronensäure mechanisch anhängt.] 

Innerlich: wie das vorige. Ein- bis dreimal täglich zu 0,18 pro 
die in Pillen, Solution oder subcutan bei Hydrops als Nierenstimulans 
angewendet von Braekenridge^ Sktpter^ Lee^ bei Neuralgien (Betrd^ ligeii) 
zu Pulvern von 0,12 alle halbe Stunde, bis der Kopfschmerz verschwun- 
den (letril). UMtr giebt zur Anregung der Diurese noch höhere Dosen 
(0,3-0,5 subcutan) des Bromsalzes, Coff. hydrobromatum. 

Ein Doppelsalz des CofiFein mit den Natronsalzen der Benzoe-, Zimmt- 
und Salicylsäure empfiehlt Jlerck als 

Ceffemut-Natro-benzoienm, Coffeinnm Natro-cinamylieiiin, 
C^ffeiBam-Natro-salicyliciim« Diese Präparate zeichnen sich durch 
leichte Löslichkeit in Wasser (1 zu 2 Th. Wasser in der Kochhitze ohne 
beim Erkalten auszufallen) aus. Sie enthalten, das erstere 50 pCt., die 
beiden letzten 62,5 pCt. Coffein, es sind daher 5 Gr. Coffein in 10 Gr. 
Coff.-Natr.-benzoic. und in je 8 Gr. der beiden anderen Präparate ent- 
halten. Zu subcutanen Injectionen. 



474. I^ 

Coffeini citr. 0,6 
Extr. Gramin. 1,5 
F. pil. 10. Consp. Lycopod. D. S. 2 stdl. 
1 Pille. [Bei Hemicranie.] 

Hanon. 



475. IV 

Coffemi citr. 0,06-0,30 

Sacchar. 1,0. 
M. f. pil. No. 10. D. S. In einer kleinen 
Tasse Caffee za nehmen. [Gegen Asthma- 
anfalle.] Thorogwood. 



C#l€h#eiB1llll» Colcllicin. [Alkaloid, ans allen Theilen, vorzngsweise 
aus dem Samen von Colchicum auctumnale dai-zustollcn ; weissgelbliches, zuweilen 



240 CoUa piscium. 



krystallinisches Pulver, von scharf bitterem Geschmaclc, in Wasser ziemlich leicht, in 
Aether schwer löslich. Wirkung die eines scharfen Giftes, ohne narkotische Bei- 
mischung T. Sehrtff. — 0,1 etwa 50 Pf. — Mit verdünnten Mineralsäuren erhitzt, 
spaltet sich Colchicin in ein unlösliches Harz und Gol chic ein: Iberlia, luUer. 
Das Colchice'in wirkt nach Versuchen an Thieren gleichfalls wie ein starkes Gift: 
T. Sehrtff; therapeutisch noch nicht geprüft.] 

Innerlich: zu 0,0006-0,001-0,003 1-3 Mal taglich, in Pulver, 
Pillen oder Lösungen [gegen inveterirte Rheumatismen und Arthritis vielfach 
als bewährt empfohlen]. Zu subcutanen Injectionen von leyfelder bei rheu- 
matischen Gelenkaiiectionen in die Gegend des befallenen Gelenkes 
(0,02 : 10,0, davon 1 Spritze voll) empfohlen. 

Cella s. Gelatina. 

€•11» piscium. IchthyocoUa Pk. Anstr. Isinglass. Fishglue. CoUe 
de poisson. Hausenblase. Fischleim. [Von Acipensor Huso, Sturio und 
stellatus. — nO,0 etwa 70 Pf. — Fast vollständig in kochendem Wasser löslich.] 

Innerlich: im Decoct als Getränk [1,0-2,0 auf 100,0], in Gallerte 
[10.0-15,0 auf 100,0] [mit Zucker und milden Aromen]. 

Aeusserlich: im Decoct zu Kl y stieren [3,0-5,0 auf 100,0], zu 
Injectionen [1,0-2,0 auf 100,0], zu Bädern [hier wählt man lieber die viel 
wohlfeilere Colla aniraalis und Gelatina animalis], zur Bereitung des Emplastrum 
adhaesivum Anglicum. 



476. Hf 

Collae piscium 3,0 

coque c. Aq. comm. q. s. ad 
Colat. 300,0 

in qua solve 
Sacch. 12,0 

adde 
Vini Rhenani 25,0. 
MDS. Zum Getränk. 



477. B^ 

Collae piscium 20,0 

coque c. Aq. comm. q. s. ad 
Colat. 150,0 

adde 
Tinct. Vanillae 5,0 
Sacch. 50,0. 
Repone in loco frigido, ut f. gelatina. D. 
S. Theelöffelweise. 



'*'C#llodiam« Liquor sulfuricus aethereus constringens Schoenleinii. 
CoUodium. CoUoid. Collodion. Klebeäther. [Lösung von Schiessbaumwolle, 
die mit Schwefelsäure und Salpetersäure bereitet ist, in Aether und Alkohol, dickliche, 
ziemlich klare, farblose oder gelblich schimmernde Flüssigkeit, die aufgetragen, eine 
hornartige, mehr oder weniger leicht brüchige Haut, die während des Eintrocknens sich 
stark contrahirt, bildet. Die Klebkraft des Collodiiims ist äusserst stark, bewährt 
sich jedoch nur auf ganz trockenen Flächen. — 10,0 10 Pf. — Ein Uebelstand des 
Collodiums ist die grosse Flüchtigkeit des Aethers, wodurch dasselbe leicht ein- 
trocknet und oft, gerade wenn es verwendet werden soll, sich als eine vollständig 
unbrauchbare hornartige Masse zeigt. Sttttttt hat, um diesem Uebelstande abzuhelfen, 
eine Bereitung der Schiessbaumwolle empfohlen, durch welche dieselbe schon in 
blossem Alkohol löslich wird. Die Bereitung dieses Präparates, von S. „Alk ölen'' 
genannt, ist jedoch einerseits sehr schwierig und häufig missglückend, andererseits 
ist das Präparat selbst ungleich weniger haftend, als das gewöhnliche CoUodium.] 

Aeusserlich: als Verbandmittel bei Wunden, Excoriationen, 
wunden Brustwarzen (legrt«t überzieht sie mit einer CoUodiumschicht 
von 2-2,5 Cm. Durchmesser, auf die noch klebend ein in der Mitte 
mehrfach durchlöchertes Goldschlägerhäutchen aufgelegt wird, das man 
vor dem Saugen jedesmal befeuchtet), Verbrennungen, Frostbeulen, 
Pustula maligna (Seiehe), dick aufgetragen bei Orchitis (kmiaftiit), als 

g^ ^ 476-477. Digitizedby^OOQie 



Collodium. 241 



Abortivmittel bei Erysipelas, als Heilmittel bei Entzündungen aller 
Art [Gelentrheumatismos, sogar Peritonitis, sogenannte M^dication impermeable 
von Rtbert Utt«?]. Wo es nur darauf ankommt, die deckende Kraft des 
CoUodiums zu benutzen, versetzt man dasselbe mit etwas Ricinusöl [4 bis 
5 Tropfen auf 25,0 — vergl. unter Collodium elasticum], wodurch es aller- 
dings geschmeidig wird, aber seine Contractionskraft vollkommen ein- 
büsst; eine derartige Vermischung wäre deshalb bei Verbrennungen und 
Excoriationen, aber nicht bei Orchitis, Perniones, Erysipelas, Carbunkeln 
zweckmässig. [Minder gute Zusätze, um grössere Geschmeidigkeit des CoUodiums 
hervorzurufeo, sind Ol. Terebinthinae oder Leinölfimisa (1 : 50). Heiiitts empfiehlt 
den Zusatz des ätherischen Extracts aus Empl. Plumbi simplex (1:8 Collod.) uud be- 
zeichnet das so gebildete Präparat als Collodium saturninum. Dasselbe soll sich 
gegen Erysipelas, Verbrennungen, Decubitus besonders empfehlen.] 

Für die Anwendung bequem und zweckmässig sind die sogenannten 
Collodium-Bestecke, mit Collodium gelullte Fläschchen, in deren Glas- 
pfropfen ein Pinsel eingelassen ist, so dass derselbe immer im Collodium 
bleibt und sich weich erhält. — Bei der Anwendung von Collodium- Ver- 
bänden verfahrt man am besten so, dass man Bänder von BaurawoUen- 
oder Seidenzeug über die stark aneinander gezogenen Wundränder legt 
und rasch mit Collodium bestreicht; bei ausgedehnteren Verwundungen 
ist es besser Heftpflasterstreifen anzulegen und diese dann mit Collodium 
zu bestreichen. — Das Emplastrum CoUodii ist in der Anwendung 
reinlicher [da man sich in der Regel bei jeder Collodium- Application die Finger mit 
dem schwer zu beseitigenden KlebestofT verunreinigt] ; es besteht aus Collodium 
auf Seidenzeug gestrichen, welches unmittelbar vor dem Gebrauche mit 
einer Mischung aus Alkohol und Aether angefeuchtet wird. — In manchen 
Fällen ist es wünschenswerth, das aufgetragene und eingetrocknete Col- 
lodium schnell wieder zu entfernen; dies gelingt durch gewöhnlichen Aether 
nicht, wohl aber durch Essig- und Ameisenäther, oder, weniger gut, durch 
eine Mischung von 6 Th. Aether mit 1 Th. Alkohol. 

Von Rlekardstn wird ein Styptic-Colloid [eine Modification seines 
Xylo-styptic-Ether] empfohlen, welches eine vollkommen gesättigte Lö- 
sung von Tannin in Aether mit Zusatz von Schiessbaumwolle [Xyloidin] 
darstellt. [Man macerirt zunächst möglichst reines Tannin einige Tage in abso- 
lutem Alkohol, setzt dann Aether bis zum vollständigen Flüssigwerden der dicken 
Mischung und darauf so viel Schiessbaumwolle, als sich leicht auflöst, hinzu und par- 
fümirt das Ganze endlich mit etwas Tinct. Benzoös.] Das Mittel wird äusserlich 
zum Aufpinseln auf Wunden, besonders Ulcerationen und Krebsge- 
schwüre, ferner als Stypticum bei Blutungen empfohlen. Es bildet 
mit Blut, Serum und Eiter eine feste Masse, weshalb die styptische Wir- 
kung eine vollkommene sein soll. — Riekirdstn verbindet mit dem Col- 
lodium auch noch andere Medicamente, so Kreosot [0,05 auf 4,0], Acid. 
carbolicum [0,5 auf 15,0], Chinin [0,1 auf 6,0], Jod [0,5 auf 10,0], Cadmium 
jodatum [1,0 auf 15,0], Hydrargyrum bichloratum [0,001 auf 10,0], (vergl. 
Collodium corrosivum), Morphium [0,05 auf 6,0], Zincum chloratum [1,0 auf 
15,0]. — I. E. Richter empfiehlt Collodium diachylosum seu elainico- 
plumbicum, indem Empl. Lithargyri simpl. bis zur Sättigung in Aether 
digerirt und darauf Schiessbaum wolle darin gelöst wird; ferner Collodium 
cinereum, graues Collodium, dargestellt aus 1 Th. grauen Quecksilber- 
oxydul und 30 Th. Collodium, letzteres an Stelle des Merkurialpflasters^ 

^wald und Simon, Arinclverordnnngslehre. 10. Aufl. 10 O 



242 



Collodium cantbaridatum. 



478. ^ 
CoUod. 10,0 
Tinct Amic. 5,0. 

D. S. Auf gequetschte Hautstellen aufzu- 
tragen. GkMpftry. 

479. Hr 
Collod. 25,0 

Liq. Plumbi subacetici 1,0. 

D. S. Zum Aufstreichen bei drohendem 

Decubitus. v. Arnim. 



480. 



482. Hf 

Hydrarg. bichlorati 0,5 
CoUod. 15,0. 
MDS. Aeusserlich mit Pinsel aufzutragen. 
[Gegen Maculae syphiliticae.] 
Collodium mercuriale. 

Iidolero. 



483. ^ 

Morphini hydrochlorici 1,0 
CoUod. 30,0. 
MDS. Aeusserlich mit Pinsel aufzutragen. 
[Gegen Neuralgien.] 

Collodium morphinatum. 

Cominati. 



484. 



^ 



1,0 



Zinci sulfocarbolici pulv. 
Collod. 45,0 
Ol. Citri 1,0 
Spiritus 5,0. 
MDS. Aeusserlich. [Gegen Sommer- 
sprossen.] 
Collodium antephelidicum. 



Collod. 25,0 

Ferr. sesquichlor. sicc. 5,0. 
D. S. Collodium stypticum. 

481. I?r 

Collod. 30,0 
Terebinth. 1,5 
Ol. Ricini 0,5. 
MDS. [Zum Aufstreichen auf kranke Theile 
(bei Erysipelas, Zoster, Verbrennungen, 
Frostbeulen, Rheumatism. artic. acutus, 
auch selbst bei Peritonitis und Pleuritis) 
äusserlich aufzutragen empfohlen.] 
CoUodion ^lastique ricin6. Iiatour. 

'^'CoUodiam cantliaridatain. Canthariden-Collodium. [Schiess- 
baumwolle in Aoth. cantharidatus und Alkohol gelöst. — 10.0 50 Pf.] Olivongrüue, 
klare, syrupdicke Flüssigkeit. Als blasenziehendes Mittel leicht in der 
Anwendung und sicher in der Wirkung. — Die übrigen Versuche, das 
Collodium als epispastisches Pflaster- Surrogat zu benutzen, sind deshalb 
ohne weitere Nachahmung geblieben, weil sich bei denselben immer der 
Uebelstand ergiebt, dass man das betreffende Pflaster nur mit vieler 
Schwierigkeit wieder entfernen kann, wie z. B. Collodium sinapisatum 
u. s. w. Beim Collodium cantbaridatum trifft dies nicht zu, indem das- 
selbe mit der Epidermis abgehoben wird. 

Collodium eorrosivum s. escharoticum s. causticum. [l Hydrarg. 

bichlorat. auf 8 Collodium.] 

Diese von fflaeke zuerst angegebene, von Coesfeld und vielen Anderen 
erprobte Mischung ist ein vortreffliches Mittel zur Cauterisation ober- 
flächlicher Telangiektasien. Das Collodium corrosiv. wird in ziemlich 
dicker Schicht aufgetragen imd bewirkt einen Brandschorf, der sich nach 
wenigen Tagen abstösst und eine reine Geschwürsfläche hinterlässt. 

'«'Colloditun elastieam« Collodium flexile. Elastisches Collo- 
dium. [Collodium 50, Ol. Ricini 1. — Collodium flexile Ph. Brit. hat noch einen 
Zusatz von Balsam. Canad. — 10,0 15 Pf.] 

Aeusserlich: als Deckmittel bei Narben, Excoriationen, Geschwü- 
ren, namentlich nach Verbrennungen [vergl. oben Collodium], 

Collodium odoitalgicui« Zahn-Collodium, bestehend aus 1 Acid. 
carbol. und 20-50 Collod. elast. [Watte damit getränkt zum Plombiren hohler 
Zähne, nach vorhergegangener Reinigung derselben: I. E. Riekter.] 

CoUyriiuii adstriigeiis Inteam Ph. Aistr. Eine Mischung von 1,25 
Salmiak, 2,5 Zinc. sulfuricum, 0,75 Campher, 0,2 Safran mit 40,0 Spi- 

gj^ Bf 478-484. Digitizedby^OOglC 



Colocynthinum purissimum. 243 



ritus und 200,0 Wasser, für deren Aufnahme in die österreichische Phar- 
makopoe wir den Grund nicht zu ermessen vermögen. 

C^Ueyithiiui parissimum« Colocynthin. Das Glycosid aus den 
Coloquinthen, in denen es neben einem Resinoid, dem Cibrdlii^ vorkommt. 
Bewirkt nach llller innerlich genommen in Dosen zu 5-10 Mgrm. reich- 
lichen Stuhlgang. Ebenso bei Einspritzung kleiner Gaben als Clysma. 
Lässt sich zu subcutanen Injectionen wegen starker Schmerzen und Ent- 
zündungserscheinungen an der Einstichstelle nicht verwerthen. Irgend 
ein Vortheil von der Anwendung dieses Präparates vor den Früchten 
ist bis jetzt noch nicht nachgewiesen. 

'«'CoUcyitllis s. Fructus Colocynthidis. 

'^iColophMiui. Brown resin. Geigenharz. [Das von Terpentinöl 
befreite Harz von Pinus- Arten, vorzüglich der Pinus australis und Pinus taeda. — 
100,0 22 Pf., saht. pulv. 10,0 5 Pf.] 

Nur äusserlich: als Streupulver [bei cariösen Geschwüren, Prolap- 
sus ani, mit Gummi vermischt aufzustreuen und dann etwas Weingeist aufzutröpfeln], 
als blutstillendes Mittel [Colophonium mit Gummi Arab. und Alaun ana 
(Pulvis stypticus nach dem früheren Cod. ned. lanib.) aufgestreut und dann mit 
"Weingerist befeuchtet], als Paste [Werg oder Watte mit Colophonium dick bestreut, 
auf den betreffenden Theil gelegt und dann mit Weingeist begossen: bei Arthrocace 
im 1. Stadium, Tumor albus: Rwt], als Constituens von Pflastern. 

Coiehae praeparatae« Calcaria animalis. Ostracodermata prae- 
parata. Oyster-shells, shells, prepared chalk. Ecailles d'huitre. Prä- 
parirte Austern schalen. [Kohlensaurer Kalk mit etwas phosphorsaurem Kalk 
und gelatinöser Substanz. — 10,0 5 Pf.] Cave: Säuren. 

Innerlich: zu 0,5-1,5, mehrmals täglich, in Pulvern und Schüttel- 
mixturen. 

Aeusserlich: als Streupulver, als Zahnpulver. 



4S5. I^ 

Conch. praep. 5,0 

Cort. Fruct. Aurant. 

Sacch. alb. ana 10,0. 
M. f. pulv. D. S. Messerspitzenweise zu 
nehmen. 



486. Bf 

Conch. praep. 0,5 
Pulv. Rad. Rhei 0,1 
Elaeosacch. Foenic. 0,5. 

M. f. pulv. d. tal. dos. No. 10. S. 3 mal 
täglich 1 Pulver. 

CraÜHimi« Conicinum, Cicutinum. Coniine. Conicine, Cicutine. 
Coniin. [Alkaloid aus Conium maculatum; farblose oder gelblich gefUrbte Flüssig- 
keit von stechend widrigem Geruch, brennendem Geschmack, schwer in Wasser, leicht 
in Alkohol, Aether und fetten Gelen löslich, mit Säuren krystallinische Verbindungen 
eingehend. — 0,1 10 Pf. 1 Tropfen 5 Pf.] Cave: Säuren, Metallsalze [am 
besten rein mit Wasser oder Alkohol zu geben]. 

Innerlich: zu 0,0001-0,0005-0,001 [ad 0,001 pro dosil ad 0,003 pro 
die! Ph. germ. I.] mehrmals täglich [viel höhere Dosen von 0,001-0,0051 sind von 
verschiedenen (PrtBnialler u. a.) empfohlen worden], in Pillen, zweckmässiger 
in Tropfen oder Mixturen [gegen Hyperästhesie, chronische Entzündung der 
Athmungsorgane, Keuchhusten, zur Zertheilung von Drusenanschwellungen, nament- 
lich gegen Mastitis, sowie gegen Neuralgien, Asthma, Krämpfe u. a. empfohlen]. 

Aeusserlich: endermatisch, zur subcutanen Injection [na- 
mentlich gegen Asthma und Angina pectoris empfohlen : Pletier, Lt rent^ Erleaiicyer. 

16* ^ T 

^'9*^^485.486. -IWr 



244 



Conünum hydrobromicum. 



Das Mittel ist von Pletser zu 0,002, von Erleimeycr zu 0,002-0,004, von Ureit so- 
gar bis zu 0.03 1 ! angewandt worden. Am meisten empfehlenswerth sind die Dosen 
von 0.0008-0,001 (A. Eileikurg], und nur mit Vorsicht ist 0,001, der Maximaldosis 
bei innerem Gebrauche entsprechend, zu überschreiten. Man verordnet am besten: 
0,1 ad Aq. destill. 40 und Spirit. vini 10, davon enthält 1 Pravaz'sche Spritze 
voll 0,002 Coniin], zu Einreibungen [0,1 ad 5,0-15,0 Spiritus, Glycerin oder 
Oel,. besonders empfohlen zu Einreibungen in die Lidspalte oder in die Umgebung 
des Auges bei Blepharospasmus], Umschlägen, Klystieren [ebenfalls in ein- 
facher alkoholisch-wässeriger Solution mit doppelt so starker Dosis wie beim inner- 
lichen Gebrauch], Salben [0,01-0,05 ad 10,0]. 

487. Bf 

Coniini 0,003 
Extr. Graminis 1,0 



Rad. Yalerian. pulv. q. s. 
ut f. pilul. No. 15. Consp. Pulv. Rhiz. 
Irid. ilorent. D. S. 3 mal täglich 1-3 
(bis 51) Pillen zu nehmen. 



488. 



Coniini 0,025 
Spirit. 5,0 



Aq. Chamom. concentr. 20,0. 
MDS. 3stdl. 4-20 Tropfen (= 0,0002-0,001 
Coniin). 



489. I^ 

Coniini 0,05 
Ol. Amygd. dulc. 6,0. 
D. S. Mehrmals föglich in die Augenlid- 
spalte einzupinseln. [Bei Blepharo- 
spasmus infantum.] 

Maatliner. 



CoMÜMom liydrobromicom* Coniinhydrobromat, brom wasserstoff- 
saures Coniin. Nadeiförmige farblose Prismen in 2 Th. Wasser und 2 Th. 
Weingeist, schwer in Aether und Chloroform löslich. Bei Keuchhusten 
für Kinder unter 5 Jahren zu 0,1-0,5 Mgrm., für ältere bis zu l,5Mgrm. 
empfohlen. Auch subcutan bei Ischias von RegMilt mit Erfolg ange- 
wandt. Die Gaben für Erwachsene sind zu 2-5 Mgrm. 3 bis 5 mal tgl. 
zu normiren. 

Corallia rubra« Rothe Koralle. [10,0 subt. pulv. etwa 20 Pf. — 

Kohlensaurer Kalk, verunreinigt durch Eisenoxyd.] 
Wie Conchae praeparatae zu verwenden. 

Corao Cerri raspatui* Hartshom, Come de (crf toumee. Ge- 
raspeltes Hirschhorn. [Gallertgebender Knorpel und phosphorsaurer Kalk. 
— 100,0 etwa 30 Pf.] 

Innerlich: zu theeartigen Decocten [5,0-10,0 zu 100,0 Colatur mit 
Zusatz von Gewürzen; auch sogenannte Kraftbrühen werden aus Comu Cervi be- 
reitet (über den Nährwerth der thierischen Gallerte vergl. Qelatina)]; zu Gallerten 
[concentrirtere Abkochung von 10,0 zu 20,0 Colatur] , man bedient sich dieses 
Mittels zu Gallerten jedoch seltener, weil die schöne französische Gela- 
tine eine viel bequemere Form darbietet. 

490. ^ 

Comu Cervi rasp. 
Micae panis alb. ana 15,0 
coque c. Aq. comm. 1000,0 
ad lolat. 70 ',0, in qua solve 
Gummi Arab. 8,0 
Sacch. alb. 15,0. 
D. S. Tassenweise zu verbrauchen. 
Decoctum alb. Sydenhami. 
[Statt der Mica panis nimmt die frühere 
Ph. Saxon. die doppelte Quantität Hirsch- 
horn.] 

W" ^ 487-491. 



491. 



R 



50,0 



Comu Cervi rasp. 

Rad. Liquir. 10,0 

Cort. Cinnam. Cass. 2,0. 

M. f. species. D. S. Zum Thee. 

[In vielen Gegenden für die Kinder- 
praxis sehr beliebte Species; bei Diar- 
rhoea infantum.] 



Digitized by VjOOQIC 



Cornu Cenri ustum album. 245 



Acid. tartar. 0,5 
Aq. Laurooerasi 15,0. 
Repone in loco fri^ido, ut f. gelatina. 
D. S. Hirschhorn-Gel6e. 



492. ^ 

Corau Cervi rasp. 100,0 

coque cum Aq. comm. q. s. ad 
Colat. 200,0 cni adhac oalidae 
admisce 
Syr. Cerasor. 50,0 

Corio CeiTi nstim albiun* Ossa usta alba. Weiss gebrann- 
tes Hirschhorn, weiss gebrannte Knochen. [Saurer phosphorsaurer 
Kalk mit kohlensaurem Kalk. — 100,0 etwa 30 Pf.] 

Innerlich: [wegen seiner geringen Löslichkeit selten angewandt] zu 1,0 
bis 2,5 in Pulvern oder Schüttelmixturen. 
Aeusserlich: zu Zahnpulvern. 

Cortex adstringeis brasilieBsis* Gort. Barbatimao. Gort. Ingae. 
[Von Mimosa cochliocarpa s. Pithccolobium Auaremotomo s. Stryphnodendron Bar- 
batimao. — 10,0 etwa 10 Pf., subt. pulv. 15 Pf.]. 

Innerlich: zu 1,0-2,0 3-4 Mal taglich, in Pulver, im Decoct 
[25,0 auf 200.0 Colatur, mit 25,0 Syrup, zweistündlich einen Esslöifel — bei Pro- 
fluvien, Hämorrhagien u. s. w.]. 

Aeusserlich: Injection des Decocts bei Metrorrhagie. 

Cortex AlcoriOCCOt Gortex Cabarro. [Von Bowdigia virgiloides. — 
Bestandtheile : Gerbsäure und bitterer Extractivstoff. — 10,0 conc. etwa 10 Pf. subt. 
pulv. etwa 15 Pf.] 

Innerlich: als Abkochung von 25,0 auf 100,0-200,0 [bei chroni- 
schen «pituitosen* Katarrhen]. 

[Als Gort. Alcomocco hispanicus kommt die Rinde der Korkeiche, Quercus 
suber, in den Handel.] 

Cortex Algnstliraet Gusparia. Angustura-Rinde. [Von Galipea 
ofßcinalis oder Bonplandia trifoliata. Bestandtheile: Angustura-Bitter (krystallinisch: 
Gusparin) , ätherisches Gel. — 10,0 conc. etwa 10 Pf. , subt. pulv. 15 Pf. — Gortex 
Angusturae (verae) ist nicht mit der strychninhaltigen Gortex Angusturae spu- 
rias s. ferrugineus zu verwechseln. Die seit längerer Zeit gehegte Annahme, dass 
Gortex Angnst. spur, von Strychnos Nux vomic. stamme, wird von Berg bezweifelt.] 

Innerlich: zu 0,3-0,75 mehrmals täglich, in Pulvern, im De- 
coct [10,0 auf 100,0-150,0]. 

Cortex Cacao tostoSt Geröstete Gacaoschalen. [Bestandtheile: 
Theobromin, empyreumatisches Gel.] 

Als Surrogat des Kaffee, wo man dessen erregende Wirkung ver- 
meiden will, zu empfehlen. 

*Cortex Cascarillaet Narcaphte. Gascarilla bark. fecorcedeGascarille. 
Gascarillrinde. Graue Fieberrinde. [Von Groton Eluteria. Bestandtheile: 
ätherisches Gel, Harz, bitterer Exstractivstoflf. — 10,0 cont. 10 Pf., subt. pulv. 15 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-2,0 mehrmals täglich [tonisches, fieberwidriges Mittel. 
Soll die krankhafte Darmsecretion beschränken und daher vorzugsweise gegen chro- 
nische Magen- und Darmcatarrhe gegeben], in Pulver [selten], im Infusum 
[10,0J5,0 auf 100,0], Decoct [zweckmässiger], Electuarium, Species. 

Aeusserlich: zu Zahnfleisch-Latwergen, Schnupfpulvern, 
Räucherspecies. ^ 

Digitizedm^ VSdSP^W^ 



246 Gortex Cassiae ligneae. 



493. I^ I wein 24 Stunden zu digeriren. 4 mal 

Gort. Gascarill. 1,0 | täglich ein halbes Weinglas. 



Pulv. Doweri 0,2 

Gummi Arab. i 495. 

Elaeosacch. Galami ana 0,25. 
M. f. pulv. Dispens, tal. dos. No. 10. D. S. 
3stdl. 1 Pulver. [Bei Diarrhoe.] 



Gort. Gascarill. 5,0 

infunde 
Aq. fervid. q. s. 

digere per Vj horam 
Golaturae 80,0 



494. Bf 

Gort. Cascar. gross, pulv. 15,0 adde 

Gort. Fruct. Aurant. 30.0 Syr. Ginnam. 20,0. 

Gort. Ginnam. Zeylan. 10,0. | D. S. Stdl. 1 Theelöffel. [Bei Diarrhoea 

M. f. species. D. S. Mit */^ Liter Malaga- | infantum.] 

Cortex Cassiae ligneae* Cassia lignea. Xylocassia. Cassienrinde. 
[Von degenerirtem Ginnam. ceylanicum. Wie Gort. Ginnam. Gass., aber schwächer 
wirkend und weniger angenehm.] 

Cortex ChiMe* Chinarinde. Zweigrinden und Stammrinden cul- 
tivirter Cinchoraen, vorzugsweise der Cinchoma succirubra. [Enthält: Chinin, 
Chinidin, ChinoTdin, Cinchonin, Chinasäure, Chinagerbstoff, Chinaroth, Harze]. 

Die PI. fier«. IL unterscheidet nicht mehr zwischen den folgenden 
Präparaten, von denen die drei erstgenannten in der ed. I. officinell 
waren, sondern bestimmt, dass die Cortex Chinae mindestens 3,5 pCt. AI- 
kaloide enthalten muss. Danach würde sie also um etwa 1,5 pCt. stärker 
als die mindest werthige Cort. Chin. Calisayae sein. Zur Ermittelung des 
Gehaltes an Alkaloiden giebt die Pharmacopoe ausführlich ein gewichts- 
analytisches Verfahren an, welches aber eine mehrere Tage dauernde Unter- 
suchung erfordert und deshalb kaum für den Droguen-Einkauf und die 
Apotheken-Revision in Betracht kommen kann. [10 Gr. 35 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-10,0 [Die grösseren Gaben als Antifebrilia, besonders 
bei Wechselfieber (30,0-60,0 refracta dosi während der Apyrexie), fast ganz durch 
Chinin verdrängt, denn selbst kräftige Verdauungsorgane vermögen den Genuss 
grösserer Mengen des Rindenpulvers oder Aufgusses, wie sie zur Heilung von Fiebern 
nöthig, nicht immer zu bewältigen. Wegen der grossen Dosen stellt sich schliesslich 
auch, bei weniger zuverlässiger Wirkung, der Preis nicht viel billiger als bei Chinin, 
sulfur. oder hydrochlor. Dagegen ist die Cort. Chinae in kleineren Dosen im Infus oder 
Decoct ein vortreffliches und seines Gehaltes an Harzen, Gerbstoff u. s. f. den Alka- 
loiden vorzuziehendes Roborans], in Pulver [mit aromatischen Zusätzen, oder 
einige Tropfen Spir. aether. nachzunehmen, oder in Rothwein], Pillen und 
Bissen [mit bitterem Extract, z. B. Extr. Trifolii fibrini], in Electuarien, 
Schütteltränken [etwa 15,0 auf 250,0], in Aufgüssen und Abkochun- 
gen [10,0-25,0 auf 200,0. — Der kalte Aufgus.«» soll besser vertragen werden, als 
das Infusum oder Decoct, wahrscheinlich wegen seines geringeren Gehaltes an wirk- 
samen Bestandtheilen ; das Infusum und Decoct muss heiss colirt und beim Ein- 
nehmen umgeschüttelt werden, weil die unbekannte Verbindung, in welcher die Al- 
kaloide sich in heissem Wasser auflösen, in der Kälte praecipitirt. Zweckmässig ist 
es, bei den letzterwähnten Formen etwas Säure (auf 25 Cort. 3,0 Acid. sulf. dilut. 
oder Acid. hydrochloricum) zuzusetzen, und muss dann das Decoct in einem Por- 
zellangefässe bereitet werden. — Setzt man der Abkochung sub finem coct. etwas 
Salmiak (1,0 auf 25,0 Rinde) hinzu, so wird sie etwas klarer. — Viel benutzt wurden 
früher auch Digestionsaufgüsse mit Vinum album.] Seltene, aber nicht un- 

8^* Bf 493-495. Digitizedby^OOglC 



Cortex Chinae. 



247 



zweckmässige Darreichungsformen sind China-Chokolade und China- 
Kaffee [1-2 Tbeelöffel grobes Chinapulver mit eben so viel Kaffee vermischt und 
wie Kaffee bereitet und getrunken]. 

Aeusserlich: in Pulver zu Streupulvern [mit Kohle, Myrrhe, Cha- 
momilla u. s. w. bei übel secernirenden Geschwüren, Brand u. s. w.], zu Zahn- 
pulvern, Zahnfleisch-Latwergen, Cataplasmen [bei Decubitus, Gan- 
grän. — Chinapulver mit Ol. Terebinthinae zu gleichen Theilen angerührt und in 
Leinwand gepackt, auf die Innenseite des Handgelenkes gelegt, als Heilmittel gegen 
Intermittens angewendet: Eekart]; infundirt oder abgekocht: zu Mund- und 
Gurgelwässern, Klystieren, Injectionen, Verbandwässern; zu 
Salben [unzweckmässig und durch Extr. Chinae zu ersetzen]; zu Pomaden 
[ganz unbrauchbar, da das Pulver auf der Kopfhaut verbleibt und dieselbe schmutzig 
macht]. 
496. Bf 



Cori Chinae pulv. 25,0 
Gort. Fruct Aurant. pulv. 
Cort. Cinnam. Cass. pulv. 
Rhiz. Calami pulv. ana 5,0. 
M. f. pulv, D.S. 3 mal tägl. Vi-l Thee- 
löffel voll in Ungarwein zu nehmen. 
[In der Reconvalescenz nach lang- 
wierigen, mit Kräftcverlust verbundenen 
Krankheiten.] 



497. 



B, 



Cort. Chinae 10,0 

coq. c. Aq. ad 150,0 
et Col. ferv. dein, adde 
Vin. rubr. gall. 50,0 
Saccbar. uvic. 30,0. 
►. S. 2stdl. 1 Esslöffel. [Bei Schwäohe- 
zuständen, in der Reconvalescenz von 
Fiebern.] Bwald. 



498. I^ 

Decoct. Cort. Chin. (e 25,0) 200,0 
Acid. phosphor. 10,0 
Elaeosacch. Menth, pip. 10,0. 

MDS. 2stdl. 1 Esslöffel. 



499. I^ 

Cort. Chin. 30,0 

coque c. Aq. fönt. q. s. 

ad Colat. 120,0 
adde 
Succ. Citri recent. 50,0 
Yini Rhenani 
Syr. Berberid. ana 30,0. 
MDS. 2stdl. 1 Esslöffel. [Bei Febris pu- 
trida.] Vogel. 



500. 



Bf 



25,0 



Cort. Chin. cont 

coque c. 
Vino alb. per integram horam 
CoL 150,0. 

adde 



Tinct Zingiberis 1,0 
Syr. Cinnam. 25,0. 
D. S. In der fieberfreien Zeit stdl. 1 Ess- 
löffel. [Bei Intermittens.] 

Oppolser. 



501. 



D. S. 



502. 



Cort. Chin. gross, pulv. 25,0 
Rad. Gentianae rubrae 
Cort. Fruct. Aurant. ana 5,0 
Fruct. Cardamom. 1,0 

Digere per 24 horas cum 
Vini Rhenani 300,0 

exprime et filtra. 
3 mal taglich 1 Weinglas. 



Bf 



Cort. Chin. 10,0 

Myrrhae 

Sang. Dracon. ana 2,0. 

Subtiliss. pulv. adde 
Ol. Caryophyll. 
OL Cinnam. Cass. ana 0,25 
Meli, rosat. q. s. 
ut f. electuarium. D. Zahnlatwerge. 



503. 



^ 



Decoct. Cort. Chinae 200,0 
Tinct. Myrrhae 50,0 
Acid. sulfur. dilut. 2,0 
Mellis rosat. 60,0. 
MDS. Gurgelwasser. [Bei Scorbut.] 

Hunter. 



504. Bf 

Cort. Chin. pulv. 25,0 

Camph. trit. 

Myrrhae ana 4,0-8,0 

Carb. pulv. 

Ungt. de Styrace ana 25,0 

Ol. Terebinth. q. s. 
ut f. unguentum. D. S. Verbandsalbe. 
[Für brandige Geschwüre.] Bust. 



ri^dm-^O^I^lß 



248 



Cortex Chinae. 



505. Bf 

Cort. Chin. 2,0 
Cort. Cinnam. Cass. 0,3. 
M. f. pnlv. D. tal. dos. No. 12. S. In 
der fieberfreien Zeit 2stdl. 1 Pulver. 
Pulv. febrifugus Ph. mil. 
[Dieses Pulver mit Syr. comm. angerührt 
bildet die in vielen Gegenden Deutschlands 
sehr gebräuchliche und sogar im Marktver- 
kehr verkäufliche Fieber- Latwerge.] 



506. I^ 

Cort. Chin. pulv. 15,0 

Tartar. depur. 5,0. 
M. f. pulv. D. S. Theelöflfelweise zu nehmen. 
[Bei Colica flatulenta.] B. A.Vogel. 



507, Bf 

Cort. Chin. cont. 30,0 
Acid. hydrochlor. Ifi 
Aq. comm. ferv. 120,0. 

Bene mixta macera per noctem, 
tunc adde 
Aq. comm. q. s. 

et coque leniter 
ad Colat. 250,0. 
D. S. In der Apyrexie ganz oder halb zu 
verbrauchen. 

Dect. Chinae reg. c. Acid. mur. Ph. mil. 
[Aehnlich das Dect Chinae Ph. paup., 
aber ohne Acid. hydrochl.] 



508. I^ 

Cort. Chin. gross, pulv. 15,0 
Rad. Valer. conc. 4,0 
Ligni Qnassiae 2,0 

infunde Aq. fendd. q. s. 

ad Colat. 120,0 
Resid. coque c. Aq. comm. q. s. 

ad Colat. 80,0 
Colaturis mixtis adde 
Tinct. aromat 8,0 
Syr. simpl. 30,0. 
MDS. 2-3stdl. 1 Esslöffel. O.J.Meyer. 



509. Bf 

Cort. Chin. gross, pulv. 50,0 
coque c. Aq. comm.' q. s. 

ad Colat. 250,0 
cui adde 
Sacch. alb. 12,0 
Tart. dep. 8,0 
Spir. Aeth. chlor. 4,0. 
MDS. In der fieberfreien Zeit 2stdl. 1 Ess- 
loffel. Nach P. Frank. 



510. I^ 

Cort. Chin. 100,0 
Rad. Valer. 50,0 
Spirit. dilut. 200,0 
Vini albi acidi 1000,0. 
Macera per Septem dies Filtra. D. S. Täg- 
lich 1 Weinglas voll zu verbrauchen. 
Bouohardat. 

Cortex Chiiae Calisayae« Cortex Chinae regius. China regia seu 
Calisaya. Cinchonae flavae Cortex PI. Brit. Yellow-Cinchona s. Peruvian 
Bark. Quinquina royal. Königs-China-Rinde. [Enthält am meisten 
Chinin und wurde deshalb vorzugsweise verordnet. Sie soll mindestens 2 pCt. Alka- 
loide enthalten. — 10,0 conc. s. gross, pulv. 40 Pf., subt. pulv. 50 Pf.] 

*Cortcx Chiiae foscos s. officinalis. Cortex Peruvianus. China 
fusca seu grisea. Crown Bark. Jesuit's Bark. Quinquina gris. Braune 
Chinarinde. [Es durften die China Huanoco und China Loxa angewendet werden. 
— Die China fusca enthält im Verhältniss zur regia mehr Cinchonin , während diese 
reicher an Chinin ist. — 10,0 cont. 30 Pf., subt. pulv. 35 Pf.] Cave: für die 
trockene Form: Alkalien, Metallsalze [Eisen mit sanctionirten Aasnahmen]; 
für die flüssige Form: gerbstofifhaltige Substanzen [Kothwein], Metallsalze, 
thierischen Leim, Eiweiss. 

Cortex Chiiae ruber« Cinchonae succi rubri Cortex. Red peru- 
vian bark. Quinquina rouge. Rothe Chinarinde. [Gehalt an Alka- 
loiden weniger beständig (?) als in Cort. Chin. Calis. und Chin. fusc; der Chin. Ca- 
lisayae insofeni näher stehend, als Chinin über Cinchonin überwiegt. Ein vorwiegen- 
der Bestandtheil der rothen Chinarinde ist das adstringirende Chinaroth. 10,0 cont. 
35 Pf., pulv. 50 Pf.] 

Innerlich und Aeusserlich: wie Cort. Chinae fusc. 

Ausser den angeführten Chinasorten kommen deren noch eine Menge 
anderer im Handel vor, deren Gehalt an Alkaloiden entweder noch so 

^ 605-510. Digitizedby^OOgie 



Cortex Cinnamomi Cassiae. 249 



g' 



wenig ermittelt oder so gering ist, dass sie für die arzneiliche Verord- 
nung un verwendbar sind; hierher gehören: die unter den Namea China 
flava, pallida, dura, fibrosa gegebenen Rinden, die China Para 
"in der man ein Alkaloid: Pari d sin, gefunden haben will], die China Cusco, 
""hina Santa-F6, China de Bogota [vergl. Chinidin]. Andere Rinden, 
denen man den Namen China nova giebt, stammen gar nicht von Cin- 
chona- Arten, enthalten kein Alkaloid, sind mithin Tonica und Amara, 
aber keine Antipyretica im eigentlichen Sinne des Wortes; hierher ge- 
hören: die China caraibea, China Piton, China peruviana falsa, China 
brasiliensis, China bicolor und viele andere. 

