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Full text of "Handbuch der Nadelholzkunde; Systematik, Beschreibung, Verwendung und Kultur der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Gnetaceen, für Gärtner. Forstleute und Botaniker"

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raCüLTY OF FORESTRY 
ÖNIVERSITY OF TORONTO 




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Handbuch 

der 

Nadelholzkunde. 



Systematik, Beschreibung, Verwendung und Kultur der 
Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Gnetaceen. 

Für Gärtner, Forstleute und Botaniker 

bearbeitet von 



L. Beißner, 



Kgl. Garteninspektor am botanischen Garten der Universität Bonn und Lehrer für Gartenbau 
an der Kgl. Landw. Akademie zu Bonn-Poppelsdorf, Geschäftsführer der Deutschen Dendro- 
loglschen Gesellschaft, Ehrenmitglied und korresp. Mitglied verschiedener Gesellschaften. 



Zweite, völlig umgearbeitete, Yermehrte und verbesserte Auflage. 




Mit 165 nach der Natur gezeichneten OriginÄlabhjl^iLrag^ 

\ 

fWüiTY OF fmsm 

BERLIN. ÜHIVERSTTY OF TOWHK 

Verlagsbuchhandlung Paul Parey. 

Verlag für Landwirtschaft. Gartenbau und Forstwesen. 

SW., Hedemannstrasse 10. 

1909. 




Alle Rechte, auch das der Übersetzung, vorbehalten. 






Vorwort zur zweiten Auflage. 



Seit dem Erscheinen der ersten Auflage dieses Werkes sind 18 Jahre 
verflossen, für unsere raschlebige Zeit eine ziemliche Spanne Zeit, die auch 
auf dem Gebiete der „Nadelholzkunde" manches Neue gebracht hat. 

Eine Neubearbeitung wurde daher dringend nötig, um das vor- 
liegende Werk, welches vielen zum Ratgeber geworden ist, auf der Höhe zu 
halten und so vollständig als möglich zu gestalten. 

Gilt es doch, die Vorliebe für unsere schönen Freiland-Coniferen 
in immer weitere Kreise zu tragen — unberechenbar ist ihr Nutz- und Zier- 
wert — , aber eine richtige Verwendung in Wald, Park und Garten wird doch 
erst erzielt, wenn wir sie genau kennen, sowohl in ihren Größenverhältnissen 
wie in ihrem Verhalten in unserem Klima. 

Dem heutigen Stande der Wissenschaft entsprechend, hielt ich eine 
Abänderung der systematischen Einteilung für nötig, und zwar nach 
Engler, Syllabus der Pflanzenfamilien; im übrigen ging mein Bestreben 
dahin, soweit nicht wissenschaftlich begründete, notwendige Änderungen in 
Frage kommen, in der Benennung möglichst jede einschneidende Umwälzung 
zu vermeiden. — 

Als ich 1887 für den Kongreß von Coniferen-Kennern und -Züchtern 
in Dresden eine einheitliche Benennung der Coniferen ausgearbeitet 
hatte, wurde dieselbe nach dem bis dahin in der Benennung herrschenden 
Wirrwarr allseitig mit Freuden begrüßt und angenommen. In kürzester Zeit 
fand dieselbe Eingang in alle Verzeichnisse der größeren Baumschulen Deutsch- 
lands und Hollands. Mit ganz geringen Abweichungen finden wir die gleiche 
Benennung in englischen Werken (ausdrücklich wird dieselbe von Masters 
in Gard. Chron. 1893, p. 25 — 29 lobend anerkannt) ; italienische, französische, 
russische und dänische Bearbeiter bedienen sich derselben, kurz, wir dürfen 
dieselbe heute als eine internationale einheitliche Coniferen-Be- 
nennung bezeichnen. 

