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Full text of "Handbuch der chemischen Technologie; unter Mitwirkung von Direktor Th. Beckert [u.a.]"



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HANDBUCH 



DER 



CHEMISCHEN TECHNOLOGIE 



UNTER MITWIRKUNG 
VON 

Direktor Th. Beckert, Dr. Bender, Dr. Benedict, Dr. Börnstein, 

Dr. Brand, Dr. Buntrock, Dr. Hecht, Dr. von Helmolt. Dr. Jurisch, 

Dr. Lange, Prof. Dr. Prausnitz 

HERAUSGEGEBEN VON 

DR O. D A M M E R. 



FÜNF BÄNDE. 



I. Band. 



MIT 191 IN DEN TEXT GEDRUCKTEN FIGUREN. 



STUTTGART. 
VERLAG VON FERDINAND E N K E. 

1895. 



3 , S . 57 



m-5' 



Druck der üiiion Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart. 



V o r w o r t. 



JJas vorliegende Handbuch der Chemischen Technologie soll eine 
Mittelstellung einnehmen zwischen den neueren Lehrbüchern, die aus- 
schliesslich für Studirende geschrieben Avurden und den grossen, viel- 
händigen Werken, die nur Wenigen zugänglich sind. Bei der Bear- 
beitung unsres Handbuchs wurde wesentlich Rücksicht genommen auf 
die Bedürfnisse des älteren Studirenden, der tiefer eindringen will, 
aber auch auf den Praktiker, der unser Werk als Nachschlagebuch 
benutzt. Die Angabe der Quellen ermöglicht dem Leser, auf die Ori- 
ginalpublikationen zurückzugehen und dies wird erleichtert durch die 
Beigabe einer synchronistischen Zusammenstellung der wichtigsten tech- 
nologischen Journale. Diese Zusammenstellung weist auch bei etwaiger 
Unerreichbarkeit einer Originalarbeit denjenigen Band eines Referate 
bringenden -Journals nach, in welchem ein Bericht über jene Arbeit 
zu suchen ist. 

Wir haben uns nicht begnügt mit der Beschreibung der tech- 
nischen Operationen und Apparate, wir haben vielmehr jedem Kapitel 
je nach Bedarf und Möglichkeit mehr oder minder ausführliche geschicht- 
liche Notizen vorausgeschickt, und dann die Rohstoffe, ihr Vorkommen 
und ihre Untersuchung eingehend besprochen. Ebenso wurde über die 
Eigenschaften der Produkte und ihre Verwendung das Wichtigste mit- 
getheilt und die Prüfung der Rohstoffe und fertigen Produkte mindestens 
überall angedeutet. Grossen Werth lege ich auf die Berücksichtigung 
der wirthschaftlichen Verhältnisse der einzelnen Lidustriezweige. Die 
Darlegung derselben konnte freilich bei diesem ersten derartigen Ver- 
such nicht überall gleichmässig durchgeführt werden, aber es wird eine 
Fülle von werthvollen Angaben geboten, welche namentlich auch auf 



IV Vorwort. 

den Studireudeu anregend wirken dürften. Im Anscliluss an diese 
Kapitel ist die Statistik meist sehr ausführlich behandelt worden. 

Bei dem Zusammenwirken vieler Mitarbeiter konnte vollkommene 
Gleichraässigkeit nicht erreicht werden, hier und da waren kleine Wieder- 
holungen unvermeidlich und absichtlich wurden solche gemacht, wo es 
die Abrundung und die Rücksicht auf die selbständige Benutzung der 
einzelnen Bände geboten erscheinen Hess. Möge man unter Berück- 
sichtigung der Schwierigkeiten einer solchen Arbeit das Geleistete nach- 
sichtig beurtheilen. 

Wenn ich mich allen Mitarbeitern für die mir geleistete Hülfe 
verpflichtet fühle, so möchte ich doch an dieser Stelle ganz besonders 
Herrn Dr.-Jurisch für seine mir erwiesene unermüdliche Unterstützung 
meinen Dank aussprechen. Seinen reichen Erfahrungen verdanke ich 
in jeder Beziehung wirksamste Förderung. Ebenso habe ich dem 
Herrn Verleger zu danken für seine grosse Bereitwilligkeit bei der 
Ausstattung des Werkes und für die Geduld, die er oft sehr schwie- 
rigen Verhältnissen gegenüber bewahrt hat. 

Friedenau, im März 1895. 

Dammer. 



Inhaltsverzeichniss. 



Seite 

Sauerstoff 1 

Vorkommen 1. Geschichtliches 1. Darstellung: Aus 
KCIO3 1. Aus MnO., 2. Aus H2SO4 2. Aus NaNOg 2. Aus Chlorkalk 3. 
Uebersicht 3. Aus atmosphärischer Luft 4. Nach Gebr. Brin mit BaO') 5. 
Flaschen für komprimirten 9. Darstellung mit CaCO-^ und PbÖ 9. 
Mit NaOH und Mn02 10. Eigenschaften 11. Knallgas 11. An- 
wendung: In der Eisenindustrie 11. In der Glasindustrie 11, 12. In 
der Metallurgie 12. Zu Kalklicht 12. Zur Darstellung von Schwefel- 
säureanhydrid 12. Zur Reinigung von Leuchtgas 12. 

Ozon 12 

Bildung 12. Vorkommen 12. Darstellung 13. Ozonröhren 13. 
Andere Methoden 14. Eigenschaften 14. Anwendung: Zum Ent- 
fuseln von Branntwein 15. Zum Bleichen 15. Zur Darstellung von 
HNO3 15. Zu medizinischen Zwecken 15. Ozonwasser, Ozonöl 15. 
Gegen Reblaus 15. Gegen Bakterien 15. Kompression des Ozons 15. 

Wasserstoffsuperoxyd 16 

Geschichtliches l(j. Vorkommen IG. Bildung 1(J. Darstel- 
lung 16. Eigenschaften 16. Nachweis und Erkennung 17. An- 
wendung: Als Bleichmittel 17. Haarwa.sser 17. Zum Restauriren von 
Oelgemälden 17. In der Photographie 17. In der Medizin 17. In der 
Zuckerindustrie 17. Zur Konservirung von Milch 17. In den Gährungs- 
gewerben 17. Als Antichlor 17. 

Wasserstoff 18 

Vorkommen 18. Geschichtliches 18. Darstellung: Aus Wasser- 
dampf und glühendem Fe oder glühender Kohle 18. Aus Metallen und 
Säuren 19. Aus NaOH. Ba(OH)o, Ca(0H)2 mit Kohle 19. Aus Zink und 
Ca(0H)2 etc. 19. Aus Fe und Ca(0H)2 20. Durch Elektrolyse 20. 
Eigenschaften 20. Anwendung: Als Knallgasgebläse 21. Als 
Luft-H-Gebläse 21. Zur Lichterzeugung 21. Wasserstoffbeleuchtung 21. 
Zum Füllen von Luftballons 21. Kompression des Wasserstoffs 21. 



Wasser 



Vorkommen 22. Regenhöhe 22. Meteorwasser 22. Quellen 23. 
Mineralwasser 24. Drainwasser 27. Flusswasser 27. Grubenwasser 31. 
Seewasser 31. Meerwasser 32. Verwendbarkeit des Wassers 33. 
Trinkwasser 33. Wasser für technische Zwecke 35. Künstliche Mineral- 
wässer 35. Reinigung von Trink- und Gebrauchswasser: Mittelst 
Kalk 39. Wasserglas 40. BaCOs 40. Alaun 40. Eisen 40. Filtration 40. 
Reinigung des Dampf kesselspeisewassers 42. Kesselstein 42. Verhin- 
derung der Bildung desselben durch HCl, Kalkmilch, Na2C03 und NaOH, 



Yl Inhaltsverzeicliniss. 

Seite 
MgO 46. BaClj und Kalkmilch, BaCOs, BaCL, und HCl 47. Anwendung 
von Apparaten 47. Mechanische Kesselsteinmittel 48. Destillirtes 
Wasser 50. Destillation von MeeiTs-asser 54. Wasserversorgung 56. 
Cisternen 57. Brunnen 57. Quellwasser 62. Flusswasser 62. Grund- 
wasser 63. Verhalten des Wassers gegen Bleiröhren 63. Chemische 
Untersuchung des Wassers 64. Eigenschaften 66. 

Eis 68 

Aufbewahrung 6^. Kältemischungen 69. Eismaschinen 71. 

Schwefel "9 

Vorkommen 79. Entstehung der Schwefellager SO. Gewinnung: 
Aus gediegenem Schwefel 81. Calcarelli und Calcaroni 82. Gillofen 83. 
Ringöfen 83. Ausschmelzen mit AVasserdampf 84. Destillation 85. 
Ausziehen mit CSq 85. Ausschmelzen mit Salzlösung 85. Aus Pyrit 86. 
Aus Gasreinigungsmasse 86. Sublimation des Rohschwefels und Schwefel- 
blumen 87. Destillation mit überhitztem Wasserdampf 89. Prüfung 
89,90. Eigenschaften 89. Anwendung: Zur Darstellung von H2SO4. 
SO2, Sulfaten. Sulfiten, Thiosulfaten, CS2 etc.. zu Eisenkitt, zu Spence- 
metall, zum Schwefeln, gegen Traubenkrankheit etc. 90. Wirthschaft- 
liches 90. Statistik 91. 

Schwefelkohlenstoff 95 

C-ieschichtliches 95. Darstellung: Aus Schwefel 95- Aus Schwefel- 
metallen 99. Reinigung 99. Prüfung 100. Eigenschaften 100. 
Anwendung: Als Lösungsmittel 102. Zum Extrahiren von S, Gewürzen, 
fetten Oelen 102. Zum Entfetten von Fasern, zur Gewinnung von Oel 
und Fett aus Putzlappen etc., aus Knochen 103. Zur Reinigung von 
Fetten, Paraffin. Wachsfirniss. zum Lösen von Theer, zum Betrieb von 
Motoren, zur Darstellung von Chemikalien, phönizischem Feuer, in der 
Galvanoplastik, zum Tödten schädlicher Thiere 103. Gegen Reblaus, als 
fäulnisswidriges Mittel etc. 104. Wirthschaftliches undStatistik 105. 

Chlorkohlenstoff und Chlorschwefel 106 

Schweflige Säure 108 

Vorkommen 108. Darstellung von wässeriger SO^ 102. Von 
flüssiger SOj 110. Eigenschaften 112. Bestimmung 114. Anwen- 
dung 114. Wirthschaftliches und Statistik 114. Versendung 115. 

Schwefligsaure Salze 116 

Schwefligsaures Natron 116- Prüfung, Anwendung als Anti- 
chlor, Bleichmittel, in der Zuckerfabrikation etc. 117. 

Saures schwefligsaures Katron 117. Prüfung, Anwendung als 
Antichlor etc. 117. 

Schwefligsaurer Kalk 117. Prüfung. Anwendung 118. 

Saurer schwefligsaurer Kalk 118. Prüfung, Anwendung 118. 

Zinksulfit 118. 

S chwef ligsau r e Salze, Wirthschaftliches und Statistik 123. 

Unterschwefiigsaure Salze 118 

Unter schwefligsaures Natron 119. Darstellung: Aus Na2S04 
119. Aus Sodarückständen 119. Prüfung 120. Eigenschaften 121. 
Anwendung: Als Antichlor, in der Photographie, Metallurgie, zum 
Reinigen von Schwefelsäure, zur Darstellung von Zinnober und Antimon- 
zinnober, Anilingrün. Zündhölzern, in der Färberei etc. 121. 

Unterschwefligsaurer Kalk 121. Darstellung 121. Prüfung 123. 
Anwendung: Zur Darstellung anderer Thiosulfate und des Antimon- 
zinnobers 123. 

Unterschwefiigsaure Salze, Wirthschaftliches und Statistik 123. 



Inlialtsverzeichniss. VII 

Seite 

Hydroschwefligsaure Salze 123 

Darstellung und Anwendung 124. 

Schwefelsäure 125 

Vorkommen 125. Geschichtliches 125. Handelssorten 127. 
Rohmaterialien 127. Schwefel 127. Gasreinigungsmasse 127. Schwefel- 
kies 128. Vorkommen des Pyrits 128. Prüfung, Wirthschaftliches und 
Statistisches über Pyrit 132. Zinkblende 135. Statistisches über Zinkblende 
136. Kupferkies und gemischte Erze 136. Oefen. Schwefelöfen 137. 
Pyritöfen 138. Stückkiesöfen 140. Feinkiesöfen 142. Oefen für Zinkblende 
144. Abbrände von Rohschwefel, Schwefelkies 147. Von Zinkblende 150. 
Röstgase 150. Bleikaramern 153. Gloverthurm 156. Gay-Lussac- 
thurm 159. Pumphaus 161. Betrieb des Bleikammersystems 162. Vor- 
gänge in der Bleikammer 162. Ausbeute an Schwefelsäure und 
Salpeterverbrauch 170. Reinigung der Schwefelsäure 173. Kon- 
zentration 175. In gusseisenien Kesseln 176. In Bleipfannen 176. 
In Steingutgefässen 177. Konzentration der gereinigten Säure 177. In 
Glasretorten 178. In Platingefässen 178. Darstellung völlig reiner 
H2SO4 185. 

Rauchende Schwefelsäure 186. Darstellung aus Vitriol- 
schiefer 186. Aus Natriumbisulfit 188. Eigenschaften der rauchenden 
Schwefelsäure 188. Prüfung 189. 

S c h w e f e 1 s ä u r e a n h y d r i d 189. 

Abänderungen in der Schwefelsäurefabrikation 190. 

Eigenschaften der Schwefelsäure 190. Anwendung der 
Kammersäure , der konzentrirten , der rauchenden Schwefelsäure 203. 
Des Anhydrids, der reinen Schwefelsäure 204. Wirthschaftliches 204. 
Versendung 205. Statistik 206. 

Nebenzweige der Schwefelsäurefabrikation : Gewinmmg von Cu, 
Fe, Zn, Tl aus Kiesabbränden 209. Gewinnung von Selen 210. 

Salz 211 

Vorkommen 211. Entstehung der Steinsalzlager 212. Gewin- 
nung aus Meerwasser 213. Verarbeitung der gemischten Salze, der 
Mutterlauge 216. Salzgewinnung durch Ausfrieren 218. Unter Benutzung 
von Brennmaterial 218. Steinsalz 219. Salzquellen 221. Gradirwerke221. 
Salzsoole 224. Reinigung der Soole 225. Versieden in offenen Pfannen 
225. Piccards Apparat 228. Verdampfapparate mit mehrfacher Wir- 
kung 229. Trocknen des Salzes 232. Untersuchung 232. Eigen- 
schaften 234. Anwendung 238. Wirthschaftliches 238. 
Denaturirung 239. Statistik 240. 

Chlorkalium und die Stassfurter Industrie 246 

Vorkommen 246. Die Stassfurter Salze 247. 

Chlorkalium 251. Darstellung 252. Eigenschaften 257. Unter- 
suchung 259. Anwendung 259. Wirthschaftliches und Statistik 259. 

Kainit (und Schönit) 265. Kalium magnesiumsulfat 265. 
Eigenschaften 267. Anwendung 268. Kalium sulfat 268. Darstel- 
lung 268. Eigenschaften 269. Wirthschaftliches und Statistisches über 
Kainit 269. 

Kieserit 271. Verarbeitung 271. Anwendung 272. Bittersalz, 
Darstellung, Prüfung, Eigenschaften 273. Anwendung 275. 

Glaubersalz 275. Vorkommen 275. Geschichtliches 275. Dar- 
stellung 275. Calcinirtes Glaubersalz 276. Eigenschaften 276. An- 
wendung 279. Wirthschaftliches und Statistik 279. 

Boracit 279. Verarbeitung 280. Borsäure aus Stassfurtit 280. 
Statistisches 281- 

Chlor magnesium aus Endlauge 282. Vorkommen 282. Dar- 
stellung 282. Eigenschaften 283. Anwendung zum Schlichten der 
Fäden etc. 284. XVirthschaftliches und Statistisches 284. Uebersicht 
der Stassfurter Industrie 284. 



Vni Inhalt sverzeichuiss. 

Seite 
Brom 285. Vorkommen 285. Gescliiclitliches 285. Darstellung 285. 
Eigenschaften 287. Anwendung 288. Bromum solidificatum 288. 
Bromeisen 288. Bromkalium 288. Darstellung 288. Prüfung 
288. Eigenschaften 288. Anwendung 289. Wirthschaftliches und 
Statistisches 289. 

Salpeter 292 

Geschichtliches 292. Natriumnitrat 292. Vorkommen und Bil- 
dung 292. Gewinnung des Natronsalpeters in Chili 293. Reinigung 296. 
Untersuchung 297. Eigenschaften 297. Anwendung 298. Zur Dar- 
stellung von H2SO4, HNO3, KNO3, chemischer Glühkohle, als Dünge- 
mittel, in der Stahlfabrikation, zu Sprengpulver etc. 299. Wirthschaft- 
liches und Statistik 299. Versendung 303. 

Natriumnitrit. Darstellung 303. Untersuchung 304. 

Kaliumnitrat 304. Vorkommen und Bildung 804. Darstellung 
in Indien, in Salpeterplantagen 305. Konversionssalpeter 306. Prüfung 
308. Eigenschaften 308. Anwendung zu Schiesspulver, schwarzem und 
weissem Fluss etc. 309. Wü-thschaftliches und Statistik 309. 

Kaliumnitrit 312. Cal ciumnitr a t 312. 

Salpetersäure 314 

Geschichtliches 314. Vorkommen und Bildung 314. Dar- 
stellung 314. Kitte für die Fabrikation 322. Salpeterkuchen 323. 
Reinigung der rohen Salpetersäure 324. Darstellung völlig reiner Sal- 
petersäure 325. Salpetersäureanhydrid 32G. Rothe rauchende 
Salpetersäure 326. Andere Methoden der Salpetersäuredarstellung 326. 
Untersuchung 827. Eigenschaften 328. Königswasser 328. An- 
wendung 832. Zur Darstellung von H2SO4, zum Aetzen von Stahl 
und Cu, zum Gelbbi-ennen von Messing und Bronze, zur Darstellung 
von Metallpräparaten , zu Nitrirungen , in der Färberei und Zeug- 
druckerei, zur Darstellung von Dextrin 332. Wirthschaftliches 333. 
Statistik 336. 

Stickstoffoxydul 339 

Geschichtliches 339. Durstellung 339. Untersuchung 340. 
Eigenschaften 340. Anwendung als narkotisches Mittel 840. 
Wirthschaftliches 340. Versendung 340. 

Natriumsulfat 341 

Geschichtliches 341. Vorkommen 341. Darstellung 341. 
Aus Mutterlaugen der Salinen, aus Pfannenstein 341. Durch Rösten 
von Kochsalz mit Metallsulfüren 341. Durch Glühen von Kochsalz mit 
Sulfaten 342. Aus Kochsalz und H2SO4 342. Rohmaterialien 343. 
Flammofen mit Bleipfanne 344. Muffelofen mit Eisenpfanne 347. 
Mechanische Oefen 350. Darstellung des Sulfats aus NaCl, SO2 und 
feuchtem 0. Reinigung und Krystallisation 353. Eigenschaften 354. 
Anwendung 355. Untersu chung 355. Wirthschaftliches 
und Statistik 356. 

Soda 358 

Geschichtliches 359. Vorkommen 359. Entstehung der natür- 
lichen Soda .859. Darstellung 360. I. Aus Pflanzenasche 360. II. Aus 
Kochsalz 360. Aus Kochsalz mit PbO 860. Aus zunächst hergestelltem 
Natriumbikarbonat 361. Mit Natriumoxalat 361. Mit Natriumfluorid und 
Kieselfiuomatrium 361. Mit Natriumaluminat, mit Natriumsilikat 362. 
Zersetzung durch den elektrischen Strom 362. III. Soda aus Natrium- 
sulfat durch Umsetzung mit den alkalischen Erden 362. Durch Umsetzung 
mit den Karbonaten der alkalischen Erden 362. Durch Umsetzung 
mit Phenolcalcium 363. Durch Glühen mit Thonerde oder Kieselsäure 
363. IV. Soda aus Natriumsulfid durch Behandeln mit CO., 863. Durch 



luhaltsverzeichniss. IX 

Seite 
Glühen mit kohlensaurem Kalk 364. Durch Glühen mit Eisenoxycl 305. 
V. Soda aus Kryolith 366. ' 

Ammoniaksoda 307. Darstellung der CO2 367. Darstellung 
der amraoniakalischen Salzlösung 368. Die Karbonisation 370. Trennung 
des Bikarbonats von der Mutterlauge 372. Darstellung von Soda aus 
dem Bikarbonat 372. Destillation der Salmiaklaugen mit Kalk 373. 

L e b 1 a n c - S d a 375. Rohmaterialien 375. Schmelzen der Rohsoda 
376. Sodaofen für Handbetrieb 376. Mechanischer Ofen 377. Auslaugen 
der Rohsoda 381. Eindampfen und Karbonisiren der Rohlauge 383. Cal- 
ciniren der Soda 380. Raffiniren der Soda 388. Theorie der Sodabildung 388. 

Sodarückstand 389. Verarbeitung nach Schaffner 390. Ver- 
fahren von Mond 392. Verfahren von Hofmann 393. Verfahren von 
Schaffner und Heibig 394. Verfahren von Miller und Opl 395. Ver- 
fahren von Chance 395. 

Krystallsoda 398. 

Eigenschaften der Soda 393. Untersuchung 399. Verwen- 
dung 402. Betriebsresultate 402. 

Kaustische Soda 403. Darstellung 403. Eigenschaften 406. 
Untersuchung 406. Betriebsresultate 406. Verwendung 407. 

Natriumsuperoxyd 407. Magnesiumsuperoxyd 408. 

N a t r i u m b i k a r b o n a t 408. Eigenschaften 408. Verwendung 408. 
Untersuchung 408. 

Wirthschaftliches und Statistik über Soda 409. 



Natrium 

Geschichtliches 413. Darstellung 413. Aus Natriumkarbonat, 

Holzkohle und Kreide 413. Aus Aetznatron und Kohle 414. Aus Aetz- 

natron und Kohlenstoffeisen 415. Durch Elektrolyse aus Aetznatron 416. 

• Durch Elektrolyse aus Kochsalz 416. Betriebsresultate 417. 

Eigenschaften 418. Anwendung 418. Wirthschaftliches 418. 

Salzsäure 

Geschichtliches 419. Vorkommen 419. Darstellung 419. 
Als Nebenprodukt der Sulfatfabrikation 419. Andere Methoden 419. 
Kondensation des Chlorwasserstoffs 419. Transport 423. Reinigung 423. 
Untersuchung 424. Eigenschaften 425. Anwendung 425. 
Wirthschaftliches und Statistik 425. 



Chlor 



Geschichtliches 428. Darstellung 428. 1. Aus Braunstein 429. 
Manganerze 429. Darstellung des Chlors 430. Verwerthung der sauren 
Manganlaugen 432. 2. Regenerirung von Braunstein und Darstellung 
von Cl aus°demselben 432. Verfahren von Dunlop 432. Verfahren von 
Weldon 433. Verfahren von De Wilde und Reychler 430. Verfahren 
von Macfarlane 430. 3. Chlordarstellung aus Salzsäure und Luft 436. 
Deacon's Verfahren 436. 4. Chlordarstellung aus Chloriden 488. a) Aus 
Chlorniagnesium 438. Verfahren von Weldon und Pechiney 438. Ver- 
fahren von Schlösing 439. Verfahren von Neustassfurt 439. b) Aus 
Cblorcalcium 439. c) Aus Chlorammonium 440. 5. Chlordarstellung 
mit Benutzung von HNÜ3 440. Verfahren von Dunlop 440. Verfahren 
von Schlösing 441. Verfahren von Donald 441. 0. Chlordarstellung 
durch Elektrolyse 441. Verfahren von Spilker und Löwe 442. Ver- 
fahren von Marx 442. Verfahren von Hermite und Dubosc^ 442. 
Untersuchungen. Werthbestimmung des Braunsteins 442. Unter- 
suchung von Weldonschlamm 442. Untersuchung der Deacongase 443. 
Eigenschaften 443. Ausnutzung der Salzsäure beim Braunsteinver- 
fahren 443. Bei Weldon's Kalkverfahren 443. Beim Deaconprozess 444. 
Verfahren von Hasenclever, Lurge. Solvay 444. Weldon Pechineyprozess 
444. Thermochemische Berechnungen 444. Herstellungskosten 445. 
Wirthschaftliches 446. Flüssiges Chlor 446. 



413 



419 



428 



X Inhaltsverzeichniss. 

Seite 

Chlorkalk 448 

Geschichtliches 448. Rohmaterial 448. Darstellung 449. Unter- 
suchung 452. Eigenschaften 45-3. Konstitution des Chlorkalks 453. 
An-wendung 453. Wirthschaftliches und Statistik 4-54. 

Chlorsaures Kali 456 

Geschichtliches 456. Darstellung 457. Untersuchung 461. 
Eigenschaften 461. Anwendung 462. Herstellungskosten 462. 
Chlorsaures Natron. Darstellung 4Go. 
Wirthschaftliches und Statistik über Chlorate 464. 
Bleich flüssigkeiten 464. Flüssiger Chlorkalk 464. Antichlor 

464. Chlorsoda, Eau de Labarraque 465. Fleckwasser 465. Chlorozon 

465. Eau de Javelle 465. Magnesiableichflüssigkeit 465. Thonerde- 
bleichflüssigkeit 465. Zinkbleichflüssigkeit 465. Bleichen mit Hilfe der 
Elektricität 466. Lithanoden 466. 

Kaliumsulfat 467 

Geschichtliches 467. Vorkommen 467. Darstellung aus 
Kainit oder Schönit 467. Darstellung von Kaliummagnesiumsulfat 468. 
Darstellung von Kaliumsulfat a) aus Schönit und Chlorkalium 469. 
b) Aus Schönit oder Chlorkalium und Magnesiumsulfat 470. Aus Schönit 
oder Kaliumsulfat und Ammoniak 470. Aus Chlorkalium und Schwefel- 
säure 471. Untersuchung 471. Eigenschaften 471. Anwendung 
472. Wirthschaftliches 472. 

Pottasche 473 

Geschichtliches 473. Darstellung aus Holzasche 473. Wald- • 
asche und ßrennasche 474. Fluss , Salin 474. Steinasche 474. Perl- 
asche, Kasanasche 475. Pottasche aus Schlempekohle der Rübenmelasse 
475. Pottasche aus Wollschweiss 477. Darstellung von Pottasche nach 
dem Leblancprozess 478. Andere 'Verfahren 479. Hydratisirte Pott- 
asche 482. Reines Kaliumkarbonat 482. Untersuchung 482. Eigen- 
schaften 483. Wirthschaftliches 485. Statistik 485. 

Kaliumbikarbonat 486. Darstellung 486. Eigenschaften 487. 
Anwendung 487. 

Aetzka 11487. Darstellung 487. Untersuchung 488. Eigenschaften 
488. Anwendung 489. Statistik 4S9. 

Kalium 489. Darstellung 489. Eigenschaften 490. Anwendung 490. 

Ammoniak und Ammoniaksalze 491 

Geschichtliches 491. Vorkommen 491. Darstellung 491. 
Aus Gaswasser 491. Aus faulendem Harn 507. Aus thierischen Sub- 
stanzen 509. Aus Rübenzuckersaft 510. Aus Melassenspiritusschlempe 
510. Darstellung von Salmiakgeist 511. Eigenschaften 512. Unter- 
suchung 512. Anwendung 512. 

Amnioniumsulfat 513. Darstellung 513. Eigenschaften 514. 
Anwendung 514. Wirthschaftliches 514. 

Ammoniumchlorid 514. Geschichtliches 514. Darstellung 515. 
Sublimation 517. Reinigung 517. Eigenschaften 518. Anwendung 518. 

A m m n i u m k a r b n a t 518. Darstellung 518. Eigenschaften 518. 
Anwendung 519. 

Ammoniumnitrat 519. Ammoniumphosphat 519. 

Werthbestimmung der Ammoniaksalze 519. Wirthschaft- 
liches und Statistik 520. 

Jod 522 

Geschichtliches 522. Vorkommen 522. Darstellung 522. 
Aus der Asche von Seepflanzen 522. Mit Braunstein und Schwefel- 
säure 524. Mit Chlor 525. Mit Eisenchlorid 525. Mit Kaliumchlorat, 



Inhaltsverzeichnis.*. XI 

Seite 
mit Kaliumbichromat 526. Verkohhnig, trockene Destillation der Tange 
526. Fällung des Jods als Kupferjodür 526. Gewinnung des Broms 
neben Jod 527. Sublimation des Jods 527. Darstellung von Jod aus 
Chilisalpeter 528. Durch Chlor 528. Durch Fällung als Kupferjodür 529. 
Jod aus Phosphoriten 529. Prüfung 529. Eigenschaften 530. 
Anwendung 530. Statistik 530. 

Jodkalium 530. Darstellung aus Jod und Aetzkali 580. Aus 
Eisenjodür und Kaliumkarbonat 531. Aus Baryumjodid und Kalium- 
sulfat 531. Aus Kupferjodür 531. Direkt aus Kelp 531. Prüfung 532. 
Eigenschaften 532. Anwendung 532. 



Fluorwasserstoffsäure und Fluorverbindungen 533 

Darstellung 533. Eigenschaften 534. Fluorkalium, Fluor- 
natrium, Fluorammonium 534. 

Kohlensäure 535 

Geschichtliches 535. Vorkommen 535. Gewinnung und Dar- 
stellung 535. Natürliche Kohlensäure 535. Darstellung aus Karbo- 
naten 536. Durch Verbrennen von Kohle 539. Austreibung aus Bi- 
karbonatlösung 541. Darstellung flüssiger Kohlensäure 542. Kohlensäure- 
flaschen 543. Eigenschaften 544. Anwendung 545. Zur Herstellung 
von Bleiweiss 545. Zur Herstellung von Natriumbikarbonat 546. Zur 
Darstellung von Soda 546. Als Konservirung.smittel 546. Zur Feuer- 
löschung 546. Zum Betrieb von Motoren 546. Zum Härten von Metall- 
guss 546. Zur Entfernung von Kesselstein 546. Zum Abziehen von 
Bier 546. Statistik 546. 

Cyanverbindungen 547 

Geschichtliches 547. Ferrocyankalium 547. Darstellung 547. 
Aus thierischen Abtallen 547. Theorie des Verfahrens 550. Aus Gasreini- 
gungsmasse 550. Prüfung 552. Eigenschaften 552. Anwendung 552. 

Ferricyankalium 553. Darstellung 553. Prüfung 553. Eigen- 
schaften 553. Anwendung 554. 

Cyanalkalien 554. Cyankalium 554. Darstellung aus Blut- 
laugensalz 554. Aus dem Stickstoff der Luft 555. Aus Ammoniak 555. 
Aus Rhodanverbindungen 555. Aus Trimethj-lamin 556. Aus Leucht- 
gas, Hochofengas 556. Prüfung 556. Eigenschaften 556. Anwendung 
557. Statistik 557. 

Rhodansalze 557 

Vorkommen 557. Darstellung 557. Synthetische Darstellung 557. 
Aus Gasreinigungsmasse 558. Kupferrhodanür 558. Rhodanbaryum 559. 
Rhodancalcium 559. Rhodanammonium 559. Rhodankalium 559. 
Rhodanaluminium 559. Prüfung 560. Eigenschaften 560. An- 
wendung 560. 

Bor und seine Verbindungen 561 

Vorkommen 561. Geschichtliches 561. Borsäure. Darstel- 
lung in Toskana 564. Zusammensetzung der rohen Borsäure 566. Rei- 
nigung 566. Borax 567. Gewinnung von natürlichem Borax 567. 
Darstellung von prismatischem Borax aus Borsäure 568. Feinkörniger 
Borax 570. Borax aus Boronatrocalcit 570. Borax aus Pandermit 572. 
Borax aus Boracit 573. Octaedrischer Borax 574. Untersuchung 574. 
Eigenschaften 575. Anwendung 575. Zu Zink- und Mangan- 
borat 576. Als konservirendes Mittel 576. In der Zahnheilkunde 576. 
In der Wundbehandlung 576. Zum Löthen und Schweissen 576. Zu 
Strass und Emaille 576. Boraxfirniss 576. In der Appretur 576. 
Borylkaliumsulfat in der Gerberei 577. Wirthschaftli ches 577. 
Statistik 577. 



XII Inhaltsverzeichiiiss. 

Seite 

Phosphor 581 

Geschichtliches 581. Vorkommen oSl. Darstellung 581. 
Aus Knochen 581. Raffination des rohen Phosphors 588. Andere Dar- 
stellungsmethodeu 591. Aus Bleiphosphat 591. Aus Ferriphosphat 591. 
Mit SO.) 591. Mit Quarzsand und Kohle 591. Mit Soda, Koks und 
Sand 591. Mit Kohle und HCl 592. Verbindung mit der Leimfabri- 
kation 692. Aus PhosiDhoriten 592. Aus Metaphosphorsäure und Zink- 
staub 593. Eigenschaften 593. Anwendung 594. 

Rother Phosphor 594. Entstehung 594. Darstellung 594. 
Eigenschaften 595. Prüfung 595. Statistik 596. 

Pho sp hör säur e. Darstellung 596. Aus Pho.sphor 596. Aus 
Knochen 597. Aus Phosphoriten 597. Anwendung 598. 

Natriumphosphat 598. Darstellung 598. Eigenschaften 599. 
Anwendung 599. 

Zündmittel »300 

Geschichtliches 600. Phosphorzündhölzer 601. Siclierheitszünd- 
hölzer 602. Statistik 604. 

Baryum, Strontium, Magnesium 605 

Baryum und Barj'umverbindungen 605. Geschichtliches 605. 
Vorkommen 605. Chlorbarj-um 605. Darstellung 605. Eigenschaften 
606. Anwendung 607. Baryumnitrat 607. Darstellung 607. Eigen- 
schaften 607. Anwendung 608. Baryumkarbonat 608. Darstellung 

608. Anwendung 608. Baryumsulfat 608 Schwefelbaryum 608. 
Darstellung 608. Eigenschaften 608. Anwendung 609 Prüfung 609. 
Baryumoxyd 609. Darstellung 609. Eigenschaften 609. Anwendung 

609. Baryumsuperoxyd 609. Darstellung 609. Eigenschaften 610. 
Anwendung 610. Baryum 610. Prüfung der Baryumverbindungen 610. 
Statistik 6n. 

Strontium und Strontiumverbindungen 611. Geschicht- 
liches 611. Vorkommen 611. Strontium 611. Strontiumoxyd 612. 
Strcntiumhydroxyd 612. Strontiumsulfid 612. Strontiumchlorid 612. 
Statistisches 612. 

Magnesium und Magnesiumverbindungen 613. Geschicht- 
liches 613. Vorkommen 613. Magn esiumsulfat 613. Vorkommen 618. 
Darstellung 613. Anwendung 614. Chlormagnesium 614. Ünter- 
chlorigsaure Magnesia 614. Magnesiumkarbonat 615. Vor- 
kommen 615. Darstellung 615. Eigenschaften 616. Anwendung 616. 
AVirthschaftliches 616. Gebrannte Magnesia 617. Darstellung 617. 
Eigenschaften 617. Anwendung 617. Magnesium 618. Darstellung 
618. Eigenschaften 618. Anwendung 618. Statistik 618. 

Thonerde und Thonerdeverbindungen 620 

Geschichtliches 620- Vorkommen 620. Thonerde 620. Dg,r- 
stellung 620. Thonerdehydrat 621. Darstellung aus Kryolith 621. 
Aus Bauxit 621. In Zeugdruckereien 624. Eigenschaften 624. Anwen- 
dung 624. Natriumalumiuat 624. 

Alaun 625. Vorkommen 625. Darstellung 625. Aus Alaunstein 625. 
Aus Alaunerde und Alaunschiefer 625. Aus Bauxit, Kryolith, aus Thonen 
630. Eigenschaften 631. Ammoniumalaun 631. Natriumalaun 632. 
Anwendung des Alauns 632. Thonerdesulfat 633. Darstellung 633. 
Eigenschaften 634. Wirthschaftliches 634. Aluminiumnitrat 635. 
Aluminium acetat 635. Aluminiumchlorid 635. Eigenschaften 
635. Natriumaluminium chlorid 635. Thonerdesulfit 636. 
Statistik 636. 

üitramarin 637 

Geschichtliches 637. Darstellung 638. Sodaultramarin 639. 
Sulfatultramarin 640. ültramarinviolett 641. Ultramarinroth 642. 



Inhaltsverzeichniss. XIII 

Seite 
Kombinirtes Sodasulfatverfabren 042. Zusammensetzung des Ültramai-ins 
642. Eigenschaften 643. Anwendung 643. Statistik 643. 

Nletallpräparate U44 

Eisenverbindungen 644. Eisenvitriol 644. Vorkommen 044. 
Darstellung 044. Schwarzvitriol 645. Doppelvitriol 64.5. Prüfung 645. 
Eigenschaften 645. Anwendung 646. Statistik 646. Eisen chlorid 640. 
Darstellung 640. Prüfung 640. Eigenschaften 646. Anwendung 64li. 
Eisenbeizen 647. Essigsaures Eisenoxydul 647. Salj^etersaures Eisen 
647. Basisches Eisennitrat 647. Eisenammoniakalaun 647. 

K u p f e r V e r b i n d u n g e n 647 . K u p f e r v i t r i o 1 047. Vorkommen 

647. Darstellung 647. Prüfung 647. Eigenschaften 647. Anwendung 

648. Statistik 648. 

Zinkverbindungen 648. Zinkvitriol 648. Vorkommen 648. 
Darstellung 648. Prüfung 648. Eigenschaften 648. Anwendung 649. 
Statistik 649. Chlorzink 649. Darstellung 649. Prüfung 049. Eigen- 
schaften 649. Anwendung 650. Amm'oniumzinkchlorid 650. Zink- 
oxychlorür 650. 

Blei verbin düngen 050. Bleioxyd. Massikot. Bleiglätte. 
Darstellung 650. Eigenschaften 650. Anwendung 650. Statistik 050. 
Bleisuper oxyd 651. Darstellung 051. Eigenschaften 051. Anwen- 
dung 651. Bleisaure Salze 651. Bleiacetat 651. Darstellung 651. 
Prüfung 651. Eigenschaften 651. Anwendung 653. Basisches Blei- 
acetat 653. Bleiessig 653. 

Quecksilber Verbindungen 653. Quecksilber oxyd 653. 
Quecksilberchlorür 654. Quecksilberchlorid 654. Ammouium- 
cjuecksilberchlorid 654. Mercuriammoniumchlorid 054. 

Silber- und Gold verbin düngen 654. S i 1 b e r n i t r a t 654. 
Darstellung 654. Eigenschaften 655. Prüfung 655. Anwendung 655. 
Goldehlorid 655. Natriumgoldchlorid 055. Glanzgokr655. 

Chromverbindungen 655. Kaliumchromat 655. Darstel- 
lung 655. Eigenschaften 656. Anwendung 656. Natriumchromat 656. 
Kaliunibichromat 056. Darstellung 657. Eigenschaften 657. Prü- 
fung 657. Anwendung 657. Nätriumbichromat 657. Darstellung 
657. Eigenschaften 657. Prüfung 657. Chromsäure 658. Chrom- 
alaun (158. Darstelking 658. Eigenschaften 658. Anwendung 659. 
Chromfluorid 659. Andere Chromsalze 659. 

Manganverbindungen 659. Kaliumpermanganat 659. 
Darstellung 659. Eigenschaften 659. Anwendung 659. Natrium- 
permanganat 659. Darstellung 659. Eigenschaften 659. 

Zinnverbindungen 600. Zinnchlorür 060. Darstellung 660. 
Eigenschaften 660. Prüfung 660. Anwendung 660. Ziunchlorid 600. 
Darstellung 660. Eigenschaften 660. Prüfung 601. Anwendung 061. 
Zinnkomposition 601. Pinksalz 661. Natriumstannat 601. 

Antimonverbindungen 662. Schwefelantimon 662. Eigen- 
schaften 662. Anwendung 662. Antimonpentasulfid 662. Brech- 
weinstein 662. Darstellung 662. Eigenschaften 662. Anwendung 662. 
Antimon fluorüre 063. Anwendung 663. 

Arsenverbindungen 663. Realgar 663. Darstellung 663. An- 
wendung 663. Auripigment 664. Arsenige Säure 604. Darstellung 

664. Eigenschaften 665. Prüfung 665. Anwendung 665. Arsensäure 

665. Darstellung 665. Eigenschaften 666. Anwendung 666. Saures 
arsensaures Natron 667. Arsensaures Natron 667. Statistik 
über Metallpräparate 667. 

Kalk und Kalkbrennen 669 

Vork ommen des Kalks 669. Eigenschaften 669. Verwendung 
670. Kalkbrennen 670. Oefen mit unterbrochenem Brande 670. 
Wirthschaftliches 672. Oefen mit ununterbrochenem Brande 673. 
Rumfordscher Ofen 673. Wirthschaftliches 074. Hoffmannscher Ringofen 
675. Gasöfen 675. Wirthschaftliches 675. Eigenschaften des gebrannten 
Kalks 676. Anwendung 676. Löschen des Kalks 670. Eigenschaften 
des gelöschten Kalks 077. AnAvendung 677. Statistisches 677. 



XIV Inbaltsverzeichniss. 

Seite 

Mörtel 678 

Kalkmörtel 678. Gyps 679. Vorkommen 680. Eigenschaften 680. 
Gypsbrennen 680. Gypskocher 680. Ofen von Minicli 680. Von Triquet 
und Guyant 68 i. Ofen von Scanegatti 681. Ofen von Walser 681. 
Ofen von Ramdohr 683. Von Ehrhardt und Barth 683. Hoffmann's 
Ofen 683. Ofen von Hänschke it Co. 683. Anwendung 684. Annaline 
684. Abgüsse 684. Alaungj-ps. französischer Stuck 684. Gj-jisestrich 68-5. 
Härten des Gypses 685. Statistisches 685. 

Wasser- oder hydraulische Mörtel-Cemente 685 

Romancemeut 680. Geschichtliches 6Si'>. Darstellung 686. Ana- 
h'tisches 687. Wirthschaftliches 687. Puzzuolan e 687. Geschicht- 
liches 687. Puzzuolanerde, Trass, Santorinerde 688. Künstliche Zuschläge 
689. Portlandcement 690. Geschichtliches 690. Darstellung 691. 
Brennen des Cements 692. Zusammensetzung 693. Eigenschaften 695. 
Treiben 695. Erhärten, Abbinden, Festigkeit, Abnutzbarkeit 695. Spe- 
zifisches Gewicht 699. Zusätze zum Portlandcement 699. Prüfung 699. 
Cementmörtel 702. Cementkalkmörtel 702. Beton 702. Entwickelung 
der Cementindustrie 703. Statistisches 703. 

Hydraulische Kitte und Kunststeine 704. Magnesiacement 
704. Metallcement 705. Wasserglasmörtel 705. Selenitmörtel 705. 
Kunststeine 706. Bernhardische Kalksandziegel 706. Betonblöcke 707. 
Künstliche Steine mit Magnesiacement 707. Steine von May 707. Steine 
von Schmid 708. Steine von Rulf 708. Kunstsandstein 708. Ransomes 
Steine 708. Similipierre , Similimarbre 708. Marezzomarmor 709. 
Stuck- oder Gypsmarmor 709. Wetterbeständige Steine 709. Steine 
mit oi-ganischen Bindemitteln 709. Imprägniren natürlicher Steine 709. 
Verwendung der Kunststeine 710. 

Glas 711 

Geschichtliches 711. Rohmaterialien 712. Kieselsäure 712. 
Flussmittel 712. Färbungsmittel 715. Entfärbungsmittel 719. Oefen720. 
Hafenöfen 720. Glashäfen 721. Gas- und Regeneratorfeuerung 723. 
Siemens' Ofen 725. Wannenöfen 727. Schmelzen des Glases 729. 
Fehler des Glases 731. Sauerstoff, Benutzung zum Glasschmelzen 781. 
Wirthschaftliches 732. 

Eintheilung der Gläser 732. Kalkgläser 733- Zusammensetzung 
und Eigenschaften 733. Bleigläser 739. Verarbeitung der Gläser 
740. Kalkgläser. Hohlglasfabrikation 740. Flaschenfabrikation 740. 
Becherfabrikation 741. Glasröhren 742. Pressglas 743. Tafelglas- 
fabrikation 743. Geblasene Fenstergläser 743. Mondglas 744. Walzen- 
glas 745. Objektti-äger und Deckglas 746. Gegossene Spiegelgläser 747. 
Belegen mit Zinnamalgam 748. Silberspiegel 748. Platinspiegel 749. 
Hartglas 749. Verarbeitung der Bleigläser 751. Bleikrystall 751. 
Optisches Glas 752. Strass 753. 

Buntglas 754. Ueberfangglas 7-54. Gelbe, grüne, blaue Gläser 755. 
Violette, schwarze, lichtgraue Gläser 756. Kupferglas (Porporino) 756. 
Goldrubinglas 757. Lüster 758. Aetzen 758. Mattiren 758. Sandblas- 
maschine 759. Glasmalerei 760. Mousselinglas 761. Besondere Glas- 
erzeugnisse 761. Glasperlen 761. Filigran- und Milleßoriglas 762. 
Inkrustationsarbeiten 762. Retikulirte Gläser 762. Eisglas 763. Atlas- 
glas 763. Marmorirtes Glas 763. Mosaikglas 763. Schmelzglas und 
Emailliren 763. 

Eigenschaften des Glases 766. Untersuchung 768. Statisti- 
sches und Gewerbliches 769. 

Wasserglas 770. Geschichtliches 770. Darstellung 770. 
Anwendung 771. Zum Imprägniren von Sandsteinen etc. 771. Stereo- 
chromie 772. Statistisches 772. 

Thonwaaren 778 

Thon 773. Entstehung und Bildungsweise 773. Eintheilung 
der Thone 774. Gewinnung 775. Fundamentale Eigenschaften 775. 



Inbaltsverzeichniss. XV 

Seite 
Untersuchung 776. Chemische Ana,lyse 770. Rationelle Analyse 776. 
Untersuchung der Feuerfestigkeit 777. Schlämmanalyse 780. 

Fabrikation der Thonwaaren 783. Geschichtliches 783. 
Eintheilung der Thonwaaren 785. I. Die dichten Thonwaaren 786. 
1. Thonwaaren mit weissem und durchscheinendem Scherben 786. 
a) Hartes, echtes oder Feldspathporz ellan 786. Allgemeine Eigen- 
schaften 786. Prozess der Porzellanbildung 786. Verbreitung der Roh- 
materialien und Herstellung der Masse 787. Zusammensetzung der Masse 
792. Formen des Porzellans 794. Drehscheibe 794. Wirthschaftliches 794. 
Fliesen 797. Giessen in Gypsformen 797. Blumenfabrikation 798. Ver- 
glühen des Porzellans 798. Porzellanglasuren 798. Glasiren dui'ch 
Eintauchen 799. Durch Begiessen 799. Durch Aufspritzen 799. Durch 
Aufstäuben 799. Einsetzen und Brennen des Porzellans 800. Kapsel- 
fabrikation 800. Kontrole für den Gang des Brandes 801. 

Oefen zum Brennen der Thonwaaren 801. Oefen mit unter- 
brochenem Betrieb 803. Stehender viereckiger Ofen mit aufsteigender 
Flamme 803. Liegender Ofen 803. Stehendei- zweistöckiger Rundofen 
mit aufsteigender Flamme 803. Stehender dreistöckiger Ofen mit über- 
schlagender Flamme 803. Oefen mit ununterbrochenem Betrieb 803. 
Hoffmann's Ringofen 803. Escherich'scher Gasofen 808. Bock's Kanal- 
ofen 809. Mendheim's Gaskammerofen 809. 

Sortiren des Porzellans 814. Fehler 814. Massenbruch 814. Ofen- 
bruch 814. Haarrissigkeit 814. Craqueleglasur 815. Dekoration des 
Hartporzellans 816. Scharffeuer- und Unterglasurdekor 816. Schlicker- 
malerei oder p;'ite sur päte 816. Muffeldekor 817. Echte Vergoldung 

817. Glauzgold 818. Glanzplatin 818. Glanzsilber 818. Muffelfarben 

818. Bereitung der Farbflüsse 819. Verwendung der Metalloxyde zu 
den Farbtönen 8'20. Schwarze, graue Farben 820. Blaue, grüne, gelbe, 
korallenrothe, ziegelrothe bis kastanienbraune Farben 821. Goldfarben 
822. Lüster 822. Einbrennen der Schmelzfarben 823. 

b) Weichporzellan 825. 1. Frittenporzellan 825. 2. Knochen- 
porzellan 826. 3. Segerporzellan oder Weichporzellan nach Art des 
japanischen 827. Masse 828. Glasur 829. Craqueleglasur 830. Brennen 
831. Unterglasurmalerei 832. Dekoration über der Glasur 832. Malerei 
zwischen zwei Glasuren 833. Porzellanknöpfe 834. Künstliche Zähne 834. 

c) Biskuit- oder Figurenporzellan 834. Magnesiaporzel- 
lan 835. 

Wirthschaftliches über Porzellan 835. Statistik 836. 
2. Thonwaaren mit weissem oder farbigem undurch- 
sichtigem oder wenig durchscheinendem Scherben 836. 

a) Glasirte Waaren (Stein z eng) 836. Glasuren 838. Brennen 
839. Wirthschaftliches 840. 

b) Unglasirte Waaren (Wedgwood, Mettlacher Platten] 840. 
IL Poröse Thonwaaren 841. 1. Fayence- und Töpfer- 

waaren 841. A. Steingut 841. Glasuren 844. Flowing blue 845. 
Thonpfeifen 846. Alkarrazas oder Kühlkrüge 846. Terralith oder 
Siderolith 846. 

B. Majolika 846. Glasur 848. Malerei 850. 

C. Töpferwaaren 850. Weisstöpferei, Brauntöpferei 850. Glasur 850. 
Statistik 851. 

2. Ziegel, a) Feuerfeste Steine 851. Begriff, Eigenschaften 851. 
Rohmaterialien 852. Herstellung der Masse und Brennen 853. Dinas 
bricks 854. Säurefestigkeit 855. Magnesiaziegel 855. Dolomitsteine 855. 
Kohlenstoffsteine 855. Graphittiegel 856. Schmelztiegel 856. 

b) Mauerziegel 856. Eigenschaften 856. Rohmaterialien 857. Kalk- 
reiche Thone oder Thonmergei 857. Kalkarme Thone 857. Förderung 
der Thone 857. Vorbereitung 857. Aussomraern 859. Schlämm- 
maschine 859. Falu-mühle 859. Thonschneider 859. Formen der Ziegel 
862. Mit der Hand, mit Pressen 862. Vollziegel, Hohlsteine 863. 
Trocknen der Steine 863. Brennen der Steine 864. Brennfarbe 867. 
Auswitterungen 867. Verblender 868. Schwammsteine, poröse Ziegel 868. 
Dachsteine, Fliesen, Röhren 868. Bauterrakotten 869. Glasiren der 
Ziegel 869. Engobiren 870. Wetterbeständigkeit 870. Wirthschaft- 
liches 870. Statistik 872. 



XVI Inhaltsverzeichniss. 

Seite 

Asbest •'='74 

Gescliiclitliches 874. Vorkommen 874. Eigenschaften 874. Ver- 
wendung 874. Herstellung formbarer Asbestmasse 874. Asbest- 
porzellan 874. Asbestfilter 874. Asbest und Kautschuk 87-5. Asbest- 
platten mit metallischen Ueberzügen 875. 

Graphit 876 

Geschichtliches 876. Vorkommen 876. Bildung 876. Eigenschaften 
876. Analytisches 877. Reinigung 878. Anwendung 878. Bleistifte 878. 
Tiegel 81S. Statistik 879. 

Carborundum 880 

Geschichtliches 880. Darstellung 880. Verarbeitung 881. Wirth- 
schaftHches 881. 

Synchronistische Zusammenstellung der wichtigsten Zeitschriften der 
chemischen Technologie 883 



Sauerstoff. 

Das auf der Erde am meisten verbreitete Element ist der Sauerstoff, 0. 
Die Atmosphäre, welche den Erdball umgiebt, ist ein Gemisch von 23 Thln. und 
77 Thln. N, sie enthält ausserdem stets geringe Mengen CO2, Wasserdampf, sal- 
petrige Säure und Spuren anderer Substanzen, welche als zufällige Bestandtheile 
gelten müssen. In der Atmosphäre ist im elementaren Zustande enthalten , er 
kommt aber auch sehr verbreitet chemisch gebunden vor. H2O besteht zu acht 
Neunteln aus 0, die meisten anorganischen und organischen Gebilde enthalten 0. 
Vorausgesetzt, dass im Erdinnern die gleichen Verhältnisse wie an der Oberfläche 
herrschen, so besteht ein Drittel des Erdgewichts aus 0. 

Geschichtliches. wurde 1774 von Priestley und unabhängig hier- 
von 1777 von Scheele entdeckt. Aber erst Lavoisier erkannte seine wahre 
Natur und lehrte, welche wichtige Rolle beim Athmungsprozesse und bei jeder 
Verbrennung spielt. Fei'ner wies Lavoisier zuerst auf die Bedeutung des für 
die chemische Technik hin und regte den Gedanken der Bereitung von reinem 
an, welcher viel geeigneter als gewöhnliche Tjuft zur Verbrennung sei. Seitdem 
sind unzählige Methoden der technischen Darstellung von erfunden und ange- 
wandt worden , welche indess fast alle zu umständlich und kostspielig waren, um 
sich einen dauernden Platz in der chemischen Industrie zu erobern. Die wichtig- 
sten derselben sollen im Folgenden berücksichtigt werden. 

Darstellung. 1. Durch Erhitzen von KCIO3, welchem zweck- 
mässig etwas MnO., , Fe^Og, CuO oder Pb02 zugesetzt wird: 2KC10, 
= 2KCl + 302. 

Der Zusatz von Braunstein etc. erleichtert die Reaktion, ohne bei 
der Zersetzung selbst eine Rolle zu spielen. Eiserne Flaschen (in wel- 
chen Hg verschickt wird) oder starke eiserne, mit Schraubendeckel ver- 
sehene Röhren werden mit dem betreffenden Gemisch gefüllt und in 
einem mit Koks gefüllten Ofen so erhitzt, dass das Feuer von oben 
entzündet wird und allmählich herabbrennt. Die Flaschen sind an ihrer 
Oeffnung mit einem weiten eisernen Rohr versehen, durch welches 
austritt, der in einem Gasometer aufgefangen wird. 1 kg KCIO, liefert 
274 1 0. 

Obgleich der Zusatz von MnO^ oder anderen Metalloxyden eine 
zu stürmische Entwicklung, wodurch leicht Explosionen hervorgerufen 
werden, verhindert, kamen doch zuweilen Unglücksfälle vor, welche 
auf Verfälschung des angewandten Braunsteins zurückzuführen waren. 
Schwarz (Bresl. Gewerbebl. 1865. 7) berichtet über einen Fall, in 
welchem dem Braunstein Kienruss zugesetzt war. Nach Wagner ent- 
stand eine Explosion, als aus Versehen statt Braunstein Spiessglanz an- 
gewandt worden. Es ist daher empfehlenswerth, vor der Bereitung des 

Handbuch der ehem. Technologie. I. 1 



2 Sauerstoff. 

Gemisches stets eine kleine Probe für sich auf dem Platinblech zu er- 
hitzen. Nach Löwe (D. 211. 194) eignet sich frisch gefälltes, aus- 
geglühtes FegOg (caput mortuum) noch besser als MnO.,. Es wii-d mit 
dem gleichen Gewicht durch Schmelzen entwässerten KCIO3 verrieben. 
Diese Mischung soll noch minder gefahrvoll sein als die erstere. Diese 
Methode wird auch heute noch mit Vorliebe angewandt, wenn es sich, 
wie z. B. in einem chemischen Laboratorium, nicht um grosse Quanti- 
täten handelt. 

2. Durch Erhitzen von MnO^ mit H^SO^ (Scheele) in gewöhn- 
lichen Retorten. Die HoSO^ kann durch Kieselsäure ersetzt werden: 
MnO, ^ SiOo = MnSiOg'-j- 0. 

Nach Carlevaris liefern 1000 kg Braunstein 115 cbm 0, den 
Kubikmeter zu 0,20 bis 0,30 Mark. In neuerer Zeit wurde Scheele's 
Verfahren durch Fr. Hornbostel (Liesing bei Wien) wieder aufgenommen 
und patentii't (D.R.P. 1877 Nr. 75). In passenden Gefässen aus Holz 
oder Blei wird ein Gemisch von MnOg und H2S0j^ durch einen unter 
Druck einströmenden Luftstrom zersetzt, ohne dass Erhitzung nöthig 
wäre. Der erzeugte wird mit demselben Luftstrome an den Ort 
seiner Verwendung geführt, bei Hornbostel besonders zu metallurgi- 
schen Operationen. 

3. Durch heftiges Glühen von MnO,, welches in Mn.jO^ -f- zer- 
fällt. Die Erhitzung wurde in einem Flammofen, in welchem sechs 
eiserne Quecksilberflaschen mit je 5 kg MnOo lagen, vorgenommen. 
Eiserne Rohre leiteten den in den Gasometer. Der nach dieser Methode 
dargestellte wurde besonders in der PJatinschmelzerei augewandt. 
Nach Debray und Deville (vergl. Hofmann's Berichte 1. 4) kostete 
1 cbm ca. 4 Mark, wobei der geringe Werth des zurückbleibenden Fe- 
haltigen und deshalb für die Glasindustrie unbrauchbaren Sesquioxyds 
nicht berücksichtigt ist. Auch war die Wiederbelebung des MnO^ 
damals noch ein ungelöstes Problem. 

Dies Verfahren wurde später durch ein wohlfeileres verdrängt. 

4. Durch Zersetzung von HjSO^ vermittelst glühender Körper 
(Debray und Deville, C. r. 51. 822). In Retorten aus schwer schmelz- 
barem Glase, welche zur Rothglut erh. waren, floss konz. H,SOj^ 
in dünnem Strahl auf Platinschnitzel oder Ziegelstücke, wobei sie in 
HjO, SOg und zerlegt wurde. Die entstandenen Gase wurden zur 
Kondensation des HjO und unzersetzter HjSO^ durch Kühlgefässe und 
schliesslich zur Entfernung des SO^ durch H^O geleitet. 1 kg H-^SO^ 
lieferte 114 1 neben 228 1 SO.^. l"cbm kostete ungefähr 0,80 Mark. 
Wenn SOj ausserdem wieder in H^SO^ zurückverwandelt wurde, kostete 
1 cbm ca. 0,65 Mark. 

Die Methode wurde später modifizirt, indem statt der H^,SO^ Sulfate, 
besonders ZnSO^ zersetzt wurden. 100 kg H^O -freies ZnSO^ lieferten 
6,8 cbm 0, 22 kg SO, und 51 kg ZnO. Zur Anwendung im Grossen 
ist dieses Verfahren niemals gelangt, da es noch nicht biDig genug war. 

5. Durch Erhitzen von NaNO. etwas über seinen S. wird NaNO., 
und erhalten (Webster). Bei Steigerung der T. zerfällt das Nitrit 
weiter nach: 2NaN02 = Na^O -{- 2N + 30. Auf diese Weise ge- 
winnt man mit N gemengten 0, und zwar liefert 1 kg NaNO„ 329 1 
und 131 1 N (71,5 > + 28,5 V N). Wird dem NaNO^ ZnO zugesetzt, 
so erfolgt die Zersetzung bei niederer T. Diese Methode (Ch. N. 1862. 



Darstellung. 3 

218) wurde lange fabrikmässig betrieben. Webster erhielt darnach 
aus 10 kg NaNOy und 2 kg rohem ZnO 94,5 Kubikfuss eines Gemenges 
von 59 "/o und 41 "/o N. Die Kosten dieser für viele Zwecke nütz- 
lichen „sauerstoffreichen Luft" betrugen bei Verwerthung des aus ZnO 
und NaOH bestehenden Rückstandes pro 1 cbm 0,60 Mark. 

6. Eine vortheilhafte Methode gründet sich auf die schon von 
Dingler 1829 gemachte Beobachtung, dass überschüssiger Chlorkalk 
in Berührung mit CuO , besonders aber mit den Oxyden des Ni und 
CoO entwickelt. 

In gleicher Weise wirken nach Mitscherlich (P. A. 58. 471) 
auch MnO^, Fe2(0H)j; u. a. Aber erst 1865 wurde dieser Process durch 
Fleitmaun (A. eh. pharm, 134. 64) näher erforscht und zur Dar- 
stellung von im Grossen empfohlen. Die Reaktion findet wahrschein- 
lich in der Weise Erklärung, dass das im CogOg schwach gebundene 
At. sich mit dem des Chlorkalks zu freiem verbindet — ähnlich 
wie HoO., auf PbO., wirkt — unter Bildung von CaCU und CoO nach: 
CaCl.Ög + 2 Co.Og = CaClo + 4 CoO + 2 O.,. Das CoO Wird sofort durch 
das überschüssige Calciumhypochlorit wieder in CogO. verwandelt. 
Zur praktischen Ausführung des Prozesses wurde eine möglichst konz., 
durch Filtriren oder Absetzen geklärte Lsg. von Chlorkalk mit 0,1 bis 
0,5 ",o ihres Gehaltes an CogO. auf 70 bis 80" erw. Bei Anwendung einer 
35*^0 igen Lsg. erhält man das 25 bis SOfache Vol. der Lsg. an im 
regelmässigen Strome. Denselben Dienst leistet irgend ein Kobaltsalz, 
welches in geringer Menge zugesetzt wird. Statt einer klaren Chlor- 
kalklsg. genügt es nach A. Winkler (J. pr. 48. 340), wenn in eine 
dicke, mit Kobaltsalz versetzte Kalkmilch Cl geleitet wird, wodurch 
auch das lästige üeberschäumen, welches beim ursprünglichen Ver- 
fahren nicht zu vermeiden war, beseitigt wird. Die entstehende Lsg. von 
CaCU muss von Zeit zu Zeit durch frische Kalkmilch ersetzt werden. 

Der grosse Vorzug, den diese Methode vor den schon beschriebenen 
auszeichnet, liegt darin, dass der Sauerstoffentwickler, das CogOg, wenn 
es seinen abgegeben, stets wieder im Stande ist, neue Mengen von 
zu binden und abzugeben, dass also ein wichtiges Erforderniss der 
modernen Technik, die Regeneration der Rückstände, hier theilweise 
erfüllt ist. In diesem Sinne unvollkommen ist dagegen noch die Ver- 
wendung des Chlorkalks als Quelle von 0, da derselbe in CaClg verwandelt 
wird und daher stets erneut werden muss. Der Prozess ist kein kon- 
tinuirlicher und zur technischen Darstellung noch nicht geeignet. 

In folgender Tabelle (nach Muspratt) ist die nach den be- 
sprochenen Methoden mögliche Ausbeute an von 1 kg Material, so- 
wie die Menge des zur Entwickelung von 1 cbm erforderlichen Materials 
zusammengestellt : 

Produktion 1 cbm erfordert 
1 kg Material 0(g) 0(1) kg Material 

KCIO. 392 274 3,65 

MnO./ und H^SO^ ... 184 129 7,78 

MnO'^ (durch Glühen) . 123 86 11,67 

H.,SO^ 163 114 8,76 

ZnSO, 56 39 25.67 

NaNO., 471 329 3,04 

Chlorkalk (35» , , , 74 52 19,22 



^ ■ Sauerstoff. 

Ein Erfolg, im Grossen billig darzustellen, war nur dann zu 
erwarten, wenn es gelang, aus der atmosphärischen Luft zu schöpfen 
und ihren durch physikalische oder chemische Hülfsmittel abzuscheiden. 
Welche der in dieser Richtung vorgeschlagenen und im Grossen be- 
triebenen Methoden den Vorzug verdient und daher zur allgemeinen 
Anwendung kommen wird, ist noch nicht zu übersehen. 

Boussingault war der erste, welcher eine geeignete Darstellungs- 
weise ano-ab, auf welche unten näher eingegangen werden wird. Ebenso 
wird das hierher gehörige Verfahren Tessie du Motay's (1867) später 
beschrieben werden. 

Nach dem Vorschlage Mallet's (C. r. G-t. 286; 66. 349) wird 
Kupferchlorür Cu^,Cl, durch feuchte Luft bei gewöhnlicher T. in einigen 
Stunden und noch leichter in der Hitze (100 bis 200") bei Gegenwart 
von Wasserdampf zu Kupferoxychlorid (CuOCh,) oxydirt, welches bei 400" 
wieder in Chlorür und zerfällt. Mit 100 kg CaXlg können jedesmal 
3 bis 3,5 cbm gewonnen werden; da am Tage 4 bis 5 Operationen 
gemacht wurden, erhielt man aus 100 kg pro Tag ca. 15 cbm. Diese 
Methode wurde in Köln und Paris einige Zeit ausgeführt, aber bald 
wieder aufgegeben. 

Erwähnenswerth sind die verschiedenen Methoden, den durch 
mechanische Hülfsmittel abzuscheiden. Nach Graham (C. r. 63. 471) 
geht Luft, welche durch eine Kautschukmembran gepresst wird, nicht 
unverändert hindurch, sondern erfährt eine Anreicherung an 0. Graham 
benutzte einen Beutel aus Seidenzeug, der mit Kautschuk überzogen 
und dessen Wände innen mit Filz versteift waren. Der Beutel wurde 
evakuirt, und es trat allmählich ein Luftgemisch ein, welches 40,5 "'n 
und 59,5 "/o N enthielt. Durch öfters wiederholte Dialyse desselben 
Gemisches erhielt Graham schliesslich ein Gasgemenge aus 91,7% 
und 8,3 " N. Das Verfahren, auf seinen industriellen W^erth geprüft, 
erwies sich als ungeeignet, da die Dialyse viel zu langsam erfolgt. 
Trotzdem wurden neuerdings öfters Versuche in dieser Richtung unter- 
nommen. So will Girond d'Argand (Bl. 1879. 31 Nr. 1 S. 44) eine an 
reiche Luft vermittelst Dialyse durch Goldschlägerhäutchen oder Kaut- 
schuk zur Behandlung von Weinen und Likören verwenden. P. Margis 
(D.R.P. Nr. 17981) saugt Luft wiederholt durch Kautschukraembranen, 
welche durch Eintauchen von Taflet in eine Lsg. aus 400 Thln. Schwefel- 
kohlenstoff oder Petroleumäther, 20 Thln. Alk., 10 Thln. Ae. und 
50 Thln. Kautschuk hergestellt wird. Nach 4 bis 5 Saugungen erhielt 
er 95 > 0. Herzog (Amerik. Pat. 1884 Nr. 307041) leitet Luft über 
dünne Kautschukhäute. H. v. Warren (Ch. N. 59. 99) will die Luft 
durch gepresste, mit Kautschuk getränkte Holzkohleplatten drücken. 

Montmagnon und de Laire (D. 193. 434) suchten die Beobach- 
tung Angus Smith's (Proc. R. Soc. 12. 424), dass Kohle aus der 
Luft mehr als N aufnimmt, praktisch auszunutzen. Sie fanden, dass 
100 1 Holzkohle 925 1 und nur 750 1 N absorbiren. Durch Benetzen mit 
H.2O werden wieder 350 1 und nur 650 1 N abgegeben, so dass 
575 1 und nur 55 1 N zurückbleiben, welche mit der Luftpumpe ex- 
trahirt werden können. Durch eine zweite Absorption erhielten sie 
ziemlich rein. Dies Verfahren litt aber ebenfalls an Mängeln, welche 
seine Einführung in die Praxis verhinderten. — Mehr Erfolg hatte Mallet 
(D. 199. 112), welcher die dem N überlegene Absorptionsfähigkeit des 



Darstellung. 5 

durcli H^O arusnutzte. Luft, welche vorher von H^O absorbirt ge- 
wesen, zeigt nämlich ein Verhältniss der Bestandtheile von 33 : 67 N. 
Durch mehrmalige Wiederholung der Absorption gelangt man auch hier 
schliesslich zu einem Gase, welches aus fast reinem besteht. Mallet's 
Apparat besteht (s. Hofni. Ber. 1. 12) aus einer Anzahl starker, eiserner 
HgO-Behälter, welche durch Druck- und Saugpumpen mit einander in 
Verbindung stehen. In den ersten wird Luft durch feine OefFnungen 
mit etwa 5 Atm. Druck eingepumpt. Der nicht absorbirte N wird 
durch Oeffnen eines Ventils entfernt, durch die zweite Saug- und Druck- 
pumpe das absorbirte Gas aus dem ersten Gefäss ausgezogen und in 
das zweite gepresst u. s. f. Bei vier Gefässen dauert eine vollständige 
Operation 5 Minuten. Wenn die Gefässe in abnehmender Grösse 10 bis 
5 cbm Inhalt haben, so gewinnt man per Stunde 7760 1 757oigen 0, oder 
in 24 Stunden 168 cbm. Betriebs- und Unterhaltungskosten sollen 
gering, die Beaufsichtigungkosten des automatisch arbeitenden Apparats 
ebenfalls unerheblich sein. 1881 wurde durch N. A. Helouis (Engl. 
Pat. Nr. 2080) eine Verbesserung des Mallet'schen Verfahrens an- 
gegeben. Wird nämlich die Luft statt in reines H^O in eine Mischung 
von 20 Thln. Glycerin und 100 Thln. HgO gepresst, so wird verhältniss- 
mässig noch mehr aufgenommen. Schon nach der zweiten Prozedur 
erhielt Helouis 75*^/0 und 25 °/o N. Die Methode hat trotzdem 
keinen Eingang in die Technik gefunden. 

Den meisten praktischen Erfolg scheint die Methode der Gebrüder 
Brin zu bieten, welche sich auf das Verfahren Boussingault's stützt 
(Cr. 32. 261,821; D.120. 120,416). Letzterer erhitzte BaO in Porzellan- 
röhren zur Rothglut. Durch Darüberleiten eines Stromes möglichst 
CO.,-freier Luft bildet sich BaOg, welches bei erhöhter T, seinen 
wieder abgibt unter Rückbildung von BaO, der bei der ursprünglichen 
T. von 500*^ sich von Neuem mit beladet. 75 g BaO lieferten so bei 
jeder Operation 4 bis 5 1 0. — Der grosse Vortheil, der Boussin- 
gault's Verfahren vor den übrigen auszeichnete, war die stetige Wieder- 
gewinnung des 0-Ueberträgers, ohne Verluste an Nebenprodukten. Das 
Verfahren bewährte sich jedoch in der Praxis nicht. Schon nach kurzer 
Zeit verlor das BaO seine Fähigkeit, sich mit zu beladen, und 
musste öfters durch frisches ersetzt werden, so dass gerade das Wesent- 
liche des Verfahrens, die Kontinuität des Prozesses ohne beträchtliche 
Verluste an Material, fortfiel. Man wusste sich das Misslingen der 
Operation nicht zu erklären und begnügte sich mit der Annahme, dass 
der BaO in einen inaktiven Zustand übergegangen wäre. Vergebens 
versuchte Gondolo (C. r. 1868. 66. 488) durch Aenderung des maschi- 
nellen Betriebs und verschiedene Zusätze, wie CaO, MgO, Kaliumper- 
manganat, welche den BaO geeigneter machen sollten, eine Verbesserung 
herbeizuführen, die industrielle Anwendung der Methode schlief wieder 
ein, bis sie 1881 von den Gebrüdern Brin ins Leben zurückgerufen 
wurde. Dieselben fanden, dass die Hauptbedingung zum Gelingen des 
Prozesses in Anwendung völlig reiner und getrockneter Luft bestand. 
Die atmosphärische Luft enthält bekanntlich neben und N noch COg, 
Wasserdampf und organische Verunreinigungen, wie Staub, Keime etc. 
Da nun BaO begierig CO2 und HgO absorbirt, wobei er in BaCOg und 
Ba{0H)2 übergeht, die auch bei der höchsten T. beständig sind, und 
die organischen Verunreinigungen im Ofen ebenfalls zu CO^ und HgO 



ß Sauerstoff. 

verbrennen und sich mit dem BaO verbinden, so muss nach einiger 
Zeit der mit solcher Luft in Berührung gewesene BaO seine Fähigkeit, 
aufzunehmen, verlieren. Auf diese Erkenntniss gestützt, Hessen sich 
die Gebrüder Brin 1885 ein Verfahren patentiren (D.R.P. Nr. 15 298), 
welches, noch bedeutend vervollkommnet, seit mehreren Jahren in Eng- 




land und Deutschland fabrikmässig mit bestem Erfolge ausgeführt wird. 
Vermittelst einer Saugpumpe wird atmosphärische Luft, welche zuerst 
ein gewöhnliches Filter passiren muss, in einen Behälter gesaugt und 
von hier aus in gusseiserne, mit BaO beschickte röhrenförmige Retorten 
gepresst. Ehe sie aber in dieselben gelangt, muss sie ein System von 
Reinigern durchlaufen, welche sie von CO^, H^O und anderen Ver- 
unreinigungen, die nicht durch die Filter zurückgehalten wurden, be- 
freien. Die Reiniger, welche die Form grosser gusseiserner Kästen 



Darstellung. 7 

besitzen, sind mit CaO und NaOH gefüllt, das ausgenutzte Natron kann 
als Karbonat verkauft werden. Die vollständig getrocknete und reine 
Luft gelangt in die gusseisernen Retorten R, welche zu mehreren in einem 
aus Backsteinen gemauerten Ofen (Fig. 1 u. 2) vertikal angebracht sind 
und behufs Reinigung etc. einzeln herausgezogen bezw. ausgewechselt 




Fig. 2. Ofen zur Gewinnung von Sauerstoff nach Gebr. Brin. Querschnitt. 



werden können. Die Retorten sind durch Röhren untereinander ver- 
bunden. Sie enthalten BaO, welches durch Glühen von Baryumnitrat 
dargestellt wird. Das BaO soll möglichst porös und hart sein, welchen 
Eigenschaften das aus dem Nitrat dargestellte am besten entspricht. 
Letzteres wird in Chamottetiegeln auf ca. 880° erhitzt, es schmilzt 
schnell und zersetzt sich in 3 Stunden unter Entwickelung von und 
Stickoxyden. Die zurückbleibende Masse wird dann noch ungefähr eine 
Stunde geglüht. Die Ausbeute beträgt ca. 50 "/o des Nitrats, wobei die 



8 Sauerstoff. 

Kosten für 100 kg BaO 150 Mark betragen. Wenn auch viele Fabri- 
kanten einen niedrigeren Preis in ihren Listen angeben, so fehlt doch 
den aus diesen Quellen stammenden Produkten die erforderliche Härte 
und Porosität (Thorne, Ch. Soc. Ind. 1890. 246). 

Die durch Rohr JY in die Retorten eintretende Luft muss die 
ganze Säule von BaO durchstreichen. Die T. des Ofens wird durch 
Generatorfeuerung G fortwährend auf 700 '^ gehalten, die Heizgase 
werden durch den inneren Ofenraum B nach C geleitet, umspülen die 
hier frei angebrachten Retorten und gelangen dann in den Schornstein. 
Zur Bildung von BaO., in den Retorten wird nun die kalte Luft unter 
einem Druck von ca. 1,66 Atm. hineingepresst, wobei sich der Inhalt 
der Retorten auf 600 bis 550^' abkühlt. Bei dieser T. geht die Auf- 
nahme von vor sich. Stellt man nun die Luftzufuhr ab, so steigt 
die T. in kurzer Zeit in den Retorten auf 700^, und durch Saugen der 
Pumpen, welche ein Vakuum von ^is bis V^i Atm. erzeugen, wird 
der in Freiheit gesetzte durch Rohr ZY dem Gasometer zugeführt. 
Bemerkenswerth ist, dass das BaOo im luftverdünnten Raum schon 
bei 700 ■' zersetzt wird. Der Prozess der Aufnahme und Abgabe von 
spielt sich also in regelmässigen Intervallen hinter einander ab. 
Die Dauer einer Operation beträgt 10 bis 15 Minuten. Das Zu- 
leiten der kalten Luft und das Absaugen des freiwerdenden wird 
höchst zuverlässig durch eine Maschine, welche zugleich als Saug- 
und Druckpumpe arbeitet, bewirkt. Durch eine komplizü-te Ein- 
richtung derselben kommt in regelmässigen und genau einzustellenden 
Zeiträumen abwechselnd die saugende und durch Umklappen der 
Steuerung die drückende Wirkung zur Geltung. Die jedesmaligen 
ersten Antheile, welche aus den Retorten gesaugt werden, sind nie reiner 
0, sondern mit N angereicherte Luft, welche dem später folgenden 
nicht beigemengt werden darf. Auch hierfür wird von der Pumpe ge- 
sorgt, indem sie, ebenfalls automatisch, diese zuerst abgesaugte Luft 
durch eine seitKche Oeffhung fortbläst und dann, wenn reiner kommt, die 
OefiE'uung wieder schliesst. Diese Saug- und Druckpumpe ist die wichtigste 
Vervollkommnung des Brin'schen Verfahrens, denn früher musste man 
die T. von 55U und 800'^ abwechselnd durch stärkeres Erhitzen resp. 
Wiederabkühlen der Retorten erzeugen, wodurch natürlich eine baldige 
Abnutzung derselben herbeigeführt wurde, abgesehen von der hiermit 
verbundenen komplizirten Einrichtung der ganzen Anlage. 

Man erhält bei jeder Operation ca. 10 1 für 1 kg BaO. 

Nach einer von Thorne angestellten Berechnung betragen in der 
Brin'schen Fabrik in London die Herstellungsunkosten von 1000 Kubik- 
fuss für einen Apparat, der 10 000 Kubikfuss in 24 Stunden erzeugt, 
7 Schilling (Verbrauch an Koks 12 bis 15 Centner, an Maschinenkraft 
10 Pferdekräfte pro 24 Stunden). Nach demselben dürfte es aber in 
Etablissements mit grösserem Betriebe möglich sein, den Selbstkosten- 
preis noch beträchtlich herabzudrücken. 

In der Fabrik von Elkan in Berlin können in 24 Stunden 100 cbm 
erzeugt werden ; der Selbstkostenpreis für 1 cbm beläuft sich hier 
auf ca. 0,15 Mk. 

Der auf die beschriebene Weise dargestellte wird in gewöhn- 
lichen Gasometern gesammelt. Da der Bedarf an aber noch ein ziem- 
lich beschränkter ist, so dass an Weiterleiten desselben an seinen Be- 



Darstellung. 9 

stimmungsort durch ein Röhrensystem vorläufig nicht zu denken ist, 
wird er im komprimirten Zustande in stählernen nahtlosen Cylindern 
verschickt. Solche Flaschen werden nach verschiedenen Methoden her- 
gestellt (vergl. Witt, Prometheus Nr. 151). 

Die Firma Howard Lane in Birmingham fertigt 0-Flaschen durch 
hydraulisches Ausziehen von Stahlscheiben. Dieselbe Firma hat in Ver- 
bindung mit E. Th. Förster in Berlin ein Patent erworben (D.R.P 
Nr. 62 034), solche Flaschen durch Guss anzufertigen. Auch das Walz- 
verfahren von Mannesmann lässt sich zu diesem Zwecke gut ver- 
wenden, ferner ein patentirtes Verfahren von Kortüm, welcher solche 
Flaschen durch Umwickeln von dünnwandigen, stählernen Röhren mit 
Stahldraht herstellt (D.R.P. Nr. 56 980). Das Beste auf diesem Gebiete 
liefert die Fabrik der Projectile Company zu London, welche nahtlose 
Flaschen für 0, CO^ , NH.j u. s. w. nicht aus Scheiben, sondern aus 
massiven Stahlblöcken durch hydraulische Kräfte auszieht. 

Alle für den Transport von komprimirtem bestimmten Flaschen 
müssen amtlich auf eine Widerstandsfähigkeit von 250 Atm. geprüft 
sein, während sie in Wirklichkeit nur einen Druck von 100 Atm. aus- 
zuhalten haben. Zum Einpressen des in die Flaschen wendet man 
zwei Pumpen an, deren eine das Gas zuerst auf 10 Atm. verdichtet, 
worauf es durch die zweite auf die gewünschte Dichte von 100 Atm. 
komprimirt wird. Diese Pumpen sind, um die bei dem ungeheuren 
Druck sich entwickelnde Wärme schnell abzuleiten, aus Bronze gefertigt 
und liegen völlig unter Wasser. Die Stahlflaschen enthalten also die 
lOOfache Menge ihres eigenen Kubikinhaltes. Sie sind mit absolut 
dichtschliessenden Ventilhähnen aus Bronze versehen, welche nur ver- 
mittelst eines Schlüssels von dem Konsumenten geöffnet werden können. 
Während des Transports ist dieser Hahn durch eine aufgeschraubte 
Blechkappe unzugänglich gemacht. Auf den Verschluss ist ausserdem 
noch ein Reduktionsventil aufgeschraubt, durch welches der Druck des 
austretenden Gases auf 0,25 Atm. reduzirt wird, so dass ein ruhiger, 
gleichmässiger 0-Strom, welcher noch durch einen Quetschhahn be- 
liebig regulirt werden kann, austritt. (Vergl. Kohlensäure.) 

Die Brins Oxygen Company betreibt in ihrer Londoner Fabrik 
sieben Oefen. Ausserdem hat sie noch vier bis fünf Anlagen in Gross- 
britannien (Manchester, Dublin, Liverpool, Glasgow), eine in New York 
und eine in Berlin (Th. Elkan) in Betrieb gesetzt. (Witt, Prome- 
theus 150, ]51). 

Nach G. Kassner's Verfahren, modifizirt von E. Peitz (Chem. 
Ind. 1890. 104, 120; 1891. 71; D.R.P. Nr. 52459 und 55 604) wird 
durch ein inniges Gemisch von Kalkstein und PbO (Bleiglätte) in 
einem Schachtofen bei heller Rothglut ein Luftstrom geblasen. Unter 
Aufnahme von und Entweichen von COg bildet sich orthoblei- 
saurer Kalk 2 CaCOg -|- PbO + 03 = Ca^PbO, + 2 CO^. Durch Zu- 
führung eines Stromes heisser COg wird derselbe unter Entbindung 
des vorher aufgenommenen in seine ursprünglichen Bestandtheile 
CaCO. und PbO zerlegt. Statt reiner COg können auch Ofengase 
verwendet werden (Chem. Ind. 1891. 71). Man muss dann den im 
Ofen oder in Retorten liegenden bleisauren Kalk durch Einblasen 
vc^ Luft bis auf lOO*' abkühlen und kann die abgeführte erwärmte 
Luft zur Heizung anderer Oefen resp. Retorten verwenden. Hier- 



10 



Sauerstoff. 



auf feuchtet man die Ofenfüllung mit Hülfe eines Dampfstrahles 
schwach an und leitet die Ofengase, welche nicht zu heiss sein dürfen, 
hindurch. Die CO., derselben wird rasch absorbirt und die porösen 
Stücke des Calciumplumbats erscheinen bald bis in die Mitte hinein 
tief braun. Sie bestehen dann durchweg aus einer Mischung von 
PbO, und CaCO.. Zur Entbindung des braucht dieselbe dann nur 
zur schwachen Rothglut erhitzt werden: PbOo + 2CaC03 = PbO + 
-\- 2CaC0._. + 0. Die Austreibung des geschieht zweckmässig mit Hülfe 
stark überhitzten Wasserdampfes. Das in dem Ofen verbleibende Re- 
aktionsgemisch wird wieder in Calciumplumbat übergeführt, indem 
durch erneute Luftzufuhr bei starker Rothglut die CO.^ wieder aus- 
getrieben wird. — Wie der Erfinder mittheilt, hat Fr. Krupp in 
Essen die Licenz zur Anwendung des letzteren Verfahrens zur Dar- 
stellung von für hüttenmännische Zwecke erworben. Ob es schon 
in grösserem Massstabe praktisch ausgeführt worden und sich bewährt 
hat, ist nicht bekannt. 

Das erstgenannte, unstreitig einfachere Verfahren, welches mit 
reiner CO., arbeitet, kann nur dort grössere Anwendung tinden, wo 
die CO., in erheblichen Quantitäten nahezu kostenlos zur Verfügung steht 
oder Abfallprodukt ist. Daher wird dasselbe nur in der Eifel, am Rhein, 
in Ungarn, Italien etc., wo natürliche CO^, in enormen Quantitäten vor- 
kommt, in Frage kommen können. Ferner aber dürfte die in Kalk- 
brennereien und im Gährungsgewerbe entweichende CO^ sich recht gut 
zur Erzeugung von nach Kassner verwerthen lassen. F. Th. Förster 
in Berlin hat bereits die Licenz zur Errichtung einer 0-Fabrik erworben 
und wird voraussichtlich in nächster Zeit die erste Anlage in Burg- 
brohl, wo bekanntlich eine bedeutende CO, Industrie ihren Sitz hat, er- 
richten. Die Gestehungskosten nach dem Kassner'schen Verfahren 
werden bei Nichtberechnung der für den Prozess erforderlichen CO, auf 
weniger als 0,10 Mark pro Kubikmeter angegeben. 

Das 1892 in England patentirte Verfahren von Fanta gründet sich 
auf eine von Tessie du Motay 1867 (D. 186. 230) angegebene Methode, 
deren praktische Ausführung aber bisher an technischen Schwierigkeiten 
gescheitert war. T. du Motay verwandte als 0-Ueberträger den Braun- 
stein, der mit XaOH und Luft bei dunkler Rothglut mangansaures 
Natron liefert: 4NaOH + 2 MnO, -f 0, = 2 Na,MnO^ ^ 2H2O. Das 
Manganat zerfällt bei derselben T. im überhitzten trockenen Dampfstrom 
von 450 "^ in XaOH und MnO., und giebt den vorher aufgenommenen 
wieder ab. Durch Abstellen des Dampfstromes und Zuleiten von 
Luft kann der Prozess beliebig oft wiederholt werden. Die Haupt- 
schwierigkeit bei dem ursprünglichen Verfahren bestand darin, dass 
die Masse leicht ins Schmelzen gerieth, wodurch eine innige Berührung 
mit der Luft vereitelt wurde. Fanta scheint es nunmehr gelungen 
zu sein, dies zu vermeiden. Sein Apparat ist ziemlich komplizirt, soll 
aber gut arbeiten und befriedigende Ausbeute liefern (Ch. Soc. Ind. 
1892. 313) 1). 

Ausser den hier beschriebenen Methoden sind in neuerer Zeit 
noch viele andere angegeben worden, von denen aber keine grössere 



^j Nach neueren Mittheilungen sind die Fabriken von Fanta in England 
wieder ausser Thätigkeit gesetzt. 



Eigenschaften. Anwendung. 11 

Anwendung gefunden hat. Wir verweisen daher auf die bezüglichen- 
Originalberichte: Wanklyn 1872 (D. 213. 264) 0-Gewinnung durch 
Leiten von Luft über ein Gemisch von CuO und Ba(0H)2; Treutier 
(D.R.P. 1878. Nr. 999) durch Leiten von Luft über Eisenvitriollösg., 
in welcher Fe-Spähne liegen; Bowmann (D.R.P. 1891, Nr. 59554) 
nach dem Prinzip Tessie du Motay's; Latschinoff (D.R.P. 1890. 
Nr. 51998), Gewinnung von und H durch Elektrolyse von H^O ; 
Delmard (D.R.P. 1891. Nr. 58281) ebenfalls durch Elektrolyse von 
H.,0; Kassner (D.R.P. 1891. Nr. 56985) aus BaO^ und Ferricyan- 
ka'lium; Parkinson (D.R.P. 1892. Nr. 62271 und 62538) durch Pressen 
von gereinigter Luft durch eine schwammartiges Kaliumpermanganat 
enthaltende Masse und Evakuiren des absorbirten 0. 

Eigenschaften. ist ein farbloses, geruch- und geschmackloses Gas 
vom SG. 15,96 (H = 1) oder 1,1060 (Luft = 1). 110 wiegt bei 0° und 760 mm 
Druck 1,4296 g. AG. 16. 1 Vol. H.,0 löst nach Bunsen bei 0'' 0,04114 Vol. 0, 
bei 20 " 0,02838 Vol. 0. Leichter lös!, ist in absolutem Alk. (28 Vol. in 100 Vol.) 
und Glycerin etc. 

ist verflüssigt worden durch Pictet und C aill et et (1877), später durch 
Olczewski und Wroblewski. Unter einem Druck von 525 Atm. und bei 
— 140° stellt er eine farblose Flüssigkeit dar, deren SG. nahe der kritischen T. 
(— 118°) 0,65, bei — 140" 0,87 beträgt. Siede-T. bei gew. Druck — 181°, bei 
9 mm Druck — 225 °. Der kritische Druck des beträgt 50 Atm. 

verbindet sich mit allen Elementen, ausser mit Fl, mit den meisten Ele- 
menten erfolgt die Vereinigung direkt, häufig unter intensiver Licht- und Wärme- 
entwickelung. Die Verbrennung der brennbaren Körper an der Luft beruht auf 
ihrer Vereinigung mit dem derselben. In reinem gehen die Verbrennungs- 
erscheinungen viel energischer vor sich. Ein glühender Spahn entflammt sofort, 
zum Glühen erh. Diamant verbrennt zu COo, erb. Fe verbrennt unter Funken- 
sprühen, S und F, an der Luft entzündet, verbrennen im unter blendender 
Lichtentwickelung. Ein Gemenge von 1 Vol. und 2 Vol. H (Knallgas) ent- 
zündet sich durch jeden glühenden Körper oder durch Platinschwamm und ver- 
brennt unter heftiger Explosion zu HoO. Die Knallgasflamme besitzt die höchste 
für uns erreichbare T. und findet daher in Form des Knallgasgebläses häufige 
Anwendung, z. B. zum Schmelzen von Pt und ähnlichen schwer schmelzbaren 
Körpern, zur Erzeugung grosser Lichteffekte etc. 

Die Anwendung des in der Technik ist bisher noch eine beschränkte 
geblieben, was in den zu kostspieligen älteren Darstellungsmethoden seine J]rklä- 
rung findet. Nur wo man desselben nicht entrathen konnte, wurde er in grösserem 
Massstabe dargestellt. Dies war besonders seit den klassischen Untersuchungen 
von Deville und Debray über die Pt-Metalle in der Pt-Industrie der Fall 
(D. 154. 130, 199, 287, 383; Debray, Lepons d. chimie et de physique professees 
en 1861). Deville und Debray schmolzen Pt mit Hülfe der Knallgasflamme 
und verhalfen durch ihre Erfindung der Pt-Industrie zu ungeahnter Entwickelung. 

Schon lange hat man daran gedacht, die eminente Heizkraft des auch 
für die Gewinnung von Fe und Stahl zu verwerthen. Die Verwirklichung des 
Projekts scheiterte immer noch an dem zu hohen Preise des Gases. Seit den Er- 
findungen der Gebr. Brin, Kassner's etc. dürften diese Schwierigkeiten als 
ziemlich überwunden gelten, so dass die Verwendung von anstatt der Gebläse- 
luft bei den verschiedenen Hochofenprozessen der metallurgischen Technik nur 
noch eine Frage der Zeit ist. Es darf hierbei allerdings nicht ausser Acht gelassen 
werden, dass bei der viel intensiveren Verbrennung mit Hülfe des das Ofen- 
material und die Konsti-uktion der Anlagen bedeutend widerstandsfähiger sein 
müssten als bisher, wodurch der ökonomische Vortheil etwas in Frage gestellt wird. 
Nach Kassner sind einige grosse Eisenwerke Deutschlands der Frage schon 
näher getreten. Sollten die Versuche günstig ausfallen, so würde binnen Kurzem 
die Fabrikation des eine ungeahnte Entwickelung annehmen, gleichzeitig müsste 
auf dem Gebiete der Metallurgie durch Einführung ganz neuer, viel haltbarerer 
Apparate und anderer Arbeitsmethoden ein kolossaler Umschwung erfolgen. Auch 
in der Glasfabrikation scheint dem eine grosse Rolle zufallen zu sollen. Nach 



J2 Ozon. 

Patenten von Thomas (1886 vom 22. September und 1891 vom März und Mai) soll 
O die Schmelzung und Klärung der flüssigen Glasmasse beschleunigen. Es liegen 
Outachten von Lew es und T hörne vor. welche die Patente auf ihre Brauchbar- 
keit ceprüft haben. Danach wird durch Einleiten eines Stromes in das flüssige 
Glas "eine Ersparniss von 40 bis -50 °o an Brennstofl", Arbeit, Zeit und Abnutzung 
der Installation erzielt. Die Muster des mit Hülfe von dargestellten fertigen 
Fiint-, Spiegel- und Tafelglases kommen den besten Sorten auf gewöhnliche Weise 
dargestellten Glases gleich. L e w e s schliesst sein Gutachten mit der Ansicht, 
dass das Verfahren von Thomas in der Geschichte der Glasfabrikation eine 
ebenso hervoiragende Rolle spielen wird, wie das Bessemerverfahren in der Eisen- 
industrie. 

Eine weitere Verwerthung des ist im Gebiete der Metallverarbeitung zu 
suchen. Aehnlich wie Devilie und Debraj- Pt mit Pt ohne Zuhülfenahme eines 
anderen Metalls durch die Knallgasflamme zu löthen lehrten, liegt es nahe, auch 
andere schwer schmelzbare Metalle, wie Au, Ag, Cu, Fe, auf diese Weise mit ein- 
ander zu verbinden. Die Goldarbeiter und Kupferschmiede bedienen sich in vielen 
Fällen des Leuchtgas-SauerstofFgebläses, welches auch in der Fahrradfabrikation 
Anwendung findet. 

Nach Witt (Prometheus Nr. 1.51) werden jetzt in England grosse gläserne 
Tröge für .\ccumulatorenbatterien, chemische und elektrochemische Apparate durch 
Zusammenschmelzen von Glasplatten vermittelst Knallgas hergestellt. Man kann 
nach diesem Verfahren weit grössere und gleichmässigere Gefässe darstellen, als es 
früher durch Blasen möglich war. 

Eine beschränkte Anwendung hat auch seit längerer Zeit für Beleuch- 
tungszwecke gefunden. Am bekanntesten ist das Drummond'sche Kalklicht 
oder Hydrooxjgenlicht, welches entsteht, wenn eine Knallgasflamme auf einen 
Kalkcy linder, besser auf Zirkonkegel, geleitet wird. Die Knallgasbrenner werden 
für Leuchtthürme, Signale, zuweilen zur Beleuchtung grösserer Räumlichkeiten 
(vergl. Hofm. Berichte 1. 1-5 bis 18) und zu Projektionszwecken (Laterna magica) 
benutzt. 

Eine weitere Verwendung hat bei der Darstellung von SO3 gefunden. 
Letzteres bildet sich, wenn ein Gemisch von SOj und über glühenden Platin- 
Asbest oder andere Kontaktsubstanzen geleitet wird. In einer deutschen Fabrik 
wird auf diese Weise S0.( in grossem Massstabe dargestellt. 

In England findet Anwendung bei der Reinigung des Leuchtgases. Nach 
Vallon (Ch. Ind. 1888. .522) genügen 441 für 100 g im Rohgas enthaltenen 
H2S, um das in der Gasreinigungsmasse gebildete Schwefeleisen zu oxydiren. Zur 
Entfuselung des Branntweins wird ebenfalls angewendet. Nach Thorne wii-d 
zur Oxydation von Oelen zwecks Bereitung von Firnissen und in Verbindung mit 
Chlorkalk zum Bleichen noch eine grosse Rolle spielen. v. Helmolt. 



Ozon. 

Ozon, O3 wurde 1840 von Schönbein bei der Elektrolyse des H2O als eine 
Modifikation des entdeckt, welche sich durch charakteristischen Geruch und 
grosse Reaktionsfähigkeit auszeichnet und deshalb auch aktiver genannt wurde. 

Es entsteht häufig bei der Bildung von freiem oder bei Reaktionen, an 
denen theilnimmt, so bei der Elektrolyse von H2O, bei der Zerlegung von Per- 
manganat. Kaliumbichromat und Superoxyden mit conc. HgSOj, ferner bei lang- 
samer Oxydation von feuchtem P, wenn ätherische Oele (Terpentinöl) in einer 
halbgefüllten Flasche, namentlich bei Sonnenlicht, längere Zeit stehen und öfters 
geschüttelt werden, bei Verbrennungen von Kohlenwasserstoffen, we.shalb die Gase 
im äusseren Mantel der Flamme einer Weingeistlampe oder eines Bunsenbrenners 
stark 03-haltig sind, durch einige mechanische Vorgänge, z. B. wenn Luft aus 
den Düsen eines Ventilatorgebläses ausströmt, und bei der stillen elektrischen oder 
Glimmentladung. — In allen diesen Fällen wird nie der gesammte in O3 ver- 
wandelt, sondern höchstens 5 bis 6°o. Ho uze au will mit 34 "/o O3 erhalten 
haben. 

In Folge der fortwährenden elektrischen Entladungen ist unsere Atm. immer 
03-haltig. Besonders nach starken Gewittern, bei Blitzschlägen giebt sich dies 
durch den charakteristischen phosphorigen 03-Geruch zu erkennen. Dass O3 ein 



Darstellunjj. 



13 



Ingredienz jeder Waldluft, besonders in Tannenwäldern, sei, ist eine unbewiesene 
Behauptung, vielmehr hat man stets geringe Mengen H2O.2 in der Waldluft kon- 
statiren können. 

Darstellung. Die sämmtlichen Bildungsvorgänge des O3, aus- 
genommen bei der elektrischen Glimmentladung, sind noch sehr hypo- 
thetisch und unklar. Die darauf bezüglichen Literaturangaben wider- 
sprechen sich in vielen Punkten. 

Die erste und bis jetzt noch vortheilhafteste Darstellungsvreise 
des 0. ist die von W. Siemens (1857) vermittelst der dunklen elek- 
trischen Entladung. Siemens (P. A. 102. 120) bediente sich einer 
Induktionsröhre (Siemens'sche Ozonröhre), welche aus zwei in ein- 
ander geschmolzenen Glasröhren besteht, von denen die innere innen, 
die äussere aussen mit Metall belegt ist. Durch den Zwischenraum 
zwischen beiden Röhren wird das zu ozonisirende Gas (Luft oder 0) 
geleitet, während gleichzeitig die metallischen Beschläge mit den Pol- 
drähten eines Ruhrakorff'schen Induktionsapparates verbunden werden. 
Ein erheblicher Theil des durchgeleiteten wird dabei unter Licht- 
erscheinung ozonisirt. Sehr geeignet zur Ozonisirung sind auch die 
Röhren von Berthelot, bei welchen die Metallbeläge durch verd. 
HgSO^ ersetzt sind. Die Siemens'schen Ozonröhren sind vielfach 
modifizirt worden. So von Babo (Ann. d. chim, phys. 2. Suppl. 267), 
Houzeau (Ch. C. 1872. 242), Boillot (Ch. C.1872; 546, 1873. 162), 
Kolbe (Lehrbuch 1874. 105) und 0. Fröhlich (vergl. Elektrotechn. 
Zeitschr. 1891. 340; Prometheus 1891. Nr. 92). Fröhlich konstruirte 
Ozonröhren, deren inneres Rohr (Fig. 3 u. 4) aus Metall (Al,Su), das 



B 





Fig. 3. Verbesserte Ozonröhre. 
B Inneres Rohr. C Aeusseres Rohr. 



Fig. 4. Verbesserte Ozonröhre. 
Durchschnitt. 
a Gasstrom, h Kühlwasser. 



äussere aus Celluloid, Guttapercha, Glimmer, imprägnirtem Holz oder 
Papier oder irgend einer mechanisch widerstandsfähigen und geschmeidigen, 
schlechtleitenden Substanz besteht, welche als leitende Fläche aussen 
einen Stanniolbelag erhält (D.R.P. Nr. 59565). Solche Röhren können 
durch HgO, welches die innere Röhre durchströmt, fortwährend gekühlt 
und somit andauernd benutzt werden. Uebrigens ist die Il.,0-Kühlung 



u 



Ozon. 



für Ozonröhren sclion von Wills (B. 6. 769) angegeben, und solche 
Instrumente sind durch Fislev und Spiller (Nature 1873. 148) in 
den Handel gebracht Avorden. 

Eine Siemens'sche Ozonröhre nach Fröhlich liefert, wenn man 
mit trockener Luft arbeitet, 0,12 mg 0^ per Sekunde. Für technische 
Zwecke konstruirte Fisley eine Batterie von zehn solcher Ozonröhren 
(Fig. 5). Dieselbe braucht zum Betriebe eine Pferdekraft und liefert 1,2 mg 




Fig. 5. Ozonröhrenbatterie nach Fisley. 

0^ per Sekunde oder 4,3 g per Stunde. Wichtig für die O^-Bildung 
ist die Stärke des Stromes, nur Ströme von hoher Spannung, von 
ca. 5000 Volt an, rufen dieselbe hervor. Ferner ist die Anzahl der 
Stromstösse in gegebener Zeit von Einfluss, nur Apparate mit schnell 
arbeitenden, z.B. rotireuden Kommutatoren liefern genügende Mengen 0^. 
Die zu ozonisirende Luft muss trocken sein, da feuchte Luft der 0^- 
Bildung erheblich schadet. 

Andere Verfahren zur Darstellung von O3 vermittelst Elektrizität 
sind unter Anderem angegeben von Behr in Cöthen (D.R.P. Nr. 39377) 
und Fahrig in London (D.R.P. Nr. (31319). Letzterer presst Luft 
direkt oder nach gründlicher Durcharbeitung mittelst Flügeln, Schau- 
feln etc. durch ein Filter, wodurch sie O.-reicher gemacht wird. Darauf 
wird sie erwärmt, getrocknet, wieder stark abgekühlt und unter gleich- 
massiger Einwirkung der stillen elektrischen Entladung in ein „hoch 
0.J -haltiges Gemisch" umgewandelt. 

Nach Rumine (B. 5. 123) in England und Low (B. 5. 740) 
in Frankreich wird O3 durch Einblasen kalter Luft in die Bunsen'sche 
Flamme erzeugt. In Amerika soll auf diese Art dargestelltes 0^ zur 
Entfuselung des Branntweins und zur Essigfabrikation verwandt werden 
(D. 213. 130). 

Ueber den Erfolg der angeführten Methoden ist wenig bekannt 
geworden , von einer Herstellung des 0^ im Grossen kann daher noch 
nicht die Rede sein. Den meisten Erfolg versprechen noch die neuen 
Ozonröhren Fröhlich's. 

Eigenschaften. O3 ist ein farbloses, riechendes Gas. Der Geruch erinnert 
entfernt an den des Gl und ruft bei länoferem Einathmen Uebelkeit hervor. SG. 



Eigenschaften. Anwendung. 15 

24 (H = 1) oder 1,658 (Luft = 1), wonach die Molekularformel als O3 angenommen 
wird. Bei starkem Druck (1-50 Atm.) lässt es sich zu indigoblauen Tropfen ver- 
dichten. Es ist bei gewöhnlicher T. ziemlich beständig, verwandelt sich aber bei 
300 " in 0. Bei gewöhnlicher T. kann trockenes O3 in geschlossenen Glasröhren sehr 
lange unverändert aufbewahrt werden. O3 ist in reinem H2O etwas lösl. , die 
grössere Menge des gelösten O3 wird jedoch in verwandelt, ohne dass H.2O2 gebildet 
wird; nach drei Tagen ist der ursprüngliche Gehalt auf die Hälfte reduzirt, nach 
15 Tagen alles O3 zersetzt. Nach Carius (A. eh. 174. 27) nimmt 1 1 H2O höch- 
stens 0,04 bis 0,06 g O3 auf, nach Schöne (A. eh. 171. 103) sogar nur 0,0189 g. 
Die wässerigen Lsgn. verhalten sich gegen organische Stoffe wie reines O3. Auch 
von ätherischen Oelen (Terpentin-, Zimmtöl) wird O3 absorbirt. 

O3 ist nach Schönbein nicht athembar, es entzündet die Schleimhäute, 
kleinere Thiere werden getödtet, auf organische Substanzen wirkt es durch Oxy- 
dation zerstörend und bleichend , weshalb auch die zur 03-Darstellung dienenden 
Apparate ohne Korken und Kautschuk konstruirt werden müssen. P, S, As wer- 
den zu den entsprechenden Säuren, Schwefelmetalle zu Sulfaten, N und NH3 zu 
N2O3 und HNO3, Ag und Pb unter Schwärzung zu den entsprechenden Super- 
oxyden oxydirt. Aus KJ scheidet es sofort J aus, Thalliumhydroxydul wird braun 
gefärbt, Guajaktinktur gebläut. Diese Reaktionen dienen zur Erkennung des O3. 
Am sichersten ist die Prüfung mit Thalliumoxydulpapier und die Schwärzung eines 
blanken Silberblechs , da die meisten anderen Reaktionen auch von H2O2 , Cl und 
N2O3 hervorgebracht werden. Nach Wu r s t e r (B. 1888. 921) wird Papier, welches 
mit Tetramethylparaphenylendiamin getränkt ist, durch O3 blau gefärbt, worauf 
sich eine genaue kolorimetrische 03-Bestimmung gründen lässt. 

Anwendung. Rumine und Low (s. oben) verwendeten O3 zur Ent- 
fuselung von Branntwein und zur Darstellung von Essig. Vielleicht könnte es, im 
Grossen dargestellt , in der Bleicherei Verwendung finden , wobei fraglich bleibt, 
ob es die Konkurrenz mit Cl und H2O2 aushält. Die Elfenbeinbleiche mit Ter- 
pentinöl am Licht und an der Luft beruht auf der Bildung von O3, ebenso die 
Rasenbleiche, auch die Desinfektion mittelst ätherischer Oele. Nach Hofmann's 
Berichten (1. 24) würde eine wohlfeile 03-Quelle auch auf die chemische Gross- 
industrie von grossem Einfluss sein, da N durch O3 leicht in HNO3 übergeführt 
wird. Es würde somit die 03-Industrie nichts Geringeres in sich schliessen, als 
die Synthese dieser wichtigen, bisher nur dem Salpeter entlehnten und daher kost- 
spieligen Mineralsäure. 

Vielfach ist O3 zu medizinischen Zwecken vorgeschlagen worden. Besonders 
Lender (Göschen's Deutsche Klinik 1872 und 1873) ist hierfür eingetreten. Seine 
Bemühungen haben aber wenig Erfolg gehabt, da sie seitens der Aerzte lebhaften 
Widerspruch erfuhren. Denn bei grösseren Quantitäten (Inhalationen) sind die 
sekundären Erscheinungen, Entzündung der Schleimhäute, Zerstörung der Gewebe, 
weit nachtheiliger, als die durch die Oxydationswirkung hervorgebrachten Vor- 
theile, welche übrigens von Liebreich gänzlich in Abrede gestellt werden, da 
das leicht zersetzliche O3 überhaupt nicht als solches ins Blut gelange, sondern 
schon, ehe es die Respirationsorgane erreicht, in umgewandelt ist. Im Ozon- 
wasser wiederum können nur so geringe Mengen O3 enthalten sein, dass davon 
kaum eine Wirkung zu erwarten ist. Das nach Lender's Vorschrift von Krebs, 
Knoll u. Co. in den Handel gebrachte O3- Wasser enthielt nach Carius nur 
0,0087 bis 0,0095 g O3 in 1 1. Ob das von Graf u. Co. in Berlin (D.R.P. Nr. 52 452) 
durch Zusatz von NaCl erzeugte „haltbare Ozonwasser" zu medizinischen 
Zwecken geeigneter ist, soll hier nicht entschieden werden. Auch die Bedeutung 
des O3 als De.sinfektionsmittel ist nach H. Sonntag (Z. Hyg. 8. 95) eine geringe, 
da es einfachere und bessere Mittel gibt. Graf u. Co. fabrizirten Ozonöl (D.R.P. 
Nr. 36 392) durch Einleiten von reinem ozonisirtem in Fette und harzende Oele. 
Fröhlich empfiehlt O3 zur Bekämpfung der Reblaus, indem man in das Erdreich 
des infizirten Landes einen andauernden Strom ozonisirten leitet, welcher die 
Thiere tödtet, für die Wurzeln aber völlig unschädlich ist, was den Hauptvorzug 
des Verfahrens bilden würde. Auch bakterienhaltiges H2O kann durch Einleiten 
von O3 sterilisirt werden. Im Gährungsgewerlje könnte O3 mit Erfolg zur Fern- 
haltung von schädlichen Bakterien, zur Erzeugung einer reinen Gährung, Verhin- 
derung der Nachgährung etc. Anwendung finden. Fröhlich gibt auch an, O3 
durch Kompression auf 9 Atra. in einen aufbewahrbaren, transportablen Zustand 
gebracht zu haben. Für den Markt müsste allerdings ein noch viel stärkeres Zu- 
sammenpressen erfolgen. v. Helmolt. 



IQ Wasserstoffsuperoxyd. 



Wasserstoffsuperoxyd. 

Wasserstoffsuperoxyd, H.^O^ wurde 1H18 von T h e n a r d bei Einwirkung von 
verd. HCl auf Bä.0) entdeckt. Es findet sich in geringer Menge in atmosphärischer 
Luft, in jedem Regenwasser (0,05 bis 1 mg in 1 1), häufig auch im Schnee, 
nicht aber in Thau und Reif. Seine Entstehung in der Luft beruht nach Carius 
auf Einwirkung von O3 auf NH3, wobei Ammoniumnitrit, H2O2 und gebildet 
werden. Ueberhaupt scheint bei den meisten Prozessen, bei welchen sich O3 bildet, 
auch H2O2 zu entstehen und umgekehrt, so bei der langsamen Oxydation von 
feuchtem P an der Luft, bei Verbrennungen, wenn die Flamme rasch abgekühlt 
wird (Traube), beim Schütteln von Terpentinöl mit H2O und Luft, ferner bildet 
sich H2O2, wenn in einer mit Luft gefüllten Flasche Zn, Cu, Pb, Fe mit H2O oder 
verd. H2SO4 geschüttelt werden , durch Oxydation von Gerbsäure und Pyrogallus- 
säure an der Luft etc. 

Darstellunor. Fein geriebenes BaO.^ oder das käufliche sogen. 
Hydrat wird nach Tliomsen (B. 7. 74) durch Eintragen in verd. 
HCl gelöst, bis die Säure fast neutralisirt ist. Der filtr. und abgekühlten 
Lsg. wird darauf so^-iel Barytwasser zugesetzt, bis die fremden Oxyde 
und die Kieselsäure gefällt sind und sich ein schwacher Niederschlag 
von Baryumsuperoxydhydrat gebildet hat. Aus dieser filtr. Lsg. Avird 
durch überschüssig hinzugesetztes Barytwasser das darin enthaltene 
Superoxydhydrat als kryst. Niederschlag gefallt. Derselbe wird filtr. 
und mit kaltem HgO ausgewaschen. In feuchtem Zustande kann das 
so erhaltene Hydrat in verschlossenen Gefässen aufbewahrt werden, 
ohne sich zu zersetzen. Um daraus H^O, darzustellen, wird es unter 
Umrühren in verd. H,SO^ eingetragen, bis fast alle Säure neutralisirt 
ist. Vom BaSO^ wird abfiltr., im Filtr. die letzte Spur H^SO^ durch 
Barytwasser gefällt und nochmals filtr. Die Lsg. enthält je nach der 
Konzentration der angewandten Säure wechselnde Mengen H^O.,. 

A. Bourgougnon (Journ. Americ. Soc. 12. 64) zersetzt BaO., 
mit HFl, ein anderer Fabrikant in Frankreich mit H.^PO^. Dupre 
und Baiard (C. r. 55. 73(3, 758) tragen das feingepulverte BaO, in 
kleinen Portionen allmählich in eine Lsg. von CO, in HgO ein. Nach 
Lunge (Zeitschr. f. angew. Chemie 1890. 3) wird in einer der ersten 
Fabriken von Paris BaO, mit wässeriger CO, unter Druck zerlegt, 
auch die Filtration vom BaCO., erfolgt unter Druck. Böttger (D. 182. 
427) zersetzt durch Kieselfluorwasserstoff. S. Lustig in Breslau (D.R.P. 
Nr. 40690) schüttelt Zinkamalgam mit Luft und alkoholischer H,SO^ 
(96 VoL Alk., 4 Vol. H,SO, [1,3]). Durch Abdest. des Alk. im Vakuum 
wird eine konz. wässerige Lsg. von H^O, erhalten. Traube (D.R.P. 
Nr. 48542) schüttelt flüss. Zinkamalgam'mit Luft und Kalkmilch. Es fällt 
ein Niederschlag von Zinkoxydkalk und CaO,, welcher durch eine Säure, 
die mit Zn und Ca unlösl. Salze bildet, zersetzt wird. Es ist nicht 
bekannt, ob die zuletzt genannten Verfahren Eingang in die Praxis 
gefunden haben. 

Die verd. Lsgn. des H.^O, lassen sich durch Ausfrieren oder Ver- 
dampfen im trockenen Luftstrorae konz., so dass reines H,0, hinter- 
bleibt. In den meisten Fällen wird HgO^ jedoch verd. angewandt und 
demgemäss in den Handel gebracht. 

Eigenschaften. HoOj, MG. .34 mit 5,882 H und 94,118 0, bildet eine 
farblose, syrupöse Flüss. vom SG. 1,452; es schmeckt schrumpfend bitter und 



Eigenschaften. Anwendung. \ 7 

erzeugt auf der Zunge einen weissen Fleck. Es erstarrt noch nicht bei — 30 ". Bei 
längerem Stehen, schnell bei massigem Erwärmen, zerfällt es in H2O und 0, durch 
stärkeres Erhitzen kann die Zersetzung unter Explosion erfolgen. Holzkohle, so- 
wie einige Metalle, besonders Ag, Au, Pt, im fein vertheilten Zustande bewirken 
schon beim blossen Kontakt Zersetzung, auch durch Anwesenheit anderer Körper 
wird die Zersetzung mehr oder weniger begünstigt. 

H2O2 löst sich leicht in H2O und Alk., schwieriger in Ae. Die wässerige, 
schwach angesäuerte Lsg. ist viel haltbarer, als das reine H2O2, sie verträgt 
Siede-T. und lässt sich in gut verschlossenen Gefässen Monate lang aufbewahren, 
ohne sich zu zersetzen. Die Lsg. in Ae. ist fast unzersetzt destillirbar. Nach 
Kingzett (Engl. Pat. 1888 Nr. 15993) lässt sich H2O2 bei Zusatz von l"/o Alk., 
Essigsäure, Chloral, Chloroform, Glycerin u. A. lange unzersetzt aufbewahren. 

H2O2 wirkt stark oxydirend. Es verwandelt Sulfide in Sulfate, scheidet aus 
H2S S, aus HCl und HJ Cl resp. J ab. Gegen Verbindungen, welche leicht ab- 
geben, wie Ag20, Hyperoxyde etc., verhält es sich reduzirend, indem es ein At. 
abgiebt, welches mit dem der betreffenden Verbindung zum Molekül zusammen- 
tritt und frei wird. 

Nachweis und Erkennung. H2O2 zersetzt Jodkalium langsam, bei Gegen- 
wart von FeS04 jedoch scheidet sich sofort J aus, welches Stärkekleister blau 
färbt. Ebenso wird Guajaktinktur bei Gegenwart von FeS04 sofort gebläut, Indigo- 
Lsg. entfärbt. Beim Schütteln von H2O2 mit einer Chromsäure-Lsg. und Ae. färbt 
sich die ätherische Schicht dunkelblau. Die quantitative Bestimmung beruht auf 
der Zersetzung einer schwefelsauren Permanganatlösung : 2KMn04 + SHjSO* 
+ 5H2O2 = 2MnS04 + K0SO4 -f 8 H2O + .5 O2. Man lässt zu dem Zwecke Kalium- 
permanganat zu der mit H2SO4 versetzten Lsg. von H2O2 fliessen, bis bleibende 
Rothfärbung eintritt. 

Anwendung. Vermöge seiner oxydirenden und reduzirenden Wirkungen 
ist H2O2 ein ausgezeichnetes Bleichmittel und wird in der Woll- und Baumwoll- 
bleicherei, auch zum Bleichen von Seide, besonders wilder Seiden, von Federn, 
Knochen, Elfenbein ziemlich stark benutzt. Ferner dient es schon seit längerer 
Zeit als Haarbleichmittel, indem es den Haaren eine pikante hellblonde Farbe ver- 
leiht. Das „Eau de fontaine de jouvence", das „golden hair water" und ähnliche 
Fabrikate sind stark verd., durch Zusatz einer geringen Menge Säure haltbar ge- 
machte Lsgn. von H2O2. Es dient ferner zum Restauriren alter Oelgemälde und 
Zeichnungen, indem es das Schwefelblei derselben, welches das dunkle und ver- 
gilbte Aussehen hervorbringt, in Bleisulfat verwandelt und so die ursprüngliche 
Farbe wiederherstellt. In der Photographie dient es zur Entfernung der letzten 
Reste von Natriumhyposulfit, in der Medizin als Desinfektionsmittel, namentlich 
zur Behandlung von Wunden (C. r. 95. 51), als Mund- und Waschwasser etc. 

Pechnick, Bögel und Stein (D.R.P. Nr. 56 466) wollen es zur Reinigung 
von Zuckersäften und -Lsgn. anwenden; Busse (Biedermanns Centralbl. 1882. 789) 
empfiehlt H2O2 zur Konservirung der Milch; nach Schrodt (Milchztg. 1883) 
dagegen verzögert H2O2 zwar den Eintritt der sauren Reaktion, kann aber die 
fortschreitende Säurebildung der Milch nicht aufhalten. Pommer und Ebell in 
Hannover (D.R.P. Nr. 28 071) empfehlen einen Zusatz von H2O2 oder den Super- 
oxyden von Sr, Ca, K, Na zu Bier, Wein, Most und Würze in Bottichen, Fässern, 
Kühlschiffen etc. zur Regulirung der Hefenentwickelung, sowie zur Unterdrückung 
der Entwickelung von Säurefermenten in gährenden Flüss. Nach Lunge (D.R.P. 
Nr. 34 436) ist H2O2 als Antichlor zur Entfernung der letzten Spuren Cl aus Faser- 
stoffen, um den Bleichgeruch zu entfernen, empfehlenswerth ; den gleichen Dienst 
soll es nach dem Schwefeln der Wolle und Seide leisten, indem es die hartnäckig 
anhängende SO2 oxydirt. 

Wenn auch die Verwendung des H2O2 in vielen der angeführten Fälle eine 
problematische oder beschränkte bleiben wird, so hat es doch schon in der 
Bleicherei eine Bedeutung gewonnen, welche nicht zu unterschätzen ist. Es besitzt 
vor anderen Bleichmitteln, hauptsächlich Cl, den grossen Vorzug, geruchlos zu 
sein und die Faser fast gar nicht anzugreifen. Wenn es gelingt, H2O2 billig genug 
herzustellen, wa.s bei dem sicher bevorstehenden Billigerwerden der Superoxyde 
wohl anzunehmen ist, müsste es ohne Zweifel alle übrigen Bleichmittel verdrängen 
und würde eine Industrie von grossem Umfange ins Leben rufen, während es vor- 
läufig noch wegen des ziemlich hohen Preises in beschränktem Masse her- 
gestellt wird. v. Helmolt. 

Handbuch der ehem. Technologie. I. 2 



1 g Wasserstoff. 



Wasserstoff. 

Wasserstoff, H kommt nur ausnahmsweise in freiem Zustande auf der Erde 
vor. Er wurde nachgewiesen in Vulkangasen und in den Gasen, welche den Erdöl- 
quellen entstammen (Naturgas). Dagegen enthält H2O 11,11 "/o H, auch findet 
er sich chemisch gebunden in den meisten organischen Substanzen. 

Paracelsus im 16. Jahrh. war der Erste, welcher das Auftreten des brenn- 
baren H bei der Einwirkung von Säuren auf gewisse Metalle beobachtete, ohne 
seine Natur zu erkennen. Er nannte ihn brennbare Luft. Erst Cavendish 
(1781) fand, dass diese brennbare Luft beim Verbrennen H.jO bilde, und Lavoi- 
sier wies 1783 durch die Elektrolyse des HoO nach, dass H ein Bestandtheil des- 
selben sei. 

Darstellung. Die Darstellung des H im Grossen wurde schon 
von Fontana 1780 und Courbelle 1794 durch Zerlegung von Wasser- 
dampf vermittelst glühenden Fe resp. glühender Kohlen versucht. Seit- 
dem sind die Versuche fortgesetzt worden, und heute fehlt es nicht an 
Vorschlägen und Methoden, H im Grossen darzustellen. Jedoch kann 
die Aufgabe noch keineswegs als gelöst gelten. 

Fontana's Methode, Wasserdämpfe durch glühendes Fe zu zer- 
setzen: 3Fe + 4H2O = FcyO^ -f" 4H2, wurde später von Giffard 
(D. 227. 366) wieder aufgenommen, aber bald verlassen. Nach dem- 
selben Prinzip stellt Belou (D.R.F. 1887 Nr. 43 989) in Paris reinen 
H dar, indem er Wasserdampf über in Retorten befindliches glühendes 
Fe leitet. Das gebildete Fe^O,^ wii-d durch Einstreuen von Kohlen- 
pulver wieder reduzirt. Die sich entwickelnden Gase (COg und CO) 
werden zum Erhitzen der Retorten verwandt. Das Fe ist in den Re- 
torten in Form aufrecht stehender Stangen oder Röhren angebracht. 
Die Kohle wird aus mit hermetischen Abschlüssen versehenen Trichtern 
in die Retorten eingefüllt. Oettel (Engl. P. 1885 Nr. 16 759) leitet 
AVasserdampf durch hoch erhitzte, mit Fe-Spähnen gefüllte Röhren, 
in welchen ein Vakuum erzeugt wird. 

Wird Wasserdampf durch glühende Kohlen zersetzt, so entsteht 
ein Gas, welches neben H wechselnde Mengen CO, und CO enthält. 
Dies unter dem Namen Wassergas bekannte Gasgemisch diente schon 
seit längerer Zeit zu Heizungs- und Beleuchtungszwecken, wenn auch 
in beschränktem Masse, da es bisher nicht gelang, die Entstehung des 
giftigen CO zu vermeiden. Ein von Fayes 1860 konstruirter Apparat 
erzeugte ein Gas, welches fast nur H und COg enthielt und ziemlich 
frei von CO war. Fayes erreichte dies, indem er mit überschüssigem 
Wasserdampf arbeitete. Bei der Zersetzung von HgO durch glühende 
Kohle büdet sich zunächst CO, und H nach: 2H,0 -|-C = CO^ + 2H2, 
dabei kommt die CO^ mit überschüssiger Kohle in Berührung und wird 
zum Theil zu CO reducirt: 00^ + 0=: 2 CO. Ist jedoch Wasserdampf 
im Ueberschuss vorhanden, so findet Rückbildung von CO, und Bildung 
neuer Mengen H statt: CO + HgO = CO^ + Hg. Fayes erhielt also ein 
Gemisch von unzersetztem Wasserdampf, CO^ und H , welches durch 
Abkühlen vom HgO, durch Ca(0H)2 von der COg befreit wurde und 
fast reinen H lieferte. Fayes giebt an, dass er in 24 Stunden 1000 
bis 1200 cbm gereinigten H erhielt, dessen Gesammtkosten er, ohne 
Arbeitslohn und Preis des Apparates, auf 4,5 Cent, pro 1 cbm berechnet 
(Hofm. Ber. 1. 29). Obwohl diese Darstellungsweise anfangs günstige 



Darstellung. X9 

Resultate ergab, wurde sie doch wieder wegen technischer Schwierig- 
keiten aufgegeben. Neuere Versuche in dieser Richtung wurden ange- 
stellt von C. Hessel in Kilburn (Engl. P. 1880 Nr. 3584), G. E. Moore 
in New York (D.R.P. 1886 Nr. 35 203), Hembert und Henry 1886 
(C. r. 101. 797). Krupp in Essen (D.R.P. 1893 Nr. 67 827) imprägnirt 
die zu verbrennende Kohle mit lösl. Hydraten oder Karbonaten der 
Alkalien oder alkalischen Erden oder mit solchen Verbindungen der 
letzteren, welche bei ihrer Zersetzung Karbonate liefern. Schon bei 
ziemlich niedriger T. tritt, wenn Wasserdampf darüber geleitet wird, 
eine reichliche Gasentwickelung von fast nur CO., und H ein. Der 
Prozess vollzieht sich unter Ausschluss von Luft und anderen N ent- 
haltenden Gasen, und das entstehende Wassergas ist frei von N. Es 
lässt sich direkt als Brenn- oder Heizgas verwerthen und ist nicht giftig. 
Durch Ueberleiten des Gasgemisches über eine zur Absorption von COg 
geeignete Substanz lässt sich technisch reiner H, sowie durch Wieder- 
entwickelung der absorbirten COg technisch reine COg gewinnen. Wenn 
sich die Angaben bestätigen, so würde dies einen grossen Fortschritt 
besonders in der Heizungs- und Beleuchtungstechnik bedeuten. In Nord- 
amerika benutzt man schon jetzt statt des Leuchtgases durch Oelgas 
karburirtes Wassergas zur Beleuchtung. 

H kann ferner durch Einwirkung verd. Säuren auf gewisse Me- 
talle dargestellt werden. Von historischem Interesse ist der von 
Giffard 1867 zur Entwickelung von H aus Fe und verd. HgSO^ kon- 
struirte Apparat. Der H kostete pro 1 cbm 1 Frank. Egasse (Jahresb. 
d. eh. Tech. 1884) gewinnt H aus Zn und HCl. 1 cbm kostet 
0,80 Mark, doch kann auch das erhaltene ZnClg zur Desinfection, Im- 
prägniren etc. verwerthet werden. Konther in Berlin (D.R.P. 1887 
Nr. 42 456) nimmt Fe und HCl. Die entstehende wässerige Eisenchlo- 
rürlsg. wird durch rasche und starke Erhitzung in HCl, H und Fe^O^ 
zerlegt: 3FeCl, + 4H20 = Fe30^ + BHCl + H^, somit wird HCl wieder- 
gewonnen. 

W. Majert und G. Richter (D.R.P. 1888 Nr. 39 898 und 42 488) 
stützten sich auf das Verfahren von Tessie du Motay und Marechal 
(Bl. 1868. 1. 334), nach welchem NaOH, Ba(OH),, Ca(OH), wenn mit Kohle 
in eisernen Retorten erhitzt, ihr Hydratwasser unter Zersetzung ab- 
geben: C + 2 Ca(OH), = 2 CaO + CO^ + 2H,, und fanden, dass an Stelle 
der Kohle Zinkstaub viel bessere Dienste leistet. Nach D.R.P. Nr. 42 488 
wird eine innige Mischung von Zinkstaub mit bei 300*^ getrocknetem 
Ca(OH)^„ Mg(OH)o, zweifach gewässertem Chlorcalcium oder der ent- 
sprechenden Doppelverbindung mit NaCl (KCl), hydratisirtem Zement, 
Bauxit, H^O-haltigem Alkalithonerdehydrat, NaOH, KOH oder irgend 
einem Gemisch aus vorstehenden Körpern hergestellt, so dass auf 1 Mol. 
Zinkstaub 1 Mol. Hydratwasser kommt. Diese Mischung wird in Blech- 
büchsen von 10 cm Durchmesser und 40 cm Länge gefüllt, welche 
verlöthet werden. Durch Erhitzen bis zur Rothglut tritt nach: 
Zn -|- Ca(0H)2 = ZnO -j- CaO -\- B.^ Zersetzung ein, wobei die Löthstelle 
schmilzt und der entwickelte H durch Röhren abgeleitet werden kann. 
Für militärische Zwecke können mehrere solcher Röhren auf einem 
fahrbaren Gestell so angebracht werden, dass sie auf demselben gleich- 
zeitig erh. und das entwickelte Gas in einen gemeinsamen Behälter 
mit hydraulischem Verschluss geleitet werden kann. Die Gaserzeugung 



20 Wasserstoff. 

ist eine kontinuirliche, da jedes Rohr, sobald der Inhalt ausgenutzt ist, 
während des Betriebes herausgenommen, entleert und neu beschickt 
werden kann. 

Der Apparat von Majert und Richter erregte grosses Aufsehen, 
da er besonders zum schnellen Füllen von Luftballons im Kriege sehr 
geeignet erschien. Der Preis des so dargestellten H ist jedoch ein sehr 
hoher, da eine Bombe, welche 2 cbm liefert, auf 9 Mk. zu stehen kommt. 

Statt Zu-Staub empfiehlt Jacoby (D.R.P. 1888 Nr. 47 079) Fe- 
Feile, Fe-Pulver etc. zur Zersetzung des Ca(0H)2. Die Ausbeute an 
H soll grösser sein als bei Anwendung von Zn-Staub, indem 1 g Zn- 
Staub 130 ccm H, 1 g Fe-Pulver 200 com H liefert, welcher überdies 
völlig rein (As-frei) ist. 

In Griesheim a. Rh. wird H durch Elektrolyse von Chlorkalium 
dargestellt : 2 KCl = 2 K + Cl, und 2 K + 2 H^O = 2 KOH + H,. Hierbei 
erhält man also gleichzeitig Cl und KOH. Cl und H werden im kom- 
primirten Zustande verkauft. 

Eigenschaften. H ist ein färb- und gerucUoses Gas. AG. 1. Er ist von allen 
Gasen am schwierigsten zu verflüssigen, da er die niedrigste kritische T. ( — 180 °) 
besitzt, mithin auch die stärkste Abkühlung verlangt. Pictet erhielt ihn durch 
Comprimiren auf 650 Atm. bei — 150" in Form einer stahlblauen, rasch ver- 
dunstenden Flüss. Cailletet und Wroblewsky konnten ihn bei — 300" und 
280 Atra. Druck nur zu einem grauen Nebel verdichten. Olszewsky kühlte auf 
100 Atm. gepressten H durch flüssigen, im Vakuum verdampfenden N ab und 
ermässigte dann den Druck auf 40 Atm., wodurch der H verflüssigt wurde, aber 
so rasch wieder verdampfte, dass der N theilweise fest wurde. Der Sied, des H 
ergab sich hierbei zu — 215 "'. 

1 1 H ^viegt bei 760 mm Druck und 0" = 0,089567 g, SG. auf Luft bezogen 
= 0,06926. Die Verbrennungswärme von 1 kg H von 760 mm und " beträgt 
34462 Wärmeeinheiten, ist also bedeutend höher als die aller übrigen Körper. 
Seine Verbrennungs-T. ist 1789" beim Verbrennen im Vakuum, 1254° beim Ver- 
brennen an der Luft (Valerius, J. d. Ch. 1874. 58). H ist wenig in H2O lösl. 
Er ist nicht athembar. Beim Athmen von reinem H erfolgt sofortiger Tod durch 
Ersticken wegen Mangels an 0. 

Wegen seiner Leichtigkeit und Beweglichkeit diffundirt H leichter als andere 
Gase durch poröse Körper, durch animalische und vegetabilische Häute, Kaut- 
schuk u. dergl. Sogar manche Metalle, wie Fe, Pt, Au, vermag er zu dui-ch- 
dringen, wenn sie sich im glühenden Zustande befinden. So nimmt nach Graham 
(A. ch. Suppl. 0. 293) ein Palladiumcylinder von 1 mm Wandstärke pro Minute 
und Quadratmeter 4 1 H auf. Befestigt man bei der Elektrolyse von HqO am — Pol 
ein Stück Palladiumblech, so absorbirt es das 900fache seines Volumens H. Auch 
beim Erhitzen von Pd auf 100" findet Absorption von H statt. Graham be- 
trachtet das Wasserstoff-Palladium, PdgH, als eine Legirung, wofür das unver- 
änderte metallische Aussehen und das physikalische Verhalten sprechen. Auch K 
und Na absorbiren beim Erhitzen H und bilden Legirungen K2H und Na^H. Die- 
selben sind weich, amalgamähnhch, entzünden sich an der Luft und dissoziiren 
bei höherer T. Nicht zu verwechseln mit diesen Legirungen sind die Kondensations- 
erscheinungen, welche poröse Körper, wie Platinschwamm, Kohle, poröses Nickel, 
auf H bewirken. Dieselben beruhen auf Oberflächenanziehung. 

Freier H hat nur eine geringe Reaktionsfähigkeit. Er verbindet sich mit 
erst bei der Entflammung zu HoO. Seine Flamme ist schwach bläulich und 
sehr lichtschwach, besitzt aber eine sehr hohe T., so dass feste Körper, wie Kalk, 
Pt, durch die Wasserstoffflamme in strahlende Weissglut versetzt werden. 

Erst bei hoher T. und besonders im status nascendi äussert sich seine kräftige 
chemische Wirkung. Er ist dann das kräftigste Reduktionsmittel, welches uns 
zu Gebote steht. 

Anwendung. Seine industrielle Anwendung verdankt H seiner hohen 
Verbrennungswärme und seinem geringen Volumgewicht. Die Verwendung des 
H als Wärme- und Lichterzeuger ist allerdings stets eine beschränkte geblieben, 



Anwendung. 21 

da man sich meistens billigerer und bequemer zugänglicher Materialien bedienen 
konnte. Als Wärmeerzeuger spielt H im Knallgasgebläse, welches in der Pt- 
Industrie unentbehrlich ist, eine Rolle (vergl. 0), ferner als wesentlichster Bestand- 
theil des "Wassergases (s. oben). Erwähnenswerth ist die Anwendung des Luft- 
Wasserstoffgebläses zum Löthen von Bleiplatten in H2S04-Fabrikanlagen. Nach 
Winkler (Deutsches Industriebl. 1872. 182) dürfte H auch zur Selbstlöthung 
anderer Metalle in Zukunft eine grosse Rolle spielen. 

Die Bedeutung des H als Lichtquelle ist ebenfalls eine minderwerthige. 
Die D obere in er'sche Zündmaschine, welche auf der Eigenschaft des Platin- 
schwamms, H zu entzünden, beruht, gehört der Vergangenheit an. Zur Erzeugung 
des Drummond'schen Kalklichtes, des Zirkonlichtes u. A. begnügt man sich in 
den meisten Fällen mit dem Sauerstoff-Leuchtgasgebläse, während früher die reine 
Knallgasflamme vorgezogen wurde. 

Die von Gillard 1846 in Frankreich eingeführte Wasserstoffbeleuchtung, 
welche darauf beruhte, dass auf die Brennßr, aus welchen Wassergas oder reiner 
H strömte, Körbe aus Platindraht gesetzt wurden, die durch das entzündete Gas 
in Weissglut geriethen (Platingas), vermochte sich nicht lange zu behaupten 
(vergl. Hofmann's Berichte 1. 32). Ebensowenig waren die Versuche von White, 
Leprince u. A., mit Kohlenwasserstoffdämpfen gemengtes (karburirtes) Wasser- 
stoffgas zur Beleuchtung zu verwenden, von langer Dauer. 

Die Hauptverwendung des H ist die zur Füllung von Luftballons. Obwohl 
Leuchtgas, weil oft bequemer und billiger zugänglich, häufiger als H zu diesem 
Zwecke verwandt wird, hat letzterer in neuerer Zeit wieder erhöhte Bedeutung 
gewonnen, seitdem man den Luftballon als wichtiges Hülfsmittel im Kriege hat 
schätzen lernen. Da im Felde Leuchtgas nur selten zu Gebote steht, fand man 
im H den besten Ersatz. Man führt ihn in gusseisemen Bomben mit, welche bei 
einem Durchmesser von 20 cm 35 1 Inhalt haben und das Gas auf 200, nach 
anderen Angaben sogar auf 500 Atm. komprimirt, enthalten. 

V. Helmolt. 



Wasser. 



Von dem ungeheuren WasseiTorrath der Erde , der etwa drei Viertel der 
Oberfläche derselben bedeckt , befindet sich ein erheblicher Theil in dampfförmi- 
gem' Zustande in der Atm. , aus welcher sich unausgesetzt Niederschläge: Nebel, 
Thau , Regen , Schnee , Reif , Hagel bilden , die man atmosphärisches oder 
Meteor wasser nennt. Die Menge dieses jährlich niederfallenden Meteorwassers 
ist im Allgemeinen in den Tropen und in der Nähe des Meeres am grössten, im 
Norden am geringsten; gi-össer im Gebirge als in der Ebene. 

Deutschland hat eine mittlere Regenhöhe von 67 cm ; davon fallen im Sommer 
(Juni bis August) 24 cm, im Herbst 16, im Frühling 15 und im Winter nur 12 cm. 
Auf Berlin entfallen im Mittel 5V , auf Clausthal im Harz 143 cm. In extremen 
Fällen kann man ein Tagesmaximum von 100 mm und darüber erwarten. Die 
folgende Tabelle gibt die grössten stündlichen Niederschlagshöhen. Nur die Fälle 
sind beräcksichtigt, in welchen die stündliche Niederschlagshöhe .30 mm überschritt. 
Die eingeklammerten Zahlen bezeichnen die Dauer des Niederschlags in Stunden 
(h) und Minuten (m): 



Sondershausen . . (Ih ,30m) 35 mm 
Elster i. S. . . . (1 h ) 36 



Königsberg i. P 
Kiel . . . 
Posen ... 
Trier ... 
Waltershausen 
Wernigerode 
Dresden . . 
Klausthal 
Annaberg i. S. 
Gütersloh . . 
Wermsdürf i. S 



(45 m) 


69 


lim 


(20 m) 


71 


, 


(20 m) 


72 


„ 


(Ih ) 


73 


„ 


(Ib ) 


75 


r\ 


(30 m) 


79 


, 


(30 m) 


82 


Ji 


(25 m) 


86 


^ 


(15 h) 


96 


, 


(7 m ) 


123 


» 


(15 m) 


126 


„ 



Beuthen i. O.-S. .(3 h ) 3'; 

Schlüchtern ...(3h ) 42 

Ratibor . . . . (IV2 h ) 45 

Dresden . . . . (l'/2 h ) 50 

Mühlhausen i. Th. . (1 h ) .54 

Kolberg .... (30 m ) 56 

Tharant .... (1 h ) 58 

Torgau ..... (1 h ) 60 

Breslau (IV2 li ) 63 

Dresden . . . . (20 m ) 66 

Die Regenmengen einzelner Jahre difi'eriren oft ganz bedeutend : für Frank- 
furt beträgt die Regenhöhe im Durchschnitt von 30 Jahren 60 cm; 1864 betrug 
sie nur 36, 1867 dagegen 144 cm. 

Für gewisse gewerbliche und industrielle Anlagen, wie Kanalisationen und 
sonstige Ableitungseinrichtungen, muss auf die Regenhöhe Rücksicht genommen 
werden (F. Fischer, Das W. 1891. 1). 

Das Meteorwasser enthält stets die Bestandtheile der Luft in dem ihrer 
Löslichkeit entsprechenden Verhältnisse, sowie ihre Verunreinigungen. 1 1 Regen- 
wasser enthielt nach Reichardt (A. P. 206. 193) im Januar bei 4^ gesammelt 
32,4 cc, im Juni bei 15° gesammelt 24,9 cc Gase von folgender Zusammensetzung : 



CO.2 
6,7 



N 

Januar .... 31,8 61,5 

Juni 27,0 64,2 8,8 

Bei Gewittern ist im Regenwasser zuweilen H2O2 enthalten. Organische 
Stoffe wui;xlen bereits 1750 von Marggraff darin nachgewiesen. NH3. HNO3, 
HNO2, H2SO4 sind meistens vorhanden. Die Gesammtmenge der Verunreinigungen 
beträgt im Allgemeinen 0,5 bis 1,0 "/o. 



Beschaflfenheit. 23 

Zahlreiche Analysen von Eegenwasser hat die Rivers Pollution Commission 
in England ausgeführt (VI Report 1874). Folgende Angaben sind die Durch- 
schnittszahlen aus 73 Analysen des Regenwassers über ganz England aus den 
Jahren 1869 bis 1873 (Juri seh, Verunr. d. Gew. 1890. 32). 

mg in 1 1 

Gesammtmenge der festen Bestandtheile 89,5 

Organischer Kohlenstoff 0,99 

Organischer Stickstoff 0,22 

Ammoniak 0,5 

Stickstoff als Nitrate und Nitrite 0,07 

Gesammter gebundener Stickstoff * 0,71 

Chlor 6,8 

Temporäre Härte 8 

Permanente „ 17 

Totale „ 6.2 

Der Regen in Caracas (Venezuela) enthielt im zweijährigen Durchschnitte 
(1883 bis 1885) in 11 2,23 (Maximum 16,25, Minimum 0,20) mg N2O5; der von 
St. Denis (Gesellschaftsinseln) von 1887 durchschnittlich 2,67 mg (0,4 bis 12,5) N2O5. 

Regenwasser im Elsass enthielt nach ßoussingault nur 0,18 mg, solches 
in England nach Law es und Gilbert nur 0,42 mg NoOg in 1 1. 

Der durchschnittliche Gehalt an NH3 betrug 1,55 (Maximum 4,01 , Minimum 
0,37) mg in 1 1 in Caracas, 0,52 im Elsass (Boussingault) und 0,97 in England 
(Lawes und Gilbert). 

Der Gehalt des Regenwassers an NH3 ist in den Tropen grösser als in ge- 
mässigten Klimaten (A. Muntz und V. Marcano, C. r. 108. 1062; 113. 779; 
114. 184). 

Wasser aus frisch gefallenem Schnee enthielt in 1 1 1,78 mg NH3, dagegen 
0,34 mg nachdem der Schnee 36 Stunden auf Gartenerde gelegen hatte (Boussin- 
gault, C. r. 46. 1175). Dass Schnee aus dem Boden NH3 aufnimmt, ist wieder- 
holt bestätigt. Auch die Verunreinigungen der Luft werden vom Schnee absorbirt. 
Frisch gefallener Schnee enthielt in 1 kg 6,96 mg H2SO4; am folgenden Tage 
17,6 mg, nach 10 Tagen 62,2 und nach 16 Tagen 91,8 mg (Sendtner, Bayer. 
Ind. u. Gewerbebl. 1887; F. Fischer. Das W. 1891. 7.; Ch. Soc. Ind. 1892. 320). 

Ein sehr grosser Theil des Meteorwassers kehrt unmittelbar durch Ver- 
dunstung in die Atmosphäre zurück, mehr im Sommer, weniger im Winter. Das 
Uebrige sickert theilweise in den Boden, dringt in Spalten und Risse und gelangt 
meist schon in geringer Tiefe auf undurchlässige Schichten (Lehm, Thon, Fels), 
sammelt sich und breitet sich nach den Seiten hin in mehr oder weniger horizon- 
taler Richtung aus, je nach der Schichtenbildung. Diese mitunter recht beträcht- 
lichen Wassermengen bilden das sogenannte Grund- oder Unterwasser. Findet 
dieses keinen Abfluss , so kann es nur durch Verdunsten wieder verschwinden, 
was wohl selten ganz der Fall ist, da stets neue Mengen hinzukommen. In den 
meisten Fällen gelangt das Grundwasser durch Spalten wieder ins Freie und bildet 
so Quellen, die mit dem auf der Erdoberfläche sich sammelnden durch Bäche und 
Flüsse dem Meere zugeführt werden. Bei starkem Ab- und schwachem Zuflüsse 
kann das Grundwasser , besonders bei anhaltendem Regen , erheblich steigen , zu- 
weilen über die Oberfläche des Bodens , und Ueberschwemmungen bilden. Man 
misst diesem Steigen und Sinken des Grundwassers einen bedeutenden Einfluss 
auf das Auftreten gewisser Krankheiten (Typhus etc.) bei, wofür in vielen Städten, 
die starkes Grundwasser haben, Belege geboten sind (Pett enkof er. Der Boden 
u. sein Zusammenhang m. d. Gesundh. d. Menschen. Berlin 1882; Fodor, Unters. 
über Luft, Boden u. Wasser. Braunschweig 1881; Soyka, Der Boden. 1887). 

Die Quellen zeigen sich naturgemäss vorwiegend auf und nahe bei Ge- 
birgen. Gelangt das W. in poröse Schichten, die sowohl nach unten als nach 
oben hin durch undurchlässige Schichten muldenförmig begrenzt sind, so bricht 
es zuweilen an den tiefer gelegenen Stellen gemäss der Krümmung der Mulde 
unter mehr oder weniger starkem Drucke hervor, wenn hier ein Bohrloch angelegt 
wird (Artesische Brunnen). Quellen können auch durch den Druck ober- 
irdischer Gewässer , Seen und Flüsse , auf das Grundwasser entstehen. Manche 
kleinere Flüsse und Bäche verlaufen in dem Boden, fliessen ganze Strecken unter- 
irdisch und treten als Quellen wieder zu Tage. Die Tiefe, in welcher Grundwasser 
auftritt, richtet sich nach der Lage der Orte; in Ebenen und Thälern findet es 



24 . Wasser. 

sich bisweilen wenige Meter, auf Anhöhen und Bergen oft Hunderte von Metern 
unter der Oberfläche. Die T. des Quellwassers, das aus geringer Tiefe stammt, 
ist der mittleren Luft-T. des Ortes nahezu gleich. Die Quellen, die aus grösserer 
Tiefe kommen, haben oft eine \-iel höhere T.; ist sie höher als 24'', so nennt man 
die Quelle eine warme (Therme). 

Beim Durchsickern des Erdbodens nimmt dasW. lösl. Stoffe auf, Salze und 
besonders auch CO^. Durch letztere erhält es die Fähigkeit, lösend auf manche 
Gesteine einzuwirken und zahlreiche saure Karbonate aufzunehmen, hauptsächlich 
die der überall verbreiteten Alkalien, Erdalkalien, des Mg, Fe, Mn. 

Die chemische Beschaffenheit der Quelhvasser hängt also von der des durch- 
fiossenen Erdreiches ab, abgesehen davon, dass viele Quellen in der Nähe bewohnter 
Orte oder von Fabrikanlagen etc. , durch daher entstammende Stoffe beeinflusst 
werden. Ein interessantes Beispiel dafür liefern Untersuchungen Gorup- Besä nez' 
über die dolomitischen Quellen der fränkischen Schweiz im Jahre 1872 (A. Spl. 8. 
230). Bei Auswahl der dort sehr zahlreichen Quellen war zunächst die Begren- 
zung des Weissen Jura leitend, dessen obere Lage der Dolomit bildet; doch wur- 
den des Vergleichs wegen auch Quellen des im Braunen Jura liegenden Dorfes 
Breitenbach, und des an der Grenze des Weissen Jura und der Dolomite liegenden 
Gasseidorf, beide am rechten Ufer der Wiesent, analysirt. Die übrigen Quellen 
gehen von Streitberg bis Muggendorf im Gösweinsteinerthale im Füttlachthale auf- 
wärts bis Pottenstein; endlich im Schotterthale, gegen die Riesenburg hin, zu Tage. 
Des Vergleichs wegen wurde auch das W. der Wiesent und Püttlach untersucht. 
Si02, CaCOs und MgCOs waren die einzigen Bestandtheile , die in nicht 
sehr grossen Wassermengen quantitativ bestimmbar waren. H2SO4 war im Rück- 
stande nicht nachweisbar, C'l nur spurweise; Alkalien und Fe in sehr geringen 
Mengen. Alle Quellen enthielten wenig bituminöse Substanz. Beistehende Tabelle 
zeigt die Bestandtheile, auf 11 berechnet, und das Verhältniss zwischen CaC03 
und MgCOs in Procenten. Die Quellen, welche von Streitberg an, das ganze Gös- 
weinsteinerthal hindurch und bei Behringersmühle aufwärts der Wiesent gegen 
Toos zu Tage treten, sind reine Dolomitquellen. Das Verhältniss zwischen CaC03 
und MgCOo im Abdampfrückstande entspricht den Dolomiten. In zwei Dolomiten 
dieser Gegend war das procentische Verhältniss: 

1 II 

CaCOj .... 57,32 57,21 

MgCOg .... 42,68 42,79. 

Die Quellen des Püttlachthales sind durchschnittlich kalkreicher; die Rück- 
stände derer von Breitenbach und Gasseidorf (im Braunen Jura), sowie die des W. 
der Wiesent und Püttlach zeigen die Zusammensetzung der Dolomite nicht mehr. 

(Tabelle siehe Seite 25.) 

Die umfassendsten Untersuchungen über die Wasserverhältnisse sind während 
der Jahre 1867 bis 1874 in England von der Riv. Poll. Comm. angestellt worden. 
Die Reports derselben, besonders VI von 1874, enthalten zahlreiche Analysen aller 
Arten W. (s. F. Fischer, Chem. Technol. d. W. 1878. 89; Jurisch, Verunreini- 
gung d. Gewässer, 1892. 32). 

Mineralwässer. 

Mineralwässer sind Quellen, deren W. arzneilich bedeutsame Stoffe enthält 
und zuweilen eine höhere T. besitzt; sie wurden schon seit den ältesten Zeiten als 
Heilquellen geschätzt und so benannt. Die Zusammensetzung ihres W. ist sehr 
verschieden, wodurch ihr verschiedener Werth in therapeutischer Hinsicht bedingt 
wird. Nach den wirksamen oder überhaupt hervortretenden Bestandtheilen unter- 
scheidet man: 

I. Alkalische Mineralwässer mit viel Na2C03 und CO2, wenig Erdalkalien, 
Na2S04 und NaCl. 

1. Einfache Säuerlinge. Wenig feste Bestandtheile, nicht unter 400 cc 
CO2 in 1 1 enthaltend: Heppingen, ApoUinaris, Landskron, Säuerlinge des Laacher 
Sees, Wemasser und Sinnberger Quelle, Liebwerda, Marienquelle in Marienbad, 
Dorotheenau bei Karlsbad. 

2. Alkalische Säuerlinge. Viel Na.2C03 und CO2, wenig andere Salze: 
Vichy , Neuenahr , Mont Dore , Neres , Chaudes-Aigues , Bilin , Fachingen, Geilnau, 
Giesshübl, Preblau, Borszek, Elöpatek, Rodna. 



Quellwasser. 



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2g Wasser. 

3. Alkalisch-muriatische Säuerlinge. Na-2C03 und NaCl : Ems, Luhatz- 
schowitz (Jod und Brom), Selters, Gleiclienberg , Weilbach (Lithion), Roisdorf bei 
Bonn, Sazcawnica, Krankenheil. 

n. Glaubersalzwässer mit viel Na2S04 nebst Na.2C03: Karlsbad, Bertrich, 
Marienbad, Tarasp, Ofen, Salzbrunn, Rohitsch, Salzquelle in Franzensbad. 

m. Eisen- oder Stahlwässer mit nicht weniger als 0,06 gr Fe-Salzen in 1 1. 

1. Reine Eisensäuerlinge; wenig Salze, viel CO2: Schwalbach, Spaa, 
Altwasser, Brückenau, Reinerz, Liebenstein, Königswerth, Ambrosius- und Karolinen- 
quelle in Marienbad. Hofgeismar, Schandau, Freienwalde, Niederlangenau, Steher, 
Imnau, Pyrawerth. 

2. Alkalische und alkalisch- salinische Eisensäuerlinge; ent- 
halten ausser FeC03 noch NaoCO^, Na-2S04 und CO.2 in grösseren Mengen : Franzens- 
bad, Elster, Cudowa, Flinsberg, Bartfeld. 

3. Erdig- salinische Eisensäuerlinge; mit FeC03, CaC03 und CaS04: 
Pyrmont, Driburg, Rippoldsau , Petersthal, Griesbach, Freiersbach, Antogast, 
Bocklet, St. Moritz, Schuls, Charlottenbrunn, Wildungen, Krynica, Contrexeville. 

4. Eisen Wässer mit FeS04: Alexisbad, Muskau, Mitterbad und Ratzer 
in Tyrol, Parad in Ungarn, Ronneby in Schweden. 

IV. Salzquellen, Kochsalzwässer mit viel NaCl und anderen Chloriden, wenig 
Sulfaten und Karbonaten. 

1. Einfache Salzquellen. Wenig NaC'l: Kissingen, Homburg, Kron- 
thal, Mergentheim, Neuhaus, Cannstatt, Aachen, Burtscheid, Mehadin, Wiesbaden, 
Baden-Baden, Bourbonne les Bains, Mondorf, Soden, Tusnad in Siebenbürgen. 

2. Soolen; viel NaCl: Nauheim, Oeynhausen, Soden, Ischl, Reicheuhall, 
Arnstadt, Salzungen, Wittekind, Jaxtfeld, Kosen, Suiza, Juliushall, Frankenhausen, 
Beringerbrunn, Hubertusbrunn, Hall in Württemberg, Hall bei Innsbruck, Salzhausen. 

3. Jod- und bromhaltige Soolen; viel J und Br: Kreuznach, Elmen, 
Dürkheim, Adelheidsquelle, Hall in Oesterreich, Salzbrunn, Wildegg, Königsdorf- 
Jastrzemb, Goczalkowitz, Ironicz, Zaczon, Bässen, Lippik. 

V. Bitterwässer; MgS04 und Na2S04: Püllna, Saidschütz, Sedlitz, Gran, 
Irauda, Ofen, Galthofen (Mähren), Birmanstorf und Mülligen (Schweiz), Friedrichs- 
haU, Alap. 

VI. Schwefelwässer; enthalten Sulfurete und riechen nach H2S: Stachelberg, 
Eaux chaudes, Bagneres de Luchon, Amelie les Bains, Aix, Eaux bonnes, Cantets, 
Verenzet, St. Sauveur. 

Vn. Erdige oder kalkige Wässer enthalten hauptsächlich CaS04, CaCOs 
und CaCl2. 

1. Einfache: Leuk, Bormio, Lippspringe, Bath, Weissenburg in Bern, 
Saxon in Wallis, üssat in den Pyrenäen. 

2. Erdige mit viel H2S: Baden bei Wien, Baden im Aargau, Schnizbach, 
Trentschin, Teplitz, Pystjan, Grosswardein , Nenndorf, Elisen, Meinberg, Langen- 
brücken, BoU, Reutlingen, Wipfeld, Hedingen, Sebastianweiler, Lubien in Galizien. 

Vlil. Indifferente Quellen enthalten wenige oder belanglose Substanzen ge- 
löst, zeichnen sich aber durch hohe T. aus (Thermen), im Allgemeinen mehr als 
24". Plombieres 19 bis 65°, Topuszko 49 bis 55 ^ Bains 30 bis 50°, TepHtz 39 
bis 49,4", Wildbad-Gastein 35 bis 45°, Warmbrunn 35 bis 40.5°, Römerbad bei 
Jüffer 37,5 °, Wildbad in Württemberg 38,4 bis 45 °, Pfäffers und Ragaz 34 bis 35 °, 
Neuhaus 35°, Schlangenbad 27 bis 30,5°, Landeck 17,5 bis 29°, Johannisbad 29°, 
Tobelbad 25 bis 29°, Liebenzell 22,5 bis 25° (Hallmann, Temperaturverh. d. 
Quellen, Berlin 1854; Bischof, Lehrb. d. ehem. und physikal. Geologie, 1863 
bis 1871). 

Auch viele der unter I bis VII genannten Quellen sind gleichzeitig Thermen: 
Vichy 32,3°, Emser Kränchen 35 bis 37.5°, Karlsbader Sprudel 74°, ebendaselbst 
Mühlbrunnen 52,5°, Wiesbaden, Kochbrunnen 69°, Nauheim, Grosser Sprudel, 33°, 
Leuk, Lorenzquelle 51°, Baden bei Wien 34°. Vereinzelte Mineralwässer enthalten 
grössere Mengen von selteneren, medizinisch aber ziemlich difFerenten Stoffen; 
Li findet sich im W. von Los Banctos in Chile (0,332 LiCl in 1 1, Ch. Z. 1888. 54), 
von Eau de Bex (Oesterr. Z. f. Berg- u. Hüttenw. 1878. 26), von Salvator in Eperies, 
Salzbrunn in Schlesien, Weilbach etc.; J und Br im W. von Luhatzschowitz und 
anderen; As ist in bedeutender Menge (0,124 gr AS2O5 in 1 1) im W. der Roncegno- 
Quelle enthalten (Gläser und Kalmann, Berl. Ber. 1888. 1638, 2879). Sonst 
kommennoch Borsäure (s. d.) und H2SO4 (s. d.) in wenigen Quellen vor. 

Kieselsäure und Silikate, die in keinem W. ausser dem Meteorwasser ganz 



Drainwasser. Flusswasser. 27 • 

fehlen, finden sich in grösserer Menge im Geysir und den anderen heissen Quellen . 
auf Island (Bunsen, A. 62. 1, 48; 70. 290), Neuseeland. 

Zu den Quellen gehören noch die gelegentlichen W.- und Schlammeruptionen 
in Nord- und Südamerika, der Sundainseln etc. 

(Fresenius, Chem. Unters, d. wichtigsten Mineralw. d. Herzogth. Nassau; 
A. Goldberg, Natürl. u. künstl. Mineralw. [Weimar 1892] ; C. v. Than, Be- 
rechnung d. Anal, u. Konf5titution der Mineralw., Tzscherm. mineral. Mitth. 28; 
Z. f. ang. Ch. 1892. 551; L. Szajnocha, Die Mineralquellen Galiziens, Ak. d. 
Wissensch. Krakau. 12. III. Jahrg. Min. 1892. 1. 529; E.Ludwig, Tzscherm. min. 
u. pet. Mitth. 11. 301; A. Winkler, Bäder Frankreichs, Balneol. Centralbl. 1892. 
2. 192). 

Drain Wasser. 

Das Grundwasser steigt zuweilen, wie erwähnt, wenn es nicht tief einzu- 
dringen vermag und keinen Abfluss findet, bis zur oder über die Oberfläche des 
Bodens. Ein solcher Boden ist für Zwecke der Land- und Feldwirthschaft unge- 
eignet und muss zuvor entwässert werden. Dieses geschieht, indem man an ein- 
ander gefügte Thonröhren eingräbt, welche den Abfluss des W. vermitteln. Dieses 
Verfahren heisst Drainage und das abgeleitete W. Drainwasser. Dasselbe 
unterscheidet sich vom Quellwasser insofern wesentlich , als es meist aus nur ge- 
ringer Tiefe stammt und daher Bestandtheile enthält, die sich nur an der Ober- 
fläche des Bodens finden, und zwar speziell in drainirtem Boden, der wohl stets 
bebautes Land ist und mit Düngemitteln behandelt wird. 

Für die Landwirthschaft ist es von grösstem Interesse, festzustellen, welche 
Bestandtheile dem Boden resp. dem Dünger durch die oft gewaltigen Mengen von 
Drainwasser entzogen werden ; deshalb ist es sehr häufig und eingehend untersucht 
worden, schon seit den ersten Anfängen der Drainirung (s. Krocker, A. 1853. 742). 

In neuerer Zeit wurden von A, Völcker Drainwasser aus Versuchsfeldern 
untersucht, welche von Lawes und Gilbert 25 Jahre lang unausgesetzt mit 
Weizen bestellt waren (Journ. Royal Agric. Soc. 1874; Journ. d. Agric. Ch. 1873bisl874. 
1. 136). Jedes Feld erhielt alljährlich dieselbe genau bekannte Düngung; die An- 
gaben für diese beziehen sich auf 1 engl. Acre und engl. Gewicht. Die Analysen 
wurden mehrere Jahre bei verschieden stark fliessenden Drains wiederholt; wir 
beschränken uns auf Wiedergabe der ersten Untersuchungsreihe. 

(Tabelle siehe Seite 28.) 

Gegenüber dem Drainwasser des ungedüngten Feldes zeigt sich bei den 
anderen der Einfluss der Düngung durch Vermehrung des Trockenrückstandes, 
worin besonders die Kalkverbindungen zugenommen haben. HNO3 hat fast pro- 
portional der Vermehrung der angewandten NH4-Salze zugenommen, während NH3 
nur spurweise auftritt, woraus hervorgeht, dass NH3 im Boden gebunden und theil- 
weise in HNO3 übergeführt wird. Bemerkenswerth ist die Wirkung des Salpeters 
bei Versuchsfeld VIL Das W. desselben nähert sich dem des ungedüngten Feldes 
sowohl bezüglich des Trockenrückstandes, als des Gehaltes an HNO3 ; es muss daher 
die Zeit von Ausführung der Düngung (Frühjahr) bis zum Winter genügt haben, 
den Einfluss dieses Salzes fast ganz aufzuheben. Feld XIII wurde Frühjahr 1865 
zuletzt gedüngt, sein W. gleicht daher nahezu dem des ungedüngten Feldes. Dem 
Drainwasser steht das Abwasser der Rieselfelder nahe. 

Flusswasser. 

Flüsse und Ströme haben ihren Ursprung in dem Meteorwasser, welches sich 
auf Höhen und Bergen niederschlägt. Besonders waldige Bergkuppen zeigen starken 
Regen- und Thaufall und sammeln, wenn sie viel Moor und Humus tragen (z. B. der 
Brocken), grosse Wassermengen auf, die allmählich abfliessen und Bäche bilden, welche 
im Verein mit den Quellen zu Flüssen und Strömen anwachsen, die sich schliesslich 
ins Meer ergiessen. Das W. der aus der Eisregion stammenden Bäche und Flüsse 
ist nicht sehr vom Regenwasser verschieden ; meist enthält es circa 5 cg Substanzen 
in 1 1, hauptsächlich Na2C03, K2CO3 und organische Stoffe. Durch letztere erhält 
das W. oft eine bräunliche Färbung, besonders wenn es Torfmoor entstammt, z. B. 
das der Bäche des schottischen Hochlands (Juri seh, Verunr. d. Gew. 82). Liegen 
die Gletscher auf Kalk, so sind die Gletscherbäche kalkhaltig ; ihr W. erscheint oft 
rein azurblau. Auf S. 29 und 30 folgen die Analysen von fünf Gletschergebirgs- 
wässem (1855), von deutschen Flüssen, der Themse und der Seine (Fischer, Chem. 
Technol. d. W. 1880. 115 bis 117). 