Als Surrogate der China sind so ziemlich alle Pflanzenstoffe em- 
pfohlen worden, die sich durch hervorstechende Bitterkeit auszeichnen, 
so namentlich Cort. Salicis, Hippocastani, Cort. und Lign. Quassiae, Cort. 
Beeberu, Cort. Esenbeckiae u. s. w. Die PI. paip. führt noch einzelne 
Verbindungen auf, die sie als künstliche China-Präparate bezeichnet, so 
ein Pulv. Chin. factitius [aus Cort. Hippocast., Salicis, Rad. Gentian., Ca- 
lami, Carjophyllae ana], ein Dec. Chinae facti tium [aus denselben Be- 
stand tbeilen]. Die Wirksamkeit aller Surrogate- aber kommt nicht im 
entferntesten der der China nahe. 

*Cortex Ciinamomi* Cortex Cinnamomi Cassiae. Cortex Cinnamomi 
Chinensis. Cinnamomum Indicum. Cabob- China. Cassia Cinnamom. 
Canelle de la Chine. Canelle d'Inde. Chinesischer Zimmt. Zimmt- 
cassie. Zimmt. [Weniger wirksam, als der viel feinere und ölreichere, aber auch 
viel theurere sogenannte echte Zinimt, Cort. Cinnamomi Zeylanici. Bestandtheile: 
ätherisches Oel und Gerbsäure. — 10,0 cont. 10 Pf., subt. pulv. 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-1,5 mehrmals täglich in Pulvern, Morsellen, 
Boli, Electuarien, Aufguss und Maceration [mit Wein, Wasser oder 
Milch — 5.0-15,0 auf 150], als The e [2,0-5,0 auf eine Tasse — oft als Corrigens], 
als Conspergens von Pillen. 

Aeusserlich: als Zusatz zu Zahn-Medicamenten, Schnupf- 
pulvern, Klystieren. 



511. l^ 

Tort. Cinnam. pulv. 5,0 
Rad. Gent. pnlv. 
Bad. Angel, ana 1,0 



Syr. Zingiber. 5,0 
Syr. Aurant. Cort. 25,0. 
M. f. electuar. D. S. Tägl. 2 mal 1 Thee- 
löffel. 



Cortex Cinamomi Zeylaiici. Cinnamomum acutum seu Ceylo- 
nense. Cinnamom-Bark. Canelle Orientale. Echter Zimmt. [1,0 cont. 
25 Pf., sabt. pulv. 30 Pf.] 

Wie Cort. Cinnamom. Cass. wirkend und gegeben, aber angenehmer 
als dieser. 

Cortex Coto. Coto-Rinde. [Rinde von China (?) Coto. Aus Bolivia 
stammend; von verschiedener Dicke, röthlicher oder zimmtbrauner Farbe scharf-ge- 
würzigem Geschmack. Wittstelu fand in der Rinde ein ätherisches Oel, ein flüchtiges, 
an Propylamin erinnerndes Alkaloid, ein Weichharz u. a. Jfkst stellte aus der Rinde 
ein krystallisirbares Alkaloid dar: Coto in.] Wurde von f. filetl als Antidiar- 
rhoicura empfohlen, und zwar als Pulver zu 0,5 pro dosi, oder als 
Tinctur (1 Cort. Coto zu 9 Spiritus) zu 10 Tropfen zweistündlich. Nach 
Bvkart und Rieker wirkt sowohl das Pulver wie die Tinctur stark reizend 

Digitized]^ !WlP^gjje 



250 Cortex Condurango. 



auf den Magen und wird deshalb schwer vertragen; sie empfehlen statt 
dessen das Cotoin [vergl. dieses]. 

*Cortex Condurango« Condurango-Rinde. [Von einer Schling- 
pflanze, Gonoiobus Condurango oder Marsdenia Cundurango, in Equador und Peru, 
besonders aus der Provinz Loja stammend.] Wurde in neuester Zeit von 
Amerika her (Bllss) als Specificura gegen Krebs angepriesen, hat sich 
den meisten europäischen Beobachtern nicht bewährt (llilke^ Picrce, Pil- 
mesi u. a.). Nach Riegel ist das Mittel ein gutes Stomachicum und hat 
deshalb auch zuweilen einen vorübergehenden palliativen Nutzen bei Car- 
cinoma ventriculi wie wahrscheinlich auch bei anderen Magenaffectionen. 
[10,0 conc. etwa 40 Pf.] 

Innerlich: imDecoct [30,0 auf 600,0, hiervon Morgens und Abends der 
vierte Theil zu verbrauchen]. Auch ein Fluid extract of Condurango 
wurde von IMlss, Keene k Ct. in den Handel gebracht; von diesem sollen 
gegen den Krebs 3-4 Mal täglich 2-3 Theelöffel, bei Syphilis, Scropheln, 
Geschwüren je 1 Theelöffel gereicht werden; als Vinum Condurango 3 Mal 
täglich ein Spitzgläschen voll zu nehmen. — Auch äusserlich ist das 
Mittel im Decoct zu Umschlägen und zu Injectionen [bei üterus- 
carcinom] mehrfach empfohlen worden [soll das Krebsgeschwür ätzen und rei- 
nigen: RtttmaMii]. 

♦Cortex Frangalaft Cortex Ehamni frangulae. Cort. Alni nigrae. 
Alder buckthorn-bark. ficorce de Bourgere. Faulbaum-Rinde. [Ent- 
hält harzigen Bitterstoff und Rhamnoxanthin. — In der neuesten Zeit ist von Hikly 
aus der Faulbaumrinde ein in Wasser leicht, in Alkohol schwer lösliches, stickstoif- 
und schwefelhaltiges Glucosid dargestellt worden, welches dem von ihm aus den Fol. 
Senn, gewonnenen und als Cathartinsäure bezeichneten ähnlich sein soll. Vom 
Glucosid der Faulbaumrinde soll ungefähr eine Dosis von 0,3 eben so stark purgirend 
wirken, wie 0,1 der Senna-Catarthinsäure. — Ausser diesem Glucosid fand K, in Cort. 
Frangul. noch einen anderen Stoff, der weder Stickstoff noch Schwefel enthält, auch 
keine purgirenden Eigenschaften besitzt, und den er A vorn in nennt. — 100,0 conc. 
35 Pf., subt. puk. 10,0 10 Pf.] 

Innerlich: in Abkochung [25,0 auf 150,0-200,0 mit Natr. sulfuricum 
und aromatischen Zusätzen; nach den Empfehlungen von fiampreeht^ BiMwaiger^ 
Br«ekmanM u. A. in neuerer Zeit gegen Hämorrhoidalleiden vielfach in Anwendung 
gekommen. Für den längeren Fortgebrauch empfiehlt sich als eine zweckmässige 
Form das concentrirte Decoct, welchem man um ihm eine grössere Haltbarkeit zu 
verleihen, eine geringe Quantität Cognac zusetzen lässt. Von dieser Essentia Rhamni 
frangul., welche vierfach so stark ist als das obige Decoct, lässt man täglich 2 Thee- 
löffel mit einem Weinglase Wasser vermischt trinken]. 

Aeusserlich: als Clysma [Decoct von 25,0 auf 150,0]. 



512. H 

Cort. Frangul. 50,0 

coque c. 
Aq. comm. ad Col. 400,0 

sub finem coct. adde 
Fol. MiUefolii 

(seu Cort. Fruct. Aurant., 

seu Fruct. Carvi) 8,0. 



Macera per hör. duas, cola. D. S. 2 mal 
täglich 1 Tasse voll. Q-umpreoht. 

513. Bf 

Decoct. Cort. PranguL (e 50,0) 300,0 

in quo solve 
Natr. sulfuric. 25,0. 
D. S. Morgens und Abends 1 Weinglas voll. 
Q-umpreoht. 



I?f. 512-513. DigitizedbyV^OOgie 



Cortex Fructus Aurantii. ^ 251 



Spirit. dilut 20,0. 
D. S. Abends 1-2 Theelöflfel voll zu 
nehmen. [Angenehm wirkendes Ab- 
führmittel.] 

Tinctura Rhamni Frangulae.- 

F. Beioh. 



514. Bf 
Cort. Frangul. 

coque cum 
Aq. comm. q. s. 

ad Colat. 150,0 
inspiss. ad 25,0 

et adde 

♦Cortex Fructas Aarantii. Cort. Aurantiorum, Cort. Pomorum 
Aurantii, Malicorura Aurantii, Pericarpium Aurantii, Orange Peel, Ecorce 
d'Orange. Pommoranzen- oder Orangen-Schalen. [Von Citrus vul- 
garis; — zum Gebrauch wird die Rinde vom inneren, schwammigen Theile befreit: 
Cort. Aurant. expulpatus seu Flavedo Cort. Aurant. — Bestandtheile : ätherisches Ocl 
und bitterer Extractivstoff. — 10,0 expulp. conc. 25 Pf., expulp. pulv. 30 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-2,0 mehrmals täglich, in Pulver, Species, Elec- 
tuarien, Infusum, weinigen Auszügen [25,0-50,0 mit 300,0 Wein macerirt. 

515. Bf 
Cort. Fruct. Aurant. 1,0 
Cort. Cinnam. Cass. 



Rhiz. Galangae ana 0,25. 
M. f. pulv. D. tal. dos. No. 10. S. Täg- 
lich 2 Pulver in Wasser zu nehmen. 



516. I^ 

Cort. Fruct. Aurant. 10,0 



Syr. Zingiberis q. s. 
ut f. electuar. D. S. 3stdl. 1 Esslöffel. 



517. Bf 

■ Cort. Fruct. Aurant. 50,0 
Rad. Valer. 

Fol. Melissae citr. ana 25,0. 
C. C. M. F. species. D. S. Zum Thee. 

[Einen kleinen Esslöffel voll mit zwei 
Tassen kochenden Wassers aufgegossen] 



Cortex Froctns Aurantii Carassayiensis. Cura^ao-Schalen. 

[Bitterer als die gewöhnlichen Pommeranzenschalen, mit dünnerer Pulpa versehen, so 
dass sie unausgeschält gebraucht werden könnten. Doch war ihre Substituirung 
durch die PI. fierm. ed. I. verboten. — 10,0 conc. etwa 10 Pf., pulv. 15 Pf.] 

Innerlich: wie die vorige. 

*C#rtcx Fractas Citri. Lemon peel, Ecorce de Citron. Citronen- 
Schalen. [Von Citrus Limonum. Enthält ätherisches Oel und Bitterstoff. — 10,0 
conc. 10 Pf.] 

Selten zum medicinischen Gebrauche [alz Zusatz zu dem Decoctum Sarsa- 
parillae comp.] 

♦Cortex Fmetos CIranati« Cortex Granatum. Malicorium. Granate- 
tree bark, Pome granate bark. Äcorce de Granate. Granatäpfel- 
Schalen. [Von Punica Granatum. — Bestandtheile: Gerbsäure und bitterer Ex- 
tractivstoff. — 10,0 conc. etwa 5 Pf., pulv. 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich, in Pulvern, im Decoct 
[25,0 auf 200,0]. — Selten im Gebrauch. 

*Cortex Froctns Jnglaiidis. Cortex Nucum Juglandis. Cortex 
Juglandis viridis. Putamen Nuc. Juglandis. Broux de Noix. Grüne 
Wallnuss-Schalen. [Aeussere Schalen der Früchte ven Juglans regia. Die 
frühere PI. Aistr, führte ausser der Cort. Nuc. Jugland. virid. extern, noch als Pu- 
tamen Nuc. Jugl. , Cort. Nuc. Jugl. intern., die innere holzige Schale an. Enthält 
Gerbsäure und bitteren Extractivstoff. — 100,0 conc. 35 Pf.] Cave: Metall- und 
basische Salze. 

Innerlich: in Abkochung [10,0-25,0 auf 150,0. — Bestandtheil des 
P«IIiBrschen Decoct], als Species. ■— In neuerer Zeit von Ncgrier, Nasse u. a. 
als Antiscrophulosum empfohlen. 



252 



Cortex Granati. 



Acusserlich: in Abkochung zu Umschlägen, Verbandwäs- 
sern, Augenwässern, Injectionen [bei scrophulösea Affectionen.] —Die 
tingirende Kraft der Cort. Nuc. Jugland. giebt zur Anwendung derselben 
zum Schwarzfärben der Haare Anlass: man benutzt dazu einen alko- 
holischen Auszug mit ätherischen Oelen. 

Cortex Cleoffreae SuriBamfiisis. Worm-bark. Geoffroyen- 
Rinde. [10,0 etwa 10 Pf., subt. pulv. 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich, in Pulvern oder Ab- 
kochung [25,0 auf 150,0, für Kinder 10,0 auf 100,0-150,0 (purgirt ziemlich stark, 
deshalb nicht in allzu grossen Dosen)]. 

Aeusserlich: zu Klystieren [Decoct von 25,0 auf 120,0 mit 30,0 Mel]. 

Cortex firanati« Granatrinde. Stammrinde der Funica granatum. 
In der Ph. germ. ed. II. an Stelle der Cortex rad. Granati gesetzt, wobei 
offenbar [es fehlt an einer klaren Bestimmung] ein Gemisch der Einde von 
Stamm und Wurzel zu verstehen ist. [Von Punica Granatum. — Enthält Gerb- 
säure, einen harzigen, krystallirsirbaren Stoff (Panicin) und einen zuckerähnlichen 
Bestandtheil (Mannit?). — 10,0 conc. 15 Pf., subt. pulv. 20 Pf.] 

Innerlich: 30,0-50,0-100,0 in Abkochung als Bandwurmmittel 
[die Granatwurzel-Rinde bewähi-t sich, wie die meisten anderen Bandwurmmittel nur 
dann, wenn der Wurm selbst krank ist, und Stücke desselben abgehen. Man kann 
dies durch eine Vorbereitungskur bewirken (am besten durch Asa foetida und Fei 
Tauri, Extr. Absinth, und ähnliche Mittel). Abends vor Beginn der Kur: Härings- 
salat, am Morgen nüchtern eine Tasse schwarzen, stark versüssten Kaffee, eine halbe 
Stunde später die erste Hälfte des Decocts, und nach Verlauf einer weiteren halben 
Stunde die zweite Hälfte. Ist dann 2-3 Stunden nachher kein Stuhlgang erfolgt, so 
lässt man noch einen Esslöffel Ol. Ricini nehmen. — KneheMmeitter empfiehlt 180,0 
Cort. Rad. Granat. 24 Stunden lang in 1 Liter Wasser maceriren, dann zur Honig- 
consistenz einkochen zu lassen; zu der Colatur von 180,0 soll noch Extr. Cort. Rad. 
Granati 2,0 hinzugesetzt werden, halbstündlich, wohl umgerührt, Vj Tasse voll zu 
trinken. IH«8ler giesst das gesammte, auf 450-500 eingekochte Decoct von 300 Gr. 
Cort. Rad. Granat, auf einmal per Schlundsonde ein nach vorhergehendem 24 stund. 
Fasten und gründlicher Darmentleernng. Ebenso Bettelheim. Der Erfolg wird, wie 
aus eigener Erfahrung bestätigt werden kann (Ewald), sehr gerühmt. Die Taenia 
geht fast ausnahmslos 2-3 Stunden später ab. Es kommt, wie Hissmaal bemerkt, 
offenbar darauf an, dass der Wurm plötzlich mit einer grossen Quantität des Anthel- 
minticum wie überschüttet wird. Uebrigens sind mir (Ewald) auch Leute vorgekom- 
men, die diese Quantität auf einmal tranken. Der Effect ist natürlich derselbe. — 
Besonders zu empfehlen sind die folgenden Vorschriften.] 



518. 



30,0 



Cort. Rad. Granat. 

infunde 
Aq. frigid. 300,0 

macera per duodecim horas, 
tum coque usque 
ad Colaturam 250,0 

adde 
Syr. Zingiberis 30,0. 
D. S. In 2 Portionen mit Zwischenraum 
von einer halben Stunde zu verbrauchen. 
[Der Syr. Zingiberis hindert am besten 
das nur zu oft durch die erste Portion der 
Abkochung hervorgerufene Erbrechen.] 

^ Bf 518^520. 



519. 



MDS. 



520. 



1« 
Decoct. Cort. 



Bad. 



Granati (e 50,0) 
250,0 
Extr. Filicis 
Gummi Arab. ana 2,0 
Syr. Menth, pip. 25,0. 
In 2 Portionen zu nehmen. 
Bandwurmmittel. 



Decoct. Cort. Granati (e 300,0 
ad 450) rec. par. 
S. Zum Eingiessen. Mosler. 



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'8 



le 



Cortex Hippocastani. 253 



Certex HippocastanL ^corce de Murronier d'Inde. Rosskastanien- 
Rinde. [Von Aesculus Hippocastan um. — Enthält A es culin, Schillerstoff, 
einen weissen, indifferenten Stoff von scharfem, süsslichem Geschmacke, welcher in 
neuerer Zeit von BariMil zu 0,6-1,0 pro dosi als Fiebermittel gegeben wurde. — 10,0 
conc. oder gross, pulv. etwa 5 Pf., subt, pulv. 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 in Pulver oder Decoct [25,0 auf 200,0]; 
früher als Fiebermittel in Gebrauch, jetzt vollkommen obsolet. 

Cdrtex Ligni Sassafras* [Von Lauras Sassafras. — ßestandtheile: äthe- 
risches Gel, Gerbstoff. — 10,0 conc. etwa 10 Pf., subt. pulv. 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 in Pulver oder im Aufguss [10,0-15,0 auf 
150,0]; ist gehaltvoller an ätherischem Oel als das Lignum Sassafrass 
selbst [vergl. dieses] und diesem in der Anwendung vorzuziehen. Wo man 
Sarsaparilla und ähnliche Stoffe mit Sassafrass in flüssiger Form com- 
binirt, ist letzteres sub finem coctionis zuzusetzen. 

Cortex Hezereh Spurge- Olive -Bark, Ecorce de Garou. Seidel- 
b astrinde. [Von Daphne Mezereum. — Bestandtheile: scharfes, blasenziehendes 
Harz und ein krystallisirbarer Bitterstoff: Daphnin. — 100,0 60 Pf., conc. 10,0 10 Pf., 
subt. pulv. 15 Pf.] 

Innerlich: im Decoct [1.0-2,0 auf 100,0 mit Rad. Liquir. oder anderen 
schleimigen Substanzen]. 

Aeusserlich: in Substanz als Exutorium [die in Essig erweichte 
Rinde wird mit der äusseren von der Epidermis befreiten Fläche auf die Hautstelle 
gelegt und mit Pflasterstreifen oder einer Binde befestigt, zwei Mal täglich neu ver- 
bunden, bis sich die Oberhaut ablöst (am zweiten bis dritten Tage], dann zum Offen- 
halten des Geschwürs alle zwei Tage erneuert], als Streupulver [zum Offen- 
halten von Fontanellen; man bereitet zu diesem Zwecke kleine Kügelchen aus Pulv. 
Cort. Mezerei mit Gummi], als Kaumittel [bei paralytischer Dysphagie]; in Spi- 
rituosen Auszügen oder in concentrirten Abkochungen [als Epispastica], 
als Gurgelwasser, Injection [Decoct von 3,0-5,0 auf 100.0], in Salben 
[1 Pulver mit 4 Fett und 1 Liquor Ammon. caust.: Ungt. vesicansvegetabile; 
vergl. auch Ungt. Mezerei]. 

Cortex Prani Padi* Ahlkirschen-Binde. [Zuweilen auch Faul- 
baum-Rinde, eine Name, der jedoch richtiger der Cortex Frangulae zukommt. — 
Enthält ätherisches Oel, Gerbsäure und Extractivstoff. — 10,0 conc. etwa 5 Pf., subt. 
pulv. 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,0 mehrmals täglich, in Pulver [gegen Wechsel- 
fieber], Aufguss, Infuso-Decoct [25,0 mit 50.0 Spiritus und 150,0 Wasser 
digerirt und colirt, der Rückstand zur Colatur von 100,0 gekocht, beide Colaturen 
vermischt; stündlich 1 Esslöffel]. 

Cortex ^lassiae« Quassia bark. !^corce du bois amer de Surinam. 
Quassia-Binde. [Von Quassia amara. — Enthält Quassiabitter (Quassin, Quassit) 
und zwar mehr als das Lignum Qusssiae (vergl. dieses); über die vorausgesetzten 
narcotischen Bestandtheile der Quassia wissen wir nur so viel, dass dieselbe auf klei- 
nere Thiere giftig wirkt. — 100 conc. etwa 5 Pf., subt. pulv. etwa 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pulver [sehr schlecht zu 
nehmen, wegen der intensiven und unangenehmen Bitterkeit], im Aufguss [warm 
oder kalt bereitet, namentlich sind kalte oder weinige Aufgüsse beliebt — 3,0-5,0 
auf 150,0 mit Tinct. Cinnam., Spir. äther. oder ähnlichen Geschmacks-Corrigentien], 
Decoct [unzweckmässig], Species. , ^^^,^ 

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254 Cortex Qaebracho. 



521. I^ 

Gort. Quassiae conc. 15,0 
Rad. Valer. min. 25,0 
Cort. Fnict. Citri 10,0. 
M. f. species, div. in 8 pai*t. aeq. D. S. Jede Dosis Abends mit 2 Tassen kalten 
Wassers zu übergiessen nnd diese am folgenden Tage zu verbrauchen. 

Cortex ^nebracllO* Quebracho-Rinde. [Von Aspidosperma Que- 
bracbo, ein zu den Apocyneen gehöriger Baum. Enthält eine Anzahl von Alkaloiden 
(bis jetzt sind 5 dargestellt), deren vornehmstes das von Fraade dargestellte Aspido- 
spermin ist. In der argentinischen Republik seit langer Zeit als Fiebermittel in Ge- 
brauch , wurde die Rinde von PeaiaMt peprüft und als ein vorzugliches Linderungs- 
mittel bei Dyspnoe aus vei*schiedenen Ursachen, namentlich bei Asthma bronchiale, 
gerühmt. Auch ist demselben eine antidiarrhorische Wirkung eigen. Ebenso günstig 
urtheilt Berkart über das Mittel, während Andere (Laqaer, Sehfiti^ fiatmaan) weniger 
gute Resultate verzeichnen. Zum Theil ist die Differenz der Autoren wohl dadurch 
bedingt, dass noch eine zweite der Cortex Quebracho sehr ähnliche, aber schwächer 
wirkende Drogue existirt, die Rinde und das Holz von Loxopterygium Lorentzii, welche 
anfänglich als Holz der Cortex Quebracho angesehen wurde. Dieselbe enthält aber 
kein Aspidospermin. Jetzt wird letztere als Quebracho claro, erstere als Quebracho 
Colorado unterschieden. Von beiden wird ein alkoholisches Extract dargestellt. Das 
im Handel unter der Bezeichnung Extractum Quebracho vorkommende Präparat soll 
verunreinigt und nur ganz schwach wirkend sein, üeber das Aspidospermin liegt 
bis jetzt nur eine Notiz von PeaiaMt vor, wonach dasselbe ähnlich, aber schwächer 
wie die Corlex Quebracho wirkt. (S. Tinctura Quebracho.)] 

Innerlich: siehe Tinctura Quebracho. 

♦Cortex %«erc08. Oak-bark, Ecorce de chene. Eichen-Rinde. 
[Die jüngere Rinde von Quercus robur. Gerbsäure- und bitterstoffhaltig. — 100,0 
conc. oder gross, pulv. 25 Pf., subt. pulv. 10,0 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5, selten in Pulver, öfter im Deco et [10,0 bis 
25,0 auf 150,0]. 

Aeusserlich: zu Streupulvern [mit Alaun, Chamille, Myrrhe], als 
Decoct [10,0-20,0 auf 100,0], zu adstringirenden Mund- und Gurgel- 
wässern, Injectionen [besonders zu Injectionen in die Vagina bei Fluor albus], 
Verbandwässern, Waschungen, zu Bädern [1 Pfund Rinde mit mehreren 
Liter Wasser abgekocht und dem Bade zugesetzt], Salben [vergl. Plumbum tannl- 
cum pulti forme]. 

*Cortex Radicis CraMti. Granatwurzel-Rinde. Siehe unter 
Cortex Granati. 

Cortex Salicis. Willom-bark, Sallow-bark. Ecorce de Säule. Weiden- 
Einde. [Von Salix pentandra, fragilis und purpurea. — Enthält Salicin und Gerb- 
säure. — 10,0 conc. oder gross, pulv. etwa 10 Pf., subt. pulv. 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich, in Pulver [unzweckmässig], 
in Aufguss, Abkochung [25,0 auf 150,0-200,0]. 

Aeusserlich: zu Zahnpulvern, Streupulvern, das Decoct 
[10 0-20,0 auf 100,0] zu Mund- und Gurgelwässern, Einspritzungen, 
Verbandwässern u. s. w., zu Waschungen der Kopfhaut [als haar- 
wuchsbeförderndes Mittel (?)]. 

g^ Bf 521. Digitizedby Google 



Cortex Sambuci interior. 



255 



523. H 

Cort. Salic. 25,0 

Camph. trit 

Myrrh. 

Flor. Cbamom. ana 5,0. 
M. f. pulv. D. S. Streupulver. [Bei bran- 
digen oder septischen Geschwüren.] 



522. Bf 

Cort. Salic. 50,0 
Spir. frumenti 100,0 
Aq. comm. 200,0 

Digere per 10 horas. 
Residuum coq. c. 
Aq. comm. q. s. ad Col. 200,0. 
Colaturas misce. D. S. Tassenweise in der 
fieberfreien Zeit. Bremer. 

Cortex Sambvci interior. [Von Samb. nigra.] 

Innerlich: in Abkochung als Diureticura zuweilen angewendet. 

Cortex Simarabae. Damson-Mountain, Staye-wood. Ruhr-Rinde. 
[Von Simaruba officinalis. — Enthält einen schwach narkotischen Bitterstoff und 
Schleim. — 10,0 conc. etwa 20 Pf., subt. pulv. 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pulver, besser im 
Infusum oder Decoct [10,0 auf 100,0-150,0]. 

Aeusserlich: [selten] zu Kly stieren. 

Cortex Vlmi ilterior« Slippery-elm-Bark, Elmbark, Ecorce d'Orme. 
Innere Ulmen- oder Rüster-Rinde. [Von Ulmus campestris. — Enthält 
Gerbstoff und Schleim. — 10,0 conc. etwa 5 Pf., subt. pulv. 10 Pf] 

Innerlich: im Decoct [10,0-25,0 auf 150,0,200,0]. 

Aeusserlich: wie Cort. Quercus. 

Cortex Yibomi pruifolii. Wird in einigen Gegenden Amerika's 
als Antiabortivum, auch als Tonicum, Antispasmodicum und Nervi- 
num, zumal bei Leiden, die mit dem Uterus und der Graviditas zu- 
sammenhängen, gerühmt. Im Aufguss oder Decoct. 

Cortex l^interaiios sporios. Canella alba. Weisser Zimmt, 
weisser Kaneel. [A etherisches Oel und bitterer Extractivstoff, letzterer über- 
wiegend. — 10,0 cont. etwa 15 Pf., subt. pulv. 20 Pf.] 

Innerlich: [selten] zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, im Pulver, im 
Aufguss [5,0-15,0 auf 200,0]. 

CotoinUM. Cotoin. [indifferentes Alkaloid aus Cortex Coto, von J«b8t 
dargestellt. Gelbliche Krystalle; leicht löslich in Aether, Alkohol, Chloroform, Alka- 
lien, schwerlöslich in kaltem, leichter in heissem Wasser]. Von Birkiurilt und 
Rieker als Antidiarrhoicum dringend empfohlen, und zwar zu 0,005-0,008 
pro dosi, in Mixtur [Cotoini 0,05-0,08. Aq. destill. 120,0, Syr. simpl. 30,0, 
Spirit. dil. 10,0. D. S. Stündlich 1 Esslöffel]. Das Mittel übte eine günstige 
Wirkung sowohl bei einfaclien Magendarmcatarrhen , wie bei den Diar- 
rhöen der Phthisiker und bei Cholera nostras und war mit keinerlei 
Übeln Nebensymptomen verbunden, wie dies von Cortex Coto beobachtet 
wurde. Auch Ittiimällcr lobt die Wirkung desselben bei den Diarrhöen 
imd Schweissen der Phthisiker. 

Creta alba praeparata. Calcium carbonic. nativum Ph. Aastr. Fre- 
pared chalk, Whiting. Craie pröpar^e. Weisse Kreide. [Besteht aus 
unreinem kohlensauren Kalk. — 100,0 10 Pf] 

Innerlich: zu 0,5-2,5 und mehr, als nächst zur Hand liegendes 
Mittel bei Vergiftungen mit Mineralsäuren, in Pulvern, Mixturen. 

Aeusserlich: zu Zahnpulvern. 

Digi|^eg^y§2S 



256 



Crocns. 



524. 



4,0 



MDS. 



Cret. alb. praep. 
Sacch. 3,0 

Mucilag. Gummi Arab. 12,0 
Aq. Cinnam. 150,0. 
l-2stdl. 1 Esslöflfel. [Bei Sodbrennen, 
Diarrhoe u. s. w.] 

Mixtura Cretae Ph. Lond. 



525. Bf 

Greta alb. praep. 100,0 
Gummi Mim. 25,0 
Nuc. mosch. pulv. 3,0 
Sacch. 150,0. 
F. 1. a. c. Aq. dest. q. s. Trochisci pon- 
dere 0,3. D. 

Trochisci Cretae Ph. Bdinb. 



*Cr#CIIS. Safran. [Stigmata von Crocus sati?us. Enthält ätherisches Oel 
und Farbstoff. — 1,0 30 Pt, conc. 36 Pf., subt. pulv. 40 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 in Pulvern, Pillen, Electuarien, im 
Infusum [4,0 auf 100,0]. 

Aeusserlich: im Infusum zu Augenbähungen, als Beisatz 
zu zertheilenden oder maturirenden Kataplasmen, zu Pflastern [Em- 
plastram oxycroceum, Emplastrum de Galbano crocatum], Salben. 

*Cobebae« Fructus seu Baccae seu Piper Cubebae. Piper caudatum, 
Java pepper, Tailed pepper. Oubebs. Cu beben, Schwanzpfeflfer, Schwin- 
delkörner. [Von Piper Cubeba. Enthält: indifferente Harze nebst einer Harzsäure, 
der Cubebensäure, ferner Cubebin und ein ätherisches Oel (Cubebenöl oder 
Gu beben). Früher hielt man das Cubebin für den wirksamen Stoff, und es wurde 
auch von einigen Seiten als Heilmittel bei Tripper empfohlen , ist aber therapeutisch 
durchaus indifferent. Ebenso ist das Cubebenöl ganz unwirksam. Dagegen enthält 
die Cubebensäure in der That den wirksamen Stoff und- hat sich auch inner- 
lich zu 0,5-2,0 pro die in Pillenform gereicht, bei Tripper heilsam erwiesen (Itr- 
■atiik^ Schmidt). Nach Sekmidt's neuesten Untersachungen soll indess nicht nur 
die Cubebensäure, sondern auch das indifferente Harz wirksame antiblenorrhagische 
Eigenschaften besitzen. — Rernatsik schlägt vor, die Cubeben zu entölen und ein 
resinöses Extract aus den entölten Cubeben zum therapeutischen Gebrauche herzu- 
stellen. — 10,0 15 Pf., gross, pulv. 20 Pf., subt. pulv. 25 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-2,0-15,0 mehrmals täglich, am besten im Pul- 
ver [namentlich wo man grosse Dosen anwenden will; man lässt die Kranken einen 
halben bis einen Theelöffel voll in Oblaten gewickelt nehmen und etwas Rothwein 
nachtrinken — beliebig kann man auch die Cubeben mit aromatischen Zusätzen etwas 
geniessbarer machen; dagegen sind Zusätze von Zucker, Pulv. Rad. Liquir. u. dergl. 
den meisten unerträglich], in Pillen oder Bissen, Trochiscen, steifen 
Latwergen [ebenfalls in Oblaten zu nehmen]. Ausser der fast ausschliess- 
lich vorkommenden Anwendung der Cubeben gegen Gonorrhoe werden 
dieselben auch hin und wieder von Hämorrhoidariern, hysterischen Frauen 
als Diäteticum, Carminativum in Gebrauch gezogen; meistens finden hier 
die ganzen Kömer, die wie Pillen verschluckt werden, Anwendung. 

Aeusserlich: zu Injectionen [im Infusum von 10,0-15,0 auf 100,0], 
im Klysma [5,0-15,0 fein gepulvert, mit Eigelb zur Emulsion]. 



526. IV 

Pulv. Cubeb. 50,0 

Cort. Cinnam. Cass. 5,0 

Tub. Jalap. 2,5. 
M. f. pulv. D. in soat. S. 4 mal täglich 
1 Essloffel. 



527. Bf 

Pulv. Cubeb. 20,0 
Bal3. Copaiv. 10,0 
Magncsiae ustae q. 

ut f. boli No. 30. D. S. 
zu nehmen. 



4-6 Stück tägL 
Velpeau. 



Bf 524-527. 



Digitized by 



Google 



Cucümeres. 257 



528. H 

Camphorae 0,3 
Pulv. Cubebar. 

Extr. Cubebar. spirit. ana 5,0. 
M. f. pil. No. 50. Consp. Lycop. D. S. 
3 mal täglich 3 Stück zu nehmen, all- 
mälig zu steigen. [Bei Tripper mit häu- 
figem Harndrang und mit Pollutionen.] 
▼. Sigmand. 



529. 1^ 

Cubeb. pulv. 15,0 

Succi Juniper. inspiss« 

Syr. simpl. ana 30,0. 
MDS. Innerhalb 24 Stunden zu ver- 
brauchen. Zeissl. 



530. I^ 

Cubeb. pulv. 50,0 

Bals. Copaiv. 20,0. 
M. f. elect. spiss. D. S. 3 mal täglich 
1 Theelöffel voll in Oblaten. 



531. I^ 

Cubeb. contusar. 15,0 
Aq* comm. ferv. 250,0 
Repone ad refrigerat. 
In Colat solve 
Extr. Belladonn. 0,6. 
D. Zu Injectionen. [Bei Leucorrhoe.] 
Engl. Hospitalformel. 



CMCvmeres. Gurken. 

Der Saccus recens expr. der unreifen Gurken, 1 Tasse bis V2 Liter 
täglich, gilt noch hier und da als ein Heilmittel gegen chronische Oa- 
tarrhe und beginnende Phthise. [Man bestreut die in Scheiben geschnittenen 
Gurken mit Salz oder Zacker, lässt sie damit die Nacht hindurch stehen and presst 
sie am anderen Morgen aas.] 

Aeusserlich wird der Gurkensaft als Waschmittel gegen Sommer- 
sprossen verwendet oder Haarpomaden zugesetzt. 

CimarillVm, Cumarin. [0,1 20 Pf. Wirksamer Bestandtheil des Wald- 
meisters, der Tonkabohnen, des Honigklees u. a. Blendend weisse Krystalle, in 500 
Theilen kalten Wassers löslich.] Nach I. Kohler's neueren Untersuchungen an 
kalt- und warmblütigen Thieren ist Cumarin ein energisches Herzgift: 
es reizt zuerst den Vagus und lähmt ihn sodann ebenso wie das Herz 
selbst und den Gefässapparat; zugleich wirkt es hypnotisirend und an- 
ästhesirend ähnlich den Opiumalkaloiden. Am Menschen noch nicht 
geprüft. 

Copram acetieom« Aerugo crystallisata, Flores viridis Aeris, 
Flores Aeruginis, Acetas cupricus cum Aqua. Acetate of copper. Acetate 
de Cuivre. Neutrales essigsaures Kupferoxyd, krystallisirter Grün- 
span. [10,0 15 Pf. — In Wasser leicht löslich ] Cave: wie bei Aerugo. 

Innerlich: zu 0,006-0,06 mehrmals täglich, in Pulvern, Pillen 
[vorher in Wasser aufgelöst], Solutionen. 

Aeusserlich: zu Injectionen [0 4-1,0 auf 100,0], Augenwaschun- 
gen und Bähungen [0,2-0,5 auf 100.0], Mund- und Gurgelwässern 
[0,1 auf 100,0], zu Salben [0.5-1,0 auf 25.0 Fett], als Augensalbe [0,1-0,2 
auf 10,0]. 

CMIinim alomiiatlllll* Lapis divinus s. ophthalmicus St. Yvesii. 
Pierre divine. Kupferalaun, Götterstein, Augenstein. [Cuprura sulf. 
Kali nitricum, Alumen ana 16 Th. zusammengeschmolzen, dann Gamph. trit. und 
Alumen pulverat. ana 1 Th. gemischt dazugesetzt. — 10,0 10 Pf., gross, pulv. 
15 Pf.] Löslich in Wasser [jedoch muss die Solution stets filtrirt werden]. 

Nur äusserlich zu Aetzstiften, als Augenpulver [1 Th. mit 2 
bis 5 Th. Zucker], in Auflösung zu Augentropfwässern [0,2-0.4 auf 
100,0], zu Augen- Waschwässern und Bähungen [0,2-0.6 auf 100,0], 

Rwald und Simon, Arzneivcrordniingslehre. 10. Aufl. |- ^^ ^ 



258 Cuprum biohloratum. 

Gurgelwässern [1.0-2,0 auf 100,0], Injectionon [in die Nasenhöhle: 0,5 
bis 1,0 auf 100,0; in die Harnröhre: 0,5-1,0 auf 100,0; in die Vagina, bei Entzün- 
dung derselben durch Pilze (laauman), etw<^ 1,0-2,0 auf 100,0]. 

532. I^ 

Cuprum aluminat. 0,05-0,1 

solve in 
Aq. Sambuci 12,0 
Tinct. Opii 0,25 
Liq. Plumbi subacet. 0,15. 
MDS. Augentropfwasser. [Bei Ulcera corneae.] Bust. 

Cllinui bicU^ratomt Cupr. chbratum, Gupr. muriaticum. Kupfer- 
chlorid. Salzsaures Kupferoxyd, Chlorkupfer. [10,0 20 Pf.] Zerfliesslich 
an der Luft, löslich in Alkohol. 

Innerlich: zu 0,005-0,015 mehrmals täglich [gegen Scrophulosis, Ra- 
chitis, Syphilis und andere dyskrasische Zustände empfohlen], in Solution [Tinct. 
Helvetii und Aether Cupri, erstere eine alkoholische Lösung, letztere eine So- 
lution in Aether. Ganz obsolet]. 

Aeusserlich: als Desinfectionsmittel [z. B. bei Cholera] von Clemeis 
empfohlen [und zwar zur Entwickelung von Dämpfen in folgender Weise : In einer 
Spirituslampe wird eine spirituöse Chlorkupferlösung (10,0 auf 1000,0 käuflichen Spi- 
ritus und 200 Chloroform) verbrannt, was auch bei geschlossenen Fenstern und in , 
Krankenzimmern geschehen kann, indem die Respirationsorgane durch die Dämpfe 
nicht angegriffen werden sollen.] 

Ciprum carb^licvmt Cupr. hydrico-carbonicum, Gupr. subcarbo- 
nicum. Kohlensaures Kupferoxyd. [10 20 Pf.] Unlöslich in Wasser, 
Alkohol und Aether. 

Innerlich: zu 0,2-0,5 4-6mal täglich, in Pulvern oder Pillen 
[gegen Neuralgien von manchen Seiten angewandt. In neuester Zeit wird das Cu- 
prum carbonicum Yon Btmberger^ auf Grand eingehender Versuche, als Antidot 
gegen Phosphorvergiftung empfohlen. Nachdem ein Emeticum aus Cuprum sul- 
furic. vorausgegangen, wird Cuprum carbonicum 0,25-0.5, in etwas Wasser suspen- 
dirt, anfangs halbstündlich gereicht, wobei jedesmal V, Esslöffel mit etwas Wasser 
nachgetrunken wird; in den Intervallen kaltes Getränk, Eisstückchen oder Fruchteis; 
nach einigen Stunden wieder Emeticum aus Cuprum sulfuricum. Die Phosphorparti- 
kelchen sollen sich derart mit einer schwarzen Schicht von Phosphorkupfer überziehen, 
welche das weitere Verdampfen und Lösen des Phosphors hindert.] 

Aeusserlich: in Salben [1 auf 8 Fett] und in Pflastern [2,0-3,0 
auf 10,0]. 

Cnprum jodatum* Rupfe rjodtir. [LO etwa 30 Pf.] Unlösliches 
weisses rulver, bisher noch wenig therapeutisch angewendet und wegen 
seiner ünlöslichkeit auch schwerlich besonders wirksam. 

Aeusserlich: in Salben [1 auf 5-10] oder Pflastern. 

Coprom nitricim* Salpetersaures Kupferoxyd. [1,0 etwa 5 Pf,] 
Löslich in Wasser und Alkohol. 

Innerlich: zu 0,005-0,0075 mehrmals taglich [gegen Syphilis] in 
Pillen oder schleimiger Solution. 

Aeusserlich: in Solution zum Verbände oder zum Betupfen 
fungöser syphilitischer Geschwüre [0,4-0,1 auf 100,0], zur Injection bei 
Tripper [0,2-0,4 auf 100,0]. 

a^ R 532. Digitizedby^OOgie 



Capram oxydatum. 



259 



*Coproitt oxydatoni« Cuprum oxydatum nigrum. Kupferoxyd. 
[1,0 5 Pf.] Schwarzes uieht krystalliuisches schweres Pulver. Unlöslich. 

Innerlich: zu 0,01-0,06 4 Mal täglich [bei „Kinderkrankheiten" und 
als Wurmmittel von RadcMachcr und Hager gepriesen], in Pulvern [mit etwas 
aromatischem Zusatz] oder Pillen. 

Aeusserlich: in Salben [1 auf 8-10 Fett, als Zertheilungsmittel bei 
Drüsengeschwülsten]. 