In den bis heute darüber hingegangenen 21 Jahren ist die Benennung 
also zum Gemeingut geworden und hat sich in der Praxis fest einge- 



JY Vorwort. 

bürgert. Wer in der Praxis steht, weiß, daß dies keine leichte Sache für den 
Praktiker war, es hieß mit mancher alten liebgewordenen Gewohnheit 
brechen — aber die Befreiung aus einem Chaos von Namen, die unzählige, 
schwerwiegende Verwechslungen und Schädigungen herbeiführten, erleichterten 
ihm die Einführung und das Umlernen. — 

In Anbetracht dieser Erfolge und nicht abzuleugnenden Tatsachen würde 
ich es geradezu für ein Unrecht halten, jetzt wieder tief eingreifende Um- 
änderungen in der Benennung, wie sie neuerdings wiederum angestrebt werden, 
eintreten zu lassen. — 

Unendlich schwer dürfte es auch sein, eine endgültige Einigung zu er- 
zielen, da die Ansichten zu weit auseinander gehen — auch Majoritäts- 
beschlüsse auf Kongressen werden den Übelstand nicht beseitigen, denn je 
nach den Vertretern, den verschiedenen Anschauungen über Artenbegriff usw. 
wird heute verworfen werden, was gestern beschlossen wurde. — Die An- 
hänger strengster Priorität (also unter allen Umständen den ältesten Namen 
zur Annahme zu bringen) werden nie zu befriedigen sein, für sie ist die Sache 
ein Sport geworden, denn nur die Jahreszahl hat für sie Bedeutung. Als 
abschreckendes Beispiel möge hier nur angeführt sein, daß man für Sequoia 
den fossilen Namen Steinhauera Presl. ausgegraben hat. — 

Auf Einzelheiten kann hier nicht eingegangen werden. Ich verweise 
nur auf die „Mitteilungen der deutschen dendrologischen Gesellschaft 1895, 
p. 5": Wahl einer Kommission für Aufstellung einer „Liste der in Deutsch- 
land winterharten Laubgehölze", die später in der „Laubholz- 
benennung" von Beißner, Schelle, Zabel ihren Ausdruck gefunden hat. 
Auch hier wird das dringende Bedürfnis betont, für das pflanzende Publikum 
Klarheit in der Benennung zu schaffen, in der gleichen Weise, wie es für die 
Coniferen früher geschah. 

Weiter wird hervorgehoben, daß eine stattliche Reihe von Bo- 
tanikern gegen das Bestreben von O. Kuntze sind, die strengste Priorität 
in der Benennung durchzusetzen. Je mehr diese Herren mit der Praxis 
Fühlung haben, desto mehr erkennen sie das Unheil an, das daraus entstehen 
muß, wenn nie gebrauchte Namen an die Stelle der alten, bewährten, in der 
Praxis fest eingebürgerten gesetzt werden. Hierdurch kann nur Zwietracht 
und Konfusion entstehen. 

Mögen hier noch Nägel is Worte Platz finden: „Die Botanik hat kein 
historisches, sondern nur naturwissenschaftliches Interesse. Der Name einer 
Pflanze hat keinen anderen Wert, als daß er zur Verständigung unter den 
Botanikern dient, wenn er allgemein bekannt und gebraucht wird, gibt es gar 
keinen Grund, ihn zu ändern. Das Gesetz der Priorität hat nur den Zweck, 



Vorwort. Y 

diese Einheit der Benennung herbeizuführen, und wenn sie erreicht ist, bringt 
ein älterer Name ebenso wie ein neuer Verwirrung hervor." 

Wir sehen also, daß von allen Seiten energisch dagegen Verwahrung 
eingelegt wird, fossile, nie gebrauchte, ganz unverständliche und 
unmögliche Namen ausgraben und der Praxis aufzwingen zu wollen. — 

Wir bleiben somit bei unserer alten, bewährten, fest einge- 
bürgerten Benennung! — 