28 



Wasser. 







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Flusswasser. 



29 



Analysen von Flusswasser. 

Gehalt des Wassers in Milligramm im Liter: 
1. 2. 



Gebr. Schlagintweit 



Kohlensaurer Kalk 
Kohlensaure Magnesia 
Kieselsäure . . . 
Eisenoxyd . . . 
Manganoxyd . . 
Thonerde .... 
Schwefelsaurer Kalk 
Schwefelsaure Magnesia 
Schwefelsaures Natron 
Chlornatrium . . . 
Schwebende Theile 



8,4 
3,5 
7,2 
1,0 
3,2 
Spur 



0,9 
1,9 



4,5 

0,05 

8,68 



13,01 



0,43 

8,53 



Pagenstecher 

40,526 

1,900 

3,482 



0,950 
30,711 
14,881 

7,345 



26,1 



35,20 



99,795 
5. 



Johnson 



Kali 9,6 5,8 

Natron 5,6 4,3 

Kalk 15,4 9,2 

Magnesia 2,6 2,9 

Eisenoxyd 0,9 2,7 

Schwefelsäure 2,0 — 

Kieselsäure 7,2 9,5 

Chlornatrium 2,5 5,9 

Organische Stoffe und Kohlensäure . . . 33,5 45,0 

Unlösliche Substanzen, Sand 1,8 5,2 



Im Ganzen unorganische Bestandtheile 



81,1 

47,8 



90,5 
45.5 



1. W. der Moll bei Heiligenblut, aus den Pastern Gletschern entspringend; 

2. W. der Oetz bei Vent, aus den Hintereis-, Hochjoch- und Vernagtgletschern, 
beide auf einem Terrain krystallinischer Schiefer; 

8. W. der Lütschine bei Grindelwald, aus dem auf Kalk aufliegenden unteren 
Grindelwaldgletscher; im Winter bei nicht mehr abschmelzendem Gletscher geschöpft; 

4. W. des Flusses Regen bei Zwiesel ; 5. W. der Iltz, oberhalb Hals bei Passau. 

Das W. von 4 und 5 strömt bis dahin, wo es zur Analyse geschöpft wurde, 
durch Gneiss- und Granitboden, mit äusserst einfacher Vegetation. 







100 000 Theile Wasser 


enthielten : 














m 






Die darin 






.1 «> 




3 


-^ 


3 




cS 


vorhandenen 




im 






03 


'S 

o 


S 


13 


02 
03 

a 


organischen 
Substanzen 


Untersucht 




Sil 


o 


<o 


g 


<» 

fe 


W 


<ä 


reduzirteu 


von 




<-t 






< 


02 




'M 


Theile 
KMn04 




Rhein bei Köln 


25,00 


0,25 


Spur 




1,96 


7,49 


2,05 


1,02 


Vohl. 21.x. 1870. 


Elbe bei Magde- 




















burg . . . 


26,00 


3,83 


0,14 


— 


4,80 


5,60 


1,60 


0,61 


Reichardt. XI. 

1870. 


Oder bei Breslau 


13,50 


0,70 


0,12 


0,006 


1,40 


2,90 


0,80 


1,54 


Poleck. 


Donau bei Deg- 




















gendorf . . 


24,70 


2,15 


0,23 


— 


— 


8,49 


— 


0,80 


Emmerich und 
Brunner. 


Spree oberhalb 




















Köpenick . . 


19,14 


2,18 


— 


0,011 


Spur 


5, 


36 


2,77 


Tiemann. I. 1883. 



30 



Wasser. 
100 000 Theile Wasser enthielten; 





, '^''^ 


- ir; 




fc-g-S 






1 Suspendirt 






'"§-? 


'S o 




"Sg-c 


^ £ 


;-! 












.2 -^ 


s 
o 


lifz 




_0 


Gesammt- 




Untersucht 




l'5 




5 
< 


■^ll 




O 


gehalt 

1 






Themse bei 






















Hampton . . 


2,6 


0,24 





1,96 


2,20 


14,8 


279 


Spur 


Spur 


4. V. 1868. 


Themse bei Lon- 






















don Bridge . 


3,04 


0,34 


1,20 


1,67 


3,00 


18,3 


344 


54 


3,6 


2. IV. 1869. 







'S 


■ c3 




.5 


^ S 




. o 

C'73 


TS 

g 






1^ 
= i 


CS D 


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s 

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-^ 

^ 




03 


M J3 

cS 


5« 


Ul 


.2 !^ 


C5 


Seine 


bei Pont d'Ivrv 


132 


60 


20 


10 


10 


Spur 


8 


240 




„ „ Notre Dame 


174 


62 


39 


17 


25 


Spur 


14 


331 




,. Pompe du Gros-Caillon . . . 


229 


75 


40 


27 


32 


Spur 


23 


426 


a 


, Pompe de Chaillot 


230 


76 


40 


30 


32 


Spur 


24 


432 



Das Flusswasser ist meist ärmer an Karbonaten, die nur durch CO2 in Lsg. 
gehalten wurden, wie CaCOs, ]\IgC03 etc. als Quellwasser, da es während des Fliessens 
COo und damit die Karbonate verliert. 

Im Allgemeinen beträgt der Gesammtgehalt der verschiedenen Flüsse an 
festen Bestandtheilen cii-ca 10 bis 20 cg in 1 1. Nur solche, die Abgänge bevölkerter 
und fabrikreicher Städte aufnehmen, überdies durch die Fluth des Meeres gestaut 
werden, haben höheren Gehalt. Mit dem Wechsel des Wasserstandes, durch Regen, 
Schneeschmelzen etc., ändert sich der Gehalt an gelösten Stoffen. Ca, H2SO4 sind 
meist in grösserer Menge, Fe. Mg, Alkalien, Kieselsäm-e, Chloride mehr oder weniger 
stets vorhanden. Organische Substanz fast immer und oft in grosser Menge. Nitrate 
und Phosphate sind selten, J, Br etc. nur ausnahmsweise vorhanden. Die grösseren 
Ströme sind in der Nähe ihrer Mündungen ärmer an festen Bestandtheilen, reicher 
aufwärts gegen ihren Ursprung, wie bereits angedeutet. Durch Eintritt bedeutender 
Nebenflüsse, oder unterhalb sehr grosser Städte werden diese Verhältnisse immer 
beeinflusst, so dass die Menge der festen Stoffe an der Mündung überwiegen kann, 
was wohl bei allen grösseren Flüssen zutrifft . da an deren unteren Läufen stets 
grosse industriereiche Städte und ausgedehnte Fabrikanlagen vorhanden sind. 
Namentlich die Elbe ist in dieser Hinsicht sehr genau untersucht worden (Jurisch, 
Verunr. d. Gewässer 85). 

Die T. der Bäche und Flüsse ist grossen Schwankungen unterworfen, die von 
der Jahi-es- und Tageszeit, grossen Regenfällen, dem Wasserstande etc. abhängen; 
von der T. abhängig ist die Menge der Bestandtheile, besonders der organischen. 
Sie nehmen bei warmem Wetter und an Stellen, wo der Lauf des Flusses durch 
Wehre etc. verlangsamt wird, zuweilen erheblich zu, indem durch Fäulniss des 
Schlammes zahlreiche lösl. Produkte entstehen. Von Gasen sind stets 0, N, CO2 
im Flusswasser enthalten ; unter L^mständen kommen noch H2S und andere Gase, aus 
Abflüssen von Rieselfeldern, Fabi-iken und Kloaken herrührend, hinzu, durch welche 
sehi' viele Flüsse, die an und für sich ein gutes, reines Wasser führen, verunreinigt 
werden (König, Verunr. d. Gewässer; Fischer, Das W. ; Kubel-Tiemann- 
Gärtner, Wasseruntersuchung; Jurisch, Verunr. d. Gewässer). 

Unter L'mständen vermindern sich starke Verunreinigungen der Flüsse ganz 
erheblich, ehe diese das Meer erreichen. Unlösl. Substanzen setzen sich all- 
mählich zu Boden; saure Karbonate, wie CaHCOs, FeHCOs verlieren CO2 und 



Grubenwässer, Seewasser. 



31 



scheiden sich als Neutralsalze oder Hydrate ab. Metallsalze werden als Karbonate, . 
Hydrate und Sulfide gefällt. Gl geht in HGl , SO2 in H2SO4 über. Organische 
Stoffe werden theils oxydirt, theils reduzirt, nicht allein durch Einfluss von Luft 
und Licht, sondern hauptsächlich durch Spaltpilze, Bakterien, Algen und Wasser- 
pflanzen aller Art. Auch anorganische Stoff'e werden durch zahlreiche Mikroben 
oxydirt oder reduzirt, so wird NH3 zu HNO.2 und diese zu HNO3 oxydirt, andererseits 
HNO3 zu HNO2, zu NH3 und selbst zu N reduzirt etc. Diese Selbstreinigung 
wird jedoch nur bei solchen Flüssen bemerkbar, dei-en Verunreinigung ein gewisses 
Verhältniss zu der Grösse des Flusses , T. des W. , Beschaffenheit der Ufer und 
Schnelligkeit des Laufes etc. nicht überschreitet. So stellte z. B. die Rivers Pollution 
Commission fest, dass die englischen Flüsse nicht lang genug wären, um genügende 
Oxydation der ihnen zugeführten N-haltigen organischen Verunreinigungen herbei- 
zuführen (Berichte der englischen Flusskommission 1869 bis 1874; H. Fleck, 
Flussverunreinigungen ; Salkowski, Verhandl. d. D. Gesellsch. f. öffentl. Gesund- 
heitspflege 1886 ; J. König, Verunr. d. Gewässer 1887 ; Kubel-Tiemann-Gärtner, 
Untersuchung d. W. 1889; Pfeiffer und Eisenlohr, Arch. f. Hygiene 14. 190 

U. B. W.). 

Grubenwässer. 

Grubenwässer sind in Gegenden, in denen Bergbau betrieben wird, besonders 
nachtheilig für die Flüsse. Dieselben sind als Quellen anzusehen, deren W, mit 
den lösl. Theilen oder Zersetzungsprodukten der Gesteine mehr oder weniger ges. 
ist. Je nach der Beschaffenheit dieser stellen sie ein völlig gutes Quellwasser oder 
etwa eine Salzsoole dar oder enthalten Sulfate von Zn, Fe, AI etc. und freie H2SO4 
etc. (s, Abwässer). 

Seewasser. 

Ausgedehntere Wasserflächen, die nicht unmittelbar mit dem Weltmeere in 
Verbindung stehen, heissen Seen. Sie erhalten ihren Zufluss aus dem W. der 
Oberfläche (Tagewasser), oder durch Quellen, oder sind als Erweiterungen eines 
oder mehrerer Flüsse anzusehen. Nach ihrem W. unterscheidet man Süsswasser- 
und Salzseen. Zu ersteren gehören alle, die kontinuirlichen Abfluss haben, zu 
letzteren hauptsächlich diejenigen ohne Abfluss. Die Zusammensetzung des See- 
wassers ist daher sehr verschieden. Manche Gebirgsseen, z. B. der Geramersee in 
den Vogesen (Stohmann-Kerl, Techn. Chem. 7. 300), enthalten nur sehr geringe 
Mengen fester Bestandtheile. Häufig entspricht die Zusammensetzung des See- 
wassers derjenigen des Flusswassers derselben Gegend. 



100 000 Theile Wasser enthielten Theile: 



im 








>-• 

CO 

s 

p. 

CO 


'S 



g 


u 

D 

Cß 


^ 
M 


'S 
c 


Die darin 

vorhandenen 

organischen 

Substanzen 

reduzirten 

Theile 

KMn04 


Untersucht 
von 


Züricher See . . . 
Genfer See , . . . 
Tegeler See bei Ber- 
lin 


14,06 

12,80 

18,83 


0,52 
1,26 


0,21 


0,07 


0,92 
3,81 

1,02 


5,66 
4,23 

6,35 


1,00 
1,15 

0,81 


nicht bestimmt 
ebenso 

1,29 


Analysen älte- 
ren Datums 

Finkener 26. 
n. 1869. 



Die Salzseen sind ringsum abgeschlossene Becken, in welche Salzquellen 
einmünden, oder deren Grund Steinsalz enthält. Zuweilen sind sie Abschnürungen 
von Meeren, die in den tieferen Bodensenkungen bei Hebung der Erdkruste als 
Meerestheile zurückblieben, wie das Kaspische Meer, der Aralsee, das Todte Meer. 

Die Zusammensetzung des Salzwassers ist die denkbar verschiedenste. Das 
W. des Kaspischen Meeres und des Aralsees zeichnet sich von allen anderen durch 



32 Wasser. 

verhältnissmässig grossen Gehalt an MgS04 und CaS04 und nur geringe Mengen 
von MgCIo aus ; an und für sich ist der Salzgehalt beider Seen nicht bedeutend. 
Die mit dem Kaspischen Meere verbundenen kleinen Seen, Trinetzkysee und Rother 
See, die bei schwachem Zuflüsse durch stetige Verdunstung Salz abscheiden, unter- 
scheiden sich ausser durch die Konzentration durch das Mischungsverhältniss der 
Salze. In dem einen ist CaS04 völlig, im anderen fast ganz verschvmnden , ist 
offenbar in dem immer konzentrirter werdenden W. nicht mehr lösl. Dagegen hat 
in beiden Fällen MgCl^. weil llösl. , erheblich zugenommen (Stohmann-Kerl, 
Techn. Chem. 111. Aufl. 7. 294). 

Berghund (B. 18. 2888) fand als mittleren Gehalt des Meerwassers auf 
100 g vorhandenes Cl 330 bis 334 mg Br (Regnault nur 94,6 mg), und in der 
Ostsee 316 mg. Der Cl-Gehalt betrug pro Liter 18,97 bis 21,17 g, im Kattegat 
12,74 g und in der Ostsee .5,38 g (Pfeiffer, Kaliindustrie 843). 

Das überhaupt vorkommende konzentrirteste Seewasser ist das des Todten 
Meeres; es ist eine ges. Lsg. von NaCl, mit MgCl2 und CaCl2; letztere 
beiden sind, den Löslichkeitsverhältnissen entsprechend in grösseren Mengen vor- 
banden als das Kochsalz. Der Salzgehalt des W. beträgt circa 28,0 7o- SG 1,240 
(1778 Lavoisier, Macquer und Sage); 1,245 (1809 Klaproth): 1,212 (1827 
Gmelin); 1,099 (1850 Boutron und Henry); 1,116 (1854 Moldenhauer); 1,194 
(1855 Boussingault); 1,0216 (1864 Terreil). Das Fehlen jeden Abflusses, der 
starke Zufluss und die wechselnd starke Verdunstung machen die Differenzen er- 
klärlich. Das W. enthält kein Li, Sr, Mn, weder Jodide noch Nitrate. (Analyse 
s. Seite 34.) 

Das Wasser des grossen Salzsees in Utah enthält beim SG 1,102 bei 17": 

Cl 7,36 7o 

SO4 0,88 , 

Na 3,83 , 

K 0,99 , 

Ca 0,06 „ 

Mg . 0,30 , 

nicht bestimmt 0,25 , 

13,67 7o 
(Basset, Lieb. Jahresb. 1873. 1232). 

In den Natronseen der Araxasebene, in der Nähe des Ararat und in Aegypten 
finden sich reichhche Mengen Na2C03 neben Na-)S04 und NaCl. Der Urumiahsee 
am Ararat enthält nach Hitchcock 20.55 "'0 feste Bestandtheile : 

NaCl MgCl2 MgS04 CaS04 

92,70 7o 2.5370 3,89 7o 0,88 7o 

(E. Pfeiffer, Kaliindustrie 1887. 51). 

Der Salzsee von Katwee, 3265' über dem Meere, im Norden des Albert- 
Edward-Nyanza, enthält nach Pappe und Richmond (Chemist and Druggist 37.18; 
Ch. See. Ind. 1890. 734): 

NaCl Na2S04 Na2C03 K^COg 

18,67 7o, 5,63 7o, 2,72 7o, 3,87 7o. 

Einzelne vulkanische Seen enthalten freie H2SO4 (s. d.) und HCl (s. d.); in 
einigen Seen wurde freie Borsäure (s. d.) gefunden. 

Meerwasser 

ist durch hohen Gehalt an NaCl, MgS04, MgClj und CaS04 ausgezeichnet, wodurch 
es einen deutKch salzig-bitteren Geschmack erhält ; im Gegensatz hierzu nennt man 
das W. der Quellen und Flüsse süsses. K-Verbindungen finden sich nur in geringen 
Mengen, ebenso CaCOg und MgCOg, P2O5, Fl Ba, Sr, Mn, As, Cu, Pb, Ag, Li, S 
und schliesslich alle Stoffe, aus denen die Erdkruste besteht. J ist weniger vor- 
handen als Br. 1 1 enthält nur ca. 1 cg NaJ. Der Gesammtrückstand beträgt 
im Meerwasser 3 bis 4 7o- Solches aus Meeren mit starkem Zuflüsse gibt viel 
weniger ; das der Ostsee nur 0,7 bis 2 "jo ; und in den grössten Tiefen 3 7"- Qu^-" 
Ktativ sind aber die Bestandtheile der Meerwässer aus verschiedenen Gegenden 
dieselben. Der Salzgehalt nimmt nach den Küsten zu stets ab, wächst aber mit 
zunehmender Tiefe; er wechselt innerhalb ziemlich weiter Grenzen. In der Nähe 
von Flussmündungen wirkt die grössere oder geringere Menge Flusswasser — je 
nach dem Stande der Flüsse , bedeutend ein. Windströmungen vertheilen das 



Wasser für häusliclie und gewerbliche Zwecke. 



33 



Flusswasser nach verschiedenen Richtungen; besonders bei Binnenmeeren tritt die 
Wirkung der Winde hervor: bei Westwind ergiessen sich grosse Mengen salz- 
reichen Nordseewassers in die salzarme Ostsee, bei Ostwind ist es umgekehrt. Nach 
Forchhammer (Bischof, Lehrb. 1. 462) beträgt der mittlere Gehalt des W. 
im Weltmeere: 

feste Substanzen Gl SO3 GaO MgO 

3,4304 1,8945 0,2253 0,0561 0,2096 

Das SG. des Meerwassers ist nach Gay Lussac im Mittel 1,0287. Man 
muss unterscheiden zwischen Meeren, deren Becken tief in das Festland einschneidet, 
die mit dem grossen Ozean nur durch verhältnissmässig schmale Wasserstreifen 
zusammenhängen, und den Weltmeeren, welche die Erdtheile von einander trennen. 
Die Konzentration des W. der ersteren ist gewöhnlich geringer als die des W. der 
Weltmeere, weil zahlreiche Flüsse hineinmünden und aus den Ozeanen nur all- 
mählich konz. W. zufliesst. Das W. des Mittelmeeres ist konzentrirter als das des 
Atlantischen Ozeans, weil nur wenige Flüsse hineinmünden, aber die Verdunstung 
in Folge der heissen afrikanischen Winde stark ist. Das Rothe Meer hat wegen 
unbedeutender Zuflüsse noch höheren Salzgehalt als das Mittelmeer. Beistehende 
Tabelle gibt die Analyse des W.: 



Milligramm im Liter. 



1. 


2. 


1,95 


1,94 


0,88 


2,07 





0,02 


0,26 


0,05 


1,14 


2,14 


21 875,0 


19 962,0 


42 885,0 


39 460,0 


52,0 


71,3 


775,0 


1016,8 



Organischer Kohlenstoff . . . 
Organischer Stickstoff .... 

Ammoniak 

Stickstoff als Nitrate und Nitrite 

GesammtstickstofF 

Chlor 

Gesammtrückstand 

Veränderliche Härte 

Gesammthärte 



6,47 
1,34 
0,22 
0,30 
1,82 
20 281,0 
40 740,0 
70,8 
889,0 



2,78 
1,65 
0,06 
0,83 
2,04 
19 756,0 
38 987,0 
48,9 
797,0 



1. des Mittelmeeres zwischen Korsika und Frankreich (1870); 

2. von Worthing, 1 engl. Meile von der Küste (1869); 

3. desselben 59° 34' N. Br., 7" 18' W. L. und 

4. Durchschnittswerthe aus 23 Analysen. 
(Milligramm im Liter; Rep. Riv. Poll. Comm. 6. 131.) 

Weitere Analysen von Meerwasser sind in umstehender Tabelle auf S. 84 
gegeben (Pfeiffer, Kaliindustrie 1887. 51). 

Die Verwendbarkeit des Wassers zu häuslichen und gewerblichen 

Zwecken 



ist gänzlich von seiner Beschaifenlieit abhängig. Ein W. gilt als 
(technisch) rein, wenn es für den beabsichtigten Zweck völlig ge- 
nügt und in keiner Weise schädlich wirkt. 

Da nun die Ansprüche bezüglich der Beschaffenheit je nach dem 
Zwecke sehr verschieden sind, so kann die Reinheit nur eine ganz 
relative sein; chemisch reines W. kommt in der Natur nirgend vor. 
Unter W. für häusliche Zwecke ist im Allgemeinen Trinkwasser zu 
verstehen, welches auch zum Kochen, Waschen etc. gebraucht wird. 
Als solches kommt nur W. aus Quellen und Brunnen in Frage, deren 
Gehalt an gelösten Bestandtheilen weder Geruch noch Geschmack nach- 
theilig beeinflusst. Die Menge und Art der Bestandtheile ist sehr ver- 
schieden und schwankend, wird jedoch, soweit anorganische Salze in 
Betracht kommen, nur selten der Verwendung als Trinkwasser hinder- 
lich sein. 

Handbuch der ehem. Technologie. I. 8 



34 



Wasser. 





1. 


2. 


3. 


4. 


5. 


6. 




Atlanti- 


Nordsee 


stilles 


Mittlerer 

Gehalt 
des Meer- 








sches Meer 




Meer 


Ostsee 


Todtes 






570 9' N. Br. 








Meer 




200 54'N.Br. 


30 8' Oe. L. 


250 11' s. Br. 


wassers 








400 44'W. L. 


y. Greenw. 


930 24' W. L. 


nach 






Analytiker . . . 


V. Bibra 


V. Bibra 


V. Bibra 


Regnault 


Pfaff 


Boussin- 
gault 


Salzgehalt in 100 


t 












Thln. des Wassers 


3,47 


3,44 


3,47 


3,53 


1,T7 


22,77 


Chlornatrium . . 


76,70 o/o 


74,82 7o 


75,23 7o 


76,49 7o 


84,70 , 


28,53 7o 


Chlorkalium . . . 


1 4.00 , 


3,80 , 


3.34 , 


1,98 , 


— 


7,08 , 


Chlormagnesium . 


: 8,47 , 


10,54 , 


9,83 , 


10,20 , 


9,73 , 


47,12 , 


Brommagnesium . 


1,03 , 


0,97 , 


1,03 . 


0,06 , 


— 


1,45 „ 


Chlorcalcium . . 


— 


— 


— 


— 


— 


15,63 , 


Magnesiumsulfat . 


5,20 , 


5,15 , 


5.90 , 


6,51 , 


4,96 , 


0,19 , 


Calciumsulfat . . 


4,60 , 


4,72 , 


4,67 , 


3,97 , 


0,13 , 




Zweifach kohlen- 














saurer Kalk . . 


— 


— 


— 


0,08 , 


0,40 „ 





KohlensaureMagne- 














sia 


~ 


— 


— 


— 


0,08 , 






100,00 7o 


100,00 7o 


100,00 7o 


99,29 7o 


100,00 7o 


100,00 7o 



Ausgeschlossen sind giftige Metalle und Zersetzungsprodukte or- 
ganischer Abfälle. Seit etwa 20 Jahren wird von Aerzten und Hjgie- 
nikern lebhaft darüber gestritten, ob Cholera, Typhus, Ruhr, Diarrhoe 
und andere epidemische Krankheiten durch Genuss unreinen W. über- 
tragbar seien. Die Mehi-zahl deutscher und englischer Aerzte bejaht 
diese Frage. Seit der Auffindung verschiedener Bazillen, die als Er- 
reger gewisser Krankheiten (Cholera, Typbus) angesehen werden, ist 
die Frage vielfach, ohne Ergebniss, erörtert, welcher Gehalt an Bakterien 
in einem Trinkwasser zulässig sein soll. 

An Trinkwasser sind folgende Ansprüche zu stellen: 

1. Es soll durchaus frei von schädlichen Stoffen sein. Als solche 
gelten direkte Gifte und Krankheitskeime. So leicht es ist, erstere 
nachzuweisen, so schwierig und theilweise gar nicht gelingt dieses bei 
letzteren, da die Bakterien sich nur wenig unterscheiden, theilweise völlig 
harmlos sind und in geringer Anzahl auch leicht übersehen werden 
können. Daher muss man sich auf die Forderung beschränken, dass 
jede Verunreinigung mit menschlichen und thierischen Stoff wechsel- 
produkten ausgeschlossen sei, da diese Stoffe die Träger von Krankheits- 
erregern sein können. 

2. Es soll farblos, klar, geruchlos sein; im Winter nicht kalt, im 
Sommer nicht warm, durchschnittlich 10 bis 12 '^ zeigen. 

Man vergl. die Darstellung dieses Gegenstandes von Lis sauer, 
in Juris ch. Die Verunr. d. Gew. 30. 

Bezüglich sonstiger Verwendung im Haushalte ist die nachtheilige 
Wirkung von CaO und MgO beim Kochen und bei der Wäsche zu be- 



Künstliche Mineralwässer. 35 

rücksicbtigen. Auch das Verhalten mancher W., besonders COg-haltiger, 
gegen bleierne Leitungsröhren ist beachtenswerth (s. S. 63). 

Die Brunnenwässer der Städte und Dörfer sind sämmtlich durch 
thierische Stoffwechselprodukte mehr oder weniger verunreinigt, die 
beim Eindringen in den Boden in zahlreiche, noch wenig gekannte 
Verbindungen und erst nach geraumer Zeit in Nitrate übergehen ; bei 
Luftzutritt liefern sie hauptsächlich COo, NHg, N2O3 und NgO^. Die 
Phosphate, Kalisalze, N-haltige organische Stoffe und NH3 werden vom 
Boden anfangs zurückgehalten; Chloride, Sulfate und Nitrate gelangen 
dagegen in die Quellen und Brunnen. Ist jedoch die Absorptionsfähigkeit 
des Bodens erschöpft und der Luftzutritt mangelhaft oder ganz unter- 
brochen, so können auch NH.^ und die Fäulnissprodukte der N-haltigen 
organischen Stoffe in das W. gelangen (F. Fischer, Chem. Technol. 
des W. Braunschweig 1878; Derselbe, Das Wasser, Berlin 1891). 

Sehr viele hierhergehörige Angaben finden sich in dem Gutachten 
über das Grachtenschwemmsystem von s'Gravenhage und die Ver- 
pestung des Seebades Scheveningen, von Overbeck de Meyer, deutsch 
von Li er nur im Arch. f. rationelle Städteentwässerung. Separatabdr. 
Berlin. 

Wasser für technische Zwecke. 

Zum Spülen, Schlämmen und dergl. ist jedes klare W. geeignet. 
Im Uebrigen üben die Bestandtheile des W. einen merkbaren Einfluss, 
bezüglich ihrer Art und Menge, aus. So sollen z. B. in der Türkisch- 
rothfärberei harte W. schönere Nuancen geben als weiche ; dagegen ist 
für Wäschereien ein hartes W. sehr ungeeignet, da mehr Seife erforder- 
lich ist und die unlösl. Kalkseife fest an den Stoffen haftet. Welche 
Bedeutung ein weiches W. für den Betrieb von Dampfmaschinen hat, 
ist aus dem Abschnitte „Reinigung des Dampf kesselspeise wassers" zu 
ersehen. 

Künstliche Mineralwässer. 

Zum Trinkwasser gehören noch die künstlichen Mineralwässer und 
sogen. Luxuswässer. Erstere sind Nachahmungen der natürlichen Heil- 
quellen und werden in sehr grossen Mengen fabrikmässig hergestellt. 
Von einem Vorurtheile gegen dieselben in therapeutischer Hinsicht ist 
heutzutage nicht mehr die Rede, vorausgesetzt, dass sie aus tadellosen 
Materialien hergestellt sind. Die Nachahmung künstlicher Mineral- 
wässer wurde schon im 16. Jahrb. versucht. Fabriken entstanden zuerst 
in Genf und Paris. Als Begründer der modernen, wissenschaftlich fundirten 
Mineralwasserindustrie ist F. A. Struve, weiland Besitzer der Salomonis- 
Apotheke in Dresden, zu betrachten, welcher nach eingehenden Studien 
und Versuchen 1821 die erste deutsche Fabrik in Dresden errichtete. 
Struve erkannte zuerst den wesentlichen Einfluss der CO., als Lösungs- 
mittel vieler in den natürlichen Mineralwässern enthaltenen, sonst 
unlösl. Körper und ihre konservirende Eigenschaft, die darin besteht, 
dass sie die atmosphärische Luft aus dem W. verdrängt. Ihren diä- 
tetischen Werth lernte man erst viel später kennen und schätzen. 

Die Luxuswässer dienen nur als Erfrischungsgetränke und ent- 
halten ausser CO^ meist wenig NaCl und NagCOg. Das Haupterforder- 



gg Wasser. 

niss für diese Industrie ist natürlich das W. Ueber die an dasselbe 
zu stellenden Anforderungen lässt sich kurz sagen, dass für Luxus- 
wasser jedes nicht zu beanstandende Trinkwasser genügt; für Heilwasser 
jeder Art sollte ausschliesslich ein der Pharmacopoe genügendes destil- 
lirtes W. verwendet werden. 

Die Fabrikation besteht im Allgemeinen darin, dass das dest. W. 
mit den Substanzen, die durch Analysen der fraglichen Quellen ermit- 
telt wurden, versetzt und mit CO^ unter Druck von etwa 5 Atm. im- 
prägnirt wird. Die Mischung der Ingredienzien richtet sich nicht immer 
nach dem analytischen Befund: in einigen Fällen muss eben auch die 
Natur verbessert werden, wenn überflüssige und chemisch oder thera- 
peutisch nachtheilige Stoffe in einem W. gefunden werden. Das fertige 
W. wird unter geringerem Drucke (1,5 bis 2,5 Atm.) auf Glasflaschen 
gefüllt, die mit guten Korken luftdicht verschlossen werden. 

Zweites Haupterforderniss ist die CO^ ; dieselbe wird aus Mag- 
nesit, Dolomit, Marmor, Kreide, seltener aus HNaCOg und H^SOj^ oder 
HCl entwickelt. Früher geschah das allgemein im Mineralwasser- 
apparat selbst; jetzt kommt mehr und mehr die im Handel befindliche 
flüss. COg zur Verwendung. Die selbst dargestellte COg ist niemals 
rein genug; hauptsächlich enthält sie in Folge der schnellen Ent- 
wickelung mitgerissene Säuretheilchen. Zur Reinigung wird sie durch 
mehrere Waschflaschen geführt; zwei oder drei enthalten reines W.; 
eine enthält Fe^(S0j3 oder FeSO^ und HXaCO. in Lsg., um HgS auf- 
zunehmen. 

Bituminöse und sonstige organische Riechstoffe werden durch eine 
Lsg. von Permanganat entfernt oder durch ein Kohlefilter. 

Die HjSO^ kann kaum verunreinigend auf die CO^ wirken, kann 
daher gewöhnliche technische sein. Selbst ein starker As-Gehalt würde 
an und für sich unbedenklich sein; immerhin ist As-freie Säure vorzu- 
ziehen. HCl hat oft einen widerlichen Geruch; sie selbst haftet der 
CO2 ziemlich fest an. Auch muss sie stark verd. werden, da sie andern- 
falls durch ihre Dämpfe belästigt; ausserdem fällt die der Entwickelung 
günstige Erwärmung fort, die bei Verwendung konz. HgSO^ eintritt. 
Aus diesen Gründen wird HCl weniger benutzt, wenigstens so lange der 
Preisunterschied beider Säuren unbedeutend ist. 

Die Apparate. Ursprünglich kannte man nur „ Pumpenapparate " 
und „Selbstentwickler". Bei ersteren wurde die entwickelte COg in einem 
Gasometer aufgefangen und mittelst einer Druckpumpe in das W. ge- 
presst. Die anderen benutzten den Eigendruck der in starken Ent- 
wicklern hergestellten CO.^, hatten aber zuweilen eine Pumpe, um die 
Arbeit gegen Ende der Entwickelung zu beschleunigen. Bei Verwen- 
dung der flüss. CO^, die in eisernen Cy lindern versandt wird, genügt 
deren Druck zum Imprägniren. Bei den älteren Apparaten wird die 
Lsg. der COg resp. Austreibung der Luft durch heftiges Rühren des 
W. befördert. Jetzt benutzt man mehrfach Apparate, die nach dem 
Prinzipe des Gegenstromes konstruirt sind und auf Rühren, Schüt- 
teln etc. verzichten. 

Das Material der Apparate ist für den Entwickler meistens Cu, 
mit Pb ausgelegt ; das Mischgefäss stark verzinntes Cu oder emaillirtes 
Gusseisen. Entwickler und Mischgefäss haben Kugel- oder Cylinder- 
form. Beide enthalten ein Rührwerk. 



Künstliche Mineralwässer. 



37 



Fig. 6 stellt einen Pumpenapparat dar: a Säureflasche ; h Gas- 
entwickler; c Wascbflaschen ; d Gasometer; e Bottich dazu; f Verbin- 
dungsröliren ; g Kohlecylinder ; h Pumpe; i Druckliahn; h Saugliahn; 
/ Schwungrad; m Wasserbehälter; n Mischcylinder ; o Zumischer für 
die Ingredienzien; p Abfüll- und Korkmaschine. 




Fig. 6. Pumpenapparat. 

Fig. 7 zeigt den verbreiteten und beliebten Apparat von Vaas 
und Littmann in Halle, einen Selbstentwickler mit Pumpe: a Ent- 
wickler ; h Säuregefäss ; c Waschflaschen ; d Mischgefäss ; e Zumischer ; 
f Abfüll- und Korkmaschine; g Pumpe. 

Fig. 8 zeigt a und h schematisch im Durchschnitt; c ist die 
Regulirschraube für den Säurezufluss, d der Rührer. 



38 



Wasser. 



Bei beiden Apparaten wird zunächst das Mischgefäss mit W. und 
den Ingredienzien gefüllt, dann der Entwickler in welchem sich der mit 
heissem W. angerührte Magnesit oder Do bmit etc. befindet, m Thatig- 
keit versetzt, indem man durch vorsichtiges Oeffnen der Schraube 
langsam Säure zufliessen lässt und umrühi-t Die CO, geht durch die 
Waschflaschen in das Mischgefäss, dessen W. durch starkes Ruhren 
(mit Hülfe des Schwungrades) in Bewegung versetzt wird. Dadurch 
erreicht man völlige Austreibung der Luft und rasche Absorption der 
CO, Beim Pumpenapparate sammelt sich die CO, im Gasometer und 
muis mittelst der Pumpe in das W. gepresst werden. Beim Selbst- 




Fig. 7. Apparat von Yaas & Littmann. 



entwi ekler genügt der eigene Dmck hierzu. Ist, wie bei dem abgebil- 
deten Apparat, eine Pumpe vorhanden, so dient diese dazu, die Arbeit 
gegen Ende, wenn nahezu 5 Atm. Druck erreicht sind, zu beschleunigen. 
Manche Selbstentwickler haben ausser der Pumpe noch einen kleinen 
Gasometer, in welchem überschüssige CO^ aufgefangen wird. 

Die Abfüllvorrichtung (Fig. 9) ist bei neueren Apparaten mit 
der Korkmaschine vereinigt. Man steckt den Kork in die Oeffnung 
der letzteren und schiebt ihn mittelst des Hebels bis dicht über die beiden 
horizontalen Kanäle. Dann setzt man die Flasche auf den Träger und 
drückt sie mittelst des Hebels gegen den Gummiring in der Kork- 
büchse. Man öfihet nun den Ablasshahn und lässt die Flasche voll- 
laufen, soweit es die darin befindliche Luft gestattet. Diese wird durch 
kurzes Oeffnen des Ventils entfernt, worauf sich die Flasche schnell 
ganz füllt. Durch gleichzeitigen starken Druck auf Fuss- und Hand- 
hebel wird der Kork in den Flaschenhals geschoben. Die Flasche wird 
entfernt und verdrahtet. 



Chemische Reinigung. 



39 




Fig. 8. Entwickler und Säuregefäss, schematisch im 
Durchschnitt. 



Reinigung von Trink- und Gelbrauchswasser. 

Chemische Reinigung. Die in Folgendem angeführten Mittel 
haben von allen vorgeschlagenen am meisten Verwendung gefunden ; die 
Wahl richtet sich nach der Beschaffenheit des W., ob dasselbe viel Karbo- 
nate, viel CaSO^ enthält oder hauptsächlich von organischen Unreinigkeiten 
befreit werden soll. Alle derartigen Mittel lassen eine Filtration des W. 
nicht umgehen, erschweren diese sogar insofern , als die Ausscheidungen 
die Filter in kurzer Zeit verstopfen. Grosse Wasserwerke machen nur 
selten davon Gebrauch; zweckmässig sind sie für kleine Fabriken etc. 
mit geringem Wasserverbrauch. Die ausführlichste Literatur über diesen 
Gegenstand ist zusammengestellt von Jurisch, Verunr. d. Gew. 1890. 41 ff. 

1. Reinigung mittelst Kalk (Clark, D. 1842. 83. 193). Bikar- 
bonate der Erdalkalien, von Mg und Fe werden als neutrale Salze aus- 
geschieden; alle übrigen lösl. Mg-Salze werden grösstentheils unter 
Abscheidung von Mg(OH), zerlegt (nach Günsberg, D. 228. 450 etwa 
40 > derselben). Durch d^en Niederschlag werden viele organische und 
sonstige suspendirte Verunreinigungen niedergerissen. Nach Chapman 
(Lieb. Jahresb. 1867. 943) wurden hierbei die Hälfte bis zwei Drittel 
der N-haltigen organischen Substanz entfernt, nach Frankland (D. 210. 
43) sogar acht Neuntel; es sollen farblackähnliche Körper entstehen. 
Man wendet zunächst einen Ueberschuss von Kalk an, weil sich dann 
der Niederschlag besser absetzt, indem man die berechnete Menge 
Ca(0H)2 zu nur zwei Dritteln bis drei Vierteln des W. hinzufügt, das 



40 Wasser. 

übrige W. erst nach Bildung des Niederschlages. Ueberschüssigen Kalk 
muss man vermeiden, da derselbe das W. wieder hart machen würde. 
Für die Wasserversorgung grosser Städte hat das Clark'sche Verfahren 
wenig Anwendung gefunden, da es grosse Klärbassins erfordert und 
auch bei längerem Absetzen das W. nicht hinreichend klar wird, daher 
noch filtr. werden muss. Bei einer Londoner Leitung waren nach drei 
Yiertieljahren die Leitungsröhren durch Kalkabsatz stark verstopft. Die 
gänzliche Entfernung der CO^ beeinträchtigt den Geschmack erheblich. 
In neuerer Zeit (1886) wurde das Verfahren in Dessau eingeführt zur 
Verbesserung des dortigen stark CO^-haltigen W., welches durch An- 
greifen der Bleiröhren Vergiftungen verursachte. Wie es scheint, hat 
es sich dort bewährt (C. Hey er, Ursache und Beseitigung des Blei- 
angrifiFs durch Leitungswasser, Dessau 1888). Nach diesem Verfahren 
kann natürlich CaSO^ nicht entfernt werden; Mg- Verbindungen werden 
nur unvollkommen zerlegt und ausgeschieden. 

2. Reinigung mittelst Wasserglas. Eine Menge von 3 g SiOg 
in Form von Wasserglas und 3 g Na^COg für jeden engl. Grad Gesammt- 
härte werden mit 100 1 W. gut gemischt. Die Klärung erfordert einige 
Tage; die Methode ist besonders für W. mit grosser permanenter Härte 
geeignet (Buff und Versmann, D. 152. 189; 153. 390). 

3. Reinigung mittelst BaC03. Für Trinkwasser ist dieses Ver- 
fahren nicht empfehlenswerth, da leicht Ba(HC03)2 in Lsg. gehen kann, 
das, wie alle lösl. Ba-Salze, eminent giftig ist. CaSO^ wird durch das 
Mittel gänzlich entfernt: BaCOg + CaSO, = BaSO^ + CaCO^. 

4. Reinigung mittelst Alaun. Alaun wurde schon seit langer 
Zeit zum Klären trüben und missfarbigen W. angewendet in Mengen 
von 0,2 bis 0,5 g auf 1 1. Die Karbonate zersetzen Alaun ; Thonerde- 
hydrat oder basisches Sulfat scheiden sich voluminös ab und reissen 
theils suspendirte Stoffe nieder, theils bilden sie Farblacke mit anderen. 
Al2(SOj3 thut dieselben Dienste und man vermeidet damit das Kalium- 
sulfat. Enthält das W. nur wenig Karbonate, so setzt man etwas 
NaHCOg hinzu. Die permanente Härte des W. wird allerdings ver- 
grössert durch die Bildung von CaSO^ und MgSO^. Für Trinkwasser 
geeignet (Jennet, D. 180. 141; Skey, Lieb. Jahresb. 1868. 964). Als 
Ersatz des Alauns wurden Eisenoxvdsalze empfohlen (Scheerer, D. 
175. 324; Gunning, D. 196. 170; Dragendorff, Lieb. J. 1872. 166). 

5. Metallisches Fe wird in Drahtform ins W. gelegt (1 kg 
auf 1000 1). Nach etwa zwei Tagen ist genügend FeoCOH)^ entstanden, 
um die grösste Menge der organischen Substanz auszuscheiden (Medlock, 
D. 146. 223). Filtration durch schwammförmiges Fe soU denselben 
Zweck erfüUen (G. Bischof, D. 210. 40). C. Piefke leitet das W. 
kontinuirlich durch eine rotirende Trommel, in welcher Eisengranalien 
durch ein Rührwerk in steter Bewegung erhalten werden (Z. f. ang. 
Ch. 1892. 346; s. ferner: J. König, Verunreinigung der Gewässer, 
1887; Tiemann-Gärtuer, Wasseruntersuchung, 1889. VergL „Fil- 
tration" unter „Wasserversorgung"). 

Filtration. Die Hausfilter sind, je nachdem sie für Haushaltungs- 
oder gewerbliche und technische Zwecke dienen sollen, von verschiedener 
Konstruktion und Grösse. Sie beruhen sämmtlich darauf, dass das W. 
unter geringerem oder grösserem Drucke (in Wasserleitungen ist stets 
ein ziemlich hoher Druck vorhanden) durch poröses Material getrieben wird, 



Filtration. 



41 




Fig. 10. Hausfilter für 
Wasserleitungen. 



von welchem die suspendirten Stoffe zurückgehalten und einige in Lsg. 
befindliche chemisch verändert werden, resp. werden sollen. Als Material 
dienen Wolle, Schwamm, Filz, poröser Thon oder Sandstein, Eisen- 
schwamm, Asbest, Knochenkohle, plastische Kohle (ein Gemisch aus 
Holzkohle, Knochenkohle, Sägespänen, Theer und Asphalt, hinreichend 
plastisch, um in Formen gepresst werden zu kön- 
nen. Die Masse wird nach dem Formen schwach 
gebrannt). Für grössere Filter dient Sand oder 
Kies. Die Absorptionsfähigkeit dieser Filter für 
Fäulnissstoffe ist, mit Ausnahme der Kohle, sehr 
gering und eine Oxydation würde nur bei reich- 
lichem Luftzutritte möglich sein; sobald aber die 
Filterapparate stets mit W. gefüllt sind, kommt 
nur das geringe Quantum des im W. enthal- 
tenen in Betracht. Daher ist öftere Lüftung 
und Reinigung der Filter nothwendig, anderen- 
falls wird das W. früher oder später verschlech- 
tert, statt verbessert. Organische Materialien 
(Wolle, Filz etc.) sind wenig empfehlenswerth, da sie die Fäulniss be- 
günstigen. Bakterien werden von keinem Filter vollständig oder dauernd 
zurückgehalten. Fig. 10 zeigt ein Hausfilter für Wasserleitungen. Die 
Filtersäule, aus drei hohlen Scheiben von plastischer Kohle bestehend, 
befindet sich, mit grobkörniger Knochenkohle umgeben, in einem Blech- 
cylinder. Der Zufluss erfolgt von unten und kann durch den Hahn 
regulirt werden. Die Knochenkohle dient als Vorfilter. 

In Fig. 11 (D. 262. 307) ist das Hochdruckfilter von Bell, für 
technische Zwecke, dargestellt. Das durch die Hähne A und C ein- 
tretende W. geht von dem 
ringförmigen Räume E aus 
durch die Filterschicht F in 
das Siebrohr 6r, um durch D 
abzufliessen. Zur Entfernung 
des abgesetzten Schlammes 
lässt man das W. kurze Zeit 
durch Schliessen der Hähne Ä 
und C und Oeffnen von B in 
umgekehrter Richtung gehen, 
so dass der Schmutz durch 
seitliche Oeffnung abfliesst. 

Im Betriebe der grossen 
Wasserwerke hat sich von 
den verschiedenen Materialien 
allein der Sand bewährt. Die 

Einrichtung der Filteranlagen ist im Wesentlichen überall dieselbe. In 
einem grossen flachen Behälter, dessen Boden mit Thon belegt und dessen 
Seitenwände gemauert oder gepflastert sind, befindet sich eine dicke 
Schicht kantiger Bruchsteine, darüber kleinere Steine, dann je eine 
Schicht grober Kies, feiner Kies und oben darauf Sand. Zwischen der 
Schicht Thon und grober Steine liegen, je nach Grösse der Anlagen, 
ein oder mehrere Kanäle zum Sammeln des filtr. W. Das W. fliesst 
entweder unmittelbar aus dem Flusse, oder, nach Einschaltung von Klär- 




Hochdruckfilter von Bell. 



42 



Wasser. 




Fig. 12. 



bassins für grobe Verunreinigungen, aus diesen auf die Sandscbicbt und 
füllt das Bassin völlig an. 

Bei einigen Anlagen, z. B. in Tegel bei Berlin, lässt man das W. 
in dünnen Schiebten über Kaskaden auf die Sandfilter fliessen, um FeO 
als Fe^Oo abzuscheiden (Anklam, Journ. f. Gasbel. 1892. 517). 

Die* Länge eines Filtrirbassins beträgt durchschnittlich GO, die 
Breite 30 m; die Höhe der Thon- und Sandschicht je etwa 60 cm, die 
der dazwischenliegenden Kiesschichten je etwa 15 cm (Fig. 12). Die 

Wirkung dieser Sandfilter beschränkt sich 
auf Absonderung der suspendirteu und 
theilweise Oxydation der gelösten (orga- 
nischen) Stoffe. 

Bakterien gehen durch neu angelegte 
Filter ungehindert hindurch, erst nach 
längerem Gebrauche, wenn sich die ein- 
zelnen Sandkörnchen mit einer schleimi- 
gen Masse überzogen haben, die haupt- 
sächlich aus Bakterien und deren Keimen 
besteht, werden grosse Mengen Bakte- 
rien zurückgehalten. Ein Theil derselben 
geht aber stets hindurch (W, J. 1887. 
1125). Bei Untersuchung der Züricher Sandfilter (1889) ergab sich, dass 
das W. des Züricher Sees vor der Filtr. 44 bis 2179, nach derselbeu 
1 bis 29 Bakterien enthielt (Bertschinger, Vierteljahrschr. d. Naturf. 
G. Zürich 34, 2. Heft). Desgleichen wurde durch Piefke (Zeitschr. 
f. Gasbel. 1891. 207) festgestellt, dass keimdichte Sandfilter nicht existiren. 
Die Filtrirgeschwindigkeit schwankt zwischen 1,4 und 15 m in 24 Stunden; 
jedes W. erfordert zur Erreichung einer guten Filtr. eine besondere Durch- 
flusszeit für denselben Sand. 1 c^m Filter lässt z. B. innerhalb 24 Stunden 
unter sonst gleichen Verhältnissen 3,5 cbm Themsewasser, aber nur 
1,7 cbm Eibwasser hindurch, weil dieses viel feiner vertheilten Schmutz 
enthält. Je feiner und zahL-eicher die suspendirten Körper sind, um 
so feiner muss der Sand sein, bis zu gewissen Grenzen ; ein äusserst 
feiner Sand würde in ganz kurzer Zeit verstopft sein. Die beste Koni- 
grösse ist 0,5 bis 1,0 mm. 

Die obere Schicht des Sandes, auf der sich die grössten Mengen 
Unreinigkeiten ablagern, muss zuweilen entfernt werden, da sie allmäh- 
lich undurchlässig wird [Grahn und Mever, Sandfilter in London 
und Paris (Hamburg, 1877); C. Piefke, Sandfiltration (Berlin. 1881); 
A. Samuelson, Sandfiltration (Hamburg, 1882): J. König, Ver- 
unreinigung der Gewässer (Berlin, 1887); F. Fischer, das W, (Berlin, 
1891); F. Engel, Zeitschr. f. ang. Gh., 1892. 589; Hansen und 
Samuelson, Journ. f. Gasbel. 1892. 332; E. v. Esmarch, Centralbl. 
f. Bakteriol. 11. 525]. 



Die Reinigung des Dampfkesselspeisewassers 

soll die Bildung des sogen. Kesselsteines verlangsamen oder gänzlich 
verhüten. Kesselsteine heissen die Ausscheidungen innerhalb des 
Dampfkessels, die theils durch die Wärme, theils durch zunehmende 



Dampfkesselspeisewasser. 43 

Konzentration der im W. gelösten Salze bewirkt werden und mannig- 
fache Nachtheile für den Kessel haben. Zunächst macht schon eine 
schwache Schicht Kesselstein, als schlechter Wärmeleiter, eine merkbare 
Vermehrung des Heizmaterials resp. stärkere Erhitzung nöthig; diese 
steigert sich aber oft bis zum Glühen der Kesselwände, wodurch die- 
selben rasch abgenutzt werden. Wenn sich in solchen Fällen plötzlich 
grössere Stücke Kesselstein ablösen und das siedende W. mit der glühen- 
den Metallwand in Berührung kommt, so entstehen durch die plötzliche 
Dampfvermehrung so hohe Spannungen, dass Explosionen eintreten 
können. 

Pulverförmige Sedimente werden leicht vom Dampfe mitgerissen, 
verstopfen die Röhren und verderben den Mechanismus bewegter Theile 
in Folge einer schmirgelähulichen Wirkung. Der Kesselstein erschwert 
die Revisionen der Kesselwände, seine Entfernung verursacht Mühe, 
Zeitverlust und Betriebsstörungen. Die zur Entfernung nöthigen 
Hammerschläge schwächen das Material des Kessels. 

Bildung des Kesselsteines. Beim Erhitzen des W. werden 
die Bikarbonate der Erdalkalien, des Mg und Fe etc. unter Freiwerden 
von COg zerlegt und neutrale Karbonate ausgeschieden, meist pulver- 
förmig. Die übrigen Salze des W. nehmen durch die unausgesetzte 
Zufuhr eine immer grössere Konzentration an, schliesslich finden Aus- 
scheidungen statt, besonders von CaSO^, bald pulverig, bald krusten- 
förmig, mehr oder weniger kohärent und hart. Oft sind in einem Kessel 
alle Formen der Abscheidungen vertreten; die fest anliegenden harten 
Krusten sind meist CaSO^^ für sich oder mit Karbonaten gemischt. 
Karbonate allein bilden pulverige oder schlammige Sedimente. Ausser- 
dem sind noch SiOg, Fe^Og, organische Substanzen, Fettsäure aus dem 
Schmieröl der Pumpen etc. vorhanden. Wegen der verschiedenen Be- 
schaffenheit des W. ist auch die Zusammensetzung der Kesselsteine eine 
sehr verschiedene. Die Farbe geht von Graugelb durch alle Schat- 
tirungen bis ins Schwarze. Die meisten Kesselsteine bestehen haupt- 
sächlich aus CaSO^ ; derselbe scheidet sich je nach der T. als Anhydrit 
CaSO^, als 2CaSO^.H20 oder CaSO^.H^O und nur bei T. unter 120'' 
als CaS0^.2H20 aus. Die Verhältnisse liegen also anders, als wenn 
man Gypslösung in offenen Gefässen abdampft, wobei man stets CaSO^. 
2H,0 erhält. Das Vorkommen und die Entstehung von Anhydrit im 
Kesselsteine wurde von Mrazek (D. 194. 141) nachgewiesen. Da bei 
einer Spannung 

von 1 Atm. die T. im Kessel 100" 

. 2 , . . . . 121,4 

, 3 . , , , , 135,1 

, 4 , , „ , , 145,4 

ist, so liegt sie in den meisten Fällen höher als die Entwässerungs-T. 
des Gypses der sich ähnhch wie Na^SO^.lOHgO verhält, welches in ges. 
Lsg. nur bis zu 35 '^ mit 10 Mol. HgO bestehen kann, darüber aber in 
NaaSO^.HgO oder NagSO^ übergeht. Viele Kesselsteine enthalten neben 
CaSO^ ziemliche Mengen von Mg(0H)2. In den aus Meerwasser ab- 
geschiedenen Kesselsteinen ist kein CaCOg enthalten, sie enthalten 
wesentlich nur CaSO^. Die Tabelle auf S. 44 und 45 gibt Analysen 
von Kesselsteinen. 



44 



Wasser. 



Prozentische Zusammeusetzuucf 



Art des Speise- 
wassers . . 



Lokalität 



Struktur des 
Steins 

Farbe . . 

Spez. G. 
Analytiker . 



Gruben- 

wasser 



Lill- 

schacht 

bei Pri- 

bram 

Kompakt 

krystalli- 

nisch 

Weiss 



2,81 



Schlamm 

desselben 

Kessels 



Lichtsrau 



Mrazek ^) 



Teich- 
u. Quell- 
wasser 

Stellarton, 

Neu- 

Schott- 

land 



Weiss 
und roth 



Schlamm 
desselben 

Kessels 



Roth 



How -) 



Vorge- 
wärmtes 
Brunnen- 
wasser 

9 



Sehr 
fest 

Fast 
schwarz 

2,703 



Brunnen- 

u. Ihme- 

wasser 


Vorge- 
wärmtes 

Fluss- 




wasser 


? 


9 


Sehr 
fest 


Sehr 
fest 


Dunklere 
u. hellere 
Schichten 


Dunkel 


2,659 


2,748 



Brun- 
nen- 
wasser 
mitSoda 



F. Fischer ^j 



CaS04 . . 

(2CaS04).H20 

CaS04 . H2O 

Mg(0H)2 . 

CaCOg . . 

MgCOa . . 

MgSO^ . . 

Fe203 und 
AI2O3. . 

Si02 . . . 

Wasser . . 

Organ. Subst. 

Sonstige Be- 
standtheile 



81,01 



17,78 



14,24 



72,27 



2,27 
29,45 



30.26 



0,79 



23,78 



13,30 



14,43 



36,55 



50,75 

1,19 
44,25 



54,34 



9,11 



2,24 

0,47 



— 49,98 



67,14 



9,69 
14,65 



6,28 



0,48 



2,25 



29,73 



3,83 



8,30 



1,67 
0,88 
0,41 



5,65 



Summa 



99.58 



100 



100 



100 



97,38 



99,01 



100,45 



1) D. 194. 141. 
') D. 222. 170. 



2) Jahresber. d. Chem. 1870. 1392. 
') D. 221. 89. '■) D. 219. 344. 



3) D. 212. 208. 
') D. 144. 390. 



99,28 



Dampfkesseisp eisewasser. 



45 



verschiedener Kesselsteine. 



— 


— 


— 


— 


See- 
wasser 


Seewasser 


Saale- 
wasser 


— 


— 


Conden- 

sator- 
stein 


— 


— 


- 


Vöslau 


— 


— 


— 


Thürin- 
gen 


— 


— 


— 


— 


Sehr 

harte 

Platten 


— 


— 


Sehr 
hart- 
körnig 


Massig 
hart 


— 


Körnig, 

krystalli- 

niscli 


Fest 


Krystalli- 
nisch 


Geschich- 
tet, kry- 
stallinisch 


— 


— 


— 


— 


Hell- 
braun 


Fast 
weiss 


— 


Dunkel- 
braun 





— 


— 


"— 


— 


— 


— 


— 


2,695 


— 


— 


2,563 


— 


2,66 


— 


F. Fi- 
scher *) 


Ha- 
nisch ^) 


Kal- 
mann®) 


Ed- 
wards ') 


John- 
son^) 


Völcker») 


Rei- 
chardt i°) 


F. Fi- 
scher 11) 


Lermer^^) 


Rei- 
chardt ") 


StingP*) 


30,02 


— 


51,56 


— 


— 


72,42 


1,80 


2,11 


— 


— 


^2,29 


61,19 


— 


— 


— 


100 


— 


— 


— 


— 


— 


- : :; 


— 


89,79 


— 


92,00 


— 


— 


— 


— 


— 


- 


: — 


2,58 


— 


30,63 


— 


— 


24,24 


— 


— 


— 


- 


— 


4,70 


— 


4,83 


— 


— 


— 


68,52 


87,95 


96,8 


95,0 


73,87 


- 


5,36 


9,93 


— 


— 


— 


9,60 


3,91 


— 


3,3 


iE 19,40 


— 


— 


— 


3,20 


— 


— 


— 


- 


— 


— 


— 


JWBJ 


2,50 
0,60 


1,77 
1,10 


2,20 


— 


— 


1,42 

8,87 


6,24 


— 


2,6 


3,07 
0,83 


— 


— 


— 


1,00 


— 


— 


2,10 

8,25 


— 


3,2 


— 


0,93 


— 


1,27 


- 


1,60 


— 


— 


— 


— 


— 


- 


- 


99,92 


99,52 


99,82 


100 


100 


96,66 


lOO 


100,21 


100 


100,9 


100,39 



8) D. 107. 360. ') D. 191. 81. '') D. 193. 310. '') D. 212. 218. 

') D. 187. 441. '') D. 181. 444. '*) D. 202. 364. 



4(5 Wasser. 

Zur Verhütung des Kesselsteines wählt man, wenn möglich, ein 
sehr weiches W., unter allen Umständen wird man bei Beurtheilung 
des W. Härtebestimmungen (s. weiter unten) auszuführen haben, aus 
deren Ergebniss zu ersehen ist, ob das W. ohne weiteres brauchbar 
oder erst zu reinigen ist. Die vorgeschlagenen chemischen Mittel zur 
Beseitio-uno- und Verhütung der Kesselsteinbildung sind äusserst zahlreich 
und zerfallen in zwei Klassen. 1. Solche, die innerhalb des Kessels an- 
gewandt werden. Diese sind nur ein Nothbehelf in Fällen, wo eine 
Reinigung des W. nicht ausführbar ist. Nach F. Fischer (Das W. 
1891) ist vor denselben, trotz aller sogen, chemischen Gutachten, zu 
warnen. Als solche Mittel wurden hauptsächlich Na^.CO.;, NH^Cl und 
andere NH^-Salze, SnCl2, BaClg, Aetzalkalien und Kalkmilch empfohlen. 
Na^CO., gibt mit CaSO^ pulveriges CaCO, und NagSO^. NH^Cl sollte den 
CaSO^ in Lsg. halten, resp. ausgeschiedenen auflösen, wirkt aber nur 
unvollkommen und ist nachtheilig für alle Messingtheile der Maschine. 
SnCl., bildet CaCU und Zinnoxydul, ist aber theuer. BaCU ist ziemlich 
billig und noch das beste dieser Mittel. Das pulverförmig ausgeschiedene 
BaSO^ setzt sich leicht ab und lässt sich durch Abblasen, wenn auch 
nicht leicht, entfernen. AetzalkaHen sind zu theuer. Kalkmilch kann 
nur zur Zerlegung von Ca(HC03)^, dienen. Einen erheblich höheren Werth 
hat die Reinigung des W. vor der Einführung in den Dampfkessel. Die- 
selbe bezweckt die Abscheidung der Kesselstein bildenden Bestandtheile, 
deren Verschiedenheit entsprechend die Chemikalien auszuwählen sind. 
In den meisten Fällen wird die Bestimmung der temporären und per- 
manenten Härte genügen, da es sich um Karbonate und Sulfate der 
Erdalkalien handelt. 

Chemische Kesselsteinmittel. Die meist gebräuchlichen 
Mittel sind: 

1. HCl zur Ueberführung der Karbonate in die llösl. Chloride. 
Der geringste Ueberschuss kann aber dem Kessel mehr schaden, als 
der Nutzen aufwiegt. Ein grosser Gehalt des W. an MgCOg verbietet 
die Anwendung der HCl, da MgClg bei hoher T. ebenso auf den Kessel 
wirkt, wie HCl. 

2. Kalkmilch. Das Verfahren wurde ursprünglich von Clark 
zur Reinigung des Trinkwassers angewandt, dann von Schnitze 
(D. 188. 215) und Beranger (D. 202. 364; 209. 183; 215. 120; 
219. 342) weiter ausgebildet. Schnitze fügte nach der Fällung mit 
Ca(0H)2 noch Na^CO.^ hinzu, um auch CaSO^ und Mg-Salze zu zer- 
setzen. Beranger benutzt ausserdem ein Gemisch von Ca(0H)2 und 
NaOH, statt blosser Kalkmilch. Wanklyn (D. 226. 554) zerlegt 
CaSO^ und MgSO^ mit NaHCO^ und fällt dann mit Ca(OH),. 

3. Na^COg und NaOH. Kohlrausch (D. 200. 265) 'empfiehlt, 
das W. durch den abgehenden Maschinendampf zum Sieden zu erh. 
und mit soviel Na^CO. zu versetzen, wie zur Fällung allen Kalkes uöthig 
ist. Nur für kleinere Betriebe verwendbar. Kolb (D. 223. 327) setzt 
NaOH zum W. : CaCHCOg)^ + 2NaOH ^Na.COg ; CaSO, + Na^COg = 
CaCOg -f Na^SO^. Diese beiden Methoden haben insofern Werth, als 
kein MgCl^ im W. bleibt, überhaupt kein steinbildendes Salz. Die 
Materialien sind aber theurer als Kalk. 

4. MgO. Schwach gebrannter Magnesit wird in das W. ein- 
getragen, worin er allmählich in Mg(0H)2 übergeht und auf die Kar- 



Dampfkesselspeisewasser. 



47 



bonate ähnlich wie Ca(0H)2 wirkt; zur vollkommenen Umsetzung muss 
das W. erh. werden. MgCOg setzt sich mit CaSO^ um, so dass MgSO^ 
in Lsg. bleibt. Ist mehr CaSO^ vorhanden, als durch das entstandene 
MgCOg zerlegt werden kann, so muss CO2 eingeleitet werden, zweck- 
mässig in Form heisser Feuergase (Bohlig, D. 226. 527; F. Fischer, 
D. 226. 96, 530; Günsberg, D. 228. 453). 

5. BaClg und Kalkmilch. Das auf 40 bis 50 '^ erw. W. wird zu- 
nächst mit einer den Sulfaten entsprechenden Menge BaClg versetzt, 
dann unter starkem Umrühren soviel Kalkmilch hinzugefügt, bis sich 
der Niederschlag nach kurzer Ruhe in 
Form deutlicher Flocken absetzt. Nach 
etwa 10 Min. ist das W. gebrauchfertig. 
Diese von de Haen herrührende Methode 
ist sehr einfach und wurde vielfach an- 
erkennend begutachtet (D. 208. 279). Ent- 
hält das W. wenig Bikarbonate, aber viel 
CaSO^, so erfordert die Klärung mehr 
Zeit wegen Mangels an CaC03, welches 
das BaSO^ mit niederreissen sollte. Man 
nimmt in diesem Falle einen Ueberschuss 
von Ca(0H)2 und leitet COg ein. 

6. BaCO.:, wurde bereits 1859 von 
Wurtz (D. 152. 319) zur Zersetzung des 
CaSO^ empfohlen, scheint aber für grössere 
Wassermengen nicht geeignet zu sein. 

7. BaCl^ und HCl. Eine Lsg. von 
BaClg in HCl in genau vorgeschriebenen 
Verhältnissen wird, dem CaSO^-Gehalte 
entsprechend, dem W. zugesetzt werden 
und letzteres durch Röhren geleitet, die 
Stücke von CaCO^ enthalten, um über- 
schüssige HCl zu binden. Die HCl zerlegt 
die sauren Karbonate. Das Absetzen des 
BaSO^ nimmt ziemlich viel Zeit in An- 
spruch (vergl. F. Fischer, D. 220. 172; 
261. 367, auch 222. 166, 237 [elektrische 
Mittel] und C. Bischof, Zeitschr. f. 
Berg-Hütten-Salinenwes. 1860. 32; Ditt- 
mann, Chem. Ind. 1891. 462; R. Jones, 

Zeitschr. f. ang. Ch. 1892. 474; H. Schreib, Zeitschr. f. ang. Ch. 
1892. 514; Meisinger, Zeitschr. f. ang. Ch. 1892. 724). 

In neuerer Zeit hat man ziemlich umfangreiche Apparate kon- 
struirt, welche eine ununterbrochene Reinigung des W. ausserhalb des 
Kessels mittels geeigneter Chemikalien — oder auch durch blosses Er- 
hitzen desselben zur Zerlegung der sauren Karbonate — ermöglichen 
sollen. Sehr verbreitet ist der Automatische Wasserreinigungsapparat 
von Dervaux (Fig. 13 und Fig. 14); derselbe besteht aus dem Kalksät- 
tiger <S, den neben einander liegenden Gefässen: C für die Regelung 
des Wasserzuflusses, R für die Sodalösung und B Regulirgefäss für 
letztere Lsg.; dann aus dem Schlammabscheider und Klärbehälter D. 
Der Wasserzufluss findet durch das Rohr H statt und wird durch einen 




Fig. 13. Wasserreinigungsapparat 
von Dervaux. 



48 



Wasser. 



Kcdk- 
aiisclintinncj 



Schwimmer geregelt. Das W. fliesst durch P in das Mischrohr E\ in 
gleicher Höhe befindet sich ein Abfluss V in den Kalksättiger S. Das 
unten austretende W. wirbelt den in S befindlichen gelöschten Kalk (der 

durch J eingeführt wird) auf 
und sättigt sich damit. Der 
Trichter K dient zur Auf- 
nahme des leichten, daher 
mitgerissenen kohlensauren 
Kalkes, der im gelöschten 
Kalk stets vorhanden ist und 
durch das Rohr G entfernt 
werden kann. Zur Entlee- 
rung des Schlammes aus S 
dient das Rohr L. Die klare 
Kalklösung fliesst durch das 
Rohr U in das Mischrohr E. 
Der aus gelochtem Blech ge- 
bildete Behälter Z in 11 ent- 
hält ein für bestimmte Zeit 
ausreichendes Quantum cal- 
cinirte Soda, so dass in R 
eine annähernd stets gleich- 
massige Sodalsg. vorhanden 
ist. Diese gelangt zunächst 
in das Siphongefäss £, wel- 
ches den Füllungsstand regelt 
und tritt dann durch Qi^ 
das Mischrohr E. Das 



m 

in letzteres mit den Reagen- 
tien einfliessende W. strömt 
in den Spitzkasten des 
Schlammabscheiders D, aus 
welchem der Schlamm durch 
entfernt wird. Der nun 
aufsteigende schlammhaltige 
Wasserstrom breitet sich 
aus und fliesst durch die 
zahlreichen trichterförmigen 
Scheidewände -M, verliert da- 
bei den allergrössten Theil 
des Schlammes und gelangt 
zur Filterschicht F (Hobel- 
spähne) und fliesst bei T 
aus. Das Filter hat haupt- 
sächlich den Zweck, eine 
ruhige Strömung zu erzeu- 
gen. Der Durchfluss des W. 




Fig. 14. Wasserreinigungsapparat von Dervaux. 
Längssclinitt. 



von H bis T erfordert etwa 1 ^/a Stunden ; diese Zeit genügt zur völligen 
Reinigung (Z. d. Ver. D. Ing. 1890. 985). 

Mechanische Kesselsteinmittel wirken rein physikalisch ; 
etwaige chemische Erscheinungen sind von untergeordneter Bedeutung. 



Dampfkesselspeisewasser. 



49 



Ihre Anwendung kann niemals die Ausscheidungen aus dem Kessel- 
wasser verhindern, sondern nur die Bildung steinartiger Massen. Man 
gibt z. B. gei'bstoffhaltige Stoffe, wie Eichenholzspähne, Catechu, oder 
schleimige, wie Dextrin, Kartoffeln, Melasse, auch Harz, Pech, Thon, 
Sägespähne, in den Kessel. Viele dieser Stoffe verursachen starkes 
Schäumen des W., wodurch leicht Schlammtheile in den Mechanismus 
der Maschine gelangen. Andere Vorrichtungen zur Verhütung der Stein- 
bildung bestehen darin, das W. im Kessel in beständiger Circulation zu 
erhalten, wodurch eine pulverige Abscheidung der Salze bewirkt wird; 




Fig. 15. Kesselreinigungsapparat von Dervaux. 



diese pulverigen Massen setzen sich an Steilen des Kessels ab, an denen 
absichtlich das W, möglichst vor Bewegung geschützt ist. 

Einer der bekanntesten Apparate dieser Art ist der sogen. Kessel- 
reinigungsapparat von Dervaux; derselbe setzt allerdings die An- 
wendung von Na^COo und NaOH innerhalb des Kessels voraus , um 
alles damit Fällbare aus dem W. abzuscheiden (s. oben). Die Wirkung 
des Apparates an und für sich ist aber rein mechanisch. Der ent- 
standene Schlamm bleibt im Kesselwasser zunächst schwebend, weil 
durch das Kochen seine Ablagerung verhindert wird. 

Der Apparat (Fig. 15) besteht aus dem mit einem Rippenkörper 
versehenen Schlammsammler A, dem Saugrohr B, dem Rückfallrohr C 
und dem Schlammabflussrohr. Mittels B und C kann er mit jedem 
Kessel verbunden werden, derart, dass Ä über dem Kessel zu stehen 
kommt. Die Mündung des Saugrohres B befindet sich an der Stelle, 

Handbuch der ehem. Technologie. I, 4 



50 



Wasser. 



an welcher sich erfahrungsgemäss der meiste Schlamm ablagert, und 
ist ausserhalb des Kessels mit einem Dampfumhüllungsrohr umgeben, 
um Abkühlung zu verhindern. Das Rückfallrohr C mündet an einer 
kühleren Stelle im Kesselwasser. Ist der Kessel im Betriebe, so findet 
ein sehr starker Umlauf des W. durch den Apparat statt, da das 
heissere W. in B nach oben steigt, das kältere in C nach unten sinkt. 
Der Schlamm wird nach A übergerissen, setzt sich ab und kann durch 
das Abflussrohr entfernt werden. Im Rohre B befindet sich ein Schlitz D; 
dieser hat den Zweck, in Folge des Schwankens des Wasserstandes zu- 
weilen den Umlauf zu unterbrechen, damit sich der Schlamm in A 
ruhig absetzen kann. Ausserdem vermittelt er die Entfernung der auf 
der Oberfläche des W. schwimmenden Schlammtheile (Zeitschr. d. Ver. 
Deutsch. Ingen. 1890. 983). 

Destillirtes Wasser. 

Vollkommen reines W., dessen Anwendung für gewisse technische 
Zwecke unerlässlich ist, wird durch Dest. unter Anwendung ver- 
schiedener Vorsichtsmassregeln erhalten. Möglichst reines, namentlich 
färb- und geruchloses W. wird in einer kupfernen Blase zum Sieden 
erh. und der Dampf durch ein in kaltem W. liegendes, möglichst 
enges Kühlrohr (Schlangenrohr) verdichtet. Fig. 16 zeigt einen klei- 




Einfaeher Destillirapparat. 



neren, einfachen Destillirapparat. B ist die kupferne Blase, AC der 
Helm, D das Schlangenrohr, beide meist und am besten aus reinem Zinn. 
Das W. des Kühlfasses muss in dem Masse, als es sich erwärmt, durch 
kaltes ersetzt werden, welches am Boden in das Kühlfass eintritt und 
oben heiss ausfliesst. Statt der Kühlschlange wendet man zuweilen auch 
andere Vorrichtungen an. Stürmisches Kochen muss vermieden werden, 
damit nicht mechanisch Wassertheilchen vom Dampfe mitgerissen werden. 
Das bei der Dest. zuerst übergehende W. wird beseitigt, so lange 
dasselbe durch Bleiessig noch getrübt wird, also noch COg resp. (NH^)2C03 
enthält. Enthält das zu destillirende W. MgCl,, so lassen sich in dem 
Destillate durch AgNOg Spuren von Cl nachweisen. Ein Zusatz von 
Ca(0H)2 vor der Dest. verhindert diese Verunreinigung; das zuerst über- 



Destillirtes Wasser. 51 

gehende W. enthält dann zwar keine COg, aber alles NH3, welches 
vorhanden war, und muss deshalb ebenfalls verworfen werden. Nachdem 
etwa drei Viertel des W. übergegangen sind , unterbricht man die 
Dest., weil sich sonst die vorhandenen organischen Stoffe und einige 
Salze, z. B. MgClg, zersetzen und ein unreines Destillat liefern würden. 
Nach Stas setzt man von einer konz. Lsg, von mangansaurem 
Kali 4 bis 5 "'o dem W. zu und lässt dasselbe 24 Stunden stehen ; 



Fig. 17. Beindor ff scher Apparat. 

1 bis 2 1 der Manganatlsg. giesst man in die Blase nebst einem gleichen 
Volum hinreichend starker Kalilauge, um das Salz in der verd. Lsg. 
längere Zeit vor Zersetzung durch die Wärme zu schützen. Dann wird 
die Blase zu acht Zehnteln mit dem W. beschickt. Nach eingetretenem 
Kochen muss das Feuer gemässigt werden, um ein Uebersteigen der im 
Anfange stark schäumenden Flüssigkeit zu verhüten; später kann man 
dieselbe in ruhigem Kochen erhalten. Wenn ungefähr der zwanzigste 
Theil übergegangen ist, dest. ein von organischen Stoffen freies W. 
über; frei von unorganischen Substanzen ist es nur dann, wenn der 



52 



Wasser. 



Helm mit Diaphragmen versehen ist, welche die beim Kochen mit- 
gerissenen Wassertheilchen zurückhalten. Dest. W. muss klar, farblos 
und geruchlos sein, frei von jedem Beigeschmack, und darf beim Ver- 
dampfen keinen Rückstand hinterlassen. , . , , . ^ , 
Jedes auch noch so sorgfältig dest. W. zeigt frisch bereitet den 




Fig. 18. Beindor ff scher Apparat. 



.sogen. Blasengeruch und Geschmack, den es bei längerem Stehen an 
der Luft oder beim Filtriren durch frisch ausgeglühte Holzkohle verliert. 
In kleineren Betrieben, wie chemischen und pharmazeutischen 
Laboratorien, benutzt man meist den mehr oder weniger modifizirten, 
ur.sprünglich Beindorffschen Dampfapparat, der neben der Dest. 
noch die Benutzung des Dampfes zum Erhitzen von Destillirblasen, 
Infusionsbüchsen, Abdampfschalen, Sandbädern und Trocken schränken 



Destillirtes Wasser, 



53 



ermöglicht. Apparate dieser Art zeigen Fig. 17 und 18. Für Gewinnung 
grösserer Mengen dest. W. in Fabriken etc. sind Apparate von ziem- 
licher Grösse in Gebrauch, die theils direkt geheizt werden, theiis 
mit einem Dampfkessel in Verbindung stehen und bis 1000 1 und 
mehr täglich liefern können. 

Fig. 19 zeigt einen Destillirapparat, der hauptsächlich zur Gewinnung 
von absolut reinem, dest. W. dient. Blase a wird durch Oeffnen 
der Wasserhähne b und c zu drei Vierteln ihres Inhalts gefüllt. Als- 




Fig. 19. Destillirapparat zur Gewinnung von sehr reinem Wasser. 



dann wird das Dampfventil d geöffnet, welches mit einem Dampf- 
entwickler verbunden ist. Durch eine in der Blase vorhandene, viel- 
fach gewundene Dampfschlange wird das W. sehr rasch zum Sieden 
gebracht. Die Dämpfe gehen durch den Dom e, in welchem mecha- 
nisch mitgerissene Verunreinigungen zurückgehalten werden, in den 
Kühler f. Bei g fliesst das reine W, ab. Der Vorlauf ist unbrauchbar. 
Durch das Rohr h fliesst das Kühlwasser mit einer T. von 90 bis 95 *^ ab. 
Der in Fig. 20 dargestellte Apparat liefert nur ein technisches 
dest. W. Aus einem Dampfentwickler strömt der Dampf direkt in den 
Rektifikator, der aus einem Glockensystem x und einem Filter aus 
plastischer Kohle besteht, und geht von da in den Kühler (Abbildungen 
und Beschreibung von Herrn W. Bitter in Bielefeld erhalten). 



54 



Wasser. 



Destillation des Meerwassers. Die Versorgung der See- 
schiffe mit trinkbarem W. ist eine sehr schwierige Aufgabe, da grosse 
Mengen desselben gebraucht werden und in frischem W. nach kurzer 
Zeit sich Fäulnissorganismen entwickeln, umsomehr, je mehr organische 
ßestandtheile das W. von vornherein enthielt. Ein von diesen freies 
W. in genügender Menge für längere Seereisen zu beschaffen, ist in 
den meisten Fällen so gut wie unausführbar, schon wegen der Kosten. 
Die Aufbewahrung des mitgenommenen W. erfolgt in eisernen Cisternen 




Fig. 20. Destülirapparat zur Gewinnung von technisch reinem Wasser. 

oder hölzernen Fässern. Ersteres ist vorzuziehen, weil das Holz an 
und für sich schon ein Fäulnisserreger ist und die Fässer sich weniger 
sicher reinigen lassen, selbst nicht durch Behandlung mit Dampf. Fe 
dagegen wirkt konservirend (D. 128. 819; 196. 171). 

Vielfach wendet man auf Schiffen Destillirvorrichtungen an. Man 
hat dieselben so zu konstruiren gesucht, dass sie möglichst wenig Raum 
einnehmen, wenig Heizmaterial bedürfen und dass die erzeugte Wärme 
nützlich verwendet werden kann, z. B. in der Schiffsküche. Die Ver- 
wendung des Kondenswassers auf Dampfschiffen ist unmöglich wegen 
des ekelhaften Geruches und Geschmackes desselben, den die Schmier- 



Destillirtes Wasser. 



55 



fette der Kolben verursachen. Da auch reinstes dest. W. un- 
schmackhaft ist, sind die meisten Destillirapparate darauf eingerichtet, 
dasselbe mit Luft zu sättigen. Die Schiffe der deutschen Kriegsmarine 
sind mit Destillirapparaten versehen, die in drei verschiedenen Grössen 




Fig. 21. Apparat zur Destillation von Meerwasser. 

angefertigt werden, je nach der Grösse der Schiffe. Die grössten liefern 
5000, die mittleren 2400 und die kleinen 1250 1 in 24 Stunden. Ein solcher 
Apparat (Fig. 21) besteht aus zwei 0,4 m weiten Cylindern A und B. 
Der in einem besonderen Kessel erzeugte Heizdampf tritt durch das 
Rohr d in das von dem zu destillirenden W. umgebene Rohrnetz b 



56 Wasser. 

des Cylinders A. Das Kondenswasser sammelt sich in dem Behälter e 
und fliesst von hier nach entsprechender Zurückhaltung des Dampfes 
in das Gef äss g , aus welchem es , wenn es heiss gebraucht werden 
soll, durch einen Hahn h abgelassen wird, während das übrige durch das 
Rohr V zum Kühler o fliesst. Der Stand des zu destillirenden W., welches, 
im Kühlgefäss B vorgewärmt, durch Rohr l zufliesst, wird so geregelt, 
dass der gebildete Dampf zur Abscheidung des etwa mitgerissenen 
Seewassers zunächst durch die kupferne Siebplatte a streichen, dann 
gegen die Platte c stossen muss, bevor er durch Rohr m in den Röhren- 
kühler n gelangt. Das hier verdichtete W. fliesst zur weiteren Kühlung 
zusammen mit dem durch v zugeführten Kondenswasser von j^ aus durch 
Kühler o, um entweder aus r direkt abgelassen oder durch s zu einem 
mit Thierkohle gefüllten Filter geleitet zu werden. Das Kühlwasser 
tritt durch i ein und fliesst durch k wieder ab, nachdem der zur 
Dest. erforderliche Theil durch ein Rohr abgeleitet wurde. Die 
aus dem Kühlwasser entweichende Luft wird durch Rohr t in den 
Dampfraum des Destillirapparates und in das Destillat geleitet, um 
dasselbe wohlschmeckender zu machen. Durch den Rohransatz 1/ lässt 
man ausserdem den Retourdampf der Dampfpumpe eintreten, um auch 
diesen für die Wiedergewinnung auszunutzen (Muspratt, Techn. Chem. 
m. Aufl., 7. 517). 

Pamphlett verdampft das Seewasser unter vermindertem Drucke; 
als Wärmequelle benutzt er Kesseldampf oder den Abdampf der auch 
auf Segelschiffen immer vorhandenen Kraftmaschinen. Der Verdampfer 
ist ein ringförmiger Röhrenkessel, in dessen offenem Mittelraume der 
Röhi-enkondensator angebracht ist. Das Destillat wird unter gleich- 
zeitigem Kühlen und Einblasen von Luft filtr. (D.R.P. Nr. 47219, 1888). 

Einen ähnlichen Apparat Hess sich H. Ferguson patentiren. 
Eine Verbesserung besteht darin, dass er den Dampf trocken in den 
Kondensator leitet, weil anderenfalls das W. weniger gut schmeckt 
(D.R.P. Nr. 53397. 1889). 

Einen Apparat, der den oben abgebildeten und beschriebenen 
ähnelt, konstruirte A. Normandy (Engl. Pat. ; Zeitschr. f. ang. Ch. 
1892. 125). 

Wasserversorgung. 

Lange Zeit besassen die ältesten Völker nur Quellen und Cistemen. Kunst- 
voll gegrabene und ausgemauerte Brunnen hatten zuerst die Aegypter, auch die 
Hebräer verwendeten grosse Sorgfalt darauf. Die Griechen lernten die Brunnen 
durch ihren Verkehr mit dem Oriente kennen, nachdem sie lange Zeit gleichfalls 
nur Quellen und Cistemen benutzt hatten. Die Römer behalfen sich lange Zeit 
mit Cistemen, Ziehbrunnen und schlechtem Tiberwasser. Mit dem Wachsen ihrer 
Macht stiegen ihre Bedürfnisse und gaben Veranlassung zur Entstehung der be- 
rühmten Wasserleitungen, der Aquädukte. Dagegen waren die nördlichen \'ölker 
in Germanien, Gallien, Britannien etc. bei ihrem Keichthume an Quellen weniger 
auf das Graben künstlicher, als auf die Erhaltung und Benutzung natürlicher 
Wasserzuflüsse angewiesen. 

Die Römer erkannten die Herbeischaffung besten Quellwassers von Staats- 
wegen als unerlässlich an. Mehrere der Aquädukte in Rom führten das W. 1.5 
bis 30 Stunden weit herbei, in bedeckten steinernen Rinnen, über Thäler und Ab- 
gründe hinweg oder durch Berge hindurch. Der erste römische Aquädukt, die 
Aqua Appia, wurde 305 v. Chr. gebaut, sehr viele folgten darauf. Die drei, welche 
heute von den Dutzenden anderer noch in Thätigkeit sind, genügen, um ganz Rom 
mit Ueberfluss an Wasser zu versehen. Daraus ist zu ersehen, welch' kolossale 
Wassermengen den alten Römern zu Gebote standen. Alle halbwegs kultivirten 



Wasserversorgung. 57 

Völker des Alterthums erbauten Wasserleitungen, weil sie die Mängel und Nach- 
theile jeder anderen Wasserversorgung, wie durch Cisternen und Brunnen, zu 
würdigen wussten. Mit dem Verfalle von Wissenschaft und Kunst verfielen auch 
die Wasserleitungen. Die Menschen drängten sich in enge Städte zusammen, mit 
engen, schmutzigen Gassen und hohen Mauern, und je mehr befestigte Städte, 
Burgen und Schlösser gebaut wurden, um so höher stieg wieder die Kunst des 
Brunnengrabens. Jahrhunderte lang, bis in unsere Tage hinein, hatte jedes Haus 
seinen Brunnen auf dem engen Hofe, oft in grosser Nähe der Düngerstätte. Ueber 
die durchschnittliche Beschaffenheit dieses Brunnenwassers ist kein Wort zu ver- 
lieren. Neben den gegrabenen Brunnen waren den Alten auch die erbohrten, 
unsere sogen, artesischen, nicht unbekannt, wenn auch nicht in so vollkommener 
Ausführung. Olymp iodorus erwähnt solche in Aegypten von 500 Ellen Tiefe. 
In China sollen sich Tausende seit sehr alter Zeit befinden. In Europa sollen die 
ersten erbohrten Brunnen in der Grafschaft Artois angelegt woi-den sein, woher die 
Bezeichnung puits artesiens. Der im Karthäuserkloster zu Lillers , Departement 
Pas de Calais, soll seit 1126 bestehen. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden hier 
und da in Deutschland, Italien, Frankreich und England artesische Brunnen ge- 
bohrt, meist um Soolen zu erlangen. Den rechten Anstoss dazu gaben aber erst 
die von der Soc. d'encourag. de l'ind. nat. und von der Soc. centr. d'agric. in 
Frankreich ausgesetzten Preise für Auffindung von süssem W. in wasserarmen 
Gegenden. Seit sehr langen Jahren machte sich wieder die Bestrebung geltend, 
die Brunnen in Städten abzuschaffen und Wasserleitungen anzulegen. Wo Terrain- 
verhältnisse es gestatteten, wurden vorhandene Quellen gefasst und das W. durch 
Röhrenleitungen in die Städte auf öffentliche Plätze , wohl auch in die Höfe der 
Häuser, geführt. Wo fliessende Quellen fehlten, behalf man sich mit Pumpwerken, 
die das Grundwasser in die Leitungen hoben, oder benutzte Flusswasser. Der Neu- 
zeit genügen diese Einrichtungen nicht mehr; nicht nur jedes Haus, sondern jede 
Wohnung, jede Fabrik etc. soll einen mehr als genügenden Zufluss an gutem W. 
haben und auf allen Strassen sollen für gemeinnützige Zwecke leicht zugängliche 
Wasseranlagen (Hydranten u. dergl.) vorhanden sein. 

Cisternen sind gemauerte, zementirte, in Stein ausgehauene oder 
hölzerne Behälter von verschiedenstem Umfange, zum Sammeln und 
Aufbewahren des Regen wassers in wasserarmen Gegenden, besonders 
in den Ländern der heissen Zone. Dort müssen sie tief in der Erde 
angelegt werden, um das W. kühl zu halten. Regenwasser hat weder 
einen angenehmen und erfrischenden Geschmack, noch ist es im Sommer 
kühl. Bei der unvermeidlichen längeren Aufbewahrung geht es leicht 
in Fäulniss über, da der Regen alles aufnimmt, was gerade in der Luft 
ist, Staub, Organismen etc. Filtration desselben vor dem Genüsse ist 
unerlässlich. Die öffentlichen Cisternen Venedigs bestehen aus tiefen, 
mit Thon ausgekleideten und mit Kies gefüllten Gruben. Letzterer 
dient als Filtrirmasse. Grosse und schöne Cisternen findet man in Kon- 
stantinopel, Bajä und Alexandrien. 

Brunnen sind im Allgemeinen natürliche Quellen, die mit einer 
Einfassung versehen sind, in welcher sich das W. ansammeln soll und 
woraus geschöpft wird. Wo natürliche Quellen fehlen, sucht man das 
Grundwasser zu erlangen, indem man ein Loch gräbt, dessen Sohle 
tiefer liegt als der tiefste Stand des Grundwassers: gegrabene Brunnen. 
Bisweilen ist der Zufluss so stark, dass ein dauerndes Ueberfliessen 
stattfindet: fliessende Brunnen. 

Befindet sich das Grundwasser zwischen zwei undurchdringlichen 
Schichten und in Folge muldenförmiger Krümmung derselben unter 
starkem Drucke, so bricht es beim Anbohren der oberen Schicht als 
Springquell hervor und bildet einen sogen, artesischen Brunnen. 
Je nach der Gebirgsformation springt der Quell zu verschiedener Höhe, 
entweder dauernd oder periodisch. Oft muss das W. durch Pumpen 



58 Wasser. 

gehoben werden, falls der Druck nicht genügt, es bis zur Oberfläche 
zu treiben. Entsprechend der Tiefe des Grundwassers sind derartige 
Bohrlöcher artesischer Brunnen zuweilen sehr lang, so der berühmte 
zu Grenelle in Paris 548 m, einer zu Mondorf 730 m. Das W. arte- 
sischer Brunnen unterscheidet sich von demjenigen anderer Herkunft 
durch völlige Abwesenheit von HNO3, geringe Spuren HjSO^ und HCl, 
meist grosse Mengen Na^O (theilweise als Na^CO^) und durch sehr wenig 
organische Substanz. Auch enthält es, solange es mit der Atmosphäre 
nicht in Berührung gekommen ist, keinen 0. Sowohl das W. des 
Brunnens von Grenelle als das einiger anderer, die nur zwischen 5 und 
140 m tief sind, zeigte sich völlig frei von (Gerardin, L. J. 1874:. 
182; D. 213. 539). Die im Boden enthaltenen organischen Stoflfe, sowie 
Eisen- und Manganoxydulsalze verbrauchen denselben. 

Bezüglich der gegrabenen Brunnen unterscheidet man Flach- und 
Tiefbrunnen. In wasserreichen Ebenen braucht man meist nur wenige 
Meter tief zu graben, um Grundwasser zu erreichen, während auf Ab- 
hängen und Gebirgen das Gestein oft bis zu beträchtlicher Tiefe ent- 
fernt werden muss. Der bekannte Tiefbrunnen auf dem Königstein ist 
200 m tief. 

Das Eindringen von Tagewasser in die Brunnen ist wegen dessen 
schlechtere Beschaffenheit zu vermeiden; in dichtem Gestein ist solches 
Eindringen überhaupt nicht zu besorgen; in lockerem Boden muss 
dagegen der Brunnen im oberen Theile sorgfältig ausgemauert oder 
sonstwie wasserdicht hergestellt werden. Die Nähe von Düngerstätten 
und Abortgruben ist auch bei bester Ausmauerung bedenklich. 

Das W. aus 17 Brunnen der Stadt Klosterneuburg wurde 1892 
untersucht. Beistehende Tabelle enthält die Minimal- und Maximal- 
zahlen. Interessant ist ein Vergleich mit dem Leitungswasser verschie- 
dener Städte, S. 59. 

Organische Substanz (KMnOJ . . 0,7 mg bis 27,9 mg 

N^O. 2,0 , „ 389,0 „ 

N2O3 . , „ viel „ 

NH3 „ , viel „ 

Cl 5,0 „ , 140,0 „ 

SO3 15,0 , ., 79,0 „ 

CaO 118,0 „ , 272,0 „ 

MgO 29,0 „ „ 121,0 , 

ausserdem 32 bis 1394 „trockene" und bis 124 „verflüssigende" Spalt- 
püze (W. Seiffert, Z. Nähr. 1892. 249). 

Cisteruen und Brunnen entsprechen den hygienischen Anforde- 
rungen der Neuzeit im Allgemeinen nicht und kommen nur zur Wasser- 
versorgung einzelner oder weniger Grundstücke in Betracht. Cisternen 
sind stets nur Nothbehelf, während Brunnen in einzelnen Fällen dauernd 
ein vorzügliches W. in beschränkten Mengen liefern können, womit aber 
der Allgemeinheit wenig genutzt wird. 

Aehnlich den im alten Rom herrschenden Prinzipien ist heute das 
Bestreben zur Geltung gelangt, ganze Städte mit einem gleichmässig 
guten W. zu versehen, dasselbe in jedes Haus und in jede Wohnung 
zu führen. Dazu dienen die grossen Wasserwerke. Bei Anlage der- 
selben kommt eine grosse Anzahl verschiedener Bedingungen in Frage, 



Wasserversorgung. 



h9 



Zusammensetzung von Leitungswasser. 





Art 

des 
Wassers 


Geologische 

TIpq p h a ffpfi - 


Ergebniss der Wasseruntersuchung 






Milligramm 


im Liter 




Ort 


JL> C o L- 11 dil tvll 

heit des 
Quellen- 
gebietes 


|1i 

03 S _ 


^1 




5 


3 o 

CO Sh 

II 

CO 




0) 
ÖD 

^ i 

CO 


1'^ 


"a 

bo 
O 


Aachen . . . 


Grundwasser 


Kohlenkalk 


304 


72 


102 


10,7 


17 











0,3 


Altona .... 


Flusswasser 
(filtrirt) 


(Elbe) 


324 


98 


76 


65,7 


56 








Spur 


14,6 


Apolda . . . 


Quellwasser 


Muschelkalk 


512 


128 


122 


17,7 


11 


6 








2,1 


Augsburg . . 


Grundwasser 


Sandiger Kies 
Lechthal 


256 


48 


109 


Spur 


ger. 


8 








2,7 


Bamberg . . 


Grundwasser 


Regnitzgebiet. 

Keupersand- 

stein 


297 


36 


82 


12,4 


35 


5 








3,2 


Barmen , . . 


Grundwasser 


Ruhrthal 


127 


10 


38 


17,7 


23 


2 





Spur 


2,2 


Berlin : 
























Stralauer 


Flusswasser 






















Thor . . . 


(filtrirt) 


(Spree) 


140 


32 


51 


17,7 


14 








Spur 


27,7 


Station III . 


Seewasser 


(Tegelersee) 


196 


50 


68 


16 


ger. 











17,7 


Bochum . . . 


Grundwasser 


Ruhrthal 


265 


32 


33 


17,7 


24 


2 





Spur 


5,6 


Bonn 


Grundwasser 


Diluvium des 
Rhein thales 


445 


65 


124 


53.2 


41 


6 








2,9 


Braunschweig 


Flusswasser 
(filtrirt) 


(Oker) 


314 


76 


94 


44,4 


59 


2 








8,6 


Bremen . . . 


Flusswasser 
(filtrirt) 


(Weser) 


862 


80 


82 


46,1 


64 











8,8 


Bremerhaven 


Grundwasser 


Geestrücken 


264 


68 


89 


31,9 


Spur 


4 





Spur 


8,6 


Breslau . . . 


Flusswasser 
(filtrirt) 


(Oder) 


112 


26 


29 


10,6 


17 








Spur 


12,6 


Cannstatt . . 


Quellwasser 


Neckarthal, 
Kies 


544 


122 


179 


81,9 


97 


3 








1,9 


Charlotten- 




Brunnen 
unter Sand- 




















burg: 






















Teufelssee . 


Grundwasser 


und Thon- 
schichten 


224 


25 


86 


38,7 


Spur 








Spur 


8,0 


Wannsee . . 


Grundwasser 


183 


26 


65 


10,6 


Spur 











5,1 


Chemnitz . . 


Gemischtes 
Quell-, Grund- 
und natürlich 


Thons Chief er 


92 


20 


14 


17,7 


Spur 


6 








5,1 


























fllti-irtes Fluss- 
























wasser 






















Coblenz . . . 


Grundwasser 


Rheinkies 


236 


34 


82 


12,4 


29 








Spur 


2,9 


Colmar i/E. . 


Flusswasser 


Logelbach, 
Granit 


46 


10 


10 


Spur 


Spur 








Spur 


5,5 


„ neue 


Grundwasser 


Rheinebene 




















Leitung . . 




mit Wasser- 

zufluss aus 

Vogesen 

und Jura 


218 


44 


82 


8,9 


Spur 


2 








1.7 


Danzig : 




^B.Prangenau 
Alluvial 




















Stadtleitung 


Quellwasser 


334 


56 


128 


8,9 


84 











6,7 


Vorstadt- 




(und Diluvial 
jbei Pelonken 




















leitung . . 


Quellwasser 


458 


82 


159 


10,6 


99 


8 





Spur 


5,8 


Darmstadt . . 


Grundwasser 


Rheinthal 


211 


14 


82 


8,9 


Spur 











1,2 


Dresden . . . 


Grundwasser 


Elbethal, Kies 
mit Granit- 
untergrund 


134 


32 


27 


8,9 


Spur 











6,7 



60 



Wasser. 



Zusammensetzung von Leitungswasser. 





Art 
des 


Geologische 
Beschaffen- 
heit des 


El 


•gebniss der Wasseruntersuchung 






Milligramm 


im Liter 




Ort 


v."? = 


^ 






^ r^ 






r^ 






Wassers 


Quellen- 
gebietes 


SP 


5| 


^ 

li 

^ 


5 


II 

ü 

32 


2 = 


CD ~ 


g-2 


'S 
5b 

O 


Düsseldorf. . 


Grundwasser 


Rheinthal 


234 


60 


78 


16 


33 


3 








0,4 


Duisburg . . 


Grundwasser 


Kies- u. Sand- 
bänke aus 
Ruhr- und 
Rheinkies 


158 


32 


44 


53,2 


Spur 


3 








1,1 


Eisenach . . 


Quellwasser 


— 


376 


50 


124 


10,6 


109 











2,9 


Elberfeld . . 


Grundwasser 


Rheinthal 


218 


56 


74 


16 


77 











0,8 


Essen .... 


— 


— 


174 


24 


46 


21,3 


30 


2 








1,4 


Frankfurt am 
























Main: 


Quell- und 

Grundwasser 

gemischt 


Quellwasser, 

Easalt and 

Sandstein, 

Grundwasser, 

Kies und Sand, 

Mainthal 


68 


20 


5 


Spur 














0,8 


Frankfurta.O.: 
























Grundwasser 


Grundwasser 


Diluvialsand 


297 


58 


88 


15,9 


35 





Spur 


Spur 


11,8 


Oderwasser . 


Flusswasser 
(filtrii-t) 


(Oder) 


157 


84 


36 


8,9 


14 








Spur 


27,3 


Freiburg i/B. 


Grundwasser 


Diluvium 
der Dreisam 


68 


24 


6 


Spur 


9 











1,1 


Fürth .... 


Grundwasser 


Keuper 


226 


72 


54 


12,4 


15 


13 








1,2 


Giessen . . . 


Quellwasser 


Basalt u. Sand 


240 


34 


44 


12,4 


10 


10 











Göttingen . . 


Quellwasser 


Muschelkalk 


829 


84 


229 


14,2 


282 


6 








1,6 


Greiz .... 


Quellwasser 


Thonschiefer 


126 


28 


40 


10,6 


Spur 


10 








2,4 


Halberstadt . 


Grundwasser 


Thal der 
Tintelerme 


395 


36 


127 


24,8 


73 


13 








2,9 


Halle 


Grundwasser 


Thon u. Kies 

im Saale- 
u. Elsterthal 


612 


28 


152 


61,4 


152 


2 





Spur 


4,5 


Hannover . . 


Grundwasser 


Kiesbett des 
Leinethals 


570 


102 


198 


76,3 


113 


2 








1.7 


Heidelberg . 


Quellwasser 


Buntsand- 
stein 


46 


10 


6 


Spur 














0,5 


Heilbronn . . 


Quell wasser 


Muschelkalk 


370 


44 


127 


S.s 


13 


17 








1.6 


Homburg . . 


Quellwasser 


Quarzit, 
Thonschiefer 


52 


10 


14 


Spur 














3,5 


Iserlohn . . . 


Quellwasser 


Lenneschie- 
fer u. Kalk 


100 


14 


33 


8,8 








Spur 





0,9 


Karlsruhe . . 


Grundwasser 


Rheinthal 


361 


Qo 


93 


14,2 


23 











4,7 


Kiel 


Grundwasser 


Kiesschieliten 
im Korallen- 
sande 


362 


86 


120 


24,8 


Spur 











6,9 


Königsberg . 


Teichwasser 


— 


128 


28 


50 


7,1 


Spur 








Spur 


24,2 


Leipzig . . . 


Grundwasser 
Mischwasser 


Mulde- und 
Pleissethal 


155 


35 


42 


12,4 


25 


3 








2,4 


Magdeburg . 


Filtriiies 
Flusswasser 


(Elbe) 


294 


58 


48 


5,9 


Spur 


Spur 





Spur 


16,0 


Mainz .... 


Grundwasser 


Mainzer 
Becken, Cor- 
biculaschicht 


422 


84 


112 


17,7 


38 


9 








1,5 



Wasserversorgung. 



61 



Zusammensetzung von Leitungswasser. 









Ergel 


niss der Wasseruntersuchung 




Art 


Geologische 
Beschaffen- 




Milligramm 


im Liter 


Ort 


des 


heit des 










QJ 


;.4 




, 







Wassers 


Quellen- 
gebietes 


CS 2 


^ 







=*t! CD 
CD U 

Ol 


'S 's 

03 ■» 

CO 


T 0:1 




CO 

1 




Mannheim . . 


Grundwasser 


Kies des 
Rheinthals 


230 


34 


82 


8,8 


24 











3,0 


München . . 


Quellwasser 


Quartärgebirge 

auf Süsswasser- 

molasse 


278 


40 


117 


5,2 


Spur 











2,5 


Neisse .... 


Grundwasser 


— 


192 


22 


33 


7,1 


23 











4,7 


Nürnberg . . 


Quellwasser 


Keupersand 


140 


14 


54 


Spur 


8 


2 








1,5 


Oberhausen . 


Flusswasser 

mit Batürlicher 

Filtration 


Ruhr 


330 


80 


67 


67,5 


84 


5 





Spur 


4,1 


Offenbach . , 


Quellwasser 


— 


112 


26 


18 


8,9 


9 


5 








6,8 


Offenburg . . 


Grundwasser 


Rheinthal 


220 


34 


65 


21,3 


9 


12 








1,0 


Plauen: 
























Messbach L. 


Quell- und 


I. Devon in 


172 


28 


42 


5,3 


Spur 








Spur 


4,6 


Syrau L. . . 


Grundwasser 


Alluvial- 

kiesschicliten 

II. Kulmschiefer 

und Sandstein 


92 


12 


19 


8,9 











Spur 


9,0 


Plötzensee. . 


Grundwasser 


— 


300 


68 


87 


21,3 


27 


8 


Spur 





22,5 


Posen .... 


Flusswasser 
(filtrirt) 


(Warthe) 


190 


46 


67 


7,1 


9 











28,5 


Quedlinburg . 


Grundwasser 


Kiesablage- 
rungen der 
Bode 


328 


78 


97 


14,2 


62 


1 








1,2 


Ratibor . . . 


Flusswasser 
(filtrirt) 


(Oder) 


140 


40 


37 


14,2 


14 








Spur 


21,9 


Regensburg . 


Quellwasser 


.Jurakalk 


242 


24 


101 


8,9 


4 


3 





Spur 


5,1 


Remscheid . 


Gi'undwasser 


Lenneschiefer, 
Ober-Devon, 

Thonschiefer, 

Grauwacke, 

Sandstein 


42 


8 


8 


5,3 


Spur 











4,3 


Rudolstadt . 


Grundwasser 


Kiesgeröll 
auf Sandstein 


168 


20 


52 


7,1 


31 











4,3 


Siegburg . . 


Grundwasser 


Kiesschichten 
d. Siegthaies 


80 


23 


10 


8,9 


Spur 











2,1 


Stade .... 


Grundwasser 


Kiesschichten 


192 


80 


59 


19,5 


58 








Spur 


2,7 


Steele .... 


Flusswasser 
(filtrirt) 


(Ruhr) 


182 


26 


44 


28,4 


46 











2,9 


Stettin .... 


Flusswasser 
(filtrirt) 


(Oder) 


218 


64 


52 


17,6 


24 








Spur 


21,2 


Stuttgart : 
























Trinkwasser 


Quellwasser 


Keuper U.Jura 


426 


52 


155 


10,7 


34 


15 








i,e 


Neckarwasser 


Flusswasser 
(filtrirt) 


(Neckar) 


314 


58 


124 


8,9 


44 


5 


Spur 





5,7 


Seewasser . 


Sammelteiche 


Keuper U.Jura 


154 


38 


49 


Spur 


Spur 











12,1 


Wiesbaden . 


Quellwasser 


Vor-Devon 


82 


14 


33 


7,1 


4 











1,& 


Witten. . . . 


Grundwasser 


Ruhrthal 


142 


34 


33 


19,5 


20 











0,9 


Würzburg : 
























Zell 


Quellwasser 


Zellendolomit 
u. Anhydrit 


920 


132 


317 


10,6 


331 


9 








1,1 


Stadt .... 


Quellwasser 


ZelleHdolomit 
u. Anhydrit 


782 


182 


227 


16,0 


211 


10 








1,1 



^2 Wasser. 

wie die Beschaffung des W., seine Menge, Beschaffenheit, etwaige 
Reinio-ung, beste Art der Verth eilung etc. Der Hauptzweck eines 
Wasserwerks muss aber immer der bleiben, den Konsumenten ein wirk- 
lich gutes W. zu liefern. Die kostspieligste Anlage ist werthlos, so- 
bald dieselbe darauf beschränkt ist, z. B. schmutziges Flusswasser in 
die Häuser zu befördern, ohne selbst die Möglichkeit einer Reinigung 
zu bieten. Abgesehen von artesischen Brunnen, die in wenigen Fällen 
zur Wasserversorgung in grösserer Anzahl angelegt werden und bei 
geringer Tiefe meist ein vorzügliches Trinkwasser bieten (bei grösserer 
Tiefe würde die zu hohe T. seine Verwendung verbieten), kommen nur 
Gebirgsquellen, Fluss- und Grundwasser in Frage. Obgleich bestimmte 
Unterschiede zwischen den drei Wasserarten nicht existiren und jedes 
derselben als Trink- und Gebrauchswasser völlig tadellos sein kann, 
gibt man doch dem Quellwasser bei Anlage von Wasserwerken den 
Vorzug, falls man wählen kann, weil es meist eine niedrige T. und 
einen hohen Gehalt an freier CO^ hat und dadurch wenigstens als 
Trinkwasser viel angenehmer ist. Die betreffende Quelle muss natür- 
lich dauernd leistungsfähig sein, was völlig von ihrem Zuflüsse abhängt. 
Solche Quellen , die Flüssen ihren Ursprung verdanken (siehe S. 23), 
liefern ganz bedeutende Mengen W., während manche so wasserarm 
sind, dass sie zuweilen für längere Zeit verschwinden; einige Gletscher- 
quellen fliessen nur im Frühjahr und Sommer (Frühlingsquelleu) , die 
bekannte Quelle von Pfäffers von Mai bis September. Ergiebigkeit und 
Reinheit sind auch theilweise von der Einfassung abhängig, die am 
besten aus Mauerwerk in Schachtform hergestellt und durch Platten 
oder Gewölbe verschlossen wird, um das Eindringen von irgendwelchen 
Verunreinigungen möglichst zu verhüten. Gebirgsseen, welche nicht 
dem Vei'kehre dienen, sind Gebirgsquellen, deren Sammelbehälter sie 
bilden, gleichwerthig. Es ist bereits erwähnt, dass Fluss- und Grund- 
wasser genau so gut sein können, wie Quellwasser; Gebirgsquellen 
stehen überhaupt nur in einigen Fällen zu Gebote und die meisten 
grossen Städte in Deutschland, England und Frankreich sind auf Fluss- 
und Grundwasser angewiesen und benutzen dasselbe auch ohne Nach- 
theil. Selbstverständlich darf nur W. aus einem reinen Flusse genommen 
oder muss dasselbe mindestens gut gereinigt werden. Welche entsetz- 
lichen Folgen ein Missgriff in dieser Hinsicht haben kann, hat Hamburg 
im Jahre 1892 erfahren. Dass man in dieser Stadt darauf verzichten 
musste, die reinen Quellen des Harzes dorthin zu leiten (Wibel, 
Hamburg's Fluss- und Bodenwässer, Hamburg 1876. 120; Samuelson, 
Filtration des Flusswassers in Hamburg, daselbst 1876. 150), war sicher 
kein Grund, schmutziges und unfilt. Eibwasser zu gebrauchen. 

Ein reiner Fluss bietet sicherlich einen guten Grundstock für 
ein Wasserwerk. Die Menge des erhältlichen W. und dessen Beschaffen- 
heit sind leicht festzustellen; unerwünscht ist dabei nur die sehr wech- 
selnde T. Im Sommer ist das W. meist so warm, dass es als er- 
frischendes Getränk nicht gelten kann; im Winter übermässig kalt. 
Eerner enthält jedes Flusswasser mancherlei Körper suspendirt, wie 
Thon oder Lehm, die starke Trübungen bewirken, Eier von Eingeweide- 
würmern, zahllose Trümmer von Wasserthieren und Pflanzen, Fasern, 
Haare u. s. w., die sich durch Filtration entfernen lassen und entfernt 
werden müssen, um das W. als Trinkwasser brauchbar zu machen 



Wasserversorgung. 63 

(vergl. Kubel-Tie mann -Gärtner, Wasseruntersuchung , Braun - 
schweig 1889. 390 ff.). 

Bei älteren Anlagen hat man die Filtration den Konsumenten 
überlassen (Hausfilter; peripherische Filtration). Dieses Verfahren ist 
nicht empfehlenswert!! wegen der den Konsumenten entstehenden hohen 
Kosten; die Filtration sollte stets im Wasserwerk stattfinden (Zentral- 
filtration). Das W. unfiltrirt zu verwenden, ist auch bei einem an und 
für sich tadellosen W. bedenklich, da viele der suspendirten Stoffe 
gesundheitsschädlich sind. Bakterien kommen hier nicht in Frage, da 
sie durch keine Filter mit Sicherheit völlig beseitigt werden können. 
(Weiteres siehe unter Reinigung.) 

Das Grundwasser kann unbedenklich zur Wasserversorgung ver- 
wendet werden, sobald mit Sicherheit festgestellt ist, dass es nicht 
durch Abgangsstoffe bewohnter Orte verunreinigt ist. Niemand wird 
daran denken, das Grundwasser unter oder bei einer Stadt zu ge- 
brauchen; dagegen ist es völlig gleichgiltig, ob es unter bebautem 
Ackerboden steht, weil die lösl. Tbeile des Düngers nicht hinein ge- 
langen (siehe Drainwasser). Vor dem Flusswasser hat es den Vorzug 
einer im Sommer und Winter nur wenig schwankenden T. Die Ent- 
stehung des Grundwassers ist im Grossen und Ganzen auf den Regen 
zurückzuführen, der durch den Boden sickert und sich auf undurch- 
lässigen Schichten in der Tiefe allmählich ansammelt (siehe S. 23). Bei 
nicht horizontaler Lage dieser Schichten sammelt sich meist das Wasser 
aus einem ziemlich grossen Umkreise, daher kommt für seine Zusammen- 
setzung nicht allein die Beschaffenheit des unmittelbar darüber stehen- 
den Erdbodens in Betracht, sondern zuweilen die sehr entfernt gelegener 
Gegenden. 

Das Grundwasser wird in Kanälen (Filtergängen, Filtergalerien) 
oder in siebartig gelochten Saugröhren aufgefangen und in Sammel- 
brunnen geleitet, aus denen es durch Maschinenkraft weiter befördert 
wird. Aus beistehender Tabelle ist die Beschaffenheit und Herkunft 
des Leitungswassers einer grossen Anzahl deutscher Städte zu ersehen. 
Die Analysen wurden Anfang 1889 im chemischen Laboratorium der 
Technischen Hochschule zu Karlsruhe ausgeführt und von H. Bunte 
zusammengestellt. Die Zahlen unter „Organisch" bedeuten KMn04 
(Originalabdruck in W. J. 1890. 572). 

Verhalten des Wassers gegen Bleiröhren. Die Wasser- 
werke führen das W, mittelst weiter gusseiserner, thönerner, zuweilen 
wohl auch noch hölzerner Röhren unterirdisch durch die Strassen bis 
an jedes Haus. Wenn auch ausser den genannten Materialen noch 
verschiedene andere, wie Glas, Guttapercha etc. (siehe Fischer, Chem. 
Techn. d. W., Braunschweig 1880. 311) verwendet, versucht und vor- 
geschlagen wurden, so kommen dabei doch mehr oder weniger tech- 
nische Fragen in Betracht. Anders ist es mit den Leitungen innerhalb 
der Gebäude, welche schon seit den ältesten Zeiten aus Bleiröhren her- 
gestellt wurden. Schon die Römer hatten bleierne Leitungen. Solange 
solche Röhren benutzt wurden, ist auch bekannt, dass dieselben nicht 
immer ohne Einfluss auf das W. sind. Wenn Pb zugleich mit Luft 
und W. in Berührung kommt, bildet sich ziemlich schnell Pb(OH).,, 
das hinreichend in W. lösl. ist, um gesundheitsschädlich wirken zu 
können. Lufthaltig ist jedes W. Sehr weiches W. nimmt leicht viel 



g^ Wasser. 

Pb auf; hartes weniger, besonders wenn es nur wenig freie CO2 und 
wenig saure Karbonate enthält. Grössere Mengen dieser, auch der Chloride 
und Nitrate, befördern die Aufnahme von Pb. Am bedenklichsten sind 
organische Substanzen, weil, dieselben NH^ und HNO., bilden (Med- 
lock. J. pr. 73. 277). An und für sich sind die Bleiröhren unbe- 
denklich, und beim einfachen Durchfliessen wird nur sehr wenig Pb 
vom W. aufgenommen. Nur bei längerer Berührung (des Nachts) 
werden gefährliche Mengen gelöst. Die heutige Technik ist in den 
meisten Fällen im Stande, die Gefahr der Bleivergiftung zu verringern, 
indem das W. in den Wasserwerken einer geeigneten Behandlung unter- 
zogen wird, falls es sehr lösend auf Pb wirkt (siehe C. Hey er, Ursache 
und Beseitigung des Pb- Angriffs durch Leitungswasser. Dessau 1888). 
Eine Uebersicht über die, das Verhalten der verschiedenen Arten 
von Leitungsrohren gegen W. betreffenden Untersuchungen gab 
F. Fischer in D. 219. 454, 522. 

Die chemische Untersuchung des Wassers 

hat heute nicht mehr die Bedeutung wie ehemals. Das wichtigste an 
derselben ist, festzustellen, ob das W. oxydirbare organische Substanzen 
enthält, weil es dann als Trinkwasser nicht zu empfehlen ist. 

Die mikroskopische Prüfung kann ebenfalls nur das negative Re- 
sultat ergeben, dass das W. zum Genüsse untauglich ist, wenn es zu 
viele Organismen enthält. Solche können jedoch so vereinzelt darin 
enthalten sein, dass sie nicht aufgefunden werden. 

Da die Beschaffenheit des W. gänzlich von der des Bodens, aus 
dem es stammt, abhängig ist und folglich in verschiedenen Gegenden 
sehr verschieden sein kann, auch die gelösten Mineralstoffe und or- 
ganische Bestandtheile selbst in aussergewöhnlichen Mengen nicht, wie 
man früher glaubte, gesundheitsschädlich sind, so ist man davon ab- 
gekommen, sogen. , Grenzzahlen " für die Zusammensetzung aufzustellen. 
WerthvoU würde jedoch der Nachweis von Krankheitskeimen sein, was 
vorläufig nur in wenigen Fällen möglich ist, abgesehen davon, dass die 
Gefährlichkeit gewisser Bazillen noch nicht unumstösslich bewiesen ist. 
Es ist jedoch oft nöthig, chemische Untersuchungen auszuführen, haupt- 
sächlich um zu erfahren, welche Anforderungen billigerweise an das 
W. einer Gegend, entsprechend den Bodenverhältnissen, gestellt werden 
können. Vom hygienischen Standpunkte wird verlangt, dass Trink- 
wasser keinerlei Verunreinigung mit Fäkalien und Abgangsstoffen jeder 
Art aus Wohnungen, Schlächtereien, Gasanstalten, Fabriken etc. zeige. 
Im Allgemeinen kann jedes W., welches klar, färb- und geruchlos und 
wohlschmeckend ist, als gutes Trinkwasser bezeichnet werden. Weitere 
Ansprüche würden sein, dass es neutral reagire, keine organisirten 
Stoffe, kein NH3, N0O3 und nur Spuren von NgO^ enthalte. Orga- 
nische Substanz überhaupt sollte nur in relativ geringer Menge, Gl und 
Sulfate nur wenig vorhanden sein. Uebermässige Härte, besonders von 
grösseren Mengen Mg- Salzen herrührend, ist ebenfalls unerwünscht. 
Während sich nun die quantitativen Analysen eines Trinkwassers auf 
die Bestimmung von Gesammtrückstand, SO.j, Gl, N^O., N^O^, COg, 
CaO, MgO, NH3 und organische Substanz erstrecken muss, wenn sie 
überhaupt erforderlich ist, so genügt für die Prüfung eines für ge- 



Untersuchung. 65 

werbliche Zwecke bestimmten W. meistens die Bestimmung des 
Rückstandes, der Erdalkalien und Magnesia, des Gl, der SO3 und. 
des FeO. Kieselsäure, Thonerde, Alkalien, P2O5 etc. kommen weniger 
in Betracht. Bei Wässern, die in der Färberei, Brauerei, Stärkefabri- 
kation, Gerberei etc. gebraucht werden sollen, ist auch Rücksicht auf 
oi'ganische Substanz, besonders Fäulnissprodukte zu nehmen. Im Fol- 
genden konnten die wichtigsten Methoden nur angedeutet werden; 
wegen ausführlicher Belehrung ist auf die anerkannten neueren Spezial- 
werke, z. B. Kubel-Tiemann-Gärtner, Fresenius, Eisner, Böck- 
mann, Fischer etc. zu verweisen; s. auch Gruber, Wasserunter- 
suchungen (W. J. 1892. 89). 

1. Bestimmung des festen Rückstandes. 500 bis 1000 ccm werden 
vorsichtig verdampft, der Rückstand bei 120 bis 130^ getrocknet und 
gewogen. 

2. SiOg, Fe, AI, Ca, Mg. Hierzu findet zweckmässig der Rück- 
stand Verwendung. Man löst in HCl und scheidet SiO, ab. Das Filtr. 
wird mit NHg gefällt: FeaOg und AlgOg. Im Filtr. hiervon fällt man 
CaO mit Ammoniumoxalat und nach dem Abfiltriren MgO mit Natrium- 
phosphat. 

3. Cl wird am einfachsten mit AgNO. titrirt. 

4. SO3 wird mit BaCl, gefällt. 

5. Alkalien werden im Filtr. und Waschwasser von 4, nach Aus- 
fällen mit NH3 und (NHJ2CO3, durch Eindampfen und schwaches 
Glühen der Alkalichloride bestimmt. Die Trennung und Sonderbestim- 
mung der verschiedenen Alkalien hat keinen praktischen Werth. 

6. Zur Bestimmung der N^O^ dient meist die Methode von 
Schlössing und von Schulze, die auf Zersetzung der NgO- mittelst 
FeClg beruhen, und besonders letztere in der Modifikation von T le- 
rn an n. Aus der Menge des in einer Messröhre aufgefangenen Stick- 
oxydes wird die NgO- berechnet. Zur annähernden Bestimmung ist 
die Methode von Marx, von verschiedenen Chemikern modifizirt, ge- 
eignet. Sie beruht auf Zerstörung des Indigofarbstoffes durch NgOj. 
Qualitativ weist man NgO^ mittelst Brucin oder Diphenylamin und 
HgSOj^ nach. 

7. N2O3 wird nach Feldhausen-Kubel mit Permanganat titrirt; 
qualitativ nachzuweisen mit Jodzinkstärkelsg. 

8. Freie und halbgebundene COg. Man fällt mit einer gemessenen 
Menge überschüssiger Aetzkalklsg. und titrirt den Ueberschuss mit 
Oxalsäure zurück. 

9. NH3. Ein grösseres Quantum W. wird mit HCl angesäuert 
und eingedampft. Im Rückstand wird mittelst des Azotometers von 
H ü f n e r oder K n o p der N bestimmt und daraus NH3 berechnet ; oder 
derselbe wird mit Natronlauge dest. und in dem Destillate das NH3 
mit Normalsäure titrirt, resp. der Ueberschuss einer vorgelegten Menge 
derselben bestimmt. Zum qualitativen Nachweis dient Nessler's Reagens. 

10. Organische Substanzen, 

Da es vorläufig äusserst schwierig und zeitraubend, in vielen 
Fällen unmöglich ist, die organische Substanz in Wässern ihrer chemi- 
schen Natur nach zu bestimmen, so begnügt man sich für alle Fälle 
der Wasseruntersuchung damit, festzustellen, wie viel Permanganat zur 
Oxydation erforderlich ist. 

Handbuch der ehem. Technologie. I. 5 



QQ Wasser. 

Die Aufsuchung und Bestimmung von Bakterien ist mikroskopisch 
auszuführen. 

Bestimmung der Härte. Die Härte eines W. wird durch 
den Gehalt an Karbonaten und Sulfaten des Kalkes und der Magnesia 
bedingt. In vielen Fällen, in denen es nur darauf ankommt, die Ge- 
sammtmenge an Karbonat und Sulfat zu ermitteln, bedient man sich 
titrimetrischer Bestimmungen mittelst einer alkoholischen Seifenlsg., 
von welcher so lange zugesetzt wird, als sich noch unlösliche Kalk- 
resp. Magnesiaseife bildet. Das Ende der Reaktion wird durch eine 
beim Schütteln eintretende Schaum bildung angezeigt. 

Man nennt die Härte eines nicht gekochten W. Gesammthärte, 
die eines gekochten permanente und den Unterschied temporäre Härte. 
Im ersten Falle erfährt man die Gesammtmenge von Kalk und Magnesia, 
im zweiten, nach Abscheidung der Karbonate, die Menge der Sulfate, 
und im dritten die Menge der als Bikarbonate vorhanden gewesenen 
genannten Basen. Die verbreitetste Methode ist die von Clark, modi- 
fizirt von Faisst und Knaus, weniger verbreitet die von Boutron 
und Boudet. Beide unterscheiden sich hauptsächlich durch die Kon- 
zentration der Seifenlsg. (Kubel-Tiemann-Gärtner, Wasserunter- 
suchung. Braunschweig 1889. S. Öö bis 78, auch 516; Fresenius, 
Quant. Analyse, 6. Aufl. Braunschweig 1878 bis 87, Bd. 2. 179 u. s. w.). 

Eigenschaften ,des Wassers. 

W. besteht aus 11,111% H und 88,889 "/o 0, sein MG. ist 18, es erstarrt 
bei Abkühlung unter 0° zu Eis; in völliger Ruhe kann es einige Grade unter 0" 
abgekühlt werden, ohne zu erstarren; im luftleeren Raunae oder mit einer 
Schicht Oel bedeckt sogar auf —10 bis —20*^ (Fahrenheit 1714, H. Schrö- 
der, A. 109. 45.) (Ueberschmelzung). Lufthaltiges W. bleibt einige Grade 
unter Null flüss. ; biingt man ein Gefäss mit luftfreiem in solches , so gefriert 
das luftfreie. Auch andere gelöste Körper wii-ken emiedi-igend auf den Gefrier- 
punkt: mit Ae. ges. W. gefriert bei — 2", wobei sich wasserhaltiger Ae. abscheidet 
(C. Schultz, Lieb. J. 1869. 58). Beim Abkühlen des W. erfolgt zunächst Volum- 
verminderung bis etwa -f- 4" (3,95 Exner, 4,07 Rosetti); darunter dehnt es 
sich um etwa 10",'o aus bis zur Eisbildung; Eis ist daher leichter als W. Ver- 
hindert man in völlig gefüllten starken Gefässen diese Ausdehnung, so erstarrt W. 
auch bei starker Abkühlung nicht; Boussingault fand es unter genannten Um- 
ständen bei —24** noch flüss. (Lieb. J. 1871. 26). Der S. des Eises liegt unter 
einem Drucke von 760 mm unveränderlich bei 0" (Fundamentalpunkt für Thermo- 
meter). Eis verdampft merklich, auch unter 0"; es ist ein schlechter Wärme- 
leiter und für dunkle Wärmestrahlen völlig adiatherman; es wird durch Reiben 
elektrisch, leitet die Elektricität aber nicht. Eis von 0" erfordert 80 Cal. zum 
Schmelzen. 

Reines W. ist völlig geruch- und geschmacklos, in dünnen Schichten farblos. 
In mehr als 2 m dicken Schichten ist es bläulich. Suspendirte und gelöste Stoffe 
verändern seine Färbung (W. Spring, Ch. Z. 1883. 171, 646. 

Die Zusammendrückbarkeit des W. ist gering, und nimmt mit steigender 
T. noch ab. Unter Dnick von 1 Atm. wird es um 0,000047 seines Vol. komprimirt 
(Regnault). Bei 705 Atm. ist der Koeffizient für jede Atm. 0,0000451 bei 8° 
(Cailletet, Lieb. J. 1872. 15). 

Die kritische T. des W. liegt bei 365° (Cailletet und Colardeau, C. r. 
112. 1170). Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Druckes im W. ist gleich der- 
jenigen des Schalles (0. Meyer, P. A. 1874. 1). 

W. ist 778mal schwerer als Luft von 0° und 819mal schwerer als solche von 
15°. W. hat unter den Flüss. nach dem Hg das grösste Wärmeleitungsvermögen 
(Paalzow, Guthrie, Lieb. J. 1868. 54; Winckelmann, Lieb. J. 1874. 76). 
An und für sich ist sie sehr gering (Winckelmann 1. c). W. verdampft bei 
aUen Tn., auch als Eis (s. oben) und um so schneller, je grösser seine Oberfläche, 



Eigenschaften. ß7 

je höher die T. , je geringer der Druck und je trockener die Luft ist. Im ge- 
schlossenen Räume verdampft für jede T. eine unveränderliche Menge W. — der 
entstandene Dampf befindet sich unter einer Spannung (Tension), die mit der T. 
steigt und fällt. Bei 100" ist die Tension = 760 mm (= 1 Nonnalatm.); W. 
siedet somit unter diesem Drucke bei 100°, und der Sied, steigt und fällt mit 
dem Drucke. 

Verdampft W. ohne künstliche Ei-wärmung, so entzieht es die nöthige Wärme 
seiner nächsten Umgebung (Verdunstungskälte). Vor dem Eintritte des Siedens 
beginnt das W. zu „singen"; die an dem stärker erhitzten Boden des Gefässes 
entstehenden Dampf blasen verdichten sich in den oberen kälteren Schichten, wo- 
durch die eigenthümlichen Töne hervorgerufen werden. 

Beim Sieden geht das W. völlig in Dampf über, der bei 1 Atm. Druck das 
1696fache Vol. des Wassers hat. Das Sieden geht um so regelmässiger vor sich, 
je mehr Luft das W. enthält; nur in metallenen Gefässen siedet es normal; in 
gläsernen liegt der Sied, ungefähr 1° höher. 

Luft-, überhaupt gasfreies W. zeigt zuweilen den sogen. Siedeverzug; 
es erw. sich mehrere Grade über 100°, ohne zu sieden. Das Sieden tritt dann 
plötzlich mit starker Dampfentwickelung ein. In rauhwandigen Gefässen tritt nicht 
leicht Siedeverzug ein; in sehr glatten, gläsernen Gefässen geht das Sieden oft 
stossweise vor sich. Zur Abhülfe bringt man Stückchen rauher Körper (Glas- 
splitter , Sand , Blechschnitzel etc.) hinein. E. Beckmann schmilzt kleine Glas- 
oder Platinstäbchen in den Boden der Glasgefässe. Wird W. in Gefässe gebracht, 
die hoch über 100° erh. sind, so umgibt es sich mit einer Dampfschicht, die 
wegen ihrer geringen Leitfähigkeit für Wärme die zum Sieden erforderliche Er- 
hitzung verhindert. Sinkt die T. des Gefässes auf 171°, so tritt plötzliches Sieden 
ein (sphäroidaler Zustand; Lei denfrost's Versuch). Sowohl Siedeverzug 
als sphäroidaler Zustand des W. sind angeblich Ursache vieler Kesselexplosionen. 

W. löst zahlreiche feste, flüss. und gasförmige Stoffe; es ist das allge- 
meinste Lösungsmittel. Beim Lösen von Salzen tritt in vielen Fällen T.-Emiedri- 
gung ein (s. Kältemischungen). Wasserfreie Salze, Säuren und Oxyde lösen sich im 
W. unter mehr oder weniger starker Ei-wärmung. Das Lösungsvermögen des W. 
für starre Körper steigt im Allgemeinen mit der T. Bei einer bestimmten T. wird 
von demselben Körper stets dieselbe Menge gelöst. Lsgn. desselben Körpers haben 
bei gleichem Gehalt und gleicher T. stets dasselbe SG. Die Anzahl der Gewichts- 
einheiten, welche mit 100 Thln. W. gesättigte Lsgn. geben, heisst Lösungs- 
koeffizient. Die Abhängigkeit desselben von der T. ist für verschiedene Salze etc. 
verschieden. 

Die Gefrier-T. von Salzlsgn. ist stets niedriger als die des reinen W. ; das 
Meerwasser im nördlichen Eismeer gefriert bei —2°. Die Erniedrigung des Gefrier- 
punktes ist dem Prozentgehalte an Salzen proportional (Rüdorff, A. 114). 

Je ein Mol. eines wasserfrei gedachten Salzes ei-niedrigt, wenn es sich in 
300 Mol. W. löst, den Erstarrungspunkt um die Zahl 0,685 (Raoul, Ch. C. 1883. 33). 

Das beim Frieren von Salzlsgn. entstehende Eis ist wesentlich rein, bis auf 
Spuren mechanisch eingeschlossener Salze. Im Eise gefrorenen Seewassers wurden 
auf 1 1 W. 1,58 gr Cl gefunden (Buchanan, Berl. Ber. 1874. 1457). Daher lassen 
sich Salzlsgn. bis zu gewissen Grenzen durch Ausfrieren konzentriren. 

Der Sied, wässeriger Salzlsgn. liegt höher als 100° und steigt im Allgemeinen 
mit der Konzentration; bei ges. Lsgn. erreicht er sein Maximum. Der Dampf einer 
siedenden Salzlsg. hat die T. der Lsg. Ein hineingehaltenes Thermometer zeigt 
jedoch nur 100°, da sich an demselben sogleich reines W. kondensirt, welches 
nicht höher als auf 100° erw. werden kann. Erw. man aber das Thermometer 
vorher auf oder über die T. der siedenden Lsg., so wird es die wahre T. des 
Dampfes zeigen. Die Spannkraft des Dampfes aus Salzlsgn. ist kleiner als die des 
bei gleicher T. aus reinem W. entwickelten, und zwar umgekehrt proportional 
der Konzentration. Sie steigt mit der T., entweder proportional (NaCl), langsamer 
{K2SO4) oder rascher (KNO3) als diese. 

Die Löslichkeit der Gase in W. untersteht ähnlichen Gesetzen wie die fester 
Körper. Die Grösse derselben wird auf Vol. bezogen: die Anzahl der von 1 Vol. 
W. bei 760 mm Druck gelösten Vol. Gas heisst Absorptionskoeffizient. 
Das Lösungsvermögen des W. für Gase sinkt m.it steigender T. Kalt ges. Lsgn. 
lassen also beim Erwärmen Gas entweichen, beim Sieden meist alles; in einigen 
Fällen bleiben geringe Mengen zurück, die vielleicht chemisch gebunden sind. Die 
Löslichkeit der Gase in W. ist abhängig vom Drucke. Von einem der schwer 



68 Eis. 

coerciblen Gase absorbirt W. bei verscbiedenem Drucke bis zu einem gewissen 
Grade stets dasselbe Vol.; die Gewichtsmenge des absorbirten Gases ist also von 
dem Drucke des Gases, welchen es für sich ausübt (Partialdruck) abhängig 
(Henry-D alton's Gesetz). Für llösl. und leicht coercible Gase hat dieses Gesetz 
keine Gültigkeit, jedoch allgemein für alle Gase bei höheren Tn. Aus Gasgemischen 
nimmt W. im Allgemeinen so viel von jedem auf, als ihrem Absorptionskoeffizienten 
und ihrem Partialdrucke entspricht (vergl. Sauerstoff, Darstellung nach Mall et). 
Das SG. wässeriger Gaslsgn. kann grösser oder kleiner als 1,0 sein. Beim Gefrieren 
solcher Lsgn. entweicht alles Gas, falls nicht feste Vei-bindungen entstehen (Chlor- 
hydrat etc.). 

Eis 

wird in der Bierbrauerei. Spiritus-, Paraffin-, Margarine- und Choko- 
ladefabrikation, in der Milchwirthschaft etc., zur Gewinnung von 
Glaubersalz aus Lsgn. von MgSO^^ und NaCl, überhaupt zum Aus- 
krystallisiren von Salzen, und in zahlreichen anderen Betrieben ge- 
braucht: ferner beim Verschiffen von Fleisch, z. B. aus Amerika und 
Australien nach Europa. In milden Wintern ist die Beschaffung von 
natürlichem Eis ziemlich schwer, worunter besonders Brauereien er- 
heblich zu leiden hatten, bevor man das Eis in grossem Massstabe aus 
nordischen Gegenden einführte, aufstapelte und zu einem Handelsartikel 
machte. Am grossartigsten organisirt und am ausgebreitetsten ist der 
nordamerikanische Eishandel. Das Eis der Seen wird zunächst mit 
dem Eishobel bis auf etwa 25 mm Tiefe von oberflächlichen Unreinig- 
keiten befreit. Dann wird es mittelst des Eispfluges, eines fahrbaren 
Gestelles mit melireren auf derselben Axe sitzenden Kreissägen, in 
würfelförmige Blöcke geschnitten , jedoch nur so tief, dass es noch so 
viel Zusammenhang behält, um in grossen Schollen von 100 und mehr 
Blöcken mit Hülfe des Eismeissels abgetrennt und ans Ufer geschafft 
werden zu können. Dort werden die Schollen mittelst dreizinkiger 
Gabeln in die vorgeschnittenen Würfelstücke zerlegt. In Europa ist die 
Gewinnung des Natureises nach der eben beschriebenen Weise sehr 
imbedeutend gegen Nordamerika. Zu den grossen Anlagen nach ameri- 
kanischem System gehören die norddeutschen Eiswerke zu Berlin, welche 
im Winter den Rummelsburger See abeisen. Dieselben hatten im 
Winter 1871 600000 Zentner eingelagert (D. 200. 247). Die oben- 
genannten Instrumente (Eishobel etc.) smd in Europa kaum gekannt, 
während sie in Nordamerika fabrikmässig hergestellt werden (Ind.-Bl. 
1893. Nr. 4). Grosse Mengen Eis liefert Norwegen. Der Grindelwald- 
gletscher wird bergmännisch abgebaut. 

Zur Aufbewahrung von Eis dienten früher ausschliesslich die 
Eiskeller; man wartete zum Einbringen des Eises einen recht kalten 
Tag ab, so dass die Stücke eine erheblich unter 0^ liegende T. und 
daher eine grössere Haltbarkeit besassen. Die Eiskeller wurden ur- 
sprünglich unterirdisch aus kostspieligem starkem Mauerwerke aus- 
geführt; besonders sogen. Felsenkeller waren sehr geschätzt. Jetzt gibt 
man oberirdischen Eishäusern oder -hütten den Vorzug , welche aus 
Mauerwerk oder Holz mit doppelten Wänden errichtet sind, Ersteren- 
falls dient die Luft, anderenfalls eine Füllung aus Holzwolle, Häcksel, 
Torf, Lohe oder anderen schlechten Wärmeleitern als Schutz gegen 
Wärme. Fussboden und Dach sind in ähnlicher Weise hergerichtet. 



Kältemischungen. 



69 



Fig. 22 zeigt ein aus Fachwerk gebautes Eishaus, mit Stroh- oder Rohr- 
dach. Der innere Raum ist 3,45 m breit, lang und hoch. Dasselbe 
fasst etwa 37 000 kg Eis. Wandverkleidungen und Decke bestehen 
aus Bohlen; die 63 cm weiten Zwischenräume c c sind mit Torf etc. 
ausgestampft. Das Dach ist 40 bis 50 cm dick aus Rohr- oder Stroh- 
lagen hergestellt. Das Eis lagert auf einem Balkenrost d^ der auf 
Steinpfeilern e e liegt. Zum Einbringen dienen die Doppelklappe h h 
und die Thür a im Nordgiebel. Der Boden fällt stark nach der Mitte 
hin ab, wo eine Grube f das zusammenlaufende W, aufnimmt, welches 
durch das Rohr g h nach aussen abfliesst. Das Rohr hat am Ende eine 




Fig. 22. Eishaus. 

Biegung mit Wasserverschluss, um die Luft abzuhalten. Steinerne Eis- 
häuser sind theurer herzustellen, aber haltbarer, da das Holzwerk durch 
die Nässe bald zerstört wird. 



Kältemischungen 

sind Salze oder Salzgemische, die beim Lösen in W. eine bedeutende 
Abkühlung bewirken. Die Anfangs-T. wird um so mehr vermindert, 
je grösser die Lösungswärme und Löslichkeit der Salze und die Kon- 
zentration der Lsg. ist und je tiefer der Gefrierpunkt letzterer liegt. 
Mit dem Gefrierpunkte der ges. Lsg. ist die Grenze der Abkühlung 
erreicht. Eine häufig gebrauchte Mischung besteht aus 5 Thln. verd. 
HCl und 8 Thln. Glaubersalz, oder aus 1 Tbl. NaCl und 3 Thln. zer- 
stossenem Eise. Erstere verursacht eine Abkühlung um 28 '^i letztere 



70 



Eis. 



um 2P, wobei zu beachten ist, dass die Anfaugs-T. der zweiten Mi- 
schung stets 0° beträgt, Salzgemenge bewirken grössere T.- Abnahmen 
als einfache Salze, da sie sich zusammen in viel weniger W. lösen. 
Die Tabelle enthält einige der brauchbarsten Mischungen (M ei dinge r, 



Mischung 


Tempe- 
ratur- 
abnahme 


Spezif. 
Wäi-me 

der 
Lösung 


Volum - 
gewicht 

der 
Lösung 


Wärmeeinheiten- 
verlust von 


1 kg 
Mischung 


11 
Mischung 


1 Kochsalz, 3 Eis .... 
3 kryst. Glaubersalz, 2 conc. 

Salzsäure 

2 Salpeters. Ammoniak, 1 Sal- 
miak, 3 "Wasser .... 

3 Salmiak, 2 Salpeter, 10 Was- 
ser 

8 Salmiak, 2 Salpeter, 4 Glau- 
bersalz (kryst.), 9 Wasser . 


21" 

37« 
30° 
26° 
32° 


0,83 
0,74 
0,70 
0,76 
0,72 


1,18 
1,31 
1,20 
1,15 
1,22 


125 
55 
42 
40 
50 


100 
74 
51 
46 
61 



in A. W. Hofmann's Bericht etc. S. 78. Grössere Tabelle von dem- 
selben: Bad. Gewerbez. 1888. 98). 

Die folgende Tabelle zeigt das Verhalten einfacher Salze. Die erste 
Kolumne enthält die für ges. Lsgn. nöthigen, die zweite die praktisch 



t^ 


•'S S-i 


.^ OD 


s s 






.2^ 


1^ 




• 1— 1 


:oO 


c o 


t-qo 


SS 




o 


10 


14 


35,8 


36 


9,9 


12 


9,0 


14 


72,3 


75 


16,8 


20 


80 


85 


30 


40 


15,5 


16 


28,6 


30 


25 


30 


80 


85 


28,2 


30 


69 


75 


98 


110 


120 


140 


200 


250 


55 


60 


105 


133 


130 


150 



Die Temperatur sinkt 



von 
Grad 



bis 
Grad 



um 
Grad 



Alaun, kryst 

Chlornatrium 

Schwefelsaures Kali 

Phosphorsaures Natron, kryst. 
Schwefelsaures Ammoniak . . . 
Schwefelsaures Natron, kryst. . . 
Schwefelsaure Magnesia, kryst. 
Kohlensaures Natron, kryst. . . 

Salpetersaures Kali 

Chlorkalium 

Kohlensaures Ammoniak . . . 
Essigsaures Natron, kryst. . . . 

Chlorammonium 

Salpetersaures Natron .... 
Unterschwefligsaures Natron, kryst. 

Jodkalium 

Chlorcalcium, kryst 

Salpetersaures Ammoniak . . . 
Schwefelcyanammonium .... 
Schwefelcyankalium 



+ 10,8 
12,6 
14,7 
10,8 
13,2 
12,5 
11,1 
10,7 
13,2 
13,2 
15,3 
10,7 
13,3 
13.2 
10,7 
10,8 
10,8 
1.3,6 
13,2 
10,8 



+ 9,4 
+ 10,1 
+ 11,7 



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+ 
+ 
+ 
+ 
+ 

4- 
+ 



7,1 

6,8 
5,7 
3,1 
1.6 
3,0 
0,6 
3,2 
4.7 

— 5,1 

— 5,3 

— 8,0 
-11,7 

— 12,4 

— 13,6 

— 18,0 

— 23,7 



1,4 

2,5 

3,0 

3,7 

6,4 

6,8 

8,0 

9,1 

10,2 

12,6 

12,1 

15,4 

18,4 

18,5 

18,7 

22,5 

23,2 

27,2 

31,2 

34,5 



wirksamsten Mengenverhältnisse. Es darf nur ein geringer Ueberschuss 
des fein gepulverten Salzes (oder Salzgemisches) angewendet werden; 
ein grosser bewirkt eine merklich geringere T.- Abnahme, weil das 



Kältemischungen. Eismaschinen. 71 

überscliüssige Salz Wärme abgibt. Hat man die Substanzen nicht gut 
pulverisirt, so tritt der gleiche Fall ein, indem die Lsg. mehr Zeit er- 
fordert und damit die Erwärmung von aussen eine grössere ist. Von 
den einfachen Salzen verdient Rhodankalium, wie ersichtlich, Beachtung 
(Rüdorf f, B. 1869. 68; D. 194. 57; siehe ferner: Berthelot, D. 213. 
239; Hanamann, D. 173. 314; Pfaundler, Wien. ßer. 71. 2. 
507; Tollinger, Wien. Ber. 72. 2. 535; Hammerl, A.W. 78. 2. 
59; Landolt-Börnstein, Tabellen; Thomsen, Thermochem. Unters.). 

Die Kältemischungen haben für die eigentliche chemische Technik 
keine Bedeutung, sondern kommen nur in einzelnen Fällen zur An- 
wendung, z. B. bei Laboratoriumsversuchen etc., wenn Eis nicht zu 
haben oder eine tiefere T. als 0° erforderlich ist. Ausserdem finden 
sie noch Verwendung hauptsächlich in Konditoreien. Von den zahl- 
reichen Apparaten, die zur handlichen Verwendung von Kältemischungen 
konstruirt wurden, verdient die Meidinger'sche Eismaschine Erwäh- 
nung, die hauptsächlich für das Gemisch aus Eis und Kochsalz be- 
stimmt ist (D. 204. 409; 217. 474). Der Anwendung von Kälte- 
mischungen im Grossbetriebe steht entgegen, dass ihre praktische 
Leistung zu weit hinter der theoretisch berechneten zurückbleibt und die 
Kosten zu hoch sind, auch wenn die Bestandtheile wieder gewonnen wer- 
den. In diesen Fällen treten die Eismaschinen oder Kältemaschinen 
ein. In den letzten 10 bis 15 Jahren haben die Einrichtungen zur 
Erzeugung und Verwendung künstlicher Kälte eine sehr hohe Stufe 
der Vollkommenheit erreicht. Vor 1860 existirte kaum eine lebens- 
fähige Kältemaschine, so zahlreich auch die auf künstliche Herstellung 
von Eis gerichteten Bestrebungen waren (siehe Meidinger, Fort- 
schritte in der künstlichen Erzeugung von Kälte und Eis, Hofmann's 
Bericht, Braunschweig 1875). Erst seit Mitte der siebziger Jahre trat 
ein totaler Umschwung ein, indem es gelang, Eismaschinen zu kon- 
struiren, die den Bedürfnissen der Industrie durchaus entsprachen. Die 
Wirkung der Eismaschinen beruht auf der Wärmebindung, die eines- 
theils bei der Veränderung des Aggregatstandes gewisser Körper, und 
zwar des flüssigen in den gasförmigen; anderentheils bei Vergrösserung 
des Vol. von Gasen stattfindet. Die Abkühlung ist um so intensiver, 
je rascher die Verdampfung oder die Ausdehnung vor sich geht; da- 
her kommen nur solche Flüss. in Betracht, die bei niederer T. sieden, 
wie Ae., NHg, SOg und CO2. Diesen ähnlich verhält sich kom- 
primirte Luft. 

Da der Sied, einer Flüss. vom Drucke abhängig ist, so 
sinkt derselbe, wenn letzterer vermindert wird; die zur Vergasung 
nöthige Wärme wird der Flüss. selbst entzogen, falls von aussen keine 
Erwärmung stattfindet. Die T. wird also um so niedriger werden, je 
geringer der Druck und je niedriger der Sied, der Flüss. ist. 

Die praktisch zur Verwendung kommenden Stoffe verhalten sich 
in dieser Hinsicht wie folgt: 



72 



Eis. 



Spannung einiger Gase. 
(Regnault, Mem. de l'Acad. 26. 535.) 



Temperatur 


Kohlen- 
dioxyd 


Schweflige 
Säure 


Methyl- 
äther 


Chlor- 
methyl 


Ammo- 
niak 


Aether 


Grad 


Atm. 


Atm. 


Atm. 


Atm. 


Atm. 


Atm. 


— 30 





0,39 


0,759 


0,762 


1,14 





25 


17,12 


0,49 


0,94 


0,95 


1,45 


— 


20 


19,93 


0,63 


1.16 


1.16 


1,83 


0,091 


15 


23,14 


0,80 


1,42 


1,42 


2,24 


0,12 


10 


26,76 


1,00 


1,72 


1.72 


2,82 


0,15 


5 


30,84 


1,25 


2,07 


2,08 


3,45 


0,19 





35,40 


1,53 


2,47 


2,49 


4,19 


0,24 


+ 5 


40,47 


1,87 


2,93 


2,96 


5,04 


0,30 


10 


46,05 


2,26 


3,40 


3,51 


6,02 


0;38 


15 


52,17 


2,72 


4,05 


4,12 


7,14 


0,47 


20 


55,84 


3,24 


4,72 


4,83 


8,41 


0,57 


25 


66,07 


3,84 


5,46 


5,62 


9,84 


0,69 


30 


73,84 


4,52 


6,29 


6,50 


11,45 


0,84 


35 


82,17 


5,28 


— 


7,49 


13,25 


1,00 


40 


91,03 


6,15 


— 


— 


15,26 


1,19 


45 


100,41 


7,11 


— 


— 


17,48 


1,41 


50 


— 


8,19 


— 


— 


19,95 


1,66 


55 


— 


9,38 


— 


— 


22,66 


1,95 


60 


— 


10,69 


— 


— 


25,63 


2,27 


65 


— 


12,11 


— 


— 


28,90 


2,63 


70 


— 


— 


— 


— 


32,47 


3,03 


75 


— 


— 


— 


— 


36,35 


3,48 


80 


— 


— 


— 


— 


40,59 


3,98 


85 


— 


^ 


— 


— 


45,17 


4,52 


90 


— 


— 


— 


— 


50,14 


5,13 


95 


— 


— 


— 


— 


55,52 


5,79 


100 


— 


— 


— 


— 


61,32 


6,52 


105 


— 


— 


— 


— 


— 


7,31 


110 


— 


— 


— 


— 


— 


8,18 


115 


— 


— 


— 


— 


— 


9,12 


120 


— 


— 


— 


— 


— 


10,16 


Sied, bei 














760 mm 


-78,2 


— 10,80 


— 23,65 


— 23,73 


-88,5 


34,97 



Spannung der Kohlensäure. 
(Nach Pictet und Cailletet, Ai-ch. de Gen. 66. 16.) 



Temperatur 


Spannung 


Temperatur 


Spannung 


— 140» 


0,004 Atm. 


- 70» 


2,08 Atm. 


- 130» 


0,01 „ 


- 64» 


3,10 „ 


— 120» 


0,04 , 


— 60» 


3,90 , 


— 110» 


0,11 . 


— 54» 


5,46 „ 


— 100» 


0,26 , 


- 50» 


6,80 „ 


- 90° 


0,54 , 


— 44» 


8,72 , 


- 80» 


1,00 , 


- 40» 


10,25 , 


— 74» 


1,55 , 


— 34» 


12,70 „ 



Deinnacli ist mit flüssiger COg die grösste Kälte zu erzeugen; 
dann folgen NHg, Methylchlorid und Methyläther; dann SO^; mit 
Aethyläther ist nur unter Druckverminderung Kälte zu erzeugen. 

Noch ungünstiger stellt sich W., welches bei 0° eine 4,6 mm 



Eismaschinen. 



73 



Hg entsprechende Spannung hat, somit nur im fast völligen Vakuum 
bis auf 0'' abkühlt. Trotzdem hat man in neuerer Zeit grosse Eis- 
maschinen gebaut, in denen das W. durch rasche Verdunstung gefriert. 
Letztere wird durch möglichstes Aussaugen der Luft und Absorption 
der entstehenden Wasserdämpfe durch HgSO^ erreicht (W. J. 1883. 1032). 
Die wichtigsten Eismaschinen sind diejenigen, welche mit flüssigem 
NH3, flüssiger SO^ oder CO^ betrieben werden. Die Konstruktion der- 
selben ist im Wesentlichen dieselbe und in Fig. 23 schematisch dar- 
gestellt. Im Verdampfer B verdunstet die Flüss. und entzieht die 
nöthige Wärme einer in den Röhren kreisenden Lsg. von MgClg, CaCl^ 
oder NaCl. Pumpe A saugt das Gas an und presst es in den Kühler C, 
worin es sich wieder verflüssigt und die dabei frei werdende Wärme 




Fig. 23. Eismascliine, schematisch. 

an das Kühlwasser abgibt. Hahn D regelt den Rückfluss zum Ver- 
dampfer B. 

Die bedeutendste Repräsentantin der Kältemaschinen ist zur Zeit 
die Linde'sche Amraoniak-Kompressionsmaschine (Fig. 24); sie be- 
ruht auf der Verdampfung von reinem, HgO-freiem NH, und 
Wiederverdichtung der Dämpfe durch Druck und Abkühlung. Dieser 
einfache Prozess geht vor sich 1. in dem Refrigerator C (Kühler oder 
Verdampfer), einem Röhrenapparate, in dem das durch ein Regulir- 
ventil (/)) eingetretene flüssige NH3 verdampft; 2. in dem sogen. Kom- 
pressor [Ä], einer Saug- und Druckpumpe, die die Dämpfe aus dem 
Refrigerator saugt und komprimirt; 3. in dem Kondensator (5), einem 
Röhrenapparate ; dem die komprimirten Dämpfe zuströmen, um hier 
unter Mithülfe des Kühlwassers kondensirt zu werden. 

Der Kompressor wird direkt von der Dampfmaschinenkurbelwelle 
betrieben. Verdampfer und Kondensator bestehen aus schmiedeeisernen 
Spiralen, die in schmiedeeisernen Reservoirs liegen. Im Verdampfer- 



74 



Eis. 



reservoir befindet sich die zu kühlende Flüss. , im anderen das Kühl- 
wasser. Erstere ist meistens nur ein Mittel, die Kälte auf andere 
Körper zu übertragen. Sie besteht aus W., wenn es sich um T. über 
0^ aus nicht fest werdender NaCl- oder CaCla-Lsg., wenn es sich um 
solche unter 0^ handelt. Diese Flüss. werden durch Pumpen an den 




Fig. 24. Lindes Eismaschine. 

Ort der Benutzung und von da wieder zurück zur Maschine befördert, 
was eine der bedeutendsten Annehmlichkeiten der Kältemaschinen ist. 
Soll mittelst der Maschine Eis erzeugt werden, so hängt man in 
die auf — 5<^ bis —10*^ gekühlte Salzlösung mit W. gefüllte Blech- 
zellen. Das Gefäss, in dem der Verdampfer liegt, erhält in diesem 
Falle eine rechteckige Form und wird als Eisgenerator bezeichnet. Die 
grössten Generatoren produziren bis 1000 Zentner täglich. Dieses künst- 



Eismaschinen. 



75 



liehe Eis ist in Folge eingeschlossener Luft nicht klar, sondern milchig; 
zur Herstellung yon mehr geschätztem klaren muss völlig luftfreies 
(dest.) W. verwendet werden. 

Fig. 25 zeigt eine Linde'sche Maschine kleinster Art, die 10 bis 
15 kg Eis stündlich erzeugt; sie dient speziell zum Kühlen des Proviant- 
raumes auf Schiffen. Wie die Abbildung zeigt, sind Dampfmaschine, 
Kompressor, Kühlwasserpumpe und Kondensator sehr kompendiös an- 
geordnet. Die Spannkraft der SOg ist kleiner als die des NH,., daher 




Fig. 25. Linde's Eismaschine. 



müssen die damit arbeitenden Maschinen einen grösseren Kompressor 
haben, was in Folge der Reibungswiderstände grösseren Arbeitsverlust 
bedingt. Bei der CO2 ist das Gegentheil der Fall, aber nur theore- 
tisch. Da der durch die gesammten äusseren Widerstände bei der 
Linde'schen Maschine entstehende Verlust nur 5 ^/o der indizirten 
Arbeit beträgt, so würde es durch Verkleinerung des Kompressors nicht 
möglich sein, diesen Verlust erheblich zu verringern; wohingegen eine 
Abweichung vom , vollkommenen Kreisprozess" grosse Verluste veran- 
lassen würde. 

Pictet benutzte ursprünglich SOg für seine Maschine, ging dann 
aber zu einem „neuen System" über, das auf der Verwendung eines 
Gemisches von SOg und COg beruht, welches bei etwa — 19" siedet. 



76 



Eis. 




(Pictet'sFlüss.;Cli. 
Ind. 1886. 26.) Diese 
neue Maschine ist ganz 
erheblich leistungs- 
fähiger, als die alte; 
sie ist in Fig. 26 ab- 
gebildet. 

A Dampfmaschine 
für Kompressor, Rühr- 
werk etc. B Doppelt- 
wirkender Kompres- 
sor. Auf jedem Deckel 
befinden sich zwei 
Saug- und zwei Druck- 
ventile [s s und d d). 
Die Ventile beider Sei- 
ten sind je unter ein- 
ander durch ein Rohr 
verbunden ; oberhalb 
jedes dieser beiden 
Rohre sitzt ein Ventil 
(F^ und K), welches 
vollständig hermetisch 

verschliessbar ist. 
Oberhalb derselben be- 
ginnen die zum Kon- 
densator und Refri- 
fferator führenden Lei- 
tungsröhren. 

C, der Refrigera- 
tor, besteht bei Ma- 
schinen für Brauereien 
aus zwei eisernen Be- 
hältern und denSchlan- 
gen. Erstere sind so in- 
einander gestellt, dass 
sie eine Wand und 
den Boden gemeinsam 
haben. Die Schlangen 
laufen parallel oben 
und unten je in ein 
grosses Rohr (h^ und 
Äg) aus, die beide durch 
A3 und h^ verbunden 
sind. Die vom Kon- 
densator kommende 
Flüss. wird durch 
Rohr r unten in den 
Refrigerator einge- 
führt, füllt das Schlan- 
genrohrsystem theil- 



Eismaschinen. 77 

weise und wird oben mittelst des KQmpressors gasförmig durcli 7\ ab- 
gezogen. Die Ventile V^ und F^ gestatten völligen Abschluss des 
Schlangensystems. Das Letzteres umschliessende Salzwasser wird durch 
den Rührer e in Bewegung erhalten; es kann bis — 25*^ und mehr 
abgekühlt und in Gähr- und Lagerräume und wieder zurückgeführt 
werden. In dem Räume zwischen beiden Behältern befindet sich reines 
W., welches zum Abkühlen der Bierkühler und Gährbottiche dient. 

D, der Kondensator, ist gleichfalls ein eiserner Behälter mit 
Schlangensystem in ähnlicher Einrichtung wie bei C. Die komprimirten 
Gase traten durch das Rohr r^ ein, verflüssigen sich, steigen in r hoch, 
in den Regulator E und von hier in den Refrigerator. Ventil F^ und 
Fy dienen zum Absperren der Kondensatorschlangen. Das Kühlwasser 
tritt durch i ein und fliesst durch K wieder ab, 

E, der Regulator ist ein Hahn, mittelst dessen der Querschnitt des 
Rohres r sich so regeln lässt, dass genau so viel Flüss., wie jeder 
Kolbenhub des Kompressors dem Refrigerator als Gas entzieht, letzterem 
vom Kondensator aus wieder zugeführt wird. 

Die Luft- oder Gasmaschinen beruhen darauf, dass ein Gas, 

wenn es komprimirt wird, Wärme frei macht und bei der Expansion 

solche wieder aufnimmt, natürlich aus nächster Umgebung. Atrno- 

sphärische Luft, bei einer Anfängst, von 20" komprimirt, erwärmt sich 

bei 2 At. auf +85« 

« 3 „ „ 4-130« 

. 4 „ „ +163«. 
Kühlt man Luft, die unter Druck von mehreren At. komprimirt und 
folglich sehr heiss ist, auf z. B. +30« ab und lässt sie sich dann aus- 
dehnen, so zeigt sie folgende T. : 

bei 2 At. —25« 
3 530 

" 4 " —70« (Meidinger 1. c). 
Eine zur Nutzbarmachung dieser Temperaturerniedrigung dienende Eis- 
maschine ist im Allgemeinen folgendermassen eingerichtet. In einem 
Zylinder wird die Luft komprimirt und unter demselben Drucke in 
einen Kühlapparat gepresst, wobei sich ihr Vol., in Folge des Wärme- 
verlustes, noch weiter verringert. Nun tritt sie bei aufgehobenem 
Drucke, also unter Abkühlung, in einen zweiten Zyhnder, aus dem sie 
in den Gefrierapparat gelangt, worin das Eis erzeugt werden soll. 
Aus diesem Apparate gelangt sie wieder in den Kompressor und 
wiederholt den Kreislauf. Der Expansionszylinder entspricht dem Ver- 
dampfer der Ammoniak-, Aether- etc. Maschinen. Die Menge der ver- 
wendeten Luft ist sehr gering gegen diejenige der bei den anderen 
Maschinen gebrauchten Flüss. und kostet nichts. Die erste Luft- 
maschine wurde von A. C. Kirk 1862 in England patentirt und war 
schon ziemlich leistungsfähig. Eine andere, aber bessere Konstruktion 
erfand 1869 Windhausen. Derselbe richtete später seine Maschine 
besonders zum Gebrauche von Brauereien ein, derart, dass dieselbe ent- 
weder festes Eis oder einen auf — 30« bis — 50« abgekühlten konti- 
nuirlichen Luftstrom liefert, welcher direkt in Keller- und Lagerräume 
geleitet wird und somit Eis unnöthig macht. Zu letzterem Zwecke wer- 
den die Luftmaschinen hauptsächlich angewendet. Die Windhausen'sche 



78 



Eis. 



zeigt Fig. ?27. A ist der Kompressions-, B der Expansionszylinder, 
ersterer ist mit W. umgeben, zur theilweisen Kühlung der kompri- 
rairten Luft. Beide Kolben werden durch eine gemeinsame Kolben- 
stange bewegt. Die Luft tritt durch ein auf A gesetztes Rohr durch 

eines der sich nach innen öffnen- 
den Ventile a ein und wird beim 
Rückgange des Kolbens soweit 
komprimirt, bis ihre Spannung 
das eine nach aussen gehende 
Ventil Z) öffnen kann; durch das 
zweite Ventil a tritt neue Luft 
ein. Die aus b entweichende 
Luft durchströmt den Zylin- 
der i), in welchem zahlreiche 
Metallkegel möglichst viel Ober- 
fläche bieten, worauf sich das 
der Luft anhaftende W. nieder- 
schlagen kann. Dasselbe muss 
nämlich entfernt werden, weil 
es sonst im Expansionszylinder 
o-efrieren würde. Aus D streicht 
die Luft durch die Röhrenküh- 
ler E und F. Das kalte Kühl- 
■wasser tritt am Fusse von F 
ein, durchströmt den Raum zwi- 
schen den Röhren, fliesst oben 
ab, tritt durch F in den unteren 
Theil von E und fliesst aus 
diesem oben heraus. Die abzu- 
kühlende Luft nimmt den dem 
W. entgegengesetzten Weg und 
gelangt schliesslich durch das sich 
nach innen öffnende, hinreichend 
belastete Ventil C in den Ex- 
pansionszylinder B, worin sie sich 
ausdehnt und stark abkühlt. 
Durch das sich nach aussen 
öffnende und dem Drucke ent- 
sprechend belastete Ventile? wird 
sie ihrem Bestimmungsorte zu- 
geführt. Da es sich, wie be- 
merkt, nicht um Eisbildung, son- 
dern nur um einen kontinuir- 
lichen kalten Luftstrom handelt, 
so zirkulirt nicht dasselbe Quantum Luft, sondern es tritt stets neue 
Luft ein. Zur Eisbildung würde man die expandirte Luft in einen Gefrier- 
behälter leiten und könnte immer wieder dieselbe Luft benutzen, was 
insofern vortheilhaft wäre, als dann nur wenig W, in den Apparat käme, 
welches, wie oben angedeutet, durch Eisbildung im Expansionszylinder 
den Ventilen nachtheilig werden würde (D. 195. 115; 199, 38; 207. 
509; 224. 174). H. Benedict. 




Schwefel. 

Vorkommen. Schwefel, S, kommt in gediegenem Zustande und in ver- 
schiedenen Verbindungen in grossen Mengen in der Natur vor. 