533. I^ 

Cupri oxydati 10,0 
Unguent. linient. 50,0 
Glycerini 5,0. 
M. terendo exactissime. D. S. In reich- 
licher Menge einzureiben und mit Harz- 
papier zu bedecken. [Bei Hautsclerom 
der Erwachsenen — daneben innerlich 
Leberthran.] Mosler. 



534, 



1* 



Cupri oxyd. nigri 6,0 
Calcar. carbon. 2,0 
Boli alb. laevigat. 12,0 
Glycerini 10,0. 
M. f. pil. No. 120. S. In der 1. Woche 
tägl. 4 mal 2 Pillen, die folgende Woche 
tägl. 4 mal 3 Pillen zu nehmen. Nach 
dem Verbrauch 1 EsslöfFel Ricinusöl. 
[Bandwurramittel.] Hager. 

Cnprui solfo-earbolieom« Schwei'el-carbolsaures Eupfer- 
oxyd. In neuester Zeit zu gleichen Indicationen empfohlen wie Zincum 
sulfo-carbolicum [s. dieses; 1,0 5 Pf.] 

*Copniiii solforieoni« Cuprum sulfuricum purum. Cupri Sulfas. 
Sulfas cupricus c. Aqua. Blue vitriol, Blue stone, Morthoot. Sulfate de 
cuivre. Kupfersulfat. Schwefelsaures Kupferoxyd. Reiner Kupfervitriol. 
Klare durchsichtige blaue Krystalle, löslich in 3-5 Th. kalten und 1 Th. 
siedenden Wasser. [10,0 5 Pf., gross, pulv. 10 Pf.] Löslich in Wasser. Cave: 
vergl. Aerugo. 

Innerlich: zu 0,01-0,05-0,1 [ad 1,0! pro dosi]; als Brechmittel in 
grösseren Dosen [0,05-0,1-0,5 ad 1,0 (ad gramma unumi) refracta dosi; bei Kin- 
dern 0,03-0,15 mehrmals wiederholt], in Pulvern, in Pillen, in Auflösung. 
üartiB und •berlin haben es statt des Quecksilbers in Gaben von 4, 8 und 
12 Mgrm. angeblich mit vorzüglichem Heilerfolg gegeben. 

Aeusserlich: als Aetzstift, Baculus Cupri sulfurici [bei chroni- 
schen Blennorrhöen der Augenlider A. t. Gräfe, bei Vaginal- und UterusaflTectionen], 
als Aetzpaste [bei Granulation der Conjunctiva, Condylomen, Caro luxurians], 
zu Kehlkopfpulvern [1 auf 20-30 Zucker: Trensseav und Bellee]; in Solu- 
tion: zum Bepinseln der Haut und Schleimhaut [1:3 Aqua bei Sy- 
pliilisformen mit Eiterbildung und dipUtheri tischen Auflagerungen; 1 : 50-100 Aqua 
bei Eichel- und Vorhau taffectionen als gelindes Aetzmittel: T. Signiuuil], als Pinsel- 
saft [0,1-0,2 auf 10,0 Glycerin oder Honig, gegen Geschwüre im Munde], als 
Mund- oder Gurgel wasser [0,3-1.0 auf 100], zu Injectfonen [in die 
Harnröhre 0,2-1.0 auf 100,0; bei callösen Fistelgeschwüren 4,0-12,0 auf 100,0; zu 
Injectionen in die Vagina 0,5-2,0 auf 100.0, bei Entzündungen derselben in Folge 
von Mycosis: RavssnaiiB^ — Injectionen zwischen Vorhaut und Eichel bei venerischen 
und syphilitischen Affectionen derselben: 0,25-0,5 ad 100,0 Aqua, dieselbe Flüssig- 
keit zum Waschen der Eichel und des Präputium: T. SigBiaiid], Augen- 
tropfwässern [0,1-0,2 auf 100,0], Augenwaschwässern [0,2-0,5 auf 100,0], 
Verbandwässern [1,0-3,0 auf 100,0 bei Schankergeschwüren mit schlaffer Ve- 
getation]. Waschwässern [0,2-0,5 auf 100,0, bei Gutta rosacea], Salben 
[1,0-3,0 auf 25,0 Fett], Augensalben [0,1-0,6 auf 10,0]. 

n* ^ T 

^'9'%^ 533-534. ^ 



^60 



Caprum sulfuricum purum. 



585. Bf 

Cupr. sulf. 0,1 
Sacch. albi 
Amyli ana 0,5 
M. f. pulv. d. tal. dos. No. 4. S. Alle 
10 Minuten 1 Pulver bis zu erfolgter 
Wirkung. [Bei Croup, frischen Ver- 
giftungsfällen.] 



53G. 



IV 



Cupr. sulf. 0,5 

solve in 
Aq. dest. q. s. 
Opii 0,3 

Succ. Liquir. dep. 
Pulv. Rad. Liquir. ana 3,0. 
M. f. pil. No. 50. Consp. Lycop. 
2 mal taglich 2 Stück. 



D. S. 



537. 



IV 



Cupr. sulf. 0,5 

solve in 
Aq. dest. 50,0 
Syr. simpl. 25,0. 
MDS. Anfangs alle 10 Minuten, später, 
wenn hinreichend Erbrechen erfolgt ist, 
halbstündl. bis stündl. 1 Kinderlöffel. 
[Bei Croup.] 



538. 



IV 



Cupr. sulf. 25,0 
Kino 

Aluminis ana 5,0 
Colophonii 20,0. 
[. f. pulv. D. S. Aeusserlich. [Blutstil- 
lendes Pulver. 



539. 



IV 

Cupr. sulf. 

Aluminis usti ana 5,0 
Summit. Sabinae pulv. 10,0. 
M. f. pulv. [Streupulver mit feuchtem 
Pinsel auf die vorher massig befeuchteten 
Condylome aufzutragen, worauf diese 
sofort mit dünner Baumwollschicht be- 
deckt werden, täglich 1-2 Mal.] 

V. Sigmund. 



540. I^ 

Cupr. sulf. 0,5 

solve in 
Inf. Fol. Salviae 
Mellis 50,0. 
D. S. Mundwasserr [Bei Mcrcurialge- 
schwüren, Salivation.J 



100,0 



541. I^ 

Cupr. sulf. 1,0. 
D. tal. dos. No. 12. S. Ein Pulver in 
2 Tassen Wasser aufgelost, zur Ein- 
spritzung. [Bei Scheiden -Katarrh.] 

Martin. 



542. Bf 

Cupr. sulf. 

Zinci sulfurici ana 10,0 
Aq. dest. 120,0. 
MDS. Zu Einspritzungen. [Bei Fisteln, 
inveterirter Caries, Congestionsabscessen, 
an Stelle der VUlate'schen Losung; ist 
wirksam, ohne Gefahr zu bringen.] 

Heine. 



543. I^ 

Cupr. sulf. 0,2 

Camph. trit. 

Opii puri ana 0,15 

Adipis suill. 5,0. 
M. f. ungt. D. S. Augensalbe. 



544. 



IV 

Cupr. sulf. 
Aluminis ana 2,5 
Ungt. Glycerini 25,0. 
M. f. ungt. D. S. Zum Verbände. [Bei 
hartnäckigen Schankem mit schlaffer, 
leicht blutender Basis und aufgeworfenen 
callösen Rändern.] 



545. IV 

Cupr. sulf. 2,5 

Adipis suilli 25,0. 
M. f. unguentum. D. S. Aeusserlich. 
[Gegen Eczema.] 



Caprom snlAirieom ammoiiiatiiiii« Ammoniacum cuprico- sulfuri- 
cum, Cupro-Ammopia sulfurica, Cuprum sulfurico-ammoniatura, Cuprum ara- 
moniacale, Sulfas cupricus ammoniacalis. Ammoniated Copper. Kupfer- 
Ammonium, Kupfer -Salmiak, schwefelsaures Kupferoxyd -Ammoniak. 
[10,0 15 Pf.] 

Cave: dies sehr leicht zerselzliche Präparat erträgt nur den Zusatz 
von destillirtem Wasser und einfachem Syrup. 

Innerlich: 0,01-0,05-0,1 [ad 0.1 pro dosi, 0,4 pro diel], in Pulvern, 
Pillen oder Solutionen. Ist in neuerer Zeit wiederholt gegen Neu- 
ralgien des Trigeminus angewendet worden. 
^ Aeusserlich: zu Gurgelwässern, Injectionen [01-0,4 auf 50,0 

^'^'''^- DigitizedbyGoOQle 

ar Bf 635-545. ^ 



Curare. 



261 



1,5 



547. Bf 

Cupr. sulf. ammoniat. 
Aq. dest. 25,0. 
D. S. Täglich 2 mal 5 Tropfen. 
[Gegen Epilepsie und Chorea.] 

Neumann. 



546. ^ 

Cupr. sulf. amraoniati 0,001-0,6015 
Aq. 100,0 

Sj-r. Cort. Aurant. 3 \0. 
In 24 Stunden, während der Mahlzeit ge- 
nommen, zu verbrauchen und 10-14 Tage 
fortzusetzen. [Gegen Tic douloureuxj 

^Copmin snlfnrifnni erodom« Cuprum sulfuricum venale, Yitrio- 
Iura de Cupro, roher Kupfervitriol [100,0 gross, pulv. 40 Pf.], ist dem 
Cupr. sulfuric. purum niemals, höchstens in der Veterinär-Praxis zu sub- 
stituiren, da die Dosen des Cupr. sulfur. purum doch immer so gering 
sind, dass die Preis-Differenz nicht in Betracht kommen kann. 

Curare« Urari. Woorara. Curare. Pfeilgift, Ticunas-Gift. [Schwarze 
knetbare Masse, wahrscheinlich von Paullinia curara herstammend. Enthält Curarin, 
eine alkalisch reagirende, nicht krystallinische Substanz. — 0,01 5 Pf.] 

Innerlich [von Yelk^ Gherini^^temnie^ Bvrew^ Yelsin und Lienfille gegen 
Tetanus und Strychninvergiftung, von Kvnie gegen Epilepsie empfohlen] ; zu 0,001 
bis 0,002, vorsichtig steigend, in wässeriger oder alkoholischer Lösung. 

Aeusserlich: zur subcutanen Injection [hauptsächlich gegen Te- 
tanus und Strychninvergiftung. Vemnie wandte es zuerst in grösserem Massstabe bei 
diesen Krankheiten an , indem er 10 Tropfen einer Lösung von 0,06 in 100 Tropfen 
Wasser, also 0,006 pro dosi injicirte. Bvsch injicirle von einer guten Sorte Curare 
0,0012-0,002 pro dosi und sah davon eine merkliche Wirkung. Gegen Epilepsie 
wurden subcutane Injectionen von Curare zuerst von Benediet versucht, und zwar 
0,0075 pro dosi, sodann von Veisin und LioBrille^ die mit 0,002 begannen und bis 
zu 0,10-0,15 (I) steigen konnten, resp. in schweren Fällen steigen mussten ehe eine 
Wirkung ersichtlich war (sowohl Epilepsie, als Tetanus). Irasehe injicirt bei Epi- 
lepsie 6-8 Tropfen einer Lösung Curare 0,06 auf Aq. dest. Gutt. 90. Edlefsen inji- 
cirte mit grossem Erfolg alle 4 Tage deu 3. Theil einer PrftTfti'schen Spritze der unten 
angegebenen Lösung. Von tfenbnrg sind grosso Dosen von Curare (innerhalb 
4 Stunden 0^9 Curare in 5proc. Lösung mittelst 7 subcut. Injectionen) mit eclatan- 
tem Resultat in einem Fall von Lyssa humana injicirt. indessen hat sich die relativ 
und absolut noch höhere Dosis von 0,36 Curare in 10^/4 Stunden in einem Fall von 
Peuoldt von keinem wirklich heilendem Einfluss Einfluss auf die Krankheit erwiesen 
sondern sich nur symptomatisch zur Milderung der Schlund- und Respirationskrämpfe 
bewährt. (S, Berl. klin. Wochenschr. 1882, No. 3.) Die grosse Verschiedenheit der 
Dosen, welche verschiedene Autoren anwandten, erklärt sich aus der verschiedenen 
Güte des Präparats, und wird man deshalb überall mit der kleinsten Dosis vorsichtig 
beginnen müssen, am besten sich überhaupt erst durch einen vorgängigen Thierver- 
such von der Wirkungsweise des Präparates überzeugen]. Auch enderraatisch 
ist Curare versucht worden [Vclli: 0,1 auf 40,0 Aqua,, steigend bis 1.0 auf 80,0 
Aqua, auf Wunden zu bringen, welche einen traumatischen Tetanus verursachen, 
oder sonst auf entblösste Haut. — Volsin und Lionrille versuchten bis 0,381 pro dosi. 
Letztere Autoren geben das Mittel auch im Clysma, bis zu 0,4! pro dosi]. 

548. Bf 

Curare 0,5 
Aq. 5,0 

Acid. hydrochlorati gtt. I. 
Digere p. hör. 24, deinde filtra. S. AÜo 5 Tage den 3. Thl. einer Pravaz'schen Spritze 
zu injiciren. [Bei Epilepsie.] Edlefsen. 

D'9't^^546-548. 



2fi-J Curare. 

5411. Bf 

Curare 0,1 
Aq. dost. 10,0. 
MDS. Zur subcutanen Injection. 
[Man beginne damit, ungefähr 0,15 dieser Lösung, d. h. etwa Vr einer gewöhnlichen 
Luer'schen Spritze = 0,0015 Curare, zu injiciren und steige dann mit der 
Dosis, je nach der Wirkung, vorsichtig auf das doppelte und vierfache, bei 
schlechter Qualität des Präparates selbst bis zu einer vollen Spritze.] 

CurariHom solforiconi und Cnrtrinom hydroclilorieiiiii« Schwe- 
felsaures und salzsaures Curarin. Diese Stoffe, von Prcycr in Kry- 
stallform als Salze des wirksamen Bestandtheils aus dem Curare dar- 
gestellt, sollen nach Saehs gänzlich wirkungslos sein, weil das Curarin 
mit den Filterrückständen fortgeworfen würde. Merek in Darrastadt 
zeigt in seinem Preiscourant allerdings ein Präparat Curarin an. 
[IMgr. 10 Pf.] 

Dactyli« Datteln. [Von Phoenix dactylifera. — Zucker und Schleim.] 
Vollständig obsoletes Mittel. 

DatnriniUll« Daturin. [Weisses, krystallinisches Alkaloid aus der Da- 
tura Stramonium, löslich in Alkohol, unlöslich in Wasser. — 0,1 etwa 30 Pf.] 

Aeusserlich: von A. r. Crafc zur Erweiterung der Pupille in solchen 
Fällen angewendet, wo das Atropinum vom Auge nicht vertragen wird. 

550. H' 

Daturini 0,05- 
Acid. sulfur. dil. q. s. . 
Aq. dest. 6,0. 
D. Ein Tropfen mit einem Pinsel in das Auge getragen. 

A. V. Ghräfe. 

*DfCOCta siehe den allgemeinen Theil Seite 48 ff. 

Deeoctom Pollini« Die frühere Ph. Aastr. gab filr dieses Dccoct 
folgende Vorschrift: Rad. Sarsapar., Rad. Chinae ana 15,0, Putara. Nuc. 
Jugland. 75,0 Lap. Pumic. und Stib. sulfurat. crud. ana 7,5 [diese beiden 
Substanzen in einc^n Beutel gebunden] mit 1050,0 Wasser auf 350,0 einge- 
kocht. Nach der Vorschrift der früheren Ph. Bar. wurden Rad. Sarsapar. 
und Rad. Chinae ana 15,0, Gort. Nuc. Jugland. 300,0 Pumex und Stib. 
sulfur. nigr. ana 15,0 mit 2100,0 Wasser auf 1050,0 gekocht. [Eine 
andere, in vielen Officinen geltende Vorschrift für das Decoctum Pollini, welche an 
Zweckmässigkeit die oben angeführten übertrifft, ist folgende: R Rad. Sarsapar. 30,0, 
Lign. Guajaci 25,0, Cort. Nuc. Jugland. 8,0, Stib. sulfurat. nigr. laevig. 2,5, coq. ad 
Col. 700,0, filtra et adde Aq. Cinnam. simpl., Syr. Aurant. Cort. ana 30,0. D. S. In 
einem Tage zu verbrauchen.] 

'«'Decoctnni Sarsaparillae eonipositom fortios« (Loco Decocti 
Zittmanni fortioris.) Starke Sarsaparill-Abkochung. Starkes Zitt- 
mann'sches Decoct. Rad. Sarsapar. 100 mit 2600 Wasser 24 Stunden dige- 
rirt, dann mit Zusatz von Zucker und Alaun ana 5 Th. 3 Stunden im verschlossenen 
Gefässe im Dampfbade unter Umrühren gekocht; sub finem coctionis werden Fenchel 
und Anis ana 5 Th., Fol. Sennae 25 Th. und Rad. Liquir. 12 Th. zugesetzt; die 
Flüssigkeit (2500) wird ausgepresst, colirt, decantirt und vom Bodensatz abgegossen. 
1 Pfd. 1,45 Pf., 16 Pfd. 13,15 Pf. — Verordnet der Arzt Deeoetom Zittmaui, 
so wird während des Kochens ein Leinwandbeutel in die Flüssigkeit gehängt, welcher 

^ 549-550. Digitizedby^OOgie 



Dccoctum Sarsaparillae compositum mitius 2ri3 



den Zusatz von Zucker und Alaun, ausserdem aber noch 4 Calomel und 1 Hydrarg. 
sulfurat. rubr. enthält. — 1 Pfund 1,45 Pf., 10 Pfund 9,40 Pf.] 

^Deeoetom Sarsaparillae eompositom mitios. (Loco Decocti Zitt- 
manni mitioris.) Schwache Sarsaparill -Abkochung. Schwaches 
Zittmann'sches Decoct. [50 Th. Sarsaparille werden mit 2400 Th. Wasser 
24 Stunden digerirt und darauf 3 Stunden gekocht; sub flnem conctionis werden Cort. 
Fruct. Citr., Cort. Cinnam. Cass., Fruct. Cardamom. minor, contus. und Rad. Liquir. 
ana 5 Th. zugefügt, ausgepresst, colirt, decantirt. 1 Pfund 100 Pf.. 10 Pfund 7,60 Pf. 
Das Decoctum Zittmanni mitius bat denselben Preis.] 

Die Anwendungsweise beider vereint gebrauchter Decocte ist in der Regel fol- 
gende: Man lässt des Morgens 300,0-400 starkes Decoct warm (im BMt) und des 
Abends die gleiche Quantität starkes Decoct kalt, im Laufe des Tages die doppelte 
Menge schwaches trinken, oder man lässt des Morgens starkes Decoct (300,0-500,0) 
warm, Abends eine gleiche Quantität schwaches Decoct kalt trinken. Dabei reizlose 
Diät in geringer Masse, Bouillon, wenig weisses Fleisch, Weissbrod; wo Abführmittel 
nothwendig werden (in seltenen Fällen) ein Calomelpulver. Dauer der Kur drei bis 
vier Wochen (zuweilen länger). Die Ph. Gerni. ed. I. verordnete, dass, wenn der Arzt 
nicht ausdrücklich angiebt, wieviel von dem Decocte angewendet werden soll, die Ein- 
zeldose durch Theilung der 2500,0 in 8 Theile, also pro dosi 312,5 gereicht werden 
sollen. — Statt dieses complicirten Verfahrens kann man sehr wohl andere starke 
und schwache Sarsaparill -Decocte mit Senna oder die Essentia Sarsaparillae in 
Wasser oder im Infusum Sennae gelöst, kurmässig mit viel geiingeren Kosten an- 
wenden. 

Deeoetnin Sarsaparillae coHceHtratum« Concentrirte Sarsa- 

parill-Abkochung. [Zerschnittene Sarsaparill-Wurzel 20 Th. werden zuerst mit 
80 Th. Aq. comm. im Dampf bade gekocht, die Flüssigkeit abgegossen und der Rück- 
stand nochmals mit 60 Th. Aq. comm. in derselben Weise gekocht; beide Abkochun- 
gen werden gemischt, filtrirt, im Dampfbade auf 9 Th. eingedampft und nach dem 
Erkalten mit 1 Spirit. dilut. versetzt. Dieses Decoct enthält demnach das Solubile 
der doppelten Quantität Radix Sarsaparillae. — 30,0 kosteten 185 Pf. Dieses Decoct 
war in der Pli. Ber. officinell, aber sehr wenig gebraucht und schon wegen seines 
sehr theuren Preises gefürchtet. Vorzuziehen ist die schon seit längerer Zeit ge- 
brauchte Essentia Sarsaparillae (s. diese).] 

Innerlich: zu 1-2 Esslöffel pro die, rein oder in St. Germain-Thee. 

^Decoeton Zittmaniii s. Decoctum Sarsaparillae composit. fortius 
und mitius. 

Dflphininaill« Delphi nin. [Alkaloid aus dem Sapien des Delphinium 
Staphysagria. Gelblich-weisses Pulver, von harziger Beschaffenheit und scharfem, 
brennendem Geschmack; in Wasser schwer, in Alkohol und Aether leicht löslich, mit 
Säuren leicht Salze bildend. -— 0,1 etwa 35 Pf. — Von Salzen des Delphinin ist 
namentlich das Delphin, tartaric. therapeutisch empfohlen (Tvrnbill).] 

Innerlich: zu 0,01-0,03 [dem Veratrin ähnlich wirkend], in Pillen. 

Aeusserlich: in Salben [0,5-2,0 auf 25,0 Fett] oder in alkoholischer 
Solution [1 auf 5-20 Alkohol. — Zum Einreiben bei Neuralgien]. 

Dfltrinom« Dextrina. Dextrin. [Dargestellt durch die Einwirkung 
von 4 Th. Oxalsäure auf 150 Th. Kartoffelstärke. — Gummiartige, klebende Masse 
von schwach süsslichem Geschmack, in Wasser und schwachem Alkohol leicht löslich, 
— 10,0 15 Pf.] 



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264 Diaethylacetal. 



Innerlich: als Nutritivum oder Mucilaginosum benutzt. Hauptsäch- 
lich zum Verreiben der trocknen narcotischen Extracte verwendet. 

Aeusserlich: statt des Kleisters zum Contentivverbande bei Frac- 
turen; 50,0-100,0 auf 500,0 Wasser geben die für den Verband noth- 
wendige Klebemasse. 

Diaethylaeetal« Acetal. Aethylidendiäthyläther. [Ein durch den 
Zusammentritt von Alkohol und Aldehyd entstehender Körper. Leicht löslich in Al- 
kohol, in 18 Th. Wasser. Von schwach bitterem Geschmack. Spoc. Gew. 0.83. — 
Von T. Blering als schmerzstillendes resp. schlafmachendes Mittel empfohlen. Weiteres 
bleibt abzuwarten. Aehnlich soll sich das Dimethylacetal verhalten (2 Vol. auf 
1 Vol. Chlofoform als Anästheticum bei Chirurg. Operationen vorgeschlagen), ist aber 
noch nicht beim Menschen geprüft. 

Innerlich: zu 10-12 Gr. pro dosi. In Emulsion, als Clysma. 

551. IV 

Acetali 12,0 

Gummi Arab. 15,0 

Aq. Flor. Aurant. 25,0 
"M. f. emulsio. S. Auf einmal zu nehmen. 
▼. Mering. 

Diaphaeilix« Electuarium Diaphaenix Ph. Gall. [Ein Gemisch von Ge- 
würzen, wie Ingwer, Pfefifer, Muskatblüthen u. s. w., mit Scammoninm, welches mit 
Dattelmus und gequetschten Mandeln zum Electuarium geformt wird.] 

Als Abführmittel: zu 3,0-15,0 in abführenden Mixturen. [Bei 
Bleikolik.] 

Digitalinnm« Digitalinum depur. Ph. Austr. Digitalin. [Chemisch 
indifferenter, aber in hohem Grade giftiger Stoff aus der Digitalis purpurea; weiss- 
gelbliches Pulver von langsam sich entwickelndem, bitterem Geschmacke, schwer 
löslich in Wasser und Aether, leichter in Alkohol. — 0,1 15 Pf. — Das deutsche 
Digitalin besteht nach Schniedeberg^s neueren Untersuchungen aus 7-8 verschie- 
denen Substanzen , darunter vier pharmakologisch wirksamen , nämlich 1) aus dem 
leicht löslichen Di gi ton in. welches am reichlichsten in dem Präparat vorhanden ist, 

2) Digitalin im engeren Sinne, welches in Wasser schwer löslich ist und das von 
RemeUe „Digitaline^, jetzt auch Digitalinum crystallisatum genannte Präparat bildet, 

3) Digitale'in, welches sich vom vorigen hauptsächlich durch seineLeichtlöslichkeit in 
Wasser unterscheidet und mir als amorphes Präparat erhältlich ist, auch Digitalinum 
germanicum genannt, endlich 4) dem unlöslichen Digitoxin, welches der am meisten 
toxische resp. therapeutisch wirksamste Bestandtlieil ist, und dem hauptsächlich das 
krystallisirbare Natlrelle'sche Digitalin entspricht.] 

Innerlich: 0,001-0,003 [diese Dosis gilt nur für das Digitalinum Ger- 
manicum so wie für das Präparat von Heniollf und Itievenne; das Nativelle^sche 
Digitalin erfordert dagegen viel kleinere Dosen , im ganzen bis zu 001 pro die, 
00025-0,0005 pro dosi] 2-3 Mal täglich, in Pulvern, Pillen, alkoholi- 
scher Lösung [nicht anzurathen, wtil bei der leichten Verdunstung des Alkohols 
der Gehalt desselben an Digitalin sich verändert; aus demselben Grunde ist Str«hrs 
Vorschlag, das Digitalin in Aceton zu geben, verwerflich], in Syrup, Sirop de 
Digitaline [für diesen Syrup werden verschiedene Vorschriften mit von 0,12-0,5 
auf 1500.0 abweichendem Digitalingehalt gegeben; diese Anwendungsform ist aber 
eine unzuverlässige, weil die Dosirung des Mittels zu ungenau ausfällt], in Pa- 
stillen zu 0,001, in kleineren Zuckerpillen, Granula Digitalini 

^ ^^^' ^ Digitizedby^OOgie 



Ditainum. 



*265 



[lomolle's Granulös do Digitaline, von denen jode 1 Mgr. enthält, und von denen 4 
bis 5 pro die genommen werden]. Die grosse Verschiedenheit der Digltalin- 
präparate lässt es wünschenswerth erscheinen, dass sich der Arzt jedes- 
mal mit dem Apotheker über die Natur des zu Gebote stehenden Prä- 
parates ins Einvernehmen setzt oder genau bestimmt, welches er anzu- 
wenden wünscht. 

Aeusserlich: in Salbenform [1 in Spirit. vini q. s. gelöst, mit 100 
bis 150 Salbengrundlage]. 



553. Bf 

Digitalini cryst. Nativelle 0,01 
Succ. et Pulv. Liquir. q. s. 
ut f. pilul. No. 40. Consp. Lycopod. 
D. S. 3 mal taglich 1 Pille. 
[Bei Herzaffectionen.] 

Iieyden. — Babow. 



552. IV 

Digitalini Germanici 0,0*2 

Spiritus gutt. nonnull. 

Rad. Althaeae pulv. 2,0 

Mucilag. Gummi Arab. q. s. 
ut f. pil. No. 20. Obduc. Argent. foliat. 
D. S. 3 mal taglich l Pille zu nehmen. 

DitaiHimi« Ditain. [Aus der Rinde eines auf den Philippinen einheimi- 
schen Baumes, Echises scholaris, dargestellter (G. Groj^pe), amorpher, bitterer Stoff. 
Die Rinde, von den Eingeborenen Dita genannt, wird seit lange von diesen als 
Fiebermittel benutzt.] Das Ditain soll ähnlich dem Chinin wirken, dasselbe 
sogar in mancher Beziehung, z. B. an Wohlfeilheit, übertreffen. Dosis 
wie Chinin (Iffigile^ Zina). 

Doboisinnm« Duboisin. Das Alkaloid aus der Duboisia myopo- 
roides, einer Solanee. Ist nach Uileubirg isomer mit dem Atropin, hat 
aber eine stärkere Wirkung und geringere Reizung der Conjunctiva vor 
diesem voraus. Leicht löslich in Aether, Alkohol, Chloroform, Benzoe 
und Schwefelkohlenstoff, schwer löslich (1 : 120) in Wasser. Wenige 
Tropfen bewirken in 10 Minuten bedeutende Mydriasis und Lähmung 
des Ciliarmuskels. 

Innerlich: zu 0,001-0,0015 gegen Schweisse der Phthisiker, aber 
nach Vraentiers Angaben nicht so wirksam als Atropin. 

Aeusserlich: Als Augentropfwasser in Lösungen von 1:120 (soll 
so wirken wie eine Lösung von 1 Atropin in 20 Wasser, doch wird so- 
wohl die stärkere Wirksamkeit als die Reizlosigkeit von Seheeier bestritten) 
subcutane Injectionon zu 0,0005-0,001: (Ünbler. 

Duboisin ist Antidot des Pilocarpins und Antagonist des Muscarins. 
Als Gegengift des Duboisins wird starl^er schwarzer Kaffee angegeben. 

Dnboisinnm solforicnm und Daboisrnnm broniatoni unlerschei- 
den sich, soweit bis jetzt feststeht, weder in Wirkung noch Gabe vom 
Duboisin. 



554. Bf 

Duboisini sulfur. 0,05 
Aq. dest. 2.),0. 
D. S. Zu subcutanen Injectionen. [0,1 
I)ro Spritze entspricht 0,(X)025 Duboisin, 
also ü,4 = ü,Oül Duboisin.] 



555. hf 

Duboisin. sulf. 0,05 
Aq. dest. 15,0. 
D. S. Augentropf Wasser. [Wie das Or&fe- 
sche anwendbar und von gleicher 
Stärke.] 



*Elaeosaecliara« Oelzucker. Ein inniges Gemenge von ätheri- 
schem Oel mit Zucker, im Verhältniss von Gutt. 1 auf 2,0, wird mit 
dem Namen Oelzucker bezeichnet und benutzt, wenn man ätherisches Oel 
einer wässerigen Flüssigkeit zusetzen will, mit der es sich sonst nicht 
vermengen würde, oder als Geschmackscorrigens oder Adjuvans für Pul- 
bil 552.555.01|§ie 



2fi6 Elaterinum. 



ver, oder endlich als Vehikel für die Darreichung des ätherischen Ocles 
selbst. — Ein stärkeres Verhältniss des Oelzuckers, ^als das oben be- 
zeichnete officinelle, wird bei dem brennenden Geschraacke der ätheri- 
schen Oele niemals erforderlich sein, wohl aber kommt es bei einzelnen, 
sehr heftig wirkenden Oelen vor, dass man geringere Dosen verordnen 
will; man lässt dann entweder das officinelle Elaeosaccharum mit Zucker 
verreiben, oder verordnet, da kein Oelzucker in der Apotheke vorräthig 
gehalten werden sollte, das beliebige Verhältniss von Oel und Zucker. 

ElateriHOm« Momordicin Elaterin. [Wirksamer Bestandtheil der Mo- 
mordicaElaterium; kloine, farblose Krystalle, stark bitter schmeckend, wenig in Wasser 
löslich, schwer in Aethor, leicht in Alkohol. — 0,1 etwa 60 Pf.] 

Innerlich: zu 0,003-0,004-0,008 2-3 Mal täglich, in Pulvern, 
Pillen oder alkoholischer Lösung [starkes, als Acre wirkendes Drasticum 
und Diureticum]. 

Electoarinm antlielmiiitliicniii Hufelandü« El. anthelminthicum 

Störckii. Wurmlatwerge. [Rad. Valerian. 3, Tub. Jalap. 2, Flor. Cinae 8, 
Kali tart. 6, Oxymell Scill. 15, Syr. commun. 20.] 

Sehr ähnlich dem eben erwähnten Präparate war das Elect. Sem. 
Cinae comp. Coil. med. Ramb. — Theelöffelweise zu nehmen. 

Eleetoariom aromaticom Ph. Aistr. Electuarium stomachicum. Dar- 
gestellt aus Pulv. Fol. Menth, pip., Fol. Salviae ana 100,0, Rhiz. Zin- 
giberis, Rad. Angelicae ana 20,0, Cort. Cinnamom., Caryophyll., Nuc. 
moschat. ana 10,0, Mellis depurat. q. s. Theelöffelweise zu nehmen. 

*Eleetiiar]ii]ii o Senna. El. lenitivum s. eccoproticum. Senna- 
latwerge. Abfuhr-Latwerge, Abfuhr-Mus. [Fol. Senn. pulv. 10, Syr. simpl. 
40, Pulpa Tamarind. 50. — 10,0 10 Pf. — Das Elect. lenitiv. Ph. Awtr. besieht aus 
Pulpa Tamarindorura 6, Syr. Sambuci 2, Fol. Senn, und Tart. dep. ana 1 mit Mel. 
dop. q. s. — Ausser den eben genannten führte die Pli. Bar. noch ein Elect. lenitiv. 
Wintheri an, bestehend aus Manna electa, Pulpa Tamarind., Pulpa Cass. ana 4, 
Kali bitart., Fol. Senn, ana 3, Syr. Succ. Citr. 20.] 

Innerlich: V2-I Theelöffel und mehr [etwa bis zu 50,0 pro die], am 
besten rein zu nehmen, unzweckmässiger in Schüttelmixturen, als 
Zusatz zu anderen Mixturen [1-3 auf 10], als Vehikel für Pulver. 



55G. Bf 

Kali carb. 3,0 
Acet. q. s. 

ad Satur. cui adde 
Aq. Menth. 50,0 
Elect. e Senn. 25,0. 



557. Bf 

Acid. tatt. 2,0 
Sacoh. alb. 25,0 
Aq. Flor. Aurant. 50,0 
Elect. e Senn. 25,0 
Aeth. acet. 0,5. 



MDS. Stdl. 1 Esslöffel. | MDS. Esslöffelweise. Heim. 

Eleetuariom Theriaea s. theriacale s. opiatum s. aromatico-opia- 
tum. Theriaca Andromachi. Theriak. [Honig 72, Opium 1 in Vin. hisp. 3 
gelöst, Rad. Ang. 6, Rad. Serpent. virg. 4, Rad. Valer. min., Bulb. Scill., Rbiz. Ze- 
doariae, Cort. Cinnam. Cass. ana 2, Fnict. Cardam. min. pulv., Myrrh., Ferr. sulfur. 
pur ana 1. 100 Th. enthalten 1 Th. Opium. — Das Electuarium aromatic. c. Opio, 
seu Electuarium anodynum s. Theriaca der Ph. Avstr. besteht aus 120 Elect. aroinat. 
mit 1 Op. — 10,0 20 Pf.] 

Elemi« Resina Elemi. Gummi Elemi. Elemiharz. [Von einer un- 
bekannten, in Yucahan einheimischen Pflanze. — 10,0 10 Pf.] 

B^* Bf 556-557. DigitizedbyGoOgle 



Elixir ad longam vi tarn. 267 

Aeusserlich: zu Salben und Pflastern. 

Elhir ad longam Titani« Elixir longae vitae. Tinct. Aloes com- 
posita. Lebenselixir. [Aloe 15, Bol. Laric, Rad. Rhei, Zodoar., Gentian., 
Galang., Myrrh., Elect. Thoriaca ana 4, Croc. 3, Sacchar. 48, Spirit. dilut. 576, acht 
Tage macerirt, gepresst, filtrirt. 40 Th. enthalten etwa 1 Aloe. — 10,0 etwa 20 Pf.] 
Vergl. Tinct. Aloes composita. 

Innerlich: zu V2-I Theelöffel, mehrmals täglich. 

Aehnliche Präparate werden von Laboranten und Arkanisten unter 
diversen Namen als Panaceen debitirt, so z. B. das Augsburger Lebens- 
Elixir, die Salibergcr'schen Tropfen u. s. w. 

*Elixir arnarnm« Bitteres Elixir. [Extr. Absynthü 10, Elaeosacch. 
Menth, pip. 5, Aq. 25, Tinct. aromat., Tinct. amar. ana 5,0. — 10,0 55 Pf.] 

Innerlich: 3-4 Mal täglich 1 Thee- bis V2 Esslöflfel. 

Das Elixir amarum concentratum Ph. milit. besteht aus Extr. 
Absinth, oder Trifol. und Wasser ana 8, Tinct. Pom. Aurant. immatur. 
4, Elaeosacch. Menth, pip. 1. Ein Theil dieses Elixirs mit 6 Theilen 
Wasser bilden das Elixir amarum ordinarium. 

Elixir ammOHiacale-Opiatmil« [Elixir e Succo Liquir. 40, Tinct. Opii 
croc. 1. — 400 des Elixirs enthalt die löslichen Substanzen von etwas über 1 Opium. 

— 10,0 etwa 20 Pf.] 

Innerlich: zu 2,0-15,0, 2-3 Mal täglich. 

*Elixir AoraHtioram eompositmii« Elixir viscerale Hoffmanni. 
Pommeranzenelixir. Hoffmann'sches Magenelixir. [Gort. Fruct. Aurant. 
conc. 50, Gort. Ginnamom. Gass. 10, Kai. carb. pur. 2,5, Vin. Xerens. 250 macera 
p. d. 8 et adde, Extr. Gent., Absinth., Trifol., Gascarill., ana 5; filtrirt. — 10,0 35 Pf.] 

Innerlich: zu 1-2 Theelöffel 1-3 Mal täglich. 

558. I^ 

Elixir. Aurant. comp. 10,0 
- Tinct. Valerian. aeth. 
Tinct. aromat. ana 5,0 
Aöth. acet. 2,5. 
MDS. 3-4 mal täglich 15-20-30 Tropfen. [Bei Magendarmkatarrhen und Koliken] 

Bummel. 

Elilir peetorale Hofelandii. [Rad. Helenü, Rhizom. Irid. Aorent., Bulb. 
Scill. ana 8, Benzofes, Myrrh., Fruct. Anisi, Succ. Liquir., Ammoniaci ana 4, Groci 3, 
Spir. dil. 93. — 10,0 etwa 50 Pf.] 

Theelöffelweise. 

Elixir Proprietatis Paraeelsi. Elix. Proprietatis acidum. Elixir 
de Garus.^ Saujres Aloe-Elixir. [Aloe, Myrrh. ana 2, Groc. 1, Spir. 23, 
Acid. sulfur. dil. 2. (Ausser dieser Gomposition wird auch eine andere complicirtero 
mit dem Namen Elixir de Garus s. Elixir cordialo bezeichnet. Dieselbe wird nach 
folgender Formel angefertigt: R MyiTh. , Aloes ana 3, Nuc. moschat., Garyophyll. 
ana 2, Spir. dil. 576, adde Syr. Flor. Aurant. 864, Aq. Flor. Aurant. 192, Goccionellae, 
Groci ana 2. f Digere per aliquot horas et filtra. In Frankreich dagegen ist folgende 
sehr einfache Formel gebräuchlich: Tinct. Myrrh. 4, Tinct. Groci, Tinct. Aloes ana 3). 

— 10,0 30 Pf.] 

Äinnerlich: 1 Theelöffel einige Mal täglich, pur oder in Mixturen, 
als Zusatz zu Senna-Latwerge. [Besonders als Emmenagogum gerühmtj 

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268 Elixir Proprictatis cum Rbeo. 



Elixir Proprietatis Cnni RheO« [Aloe 6, Myrrh. 2, Croc. l, Rhoum 4, 
Vin. hisp. 64, Acid. hydrocbl. 4.] 

Elhir Proprietatis sine Acido« [Aloe 6, Mybrrh. 2, Ci-oc. l, Kali tart. 3, 
Aq. dest. 7, Spir. dil. 14.] 

"^Elixir e Suceo Liqniritiae« Elix. pectorale Ph. HeW. Elixir Regis 
Daniae, Elixir Ringelmanni. ßrustelixir. [Succ. Liquir., Liq. Ammonü 
anis. ana 10, Aq. Foeniculi 30. — 10,0 15 Pf.] 

Theelöffelweise und als Zusatz zu Mixturen. 

Elixir TlSeerale Hofmanili« [Extr. Ca>>d. bened , Cascaiül, Centaur. minor., 
Gentian., Myrrbae ana 1, Vin. Malac. 16, Tinct. Cort. Aurant. 32.] 
Theelöffelweise. 

Elixir Tlseerale Ph. punp. [Extr. Absintb., Gentian , Centaur. min., Trifol. 
ana 1 in Aq. aromat. Ph. p. 18 mit Tinct. aromat. Ph, p. 1. — 10,0 etwa 10 Pf.] 
Theelöffelweise. 

EmetinilMI porom« Cephaelinum. E metin. [Alkaloid der Rad. Ipo- 
cacuanbae; weisses, gerucbloses. scbwacb bitter, widerlicbscbmeckendes Pulver, wenig 
in Wasser, leicbt in Alkobol und verdünnten Säuren, gar nicbt in Aetber und Oelen 
löslicb. — 0,01 etwa 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,005-0,01 auf einmal und nöthigenfalls noch eine 
oder zwei Dosen nachher zu nehmen, in Pulver oder Solution [mit 
etwas Säure]. [Wirkt stark reizend und macbt leicbt Gastritis (v. Sehrelf). Vorzüge 
vor der Rad. Ipecac. sind nicbt ersicbtlicb]. Auch zur subcutanen Injection als 
Emeticum versucht [etwa Emetin. 0.02, Acid. sulfur. Gutt. 1, Aq. destill. 5,0; 
davon 0,5 bis zu einer vollen Spritze (0.002-0,004], hat sich bisher nicht be- 
währt (A. EnleMburg). 

559. Bf 

Emetini puri in paux. Acid. nitr. soluti 0,5 
Inf. Flor. Tiliae 100,0 
Syr. Altbae 25,0. 
MDS. V4stdl. 1 Esslöffel, bis Erbrechen erfolgt. Magendie. 

Emetinnm coloratnm seo imporoni s. Extractum Ipocacuanhae. 
Emplastrom ad Clavos pedoni. Hühneraugenpflaster. [Gai- 

ban. 24 mit Essig zum Pflaster gekocbt, Pix nav. 12, Empl. plumb. 6, Ammon. by- 
drocbl. und Aerugo ana 1.] 