Bedenken wir, wie tief einschneidend die Benennung für die 
Praxis ist, für den Wald- und Gartenbau, Baumschulen, Samenhandel, 
Holzhandel, die ihrerseits wieder in die verschiedenen technischen Gewerbe 
eingreifen, so ergibt sich klar, daß wir für bestimmte Dinge sichere Be- 
zeichnungen festsetzen müssen, und daß diese, wenn einmal ein- 
gebürgert, nicht willkürlich abgeändert und umgestoßen werden dürfen! — 
Jedenfalls verträgt die Praxis ein solches Vorgehen nicht, wodurch 
wiederum unabsehbare Verwirrung und nach allen Richtungen Schädigungen 
entstehen müssen! — 

Wir sehen also unser Werk auf fester wissenschaftlicher Grundlage. 
Im ersten Teil wird die Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, 
Coniferen und Gnetaceen gegeben und eine charakteristische Übersicht 
der Abteilungen und Gattungen, mit Angabe der Artenzahl und des Vor- 
kommens; hier sind auch gleichzeitig die wichtigsten literarischen 
Quellenangaben aufgeführt, wo sie beschrieben, um den zweiten Teil nicht 
zu sehr durch solche Angaben bei den Synonymen zu belasten. 

Im zweiten Teil wird in systematischer Anordnung eine genaue Be- 
schreibung aller bis jetzt bekannten, in Deutschland im freien 
Lande ausdauernden Arten und Formen gegeben, und zwar gehen 
genaue wissenschafthche, aber allgemein verständliche Beschreibungen der 
Familien und Gattungen voran und alsdann folgen die Arten nach der Ver- 
wandtschaft geordnet, wobei besonderer Wert darauf gelegt wurde, die Unter- 
schiede nahe verwandter Arten recht scharf hervorzuheben. Jeder Art, 
welche mit dem fettgedruckten nunmehr für dieselbe zu gebrauchenden 
Hauptnamen wie mit dem deutschen, französischen und englischen, 
sowie den in der betreffenden Heimat gebräuchlichen Namen bezeichnet 
ist, sind sämtliche Synonyme, d. h. diejenigen wissenschaftlichen Namen bei- 
gesetzt, welche der gleichen Art von anderen Autoren gegeben wurden. 
Dabei betone ich ausdrücklich, daß ich die von Nelson unter dem Pseudonym 
Senilis in ganz unverantwortlich leichtfertiger Weise für längst richtig benannte 
Pflanzen gegebenen Namen absichtlich fortgelassen habe. Haben dieselben 
auch leider in einigen wissenschaftlichen Werken ganz unverdienterweise 
Beachtung gefunden, so sind sie zum Glück niemals in die Praxis gedrungen; 



YJ Vorwort. 

um SO mehr glaubte ich, die schon so verwickelte Coniferen-Benennung nicht 
noch mit diesem unwürdigen Ballast von Coniferen-Synonymen belasten zu 
sollen! — Das gleiche gilt für neuere, ganz zu verwerfende Benennungen, 
die für uns als unberechtigt nicht in Betracht kommen! — Hierher sind auch 
die von Sudworth in Check List of the Forest trees of the U. States 1898 
vorgenommenen Namenänderungen zu zählen. Der Autor gibt, um Wieder- 
holungen von gleichen Namen bei den betreffenden Gattungen zu vermeiden, 
den Coniferen-Formen ganz neue Bezeichnungen, wie: pendens statt 
pendula, parva statt nana, cyanea statt coerulea, crocea statt aurea, und dann 
bildet er, um immer neue Ausdrücke zu gewinnen, Namen, wie: unifolia, minuti- 
folia, penduHformis, cristatiformis, glaucifolia, griseifolia, aurifolia, argenti- 
folia usw. usw. 