Von den S-Verbindungen bilden die S-Metalle : Schwefelkies, Kupferkies, 
Zinkblende, Bleiglanz, Roth gültiger z ; ferner die Salze Gyps , Anhydrit, Kieserit, 
Polyhallit, Schwerspath, Cölestin einen beträchtlichen Theil der festen Erdrinde. 
Ausserdem findet sich S in Form von Salzen gelöst im Meerwasser und vielen 
Mineralquellen. Manche der letzteren enthalten auch S-Alkalien oder S-Verbindungen 
der alkalischen Erdmetalle gelöst (z. B. das Aachener Wasser), und scheiden S aus. 
Endlich kommen S-Verbindungen auch in gasförmiger Gestalt vor: SO') und H2S, 
welche von Vulkanen und Solfataren ausgestossen werden. 

Für die technische Gewinnung des S kommen in erster Linie nur die Lager- 
stätten von gediegenem S in Betracht. Solche finden sich vornehmlich in vul- 
kanischen Gegenden und zwar in ziemlich weitem Umkreis um erloschene oder 
noch thätige Vulkane. Hier liegt der S in Gyps-, Thon- und Mergellagern ein- 
gebettet im tertiären und im Flözgebirge, mitunter in der Nähe von Kreide und 
Muschelkalk. Selten trifft man ihn in förmlichen Lagern und Gängen. Ferner 
findet sich S zuweilen auf und in Braun- und Steinkohlenflözen, ja selbst im kryst. 
Schiefer und im üebergangsgebirge. 

Die wichtigsten Fundstätten liegen auf Sizilien, von wo fast ganz Europa 
und Nordamerika mit S versorgt werden. Die Schwefelminen Siziliens liegen, mit 
Ausnahme derjenigen von Lercara, südlich von dem Höhenzuge, welcher die Insel 
von Marsala bis Messina durchsetzt, und zwar hauptsächlich in der Provinz von 
Caltanisetta. Der ganze S-führende Theil der Insel von Trapani bei Caltagirone 
und von Licata bis Nicosia ist 160 km lang und 90 km breit. 

Von der Oberfläche nach der Tiefe zeigen die Sführenden Stellen meistens 
folgende Schichten: 1. weisser, mergeliger Tuffkalk, 2. Gyps und Thon, 3. S-führen- 
der Mergel (Gyps, Tuflfkalk), 4. Kalkstein, 5. Mergel und Thon. Die Dicke der 
S-führenden Schichten wechselt von 1,-5 bis 2 m und erreicht bei Sommatino sogar 
30 m. Der Gehalt von S schwankt zwischen 10 und 40 7o- 

Ausser Sizilien findet sich gediegener S noch: 

In der Ro magna von Rimini landeinwärts zwischen Ravenna und Urbino 
über eine Strecke von ca. 40 km. Hier findet sich der S in Gyps, Kalkstein und 
Mergel eingebettet in Schichten von 1 bis 9 m Mächtigkeit. Das S-führende Mineral 
enthält 15 "/<> S- Es wird in fünf Gruben in der Provinz Forli und in drei Gruben 
in der Provinz von Urbino und Pesaro ausgebeutet. Der gewonnene Rohschwefel 
wird in Rimini raffinirt. 

In T s c a n a bei Latera in der Provinz Viterbo, bei Volterra und Grosseto, 
auch bei Scrofano in der Provinz Rom. Die Erze sind aber so ai'm, dass ihre 
Ausbeutung nicht lohnt. Dagegen findet sich wenige Kilometer von Civitavecchia 
ein Schwefellager bei Monte Virginia, welches in drei Gruben abgebaut wird. 

Auch bei Ave Hin am Vesuv sind S-Lager entdeckt worden; 1878 auch 
in Calabrien. 

In Griechenland findet sich S auf den ionischen Inseln, besonders auf 
Korfu, ferner zu Mylos bei Korinth und auf der Insel Nissynos. 



80 Schwefel. 

In Oesterreich-Ungarn: Bei Radoboj im Distrikt von Krapinas in 
Kroatien findet sich der S in Mergelthon und Gyps eingelagert. Jlanche Klumpen 
enthalten nach Leithner nur 2 bis 5^o Verunreinigungen. In Galizien bei 
Swoszowice, Lussina und "Wrzoszowice im Distrikt von Krakau, auf dem Höhenzuge, 
welcher WieUczka umgiebt, wird schon seit mehreren Jahrhunderten ein S-führender 
Mergel ausgebeutet, der in fünf über einander liegenden Schichten im Mergel ein- 
gebettet Uegt. Dieser Distrikt erstreckt sich über ca. 25 qkm. Femer bei Dzwi- 
niacz. In Böhmen bei Pilsen, Falkenau und Elbogen. 

In Deutschland nur in Oberschlesien , östlich von Pschower-Dollen bei 
Ratibor. Dort finden sich in 36 m, 40 m und 164 m Tiefe drei S-führende Schichten 
von 0,.5, 1,2-5 und 4,20 m Mächtigkeit. Bei Kokoschütz hat man in 35 bis 54 m 
Tiefe im kalkhaltigen Mergel S-führende Schichten von 3,83 bis 7 m Mächtigkeit 
aufgefunden. 

In Frankreich an zwei unbedeutenden Lagerstätten bei Florac in Lozere 
und bei Tapets bei Apt in Vaucluse. 

In Spanien bei Teruel an der Eva in Arragonien in Kalkstein, bei Valencia 
in der Provinz Alicante, bei Laorca in Murcia, bei Gador in Almeria im Muschel- 
kalk und bei Arcos in Andalusien. 

Auf Island in dem Schwefeldistrikt von Krisuvik. 

In Russland bei Czarkowie und namentlich in Daghestan (bei Tschirkat). 
Dies Lager wird erst seit etwa 1890 ausgebeutet (Ch. Ind. 1892. 442). Ferner bei 
Schiich, 180 Werst nördlich von Askhabad bei Krasnowodsk in Zentralasien. 

In der asiatischen Türkei bei Mossul in Mesopotamien, am Todten 
Meere. In Aegypten an den Ufern des Rothen Meeres, namentlich bei Bohar. 
Das dortige Erz enthält nach Sorel 45 "/o S, nach Ost werden monatlich 300 t 
gefördert. In Tunis, in China und in Japan, im Norden der Insel Yesso, im 
Süden der Insel Kiusiu, in der Provinz Satsuma. 

In den Vereinigten Staaten von Nordamerika im Distrikt Humboldt 
in Kalifornien, besonders am Lake Clear oder Boraxsee, ferner am Cove Creek im 
Zentrum von Utah, und bei Lake Charles City in Louisiana. Dieses Lager ist erst 
seit 1869 bekannt. In 450 Fuss Tiefe befindet sich hier ein 108 bis 112 Fuss 
mächtiges S-Lager in Gyps eingebettet, welches in den oberen Schichten 62, in 
den mittleren 90 -'o S enthält (La Nature 1876. 95; Fremy, Encycl. 5. 29; 
Engineering and Mining Journ. 1892; Statistisches Januarheft ; R. Rothwell, The 
Mineral Industry, New- York 1893. 425). 

In Mexiko am Popokatepetl im Staate Puebla, wo man jährlich über 
100 t S sammelt. In Venezuela an der Küste. 

Auf der Insel Saba, einer der holländischen kleinen Antillen, fijidet sich 
nach Gesner ein sehr i-eiches Schwefellager in Gyps eingebettet. Zwei Muster 
enthielten 75,81 und 80.57 "o S (Iron 1876. 7. 610; Fremy, Encycl. 5. 30; Lunge, 
D. 1886. 259. 43: Chem. Ind. 1886. 112). 

In Peru ist ein sehr grosses S-Lager bei Tumbez, nördlich von Arequipa, 
aufgefunden, welches nahezu reinen S enthält (99,8% S), (Soc. Ch. Ind. 1890. 666). 
In Chile landeinwärts von Concepcion bei Chillan in der Provinz Nuble, nördlich 
von dem Vulkan von Chillan. In Argentinien (L. Bracke husch, Zbhs. 1893. 35). 

Auf Neuseeland, auf der Insel White bei Auckland in Australien 
und auf Java (K. v. Scherzer, Das wirthschaftliche Leben der Völker, Leipzig 
1885. 597). 

Entstehung der Schwefellager. 

Die Schwefellager können auf trockenem oder nassem Wege entstanden sein. 
Vulkane können S-Dämpfe ausstossen , welche in durchlässige Gesteine eindringen 
und darin erkalten. Dadurch können sich in den Spalten des Gesteins Gänge von 
gediegenem S oder S-fühi-ende Bergarten bilden, welche durch die S-Dämpfe mehr 
oder weniger verändert sind. Treten die S-Dämpfe heiss an die Atm. , so ver- 
brennen sie zu SOo. 

Häufig stossen Vulkane auch HoS und andere S-Verbindungen in Dampf- 
oder Gasform aus, welche sich an der Ätm. oder bei Gegenwart von SOj zersetzen, 
indem sie S abscheiden. Derartige Gasausströmungen finden auch statt, nachdem 
die eigentlich eruptive Thätigkeit des Vulkans nachgelassen hat oder erloschen 
ist. Dadurch entstehen die Solfataren: spalten- oder kraterförmige Oefiiiungen 
des Bodens , aus denen beständig eine Rauchsäule , die Fumarole, emporsteigt. 
An den ber ühm ten Solfataren bei Neapel scheidet sich beständig S als Sublima- 



Gewinnung. 81 

tions- oder als Reaktionsprodukt aus den Fumarolegasen aus. Die letzteren 
enthalten nach Freniy Dämpfe verschiedener Salze, namentlich der metallischen 
Chloride, Wasserdampf, HCl, SO2, HjS, CO2, CO, H und N. Bunsen fand in 
der Fumarole von Krisuvik auf Island mehr als 82 VoL-^/o "Wassei-dampf und 
einen Gasrest von ca. 18 VoL-o/o , welcher enthielt: 87,43 CO, 4,30 H, 6,60 HjS, 
1,76 N. Hiernach berechnete Bunsen, dass aus der Solfatare von Krisuvik da- 
mals täglich 233 kg H2S und 12 kg H ausströmten. 

Durch unvollständige Verbrennung des H^S entsteht eine Ausscheidung von 
sehr fein vei'theiltem S, durch vollständige Verbrennung entsteht SO2. Indem 
letztere auf H2S einwirkt, wird S abgeschieden. 

Auf diese Weise entstehen S-Ablagerungen an den Solfataren von Italien, 
Island , Neuseeland und von Kainicken bei Altsohl in Ungarn. Dieselben eignen 
sich aber wegen ihrer geringen Mächtigkeit noch nicht zum Abbau. Ausserdem 
enthält dieser S mitunter viel As und Se. 

Fein vertheilter S, welcher der Einwirkung der Atmosphärilien ausgesetzt 
ist, geht mit der Zeit in H2SO4 über, welche das unterliegende Gestein angreift. 
Die lösl. Sulfate werden fortgeführt und es bleibt meistens ein weisslicher Gyps 
zurück, welcher sich leicht zerreiben lässt. 

Auf nassem Wege können S-Ablagerungen auf sehr verschiedene Weise ent- 
standen sein. Sie finden sich meistens in den mittleren und unteren Schichten 
der Tertiärformation, und werden in Italien Solfaren genannt. 

Mottura (Fremy, Enc. 5. 29, 70) hat eine Theorie ihrer Bildung auf- 
gestellt. Sulfate, namentlich Gyps , werden durch Kohle oder Kohlenwasserstoffe, 
wie sie noch heute bei Girgenti und Caltanisetta entweichen, oder durch orga- 
nische Substanzen zu S-Metall reduzirt. Das Schwefelcalcium tritt in gelöster 
Form in heissen Quellen oder Schlammvulkanen unter Begleitung von N, CO2 und 
Kohlenwasserstoffen zu Tage. An der Luft verändern sich die Schwefelcalcium- 
Isgn , indem entweder das Schwefelcalcium durch und CO2 direkt zersetzt 
wird : CaS4 -j- + CO2 = CaCO^ -|" 4S, oder indem ein Theil des Schwefelcalciums 
vorher in unterschwefligsaures Salz (Thiosulfat) übergeht, welches bei Gegenwart 
von unverändertem Schwefelcalcium und CO2 S abscheidet nach Reaktionen, welche 
wir bei der Verarbeitung der Sodarückstände ausführlich betrachten werden. 

Durch ähnliche Reaktionen scheidet das Aachener Wasser beständig S ab. 
Hat das S-haltige Wasser eine Reihe Seen zu durchfliessen, so können darin be- 
deutende Ablagerungen von S sich bilden. 

Gewinnung des Schwefels. 1. Aus gediegenem Schwefel. 
Bis 1838 wurde der S in Sicilien ausschliesslich durch Raubbau ge- 
wonnen (Fremy, Encjcl. 5. 37) und auch seitdem sind, den ört- 
lichen Umständen entsprechend, nur geringe technische Fortschritte zu 
verzeichnen. Der Grund und Boden ist in viele kleine Parzellen ge- 
theilt, welche von den Besitzern verpachtet werden. Die Pächter suchen 
nun meistens ohne systematisches Zusammenarbeiten mit den Nachbarn 
während der Dauer ihrer Pacht mit möglichst geringen Mitteln mög- 
lichst grosse Mengen S zu gewinnen. Daher zeigt der Bergbau die 
primitivsten Formen und sind auch die Verarbeitungsweisen des S-Erzes 
sehr unvollkommen. Das Ausbringen wechselt von 25 bis höchstens 
70^/0 des in den Erzen enthaltenen S. 

Nach Parodi und Barbaglia (Parodi, Süll' estrazioue dello 
zolfo in Sicilia, Florenz 1873; Hofmann's Bericht, Braunschweig 1875. 
144) unterscheidet man in Sicilien zwei Arten des Vorkommens von S. 

1. Lager und Gänge von gediegenem S, die zu Tage treten (sol- 
fatare). Diese bilden S-getränkte Erdschichten von 6 bis 10 m Dicke 
in der Umgebung erloschener Vulkane. 

2. Lager, welche in der Tiefe liegen (solfare), in denen das sedi- 
mentäre Gestein innig mit S durchsetzt ist. Dasselbe muss bergmännisch 
gewonnen werden. Diese letzteren liefern nahezu die ganze Menge des 
in den Handel kommenden S. 

Handbuch der ehem. Technologie. I. 6 



82 Schwefel. 

Nach Mottura (Sulla formazione zolfifera della Sicilia, Florenz 
1870, Sulla formazione terziare nella zona zolfifera della Sicilia, Florenz 
1871) charakterisirt sich das Vorkommen solcher S-Lager dadurch, dass 
sich an der Oberfläche oder in der Nähe ein körniges, leicht zu pulveri- 
sirendes, weissliches Gestein (briscale) vorfindet, welches hauptsächlich 
aus Gyps besteht. 

Die S-Erze werden in Sicilien in drei Klassen getheilt: 

Schwefelgehalt : Ausbeute davon: 

1. Reichste Erze . . . 30 bis 40 7o 20 bis 25 70 

2. Reiche Erze ... 25 „ 30 , 15 , 20 , 

3. Gewöhnliche Erze . 20 , 25 , 10 , 15 , 

Ausserdem gibt es noch arme Erze mit 10 bis 15^,o S, welche 
aber meistens nicht verarbeitet werden, weil sie eine gar zu geringe 
Ausbeute geben würden. 

Die Gewinnung des S geschieht fast ausschliesslich durch Aus- 
schmelzen desselben aus den Erzen, indem man die dazu erforderliche 
Wärme durch Verbrennung eines Theiles des S erzeugt. 

Bis ungefähr 1850 wandte man hierzu die Calcarelli an, Erz- 
haufen, welche in ihrem Aufbau und ihrer Behandlung durchaus an 
die Kohlenmeiler erinnern. Man legte im Boden flache Gruben von 
2,5 m Durchmesser und 20 bis 40 cm Tiefe mit geneigter Sohle an 
und schichtete darauf die S-Erze zu hohen Haufen, indem man die 
grösseren Stücke in die Mitte, die kleineren an die Seite packte. 
Diese Haufen wurden an der Spitze angezündet und der ausfliessende S 
an der tiefsten Stelle der Sohle ausgeschöpft. 

Dieses Verfahren verursachte nur sehr geringe Kosten, lieferte 
aber auch nur eine sehr geringe Ausbeute. Man erhielt nur etwa 30 Vi 
ja bei ärmeren Erzen oft nur 15 bis 20 V des in den Erzen enthaltenen 
S, während der übrige Theil zu SO^ verbrannte und die ganze Um- 
gegend schädigte. 

Seit 1850 traten an die Stelle der kleinen Calcarelli die grossen 
Calcaroni, bei denen der seitliche Luftzutritt zum Erzhaufen mög- 
lichst verhindert wird. Sie bestehen aus einer gemauerten und mit 
Gyps ausgekleideten Grube von 10 bis 20 m Durchmesser und 2,5 m 
Tiefe. Die geneigte Sohle hat ihre tiefste Stelle in der FrontöfFnung 
von 1,20 m Höhe und 25 bis 50 cm Breite. Die Calcaroni stehen 
meistens an Berglehnen, so dass die hintere Seite in den Berg ein- 
gelassen ist und die vordere, die Arbeitsseite, frei liegt (Fig. 28). 

Zur Beschickung des Calcarone mit S-Erz schichtet man die 
grössten Stücke nahe der Arbeitsöffnung und die kleineren nach den 
Seiten hin auf. Im Innern spart man durch vorsichtiges Packen einige 
senkrechte Kanäle aus , welche den Luftzug erleichtern sollen. Die 
Kuppe der Beschickung schliesst sich an den Kranz der Umfassungs- 
mauer in leichtem Bogen an und wird durch Erzklein möglichst dicht 
hergestellt. 

Um einen Calcarone anzuzünden, wirft man brennende, mit S 
getränkte Strohbündel in die Luftschächte. Nach einigen Stunden 
schliesst man alle Oeffnungen und überlässt den Calcarone 7 bis 9 Tage 
sich selbst. Während dieser Zeit schreitet der Brand von oben nach 
unten fort. Man hat nun durch Löcher, welche in der vorderen Gyps- 
wand angebracht sind, den Luftzutritt zu regeln und auch für den Aus- 



Gewinnung. 



83 



tritt des Wasserdampfes und der Verbrennungsprodukte zu sorgen. 
Sowie sich hinter der Stirnwand eine genügende Menge S angesammelt 
hat, durchbohrt man dieselbe und lässt den S ausfliessen. Man fängt 
denselben in nassen Holzformen auf und bringt ihn in Broten von 
50 bis 60 kg in den Handel. Die ganze Operation in einem Calcarone 
dauert je nach seiner Grösse, der Natur der Erze und der Jahreszeit 
30 bis 90 Tage. 

Ausbringen. Der Verbrauch an S, dessen Verbrennung die 
zum Ausschmelzen des übrigen erforderliche Wärme liefert, hängt von 
mannigfachen Umständen ab. Er ist besonders gross, wenn das Erz 
feucht ist oder viel Gyps enthält, oder wenn während des Brandes 
heftige Regengüsse stattfinden. Bei gut geführter Operation mit einem 
Erze, welches 25 "/o S, 70*^/0 mergeligen Kalkstein und 5''/o H^O ent- 
hält, sollte nach kalorimetrischer Berechnung (Fremy, Encycl. 5. 43) 




Fig. 28. Calcarone. 

die Verbrennung von einem Neuntel des S hinreichen, um vier Fünftel 
des S auszuschmelzen ; in Wirklichkeit werden aber ein Drittel bis zwei 
Fünftel verbraucht, so dass man nur auf ein Ausbringen von 60 bis 65 ^/o 
rechneu darf. 

Eine verbesserte Form der Calcaroni ist der viel benutzte Gill- 
Ofen (Fig. 29). Nach H. Grüneberg (Ch. Ind. 1893. 211) wendet 
man neuerdings Ringöfen mit 6 Kammern an, in denen durch systema- 
tische Führung der Verbrennungsgase eine noch grössere Ersparniss 
an S-Gestein erzielt wird. Der Verlust beträgt in diesem Ofen nur 
noch 25*^/0 des im Gestein enthaltenen S. Ausserdem haben dieselben 
die Schäden bedeutend verringert, welche die älteren Oefen in der 
Vegetation der Umgegend anrichteten. 

Andere Gewinnungsmethoden. Um die grossen Verluste 
und die Belästigung der Nachbarschaft, welche die Calcaroni verursachten, 
zu vermeiden, hat man folgende andere Verfahrungsweisen benutzt: 

Die sehr reichen S-Erze, welche man früher in Lercara fand, 
wurden einfach in gusseisernen Kesseln durch Holz- oder Torffeuer 
ausgeschmolzen (Barbaglia in Hofmann's Bericht 1875. 151). 

Da hierbei die T. leicht höher stieg, als nöthig war, so kam 
Joseph Gill auf den Gedanken , das Ausschmelzen des S durch 



84 



Schwefel. 



Wasserdampf zu bewirken. Dieser Gill-Ofen findet sich abgebildet 
in den Annali di Agricoltura nel 1882, Roma 1884. 94. Man vergl. 
auch D. 265. 475. 1868 hat Thomas Pajen einen Apparat 
dazu in die Industrie eingeführt, welcher die Anwendung von Wasser- 
dampf von 4 Atm. Spannung gestattet. Derselbe besteht aus einem 
horizontalen Cylinder aus Schmiedeisen von ca. 8 m Länge und 80 cm 
Durchmesser, mit Schutzhülle aus Holz umgeben. In denselben werden, 
sechs mit Erz beschickte Wagen geschoben, deren Boden durchlöchert 
ist. An einer Stelle des Cylinders ist ein Behälter angebracht zur Auf- 




Maassstab 1 : öO. 
Fig. 29. Gill-Ofen. 



nähme des ausfliessenden S. Nachdem der Apparat an beiden Enden 
geschlossen ist, lässt man Wasserdampf einströmen und regulirt dessen 
Spannung durch geeignete Armaturen auf 3 bis 3,5 Atm. Ueber- 
druck. Theoretisch würde schon eine Spannung von 2 Atm. genügen. 
Zu jeder Beschickung nimmt man 2 t Erz und macht täglich 6 bis 7 
Schmelzen. 

Der Gill-Ofen wurde durch R. Gill in Palermo noch mit einer 
Reiniguugskammer versehen (Italien. Fat. von 1891). 

Eine andere Form dieses Verfahrens ist in Lercara in Gebrauch: 
Zur Aufnahme des auszuschmelzenden Erzes dient ein vertikaler, nach 
unten konisch sich erweiternder Behälter, dessen Wandungen durch- 
löchert sind. Derselbe steht in einem weiteren Behälter von 3,20 m 
Höhe und 1,20 m Durchmesser, welcher den Wasserdampf um den 



Gewinnung. 85 

ganzen Schmelzkörper herum führt. Unter diesem Apparat, der durch 
einen Rost abgeschlossen ist, befindet sich ein leicht auswechselbarer 
Behälter aus Gusseisen zur Aufnahme des geschmolzenen S. Zu jeder 
Beschickung nimmt man 3500 kg Erz und macht 7 bis 8 Schmelzungen 
im Tage. 

Ch. Ledoux (Mem, sur l'exploitation et le traitement des minerais 
de soufre en Sicile; Fremy, Encycl. 5.47) berichtet, dass man in Lercara 
in jedem Apparate 24 t Erz in 24 Stunden ausschmilzt und dazu 600 kg 
Kohlen verbraucht. Das ausgeschmolzene Erz enthält nur noch 2^jo S. 
Das dort behandelte Erz enthält 22 ^/o S, von dem man nahezu 21°/o 
ausbringt, während der Calcarone nur 15*^/0 liefert. 

Wenn man das Ausbringen durch Wasserdampf auch auf 90 "/o 
des in den Erzen enthaltenen S steigern kann, so hat man doch zu 
beachten, dass in Sicilien 60 Lire kein seltener Preis für die Tonne 
Steinkohlen ist und dass auch die Beschaffung der erforderlichen Appa- 
rate unverhältnissmässige Kosten verursacht. Das Verfahren ist des- 
halb auch an manchen Orten wieder aufgegeben worden. 

In der Romagna findet sich der S mit bituminösen Substanzen 
gemischt. Die Behandlung dieser Erze im Calcarone liefert einen 
schwärzlich aussehenden S; daher gewinnt man denselben hier durch 
Destillation. 

Früher benutzte man dazu Thonkrüge von 20 1 Inhalt, welche 
durch direktes Feuer erh. wurden und welche mit einer Vorlage in Ver- 
bindung standen. Jetzt wendet man gusseiserne Retorten und eben- 
solche Vorlagen an, und endlich, um an Brennmaterial zu sparen, guss- 
eiserne Destillationskessel mit Vorwärmung der zu behandelnden Erze 
durch die abgehenden Feuergase. Man rechnet auf ein Ausbringen 
von 90^/0 des in den Erzen enthaltenen S. Der Rest geht durch Bil- 
dung von SOg, CSg, Gryps und Schwefelcalcium verloren. 

Der S führende Mergel in Swoszowice bei Krakau enthält im 
Mittel 14,5 V S. Man unterwarf das Erz früher der Dest. in schräg 
in einem Ofen liegenden Retorten aus Gusseisen und gewann dadurch 
10 o/o S aus dem Erz. Für je 700 bis 800 kg S verbrauchte man 800 
bis 900 kg Kohlen. Trotzdem die Kohlen dort sehr billig sind, ging 
man zum Ausschmelzen mittelst Wasserdampf über. 

H. C. ßollmann machte 1867 den Vorschlag, den S aus armen 
Erzen und Erzschliech mittelst CS2 auszuziehen. Moussu konstruirte 
einen Apparat dafür, welcher 1868 in Bagnoli bei Neapel aufgestellt, 
aber bald wieder verlassen wurde. Eine Abbildung desselben findet 
sich in F. Kühl mann, Note sur l'extraction du soufre en Sicile. 
Lille 1868. Sehr vollständige Zeichnungen der Apparate zur Extraktion 
des S mittelst CS^, welche auf der Grube Talacchio 1876 in Gebrauch 
waren, finden sich in den Annali di Agricoltura, Roma 1879. 10. 170. 
Nach Stanislaus Mrowec (Der Schwefelkohlenstoff in Swoszowice, 
D. 1879. 232. 86) werden in Swoszowice Posten von 3250 kg S-haltigem 
Mergel mit CSg behandelt, wobei 0,8 bis 0,5 °/o des letzteren verloren 
gehen. Der ausgelaugte Mergel enthält nur noch 0,5^/0 S. 

Baiard schlug 1867 vor, den S aus Erzen durch Erhitzen der- 
selben in einer Salzlsg. auszuschmelzen. Dubreuil und Ch. Deperais 
benutzten dazu 1868 eine Chlorcalciumlsg. De la Tour de Breuil 
(C. r. 93. 456; Ch. Ind. 1881. 378) nahm diese Versuche wieder 



85 Schwefel. 

auf. Er benutzte eine 120° beisse, 66 -o ige Cblorcalciumlauge und er- 
bielt S mit nur 1 bis ^-2 ",0 Verunreinigung zu etwa 5 Franks Kosten 
für 1 t. 

Einen anderen Apparat zur Extraktion von S scblug L. Labois 
in Paris vor (Am. Pat. 485 634 v. 8. Nov. 1892). 

2. Aus Pyrit. Der Schwefelkies, FeS^, , geht durch Erhitzen 
bei Luftabschluss unter Abscheidung von S in Schwefeleisen, FeS, über. 
Man benutzt diesen Vorgang in Gegenden, welche weit von den Schwefel- 
industriezentren entfernt liegen. 

In Fahlun in Schweden wird Schwefelkies in Schachtöfen durch 
Verbrennung eines Theils des überschüssigen S geröstet. Der subli- 
mirte S wird in Holzkammern aufgefangen. Im Harz reinigt man den 
durch Rösten von Pyrit und Kupferkies erhaltenen S durch fraktionirtes 
Erstarren. In Schlesien glüht man Schwefelkies in Retorten von 
sargähnlicher Form. In den Vorlagen sammelt man 13 bis 15^0 S. 
In Böhmen wird der Rückstand eines ganz ähnlichen Prozesses in der 
grossen Fabrik von Starck auf Eisenvitriol und rauchende Schwefelsäure 
verarbeitet. Nach Payen brachte man hier aus 1800 kg Pyrit 252 kg 
S aus zum Gestehuugspreise von 8,40 Mark für 100 kg. In Frank- 
reich richtete Perret 1865 einen Ofen ein, welcher im oberen Theil 
Retorten zur Gewinnung von S enthielt. Der Rückstand wurde im 
untern Theil unter Luftzutritt völlig abgeröstet, um die SO, zur Fabri- 
kation von H^SO^ zu benutzen. Vergl. auch A. Buisine. D.P.A. v. 
15. Aug. 1893. 

Der Pyritschwefel ist meist oraugegelb und enthält As und Tl. 

3. Aus Gasreinigungsmasse. Alle Steinkohle, welche zur 
Gasbereitung dient, enthält Pvrit, dessen überschüssiger S sich zum 
grösseren Theil in der Gasreinigungsmasse ansammelt. Die letztere be- 
steht aus Eisenhydroxyd und Sägespähnen und kann durch wiederholten 
Gebrauch und Regenerirung bis zu 40 "fo, ja nach Davis bis zu 65°/o 
freien S aufnehmen. Folgende Formeln deuten die dabei statt- 
findenden Reaktionen an: 

Fe^Og . 3H2O -f 3H2S = 2FeS -f S + ÖH^O 
2FeS + 03-f3H20 = FeA^SH.O + 2S 
Die Extraktion dieser Masse mittelst CS, (Kunheim bei Berlin) 
liefert wegen der gleichzeitig gegenwärtigen theerigen Substanzen einen 
schmutzigen S. Gerlach (D. 230. 61) destülirte den S mittelst über- 
hitzten Wasserdampfes ab. Jetzt wird die Masse direkt abgeröstet und 
dadurch auf H^SO^ verarbeitet. 

4. Aus Soda rück ständen. Die Gewinnung des S aus den 
Rückständen des Leblanc -Prozesses, sowie aus SO, und H,S und aus 
jedem dieser Gase einzeln hängt so innig mit anderen Prozessen zu- 
sammen, dass sie bei diesen letzteren besprochen werden wird. 

Raffinirung des Schwefels. Der in Sizilien gewonnene Roh- 
schwefel wird nach seinem Aussehen in sieben Klassen geordnet, 
welche von 4 bis 25 ^o Verunreinigungen enthalten. Die besseren 
Sorten ergaben nach Ch. Mene (Moniteur scientif. 1867. 400) fol- 
gende Analysen: 





Gewinnung. 






87 




I 


II 


III 


IV 


V 


Schwefel (in CS2 lösl.) . 
Schwefel (in CS2 unlösl.) 
Bituminöse Substanz . . . 
Sand und Kieselsäure . . . 
Kohlensaurer Kalk (Cölestin) 
Verlust 


96,2 0/0 

0,5 l 
1,5 , 

1.8, 


91,370 
1.5 , 
0,7 , 
3,3, 

2,5, 
0,7, 


90,1 7o 
2,0 , 

1.0 , 
2,3 , 

4.1 , 
0,5 , 


90,070 
2,1 , 
1,1 , 
2,8, 
3,0 , 
1,0, 


88,7 7( 

1,7, 
1,0, 

5,5, 
2,8, 
0,3, 



I und 11 Rohschwefel von Jalabert in Lyon. III Rohschwefel von Dela- 
cretaz in Vaugirard. IV Rohschwefel von Fayot in Marseille. V Rohschwefel 
von Sevin in Montpellier. 

Um aus diesem Rohschwefel reinen S darzustellen, unterwirft man 
ihn der Sublimation. Der erste Apparat dazu wurde 1805 von 
Michel in Marseille eingerichtet und bestand aus einem Feuerraum, 
in welchem eine Muffel aus Gusseisen lag, die mit 500 kg Rohschwefel 
beschickt wurde, und einer gemauerten Kühlkammer von 100 cbm Inhalt 
zur Kondensation der S-Dämpfe. Feissat und Parry-Signoret 
verbesserten den Apparat dadurch, dass sie die abgehende Hitze des 
Feuers benutzten, um S in einem Kessel zu schmelzen, von dem aus 
die Muffel nach Bedarf gespeist werden konnte, ohne dieselbe zu öffnen. 

Lamy verbesserte 1844 den Michel'schen Apparat. Er wendete 
zwei neben einander liegende Retorten aus Gusseisen von 1,5 m Länge 
und 0,5 m Durchmesser an und machte die Kühlkammer 7,5 m lang, 
5 m breit und 2,5 m hoch. Der Speisekessel zum Schmelzen des Roh- 
schwefels hatte meistens 1 m Durchmesser bei 1 m Tiefe. Die beiden 
Retorten werden abwechselnd mit je 300 kg geschmolzenem S beschickt 
und in 8 Stunden abgetrieben, so dass man aus beiden Retorten zu- 
sammen in 24 Stunden 1800 kg S abdest. Bei dieser Arbeit bleibt 
die T. in der Kammer stets über 112*^, so dass der kondensirte S darin 
schmilzt. Von der tiefsten Stelle am Boden der Kammer wird der 
raffinirte S abgezogen und mittelst Holzformen in Stangen gegossen. 

Will man Schwefelblumen darstellen, so darf die T. in der 
Kammer 110" nicht überschreiten. Um diese niedere T, einzuhalten, 
beschickt man die Retorten nur mit je 150 kg S und macht in 24 Stun- 
den nur zwei Operationen. 

Dej ardin hat der Retorte eine linsenförmige Gestalt gegeben 
mit etwas nach aufwärts gerichtetem Reinigungshals und ebenso an- 
steigender Austrittsröhre für die S-Dämpfe. Die letztere steht durch 
eine sich erweiternde Röhre mit Flügelklappe mit der Kühlkammer in 
Verbindung. Diese Form der Retorte hat den Zweck, die S- Verluste 
zu vermeiden, welche an der Frontöffnung der früheren Retorten 
vorkamen, und eine möglichst grosse Heizfläche zu schaffen. Deshalb 
gab man der Linse einen grossen Durchmesser und nur geringe Höhe. 
In der Fabrik von Bailly hat die Linse einen Durchmesser von 1,66 m 
und nur 46 cm Höhe in der Mitte. Die Reinigungsöffnung ist 24 cm 
breit und 18 cm hoch. Der Hals der Retorte ist 78 cm breit und 
43 cm hoch. Die ganze Länge des Gussstücks, welches vorn und hinten 
aus dem Ofen herausragt, ist ca. 2 m. Die Feuerung mit etwa 50 cm 
im Quadrat Rostfläche ist seitlich angebracht. Das Feuer erh. zuerst die 
obere Seite des Halses und der Linse und dann die untere, und entweicht 
unter dem trogartigen Vorwärmer nach dem Kamin (Fig. 30). Zwei solcher 
Retorten speisen eine Kühlkammer von 300 cbm. In vier Operationen zu 
je 600 kg S liefern die beiden Retorten in 24 Stunden 4800 kg raffinirten S. 



88 



Schwefel. 








Senkrechter Durchschnitt. 




Senkrechter Durchschnitt, rechtwinklig zum ersten. 




p^^^^^^%H ^ wms^^ßAw<\ 




Gnindriss. 
Fig. 30. Dejardin's Apparat. 



Für Schwefelblumen 
dient eine Kammer von 
600 cbm Inhalt, in 
welche in 24 Stunden 
nur 2400 kg S aus 
einer einzigen Retorte 
geschickt werden. 

Für jelOOkgraffi- 
nirten S verbraucht 
man 14 bis 22 kg Koh- 
len; in der Fabrik von 
Boude (Les raffine- 
ries de soufre de Mar- 
seille, 1876) in Mar- 
seille sogar bis zu .30 kg. 
Die dortigen Kühlkam- 
mern werden bis zu 
14 m lang, 8 m breit 
und 9 m hoch gebaut. 

Der Verlust an S 
durch die Raffinirung 
beträgt bei schlechtem 
Rohschwefel 3 bis 4^/o. 
In der Fabrik von 
Wy ndt-Aertsin Mer- 
xem bei Antwerpen, 
woeinDejardin'scher 
Ofen benutzt wird, be- 
trägt der Verlust nur 
2,24 V, in welchen die 
Verunreinigungen des 
Rohschwefelsvonl,5°/o 
eingeschlossen sind, so 
dass der wirkliche S- 
Verlustsich auf 0,74°/o 
reduzirt. Jährlich wer- 
den hier 1500 t S 
raffinirt. 

Die Societe ge- 
nerale des Soufres 
de Paris hat dem Ap- 
parat zur Fabrikation 
von Schwefelblumen 
1888 noch eine etwas 
andere Gestalt gegeben 
(Chem.Ind. 1889. 103). 
Henry Fish (D.R.P. 
Nr. 62 216 v. 5. Mai 
1891) schlug eine guss- 
eiserne Retorte einfa- 
cher Konstruktion vor. 



Gewinnung. Eigenschaften. 89 

In deutschen Raffinerien benutzt man einen sehr viel einfacheren 
Apparat. Derselbe besteht aus zwei gusseisernen Kesseln von 1 m 
Höhe und 1 m Durchmesser, welche durch ein ebenso weites Knierohr 
mit einander in Verbindung stehen. Der eine Kessel dient als Retorte, 
die durch ein Bodenfeuer nur an den Seiten erh, wird, und der andere, 
etwas tiefer stehende, als Vorlage zur Aufnahme des kondensirten S. 
Dieselbe ist durch Mauerwerk geschützt, um den raffinirten S flüssig 
zu erhalten, bis er abgezogen wird. 

Die unvollkommen entschwefelten Rückstände der Retorte werden 
in Schwefelsäurefabriken abgeröstet. 

* In Radoboj in Kroatien stellt man hauptsächlich Schwefelblumen 
dar. Als Retorte dient ein gusseiserner Kessel, von dem die S-Dämpfe 
durch ein gerades Aufsatzrohr in eine Holzkammer gelangen, in welcher 
sich die Schwefelblumen absetzen. Am Ende der Kammer ist eine von 
oben bis nahe zum Boden und darauf eine von unten bis nahe an die 
Decke reichende Wand angebracht zum Auffangen der minder reinen 
Produkte. Aus der Kammer treten die Dämpfe noch in einen letzten 
kleinen Kühlapparat in Gestalt einer Tonne. Die Kammer enthält 
75 cbm. Zu jeder Beschickung nimmt man 60 kg Rohschwefel und 
erhält daraus 38 kg reine Schwefelblumen aus dem ersten Theil der 
Kammer, 4 bis 6 kg unreine (SO^-haltige) Schwefelblumen, 10 bis 12 kg 
Rückstand und 6 kg Abfälle und Verlust. Im Tage macht man eine 
bis drei Operationen und verbraucht zu jeder etwa 125 kg Torf. 

Von anderweitigen Methoden, S zu raffiniren, ist noch der Vor- 
schlag zu erwähnen, S durch überhitzten Wasserdampf zu dest. (Du- 
bois, D.R.P. Nr. 41 718; D. 267. 320. Abbildung des ganzen Apparates 
in den Ann. di Agricoltura nel 1889, Firenze 1890. 63). 

Die im Handel vorkommenden Schwefelblumen enthalten stets SO^ 
und HgSO^ und werden durch Auswaschen mit H^O davon befreit ^). 

Prüfung des Scliwefels. Um S auf seine Reinheit zu prüfen, begnügt 
man sich gewöhnlich damit, etwa 10 g zu verbrennen und den Rückstand zu 
wägen. Man kann das Muster auch in einer Glasröhre in einem Strom inerten 
Gases sublimiren und die Menge des Sublimationsproduktes wägen. Für genauere 
Analysen bedient man sich des reinen CSj als Lösungsmittels (H. Macagno, 
Ch. N. 43. 192; Lunge, Taschenbuch 1892. 110; Juri seh, Handb. d. Schwefel- 
säurefabr. 1893. 7). 

Eine ausführliche Arbeit über Verunreinigungen des käuflichen S hat 
0. Rössler im A. P. 1887. 845 veröffentlicht. 

Eigenschaften des Schwefels. S (AG. 32) besitzt in seinem ge- 
wöhnlichen Zustande eine hellgelbe Farbe, welche bei — 50 " fast verschwindet, 
beim Erhitzen bis -j-lOO" aber dunkler wird. Er lässt sich leicht pulverisiren, 
SG. 1,98 bis 2,06. S schmilzt bei 111°, nach anderen Angaben bei 113 bis 113,5°, 
zu einer dünnflüssigen, gelben Flüss., beginnt bei 160 " dickflüssiger und pomeranzen- 
gelb zu werden, wird bei 220° zäh und röthlich, zwischen 240 und 260° sehr zäh 
und rothbraun, über 340° wieder etwas flüssiger, bis er, ohne seine dunkle Farbe 
zu verlieren, bei 448,4° (nach Regnaul t) zu sieden beginnt, und sich in dunkel- 
rothbraune Dämpfe verwandelt. Call an dar und Griffiths (Ch. N. 63. 1) fanden 
den Sied, des S bei 444,5 °. Das Vol.-Gew. dieses Dampfes, auf H bezogen, ist 96, 



^) Ueber Verbesserungen an den hier beschriebenen Apparaten der Schwefel- 
industrie ist während der letzten zehn Jahre Nichts bekannt geworden. Abbildungen 
derselben finden sich in Ch. Ledoux, Mem. sur l'exploitation . . . Paris 1875, am 
vollständigsten in Fremy, Encycl. chimique. 5. von E. Sorel (Paris 1883), ferner 
in Lunge, Sodaindustrie. 



QQ Schwefel. 

erst bei 800° geht er in wirkliches S-Gas über vom Vol.-Gew. 32. S-Dampf geht 
durch plötzliche Abkühlung sofort in den festen Zustand über und liefert die sogen. 
S-Blumen. 

Wenn man bis auf 230° erh. S durch Eintauchen in U^O plötzlich ab- 
kühlt, so erhält man ihn weich und plastisch, und er kann in diesem Zustande 
zu Abdrücken von Medaillen und Gravirarbeiten benutzt werden. Da er nach 
einigen Tagen seine ursprüngliche Härte wieder erlangt, so können die Abdrücke 
wieder als Matrizen zur Anfertigung sehr reiner Formen dienen. 

S ist ein Nichtleiter der Elektrizität. Er löst sich nicht in H2O, sehr wenig 
in absolutem Alk. und Ae., weit leichter in erw. fetten und flüchtigen Oelen (zu 
S-Balsam) und in flüss. Kohlenwasserstoffen, leicht in Chloroform, Chlorschwefel 
und namentlich in CS2. Nach A. Cossa lösen 100 Thle. CS2 
bei 15° 38° 48,5° 

37,15 94,57 146,21 Thle. S 

Aus solchen Lsgn. kiyst. er in durchsichtigen Rhombenoctaedern vom SG. 2,07. 

Wenn man geschmolzenen S theilweise erstarren lässt, so erhält man ihn 
in durchsichtigen rhombischen Prismen vom SG. 1,96, welche aber bald trüb wer- 
den und in ein Aggregat von Rhombenoctaedern übergehen. 

Wegen sonstiger Modifikationen des S vergl. Engel, C. r. 1891. 112. 866, 
Ch. Z. Rep. 1891. 133, 134. Fr. Krapp, Ch. Z. 1888. 12. 1019, fand bei seinen 
Untersuchungen über das Ultramarin, dass der schwarze S von Magnus eine 
Mischung aus S und schwarzen Zersetzungsprodukten des beigemischten Oels ist. 

S ändert sein spez. Vol. mit der T. (M. Toepler, A. ch. 1892. 169). 

S löst sich beim Kochen mit HNO3 oder Königswasser, ferner beim Kochen 
mit Natron- oder Kalilauge, mit Lsgn. von S- Alkalien oder Schwefelcalcium, mit 
Lsgn. mancher Sulfosalze (z. B. der Verbindung Sb^Sß, Na2S, welche dadurch in 
Sb2S5, Na2S3 übergeht), und endlich mit schwefligsauren Alkalien, welche dadurch 
in Thiosulfate übergeführt werden. 

S entzündet sich an der Luft bei 250° und verbrennt mit blauer Flamme 
zu SO2, welche aber, wenn die Verbrennung in höherer T. vor sich geht , meistens 
auch etwas H2SO4 enthält. 

Anwendung. Die grösste Menge S dient zur Fabrikation von H2SO4, 
ferner zur Fabrikation von SO2 und der Salze dieser beiden Säuren, von Thio- 
sulfaten, CS2; zur Bereitung des Schiesspulvers, der Zündmittel und der Schwefel- 
fäden; zur Herstellung von Zinnober, Musivgold und andern S-Metallen; zur 
Fabrikation von Ultramarin; zum Vulkanisiren von Kautschuk und Guttapercha. 

Eine Mischung aus 100 Thln. Drehspähnen von Gusseisen mit 3 bis 15 Thln. 
S-Blumen und 8 bis 5 Thln. Salmiak, mit etwas H2O befeuchtet, liefert einen aus- 
gezeichneten Eisenkitt zum Dichten von Flanschen und Muffen. 

Geschmolzener S bildet mit den meisten S-Metallen eine homogene Mischung, 
welche sich beim Erkalten ausdehnt und daher zu Dichtungen und Abgüssen sehr 
geeignet ist. Diese Masse ist als „Spence-Metall" bekannt, hat SG. von 3,4 
bis 3,7, einen sehr geringen Ausdehnungskoeffizienten , und schmilzt bei 156 bis 
170°. Es wird durch Säuren in der Kälte fast gar nicht angegriffen. 

S wird benutzt zum Bleichen der Seide, zum Ausschwefeln der Wein- und 
Bierfässer, in denen man S-Fäden abbrennen lässt, zum Schwefeln des Hopfens 
und des Weines. Sehr grosse und ausgedehnte Anwendung findet S zur Be- 
kämpfung der Traubenkrankheit. 

Sehr fein gepulverter S entwickelt schon von 16° an S-Dämpfe, die bei 45 
bis 50 ° so bedeutend zunehmen, dass man an der Innenwand eines über den erw. 
S gestülpten Glastrichters das Sublimat deutlich wahrnehmen kann. 

Eine betrügerische Verunreinigung der im Handel vorkommenden S-Blumen 
durch gemahlenen S lässt sich durch das Mikroskop nachweisen. 

Wirthschaftliches und Statistik. 1. Vorrat h. Die S-Minen Sizi- 
liens werden seit länger als 300 Jahren ausgebeutet (Oesterreichische Zeitschrift 
für Berg- und Hüttenwesen, Wien 1887. 603; Iron 1888. 32. 264); bis 1820 war 
aber nur geringer Export. 1885 schätzte man die überhaupt auf Sizilien vor- 
handen gewesene S-Menge auf 65 000 000 t. Davon waren gewonnen worden: 

bis 1831 etwa 2 000 000 t 

von 1831 bis 1885 etwa 8 300 000 t, 
entsprechend ungefähr 15 000 000 t reichen Schwefelerzes. Giorgio Spezia schätzt 
den S-Vorrath Siziliens auf 54 000 000 t, und nimmt an, dass zur Bildung dieser 



Wirthschaftliches und Statistik. 91 

S-Lager 10 000 Jahre erforderlich gewesen sind. Wenn man eine jährliche Pro- 
duktion von 400 000 t voraussetzt, so würde der jetzt noch vorhandene S-Schatz 
Siziliens noch länger als 100 Jahre ausreichen. 

Der Vorrath anderer S-Lager, und nanaentlich des Pyrits, entzieht sich jeder 
Berechnung. 

2. Schwefelgewinnung. Die S-Gewinnung auf Sizilien hält sich in 
primitiven Formen, weil auf der Insel kein Brennmaterial vorhanden ist, und die 
importirte Steinkohle so theuer zu stehen kommt, dass man immer wieder zum S 
als Brennmaterial zurückgreift. Trotzdem ist man bei tiefer dringendem Bergbau 
gezwungen, zur Fortschaffung des Grubenwassers Pumpen aufzustellen, deren Betrieb 
Steinkohlen erfordert. Nach den Annali di Agricoltura, Firenze 1890. XL VI. 
standen 1888 auf den Gruben 78 Dampfmaschinen mit zusammen 1179 Pferde- 
stärken im Betriebe. 

Ausserdem ist die S-Gewinnung in Sizilien mit einem sehr komplizirten Ab- 
gabensystem belastet. Der Grundbesitzer verpachtet seine Mine auf kurze Zeiten 
gegen eine Abgabe von 20 bis 50 "/o des erzeugten Rohproduktes; die mittlere 
Pacht beträgt etwa 25 "/o. Folglich beutet der Pächter nur die reichsten Stellen 
aus und lässt die minder i-eichen unberührt. Nachdem die S-Gewinnung in Sizi- 
lien 1838 zum Monopol gemacht, und die Ausbeutung desselben 1839 dem Hause 
Taix-Aycard et Cie. in Marseille übertragen worden war , betrieb dasselbe 
unter dem Namen der Societä privilegiata per la fusione dello Solfo in Italia die 
Dampfschmelzen auf eigene Rechnung in der Weise, dass sie sich durch eine Quote 
des erzielten Rohproduktes bezahlt machte, während der Rest dem Eigenthümer 
der Solfare verblieb. Diese Quote wechselte nach der Natur des verarbeiteten 
Minerals; in der Solfare della Croce betrug sie 82''/o> in Madore, Montedoro und 
Sommatino nur 29 7o. 1888 (Iron 1888. 32. 264) bezogen die Grundbesitzer 10 
bis 40 "/o des erzeugten Rohschwefels; die Grundsteuer betrug 36 7« des Reingewinns; 
die Monopolabgabe wechselte von 12 bis 45 "/o, und der Ausfuhrzoll betrug 8 Mark 
für die Tonne S. Eine Schilderung der Arbeiter- und Produktionsverhältnisse auf 
Sizilien findet sich in Ch. Ind. 1892. 337; 1893. 77. 

Ledoux (Mem. sur l'exploitation et le traitement des minerais de soufre 
en Sicile, Paris 1875) hat berechnet, dass von allem auf Sizilien vorhandenen S 
drei Fünftel gar nicht abgebaut oder bei Seite geworfen werden. Von den ge- 
förderten zwei Fünfteln gehen 85 7» durch die Fabrikation verloren, so dass der 
wirklich gewonnene Rohschwefel nur ein Viertel des in den Minen vorhandenen 
S ausmacht. 

Die Gewinnungskosten von 1 t Schwefelerz in Sizilien betragen nach 
den Annali di Agricoltura 1890. CLXXI 5,10 Lire. 

Daraus werden im Calcarone durchschnittlich 14,78 "/o Rohschwefel gewonnen. 
Für die Gewinnung von It Rohschwefel sind erforderlich: 

6765 kg Schwefelerz zu 5,10 Lire . 34,50 Lire 
Arbeitslöhne am Calcarone . . . 4,30 „ 



Gestehungskosten von 1 t Rohschwefel . 88,80 Lire. 

Von diesen 1000 kg Rohschwefel sind durchschnittlich 200 kg an den Grund- 
herrn abzuliefern. Die Gestehungskosten, 38,80 Lire, beziehen sich also auf nur 
800 kg Rohschwefel; demnach kostet die Tonne Rohschwefel 48,50 Lire am Cal- 
carone. Bis zur Verschiffung desselben sind für 1 Tonne noch 61,90 Lire Kosten 
zu tragen. 

3. Schwefelstatistik. Italien. Man schätzt, dass bis 1830 überhaupt 
2 000 000 t S aus Sizilien gewonnen wurden. 

Nach einer Zusammenstellung in den Annali di Agricoltura 1888. CCIX. 
wurden in dem Zeitraum von 1830 bis Ende 1869 in Sizilien im Ganzen 4240809 t 
S gewonnen. 

Nach der Statistica del Regne d'ltalia 1868. XLVI besass Italien 1864 im 
Ganzen 650 Schwefelminen, von denen 379 im Betrieb standen, und förderte in 
Sizilien 1 105 496 cbm, in der Emilia und der Marche 67 587 t Schwefelerz (SG. 
derselben 2 bis 2,5). Es wurden daraus in 4431 Calcaroni 181 300 t Rohschwefel 
im Werthe von 20 059 795 Lire gewonnen. In 8 Raffinerien wurden 8 980 t Roh- 
schwefel (959 977 Lire) raffinirt, welche 8 225 t reinen S im Werthe von 1 295 174 
Lire lieferten. 



92 



Schwefel. 



Während der zehn Jahre von Anfang 1870 bis Ende 1879 sind nach dem 
Annuario statistico italiano, Roma 1884. 484, 1890. 663 und den Annali di Agri- 
coltura 1888. CCIX und 741 im Ganzen folgende Mengen S gewonnen worden: 
In Sizilien 2 252 423; in Romagna und Marche 260 275; in Xeapel und Calabrien 
80 775 t; in ganz Italien 2 593 473 t im Werth von 304 426 485 Lire. Der Durch- 
schnittspreis für 1 1 betrug 117,34 Lire. 



Die folgenden Tabellen sind denselben Quellen und der Revista del Servizio 
minerario nel 1890 entnommen und nach dem Annuario statistico italiano 1892 
vervollständigt. 

Schwefelproduction. 





In Sizilien 


n der 
) magna 
Marche 


Neapel 
und 
lal)ricn 


In ganz Italien 




Zahl 


Jahr 




Werth 


Werth 




Werth 


Werth 


der 
Arbei- 




Menge 


in 1000 


von 1 t 


P5 3 


a 6 


Menge 


m 


von 1 1 


O Q 


ter 




t 


Lire 


Lire 


t 


t 


t 


1000 Lire 


Lire 






1880 


312 921 


31401,6 


100,35 


30530 


16222 


359663 


36465,6 


101,39 


280 


25083 


1881 


323 151 


37250.9 


115,30 


31679 


18330 


373161 


41908,0 


112,30 


320 


26078 


1882 


394 093 


41379,8 


105 


29765 


22060 


445918 


46642,5 


104,60 


352 


32431 


1883 


391 689 


37210,5 


95 


27789 


27030 


446508 


42393,2 


94,95 


367 


31851 


1884 


367 712 


32726,4 


89 


27575 


15750 


411037 


36522,0 


88,85 


393 


33030 


1885 


377 194 


31307,1 


83 


26526 


21327 


425047 


34964,1 


82,27 


374 


32927 


1886 


826 657 


24891,3 


76,20 


23274 


24412 


374343 


27962,3 


74,70 


403 


29875 


1887 


300 757 


20905,7 


69,50 


21000 


21050 


342807 


23694,2 


69,12 


364 


26851 


1888 


322 042 


21512,4 


66,80 


19254 


35242 


376538 


25013.0 


66,43 


362 


28888 


1889 


327 672 

328 024 


22117,9 


67,.50 


18866 


24956 


371494 


24652,9 


66,36 


419 


29028 


1890 


25461,0 


77,99 


21131 


19782 


369239 


2826.5,3 


76,55 


504 


30503 


1891 


847 568 






22540 


25420 


395528 






611 


35813 



Ein Theil dieses Schwefels wird in Italien selbst raffinirt (Revista p. CXL) : 





Anzahl der 
Raffinerien 


Anzahl der 
Arbeiter 


Produktion von raffinirtem Schwefel 


Jahr 


Menge 
t 


Werth in 
Lire 


Wert von 1 1 
Lire 


1890 


16 


255 


- 
50 537 


5 055 540 


100,03 



Ueber die Ausfuhr von S aus Sizilien und Italien sind Angaben vorhan- 
den im Report by the Juries of the Exhibition of 1862, der Statistica del Regno 
d'Italia 1868. XLYE, den AnnaU di Agricoltura 1890. CCXVIII, der Revista del 
Servicio minerario nel 1890. 113, dem Ch. See. Ind. 1889. 313; 1890. 671, der Ch. 
Ind. 1893. 77, die aber nicht übereinstimmen. Die folgende Tabelle ist aus dem 
Movimento commerciale del Regno d'Italia zusammengestellt woi'den: 



Statistik. 



93 



Ausfuhr von Schwefel aus Italien 
(in Tonnen zu 1000 kg). 



Nach 


1880 


1885 


1890 


1891 


1892 


Frankreich 


71966 


62 939 


73 596 


58 262 


77 424 


Grossbritannien 


54 636 


32 603 


28 701 


26 682 


24 739 


Deutschland 


11409 


12 795 


15 611 


12 067 


18 668 


Oesterreich-Ungarn .... 


7 419 


10 685 


16 594 


15 491 


13 499 


Russland 


7 749 


10153 


14 388 


12 758 


11186 


Schweden und Norwegen . . 


1039 


433 


5 313 


1297 


4 296 


Dänemark 


— 


1873 


284 


218 


2 013 


Belgien 


4 849 


12 678 


7 241 


5 241 


5 582 


Holland 


3 991 


1 157 


1596 


1831 


2 466 


Schweiz 


52 


522 


2 523 


1860 


1225 


Spanien 


1 19 084 


201 


6 456 


7 727 


9 437 


Portugal 


17 659 


18 929 


7 310 


11 241 


Griechenland 


5 271 


15 347 


15 207 


11327 


12 887 


Türkei 


1010 


3 802 


8 162 


2 997 


3 069 


Nordafrika 


49 


741 


76 


958 


146 


Vereinigten Staaten Amerikas 


98 815 


105 689 


111198 


101 579 


89 558 


Uebrigem Amerika .... 


313 


480 


2 064 


294 


673 


Australien 


— 


— 


105 


20 


2 282 


üebrigen Ländern .... 


— 


— 


665 


1464 


691 


Im Ganzen . . 


287 152 


289 257 


328 708 


269 377 


291 082 




274 136 


279 206 


316 990 


215 173 


— 



Einfuhr und Ausfuhr von Schwefel nach und aus Italien war 
nach dem Annuario statistico italiano 1889/90. 463. 1892. 573. folgende: 









Werth 








Werth 


Jahr 


Einfuhr 


Ausfuhr 


der Ausfuhr 


Jahr 


Einfuhr 


Ausfuhr 


der Ausfuhr 




t 


t 


in Lire 




t 


t 


in Lire 


1880 


219 


287 150 


33 596 784 


1889 


24 


331 902 


23 233 112 


1885 


45 


289 257 


26 033130 


1890 


28 


328 708 


26 296 648 


1886 


57 


300 881 


24 973123 


1891 


20 


269 377 


29 631 415 


1887 


32 


279 628 


20 972 100 


1892 


50 


291 082 


29 108 070 


1888 


30 


323 790 


23 150 956 











Die Verwendung des italienischen Schwefels ist aus folgender 
Tabelle aus den Annali di Agricoltura 1890. CCXX ersichtlich: 





Produktion 

Italiens 
an Schwefel 


Konsum im Ganzen 


Jahr 


zur Industrie 


zur Land- 
wirthschaft 


in Europ 


i 


in Amerika 


im Ganzen 




















Menge 






Menge 


7o 


Menge 


7o 


Menge 


7o 


7o 




t 


t 


t 


t 


t 




1870 


203 874 


105 420 


52 


37 292 


18 


142 712 


70 


61162 


30 


1875 


207 420 


91 262 


44 


39 413 


19 


130 675 


68 


76 745 


87 


1880 


359 663 


119 326 


38 


96 472 


27 


215 798 


60 


143 865 


40 


1885 


425 547 


139 104 


38 


90 691 


21 


229 795 


54 


195 752 


46 


1888 


376 538 


120 000 


32 


115 000 


31 


235 000 


63 


141 588 


37 


1890 


369 239 



















94 



Schwefel. 



Die Jahresproduktionen der übrigen Länder schwanken zwischen Null und 
12 000 t Rohschwefel und Null bis etwa 5 000 t an raffinirtem S. In der folgenden 
Tabelle ist die S-Statistik aller Länder der Erde für 1890 zusammengestellt, die 
aber vielfach nur auf Annahmen beruht: 



chwefelstatistik der Erde für 1890. 







Pro- 
duk- 
tion 








Auf den 






u 


Ein- 


Aus- 


Ver- 


Kopf 




Land 


•^ 


fuhr 


fuhr 


brauch 


der Be- 


Quelle 




"^ 








völkerung 








t 


t 


t 


t 


kg 




Italien 


1890 


369 239 


28 


328 708 


40 559 


1.34 


Statistik 


Spanien .... 


1890 


30 050 


12 059 


— 


42 109 


2,39 


Statistik 


Deutschland . . . 


1890 


1915 


17 594 


849 


18 660 


0,38 


Statistik 


Oesterreich-Ungarn . 


1890 


100 


15 801 


2 500 


13 401 


0.32 


Statistik 


Russland .... 


1890 


4 914 


19 656 


— 


24 570 


0,22 


Ch. Ind. 1892. 
442. 


Schweden- Norwegen 


1890 


42 


5 598 


— 


5 640 


0,83 


Handelsbericht 


Dänemark .... 


1890 


— 


362 


— 


362 


0,16 


Handelsbericht 


Grossbritannien . . 


1890 


— 


28 432 


5 708 


22 724 


0,60 


Statistik 


Holland 


1891 


— 


2 483 


1704 


779 


0,17 


Statistik 


Belgien 


1890 


— 


42 309 


4 232 


38 077 


6,24 


Ch. Ind. 1892. 

138. 
Statistik 


Frankreich . . . 


1890 


4 300 


84 675 


11373 


77 601 


2,03 


Schweiz .... 


1890 


54 


2 523 


— 


2 577 


0,88 


Handelsbericht 


Griechenland . . . 


1890 


1700 


11784 


— 


13 484 


6,44 ■ 


Handelsbericht 


Türkei 


1890 


— 


9 950 


5 


9 945 


0,29 


Annahme 


Portugal .... 


1890 


— 


18 929 


— 


18 929 


3,96 


Handelsbericht 


Vereinigte Staaten 
















Amerikas . . . 


1890 


Null 


131 277 


— 


131 277 


2,09 


Statistik 


Japan 


1890 


26 353 


— 


21 457 


4 896 


0,12 


Handelsbericht 


Alle übrigen Länder 


1890 


76 200 


— 


26 923 


49 277 


0,05 


Annahme 



Im Ganzen . 1890 514 867 403 4601403 460 514 867 0,848 



Die aus Sodarückständen gewoimene S-Menge ist in dieser Statistik nicht 
berücksichtigt worden. Nach R. Hasen clever (Ch. Ind. 1889. 436) könnte die- 
selbe im Ganzen 180 000 t im Jahr betragen , wovon 142 000 t auf England ent- 
fallen würden. Nach Rothwell werden thatsächlich etwa 70 000 t S aus Soda- 
rückständen gewonnen. 



Jurisch. 



Schwefelkohlenstoff. 

Geschichtliches. Schwefelkohlenstoff, Kohlenstoff disulfid 
CSj, wurde 1796 von Lampadius entdeckt') und in seinen Haupteigenscliaften 
erkannt. Aber erst seit 1838 wurde er von Schrott er in grösseren Mengen 
(20 kg CS2 in 12 Stunden) fabrikmässig dargestellt. 1843 nahm A. Parkes in 
England ein Patent auf Benutzung des CS.) zum Reinigen von Guttapercha und 
anderen Gummiarten, und Hess durch J. Fischer 1844 „viele Tonnen" CS2 dar- 
stellen. Der Gestehungspreis betrug damals 560 Mark für 1000 kg. 

In Frankreich beschäftigten sich Chaudelon und Perroncel, und bald 
darauf, seit 1848, auch D e i s s mit der Fabrikation von CS2. 

In Deutschland hat Marquardt in Bonn seit 1850 die Fabrikation von CS2 
betrieben; ihm folgten 1857 Seyfferth in Braunschweig, 1862 Löwenberg in 
Hannover, dann Heyl und Zimmermann in Berlin. 

Die Anwendung des CS2 zu Extraktionszwecken wurde zuerst von Ferrand 
1855 in Frankreich patentirt und dann von Deiss und Anderen weiter ausgebildet. 
Wenn es auch ein Irrthum ist, Deiss als den Schöpfer der CS2-Industrie zu be- 
trachten, so hat er sich doch um die Entfaltung derselben die grössten Verdienste 
erworben. 

Darstellung. CS, entsteht, wenn man S-Dampf über massig 
rothglühende Kohle leitet. Diese schon von Lampadius 1796 an- 
gegebene Methode wird gegenwärtig fast ausschliesslich zur Fabrikation 
von CS2 benutzt. Es ist nicht unbedingt erforderlich, den S als solchen 
anzuwenden, sondern man kann auch S-Metalle benutzen, welche ihren 
S an die Kohle abgeben. 

1. Darstellung aus Schwefel. Der von Perroncel und von 
Deiss zuerst benutzte Apparat hat das Vorbild für alle späteren Ap- 
parate abgegeben ^). Derselbe besteht aus einer senkrecht in einen 
Ofen eingemauerten Retorte aus Gusseisen von 2 m Höhe und 30 cm 
innerem Durchmesser, welche auf festem Untersatz ruht und ringsum 
von der Flamme bespült wird. Die Retorte ist an ihrem oberen Deckel 
mit zwei Oeflfnungen versehen. Durch die eine derselben wird ein beider- 
seits offenes, 5 cm weites Rohr (meistens aus Porzellan) eingeführt, 
welches bis beinahe auf den Boden reicht, und zur Einbringung des 



^) Wir folgen hier wesentlich der Darstellung von 0. Braun in Hofmann's 
Bericht 1875. 260, mit sehr zahlreichen Litteraturnachweisen. 

^) Derselbe ist in den meisten chemischen Technologien abgebildet. Wir 
geben daher seine weiter entwickelte Form nach Singer, siehe Seite 98. 



gg Schwefelkohlenstoff. 

S dient. Durch die andere, weitere Oeffnung wird die Retorte mit Kohle 
(meistens Holzkohle) beschickt. Xahe unter dem Deckel hat die Retorte 
noch einen angegossenen Hals, durch welchen die CS^-Dämpfe in die 
Torlage gelangen. 

Da die CS.,-Dämpfe gewöhnlich mit S-Dampf gemischt sind, so 
muss die Vorlage so beschaffen sein, dass sie durch sich verdichtenden 
S sich nicht verstopfe. Man benutzte daher zuerst ein Bombon mit 
weiten Hälsen und 8 bis 10 cm weiten Verbindungsröhren. Der hierin 
sich verdichtende CS., floss in eine Florentiner Flasche ab , und aus 
dieser nach einer grösseren Sammelflasche über. Der im Bombon nicht 
kondensirte CS^-Dampf gelangte in eine Kühlschlange . welche ihren 
Inhalt nach einem Sammelbehälter abfliessen liess. 

In allen offenen Gefässen wird der CS.,, um seine Verdampfung 
möglichst zu verhindern, mit einer Schicht H^O bedeckt gehalten. 

Die Arbeit an einem derartigen Apparat ist folgende: Nachdem 
die Retorte bis zum oberen Rande mit Holzkohle (oder Koks) angefüllt, 
der Deckel aufgesetzt, die Verbindung mit dem Kühlapparat hergestellt, 
und durch das unter oder neben der Retorte entzündete Feuer die Kohle 
in derselben zum Glühen gekommen ist. wird durch das Porzellanrohr 
S in kleinen Stücken eingeworfen. Das Rohr wird dann sogleich mit 
einem Stopfen verschlossen. Der auf dem glühenden Boden der Retorte 
rasch verdampfende S verbindet sich, die glühende Kohle von unten 
nach oben durchstreichend, mit C, und der gebildete CS^ wird im Kühl- 
apparat verdichtet. Das Zuschütten des S geschieht alle 3 bis 10 Min.. 
das Nachfüllen der Kohle alle 12 bis 24 Stunden, so dass der Betrieb 
kontinuirlich ist. Ein solcher Apparat liefert in 24 Stunden ungefähr 
100 kg CS,. 

Der grösste Uebelstand dieses und aller ähnlich eingerichteten 
Apparate besteht darin, dass die Retorte oft gänzlich entleert werden 
muss. um die Rückstände von der Kohle und dem S zu entfernen. 
Hierbei leiden die Arbeiter sehr durch die Hitze und die Dämpfe des 
brennenden CS.,. Ausserdem verursacht dieses Reinigen der Retorte 
einen erheblichen Material- und Zeitverlust. 

Um dasselbe weniger oft nöthig zu haben, brachte Deiss 1861 
im Innern der Retorte einen Rost aus feuerfestem Material an, um in 
dem freien Raum unterhalb desselben die Rückstände an Kohle und S 
sich ansammeln zu lassen. 

Da die Kondensationsvorrichtung der ersten Apparate sehr mangel- 
haft war, so hat Deiss auch diese verbessert: In seiner Fabrik zu 
Pantin stellte er vier Retorten aus feuerfestem Thon von 1,80 m Höhe 
und 50 cm innerem Durchmesser in einen Ofen und verband dieselbe 
mit 18 Kühlgefässen aus verzinktem Eisenblech (Fremy, Encyclo- 
pedie 5. 280; Ch. Ind. 1880, 8). Diese bestanden aus einer Glocke 
von 66 cm Durchmesser, welche auf ihrem Deckel ein Becken für 
Kühlwasser trug, und welche in einem weiteren mit H^O gefüllten 
Becken stand, an dessen Boden der kondensirte CS^ sich ansammelte 
(Fig. 31). Die zwölf ersten Gefässe waren in Gruppen von je vier 
geordnet. In den ersten derselben fand sich der verflüchtigte S vor. 
Die nicht kondensirten Dämpfe und Gase (namentlich H^,S) gingen 
durch einen Reiniger, wie man ihn in Leuchtgasfabriken benutzt, und 
■dann zum Kamin. 



Darstellung. 



97 



Der ganze Apparat verbrauchte in 24 Stunden 500 kg S und brachte 
90 ^/o davon als CSg aus. In seinem französischen Patent 77 731 vom 
5. September 1867 beschreibt Deiss noch eine Abänderung an seinem 
Apparat. 

Gerard benutzte schon 1859 in der Fabrik zu Grenelle einen 
etwas grösseren Apparat mit seitlicher Zuführung des S mittelst eines 
geneigten Stutzens am Boden, der zugleich dazu diente, das Gekrätz 
aus der Retorte wöchentlich einmal zu entfernen, einer besonderen Vor- 
lage zum Auffangen des verdampften S und einem Oberflächenkonden- 
aator für den CS^,. Von 275 kg S, welche in 24 Stunden in den Apparat 
eingingen, gewann er 35 kg als solchen zurück, 217 kg wurden wirklich 
in CSg übergeführt und lieferten 258 kg davon. An Holzkohle wurden 
110 kg angewendet, wovon 41 kg in das Fabrikat übergingen. 

In Swoszowice benutzte Stanislaus Mrowec einen dem Deiss- 
schen Apparat ähnlichen. Nur schützte er die gusseiserne Retorte inner- 



Wasser 



"Wasser 



Schwefelkohlenstoff 
Fig. 31. Kondensationsvonich tung am Apparat von Deiss. 




lieh und äusserlich durch einen feuerfesten Thonüberzug, was sich nicht 
bewährte. Man erzeugte dort in einem Apparat 400 kg, in einem 
anderen 230 kg CS, in 24 Stunden. 

Der von Galy-Cazalat und Huillard 1857 gemachte Vor- 
schlag (Engl. Pat. Nr. 2085 vom 31. Juli 1857), eine Retorte zu be- 
nutzen, in welcher durch Verbrennung eines Theiles der Kohle der Rest 
derselben zum Glühen käme, hat sich nicht bewährt, da die Verbin- 
dung des S mit dem C unter Wärmebindung stattfindet. Der Prozess 
nährt sich nicht selbst, sondern kommt ohne beständige Wärmezufuhr 
sehr bald zum Stillstand. 

Als einen Fortschritt in der Fabrikation hat man es betrachtet, 
dass man den S nicht in fester, sondern in Dampfform in die Retorte 
treten lässt. 

In neuerer Zeit ist die Literatur über die Fabrikation von CS., 
durch J. Singer (Soc. Ch. Ind. 1889. 93, mit Abbildungen) bereichert 
worden. Sein Apparat, der in Fig. 32 abgebildet ist, und der mit einer 
Retorte in 24 Stunden 200 bis 250 kg CS, erzeugt, stellt eine Weiter- 
entwickelung des Deiss'schen dar. 

Gegenwärtig ist man zu einfachen, stets vertikalen Retorten aus 
Gusseisen zurückgekehrt, und betrachtet das Gusseisen einfach als Hülfs- 
material für die Fabrikation. Man macht die Wände der Retorte 5 bis 
7,5 cm stark, und gewinnt aus einer Retorte, welche 1000 bis 2000 kg 
schwer ist, 20 000 kg und mehr CS.^. Dabei verwandelt sich das Guss- 

Handbuch der ehem. Technologie. I. 7 



98 



Schwefelkohlenstoff. 




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eisen der Retorte 
unter erheblicher 
Yergrösserung des 
Volumens fast ganz 
in ein in verd. 
Säure sehr schwer- 
lösl. Schwefeleisen. 
Bei unzweckmässi- 
ger Einmauerung 
oder schlechter Be- 
schaffenheit des 
Gusseisens kann 
aber eine Retorte 
auch schon in we- 
nigen Tagen un- 
brauchbar werden. 
Bei der Fabri- 
kation von CSg. 
wähle man eine 
durchaus dichte,also 
gusseiserneRetorte, 
halte dieselbe mit 
möglichst reiner, 
aschenarmer und 
trockener Kohle 
(Holzkohle oder 
. Koks) nahezu ge- 
füllt, und lasse bei 
möglichst gleich- 
massiger mittlerer 
Rothglut Dämpfe 
von trockenem S 
darauf einwirken 
(W. Stein, Polyt. 
Centralblatt 1889. 
392; Sidot, C. r. 
69. 1303 f.). Die 
Rückstände der 
Kohle und des S 
sind rechtzeitig aus 
der Retorte zu ent- 
fernen. 

Wie wichtig das 
Innehalten der rich- 
tigen T. ist, zeigen 
die Versuche von 
Sidot mit 10 g 
eigens präparirter 
Holzkohle und 40 g 
S. Er beobach- 
tete: 



Darstelluncp. 



99 





Bei T. 


Abnahme 
an C 


Ausbeute 
an CS., 

ff 


CSo erzeugt für je 
5 gr C-Abnahme 

ff 


Dunkelrothglut .... 

Rothglut 

Hellrothglut 


5 

6,3 

7,5 


17 
29 
19 


17 
23 
12.7 



Hieruach erscheint die T. der Kirschrothglut als die günstigste, 

2. Darstellung aus Schwefelmetallen. Wenn Schwefelkies, 
FeSa, der ja leicht die Hälfte seines S abgibt, mit Kohle geglüht wird, 
so entsteht CS,. Dieser Reaktion ist der Gehalt des Leuchtgases an CSg 
zuzuschreiben, da Steinkohle stets etwas Schwefelkies enthält. 

E. und L. Labois (Fr. Br. 132 723 vom 15. September 1879; 
133 244 vom 18. Oktober 1879; Certif. d'add. vom 18. Oktober 1880, 
:!1. März 1881, 4. April 1884, 5. Juni 1884; D. 238. 321; Ch. Ind. 
1880. 271; Fremy, Encycl. 5. 284) haben einen Apparat patentirt, um 
Pyrit zuerst zur Fabrikation von CSg und den Rückstand durch völliges 
Abrösten zur Fabrikation von HjSO^ zu benutzen. 

In ähnlicher Weise kann man, wie auch schon R. Wagner 
(Hofm. Ber. 1875, 262) 1856 vorgeschlagen, Schwefelantimon und Zink- 
blende benützen. Auch SOg, durch glühende Kohlen geleitet, liefert 
CS^. So haben Re'gi und Desjardins in Toulouse (D.R.P. Nr. 36 711 
vom 10. Dezember 1885, 12) Alkahsulfat mittelst Kieseiguhr und Wasser- 
dampf zersetzt und die entwickelte SOg über glühenden Koks geleitet, 
um CSg zu gewinnen (Ch. Ind. 1886. 347). 

Aber alle diese Vorschläge und diejenigen von Koller und Bord 
inLimoges, Fr.Br. 35219 vom 26. Januar 1858, Geraud, Fr. Br. 139379 
vom 28. Oktober 1880, Vial und Comp., Fr. Br. 170 809 vom 
29. August 1885, Parker und Robinson, Engl. Fat. 11099 vom 
10. Juli 1889, haben keinen Eingang in die Industrie gefunden. Eine 
kleine Menge CSg wird auch aus dem rohen Handelsbenzol gewonnen 
(Ch. Ind. 1881. 146, 222). 

Reinigung des rohen Schwefelkohlenstoffs. Die Ver- 
unreinigungen des rohen CS, rühren theils vom S, theils von der zur 
Fabrikation benutzten Holzkohle oder Koks her. 

Der rohe CS., enthält 8 bis 12*^/0 S in Lsg. und ausserdem Kohlen- 
stoffprotosulfür ; ferner, da Holzkohle und Koks nicht aus reinem C be- 
stehen, sondern ausser den Aschenbestandtheilen namentlich H und 
enthalten, welche ebenfalls in Reaktion treten, auch noch H,S und 
wahrscheinlich flüchtige Verbindungen von C, S und 0, welche dem 
rohen Produkt einen höchst widerwärtigen Geruch ertheilen. 

Die Menge der letztgenannten flüchtigen Verbindungen, welche 
sich durch eine starke Gasentwickelung während des Prozesses bemerk- 
bar machen, wächst mit dem Gehalt der Kohle an H und und an 
Feuchtigkeit. Dieselben verursachen nicht nur einen beträchtlichen 
S- Verlust während der Fabrikation und erfordern besondere Konden- 
sationsvorrichtungen, weil sie sonst die Nachbarschaft der Fabrik be- 
lästigen, sondern sie sind auch die Ursache, dass sich beim Reinigen 
des rohen CS^ durch Destillation unter lebhafter Gasentwickelung ein 
Verlust herausstellt, der sich bis zu 25 ^lo steigern kann. Deshalb muss 



]^QQ Schwefelkoblenstoff. 

man die Kohle vor dem Gebrauch ausglühen, unter Luftabschluss er- 
kalten lassen oder auch noch glühend in die Retorte bringen. 

Der rohe CS., lässt sich nicht durch einfache Dest. reinigen, 
sondern erfordert gleichzeitig chemische Einwirkung von Reinigungs- 
mitteln. Ueber die früher eingeschlagenen Methoden vergleiche mau 
Braun in Hofmann's Ber. 1875. 266; Sorel in Fremv's Encycl. 5. 
285; Allary, Ch. Ind. 1881. 259 und E. Obach, Ch. Ind. 1889. 370. 

Nach J. Singer (Soc. Ch. Ind. 1889. 93; Monit. Scientifique, 
Paris 1889. 530) reinigt man rohen CS., gegenwärtig auf folgende Weise: 
Ein Gefäss von 1,83 m Höhe und 76 cm Durchmesser, welches am 
Boden ein durchlöchertes Bleirohr in einigen Windungen enthält, wird 
mit rohem CS^ halb gefüllt. Darauf drückt man Kalkwasser, welches 
den HgS aufnimmt, durch das Bleirohr so lange durch die Flüssigkeit, 
bis es oben klar abläuft. Der so gewaschene CS^ kommt dann in eine 
Destillirblase, wird hierin mit farblosem Oel (etwa 1 ^/o seines Gewichtes) 
vermischt, mit etwas H.,0, dem man eine geringe Menge Bleizucker- 
Lsg. zusetzt, überdeckt, und im Wasserbade abdest. Diese Dest. 
über reines fettes Oel kann man nöthigen Falls noch einmal im 11,0- 
oder Dampf bade wiederholen. Das SG. des CS.^ beträgt nach Singer: 

roh, vor dem Waschen mit Kalkwasser . . 1,292 
nach dem Waschen mit Kalkwasser .... 1,289 
nach der Dest. über Oel 1,286 

A. Chenevier (L'union pharm. 32. 204) reinigt 1 1 CS., mit 
0,5 g Br. 

Prüfung. Die häufigste Verunreinigung des CS-2 besteht in S. Man findet 
denselben, indem man ein Muster des CS2 bei möglichst niedi-iger T. , die man 
nur gegen Ende des Versuchs auf etwas über 100" steigern darf, verdampft, und 
den Rückstand wägt. Reiner CS^ verdampft, ohne Rückstand zu hinterlassen. 

H. Macagno (Ch. N. 1881. 43. 138) in Palermo hat folgende Methode zur 
Bestimmung des CS2 angegeben : Wenn man zu einer Lsg. von KOH in absolutem 
Alk. vorsichtig CS2 zufügt, so entsteht Kaliumxanthat: CjHaHO + HKO + CS2 
= KC2HJCOS2 + H2O. üebersättigt man diese Lsg. mit Essigsäure und fügt dann 
eine geringe Menge Kupfersulfatlsg. zu , so bildet sich ein brauner Niederschlag 
von Kupferoxydxanthat, welcher sehr rasch in glänzend gelbe Flocken von Kupfer- 
oxydulxanthat übergeht. Dies letztere Salz ist unlösl. in H2O und verd. Säuren. 
Für je 1 g CS2 erhält man durch Glühen des Xanthats 0,518 g CuO. 

Zu der CS2 enthaltenden Flüss. fügt man aus einer Bürette Cu-Lsg., welche 
12,47 g kryst. Kupfersulfat in 1 1 enthält, bis man nach der Tüpfelmethode mit- 
telst Kaliumeisencyanür einen Ueberschuss an Cu-Salz bemerkt. 1 cm verbrauchter 
Cu-Lsg. zeigt 0,0076 g CS2 an. 

Wegen Bestimmung kleiner Mengen H2S im CS2 vergl. E. Allary (Bl. 35. 
491) und E. Obach (Ch. Ind. 1882. 370). 

Kleine Mengen CS; selbst bestimmt A. W. Hof mann mit Hülfe von Tri- 
äthylphosphin (B. 13. 1732; Ch. Ind. 1880. 356); Sloane (Ch. N. 44. 221; Ch. Ind. 
1881. 423) im Leuchtgas als Kupferxanthogenat. 

Eigenschaften. Der rohe oder unvollständig gereinigte CS2 bildet bei 
gewöhnlicher T. eine blassgelbliche Flüss. von äusserst widerwärtigem Geruch und 
SG. 1,298. 

Der reine CS2 (MG. 76, mit 15,8% C und 84,2% S) ist eine wasserhelle, 
dünnflüss. und leicht bewegliche, stark Uchtbrechende Flüss. von durchdringen- 
dem, an Chloroform erinnerndem Geruch und aromatischem Geschmack. SG. 1,2684. 
Sied. 46,5", verflüchtigt sich schon bei gewöhnlicher T. stark. Die Dampfspan- 
nung der ges. CS2-Dämpfe in mm Quecksilber ist nach Regnault: 



Eigenschaften. 



101 



T. 


mm 


T. 


mm 





127,91 


50 


857,07 


10 


198,46 


60 


1164,51 


20 


298,03 


70 


1552,09 


30 


434,62 


80 


2032,53 


40 


617,53 


90 


2619.08 


46,5 


760 


100 


3325,15 



Er ist sehr leicht entzündlich und verbrennt mit fahl blauer Flamme zu SOo und 
CO2. Der CS^-Dampf (SG. 38 gegen H, oder 2^3 Mal schwerer als Luft) 
entzündet sich äusserst leicht, nach Braun bei 170", nach Frankland 
bei 149 ^ bei Berührung mit staubbedeckten Metallflächen aber zuweilen schon 
unter 100"') (Pöpel, Ch. Z. 1891). Derselbe bildet, mit 3 Vol. oder 
der entsprechenden Menge Luft gemischt, ein sehr heftig explodirendes Gas 
und liefert 1 Vol. COj und 2 Vol. SO2 nach : CS2 + 8O2 = CO2 + 2SO2. Diese 
beiden Gase können die Verbrennung nicht weiter unterhalten; fand dieselbe in 
Luft statt, so tritt zu jenen Gasen noch der N-Rest der Luft hinzu. Daher 
kann CS2 zum Löschen von Kaminbränden oder Bränden in geschlossenen Räumen, 
wie Kellern, Magazinen, mit Vortheil benutzt werden. Ein Gemenge von CS2- 
Dampf und Stickoxyd gibt beim Entzünden ein sehr starkes Licht, welches zu 
photographischen Zwecken angewendet worden ist (Del achanal und Mermet, 
C. r. 79. 1078). 

CS9 verbindet sich nicht mit H2O und löst sich darin nach Sestini nur 
bis zu 170. Nach Page (Ch. N. 1880. 42. 195; Ch. Ind. 1880. 391) nimmt HjO 
nur etwa 0,2 *'/o CS2 auf. Dagegen ist er mit Alk. , Ae. und ähnlichen Flüss. in 
allen Verhältnissen mischbar. Oele, Fette, Harze, Theer, Kautschuk, Guttapercha, 
Wachs, Kampher, S, P und J löst er in grosser Menge auf. Die Lsg. von J in 
CS2 ist rosaroth. 

Spezifische Gewichte der Lsgn. von S in CS2 bei 15°^) 
(H. Macagno, Ch. N. 43. 192). 

100 Gewichtstheile CS2 lösen Gewichtstheile S auf: 



SG. 


Grad 
Baume 


S 


SG. 


Grad 
Baume 


S 


SG. 


Grad 
Baume 


S 


1,271 


30,7 





1,288 


32,3 


4,1 


1,305 


33,7 


8,2 


1,272 


30,8 


0,2 


1,289 


32,3 


4,4 


1,306 


33,8 


8,5 


1,273 


30,9 


0,4 


1,290 


32,4 


4.6 


1,307 


33,9 


8,7 


1,274 


31,0 


0,6 


1,291 


32,5 


4,8 


1,308 


34,0 


8,9 


1,275 


31,1 


0,9 


1,292 


32,6 


5,0 


1,309 


.34,1 


9,2 


1,276 


31,2 


1,2 


1,293 


32,7 


5,3 


1,310 


34,2 


9,4 


1,277 


31,3 


1,4 


1,294 


32,7 


5,6 


1,311 


34,2 


9,7 


1,278 


31,4 


1,6 


1,295 


32,8 


5,8 


1,312 


34,3 


9,9 


1,279 


31,5 


1,9 


1,296 


32,9 


6,0 


1,313 


34,4 


10,2 


1,280 


31,5 


2,1 


1,297 


33,0 


6,3 


1,314 


34,5 


10,4 


1,281 


31,6 


2,4 


1,298 


33,1 


6,5 


1,315 


34,6 


10,6 


1,282 


31,7 


2,6 


1,299 


33,2 


6,7 


1,316 


34,7 


10,9 


1,283 


31,8 


2,9 


1,300 


33,3 


7,0 


1,317 


34,7 


11,1 


1,284 


31,9 


3,1 


1,301 


33,4 


7,2 


1,318 


34,8 


11,3 


1,285 


32,0 


3,4 


1,302 


33,4 


7,5 


1,319 


34,9 


11,6 


1,286 


32,1 


3,6 


1,303 


33,5 


7,8 


1,320 


35,0 


11,8 


1,287 


32,2 


3,9 


1,304 


83,6 


8,0 


1,321 


35,1 


12,1 



') Ein Fall von Selbstentzündung ist in W. J. 1891. 314 beschrieben; Zeitschr. 
f. angew. Chem. 1891. 322. 

^) Vergl. Lunge, Taschenbuch für Sodafabrikation. Berlin 1883. 88, 
1892. 110. 



102 



Schwefelkohlenstoff. 



SG. 


Grad 
Baume 


S 


SG. 


Grad 
Baume 


S 


SG. 


Grad 
Baume 


S 


1,322 


35,2 


12,3 


1,346 


37,1 


18,1 


1,370 


89,0 


2.5,1 


1,323 


35,2 


12,6 


1,347 


37,2 


18,4 


1,371 


39,1 


25,6 


1,324 


35,3 


12,8 


1,348 


37,2 


18,6 


1,372 


39,1 


26,0 


1,325 


35,4 


13,1 


1,349 


87,3 


18,9 


1,373 


39.2 


26,5 


1,326 


35,5 


13,3 


1,350 


87,4 


19,1 


1,374 


39.3 


26,9 


1,327 


35,6 


13,5 


1,351 


37,5 


19,3 


1,375 


39,4 


27,4 


1,328 


35,7 


13,8 


1,352 


37,6 


19,6 


1,376 


89,4 


28,1 


1,329 


85,7 


14,0 


1,353 


37,7 


19,9 


1,377 


39,5 


28,5 


1,830 


35,8 


14.2 


1,3.54 


37,7 


20,1 


1,378 


39,6 


29,0 


1,331 


35,9 


14,5 


1,355 


37,8 


20,4 


1,379 


89,7 


29,7 


1,332 


36,0 


14,7 


1,356 


37,9 


20,6 


1,380 


.39,8 


30,2 


1,333 


36,1 


15,0 


1,357 


88,0 


21,0 


1,381 


39,8 


30,8 


1,334 


86,1 


15,2 


1,358 


38,1 


21,2 


1,382 


39,9 


31,4 


1,335 


36.2 


15,4 


1,359 


38,1 


21,5 


1,383 


40,0 


31,9 


1,336 


36,3 


15,6 


1,360 


38,2 


21,8 


1,-384 


40,1 


32,6 


1,337 


36,4 


15,9 


1,361 


38,8 


22,1 


1,385 


40,1 


33,2 


1,338 


36,4 


16,1 


1,362 


38,8 


22,3 


1,386 


40,2 


33,8 


1,339 


36,5 


16,4 


1,863 


38,4 


22,7 


1.387 


40,8 


34,5 


1,340 


36.6 


16,6 


1,364 


38,5 


28,0 


1,388 


40,8 


85,2 


1.341 


36,7 


16,9 


1.865 


38,6 


23,2 


1,389 


40,4 


86,1 


1,342 


36,8 


17,1 


1,366 


38,7 


23,6 


1,390 


40,6 


36,7 


1,343 


36,8 


17,4 


1,367 


38,8 


24,0 


1,391 


40,6 


37,2 


1,344 


36,9 


17,6 


1,368 


38,8 


24,8 


/ 


..,,. ,, 




1,345 


37.0 


17,9 


1,369 


38,9 


24,7 


(gccattigt; 





CS2 verbindet sich mit elektropositiven S-Metallen zu S-Salzen (Sulfokar- 
bonate), z. B. KjS + CS.2 = K^CSg. 

Aus dem entsprechenden Pb-Salz erhält man durch Zerlegung mittelst H2S 
die Sulfo karbonsäure H-2CS3. 

CS2-Dämpfe wirken giftig auf den thierischen Organismus. Bei den meisten 
Personen, welche längere Zeit in einer CS2 enthaltenden Atm. athmen, stellen 
sich Kopfweh, Erbrechen, Gliederschmerzen, zumal in den Beinen, und schliesslich 
eine Abschwächung aller Köi-per- und Geisteskräfte, namentlich des Gedächtnisses 
ein. Diese Erscheinungen steigern sich mit der Dauer des Einathmens, und machen 
den Organismus, der einmal an denselben gelitten, sehr empfindlich gegen wieder- 
holte Einwirkungen des CS2. 

Anwendung. Bis 1850 wendete man CSo in grösseren Mengen fast nur 
zum Vulkanisiren und zum Lösen von Kautschuk an. Seitdem hat seine An- 
wendung in der Technik ausserordentlich zugenommen , und zwar in erster Linie 
wegen seiner Lösungsfähigkeit für viele Stoife. Er dient (wobei er wiedergewonnen 
wird): 

1. Als Lösungsmittel oder zum Mischen mit Chlorschwefel nach der Parkes- 
schen Methode von 1846 zum Vulkanisiren des Kautschuks. 1857 gab Bacon ein 
Verfahren zum Umarbeiten alter Kautschukgegenstände an. Bolley empfahl 1860 
eine Lsg. von Kautschuk in CS2 als einen trefflichen Firniss für Landkarten, Glo- 
ben, Etikette etc.; zur Herstellung des Kautschukleims. 

2. Zur Extraktion von S aus armen Schwefelerzen, von Condy (Fr. Br. 64983) 
1864 vorgeschlagen und 1867 von Bollmann empfohlen, wird nach den miss- 
lungenen Versuchen in Italien nur noch von Mrowec (D. 1879. 232. 86) in Swo- 
szowice bei Krakau ausgeführt. Rosway, Fr. Br. 146 254 vom 8. Dez. 1881. 

3. Zur Extraktion von Gewürzen und aromatischen Oelen, die zuerst von 
M i 1 1 n 1855, D e i s s 1856 und Koller und Bord 1858 vorgeschlagen, von B 0- 
niere in Paris, Fr. Br. 35499 vom 20. Febr. 1858, versucht wurde. 

4. Zur Extraktion des Oels aus Samen und Fruchtkernen. Nach Tcherniac, 
Fr. Br. 143169 vom 1. Juni 1881, können gewisse Oele bis 60% CS2 absorbiren. 
Hierher gehöi-en Pflanzenöle und schwere Petroleumöle. Ein Paraffingehalt der letzteren 
soU sogar die Lösungsfähigkeit für CS2 erhöhen. Deshalb benutzt auch Singer 



Anwendung. 103 

flache Schichten solcher Oele, um die darüber hinstreichenden Endgase seines Appa- , 
rates von den letzten Spuren von CS.2 zu befreien. Hieraus wird es verständlich, 
dass CS2, im Ueberschuss angewandt, aus durchlässigen KörjDern alles Oel und Fett 
völlig entfernt. Der erste Apparat dazu wurde 18-50 von Payen beschrieben, und 
seitdem haben sich an der Entwickelung dieser Industrie namentlich Deiss, Löwen- 
berg und Heyl betheiligt (vergl. 0. Braun in Hofmann's Bericht 1875. 
260 ff.; Ch. Ind. 1881. 225, Extraktion in Centrifugen). Das Abdestilliren des 
CS2 aus der Oellsg. geschieht ohne Ausnahme zuerst mit indirektem Dampf, d. h. 
durch doppelten Boden oder Schlange , zuletzt mit direktem Dampf. Auf diese 
Weise gewinnt man das Oel aus Oliven und Olivenpresslingen, Raps, Rübsen, Lein- 
samen , Mohnsamen und Palmkernen '). Aus den Rückständen entfernt man den 
CS2, indem man dieselben durch Wasserdampf auf 100" bringt. Der neueste 
Apparat zum Extrahiren von Oel aus Samen ist von Lever Brothers, D.R.P. 
No. 68175 vom 9. Juni 1891 angegeben, Ch. Ind. 1893. 351. 

5. Zum Entfetten und Reinigen von Pflanzen- und thierischen Fasern: Hanf, 
Flachs , Baumwolle , Wolle. Die letztere darf aber zur Entfernung der CS^ nur 
auf 70° erh. werden. 

6. Zur Gewinnung von Oel und Fett aus Stoffen, in denen es früher ver- 
loren war: fettigen Lumpen, Putzlappen, Putzwolle von Maschinen, Seifenschaum 
der Wollwäschereien — das hieraus gewonnene Fett kann zur Seifenfabrikation 
dienen — ; femer aus dem Glycerintheer der Pariser Stearinfabriken, wo derselbe als 
Nebenprodukt der Verseifung mit H2SO4 in namhafter Menge auftritt; aus den 
braunen Rückständen der Wagenschmiere , aus dem Sägemehl , welches zum Fil- 
triren der mit H)S04 raffinirten Oele gedient hat ; aus den Rückständen der Talg- 
kerzenfabrikation und den ausgepressten Fettgrieben. 

7. Zum Ausziehen des Fetts aus Knochen, die zur Darstellung der Knochen- 
kohle bestimmt sind. Man entzieht denselben 10 bis 12% Fett, welche durch 
Auskochen nicht zu gewinnen sind. Die so behandelten Knochen sind aber zur 
Darstellung der Gelatine unbrauchbar, weil die organische Substanz durch die 
Einwirkung des CSo und die darauf folgende Erhitzung auf 100° sich verändert. 

8. Zur Reinigung von Talg, Stearin und des rohen Paraffins nach Alcan's 
Methode und des Bienenwachses. 

9. Eine Lsg. von Wachs in CS2 (Wachsf irniss) ist zur Bereitung von 
Wachspapier, sowie zum Ueberziehen von Gypsfiguren in Vorschlag gebracht 
worden. 

10. Zum Auflösen von Theer z. B. aus Schafwolle von den Markstellen und 
von Asphalt aus bituminösen Gesteinen. 

11. Zum Betriebe der CS2-Dampfmaschine ^) (vergl. z. B. Blumenberg, 
D.R.P. Nr. 14278, Ch. Ind. 1881. 395). 

Fem er wird CS2 zu Zwecken benutzt, bei denen es wenig oder gar nicht 
auf seine Wiedergewinnung ankommt. 

12. Zur Fabrikation von Ammoniumsulfokarbonat , Schwefelcyanammonium 
und Blutlaugensalz nach dem Verfahren von Tcherniak und Güntzburg. 

13. Bei der Darstellung von Cyankalium aus Blutlaugensalz nach dem 
L i e b i g'schen Verfahren kann man nach H. Schwarz (W. J. 1863. 332) aus dem 
Salzgemisch das Cyankalium mittelst CS2 ausziehen, während Kaliumcyanat und 
Kaliumkarbonat darin unlösl. sind. 

14. Die Salze der mittelst CS2 hergestellten Xanthogensäure (Aethyldisulfo- 
karbonsäure) wurden von Zöller zum Präserviren von Nahrungsmitteln, ferner von 
H. Schwarz zur Herstellung von explosiven Mischungen in Vorschlag gebracht. 

15. Zur Bereitung des phönicischen Feuers (Fenian fire), einer Lsg. von P 
in CS2, womit Brandgeschosse für gezogene Geschütze gefüllt werden. 

16. Bei der galvanischen Versilberung setzt man dem Silberbade eine geringe 
Menge CS2 zu, um sofort einen glänzenden Ueberzug zu erhalten. 

17. Bei der galvanischen Vergoldung. 

18. Zum Tödten von Ratten, Mäusen, Würmern und Insekten, namentlich 



^) Extraktionsapparate finden sich abgebildet in Fremy, Encyclopedie 5. 
53. 288, in Heyl, Fr. Br. Nr. 77 293 vom 26. JuU 1867. Verbesserte Extraktions- 
apparate liefern We gelin und Hübner in Halle a/S. 

^) Ueber das Verhalten der ges. CS2-Dämpfe vergl. G. Zeuner, Mechanische 
Wärmetheorie. Leipzig 1877. Tabelle XVI. 



104 Schwefelkohlenstoff. 

des Komwuitnes auf Speichern und der Motten wird CS2 mit grossem Erfolg an- 
gewendet. In Australien werden Kaninchen damit vertilgt. 

19. Als fäulnisswidriges Mittel. König verbrennt den CSj in einer beson- 
deren Lampe zu Desinfektionszwecken; Dahlen zum Einschwefeln der Fässer. 
A. Grell (Ch. Z. Rep. 13. 97} benutzt ihn zur Konservirung von Grünfutter, um 
den Schimmel im Klee und im Heu zu verhindern. 

20. In sehr grosser Menge werden CS2 und seine Derivate in der Wein- 
kultur angewendet. So wird CSj direkt als Mittel gegen die Traubenkrankheit 
benutzt. Ferner dient eine Emulsion von CS2 und H2O, die man durch Zufügung- 
von Sulforicinoleat bereitet, zum Tödten der Phylloxera. Nach H. Grüneberg 
(Ch. Ind. 1891. 62) hat sich der Injecteur Pal, welcher den CS2 direkt an die 
Wurzeln der Rebe bringt, am besten bewährt. Zum selben Zweck benutzt man 
in jüngster Zeit die Alkalisulfokarbonate (Verbindungen der Alkalimetalle mit CS2- 
Säure H2CS3 = CS(SH)2 s. 0.) in wässeriger Lsg. Man darf nicht mehr als 25 g- 
CS2 auf 1 qm anwenden. 

21. Wegen seiner starken Lichtbrechung wird CS2 zum Füllen von Hohl- 
prismen verwendet. 

22. Zur Erzeugung niedriger T. 

23. Zum Feuerlöschen, wie schon erwähnt. 

24. Zur Erzeugung eines intensiven Lichtes durch Verbrennung in Stick- 
stoffoxyd (s. 0.). 

25. Zur Fabrikation von Chlorkohlenstoff. 

Wi rth schaftliches und Statistik. Ueber die Herstellungskosten des 
CSo in einem Deiss'schen Apparate mit zwei Retorten, in welche der S in Form 
von Patronen eingebracht wird, und welche wöchentlich sechs Tage arbeiten, theilte 
Payen folgende Aufstellung mit: 

1000 kg S zu 20 Frcs. die 100 kg 200 Frcs. 

300 kg Holzkohle 40 „ 

4 Mann bei Tage, 4 bei Nacht 41 „ 

2 Kinder zum Aufhäufen des S 3, 

4 Kinder zum Herstellen der Papierhülsen 6 „ 

4 Kinder zum Füllen der Patronen 6 „ 

40 hl Koks zu 1,20 Frcs 48 , 

Reparaturen und Ersatzstücke, Ausräumen der Retorten, 

Rektifikation des Produktes, Zinsen 40 „ 

Summe . . 384 Frcs. 
150 kg S zurückgewonnen 30 „ 

also kosten 800 kg CS2 '. '. '. 354 Frcs. 

100 kg CS2 44,25 Frcs. 

Hiernach beträgt der Verlust an Kohle nach Abzug der Asche 52 "/o, und 
der Verlust an S 17,6 7o. 

Nach Erkundigungen des Verfassers arbeitet man in den jetzigen Fabriken,, 
die mit allen neuesten Verbesserungen ausgestattet sind, mit einem geringeren 
Verlust an Holzkohle und auch mit geringerem Verbrauch von Heizkohle, dagegen 
mit grösserem Verbrauch von S. Man benutzt gusseiseme Retorten von 4000 bis 
5000 kg Gew., welche alle sechs bis sieben Wochen, grössteutheils in Schwefeleisen 
umgewandelt, erneuert werden müssen, nachdem jede etwa 5000 kg CS2 geliefert hat. 

Die Anlage einer gut eingerichteten CSo-Fabrik, welche täglich 500 kg er- 
zeugt, mit vier Retorten und allem Zubehör, jedoch ohne Rektifikations- und Ex- 
traktionsapparat und ohne Grundstück, würde in Berlin ungefähr 16000 Mark kosten. 

Italien produzirte 1888 in 8 Fabriken 2019 t CS2 im Werthe von 
627 550 Lire. 

Nach dem Oesterreichischen Statistischen Handbuch, Wien 1891. 116 betrug^ 
die Produktion Oesterreich-Ungarns: 

Jahr Menge in 100 kg Werth in Gulden 

1879 596 16 688 

1882 2 162 54663 

1884 195 8 900. 



Statistik. 



105 



Nach dem Statischen Jahrbuch für Ungarn (Budapest 1891) erzeugte dieses 
Land Mengen in 100 kg: 

1886: 82; 1888: 1028; 1889: 1937; 1890: 2661 im Werth von 30 561 fl. 

Nach Mrowec (D. 1879. 232. 86) konnte die eine Fabrik in Swoszowice 
bei Krakau 1879 in einem Apparat 12000, in einem anderen 7000 kg CS2 im 
Monat erzeugen, oder, wenn die Fabrik ohne Unterbrechung gearbeitet hätte, 
228 000 kg im Jahr. Hiervon wurden 80% exportirt, 4^0 gingen in der Reini- 
gung des rohen CS-), welcher bis zu 9 "/<> S gelöst enthielt, verloren; der Rest 
wurde zur S-Extraktion aus den dortigen Erzen und sonst im Inlande verbraucht. 

Oesterreich-Ungarn führte folgende Mengen CS2 ein: 

1889: 117,9 t; 1890: 248 t; 1891: 399 t; 1892: 210 t, 
aber keine nennenswerthen Mengen aus. 

In den Handelsstatistiken wurde CS2 bis 1885 nicht gesondert auf- 
geführt. 

Im Deutschen Reich geht CSo zollfrei ein und aus. 

Die Einfuhr von Schwefelkohlenstoff in das Zollgebiet des Deutschen 
Reiches betrug nach der Statistik des Deutschen Reiches, Neue Folge, Band 19, 
25, 33, 40, 47 und 54 in 100 kg: 



Aus 


1885 


1890 


1891 


1892 


1893 


den Zollausschlüssen der Elbe und Weser . . 
den Niederlanden 


17 

182 

347 
127 

1 


5') 
456 
68 

878 


351 

89 

147 

410 

3 


— 


— 


Belo^ien 





Grossbritannien 





Frankreich 

der Schweiz und Oesterreich-Ungarn . . . 


— 


Im Ganzen 


674 


1407 


1000 


854 


927 






Werth der Einfuhr in 1000 Mark .... 


28 


37 


26 


22 


— 



Die Ausfuhr aus dem Zollgebiet des Deutschen Reiches betrug in 
100 kg: 



Nach 


1885 


1890 


1891 


1892 


1893 


Bremen 


3 
34 

3 

16 

10 

125 

4 

130 


22 

753 
137 

320 

44 

13 

35 


5 
1 

13 

2 

27 

18 

135 

60 

703 

6 

26 

17 


564 




Hamburg und Altena 

den Niederlanden .... 


— 


Belgien 




Frankreich 

der Schweiz 


— 


Italien 




Oesterreich-Ungarn 




Rumänien 




Russland 




Schweden und Norwegen 

Brasilien 


8 
14 

2 


— 


Argentinien 




dem übrigen Amerika 

den Vereinigten Staaten von Nordamerika 
anderen Ländern 


— 


Im Ganzen 


349 


1324 


1014 


1019 


1404 






Werth der Ausfuhr in 1000 Mark .... 


15 


34 


26 


26 





') Aus „anderen Ländern". 



X06 ChlorkohlenstofiF. Chlorschwefel. 

Ueber die Preise des Schwefelkohlenstoffs sind in den vorstehenden 
Tabellen schon einige Angaben enthalten. Nach der Stohmann und An gl er- 
sehen Ausgabe von Payen's Technologie brachte Deiss den Preis des CSj von 
2 Frcs. für die Unze (= 28,35 g) oder 70,54 Frcs. für 1 kg durch seine Fabri- 
kation auf 0,50 Frcs. für das Pfund (= 458,6 g) oder auf 1,10 Frcs. für 1 kg 
herab. Die Herstellungskosten betrugen um 1880 1 d pro Pfd. oder 0,18 Mk. 
für 1 kg. 

Nach der Statistik des Deutschen Reiches, Neue Folge, 47. I, 12 wurde der 
Preis des CS2 1889 bis 1891 zu 26 Mk. für 100 kg netto gerechnet. 

Nach Erkundigungen des Verfassers lieferte eine grosse Berliner Firma 1890 
die 100 kg CS2 inklusive eisernes Fass zum Preise von 86,50 Mk. ab Berlin oder 
zu 87,50 Mk. ab Hamburg. 

Die Versendung des CS2 geschieht in Blechgefässen (Ch. Ind. 1880. 415; 
1881. 243). 



Chlorkohleiistoff. 

Aus CS2 lässt sich mit Leichtigkeit Chlorkohlenstoff (CCI4) darstellen, 
indem man nach Kolbe (Ann. Chem. Pharm. 45. 41; 54. 145) ein Gemenge von 
Cl und CS2-Dampf durch eine glühende Porzellanröhre leitet. Dabei erhält man 
als Nebenprodukt Chlorschwefel. Der VierfachChlorkohlenstoff entsteht nach 
A. W. Hof mann (Ann. Chem. Pharm. 115. 264) auch, wenn Cl und CS2 bei 
massiger T. in Antimonpentachlorid zusammentreffen. 

Lever und Scott, E.P. 18990 vom Jahre 1889, leiten trockenes Cl in 
langsamem Strome in CS2, in welchem 2 bis 12 ",'0 Jod gelöst sind. Die Reaction 
erfolgt nach der Formel : CS2 + 6 Cl = CCI4 4- S2CI2. Das Jod wirkt nur als Chlor- 
übertrager. Wenn das urspiüngliche Vol. des CS2 sich um das dreifache ver- 
mehrt hat, destillirt man, wobei zuerst CCI4 übergeht. Derselbe wird fractionirt 
mit Alkali gewaschen und wieder destillirt. Das Jod wird aus den alkalischen 
Waschwässern wiedergewonnen. Brom und Antimonpentachlorid an Stelle von Jod 
sind weniger wirksam. 

Müller und Dubois (D.R.P. No. 72 999) stellen CCI4 mit Hülfe von 
Schwefelchlorür dar nach : CS2 + 2 S2CI2 = CCI4 -f- 6 S bei Gegenwart von Eisen- 
pulver zur Aufnahme des S. 

Der Vierfach-Chlorkohlenstoff (MG. 154 mit 7,8 % C und 92,2 "/o Cl) ist 
eine schwere , farblose , chloroformähnlich riechende Flüss. , Sied, etwa 76 ". Er 
ist nach Braun ein Körper, dem eine industrielle Zukunft bevorsteht, da 
er sich vorzüglich als Lösungs- und Extraktionsmittel statt des Chloroforms 
eignet. Schon hat man angefangen , den Sesquichlorkohlenstoff, in 
welchen der Vierfach-Chlorkohlenstoff beim Durchtreiben durch eine glühende 
Röhre sich verwandelt, in den tinktorialen Industrien als Oxydationsmittel zu 
verwerthen. 

Ueber das Verhalten eines Gemenges von CS2 und CCI4 vergl. Brown (Ch. 
Ind. 1881. 269). 

In der Mitte zwischen CS2 und CCI4 steht das Kohlenstoffsulfochlorid 
(CSCI2) , welches zur Darstellung von Dialkylamidothiobenzoesäurechloriden aus 
tertiären aromatischen Aminen dient. Vergl. Alfred Kern, D.R.P. Nr. 37 730 
vom 18. März 1885 (Ch. Ind. 1886. 874). 



Chlorschwefel. 

Mit dem CS2 chemisch und technisch nahe verwandt ist der Chlorschwefel, 
Schwefelchlorür (S2CI2). Man erhält es, indem man gewaschenes und ge- 
trocknetes Cl durch geschmolzenen, und auf 125 bis 130^ erh. S leitet. Es 
entsteht sofort S2CI2, welches mit fortgerissenen S-Dämpfen in einer abgekühlten 
Vorlage aufgefangen %vird. Um das so erhaltene S2CJ2 von dem mechanisch bei- 
gemengten S zu befreien, wird es dest., wobei S zurückbleibt. Leon Bemelmans, 
D.R.P. Nr. 49 628 vom 13. Dez. 1888, steUt S2CI2 dar, indem er S auf ge- 



Chlorschwefel. 107 

schmolzenes Chloi-kalium fliessen lässt: 2KC1 + 3S = K2S -\- S.2CI2. Ein Ver- 
fahren zur volumetrischen Analyse des S2CI2 beschreibt L e Roy (Monit. scient. 
(4) 4. 1115). 

Reines S2CI2 (MG. 135; mit 47,4 S und 52,6 Cl) bildet eine bräunliche, 
ölartige Flüss. von SG. 1,60, riecht erstickend, raucht an der Luft, Sied. 144°. Es 
zersetzt sich mit HoO sehr bald in SO2, HCl, etwas H2SO4 und S. 

S2CI2 ist ein gutes Lösungsmittel für S. Rapsöl wird durch S2CI2 in 
eine kautschukähnliche Masse übergeführt, Leinöl in Firniss verwandelt. In Be- 
treff der Darstellung von Verbindungen aus S2C1t und festen Fettkörperu vergl. 
man Ad. Sommer, D.R.P. Nr. 50 543 vom 5. Sept. 1888 (Ch. Ind. 1890. 374). 
Seine hauptsächlichste Anwendung ist jedoch diejenige zum Vulkanisiren des 
Kautschuks. 

Jurisch. 



Schweflige Säure. 



Schwefligsäure, richtiger Schwefligsäureanhydrid oder Schwefel- 
dioxyd, SO2, kommt in der Natur nur in den Exhalationen der Vulkane vor 
und entsteht durch Verbrennen von S, Rösten von S-Metallen oder auch durch 
Reduktion von H2SO4. 

Die bei weitem grösste Menge SO2, welche in der Industrie dargestellt 
wird, dient unmittelbar zur Fabrikation von H2SO4. Die zu ihrer Darstellung be- 
nutzten Oefen werden in dem Abschnitte über H2SO4 besprochen werden. 

Darstellung von wässeriger SO^. Zur Darstellung einer konz. 
Lsg. von SO2 in H.,0 dient der Apparat Fig. 33 (aus Fr(3my, En- 
cycl. 5. 71). Man verbrennt S auf einer eisernen Schale, die man 




Fig. 33. Apparat zur Darstellung von 
schwefliger Säure. 

in den Ofen Ä schiebt. Derselbe hat einen genügend hohen Schorn- 
stein B, um den Zug herzustellen. Theoretisch vt^ürde man für je 
1 kg S 4,03 cbm Luft erfordern, man muss aber ungefähr 5,5 cbm 
Luft in den Ofen eintreten lassen. Die Gase gehen durch den Liebig- 
schen Kühler C, in Avelchem sich eine kleine Menge H^SO^ kondensirt, 
die unter hydraulischem Verschluss durch das Röhrchen a abfliesst, 



Darstellung. 



109 



und treten dann in den Absorber D ein. Dieser ist ein mit Blei aus- 
gekleideter Holzkasten, welcher durch abwechselnd gestellte Bleiwände 
in mehrere Abtheilungen d getheilt ist, um die Gase einen mög- 
lichst langen Zickzackweg zurücklegen zu lassen. Zur Beförderung 
der Absorption trägt der Kasten auf dem Deckel ein Becken für 
Kühlwasser. Das H^O , welches zur Absorption der SOg dienen soll, 
läuft bei h ein und bei c am Boden ab. Die nicht absorbirten Gase 
treten durch e in den Behälter G ein, welcher mit feuchten Soda- 
krystallen angefüllt ist. Der letzte Rest der SO., wird hierin zurück- 
gehalten, indem eine Lsg. von Natriumsulfit entsteht, während gleichzeitig 
die noch nicht angegrifiFene Soda in HNaCOg übergeht. Wird auch 
dies zersetzt, so entweicht die CO, mit den inerten Gasen durch das 
Rohr /", während Natrium sulfit , im Krystallwasser der Sodakrystalle 
gelöst, durch g abfliesst. 

Dies Verfahren ist sehr billig, liefert aber nur schwer eine 
ges, Lsg. Um nahezu ges. Lsgn. zu erhalten (z. B. eine Lsg., welche 
100 g SOj in 1 1 bei 20'' enthält), zieht man das theurere Verfahren 
vor, HgSO^ durch Kochen mit Holzkohle zu reduziren. 

Dabei entwickelt sich ausser SOg auch COg nach: 2H2SO^-t-C 
= 2S02 + 2H.30+C0.2. 

Ausserdem entsteht auch fast immer eine kleine Menge CO nach: 
H,SO, -f C = SO2 + H^O + CO. 

Es ist am zweckmässigsten, H^SO^ von 1,75 SG. oder 62 '^ B an- 
zuwenden. Bei stärkerer Konzentration entsteht zu viel CO , bei 
schwächerer ist SO^ durch H^S verunreinigt; z. B.: H2SO^ + 2C = H2S 
+ 2CO2. Zur Ausführung dieses Verfahrens benutzt man den einfachen 
Apparat (Fig. 34). Die Entwickelungsflaschen -4, deren drei neben ein- 




Fig. 34. Apparat zur Darstellung von schwefliger Säui-e. 



ander im Ofen stehen, werden im Sandbade in gusseisernen Gefässen 
erh. In B kondensirt sich die verdampfte H^SO^ ; C, D . . . sind 
zu zwei Dritteln mit H^O gefüllt zur Absorption der SO,, die man durch 
Hähne am Boden abzieht. 

Die Gewinnung der SO, durch Zersetzung von H^SO^-Dampf 
durch Hitze, wobei man zugleich erhält, hat keinen Eingang in die 
Praxis gefunden. Dagegen kann man HgSO^ auch durch Schwefelkies 
reduziren (P. Hart, E.P. Nr. 13950 vom 15. Nov. 1885, Chem. Ind. 
1886. 112). 



wo Schweflige Säure. 

Darstellung von flüssiger SO2. Um reines SO, zum Zweck 
der Verflüssigung darzustellen, kann man einen dünnen Strahl HoSO^ 
auf geschmolzenen und in einer gusseisernen Retorte auf 400'' erhitzten S 
fliessen lassen: •2H2SO, + 8 = 880, + 2H,0. 

Das entwickelte SO, wird durch HgSO^ getrocknet und durch ein 
Baumwollfilter von sublimirtem 8 befreit. Bei darauf folgender Ab- 
kühlung unter — 10^ geht sie in den flüss. Zustand über. Kann 
man eine so starke Abkühlung nicht erzeugen, so hat man Druck 
anzuwenden. 

Dies ist das Verfahren, welches Raoul Pictet in Genf seit 1878 
benutzte, um seine Eismaschine zu konstruiren. Dasselbe hat aber keine 
sehi- weite Verbreitung gefunden; ebenso wenig dasjenige von Hart, 
welcher Schwefelkies mit HgSO^ kochte. 

Zur fabrikmässigen Darstellung der flüssigen SO, hat sich das 
Verfahren von Hänisch und Schröder (D.R.P. Nr. 26181 vom Jahr 
1883: Nr. 27581 vom Jahr 1883; Nr. 36721 vom Jahr 1886) bewährt 
(B.H.Z. 1883. 459; 1886. 428, 541, 552; 1887. 358; 1888. 36). 

Aus Gasgemischen mit 10 bis 12 Vol.-°/o SOg, wie sie durch 
Rösten von Schwefelkies oder durch Verbrennen von S entstehen, kann 
man nur eine Lsg. von SO, ifi H,0 herstellen . welche 2 "^ SO, ent- 
hält, während man bei Anwendung nicht verd. SO,-Gases Lsgn. von 
12 bis 15*^0 SO^ erhalten kann. Aus ihrer Lsg. kann man SO, durch 
Wasserdampf oder durch einfache Erhitzung austreiben. Hänisch und 
Schröder benutzen meistens die Gase aus einem Eichhorn und 
L i e b i g'schen Zinkblenderöstofen. 

Aus dem Kanal a, z. B. eines Kiesbrenners (Fig. 35) ^) tritt das 
mehr oder weniger verd. SO,-Gas, nachdem seine Wärme zum Heizen der 
Pfanne e gedient hat und es dadurch bereits etwas abgekühlt ist, durch 
die Leitung </ in den Thurm b, welcher entweder ganz mit Koksstücken 
gefüllt ist oder welcher im unteren Theil Teller enthält. In diesem 
begegnet das aufsteigende SO., herabrieselndem kaltem H,0 , wodurch 
es gelöst wird. Die inerten Gase (N und 0) entweichen durch das 
Rohr c. Die wässerige Lsg. der SO, fliesst beständig durch das Rohr d 
in eine Reihe geschlossener Bleipfannen e, in welchen sie bis zum Sieden 
erh. wird. Man kann in das Rohr d auch noch einen Vorwärmer mit 
Gegenströmung einschalten, in welchem man die Wärme des aus q ab- 
gehenden H.,0 ausnutzt. Die in der Pfanne e ausgetriebenen Dämpfe 
von SO, gelangen durch das Rohr f in die Kühlschlange ^, welche 
von kaltem H,0 umgeben ist und von hier durch das Rohr h in den 
Kessel /, in welchen konz. HgSO^ eingespritzt wird, um das SO, voll- 
kommen von H,0 zu befreien. Von dem Kessel i treten die trockenen 
Gase durch das Rohr A- in die Pumpe /. 

Die erschöpfte Flüss. in den Bleipfannen e, welche noch geringe 
Mengen SO, in Lsg. enthält , gelangt zu weiterer Behandlung durch 
das Rohr m (in der Zeichnung als gerades Rohr angegeben, in der 
Praxis jedoch in tiefer U-Form , um einen hydraulischen Verschluss 
herzustellen) in den Behälter n, in welchem Bleidrahtnetze angebracht 
sind, und fliesst hier in Form eines Sprühregens einem Dampfstrahl 



^) Die Abbildung ist aus F. Fischer, Handb. der ehem. Technol. 1889. 341 
und Lunge, Sulphuric acid. 1891 entnommen. 



DarstelluDg. 



111 



entgegen, welcher durch das Rohr o eingeführt wird. Die dadurch frei 

werdenden Dämpfe von SOg werden durch das in das Rohr f mündende 

Rohr p abgeführt, durchziehen 

ebenfalls die Kühlschlange g und 

den Kessel i und vereinigen sich 

in der Pumpe l mit den übrigen 

SOg -Dämpfen. 

Das in der Schlange g ver- 
flüssigte H2O fliesst durch Rohrp 
in den Behälter n zurück und 
wird mit dem übrigen Inhalt des 
letzteren nach Bedarf durch das 
Rohr q abgelassen. 

Um die Druckschwankungen 
im Apparate auszugleichen, ist der 
Taffetsack r in das Rohr k ein- 
geschaltet, wobei die Bewegung 
der Pumpe l nach der Grösse 
dieses Sackes geregelt wird. 

Die in der Pumpe l zusam- 
mengedrückten Gase treten durch 
das Rohr s in die Kühlschlange t 
und werden hierin verflüssigt. Aus 
dieser Kühlschlange fliesst die 
flüssige SO2 in den Kessel «, aus 
welchem sie in starke, zur Ver- 
sendung geeignete Flaschen v ab- 
gelassen wird. 

Um aus dem Kessel u die 
inerten Gase gelegentlich abführen 
zu können, ist derselbe mit einem 
Ventil und Rohr w versehen, wel- 
ches in den Absorber h mündet. 
Die inerten Gase, welche sich hier 
vorfinden, sind theils mitgeführt, 
theils stammen sie aus den zu füllen- 
den Flaschen v^ aus denen die Luft 
durch Rohr a; in den Kessel übertritt. 




112 



Schweflige Säure, 



Nach der Konzession dürfen die aus dem Absorptionsthurme in die 52 m 
hohe Esse tretenden Gase nicht mehr als 0,005 Vol.-°/o SOj enthalten. 

Dieses Verfahren wird z. B. auf der Zinkhütte zu Hamboru bei 
Oberhausen und zu Lipine in Oberschlesien ausgeführt. Es verdient 
auch die grösste Beachtung für die Yerwerthung der SOg, welche beim 
Schmelzen von Glas aus Sulfat, bei der Fakrikation von Ultramarin 
und anderen Prozessen entweicht. R. Pictet bereitete sich reine SOg, 
indem er aus ihren wässerigen Lsgn. das H.,0 ausfrieren liess (Chem. 
Ind. 1883. 74). 

Eigenschaften. SOj (MG. 64; mit 50 V S und 50 "/o 0) ist ein farbloses, 
stechend riechendes Gas , welches 1 Vol. und ','2 Vol. S zu 1 Vol. verdichtet 
enthält. SG. 32, oder, auf atm. Luft bezogen, 2,2112 (Bunsen). 1 cbm SO2 von 
" und 760 mm wiegt 2,86 kg. 

SO2 untei'hält die Verbrennung nicht, so dass brennende Körper in ihm 
erlöschen. Es ist ein heftiges Blutgift; beim Einathmen desselben erzeugt es die 
Empfindung des Erstickens; eine Luft, welche nur 0,04 Vol.-^/o SOj enthält, be- 
-ivirkt bereits Athemnoth. 

Es ist in der Glühhitze unzersetzbar. Bei Gegenwart von hat es die 
Neigung, zum Theil in SO3 und in feuchter Luft in H)S04 überzugehen. 

Daher ist SO2, als Hüttenrauch') von verheerender Wirkung auf die 
Vegetation , und ist im Stande , bei fortgesetztem Auftreten Fluren zu vernichten 
und ganze Wälder zum Absterben zu bringen. Namentlich die Koniferen sind 
überaus empfindlich dagegen. Von den zur Verhütung dieses Schadens vorge- 
schlagenen Mitteln hat sich nur das Verfahren von Hänisch und Schröder 
und die Absorption durch Kalk bewährt. 

SO2 bleicht viele rothe und blaue und einige gelbe organische Farbstoffe; 
die ursprüngliche Farbe kehrt aber durch eine stärkere Säure, oder mit der Zeit 
von selbst, wieder. 

Bei Gegenwart von H2O treten alle höheren Oxydationsstufen des N an SO2 
ab. und verwandeln dieselbe in H2SO4, während sie selbst zu Stickoxyd, unter 
Umständen auch wohl zu Stickoxydul oder gar zu N reduzii-t werden. Gl ver- 
wandelt die feuchte SOo gleichfalls in H2SO4. Mit H2S zusammengebracht, wird 
bei Gegenwart von H2O S abgeschieden. SO2 löst sich in H2O und Alk. 

Eine Lsg. von SO2 zersetzt eine Lsg. von H-J, indem nach Ablauf von 10 
bis 30 Sekunden die bis dahin klare Mischung sich plötzlich unter Abscheidung 
von Jod verändert. Die zur Vollendung der Reaktion erforderliche Zeit wächst 
mit den Verdünnungsgraden der Lsgn. (Landolt.) 

In der wässerigen SO2 befindet sich SO2 bei gewöhnlicher T. nur in ein- 
facher Lsg., doch kann man bei niedriger T. die Bildung der wirklichen schwefligen 
Säure H2SO3 annehmen. 

Nach B u n s e n löst 1 1 HoO 



T. Grad 


S02-Gas 

1 


SO2 SG. 

der Lsg. 


Vermehrung 

des Vol. 

von 1 auf 


0/0 SO2 
in der Lsg. 




5 

10 
15 
20 


79,8 
67,5 
56,6 
47.3 
39,4 


228,3 
193,1 
161,9 
135,3 
112,7 


1,0609 
(1,0.59) 

1,0547 
(1.042) 

1,0239 


1,1.58 

(1.127) 
1.102 

(1.090) 
1.087 


18,-58 
16,19 
13,93 
11,92 
10,13 



') Die Literatur über Hüttenrauch ist sehr umfangreich. Man vergl. nament- 
lich R. Hasenclever (Ch. Ind. 1878 und 1879); J. v. Schröder und C. Reuss, 
Die Beschädigung der Vegetation durch Rauch. Berlin (Parey); C. A. Hering, 
Die Verdichtung des Hüttenrauches. Stuttgart 1888; G. Oesten, Die Frage der 
Rauchverhütung. Gesundheits-Ingenieur 1889. 261 ; Katalog der deutschen allgem. 
Ausstellung für Unfallverhütung, Berlin 1889; C. Reuss, Rauchbeschädigung etc. 
1S93, Goslar (Jäger und Sohn). 



Eigrenschaften. 



113 



Nach Soret löst 1 1 H2O von 0" — wahrscheinlich aus verd. Gasgemischen — 
nur 143 g, bei 20" nur noch 105 g SO^. Man darf daher gewöhnliche Säure- 
flaschen, die keinen Druck aushalten, nicht mit bei niedriger T. ges. Lsg. von SO2 
füllen und dann einer höheren T. aussetzen. Die Spannung der entwickelten SOo 
würde die Flaschen sprengen. 

Hänisch und Schröder geben in ihrem D.R.P. Nr. 36 721 vom 9. Febr. 
1886 den Gehalt der gewöhnlichen Lsgn. von SO2 in H2O wie folgt an: 

20 30 40 50 60 70 80 90 100° 

8,6 7,4 6,1 4,9 3,7 2,6 1,7 0,9 0,1% SO2. 

Ueber den Gehalt der unges. Lsgn. von SO2 in H2O von 15° hat Scott 
(Fremy, Encycl. 5. 73) folgende Tabelle aufgestellt: 



Gehalt an 
SOo 


SG. 


Gehalt an 
SO2 


SG. 


Gehalt an 
SO2 


SG. 


0,5 


1,0028 


4,0 


1,0221 


7,5 


1,0401 


1,0 


1,0056 


4,5 


1,0248 


8,0 


1,0426 


1,5 


1,0085 


5,0 


1,0275 


8,5 


1,0450 


2,0 


1,0113 


5,5 


1,0302 


9,0 


1,0474 


2,5 


1,0141 


6,0 


1,0328 


9,5 


1,0497 


3,0 


1,0168 


6,5 


1,0353 


10,0 


1,0520 


3,5 


1,0194 


7,0 


1,0377 







Diese Werthe weichen nur wenig von denjenigen folgender Tabelle nach 
Giles und Schearer (Soc. Ch. Ind. 188.5. 305) ab: 



SG. und Gehalte von Lsgn. von SO2 in H2O. 



T. Grad 


SG. 


7o 
SO2 


T. Grad 


SG. 


7o 
SO2 


15,5 


1,0051 


0,99 


' 15,5 


1,0399 


8,08 


15,5 


1,0102 


2,05 


15,5 


1,0438 


8,68 


15,5 


1,0148 


2,87 


15,5 


1,0492 


9,80 


15,5 


1,0204 


4,04 


15,5 


1,0541 


10,75 


15,5 


1,0252 


4,99 


12,5 


1,0597 


11,65 


15,5 


1,0297 


5.89 


11 


1,0668 


13,09 


15,5 


1,0353 


7,01 









1 1 Alk. von SG. 0,792 erforderte nach Bunsen (Gasometrische Methoden. 
Braunschweig 1857. 173, 301) zur Sättigung mit SO2: 



T. Grad 


SO2 
1 


SO2 


SG. 
der Lsg. 


Vermehrung 

des Vol. 

von 1 auf 


«/o SO2 
in der Lsg. 





.328,62 


940,04 


1,1194 


1,547 


54,27 


5 


251,67 


719,92 


1,0553 


1,433 


47,68 


10 


190,31 


544,39 


1,0042 


1,-331 


40,73 


15 


144,55 


413,49 


0,9658 


1,248 


34,29 


20 


114,48 


327,48 


0,9404 


1,190 


29,25 


25 


(99,8) 


285,48 


0.9277 


1,161 


26,50 



Die wässerige Lsg. der SO2 reagirt sauer, zieht an der Luft an, indem 
sich H2SO4 bildet, und zerftlllt in geschlossenen Gefässen bei 200 ° in S und H2SO4. 

SO2 wird durch Abkühlung auf — 10 bis — 15 '^ oder durch Kompression auf 
ein Drittel seines Vol. flüss. 



Handbuch der ehem. Technologie. I. 



8 



114 



Schweflige Säure. 



Flüss. SO2 hat das SG. 1,4 bis 1,45 und Sied. —10°. Bei 38,65" nimmt 
1 kg flüss. SO2 den Raum von 0,754 1 ein (Ch. Ind. 1890. 486). Lässt man sie 
rasch verdunsten, so erzeugt sie hohe Kältegrade, und wird dabei selbst zum 
Theil fest. 

Die Spannung der ges. Dämpfe der flüss. SOo beträgt in Atm. : 



T. 


Atm. 


Atm. 


Atm. 


-30" 




0,86 




— 20 


0,6 


0,75 


— 


— 10 


1 


1,1 


— 





1,5 


1,6 


1,53 1) 


-f 10 


2,3 


2,25 


— 


+ 20 


3,2 


3,25 


— 


-^30 


4,5 


4.45 


— 


+ 40 


— 


5,9 


— 


+ 50 




7,7 


— 



Flüss. SO2 ist ein ausgezeichnetes Schmiermittel, so dass die Kolben der 
Pictet'schen Eismaschine kein anderes gebrauchen. 

Bestimmung. Zur Bestimmung der SO2 bringt man dieselbe in wässerige 
Lsg., und zwar in stark verd., um durch Verdunstung keinen Verlust zu erleiden. 
In solcher Lsg. wird SO^ durch Zusatz eines oxydirenden Mittels, z. B. J, in H2SO4 
übergeführt nach : SOo + 2J + 2H2O — H2SO4 + 2HJ. 127 g J zeigen 32 g SOj an. 
Zu dieser von Bunsen herrührenden Methode wendet man eine J-Lsg. an, welche 
12,7 g J in 1 1 enthält. Man bereitet dieselbe unter gleichzeitigem Auflösen von 
ca. 25 g Jodkalium in wenig H2O , wodurch die 12,7 g J leichter in Lsg. gehen, 
und Auffüllen zu 1 1. Mitunter wendet man auch eine alkoholische Lsg. von J ohne 
Zusatz von KJ an. Endlich benutzt man bei sehr verd. Lsgn., oder um die End- 
reaktion genauer zu beobachten, statt der Decinormal- eine Centinormal-J-Lsg. 

Zur Ausführung dieses Verfahrens setzt man der zu untersuchenden Lsg. 
von SO2 Stärkekleister und dann aus einer Bürette so lange J-Lsg. zu, bis eben 
Blaufärbung der Flüss. eintritt. 1 g verbrauchtes J zeigt 0,25197 g SO2 an. 

Selbstverständlich darf die zu untersuchende Lsg. von SO2 keine andere 
Substanz enthalten, welche J aufnimmt. In solchem Falle ist ein umständlicheres 
Verfahren einzuschlagen. 

Will man SO2 mit Normalnatronlsg. und Methylorange als Indikator titriren, 
so hat man zu beachten, dass der Farbenwechsel eintritt, sobald sich das saure 
Salz HNaSO^ gebildet hat (Lunge, Zeitschr. f. angew. Chem. 1892. 331). 

Man kann die SO2 in Lsgn. durch HNO3, Cl oder Br zu H2SO4 oxydiren 
und gewichtsanalytisch als BaS04 wägen. 

Anwendung. SO2 dient 

1. Zur Darstellung der H2SO4. 

2. Zur Darstellung von Sulfat aus Salz im Hargr eaves-Prozess. 

3. Zur Darstellung schwefligsaurer Salze (Sulfite). 

4. Zur Darstellung unterschwefligsaurer Salze (Hyposulfite oder Dithionite, 
jetzt Thioäulfate). 

5. Zur Darstellung der hydroschwefligsauren Salze (Hydrosulfite). 

6. Zur Gewinnung von S aus H2S. 

7. Zum Aufschliessen von Alaunschiefer zur Alaunfabrikation. 

8. Zum Ausziehen des Cu aus gewissen Kupfererzen. 

9. Zum Auflösen Au- und Ag-haltiger Eisensauen. 

10. Zum Ausziehen von Calciumphosphat aus Knochen und Eisenerzen. 

11. Zur Fabrikation der E. Kopp'schen Krapppräparate. 

12. In der Papierfabrikation. 

13. Zum Bleichen von thierischen Stoffen (Seide , Vt^olle , Badeschwämme, 
Federn, Leim, Darmsaiten. Hausenblase), welche durch Cl nicht farblos, sondern 
gelb gefärbt werden, von Korb- und Strobgeflechten, arabischem Gummi u. dergl., 
zimi Entfernen von Obstflecken aus Geweben. 



>) Ch. Ind. 1890. 189. 



Anwendung. Statistik. 115 

14. Zum Konserviren (Schwefeln) der eingemachten Früchte, des Bieres und 
Weines , des Hopfens , des Fleisches , des Dextrinsyrups , des Zuckersaftes bei der 
Zuckerfabrikation, weil SO» eine der wenigen Säuren ist, welche den Rohrzucker 
nicht sehr rasch in Glukose umwandeln. 

15. Zum Maischen der Kartoffeln und des Maises in der Spiritusbrennerei. 

16. Als Desinfektionsmittel (Schwefeln von Wein- und Bierfässern ; Zerstörung 
der Krankheitserreger in Kleidern und Wohnungen; zum Tödten von Schmarotzern 
auf Pflanzen und von Insekten). 

17. Als Feuerlöschmittel wegen ihrer sauerstoffentziehenden Eigenschaft. 

18. In den Pictet'schen Eismaschinen. 

19. In flüssiger Form als Schmiermittel in den Pumpen der genannten Eis- 
maschinen, und zur Extraktion von Fetten und Oelen (D.R.P. Nr. 50360). 

Wirthschaftliches und Statistik. Obwohl SO? ein so überaus nütz- 
licher Körper ist, gehen doch noch sehr grosse Mengen davon unbenutzt in die Luft. 

In der italienischen S-Industrie wird der S als Brennmaterial benutzt. Durch- 
schnittlich kann man annehmen, dass von 100 kg S, die in den Calcaroni zur 
Verarbeitung kommen, 62 kg als Rohschwefel gewonnen werden , während 33 kg 
verbrennen. Bei einer Produktion von 376 000 t S im Jahr gehen also 200 000 t 
S oder 400000 t SOj in die Luft. 

Bei der ziemlich ausgedehnten Verarbeitung der spanischen S-Kiese an Ort 
und Stelle durch Rösten in Haufen entweicht SO^ ebenfalls unbenutzt in die Atm., 
und erst vor wenigen Jahren erliess die spanische Regierung besondere Vorschrif- 
ten für die Anlage solcher Röstanstalten (Teleras), um die in der Umgebung der- 
selben verursachten Verwüstungen möglichst zu beschränken. Ausführliches dar- 
über in des Verfassers Handb. der Schwefelsäure-Fabrikation (Stuttgart 1893. 51). 

Da der Hüttenrauch mancher Industriebezirke ausserordentlich lästig fiel, so 
sind viele Vorschläge gemacht worden , um die SO2 daraus zu gewinnen. Die 
Literatur darüber ist sehr umfangreich. Man vergl. namentlich : H ä n i s c h und 
Schröder, Ch. Ind. 1884. 117; Giesche's Erben, Ch. Ind. 1884. 849; C. Hering, 
Die Verdichtung des Hüttenrauches. Stuttgart 1888. 61; Ch. Ind. 1890. 200, 383. 

Bei der Glasfabrikation aus Sulfat wird die H2SO4 des letzteren, zum Theil 
zu SOo reduzirt, in die Luft getrieben, und breitet sich in Form eines weissen, 
erstickenden Nebels über die Fabrik und Umgegend aus. Das Saarthal bei Saar- 
brücken bot 1881 dafür ein Beispiel. 

Sehr bedeutend ist die Menge SO2, welche durch Verbrennung der Stein- 
kohlen entsteht. Letztere enthält im Durchschnitt 1 "/o S in Form von S-Kies. 
Nach Mactear (Report on the examination of chimney gases. Part II. 21. Jour- 
nal of the Society of Arts, May 1878. London, George Bell u. Sons) wurden 1875 
in Grossbritannien 114 043 940 t Steinkohle verbrannt, zu 1 "/o S also 1140439 t S 
oder 2 280 878 t SO2 in die Luft getrieben. In London allein wurden in demselben 
Jahre ca. 8 000000 t Steinkohle verbrannt, entsprechend 160000 t SO2. 

Diesen Mengen gegenüber verschwindet die kleine Menge SO2, welche aus 
den H2S04-Fabriken entweicht. So wurden z. B. 1875 in Grossbritannien zusammen 
292 031 t S in Form von Rohschwefel und Pyrit auf H2SO4 verarbeitet. Nimmt 
man den Verlust hierbei sehr hoch gerechnet zu 5 7« 3'^, so würden nur 14 601 t 
S oder 29 203 t SO2 in die Luft gegangen sein. Man sieht, dass durch Verbren- 
nung an Steinkohlen London allein 5,5, ganz Grossbritannien dagegen 78mal so 
viel SO2 in die Luft schickt. 

Ja, selbst im Inneren einer H2S04-Fabrik ist die Menge der SO2, welche 
durch Verbrennung der Steinkohlen entsteht, viel grösser, als die Menge der aus 
den H2SO4- Systemen entweichenden. Nach des Verfassers eigenen Untersuchungen 
an fünf Schornsteinen der grossen Sodafabrik von J. Muspratt und Sons in 
Widnes 1876 entwichen aus allen H2S04-Systemen zusammengenommen während 
einer Woche 0,5248 t S in Form von SÖ2 (nämlich 0,937 7o des wirklich ver- 
brannten S). Während derselben Woche aber verbrannte man in der Fabrik 550 t 
Steinkohlen, zu 1 7o S genommen, also 5,5 t S oder 10,48mal so viel, als aus der 
H2S04-Fabrikation entwichen. In einer andern Fabrik in Widnes fand man zu jener 
Zeit das Verhältniss 1 : 15. 

Für die Beförderung von flüssiger SO2 auf den deutschen Eisenbahnen gelten 
die Vorschriften des Bundesraths vom 19. März 1891, Centralblatt für das Deutsche 
Reich, Nr. 12, Erlass des Reichseisenbahnamtes Nr. 2536 vom 24. März 1891: 
Flüssige SO2 darf nur in Behältern aus Schweisseisen , Flusseisen oder Gussstahl 
zur Beförderung aufgegeben werden. Diese Behälter müssen jedes Jahr einer 



116 



Schwefliorsanre Salze. 



amtlichen Druckprobe unterworfen werden und mit einem Stempel versehen sein, 
dass sie einen inneren Druck von 30 Atm. ausgehalten haben, ohne bleibende Ver- 
änderung ihrer Form und ohne Undichtigkeit zu zeigen. Das Ventil, durch welches 
der Behälter geschlossen ist, muss durch eine fest aufgeschraubte Kappe aus dem- 
selben Material wie der Behälter vor Verletzung geschützt sein. Die Behälter 
müssen mit einer Vorrichtung versehen sein , welche das Kollen derselben ver- 
hindert. Sie dürfen nur mit 1 kg flüssiger SOo für je 0,8 1 Fassungsraum gefüllt 
werden, so dass sie stets einen genügenden elastischen Dampfraum enthalten. Die 
gefüllten Behälter dürfen nicht geworfen werden und sind weder der Einwirkung 
der Sonnenstrahlen, noch der Ofenwärme auszusetzen. Vergl. Ch. Ind. 1889. 498: 
1891. 85 ; 1893. 373. 

Auf den Koni gl. Preussischen Hüttenwerken im Regierungsbezirk 
Oppeln (Z. für Berg-, Hütten- und Salinenwesen. 1893. 185) wurden erzeugt: 



Jahr 


HoO-freie Werth r. • r- 
ür\ j iu Preis für 
bUo derselben ,aa ^ 
kg Mk. 100 kg 


1888 
1889 
1890 
1891 


1 141 121 
1519 201 
1 758 000 
1 585 000 


51370 
66 635 

80 798 
79 386 


4,52 

4.38 
4,59 
5,00 



Grössere Mengen aber erzeugt W. Grill o in Hamborn (Ch. Ind. 1889. 432). 



Scliwef ligsaure Salze, Sulfite. 

Schwefligsaures Natron (Natriumsulfit), NaoS03, wird 
erhalten, indem man eine beliebige Menge Aetznatronlauge in zwei 
gleiche Theile theilt, die eine Hälfte mit SOo sättigt, wodurch die- 
selbe in eine Lsg. von Natriumbisulfit übergeht, und dann mit der 
anderen Hälfte vermischt. Beim Abkühlen der Lsg. kryst. das Na- 
triummonosulfit NagSO., -j- THgO. 

Man kann die Aetznatronlsg. auch durch Sodalsg. ersetzen. In 
diesem Falle wird die anfänglich ausgetriebene CO^ von dem noch 
vorhandenen Ueberschuss an Soda zu HNaCO,. gebunden, bis sie 
schliesslich völlig ausgetrieben wird. 

Fabrikmässig stellt man NaoSO,. dar, indem man feuchte Soda- 
krystalle NagCOy -f- lOH.^O einem Strom von SO2 aussetzt. Dabei 
bildet sich Natriumbisulfit, HNaSOg, welches sich in dem entbundenen 
Krystallisationswasser auflöst. 

Gelis benutzt dazu einen aus Holz konstruirten , mit Pb aus- 
gekleideten Holzthurm von 4 m Höhe, welcher vier aus Holzstäben 
gebildete Roste zur Aufnahme der SodakrystaUe enthält. Der Thurm 
steht auf einem Behälter mit Siebboden, unter welchem die SOg ein- 
tritt, um durch die Kry stalle emporzusteigen. Dieselben werden so 
energisch angegriöen , dass oben nur CO., entweicht. Man hat für 
zeitige Erneuerung der unteren Krystalllagen zu sorgen. Das HNaSOg, 
in Krystallwasser gelöst, sammelt sich unter dem Siebboden und fliesst 
von hier in nahezu konstanter Stärke, 35" Be., ab. 

Diese Lsg. von HNaSO,, wird mit der ihr äquivalenten Menge 
Krystallsoda neutralisirt , in flachen Pfannen bis 40'' Be. eingedampft, 
etwas klären gelassen und dann zur Kryst. in kleine gusseiserne 



Schwefligsaures Natron. Schwefligsaurer Kalk, 117 

Schalen gefüllt. Die Krystalle von NagSO^ setzen sich rasch an; 
man giesst die Mutterlauge ab, lässt die Krystalle abtropfen, trocknet 
und verpackt sie rasch in Fässer. 

Das Alkalisulfit des Handels enthält nach C. H. Bothamley 
häufig Karbonat und Sulfat. 

Die Prüfung des Na2S03 geschieht nach der B uns en 'sehen Methode durch 
Titration mit J-Lsg. Fresenius hat darauf hingewiesen, dass, um möglichst 
genaue Resultate zu finden , es auch hier nöthig sei , mit sehr verd. Lsgn. zu 
arbeiten. Da aber das Verdünnungswasser, wenn es an der Luft gestanden hat, 
gelöst enthält und dadurch einen Theil des Sulfits zu Sulfat oxydirt, so haben 
Giles und Shearer (Soc. Ch. Ind. 1884. 197), welche nach der Fresenius'schen 
Methode gewöhnlich um 2 "/o zu niedrige Resultate fanden, vorgeschlagen, die fein 
gepulverte Substanz mit J-Lsg. im Ueberschuss zu versetzen, dann zu verdünnen 
und den Ueberschuss durch Thiosulfatlsg. zurückzutitriren. 

Anwendung. Na2S03 dient: 

1. AlsAntichlor an Stelle des früher angewandten Thiosulfats (unterschweflig- 
sauren Salzes) zur Beseitigung des (Jl aus dem mit Cl gebleichten Papier, aus den 
ebenso behandelten baumwollenen und leinenen Gespinsten und Geweben. 

2. Als mildes Bleichmittel für Wolle und Seide, welche Cl nicht vertragen. 

3. Als Zusatz zu Zuckersäften, um deren Färbung während des Eindampfens 
zu verhindern, in Fabi'iken, die ohne Vakuumapparat arbeiten. 

4. Zum Konserviren. 

Saures schwefligsaures Natron (Natriumbisulfit) HNaSO^ 
wird in Lsg. wie oben beschrieben erhalten. Es kommt im Handel in 
Pulverform vor und wird nach A. Lange wahrscheinlich durch Ueber- 
leiten von SOg über HNaCO^ oder feuchtes NaoCO., dargestellt. 

Die Prüfung des HNaSOß erfolgt durch Titration mit J-Lsg. Da hierbei 
dieselben Reaktionen auftreten, wie bei der Untersuchung eines Lösungsgemisches 
von Na2S03 und freier SO2, so sind folgende Zersetzungsgleichungen zu beachten: 

SO2 + 2H2O + 2J = H2SO4 + 2HJ 
Na9S03 -}- H2O + 2J = Na2S04 -f 2HJ 
2HNäS03 + 2H2O + 4J = Na2S04 + H^SOj + 4HJ. 

Es entsteht eine dem angewandten J äquivalente Menge HJ , während die 
SO2 zu H2SO4 oxydirt wird. War die SO2 frei oder in Form von Bisulfit vor- 
handen , so entsteht eine entsprechende Menge freier H2SO4 ; war sie gebunden, 
d. h. in Form von Sulfit vorhanden, so bleibt auch die H2SO4 gebunden. Wenn 
man nun am Schluss der Titration mit J die Gesammtmenge der freien Säuren 
auf alkalimetrischem Wege bestimmt und von dieser diejenige der HJ abzieht, so 
bleibt die Menge der gebildeten freien H2SO4 übrig, und damit hat man dann 
die Menge der fi-eien SO2 in der ursprünglichen Lsg. gefunden (F. Fischer, Handb. 
d. ehem. Techn. 1889. 343). 

Anwendung. HNaS03 dient: 

1. Als sehr kräftiges Antichlor (Leukogen) für mit Cl gebleichte Holz- 
masse, Papier, Stroh, Lumpen, Gespinste und Gewebe. 

2. In der Farbenindustrie. 

3. Als energisches Bleichmittel und zum Waschen der Wolle. 

4. In der Weissgerberei. 

5. Zur Konservirung von Bier, Wein, Fleisch, Eidotter. 

Schwefligsaurer Kalk (Calciumsulfit) CaS03 kann nach 
derselben Methode wie NajSO.^ aus heisser Kalkmilch bereitet werden. 
Im Grossen wird er dargestellt, indem man nach Kuhlmann pulver- 
förmig gelöschten Kalk in dünnen Lagen mit starkem SO,- Gas be- 
bandelt, wie es durch Verbrennung von S entsteht. Die "durch die 



118 Schwefligsaure Salze. 

Verdichtung der SO., zu CaSO.^ entbundene Wärme ist genügend, um 
das Hydratwasser des Kalkes zu verdampfen und die Bildung von 
H2Ca(SOo)2 zu verhindern. 

Kuhlmann (vergl. Fremv. Encycl. 5. 74) benutzt zur Ausführung 
dieses Verfahrens geschlossene Holzkästen, in welche er den gelöschten 
Kalk auf Schüsseln ausgebreitet hineinstellt. Das SOo tritt unten ein, 
das nicht absorbirte oben aus in irgend ein Bleikammersystem, um zu 
HaSO^ verarbeitet zu werden. 

CaSOo kommt in fester Form in den Handel. Es löst sich kaum 
in HoO, leicht aber in wässeriger SO.,, indem es in H,Ca(S03)2 
übergeht. 

Die Prüfung des CaSOs geschieht ebenso, wie die der Sulfite überhaupt. 

Man benutzt CaS03 als Transportfonn der SO), da man letztere leicht aus 
ihm durch Zersetzung mit HCl entbinden kann. Ueber die Verwendung desselben 
in der Landwirths chaf t vergl. E. Jensch (Ch. Ind. 1888. 170). 

Saurer schwefligsaurer Kalk (Calciumbisulfit) CaSO^, SOg 
Cal ... 

+ 2H2O oder TT 82^6 is^ ^^^' i^ ^^S- bekannt. Man bereitet ihn, in- 
dem man SO^ bis zur Sättigung in Kalkmilch leitet. Dies geschieht 
in Holzgef ässen , die mit einem Rührwerk versehen sind. In grossen 
Mengen wird H2Ca(S03)o gewonnen, um die SO^ aus den Röstgasen 
der Hüttenwerke zu entfernen und um dadurch die schädigenden Wir- 
kungen des Hüttenrauches zu mildern oder zu beseitigen. Man leitet 
die Röstgase in Thürme, die mit Kalksteinstücken gefüllt sind, während 
von oben H^O herunter rieselt. Statt der SO^ entweicht dann nur 
CO., in die Luft . während unten eine Lsg. von HoCa(S03)2 abfliesst. 
J. kynaston (E.P. Nr. 15182 vom 18. Nov. 1884, Ch.' Ind. 1886. 
112) will Kalkmilch von 5 bis 6'- Tw. durch den Thurm fliessen lassen. 

Bei der Prüfung von Lsgn. von H-jCaf 803)2 J^it J findet folgende Reak- 
tion statt: CaSOs + H2SO3 -f 2H2O + 4J = CaSÖ4 -j- H2SO4 + 4 HJ. 

Die Lsg. von H2Ca(S03)2 dient zur Herstellung von Zellstoff aus Holz für 
die Papierfabrikation fSulfitcellulose). Ferner bei der Zuckerreinigung (R. Fö Ische, 
Ch. Ind. 1885. 141). 

Mit Zinksulf itlsg. werden Kadaver gefüllt, um sie einige Zeit 
lang vor Verwesung zu schützen. 



Unterschwefligsaure Salze, Tliiosulfate. 

Die Salze der unterschwefligen Säure H.,S.,0, wurden früher 
Hyposulfite. auch dithionigsaure Salze, Dithionite, genannt. Seit man 
aber entdeckt hat. dass SO, noch weiter reduzirbar ist und hydro- 
schweflige Säure liefert, welche mit grösserem Rechte die Bezeichnung 
als unterschweflige Säure verdient, so ist man bestrebt, um Ver- 
wechselungen zu verhüten, die Bezeichnung Hyposulfit abzuschaffen. 
Deshalb hat sich die Bezeichnung- der bisherig-en unterschwefligen 



Unterschwefligsaures Natron. 



119 



Säure als Thioschwefelsäure und der unterschwefligsauren Salze als 
Thiosulfate rasch eingebürgert. Man betrachtet die Verbindung H^S^Og 

als HgSO^, in welcher ein 0-Atom durch S ersetzt ist: H2S o^. 

Die Zersetzung der Thioschwefelsäure durch Säuren hat W. Vaubel 
neuerdings studirt (B. 22. 1(386). 

UnterschwefligsauresNatron, Natriumthiosulfat, NagS^Og 
+ 5H2O, früher Natriumhyposulfit genannt, entsteht durch Sätti- 
gung einer Schwefelnatriumlsg. mit SO, , wobei sich S abscheidet : 
^NagS +3SO2 ^ 2Na2S20., -f- S oder durch Kochen einer Natrium- 
sulfitlsg. mit Schwefelblumen: NagSOg + S=:Na2S203. 

Im Grossen wird Na2S203 nach folgenden Methoden dargestellt: 
1. Na2S0j^ wird mit Kohle im Flammofen reduzirt. Die Schmelze 
liefert, mit H2O behandelt, eine gelbe Lsg. von Schwefelnatrium, die 
ausserdem Polysulfür, Natriumhydrosulfür und Natriumsulfit enthält. 
Diese Lsg. wird in einer Reihe von Gefässen mit Rührwerk nach dem 
Prinzip des Gegenstroms mit Röstgasen aus Pyritöfen oder anderer SOg 
behandelt (Fig. 3(3), bis sie eben beginnt, saure Reaktion zu zeigen. 




^^ 



Fig. 36. Apparat zur Darstellung von uuterschwefligsaurem Natron. 



Ein Ueberschuss an SOj würde Veranlassung zur Bildung von Polythion- 
säuren geben. Die ges. Lsg. wird durch Zusatz von etwas Schwefel- 
natriumlsg. neutralisirt , klären gelassen, eingedampft und zur Kryst. 
in besondere Gefässe gebracht. 

Wenn man zu diesem Verfahren Röstgase aus Pyritöfen, die stets 
kleine Mengen SO. enthalten, anwendet, so findet man in der Mutter- 
lauge ausser NagSO.,, auch noch Na2S04, von dem ein Theil sogar mit 
dem Thiosulfat auskryst. kann. 

2. Sodarückstände gehen durch freiwillige oder künstliche Oxy- 
dation in eine Masse über, welche in einem bestimmten Stadium be- 
trächtliche Mengen Calciumthiosulfat enthält. Kocht man dann diese 
Masse mit einer Lsg. von NaaSO^ oder Na^COy , so geht NagSgOg in 



J20 Unterschwef ligsaure Salze. 

Lsg., während CaSO^ oder CaCOg ausfällt. Dies ist das im grossen 
Maassstabe angewendete Verfahren. 

In einer süddeutschen Fabrik wurden die frischen Sodarückstände, 
mit Na^SO^ gemischt, auf kleine Haufen geschüttet und nach 8 bis 
10 Tagen mit Dampf von 2 bis 3 Atm. ausgekocht. 

3. Soda wird mit S geschmolzen und die Schmelze mit einer 
Auflösung von S in Aetznatronlauge gekocht. Dies Verfahren, welches 
Fleck beschi-eibt (vergl. Fremy, Encycl. 5. 70), erscheint aber nicht 
als ökonomisch. 

4. Als Nebenprodukt bei der Fabrikation von salpetersaurem 
Baryt aus Schwefelbaryum und Chilisalpeter erhält Gelis eine Lsg. 
von Schwefelnatrium, welche dur^h Behandlung mit SO^ NaoSaOg liefert. 

Das aus einer süddeutschen Fabrik stammende Na^SgO.^ von 1881 
enthielt : 

Na^SoO, 69,90 o/o 

Na^SÖ, 1,20 „ 

HgO (Diff.) .... . 30,90 , 

100,00 >. 

Die Prüfung des Na-2S203 erfolgt durch J-Lsg. , wobei tetrathionsaures 
Natron entsteht: 

2Na^S203 + 2J = Na2S406 + 2NaJ. 
158 g Na2S203 erfordern 127 g J, oder 1 g der ersteren wird durch 0,804 g des 
letzteren angezeigt. 

Oder durch Oxydation mit übermangansaurem Kali in saurer Lsg.: 

SNa.jSaOg + 4K.2Mn20H + 7H2SO4 = 5Na2S04 + 4K2SO4 + 8MnS04 + 7H2O. 
790 g Na2S203 erfordern 1264 g Kaliumpermanganat, oder 1 g des ersteren wird 
durch 1,6 g des letzteren angezeigt. 

Diese Titrationen dürfen aber nur in sehr verd. Lsgn. vorgenommen werden, 
um genaue Resultate zu liefern, auch muss die angesäuerte Lsg. sogleich titrirt 
werden, ehe die Thioschwefelsäure sich zersetzt '). 

Man kann auch Na2S203 durch HNO3 oder C'l völlig oxydiren und als BaS04 
wägen. Hierbei hat man die im Muster ursprünglich vorhandene Menge Sulfat zu 
berücksichtigen. 

Enthält die zu untersuchende Lsg. ausser Na2S203 auch noch Na2S03, so 
kann man eine Methode von J. K 1 b (Privatmittheilung) benutzen : Man führt mit 
gleichen Vol. der zu untersuchenden Flüss. die beiden eben beschriebenen Titra- 
tionen aus. Angenommen, man habe J g J und M g übermangansaures Kali zur 
Oxydation verbraucht , so hat man zu beachten , dass ausser dem Na2S203 auch 
das Na2S03 an den Reaktionen theilgenommen hat, nämlich: 
Na2S03 + H2O + 2J = Na2S04 + 2HJ. 
Je 126 g Na2S03 verbrauchen 254 g J, oder 1 g des ersteren wird durch 2,016 g 
des letzteren angezeigt. 

Ferner: 
SNa^SOg + K2Mn208 + 3H2SO4 = 5Na2S04 + K2SO4 + 2MnS04 + 3H2O. 
Je 630 g Na2S03 verbrauchen 316 g Kaliumpermanganat, oder 1 g des ersteren 
wird durch 0,501 g des letzteren angezeigt. 

Enthält das Vol. der untersuchten Flüss. x g Na2S03 und y g Na2S203, so 
hat man die beiden Gleichungen: 

J = 2,016 X + 0,804 y \ 
M = 0,501 X + 1,6 y / 



^) Ueber die letztere Reaktion haben Honig und Z a t z e k eine Unter- 
suchung veröffentlicht (vergl. Ch. Z., Rep. 1886. 10. 68), nach welcher die Oxy- 
dation zu Sulfat nur in alkalischer, nicht aber in saurer Lsg. stattfände. Um 
diesem Bedenken zu begegnen, wendet man häufig die schwächere Essigsäure statt 
der H2SO4 zum Ansäuern der Lsg. an. 



aus denen sich ergibt: 



UnterscliAvef ligsaurer Kalk. 121 



2J — M -- ^^ 



3,5 

4M — J ,, o n 
y = ^ g Na^SsOg. 

Die Untersuchungsmethode von Kalmann und Spüller (D. 264. 456; Ch. 
Ind. 1887. 324) stützt sich darauf, dass BaSOg in alkalischen Flüss. nahezu unlösl. 
ist, während BaS203 in Verdünnungsgraden, wie sie bei der Anal3'se vorliegen, in 
Lsg. bleibt: 

Man fällt aus der zu untersuchenden Lsg. mittelst BaCl^ das Sulfit aus, 
filtr. oder lässt klären , und titrirt einen aliquoten Theil des Filtr. mit J-Lsg. 
Die verbrauchte J-Menge gibt dann den Gehalt der Lsg. an Thiosulfat an. Zieht 
man dieselbe von derjenigen J-Menge ab , welche ein entsprechendes Vol. der ur- 
sprünglichen Lsg. bei direkter Titration mit J-Lsg. im Ganzen erfordert, so erhält 
man durch die Differenz den Gehall an Sulfit. Vergl. auch A. Schwicker (B. 
22. 1728). 

Eigenschaften. Na2S203 bildet mit ÖH.jO farblose Krvstalle (MG 248 
mit 18,55 7o Na, 25,80 > S, 19,3t> «'o und 36,29 7o HjO) , welche sich an der 
Luft ausgezeichnet halten. Setzt man zur Lsg. derselben eine starke Säure, so 
wird die Thioschwefelsäure zwar frei, zersetzt sich aber sehr bald, indem S sich 
abscheidet und SO^ durch den Geruch bemerkbar wird: 

Na^SjOg + 2HC1 = 2NaCl + SO., + HjO + S. 

Na2S203 löst J in grosser Menge, indem sich Natriumtetrathionat bildet. 
Ueber die Beständigkeit der Lsgn. des Na2S203 zu jodometrischen Zwecken vergl. 
man die Untersuchungen von S. U. Pickering (Ch. N. 1881. 44. 277). Na-2S203 
bildet mit Ag20 ein llösl. Doj^pelsalz (thioschwefelsaures Silbernatrium NaAgS203), 
und löst deshalb unlösl. Ag-Verbindungen, wie AgCl, AgBr, AgJ mit Leichtigkeit. 
Es wird leicht zu Sulfat oxydirt , z. B. durch freies Gl , und übt daher in vielen 
Fällen eine reduzirende Wirkung aus. 

Anwendung findet es zu folgenden Zwecken : 

1. Als Anti chlor in den Bleichereien und in der Papierfabrikation ^). 

2. Als Fixirmittel in der Daguerreotypie und Photographie, um das vom 
Licht nicht veränderte AgCl, AgBr oder AgJ zu lösen. 

3. Zum Ausziehen des durch chlorürendes Rösten von Erzen erzeugten AgCl. 

4. Zur Cu-Gewinnung nach Stromeyer: eine mit Na2S0g versetzte Lsg. 
von Na2S203 löst Malachit und Kupferlasur in Form von thioschwefelsaurem Kupfer- 
oxydulnatrium. 

5. In der H2S04-Fabrikation benutzt man es zuweilen zur Entfernung der 
Arsenigsäure AS2O3 aus der Kammersäure, indem es sich mit der AS2O3 zu Schwefel- 
arsen und Na2S04 umsetzt. 