Eniplastram ad Fontieolos. Fontanellpflaster. [Resina Pini 3, 
Sebum 1, Empl. Litbarg. simpl. 36 werden zusammengescbmolzen, auf Leinwand ge- 
stricben und daraus runde Scbeiben von 3 Centimeter Durchmesser ausgestochen. — 
10,0 15 Pf.] 

'Emplastrom adhaesirnm. Empl. adhaesivum flavum. Empl. Li- 
thargyr. cum Colophon. Heftpflaster. Klebepflaster. [Emplastr. Li- 
thargyr. 500, mit Colophon., Cer. flav., Res. Dammar. ana 50, Ol. Terebinth. 5 zu- 
sammengeschmolzen. — 10,0 15 Pf Auf Leinen gestrichen 100 Qu.-Ctm. 10 Pf.] 

Emplastrom adhaesirom Anglicom« Empl. anglicanum. Gourt- 
plaster. Sparadrop de CoUe de Poisson. Englisches Pflaster. [Rother, 
schwarzer und weisser Taffet mit einer Lösung von Colla piscium in Wasser und später 
mit einer Lösung von Colla piscium in Wasser und Spiritus, der etwas Glycerin zu- 
gesetzt worden, bestrichen und auf der Rückseite mit Tinct. Benzols überzogen. — 

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Emplastram adhaesivum cum Oleo Lini. 269 



10 Quadrat-Centimeter 5 Pf.[ Statt des Tafifets bedient man sich in neuerer 
Zeit des ähnlich präparirten Goldschlägerhäutchens, welches feiner an- 
schmiegender, impermeabel und durchsichtig ist. 

Emplastriutt adhaesiTimi enm Oleo Lini« [Bieiweiss mit Leinöl unter 

Zu tröpfeln von Wasser gekocht. — Wirkt weniger reizend, klebt aber nicht so gut als 
das gewöhnliche Heftpflaster.] 

Eniplastrom adhaesiTUiii EdinborgeHse« £mplastrum piceum 
nigrum. Schwarzes Pechpflasser. [Emplastrum adhaesivum • zu dessen 
Constitution statt des Colophon. eine gleiche Menge Schiffspech genommen ist. — 
10,0 9 Pf. 

Emplastrom Ammoniad« Ammoniakpflaster. [Cer. flav., Res. 
Pini burgund. ana 4, Ammoniac. 6, Galban. 2, Terebinth. 4. — 10,0 25 Pf.] 

Emplastrom antartliriticom (BeBiiigseii). Gichtpflaster. [Empi. 

Litharg. 13, Gera flava 2, Sapo hispan. 1, Camph. V21 Castor. Canad. */«•] 

Emplastrom aromatieom« Loco Emplastr. stomachici. Aro- 
matiscnes Pflaster, Magenpflaster. [Wachs, Sebum ovilL, Terebinth. 
commun., Olibanum, Benzoe, Ol. !Nucistae, Menihae piper. und Caryophyllor. — 
10,0 30 Pf.] 

Emplastrom basilicom« Eönigspflaster. [Cor. flav. 8, Coloph. und 

Pix naval. ana 10, Ol. Oliv. 3.] 

Emplastrom BelladOHnae« [Cer. 4, Terebinth. und Ol. Olivarum ana 1, 
Fol. Beilad. 2. — 10,0 20 Pf] 

^Emplastrom Cantharidum ordinariom« Empl. vesicatorium ord., 
Blistering-Plaster. Sparadrap vfeicant. Spanischfliegen-Pflaster. Ge- 
wöhnliches Spanischfliegen-Pflaster. [Cantharid. gross, pulv. 50, Ol. Olivar., Ol. 
Terebinth. ana 25, Cer. flav. 100. — 10,0 25 Pf.] [Das Empl. Cantharidum Ph. Aistr. 
besteht aus Cerae flav., Terebinth. communis ana 4, Cantharid. pulv. 5, Ol. Oliv. 2.] 

Am besten mit einem Rande von Heftpflaster versehen [in der Regel 
der Art, dass man das Canthariden- Pflaster auf Heftpflaster streicht und den Rand 
frei lässt] oder durch Heftpflasterstreifen befestigt. Um Hautröthe hervor- 
zurufen, bedarf es 2-4, zum Blasenziehen 6-8 Stunden, jedoch variiren 
diese Zeiträume gar sehr nach der grösseren oder geringeren Vulnerabilität 
der Haut. — Zur Beschleunigung und Erhöhung der Wirkung kann man 
mit Vortheil das Pflaster mit einem Tropfen Oel bestreichen. — Soll 
nach der Production der Blase keine Aveitere Eiterung unterhalten wer- 
den, so schneidet man die Blase an ihrem unteren Theile an und ver- 
bindet sie dann mit einem Läppchen, das mit Butyrum Cacao oder Un- 
guentum cereum, oder Unguentum Plumbi u. dcrgl. bestrichen worden. 
— Oft verträgt eine derartige HautstcUe gar keine Salbe, und selbst 
das mildeste Fett bewirkt eine immer mehr sich ausbreitende Ulceration; 
man thut dann am besten, einfach mit Watte zu verbinden, unter welcher 
sich die Granulationen gut und schnell bilden. — Will man Eiterung 
unterhalten, so verbindet man, nachdem die Epidermis abgetragen, die 
excoriirte Stelle mit Ungt. Cantharidum oder mit anderen minder reizen- 
den Salben [Ungt. basilicum]. — Um das Spanischfliegen-Pflaster eine all- 
gemeine Wirkung erzielen zu lassen, legt man es in den Nacken oder 
an die Waden — zu lokaler Wirkung dem leidenden Theile möglichst 

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270 Emplastrum Cantbaridum perpetuam. 



nahe; — bei Ischias legt man Streifen an das kranke Glied, am besten 
in langen schmalen Streifen dem Verlaufe des Ischiadicus folgend, und 
wechselt öfter deren Stelle: Vesicatoria volantia. — iaries' Methode 
der Behandlung des acuten Gelenkrheumatismus [besonders auch 
von Traibe gerühmt] besteht im Auflegen von Vesicator-Streifen von etwa 
2-3 Fingerbreite ober- oder unterhalb der afficirten Gelenke rings um 
die Extremität*) [daneben noch eine subcutane Morphium- Inj ection oft nützlich: 
Vraeiitiel]. — Zur Verhütung der Strangurie soll man dem Empl. Cantba- 
ridum Campher und Opium zusetzen; es ist jedoch sehr fraglich, ob der 
Zweck dadurch erreicht wird. — Will man eine sehr schleunige Wirkung 
des Pflasters, so lege man vorher auf die betreffende Hautstelle einen 
Sinapismus, dem man etwas Canthariden -Pulver zusetzen kann, oder 
bestreiche die Stelle mit einer Mischung aus Spirit. Sinapis und Tinct. 
Cantharid. 

Rieerd liess ehemals gegen syphilitische Knochenschmerzen Blasen- 
pflaster auflegen und die aufgschnittene Blase mit Opiumsalbe verbinden. 
Veld empfahl eine barbarische Kur gegen veraltete Fussgeschwüre, indem 
er sie mit Blasenpflaster bedeckte und diese 24 Stunden liegen liess, 
später das Geschwür mit einer Lösung von Zinc. sulfuricum behandelte, 
eine Kur, welche zuweilen, trotz dieser Massregeln, durch die strenge 
Diät und Ruhe erfolgreich war. 

*Eiiiplastroiii CaHtharidom perpftnom« Empl. Euphorbü. Empl. 
vesicator. perpetuum (s. Janini). Zugpflaster. Anhaltendes oder immer- 
währendes Spanisch fliegen-Pflaster. [Colophon. 70, Cer. flav. 50. Ol. Terebinth. 
35, Sebi 20, werden geschmolzen und mit Cantharid. subt. pulv. 20, Euphorb. pulv. 
5 gemischt. — 10,0 20 Pf.] Die Ph. Austr. giebt folgende Vorschrift: Tere- 
binth. commun., Mastix ana 4, Cantharid. pulv. 2, Euphorbü 1. 

Aehnliche Compositionen sind folgende, in einzelnen Gegenden be- 
liebte Pflaster: 

Emplastrum Cantharidum Lübeckii. [Coloph , Res. bürg, ana 2, 
Styrax, Pulv. Canth. ana 1. Klebt, wenn es erwärmt wird, sehr gut und lässt sich 
später abnehmen, ohne dass die Epidermis mit gerissen wird.] 

Emplastrum Cantharidum Parisicnse. [Tinct. Canth., Res. bur- 
gund. , Viscum aucuparium (Ol. Lini inspissatum) , Bals. Peruv. ; mit dieser Masse 
werden kleine, Quadrat-Zoll grose Stücke Englischpflaster derart bestriclien, dass ein 
drei Linien breiter Rand frei bleibt; vor der Application werden die Pflaster schwach 
befeuchtet. — Eine sehr gute Formel. — Velpeeh und Guiehard empfehlen das can- 
tharidensaure Kali znm Pflaster und zwar nach folgender Formel: 2,0 Gelatine, 
10,0 Wasser, 10,0 Alkohol, 0,2 cantharidensaures Kali und etwas Glycerin auf Gutta- 
perchapapier, derart, dass jedes Quadrat-Decimeter 0,01 des Salzes enthält. Das 
Pflaster wird yor dem Gebrauche mit etwas Wasser benetzt. 

Emplastrum Cantharidum (vesicatorium) perpetuum Ph. 
paip. [Empl. Cantharid. ord. 1 und Empl. citrin. 3.] 

*) Aehnlich der Davies'schen Methode als energischer Hautreiz wirkt auch die 
in neuester Zeit empfohlene Faradisirung der entzündeten Gelenke, nach 
welcher Schmerz und Schwellung schnell schwinden sollen (Botkln und v. ITfisdoff, 
Wtntcrolts, ▼. Hcrlug und A kramt wskj). Auch der constante electrische Strom wurde 
bereits vor längerer Zeit von Reiiiak gerühmt. 

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Emplastrum Cerossäe. 271 



Emplastrum Cantharidum Anglicum. [Cantliariden, Fett, Gerat., 
Resin. burgund. ana.] 

Emplastrum vesicatorium sericeum. Sericum vesicans. 
Tela serica vesicatoria. Taffetas vesicant. [Aus einer Tinct. Can- 
tharid. aetherea wird durch Abdestilliren des Aetbers ein öliger Rückstand gebildet, 
mit dem doppelten Gewichte gelben Wachses versetzt und auf ein gewichstes Zeug 
gestrichen. — Der Taffetas vesicans der früheren Ph. Aistr. wird mit einer Verbin- 
dung aus Tinct. Canth. aetherea 45,0 auf 120,0, Mastix 2,0, Sandarach 5,0, Terebinlh. 
1,25, Ol. Lavandul. (10 Tropfen) bestrichen.] 

^EmplastrilHl Cenissae« Empl. Plumbi hydrico-carb. s. album coc- 
tum. Bleiweisspflaster, Proschlaichpflaster. [Empl. Litharg. 60, Ol. 
Oliv. 10, Ceruss. subt. pulv. 35; ein hartes weisses Pflaster. — 10,0 10 Pf.] 

EmplastrilHI CeruSSae mbriUll« [Gera flava und Seb. ana 8, Ol. Oliv. 
3, Ceruss. 2, Minium 1, Camph. V2-] 

*Emplastrom Conii« Emplastrum de Gicuta*). Schierlings- 
pflaster. [Wie das Emplastrum Beliadonnae bereitet. — 10,0 20 Pf. — Das Em- ^ 
plastrum Conii macul. Ph. Anstr. besteht aus Herb. Conii macul. pulv. 2, Terebinth. 
comm. 1, Cera flava 10, Axung. Porci 5.] 

Emplastmin Conii ammoniacatom« Emplastrum Conii c. Am- 

moniaco. [Ammoniacum und Acet. Scillae ana 2 werden zu einer Art Mus gekocht 
und mit 9 Empl. Conii gemischt. — 10,0 30 Pf.] 

EMplastrom consolidans« Emplastrum griseum. Empl. c^laminaris. 
Heilpflaster. [Empl. Cerussae und Plumb. simpl., Lapis calaminar., Oliban., 
Mastix. — 10,0 etwa 20 Pf.] 

Emplastmin contra Tineam« [Res. Pini burgund. 32, Ol. Olivar. 3, 
Farin. Tritic. tost. 16. — 10,0 etwa 10 Pf.] 

Emplastmin diaphoreticam Hynsicllti. [Wachs, Colophonium, Am- 
moniak, Galban., Terpenthin u. s. w. — 10,0 etwa 30 Pf.] 

Emplastram foetidom, Empl. Asae foetidae. Empl. resolvens 
Schmuckeri. Stinkasantpflaster. [Ammoniacum 1, Asa foet. 3, Tere- 
binth., Cera flava und Resina Pini ana 2. — 10,0 20 Pf.] 

Emplastrum foscam, Empl. Matris fuscum Ph. Smei. Empl. Ma- 
tris. Schwarzes Mutterpflastor. [2 Mennige mit 4 Baumöl gekocht, 
1 Wachs. — 10,0 14 Pf. — 8 Th. Empl. fusc. mit 5 Th. Baumöl geschmolzen, geben 
das Unguentum matris, Onguent de la mere.] 

Aehnlich das Empl. Triapharmacum u. a. 

^Emplastram foscum eamphoratom, Empl. nigrum seu universale 
seu Noricum. Empl. fuscum Ph. B©r. Empl. Minii adustum. Mutter- 
pflaster. Universalpflaster. Schwarzes Mutterpflaster, Nürnberger Pflaster. 
[Campher 1 zu Empl. fusc. 100. — Aehnlich das Züllichauer, Hamburger und Halle- 
sch© Waisenhaus-Üniversalpflaster, sowie die Legraud'sche Salbe. — 10.0 15 Pf.] 

Emplastram Galbani crocatnm« Empl. de Galbano crocatum. 

*) In der Regel nehmen die Aerzte bei ihren Verordnungen Cicuta und Conium 
gleichbedeutend; dies ist jedoch nur insofern richtig, als es sich um die Cicuta ter- 
restris, altes Synonym des Con. macul., handelt; die Cicuta virosa (Wasserschierling) 
ist heftiger wirkend und keines ihrer Präparate officinell. . ^^^.^ 

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272 Emplastrum Hydrargyri. 



[Galban 24, Terpenthin 6, Crocas 1, Wachs 8 und Empl. Lithargyri simpl. 24. — 
10,0 30 Pf.] 

I 5G1. Bf 

560. Bf Empl. Galb. croc. 15,0 

Empl. Galb. croc. 25,0 ^ leniss. calor. emoU. adde 

leni calore emollit. adde | Opii pulv. c. paax. Aq. in pult. 

Opii pulv. c. paux. Aq. in pult. ' redacti 

rcdacti j Ammon. carbon. pyro-oleos. pulv. 

Camph. trit. ana 5,0 ana 1,0 

M. f. emplastr., ext. supr. cor. D. [Bei Camph. trit. 2,0 

Frostbeulen zweiten Grades.] ^ Ol. C'ajcput. 1,0. 

Bu8t. I M. f. emplastr. D. S. Auf die Magen- 
I gegend zu legen. 

'^'EmplftstriiHi Hydrargyri seu mercuriale. Quecksilberpflaster. 
[Hydrarg. 100, Ol. Terebinth. 50, Empl. Lithargyri 300, Cerae flav. 50. Ein graues 
Pflaster, welches mit blossem Auge keine Qnecksiiberkügelchen erkennen lässt. — 
Das Empl. Hydrargyri Ph. Austr. besieht aus Hydrarg. 13, Terebinth. 7, Empi. dia- 
chyl. simpl. 50, das der früheren Ph. Bar. aus Seb. 5, Gera flav. 11, Hydrarg. 6, Te- 
-rebinth. 2. — 10,0 25 Pf. — Sparadrap deVigo besteht aus Emplastrum adhaesi- 
vum mit 20pCt. Quecksilber, gegen ulcerirende Syphiliden besonders gerühmt: C.Pftvl. 
— T. SigMind empfiehlt als Vorbandmittel bei den verschiedensten syphilitischen 
AlTectionen unter dem Kamen „graues Pflaster^ eine Verbindung von gleichen 
Theilen Empl. Hydrargyri Ph. Avstr. mit Empl. saponat.; das Pflaster wird auf feines, 
dünnes, nicht gestärktes Baumwollzeug gestrichen und schmiegt sich leicht an.] 

562. I^ ! M. f. 1. a. emplastrum. D. [Bei scro- 

Empl. Conii j phulösen Drüsenanschwellungen.] 

Empl. Hydrarg. ana 10,0 \ ■ 

Opii pulv. 0,6. I 564. _ Bf 

M. f. a. emplastrum. D. S. Auf Leder ge- 
strichen aufzulegen. [Bei Bubonen.] 



563. Bf 

Empl. Hydrarg. 25,0 
Jodi 0,5. 



Empl. Hydrarg. 15,0 

Camph. trit. 

Opii pulv. ana 0,0-1,0. 
M. f. 1. a. emplastrum. [Bei Parotitis oder 
anderen geschwollenen oder indurirten 
Drüsen.] Bust. 



Emplastrom Hyoseyami« Bilsenkrautpflaster. [Wie Empl. ßel- 
ladonn. — 10,0 20 Pf.] 1 Empl. Hyoscyami mit Vi 2 Empl. opiatum als 
beruhigendes Pflaster in die Schläfengegend gelegt. 

Emplastrom jodato - saponatom. Jodseifenpflaster, [l Jod, 

mittelst Oel oder Alkohol vemeben, zu 50 Empl. saponat. hinzugesetzt : P. E. Mehter.] 

Emplastrom irritans« [Empl. Litharg., Coloph., Gera flava, Pix navalis, 
Tereb. comm., Ol. laurinum, Camph.] 

* Emplastrom Lithargyri eompositom. Empl. Plumbi compositum. 
Empl. Diachylon comp. Sparadrap commun. Zusammengesetzes 
Gummipflaster. Bleipflaster, [lümplastr. Litharg. simpl. 20, Gera flava 15, 
Ammoniak, Galbanum, Terpenthin ana 10. — 10,0 20 Pf. — Die Ph. Aistr. hat fol- 
gende Vorschrift: Empl. diachyl. simpl. 200, Gummi Ammoniaci 25, Terebinthina 8, 
Gera flava 30, Res. Pini 16.] 

Emplastrom Lithargyri moUe. Empl. Plumbi moUe. Empl. Ma- 
tris album Ph. Saioi. Weisses Mutterpflaster. [Empl. Lithargyri simpl. 
3, Adipis suill. 2, Sebum und Gera flava ana 1. — 10,0 15 Pf.] 

'^^ Emplastrom Lithargyri simplex. Empl. plumb. simpl. seu Dia- 

Bf 560-564. DigitizedbyV^OOgie 



fimplastrum Ueliloti. 27.4 



chylon simpl. Einfaches Bleipflaster. [Ol. Olivar., Adeps und Lilhar- 
gyri pulv. ana part. aeq. — 10,0 10 Pf.] 

Emplastrwn Heliloti. [wie £mpl. Belladonnae. — 10,0 20 Pf. ~ Das 
Empl. de Meliloto Ph. Aistr. besteht aus Colopbonium , Ol. Oliv, ana 40, Cer. flav. 
80, Gummi ammoniaci 10, Terebinth. comm. 25, Herb. Meliloti pulr. 60, Herb. Ab- 
sintbü, Flor. Chamom., Fruct. Lauri ana 4.] 



565. Kf 

Emplastri Meliloti q. suff. 
extendatur sapra chartam 
magnitudinis hujus praecepti 

Empl. consperge 

Pulv. Opii 



tanta quantitate, ut aequaliter dis- 
tribuatur, dein cbarta cerata 
accurate obtectum convolve. 
Emplastrum de Meliloto cum Opio. 
[Bei Herpes Zoster.] 

▼. Hebrs. 



Emplastmin Hezerei cantharidatimi. Loco Emplastri Drouoti. 

Seidelbastpflaster. [Canth. 30,0, Gort. Mezerei 10,0 werden in Essigäther 
macerirt, dem Filtrate wird Sandarac 4,0, Elemi 2,0, Colopbonium 2,0 zugesetzt und 
die Miscbung auf einen dem Empl. adbaesivum anglicum äbnlich präparirten Taffet 
von 200 Quadrat-Centimetem aufgetragen. Aehnlicb der Taffetas epispasticum 
Americanum. — 10 Quadrat-Centimeter 5 Pf.] 

Emplastrluii HiHÜ rabrum. Rothes Mennigepflaster. [Cer. 
flav., Sebum, Minium und Ol. Oliv, ana 100 mit Camph. 3. — 10,0 17 Pf.] 

EMplastniM nareoticmil« [Aus Empl. Belladonnae, Conii und Hyoscyami 
ana gemischt.] 

Emplastrom opiatwn s. cephalicum s. odontalgicum. Opium- 
pflaster. Hauptptlaster. [Terpentbin 15, Opium 2, Benzoe 4, Elemi 8, 
Gera flava 5, Olibanum 8 und Balsamus peruvianus 1. — Sehr feste Consistenz, aber 
doch befeuchtet, gut klebend. — 10,0 35 Pf.] 

Emplastrwn OXycroeeim. [Res. Pini, Cer. flav., Colophon. ana 6, 
Ammoniak, Galbanum, Mastix, Myrrhe, Weihrauch ana 2, Terpentbin 3 und Safran 1 . 
— 10,0 35 Pf.] Das Empl. oxycroc. Ph. Avstr. hat ein etwas verschiedenes 
Mischungsverhältniss. 

Emplastnilll piCfWn« [Flchtenbarz und Terpentbin. — Das marktschreie- 
risch angepriesene Bruchpiaster von Krisl-.Uthenr besteht aus 5 Tb. Resina Pini 
und 2 Tb. Terebintbina.] 

Emplastrum Pieis irritaHS. [Resina Pini 32, Cer. flav., Tereb. comm. 
ana 12, Euphorb. 3. — 10,0 15 Pf.] 

Emplastrom Pids liqvidae. [Res. Pini empyreumat. liq. 16, Cer. flav. 
8, Res. Pini burgund. 1. — 10,0 10 Pf.] 

*Emplastr«m sapoHatom. Seifenpflaster. [Empl. Litharg. simpl. 

70, Ger. flav. 10, Sapo hisp. pulv. 5, Camph. 1. — Ext. 10.0 15 Pf.] 

Emplastrum snlforatlim« [Colopbon., Myrrhe, Asphalt, Ammoniak, Gal- 
banum, Sagapenum, Terpentbin, Ol. Lini sulfurat., Ol. Terebintbinae, Camphor. — 
Schmierig. — 30,0 etwa 50 Pf.] 

Emplastrum Tartari stibiati s. Stibio-Kali tartarici Form, ma- 
istr. in usum Paup. [Tart. stib. 1, Empl. Litbargyri comp. 4. — 4,0 etwa 
15 Pf. — Das Empl. Tartari stibiati der früheren Ph. RaiB. wird aus Gerat. Res. 
Pini 7 und Tart. stib. 1 ex tempore bereitet.] 

Bvald und Simon, Araiieivcrordnungslelirc. 10. Aufl. ]g ^<^^ j 

Digitized bv VjQOQIC 



274 Emulsiones. 



Emplastnun Ziici« Zinkpflaster. Emplätre diachylon a base 
de Zinc. [ii«eua« de lassj empfiehlt dieses Pflaster vorzugsweise deshalb, weil 
dabei die Gefahr einer Bleiintoxication, die er bei aasgedehntem Gebrauche des Empl. 
Plumbi fürchtet, vermieden werde. — Es wird dargestellt durch 2iersetzung einer Lö- 
sung weisser Seife mit Zinkvitriollösung; dass fettsaure Zinkoxyd wird getrocknet und 
mit Oel und Harzen (nach Art des Empl. -Plumbi comp.) versetzt.] 

*EmillsioieS [vergl. den allgemeinen Theil S. 40]. 

Emnlsio Amygdalamill COmpOSita« [Amygdalae dulces 4, Sem. Hyos- 
cyami 1 mit Aq. Amygdal. amar. dil. 64 zur Emulsion gebracht und Saccharum 6 und 
Magnesia usta 1 zugefügt. Soll stets zur Dispensation frisch bereitet werden.] 

Innerlich: theelöfifel weise. 

Emnlsio COmmilllis Ph. mü. [Amygdal. dulc. vel Sem. Cannab. vel Sem. 
Papav. 1, Aq. commun. 12, Sacchar. V2-] 

Enmisio oleosa Ph. mll. [Ol. Oliv. 30,0, Gummi Arab. 15,0, Aq. commun. 
250,0, Sacchar. 15,0. — Emulsio oleosa Ph. lelf. besteht aus Oleum Amygdal., Gummi 
Arab. ana 1, Aq. 8.] 

Emulsio Papayeris Form. mag. Ber. in us. paup. . [Sem. Papaveris 
15, Aq. commun. q. s. ut f. Emulsio 125, Syr. simpl. 15.] 

Ergotiinm« Ergotin. [Ein, nach Wiggers, aus dem Seeale cornutum, 
nachdem dieses mittelst Aether von seinem fetten Oele befreit worden, durch Extrac- 
tion mit Spir. dilut. dargestellter indifferenter Stoff; rothbraunes Pulver von aroma- 
tischem Geruch, bitterem Geschmack, in Wasser nicht, in Aether wenig, in Alkohol 
und Essigsäure leicht löslich. — Ein wirklich reines Ergotin, das diesen Namen mit 
Recht verdient und constante Eigenschaften besitzt, giebt es nicht, da das Mutterkorn 
nach den Untersuchungen tragendtrf's nicht eine, sondern mehrere Basen enthält, 
von denen die Sclerotinsäure (s. Acid. sclerotinicum) der Wirkung des Gesamratpilzes 
am nächsten kommt. Das Ergotin nach Bti^ean darf noch viel weniger mit dem 
Namen Ergotin bezeichnet werden als das von Wiggers. Vergl. Extractum Seealis 
cornutum.] 

Innerlich: zu 0,006-0,025, in Pulvern, Pillen. [Bisher noch wenig 
versucht; die therapeutischen Beobachtungen über Ergotin beziehen sich fast sämmt- 
lich auf das fälschlich mit diesem Namen belegte Btnjeaa'sche Extractum Seealis cor- 
nuti (vergl. dieses).] 

Ergotinimim. Ergotinin wird ein von Tauet im Mutterkorn auf- 
gefundenes nicht flüchtiges Alkaloid genannt, über dessen therapeutische 
Verwendung noch nichts bekannt ist. 

Eserimim« Eserin. Physostigmin. Aus der Calabarbohne dar- 
gestellt (l^aser, tasqaend), ist einer der wirksamen Bestandtheile der- 
selben, lariitek und WUktwski haben neben denselben noch ein anderes 
Alkaloid, das Calabarin, dargestellt, dessen Wirkung der des Strychnins 
ähnelt, nach neueren Untersuchungen demselben identisch sein soll. Man 
wendet bis jetzt fast nur das schwefelsaure Salz an. 

Eserimim snlfiiriciim. Physostigminum sulfuricum. Schwefelsaures 
Eserin (Physostigmin). Gelbrothe amorphe, sehr hygroscopische Masse. 
[0,01 30 Pf.] — Innerlich zu 1-4 Mgr. pro dosi, 1-3 Mal am Tage in 
rillen, Pulvern und Tropfen. Aeusserlich: zu Augen wässern [zur Erzeugung 
von Myose bei Glaucoma simpl. und in den Füllen, wo eine Herabsetzung pathologisch 

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Eserinum salicylicum. 275 



erhöhten Augendrucks nothwendig erscheint. Lnqiieiir Weber, Galeitwski), in Lö- 
sungen von 1 : 200-300 Wasser, zu subcutanen Eispritzungen zu 3-5 Mgr. 
pro dosi [bei Chorea, Beiehit]. Als Antidot des Atropins und der Bella- 
donnavergittung. 

EseriMm salicylicam« Physostigminum salicylicum. Salicylsaures 
Eserin. [Als krystallinisches, haltbares, sehr reines Salz, in farblosen oder schwach 
gelblichen Krjstallen, von Merek daiigestellt, empfohlen, welches 66,0 pGt. Eserin 
und 33,4 pCt. Salicylsäure enthält. In kaltem Wasser wie 1:150. leichter in heissem, 
in 12 Th. Weingeist löslich. — 0,01 30Pfg. — Die Salze: Eserinum hydrochlo- 
rioum und E. hydrobromicum haben keinen Vorzug vor dem E. sulfuricum.] 

Anwendung und Dosirung: wie Eserinum sulfuricum. Wird besonders 
von larntek und Kiilgstein zu ophthalmiatrischen Zwecken empfohlen. 

566. I?? 

Eserini (Physostigmini) sulfur. 0,05 
Aq. dest. 

Glycerini ana 5,0. 
D. S. [2 Tropfen enthalten 1 Mgr. Eserin.] 

Esseitiae« Unter dieser Bezeichnung verstand die frühere Ph. Sti. 
Tincturen, welehe aus dem frisch ausgepressten Safte der betreffenden 
Pflanze, mit gleichen Theilen verdünnten Weingeistes vermischt, bestehen. 
[Solcher Essenzen, zu denen die Essentiae s. Tincturae radicales oder fortes der Ho- • 
möopathen den Anlass gegeben zu haben scheinen , und die in der That als zweck- 
mässige Formeln bezeichnet zu werden verdienen, nennt die frühere Ph. Sai. folgende: 
Essentia Aconiti, Belladonnae, Bryoniae, Cicutae (Conii), Digitalis purp., Hyoscyami, 
Lactucae virosae, Rhois toxicodendri und Stramonii. Von diesen werden Ess. Bella- 
donnae und Stramonii bis zu 12 Tropfen pro dosi gereicht. Eine ähnliche Bereitungs- 
art, wie die hier angegebene, wurde von der Ph. Btr. Ed. VI. für die Tinct. Conii 
undf für Tinct. Nicot. (vergl. diese) vorgeschrieben. — Die meisten RadeMteher-schon 
Tinkturen, die wir weiter hinten aufführen, sind genau den Essentiae Ph. Sax. nach- 
gebildet, nur dass sie mit Spiritus gemischt werden. Essenz, Essence in der Ph. 
ISall., bezeichnet meist ätherische Oele, zuweilen auch schwach spirituöse Auszüge.] 

Essentia Asperilae edoratae seu Matrisylvae. Waldmeister- 
oder Maitrank-Essenz. [Durch spirituöse Maceration aus dem frischen Kraute 
gewonnen. — Enthält Cumarin (vergl. dieses). — 10,0 etwa 25 Pf.] 

Innerlich: als passender Zusatz zu vielen, namentlich gelatinösen 
Arzneiformen. 

Essentia oplithalmica Romershansea. Romershausen'sche 

Äugenessen z. [Dieses viel gebrauchte und nicht üble Stärkungsmittel für re- 
laxirte oder catarrhalische Zustände der Augenlider besteht aus Semen Foeniculi 
recent. 1, Spirit. dilut. 12, digere per horas 24. exprime et flltra. — 10,0 etwa 10 Pf.] 

Aeusserlich: mit 5 Theilen Aq. pluvial oder destill, zum Umschlag 
aufs Auge. 

Esseatia Rhamni frangnlae s. Gort. Frangulao. 

Esseatia Sarsapariliae. Sarsaparill-Essenz. [Rad. Sarsaparillae 
10 ausgekocht, das Decoct flltrirt, dann auf 9 eingedampft und Spirit. vin. gall. 1 
zugesetzt. — Eine von v. itwlm vorgeschlagene, sehr zweckmässig und praktisch 
bewährte Form. — 1 Esslöflfel enthält etwa das Solubile aus 15,0 Sarsaparille. — 
10,0 20 Pf.] 

Digitiz;dj^Qpq^e 



il6 Ksscntia scripara. 



Innerlich: täglich 2-4 Esslöffel in St. Germain-Thee oder einem 
einfachen Infusura Fol. Sennae. 

Esseitia seripara s. Liquor seriparus. 

Encalyptolui. Eucalyptol. [Ueber kaustischen Kalk abdestillirtes 
ätherisches Oel der Fol. Eucalypti globuli. — (Vergl. diese.) 1,0 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,2-1,0-2,0 in Tropfen oder Kapseln [empfohlen als 
Stimulans in kleinen Gaben, in grösseren bei Intermittens. Catarrhen nnd Entzündun- 
gen des Respirationstractus, Asthma, Erkrankunger der Harnblase, Gonorrhoe, auch 
gegen Helminthiasis: flabler^ (iiMbert, Pa«!, Haeleai, J. Arti^ Bi«i^ I. Kohler u. a.] 

Aeusserlich: zu Inhalationen [bei Asthma, Bronchitis putrida und 
Gangraena pulmonum, Phthisis. — Der Eucalyptnsbaum hat die Eigenschaft, die 
10 fache Menge seines Gewichtes Wasser dem Boden zu entziehen und zugleich eine 
campherartige desinficirende Luft auszuathmen; er ist deshalb mit grossem Erfolg 
zur Assanition von Sumpf- und Fiebergegenden (Algier, Constantine, Rom) ange- 
pflanzt worden. Ilesler empfiehlt, ihn in Kübeln, wie die Orangebäume gezogen, zur 
Verbesserung der Luft in den Krankensälen aufzustellen], zu Verbänden und 
zur Desinfection von Wunden [bei Hospitalbrand, Gangrän, schlecht eitern- 
den Geschwüren: tlmbert], auch als schmerzstillendes Mittel pure 
[einige Tropfen auf Flanell], oder in Liniment [1 : 5 Ol. Olivar., oder 1 : IV2 
. GJycerin, 2 Seife oder 67« Spiritus: flinbert.] 

"**£ vpkorbiub E u p h r b i e n h a r z. [An der Luft getrockneter Saft von 
Euphorbia resinifera Berg. — 10,0 gross, pulv. 10 Pf., subt. pulv. 15 Pf.] 

Aeusserlich: als Streupulver [mit Magnesia oder Amylum vermischt], 
als Zusatz zu Salben [1 auf 1 V2 F^tt oder Ungt. basilicum, zum Offenhalten von 
künstlichen. Geschwüren, wo man die Anwendung des Cantharidins vermeiden will], 
zu Pflastern [1 auf 8 Pflastermasse]. 

^Extracta« Extracte. Der Eindickungsgrad der Extracte ist ein 
dreifach verschiedener: 1) dünnere Extract-Consistenz [Consistenz des frischen 
Honigs], 2) dickere Extract-Consistenz [können nicht mehr ausgegossen, aber 
mit einem hineingetauchten Spatel in Fäden ausgezogen werden], 3) trockene Con- 
sistenz [können zu Pulver verrieben werden]. Bei der Nennung der einzelnen 
Extracte ist deren Consistenz nach den hier gegebenen Bestimmung mit 
1, 2 oder 3 bezeichnet. 

Die Anwendung der Extracte geschieht in folgenden Formen: 1) in 
Pulvern, Consistenz 1 und 2 durch Verreibung mit anderen Pulvern, 
Consistenz für sich oder gemischt. — Diese Form ist jedoch unzweck- 
mässig, da solche Pulver leicht feucht werden und zusammenbacken. Für 
einzelne Narcotica ist noch eine complicirtere, zu Pulvern sich gut eignende 
Extractform unter der Bezeichnung Extractui siccmil in Gebrauch, die 
dadurch hergestellt wird, dass gleiche Gewichtstheile Extract und Dextrin 
in einer Porzcllanschale so lange bei 40-50^ C. getrocknet werden, bis 
kein Gewichtsverlust mehr stattfindet. Die noch warme Masse wird mit 
soviel Dextrin verrieben, dass das ursprüngliche Gewicht des angewen- 
deten Extractes verdoppelt ist. Die Dosis solcher Extracte wird vom 
Apotheker doppelt so hoch genommen, als sie der Arzt verordnet hat, 
wenn nicht dieser schon dem Namen des Extractes die Bezeichnung 
siccum hinzugefügt hat. 2) In Pillen, die beste Form für die Extracte; 
Consistenz 1 bedarf 2 Th. vegetabilischen Pulvers auf 1 Th. Extract zur 
Pillenraasse; Consistenz 2 1 Th Extract mit Vi -Vi eines vegetabilischen 

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Extractum Absinthii. 277 



oder 1 eines anderen Pulyers [Sulfur., Hydrarg. sulfur., schwer lösliche Salze]; 
Consistenz 3 bedarf etwas Mucil. Gummi Arab. [selten etwas Spiritus, z. B. 
Extr. Aloes] zur Pillenmasse. 3) In Latwergen, namentlich die Consistenz 1 
und 2. 4) In Solution; nur wenige Extracte lassen sich vollständig lösen 
[die bei der Bereitung filtrirten Extrakte], die meisten geben eine Schüttel- 
mixtur von trübem, mehr oder weniger braun gefärbtem Ansehen; Ex- 
tracte von bedeutender Wirkung, die nur kleine Dosen erforderlich machen, 
werden häufig in Form von Tropfen gegeben. — Für den äusserlichen 
Gebrauch kommt der Zusatz von Extracten zu Salben, Pflastern und 
Klystieren vor. 

'^'Extractlim Absilthii« Wermutextract. [20 Th. des Krautes mit 
Wasser 60 und Spiritus 40, der Rückstand mit Wasser 30 und Spiritus 20 digerirt. ge- 
mischt, ausgepresst und bis zur Consistenz 2 eingedickt. — Trübe löslich. — 1,0 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich; in Pillen, Mixturen. 

*Extract«lll Aceniti. Aconitextract. Eisenhutextract. [Tuber. 
Aconiti 20 mit Spirit. vin. 40, Aq. 30 macerirt. der nach dem Abpressen bleibende 
Rückstand mit Spirit. vin. 20, Aq. 15 durch 3 Tage macerirt, zur Consistenz 2 ab- 
gedampft. — 1,0 20 Pf.] Anlässlich eines jüngst in Holland vorgekommenen 
Vergiftungsfalles mit Aconitin sei nachträglich an dieser Stelle bemerkt, 
dass das deutsche Aconitin bedeutend schwächer als das französische oder 
englische sein soll. Jedenfalls ist die Dosis für das Aconitine (lotttt) 
nur auf Vj— 1 Mgr. angegeben. 

Innerlich: zu 0,006-0,025 [ad 0,02 pro dosi, ad 0,1 pro diel] mehrmals 
täglich, in Pillen und Tropfen [gelöst in Vin. Colchici, Vin. stibiat., Liq. 
Ammon. acet., Aq. Laurocerasi]. 

Aeusserlich: zu Pflastern, Einreibungen [Extractum Aconiti mit 
Opium ana mit Speichel in die Schläfengegend einzureiben, bei arthritischer Oph- 
thalmie: f. Ammoi]. 



567. I^ 

Extr. Aconiti 

Hb. Aconiti pulv. ana 0.5 

Succ. Liquir. dep. 3,0. 
M. f. pil. No. 50. Consp. Lycop. D. S. 
3-6 mal täglich 1 Pille. 



568. I^ 

Extr. Aconiti 1.0 

Vini Sem. Ck)lchici 25,0. 

MDS. 3 mal täglich 5 Tropfen. 



q. s. ut f. pil. No. 50. C. p. rad. Liquir. 
D. S. 3-4 mal tägl. 2 Stück zu nehmen. 
[Bei Facialneuralgie.] 

570. I^ 
Extr. Aconiti 0,5 
Tinct. Guajaci ammoniat. 
Vini stibiat, ana 10,0. 

D. S. 3 mal täglich 10-15 Tropfen. [Bei 
Arthritis.] 

571. Bf 
Extr. Aconiti 3,0 

569. Bf Liquor. Ammon. caust. 0,5 

Extr. Aconiti 0,5 Adipis suilU 12,0. 

Extr. Opii 0,2 | MDS. Aeusserlich einzureiben. [Bei chro- 

Extr. Liquir. ! nisch-rheumatischen oder neuralgischen 

Pulv. Rad. Liquir. ana. | Schmerzen.] Tumboll. 

Extractvm Aconiti sieciim s. pulverat. Trocknes Eisenhut- 
extract. — 1.0 15 Pf. 

Innerlich: 0,01-0,05 [ad 0,04 pro dosi, ad 0,2 pro die!] in Pulvern, 
Pillen. 

^Extractum AloCs. Aloeextract. [l Alog mit 5 Aq. destilL 48 Stun- 
den macerirt, dann colirt und bei massiger Wärme bis zur Consistenz 3 abgedampft. 
— Trübe löslich. — 1,0 5 Pf.] 

Digi||e567-571. 



27S 



Extractum Aloes Acido sulfurico correctuin. 



Innerlich: zu 0,02-0,1 mehrmals täglich als Reizmittel, zu 0,05 
bis 0,25 als gelindes Purgans, zu 0,25-0,6 als Drasticum, in Pillen, 
oder Bissen, selten in Pulvern oder Mixturen. 

Aeusserlich: zum Clysma [0,15-0,3], zu Augenwässern [Augen- 
tropfwässern: 0,1-0 3 auf 25,0; Augenbähungen: 0,2-1,0 auf 100.0], Verband- 
wässern [2,0-5,0 auf 100 0], Augensalben [0,1-0 5 auf 10,0]. 



572. Bf 

Extr. Aloes 

Saponis medicat. ana 8,0. 
M. f. pil. 50. Consp. Lycop. D. S. Abends 
1 -2 Pillen zu nehmen. [Sehr empfehlens- 
werth, geliiid wirkendes Abführmittel] 
Freriohs. 



573. I^ 

Extr. Aloes 5,0 

Extr. Rhei comp. 8,0 

Extr. Colocynth. comp. 

Perr. pulv. ana 1,5. 
M. f. pil. 100. Consp. Lycop. D. S. [Nach 
Bedürfniss 1-2-3 Pillen zu nehmen.] 

Pilulae aperitivae Stahlii. 