Natürlich muß jedermann, der nicht weiß, daß hier nur willkürliche 
Namenumänderungen für längst benannte und bekannte Pflanzen vorliegen, 
an neue Formen glauben, und auch der Kenner hat Not, festzustellen, was der 
Autor mit seinen neuen Namen eigentlich meint. — Ich beschränke mich also 
darauf, auf diesen Umstand hinzuweisen und setze diese Namen nicht als 
Synonyme bei, da sie die Praxis kaum berühren und nur verwirren können. — 
Die deutschen Namen sind den Arten wie den wesentlichsten Formen bei- 
gefügt worden, doch ist eine deutsche Benennung sämtlicher Formen geradezu 
unausführbar, zumal in Fällen, wo z. B. zahlreiche Formen einer Art 
geringe Unterschiede bieten und Bezeichnungen für Zwergformen, wie: com- 
pacta, pygmaea, nana, pumila tragen, also eine Übersetzung die Unterschiede 
kaum scharf auszudrücken imstande wäre, auch kaum je im praktischen Leben 
gebraucht werden würde. Geradezu sinnlos ist aber eine deutsche Bezeich- 
nung für Formen, denen, wie es häufig vorkommt, zwei Eigennamen beige- 
setzt sind, z. B. Chamaecyparis Lawsoniana Rosenthalii, was verdeutscht 
Rosenthals Lawsons-Cypresse heißen würde, ein Name, den in der Praxis nie 
ein Mensch aussprechen dürfte, ebenso verhält es sich mit langen Gärtner- 
Namen, wie Biota orientalis filiformis stricta: aufstrebender faden- 
förmiger orientalischer Lebensbaum; diese Beispiele dürften beweisen, 
daß auf deutsche Namen nur in beschränktem Maße Wert zu legen ist; dem- 
entsprechend habe ich bei der Beschreibung der Formen, die durch die 
botanischen Namen ausgedrückten Eigenschaften durch gesperrten 
Druck kenntlich gemacht, wodurch zugleich eine Übersetzung, wenn auch in 
umschreibender Weise, gegeben ist. 

Weiter folgen alsdann genaue Angaben über Vaterland und die den 
Arten nötigen Kulturbedingungen nebst wissenschaftlicher Beschreibung, 
Nutz-, Zierwert und Verwendung, auch über ihr Verhalten und die bereits 
erreichten Größenverhältnisse in deutschen Gärten. 



Vorwort. VH 

Die den Arten zugehörigen Formen, seien sie als eigentümliche Säm- 
linge oder als Sportzweige entstanden, sind in eingehendster Weise 
behandelt, ihrem dekorativen Wert nach gekennzeichnet und die ähnlichen 
nach Wuchs und Färbung hintereinander aufgeführt, auch die wertvollen und 
geringwertigen hervorgehoben, so daß jeder nach Bedürfnis und Geschmack 
auswählen kann und zumal der Landschaftsgärtner sofort orientiert ist und 
über den Wert des Pflanzenmaterials gar nicht im Zweifel sein kann. Dabei 
muß ich noch besonders der Coniferen -Jugendformen gedenken, die oft 
noch fälschlich als Retinispora- Arten aufgeführt werden, deren richtige. 
Abstammung festgestellt und deren Einreihung bei den betreffenden Arten, 
meinen eingehenden Beobachtungen und früheren Mitteilungen ent- 
sprechend, erfolgt ist. 

Von einer alphabetischen Anordnung der Pflanzen im Buche, wie sie 
öfters von Praktikern gewünscht wird, mußte abgesehen werden, um auch in 
wissenschaftlicher Hinsicht zu befriedigen und nicht die zusammengehörigen 
Pflanzen weit voneinander aufzuführen, was beim Gebrauch auch für 
den Praktiker sehr störend ist. Dazu ermöglicht ein ganz genau 
ausgearbeitetes Register, in welchem die gebräuchlichen Hauptnamen 
fett gedruckt sind, dem Praktiker das Auffinden jeder Art oder Form 
sofort, und zwar unter jedem ihm geläufigen Namen. Somit dürfte also die 
systematische Anordnung im Buche dem Praktiker die Benutzung desselben 
nicht erschweren. Am Schlüsse jeder beschriebenen Gattung wurden Winke 
über Verwendung, Vermehrung und alle erforderlichen Kulturangaben 
gegeben, außerdem behandelt der dritte Teil noch im allgemeinen die Ver- 
mehrung, die Anzucht, die Pflanzung und Pflege, die Schädlinge, den Schutz 
und die mögliche Einbürgerung der Coniferen und wurde nach den bis- 
herigen Kulturerfahrungen der etwaige forstliche Anbau mancher Coni- 
feren besonders hervorgehoben. 