6. Zur Darstellung des Quecksilber- und Antimonzinnobers (aus Antimon- 
protochlorür und Calciumthiosulfat). 

7. Zur Bereitung von Anilin- oder Aldehydgrün (Emeraldin). 

8. Beim Färben der Wolle mit Eosin. 

9. Als Beizmittel (nach Lauth 1875) beim Färben der Wolle mit Me- 
thylgrün. 

10. Das Bleithiosulfat (auch Kupferthiosulfat) wird als Bestandtheil der 
Zündmasse P-freier Zündhölzchen mit Erfolg angewandt. 

11. In den jodometrischen Methoden. 

12. Zu Reduktionen in vielen Prozessen. 

Unter schwefligsaurer Kalk, Calciumthiosulfat. 
CaSgOa wird fast ausschhesslich aus den Sodarückständen des Le- 
b 1 an c- Prozesses gewonnen. Diese enthalten im frischen Zustande 



^) Eine der frühesten Anwendungen als Antichlor ist wohl von Dambre- 
ville beschrieben: Fr. Br. Nr. 3896 von 1846; Nr. 7403 von 1848 und Zusatz 
von 1848. 



]^22 Unterschwefligsaure Salze. 

o-etrocknet 37 bis 40 ^^ Schwefelcalcium. CaS, welches durch Ein- 
wirkuno- feuchter Luft mit der Zeit in Calciumthiosulfat übergeht, 
während o-leichzeitig eine Reihe anderer Kalksalze entsteht. Man kann 
diesen Oxydationsprozess durch künstliche Oxydation, indem man Luft 
einbläst (Mond's Prozessj, beschleunigen, oder man kann das Schwefel- 
calcium. welches für sich in HoO unlösl. ist. nach dem Verfahren von 
Kopp durch Kochen mit S in Lsg. bringen, um es dann durch SO^ 
in CaS.,03 überzuführen. 

Nach dem Kopp"schen Verfahren, welches durch Max Schaffner 
in Aussig vervollkommnet ist, kocht man in einer gusseisernen Pfanne 
Kalkmilch oder Sodarückstände,- zu Schlamm aufgerührt, mit 10 bis 15 -0 
Schwefelblumen längere Zeit. Dadurch entsteht eine Lsg. von Calcium- 
polysulfür und Calciumhydrosulfür. die auch noch einige andere Ver- 
bindungen enthalten kann. Die geklärte und abgekühlte Lauge lässt 
man in eine Reihe Gefässe mit Rührwerk eintreten (vergl. Fig. 36, S. 119), 
in denen sie einem Gegenstrom von SO^ ausgesetzt wird. Man lässt 
die Einwirkung der SO^ so lange dauern, bis die Flüss. eben anfängt, 
saure Reaktion zu zeigen. Man neutralisirt dieselbe durch Zusatz frischer 
Sodarückstände, und erhält dadurch nach dem Klären eine farblose Lsg. 
von CaSjO.. 

Da die ges. Lsg. dieses Salzes beim Kochen an der Luft eine merk- 
liche Zersetzung erleidet, so muss man das Eindampfen bei niedrigerer T., 
d. h. unter vermindertem Druck vornehmen, und den Druck um so mehr 
erniedrigen, je konzentrirter die Lsg. wird. Deshalb hat Stevenson 
einen Tripelapparat zum Eindampfen vorgeschlagen. Unter einem 
Druck von nur 2 bis 3 cm Quecksilbersäule kann man die Lsg. bei 43 '^ bis 
zur Dichte 1,48 eindampfen, ohne eine Zersetzung des Salzes zu be- 
merken. Aus dieser Lsg. kryst. CaSoOg mit »iHoO. 

Die so gewonnenen Rohkry stalle werden in lauwarmem H^O bis 
zur Dichte 1,45 gelöst und daraus durch Krystallisationen ziemlich rein 
erhalten. 

Townsend und Walker überlassen die Sodarückstände in 
grossen Haufen der freiwillicren Oxvdation. die durch den in Schottland 
so häufigen Regen befördert wird. In zweckmässig angelegten Kanälen 
sammelt sich eine gelbe Schwefellauge, welche nach Stahlschmidt 
viel CaSj, daneben Calciumhydrosulfür, CaSgO^ und CaSO.^ enthält. Um 
die Oxydation dieser Lauge zu vollenden, lässt man sie einen mit Koks 
gefüllten Thurm herunterrieseln, in welchem sie einem aufsteigenden 
Luftstrom begegnet. Unten fliesst eine farblose Lsg. von CaS^O^ ab. 
welche man bis zur Dichte 1.25 eindampft. 

Townsend und Walker benutzen diese Lsg. zur Darstellung 
von Na^SjOo, indem sie dieselbe mit einer Lsg. von Na^SO^ fällen. 
Der dabei entstehende Niederschlag von CaSO^ schliesst viel CaSgO^ 
oder Na^SgOg ein, und wird deshalb von Papierfabrikanten als «ge- 
fälltes Antichlor" gern angewandt, weil es sowohl zur Beseitigung 
des Cl von der vorhergehenden Bleiche, als auch zum Füllen der Papier- 
masse dient. 

Nach dem Verfahren von Jullien, welches sich besonders für 
kleinere Betriebe eignet, werden die Sodarückstände in dünnen Schichten 
auf den Zwischenböden eines Holzkastens ausgebreitet und unter häu- 
figem Umrühren durch feuchte Luft oxvdirt, bis sich möglichst viel 



Hydroschwefligsaure Salze, Hydrosulfite. 123 

Polysulfür (neben Thiosulfat etc.) gebildet hat. Sie werden dann aus- 
gelaugt, und die gelbe Schwefellauge wird mit SO« behandelt, wodurch 
eine Lsg. von CaSoO.. entsteht, z. B. : 

"2 daS^ + 3 SO2 = 2 CaS^O^ + 7 S ; 
die Lsg. wird nach dem Klären entweder eingedampft zur Krystallisation, 
oder sofort zur Fabrikation von NagSgO. verwendet. 

Will man zur Fabrikation von CaS^jOg keine Sodarückstände be- 
nutzen, so kann man CaSO^^ durch Calcination mit Kohle in Schwefel- 
calcium verwandeln, und dieses wie oben behandeln. 

Die Prüfung des CaS203 erfolgt nach derselben Methode, wie die des 
Na^SjOg. 

CaS203 ist "weniger beständig als das Natriumsalz. Es zersetzt sich mit- 
unter, selbst in geschlossenen Gefässen, zu einem gelben Schlamm, der aus S und 
CaSOg besteht, und geht an der Luft allmählich in CaS04 über. 

■ Anwendung. CaSoOg dient 

1. Zur Darstellung anderer Thiosulfate, wie des Zn, Cr, AI, namentlich aber 
des Na-Salzes. 

2. Zur Darstellung des Antimonzinnobers: durch Vermischen einer Lsg. von 
Antimonprotochlorür mit CaS203 entsteht ein weisser Niederschlag, welcher bald 
schön roth wird, und dann an der Luft, dem Licht und in SO2 unverändert bleibt. 

Hydroschwefligsaure Salze, Hydrosulfite. 

Die wässerige Lsg. von SO., oder von HNaSO^ löst Zn auf, ohne 
H zu entwickeln: 

SO., + H,0 + Zn = ZnSO, -f H., und 
so: + H; = HoSO,. 

Durch Sättigen der so entstandenen hy drosch wefligen Säure, 
H2SO2, mit Kalkmilch oder Natronlauge erhält man die entsprechen- 
den Salze. Diese Säure verdiente mit grossem Rechte die Bezeichnung als 
„unterschweflige Säure", und ihre Salze die Bezeichnung als unter- 
schwefligsaurer Salze 'oder Hyposulfite. Um jedoch Verwechselungen 
zu vermeiden, bedient man sich besser der Bezeichnungen „Hydro- 
schwefligsaure" und „Hydrosulfite". Die Zusammensetzung der hydro- 
schwef ligen Säure und ihrer Salze steht noch nicht ganz fest. H.Ost 
gibt die Formel H.S.O^ oder HSO^ an. 

Die namentlich in saurer Lsg. unbeständige Verbindung wirkt 
sehr stark reduzirend und wird in der Färberei und dem Stoflfdruck zum 
Auflösen von Indigblau, zur Herstellung der hydroschwefligsauren Indigo- 
küpe und auch zum Entfärben von Rübensäften verwendet. Papierztg. 
1891. 16. 1025. 

A. Müller (Bull. Soc. Ind. Mulhouse 1874. 22; B. 1881) be- 
nutzt das Natriumhydrosulfit, HNaSO^, zur Reduktion des Indigkarmins, 
um den Indigogehalt einer Lsg. zu bestimmen. 

A. Bernthsen (Ch. N. 1881. 43. 79, 90) schlägt HNaSO^ oder 
die hydroschweflige Säure, H^SO^, zur quantitativen Bestimmung des 
im Wasser gelösten vor. 

Vergl. Mohr, Titr. 1873. 138; C. r. 69. 196; 76. 1214; B. 1869. 
431; W. J. 1869. 204; D. 206. 208. 

Wirthschaftliches und Statistik der angeführten Salze. Die 
wirthschaftliche Bedeutung der angeführten Salze beruht — abgesehen von ihrer 



124 



Hydi'oschwefligsaure Salze. 



technischen Verwendung — darin, dass in der Fabrikation von H2Ca(S03)2 ein Mittel 
gefunden ist , um den Hüttenrauch unschädlich zu machen , und darin , dass 
durch die Fabrikation der Thiosulfate die lästigen Sodarückstände der Leblanc- 
Fabrikation wenigstens theilweise beseitigt werden. 

Die angeführten Salze werden fast ausschliesslich als Nebenprodukte be- 
stehender industrieller Anlagen gewonnen , namentlich der Hüttenwerke und der 
Sodafabriken. 

In das Deutsche Reich gehen die genannten Salze zollfrei ein. Exportzoll 
ist ebenfalls nicht vorhanden. 

Nach der Statistik des Deutschen Reiches war die Ein- und Aus- 
fuhr von Na)S03 und Na2S203 in Mengen von 100 kg folgende: 





Einfuhr 


Ausfuhr 


Jahr 


in das 
Deutsche Reich 


aus dem 

Deutschen 

Reiche 


1885 


899 


3 228 


1886 


1053 


5 754 


1887 


1541 


7 707 


1888 


1172 


5 025 


1889 


479 


9 992 


1890 


1132 


14137 


1891 


2 124 


19 284 


1892 


3 119 


27 838 



Ein- und Ausfuhr des Deutschen Reichs 1890 nach den Ländern 
der Herkunft resp. der Bestimmung geordnet, in Decitonnen: 

Einfuhr Ausfuhr 

aus nach 

ZoUausschlüssen 2 — 

Belgien 53 475 

Frankreich 18 247 

Grossbritannieu 58 4 639 

Italien — 153 

den Niederlanden 21 911 

Oesterreich-Ungarn 471 228 

Russland — 674 

Schweden — 1 395 

der Schweiz 487 195 

Japan — 188 

den Vereinigten Staaten von Nordamerika 22 4 498 

Britisch Australien — 176 

anderen Ländern — 358 

Im Ganzen 1 132 14 137 

Die Preise einiger der angeführten Salze betrugen im Jahre 1887 nach 
Chr. Heinzerling (Abriss der chemischen Technologie. Berlin und Kassel 1888) 
für je 100 kg: HNaSOa 50 Mk., H2Ca(S03)2 55 Mk., NaoS203 30 bis 34 Mk. Die 
Fabrikation dieser Salze warf augenscheinlich damals einen erheblichen Gewinn ab. 
1891 kosteten 100 kg Natriumthiosulfat nur noch 13 Mk. 



Jurisch. 



Schwefelsäure. 

Vorkommen. Die H2SO4 kommt im freien Zustande in vulkanischen 
Dämpfen und in Quellen vor, welche auf vulkanischem Gebiete entspringen. Das 
Wasser des Rio vinagre, welcher an dem noch thätigen und S absondernden 
Vulkane Purace in den mittleren Kordilleren Südamerikas entspringt, enthält 
0,111 "/o freie SO3 und 0,0917" freie HCl und führt dem Rio Cauca, in den er sich 
ergiesst, täglich etwa 38 000 kg von beiden Säuren zu. Nach Kosmos 1869 soll 
der Rio Cauca täglich .34 784 cbm H-^O, enthaltend 37 611 kg H2SO4 und 31654 kg 
HCl, in das Meer ergiessen. In einer Quelle am Poramo de Ruiz, einem Vulkane 
in Neu-Granada, fand Lewy 0,5181 7o freie H.2SO4 und 0.085 7o freie HCl. 

Ferner kommt freie H2SO4 vor im Schlamme der Vulkane von Guatemala 
und San Salvador, in einigen Quellen bei Byrontown in Tennessee, in einem Wasser 
in Louisiana, welches nach Hallet (Ch. N. 26. 147) in einem Falle 5,29 g H2SO4 
in 1 1 enthielt. Auch das Meerwasser an einigen Stellen des Golfs von Mexiko ist 
sauer. Ebenso das Meerwasser bei Santorin, wo nach Landerer das CuO auf den 
Schiffsbeschlägen sich dadurch auflöst. 

Freie H2SO4 kommt auch in manchen Grubenwässern vor und zerfrisst die 
Pumpen und Röhren, macht lederne Ventilklappen brüchig und verkohlt die Holz- 
theile, mit denen sie in Berührung tritt. 

Im Sekret der Speicheldrüsen einiger Mollusken, namentlich von Dolium 
galea, und einiger Schnecken der Tritonium- und Cassis-Arten finden sich 2,47 % 
freie H2SO4, nach Troschel sogar bis 4% SO3 und 0,4 7o freie HCl (Bödeker 
und Troschel; de Luca und Pauceri). 

Den Ursprung freier Säuren an Vulkanen führt Boussingault auf die 
Einwirkung von Wasserdampf auf Chloride und der dadurch gebildeten HCl auf 
glühende Sulfate zurück. S-Metalle, z. B. der Schwefelkies, gehen durch Oxydation 
in Sulfate über, welche durch Erhitzung freie H2SO4 abgeben. Endlich können 
vulkanische Dämpfe, wie HoS und SO2, ja der S selbst, durch Oxydation unter 
günstigen Bedingungen freie H2SO4 liefern (Bischof, Lannoy und Hogarth, 
zum Theil zusammengestellt in E. Pfeiffer, Kali-Industrie 1887. 66 ff.). 

In gebundenem Zustande findet sich H.)S04 in sehr grosser Menge in 
Gips (CaS04 + 2H2O) , Anhydrit (CaS04), Schwerspath (BaS04), Coelestin (SrS04). 
Bittersalz (MgS04 + 7H2O) allein oder in Doppelsalzen, Glaubersalz (Na2S04 -|- 
lOHoO), Glaserit (K2SO4) allein oder in Doppelsalzen, wie z. B. Alaunstein (K2SO4 
-|- AI2S3O12 + 2HgAl20e) u. a. Die grössten Mengen von Sulfaten finden sich in 
gelöster Form im Meenvasser. 

Geschichtliches. H0SO4 war nach Rod well, Birth of Chimistry, wahr- 
scheinlich schon den Alten bekannt und wurde von den Alchemisten seit dem 
8. Jahrh. dargestellt. Geber (699 bis 765) bereitete sie durch trockene Dest. 
von Alaun oder grünem Vitriol (FeS04 4- 7H2O), und daher entstand die Bezeichnung 
, Vitriolgeis t". Erst später, nachdem man gelernt hatte, den Vitriolgeist in 
Glasgefässen zu konz., entstand der Name „Vitriol öl". 

Basilius Valentinus beschrieb in seinem currus triumphalis antimonii 
die Darstellung einer Flüss., welche Metalle aufzulösen vermag, und welche er 
durch Verbrennung eines Gemisches aus S und Salpeter erhielt (Kopp, Ge- 



126 Schwefelsäure. 

schichte der Chemie 3. 303). Aber er wusste noch nicht, dass diese Flüss. identisch 
mit dem Vitriolöl sei, dessen Eigenschaften Gerhard Dornäus 1570 beschrieb. 
Die Identität beider wurde erst 1595 durch Libavius nachgewiesen. Angelus 
Scala stellte 1613 H2SO4 durch Verbrennen von S in feuchten Gefässen bei reich- 
lichem Luftzutritt dar. Lefevre und Lemery wandten um 1620 bei diesem 
Verfahren zur Unterstützung der Oxj^dation noch Salpeter an. Nachdem Corne- 
lius Drebbel für die Ausführung dieses Verfahrens praktische Apparate ersonnen 
hatte, welche eine fabrikmässige Darstellung der H0SO4 gestatteten, wurde dasselbe 
in England eingeführt, wo Ward 1740 die erste Fabrik in Richmond bei London 
errichtete. 

"Ward erhitzte ein Gemenge von S und Salpeter in eisernen Kapseln und 
fing die H2S04-Dämpfe in gläsernen Vorlagen von 300 1 Inhalt auf, die mit etwas 
H2O beschickt waren. Sobald das H2O genügend viel H.)S04 aufgenommen hatte, 
wurde die verd. Säure in Glasgefässen im Sandbade konz. (Man vergl. auch 
Fremy, Encyclopedie 5. 83.) 

Da die gläsernen Vorlagen, trotzdem sie sorgfältig in Sandbäder eingebettet 
wurden, häufig sprangen, so wm-den .sie 1746 durch Roebuck und Garbett 
durch Bleikästen ersetzt. 

Diese ersten Bleikammem in Birmingham und dann in Prestonpans (in 
Schottland) waren nur etwa 2 m lang und breit; durch eine Thür schob man einen 
kleinen Wagen hinein, welcher eine Mischung aus S und Salpeter enthielt, die man 
nach dem Schliessen der Thüre zum Verbrennen brachte. Dieses Verfahren wurde 
1766 durch J. Holker in Frankreich eingeführt, welcher in Ronen die erste Fabrik 
errichtete. 1744 Hess La Follie während der Verbrennung des S durch den bei- 
gemischten Salpeter gleichzeitig auch W a s s er d a mp f in die Bleikammer strömen. 
1793 zeigten Clement und Desormes die Rolle, welche der atmosphärische O 
in der Erzeugung der H2SO4 spielt, und dass man den Salpeterverbrauch ganz 
bedeutend ermässigen könne, indem man einen Luft ström durch die Kammer 
schickt. Die Ausführung dieses Vorschlages machte sofort die Anwendung mehrerer 
Bleikammern hinter einander nothwendig, und so entstand 1807 in Saint Rollox 
die erste moderae H2S04-Fabrik. Dadurch wurde sogleich die Ausbeute an H2SO4 
aus dem S bedeutend gehoben, die bis dahin nur etwa 130 kg H2SO4 aus 100 kg S 
betragen hatte. 

In Deutschland wurde das erste Bleikammersystem 1820* in Ringkuhl bei 
Kassel errichtet, das zweite von Reichard in Dohlen und Potschappel bei Dresden, 
dem bald darauf die von der königlich württembergischem Regierung unterstützte 
Anlage bei Heilbronn folgte. 

1827 ersann Gay-Lussac den nach ihm benannten Apparat zur Absorption 
der nitrosen Dämpfe und die Benutzung von HNO3 an Stelle des Salpeters. An 
Stelle der alten H 1 ke r'schen Fabrik zu Rouen wurde dort 1834 ein grosses Kammer- 
system gebaut, und in der Fabrik zu Chauny errichtete Gay-Lussac 1835 seinen 
ersten Thurm. durch welchen er den Salpeterverbrauch ganz bedeutend ermässigte. 

Bis zu dieser Zeit benutzte man zur H2S04-Fabrikation fast ausschliesslich 
sizilianischen Schwefel. Als aber die neapolitanische Regierung die S-Gewinnung 
in Sizilien 1838 zum Monopol machte und die Ausbeutung desselben der Firma 
Taix-Aycard & Co. in Marseille übertrug, welche den Preis für 100kg S von 
12,50 auf 35 Frs. heraufsetzte, suchte man den S durch Pyrit zu ersetzen. 

In England hatte schon Hill in Deptford 1818 versucht, den Schwefelkies als 
Rohmaterial für die H2S04-Fabrikation zu benutzen. In Frankreich folgten 1832 
die Versuche von Claude Perret in Lyon (Michel Per r et, A. eh. 1867. 11. 
479). 1835 war es Per r et & Sohn bereits völlig gelungen, durch Abrösten von 
Schwefelkies H2SO4 zu fabriziren. Seit 1833 wurde Schwefelkies vonBrem, seit 1837 
von Wehrle und Braun in Oesterreich, seit 1839 allgemein in England, seit 1840 
auch in einigen Fabriken und Hüttenwerken in Deutschland zur Fabrikation von 
H2SO4 benutzt: In Sachsen, am Harz und am Rhein gewann man sogen, metallur- 
gische H2SO4 beim Rösten von Kupferkies, Zinkblende, mit Bleiglanz gemischten 
Erzen etc. In einer Fabrik bei Berlin wurden die alten S-Oefen aber erst 1866 
durch Pyritöfen ersetzt. 

In England erfuhr die Fabrikation seit 1859 eine bedeutende Verbesserung 
durch John Glover. welcher in einer Fabrik zu Newcastle 1861 den ersten der 
nach ihm benannten Thürme errichtete (Ch. Ind. 1893. 337). Die G 1 v e r-Thürrae 
verbreiteten sich sehr rasch über ganz England, wo die G a y - L u s s a c-Thürme erst 
einige Jahre später Eingang fanden. Frankreich dagegen, welches schon seit 1835 



Rohmaterialien. 127 

im Besitz der G a y - L u s s a c-Thürme war , nahm die G 1 o v e r-Thürme erst an, 
nachdem dieselben sich in England durch langjährige Benutzung bewährt hatten. 
In Deutschland wurde der erste Gay-Lussac-Thurm 1865 in Freiberg gebaut, 
die Glo ver-Thürme wurden aber erst Ende der 70er Jahre eingeführt, nachdem 
Lunge ihre Wirkungsweise 1871 ausführlich beschrieben hatte (D. 201. 341). 

Der erste Perret'sche Pyritofen war ein einfacher Schachtofen ohne Rost. 
Im Jahre 1852 nahm Usiglio, in der Fabrik von Merle in Alais, ein Patent 
auf Muffelöfen zum Rösten von Pyrit, aber seine Abbrände enthielten noch 15 7" S. 
Inzwischen hatte Perret seit 1848 — wie man es auch in England that — den 
Rost eingeführt und mit Olivier 1865 einen Stückkiesofen mit einem darüber 
liegenden Fache für Feinkies konstruirt. Bis 1867 entstand dann durch Vermehrung 
der Platten der gemischte Oli vier-Perret'sche Ofen (Scheu rer-Kestner, 
Bl. 1886. 45. 227). 

Im Handel unterscheidet man verscliiedene Formen von Schwefel- 
säure: 

1. gewöhnliche oder englische Schwefelsäure in verschiedenen 
Graden der Reinheit und Konzentration, SG, 1,56 bis 1,84 (52^ 
bis 6^'' Be.); 

2. rauchende Schwefelsäure oder Nordhäuser Vitriolöl, 
SG. 1,89 bis 1,90; 

3. Schwefelsäureanhydrid, Schwefeltriosyd, SO3, in fester Form. 
Im Handel nimmt die englische Schw. bei weitem den grössten 

Raum ein, aber ihre Menge ist verschwindend klein im Vergleich zu 
der Menge H^SO^, welche am Ort ihrer Erzeugung zu anderen in- 
dustriellen Zwecken verbraucht wird. 

Als Rohmaterialien für die Fabrikation der gewöhnlichen 
HgSO^ dienen: SOg, Salpeter, Luft, H^O und Steinkohlen. 
Die SO.2 wird erhalten: 

1. durch Verbrennen von S, und zwar mineralischem oder regenerir- 
tem, in fester Form oder als H,S; 

2. durch Abbrennen der Gasreinigungsmasse; 

3. durch Rösten von Pyrit, der an manchen Stellen durch Kupfer- 
kies, Zinkblende oder mit Bleiglanz gemischte Erze ersetzt wird. 

1. Schwefel. In England, Frankreich und Deutschland benutzte 
man bis zum Jahre 1838, in Nordamerika bis 1882, fast ausschliesslich 
sizilianischen Rohschwefel, und zwar gewöhnlich die billigste im Handel 
vorkommende braune Sorte mit 88 bis 90 '^jo nutzbarem S. 

Auch jetzt noch wird mitunter S benutzt, um Säure für bestimmte 
Zwecke darzustellen. Man verwendet dazu ausser dem sizilianischen 
S auch die Abfälle der S-Regeneration. 

2. Gasreinigungsmasse. Zum Reinigen des rohen Leuchtgases benutzt 
man Eisenhydroxyd, welches nach R. Wagner dem Gase so viel S entzieht, wie 
zur Bildung von Anderthalb-Schwefeleisen nöthig ist. Kommt die mit S ges. Masse 
an die Luft, so spaltet der unter Wärmeentwicklung den ganzen S des Schwefel- 
eisens ab, indem er selbst an dessen Stelle tritt: 

FeaOg , H2O + 3 H2S = FejSg + 43^0 ; 
Fe^Sg + 3 + H2O = FeaOg , HjO + 3 S. 
Nach S r e 1 kann man das Eisenhydroxyd 30 bis 40mal benutzen und er- 
hält dann eine Masse mit 40 bis 65 "/o S, aus welcher man ausser anderen werth- 
voUen Substanzen auch S gewinnen kann. 

Die Zusammensetzung der ausgebrauchten Gasreinigungsmasse ist sehr ver- 
schieden, da man Eisenhydroxyd mit verschiedenen Beimischungen benutzt: Rasen- 
eisenerz, das Lux'sche alkalisirte Eisenoxydhydrat, Rückstände der Bauxit-Ver- 



J28 Schwefelsäure. 

arbeitung, Scliwefelkiesabbräude, das bei der Anilinbereiturg abfallende Eisenoxyd 
und andere industrielle Abfälle, die wesentlich aus Eisenos3-d bestehen. Die Massen 
werden häufig, um sie lockerer zu machen, mit Sägespähnen oder Koksklein ge- 
mischt. Ausserdem erzeugen verschiedene Kohlensorten auch verschiedene Mengen 
der ausser dem S in der Gasreinigungsmasse sich ansammelnden Substanzen. 
G. Lunge führt Lunge, Sodaindustrie 1. 105 f. und in .Industrie des Steinkohlen- 
theers", 3. Aufl., Braunschweig 1888, eine grosse Zahl Analysen von Davis (Ch. N. 
1874. 29. 30 und ebenda 36. 189) an, welche einen S-Gehalt bis zu 68 "/o zeigen. 
Eine Smal gebrauchte Gasmasse enthielt nach Bunte: 

Schwefelsaures Ammoniak 0,77 ^/o, 

Ferrocyanammonium und Cyanammonium . . 4,40 „ 

Rhodanammonium 14,08 „ 

Eisenhydroxyd 16,82 „ 

Berliner Blau 11,12 , 

Schwefel 33,50 , 

Sägespähne. Theer etc 19,31 , 

100,00 

Nach Knublauch wurden bei der Verarbeitung von 40 000t Steinkohlen 
16 t S im Gaswasser und 114 t S in der Gasreinigungsmasse aufgefangen. 1000 kg 
westfälische Steinkohlen geben 2,8 kg S in der Gasreinigungsmasse. 

Aus der Gasreinigungsmasse kann man den S durch Ausschmelzen unter 
H2O und Dampf von 3 Atm. Spannung, oder durch Extraktion mittelst CSo ge- 
winnen. Der so erhaltene S ist jedoch stets durch theerige Beimischungen miss- 
farbig und daher geringwerthig. Will man die Masse direkt zur H2S04-Fabrikation 
verwenden, so laugt man sie mit H^O aus, um die NH3- und Cyansalze zu ge- 
winnen, trocknet sie und bringt sie dann zum Abrösten in einen Plattenofen. Die 
Abbrände können von neuem zur Gasreinigung dienen. 

Bei der Prüfung der Gasreinigungsmasse kommt hier nur ihr 
S-Gehalt in Betracht. 'Um denselben zu definiren, muss man aber auch den 
Feuchtigkeitsgehalt bestimmen. Man thut dies, indem man ein mit dem Stich- 
bohrer gezogenes Durchschnittsmuster wägt und in einem Jlxsiccator über Chlor- 
calcium trocknet. Dann extrahirt man 50 bis 100 g des völlig getrockneten Musters 
mit CS.2, bis derselbe wasserhell abläuft. Die Lsg. wird der Dest. unterworfen, der 
rückständige S geschmolzen und gewogen. 

Da die Gasreinigungsmasse aber mitunter auch wechselnde Mengen von Kalk 
und anderen Substanzen enthält, welche bei der Verbrennung einen Theil des S 
zurückhalten, so wendet man nach Zulkowsky eine Methode an, welche nur auf 
den in Form von SO-j gewinnbaren Theil des S Rücksicht nimmt (D. 241. 52; Lunge. 
Taschenb. 1892. 111). Man verbrennt den Gasschwefel mit Hülfe von platinirtem 
Asbest, leitet die Gase in eine Lsg. von KOH und unterbromigsaurem KOH und 
be.stimmt die dort kondensirte oder gebildete H2SO4 durch Fällung mit BaCl2. 

3. Schwefelkies findet sich in zahlreichen Abarten in verschie- 
denen Formationen der Erdrinde in fast allen Ländern. 

Reiner Schwefelkies, FeS^, kryst. in messinggelben Würfeln 
(Pyrit, te-sseraler Eisenkies) oder in rhombischen Formen (Markasit, 
Speerkies), SG. 4,9 bis 5,2; er enthält 53.33 S und 4(3,(37 Fe. 

Meist ist der Schwefelkies mit anderen S- Metallen gemischt, 
namentlich mit Kupferkies, Zinkblende und Bleiglanz. Da diese Körper 
folgende Zusammensetzungen haben: 

Kupferkies 

Schwefelkies FeCuS2 Zinkblende Bleiglanz 

feS2 S 34,89 "/o ZnS PbS 

S 53,83 V Fe 30,53 „ S 33 > S 13,4> 

Fe 46.67 „ Cu 34,58 , Z n 67 , Pb 86,6 „ 

100,00 '> 100,00 > 100,0 > 100 > 

so enthält der damit gemischte Schwefelkies weniger S als reiner Pyrit. 
Dieser Xachtheil wird aber dadurch aufse wogen, dass diese zufällisfen 



Rohmaterialien. X29 

Beimischungen, mit anderen gepaart, gewinnbringende Industrien er- 
möglichen. Denn ausser Cu, Zn, Pb findet man im Schwefelkies 
häufig wechselnde Mengen von Se, As, Tl, Mn, Co, Ag, Au (Playfair, 
Ch. N. 1879, 39. 245). Ueber das Vorkommen von Au in Pyriten 
siehe Schneider (B. 1891. 24. 2241). Der Au-haltige Schwefelkies 
von Schemnitz in Ungarn wird geradezu als Golderz behandelt. 

Ausser dem gewöhnlichen Schwefelkiese findet man in Sedimentär- 
gesteinen einen hellgrauen Schwefelkies vom SGr. 4,65 bis 4,9, welcher 
an der Luft verwittert und sich dabei mit Kryst. von schwefelsaurem 
Eisenoxydul überzieht, deren Zwischenräume sich mit freier H^SO^ 
füllen. 

Magnetischer Schwefelkies, Fe^Sg (Magnetkies), ist dunkelgelb bis 
kupferroth, SG. 4,4 bis 4,7, und enthält 39,5 > S und 60,5% Fe. 

In Deutschland findet sich das grösste Schwefelkieslager bei 
Meggen in Westfalen, welches 1852 entdeckt wurde. Dasselbe erstreckt 
sich dem Laufe der Lenne entlang über etwa 4 km in einer Mächtigkeit 
von 1,5 bis 3 m. Der Schwefelkies bildet hier in schwerspathhaltigem 
Gestein dichte Massen oder Knollen und Nester mit 45 bis 47% S. 
Er enthält wenig As, aber ungefähr 6 % Zn. Er lässt sich zwar leicht 
rösten, aber wegen seines Zn-Gehalts nicht vollständig. Seiner Farbe 
nach wird er „ Graueisenkies " genannt. 

Ein anderes wichtiges Lager von 3 bis 10 m Mächtigkeit auf 
einer Fläche von 600 000 qm findet sich bei Schwelm in Westfalen. 
Hier bildet der gelbe bis braune Schwefelkies bröckelige Massen zwi- 
schen mitteldevonischem Sandstein und Eisenkalkstein mit thoniger 
Gangart, von der er durch Schlämmen befreit wird. Er enthält 40 % S 
und nur wenig As. 

Andere Fundstätten sind : Lintorf bei Düsseldorf, Iserlohn, Bens- 
berg bei Deutz, Welckenrath bei Aachen ; der Rammeisberg bei Goslar, 
wo der Schwefelkies namentlich mit Kupferkies zusammen, aber auch 
mit vielen anderen Mineralien vorkommt; Elbingerode am Harz, Insel 
Wollin (Kreidemergel), Merzdorf in Schlesien, Inowraclaw (in 126,4 m 
Tiefe in tertiären Thonschichten). 

Der Schwefelkies aus der „Sicilia"- Grube bei Meggen enthält 
nach einer Privatmittheilung von Herrn Dr. C. R ei dem eist er 40 bis 
46 % S , durchschnittlich 42 % . Unterbestandtheile sind in erster 
Linie Thonschiefer , dann Zinkblende (2 bis 5% Zn), ferner Dolomit, 
Kupferkies, selten etwas Schwerspath und Kalkspath, sehr selten etwas 
Bleiglanz. Zuweilen durchziehen rothe Streifen von Rotheisenstein den 
Dolomit. Der Kies hat verhältnissmässig wenig As und Se, aber viel 
Tl, welches vielleicht in der Zinkblende enthalten ist, und welches sich 
als in HgO llösl. Thalliumsulfat in den Zügen zwischen Oefen und Glover- 
Thurm absetzt. 

In Oesterreich-Ungarn befinden sich die bedeutendsten Lager 
bei Schemnitz im Honter Komitat und bei Schmölnitz im Zipser Komitat 
in Ungarn, ferner in Steiermark und in Tyrol. Die ungarischen Kiese 
enthalten gewöhnlich 44 bis 48% S, 0,5% Cu und 1 bis 3% Zn; 
die steiermärker 48 bis 52% S, die tyroler aber nur 40 bis 42% S 
bei 1 bis 1,5% Cu und 2 bis 3% Zn. 

In Italien findet sich Schwefelkies in den Thälern, die den 
Monte Rosa umgeben, namentlich im Thal von Aosta, im Thal von 

Handbuch der ehem. Technologie. I. 9 



130 Schwefelsäure. 

Bergamo, zu Traversella in Piemont, bei Pallanza und auf Elba. Nach 
Lunge enthält der Pyrit von Val d'Aosta 48 bis 50 "o S, aber auch 
viel As und ist leicht schmelzbar. Der Pyrit von Pallanza hat nur 
30 bis 3.5 ^,0 S, daneben ^J2 bis 1 "^ o Ni. Der von Genua nach England 
gebrachte Pyrit war sehr kryst. und zerfiel im Ofen, wurde daher nicht 
gern benutzt. 

Frankreich besitzt nach A. Girard und H. Morin Schwefel- 
kieslager im Departement du Rhone zu beiden Seiten des Flüsschens 
Brevenne, westlich von Lyon und nördlich von St. Etienne. 

Nach Scheurer-Kestner enthält der Pyrit aus den Gruben von 
Sain-Bel und Chessy 45 bis 48 ^^o S mit sehr wenig As und Se, der- 
jenige von Chessy auch 1 bis 2 °/o Cu und Zn. 

Im De'partement Ardeche wird ein kleineres Lager ausgebeutet, 
welches sich am rechten Rhöneufer bei den Ortschaften Tournon. Saint- 
Peray und Soyons befindet. 

Der Pyrit von Soyons enthält viel As und Fluorcalcium, welches 
in der H^SO^-Fabrikatiou lästig wird. Die Gangart besteht aus Thon 
und Kieselsäure. Er lässt sich aber sehr gut abrosten. 

Das Departement Gar d enthält ein sehr bedeutendes Lager nord- 
westlich von Nimes. Von hier aus werden die H^SO^-Fabriken im 
Süden Frankreichs versorgt. 

Der Schwefelkies findet sich hier in sehr zahlreichen Adern in 
Lias, Trias und oolithischem Kalkstein, zeigt aber nicht die Mächtig- 
keit, wie bei Chessy und Sain-Bel, und enthält zuweilen Fluorcalcium 
in schädlicher Menge. 

Ausserdem besitzt Frankreich noch Schwefelkieslager bei Saint- 
Etienne, in den Departements Savoyen, Isere, Aude und Allier, bei 
Creuzot und in Algier. In der Champagne wird ein weisser Pyrit mit 
43 bis 47 > S gefunden. 

In Belgien gibt es Schwefelkieslager zu Theux bei Spaa und 
zu Vedrin bei Namur. Der Pyrit wird hier in der Regel nur als 
Nebenprodukt bei der Förderung der Zink- und Bleierze gewonnen. 

In Grossbritannien kommt nur der Pyrit von Wicklow in Ir- 
land in Betracht. Derselbe bildet mächtige Lager in kieseligem Thon- 
schiefer, ist sehr hart und schieferig und brennt sich schwer. Der 
irische Pyrit verlangt starke Hitze und daher tiefe Kilns. Er ist immer 
Cu-haltig. Die grosse Masse enthält nur 30 bis 35^/0 S, doch kommt 
im Thal von Ovoca bei Wicklow auch ein reicherer Pyrit vor. 

England selbst besitzt kleine Fundstätten in Cornwall und 
Devonshire. Im Norden benutzt man auch den in Northumberland 
und Durham aus Steinkohle ausgewascheneu Pyrit. Die englischen 
Pyrite spielen aber wirthschaftlich keine grosse Rolle. 

In Schweden findet sich Schwefelkies nur in Fahlun. Derselbe 
enthält 43 bis 48 ^/o S und merkliche Mengen Cu. Dieses Lager soll 
sehr gross sein, es wird aber wegen der Tran.sportschwierigkeiten nicht 
ausgebeutet. 

Norwegen dagegen besitzt drei sehr bedeutende Fundstätten: 
auf der Insel Ytteröen bei Drontheim, bei Röros und bei Vigsnes. Die 
skandinavischen Schwefelkiese sind nahezu frei von As, Ag und Au. 

Die norwegischen Pyritlager werden seit 1859 in grossem Mass- 
stabe ausQ-ebeutet. 



Rohmaterialien. 



131 



Die Iberische Halbinsel besitzt ein unerschöpfliches Lager 
von Schwefelkies, welches sich am Südabhange der Sierra Morena von 
der Westgrenze der Provinz Sevilla parallel mit dem Gebirgszuge unter 
der Guadiana hindurch, in die portugiesischen Provinzen Alemtejo und 
Algarve und bis ans Meer fortsetzt. Die Gesammtlänge dieses grössten 
Lagers in Europa beträgt etwa 170 km bei einer Breite von 20 bis 
30 km. Der Pyrit bildet grosse linsenförmige Einlagerungen im kryst, 
Schiefer und metamorphischen Thonschiefer von 300 bis 500 m Länge 
und 40 bis 60 m Dicke. Er findet sich besonders dort, wo Granit und 
Porphyr die Schichten geworfen haben. 

Diese Erzlager wurden schon von den Phöniziern und Römern 
ausgebeutet, aber nur um der schmalen vertikalen Adern schwarzen 
Kupferkieses willen, welcher 10 bis 40 ^/o Cu enthält. Erst seit 1855 
wird das Erzlager wieder systematisch abgebaut. 

Die grössten Mengen Erz liefert die Tharsis Company, Mason 
and Barry und die Rio Tinto Company. 

Seit einigen Jahren führt die Societe Commerciale in Ant- 
werpen einen sehr reichen spanischen Pyrit von Aguas teüidas ein, 
welcher 51 bis 52,7 ^/o S enthält. Gegenwärtig bemüht sich auch die 
Pomaron-Comp. (Mason und Barry), ihr reiches portugiesisches 
Erz namentlich nach Deutschland einzuführen. 

In den Vereinigten Staaten von Nordamerika hat man erst 
seit 1882 begonnen, die sehr ausgedehnten Pyritlager namentlich in 
New Hampshire und Virginia auszubeuten. Ausserdem findet sich 
Schwefelkies noch in Vermont, Massachusetts, New York, North Caro- 
lina, Georgia, Tennessee, Alabama und einigen westlichen Staaten. 

Andere Fundstätten, welche auch zum Theil ausgebeutet werden, kennt 
man in Kanada, Australien, Japan, Russland, der Schweiz und in Island. 









h 


Lualysen der 


wicht 


igsten 


Schwefelkiese. 








1 ^ 




q 












u <o 


Bestandtheile 


Portugiesische 

von 
San Domingo 


Spanischer 

von 
Rio Tinto 


Ungarischer vc 

Schmölnitz 

(bester) 


Ü M 
M (P 

N 

ig 





Deutscher 
von Meggen 


Belgischer 
von Namur 





> 


Amerikanische 

von 
New-Hampshir 


S 


49.90 


49,00 


49.89 


47,34 


45,00 


44,78 


42,80 


33,90 


46,00 


Fe . 








41,41 


43,55 


48,26 


41,72 


40,06 


37,49 


36.70 


30,11 


40,00 


FeaOg 








— 


— 


— 


— 


— 


— 


7,23 


— 


— 


Cu . 








2,46 


3,20 


0.32 


0,05 


3,73 


Null 


— 


1,16 


3,75 


Zn . 








0.44 


0,35 


0,08 


— 


0,25 


4.23 


0,40 


3,78 


4,00 


Pb . 








0,98 


0,93 


0,03 


— 


1,82 


0,14 


0,92 


2.09 


Null 


Ag . 








Spur 


Spur 


O.Ol 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


As . 








0.55 


0,47 


0,14 


0,02 


0,18 


0,07 


0,20 


0,30 


Spur 


CaO . 








0,28 


0,14 


0,32 


— 


0.76 


0,87 


0,47 


0,84 


— 


MgO . 








— 


— 


0.21 


— 


— 


0,20 


— 


— 


— 


AI2O3 








1 '■- 


1,70 


0.50 
2,34 


} 10.79 


6,36 


11,08 


Spur 

8,86 


1,20 

25,81 


J 6,25 


SO3 . 








— 


— 


1,21 


— 


— 


0,66 


— 


— 


— 


CO2 . 








— 





0,48 


— 


0.27 


0,20 


0.37 


— 


— 


und Verlust . 
HoO 


{) 0,7.5 


0,70 


1,21 


0,08 


( 1,03 
l 1.04 


} 0,05 


r - 

l 1,46 


} 1,81 


— 










98,49 


100,04 


100,00 


100,00 


100,00 


99,77 


99,41 


100,00 


100,00 



]^32 Schwefelsäure. 

Ausser den hier erwähnten Bestandtheilen enthält der Schwefel- 
kies von den verschiedenen Fundorten noch kleine und sehr wechselnde 
Mengen von Se, Te, Sb, Bi, Tl, Mn, Co, Ag, Au. 

Bei der Prüfung des Schwefelkieses kommt es hauptsächlich auf 
die Ermittelung des S-G eh altes an. 

Verfasser giebt folgender Methode den Vorzug : 

Ungefähr 1 g des sehr fein gemahlenen Musters wird gewogen, und bei 
ca. 10-5 " im Luftbade 1 bis l'a Stunden getrocknet (Feuchtigkeitsgehalt). 
Dasselbe wird auf einer Glasplatte oder auf Glanzpapier mit etwa .5 g fein ge- 
mahlenem und trockenem chlorsaurem Kali innig gemischt. Die Mischung wird 
darauf mit etwa 5 g reinem calcinirtem Na2C03 gemischt, in einen Pt- Tiegel 
(von ca. 7 cm Durchmesser) gebracht, mit einer Lage von chlorsaurem Kali und 
kohlensaurem Natron bedeckt und geschmolzen. Während der Schmelzung hält 
man den Tiegel mit einem Platinblech bedeckt. 

Nach dem Erkalten löst man die Schmelze in heissem H^O und filtr. Nach- 
dem man das Unlösliche (Eiseuoxyd) gut ausgewaschen hat, übersättigt man die 
Lsg. mit reiner HCl, erh. sie zum Kochen und fällt sie mit kochender Lsg. von 
tJaCl). Von dem gefällten und abgesetzten BaS04 filtr. man die klare Flüss. 
durch schwedisches oder dänisches Filtrirpapier ab, kocht den Ng. mit H2O auf, 
dem man einige Tropfen HCl zusetzt, lässt wieder klären, dekantirt durch das 
Filter und wiederholt das Auswaschen des Ng. drei- bis viermal, zuletzt mit reinem 
H)0. Dann erst bringt man den Ng. aufs Filter und wäscht ihn hier mit heissem 
Hfi völlig aus. 

Man kann den Ng. noch feucht mit dem Filterpapier in einen Pt-Tiegel 
bringen, um ihn zu glühen. Nur hat man zunächst das HjO mit Vorsicht auszu- 
treiben, und den Tiegel zu öffnen, sowie das Papier verkohlt, damit nicht Reduk- 
tionen eintreten. Man lässt den Ng. über H2SO4 erkalten. 1 g desselben ist 
= 0,13734 g S. 

Die Bestimmung der übrigen Bestandtheile des Schwefelkieses erfolgt nach 
der gewöhnlichen Methode. 

Der Antheil des S, welcher abgeröstet werden kann, hängt von der Be- 
schaffenheit des Pyrits ab. 

In französischen Fabriken rechnet man denjenigen Theil des S als für die 
H2S04-Fabrikation nicht nutzbar, welcher an Cu gebunden ist, welcher mit dem 
CaCOs Gyps bildet, und die Hälfte des S, welcher an Zn gebunden ist. Demnach 
hat man in Abrechnung zu bringen : 

für je 1 > Cu . . . . 0.505 "/o S 
, , 1% CaCOg . . . 0,320 . 
, , l«/o Zn . . . . 0,245 ,, 

Wir th sc haftlich es und Statistisches über Pyrit. Die Anwen- 
dung des Pyi'its erfolgt hauptsächlich . weil der S in Form von Pyrit zu einem 
weit billigeren Preise angeboten wird, denn als Piohschwefel — und dann, weil 
man den Pyrit zur Gewinnung der in ihm enthaltenen Metalle abrosten muss, also SO2 
als Nebenprodukt erhält, welche man nicht in die Luft entweichen lassen 
kann, ohne die Nachbarschaft zu schädigen. 

Der Schwefelkies geht durch das Abrösten in mehr oder weniger reines 
Eisenoxyd über. 100 kg Pyrit hinterlassen gewöhnlich 70 bis 73 kg Abbrände. 
Da während des Abröstens ein Theil des der Luft verbraucht wird , um Fe203 
zu bilden, so ei'hält man ein durch N verd., also ärmeres Verbrennungsgas als 
bei Anwendung von Rohschwefel. In Folge dessen hat man für Pyrit einen 
mindestens 1,3 mal so grossen Kammerraum anzuwenden, als für S. Ausserdem 
erfordert Pyrit einen etwas grösseren Aufwand von Salpeter. Beide Umstände 
scheinen zu bewirken, dass die Dauer der Bleikaramern etwas verkürzt wird. 

Während die H2SO4 aus Rohschwefel ganz rein ist, erfordert die aus Pyrit 
fabrizirte Säure, da der letztere gewöhnlich As enthält und auch Flugstaub bildet, 
für bestimmte Verwendungen noch besondere Reinigung. 

Es ist stets vortheilhaft, den Pyrit so vollständig wie möglich abzurosten. 
Aber hierin gibt es praktische Grenzen. C'u-haltige Pyrite werden nur so weit ab- 
geröstet, dass alles Cu in den Abbränden noch als Schwefelkupfer (Kernröstung) 
vorhanden ist, weil dasselbe dann leichter zu gewinnen ist. Während der Werth 
des Pyrits durch seinen Cu-Gehalt erhöht wird, ward er durch andere Beimischungen 



Rohmaterialien. 



133 



vermindert : Zn. Pb und CaCO^ bilden während des Röstens zum Theil unzersetz- 
liche Sulfate ; Fluorcalcium entwickelt HFl, welche alle Glas- oder Thontheile und 
vielleicht das Pb der Kammern selbst angreift; das As bildet einen lästigen Flug- 
staub von arseniger Säure ; die Gangart endlich kann ein sehr schädliches Schmelzen 
oder Verschlacken bewirken, oder, wenn sie aus HjO-haltigen Silikaten (Zeoliten) 
besteht, ein heftiges Zersprengen und Zerstäuben des Pyrits in den Oefen veranlassen. 

Stark verwitterter Pyrit enthält viel Eisensulfat, welches durch Glühen SO3 
entbindet. Das letztere kann durch theilweise Kondensation zu H0SO4 den guss- 
eisernen Theil des Gaskanals zerstören. 

S-arme Kiese, wie zum Beispiel der von Wicklow mit 35% S» haben für 
gleiche S-Gewichte geringeren Werth als S-reichere Kiese, wie zum Beispiel 
diejenigen aus Norwegen. Spanien oder Portugal 49 7« S. Denn die Kosten für 
den Transport, für das Zerbrechen und für die Arbeit an den Oefen müssen für 
das Bruttogewicht bezahlt werden, aus welchem man bei den ersteren Kiesen eine 
geringere Ausbeute an H')S04 erzielt. Ausserdem lassen sich arme Kiese in der 
Regel nicht so leicht abrosten wie reiche. 

Angenommen, 100 kg Pyrit mit 35 ^o S hinterlassen 75 kg Abbrände mit 
4% S oder 3 kg S, so sind 32 kg S verbrannt worden; — ferner, 100 kg Pyrit 
mit 49 °/o S hinterlassen 70 kg Abbrände mit 2,5 % S oc^ei' 1)75 kg S , so sind 
47,25 kg S verbrannt worden. Das Werthverhältniss in Bezug auf die S-Nutzung 
von je 100 kg der beiden Pyritsorten würde dann gleich 32 : 47,25 sein, oder wie 
1 : 1,476, während 35 : 49 sich nur wie 1 : 1,40 verhält. 

Da die armen Kiese noch dazu gewöhnlich kein Cu enthalten, also ziemlich 
werthlose Abbrände liefern, so ist es nicht zu verwundern, dass die reichen und 
zugleich gutartigen norwegischen, spanischen und portugiesischen Kiese überall, 
wo sie Eingang fanden, die armen Kiese verdrängt haben. 

Pyrit-Statistik. Im Deutschen Reiche wurden folgende Mengen 
Schwefelkies gefördert, eingeführt, ausgeführt und verbraucht (in Tonnen zu 1000 kg) : 





Gefördert 


Eingeführt 


Ausgeführt 


Verbraucht 
im Ganzen 


Verbrauch 
zur Fabri- 
kation von 


Jahr 




Werth 




Werth 




Werth 




Werth 


Schwefel- 
säure, 




t 


m 


t 


in 


t 


m 


t 


in 


geschätzt 






1000 M. 




1000 M. 




1000 M. 




1000 M. 


t 


1880 


112 288 


1 164,2 


78 399 


1882 


15 025 


346 


175 662 


2 700,2 


168 600 


1885 


116 212 


959,1 


130 502 


3 002 


27 938 


447 


218 776 


3 514,1 


218 700 


1890 


122 372 


1 007,8 


209 477 


4214 


8 276 


124 


323573 


5 097,8 


312 100 


1891 


128 288 


957,9 


238 644 


4 773 


9 393 


141 


357539 


5 589,9 


345 600 


1892 


113 461 


841,4 


218 272 


3 929 


9 951 


129 


321782 


4 641,4 


310 000 


1893 


121 334 


877,7 


274 766 


5 221 


15 889 


207 


380 211 


5 891,7 


365 000 



Die Förderung geschah hauptsächlich in Meggen; die Einfuhr bestand 
wesentlich aus spanischem Pyrit und einem beträchtlichen Antheil von portugie- 
sischem ; die Ausfuhr richtete sich anfänglich nach Belgien, jetzt vornehmlich 
nach Oesterreich; der Verbrauch vertheilt sich über ganz Deutschland, nament- 
lich aber auf die rheinischen, westfälischen, sächsischen, schlesischen und die 
Mannheimer Fabriken. 

In Grossbritannien berechnet sich der Pyrit verbrauch aus der inländi- 
schen Förderung und der Einfuhr, da eine Ausfuhr von Pyrit nicht stattfindet, wie 
folgt (in Tonnen zu 1067 ku) : 





Förderung 


Einfuhr 


Verbrauch 


Jahr 


t 


Werth 
in £ 


t 


Werth 

in € 


t 


Werth 
in £ 


1880 
1885 
1890 
1891 
1892 


31708 
29 860 
16 018 
15 463 
14 000 


23 004 
18 517 

7 666 

8 002 
7 000 


658 049 
654 521 
656 891 
616 227 
604 411 


1 522 724 

1 252 623 
1 219 488 
1 126 247 
1 063 506 


689 757 
684 381 
672 909 
631 690 
618 411 


1 545 728 
1 271 140 
1 227 154 
1 134 247 
1070 506 



134 



Schwefelsäure. 



Die Förderung bedeutet wesentlich irischen Pyrit. Die Einfuhr kam zu etwa 
drei Yieiieln bis zwölf Dreizehntel aus Spanien, der Rest aus Portugal und Norwegen. 

In Frankreich wurden folgende Mengen Pyrit gefördert, eingeführt, aus- 
geführt und verbraucht (in Tonnen zu 1000 kg): 





Förderung 


Einfuhr 


Au 


s f u h r 


Verb r auch 


Jahr 


t 


Werth 

in 

1000 Frs. 


t 


Werth 

in 

1000 Frs. 


t 


Werth 

in 

1000 Frs. 


t 


Werth 

in 

1000 Frs. 


1880 
1885 
1890 
1891 
1892 


132 288 
181 650 

229 661 
246 827 

230 480 


2 095,8 

2 797,2 

3 279,6 
3 412.1 

2 863,8 


21357 
18 350 
39 553 
45 457 
47 502 


640,7 

550,5 

988,8 

1 136,4 


12 125 
24 026 
15 908 
12 120 
22 455 


606,3 

1 201.3 

397,7 

303,0 


141 520 
175 974 
253 306 
280 164 
255 527 


2 129.7 

2 146.4 

3 870,7 

4 245,5 



Der Pyrit wird hauptsächlich bei Lyon gewonnen (Chessy und Sain-Bel). Die Ein- 
fuhr kam früher meistens aus Norwegen, später vorwiegend aus Portugal und dann aus 
Spanien. Die Ausfuhr richtete sich fast ausschliesslich nach Belgien und der Schweiz. 

In den Vereinigten Staaten von Nordamerika i.st der Pyritverbrauch 
in rascher Zunahme begriffen, wie aus folgender Tabelle nach Rothwell (The 
Mineral Industry 1893, 6j ersichtlich ist (in Tonnen zu 1000 kg). 





Förderung 


Einfuhr 


Verbrauch 


Jahr 


t 


Werth 
in Dollars 


t 


t 


1885 
1890 
1891 
1892 


49 786 
113 652 
111 105 
107 985 


220 500 
244 265 
317 280 
357 000 


43 862 

115 000 
130 000 
210 000 


93 648 
228 652 
241 105 
317 985 



Der Pyrit wurde hauptsächlich in New Hampshire und Virginia gewonnen. 
Die Einfuhr bestand ausschliesslich aus Rio-Tinto-Pyrit. Ausfuhr ist nicht vorhanden, 

Generaltabelle über Schwefelkies um das Jahr 1880. 



Land 


Förderung 


Einfuhr 


Ausfuhr 


Verbrauch 


Quelle 




t 


t 


t 


t 




Deutschland . . . 


112 288 


78 399 


15 025 


175 662 


Statistik 


esterreich . . . 
Ungarn .... 


8 918 

56 283 


J 10 000 


25 201 


50 000 


Zum Theil geschätzt 


Belgien .... 


7 913 


16 000 


3 018 


20 895 


Schätzung 


Holland .... 


Null 


43 899 


40 512 


3 387 


Zum Theil geschätzt 


Frankreich . . . 


132 288 


21857 


12 125 


141 520 


Statistik 


Grossbritannien . . 


31708 


658 049 


— 


689 757 


Statistik 


Italien 


4 663 


— 


— 


4 663 


Statistik 


Norwegen 




65 258 


Null 


65 258 


Null 


Statistik 


Schweden 




1482 


— 


— 


1482 


Statistik 


Portugal 




166 519 


Null 


166 519 


Null 


Berechnet 


Spanien 




520 000 


NuU 


520 000 


Null 


Berechnet 


Russland 




10 000 


— 


Null 


10 000 


Schätzung 


Schweiz 




1356 


2 144 


Null 


3 500 


Schätzung 


Vereinigte Staaten 












Amerikas . . . 


2 032 


11000 


Null 


13 032 


Statistik 


Canada 


25 000 


— 


10 000 


15 000 


Schätzung 


Andere Länder . . 


— 


16 810 


— 


16 810 




Die Erde 




1 145 708 


857 658 


857 658 


1 145 708 





Rohmaterialien. 



135 



Ausserdem sind in Spanien etwa 650 000 t Schwefelkies gefördert und an 
freier Luft abgeröstet worden. 



Generaltabelle über Schwefelkies um das Jahr 1890. 



Land 


Förderung 
t 


Einfuhr 

t 


Ausfuhr 
t 


Verbrauch 
t 


Quelle 


Deutschland . . . 


122 372 


209 477 


8 276 


323 573 


Statistik 


Oesterreich . . . 


5 422 


[ 22 879 


[ 4 446 
1 60 000 


69 814 


Statistik 


Ungarn (fisk. 45959, 






priv. 60000 t) . 


105 959 


Schätzung 


Belgien .... 


5 051 


26 600 


2 820 


28 831 


Zum Theil geschätzt 


Holland .... 


Null 


115 395 


106 575 


8 820 


Zum Theil geschätzt 


Frankreich . . . 


229 661 


39 553 


15 908 


253 306 


Statistik 


Grossbritannien . . 


16 018 


656 891 


— 


672 909 


Statistik 


Italien 


14 755 


— 


— 


14 755 


Statistik 


Norwegen .... 


56 000 


Null 


56 000 


Null 


Handelsbericht 


Schweden .... 


1 135 


1000 


Null 


2 135 


Handelsbericht 


Portugal .... 


73 230 


Null 


73 230 


Null 


Berechnet 


Spanien .... 


885 635 


Null 


885 635 


Null 


Berechnet 


Russland .... 


16 000 


2 200 


Null 


18 200 


Schätzung 


Schweiz .... 


158 


3 500 


Null 


3 658 


Schätzung 


Vereinigte Staaten 












Amerikas . . . 


113 6.52 


115 000 


Null 


228 652 


Statistik 


Canada .... 


44 671 


— 


24 671 


20 000 


Zum Theil geschätzt 


Andere Länder . . 


— 


45 066 


— 


45 066 




Die Erde .... 


1 689 719 


1 237 561 


1 237 561 


1 689 719 





Zur Pyritförderung und zum Verbrauch während des Jahres 1890 sind noch 
etwa 1271000 t zu rechnen, welche spanischen Gruben entnommen und an 
freier Luft geröstet worden sind, so dass sie für die Fabrikation von H2SO4 keine 
Bedeutung haben. 

Im Schwefelkies bezahlt der Fabrikant nur den S, wodurch er Cu-freie Pyrite 
gewöhnlich vollständig kauft. Er hat dann für die Beseitigung der Abbrände 
selbst zu sorgen. Bei Cu-haltigen Pyriten aber braucht der Fabrikant nur den 
S-Gehalt in den Pyriten zu kaufen, während die Beseitigung der Abbrände ihm 
durch die Kupferhütten abgenommen wird. 

Der geringe Gehalt an Ag und Au vieler Pyrite hat auf den Preis keinen 
merklichen Einfluss. 

In England wird der Preis des Pyrits nach seinem S-Gehalt ausgedrückt. 
170 S gilt dabei als Bestimmungseinheit: ^Unit". Steht z. B. der Marktpreis der 
Unit auf 6 Pence, so kostet 1 t Pyrit mit 49"/" S 49 ;< 6 = 294 Pence oder un- 
gefähr 24,50 Mark. Dabei wird die Tonne gewöhnlich zu 21 Cwts. oder zu 1066,8 kg 
gerechnet (long ton) ; d. h. für Verstreuung oder V^erlust während des Transports 
werden dem Käufer 5 "/» des Gewichts zugegeben. Die gewöhnliche englische 
Tonne (ton) hat nur 20 Cwts. oder 1016 kg und wird zum Unterschiede mitunter 
auch ,short ton" genannt. (Nicht zu vei-wechseln mit den gleichlautenden ameri- 
kanischen Bezeichnungen: long ton = 20 Cwts. = 2240 Ibs. = 1016,6 kg; 
Short ton = 2000 Ibs. = 907,2 kg.) 

4. Zinkblende. Während Schwefelkies, wenn er in geeigneten 
Oefen einmal entzündet ist, ohne äussere Wärmezufuhr weiterbrennt, 
bedarf Zinkblende zu ihrer Abrüstung noch besonderer Erhitzung. Da 
ein Zn-Gehalt des Schwefelkieses, bei dessen üblicher Verarbeitung, 
einen S-Verlust bedeutet, so ist die Abrüstung der Zinkblende ein 
überaus schwieriges technisches Problem. 

Die ausgedehnten Lager von Zinkblende in Westfalen, Rheinland 
und Belgien, Sachsen, Oberschlesien, und deren Verhüttung machten 



136 



Schwefelsäure. 



es zum dringenden Bedürfniss, die Zinkblende in solcher Weise ab- 
zurosten, dass die dabei entstehende SO, zur Fabrikation von H,SO^ 
benutzt werden könnte. Dies gelang zuerst F. W. Hasenclever um 
die Mitte der 50er Jahre. Seit 1862 der Schüttofen von Gersten- 
höfer in Freiberg ermunternde Resultate lieferte und 1866 auch in 
Stolberg eingeführt wurde, seit R. Hasenclever und Heibig 1870 
ihren geneigten Ofen konstruirten, und namentlich, seit Eichhorn und 
Liebig ihren ausgezeichneten Blenderöstofen, D.R.P. Nr. 21032 v. 
2. Mai 1882, schufen, hat die Verwendung der Zinkblende zur H^SO^- 
Fabrikation in Deutschland sehr bedeutend zugenommen. 

Im Auslande kommt die Zinkblende für diesen Industriezweig gar 
nicht, oder nur in höchst untergeordneter Weise — wie z. B. in Belgien 
und England — in Betracht. 

Reine Zinkblende enthält 32,9 "/o S und 67,1 *^o Zn. Da sie aber 
meistens mit Pb- und Fe-Erzen gemischt vorkommt, und mit kalkiger, 
thoniger oder kieseliger Gangart durchsetzt ist, so ist der S-Gehalt der 
zur Abröstung kommenden Zinkblende stets geringer. W^. Minor theilt 
in der Ch. Z. 1889. 13. 1602 vier Analysen von Zinkblende aus ver- 
schiedenen Gruben mit: 



Schwefel . . . 


. 30,24 


27,94 


22,11 


21,05 


Zink als ZnS 


. 27,73 


27,17 


34,46 


31,16 


Zink ausserdem 


. 5,03 


4,75 


5,83 


6,65 


Eisen .... 


. 15,98 


13,12 


2,06 


2,33 


Gangart (Diff.) . 


. 21,02 


27,02 


35,54 


38,81 



In diesen Zinkblenden wurde der Gehalt an lösl. Zn durch Kochen 
mit essigsaurem Ammoniak, und der Gesammtzinkgehalt bestimmt. Die 
in Deutschland verarbeitete Zinkblende enthält durchschnittlich 26 % S. 

Statistisches. In Preussen und Belgien wurden folgende Mengen Zink- 
blende gewonnen (in Tonnen zu 1000 kg): 





In Preussen 


In Belgien 


Jahr 


t 


Werth 
in 1000 Mk. 


Preis 
für 1 t in ]Vrk. 


t 


Werth 
in 1000 Frs. 


Preis 
für 1 t in Frs. 


1881 
1885 
1890 
1891 
1892 


185 679 
260 080 
362 464 
378 082 
407 987 


10 791,7 

19 086,6 

20 068,6 
16 095,1 


58,12 

52,52 

53,08 
39,45 


8 169 
11597 
10 370 
10 200 


539.4 
470,3 
872,0 
816,0 


66,02 
40,55 
84,09 
80,00 



In Schweden werden seit 1885 jährlich etwa 25 000 t Zinkblende gefördert. 
Man erkennt aus dieser Statistik, dass die Zinkblende in Deutschland eine 
wirthschaftlich sehr viel wichtigere RoUe spielt, als der Schwefelkies. 

5. Die Verwendung von Kupferkies und gemischten Erzen 
(Zinkblende und Bleiglanz) zur Fabrikation von HgSOj ist namentlich 
auf der Okerhütte bei Goslar seit 1841 in grossem Maassstabe ent- 
wickelt worden. 

Nach Bräuning wurden 1877 auf der Okerhütte 15000 t Erz 
in folgenden Sorten zur Verarbeitung genommen: 



Rohmaterialien. Schwefelöfen. 



137 



1. Schwefelkiese etwa 2500 t 

2. Gewöhnliche Kupferkiese 4200 „ 

3. Gemischte Erze 3350 „ 

4. Reiche Kupfererze (mit Ausschluss der reichsten) 750 „ 

5. Kiesige Bleierze 4200 „ 

lieber die Erzsorten 2 bis 5 geben folgende Analysen Aufschluss 
(nach Bräuning): 



S . 

Fe . 

Cu. 

Zn. 

Pb . 

Ag. 

Mn 

Co und Ni 

As und Sb 

AIO3 

CaCO, 

MgCÖ 

BaSO^ 

SiOo 



CTewöhnlicher 
Kupferkies 

41,08 
34,93 

7,90 

3,71 

2.17 

0,010 

1,08 

0,08 

0,08 

2,61 

2,32 

0,74 

0,63 

1,70 



Gemischtes 
Erz 

27,18 

16,26 
5,06 

18,99 
9,52 
0,016 
1,75 
0,06 
0,12 
2,02 
1,91 
0,56 

13,77 
1.53 



Reiches 
Kupfererz 

32,89 
25,32 
15,66 
7,90 
4,88 
0,017 
1,64 
0,04 
0,10 
0,94 
2,21 
0,42 
6,66 
0,87 



Bleierz 

25,00 

11,86 

0,55 

23,86 

11,79 

0,016 

2,18 

0,04 

0,12 

1.81 

3,72 

0,89 

15,97 

1,06 



99,040 



98,746 



99,547 



98,866 



Ausserdem enthalten die Erze Spuren von Hg, Cd, Tl und Se. 

Der S, welcher an Pb gebunden ist, ist für die H2S04-Fabrikation gewöhnlich 
verloren, da er während der Röstung Bleisulfat bildet, welches erst in Weissglut 
SO2 abgiebt. Wenn aber Bleiglanz mit Schwefelkies und Blende gemischt ist, so 
erhält man noch für den Kammerbetrieb ganz geeignete Gase. In kiesigen Pb-Erzen 
darf nach Bode der Gehalt an Pb 16 bis 17 "/o nicht übersteigen^). 

Das gewöhnliche Cu-Erz am Unterharze besteht im Allgemeinen aus 00 °jo 
Schwefelkies, 23 Kupferkies, 6 Zinkblende, 2 Bleiglanz und 9 % Gangart und liefert 
ein Röstgas mit 5 bis 7 VoL-^/o SO.,. 

Cu-Rohsteine mit 34 7o Cu , ' 28 > Fe und 28 % S und Pb-Steine geben 
nach Bode beim Abrösten für den Kammerbetrieb zu verd. Gase (nur 5 bis öVä 
V0I.-70 SO.2). 

Schwefelöfen. Für die Fabrikation von H^SO^ ist es vortheilhaft. 
Gase von möglichst hohem Gehalt an SO2 in die Bleikammern zu schicken. 
Deshalb werden sämmtliche Oefen, in denen man S oder S-haltige Roh- 
materialien brennt, so eingerichtet, dass sie möglichst hochprozentige 
Gase liefern. Da die Gase ausserdem die für den ökonomischen Blei- 
kammerbetrieb erforderliche Menge enthalten müssen, so ergiebt 
sich für jedes Rohmaterial ein gewisses Maximum des praktisch erreich- 
baren Gehalts an SO., in den Verbrennungs- oder Röstgasen. Da diese 
Maximalzahlen mit der Natur der verwendeten Rohmaterialien wechseln, 
so muss der weitere Betrieb denselben angepasst werden. 

Noch gegenwärtig wenden einzelne Fabrikanten in besonders für diesen 
Betrieb eingerichteten Systemen S an, um As- und Fe-freie H.2SO4 für bestimmte 



^} Fr. Bode, Beiträge zur Theorie und Praxis der Schwefelsäurefabrikation, 
(Berlin 1872), 32, 63. Lunge, Sodaindustrie 1. 103, 225. 



138 Schwefelsäure. 

Zwecke zu fabriziren. Häufig thut man dies nur zeitweise und kehrt dann gern 
■svieder zum Pyrit zurück. Denn trotzdem S durch seine Verbrennung ein an SO2 
reicheres Gas liefert als Pyrit, und man daher mit demselben Kammerraum eine 
grössere iVIenge H2SO4 erzeugen kann, so erfordert doch der Betrieb der Schwefel- 
öfen grössere Aufmerksamkeit und verursacht leicht Unregelmässigkeiten, da man 
zu vorübergehender Benutzung nur die einfachsten Konstruktionen anwendet. 
Demnach trägt die Fabrikation von H2SO4 mittelst S die Merkmale des Klein- 
betriebes. 

Die Verbrennung des S geschieht in der Regel auf einer gusseisernen Platte 
mit Rändern in dünner geschmolzener Schicht. Die Platte befindet sich in einem 
Gehäuse , aus welchem die Gase nach den Bleikammem geleitet werden. Bei 
grösseren Anlagen macht man das Gehäuse aus Stein und Gusseisen. 

Der verbrennende geschmolzene S erb. sich leicht so stark, dass ein Theil 
desselben unverbrannt verdami^ft und bei starkem Luftzuge in die Bleikammern gelangt. 
Man ist deshalb genöthigt, die Verbrennungsplatte durch unter derselben an- 
gebrachte Luftzüge zu kühlen. 

Versuche, eine derartige Pfanne durch geschmolzenen S kontinuirlich zu 
speisen, haben sich als unpraktisch herausgestellt, man beschickt dieselbe daher 
mit einer gemessenen Menge S, lässt dieselbe verbrennen und führt dann eine neue 
Menge ein. Da man hierzu das Gehäuse öfi'nen muss, so gelangt während jeder 
Beschickung ein Ueberschuss an Luft in das Kammersystem, wodurch der Betrieb 
nachtheilig beeinflusst wird. Um einen möglichst gleichmässigen Strom von SO2 
zu erhalten, pflegt man daher mehrere solcher Oefen anzuwenden, welche ab- 
wechselnd beschickt werden. 

Nach G. Lunge verbrennt man in England auf einer Platte von 2,4 m 
Länge und 1,2 m Breite in 24 Stunden 250 kg S, welche in sechs Portionen einge- 
tragen werden. Wenn vier Oefen vereinigt sind, so wird jede Stunde ein neuer 
beschickt. Auf 1 qm Brennfläche verbrennt man in 24 Stunden also 87 kg S; 
in Frankreich nach Sorel 70 bis 80 kg und nach F. Fischer (Chem. Technologie 
1889) in deutschen Fabriken 60 bis 70 kg S. 

Gewöhnlich wird bei diesen Oefen die durch Verbrennung des S erzeugte 
Wärme benutzt, um gleichzeitig auch die für den Kammerbetrieb erforderliche 
Menge nitroser Dämpfe durch Zersetzung von C'hilisalpeter mittelst H2SO4 zu ent- 
wickeln. Man thut dies , indem man Dreifusstiegel mit der Mischung in den 
brennenden S stellt. 

Fig. 37, nach Lunge, stellt einen verbesserten Schwefelofen dar, welcher 
aber die Verdampfung von S nicht völlig ausschliesst. Die Platte a ruht auf 
Leisten, die Kanäle h zwischen sich lassen, durch welche Luft zum Kühlen streicht. 
Die kalte Luft tritt unten bei c ein, geht durch einige Züge d im Fundament, 
dann durch die Kanäle h und tritt vorn bei e heiss aus. Die Verbrennungsgase 
gehen aus dem Raum über der Pfanne durch die OefEhung f in die Salpeter- 
kammer g, von hier durch die Oeffnung i in die Kammer l\ in welcher nun voll- 
ständige Verbrennung des etwa verdampften S stattfindet, indem man durch die 
Oeffnung h noch Luft nach Bedarf eintreten lässt, und von hier nach dem je zwei 
Oefen gemeinsamen Abzugsrohr m nach der ersten Bleikammer. In der Salpeter- 
kammer g befindet sich ein aus Schienen gebildeter Rost, auf welchen man die 
Töpfe mit der Mischung aus Natronsalpeter und H2SO4 nach Bedarf einsetzt. 

In solchen Oefen verbrennt man auf je 1 qm Platte etwa 150 kg S in 
24 Stunden, also doppelt so viel als in den früher erwähnten Brennern. Da diese 
Oefen in Folge dessen sehr heiss gingen und sehr viel S verdampften, so war man 
genöthigt, die vordere Thür beinahe ganz zu schliessen und die Hauptluft durch h 
eintreten zu lassen. 

Ausser diesem Schwefelofen sind noch diejenigen von Kuhlmann, Petrie 
und von H. Blair zu erwähnen, welche aber keine weite Verbreitung gefunden 
haben. 

Die Schwefelöfen können auch zum Abrösten der Gasreinigungsmasse 
dienen, nur hat man dabei die Platten öfter zu reinigen. Besondere Muffelöfen für 
diesen Zweck führt Lunge an (Sodaindustrie 1. 206). 

Pyritöfen. Der Olivier-Perret'sche Ofen (S. 127) stellte sich 
bald als unhandlich heraus. Denn der Betrieb desselben war nur auf ein 
bestimmtes Verhältniss zwischen Grobkies und Feinkies eingerichtet, und 
verursachte Schwierigkeiten, sowie das Verhältniss sich änderte. Ver- 



Schwefelöfen. 



139 




VordeTansicht ^crschnitL Mutter an sieht 



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Fig. 37. Schwefelofen. (Nach Lunge, Sodaiudustiie 1, p. 122). Maassstab: l : 50. 



X40 Schwefelsäure. 

schiedene Sorten Schwefelkies geben aber beim Zerbrechen verschiedene 
Mengen beider Erzsorten. Man hatte daher bald zu viel Erzklein, bald 
zu vrenig, und musste künstlich mehr davon herstellen. Man nahm 
daher in den Maletra'schen Fabriken zu Ronen und St. Denis eine 
Trennung des Ofens vor, indem man für Grobkies besondere Oefen 
mit Rosten baute und ebenso für Feinkies den oberen Theil des Olivier- 
Perret'schen zu selbständigen Flattenöfen ausbildete. 

Stückkiesöfen müssen so konstruirt sein, dass sie ein möglichst 
vollständiges Abrösten des Schwefelkieses gestatten. Das richtige Ver- 
hältniss zwischen Rostfiäche, Höhe der Schicht und der Menge, welche 
in 24 Stunden in einem Ofen abgeröstet wird, muss für jede Pyritsorte 
ausprobirt werden, da sich die Pyrite beim Rösten sehr verschieden 
verhalten. 

Bis 1880 wurde Schwefelkies meist iu Form von grossen Blöcken an die 
Fabriken geliefert und durch Handarbeit in Stücke von Kopfgrösse zerschlagen, 
welche dann durch Steinbrecher weiter zerkleinert wurden. 

Am besten hat sich der Blak e'sche Steinbrecher bewährt , welcher 40 bis 
130 t Pyrit in 10 Stunden zerbricht und von portugiesischem und spanischem 
Pyrit 86 "/o Grobkies in Stücken von 6 bis 8 cm grössten Dimensionen, und 14 "/o 
Feinkies in kleineren Bruckstücken bis Pulver liefert. 

Für die Stückkiesöfen darf man grössere PjTitstücke nicht anwenden , weil 
dieselben sich während des Röstens zu stark erhitzen und verschlacken würden. 
Ausserdem brauchen dieselben zu lange Zeit, um bis in den Kern abzurosten. Sehr 
viel kleinere Stücke darf man auch nicht anwenden, weil dieselben den Luftzug 
behindern und dadurch ebenfalls Schlackenbildung veranlassen würden. Deshalb 
wird der Feinkies von den Stücken getrennt, indem man die aus dem Steinbrecher 
kommende Bruchmasse dui-ch ein Gitter von 7,5 cm Maschenweite wirft. 

Ehe man besondere Oefen für Feinkies benutzte , wurde das Erzklein ge- 
wöhnlich in einem Kollergange mit beweglicher Pfanne unter Zusatz von HoO und 
etwas Lehm gemahlen, zu etwa faustgrossen Ballen geformt, und nach dem Trocknen 
im Stückkiesofen abgeröstet. 

Lunge (Sodaindustrie) giebt eine sehr ausführliche Darstellung 
der Oefen für Grobkies , welche im Laufe der Zeit an verschiedenen 
Orten und für verschiedene Pyrite benutzt worden sind. 

Schwer brennbarer Kies, wie z. B. der irische, wird in hoher 
Schicht gebrannt, will man aber auf demselben Roste leichter brenn- 
baren Kies abrosten, so muss man die Höhe derselben erniedrigen. 
Wir geben hier nur die Abbildung des besten Brenners für spanische 
und portugiesische Kiese, welcher sich in der Fabrik von James 
Muspratt and Sons in Widnes seit 1880 vorzüglich bewährt hat. 
Fig. 38. 

Der Ofen hat einen sehr geräumigen Gaskanal. Die Rostfläche 
ist 1,321 m breit und 1,524 m tief von vorn bis hinten, und wird 
dmxh 15 Roststäbe gebildet, welche nach vorn hervorragen, um sie in 
ihren Lagern drehen zu können. Die Rostfläche ist also 2,01 qm gross, 
und man kann auf ihr in 61 cm hoher Schicht 450 kg Pyrit in 
24 Stunden auf 2 ^jo S-Gehalt abrosten, oder 224 kg auf je 1 qm 
Brennfläche. Um einen solchen Ofen von den übrigen abzusperren, 
kann man von der Decke aus die Oeffnung nach dem gemeinsamen 
Gaskanal verschliessen. 

L'm einen Pji-itofen in Gang zu setzen, kann man ihn mit Stückkies füllen, 
und denselben durch aufgeschütteten glühenden Koks von oben her anzünden; oder 
man kann den Ofen zunächst durch ein Koksfeuer heiss machen und dann auf die 



Pyritöfen. 



141 



glühenden Koksstücke nach und nach Pyrit aufgeben, oder endlich, man kann auf 
dem Rost eine starke Lage kühler Abbrände ausbreiten, glühende Abbrände aus 
einem andern Ofen eintragen und dann frischen Pyrit zufügen. 

Hat man für ein Kammersystem z. B. 24 Oefen nöthig, so theilt man die- 
selben in zwei Reihen von je 12 neben einander liegenden Oefen und stellt beide 
Reihen mit den Rücken gegen einander. Die Beschickung jedes Ofens erfolgt in 
der Regel nur alle 12 Stunden. 

Vor jeder Beschickung eines Ofens entfernt man durch Drehen der Roststäbe, 




Ansteht 



B 

Schnitt CD. 



' 6 S «. 3 2 1 



Fig. 38. Stückkiesbrenner. 



die gewöhnlich einen Querschnitt von 4.5 X 4,5 bis 5 X 5 cm haben und einen Raum 
von 3 bis 4 cm zwischen sich lassen, die Abbrände, welche im Aschenfall abkühlen. 

Tritt beim Rösten Schlackenbildung ein , so ist dies bei sonst gutartigem 
Kiese ein Zeichen, dass man dem Ofen zu viel zugemutet hat und dass er in Folge 
dessen zu heiss geht. Man muss dann weniger Kies in demselben brennen. 

Die T. der Röstgase beim Verlassen der Oefen ist gewöhnlich 350 bis 400" 
und soll 420° nicht übersteigen. 

Die Zuführung der Verbrennungsluft erfolgt durch einen 3 bis 4 cm weiten 
Schlitz in der dafür vorgesehenen verstellbaren Oeffnung in der Thüre des Aschen- 
raumes und durch Regulirung des Schiebers im Fuchse. 



J42 Schwefelsäure. 

Findet die Entwickelung der erforderlichen Menge nitroser Dämpfe durch 
Zersetzung von Chilisalpeter durch H0SO4 statt, so be-wirkt man dieselbe in einem 
besonderen Anbau, dem sogen. Salpeter ofen, welcher durch die heissen Gase 
von drei oder vier Pyritöfen geheizt wird. Zu dem Zwecke trennt man von dem 
Sammelkanal, der die Gase von allen Oefen abführt, die Gase von etwa vier Oefen 
durch einen besonderen Kanal ab, der nach dem Salpeterofen geht. In diesem ist 
ein Trog oder eine Pfanne aus Gusseisen aufgestellt, welche von den heissen Gasen 
umspült wird. In den Trog werden gewogene Mengen Chilisalpeter eingetragen; 
die zur Zersetzung erforderliche Menge H.2SO4 fliesst aus einem Messkasten durch 
eine geeignete Vorkehrung (gusseisei-ne Nase) zu, bis sich Natriumbisulfat bilden 
kann. Die Mischung bleibt im Ofen, bis aller Salpeter zersetzt und sie zu gleich- 
massiger Flüss. geschmolzen ist. Die flüss. Schmelze wird dann durch einen Ablass- 
stutzen in flache Formen abgezogen, in denen sie erkaltet. 

Die Salpetertröge, welche auf Stegen ruhen, so dass die Gase sie von oben 
und unten erMtzen, sind etwa 1,4-5 m lang, 0,58 m breit und 0,30 m tief, aus 
3 bis 4 cm starkem Gusseisen. 

Besser gibt man dem Salpeterofen eine besondere Feuerung und leitet die 
nitrosen Dämpfe durch Thonröhren direkt in die erste Kammer. 

Für je 1000 kg Pyrit verbraucht man 11 bis 22 kg Chilisalpeter. 

Feinkiesöfen. Die ersten M a 1 e t r a'schen Feinkiesöfen wurden durch 
die Weltausstellung zu Wien 1873 allgemein bekannt und 187-5 stellte E. K. 
Muspratt in seiner Fabrik zu Widnes den ersten Maletra-Ofen auf. Diese 
enthielten gewölbte Thonplatten von 63 bis 65 mm Dicke, 1220 mm Spannweite 
imd 500 mm Breite , aus welchen sechs über einander liegende Brennräume von 
1 m Breite und 3 m Länge gebildet wm-den. Da aber die gewölbten Platten den 
Ofen sehr vertheuerten . so machte Schaffner in Aussig die Platten auf der 
oberen Seite eben und Hess ihnen die Wölbung der grösseren Haltbarkeit wegen 
nur noch auf der unteren Seite. 

Die beste Koustruktion des Male'tra-Ofens kam zuerst in Frank- 
reich, und seit 1880 auch an anderen Orten rasch in Aufnahme. Der 
Ofen enthält sechs Fächer, welche durch ebene, in der Mitte unter- 
stützte Platten gebildet werden (Fig. 39). Die Thonplatten sind durch- 
weg 6-5 mm dick, 72 cm lang (in der Zeichnung nur 66 cm) mit geraden 
Enden und 6-5 cm breit mit Dichtungsrippen an den Seiten, so dass sie 
bis zur erforderlichen Länge des Bettes zusammengefügt werden können. 
Die gusseisernen Einfassungen der Arbeitsöffnungen erweitern sich 
trichterartig nach innen, so dass sie in dem von aussen verankerten 
Mauerwerk fest liegen. Wenn man die Kosten nicht scheut, kann man 
aber auch eine gusseiserue Frontplatte mit den erforderlichen Arbeits- 
öffnungen anwenden. Der Ofen zeichnet sich durch sehr weite Gas- 
kanäle aus, welche zugleich als Flugstaubkammern dienen, so dass 
nahezu staubfreie Gase in den Glover gelangen. Jede Platte hat eine 
durchschnittliche Brennfläche von 3,25 qm, jeder Ofen also im Ganzen 
19,.') qm Brennfläche. Man brennt in 24 Stunden 30 kg Pyrit auf je 
1 qm Brennfläche. 

Um einen Maletra-Ofen in Gang zu setzen, muss man ihn sehr vorsichtig 
austrocknen und alle Platten bis zum dunklen Glühen erhitzen. Die Yerbrennungs- 
gase gehen während des Anheizens durch eine zeitweilig hergestellte Leitung in 
den Schornstein. Manche Oefen sind auch mit einem besonderen kleinen Herd 
zum Anheizen versehen, der später nicht mehr benutzt wird, denn auch der ver- 
brennende Feinkies liefert genug Wärme, um den Röstprozess zu untei-halten. 

Sobald die Platten glühend geworden sind, beschickt man die oberste mit 
einer ganz dünnen Lage Kies, welcher sogleich zu brennen beginnt. Nach 2 bis 
3 Stunden schiebt man den brennenden Kies auf die zweite Platte, breitet ihn dort 
aus, und beschickt die oberste Platte mit einer etwas stärkeren Post. Man kann 
auch, um das Verfahren etwas abzukürzen, das erste, dritte und selbst das fünfte 
Fach mit etwas Pyrit beschicken, wobei man die Menge so klein wählt, dass 



Pyritöfen. 



143 



mehrere solcher Posten sich auf den Platten ansammeln können, ehe man genöthio-t 
ist, sie auf die unterste Platte oder in den Raum für Abbrände zu ziehen, fn 
diesem Falle kann man die Verbindung mit dem Glover-Thurm sogleich herstellen, 
und den Kanal nach dem Schornstein abschneiden. 




^uerschmtt. 



InsicJit. 




Xä TigsscJniitt. 



Fig. 39. Feinkiesofen. 



Sowie der regelmässige Betrieb hergestellt ist, brennt man durchschnittlich 
m jedem Ofen 600 kg Pyrit in 24 Stunden, indem man das oberste Fach alle 
6 Stunden mit je 150 kg Pyrit beschickt. Diese Post wird der Reihe nach auf die 
unteren Fächer geschoben und gezogen, bis sie schliesslich in abgeröstetem Zu- 
stande in den Kühlraum für die Abbrände gelangt. 

Die Hauptarbeit der Röstung findet auf der zweiten und dritten Platte von 
oben statt. Die Abröstung gelingt bis auf 3 bis 1,5 7o S in den Abbränden. 



144 Schwefelsäure. 

Die Plattenöfen bieten den Yortheil, dass man in ihnen keine Schlacken- 
bildung zu befürchten hat. 

Die Röstgase verlassen einen Feinkiesofen mit einer T. von 300 bis 400", 
im Durchschnitt mit 330». 

Die Zuführung der nitrosen Dämpfe erfolgt gewöhnlich durch HNO3 in der 
ersten Kammer oder durch einen besonderen Salpetei-ofen. 

Oefen für Zinkblende. Da Zinkblende zu völliger Abrüstung 
noch äus.serer Wärmezufuhr bedarf, so müssen die Blenderöstöfen be- 
sondere Feuerungen haben, um eine hohe T. aufrecht zu erhalten. Man 
wendet die Zinkblende stets als Pulver an, und röstet sie in Schütt- 
öfen oder in Muifelöfen. 

Von älteren Oefen sind zu erwähnen: der Muffelofen von Spence seit 1861, 
ähnlich den schon 20 Jahre früher in Stolberg benutzten Oefen ; — der ursprüng- 
lich für Schwefelkies bestimmte Schüttofen von Gerstenhöfer seit 1862, welchen 
Hasenclever mit bleibender seitlicher Feuerung versah; — der Godin'sche 
Plattenofen von 1865; — der Schüttofen von Hasenclever und Heibig seit 1870, 
welcher ebenfalls für Schwefelkies (Grob- und Feinkies) benutzt wurde ; — und der 
Hasenclever'sche Blendröstofen von 1873 mit 8 m langer, unter einem Winkel 
von 43° geneigter Ebene. 

Diese Oefen fmden sich ausführlich beschrieben in : S c h w a r z e n b e r g, 
BoUeys Technologie 2. 415; Bode, Beiträge zur Theorie und Praxis der H2SO4- 
Fabrikation; R. Hasenclever, Hofmanns Bericht 1875. 159, 167; Lunge, Soda- 
industrie 1. 166 bis 192; Sorel, Fremy's Encyel. 5. 116, 127 etc. 

Alle diese Oefen zeigten mancherlei ÜnvoUkommenheiten. Der Gersten- 
höfer'sche Ofen, welcher 1866 bis 1870 in Stolberg zur Blendröstung benutzt 
wurde, gestattete nur die Hälfte des S-Gehalts der Zinkblende nutzbar zu machen. 
Bei dem letztgenannten Hasenclever'schen Ofen hatte die Röstblende, wenn sie 
am Fuss der geneigten Ebene ankam, noch lO"/«» ^m Ende der unteren horizon- 
talen Muffel noch 6,4 "/o S-Gehalt, und wurde dann, indem man die SO.^ verloren 
gab, auf dem darunter befindlichen Herde in freiem Feuer bis auf 1,2 "/o S-Gehalt 
fertig geröstet. Nach R. Hasenclever (Ch. J. 1884. 81) war die Röstung aber 
häufig unvollkommener, so dass nur etwa zwei Drittel des vorhandenen S nutzbar 
gemacht wurden. Der Kohlenaufwand betrug dabei für 100 t Zinkblende 28 bis 60 t 
je nach den örtlichen Betriebsbedingungen in Stolberg und Oberschlesien. 

Die neueren Oefen haben sich daher rasch Eingang verschafft. 
Der Ofen von K. Eichhorn u. M. Liebig (D.R.P. Nr. 21032 v. 
2. Mai 1882; Ch. I. 1883. 136; 1884. 80; F. Fischer, Chem. Tech- 
nologie 1889. 338) hat sich in Lethmathe in Westfalen, in Stolberg 
bei Aachen, in Oker und in Oberschlesien gut bewährt. Die folgende 
Abbildung zeigt die nach R. Hasenclever etwas abgeänderte Form, 
wobei Verfasser jedoch die frühere Anordnung der Arbeitsöffnung auf 
einer Seite beibehalten hat. Fig. 40. 

Der Ofen enthält acht horizontale Brennplatten I bis VIII, welche die zu 
röstende Zinkblende der Reihe nach von oben bis unten passirt, indem sie dui-ch 
die abwechselnd hinten und vorn befindlichen Fallöffnungen auf die nächst niedere 
Platte gestossen oder gezogen wird. Durch die acht Thonplatten von durchweg 10 cm 
Dicke werden acht Brennräume geschaffen, welche in Gruppen von je zweien so ange- 
ordnet sind, dass sie nur die Thonplatte zwischen sich haben. Immer der obere Brenn- 
raum, in welchen der Arbeiter die Röstpost von sich nach hinten zu schieben hat, 
ist 140 mm hoch und 800 mm breit; der unmittelbar darunter befindliche Brenn- 
raum ist nur 130 mm hoch und 700 mm breit. Die Länge des Brennraumes von 
vorn nach hinten ist 2,10 m, die Länge der Brennplatte 1,85 m, so dass eine Ofen- 
abtheilung, bestehend aus acht über einander liegenden Brenm-äumen, 11,1 qm 
Brennfläche besitzt. 

Jede Gruppe von je zwei Brennräuraen wird von Feuergasen umspült, welche 
von dem Gaserzeuger <} hei-kommen. Derselbe soll zum Heizen von etwa zehn Ofen- 
abtheilungen dienen. Die Yerbrennungsluft tritt bei l ein und mischt sich bei m 



Blenderöstofen. 



145 




Handbuch der cliem. Technologie. I. 



10 



146 Schwefelsäure. 

mit den Generatorgasen. Bei n theilt sich die Flamme in die vier Kanäle, welche 
die Hauptrichtung der Röstmuffeln unter einem rechten Winkel kreuzen. Bei p 
vereinigen sich die vier Feuerzüge, gehen durch q aufwärts in den kurzen Kanal r, 
der sogleich in den Kanal s einbiegt, und über dem vorderen Theil des Ofens 
entlang und dann nach dem Schornstein führt. 

Der Ofen ist oben eingeebnet und mit einer Einfassung versehen, um die 
gemahlene Zinkblende darauf vorzutrocknen. Dieselbe wird durch den sonst ver- 
schlossen gehaltenen Trichter von der heissesten Stelle aus in den Ofen gebracht. 
Da ein völliges Abrösten der Zinkblende nur gelingt, wenn die Röstluft heiss ist, so 
tritt dieselbe durch das Rohr a ein, welches in einen kleinen Luftkanal eingepasst 
ist. In diesem Kanal geht die Luft bis nach hinten, kehrt dort um, und mündet 
in geschützter Weise in die Fallöffnung für die Abbrände. Von hier steigt sie auf 
und streicht der Reihe nach durch alle Röstmuffeln, indem sie sich mit SO2 
anreichert. Die Röstgase treten bei h aus und vereinigen sich von allen Abthei- 
lungen in dem grossen Kanal K, der zugleich als Staubkammer dient, und welcher 
zum Glover-Thurm führt. 

Ein solcher Ofen mit nur sechs Brennplatten von je 6,75 qm Oberfläche, welcher 
aus neun Abtheilungen bestand, und der durch drei Arbeiter bedient wurde, 
lieferte in 24 Stunden 3000 kg abgeröstete Blende, oder aus jeder Abtheilung 
333 kg. 1 qm Röstfläche lieferte also nahezu .50 kg abgeröstete Blende (R. Hasen- 
clever, Ch. Ind. 1884. 80). 

Die Hauptarbeit geschah auch hier auf der dritten Platte von oben. 
Die Röstblende enthielt, nachdem sie die unterste Platte verlassen hatte, nur 
noch etwa 1 "/o S. 

Die Röstung war aber nicht immer so vollständig, und es machte sich die 
Vermehrung der Röstplatten von sechs auf acht nothwendig, damit die Zinkblende 
48 Stunden im Ofen bleiben könnte. 

Die T. im Ofen betrug in den einzelnen Abtheilungen auf der untersten 
(VI.) Platte in der Mitte des Ofens 700 bis 750", in den Endabtheilungen etwa 600°. 
Am heissesten, etwa 750 bis 900", ist der Ofen auf der Platte IV. Sinkt die T. 
der Röstpost aus irgend einer Veranlassung, so bildet sich Zinksulfat, welches 
durch indirekte Hitze nicht zersetzt wird (R. Hasenclever, Ch. Ind. 1891. 190). 
R. Hasenclever erzeugte in einem ganz ähnlichen Ofen 100t Röstblende mit 
einem Aufwände von ungefähr 32 t Kohlen. 

Der Vorzug des Eichhorn und Liebig'schen Ofens besteht darin, dass 
man den ganzen nutzbaren S-Gehalt der Zinkblende in Form eines reichen SOo- 
Gases erhält, welches sofort zur Fabrikation der H2SO4 dienen kann. In den Feuer- 
zügen ist ein etwas stärkerer Druck vorhanden, als in den Röstmuffeln, so dass 
bei etwaiger Undichtigkeit der Platten die Feuergase doch stets frei von SO2 
bleiben. 

Von anderen Röstöfen für Zinkblende sind noch folgende zu erwähnen: 
der mechanische Ofen der Gesellschaft Vieille Montagne, D.R.P. Nr. 24155, 1888, 
auch in F. Fischers ehem. Techn. 339 abgebildet, lässt die SO2 mit den Feuer- 
gasen gemischt entweichen. Dei-selbe ist bereits durch das D.R.P. Nr. 86 609, 1885 
abgeändert worden (Ch. Ind. 1886. 349). Femer der Plattenofen von Julius Grillo, 
D.R.P. Nr. 28 458, 1884 (Ch. Ind. 1884. 893), welcher aber auch ein Fertigrösten mit 
freiem Feuer erfordert. Endlich der von R. Hasenclever abgeänderte Ofen von 
Eichhorn und Lieb ig, in welchem die wenig haltbaren Platten durch flache 
Gewölbe ersetzt sind. Diese Rhenaniaröstöfen, Fig. 41 und 42, werden jetzt 
in Schlesien, Dortmund, Bensberg, Oberhausen und Belgien von den Zinkhütten all- 
gemein angewendet (R. Hasenclever, briefl. Mitth. 1892 und 1894). 

In der Abbildung, welche R. Hasenclever (Ch. Ind. 1884. 81) von einem ab- 
geänderten Eichhorn- und L i e b i g'schen Ofen gibt, ist der üebergang zum 
heutigen „Rhenaniaofen" bereits angedeutet, indem an jedem Muffelpaar der oberen 
Muffel eine gewölbte Decke gegeben ist. Diese Decke bildet den Boden der Feuer- 
kanäle. Dieser Theil des Ofen hielt am wenigsten Stand, weil hier die grösste 
Breite, 800 mm, zu überdecken war. Wenn man aber die Platten durch Gewölbe 
ersetzt, so hindert nichts, die einzelnen Ofenabtheilungen auch breiter, z. B. 1 m 
breit, zu konstruiren. 

In einem Rhenaniaofen schreitet der Röstprozess ebenfalls in der Weise 
fort, dass die Hauptarbeit in der dritten Muffel von oben erfolgt. 

Bei reichen P]rzen ist die mittlere Muffel am heissesten, bei armen herrscht 
die höchste T. unten. Dieselbe betrug in der ersten Muffel 580 bis 690", in der 



Abbrände. 



147 



zweiten und dritten 750 bis 900". Man erzeugte die 100 kg Röstblende mit 19,6 
bis 32,7 kg Förderkohlen. 

Die chemische Fabrik Rhenania hat seitdem noch einen anderen Ofen 
zum Trocknen und Rösten von Erzklein konstruirt (D.R P. Nr. 61043 1891, 40), in 
welchem das Erz auf einem beweglichen Roste in Form eines Bandes ohne Ende 
durch den Ofen geführt wird. 

Abbrände. A. Von Rohscbwefel. Der Rückstand vom ver- 
brannten Rohschwefel enthält die erdigen Verunreinigungen desselben, 
und ausserdem gewöhnlich Sulfate, die vom Ueberschäumen der Salpeter- 
töpfe herrühren. Richardson giebt eine Analyse desselben: 

Natriumsulfat 13,77 > 

Calciumsulfat 28,49 „ 

Calciumsilikat 15,91 „ 

Natriumsilikat . . . . 1,10 ,, 

Eisenoxyd und Thonerde . 2,80 „ 

Wasser und Schwefelsäure 13,05 „ 

Unlöslich 24,29 „ 

90,41 "/o 
B. Von Schwefelkies. Früher begnügte man sich, den Schwefel- 
kies nur auf 3 bis 4 °/o S in den Abbränden abzurosten. Als man 
den Feinkies noch mit Lehm zu Stücken formte, um dieselben in 
Grobkiesöfen zu brennen, enthielten die Abbrände derselben 4 bis 
5 °/o S. Die verbesserten Stückkiesöfen gestatteten , iberische Kiese 
auf 2,5 bis höchstens 3 7" S abzurosten ; und die jetzt benutzten 
Maletr a -Oefen, bei denen man weder mit Kernröstung noch mit 
Schlackenbildung zu kämpfen hat, liefern gleichmässige Abbrände mit 
nur 1,5 bis 2,5 > S. 

100 kg Pyrit liefern je nach ihrer Natur und der Abrüstung 68,5 
bis 73 kg Abbrände, Gewöhnlich rechnet man auf 71 bis 72 '^jo Abbrände. 

Zusammensetzung der Abbrände von Schwefelkies. 



Abbrände 


nach Fanger 


nach G i b b 


Bestandtheile 


Von 

Meggener Kies 
1892 


Von 
Portugiesi- 
schem Kies 


Von 

Tharsis 


Von 
Rio Tinto 


Eisenoxyd 

Eisen 

Manganoxydoxydul . . . 

Kupferoxyd 

Kupfer 

Zinkoxyd 

Bleioxyd 

Wismuthoxyd 

Silber 

Kobaltoxyd 

Schwefel 

Schwefelsäure (SO3) . . . 
Arsensäure (AS2O5) . . . 

Kalk 

Unlösliches 

Wasser 


61,00 

1,20 
Null 

9,70 

0,48 

3,63 

5,10 

16,25 

1.00 


78,15 
3,76 

2,70 

1,55 

0,47 

0,84 

0,013 

0,0023 

0,033 

3.62 

5,80 

0,25 

0,28 

1,85 


77,00 
3,23 

2,56 

1,50 

0,55 

0,70 

0,01 

0,0023 

0,032 

3,15 

5,25 

0,17 

0,25 

5,85 


77,40 
3,64 

2,75 

1,65 

2,02 

0,47 

0,013 

0,0037 

0,007 

3,53 

6,10 

0,24 

0,20 

1,45 




98,36 


99,32 


100,25 


99,47 



148 



SchAvefelsäure. 




i--i'H i 




Blenderöstofen. 



149 







150 



Schwefelsäure. 



Während des Röstprozesses gebildete Schlacken bestehen hauptsächlich aus 
leichtschmelzbarem Schwefeleisen FeS, und enthalten 10 und mehr Proz. S, welcher 
durch fortgesetzte Röstung nicht entfernt werden kann. Lässt man ein solches 
Schlackenstück im Ofen, so vergrössert es sich, indem es die benachbarten Kies- 
stücke in die Schmelze hineinzieht und den Luftzutritt zu den darüber liegenden 
Pyritstücken hindert. Schlacken sind daher rechtzeitig aus dem Ofen zu entfernen. 

C. Von Zinkblende. Oberschlesische Röstblende enthielt: 

Zinkoxyd 49,790 48,830 

Schwefelzink 0,724 0,770 

Eisenoxyd 16,140 15,740 

Bleioxyd 1,800 nicht best. 

Kohle — 0,560 

Calciumkarbouat 2,018 2.968 

Calciumsulfat 16,893 15,846 

Magnesiumsulfat 1,816 2,731 

Magnesia 4,707 3,212 

Kieselsäure und Thon 3,540 4,580 

Wasser 1.91:^ 2.084 

98,841 97,321 
As und Cd sind nicht bestimmt worden. 

Ueber Röstblende ist keine Statistik vorhanden, aber die grosse 
Firma Henry R. Merton and Co. in London führt eine Statistik 
des Rohzinks (Spelter, Spiauter). Das Rohzink wird allerdings zum 
Theil auch aus Galmei gewonnen, aber der Antheil, den die Zinkblende 
an dieser Produktion nimmt, wächst so rasch, dass die Statistik des 
Rohzinks eine annähernd richtige Vorstellung der zur Verarbeitung 
gelangten Mengen Röstblende vermittelt. 

100 t Zinkblende liefern etwa 80 t Röstblende, aus welcher man 
26 bis 28 ^/o Rohzink ausbringt. In runden Zahlen entspricht also 
1 t Rohzink 4 t Röstblende oder 5 t Zinkblende. 

Die oben angeführte Statistik ist aus R. Rothwell, The Mineral 
Industry, New- York 1893. 465, 469 entnommen, und giebt die Mengen 
Rohzink (Spelter) in Tonnen zu 1016 kg: 



Land 



1885 



1890 



1891 



1892 



Rheindistrikt und Belgien 

Schlesien 

GesteiTcich 

Polen 

Spanien und Frankreich 

Grossbritannien 

Vereinigte Staaten Amerikas .... 

Die Erde t 

Preis für 1 t Mk. 

England importirte t 



129 754 
79 623 
5 610 
5 019 
14 847 
24 299 
36 828 



295 480 
401,56 
60 229 



137 630 
87 475 
7 135 
3 620 
18 240 
29 145 
60 126 



139 695 

87 080 
6 440 
3 760 
18 360 
29 410 
71662 



343 371 

465 

56 205 



356 407 
464.50 

58 483 



143 505 
87 760 
5 020 
4 270 
18 462 
28 590 
74 375 



861 982 
416.50 
52 793 



Da 5 t Zinkblende etwa 250 Mark kosten, die daraus erhaltene 
1 t Rohzink aber etwa 450 Mark einbringt, so hat offenbar die Ver- 
wendung der Zinkblende zur Fabrikation der H^SO^ noch eine grosse 
Zukunft. 

Röstgase. Die Luft, welche in die Röstöfen eintritt, um S zu ver- 
brennen und in Form von SO^ in die Bleikammer zu führen, erleidet, 
indem sie in Röstgas übergeht, eine Veränderung ihrer Zusammensetzung 



Röstgase. 151 

und ihrer T. Durch die Erhitzung wird sie leichter als ein gleiches 
Volumen Luft, und bewirkt dadurch den Zug in den Röstöfen, welcher 
ausserdem durch die in den Bleikammern stattfindende Kondensation 
. verstärkt wird. Der Auftrieb der heissen Röstgase verursacht in der 
Regel innerhalb der Bleikammern einen Druck, der um eine Kleinig- 
keit grösser ist, als der äussere Atmosphärendruck, und der durch das 
Einströmen von Wasserdampf noch erhöht wird, so dass die Kammer- 
gase, trotz der Kondensation, aus Undichtigkeiten austreten. Die ältesten 
Fabriken konnten daher die Endgase aus der letzten Kammer ohne 
weiteren Aufsatz ins Freie ausströmen lassen. Neuere Fabriken lassen 
in Deutschland und Frankreich die Endgase meistens oben aus dem 
Gay-Lussac entweichen. In England zieht man es vor, die Endgase 
in einen Schornstein zu leiten, um das ganze System unter kräftigem 
Zuge zu haben. 

Die atmosphärische Luft besteht aus 21 Vol.-°/o und 
79 Vol.-^/o N, und S verbrennt zu SOg, ohne das Volumen des dazu 
verbrauchten zu ändern. 1 Vol. S-Gas und 2 Vol. geben 
2 Vol. SO^. 

Die hier in Betracht kommenden Gase haben bei ° und 760 mm 
Barometerstand folgende Gewichte: 

1 1 trockene atmosphärische Luft 1,2937 g 



1 „ Sauerstoff 

1 „ Stickstoff 

1 „ schweflige Säure . 

(1 „ Salpetersäuredampf HNO 

1 „ Untersalpetersäure NO., 

1 „ Salpetrigsäureanhydrid N.,0 

1 , Stickstoffoxyd NO 

1 „ Stickstoffoxydul NgO 

1 „ Wasserdampf . 



1,4300 

1,2552 „ 

2,8734 /) 

2,8224 „) 

2,0577 ,r) 

3,4003 „^) 

1,3426 „ 

1,9702 , 

0,8046 „ 



Die Vol. dieser Gewichtsmengen Gase nehmen proportional den 
von — 273 " als Nullpunkt gezählten Graden zu. 

Die höheren Oxydationsstufen des N dissociiren sich aber bei 
zunehmender T. und nehmen dadurch eine geringere Dichte an. Aus- 
führlicheres darüber in Watt's Dict. 11 u. III Supplement. 

Zur Berechnung der Zusammensetzung der Röstgase hat Ver- 
fasser (Ch. Ind. 1893. 211) statt der älteren, staffelförmigen Berech- 
nungsweise, welche durch Ph. Schwarzenberg in die Literatur ein- 
geführt wurde, eine kürzere Methode angegeben, welche mit einem 
Schlage über die Volumenverhältnisse der Gase im ganzen Systeme 
und ihre Zusammensetzung Aufschluss giebt. 

Diese Methode beruht auf folgender Erwägung : Wenn in irgend 
einem pneumatischen Prozesse 100 1 eintretende atm. Luft auf einen 
Gasrest von R 1 reduzirt werden, welcher die 79 1 eingetretenen inerten 
N unverändert, dagegen nur noch o; 1 enthält, während (21 — x) 1 



^) Nach Landolt und Börnstein nur 2,8634. 

^) Untersalpetersäure bildet stets ein Gemenge von NO^ und N2O4, dessen 

Dichte, auf Luft = 1 bezogen , bei steigender T. zwischen 2,6 und 1,4 schwankt. 

^) Lunge, Taschenb. 1892. 27. Früher halb so gross angenommen: 1,702. 



152 



Schwefelsäure. 



aus dem Gase yerscliwunden sind, derart, dass R=79-^x ist, 
und dass in diesem Gasreste ä- 1 w Vol.- *^/o desselben ausmachen, 
so hat man stets die Proportion: 

(79-faO:x = 100: i? 
79 ^' 



100 — r 



Hierin wird v durch Untersuchung der Endgase auf ihren 0-Gehalt 
direkt beobachtet. Für die Werthe von v^O bis v = 21 findet man 
für X folgende Werthe: 



r 


1 


,• 


,r 








7 


5,9462 


1 


0,7980 


8 


6,8696 


2 


1,6122 


9 


7,8132 


3 


2,4433 


10 


8,7778 


4 


3,2917 


11 


9,7640 


5 


4,1579 


12 


10,7727 


6 


5,0425 1 






6.4 


5,4017 


21 


21 



Hiernach gestaltet sich die Berechnung im Einzelnen wie folgt: 

Beim Verbrennen von Rohschwefel ist aus den Formeln 
S-^0., = SO.^; SO, + -f H,0 = H.SO^ ersichtlich, dass ein Ver- 
brennungsgas entsteht, in welchem zwei Drittel des in Reaktion ge- 
tretenen in Form von SO., und ein Drittel noch als freier ent- 
halten ist. Der letztere Antheil wird durch die Kondensation der 
HgSO^ ebenfalls aus den Gasen entfernt. Sollen die Endgase noch 
V Vol.-^/o freien enthalten, so hat man die Vertheilung mit dem Rest 
(21 — x) Vol.-°'o vorzunehmen. Die 79 Vol.-'^o N der Luft bleiben 
unverändert. 

Beim Abrösten von Schwefelkies kann man der Berechnung 
folgende Formeln zu Grunde legen: 2FeS2 -f- 110 = Fe.O., + 4SO2 ; 
4SO2 -h 40 = 4S0... Von je 15 in Reaktion getretenen Ät. werden 
8 At. zur Bildung von SO.,, 3 zur Bildung von Fe^,0. und 4 zur Bil- 
dung von SO3 verbraucht. Sollen die Endgase noch v Vol.-^o freien 
enthalten, so hat man diese Vertheilung mit dem entsprechenden 
Reste (21 — x) Vol.-'^/o vorzunehmen. 

Beim Abrösten von Zinkblende hat man die Formeln : 
ZnS -r 30 = ZnO + SO., ; SO^ + = SO,. Von je 4 in Reaktion ge- 
tretenen Theilen werden 2 zur Bildung von SO^, 1 zur Bildung von 
ZnO und 1 zur Bildung von SO, verbraucht. Sollen die Endgase 
noch V Vol.-^/o freien enthalten, so hat man mit dem entsprechenden 
Reste (21 — x) Vol.-^,o diese Vertheilung vorzunehmen. 

Auf diese Weise ergeben sich folgende Uebersichtstafeln für 
6 und für 8 Vol.-"o freien in den Endsrasen: 



Röstgase. ßleikammern. 



153 





1 Kilogramm Schwefel (bei 6 Vol 


-'Vo Oj 






wenn in Form von .... 


Rohscbwefel 


Schwefelkies 


Zinkblende 


verb] 
un 

liefe] 


•aucht atm. Luft von 0" 
d 760 mm Bar. 

Liter 


6543 


Verhält- 

niss 

100 


8179 


Verhält- 
niss 

100 


8725 


Verhält- 
niss 

100 


•t Röstgase . . . Liter 


6543 


100 


7918 


96.81 


8377 


96,01 


'S N 
2s 


Vol.-7o SO., .... 
, OumSOgz.bild. 
r i. Ueberschuss 

, N 


10,6383 
5,3191 
5,0426 

79,0000 




8,7912 

4,3956 

5,2088 

81,6044 




8,3102 
4,1551 
5.2521 

82,2826 




a B 

O CS 


Röstgas 


100,0000 




100,0000 




100,0000 




und 


linterlässt Endgase Liter 


5499 


84,04 


6874 


84,04 


1 7333 


84,04 



6 Vol. 



Die Endgase haben natürlich durchweg die Zusammensetzung 
und 94 Vol.-o/o N. 

1 Kilogramm Schwefel (bei 8 Vol.-^/o 0) 



wenn in Form von .... 


Rohschwefel 


Schwefelkies 


Zinkblende 


verb 
un 

liefei 


■aucht atm. Luft von 0" 
d 760 mm Bar. 

Liter 


7918 


Verhält- 
niss 

100 


9237 


Verhält- 
niss 

100 


9853 


Verhält- 
niss 

100 


•t Röstgase . . . Liter 


7918 


100 


8976 


97,2 


9505 


96,5 


in 

'S N 
<I> m 

bna 
ö s 


VoL-^/o SO2 .... 

„ um SOaz.bild. 

i. Ueberschuss 

„ N 


9,42 

4,71 

6,87 

79,00 




7,7552 

3,8776 

7,0698 

81,2974 




7,3237 
3,6618 
7,1216 

81,8929 




O CS 


Röstgase 


100,00 1 


lOO.OUUO 


100,0000 


und 


linterlässt Endgase Liter 


6799 


85,87 


7932 


85,87 


8461 


85,87 



von folgender Zusammensetzung in allen drei Fällen : 8 Vol.-"/o und 92 VoL-^/o N. 

In der Praxis enthalten die Röstgase aber stets etwas weniger SO,. 
Denn bei diesen Berechnungen sind die reinen Mineralien zu Grunde 
gelegt, und ist der Wasserdampf der Luft vernachlässigt worden. 
Ausserdem geht ein Theil der SOg sofort in SO,, oder HgSO^-Dampf 
über. Man vergl. die zahlreichen Angaben von A. Schertel (Z. ang. Ch. 

1890. 129: Ch. Ind. 1891. 249) und von W. Crowder (Soc. Ch. Ind. 

1891. 295 ; Ch. Ind. 1891. 365). Verf. fand in den Röstgasen gewöhn- 
lich 6 bis 15 "/o des Gesammt-S in Form von SO.. 

Die Untersuchung der Röstgase erfolgt nach der Reich'schen 
Methode, indem man ein gemessenes Gasvol. durch eine gemessene 
Menge Normal- Jodlsg. zieht. Dieselbe ist von Lunge ausführlich be- 
schrieben worden (Sodaindustrie 1. 225). 

Die Bleikammern. Die Röstgase dürfen nur mit einer T., 
welche zwischen 60 und 90" liegt, in die erste Bleikammer eintreten. 
Die Verbrennungsgase des S entweichen aus einem Schwefelofen mit 
etwa 100 bis 130*^, und können daher, wenn man sie durch ein frei- 
liegendes Bleirohr bis zur Höhe der ersten Kammer emporführt, leicht 



3^54 Schwefelsäure. 

bis unter 90° abgekühlt werden. Schwefelkies aber röstet in Rothglut, 
und die Röstgase verlassen einen Feinkiesofen mit etwa 300 ° , einen 
Stückkiesofen mit 300 bis 360 •', so dass eine besondere Abkühlung 
nöthig wird. Zinkblende endlich röstet erst bei heller Rothglut, so 
dass man die T. der Röstgase trotz des längeren Weges, den sie zurück- 
legen, beim Verlassen des Ofens auf 350 bis 400° schätzen darf. 

Die Abkühlung der Röstgase geschah früher dadurch, dass man 
Bleipfannen auf die Röstöfen und die Gaskanäle legte, um darin HgSO^ 
zu konz. In einer rheinischen Fabrik geschieht dies an Stückkiesöfen 
noch "heute. Viel zweckmässiger nützt man indessen die in den Röst- 
gasen enthaltene Wärme aus, indem man dieselbe in Glover-Thürme 
leitet. Hat man keinen Glover-Thurm, oder muss man denselben 
behufs Reparatur zeitweilig ausschalten, so muss man die Gase durch 
Wasser kühlen. 

Die Bleikammern bestehen aus einem Balkengerüst, welches im 
Innern durch etwa 3 mm starkes Bleiblech ausgekleidet ist. Der Boden 
jeder Kammer wird durch ein flaches Becken zur Aufnahme der 
Kammersäure gebildet, in welche die Seitenwände eintauchen. Alle 
Kammern, welche ein System bilden, sind derart mit einander ver- 
bunden, dass die Röstgase eine nach der anderen durchstreichen können, 
während gleichzeitig die Kammersäure dem Gasstrom entgegenfliesst. 

Man stellt die Bleikammern auf Mauern, Mauerpfeilern oder eisernen Säulen 
so liocli auf, dass unter ihnen ein Raum von 3 — 5 m Höhe frei bleibt. Eine so 
hohe Aufstellung ist nothwendig, um den Auftrieb der heissen Röstgase für den 
Zug im ganzen S3'stem zu verwerthen. 

Ueberall legt man die Haupttragbalken von 30 — 50 cm Stärke in der Rich- 
tung der kürzesten Ausdehnung auf Mauern und Pfeiler. Diese Hauptbalken sind 
alle 4 m unterstützt und mit Unterzügen und Bindern versehen ; sie liegen in Ab- 
ständen von 3,5 m von einander. In besonders sorgfältig gebauten Fabriken werden 
diese Hauptbalken zum Schutz gegen H)S04, die durch ein Loch im Kammerboden 
aussickern könnte, mit einem 1 mm dicken Bleiblech bedeckt. Zu diesem Zwecke 
bringt man an der Oberkante der Balken seitlich vorspringende Leisten an, so 
dass etwaige H)S04 vom Bleituch zu Boden tropft, ohne den Balken zu berühren 
(Fig. 43). 

In die Hauptbalken werden die wichtigsten vertikalen Balken verzapft, welche 
das Dach zu tragen haben, und welche die Ecken der Kammern bilden. Auf die 
Haupttragbalken kommen die 20/10 cm starken Längsbalken in Abständen von 
35 cm zu liegen, welche man unter den Kammerschwellen und unter der Mitte der 
Kammer durch stärkere Balken von 20/20 cm ersetzt. Die Balkenlage trägt den 
Fussboden der Kammern, welche aus 3 cm dicken Brettern gebildet wird, und die 
ähnlich wie im Schiflfsdeck angeordnet werden. Man schlägt die Nägel sehr stark 
versenkt ein, und füllt das Loch über den Köpfen mit Glaserkitt aus. 

Auf diesem Fussboden errichtet man das ganze Kammergerüst, dessen Kon- 
struktion Lunge eingehend beschrieben hat. 

Die Bleiarbeit wird in der Weise ausgeführt, dass man zuerst die Seiten- 
wände herstellt, indem man die Bleirollen von oben her abrollt. Zur Herstellung 
der Decke baut man ein Gerüst, welches in der Höhe der Kammerdecke einen 
Tisch trägt, auf dem man die Bleirollen ausbreitet. In dieser Stellung wird die 
Decke durch Bleilappen an den darüber gelegten Tragbalken befestigt. Dann erst 
kann man das Gerüst an dieser Stelle abbrechen und damit weiter rücken, bis die 
ganze Decke fertig gestellt ist. Während dieser Zeit lässt man die Seitenwände 
unten herum noch aufgerollt, um Licht zu haben. Erst ganz zuletzt legt man 
den Boden der Kammer aus, dessen Ränder man 35 — 50 cm, gewöhnlich aber etwa 
40 cm hoch führt. Gegen diese Ränder lässt man von innen aus die Seitenwände, 
welche bis auf 1—2 cm vom Boden reichen, sich anlehnen. 

Die Löthnähte wurden 1820 in der Fabrik zu Potschappel bei Dresden noch 
mit Zinnloth und Löthkolben hergestellt. Seitdem hat Debassyns de Riche- 



Bleikammern. 



155 



mont das Löthen mit Blei selbst eingeführt, welches 1870 bereits in allen Fabriken 
längst bekannt war. Die dazu benutzten Apparate hat Lunge (Sodaindustrie 1. 
247) und Sorel (Fremy, Encycl. 5. 137) eingehend beschrieben. 

Die Balken, welche die Decke der Kammer tragen, sind 28 — 32 cm hoch 
und 8 — 10 cm dick, und ragen etwa 15 cm über die Seiten hinaus. Jeder 5. oder 
10. Balken wird stärker genommen, etwa 15 cm dick. Diese Balken liegen in Ab- 
ständen von 40 — 50 cm von einander. Die Bleilappen stehen reihenweise in Ab- 
ständen von 80 — 100 cm von einander. 

In Frankreich ist eine etwas abweichende Befestigung der Kammerdecke 
üblich. Man ersetzt die Querbalken durch eiserne Stangen von 25 — 30 mm Durch- 
messer, um welche man die Bleilappen ösenartig befestigt, während man die 
Stangen selbst durch Haken an den Hauptbalken des Dachgebindes aufhängt. 

Der Kammerraum eines Systems wird so bemessen, dass man in 
24 ^Stunden auf je 1 cbm desselben bei schwachem Betriebe etwa 1,3, 




Fig. 43. Hauptbalken der Bleikammern mit Bleitucli. 



bei starkem 1,8 kg Pyrit abröstet. Die Bleikammern halten im ersten 
Falle 18 bis 20, im letzten Falle nur 9 bis 10 Jahre. 

Die besten Betriebsergebnisse in jeder Beziehung liefern die 
mittelgrossen Kammersysteme mit etwa 4000 cbm Rauminhalt, in welchen 
man in 24 Stunden aus 7 bis 7,5 t Pyrit etwa 10000 kg 66grädige 
Säure herstellen kann. 

Jede Kammer mit Ausnahme der letzten , welche als Trocken- 
kammer dient, ist mit Vorrichtungen versehen, um die erforderliche 
Menge Wasserdampf einströmen zu lassen. Der Bedarf an Wasser- 
dampf für ein System berechnet sich aus der Menge S, welche in H^SO^ 
übergeführt werden soll, und aus dem Konzentrationsgrade, mit welchem 
letztere dem Kammersystem entzogen wird. Bei Anwendung eines Glover- 
Thurmes hat man dem System nur etwa 60 ^jo derjenigen Dampfmenge 
zuzuführen, welche man ohne einen solchen erfordern würde. 

Zur Beobachtung der Stärke der gebildeten Säure dienen Säure- 
tische oder Leisten an der Innenwand. Fig. 44 giebt die Ansicht einer 
Kammerwand von aussen gesehen mit den hier erwähnten Armaturen. 



156 



Schwefelsäure. 



Die Einführung der nitrosen Dämpfe erfolgt entweder 
durch Zersetzung von Natronsalpeter ausserhalb der Kammern , oder 
durch Einführung von HNO3 in das Innere der ersten Kammer. Hier- 
durch werden indessen nur die unvermeidlichen Salpeterverluste gedeckt. 




Fig. 44. Bleikammerwand mit den Armaturen. 



während die im System zh-kulirende Menge nitroser Dämpfe durch 
Denitrirung der nitrosen Säure in Kochtromraeln oder im Glover-Thurm 
dem System zugeführt werden. 

Der Glover-Thurm dient folgenden drei wichtigen Zwecken: 

1. Die Röstgase auf 60 bis 80 " abzukühlen, 

2. Kammersäure von 106 bis 123'' Tw. (50 bis 55« Be.) auf 142 
bis 151" Tw. (60 bis 62 "^ Be.) zu konzentriren, 

3. die nitrose Säure aus dem Gay-Lussac zu denitriren. 

"Wie Lunge (Sodaindustrie 1. 394) anführt, baute John Glover seinen 
ersten Thurm 1859 in der Fabrik zu "Washington bei Durham aus Thon, 1861 zwei 
Bleithürme, davon einen zu Wallsend bei Newcastle, und 1864 einen dritten Blei- 
thurm, der bereits die noch heute üblichen Einrichtungen besass. Dieser Glover- 
Thurm wurde 1868 bis 1870 von allen grösseren Fabriken am Tyne eingeführt. 
In Liveqiool und Widnes sah Verfasser im Winter 1871/72 viele Glover-Thürme, 
welche bereits seit mehreren Jahren in Betrieb standen, einige darunter baufällig. 
In Deutschland wurde der Glover-Thurm erst 1871 durch G. Lunge bekannt, wel- 
cher ihn in D. 201. .341 beschrieb. 

Der Glover-Thurm ist eine Bleikammer, deren Wände durch ein 
äusseres Gerüst gehalten werden, und welche im Innern zum Schutz 
des Pb mit säurefesten Steinen ausgekleidet und mit Flintsteinen ge- 
füllt ist. Früher gab man den Glover-Thürmen einen quadratischen, 
oblongen oder elliptischen Querschnitt und machte das Gerüst aus 
Holz. Jetzt zieht man es vor, denselben einen runden Querschnitt zu 
geben und das Gerüst aus Gusseisen zu konstruiren. 



Glover-Thurm. 



15^ 





Längsschnitt. 



Querschnitt oben. 




Querschnitt unten. 



3 4- 



Fig. 45. Glover-Thui-m. 



158 Schwefelsäure. 

Fig. 45 zeigt einen solchen Glover-Tliurm nach der Konstruktion 
von .John Henry Lewis, welcher sich in der Fabrik von James 
Muspratt and Sons in Widnes seit 1874 ausgezeichnet bewährt hat. 
Der dargestellte Thurm hat innerhalb des Bleiwerkes 70 cbni Inhalt 
und eignet sich für ein System von 3500 bis 4000 cbm Kammerraum. 

Für die Grösse, die man dem Glover-Thurm für ein bestimmtes 
System zu geben habe, hat es bisher an einer Regel gefehlt. Wenn 
man dem System einen Theil der Kammersäure als solche entzieht, so 
kann der Glover kleiner sein, als wenn die ganze Produktion auf 142 
bis 151*^ Tw. (60 bis 62" Be.) konz. werden soll. Ausserdem lässt 
sich die Leistungsfähigkeit eines Glover-Thurms in sehr verschiedenen 
Graden anspannen. In England zieht man es im allgemeinen vor, 
kleine Glover-Thürme zu bauen, sie aufs äusserste anzustrengen und 
ihre Zahl zu vermehren. Auf dem Kontinent wählt man gern von 
vornherein grössere Thürme. 

Seit 1883 finden es französische Fabrikanten am vortheilhaftesten, 
den Glover-Thurm so gross zu wählen, dass sein Inhalt innerhalb des 
Bleiwerkes gleich 2 % des Kammerraumes sei. 

Die Leistung eines Glover-Thurmes kann zwischen ziemlich 
weiten Grenzen schwanken, und ist namentlich abhängig von der T. 
der eintretenden Röstgase. Verfasser beobachtete an den Muspratt- 
schenGlover-Thürmen 1877 folgende T. der ein- und austretenden Gase: 

A B B C 

Eintritt . . . 390 '^ 220" 275" 320" 
Austritt ... 40" 60" 60" 72" 

Im Durchschnitt darf man die T. der eintretenden Gase (aus 
Pyritöfen) zu 300" und die T. der austretenden Gase zu 60" C. an- 
nehmen. Nach Wunderlich und Bräun ing (Lunge, Sodaindustrie 
1. 413) soll sich der Betrieb eines Glover-Thurmes nicht mehr verloh- 
nen, wenn die T. der eintretenden Gase auf 200" sinkt. 

In französischen Fabriken betrachtet man es als normale In- 
anspruchnahme des Glover-Thurmes, für je 1000 kg Pyrit, welche in 
24 Stdn. gebrannt werden, in derselben Zeit 1000 1 Kammersäure von 
116" Tw. (53" Be.) einfliessen zu lassen. Nach dieser Regel wird nicht 
die ganze Produktion durch den Glover geschickt, denn 100 kg Pyrit 
liefern 204 kg oder 129 1 Kammersäure von 53 "Be., so dass noch ein 
Theil zu anderweitiger Verarbeitung übrig bleibt. Bei dieser normalen 
Benutzung des Glover-Thurmes ist die Quantität H^O, welche in ihm ver- 
dampft wird, ungefähr gleich 40 "o der Gesammtmenge , welche zum 
Betriebe des Systems erforderlich ist. 

Für je 100 kg Kohlen, die man ohne Glover-Thurm für den 
Betrieb eines Kammersystems gebraucht, gebraucht man nach französi- 
schen Erfahrungen mit Anwendung eines Glover-Thurmes nur 60 kg, 
oder 12 bis 14 kgr Kohlen für 100 kg Oögrädige Säure in Form von 
Kammersäure (die Kosten für Konzentration kommen noch dazu). Man 
darf im Glover-Turm die Säure nicht stärker, als bis höchstens auf 
62" Be. (151" Tw.) konz., weil sonst die Bleiwände zu sehr leiden. 

Ueber die denitrirende Wirkung des Glover-Thurmes ist man 
jetzt ziemlich im Klaren, Der chemische Vorgang bei derselben ist 
folgender : 



Gay-Lussac-Thurm. 159 

Die nitrose Säure, welche im Gay-Lussac-Thurm gebildet wird, 
ist eine Auflösung einer Verbindung, welche bei Mangel an HgO in 
Form der sogen. „Kammerkrystalle" auskryst. , in HoSO^. Die 
Kammerkrystalle haben nach R. Weber, welcher dieselben 1862 zu- 
erst analysirte, die empirische Zusammensetzung HSNO^ und können 
als Nitrosulfonsäure oder als Nitrosylschwefelsäure konstituirt 
gedacht werden (s. u.). Beim Vermischen mit HgO zersetzt sich die- 
selbe nacliRammelsberg hauptsächlich nach: 2HSNO--]-H20 = 2H.3SO^ 
+ N2O3, oder nach G. Lunge nach: HSNO.-fH.O^H^SO^ + HNO^; 
3HN02=HN03+H,0 + 2NO, wobei das Stickoxyd bei Berührung mit 
Luft sofort in Salpetrigsäureanhydrid übergeht. 

Wenn jedoch SOg zugegen ist, wie im Glover-Thurme, so findet 
die Zersetzung nach folgender Formel statt: 

2HSNO5 + SO2 + 2Kß = 3H,SO^ + 2NO. 

Man erkennt hieraus, dass im Glover-Thurme eine wirkliche 
Denitrirung und gleichzeitig eine Bildung von HaSO^ stattfindet. 
Ausserdem aber können im Glover-Thurme unter Umständen auch noch 
mancherlei andere Reaktionen eintreten, welche einen Salpeterverlust 
verursachen. 

Um einen Salpeterverlust im Glover nach Möglichkeit zu ver- 
meiden, darf man denselben nicht ausschliesslich zum Denitriren be- 
nutzen, sondern muss gleichzeitig auch Kammersäure darin konzentriren, 
damit die Denitrirung der Nitrose nicht bloss durch SOo, sondern gleich- 
zeitig auch durch Verdünnung erfolge. 

Die Säure soll aus dem Glover mit etwa 61*^ Be. (147*^ Tw.) und 
einer T, von 120 bis 130" abfliessen. 

Der Gay-Lussac-Thurm hat den Zweck, die nitrosen Dämpfe^ 
welche in den Kammern die HgSO^-Bildung vermittelt haben und nun 
mit dem Gasstrom die Kammern verlassen, aufzufangen, um dieselben 
von neuem in das System einführen zu können. 

Gay-Lussac konstruirte seinen ersten Kok-Thurm — wie erwähnt — im 
Jahre 1827, doch wurde derselbe erst 1835 in Chauny in die Industrie eingeführt. 
In Süddeutschland wurden die ersten Gay-Lussacs aus Thonröhren von 80 cm 
Weite und 80 cm Höhe aufgebaut, indem man dieselben innerhalb eines Holz- 
gerüstes bis zu 12 m Höhe auf einander setzte. Man stellte für ein System mehrere 
solcher Thürme auf, unter welche man den Gasstrom entweder vertheilte, oder 
die man hinter einander schaltete. 

Gegenwärtig baut man die Gay-Lussac-Thürme überall aus Blei. Fig. 46 
stellt einen solchen vor von 54 cbm Inhalt innerhalb des Bleiwerkes, welcher sich 
für ein Kammersystem von 3500 bis 4000 cbm eignet. 

Während bei Benutzung von Rohschwefel der Gay-Lussac nach 
Lunge (Sodaindustrie 1. 356) nur 8 m hoch zu sein braucht, giebt 
man ihm bei Benutzung von Pyrit eine Höhe von 12 bis 18 m, je nach 
der Grösse des Systems. 

Unter der Voraussetzung, dass man HgSOj^ von 61" Be., welche 
bis zur Luft-T. abgekühlt ist, für den Gay-Lussac verwendet, be- 
trachten französische Fabrikanten als normale Grösse des Gay-Lussacs, 
wenn derselbe innerhalb des Bleiwerks 1,5 "/o des Kammerraumes ent- 
hält. Will man nur mit Säure von 60*^ Be. arbeiten, so kann man 
dem Gay-Lussac mit Vortheil bis zu 2 "/o des Kammerraumes geben. 
Jedenfalls wählt man die Höhe möglichst gross und den Querschnitt 



160 



Schwefelsäure. 





Längsschnitt. 



Querschnitt oben. 




Querschnitt unten. 



Fig. 46. Gay-Lussac-Thurm. 



Gay-Lussac-Thurm. Pumphaus. Ißl 

SO klein, wie die Stabilität der Konstruktion und der Zug der Gase 
durch den Koks es zulässt. 2 m Seitenlänge bei quadratischem Quer- 
schnitt ist für mittelgrosse Systeme zu empfehlen. 

Leistung des Gay-Lussac-Thurmes. Im Gay-Lussac wird 
die HgSO^, welche über die Koksfüllung herabrieselt, über eine sehr 
grosse Oberfläche vertheilt und kommt dadurch mit den Gasen, welche 
aus der letzten Kammer abziehen, in sehr innige Berührung. Hierbei 
werden die nitrosen Verbindungen (N^O^ und N^O^) aus den Gasen 
durch die H^SO^ absorbirt, indem sich die Verbindung HSNO5 bildet, 
welche in der H^SO^ aufgelöst bleibt und dadurch die sogen, „nitrose 
Säure" erzeugt. Hierdurch werden die nitrosen Verbindungen, welche 
ohne Anwendung eines Gay-Lussac verloren gehen würden, in eine 
Form gebracht, aus welcher man sie dem Kammersystem von neuem 
zuführen kann: nämlich durch Denitrirung der Nitrose, wie oben be- 
reits beschrieben wurde. 

Während man ohne Anwendung eines Gay-Lussac für je 100 kg 
verbrannten Sil bis 12 kg Chilisalpeter verbrauchte, kann man den 
Salpeterverbrauch durch Benutzung des Gay-Lussac auf 5 bis 3 kg 
Salpeter herabmindern, während gleichzeitig die in den Kammern zirku- 
lirende Salpetermenge auf 12 bis 19 ^/o des verbrannten S erhöht wird, 
also einen sehr viel intensiveren Betrieb gestattet. Man kann daher 
annehmen, dass die Anwendung eines Gay-Lussac ein Viertel bis ein 
Drittel des Kammerraumes erspart. 

In französischen Fabriken wendet man gern Säure von 62^ Be. 
für den Gay-Lussac an, und zwar betrachtet man es als normale Arbeit, 
für je 1000 kg Pyrit 500 1 solcher Säure durch den Gay-Lussac fliessen 
zu lassen. Da 1000 kg Pyrit 955 1 Säure von 62" Be. liefern, so be- 
deutet dies ungefähr die halbe Tagesproduktion. Doch kommen Schwan- 
kungen darüber und darunter vor. 

Die chemischen Vorgänge im Gay-Lussac- Thurme be- 
stehen wesentlich in folgenden Reaktionen: 
2H2SO^ + N,0, = 2HSNO, + H20undH,SO, + N,0,=HSN05 + HN03. 

Die hierbei entstehende Verbindung HSNO- löst sich in der 
HaSO^ auf und bildet dadurch „nitrose Säure" oder „Nitrose", 
doch darf nicht mehr H^O zugegen sein, als öOgrädige H.,SO^ enthält. 

Jene Verbindung selbst, welche im isolirten Zustande unter dem 
Namen der „Kammerkrystalle" bekannt ist, kann aufgefasst werden 

OH 

als Nitrosulfonsäure SOo<C-v[-r) oder als Nitrosylsch wef el- 

säure S02<Q^Q und enthält 29,92 > N2O,. 

Starke nitrose Säure von etwa 60" Be., wie sie aus dem Gay-Lussac 
abfliesst, enthält 7 bis 8"/o Nitrosylschwefelsäure gelöst oder 2 bis 3"/o N^Oy. 

Die Untersuchung der Nitrose erfolgt durch Titration mit einer 
Lsg. von Kaliumpermanganat. 

Das Pumphaus. Das Heben der Säure auf die Thürme erfolgt 
mittelst gusseiserner Druckfässer und komprimirter Luft, die man hinein- 
pumpt. Die Druckfässer und die Steigeleitung müssen einen Druck 
von 4 Atm. aushalten. Bei 18 m hohen Gay-Lussacs wendet man 
automatische Druckfässer mit Relaisstationen an. 

Handbuch der ehem. Technologie. I. 11 



1^2 Schwefelsäure. 

Dampfkessel. Ein einzelnes Schwefelsäuresystem erfordert zwei 
kleine Dampfkessel, damit der eine gereinigt werden kann, ohne den Be- 
trieb zu unterbrechen. In La Madeleine bei Lille hatten drei S3^steme 
mit zusammen 8500 cbm Kammerraum nur drei kleine Dampfkessel, 
von denen meistens nur zwei in Betrieb waren. Dieselben verbrauchten 
in 24 Stdn. 2400 bis 3600 kg, im Mittel 3000 kg Kohlen. Für je 
1000 cbm Kammerraum braucht man also in 24 Stdn. 350 kg Kohlen. 
Da man auf 1 cbm Kammerraum 1,9 kg Pyrit brannte, so wurden für 
je 100 kg 66grädige Säure in Form von Kammersäure 13,8 kg Kohlen 
verbraucht (für den Betrieb der Kammern und der Druckfässer). Der 
Jahresdurchschnitt 1881,1882 ergab 12 bis 14 kg. Die Kosten für Konzen- 
tration der Kammersäure auf 06*' Be. sind hier nicht eingeschlossen. 

Betrieb des Bleikammersystems. Wenn man für je 1 cbm 
Kammerraum in 24 Stdn. 1,9 kg spanischen Pyrit brennt, so hat es 
sich als am günstigsten herausgestellt, den Zug so zu reguliren, dass 
Röstgase mit 8 bis 8,5 Vol.-'^/o SOo und Endgase mit 6 bis 6,5 Vol.-*^/o 
entstehen. Die Zufuhr von Wasserdampf ist so zu regeln, dass die Boden- 
säure in den Kammern die gewünschte Stärke beibehält. Die Stärke 
der Bodensäure wird in deutschen Fabriken gewöhnlich auf 53^ Be'. 
gehalten, mit Schwankungen zwischen 50 und 55" Be. Die Säure in 
der letzten Kammer, welche zum Trocknen der Gase dient und daher 
niemals Dampf erhält, kann etwas schwächer sein und selbst bis auf 
40" B4. herabgehen. Die Tropfsäure, an welcher man die Schwan- 
kungen in der Stärke am raschesten beobachten kann, ist gewöhnlich 
2 bis 4 " Be'. stärker als die Bodensäure. Nach dem Befund der Tropf- 
säure ist die Dampfzufuhr zu regeln. 

Die T. der Kammergase steigt und fällt mit vermehrtem oder 
vermindertem Salpeterzusatz, Die Gase treten mit einer T., die ge- 
wöhnlich zwischen 60 und 80'^ liegt, in die erste Kammer ein und 
kühlen sich während des Durchganges durch das System bis nahe auf 
die T. der äusseren Luft ab. Die günstigste T. für die erste Kammer 
ist 54 ", für die zweite etwa 45 ", für die dritte etwa 30 ^ mit kleinen 
Variationen je nach der Länge der Kammern. Diese T. sind durch 
Abmessung der Zufuhr an nitrosen Verbindungen möglichst gleichmässig 
zu erhalten. Die Farbe der Gase und Dämpfe soll in der ersten Kammer 
blass sein, nur wenn dieselbe sehr lang ist, darf sie gegen das Ende 
hin röthlichgelb werden. Die Intensität der gelbrothen Farbe soll bis 
gegen Ende des ganzen Systems zunehmen, so dass stark rothe Gase 
in den Gay-Lussac gelangen. 

Die Säure darf aus den Kammern nicht zu weit abgezogen 
werden. Es ist vortheilhaft für den Betrieb, in jeder Kammer eine 
möglichst hohe Säureschicht zu belassen (bis 30 cm Höhe). Die Höhe 
der Bodensäure sollte nie unter 10 cm sinken. 

Die wichtigste Kontrole über den Betrieb wird durch die Analyse 
der Endgase ausgeübt. 

Vorgänge in den Bleikammern. Kammergase. Sehr aus- 
führliche Untersuchungen über die Zusammensetzung der Kammergase 
haben Lunge und Naef (Ch. Ind. 1884. 5) angestellt. Aus den vielen 
Analysen mag hier nur eine kombinirte Analyseureihe folgen, welche 



Bleikammerprozess. 



163 



ein charakteristisches Bild der Veränderungen giebt, welche in einem 
System auftreten. 



Voi.-7ü 




1. Kammer 


Verbindung 

zwischen 

l.n. 2. Kammer 


Ol 


Verbindung 

zwischen 

2. u. 3. Kammer 


11 
c6 


cö 




Vorder- 
wand 


Mitte 


^1 


so, .... 



NO ... . 

N,03 . . . 
N,04 . . . 
N 


6,898 
10,893 
0,113 
0,036 
Null 
82,059 


2,317 

0,114 
0,072 


1,900 
8,174 
0.107 
0,096 

89,721 


1,707 
7,945 
0,077 
0,120 

90,1.50 


0,429 
7,065 
0,110 

0,089 

92,306 


0,355 
6,812 
0,077 
0,110 

92,645 


0,033 

6,587 

0,155 
93,223 


0,002 
7,13 
Null 
0,182 
0,121 
92,57 


7,13 

0,0008 
0,083 
92,57 


S0,verschw. 7« 




— 


74,8 


77,47 


94,52 


95,45 


99,6 


— 


— 



Hieraus sind folgende Thatsachen ersichtlich , welche auch von 
allen übrigen Analysen in mehr oder weniger deutlicher Weise bestätigt 
werden: der Gehalt der Gase an schwefliger Säure (SO^) ver- 
mindert sich ausserordentlich rasch — nach Hurt er in geometrischer 
Progression; von den nitrosen Verbindungen ist im vorderen Theile 
des Systems das Stickoxyd (NO) vorherrschend, welches erst gleich- 
zeitig mit SO^, aus den Gasen verschwindet; in dem Maasse, wie NO 
zurücktritt, gewinnt die salpetrige Säure (N.^Og) an Bedeutung, 
ihre Menge nimmt gegen das Ende des Systems hin zu; ja, sobald 
die Menge der SOg hinreichend klein geworden ist, wird neben NgO.. 
auch üntersalpetersäure (N^O^) nachweisbar. Hieraus geht hervor, 
dass auch die Hauptreaktionen, nach denen die Bildung der H^SOj 
stattfindet, an den verschiedenen Stellen des Systems verschieden sind. 

Kammer säure. Entsprechend der Abnahme des Gehaltes der 
Kammergase an SOg findet die Bildung der H^SO^ in jeder Kammer 
und im ganzen System nach Hurt er in geometrischer Progression 
statt, und zwar derart, dass z. B. in einem vierkammerigen System in 
der ersten Kammer bereits etwa 74% der ganzen Säuremenge gebildet 
wird, und zwar davon drei Viertel bis fünf Sechstel bereits in der 
ersten Hälfte; auf die zweite Kammer entfallen etwa 2 P/o der ganzen 
Säuremenge, wovon ebenfalls der grösste Theil bereits in der ersten 
Hälfte gebildet wird; auf die dritte Kammer entfallen etwa 3 '^/o der 
ganzen Säuremenge und auf die vierte Kammer der Rest mit 1,5 "/o, 
wenn man 0,5 "/o als Verlust in Ansatz bringt. 

Auf Grund der geschilderten Thatsachen ergibt sich die Theorie 
des Bleikammerprozesses eigentlich von selbst, man hat sich nur 
alle die Reaktionen zu vergegenwärtigen, deren die Oxyde des N bei 
Gegenwart von SO^ und fähig sind. 

Clement und Desormes (A. eh. 59. 329), denen diese Reak- 
tionen nur höchst unvollständig bekannt waren, sprachen schon 180G 
ihre Ansicht über den H^SO^-Bildungsprozess dahin aus, dass die 
HNO.^ nur das Instrument ist, um die SO^ vollständig zu 
oxydiren, indem die aus ihr liervorgehenden nitrosen Dämpfe 



][(j4 Schwefelsäure. 

den der Atm. ergreifen, um ihn an die 80^, zu übertragen, 
ohne selber zerstört zu werden. Sie beobachteten bereits bei 
Mangel an Wasserdampf die Kammerkryst. und hielten die Zuführung 
von Wasserdarapf für nothwendig, um die T. zu massigen und die ent- 
stehende HgSOj zu verdichten. 

In der Folge suchte man sich über die einzelnen Vorgänge genauere 
Rechenschaft zu geben und eine Schablone zu finden, nach welcher 
HoSO^ unter allen Umständen sich bilden müsse. 

Die bis 1865 aufgestellten Theorien hat Jules Kolb (Etüde sur 
la fabrication de l'acide sulfurique consideree au point de vue theorique 
et technologique. Lille 1865) in historischer Reihenfolge entwickelt. 

H. Davy nahm 1812 die Mitwirkung der Xitrosylschwefelsäure 
als Zwischenglied an: 

2SO.,-r3NO., +H,0 = 2HSN05 + NO; 
2HSNO5 +H20 = 2H,SO^+NÖ, +N0 und 2NO + 20 = 2NO,. 
La Provostaye und Gmelin stimmten dieser Ansicht bei. 

Berzelius hielt folgende Reaktionen für richtiger: 
SO., + N,0.. -I- H,0 = H.,SO, + 2 NO ; 

■2no + o=n;o,. 

Diese Reaktionen sind durch R. Weber 1867 bestätigt worden. 
Peligots Theorie (1844) drückt sich durch folgende Formeln aus: 
SO., 4- 2 HNO3 = H.,SO, + NgO, ; 
2N.,0,-f H.,0 = 2HNO., + N,03; 
3N;,0.,+ H;0 = 2HN03 4-4N0; 
2NÖ+ 20=N20^. 
Diese Theorie wurde von Pelouze, Fremy und Kolb noch 1865 für 
richtig gehalten, aber Weber wies 1866 und 1867 ihre Unhaltbarkeit nach. 
R. Weber (P. A. 127. 543; 130. 329) gab 1867 die Formeln: 
SO, + N2O., + H,0 = H2SO, + 2 NO ; 

2N0 + 0=^,03; 
genau, wie Berzelius, aber mit folgenden Nebenreaktionen: 

2NO + 20 = N20,: 

NoO^ + H.,0 = HNO., + HNO2 ; 

4HNO3 +5S0., +3H,0=5H,SO,-f-N,03 + 2NO. 

Gl. A. Winkler (Untersuchungen über die ehem. Vorgänge im 

Gay-Lussac-Thurme. Freiberg 1867. 20) glaubte ohne Nitrosylschwefel- 

säure nicht auszukommen: 

SO.,+N.,03+H.,0 = H2SO, + 2NO; 
2NO + 2"'0 = N20,; 
2S02 + 2N20, + H,0 = 2HSNO-,+ N.,0.,; 
2HSN0, + H,0 = 2H.,S0, + N^O.;. 
G. Lunge (B. 18. 1854; 21. 67; Ch. Ind. 1885. 218; 1888. 154) 
ist der Ansicht, dass die Bildung der H^SO^ in den Bleikammern haupt- 
sächlich auf der Bildung von Nitrosylschwefelsäure beruhe: 

2SO, + N,03 + 02 + H,0 = 2HSNO,, 
welche grösstentheils unmittelbar nach ihrer Bildung, indem sie auf 
überschüssiges H.,0 trifft, in H^SO^ und N^O.. zerlegt werde : 
2 HSNO, -f H.,Ö = 2 a,SO;+ N2O3. 
Da NgOo gelbroth, das Gas in dem vorderen Theil der ersten 
Kammer aber farblos ist, so muss hier eine Denitrirung durch S0.> 
angenommen werden: 2HSNO, + S03 + 2HoO = 3H,SO,4-2NO. 



Bleikammerprozess. 165 

Das gebildete NO tritt sofort mit 0, SO., und H^O wieder zu Nitrosyl- 
schwefelsäure zusammen : 2 SO, + 2 NO + 3 + H,0 = 2 HSNO,-,. 

Sorel entwickelte 1887 folgende Theorie (Z. ang. Ch. 1889. 205; 
Ch. Ind. 1889. 406) : In einer inerten Atm. gibt eine nitrose H^SO^ mehr 
oder weniger NgO., ab, je nach ihrem Gehalt an NgO,,, der grösseren 
oder geringeren Verdünnung der nitrosen H^SO^ und der höheren oder 
niedrigeren T. SO, verhindert die Auflösung von NgO,^ in gehörig 
konz. Säure nicht, wenn im Ueberschuss vorhanden ist; findet letzteres 
nicht statt, oder wird die Lsg. verd., oder die T. erhöht, so tritt Zer- 
setzung der nitrosen Säure ein: 

280, + 2N0 4- 30 + H^O = 2HSN0, ; 

2NO + = N203; 

NO + = NOo'; 

2 SO, + NgO^-f 20 + H,0^= 2 HSNO,; 

2SO2 + 3N2O3 + H^O =-2HSN0, +4N0; 

2S02+8NO,-fH20 = 2HSNO, + NO; 

und: 2HSNO,+H,0 = 2H,SO, + N.03; 

SO, + N,0, +"11,0 = H,SO, -f 2 NO. 

Sorel stützte seine Theorie durch die Beobachtungen der Span- 
nungen des in HgSO^ gelösten N^O^ und des Wasserdampfes bei 
Gegenwart von H^,SOj^. 

F. Raschig'(B. 20. 582, 1158; Ch. Ind. 1887. 220, 266; A. 241. 
242; 248. 123; Ch. Ind. 1888. 569) nimmt das Entstehen sehr kompli- 
zirter Körper an , deren Vorkommen in der Bleikammer nicht nach- 
gewiesen ist, und Avelche sich unmittelbar nach dem Entstehen wieder 
zersetzen: beim Zusammentreten von SO, und NgO^ soll Dihydroxyl- 
aminsulfonsäure entstehen, welche im Augenblicke des Entstehens in 
Berührung mit mehr NgO^ in H,SOj und NgO, zerfalle. Das letztere 
liefert mit wieder N,Ö,.. G. Lunge hat diese Theorie als über- 
flüssig komplizirt widerlegt (Ber. 21. 3223; Ch. Ind. 1888. 570). 

Keine der aufgeführten Theorien kann beanspruchen, die Bildung 
der HgSO^ ausschliesslich darzustellen, vielmehr kann die Bildung der 
HgSOj an einer Stelle der Kammer nach der einen, an einer anderen 
Stelle nach einer anderen Theorie stattfinden. Wenige Molekularabstände 
genügen, um während der Kondensation der HgSO^ verschiedene 
chemische und physikalische Bedingungen darzubieten. Dies zeigt das 
heftige Durcheinanderwirbeln der Gase. Es ist deshalb vergeblich, eine 
einheitliche Theorie der HgSO^-Bildung aufzusuchen. 

Die einzige Theorie, gegen welche kein Widerspruch möglich ist, 
wird dargestellt durch die Formel 80, + + H20 = H2S04. Aber 
diese Formel drückt bloss den Anfangs- und Endzustand aus und lässt 
es völlig unbestimmt, auf welche Weise an die SO., herantritt. Da 
es aber bekannt ist, dass die nitrosen Verbindungen NO, N,03 und 
NgO^ unter den in der Bleikammer vorhandenen Bedingungen sich 
momentan oxydiren und reduziren, so braucht man, um diese Funk- 
tionen derselben auszudrücken, auf beiden Seiten der obigen Formel nur 
je 1 Molekül NO oder NgO,, oder N,0 ^ zu addiren, um das Endresultat 
mit Andeutung des Weges, auf welchem es erlangt ist, darzustellen. 

Da verschiedene Wege zu dem Endresultat führen, so kann 
eine vollkommene Theorie, wenn sie einheitlich sein soll, sich nur 
auf dieses stützen, und deshalb steht die physikalische Theorie 



1(3(5 Schwefelsäure. 

Hurter's in unerreichter Vollkommenheit den chemischen Theorien 
gegenüber 

H urter (Dynamic Theory of the Manuf acture of Sulph. Acid. Manch. 
1882, Soc. Ch. Ind. 1882. 49/83) geht von folgenden Formeln aus: 

SO, -f + H,0 + N0.2 = H,SO, + NOg; 

SO, -f + H;0 + N2O3 = H;S0, + N,03, 
als die H^SO^-Bildung in ihrem Endresultat darstellend. Ausserdem hält 
er unter gewissen Umständen auch noch folgende Reaktion für möglich: 

2 SO, -f 2H,0 + NO., = 2H,S0, -f X; 
SSO, + 3H;0 + 2NÖ., = 3H.,S0, + N,0, 

oder auch: 2S0, + 2H:0 + N,0; = 2H:S0, -f N.'O: 

3 so; + 3H;0 + N;0, = 3H;,S0, + 2N. 

Auf Grund dieser Formeln leitet er mit Hülfe der dynamischen 
Theorie der Gase und der Spannungen des Wasserdampfes bei Gegen- 
wart von H,SO^ verschiedener Konzentration alle Resultate ab, welche 
in der H,SO^-Fabrikation beobachtet worden sind : 

1. Während der Karamerraum in arithmetischer Progression sich 
vergrössert, nimmt der Gehalt der Gase an SO, unter Bildung von H,SO^ 
in geometrischer Progression ab. 

2. Für einen bestimmten S-Verlust"in den Endgasen ist der Kammer- 
raum proportional der Geschwindigkeit der Gase, oder was dasselbe 
.sagt, proportional der Menge des verbrannten S. 

3. Der Kammerraum ist umgekehrt proportional der Menge des 
zirkulirenden Salpeters und der Menge des Wasserdampfes. 

4. Die Grösse der Produktion in einem bestimmten Kammersystem 
hängt ab von der Menge des aufgewendeten Salpeters und der Stärke 
der erzeugten H,SOj. 

5. Wenn mehrere gleich grosse Kammern zu einem System ver- 
einigt sind, so nehmen die Mengen der in jeder einzelnen Kammer er- 
zeugten H,SO^ in geometrischer Progression ab, und ebenso vermindern 
sich die Ueberschüsse der T. in den Kammern über die T. der um- 
gebenden Atm. 

6. Der Werth jeder Kammer in Bezug auf die in ihr erzeugte 
Menge H,SO^ ist das Produkt aus Kamraerraum mal der in ihr vor- 
handenen Dampfspannung (die von der Stärke der vorhandenen H,SOj 
und der T. abhängt). 

7. Die T. der ersten Kammer hängt von der Anzahl Kammern 
ab, welche mit ihr zu einem System vereinigt sind, oder von dem 
Bruchtheil des Gesammtkammerraumes, den die erste Kammer bildet. 

8. Die günstigste Zusammensetzung der Gase , welche mit dem 
geringsten Kammerraum eine bestimmte Menge H,SO^ liefern sollen, 
ist diejenige, welche bei Anwendung spanischer Pyrite Endgase mit 
7,95 Vol.-^/n ergeben. (Dabei ist vorausgesetzt, dass der Pyrit 
4.5 "/o S abgibt und 71,3 >) Abbrände liefert.) 

Die Untersuchungen von Lunge und Neef, Schertel und 
Hübner und von Retter haben die Richtigkeit der Hurter'schen 
Theorie bestätigt. Aber so vollkommen diese dynamische Theorie auch 
ist, so befriedigt sie den Chemiker doch nicht völlig, weil derselbe 
Aufschluss über die einzelnen chemischen \^orgänge haben will. 

Verfasser ist durch Beobachtungen an Kammersystemen in Deutsch- 
land. England und Frankreich zu folgenden Ansichten gelanort: 



Bleikammerprozess. 167 

In der ersten Hälfte der ersten Kammer, in einigen Fällen 
auch in der ersten Hälfte der zweiten Kammer, schwebt der farblose 
Säurenebel in einem farblosen Gase. Die farbigen Verbindungen N.^Og 
und N^O^ können also nicht dauernd darin vorhanden sein. Es ist 
daher nichts natürlicher , als anzunehmen , dass hier das farblose NO 
als 0-Uebertrager wirkt, indem es sich zu N.>0^ oxydirt im Augen- 
blick, da es mit SO^ und H.,0 zusammentrifft, um sich sofort wieder 
unter Abgabe des eben aufgenommenen zu NO zu reduziren: 

SO, + NgO, + + H.O = H^SO, + NgO,. 
Diese Reaktion findet nach Weber ganz ausserordentlich leicht und 
sicher statt; auch Lunge führt dieselbe an (Sodaindustrie 1. 418). 

In der zweiten Hälfte der ersten Kammer, sofern dort 
die gelbe Farbe der Gase das Vorhandensein von NgO^ oder N^O^^ an- 
zeigt, und in allen Theilen des ganzen Systems mit gelben Gasen, 
finden offenbar folgende Reaktionen statt, welche schon von Berzelius 
und Weber nachgewiesen sind: 

SO, + N,0, + H,0 = H,SO, + 2N0 und 2N0 + = N.O^. 

In den hinteren Kammern mit rothbraunen Gasen, in denen 
man das Vorhandensein von N^O^ voraussetzen muss, kann man folgende 
Reaktionen annehmen: 
2SO2 + N^O, + 2H,0 = 2H2SO, + 2N0 und 2N0 + 20 = N,0,. 

Da die Tropfsäuren in allen Kammern stets kleine Mengen Nitrosyl- 

schwefelsäure gelöst enthalten, so ist als sicher anzunehmen, dass 

neben den angeführten Reaktionen auch folgende stattfinden: 

2S0., +N.,0, +30 +H,0 =2HSN0.-; 

2SO; + N;o;+20 -fH,0=2HSN0;^; 

2S0, + 3NÖ2 + H^O = 2 HSNO5 -f NO'. 

Ja, man kann annehmen, dass diese Reaktionen in grösserem 

Masse stattfinden, als dem Gehalt der Tropfsäure an Nitrosylschwefel- 

säure entspricht, weil ein Theil derselben auf dem Wege von dem Ort 

ihrer Entstehung bis zum Säuretisch sich bereits zersetzt haben kann, 

und zwar nach Rammeisberg nach den Formeln: 

2HSNO5 + H.,0 = 2H2SO, + N2O3; 

3HSN0, + 2H,0 = 3H,S0^ + HNO, + N^O^, 

oder auch durch die Einwirkung der SO, im vorderen Theil der Kammer: 

2HSNO5 + SO, + 2H,0 =3H,S0^+ 2N0. 

Die Vergleichung der Formeln lehrt, dass zur Bildung der Nitrosyl- 
schwefelsäure in allen Fällen für dieselbe Menge SO, nur halb so viel 
H,0 erforderlich ist, als zur direkten Bildung der H,SO^. Wenn also 
innerhalb der Wirkungssphäre einer Molekülgruppe durch Bildung von 
H,SO^ ein momentaner Mangel an H2O eingetreten ist, so kann sich 
Nitrosylschwefelsäure bilden. 

Nichts hindert nun, mit G.Lunge anzunehmen, dass alle H,SO^ 
durch das Zwischenglied der Nitrosylschwefelsäure hindurchgeht, aber 
man hat dadurch nichts erreicht als eine Komplikation. Für die Be- 
triebsleitung und für das Endergebniss ist es völlig gleichgültig, ob 
man die einfache direkte Bildung von HjSO^ annimmt, oder ob man 
eine Zwischenverbindung annimmt, die sich im Moment ihrer Ent- 
stehung wieder zersetzt. Die durch die Umstände ermöglichte Bildung 
von Nitrolsylschwefelsäure muss als Thatsache anerkannt werden, aber 



16g Schwefelsäure. 

ihre Auffassung als Nebenerscheinung genügt zum Verständniss und 
zur zweckmässigen Leitung der Vorgänge im Bieikammersysteme. 

Wenn die nitrosen Verbindungen dem Systeme in Form von HNO3 
zugeführt werden, so muss man als einleitende Reaktionen noch folgende 
annehmen: SO. -f- 2 HNO, = H.,SO, + N0O,; 

oder 2 SO., -f 2 HNO., -f H,0 = 2 H.,SO ;+ N,0, ; 

oder 3 SOl + 2 HNO;", + 2 H.O = 3 H.SO^ + N.Ö,, 

worauf dann die schon angeführten Reaktionen ihr Spiel beginnen. 

Ausser diesen normalen Reaktionen können in einem Schwefel- 
säuresjstem auch noch viele unerwünschte Reaktionen stattfinden, welche 
Salpeterverluste verursachen. Bei HoO-Ueberschuss kann sich HNO3 
bilden, die sich in der Bodensäure löst: 

2N0 4- 30 + H,0 = 2 HNO,; N^O, + 20 -|- H,0 = 2 HNO,. 

Wenn NO oder N.Og bei Gegenwart von HoO oder sehr verd. 
Säure mit einem üeberschuss von SO. zusammentreffen, so kann nach 
G. Lunge eine Reduktion zu Stickoxydul stattfinden: 
SO, 4- 2N0 + H2O = HoSO, + NoO. 

F. Hurter führt folgende Reaktionen an. die zum Theil auch 
von R. Weber und Fremy beobachtet worden sind: 
2SO2+ NO;4-2H.O = 2H,SO^+N: 
3S0. -f2NO;-f-3H.;0 = SH.^SO^ + N,0; 

2 so; + N,o;+ 2h:o = 2h;so, + n;o; 

3 so; + Xol -^ 3 H:0 = 3H;S0, + 2N. 
Kühl mann (Hofmanns Ber. 1. 174) beobachtete fols2:ende Reaktion: 

2S02 + 2NO = 2S03 + 2N. 
Die meisten dieser Reaktionen erfordern eine hohe T., können also 
im Glover-Thurm stattfinden. Andere schädliche Reaktionen finden bei 
grossem üeberschuss von Wasserdampf und H.,0 in den Kammern selbst 
statt, also nur in Fällen arger Betriebsstörungen: So hat R. Weber 
bei Gegenwart von viel HgO auch die Reaktion gefunden: 
2SO2 + N2O3 -f 2H2O = 2H2SO, +N,0. 
Für die von F. R aschig (A. eh. 241. 247) entdeckte NH,- 
Bildung hat Lunge (Ch. Ind. 1888. 571) folgende Formeln augegeben: 
HSNO, + H.0 = H,SO. + HNO. 
und HNO, + 3 so; — H.O = 3 H.SO^ -f NH.. 
Um das theoretische Bild des Bleikammerprozesses zu vervoll- 
ständigen, ist noch der physikalischen Untersuchungen zu gedenken, 

welche durch Hurter und Lunge anwerefft worden sind, und um 

11-1 • 000 ^ 

welche sich namentlich Lunge und Sorel verdient gemacht haben. 