575. ^ 

Extr. Alo6s 

Ammon. chlorat. ferrat 
Summitat. Sabinae p^lv. ana 2,5 
Extr. Senegae 4,0. 
f. pil. 90. Ck)nsp. Lycop. D. S. 3 mal 
täglich 2-5 Stück. 

Pilulae emmenagogae. 



M 



G76. n- 

Extr. Aloes 2,0 

Natr. carb. dep. sicci 4.0 

Extr. Taraxaci q. s. 

ut f. piL No. 60. Consp. Lycop. 
Morgens und Abends 2 Pillen. 



Icterus Simplex.] 



D. S. 
[Bei 



574. 



Extr. Aloes 

Extr. Rhei comp, ana 3,0 
[Extr. Strychn. spirit. 0,3] 
Pulv. et Succ. Liquir. q. s. 
ut f. pil. No. 30. Consp. Lycop. 
Morgens und Abends 2 Pillen. 
[Abführmittel.] 

Leyden. — Babow. 



D. S. 



OppoliAr. 



577. 1^ 

Extr. Aloes 0,75 
Ferri sulfuric. 3,0 
Sapon. med. q. s. 
ut f. pil. No. 50. Consp. Lycop. D. S. 
Anfangs 3 mal täglich kurz nach dem 
Essen l - 3 Pillen zu nehmen , später 
beim Eintritt dünnerer Stuhlgänge sel- 
tener. [Bei habitueller Stuhl Verstopfung.] 
John Kent Spender. 

"^^Extractnm Aio#s Acido snlAirico eorreetiun« [Extr. Aio6s 4 in 

Aq. destill. 16 aufgelöst, Acid. sulfur. rectificat. Va tropfenweise zugesetzt, zur Con- 
sistenz 3 eingedampft. — Trübe löslich. — 1,0 10 Pf.] 

ExtractüBl Angelicae« [l der Wurzel mit 2 Spir. dil. digerirt, ausgepresst, 
der Rückstand nochmals mit 1 Spir. und 1 Wasser übergössen, digerirt, ausgepresst, 
beide Flüssigkeiten gemischt, decantirt und zur Consistenz 2 abgedampft. — Trübe 
löslich. — 1,0 etwa 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-1,0 raehrmals täglich. 

Extractam Arnicae Radicis. Wohlverleihextract. [Aus der 

Wurzel; Bereitung wie Extr. Angelicae. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 25 Pf.] 
Innerlich: zu 0,3-1,0 mehrmals täglich. 

ExtractttM Arnicae Florani» [Aus den Blumen der Amica mit Wasser 
extrahirt, bis zur Cons. 2 abgedampft. — 1,0 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,6 mehrmals täglich in Pillen. 

578. R 

Extr. Arnicae Flor. 2,0 
Acid. phosph. sicci 4,0 
Pulv. Rad. Serpentar. q. s. 
ut f. pil. No. 30. Consp. Lycop. D. S. 3 mal täglich 2 Pillen. 
LBei nervöser Schwerhörigkeit.] Oppolser. 

iV^ {^ 572-578. 



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Extraclum Artemisiae. 279 



ExtraetlUn Artemisiae« Beifusswurzelcxtract. [Aus dor Wurzel, 
wie Extr. Angelicae bereitet. — 1,0 etwa 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,3 in.Pillen, in Emulsion [bei Eclampsie, Epi- 
lepsie u. s. w.]. 

579. Bf 

Extr. Artemis. 0,25 
Gummi Arab. 4,0 
Sacch. alb. 12,0 
Emuls. Araygd. 100,0. 
MDS. Halbstündlich 1-2 Theelöflfel. [Bei Eclampsia infantum.] 

Kölreuter. 

Extractnm Artemisiae aetheream. Aetherisches Beifuss- 

extract. [1 Rad. Artemis, mit 2 Aether acht Tage lang macerirt, ausgepresst, 
der Rückstand mit 1 Spir. aether. übergössen, macerirt, ausgepresst, die erhaltene 
Flüssigkeit filtrirt und zur Consistenz 2 abgedampft. — Nicht löslich. — 1,0 
etwa 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,05-0,2 in Pillen. 

Extractnm Aurantii Cortieis. Extractum Corticis Aurantii. Fome- 
ranzenschalenextract. [Cort. Fruct. Aurant. 1 mit Spiritus und Wasser 
ana 2 durch 3 Tage digerirt, ausgepresst und der Rückstand mit Spiritus und Wasser 
ana 1 ebenso behandelt, die Flüssigkeiten gemischt, filtrirt und bis zur Consistenz 2 
abgedampft. — Trübe löslich. — 1,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-2,5 mehrmals täglich, in Bissen, Latwergen, 
Mixturen, Elixiren. 

Extractnm Bardanaet Elettenwurzelextract. [Aus der Rad. 

Bardan. wie Extr. Absinth. — Klar löslich. — 5,0 etwa 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-1,0 mehrmals täglich [selten]. 

Aeusserlich: als Zusatz zu Haarwuchs befördernden Mitteln [Po- 
maden und Wasch wässern]. 

'i'Extractnm BelladoMae. Extractnm Solani furiosi. Belladonna- 
extract. ToUkirschenextract. [20 Th. dor frischen Blätter der Belladonna wer- 
den mit 1 Th. Wasser zerstampft und ausgepresst und dies mit 3 Th. Wasser wieder- 
holt; die erhaltenen Flüssigkeiten werden colirt und auf 2 Th. abgedampft; der 
Rückstand mit 2 Th. Spiritus 24 Stunden behandelt, colirt, nochmals mit 1 Th. Spirit. 
angerührt und abgepresst. Die gemischten Flüssigkeiten werden filtrirt und zur Con- 
sistenz 2 abgedampft. — Trübe löslich. — Die Ph. Attstr. lässt ihr Extractnm Bella- 
donnae aus der getrockneten Wurzel darstellen, erhält dadurch ein wesentlich stärkeres 
Präparat, mit dessen Maximaldosis aber diejenige der Ph. GerM. ed. II. übereinstimmt, 
während die editio I. die doppelten Dosen der jetzigen hatte. — 1,0 20 Pf.] 

Innerlich: 0,01-0,05-0,1 [ad 0,05 pro dosi, ad 0,2 pro die I] 2-3 Mal 
täglich, in Pulvern, Pillen und Tropfen [mit Aqua Lauro^cerasi]. In 
England vielfach bei hartnäckiger Obstipation in grossen Dosen (0,12 
alle 1-2 Stunden bis zu 0,7 und 0,9 Gr.: Herr) gegeben. Auch als Anti- 
pyreticum bei Typhus und Scharlach (Abends 0,03 mit oder ohne einen 
Theelöffel Magnes. sulfur., welches die Wirkung der Belladonna bedeu- 
tend unterstützt) von B«rp angewendet. 

Aeusserlich: zu Zahnpillen, Zahnlatwergen, Bougies [bei 
krampfhaften Stricturen Kerzen mit Extract. Belladonnae bestrichen einzubringen: 
lyrrd], Injectionen und Klystieren [0,05-0,1 auf 25,0], Inhalationen 
[vergl. p. 100], Augenwässern [zur Erweiterung der Pupille: 0,25-0,6 auf 10,0, 

Digitized b^ 579. ^W9^ 



280 



Extractum Belladonna^. 



jetzt (Ho Lösung des Atropins wegen ihrer sicheren und gleichmassigeren Wirkung 
vorgezogen; als Augentropfwasser bei Ophthalmie: 0,1-0,5 auf 25 0], Pflastern 
[5,0 auf 20,0-25,0], Suppositorien, Salben [3,0-6,0 auf 25,0, bei Rigidität 
des Muttermundes, Blasenkrampf, eingeklemmten Brüchen], A.ugensalben [0,3 
bis 0,6 auf 10,0: bei scrophulöser Lichtscheu]. 



580. 



R 



Extr. Belladonnae 
Fol. Belladonn. pulv. ana 1,0 
Succ. Liquir. q. s. 
ut f. piL No. lüO. D. S. Im ersten Mo- 
nat Abends 1 Pille, im zweiten Monat 
Abends 2 Pillen u. s. w. zu steigen bis 
zu 6-7 Pillen. [Gegen Epilepsie.] 

TrouBseau. 



581. 



R' 



Extr. Belladonn. 
Extr. Opii ana 0,2 
Lactucarii gallici 0,3 
Flor. Malvae q. s. 
ut f. piL 15. D. S. 3 mal täglich 1 PiUe, 
später mehr. [Bei hochgradiger Chorea.] 
Barthez. 



582. IV 

Extr. Belladonn. 1,0 
Opii 0,5 
Myrrhae 

Rad. Ipecac. pulv. ana 2,0 
Mucil. Gummi Arab. q. s. 
M. f. pil. 50. D. S. 3 mal täglich I Pille: 
auf 2, später 3 Pillen zu steigen. [Bei 
Asthma.] 

583. IV 

Extr. Belladonn. 0,5 
Extr. Gentian. q. s. 
ut f. 1. a. pil. No. oO. Consp. Lycopod. 
D. S. 3 mal täglich 1-4 Pillen zu nehmen. 
[Bei habitueller Stuhlverstopfung.] 
Nunneley. 



584. 



^ 



Extr. Belladonn. 

Pulv. Sem. Strychn. ana 0,1 

Ferr. oxyd. fusc. 0,75 

Sacch. alb. 2,5. 
M. f. pulv. div. in decem part. aequal. 
D. S. Täglich 1 Pulver. [Gegen Enuresis 
nocturna der Kinder.] Faure. 



585. 



I* 



Extr. Belladonn. 0,1 
Bismut. subnitr. 2,0 
Elaeosacch. Chamom. 5,0 
M. f. pulv. d. in part aeq. No. 10. S. 

4 Pulver im Tage zu nehmen. [Bei 

Cardialgien.] 



IV 580-592. 



586. IV 

Extr. Belladonn. 0,25 

Aq. Laurocerasi 15,0. 
D. S. 3-4 mal täglich 30 Tropfen. 

[Liquor Belladonnae cyanic] 

Hufeland. 



587. IV 

Extr. Belladonn. 0,3 
Liq. Ammon. anis. 2,5 
Aq. dest. 15,0. 

D. S. 3stdl. 10-20 Tropfen. Frerloh«. 



588. IV 

Extr. Belladonn. 0,3 

Aq. dest. 100,0 

Syr. Ipecac. 25,0 

Vin. stibiat. 1(),0. 
MDS. 3 mal täglich 1-2 Theelöffel. 
KeuchhustenJ 



[Bei 



589. IV 

Extr. Belladonn. 1,0 
Zinc. oxydat. 4,0 
Extr. VÄlerian. q. s. 
ut f. pil. No. 100. Consp. Lycop. D. S. 
2 mal täglich 5 Stück. [Bei Neuralgie.] 
Bematsik. 



590. fV 

Extr. Belladonn. 0,5 
Ungt. Hydrarg. einer. 10,0. 
M. f. unguent. D. S. Zum Einreiben bei 
spastischer Phimosis und Paraphimosis 
im Gefolge des Trippers. 



591. IV 

Extr. Belladonn. 6,0 
Tinct. Opii croc. 3,0 
Chloroformii 4,0 
MDS. Auf neuralgische und schmemhafte 
Theile 3-4 mal täglich aufzulegen. 

Piday. 



592. 



R 



Extr. Belladonn. 
Camph. 

Tinct. Opii ferment. ana 4,0 
Ungt. Hydrarg. einer. 30,0. 
M. f. unguent. D. S. Zur Einreibung. 
[Bei chronischen Drüsenanschwellungen, 
Epididymitis u. s. w.] 

Bioord^s Pommade fondante. 



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Extractum Belladonnae siccaro. 



281 



593. Bß 

Extr. Belladonn. 
üngt. Glycerini ana 10,0. 
F. unguent. D. S. Zur Einreibung in die 
Brustdrüse. [Bei GalactorrhoeJ 

Fountain. 

594. Bf 

Extr. Belladonn. 0,1 

solve in 
Aq. dest. 100,0 
Aq. Laurocerasi 5,0. 
MDS. Zur Injection. [Bei Tripper mit 
starker Sehmerzhaftigkeit und Iscburie.] 



59G. Bf 

Extr. Belladonn. 0,25 
Ol. Cacao 15,0. 

F. suppositoria No. 4. D 



Bei Tenosraus. 
Sohönlein. 



597. I^ 

Extr. Belladonn. 3,0 

Plnmbi acet. 5,0 

Adipis suilli 30,0. 
M. f. unguent. D. S. Zum Bestreichen 



des Anus bei Fistula ani. 



I 



Dupuytren. 



598. 



Extr. Belladonn. 0,1 
Inf. Flor. Cbamom. 125,0. 
MDS. Zum Kly stier. [Zur Reduction von 
Hernien.] Bioord. 



595. I^ 

Extr. Belladonn. 0,02 
Glycerini 3,0 
Gelatin. 1,0. 
Solve len. calor. f. Supposit. S. So tief 
als möglich einzuführen und 3-4 mal zu 

wiederholen. [Bei Hämorrhoidalfluss.] __ 

Me. Auliire. I 

Bxtractam BellldMUe Siccnm. [Vergl. Extraeta. — 1,0 15 Pf.] 

"^fixtrtctam Calami. Extr. Acori. Kalmusextract. [WieWormuth- 

Extract bereitet. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 20 Pf.] 
Innerlich: zu Oj5-2,0 mehrmals täglich, in Pillen. 

Extrtetun CaleMdolae. Ringelblumenextract. [Bereitet wie 
Extr. Beilad. Consistenz 2. — Lösung trübe. — 1.0 etwa 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-0,8 2-4 Mal täglich, in Pillen, Mixturen. 

Aeusserlich: zu Verbandwässern, Salben [mit Wasser zur Salben- 
consistenz angerührt oder als Zusatz zur Fettsalbe]. 

599. Bf 

Extr. Calenduläe 
Extr. Chamom. Tulg. ana 6,0 
solve in 
. Aq. Laurocerasi 50,0 

adde 
Tinct. Opii simpl. 3,0. 
MDS. Umgeschüttelt als Verbandwasser. [Bei Krebsgesohwüren.] 

Bust. 

*Eitraet«iii Cauabis iidicae. £xtract of Indian herop. Extrait 
du chauvre de l'Indes. Indisch Hanfextract. [Alkoholisches Extract aus 
der Herba Cannabis indicae. — Consistenz 2. — In Wasser unlöslich, in Alkohol mit 
grüner Farbe löslich. — 1,0 65 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,1 [ad 0,1 pro dosil ad 0,4 pro diel] 2-3 Mal 
täglich [nach htBMJiller muss die Dosis bedeutend höher gegriffen werden, zu 
0,25-0,5 und selbst zuweilen bis 1,25 (!!I), um Schlaf zu erzielen, und haben sich 
ihm diese grossen Dosen bei einer Reihe von Krankheiten als sehr empfehlenswerthe 
Hypnotica bewährt. Auch iertkier reicht das Extr. Cannabis indicae in der Dosis 
von 0,25 1,0! als Hypnoticum bei Geisteskrankheiten], in Pillen, Pulvern, 
Trochiscen [Trochisci mit 0,6 Extr. Cannabis indicae sind meistens in den Apo- 
theken vorräthig] oder alkoholischer Lösung [Tinctura Cannabis indicae], als 

^'9'^'!^ 593- 599. ^#11 



282 Extractum Capitum I^apaveris. 



Narcoticura in seiner >Virkung dem Opium ziemlich nahe stehend, aber 
milder und namentlich nicht hemmend auf die Stuhlentleerung [mit Erfolg 
versucht bei Geisteskranken von C«BtlU^ Mtreti^ ierthier u. a. — in der Ctiolera 
asiatica von VilleMin empfohlen, ohne besondere Vorzüge — von VmBMiller bei ver- 
schiedenen Krankheiten, namentlich Phthisis, Rheumatismus, Neurosen, Entzündungs- 
krankheilen u. a. mit Erfolg als beruhigendes und schlafmachendes Mittel angewandt. 
Seguin empfiehlt das Extract gegen Migräne, 0,02 vor jeder Mahlzeit zu nehmen, in 
der 2. Woche auf 0,3 steigend und 3 Monate lang zu gebrauchen.] — Die im 
Orient gebräuchlichsten Präparate des Hanfes sind Haschich und Chur- 
rus. Die Zusammensetzung derselben ist keine constante. Nach einigen 
soll das Extr. Gannabis ihr Hauptbestandtheil sein. Das von nSIgMind 
aus Egypten mitgebrachte Haschich enthielt die Herba Gannabis indicae, 
vornehmlich die blühenden Spitzen derselben (n Sekrtff). Nach VrtMiiller 
soll Haschich überhaupt aus gepulverter Herba Gannabis indicae, Zucker 
und Gummi bestehen, aber in nicht constanter Mischung; Ghurrus hin- 
gegen soll das gereinigte Gannabis-Harz darstellen. 

Aeusserlich: in Salben oder Linimenten [zur Beschwichtigung 
localer entzündlicher, neuralgischer oder rheumatischer Schmerzen: VrtMiiUer]. 

600. Bf 

Eitr. Cannab. indic. 1,5 
Acid. gallici G,0. 
F. pil. No. 50. Consp. Lycopod. D. S. 
1-2 Pillen Abends zu nehmen. [Gegen 
colliquative Schweisse bei Phthisis.] 
Pharmac. of the Brompton-Hospital. 



GOl. ^ 

Extr. Cannab. ind. 
Herb. Cannab. ind. pulv. ana 3,0(1). 
M. f. pil. No. 50. Consp. Lycop. D. S. 
4 Pillen auf einmal zu nehmen. [Als 
Hypnoticum.] Fronmüller. 



602. Bf 

Extr. Canab. ind. 

Extr. Hyoscyam. ana 0,03 



Sacch. alb. 0,3. 
M. f. pulvis. Dispens, tal. dos. No. 8. 
D. S. 38tdl. 1 Pulver. [Bei Gonorrhoe 
mit heftigen Schmerzen.] Zeissl. 

603. Bf 

Extr. Cannab. ind. 
Sacchar. lact. 3,0. 
M. f. pulv. D. in part. aeq. No. 10. S. 3 mal 
täglich 1 Pulver. [Bei Chorea.] 

FreriohB. 



604. Bf 

Extr. Cannab. ind. 0,2 
Liniment, ammoniato-camph. 25,0. 
D. S. Zur Einreibung. [Bei schmerzhaftem 
chronischen Hheumatismus.] 

Fronmüller. 



Extractnm Capitiun Papaveris. Affium. Opium incfigene. Mohn- 
kopf extract. [Ein gesättigtes alkoholisches Extract, aus den unreifen Samen- 
kapseln des Mohns bereitet, soll nach tibltHe etwa 1 pCt. Morph, enthalten.] 

ExtractUBI Capsici aani. Spanischpfefferextract. [Alkoholi- 
sches Extract aus den Fructus Capsici annui.] 

Innerlich: zu 0,3-0,1 als kräftiges Acre. 

^fixtractiun Cardai beaedicti. Cardobenediktenextract. [iTheil 
Cardobenediktenkraut mit 10 kochendem Wasser digerirt, zur Consistenz 2 abge- 
dampft. — Trübe löslich. — 10,0 50 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen, Solutionen 
[mit Aqua Laurocerasi, mit aromalischen Tincturen u. s. w.]. 

605. Bf 

Extr. Cardui bened. 5,0 
Aq. Laurocerasi 25,0. 
M. D. 3 mal täglich 20-40 Tropfen. [Bei chronischen pituitösen Katarrhen.] 

g^ Bf 600-605. Digitizedby google 



Extractum Carnis Liebig. "283 



ExtraetHm Carnis Liebig. Fleischextract. [Eine höchst concen- 

trirte, fettfreie Bouillon. Die Pharmakopoe ed. I. schrieb vor, dass die Auflösung des- 
selben mit etwas Kochsalz versetzt, genau den Geschmack der Bouillon darbiete, eine 
Bedingung, die von dem aus Brasilien und Neuholland zu uns kommenden Fleisch- 
extract nicht immer erfüllt wird. — 10,0 45 Pf.] 

Innerlich: als Nahrungsmittel für Reconvalescenten, Magenleidende, 
Phthisiker, atrophische Kinder u. s. w. theelöfifelweise pur oder auf Weiss- 
brod gestrichen oder in heissem Wasser gelöst mit Salz und Gewürzen 
[V2-I Theelöflfel zu 1 Tasse heissen Wassers giebt eine kräftige Bouillon], 

'^'Extraetlllll Cascarillae. Cascarillextract. [l Cort. Cascarill. klein 
geschnitten mit 5 kochenden Wassers Übergossen, 24 Stunden macerirt, ausgepresst, 
abermals mit 5 kochenden Wassers Übergossen, wiederum macerirt, ausgepresst; 
beide Flüssigkeiten gemischt, decantirt und zur Consistenz 2 abgedampft. — Trübe 
löslich. — 1,0 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen und Mixturen. 

Aeusserlich: zu Zahnfleisch-Latwergen. 



606. Bf 

Extr. Cascarill. 3,0 
Pulv. Rad. Rhei 1,0 
Pulv. Rad. Colombo 2,0. 
M. f. pil. No. 50. Consp. Cinnam. D. S. 
3 mal taglich 5 Stück. 

607. I^ 

Extr. Cascarill. 
Extr. Colombo ana 5,0 
Aq. Menth, pip. 150,0 
Tinct. Cinnam. 7,5 
Syr. Aurant. Cort. 30,0. 
MDS. 2stdl., umgeschüttelt, 1 Esslöffel. 
[Bei Diarrhoe.] Vogel. 



608. ^ 

Extr. Cascarill. 

Extr. Trifolü flbrini ana 2,0-4,0 
Aq. dest. 200,0 
Syr. Aurant. Cort. 20,0. 
MDS. 1 Esslöffel voll vor jeder Mahlzeit 
zu nehmen. [Bei Appetitlosigkeit.] 
T. Bamberger. 



609. H- 

Extr. Cascarill. 15,0 
Myrrh. pulv. 5,0 
Ol. Menth, pip. 0,25. 

M. f. electuar. spiss. D. S. Zahnfleisch- 
Latwerge. 

Extraetnm Castaneae yescae liqaidvm. Flüssiges Kastanien- 

extract. [Fol. Castaneae vescae 480 getrocknet und gepulvert, mit 150 Glycerin 
und 240 Zucker und Wasser q. s. gekocht und auf 480 Colatur eingedickt. ■— 
10,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu V-^-l Theelöffel für Kinder, entsprechend mehr für 
Erwachsene, gegen Keuchhusten empfohlen: ttfis^ neisehmanH. 

Extraetnm Cateelm. [Wie Extr. Aloes bereitet. Consistenz 3. — Trübe lös- 
lich. — 10,0 etwa 25 Pf.] 

Innerlich: wie Catechu. 

610. Hj 

Extr. Catechu 25,0 
Ammon. chlorat. 12,5 
Aq. 200,0 
Gummi Arab. 25,0. 
MDS. l-2stdl. 1 Esslöffel. [Bei Diarrhoe.] 

Bademaoher. 

Extraetnm Centaurü. Tausendgüldenkrautextract. [Wie Extr. 
Card, bened. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich, in rillen, Tropfen. 
Extraetvm Chamomillae. Kamillenextract. [l. Th. Flor. Cha- 

momill. mit Wasser und Spiritus ana 4 Th. digerirt und ausgepresst und der Ruck- 

Digit^606-610. IMI^ 



284 



Extractum Chelidonii. 



stand nochmals mit Wasser und Spiritus ana 2 digorirt und ausgepresst, die Flüssig- 
keiten gemischt, fiitrirt und zur Consistenz 2 abgedampft. — Trübe löslich. — 1.0 
25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich, in Pillen, Mixturen. 

Aeusserlich: zu Pinselsäften und Verbandwässern. 

Extractmn CheUdoiii. Schöllkrautextract. [Wie Extr. Belladonn. 
bereitet. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-1,5 mehrmals täglich in Pillen, Tropfen. 

^Extractum Ckinae aqnosvm. Wässeriges Chinaextract. [i Th. China- 
rinde mit 10 Wasser 48 Stunden macorirt, der nach dem Abpressen bleibende Rück- 
stand nochmals mit 10 Wasser ebenso lange macerirt, die abgepressten Flüssigkeiten 
auf 2 Th. verdampft, fiitrirt und ein Extract von der Consistenz 1 hergestellt. — 1.0 
15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich, in Pillen, Mixturen. 

Aeusserlich: zu Mundwässern, Pinselsaften, als Zusatz zu 
Haarpomaden. 



611. Bf 

Extr. Chinae 

Fol. Trifol. fibrini pulv. ana 5,0. 
F. pil. lOü. Consp. Cinnam. D.S. 2stdl. 
5-10 Stück. [Bei milder Form von 
Intennittens.] 



ut f. pil. 100. S. 2 Pillen zu jeder Mahl- 
zeit. [Roborircnde Pillen.] 



613. H- 

Medullae Bovis 25,0 

Ol. Jasmini 5,0 

Extr. Chinae 3,0 

Succi Citri 

Tinct. Canth. ana 1,5. 
M. f. unguentum. D. S. Haarpomade. 
Dupuytren. 



612. Bf 

Ferro- Kali -tartar. 10,0 

Extr. Chinae 10,0 

Giycerini 

Ol. Anisi q. s. | 

Extraetnm Chiiae friede paratmn. [Entspricht dem Extr. Chin. aquos. 
der edit. II. nur das 1 Theil Cort. Chinae statt mit 10 mit 3 Theilen Wasser aus- 
gezogen wurde. — Enthält fast nur Gerbstoff. — Wenig trübe löslich. — 1,0 25 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-2,5. 



614. 



Bf 



615. 



I* 



Extr. Chin. frigid, parat. 

solve in 
Aq. Menth, pip. 150,0 
Spir. Aether. acet. 5,0 
Syr. Aurant. Cort .00,0. 
MDS. Stdl. 1 EsslöflfeL 



10,0 



Extr. Chin. frigid, parat. 2,0 

Aq. 100,0 

Aq. Aurant. Flor. 15,0 

Syr. Aurant. Cort. 30,0. 
D. S. 3- 4 mal täglich 1 Esslo£fel. [Zur 
Unterstützung der Kräfte bei ulcerativer 
Scrophulose. Lebert. 

Extractain Chiiae spiritiiosvm. Weingeibtiges Chinaextract. [l Th. 

Chinarinde mit 5 spir. vini dilut. 6 Tage macerirt. Der nach dem Abpressen blei- 
bende KücKstand nochmals mit 5 spir. vini dil. 3 Tage macerirt. Die gemischten 
Flüssigkeiten zum trockenen Extract eingedampft. — 1,0 35 Pf.] 

Extraetnm Chinae re^ae s. Calisajfae liqmidnm. Fluid extract 
der Ph. BriUtan. soll leichter verdaulich sein als das Chinarindenpulver. 

Innerlich und äusserlich: wie Extr. Chinae spirit., jedoch wirk- 
samer, aber auch theurer als dieses. 

Extraetnni Cinae« Extractum Cinae aetbereum. Extractum San- 
tonici. Extr. Flores Artemisiae Vahlianae Ph. Ntr?« Zittwerblüthen- 
extract. [2 Th. Flor. Cin. pulv. mit Aether und Spiiitns ana 3 durch 3 Tage 

i9^ Bf 611-615. Digitizedby^OOgie 



Extractum Ginae spirituosum. 285 

macerirt, ausgepresst und abermals mit Aether und Spiritus ana 2 Th. dieselbe Ope- 
ration wiederholt, beide Flussigl(eiten gemischt, filtrirt, zur Consistenz 1 abgedampft; 
von dunkelgrüner Farbe, in Wasser unlöslich. — 1,0 35 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-1,0 [als Anthelminthicum], in rillen oder Bissen, 
am besten in Kapseln [0,3-0,6, von welchen letzteren 1 Dtzd. = 140 Pf.] 

61 C>. Bf 

Extr. Cinae 1,0 
Flor. Cinae q. s. 
ut f. pil. No. 16. CJonsp. Pulv. Ri^d. Calam. D. S. 2 Tage hinter einander Morgens 
nüchtern 8 Stück zu nehmen. [Bei Spulwürmern Erwachsener.] Shapmann. 

ExtractillB Ciiae SpiritnOSVin. [Durch Extraction der Flor. Gin. mit 
Spir. dil. und Abdampfen bis zur Consistenz 3. — 1,0 35 Pf.] 

Innerlich: zu 0,15-0.3 pro die für Kinder, mehr für Erwachsene. 

Extraetum Cdfeae Spiritaesiun. Kaffeeextract. [Frische Kaffee- 
bohnen gestossen und aus denselben in der Weise des Angelicaextracts ein Extract 
bereitet. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1 etwa 30 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,25-0,4, in Pillen [statt des viel theureren Coffein]. 

617. Bf 

Extr. Coff. spirit. 5,0 
Pulv. Sem. Coff. q. s. 
ut f. pil. 50. Consp. Cinnam. D. S. Vi'lstdl. 2-3 Pillen zu nehmen. 
[Bei Migräne.] 

Extractmn ColcUci aeidnm e Semiubvs. Saures Zeitlosen- 
Samenextract. [Aus 1 Sem. Colchici pulv. durch Maceration mit 8 Essig und 
wiederholter Maceration mit 4 Essig, Filtriren beider Flüssigkeiten und Eindampfen 
bis rur Consistenz 2. — Klar löslich. — 1,0 etwa 15 Pf.] 

618. I^ 

Extr. Colchici acid. e Semin. 
AloSs pulv. ana 2,0. 
F. 1. a. pil. No. 30. Consp. Magn. ust. D. S. Morgens und Abends 1 Pille zu nehmen. 
[Bei Arthritis, Amenorrhoe.] Pilulae antarthriticae albae. Wolff. 

*Extraetni Cokeyitllidis. Coloquinthenextract. [2 Th. Colo- 
quinten von den Samen befreit und gröblich zerschnitten, mit 15 Th. Spir. dilut. 
mehrere Tage lang digerirt, ausgepresst, mit 5 Spir. dilut. und 5 Th. Wasser dieselbe 
Operation wiederholt, die Flüssigkeiten gemischt, decantirt und zur Consistenz 3 aus- 
getrocknet. — Trübe löslich. — 1,0 40 Pf J 

Innerlich: zu 0,005-0,01 als Reizmittel, zu 0,01-0,06 [ad 0,05 pro 
dosi, ad 0,2 pro diel] als Purgans. 

619. I^ 

Extr. Colocynthidis 
AloSs 
Extr. Rhei 
Gutti ana 1,0 
Extr. Hyoscyami 0,25 
Ol. Anisi 0,1. 
M. f. pil. No. 20. Obduc. Argent S. 
Abends 1 Pille zu nehmen. [Bei hart- 
näckiger Stuhlverstopfung.] 

Troussean. 

Extraetm Colecyithidis fom|idsitiim. Extr. Colocynth. Londi- 
nense. [Extr. Colocynth. 3, Extr. Rhei, Aloe 10 und Res. Scammonii 8 mit Spir. 
dil. besprengt und zur Consistenz 3 eingedampft. — 1.0 20 Pf.] 

^'^'^616-620. ^SAF 



620. Bf 

Extr. Colocynth. 
Aloes 

Scammonii ana 3,0 
Kalii stibi. 0,2. 
M. f. pil. No. 50. D. S. Täglich I Pille 
zu nehmen. 

[Purgans, zumal bei Hautkrankheiten.] 
FothergUl. 



Extractum Colombo. 



Innerlich: zu 0,01-0,05-0,12 in Pillen. 

621. ' B^ 

Extr. Colocynth. comp. 
Sapon. medicat. ana 2,0 
Ol. Chamomill. citrati 0,5. 
M. f. pil. No. 30. Consp. Lycopod. D. S. 1-2 Pillen. 

"^Eltractum Colombo. Extr. Calumbae Ph. A«str. [Wie Extr. Aurant. 
Cort. bereitet und zur Consistenz 3 abgedampft. — Trübe löslich. — 1,0 55 Pf.] 
Innerlich: zu 0,5-1,5 in Pillen oder Mixturen. 



622. Bf 

Extr. Colombo 

Fell. Tauri 

Pulv. Rad. Rhei ana 4,0. 
F. pil. No. 100. Consp. Cinnam. D. S. 
Täglich 6-10 Stück zu verbrauchen. 



Tinct. Rhei aquos. 25,0. 
MDS. Umgeschüttelt, 3 mal täglich 1 Ess- 
löifel. Biohter. 



624. Bf 

Extr. Colombo 4,0 
Decoct. Salep. 100,0 
Elaeosacch Foenic. 15,0. 
MDS. Stdl., umgeschüttelt, 1 Kinderlöffel. 
[Bei Diarrh. chron. infantum.] 

Wendt. 



G23. Bf 

Extr. Colombo 12,5 

solve in 
Aq. Cinnam. simpl. 10 ),0 
Spir. aether. 6,0 

Extractum ConiL Extractum Conii maculati Ph. Aistr. s. Cicutae 
(terrestris). Schierliugsextract. [Wie Extr. Belladonnae' Consistenz 2. — 
Fast klar löslich. — 1,0 20 Pf.] 

Innerlich: 0,03-0,18 [ad 0,18 pro dosi, ad 0,6 pro diel] mehrmals täg- 
lich in Pillen und Solutionen. [Vor einiger Zeit dringend zur Ver- 
hütung der durch Milchstauung entstehenden Mastitis der Wöchnerinnen und Stillen- 
den zu 0.01-0,06 4-6 Mal taglich von Altstadter empfohlen.] 

Aeusserlich: zu Pinselsäften, Inhalationen [vergl. pag. 100], 
Augen wässern [zu Fomentationen 2-3 auf 100; zu Augentropfwässem 1 auf 25], 
Augensalben [1-3 auf 10-15 Fett], Verbandsalben, Pflastern. 



625. Bf 

Extr. Conii 

Extr. Papayeris ana 3,0 
Extr. Stramonii 0,36-0,72 
M. f. 1. a. pil. No. 20. Consp. Lycopod. 
D. S. 2 mal täglich 1 Pille zu nehmen. 
[Bei Mastodynie.] 

T. Baxnberger. 



626. Bf 

Extr. Conii 0,2 
Extr. Chelidonii 2,0 
Rad. Rhei pulv. 3,0 
Saponis med. 5,0. 
[Zuweilen auch noch Zusatz von Extr. 
Aloes.] M. f. pilul. No. 100. Consp. 
Lycop. D.S. 3 mal täglich 5-10 Stück 
zu nehmen. [Bei verschiedenen Leber- 
affectionen, zur Beförderung der Gallen- 
ausscheidung.] Leberpillen. 

H. B. Biohter. 



627. 



^ 



Rad. Ipecac. pulv. 1,0 

Stib. sulfur. aurant. 

Extr. Senegae 

Extr. Conii ana 2,0. 
F. pil. No. 60. Consp. Lycopod. D. S. 
3 mal täglich 1-2 Pillen. [Bei chroni- 
schem Bronchialkatarrh.] 



628. Bf 

Extr. Conii 5,0 
Rad. Ipecac. pulv. 1,0 
Syr. comm. q. s. 
ut f. pil. No. 50. Cbnsp. Lycop. D. S. 
Mehrmals täglich l Pille zu nehmen. 
Pilul. Conii compos. Ph. Brit. 
(Compound Pill of Hemlock.) 



629. Bf 

Extr. Conii 2,0 
solve in 

Aq. Laurocerasi 20,0. 
D. S. 10 Tropfen mehrmals täglich zu 



nehmen. 



Bf 621-629. 



Digitized by V^OOQIC 



Extractum Conii siccum. 287 



Extraetnm Conii sieeiun. Vergl. Extracte. [1,0 15 Pf.] 
ExtraetuHi Cortieis Nnenm Jnglaidis. Roob Juglandis. Nuss- 

schaleaextract. [Der Saft aus den grünen Nussschalen zur Consistenz 2 ab- 
gedampft.] 

Innerlich: zu 0,1-0,6 in Pillen und Mixturen. 

Extractnm Cortieis Radieis Granatoriun. Extractum Funicae 
Granati Ph. Atslr. Granatwurzel-Rindenextract. [Wie Extr. Cascar. 
Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 30 Pf.] 

Innerlich: zu 5,0-12,0 pro dosi [in der Regel 3 Mal wiederholt], in 
Solution [von aromatischem Wasser]. 

Extraetam Cortieis Radicis Granatomm spiritnosun Ph. «tll. 

[Mit Spir. dil. bereitet. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 35 Pf.] 
Innerlich: zu 4,0-8,0 3 Mal wiederholt. 

MDS. In 3 Portionen in Zwischenräumen 



630. ^ 

Extr. Cort. Rad. Granat, spir. 25,0 

Aq*. Menth. 100,0 

Succi Citri 

Sjrr. Aurant. Cort. ana 25,0. 



von /j 

[Sehr theuer und stets mit Vortheil 
durch das Decoct. Cort, Rad. Granat, 
zu ersetzen.] 



Von SehnidtMuller wird ein Extr. Cort. Rad. Granat, aethereum 
als das wirksamste Präparat der Granatwurzel-Rinde empfohlen. Dosis 
wie die des Spirituosen Extracts. 

'''Extractnm Cnbebariun. Cubebenextract. Extr. Cubebarum 
aether. Ph. lek. [10 Th. Cubeben mit Aether und Spir. vini ana 15 Th. 3 Tage 
macerirt. Der nach dem Abpressen bleibende Rückstand nochmals mit 10 Aether 
und 10 Spir. vini 3 Tage macerirt. Die Flüssigkeiten gemischt und eingedampft. 
Consistenz 1. — In Wasser kaum löslich. — 1,0 40 Pf.] 

Innerlich: 0,5-2,0 mehrmals täglich, in Pillen, Bissen, Elec- 
tuarien und [am besten und billigsten] in Kapseln [1 Dtzd. ä 0,6 100 Pf.]. 

631. Bf I 632. I^ 

Extr. Cubeb. | ?xtr. Cubeb. 4,0 

Gummi Arab. 2,0 



Balsam. CopaTv 
Cerae alb. rasae ana 4,0 
Pulv. Cubeb. 12,0. 
M. f. piL No. lOü. Consp. Cinnam. D. S. 
2stdl. 5 PiUen. 



Aq. dest. 4,0 
Magnes. carbon. 6,0. 
M. f. pil. No. 100. Consp. Lycop. D. S. 
3 mal täglich 10 PiUen. [Bei Gonor- 
rhoea secundaria.] Haussmann. 

Extraetam Cvbebarnm spiritnosnm Ph. Aastr. [Die Cubeben mit 

Spiritus ausgezogen und das Extract zur Consistenz 1 abgedampft. Einfacher 
und ebenso zweckmässig, als die beiden genannten Extracte und billiger als das 
officinelle.] 

Dosis und Anwendungsweise wie Extr. Cubebarum. 

Extraetam Danci« Succus Dauci inspissatus depuratus. Möhren- 
saft, Mohrrübensaft. [VonDaucus Carota. — Dicke Syrups- Consistenz. — 1.0 
etwa 20 Pf. — Man wählt in der Regel den viel billigeren Succus Dauci venalis 
(1,0 etwa 10 Pf.), bei dem der Apotheker nur darauf zu achten hat, dass er nicht 
durch sorglose Bereitung empyreumatisch oder metallhaltig sei.] 

Innerlich: als Constituens für Latwergen [namentlich anthelmin- 
thische], au.sscrdem als Expectorans esslöffelweise. [Der von der Confiseur- 



288 Extractum Digitalis. 



Industrio vielfach als Brustmittel angepriesene ^geläuterte Alöhrensaft** ist ein aus 
1 Th. Succus Dauci recens exprossus und 2 Th. Zucker dargestellter Syrup.] 

Aeusserlich: als Zusatz zu Mund- und Gurgelwässern, als 
Constituens für Pinselsäfte. 

*Extractam Di^talis« Digitalisextract. Fingerhutextract. [lOTh. 

frisches Digitaliskraut mit 4 Th. Wasser zerstampft. Die Flüssigkeit bis 80° erwärmt, 
colirt, auf 2 Th. eingedampft und mit 2 Th. Weingeist verdünnt, nach 24 Stunden 
colirt, der Rückstand mit 1 Th. Spirit. dilut. versetzt, decantirt. Consistenz 2. — 
Trübe löslich. — 1.0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,1-0,2 [ad 0,2 pro dosi. ad 1.0 pro diel] mehrmals 
täglich, in Pillen, Solutionen. 

Aeusserlich: zu Salben [1 auf 5-10 Fett]. 



633. Rf 

Extr. Digital. 1,0 
Vin. Scillae 15,0. 

D. S. 3stdl. 10-20 Tropfen. 



G34. I^ 

Extr. Digital. 3,0 
Adipis suill. *i.'),(). 
M. f. ungt. D. S. Auf Leinwandläppchen 
gestrichen und aufgelegt. [Bei Mastitis, 
Parotitis.]. Bademaoher. 

Extraetnm Di^talis sieciuii. [Vergi. Extrncte. — 1,0 15 Pf.] 
Innerlich: in doppelter Dosis wie das vorige. 

ExtractuHi Dalcamarae« Bittersüssextract. [Aehniich wie Ex- 

tract. Cardam. bened. — Consistenz 2. — Klar löslich. — Enthält Solanin. — 
10,0 50 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen oder Solu- 
tionen. 

635. Bf I Syr. Alth. 12,0. 

Kali Urtar. 2,5 | MDS. 2stdl., umgeschüttelt, 1 Theelöffel. 

Extr. Dulcamarae J,25 | [Bei Tussis csnvulsiva eines 1jährigen 

Aq. Foeniculi 5,0 I Kindes.] 

Vin. stib. 6,0 | Osann. 

Extraetnm Fabae Calabaricae« Extractum Fhysostigmatis vene- 
nosi. Extractum Calabar. Calabarextract. [Faba Calabar. 1 mit Spir. 
dil. 5, der Rückstand mit 3 Spir. dil. digerirt, gemischt, eingedampft. Consistenz 2. 
— 0,1 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,005-0,01-0,02 [ad 0,02 pro dosi, ad 0,06 pro diel] in 
Lösung, Pulver oder Pillen [bei Neuralgien, Tetanus, Epilepsie, Chorea 
und anderen Convuisionen, bei Atonie des Darms (Sehteffer), als Antidot gegen 
Belladonna und Strychnin (tn^ti, Wttsti^ Itnrt^ Ringer u. a.)]. 