Auf die dort aufgeführten Versuche, für die Einbürgerung aus- 
ländischer Gehölze übersichtliche Gebiete zu schaffen, mag hier 
noch besonders hingewiesen werden. 

Schon bei Ausarbeitung der ersten Auflage vorliegenden W^erkes 
benutzte ich außer den laufenden Fachzeitschriften : Pariatores, Bearbeitung 
der Coniferen in Decand. Prodromus XVI, 2; C. Koch, Dendrologie; Eich 1er 
in Engler und Prantl, die natürlichen Pflanzenfamilien; Carriere, Traite gene- 
ral des Coniferes; Henkel und Hochstetter, Synopsis der Nadelhölzer; Will- 
komm, forstliche Flora; Veitch, Manual of the Coniferae; Masters On the 
Conifers of Japan und Contributions to the history of certain Conifers; Engel- 
mann, Revis. Gen. Pinus in Trans. Acad. Sc. St. Louis und die kalifornischen 
Abietaceen, deren Übersetzung in den forstlichen Blättern wir nebst anderen 



Y 1 1 1 Vorwort. 

wichtigen Mitteilungen Zabel verdanken; Mayr, Die Waldungen von Nord- 
Amerika; Luerssen, Einführung japanischer Waldbäume; Schmidt, Reise im 
Amurland und auf Sachalin. 

Für diese zweite Auflage konnte ich noch benutzen die treffliche 
„Deutsche Dendrologie" von Koehne; Sargent, Silva of North Amer. und 
Man. of the trees; Veitch, Man. of the Conif. 2. ed. by Kent; Masters 
fortlaufende Coniferen-Berichte in Journ. Linn. Soc. und in Gard. Chron. • 
Mayr, Jap. Abietineen und Ausl. Wald- u. Parkbäume; Rehders Mitt. in 
Sargent Trees and Shrubs u. a. O.; Parde, Arboretum Nat. des Barres; 
Hickels Mitt. im Bull, de la Soc. dendrol. de France und schließlich meine 
eigenen und andere fortlaufende Mitteilungen über Coniferen in den 
Mitteilungen der deutschen dendrologischen Gesellschaft, auf 
diese bezieht sich die Bezeichnung: Mitt. d. d. dendr. Gesell seh., welche 
durch den ganzen beschreibenden Teil läuft. 

Eine mehr als 45 jährige gärtnerische Tätigkeit, während welcher Zeit 
ich sowohl im In- und Auslande praktisch tätig war oder auch auf Reisen 
reiche Erfahrungen sammeln konnte und mir vorzugsweise das Studium der 
Coniferen in verschiedenen Ländern und unter den verschiedensten klima- 
tischen und Bodenverhältnissen angelegen sein ließ, setzt mich in den Stand, 
in vorliegendem Werke die gesammelten Erfahrungen in umfassender Weise 
bieten zu können. 

Den wärmsten Dank spreche ich hiermit allen Herren aus, welche mich 
durch gütige Mitteilungen, Zustellung von Beobachtungsmaterial und Literatur 
unterstützten. Von den Herren und lieben Freunden, welche mich schon in 
dieser Weise bei der ersten Auflage unterstützten, sind schon viele nicht 
mehr unter den Lebenden, aber in Dankbarkeit habe ich bei dieser neuen 
Bearbeitung oft ihrer gedacht. 