Da der ruhige Fortgang der direkten H.SO^-Bilduug oder, wenn 
man will, der Zersetzung der eben gebildeten Nitrosylschwefelsäure, von 
der Spannung des vorhandenen Wasserdampfes abhängt, oder von der 
Geschwindigkeit, mit welcher derselbe in die Räume eindringt, in denen 
er eben durch Bildung von H.,SO^ verschwunden ist, so ist die Kennt- 
niss der Tension des Wasserdampfes bei Gegenwart von H.SO^ von 
grosser theoretischer Wichtigkeit. Hurter benutzte nur die kleine 
Tabelle von Regnault, welche sich ausführhcher in den A. ch. 1845. 
[3] 15. 179 und in Landolt und Börnstein, Physikalisch-Chemische 
Tabellen (22) findet. 

Sorel hat nachstehende ausführlichere Tabelle angefertigt (Z. ang. 
Ch. 1889. 265; Ch. Ind. 1889. 405). 



Bleikammerprozess. 



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X70 Schwefelsäure. 

Mit Hülfe dieser sowohl physikalisch wie chemisch höchst interessanten Tabelle 
kann man auf Grund des Hurter sehen Satzes den Wirkungswerth einer jeden 
Bleikammer in Form einer Maasszahl ausdrücken. Man braucht nur die Grösse 
der Kammer, die in ihr herrschende mittlere T. und die Stärke der in ihr erzeugten 
H-)S04 zu kennen. Die zugehörige Dampfspannung, multiplizirt mit dem Kammer- 
inhalt ist die Maasszahl. So erzeugt z. B. eine Bleikammer in 24 Stdn. nahezu 
dieselbe Menge H.)S04, wenn die in ihr herrschende T. 25" ist und die Kammer- 
säure 39,7" Be. hat, wie wenn die T. 55" und die Stärke der Kammersäure 53,7" 
Be. ist, oder wie wenn die T. 75" und die Stärke der Kammersäure 58,9" Be. ist. 
Dagegen erzeugt dieselbe Kammer in derselben Zeit schon doppelt so viel H2SO4, 
wenn die in ihr herrschende T. z. B. 55" beträgt und die erzeugte Kammersäure 
49,2" Be. stark ist, oder wenn die T. 65" und die Stärke der Säure 52,2" Be. ist, 
oder wenn die T. 75" und die Stärke 55,2" Be. ist. 

Die Theorie des Bleikammerprozesses erfährt eine sehr wesent- 
Hche Vervollständigung durch die Theorie der Endgase, doch er- 
fordert diese eine Spezialuntersuchung (vergl. des Verfassers Handbuch 
der Schwefelsäurefahrikation) . 

Ausbeute an Schwefelsäure und Salpeterverbrauch. 
Theoretisch sollte man aus 100 kg S erhalten: 

200 kg schweflige Säure, SO^, 

250 kg Schwefelsäureanhvdrid, SO... 

306.25 kg Schwefelsäure,' H.,SO^. 

312,5 kg höchst konz. Säure mit 98 «0 H^SO^. 

319.0 kg Säure von 66 "^ Be. mit 96 > RßO^, 

325.8 kg 66grädige Säure des Handels mit 94 ° H.2S0^, 
374,8 kg Glover-Säure von 62 ^' Be. mit 81,7 ^' H^SO^, 

392.1 kg Glover-Säure von 60 » Be. mit 78,1 S H^SO^, 
490,0 kg Kammersäure von 50 " Be'. mit 62,5 "/o H2SO4, 
443,75 kg schwefelsaures Natron Na^SO^, 

462,24 kg calcinirtes Sulfat mit 96 "0 NagSO^. 

Die Produktion von H)S04 wird mitunter auf den wirklich verbrannten 
S, gewöhnlich jedoch auf den beschickten S oder auf die Menge Pyrit berechnet, 
und je nach dem Vorwalten des einen oder anderen Produktes nach der Menge 
des erhaltenen Monohydrats, H)S04, oder 66grädiger Säure des Handels mit nur 
94 "0 H2SO4, oder Glover-Säure, oder Kammersäure, oder des calcinirten Sulfats 
ausgedrückt. 

Ausbringen von Schwefelsäure. Aus Rohschwefel. 
Ehe man den Gav-Lussac-Thurm anwendete, brachte man aus dem 
verbrannten Rohschwefel kaum 50 V der theoretischen Menge aus, mit 
einem Salpeteraufwand von 6 bis 12 % des verbrannten S. Seit Ein- 
führung des Gay-Lussac wurde die Ausbeute auf 96 bis 97 °/o der 
theoretischen Menge gebracht mit einem Salpeterverbrauch von nur 
3 bis 6 V des verbrannten S. 

Aus Schwefelkies. Man betrachtete es früher als gute Ar- 
beit, wenn man aus dem in Form von Pyrit angewendeten S 88 bis 
90,5 ^jo der theoretischen Menge in Form von HgSO^ ausbrachte, hatte 
also einen S-Verlust von 12 bis 9,5 V der angewendeten Menge, wovon 
ein grosser Theil in den Abbränden zurückblieb. Der Salpeterverbrauch 
war dabei im günstigsten Falle 2,75 V des verbrannten S. 

In der jüngsten Zeit hat man die Fabrikation so vervoll- 
kommnet, dass man nach G. Lunge z. B. in der Güssefeldt'schen 
Fabrik zu Kastrup ein Ausbringen von 92,25 "/o erzielte. Die 7,75 ^jo 
S-Verlust vertheilten sich zu 6,85 ",o auf die Abbrände und zu 0,9 V 



Ausbringen. 171 

auf die Fabrikation. In der Güssef eldt'schen Fabrik zu Hamburg 
erreichte man sogar ein Ausbringen von 95,29 ^jn der theoretischen 
Menge, während von dem S-Verlust von 4,7P/o 2,69 ''/o auf die Ab- 
brände und 2,03 "/o auf die Fabrikation entfielen. Dabei war der Salpeter- 
verbrauch in Kastrup 2,41 ^/o, in Hamburg 3,75 "^/n des verbrannten S. 

Von dem S-Verlust während der Fabrikation geht nur ein 
Theil in den Endgasen verloren, der übrige Theil aber aus den Brennern 
und den Kammern direkt. Die Mengen SO., , welche auf diese Weise 
in die Atm. gelangen, sind verschwindend klein gegenüber denjenigen 
Mengen, welche durch Verbrennen von Steinkohlen entstehen, die stets 
Pyrit eingesprengt enthalten. 

Der Salpeterverbrauch bedeutet diejenige Menge Salpeter, 
welche man täglich neu zuführen muss , um die während des Kreis- 
laufes der nitrosen Verbindungen zwischen Gay-Lussac und Glover- 
Thurm entstehenden Verluste zu decken, so dass die Menge des im 
System zirkulirenden Salpeters möglichst konstant bleibe. 

Unter Salpeter ist hier stets Natronsalpeter oder Chilisalpeter mit 
etwa 96 ^/o NaNOy verstanden. Analysen desselben s. u. 

Der Salpeterverbrauch wird nicht in allen Fabriken durch den 
Verbrauch von Chilisalpeter in Prozenten der verbrannten S-Menge an- 
gegeben, sondern sehr häufig durch den Verbrauch von Salpetersäure 
von 32 , 36 oder 38 ^ Be. in Prozenten des S , oder des Pyrits, oder 
der erzeugten HgSO^ verschiedener Konzentrationen. 

Um die Angaben verschiedener Fabriken mit einander zu ver- 
gleichen, hat man daher Umrechnungen vorzunehmen. Zur Erleichte- 
rung derselben dient die Tabelle S. 172. 

Wenn der Salpeterverbrauch in Prozenten des beschickten S 
angegeben ist, um auch den Röstprozess, der so grossen Einfluss auf 
den Betrieb hat, mit in Rechnung zu ziehen, so hat man in jedem 
einzelnen Falle die kleine Umrechnung auf 100 Theile verbrannten S 
auszuführen. 

In England drückt man den Salpeterverbrauch gewöhnlich durch die Anzahl 
Pfunde Chilisalpeter aus, welche auf je 1 t in 24 verbrannten Pyrit kommen. Die 
Zahl der Pfunde durch 10 dividirt giebt den Salpeterverbrauch in Proz. des ver- 
brannten S an. Denn 1 t hat 2240 Pfunde; nimmt man davon 44,643% als nutz- 
baren S an, so sind dies gerade 1000 Pfunde S in der Tonne Pyrit. Bei besserem 
Abrösten verschieben sich die Zahlen natürlich etwas, aber nur unbedeutend. 

Der Verbrauch von Natronsalpeter stellt sich bei An- 
wendung von Rohschwefel, wie schon Seite 170 erwähnt, ohne Wieder- 
gewinnung der salpetrigen Gase auf 6 bis 12 ^/o des beschickten S; 
mit Wiedergewinnung der salpetrigen Gase auf 3 bis 5 ^jo des beschickten 
S, von dem nur 1 bis 3 "/o in den Verbrennungsrückständen bleiben. 

Bei Anwendung von Pyrit beläuft sich der Verbrauch von Salpeter 
ohne Gay-Lussac auf 8,5 bis 14 ^o des beschickten S, mit Gay-Lussac 
auf 2,2 bis 6 ^/o des beschickten S, von dem 1 bis 4 ^/o in den Ab- 
bränden bleiben. 

Als Jahresdurchschnitt 1891 verbrauchte für je 100 kg fabrizirter 
66grädiger Säure (94 "/o H^SO^) eine Fabrik bei Magdeburg 2,05 kg, 
eine Fabrik in Schlesien 2,06 kg HNO3 von 36*' Be., oder, nach der 
Tabelle, 2,421 7 mal so viel Salpeter auf 100 kg verbrannten S, nämlich 
4,96, bezw. 4,99 "/o Salpeter. 



172 



Schwefelsäure. 
Gleichbedeutender Verbraucli: 



Auf 100 kg H2SO4 
(Monohydrat) 


Auf 100 kg 

mit 94 "/o 


Säure 
H2SO4 


Auf 100 kg ver- 
braunten Schwefel 


Auf 100 kg Pyrit 
mit 45 "0 nutz- 
barem Schwefel 


Salpetersäure 


Sal- 
peter 

kg 


Salpeter- 
säure 

kg 


Sal- 
peter 

kg 


Salpeter- 
säure 

kg 


Sal- 
peter 

kg 


Salpeter- 
säui-e 

kg 


Sal- 
peter 

kg 


1 kg V. 38" Be. 
1 , , 36 , 
1 , . 32 , 


0,8053 
0,7435 
0,6324 


0,94 
0,94 
0,94 


0,7570 
0,6989 
0,5945 


3,062 
3,062 
3,062 


2,4658 
2,2764 
1,9365 


1,3779 
1,3779 
1,3779 


1.109G 
1.0244 
0.8714 


1,2418 kg V.. 38" Be. 
1,3451 , , 36 , 
1,5812 . „ 32 , 


1 

1 
1 


1.1673 
1,2644 
1,4863 


0,94 
0,94 
0,94 


3,8021 
4,1184 
4,8414 


3,062 
3,062 
3,062 


1,7109 
1,8533 
2,1786 


1,3779 
1.3779 
1,3779 


1,0638 kg V. 38" Be. 
1,0638 „ , 36 , 
1,0638 , , 32 , 


0,8567 
0,7909 
0,672n 


1 
1 
1 


0,8053 
0,7435 

0.G324; 


3,2573 
3,2573 
3,2573 


2,6231 
2,4217 
2,0601 


1,4658 
1,4658 
1,4658 


1.1804 
1.0S98 
0,9270 


1,3210 kg V. 38" Be. 1,0638 
1,4309 , , 36 , 1,0638 
1,6821 „ , 32 , 1,0638 


1,2418 
1,3451 
1,5812 


1 
1 
1 


4,0449 
4.3813 
5,1504 


3,2573 
3,2573 
3,2573 


1,8202 
1,9716 
2.3177 


1.4658 
1.4658 
1,4658 


0,3265kgv. 38" Be.[ 0,2630 
0,3265 „ „ 36 , i 0,2428 
0,3266 , , 32 ,1 0,2065 


0,3069 
0,3069 
0,3069 


0,247l! 
0,2282 
0,19411 


1 
1 

1 


0,80531 
0.7435 
0,6324 


0.45 
0,45 
0,45 


0.3624 
0,3346 
0.2846 


0,4055 kg V. 38" Be. 
0,4392 , „ 36 , 
0,5163 , , 32 „ 


0,3265 
0,3265 
0,3265 


0,3811 
0,4128 
0,4853 


0,3069 
0.3069 
0,3069 


1,241^ 
1,3451 
1,5812 


1 

1 
1 


0.5588 
0,6053 
0,7115 


0,45 
0,45 
0,46 


0,7256 kg V. 38" ße. 
0,7256 , , 36 , 
0,7256 , , 32 , 


0,5844 
0,5395 
0,4589 


0,6821 
0.6821 
0,6821 


0,5493 
0,5071 
0,4314 


2,2222 
2,2222 
2,2222 


1,7895! 
1,6522 
1,4053 


1 
1 
1 


0.8053 
0.7435 
0.0324 



Der Salpeter ist zu 96 "/o NaN03 angenommen. 

Im Sommer verbraucht man allgemein etwas mehr Salpeter als 
im Winter. Der Salpeterverbrauch wechselt nach der Betriebsart. 
Nicht immer stellt geringerer Salpeterverbrauch auch bessere Betriebs- 
art vor. Denn der Salpeterverbrauch und der Kammerraum können 
einander in gewissen Grenzen ersetzen. Wenn man mit sehr kleinem 
Kammerraum arbeitet, d. h. wenn man den vorhandenen Kammer- 
raum sehr stark ausnutzt, also z. B. in 24 Stdn. 2 kg Pyrit auf 1 cbm 
Kammerraum brennt, so hat man 4 bis 5 ", Salpeter aufzuwenden. 
Arbeitet man dagegen mit sehr grossem Kammerraum, d. h. mit 
schwachem Betriebe, bei welchem man in 24 Stdn. nur 1,3 kg Pyrit 
auf 1 cbm Kammerraum röstet, so kann man schon mit 2,2 bis 3,5 "/n 
Salpeter, auf den verbrannten S bezogen, auskommen. Ja, in dem 
System zu üetikon (Lunge und Naef, Ch. Ind. 188-i-. 6, 10) konnte 
man Dank seiner grossen Glover- und Gay-Lussac-Thürme , welche je 
2,1 Vol.-*^ des Kammerraumes besassen , bis auf 1,04 kg Pyrit mit 
45*^/0 nutzbarem S auf 1 cbm Kammerraum in 24 Stdn. gehen, und 
doch nur 2,2 "/o des verbrannten S an Salpeter verbrauchen. 

Die Menge des in einem System zirkulirenden Salpeters beträgt 
gewöhnlich 12 bis 15*^/o des verbrannten S, mit gelegentlichen Schwan- 
kungen zwischen 10 und 19 V- 



Reinigung. 173 

Der Salpeter Verlust, welcher während des Kreislaufes statt- 
findet, besteht in mechanischen und chemischen Verlusten, welche nur 
erst zum Theil direkt nachweisbar sind. 

Reinigung der Schwefelsäure. Der grösste Theil der über- 
haupt fabrizirten H^SO^ wird im Glover-Thurme eingedampft und noch 
heiss zur Zersetzung von Kochsalz benutzt. Für andere Zwecke, 
namentlich zur Darstellung der reinen, konz. H.^SO^, muss die rohe 
Säure erst gereinigt werden. 

Die hauptsächlichsten Verunreinigungen der Kamniersäure sind 
As, Se, Fe und Pb; mitunter hat man auch auf HNO. und NoO^ Rück- 
sicht zu nehmen. Die Glover-Säure, welche den Flugstaub aus erster 
Hand bekommt, enthält dieselben Verunreinigungen in sehr viel 
grösseren Mengen. Ausserdem können in der rohen Säure vorkommen: 
Antimonoxyd, Tl, Cu, CaO, Al^O., Alkalien (NH,,), SO^ und organische 
Substanzen. In einzelnen Fällen hat man auch HFl beobachtet. Diese 
Verunreinigungen stammen theils aus dem Schwefelkies, theils aus 
dem Salpeter, theils aus dem K,0, wenn man solches zur Denitrirung 
benutzt. Von diesen Verunreinigungen erfordern nur das As und die N^Og 
besondere Reinigungsmethoden, weil die übrigen Fremdkörper meistens 
von selbst sich ausscheiden. 

Reinigung von Arsen. G. Lunge führt (Sodaindustrie 1. 433) 
die Methoden an, welche vorgeschlagen und versucht worden sind, um 
die rohe HoSO^ von As zu befreien. Von allen hat jedoch nur die- 
jenige der Ausfällung des As als As^^S. mittelst H2S im Grossbetriebe 
ausgedehntere Anwendung gefunden. Diese Methode ist zuerst von 
Ph. Scliwarzenberg in Bolley's Technologie S. 434 beschrieben 
Avorden. 

Da starke HjSOj das H)S zersetzt, etwa nach der Formel: 
H.^SÖj 4- ?, H^S = 4H.,0 + 4 S, 
so muss die H2SO4, welche der Behandlung mit H2S unterworfen werden soll, auf 
46 bis höchstens 50" Be. verd. werden. Hierbei fällt der grösste Theil des 
gelösten Pb als Sulfat aus. Da die Ausfällung des As mit H.jS sehr langsam von 
statten geht, wenn es in Form von Arsensäure vorhanden ist, so hat man dafür 
zu sorgen, dass alles As in Form von arseniger Säure gelöst sei. Dies ist der 
Grund , wesshalb man mitunter die Kammersäure ganz frei von nitrosen Ver- 
bindungen herstellt, und zwar auf Kosten von Salpeter. Solche Kammersäure 
enthält dann kleine Mengen SO^ gelöst, und man kann dann ziemlich sicher sein, 
dass keine Arsensäure mehr zugegen ist. Solche Kammersäure kann selbst kleine 
Mengen Ammonsulfat enthalten, das durch Reduktion nitroser Verbindungen ent- 
standen ist. 

Man kann auch die zur Reinigung bestimmte H.)S04 vorher mit SOo behan- 
deln (Kupferschläger, Ch. Ind. 1886. 113). 

Der zur Fällung erforderliche HgS wird aus Schwefeleisen und 
H^,SO^ entwickelt. Dazu dient ein gusseiserner Kessel mit Rost zur 
Aufnahme des Schwefeleisens, ein Dampfrohr in Ringform, um das Aus- 
krystallisiren von Ferrosulfat zu verhindern, Einlaufrohr für Schwefel- 
säure, Ablassrohr und Ableitungsrohr für H^S. Der letztere wird in einen 
Fällthurra geleitet, dessen Konstruktion "Ph. Schwarzenberg an- 
gegeben hat (Fig. 47). 

Aus dem unteren Theile des Thurmes wird die gereinigte Säure mit dem 
ausgefällten Schwefelarsen zusammen unter hydraulischem Verschluss in mit Pb 
ausgekleidete Klärgefässe abgezogen. 



174 



Schwefelsäure. 




LAAÄ44AA4i' 

\AAAA4A4An 
' 4AAAA4Äi J 



AA4AAAAAA 
kAAAAAAAAi 

ääAkAAäAi% 

iäääääääAi 

^AäAAAAAAM 
kkkkkkkkä 




AA. 



J=^ 



Durcüscliiutt. 




.■\jisiciit. 



1 5 



Fig. 47. Arsenfällthurm. 



Reinigung. Konzentration. 175 

Der nicht absorbirte Theil des H^S entweicht mit der etwa beigemischten 
Luft durch ein Rohr, welches von der Decke des Thurmes ausgeht, ins Freie, aber 
nicht koutinuirlich, sondern nur dann, wenn der Druck der Gase im Inneren so 
stark geworden ist, dass er einen Deckel hebt. 

Aus den Klärgefässen wird die gereinigte H2SO4 klar abgezogen und gelangt 
zur Konzentration. Der Schwefelarsenschlamm wird auf einem mit Pb ausgeklei- 
deten Vakuumfilter ausgewaschen. Als filtrirende Schicht kann man Asbesttuch 
benutzen. 

Mit dem As fallen alle aus saurer Lsg. fällbaren Metalle und 
auch das Se aus (Fremy's EncycL 5. 215). 

Diese von Schwarze nberg und Lunge genauer beschriebene 
Methode genügt, um die H^^SO^ in einer Operation hinreichend von 
As zu befreien. Zur Reinigung von 5 t Kammersäure braucht man 
75 bis 100 kg Schwefeleisen. Da man auf diese Weise das As aber 
niemals vollständig aus der H^SO^ entfernen kann, so muss man für 
alle diejenigen Zwecke, für welche man völlig As-freie H^SO^ braucht, 
oder doch brauchen sollte, die HgSO^ aus As-freien Materialien be- 
reiten, also aus Rohschwefel. Dies ist der Grund, weshalb noch jetzt 
Kammersysteme mit Rohschwefel betrieben werden. Nur solche H2S0j^ 
sollte in den Industrien der Nahrungs- und Genussmittel Verwendung 
finden, also zur Fabrikation von Stärkezucker, für die Gährung der 
Melasse, für Presshefe, zum Wiederbeleben der Knochenkohle der Zucker- 
fabriken und zu pharmazeutischen und medizinischen Zwecken. Ueber 
Reinigung der H,SO.^ mittelst Oels vergl. Ch. Ind. 1893. 125. 

Reinigung von Stickstoffverbindungen. Die Reinigung der 
HgSO^ von nitrosen Verbindungen erfolgt nach Pelouze (A. Ch. 77. 25) 
am leichtesten und vollständigsten durch Zusatz von (NHj^)2S0^, welches 
allgemein angewendet wird. Man streut das trockene (NH^)2S0^ in 
kleinen Mengen auf die heisse Säure in den Eindampfpfannen. Die 
nitrosen Verbindungen werden dadurch unter Entwickelung von N rasch 
zersetzt : 

N2O3 + 2NH, = ;3H,0 + 4N; 

3N0, + 4NH3 = GH;0 + 7N; 

3HN0; 4- 5NH, = 9H:0 + 8N. 

Bei normalem Gange genügen nach Lunge 0,1 bis 0,5 kg 
(NHJ^SO^ zur Reinigung von 100 kg Säure. 

Ueber Reinigung der H^SO^ von Ammoniumsulfat durch 
Kochen mit KNO3 vergl. Lunge, Z. ang. Ch. 1890. 447. 

Andere Reinigungsverfahren beschreiben: Thomson und Kemp 
(E. P. 6215 V. 15. April 1884; Ch. Ind. 1885. 140); H. C. Bull (E. P. 
5388 V. 18. März 1892.) u. A. 

Konzentration der Schwefelsäure. Die Art und Weise der 
Konzentration der H^SO^ hängt davon ab, v/elchen Grad von Reinheit 
die konz. Säure besitzen soll, und bis zu welcher Stärke man sie ein- 
dampfen will. 

Die rohe Kammersäure wird gewöhnlich nur bis höchsens 62 ^ Be. 
eingedampft, weil sie in dieser Stärke für die meisten Verwendungs- 
zwecke genügt. Dies geschieht am einfachsten im Glover-Thurm, oder 
in gusseisernen Kesseln oder in Bleipfannen. Im Glover-Thurm könnte man 
auch wohl noch stärkere Säure als solche von 60 bis 62 " Be'. erzeugen. 



176 



Schwefelsäure. 



allein man würde dabei die Er\veiclnmgs-T. des Pb erreichen, bei welcher 
es von H^.SOj^ sehr stark angegriffen wird. 

In gusseisernen Kesseln kann man die Konzentration leicht 
weiter treiben, wenn man nur dafür sorgt, dass das Gusseisen nicht mit 
schwächerer Säure als etwa von 60'^ Be. in Berührung kommt. 

In der Netham Chem. Co. zu Bristol geschah die Eindampfung der H)S04 
1880 in einem Kessel, dessen Rand mit Bleiblech überkleidet war, um denselben 
der Einwirkung der HgS04-Dämpfe zu entziehen. Die Glover-Säure, oder 
auch Kammersäure, floss durch einen Steinguttrichter mitten in die heisse H2SO4 
ein, und wurde bis auf 158 bis 160" Twaddell (63,7 bis 64,2° Be.) konz. Man 
brauchte diese starke Säure für den Hurter-Deacon'schen Prozess der Cl- 
Darstellung, um möglichst trockenes HCl zu erzeugen. Der Kessel überzog sich 
im Innern mit einer Schicht Ferrisulfat, welche das Gusseisen vor dem Angriff 
durch die heisse Säure schützte. Man erlitt hierbei aber schon beträchtliche 
Verluste durch verdampfende H,,S04, und konnte daher die Konzentration nicht 
noch weiter treiben. Ganz ähnlich ist das Verfahren von J. Grindley (Am. P. 
265495; Ch. Ind. 1883. 72). 

Andere Vorrichtungen zur Verdampfung in Gusseisen beschreiben 
A. Nobel (Fr. Br. 134490 von 1880; Ch. Ind. 1880. 245, 330); Hart- 
mann, (Ch. Ind. 1880. 244). Scheurer-Kestner in Thann (D.R.P. 
Nr. 61331 V. 5. Mai 1891) ersetzt in dem Apparat Faure und 
Kessler die Pt-Schalen durch gusseiserne Pfannen, deren oberer Rand 
durch einen Streifen von Pt oder Pb geschützt ist. 

In Bleipfannen kann man die HgSO^ durch oberschlächtiges 
oder unterschlächtiges Feuer oder durch Dampfschlangen konz. ; aber nicht 
weiter als bis auf 60 oder höchstens 63 " Be. Man wendet diese Art der 
Eindampfung an, wenn man starke Säure braucht, die weniger As und 
sonstige Verunreinigungen enthält, als die Glover-Säure. Man unter- 
scheidet bei dieser Art Eindampfung folgende Systeme: 

Bleipfannen mit Oberfeuerung liefern eine durch Rauch gebräunte 
Säure, die aber trotzdem für viele Verwendungszwecke sehr geeignet ist (Super- 
phosphat, Sulfat). Die beste Einrichtung einer solchen Pfanne, die in England viel 

benutzt wird, ist von Lunge (Sodaindu- 
strie 1. 454) beschrieben und abgebildet 
worden. Fig. 48 zeigt den Querschnitt 
einer solchen Pfanne von 8 bis 10 mm 
starkem Pb , welche im Innern durch 
aufgeschichtete Ziegelwände vor dem 
Feuer geschützt ist. Mitunter werden 
diese Pfannen auch durch die abgehen- 
den Feuergase eines SulfatmufFelofens 
geheizt. Eine Pfanne von 8 m Länge 
und 1,5 m Breite kann in 24 Stunden 
10 t Säure von 53" auf 60" Be. bringen. 
Bleipfannen mit Unterfeue- 
rung erfordern stets eine Unterstützung 
des Bodens durch gusseiserne Platten. 
Häufig legt man auf die letzteren noch 
eine dünne Schicht Sand, und auf diese 
erst die Bleipfanne. Die Pfannen dieser 
Art sind gewöhnlich in Systemen von zwei oder mehr Pfannen mit Gegenströmung 
angeordnet. Die Heizung geschieht entweder durch besondere Feuerungen oder durch 
die abgehenden Feuergase irgend eines Ofens, oder durch Röstgase, indem man 
die Pfannen auf die Kiesbrenner legt. 

Selbst neuere Fabriken, die mit Glover-Thürmen ausgestattet sind, benutzen 
noch die Wärme der Röstgase zum Theil zum Heizen der Eindampfpfannen, welche 
die Decke der Kiesbrenner bilden. Dies ist wegen der Gefahr der Beschädigung 




Maassslab 1 : SO. 
Fig. 13. Bleipfanne mit Oberfeuerimg. 



Konzentration. 177 

der Oefen durch Leckwerden der Pfannen nicht empfehlenswerth , ausserdem ist 
die Verwendung der heissen Gase im Glover-Thurm sehr viel vortheilhafter. 

Sind die Pfannen terrassenförmig aufgestellt, so fliesst die Säure durch 
Ueberläufe aus einer in die andere ; stehen sie in gleicher Höhe, so kommuniziren 
sie durch Standheber mit einander. Lunge giebt (Sodaindustrie 1. 456) ausführ- 
liche Beschreibungen und Abbildungen solcher Pfannen. 

Vier Bleipfannen von je 1 m Breite, 2 m Länge und 30 cm Tiefe genügen 
nach Sorel (Fremj^. Encycl. 5. 227), um die Hitze einer Feuerung auszunutzen, 
auf welcher täglich 500 kg Kohlen verbrannt werden, und genügen, um 3000 kg 
H2SO4 in Form von 53grädiger Säure in solche von 60grädiger überzuführen. Da- 
bei wachsen die Stärken in den einzelnen Pfannen von 54 auf 56, 58 und 60" Be. 
in der letzten. Man kann also auf eine Produktion von 375 kg Säure von 60" Be. 
auf 1 qm Pfannenfläche in 24 Stdn. rechnen, und zwar mit einem Aufwände von 
18 bis 14 kg Kohlen für 100 kg Säure. Wegen Dauer der Bleipfannen vergl. 
Ch. Ind. 1893. 122. 

Die Konzentration der H2SO4 durch Wasserdampf ist 1865 vonCarlierin 
Duisburg vorgeschlagen worden, hat aber erst 10 oder 12 Jahre später allgemeine 
Anwendung gefunden. (Hasenclever, Hofmanns Ber. 1875. 185.) Zu diesem 
Verfahren kann man Holzkästen benutzen, die mit Pb ausgeschlagen sind. Zur 
Heizung dienen Bleiröhren von 3 cm lichter Weite und 7 mm Wandstärke, durch 
welche Dampf von 3 Atm. üeberdruck zirkulirt. 

Ein neuerer Apparat von Bode (Glover-Thurm 27) besteht aus einer flachen, 
in der Mitte etwas vertieften Bleipfanne im Holzrahmen von 4,50 m Länge, 3,20 m 
Breite, an den Rändern 30 cm, in der Mitte 40 bis 60 cm tief, und einer Damjjf- 
schlange von 58 m Länge, welche am Rande eintritt und in sieben Windungen 
bis zur Mitte geht, von wo sie, den Boden durchbrechend, nach aussen tritt. Durch 
diese Schlange zirkulirt Wasserdampf von 2V2 Atm. Üeberdruck. In 24 Stdn. kann 
man in diesem Apparat 5000 kg Säure von 60" Be. aus Säure von 50" Be. ge- 
winnen mit einem Aufwand von 500 kg Kohlen, also mit 10 "/o, jedoch kommen 
Schwankungen von 8 bis 18 "/o Kohle vor. Sorel will dieselbe Produktion bereits 
mit einer Pfanne von 2 m Seitenlänge und Dampf von 3 Atm. üeberdruck erreichen. 
Der Apparat ist in L u n g e (Sodaindustrie 1. 468) abgebildet. Das Bleirohr ist an der 
Eintauchstelle mit einer nach oben sich öffnenden Bleiglocke umgeben, weil es 
sonst an dieser Stelle zu rasch durchgefressen wird. 

Carl Kurtz beschreibt einen andern Apparat D.R.P. Nr. 38 018 v. 17. Febr. 
1886 (Ch. Ind. 1887. 143) mit Gegenströmung. 

Solvay und Cie. (D.R.P. Nr. 54730 v. 6. Okt. 1889) beschreiben einen ähn- 
lichen Apparat, welcher zur Beförderung der Säurezirkulation noch ein von aussen 
getriebenes Schneckenrad enthält. Sehr ausführliche Angaben über die Eindampfung 
mittelst Heizschlangen macht A. Junge, Jahrb. für Berg- und Hüttenwesen in 
Sachsen 1892, 1; vergl. A. Schertel (Ch. Ind. 1893. 121). 

Neuerdings geschieht die Konzentration durch bleierne Heizschlangen in 
Steingefässen (Hasenclever, B.). 

Wegen anderer Konzentrationsmethoden vergl. L unge (Sodaindustrie 1. 469 f.) ; 
Hemptinne (Fr. Br. 91262 v. 1870 mit Zusätzen 1871, 1872 und 1873) dampft die 
Säure ein unter Anwendung eines Vakuums von 3 bis 4 cm Quecksilbersäule. Die 
Chemische Fabrik Griesheim (D.R.P. Nr. 24402 v. 1883) kühlt schon konz. Säure 
auf 0"ab, und bringt das Monohydrat zum Krystallisiren. Ad. Kux (D.R.P. Nr. 31277 
V. 1884; Ch. Ind. 1885. 212) verbindet Heizung durch Dampf mit Anwendung des 
Vakuums in einem dem ChaufFevin ähnlichen Apparat. Der Internationale 
Vakuum-Eismaschinen-Verein zu Berlin (D.R.P. Nr. 33172 v. 1885) dampft 
die Säure durch heisse Luft ein (Ch. Ind. 1886. 64 mit Abb.; Webb, D.R.P. 
Nr. 61 752 v. 1891) ; J. M e y e r , D.R.P. Nr. 71 580 v. 1893, Abdampf-Apparat für H2SO4 
im Vakuum. 

Konzentration der gereinigten Säure. Die von As und Pb 
gereinigte Säure hat eine Stärke von 46 bis 50 *' Be., und wird allge- 
mein in zwei Abschnitten eingedampft. Im ersten Abschnitt bringt 
man sie auf 60 '^ Be'., im zweiten auf 66" Be'. Die Eindampfung 
bis auf 60° Be. erfolgt fast stets in Bleipfannen, wobei keine nennens- 
werthe Menge Pb in Lsg. geht, und nach Bode nur etwa 0,01 ^/o 
der HgSO^ mit dem Wasserdampf verloren geht. Natürlich wählt 

Handbuch der ehem. Technologie. I. 12 



I'JQ Schwefelsäure. 

man hierbei, um die Säure möglichst rein zu erhalten, Bleipfanneu 
mit Unterfeuerung oder Dampfheizung, wie bereits beschrieben. 

Die weitere Eindampfung bis auf 66° Be. erfolgt nur in sehr seltenen 
Fällen in Gusseisen (Hartmann, E.P. 2839 v. 1879), unter Zusatz von Eisen- 
sulfat, welches sich aus der konz. Säure beim Abkühlen wieder ausscheidet (Ch. Ind. 
1880. 244; A. Nobel, Fr. Br. 1.34490 v. 1880; Ch. Ind. 1880. 245 und 330, auf 
Thon- oder Porzellanschüsseln, die über einander in einem gusseisernen Thurm 
stehen, der von aussen erh. wird; Fabrik Thann, D.R.P. Nr. 61331 v. 1891), 
sondern gewöhnlich in Gefässen aus Glas, Porzellan (oder Steingut), Pt oder Au. 

Cotelle (Fr. Br. 61971 v. 1864) schlug Thonretorten vor. I. L. Kessler 
(E. P. 19 215 V. 1891) Thonschüsseln, welche mit Pb ausgekleidet sind, von sehr 
komplizirtem Querschnitt. 

Glasretorten werden namentlich, weil das Glas dort billig ist, 
in Lancashire und in Südfrankreich angewandt zur Herstellung der 
schwächeren Säuren mit 91 bis 92 ^/o H^SO^ : daneben Platinapparate 
zur Darstellung der stärkeren Säure mit 93 bis 94 ''/o H^SO^, welche 
im Handel als 66grädige Säure vorkommt. 

Die Glasretorten stehen gewöhnlich in einem Sandbade, welches durch einen 
schmiedeisernen Behälter getragen wird, und münden oben in einen Helm, welcher 
den Wasserdampf und die mit demselben verdampfte H2SO4 abführt. Früher be- 
nutzte man Retorten von 80 1, jetzt solche von 135 1 Inhalt, welche durch Chance 
Brothers eingeführt wurden. Diese Retorten haben 85 cm Höhe und 45 cm 
Durchmesser, und liefern in jeder Operation 160 bis 175 kg konz. Säure. 

Jede Retorte hat ihre eigene Feuerung und braucht etwa 12 Stdn., um die 
Beschickung mit ÖOgrädiger Säure auf 65,5" Be. zu konzentrü-en. Dann lässt man 
die Retorte 12 Stdn. lang abkühlen, ehe man die fertige Säure abzieht. Auf 100 kg 
konz. Säure berechnet man mindestens 20 kg Kohle. Da diese Glasretorten aber 
trotz aller Vorsicht häufig springen, so verursachen sie Verluste an H2SO4. Nach 
P. W. Hofmann stellen sich die Kosten der Konzentration in Glasgefässen zu 
Dieuze, wo täglich 2500 kg konz. Säure dargestellt werden, für 1000 kg wie folgt : 

Steinkohle, 200 kg 4 Mk. 

Arbeitslohn 3 , 

Bruch an Glasballons I 

1000 kg Säure 66" S Mk. 

Ausführlichere Angaben finden sich in Lunge (Sodaindustrie 1. 282 f.) und 
in Sorel (Fremy, Encycl. 5. 229). Ueber ähnliche Betriebsergebnisse berichtet 
F. Lüty (Ch. Ind. 1893. 122). 

Von anderen Apj)araten, um massig konz. Säure zu erzielen, sind noch 
folgende zu nennen: 

Der Apparat von Webb (E. P. Nr. 2343 v. 1891, D.R.P. Nr. 61752 v. 1891; 
Ch. Ind. 1892. 319) besteht aus Glasgefässen, welche treppenförmig angeordnet und 
mit Ueberläufen versehen, in einer Heizkammer stehen; L. Kessler, D.R.P. 
Nr. 69 216 v. 1S91 hat ebenfalls einen Apparat zur Konzentration von HSO4 durch 
heisse Gase angegeben. 

• Der Apparat von Ch. Negrier (E. P. Nr. 4171 v. 1890; E. P. Nr. 14022 
V. 1890; D.R.P. Nr. 61321 v. 1890; Ch. Ind. 1892.319), bestehend aus treppenförmig 
angeordneten Porzellanschalen mit Ueberläufen, die auf gusseiserner Unterlage 
ruhen. Die letztere ist für jede Schaale vertieft und mit Asbest ausgefüttert. Die 
Erhitzung geschieht durch Unterfeuer von der tiefsten Stelle aus. Negrier's 
Apparat ist in England durch einen sehr ähnlichen von J. Levinstein, E. P. 
Nr. 19 213 V. 1893, mit tieferen Gefässen ersetzt worden. Auch G. Siebert, 
D.R.P. Nr. 67 863 v. 1892 nebst Zusatz Nr. 71586 v. 1893 empfiehlt einen Treppen- 
apparat. 

Konzentration in Platingefässen. Die Herstellung der höchst 
konz. Säure durch Eindampfen erfordert stets die Anwendung von Platin- 
apparaten. 

Die älteren Platinapparate sind beschrieben von Desmoutis und 



Konzentration. 



179 



Cliapuis, Fr. Br. 16357 v. 1853; Chapuis, Fr. Br. 23159 v. 18S5; 
Johnson aud Matthey, Anfangs der 60er Jahre; Lunge, Soda- 
industrie 1. 487, 504; William Petrie, E. P. 1528 v. 1862; Kesslers, 
D. 1863. 221. 85; Ph. Schwarzenberg in Bolley's Technologie 1869; 
Faure und Kessler, Fr. Br. 94816 v. 1872 mit Zusatz 1873; Sorel 
in Fremj's Encycl. 5. 231. 

Zu den neueren Platinapparaten sind zu rechnen diejenigen von 
Desmoutis, Quennessen und Lebrun (Fr. Br. 106965 v. 1875 
mit Zusätzen 1876 und 1878, Platine ä cloisons); Faure und Kessler 
(Fr. B. 111628 v. 1876 und Zusatz 1878), Kalbfleisch (Fr. Br. 
119034 V. 1877; D.R.P. Nr. 1005 v. 1877), Johnson and Matthey 
(D.R.P. Nr. 10 834 v. 1880) mit gewelltem Boden; Prentice mit einem 
Helm; Stroof (Ch. Ind. 1878. 194), G. Delplace (D.Pt.P. Nr. 22159 
V. 1882) mit vier Helmen (Ch. Ind. 1880. 11; 1884. 87), Heraeus 
in Hanau, innen vergoldet (Ch. Ind. 1891. 470). 

Die älteren Pt- Kessel hatten Wannenform von 85 cm Durchmesser und 
72 cm Bodendurchmesser, waren oben zu einem Halse eingezogen und hatten bis 
hierher etwa 50 cm Höhe. Sie konnten bis zur Stelle der grössten "Weite 180 1 
Säure aufnehmen. Der obere Rand des Halses von etwa 20 cm Weite trug den 
durch Flanschen befestigten Helm , durch welchen die abdestillirende verd. Säure 
in eine Kühlschlange aus Blei gelangte. 

Die Speisung des Pt-Kessels (Alambic) mit Säure von 60" Be. aus der letzten 
Eindampfpfanne geschah durch einen Heber, dessen Ausmündung beständig von 




Fig. 49. Breant'scher Heber mit Kühlappaiat. 

Säure in einem beweglichen Topf mit Ueberlauf umgeben war. Durch Senken des 
Topfes wurde der Heber in Thätigkeit gesetzt, durch Heben desselben aber zum 
Stillstand gebracht. Aus dem Ueberlauf floss die Säure früher in ein Trichterrohr, 
und durch dieses in den unteren Theil des Pt-Kessels. Später führte Desmoutis 
die Säure durch den Helm ein, wo sie auf eine durchlöcherte Platte gelangte und 
dadurch in feiner Vertheilung an den inneren Wänden des Kessels herabfloss. 

Das Abziehen der konz. Säure geschieht gewöhnlich mittelst des Breant- 
schen Hebers, welcher mit einem L i e b i g'schen Kühler von etwa 4 m Länge ver- 
bunden ist (Fig. 49). Der kurze Schenkel a ist mit seinem weitesten Theile in ein 



2gQ Schwefelsäure. 

Rohr eingepasst, welches in die Decke des Platinkessels eingelöthet ist. Der lange 
Schenkel b des Hebers ist etwa 5 m lang und theilt sich innerhalb des 4 m langen 
L i e b i g'schen Kühlers in vier engere Röhren. Er mündet im Hahn g , welcher 
mindestens 50 cm unter dem Boden des Platinkessels liegen muss. Um den Heber 
in Gang zu setzen, schliesst man den Abflusshahn g und füllt den langen Schenkel 
durch den Trichter s mit Säure. Während dieser Operation entweicht die Luft 
durch l. Wenn man s und / durch Platinstöpsel schliesst und g öffnet, so wird 
die Säure in a gehoben, und der Heber beginnt zu arbeiten. Der kurze Arm a 
ist unten geschlossen und mit seitlichen Löchern versehen, um das Eindringen von 
Dampf zu verhüten. Er hat ausserdem die von R. Hasenclever angegebene 
Einrichtung (ß. 1872. -507), durch welche verhütet -ward, dass der Kessel aus Ver- 
sehen bis zu der vom Feuer berührten Stelle entleert werde : das beiderseits offene 
Röhrchen h a mündet in den weiten Theil a des kurzen Schenkels. Sowie die 
Säure bis a gesunken ist, so tritt Luft in den Heber und unterbricht den Abfluss. 
Will man den Kessel ganz entleeren, so schliesst man h durch den Stöpsel i. Das 
Kühlwasser tritt bei m ein und fiiesst bei n ab. 

Die Platinapparate dieser Art finden sich abgebildet in Lunge 
(Sodaindustrie 1. 487) und Fremy'.s Encycl. 5. 233. 

Die Arbeit an einem Pt-Apparat ist entweder kontinuirlich oder inter- 
mittirend. Will man nur die gewölmliche „englische" H2SO4 von 6-5,5° bis 66" Be. 
(mit 92 bis 94 "/o H)S04) darstellen, so kann man kontinuirlich arbeiten, indem 
man die der einfliessenden Säure entsprechende Menge Säure abzieht, so dass der 
Kessel immer gleich hoch gefüllt bleibt. Für diese Arbeit wählt man einen Helm, 
dessen Schenkel aufwärts gerichtet ist, damit die darin sich kondensii-ende Säure 
in den Kessel zuiückfliesse. Um den Gang der Arbeit zu beurtheilen , beobachtet 
man die Stärke der überdestilürenden Säure, welche man auf 40 bis 45" Be. hält. 
Dann hat die konz. Säure die gewünschte Stärke. 

Will man aber stärkere Säure erzeugen, so muss man intermittirend arbeiten, 
um die konz. Säure nicht immer wieder durch die GOgrädige Säure zu verd. Man 
wählt dazu einen Helm mit abwärts gehendem Schenkel und dampft eine Be- 
schickung bis zur gewünschten Stärke ein, indem man die Stärken der überdestil- 
lirenden Säure beobachtet. Zeigt die letztere 48 bis 50° Be. , so hat die konz. 
Säure 95 bis 9670 H2SO4 (66° Be.). Dampft man noch weiter ein, so erreicht die 
Säure bei etwa gS'/o H)S04 einen konstanten Sied, von 338° nach Marignac, 
und die überdestilUrende Säure zeigt ebenfalls 66° Be. Weiter kann man also 
durch Eindarapfung nicht gehen. Diese Säure mit 98 bis höchstens 98,5°/o H2SO4 
wird im Handel als reines Monohydrat bezeichnet. 

Die neueren Pt- Apparate unterscheiden sich von den älteren 
wesentlich dadurch, dass man die einzudampfende Säureschicht flacher 
macht, und durch bessere Bearbeitung des Pt. 

Die Konkun-enz der Glasgefässe zwang die Fabrikanten von Pt- Apparaten, 
dieselben leichter, billiger und leistungsfähiger herzustellen. Man lernte Pt mit 
Pt selbst zu löthen, während man dies früher nur mit Feingold that. Kleine Repa- 
raturen in den französischen Fabriken wurden auch 1883 noch mit Au ausgeführt, 
indem mau die betreffende Stelle des Pt in einer As freien Stichflamme von H und 
Luft zum Glühen brachte . mit etwas Borax berührte und dann darin das Ende 
eines Streifens Feingold von 3 mm Breite und 0,5 mm Dicke abschmolz. 

Johnson, Matthe.y and Co. in London bauten schon seit 1862 ganz flache 
Kessel, die aber erst seit 1876 weitere Verbreitung fanden. Die Form dieser Kessel 
schloss sich der früheren Fonn an. Sie waren so eingemauert, dass nur der Boden 
von der Flamme getroffen wurde. Ein solcher Kessel, welcher nur 13 500 Mark 
kostete, hat 14 JaSre lang täglich 2000 kg Säure konz. Bei Anlage zweier solcher 
Kessel hinter einander (24000 Mark) konnte man täglich 4-500 bis 5000 kg, mit 
der dreifachen Anlage (35 000 Mark) aber 7500 bis 8000 kg Säure täglich ge- 
winnen. Zugleich wurde der Breant'sche Heber 1876 in die Form einer Kühl- 
schlange gebraclit (Abbildung in Lunge, 493). Dann wurde der Heber überhaupt 
beseitigt, und durch ein einfaches Abflussrohr mit Dampfauslass ersetzt. 

Seit 1876 nahmen Johnson, Matthey and Co. das Patent von 
Preutice (Boden von Wellblech) und das System Delplace auf und 



Konzentration. 



181 



lieferten flache Apparate von rechteckiger oder langgestreckter Form 
mit abgerundeten Enden. 

DiePrentice'schen Kessel mit einem Helm sind von Lunge (Soda- 
industrie 1. 497) abgebildet und von Stroof (Ch. Ind. 1878. 194) be- 
schrieben worden. Der eigentliche Konzentrationskessel stand in Ver- 
bindung mit zwei Vorwärmpfannen aus Pt, die mit Bleibedachung ver- 
sehen waren, und offenen Bleipfannen von 23 qm Heizfläche. Der Haupt- 
kessel war 0,9 m lang, 0,45 m breit und wog mit Zubehör 18 kg; die 
Vorwärmpfannen von Pt waren 1,25 m lang und 0,45 m breit und 
wogen je 9 bis 10 kg. Ein solcher Apparat lieferte in 24 Stdn. 
6000 kg Säure von 1,843 SG. aus Kammersäure von 1,55 SG. mit 
1300 bis 1350 kg Saarkohlen. 

Der Delpl ace'sche Kessel mit vier Helmen, Fig. 50, besteht aus einem 
langen, flachen, an den Enden abgerundeten Körper a mit gewelltem Boden und 



B 



:iB 



9r 



er 



7- 



er 




Fig. 50. Delplace'scher Kessel. 



mehrfach gewölbter Decke. Auf jeder Wölbung steht ein Kondensationshelm, der 
mit einem Pb-Mantel zur Aufnahme des Kühlwassers umgeben ist. Das aus den 
Helmen herabfliessende Destillat dichtet diese Helme in den um die Ausgangs- 
öffnungen angebrachten Säureverschlüssen ab, und wird durch seitlich angelöthete 
Röhrchen abgeleitet. In den Helm J*, welcher dem Einlauf c am nächsten liegt, 
geht nur HjO über, welches durch das Rohr e* abfliesst. Das Destillat im Helm 
h^ ist schon schwache Säure , welche durch e^ nach den ßleikammern zurückgeht. 
Unter den Helmen 6^ und 6^ ist die Konzentration der den Apparat durchfliessen- 
den Säure bereits so weit vorgeschritten, dass dort hochgradige Säure abdest., 
welche aus den Säureverschlüssen der Helme durch die Rohre e^ und e* und e nach 
dem Einlauftrichter c zurückfliesst, und mit der Kammersäure wieder in den Kessel 
gelangt. Die konz. Säure verlässt den Apparat durch d. Zwei Pyrometer f dienen 
zur Kontrole der T. der Säure im Kessel. B ist das Zuleitungsrohr für Kühl- 
wasser, welches durch r und h in den Raum zwischen Helm und Pb-Mantel tritt, 
und durch l und E abfliesst. In der Zeichnung sind die abwechselnd gestellten 
Scheidewände nicht angedeutet, welche man im unteren Theile des Apparates an- 
bringen könnte, um den Weg der Säure zu verlängern. 

Der Kessel steht unmittelbar über dem Feuer, am besten Gasfeuerung. Um 
in 24 Stdn. 10000 kg 66grädige Säure aus Kammersäure zu erzeugen, braucht 
Delplace zwei solcher Kessel als ein System mit zusammen 3,6 qm Platinblech, 
und verbraucht dazu 1-500 bis 1600 kg Ruhrkohle. 

Desmoutis, Quennessen und Lebrun in Paris bauten ebenfalls seit 
1876 flache Kessel der älteren Form, aber mit vier konzentrischen Abtheilungen, 
die durch eine radiale Wand und abwechselnde Ueberläufe die am Rande ein- 
fliessende Säure zwangen, den peripheralen Weg mehrere Male zurückzulegen, um 
von dem mittleren Behälter durch eine die Wände durchsetzende Röhre nach aussen 
abzufliessen (Platine ä cloisons). 

Ein solcher Apparat von 80 cm Durchmesser mit Pt-Helm und 2-5 kg Ge- 



182 



Schwefelsäure. 







Konzentration. 183 

wicht kann täglich 4500 bis 4800 kg konz. Säure mit 16 7" Kohlen liefern. Ver-' 
fasser fand aber in französischen Fabriken, dass derselbe viele Reparaturen er- 
fordert. In La Madeleine brauchte man 15,8 kg beste Kohle, um 100 kg 66grädige 
Säure aus Kammersäure von 50" Be. zu erzeugen. Lunge beschreibt diesen und 
noch einige andere Apparate (Sodaindustrie 1. 500). 

Faure und Kessler in Clermont-Ferrand haben ein Verdampf- 
system ausgearbeitet, welches von vielen Fabrikanten jedem anderen 
vorgezogen wird. Wenn dies System bis 1877 auch schon in 40 Fabriken 
benutzt wurde (Lunge, Sodaindustrie 1. 510), so stand seiner weiteren 
Verbreitung doch die hohe Patentgebühr im Wege, welche nach Lunge 
dem doppelten Werthe des Pt nahezu gleichkam. Dieser Hinderungsgrund 
dürfte aber seit 1890 durch den Ablauf der Patente weggefallen sein. 

Das Faure und Kessler'sche System, Fig. 51, welches auch 
von James Muspratt and Sons in Liverpool benutzt wurde, besteht 
aus zwei Pt-Pfannen, die hinter einander angeordnet sind. 

Die von As befreite Säure von 48 bis 51" Be. wird in einer offenen Pb-Pfanne, 
bis auf 60 bis 62° Be. eingedampft, gelangt dann in eine gedeckte Pb-Pfanne, in 
der sie auf 63° Be. gebracht wird. Mit dieser Stärke fliesst sie in die erste grosse 
Pt-Schale von etwa 90 cm oberem Durchmesser und calottenfönnigem Boden, in 
welcher sie auf 64 bis 64,5° Be. eingedampft wird. Aus dieser Schale gelangt die 
Säure durch ein Ueberlaufrohr in die etwa 12 cm tiefer stehende kleinere Pt-Pfanne 
von etwa 75 cm Durchmesser mit flachem Boden, in welcher sie bis auf 65,9 bis 
66,3° Be. konz. wird. Das Ueberlaufrohr aus Pt ist mitunter mit einem Hahn ver- 
sehen. Derselbe ist jedoch überflüssig. Die Verbindung beider Rohrenden wird 
am einfachsten durch eine Muffe mit Rechts- und Linksgewinde hergestellt. 

Jede der Pfannen hängt in einem eisernen Ringe, so dass der ganze Boden 
dem Feuer ausgesetzt ist. Die Feuerung für beste Steinkohlen liegt unter der 
kleineren Pfanne, von wo aus auch die grössere Pfanne geheizt wird. Man kann 
aber auch jeder Pfanne eine eigene Feuerung geben und die Feuerkanäle ver- 
einigt unter die Pb-Pfanne leiten, obgleich man es vorzieht, der Pb-Pfanne eine 
besondere Feuerung zu geben. 

Jede der beiden Pt-Schalen hat einen erhöhten Rand und trägt dort eine 
ringförmige Rinne zur Aufnahme des Domes. Der Dom ist aus Pb und doppel- 
wandig, um durch kaltes HoO gekühlt zu werden. Früher machte man den Dom 
niedrig, 1876 aber 1,30 m hoch, seitdem nur etwa halb so hoch. Der Dom hängt 
in einem sechsbeinigen schmiedeisemen Gerüst, so dass sein unterer Rand in die 
Pt-Rinne hineinragt, ohne darin aufzuliegen. Die im Dom kondensirte und an der 
Innenwand herabfliessende Säure stellt in der Rinne einen hydraulischen Verschluss 
her. Für den Fall aber, dass der Pb-Dom sich senken sollte, ist sein unterer Rand 
flach ausgezackt , um der Säure selbst beim Aufliegen desselben den Durchgang 
von innen nach aussen zu gestatten. Die Rinne ist, um den dadurch entstehenden 
Druck aufzunehmen, durch einen schmiedeisernen Ring unterstützt. 

Der Dom hat oben eine Oeffnung, welche von dem Ableitungsrohr für die 
nicht kondensirten Dämpfe unter hydraulischem Verschluss umklammert wird. 
Dieses Rohr mündet in einen flachen Kasten, an dessen Boden es mit seinem hoch 
krenelirten Rande aufsteht, so dass bei vermindertem Druck Luft eintreten kann. 

Die in den Pb-Helmen kondensirte Säure wird aus den ringförmigen Rinnen 
beständig abgezogen. Die konz. Säure fliesst in einen eigenartig konstruirten 
bleiernen Kühler, Fig. 52 (Fr. Br. 111628 v. 1876). 

Die heisse konz. Säure fliesst durch das Pt-Rohr kt mit einem Sicherheits- 
trichter für den Dampfauslass in eine Porzellanschale rf . die in einem ganz mit 
Säure gefüllten Räume A steht, welcher eine Kühlschlange für Wasser in fünf 
Lagen und je vier Windungen enthält, steigt in der schon etwas abgekühlten Säure 
hoch und an den Rändern nieder in einen ringförmigen Raum .B, der von innen 
und aussen durch H2O gekühlt wird. Dazu steht der ganze Körper in einem 
weiteren Pb-Gefäss i/, welches von p her Kühlwasser empfängt, das sich durch die 
Oeffnungen x vertheilt und bei q ausfliesst. Die abgekühlte Säure fliesst aus dem 
untersten Theil des mantelförmigen Raumes B durch g ab, z. B. sofort in Flaschen. 

Mit einem solchen Kühler von 1 m Durchmesser und 1 m Höhe kann man 
täglich etwa 7000 bis 8000 kg Säure abkühlen. 



184 



Schwefelsäure. 



Der Gang der Konzentration wird geleitet durch Beobachtung der 
Stärke der in den Helroen kondensirten Säure. Aus der gi-ossen Pt-Sehale wird 
nur Säure von 5 bis 10* Be. abdest. In der kleinen Schale dagegen verdampft 
Säure verschiedener Stärke, je nach dem Grade, bis zu welchem man die Konzen- 
tration treibt. In Liverpool machte man folgende Beobachtungen : 



Stärke der konz. Säure 



Stärke der im Heim 
der kleinen Pfanne 
kondensirten Säure 



Das Platin der kleinen Pfanne 
wurde 



SG. 


TwaddeU 


Baume u Baume 


Twaddell 


' 


1,837 
1,840 
1,845 
1,850 


167 
168 
169 

170 


65,9 
66,0 
66,1 
66,3 


30 bis 40 
'40 bis 45 
45 bis 50 
55 bis 60 


1 

52 bis 76 

76 bis 90 

90 bis 106 

123bisl42 


kaum merklich angegriffen 
schwach angegriffen 
merklich angegriffen 
stark angegriffen. 



Die grosse Pfanne wog neu 5,289 kg und erforderte nach vierjährigem un- 
unterbrochenem Betriebe noch keine Reparatur, und schien auch für längere Zeit 

noch keiner solchen zu 
bedürfen , da sie fast gar 
nicht angegi-iff'en war. Die 
kleinere Pfanne wog neu 
4,667 kg, ging zwei Jahre 
lang ohne Reparatur, hatte 
aber an Gewicht verloren, 
und zwar für je 1000 kg 
. Säure von 1,84 SG. V2 g, 
für je 1000 kg Säure von 
1,85 SG. 2 g Pt. 

Der Apparat kann in 
24 Stdn. 6000 kg Säure 
von 66" Be. erzeugen, und 
verbraucht für 100 kg Säure 
16 bis 18 kg Kohlen, ohne 
die etwaige Benutzung des 
Wasserdampfes für die Kam- 
mern zu rechnen. 

Seit Anfang der 80er 
Jahre ist man dazu über- 
gegangen, die Rostfeue- 
rung unter den Pt-Kes- 
seln durch Gasfeuerung 
zu ersetzen, namentlich 
in allen Fällen, in denen 
es sich um Darstellung 
der höchst konz. Säure 
handelt, weil die Gas- 
feuerung eine sehr viel 
regelmässigere und in- 
ten.sivere Erhitzung er- 
möglicht. Das Heizgas 
kann irgend welchen 
Gaserzeugern entnommen werden, indessen haben sich die von G. Liegel 
m Stralsund gerade für diesen Zweck konstruirten Gaserzeuger und 
Heizanlagen besonders gut bewährt, so dass sie sehr weite Verbreitung 
gefunden haben. 




Fig. 52. Ktihlapparat. 



Reine Schwefelsäure. 185 

lieber Pt-Verluste, und Mittel, sie durch Einführung vergoldeter 
Gefässe zu vermeiden, hat Verfasser an anderer Stelle einige der vor- 
handenen Angaben zusammengestellt ^). Man vergl. auch Ch. Ind. 
1893. 122. 

Während der Konzentration der HgSO^ findet eine Art Selbst- 
reinigung derselben statt, indem das in der verd. Säure gelöste Ferri- 
sulfat sich in Form einer fleischfarbigen Kruste in den Pt-Gefässen ab- 
scheidet. Von Zeit zu Zeit muss diese Kruste durch Auswaschen mit 
HgO entfernt werden. Unter dieser Krustenbildung leiden namentlich 
alle Pt- Apparate mit rechten Winkeln; am wenigsten die einfach- 
schalenförmigen Pfannen von Faure und Kessler, ^n denen sich die 
Kruste beliebig ausdehnen kann. 

Das Bleisulfat dagegen bleibt in der starken Säure gelöst, und daher 
enthält die englische HgSO^, welche gewöhnlich erst möglichst weit in 
Pb-Pfannen eingedampft wird (bis 63 ^ Be.), ehe sie in die Pt-Pfannen 
kommt, auch ziemlich viel davon. Tatlock (Ch. Ind. 1881. 91) fand 
in einer englischen H^SO^ von 1,842 SG. : 

H.SO^ 99,78 > 

PbSO^ 0,13 „ 

CaSO^ und SOg .... Spur 

99,91 > 

Beim Verdünnen der Säure mit H^O scheidet sich das Bleisulfat als 
weisser Niederschlag aus. 

Darstellung völlig reiner Schwefeläure. Nahezu reine 
HgSO^ kann man durch Abkühlung möglichst reiner konz. HgSO^ 
unter 0^ und Krystallisation des Monohydrats erhalten (Hayes, D. 110. 
104; Lunge, Sodaindustrie 1. 448; E. P. 96 v. 1883; Ch. Ind. 1884. 86; 
Chem. Fabrik Griesheim, D.R.P. Nr. 24402 v. 1883). 

Man kann dazu Säure von 98 ^/o HgSO^ benutzen, welche bei 
— 10° von selbst kryst., oder auch schwächere Säure von 93 bis 94^/0 
HgSO^, welche man bis auf einige Grade unter 0" abkühlt. Bringt 
man dann einige Monohydratkryst. hinein, so kryst. die grössere Menge 
des Monohydrats aus. Die Kryst. bilden farblose Prismen, welche 
durch Ausschleudern bei etwa " von der Muttersäure getrennt werden. 
Sie schmelzen bei + 10,5 "^ und kommen als Säure von 99,5 ^jo IlgSO^^ 
in den Handel. Diese Säure fängt schon bei 40 ^ an zu rauchen, indem 
sie sich in SO3 und H2O dissociirt. Durch Kochen geht sie in die bei 
338" siedende Säure mit 98,5^0 HgSO^ über. In den Maletra'schen 
Werken zu Quevilly bei Ronen wird dies Verfahren in grossem Maass- 
stabe ausgeführt (Ch. Ind. 1890. 48). Durch nochmaliges Auskrystalli- 
siren kann man eine noch reinere Säure herstellen. 

Völlig reine H.3SO4 ist nur durch fraktionirte Dest. technisch reiner 
Säure zu erhalten. Die in Verarbeitung genommene Säure darf selbstver- 
ständlich keine flüchtigen Verbindungen enthalten, also namentlich keine 
arsenige Säure und keine HFL Ist erstere zugegen, so muss man sie 

^) Handbuch der Schwefelsäurefabrikation (Stuttgart 1893) S. 271. Verfasser 
hat dabei irrthümlicher Weise das Verdienst um Einführung vergoldeter Pt-Gefässe 
den Firmen W. C. Heraeus und G. Siebert in Hanau zugeschrieben, während 
dasselbe nur der erstgenannten Firma gebührt. 



IQQ Rauchende Schwefelsäure. 

durch vollständige Oxydation , z. B. mittelst Chromsäure , in nicht- 
flüchtige Arsensäure überführen. F. Selmi (G. 10. 40; B. 13. 579; 
Ch. Ind. 1880. 198) hat indessen gefunden , dass auch ein Theil der 
Arsensäure bei der Dest. mit übergeht. Die HFl lässt sich nach Nickles 
durch lostündiges Kochen der verd. Säure verjagen. 

Die Dest. geschieht gewöhnlich in Glasretorten. Um das überaus 
heftige Stossen zu vermeiden, bringt man in jede Retorte Schnitzel von 
Pt-Blech oder Glasscherben, oder man leitet nach dem Vorschlage von 
Dittmar (Ch. N. 20. 258) einen langsamen Luftstrom durch die siedende 
Säure (Lunge. Sodaindustrie 1. 14, 449). 

Hat man reine H^SOj durch Krystallisation oder Dest. erhalten, 
und zeigt dieselbe noch einen kleineu Gehalt an HoO, so kann man 
durch Zufügung der entsprechenden Menge SO., reine HaSO^ dar- 
stellen. Dieselbe ist aber nur bei niedrioer T. beständig. 



Rauchende Schwefelsäure (Xordhäuser Titriolöl). 

Alle Sulfate, mit Ausnahme derjenigen der Alkalien und alkali- 
schen Erden, werden durch Glühen zersetzt, indem Oxyd zurückbleibt 
und SO3 entweicht. Häufig zersetzt sich ein Theil des letzteren in 
SO2 und 0. Enthielt das angewandte Sulfat noch H^,0, so verbindet 
sich ein Theil des SO3 mit demselben und bildet H^SO^. Kühlt man 
das Produkt der Dest. genügend ab, so erhält man ein Gemisch aus 
H^SO^ mit SO3, welches zuweilen auch noch SO^ gelöst enthält. Fängt 
man dieses Destillationsprodukt in H^O auf, so erhält man HgSO^, 
fängt man es in starker HgSO^ auf, so erhält man die „rauchende 
Schwefelsäure". 

Dies ist das Verfahren, nach welchem schon die alten arabischen 
Alchemisten H.jSO^ dargestellt haben (Seite 125), und welches auch 
J. C. Bernhardt 1755 beschrieben hat. 

Als Rohmaterial benutzt man, seiner Billigkeit wegen, den Eisen- 
vitriol, FeSO^ -f- 7 aq, welcher beim Erhitzen zuerst in basisches Ferri- 
sulfat übergeht und dann SO3 abgibt: 2FeS0j^ = FegO., -j- SO3 -|- SOg; 
Fe,(S0j3 = Fe203 + SSO.. 

Nach diesem Verfahren wurde schon im 16. Jahrh. rauchende 
Schwefelsäure in Böhmen, Sachsen und am Harz dargestellt. Die Pilsener 
S- Werke wurden schon 1526 erwähnt. Die HauptverkaufssteUe war 
Nordhausen am Harz, und daher wurde diese Säure im Handel als 
„Nordhäuser Vitriolöl" bezeichnet. Während des 17. und 18. Jahrh. 
zog sich die Fabrikation wegen des billigeren Rohmaterials und Brenn- 
stoffes immer mehr nach Böhmen, wo sie seit 1792 durch Johann 
David Starck aufgenommen, und später durch seinen Sohn nahezu 
monopolisirt wurde. 

Gewinnung aus Vitriolschiefer. Im nordwestlichen Böhmen findet 
sich in der silurischen Formation auf dem ürthonschiefer ein weicherer Schiefer 
mit bis zu 30 **/o eingesprengtem Schwefelkies , welcher an der Luft leicht ver- 
wittert, wobei der Schwefelkies in Ferrosulfat, ja nach längerer Zeit sogar in Ferri- 
sulfat übergeht. Anthon theilte 1842 folgende Analysen böhmischer Yitriol- 
schiefer mit (nach Lunge, Sodaindustrie 1. 589j: 



Rauchende Schwefelsäure. 187 

Von Weissgrün Von Von Von 

1. II. Darova Hromic Briza 

Spezifisches Gewicht 2,76 3,15 2,67 2,56 2,85 

a) Lösl. in H2O : 

Calcium-Magnesium-Ferrosulfat . 1,20 2,80 1,00 1,60 0,80 

b) Unlösl. in H.,0 : 

Schwefeleisen 12.37 31,53 14,50 11,58 14,33 

Eisenoxyd 0.76 2,17 2,42 0,16 0,64 

Thonerde 3,50 2,40 2,80 1,20 1,30 

Kieselsäure 74,90 55,96 71,21 75,70 73,40 

Kohlenstoff 6,09 4,99 6,84 8,40 8,80 

CaO, Cu, Se, As.Ps und Verlust 1,18 0,15 1,23 1,36 0,73 

Am besten sind die beiden letzten Sorten, welche den Pyrit kaum sichtbar 
fein eingesprengt enthalten und beim Verwittern zu Pulver zerfallen. Das Ver- 
wittern dauert etwa 3 Jahre. Durch Auslaugen auf den Halden erhält man in 
den Sammelkanälen eine braune Lauge von 18 bis 23" Be. Diese Lauge wird in 
ausgemauerten Pfannen mit Oberfeuer bis auf 40'' Be. eingedampft. Der klare 
Theil der Lauge wird dann in schmiedeisernen Kesseln bis zur Syi'updicke weiter 
eingedampft, während man bei etwa 50" Be. Kryst. von Ferrosulfat ausfischt. Diese 
dicke Lauge lässt man auf Steinfliesen laufen, wo sie zu dem „rohen Vitriol- 
stein" oder „Rohstein" erstarrt. 

Der Vitriolstein ist gelblichgrün und enthält Ferrisulfat nebst etwas Ferro- 
sulfat, Calcium-, Magnesium- und Thonerdesulfat. F. Stolba theilt D. 259. 55 
folgende Analyse des Vitriolsteins von Kasnau bei Pilsen mit: 

Ferrisulfat 50,17 "/o, 

Ferrosulfat 1,35 , 

Aluminiumsulfat 11,94 „ 

Magne.siumsulfat 1,17 „ 

Calciumsulfat 0,33 , 

Kupfersulfat 0,20 „ 

Kaliumsulfat 0,18 „ 

Natriumsulfat 0,11 „ 

H2SO4 1,49 , 

Mn, As, P.2O5 Spur 

Si02 9,10 , 

H2O 33,30 , 

99,29 »/o. 

Aus 15 bis 20 t Vitriolschiefer erhält man 1 t Rohstein. 

Der Rohstein wird zunächst im Röstofen bei schwachem Feuer calcinirt, um 
ihn zu entwässern und um das Fe möglichst vollständig in Ferrisulfat überzuführen. 
Denn nur dieses gibt seinen Gehalt an S in Form von SO3 ab, während das Ferro- 
sulfat die Hälfte seines S in Form von SOo abgibt. Das Aluminiumsulfat zersetzt 
sich überhaupt erst in einer T. , in welcher das SO3 sich in SO9 und dissociirt. 

Der calcinirte Rohstein wird in Retorten aus feuerfestem Thon der trockenen 
Dest. unterworfen. Diese Retorten sind etwa 80 cm lang, etwas konisch mit 20 cm 
mittlerem Durchmesser. Jede Retorte kann 1 bis 3 kg calcinirten Rohstein aufnehmen. 
Sie liegen in sogenannten Galeerenöfen zu drei bis vier Reihen über einander; 
in jeder Reihe etwa 34 Retorten neben einander. Die Retorten sind im Feuer- 
kanal so angeordnet, dass die einander gegenüberliegenden sich nahezu mit den 
Böden berühren. Nur die oberste Reihe wird mitunter durch lange, quer durch 
den Ofen gehende Retorten gebildet. Die unteren Retorten liegen etwas geneigt 
und treten mit den Hälsen aus dem Ofen hervor. 

Sobald man nach 3- bis 4stündigem langsamem Anheizen weisse Nebel aus 
den Retortenhälsen kommen sieht, befestigt man an denselben flaschenförmige Vor- 
lagen aus Steinzeug und dichtet mit Thon. Jede Vorlage ist entweder mit etwa 
300 g H2O oder mit 190 ccm englischer H2SO4 beschickt zur besseren Absorption der 
Dämpfe. Dann steigert man die T. auf helle Rothglut. Nach 24 bis 36 Stdn. hört 
die Säureent Wickelung auf. Dieselben Vorlagen werden 3 bis 4mal vor neue Re- 
torten gelegt, bis die kondensirte rauchende H2SO4 79 bis 80 Be. zeigt. 

Aus 100 kg calcinirtem Rohstein erhält man etwa 45 bis 50 kg rauchende 
H2SO4. Für 100 kg der letzteren verbraucht man etwa 2000 kg Braunkohlen. 



188 . Rauchende Schwefelsäure. 

In den Retorten verbleiben für je 100 kg rauchende H2SO4 etwa 125 kg 
Eisenoxyd (Caput mortuum, Colcothar) zurück. Nach S 1 1 b a enthielt das Kasnauer : 

Fe-^Oa 74,62 7o 

AI0O3 ; . . . . 12,5.3 „ 

MgO 3,23 , 

CaO 0,82 , 

CuO 0,20 , 

SO3 5,17 , 

SiO^ 1,17 , 

H2O 1-30 . 

99,04 7o. 

Dasselbe wii-d als Anstrichfarbe benutzt, und kann durch Calcination mit 
Kochsalz in geschlossenen Gefässen in etwa 60 verschiedenen Farbetönen von 
Blutroth bis Havannabraun hergestellt werden. Einen gelben Ton erhält man 
bei 2% Salzzusatz nach einstündigem Glühen und langsamem Abkühlen in ver- 
schlossenem Räume, den braunen bei 4°/o Salzzusatz, den violetten bei 6°/» Salz- 
zusatz nach sechsstündigem , allmählich verstärktem Glühen und rascher Abküh- 
lung (Lunge, Sodaindustrie 1. 592). 

Statt des Rohsteins benutzt man auch zuweilen Pyritabbrände, die man mit 
H2SO4 behandelt. In solchem Falle verwendet man das in den Retorten zurück- 
bleibende Eisenoxyd immer wieder von Neuem. 

Die Firma Starck besass 1873 nach Lunge zu Bras, Kasnau, Bykov und 
Davidsthal 12 Oleumhütten mit zusammen 120 Oefen, und erzeugte 60 000 Wiener 
Centner Oleum im "Werthe von 4,5 Millionen Gulden. Dieselbe Firma, J. D. Starck 
in Ischemin , beschreibt in ihrem Engl. Pat. 12 028 v. 1889 noch einige Verbesse- 
rungen in der Fabrikation von rauchender H2SO4. 

Gewinnung aus Natriumbisulfat. Das bei der Zersetzung von 
Natronsalpeter mit H0SO4 zurückbleibende saure Sulfat (Nitre-Cake, Sulfate de 
nitrate) ist ein Gemenge von Natriumbisulfat, HNaS04, mit mehr oder weniger 
freier H2SO4. Wenn man dasselbe schmilzt, so gibt es H2SO4 und H2O ab und 
geht in Natriumpyrosulfat über: 

2HNaS04 = Na2S207 + H2O. 

Bei stärkerem Erhitzen spaltet sich das letztere bei etwa 600° in SO3 und 
normales Natriumsulfat: 

Na^S207 = Na.>S04 + SO3. 

Wenn man das SO3 in H2SO4 auffängt, so erhält man rauchende H2SO4. 

In so hoher T. entsteht neben SO3 aber immer auch etwas SO2 durch 
Dissociation. 

Wolters fand, dass die Zersetzung des Natriumpyrosulfats schon erheblich 
unter Rothglut stattfindet, wenn man es in geschmolzenem Zustande mit Magne- 
siumsulfat mischt , weil dann ein Doppelsalz Na2S04 -|- MgS04 entsteht. Durch 
wenig stärkeres Erhitzen entweicht das überschüssige SO3. Das zurückbleibende 
Doppelsalz wird durch Behandlung mit HoO zerlegt und wieder benutzt. Dieselbe 
Reaktion findet auch mit saurem Kaliumsulfat und solchen Sulfaten statt, die mit 
7 aq. kiyst. Einfacher jedoch ist die Behandlung des Rückstandes mit H2SO4, 
wobei sich wieder Bisulfat bildet, welches in schwacher Hitze H9O und später 
SO3 abgibt. 

Die rauchende Schwefelsäure ist eine hellbraune, dickflüss., 
ölähnliche Flüss., vom SG. 1,86 bis 1,90, und ist eine Auflösung 
wechselnder Mengen SO3 in K,SO^, welche an der Luft schwach raucht, 
indem SO3 abdünstet und mit der Feuchtigkeit der Luft Nebel von 
HgSO^ bildet. Wenn man dieselbe auf ^ abkühlt, so setzen sich aus 
ihr Krvst. ab von der Zusammeosetzuncr H,S.,0-. Man nennt diese 
Verbmdung Pvroschwefelsäure oder Dischwefelsäure: 2H2SO. — 

Diese Verbindung schmilzt bei 35 ^, indem sie sich in SO^ und 
HgSO^ zersetzt. Man kann daher die rauchende Schwefelsäure bei 
niedriger T. auch als eine Auflösung von Pvroschwefelsäure in HgSO^ 



Schwefelsäureanhydrid. 189 

betrachten, bei höherer T. aber nicht mehr, sondern nur als eine Auf- 
lösung von SO3 in H^SO^. 

Da SO3 bereits bei 20 ^ schmilzt und bei 35 ^ siedet, HgSO^ aber erst 
bei 338 ", so kann man das erstere aus der rauchenden Schwefelsäure abdest. 

Tabellen über den Gehalt der rauchenden Schwefelsäure sind durch 
Fürstenau (Ch. Z. 1880. 18; Cli. Ind. 1880. 30), Cl. A. Winkler 
(Ch. Ind. 1880. 197) und Gnehm aufgestellt worden. 

Die Untersuchung der rauchenden Schwefelsäure ist des- 
halb schwierig, weil SO,^ schon bei gewöhnlicher T. flüchtig ist, weil 
es sehr lebhaft H^,0 anzieht und, in HgO gebracht, sich mit Heftigkeit 
damit verbindet. Man muss deshalb beim Musterziehen und Abwägen 
desselben besondere Vorsichtsmassregeln beobachten. 

Cl. A. W i n k 1 e r (Ch. Ind. 1880. 194) wägt das Muster in einem dünnwandigen 
Fläsclichen mit Glasstopfen ab und giesst dasselbe in kaltes H2O. Andere Wägungs- 
methoden sind in der Ch. Z. 1880. 569, 600, Ch. Ind. 1880. 332 beschrieben. Lunge 
(Taschenbuch 1883. 119; 1892. 149) benutzt eine Pipette mit kapillarem Röhrchen, 
oder eine Pipette, welche am oberen Ende durch einen Glashahn geschlossen werden 
kann, wie sie von W i n k 1 e r angegeben worden ist. Die Abwägung geschieht in 
der Pipette in horizontaler Lage, wobei man an der kapillaren Oeffnung keinen 
merkbaren Verlust durch Verdunstung erleidet. Das Muster wird dann in eine 
grosse Menge HoO gebracht und mit Normal-Natronlauge und Methylorange titrirt. 
Der Gehalt an SO2 ergibt sich durch Titration mit J-Lsg. 

Schwefelsäureanhydrid. 

Als Mittelglied zwischen der rauchenden Schwefelsäure und dem 
SO3 ist das feste Vitriolöl zu erwähnen. Dasselbe ist Pyro- 
schwefelsäure HgS.^O^, welche aus dem Nordhäuser Vitriolöl durch Ab- 
kühlen auf 0*^ auskryst. Das feste Vitriolöl wird erhalten, indem man 
1 Mol. SO3 in 1 Mol. RßO^ auflöst: H,SO^ + SO. = H.S^O,. 

SOg wird erhalten durch Erhitzung der rauchenden Schwefelsäure, 
oder direkt durch Erhitzung des vollkommen entwässerten Ferrisulfats 
oder des Natriumpyrosulfats, oder bequemer durch Erhitzung der 
Wolter s'schen Mischung aus dem letztgenannten Salze mit Magnesium- 
sulfat, oder endlich durch Synthese aus SO^ und nach dem Verfahren 
von Winkler. 

Winkler (D. 1875, 218. 128) leitet das Gasgemisch von SO^ 
und aus irgend einer Quelle über gelinde rothglühenden platinirten 
Asbest, wodurch die Bildung von SO3 bewirkt wird. 

Der platinirte Asbest wird dargestellt, indem man lose gefilzten Asbest 
mit einer konz. Lsg. von Platinchlorid durchfeuchtet, denselben nach dem Trocknen 
rasch in Salmiaklsg. eintaucht und nach dem Trocknen glüht. Der dadurch 
ei-haltene platinirte Asbest ist von weicher, wolliger Beschaffenheit und enthält 
8 bis 8,5 7o Pt- Für den Grossbetrieb genügen schon 100 kg platinirter Asbest, 
welcher von der Scheideanstalt in Frankfurt a. M. geliefert wird. 

Das Gasgemisch von SO^ und wird erhalten, indem man konz. H9SO4 in 
mit Quarzstücken gefüllten thönernen Retorten durch starkes Glühen in SO2 , 
und H'jO zerlegt und den Wasserdampf durch konz. H.2SO4 absorbirt. Dadurch 
verd. sich dieselbe bis auf 20 ° Be. und hält auch etwas SO2 in Lsg. Die trockenen 
Gase streichen durch Porzellanröhren, die innen glasirt und mit platinirtem Asbest 
locker ausgefüllt sind. Das schon bei kaum sichtbarer Rothglut sich bildende 
SO3 wird durch glasirte Thonröhren zur Kondensation in eine Bleikammer geleitet, 
oder kann zur Darstellung rauchender H0SO4 dienen. Wegen ausführlicherer An- 
gaben vergl. Cl. A. Winkler (D. 223. 409); G. Lunge (Sodaindustrie 1. 596): 
Sorel (Fremy, Encycl. 5. 272). 



]^9Q Schwefelsäure. 

Da schon in den Pyrit- und Zinkblende-Röstöfen kleine Mengen Schwefel- 
säureanhjdrid in Folge der Wirkung des glühenden Eisenoxyds sich bilden, so liegt 
der Gedanke nahe, diesen Bildungsprozess fortzusetzen und zu verstärken durch 
Anwenduno- einer kräftiger wirkenden Kontaktsubstanz , nämlich des platinirten 
Asbests. Nur hat man dabei zu beachten, dass mit zunehmender Verdünnung des 
Gasgemisches (SO2 und 0) mit inerten Gasen (N) die Kontaktwirkung abnimmt. 
Winkler fand, dass von 100 Gewichtstheileu schwefliger Säure, welche er in verschie- 
denen Verdünnungsgraden über eine gelinde glühende Schicht platinirten Asbests von 
30 cm Länge und 12 mm Dicke leitete, folgende Mengen in SO4 übergeführt wurden: 

1. Gemisch aus reiner SO^ und reinem 73,3 "/o 

2. Gemisch aus reiner SO2 und Luft 47,4 „ 

3. Verbrennungsgas von S in Luft mit 4 Vol.-°'o SOg . . . . 11,5 , 

Die unvollständige üeberführung der Röstgase in Anhydrid bedingt aber keinen 
Verlust, da man den unveränderten Gasrest in die H2S04-Kammern leiten kann.: 

Diese partielle Gewinnungsmethode eignet sich besser für den Grossbetrieb, 
als jene durch Zersetzung von H2SO4, weil die Retorten, in denen die Zersetzung 
vorgenommen wird, seien sie aus feuerfestem Thon, aus Pt oder Gusseisen, sehr 
starker Abnutzung ausgesetzt sind. 

Durch das Winkler'sche Verfahren wurde das Monopol der Fh-ma 
J. D. Starck in Böhmen gebrochen. 1877 lieferte diese Firma eine 
feste Säure mit 40 bis 50 ° SO3 , die fast reine Pyroschwefelsäure 
war; 1878 auch reines • Anhydrid in zugelötheten Weissblechbüchsen 
(Lunge, Sodaindustrie 1. 595). 

Die Rhenania in Stolberg bei Aachen fabrizirt nach Ost (Lehrb. 
Techn. Chemie 1890. 58) grosse Mengen Anhydrid von 98 > SO3, 
welche in verlötheten Blechkisten von 50 kg Inhalt in den Handel 
kommen. 1 kg kostet 0,85 Mark oder weniger. 

Auch in Oberschlesien wird neuerdings SO3 fabrizirt. 

Aus England kam nach Lunge 1878 Pyroschwefelsäure zu 
1,90 Mark das Kilo in den Handel in eisernen Trommeln zu 50 kg Inhalt. 

Das reine Anhydrid SOo ist bei gewöhnlicher T. eine farblose 
Flüss., die unterhalb -p 16 " zu asbestähnlichen, verfilzten Nadeln er- 
starrt, und bei 46 bis 47 "^ siedet. Sein Vol.-Gew. in Gasform ist 80, 
oder 2,76 auf Luft bezogen; 1 Mol. ist also = 1 Vol., während sonst 
bei Gasen 1 Mol. = 2 Vol. ist. Da SO3 in starker Glühhitze zu SO^ 
und dissociirt, so nimmt man an, dass sein Dampf aus 2 Vol. SO^ und 
1 Vol. besteht (vergl. R. Weber, P. A. 127. 543; 130. 329; 159. 313). 

Abänderungen in der Schwefelsäure-Fabrikation sind sowohl in 
den Verfahrungsweisen als auch in den Apparaten vorgeschlagen worden. Man 
ist aber immer wieder zum alten Verfahren und zu den dabei benutzten Appa- 
raten zurückgekehrt. Nur der Lunge und R h r m a n n'sche Plattenthurm mag 
an dieser Stelle erwähnt werden. 

Die Patentliteratur weist eine Unzahl Erfindungen auf, welche bezwecken, 
H2SO4 billiger als nach den beschriebenen üblichen Methoden darzustellen. Sie 
haben das gemeinsame Merkmal, dass sie diesen Zweck nicht erreichen. Häufig 
wird dieselbe Erfindung von Späteren nochmals patentirt, trotzdem bereits frühere 
Versuche ihre Unbrauehbarkeit bewiesen haben. Die meisten Erfinder gehen darauf 
aus, H2SO4 aus billigerem Rohmaterial in kleineren und billigeren Apparaten und 
in kleinerer Menge darzustellen. Die Fabrikation der H2SO4 ist und bleibt 
aber ein Gegenstand der chemischen Grossindustrie. Nur mitgrossem 
Anlagekapital, und wenn man sie in grossen Mengen darstellt, kann 
sie billig erzeugt werden, und zwar so billig, dass die Konkurrenz 
jedes Kleinbetriebes erdrückt wird. 

Eigenschaften. Reine Schwefelsäure H^SO^, früher 
Schwefelsäuremonohydrat genannt, ist eine wasserhelle, ölartige 
Flüss. von folgenden Dichten nach Marignac: bei "^ 1,854 (oder 



Eigenschaften. 191 

1,857 nacli Kolb); bei 12" 1,842; bei24o ^ §34. Sie erstarrt in niedriger 
T. zu einer Krystallmasse, welche bei 10,5" schmilzt. Die Säure bleibt 
indessen auch unter dieser T. noch flüss. (Erstarrungsverzug), bis man 
einen schon gebildeten Kryst. hineinbringt, worauf sie rasch erstarrt. 

Sie raucht bei gewöhnlicher T. nicht, wohl aber bei Erwärmen 
auf 30 bis 40 ", indem dann schon die Dissociation zu SO3 und HgO 
anfängt. Beim weiteren Erhitzen beginnt bei 290 " ein Gemisch aus 
H,0-haltiger H^SO^, SO.j und HgO abzudest. Die Säure siedet nach 
Pfaundler bei 317 ", nach Rammeisberg bei 325 ", nach Marignac 
bei 338 ". Dieser Sied, hält sich bei gewöhnlichem Druck konstant, und 
es verbleibt eine Säure mit etwa 98,5 "/o HäSO^^, die unverändert überdest. 

Reine Schwefelsäure H^SO^ hat folgende Zusammensetzung: 



Schwefel .... 32 
Sauerstoff ... 64 
Wasserstoff ... 2 



H.SO, = 98 
oder: 

Anhydrid, SO, . . 80 

Wasser, H.,0 \ . 18 



32,653 > 

65,306 „ 

2,041 „ 



100,00070 

81,63 > 
18,37 „ 



H,SO, = 98 I 100,00 > 

kommt aber in der Technik nur H^O -haltig vor. 

Die HgSO, ist bei gewöhnlicher T. die stärkste bekannte Säure. 
In der Glühhitze weicht sie aber der Kieselsäure, der Phosphorsäure 
und der Borsäure. Sie lässt sich in jedem Verhältniss mit H.jO mischen, 
aber es findet dabei unter lebhafter Wärmeentwickelung eine Kontraktion 
des Vol. statt, indem sich mehrere Hydrate bilden. 

Der Gehalt solcher wässerigen Lsgn. von H^SO^^ an letzterer wird 
mittelst der Aräometer angenähert ermittelt. 

In Deutschland, Frankreich und Oesterreich benutzt man Aräometer nach 
Baume. Leider zeigen dieselben aber keine übereinstimmende Eintheilung. 
R. Hasenclever gibt (Hofmann's Ber. 1875. 1. 181) eine Tabelle über die 
grossen Abweichungen der von verschiedenen Fabriken benutzten Aräometer (auch 
in Lunge, Sodaindustrie 1. 25). Es scheint jedoch, als ob das sogen, „ratio- 
nelle" Baume'sche Aräometer von Jules Kolb (Bull. Soc. ind. Mulhouse v. 
28. Febr. 1872. 209, 238) immer allgemeinere Anwendung finde, und daher soll 
hier nur dieses besprochen werden. In ihm wird die Beziehung zwischen den 
Graden Baume n und der Dichte d ausgedrückt durch die Formel: 

144.3 

d = 

144,3 — n 

Die Herleitung dieser Formel hat A. W. v. H f m a n n in seinem Bericht 
1875. 1. 180 gegeben (auch in Lunge, Sodaindustrie 1. 15). 

In Amerika hat man sich nach G. Lunge (Z. ang. Ch. 1890. 132) in den 
letzten Jahren dahin geeinigt, eine neue Baume -Skala einzuführen, welche von 
der europäischen ganz und gar abweicht. 

In England hat man sich von der Verwirrung der verschiedenen kontinen- 
talen Baume- Skalen glücklich frei gehalten. Man benutzt dort die Aräometer 
nach Twaddell, welche entweder die SG. oder Grade Twaddell anzeigen. 
Bei Flüss., welche schwerer als H^O sind, erhält man die Grade Twaddell n, 
indem man von der Zahl, welche das SG. d ausdrückt, die Einheit fortnimmt, und 
die zweistellige Mantisse verdoppelt. So ist z. B. SG. 1,22 = 44° Tw. oder allgemein : 

n = {d — l) 200 

^ = 150 + 1 

Folgende Tabelle enthält die Grade Baume der „rationellen" Skala, die Grade 
Twaddell und die SG. 



192 



Schwefelsäure. 



Vergleichung der Baume-Grade mit Twaddell-Graden und mit dem 

spezifischen Gewicht. 



B. Tw. SG. 



B. Tw. SG. 



B. Tw. SG. 



B. Tw. SG. 



B. Tw. SG. 



0,0 
0.1 
0,3 
0.4 
0,6 
0,7 
0,9 



1.0 
1.1 
1,3 
1,4 
1.5 
1,7 
1,8 
1,9 



2,0 
2,1 
2,2 

2;4 

2,5 
2,6 
2,7 
2.9 



3,0 
3,1 
3,3 
3,4 
3,5 
3,7 
3,8 



4,0 
4,1 
4,2 
4,4 
4,5 
4,6 
4,7 
4,9 



5,0 
5.1 
5,2 
5,4 
5,5 
5,6 
5,7 
5,9 



6,0 
6,1 
6,3 

6,4 
6.5 
6,7 
6,8 



7,0 
7,1 

7,2 
7,4 
7,5 
7,6 
7,7 
7,9 



8,0 
8,1 
8,3 
8,4 
8.5 



10 



11 



1,000 
1.001 
1,002 
1,003 
1,004 
1.005 
1.00(3 



1.007 
1,(X>8 
1.009 
1.010 
1,011 
1.012 
1.013 
1.013 



1.014 
1,015 
1.016 
1.017 
1.018 
1.019 
i;020 
1,021 



1.022 
L02o 
1.024 
1.025 
L026 
1,027 
1,028 



1,029 
1,030 
1,031 
1,032 
1,033 
1.034 
1,035 
1.036 



1,037 
1,038 
1.039 
1.040 
1.041 
1.042 
1,043 
1,044 



1,045 
1,046 
1,047 
1.W8 
1,049 
1,050 
1,051 



1.052 
1,053 
1.054 
1,055 
1.056 
1,057 
1,058 
1.0.59 



LOGO 
1.061 
1,0(32 
1,063 
1,064 



8,7 
8.8 



9.0 
9,1 
9,2 
9,4 
9,5 
9,6 
9.7 
9:9 



10.0 
10,1 
10.2 
10,4 
10.5 
10.6 
10.7 
10.9 



11.0 
11.1 
11.2 
11.4 
11.5 
11,6 
11.7 
11.9 



12,0 
12,1 
12,2 
12.3 
12.4 
12,5 
12,7 
12.8 
12.9 



13.0 
13.1 
13.2 
13,4 
13,5 
136 
13,7 
13,9 



14.0 
14,1 
14,2 
14.4 
14,5 
14,6 
14,7 
14.9 



15.0 
15.1 
15,2 
15.3 
15,4 
15,5 
15:7 
15;8 
15.9 



16,0 
16,1 
16.2 
16.3 
1(J,4 
16,5 



13 1,065 
1.06(3 



14 



15 



16 



IS 



19 



20 



21 



23 



24 



1.067 
1.068 
1.069 
1.070 
1.071 
1.072 
1.073 
1.074 



1.075 
1.076 
1.077 
1.078 
1.079 
1,080 
1.081 
i;082 



1.083 
1.084 

i,oa5 

1.086 
1.087 
1,088 
1.089 
1.090 



1,091 
1.092 
1.093 
1.094 
1.095 
1.096 
1.097 
1,098 
1,(»9 



1.100 
1.101 
1.102 
1103 
1.104 
1.105 
1.106 
1.107 



1.108 
1.109 
1.110 
1111 
1.112 
1113 
1.114 
1.115 



1,116 
1.117 
1.118 
1.119 
1,120 
1,121 
1,122 
1123 
1.124 



26 



1.125 
1.126 
1.127 
1.128 
1129 
1.130 



6,6 

6.8 
6.9 



7.0 
7.1 
7.2 
7.4 
7,5 
7.6 
7.7 
7.9 



8.0 
8.1 

8.2 
8.3 
8.4 
8.5 
8.6 
8.7 
8.8 
8.9 



9.0 
9.1 
9,2 
9,3 
9,4 
9.5 
9,6 
9,7 
9.8 
9:9 



20,0 
20,1 
20,2 
20.3 
20.4 
20,5 
20.7 
20.8 
20.9 



21.0 
21.1 
21,2 
21,3 
21.4 
21.5 
21,7 
21,8 
21.9 



22,0 
22.1 

22 2 
22^3 
22.4 
22.5 
22.6 
22.7 
22,8 
22,9 



23,0 
23.1 
23.2 
23,3 
23.4 
23:5 
23,6 



29 



30 



31 



33 



33 



34 



35 



36 



37 



3S 



39 



1.131 
1.132 
1.133 



1.134 
1.135 
1.13G 
1.137 
1.1:38 
1.139 
1.140 
1.141 



1.142 
1.143 
1.144 
1.145 
1.146 
1.147 
1.148 
1.149 
1.150 
1.151 



1.152 
1.1.53 
1.154 
1.155 
1,156 
1.157 
1.158 
1,159 
1.160 
1,161 



1.162 
1.163 
1,1(34 
1.165 
1.166 
1.167 
1.168 
1.169 
1.170 



1.171 
1.172 
1.173 
1.174 
1.175 
1.176 
1.177 
1,178 
1,179 



1.180 
1.181 
1.182 
1.183 
1.1S4 
1.185 
1.186 
1.187 
1,1.88 
1.189 



1.190 
1,191 
1,192 
1,193 
1.194 
1.195 
1.196 



23,7 
23,8 
23.9 



30.0 
30.1 



1.197 

1.198 
1.199 



24.0 


40 


1.2(30 


24.1 




1.201 


24.2 




1.202 


24.3 




1.203 


24.4 




1.204 


24.5 


41 


1.205 


24.6 




1.206 


24,7 




1.207 


24.8 




1.20s 


24,9 




1.2(39 


25.0 


42 


1.210 


25.1 




1.211 


25.2 




1.212 


25.3 




1.213 


25.4 




1.214 


25.5 


43 


1.215 


25.6 




1.216 


25.7 




1.217 


25.8 




1.218 


25,9 




1.219 


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44 


1.220 


26.1 




1.221 


26,2 




1.222 


26.3 




1.223 


26,4 




1.224 


26.4 


45 


1.225 


26,5 




1.226 


26,6 




1.227 


26.7 




1.228 


26.8 




1.229 


26.9 


46 


1.230 


27.0 




1,231 


27.1 




1.232 


27,2 




1,233 


27.3 




1.234 


27,4 


47 


1.235 


27.5 




1.236 


27,6 




1.237 


27.7 




1.238 


27,8 




1.239 


27.9 


48 


1.240 


28,0 




1.241 


28,1 




1.242 


28,2 




1,243 


28.3 




1,244 


28.4 


49 


1.245 


28,5 




1.247 


28,6 




1.248 


28,7 




1.249 


28,8 


50 


1.2.50 


28.9 




1.251 


29.0 




1.2.52 


29,1 




1.2.53 


29,2 




1.254 


29,3 


51 


1.255 


29,4 




1,256 


29,5 




1.258 


29.6 




1.2.59 


29.7 


52 


1.260 


29.8 




1,261 


29,9 




1,262 



1.263 
1.2(34 



30.2 
30.3 
30,4 
30.5 
30.6 
30,7 
30.8 
30.9 



53 



54 



1.265 
1.266 
1.267 
1,269 
1.270 
1.271 
1.272 
1,273 



31,0 




1,274 


31.1 


30 


1.275 


31.2 




1,276 


31.3 




1,277 


31.4 




1,278 


31,5 


56 


1,280 


31.6 




1,201 


317 




1,282 


31.8 




1.283 


31,9 




1.284 


32.0 


57 


1.285 


32,1 




1,286 


32.2 




1.287 


32.3 




1.289 


32.4 


58 


1.290 


32.5 




1.291 


32.6 




1.292 


32.7 




1.293 


32,8 


59 


1.295 


32,9 




1,296 


33,0 




1,297 


33,1 




1,298 


33.2 




1,299 


33.3 


60 


1.300 


33,4 




1,:301 


33,5 




1,303 


33.6 




1,304 


33.7 


61 


1.305 


33.8 




1.306 


33.9 




1,:307 


34.0 




I.0O8 


34,1 




1.309 


34,2 


62 


1,310 


34,3 




1,312 


34,4 




1.313 


34.5 




1.314 


34,6 


63 


1,.315 


34.7 




1.316 


34.8 




1,318 


34,9 




1,319 


35.0 


64 


1,320 


35,1 




1,321 


35.2 




1.322 


35.3 




1.324 


35.4 


65 


1,325 


35.5 




1.326 


35,6 




1.327 


35.7 




1.328 


35,8 


66 


1,330 


35.9 




1,331 



36.0 




1,332 


361 




1,333 


36,2 


67 


1,335 


36,3 




1,336 


36.4 




1,337 


36.5 




1.339 


36,6 


68 


1,340 


36,7 




1,341 



Vergleichung der Baume-Grade mit Twaddell-Graden u. mit dem SG. 193 



B. Tw. SG. 



B. Tw. SG. 



B. Tw. SG. B. Tw. SG. B. T 



SG. 



36,8 
36,9 



43,0 
43,1 
43,2 
43,3 



1.342 
1,344 



37,0 


69 


1.345 


37,1 




1.346 


37,2 




1,347 


37,3 




1.349 


37,4 


70 


1.350 


37,5 




1,351 


37,6 




1,352 


37,7 




1.353 


37,8 


71 


1,355 


37,9 




1,356 


38.0 




1,357 


38.1 




1,358 


38,2 


72 


1,360 


38,3 




1.361 


38,4 




1,362 


38,5 




1,364 


3S.6 


73 


1,365 


38,7 




1,366 


38.8 




1,367 


38,9 




1.369 


39.0 


74 


1,370 


39,1 




1,371 


39,2 




1,373 


39.3 




1,374 


39,4 


75 


1,375 


39,5 




1..S77 


39,6 




1,378 


39,7 




1,379 


39,8 


76 


1,380 


39,9 




1,382 


40.0 




1,383 


40,1 




1,384 


40,1 


77 


1,385 


40,2 




1,386 


40,3 




1,387 


40,4 




1,389 


40,5 


78 


1,390 


40,6 




1,391 


40,7 




1,393 


40,8 




1..S94 


40,8 


71» 


1,395 


40,9 




1.396 


41,0 




1.397 


41,1 




1,398 


41.2 


80 


1,400 


41,3 




1,401 


41,4 




1,402 


41,5 




1,404 


41.6 


81 


1,405 


41,7 




1.406 


41,8 




1.407 


41,9 




1.409 


42,0 


82 


1,410 


42,1 




1.411 


42,2 




1,413 


42,3 




1.414 


42.3 


83 


1.415 


42,4 




1.416 


42,5 




1.417 


42,6 




1,418 


42.7 


84 


1.420 


42.8 




1,421 


42.9 




1,423 



85 



1,424 
1,425 
1,427 
1.428 



43.4 
43.5 
43,6 
43.7 
43,8 
43,9 



44,0 
44,1 
44,2 
44,3 
44,4 
44,4 
44,5 
44,6 
44,7 
44.8 
44,9 



4.5,0 
45,1 
45,2 
45,3 
45,4 
45,4 
45,5 
45,6 
45,7 
45,8 
45,9 



46,0 
46,1 
46,2 
46,3 
46,4 
46,4 
46,5 
46,6 
46,7 
46,8 
46,9 



47,0 
47,1 

47,2 
47,3 
47,4 
47,4 
47,5 
47.6 
47,7 
47,8 
47,9 



86 



87 



88 



89 



90 



48.0 
48.1 
48,2 
48,3 
48.4 
48,4 
48,5 
48,6 
48,7 
48,7 
48,8 
48,9 



49,0 
49,0 
49.1 
49.2 
49,3 
49,4 
49,5 



91 



92 



93 



94 



95 



96 



97 



98 



99 



1,430 
1.431 
1,432 
1,434 
1,435 
1437 



1,438 
1,440 
1,441 
1,443 
1,444 
1,445 
1,446 
1,447 
1,449 
1,450 
1,452 



1.453 
1.455 
1456 
1,4.58 
1.459 
1.460 
1.461 
1,462 
1.464 
1,465 
1,467 



1,468 
1,470 
1,471 
1,473 
1,474 
1,475 
1,476 
1,477 
1,479 
1,480 
1482 



100 



101 



102 



103 



104 



1,483 
1,485 
1,486 
1,488 
1,489 
1.490 
1,491 
1,492 
1,494 
1,495 
1,497 



49,6 

49,7 
49.8 
49,9 



1,498 
1,.500 
1,501 
1,503 
1,504 
1,.505 
1,506 
1,508 
1,509 
1,510 
1,511 
1,512 



1,514 
1.515 
1.516 
1.517 
1,519 
1,520 
1,522 



105 



1,524 
1,525 

1,527 
1..528 



50,0 


106 


1,530 


50.1 




1,532 


50,2 




1,533 


50,3 


107 


1,535 


50,4 




1,536 


50,5 




1,538 


50,6 


108 


1,540 


50,7 




1.541 


50,8 




1,543 


50,9 




1,544 


50,9 


109 


1,545 


51,0 




1,546 


51,1 




1,548 


51.2 




1,549 


51,2 


110 


1,550 


51.3 




1..551 


51,4 




1,553 


51,5 


Hl 


1,555 


51,6 




1,556 


51,7 




1,558 


51,8 


112 


1,560 


51,9 




1,561 


52,0 




1,563 


52,1 


113 


1,565 


52,2 




1,566 


52.3 




1,568 


52,4 


114 


1,570 


52,5 




1,572 


52,6 




1,573 


52.7 


115 


1,575 


52.8 




1,577 


52,9 




1,.578 


53,0 


11« 


1,580 


.53,1 




1,582 


53,2 




1,583 


53.3 


117 


1,585 


53.4 




1,587 


53.5 




1.589 


53.6 


118 


1,590 


53,7 




1.592 


53,8 




1.594 


53,9 


119 


1,595 


54,0 




1,597 


54,1 




1,599 


54,1 


120 


1,600 


54.2 




1,601 


54.3 




1,602 


54.4 




1.604 


54,4 


121 


1.605 


545 




1,606 


54,6 




1,608 


54.7 


122 


1,610 


54.8 




1,611 


54,9 




1,613 


55,0 


123 


1,615 


55,1 




1,617 


55,2 




1,619 


55.2 


124 


1.620 


55,3 




1,621 


55,4 




1,623 


55,5 


125 


1,625 


55,6 




1,626 


55,7 




1,628 


55,8 


126 


1,630 


55,9 




1,632 



56,0 

56,0 127 
56,1 
56,2 
56,3 

56,3 128 
.56,4 
56,5 

56,6 129 
56,7 
56,8 
56,9 130 



57,0 
57,1 
57,1 
.57,2 
57,3 
57,4 
57,5 
.57,6 
57,7 
57,8 
57,9 
57,9 



61,0 
61,1 
61,1 
61.2 
61,3 
61,4 
61,5 
61,6 
61,7 
61,8 



131 



132 



133 



134 



58,0 

58,1 

5S,2 135 

58,3 

58,4 

58,4 136 

58,5 

58,6 

58,7 137 

58,8 

58,9 

58,9_ 138 

59,0 

59,1 

59,2 139 

59,3 

59 4 

59^5 140 

59,5 

59,6 

59,7 141 

59,8 

59,9 



60,0 142 

60,0 

60,1 

60,2 143 

60,3 

60.4 

60.4 144 

60,5 

60,6 

60.6 145 

60,7 

60,8 

60,9 146 



147 



148 
149 



1,634 
1,635 
1,636 
1,638 
1,639 
1,640 
1,641 
1,643 
1,645 
1,647 
1.648 
1,6.50 



1,652 
1,654 
1,655 
1,656 
1,658 
1,660 
1,662 
1,663 
1,665 
1,667 
1.669 
1.670 



1,671 
1,673 
1,675 
1,677 
1,679 
1,680 
1,681 
1.683 
1,685 
1,687 
1,689 
1.690 
1,691 
1,693 
1,695 
1,697 
1,699 
1,700 
1,701 
1,703 
1,705 
1.707 
1.709 



1,710 
1.711 
1,713 
1.715 
1.717 
1.719 
1,720 
1.722 
1,724 
1.725 
1,726 
1,728 
1,730 



1,732 
1,734 
1.735 
1,736 
1,738 
1,740 
1,743 
1,745 
1,747 
1,749 



61,8 
61,9 



150 



02,0 
62,1 
62,2 
62,3 
62,3 
62,4 
62,5 
62,5 
62,6 
62,7 
62,8 
62,9 



64,0 
64,0 
64,1 
64,2 
64,2 
64,3 
64,4 
64,5 
64,6 
64,7 
64,8 
64,8 
64,9 



151 



152 



153 



154 



63,0 

63,0 155 

63,1 

63,2 

63,2 156 

63,3 

63,4 

63,5 157 

63,6 

63,7 

63,7 158 

63,8 

63,9 



66,0 
66,1 
66,1 
66,2 
66,3 
66,3 
66,4 
66,5 
66,5 
66,6 
66,7 
66,7 
66,8 
66,9 



159 



160 



161 
162 



163 



65,0 

65,0 164 
65,1 
65,2 

65,2 165 
65,3 
65,4 

65,5 166 
65,5 
65,6 

65,7 167 
65,8 
65,9 168 



1,750 
1,751 



169 



170 



171 



172 



1,7.53 
1,755 
1,757 
1,759 
1,760 
1,761 
1,763 
1,765 
1,766 
1,768 
1,770 
1,772 



Hanclbuch der ehem. Technologie. I. 



67,0 173 
67,0 

13 



1,774 
1,775 
1,776 

1,778 
1,780 
1,781 
1,783 
1,785 
1,787 
1,789 
1,790 
1,792 
1,794 



1,795 
1,796 
1,798 
1,800 
1,^801 
1,803 
1,805 
1,808 
1,810 
1,812 
1,814 
1,815 
1,817 



1,819 
1,820 
1,822 
1,824 
1,825 
1,826 
1,828 
1,880 
1,831 
1,833 
1,835 
1,838 
1,840 



1,842 
1,844 
1,845 
1,847 
1,849 
1,850 
1,852 
1,854 
1,8.55 
1,856 
1,058 
1,860 
1,861 
1,864 



1,865 
1,866 



194 



Schwefelsäure. 



Die T-waddell- Aräometer sind so ausserordentlich bequem und genau^ 
dass es sehr zu bedauern ist, dass ihre Anwendung auf England beschränkt bleibt. 

G. Lunge (Sodaindustrie 1. 16) theilt eine vergleichende Tabelle der ratio- 
neuen Baume-Grade mit den Gerlach'schen und den entsprechenden SG. mit. Ferner 
S. 20 die Bineau'sche Tabelle über den Gehalt der verd. H)S04 (Liebig's Jahrb. 
1849. 240). Endlich auch die neue Amerikanische Skala in S. 11.5. 

In Taschenbuch 1892. 242 macht Lunge den erfreulichen Versuch, das unglück- 
liche Baume'sche Aräometer durch das Fleischer sehe Densimeter zu ersetzen. Die 
Grade des letzteren sind halb so gross als die Twaddell-Grade. Da aber die Densimeter- 
Grade beträchtlich von den Baume-Graden abweichen, so würde man bei Ein- 
führung des Densimeters sich neue Zahlenbilder einzuprägen haben. Verfasser 
hält es daher bei der lebhaften Wechselbeziehung zwischen der deutschen und eng- 
lischen technischen Literatur für viel zweckmässiger, einfach die Twaddell-Grade 
zu adoptiren. 

Jules Kolb veröffentlichte (Bull. Soc. ind. Mulhouse 1872. 209, 
238) eiue berühmte Tabelle über den Gehalt der wässerigen HoSO^ bei 
15 ", welche in allen Fabriken zu Berechnungen und Umrechnungen des 
Grehalts der Handelssäure beständig benutzt wird. Dieselbe findet sich 
in Lunge, Taschenbuch 1883. 98. Da dieselbe aber für die niedrig- 
sten und die höchsten Prozentgehalte ungenau ist, wie namentlich Lunge 
nachgewiesen (Z, ang. Ch. 1890. 129), so haben Lunge und Isler 
eine neue Tabelle für chemisch reine H^SO^, die nur mit HoO verd. 
ist, ausgearbeitet. 

Während J. Kolb von der Vorstellung ausging, dass das reine Schwefel- 
säuremonohydrat mit 100 "/o H2SO4 bei 15" das SG. 1,842 besitze, diese Dichte als 
66 " Be. bezeichnete , und dem Bedüi-fniss der Handelswelt entsprechend , seine 
Tabelle nach Graden der Baume-Skala ordnete, haben Lunge und Isler den 
unsicheren und schwankenden Maassstab der Baume-Skala verlassen, und ihre Tabelle 
nach den absolut sicheren SG. geordnet. Die Baume'schen Grade sind aber zur 
Bequemlichkeit mit aufgeführt worden, und zwar diejenigen der sogen, rationellen 
Skala, in welcher ganz einfach der Abstand der Dichten von 1 bis 1,842 in 66 
gleiche Theile getheilt ist. Lunge und Isler haben die SG. der H.2SO4 ver- 
schiedener Konzentration bei 15 ** gemessen und aufH20von4'' und den luftleeren 
Kaum bezogen. 



Spezifische Gewichte von Schwefelsäurelösungen nach 
Lunge und Isler. 





*o 





100 Gew.-Thln. entsprechen 


1 Liter 


enthält bei chemisch 


Spezif. 


E 


■^ 


bei chemisch reiner Säure 


reiner Säure Kilogramm 


Gew. bei 




% 










15» 


















40 
(luftl. R.) 


■73 

6 





Prozent 
SO3 


Prozent 
H2SO4 


Prozent 
eogräd. 
Säure 


Prozent 
EOgräd. 
Säure 


SO3 


H2SO4 


60gi-äd. 
Säure 


SOgräd. 
Säure 


1,(X)0 








0,07 


0,09 


0,12 


0,14 


0,01)1 


0,001 


0,001 


0,001 


i,or)5 


0,7 


1 


0,68 


0,83 


1,06 


1,33 


0,007 


0,008 


0,011 


0,013 


1,010 


1,4 


2 


1,28 


1,57 


2,01 


2,51 


0,013 


0,016 


0,020 


0,025 


1,015 


2,1 


3 


1,88 


2,30 


2,95 


3,68 


0,019 


0,023 


0,030 


0,037 


1,020 


2,7 


4 


2,47 


3,03 


3,88 


4,85 


0,025 


0,031 


0,040 


0,050 


1,025 


3,4 


5 


3,07 


3,76 


4,82 


6,02 


0,032 


0,039 


0,049 


0,062 


1,030 


4,1 ' 


6 


3,67 


4,49 


5.78 


7,18 


0,038 


0,046 


0.059 


0,074 


1,035 


4,7 


7 


4,27 


5,23 


6,73 


8,37 


0,044 


0,054 


0,070 


0,087 


1,040 


5,4 


8 


4,87 


5,96 


7,64 


9,.>4 


0,051 


0,062 


0,079 


0,099 


1,045 


6,0 


9 


5,45 


6,67 


8,55 


10,67 


0,057 


0,071 


0,089 


0,112 


1,050 


6,7 


10 


6,02 


7,37 


9,44 


11,79 


0,063 


0,077 


0,099 


0,124 


1,055 


7,4 


11 


6,59 


8,07 


10,34 


12,91 


0,070 


0,085 


0,109 


0,136 


1,060 


8.0 


12 


7,16 


8,77 


11,24 


14,03 


0,076 


0,093 


0,119 


0,149 


1,065 


3:7 


13 


7,73 


9,47 


12,14 


15,15 


0,082 


0,102 


0,129 


0,161 



Spezifische Gewichte von Schwefelsilurelösungen. 



191 



Spezif. 
Gew. bei 

40 
(luftl. R.) 



cq 



O 






100 Gew.-Thln. entsprechen 
bei chemisch reiner Säure 



Prozent 
SO3 



Prozent 
H.2SO4 



1,070 

1,075 

1,080 

1,085 

1,090 

1,095 

1,100 

1,105 

1,110 

1,115 

1,120 

1,125 

1,130 

1,135 

1,140 

1145 

1,150 

1,155 

1,160 

1,165 

1,170 

1,175 

1,180 

1,185 

1,190 

1,195 

1,200 

1,205 

1,210 

1,215 

1,220 

1,225 

1,230 

1,235 

1,240 

1,245 

1,250 

1,255 

1,260 

1,265 

1,270 

1,275 

1,280 

1,285 

1,290 

1,295 

1,300 

1,305 

1,310 

1,315 

1,320 

1,325 

1,330 

1,335 

1,340 

1,345 

1,350 

1,355 

1,860 

1,365 

1,370 

1,375 



Prozent 
OOgräd. 
Säure 



Prozent 
öogräd 
Säure 



1 Liter enthält bei chemisch 
reiner Säure Kilosrramm 



SO, 



HoSOj 



efigräd. 
Säure 



9,4 


14 


10,0 


15 


10,6 


16 


11,2 


17 


11,9 


18 


12,4 


19 


13,0 


20 


13,6 


21 


14,2 


22 


14,9 


23 


15,4 


24 


16,0 


25 


16,5 


26 


17,1 


27 


17,7 


28 


18,3 


29 


18,8 


30 


19,3 


31 


19,8 


32 


20,3 


33 


20,9 


34 


21,4 


35 


22,0 


36 


22,5 


37 


23,0 


38 


23,5 


39 


24,0 


40 


24,5 


41 


25,0 


42 


25,5 


43 


26,0 


44 


26,4 


45 


26,9 


46 


27,4 


47 


27,9 


48 


28,4 


49 


28,8 


50 


29,3 


51 


29,7 


52 


30,2 


53 


30,6 


54 


31,1 


55 


31,5 


56 


32,0 


57 


32,4 


58 


32,8 


59 


33,3 


60 


33,7 


61 


34,2 


62 


34,6 


63 


35,0 


64 


35,4 


65 


35,8 


66 


36,2 


67 


36,6 


68 


37,0 


69 


37,4 


70 


37,8 


71 


38,2 


72 


38.6 


73 


39,0 


74 


39,4 


75 



8,32 
8,90 
9,47 
10,04 
10,60 
11,16 
11,71 
12,27 
12,82 
13,36 
13,89 
14,42 
14,95 
15,48 
16.01 
16,54 
17,07 
17,59 
18,11 
18,64 
19,16 
19,69 
20.21 
20,73 
21,26 
21,78 
22,30 
22,82 
23,33 
23,84 
24,36 
24,88 
25,39 
25,88 
26,35 
26,83 
27,29 
27,76 
28,22 
28,69 
29,15 
29,62 
30,10 
30,57 
31,04 
31,52 
31,99 
32,46 
32,94 
33,41 
33,88 
34,35 
34,80 
35,27 
35,71 
36,14 
36,58 
37,02 
37,45 
37,89 
38,32 
38;75 



10,19 

10,90 

11,60 

12,30 

12,99 

13,67 

14,35 

15,03 

15,71 

16,.36 

17,01 

17,66 

18,31 

18,96 

19,61 

20,26 

20,91 

21,55 

22,19 

22,83 

23,47 

24,12 

24,76 

25,40 

26,04 

26,68 

27,32 

27,95 

28,58 

29,21 

29,84 

30,48 

31,11 

31,70 

32,28 

32,86 

33,43 

34,00 

34,57 

35,14 

35,71 

36,29 

36,87 

37,45 

38,03 

38,61 

39,19 

39,77 

40,35 

40,93 

4i;50 

42,08 

42,66 

43,20 

43,74 

44,28 

44,82 

45,.35 

45,88 

46,41 

46,94 

47,47 



13,05 

13.96 

14,87 

15,76 

16,65 

17,52 

18,39 

19,26 

20,13 

20,96 

21,80 

22,63 

23,47 

24,29 

25,13 

25,96 

26,79 

27,61 

28,43 

29,25 

30,07 

30,90 

31,73 

32,55 

33,37 

34,19 

35,01 

35,83 

36,66 

37,45 

38,23 

39,05 

39,86 

40,61 

41,37 

42,11 

42,84 

43,57 

44,30 

45,03 

45,76 

46,50 

47,24 

47,99 

48,73 

49,47 

50,21 

50,96 

51,71 

52,45 

53,18 

53,92 

54,67 

55,36 

56,05 

56,74 

57,43 

58,11 

58:79 

59,48 

60,15 

60,83 



16,30 

17,44 

18,56 

19,68 

20,78 

21,87 

22,96 

24,05 

25,14 

26,18 

27,22 

28/26 

29,30 

30,34 

81,38 

32,42 

33,46 

34,48 

35,50 

36,53 

37,55 

38,59 

39,62 

40,64 

41,66 

42,69 

43,71 

44,72 

45,73 

46,74 

47,75 

48,77 

49,78 

50,72 

51,65 

52,58 

53,49 

54,40 

55,31 

56,22 

57,14 

58,06 

58,99 

59,92 

60,85 

61,78 

62,70 

63:63 

64,56 

65,45 

66,40 

67,33 

68,26 

6912 

69;98 

70,85 

71.71 

72.56 

73,41 

74,26 

75,10 

75,95 



0,089 

0,096 

0.103 

0,109 

0,116 

0,122 

0,129 

0,136 

0,143 

0,149 

0,156 

0,162 

0,169 

0,176 

0,183 

0,189 

0,196 

0,203 

0,210 

0,217 

0,224 

0,231 

0,238 

0,246 

0,253 

0,260 

0,268 

0,275 

0,282 

0,290 

0,297 

0,305 

0,312 

0,320 

0,327 

0,334 

0,341 

0,348 

0,356 

0,363 

0,370 

0,377 

0,385 

0,393 

0,400 

0,408 

0,416 

0,424 

0,432 

0,439 

0,447 

0,455 

0,462 

0.471 

0,479 

0,486 

0,494 

0,502 

0,509 

0.517 

0,525 

0.533 



0,109 

0,117 

0,125 

0,133 

0,142 

0,150 

0,158 

0,166 

0,175 

0,183 

0,191 

0,199 

0,207 

0,215 

0,223 

0,231 

0,239 

0,248 

0,257 

0,266 

0,275 

0,283 

0,292 

0,301 

0,310 

0,319 

0,328 

0,337 

0,346 

0,355 

0,364 

0,373 

0,382 

0,391 

0,400 

0,409 

0,418 

0,426 

0,435 

0,444 

0,453 

0,462 

0,472 

0,481 

0,490 

0.500 

0.510 

0,519 

0.529 

0,538 

0,548 

0,557 

0,567 

0,577 

0,586 

0,596 

0,605 

0,614 

0,624 

0.633 

0,643 

0,653 



50gräd. 
Säure 



0,140 

0,150 

0,161 

0,171 

0,181 

0,192 

0,202 

0,212 

0,223 

0,234 

0,245 

0,255 

0,265 

0,276 

0,287 

0,297 

0,308 

0,319 

0,330 

0,341 

0,352 

0,363 

0,374 

0,386 

0,397 

0,409 

0,420 

0,432 

0,444 

0,455 

0,466 

0,478 

0,490 

0,502 

0,513 

0,524 

0,535 

0,547 

0,558 

0,570 

0,581 

0,593 

0,605 

0,617 

0,629 

0,641 

0,653 

0,665 

0,677 

0,689 

0,702 

0,714 

0,727 

0,739 

0,751 

0,763 

0,775 

0,787 

0,800 

0,812 

0,824 

0,836 



0,174 

0,188 

0,201 

0,213 

0,227 

0,240 

0,253 

0,265 

0.279 

0,292 

0,305 

0,318 

0,331 

0,344 

0,358 

0,371 

0,385 

0.398 

0,412 

0,426 

0,439 

0,453 

0,467 

0,481 

0,496 

0,511 

0,525 

0,539 

0,553 

0,568 

0,583 

0,598 

0,612 

0,626 

0,640 

0,655 

0,669 

0,683 

0,697 

0,711 

0,725 

0,740 

0,755 

0,770 

0,785 

0.800 

0,815 

0,830 

0,845 

0,860 

0,876 

0,892 

0,908 

0,923 

0,938 

0,953 

0,968 

0,983 

0,998 

1,014 

1,029 

1,044 



196 



Spezifische Gewichte der Schwefelsäurelösungen. 







^ 


100 Gew.-Thln 


. entsp 


rechen 


1 Liter enthält bei ch 


ävnisch 


Spezif. 
Gew. bei 


3 


'S 


bei chemisch 


reiner 


Säui-e 


reiner Säure 


Kilogramm 


15" 
40 

(luftl. R.) 


ri 







Prozent 
SO3 


Prozent 
H2SO4 


Prozent 
öogräd. 
Säure 


Prozent 
SOgräd. 
Säure 


SO3 


H2SO4 


60gräd. 
Säure 


.50gräd. 
Säure 


1,380 


39.8 


76 


39,18 


48,00 


61,51 


! 
76,80 0,541 


0.662 


0,849 


1,060 


1,385 


40J 


77 


39.62 


48.53 


62,19 


77,65 0,549 


0672 


0,861 


1,075 


1,890 


40,5 


78 


40,05 


49.06 


62,87 


78,50 0,557 


0,682 


0,873 


1,091 


1,395 


40,8 


79 


40,48 


49.59 


63,55 


79,34 ! 0,564 


0.692 


0,886 


1,107 


1,400 


41,2 


80 


40,91 


50,11 


64,21 


80,18 


0,573 


0,702 


0,899 


1,123 


1,405 


41,6 


81 


41.33 


50.63 


64,88 


81,01 


0,581 


0,711 


0,912 


1,138 


1.410 


42,0 


82 


41,76 


51,15 


65,55 


81,86 


0.589 


0,721 


0,924 


1,154 


1,415 


42,3 


83 


42,17 


51,66 


66,21 


82,66 


0,597 


0,730 


0,937 


1,170 


1.420 


42,7 


84 


42,57 


52.15 


66,82 


83,44 


0,604 


0,740 


0,949 


1,185 


1,425 


43,1 


85 


42,96 


52,63 


67,44 


84,21 


0,612 


0.7.50 


0,961 


1,200 


1.430 


43,4 


86 


43,36 


53:11 


68,06 


84,98 


0,620 


0.759 


0,973 


1,215 


1,435 


43.8 


87 


43.75 53.59 


68,68 


85,74 t 


0,628 


0,769 


0,986 


1,230 


1.440 


44.1 


88 


44.14 54,07 


69,29 


86,51 ii 0,636 


0,779 


0,998 


1,246 


1,445 


44.4 


89 


44,53 54,55 


69,90 


87,28: 0,643 


0,789 


1,010 


1,261 


1,450 


44,8 


90 


44,92 


55,03 


70,52 


88,05 


0,651 


0,798 


1.023 


1,277 


1,4.55 


45,1 


91 


45,31 


55,50 


71,12 


88,80' 


0,659 


0,808 


1,035 


1,292 


1.4G0 


45,4 


92 


45.69 


55.97 


71,72 


89,55 ' 


0,667 


0,817 


1,047 


1,307 


1,46."! 


45,8 


93 


46,07 


56,43 


72,31 


90,29 0,675 


0,827 


1.059 


1,323 


1.470 


46,1 


94 


46.45 


56,90 


72,91 


91,04 0,683 


0,837 


1,072 


1,338 


1.475 


46,4 


95 


46,83 


57,37 


73,51 


91,79 1 0,691 


0,846 


1.084 


1,354 


1.480 


46.8 


96 


47.21 


57,83 


74,10 


92,53 0,699 


0,856 


1,097 


1,370 


1,485 


47,1 


97 


47,57 


58,28 


74,68 


93.25 1 0.707 


0,865 


1.109 


1,385 


1,490 


47.4 


98 


47,95 


58,74 


75,27 


93,98 ! 0,715 


0,876 


1,122 


1.400 


1,495 


47.8 


99 


48,34 


59.22 


75,88 


94,75 0,723 


0,885 


1,134 


1.417 


1,500 


48,1 


100 


48,73 


59,70 


76,50 


95,52 


0,731 


0,896 


1,147 


1,433 


1,505 


48,4 


101 


49,12 


60,18 


77,12 


96,29 


0,739 


0,906 


1.160 


1,449 


1.510 


48.7 


102 


49,51 


60,65 


77,72 


97,04 ! 


0,748 


0,916 


1,174 


1,465 


1,515 


49,0 


103 


49,89 


61.12 


78,32 


97,79 i 


0.756 


0.926 


1,187 


1,481 


1.520 


49.4 


104 


50,28 


61,59 


78,93 


98,54 ! 


0.764 


0,936 


1,199 


1,498 


1.525 


49.7 


105 


50,66 


62,06 


79.52 


99,30 1 0,773 


0,946 


1,213 


1,514 


1,530 


50,0 


106 


51,04 


62,53 


80,13 


100,05' 0,781 


0,957 


1,226 


1,531 


1,535 


50,3 


107 


51,43 


63,00 


80,73 


100,80: 0,789 


0,967 


1,239 


1,547 


1.540 


50,6 


108 


51,78 


63,43 


81,28 


101,49 0,797 


0,977 


1,252 


1,563 


1,545 


50.9 


109 


52,12 


63,85 


8i:81 


102.16 


0,805 


0,987 


1.264 


1,579 


1,550 


51,2 


110 


52,46 


64,26 


82,34 


102,82 


0,813 


0,996 


1,276 


1,593 


1,555 


51,5 


111 


52,79 


64,67 


82,87 


103,47 li 0,821 


1,006 


1,289 


1,609 


1,560 


51,8 


112 


53,12 


65,08 


83.39 


104,13 1 0,829 


1,015 


1,301 


1,624 


1,565 


521 


113 


53,46 


65,49 


83;92 


104,78 0.837 


1.025 


1,313 


1,640 


1,570 


52:4 


114 


53,.S0 


65,90 


84,44 


105,44 


0,845 


1.035 


1,325 


1.655 


1,575 


52,7 


115 


54.13 


66,30 


84.95 


106,08 


0.853 


1,044 


1,338 


1.671 


1,580 


53.0 


116 


54,46 


66,71 


85,48 


106,73 


0,861 


1.054 


1,351 


1,686 


1,585 


53:3 


117 


54,80 


67,13 


86,03 


107,41 


0,869 


1,064 


1,364 


1,702 


1,590 


53.6 


118 


55,18 


67,59 


86,62 


108.14 


0,877 


1,075 


1,377 


1,719 


1,595 


53.9 


119 


55,55 


68,05 


87,20 


108,88 


0,886 


1.085 


1,391 


1,737 


1,600 


M,l 


120 


55,93 


68,51 


87,79 


109,62 i 0,895 


1,096 


1,405 


1,754 


1.605 


54.4 


121 


56,30 


68:97 


88,38 


110,35 1 0,904 


1.107 


1,419 


1,772 


1,610 


54,7 


122 


56,68 


69,43 


88.97 


111,09 


0,913 


1,118 


1,432 


1,789 


1,615 


55,0 


123 


57,05 


69,89 


89,56 


111,82 


0,921 


1,128 


1,446 


1.806 


1,620 


55.2 


124 


57,40 


70,32 


90.11 


112,51 


0,930 


1,139 


1,460 


1,823 


1,625 


55,5 


125 


57,75 


70,74 


90:65 


113.18 


0,938 


1,150 


1,473 


1,840 


1.630 


55,8 


126 


58,09 


71,16 


91.19 


113.86 


0,947 


1,160 


1,486 


1,857 


1.635 


56.0 


127 


58,43 


71.57 


91,71 


114,51 


0,955 


1,170 


1,499 


1,873 


1.640 


56,3 


128 


58.77 


71,99 


92,25 


115,18 


0,964 


1,181 


1,513 


1,889 


1,645 


56,6 


129 


59,10 


72,40 


92,77 


115.84 


0,972 


1,192 


1,526 


1,905 


1.650 


56,9 


130 


59,45 


72,82 


93,29 


116,51 


0,981 


1,202 


1,540 


1,922 


1,655 


57,1 


131 


59,78 


73,23 


93,81 


117,17 


0,989 


1,212 


1,553 


1.939 


1,660 


57,4 


132 


60,11 


73,64 


94,36 


117,82 


0,998 


1 222 


1,566 


1,956 


1,665 


57,7 


133 


60,46 


74,07 


94,92 


118,51 


1,007 


1^233 


1,580 


1,973 


i;670 


57,9 


134 


60,82 


74,51 


95,48 


119,22 


1,016 


1,244 


1,595 


1,991 


1.675 


58,2 


135 


61,20 


74,97 


96,07 


119,95 


1,025 


1,256 


1,609 


2,009 


1.680 


58,4 


136 


61,57 


75.42 


96,65 


120,67 


1,034 


1,267 


1,623 


2,027 


i:685 


58,7 


137 


61,93 


75,86 


97,21 


121,38 


1,043 


1,278 


1,638 


2,046 



Spezifische Gewichte der Schwefelsäurelösungen. 



197 



Spezif. 
Gew. bei 


-D 





100 Gew.-Thln. entsprechen 


1 Lite 


• enthält bei chemisch 


s 

3 

m 

u 




TS 

Eh 
TS 




bei chenaisch reiner Säure 


reiner Säure Kilogramm 


15" 

40 

(luftl. R.) 


Prozent 
SO3 


Prozent 
H2SO4 


Prozent 
öOgräd. 
Säure 


Prozent 
5figräd. 
Säure 


SO3 


H2SO4 


engräd. 
Säure 


sogräd. 
Säure 


1,690 


58,9 


138 


62,29 


76,.80 


97.77 


122,08 


1,053 


1,289 


1,652 


2,064 


1.695 


59.2 


139 


62,64 


76,73 


98,32 


122,77 


1,062 


1.301 


1,667 


2,082 


1,7(X) 


59,5 


140 


63,00 


77,17 


98,89 


123,47 


1,071 


1:312 


1,681 


2,100 


1,705 


59,7 


141 


63..35 


77,60 


99,44 


124.16 


1,080 


1,323 


1,696 


2,117 


1,710 


60.0 


142 


63,70 


78,04 


100,00 


124,86 


1,089 


1,334 


1,710 


2,1.36 


1,715 


60,2 


143 


64,07 


78,48 


100,56 


125,57 


1.099 


1,346 


1,725 


2,154 


1,720 


60,4 


144 


64,43 


78,92 


101.13 


126,27 


i:io8 


1,357 


1,739 


2.172 


1,725 


60,6 


145 


64,78 


79,36 


101,69 


126,98 


1,118 


1,369 


1,754 


2.191 


1,730 


60,9 


146 


65,14 


79,80 


102.25 


127.68 


1,127 


1,381 


1,769 


2 209 


1,735 


61,1 


147 


65,50 


80,24 


102:82 


128,38 


1.136 


1,392 


1,784 


2,228 


1,740 


61,4 


148 


65,86 


80,68 


103,38 


129,09 


1,146 


1,404 


1,799 


2,247 


1,745 


61,6 


149 


66,22 


81,12 


103,95 


129.79 


1,156 


1,416 


1,814 


2,265 


1,750 


61,8 


150 


66,58 


81,56 


104,52 


130:49 


1,165 


1.427 


1,829 


2:284 


1,755 


62,1 


151 


66,94 


82,00 


105.08 


131,20 


1,175 


1:439 


1,845 


2:303 


1,760 


62,3 


152 


67,30 


82.44 


105,64 


131,90 


1,185 


1,451 


1,859 


2:321 


1,765 


62,5 


153 


67,65 


82,88 


1C6.21 


132,61 


1,194 


1,463 


1,874 


2.340 


1,770 


62.8 


154 


68,02 


83,32 


106,77 


133.31 


1,204 


1,475 


1,890 


2:359 


1,775 


63,0 


155 


68,49 


83,90 


107.51 


134,24 


1,216 


1,489 


1,908 


2,381 


1,780 


63,2 


156 


68,98 


84,50 


108.27 


135,20 


1,228 


1,504 


1.928 


2,407 


1,785 


63,5 


157 


69,47 


85,10 


109,05 


136,16 


1,240 


1,519 


1,947 


2,432 


1,790 


63,7 


158 


69,96 


85,70 


109,82 


137,14 


1,252 


1.534 


1.965 


2,455 


1,795 


64,0 


159 


70.45 


86,30 


110.58 


1.38,08 


1,265 


1,549 


1,983 


2,479 


1,800 


64,2 


160 


70.94 


86,90 


111,35 


139,06 


1,277 


1,564 


2,004 


2.503 


1,805 


64,4 


161 


71:50 


87,60 


112,25 


140,16 


1,291 


1,581 


2,026 


2,530 


1,810 


64,6 


162 


72,08 


88,30 


113,15 


141,28 


1,305 


1.598 


2,048 


2,-558 


1,815 


64,8 


163 


72,69 


89.05 


114,11 


142,48 


1,319 


1,621 


2,071 


2,587 


1,820 


65,0 


164 


73,51 


90,05 


115.33 


144,08 


1,338 


1,639 


2,099 


2,622 


1,821 


— 


— 


73,63 


90,20 


115.59 


144,32 


1,.341 


1,643 


2.104 


2,628 


1,822 


65,1 


— 


73.80 


90,40 


115.84 


144,64 


1..345 


1,647 


2:110 


2,635 


1,823 


— 


— 


73,96 


90,60 


116,10 


144,96 


1,348 


1.651 


2,116 


2,643 


1,824 


65,2 


— 


74,12 


90,80 


116.35 


145.28 


1,352 


1,656 


2 122 


2,650 


1.825 


— 


165 


74,29 


91,00 i 116,61 


145,60 


1,.356 


1,661 


2:128 


2,657 


1.826 


65.3 


— 


74.49 


91,25 


116,93 


146,00 


1,360 


1,666 


2,135 


2,666 


1,827 


nV. 


- 


74,69 


91,50 


117,25 


146,40 


1,364 


1.671 


2,142 


2,675 


1,828 


65,4 




74,86 


91,70 


117,51 


146,72 


1,368 


1,676 


2,148 


2,682 


1,829 


— 


— 


75,03 


91,90 


117,76 


147,04 


1,372 


1,681 


2,154 


2,689 


1,830 


— 


166 


75.19 


92,10 


118,02 


147,36 


1,376 


1,685 


2.159 


2,696 


1.831 


65,5 


— 


75,35 


92,30 


118,27 


147,68 


1,380 


1,690 


2,165 


2,704 


1,832 


— 


— 


75.53 


92,52 


118,56 


148,03 


1,384 


1,695 


2,172 


2,711 


1,833 


65,6 


— 


75,72 


92,75 


118,85 


148,40 


1,388 


ijm 


2,178 


2,720 


1,834 


— 


— 


75,96 


93,05 


119,23 


1^8,88 


1,393 


1,706 


2,186 


2,730 


1,835 


65,7 


167 


76,27 


93,43 


119.72 


149,49 


1,400 


1.713 


2,196 


2,743 


1.836 


— 





76.57 


93,80 


120,19 


150,08 


1,406 


1,722 


2,207 


2,755 


1,837 


— 


— 


76;90 


94,20 


120,71 


150,72 


1,412 


1.730 


2,217 


2,769 


1,838 


65,8 


— 


77,23 


94,60 


121,22 


151,36 


1,419 


1,739 


2,228 


2,782 


1,839 


— 


— 


77,55 


95,00 


121,74 


152,G0 


1,426 


1.748 


2,239 


2,795 


1,840 


65,9 


168 


78,04 


95,60 


122,51 


152,96 


1,436 


1,759 


2,254 


2,814 


1.8405 


— 


— 


78,33 


95.95 


122,96 


153,52 


1,441 


1,765 


2,262 


2,825 


1.8410 


— 


— 


79,19 


97,00 


124,30 


155,20 


1,458 


1,786 


2,288 


2,857 


1.8415 


— 


— 


79,76 


97,70 


125,20 


156,32 


1,469 


1.799 


2,305 


2,879 


1,8410 


■— 


— 


80,16 


98,20 


125,84 


157,12 


1,476 


1,808 


2,317 


2,893 


1,8405 


— 


— 


80,57 


98,70 


126,48 


157.92 


1,483 


1,816 


2,328 


2,906 


1,8400 


— 


— 


80,98 


99,20 


127,12 


158,72 


1,490 


1,825 


2,339 


2,920 


1,8395 


~- 


— 


81.18 


99,45 


127.44 


159,12 


1,494 


1,830 


2,344 


2,927 


1.8390 


— 


— 


81.39 


99,70 


127.76 


159.52 


1,497 


1,834 


2,349 


2,933 


1.8385 






81,59 


99,95 


128:08 


159:92 


1,500 


1,838 


2,355 


2,940 



198 



Schwefelsäure. 



Da die Tabelle von J. Kolb und auch diejenige von Lunge 
und Isler nur für die T. 15 ^ gelten, die Dichte der Säure aber mit 
der T. sich ändert, so braucht man eine Reduktionstabelle, um die bei 
irgend einer T. beobachtete Dichte auf diejenige bei 15 "' oder irgend 
eine andere T. zu reduziren. Eine solche Tabelle hat G. Lunge, 
Taschenbuch 1883. 102. 1892. 128 mitgetheilt. 

Um die bei irgend einer T. beobachtete Dichte auf diejenige bei 
15'' zu reduziren. hat man nach Lunge für jeden Grad über oder 
unter 15 '^ zu dem beobachteten SG. zuzuzählen oder von demselben 
abzuziehen: 0,0006 bei Säuren bis zu 1,170 SG., 0,0007 von 1,170 
bis 1,450, 0,0008 von 1.450 bis 1,580, 0,0009 von 1,580 bis 1,750, 
0,0010 von 1,750 bis 1,840 SG. 

lieber den H^jO -Gehalt der höchst konz. H^SO^ haben Kohl- 
rausch (P. A. 8. Ergänz. 675) Marignac, Roscoe, Droop Rich- 
mond, Pickering und Crompton (Soc. Ch. Ind. 1890. 479, 1017), 
Schertel (Ch. Ind. 1882. 369) und namentlich Lunge und Naef 
(Ch. Ind. 1883. 41) gearbeitet. 

Schon Kohlrausch fand, dass das reine Monohydrat H^SO^ 
keineswegs die gi'össte Dichte zeigt, sondern, dass diese der nach 
Marignac bei 338 ** unverändert überdest. Säure mit etwa 98,5 ''/o 
H„SO^ zukommt. Lunge führt die Tabelle von Kohlrausch in 
Sodaindustrie 1. 26 an. 

Lunge und Xaef geben folgende Tabelle über die SG. der höchst 
konz. H,SO^ bei 15" an, bezogen auf H^O von 4'^ und den luftleeren 
Raum. Danach ist 66 ^ Be. = 1,840 SG. gesetzt, während ohne diese 
Reduktion 66 " Be. = 1,842 SG. i.st. 



h^pezifische Gewichte höchst konzentrirter Schwefelsäure nach 

Lunge und Naef. 





SG. bei 15« 






SG. bei 15» 




"Pi-rty pnt 






Grade 


Prozent 






Grade 


H2SO4 


Reine 


Handels- 


Baume 


H.2SO4 


Reine 


Handels- 


Baume 




Säure 


säure 






Säure 


säure 




90 


1,8185 


1,8202 


65,1 


95,26 


_ 


1,8404 


66,0 


90,20 


1,8195 


— 


— 


95.97 


1,8406 


— 


— 


90,29 


— 


1,8219 


— 


96 


1,8406 


— 


— 


91 


1.8241 


1.8254 


65,4 


97 


1.8410 


— 


66,1 


91,48 


1,8271 


• 


— 


97,70 


1.8413 


— 


— 


92 


1,8294 


1,8.306 


65,6 


97,75 


— 


1,8468 


66,2 


92,83 


1,8834 


— 


— 


98 


1.8412 


— 


— 


93 


1,8339 


1,8346 


65,8 


98,-39 


1,8406 


— 


— 


94 


1,8372 


1.8374 


65,9 


98.66 


1,8409 


— 


66,1 


94,09 


— 


1,8375 


— 


99 


1.8403 


— 


— 


94,84 


1,8387 


— 


— 


99,47 


1.8395 


— 


— 


95 


1,8390 


1,8897 


66,0 


100.00 


1.8.384 


— 


66,0 



Diese Tabelle bezieht sich auf chemisch reine Säure, während die ge- 
wöhnlich vorkommenden Verunreinigungen das SG. der Säure vergrössern. Um 
diese Tabelle, welche nur für 15* gilt, auch benutzen zu können, wenn die Dichte 
der Säure bei einer anderen T. beobachtet wird , hat die chemische Fabrik 
Griesheim bei Frankfurt a. M. eine Reduktionstabelle für die Säuren zwischen 
65 und 66° Be. ermittelt (Lunge, Taschenbuch 188.3. 110; 1892. 136). 



Eigenschaften. 



199 



Beim Vermischen der H^SO^ mit H^O findet eine Kontrak- 
tion statt, für welche An t hon eine Tabelle aufgestellt hat. In Folge 
der Kontraktion wird dabei Wärme entbunden, deren Intensität von 
verschiedenen Gelehrten gemessen ist. 

Wegen dieser bedeutenden Wärmeentwickelung muss die Ver- 
mischung konz. H,SO^ mit H^O oder HoO-haltigen Flüss. immer mit 
Vorsicht geschehen, am besten, indem man die Säure in dünnem Strahl 
in HgO fliessen lässt, und dieses dabei umrührt. Wollte man umge- 
kehrt H^O in Säure giessen, so könnte dieselbe in heftiges Kochen 
gerathen, umherspritzen und Glasgefässe zersprengen. 

H^SO^ ist stark hygroskopisch und wirkt H^O -entziehend auf 
alle Körper, mit denen sie in Berührung kommt. Offene Gefässe, die 
man zur Hälfte oder zu zwei Dritteln mit konz. HgSO^ gefüllt hat, 
laufen nach einiger Zeit über, indem die Säure durch Anziehung der 
Luftfeuchtigkeit ihr Vol. vergrössert. Dabei bilden sich verschiedene 
Hydrate, die aber nur unvollkommen bekannt sind. 

Säure von 65,5'' Be. mit 8,41 '^/o HgO entspricht ungefähr dem 
Hydrat 2H2SO, + H2O. 

Aus Säure von 60 ^ Be. kryst. in der Kälte das Doppelhydrat 
H^SO^ + H,0 aus, mit 84,48 > H,SO^ und 15,52 > H.,0 (oder 
68,97 > SO.,- und 31,03 ";o H^O). Dasselbe schmilzt bei + 8°, lässt 
sich aber in geschmolzenem Zustande bis unter diese T. abkühlen, ohne 
zu erstarren. Vol.-Gewicht 1,73 bis 1,79. 

Ure und Bourgoin nehmen ein Hydrat HgSO^ -|- 2H,0 an, 
weil bei dessen Bildung die relativ grösste Volumenverminderung statt- 
findet (100 : 92,14). Vol.-Gewicht etwa 1,65 (vergl. Lunge, Soda- 
jndustrie 1. 20). 

In der Kammersäure von 52 " Be. kann man das Hydrat H.^SO^ 
-j- SHgO annehmen (Raschig, Ch. Ind. 1887. 267). Hiermit ist 
die Reihe der anzunehmenden Hydrate aber noch keineswegs er- 
schöpft. 

Die H^O- Anziehung durch H^SO^^ ist so energisch, dass man 
durch Vermischen von 1 kg konz. Säure mit mehr als 1,25 kg Schnee 
•eine starke Kältemischung erzeugt, denn die Verflüssigung des 
Schnees bindet viel mehr Wärme, als durch die Hydratisirung frei 
wird. Nimmt man aber weniger Schnee, so entsteht eine T. -Er- 
höhung. 

Die Gefrier- und Schmelzpunkte der H.^SO^ zwischen 58 und 
'66'^ Be. werden von Lunge (B. 1881. 14. 2650), wie folgt angegeben: 

Gefrierpunkte der Schwefelsäure zwischen 58 und 66° Baume. 



SG. 
bei 15" 


Grad 
Baume 


Gefrierpunkt 


Schmelz- 
punkt 


SG. 
bei 15° 


Grad 
Baume 


Gefrierpunkt 


Schmelz- 
punkt 


1,671 


58 


flüss. bei -20° 


_ 


1,767 


62,65 


+ 1,60 


+ 6,5 " 


1,691 


59 


V T V 


— 


1,778 


63,20 


+ 8.5 


+ 8,5 


1,712 


60,05 


„ ,. ^ 


— 


1,790 


63.75 


+ 4,5 


+ 8,0 


1.727 


60,75 


— 7,50 


-7,5° 


1,807 


64.45 


— 9,0 


— 6,0 


1,732 


61 


— 8,5 


— 8,5 


1,822 


65,15 


flüss. bei— 20° 


— 


1.749 


61,8 


— 0.2 


+ 4,5 


1,840 


66 


» ji n 


— 



200 



Schwefelsäure. 



Eine sehr viel ausführlichere Tabelle von Thilo aus P i c t e t"s Laboratoriura 
findet sich in Chem. Zeitg. 1892. 16. 1688; Soc. Ch. Ind. 1893. 828. Die Maxima 
und Minima der Gefrierpunkts-T. liegen bei folgenden Prozentgehalten an H2SO4. 
Maxima: 1,78 >: +4,5 " ; 40,50 V : — 35 ^ 57,65 7o : — 40 ^ 83.00 7o : +8 " ; 
100 7o : + 10,5 ». Minima: 0,54 7o : — 0,5 ° ; 35,25 7o : — 88 ° ; 47,57 "/o : — 50 °; 
73,03 "/o : —70°; 88,88 7o : —.55". Die nach dieser Tabelle gezeichnete Gefrier- 
punktskurve ist die merkwürdigste, welche bisher bei chemisch-physikalischen Vor- 
gängen beobachtet worden ist. 

Diese Tabelle erklärt, weshalb niemals Säure von 63 oder 64° Be. 
fabrizii-t wird. Denn wollte man solche Säure durch Röhren leiten^ 
welche der Winterkälte ausgesetzt sind, so würde sie darin er- 
starren. Das Aufthauen solcher Rohrleitungen ist aber eine sehr 
unangenehme Arbeit. Man erzeugt daher Säure von 61,4 '^ Be. bis 
64,3 ° Be. nicht anders , denn als Durchgangsprodukt während der 
Konzentration. 

Beim Sieden konz. H^SO^ tritt, wie schon erwähnt, eine Disso- 
ciation ein. Schwefelsäuredampf H^SO^ sollte theoretisch, auf 2 VoL 
berechnet, eine D. von 3.3862 besitzen, oder für getrennte Mol. SO.^ 
und HoO. die dann 4 Vol. einnehmen, 1.6931. Deville und Troost 
fanden die D. bei 440 '^ zu 1.74, folglich war die Dissociation schon 
nahezu vollständig eingetreten. Daher entsteht auch das heftige Stossen 
beim Destilliren der H,SO^ (Dittmar, Ch. X. 20. 258; Lunge, Soda- 
industrie 1. 14). 

G. Lunge (B. 11. 370; Sodaindustrie 1. 34) hat folgende Tabelle 
über die Sied, von H^SO^ aufgestellt. 



Siedepunkte von Schwefelsäure nach G. Lunge. 



Proz. 


SG. 


Grade 


Siede- 


Proz. 


SG. 


Grade 


Siede- 


Proz. 


r,,-. Grade 
^^"- Baume 


Siede- 


H2SO4 


Baume 


punkt 


H2SO4 


Baume 


punkt 


H.2SO4 


punkt 


5 


1,031 


4,2 


101° 


56 


1,4.59 


45,4 


133° 


82 


1,758 


62,2 


218.5°' 


10 


1,069 


9,2 


102 


60 


1.503 


48.3 


141,5 


84 


1,773 


63 


227 


15 


1,107 


13,9 


103.5 


62.5 


1,530 


50,0 


147 


86 


1,791 


63,8 


238,5 


20 


1,147 


18,5 


105 


65 


1,557 


51,6 


153,5 


88 


1,807 


64.4 


251,5 


25 


1,184 


22,4 


106,5 


67,5 


1,585 


53.3 


161 


90 


1.818 


65 


262,5 


30 


1,224 


26,4 


108 


70 


1.615 


55,0 


170 


91 


1.824 


65.3 


268 


35 


1,265 


30,2 


110 


72 


1,6.39 


56,3 


174.5 


92 


1,830 


65.45 


274.5 


40 


1,307 


33,9 


114 


74 


1,661 


57,4 


180,5 


93 


1.834 


65,65 


281.5 


45 


1,352 


37,6 


118,5 


76 


1,688 


58.8 


189 


94 


1.837 


65,8 


288,5 


50 


1,399 


41,1 


124 


78 


1,710 


60,0 


199 


95 


1.840 


65.9 


295 


53 


1,428 


4.3,3 


128,5 


80 


1,733 


61,0 


207 











Das sogen. Monohydrat (etwa 98,5% H2SO4) siedet nach Pfaundler bei 
317°, nach Marignac unzersetzt bei 338°. 

Ueber die Dichte und den Gehalt der rauchenden Schwefel- 
säure haben namentlich gearbeitet: C. Fürstenau (Ch. Z. 1880. 
18; Ch. Ind. 1880. 30). Cl. A. Winkler (Ch. Ind. 1880. 194) und 
A. Schertel (Ch. Ind. 1882. 369). Gnehm hat in Post's Unter- 
suchungen S. 443 folgende Tabelle über rauchende Schwefelsäure auf- 
gestellt: 



Eigenschaften. 



201 



Gehalt der rauchenden Schwefelsäure nach Gnehm. 



Durch 


Das Oleum 


Durch 


Das Oleum 


Durch 


Das Oleum 


T i t r i r e n 


enthält 


T i t r i r e n 


enthält 


Titriren 


enthält 


gefunden 


7o 


gefunden 


7( 




gefunden 


7'o 


"'o SO3 


H.jSOji SO3 


7o SO3 


H2SO4 


SO3 


7o SO3 


H2SO4 SO3 


81,6326 


100 





87,8775 


66 


34 


93,9387 


33 


67 


81,8163 


99 


1 


88,0612 


65 


35 


94,1224 


32 


68 


82,0000 


98 


2 


88,2448 


64 


36 


94,3061 


31 


69 


82,1836 


97 


3 


88,4285 


63 


37 


94,4897 


30 


70 


82,3674 


96 


4 


88,6122 


62 


38 


94,6734 


29 


71 


82,5510 


95 


5 


88,7959 


61 


39 


94,8571 


28 


72 


82,7346 


94 


6 


88,9795 


60 


40 


95,0408 


27 


73 


82,9183 


93 


7 


89,1632 


59 


41 


95,2244 


26 


74 


83,1020 


92 


8 


89,3469 


58 


42 


95,4081 


25 


75 


83,2857 


91 


9 


89,5306 


57 


43 


95,5918 


24 


76 


83,4693 


90 


10 


89,7142 


56 


44 


95,7755 


23 


77 


83,6530 


89 


11 


89,8979 


55 


45 


95,9591 


22 


78 


83,8367 


88 


12 


90,0816 


54 


46 


96,1428 . 


21 


79 


84,0204 


87 


13 


90,2653 


53 


47 


96,3265 


20 


80 


84,2040 


86 


14 


90,4489 


52 


48 


96,5102 


19 


81 


84,3877 


85 


15 


90,6326 


51 


49 


96,6938 


18 


82 


84,5714 


84 


16 


90,8163 


50 


50 


96,8775 


17 


83 


84,7551 


83 


17 


91,0000 


49 


51 


97,0612 


16 


84 


84,9387 


82 


18 


91,1836 


48 


52 


97,2448 


15 


85 


85,1224 


81 


19 


91,3673 


47 


53 


97,4285 


14 


86 


85,3061 


80 


20 


91,5510 


46 


54 


97,6122 


13 


87 


85,4897 


79 


21 


91,7346 


45 


55 


97,7959 


12 


88 


85,6734 


78 


22 


91,9183 


44 


56 


97,9795 


11 


89 


85,8571 


77 


23 


92,1020 


43 


57 


98,1632 


10 


90 


86,0408 


76 


24 


92,2857 


42 


58 


98,3469 


9 


91 


86,2244 


75 


25 


92,4093 


41 


59 


98,5306 


8 


92 


86,4081 


74 


26 


92,6530 


40 


60 


98,7142 


7 


93 


86,5918 


73 


27 


92,8367 


39 


61 


98,8979 


6 


94 


86,7755 


72 


28 


93,0204 


38 


62 


99,0816 


5 


95 


86,9591 


71 


29 


93,2040 


37 


63 


99,2653 


4 


96 


87,1428 


70 


30 


93,3877 


36 


64 


99,4489 


3 


97 


87,3265 


69 


31 


93,5714 


35 


65 


99,6326 


2 


98 


87,5102 


68 


32 


93,7551 


34 


66 


99,8163 


1 


99 


87,6938 


67 


38 















Der Einfluss der T. auf die Dichte der rauchenden Schwefelsäure 
des Handels ist aus folgender Tabelle von Cl. A. Winkler ersichtlich: 

Dichten der rauchenden Schwefelsäure nach Winkler. 





D i c h 1 


jig k e i t 


bei: 




Gehalt an 
SOq 


Freies SO3 
nach 


15« 


20 '^ 


25'' 


30« 


35« 


im Ganzen 

7o 


Lunge, 

7o 


1,8417 


1,8371 


1,8323 


1,8287 


1,8240 


76,67 





1.8427 


1,8378 


1,8333 


1,8295 


1,8249 


77,49 


— 


1,8428 


1,8388 


1,8351 


1,8302 


1,8255 


78,34 


— 


1,8437 


1,8390 


1,8346 


1,8300 


1,8257 


79,04 


— 


1,8427 


1,8386 


1,8351 


1,8297 


1,8250 


79,99 


— 


1,8420 


1,8372 


1,8326 


1,8281 


1,8234 


80,46 


— 


1,8398 


1,8350 


1,8305 


1,8263 


1,8218 


80,94 


— 


1,8446 


1.8400 


1,8353 


1,8307 


1,8262 


81,37 


— 



202 



Schwefelsäure. 





Dichtigkeit 1: 


ei: 




Gehalt an 


Freies SO3 












SO-3 


HR CD, 


15« 


20" 


25" 


30" 


35" 


im Ganzen 

"0 


Lunge 

"/o 


1,8509 


1,8466 


1.8418 


1,8371 


1,8324 


81.91 


1,52 


1,8571 


1,8522 


1.8476 


1,8432 


1.8385 


82,17 


2,94 


1,8697 


1.8647 


1,8595 


1.8545 


1.8498 


82,94 


7,12 


1,8790 


1.8742 


1,8687 


1,8640 


1.8592 


83,25 


9,84 


1,8875 


1.8828 


1,8767 


1,8713 


1,8661 


83,84 


12,03 


1.8942 


1,8888 


1.8833 


1,8775 


1,8722 


84.12 


13.54 


1,8990 


1.8940 


1,8890 


1.8830 


1,8772 


84.33 


14,69 


1,9034 


1.8984 


1.8930 


1.8874 


1.8820 


84,67 


16,55 


1,9072 


1,9021 


1,8950 


1.8900 


1,8845 


84.82 


17,36 


1,9095 


1.9042 


1.8986 


1,8932 


1,8866 


84.99 


18,29 


1,9121 


1.9053 


1.8993 


1,8948 


1,8892 


85.14 


19,09 


1,9250 


1,9193 


1,91.35 


1.9082 


1.9023 


85,54 


21,27 


1,9290 


1.9236 


1,9183 


1,9129 


1.9073 


85,68 


22,04 


1,9368 


1.9310 


1.9250 


L9187 


1.9122 


85,88 


23,13 


1,9447 


1.9392 


1.9334 


1,9279 


1.9222 


86,51 


26,56 


1,9520 


1,9465 


1,9402 


1.9338 


1.9278 


86,72 


27,69 


1.9584 


1,9528 


1,9466 


1.9406 


1,9340 


87.03 


29,89 


1,9632 


1,9573 


1,9518 


1.9457 


1.9398 


87,46 


31,73 


Kiystallis. 


Kiystalhs. 


1,9740 


1,9666 


1.9740 


88,00 


34.67 



Diese Tabelle dient zur Beurtheilung der rauchenden H.)S04 während der 
Betriebsführung und ist in der Nähe des Monohydrats unsicher. 

Ueber die wechselnden Aggregatzustände der rauchenden H2SO4 bei 15.5 " und 
26,6" bei verschiedenen Gehalten an SO3 hat Messel, Soc. Ch. Ind. 1885. 573, 
eine Tabelle veröffentKcht, welche sich auch in Lunge, Sodaind. 1893. 1. 800 findet. 



Das Oleum ist stets durch Verkohlung kleiner Mengen organischer 
Substanz gelblich oder braun gefärbt. Durch Vermischen mit HgO 
geht es in gewöhnliche H^SO^ über, wobei eine starke Wärmeent- 
bindung stattfindet. Es enthält gewöhnlich alle Verunreinigungen der 
englischen H^,SO^, nur in etwas geringeren Mengen. 

Rauchende Schwefelsäure zeigt gewöhnlich 68 ^' Be. und kocht 
bei 40 bis 50 '^ unter Ausstossung von Anhydriddämpfen, während 
Monohydrat im Rückstaude bleibt. 

Beim Abkühlen auf ^ kryst. Pyroschwefelsäure KjSaO, (Di- 
schwefelsäure) heraus. Dieselbe enthält 89,89 ^/o SO,, und 10,11 ^'/o 
HgO und schmilzt bei 35 '^, indem sie sich in SO3 und HgSO^ zersetzt. 

Man kann auch ein krystallisireudes Hydrat der Pyroschwefel- 
säure erhalten 2 (HoS^O-) -f H^O, welches 14,44 "0 H^O enthält und 
bei 25 '^ schmilzt. 

Das vöUig reine Schwefelsäureanhydrid ist nach R. Weber 
(P. A. 159. 313), wie schon S. 190 erwähnt, eine sehr bewegliche, 
farblose Flüss., welche beim Abkühlen zu salpeterähnlichen Kryst. 
erstarrt, welche bei 14,8" schmelzen. Das Schwefeltrioxyd hat nach 
Schultz-Sellack bei 13^ ein VoL-Gew. 1,9546, bei 20" (geschmolzen) 
1,97. Es siedet bei 46 ". Durch geringe Beimischungen von HgSO^ 
werden seine Eigenschaften etwas verändert, so dass man glaubte, eine 
zweite Art SO3 annehmen zu müssen. 

Während die trockenen Dämpfe des SO^ farblos sind, verbreiten 
sie an der Luft sofort weisse Nebel von HoSO^. Mit H,0 verbindet 



Anwendung. 203 

es sich so heftig, dass es wie glühendes Eisen darin zischt. Trotzdem 
ist es schwierig, aus Gasgemischen das SO., völlig auszuwaschen. Ver- 
fasser fand in den Gasen eines Sulfatofens, nachdem dieselben durch einen 
mit Koks gefüllten Kondensor hindurch gegangen waren, noch H^SO^. 

Bei völliger Abwesenheit von H2O röthet SO^ Lackmus nicht. 
Weber hat verschiedene Verbindungen desselben mit S beschrieben. 
Durch stark glühende Röhren geleitet, zerfällt es in SOg und 0; bildet 
sich in niedrigerer T. aber wieder zurück, namentlich bei Berührung mitPt. 

Die Untersuchung der H^SO^ erfolgt nach den gewöhnlichen 
analytischen Methoden. Ausführlicheres darüber findet sich namentlich 
in Lunge, Sodaindustrie 1. 39, und Taschenbuch 1892. 140, Nur wegen 
der Untersuchung auf As sei noch hingewiesen auf die Arbeiten von 
F. Selrai (Ch. Ind. 1880. 198) und R. Kissling (Ch. Ind. 1886. 137). 

Aniveudniigen. I. Kammersäure von 50 bis 53" Be. wird gebraucht zur 
Herstellung der ganz verd. H.2SO4, um aus Geweben, welche durch Chlorkalk ge- 
bleicht worden sind, die letzten Spuren des Chlorkalkes zu entfernen. 