Aeusserlich: zu Einträufelungen in's Auge [1 zu 15 Glycerin], um 
Verengerungen der Pupille hervorzurufen, bei Mydriasis, als Antidot der 
Atropinwirkung (f. firäfc). 



63G. I^ 

Extr. Fab. Calab. 0,5 
Glycerini 10,n. 
MDS. 2-8 C) Tropfen mehrere Male tägl. 
[Bei Chorea, Tetanus u. a. — Dieselbe 
Lösung zum Einträufeln in^s Auge bei 
Mydriasis.] 



Glycerini 10,0 
D. S. 38tdl. 6 Tropfen. (Bei Atonie des 
Darms.] Sohaeffer. 



637. Bf 

Extr. Fab. Calab. 0,05 
i9^ i^ 633-638. Digitizedby^OOgie 



638. Bf 

Extr. Fab. Calab. 0,5 

Spirit. actherei 5,0 

Aq. Menth, pip. 20,0. 
MDS. 5-20 (!) Tropfen mehrere Male 
täglich. 



Extractum Ferri cydoniatuai. 289 



640. I^ 

Extr. Fab. Calabar. 0,1 

Extr. Opii 0,2 

Succ. Liquir. dep. 2,0. 
M. f. pil. No. 20. Gonsp. Lyccp. D. S. 
3 mal täglich 1 Pille. 



639. Bf 

Extr. Fab. Calabar. 0,005 

Kalii bromati 

Sacch. lactis ana 0,5 

Ol. Foeniculi 0,05. 
M. f. pulv. Dispens, tal. dos. No. 10. 
D. S. 3 mal taglich 1 Pulver. 

Extractimi Ferri eydoniatlUII. [Ein gleiches Präparat wie das folgende, 
nur aus Quitten anstatt aus Aepfeln bereitet.] 

*ExtractHiii Ferri ponatan« Extr. Malatis Ferri Ph. Aistr. Extr. 
Martis cum succo pomorum. Eisenextract. Apfelsaures Eisenextract. 
[Saure Aepfel 50 zerquetscht und ausgepresst, der Saft im Wasserbade mit 1 Th. 
gepulvertem Eisen erhitzt, die Flüssigkeit durch Hinzufögung von Wasser auf 
48 Th. gebracht, filtrirt und zur Consistenz 2 abgedampft. — Fast klar löslich. — 
Enthält gewöhnlich 7-8 pCt. Eisen. — 10,0 100 Pf.] Cave: starke Säuren und 
alkalische Salze. 

Innerlich: zu 0,3-0,6 mehrmals täglich, in Pillen und Solu- 
tionen [s. Tinct. Ferri poraata]. 

641. I^ 

Extr. Ferri pomati 
Pulv. Cort. Chinae fusc. ana 6,0. 
M. f. pil. No. 100. Consp. Cinnam. D. S. 3 mal täglich 6 Stuck. 

*BxtractHIII Filicis« Extr. Filicis maris. Extr. Filicis aethereum. 
Oleum Filicis maris. Farne xtract. Farnkrautwurzelextract. Johannis- 
wurzelextract. [Rhizoma Filicis 5 mit Aether 15 durch 3 Tage macerirt, ausgepresst, 
abermals mit Aether 10 in gleicher Weise behandelt. Die Flüssigkeiten gemischt, 
filtrirt und zur Cons. 1 abgedampft. — Unlöslich. — 1,0 60 Pf.] 

Innerlich: in Pillen, Electuarien, Mixturen [unzweckmässig]. 
Kapseln [1 Dtzd. a 0,6 140 Pf., mithin viel billiger als jede andere Darreichungs- 
form]. Das Mittel hat dadurch von seinem Ruf eingebüsst, dass es in 
viel zu kleiner Dosis gegeben ist. 8-10 Gr. des Extracts auf einmal 
genommen, sind die wirksamen Gaben (Pfeiffer^ Stein). Die Litie'sche 
Bandwurmkur beruht in der hohen Gabe des dargereichten Mittels (Extr. 
filicis). Die Kur wird folgendermassenjausgefuhrt: Am Nachmittag vor 
der Kur wird eine Tasse Wermuththee mit einem Kaffeelöffel Bittersalz 
ohne Milch und Zucker genommen, zum Abend nur Haferschleim oder 
Wassersuppe. Die Mittagsmahlzeit sei vollständig. Am Morgen wird 
nüchtern 10 Gr. Extr. filicis gut gewännt und geschütteltlauf einmal 
genommen, nach 2 Minuten 1 Esslöffel erwärmtes Ricinusöl, in hart- 
näckigen Fällen nach dem ersten Stuhl noch eine Tasse Wermuththee 
mit Bittersalz. Stein giebt das Extract in elastischen Kapseln, von denen 
jede 0,5 enthält, Kindern je nach Alter und Entwickelung 4-6 Gr., Er- 
wachsenen 10 Grm., ohne jede Vorkur und V'a Stunde nach dem Ein- 
nehmen eine Schüttelmixtur aus Cognac, Ricinusöl und Syr. Zingib. ana 
15 Gr. Die Pillules de Peschier bestehen aus Extr. filic. Sehr 
wesentlich ist, dass das Extract aus den frischen Wurzelstöcken der 
Filix mas bereitet sei. Ebenso hat Seifert eine Reihe von Fällen ver- 
öffentlicht, aus denen die Zuverlässigkeit des Mittels deutlich hervorgeht. 
Wir selbst (Ewald) können dieselbe aus mehrfacher Anwendung bestätigen. 

Evald und Simon, Araueiverarduungslehre. 10. Aufl. i(| 

Digitifed^^Mi^Ojfe 



290 Extractum Folioram Bucco. 



643. Bf 

Extr. Pilic. maris aeth. 7,5-10,0. 
Div. in part. aeq. No. 15-20. Det. ad 
Caps. geJatin. elast. S. Binnen einer 
halben Stande zu nehmen. 

Siein. 



642. Bf 

Extr. Filicis 
Pulv. Filicis ana 1,5. 
M. f. pil. No. 20. Consp. Lycop. D. S. 
Abends 10 und Morgens 10 Pillen zu 
verbrauchen. 
[In der Regel noch durch ein Clysma 
aus Extr. Filic. 2,0 mit Gummi Arab. 
und Wasser unterstützt.] 

[Bei Bandwurm.] Pesohier. 

Extractimi Foliorui Baeeo s. Extractum Diosmae crenatae. [Wie 
Extr. Aurant. Cort. Consistenz 2.] 

Innerlich: zu 0,3-0,6 3 Mal täglich, in Pillen [bei Blasencatarrh, 
Enuresis und anderen Leiden des uropoetischen Systems]. 

ExtraetHm Folionun JHglandis« [wie Extr. Aurant. Cort. Consistenz 2. 
— Trübe löslich. — 1.0 etwa 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-1,5 mehrmals täglich, in Pillen oder Solu- 
tionen. 

Aeusserlich: zu Injectionen [bei scrophulösen Blennorrhöen] , als 
Augenwasser [bei scrophulöser Ophthalmie], als Zusatz zu Salben [viel 
zu theuer für den äussorlichen Gebrauch. — Zu Hause bereitete Aufgüsse von Wall- 
nussblättern thun dasselbe I]. 

ExtraetHm Fraiigalie s. Extractum Rhamni Frangulae. 

ExtraetHm Gareiniae mongostanae« Extractum antidysentericum. 
[Extract aus den Fruchtschalen der auf Madras, Cochinchina und in den Philippinen 
heimischen Garcinia mongostona: von fi. fSrippe in Manila dargestellt.] Soll bei 
Ruhr wirksam sein und auch bei anderen SchleimhauterkranKungen als 
Adstringens wirken. Wird in Pillenform oder mit Syrup empfohlen. 

Extraetnm Gelsemii liqaidam. Fluid extract of Gelsemine. [Von 

Gelsemium sempervirens, einer Kletterpflanze im Süden der Vereinigten Staaten von 
Amerika, bekannt unter dem Namen: Yellow Jasmine oder Carolina Jasmine , zu den 
Apocyneen gehörig. Das flüssige Extract wird aus der Wurzelrinde dargestellt. Ent- 
hält ein sehr giftiges Alkaloid: Gelseminin, und eineSänre: Gelminsäure (W«rM8- 
ley).] Wird in den vereinigten Staaten von Nordamerika als Fieber- 
mittel gleich dem Veratrin gebraucht. Auch gegen Blasenreizung und 
darauf beruhende Harnbeschwerden gerühmt (Scttt aiH), desgleichen in 
neuester Zeit ganz besonders gegen neuralgischen Zahnschmerz (WiekhaM 
Legg^ Sawyer) und andere Neuralgien empfohlen (Jirasi), von •. Berger da- 
gegen unwirksam befunden. [Meist wird die Tinctura Gelsemii vorgezogen; 
vergl. diese.] 

Innerlich: etwa zu 0,1-0,4 mehrmals täglich. [Das Mittel wirkt 
stark toxisch: 2 TheelöfFel des Extracts hatten bereits eine tödtliche Vergiftung zur 
Folge (BMteiie), nach einer Dosis von 0.5 des Extracts sah Berger schon toxische 
Symptome, namentlich Orthopnoe.] 

644. Bf 

Extr. Gelsemii liquid. 

Kalii bromat. ana 11,0 

Kali carbon. 7,5 

Aq. dest. 120,0. 
D.S. 3 mal täglich 1 Theelöffel. Hm. 

"^ExtraetHm GMtiinie« Enzianextract. [l Th. Enzianwurzel mit 

BV ^ 642-644. Digitizedby^OOgie 



Extractum Gentianae. 291 



5 Th. Wasser 48 Standen macerirt , der abgepresste Rückstand nochmals mit 5 Th. 
Wasser ausgezogen. Gemischt, aufgekocht, decantirt und eingedampft zur Consistenz 
2. — Klar löslich. — 10,0 50 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich in Pillen, Bissen, Mix- 
turen. 

645. I^ 

Extr. Gentianae 8,0 

solve in 
Aq. Cinnam. simpl. 200,0 

adde 
Spir. aether. 6,0. 
MDS. 2stdl. 1 Essloffel. 

Extractam GlycyrrUzae s. Succus Liquiritiae und Extractum 
Liquiritiae. 

*ExtractHIII Graminis. Queckenextract. [2Th. Rad. gramin. mit 
10 Th. siedenden Wassers übergössen und 6 Stunden digerirt. Colirt, auf 3 Th. 
eingekocht, filtrirt und zur Consistenz 2 abgedampft. Eigen thümlich süss. — Klar 
löslich. — 10,0 50 Pf.] 

Extractam GraHinis liquidain s. Mellago Graminis. [Wie das 
Torige bereitet, aber nur bis zur Consistenz 1 abgedampft, oder zur Winterzeit durch 
Vermischung von 3 Extr. Graminis mit 1 Aq. dest. hergestellt.] 

Innerlich: ohne Beschränkung der Dosis [etwa 2,0-15,0 und mehr] 
pur (theelöflfelweise), oder in Mixturen, oder mit Succ. Herb. rec. ge- 
mischt. 

Extractam Granati s. Extractum Corticis rad. Granatorum. 

Extractnm Gratiolae« Gottesgnadenkrautextract. [Wie Extr. 
Belladonnae. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 22 Pf.] ^ 

Innerlich: zu 0,05-0,2 [und darüber] mehrmals täglich, als stärkeres 
Purgans 0,5-1,0 pro dosi, in Pillen und Mixturen. 

647. R 



646. Kf 

Extr. Gratiolae 
PuIy. Rad. Calami ana 4,0. 
F. pil. 60. Consp. Lycop. D. S. Täglich 
3 mal 1-5 Stück. [Bei Atonie der Un- 
terleibsorgane.] Badius. 



Extr. Gratiolae 10,0 

solve in 
Aq. Petroselini 150,0 
Spir. Aether. nitros. 5,0 
Sjr. simpl. 25,0. 
MDS. Umgcschüttelt, 2stdl. 1 Essloflfel. 



ExtractHm Grindeliie robystae. [Von der in CaUromien wachsenden 
Grindelia robusta. — Bereitet durch wiederholtes Digeriren der Blüthenköpfe und 
endstandigen Blätter in Weingeist und Eindampfen desselben.] Innerlich zu 
0,1-0,2 mehrmals täglich in Pillen oder Mixturen gegen Asthma, 
Keuchhusten, Bronchialcatarrh von iiibb^ns empfohlen. Das Extr. liqui- 
dum stündlich 1 Kaffeelöffel während des asthmatischen Anfalls, später 
3-4stündlich, wurde von Egtt und Bartbolow während des Anfalls 
empfohlen. Whrigt giebt das trockene Extract in Pillen von 0,12 täglich 
3-4 Mal, fand aber, dass der andauernde Gebrauch mit der Zeit zu 
Diarrhöen, Suppression des Urins und einem Gefühl von Trockenheit 
im Hals und Bronchialbaum führte. [Vergl. Flor. Grind, rob. und Syr. 
Grind, rob.] 

19* 

Digiti!^' 645-647. 



292 



Extractum Helenii. 



Extraetvin HeleiiL Extractum Enulae. Alautextract. [WieExtr. 
Aurant. Cort. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich in Pillen oder Mixturen. 

648. ^ 

Extr. Helenii 10,0 

Sacc. Liquir. dep. 5,0 

Aq. Foenic. 150,0 

Liquor. Ammonii anis. 10,0. 
MDS. Sstdl. umgeschüttelt, 1 Esslöffel. 

"^Extractum Hellebori. Extractum Helleboh viridis. Nieswurzel- 
cxtract. [Wie Extr. Bellad. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,05-0,1 mehrmals täglich [die frühere Pk. Bor., 
in der das Mittel officinell war, schrieb vor: ad 0,1 pro dosi, ad 0,5 pro die!], in 
Pillen, Mixturen. 



649. IV 

Extr. Helleb. 
Extr. Myrrh. ana 3,0 
Pulv. Herb. Card, benedict. q, s. 
ut f. pil. 50. Consp. Pulv. Cass. Cinnam. 
D. S. 2 mal täglich 2-3 Stück. 
[Bei Hydrops, Amenorrhoe u. s. w.] 
Bacher. 



650. IV 

Extr. Helleb. 1,0 
Ammoniaci 
Extr. Chelid. 
Sapon. med. ana 4,0 
Rad. Rhei pulv. 3,0. 
M. f. pil. 100. Consp. Pulv. Rad. Calami. 
D. S. 3 mal täglich 5 Stück. 
i [Bei Ascites J Wendt. 

''ExtrictHm HyoscyinL Extr. Hyoscyami foliorum Ph. Aistr. Bil- 
senextract. Bilsenkrautextract. [Wie Extr. Bellad. Consistenz 2. — Trübe 
löslich. — 1,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,01-0,05-0,1-0,2 [ad 0,2 pro dosi, ad 1.0 pro die!] 
mehrmals täglich, in Pulvern, Pillen, Linctus, Mixturen, Emul- 
sionen. Als beruhigendes und krampfstillendes Mittel vornehmlich bei 
Erkrankungen der Respirationsorgane angewandt. 

Aeusserlich: zu Zahnpillen, Inhalationen [vergl. p. 100], Kly- 
stieren [0,03-0 2 ad clysma], Suppositorien [in gleicher Dosis], Augen- 
bähungen [0,5-1,0 auf 50,0], Augentropfwässern [0 5-1,0 auf 25,0], 
Augensalben [0,5-2,0 auf 10,0 Fett] und anderen Salben und Pflastern 
[1,0-2,5 auf 10,0]. 



651. Vf 

Extr. Hyosc. 

Pulv. Hyosc. ana 2,0 
M. f. pil. No. 30. D. 

Pil. sedativae Ph. panp. 



652. IV 

Opii pulv. 0,2 
Fol. Digit. pulv. 
Rad. Ipecac. ana 0,5 
Extr. Hyosc. 3,0 
Pulv. Rad. Alth. q. s. 
ut f. pil. 50. Consp. Lycop. D. S. 3stdl. 
1 Pille. [Gegen Krampfhusten.] 

Heim. 

■^ I^ 64S-654. 



653. Rf 

Stibii sulfur. aurant. 
Extr. Hyosc. ana 2,5 
Pulv. Rad. Liquir. q. s. 

F. pil No. 50. D. S. Stdl. 1 Pille. 



654. Bf 

Extr. Hyoscyam. 0,5 

solve in 
Aq. dest. 150,0 
Vin. stib. 20,0 
Succ. Liquir. dep, 

MDS. 3 stdl. 1 Esslöffel. 



10,0. 



Digitized by CjOOQIC 



Extractnm Hyoscyami siocum. 



293 



655. 



R 



Extr. Hyoscyami 0,3 
Elix. e Succo Liquir. 25,0 
Aq. Foeniculi 50,0 
Aq. Flor, Aurant. 100,0. 
MDS. 3-4 mal täglich 1 Essloffel. 

Freriohs. 



656. Hf 

Extr. Hyoscyami 1,0 
Aq. Amygd. amar. 20,0. 

D. S. 2st(iL 10-20 Tropfen. 



657. I^ 

Extr. Hyoscyami 1,0 
Liquor. Ammon. anis. 15,0. 
D. S. 4 mal täglich 15-20 Tropfen in 
Bmstthee. [Liq. pectoralis der Berliner 
Charit^.] Hom. 



658. IV 

Extr. Hyoscyami 1,0 
Botyr. recent. insuls. 10,0. 

F. ungt. D. S. 3 mal täglich erbsengross 
in die Gegend des Foramen supraorbitale 



einzureiben, 
phulosa.] 



[Bei Photophobia scro- 
Wutser. 



659. Bf 

Extr. Hyoscyami 0,6 
Extr. Opii 0,3 
Ungt. Hydrarg. ein. 4,0. 
M. f. ungt. S. In die Stirn- und Schläfen- 
gegend einzureiben. [Bei Retinitis.] 
V. Gräfe. 



660. Bf 

Extr. Hyoscyami 0,2 
Ol. CacAO 20,0. 
M. f. 1. a. suppositoria No. 6. D. S. 
1-2 Stück des Tages einzulegen. [Bei 
schmerzhaftem Harnlassen und gleich- 
zeitigem Tenesmus der Gonorrhoiker.] 
y. Sigmund. 



661. Bf 

Extr. Hyoscyami 5,0 

Empl. Hydraig. 20,0. 
M. f. empl. ' [Bei schmerzhaften Drüsen- 
geschwüren.] 



Extractun Hyoscyami sicciutt. [Vergi. Extraeta — 1,0 15 Pf.] 
Innerlich: in doppelter Dosis wie das vorige. 

Kxtractain Hyoscyami e Seminibus. [i Th. Samen von fettem Oei 

durch Pressen befreit, mit 2 Th. Spirit. dilut. einen Tag lang digerirt und ausge- 
presst, diese Operation noch einmal wiederholt, die erhaltenen Flüssigkeiten gemischt, 
filtrirt und zur Cons. 2 abgedampft, in 3 Th. Wasser aufgelöst, filtrirt und nach Ent- 
fernung des Harzes zur Cons. 2 abgedampft. — 0,2 etwa 15 Pf.] 

Innerlich und äusserlich: wie Extractum Hyoscyami [aber in 
schwächerer Dosis]. 

Extractnm Jalapae spiritvosvm s. Resina Jaiapae. 

Extractum Ipccacuaiiliac« Emetinum coloratum s. impurum. 
Brechwurzeiextract. Rohes Emetin. [Wioderholentliches spirituöses 
Extrahiren der Ipecacuanha, Abdampfen der gemischten Flüssigkeiten bis zur Con- 
sistenz 2, Auflösen des Extracts in Wasser, Filtriren, Wiedereindampfen zur Con- 
sistenz 3. — Klar löslich. — 0.1 16 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,15 [nach den meisten Autoren sind 0,1-0,15 noth- 
wendig, um Brechen zu erregen], in Pulvern, Pillen [selten], Pastillen 
[ä 0,015 mit 0,03 Tart. stibiat.] und Solutionen. 
662. IV 



Extr. Ipecacuanh. 0,5 
Sacch. alb. 2,5. 
M. f. pulv. div. in 1 part. aeq. 
V4stdl. 1 Pulver. 



D. S. 



663 



MDS. 



Pv 



Extr. Ipecacuanh. 0,2 

Inf. Fol. Aurant. 100,0 

Syr. Aurant. Flor. 25,0. 

Vjstdl. lEsslöflfel. [Als Brechmittel.] 



664. 1^ 

Extr. Ipecacuanh. 0,5 
Stibii sulfur. aurant. 1,0 
Extr. Senegae 5,0 
Ammoniac. 2,5. 
F. pil. 100. Consp. Pulv. Rad. Alth. 
D. S. 3 mal tj^lich 5 Pillen. [Bei chro- 
nischem Bronchialkatarrh.] 



Digi^i^p 655-664. 



^ 



204 



Extractum Iridis florcntinae aquosum. 



G65. ^ 

Extr. Ipecacuanh. 0,4 
Sacch. 30,0 

Mucil. Gummi Tragacanth. q. s. 
ut f. trochisci No. 72. D. S. 2-3stdl. 
1-2 Stück zu nehmen. [Zur Erleichte- 
rung der Expectoration bei chronischen 
Kalarrhen und Keuchhusten.] 

Pastilles d'^m^tine pectorales 
Magendie. 



666. Bf 

Extr. Ipecacuanh. 1,0 
Sacch. pulv. 40,0 
MuciL Gummi Tragacanth. q. s. 
F. trochisci pondere 1,0 No. 50. 

[1-2 Trochisken genügen, um bei 
einem 3 jährigen Kinde Erbrechen her- 
vorzurufen.] 

Tablettes d'6m6tine yomitives. 
Magendie. 



Extractan Iridis florentinae aquosum. Als Febrifagam von 
AUisitrdi empfohlen, 10,0-20,0 2 Mal in einem Intervall von 2 Stunden. 

Extractnm Juniperi s. Succus Juniperi inspissatus. 

Extraetnm Kosso s. Flores Kosso. 

ExtraetHm Lactueae yirosae« Giftlattichextract. [Wie Extr. 

Beilad. Consistenz 2. — Etwas trübe löslich. — 1,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,15-0,3-0,6 [ad 0,6 pro dosi, ad 2,5 pro die!] mehr- 
mals täglich, in Pulvern, Pillen, Mixturen. 

667. Hr 



Extr. Lactuc. virosae 0,05 
Sacch. Lact. 0,6. 
M. f. pulv. D. tal. dos. No. 12 in chart. 
cer. S. 2stdl. 1 Pulver. [Bei Keuch- 
husten.] Oumpreoht. 



669. Kf 

Extr. Lact. vir. 2,0 
Asae foet. dep. 6,0. 
F. 1. a. pil. 3Q. Consp. Lycopod. D. S. 
3 mal taglich 3-4 Pillen. 
[Gegen Asthma.] 

Snndelin. 



670. Bf 

Extr. Lact. vir. 2,5 
Aq. Amygd. amar. 25,0. 

D. S. 3 mal täglich 15-20 Tropfen. 



668. Bf 

Pol. Digitalis 0,03 
Extr. Lactuc. vir. 0,12 
Sacch. alb. 0,8. 
M. f. pulv. D. tal. dos. No. 12 in chart. 
cer. S. 2stdl. 1 Pulver. [Bei Brust- 
wassersucht.] Hufeland. 

Rxtrtctnn Linie Pini syhestris« Waldwollextract. [Durch 

Eindicken der Kiefernadel- Abkochung zu Consistenz 2, grünlich-braun, stark aroma- 
tisch riechend. — 10,0 etwa 10 Pf., 1 Flasche (V2 Pfand) 75 Pf.] 

Aeusserlich: als Zusatz zu Bädern, 100,0-500,0 auf ein Bad 
[für einen Erwachsenen]. 

Extrictimi Levistici« Liebstöckelextract. [Wie Extract. Ange- 
licae. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehnnals täglich, in Pillen, Mixturen. 

ExtrictHin LigtA CimpecUmK Campechenholzextract. [Aus- 
zug mit kochendem Wasser. Consistenz 3. — Mit dunkelbrauner, fast rother Farbe 
und ziemlich klar sich lösend. — 1,0 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pulvern, Pillen, 
Mixturen [z. B. in Rothwein gelöst]. 

Aeusserlich: zu Zahnfleisch-Latwergen. 

671. l^ 

Extr. Ligni Campech. 5,0 
Tinct. Opii croc. 1,0 
Aq. Menth, pip. 150,0 
Sjrr. Aurant. Cort. 10,0. 
MDS. 2stdl. 1 EsslöffeL [Bei colliquativen Durchfallen der Phthisiker.] 

y. Bamberger. 

Bf 665-671. Digitizedby google 



Extractum Ligni Guajaci. 295 



Extractam LigMi GaajacL Guajakholzextract. [Wie Extr. Gas- 

carill. Consislenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 20 Pf.] 

lunerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen. 

Extractnm Liquiritiae Radicis. [Wie Extr. Gentianae ans Kad. Liqui- 
ritiae glabra bereitet. Consistenz 2. — 1,0 5 Pf.] 

Innerlich: als Constituens fester und als Corrigens flüssiger Arznei- 
formen. — Bedeutend theurcr als Succus Liquiritiae depur., ohne Vorzüge 
vor demselben. 

Extractum Lobeliae. [Wie Extr. Angelicae. Consistenz 2. — Trübe lös- 
lich. — 1,0 etwa 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,05-0,2. [Wenig erprobt und fast gar nicht in Gebrauch.] 

Extractam LapylL Hopfenextract. [Wie Extract. Aurant. Gort. 
Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen, Solutionen. 

ExtractUM Haiti* Malzextract. [Gerstenmalz mit kaltem Wasser 
ausgezogen, znr Consistenz 2 abgedampft. — Ein Yolksmittel ist das Malextract längst 
geworden, doch bedient man sich gewöhnlich des angenehmer und leichter zu dispen- 
sirenden , zur Consistenz 1 abgedampften , und hierron entsprechen etwa 6 Pfund 
Malz einem Pfunde Extract. — 150,0 in yitro 75 Pf. — BisqieBei empfiehlt zur 
Bereitung des Extr. Malti Digestion von hellem (bei 40^ getrocknetem) Malz und 
Abdampfen im Wasserbade bei 50^-60^ C. Er legt ein Hauptgewicht auf die in 
dem so dargestellten Extract enthaltene Diastase, welche eine fördernde Wirkung auf 
die Verdauung der Amylaceen übt. Er giebt das Extract in Pastillen zu 1,0-2,0. 
Auch die Diastase für sich empfiehlt er zu 0,1-0,2; vergl. noch Maltum und Sy- 
rapns Malti.] 

Malzextract kann mit verschiedenen Medicamenten verbunden werden; 
ausser den folgenden, chinin-, kalk-, eisen-, jodhaltigen Malzpräparaten 
sind auch dargestellt und vielfach benutzt: Malzextract mit Hopfen 
[2pCt.], Malzextract mit Pepsin [ca. 1,5 pCt.]; auch Malzextract- 
Bonbons[lzu3 Sacch.] werden dargestellt und empfohlen. 

Innerlich: theelöflfelweise, mehrere Male täglich [als Expectorans bei 
katarrhalischen Affectionen des Respirationstractus, ferner als Nutriens], rein oder 
mit Milch, Bouillon, Bier oder Wein. 

Aeusserlich: zu Bädern [V2-I Pfund zu einem Bade]. 

Extractam Haiti chinatlUtt« [1,0 Chininum sulfur. in 250,0 Extractum 
Malti.] 

Theelöflfelweise. 

Extractam Haiti cam Calcaria liypopliospliorosa. Malzextract 
mit Kalk. [In 2pGt. Lösung: P. Rcleh]. 
Innerlich: theelöflfelweise. 

Extractam Haiti ferratam. Eisenhaltiges Malzextract. [4 
Ferrum oxydatum sacharat. solubile in Wasser gelöst und mit Malzextract 96 ge- 
mischt. Auch hiervon gilt, was oben bei Extr. Malti über Consistenz gesagt ist. — 
150,0 in vitro 1 Mark.] 

Theelöflfelweise wie Extr. Malti [als Tonico -Nutriens]. 

Extractam Haiti jodatam. Jodhaltiges Malzextract. [0,025 
Kalium jodatum in 250,0 Extr. Malti.] Diese, sowie dio chininhaltige Verbin- 



Digitized by VoiOOQlC 



206 Extractum Malti siocum. 



dung lässt sich wohl zweckmässiger, je nach der Intention des Arztes 
und der Individualität des Patienten, ex tempore bereiten. 

Bxtractiutt Haiti sieeimi. Trockenes Malzextract. [Durch Ein- 
dampfen im Vacuum bereitet.] 

Innerlich: theelöffelweise, aufgelöst in Wasser, Milch, Chokolade, 
Bier u. a. 

Extractum JHarrubii« [Wie Extr. Absinth. Consistenz2. Klar löslich. — 
1,0 etwa 6 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-2,0, mehrmals täglich. 

Bxtractiin Nezerei* Extractum Mezerei spirituosum seu aethe- 
reum. [Cort. Mezerei 1 Th. mit 4 Thr Spiritus einige Tage digerirt, nach dem Aus- 
pressen der Rückstand nochmals mit 3 Th. Spiritus ausgezogen, beide Flässiglieiten 
zusammen abdestillirt und zur Consistenz 1 eingedampft. — 1,0 25 Pf.] 

Aeusserlich: als Rubefaciens. 

Extractam HillefoliK Schaafgarbenextract. [Wie Extract. Ab- 
sinth., aus Blüthen und Blättern zu gleichen Tbeilen. Consistenz 2. Klar löslich. — 
1,0 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen, Mixturen. 

Extractam Hyrrliae. Myrrhenextract. [Myrrhe 1 mit Aq. dest 5 
durch 2 Tage macerirt, Ültrirt. Consistenz 3. Trübe löslich. — 1,0 5 Pf.] Eine 
Auflösung dieses Extractes in 5 Th. Wasser ist der Liquor Myrrhae 
[loco Liquaminis Myrrhae s. Olei Myrrhae per deliquium]. 

Innerlich: zu 0,3-1,0 mehrmals täglich, in Pulvern, Pillen, 
Mixturen. 

Aeusserlich: zu Pinselsäften, Zahnpulvern, Zahnfleisch- 
Latwergen, Augenwässorn. 

672. I^ 

Extr. Myrrhae 3,0 
Aq. Melissae 150,0 
Oxymell. Scill. 
Succ. Liquir. dep. ana 3,0. 
MDS. 2-3stdl. 1 EsslöfFel. [In torpiden Formen der Phthisis mit starker 
Secretion.] ' Koehler. 

Extractimi Nieotianae. Tahakextract. [Wie Extract. Colocynthidis, 
jedoch nur bis zur Consistenz 2 abgedampft. — Trübe löslich. — 1.0 etwa 10 Pf.] 

Innnerlich: zu 0,03-0,1, in Pulvern, Pillen oder Solutionen. 

Aeusserlich: zu Klystieren bei Hernia incarcerata, Ileus [0,05 
bis 0,1 in einem Inf. Sennae durch Eigelb suspendirt], in Salben [zur Einreibung 
bei Neuralgien: 1 auf 5-10 Ungt. cer.], zu Haarpomaden [gogen das Ausfallen 
der Haare von ftFraiit empfohlen: 1 Th. Extract auf 10 Th. Medulla]. 

673. I^ 

Extr. Nicotianae 0,02-0,1 
Elaeosacchari Foeniculi 0,6 
M. f. pulv. D. tal. dos. 12 in chart. cer. S. 3-4 mal föglich 1 Pulver. 
[Bei Keuchhusten.] Wolfsheim. 

Extractam Nicotianae Bademaclieri. [Die frischen Blatter von N. 

rustica ausgepresst und der Saft zur Consistenz 2 eingediclit. — 1,0 etwa 10 Pf.] 
Innerlich: zu 0,2-0,4 pro die, in Pillen. 
Extractam Nacam Jaglandis, Extr. Fructuum Juglandis. Wall- 

Sr Bf 672-673. Digitizedby^OOgie 



Extractum Nucnm vomicarum. 



297 



nusscxtract. [Dor ausgepresste Saft (1er unreifen Wallnässe zur Consistenz 2 
abgedampft. — Tiübe löslich. — 1,0 etwa 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen, Bissen, 
Mixturen. 

Aeusscrlich: in Auflösung als Verbandwasser bei torpiden 
Geschwüren [5,0 auf 100,0], zum Aufpinseln [50 auf 25,0], zu Gur ge- 
lungen u. s. w. 

Extractam Naeam ?#iiiifar«iii s. Extr. Strychni. 

Extractimi 01e«e Earopae«e. [Aus den Blättern des Olivenbaumes be- 
reitet; von stark bitterem Geschmack.] 

Innerlich: zu 0,1-0,3 mehrmals täglich, in Pillen [von Cimerer 
mit Erfolg gegen intermittirende Neuralgien versucht]. 

*Extractan Opii« Extract. Meconii. Opiumextract. Mohnsaft- 
extract. [Durch Maceration von 2 Opium mit Aq. dest. 15, Filtration und Ein- 
dampfen zur Consistenz 3. — Trübe löslich. — 0,1 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,006-0,01-0,03-0,1 [ad 0,15 pro dosi, ad 0,5 pro diel] 
in Pulvern, Pillen, Pastillen [die Trochisci sedativ! von IHaekemie 
im Hospital for diseases of the throat in London enthalten 0,006 Extractum Opii], 
Solutionen. 

Aeusserlich: zu Mund- und Gurgelwässern [0,5-1,0 auf 150,0 
bei schmerzhaften Geschwüren im Munde, Zahnschmerz u. s. w. — mit Vorsicht zu 
gebrauchen], zu Injectionen [0,1-0,5 auf 50,0 bei Nachtripper, Fluor albus], 
als Augen Wasser [Fomentationen : 0,05-0,3 auf 25,0; Tropfwasser: 0.2-0,5 auf 
25,0], zu Klystieren und Suppositorien [0,05-0,1], Salben [1.0-1,5 
auf 10,0 Fett; zu Augensalben: 0,1-0,25 auf 10,0], Zahnpillen, Zahnfleisch- 
Latwergen. 



674. df 

Extr. Opii 

Extr. Strychni spir. ana 0,1 
Succ. Liquir. dep. q. s. 
ut f. pil. 10. Consp. Cinnam. D. S. 
l-4stdl. 1 Pille. [Bei Diarrhöen, Cho- 
lera nostras und im Anfangsstadium 
der Cholera asiatica.] 



675. I^ 

Extr. Opii 0,1 
Catechu pulv. 2,5 
Conserv. Rosar. q. s. 
ut f. boli 6. Consp. Pulv. Cort. Cinnam. 
D. S. Morgens 1 Stück. [Gegen chro- 
nische Diarrhoe.] 

Pannentier. 



676. Bf 

Extr. Opii 0,15 
Kvtr. Belladonn. 0,1 
Syr. Capillor. vencr. 100,0. 
MDS. 3 mal täglich 1 Theelöffel. [Bei ner- 
vösen Irritationen, zumal Reizhusten. 
Bouchardat. 



677. IV 

Extr. Opii 1,0 
Boracis 4,0 
solve in 
Inf. Fol. Salviae 150,0 

adde 
Afell. depurat. 25,0. 
MDS. Gui^elwasser. [Bei schmerzhaften 



Halsentzündungen.] 



Oppolaer. 



678. 



Extr. Opii 0,4 

Aq. Amygd. amar. dilut. 25,0. 
D. S. Zum Einträufeln in's Auge. [Bei 
chronischer Augenentzündung, Blepharo- 
spasmus.] Oesterlen. 

679. B, 

Extr. Opii 1,0 
Aq. dest. 50,0 
Aq. chlorat. 2,0. 
D.S. 2 mal täglich, umgeschüttelt, einzu- 
spritzen. [Bei Geschwüren der Harn- 
röhre.] Biett. 
[Unchemisch zwar, soll aber erprobt sein.] 



)igE^dßa44a3D@|pe 



298 



Exiractum Opii sine Narootino. 



680. Bf 

Extr. Opii Ofi 

solve in 
Aq. Rosarum 300,0 

addc 
Plumb. acct. 1,0 
Mucil. Cydoniorum 5,0. 
MDS. Zu Umschlägen. [Bei Entzündung 
und Schwellung der äusseren Geschlechts- 
theilc nach der Entbindung.] 

Hftuok. 



G81. Rr 

Extr. Opii 0,5 

Ol. Terebinth. rectif. 2,5 

Ol. Caiyophyll. 

Ol. Cajeputi ana 0,75 

Bals. Peruv. 3,0. 
MDS. Zabnschmerzbalsam. [Ein Stückchen 
Watte, mit dieser Flüssigkeit getrankt, 
wird in den hohlen Zahn gelegt, und 
auch das Zahnfleisch etwas damit ein- 
gerieben ] Beasley. 



Extractvin Opii sine Narcotine, [Opiumextract mit Aether ausge- 
zogen und dadurch seines Narcotin-Gelialtes beraubt. — Soll einfach beruhif^ond sein, 
ohne aufregende Nebenwirkung; wahrscheinlicher ist es jedoch, dass die genannte 
Operation dem Extracte einen weniger wirksamen Bestandtheil, das Narcotin, ent- 
zieht und dadurch die Wirkung des Extractes selbst gleich massiger und sicherer 
macht. — Da der Narcoiin-Gehalt des Extractes kein unbedeutender ist, so ist die 
Dosis des Extr. Opii sine Narcotino schwächer zu greifen, als die des gewöhnlichen 
Extractes: etwa 0,005-0,06.] 

Extractam OsrnHidae re^lis. Eönigsfamextract. [Wässerig- 

spiritnöses Extract. Hin und wieder gegen Scropheln und Ilelminthiasis, ja sogar 
zur Radicalkur der Hernien empfohlen (II). Zu 5,015,0.] 

KxtrictHm Pinpiiellae. Pimpinellen-Extract. [Wie Extr. Angelic. 
Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 25 Pf. 

Innerlich: zu 0,3,1,0 mehrmals täglich. 

KxtrictHin Polygalie amarae. Bitteres Kreuzblumenextract. 

[Wie Extr. Absinth. Consistenz 2. — Klar löslich. — 5,0 etwa 10 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-2,0 mehrmals täglich, in Pillen oder Mixturen. 

Extraetam PHlsatillae. Küchenschellenextract. [Wie Extract. 

Belladonnae. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 17 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,1-0,2 [ad 0,2 pro dosi, ad 1,0 pro diel] mehrmals 
täglich, in Pulvern, Pillen, Auflösungen. 

M. f. pil. No. 60. Consp. Lycop. D. S. 
3 mal taglich 1-2 PiUen. 
Pilulae e Pulsatilla nigricanti Clinici. 



C82. IV 

Extr. Pulsatin. 0,03 
Sacch. lact. 1,0. 
M. f. pulv. D. tal. dos. No. 12. S. Täg- 
lich 3 Pulver. [Bei Keruchhusten.] 
Seidler. 



684. Bf 

Extr. Pulsatill. 2,5 
solve in 
683. Bf Aq. Lauroceras. 25,0. 

Extr. Pulsatill. MDS. 15-25 Tropfen 3 mal täglich zu 

Herb. Pulsatill. ana 3,0. nehmen. 

*Kxtractam Qaassiae. Extr. Ligni Quassiae. Quassiaextract. 
[1 Th. lign. Quassiae mit 10 Th. siedenden Wassers ausgezogen. Consistenz 2. — 
Trübe löslich. — 1,0 45 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-0,6 mehrmals täglich, in Pillen, Solutionen. 

Kxtractwil %Herc»« Eichenextract. [Wie Extract. Cascarill. Con- 
sistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 7 Pf.] 
Innerlich: zu 0,3-1,0 in Pillen. 
Aeusserlich: in Salben [lauf 5 10]. 

8^ I^ 680-684. Digitizedby Google 



Extractum Ratanhae. 



299 



*Kxtrictaill Rataillie« Ratanhaextract. [Kalter wässeriger Auszug. 
Consistenz 3. — Löst sich röthlich trübe. — 1,0 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen, Bissen, Tro- 
chiscen [Trochisci Krameriae von IHtekeiuie enthalten 0,18 Extr. Ratanh. 
mit Tragacanlh. und Zucker], Mixturen. 

Aeussorlich: zu Mund- und Gurgelwässern [5,0-10,0 auf 100,0], 
Pinselsäfton [1,0-5 auf 25,0], Klystieren [5,0-10,0 ad clysma], Injec- 
tioncn[LO-2,Oauf 100,0], Zahnpillen, Zahnlatwergen, Zahnpulvern, 
Pflastern und Salben. 



G85. I^ 

Extr. Ratanhae 5,0 

Aq. Cinnam. simpl. 150,0 

Mixtur, sulf. acid. J,5 

Svr. Aurant. Cort 25,0. 
MDS. Stdl. bis 2stdl. 1 Essloffel. [Bei 
Gebarroutterblutung.] Oesterlen. 

686. I^ 

Extr. Ratanhae 15,0 

solve in 
Vini rubri gallici 100,0 
Spir. aeth. 5,0. 
MDS. 4 mal taglich einen halben Essloffel. 
[Üei Nachtripper.] 



687. 



D. S. 



Extr. Ratanhae 20,0 

Alum. 10,0 

Inf. Fol. Salviae 200,0 

Mellis depur. 50,0. 

Gurgelwasser. 



688. IV 

Extr. Ratanhae 5,0 
Meli, rosat. 25,0. 

D. S. Pinselsaft. 



Extractam Rhanni fraMgolae. Extr. Frangulae. Faulbaum- 

Rindenextract. [Wie Extract. Cascar. Consistenz 2. — Ziemlich klar löslich. 
— 1,0 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 in Pillen oder Solution. 



F. pil. 100. 



689. Ht 

Extr. Rhamni frangulae 
Pulv. Frnct. Card ana 10,0. 
Consp. Pulv. Rhiz. Irid. florent. D. S, 3 mal täglich 5 Pillen. 
[Bei Unterleibsbeschwerden mit Flatulenz.] 