Ganz besonderen Dank muß ich ferner der Verlagsbuchhandlung aus- 
sprechen für die überaus gediegene, reiche Ausstattung des Werkes, durch 
Zeichnungen, wie sie in Sorgfalt der Ausführung und Reichhaltigkeit bisher 
nicht aufzuweisen sind, welche in der zweiten Auflage noch wesentlich ver- 
mehrt wurden, wozu Herr H. Jensen aus dem Arboretum Spaeth vor- 
wiegend schönes Material zur Verfügung stellte, ebenso die Herren Hesse- 
Weener und Dahs, Reuter-Jüngsfeld. — Es handelt sich hier nicht um 
zusammengetragene Klischees, sondern die meisten Zeichnungen sind 
nach der Natur gefertigt, sei es nach lebendem Material, sei es nach 
genau geprüftem Originalmaterial aus dem Botanischen Museum in Berlin. 

Die mit peinlicher Sorgfalt von Herrn Paul Behrend ausgeführten 
Detailzeichnungen haben den großen Vorteil, in natürlicher Größe 
dem Beschauer vorgeführt zu werden und somit doppelten Wert, da man nicht 



Vorwort. IX 

erst nötig hat, einen Maßstab anzulegen, um die wahren Größenverhältnisse 
sich klar zu machen, während Vergrößerungen einzelner Teile besondere 
Eigentümlichkeiten mancher Arten scharf hervorheben. Wenn diese Detail- 
bilder die charakteristischsten Arten jeder Gattung in handgreif- 
licher Ähnlichkeit dem Kenner wie Pflanzenfreunde vor Augen führen, so 
dienen die mit gleicher Sorgfalt und trefflich ähnlich von Fräulein Emma 
Raatz nach der Natur gezeichneten Habitusbilder zumal dem Land- 
schaftsgärtner, um ihm zu zeigen, wie sich seine Pflanzen aufbauen. Gerade 
bei den Coniferen ist ja in dekorativer Hinsicht ein bedeutender Unterschied 
zwischen jungen und alten Bäumen zu machen, wie dies in den Beschreibungen 
sowohl wie auch durch die Abbildungen hervorgehoben worden ist, welche 
möglichst den schönsten erreichbaren Exemplaren entlehnt sind, und 
zwar meist aus den rauheren Gegenden Deutschlands, um die bisher 
erreichte gute Entwickelung vorzuführen. Den Herren, welche in gütigster 
Weise ihre Baumschätze für diesen Zweck zur Verfügung stellten, sage ich 
auch an dieser Stelle besten Dank. 

Wenn ich somit glaube, nichts versäumt zu haben, um dem Coniferen- 
Freunde ein allen billigen Anforderungen genügendes, den Forschungen der 
Jetztzeit entsprechend vollständiges Werk über unsere Freiland-Coniferen 
zu bieten, so bin ich doch weit entfernt davon, dasselbe für vollkommen 
anzusehen, werde daher für Winke zur Verbesserung und Vervollständigung 
desselben stets sehr dankbar sein. Mein eifrigstes Bestreben wird es sein, 
an der Vervollkommnung des Werkes zu arbeiten, solange mir die Kraft 
dazu beschieden ist. 

Möge denn das Werk in seiner neuen verbesserten Gestalt durch Wort 
und Bild dazu beitragen, die schönen Coniferen immer richtiger erkennen 
und verwenden zu lernen und demselben immer mehr Freunde zu erwerben. 

Meine ganze Lebenserfahrung habe ich in dem Buche niedergelegt. 

Bonn-Poppelsdorf, im Februar 1909. 

Der Verfasser. 



Inhalt. 



Seite 

Gymnospermae 1 

Systematische Einteilung ' 3 

Erster Teil. 

Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen 
und Gnetaceen. 

Übersicht der Klassen, Familien und Gattungen 9 

I. Klasse. Ginkgoales 9 

Familie Ginkgoaceae 9 

II. Klasse. Coniferae 9 

Familie Taxaceae 9 

1. Unterfamilie. Podocarpeae «^ • 9 

2. „ Taxeae 11 

3. „ Cephalotaxeae 18 

Familie Pinaceae 13 

1. Unterfamilie, Araucarieae 13 

2. „ Abietineae 15 

3. „ Taxodieae 22 

4. „ Cupressineae 25 

III. Klasse. Gnetales 31 

Familie Gnetaceae • 31 

1. Unterfamilie. Ephedroideae 31 



Zweiter Teil. 

Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen 
und Ephedra- Arten. 

I. Klasse. Ginkgoales 35 

Familie Ginkgoaceae 35 

Ginkgo L. 35 

II, Klasse. Coniferae 39 

Familie Taxaceae 39 

1. Unterfamilie. Podocarpeae . • • • 39 

Podocarpus l'Her. 40 

Saxegothaea Lindl. 42 

2. Unterfamilie. Taxeae 42 

Taxus L. 43 

Torreya Arn. 58 

3. Unterfamilie. Cephalotaxeae 62 

Cephalotaxus Sieb, et Zucc. 62 

Familie Pinaceae 71 

1. Unterfamilie. Araucarieae 71 

Cunninghamia R. Br. • * • • 71 

Araucaria Juss. 74 



XII Inhalt. 

Seite 

2. Unterfamilie. Abietineae 79 

Tsuga Carr. 79 

Pseudotsuga Carr. 93 

Abies Lk. U3 

Keteleeria Carr. ;1^99 

Picea Lk. 206 

Pseudolarix Gord. 296 

Larix Lk. 301 

Cedrus Lk. 325 

Pinus L. 340 

3. Unterfamilie. Taxodieae 448 

Sciadopitys Sieb, et Zucc. 448 

Sequoia Endl. 453 

Taxodium Rieh. 463 

Cryptomeria Don. 475 

Taiwania Hayata 484 

4. Unterfamilie. Cupressineae 485 

Sektion Thuyopsideae 485 

Thuyopsis Sieb, et Zucc. 485 

Libocedrus Endl. 489 

Thuya Tourn. 495 

Biota Endl. 517 

Sektion Cupresseae 528 

Chamaecyparis Spach. 528 

Cupressus Tourn. 575 

Sektion Junipereae 581 

Juniperus L. 581 

Nachtrag zu den Freiland-Coniferen 629 

in. Klasse. Gnetales 631 

Familie Gnetaceae 631 

Ephedra L. 631 



Dritter Teil. 

Kultur der Freiland-Coniferen. 

I. Die Vermehrung der Coniferen 645 

Die Erziehung aus Samen 645 

Die Aussaat 654 

Das Verpflanzen der Coniferen-Sämlinge 658 

Die Erziehung aus Stecklingen 660 

Die Erziehung durch Veredelung 667 

Die Erziehung durch Ableger oder Senker 674 

II. Pflanzung und Pflege der Coniferen 676 

Das Pflanzen der Coniferen an den festen Platz 678 

Weitere Behandlung und Pflege der Coniferen 683 

Schutzmittel für Coniferen gegen Kälte und andere schädliche Einflüsse 688 

III. Schädlinge der Coniferen 692 

.1. Pflanzliche Schädlinge 692 

2. Tierische Schädlinge 694 

IV. Einbürgerung ausländischer Coniferen, Naturalisation, Akklimatisation 695 

Alphabetisches Register 711 



Yerzeichnis der Textabbildungen. 

Seite 

Fig. 1. Ginkgo biloba L., junger Baum 37 

„ 2. Ginkgo biloba L., Zweig mit männl. Blüten, Frucht und Blütenteile vergr. • • 38 

„ 3. Taxus baccata L., alter Baum 44 

„ 4. Taxus baccata L., Zweige mit Blüten und Früchten, vergrößerte Blüten- und 

Fruchtteile 45 

„ 5. Torreya taxifolia Arn., Zweig mit männl. und weibl. Blüten und Frucht .... 60 

„ 6. Cephalotaxus pedunculata Sieb, et Zucc., Zweig mit weibl. Blüten und Früchten 63 

„ 7. Cephalotaxus Fortunei Hook., Zweig mit männl. Blüten und Frucht 67 

„ 8. Cunninghamia sinensis R. Br., Zweige mit Blüten und Zapfen, Blütenteile vergr. 73 