II. Säure von 60 bis 62 " Be., die entweder im Glover-Thurm oder in Blei- 
pfannen eingedampft ist, ist diejenige Form, in welcher die grösste Menge der 
überhaupt erzeugten HiSOj verbraucht wird, nämlich: zur Fabrikation von Natrium- 
sulfat, im Leblanc-Soda-Prozess, oder von Kaliumsulfat im Leblanc-Pottasche-Pro- 
zess: dadurch gleichzeitig zur Fabrikation von HCl, Chlorkalk, chlorsaurem Kali, 
S , Soda , Seife , Glas , zur Darstellung vieler Säuren : ausser HCl noch der HNO3, 
Schwefligsäure, Phosphorsäure, Flusssäure, Borsäure, Chromsäure, CO'), Oxalsäure, 
Weinsäure, Essigsäure, Citronensäure , Stearinsäure, Palmitinsäure. Oelsäure; zur 
Fabrikation des sauren Calciumsphosphats durch Aufschliessen von Phosphorit oder 
des Kochenmehls als DüngstofFe ; zur Darstellung von P, J, Br, Cl ; zur Darstellung 
des Ammoniumsulfats, des Baryumsulfats (Blanc fixe), des Kalksulfats (Annaline 
oder Pearl-Hardening) ; zur Abscheidung des Baryts , Strontians und Kalkes bei 
vielen Prozessen , z. B. bei der Fabrikation der Stearinkerzen , zum Zersetzen der 
Kalkseife; zur Darstellung von Alaun, Eisen- und Kupfervitriol, des Kalium- 
chromats und Bichromats; in der Metallurgie des Mg, AI, Fe, Zn, Cu, Hg, Co, Ni, 
Pt, Ag und Au , und zur Darstellung der Salze dieser Metalle ; zum Beizen und 
Reinigen von Eisenblechen, behufs Verzinkung oder Verzinnung; zum Betreiben 
galvanischer Elemente, also in der Telegraphie, Telephonie, der galvanischen Ver- 
silberung und Vergoldung; zur Darstellung von H und Wasserstoffsuperoxyd; zur 
Darstellung des gewöhnlichen Ae. und der künstlichen Ae.-Arten; zur Fabrikation 
des Garancins und anderer Krapppräparate; zur Darstellung und Reinigung vieler 
organischer Farbstoffe, Oele und Mineralöle (Rüböl, Solaröl, Petroleum, Paraffin); zur 
Herstellung des Pergamentpapiers; zur Fabrikation des Stärkesyrups und Stärke- 
zuckers , zur Saccharifikation des Getreides , des Maises ; zur Neutralisation der 
alkalischen Reaktion von zur Gährung bestimmten Flüss. (Melasse, Presshefe); zur 
Zerstörung von Pflanzenfasern in gemischten Lumpen , zum Entkletten der Wolle, 
und zu vielen anderen Industriezweigen. 

III. Gewöhnliche (englische) konz. Säure von 65,5 bis 66 Be. wird 
gebraucht zur Darstellung der fetten Säuren durch Dest., zur Reinigung des Rüb- 
öls, zur Fabrikation von Pyroxylin (Collodium), Pikrinsäure, Nitrobenzol, Nitro- 
naphtalin und anderer leicht nitrirbarer Körper ; zur Reinigung des Benzols , des 
Petroleums, Paraffinöls und anderer Mineralöle; zur Darstellung von nach 
Deville und Debray, oder aus Braunstein, zum Austrocknen der Luft, nament- 
lich für Laboratoriumzwecke, aber auch zum Trocknen von Cl im Hurter-Dea- 
con'schen Prozess, und anderen technischen Zwecken, z. B. zum Austrocknen der 
Trockenräume für Leim , oder zum Trocknen des Cl , welches zum Entzinnen von 
verzinnten Fe-Abfällen dienen soll, u. a. 

IV. Höchst konz. H2SO4 von 66" Be. dient zur Affinirung des Au und 
Ag; zur Fabrikation des Nitroglycerins, der Schiessbaumwolle und anderer Nitro- 
körper; zur Fabrikation von Sulfosäuren organischer Körper, namentlich der 
Theei'farbstoflFe ; zum Auflösen des Indigos. 

V. Rauchende H2SO4 dient zum Auflösen von Indigo; zur Fabrikation 
des Alizarins , des Resorcins und vieler organischer Sulfonsäuren; zur Reinigung 
von Ozokerit und zur Darstellung der Stiefelwichse. 



204 



Schwefelsäure. 



VI. Schwefelsäureanhydrid ersetzt mehr und mehr die rauchende 
H2SO4 zu den dort angeführten Zwecken, weil es sich bequemer verschicken lässt 
als diese. Es wird auch namentlich gebraucht zur Darstellung von Benzoldisulfo- 
säure und Anthrachinondisulfosäure. 

VII. Reine H0SO4 in verschiedeneu Konzentrationen wird bei den meisten 
chemischen Untersuchungen gebraucht; ausserdem in der Pharm acie und Medizin, 
z. B. als Mittel gegen Bleivergiftungen; als antiseptisches Mittel, z. B. bei Blut- 
zersetzung. 

Wirthscliaftliclies und Statistik über Schwefelsäure. 
Die wirtlischaftliche Bedeutung der H^SO^ liegt darin, dass sie die 
Grundlage der ganzen chemischen Industrie bildet, dass ihre Fabri- 
kation in grossem Massstabe die Entwickelung der heutigen Industrie 
ermöglichte, und dass nur wenige Industriezweige ohne die Mitwirkung 
der HgSO^ betrieben werden. 

Herstellungskosten der Schwefelsäure. 
I. Aus Rohschwefel: 









Herstellungskosten von 




Ort 


Nähere Umstände 


100 kg H0SO4 


in Form von 


Zeit 


Kammer- 


massig 
konzentrirter 








saure 


Säure 


Vor 1740 


England 


Unter Glasglocke 





8 820 Mk. 


1740 


London, Ward 


Mit Retorten 


— 


441 , 


1797 


Glasgow 


Kleine Bleikammern 


— 


64 , 


1867 


Marseille 


Bleikammern 


6,80 Mk. 


— 


1886 


New-Torku. Philadelphia 


Als Säure von 50" Be. 


4,40 - 


— 


1888 


Ebendort 


Als Säure von 60'' Be. 


5.98 , 


— 


1891 


Atlanta, Georgia 


Als Säure von 50" Be. 


4,44 „ 


— 


1892 


Verein. Staaten Amerikas 


Als Säure von 48" Be. 


6,20 , 


- 





IL Aus Schwefelkies. 












Herstellungskosten von 




Ort 


Nähere I'mstände 


100kgH.,SO 


i in Form von 


Zeit 












Kammer- 


konzentrirter 








saure 


Säure 


1867 


Belgien 


Pyrit mit 35 "/o S 


5,16 Mk. 


_ 


1876 


Frankreich 


Pyrit mit 35bis40"/üS 


4,46 , 


4.52 Mk. 


1885 


Ebendort, l'Oseraie 


Kammersäure von 










50" Be. 


2,26 „ 


— 


1874 


England, Newcastle 


Ohne Glover und 










Gay-Lussac 


3,67 „ 


— 


1874 


Ebendort 


Mit Glover, ohne 










Gay-Lussac 


4,40 . 


— 


1873 


Ebendort 


Mit Glover und 










Gay-Lussac 


3,60 , 


— 


1876 


Ebendort 


Mit spanischem Pvrit 


2.37 , 


— 


1889 


Ebendort, Lancashire 


Spanischer Pyrit 










49,55 "/o S 


2,31 „ 


— 


1881 


Deutschland, Mannheim 


Rio Tinto-Pyrit 


2,48 , 


2,82 , 


1889 


Ebenda 


Als Glover-Säure 
142 " Tw. 


2,20 „ 





1886 


Verein. Staaten Amerikas 


Säure von 50 " Be. 


3,80 „ 


— 


1892 


Ebenda 


Säure von 50 " Be. 


3,37 , 


— 



Wirthschaftliches und Statistik. 



20^ 



Als Muster für die Aufstellung der Bereclinung mag hier nur die 
eine angeführt werden: 

100 kg 66grädige Säure aus Rio Tinto-Pyrit mit 48,5 °/o S er- 
forderten (mit Glover- und Gay-Lussac-Thurm) : 

71 bis 72 kg Pyrit zu 1,90 Mk. die 100 kg. . . . 1,36 Mk. 

2,06 kg HNO3 36 "^ Be. zu 30 Mk. die 100 kg . . 0,62 „ 

3,91 , Saarkohle für den Betrieb zu 1,20 Mk. 

die 100 kg 0,05 „ 

21,36 „ Kesselkohle für Dampf zu 1,15 Mk. . . . 0,25 , 

Löhne am Kammerbetrieb 0,10 „ 

Reparaturen 0,10 „ 

16 kg Kohlen am Platinkessel zu 1,20 Mk. die 100 kg 0,19 „ 

Arbeitslohn und Reparaturen daran 0,15 „ 

100 kg 66grädige Säure 2,82 Mk. 

Ausser den Fabrikationskosten sind noch die Verpackungskosten 
zu berücksichtigen, die bei Anwendung von Glasflaschen sich auf etwa 
4 Mk. für 100 kg Säure stellen. 




Die Versendung der H.)S04 geschah früher allgemein in Flaschen aus Glas 
oder Steinzeug von etwa 50 cm Höhe und 50 cm grösstem Durchmesser. Man be- 
nutzt diese Verpackungsart auch jetzt noch vielfach im Inlande. Jede Flasche ist 
in einen Korb eingebettet, dessen Boden gut versichert ist. Sie fasst 70 bis 110 kg 
H2SO4, je nach ihrer Grösse. 

Geschieht die Versendung auf Kanälen, wie z. B. im Norden Frankreichs, 
so kann man die H2SÖ4 in ausgebleiten Schiffsräumen transportiren. Kuhlmann 
hat dafür besondere stabile Kähne 
konstruirt, Fig. 53. 

Für die Versendung mit der 
Eisenbahn benutzte die Ocker- 
Hütte für ßOgrädige Säure Pb- 
Cj'linder von T^J2 t Fassungs- 
vermögen. 

In England benutzte man um 
1880 ebenfalls zugelöthete Pb- 
Kisten von kubischer oder oblonger 
Form, die etwa 100 kg Säure fass- 
ten. Und zwar wählte man dazu 
gern Pb, welches V^ bis ^/4 "/o An- 
timon enthielt. Reines Pb hält 
sich nicht so gut. 

Säure, welche stärker als 
57 "Be. ist, kann man aber auch in schmiedeisernen Gefässen versenden (B almain 
und Menzies 1870). Man hat dafür besondere Kesselwaggous konstruirt. 

Aus den nordfranzösischen Fabriken wurden 1883 grosse Mengen in Pt auf 
66° Be. konz. H2SO4 in schmiedeisernen Trommeln von 3 bis 4 mm Wandstärke 
nach . Südamerika verschickt. Der Verschluss wurde mit Pb verlöthet. Diese 
Trommeln von etwa 60 cm Höhe und 40 cm Durchmesser hielten sich so gut, dass 
sie in Buenos-Ayres als Spiritusfässer weiter benutzt wurden. 

Um das Verschicken flüss. H)S04 überhaupt zu vermeiden, schlugen 
Vorster und Grüneberg (D.R.P. Nr. 24748 v. 3. Juni 1883, Fr. Br. 156567 v. 
16. Juli 1883, Ch. Ind. 1883. 336; 1884. 83) vor, die H2SO4 von Kieseiguhr aufsaugen 
zu lassen. 1 Gewichtstheil Kieseiguhr, von seiner Grubenfeuchtigkeit befreit, nimmt 
8 Gewich tstheile H2SO4 von 66*' Be. auf und gibt damit eine Masse, welche sich 
leicht in Fässer verpacken lässt. 

A. Rickmann (D.R.P. Nr. 45 723 v. 5. Febr. 1888, Ch. Ind. 1889. 32) will 
dasselbe Ziel erreichen durch Venuischung mit entwässerten Phosphaten. 

Rauchende H2SO4 wird nur in Glasflaschen verschickt und wird dadurch 
sehr vertheuert. 



Fig. 53. 



Kahn zum Transport von Schwefelsäure. 
Querschnitt. 



206 



Schwefelsäure. 



SO3 wird sehr bequem in zugelötheten Kisten aus verzinntem Eisenblech ver- 
packt. Solche Kisten enthalten 50 bis 60 kg Anhydrid, welches zu 2,50 Mk. bis 
1,90 Mk. für 1 kg verkauft wird. Wegen der leichten Versendbarkeit des SO3 hat 
dessen Fabrikation eine grosse Zukunft. 

Schwefelsäurestatistik. Die offizielle Statistik erfasst haupt- 
säclilich die Produktion der fiskalischen Werke, während über die Pro- 
duktion der privaten Fabriken nur lückenhafte Angaben vorliegen, 

Deutsches Reich nach der offiziellen Statistik: 



Jahr 


Menge in 
t 


Werth 

in 

1000 Mk. 


Preis für 

1000 kg 

Mk. 


Jahr 


Menge in 
t 


Werth ' Preis für 
in 1000 kg 
1000 Mk. T^jjj 


1880 
1885 
1890 


156 052 
343 295 
460 081 


8 487 

13 468 

14 991 


55,90 
39,23 
32,88 


1891 
1892 
1898 


464 551 
479 393 
506 624 


15 437 
14 149 
14 928 


33,79 



Die Mengen sind in dieser Statistik als „englische H^SOj" mit etwa 94 7» 
H2SO4 ausgedrückt. Die Preise sind Nettopreise ; die Bruttopreise können je nach 
der Verpackung mehr als das Doppelte betragen. Die Preise waren in Preussen allein 
um etwa 1 Mark für die Tonne niedriger. 

Wie gross die Mengen HgSOj, sind , welche sich der offiziellen 
Statistik entziehen, erhellt aus folgender Tabelle, welche Verfasser ähn- 
lich berechnet hat, wie R. Hasenclever (Ch. Ind. 1884-. 78; 1892. 71) 
es für 1882 und 1890 ausgeführt hat. Die Schwefelsäure-Mengen sind 
ausgedrückt als wirkliche H.,SO,. 

Schwefelsäureproduktion im Deutschen Reiche. (In Tonnen H.2SO4.) 



Jahr 



Aus Schwefelkies 



deutschem, franz. spanischem und 
und italienischem portugiesischem 



Menge I 0/ I H.2SO4 Menge 0/ H.2SO4 
in t '° in t in t ''* in t 



ungarischem u. 
norwegischem 



Menge 
in t 



7o 



H.,SO. 
I in t 



.2 '=•- 



» _ 






.. rt X 



1880 
1885 
1890 
1891 



,100000 
102400 
127200 
184300 



1892122000 



108il08000 61600129 79460 7000:119 



111 
113 
114 
114 



113660|100000131 13100016800 125 
143 7401177 600j I34I237 980' 7 300 130 
153 100|204000i 134 273360! 7300 130 
139080185300:134,248300; 5400 130 



8330129000 
20380 81260 



9490 
9490 
7020 



34120 
[33000 
33000 



20000 

48000 
58820 
GOOOO 
62000 



500 
4 000 
7S10 
7 500 
7 00C 



245290 
348300 
[491960 
536450 
496400 



Hierzu wurde an Natriumnitrat (95 7») verbraucht : 



Jahr 


In " des 


In "0 der 


Menge 




verbrannten S 


erzeugten H2SO4 


t 


1880 


5.5 


1.796 


4 405 


1885 


5 


1,633 


5 688 


1890 


4,5 


1,469 


7 227 


1891 


4 


1,306 


7 006 


1892 


4 


1,306 


6 483 



Die Produktion der rauchenden Schwefelsäure hat in den 
letzten Jahren beträchlich abgenommen. An ihrer Stelle nimmt die 
Fabrikation von Schwefelsäureanhydrid beständig an Bedeutung 



Statistik. 



207 



zu. Nach der Zeitschr. f. d. Berg-, Hütten- und Salinenwesen wurden 

an rauchender Schwefelsäure im Deutschen Reiche erzeugt: 

Jahr 1880 1884 1886 1890 1891 1892 1893 
t 1108,5 9351,7 3442 3963 3082 3343 11166 

Preise für rauchende Schwefelsäure (incl. SO.j): 
1886: 52,70 Mk. für 1 t 1891: 207,15 Mk. für 1 t 1898: 56,11 Mk. für 1 t 
1890: 81,01 , , 1 , 1892: 150,40 „ ,1t 

Dies zeigt, wie rasch die Produktion von SO3 zunimmt. 
Die Einfuhr und Ausfuhr von H,SO^ betrug nach der Statistik 
des Deutschen Reiches in Tonnen zu 1000 kg: 





Einfu 


h r 


Ausfuhr 


Im Jahre 




Werth in 




Werth in 




Menge in t 


1000 Mk. 


Menge in t 


1000 Mk. 


1880 


10 258,3 


923 


7 730,7 


7:34 


1885 


6 379,7 


478 


17 347,7 


1388 


1890 


8 801,3 


704 


16 876,7 


1849 


1891 


7 189,2 


539 


16 625,0 


1247 


1892 


6 934,3 


485 


20 348,0 


1424 


1893 


5 746,9 


402 


18112,1 


1268 



Hiernach lässt sich der H^SO^- Verbrauch im Deuschen Reiche 
leicht berechnen. 

esterreich -Uno- am nach offizieller Statistik: 





Produktion 


Oesterreich -Ungarn 


Jahr 


in Oesterreich 


in Ungarn 


Einfuhr 


Ausfuhr 


Ver- 




Menge 
in t 


Werth in 


Menge 
in t 


W^erth in 
fl 


t 


fl 


t fl 


brauch 
in t 


1880 
1885 
1890 
1891 
1892 


12 235 
11559 
11834 

12 268 
11088 


1 171 780 
499 358 
441 947 
374 577 
815 433 


3 037 

2 642 

779 


69 162 
37 800 


2712 
8 666 

4 025 
2 689 
1909 


162 726 
109 980 
181 134 
134 470 


3 913 
3 895 

5 232 
3 953 

2 855 


469 572 
350 532 
575 558 
397 255 


14 071 
13 972 
10 906 



Grossbritannien. Die Grösse der HgSO^- Produktion in Gross- 
britannien kann nur aus der Menge des verbrauchten Schwefelkieses 
berechnet werden. G. Lunge hat dies in folgender Tabelle gethan 
(Ch. Ind. 1884. 214), in welcher die Säuremengen auf reines H^SO^ 
berechnet sind, mit der von ihm selbst angegebenen Berichtigung: 





Schwefelsäure erzeugt 


Schwefelsäure verbraucht 


Jahr 


aus 
Pyrit 


aus Roh- 
schwefel 


im 
Ganzen 


zu 
Sulfat 


ander- 
weitig 


im 
Ganzen 


1878 
1880 
1883 


747 900 
771771 
815 574 


54 000 
63 000 

55 000 


801 900 
834 771 
870 574 


417 406 
501 612 
484 252 


880 494 
270 159 
331 322 


747 900 
771771 
815 574 



Bei Berechnung dieser Tabelle setzte Lunge 100 Pyrit = 130 H2SO4 und 
Salz = 4 Pyrit oder 100 Salz = 75 H2SO4. 

Die Pyritsäure wird fast ausschliesslich zur Sulfat- und Dünger- 
fabrikation verbraucht; nur ein kleiner Tlieil wird exportirt. 



208 



Schwefelsäure. 



Von anderen Ländern wurden um das Jahr 1890 folgende 
Mengen H.,SO^ erzeugt und verbraucht; in Tonnen zu 1000 kg: 



Land 



Produk- 
tion 



Import 



Export 



Konsum 

ab- 
gerundet 



Frankreich 

Italien 

Schweiz 

Schweden 

Spanien 

Canada 

Vereinigte Staaten Amerikas 
China 



234 000 
46 295 

2 124 

4 964 

500 000 



3 546 
312 

2 439 
611 

4 155 



69 



5 687 
203 



232 000 
47 000 

2 800 

4 200 

5 000 
500 000 



Schwefelsäureproduktion der Erde. Die Vereinigten Staaten 
führten 1880 im Ganzen 105 097 t Rohschwefel und 169 t Schwefel- 
blumen und Stangenschwefel aus Italien, Japan und anderen Ländern zum 
Verbrauch ein, wovon hier nur der erste Posten in Betracht kommt. 

Die S-Ausfuhr aus Sizilien betrug 274136 t, wovon 96472 t nach 
den Vereinigten Staaten gingen, so dass für den europäischen Verbrauch 
177664 t übrig blieben. Für diesen Verbrauch nehmen wir folgende 
Vertheilung au: 

0,5 zur Landwirthschaft (Weinkultur), 

0,3 zur Fabrikation von Schiesspulver, 

0,1 zur Fabrikation von H^SO^, 

0,1 zu Schwefelkohlenstoff. Ultramarin und anderen Zwecken. 

Die spanische und griechische S-Produktion kommt nicht in Be- 
tracht, da dieselbe fast ganz im Inlande zur Weinkultur und Fabrikation 
von Schiesspulver verbraucht wird. Ebenso können wir die kleine 
Menge Schwefelkies vernachlässigen, welche zur nassen Cu-Extraktion 
verbraucht wird. 

Danach ergibt sich folgende Uebersicht für das Jahr 1880: 





Aus- 
bringen 


Schwefel- 
säure- 
Produktion 
in t H.,S04 


Salpeterverbrauch 


Ort und Rohmaterial 


In 7o des 

ver- 
brannten 
Schwefels 


Menge 
in t 


Vereinigte Staaten Amerikas: 

105 097 t Rohschwefel ^95 7o) . . . 
22 000 t Pyrit 


285 
125 


299 500 
27 500 






Vereinigte Staaten 1880 

Länder Europas: 

17 766 t Schwefel 

1 091 000 t Pyrit 

202 000 t Zinkblende | 
Gemischte Erze und Gasreinigungs-| 

masse j 


285 
1.80 


327 000 

50 600 
1 418 300 

54 600 


6,5 


7 300 


Europa 1880 


1 523 500 


5 25 700 


Auf der Erde 1880 




1 850 500 


5,27 


33 000 



Nebenzweige. 



209 



Im Jahre 1890 führten die Vereinigten Staaten von Nordamerika 
131086 t Rohschwefel und 191 t Schwefelblumen und Stangenschwefel 
aus Italien, Japan, holländisch Ostindien und anderen Ländern zum 
Verbrauch ein, wovon hier nur der erste Posten in Betracht kommt. 

Die S- Ausfuhr aus Sizilien betrug 364363 t, wovon 109558 t 
nach den Vereinigten Staaten gingen, so dass für den europäischen 
Verbrauch 254805 t übrig blieben. Hierfür nehmen wir dieselbe Ver- 
theilung an, wie für 1880. 

Danach ergibt sich folgende Uebersicht für das Jahr 1890: 





Aus- 
bringen 

7« 


Schwefel- 
säure- 
Produktion 
in t H.2SO4 


Salpeterverbrauch 


Ort und Rohmaterial 


In 7o des 

ver- 
brannten 
Schwefels 


Menge 
in t 


Vereinigte Staaten Amerikas: 

131 086 t Rohschwefel (95 7o) . . . 
224 431 t Pyrit 


285 
130 


373 600 
291700 






Vereinigte Staaten 1890 

Länder Europas: 

2.5 480 t Schwefel 

1 499 580 t Pyrit 

391 000 t Zinkblende | 
Gemischte Erze und Gasreinigungs-> 

masse J 


285 
132 


665 300 

72 600 
1 979 400 

100 600 


5,5 


12 600 


Europa 1890 


2 1.52 600 4,5 32 600 


Auf der Erde 1890 




2 818 000 


4,74 


45 200 



Nebenzweige der Schwefelsäurefabrikation. 

Der wichtigste Nebenzweig der H2S04-Fabrikation ist unstreitig die Gewin- 
nung des Cu aus den Pyritabbränden auf nassem Wege. Ja, die Compagnie d'ex- 
ploitation des minerais de Rio Tinto, welche sich um 1881 bildete, wollte die 
Cu-Extraktion aus ihren Pyriten geradezu zum Hauptzweck ihrer Unternehmung 
machen, und die Fabrikation der H2SO4, der Soda und des Chlorkalkes etc. nur als 
Nebenzweige betrachten. Zur Cu-Extraktion eignen sich am besten Abbrände, welche 
3 bis 470 Cu enthalten. Dieselben werden mit etwas Pyrit und Kochsalz der chloriren- 
den Röstung unterworfen. Die Cl-Verbindungen des Cu werden ausgelaugt und durch 
Fe gefällt. Bei geringerem Cu-Gehalt rentirt sich das Verfahren nicht mehr, bei 
höherem, z. B. 7 bis 8 7" Cu, hatte man in Oker 1871 grosse Schwierigkeiten, in- 
dem die Röstöfen aus allen Fugen Dämpfe von Eupferchlorid ausstiessen (vergl. 
Wedding und Ulrich, Z. B. H. S. 19. 298 und Lunge, Sodaindustrie 1, 542). 

Der Rückstand aus der Cu-Extraktion ist fast reines Eisenoxyd (Purple 
Ore) und wird auf Fe verhüttet, während die Pyritabbrände direkt nicht als 
Eisenerz zu benutzen gehen. 

Die Extraktion von Zink aus den Pyritabbränden oder den Abfall- 
laugen der Cu-Extraktion ist mehrfach versucht worden. Die vorgeschlagenen Me- 
thoden sind aber meistens zu theuer. 

Die Gewinnung des Thalliums findet fast ausschliesslich aus dem Flug- 
staub der Meggener Kiese statt. Schaffner in Aussig (W. J. 1871. 1) beschi-eibt 
dieselbe wie folgt : Man richtet hinter den Röstöfen besonders grosse Flugstaub- 
kammern ein, in denen der Flugstaub sich absetzt. Derselbe ist durch Eisenoxyd 
roth gefärbt, enthält viel AS2O3, Ferrisulfat, etwas ZnO, PbO, Spuren von Sb, Ag, 
Handbuch der ehem. Technologie. I. 14 



210 Schwefelsäure. 

Thalliumsulfat etc. (Carstanjen, W. J. 1868. 10, fand darin 3,5 "/o Tl: 
Nietzki, W. J. 1876. 4, nur 0,1 bis 0,2 7o, ausnahmsweise bis 1 "/o Tl.) 

Der Flugstaub wird mit sehr verd. H.2SO4 gekocht. Aus der Lsg. wird das 
Tl als Chlorür gefällt, in Sulfat übergeführt und mehrere Male gereinigt. Das 
reine Thalliumchlorür wird mit Zn reduzirt, in Leuchtgas eingeschmolzen und in 
luftfreiem HoO oder in Zinksulfatlsg. aufbewahrt (Lunge, Sodaindustrie 1, 589). 

Nietzki fällt das Tl als Jodthallium. Andere Fabrikationsweisen (von Wöhler 
A. 164. 74; Krause, D. 217. 323) führt Lunge an. 

Tl wurde 1862 von Crookes undLamy entdeckt. Es ist ein weisses, sehr 
weiches Metall von 11,86 SG., schmilzt bei 290 ", verflüchtigt sich in der Glühhitze 
und oxydirt sich an der Luft. AG Tl. = 408. Die lösl. Tl-Salze sind giftig. 

Tl-üntersuchungen sind ausgeführt worden von E. A. Werner, Ch. N. 
1886. 52, Ch. Ind. 1S86. 262; B. Kos mann. Ch. Z. 1886. 762: Ch. Ind. 1886. 278; 
H. N. Warren, Ch. N. 55. 241, Ch. Ind. 1887. 325; G. Neumann, A. 244. 349; 
W. Feit, Z. anal. Ch. 1889. 314. 

Tl dient hauptsächlich zur Herstellung optischer Gläser. Lamy und A. Wink- 
ler stellten Gläser her bis zu 5,625 SG. und 1,965 Brechungsexponent, in denen K 
zum Theil durch Tl und Pb durch Bi ersetzt ist. Thalliumchlorat dient zur Er- 
zeugung von Grünfeuer (vergl. Philipp in Hofmann's Ber. 1. 1020). 

lieber die Quantitäten, welche erzeugt wurden, ist nichts bekannt. Der Preis 
des Tl betrug 1874 noch 1063 Mk., 1884 aber nur 200 Mk. für 1 kg. 

Die Gewinnung des Selens aus dem Flugstaub und dem Schlamm der 
Bleikammern lohnt sich am besten bei Anwendung der kiesigen Erze vom Harz 
(Mansfeld und Oker). In dem Schlamm einiger Harzer Fabriken soll bis 10 7» Se 
enthalten sein, in dem Flugstaub der Eislebener Fabrik 9 °/o. 

Se wurde 1817 von Berzelius in dem Schlamm der Gripsholmer H2SO4- 
Fabrik entdeckt, in welcher man Fahluner Kiese verarbeitete. Es findet sich auch 
in dem S der Solfataren von Neapel (nach Phipsen zu 0,264 "/o) und in einigen 
französischen Schwefelkiesen, z. B. demjenigen von Sain-Bel bei Lyon (Lunge, 
Ch. Ind. 1883. 128) ; aber auch in den spanischen von Rio Tinto. Ein Theil des 
Se bleibt in der H-,S04 gelöst und geht in die HCl über (vergl. die Arbeit des 
Verf. in D. 1876. 221. 356). Nach Divers (Ch. N. 44. 229) kommt Se neben Te in der 
H2SO4 vor, welche aus japanischem S fabrizirt wurde (0,37 g Te und 0,15 g Se in 1 1). 
Auch der Flugstaub enth ielt nach N a k a g a w a reichliche Mengen Se (Ch. In d. 1881. 420) . 

Die älteren Darstellungsweisen des Se führt Lunge. Sodaindustrie 1, 541 an. 
H. Bornträger (D. 248. 505; Ch. Ind. 1883. 160) beschreibt folgendes neuere 
Fabi-ikationsverfahren : 

Man nimmt die Denitrii-ung der Nitrose und die Zuführung der HNO3 in 
Kaskaden vor, und lässt durch den Glover-Thurm nur Kammersäure fliessen, so dass 
sich das Se aus dem Flugstaub in der Glover-Säure anreichert. Dieselbe sieht 
dann ziegelroth und trübe aus von ausgeschiedenem Se. Diese Glover-Säure setzt 
beim Klären einen rothen Schlamm ab, den man mit HoO auswäscht und bei 100" 
trocknet. Die Analyse eines solchen Schlammes, der bei Verarbeitung spanischer 
Kiese von Rio Tinto erhalten wurde, ergab : 

Eisenoxyd und Kieselsä,ure . . 8,20 7o 

Selen 12,60 , 

Arsenige Säure 0,13 , 

Schwefelsaures Blei 76,30 „ 

Kupfer, Thallium etc. u. Verluste 2,77 „ 

100,00%. 

Dieser Schlamm wird in einer thönernen Retorte mit Vorlage in starker 
Rothglut bei Luftabschluss erhitzt, wobei das Se in metallischem Zustande in die 
Vorlagen sublimirt. Das Sublimat wird mit starker Natronlauge behandelt, um 
arsenige und selenige Säure zu entfernen, und mit HjO ausgewaschen, wobei 
reines Se zurückbleibt, das sich vollständig in konz. H2SO4 löst. 

Selen, AG. 79, hat ein Vol. -Gew. 4,26 bis 4,8, schmilzt bei 400" und siedet 
bei etwa 700". Es bildet verschiedene allotropische Zustände, mit sehr merk- 
würdigen physikalischen Eigenschaften. 

Die Gewinnung der übrigen seltenen Köi-per, welche im S, im Pyrit und in 
der Zinkblende in kleinen Mengen vorkommen : des Tellurs, des Galliums und 
des Indiums, hat noch keine industrielle Form angenommen. 

Jurisch. 



Salz. 

Vorkommen. NaCl findet sich in grössten Mengen in gelöster Form im 
Meerwasser, in Salzseen und in Salzquellen; in sehr grossen Mengen aber auch in 
fester Form als Steinsalz und als Ausscheidungen aus salzhaltigen Gewässei-n in 
Folge natürlicher Verdampfung. 

Meerwasser hat nicht überall denselben Salzgehalt, wie aus den unten 
folgenden Analysen ersichtlich ist. 

Unter den Salzseen sind folgende die wichtigsten: Das Kaspische Meer, 
der Aralsee, der Balkaschsee und einige kleinere Steppenseen des turanischen 
Tieflandes ; das Todte Meer, die Salzseen (Schotten) im südlichen Algier, der grosse 
Salzsee in Utah und der von Stanley entdeckte Salzsee von Katwee, 3200 Fuss 
über dem Meere, im Norden des AlbertEdward-Nyanza (Soc. Ch. Ind. 1890. 734). 

Deutschland besitzt einen kleinen Salzsee in der Nähe von Eisleben, welcher 
1892 einen Theil seines Was.«ers in die Mansfelder Bergwerke ergossen hat. 

Salzquellen und Salzflüsse finden sich in der Nähe von Steinsalzlagern 
oder in solchen Gegenden, in welchen Meerwasser verdampft ist und Salz an der 
Erdoberfläche zurückgelassen hat. Solch ein Salzfluss ist z. B. der Carisascha, 
welcher sich in den Eltonsee am Kaspischen Meere ergiesst (Lunge und Na- 
ville, 2. 26). Mehrere Salzflüsse finden sich im südlichen Algier. Das Wasser aus 
dem Rio ensalado in Pedernal (Chile) enthält nach F. Witting (Ch. Ind. 1883. 335).: 

32,80 7o NaCi (und andere Chloride) 
7,92 , Na9S04 
0,21 „ CaSOj. 

Ausführlicheres in G. Bischof, chemische und physikalische Geologie. 

Steinsalz bildet sehr mächtige Lager in den jüngeren Schichten der Erd- 
rinde. Mitunter ist es ganz rein und wasserklar, gewöhnlich aber ist es mit Thon, 
Gyps un d Magnesiasalzen durchsetzt. 

Deutschland besitzt ein sehr grosses, stellenweise 1500 m mächtiges Lager 
in der Triasformation, welches sich von Helgoland bis Inowrazlaw erstreckt, und 
welches namentlich in der preussischen Provinz Sachsen, um Stassfurt, Aschers- 
leben und Erfurt (von etwa 900 m Mächtigkeit), auch zu Sperenberg bei BerHn (über 
1000 m mächtig), zu Peine in Hannover, bei Segeberg in Holstein und bei Inowrazlaw 
bei Thorn ausgebeutet wird; ferner viele Salzlager im Teutoburger Walde, in 
Württemberg (Heilbronn) und im Rheinthal (Wyhlen); in Elsass-Loth ringen bei 
Vic, Salzburg und Dieuze, Theile des grossen Salzlagers von Dombasle-Varangeville 
bei Nancy, und im südöstlichen Bayern (Berchtesgaden, Reichenhall). 

Oesterreich- Ungarn hat stellenweise 500 m mächtige Salzlager in Tirol, 
Salzburg und Salzkammergut (Hall , Hallein , Hallstadt , Salzburg , Ischl , Aussee, 
Ebensee) ; ferner das grosse Steinsalzlager von Wieliczka, Bochnia. Laczko, Stebnik 
am Nordrande der Karpathen in Tertiärgebilden und die Lager von Szlatina, 
Rönaszek, Sugatag in der südlichen Abdachung derselben; endlich in Siebenbürgen 
die Salzlager von Desakna, Torda, Parajd, Maros-Ujvar und Viszakna ebenfalls im 
Tertiärgebirge. 

Rumänien hat sehr ausgedehnte Salzlager am Südabhang der transsylvani- 
schen Alpen, z. B. bei Slanic bei Brahowa. 



212 S*l2- 

Spanien besitzt in der Kreideformation ein Salzlager bei Cardona in Cata- 
lonien von 130 bis 170 m Mächtigkeit, welches an einigen Stellen zu Tage tritt. 

Italien besitzt ebenfalls in der Salzregion Siziliens mehrere Steinsalzlager, 
welche aber nur wenig oder gar nicht ausgebeutet werden. 

Die Schweiz hat eine Saline zu Bex in Waadt. Das Steinsalz ist hier zu 
ungefähr gleichem Gewicht mit Gyps gemengt und lithionhaltig (L. v. Balzberg, 
Oesterr. Zeitschr. f. Berg- und Hüttenw. 1878. 26). 18U2 wurde ein neues Stein- 
salzlager entdeckt. 

In Franki-eich sind ausser dem schon erwähnten Steinsalzlager von Dombasle- 
Varangeville in Meurthe-et-Moselle im Kohlengebirge und Jurakalk noch eben solche 
vorhanden in den Departements Jura, Haute-Saone, Ariege und Basse-Pyrenees. 

England besitzt ein sehr grosses Salzlager im Trias in Cheshire (Northwich, 
Droitwich), welches aber grösstentheils unter Wasser gesetzt ist, so dass es fast 
nur in Form von Salzsoole ausgebeutet wird (Soc. Ch. Ind. 1889. 620). Ein anderes 
bei Middlesborough on Tees, 1863 aufgefunden. 

Häufig kommt das Steinsalz zusammen mit Kohlenwasserstoffen, namentlich 
Petroleum, vor, so bei Peine in Hannover, in den Alpen, den Karpathen, an den 
schon erwähnten Orten im asiatischen Russland, in Syrien, Persien, an den Ab- 
hängen des Himalaya, in China, in Nordafi-ika, namentlich Algerien, in Abyssinien, 
in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, Canada und am Fusse der boliviani- 
schen und peruanischen Anden. Man vergl. die Literatur in Hofmann's Ber. 
1024 ff. 

Während die grossen Steinsalzlager sich in einer gewissen Tiefe im Boden 
befinden, eingebettet in Sandstein, Thon und Muschelkalk oder Lehm, findet sich 
Kochsalz auch an vielen Orten an der Erdoberfläche, häufig mit Thon oder Mergel 
gemischt (Salzthon), bedeckt während der heissen Jahreszeit weite Strecken der 
Steppen am Kaspischen Meere und bildet selbst Berge in Syrien und Algerien. 

Entstehung der Steinsalzlager. Die Entstehung der grossen Stein- 
salzlager der Tertiärzeit erklärt man sich in derselben Weise, in welcher man noch 
gegenwärtig die Bildung solcher Ablagerungen vor sich gehen sieht. Das ein- 
fachste Beispiel der Eindampfung bietet das Todte Meer, welches schon jetzt, 
namentlich am Südende, bedeutende Salzbänke aufweist. Das Rothe Meer mit 
4,2 7" Salzgehalt, einer Tiefe von 240 m und Jahresverdunstung von 2,5 m würde 
in 100 Jahren ausgetrocknet sein, wenn die Strasse von Bab-el-Mandeb geschlossen 
würde, und ein Salzlager von 5 m Mächtigkeit hinterlassen. Komplizirter ist der 
Vorgang in den sogenannten ^Salzbuchten", Abschnürungen von Meeren, die keine 
Zufiüsse von süssem Wasser erhalten. 

So hat z. B. das Kaspische Meer an seinem östlichen Rande eine Bucht, den 
Kara Boghaz, welche, mit ihrer Fläche von etwa 16,000 qkm in die Turkmenen- 
steppe einschneidend , nur durch einen engen und flachen Kanal , welcher stellen- 
weise nicht mehr als 200 m breit und 1 m tief ist, mit dem Hauptbecken des 
Meeres in Verbindung steht. Durch diesen Kanal strömt nun das Wasser mit 
einer Geschwindigkeit von 5 bis 6 km in der Stunde in die Bucht ein, welche sonst 
keine Zuflüsse aufnimmt. Durch die Sommerhitze und die trockenen Steppen- 
stürme, welche über die Bucht streichen, wird das Wasser darin mit solcher 
Schnelligkeit verdampft, dass das darin enthaltene Salz in fester Form sich ab- 
setzt. Die natürliche Folge dieses Prozesses ist nun, dass die Wassermasse des 
Kaspischen Meeres, dem beständig grosse Mengen süssen Wassers darch die Flüsse 
(namentlich Wolga und L'ral) zugeführt werden, in ihrem Salzgehalt zurückgeht 
und immer mehr entsalzt wii-d , während im Kara Boghaz das ausgeschiedene 
Salz, dessen Menge Baer auf täglich 850,000 t schätzt, ein regelmässiges Salz- 
lager bildet. 

Würde der flache Kanal, welcher die Verbindung mit dem Kaspischen Meere 
bildet, durch irgend welche Umstände einmal geschlossen und die über den Salz- 
ablagerungen des Kara Boghaz stehende Mutterlauge ebenfalls zum Eintrocknen 
und Krystallisiren gebracht, so entstände dort ein Steinsalz- und Kalisalzlager 
von ganz ähnlicher Beschaffenheit wie dasjenige von Stassfurt. 

Diese Vorgänge sind dadurch möglich geworden, dass der Oxus, welcher 
fiiiher wenigstens mit einem Mündungsarm in den Kara Boghaz floss, jetzt als 
Amu-Darja in den Aralsee sich ergiesst. 

Jedes auf diese Weise und ohne vulkanische Störung gebildete Salzlager 
besteht also aus Steinsalz und darüber gelagerten Mutterlaugensalzeu, die wesent- 
lich K- und Mg-Verbindungen enthalten (Abraumsalze). Wo diese letzteren Salze 



Gewinnung? aus Meerwasser. 



213 



fehlen, wie z. B. in Wieliczka, ist die Bildung des Lagers entweder vorzeitig 
unterbrochen worden, oder es sind durch spätere Ueberfluthungen die llösl. Mutter- 
laugensalze wieder fortgespült worden. (Man vergl. C. Ochsenius, Die Bildung 
der Steinsalzlager etc. Halle 1887; Ch. Z. 1887; F. Fischer, Technologie 1889. 368.) 

Sekundäre Salzlager können durch Quellen und Salzflüsse und wiederholte 
Verdunstung ihres Wassers, auch des Meerwassers, entstehen (Steppensalz, Wüsten- 
salz, Erdsalz am Kaspischen und Todten Meere, in Algier, bei Huacho, nördlich 
von Callao und bei Sechura in Nordperu). 

In den Polargegenden findet sich auf den Eisflächen Salz in Körnerform, 
Rassol genannt (Wrangel), als Produkt eines Ausfrierungs- oder Verdampfungs- 
prozesses. 



Gewinnung von Kochsalz aus Meerwasser. 

Die Zusammensetzung des Meerwassers in verschie- 
denen Gegenden wird beeinflusst durch die Beschaffenheit des Grundes 
und der Küsten, durch die Verdünnung des Meerwassers durch Fluss- 
wasser grosser Ströme, durch Verdunstung in der heissen Zone und 
durch Ausfrieren in den Polargegenden. Ausser den Chlorüren und 
Sulfaten der Alkalien und alkalischen Erden enthält das Meerwasser 
in kleinen Mengen die meisten derjenigen Körper gelöst, welche die 
feste Erdrinde zusammensetzen^). 

Die Gesammtmenge der im Wasser einiger Meere und Seen ge- 
lösten festen, bei 100" getrockneten Bestandtheile ist folgende: 

Ostsee .... 
Kaspisches Meer . 
Schwarzes Meer . 
Nordsee .... 
Atlantischer Ozean 
Stiller Ozean . 
Mittelländisches Meer 
Rothes Meer 
Todtes Meer . . 
Salzsee von Utah 
Salzsee von Katwee 

Vollständige Analysen von Meer- und Seewassern sind ausgeführt 
worden von Frankland und Armstrong (Rivers Pollution Com- 
mission, (3. Bericht, London 1874), von Forchammer, Struve 
und Göbel, Calamai, Usiglio, Bibra, Basset, Pappe und 
Richmond, Kühl u. a. Siehe G. Bischof, Geologie; Sorel in 
Fremy's Encycl. 5. 357; Lunge und Naville, 2. 28; E. Pfeiffer, 
Kaliindustrie 1887. 51; F.Fischer, Technol. 387. Es seien hier nur 
einige der wichtigsten angeführt: 



0,5 






> (Forchai 


0,6 


bis 


1,62 


« !) 


1,58 


, 


1,77 


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3,5 


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3,5 


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3,6 


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3,2 


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3,5 


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3,3 




3,8 


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4,3 


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4,5 


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22,3 


n 


23,0 


)) )) 


13,67 






„ (B a s s e t) 


31,23 






„ (Pappe) 



^) Dass das Meerwasser z. B. Ag gelöst enthält, hat man dadurch bemerkt, 
dass die kupfernen Bodenbeschläge alter Schiffe mitunter einen Ueberzug von Ag 
trugen. C. A. Münster giebt in der Norsk Tekniak Tidsskrift, Kristiania 1892, 
10. Februar (Soc. Ch. Ind. 1892. 351) die Beschreibung eines Verfahrens, um auf 
galvanischem Wege Ag und Au aus dem Meerwasser zu gewinnen. Das Meerwasser 
des Kristiania- Fjords gab aus 100 1 einen Verdampfungsrückstand von 1,83 kg, 
darin waren 19 bis 20 mg Ag und 5 bis 6 mg Au enthalten (Prometheus 1892. 85). 



214 



Salz. 



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3-2-0 



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— CZ2 



^Pi s 



Dichte . . . 
Feste Salzmasse , 
Wasser, Prozent 



Prozent 



Die feste Salzmasse enthält 
Prozent : 

Chlomatrium . . 
Chlorkalium . . 
Chlorcalcium . . 
Chlormagnesium . 
Bromnatrium . 
Brommagnesium . 
Calciumsulfat . 
Magnesiumsulfat . 
Kaliumsulfat . . 
Calciumkarbonat . 
Magnesiumkarbonat 
Stickstoff und bituminöse 
Substanzen 



0,63 
99,37 



58,25 
1,27 

10,00 

|\_ 
/ 

7,78 
19,68 

^3,02 



1,016 
1,77 
98,28 



79,39 
1,07 

7,38 

0,03 

0,60 
8,32 

3,21 



1,016 
1,77 
98,23 



84,70 
9,73 



0,13 
4,96 

0,40 
0,08 



1,026 
8,31 
96,69 



78,04 
2,09 
0,20 
8,81 

0,28 

3,82 
6,58 

0,18 



1,028 
3,63 
96,87 



77,03 
8,89 

7,86 

1,30 

4,63 
5,29 



1,026 
8,50 
96,50 



73,96 



13,19 
1,01 

4,63 
3,18 
3,85 



1,026 
3.87 
96,63 



77,07 
2,48 

8,76 
I 0,49 



2,76 
8,84 

0,10 



22,30 
77,70 



36,55 

4,57 

11,38 

45,20 

0,85 

0,45 



1.00 



Mau sieht, dass das Wasser des Todten Meeres bereits den Charakter 
einer Mutterlauge angenommen hat. 

1 ebm Meerwasser enthält im Durchschnitt : 

26 bis 31 kg Chlornatrium 

3 - 7 - Chlormagnesium 

0,5 „ 6 „ Maguesiumsulfat 

0,14 „ 6 „ Calciumsulfat 

0,01 , 1 „ Chlorkalium. 

Man ge\vinnt diese Salze aus dem Meerwasser nach drei Methoden: 

1. durch freiwillige Verdunstung in Salzgärten; 

2. durch Ausfrieren des Wassers ; 

3. durch Eindampfen mittelst Brennmaterial. 

1. Salzgewinnung durch freiwillige Verdunstung. 
Manche Salzseen scheiden während der heissen Jahreszeit so grosse 
Mengen Salz ab. dass es in Form einer Kruste den Boden bedeckt. 
Der Eltonsee am Kaspischen Meere liefert auf diese Weise jährlich 
20000 t Salz. Grosse Mengen Salz werden auch aus dem Salzsee in 
Utah gewonnen. Im südlichen Russland benutzt man natürliche Becken 
zur theilweisen Eindampfung des Meerwassers, bis sich 2 bis 30 cm 
dicke Salzschichten abgelagert haben (Sorel). An den übrigen See- 
küsten Europas bis zu 48" nördlicher Breite geschieht die Salzgewin- 
nung in den Meersalinen durch systematischen Betrieb der Salzgärten. 
Solche Meersalinen werden betrieben: in Oesterreich an der Küste des 
Adriatischen Meeres in Dalmatien und Istrien. in Italien an der Küste 



Gewinnung aus Meerwasser. 215 

des Tyrrhenischen Meeres, in Frankreich an den Küsten des Mittellän- 
dischen Meeres und des Atlantischen Ozeans, in Spanien, in Portugal 
und in den Vereinigten Staaten (Geddes, N. Y.). 

Die Meersalinen bestehen aus flachen Becken von 1 bis 1500 ha 
Oberfläche und 20 bis 40 cm Tiefe, welche durch niedrige Wälle in 
viele Abtheilungen getheilt sind. Man legt dieselben gern im mittleren 
Meeresniveau an, um sie während der Flut mit Meerwasser zu füllen, 
und um die Mutterlauge — wenn man dieselbe nicht weiter verarbeiten 
will — während der Ebbe ins Meer zurückfliessen zu lassen. Das 
Meerwasser durchströmt die einzelnen Abtheilungen, indem es gleich- 
zeitig unter dem Einfluss der Sonnenwärme und der Winde verdunstet. 
In dem Maasse, wie die Konzentration fortschreitet, fallen diejenigen 
Salze aus, deren Löslichkeitsgrenze erreicht ist. Der fortschreitenden 
Volumenreduktion entsprechend wählt man die hinteren Abtheilungen 
kleiner als die vorderen. Der Boden der Becken wird in den franzö- 
sischen Salinen durch festgestampften Lehm oder Thon, in den portu- 
giesischen (z. B. zu Setubal) durch Konferveniilz (Microcoleus corvium) 
gebildet. 

Das Meerwasser tritt mit 3,5 bis 3,8^ Be. in die grossen vorderen 
Abtheilungen des Salzgartens ein und lässt während der fortschreiten- 
den Konzentration anfangs nur Eisenoxyd und kohlensauren Kalk fallen; 
bei 16 bis 20° Be. scheiden sich erhebliche Mengen Gyps aus. Diese 
Gypsausscheidung nimmt aber rasch ab und hört bei 30" Be. ganz auf. 
Bei 25*^ Be. beginnt das Chlornatrium auszukryst. 1000 1 Meerwasser 
sind dann bereits auf etwa 112 1 Soole eingeengt. Um das Einernten 
des Salzes möglichst zu erleichtern, lässt man diese Soole von 24 bis 
25 "^ Be. in die kleinsten Abtheilungen mit besonders fest gestampftem 
Thonboden, die sogen. „Salzbeete", fliessen, die mitunter sogar aus- 
cementirt sind. In den besteingerichteten Salinen, wie z. B. in den- 
jenigen von Giraud und Berre, liegen die Salzbeete etwas höher als 
die vorhergehenden Abtheilungen, so dass die Soole durch Pumpen 
gehoben werden muss. In den Salzbeeten bewegt sich die Soole nur 
in 10 cm hoher Schicht und lässt, indem sie sich bis auf 27 '^ Be. konz., 
das Kochsalz erster Qualität fallen, welches nur sehr geringe Bei- 
mengungen von Magnesiumsulfat und Chlormagnesium enthält und als 
Speisesalz benutzt wird. Von 27 bis 29'^ Be. fällt ein feinkörnigeres 
Salz aus, in welchem die genannten Verunreinigungen etwas mehr her- 
vortreten und welches an chemische Fabriken abgegeben wird. Das 
von 29 bis 32,5" Be. ausfallende Salz, dem auch etwas Bromnatrium 
beigemischt ist, wird zum Pökeln verwendet. 

Aus 1000 1 ursprünglichen Meerwassers, welche jetzt auf etwa 
23 1 Mutterlauge von 32,5" Be. eingeengt worden sind, hat man auf 
diese Weise etwa 80 bis 85 "/o des darin enthaltenen Chlornatriums ge- 
wonnen, und damit ist die direkte Kochsalzausbeute beendigt. Man 
kann jedoch durch Zusatz von Chlorcalcium oder Chlormagnesium noch 
mehr Salz zum Ausfallen bringen (G. Hazlehurst, Engl. Pat. 3015 
V. 9. Febr. 1884). 

Beim weiteren Verdunsten ergeben sich zwischen 32,5 und 35" Be. 
die ^gemischten Salze", welche hauptsächlich aus Chlornatrium und 
Magnesiumsulfat in wechselnden Verhältnissen bestehen und welche 
nach einem besonderen Verfahren verarbeitet werden. 



216 Salz. 

Die Mutterlauge von 35 '^ Be. setzt, besonders in kalten Nächten, 
fast reines Magnesiumsulfat (^MgSO^ -]- 7 aq) ab und geht dadurch auf 
38 bis 34" Be. zurück. Diese Mutterlauge, von welcher 1 cbm Meer- 
wasser nur 16 1 hinterlässt, wird entweder ins Meer abgelassen, oder 
noch weiter auf Kalisalze verarbeitet. 

Der ganze Salinenprozess dauert etwa 150 Tage, davon entfallen 
etwa 50 Tage auf die Verdampfung in den Salzbeeten. Man rechnet, 
dass in guter .Jahreszeit täglich 6 bis 7 mm H^O verdampfen, bei 
heissen und trockenen Winden kann die Verdampfung auf 1 cm täg- 
lich steigen, so dass dann von 1 ha Oberfläche 100 cbm Wasser ver- 
dunsten. In den Salzbeeten scheidet sich im Juli und August täglich 
eine Salzschicht von etwa 1 mm Dicke aus, so dass man am Ende der 
Betriebszeit eine Salzschicht von 30 bis 55 mm Stärke, oder von je 
1 ha Salzbeet etwa 800 t Kochsalz erntet. Genauer rechnet man, dass 
1 qm bei 10 mm hoher Salzschicht 1-4 kg Salz liefert. Man lässt die 
Mutterlauge ab und schaufelt das Kochsalz zu Haufen von je 7 bis 8 t, 
in welchen es durch gelegentlichen Regen von dem grössten Theil der 
Mutterlauge und des Chlormagnesiums befreit wird. 

Eine genaue Beschreibung der Meersaline von Giraud in Süd- 
frankreich hat üsiglio (Ann. de Chimie et de Physique 27. 3), der 
Fabrikation von Seesalz überhaupt, wie sie sein soll, hat Toselli in 
Marseille (Fr. Br. 155405 v. 11. Mai 1883) geliefert. Man vergl. 
auch: Lunge und Naville II, G. Lunge. Chem. Ind. 1883. 225; 
Sorel in Fremy's Encvcl. 5. 359; F. Fischer, Techn. 388; Tep- 
low und Glasenapp, Riga'sche Industrieztg. 1889. 170; über Ge- 
winnung von Salz in China: L. Coldre, Ann. des mines 1891; Indu- 
stries 12. 53 ; Britische Konsulatsberichte über die Salzgewinnung 
in Peru (Soc. Ch. Ind. 1890. 666) ; über russische Salzindustrie im 
Board of Trade Journ.. Sept. 1892. 263. 

In folgender Tabelle sind einige Analvsen des so gewonnenen 
Kochsalzes zusammengestellt : 

(TabeUe siehe Seite 217.) 

Verarbeitung der gemischten Salze. Die bei 32.5 bis 
35 '^ Be. sich ausscheidenden Salze werden durch Zusatz von Kochsalz 
oder von Bittersalz dahin korrigü-t, dass sie die Zusammensetzung 
2XaCl-rMgS0^ besitzen. Dieses Gemisch wird zu einer Lauge von 
30 ^ Be. gelöst und mit einer C a r r e'schen Eismaschine auf — 6'-* 
abgekühlt. Dadurch findet dann eine Umsetzung statt in Na^SO^-f MgCL. 
Die Glaubersalzkryst. werden durch Ausschleudern von der Chlor- 
magnesiumlauge s;etrennt und nach einem besonderen Verfahren ent- 
wässert. (Man vergl. Baiard. Merl e und Pechiney inWagner's 
Jahresbericht 1868. 285: 1880. 271 und Sorel in Fremv's Encycl. 
5. 417.) 

Verarbeitung der Mutterlauge. Die Mutterlauge von 
35" Be., welche in der Winterkälte viel Bittersalz auskryst. lässt, kann 
nach der Methode von Merle in einem Poriou'schen Ofen etwas 
eingedampft werden, bis sie bei 80" eine Dichte von 34" Be. auf- 
weist. Wird sie dann mit einer heissen Chlormagnesiumlsg. von 40" Be. 
vermischt, so scheidet sich sofort ein Salzgemisch von Chlornatrium 
und Magnesiumsulfat aus. Dieses vnrd von der heissen Lauge getrennt, 



Gewinnung aus Meerwasser. 



217 





























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Ca 












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3 


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^ 







218 Salz. 

welche beim Abkühlen künstlichen Carnallit, KCl,MgC1.3 -f ÖH^O, in 
Form eines feinen Pulvers fallen lässt. Dieser Carnallit wird durch 
eine geringe Menge kaltes H^O zersetzt, indem Chlormagnesium in 
Lsg. geht und ein Chlorkalium mit 65 bis 82 ",o KCl zurückbleibt. 

Um jedoch an Brennmaterial zu sparen, verfährt man neuerdings 
wie folgt: die Mutterlauge von 35 "^ Be. wird auf auscementirten Salz- 
beeten der freiwilligen Verdunstung überlassen, bis sie 37" Be. zeigt. 
Dabei fällt ein Salzgemisch aus, welches wesentlich aus Chlornatrium 
und Bittersalz besteht, welches aber auch etwa 55 ° o des vorhandenen K 
in Form von Kainit (K2SOj,MgSO^,MgCl2 + ÖHgO) enthält. Aus diesem 
^ Sommersalz" erhält man durch Umkryst. reinen Kainit, der durch 
wiederholtes Auflösen und Krystallisiren ein Gemisch aus Kaliumsulfat 
und Kainit mit 80 "o K,SO^ liefert. 

Die Mutterlauge der Sommersalze verliert durch künstliche Ab- 
kühlung und später durch Eindampfen den grössten Theil ihres Chlor- 
natriumgehaltes. Sie wird dann heiss mit Chlormagnesiumlauge vermischt, 
wodurch der Rest des vorhandenen K in Form von Carnallit ausfällt. 

Die Mutterlauge vom Carnallit, von etwa 38^ Be., kann dann auf 
Br verarbeitet werden. 

Salzgewinnung durch Ausfrieren. Eine Lsg. von Kochsalz 
spaltet sich durch Frost, indem fast reines H^O kryst. und eine reich- 
haltigere Soole zurückbleibt. Entfernt man das Eis und setzt die Soole 
von neuem der Kälte aus, so kann man dieselbe so weit anreichern, 
dass sich schon durch schwaches Eindampfen Kochsalz ausscheidet. Um 
ein reineres Salz zu erhalten, setzt man der Soole vor dem Eindampfen 
gelöschten Kalk zu, wodurch Gyps ausgefällt wird. Das dann ausfallende 
Kochsalz ist nur durch Chlorcalcium und Chlormagnesium verunreinigt, 
und wird durch Absickern und Abspülen davon gereinigt. Das Ver- 
fahren wird in Nordrussland und Sibirien ausgeführt (Ch. Ind. 1894. 
212). Ein solches, am Ochotskischen Meere gewonnenes Salz enthielt 
nach Muspratt: 

Chlornatrium . . . 77,60 V 
Chlormagnesium . . 1,66 „ 
Chlorcalcium . . 0,94 „ 

Natriumsulfat . . . 13,60 ., 

Unlösl 6.20 . 

100,00 „ 

Salzgewinnung unter Benutzung von Brennmaterial. 
In der Normandie (zu Avranchin), in Holland und in England an der 
Süd- , West- und Ostküste , namentlich zu Lymington ^) und Ulver- 
stone Avird das Meerwasser entweder direkt, oder nachdem es in 
Salzgärten etwas konz. worden ist, dazu benutzt, um natürlich ausge- 
schiedenes Meersalz oder salzhaltiges Erdreich oder auch, um Steinsalz 
aufzulösen. Die dadurch erhaltene konz. Salzsoole wird in flachen 
schmiedeisernen Pfannen mit Uuterfeuer eingedampft. Das ausfallende 
Sudsalz wird einige Zeit der Wirkung der Wasserdämpfe ausgesetzt, 
wodurch es von Mg- und Ca- Verbindungen möglichst befreit wird. 
Henry theilt folgende Analysen solcher Sudsalze mit: 



Nicht zu verwechseln mit Leamington in Warwickshire, Mineralbad. 



Gewinnung aus Steinsalz. 



219 



Aus Schottland 




Chlornatrium . 
Chlormagnesium 
Magnesiumsulfat 
Calciumsulfat . 
Unlösliches . . 



99,00 



Die Analysen von zwei anderen Sudsalzen aus Meerwasser nach 
Schneider, finden sich in den „Fortschritten der Chemie" 1884. 2031. 



Steinsalz. 

Das Steinsalz wird entweder durch Tagebau (Cardona), oder durch 
wirklichen Bergbau (Wieliczka, Stassfurt, Dombasle-Varangeville) ge- 
wonnen, oder es wird in Form von Salzsoole ausgebeutet (Cheshire). Das 
Steinsalzlager von Wieliczka wird schon seit 1040 abgebaut. Es enthält 
in den oberen Schichten Grünsalz und darunter das reinere Szybiker- 
salz. Das Steinsalzlager von Stassfurt wurde erst 1839 entdeckt. Die 
Bildung desselben hat mindestens 10000 Jahre erfordert, wie man aus den 
8 bis 9 cm starken Jahresschichten und seiner Mächtigkeit von etwa 900 m 
berechnen kann. Eine Beschreibung der Lagerungs Verhältnisse findet sich 
in Fremy's Encycl. 5. und in der dort S. 413 angeführten Literatur. 
Man vergl. auch Karsten, Salinenkunde I. ; G. Bischof, Geologie. 

Rammeisberg, Mineralchemie 1875, F. Bischoff (Steinsalz- 
bergwerk bei Stassfurt 1875. 28), Lunge undNaville(2.47), F.Stolba 
(Ch. Ind. 1880. 209) und F. Fischer (S. 391) haben Analysen mehrerer 
SLeinsalzsorten zusammengestellt. Hier mögen einige derselben und 
einige andere folgen: 

AnalysenvonSteinsalz. 





Deutschland 


Spa- 
nien 




Stassfurt 

1) 2) 


Ino- 
wraz- 
law^) 


Schwä- 
bisch- 
Hall ■•) 


Berchtesgaden^j 


Vic^) 


Car- 




weiss 


gelb 


hellgrau 


grau 


dona ^) 


Chlornatrium . 

Chlorkalium . 

Chlorcalcium . 

Chlormagne- 
sium 

Natriumsulfat . 

Kaliumsulfat . 

Calciumsulfat . 

Magnesium- 
sulfat .... 

Unlösliches . . 

Wasser .... 


94,57 97,55 

0,97 — 

— 0,43 

0,89 1,01 

— 0,23 

g 2,5 

o!22 0,30 


96,439 

0,821 

0,069 
2,533 
0,138 


99,63 
0,09 

0,28 


99,85 
Spur 
Si3ur 

0,15 


99,92 
0,07 


97,80 

0,30 
1,90 


90,30 
5,00 

2,00 
0,70 


97,871 
0,1.38 
0,138 

0,880 

0,850 
0,123 




99,90 99,52 


100,000 


100,00 


100,00 


99,99 


100,00 


98,00 


100,000 



1) Würtz 11. 2. 1511. — 2) Ochsenius. 
^) Wagner und Gauthier. 



^) Juris ch. — *) Bischot. 



220 



Salz. 





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es 


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Frank 


reich 


England 




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') 


Hall 


Hall- 
statt ^) 


Dombasle- 


North- 










Szybi- 


Che- 




Grünsalz 


ker 
Salz 


TiroP) 


(Knister- 
salz) 


Varangeville *) 


wich^) 


shire ^) 


Chlornatrium . 


90,23 


92,017 


97,901 


91,78 


98,14 93,886 


91,48 


98,047 


98,30 


Chlorcalcium . 


— 


— 


— 


— 


- 0,048 


1,82 


0,130 


— 


Chlormagne- 


















sium .... 


0,45 


— 


— 


0,09 


— 0,093 


— 


0,166 


0,05 


Natriumsulfat . 


— 


0,059 


0,039 


— 


— — 


— 


— 


— 


Kaliumsulfat . 


1,35 


— 


— 


1,35 


— 


— 


— 


— 


— 


Calciumsulfat . 


0,72 


1,506 


1,010 


1,19 


1,86 


3,070 


3,25 


0,408 


1,65 


Magnesium- 




















sulfat .... 


0,61 


0,030 


0,052 


1,21 


— 


— . 




— 


— 


Unlösliches . . 


5,88 


4,974 


0,719 


2,49 


— 


2,740 


2,52 


1,050 


— 


Organische 




















Substanz . . 


— 


0,846 


0,048 


— 


— 


— • 


— 


— 


— 


Wasser .... 


0,86 


1,068 


0,231 


1,89 


— 


0.200 


1,14 


0,199 


— 




|100,10 


100,000 


100,000 


100,00 


100,00 


100,017 100,21 


100,000 


100,00 



') Stolba; Jurisch. — -) Stolba. — ^) Bischof. — *) Wagner und 
Gauthier; Huet. — '") Wagner und Gauthier. — ") Würtz. 

Analysen des Stassfurter Steinsalzes hat Pfeiffer (Kaliindustrie 
1887. 27) mitgetheilt. Analysen ungarischer Steinsalze theilt J. Loczka 
(Zeitschr. kryst. Min. 20. 317) mit. 

Ausser den aus den Analysen ersichtlichen Bestandtheilen enthält 
das Steinsalz fast stets kleine Mengen Eisenchlorür — in Douglashall 
z. B. als Eisenchlorürchlorkaliura — ferner Er-, J- und Fluorverbiu- 
dungen. Selbst Salmiak, Nitrate, Phosphate, Arseniate und Borate 
können darin vorkommen. 

Wegen des Bergwerksbetriebes muss hier auf die Spezialwerke 
verwiesen werden. Manche Steinsalzsorten verursachen beim Erwärmen 
in der Hand oder beim Auflösen ein knisterndes Geräusch, weil sie 
Gase in kleinen Höhlungen unter Druck eingeschlossen enthalten, welche 
ihre Hüllen sprengen. So gab nach Sorel (in Fremy's Encycl. 
5. 375) 1 kg Stassfurter Steinsalz 3,5 ccm Gas von folgender Zu- 
sammensetzung : 

Grubengas ... 85 VoL-^/o 
Kohlensäure . , 3 „ 
Atm. Luft ... 12 

Wenn das Steinsalz so stark mit Thon vermischt ist, dass seine 
bergmännische Ausbeutung nicht lohnt (Salzthon, Haselgebirge), so wird 
es an einigen Orten (Tirol, Salzkammergut) durch systematische Aus- 
laugung in die Form von Soole gebracht (Sink werke). Man senkt 
Schachte bis in die unteren Schichten des Salzgebirges und treibt von 
diesen aus horizontale Stollen, welche sich gitterartig schneiden. In 
dieses Stollensystem leitet man H^O, welches das Salz der Wände und 
der Decke löst, während der Thon als undurchlässige Schicht sich am 
Boden absetzt. In dieser Weise wird das Salzgebirge von unten nach 
oben hin ausgelaugt und eine konz. Soole erhalten, während der Thon 
an Ort und Stelle zurückbleibt (Fremy's Encycl. 5. 380). 



Gewinnung aus Salzquellen. 221 

Die Siukwerkssoole, welche in Reichenhall verarbeitet wird, ent- 
hält nach c h s e n i u s in 1 1 : 

Chlornatrium 224,363 g 

Chlorammonium 0,025 „ 

Chlormagnesium 1,802 „ 

Brommagnesium 0,030 „ 

Natriumsulfat 2,000 „ 

Kaliumsulfat 0,612 „ 

Calciumsulfat 4,165 „ 

Calciumkarbonat 0,010 „ 

Magnesiumkarbonat .... Spuren 

Eisenoxyd und Thonerde . . 0,008 „ 

Kieselsäure 0,011 „ 

Feste Bestandtheile .... 233,026 g 

Salzquellen. 

Ehe man es verstand, Tiefbohrungen auszuführen und dadurch 
künstliche Soolquellen zu erschliessen, benutzte man die natürlich vor- 
kommenden Salzquellen zur Erzeugung von Speisesalz. Da diese natür- 
lichen Salzquellen aber meistens nur sehr verd. Salzlsgn. liefern, so 
müssen die letzteren erst genügend konz. werden, ehe man sie mit 
Vortheil durch Anwendung von Brennmaterial verarbeiten kann. 

Wo man die Einrichtung der Meersalinen wegen mangelnder Sonnen- 
wärme nicht benutzen kann, wie z. B. in Deutschland, geschieht die Kon- 
zentration schwacher Salzsoolen in den sogen. Gradirwerken. Diese 
haben sich so gut bewährt, dass man sie noch jetzt benutzt, besonders, da sie 
zugleich zur Einrichtung von Soolbädern und Inhalationsanstalten dienen. 

Die Analysen der wichtigsten Soolquellen sind in folgender Tabelle 
enthalten (aus Fremy's Encycl. 5. 385 entnommen): 

(Tabelle siehe Seite 222.) 

Die Analyse einer heissen Salzquelle ist in Ch. N. 1881. 43, 
191 angegeben. 

Weitere Analysen finden sich in den verschiedenen Jahrgängen 
der „Fortschritte der Chemie" zusammengestellt. 

Die Gradirwerke, Fig. 54, bestehen aus 12 bis 16 m hohen 
Wänden, welche quer zur vorherrschenden Windrichtung aufgestellt 
werden. Dieselben bestehen aus einem Holzgerüst, welches mit Faschinen 
ausgefüllt ist. Am besten eignen sich hierzu die Aeste des Schlehdorns 
(Prunus spinosa), welche quer in das Gerüst, also in der Windrichtung, 
eingelegt werden. Die dadurch gebildete poröse Wand ist unten 5 bis 
7 m, oben 3 bis 5 m dick. Ueber diese Wand lässt man die schwache 
Salzlsg. herabrieseln, wobei sie sich durch Verdampfung des H,0 an 
Salzgehalt anreichert, und dadurch ihre Grädigkeit erhöht. 

Zu diesem Zwecke trägt das Gerüst über der Dornwand eine 
Vertheilungsrinne für die schwache Soole, die hinaufgepumpt wird, 
und steht in einem flachen Becken zur Aufnahme der herunterfliessen- 
den Soole. Gewöhnlich lässt man die Soole 3- bis 4mal durch das Gradir- 
werk fallen. Das Gradirwerk in der Nähe von Schönebeck ist 838 m lang. 
Bei Frost wird nicht gradirt, weil sich dann Glaubersalz ausscheidet. 



222 



Salz. 



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Verdampfungsrück 
Kohlensllure . . 
Wasser .... 


Chlornatrium 
Chlorkalium . . 
Chlorcalcium . . 
Chlormagncsium 
Kaliumsulfat . . 
Natriumsulfat . 
Calci umsulfat 
Magnesiumsulfat 
Calciumkarbonat 
Magncsiumkai'bona 
Eisenoxydulkarbon; 
Eisenoxyd . . . 
Thonerde . . . 
Kieselsäure . . 
Organische Substai 




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3 








25,427 

74,573 


24,G65 

0,127 

0,038 

0,341 
0,245 
0,007 

0,004 
0,003 


OQ CD 


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i-i • 


18,890 
81,110 


17,718 
0,1 GG 
0,134 
0,403 

0,4GG 


Halle, 
Gutjahr- 
brunnen 


K 

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3 
ro 


11,100 
88,900 


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8,387 
91,G13 


7,539 

0,125 
0,083 

0,5GS 
0,054 
0,013 
0,002 

0,001 

0,002 




8,423 
91,577 


1 1 1 -S 1 1 f S S -« 

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Halle, 
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brunnen 


4,958 
95,042 


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3,00G 
90,994 


2,449 

0,0G1 
0,053 

0,429 
0,009 
0,005 


> 

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3 


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ro 


1,681 

0,211 

98,108 


1,475 
0,037 

0,011 

0,12G 
0,024 
0.004 

Spur 

0,004 

Spur 


CO 

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2* 


ro 


1,728 
98,272 


1,415 
0,00G 
0,2G1 
0,023 

0,003 
0,001 
0,005 

0,001 
0,013 
Spur 


B W 


1,171 

0,027 

98,802 


0,943 
0,009 

0,080 

0,080 
0,057 
0,001 

0,001 
Spur 


1"^ 

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B 


0,909 
99,091 


0,683 

0,036 
0,222 

0,018 
Spur 


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b 


Pfann- 
kuch 



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Gewinnung aus Salzquellen. 



223 



Während die Soole in der Dornwand herabrieselt, finden dreierlei 
Vorgänge statt: 

1. Verdampfung des HoO, welche bei steigender Konzentration 
abnimmt. 

2. Verlust von Kochsalz, welches durch den Wind fortgetragen 
wird, namentlich aus konz. Soolen. 

3. Abscheidung der schwerer lösl. Bestandtheile der Soole auf den 
Faschinen unter Bildung des „ Dornsteins ". 

Die Verdampfung des HgO findet in der Weise statt, dass zuerst 
viel, später weniger H^O fortgeht, so dass nach dem vierten Kreislauf 




Fig. 54. Gradiiwerk. 



eine Soole mit 23 bis 25*^/0 Chlornatrium entsteht, lieber die Fort- 
schritte der Gradirung findet sich eine ausführliche Tabelle in Främy's 
Encycl. 5. 390. 

Der Salzverlust wechselt in den verschiedenen Gradirwerken von 
20 bis 33^^/0 der ursprünglich vorhandenen Menge. Man erkennt daraus, 
dass die Luft, welche von einem Gradirwerk herkommt, einen sehr 
hohen Salzgehalt besitzt. 

Die Abscheidung der schwerer lösl. Salze aus der Soole wird ver- 
ursacht durch die während der Konzentration sich verringernde Lösungs- 
fähigkeit der Soole für dieselben. Demnach haben auch die Dornsteine, 
welche die Reiser überziehen, eine wechselnde Zusammensetzung nicht 
bloss nach der Natur der verschiedenen Salzquellen, sondern auch nach 
den Konzentrationsgraden jeder derselben. Anfangs scheidet sich — 
wenn solcher vorhanden ist — der kohlensaure Kalk fast vollständig 



224 Salz. 

ab, während der Gyps nur theilweise sich ansetzt. Gyps ist nach 
Ochsenius am reichlichsten in einer Soole von 1,033 SG. oder 4,35 
bis 5 "/o NaCl-Gehalt lösL Die konz. Soole jedoch bildet einen Dorn- 
stein, welcher hauptsächlich aus Gyps besteht. Zahlreiche Analysen 
solcher Dornsteine sind in Fremy's Encycl. 5. 389 zusammengestellt. 

Die Gradirung der Soole wird fast nie bis zum Sättigungszustande 
fortgesetzt. Daher scheidet die gradirte Soole, welche zum Eindampfen 
in flachen Pfannen gelangt, nicht sofort Kochsalz, sondern zuerst unter 
Aufschäumen den grössten Theil ihrer Verunreinigungen ab. Diese, 
welche hauptsächlich aus organischen Substanzen und Gyps bestehen, 
werden abgeschöpft („Stören"). Sobald die kochende Soole ihren 
Sättigungsgrad (Gare) erreicht hat, lässt man sie etwas klären und 
dann in die eigentlichen Sudpfannen von 75 bis 10 qm Heizfläche ab- 
fliessen. Hier findet das eigentliche Eindampfen bei etwa 90" C. statt 
(Salzwirken). Das Chlornatrium kryst. in kleinen Würfeln, welche an 
der Oberfläche schwimmen, und dadurch die Entstehung trichterförmig 
vertiefter Gebilde veranlassen, welche zu Boden sinken. Von hier wird 
das Salz herausgefischt (Sudsalz, Siedesalz, Soggsalz). Dasselbe ist fast 
ganz rein; es wird getrocknet und dient zu Speisezwecken. Analysen 
von Kochsalz finden sich in Kerl, Salinenkunde 18(58. 

In den schmiedeisernen Sudpfannen, die meistens nur 40 bis 60 cm 
tief sind und durch Unterfeuer geheizt werden, setzt sich ein sehr harter 
Pfannenstein ab, welcher hauptsächlich aus Gyps, Natriumsulfat und 
Chlornatrium besteht. In Fremy's Encycl. 5. 407 ist eine grosse 
Zahl Analysen solcher Pfannensteine zusammengestellt. 

Wir geben hier nur folgende Analyse eines Pfannensteines 
von Schönebeck nach Heine: 

Chlornatrium 44,28 > 

Natriumsulfat 20,(37 „ 

Kaliumsulfat 2,13 „ 

Calciumsulfat 27,38 ,, 

IMagnesiumsulfat 1-64 „ 

Magnesiumkarbonat .... 0,41 „ 

Eisenoxyd und Thonerde . . 0,03 „ 

Kieselsäure 0,02 „ 

Wasser 3.44 „ 

100,00 > 

Die deutschen Salzwirker verstehen unter „Löthigkeit" einer 
Salzsoole ihren Prozentgehalt an Chlornatrium; unter „Grädigkeit" 
die Gewichtsmenge H^O, welche einen Gewichtstheil Kochsalz in der 
Soole aufgelöst enthält. 

Neben der beschriebenen Einrichtung der Gradirwerke sind mancher- 
lei andere Einrichtungen an verschiedenen Orten in Gebrauch. Man 
unterscheidet Sonnengradirung, Tafelgradirung, Dach- oder Pritschen- 
gradirung, Tröpfelgradirung, Strick- und Coulissengradirung (F. Fischer, 
Techn. 393). Da aber die Gradirwerke nur ungesättigte Soole liefern, 
so tritt ihre Bedeutung immer mehr zurück gegenüber den Salzwerken, 
welche künstlich erbohrte Salzsoole verarbeiten. 

Salzsoole. Um in der Tiefe liegende Steinsalzlager zu er- 
schliessen, hat man Bohrlöcher herzustellen, deren Tiefe gewöhnlich 



Gewinnung aus Salzquellen. 225 

zwischen 150 und 300 m schwankt. Man benutzt dazu Stahlmeissel 
mit etwa 20 cm breiter Schneide, die man mit dem Gestänge unter 
gleichzeitiger Drehung fallen lässt. Wenn sehr hartes Gestein zu 
durchbrechen ist, z. B. harter Sandstein, so benutzt man auch Diamant- 
bohrer. Diese haben die Form einer Granate von 10 bis 12 cm Durch- 
messer und 20 cm Höhe, sind aus schmiedbarem Gusseisen hergestellt 
und tragen am Mantel mehrere schräg gewundene Reihen tiefgefasster, 
schwarzer Diamanten. Durch den Gebrauch wird das Metall abgenutzt, 
und treten die Diamanten mehr hervor. Mitunter wendet man auch 
ringförmige Diamantbohrer an, welche ein cylindrisches Felsstück stehen 
lassen, das man durch eine besondere Vorrichtung abbrechen und empor- 
ziehen kann. 

Das Bohrloch ist so tief zu treiben, dass die aus ihm erhaltene 
Soole nahezu oder vollständig ges. ist. Es muss also im Steinsalz auf- 
stehen. Gewöhnlich wird das Bohrloch durch eine 8 bis 10 mm starke 
und 10 bis 15 cm weite kupferne Röhre ausgefüttert, in welcher die 
Soole emporsteigt (eiserne Röhren werden zu rasch zerstört), und welche 
von einer weiteren (etwa 20 cm weiten) Röhre umgeben ist. In dem 
Zwischenraum zwischen beiden Röhren lässt man das Lösungswasser 
niedersinken (mitunter sogar unter künstlichem Druck), um die Soole 
im inneren Rohr durch hydrostatischen Druck zu heben. Da die Soole 
schwerer ist als HoO (etwa l,18mal so schwer), so ist die Höhe, bis zu 
welcher die Soole ansteigt, gleich der durch 1,18 dividirten Höhe des 
H^O unter gleichem Druck. Man hat daher meistens Pumpwerke an- 
zulegen, um die Soole aus dem Bohrloch zu Tage zu fördern. Man 
vergl. Lunge und NaviUe 2. 48; Fre'my, Encycl. 5. 393. 

Die aus dem Bohrloch kommende Soole enthält alle Bestandtheile 
<les Steinsalzes nahezu in denselben Proportionen und ist fast immer 
trübe durch fein vertheilten Thon. Daher sammelt man die Soole in 
grossen, meistens cementirten Behältern, in denen sie sich klärt, und 
die zugleich so viel Soole fassen, dass die Verarbeitung derselben 
ununterbrochen weiter gehen kann, selbst wenn der Betrieb des Bohr- 
loches zwecks einer Reparatur auf mehrere Wochen eingestellt werden 
muss. Bei sehr grossem Bedarf an Soole wendet man auch wohl zwei 
oder mehr Bohrlöcher an. 

Die Reinigung der Soole von Kalk- und Magnesiasalzen wird 
durch Zusatz einer entsprechenden Menge Kalkmilch bewirkt. Der Aetz- 
kalk zersetzt die Magnesiasalze und liefert einen Niederschlag von Gyps 
und Magnesiumhydroxyd, welcher zugleich auch Eisenoxyd, Thonerde 
und organische Substanz einschliesst. Selbstverständlich darf man die 
Soole nicht mit Kalküberschuss beladen. Sollte ein solcher eingetreten 
sein, so entfernt man denselben durch Zusatz einer neuen Menge Soole. 

Die gereinigte Soole kommt nach dem Klären zum Versieden. 
Man unterscheidet dabei dreierlei Methoden: 1) Versieden in offenen 
Pfannen, 2) Versieden in geschlossenen Gefässen unter Anwendung 
einer Kompression des Dampfes, 3) Versieden bei niederem Druck. 

1. Offene Pfannen. Die Salzsoole, welche zum Versieden 
gelangt, enthält 24 bis 25 ^/o Chlornatrium und 75 "^/o HgO und fremde 
Salze. Da die Löslichkeit des Chlornatriums in H2O mit steigender T. 
nur sehr wenig zunimmt, so kann man es nicht durch Abkühlung 
einer heiss ges. Lsg. zum KrystaUisiren bringen, sondern man muss 

Handbucli der ehem. Technologie. I. 15 



226 ^^1^- 

ihm das Lösungswasser durch Verdampfung entziehen. Hierbei unter- 
scheidet man zwei verschiedene Verfahrungsweisen, die vielfach in 
einander übergehen: 

Wenn man die Verdampfung bei massiger T. vornimmt, also die 
Soole nur bei etwa 45 bis 50 "^ abrauchen lässt, so haben die Kryst. 
Zeit sich in trichterförmigen oder anderen grobkörnigen Gebilden an- 
zusetzen, welche eine Zeit lang an der Oberfläche schwimmen und 
dadurch die Verdampfung hindern. Da der dabei entwickelte Wasser- 
dampf eine geringere Spannung als diejenige der Atm. besitzt, so ver- 
theilt er sich in der Luftschicht, welche über der Soole lagert, bis die- 
selbe mit Wasserdampf ges. ist und durch neue Luft ersetzt wird. Da 
diese Luft über der Soole beständig erw. wird, so braucht man bei 
diesem Verfahren mehr Brennmaterial, als zur Verdampfung des H^O 
allein erforderlich ist. 

Wenn man die Verdampfung dagegen bei Siedetemperatur (108*") 
vornimmt, so fällt das Salz als feines Pulver aus. Es kann sich keine 
an der Oberfläche schwimmende Krystallhaut bilden, welche die Ver- 
dampfung hindert ; namentlich wenn man überdeckte Pfannen anwendet. 
Die entstehenden Wasserdämpfe besitzen die T. 100*^ und atmosphärische 
Spannung, stossen also die Luft fort und vermeiden dadurch den oben 
ano-eführten Wärmeverlust. Daher verbraucht man bei diesem Ver- 
fahren weniger Brennmaterial als bei jenem. 

Die Pfannen für langsame Verdampfung haben gewöhnlich 
80 bis 200 qm Bodenfläche bei 60 cm Höhe und werden durch be- 
ständige oder intermittirende Speisung etwa 35 bis 40 cm hoch mit 
Soole gefüllt gehalten. Wenn dieselbe rein genug ist, so ist eine be- 
sondere Vorwärmpfanne zum Abschäumen (Stören) nicht erforderlich. 
Die Pfanne ist aus 7 bis 8 mm starkem Eisenblech und ruht auf den 
Wänden der Feuerzüge. Man vertheilt die erforderliche Rostfläche meist 
auf mehrere Feuerungen. Diese Pfannen stehen immer unter Dach, 
sind aber von allen Seiten zugänglich, um das Salz auszufischen. Die 
Dimensionen einiger Pfannen sind: 

in esterreich 180 bis 200 qm 

„ Dieuze 210 „ 

„ Saint Nicolas de Varangeville . . 150 „ 

„ Liowrazlaw 131 „ 

„ England (Xorthwich, Winsford) . 335 „ 

Die Grösse der Rostfläche beträgt bei Anwendung von 



i 


Holz 


Steinkohle 


Braunkohle 
und Torf 


bei Pfannen von 75 bis 80 qm ... 


1 

28 


1 ,. 1 
24 ^" 26 


1 
15 


100 bis 200 am 


1 
40 


1 
28 


1 




20 



der Pfannenfläche. Sehr ausführliche Beschreibung und Abbildungen 
solcher Pfannen finden sich in Bigg, Engl. Pat. 5350 v. 31. Dec. 1880. 



Gewinnung aus Salzquellen. 



227 



Abbildungen finden sich auch z. B. in Fremy's Encycl. 5. 399; und in 
Ost, Techn. Chem. 1890. 63. 

Die Pfannen für rasche Verdampfung, Fig. 55, sind 
bedeutend kleiner, weil sie überdeckt werden, um den Wasserdampf 
abzuführen. Man wendet dabei verschiedene Systeme an: Pohl in 
Winsford stellte zwei Pfannen über einander und liess die Feuergase 
durch den Zwischenraum streichen, derart, dass die untere Pfanne mit 
überschlächtigem Feuer, die obere mit unterschlächtigem Feuer geheizt 




Fig. 55. Pfanne für rasohe Verdampfung. 

wurde. Dabei fiel aber das Salz der unteren Pfanne sehr unrein aus. 
Man vergleiche auch sein neuestes E.P. 3391 v. 4. März 1890. Das 
beste System dieser Art ist wohl dasjenige von Rottenmünster in 
Württemberg, in Lunge und Naville 2. 61 und in Fremy, 
Encycl. 5. 402 abgebildet. 

Da Pfannen mit rascher Verdampfung stets eine Vorwärmpfaone 
zum Speisen verlangen, so benutzt man hier den Dampf der Vorwärm- 
pfanne, in welcher das Stören vor sich geht, um die Soole in einer 
darüberstehenden Pfanne anzuwärmen. Zwischen beiden Pfannen ist 
ein Schutzdach aus Holz angebracht, um das am Boden der oberen 
Pfanne kondensirte H^O abzufangen. Die Sudpfannen stehen etwas 
tiefer und sind mit Holzdecke und Schiott versehen. 



228 



Salz. 



In folgender Tabelle sind die Betriebsresultate bei Benutzung 
offener Pfannen zusammengestellt : 



Temperatur der Ein- 
dampfung 


45 bis 50 " 


50 bis 60" 


80" 108" 

1 


Ausbeute an Kochsalz von 
1 qm Pfannenfläche in 
24 Stunden, kg . . . 


Grobsalz 
24 


Mittelsalz 
32 


Feinsalz 
55 


Feinfeinsalz 
75 


Dauer einer Kochperiode 
bis zum Entfernen der 
Mutterlauge 


bis 8 Tage 


24 Stunden 


22 Stunden 


kontinuirlich 


Kohlenverbrauchfür 1000 kg 
Salz, kg 


600 


600 


550 


400 


Gewicht von 1 Hektoliter 
Kochsalz, kg .... 


72 


76 


84 


96 



Die Mutterlaugen und der Pfannenstein müssen von Zeit zu Zeit 
entfernt werden. Jene liefern durch Eindampfen das „Viehsalz", dieser 
findet als „Lecksalz" für Vieh und Wild Verwendung. 

Von anderen Verdampfungsweisen unter atmosphärischem Druck 
ist das Verfahren der National Salt and Chemical Co. (D.R.P. 
Nr. 57 757) zu erwähnen. Diese Gesellschaft verdampft Salzlsgn., in- 
dem sie dieselben durch heisse Luft herabfallen lässt. 

2. Piccard's Apparat. Da man beim Verdampfen konz. Salz- 
soole für je 100 kg zu erzeugenden Salzes ungefähr 300 kg H^O zu 
verdampfen hat, so sind sehr viele Versuche und Vorschläge gemacht 
worden, um diesen Dampf auszunützen. Der Dampf entwickelt sich bei 
atmosphärischer Spannung höchstens mit der T. 100", kann daher auch 
die Soole nur bis zu dieser T. erh. und entweicht dann unkondensirt. 
Der Sied. ges. Soole von 24 bis 25° Be'. liegt aber bei 108*^. Um den 
Heizdampf zur vollständigen Kondensation zu bringen und dadurch seine 
latente Wärme auszunützen, stehen daher zwei Wege offen: Entweder 
muss mau den Dampf durch mechanische Mittel auf eine T. über 
108'^ bringen, oder man muss die Verdampfung unter vermindertem 
Druck bewerkstelligen. Der erste Weg wird durch den Apparat von 
Paul Picea rd in Lausanne, der zweite durch die Apparate mit mul- 
tiplem Effekt, z. B. die Robert-Apparate, verwirklicht. 

Nachdem bereits Pelleta n, Peclet und Rit tinger Kom- 
pressionsversuche gemacht hatten (Lunge und Naville 2. 64), ar- 
beitete P. Piccard 1875 folgendes Verdampfsystem für Salzlsgn. aus: 

Die einzudampfende Salzlsg. kocht in einem geschlossenen Kessel 
unter atmosphärischem Druck. Der entwickelte Wasserdampf wird von 
einer Pumpe angesogen und auf 2 Atm. verdichtet, wobei das mit- 
gerissene H.,0 verdampft. Der nun etwa 120 '^ heisse Dampf wird 
durch eine Spirale gedrückt, welche in der 100'' heissen Salzlsg. liegt. 
Dadurch gelangt der Dampf zu vollständiger Kondensation, indem er 
seine latente Wärme an die Soole abgiebt. Das 100 "^ heisse Konden- 
sationswasser dient zum Vorwärmen der einzuführenden Soole. Wenn 
der Kompressor durch Wasserkraft betrieben wird, so kann man die 



Gewinnung aus Salzquellen. 229 

Verdampfung — wenn sie einmal im Gange ist — ohne Brennmaterial 
fortführen. 

Eine Beschreibung und Abbildung des Apparates findet sich in 
Lunge und Naville 2. 65; Fre'my, Encycl. 5. 403; genauere 
Mittheilungen und Zeichnungen in einzelnen Schriften der Maschinen- 
fabriken, welche die Piccard'schen Apparate liefern: 1. und 2. Notiz 
über den Piccard'schen Apparat zur Verdampfung von Salzlsgn., 
gebaut von Weibel, Briquet und Cie. in Genf, Druckerei von 
Karl Pfeffer in Genf, Rue du Mont-Blanc 3, mit vielen Zeichnungen; 
Ueber die Nutzbarmachung der Wärme im System Picea rd und 
Weibel von Schäffer und Budenberg, Magdeburg 1879, Druck 
von A. Wohlfeld, mit Ausbau des Apparates zu Tripeleffekt; Prak- 
tische Erfahrungen über den Betrieb der Piccard'schen Apparate 
nach Weibel, Briquet und Cie. in Genf von C. v. Balzberg, 
Wien 1879, Sonderabdruck aus der Oesterreichischen Zeitschrift für 
Berg- und Hüttenwesen 1878. 26; Abdampfen von Flüss. mittelst 
mechanischer Arbeit von G. Piccard, Revue industrielle 1886. 324; 
Centralbl. f. d. Pap.-Ind. 18. 139. 

Ausgeführt ist das Piccard'sche System zu Bex in der Schweiz 
(Waadt), zu Ebensee im Salzkammergut, zu Schönebeck bei Magdeburg 
und zu Maix im Dep. Meurthe et Moselle (Ch. Ind. 1887. 368;. 
An anderen Orten scheut man sich vor der Komplizirtheit des Apparats 
und seinen häufigen Reparaturen. 

3. Apparate mit mehrfacher Wirkung. Die Verdampfung 
von Flüss. unter vermindertem Druck, hervorgebracht durch kräftiges 
Absaugen des entwickelten Dampfes, wird in der Zuckerindustrie schon 
seit langer Zeit in den sogen. Vakuumpfannen ausgeführt. Verbindet 
man mehrere Verdampfgefässe mit einander, welche in ihren unteren 
Theilen als Oberflächenkondensatoren konstruirt sind (System Rillieux), 
gewöhnlich derart, dass die zu verdampfende Flüss. das Innere der 
Röhren ausfüllt, während der Heizdampf die Röhren ausspült, und 
saugt man den Dampf aus dem letzten Gefäss ab, so treten folgende 
Erscheinungen auf: 

Angenommen, das erste Gefäss werde durch den Abdampf einer 
Maschine von 100 '^ geheizt und der Gang der Saugpumpe werde 
so regulirt, dass die Flüss. im ersten Gefäss bei 80^' siedet, so wird 
der 100*^ heisse Dampf, welcher die Röhren des Heizkörpes umspült, 
vollständig kondensirt. Der 80'^' heisse Dampf des ersten Gefässes tritt 
nun in den Heizraum des zweiten ein, und damit er vollständig konden- 
sirt werde, muss die Flüss. im Inneren etwa bei 60 ** sieden. Der 
60^ heisse Dampf des zweiten Gefässes tritt in den Heizraum des dritten 
ein, dessen Flüss. bereits bei 40^ siedet. Man könnte dies System 
beliebig weiter fortsetzen, jedoch hat sich in der Praxis die Anwendung 
von nur drei Körpern (Tripeleffekt- Apparat) am besten bewährt. Der 
Dampf von 40 "^ wird von der Saugpumpe entfernt und dient zum 
Vorwärmen der zur Verdampfung gelangenden Lauge. 

Die Ausnutzung der latenten Wärme des Dampfes ist hierbei so 
vollständig durchgeführt, dass man die Abdampfung mit sehr geringem 
Kohlenverbrauch bewirken kann. Deshalb haben sich diese Apparate 
(namentlich nach der Konstruktion Robert) sehr rasch eingeführt. 

Bei der Eindampfung von Salzsoole wird das Verfahren kompli- 



230 



Salz. 



zirt, weil sich während des Eindampfens Salz ausscheidet, welches aus 
den Verdampfkörpern entfernt werden muss. Nach mehrfachen Ver- 
suchen und Vorschlägen, um dies zu bewirken, welche in der Klasse 62 
der deutschen Patentschriften nachgesehen werden mögen (wir erwähnen 
nur das D.R.P. Nr. 36916 v. 22. Dec. 1885 der Kaliwerke Aschers- 
leben, das D.R.P. 48873 v. 16. Febr. 1889 des Salzbergwerkes 
Neustassfurt und das E.P. 1527 v. 7. April 1881 von J. Büffet), 
scheint es S. Pick (E.P. 3087 v. 26. Febr. 1890, D.R.P. 55316 v. 




^^^^^^^^^^^^^^^^^^ 



Fig. 56. Pick's Verdampfapparat. 



19. April 1890) gelungen zu sein, einen guten Apparat zu konstruiren. 
Aus der Zeichnung in der deutschen Patentschrift Fig. 56 ist ersicht- 
lich, dass das ausgeschiedene Salz sich in dem Raum Ä ansammelt. 
Durch Oeffnen des Ventilschiebers B fällt das Salz mit Soole gemischt 
in den Raum C und auf die filtrirende Schicht G. Schliesst man nun B 
und öffnet den Lufthahn E, so tritt die abfiltr. Soole aus dem Raum H 
durch J in den Siederaum L. Auf demselben Wege kann man auch 
das Salz waschen, indem man durch den Hahn F, der mit einer Brause 
verbunden ist, Wasser einlässt. Das Salz wird durch das Mannloch D 
entfernt. Dieser Apparat, Fig. 57, ist in Jron" 1890. 35. 488 und in 
Soc. Ch. Ind. 1890. 616 beschrieben und als Dreikörperapparat abgebildet. 



Gewinnung aus Salzquellen. 



231 



Der Apparat ist eine Anwendung des Rillieux'schen Systems der \ er- 
dampfuncr unter vermindertem Druck in drei hinter einander geschalteten Kor- 
pern wie er auch von Robert so erfolgreich benutzt worden ist. A ist die 
Kochkammer, B die Heizkammer, von der auch ein Honzontalschmtt ^gegeben 
ist, C der Sammler und D die Filterkammer. 

Die Heizkammer B des ersten Körpers empfängt direkten Dampf aus einem 




Dampfkessel oder Abdampf einer Maschine durch Rohr E, während das konden- 
sirte Wasser durch einen Scheidetopf beständig entfernt wird. Die Kochkammer A 
des ersten Köi-pers entlässt ihren Dampf in die Heizkammer B^ des zweiten Kör- 
pers durch Rohr F. Die Kochkammer A^ des zweiten Körpers lässt ihren Dampf 
durch Rohr F^ in die Heizkammer B^ des dritten Körpers übertreten. Die Koch- 
kammer dieser letzteren steht durch Rohr F'^ in Verbindung mit dem Konden- 
sator und der Luftpumpe. 

Die Apparate werden durch das Rohr G mit Salzsoole gespeist, und zwar 



232 Salz. 

automatisch. Aus der Filterkammer steigt die Soole dui-ch Rohr H in Folge der 
Druckdifferenz in die Kochkammer zurück. Durch Röhrchen J können die Koch- 
kammern A und A'^ ebenfalls mit dem Kondensator verbunden werden, um das 
Vakuum zu reguliren. Durch Röhrchen K sind die Heizkammern B^ und B'^ mit 
dem Kondensator verbunden, um schädliche Luft aus denselben zu entfernen. 

Der untere Theil des Steigerohrs H ist biegsam und nimmt beim Oeffinen 
des Ventils V die Stellung der punktirten Linie ein. 

Die Entleerung der Filterkammem findet 1 — Sstündlich statt. Ein kleiner 
Apparat liefert 1000 kg Salz in 24 Stunden. 

Die ausführlichsten Literaturnachweise über Salzgewinnungsmetho- 
den finden sich im Berg- und Hüttenm. Jahrb. (Leoben) 1889. 37, 
273 bis 355 zusammengestellt. 

Sudzalz. Das Kochsalz, welches nach den beschriebenen Ver- 
fahrungsAveisen gewonnen wird, dient hauptsächlich zu Fabrikations- 
zwecken. Ein grosser Theil davon wird jedoch auch als Speisesalz ver- 
wendet. Zu diesem Zwecke wird es besonders sorgfältig gewaschen 
und in Darröfen verschiedener Konstruktion getrocknet. 

Das Trocknen des Salzes zu Speisezwecken geschieht in Deutsch- 
land auf eisernen oder gemauerten, von unten geheizten Trockenpfannen, 
oder auch, zur besseren Vermeidung der Klumpenbildung, langsam auf 
Horden in Trockenstuben. Das feinste Tafelsalz, welches seine Weisse 
und seinen Glanz behalten, und frei von Klümpchen sein soll, wird in 
Zentrifugen ausgeschleudert, und in verzinnten Kupfercylindern, in 
welchen eine Flügelwelle rotirt, durch eingeblasene warme Luft uach- 
getrocknet (Mentzel). Auf der Saline Schönebeck ist eine rotirende 
Trockentrommel mit Einführung von heisser Luft in Betrieb (Wagner- 
Fische r's Jahresber. 1891). Einen neueren Trommelapparat zum Trock- 
nen von Salz durch heisse Luft beschreibt Fischer, D.R.P. Nr. 59617 und 
67148. In England wird der heisse Salzbrei in hölzerne Formen gefüllt, 
in denen er zu schwach konischen Blöcken von etwa 45 cm Länge 
und 15 bis 20 cm Seitenlänge erstarrt. Diese Blöcke werden in Trocken- 
stuben langsam getrocknet und kommen ohne Verpackung in den 
Handel. Beim Gebrauch schlägt man Stücke davon ab, die sich durch 
leichten Druck in einer Porzellanschale leicht zu einem rein weissen, 
glänzenden Pulver zerreiben lassen. 

Trockenvorrichtungen für industrielle Zwecke werden z. B. beim 
Hargreaves'schen Process beschrieben werden. 

In folgender Tabelle sind einige Analysen von Sudsalzen zu- 
sammengestellt : 

(Tabelle siehe Seite 233.) 

Analysen des in Bosnien gewonnenen Sudsalzes nach L. Schneider 
theilt Priwoznik im Berg- und Hüttenm. Jahrb. (Leoben) 1888. 95 mit. 

Kochsalz wird auch in einigen Industriezweigen als Neben- 
produkt erhalten, z. B, in der Fabrikation von Salpeter aus Chili- 
salpeter und Chlorkalium. Da das hierbei abfallende Kochsalz immer 
kleine Mengen Nitrate enthält, so dürfte es sich vorzüglich zum Ein- 
pökeln von Fleisch eignen. Das Verfahren von S. Pick, welches am 
22. Mai 1890 zur Patentirung angemeldet wurde, um Kochsalz aus 
Lsgn. zu erhalten, welche CaCl^ oder MgCLj enthalten, mag hier nur 
erwähnt werden (vergl. Ammoniaksodafabrikation). 

Die LT nter suchung des Kochsalzes erfolgt stets nach den 



Sudsalz. 
Analysen von Sudsalzen. 



233 







D e 


u t s c h 1 


and 












;r~ 


Dür- 


Sulz 


Fried- 


Rotten- 


Sehwä- 


<s 




Schön 


ebeck ') 




ren- 


in Mecklen- 


richs- 


mün- 


bisch- 


K 








m 


berg ') 


burg ^) 


hall^) 


ster 2) 


Hall 2) 






weiss 


gelb 


Mit- 
tel- 
salz 


Mittel - 
salz 


Butter- 
salz 


Mittel- 
salz 


Mittel- 
salz 


Mittel 
salz 


Fein- 
salz 


Mittel- 
salz 


Chlornatrium 


95,042 


90,605 


96,28 


96,061 


93,79 


90,75 


92,19 


96,31 


98,900 


90,50 


Chlorkalium 


— 


— 


— 


— 


0,89 


1,00 


— 


— 


— 


— 


Chlorcalcium 


— 


— 


— 


— 


0,26 


0,99 


— 


— 


— 





Chlormagne- 






















sium .... 


0,080 


1,812 


0,21 


0,213 


0,14 


0,60 


— 


— 


— 


— 


Kaliumsulfat 


0,414 


1,731 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


Natriumsulfat 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


0,01 


0,07 


0,005 


1,50 


Calciumsulfat 


0,732 


0,440 


0,03 


1,277 


1,44 


0,59 


0,82 


1,73 


0,490 


— 


Magnesium- 






















sulfat . . . 


0,471 


1,352 


0,09 


0,279 


— 


— 


— 


— 


— 


0,40 


Calciumkarbo- 
















1 






nat . . . . 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


0,08 


— 





Magnesium- 
















1 






karbonat . 


— 


— 


0,02 


— 


— 


— 


_ 


i _ 


0,005 


— 


Unlösliches . 


— 


• — 


0,02 


0,015 


— 


— 


— 




— 


0,60 


Wasser . . . 


2,901 


4,060 


1,90 


2,115 


3,48 


6,07 


6,97 


1 1,82 


0,600 


7,00 




99,640 


100,000 


98,55 


99,960 


|l 00,00 


100,00 


99,99 


100,01 


100,000 


100,00 



') Heine. 
5. 408 entlehnt. 



^) Aus Lunge und Naville 2. 59 und aus Fremy, Encycl. 





e s t 


5 r r e i 


ch 


Schweiz 


Frank- 
reich 


England 










Von 










Hall- 
Statt ') 


IschP) 


Eben- 
see =>) 


Wielicz- 
kaer Stein- 


Schweizer- 
hall*) 


Varange- 
ville ") 


Cheshire ^) 




Grob- 
salz 






salz ^) 










Mittel- 
salz 


Mittel- 
salz 


Feinsalz 


Mittel- 
ealz 


Mittel- 
salz 


Mittel- 
salz 


Chlornatrium . . . 


95,25 


87,89 


96,44 


98,70 


98.376 


96,20 


93,16 


Chlorkalium .... 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


Spur 


Chlorcalcium . . . 


— 


— 


— 


— 


0,119 


— 


— 


Chlormagnesium . 


0,76 


2,06 


0,60 


— 


— 


— 


0,11 


Natriumsulfat . . . 


1,61 


— 


0,56 


0,75 


— 


— 


— 


Calciumsulfat . . . 


0,61 


0,35 


1,24 


— 


0.505 


0,42 


1,01 


Magnesiumsulfat . 


— 


0,44 




0,01 


— 


0,21 


0,18 


Calciumkarbonat . 


— 


1,25 




0,19 


— 


Spur 


0,15 


Magnesiumkarbonat 


— 


— 


— 


0,02 











Unlösliches 


— 


j 0,35 


— 


0,05 


— 


0,10 


— 


Organische Subst. 


— 


— 


Null 


— 


— 


— 


Wasser 


1,74 


7,91 


1,06 


Null 


1,000 


3,07 


5,46 




99,97 


99,75 


99,90 


99,72 


100,000 


100,00 


100,02 



^) Sehr Otter. — ^) Hauer und H o r s i n c k. 
Lunge und Naville 2. 60. — *) Brown. 



^j Juri seh. — ■*) Aus 



234 



Salz. 



bekannten analytischen Methoden. 
2. 21; Lunge's Taschenb. 1892. 



Man vergl. Lu'nge und Xaville; 
151. 



Eigenschaften. NaCl, MG. 5S,5, enthält 39.327ö Na und 60,68 7o Gl, ist ein 
farbloses, geruchloses Salz von charakteristischem Geschmack. 

NaCl krvst. HjO-frei in Würfeln des regulären Systems, die sich häufig zu 
trichterförmigen Gebilden anordnen. Die Dichte der Ki-jstalle ist nach Karsten 
2,078, nach ßuignet 2,145, nach Kopp 2,15. Dieselben enthalten stets etwas 
H2O eingeschlossen, welches beim Erhitzen mit knisterndem Geräusch und unter 
Zerstäubung der KiTstalle entweicht. Steinsalzplatten sind diatherman. 

NaCl schmilzt nach Carnelley (Ch. Soc. 1868. 2. 280) bei 772° zu einer 
wasserhellen, leicht beweglichen Flüss., welche in etwas höherer T. in Form weisser 
Dämpfe sich verflüchtigt. Es erstarrt aus dem geschmolzenen Zustande zu einer 
kiystalünischen Masse, welche beim Wiedererhitzen nicht mehr- dekrepith-t. 

NaCl löst sich inH^O unter geringer T. -Erniedrigung (Berthelot, Mechanique 
chim. 1. 527; Thomseu, Fortschr. der Chem. 1880. 72) leicht auf. Nach Sorel 
(Fremy's Encycl. 5. 381) nehmen 360 kg festes NaCl einen Piaum von 171 1 ein. 
Wenn man dieselben in 1 cbm H2O löst, so erhält man 1,129 cbm Soole. Es findet 
also eine Kontraktion statt um: 



1.171 — 1.129 42 



: 24,5 7o 



0,171 171 

des festen Salzvolumens. 

Die Lösungsfähigkeit des H>0 für Kochsalz nimmt mit steigender T. nur 
ganz wenig zu. 



100 Gew.-Thle. H)0 lösen nach Pogtjiale: 



bei der 

T. von 

Grad 


Gew.- 
Thle. 
NaCl 


Gew.-^,o 
NaCl 

in der 
Lsg. 


Dichte 
der Lsg. 
ange- 
nähert 


Grade 
Twaddell 


g NaCl 
in 11 Soole 
ange- 
nähert 


Ein Gew.-Thl. 

NaCl erfordert 

zur Lsg. 


— 1-5 


32,78 


24.64 


1,206 


41,2 


297 




10 


33.49 


25,09 


1,210 


42.0 


304 




5 


34,22 


25,49 


1,215 


43,0 


310 




=F0 


35,52 


26,21 


1,222 


44,8 


320 


2,815 Gew.-Thle. H2O 


-r5 


35.63 


26,27 


1,223 


44,5 


321 




9 


35,74 


26,33 


1,223 


44,6 


322 




14 


35.87 


26,40 


1,224 


44.8 


323 


2,788 


25 


36,13 


26,54 


1,226 


45,2 


325 


2,768 


40 


36,64 


26,81 


1.229 


45,8 


329 




50 


36.98 


27.00 


1.231 


46.2 


332 


2,704 


60 


37.25 


27,14 


1,233 


46.6 


335 




70 


37,88 


27,47 


1.236 


47,2 


340 




80 


38,22 


27,65 


1.238 


47,6 


342 


2,616 


90 


38,87 


27,99 


1.241 


48,2 


347 




100 


39,61 


28,87 


1,245 


49,0 


858 


2,525 


109,7 


40,35 


28,75 


1,2495 


49.9 


359 





Bei Kochsalzlsgn. hat man zu beachten, dass ihr Prozentgehalt an NaCl nahe 
mit ihren Be.-Graden übereinstimmt. Leider weicht diese Tabelle erheblich von 
der älteren ab, welche Karsten (Salinenkunde) mittheilt. 

Nach F. Fischer hat eine bei 15" ges. Kochsalzlsg. das Vol.-Gew. 1.107 und 
enthält 818,4 gr NaCl im Liter. 

Die ges. Kochsalzlsg. zeigt beim Sieden folgende Zahlen: 

Siede- «'0 NaCI 

Nach temperatur in Lösung 

Poggiale 109,70 28.75 

Karsten 107,9 29,40 



Eigenschaften. 



235 



Nach 



Siede- 
temperatur 



Lunge 1) 109,4 

Gerlach 2) 108,8 



//o NaCl 
in Lösung 

29,45 

28,92 



Die Löslichkeit des Kochsalzes bei höheren Tn., welche nur unter Druck 
erreicht werden können, bietet nur geringes Interesse. 

Diese Zahlen zeigen, dass man Kochsalz aus seinen Lsgn. nur durch Ab- 
dampfen gewinnen kann, denn die Mengen, welche sich durch Abkühlung heiss ges. 
Lsgn. abscheiden, sind nur sehr geringfügig. 

Eine Kochsalzlsg. , welche mehr als 26 7o NaCl enthält, gefriert erst bei 
— 18,43 ". Daher kann man durch Vermischen von Kochsalz und Schnee eine 
flüssige Kältemischung herstellen. 

Unges. Kochsalzlsgn. sind namentlich von Karsten, Bischoff und 
Gerlach untersucht worden. Die Tabellen von Karsten (bei 4°) und von 
Bischoff bei 18,75" finden sich in den meisten Technologien. "Wir lassen hier 
nur diejenige von Gerlach folgen: 

(Tabelle siehe Seite 236.) 

Die Beobachtungen Karsten's über die Gefrier- und Siede-Tn. von Koch- 
salzlsgn. sind in folgender Tabelle aus Lunge und Naville 2. 20 zusammen- 
gestellt : 



7o 

NaCl 
in Lsg. 


Gefrier- 


Siede- 


> 

JlaCl 

in Lssr. 


Gefrier- 


Siede- 


7o 

NaCl 
in Lsg. 


Gefrier- 


Siede- 


punkt 


punkt 


punkt 


punkt 


punkt 


punkt 


O 


Grad 


Grad 


o 


Grad 


Grad 




Grad 


Grad 





±0 


4-100 


9 


— 6,72 


-f- 102,11 


20 


— 14,44 


+ 105,46 


0,1 


— 0,08 


100,02 


9,5 


7,08 


102,24 


20,5 


— 


105,63 


0,2 


0,15 


100,04 


10 


7,44 


102,38 


21 


15,11 


105,81 


0,8 


0,23 


100.06 


10,5 


7,80 


102,52 


21,5 


— 


105,98 


0,4 


0,31 


100,08 


11 


8,16 


102,66 


22 


15,78 


106,16 


0,5 


0,38 


100,10 


11,5 


8,52 


102,80 


22,5 


— 


106,34 


1 


0,76 


100,21 


12 


8,88 


102,94 


23 


16,45 


106,52 


1,5 


1,14 


100.31 


12,5 


9,23 


103,08 


23,5 


— 


106,70 


2 


1,-52 


100,42 


13 


9,59 


103,23 


24 


17,11 


106,89 


2,5 


1,90 


100,53 


13,5 


9,94 


103,38 


24.5 


— 


107,08 


3 


2,28 


100,64 


14 


10,29 


103,53 


25 


17,77 


107,27 


3,5 


2,66 


100,75 


14,5 


— 


103,68 


25,5 


— 


107,46 


4 


3,03 


100,87 


15 


10,99 


103,83 


26 


18,42 


107,65 


4,5 


3,40 


100,98 


15,5 


— 


103,99 


26,5 


— 


107,84 


5 


3,78 


101,10 


16 


11,69 


104,14 


27 


— 


108,04 


5,5 


4,14 


101,22 


16,5 


— 


104,30 


27,5 


— 


108,24 


6 


4,52 


101,34 


17 


12,39 


104,46 


28 


— 


108,43 


6,5 


4,89 


101,46 


17,5 


— 


104,63 


28,5 


— 


108,63 


7 


5,26 


101,59 


18 


13,07 


104,79 


29 


— 


108,83 


7,5 


5,62 


101,72 


18,5 


— 


104,95 


29,4 


— 


108,99 


8 


5,99 


101.85 


19 


13,76 


105,12 








8,5 


6,35 


101,98 


19,5 


" — 


105,28 









NaCl ist unlösl. in absolutem Alk., aber etwas lösl., wenn derselbe durch 
H)0 verd. ist. 

Spiritus von 53° oder einer Dichte von 0,9282 löst nach Ger ardin (A. eh. 
phys. 4. 5. 129) folgende Mengen: 

bei der T. . . 4" 10" 13° 23" 32» 44" 51" 60" 
"/o NaCl . . 10,9 11,1 11,4 11,9 12,3 13,1 13,8 14,1 



Lunge und Naville, 2. 19. 

•-) Gerlach in Z. anal. Ch. 1887. 438. 



236 



Salz. 



Lösungen von Kochsalz bei verschiedenen 



Tem- 





1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


10 


11 


12 


pera- 
tur 


7o 


7o 


7o 


7o 


7o 


ö/o 


7o 


7o 


7'o 


7o 


7o 


7o 


7o 


Grad 





























1,(X)070 

1,0007 

1,0008 

1,0009 

1,00092 

1,0009 

1,0008 

1,0007 

1,0007 

1,0006 

1,00058 

1,0005 

1,0004 

i,ooa2 

1,0IJ01 
1,00000 

0,9999 

0,9997 

0,9996 

0,9995 

0,99932 

0,9990 

0,9988 

0,9985 

0,9982 

0,99795 

0,9977 

0,9974 

0,9971 

0,9968 

0,99657 

0,9950 

0,99315 

0,9912 

0,98918 

0,9865 

0,98397 

0,9811 

0,97830 

0,9752 

0,97212 

0,9690 

0,96587 

0,9627 

0,95944 



1,(X)83 

1,0083 

1,0084 

1,0084 

1,0084 

1,0083 

1,0083 

1,0082 

1,0081 

1,0080 

1,0079 

1,0078 

1,0077 

1,0075 

1,0074 

1,0072 

1,0071 

1,0069 

1,0068 

1,0066 

1,0065 

1,0062 

1,0050 

1,0055 

1,0053 

1,0050 

1,0047 

1,0045 

1,0042 

1,0039 

1,0036 

1,0019 

1,0001 

0,9981 

0,9960 

0,993 

0,9908 

0,9880 

0,9851 

0,9821 

0,9789 

0,9753 

0,97 

0,9695 

0,9663 



1,0159 

1,0159 

1,0159 

1,0159 

1,0159 

1,0158 

1,015 

1,0156 

1,0155 

1,0154 

1,0153 

1,0151 

1,0150 

1,0148 

1,0147 

1,0145 

1,0143 

1,0141 

1,0139 

1,0138 

1,0136 

1,0133 

1,0130 

1,0127 

1,0124 

1,0121 

1,0118 

1,0115 

1,0112 

1,0109 

1,0106 

1,0089 

1,0070 

1,0050 

1,0028 

1,0003 

0,9977 

0,9948 

0,f;919 

0,9888 



1,02351,0312 
1 , 0235 j 1,0311 
1,0234 1,0310 
1,02341,0309 
1,02331,0308 
1,02321,0:307 
1,0305 



1,0231 
1,0230 
1,0229 
1,0228 
1,0226 
1,0225 



1,0304 
1,0303 
1,0301 
1,0300 
1,0298 



1,02231,0296 
1,022111,0294 
1,0219 1,0292 



1,0217 
1,0215 
1,0213 
1,0211 
1,0209 
1,0207 
1,0204 
1,0201 
1,0198 
1,0195 
1,0192 
1,0189 
1,0186 
1,0183 
1,0179 
1,0176 
1,0158 
1,0140 
1,0119 
1,0097 
1,0071 
1,0046 
1,0016 
0,9987 
0,9956 



0,98580,9926 
0,9826 0,9894 
0,97950,9863 
0,97640,9832 
0,9732 0,9801 



1,0290 
1,0288 
1,0285 
1,0283 
1,0231 
1,0278 
1,0275 
1,0272 
1,0209 
1,0266 
1,0263 
1,0200 
1,0257 
1,0253 
1,0250 
1,0246 
1,0228 
1,0209 
1,018= 
1,0106 
1,0140 
1,0114 
1,0085 
1,0055 
1,0025 
0,9995 
0,9962 
0,9931 
0,9901 
0,9870 



1,03877 

1,0386 

1,0385 

1,0384 

1,0383 

1,03815 

1,0380 

1,0378 

1,0377 

1,0375 

1,03737 

1,0371 

1,0369 

1,0367 

1,0365 

1,03623 

1,0360 

1,0357 

1,0355 

1,0352 

1,03495 

1,0340 

1,0343 

1,0340 

1,0337 

1,03340 

1,0331 

1,0327 

1,0324 

1,0320 

1,03166 

1,0298 

1,02783 

l,r257 

1,02342 

1,0209 

1,0183 

1,0153 

1,01235 

1,0093 

1,00632 

1,0031 

0,99997 

0,9969 

0,99385 



1,0465 
1,0464 
1,0462 
1,0461 
1,0459 
1,0458 
1,0456 
1,0454 
1,0453 
1,0451 
1,0449 
1,0447 
1,0444 
1,0442 
1,0439 
1,0437 
1,0434 
1,0431 
1,0429 
1,0426 
1,0423 
1,0420 
1,0417 
1,0414 
1,0411 
1,0407 
1,0404 
1,0400 
1,0397 
1,(393 
1,0390 
1,0371 
1,0351 
1,0329 
1,0306 
1,0230 
1,0254 
1,0224 
1,0195 
1,0164 
1,0134 
1,0102 
1,0071 
1,0041 
1,0010 



191 



1,0543 

1,0542 

1,0540 

1,0538 

1,0536 

1,0534 

1,0532 

1.0530 

1,0528 

1,0526 

1,0524 

1,0522 

1,05 

1,0516 

1,0514 

1,0511 

1,0508 

1,0505 

1,0502 

1,0500 

1,0497 

1,0494 

1,0490 

1,0487 

1,0484 

1,0481 

1,0477 

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237 



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1,16144 

1,1584 

1,15540 

1,1524 

1,14941 

1,1464 

1,14338 



1,2073 
1,2069 
1,2064 
1,2060 
1,2056 
1,2051 
1,2047 
1,2042 
1,2037 
1,2033 
1,2028 
1,2023 
1,2019 
1,2014 
1,2010 
1,2005 
1,2000 
1,1994 
1,1988 
1,1983 
1,1977 
1,1972 
1,1967 
1,1962 
1,1957 
1,1952 
1,1947 
1,1941 
1,1936 
1,1930 
1,1925 
1,1897 
1,1870 
1,1841 
1,1812 
1,1782 
1,1753 
1,1723 
1,1694 
1,1064 
1,1633 
1,1603 
1,1573 
1,1543 
1,1512 



238 Salz. 

Alk. von 75° Stärke löst nach Würtz (Dictionnaire) 

bei U° 38° 71 Va" 

«/o NaCl . . . 0,661 0,734 1,033 

Alk. von 95,5° Stärke löst nach R. Wagner: 

bei 15° 77V4° 

°'o NaCl . . . 0,174 0,171 
Bei der T. 15° löst nach H. Schiff Spiritus verschiedenen Gehalts folgende 
Mengen NaCl: 

Alkohol NaCl Alkohol NaCl 

im Weingeist in der ges. Lsg. im Weingeist in der gas. Lsg. 
0°/o 26,4 °/o 40°/o 11,7 °/o 

10 22,2 50 8,9 

20 18,4 60 5,6 

30 14,9 80 1,2 

Methylalkohol von 40% löst 13% NaCl (H. Schiff, Ann. Chem. Pharm. 
118. 862). 

Kochsalz übt auf Pflanzen einen bedeutenden — häufig schädlichen — Ein- 
fluss aus. Ein Tabakfeld kann z. B. durch darauf gestreutes Kochsalz völlig' ver- 
dorben werden, weil der Tabak dadurch strunkig wird und kohlt, so dass ihn Nie- 
mand rauchen mag. 

Anwendungen. Ein erwachsener Mensch, dessen Körper bei einem Gewicht 
von 75 kg 0,5 kg NaCl enthält, braucht jährlich 7 bis 8 kg NaCl als Nahrungsmittel. 
Zu Nahrungszwecken wird NaCl verbraucht, indem man Fische, Fleisch und Butter 
damit einsalzt. Ferner wird NaCl gebraucht: als Beimischung zum Viehfutter und zu 
Salzlecken für Vieh und Wild, zur Fabrikation der Salzsäure und der Soda ; mitunter 
zur Darstellung von Cl und von Salmiak ; zur chlorirenden Röstung armer Kupfer- 
erze (Pyritabbrände) und der Silbererze (in der Amalgamation und in dem Ver- 
fahren der Ag-Gewinnung von Augustin); in der AI-Fabrikation; zum Aus- 
salzen der Seife; zum Glasiren von Thongeschirren und als Flussmittel; in der 
Weissgerberei (zur Bereitung der Alaunbeize); in der Loh- oder Rothgerberei (beim 
Schwitzen der Häute) ; zum Conserviren von Schiffsbauholz und Eisenbahnschwellen. 

Wirthschaftliches und Statistik. Die Gewinnungskosten^ des 
Salzes berechnen sich nach der Enquete sur les sels von 1866 (Lunge "und 
Naville 2. 89. 57) wie folgt: 

Für die Meersalinen im südlichen Frankreich: 

Bewegung der Wässer 0,56 Frcs. 

Herausheben des Salzes 1,45 „ 

Steuer 0,36 , 

Miethe 0,02 , 

Unterhaltung 1,89 „ 

Allgemeine Kosten 0,51 „ 

Amortisirung 0,48 „ 

Verlust an Salz durch Verstreuung etc. . . 0,47 „ 
Verladung auf Schiffe oder Wagen . . . . 1,14 „ 

Gewinnungskosten von 1 t Salz 6,81 Frcs. 

ab Saline ohne Verzinsung des Kapitals. 

Für die Saline Camarade (Gironde) aus Soole von 24 bis 25° Baume: 

240 kg Holz 3,20 Frcs. 

Arbeitslohn . 1,32 , 

Allgemeine Kosten und Verzinsung des Kapitals . 5,50 , 
Gewinnungskosten von 1 t Salz ab Saline . . . 10,02 Frcs. 

Für die Saline Gouhenans (Haute-Saone): 

Pumpen der Salzsoole 0,26 Frcs. 

Brennmaterial 6,45 „ 

Arbeitslohn für Fabrikation und Verladung ... 2,12 , 

Unterhaltung 1,73 „ 

Allgemeine Kosten, Steuer, Versicherung, Zinsen 5,75 „ 

Gewinnungskosten von 1 t Salz ab Saline . . . 15,81 Frcs. 



Wirthschaftliches und Statistik. 239 

Die Förderkosten von 1 t Steinsalz betragen etwa 3 bis 4 Mk. 

In England stellt sich der Gewinnungspreis für 1 t NaCl in Form von ges. 
Soole auf 0,50 Mk. 

Der Verkauf von Salz ist im Deutschen Reiche, Oesterreich-Ungarn, 
Italien, Russland, Frankreich, Britisch-Ostindien und China Staatsmonopol oder 
steuerpflichtig. England erhob früher eine Steuer von 600 Mk. für 1 t Salz, hat 
diese Steuer aber seit dem Jahre 1824 abgeschafft (Heinzerling, Ch. Tech. 1888. 
375; Ch. Ind. 1888. 585). Frankreich erhob noch 1858 eine Steuer von 100 Frcs. 
für 1 t Salz (Mond, Ch. Ind. 1886. 10) , hat dieselbe aber seitdem bedeutend 
ermässigt (Ch. Ind. 1889. 342), England, Spanien, Portugal und die Vereinigten 
Staaten von Nordamerika erheben jetzt keine Salzsteuer. 

Nach Mulhall (Dictionary of Statistics 1886. 398) betrugen die Steuer- 
eingänge für 1000 kg Kochsalz : 

im Deutschen Reiche .... 72,20 Mk. 

in Oesterreich-Ungarn .... 30,55 „ 

„ Italien 27,33 „ 

„ Russland 60,29 , 

, Frankreich 16,05 „ 

, Britisch-Ostindien .... 148,35 „ 

Im Deutschen Reiche unterliegt das Salz, welches Speisezwecken dient, 
einer Abgabe von 120 Mk. für 1000 kg. Das Salz, welches nach dem Auslande 
geht , oder welches zu inländischen Fabrikationszwecken und als Viehsalz dient, 
hat dagegen nur eine Abgabe von 2 Mk. für 1 t zu tragen. Das Salz für indu- 
strielle Zwecke wird mit Beimischungen versehen, denaturirt, welche es zu 
Speisezwecken unbrauchbar machen, ohne seiner industriellen Benutzung zu schaden. 

Zur Denaturirung des Salzes benutzte Mittel: Zu landwirth- 
schaft liehen Zwecken: 1. Viehsalz. Bei Sudsalz: V-« % Eisenoxyd und V* 
bis 1 °/o Wermuthkrautpulver. Bei Steinsalz : 7« "i'o Eisenoxyd und '/•* bis V2 °/o Wer- 
muthkrautpulver. Bei Lecksteinviehsalz : 7-» bis ^js 7« Eisenoxyd und V^ "/<> Holz- 
kohlenmehl. 2. Düngesalz: 7^ 7« Petroleum oder Karbolsäure, 2 7» Kohlenstaub, 
V2 bis l7o Russ; 1 7o Seifenpulver, V4 7o Kienöl. 

Zu gewerblichen Zwecken: 1. Salzhändler (auf Vorrath) V^ bis 
78 7o Eisenoxyd oder Kienruss und V2 7o Thran; 1 7o Seifenpulver; 7^ 7o ■Pb304. 
2. Soda- und Grlaubersa] zf abriken: 2 bis 57» calcinirtes Natriumsulfat; 

4 bis 570 calcinirte Soda; 1 bis 5 7o H2SO4; 2 bis 4 7o HCl; 2 7o Braunkohlen- 
mehl ; 1 7o Braunstein ; 5 7o Anilin - Mutterlauge ; V'* "/o Petroleum ; beliebige 
Menge Rohsulfat. 3. Färbereien und Farbenfabriken: 2 bis 5 7" Anilin- 
farbstoflfe; 1 bis 172 7» Indigobrühe, Fuchsin oder Jodlauge; 10 7o Kupfervitriol; 

5 7« Kupferchlorid oder chromsaures Kali; 1 7o Seifenpulver; 7'i7o Pb304; 2 7» 
Kohlenstaub oder H2SO4; 4 7« Eisenvitriol; V* 7o Petroleum, Kienöl oder Karbol- 
säure ; Pikrinsäure. 4. Chemische F a b r i k e n : 2 bis 5 7o H.2SO4 ; 2 7" rauchende 
HCl oder H2SO4; V* "/<> Carbolsäure, Kreosot oder Kienöl; 1 7o Seifenpulver oder 
Braunstein mit ^t 7o Petroleum ; V2 7» Thran und V'* bis 7^ 7« Eisenoxyd ; 7* 7" 
Holzessigsäure; 10 7o kryst. Soda; '/2 7" Schmieröl; 5 7» Anilinmutterlauge. 5. Glas- 
hütten und Glasfabriken: l7o Braunstein und ^/2 7o Thran ; 1 "jo Braun- 
stein ; 4 7» Eisenvitriol ; V-* "/» Kienruss ; y* "jo Petroleum, Kienöl oder Karbolsäure ; 
570 Fluorcalcium; 1 7o Seifenpulver; 100 7o Mergelasche ; 2 7» Steinkohlenmehl; 
77» Glaubersalz. 6. Oelfabriken und Raffinerien: 1 7o Braunstein oder 
Seifenpulver; 5 7o Thran; V470 Kienöl; 74 7o Pb304 ; 6 7o Alaun. 7. Seifen- 
und Stearinkerzenfabriken: P/o Seifenpulver oder Braunstein ; 7* 7« Petro- 
leum , Kienöl oder Karbolsäure ; 5 70 Thran- , Palm- oder Kokosöl ; V2 7o Braun- 
kohlenöl; 2 7o Kolüenpulver. 8. Gerbereien, Lederfabriken, Häute- 
händler und Pelzwaarenfabrikanten: l7o Seifenpulver, Smalte, Braun- 
stein oder Russ; V4 bis 7s 7o Eisenoxyd oder Kienruss und V2 "'l» Thran; V470 
Petroleum, Kienöl oder Karbolsäure; 6 7o Alaun und V4 7o Kienöl; 10 7o Alaun, 
V270 Kienruss; 7470 Pb304; 27o Kohlenstaub oder Torfmehl; V2 7o Braunkohlen- 
Öl oder ThieröL 9. Schiff b au er ei en: V4 7o Petroleum; 1 7o Seifenpulver. 
10. Zu Zwecken der Metallbearbeitung: V4 7o Petroleum oder Karbol- 
säure; 1 bis 570 Braunstein; 17oRuss; V2 7o Thran und 1 7o Braunsteineisenoxyd ; 
2 7o Kohlenstaub ; 3 7o Rückstände aus der H2S04-Fabrikation ; 2 7o rauchende HCl ; 
370 Schwefelkies; 5 7o Klauenmehl ; V2 7o Braunkohlenöl; Kalkhydrat. 11. Stein- 
gutöfenfabriken und Töpfereien: 74 7o Petroleum oder Karbolsäure; 



240 



Salz. 



1 "/u Braunstein , Smalte , Seifenpulver oder Russ ; 2 7« Kohlenstaub ; V^ bis 1 °/o 
Pb304; V270 Kienruss; 0,08 "/o stinkendes Thieröl; V2 7o Thran und 74^0 Kien- 
russ; 1270 Steinkohlenstaub; 2 7o Holzkohlenpulver; 5 7o Zinn- oder Bleiasche; 
Sand. 12. Schwer spathfabriken: 1%H2S04; 2 7o Braunkohle. 13. Papier- 
fabriken: V4 7o Petroleum; V-t 7o Braunstein. 14. Kunstwolle- und Tuch- 
fabriken, Webereien: V^ 7« Kienöl oder Karbolsäure; 17» Seifenpulver oder 
Russ. 15. Zur Eisbereitung und Konservirung: V^ ° Petroleum oder 
Karbolsäure; 17« Braunstein oder Seifenpulver; 1 bis 2 7o Kohlenstaub oder Torf- 
mehl; 7'« 7o Pb304; V2 7» Thran; 4 7« Eisenvitriol. 16. Zu sonstigen Zwecken: 
Für Aquarien : Verdünnung in Wasser. Zum Eisschmelzen : ','4 7" Petroleum oder 
Karbolsäure; 17» Braunstein oder Russ; V-* 7« Eisenoxyd und '/27p Thran; 2 7o 
Steinkohlenmehl ; 7* 7« Pb304 ; 4 7» Eisenvitriol. Zur Vertilgung des Graswuchsea : 
gemahlenen Pfannenstein mit Braunkohle. (Heinzerling, Ch. Techn. 376.) 

Wegen weiterer Angaben vergl. man Ch. Ind. 1885. 31, 406: 1886. 391; 1887. 
584; 1889. 24; 1890. 503. 

Salzstatistik. 

Die Salzproduktion im Deutschen Reiche ist aus folgender Tabelle 
ersichtlich : 

Salzproduktion im Deutschen Reiche. 





Steinsalz 


Salz aus Soole 


Werth von 
1000 kg in Mk. 


Salz im Ganzen 


Jahr 


Menge 

in t 

= 1000kg 


Werth 

in 

1000 Mk. 


Menge 

in t 

= 1000 kg 


Werth 

in 

1000 Mk. 


Stein- 
salz 


Sud- 
salz 


Menge 
in t 


Werth 

in 

1000 Mk. 


1880 
1885 
1890 
1891 
1892 


272 300 
377 491 
557 060 
666 793 
662 577 


1805 
1955 
2 473 
2 979 
2 882 


450 200 
461 292 
492 584 

503 386 

504 687 


11 867,0 
11751,3 
13 286,3 
13 422,3 
13 843,0 


6,63 
5,20 
4.44 
4,47 
4,27 


26,35 
25,47 
26,97 
26,83 
27,43 


722 500 

888 783 

1 049 644 

1 170 179 

1 167 264 


13 672,0 
13 706,3 

15 759,3 

16 401,3 
16 675,0 



Die Salzbewegung im Deutschen Reiche während der Kalenderjahre ist 
in folgender Tabelle dargestellt: 

Ein- und Ausfuhr von Salz im freien Verkehr des Deutschen Reiches. 





E inf 


u h r 


A u s i 


Fuhr 


Jahr 


Menge 


Werth 


Menge 


Werth 




in t 


in 1000 Mk. 


in t 


in lOÖO Mk. 


1880 


81641 


814 


147 663 


4 430 


1885 


24 148 


493 


118 340 


2 899 


1890 


20 961 


420 


199 467 


3 555 


1891 


20 751 


1245 


254 370 


3 989 


1892 






197 371 




1893 






196 095 





Die Einfuhr kam fast ausschliesslich aus Grossbritannien und bestand 
hauptsächlich aus weissem Siedesalz zu Speisezwecken. 

Die Ausfuhr des deutschen Salzes richtete sich in den letzten Jahren vor- 
wiegend nach Oesterreich-üngarn , Schweden und Norwegen, Russland und nach 
Britisch-Ostindien. Dadurch, dass die englische Steinsalz-Association die Salzpreise 
hoch gehalten hat, ist die Ausfuhr lohnender geworden, so dass über die Hälfte 
der deutschen Ausfuhr als Steinsalz nach Ostindien geht. 

Der Salzverbrauch im Deutschen Reiche ist in folgender Tabelle an- 
gegeben : 



Statistik. 



241 



Salzverbrauch im Deutschen Reiche. 





Zu Speisezwecken 


Zu anderen als Speise- 
zwecken 


Ueberhaupt 


Jahr 


Menge 
in t 


Auf den Kopf 

der 
Bevölkerung 

kg 


Menge 
in t 


Auf den Kopf 

der 
Bevölkerung 

kg 


Menge 
in t 


.Auf den Kopf 

der 
Bevölkerung 

kg 


1880/81 
1884/85 
1890/91 
1891/92 
1892/93 


343 389 
354 896 
381 203 
386 362 
383 444 


7,7 
7,7 
7,7 
7.7 
7,6 


276 118 
339 026 
465 4,38 
484 035 
511240 


6,2 
7,4 
9,4 
9,7 
10,1 


619 507 
693 922 
846 641 
870 397 
894 684 


13,9 
15,1 
17,1 

17,4 
17,7 



Der Salzverbrauch zu anderen als Speisezwecken vertheilt sich wie folgt: 
Salzverbrauch im Deutschen Reiche zu anderen als Speisezwecken. 



Jahr 


Zur 

ehfütte- 
rung 


ö 

■~, 3 
3 bD 


Grlauber- 
]z- und 
ifabriken 


emischen 
Farben- 
briken 


• Seifen- 
Kerzen- 
rikation, 
affinerien 


M 

i^ 3 

0) TS 


er Metall- 

aaren- 

dustrie 


iv Glas- u. 
nwaaren- 
dustrie 


3 '2 




> 


P 






5 't; -Q s-i 

3^ Q 


1— 1 


-^ P.2 

3 


-^ O Ö 

-5^ 


o 




i 


t 


t 


t 


t 


t 


t 


t 


t 


1880/81 


95 777 


2 801 


122 863 


11737 


5 584 


7 6.34 


4 989 


2 425 


22 309 


1884/85 


99 293 


3 094 


192148 


17 562 


6 578 


9 820 


5 732 


1895 


2 904 


1889/90 


100 727 


3 131 


251450 


29 796 


7 780 


16 705 


15 119 


1882 


5 62G 


1890/91 


105 713 


3 229 


275 508 


31 925 


7 017 


17 956 


14 100 


1801 


8 189 


1891/92 


118 779 


3 280 


273 678 


36 258 


7 865 


17 679 


17 684 


1721 


7 091 


1892/93 


113 888 


3 491 


294 801 


38 705 


8 649 


18 203 


21686 


1903 


9 914 



Aus der Tabelle ist die beträchtliche Steigerung des Salzverbrauches nament- 
lich in der chemischen Industrie erkennbar. 

Oesterreich-Ungarn. 

Die Salzmenge, welche in Oesterreich gewonnen wird, besteht zu ^2 Ws 
^/3 aus Sudsalz, zu '/' ^^^ V'* ^-us Steinsalz und zu etwa ^/s aus Seesalz und 
Industriesalz. 

Salz in Oesterreich (und Galizien). 





Produktion 


Einfuhr 

t 


Ausfuhr 
t 


Verbrauch 


Jahr 


Menge 
in t 


Werth 
in 1000 fl. 


Menge 
in t 


Auf den Kopf 

der 

Bevölkerung 

kg 


1885 
1890 
1891 
1892 


270 398 
303 482 
300 817 
285 000 


21628 
23 040 
22 633 


22 459 

17 789 

26 800 

27 836 


16718 
6 415 
4 861 

10 088 


276 139 
314 856 
322 7.56 

302 748 

1 


12,0 
1.3,1 
13,4 



Der Preis des Salzes betrug bei der Einfuhr 10 fl., bei der Ausfuhr 18 fl. 
für 1000 kg. 

Die ungarische Salzproduktion hat sich seit 1880 ziemlich konstant aus 
folgenden Mengen zusammengesetzt: 

Handbuch der ehem. Technologie. I. 16 



242 



Salz. 



Steinsalz . . 150 000 t im Jahr, 
Sudsalz ... 6 500 t - 
Industriesalz . 5 000 t , 
Die Ein- und Ausfuhr ist in der angeführten bereits enthalten. 

Italien 
erzeugte und verbrauchte folgende Mengen Salz: 



Salz in Italien. 





Salzproduktion 


Salz- 


Salzverbrauch 


Salzpreise in Lire 
für 1000 kg 






















Jahr 








; Aus- 1 




c S ö 


_N 


N 


N 




Meer- 


Stein- 


Sud- 


Im i 


fuhr 


Menge 


S'S.^S 




c3 


c; 




salz 


salz 


salz 


Ganzen 






(D 

o 


'S 




















§ 


zn 


w. 




t 


t 


t 


t 


t 


t 


kg 


i 






1885 


410 255 

448 827 
347 274 


17 204 


10 678 


488 137; 


179 1471 258 990 


9,1 




17,89 


26,98 


1890 j 


17 099 


9 879 


475 805 


188 393 287 412 
179 8311207 986 


9,6 


10,21 


15,10 


34,31 


1891 


31 285 


9 258 


387 817, 




8,84 


12,13 


28,83 


1892 








419 000 















Die Einfuhr von Chlornatrium in jeder Fonn ist in Italien verboten. Ge- 
nauere Angaben über die italienischen Salinen in Ch. Ind. 1893. 230 und 240. 

Frankreich 
erzeugte folgende Mengen Salz in Tonnen: 



Jahr 



Aus Meersalinen 



des 
Südens 



des 
Westens 



Steinsalz 

und 
Sudsalz 



Im 
Ganzen 



Ein- 
fuhr 



Aus- 
fuhr 



Verbrauch 



Menge 



kg 



1885 
1890 
1891 
1892 



163 067 148 515 389 087 700 669 ' 12 076 81 563 

256 710 95 000 490 819 842 529 ' 24 724 58 179 

230 565 78 000 502 110 810 675 , 23 190-' 67 845 

269 000 195 000 510 000 \ 974 000 1 1 



631 182 
809 075 
766 020 



16,5 
21,1 
19,9 



Bei Ein- und Ausfuhr wurden gerechnet: 1000 kg Steinsalz zu 30 Frcs., 
1000 kg Sudsalz zu 50 Frcs. 

Gross britannien 
erzeugt wesentlich Sudsalz; nur etwa Vi 5 der Gesammtproduktion besteht in Steinsalz. 





Salzproduktion 


Preis 

von 

It 

in Mk. 


Einfuhr 
t 


Ausfuhr 
t 


Verbrauch 


Jahr 


Menge 
in t 


^yerth 


Menge 
t 


Auf den 
Kopf der Be- 
völkerung 

kg 


1885 
1890 
1891 
1892 


2 207 683 

2 146 849 
2 043 571 

1 988 000 


780 615 

1100 014 

976 824 

869 000 


7,07 

10,25 

9,55 

8,74 


235 641 
206 900 


921 869 
726 021 
671 265 


1 656 469 
1 579 206 


43,7 
41,5 



Etwa -,3 der Ausfuhr geht nach den britischen Kolonien. Der Werth der 
Ausfuhr von 1891 betrug 596408 £. Von dem Gesammtverbrauch entfällt etwa 
die HäKte auf die Sodafabrikation. 



Statistik. 



243 



Spanien 
führte folgende Mengen Salz aus {haui^tsächlich Meersalz): 

1889: 323 602 t im Werthe von 4 854026 Pesetas, 
1890:258 030 t , , , 3 870451 

1891: 219 000 t , , , 3 285 000 

Portugal 
erzeugte im Jahre 1884 etwa 250000 t Meersalz und führte 1888 172 569 t Salz aus. 

Vereinigte Staaten von Nordamerika. 
Salz Produktion: 



Jahr 


Anzahl 
Barrels 

(zu \ls t) 


Menge 
in t 


Werth 
in Dollars 


Preis für 1 t 
Mk 


1885 
1890 
1891 
1892 


7 038 653 

9 727 697 

10 229 691 

11585 754 


879 831 
1 261 596 
1278 711 
1 448 219 


4 825 345 

5 614472 
5 872 186 
5 879 222 


23,03 

18,69 
18,94 
17,05 



dargestellt: 



Die Bewegung in Salz während derselben Jahre ist in folgender Tabelle 





I m p r t 


Export 


Jahr 


Busheis 

(= 740 t) 


Werth 
in Dollars 


Bush eis 

(- 7'40 t) 


Wei-th 
in Dollars 


1880 
1885 
1890 
1891 
1892 


17 138 194 

16 136 899 
9 604 046 
8 276 000 
8 153 630 


1 848 174 

1538 316 

932 905 

793 115 

768 734 


22 179 
73 242 
160 023 
93 612 
97 456 


6 613 
26 440 
35 236 
29 510 
31648 



Die Salzstatistik aller übrigen Länder ist aus folgenden Generaltabellen 
für die Jahre 1880 und 1890 ersichtlich: 

(Tabellen siehe Seite 244 und 245.) 

Aus diesen Tabellen ergibt sich eine Vermehrung der Produktion und eine 
Abnahme des Handels, weil man in allen Ländern erfolgreich bemüht ist, die 
heimischen Hülfsquellen besser auszunutzen. 



Jurisch. 



244 



Salz. 



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Statistik. 



245 



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246 Kalisalze. 



Chlorkalium 

und die Stassfurter Industrie. 



Vorkommen. KCl und Kalisalze überhaupt finden sich weit verbreitet 
im Meerwasser und in Mineralien (namentlich Feldspath) , aus denen sie in die 
Pflanzen- und Thierköi-per übergehen. Für technische Zwecke benutzbare Kali- 
quellen sind folgende: 

A) Anorganische Kaliquellen: 1. Das Meerwasser und die Mutter- 
laugen der Meersalinen. 2. Die natürlichen Mutterlaugensalze Kainit, Schönit, 
Camallit und Syhünit. 3. Feldspath (Orthoklas), Leucit, Kaliglimmer, Glaukonit, 
Phonolith, Trachj't, Alunit u. a. 4. Der natürliche Kalisalpeter (Ostindien). 

B) Organisehe Kaliquellen: -5. Asche der Pflanzen, namentlich der 
Laubhölzer. 6. Die Meeralgen (als Nebenprodukt der .T-Gewinnung). 7. Die 
Schlempekohle von der Verarbeitung der Runkelrübe. 8. Der Schweiss der 
Schafwolle. 

Für das Chlorkalium speziell kommen nur die unter 1. und 2. genannten 
Quellen in Betracht. Die ^'erarbeitung der Mutterlaugen der Meersalinen auf 
Chlorkalium ist bereits bis zur Gewinnung des künstliclien Caraallits beschrieben 
worden. Die Behandlung des letzteren zur Darstellung von Chlorkalium entspricht 
dem Stassfurter Verfahren. Die Entstehung der Steinsalzlager und der Mutter- 
laugensalze ist ebenfalls bereits beschrieben worden (S. 212). 

Die zur Bildung des Stassfurter Salzlagers erforderliche Zeit wird 
auf 15 000 Jahre berechnet. Durch die Verdunstung des Meerwassers während der 
wärmeren Jahreszeit schied sich hier eine 7 bis 9 cm dicke Schicht Chlornatrium 
ab ; in der kälteren Jahreszeit dagegen aus dem frisch zufliessenden Salzwasser 
eine etwa 7 mm starke Schicht Anhydrit, CaS04, gleichsam als Jahresring. Als 
der weitere Zufluss von Meerwasser aufhörte, begannen auch die K- und Mg-Salze 
aus der angesammelten Mutterlauge auszukrj-stallisiren. An Stelle der Anhydrit- 
schnüre traten im Steinsalz zunächst solche von Polyhalit auf, wonach die etwa 
60 m mächtige Steinsalzschicht die Polyhalitregion genannt wird. In der 
darauf folgenden Ablagerung, der Kieseritregion, wurde das noch immer vor- 
herrschende Steinsalz mit Kieserit und Camallit durchsetzt. Das letztere Salz trat 
nun in reichlicheren Mengen auf, bis das sich ausscheidende Salzgemisch schliess- 
lich in ein bauwürdiges Carnallitlager überging. Der Camallit bildet in einer 
Mächtigkeit von 25 m das Hangende des ganzen Salzlagers; derselbe ist aber mit 
Steinsalz und Kieserit derart durchwachsen, dass die Schicht aus durchschnittlich 
55 "/o Camallit, 26 ^jo Steinsalz, 17 7o Kieserit und 2 % Anhydrit mit Thon besteht. 
Ausserdem enthält der Camallit auch Boracit in Knollen eingelagert, welcher 
durch Ausklauben besonders gewonnen wird. Der Camallit wurde durch eine etwa 
8 m mächtige Salzthons chicht zugedeckt, welche wesentlich aus Calciumsulfat, 
Magnesiumkarbonat und Thon besteht. Darüber hat sich eine 40 bis 90 m mächtige 
Anhydritschicht und schliesslich bunter Sandstein abgelagert. Nur an wenigen 
Stellen ist zwischen den beiden letzteren eine 40 bis 120 m mächtige Schicht von 
jüngerem Steinsalz mit nur wenigen Polyhalitjahresringen eingebettet. Durch die 
von SO nach NW gehende Erhebung, den Egeln-Stassfurter Roogensteinsattel, wurde 
das Salzlager in zwei Theile geschieden, worauf durch eindringendes Wasser die 
Salze theils gelöst, theils zersetzt wurden. Der Camallit hinterliess ein Gemenge 
von Chlorkalium, Steinsalz und Kieserit als sogen. Hartsalz, setzte sich aber in 
seinen oberen Schichten mit Sulfaten auch zu Kainit um. Man vergleiche die 
Schnitte durch die wichtigsten Stellen des Stassfurter Salzlagers nach Precht, 
(Die Salzindustrie von Stassfurt. 18S9 und 1891), Fig. 58 und 59. 

Wie weit sich das Stassfurter Kalisalzlager erstreckt, weiss man jetzt noch 
nicht. Im Mai 1892 traf man in Zecha bei Sondershausen in 630 m Tiefe auf 



Stassfurter Salze. 



247 



Kalialze. Auch bei Duderstadt ist ein Kalisalzlager aufgefunden (Ch. Z. 1891. 443), 

ebenso bei Braunschweig. Kaiseroda bei Salzungen und bei Westerlinde bei Goslar. 

Ein ähnliches Kalisalzlager befindet sich bei Kalusz, südlich von Lem- 

berg, welches in seinen oberen Schichten fast ausschliesslich aus Kainit und Sylvin 



WSM 




0.M0. 



Fig. 58. Qiierprotil durch Neii-Stassfurt. 

besteht. Carnallit ist erst in grösserer Tiefe angetroffen worden. Dagegen scheint 
das entsprechend mächtige Steinsalz zu fehlen, so dass man annehmen darf, dass 
das Kaluszer Kalisalzlager die Mutterlaugensalze des Steinsalzlagers von Wieliczka 
enthält, dem die Kalisalze fehlen. Man vergl. A. Frank in Hofmann's Ber. 1875. 
378; E. Pfeiffer, Kali-Industrie 1887. 72. 



Die Stassfurter Salze. 



Geschichtliches. Da der seit alter Zeit in Stassfurt vorhandenene Sa- 
linenbetrieb nicht mehr ergiebig genug war, wurde von der Preussischen Regierung 
1889 ein Bohrloch angesetzt, welches 1848 in einer Tiefe von 256 m die oberste 
Decke des Salzgebirges erreichte. Die hier entspringende Soole enthielt aber viel 
Magnesia- und Kalisalze; daher wurde weiter gebohrt und in 280 m Tiefe das 
Steinsalz gefunden. 1852 wurden zwei Schächte (Manteuffel und von der Heydt) 
angehauen und in 5 Jahren bis auf 330 m in das Steinsalz niedergebracht. Die 
Bohrung wurde in einer Tiefe von 581 m eingestellt, ohne das Liegende des Stein- 
salzes erreicht zu haben. Eine Reihe anderer Schächte wurde von der anhaltischen 
Regierung und von Privatgesellschaften angelegt (Leopoldshall, Neustassfurt, 
Westeregeln, Aschersleben) (F. Bischof, Die Steinsalzwerke bei Stassfurt, Halle 
1864 und 1875; A. Frank in Hofmanns Ber. 1875. 351; C. Ochsenius, Die 



248 



Kalisalze. 




Afaassstdii.SOOO 

SOO 2iO 30tt 33ff -ft=P i»J A7Ü SSO 600 öSi) 



Fig. 59. Schnitte durch das Stassfui-ter Salzlager. 

a Querprofil der Schächte v. d. Heydt und Ludwig 11. 
6 Querprofil durch Leopoldshall. 



Stassfurter Salze. 



249 



Bildung der Steinsalzlager, Halle 1877; E.Pfeiffer, Handbuch der Kali-Industrie, 
Braunschweig 1887; Precht, Die Salzindustrie von Stassfurt 1889 und 1891; 
weitere Angaben in Fremy, Encycl. 5. 449). 



Zusammensetzung der Salze, 
folgende anzusehen : 



Als ursprüngliche Bildungen sind 



Name 
des Minerals 


Formel 


Zusammensetzung 
in reiner Form 

7o 


SG. 


100 Thle. 

H2O von 

18,75 » 

lösen Thle 


Synonyma 


Steinsalz . 




NaCl 


100 Chlornatrium 


2,200 


36,2 




Anhydrit . 




CaS04 


100 Calciumsulfat 


2,968 


0,20 


Karstenit 


Polyhalit 




K2SO4 
+ MgS04 
4- 2 CaS04 
+ 2H2O 


28,90 Kaliumsulfat 
19,93 Magnesiumsulfat 
45,18 Calciumsulfat 
5.99 Wasser 


2,72 


wird durch 

H2O 

zersetzt 


Polyhallit 


Kieserit . 


■ » 


MgS04 
+ H2O 


87,10 Magnesiumsulfat 
12,90 Wasser 


2,517 


40,9 


Martinsit 


Camallit . 


1 
1 


KCl 

+ MgCl2 
+ 6H2O 


26,76 Chlorkalium 
34,50 Chlormagnesium 
38,74 Wasser 


1,618 


64,5 




Boracit. . 
(kryst.) 


i 


2Mg,B«Oi5 
+ MgCl2 


89,39 Magnesiumborat 
10,61 Chlormagnesium 


2,91 
2,95 


sehr wlösl. 


Stassfurtit 
(amorph, 
2,91 SG.) 


Douglasit 


1 


2KC1 
+ FeCl2 
+ 2H2O 


47,75 Chlorkalium 
40,71 Eisenchlorür 
11,54 Wasser 


- 







Als spätere Bildungen durch Zersetzung dieser Salze kommen vor: 



Name 
des Minerals 



Formel 



Zusammensetzung 
in reiner Form 

7o 



SG. 



100 Thle. 

H2O von 

18,75 » 

lösen Thle. 



Synonyma 



Sylvin 



Kainit . . . 



Schönit 



Tachhvdrit 



Bischofit 



Krugrit 



■ \ 



KCl 

K2SO4 
+ MgSOj 
+ MgCl2 
+ 6H2O 

K9SO4 

+ MgS04 
+ 6H2O 

CaCl2 

-f 2MgCl., 
+ 12H20~ 

MgC]2 
-f 6H2O 

K2SO4 
+ MgS04 
+ 4CaS04 
-f 2H2O 



100 Chlorkalium 

36,34 Kaliumsulfat 
25,24 Magnesiumsulfat 
18,95 Chlormagnesium 
19,47 Wasser 

43,18 Kaliumsulfat 
29,85 Magnesiumsulfat 
26,95 Wasser 

21,50 Chlorcalcium 
36,98 Chlormagnesium 
41,52 Wasser 

46,80 Chlormagnesium 
53,20 Wasser 

19,91 Kaliumsulfat 
13,73 Magnesiumsulfat 
62,24 Calciumsulfat 
4.12 Wasser 



2,025 



2,138 



2,03 



1,671 
1,66 

1,65 



2,801 



34,50 



50 



160,3 



400 



durch 

H2O 

zersetzt 



Leopoldit 

Schätzellit 

Hövelit 



Pikromerit 



250 



Kalisalze. 



Name 
des Minerals 



Formel 



Zusammensetzung 
in reiner Form 



SG. 



100 Tille. 

H2O von 

18,75 » 

lösen Thle. 



Synonyma 



Reichardtit 



Glauberit 



Astrakanit . 



Pinnoit 



Hydro- 
boracit 



MgS04 
+ 7H2O 

Na2S04 

+ CaSÜ4 

NaaSOj 
+ MgSÜ4 
+ 4H2O 

MgB204 
- 3H2O 

CaB204 
+ MgB204 
+ 6H2O 



•48,78 Magnesiumsulfat 

01,22 Wasser 

51,13 Natriumsulfat 

48,87 Calciumsulfat 

42,51 Natriumsulfat 

35,93 Magnesiumsulfat 

21,56 Wasser 

67,47 Magnesiumborat 

32,53 Wasser 

42,03 Calciumborat 

35,37 Magnesiumborat 

22,60 Wasser 



1,700 

2.73 

2,220 

2,27 

2,17 



60,32 

durch H2O 
zersetzt 

45,63 

durch H2O 
zersetzt 

fast 
unlösl. 



( Bittersalz 
! Epsomit 
( Epsomsalz 

/Brongniardit 
\Brongniartin 

[ Blödit 
I Simonyte 
Löweit 



Der Gyps (CaS04 -\- 2H2O), welcher sich ebenfalls in den oberen Schichten 
findet, kommt nicht in Betracht. Ausser den angeführten Mineralien -werden auch 
noch einige seltenere in kleinen Mengen angetroffen. W. Feit fand 1889 in den 
oberen Kainitschichten von Schmidtmannshall Kalibor it in der Nähe von ver- 
wittertem Pinnoit. L ü d e c k e fand 1890 im Pinnoit von Leopoldshall glänzende 
Kryst., welche er Heintzit nannte: 



K2O 
MgO 
B2O3 
H2O 

SG. , 



K a 1 i b r i t 
nach Feit 

6,48 ° 
12,06 



Heintzit 
nach L ü d e c k e 
7,39 »/o 
12,23 , 



57,46 . (durch Diff.) 
24,00 . 



60,53 
19,85 



(durch Diff.) 



100.00 
2,05 



100,00 
2.12 



Beide Mineralien sind vielleicht identisch. Man vergl. Ch. Z. 1891. 15. 115. 

Der Sylvinit besteht aus einem Gemenge von 25 bis 30 °o Chlorkalium 
mit Steinsalz, Kieserit und schwefelsaurer Kalimagnesia; derselbe wird in Aschers- 
leben und Leopoldshall gefunden. 

Das Hartsalz von Leopoldshall enthält 18 bis 20% Sylvin, 40 bis 50 7o 
Kieserit, 30 bis 40% Steinsalz und 3 bis 8% H^O. 

Wegen des Syngenits (K2S04,CaS04-f2H20) und anderer Mineralien vergl. 
Pfeiffer (Kali-Industrie 1887), Precht 1891 und Naupert und Wense B. 26,873. 

Alle diese Mineralien kommen selten ganz rein vor, sondern in wechselnden 
Gemengen, in denen das eine oder das andere vorherrscht. Da man diese Salze 
abzuräumen hatte, um an das begehrte Steinsalz zu gelangen, so nannte man sie 
„Abraumsalz e". 

In den Abraumsalzen kommen noch viele andere Körper in kleinen Mengen 
vor, so namentlich Bromnatrium oder Brommagnesium im Carnallit, Tach- 
hydrit, Stassfurtit und Kainit; Schwefel in 2 bis 3 cm dicken Schichten auf dem 
Anhydrit. Reichhardt fand im Pol^'halit bis zu 2,5% S, Spuren auch im 
Carnallit; daher ist auch das Vorkommen von Schwefelwasserstoff erklär- 
lich (E. Pfeiffer, A. P. 27. 1134; Z. angew. Ch. 1890- 57); Schwefelkies und 
Magnetkies finden sich überall, besonders aber auf dem Anhydrit, Kieserit, Stein- 
salz und Polyhalit; Phosphate z. B. in den Rückständen des Stassfurtits; Berg- 
krystalle in den Rückständen des Carnallits; Thallium im Carnallit, Cäsium 
und Rubidium im Carnallit und Sylvin; Sand, Thon und Gyps finden sich 
überall, ebenso Spuren organischer Materie, üeberreste der Flora und 
Fauna des Meerwassers (Karsten und Kind); Stolle (Z. ang. Ch. 1891. 625) 
theilt mehrere Beobachtungen über das Vorkommen von Salmiak im Carnallit 
mit: W. Diehl (Ch. Z. 1889. 64) fand in Rohcamallit 0,01 7o, im künstlichen 



Chlorkalium. 



251 



Camallit 0,015 °/o NH4CI; Neimke (Ch. Z. 1891. 915) fand in weissem Carnallit mit 
22% KCl 0,25 bis 0,27 "/o NHjCl, in buntem Carnallit mit 18 "/o KCl nur 0,09 V 
NH4CI während künstlicher Carnallit bis zu 0,8 "/o NH4CI enthält. 

Künstlicher Carnallit, in welchem sich NH4CI anreichert, enthielt: 





Analyse aus 


T r ö g e r 






Stassfurt 

. 41,14 > (Diff.) 


Stolle 


H20 . 


- 7o 


35,2 °/o (dir. bestimmt) 


MgCl^ 


. 30,78 , 


31,75 bis 32,10 , 


34,6 , 


KCl . 


. 23,98 „ 


27,66 bis 27,74 . 


23,9 . 


NaCl 


— 


— ^ 


2,0 , 


NH4CI . 


. 4,10 , 


4,69 bis 4,82 , 


3.8 , 



100,00 



99,5 



Wenn man von dem Steinsalz nur die obere 330 m starke Schicht in Be- 
tracht zieht, so erhält man über die relativen Mengen der im Stassfurter Salzlager 
vorhandenen Salze folgende Uebersicht: 



Region des Steinsalz 


Anhydrit 


Polyhalit Kieserit Carnallit i^^^^-^ 


Anhydrits (330 m) . 
Polyhalits (62 m) . . 
Kieserits (56 m) . 
Camallits (42 m) . . 


95,5 
91,5 
65.0 
25,0 


4,5 

0,66 

2,0 


6,63 — 
17,0 
— 1";,0 


13,0 
55,0 


1,51 
3,0 

4,0 



Eine Beschreibung der einzelnen Salze ist in Fremy's Encycl. 5. 421 von 
Sorel zusammengestellt; ausführlicher in E. Pfeiffer, Kali-Industrie 1887. 
Ueber Krugit siehe Precht, B. U. 2138. 



Chlorkalium. 

Die Stassfurter Abraumsalze blieben von 1852 bis 1860 nahezu 
unbenutzt. Erst 1861 errichtete A. Frank in Stassfurt die erste 
Chlorkaliumfabrik. Seitdem hat sich diese Industrie mächtig entwickelt 
und zählte nach Precht im Jahre 1889 schon 20 grosse und kleinere 
vereinigte Fabriken, welche den Bedarf des Weltmarktes an KCl deckten. 

Die wichtigsten Mineralien für die Gewinnung des KCl sind der 
Carnallit und der Kainit. Sylvin kommt nur in zu kleinen Mengen vor. 