*Rxtractlini Rhei* Rhabarberextract. [Wie Extract. Absinthü be- 
reitet. Consistenz 3. — Trübe löslich. — 1,0 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,3 [als Tonicum], zu 0,5-1,0 [als Purgans] mehr- 
mals täglich, in Pillen, Mixturen. 



690. Hf 

Extr. Rhei 

Rad. Rhei pulv. ana 6,0. 
M. f. pil. No. 100. Obduc. Argent. D. S. 
5-10 Pillen. [Zum Abführen.] 



691. 



Extr. Rhei 

Fell. Tauri inspiss. ana 3,0 



M. f. pil. 50. Consp. Cass. 
taglich 3 Pillen. 



D. S. 3 mal 



692. 



1^ 

Extr. Rhei 
Extr. Chinae fusc. 
Extr. Ferri pomat. ana 5,0. 
M. f. pil. No. 100. Consp. Cinnam. D. S. 
3 mal tägli^ 5 Pillen. 



^Extractym Rhei Mmpositui. Extr. catholicum s. panehymago- 
gum. Zusammengesetzes Rhabarberextract. [Extr. Uhei 30, Extr. 
Alo€s 10, Resin. Jalappae 5, Sapon. medic. 20. — Consistenz 3. — Trübe löslich. — 
1,0 20 Pf.] 

Innerlich: als Reizmittel zu 0,1-0,3, als Abführmittel zu 0,5-1,0, 
in Pillen. 



"^^I^ 685-692. 



300 Extractum Rabiae Tinctorum. 



G93. Bf \ 694. Bf 



Extr. Rhei comp. 6,0 

Extr. Colocynthidis 1,0. 
M. f. ope Mucilaginis Gummi Arab. pil. 
No. 50. Consp. Lycop. D. S. Abends 
1-2 Pillen zu nehmen. [Bei chronischer 
Obstructio alvi.] 



Extr. Rhei comp. 4,0 
Aloes 3,0 
Ferr. pulv. 1,0. 
M. f. pil. No. 60. Consp. Lycop. D. S. 
Morgens und Abends 1 - 2 Stück. 
Pil. contra obstructionem Halenses. 



RxtractHm Rabiae Tinctomin. Färberrötheextract. [Wie 

Extr. Cascar. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 10 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-1,5 mehrraals täglich, in Pillen. 

Rxtractain Rlltae* Rautenextract. [Wie Extr. Absinth. Consistenz 
2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5. [Obsolet.] 

Extractimi Sabadillae« Sabadillextract. [Weingoistigcs Extract.] 

Innerlich: zu 0,01-0,02 [von Tirabali gegen Neuralgien empfohlen, — 
unzweckmässig und dem Veratrin nachzusetzen]. 

*Extractlllll Sabiliae« Sabinaextract. Sadebaumextract. [Wie 
Extr. Absinth. Consistenz 2. •— Fast unlöslich. — 1,0 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,1-0,2 [ad 0,2 pro dosi, ad 1.0 pro diel], in Pillen. 

Extraetnm Salieis. Weide nrindenextract. [Wie Extr. Cascar. 
Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 5 Pf.] 

lanerlich und äusserlich: wie Extractum Quercus. 

fixtractHm Salfiae. [Wie Extr. Absinth Consistenz 2. — Klar löslich. 

— 1,0 etwa 5 Pf] 

Innerlich: zu 0,5-1,5. 

Aeusserlich: zu Mund- und Gurgelwässern. 

Extractimi Sanbnci s. Succus Sambuci inspissatus. 

Extractnn Sanniiiis* Sanguis bovinus inspissatus. Eingedick- 
tes Ochse nblut. [Frisches Ochsenblut bei gelinder Temperatur zur trockenen 
Consistenz abgedampft; röthlich braunes, in Wasser unvollständig lösliches Pulver. 

— 1,0 etwa 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,0 3-4 Mal täglich, in Pulvern [gegen Atrophie, 
Chloroso u. s. w. von Htlthier empfohlen ; die Wirksamkeit dieses Miftels ist indess 
ziemlich zweifelhaft]. 

Extractam SapMariae radicis. Seifenwurzelextract. [Wie 

Extr. Cascar. Consistenz 2. — Klar löslich. — 1,0 etwa 5 Pf ] 
Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, 

Extractvm Sarsaparillae. [wie Extr. Cascar. Consistenz 2. — Trübe 
löslich. — 1,0 etwa 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen, Mixturen 
oder als Zusatz zu abführenden Decocten oder Infusen. 

'^'Extractan Seillae. Meerzwiebelextract. [Bulbus Scillae 5 mit 
Spir. dilut. 20 durch 6 Tage macerirt, ausgepresst, filtrirt und zur Consistenz 2 ab- 
gedampft. — Ziemlich klar löslich. — 1,0 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,1-0,2 mehrmals täglich [ad 0,2 pro dosi, ad 1,0 

g^ Bf 693-694. Digitizedby^OOglC 



Extractum Seeale cornuti. 301 



pro die], in Pillen oder Bissen [unzweckmässig wegen seiner stark hygrosko- 
pischen Eigenschaft], am besten in Mixturen. 



696. Bf 

Extr. Scillae 0,15 
Extr. Graminis 4,0 
Oxymellis Seil!. 40,0. 



695. Rf 

Extr. Scillae 0,25 

solve in 
Dec. Rad. Ononid. spin. 200,0 

adde | MDS. Stdl. 1 Theelöffel. 

Syr. Aurant. Cort. 15,0. | [Bei Hydrops.] 

D. S. Stdl. 1 Esslöflfel. [Bei Hydrops.] i v. Skoda, 

y. Skoda. < 

*£xtractaiii Seealis eornati. Extr. Seealis cornuti aquosum. Extr. 
haemostaticum Bonjean. Ergotinum irapurum. Mutterkornextract. 
Wässeriges Mutterkornextract. [10 Th. Secal. cornut. mit 20 Th. Wasser 2 Mal 
6 Stunden macerirt, die Extracte colirt, auf 5 Theile eingedampft, mit Spiritus 5 ver- 
mischt, filtrirt und zur Consistenz 2 abgedampft. — Klar löslich. — 1,0 35 Pf.] 

Diesem Extracte hat sein erster Darsteller Bonjeai den von Wi^sers 
schon occupirten Namen »Ergotin** vindicirt. Mit ihm sind die meisten 
Versuche gemacht und zum Vortheil desselben ausgefallen. Es ent- 
hält die hauptsächlichsten wirksamen Bestandtheile des Mutterkorns, 
ist jedoch ebenso wenig ein chemisch reiner Körper wie das Wlg- 
gcrs'sche Ergotin. Wcrnieh zeigte, dass der wirksame Bestandtheil 
nicht mit Alkohol und Aether, wohl aber mit Wasser zu extrahiren ist 
und dieses wässerige Extract zweckmässig durch DifiFusion von organi- 
schen Bestandtheilen anderer Art (Scleromucin, Mykose) gereinigt werden 
kann. Man erhält dann ein viel klarer lösliches wirksames Extract, das 
sogenannte Ergotinum dialysatum oder Extr. secal. cornut. bis 
purificatum (Wernieh). [Schon Wernieli und später Zweifel wiesen darauf hin, 
dass das wirksame Princip den Charakter einer Säure haben müsse , was jetzt durch 
Sragend^rrs Entdeckung der Sclerotinsäure bewahrheitet ist. lager stellt ein Extr. 
secal cornuti rationaliter paratum dar, dessen Vorzüge vor dem Wcrmicli'schen uns 
nicht einleuchten.] 

Innerlich: zu 0,1-0,6 [die in Frankreich gebräuchliche Dosis wird auf 
0,2-2,0 (!) angegeben] 3-4 Mal täglich in Pillen, Pastillen [zu 0,06 in der 
Apotheke zu haben], Solution [als wehenbeförderndes und blutstillendes Mittel, 
nach dem ürtheil der neueren Geburtshelfer nur intra partum bei tief im Becken 
stehendem Kopf und in der Naohgoburtsperiode bei Atonie und Blutungen des Uterus 
statthaft] 

Aeusserlich: als Clysma [2,0-3,0 auf 100 0-200,0 Wasser] bei Darm- 
blutungen, zu Umschlcägen und Einspritzungen (bei Blutungen), zu 
subcutanen Injectionen 0,2-0,5 pro dosi, ad 1,0 pro dosi! [zuerst von 
A. Ealenbirg versucht und zwar bei Tussis convulsiva, ferner mit Recht empfohlen 
gegen innere Haemorrhagien, namentlich Haemoptoe, Gebärmutterblutungen 
(bei Menorrhagie von Ribeii^ r. Swiderski^ r. Rtei«r«W8ki^ IRtrUii u. a. erfolg- 
reich angewandt) ferner von r. Langenbeek gegen Aneurysmen in zwei Fällen 
bewährt gefunden (s. unten), endlich bei verschiedenen üterinleiden , nament- 
lich Äletritis chronica und Lageabweichungen des Uterus (f. SwiilersU) und bei 
Fibro-Myomen des Uterus (liidebraadt) erfolgreich angewendet; auch nach Remak's 
Vorschlag gegen Kohlenoxydgas- Vergiftung, in Anbetracht der Untersuchungen von 
Rlebs^ zu versuchen. — Man benutzt entweder eine einfache wässerige Lösung (siehe 
unten ^ 710) oder eine glycerinhaltige wässerige (Extr. Secal. cornut. 3,0 Aq destill., 

Liy 695-696. -'••e 



Extraotam Seeale comuti. 



Glycerini ana 7,5: liMehrtB^t) oder eine glycerinhaltige spiritaöse {k. Mtmkmtf;, 

f. UigeBbeek]. 

697. B, 

Extr. Secal. conmt. 
Pulv. Secal. cornut. ana 2,0 
M. f. pil. No. 30. Consp. Lycop. D. S. 
2-3stdl. 1 Pille. [Bei Lungen- und 
Gebannutterblutnngen.] 

Pilulae haemostaticae. 

H. IL Biohter. 



698. I^ 

Extr. Secal. com. dialys.Wemich 0,5 
Sacchar. alb. 0,3. 
M, f. pulv. d. t. p. No. 10. S. Stündl. 
1 Pulver (bis zu 5 Pulvern) zu geben. 
[Bei Wehenschwäcbe.] 

699. IV "~ 
Extr. Secal. com. 
Acid. tannic. ana 1,2 
Extr. Opii 0,3 

Succ. Liquir. dep. q. s. 
ut f. pil. No. 20. Consp. Magnes. D. S. 
2-3stdl. 1 Pille. [Bei Hämoptysis.] 

Lebert. 



700. Bf 

Extr. Secal. com. 5,0 
Pulv. Rad. Liquir. q. s. 
ut f. pil. No. 60. Obduc. Argento. D. S 
Täglich 6-10 Pillen zu nehmen. [Bei 
chronischen Affectionen des Uteras.] 
AmaL 

701. IV 

Extr. Secal. com. 2,5 

Aq. dest. 150,0. 
MDS. 3stdl. 1 Kinderlöffel. [Gegen Morbus 
maculosus Werlhofii, Pu^ura haemor- 
rhagica.] Henooh. 



702. 



MDS. 



IV 
Extr. SecaL comui 
Extr. Hyoscyami ana 1,0 
Liq. Kali acet. 25,0 
Aq. Foeniculi 150,0. 
3stdL 1 Essloffel. [Bei Diabetes.] 
O. Hasse. 



Aq. Amygd. amar. dilut. 150,0. 
MDS. l-2stdl. 1 Esslofifel. 
[Bei Metrorrhagie.] 

Oesterlen. 

704. R 



Extr. Secal. com. 1,0 
Acid. tannic. 2,0 
Aq. dost 200,0 
Syr. simpL 30,0. 
MDS. Stdl. 1 Esslöflfel. [Bei Hämaturie.] 

Iiange. 



705. 



IV 



Extr. Secal. com. 
Alumin. ana 12,0 
Acid. benzoTc. sublim. 4,0 

coq. per horam dimid. c. 
Aq. fönt. q. s. 
ad Colat. 100,0. 
Filtra. D. S. Stdl. 1 Theeloflfel. 

Liquor, haemostaticus Hannen. 



706. IV 

Extr. Secal. comut. dialys. 2,0 
Glycerini 8,0. 

D. S. Zur subcut. Injection, 1-2-3 Spritzen 
voll zu injiciren. [Diese Mischung ist, 
besonders ihrer Schmcrzlosigkeit wegen 
sehr empfehlenswerth. Bei Hämoptoe 
mit momentanem Erfolg angewandt, aber 
ohne Verhütung von Recidiven. Von 
derselben Mischung können gleichzeitig 
innerlich 10-20 fi^pfen l-2stdL ge- 
reicht werden.] 



707. R 

Extr. Secal. com. 2,5 
Spir. dil. 

Glycerini ana 7,5. 
MDS. Zur subcutanen Ii^ection. Eine 
halbe bis zu einer vollen Spritze zu 
injiciren. [Bei Aneurysmen und Hä- 
morrhagien. Bei Uterusfibromen.] 
y. Lancenbeok. — Hildebrandt. 



708. IV 

Extr. Secal. com. 

Aq. dest. ana 5,0. 
MDS. Zur subcutanen Injection. Vi -Vi 
Spirtze zu injiciren. 

S. oben bei Extr. 



703. IV 

Extr. SecaL com. 2,0 
MuciL Gummi Arab. 
Syr. simpl. ana 15,0 

Extrictm Seealis eoraati bis pwileatimi, 

secal. cornuti. 

Extraetnm Seie^e. [wie Extraotum Colombo. — Trübe löslich. — 
1,0 30 Pf.] 

Innerlich: zu 0,3-1,0 mehrmals taglich, in Pillen. 

8^ iV 697-708. Digitized by Google 



Extractam Sennae. 



303 



fixtractnM S611Ma6* [Fol. Sennae mit lauwarmem Wasser erschöpft, die 
Flüssigkeiten zur Extract-Conslstenz eingedampft, in kaltem Wasser gelöst, filtrirt, 
zur Consistenz 2 abgedampft. — Klar löslich, — 1,0 etwa 10 Pf.] 

Innerlich: zu 2,0-5,0 [als Abführmittel], in Pillen, Bissen. [Ganz 
unzweckmässig und entbehrlich.] 

Extractam Sinarabae aqaosiim. Ruhrrindenextract. [Wie 

Extr. Cascar. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 15 Pf.] 
Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals taglich, in Pillen. 

Extractam Simarabae spiritaosam« [wie Extr. Aurant. Coii;. Con- 
sistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 30 Pf.] 
Innerlich: wie das vorige. 

Extractam StramoniL Stechapfelextract. [Wie Extr. Beilad. 

Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,01-0,05-0,1 [ad 0,1 pro dosi, ad 0,4 pro die!] mehr- 
mals taglich, in Pillen und Mixturen. 

Aeusserlich: zu Augenwässern [zu Bähungen: 0,5-2,0 auf 100,0; 
zu Tropfwässern: 0,2-0,6 auf 25,0], zu Injectionen [0,5-1,5 auf 100,0], In- 
halationen, zu Salben [1,0-1,5 auf 25,0], Pflastern, Zahnpille 



len. 



710. 



R 



709. Bf 

Extr. Stramonii 
Extr. Opii ana 0,5 
Zinci oxydati 8,0. 
M. f. pil. No. 40. Consp. Lycop. D. S. 
1-8 Pillen täglich. [So lamge mit der 
Dosis zu steigen, bis Patient Sehstörun- 
gen zu empfinden beginnt; nach Auf- 
hören der Schmerzen noch 14 Tage mit 
der Kur fortzufahren.] 
[Gegen Neuralgien.] Trousseau. 

ExtrictHm StramoMÜ e Seminibys. 

bereitet. Consistenz 2. — 0,1 etwa 10 Pf.] 
Innerlich: zu 0,01-0,06. 

Extractam Stryckiii aquosum« Extractum Seminis Strychni aquo- 
sum. Wässeriges Brechnuss- oder Krähenaugenoxtract. [Aus- 
zug mit kochendem Wasser. Consistenz 2 — Trübe löslich. — 10 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,03-0,1-0,2 [ad 0,2 pro dosi, ad 0,6 pro diel] mehrmals 
taglich, in Pulvern, Pillen, Solution. 

Aeusserlich: zu Klystieren [0,05-0,2 ad clysma]; endermatisch. 



Extr. Stramonii 0,1 

solve in 
Tinct Digital, aeth. 4,0 
Aq. Valerian. 30,0. 

MDS. Im Anfall theelöffelweise zu nehmen. 
Guttae antasthmaticae. Asthmatropfen. 

H. E. Biohter. 



[Wie Extr. Hyoscyami e Semin. 



711. Bf 

Extr. Strychn. aquos. 
Pulv. Sem. Strychni ana 6,0. 
P. ope Mucil. Gummi Arab. q. s. pil. 100. 
Consp. Pulv. Rhiz. Irid. flor. D. S. 
Morgens und Abends 1 Pille, allmälig 
steigend. [Bei rheumatischer Lähmung.] 
Trinius. 



712. Bf 

Extr. Strychni aquos. 0,5 
Aq. Cinnam. simpl. 150,0 
Mucilag. Gummi Arab. 



Syr. simpl. ana 30,0. 
MDS. 2stdl. 1 Esslöffel. 
[Bei Diarrhoe, Ruhr.] 



Oesterlen. 



713. Bf 

Extr. Strychni aquos. 0,05-0,1 

solve in 
Aq. dest. 50,0. 
D. S. Umgeschüttelt, S&uglingen zu 2-3, 
älteren Kindern zu 6-12 Tropfen zu 
geben. [Bei Prolapsus ani.] 

Sohwarti. 



304 



Extractum Stiyclini. 



«ExtractMm Stryeluü. Extr. Seminis Strychni spirituosum. Ex- 
tractum Nucum vomicarum spirituosum. Extr. Nucis vomicae Pli. AtsUr. 
Strychnossamenextract. Weingeistiges Brechnuss- oder Krähenaugen- 
extract. [10 Th. sem. Strychn. mit 20 Thl. Spirit. vini dilot. aasgezogen, der 
abgepresste Rückstand ebenso mit 15 Thl. Spirit. dilat. behandelt, das Gemisch 
mehrere Tage bei Seite gestellt, zur Consistenz 3 abgedampft. — Trübe löslich. — 
0,1 50 Pf.] Cave: Gerbstoffe, Halogene, Metallsalze und Jod Verbindungen. 

Innerlich: zu 0,01-0,3-0,05 [ad 0,05 pro dosil ad 0,15 pro diel] in 
Pulvern, Pillen, Solutionen. [Bei verminderter Erregbarkeit und pareti- 
schen Zuständen motorischer Apparate, unzureichender functioneller Thatigkeit be- 
sonders im Gebiete der Verdauungsorgane, des Harn- und Geschlechtsapparates. 
Auch bei Alkoholismus, Gachexie nach Intermittens, bei Erbrechen der Schwangeren, 
rheumatischen Zustanden etc. angewendet.] 

Aeusserlich: zu Einreibungen in spirituöser Lösung [0,1-0,25 
auf 25,0 Spir. dilut.] oder Salben [1,0-20 auf 25,0]; endcrmatisch [0,03 
bis 0,05.] 



714. Bf 

Extr. Strychni 
Bism. subnitr. ana 0,03 
Magn. carb. 0,2 
Sacch. 0,6 

•Ol. Menth, pip. 0,1. 
M. f. pulv. disp. tal. dos. No. 12. D. in 
Charta cerata. S. Stdl. 1 Pulver. [Bei 
Magenkrampf.] Vogt. 



717. B, 

Extr. Strychni 0,5 

solve in 
Tinct. aromat. 
Aethcr aoet. ana 3,0. 
MDS. 2 mal täglich 10 Tropfen. 

Oeitezlen. 



715. Rr 

Extr. Strychni 5,0 0) 
Succ. Liquir. dep. 7,5. 
F. 1. a. pil. lOi». Consp. Lycop. D. S. 
Anfangs täglich 1 Pille (« 0,05), dann 
allmälig auf 2-5 (!) täglich (1 pro dosi) 
steigend. [Bei Impotenz und Sperma- 
torrhoe.l Duoloi. 



716. 



Extr. 



718. Bf 

Extr. Strychni 0,1 
Tinct. Canthar. 1,0 
Tinct. Calami 3,0. 
D. S. 3 mal täglich 10-15 Tropfen in 
Decoct. Alth. zu nehmen. [Bei Blasen- 
und Mastdarmlähmung.] 

Sohömann. 



719. 



^ 



Extr. Strychni 0,5 

solve in 
Spir. dilut. 15,0 

adde 
Tinct. Cantharid. 
Liq. Ammon. caust. spir. ana 5,0 
MDS. Zum Einreiben. 



Stiychni 1,0 
„ Colocynth. compos. 
„• Hyoscyami 
„ Rhei comp, ana 5,0. 
M. f. pil. No. 60. Consp. Lycop. D. S. 
Nach Bedürfniss 1 Pille zu nehmen. 
Pilulae Nucis vomicae catharticae. 
Msokensie. 

Extractim Taiaceti. Reinfarnextract. [Wie Extr. Absinth. Con- 
sistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 10 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen. 

*Extractim Taraxaci. Löwenzahnextract. [Wie Extr. Card, bened. 
Consistenz 2. — Fast klar löslich. — 10,0 60 Pf.] 

Innerlich: zu 2,0-10,0 mehrere Male täglich in Bissen oder So- 
lutionen. 



IV 714-719, 



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Extractum Taraxaci liquidum. 305 



Extractvm Taraxaci liqiidmn. Loco Mellagiu. Taraxaci. Löweu- 

zahn-Honig. [3 Th. des obigen Extractes mit 1 Th. Wasser. Consistenz 1.] 
Innerlich: zu 25,0-50,0 pro die, pur oder in Mixturen. 
Aeusserlich: zu Kly stieren [25,0-50,0 ad clysma], selten ange- 
wendet und theuer. 

Extractim Taxi baceatae« Eibenbaumextract. [Wie Extr. Beilad. 

Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 20 Pf.] 
Innerlich: zu 0,03-0,15, in Pillen. 

Extraetmn Tormentillae. Tormentillenextract. [Wie Extr. Cascar. 

Consistenz 2. — Tiübe löslich. — 10 80 Pf.] 

Innerlich: zu 0,5-1,0 mehrmals täglich. 

Aeusserlich: zu adstringirenden Verbandwässern, Einspritzun- 
gen u. s. w. [5,0-15,0 auf 100,0] 

Extraetmn Toxicodeidri« Giftsumachextract. [Wie Extr. Beilad. 
Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,01-0,03 mehrmals täglich, in Pillen [von Treusea« 
gegen Pafaplegie empfohlen.] 

720. Bf 

Extr. Toxicodcndri 0,4-0,8 
Extr. et Pulv. Rad. Gentianae q. s. 
ut f. pil. No. 40. Consp. Lycopod. D. S. Stdl. l Pille. 
[Bei Paresis und Paralysis.] v. Bkoda. 

*Extractum Trifolii ibrili. Extr. Trifolii. Bitterkleeextract. 
Fieberklee- oder Dreiblatt-Extract. • [Wie Extr. Card, bened. Consistenz 2. — 
Klar löslich. — 10,0 50 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-2,0 mehrmals täglich, in Pillen oder Solutionen. 

Extractum Turionum Pini« Fichtensprossenextract. [Wie 

Extr. Angelicae. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 5 Pf.] 

Innerlich: als Zusatz oder Vehikel für diuretische Arzneien. 
Aeusserlich: zu Bädern [25,0-50,0 pro balneo]. 

Extractam IJvae Vrsi. Bäreutraubenextract. [Wie Extr. Absinth. 
Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 5 Pf] 

Innerlich: zu 0,5-2,0 mehrmals täglich, in Pillen oder Solutionen. 

VeBdt rühmt das Extract einer anderen Arbutus-Art [Arbutus unedo] 
als eines der kräftigsten Adstringcntien, namentlich bei Blennorrhagien: 
R Extractum Arbuti, llatanhae ana 2,5, f. pilul. 30. D. S. Morgens 
und Abends 2-3 Pillen. 

Extractum Yalerianae. Baldrianextract. [Wie Extr. Aurant. Cort. 
Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 25 Pf.] 

Innerlich: zu 1,0-2,5 mehrmals täglich, in Pillen und Solutionen. 

Abends einem schleimigen Getränk oder 
zu Zuckerwasser zuzusetzen. 

Fierlot. 



721. Bf 

Acid. valerian. 3,0 
Ammon. carb. q. s. 

ut f. cum Aq. dest. 
Saturatio 100,0 

cui adde 
Extr. Yalerianae 2,0. 
D. S. 6 bis 30 Tropfen Morgens und 



[Diese etwas willkürlich als Valdrianate 
d'Ammoniaque bezeichnete Mischung ist 
in neuester Zeit in Frankreich gegen in- 
veterirte Nervenleiden, zumal Epilepsie 
und Hysterie, gerühmt worden.] 

Evald und SlmoUf Annelvcrordnuiigslehre. 10. Aufl. ^0 ^ 



306 Extractum Veratri viridis. 



ExtractUI Yeratri viridis. [Spirltuöser Aaszug aus der Warzel von 
Veratrum viride (Ifctycr).] 

Innerlich: 2-5 Tropfen l-4stündlich. 

Extractum Vitis PampiMrum. Weinrebenextract. [Wie Extr. 
Bellad. Consistenz 2. — Trübe löslich. — 1,0 etwa 10 Pf.] 

Innerlich: zu 4,0-12,0 in Solutionen. 

Faba allia* Semen Fabae. Semen Phaseoli. Beans, Feves, Hari- 
cots. Weisse Bohne. 

Innerlich: als Nährmittel. 

Aeusserlich: gepulvert (Farina Fabarum) zu trocknen Um- 
schlägen und Streupiüvem. 

Faba Calabariea« ' Faba Calabarensis. Semen Physostigmatis vene- 
nosi. Ordeal Bean of Calabar. Calabar-Bean. Feve de Calabar. Ca- 
labar-Bohne. Gottes-Urtheil-Bohne. [Diese durch Fräser^ R«bert8«n 
und T. Iifäfe in die Materia roedica eingeführten Samen einer im Königreiche 
Dahomeh an der Küste von Guinea heimischen Leguminose sind nierenförmig 
oder dreieckig, etwa 1 Zoll lang und V2 ^^^ breit, von einem festen, braunen, 
genarbten Corium umkleidet und mit einer tief eingeschnittenen , roth umränderten 
Rapbe versehen. — Die in hohem Grade toxische "Wirkung der Calabar- Bohnen hat 
in ihrem Hei mathlande den Anlass gegeben, sie zur Prüfung der Schuld oder Unschuld 
Angeklagter zu verwenden; daher der Name Ordeal -Bean, Gotles-Ürtheil- Bohne.] 
Der wirksame Bestand theil ist das Physostigmin oder Eserin (vergl. 
Eserinum). 

Man wendet die Bohne selbst »icht an, sondern nur das Extract 
derselben oder das Eserin [vergl. Extractum Fabae Calabar.]. 

Fabae Pichirim mMores et minores. Sem. Pichurim. Grosse 
und kleine Pichurim-Bohnen. [Grosse pul v. etwa 50 Pf., kleine 40 Pf.] 

Innerlich: als aromatisches Mittel, zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, 
in Pulvern, Morsellen. — Völlig obsolet. 

Farina Hordei praejparata. Prepared Barley-meal. Farine d'orge 
pr^par^e. Präparirtes öerstenmehl. 

[Die Präparation geschieht durch 30stündiges Erhitzen des Gerstenmehl in einem 
verdeckten, von dem zusammengepressten Mehl nur zu V3 gefüllten, zinnernen Ge- 
fässo. Nach Entfernung der oberen, durch Feuchtigkeit zusammengeballten Schicht 
wird das darunter befindliche, meist etwas röthlicher gewordene Mehl durch ein Sieb 
geschlagen und trocken aufbewahrt. Dem ersten Darsteller schwebte jedenfalls der 
Gedanke vor, die Stärkekügelchen zu zersprengen, wie dies bei der Kleisterbildung 
geschieht. Es ist jedoch das mikroskopische Verhalten des präparirten Gerstenmehls 
genau dasselbe, wie das des rohen, so dass die ganze umständliche Procedur im 
wesentlichen nichts erzielt als eine Trocknung des Gerstenmehls, und der Ruf, den 
sich die Farina Hordei praeparata als Nährmittel für Reconvalescenten, Atrophische 
u. s. w. erworben hat, gleiche Grundlagen mit dem der Revalenta u. s. w. besitzt. 
— 100,0 20 Pf.] 

Farina laetea pro infantibus« Milchhaltiges Kindermehl. 
Milchmehl. [Zuerst von Kcstle in Vevey dargestellt (Nestle^sches Kinder- 
mehl), jetzt auch in ähnlicher Composition und Güte von Viut und Schister in 
Göttingen (Göttinger Kindermehl), sowie von (Sifey und Sebiele zu Rohrbach 
in Baden, von Tinpe in Magdeburg, Pari Uebf in Dresden, Ritraet-rtbrik ini««- 

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Farina leguminosa. 307 



sebweig u. a. fabricirt. Jede Fabrik reclamirt natürlich für sich den Vorzug, das 
beste Präparat zu liefern. Am meisten in Gebrauch und mit Recht, ist zweifellos 
das Nestle -Mehl.] Aus Milch, Weizenmehl, Zucker und Nährsalzen be- 
stehend, bildet es ein gelbliches Pulver, welches, mit Wasser aufgekocht, 
eine wohlschmeckende Suppe giebt, die in Ermangelung von Muttermilch 
und guter frischer Kuhmilch, oder wenn letztere wegen Erkrankung des 
Digestionstractus nicht vertragen wird, die natürliche Nahrung zu ersetzen 
vermag. Diese Präparate enthalten im Durchschnitt 10-12 pCt. Protein- 
stoffe, 78-80 pCt. Kohlehydrate, 1-2 pCt. Salze und 6-7 pCt. Wasser. 
Ihr Nährwerth, namentlich an verdaulichem Ei weiss ist aber, wie sich 
aus den untenstehenden Analysen ergiebt, sehr wechselnd, ja bei man- 
chen ist das Verhältniss zwischen Eiweiss und den übrigen Nährstoffen 
sehr unvortheilhaft, indem die Kohlehydrate gegenüber den Eiweissstoffen 
zu sehr vorherrschen. Das Präparat hat vor dem llcbig'schen Kinder- 
pulver (vergl. Farina Tritici) den Vorzug, dass es bereits Milch enthält 
und die Bereitung der Suppe aus demselben auf sehr einfache Weise von 
statten geht. 

Farina legomiiitsa« Leguminose. Kraft suppenmehl. [Auf An- 
regung Beneke's von Hirtenstein in Chemnitz dargestellt. Bestehend aas einer 
Mischung von Mehl verschiedener Gerealien und Hülsenfrüchte , besonders Linsen- 
und Erbsenmehl in ausserordentlich feiner Verlheilung. Auf dieser letzteren beruht 
die leichte Verdaulichkeit des Präparates, welches durch seinen Reichthum an Protein- 
stoffen in Verbindung mit Fett und Amylaceen einen hohen Nährwerth besitzt. Beneke 
Hess 4 verschiedene Mischungen der lartenstein'schen Leguminose darstellen: 1. Ver- 
hältniss der stickstoffhaltigen zur stickstofffreien Substanz wie 1 : 2,3 , etwa dem 
Ochsenfleisch äquivalent; 2. Verhältniss von 1 : 3,3; 3. Verhältniss von 1 : 3,9, äqui- 
valent dem Nährwerth der Kuhmilch; 4. Verhältniss von 1 : 4,8. ungefähr der gewöhn- 
lichen gemischten menschlichen Nahrung entsprechend.] Das Mehl wird mit 
kaltem Wasser langsam angerührt und eine halbe Stunde lang unter Zu- 
satz von etwas Kochsalz gekocht; ein gehäufter Esslöfifel des Mehls wird 
zur Bereitung etwa eines Tellers Suppe benutzt. Man kann der Suppe 
noch Fleischextract hinzufügen, desgleichen, wo man den Fettgehalt er- 
höhen will, etwa 1-2 Theelöffel Milchrahm; zur Verdeckung des Legu- 
minosengeschmacks dient ein kleiner Zusatz von Kerbel oder Kümmel- 
samen (Beneke). Die Leguminose empfiehlt sich als zweckmässiges Nah- 
rungsmittel bei Kranken mit schwacher Verdauung, Reconvalescenten, 
Kindern mit Brechdurchfällen oder Scrophulose, Phthisikern u. a. Je 
nach dem Alter und dem Zustand des Digestionstractus wird man die 
eine oder die andere der obigen Mischungen wählen. Die analytischen 
Werthe der einzelnen Mehle lassen wir in Folgendem nach den neuesten 
Untersuchungen von Stitser, Vorstand des landwirthschaftlichen Labora- 
toriums zu Poppeisdorf, folgen und zwar in Procenten: 

1. Restless Kindermehl von Henri Nestle in Vevey: 9,90 verdauliches 
Eiweiss, 5,16 Fett, 79,30 Kohlehydrate, 4,17 Wasser, 1,47 Mineralstoffe mit 0,411 
Phosphorsäure. 

2. Wihl's Kindermehl von Vr, A. TabI in Neuwied: 1,88 verdauliches 
Eiweiss, 1,28 Fett, 86,37 Kohlehydrate, 10,14 Wasser, 0,33 Mineralstoffe mit 0,143 
Phosphors'aure. 

4. Göttinger Kindermehl von Vtnst und Schister in Göttingen: 9,15 ver- 

Digiti^^Jpy^OOgie 



30B Farina leguminosa. 



dauliches Eiweiss, 5,07 Fett, 77,01 Kohlehydrate, 6 59 Wasser, 2,17 Mineral- 
stoffe mit 0,509 Phosphorsäure. 

4. Löfflttnil's Kindernahrung von Ed. Löflond in Stuttgart: 3,33 ver- 
dauliches Eiweiss, 60,88 Kohlehydrate, 34,25 Wasser, 1,54 Mineraistoffe mit 0,514 
Phosphorsäure. 

5. TiMpe's Kindernahrung (Kraftgries) von Theodor TiMpe in Magdeburg: 
5,25 verdauliches Eiweiss, 2,93 Fett, 84,76 Kohlehydrate, 6,11 Wasser, 0,95 Mineral- 
stoffe mit 0,467 Phosphorsäure. 

6. Liebe's Nahrungsmittel in löslicher Form von Panl Liebe in Dresden: 
3,51 verdauliclies Eiweiss, 70,65 Kohlehydrate (Zucker, Dextrin), 24,48 Wasser, 1,36 
Mineralstoffe mit 0,298 Phosphorsäure. 

7. Präparirtes Hafermehl von W. C. H. WeibeitiiB in Fischbeck: 9,12 ver- 
dauliches Eiweiss, 7,10 Fett, 72,51 Kohlehydrate, 10,32 Wasser, 0,95 Mineralstoffe 
mit 0,586 Phosphorsäure. 

8. Präparirtes Hafermehl von C. H. Knerr in Heilbronn: 9.78 verdauliches 
Eiweiss, 5,73 Fett, 72,64 Kohlehydrate, 10,61 Wasser, 1,24 Minoralstoffe mit 673 
Phosphorsäure. 

9. Hirtei8tei«'s Leguminose von Hartenstein nnd €•• in Chemnitz. 
Mischung 1: 2001 verdauliches Eiweiss, 2,17 Fett, 64,87 Kohlehydrate, 10,63 
Wasser, 2.32 Mineralstoffe mit 0,765 Phosphorsäure. Mischung 2: 18 64 verdau- 
liches Eiweiss, 1,72 Fett, 65,92 Kohlehydrate, 11,92 Wasser, 1,80 Mineralstoffe mit 
813 Phosphorsäure. Mischung 3: 14,61 verdauliches Eiweiss, 1,38 Fett, 69.97 
Kohlehydrate, 12,47 Wasser, 1,57 Mineralstoffe mit 0,653 Phosphorsäure. 

10. Malto-Leguminose von Starker und Pabndt in Stuttgart: 19,43 very 
dauliches Eiweiss, 1,72 Fett, 67,78 Kohlehydrate, 8,01 Wasser, 3,06 Minoralstoffe mit 
0,923 Phosphorsäure. 

Es dürfte von Werth sein, zur Vergleicliung den Gehalt an verdau- 
lichen Eiweissstoffen der von Stntser untersuchten Präparate etc in Fol- 
gendem wiederzugeben: 

1. Caviar 25,81 pCt. | 15. Weibezahn's Hafermehl... 9,12pCt. 

2. Hartensteins Leguminose, j 16. Condensirte Milch 8,79 



Mischung 1 20,01 

3. Revalesci^re 19,93 

4. Malto-Leguminose 1^,43 

5. Geräucherter Schinken... 18,92 
G. Hartensteins Leguminose» 

Mischung 2 18,64 

7. Frisches Ochsenfleisch... 18,53 

8. Hühnerfleisch 16,5G 

9. Hartensteins Leguminose, 

Mischung 3 14,61 

10. Hühner- Eiweiss 13,48 

11. , . Eigelb 13,01 

12. Nestl6's Kindermehl 9,90 

13. Knorr's Hafermehl 9,78 

14. Göttinger Kindermehl.. . 9,15 



17. Entölter Cacao 2 (Stollwerk) 8,23 

18. Weissbrod 7,20 

1 9. Entölter Cacao 1 (Stollwerk) 6,72 

20. Kinderbisquit 6,71 

21. Austern 5,78 

22. Timpe's Kindernahrung.... 5,25 

23. Rheinisches Seh warzbroil ... 4 ,20 

24. Entölter Cacao (Lobeck)... 4,16 

25. Kuhmüch ' 4,00 

26. Liebe's Nahrungsmittel.... 3,51 

27. Liebig's Flelschextract 3,40 

28. Löfflund's Kindema&rung . 3,33 

29. Linck's Malzextract 2,50 

30. Wahr s Kindermehl 1,88 

3 1 . Hoffs Malzextract ü,2S 



Farina nutriens pro infantibus. Kindermehl. Kindernahrung. 

[S. Farina lactea, Farina leguminosa, Farina Ilordei, Farina Tritici, Amylum 
Marantae.] 

Farina Seealis. Rye-meal. Farine de ble. Farine de Seigle. 
Roggenmehl. [10,0 etwa 20 Pf.] 

Digitized by CjOOQIC 



Farina Tritici. 309 



Innerlich: als Nährmittel. 

Aeusserlich: zu trockenen Umschlägen, Cataplasmen [mit 
Honig], zu Streupulvern. 

Farina TritieL Wheaten-flour. Farine de froment. Weizenmehl. 
[100,0 etwa 30 Pf.] 

Innerlich zum llcWg'schen Ernährungspulver für Kinder [Pulv. 
nutriens] verwendet. [Farina Tritici wird mit Maltum hordei pulv. gleicher 
Menge gemischt und auf 1000 der Mischung 15 Kali bicarb. zugesetzt. — 30 Gr. dieses 
Pulvers (etwa 2 gehäufte EssIölTel) werden mit 30 Gr. Wasser und 150 Gr. Milch 
(etwa einen Tassenkopf voll) innig gemischt, und in einer kleinen Casserolle auf ge- 
linder Flamme unter fortwährendem Umrühren so lange erhitzt, bis die Mischung an- 
fängt dicklich zu werden. Nun nimmt man den Brei vom Feuer, rührt jedoch immer- 
fort, worauf nach etwa 5 Minuten der Inhalt in der Casserolle dünnflüssiger wird, 
erwärmt abermals, bis Verdickung eintritt, und wechselt so lange mit dem Umrühren 
auf und neben dem Feuer ab, bis der Brei ohne wesentliche Verdickung sich bis zum 
Kochen erhitzen lässt, giesst das ganze durch ein feines Sieb und kann das milch- 
artige Getränk selbst aus der Flasche schänken. Der Nährstoff dieses Breies soll 
gerade doppelt so gross als der der Muttermilch sein , und lässt sich derselbe sogar 
im Sommer, vorausgesetzt dass die Bereitung genau nach der Vorschrift erfolgte, d. h. 
dass die Erhitzung bis zum Aufkochen fortgesetzt wurde, ohne Gefahr 24 Stunden 
aufbewahren.] 

Aeusserlich: zu cosmetischen Pulvern und Pasten. 

Fei Tauri (receis). Bilofox. Fiel de Boeuf. Frische Ochsen- 
galle. [Chol- und Chole'insäure mit Natron, ferner Gallen farbstoffe, Fettsäuren mit 
Basen verseift, und Cholestearin. — In Wasser vollständig löslich, in Weingeist und 
Aether nur theilweise. Eiweiss-Consistenz. — 10,0 10 Pf.] Man verordne die 
die frische Galle nie auf längere Zeit und nie mit freien Säuren, sauren 
oder Metallsalzen. 

Innerlich: zu 5,0-15,0 mehrmals täglich, am besten mit aro- 
matischen Wässern [Aqua Menth, pip.] und einem geringen Zusatz von 
Spir. aether. 

Aeusserlich: zu Linimenten und Salben [durch jedes Fett zu er- 
setzen], zu Clysma [15,0-30,0 zum Klystier]. 



723. Bf 

Fei Tauri reo. 15,0 
Inf. Tanaceti 100,0. 

D. S. Zum Klystier. 
[Bei Spulwürmern.] 



722. I^ 

Fei Tauri recent. 100,0 

Aq. Flor. Aurant. 60,0 

Spir. Aether. chlor. 2,0. 
MDS. Morgens (nüchtern) 1-P/j Esslöffel. 
[Bei Leberaffcctionen.] Steinthal. 