Der Carnallit: KCl, MgCU + 611^0 ist gewöhnlich durch eine 
kleine Menge Eisenoxyd röthlich gefärbt, wodurch er sich leicht von 
den übrigen Mineralien unterscheidet, doch kommen auch farblose Stücke 
vor. Die durchschnittliche Zusammensetzung des rohen Carnallits, wie 
er nach bergmännischer Scheidung zur Verarbeitung kommt, ist folgende: 

Nach Pfeiffer in Preussen: In Leopoldshall: 

S. 89 und 131. 

KCl 15,70/0 15 bis 18 V 

NaCl 21,5 , 25 

MgCl, und MgBr., . . 21,3 ,. ^ 17 bis 26 „ 

CaCU' ....'.. 0,3 , — 

MgSÖ, 13,0 , 16 

Unlösl 2,0 „ — 

H,0 26.2 „ 24 

'_ 100,0 > 

^j Einschliesslich etwa 0,2 7« MgBr.^. 



252 Kalisalze. 

Der Normalgehalt des Carnallits wird zu 16 ^/o KCl (entsprechend 
60 V reinem Carnallit) angenommen. 100 kg davon kosteten 1875 
nach A. Frank 0,80 M. Jedes Prozent KCl mehr oder weniger als 16 
wurde mit 0.12 M. in Rechnung gestellt, so dass z. B. 100 kg Roh- 
carnallit mit' 17 ",0 KCl 0,92 M. kosteten. 

Carnallit scheidet sich aus chlorkaliumhaltiger Chlormagnesiumlsg. 
ab, wenn dieselbe mindestens 25 ",o MgCl, enthält. Gleichwohl beruht 
die Fabrikation des KCl darauf, dass dieses Salz aus einer heiss ges. Car- 
nallitlsg., während des Erkaltens auskryst., während MgCU in Lsg. bleibt. 

Die Chlorkalium fabrikation setzt sich aus folgenden Operationen 
zusammen: 

1. Lösen des Rohcarnallits mit 16 ^ KCl: 

2. Krystallisation und Waschen des niedriggrädigen Chlorkaliums, 
welches nach dem Trocknen 80 bis 85 ''/o KCl enthält ; 

3. Eindampfung der Mutterlauge und Krystallisation des künst- 
lichen Carnallits; 

4. Lösen des künstlichen Carnallits; 

5. Krystallisation, Waschen und Trocknen des hochgradigen Chlor- 
kaliums mit 90 bis 98 '^/o KCl. 

Der von den Schachten in Stücken verschiedener Grösse ange- 
lieferte Rohcarnallit wird in einem Blake'schen Steinbrecher und einer 
Mühle zerkleinert und durch Elevatoren in die hochstehenden Lösekessel 
von etwa 12 cbm Inhalt gehoben, in denen sich eine kochende Chlor- 
magnesiumlsg. (Mutterlauge früherer Operationen) befindet. Sorel giebt 
in Fremy's Encycl. 5. 431; E. Pfeiffer in seiner Kaliindust. 1887. 
141 bis 147; H."'Ost in seiner Techn. 1890. 110, Abbildungen solcher 
Lösekessel. Diese Lösekessel sind aus Gusseisen oder Schmiedeisen, 
3 bis 4 m hoch bei 1,5 bis 2 m Durchmesser. Sie werden durch 
direkten Dampf von 110 bis 120'^ geheizt, der entweder unter einen 
Siebboden oder durch ein perforirtes Schlangenrohr eintritt. Mitunter 
ist auch ein Rührwerk vorhanden. Dupre benutzt ein Lösegefäss mit 
kreuzweise gestellten Strahlapparaten. In 4000 1 Chlormagnesiumlauge 
von 25 bis 30" Be., die auf 110" erh. sind, behandelt man etwa 
5000 kg Rohsalz, von welchem das KCl und MgCl^ in Lsg. gehen, 
während Steinsalz und Kieserit ungelöst zurückbleiben. 

Die resultirende heisse Lsg. von 1,32 SG. (35 " Be.) lässt man in 
besonderen Gefässen von den suspendirten Bestandtheilen (Kieserit und 
Thonschlamm) sich klären und sie alsdann in schmiedeiserne KrystaUisir- 
kasten fliessen, in denen während der 2 bis 3 Tage dauernden Ab- 
kühlung ein Gemenge von KCl und NaCl auskryst. In einigen Fabriken 
wird nach Brecht die heisse Rohsalzlsg. mit etwas HgO verd., wo- 
durch die Ausscheidung des NaCl vermindert und eine Krystallisation 
von fast reinem KCl erzielt wird. 

Die Krystallisirkästen sind 2 bis 3 m lang, 1 bis 1,5 m breit 
und 1,5 bis 2 m tief, um eine langsame Abkühlung zu erreichen. 

Die ersten Salze haben folorende Zusammensetzung: : 



Chlorkalium . . 


54,46 > 


56,13% 


57,86 > 


58,24 


Chlornatrium . 


20,64 „ 


25,42 , 


24,75 ., 


21,80 


Chlormagnesium . 


6,70 „ 


6,34 . 


5,44 , 


4,75 


Magnesiumsulfat . 


1,92 „ 


1,48 ,. 


1,34 ., 


1,46 


Wasser . . . . 


16.28 ., 


10,63 . 


10,61 , 


13,75 



Chlorkalium. 253 

Diese ersten Salze werden in Bottichen von 3 bis 8 cbm Inhalt 
1 bis 2 Stunden lang mit so wenig kaltem H^O behandelt, dass sie 
eben damit bedeckt sind. Dabei tritt durch theilweise Lsg. des KCl 
eine T. -Erniedrigung bis unter O'' ein, wobei die Löslichkeit des KCl 
sehr bedeutend abnimmt, während die Löslichkeit des NaCl nahezu die- 
selbe bleibt, wie bei gewöhnlicher Luft-T. Auf diese Weise geht haupt- 
sächlich NaCl in Lsg. und das resultirende Salz enthält nach dem Cal- 
ciniren 80 bis 85 "/o KCl. Wiederholt man die Waschung, so ergibt 
sich ein Produkt mit 85 bis 90 > KCl. 

Durch die erste Waschung wird ein Achtel des KCl und die Hälfte 
des NaCl, durch die zweite Waschung ein Siebentel des KCl und zwei 
Drittel des NaCl entfernt. 

Das auf diese Weise erhaltene niedriggrädige Chlor- 
kalium hat nach dem Calciniren oder Trocknen folgende Zusammen- 
setzung : 



Chlorkalium 


82,51 > 


85,51 > 


86,41 o/o 


87,41 


Chlornatrium 


14,21 „ 


11,21 . 


12,05 „ 


10,81 


Chlormagnesium . 


0,11 „ 


0,04 „ 


0,40 „ 


0,03 


Magnesiumsulfat . 


0,68 „ 


0,66 „ 


0,21 „ 


0,40 


Wasser . . . . 


2,49 „ 


2,62 „ 


0,93 „ 


1,35 



E. Pfeiffer führt S. 219 noch drei andere Analysen an: I, III 
und V. Fünf weitere Analysen von 80 "/oigem Chlorkalium findet sich 
in Soc. Ch. Ind. 1888. 97. " 

Der Rückstand vom Auflösen des Rohcarnallits enthält im luft- 
trockenen Zustande 5 bis 8 > KCl, 44 bis 50 NaCl, 2,5 bis 4,5 MgCl^, 
29 bis 31 MgSO,, 4 bis 7 H^O und 6 bis 8,5 Gyps und Unlösl. Der 
Schlamm aus den Klärgefässen besteht gewöhnlich aus 3,5 bis 4,5 '^/o 
KCl, 37 bis 48 NaCl, 4,5 bis 5 MgCl^, 4 bis 9 MgSO,, 27 bis 31 H^O 
und 13 Gyps und Thon. Beide Rückstände werden zur Fabrikation 
von Düngstoffen verwendet, besonders da der letztgenannte Schlamm 
mitunter bedeutend mehr KCl enthält (im calcinirten Zustande bis zu 
240/0) (Pfeiffer S. 167; Precht S. 14). 

Die Mutterlauge der ersten Salze, welche bei 16 " un- 
gefähr 32 Be. zeigt, enthält 4 bis 6,5 > KCl, 2 bis 4 NaCl, 20 bis 22 
MgCl^, 2 bis 3 MgSO,, und 67 bis 71 H^O. Dieselbe wird auf 35 bis 
370 Be. eingedampft (1,32 bis 1,34 SC), so dass sie 26 bis 30 > 
MgClg enthält (Pfeiffer S. 200). Die Eindampfung geschah früher 
in Kofferpfannen , jetzt meistens in Flammrohrpfannen oder dem 
Wüstenhage n'schen Vakuumapparate, welche Pfeiffer ausführlich 
beschrieben hat. Man vergleiche auch Salzbergwerk Neustassfurt D.R.P. 
Nr. 37815 v, 11. Mai 1886. (Sehr zweckmässig dürfte hierzu auch 
der zum Tripeleffekt- Apparat ausgebildete Pick'sche Eindampfapparat 
sein, s. S. 231.) 

Während des Eindampfens fallen Salze aus, welche man aus der 
Lauge entfernt und auf nahegelegenen Bühnen abtropfen lässt, und 
welche daher „Bühnen salze" genannt werden. Diese Bühnensalze 
bestehen anfänglich hauptsächlich aus NaCl, aber während des weiteren 
Verlaufs der Eindampfung mischen sich demselben immer mehr Kalisalze 
bei (Chlorid und Sulfat). Hier mögen einige Analysen von Bühnen- 
salzen folsren: 



254 Kalisalze. 

NaCl 67,80 66,0 56,1 52,89 49.05 49,05 

KCl — 6,8 12,3 3,92 — — 

MgCL. .... 1,75 10,0 12.0 9,98 12.94 12,91 

K.,S04 9,69 — — 12.18 13.69 14,19 

MgS04 8,90 7,2 9,2 - 9,08 9,58 

ünlösliclies ... — — — 3,84 4,15 4,18 

H2O 11,86 10,0 10.4 17,19 11.09 10,09 

Eine weitere Verarbeitung des Bühnensalzes macht sich nicht be- 
zahlt (Pfeiffer, S. 198); man benutzt es daher als Zumischung zum 
Kalidünger. 

Die eingedampfte und geklärte Garlauge mit etwa 80 kg KCl im 
Kubikmeter fliesst in Krystallisirkästen, in denen sich während des Ab- 
kühlens künstlicher Carnallit abscheidet. Man nennt denselben 
der Kürze halber .. Doppelsalz ". Dieses Doppelsalz hat folgende Zu- 
sammensetzung (verglichen mit reinem Carnallit): 

(KCl .... 20,15 

Carnallit MgCl.,. • • • 2-5,97 

16H.20\ . . . 29,17 

Chlornatrium 12,34 

Clilormagnesium . . . 1,38 

Magnesiumsulfat . . 3,11 

Calciumsulfat .... — 

Wasser 7.88 



19,13 


19,00 


15,78 


26,88 


24,46 


24.19 


20,29 


34,20 


27,70 


27,49 


22.84 


38.92 


6,34 


8,89 


9.34 


Null 


4.14 


4,47 


7,88 


Null 


1,47 


3.61 


2,99 


Null 


— 


2,06 


— 


Null 


16,56 


10,29 


20,88 


Null 


71,49 


70,68 


58,91 


100,00 



Gehalt an Carnallit . . 75,5 

Auf diese Weise wird das KCl nahezu vollständig aus der Lauge 
entfernt. Man nennt die hierbei sich ergebende zweite Mutterlauge 
zum Unterschiede von der ersten Mutterlauge „Endlauge". Die 
Endlauge von 35 bis 35,5*^ Be. enthält nur noch 0,5 bis 1,3 ",o KCl, 
0,9 bis 1,2 NaCl, 28 bis 30 MgCl,, 0,3 MgBr^, 2 bis 3 MgSO^ und 
66 bis 68 H.,0. Bei Verarbeitung von 10 t Rohcarnallit entfallen 
5 bis 7 cbm solcher Endlauge, welche 15 bis 16 kg KCl im Kubik- 
meter enthält. Man verarbeitet dieselbe zum grössten Theil auf Br, 
oder lässt sie wegfliessen. Mitunter wird ein Theil dieser Endlauge 
auch zum Lösen des Rohcarnallits verwendet. 

Der künstliche Carnallit wird in Lösekesseln durch kochen- 
des HgO zerlegt, indem man auf 1 cbm Löseraum 1100 kg davon an- 
wendet, um eine Lsg. zu erhalten, welche bei 105'^ 31'^' Be. (1,268 SG.) 
zeigt. 1 cbm der Lsg. enthält dann 140 bis 160 kg KCl. Man lässt 
dieselbe unter Zusatz von etwas Kalkmilch sich klären. Während des 
Abkühlens derselben in Krystallisirgefässen scheidet sich KCl (zweites 
Salz) aus und es verbleibt die sogen. „Raffinatmutterlauge" , welche 
wieder in den Prozess zurückgeht. Sie enthält 40 bis 55 kg KCl im 
Kubikmeter. 

Die auskryst. „zweiten Salze" haben folgende Zusammen- 
setzung : 



Chlorkalium 


66,45 > 


68,11 «^/o 


70,90 V 


74,41 > 


Chlornatrium 


12,14 , 


14,98 , 


11,50 - 


6,34 „ 


Chlormagnesiuni 


6,19 „ 


5,93 , 


4,92 „ 


4,72 „ 


Magnesiumsulfat 


0,49 „ 


0,81 . 


0,45 „ 


0,51 „ 


Unlösl. . . . 


— 


— 


0,08 „ 


— 


Wasser . . . 


14,73 „ 


10,67 „ 


12,15 „ 


14,02 „ 



Chlorkalium. 255 

Diese zweiten Salze werden mit 11,0 gedeckt, wie früher be- 
schrieben. Durch einmaliges Decken erhält man ein Produkt, welches 
nach dem Trocknen 89 bis 92 "/» KCl, durch zweimaliges Decken ein 
solches, welches 92 bis 98 "/o KCl enthält. Das auf diese Weise fabri- 
zirte hochgradige Chlorkalium hat folgende Zusammensetzung: 



Chlorkalium . . 


89,78 


91,25 


92,43 


93,54 


96,5 


97,60 


98,41 


98,58 


Chlornatrium 


8,10 


6,70 


4.70 


4,51 


2.0 


1,25 


0,25 


0,22 


Chlormagnesium 


0,10 


0,20 


0,18 


— 


0.2 


0,12 


0,05 


0,07 


Magnesiumsulfat 


0,33 


0,35 


0,40 


0,20 


0,2 


0,20 


0,10 


0.12 


Calciumsulfat . 


0,27 


— 


— 


— 


0,3 


— 


— 


0,24 


Unlösl 


0,32 


0.15 


— 


— 


0.2 


0,15 


— 


0,31 


Wasser . . . 


1.10 


1,35 


2.23 


1,75 


0,6 


0,68 


1.19 


0,46 



100.00 100,00 100,00 100.00 100,0 100,00 100,00 100,00 

Zahlreiche andere und vollständigere Analysen hat Verf. in seinem 
Werke über Chlorsaures Kali (Berlin 1888. 63) mitgetheilt; dar- 
unter auch zwei Analysen von aus Meerwasser gewonnenem KCl. 
Die Fabrikation des letzteren erfolgt genau in derselben Weise wie die 
Fabrikation des hochgradigen Chlorkaliums aus künstlichem Carnallit 
in Stassfurt. 

Alle Wasch- oder Decklaugen gehen wieder in den Prozess 
zurück. 

Das Trocknen des auskryst. KCl, sowohl des ersten, wie 
des zweiten Salzes, geschieht entweder in einfachen Flammöfen, ge- 
wöhnlich mit drei Arbeitsöffnungen, die den Sodacalciniröfen sehr ähn- 
lich sind, oder in mechanischen Darren, deren Boden durch heisse Luft 
oder Dampfschlangen erh. wird, während ein Rührwerk mit Quetsch- 
walze die Beschickung bewegt; oder endlich in Thelen'schen Pfannen 
mit oscillirendem Rührwerk. Alle diese Apparate sind beschrieben und 
abgebildet in E. Pfeiffer, Kaliindust. 1887. 212 ff., zum Theil auch 
in Fremy's Encycl. 5. 438. 

Die ganze Chlorkaliumfabrikation hat H. Ost in seiner 
Techn. Chem. 1890. 111 durch folgendes Diagramm veranschaulicht: 

(Siehe Seite 256.) 

Von dem im Rohcarnallit vorhandenen KCl werden auf diese Weise 
nach Precht 75 bis 90 "/n gewonnen, während der Rest als Verlust 
im Löserückstande, in dem beim Klären der Rohsalzlsg. sich abscheiden- 
den Schlamm und in der Endlauge verbleibt. Wenn der ganze Verlust 
in der Fabrikation 20*^/0 beträgt, so sind zur Darstellung von 100 kg 
SO^oigem KCl 625 kg 16''/niger Rohcarnallit erforderlich. Zur täg- 
lichen Verarbeitung von 100 t Rohcarnallit rechnet man auf einen er- 
forderlichen Krystallisirraum von 800 cbm. Der Inhalt der Krystallisir- 
gefässe sämmtlicher Fabriken des Stassfurter Beckens betrug 1889 nach 
Precht 50 000 cbm. Wegen ausführlicherer Angaben mussauf E. Pfeiffer, 
Kaliindust. 1887. 240 bis 243 und auf S. 237 verwiesen werden, wo 
auch der Situationsplan einer Chlorkaliumfabrik angegeben ist. 

Das fertige KCl wird in Säcken aus Jute zu etwa 100 kg Inhalt 
verpackt. 

Die Fabrikationskosten von 100 kg 80 "/oigem Chlorkalium 
berechnet Pfeiffer, S. 246 wie folgt: 



256 



Kalisalze. 






'o, 









On 



tu t-" 









^ -^ i5 "-; 

K^ CD S (Tt- 



er 2 = 



o' ' J5 



Ö2- 









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o 






Chlorkalium. 



257 



625 bis 675 kg Rohcarnallit zu 1,12 M. 

für 100 kg 7,00 bis 8,10 M. 

2,3 bis 4 hl Braunkohlen zu 0,32 M. 

für 1 hl 0,74 „ 1,28 M. 

Arbeitslohn und Gehälter der Aufseher 0,70 „ 1,00 „ 

Sonstige Unkosten 0,66 „ 1,00 „ 

Im Ganzen .... 9,10 bis 11,38 M. 

Die Fabrikationskosten aus Rohsylvin in Kalusz waren nach 
S. 263 im Jahre 1870 mehr als doppelt so hoch. 

Eigenschaften. Das reine KCl, MG. 74,60 besteht aus 52,47 7o K und 
47,53 % Gl. Es kryst. in den Formen des regulären Systems, meistens in farblosen, 
durchsichtigen Würfeln oder Octaedern vom SG. 1,945 (als Sylvin 1,98 bis 2,025) 
(Kopp). 

KCl schmilzt nach CarneUy bei 738", nach V. Meyer und Riddle 
(B. 1893. 26. 2443) bei 766" und beginnt sogleich zu verdampfen. Es ist also 
leichter schmelzbar und flüchtig, als NaCl. An der Luft ist das reine KCl unver- 
änderlich, nur wenn es MgCl^ enthält, zieht es Feuchtigkeit an. 

KCl löst sich in H2O leicht auf unter bedeutender T.-Erniedrigung. Die 
letztere hat Gay-Lussac sogar zu quantitativer Bestimmung des KCl benutzt 
<vergl. E. Pfeiffer 227, 122). Der Gefrierpunkt einer ges. KCl-Lsg. liegt bei 
— 10,85", ihr Sied, bei 110", bei welcher sie 37,22 "/o KCl enthält. 

Folgende Tabelle zeigt die Löslichkeit des KCl in H2O nach Mulder und 
Gay-Lussac: 





100 Gew.- 


Thle. HoO 






100 Gew.- 


Thle. H2O 






nehmen KCl auf 


KCl 




nehmen 


KCl auf 














KCl 


T 


nach 


nach 

Gay- 

Lussac 

Gew.-Thle. 


in der Lsg. 


T. 


nach 


nach 


in der Lsg. 




Mulder 


nach 


M u 1 d e r 


Gay- 


nach 




Gew.-Thle 


Gay-Lussac 




Gew.-Thle. 


Lussac 
Gew.-Thle. 


Gay-Lussac 


Orad 






> 


Grad 






«/o 





28,5 


29,20 


22.60 


60 


45,5 


45,62 


31,33 


10 


32.0 


31,94 


24,21 


70 


48,3 


48,35 


32,59 


20 


34,7 


34,67 


25,74 


80 


51,0 


51,09 


33,81 


30 


37,4 


37,41 


27,22 


90 


53,8 


53,82 


34,99 


40 


40,1 


40,14 


28,64 


100 


56,6 


56,56 


36,13 


50 


42,8 


42,88 


30,01 


110 


— 


59,30 


37,22 



Nach Etard (C. r. 98. 1432) lösen von —9" beginnend bis 110" 100 Gew.- 
Thle. HoO 20,5 + 0,1495 t Gew.-Thle. KCl, wobei für t die Zahl der von —9" an 
gezählten T.-Grade der Celsius'schen Skala zu setzen ist. 

Ein Gew.-Thl. KCl verlangt nach Mulder zur Lsg. 



bei 10" . . . 3,13 

„20" . . . 2,88 
, 40" . . . 2,50 
, 60" . . . 2,20 
, 80" . . . 1,96 
, 100" . . . 1,77 


Gew.-Thle. H2O 

r n 


j. siedet nach Gay-Lussac bei 109,6" 



Handbuch der ehem. Technologie I. 



258 



Kalisalze. 



Die SG. verd. KCl-Lsgn. bei 15", bezogen auf HqO von 15", sind nacb 
G e r 1 a c h : 



KCl 
in der Lsg. 


SG. 
bei 15" 


KCl 
in der Lsg. 


SG. 
bei 15" 


KCl 
in der Lsg. 


SG. 
bei 15 " 


"/o 




7o 




"/o 




1 


1.00650 


10 


1,06580 


18 


1.12170 


2 


1,01300 


11 


1,07271 


19 


1,12894 


3 


1,01950 


12 


1,07963 


20 


1,13609 


4 


1,02600 


13 


1,08654 


21 


1,14348 


5 


1,03250 


14 


1,09345 


22 


1.15088 


6 


1,03916 


15 


1,10036 


23 


1,15828 


7 


1,04582 


16 


1,10750 


24 


1.16568 


8 


1,05248 


17 


1.11465 


24,9 


1,17234 


9 


1,05914 











Der Einfluss der T. auf die Dichte einer KCl-Lsg. macht sich nach Gerlach 
in folgender Weise geltend : Nimmt man das Vol. einer KCl-Lsg. bei " als Einheit 
an, so ist bei 100" das Vol. einer 10 "/oigen Lsg. gleich 1,0448, einer 20 "/oigen Lsg. 
gleich 1,047 Vol. Ausführlicheres in Pfeiffer S. 121. 

Bei 15° löst nach H. Schiff Spiritus verschiedenen Gehalts folgende 
Mengen KCl auf: 



bei "/o Alk. 


"/o KCl in der 


bei "/o Alk. 


»/o 


KCl in der 


im Weingeist 


ges. Lsg. 


im Weingeist 




ges. Lsg. 





25,02 


40 




7,7 


10 


19,80 


50 




5,0 


20 


14,7 


60 




2,8 


30 


10,7 


80 




0,45 



Die Löslichkeit des KCl wird durch die Gegenwart anderer Salze 
in verschiedener Weise beeinflusst. 

Ueber das Verhalten eines Gemisches aus KCl mit NaCl haben Schönach, 
Precht und A. Etard gearbeitet (Pfeiffer, Kali-Industrie 1887. 125, C. r. 1889. 
109. 740). Precht stellte folgende Tabelle auf: 



Temperatur 


100 Gew.-Thle. H2O lösen 


Die Lsg 


enthält 


Grad 


Gew.-Thle. 


Gew.-Thle. 


KCl 


NaCl 


KCl 


NaCI 


"/o 


"/o 


10 


12,5 


29,7 


8,8 


20,9 


20 


14,7 


29,2 


10,2 


20,3 


30 


17,1 


28,7 


11,7 


19,7 


40 


19,5 


28,2 


18,2 


19,1 


50 


22,0 


27,7 


14,7 


18,5 


60 


24,6 


27,2 


16,2 


17,9 


70 


27,3 


26,8 


17,7 


17,4 


80 


80,0 


26,4 


19,2 


16,9 


90 


82,9 


26,1 


20,7 


16,4 


100 


35,9 


25,7 


22,2 


15,9 



Im Vergleich mit der Einzellsg. hat bei 10" das NaCl nur ein Sechstel, das- 
KCl dagegen fast zwei Drittel seiner Löslichkeit eingebüsst, während dieselbe bei 
100" für beide um etwa ein Drittel verringert ist. Die Gegenwart von HCl ver- 
mindert diese Löslichkeit noch mehr. 

Nach Etard bildet die Summe der Salze, die Summe des gelösten Cl 
und die Summe der gelösten Metalle in Prozenten der Lsg. je eine gerade Linie, 
welche mit der T. ansteigt. 



Chlorkalium. 259 

Die Prozentzahlen der einzelnen Salze dagegen bilden Kurven , welche sich 
bei 70° schneiden. 

Durch die Gegenwart von MgCl2 wird die Löslichkeit beider Salze herab- 
gedrückt, und zwar diejenige des NaCl stärker, als die des KCl, namentlich beim 
Kochen. Vergl. Pfeiffer S. 125 f., auch H. Fischer (J. pr. 1888. 36. 222). 

Untersuchung. Die Methoden . welche zur Untersuchung des KCl vor- 
geschlagen worden sind, hat E. Pfeiffer S. 222 f. ausführlich abgehandelt. Von 
allen Bestimmungsarten des K ist nur diejenige als Kalium p latinchlorid, 
K^PtClg, beibehalten worden. 

Enthält Chlorkalium nur wenig K2SO4, so kann man das letztere durch einen 
Ueberschuss von Platinchlorid ebenfalls in Kaliumplatinchlorid überführen. Es 
genügt in diesem Falle, auf 1 Gew.-Thl. des Salzes 2 Gew.-Thle. Pt anzuwenden. 
Ist aber die Beimischung von Sulfat bedeutend , so muss man dasselbe erst durch 
BaCl2 ausfällen. Da der Niederschlag von BaS04 aber stets eine kleine Menge 
K2SO4 mit niederreisst, so thut man gut, denselben abzufiltr. und auszuwaschen. 
Das Filtr. wird dann mit Platinchlorid zur Troekniss gebracht. Der Rückstand 
wird mit Alk. aufgenommen und filtr. 1 g des bei 100 bis l.SO" getrockneten 
Kaliumplatinchlorids zeigt nach Fresenius 0,3056 g KCl, oder 0,357 g K2SO4 an. 
Ueber Löslichkeit von K2PtCl6 und NaoPtClg in Alk. vergl. Peligot, Mon. scient. 
1892. 872. 

Wegen ausführlicherer Angaben sei auf J]. Pfeiffer und die Handbücher 
der quantitativen chemischen Analyse verwiesen. Specielle Methoden finden sich 
in H. Precht (Z. analyt. Chem. 1879. 18. 509, Ch. Ind. 1880. 26), West (Z. analyt. 
Chem. 1881. 357), G. Lunge (Taschenbuch 1892. 211). Ueber K-Bestimmung 
mittels Ueberchlorsäure vergl. Ch. Ind. 1894. 203. 251. Wegen Bestimmung kleiner 
Mengen NaCl im Chlorkalium vergl. H. Precht (B. 18. 2076; Ch. Ind. 1885. 401), 
G. Laube (Rep. analyt. Chem. 1886. 6. 129; Ch. Ind. 1886. 128). 

Anwendungen. KCl wird hauptsächlich zu folgenden Zwecken benutzt: 

1. Zur Darstellung des Kalisalpeters aus Natronsalpeter, und zwar benutzt 
man hierzu das niedriggrädige Chlorkalium mit 80 bis 85 "/o KCl. 

2. Zur Fabrikation von Pottasche, wozu man nur hochgradiges Chlorkalium 
mit 92 bis 98 > KCl anwendet. 

3. Zur Fabrikation des Kaliumchromats, des Alauns, des Kaliumchlorats etc. 

4. Zu Düngzwecken in der Landwirthschaft. 

Wir th Schaft liches und Statistik. Vor Erschliessung der Stassfurter 
Salzlager betrug nach L. Joulin (Bl. 1866. 100, 359, Pfeiffer 'S. 99) die jähr- 
liche Chlorkaliumgewinnung in Tonnen zu 1000 kg: 

aus Schlempekohle (Frankreich) .... 1200 t 

„ Meerwasser (Frankreich) 400 „ 

von der J-Gewinnung (Frankreich) . . . 1500 „ 

„ T, r, (Grossbritannien) . . 1200 „ 



Im Ganzen 4300 t 



Ausserdem gewann man in England beträchtliche Mengen KCl aus den 
Mutterlaugen der Salinen. 

In Folge des Krimkrieges 1854 bis 1855 entstand eine lebhafte Nachfrage 
nach Kalisalpeter zur Bereitung von Schiesspulver, die dadurch verschärft wurde, 
dass die englische Regierung den ostindischen Salpeter 1856 mit einem Ausfuhrzoll 
von 12 Mark für 100 kg belegte. Trotzdem stieg der Export des indischen Sal- 
peters aus Bombay, Madras und Pegu von 16460 t im Jahre 1860 auf 27 244 t 
im Jahre 1865. Derselbe kostete damals 90 bis 96 Mark für 100 kg. Unter solchen 
Umständen erhielt die Fabrikation von Kalisalpeter aus Natronsalpeter (Conversions- 
salpeter) einen mächtigen Antrieb, und damit auch die Fabrikation von KCl. 
Dieses wurde bis 1861 ausschliesslich aus Schlempekohle, Seetangasche und den 
Mutterlaugen der Salinen und Meersalinen gewonnen. Von 1861 bis 1864 begann 
das KCl von Stassfurt auf dem Weltmarkt zu erscheinen, und seitdem in so grossen 
Mengen, dass es den Marktpreis des Chlorkaliums bestimmte. 



260 



Kalisalze. 



100 kg 



Preise vor dem Er- 
icheinen des Stassfurter 
Chlorkaliums 



Preise nach dem Er- 
scheinen des Stassfurter 
Chlorkaliums 



KCl aus Seetangasche (Varec) 

1860/1862 

KCl aus Schlempekohle 1864 . 
KCl 80 7o KCl aus Stassfurt 1862 
Ceylonsalpetcr 1862 .... 
Konversionssalpeter 1862 . . 



40 


bis 44 Mk 


36 


bis 40 Mk 




30 Mk. 


90 


bis 96 Mk 




72 Mk. 



1865/66 16,80 Mk. 

1866 13,60 bis 14,40 Mk. 

1864/65 11,50 Mk. 

1864/65 50 Mk. 

1866 48 Mk. 



E. Pfeiffer hat S. 106 f. die Entwickelung der Stassfurter Fabriken ein- 
gehend geschildert. Durch die rasch sich einstellende üebei-produktion von KCl 
entstand die Gefahr einer Verschleuderung der mineralischen Schätze Stassfurts. 
Daher kam nach langjährigen Verhandlungen im Jahre 1884 eine Convention auf 
5 Jahre zu stände , nach welcher die Tagesförderung sämmtücher Schächte nur 
3000 t Kalisalze betragen sollte (man rechnet das Jahr zu 306 bis 308 Arbeits- 
tagen). Davon sollten entfallen: 

auf das Königlich Preussische Salzwerk . . . . 20 7" = 600 t 
„ das Herzoglich Anhaltische Salzwerk .... 24 „ = 720 „ 
,. die Consolidirten Alkaliwerke zu Westeregeln 16 , = 480 , 

^ das Salzwerk Neustassfurt 16 , = 480 ^ 

„ die Kaliwerke Aschersleben lg ^ = 480 „ 

„ den Schacht Ludwig 11 8 , = 240 „ 

An dieser Rohsalzförderung sollten die einzelnen Fabriken bestimmte An- 
theile zur Verarbeitung auf Chlorkalium erhalten (G. Bor sehe, Ch. Ind. 1888. 
297; 1890. 5, 17). 

Die Gesammtver arbeitung von Carnallit auf KCl seit Erschlies- 
sung der Stassfurter Kalisalze ist aus einer Tabelle in Pfeiffer, S. 113, ersicht- 
lich. Wir nehmen dieselbe seit 1880 auf: 






.. 




ÖC 






.. 




Ui 








Zahl der 
Fabriken 




Preis 
für 100 kg 




25 


Zahl der 
Fabriken 




SS 


Jahr 


S iJ o 
C« IB O 


Fa 

und Firmen 

Fi 


:3 CS 


Chlor- 
kalium 

80 7o 


Jahr 


5 si c 

c3 © C 


Fa 
und Firmen 

Fi 


:3 cä 

Ol rC 


CR ?-i 

2-S 




S"«« 




Ph 




'^"ce 




Cl, 










Mark 


Mark 






Mark 


Mark 


1880 


528053 


33 Fa 


1 


11,50 


1887 


840 691 


27 


1,12 


1.3,40 


1881 


744699 


33 Fa in 24 Fi 


1 


12,70 b. 16 


1888 


828 580 


26 




13,40 


1882 


1059305 


83 Fa in 23 Fi 


1 


14,50 


1889 


769 947 


25 




12,53 


1883 


9.50203 


35 Fa in 25 Fi 


1 


13,30 


1890 


810 530 


25 


1,24 


12,94 


1884 


755118 


35 Fa in 25 Fi 


Ib. 1,12 


18,40 


1891 


782 922 


25 


1,23 


13,28 


1885 


678662 


27 Fi 


1,09 


13,60 


1892 


683 703 


25 


1.26 


13,25 


1886 


704849 


27 


1,09 


13,40 


1893 






1,28 


12,61 



Die erzeugten Mengen C h 1 o r k a 1 i u m (auf solches mit 80 70 KCl berechnet) 
hat Verfasser aus der Statistik des Deutschen Reiches entnommen : 





Chlor- 




Chlor- 




Chlor- 




Chlor- 




Chlor- 


Jahr 


kalium 


Jahr 


kalium 


Jahr 


kalium 


Jahr 


kalium 


Jahr 


kalium 




t 




t 




t 




t 




t 


1861 


358 


1868 


25 700 


1875 


78 920 


1882 


148 403 


1889 


133 957 


1862 


3 000 


1869 


32 450 


1876 


88 140 


1888 


147 496 


1890 


137 005 


1863 


8 850 


1870 


41780 


1877 


122 510 


1884 


116 371 


1891 


129 512 


1864 


17 510 


1871 


52 070 


' 1878 


110 761 


1885 


107 253 


1892 


123 962 


1865 


13 900 


1872 


72 530 


11879 


92 402 


1886 


114136 


1893 


1.37 216 


1866 


21010 


1873 


68 280 


II88O 


96 832 


1887 


128 280 






1867 


21720 


1874 


65 640 


'I88I 


115 266 


1888 


142 765 







Chlorkalium. 



261 



Ausser den hier angeführten Carnallitmengen wurden noch beträchtliche 
Mengen Carnallit gefördert, welche direkt in der Landwirthschaft Verwendung 
fanden. Von den aufgezählten Fabriken sind viele zu Aktiengesellschaften zusammen- 
gezogen worden, so dass die Zahl der Firmen kleiner geworden ist. 

Oesterreich erzeugte aus den Kaluszer Werken 1880 2000 t Chlorkalium. 

E. Pfeiffer schätzt die Mengen Chlorkalium, welche ausserdem noch 
fabrizirt werden, wie folgt: 

Aus der deutschen Zuckerproduktion des Jahres 1883/84 ergaben sich 
4350 bis 5350 t Chlorkalium 80 7o. 

Aus französischer Schlempekohle wurden 1883/84 etwa 13 500 bis 15000 t 
Chlorkalium gewonnen (S. 112). 

Aus Meerwasser hergestelltes Chlorkalium kommt jetzt in Frankreich und 
England nur noch in beschränkten Mengen in den Handel. Im Rhonedelta werden 
zwar beträchtliche Mengen gewonnen, aber wohl grösstentheils in Salindres auf 
Kaliumchlorat verarbeitet. 

Die Statistik des Deutschen Reiches führt die Stassfurter Salze erst 
seit 1877 gesondert auf. Das Jahr beginnt und endigt mit dem 1. April. Folgende 
Tabelle zeigt die Förderung von rohem Chlorkalium (also hauptsächlich Carnallit) 
und die fabrizirte Menge Chlorkalium im Deutschen Reiche : 



ÖD 
P5 


B e r g w e 1 


k s b e t r 


i e b 




F a b r i k s b e t r i € 


b 


Zahl 
der Be- 
triebs- 
stellen 


Arbeiter- 
zahl 


Carnallit 

gefördert 

t 


Werth 

in 

1000 Mk. 


Zahl 

der 

Firmen 


Arbeiter- 
zahl 


Chlor- 
kalium 
erzeugt 
t 


Werth 

in 

1000 Mk. 


1877 






778 394 


6 227 






93 400 


10 834 


1880 






528 424 


5 018 






83 628 


9 486 


1885 


11 


4133 


678 662 


7 411 


27 


2 081 


107 253 


14 676 


1890 


16 


5 556 


913 030 


11305 


25 


2 652 


137 005 


17 735 


1891 


10 


5 955 


898 993 


11086 


25 


2 470 


129 512 


17 129 


1892 


8 


5 262 


802 630 


10 129 


25 


2 384 


123 962 


16 426 


1893 






861 162 


11048 






137 216 


17 305 



Die Ein- und Ausfuhr von Chlorkalium wird erst seit dem Jahre 1885 ge- 
sondert geführt: 



X, 


Einfuhr 


Ausfuhr 


Von der Ausfuhr gingen Tonnen nach 


JA 


Menge 
in t 


Werth 
in 


Menge 
in t 


Werth 
in 


Deut- 
schen 
Zollaus- 


Ver- 
einigten 
Staaten 


Gross- 
britan- 


Frank- 
reich 


Belgien 


Italien 


5h 




1000 Mk. 




1000 Mk. 


schlüssen 


Amerikas 


nien 








1885 


738 


103 


68 982 


9 699 


53 623 

Norwegen 

und 
Schweden 


1852 


516 


3 806 


4 656 


889 


1890 


294 


41 


67 658 


9 472 


4 072 


23 284 


12 855 


11839 


7 903 


2 645 


1891 


528 


74 


76 996 


10 778 


1720 


32 554 


13 142 


12 340 


7 776 


4 407 


1892 


662 


94 


63 242 


9 012 


3 816 


25 971 


8 532 


8 749 


7 131 


3 959 


1893 


828 


118 


85 858 


12 235 


5 813 


38 107 


13 720 


9 986 


7 779 


4 433 



Die Ausfuhr nach Schweden im Jahre 1890 betrug 4037 t im Werthe von 
565000 Mark. 

Nach den Angaben des Verkaufssyndikats der Stassfurter Kali- 
werke, dem Verfasser gütigst mitgetheilt, erfuhr das Stassfurter Chlorkalium 
folgende Vertheilung : 



262 



Kalisalze. 



Tonnen zu 1000 kg 




















Chlorkalium als 


1885 


1886 


1887 


1888 


1889 


1890 


1891 


1892 


1893 


80proz. berechnet 




















bUebeninDeutsch- [ 


















land (Syndikat) . 1 41 524 


44 048 


41044 


42 549 


44 688 


40 613 


43 799 


39 172 


39 874 


ausserhalb d. Syn- ,j 
dikats verbraucht! 10 258 


















19 933 


16 086 


23 759 


7 845 


8 207 


9 324 6 716 


8 568 


Absatz in Deutsch-'' 


















land 51782 


63 981 


57 130 


66 308 52 533 


48 820 


53 123 


45 888 


48442 


gingen nach 




















England .... 


8 500 


8 075 


9 050 


10 988 


11000 


13 800 


12 310 


8 231 


10 676 


Schottland . . . 


6 500 


3 660 


8 750 


4 864 


4 800 


9 100 


8 150 


3 559 


1538 


Frankreich . . . 


6 250 


6 835 


13 100 


12 722 


10 700 


15 200 


15 110 


12 879 


14 757 


Belgien u. Holland 


4 750 


6 895 


8 500 


9 760 


8 600 


9 200 


8 500 


8 345 


8144 


ItaHen .... 


2 7-50 


3 850 


5 800 


4190 


4 600 


4 400 


4 640 


4 905 


5 135 


den Vereinigten 




















Staaten. . . . 


22 750 


16 875 


18 400 


27 488 


31900 


29 600 


35 670 


31610 


38 132 


Skandinavien und 




















Dänemark . . . 






— 


— 


460 


500 


550 


579 


523 


Oesterreich und 




















Schweiz . . . 


3 972 


3 965 


3 500 


3170 


3 200 


2 540 


2 550 


2 601 


2 476 


Russland . . . 


3 600 


2 525 


3 100 


780 


1795 


1987 


1811 


Spanien, Portugal 




















u. anderen Län- 




















dern 






400 


750 


700 


820 1 090 


443 1 894 



Absatz i. Auslan de || 55 472 50 1-55, 71 100 76 457 1 79 060; 85 940 90 365 75 1391 s4 087 
Absatz überhaupt ||l07254|ll4136|l28230|l42765|l31593|l34760|l43488|l21028|l32529 

Ueber die Verwendung des Chlorkaliums hat E. Pfeiffer S. 103 
für die Jahre 1878 bis 1882 eine ausführliche Tabelle mitgetheilt. Während dieser 
fünf Jahre fand folgende Vertheilung statt: 



Chlorkalium 


Menge 

während der 

fünf Jahre 

1878 bis 1882 

t 


Prozent 

der Gesammt- 

produktion 


Davon Prozent im 


verbraucht zu 


Inlande 


Auslände 


Pottasche 

Salpeter 

Sonstigen Fabrikationen . . . 

Landwirthschaft ( ^^P^jigrädiges . 
l niedergradiges 


86 049 

179 786 

209 156 

39 665 

53 961 


15,17 

31,84 

36,57 

6,93 

9,49 


60,0 
52,6 
41,2 
17,5 
24,3 


40,0 
47,4 
58,8 
82,5 
75,7 


Im Ganzen 1878 bis 1882 . . . 


568 617 


100,01 


44,4 


55,6 



Der durchschnittliche jährliche Verbrauch lässt sich hieraus leicht be- 
rechnen. 

Nach den Ausweisen des Verkauf ssyndikats der Stassfurter Kali- 
werk e wurde das abgesetzte Chlorkalium (als 80 "/oiges berechnet) zu folgenden 
Zwecken verwendet (ausgedrückt in Tonnen zu 1000 kg): 



Cblorkalium. 



263 





1885 


1886 


1887 


1888 


1889 


1890 


1891 


1892 


1893 


A. In Deutsch- 




















land: 




















Ausserhalb d. Syn- 




















dikats zu Salpeter 




















u. Pottasche . . 


10258 


19933 


16086 


23759 


7844 


8207 


9324 


6716 


8568 




Pottasche . . 


20100 


22750 


24900 


21000 


19000 


16550 


19 950 


16850 


18463 




Salpeter . . . 


18180 


18850 


13850 


18400 


22600 


20350 


19300 


17012 


14866 




Kaliumchromat 
Alaun . . . 


} 2231 


1623 


1650 


2150 


400 


300 


550 


539 


611 




Kalium chlorat . 


— 


— 


— 


— 


700 


800 


1400 


1665 


1271 


,5J 


Verschiedenem 
Landwirth- 


— 


■ — 


— 


— 


800 


1200 


1299 


2021 


2684 




schaft . . . 


1013 


825 


644 


999 


1188 


1413 


1300 


1085 


1930 


Im 


Ganzen in 




















Deutschland . . 


51782 


63981 


57130 


66308 


52532 


48820 


53123 


45888 


48442 


B. Im Auslande: 




















Zu Pottasche . . 








1000 


2480 


1000 


1265 


1530 


1104 


978 


Salpeter . . . i 


21580 


19890 


23900 


24745 


25900 


22720 


20260 


17485 


13631 


Kaliumchromat . 


7510 


5625 


9450 


5 973 


5800 


9520 


8330 


5032 


3009 


Alaun .... 


4941 








3500 


3700 


2820 


1468 


1843 


Kalium chlorat . 


6405 


8400 


9881 


7100 


7 200 


7220 


5320 


8445 


Verschiedenem . 








430 


585 


775 


1192 


904 


L 
Im 


andwirthschaft . 


21441 


18235 


28350 


33378 


35330 


40950 


49430 


43539 


55276 


Ganzen im Ausl. 


55472 50155 


71100 


76457 


79060 


85940 


90365 


75140 


84086 


Verwendung überh. 


107254 


114136 


128230| 


142765 


131592 


134760 


143488 


121028 


132529 



Die Quantitäten, welche ausserhalb des Syndikats zu Salpeter und Pottasche 
verarbeitet worden sind, wurden von den Fabriken in Hamburg, Harburg, Del- 
brück, Kalk und bei Stettin verbraucht. (Die Zahl der Fabriken, welche nicht dem 
Syndikat angehören, hat sich seit 1888 verringert.) Indem wir annehmen, dass 
die Hälfte dieser Quantitäten zu Pottasche, die andere Hälfte zu Salpeter verbraucht 
wurde, ergibt sich folgende Uebersicht der Verwendung des Stassfurter Chlor- 
kaliums (80 %) : 

(Tabelle siehe Seite 264.) 

Bei dem Verbrauch zu Düngzwecken ist zu bemerken , dass unter dem im 
Inlande verwendeten Chlorkalium niedriggrädiges , unter dem im Auslande ver- 
wendeten aber des günstigeren Transports wegen hochgradiges Chlorkalium zu 
verstehen ist. 

Seit 1888 hat die Verwendung des Chlorkaliums zur Darstellung von Kali- 
salpeter in Folge der Einführung des rauchschwachen Schiesspulvers , und zur 
Fabrikation von Kaliumchromat wegen ausgedehnterer Anwendung des entsprechen- 
den Natriumsalzes, erheblich abgenommen. Man vergl. Ch. Ind. 1892. 423; 1894.219. 

Der gesammte Chlorkaliumverbrauch um das Jahr 1890 kann 
■etwa wie folgt angenommen werden: 

Stassfurter Chlorkalium 134760 t 

Deutsches Chlorkalium aus Schlempekohle. 6000 „ 

Französisches „ 15000 „ 

Französisches Chlorkalium aus Meerwasser 600 „ ') 

Oesterreichisches Chlorkalium aus Kalusz . 2000 , 

Aus sonstigen Quellen, geschätzt .... 2240 „ 

Im Ganzen 160600 t 



') Nach anderen Schätzungen müsste diese Zahl bedeutend grösser sein. 



264 



Kalisalze. 






1 s 



CD &• 



to^ 




cc 






II 


ro 


> 


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i^ 


t— ' 


jü. 




p= 


B 


3 




ili- 



O) 



cxooooooooooooooooco 
rf>.cocoi-'OOX^C3CT 






i 


25 229 

32 716 

33 943 
35 359 
23 922 
21919 

26 142 
21 312 
23 725 


Menge 
in t 


N 

3 

IT) 
O 
ct- 

?= 

M 

CD 


23,52 

28,66 
26,47 
24,77 
18,18 
16,27 
18,22 
17,61 
17,90 


P|^ 


100 

100 
97,1 
93,0 
95,8 
94,2 
94,1 
91, S 
95,9 


^B 


ö 
2 


*>.CrTC;ipTji.-]jO O O 
"^ K) "cO 00 "cO O to 


>S 


44 889 
48 707 

45 793 
55 025 
52 422 
47 174 
44 222 
37 855 
32 781 


3 9 


CD 

o 


41,85 
42,68 
35,71 
38,54 
39,84 
35,00 
30,82 
31,28 
24,74 


Pf"^ 


51,9 

59,2 
47,8 
55,0 
50,6 

51,8 
51,2 
53,S 
58,4 


-3" 


d 

3 


48,1 
40,« 
52,2 
45,0 
49,4 
4S,2 
45,8 
46.2 
41,(j 


>§■ 


14 682 
13 653 
19 500 
18 004 
18 730 
23 305 
22 394 

17 237 

18 817 


3 2 
CD 


Zu sonstigen 
Produkten 


13,72 
11,96 
15,21 
12,61 
14,01 
17,29 
15,61 
14,24 
14,20 


C'-§'-~5 


15,2 
11,9 

S,5 
11,9 
10,1 

9,9 
14,5 
24,5 
24,5 


-=■ 


O 
N 

S 


84,8 
88,1 
91,5 
88,1 
89,9 

85,5 
75,5 
75,5 


>3- 


22 454 
19 060 
28 994 
34 377 
36 518 
42 363 
50 730 
44 624 
57 206 


w CD 


I-! 
X 

c. 
tn- 


20,94 
16,70 
22,01 
24,08 
27,75 
31,44 
35,36 
36,87 
43,16 


P|-^ 


co|Otojoc;coco*>4^ 
>>. CT ':r5 "cc to o CO CO CT 


^ 5 


•J 

o 

CD 
B 
cr>- 


95,5 
95,7 
97,8 
97,1 
96,8 

97,4 
97,5 
96,6 


>s' 


48,28 
56,06 
44,55 
46,45 
39,92 
36,23 
37,02 
37,91 
36,55 


:-=• 


>^ 'Z 

i^S o 

S"3 2 

CD s ti. 

00 CD "^ 


51,72 
43,94 
55,45 
53,55 
60,08 
63,77 
62,98 
62,09 
63,45 


>B 


6,33 

6,18 
6,56 
(),42 
6,43 

5,66 
5,51 


kalium. 
Tlieile 


' 2. 





C5 



3^ 






Kainit. Kaliummagnesiumsulfat. 265 

Die Stassfurter Salze haben ausser der Gewinnung des Chlorkaliums noch 
eine Reihe anderer Industriezweige ins Leben gerufen, zu deren Schilderung wir 
nunmehr übergehen. 

Die Yerarbeituiig des Kaiiiits (und Schöiiits). 

Das nächst dem Carnallit wichtigste Kalisalz ist der Kainit (und 
der Schönit). 

Der Kainit, K2SO^,MgSO^,MgCl2 + 6H,0, wird in Leopolds- 
hall, im preussischen Schacht in Stassfurt, in Neustassfurt, Aschers- 
leben, Vienenburg, Westeregeln und Wilhelmshall gefunden und enthält 
gewöhnlich andere Mineralien beigemischt (G. Krause, Die Industrie 
von Stassfurt, Cöthen 1877; E. Pfeiffer, Kali-Industrie 1887. 43, 91). 
Durchschnittsmuster von rohem Kainit gaben folgende Analysen: 

Neustassfurt Kalusz 

_ 111 n durchschnittlich (Pfeiffer 

Leopoldshall ^^^^ ^ Precht S. 76) 

Kaliumsulfat . . . 23,36 »o 25,72 «/o 24,0 7o 20,23 »/o 

Magnesium Sulfat . . 13,47 12,97 16,5 14,45 

Chlormagnesium . . 13,40 14,76 13,0 11,03 

Wasser 13,40 12,40 14,0 15,02 

Chlornatrium . . . 34,70 29,10 31,0 27,24 

Calciumsulfat , . . 1,48 4,10 ). . 2,85 

Thon und Unlöslic hes 1,08 L02 ij^ 9,18 

100,89 7o 100,07 7o 100,0 7o 100,00 7o 

Andere Kainitanalysen finden sich in Soc. Ch. Ind. 1888. 97 
(Macadam). 

Schulten (C. r. 111. 928) erhielt künstlichen Kainit durch Konzen- 
tration einer Lsg., welche 500 g MgCl^ + GH^O, 40 g K,SO^ und 
56 g MgSO. + lOHgO enthielt. 

Der Schönit, K2SO^,MgSO^-|-6H20, kommt in Kainit in Kryst. 
eingelagert vor. 

Da es schwierig ist, das Kaliumsulfat aus dem Kainit zu isoliren, 
so wird derselbe grösstentheils als Dünger verkauft. Die eben er- 
wähnten Analysen von Mac a dam sind solche von im Handel als Dünge- 
salz vorkommendem Kainit. Da jedoch der hohe Gehalt von Chlor- 
natrium und Chlormagnesium in manchen Fällen schädlich wirkt (die 
Pflanzen nehmen auf dem damit gedüngten Boden die Härte der Dünen- 
pflanzen an), so stellt man aus dem Kainit Kaliummagnesiumsulfat 
und auch Kaliumsulfat her. 

Kaliummagnesiumsulfat. 

Der Kainit zersetzt sich beim Liegen an der Luft in Kalium- 
magnesiumsulfalt und Chlormagnesiumlauge. Dies Verhalten ist aber 
im Grossen nicht zu benutzen, weil der Kainit immer viel Carnallit und 
Kochsalz enthält. E. Pfeiffer hat S. 351 bis 376 die Verfahrungs- 
weisen beschrieben, welche für die Verarbeitung des Kainits vorgeschlagen 
worden sind. Wir beschränken uns darauf, nur da.sjenige von H. Precht 
anzuführen (D.Pt.P. Nr. 10 637 v. 5. Aug. 1879; Chem. Ind. 1880. 329, 
418; D.R.P. Nr. 13421 v. 25. Mai 1880; Chem. Ind. 1880. 352; D.R.P. 
Nr. 15 747 v. 8. März 1881; Chem. Ind. 1881. 378; D. 243. 48). 



266 



Kalisalze. 



Der Rolikainit wird mit einer für Kaliummagnesiumsulfat und 
Ohlornatrium ges. Lauge erh., und zwar unter einem Druck von 2 bis 
4 Atm. Dabei findet folgende Umsetzung statt: 

3( K,S0^,MgS0^ , MgCl , 6H,0) = 

Kainit 

2( K.3SO,,2MgSO,,H,0 ) + 2KC1 + 2MgCl, + 16H,0 

Precht's Doppelsalz 

Die Erhitzung geschieht in einem Kessel von 2,55 m Länge und 
1,4 m Durchmesser, welcher sich in Pfeiffer (S. 361) und in Ost 
(S. 113) abgebildet findet. In demselben liegt ein Trommelsieb zur 
Aufnahme des Kainits. Das in fein krystallinischer Form ausgeschie- 
dene Precht'sche Doppelsalz gelangt durch die Lauge in einen unter- 
halb angebauten Cylinder von 90 cm Durchmesser, innerhalb dessen es 
durch eine schraubenförmige Transportvorrichtung nach einem Ende 
hin und dort in einen Behälter geschafft wird. Eine Operation dauert 
etwa eine halbe Stunde. Das so gewonnene Precht'sche Doppelsalz 
hat folgende Zusammensetzung: 



Kaliumsulfat . 


. 30,70> 


29,96 V 


Magnesiumsulfat . 


. 34,92, 


38,68 „ 


Wasser .... 


. 20,78 „ 


19,43 „ 


Chlornatrium 


. 6,85 „ 


7,53 „ 


Chlormagnesium . 


. 5,50 „ 


3,50 „ 


Unlösliches . . . 


. 1,25 „ 


0.90, 



100,00 > 100,00 V 

Durch Trocknen bei 100*^ geht dieses Produkt in das Precht'sche 
Doppelsalz mit 3,2 bis 3,5 V HgO über, welches noch bei 150 bis 180'' 
beständig ist. 

Nach dem Trennen von der heissen Lauge wird das Doppelsalz 
gewaschen, bis es chlorfrei ist. Dabei geht 1 Mol. MgSO^ in Lsg. 
Der Rückstand besteht aus K2S0^,MgS0^. Derselbe wird calcinirt 
und gemahlen und kommt als Kaliummagnesiumsulfat in den 
Handel. 

Das reine Kaliummagnesiumsulfat enthält 59,2 V Kaliumsulfat und 
40,8 ''/o Magnesiumsulfat. Das nach den älteren Verfahrungsweisen dar- 
gestellte kostete 1868 nach Pfeiffer 14,5 Mark für 100 kg. Das 
gegenwärtig hergestellte aber nur 8 bis Mark, und hat folgende Zu- 
sammensetzung : 



48 bis 52^0 (im Mittel 50V) 

32 „ 36 „ 

1 Ü 5 ! (im Mittel höchstens 3,29 V) 
0.2 „ 5 „ 



Kaliumsulfat 
Magnesiumsulfat . . 
Wasser ..... 
Chlornatrium . 
Gyps und Unlösliches 

Zur Gewinnung von 100 kg Kaliummagnesiumsulfat sind 250 bis 
300 kg Kainit erforderlich. 

S. Zuckschwerdt hat noch ein anderes Kaliummagnesiumsulfat 
K2S04,2MgS0^ dargestellt, welches er Langbeinit nennt und welches 
nach Precht erhalten wird, wenn man K.^SO^ neben überschüssigem 
MgSO^ aus konz. Chlormagnesiumlsg. bei Siedehitze ausscheidet. 



Kaliummagnesiumsulfat. 267 

Das Kaliummagnesiumsulfat wird ausschliesslich als Düngemittel 
verwendet. 

Die heisse Mutterlauge scheidet beim Erkalken Chlorkalium aus; 
die Mutterlauge hievon wird zur Verarbeitung des Carnallits benutzt. 
Die Decklaugen vom Kaliummagnesiumsulfat werden eingedampft und 
geben monoklinische Kryst. von Schönit, K2S0^,MgS0^, öH^O, welche 
calcinirt in den Handel kommen. Die Mutterlauge hievon dient zum 
Aufschliessen des Rohkainits^ oder, wenn sie reich an Chlorkalium ist, 
so dass sie bei weiterem Erkalten künstlichen Carnallit abscheiden 
würde, zum Auflösen des Rohcarnallits. Die Verarbeitung des Kainits 
geht also Hand in Hand mit derjenigen des Carnallits. 

Der natürliche Schönit vom Schmidtmannschacht bei Aschers- 
leben hat nach Reichardt folgende Zusammensetzung: 

Kah 23,285 V 

Magnesia 10,405 „ 

Schwefelsäure .... 39,738 „ 

Wasser 26,868 „ 

Chlor 0,277 , 

100,573" 

Er würde sich also im calcinirten Zustande gar nicht von dem 
künstlich dargestellten Kaliummagnesiumsulfat unterscheiden und könnte 
daher sofort wie dieses Verwendung finden. Aber der natürliche Schönit 
ist immer mit Kainit so innig durchwachsen , dass er mit diesem ver- 
arbeitet werden muss. 

Dagegen wird Schönit nicht bloss, wie oben erwähnt, als Neben- 
produkt, sondern auch direkt künstlich dargestellt, um als Rohmaterial 
für die Fabrikation des Kaliumsulfats zu dienen. Um dieses Verfahren 
haben sich besonders Vorster und Grüneberg verdient gemacht. 

Wenn man eine heisse , nahezu ges. Lsg. von Magnesiumsulfat 
(Kieserit) mit Chlorkalium (Carnallit) zusammenrührt, so entsteht ein 
Salzbrei von Schönit, wobei man nach Schmidtborn so viel Chlorkalium 
anwenden soll, dass daneben noch Carnallit entsteht: 

4MgS0^ -f 6KC1 = 2(K,S0^,MgS0J + 2(KCl,MgCy 

Der Salzbrei wird von der Mutterlauge getrennt und durch Decken 
gereinigt. 

Zur Darstellung von 100 kg kryst. Schönit waren nach Michels 
folgende Mengen erforderlich: 

366 kg Rohcarnallit mit W^jn KCl, 
230 kg Kieserit, 

3V2 hl Braunkohlen zu 30 Pf. 

T. W. Dupre in Stassfurt (D.R.P. Nr. 53 237 v. 7. Sept. 1889) 
wendet statt des Carnallits Sylvinit mit 70 > NaCl und 30 > KCl an, 
indem er Kainitlsg. oder Mutterlauge von der Verarbeitung desselben 
mit Sylvinit versetzt, in dem Verhältniss von 100 Kainit auf 30 bis 40 
Sylvinit, wodurch er eine grössere Ausbeute von Kaliummagnesiumsulfat 
erzielt. Nach ihm enthält das Produkt durchschnittlich 27,2 "/o Kali. 
Ausführlicher darüber in Ch. Ind. 1891. 29, 469. 

Eigenschaften des Kaliummagnesiumsulfats. Das Kaliummag- 
nesiumsulfat des Handels enthält 1 Mol. K2SO4 auf 1 Mol. MgS04. Beim Auflösen 



268 Kalisalze. 

in HjO findet aber eine Zersetzung statt, so dass die Lsg. auf 1 Mol. K-,S04 etwa 
1,5 Mol. MgS04 enthält, und ein Rückstand verbleibt, welcher bis zu QP/o aus 
£2804 besteht. Ausführlicheres darüber in Pfeiffer, Kaliindustrie 345 ff. 

Anwendung findet das Kaliummagnesiumsulfat als Düngesalz (nament- 
lich für Kartoffeln, Zuckerrüben, den Weinstock und Tabak). Es wird zu diesem 
Zwecke entweder allein, oder in wechselnden Gemischen mit Kainit oder anderen 
Kalisalzen gebraucht. Die durchschnittliche Zusammensetzung des Düngesalzes 
ist nach Precht: 24% Kaliumsulfat, 16,5 °'o Magnesiumsulfat, lo"/o Chlormagnesium, 
31°'o Chlornatrium. 1,5 7» Gyps und Thon und 14 "0 H^O. Ausführlicheres über 
Kali-Dünger in Pfeiffer, 450; J. Mac ad am, Journ. Soc. Chem. Ind. 1888. 97. 
Die Chemische Fabrik Buckau, D.R.P. Nr. 57 707 v. 1.3. Mai 1890. hat auch 
versucht, Kainit direkt auf Potasche zu verai-beiten. 

Kaliumsulfat. 

Wenn man krjst. Kaliummagnesiumsulfat mit Chlorkaliumlsg. von 
1,1-12 SGr. (18*^^' Be'.) macerirt, oder wenn man eine Lsg. des Kalium- 
magnesiumsulfats bei bestimmter T. mit etwas mehr als 1 Aequivalent 
festem Chlorkalium verrührt, so scheidet sich reichlich ziemlich reines 
Kaliumsulfat aus, während Chlorkalium und Chlormagnesium in Lsg. 
geht: K,SO,,MgSO^ + 2KCl = 2IC,SO^ + MgCl2. Das so gewonnene 
Krystallmehl von K,SO^ wird von der Mutterlauge getrennt (Analysen 
desselben in Soc. Cb. Ind. 1888. 97) und durch Decken gereinigt. Die 
Zusammensetzung des gereinigten Produktes ist nach Pfeiffer: 

Kaliumsulfat 89,2 > 91,1 «/o 

Chlorkalium 1,4 „ 1,2 „ 

Chlornatrium 0,2 „ — „ 

Magnesiumsulfat .... 2,0 „ 1,7 „ 

Unlösliches 0,3 „ 0,4 „ 

Wasser C,9 „ 5,0 ,, 

100,0 > 100,0 > 
Nach dem Calciniren enthielten diese Muster 95,8 bis 96,5 > Kaliumsulfat. 

Zur Herstellung von 100 kg Kaliumsulfat von 90 "0 Reingehalt waren etwa 
erforderlich : 

144,15 kg kiyst. Schönit, 
46,7 kg Chlorkalium von 92% KCl, 
1,9 hl Braunkohlen zu 30 Pf. 
oder, wenn man auf die ersten Rohmaterialien zurückgreift, nach Hugo: 
750 bis 775 kg Rohcamallit mit 16 7o KCl, 
500 kg Kieserit mit 60 »/o MgSOj, 
8,8 hl Braunkohlen, 
4 M. Arbeitslohn. 

Nach H. Ost wird diese Fabrikation erst seit 1887 in grösserem Maassstabe 
betrieben. 

Wegen einer anderen Darstelluugsweise durch Glühen von Schönit mit Kohle 
vergl. man H. Precht, Chem. Ind. 1881. 376. 378; 1885. 141. 

Eine Uebersicht der bis 1887 auf Darstellungsweisen von Kalisalzen ge- 
nommenen Patente hat E. Pfeiffer in seiner „ Kaliindustrie " 351 ff. zusammen- 
gestellt. F. W. Dupre in Stassfurt, D.R.P. Nr. 68 572 v. 6. Juli 1892, Ch. Ind. 
1893. 282, verarbeitet Kainit oder Kaliummagnesiumsulfat mittelst NH3 auf Kalium- 
sulfat oder Kaliumnatriumsulfat. 

Die Herstellung von Kaliumsulfat aus Schlempekohle und aus Chlorkalium 
und H2SO4 gehört in das Gebiet der Pottaschefabrikation. 

Eigenschaften. K2SO4 kryst. wasserfrei in rhombischen Formen und ent- 
hält 54,170 K2O und 45,970 SO3. SG. 2,647 bis 2.66. S. nach V. Mever und 
Riddle (B. 1893. 26. 2443) 1078«. 



Kaliumsulfat. 



269 



Folgende Tabelle 


zeigt seine L 


öslichkeit in H')0 : 






100 Gew.-Thle 


HoO lösen 


Die Lsg. enthält Prozente 


Ausdehnung 












einer Lsg. von 
9''/o Gehalt 


T. 


nach 


nach 


nach 


nach 




Gay-Lussac 


M u 1 d e r 


Gay-Lussac 


Mulder 


nach Gerlach 


0» 


8,36 


8,5 


7,72 


7,83 


1.0000 


10 


10.10 


9,7 


9,17 


8,84 


1,0015 


20 


11,84 


10.9 


10,59 


9,83 


1,0039 


30 


13,58 


12,3 


11,08 


10,95 


1,0072 


40 


15,82 


14,0 


13,28 


12,28 


1,0110 


50 


17,07 


15,8 


14,58 


13.64 


1,0155 


60 


18,81 


17,8 


15,82 


15,11 


1,0208 


70 


20,55 


19,8 


17,05 


16,53 


1,0264 


80 


22,29 


21,8 


18,23 


17,90 


1,0323 


90 


24,03 


23,9 


19,37 


19,29 


1,0383 


100 


25,77 


26,2 


20,49 


20,76 


1,0445 


100,3 


~ 


— 




— 


1,0447 



Die Löslichkeitszahlen nach Brandes und F i r n h a b e r (G. Lunge, 
Taschenb. 1892. 19) zeigen sehr grosse Unregelmässigkeit. 

100 Gew.-Thle. bei 15" gas. alkoholischer Lsg. enthalten nach Schiff: 
Bei einem Alk.-Gehalt von 10 20 30 40 Gew.-7o 
an K.2SO4 3,9 1,46 0,55 0,21 Gew.-Thle. 

Wirthschaftliches und Statistisches über Kainit. Nach E. Pfeiffer 
97 und den Vierteljahrsheften zur Statistik des Deutschen Reiches wurden im 
Deutschen Reiche folgende Mengen Kainit gefördert, und Salze aus wässeriger Lsg. 
gewonnen (wir nehmen die Pfeiffer'schen Zahlen mit dem Jahre 1874 auf): 





Kainit a 


'efördert 


Schwefelsaure Kali- 


Kaliumsulfat 


Jahr 






magnesia 






t 


Werth 


t 


Werth 


t 


Werth 




in 1000 Mk. 


in 1000 Mk. 


in 1000 Mk. 


1874 


9 751,9 




14 691,3 




1 042,8 




1880 


137 425,0 


1 765,6 


3 941,5 


146,4 


10 602,4 


1 723,8 


1885 


242 281 


3 718,6 


27 207,5 


1 418,8 


18 149 


2 958,0 


1890 


361 827 


5 199,8 


11094 


858,5 


31 126 


4 932,1 


1891 


472 256 


6 806.6 


10 508 


796,6 


29 448 


4 659,0 


1892 


548 445 


7 823,0 


11593 


913,0 


26 267 


4 288,0 


1893 


664 986 


9 591,1 


14199 


1 123,0 


26 855 


3 387,0 



Von den 472 256 t Kainit des Jahres 1891 wurden 64213 t verarbeitet und 
408 042 t als Dünger verkauft. Von der schwefelsauren Kalimagnesia wird über 
die Hälfte im Inlande als Dünger verbraucht, der übrige Theil exportirt. 

Handelsbewegung in Kaliumsulfat (und Kaliummagnesiumsulfat): 





Einfuhr 


Aus 


fuhr 


Von der 


Ausfuhr g 


mgen Tonnen nach 


Jahr 


: Werth 




Werth 


deu 
Vereinigten 




Frank- 






t in 1000 


t 


in 


Staaten 


England 


Schweden 






Mk. 




1000 Mk. 


Amerikas 
t 


t 


reich 
t 


t 


1885 


284,0 


29 


16 103 


1569 










1890 


1041,8 


115 


19 313 


1642 


7 167 


4 786 


1508 


3 932 


1891 


1 224.7 


135 


30 188,9 


2 566 


15 746 


4 623 


2 226 


5 602 


1892 


1 548,0 


170 


20 391,0 


2 702 


12 986 


1879 


1411 


2 047 


1893 


1 664,9 


183 


31 909,2 


4 141 


19 257 


3 550 


1653 


5 683 



270 



Kalisalze. 



Nach den Ausweisen des Verkaufssyndikats der Stassfurter Kali- 
werke wurden an Kaliumsulfat (auf 90"/oiges berechnet) abgesetzt: 



Tonnen zu 1000 kg in 



1889 



1890 



1891 



1892 



1893 



Deutschland 

Oesterreich-Ungarn 

Der Schweiz 

England 

Schottland 

Frankreich 

Belgien und Holland .... 

Italien 

Spanien und Portugal .... 
Skandinavien und Dänemark 

Russland 

Griechenland 

Nordamerika 

Verschiedenen aussereuropäischen 
Ländern 



Im Ganzen 6 221 



1899 
20 

2 000 
1000 
480 
170 
10 
150 
110 

10 



373 



3 227 

100 
50 

2 020 
720 

2 000 
230 
70 
150 
300 
160 

2 820 

1 100 



4 758 

60 

20 

1650 

1385 

2 170 

250 

140 

280 

50 

215 

12 

5 200 

1790 



3 014 

44 

32 

1814 

745 

2 044 

196 

81 

418 

17 

277 

6 323 

461 



2 681 

38 

50 

1315 

439 

2 334 

572 

113 

435 

43 

250 

7 714 

378 



12 947 



17 980 15 466 16 361 



Diese Mengen vertheilten sich im In- und Auslande auf die verschiedenen 
Verbrauchszwecke wie folgt : 



Tonnen zu 1000 kg 


1889 


1890 


1891 


1892 


1893 


A. In Deutsehland. 

Zu Pottasche 

Kaliumchromat 

Alaun 


1899 


3 227 


4 400 
10 

238 
110 


2 314 

26 

190 
483 


1854 
12 
27 


Verschiedenen Zwecken .... 
Landwirthschaft 


209 
579 


Im Ganzen in Deutschland .... 

B. Im Aus lande. 

Zu Pottasche 

Kaliumchromat 

Alaun 


1899 
4 323 


3 227 

9 720 


4 758 

750 
1090 
2 100 

560 

8 722 


3 014 

298 
1048 
2 251 

217 
8 639 


2 681 

367 

461 

1 660 


Verschiedenen Zwecken .... 
Landwirthschaft 


473 
10 719 


Im Ganzen im Auslande 


4 323 


9 720 


13 222 


12 453 


13 680 


Gesammter Kaliumsulfatabsatz . . . 1 


6 222 


12 947 


17 980 


15 466 


16 361 



Für die rationelle Ausbeutung der Stassfurter Kalisalze, namentlich des 
Kainits, ist es von grosser Wichtigkeit gewesen, dass der Bundesrath am 10. Dezember 
1891 die Höchstgrenze der ohne Kontrole von der Salzabgabe freizulassenden 
Abraumsalze von 36 auf 50 "/o NaCl angesetzt hat, weil hierdurch erst gewisse 
Kainite und Sylvinite förderfähig wurden (Chem. Ind. 1892. 423). 

Die Durchschnittspreise für 1000 kg waren folgende: 
1890 

Kainit 14,37 Mk. 

Schwefelsaure Kalimagnesia 77,39 , 
Kaliumsulfat 158,46 „ 



1891 


1892 


1893 


14,41 Mk. 


14,26 Mk. 


14,42 Mk 


75,81 , 


78,73 , 


79,10 „ 


160,79 . 


162,29 , 


162,43 , 



Kieserit. 



271 



Die Verkaufspreise der hier behandelten Kalisalze wurden von dem Syn- 
dikat der Kaliwerke für 1892 wie folgt festgestellt (Chem. Ind. 1891. 478): 

Kaliumsulfat von 96 »/o 17,35 M. für 100 kg 

, 90 , 16,95 , 

Schwefelsaure Kaümagnesia von 48°/o . . 8,35 , » 

. . 40. . . 6,75 „ 

Calcinirte Düngsalze mit 70^0 Kaliumsulfat 10,40 „ „ 

,58, , 8,50 , 

,50, „ 7,00 „ 

n 40 , , 5,60 , 

Die Erörterung der Kalidüngsalze gehört in das Kapitel über künst- 
lichen Dünger. 



Die Yerarbeituiiff des Kieserits. 



Der natürliche Kieserit, MgS0^,H20, enthält im reinen Zustande 
86,96> MgSO^ und 13,04% H,0. SG." 2,569 bis 2,517. Er ist in 
H2O schwerlösL, aber mit HgO angerührt, nimmt er unter auffälliger 
Wärmeentwickelung HgO auf, indem er eine harte Masse mit 23 bis 
26^/o HgO (Blockkieserit) bildet, welche durch Aufnahme von mehr 
HgO in Bittersalz, MgS0^,7R,0, übergeht. 

Der natürliche Kieserit ist aber stets so innig mit Steinsalz und 
Anhydrit verwachsen, dass er als Mineral nicht direkt verwendet wird. 
Der im Handel vorkommende Kieserit ist stets durch Aufbereitung oder 
als Nebenprodukt künstlich gewonnen worden. Ein Muster von aus- 
gesucht reinem Kieserit enthielt nach Precht (B. 14. 2131; Ch. Ind> 
1881. 379): 

Magnesiumsulfat . . . 86,0620,0 

Chlormagnesium. . . 0,118 „ 

Chlornatrium 0,344 „ 

Chlorkalium 0,156 „ 

Wasser 13,320 „ 



100,000% 

Der bereits auf S. 252 und 253 erwähnte Rückstand von der Ver- 
arbeitung des Rohcarnallits besteht wesentlich aus Kieserit und Thon,. 
weil Kieserit in kochender Chlormagnesiumlauge nahezu unverändert 
und unlösl. bleibt. Der Rohcarnallit liefert nach Pfeiffer (S. 159 und 
167) etwa 26 bis 30^^/0 seines Gewichts nassen Löserückstand, dessen 
Zusammensetzung in lufttrockenem Zustande zwischen folgenden Grenzen 
schwankt : 

ältere Arbeit neuere Arbeit 



Chlorkalium . 


2,2 bis 12,8 0/0 


3,8 bis 9,3> 


Chlornatrium . . 


15,4 „ 54,8 „ 


12,9 „ 8,6, 


Chlormagnesium 


2,0 , 11,0 „ 


4,2 , 4,9 „ 


Magnesiumsulfat . 


22,9 „ 47,7 , 


56,9 ., 45,4, 


Calciumsulfat . . 


0,7 „ 2,15 „ 


2,4 , 5,8 „ 


Unlösliches . . . 


5,0 „ 6,0 „ 


Q,'^ „ 8,0 „ 


Magnesia .... 


;i n 


1,3 „ 4,4 „ 


Gebundenes Wasser 


6,0 „ 10,8 „ 


11,9 , 13,6 , 



100,0 100,0 > 



2 72 Kieserit. 

Da dieser Rückstand beim Liegen an der Luft in Blockkieserit 
übergellt, so muss er in frischem Zustande verarbeitet werden. 

Durch Waschen und Schlämmen mit kaltem HgO werden die lösl. 
Salze und die leichten Theile entfernt (Pfeiffer, S. 268). Der mit 
fortgeführte Kieseritschlamm setzt sich in Behältern ab, wird denselben 
möglichst rasch entnommen und in Formen gefüllt, in denen er nach 
etwa 15 Minuten zu Blockkieserit des Handels erstarrt. 

G. Krause fand im Kieserit folgende Mengen: 

Magnesiumsulfat .... 62,42 "/o 

Chlormagnesium . . . . 1,95 , 

Chlorkalium 1,50 „ 

Calciumsulfat 2,68 „ 

LMösliches 7,88 „ 

Wasser 23,57 „ 

100,00> 

E. Pfeiffer gibt S. 269 folgende Analysen desselben: 

frisch calcini)-t 

I if ^1 iT 

Magnesiumsulfat . . . 60,20'';o 58,0> 81, 5> 77,8ö.n 

Chlornatrium .... 1.55 „ 2,1 „ 2,1 „ 2,7 „ 

Unlösliches (Anhydrit) . 10,63 „ 13,5 „ 14,4 „ 17,0 „ 

Wasser 27,62 , 26,4 , 2,0 „ 2,5 „ 

100,00 > 100,0 > 100,0 > 100,0 '> 

Der Schlämmrückstand von wenig angegriffenem Steinsalz wird 
wieder in die Schächte gefahren. 

Die Ausbeute von Blockkieserit beträgt etwa 10 bis 12^^/0 des 
Rohcarnallits. 

Die Verkaufspreise des Kieserits stellten sich 1885 für 1 t Blockkieserit mit 
55 bis 60 "/o MgS04 auf 6,40 bis 9 Mark, für calcinirten und gemahlenen Kieserit 
mit 70 bis 75 "/o MgS04 auf .30 Mark. 

Anwendungen des Kieserits. Ein Theil des gewonnenen Kieserits wird 
in Stassfurt selbst zur Fabrikation von Kaliumsulfat verbraucht; der grössere 
Theil aber, welcher namentlich nach England und Amerika exportirt wird, dient 
zur Fabrikation von Bittersalz. 

Ferner benutzt man Kieserit zur Fabrikation von Baryumsulfat (blanc fixe). 
Das dabei abfallende Chlormagnesium kann man nach der Methode von Godin 
und Hasenclever verwenden, um neue Mengen Schwerspath in Chlorbarj'um 
überzuführen. 

Auch zum Beschweren der Seide und zur Herstellung konstanter galvanischer 
Batterien wird Kieserit gebraucht. In der Landwirthschaft werden einige Kali- 
dünger damit verd. Grüneberg schlug vor, aus Kieserit und Kalk oder Mörtel 
einen künstlichen Stein herzustellen. 

Die Vorschläge, welche gemacht worden sind, um den Kieserit auf Magnesia 
und H2SO4 zu verarbeiten (vergl. Precht, Chem. Ind. 1881. 350; Pfeiffer, 270), 
gehören in die Magnesia- und Cl-Industrie. Grosse Mengen Magnesiumsulfat 
werden auch zur Fabrikation von Glaubersalz verbraucht; doch wendet man hier- 
zu nicht den künstlichen Kieserit an, sondern an Kieserit reiche Mineralien und 
Magnesiumsulfatlsgn. 



Bittersalz. 273 



Bittersalz. 



Das Bittersalz, MgSO^ -|- THgO, wurde zuerst 1695 aus dem 
Epsomer Bitterwasser dargestellt und daher Epsomsalz oder Epsorait 
genannt. Seine Fabrikation aus Kieserit geschieht gegenwärtig nach 
zwei Methoden : 

1. Der frische Kieserit ist in H^O schwerlösl., geht aber an der 
Luft oder in Berührung mit HgO oder dünnen Laugen langsam in Bitter- 
salz über. Man erhält dadurch kalt ges. Lsgn. von Bittersalz, welche 
bis auf 1,313 bis 1,325 SG. (35 bis 36" Be ) eingedampft werden, um 
sie dann kryst. zu lassen (Wüstenhagen). Man kann die Auflösung 
durch Kochen mit H^O mittelst Dampfes beschleunigen und dadurch 
sofort die Lsg. in gewünschter Stärke herstellen. 

2. Wenn man den Kieserit bei einer T. über 160" calcinirt, so 
nimmt er die leichte Löslichkeit des gewöhnlichen Magnesiumsulfats 
an. Dies Verhalten wird von Jones benutzt, um Bittersalzlsg. in kür- 
zerer Zeit herzustellen. 

Man lässt die heissen Laugen sich klären und bringt sie in mit 
Blei ausgeschlagenen Gefässen zur Kryst. Die Krystalle werden in 
Leopoldshall in Trockenstuben bei 20 bis 27'^ getrocknet. Jones be- 
nutzt Centrifugen, in denen die Salzmasse gleichzeitig gewaschen wird. 

Zur Darstellung von 100 kg Bittersalz sind nach Pfeiffer (S. 281) 
erforderlich : 

125 bis 130 kg Kieserit zu 70 Pf. 0,86 bis 0,91 M. 

25 kg Steinkohle oder ^ji bis 1 hl Braunkohle zu 32 Pf. 0,24 „ 0,32 „ 

Arbeitslohn 0,50 „ 1,00 „ 

Verpackung 1,00 „ 1,00 , 

Unkosten 0,25 „ 0,50 „ 

Im Ganzen . . . 2,85 bis 3,73 M. 

Die Handelswaare enthält 0,25 bis 0,5*^/0 Gl, entsprechend 0,41 
bis 0,82 > NaCl, und wird zum Preise von 4 bis 5,50 M. für 100 kg 
verkauft. 

Die Prüfung des Bittersalzes erstreckt sich auf seinen Cl- und Alkali- 
gehalt. Um zu erfahren, ob ein Theil des gefundenen Cl als MgCL) vorhanden ist, 
wird das Muster mit absolutem Alk. ausgezogen. (Diese Prüfung ist wichtig, weil 
bei Anwendung des Bittersalzes zur Appretur etwaiges MgCl2 beim Passiren der 
heissen Kalanderwalzen sich zersetzen und die entstehende HCl zerstörend auf die 
Gewebe wirken könnte). 

Alkalisulfat kann durch Zerreiben des Musters mit Baryumkarbonat und dem 
dabei entstehenden Alkalikarbonat gefunden werden. 

Sämmtliche Alkalisalze werden bestimmt, indem man die Lsg. des Musters 
mit Aetzbaryt fällt, und das Filtr. unter Zusatz von kohlensaurem Ammoniak zur 
Trockniss bringt. 

Eigenschaften. MgS04 + ^HjO enthält 16,267o MgO, .32,52''/o SO3 und 
51,2270 H.^O, oder im calcinirten Zustande 33,33 > MgO und 66,67 > SO3. Es 
kiyst. in Prismen des rhombischen Systems. SG. 1,67 bis 1,68; des H20-freien 
Magnesiumsulfats 2,65. Es zersetzt sich erst in Weissglut. 



Handbuch der ehem. Technologie. I. 18 



274 



Stassfurter Salze. 
Löslichkeit des Magnesiumsulfats in HqO: 





100 Tble. H.2O lösen MgS04 


100 Thle. Lsg. 
Pfe 


enthalten nach 
iffer 


T. 










Mulder 

1 


G a V - L u 8 s a c . 
Tobleru.Griffiths 


MgSO, 


MgSOj -^ 7H2O 


0» 


26,9 


24,7 


20,51 


42,05 


10 


31,5 


30,5 


23,37 


47,91 


20 


36,2 


35,0 


26,09 


53.48 


25 


— 


37,1 


— 


— 


30 


40,9 


39,8 


28,62 


58,67 


40 


45,6 


47,0 


30,99 


63,52 


50 


50,3 


49,7 


33,20 


68,06 


55 


— 


52,8 


— 


— 


60 


55,0 


55,9 


35,28 


72,31 


70 


59,6 


60,4 


37,19 


76,23 


80 


64,2 


65,1 


39,03 


80,01 


90 


68,9 


70,3 


40,76 


83,55 


100 


78,8 


— 


42,40 


86,91 


105,5 


— 


132,5 


— 


— 



Vergleichung des SG. und Gehaltes von Lsgn. der schwefelsauren Magnesia 
nach Gerlach bei 15°, H2O von 15" = 1 gesetzt: 



MgS04 


SG. 


MgSOj -f 7H.,0 


MgS04 

7o 


SG. 


MgS04-^7H.,0 


1 


1,01031 


2,05 


14 


1,1.5083 


28,70 


2 


1,02062 


4,10 


15 


1,16222 


30,75 


3 


1,03092 


6,15 


16 


1,17420 


32,80 


4 


1,04123 


8,20 


17 


1,18618 


.34,85 


5 


1,05154 


10,25 


18 


1,19816 


36,90 


6 


1,06229 


12,30 


19 


1,21014 


38,95 


7 


1,07304 


14,35 


20 


1,22212 


41,00 


8 


1,08379 


16,40 


21 


1,23465 


43,05 


9 


1.09454 


18,45 


22 


1,24718 


4.5,10 


10 


1,10529 


20,50 


23 


1,2.5972 


47,15 


11 


1,11668 


22,55 


24 


1,27225 


49,20 


12 


1,12806 


24,60 


25 


1,28478 


51,25 


13 


1,13945 


26.65 


2.5,25 


1,28802 


51,76 



Oudemans hat folgende Tabelle über die Dichte der Lsgn. von Bittersalz 
(Zeitschr. anal. Chem. 1868. 419) mitgetheilt : 



MgS04 ,7H20 


SG. 


MgS04,7H20 


SG. 


MgS04,7H20 g^. 


MgS04,7H20 


SG. 


7o 




7o 




7o 


7o 




5 


1,024 


9 


1,044 


25 


1,128 


36 


1,190 


6 


1,029 


10 


1,049 


28 


1,145 


38 


1,202 


7 


1,034 


15 


1,075 


30 


1,156 


39 


1,208 


8 


1,0.39 


20 


1,101 


35 


1,185 


40 


1,214 



100 Gew.-Thle. bei 15** ges. alkoholischer Lsg. enthalten: 

Bei einem Alk.-Gehalt von 10 20 40 Gew.-7o 
an Bittersalz 39,3 21,3 1,62 Gew.-Thle. 



Glaubersalz. 275 

Anwendung. Zur Appretur namentlich baumwollener Gewebe, zum Be- 
schweren der Seide, zum Weissfärben der Wolle. In der Papierfabrikation zum 
Füllen der Masse. Zur Bereitung von blanc fixe. Zu medicinischen Zwecken. Aus- 
führlicheres in E. Pfeiffer. 282. 

Glaubersalz. 

Vorkommen. Das Glaubersalz, Na2S04 -f- IOH2O, kommt in der Natur 
fertig gebildet vor : in und an den Steppenseen Amerikas und Asiens (bei Bamaul 
in Sibirien und bei Tiflis) ; in Spanien (Provinz Toledo), wo es als Mineral den 
Namen Thenardit erhielt (Wagner-Fischer's Jahresbei-. 1887. 528). In Lsg. 
kommt das Na^S04 in grossen Mengen im Meerwasser und in vielen Mineralquellen 
vor. NaoS04 bildet Doppelsalze : mit Calciumsulfat den Brogniartin oder Glau- 
berit: Na2S04,CaS04; mit Magnesiumsulfat den Astrakanit:Na2S04,MgS04,4H20. 
In Stassfurt scheidet sich aus der Mutterlauge von der Bittersalzfabrikation das 
Doppelsalz: Na2S04 , MgSOj , 6H2O aus /Pfeiffer, 278). 

Geschichtliches. Das Glaubersalz wurde zuerst 1658 durch Rud. Glauber 
aus dem Rückstande von der Bereitung der HCl gewonnen und erhielt nach ihm 
seinen Namen. Scheele wies 1785 nach, dass in der Winterkälte NaCl und 
MgSOj in Lsg. sich zu Na2S04 und MgCl2 umsetzen. Seit 1864 wird dies Ver- 
halten in Stassfurt zur Fabrikation von Glaubersalz benutzt. Seit 1868 wendet 
man auch Eismaschinen dazu an. Ausführlicheres in Pfeiffer, Kaliindustrie 286; 
Ch. Ind. 1885. 402; 1886. 196 ff.; Fremys Encycl. 5. 442. 

Fabrikation. Als Rohmaterial benutzt man den Löserückstand 
von der Verarbeitung des Carnallits (R) oder gewisse Mineralschichten 
aus der Kieseritregion (K) von folgenden durchschnittlichen Zusammen- 
setzungen : 

(R) (K) 

Chlornatrium 45 bis 55 > 55,14 > 

Chlorkalium 3 ,, 5 „ 3,33 ,, 

Chlormagnesium 3 ., 4 ., Ö,12 „ 

Magnesiumsulfat 25 ., 30 „ 23,59 , 

Calciumsulfat und Unlösliches . 7 . 9 ., 0,09 ., 

Wasser 7 .. 10 .. 11,73 ., 

Man lässt diese Massen einige Zeit an der Luft liegen und bereitet 
dann eine Lsg. derselben, welche, bis auf 33" abgekühlt, ein SG. von 
1,268 bis 1,29 (31 bis 33 '^ Be'.) besitzt. Diese Lsg. lässt man in flache 
Krystallisirkästen von etwa 28 m Länge, 22 m Breite und 21 cm Tiefe 
abfliessen, in denen sich während der Winterkälte über Nacht das 
Glaubersalz ausscheidet (Pfeiffer S. 294): 

MgSO, + 2 NaCl = Na^SO, + MgCl, 

100 kg Magnesiumsulfat erfordern 97,43 kg Chlornatrium zur Um- 
setzung, es ist indessen für die Krystallisation des Glaubersalzes vor- 
theilhaft, mindestens doppelt so viel Chlornatrium in Lsg. anzuwenden, 
also ein Verhältniss, welches die oben angeführten Rohmaterialien dar- 
bieten. Trotzdem ist die Ausbeute keineswegs vollständig. Eine durch- 
schnittliche Lsg von 1,279 SG. (32» B^.) enthält etwa 150 kg Magnesium- 
sulfat in 1 cbm. Nach der Krystallisation des Glaubersalzes hat die 
Mutterlauge 1,205 bis 1,225 SG. (25 bis 27 f* Be.) und enthält noch 60 
bis 85 kg Magnesiumsulfat in 1 cbm. 

Das Rohglaubersalz ist immer durch anhängende Mutterlauge 
und dadurch durch Chloride verunreinigt. Es wird durch Umkryst. 
davon befreit und bei 25 bis 30 '^ getrocknet. 



276 



Stassfuiter Salze. 



Um völlig eisen freies Glaubersalz darzustellen, hat man aus 
der Lsg. des Rohsalzes das Fe durch Oxydation und Fällung mit Kalk 
oder nach Löwig und Co. (D Pi.P. Nr. 25 777. 12) durch Elektrolyse 
abzuscheiden. 

Das Verfahren von SchmaltzundLoewig, D R.P. Nr. 23 378 v. 9. Jan. 188-3, 
75, Glaubersalz durch Behandlung mit HCl und Filtr. über Steinsalz von Fe zu 
befreien, ist wieder verlassen worden. 

Um calci nirtes Glaubersalz darzustellen (für Glasfabriken), 
wird geklärte Rohsalzlsg. eingedampft und das dabei ausfallende 
Glaubersalz ausgefischt. Die Salzmasse wird dann sogleich in dem- 
selben Öfen (Flammofen) calcinirt. E. Pfeiffer theilt S. o'Jl folgende 
Analysen mit : 



Be.standtheile 


1 


Rohglaubersalz 




Calcinirtes Glauber- 
salz nach Frank 














nach Krause 


nach 
Frank 


I. Qual. 


11. Qual. 


Magnesium.-ulfat . 








0,47 






Katrium.sulfat . . 


39,87 


40,88 


41,90 


40,22 


i 97,00 


94,00 


Kaliumsulfat . . 


0,45 


0,21 


0,44 


— 


1 — 


— 


Chlomatrium . . 


-3,10 


3,87 


1,41 


: 1,23 


1 1,60 


2,50 


Chlorkalium . . . 


— 


— 


1,70 


— 


— 


— 


Clilonuagnesium . 


1,41 


0.81 


1.76 


0,92 


— 


— 


Calciumsulfat . . 


— 


— 


— 


1,12 


1.10 


1,10 


Eisenoxyd . . 


— 


— 


— 


— 


0,04 


0,07 


ünlösUches . 


0,32 


0.26 


0,50 


j 1,40 


0,30 


2,20 


Wasser .... 


54,85 


53,97 


.52,29 


1 54,64 


1 ~ 


— 



II 100,00 . 100,00 ^ 100,00 ' 100.00 |j 100,04 99,87 



Die Kosten für Umkryst. sind nahezu dieselben wie für Calci- 
niren, nämlich 1,5 bis 2 Mark für 100 kg. Zur Herstellung von 
100 kg umkryst. Glaubersalz braucht man 108 bis 115 kg 
ßohglaubersalz : zur Fabrikation von 100 kg calcinirtem Glaubersalz 
aber 250 kg Rohsalz. 

Die Darstellung des calcinirten Natriumsulfats aus Kochsalz und 
HgSO^ gehört in das Gebiet der Sodaindustrie. 



Eigenschaften. Das wasserfreie Natriumsulfat Na2S04, MG. 142, 
enthält 43,66 »o NajO und 56,34% SO3. SG. 2,655. Es kryst. aus konz. Lsgn. unter 
Druck in rhombischen Säulen, die aber an der Luft HjO anziehen und in sieben- 
fach gewässertes Salz übergehen. Es schmilzt in heller Rothglut, nach Y. Meyer 
und Riddle (B. 1893. 26 2443) bei 843 ^ und verdampft iu Weissglut. Na^S04 
bildet drei kryst. Hydrate, welche drei Modifikationen darzustellen scheinen : 

Das einhydratige Salz. Na2S04 -f- H2O, scheidet sich nach Thomsen 
beim Erhitzen einer bei 30" ges. Lsg. von Glaubersalz aus (B. 1878. 2042). 

Das siebenfach gewässerte Salz, NaoS04 + 7H2O, setzt sich aus einer 
heiss bereiteten, durch Alk. von der Luft abgeschlossenen Lsg. des Natriumsulfats 
in vierseitigen Säulen ab, welche in Berührung mit H';0 in Glaubersalz, bei Er- 
wännen über 27" aber in Anhydrid übergehen. 

Das zehnfach gewässerte Salz oder Glaubersalz, Na'2S04 -|- IOH2O, 
MG. 322. enthält 19,25 7" Na20. 24.84 7o SO3 und 55.91% HjO. SG. 1,462. Es 



Glaubersalz. 



277 



kryst. in Prismen des monoklinischen Systems, welche an der Luft verwittern. 
(Ausführlicheres in Pfeiffer, 285). 

Ges. Lsgn. in H^O erstarren von selbst bei —8" und sieden bei 103 bis 105". 

Durch die Existenz der drei verschiedenen Salze ist die Löslichkeit des 
Natriumsulfats in H2O von bis 18° eine zweifache, von da bis 26" eine dreifache, 
von 26 bis 34" eine zweifache, und von hier ab nach Löwel eine einfache. 



Lösli-chkeit der drei Modifikationen des Natriumsulfats 

nach Löwel. 





H20-freies Salz 


Krystalle 


mit lOHoO 


Krystalle mit 7H.)0 


T. 


100 Thle. H.2O ent- 
halten gelöst im Zu- 
stande der Sättigung 


100 Thle. H.,0 ent- 
halten gelöst im Zu- 
stande der Sättigung 


100 Thle. H2O enthalten gelöst 
im Zustande der Sättigung 




NaoSOj 


Na,S04 + 
lOHoO 


Na2S04 


Na/,S04 ^ 
10H)O 


Na.2S04 


Na,S04 - 
7H.,0 


Na2S04 + 
IOH2O 






berechnet 


berechnet 




berechnet 




berechnet 


0" 


_ 




5,02 


12,16 


19,62 


44,84 


59.23 


10 


— 


— 


9,00 


23,04 


30,49 


78,90 


112,73 


15 


— 


— 


13,20 


35,96 


37,43 


105,79 


161,57 


18 


53,25 


371,97 


16,80 


48,41 


41,63 


124,59 


200,00 


20 


52,76 


361,51 


19,40 


58,35 


44,73 


140,01 


234,40 


25 


51,53 


337,16 


28,00 


98,48 


52,94 


188,46 


365,28 


26 


51,31 


333,06 


30,00 


109,81 


54,97 


202,61 


411,45 


30 


50,37 


316,19 


40,00 


184,09 


— 


— 


— 


33 


49,71 


305,06 


50,76 


323,13 


— 


— 


— 


34 


49,53 


302,07 


55,00 


412,22 


— 


— 


— 


40,15 


48,78 


290,00 


— 


— 


— 


— 


— 


45,04 


47,81 


275,34 


— 


— 


— 


— 


— 


50,40 


46,82 


261,36 


— 


— 


— 


^ 


— 


59,79 


45,42 


242,89 


— 


— 


— 


— 


— 


70,61 


44,35 


229,87 


— 


— 


— 


— 


— 


84,42 


42,96 


213,98 


— 


— 


— 


— 


— 


103,17 


42,65 


210,67 













Nach Gay-Lussac lösen 100 Theile HoO: 





Von 


Von 




Von 


Von 


Bei 


Na.2S04 


Na2S04, IOH2O 


Bei 


Na2S04 


Na2SO4,10H2O 




Thle. 


Thle. 




Thle. 


Thle. 


0" 


5,02 


12,17 


33,88 " 


50,04 


312,11 


11,67 


10,12 


26,38 


40,15 


48,78 


291,44 


13,30 


11,74 


31,33 


45,04 


47,81 


276,91 


17,91 


16,73 


48,28 


50,40 


46,82 


262,35 


25,05 


28,11 


99,48 


59,79 


45,42 


— 


28,76 


37,35 


161,53 


70,61 


44,35 


— 


30,75 


43,05 


215,77 


84,42 


42,96 


— 


31,84 


47,37 


270,22 


103,17 


42,65 


— 


32,73 


50,65 


322,12 









278 



Staasfurter Salze. 



Spezifische Gewichte verd. wässeriger Lsgn. 



Von Na-2S04 



Von NaoSOj -f IOH2O 



SGr. nach 
Gerlach bei 1-' 



SG. nach 
Gerlach bei 15'' 



SG. nach 
Schiff bei 19" 



1 
2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 
10 
11 
11,95 



1,0091 
1,0181 
1,0274 
1,0365 
1.0457 
1,0550 
1,0644 
1.0737 
1,0832 
1,0927 
1,1025 
1,1117 



Multipla zur Umrechnung 
nach Pfeiffer von 



Na2S04 




Na2SO4,10H2O 


m 


% 


m 


Na2SO4,10H2O 




Na2S04 


2,268 


1 


0,441 


4.535 


2 


0,882 


6,803 


3 


1,323 


9,070 


4 


1,764 


11,338 


5 


2,205 


13,605 


6 


2,640 


15,873 


7 


3,087 


18,141 


8 


3,528 


20,408 


9 


3,969 



1,004 
1.008 
1.013 
1,016 
1,020 
1,024 
1,028 
1,032 
1,036 
1,040 
1,044 
1,047 
1.052 
1,056 
1,060 
1,064 
1,069 
1.073 
1,077 
1,082 
1.086 
1,090 
1,094 
1,098 
1,108 
1,107 
1,111 
1,116 
1,120 
1.125 



1 

2 

3 

4 

5 

6 

7 

8 

9 

10 

11 

12 

13 

14 

15 

16 

17 

18 

19 

20 

21 

22 

23 

24 

25 

26 

27 

28 

29 

30 



1,0040 
1,0079 
1.0118 
1,0158 
1,0198 
1,0238 
1,0278 
1,0318 
1,0358 
1,0398 
1,0439 
1,0479 
1,0520 
1.0560 
1.0601 
1,0642 
1,0683 
1,0725 
1.0766 
1,0807 
1,0849 
1,0890 
1.0931 
1,0973 
1,1015 
1,1057 
1.1100 
1.1142 
1,1184 
1,1226 



Für die höheren Konzentrationen theilt Sorel fFremv's Encycl. 5. 443) folgende 
Tabelle mit: 



Dichte 


Gehalt an 


Dichte 


Gehalt an 


Dichte 


Gehalt an 


bei 20" 


Na2SO4,10H2O 


bei 20" 


Na2SO4,10H2O 


bei 20" 


Na2SO4.10H2O 


1,079 


20 "io 


1,136 


85 V 


1,200 


50 ",0 


1,088 


22.5 


1,146 


37,5 


1,211 


52,5 


1,098 


25 


1,157 


40 


1,222 


55 


1,107 


27,5 


1,167 


42.5 


1,234 


57,5 


1,116 


30 


1,178 


45 


1,246 


60 


1,126 


32,5 


1,189 


47,5 


! 





100 Thle. bei 15'* ges. alkoholischer Lsg. enthalten nach Schiff: 

Bei einem Alk.-Gehalt von 10 20 40 Vol.-";0 
an Na2SO4 + 10H2O . . 14,35 5,6 1,3 Gew.- 7o 

In konz. Essigsäure ist das Glaubersalz wlösl., reichlich dagegen in Glycerin. 
Die Gegenwai-t anderer Salze verändert alle Löslichkeitsverhältnisse des Natrium- 
Sulfats, weil Umsetzungen stattfinden. 

Die thermo chemischen Eigenschaften hat Pfeiffer, 285, zusammengestellt. 



Boracit. 



279 



Anwendungen. Glaubersalz dient im rohen Zustande zur Herstellung von 
Kältemischungen (mit HCl), zur Umsetzung des rohen essigsauren, unterchlorigsauren 
und unterschwef ligsauren Kalks in Natronsalze; in Verbindung mit anderen Chemi- 
kalien zu mannigfachen industriellen Zwecken, welche Pfeiffer, 302, aufführt. 
Ausserdem zur Darstellung von Natriumsilikat , Wasserglas , Natriumaluminat und 
zur Verhüttung kiesiger Antimonerze (F. Fischer, Techn. 1889. 403). 

Das reine krystallisirte Glaubersalz wird leider vielfach zur Verfälschung 
von Krystallsoda benutzt, weil es viel billiger als diese ist. Neuerdings wird es 
in der Wollfärberei angewendet. 

Das calcinirte Glaubersalz wird in grössten Mengen zur Fabrikation von 
Spiegelglas und Hohlglas verbraucht, und zur Fabrikation von Ultramarin. Zur 
Sodafabrikation nach Leblanc benutzt man fast ausschliesslich das aus Kochsalz 
und H2SO4 dargestellte calcinirte, weniger reine Natriumsulfat. 

Wirthschaftliches und Statistisches über Kieserit. Bis etwa 
1880 wurde Kieserit hauptsächlich von dem Anhaltischen Salzwerke zu Leopoldshall 
und von Neustassfurt gefordert, und zwar in Mengen, welche zwischen 1500 
und 5 t schwankten (Pfeifer 95 und 96). Seitdem ist die Förderung regel- 
mässiger geworden, und betrug nach der Statistik des Deutschen Reiches (Viertel- 
iahrsheft 1892, IV): 





Kieserit gefördert 


Jahr 


Kieserit gefördert 


Jahr 


t 


Werth 
in 1000 Mk. 


, Werth 
^ j in 1000 Mk. 


1880 
1884 
1885 
1886 

1887 


2144 

4 917 

4 207 

13 850 

23 235 


17,6 

43,6 

37,6 

113,2 

178,3 


1890 
1891 
1892 
1893 


8 030 

7 454 
10 207 

8 818 


69,8 
65,3 

89,4 

68,2 



Aus wässeriger Lsg. wurden folgende Mengen gewonnen: 




Magnesiumsulfat 


Natriumsuif at 


Jahr 


(Bittersalz) 


(Glaubersalz) 


t 


Werth 


, Werth 
^ in 1000 Mk. 




in 1000 Mk. 


1880 


20 493 


183,2 


46 579 2 628,6 


1885 


24 601 


253,0 


60 459 2 683,2 


1890 


26 376 


319,1 


68 716 1 739,3 


1891 


23126 


284,5 


79 983 2 057,2 


1892 


23 879 


336,0 


74 184 1 2 017,0 


1893 


27 548 


317,0 


76 151 1 1 951,0 



Davon wurden ausgeführt: 1891: 27 882 t; 1892: 32785 t; 1893: 37103 t. 
Die Durchschnittspreise für 1000 kg waren folgende: 

1890 1891 1892 1893 

Magnesiumsulfat . . . 12,10 Mk. 12,30 Mk. 14,07 Mk. 11,51 Mk. 
Glaubersalz 27,66 , 28,87 , 27,61 , 25,61 , 

Geringere Mengen Glaubersalz wurden in der kälteren Jahreszeit auch in 
Frankreich und in Spanien gewonnen. 



Terarbeitung des Boracits. 

Alle borhaltigen Mineralien des Stassfurter Salzlagers kommen, 
gröblich gereinigt, unter dem Namen Boracit in den Handel und dienen 
zur Darstellung der Borsäure. Man unterscheidet jedoch folgende 
Mineralien : 



280 Stassfurter Salze. 

Boracit, 2Mg.ßßy^ + MgCl2, mit einem Gehalt von 62,58 > 
BgOo. 26,9 > MgO und 10,6 '^o MgCU, welcher, wenn er weniger deut- 
lich kryst. ist , nach Rose als Stassfurtit bezeichnet wird. Eine 
Abart des letzteren ist der Eisen-Stassfurtit von F. Bischof: 
Mg^Fe.B^yOgo , MgClg. Derselbe enthält auch Phosphorsäure. Im 
Lüneburgit steigt der Gehalt an Phosphorsäure bis auf 29,8^ o, bei 
12,7'^''^' Borsäure. 

Hydroboracit. CaMgB,0,i -f 6H,0 mit 50,73% B2O3. Sulfo- 
borit, 3MgS0^.2Mg.,B^09. Kaliborit und 

Pinnoit, MgB.O^ + SH^O, mit 42,68% B^Og. 

Ausführlicheres in Pfeiffer S. 36, 93 und 439, Rammeisberg, 
Mineralchemie und G. Bischof, Geologie. Wegen einiger neu ent- 
deckter Salze vergl. Xaupert und Wense, Ber. 26. 873. 

Diese Mineralien kommen als Knollen im Carnallit und Kainit 
eingewachsen vor und werden, da sie in H.^O schwerlösl. sind, nach 
vorgängiger Handscheidung durch Auswaschen daraus gewonnen. Aus 
10000 kg Rohsalz werden durchschnittlich 1,12 kg Boracit als Handels- 
waare erhalten. Precht erhielt aus 10000 kg Neustassfurter Carnallit 
4,5 kg Boracit. Genauere Angaben darüber in Pfeiffer S. 93. 

Das Auswaschen der Stassfurtitknollen geschieht durch Behand- 
lung mit warmem H^O, bis dasselbe anfängt Borsäure aufzulösen, welche 
aus dem Waschwasser durch Kalk gefällt wird. 

Die Rückstände von der Verarbeitung des Carnallits, Kainits und 
Kieserits enthalten nach dem Wegwaschen der lösl. Salze bis zu 15% 
Boracit. 

Für den Handel wird der ausgewaschene Boracit auf Darren ge- 
trocknet und enthält dann nach G. Krause, B. ünger und Skalweit 
durchschnittlich : 



• 


a 


b 


c 


d 


Borsäure . . 


52,39% 


54,28% 


55,27% 


55,43^0 


Magnesia . . 


23,13 , 


23,41 , 


23,05 , 


23,58 , 


Chlormagnesiurn 


12,14 , 


11,20 , 


13,24 , 


12,43 , 


Chlorkalium 


3,46 , 


2,59. 


?) 


1 


Chlornatrium . 


1,28 , 


0,55 , 


1 


,7 


Magnesiumsulfat 


0,87 „ 


0,43 „ 


0,06 „ 


« 


Eisenoxyd . . 


0,71 , 


0,50 , 


0,51 , 


0,58 , 


Unlösliches . . 


n 


— . 


0,54 , 


0,64, 


Wasser . . . 


6,02 ., 


7,04 - 


7,33 „ 


7,34 „ 




100,00% 


100.00^,0 


100,00 ";o 


100.00 ^0 



a) Handelswaare, b) dieselbe nach dreimaligem Waschen mit je 40" H2O, 
c) und d) aus Z. ang. Ch. 1892. 24.5. 



Borsäure aus Stassfurtit. 

Der genügend ausgewaschene und gröblich zerkleinerte Boracit 
wird nach B. Schnitze (Pfeiffer S. 444) in Holzbottichen, die auch 
mit Blei ausgekleidet sein können, mit nicht zu verd. HCl in ungenü- 
gender Menge übergössen und zerrührt. (Zur völligen Lsg. wären für 
100 kg Boracit etwa 150 kg HCl von 1,17 SG. und 300 kg H^O er- 
forderlich.) Nach einiger Zeit wird die Masse unter starker Erhitzung 



Borsäure. 



281 



breiartig. Dieselbe wird dann in kochendes HgO oder in kochende, 
borsäurehaltige Mutterlauge und Waschlauge portionenweise eingetragen, 
um sie in Lsg. zu bringen. Man trägt in das Lösegefäss so viel der 
weichen Masse ein, bis man nach schwachem Uebersättigen mit HCl 
eine Brühe von 1,263 bis 1,32 SG. erhält. 

Probe der Lösung: Ist nur freie Borsäure in Lsg., so entsteht 
nach Hugo in einem abfiltr. Muster auf Zusatz von etwas Eisenchlorid- 
Isg. eine bräunliche Fällung von borsaurem Eisenoxyd. Die geringste 
Menge freier HCl verhindert diese Fällung. 

Man lässt die Lsg. bei etwa 100" sich klären und hebert sie dann 
in die Krystallisirgefässe ab. Dies sind mit Blei ausgekleidete Holz- 
kästen. Der trübe Theil und der Bodensatz wird durch leinene Spitz- 
beutel filtr. Der Lösungsrückstand besteht fast nur aus Sand und Thon, 
Anhydrit etc. 

In den Krystallisirgefässen scheidet sich die Borsäure in 2 bis 
3 Tagen in schuppenartigen Kryst. ab, und zwar um so vollständiger, 
je gesättigter die heisse Lsg. war. Die Rohkryst. können durch 
Magnesium- und Eisenborat verunreinigt sein, wenn nicht genügend 
freie HCl vorhanden war. 

Die so erhaltene Rohborsäure wird durch Decken oder durch 
Umkryst. gereinigt und auf Bleidarren getrocknet. Sie enthält dann 
99^0 Borsäurehydrat, B.ß,^,SB^O oder H.,BO,. Aus 100 kg reinem 
Boracit sollte man theoretisch 110.8 kg H,,BÖ,. erhalten, man erhält 
aber nur 82 bis 85 kg kryst. Borsäure für den Handel. 

Zur Gewinnung von 100 kg kryst. Borsäure sind erforderlich: 
118 bis 125 kg Boracit des Handels, 
180 „ 190 kg rohe HCl von 1,162 SG. 

Scheuer (Zeitschr. ang. Chem. 1892. 246) zieht die Anwen- 
dung von HoSO^ zur Zersetzung des Stassfurtits vor. Die Borsäure 
erhält dadurch eine bessere Farbe und aus der Mutterlauge ist ohne 
Schwierigkeit Bittersalz zu gewinnen. Die Ausbeute beträgt bei An- 
wendung von gut gewaschenem und getrocknetem Boracit bis zu 80% 
von dessen Gewicht an kryst. Borsäure. 

Wegen der Prüfung, der Eigenschaften und der Anwendung der 
Borsäure sei auf den besonderen Abschnitt über Borax und Borsäure 



verwiesen. 



Statistisches. Im Deutschen Reiche wurden folgende Mengen 
Boracit gewonnen (E. Pfeiffer S. 94; Ch. Ind. 1890. 80; Viertel- 
jahrsheft zur Statistik des Deutschen Reiches 1892. 4): 



Jahr 


, Werth 
^ in Mk. 


1 ' 
T„i,,. j- Werth 1 T 1 ! j. 

J^^^^ 1 * in Mk. ! J^^^^ * 

1 il i 


Werth 
in Mk. 


1865 
1870 

1875 


9,7 
17,2 
11,9 


— 


1880 
1885 
1890 


99,3 
140,0 

182 


48 323 
67127 

54 842 

! 


1891 
1892 
1893 


177 
179 
184 


50 642 
55 088 
45 156 



Wegen weiterer Angaben sei auf den Abschnitt über Bor ver- 
wiesen. 



282 Stassfurter Salze. 

Chlormagnesium aus Endlauge. 

Vorkommen. Das C h lo rma gn e si um kommt kiyst. MgCl^ + 6H2O, 
z. B. in Neustassfurt . in gelöster Form aber in grössten Mengen im Meerwasser 
vor. Wegen seiner Bildung aus Gesteinen vergl. man E. Pfeiffer (Kaliindustrie 70.) 

Darstellung. Das im Handel vorkommende Chlorraagnesium 
wird fast ausschliesslich aus den Endlaugen der Chlorkalium- 
fabriken gewonnen. Dieselben haben nach Pfeiffer S. 202 folgende 
Zusammensetzung : 



SG 

Chlorkalium . . 
Chlornatrium . 
Chlormagnesium 
Brommagnesium 
Magnesiumsulfat 
Wasser . . 



1,319 1,313 

1.25 «^0 1,20**/. 

0,95 , 1,20 , 

29.50 . 28,05 , 

0,30 , 0,31 , 

2 22 3 10 

65,78 „ 66,14 .. 



100,00% 100,00 '^0 
Bei Verarbeitung von 10000 kg Rohcarnallit fallen 5 bis 7 cbm 
solcher Endlauge ab. 

Diese Endlauge wird eingedampft, bis sie, kochend gewogen, 
1,388 bis 1,401 SG. (41 bis 42'^ Be'.) zeigt. Beim Erkalten erstarrt 
dieselbe dann zu einer strahligen Masse von MgClo,6H^,0. Das Ein- 
dampfen geschieht in schmiedeisernen Pfannen, in denen man die heisse 
Lauge sich klären lässt. Dieselbe wird dann in trockene Krystallisir- 
kästen abgezogen, in denen sie erstarrt. Die Masse wird in Stücke 
geschlagen und in Fässer verpackt. 

Das sogen, geschmolzene Chlormagnesium wird dargestellt, in- 
dem man die aus den Krystallisirkästen entnommenen Krystallbrocken 
auf dem Heerde eines Flammenofens einige Zeit schmelzen lässt, bis 
ein Muster nach dem Erkalten amorphen Bruch zeigt. Man erhält das- 
selbe Produkt auch durch direktes Eindampfen der Lauge bis auf 
1.453 SG. (45^ Bej. 

E. Pfeiffer gibt S. 309 folgende Analysen des rohen Chlor- 
magnesiums : 

Lauge eingedampft . . . bis 1,388 SG. bis 1,453 SG. 

Chlormagnesium 45,74 **o 51,05% 

Chlorkalium 1,35 „ 1,38 „ 

Chlornatrium 0,25 , 0,27 „ 

Magnesiumsulfat 0.15 . 0,10 „ 

Wasser 52.51 „ 47,20 „ 

100,00% 100,00% 

InFremy's Encyklopedie 5. 445 finden sich noch mehrere Analysen. 

Um eisenfreies Chlormagnesium darzustellen, muss man die 
Eindampfung in gusseisernen Pfannen vornehmen und das gelöste Fe 
durch Oxydation mit Luft und Fällung mit Magnesia entfernen. Aus- 
führlicheres darüber in dem Werke des Verfassers „Die Fabrikation von 
chlorsaurem KaH", Berlin 1888. S. 179. 

Das fertige Produkt enthält 46 bis 47 > MgCl.2. 

Um auf diese Weise 10 t kryst. Chlormagnesium zu gewinnen, 
hat man 30 bis 35 t Rohcarnallit zu verarbeiten. 



Chlormagnesium. 



283 



Die weitere Entwässerung des Chlormagnesiums gehört in das 
Gebiet der Magnesia- und der Chlorindustrie. 

Eigenschaften. MgClq enthält 74,72 Cl und 25,287o Mg. SG. 2,177. 
Durch Eindampfen und Glühen einer mit NH4CI ges. Chlormagnesiumlsg. zu erhalten. 
Schmilzt nach Carnelley bei 708 ''. 

MgCl.2 +_6H20 enthält 46,78% MgCla und 53,22> H2O. SG. 1,56 bis 1,65. 
Es schmilzt in seinem Krystallwasser und entwickelt bei weiterem Erhitzen HCl-Dämpfe. 
Sobald diese nachlassen, erhält man bei stärkerem Erhitzen im Luftstrom Cl-Gas. 

MgCl2 ist in V* seines Gewichts kaltem H2O lösl. Folgende Tabellen zeigen 
die SG. von Chlormagnesiumlsgn. : 



Spezifische 


Gewichte von Chlorma 


gnesiumlsgn. nach Gerl 


ach bei 15°. 


UgCU 

7o 


SG. 


MgCl2+6H20 

7o 


MgCl, 

7o " 


SG. 


MgCl2 + 6H20 

7o 


1 


1,0084 


2,138 


19 


1,1686 


40,618 


2 


1,0169 


4,276 


20 


1,1780 


42,756 


3 


1,0253 


6,413 


21 


1,1879 


44,894 


4 


1,0338 


8,551 


22 


1,1978 


47,032 


5 


1,0422 


10,689 


23 


1,2076 


49.169 


6 


1,0510 


12,827 


24 


1,2175 


51,307 


7 


1,0597 


14,965 


25 


1,2274 


53,445 


8 


1,0684 


17,102 


26 


1,2378 


55,583 


9 


1,0772 


19,240 


27 


1,2482 


57,721 


10 


1.0859 


21,378 


28 


1,2586 


59,858 


11 


1,0950 


23,516 


29 


1,2690 


61,996 


12 


1,1040 


25,653 


30 


1,2794 


64,134 


13 


1,1130 


27,791 


31 


1,2903 


66,272 


14 


1,1220 


29,929 


32 


1,3012 


68,410 


15 


1,1311 


32,067 


33 


1,3121 


70,547 


16 


1,1405 


34,204 


34 


1.3231 


72,685 


17 


1,1498 


36,343 


35 


1.3340 


74,823 


18 


1.1592 


38,480 


35,008 

1 


1.3341 


74,840 



Nach Oudemans (Zeitschr. anal. 


Chem. 1868. 


419): 




MgCL, + 6H20 

7o 


SG. 


MgCl,-l-6H20 


SG. 


MgCl9+6H20 

7o 


SG. 


5 

10 
15 

20 


1,019 
1,039 
1,059 

1.080 


25 
30 
35 


1,101 
1,123 

1,145 


40 
45 

48 


1,167 
1,190 
1,204 



Ausdehnung einer Chlormagnesiumlsg. durch die Wärme nach 
Gerlach, das Vol. bei 0" = 1 angenommen. 



Bei 


1070 


20 7o 


30 "/o 


Bei 


10 7o 


2070 


30 7o 


10" 


1,0015 


1,0024 


1,0028 


80" 


1,0291 


1,0274 


1,0256 


20 


1,0038 


1,0052 


1,0058 


90 


1,0346 


1,0315 


1,0290 


30 


1,0068 


1,0082 


1,0089 


100 


1,0403 


1,0357 


1.0325 


40 


1,0102 


1,0116 


1,0121 


101,6 


1.0411 


— 


— 


50 


1,0142 


1,0154 


1.0154 


106,2 


— 


1.0382 


— 


60 


1,0188 


1,0193 


1,0188 


115,6 


— 


— 


1,0389 


70 


1,0238 


1,0233 


1,0221 











Zur Auflösung in Alk. genügt schon das doppelte Gewicht des letzteren. 



284 



Stassfurter Salze. 



Anwendungen. Der einzige regelmässige Verbrauch von MgC'l2 ist der- 
jenige zum Schlichten der Fäden beim Herstellen baumwollener Ge- 
webe, welche in Folge der Hygroskopicität des MgClo dadurch eine gewisse 
Weichheit erlangen. Man verbraucht zu diesem Zweck in England jährlich etwa 
6000 bis 8000 t. (Pfeifer 310). 

Femer wird MgC'lo angewendet, um Holz und Gewebe schwer verbrennlich 
zu machen (statt der wolframsauren Salze). 

Zur Conservirung von Eisenbahnschwellen. 

Zum Reinigen und Scheiden der Rübenzuckersäfte, wobei einige unkrystalli- 
sirbare organische Substanzen und Karbonate niedergeschlagen werden. 

Zu der Fabrikation von Chlorbaiyum an Stelle des Chlorcalciums oder Mangan- 
chlorürs. Pfeiffer reduzirte Schwerspath in einem Flammofen mit Kohle und 
gab dann MgCl-2 zu, wodurch HoS fortbrannte. (Pfeiffer 315). 

Im Harz benutzt man MgCl> statt des Kochsalzes zur chlorirenden Röstung 
von Pyrit- und Kupferkiesabbränden. 

Zur Fabrikation von Magnesiacement (Magnesiumoxychlorür) , siehe Mag- 
nesia-Industrie. 

Zur Fabrikation von HCl und Cl siehe Chlor -Industrie. 

Weitere Angaben finden sich in Pfeiffer 310 f. 

Wirthschaftliches und Statistisches. Bei täglicher Verarbeitung von 
3000 t Rohsalz fallen rund 600 t wasserfreies Chlormagnesium, MgClo, in Form von 
Lauge ab, oder im Jahre etwa 186 000 t MgCl-). A. Frank schätzte diese Menge 
für 1884 auf 200 000 t, B. Kosmann 1887 sogar auf 3-50 000 t (die Darstellung von 
Cl und HCl aus Chlormagnesium, Berlin 1891). Diese Chlormagnesiummengen fiiessen 
grossentheils in Foi'm von 28° oiger Lauge in die Bode und mit dieser in die Saale ab. 

Ueber den Einfluss dieser und anderer Salzzuflüsse auf den Salzgehalt des 
Wassers der Elbe, aus welcher die Stadt Magdeburg ihren Wasserbedarf entnimmt, 
vergl. man: B. Wackenroder 1876. A. Langbein 1876, Th. Pusch 1877, 
Kraut 1883, E. Pfeiffer 1887. 316, J. König 1887 und die Denkschrift des 
Verfassers über die Verunreinigung der Gewässer, Berlin 1890. 85. 

Von diesen grossen Chlormagnesiummengen vrird nur ein kleiner Theil in 
Form von MgCl) -f- üHoO gewonnen, wie aus folgender Statistik ersichtlich ist: 



Jahr 


t 


Werth 
in Mk. 


Jahr 


t 


Werth 
in Mk. 


Jahr 


t 


Werth 
in Mk. 


1879 
1880 
1883 
1884 


8 949 

11 210 
19 259 

12 458 


204 556 
230 800 
292 173 
144 391 


1885 
1888 
1889 
1890 


11994 
16 643 
16 728 
14 958 


137 792 
183 613 
176 700 
149 800 


1891 
1892 
1893 


15 619 
14 386 
12 764 


158 100 
203 000 
177 .75 



Aus Deutschland wurde Chlormagnesium ausgeführt: 1891: 10 820 t, 1892: 
8 022 t. meistens nach England, 1893: 14856 t im Werthe von 574000 Mk. 

Aus dem Statistischen Jahrbuche für das Deutsche Reich 1892. 17 ergibt 
sich folgende 

L' e b e r s i c h t der Stassfurter Industrie. 





Kalisalze 
gefördert 


Aus wässeriger Lsg. gewonnen: 


Abraumsalze 




Chlorkalium 


Andere Salze ^ l 


Einfuhr 






Menge 


Werth 


Menge 


Werth 


Menge 


Werth 


Ausfuhr 


Q- 


1000 t 


1000 Mk. 


1000 t 


1000 Mk. 


1000 t 


1000 Mk. 


t 


t 


1871/75 


454.9 


4 293 














1876/80 


698.1 


6 093 


93,2 


10 236 


74,6 


3 965 






1885 


920.9 


11 130 


107,2 


14 676 


166,6 


9 859 






1890 


1274,9 


16 505 


137.0 


17 735 


187,7 


10 763 


2 375 


112 090 


1891 


1371,2 


18 795 


129,5 


17 129 


201,2 


12 072 


2 644 


156 900 


1892 


1351,1 


17 953 


124,0 


16 426 


184,2 


10 510 


2 010 


115 994 


1893 


1526,1 


20 639 


137,2 


17 305 


175,3 


9 120 


1061 


212 289 



Brom. 285 



Brom. 

Vorkommen. Br kommt als MgBr2 oder NaBr als Begleiter des MgCl2 
im Meerwasser und den daraus entstandenen Salzlagem vor. Das Meerwasser ent- 
hält nach Regnault, Boussingault und Berglund (B. 18. 2888) auf je 100 g Cl 
0,1 bis 0,3 g Br. 

In geringeren Mengen kommt es in manchen Salzquellen vor, z. B. im Kreuz- 
nacher Wasser (Pfeiffer 319), und sammelt sich bei der Verarbeitung solcher 
Soolen in den Mutterlaugen an. Stark Br-haltige Mutterlaugen (mit etwa 0,37o 
Br) ergeben sich auch in den Salinen des Ohiobeckens und des Kanawha, besonders 
in Mason-City, Pomeroy und Parkersburg nördlich von der Mündung des Kanawha 
in den Ohio, sowie in den AUeghanies und zu Monongahela bei Pittsburg, endlich 
zu Syracuse (N. Y.). 

Geschichtliches. Das Br wurde 1826 von Baiard in der Mutterlauge 
des Meerwassers entdeckt und erhielt seinen Namen nach dem griechischen Worte 
ßpojjxo«; (Gestank). 

Es wurde zunächst aus den Mutterlaugen der Meersalinen in Südfrankreich 
und auf der Insel Wangerooge dargestellt, später auch aus den Tangaschen (Kelp 
oder Varec), wobei es meist etwas J-haltig blieb, und auf den Salinen zu Kreuz- 
nach, Neusalzwerk bei Minden und Schönebeck. Seit 1846 wurde es in grösseren 
Mengen auf den Salinen zu Natrona und Tarentum am Alleghanygeliirge gewonnen. 

In Stassfurt begann Frank 1865 mit einer Produktion von 750 kg, die 
aber nach Pfeifer, 819, im Jahre 1867 bereits verzehnfacht war, wodurch die 
früheren Preise von 95 bis 40 Mk. für 1 kg auf 12 Mk. sanken. Seitdem ist die 
Pi'oduktion in Stassfurt und in Amerika sehr rasch gestiegen. Heute kostet 1 kg Br 
etwa 4 Mk. 

Darstellung des Broms. Der Gehalt der Stassfurter End- 
laugen von der Carnallitverarbeitung an Br schwankt nach Hörn 
zwischen 0,15 und 0,35 ",o. Grewöhulich aber enthalten dieselben 0,25 
bis 0,29 > Br, entsprechend 0,287 bis 0,323 > MgBr^ (s. S. 282), so 
dass 1 cbm Endlauge durchschnittlich 3,5 kg Br enthält. 

Nach F. Göbel (Zeitschr. angew. Chem. 1891. 189) enthält 
die Endlauge 30% MgCl^ und 0,29 bis 0,32 > Br. 

Die älteren Methoden der Br-Darstellung sind ausführlich be- 
schrieben in Hofmann's Ber. 1875. 129 und in Pfeiffer, Kali-Industrie 
S. 321. Wir geben hier nur eine Beschreibung der kontinuirlichen 
Darstellungsweise nach Pfeiffer (S. 326) und Fischer (Handb. der 
chem. Techn. 1889. 463). Dieselbe beruht darauf, dass das Br aus 
seinen Verbindungen durch Cl ausgetrieben wird (Fig. 60). 

Die heisse, Br-haltige Chlormagnesiumlauge fliesst unter hydrau- 
lischem Verschluss in einem etwa 6 m hohen Thurm aus Sandstein- 
platten , die nicht getheert sein dürfen , und begegnet hier einem auf- 
steigenden Cl- Strom. Der Thurm enthält im Innern unten einen Rost 
aus Sandstein, ist mit kleinen Thonkugeln gefüllt und trägt oben einen 
Vertheilungsapparat für die Lauge. Der letztere besteht aus einer 
Menge kurzer Rohrstücke, welche unterhalb der Thurmdecke in eine 
Vertheilungsplatte eingekittet sind. Die oberen Rohrenden sind, soweit 
sie vorstehen, mit einem seitlichen Schlitz versehen, durch welchen die 
Lauge in den Thurm fliesst, während gleichzeitig die Dämpfe ungehin- 
dert durch die Röhrchen aufsteigen. 



') Unter „Anderen Salzen" sind verstanden: Kaliumsulfat, Kaliummagnesium- 
sulfat, Magnesiumsulfat, Natriumsulfat, Aluminiumsulfat, Alaun und Chlormagnesium. 



286 



Stassforter Salze. 



Durch die Einwirkung des Cl wird das Br in Freiheit gesetzt, 
bleibt aber in der Lauge gelöst und muss durch Kochen ausgetrieben 
werden. Man könnte dies bewirken, indem man mittelst eines Thon- 
rohrs Wasserdampf in den untersten Theil des Thurmes einführte, um 
denselben nach Art einer gewöhnlichen Destillationskolonne arbeiten zu 
lassen. Nach einer freundlichen Mittheilung des Herrn Kommerzien- 
raths Dr. G. Borsche vom 16. Januar 1893 zieht man es in Leopolds- 
hall jedoch vor, das Kochen der Br-Lauge in einem besonderen Gefäss 
vorzunehmen. 

Man stellt den Kocher der leichteren Zugänglichkeit wegen neben 
den Thurm, aber tiefer auf, etwa in den Boden versenkt. Derselbe 



Vertheüungsröhrchen : 
bei fi 




y/////.- ' / ■- '//■///,//////////////'. 
^ Z 3 



J d rn 



Fig. 60. Apparat zur kontinuirlichen Darstellung von Brom. 



besteht aus einem geschlossenen Sandsteinkasten, welcher vier abwechselnd 
gelegte, horizontale, durchlöcherte Sandsteinplatten enthält. 

Die Br-Lauge fliesst aus dem unteren Theile des Thurmes durch 
ein weites Thonrohr, welches gleichzeitig Dämpfe in entgegengesetzter 
Richtung durchgehen lässt, auf die oberste Platte des Kochers und von 
dieser im Zickzack bis nach unten. In das unterste Fach wird gespannter 
Wasserdampf eingeführt (Sandstein- oder Thonrohr), welcher die den 
Apparat bis über die oberste Platte füllende Lauge theils im Zickzack, 
theils durch die Löcher in den Sandsteinplatten von unten nach oben 
durchströmt und dadurch in beständigem Kochen erhält. Hierdurch 
wird das Br und etwa gelöstes Cl ausgetrieben , sammelt sich im 
oberen Theil des Kochers, vermischt sich hier mit dem aus Cl-Ent- 
wicklern zugeleiteten Cl-Gase und strömt durch das Verbindungsrohr in 
den Thurm. 

Die erschöpfte Brühe fliesst aus dem untersten Fache des Kochers 
durch hydrostatischen Druck beständig in eine verdeckte Rinne ab. 



Brom. 287 

Das erforderliche Cl-Gas wird aus MnOg und HCl in mehreren 
Ci-Entwicklern erzeugt, um einen möglichst gieichmässigen Cl-Strom 
zu erhalten, der ausserdem noch durch ein Wasserventil regulirt wird. 

Die Br-Dämpfe durchstreichen den Thurm, treten oben aus 
und gelangen in eine thönerne Kühlschlange (z. B. von E. March 
Söhne in Charlottenburg, Fickentscher in Zwickau und Anderen). 
Das hierin kondensirte Br und Bromwasser wird in einer Glasflasche 
gesammelt, während die nicht kondensirten Dämpfe, welche hauptsäch- 
lich aus Chlorbrom bestehen, eine kleine Säule feucht gehaltener Eisen- 
Drehspähne durchstreichen. Einen andern Apparat zum Austreiben des 
Br aus der Lsg. beschreibt H. H. Dow (D.R.P. Nr. 65 054 v. 29. Sept. 
1891), welcher dazu einen kalten Luftstrom benutzt. 

Das Rohbrom und das darüber stehende Bromwasser wird nach 
Bedarf abgehebert. 

Aus der Endlauge erhält man auf diese Weise etwa 0,25 ^/o Roh- 
brom. Dasselbe enthält stets kleine Mengen Chlorbrom, welches man 
durch Schütteln mit Bromeisen oder Bromnatrium daraus entfernen 
kann. Im Grossen geschieht die Reinigung des Br durch Dest. in Glas- 
retorten und Vorlagen, indem man das zuerst übergehende Chlorbrom 
besonders auffängt. Man kann das Cl jedoch auch in der Retorte 
zurückhalten, indem man dem Rohbrom die seinem Cl-Gehalt ent- 
sprechende Menge Fe-Drehspäne zusetzt. Der Destillirraum bedarf 
einer sehr kräftigen Ventilation. 

Die Herstellungskosten von 1 kg Br betragen nach Pfeiffer S. 330 
etwa 1,69 Mark, während es mit 2,5 bis 2,8 Mark für das Kilogramm 
in Glasflaschen verkauft wird. 

Nach Göbel werden etwa zwei Drittel der Stassfurter Endlaugen 
auf diese Weise verarbeitet. 

Der Vorschlag G. Nahnsen's (D.R.P. Nr. 53395 v. 2. Okt. 1889; 
Ch. Ind. 1890. 496), das Br elektrolytisch zu gewinnen, mag hier nur 
erwähnt werden. Ebenso das Verfahren von Dow (D.R.P. Nr. 65 054 
V. 29. Sept. 1891, 12) zur Abscheidung von Br aus Flüssigkeiten. 

Eigenschaften. Br, AG. 80, ist bei gewöhnlicher T. eine schwere, dunkel- 
rothbraune Flüss., in dünnen Schichten hyazintroth durchscheinend, welche braun- 
rothe Dämpfe ausstösst, die einen unangenehm durchdringenden, der chlorigen Säure 
ähnlichen Geruch besitzen. SG. nach Pierre und Quincke bei 0" 3,187, nach 
v. d. Plaats 3,1875, bei 20" 8,120. Es siedet nach Stas unter Normaldruck bei 
68°. Das Br erstarrt nach Regnault bei — 7,8°, nach Ramsay und Young 
bei — 7,05 " und geht bei -- 20 " in eine krystallinische bleigraue, metallglänzende 
Masse über. (Ch. Z. Rep. 1886. 47). 

Br bildet bei 0° mit H2O ein krystallisirendes Hydrat Br2, lOHoO mit 
47°/o Br, welches sich erst bei 15" zersetzt. 1 Thl. Br löst sich nach Dancer in 
31 Thln. H2O. 

100 Thle. Bromwasser enthalten nach Dancer: 



bei 5° 


3,600 Thle. Br 


bei 20" 3,208 Thle. 


Br 


, 10" 


3,327 


„ 


, 25" 3,167 




, 15° 


8,226 


, 


, 30" 3,126 




Lösungen von Br 


in HoO haben nj 


ich Slessor folgende SG: 




Br-Gehalt in 1000 Thln. 




Br-Gehalt in 1000 Thln. 




Bromwasser 




SG. 


Bromwasser : 


SG. 


10,72 Thle 




1,00901 


18,74 bis 19,06 Thle. 


1,01491 


11,68 , 




1,00981 


19,52 „ 20.09 , 


1,01585 


12,05 , 




1,00995 


20,89 , 21,55 , 


1,01807 


12.31 , 




1,01223 


31,02 „ 31,69 , 


1,02367 



288 



Stassfurter Salze. 



Gres. Bromwasser hat 1,02367 SG. Es zersetzt sich am Lichte unter Bildung 
von BromwasserstofFsäui-e. 

In Alk., Ae. und Schwefelkohlenstoff ist Br leichter lösl. als in H2O. Die 
Lso'. im letzteren ist braungelb. Noch leichter lösl. ist es in Lsgu. von Brom Wasser- 
stoff, Bromkalium oder HCl (in letzterer bis zu 13 V»)- H2SO4 von 1,795 SG. 
löst nur Spuren von Br auf und kann deshalb zum Bedecken desselben benutzt 
werden. 

Br-Dampf verbindet sich mit P, As, Antimon und Sn unter Feuererscheinung. 
Die Verwandtschaft des Br zum H ist so gross, dass es organische Substanzen 
zersetzt. Freies Br färbt Stärkekleister braun (Pfeiffer 318). 

Anwendungen. Als Oydationsmittel an Stelle des Cl in vielen chemischen 
Operationen, z. B. zur Ueberführung von Manganoxydul in Mangansuperoxyd, von 
Kaliummanganat in Permanganat: 2KMn04 -f Bi"2 = •2KMn04 -f 2KBr. Zur Dar- 
stellung von Ferricyankalium aus gelbem Blutlaugensalz: 2 K4Fe(CN)6 -|- Br^ = 
K6Fe2(^CN)i2 + 2KBr. 

Zinnober. Zinkblende, Kupferkies und Chromeisenstein werden durch Brom- 
wasser zersetzt und theilweise gelöst. 

Zum Auflösen von Au und zur Trennung desselben von Pt und Ag. 

In der Farbeuindustrie seit 1874 zur Fabrikation des Eosins (Tetrabrom- 
fluorescem), früher auch zur Darstellung von Hofmann"s Blau, des künstlichen 
Alizarins und anderer Farbstoffe. Auch zur Oxydation der arsenigen Säure zu 
Arsensäure für die Fuchsinschmelze. 

Ferner wird Br als Desinfektionsmittel gebraucht. Nach Wer nie h genügen 
4 g Br, um 1 cbm Rauminhalt vollkommen zu desinficiren. Frank hat das Br 
zu diesem Zwecke mittelst Kieselguhrs in feste Form gebracht (Bromum solidi- 
ficatum). Ausführlicheres in Pfeiffer 332. 

Die grösste Menge Br dient zur Fabrikation der Br-Salze und sonstiger Br- 
Verbindungen. 

Bromeisen. 

Das Bromei.sen wii-d in Form einer Lsg. erhalten, indem man, 
wie beschrieben, die nicht kondensirten Br-Dämpfe über feucht gehaltene 
Fe-Drehspähne leitet. Um es völlig Cl- frei darzustellen, benutzt man 
Cl-freie Br-Dämpfe. 

Das Eisenbromür FeBr., kryst. mit üHoO und enthält dann 49,38 V 
Br, im H^O-freien Zustande 74.07 "/o- I" Lsg. löst es noch mehr Br 
auf, indem es in Eisenbromürbromid Fe,,Br^ mit 79,2 ^0 Br übergeht. 
Die Lsg. des letzteren wird bis zu breiiger Konsistenz eingedampft und 
in Formen gebracht, in denen sie erstarrt. 

Das Eisenbromürbromid bildet eine braunschwarze krystallinische 
Masse von 65 bis 70 V' Br-Gehalt, 0,2 bis 0,4 > Cl als Eiseuchlorid, 
17 V Fe und 12 bis 15 V H^O. welche nach ihrem Br-Gehalte be- 
zahlt wird. 

Das Eisenbromürbromid wird dargestellt, weil das flüss. Br nicht 
überall zur Versendung angenommen wird. Es dient hauptsächlich zur 
Fabrikation des Bromkaliums. 



Bromkalium. 

Das Bromkalium wird nach der Methode von Frederking dar- 
gestellt, indem man in eine konz. kochende Pottaschelsg. Eisenbromür- 
bromid in kleinen Mengen einträgt, bis die Mischung gegen Lackmus 
neutral geworden ist oder nur noch ganz geringe Alkalinität besitzt. 
Auf 100 Thle. Bromeisen mit 65 bis 70 V ß'* bi-aucht man 56,2 bis 



ßromkalium. 



289 



00,5 Thle. Kaliumkarbonat. Man lässt die Mischung in einem guss- 
eisernen Kessel über freiem Feuer oder durch einströmenden Dampf 
einige Zeit kochen, um den Fe-Niederschlag dichter zu machen. Der- 
selbe wird durch eine Filterpresse von der Bromkaliumlsg. geschieden. 
Die letztere wird zur Trockne eingedampft und dann mit dem ein- bis 
anderthalbfachen Gewicht HoO gelöst. Dadurch erhält man eine sehr 
reine Bromkaliumlsg., während das in der Potasche enthalten gewesene 
Kaliumsulfat und geringe Mengen sonstiger Verunreinigungen ungelöst 
zurückbleiben. 

Die reine Bromkaliumlsg. wird in Schalen aus Porzellan oder 
Steingut eingedampft, und zwar bis zur Dichte von 50 "^ Be. unter Kochen, 
dann, um grosse und harte Kryst. zu erhalten, ganz langsam in über- 
deckten Schalen. 

Das fertige Produkt enthält höchstens 2 "^/o Chlorkalium und 0,1 "/o 
Kaliumkarbonat als Verunreinigungen, und wird mit 3 bis 3,50 Mark 
für 1 kg verkauft. Nach Helbing (Soc. Ch. Ind. 1892. 705) enthält 
das englische Bromkalium nur 0,13 ^'/o KCl, doch kommt jetzt auch 
minder reines im Handel vor, welches 4,52 bis 5,96 '^o KCl enthält. 

Die Prüfung des Bromkalium auf Cl erfolgt am sichersten, indem man 
den mit AgN03 erhaltenen Niederschlag wägt, und im geschmolzenen Zustande 
im Cl-Strom in AgCl überführt. Die Gewichtsdifferenz multiplizirt mit 1,796 gibt 
die Menge des durch Cl ersetzten Br an. 

Nach Lund (Fr. 24. 184) wird das Br aus seinen Verbindungen durch 
Kaliumbisulfat und Kaliumpermanganat frei gemacht und kann dann durch einen 
kalten Luftstrom ausgetrieben werden. 

Das Stassfurter Br und die daraus dargestellten Salze sind jodfrei. Hat 
man auf J Rücksicht zu nehmen, so kann man die Methode von E. Hart (Fr. 
24. 182) benutzen. Andere Methoden hat G. v. Knorre in der Ch. Ind. 1893. 28 
zusammengestellt. 

Wegen der Prüfung auf anderweitige Verunreinigungen sei auf Pfeiffer 
340 verwiesen. 

Eigenschaften. KBr enthält 32,85 °/o K und 67,15 7o Br. Es kryst. in farb- 
losen Würfeln von stechend salzigem Geschmack. SG. 2,415 bis 2,090. Schmilzt 
bei etwa 700", nach V. Meyer und Riddle (B. 1893. 26. 2443) bei 715", erstarrt 
bei 685". In H2O löst es sich unter T.-Erniedrigung leicht auf. Der Sied, der 
gas. Lsg. liegt bei 112". 

Nach Kremers (P. A. 97. 1, 5) zeigt es folgende Löslichkeitsverhältnisse : 





100 Thle. 


1 Thl. KBr 


"/o-Gehalt 


Relative Löslich- 


Bei 


H2O lösen 


erfordert H2O 


keit, diejenige des 




Thle. 


Thle. 




KCl = 1 gesetzt 


0" 


53,48 


1,87 


34,84 


1,88 


20 


64,60 


1,55 


39,35 


1,86 


40 


74,62 


1,34 


42,74 


1,86 


60 


84.74 


1,18 


45,87 


1,86 


80 


93,46 


1,07 


48,31 


1,83 


100 


102.02 


0,98 


50,50 


1,81 



Handbuch der ehem. Technologie. I 



19 



290 Stassfurter Salze. 

Die SG. wässeriger Bromkaliumlsgn. sind nach Kremers bei 10,5"^: 



KBr 
> 


SG. 


KBr 

"/o 


SG. 


KBr 


SG. 


5 
10 
15 


1,037 
1,075 
1.116 


20 
25 

30 


1.159 
1.207 
1,256 


35 
40 
45 


1,309 
1,366 
1,430 



Bei gewöhnlicher T. löst sich nach Hager 1 Thl. Brorakalium in 180 Thln. 
Alk. von 90Vo. 

Das Bromkalium übt, eingenommen, eine starke, ueiTenberuhigende Wirkung 
aus, während Jodkalium eine erregende und vertheilende Wirkung hervorbringt. 

Anwendungen des Bromkaliums. Bis 1866 wurde es hauptsächlich 
in der Photographie benutzt, seitdem ist aber seine Anwendung zu medizinischen 
Zwecken wichtiger geworden. Es bildet, wenn man nicht von Br selbst oder Brom- 
eisen ausgehen will, das Rohmaterial zur Darstellung aller übrigen Br-Verbin- 
dungen. Von diesen kommen hauptsächlich vor: Bromnatrium, Bromammonium, 
Bromcadmium, unterbromigsaures Alkali, Kaliumbromat, Bromwasserstoffsäure, 
Brommethyl, Bromäthyl, Bromamyl. 

Wirthschaftliches und Statistisches über Brom und Bromsalze. 
In Deutschland wurden folgende Mengen Br srewonnen (E. Pfeiffer .349, 
Ch. Ind. 1892. 423h 



•Jahr 


Menge 
kg 


Preis von 1 kg 
Mk. 


•Jahr 


Menge 
kg 


Preis von 1 kg 
Mk. 


1865 
1873 
1879 

1885 


750 

20 000 

50 000 

400 000 


95 bis 90 

2,40 

2,30 

2,60 bis 2,80 


1890 
1891 
1892 
1893 


354 175 
506 373 
400 000 
400 000 


2,75 
3,50 bis 4 



Die Einfuhr von Br und Br-Salzeu in das Deutsche Reich war folgende: 



Jahr 


Br 


Dm 


Brom 


salze 


kg 


Mk. 


kg 


Mk. 


lbS5 


1400 


4 000 


6100 


17 000 


1890 


5 100 


17 000 


30 000 


8 000 


1891 


2 600 


8 000 


1 7 900 


20 000 


1892 


1 400 


3 850 


! 10 000 


23 000 


1893 






1 900 


3 000 



Die Ausfuhr von Br und Br-Salzen aus dem Deutschen Reiche war 
folgende : 



Jahr 


Brom : 


Bromkalium, Bromnatrium, 
Bromeisen 




kg 


Mk. ; 


kg 


Mk. 


1885 
1890 
1891 
1892 
1893 


58 600 

78 000 

138 800 

127 100 

43 000 


1 
155 000 • 
254 000 
449 000 
349 525 
140 000 


133 300 
184 200 
241 100 
188 800 
179 800 


427 000 
589 000 
675 000 
472 000 
557 000 



Die Ausfuhr ging hauptsächlich nach Frankreich und England. 



Statistisches über Brom. 



291 



Ausser in Deutschland wird Br in nennenswerther Menge nur noch in den 
Vereinigten Staaten von Nordamerika gewonnen. Nach den amtlichen 
Veröffentlichungen über „Mineral Produce of the U. S. A/, dem Census Bulletin 
Nr. 166 V. 23. Februar 1892, den Engineering und Mining .lourn., Januar 1892 
und R. Roth well, The Mineral Industry, New- York 1893. 8, 48; 1894. 78 
wurden folgende Mengen Br gewonnen: 



Jahr 


Ibs 


kg 


Dollars 


Jahr 


Ibs 


kg 


Dollars 


1867 
1870 
1873 
1880 
1885 


404 690 
320 000 


5 000 

62 000 

88 000 

184 000 

145 000 


114 752 

92 800 


1890 
1891 
1892 
1893 


387 847 
368 786 
379 480 
348 399 


176 000 
167 000 
172 000 

158 000 


104 719 

73 757 
64 512 
87 100 



1 lb = 0,4536 kg; 1 Dollar =i 4,20 Mk.; 1 Mk. = 0,288 Dollar. 

Diese Br-Mengen wurden hauptsächlich in Ohio und West- Virginia, in 
letzterer Zeit auch in Pennsylvanien und Michigan gewonnen. Die Preise stellten 
sich für deutsches Br auf 0,175 Dollar, für inländisches auf 0,32 Dollar für das 
Pfund, und auf 0,215 Dollar für das Pfund Bromkalium. 



Jurisch. 



Salpeter. 



Geschichtliches. Die Alten scheinen den Salpeter nicht gekannt zu 
haben. Was sie Nitrum nannten, war wahrscheinlich eine Efflorescenz von Natrium- 
karbonat. Die Chinesen haben den Salpeter vielleicht schon zu Anfang unserer 
Zeitrechnung gekannt (J. U p m a n n . Das Schiesspulver, 1874. 2). Erst Geber 
und Marcus Graecus beschrieben zu Anfang des 8. Jahrh. einen Köi-per. den 
sie Sal petrae nannten, welcher unserem heutigen Salpeter entspricht. Raymund 
V. Lullius (13. Jahrh.) nannte denselben Körper Sal nitri, und Agricola 
(16. Jahrh.) Haiinitrum. Seitdem hat man die Bezeichnung ,.Salpeter'' wesentlich 
für Kaliumnitrat beibehalten, während man das Natriumnitrat Chilisaliieter oder 
in England ,, Nitre" nennt. 

Natriumnitrat. 

Vorkommen und D i 1 d u n g. Das Natriumnitrat , auch N a t r o n s a 1- 
peter, Perusalpeter, C'hilisalpeter genannt, findet sich in grösster Menge an 
der regenlosen Westküste Südamerikas zwischen 19" und 25*^ südlicher Breite, be- 
sonders zwischen den Hafenstädten Iquique und Autofogasta. Man vergleiche die 
Karte in Frerav's Encycl. 5. 295. Eine andere Karte findet sich nach L. D a- 
rapsky in der Ch. Z. 11. 752; Soc. Ch. Ind. 1887. 545. Hier finden sich die 1821 
von Mariano de Rivero zuerst beschriebenen') Salpeterlager am Ostabhange 
eines etwa 1700 m hohen Küstenzuges von Granit-, Porphyr- und Trachytbergen. 
auf einer etwa 1000 m über dem ^Nleere liegenden Hochebene, der Pampa Tamarugal 
und der Pampa negra, welche sich bis an den Fuss der Anden hinzieht. Der nörd- 
liche Theil dieser Salpeterhochebene liegt in der Provinz Taraj^aca , der südliche 
in der Wüste Atacama. Diese Landstriche gehörten früher zu Peru und Bolivia. 
seit 1884 aber zu Chile. 

Wegen genauerer Beschreibung dieser Salpeterlager vergleiche man J. Up- 
mann in BoUey-Birnbaum (Chem. Techn. 1874. 6); Billinghurst und Darapsky 
(Ch. Z. 1887. 11. 752); Walker (Soc. Ch. Ind. 1890. 664); Aikman (ib. 1892. 347). 

Ein anderes bedeutendes Lager von Natronsalpeter ist kürzlich im Trans- 
kaspischen Gebiete, namentlich bei Schor-Kala, aufgefunden, wo die Salpetererde 
an den reichsten Stellen bis zu 77 ^,o Natriumnitrat enthält (E. Davidsohn. 
B. H. Z. 1892. 127): Z. ang. Ch. 1892. 279). Nach Sickenberger und Floyer 
soll auch in Oberägypten Salpetererde, dort Tafla genannt, vorkommen und als 
Dünger verwendet werden. 

Für die Bildung der Salpeterlager in Chile nimmt man jetzt die Er- 
klärungen von N ö 1 ] n e r und L a n g b e i n an (W. J. 1868. 290 ; 1871. 300 ; 1872. 290 ; 
1879. 890; D. 232; Fremy, EncTclop. 5. 297): Der Boden, welcher jetzt die salpeter- 
führende Schicht trägt, lag einst in Meereshöhe, so dass sich grosse Mengen See- 
pflanzen auf ihm ansammeln konnten (Lyell. Principles of Geology: Darwin. 



^) Nach H. Polakowsky. Der Chilisalpeter. 1893. 72, hat aber bereits 
1809 Haenke angegeben, wie die Caliche zu verarbeiten sei. 1810 fabrizirte 
man danach schon Salpeter; 1822 wurden 1044 t Salpeter exportirt. Nach dem 
Soc. Ch. Ind. 1890. 664 begann die Ausbeutung der Salpeterlager im Jahre 1813. 
Die grosse Entwickelung der Industrie datirt aber erst von 1852. 



Natronsalpeter. 



293 



Voyage of a naturalist). Die Fäulniss derselben nahm beim Heben dieser regen- 
losen Küste einen solchen Verlauf, dass die NHs-Salze zum grossen Theil in Nitrate 
übergingen. Die sogen. Salpetergährung erreicht nach E. Pfeiffer (Kaliindustrie 
S. 472) das Maximum ihrer Intensivität bei 37", also bei einer T., die in jenen 
Küstenstrichen oft vorhanden ist. Für diese Theorie spricht auch das Vorkommen 
von Ablagerungen von Meersalz und von Calciumborat und Boronatroncalcit , der 
geringe Kaligehalt des Chilisalpeters, welcher demjenigen der Seepflanzen entspricht, 
und endlich der beständige J-6ehalt des Chilisalpeters (G. Bischof, Geologie). 

Gewinnung des Natronsalpetei's in Chile. Der Salpeter 
findet sich in Chile in Form eines Salzgemisches, Caliche, in etwa 1 m 
dicken Lagern (von 0,2 bis 5 m wechselnd), welche gewöhnlich von 
einer sandigen oder thonigen Schicht, und unmittelbar von einer stark 
kochsalzhaltigen Schicht, Costra, bedeckt sind, und welche meistens auf 
Kochsalz aufhegen. Die Costra hat eine Stärke von 0,1 bis 1,5 m und 
enthält mitunter auch Phosphate oder Guano. Nach Billinghurst 
(Ch. Z. 1887. 11. 752) erstrecken sich 1885 die salpeterhaltigen Schichten 
in Tarapaca über 21212 Estacas (1 Estaca = 2,8 ha), und stellen einen 
Vorrath von 1980 Millionen spanischen Centnern (zu 46 kg) vor. (Bis 
1885 sind im Ganzen 2743 Estacas Salpeterboden in Tarapaca erschöpft 
worden, aus welchen man 5 860 000 t Salpeter gewonnen hat.) 

Hier mögen einige Analysen von Caliche und Costra nach 
Machattie (Ch. N. 1875, 31. 263), Blake und V. L'Olivier (Cr. 
26. Oct. 1875, A. ch. [5] 7. 280) folgen: 





Call c li e 


Costra 


Bestandtheile 


beste 
weisse 


gute 


braune 


von 1 von 
Toco Toco 


von 
Toco 


Natriumnitrat .... 

Natriumjodat 

Jodnatrium 

Chlornatrium 

Natriumsulfat .... 

Chlorkalium 

Chlormagnesium . . . 
Magnesiumsulfat . . . 

Calciumsulfat 

Calciumkarbonat . . . 
Kieselsäure u. Eisenoxyd 

Unlösliches 

Wasser 


70,62 
1,90 

22,39 

1,80 

0,51 
0,87 

0,92 
0,99 


64,98 

j 0,63 

28,69 
3,00 

] 2,60 


60,97 
0,73 

16.85 
4.56 

5,88 
1,31 

4,06 
5,64 


51,50 

Spur 

22,08 

8,99 

8,55 

0,43 

0,12 
0,90 
6,00 


49,05 

Spur 

29,95 

9,02 

4,57 

1,27 

0,15 

2,80 
3.18 


18,60 

33,80 

16,64 

2,44 

1.62 

0,09 

3,00 

20,10 




100,00 
Machattie 


99.90 100,00 
Blake Machattie 


98,57 1 99,99 


96,29 


Analytiker 




L'Oliv 


ier 



G. Lunge hält die Analysen von Machattie für verdächtig, da 
sie einen sehr hohen J-G ehalt, aber keinen Kaligehalt zeigen. 

Die weisse Caliche enthält mitunter dünne Schichten von fast ganz 
reinem, krystallisirtem Natriumnitrat. 

Die braune Caliche kommt in kompakten Massen vor (40 bis 45*^/o), 
geht aber in mannigfachen Abänderungen in Salpetererde über (20 bis 
30 °/o), welche an vielen Stellen noch gar nicht ausgebeutet wird. 

Im Auftrage der chilenischen Regierung hat Villanueva folgende 
Analysen von Caliche ausgeführt: 



294 



Salpeter. 





Zwis 


chen 
















. 


Bestandtheile 


1 Taltal 
j und 


Vom Lager etwa 100 km 
von Taltal 


; Lager von [j ^ t 
Aguas Biancas 1 -r !^ 




j Pap OS a 




: ~ 




a 


b 


c 


d 


e 


f 


er 


b , i 


k li 1 


Natriumnitrat . . . 


47,2 


10,1 


32.3 


29.4 


26.8 


21,1 


15,6 


13,0 !10,0 


5,0 


95,04 


Chlomatrium . . . 


7,4 


8,7 


Spur 


Spur 


2,6 


25,3 


35,5 


34,6 ;35,5 


8.0 


0,17 


Natriumsulfat und 
















1 






geb. Wasser . . 


26.7 


28,2 


21,0 


47,6 


55,6 


58,3 


21,7 


48,2 22,5 


74,0 


3.94 


Nati-iumjodat . . . 


— 


— 


— 


— 


0,22 


— 


— 


0,43 0,58 


— 


0,014 


Unlösliches .... 


i 1<^.7 


58,0 


41,7 


28,0 


14,8 


0,3 


27,2 


3.7 31,4 


9,0 


0,21 




100.0 


100.01 


95,0 100.0 


100.02 


100,0 


100,0 


99.93 99,9« 


96,0 99,874 



Das Lager ab ist etwa 0,5 m stark und besteht aus dunkelbrauner Caliche 
mit durchschnittlich 32 "/o Natriumnitrat. Das Lager cdef enthält Nitroglauberit, 
Na-2S04 + 3NaN03 + BH.>0. Das Lager ghik ist etwas über 1 m mächtig und 
enthält Thenardit. Na-2S04. 

Eine gute Caliche soll nach Polakowsky enthalten: 

NaNOa 50 V 

NaCl 2Ö „ 

Na.,SO^ 6 , 

MgSO, 3 , 

Uulösl. und H,0 .... 15 , 

An den Stellen . an welchen die Caliche reich genug ist , und 
IL,0 und Kohle beschafft werden kann , wird dieselbe bergmännisch 
gewonnen. Die CaKche wird abgesprengt, durch Handscheidung von 
der Costra und dem Liegenden getrennt, und durch einen Auslauge- 
oder Löseprozess auf Salpeter verarbeitet. Dies geschieht in den Ca- 
licheras und Salinas. 

Der Auslaugeprozess beruht auf der Thatsache. dass das 
NaNOg in heissem H^O sehr viel leichter lösl. ist, als in kaltem, während 
die Löslichkeit des NaCl mit der T. nur sehr wenig zunimmt. 

NachMaumene braucht man. um IkgNaNO.. aufzulösen, folgende 
Mengen H.,0: 



Bei 


HoO 


Bei 


H2O 


Bei 


HjO 


Bei 


H-P 




kg 




kg 




kg 




kg 


0^ 


1,41 


40 


0,917 


80» 


0,650 


119,40 


0,468 


10 


1,273 


50 


0,838 


90 


0,604 


122 


— 


20 


1,137 


60 


0,768 


100 


— 






30 


1,018 


70 


0.703 


110 


— 


1 





Diese Löslichkeit wii-d aber durch die Gegenwart von Kochsalz 
etwas beeinträchtigt, derart, dass z. B. nach Anthon 100 Thle. H^O von 
20 ^ denen man 25 Thle. NaCl zugefügt hat. statt der 88 Thle. nur 
52,8 Thle. NaNO;, auflösen. 

Zum Auslaugen der Caliche waren und sind dreierlei Apparate 
in Gebrauch: 

1. Offene Pfannen aus Schmiedeisen. Paradas, welche durch 
Unterfeuer geheizt werden. Je zwei Pfannen von etwa 2 m Durch- 



Natronsalpeter. 295 

messer haben eine Feuerung. Man wendet englische Steinkohle oder 
Braunkohle aus Chile an. Man bringt darin Brunnenwasser oder Wasch- 
lauge zum Sieden und trägt die gröblich zerkleinerte Caliche ein. Die 
nach Abschäumen und Klären erhaltene ges. Lauge ergibt in hölzernen 
Krystallisirgefässen 40 7" Rohsalpeter und 60 "/o Mutterlauge. Die letztere 
wird aber bei mehrmaligem Gebrauch sauer und greift das Eisen an. 
Auch verbrauchen die Paradas viel Brennmaterial. 

2. Aufrechtstehende Cylinder, welche geheizt werden, indem man 
Dampf einströmen lässt, Maquinas. Dieselben sind 8 bis 10 m hoch 
und haben 4 bis 5 m Durchmesser. Jede Maquina liefert in 24 Stun- 
den 1000 bis 3000 spanische Centner Rohsalpeter. Die Krystallisation 
der geklärten Auflösung geschieht in schmiedeisernen Kästen von 4 bis 
5 m Seitenlänge und 0,5 m Tiefe, und dauert 3 bis 4 Tage. 

Während der Auflösung der Caliche entweichen mit dem Wasser- 
dampf auch beträchtliche Mengen J, was man durch Zusatz von Soda 
verhindern könnte. 

3, Lösekästen mit Dampfrohrheizung, welche von den deutschen 
und englischen Gesellschaften eingeführt worden sind. Diese Kästen 
sind 11 m lang, 1,85 m breit und 1,85 m hoch, und enthielten früher 
Dampfschlangen, jetzt einfach vertikale Dampfrohre, welche durch 
7 bis 10 horizontale Röhrchen von 76 mm Durchmesser verbunden 
sind. Der kondensirte Dampf wird in die Dampfkessel zurückgeleitet. 

Die Kästen werden mit H^O, Mutterlauge und Waschlauge be- 
schickt und, wenn dieselbe bis zum Kochen erhitzt ist, werden sechs 
etwa 4000 kg Caliche fassende Kippwagen aus durchlochtem Eisenblech 
auf Schienen hineingesenkt, so dass der Löserückstand in den Wagen 
verbleibt. Um die Auflösung durch Vermischung zu beschleunigen, 
wird unter jedem Wagen mittelst eines Körting'schen Injectors Dampf 
und vorgewärmte Luft eingeblasen. 

Dieser Apparat arbeitet ökonomischer als die vorher genannten. 
Er liefert stärkere und reinere Laugen. Ausführlicheres in Fremy's 
Encycl. 5. 301. 

Um 1 1 Salpeter zu gewinnen, hat man durchschnittlich 3 t Salpeter- 
erde zu verarbeiten. 

Der Löserückstand enthält noch 15 bis 35 "/o NaNO«. Derselbe 
wird mit H^O ausgezogen und liefert dadurch eine schwache Lauge, 
welche zur nächsten Operation benutzt wird. Die Mutterlauge kann 
nicht sehr oft wieder zum Lösen verwendet werden, weil sich die Un- 
reinigkeiten in ihr ansammeln und sie eine saure Reaktion annimmt. 
Solche Mutterlauge enthielt nach Reichard t: 

Natriumnitrat 23,30 *^/o 

Chlornatrium . 8,59 „ 

Natriumjodat 0,44 „ 

Magnesiumsulfat 2,21 „ 

Chlormagnesium 1,12 „ 

Gebundenes Wasser .... 6,93 „ 

Lösungswasser 57,41 „ 

100,00 > 

Machattie fand als Mittel aus fünf Analysen in der letzten 
Mutterlauge einen J-Gehalt von 0,56 ''/o, entsprechend 0,873 ^/o Natrium- 



296 



Salpeter. 



jodat. Durch zeitigen Sodazusatz Hesse sich derselbe ohne Zweifel 
erhöhen. Diese letzte Mutterlauge wird auf J verarbeitet. 

Der Roh Salpeter wird durch Abtropfenlassen von der Mutter- 
lauere getrennt, und auf Darren an freier Luft getrocknet. Er bleibt 
aber immer etwas feucht, Aveil er Chlorcalcium und Chlormagnesium, 
und vielleicht auch Calcium- und Magnesiumnitrat enthält. Sein Aus- 
sehen ist schmutzig, röthlichgrau. durch seinen Gehalt an bituminöser 
Substanz und Eisenoxyd. Er kryst. in würfelähnlichen Rhomboedern 
und wird daher auch mitunter kubischer Salpeter genannt. 

Sorel hat in Fremy's Encycl. 5. 302 folgende Analysen von 
Rohsalpeter zusammengestellt: 





Wagner 
j 1869 


Hof- .^^'■' ' Witt- 
^ + „ + + « fasser Lecanu ,^- 
stetter ,0^- stein 
18 /o 


Natriumnitrat 

Natriumnitrit 

Kaliumnitrat 

Magnesiumnitrat 

Calciumnitrat 

Chloraatrium 

Chlorkalium 

ChloiTuagnesium 

Natriumsulfat 

Kaliumsulfat 

Natriumjodat 

Borsäure 

Unlösliches 

Wassergehalt 


94,03 
0,31 

1,52 
0,64 
0,93 
0,92 

0,29 
Spur 

1,36 


94,29 

0.43 

0.85 



1.99 

0.24 

0.21 
1,99 


95,320 

2,305 
0,036 

0,100 
2,110 


96,70 

Spur 
1,30 

Spur 

2,00 


99,63 

Spur 
0,37 


1 
1 


100,00 


100,00 


99,871 


100,00 


100,00 



Hofstetter, Ann. Ch. Phann. 45. 340; Lecanu, J. de Phann. 18. 102. 



Verf. hat in seinem Handbuche der Schwefelsäurefabrikation (1893 
S. 357) noch mehrere andere Salpeteranalysen angeführt; viele weitere 
Analysen haben J. Macadam (Soc. Ch. Ind. 1888. 96) und Alberti 
und Hempel (Z. angew. Chem. 1892. 102) mitgetheilt. 

H. Beckurts (A. P. 1886. 224. 333; Fisch er's Jahresber. 1886. 
305) fand in allen Mustern des im Handel vorkommenden Chilisalpeters 
kleine Mengen Chlorat und Perchlorat, was sich durch das Auftreten 
von freiem J während des Lösens der Caliche erklärt. Der Gehalt an 
KNO3 kann bis auf 8% steigen (Lunge. Ch. Ind. 1886. 370). 

Der gegenwärtig nach Europa kommende hochprozentige Chili- 
salpeter enthält nach G. Lunge (Sulphuric Acid 1891. 1>^) durchschnitt- 
lich folgende Mengen: 

Xatriumnitrat (mit Kaliumnitrat, Nitrit u. .Jodat) 96 "/" 

Chloride (als NaCl berechnet) 0,5 „ 

Sulfate (als Na.,SO^ berechnet) 0,75 „ 

Feuchtigkeit 2,75 „ 

Der gewöhnliche Chilisalpeter zu Düngzwecken enthält 95 bis 
95,50/0 KaNO, und 1 bis 2 V' NaCl. 

Die Reinigung des Rohsalpeters für bestimmte Zwecke 
geschieht durch Umkrystallisiren. Der gereinigte Chilisalpeter 



Natronsalpetei-. 297 

enthält ausser Xatriumnitrat nur noch H.3O. In einer süddeutschen Fabrik 
wurde 1881 der HgO-Gehalt wie folgt gefunden: 

Chilisalpeter, roh: Chilisalpeter, raffinirt: 

1,6 > H.O 2,6 > H^O 

1^4 „ „ 2,b „ „ 

Untersuchung: Die älteren Methoden der Salpeterprüfung sind von 
A. Geyger (Hofmann's Ber. 1875. 211) aufgezählt worden. Die neueren Metho- 
den sind ausführlich beschrieben worden in Kubel-Tiemann-Gärtner's Unter- 
suchung des Wassers 1889. 167 ff. Gegenwärtig werden am häufigsten wohl 
folgende Methoden angewendet: 

1. Glühen mit Salmiak. Man bestimmt zunächst die Feuchtigkeit, das 
NaCl,Na2S04 und Unlösliche. Diese Körper bilden zusammen die „Refraktion". 
Nach dem Glühen mit Salmiak verbleibt ein Rückstand, der wesentlich aus NaCl 
besteht. Aus demselben berechnet man unter Berücksichtigung der Refraktion den 
Gehalt an NaNOg. Diese Methode ist nicht sehr genau (vergl. Lunge, Ch. Ind. 
1886. 369). 

2. Nitrometer. 0,35 bis 0,40 g in höchst konz. Lsg. werden mit konz. 
H2SO4 und Hg geschüttelt, wodurch die HNO3 zu Stickoxj^dgas reduzirt wird, dessen 
Vol. man misst. Diese ]\[ethode ist namentlich von G. Lunge ausgebildet worden 
(vergl. dessen Sulphuric acid 1891. 78 und Taschenbuch 1892. 197). 

3. Methode von P e 1 u z e (J. pr. 40. 824). Man behandelt 1 g Salpeter mit 
einer überschüssigen Menge Eisenoxydulsalz am besten in schwefelsaurer Lsg 
und titrirt den Ueberschuss mit Chamäleon zurück. Diese Methode hat mancherlei 
Mängel (Upmann, Schiesspulver 1874. 18; Lunge, Sodanid. I. 49; Ch. Ind. 
1891. 138). 

4. Methode von C. Ulsch (Chem. Centralbl. 1890. 2. 926; Ch. Ind. 1891. 
138, 367; Z. angew. Chem. 1891. 663). HNO3 wird in saurer Lsg. durch Eisen- 
schwamm zu NH3 reduzirt. Man bestimmt dann entweder das NH3 durch Dest. 
mit Natronlauge, oder man misst das Vol. des entwickelten H. (Ch. Ind. 1892. 89, 
91, 416). 

Zur Kritik einiger dieser Untersuchungsmethoden mögen folgende Analysen 
von Lunge und König (Ch. Ind. 1886. 370) dienen. A ist das Mittel der 
Analysen dreier Muster derselben Sendung, B die Analyse einer anderen Sendung : 

A B 

Natriumnitrat 88,993 88,10 

Kaliumnitrat 7,667 8,28 

Chlornatrium 0,497 0,71 

Natrium sulfat 0,200 0,25 

Unlösliches 0,140 0,14 

Wassergehalt 2,093 2,19 

99,590 99,67 

Das Kaliumnitrat entspi-icht Natriumnitrat . . 6,460 6,96 

Mit Nitrometer Natriumnitrat gefunden . . . 95,453 95,06 

Summe der Nitrate 96,660 96,38 

Aus der Refraktion durch Differenz gefanden . 97,070 96,71 

Eine sehr eingehende Kritik der verschiedenen Methoden haben auch A 1 b e r t i 
und Hempel (Z. angew. Chemie 1892. 101) angestellt und dabei viele Belegana- 
lysen mitgetheilt. Der Gehalt des Chilisalpeters an KNO3 wechselte von 4,66 bis 
zu 7,21 "/o- Sie fanden die Methoden von Lunge, Schloesing-Grandeau und 
von Ulsch ziemlich gleich gut. 

Die vollständige Analyse des Chilisalpeters erfolgt nach den gewöhnlichen 
analytischen Methoden. 

Eigenschaften. Das reine NaNOg , MG. = 85, enthält: 36,47 > Na.,0, 
68,53 7o N2O5. 

Es kryst. in grossen , farblosen , durchsichtigen Rhomboedern , welche mit 
Würfeln verwechselt worden sind. SG. 2,09 bis 2,39, nach Billinghurst 2,2, 
gewöhnlich zu 2,226 angenommen. Schmilzt bei 316 bis 319° (Carnelley, J. Ch. 



298 



Salpeter. 



Soc. 1878. 2. 277). In der Rotbglut zersetzt es sich in Nitrit und 0. Es hat 
einen kühlenden, schwach salzig-bitteren Geschmack und löst sich in H^O unter 
beträchtlicher T.-Erniedrigung leicht auf. 

1 Tbl. Natriumnitrat erfordert zur Lsg. 

bei : nach Marx: nach Kopp: 

— 6" 1,58 Thle. H2O — 

0« 1,25 , , — 

18,5" — 1,14 Thle. H2O 

119" 0,46 , „ — 
oder 100 Thle. HjO lösen nach Poggiale: 



Bei 


Thle. 
NaNOg 


Bei 


Thle. 
NaNOg 


Bei 


Thle. 
NaNOg 


— 6« 



10 

16 

20 


68,80 
79,75 
84.30 
87,63 
89,55 


30" 

40 

50 

60 

70 


95.37 
102.31 
111.13 

119,94 
129.63 


80" 

90 
100 
120 


140.72 
1-53,63 
168,20 
225,30 



Die letzte Bestimmung ist nach Griff iths. Die ges. Lsg. siedet bei 122". 
Durch Gegenwart von NaCl wird diese Löslichkeit bedeutend verringert. 
Lunge theilt (Sulphuric acid 1891. 74) folgende Tabelle mit über 

SG. von Natriumnitratlsgn. bei 20" nach Geulach. 



Thle. NaNOg 




Thle. NaNOa 




Thle. NaNOa 




in 100 Thln. 


SG. 


in 100 Thln. 


SG. 


in 100 Thln. 


SG. 


H2O 




H2O 




H2O 




1 


1,0065 


18 


1,1260 


35 


1,2679 


2 


1.0131 


19 


1,1338 


36 


1,2770 


3 


1.0197 


20 


1.141N 


37 


1,2863 


4 


1.0264 


21 


1,1498 


38 


1.2958 


5 


1,0332 


22 


1,1578 


39 


1,3055 


6 


1.0399 


23 


1,1659 


40 


1.31-55 


7 


1,0468 


24 


1,1740 


41 


1.3255 


8 


1.0537 


25 


1,1822 


42 


1,3355 


9 


1,0606 


26 


1,1904 


43 


1,-3456 


10 


1.0676 


27 


1,1987 


44 


1,-3-557 


11 


1.0746 


28 


1.2070 


45 


1,3659 


12 


1.0817 


29 


1.2154 


46 


1,3761 


13 


1.0889 


30 


1,2239 


47 


1,3864 


14 


1,0962 


31 


1.2325 


4^ 


1,3968 


15 


1.1035 


32 


1,2412 


49 


1.4074 


16 


1.1109 


33 


1,2500 


50 


1.4180 


17 


1.1184 


34 


1.2.589 







Anwendung. Die wichtigste Anwendung ist diejenige zur Fabrikation 
der H2SO4; femer wird NaNOs gebraucht zur Darstellung von HNO3, zur Fabri- 
kation des Kalisalpeters, des Natriumarsenats , der chemischen Glühkohle 
(aus Holzkohlenpulver , Salpeter und einem Bindemittel) , welche zum Heizen 
der Wagen verwendet wird; zum Reinigen des Aetzuatrons; zur Bereitung von 
Bleioxychlorür (als Bleiweissersatz) ; bei der Bereitung von Mennige ; zur Fabri- 
kation von Gl (z. B. in den Verfalii'ungsweisen von Dunlop, Gatty und P. W. 
Hofmann); zum Einpökeln des Fleisches und als Düngemittel in der Landwirth- 
schaft (Ch. Ind. 1884. 26; vergl. auch: Job. Harris, Use of Nitrate of Soda 
for manure 1890; L. Grandeau, Emploi du Nitrate de Sonde dans l'Agriculture 
1890; Lintner, Handbuch der landwirthschaftlichen Gewerbe 1893). Gegenwärtig 
werden wohl vier Fünftel alles Chilisalpeters für Düngzwecke verbraucht, indess 
könnte er durcli andere Düngmittel ersetzt werden (Ch. Ind. 1894. 55). Chilisalpeter 



Natronsalpeter. 299 

ist auch in der Ötahlfabrikation zur Entkohlung des Gusseisens und in der Me- 
tallurgie des Cu und Ni benutzt worden (Literatur in Hofmann's Ber. S. 207). 
G. Fouler, D.R.P. Nr. 57254 nebst Zusatz v. 6. Juli 1893. \\äll NaNOg zur Dar- 
stellung von NH3 benutzen. 

Zur Fabrikation von Schiesspulver ist NaNOs unbrauchbar . weil es aus der 
Luft Feuchtigkeit anzieht. Gleichwohl stellt man für den Minenbetrieb langsam 
wirkendes Sprengpulver daraus her (P recht, Salz-Industrie. 5. Aufl. p. 16). 

Wirthschaftliches und Statistik über Chilisalpeter. Nach Lang- 
bein (W a g n e r's Jahresber. 1871. 300 ; 1872. 290) berechneten sich die G e s a m m t- 
kosten für 1 Centner (50 kg) Chilisalpeter bis zur Landung in einem europäischen 
Hafen im Jahre 1871 durchschnittlich wie folgt: 

Gewinnungskosten . . . 3,25 Mark 

Transport zum Hafen . 2,40 ^ 

YerschifFungskosten . . 0,25 ,, 

Fracht nach Europa . . 2,75 

Ausladung daselbst . . 0,25 ,. 



Gesammtkosten 8,90 Mark. 



Der Transport aus den Salpeterdistrikten bis zum Hauptausfuhrhafen Iquique 
geschah 1875, trotzdem eine Eisenbahn vorhanden war, doch noch vielfach mittelst 
Maulthieren (Hofmann's Ber. S. 201). Nach H. Polakowsky (Der Chilisalpeter 
1893. 08) betrugen die Herstellungskosten von 1 Quintal (46 kg) Salpeter incl. 
Verladung in die Salpeterbahn am Ort 1 bis 1,50 Pesos Papier. 

Seit dem 1. September 1873 bestand in Peru das Salpetermonopol, welches 
für jeden Centner(50kg) Salpeter von 95 % Natriumnitrat eine Abgabe von 9,70 Mark 
erhob. Die Monopolverwaltung stellte die jährliche Produktion auf 225 000 t fest 
(Heinz er ling, Ch. Techn. 1888. 417). Nachdem aber Chile in dem Kriege gegen 
Bolivien und Peru 1878 bis 1883 schon seit dem Jahre 1879 von Atakama und 
Tarapaca thatsächlich, und seit 1884 auch rechtlich Besitz ergriffen hatte , wurde 
dieser Betrag bedeutend überschritten und belief sich 1884 bereits auf 459000 t. 

Der Verkaufspreis stellte sich 1879 in Folge des Krieges auf 18 bis 20 Mark 
für den Centner, schwankte 1884 zwischen 8,75 und 11 Mark und ist 1885 auf 
8,75 Mark für 1 Centner zurückgegangen. Im Dezember 1890 bewegten sich die 
Preise nach Ch. Ind. 1891. 312 einschliesslich Zoll an Bord zwischen 2,6 und 
2,7 Pesos (zu 4 Mark) für den spanischen Centner (46 kg), die europäischen No- 
tirungen betrugen 7 sh. 9 d. für den englischen Centner (50,8 kg). 

Die chilenische Regierung erhebt von 1000 kg Salpeter einen Ausfuhrzoll 
von 52 bis 98 Mark. Dieser Salpeterzoll macht etwa die Hälfte aller Zolleinnahmen 
Chiles aus. 

Die Ausbeutung der cliilenischen Salpeterlager geschieht durch 19 englische 
und deutsche Gesellschaften. Die chilenische Regierung hat 1887 selbst 75 Salpeter- 
werke mit 60000 Acres Salpeterboden für 1,5 Millionen Pfund Sterling angekauft, 
kann aber mit den privaten Werken nicht konkurriren. Ausserdem werden von 
der Regierung sehr ausgedehnte salpeterhaltige Gebiete der Ausbeutung noch vor- 
enthalten (Ch. Ind. 1892. 399). Seit 1893 sucht die Chilenische Regierung ihre 
Salpeterfelder zu verkaufen (vergl. Polakowsky, Ch. Ind. 1894. 86). 

Den V o r r a t h an Natronsalpeter in Tarapaca schätzte George Smith auf 
68, Legrange auf 100 Millionen Tonnen, W. E. Billinghurst (Estudio sobre 
la geografia de Tarapaca 1885) auf etwa 90 Millionen Tonnen. Die Pampa Tama- 
rugal soll 50 Millionen Tonnen Salpeter enthalten. Walker schätzt den Salpeter- 
vorrath Chiles 1890 im Ganzen auf 120 Millionen Tonnen. 

Die Ausfuhr von Natronsalpeter aus Südamerika betrug nach 
Heinz erlin g (Ch. Techn. 1888. 417); Ch. Ind. 1891. 38; Roth well, The 
mineral Industry 1893. 551, 1894. 714 und anderen Quellen: 



300 



Salpeter. 





A u s f u h r 


von Natronsal 


peter au.- 


Südamerik 


a. 


Jabr 


Menge 

t 


Werth 
in 1000 Pesos') 


Jahr 


Menge 
t 


AVerth 
in 1000 Pesos 


1825 


935 




1880 


226 090 


15 425,6 


1830 


935 




1885 


429 663 


20 654,1 


1840 


11368 




1890 


1 065 277 




1850 


25 592 




1891 


S91 727 


32 418 


1860 


68 512 




1892 


804 213 




1870 


147 170 




1893 


943 570 




1875 


290 000 











Nach dem Board of Trade Journal, April 1892. 464 hat Chile durch Aus- 
fuhrzölle auf Salpeter und J folgende Summen eingenommen : 



Jahr 


Zolleinnahme [Für 1 Tonne Zoll 
Dollar 2) 1 Dollar 


1880 
1885 
1889 


1 336 881 
10 510 182 
21 485 685 


5,1 

24,4 
22,7 



An diesem Export waren die Hauptausfuhrhäfen wie folgt betheiligt (Ch. 
Ind. 1891. 38) : 





I q u i q u e 


P i s a g u a 


A u 1 f g a s t a 


T a 1 1 a 1 


Jahr 


Menge 
t 


Werth 

in 

1000 Pesos 


Wei-th 
Alenge in 
t 1000 Pesos 


Menge 
t 


Werth 

in 

1000 Pesos 


Menge 
t 


Werth 

in 

1000 Pesos 


1888 
1889 


390 764 
466 953 


16 822,9 ; 
18 454,7 


331 191 
386 392 


14 330,6 1 

15 266,2 1 


29 434 
34483 


1 296,6 
1 338,3 


28 993 
33 560 


1 257,4 
1 328,6 



Die Ausfuhren von Alollendo und ^lejillones sind weniger bedeutend. 
Im Soc. Ch. Ind. 1889. 67, 1893. 80 wird folgende Uebersichtstafel über 
den Export von Chilisalpeter aus Südamerika mitgetheilt : 



Im Jahre 


1885 


18S7 


1889 


1891 


1892 


1893 




t 


t 


t 


t 


t 


t 


Verschiffungen nach 
allen Ländern . . 


420 000 


680 000 


930 000 


759 000 


784 000 


777 000 


Am 31. Dezbr. nach 














Europa untei-wegs 


154 000 


325 000 


380 000 


321 000 


215 000 


— 


Verbrauch 














in »-irossbritannien 


95 000 


98 000 


105 000 


120 000 


117 000 


104 000 


im übrigen Europa 

in den Vereinigten 

Staaten Amerikas 


290 000 
45 000 


385 000 
65 000 


564 000 
80 000 


703 000 
100 000 


685 000 
100 000 


643 000 
100 000 


Verbrauch a. d. Erde 


430 000 


548 000 


749 000 


923 000 


902 000 


847 000 


Londoner Preis für 














1 Cwt. (50,8 kg) . 


11 sh. 3 d. 


9 sh. 


8sh.4V2d. 


9sh.lV2d. 


9sh.lV2d. 


— 



M 1 Peso = 4 Mk. — ') 1 Dollar = 4,19 Mk. 



Natronsalpeter. 



301 



In der Ch. Ind. 1891. 312; 1892. 330; 1893. 188; J. Soc. Chem. Ind. 1892. 
651 ist die Ausfuhr von Chilesalpeter spezialisirt: 

Salpeter a u s f u h r aus C h i 1 e. 



Richtunsr nach 



1888 1889 



1890 



1891 



1892 



England oder Kontinent von 
Europa 

Bestimmten Häfen in England 

Hamburg (und Bremen) . . 

Belgien 

Holland 

Frankreich 

Schweden 

Spanien (Bilbao) 

Mittelländischem Meere . . 

Vereinigten Staaten Amerikas 
(Ostküste) 

San Francisko (Kalifornien) . 

Verschiedenen Ländern . . 

Spanische Centner zu 46 kg 

Oder Tonnen 



11395 218 

288 149 

2 336 989 

161 742 

82 565 
708 444 

17 418 

162 578 

1 447 897 

130 921 

145 



13 051 129 

78 089 

3 550 205 

137 899 

245 981 

1 230 556 



286 784 

1797 417 

223 394 

5 000 



14 240 281 
37 652 

4 435 400 

137 098 

453 820 

1 705 050 

24 087 

41800 

159 335 

1 679 705 

234 181 

9 790 



10 669 686 

29 205 

2 954 128 

207 292 

820 299 
28 207 

88 414 

1 986 287 
332 309 



15.337 000 



254 400 



16 682 066 
767 375 



20 606 454 

947 897 



23 158 199 

1 065 277 



17 115 827 

787 328 



17 490 366 
804 557 



Nach chilenischen Angaben (vergl. H. Polakowsky, Der Chilisalpeter 1893. 
62) vertheilte sich die Ausfuhr zum Verbrauch nach Prozenten auf die verschiedenen 
Länder wie folgt: 



Chilisalpeter wurde exportirt 
nach 



% 



1889 
7" 



1890 
7o 



1891 

7« 



1892 
7o 



Deutschland .... 

Frankreich 

Grossbritannien . . . 
den Vereinigten Staaten 

Amerikas 

Belgien 

Holland 

Mittelmeerstaaten 

den übrigen Ländern . 

Gesammtausfuhr Tonnen 



34,58 
19,96 
13,09 

9,26 
10,81 
4,26 
2,00 
6,04 



35,11 
19,30 
12,40 

9,81 
9,10 
6,50 
1,50 
6,28 



32,31 


49,00 


20,31 


22,90 


10,22 


14,69 


8,26 


11,70 


0,59 


— 


1,96 


— 


0,69 


1,52 


25,66 ') 


0,19 



784 250 I 947 897 



1 065 277 I 787 328 1 804 557 



Erst seit 1888 hat die Verwendung des Chilesalpeters in der Landwirthschaft 
besonders starken Aufschwung genommen, so dass man annehmen darf, dass mehr 
als drei Viertel des Chilisalpeters zu Düngzwecken dienen , und nur ein Viertel in 
der Industrie verbraucht wird. 

Ueber den Import von Chilisalpeter nach Grossbritannien, Deutsch- 
land, Frankreich, Belgien und Holland von 1867 bis 1887 findet sich eine Tabelle 
im Chem. Trade Journ. 1888. 3. 386, welche auch Lunge (Sulphuric acid 1891. 8) 
anführt, die aber mit den offiziellen Statistiken nicht übereinstimmt. 

Für das Deutsche Reich ergibt sich aus der offiziellen Statistik folgende 
Uebersicht über Einfuhr. Ausfuhr und Verbrauch von Natronsalpeter: 



Wahrscheinlich magazinirt in Hamburg, London und Antwerpen 



302 



Salpeter. 





Ein J 


" u h r 


Ausi 


fuhr 


Verb 


L- auch 














AufdenKopf 


Jahr 


Menge 


Werth 


Menge 


Werth 


Menge 


der 




in t 


in 1000 Mk. 


in t 


in 1000 Mk 


in t 


Bevölkerung 
kg 


1880 


55 078 


17 074 


1689 


540 


58 389 


1,22 


1885 


156 738 


31 348 


2 430 


523 


154 308 


3,34 


1890 


844 209 


55 078 


13 789 


2 844 


330 420 


6,6^ 


1891 


395 653 


69 2.39 


9 896 


1831 


385 758 


l,ld 


1892 


379 899 


64 583 


9 845 


1772 


370 054 


IM 


1893 


384 710 


65 401 


13 .541 


2 437 


371 169 





Die Einfuhr kam überwiegend direkt aus Chile (man vergl. Ch. Z. 1891. 691), 
zum kleinen Theil aber auch aus Belgien und Hollan d. Die Au s f u h r richtete sich haupt- 
sächlich nach Oesterreich-Üngam und Russland. Der Handel ist in Deutschland zollfrei. 

Verwendung des Natronsalpeters im Deutschen Reiche 
(ausführlicher Ch. Ind. 1894. 223): 



Jahr 



Ge- 
sanunt- 

Ver- 
brauch 

t 



Zu Kalisalpeter 



Menge 
t 



;0 
des Ge- 
sammt- 

Ver- 
brauchs 



Zu H.,S04 



Menge 

t 



7o 

des Ge- 

sammt- 

Ver- 

brauchs 



Zu HNO3 



Menge 

t 



des Ge- 
sammt- 

Ver- 
brauchs 



Zur Landwirth- 
schaft 



Menge 

t 



7o 

des Ge- 
sammt- 

Ver- 
brauehs 



1880 
1885 
1890 
1891 
1892 
1893 



1 

53 889 


12 200 


22,85 


4 405 


8,25 


1.54 308 


21871 


14,17 


5 688 


3,69 


.330420 


23 921 


7,24 


7 227 


2.19 


385 758 


23 464 


6,08 


7 006 


1,82 


370 054 


19 936 


5,39 


6 483 


1,75 


371 169 


18 747 


5,05 







10 090 
11018 
34 936 
42 824 
40191 



18,90 

7,14 

10,57 

11,10 

10,86 



26 694 
115 731 
264 336 
312 464 
303 444 
.308 070 



50 
75 

80 
81 

82 
83 



In Gr oss b ritauni en ist der Salpeterhandel ebenfalls zollfrei. In dem 
Statistical Abstract 1891. 58 und den Annual Statements of the Trade of the 
United Kingdom ist eine Tabelle über Import und Export von Salpeter seit 1876 
zusammengestellt. Wir nehmen dieselbe hier mit dem Jahre 1885 auf: 





Einfuhr 


Ausfuhr 


Verbrauch 


Jahr 


Menge 

in Cwts. 

zu 50.8 kg 


Werth 
in£ 


Menge 

in Cwts. 

zu 50,8 kg. 


Werth 
in £ 


Menge 

in Cwts. 

zu 50,8 kg 


AufdenKopf 

der 
Bevölkerung 

kg 


1885 
1890 
1891 
1892 
1893 


2 247 785 
2 177 842 
2 440 652 
2 391 200 
1 735 340 


1115 032 

903 632 

1049 818 

1 020 192 

806 197 


78 324 

73 382 

126.991 


39 289 
32 177 
57 919 


2169 461 
2 104 460 
2 313 661 


2,99 

2,82 
3,09 



Die Preise für Chilisalpeter am Londoner Markte seit 1854 sind in M. G. 
Mulhall, Dictionary of Statistics, London 1892. 475 angegeben. Dieselben seit 
1877 sind im Soc. Ch. Ind. 1889. 66. 1892. 378 graphisch dargestellt. 

Nach Bradbury und Hirsch betrugen dieselben in Shilling und Pence 
für das Cwt. (von 95 "0 NaNOa): 



Natriumnitrit. 



303 



Jahr 


Preis 


Jahr 


Preis 


Jahr 


Preis 


Jahr Preis 


Jahr Preis 


1883 
1884 


llsh.2p. 

9,9, 


1885 
1886 


lOsh. 2 p. 
9,9, 


1887 
1888 


9 sh. 6 p. 

9 , 9V4, 


1889 
1890 


9sh.2V4p. 

8,2 „ 


1891 
1892 


8sh.9V4p. 
8 , 9V4 , 



Verbrauch von Natronsalpeter auJ 


' der Erde nach S 


chätzung. 


Jahr 


In Gross- 
britannien 
t 


Im übrigen 

Europa 

t 


In den Vereinigten 

Staaten Amerikas 

t 


Im Ganzen 

t 


1881 
1885 
1890 
1891 
1892 


47 535 
108 473 
105 223 
115 683 
117 000 


255 571 

276 190 
860 000 
703 000 
685 000 


55 000 

45 000 

88 039 

106 655 

100 000 


358 106 
429 663 
953 262 
925 338 
902 000 



In Grossbritannien dient Natronsalpeter zur Düngung und zur Fabri- 
kation von H2SO4; nur ein sehr kleiner Theil wird in KNO3 übergeführt oder zu 
anderen Zwecken verwendet. In Deutschland wurde der grössere Theil des 
eingeführten Natronsalpeters zur Landwirthschaft und zur Fabrikation von KNO3, 
und nur ein geringerer Theil zur H2S04-Fabrikation und anderen Zwecken verwendet. 
Seit 1888 hat der Verbrauch zur Fabrikation von HNO3 sehr bedeutend zugenom- 
men. Vergl. Ch. Ind. 1894. 219. 

Versendung in Säcken zu etwa 50 kg. Nach dem Entleeren müssen die 
Säcke in heissem H2O ausgelaugt werden, weil der Salpeter, namentlich, wenn er 
viel MgCl) und CaCl2 enthält, fest an der Innenseite der Säcke haftet und das 
Gewebe durchdringt. Solche Säcke können sich von selbst entzünden. Die Wasch- 
lauge wird eingedampft und zur Kryst. gebracht. Ein Sack liefert etwa 0,75 kg 
Salpeter. Wegen der Feuergefährlichkeit muss der Salpeterspeicher von allen 
übrigen Gebäuden völlig getrennt und ganz aus Stein und Eisen gebaut sein. 



Natriumnitrit 

wird dargestellt, indem man trockenes NaNO.j in kleinen Portionen in 
einen glühenden hessischen Tiegel einträgt. Das 1883 in einer nord- 
französischen Fabrik dargestellte Rohsalz enthielt: 

Natriumnitrit . - 43,66 "/o 

Natriumnitrat 51,64 , 

Chlornatrium 0,65 , 

Wasser 3,60 , 

99,55 >. 
Es wird durch Auskrystallisiren des unzersetzten Nitrats gereinigt. 
Warren (Ch. N. 1891. 63. 290) leitet NH„ mit oder Luft 
gemischt, über dunkelroth glühenden, platinirten Asbest. Dadurch ent- 
stehen reichliche Mengen NH^NOg in Form dicker weisser Nebel. 
Diese werden in Aetznatronlsg. geleitet, worin sie sich zu NaNO^ und 
NH3 umsetzen. Das letztere wird in den Prozess zurückgeführt. 

Le Roy (Moniteur Scientif. Quesn. [4] 4. 2, 584) mischt fein- 
gepulvertes und trockenes NaNO.,mit Schwefelbaryum und trägt das Ge- 
misch in einen dunkelglühenden, gusseisernen Tiegel ein: 
4NaN0, + BaS = BaSO, + 4NaN0,. 
Die gleichmässig geschmolzene Masse wird nach dem Erkalten mit 
HgO ausgelaugt. Die Lsg. wird auf 35 bis 45*^ Be konz. , worauf 
NaNOg auskryst. 



304 • Salpeter. 

Bertsch und Harmsen (D.R.P. Nr. 59 228 v. 8. März 1891) 
ersetzen das theure Schwefelbaryum durch gemahlenen Bleiglanz. Um 
aber den Verlust nach: 

4NaN0, + PbS = PbO -^ Na.,SO, -^ 2NaN0, -f NO -^ NO, zu ver- 
meiden, wird Kalk zugesetzt. Dann verläuft die Reaktion nach: 
4NaN03 -h PbS -f- CaO = CaSO, + PbO -f 4NaN0,. 

In einem gusseisernen, mit starkem Rührwerke versehenen Schmelz- 
kessel werden (3<»0 kg Chilisalpeter zum Schmelzen gebracht, 30 kg 
gemahlener Kalk zugemischt und dann eine Mischung aus 80 kg Kalk- 
pulver und 400 kg Bleiglanz zugefügt. Man erh. nicht über 400 '\ 
Die erkaltete Schmelze wird mit etwa 1500 1 kochendem H^O ausgelaugt. 
Der Rückstand an PbO und CaSO^ wird auf Pb oder Bleiacetat ver- 
arbeitet. 

Das Natriumnitrit des Handels enthält 94 bis 95 ^jo NaNO.^. 

Ein Muster von Natriumnitrit des Handels enthielt nach Landolt 
(Z. angew. Ch. 1891. (333): 

Natriumnitrit 94,14*^/0 

Natriumnitrat ..... 2,38 „ 

Natriumsulfat 1,20 „ 

Chlornatrium ..... 0,06 „ 

Wasser 2,08 , 

Unlösliches Spuren 

99,86 ^'.o 

Lunge (Z. angew. Chem. 1891. 629) führt die Methoden zur 
Untersuchung des Natriumnitrits an. Er selbst titrirt bei 30 
bis 40*^ mit Permanganatlsg . und erhält dadurch sehr gute Resultate 
(Ch. Ind. 1892. 225; 1893. 48). 

Kaliumnitrat. 

Vorkommen und Bildung. Das Kaliumnitrat, auch Kalisalpeter, 
ostindischer Salpeter oder kurz Salpeter gerannt, findet sich in grösster 
Menge in Ostindien, namentlich auf Ceylon, in Bengalen und auf der Halbinsel 
Gutserat. 

Auf der Insel Ceylon liegt salpeterhaltige Erde in Felshöhlen, welche viel- 
leicht einst als Wohnungen für Thiere und Mensehen gedient haben, und die noch 
jetzt von zahllosen Fledermäusen bewohnt werden, deren Exkremente den zur 
Salpeterbildung nöthigen N liefern. Andere Höhlen , wie z. B. diejenige von 
Memoora. in porösem Kalkgestein, enthalten gegenwärtig nur eine dichte Vegetation 
mit starker Humusbildung. Nach J. Davy (Fremy's Encycl. 5. 304) wird der hier 
gebildete Salpeter durch Kapillarkräfte in die äusseren Schichten des Gesteins ge- 
führt, wo das Lösungswasser verdunstet und den Salpeter zurücklässt. Dieser 
Salpeterfels von Memoora hat nach J. Davy folgende Zusammensetzung: 

Kaliumnitrat 2.4 bis 8 "/o. 

Magnesiumnitrat 0,7 7o- 

Magnesiumsulfat 0,2 , 

Calciumkarbonat 26.5 , 

unlösliches (Quarz, Feldspath und Glimmer) . 60,8 , 

Wasser 9.4 , 

100.0%. 

In Bengalen und in der Umgegend von Patna liegen die salpeterführenden 

Schichten frei an der Oberfläche auf einem sehr humusreichen Boden, in welchem 

lebhafte Salpetergährung stattfindet. Während der trockenen Jahreszeit sammelt 

sich der Salpeter in der obex-sten Kruste an. Sorel theilt folgende Analysen 



Kalisalpeter. 305 

I 
solcher Salpetererde mit: A nach J. Davy aus dem Distrikt von Tirhoot in Ben- 
galen, B nach Haynes aus der Umgegend von Patree in Gutserat: 

A B 

Kaliumnitrat 8,3 7« 2,26 7« 

Natriumnitrat — „ 6,32 „ 

Calciumnitrat 3,7 „ — r 

Chlornatrium 0,2 , 14,81 , 

Calciumsulfiit 0,8 , 1,43 , 

Magnesiumsulfat — „ 1,38 „ 

Calciumkarbonat 35,0 ,,1 

Unlösliches 40,0 . 73,80 , 

Wasser und organische Sustanze n 12,0 J 

100,0 7u 100,00% 

Andere, sehr bedeutende Lager von Kalisalpeter sind bei Tacunga in Peru, 
bei Cochabamba im Herzen von Boliva, und 1892 auch im Mashonalande (Afrika) 
entdeckt worden (Soc. Ch. Ind. 1892. 854). Auch in Turkestan, Egypten, 
Conia in Kleinasien , Ungarn und Spanien findet sich Salpetererde an der Ober- 
fläche. Weniger wichtige Vorkommnisse sind folgende: Ganz ähnliche Höhlen wie 
auf Ceylon existiren an der Küste des Adriatischen Meeres, in Italien (pulo _di 
MofFeta), in den Vereinigten Staaten Nordamerikas (Tennessee, Kentucky, Virginia, 
am Missouri und am Crookedfluss) , in Afrika und auf Teneriffa. In Frankreich 
wird die natürliche Salpeterbildung in einigen Kreidehöhlen an der Seine, welche 
von den Einwohnern als Viehställe benutzt werden, und in den Steinbrüchen von 
Longpont durch künstliche Behandlung der Dungstolfe befördert. An einigen dieser 
Höhlen efflorescirt der Salpeter aus dem porösen Gestein und wird durch Abkratzen 
gewonnen. In ähnlicher Weise erscheint Salpeter an allen günstig gelegenen Vieh- 
ställen an den Wänden (Mauersalpeter). Es kommen jedoch auch Efflorescenzen 
von Karbonaten und Sulfaten vor. 

In Schweden, Ungarn, der Schweiz und Spanien betrieb man früher 
Salpeterplantagen, indem man Viehdünger und thierische Abfälle aller Art 
mit lockerer, humusreicher Erde mischte, etwa in abwechselnden Lagen, und diese 
Haufen unter regelmässiger Befeuchtung mit Stalljauche oder Wasser 2 bis 3 Jahre 
der freiwilligen Oxydation überliess. (Ausführlichere Beschreibungen in Fremy's 
Encycl. 5. 303 bis 309). Bei genügendem Luftzutritt findet in diesen Haufen eine 
HNOa-Gährung statt unter Mitwirkung von Spaltpilzen, welche R. Warrington 
entdeckt und beschrieben hat (Ch. N. 1881. 44. 217). Bei ungenügendem Luft- 
zutritt aber entstehen Reduktionen zu Nitrit und NH3. (Ausführliche Literatur- 
nachweise darüber in des Verfassers Denkschrift über Verunreinigung der Ge- 
wässer 1890. 3, 46.) 

Auch in einigen Pflanzen findet sich Kalisalpeter fertig gebildet vor, so 
in Amarantus Blitum, A. atropurpureus und A. melancholicus. 

Gewinnung desKali. Salpeters. Auf Ceylon wird das salpeter- 
haltige Gestein gröblich zerkleinert, mit Holzasche vermischt und mit 
H.,0 ausgelaugt. Dabei gehen alle Erdnitrate in Kaliumnitrat über. 
Die Lauge wird zuerst durch Sonnenwärme und dann in Pfannen mit 
Unterfeuer eingedampft. 

In Bengalen und Gutserat wird die Salpetererde einfach ausgelaugt, 
wobei das Calciumnitrat verloren geht. 

In den europäischen Salpeterplantagen wird der salpeterführende 
Humus unter Zusatz von Holzasche methodisch ausgelaugt, um eine 
ges. Salpeterlsg. zu erhalten Sorel führt in Fremy's Encycl. 5. 310 
bis 314 Schloesing's Theorie der besten Einrichtung einer systemati- 
schen Auslaugerei an. 

Wenn die Salpeterrohlauge ausser KNOy noch andere Nitrate 
enthält, so wird sie mit einer gerade hinreichenden Menge Pottasche 
oder mit K,SO^ und etwas Kalk, oder mit KCl versetzt („Brechen der 
Lauge"), um alle Nitrate in KNO3 überzuführen (Freniy 5. 315). 

Handbuch der ehem. Technologie. I. 20 



306 Salpeter. 

Die o-eklärte Lauge wird eingedampft, während man Chlornatrium aus- 
fischt, und dann der Krystallisation überlassen. Die Arbeitsweise iu 
den Salpetersiedereien ist ausser in Fre'my auch in Fischer (Chem. 
Techn. 1889. 470) beschrieben worden. 

Der auf diese Weise gewonnene Rohsalpeter enthält noch 10 bis 
20 > fremde Salze, namentlich NaCl. 

In Soc. Ch. Ind. 1888. 97 werden folgende Analysen von im 
Handel vorkommendem Rohsalpeter mitgetheilt : 

Kaliumnitrat 73,24 ",o 58,42 > 

Chlorkalium 11,82 „ — , 

Chlornatrium. .... 8,91 „ 39,46 „ 

Natriumsulfat .... 2,81 „ 0,92 . 

Unlösliches 0,58 , 0,04 , 

Wasser ■ 2,64 „ 1,16 .. 

iOU,00",'o 100,00 "/o 

Kaligehalt 41,0 .. 23,63 „ 

Der Salpeter von Cochabamba in Bolivia enthält nach Sacc 
(C. r. 99. 84;: 

Kaliumnitrat 60,70 "/o 

Borax 30,70 „ 

Chlornatrium und Wasser . kleine Menge 
Organische Substanz . . 8,60 "/o 

100,00 % 
Der Rohsalpeter wird durch Umkryst. gereinigt. Man löst den- 
selben in möglichst wenig siedendem H^O, wobei das Kochsalz grössten- 
theils ungelöst bleibt. Beim Erkalten der Lauge kryst. der Salpeter 
fast vollständig aus. Derselbe schliesst um so weniger Mutterlauge ein, 
je kleiner die Kryst. sind. Man stört deshalb die Krystallisation durch 
Umrühren, um Salpetermehl zu erhalten, welches sich durch Decken 
fast ganz Cl-frei herstellen lässt. 

Die Raffinirung des Rohsalpeters in kupfernen Gefässen ist in 
Fremy's Encycl. 5. 319 bis 321 und in Upmann, Das Schiesspulver, 
1874. 24, ausführlich beschrieben. 

Die wirthschaftliche Bedeutung der vielen kleinen Salpeterplantagen 
und Salpetersiedereien ist aber durch die Entdeckung der chilenischen 
Salpeterlager sehr gesunken. In Ungarn gewinnt man im .lahre 3 bis 
4 t Salpeter von 1 ha Salpeterboden. Schweden erzeugte 1873 im 
Ganzen 100 t Salpeter. Aus einem Viehstalle gewinnt man alle 3 bis 
4 Jahre 0,1 bis 0,5 t Salpeter. Diese Mengen verschwinden gegen- 
über den grossen Importen aus Ostindien und Chile und den Mengen 
des in Fabriken dargestellten Konversionssalpeters. 

Konversionssalpeter. Bis etwa zum Jahre 1850 wurde der 
Bedarf an Kalisalpeter für die Schiesspulverfabrikation fast ausschliess- 
lich durch Ostindien gedeckt. Als aber während des Krimkrieges 1852 
bis 1855 die Nachfrage das Angebot überstieg, begann man in Deutsch- 
land damit, den Chilisalpeter fabrikmässig in Kalisalpeter umzuwandeln. 
Um diesen Industriezweig haben sich Anthon, Kuhlmann, Waltl 
und namentlich Wöllner, Grüneberg undNöllner verdient gemacht. 
A. Geyger führt in Hofmann's Ber. S. 203 ff. die Literaturnach- 
weise an. 



Kalisalpeter. 



307 



Die ersten Versuche geschahen mit Kalilauge oder mit Pottasche, 
wobei Natriumkarbonat als Nebenprodukt abfiel. (Man vergl. Geyger 
oder Fischer's Techn. 1889. 473.) Diese Umsetzung ist jedoch kost- 
spielig und unvollständig und daher zu Gunsten der Umsetzung mit 
Chlorkalium verlassen worden: NaNO. + KCl = NaCl + KNO,. 

Diese Umsetzung ist glatt und vollständig; und bei der grossen 
Verschiedenheit der Löslichkeit der hier in Betracht kommenden Salze 
ist auch die Trennung derselben leicht durchzuführen. Je ein Gewichts- 
theil der folgenden Salze braucht bei verschiedenen T. folgende Ge- 
wichtstheile H^O zur Auflösung (aus Fremy, Encycl. 5. 316 ent- 
nommen) : 





IkgKNOg 


1 kg KCl 


1 kg NaCl 




IkgKNOg 


1 kg KCl 


IkgNaCl 


T.-Grad 


braucht 


braucht 


braucht 


T.-Grad 


braucht 


braucht 


braucht 


H.,0 


H,0 


H2O 


H2O 


H2O 


H2O 




kg 


kg 


kg 




kg 


kg 


kg 





7,5 


3.41 


2,84 


45 


1,34 






3,2 


6,21 


— 


— 


50,7 


1,02 


— 


— 


5 


— 


— 


2,83 


52.4 


— 


2,28 


— 


10 


3,9 


3,13 


— 


59,9 


— 


— 


2,69 


11,67 


3,4 




— 


65,45 


0,79 


— 


— 


11,8 


— 


2,8 


— 


79,6 


— 


1,96 


— 


13,9 


— 


— 


2,79 


79.7 


0,59 


— 


— 


15 


— 


2,8 


— 


97,7 


0,424 


— 


— 


16 


4,0 


— 


— 


109,6 


— 


1,68 


— 


16,9 


— 


— 


2,78 






(siedend) 




18 


3,45 


— 


— 


109,7 


— 


— 


2,47 


19,35 


— 


2,8 


— 








(siedend) 


24 


2,60 


— 


— 


115,9 


0,298 


— 


— 


35 


1,82 








(siedend) 







Zur Fabrikation von Konversionssalpeter benutzt man Chilisalpeter 
mit etwa 95 "/o NaNO., und Stassfurter Chlorkalium mit etwa 80 ^/o KCl. 
In einem gusseisernen Kessel von etwa 4000 1 Inhalt werden äquivalente 
Mengen von Natronsalpeter und Chlorkalium aufgelöst, also auf je 85 kg 
NaNOy genau 74,5 kg KCl, nach dem Gehalt der Rohmaterialien ab- 
gewogen. Neuerdings nimmt man einen Ueberschuss von NaNOg, um 
vollständige Zerlegung des KCl zu bewirken. 

Anthon löste zuerst das Nitrat auf, fügte dann das Chlorkalium 
zu und kochte die Lsg., bis sie 1,38 bis 1,41 SG. zeigte. Sein Salpeter 
enthielt noch 0,25 "/o NaCl und rausste durch Umkryst. gereinigt werden. 
Jetzt löst man zuerst das Chlorkalium auf, bis die Lsg. heiss gemessen 
1,20 bis 1,21 SG. zeigt, dann wird der Natronsalpeter zugefügt und 
eingedampft, bis die Lsg. 1,50 SG. hat. Das fortwährend sich ab- 
scheidende NaCl wird ausgefischt und auf eine geneigte Platte ge- 
schüttet, von der die Lauge in den Lösekessel zurückfliesst. Sobald 
die Salpeterlauge 1,50 SG. erreicht hat, lässt man sie einige Zeit sich 
klären, wobei das ausfallende NaCl die suspendirten Theile mit sich 
reisst, und lässt dann die klare Lauge nach den Krystallisirgefässen 
abfliessen. Diese sind gusseiserne, kupferne oder mit Pb ausgekleidete 
hölzerne Kästen von etwa 1,5 m Durchmesser oder Seitenlänge mit 
Rührwerk, welches in der Minute etwa 12 Umdrehungen macht. Hier- 
durch fällt der Salpeter während des Abkühlens in Form eines feinen 



308 Salpeter. 

Krystallmehls aus, welches durch ein- bis zweimaliges Decken tou 
Chloriden befreit wird. Beim Decken mit kaltem Wasser lässt sich 
KCl schwer, NaCl leichter aus dem Rohsalpeter entfernen. Die Mutter- 
lauge und die Decklauge kehren in den Lösekessel zurück. 

An anderen Orten lässt man die heisse Lauge in flachen eisernen 
Becken kryst. : Rohsalpeter I dampft die Mutterlauge weiter ein, wäh- 
rend man NaCl ausfischt, und lässt die klare Lauge wieder kryst.: 
Rohsalpeter II. Die hiervon ablaufende Mutterlauge geht, nach Aus- 
fällung der Kalk- und Magnesiasalze mittelst Soda, wieder zum Lösen 
der Rohstofi'e in den Betrieb zurück. Nach H. Ost (Techn. Chem. 1890. 
123) wird die Mutterlauge nur alle paar Jahre entfernt, nachdem das 
darin angereicherte J gewonnen worden ist. 

Rohsalpeter I und II werden mit wenig kaltem HgO gewaschen 
und aus siedendem H.,0 unter „Kaltrühren" umkryst. Einen Apparat 
dafür beschreibt Verzyl (D.R.P. Nr. 21177 v. 10. Febr. 1882; Ch. 
Ind. 1883. 201). Das Salpetermehl wird mit kaltem H.O gewaschen, 
in kupfernen Pfannen mit doppeltem Boden, Dampfheizung und Rühr- 
werk getrocknet, durch Siebe geschlagen und in Holzfässer verpackt. 

Der Kalisalpeter muss für die Schiesspulverfabrikation Cl-frei sein. 
Die grosse Salpeterfabrik von Vors t er und Grüneberg in Kalk bei 
Köln garantirt z. B. in ihrem Salpeter einen Gehalt von höchstens 
0,0067 > Cl und 0,005 V Unlöslichem. 

Das bei dieser Fabrikation als Nebenprodukt gewonnene Koch- 
salz wird mit heisser Kochsalzlsg. gewaschen, wodurch das noch darin 
enthaltene KNO.. in Lsg. geht. Wenn die abfliessende Decklauge 
1,263 SG, zeigt, so kann man annehmen, dass alles KNO3 aus dem 
Kochsalz entfernt ist. (Mercklin und Lösekann, D.R.P. Nr. 70 994.) 

Prüfung. Die älteren Methoden der Prüfung des Salpeters, wie sie in 
Schiesspulverfabriken üblich sind, sind von J. üpmann (Das Schiesspulver, 1874. 
12 bis 24) beschrieben worden. Reiner Salpeter erstarrt nach vorsichtigem Schmel- 
zen zu einer weissen Masse, die auf dem Bruche grossstrahlig ist. Eine Vei'- 
unreinigung mit 1,235 "/o NaCl macht den Bruch schon etwas körnig; eine Bei- 
mengung von 1,96 "jo NaCl verursacht in der Mitte des Salpeters einen Streifen, 
welcher nicht mehr strahlig und weniger durchsichtig ist, und bei 2,6 ''/o NaCl ist 
strahliges Gefüge nur noch an den Kanten zu bemerken. Eben solche Veränderungen 
des Bruches werden auch durch Verunreinigung mit NaNOs hervorgebracht. Diese 
Prüfung wurde 1813 durch G. Schwarte in Schweden eingeführt, wo jeder 
Grundbesitzer verpflichtet ist, als Abgabe jährlich eine bestimmte Menge Salpeter 
an den Staat zu liefern. 

Das seit 1823 in Oesterreich übliche Verfahren von Huss und dessen Lös- 
lichkeitstabelle ist in Upmann und Fremy (Encycl. 5. 323) beschrieben. Ebenso 
die Verfahrungsweisen von Riff ault, Gay-Lussac, Reich, Persoz, Gossart, 
Pelouze, Schlösing, Tael und A n t h n. 

In Frankreich ist seit 1872 das Verfahren von Schlösing üblich, welches 
seitdem durch Lunge vereinfacht worden ist (Nitrometer). 

Die gravimetrischen Methoden sind bereits beim Natronsalpeter erwähnt 
worden. Zur K-ßestimmung benutzte man in Spandau die Lieber Chlorsäure (Up- 
mann 1874. 23; E. Pfeiffer, Kali-Industrie 1887. 22.5; Wense,Z. ang. Ch. 1891. 
691; 1892. 238; Ch. Ind. 1892. 188; 1893. 29 und 107). 

Die neuesten Methoden der Nitratuntersuchungen sind in der Ch. Ind. 1893. 
84 bis 87 zusammengestellt. 

Eigenschaften. Das reine KNO3, Mol. = 101, enthält: K9O = 46,535 °/o, 
N2O5 = 53,465 7o. 

Es kryst. in grossen, farblosen, zweigliedrigen Prismen von der Form des 
Aragonits. SG. 2,058. Schmilzt bei 329**. In der Rothglut zersetzt es sich in 



Kalisalpeter. 



309 



Nitrit und 0. Es hat einen kühlenden, schwach salzigen Geschmack und löst sich 
in H2O unter beträchtlicher T.- Erniedrigung leicht auf (Berthelot, Thomsen, 
Mehner). Die Mengen H2O, welche zur Auflösung von 1 Gew.-Thl. Kaliumnitrat 
erforderlich sind, sind bereits in der Tabelle auf S. 307 nach Gay-Lussac, Bun- 
sen und Kirchhof, Riffault und Lepage mitgetheilt worden. Nach Gay- 
Lussac und Griffiths lösen 100kg H2O folgende Mengen KNO3: 



T. 

Grad 


KNO3 
^g 


T. 

Grad 


KNO3 
kg 


T. 
Grad 


KNO3 
kg 




5,01 
11,67 
17,91 


13,32 
16,72 
22,23 
29,31 


24,94 
35,13 
45,10 
54,72 


38,40 
54,82 
74,66 
97,05 


65,45 
79.72 
97,66 
114,5 


125,42 
169,27 
236,45 
284,61 



Die ges. Lsg. siedet bei 118°. Eine bei 15'' gas. Salpeterlsg. enthält 21,07 7o 
KNO3 und hat die Dichte 1,1441 oder 18,2° Be. 

Die Löslichkeit des Kaliumnitrats nimmt bei Gegenwart von NaCl zu (weil 
dann Umsetzungen in die leichter lösl. Salze NaNOg und KCl stattfinden). Nach 
Longchamp nehmen 100 g einer bei 18" ges. Salpeterlsg., welche 21,63 % KNO3 
enthält, auf Zusatz von 5 g NaCl noch 0,744 g, auf Zusatz von 10 g NaCl noch 
1,267 g, und (als Maximum) bei Zusatz von 26,85 g NaCl noch 3,22 g KNO3 auf. 

Anwendungen. Die wichtigste Anwendung ist diejenige zur Fabrikation 
des Schiesspulvers (von J. Up mann 1874 beschrieben, mit sehr ausführlichen 
Literatui-nach weisen) , des Sprengpulvers und der Feuerwerkskörper. In der Me- 
tallurgie wird KNO3 angewendet zur Herstellung 

1. des schwarzen Flusses : Gemenge aus 1 Thl. KNO3 mit 2 Thln. Weinstein, 
welches beim Schmelzen in K2CO3 und fein zertheilte Kohle übergeht. Der schwarze 
Fluss dient zum Umschmelzen von Metallen, welche während der Operation vor 
Oxydation geschützt werden müssen, und kann ebenso gut auch durch Vermischen 
von Pottasche mit Russ hergestellt werden. 

2. Des weissen Flusses: Gemenge aus 1 Thl. KNO3 mit 1 Thl. Weinstein, 
welches beim Schmelzen in K2CO3 übergeht, welches noch unzersetztes KNO3 ent- 
hält. Der weisse Fluss wird beim oxydirenden Umschmelzen von Metallen benutzt 
und kann ebenso gut auch durch Vermischen von Pottasche mit etwas KNO3 her- 
gestellt werden. 

3. Mit Borax vermischt zum Schmelzen der Edelmetalle. 

4. Kleine Mengen werden auch zum Einpökeln von Fleisch benutzt, um dem- 
selben die rothe Farbe zu erhalten, und in der Landwirthschaft. 

5. Eine sehr interessante Anwendung in den Mahn er'schen Dampferzeugern 
und Kondensatoren ist noch in der Vorbereitung. 

Wirthschaftliches und Statistik. Bis zum Krimkriege (1853 bis 
1856) wurde der Salpeterbedarf der Erde fast ausschliesslich durch Ostindien ge- 
liefert. Seit dieser Zeit hat Deutschland durch das Stassfurter Chlorkalium als 
salpeterproduzirendes Land den Vorrang gewonnen. 

Aus Ostindien wurden nach dem Statistical Abstract for India 1891. 222 
folgende Mengen Kalisalpeter (in Cwts. zu 50,8 kg) exportirt: 





Gesammtexport 


Davon gingen 


nach England 


Jahr 


Menge 


Werth 


Menge 


Werth 




Cwts. 


in £ 


Cwts. 


in £ 


1876/77 


466 218 


381 706 


191 468 


206 576 


1879/80 


509 372 


469 797 


167 070 


178 769 


1884/85 


451917 


425 000 


225 277 


175 700 


1889/90 


422 229 


411 276 


151241 


127 581 


1890/91 


399 690 


380 059 


133 107 


112 423 


1891/92 


389 185 


365 618 







310 



Salpeter. 



Bei der Umrechnung sind 10 Rupien = 1 £" gesetzt worden. 
Die Ausfuhr nach England ist aus den Annual Statements of the Trade of 
the United Kingdom entnommen; dieselbe kam fast ausschliesslich aus Bengalen. 
Nach E.Pfeiffer (Kali- Industrie 1887. 479, 438, 103, der Ch. Ind. 1893. 
118) und den Berichten des Verkaufssyndikats der Stassfurter Kali- 
werke haben wir eine Tabelle über Konversionssalpeter berechnet, indem 
wir zu den Umrechnungen die in folgender Tabelle zusammengestellten Werthe 
benutzten: 

100 Kalisalpeter, KNO3 erfordern: 

theoretisch 84,16 NaNOg (rein) 

88,59 Chilisalpeter mit 94 »/o NaNOg 
praktisch vor 1885: 94 Chilisalpeter (950/0) 
seit 1885: 92 Chilisalpeter (95» 
seit 1888: 93 Chilisalpeter (95%) 
theoretisch 73,76 KCl (rein) 

92.2 Chlorkalium mit 80 ",0 KCl 
81,95 , , 90 , , 

77,64 , , 95 „ „ 

praktisch 98 Chlorkalium (80 », seit 1888: 95 
87 „ (90 , ) 

82 , (95 ,) 

und geben als Nebenprodukt: 

theoretisch 57,72 NaCl (rein) 

64,13 Kochsalz mit 90 ",0 NaCl 
praktisch 65 Abfallsalz. 



Natriumnitrat 



Chlorkalium 









Konversionssalpe 


.er. 










Stassfurter Chlorkalium 

(80 » auf der Erde zu 

Salpeter verbraucht 


Konversions- 
salpeter fabrizirt 
(berechnet) 


Natron 


Salpeter dazu verbraucht 
(berechnet) 


Jahr 


Menge 

t 


Prozent 

der 
Gesammt- 

Produk- 
tion 




Menge 
überhaupt 

t 


t 


Auf der Erde 


In Deutsch- 
land 




Menge 

1 t 


des Exports 

aus 
Südamerilia 


Menge 
t 


"0 
des 
Im- 
ports 


1S7S 
1880 
1885 
1890 
1891 
1S92 
1893 


30 653 
27 610 
44 889 
47 174 
44 222 
37 854 
32 781 


27,68 
28.51 
41,85 
35,00 
30,82 
31,28 
24,74 


60,6 
46,1 
51,9 
51,8 
54,2 
53,8 
58,4 


31279 
28173 

45 805 
49 657 

46 550 
39 846 
34 506 


18 955 
12 988 
23 773 
25 722 
25 230 
21437 
20158 


29 402 
26 483 

42 141 
46 181 

43 292 
37 057 
32 091 


9,04 
11,75 
9,60 
4,50 
4,85 
4,61 
3,40 


17 818 
12 209 
21 871 
23 921 
23 464 
19 936 

18 747 


30,10 
22,16 
13,96 
6,95 
5,93 
5,25 
4,87 



Das Deutsche Reich führte folgende Mengen Kalisalpeter (roh und ge- 
reinigt) zollfrei ein und aus: 





Einfuhr 


Au 


s f u h r 


Jahr 


Einfuhr 


Au 


s f u h r 


Jahr 




Werth 




Werth 




Werth 




Werth 




Menge 


m 


Menge 


m 




Menge 


m 


Menge 


in 




t 


1000 Mk. 


t 


1000 Mk. 




t 


1000 Mk. 


t 


1000 Mk. 


1880 


7 286 


3 533 


4 256 


2 129 


1887 


1629 


619 


3 124 


1187 


1881 


8171 


3 922 


6 734 


3 382 


1888 


1783 


749 


4 341 


1823 


1882 


3 297 


1484 


6 753 


3169 


1889 


319 


128 


8 102 


3 241 


1883 


4 345 


1912 


6 575 


3 024 


1890 


90 


36 


10 185 


4 054 


1884 


2 887 


1213 


6 840 


2 873 


1891 


413 


173 


9 663 


4 058 


1885 


1315 


539 


4175 


1712 


1892 


924 


388 


8 874 


3 727 


1886 


1480 


592 


4 448 


1779 


1893 


647 


259 


9 652 


3 668 



Kalisalpeter. 



311 



Etwa die Hälfte der Ausfuhr ging nach England, der übrige Theil nach 
Holland, Frankreich, Spanien und Italien. 

Mit Hülfe der Tabelle über Konversionssalpeter und der Statistik des Deutschen 
Reiches gelangt man auch zu den Verbrauchszahlen für Kalisalpeter im Deutschen 
Reiche (ausführlicher in Ch. Ind. 1894. 222): 





Verbrauch 


von Kalisal 


peter im Deutschen Reiche. 










Verbrauch 




Fabrizirt 
aus Natron- 








Jahr 


Einfuhr 


Ausfuhr 




auf den Kopf 




salpeter 






im Ganzen 


der Bevölkerung 




t 


t 


t 


t 


kg 


1878 


18 955 


8 500 


3 785 


23 670 


0,536 


1880 


12 988 


7 286 


4 256 


16 018 


0,355 


1885 


23 773 


1315 


4 175 


20 913 


0,448 


1890 


25 722 


90 


10 135 


15 677 


0,317 


1891 


25 230 


413 


9 663 


15 980 


0,320 


1892 


21 437 


924 


8 874 


13 487 


0,268 


1893 


20 158 


647 


9 652 


11153 





Gross britannien führte nach dem Statistical Abstract 1891 und den 
Annual Statements of the Trade of the United Kingdom folgende Mengen Kali- 
salpeter zollfrei ein und aus. (Wir nehmen die Tabelle, welche mit 1876 beginnt, 
nur 1885 auf.) 





Import 


Export 


Jahr 


Menge 

in Cwts. 

zu 50,8 kg 


Werth 
in £ 


Menge 

in Cwts. 

zu 50,8 kg 


Werth 
in £ 


1885 
1890 
1891 
1892 
1893 


324 737 

312 767 

278 782 
308 381 
242 568 


273 074 
282 669 
251 021 
267 823 
213 874 


38 226 
27 727 
26 130 
31 480 
26 520 


81506 

25 023 

28 800 

26 267 
22 028 



Von der Einfuhr kam etwa die Hälfte aus Bengalen; von der andern Hälfte 
kam der grösste Theil aus Deutschland. 

Frankreich führte nach dem Tableau general du Commerce de la France 
1891. 197 folgende Mengen Kalisalpeter ein und aus: 





E i n 


fuhr 


Aus 


Fuhr 


Jahr 


Menge 
in t 


Werth 
in 1000 Frcs. 


Menge 
in t 


Werth 
in 1000 Frcs. 


1890 
1891 
1892 


4 081 
1600 


1836 
720 


586 
836 


292 
410 



Oesterreich-Ungarn erzeugte im Jahre 1880 (Entwickelung der Indu- 
strie in Oesterreich 1848 bis 1888, 18): 1615 t Kalisalpeter, und führte folgende 
Mengen davon ein und aus (C. v. Ernst in Wien): 



312 



Salpeter. 



Jahr 


Men^e in 100 kg 


Jahr 


Menge in 100 kg 


Einfuhr | Ausfuhr 


Einfuhr 


Ausfuhr 


1860 
1870 
1880 

1885 


282 
2 821 
2186 
1924 


3 

129 

32 

1044 


1890 
1891 
1892 
1893 


27 199 

28 071 
37 626 


44 
11 
15 



Russland erzeugte 1879 (Ch. Ind. 1882. 64) in 48 Salpetersiedereien 
59 744 Pud (zu 16,88 kg) Kalisalpeter im Werthe von 389 755 Rubel. 

Die Türkei deckt ihren Bedarf an Salpeter aus den Siedereien zu Konia 
in Kleinasien (H. Grüneberg. Ch. Ind. 1882. 222). 

China führte 1891: 2085 Pikuls Salpeter ein im Werthe von 20847 Haikun 
Taels (1 Pikul = 60,478 kg, 1 Haikun Tael = 5 Mark). 

Die Vereinigten Staaten von Nordamerika führen etwa 5000 t 
Kalisalpeter ein. 

Ueb ersi cht des Kalisalpeters nach Schätzung. 



Im Jahre 1880 



cä S 
.52 H 



.2 0.1 

o «=•- 



■*^ rr,'JZ 



Je 



Im Jahre 1890 



.2 ^ 



t 



CO 




s ^-^ 


fc. c 


o S '-i 


0} 93 


'2 ®iB 


Salpet 

aus 

Ostindi 


o ^-^ 






t 


t 






Verein. Staaten Amerikas 

Europa 

Erde 



1908 
24 575 
26 483 



2 03( 
26 143 

28 173 



25 468 



3 018 
143163 
33 6451 46181 



3 245 
46 412 
49 657 



21 111 



70 768 



Hiernach stellt sich der Verbrauch von Kalisalpeter auf der Erde 
um das Jahr 1890 angenähert wie folgt: 

Produktion aller Länder . 70 768 t 

Einfuhr 55 200 t 

Ausfuhr 55 200 t 

Verbrauch aller Länder . 70 768 t 
oder, bei einer Menschenzahl von 1480 Millionen, 0,048 kg auf den Kopf. 

Seitdem hat die Produktion und der Verbrauch von Konversionssalpeter be- 
deutend abgenommen. Denn sowie mau nach Einführung des rauchschwachen 
Schiesspulvers die Ueberzeugung gewonnen hatte, dass sich dasselbe bewährt, und 
eine Rückkehr zum Schwarzpulver ausgeschlossen ist, öffneten die Regierungen 1892 
ihre Salpetermagazine und brachten dadurch so grosse Alengen Kalisalpeter und 
selbst Schwarzpulverbestände an den Markt, dass die Fabrikation desselben auf das 
äusserste eingeschränkt werden musste. Ausführlicheres in Ch. Ind. 1894. 219. 

Kaliumnitrit. 

Kaliumnitrit KNOg wird aus KNO^ ebenso dargestellt, wie NaNOg 
aus XaNOy, oder durch Schmelzen mit Blei- oder Kupferdrehspähnen. 



Calciumnitrat. 

Vorkommen und Bildung. Kalksalpeter findet sich in reich- 
lichen Mengen in einigen Höhlen von Venezuela, mit Kalkphosphaten 
vermischt. Nach Muntz und Marcano (C. r. 108. 90U; Soc. Ch. Ind. 



Nitrate. 313 

1889. 627) enthält die Salpetererde vom Boden dieser Höhlen 4 bis 
30 "/o Calciuranitrat und 5 bis 60 "/n Calciumphosphat. Diese Salpeter- 
lager haben sich offenbar aus den Ueberresten, namentlich den Knochen, 
urweltlicher Thiere gebildet. Man fand Gebilde in der Form der Säuge- 
thierknochen, die aber bei Berührung zu Staub zerfielen. 

Die venezolanischen Salpeterlager, welche stellenweise bis 10 m 
dick sind, bilden einen vorzüglichen Dünger; doch könnten sie auch auf 
Salpeter verarbeitet werden. 

Nach Shepard, Treat. on Min. II, hat der in einigen Kalkhöhlen 
von Kentucky als Efflorescenz gefundene Kalksalpeter die Zusammen- 
setzung CaNgOy -|- HoO. 



Die übrigen Nitrate, welche in der Technik noch Anwendung 
finden, wie Ammoniuranitrat, Baryumnitrat, Strontiumnitrat 
u. a., werden nur in sehr kleinen Mengen in chemischen Laboratorien 
dargestellt. Es sei dieserhalb auf Watt's Dictionary, Fehling's Hand- 
wörterbuch der Chemie und Dammer's Lehrbuch der Chemie verwiesen. 



Juiüsch. 



Salpetersäure. 



Geschichtliches. HNO3, im Volksmunde Scheidewasser genannt, 
war schon den ältesten Alchemisten bekannt. Im 8. Jahrh. beschrieb Geber ihre 
Darstellung durch Erhitzen eines Gemisches aus Salpeter, Kupfervitriol und Alaun. 
Durch Zusatz von Salmiak bereitete er Königswasser zum Auflösen des Au. Um 
1220 gab Albertus Magnus eine ähnliche Darstellungsweise an, und benutzte 
HNO3, um Au von Ag zu scheiden. Im Jahre 1225 stellte Raymund von 
Lullius HNO3 fabrikmässig durch Glühen eines Gemisches aus Salpeter und Thon 
dar (Fremy, Encycl. 5. 334). Später benutzte man statt des Thones calcinirten 
Eisenvitriol, um bei niedrigerer T. zu arbeiten. Bei diesen Verfahrungsweisen 
ist aber die Zersetzung des Salpeters nie vollständig, und geht ein grosser Theil 
der HNO3 durch Zersetzung in Untersalpetersäure und verloren. Eine rationelle 
Fabrikation datirt ei-st seit der Zeit, da H2SO4 billig genug geworden war, um die 
Anwendung derselben zu ermöglichen. 

Vorkommmen und Bildung. HNO3 findet sich an Basen gebunden in 
Form von Salpeter an vielen Stellen der Erde und entsteht überall, wo pflanzliche 
oder thierische Stoffe in lockerer Vertheilung und reichlichem Luftzutritt der Ver- 
wesung ausgesetzt sind (siehe S. 293, 304, 305, 313). Kleine Mengen HNO3 ent- 
stehen auch in der Luft durch elektrische Entladungen. Diese Bildungsweise 
haben Fremy und Becquerel künstlich nachgeahmt (Monit. ind. 7.526; Ch. Ind. 
1881. 146). Ueber den Gehalt des tropischen Regenwassers an Nitraten vergl. A. 
Müntz undV. Marcano (C. r. 108. 1062; 114. 184) 

Fabrikation der Salpetersäure. 

Als Rohmaterialien zur Fabrikation der HNO. dienen all- 
gemein nur Chilisalpeter und H^SO^. Nach der Formel: 

2NaN0, + H,SÖ^ = Na.SO, + 2 HNO, 
würden 85 kg NaNOg theoretisch 49 kg H.,SO^ erfordern, und 71 kg 
Na,SO^ und 63 kg HNO3 liefern. Diese Reaktion findet aber nicht 
direkt statt, denn sie könnte nur in höherer T. eintreten, in welcher 
ein beträchtlicher Theil der HNO,, sich in NoO^ und zersetzt. 
Durch Kondensation der entwickelten Dämpfe würde man rothe, rauchende 
Salpetersäure erhalten. 

Bei niedrigerer T. , bei welcher diese Zersetzung noch nicht 
stattfindet, entsteht aber kein Sulfat, sondern Natriumbisulf at, 
wodurch bei äquivalenten Mengen nur die Hälfte des Salpeters zersetzt 
würde. Man hätte daher doppelt so viel H^SO^, als in obiger Formel, 
anzuwenden : NaNO, -\- H.SO, = HNaSO, -f HNO,. 

Obgleich dies die Hauptreaktion ist, nach welcher die Fabrikation 



Darstellung. 



315 



der HNO3 stattfindet, so verläuft dieselbe doch nicht ganz glatt, be- 
sonders da man fast nie die ganze ihr entsprechende Menge H^SO^ 
anwendet. Wenn man Salpeter mit H^SO^ vermischt und langsam 
erh. , so sind die zuerst entstehenden Dämpfe immer durch Unter- 
salpetersäure gefärbt, etvra nach der Formel: 

4NaN03 + 4H2SO4 = 4HNaS0^ + 2HNO3 +H,0 + N^O, + 0. 

Sehr bald werden aber die Dämpfe farblos und es findet dann 
bei etwa 180 bis 135'' die Hauptreaktion statt. Sobald dieselbe 
nachlässt, werden die Dämpfe bei stärkerem Erhitzen wieder gefärbt, 
indem das saure Sulfat auf noch unzersetzten Salpeter einwirkt: 
2HNaS0, + 2NaN0, = 2Na2SO, + H,0 + N.O^ + 0. 

Von diesen beiden Nebenreaktionen wird die erstere zum Theil 
dadurch verursacht, dass die im Ueberschuss vorhandene H^SO^ wasser- 
entziehend auf die HNOg-Dämpfe wirkt und dieselben dadurch zum 
Zerfallen bringt; die letztere durch die hohe T. , in welcher Salpeter- 
säuredampf nicht mehr bestehen kann. 

Um diese unerwünschten Nebenreaktionen möglichst einzuschrän- 
ken, wendet man nicht konz. H._,SO^ an, sondern höchstens solche von 
59 bis 61,5 •' Be. (140 bis 148'' Tw.), wie man sie aus dem Gloverthurm 
oder Bleipfannen erhält, und ausserdem einen Ueberschuss von 20 bis 
50 ''/o über die theoretische Menge, um die Zersetzung bei niedriger T. 
zu vollenden. Nur zur Darstellung der HNO., vom SG. 1,5 wendet man 
H2SO4 von 66« Be. an. 

Ueber die Zersetzung von Natronsalpeter durch H^SO^ hat Volney 
(Am. Ch. Soc. 1891. 13. 246) folgende Beobachtungen mitgetheilt: 



T. 



77 bis 90" 
94 bis 109 
117 bis 122 
130 bis 135 



Farbe der 
übergehenden 
Salpetersäure 



SCt. der Salpeter- 
säure bei 15 " 



farblos 

gelb 

leicht gelb 

farblos 



1,5193 

1,505 

1,420 



Bis etwa zum Jahre 1850 benutzte man noch vielfach den ost- 
indischen Kalisalpeter zur Darstellung von HNO3, und zwar nahm 
man die Zersetzung in Glasretorten vor, die man mit etwa 12 kg 
Salpeter beschickte. Dieselben sind z. B. in Fremy's Encycl. 5. 340 
beschrieben und abgebildet. Als sich jedoch das Bedürfniss einstellte. 
HNO3 in grossen Mengen zu fabriziren, und man zur ausschliesslichen 
Anwendung des Natronsalpeters überging, fing man seit etwa 1855 
an, die Glasretorten durch gusseiserne Ge fasse zu ersetzen. 

Die Anwendung des Natronsalpeters bietet folgende Vortheile: 

1. Der Preis des Natronsalpeters ist nur etwa die Hälfte bis 
zwei Drittel desjenigen des Kalisalpeters. 

2. Aus 100 kg Natronsalpeter kann man theoretisch 63,53 kg 
N2O5 in Form von Salpetersäure gewinnen, aus 100 kg Kalisalpeter 
aber nur 53,465 kg. 

3. Das Natriumbisulfat gibt seine Säure leichter ab, als das Kalium- 
bisulfat, so dass die Reaktion in niedrigerer T. beendigt werden kann. 



3X6 Salpetersäure. 

Die ältere Form der gusseisernen Retorten, die auch gegenwärtig 
in -vielen Fabriken noch in Gebrauch ist, besteht in liegenden Cylin- 
dern, die so eingemauert sind, dass sie von der Flamme frei umspült 
werden. Die vordere Oeffnung des Cylinders ist entweder flanschen- 
artig erweitert oder hat im Inneren einen ringförmigen Anschlag für 
die Schlussplatte aus Gusseisen oder Thon. Der Anschlag ist jedoch 
an der tiefsten Stelle ausgekehlt, um das saure Sulfat völlig abfliessen 
zu lassen. Der Cylindermantel selbst ist an dieser Stelle etwas ver- 
längert, um den Ausfluss frei vom Mauerwerk zu bewirken. Das 
hintere Ende des Cylinders ist entweder mit dem Mantel in einem 
Stück gegossen oder offen, und wird dann wie die vordere Oefihung 
durch eine Platte geschlossen. 

Die Vorderplatte des Cylinders wird zur Beschickung entfernt, 
besitzt eine Oeffnung, um HgSO^ unter hydraulischem Verschluss ein- 
fliessen zu lassen, und ein Schauloch. Die entwickelten Dämpfe werden 
durch ein Loch in der Hinterplatte nach dem Kondensationsapparat 
abgeleitet. 

Diese Cylinder sind in vielen Technologien abgebildet, z. B. in 
Fr^my, Encycl. 5. 342; Lunge, Sulphuric acid 1891. 87. 

Die Einmauerung dieser Cylinder ist entweder derart, dass jeder 
seine eigene Feuerung hat, oder dass man je zwei neben einander 
liegende Cylinder durch eine gemeinsame Feuerung heizt. Eine Aus- 
mauerung der oberen Cylinderhälfte hat man als unzweckmässig ver- 
lassen (Lunge, Sulphuric acid 1891. 88). 

Die gebräuchlichen Dimensionen dieser Cylinder sind folgende : 
1,65 m Länge, 0,65 m Durchmesser und 35 bis 40 mm Gussstärke. 
Man beschickt dieselben mit 75 bis 76 kg Chilisalpeter und etwa 80 kg 
BßO^ von 60'^ Be'. Eine Operation dauert 12 bis 19 Stunden. 

In einer grossen Fabrik in Nordfrankreich waren 1882 schon seit mehreren 
Jahren Cylinder im Gebrauch von 2 m Länge , 73 cm innerem Durchmesser und 
3,5 cm Gussstärke. Die Hinterwand war zum Schutz der Endplatte ausgemauert. 
Je zwei Cylinder hatten eine gemeinsame Feuerung etwa 50 cm im Quadrat. Um 
6 Uhr morgens wurde die Frontplatte der Cylinder geöffnet, das saure Sulfat 
herausgezogen und jeder Cylinder (früher mit 90 kg) mit 120 kg Chilisalpeter 
beschickt. Alles dies, das Einsetzen und Dichten der Frontplatte dauerte bis 
7V2 Uhr. Um diese Zeit wurde die in Pb-Kästen abgemessene Menge H.2SO4 ein- 
fliessen gelassen und Feuer gemacht. Die sich entwickelnden Dämpfe traten durch 
ein in jede Hinterwand eingekittetes Glasrohr in ein beiden Cylindern gemeinsames 
Bombon, und von hier, so lange sie roth gefärbt waren, durch hydraulischen Verschluss 
in eine Reihe von acht Bombons; sobald sie aber farblos und zugleich sehr viel heisser 
wurden, durch ein anderes Kniestück in eine danebenstehende Reihe von acht Bom- 
bons. Beide Bombonreihen vereinigten sich wieder in einem gemeinsamen Bom- 
bon oder Hessen ihre Gase direkt in einen kleinen Gay-Lussac von etwa 4 m 
Höhe eintreten. Die Bombons wurden bis zu verschiedenen Höhen mit H)0 be- 
schickt und während Mittag bis Abend dreimal mit Hebern theilweise entleert. Das 
Feuer wurde während der Nacht durch einen Mann unterhalten und um 3 Uhr 
morgens erlöschen gelassen. Man erhielt etwa 45 7" rothe und 55 7» wasser- 
klare HNO3. 

Es ist jedoch nicht absolut nöthig, geschlossene Cylinder an- 
zuwenden. In einer süddeutschen Fabrik benutzte man 1881 über- 
wölbte Tröge aus Gusseisen von 2 m Länge, 0,75 m Breite und 
0,4 m Tiefe, welche in Reihen von 12 neben einander eingemauert 
waren. Eine Operation dauerte 24 Stunden. Man wendete 1,74 Aequi- 
valente H^SO^ auf das NaNOg an. 



Darstellung. 317 

Ausser den Cylindern und Trögen wendet man auch Töpfe an 
(marmites), die man derartig einmauert, dass die Flamme auch den 
Deckel erh. Beschreibungen und Abbildungen derselben finden sich 
in Fremy's Encycl. 5. 344, und Lunge, Sulphuric acid 1891. 88. 
Diese Töpfe besitzen oben eine Beschickungsöffnung , welche durch 
eine Platte verschlossen wird, einen Rohrstutzen zum Einfliessenlassen 
der HoSO^, ein Austrittsrohr für die Dämpfe, und unten ein seitliches 
Abflussrohr für das saure Sulfat. Ein solcher Topf von 1,30 m Durch- 
messer und 1,50 m Höhe wurde mit 250 kg Chilisalpeter beschickt und 
in 12 bis 14 Stunden abgetrieben. 

Neuerdings sucht man diese Töpfe immer grösser zu machen, 
um mit annähernd demselben Arbeitslohn grössere Mengen HNO,, zu 
fabriziren. Ein Topf von 1,524 m innerem Durchmesser und eben 
solcher Höhe und etwa 5 cm Gussstärke wird mit 457 kg Chilisalpeter 
beschickt und in 16 bis 18 Stunden abgetrieben. In grossen, modernen 
Fabriken macht man jetzt die Töpfe so gross, dass sie eine Beschickung 
von 610 kg Chilisalpeter und 660 kg H,SO^ 66" Be. (06,4 "/o H.SOJ 
aufnehmen können (Guttmann, Z. angew. Ch. 1891. 238). Eine solche 
Beschickung wird dank den vervollkommneten Kondensationseinrichtungen 
in 10 bis 11 Stunden abdest. 

Oskar Guttmann (Soc. Ch. Ind. 1893. 203) benutzt eine Retorte, 
welche wegen der Grösse der Gussstücke aus drei Theilen zusammen- 
gesetzt ist, Fig. 61. Die untere halbkugelige Schale nimmt die Mischung 
aus 12 bis 14 Cwt. Chilisalpeter und konz. H^SO^^ auf, der ringförmige 
Aufsatz dient dazu, dem Schaum Steigeraum zu gewähren; der Deckel 
schliesst die Retorte und ist mit Oeffnungen versehen, um die Beschickung 
einzubringen und die Dämpfe abzuleiten. Diese Theile sind mit Rost- 
cement gedichtet. Die nach innen vorspringenden Flanschen dienen dazu, 
das Steigen des Schaumes zu brechen^ und die Säure, welche im oberen 
Theil etwa kondensirt, nicht an den Wänden herunter laufen, sondern 
sie auf die Beschickungsmasse tropfen zu lassen. Die Retorte ruht auf 
einer kleinen Basis, welche mit dem Ausflussrohr für das saure Sulfat 
verbunden ist, und wird seitlich durch Mauerleisten gehalten. Die Ein- 
mauerung und Ueberwölbung ist so eingerichtet, dass die Flamme die 
ganze Retorte umspült. Gewöhnlich werden vier solcher Retorten zu 
einer Gruppe vereinigt, von denen je zwei ihre Dämpfe an einen Gutt- 
mann-Rohrmann'schen Kondensationsapparat abgeben. 

Der Apparat zur Kondensation der HNO.^ hat folgende 
Entwickelung durchgemacht: In den älteren Fabriken hat man für je 
zwei, eine Beschickung von 75 kg Salpeter aufnehmende Cylinder- 
retorten, die zusammen arbeiten, zwei Reihen von je 8 bis 9 Kon- 
densationstöpfen (Bombons), die auf gleicher Höhe stehen. In 
die Hinterwand jeder Retorte ist ein etwa 40 cm langes Glasrohr ein- 
gekittet, um die Farbe der Dämpfe zu beobachten. Beide Glasröhren 
münden in einen Sammeltopf, aus welchem die Dämpfe , je nachdem 
sie roth oder farblos sind, in die eine oder die andere Batterie ge- 
leitet werden. Die Austrittsgase aus den Topfreihen gelangen in einen 
kleinen, mit Koks gefüllten Thurm von 3 bis 5 m Höhe, und aus diesem 
in einen Schornstein. Der Koksthurm wird entweder mit HgSO^ oder 
mit H^O gespeist. Im ersteren Falle entsteht nitrose Säure , welche 
man zur HgSO^-Fabrikation nimmt , im zweiten schwache HNO^ , die 



318 



Salpetersäure. 



man beliebig verwenden kann. Alle Töpfe, Verbindungsröhren und der 
Körper des Thurmes sind aus Thon. Abbildungen dieses Apparates 
finden sich in den meisten älteren Technologien. Die Töpfe werden 
zu verschiedenen Höhen mit H^O oder schwacher Thurmsäure beschickt, 
um die Kondensation der HNO^ zu erleichtern. Die HNO,^ wird dann, 
so wie sie die bei diesem Betriebe gewöhnlich erstrebte Konzentration 
von 32 bis 38 ^ Be'. erlangt hat, aus den einzelnen Töpfen durch Glas- 
heber abgezogen. Die Töpfe haben dazu ausser den beiden Verbindungs- 




^meiej- 



Fig. yi. Guttmanii's Retorte. 

halsen noch eine dritte Oeflfnnng, welche mit einem Stopfen verschlossen 
werden kann. Für grössere Retorten, z. B. die gusseisernen Kessel, 
welche 450 kg Salpeter aufnehmen, braucht man Batterien von 16 bis 
24 Bombons. 

Die erste Abänderung dieses Apparates bestand darin, dass man 
die Kondensationstöpfe terrassenförmig aufstellte und mit heberför- 
migen Ueberläufen versah, derart, dass die HNO^ dem Gasstrom ent- 
gegenfloss. Bei dieser Einrichtung konnte man auch die schwache 
Säure aus dem Thurme, sobald sie ganz klar abfloss, in die Topfreihen 
treten lassen. Aus dem tiefsten Kondensationstopfe wurde die starke 
HNO.^ in Flaschen abgezogen. Solche Kondensatiousgefässe werden 
z. B. von Ernst March Söhne in Charlottenburg geliefert und sind 
auch in Fremy's Encycl. 5. 346 abgebildet. 



Darstellung. 319 

In neueren Fabriken ersetzt man einen Theil dieser sehr vielen 
Raum einnehmenden Topfbatterien durch Kühlschlangen aus Thon. 
Auch die letzteren werden von March Söhne in Charlottenburg, ferner 
von Fikentscher in Zwickau i. S., L. Rohrmann in Krauschwitz O.L. 
und der Aussiger Fabrik geliefert. 

In einer solchen Einrichtung ersetzt man die Glasröhre , durch 
welche die Dämpfe aus der Retorte in den Kondensationsapparat ge- 
langen, da sie bei dem häufigen Temperaturwechsel leicht springt, 
durch ein Thonrohr, und beurtheilt den Gang der Dest. an der 
Farbe der in der ersten Vorlage kondensirten Säure. Von hier aus 
treten die Dämpfe in ein Schlangenrohr aus Thon mit etwa sechs 
Windungen, welches von aussen durch kaltes HgO gekühlt wird. Die 
hierin kondensirte HNO., wird unter hydraulischem Verschluss ab- 
gezogen, wobei man eine Trennung zwischen rother und farbloser 
Säure vornehmen kann. (Für die letztere eine besondere Kühlschlange 
aufzustellen, ist nicht rathsam , da dieselbe beim Umschalten in Folge 
der plötzlichen Temperaturerhöhung leicht springt.) Die hier nicht kon- 
densirten Dämpfe treten in zwei oder drei Kondensationstöpfe und dann 
in den Waschthurm, aus welchem sie mit oder ohne künstlichen Zug 
in den Schornstein gelangen. G. Lunge gibt in Sulphuric acid 1891. 93 
die Abbildung einer solchen Einrichtung. 

Als Waschthurm benutzt man entweder einen kleinen Gay-Lussac- 
oder einen Lunge-Rohrmann'schen Plattenthurm, von welchem Lunge 
an angeführten Stellen eine verkürzte Abbildung zeigt. 

Göbel (D. 220. 241) schlug vor, die Dämpfe aus der Retorte in 
eine lange, gerade Glasröhre zu leiten, welche, an beiden Enden auf- 
gebogen, in kaltem, fliessendem H.^O lag. 

Auch Luftkühlung in Glasröhren ist vorgeschlagen worden, wie 
man sie für Chlorwasserstoff- und Chlorgas anwendet. 

Alle bisher beschriebenen Kondensationsapparate scheinen aber 
von dem neuesten Guttmann-Rohrmann'schen Apparate in jeder 
Beziehung übertroffen zu werden. Oskar Guttmann in London und 
Ludwig Rohrmann in Krauschwitz, D.R.P. Nr. 63799 v. 23. Juni 1891; 
Ch. Ind. 1892. 438; Z. angew. Ch. 1892. 552, benutzen Luftkühlung in 
2,5 m hohen dünnwandigen Thonröhren, die derart verbunden sind, dass 
die kondensirte HNO,, so rasch wie möglich der Berührung mit den in 
den Gasen enthaltenen Verunreinigungen entzogen wird. Statt der älteren 
Formen des Apparates, welche in der Patentschrift, an angeführten 
Stellen und in Lunge, Sulphuric acid 1891. 890, abgebildet sind, geben 
wir hier in Fig. 62 die Abbildung der neuesten Form nach 0. Gutt- 
mann (Z. angew. Ch. 1893, Heft 2). 

Die Retortengase treten bei A in ein System von 20 senkrechten 
Thonröhren a von 2,5 m Höhe, 125 mm äusserem Durchmesser und 
8 mm Wandstärke ein, welche oben durch Kniestücke b mit einander 
verbunden sind. Die unteren Verbindungen werden durch die Kammern 
eines geneigt gelegten Rohres c hergestellt. In diesen Kammern sam- 
melt sich die kondensirte HNO^ an, wird aber durch die Bogenröhr- 
chen d unterhalb jeder Kammerwand sofort abgeleitet und in dem 
Sammelgefäss F aufgefangen. Das letztere ist mit einem Entlüftungs- 
rohr f versehen. In den Bogenröhrchen bleibt immer Säure stehen, 
wodurch die Gase gezwungen werden, nur durch die aufrechten Kühl- 



320 



Salpetersäure. 



röhren von einer Kammer in die nächste überzutreten. Die nicht 
kondensirten Dämpfe gelangen bei B in einen Lunge-Rohrmann- 
schen Plattenthurm H von 3 m Höhe und 80 cm äusserem Durch- 
messer mit etwa 36 horizontalen, durchlöcherten Platten im Innern. 
Dieser Thurm wird entweder mit H2SO4 von 142 bis 152'^ Twaddell 
oder mit H^O gespeist. Die hierin aufgefangenen nitrosen Verbin- 
dungen kommen aber, da Guttmann nur sehr starke HNO3 darstellt, 
auf das Verlustkonto. 

Die nicht absorbirten Endgase verlassen den Thurm oben, pas- 
siren das Schauglas i, den Wasserabscheider J und ziehen durch das 
Rohr K nach dem Kamin ab. 

In der Zeichnung ist auch noch bei D die Stellung des Heissluft- 




Fig. 62. Guttmann's Kondensationsapparat. 



Injektors von Rohrmann, D.R.P. Nr. (30 754, angegeben. Die Ein- 
richtung desselben entsprang aus folgender Erwägung: 

Bei der Dest. von HNO. lässt sich die Bildung von Untersalpeter- 
säure nicht vermeiden , und zwar entsteht um so mehr Untersalpeter- 
säure, je stärkere Säure man erzielen will. Um diese Untersalpeter- 
säure aus dem Kondensationsprodukte zu entfernen, benutzte man früher, 
und auch vielfach noch jetzt, ein sogen. Bleichverfahren: Man blies 
durch die erwärmte rothe Säure einen Luftstrom hindurch , wodurch 
die Untersalpetersäure und auch der grösste Theil der etwa vorhandenen 
HCl verjagt und eine wasserhelle Säure erhalten wurde. Hierdurch 
entsteht aber immer ein kleiner Verlust. 

Untersalpetersäure lässt sich aber durch Luft und HgO wieder 
in HNO3 überführen. Die Retortengase enthalten bei Anwendung konz. 
HgSO^, wie man sie benutzt, um hoch konz. HNO., darzustellen, etwa 
90' Oo HNO.,-Dampf, 2 bis 3% Untersalpetersäure und 7 bis 8> 
Wasserdampf. Diesem Dampfgemisch führt Rohr mann möglichst bald 



Darstelluncr. 



321 



Zum Thurme 



fm cienRetorten- 



nach Austritt aus der Retorte, also ehe noch irgend welche Konden- 
sation stattfinden kann, mittelst des Injektors T) auf 70 bis 80" vor- 
gewärmte Druckluft zu. Hierdurch wird eine so reichliche Umwandlung 
der Untersalpetersäure in HNO3 bewirkt, dass das Kondensationsprodukt 
etwa 96 "n HNO., und nur 1 "^'o NaO^ enthält. Dieser Injektor bietet 
ausserdem noch fol- 
gende Vortheile: Der 
Zug im System wird 
verstärkt und die Re- 
torte entlastet, so dass 
die Dest. in etwas nied- 
rigerer T. stattfindet, 
wodurch Kohlen ge- 
spart werden. Gleich- 
zeitig wird weniger 
H,0 verdampft, und da 
auch durch die Ueber- 
führung der Unter- 
salpetersäure in HNO.^ 
HgO gebunden wird, 
so ist dadurch die 
Möghchkeit geschaf- 
fen, höchst konz. HNO., 
direkt und nahezu rein 
darzustellen. In dem 
Luftkühler werden 
etwa 95 "/o der HNO^ 
kondensirt , während 
5 *^ in den Wasch- 
thurm treten. Indem 
man hier den HgO- 
Einlauf beschränkt, 
kann man nach Grutt- 
m a n n aus demThurme 
HNO, bis zu 40 '^ Bd. 
erzielen. 

Wenn man an 
Raum sparen will, so 
kann man den Luft- 
kühler auch durch 
einen Wasserkühler er- 
setzen. Guttmann beschreibt an derselben Stelle einen Doppelkonden- 
sator mit Wasserkühlung, in welchem die 20 Röhren der vorigen An- 
lage auf 5 herabgesetzt sind, Fig. 63. 

Dieser Apparat war für zwei Retorten von je 600 kg Salpeter- 
füllung seit drei Monaten in ununterbrochenem Betriebe und lieferte 
gute Resultate. Die Rohre sind allseitig von einem Holzkasten um- 
schlossen und durch 13 mm dicke Gummiringe gedichtet. Der Holz- 
kasten wird unten mit kaltem H^O gespeist, welches oben abfliesst. 
In diesem Apparate wurden 98 > der theoretischen Menge HNO.^ als 
starke Säure mit etwa 96 ^/o HNO3 kondensirt, während nur 2^/0 in 
Handbuch der ehem. Technologie. I. 21 




Guttmann 's Kondensator. 



322 Salpetersäure. 

den Plattenthurm gelangten. Der Kohlenverbrauch stellte sich auf 125 kg 
für die Beschickung oder ungefähr auf 1 kg für 3,5 kg hoch konz. 
Säure. An Kühlwasser wurden stündlich 150 bis 200 1 und an warmer 
Pressluft von 4 Atm. Spannung etwa 2 cbm verbraucht. Die Dauer 
einer Dest. konnte auf 9 bis 11 Stunden herabgesetzt werden. Der ganze 
Doppelkondensator nimmt nur einen Raum von 2,45 m Länge, 0,95 m 
Breite und 4,25 m Höhe ein und kostet vollständig nur 1800 Mk. 

Gleich günstige Ergebnisse erzielt Guttmann auch bei Her- 
stellung mindergrädiger HNO^. Um völlig wasserldare HNO. dar- 
zustellen , genügt es , eine Abzweigung des Warmluftrohres in das 
Sammelgefäss zu führen, um auch die letzten Spuren Untersalpeter- 
säure daraus zu verjagen. 

Alle Dichtungsstellen im Guttmann-Rolirmann'schen Apparat liegen 
entweder horizontal oder sind so gestellt, dass ein Lecken gar nicht vorkommt. 
Alle Röhren sind derart gehalten, dass sie sich bei T.-Wechseln frei ausdehnen oder 
zusammenziehen können. 

Die Stärke der HgSO^, welche man zur Zersetzung des Salpeters 
anwendet, hängt davon ab, wie stark die darzustellende HNO3 sein 
soll. In den meisten Fällen nimmt man H2S0^ von 1,718 SG. 
(60,3" Be.), wie sie aus dem Gloverthurm oder durch Eindampfen von 
Kammersäure in Bleipfannen erhalten wird: erfahrungsmässig schäumt 
dann die Mischung am wenigsten, so dass die Retorten ziemlich hoch 
angefüllt werden können. Die mittlere Konz. der so erhaltenen HNO., 
schwankt nach der Menge der aufgewendeten HgSO^ und der T. , bei 
welcher die Dest. bewirkt wird, zwischen 1,38 und 1,41 SG. (40 bis 
42" Be.). Zur Darstellung schwächerer Säure (32 bis 38*^ Be.) beschickt 
man die Vorlagen — wie erwähnt — mit etwas H^O oder schwacher 
Thurmsäure. 

Zur Fabrikation hochgradiger HNO., (48 bis 49 ^ Be.) wendet 
man konz. H^SO^ mit 94 bis 96 "0 H^,SO^ an, und zwar erreicht Gutt- 
mann so hochgradige HNO,, bereits mit ungetrocknetem Chilisalpeter. 

Um endlich die höchst konz. HNO, von 1,52 SG. (49,4» Be.), 
welche fast reine HNO3 ist, darzustellen, gebraucht man Cl-frei 
gewaschenen und getrockneten Chilisalpeter und H^SO^ höchster Kon- 
zentration (66'' Be.). Von letzterer hat man einen grossen Ueberschuss 
anzuwenden und die Dest. bei möglichst niedriger T., d. h. im Vakuum, 
vorzunehmen. 

Die von Guttmann erhaltene Rohsalpetersäure (Z. angew. Ch, 
1891. 239) erwies sich als frei von Cl, J und H.,SO ., zeigte eine Dichte 
von 1,515 bis 1,525 und enthielt 

94,42 bis 95,25 > HNO3 
1,88 „ 2,11 , N,0, 

0,0002 > PbO 1 -0003 «Rückstand 
0,0028 , Fe.O, j ~ ^'^^"^ ' ^^^^^^^^^^ 
Rest H.O 
In den neuesten Apparaten steigt der Gehalt, wie erwähnt, auf 
96 > HNO3 und nur 0,75 bis 1% N^O,. 

Ueber die Kitte, welche man in der HNOa-Fabrikation gebraucht, liegen 
folgende Angaben vor: In einer nordfranzösischen Fabrik dichtete man die Front- 
platten der Cylinder mit einer Mischung aus Lehm und Pferdemist. Sorel erwähnt 



Salpeterkuchen. 323 

eine Miscliurig aus trockenem, gepulvertem Thon und Leinöl. Zum Dichten der 
Hinterplatten benutzt man den bekannten Eisenkitt aus 100 Gew.-Thln. Dreh- 
spänen von Gusseisen oder Eisenfeilen, 5 Schwefelblumen und 5 Salmiak, der mit 
etwas HoO oder Essig angefeuchtet wird. Dieser Kitt erhärtet rasch und wider- 
steht der Wirkung der Säure und Wärme sehr gut. Soll derselbe weniger hart 
werden, so vermischt man ihn noch mit Ziegelsteinmehl. 

Um die Verbindungsarme der Bombons und andere Röhren zeitweilig zu 
dichten, bereitet man nach Sorel (Fremy 5. 343) eine Lsg. aus 5 kg kochendem 
Leinöl, 2 kg S und 2 kg klein geschnittenen Kautschukstücken, welcher man, 
sobald sie homogen geworden ist, so viel Baryumsulfat zufügt, dass man eine 
plastische Masse erhält, die man noch heiss in die Fugen eindrückt. Nach Lunge 
(Sulphuric acid 189L 90) werden in 5 kg heissem Leinöl 8 g S und 1 kg Kaut- 
schuk zur Lsg. gebracht; diese wird mit gemahlenem Schwerspath in einem 
eisernen Mörser zu homogener Masse geknetet, welche der Säure gut widersteht, 
und auch nach dem Erkalten noch eine gewisse Elastizität besitzt. 

Ein anderer Zement , welcher sehr hart wird , besteht aus einer Mischung 
aus Asbest und Natriumsilikat] sg. 

Zur Versendung der HNO3 in Flaschen dichtet man die Stöpsel mit Lein- 
samen und H2O, oder bei ganz reiner Säure mit geschmolzenem S. 

Der Salpeterkuchen. Der Rückstand, welcher bei der Fabri- 
kation der HNO., in den Retorten zurückbleibt, ist ein wechselndes 
Gemisch aus Natrium sulfat und Natriumbisulfat, NagSO^ und HNaSO^, 
mit mancherlei Beimischungen. Dieser Rückstand wird in Deutschland 
saures Sulfat, Bisulfat oder Salpeterkuchen, in England Nitre-Cake 
und in Frankreich Sulfate de Nitrate genannt. Man bezeichnet die 
Menge H^SO^, welche in ihm mehr enthalten ist, als der Formel 
Na^SO^ entspricht, als „freie Säure". 

Wenn man zur Zersetzung des Salpeters nur I bis etwa 1,20 Aequi- 
valente HgSO^ anwendet, so ist der Rückstand sehr strengflüssig und- 
verursacht Mühe, um ihn aus der Retorte zu entfernen. Wenn man 
mehr H^SO^ anwendet, etwa bis zu 1,9 Aequivalenten, so ist der Rück- 
stand zwischen 200° und 130*^ flüssig. Er wird dann einfach aus 
der Retorte abfliessen gelassen und in flachen, eisernen Töpfen auf- 
gefangen, in denen er zum „Salpeterkuchen" erstarrt. 

Mac Culloch (Ch. N. 1873. 27. 125) theilt folgende Analyse des 
durchschnittlichen englischen Nitre-Cake mit 

Natriumsulfat 82,25 > 

Freie Schwefelsäure, H^SO^ . . . 17,15 „ 
Eisenoxyd und Thonerde .... 1,30 „ 

Wasser' 0,24 , 

100,94 >. 
Ein sehr strengflüssiger Salpeterkuchen, welcher in der Fabrik von 
James Muspratt and Sons in Widnes 1873 aus Versehen durch ungenü- 
genden HgSO^-Zusatz entstanden war, gab dem Verfasser folgende Analyse: 

Natriumsulfat 80,69 "/o 

Freie Schwefelsäure, H^SO^ . . . 0,69 „ 
Eisenoxydsulfat, FegSgÖ^o .... 7,25 „ 

Calciumsulfat 4,01 „ 

Chlornatrium 0,17 „ 

Natrium nitrit, NaNOg 0,10 „ 

Natriumnitrat und Verlust . . . 1,86 „ 
Sand und Thon 5,23 „ 

100,00 V. 



324 • Salpetersäure. 

In den nordfranzösisclien Fabriken zeigte das Sulfate de Nitrate 
während der Jahre 1876 bis 1882 folgende Zahlen: 

Kleinste Grösste -w^-.. , Oktober 

Zahlen: Zahlen: ^ttei : ^gg^. 

Natriumsulfat (;als Diff.) . . 81,19 V 89,90% 85,88 "o 84,4 > 

Freie Schwefelsäure, H.SO^ . 9,9 , 18,30 , 13,80 ,. 15,6 , 

Eisenoxyd ...;.. 0,2 ,. 0,41 , 0,30 „ — ,. 

Natriuranitrat 0,10 , 0,02 ,. — „ 



100,00%) 100,0 >. 



In süddeutschen Fabriken wird der Salpeterkuchen gewöhnlich 
zu 70 '',0 Natriumsulfat und 30 " o freier H^SO^ angenommen, er ent- 
hält aber 34 bis 36 ^o, durchschnittlich 35'^/'. der letzteren. In einer 
rheinischen Fabrik steigt der Gehalt an freier H^SO^ sogar bis auf 40". 
Diesen Gehalt scheint neuerdings auch 0. Guttmann in London zu 
erreichen (Z. angew. Ch. 1891. 238). 

Der Salpeterkuchen wird gewöhnlich in kleine Stücke zerschlagen, 
mit Kochsalz gemischt und in einem Sulfatofen auf Sulfat verarbeitet. 
In einer nordfranzösischen Fabrik hat man gefunden, dass dabei (der 
Salpeterkuchen enthielt 16 bis 18 V freie HgSO^) etwa ein Drittel der 
freien Säure verdampft wird, ehe sie sich mit dem NaCl zu Na^SO^ 
und HCl umsetzen kann. Man sollte daher den Salpeterkuchen nur 
in gemahlenem Zustande verarbeiten oder denselben schon in der Sulfat- 
schale als Ersatz eines Theiles der HgSO^ dem Kochsalz zufügen. Ein 
kleiner Theil des Bisulfats dient auch zur Fabrikation von rauchender 
H,SO^ und Schwefelsäureanhydrid. Ein anderer Theil der Salpeter- 
kuchen wird von den Fabrikanten von Champagnerflaschen direkt ver- 
schmolzen. Dieselben benutzen ein Sulfat mit 30 '^'^ freier H^ SO, ^, weil 
sie nur auf diese Weise Flaschen von homogenem Glase erhalten zu 
können glauben, welche grossen Druck aushalten. 

Reinigung der rohen Salpetersäure. Die rohe HNO3 ist 
fast immer durch Untersalpetersäure und HNO^ mekr oder weniger 
stark rothgefärbt und enthält Cl. (mitunter auch J). H^SO^ und 
Fe-haltigen Verdampfungsrückstand. Die zuerst überdestillirende Menge 
ist am stärksten durch Cl verunreinigt, weil das im Salpeter ent- 
haltene NaCl sich auf Zufügung von H<,SO, sofort zersetzt, und wird 
daher häufig getrennt aufgefangen. Die später überdestillirende HNO3 
enthält sehi' viel weniger Cl, kann dagegen mit steigenden Mengen 
HgSO^ verunreinigt sein, wenn man die Retorte zu heiss werden 
lässt. Um diese Verunreinigung zu vermeiden, braucht man nur einen 
so grossen Ueberschuss an HgSO^ zur Zersetzung des Salpeters anzu- 
wenden, dass die Dest. in einer T. weit unter dem S. der H^SO^ be- 
endigt wird (130 bis 200"). 

Die Reinigung der rohen HNO.^ von farbigen Verbindungen 
und Cl wurde früher durch Erhitzen derselben auf 85° bewirkt, wo- 
durch sie nach einiger Zeit farblos wurde, und geschieht jetzt fast 
allgemein in der Weise, dass man dieselbe erwärmt, z. B. im Wasser- 
bade, und einen warmen Luftstrom hindurchbläst (Bleichen der HNO 3). 
Hierdurch werden nicht nur Untersalpetersäure und N^O., sondern 



Reinigung. 325 

auch das Gl ausgetrieben, so dass eine völlig wasserhelle Säure zurück- 
bleibt. Die Dämpfe werden in einen Waschthurm geleitet. 

Die Ausführung dieses ßleichverfahrens wird in verschiedener 
Weise mit der eigentlichen Fabrikation verbunden. 

Lunge hat (Sulphuric acid 1891. 93) eine solche Einrichtung 
abgebildet, wobei die Belastung der Retorte durch einen am Ende des 
ganzen Systems angebrachten Exhaustor ausgeglichen wird. 

R. Hirsch (D.R.P. Nr. 46096 v. 29. April 1888; Ch. Ind. 
1889. 245), lässt die rohe HNO., durch ein im Wasserbade auf 80« 
erwärmtes Schlangenrohr von acht Windungen herabfliessen , während 
gleichzeitig von unten Luft in die Schlange geleitet wird. Dadurch 
werden die nitrosen Dämpfe aus der rohen Säure fortgenommen, so 
dass unten eine farblose reine Säure mit etwa 60*^ abfliesst. Man 
kann dieselbe durch eine Kühlschlange fliessen lassen und dann sofort 
auf Flaschen ziehen. In einer solchen Schlange kann man im Tage 
mehrere tausend kg HNOg bleichen. 

Dasselbe Verfahren dient auch dazu, aus der Abfallsäure der 
Nitroglycerin- und Nitrobenzolfabrikation HNO3 zu gewinnen, indem 
man statt der gewöhnlichen Luft auf 150 "^ erhitzte Luft oder Wasser; 
dampf von unten in das Schlangenrohr einbläst, während die Misch- 
säure darin herabfliesst und unten als ziemlich reine H^,SO^ mit 140* 
austritt. Die entweichenden Dämpfe werden in bekannter Weise kon- 
densirt. A. Erouard, D.R.P. Nr. 62 714 v. 29. Sept. 1891 vermischt 
die Abfallsäure mit einem wasserentziehenden Mittel, wie H^SO^, CaClg- 
oder MgClg-Lauge, und destillirt dann die HNOj ab. 

Die chemische Fabrik Griesheim (D.R.P. Nr. 59099 v. 
17. Jan. 1891; Ch. Ind. 1891. 472; E.P. 891 v. 17. Jan. 1891; Soc. 
Ch. Ind. 1891. 1006) schaltet zwischen Retorte und einem beliebigen 
Rückflusskühler ein Sammelgefäss ein, welches alle im Kühler konden- 
sirte Säure aufnimmt. Die T. im Kühler und Sammelgefäss wird be- 
ständig so hoch gehalten (etwa auf 80°), dass nur die schwerer 
flüchtige HNO.; sich verdichtet, während die niederen Oxyde des N 
und HCl möglichst frei von HNOo entweichen. Diese letzteren Dämpfe 
werden dann durch H^O kondensirt. 

Um reine konz. HNO.^ darzustellen, kann man aus der Säure 
im Sammelgefässe die letzten Spuren von Untersalpetersäure und NgO, 
durch Einblasen von Luft bei etwa 80" entfernen. Bei weniger konz. 
Säure kann man in der T. bis auf 60'^ herabgehen. 

0. Guttmann bewirkt die Reinigung der HNO., ebenfalls im 
direkten Anschluss an die Fabrikation, wie bereits S. 322 erwähnt, oder 
wie Guttmann und Rohrmann in ihrem D.R.P. Nr. 73421 v. 
24. Dez. 1891 beschreiben. 

Darstellung völlig reiner Salpetersäure. Obgleich die 
nach den neuesten Methoden gereinigte HNO., für die meisten Zwecke 
genügt, so braucht man doch für chemische Untersuchungen völlig reine 
Säure, die man besonders darstellen muss. 

Früher befolgte man ein ziemlich umständliche.s Verfahren (Fremy, Encjxl. 5. 
349). Man fing die zuerst aus der Retorte übergehende HNO3 als zu stark Cl-haltig 
besonders auf, und unterwarf nur die später kondensirte HNO3 folgender Behand- 
lung: Man fällte das Cl durch Zusatz von AgNOs, Hess absetzen, fällte darauf 



226 Salpetersäure. 

die H2SO4 durch Baryumnitrat , Hess wieder absetzen und destillirte die klare 
Säure, am besten das vierfache Hydrat von 1,42 SG. (43" Be.), aus Glasretorten 
in Glasvorlagen. Die kondensirte reine Säure wurde durch längeres Erhitzen auf 
85° wasserhell gemacht. 

Gegenwärtig stellt man die reine HNO3 aus reinen Materialien 
her. Man wäscht den Salpeter, um ihn von Chloriden zu befreien, 
und zersetzt ihn dann mit einem gi'ossen Ueberschuss von reiner HgSO^. 
so dass die Dest. bei niedriger T. erfolgt. 

Um das reine Monohydrat darzustellen, wendet man gewaschenen 
und getrockneten Salpeter und H^SO^^ von 66'^ Be. an. Indem man die 
zuerst überdestillirende gefärbte HNO^ besonders auffängt, weil sie 
noch eine Spur Cl enthalten könnte, erhält man in der später kom- 
menden reine HNO3. Sollte noch ein Bleichen erforderlich sein, so 
kann man staubfreie Luft anwenden. 

F. Valentiner (D.R.P. Nr. 63207 v. 8. Sept. 1891; Ch. Ind. 
1892. 438) empfiehlt die Dest. im luftverdünnten Raum. Auch Lunge 
stellte auf diese Weise seine höchst konz. Säure her (Z. angew. Ch. 
1891. 167). 

Darstellung des Salpetersäureanhydrids. R.Weber (P.A. 
147. 118) trägt PoO- in kalt gehaltenes Salpetersäuremonohydrat ein 
und dest. bei gelinder Wärme. Das Dest. besteht aus zwei nicht misch- 
baren Flüss. ; die obere Schicht wird abgegossen und unter O*' abge- 
kühlt, wobei sich KrystaUe von Salpetersäureanhydrid N.^O- abscheiden. 
Berthelot (Bl. 1873) fand diese Angaben bestätigt (Hofmann's Ber. 
1875. 211). 

Fabrikation der rothen rauchenden Salpetersäure. Die 
rothe rauchende Salpetersäure ist eine ges. Auflösung von Untersalpeter- 
säure in roher HNO3 von mehr als 1,4 SG. Sie wird dargestellt durch 
Dest. von Salpeter mit weniger H^.SO^ und bei höherer T.. bei welcher 
ein Theil der HNO. zerfällt. Mitunter mischt man dem Salpeter auch 
etwas Stärkemehl zu, um die Reduktion der HNO3 zu befördern. Man 
mischt z.B. 1000g Kalisalpeter mit 15g Stärke, 500g englischer und 
500 g rauchender Schwefelsäure, oder nach Brunn er 100 Thle. Natron- 
salpeter mit 3,5 Thln. Stärke und 100 Thln. höchst konz. H^SO^ von 
1,85 SG. in Glasretorten, welche nur zu einem Drittel ihres Inhalts gefüllt 
werden. Die Zersetzung beginnt sogleich ohne Erwärmen und wird 
durch schwaches Erhitzen beendigt. 

Stieren zersetzt in einer Glasretorte 12 kg Natronsalpeter von 
95 V NaNOg mit 8 kg H.,SO, von 66 "^ B^. oder 1 Aeq. NaNO^ durch 
1,16 Aeq. H2SO,. Aus UJO Thln. NaNO. und 6id,6 Thln. RßO^ von 
66 "^ Be. erhielt er 64,32 Thle. rauchende Salpetersäure von 1,48 SG. 
(46,8*^ Be.). Wenn man auf 2 Mol. NaNO., nur 1 Mol. H,SO, zu- 
setzt, so hat man starke Hitze anzuwenden. 

Die rothe, rauchende Salpetersäure ist meistens stark durch Cl 
und HgSO^ verunreinigt; auch J findet sich in ihr. Sie wirkt kräftiger 
oxydirend als die farblose HNO3. 

Andere Methoden der Salpetersäuredarstellung. NaNOs wird 
auch durch viele Chloride und Sulfate zersetzt. Erh. man ein Gemisch aus NaNOg 
mit Manganchlorür (eingedampftem Rückstand der Cl -Bereitung) auf 230 ", so ent- 



Untersuchung. 327 

wickeln sich salpetrige Dämpfe (NO2 + 0) , und es bleibt eine Oxydationsstufe des 
Mn zurück, welche wieder zur C'1-Entwickelung dienen kann: lONaNOs + 5MnCl2 
= Mn508+ lONaCl + IONO2 + O2. Die Mn-Verbindung wird als ein Manganman- 
ganit aufgefasst MusOg = 2 MnO + 3 Mn02. Indem man das Gasgemenge von Unter- 
salpetersäure und in den Kondensationsgefässen mit H2O zusammenbringt, ver- 
wandelt es sich in HNO3; der Ueberschuss der Untersalpetersäure zersetzt sich in 
ELNOs^und Stickoxyd. Wenn die in den Apparaten enthaltene Luft hinreichend 
ist, um die ganze Menge des letzteren wieder in HNO3 überzuführen, so wieder- 
holt sich der erste Vorgang: wenn dagegen die Luftmenge unzureichend ist, so 
löst sich das Stickoxyd zum Theil in der HNO3 auf, und der Ueberschuss desselben 
entweicht in den Endgasen. Mit HqO allein zersetzt sich die Untersalpetersäure in 
HNO3 und HNO2 nach : N2O4 + H2O = HNO3 + HNO2. Die letztere löst sich oder ent- 
weicht zum Theil als Anhydrid: 2HNO2 — H2O = N2O3. Aus zahlreichen Versuchen, 
welche Fr. Kühl mann unter Benutzung von Thonretorten anstellte, hat sich er- 
geben, dass lOOThle. Natriumnitrat nach diesem Verfahren im Mittel 125 bis 126 Thle., 
HNO3 von 35 ° Be. liefern (durch Zersetzung des Salpeters mit H0SO4 gewann man 
damals 127 bis 128 7o HNO3). 

Es wurden auch Versuche mit anderen Chlorüren, namentlich mit CaCl2, 
MgCl2 und ZnCl2 angestellt, wobei ein entsprechender Vorgang eintrat, nämlich 
HNO3, NaCl und Kalk, Magnesia oder Zinkoxyd gebildet wurde. Kuhlmann hat 
durch viele Versuche bewiesen, dass die schwefelsauren Salze, selbst solche, welche 
sehr beständig sind und keineswegs die Rolle einer Säure spielen, die Zersetzung 
der Alkalinitrate bewirken können. Mangansulfat zersetzt Natriumnitrat unter Bil- 
dung ähnlicher Produkte, wie beim Manganchlorür entstehen. 

Weitere Voi'schläge , Thonerdehydrat oder Kieselsäure zu benutzen, sind in 
Hofmann's Ber. (1875. 210) beschrieben. Ebenso der Vorschlag, NH3 zu HNO3 
zu oxydiren. Die direkte Synthese der HNO3 wird immer wieder von Neuem 
versucht (Ch. Ind. 1881. 146; 1893. 144). 

L. Rohrmann hat einen thönernen Kolonnenapparat konstruirt, um die bei 
den meisten dieser Prozesse entstehenden niederen StickstofFoxyde durch Oxydation 
bei Gegenwart von H2O zu HNO3 zu verdichten. (Fischer's Techn. 1889. 477.) 

Aus den gebrauchten Mischsäuren, welche beim Nitriren organischer Körper 
abfallen, stellt Arn. Erouard (D.R.P. Nr. 62714 v. 29. Septbr. 1891) starke HNO3 
durch Dest. mit starker H2SO4 her. 

Vogt und Wichmann, D.R.P. Nr. 69059 v. 17. Jan. 1892, Chem. Ind. 
1893, 447, erhitzen ein Gemisch aus NaN03 und CaO in einem Strom von COo und 
Wasserdampf, wodurch sie HNO3 und Na2C03 erhalten. 

Untersuchung. Auf Cl : durch AgN03 in bekannter Weise. — Auf H2SO4 : 
durch Chlorbaryum oder Baryumnitrat. Man verd. entweder das Muster mit H2O, 
oder man dampft es ein, um die grösste Menge HNO3 zu verjagen. — Auf J: Nach 
Beckurts (W. J. 1886. 305) kocht man das Muster, um die niederen Oxyde des 
N auszutreiben und alles J zu Jodsäure zu oxydiren, verd. mit etwa dem fünf- 
fachen Vol. luftfreien H2O und fügt einige Tropfen reiner KJ-Lsg. und Stärke 
hinzu. Ist Jodsäure zugegen, so wird die Mischung gebläut, indem sich J aus- 
scheidet : HJO3 + 5KJ -I- 5HNO3 = 5KNO3 + 6 J -I- 3H2O. Man hat sich aber zu über- 
zeugen, dass das benutzte KJ kein Jodat enthält, also auf Zusatz reiner Säure bei 
Gegenwart von Stärke sich nicht bläut. Dann ist diese Prüfung schärfer, als die 
ältere, in welcher man das Jodat durch Zn zu J reduzirte und dieses durch Schüt- 
teln mit CS2 auszog. — Auf Untersalpetersäure und N2O3 : Dieselben verrathen 
ihre Gegenwart durch die rothe Färbung des Musters. Man bestimmt ihre Menge 
durch Titration mit Kaliumpermanganat, indem man das Muster aus einer Bürette 
in eine angewärmte, verd. Lsg. von Permanganat einfliessen lässt (Lunge, Taschen- 
buch 1892. 140, 210). 

Alle übrigen Veruneinigungen der HNO3 werden nach den bekannten ana- 
lytischen Methoden ermittelt. 

Die Bestimmung der HNO3 und der N- Verbindungen insgesammt hat eine sehr 
umfangreiche Literatur hervorgerufen. Die älteren Methoden sind durch A. Geyger 
(Hofmann's Ber. 1875. 211; Kubel-Tiemann-Gärtner, Untersuchung des H2O 
1889. 167 bis 212) ausführlich behandelt worden. Ueber die praktische Aus- 
führung einiger der älteren und neueren Methoden sei verwiesen auf E. Fr icke 
(Z. angew. Chem. 1891. 239) und Alberti und Hempel (Z. angew. Chem. 1891. 
399; 1892. 101). A. Morgen bespricht diese und andere Methoden in der Chem. 
Ind. 1891. 137; 1892. 89. 



328 Salpetersäure. 

Die Gesammtsäure bestimmt Lunge (Z. angew. Chem. 1892. 11), indem er 
10 ccm der Säure aus einer Bürette in eiskaltes HjO tropfen lässt, auf 100 ccm 
verd. und einen aliquoten Theil davon zur Titrirung mit Natronlauge nimmt, und 
zwar muss die Titrirung mit Lackmustinktur und heiss erfolgen, da Methylorange 
durch N2O3 zerstört wird. Man kann aber auch mit Methj^lorange und kalt titri- 
ren (ib. S. 331), wenn man nach Lang diesen Indikator erst gegen Ende der 
Titration zufügt, oder erst mit Natronlsg. übersättigt. Der Umschlag tritt ein. 
wenn alle UNOo in NaN02 umgewandelt ist. 

Die Bestimmung des Gesammt-N bewirkt Lunge in seinem Nitrometer 
(Taschenbuch 1892. 142, 197). Von Anderen wird die Methode von Karl Ulsch 
vorgezogen (Ch. C. 1890. 2. 926; Fr. 1891. 30. 171; 1892. 31. 892: Ch. Ind. 1891. 
188, 367; 1892. 89, 91, 416). 

Ulsch's Methode ist durch E. Frieke (Z. angew. Chem. 1891. 241) und 
namentlich durch Alberti und Hempel (Z. angew. Chem. 1891. 399; 1892. 101) 
als in jeder Beziehung vorzüglich nachgev\desen worden. Sie beruht auf Re- 
duktion der N-Verbindungen durch Eisenschwamm in saurer Lsg., und Dest. des 
gebildeten NH3. 

Die Methode von Ulsch gestattet nach Frieke auch die minimalen Mengen 
HNO3, welche im Trinkwasser vorkommen, mit hinreichender Genauigkeit zu be- 
stimmen. 

Ein sehr empfindliches Reagens auf HNO3 ist schwefelsaure Brucinlsg., welche 
damit eine intensiv rothe Färbung annimmt ; auf Zusatz von Zinnchlorür wird als- 
dann ein violetter Niederschlag hervorgebracht. Anilinsulfat ist nicht so empfind- 
lich (Hofmanns Ber. 1875. 211). 

Lunge empfiehlt (Taschenbuch 1892. 147) zum Nachweis von Spuren von 
HNO3 eine schwefelsaure Lsg. von Diphenylamin. Ueber die Empfindlichkeit kleiner 
Mengen HNO3 gegen verschiedene Reagentien hat R. Warrington (Ch. N. 1885. 
39; Ch. Ind. 1885. 119) vergleichende Untersuchungen angestellt. 

Eigenschaften. Die reine Salpetersäure, HNO3, auch Monohydrat 
genannt, ist eine wasserhelle, an der Luft stechend riechende Dämpfe ausstossende, 
höchst ätzende Flüss. von folgenden Dichten nach Sorel: Bei 0" 1,559, bei 15" 
1,552. bei 20*' 1,-540 oder 50° Be. (Man vergl. die unten folgende Tabelle.) MG. 63, 
sie enthält 85,71 '^o NjOs und 14,29 "/o H2O. 

Dieses ]\Ionohydrat färbt sich am Licht gelblich und verdampft schon bei 
gewöhnlicher T. , indem es dichte Dämpfe ausstösst, die mit der Feuchtigkeit der 
Luft ein weniger flüchtiges Hydrat bilden. Es kocht bei etwa 86", indem es sich 
durch theilweise Zersetzung in Untersalpetersäure und gelb färbt. Dabei 
steigt der Sied., bis er bei 128° nach Sorel, oder bei 126" nach Lunge, 
stationär bleibt. Dann dest. das vierfache Hydrat 2HN03-f 3HoO über. MG. 180, 
welches 60 °o N2O5 und 40 7o H2O enthält. Die Dichte desselben ist 1,42 (43 "Be.). 
Derselbe Sied, wird auch erreicht, wenn man verd. HNO3 durch Eindampfen konz. 
Dieses vierfache Hydrat ist daher die stabilste Verbindung, welche sich weder am 
Licht noch durch Kochen verändert. Reine HNO3 verdampft ohne einen Rückstand 
zu hinterlassen. 

HNO3 wird in sehr niedriger T. fest. Sie ist nächst der H2SO4 die stärkste 
Mineralsäure, und übertrifft diese sogar in \delen Fällen wegen ihrer stark oxydiren- 
den Wirkung. Sie löst fast alle Metalle (mit Ausnahme von Au und Pt) unter Bil- 
dung von Nitraten. 

Höchst konz. HNO3 kann jedoch mit Pb und Fe zusammengebracht werden, 
ohne dass eine Einwirkung stattfindet. Dieselbe tritt erst beim Verdünnen mit 
H2O ein. 

Königswasser heisst ein Gemisch aus V^ Salpetersäure und ^J3 Chlorwasser- 
stofFsäure , welches beim Erwärmen Cl entwickelt, und dadurch auch Au und Pt 
auflöst. 

Ueber die SG. der HNO3 veröffentlichte Jules Kolb eine Tabelle (Bull. 
See. Ind. Mulhouse 1866. 36. 412), welche auch Lunge (Taschenbuch 1883. 156) 
anführt. Dieselbe gilt für 15". In Sulphuric acid 1891. 83 hat Lunge dieselbe 
Tabelle auch für 0" berechnet. Diese Tabelle ist seitdem durch folgende Tabelle 
von G. Lunge und H. Rey (Z. angew. Chem. 1891. 168) ersetzt worden, welche 
nur in den höchsten Graden von der Kolb 'sehen abweicht. 



Eigenschaften. 



329 



Spezifische Gewichte von Salpetersäuren verschiedener Konzentra- 
tion bei 15^ bezogen auf Wasser von 4" im luftleeren Räume. 

(Nach Lunge und Rey.) 



VoL- 






100 Gewichtstheile enthalten i 


1 Liter enthält Kilogramm 


Gew. 




1 


Säure 


Säure 


Säure 


1 




Säure 


Säure 


Säure 






^ 1 


N.,05 HNO3 


von 

36" 


von 

40" 


von 1 

4372" 


N2O5 


HNO3 


von 
36« 


von 

40» 


von 

4872° 


(luftleerj 




E~* 




1 


Be. 


Be. 


Be. 1 




Be. 


Be. 


Be. 


1,000 








0,08 


0,10 


0,19 


0,16 


0,10 


0,(Ktl 


0,001 


0,002 


0,002 


0,001 


1,005 


0,7 


1 


0,85 


1,00 


1,89 


1,61 


1,03 


0,(K)8 


0,010 


0,019 


0,016 


0,010 


1,010 


14 


2 


1,62 


1,90 


3,60 


3,07 


1,95 


0.016 


0,019 


0,036 


0,031 


0,019 


1,015 


2,1 





2,39 


2,80 


5,30 


4,52 


2,87 


0,024 


0,028 


0,053 


0,045 


0,029 


1,020 


2,7 


4 


3,17 


3.70 


7,01 


5,98 


3,79 


0,033 


0,038 


0,072 


0,061 


0,039 


1,025 


3,4 


5 


3,04 


4,60 


8,71 


7,43 


4,72 


0,040 


0,047 


0,089 


0,076 


0.048 


1,030 


■iA 


6 


4,71 


5,50 


10,42 


8,88 


5,64 


0,049 


0,057 


0,108 


0,092 


0,058 


1,035 


4,7 


7 


5,47 


6,38 


12,08 


10,30 


6,54 


0,057 


0,066 


0,125 


0,107 


0,068 


1,0 JO 


5,4 


8 


6,22 


7,26 


13,75 


11,72 


7,45 


0,064 


0,075 


0,142 


0,121 


0,077 


1,045 


6,0 


9 


6,97 


8,13 


15,40 


13,13 


8,34 


0,073 


0,085 


0,161 


0,137 


0,087 


1,050 


6,7 


10 


7,71 


8,99 


17,03 


14,52 


9,22 


0,081 


0,094 


0,178 


0,152 


0,096 


1,055 


7,4 


11 


8,43 


9,84 


18,64 


15,89 


10,09 


0,089 


0,104 


0,197 


0,168 


0,107 


1,060 


8,0 


12 


9,15 


10,68 


20,23 


17,25 


10,95 


0,097 


0,113 


0,214 


0,182 


0,116 


1,065 


8,7 


13 


9,87 


11,51 


21,80 


18,59 


11,81 


0,105 


0,123 


0,233 


0,198 


0,126 


1,070 


9,4 


14 


10,57 


12,33 


23,35 


19,91 


12,65 


0,113 


0,132 


0,250 


0,213 


0,135 


1,075 


10,0 


15 


11,27 


13.15 


24,91 


21,24 


13,49 


0.121 


0,141 


0,267 


0,228 


0,145 


1,080 


10,6 


16 


11,96 


13,95 


26,42 


22,53 


14,31 


0,129 


0,151 


0,286 


0,244 


0,155 


1,085 


11,2 


17 


12,64 


14,74 


27,92 


23,80 


L5,12 


0,137 


0,100 


0,303 


0,258 


0,164 


1,090 


11,9 


18 


13,31 


15,.53 


29,41 


25,08 


15,93 


0,145 


0,169 


0,320 


0,273 


0,173 


1,095 


12,4 


19 


13,99 


16,32 


30,91 


26,35 


16,74 


0,1.53 


0,179 


0,339 


0,289 


0,184 


1,100 


13,0 


20 


14,67 


17,11 


32,41 


27,63 


17,55 


0,161 


0,188 


0,356 


0,304 


0,193 


1,105 


13,0 


21 


15,U 


17,89 


33,89 


28,89 


18,35 


0,170 


0,198 


0,375 


0.320 


0,203 


1,110 


14,2 


22 


16,00 


18,07 


35.36 


30,15 


19.15 


0,177 


0,207 


0,392 


0,335 


0,212 


1,115 


14,9 


23 


16,67 


19,45 


36,84 


31,41 


19,95 


0,186 


0,217 


0,411 


0,350 


0,223 


1,120 


15,4 


24 


17,34 


20,23 


38,31 


32,67 


20,75 


0,195 


0,227 


0,430 


0,366 


0,233 


1,125 


16,0 


25 


18,00 


21,00 


39,77 


33,91 


21,54 


0,202 


0,236 


0,447 


0,381 


0,242 


1,130 


16.5 


26 


18,(;6 


21,77 


41,23 


35.16 


22,33 


0,211 


0,246 


0,466 


0,397 


0,252 


1,135 


17,1 


27 


I9,y2 


22,54 


42,69 


36,40 


23,12 


0,219 


0,256 


0,4.S5 


0,413 


0,263 


1,140 


17,7 


28 


19,9S 


23,31 


44,15 


37,65 


23,91 


0,228 


0,266 


0,504 


0,430 


0,273 


1,145 


18,3 


29 


20,64 


24,08 


45,61 


38.89 


24,70 


0,237 


0,276 


0,-523 


0,446 


0,283 


1,150 


18,8 


30 


21,2!) 


24,84 


47,05 


40,12 


25,48 


0,245 


0.286 


0,542 


0,462 


0,293 


1,155 


19,3 


31 


21,94 


25,60 


48,49 


41,35 


26,26 


0,254 


0.296 


0,561 


0,478 


0,304 


1,160 


19,8 


32 


22,6( 1 


26,30 


49,92 


42,57 


27,04 


0.262 


0,306 


0,.580 


0,494 


0,314 


1,165 


20,3 


33 


23,25 


£7,12 


51,36 


43,80 


27,82 


0,271 


0,316 


0,598 


0,510 


0,324 


1,170 


20,9 


34 


23,90 


27,88 


52,80 


45,03 


28,59 


0,27!) 


0,326 


0,617 


0,526 


0,334 


1,175 


21,4 


35 


24.54 


28,63 


54.22 


46.24 


29,36 


0,288 


0,336 


0,6.36 


0,543 


0,345 


1,180 


22,0 


36 


25,18 


29,38 


55,64 


47,45 


30,13 


0,297 


0,347 


0,657 


0,560 


0,356 


1,185 


22,5 


37 


25,83 


30,13 


57,07 


48,66 


30,90 


0,306 


0,357 


0,676 


0,577 


0,366 


1,190 


23,0 


38 


26,47 


30,88 


58,49 


49,87 


31,67 


0,315 


0,367 


0,695 


0,593 


0,376 


1,195 


23,5 


39 


27.10 


31,62 


59,&9 


51,07 


32,43 


0,324 


0,378 


0,715 


0,610 


0,388 


1,200 


24,0 


40 


27,74 


32,36 


61,29 


.52,26 


33,19 


0,333 


0,388 


0,735 


0,627 


0,398 


1,205 


24,5 


41 


28,36 


33,09 


62,07 


53,23 


33,94 


0,342 


0,399 


0,755 


0,644 


0,409 


1,210 


25,0 


42 


28.99 


33,82 


64,05 


54,21 


34,69 


0,351 


0,409 


0,775 


0.661 


0,419 


1,215 


25,5 


43 


29,61 


34,55 


65,44 


55,18 


35,44 


0,360 


0,420 


0,795 


0,678 


0,431 


1,220 


26,0 


44 


30,24 


35.28 


66,82 


56,16 


36,18 


0,369 


0,430 


0,815 


0,695 


0,441 


1,225 


26,4 


45 


30,88 


36,03 


68,24 


.57,64 


36.95 


0,378 


0,441 


0,835 


0,712 


0,452 


1,230 


26,9 


46 


81,53 


.36,78 


69.66 


.59,13 


37,72 


0,387 


0,452 


0,856 


0,730 


0,466 


1,235 


27,4 


47 


32,17 


37 „53 


71,08 


60,61 


.38,49 


0,397 


0,463 


0,877 


0,748 


0,475 


1,240 


27,9 


48 


32,82 


38,29 


72,52 


61,84 


39,27 


0,407 


0.475 


0,900 


0,767 


0,487 


1,245 


28,4 


49 


33,47 


39,05 


73,96 


63,07 


40,05 


0,417 


0,486 


0,921 


0,785 


0,498 


1,250 


28,8 


50 


34,13 


39,82 


75,42 


64,31 


40,84 


0,427 


0,498 


0,943 


0,804 


0,511 


1,255 


29,3 


51 


34,78 


40,58 


76,86 


65,54 


41,62 


0,437 


0,509 


0,965 


0,822 


0,522 


1,260 


29,7 


52 


35,44 


41,34 


78,30 


66,76 


42,40 


0,447 


0.521 


0,987 


0,841 


0,534 


1,265 


30,2 


53 


36.09 


42,10 


79,74 


67,99 


43.18 


0,457 


0,533 


1,009 


0,860 


0,547 


1,270 


30,6 


54 


36,75 


42,87 


81,20 


69,23 


I 43,97 


0,467 


0,544 


1,031 


0,879 


0,558 


1,275 


31,1 


55 


37,41 


43,64 


82,65 


70,48 


44,76 


0,477 


0,556 


1,0.54 


0,898 


0,570 


1,280 


31,5 


56 


38,(j7 


44,41 


84,11 


71,72 


45,55 


0,487 


0,568 


1,077 


0,918 


0,583 


1,285 


32,0 


57 


38,73 


45,18 


85,57 


72,96 


46,34 


0,498 


0,581 


1,100 


0,938 


0,596 


1,290 


32,4 


58 


39,39 


45,95 


87,03 


74,21 


; 47,13 


0,508 


0,593 


1,123 


0,957 


0,6(!8 



330 



Salpetersäure. 



Vol.- 


'S 5 


^ 'o 


1 100 Gewiclitstheile enthalten 1 Liter enthält Kilogramm 


Gew. 






Säure 


Säure 


Säure ]j 




Säure 


Säure 


Säure 


, . 15« 
bei 40 






N2O5 


HNOg 


von 
36° 


von 

40« 


von 

4872° 


N.2O5 


HNO3 


von 
36» 


von 

40° 


von 

48 V2^ 


(luftleer) 




H 


1 




Be, 


Be. 


Be. 


i 




Be. 


ße. 


Be. 


1,295 


32,8 


59 


40,05 


46,72 


83,48 


75,45 


47,92 


0,519 


0,605 


1,146 


0,977 


0,621 


1,300 


33,3 


60 


40,71 


47,49 


89,94 


76,70 


48,71 


0,529 


0.617 


1,169 


0,997 


0,633 


1,305 


33,7 


61 


41,37 


48,26 


91,40 


77,94 


49,50 


0.540 


o,(i:-]0 


1,193 


1,017 


0,646 


1,310 


34,2 


62 


42,06 


40,07 


92,94 


79,25 


50,33 


0,551 


0,(143 


1,218 


1.038 


0,659 


1,315 


34,6 


63 


42,76 


49,89 


94,49 


80,57 


51,17 


0,562 


0,656 


1,243 


1,059 


0,673 


1,320 


35,0 


64 


43,47 


50,71 


96,05 


81,90 


52,01 


0,573 


0,669 


1,268 


1,080 


0,686 


1,325 


35,4 


65 


44,17 


51,53 


97,60 


83,22 


52,85 


0,:585 


0,683 


1,294 


1,103 


0,701 


1,330 


35,8 


66 


44,89 


52,37 


99.19 


84,58 


53,71 


0,597 


0,697 


1,320 


1,126 


0,715 


1,3325 


36,0 


66,5 


45,26 


52,81) 


100,00 


85,27 


54,15 


0.603 


0,704 


1,333 


1,137 


0,722 


1,335 


36,2 


67 . 


45,62 


53,22 


I(M),SO 


85,95 


54,58 


O.OOt» 


0,710 


1,346 


1,148 


0,728 


1,340 


36.6 


68 : 


46,35 


54,07 


102,41 


87,32 


55,46 


0,621 


0,725 


1,373 


1,171 


0,744 


1,345 


37,0 


69 


47,08 


54,93 


104,04 


88,71 


56,34 


0,633 


0.739 


1,400 


1,193 


0,758 


1,350 


37,4 


70 


47,82 


55,79 


105,67 


90,10 


57,22 


0,645 


o;753 


1,427 


1,216 


0,772 


1,355 


37,8 


71 


48,57 


56.66 


107,31 


91,51 


58,11 


0,658 


0,768 


1,455 


1,240 


0,788 


1,360 


38,2 


72 


49,35 


57.57 


109,03 


92,97 


59.05 


0,671 


0,783 


1.483 


1,265 


0,803 


1,365 


38,6 


73 


50,13 


58,48 


110.75 


94,44 


59,98 


0,684 


0,798 


1,513 


1,289 


0,818 


1,370 


39,0 


74 


50,91 


59.39 


112,48 


95.91 


60,91 


0,698 


0,814 


1,543 


1,314 


0,835 


1,375 


39,4 


75 


51,69 


60.30 


114,20 


97,38 


61,85 


0,711 


0,829 


1,573 


1,.339 


0,850 


1,380 


39,8 


76 


52.52 


61,27 


116.04 


1 1^.95 


62,84 


0,725 


0,846 


1.603 


1,366 


0,868 


1,3833 


40,0 


76,7; 


53,08 


61.92 


117.27 


100,00 


6::5,51 


0,735 


0,857 


1,623 


1,.383 


0,879 


1.385 


40,1 


77 1 


53.35 


62.24 


117,8^ 


1(X),51 


03,84 


0,739 


0,862 


1,633 


1,392 


0,884 


1,3!:« 


40,5 


78 ! 


54.20 


63,23 


119,75 


102.12 


64,85 


0,753 


0,879 


1,665 


1,420 


0,902 


1,395 


40,8 


79 


55,07 


64,25 


121,68 


103,76 


65,90 


0,768 


0,896 


1.697 


1,447 


0,919 


1,400 


41,2 


SO 


55,97 


65,30 


123,67 


105,46 


66,97 


0,783 


0,914 


1,731 


1,476 


0,937 


1,405 


41,6 


81 


56,92 


66.40 


125.75 


107,24 


68,10 


0.800 


0,933 


1,767 


1,507 


0,957 


1,410 


42,0 


82 


57,86 


67,50 


127,84 


109,01 


69.23 


0,816 


0,952 


1,803 


1,537 


0,976 


1,415 


42,3 


83 


58,83 


68,63 


129.98 


110,84 


70,39 


0.ö:-;2 


0.971 


1,839 


1,568 


0,996 


1,420 


42,7 


84 


59,83 


69,80 


132,19 


112,73 


71,59 


0,849 


0,991 


1,877 


1.600 


1,016 


1,425 


43,1 


85 


60,84 


70,98 


134,43 114,631 


72,80 


0,867 


1,011 


1,915 


1,6.33 


1,037 


1,430 


43,4 


86 


61.86 


72,17 


136.68 


116,55 


74,02 


0,885 


1,032 


1,955 


1,667 


1,058 


1,435 


43,8 


87 


62,91 


73,39 


138,99 


118,.52 


75.27 


0,903 


1,053 


1,995 1,701 


1,080 


1,440 


44,1 


88 


64,01 


74,68 


141,44 


120,01 


76.59 


0.921 


1,075 


2,037 i 1,736 


1,103 


1,445 


44.4 


89 1 


65,13 


75,98 


143,90 


122,71 


77,93 


0,941 


1.093 


2,080 


1,773 


1,126 


1,450 


44,8 


90 i 


66.24 


77.28 


146,36 


124,81 


79,26 


0,961 


1.121 


2.123 


1,810 


1,150 


1,455 


45,1 


91 


67,38 


78,60 


148.86 


126,94 


8l),62 


0,981 


1.144 


2,167 


1,848 


1,173 


1,460 


45.4 


92 


68,56 


79,9^^ 


151,47 


129,17 


82,03 


1,(X)1 


1,168 


2,212 


1,886 


1,198 


1,465 


45,8 


93 


69,79 


81,42 


154,20 


131,49 


83,51 


1,023 


1,193 


2,259 


1,927 


1,224 


1,470 


46,1 


94 


71,06 


s2,!lü 


15<,<t0 


133,88 


85,03 


1,045 


1,219 


2,303 


1,969 


1,250 


1,475 


46,4 


95 


72,39 


84,45 


159,94 


i:36,.39 


86,62 


1,068 


1,246 


2,360 


2,012 


1,278 


1,480 


46,8 


96 


73,76 


86,05 


162,97 


138,97 


88,26 


1.092 


1,274 


2,413 


2,058 


1,307 


1,485 


47,1 


97 


75,18 


87,70 


166,09 141,63 


89,95 


1,116 


1,302 


2,466 


2.103 


1,335 


1,490 


47,4 


98 


76,80 


89,60 


169,69 144.70 


91,90 


1,144 


1,335 


2,528 


2,156 


1,369 


1,495 


47,8 


99 


78,52 


91.60 


173,48 147,93 


93,95 


1,174 


1,369 


2,593 


2,211 


1,404 


1,500 


48,1 


100 


S0,65 


ft4,oy 


178,19151,96 


96,50 


1,210 


1,411 


2,672 


2,278 


1,447 


1,501 


48.2 


100/2 


Sl,09 


94,00 


179,16 152,78 


97,03 


1,217 


1,420 


2,689 


2,293 


1,456 


1,502 


48,2 


100,4 


81,50 


95,08 


180,0 ( 153,55 


97,52 


1,224 


1,428 


2.704 


2,306 


1,465 


1,503 


48.3 


100,6 


81,91 


95,55 


180,96 154,31 


98,00 


1,231 


1,436 


2;720 


2,319 


1,473 


1,504 


48,3 


100.8 


82,29 


96,00 


181.81 


lo5,04 


98,46 


1,238 


1,444 


2,735 


2,332 


1,481 


1,505 


48,4 


101 


82,63 


96,39 


182,55 


155,67 


98,86 


1,244 


1,451 


2,748 


2,343 


1,438 


1,506 


48,4 


101,2 


82,91 


96,76 


183,25 


156,27 


99,27 


1.249 


1,457 


2,759 


2,353 


1,494 


1,507 


48,5 


101,4 


83,26 


97,13 


183,95; 156.86 


99,62 


1,2.55 


1.464 


2,773 


2,364 


1,502 


1,508 


48.5 


101,6 


83,58 


97,50 


184.65! 157,47 


100,0) 


1,260 


1,470 


2,784 


2,374 


1,508 


1,509 


48,6 


101,8 


83,87 


97,84 


185,30158,01 


100,35 


1,265 


1.476 


2,795 


2,384 


1,514 


1,510 


48,7 


102 


84,09 


98,10 


185,79:158,43 


100,62 


1,270 


1,481 


2,805 


2,392 


1,519 


1.511 


48,8 


102,2 


84,28 


98,32 


1S6,21 158.79 


100,84 


1,274 


1,486 


2.814 


2,400 


1,-524 


1,512 


48,8 


102,4 


84,46 


98,53 


186,61 159,13 


101, (J6 


1,277 


1,490 


2.822 


2,406 


1,528 


1,513 


48,9 


102,6 


84,63 


98,73 


186,98 159,45 


101,26 


1,280 


1,494 


2,829 


2.413 


1,532 


1,514 


48.9 


102,8 


84,78 


98,90 


187,30| 159,72 


101,44 


1,283 


1,497 


2,835 


2,418 


1,535 


1,515 


49,0 


103 


84,92 


99,07 


187,63 160,00 
187,89 160,22 


101,61 


1,287 


1,501 


2,843 


2,424 


1,539 


1,516 


49,1 


103,2 


85,04 


99,21 


lOlJö 


1,289 


1,504 


2,848 


2,429 


1,543 


1,517 


49,2 


103,4 


85,15 


99,34 


188,14 100,4:; 


101,89 


1,292 


1.507 


2,854 


2,434 


1,546 


1,518 


49.2 


103,6 


85,26 


99,46 


188,37 j 160,6:-; 


102,01 


1,294 


1.510 


2,860 


2,439 


1,549 


1,519 


49,3 


103,8 


85,35 


99,57 


183,581160,81 


102,12 


1,296 


1,512 


2,864 


2,442 


1,551 


1,520 


49,4 


lOi 


85,44 


99,07 


188,77 


160,97 


102,23 


1.299 


1,515 


2,869 


2,447 


1,554 



Eigenschaften. 



331 



Da diese Tabelle nur für 15° gilt, so ist eine andere Tabelle erforderlich, 
um die bei anderen Tn. beobachtete Dichte auf 15° zu reduziren. Eine solche 
hat Lunge (Taschenbuch 1892. 206) mitgetheilt. Man kann dieselbe jedoch 
durch eine kleine Rechnung ersetzen. Lunge hat für Beobachtungs-Tn. zwischen 
13 und 17° folgende Hilfstafel angegeben: Hat man die Dichte der HNO3 bei einer T. 
über 15° beobachtet, so hat man für jeden Grad über 15° folgende Grössen zuzuzählen, 
— hat man die Dichte bei einer T. unter 15 ° beobachtet , so hat man für jeden 
Grad unter 15° folgende Grössen abzuziehen, um die Dichte bei 15° zu erhalten: 



Beobachtete 


Kon-ektur 


Beobachtete 


Korrektur 


Dichten 


für ± 1 ° 


Dichten 


für ± 1 ° 


1,000 bis 1,020 


=F 0,0001 


1.281 bis 1,310 


± 0,0010 


1,021 , 1,040 


0,0002 


1,311 , 1,350 


0,0011 


1,041 , 1,070 


0,0003 


1,351 „ 1.365 


0,0012 


1,071 , 1.100 


0,0004 


1,366 ,. 1,400 


0,0013 


1,101 , 1,130 


0,0005 


1,401 , 1,435 


0,0014 


1,131 , 1,161 


0.0006 


1,436 ,. 1.490 


0,0015 


1.162 „ 1,200 


0,0007 


1,491 . 1,500 


0,0016 


1,201 , 1,245 


0.0008 


1.501 , 1.520 


0,0017 


1,246 , 1,280 


0.0009 







Sorel theilt in Fremy's Encycl. 5. 336 ein Diagramm mit, welches die Aus- 
dehnung der HNO3 durch die Wärme darstellt. 

Die rot he rauchende Salpetersäure stösst an der Luft rothe Dämpfe von 
Untersalpetersäure aus, und wirkt noch stäi-ker oxydirend als HNO3. Zu Nitrirungs- 
zwecken ist sie aber nicht so geeignet wie reine HNO3, weil die Untei-salpetersäure 
dabei nahezu unwirksam bleibt. In Nitrirungsanstalten zieht man daher den 
Gehalt an Untersalpetersäure in der HNO3 gar nicht in Betracht (Guttmann, 
Z. angew. Chem. 1891. 238; Lunge ebendort 1892. 12). 

Die rauchende Salpetersäure hat gewöhnlich eine Dichte von 1,50 (48° Be.), 
ist aber oft schwächer. Sie verliert ihre Untersalpetei'säure um so leichter, je ver- 
dünnter sie ist. Hat sie weniger als 46" Be. , so entfärbt sie sich an der Luft in 
massiger T. Man kann aus ihr leicht farblose HNO3 darstellen, indem man sie 
mit einem oxydirenden Agens (Mangansuperoxyd, Kaliumbichromat, Bleisuperoxyd) 
dest., oder indem man nach Smith einen Luftsti'om von 77° hindurchtreibt. 

Indem HNO3 die Dämpfe von Untersalpetersäure absorbirt, vermehrt sich ihre 
Dichte, aber in ganz unregelmässiger Weise je nach der Konzentration der ursprüng- 
lichen HNO3. Lunge und Marchlewski, welche die früheren Angaben berichtigt 
haben (Z. angew. Chem. 1892. 10, 330), schieben die Ursache dieser Unregelmässig- 
keiten auf die Kontraktion, welche beim Vermischen von HNO3 mit H2O stattfindet, 
und auf theilweise Spaltung der Untersalpetersäure : N2O4 + H2O = HNO3 - HNO2. 

Wir geben hier daher nur die Tabelle über die Aenderung des SG. hoch konz. 
HNO3 von 1,4960 SG. bei 15° bezogen auf H2O von 4° im luftleeren Räume, wenn 
dieselbe mit Untersalpetersäure ges. wird : 





Zunahme 




Zunahme 




Zunahme 




Zunahme 


NoO^ 


des SG. durch 


N0O4 


des SG. durch 


NoO^ 


des SG. durch 


N,04 


des SG. durch 


7o 


N2O4 


°/0 


N2O4 


> 


N2O4 


% 


N2O4 


0,25 


0,00050 


3,50 


0,02165 


6,75 


0,04475 


10,00 


0,06600 


0,50 


0,00075 


3,75 


0,02350 


7,00 


0,04650 


10,25 


0.06815 


0,75 


0,00150 


4,00 


0,02525 


7,25 


0,04720 


10.50 


0,06975 


1,00 


0,00300 


4,25 


0,02690 


7.50 


0,05000 


10,75 


0,07135 


1,25 


0.00475 


4,50 


0,02875 


7,75 


0,05165 


11,00 


0,07300 


1,50 


0,00675 


4,75 


0,03050 


8,00 


0,05325 


11,25 


0,07450 


1,75 


0,00775 


5,00 


0,03225 


8,25 


0,05500 


11,50 


0,07600 


2,00 


0,01050 


5,25 


0,03365 


8,50 


0,05660 


11.75 


0,07750 


2,25 


0,012.50 


5,50 


0,03600 


8,75 


0,05825 


12,00 


0,07850 


2,50 


0,01425 


5,75 


0,03775 


9,00 


0.06000 


12,25 


0,08050 


2,75 


0,01625 


6,00 


0,03950 


9,25 


0,06160 


12,50 


0,08200 


3,00 


0,01800 


6,25 


0.04175 


9,50 


0.06325 


12,75 


0,08350 


3.25 


0,01985 


6,50 


0,04300 


9,75 


0,06500 







332 Salpetersäure. 

Hat man in einer rothen, rauchenden Salpetersäure von mehr als 1,5 SG. 
den Gehalt an N2O4 durch Titrirung mit Chamäleon ermittelt, so kann man von 
der bei 15° beobachteten Dichte die entsprechende Grösse aus der Tabelle abziehen, 
um die Dichte der reinen HNO3 zu erhalten, deren Gehalt von HNO3 man aus der 
Tabelle von Lunge und R e y findet. Hierbei ist vorausgesetzt . dass man den 
ganzen Gehalt an N2O4 verloren gibt, wie man es bei Nitrirungen zu thun pflegt. 
Glaubt man aber, dass genügend HoO zugegen ist, um die Hälfte der Untersalpeter- 
säure als HNO3 nutzbar zu machen (s. 0.), so müsste der Abzug kleiner sein. 

Bei schwächeren rauchenden Salpetersäuren hat man in jedem einzelnen 
Falle das N2O4 durch Titrirung mit Chamäleon zu bestimmen und seinen Betrag 
von der ebenfalls direkt titrirten Gesammtacidität in Abzug zu bringen , um den 
wirklichen Gehalt von HNO3 zu ermitteln. 

Anwendungen. In der H2S04-Fabrikation wendet man die Dämpfe, 
welche bei der Zersetzung von Salpeter durch H2SO4 entstehen, ohne sie erst zu 
kondensii-en , direkt an, indem man sie in die H2S04-Kammern leitet, oder auch 
nach vorgängiger Kondensation , indem man die rohe HNO3 in die Kaskaden- 
apparate im Innern der ersten Bleikammer einführt. 

Die rohe HNO3 in Stärken von 32 bis 42" Be., welche Cl und Untersalpeter- 
säure und andere Verunreinigungen enthält , dient zum A e t z e n von Stahl und 
Cu ; zum Gelbbrennen der Bronze und des Messings (Bronziren) ; zum 
Färben des Au; zur Bereitung des Königswassers zum Auflösen von Au, 
Pt, Sn, Wolfram und anderen Metallen ; zur Bereitung der unter dem Namen 
R u i 1 1 e zum Schwarzfärben der Seide angewendeten Fe-Beize (in Lyon allein 
verbraucht man nach F. Fischer von dieser Beize täglich gegen 10t); zur 
Oxydation der arsenigen Säure zu Arsensäure (für die Fuchsinschmelze). 

Cl-freie HNO3 von .35 bis 45" Be., die aber noch durch Untersalpetersäure 
gelb gefärbt sein darf, dient zur Scheidung des Au vom Ag: aus einer Legirung, 
welche etwa ein Viertel Au oder weniger enthält, löst die HNO3 das Ag auf, 
während das Au rein zurückbleibt, daher ihr früherer Name .Scheidewasser" ; 
ferner zur Fabrikation von Silbernitrat (seit der Ausbreitung der Photographie 
ein wichtiger Artikel), von Quecksilbernitrat und Knallquecksilber, von 
rothem Quecksilberoxyd, von basischem Wismuthnitrat und anderen 
Metallsalzen. 

Cl-freie und farblose HNO3 höchster Konzentration (45 bis 49" Be.) findet die 
wichtigste Anwendung zu Nitrirungen organischer Substanzen. HNO3 zerfällt, 
wenn sie mit gewissen Stoffen zusammengebracht wird, in Stickoxyd, LTntersalpeter- 
säure und ; letzterer bildet entweder mit den betreö'enden Stoffen Oxyde , oder 
oxydirt sie zu eigenthümlichen Verbindungen, während die Untersalpetersäure häufig 
in die Zusammensetzung der organischen Stoff'e eintritt und sogen. Nitroverbin- 
dungen bildet (Nitrobenzol oder Mirbanöl, Nitrotoluol, Nitronaplitalin , Nitro- 
glycerin. Nitromannit, Schiessbaumwolle, Collodiumwolle, Martiusgelb, Pikrinsäure, 
Alizarinorange). Viele Nitrirungen bewirkt man unter gleichzeitiger Zumischung 
konz. H2SO4 als HoO-entziehendes Mittel. Somit ist die HNO3 die Grundlage unserer 
heutigen Industrie der T h e e r f a r b e n und der Explosivstoffe geworden. 

In vielen Fällen dient diese HNO3 auch bloss zur Oxydation und in ver- 
schiedenen Verdünnungsgraden zu folgenden Zwecken: 

Zum Gelbfärben der Seide und anderer eiweisshaltiger Stoffe (Haut, 
Wolle, Hörn, Federn), welche durch starke HNO3 dauernd gelb gefärbt werden. 
Längere Zeit fortgesetzte Einwirkung der HNO3 auf diese Stoff'e führt ihre gänz- 
liche Zerstörung herbei. Viele N-freie organische Stoffe, wie Cellulose, Stärkemehl, 
Saccharose, werden durch die Einwirkung von HNO3 unter Bildung von Oxal- 
säure zerstört. Kurze Einwirkung sehr verd. HNO3 führt das Stärkemehl in 
Dextrin, konz. HNO3 führt es aber in das explosive Xyloidin über. In der 
Kattundruckerei benutzt man die Eigenschaft der HNO3, gewisse Farbstoffe, wie 
z. B. das Indigblau, durch Oxydation und Nitrirung zu verändern, um durch Auf- 
drucken von HNO3 auf blauem Grunde gelbe Muster zu erzeugen; ferner in der 
Tuchweberei zum Gelbbeizen der Sahlleisten, damit die Tuche das Aussehen von 
in der Wolle gefärbten Geweben annehmen, bei denen die gelben Leisten angewebt 
sind. In der Hutfabrikation verwendet man eine Auflösung von Hg in HNO3, um 
die glatten Hasen- und Kaninchenliaare zum Verfilzen geeignet zu machen. 

Völlig reine HNO3 dient nur zu chemischen Untersuchungen. 

Rothe. rauchende Salpetersäure wird in allen Fällen benutzt, in welchen es 
auf eine kräftige Oxydation ankommt. 



Wirthschaftliches und Statistik. 



333 



Wirthschaftliches und Statistik üb er S alpetersäure. Ver- 
brauch und Verlust in der Fabrikation. Unter theoretischem H2SO4- 
Verb rauch versteht man denjenigen, welcher der Formel 2NaN03 -j- H2SO4 = Na2S04 
+ 2HNO3 entspricht. Hiemach erfordern 85 kg NaNOs 49 kg H2SO4, oder 100 kg 
NaNOs erfordern 57,647 kg H2SO4 oder 73,868 kg Schwefelsäure von 60" Be. 
(142" Tw.). 

Wollte man dagegen ausschliesslich Natriumbisulfat im Rückstande erzeugen, 
so hätte man die doppelte Menge H0SO4 aufzuwenden, also für 100 kg NaNOs 
115,294 kg H2SO4 oder 147,736 kg Schwefelsäure von 60 Be. 

Die in verschiedenen Fabriken verbrauchten Mengen H2SO4 schwanken 
zwischen diesen beiden Grenzen, je nachdem man den Rückstand zäher oder leichter 
flüss. haben will. In folgender Tabelle hat Verf. den H2SO4- Verbrauch einiger 
Fabriken zusammengestellt : 



Bezeichnung 



Auf 100 kg NaNO^ 
wurden verbraucht 



H2SÜ4 
ks 



Säure 

60 " Be. 

k^ 



Propor 

tion zum 

Aequi- 

valent 



und HNO3 
erhalten 

kff 



CO rrt (D 



Theoretische Zersetzung . . 
In Widnes 1873 aus Versehen 
Nordfrankreich 1882 . . . 

Nach Lunge 

In Frankreich nach S r e 1 . 
Bei starker Säure nach Lunge 
In Süddeutschland 1881 . . . 
Nach Guttmann in London 1891 
Nach Guttmann in London 1891 
In Norddeutschland 1888 . . . 
Mit Bisulfat als Rückstand . . 



57.647 


73,868 


1 


65,54 


88,98 


1,13 


i 72,563 


92,982 


1,259 


83,08 


106,46 


1,44 


90,858 


115,78 


1,567 


97,551 


— 


1,692 


103,83 


132,40 


1,792 


109,05 


— 


1,892 


110,98 


— 


1,925 


113,31 


145,22 


1,966 


115,294 


147,736 


2 



74,118 theoretisch 
69,911 von 36" Be. 



72,95 

72,81 

61,055 

69,47 

71,86 

68,621 



36 
36 
50 
36 
49 
49 



Be. 
Be. 
Be. 
Be. 
Be. 
Be. 



74,118 theoretisch. 





5,67 
1,58 
1,76 
17,62 
6,27 
3,04 
7,40 





Um die Fabrikationsverluste rasch zu übersehen, mag folgende 
Tabelle dienen : 

100 kg Natronsalpeter sollten theoretisch ergeben: 







Salpetersäure 


Bei Gehalt 


HNO3 


von 36° Be. mit 


an NaNOg 


52,8 7o HNO3 


"/o 


kg 


kg 


94 


69,671 


131,952 


95 


70,412 


133,355 


96 


71,153 


134,759 


97 


71,894 


136,163 


98 


72,635 


137,567 


99 


73,377 


138,971 


100 


74,118 


140,375 



Fabrikationskosten. Verf. hat aus eigener Erfahrung und aus der 
Literatur folgende Angaben zusammengestellt: 

Im Deutschen Reiche berechneten sich die Herstellungskosten der 
HNO3 wie folgt: 

Zur Fabrikation von 100 kg HNO3 von 86" Be. (entsprechend 52,80 kg HNO3) 
gebrauchte man: 



334 



Salpetersäure. 



Posten 



In einer Fabrik 
liwährend 1. Juli 1880 
!! bis 1. Juli 18«! 



Durchschnitt aus 

mehreren Fabriken 

1881 



Menge 
kff 



Werth 
Mk. 



Menge 



Werth 
Mk. 



Chilisalpeter v. 95 " o zu 31 Mk. die 100 kg 
Schwefelsäure 66 " Be. (94 V H2SO4) zu 

2.90 Mk. die 100 kg 

Kohlen zu l.lö Mk. die 100 kg . . . 

Arbeitslöhne 

Reparaturen 

Gesammtkosten 

100 kg Salpeter ergaben Salpeterkuchen 

100 kg Salpeter ergaben Salpetersäure 

36 ^ Be 

Verlust in Prozent der theoretischen Menge 



79,8 

82.3 
47,9 



24,74 

2,39 
0,55 
0,74 
0,16 



80 

82 
50 



24,80 

2,38 
0,58