Fei Tauri depuratum siceum« Natr. cholei'nicum. Trockne 
gereinigte Ochsengalle. [Frische Ochsengalle und Spiritus ana sorgfältig 
gemischt, eine Zeit lang stehen gelassen , filtrirt, der Spiritus abdestillirt, der Rück- 
stand mit feuchter, durch Salzsäure gereinigter Thierkohle behandelt, die Flüssigkeit 
filtrirt und zum trocknen Extracte abgedampft. — Gelblich -weisses, leicht Wasser 
anziehendes Pulver, von zuerst süsslichem, dann nachhaltig bitterem Gallengeschmack; 
leicht in Wasser und Weingeist löslich. — 100 Th. frische Galle geben etwa 7 Th. 
trockne. — 1,0 10 Pf.] 

Innerlich: [als Ersatzmittel des vielen so widrigen Fei Tauri empfohlen, 
zur Bethätigung der Gallcnsecretion . bei Icterus, Verdauungsschwäche und anderen, 

Digitiji^ 722-723. ^VQ 



310 Fei Tauri inspissatura. 



von Oligocholio abhängigen Zuständen] zu 0,3-0,6 raehrmals täglich, in Pillen 
[am besten aus Fei Tauri depuratum siccum ohne weiteren Zusatz, nur mit einigen 
Tropfen Mucilago Gummi Arabici]. 

Aeusserlich: als Streupulver zur Verbesserung schlecht eitern- 
der Geschwüre. 

Fei Tauri inspissatum. [Ext. Feiiis.] Eingedickte Ochsen- 
galle. [Consistenz 2. — In Wasser klar löslich. — 1,0 5 PfJ 

Innerlich: zu 0,5-1,5 mehrmals täglich, in Pillen, Bissen, 
Mixturen. 

Aeusserlich: zu Pinselsäften, Klystioren [5,0-10,0 ad clysma], 
Salben, Linimenten. 

725. Bf 

Fei Tauri inspiss. 10,0 
Aq. Cinnam. 150,0 
Spir. Aeth. nitr. 5,0 
Syr. Zingiberis 25,0. 

MDS. Stdl. 1 Esslöflfel. 



724. IV 

Fei Tauri inspiss. 
Pulv. Rad. Rhei ana 10,0. 
F. pil. No. 100. Consp. Cinnam. D. S. 
3 mal täglioh 5 Pillen. 



Femeitain Cerevisiae« Beer Yeast. Levure de biere. Bierhefe. 

Innerlich: esslöffelweise [bei Scorbut, bei Angina gangränosa], rein oder 
mit Wasser und Zucker ana gemischt. 

Aeusserlich: zu Umschlägen [auf scorbutische Theile, brandige Ge- 
schwüre (mit rohem Honig und Roggenmehl ana) : SundeUii. — Cataplasma fermenti, 
Yeast poultice Pb. Brit.^ besteht aus Ferment. Cerevis., siedendem Wasser ana 6, 
Farina Tritici 14]. 

Ferr«-Kali tartaricim s. Tartarus ferratus. 
Ferro-Kalimn eyanatum flamm s. Kalium ferro-cyanatum. 

Ferram acetieum siccnin« Trocknes essigsaures Eisenoxyd. 
Peracetate of iron. Acetate de fer. [Schwach krystallinische, braunrothe, 
pulverige Masse, in Wasser löslich, hergestellt durch Eindampfung des Liq. Ferri acet. 
bei 25^0. — LO etwa 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,05-0,1-0,2 mehrmals täglich, in Pillen, seltener 
in Pulvern. 

Ferrmn aceticun soktiim s. Liquor Ferri acetici. 

Ferrum albumiiatam liquidum« Flüssiges Eisenalbuminat. Durch 
Fällen von Hühnereiweiss mit Liq. ferr. sesquichlorati , Auswaschen des 
Niederschlags und Lösen desselben in salzsäurehaltigem Wasser erhalten. 
[Wurde in dem Glauben besserer Resorptionsfähigkeit lebhaft, so noch zuletzt von 
Vriese^ ionits^ empfohlen. — Da jedes Ferrochlorid sich mit Eiweisssubstanzen ver- 
bindet und letztere leicht mit dem Eisenpräparat gegeben werden können (z. B. Milch) 
oder schon im Magen sind, und da man überdem nicht weiss, ob das Eisen als Eisen- 
albuminat oder Eisenpepton resorbirt wird, so ist das ganze Präparat nur als eine 
Vertheuerung eines viel einfacheren Verfahrens zu betrachten,] 

Ferrum arsenicicum oxydulatum. Arseniksaures EisenoxyduL 

[Wenig löslich in Wasser. — Hat nur wenig Eisen-, sondern hauptsächlich Arsenik- 
wirkung.] 

Innerlich: zu 0,003-0,007 1-2 Mal täglich [gegen Lupus und Krebs 
von CarMichael^ gegen Psoriasis und acute Hautkrankheiten von liett u. a. em- 
pfohlen.] 

am^ ^ 724-725. Digitizedby Google 



Ferrum bromatum. 311 



Aeusserlicli: in Salben [0,l-0;4 auf 10,0 Fett]. 

Ferrvm bromatum« Eisenbromid. Brom-Eisen. [Zerfliesslich an 
der Luft. — 1,0 etwa 5 Pf] 

Innerlich: zu 0,05-0,25 in wässeriger oder spirituöser Lösung. 
[In neuester Zeit von üülepsie sehr gerühmt, nicht nur gegen Chlorose und Dysme- 
norrhoe, sondern auch gegen chronische Diarrhoe, Fluor albus, Gonorrhoe, Diphtherie, 
Bronchitis chronica und senilis u. a. — Derselbe wendet das Mittel auch aus ser- 
lich an: zum Aufpinseln bei Erysipelas, zur Inhalation bei Bronchitis.] 

726. IV 

Ferri bromati 0,3 
Aq. dest. 60,0 
Syr. Aurant. Cort. 30,0. 
MDS. 1 Essloffel Morgens, 2-3 Abends. [Bei häufigen Erectionen und Pollutionen 
anämischer, namentlich zu Krämpfen geneigter Gonorrhoiker.] ▼. Sigmund. 

^Ferrum earbonicum saccharatum« Sugar carbonate of iron. 
Protocarbonate de fer sucr6. Zuckerhaltiges Ferrocarbonat Ge- 
zuckertes kohlensaures Eisenoxydul. [10,0 10 Pf.] Ein grünlich graues 
Pulver, in 100 Th. 10 Th. Eisen enthaltend. 

Innerlich: zu 0,2-0,6 mehrmals täglich, in Pulvern, Pastillen, 
Trochiscen etc. 

Dieseses Präparat ist dem älteren, besonders in Frankreich ge- 
bräuchlichen, Massa Pilularum Valleti [vergl. Pilul. Ferri carbon.], bei 
welchem die Oxydation des Eisenoxyduls durch Honig vermieden wird, 
nachgebildet. 

727-728. -Bf 

Ferr. carb. sacchar. 
Natr. bicarb. ana 5,0. 



Div. in part. aeq. No. 8. 
S. No. 1. 



Div. in part. aeq. No. 8. 
S. No. 2. 

Ein Pulver No. 1. wird in Wasser 
aufgelöst, ein Pulver No. 2. zugesetzt 
und während des Aufbrausens ausge- 
trunken. 

Pulvis aerophorus martiatus 
Frankii. 



Acid. tartar. 5,0 
Elaeosacchar. Citri 2,5. 

Fernim chloratum s. muriatum oxydulatum. Chloretum Ferri. 
Muriate of iron. Protochloruro de fer. Eisonchlorür. Salzsaures 
Eisenoxydul. [An der Luft zerfliesslich, in Wasser und Weingeist leicht, in 
Aether nicht löslich. — 10,0 10 Pf.] Cave: Gerbsäure, Salzbilder, Blei- und 
Silbersalze. 

Innerlich: zu 0,1-0,3 mehrmals täglich, nur in wässeriger oder 
alkoholischer Lösung [wie solche als Liq. Ferri chlor, und Tinctura Ferri chlorati 
gebräuchlich ist]. 

Aeusserlich: als Gurgelwasser [8,0 auf 200,0 Wasser mit 30,0 Mel 
rosat. bei phagedänischen syphilitischen Rachengeschwüren : Fischer]. 

729. -Bf 

Ferri chlorati 3,0 

solve in 
Aq. dest 25,0. 
MDS. 3 mal täglich 30 -CO Tropfen. [Bei torpiden Scrophcln.] 

Hufeland. 

Ferram cUtratuii »•litum s. Liquor Ferri chlor. 

Ferrum citricim Mydatmn. Citras ferri oxydati. Gitrate of iron. 

Digiti^ 726-729. ''^H 



31-2 



Ferrum citricum ammoniaiura. 



Citrate de fcr. Citroncnsaures Eisenoxyd. [Löslich in Wasser, schwer 
in Alkoiiol. 1,0 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,6 in Pulvern, Pillen, Pastillen und 
Syrup. 



730-731. Bf 

Ferri citr. oxydat. 0,2 

Natr. bicarboD. 

Sacch. alb. ana 1,0. 
M. f. pulvis. Dispens, tal. dos. No. 12. 
D. S. No. 1. 



Acid. citr. 0,8. 
F. pulvis. Dispens, tal. dos. No. 12. 
D. S. No. 2. 

Morgens und Abends 1 Pulver No. 1. 
in Wasser aufzulösen, 1 Pulver No. 2. 
hinzuzufügen und die Flüssigkeit während 
des Auibrausens zu trinken. 



D.S. 



733. 



^ 



Ferri citr. oxydat. 
Acidi citr. ana 10,0 
Ol. Citri 1,0 
Sacchar. 200,0 
Aq. q. s. 
F. trochisci pondere 0,5. 

Mehrere Male täglich 5-6 Pastillen. 
Bouohardat. 



734. 



I^ 



Ferri eitr. oxyd. 2,5 
Aq. dest. 

Syr. simpl. ana 50,0. 
MDS. 3stdl. 1 Theelöffel voll. 



735. ^ 

Ferri citr. oxyd. 0,5 

Aq. carbon. 200,0. 
D. Aqua chalybaeata e ferro citrico. 



732. ^ 

Ferri citr. oxyd. 5,0 
Mellis 1,0 

Pulv. Flor. Malvae q. s. 
ut f. 1. a. pil. 100. Consp. Lycop. 
Täglich 1-10 Stück zu nehmen. 

Bouohardat. 

Ferrum citricum ammoniatum. Ferrum citricum c. Ammonio 
citrico. Ferro-Ammonia citrica. Ammoniacura ferrico-citricum. Ammonio- 
citrate of iron. Citrate de fer ammoniacal. Citronensaures Eisen- 
oxyd-Ammonium. [Leicht löslich. — 1,0 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-1,0 in Pulvern, Pillen, Trochiscen oder 
Solutionen. [Das Mittel ist in einer der letzten italienischen Cholera -Epidemien 
als Universalmittel gebraucht worden ((iiglielMi^ Rnspini)!] 



736. Bf 

Ferri citr. ammoniat. 1,0 
Sacch. 22,0 

Elaeos. Caryophyllae et Vanillae 2,0. 
M. f. pulv. D. S. Eisenzucker. J-l Thee- 
löffel mehrere Male täglich. 

B^ral. 



737. 



^ 



Ferri citr. ammoniat. 
Sem. Cacao ah Oleo liherat. 
Sacch. alh. ana 5,0 
Mucilag. Gummi Arab. q. s. 
ut f. pil. No. 100. Ck>nsp. Sacch. D. S. 
3 mal täglich 2-10 Pillen zu nehmen. 

Ferrum citricum cum Nagnesia« Wie das vorige. 
Ferrum citricum cum Chinino citrico. 

In Wein gelöst [Vinum ferratum chinicum, von Beral in der Reconvalescenz 
nach Intermittens empfohlen. 500,0 dieses Weines enthalten 9,0 Ferr. citric. und 2,0 
Chin. citricum]. 

Ferrum citricum effervescens. Aufbrausendes citronensaures Eisen- 
oxyd [10,0 20 Pf ] und Ferrum citricum cum Magnesia citrica effer- 
vescens« Aufbrausende citronensaure Eisenmagnesia. [Ersteres besteht 
aus Ferr. citr. ammon., Acid. citr., Sacchar. und Natr. bicarbon. und enthält 4 pCt. 
Eisen, letzteres aus Ferr. citr., Natr. tartar., Natr. bicarb., Acid. citr., Magnes. car- 
bon. f. 1. a. granula und enthält 1 pCt. Eisen. Theelöffelweise in Zuckerwasser. 
Angenehme Eisenpräparate.] 

Ferrum cyanatum* Ferrum hydruo-cyanicum. Ferrum borussicum 

1^730-737. Digitizedby^OOgie 



Ferrum jodatum. 313 



s. zooticum. Fcrrocyanidc of iron. Cyanurc double de fcr hydraio. 
Blausaures Eisenoxydul-Oxyd. Eisencyanür-Cyanid. [Nicht lös- 
lich. — 10,0 25 Pf.] 

Innerlieh: zu 0,1-0,6 mehrmals täglich in Pulvern oder Pillen. 

Ferrum hydrieum s. Ferrum oxydatum fuscum. 

Ferrum hydricum in Aqua s. Liquor Ferri oxydati hydrati. 

♦Ferrum jodatum« Ferrum hydrojodicum oxydulatum. Joduretum 
Ferri. Jodide of iron. Jodure de fer. Eisenjodür. Jodeisen. [In 
Wasser löslich. 82 Th. Jod entsprechen 100 Th. Eisenjodür. Leicht zersetzbar. Stets 
zur Dispensation frisch zu bereiten. — 1.0 etwa 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,05-0,3 in Pillen, Pulvern oder Solutionen.— 
[LaMbert-Seron empfiehlt die Darreichung des Ferrum jodatum in Glycerin. — Haupt- 
sächlich benutzt in Krankheitszuständen, in denen man neben der alterirenden, anti- 
dyskrasischen Wirkung des Jod die stärkende des Eisens erzielen will, also bei Coni- 
binationen von Scrophulosis oder Syphilis mit Chlorose, Anämie, allgemeiner Atonie, 
Amenorrhoe, Blennorrhoe u. s. w.] 

Aeusserlich: zu Bädern [50.0-60,0 pro balneo], Salben [1,0-2,0 
auf 10,0 Fett]. 

Zweckmä-ssiger als dieses Präparat, weil durch den Zusatz des Zuckers 
die Zersetzung behindert wird, ist das folgende Präparat. 

738. Bf 

Ferri jodat. 
« pulverat. ana 2,0 

Mcllis depur. q. s. 
ut f. pil. 20. Obducant. Saccharo. D. S. 



Morgens und Abends 1 Pille. 
[Bei Galactorrhoe.] 

Queneau de Mussy. 



730. Rf 

Ferri pulv. 0,6 
Jodi puri 1,0 
Aq. dest. guttas nonnullas 
tere in mortar. ferreo 
adde 
Sacch. alb. 



Sacch. Lact, ana 1,2 
lUd. Alth. pulv. 2,0. 
M. f. pil. 40. Obduc. Sol. Bals. Tolut. 
aether. D. [Jede Pille enthält das aus 
0,015 Eisen resultirende Jodeisen.] 
Juliui Olarui*). 



740. ^ 

Fern pulv. 2,0 
Jodi 4,0 
Sacch. pulv. 3,0 
Rad. Liquir. pulv. 7,0 
An dfist ^ ^ 
M. f. pil.' No. lÖO.* D. S. 1-2 Pillen 
mehrere Male täglich. 

Pilulae Ferri jodidi Ph. Brit. 



Ferrum jodatum saceharatum« Gezuckertes Eisenjodür. 

[5 Th. enthalten 1 Th. Jodeisen. — In 7 Th. Wasser löslich, — 1.0 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,25-1,5 in Pulvern, Pillen, Pastillen, Lösun- 
gen [gegen secundäre ^'yphilis mit Anämie: Rievr«!^ gegen Lungenphthisis: Db- 
pasqnieri Milzhypertiophie: Sehonleini gegen cerebrale und spincale Lähmungen und 
Morbus Brigthii: R»Blberg]. 

*) Aehnlich ist die Formel für die in Frankreich vielfach gebrauchten Blanrard- 
sehen Pillen: 40,0 Jod, 20,0 Ferr. limat. und 60,0 Aq. dest. werden in einem Glas- 
ballon so lange geschüttelt, bis die Mischung eine grünliche Farbe angenommen hat, 
dann in 50,0 Mel dep. hinein filtrirt und auf 1ÜÜ,0 abgedampft; mittelst Pulv. Rad. 
Liquir. wird eine Pillcnmasse hergestellt, aus der lOOO Pillen geformt werden. Der 
Ueberzug dieser Pillen geschieht mit einer concentrirten Lösung von Mastix und Tolu- 
Balsam in Aether. Jede Pille enthält 0,06 Jodeisen. — Perrens lässt Jod, pulverisirtes 
Eisen und Honig ana 1,0 mit einander verreiben, dann Pulv. Rad. Liquir. 2,0 zusetzen 
und in 25 Pillen theilen, von denen jede 0,05 Jodeisen enthält. Vgl. Leberl's Jod- 
ciscn-Syrup unter Kalium jodatum. 

Digiti 738-740. ^plf 



314 



Ferrum jodicum oxydatum. 



741. R' 

Ferr. jodat. sacchar. 

Sacch. alb. ana 0,5. 
M. f. puls. Dispens, tal. dos. No. 1.5. D. 
S. 3 mal taglich 1 Pulver zu nehmen. 



742. 



H- 



743. R 
Extr. Conii 

Ferri jodati sacchar. ana 0,6 
Succ. Liquir. dep. q. s. 
ut f. pil. 30. Consp. Lycop. D. S. Täglich 
3-6 Pillen. [Bei beginnendem Krebs.] 
Thompion. 

744. Bf 
Ferri jodati sacchar. 5,0 

solve in 
Aq. dest. 100,0. 
D. S. 3stdl. 1 Theelöffcl voll. 

Jodsaures Eisenoxyd. [Enthält 



Ferr. jodati sacchar. 

Sacch. lact. ana 5,0. 

Mucilag. Gummi Arab. q. s. 
ut f. pil. No. 100. Consp. Pulv. Rad. 
Liquir. D. S. 3 mal täglich 5 Pillen zu 
nehmen. 

FerruB jodicmn •lydatmn. 

51 pCt. Jod und 11 pCt. Eisen. — Soll ein haltbares Präparat sein.] 

Innerlich: zu 0,15-0,3, am besten in Pillenform, von Iwr, 
n^Bdwell u. a., namentlich gegen Scrophulose, empfohlen. 

♦Pcrnilll lacticum« Ferrum oxydulat. lacticum. Lactate of iron. 
Lactate de fer. Ferrolactat. Milchsaures Eisenoxydul. [Grünlich weisse, 
aus kleinen nadeiförmigen Krystallen bestehende Krusten oder krystallinisches Pulver, 
in 38,2 Thl. kaltem Wasser, kaum in Weingeist löslich. — 10,0 15 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,75, in Pulvern, Pillen, Pastillen [zu 0,06. 
— Eines der mildesten und der Verdauung zugänglichsten Eisenpräparate, welches 
namentlich bei Chlorose in Gebrauch gezogen zu werden verdient]. 

747. Bf 

Ferr. lact. 2,0 
Extr. Aloes 

Rad. Rhei pulv. ana 4,0. 
M. f. pil. No. 100. Consp. Lycop. D. S. 
Früh und Abends 3 Pillen zu nehmen. 
[Bei Chloro tischen mit trägem Stuhlgang.] 
Stuhlfördemde Stahlpillen. 

H. E. Biohter. 



745. Bf 

Ferr. lact. 
Elaeosacch. Calami 
Sacch. albi ana 3,0. 
M. f. pulv. Div. in 10 part. aeq. D. in 
Chart, cerat. S. Morgens und Abends 
1 Pulver. 



746. IV 

Ferr. lact. 

Succ. Liquir. dep. ana fi,0 
F. pil. 100. Consp. Cinnam. D.S. 3 mal 
täglirh 2-5 Stück. 



748. Bf 

Ferr. lact 10,0 
Vini Gentian. 600,0. 
D. S. Morgens 1 W^einglas. [Bei scrophu- 
löser Drüsenvereiterung. 

Jobert (de Lamballe). 

Ferrum oxydatam dialysatum. Ein lösliches Eisenoxydprüparat, 
welches von Wtgener in Pesth in den Arzneischatz eingeführt worden ist. 
[Die vorige Auflage dieses Werkes gab ein sehr complicirtes Verfahren zur Bereitung 
des Ferrum- oxyd. dialysat. an, welches auf der Darstellung von Ferroxid (Eisenoxyd- 
hydrat) aus Ferrichlorid (Eisenchlorid) und Ammoniak und darauf folgender Dialyse 
desselben besteht. Mit 1 V2 Thln. Zucker gemengt, giebt es einen zweiprocentigen 
Eisenoxydsaccharat-Syrup, der vollkommen klar ist und sich zur Anwendung 
besonders eignen soll. — Es ist nicht ersichtlich , welche Vorthoile dieses Präparat, 
welches viele Schwierigkeiten und Complicationen der Darstellung darbietet, vor dem 
einfachen Ferrum oxydatum saccharatum solubile, mit dem es höchst wahrscheinlich 
in der Hauptsache identisch ist, haben soll. Hierzu kommt, dass die characteristische 
Eigenschaft desselben gerade die ist, nicht durch den Dialysator zu gehen, seine Re- 
sorption im Magen also höchst zweifelhaft ist. Wahrscheinlich wird es vorher in das 
Chlorid und Lactat (event.) verwandelt.] 

B^ I^ 741-748. DigitizedbyCiOOgle 



Ferrum oxydatum fuscum. 



315 



Innerlich: zu 2-5 Tropfen mehrere Male täglich als Tonicuin, zu 
10-20 Tropfen V2-2 stündlich als Adstringens [Dysenterie, Choleradiarrhoe, 
Blutungen u. s. w.]. 

Aeusserlich: unverdünnt als Stypticum bei Blutungen, nament- 
lich Epistaxis und Metrorrhagie; zu Waschungen [mit 1-2 Theilen Wasser 
verdünnt] bei profus eiternden Geschwüren und Wunden, Prolapsus ani 
u. s. w., endlich zu Injectionen bei Gonorrhoe [mit V2-I Wasser ver- 
dünnt]: Wageiier. 

Ferrum oxyllatum fnscam* Ferrum hydricum. Ferrum oxyda- 
tum hydratum. Hydras ferricus. Crocus martis aperltivus. Brown-red. 
Peroxyde of iron. Peroxyde de fer brun. Eisenoxydhydrat. Braunes 
Eisenoxyd. [Unlöslich in Wasser leicht löslich in verdünnten Mineralsäuren. — 
10 15 Pf] 

Innerlich: zu 0,2-1,0 mehrmals täglich, in Pulvern, Pillen oder 
Pastillen. 

Aeusserlich: als Streupulver [bei Krebsgeschwüren]. 

M. f. pil. No. 300. S. Täglich 2-4 Pillen' 
[Rothbackcnpillen. Pillen der Sampf- 
bewohner.] Hager. 



749. Bf 

Fern oxydat. fusc. 1,0 
Chinini sulf. 0,05. 
M. f. pulv. Disp. tal. dos. No. 12. S. 
2stdl. 1 Pulver. [Bei Neuralgien mit 
intermittircndera Character.] 



750. I^ 

Perr. oxydat. fusc. 8,0 
Morph, acct. 0,06 
Pulv. aromat. 4,0. 
M. f. pulv. Div. in 10 part. aeq. D. S. 
3stdl. 1 Pulver. [Bei Gesichtsschmerz.] 

Fachs. 



751. 



IV 
Ferri hydric. 

„ sesquichlor. 
Cinchonin. hydrochlor. 
Extr. Gentian. ana 10,0 
Aq. dest. 3,0 
Sacch. alb. 

Rad. Altheae ana 5,0 
Rad. Gentian. 7,0-8,0. 



752. Bf 
Fern oxydat. fusc. 
Extr. Chin. fusc. ana 5,0 
Mucil. Gummi Arab. q. s. 

F. pil. 100. Consp. Cinnam. D.S. 3 mal 
täglich 5 Stück. [Bei Chlorose.] 

753. Bf 
Adip. suill. 
Sebi ovill. ana 30,0 

coque cum 
Ferr. oxyd. fusc. 5,0 
ut f. massa nigra 
cui adde 
Terebinth. laricin. 5,0 
Ol. Bergamott. 
Argillae ana 2,5. 
D. S. Zum Verbinden offener Frostschäden. 
Wählerische Frostsalbe 
(von der Bayerischen Regierung 
als Arcanum angekauft). 

Ferram oiyllatum rubrnm. Oxyd, ferricum. Crocus Martis ad- 
stringens. Red oxyde of iron. Oxyde rouge de fer. Rothes Eisen- 
oxyd. [Unlöslich. — 1 ,0 5 Pf.] 

Innerlich: wie d;is vorige. 

In der früheren Pfc. Awtr. war das Ferrum oxydatum nativura 
rubrum, Lapis haematitis, Blutstein, officinell. Dasselbe wird nur 
äusserlich als blutstillendes Mittel verwendet. 

^Ferrvni Mydatum saceharatmn 8«labilc. Eisenzucker. Lös- 
liches Eisenoxydsaccharat. Rostfarbenes Pulver einer Verbindung von 
Eisenoxyd und Zucker, welches so dargestellt wird, dass dieselbe 3pCt. 
metallischen Eisens entspricht. [Löslich in 5 Th. Wasser. Schwärzt nicht die 
die Zähne bei seiner Anwendung. — 10,0 10 Pf.] 



Slf» Fcrnim oxydaiam nigrum. 



Innerlich: zu 0,5-3,0 und raehr [theelöffelwcise bei Arsenik Vergiftung], 
in Pulvern [pure], Pillen, Pastillen [0,06], in Lösung, Syrup [vergl. 
Syrupus Ferri oxydati solubilis. Mit Malzextract verbunden , ähnlich wie Extractum 
Malti ferratum. Auch in Bonbons als „Eisenliqueur-Bonbons" fabricirt. Eine ganz 
unzweckmässige Form.] 

Das Präparat ist besonders von Leber! als Tonicura sehr empfohlen, 
sowohl für Kinder als Erwachsene, desgleichen von Jeaniiel. Nach H. Köhler 
findet CS eine ausgezeichnete Verwendung gegen Arsenik Vergiftung; der- 
selbe giebt es in gehäuften Theelöffeln pro dosi, Anfangs viertelstündlich, 
später seltener; die Darreichung von Eiweiss und Salzen ist dabei zu 
vermeiden. 

754. Hf 

Ferri oxydati sacch. solub. 10,0 

solve in 
Aq. dest. 50,0 
Syr. Croci 25,0. 
D. S. 3stdl. 1 Theclöffel. 

Ferrum oxydulatum nii^ruiii. Forrum oxydato-oxydulatum Pb. Anstr. 
Aethiops martialis. Scale ot Iron. Eisenoxydul-Oxyd. Schwarzes 
Eisenoxydul. [1,0 etwa 10 Pf] 

Innerlich: zu 0,1-0,6 mehrmals täglich, in Pulvern oder Pillen. 



755. Bf 

Ferri oxydul. nigri 
Bad. Colomho ana 3,0 
Elaeosacch. Cinnam. 0,0. 
M. f. pulv. Div. in 10 part. aeq. D. in 
Chart, cor. S. Täglich 3 Pulver. [Bei 
Chlorose, Amenorrhoe.] Brera. 



756. Bf 

Ferri oxydul. nigri 

Extr. Ferri pomati ana 5,0 

Rad. Calami pulv. q. s. 

F. pil. 50. Consp. Pulv. Rad. Calami. 
D. S. 3 mal täglich 2-5 Stück. 



Ferrum peptonatum siecum. Pepton-Eisen. [Gine Verbindung von 
Pepton 1 mit Liq. ferri oxyd. dialysat. 99, bei gelinder Wärme zum Syrup eingeengt, 
auf Glastafeln aufgestrichen und bei 30 — 40 '^ ausgetrocknet. 100 Th. enthalten 
80 pCt. Eisen und 20 pCt. Pepton. Zu 0,1-0,2 pro dos. — Jedenfalls ein rationelleres 
Präparat als Ferr. albuminat., obgleich seine grössere Resorbtionsfahigkeit vor anderen 
Eisenverbindungen auch noch zweifelhaft ist, und das hinsichtlich des Eisenalbumi- 
nats Gesagte auch hier gilt. — 1,0 10 Pf.] 

Ferrum pliospliorieuill« Ferrum phosphoricum oxydulatum. Phos- 
phas ferrosus. Ferrum phosphoricum oxydato-oxydulatum. Protophos- 
phate of iron. Phosphate ferroso-ferrique. Phosphorsaures Eisen- 
oxydul. [Unlöslich. — 10,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,5 mehrmals täglich, in Pulvern, Pillen, 
Pastillen [besonders bei Rachitis, in der Reconvalescenz nach schweren Krank- 
heiten, Schwächezuständen der Kinder empfohlen.] 

Fermm phosphoricum oxydatum. Phosphas ferricus. Phosphor- 
saures Eisenoxyd. In der Ph. Aastr. und im früheren C»d. med. Hamb. 

officinell. [In Wasser unlöslich. — 10,0 etwa 20 Pf.] 

Innerlich: wie das vorige. 

Aeusserlich: [in wässeriger Phosphorsäure gelöst, als Liq. Schob elti] 
gegen cariöse Zähne und Zahnschmerzen [Charpie, mit diesem Liquor befeuchtet, 
auf die leidenden Zähne gebracht], in Salben [1-5 auf 10 Fett — bei Krebs]. 

Ferrum phosphoricnm oxyitatum eum Natro citrico« _Natrium- 

|IF* ^ 754-756. DigitizedbyV^OOgle 



Ferrum pulveratum. 317 



ferricitriphosphat. Phosphorsaures Eisenoxyd mit citrönensaurem Natron. 
[Von Ilirteii8«n als leicht lösliches und in seinen Lösungen haltbares Präparat em- 
pfahlen. Blassgrüne glänzende Lamellen, leicht löslich in Wasser, von salzigem aber 
nicht styptischen Geschmack. Enthält 14 pCt. £isen.] Besonders zu subcutanen 
Injectionen und für die Kinderpraxis empfohlen. 

Ferrum pomatmn s. Extractum Ferri pomati. 

♦Ferrum pulveratnm. Limatura Ferri s. Martis alcoholisata s. 
praeparata. Alcohol Martis. Iron filings. Limaille de fer preparöe ou 
porphyrisee. Gepulvertes Eisen. Eisenpulver. Eisenfeile. i[10,0 10Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-1,0 mehrmals täglich, in Pulvern [mit aromati- 
schen Zusätzen — der Zusatz von Absorbentien , wie Magn. carbon., Conch. praep. 
u. s. w. scheint, obgleich sehr gebräuchlich, doch insofern unzweckmässig, als er das 
Lösungsmittel für das Eisen bindet und somit dessen Wirksamkeit beschränkt], 
Pillen, Latwergen [in denen es sich aber in kurzer Zeit oxydirt], Trochisci 
[zu 0,12 vorräthig] und zur Bereitung von Eisenwein. 



757. IV 

Ferr. pulv. 

Pulv. Rad. Calami 

Pulv. Cort. Cinnam. Cass. ana 5,0. 
M. f. pulv. Div. in 15 part. aeq. MDS. 
3 mal täglich 1 Pulver. 



758. H- 

Ferri pulv. 

Cort. Cinnam. ana 0,1-0,2 
Sacch. alb. 0,r. 
M. f. pulv. d. tal. dos. No. 10. S. Vor 
jeder Mahlzeit 1 Pulver. [Bei Chlo- 
rose.] 

Teiiiier.. 



759. IV 

Ferri pulv. 0,06 
Cort. Cinnam. Cass. 0,12 
Magn. carb. 0,3 
Sacch. alb. 1,2. 
M. f. pulv. Disp. tal. dos. No. 6. .D. S. 
Früh und Abends ein halbes Pulver. 
[Bei Rachitis, Atrophie.] 

Pulvis antatrophicus Ph. paup. 



760. Bf 

Ferri pulv. 4,0 

Pulv. Cort. Cinnam. Cass. 2,0 

Extr. Card, bened. q. s. 
F. pil. No. 60. Consp. Cass. D.S. 3 mal 
täglich 3-4 Stück. Oesterlen. 



Ferrum pyrophosphorieum oxydulatam. Pyrophosphas ferricus. 
Pyrophosphate of iron. Pyrophosphate de fer. Pyrophosphorsaures 
oder brenzpliosphorsaures Eisenoxyd. [Weisses, unlösliches, luftbestän- 
diges Pulver. -- 10,0 20 Pf.] 

Innerlich: zu 0,1-0,3-0,6 mehrmals täglich, in Pulver, Pillen 
oder in kohlensaurem Wasser gelöst [Soltinauu's Aqua Ferri pyrophos- 
phorici = 0,06 in 200,0 Wasser. — Von Saquet sind Pätes alimentaircs au 
pyrophosphate de fer dargestellt und von Decaisne gerühmt worden. Dieselben 
können unter der Form der Suppe Mittags genommen werden und sollen durch Ab- 
wesenheit des styptischen Geschmacks und der stopfenden Wirkung sich auszeichnen. 
Jedes Stück soll 0,15 Eisen enthalten]. 

Ferrmn pyrophosphorieam cum Ammonio eitrico« [Eine Auf- 
lösung von 84 INatr. pyrophosphoric. wird mit einer Auflösung von 84 Liq. Ferri 
sesquichlorat. gemischt. Der entstehende Niederschlag gut ausgewaschen und in eine 
Lösung von 26 Citronensäure. welche vorher mit Liq. Ammou. caust. bis zu schwach 
alkalischer Reaction gesättigt ist, eingetragen. Nachdem der Niederschlag sich hierin 
aufgelöst hat, wird die Flüssigkeit zur Syrupsdicke abgedampft und dann auf flachen 
Platten ausgebreitet, vorsichtig ausgetrocknet. Es enthält ]8pCt. metallischen Eisens. 
Gelblich grüne, glänzende, in Wasser vollständig lösliche Schüppchen, welche schwach 
nach Eisen schmecken. — 1.0 5 Pf] 



Sl8 Jerruin reductum. 



Innerlich: zu 0,1-0,5, in Pulvern, Pillen, Lösung. [In neuerer 
Zeit vielfach angewendet, namentlich von ISriesinger als leicht verdauliches und er- 
träglich schmeckendes Eisenpräparat gern gegeben.] Vergl. auch Natrum pyro- 
phosphoricum ferratum. Dieses und das vorhergehende Präparat sind 
nichts anderes als phosphorsaures Eisen und wie dieses als obsolet zu 
betrachten. Das phosphorsaure Eisen wird nämlich durch Fällen von 
Ferr. sulfur. mit vorher geglühtem phosphorsauren Natron (daher pyro- 
phosphoricum) dargestellt, wobei sich einfach phosphorsaures Eisen bildet. 

761. Bf 

Ferri pyrophosphor. c. Ammonio citr. 2,5 

solve in 
Aq. dest. 100,0 
Syr. Aurant. Flor. 20,0. 
MDS. 2-3 mal täglich 1 Esslöfifel. Grieiinger. 

♦Perrum redictanit Ferrum Hydrogenio reductum. Reduced iron. 
Fer reduit par l'hydrogene. Beducirtes Eisen. [Ein im höchsten Grade 
fein zertheiltcs Pulver, welches durch Reducirung des rothen Eisenoxyds mittelst eines 
Wasserstoffgasstromes in der Rothgluhhitze erhalten wird ; glanzlos, leicht, von schie- 
fergrauer Farbe. — 10^0 25 Pf.] 

Innerlich: zu 0,05-0,2 mehrmals täglich, in Pulvern, Pillen 
oder am besten in Pastillen. [Dieses von (tieTeime zuerst in die Praxis ein- 
geführte Eisenpräparat darf als das der Verdauung am leichtesten zugängliche und 
darum als sehr zweckmässig bezeichnet werden.] Ein vortreffliches Präparat 
ist die gleichfalls von (tnereniie vorgeschlagene Verbindung von Ferrum 
reduct. mit Chocolade [5.0 ad 1000,0], die sogenannte Eisenchocolade, 
die in Tafelform gebracht und wie andere Chocolade infundirt wird, etwa 
40,0 zu einer Tasse, welche somit 0,2 Ferrum reductum enthält. — Eine 
ganz besondere Empfehlung verdienen, zumal für die Kinder- und Frauen- 
praxis, die Eisenchocoladepastillen,. welche in den Apotheken [0,06 
Ferr. reduct. zu einem Trochiscus] vorräthig sind. Auch Eisen-Drag6es 
werden von (tiereniie empfohlen: aus Ferrum reduct. 100,0 und Sacchari 
900,0 werden 2000 Dragees bereitet, von denen jede demnach 0,05 Eisen 
enthält. 



762. Bf 

Ferri reduct. 0,1 
Cort. Chin. pulv. 
Elaeosacch. Menth, pip. ana 0,5. 
M. f. pulvis. Dispens, tal. dos. No. 20. 
D. S. Morgens und Abends 1 Pulver zu 
nehmen. 



763. Bf 

Ferri reduct 2,5 

Sem. Cacao ab Oleo libcrat. 

Sacchar. ana 5,0 

Mucil. Gummi Arab. q. s. 
ut f. pil. No. 100. Consp. Sacch. D. S. 
3 mal täglich 2-5 Pillen. 



^Ferrum sesquicUoratani* Ferrum sesquichloratum crystallisatum. 
Ferrum chloratum oxydatum. Sesquichloride of iron. Perchlorure de 
fer crystallis6. Eisenchlorid. Eisensesquichlorid. [Gelbe krystallinischo 
trockene, an der Luft sehr leicht zerfliessliche Masse. — 10,0 10 Pf. Von BeebaMp be- 
sonders bei Hämorrhagie und Diarrhoe empfohlen. Das Präparat kommt jedoch selten 
als solches zur Anwendung. Es zieht das Wasser sehr stark an , deshalb für Pulver 
ganz unbrauchbar. Selbst Pillen, zu deren Darstellung man sich dieses Präparates 
bedienen wollte, wären vor dem Zerfliessen kaum zu schützen, und für die flüssigen 
Formen bedient man sich selbstverständlich mit grösserem Vortheil des Liq. Ferr. 
sesquichlorati (s. diesen). Das Mittel wird auch zur Bereitung des Spiritus Ferr. 
sesquichlorati aethereus Ph. Aistr. benutzt, und besteht etwa zu einem Drittel aus 

i9^ Bf 761-763. Digitizedby^OOgie 



Ferrum sal^oricum. 



3ld 



metallischem Eisen. Aeusserlich: von Beehaiip als Haemostaticum empfohlen, 
soll blutstillend wirken, ohne zu aj^zen.] 

Ferrom sesqniehloratom solntam s. Liquor Ferri sesquichlorati. 

Ferrm sesquijodatom solntm s. Liq. Ferri sesquijodati. 

Fermm snlfaratmii. Schwefeleisen. . [100,0 etwa 30 Pf.] 

Innerlich: zu 0,05-0,2 in Pillen [gegen Hautkrankheiten von Biett 
und CueMve verordnet. — Ein widriges und erfolgloses Mittel. — Nicht in Abkür- 
zung zu verschreiben, sonst Verwechselung mit Ferr. sulfuricum I]. 

Das frisch aus Eisensaizen mit Schwefelalkalien gefällte Schwefel- 
eisenhydrat wurde von Hltlhc gegen Metallvergiftungen [Sublimat-, Kupfer- 
vergiftung] vorgeschlagen. 

^Ferrum snlforiewB« Ferrum sulfuricum purum. Ferrum sulfuri- 
cum Ph. Aistr. Ferrum sulfuricum oxydulatum. Ferrum sulfuricum cry- 
stallisatum. Vitriolum Martis purum. Sulfas ferrosus cum Aqua purus. Sul- 
phasofiron. Vitriol de fer. Ferrosulfat. Schwefelsaures Eisenoxydul. 
Reiner Eisenvitriol. [Ein krystallinisches, an trockner Luft verwitterndes Pulver, 
welches sich in 2-8 Th. Wasser mit grünlich blauer Farbe löst. — 10,0 5 Pf.] 

Innerlich: zu 0,05-0,5 mehrmals täglich, in Pulvern, Pillen, 
Pastillen [zu 0,06] und Solutionen. 

Aeusserlich: zu Injectionen [0,5-2,5 auf 100,0 bei Blennorrhöen der 
Urethra, Vagina u. s. w.; stärkere Lösungen bis zu 1 auf 5-10 als Stypticum bei 
passiven Blutungen], zu Bädern [Eisenvitriol 30,0-60 und Kali carbon. e einer, 
etwa 120,0: tobereiner] , Salben [1 zu 10-30 Fett], Linimenten [fein ge- 
pulvert und mit Ol. Lini verrieben. Diese Mischung wird als wirksamstes Mittel 
gegen die durch Cyankalium bedingten Geschwüre und als Prophylacticum gegen 
dieselben bei Vergoldern gerühmt: ftn der Weyde], Augenwässern [Bähungen: 
0,05-0,2 auf 25,0; Tropfwässern: doppelt so stark], Augenpulvern [0,5-1,0 
auf 10 Zucket], Streupulvern [mit Alaun, Kohle, Myrrhe u. s. w. bei Blu- 
tungen, atonischen Geschwüren u. s. w.]. [Vergl. noch Ferrum sulfuricum crudum, 
das zu manchem äusserlichen Gebrauche genügt.] 



764. I^ 

Ferr. sulfuric. 0,1 
Elaeosacch. Calami 0,5 
M. f. pulv. D. tal. dos. No. 10. D. in chart. 
cerat. S. Morgens und Abends 1 Pulver. 

765. Bf 
Ferr. sulfuric. 
Santonini ana 0,05 
Sacch. alb. 0,5. 

M. f. pulv. Disp. tal. dos. No. V2. D. in 
Chart, cerat. S. vi mal täglich 1 Pulver. 
[Bei Helminthiasis.] 

7G6. I!r ^ 

Ferr. sulfuric. 0,25 
Rhiz. Zingiber. 0,5-1,0. 
pulv. D. tal. dos. No. 10. S. Morgens 



und Abends 
Chlorose.] 
7G7. Bf 



Pul