„ 9. Araucaria imbricata Pav., männl. und weibl. Blüten, Samen und Staubblätter • • 76 

„ 10. Araucaria imbricata Pav., Habitusbild 77 

„ 11. Tsuga Sieboldii Carr., Originalzapfen, Samen, Zweig, Blatt und Samen vergr. • 80 

Tsuga canadensis im Arnold-Arboretum 84 

„ 12. Tsuga canadensis Carr., junger Baum 86 

„ 13. Tsuga canadensis Carr., aller Baum 87 

„ 14. Tsuga canadensis Carr., Zweige mit Blüten und Zapfen, Zapfenschuppen und Samen 88 

„ 15. Tsuga caroliniana Engelm., Zapfen und Samen 91 

„ 16. Tsuga Mertensiana Carr., Habitusbild 93 

„ 17, Tsuga Pattoniana Engelm., älteres Exemplar 95 

„ 18. Tsuga Pattoniana Engelm., Zweig mit Originalzapfen, Blatt und Blattquerschnitt 

vergr. 96 

„ 19. Pseudotsuga Douglasii Carr,, Habitusbild 100 

„ 20. Pseudotsuga Douglasii Carr., Zweig mit Zapfen und mit männl. und weibl. Blüten, 

Schuppen mit Samen, Übergänge der Blätter in die Fruchtblätter 101 

,, 21. Abies pectinata D. C, alter Baum 116 

„ 22. Abies pectinata D. C, Zweige mit männl. und weibl. Blüten und Zapfen, Schuppen, 

Samen, Blatt und Blütenteile vergr., Keimpflanze 117 

Abies Nordmanniana, Urwald 122 

„ 23. Abies Nordmanniana Lk,, Habitusbild 123 

„ 24. Abies insignis Carr. • 128 

„ 25. Abies Nordmanniana X Pinsapo, Zweig 129 

„ 26. Abies Pinsapo Boiss., Habitusbild, stärkerer Baum 137 

„ 27, Abies cilicica Carr,, Habitusbild, üppiger Baum 142 

„ 28. Abies firma Sieb, et Zucc, Zweig mit Originalzapfen, Schuppe, Samen, Blatt vergr. 144 
„ 29. Abies amabilis Forb., Zweig mit Originalzapfen, Schuppe, Samen, Blätter, un- 
fruchtbarer Zweig 149 

„ 30. Abies Webbiana Lindl., Originalzapfen, Schuppe mit Bractee 152 

„ 31. Abies concolor Lindl,, junger Baum 155 

„ 32. Abies concolor Lindl., Zapfen, Schuppe, Samen, Zweig 156 

„ 33. Abies concolor var. lasiocarpa Engelm., üppiger junger Baum 158 

„ 34. Abies grandis Lindl., üppiger junger Baum 163 

„ 35. Abies grandis Lindl,, Originalzapfen mit Zweig, Blätter vergr. • 164 



vjy Verzeichnis der Textabbildungen, 

Seite 
Fig. 36, Abies magnifica Murr., Originalzapfen mit Zweig, Schuppe mit Bractee, Samen, 

Blätter, Blattquerschnitt vergr, 166 

37. Abies nobilis Lindl., Zweig mit Zapfen, Schuppe mit Bractee, Samen, Blätter 

vom fruchtbaren und unfruchtbaren Zweig nebst Querschnitt vergr. 169 

„ 38. Abies nobilis Lindl. var. glauca, üppiger junger Baum 170 

39. Abies bracteata Hook, et Arn., Zapfen, Zweig, Schuppe mit Bractee, Samen • 173 

„ 40. Abies subalpina Engelm., Habitusbild 181 

j^ 41. Abies sachalinensis Masters, Zweig mit Zapfen, Schuppen mit Samen und Bractee, 

Blatt vergr. 189 

42. Abies Veitchii Carr., Zweig mit Zapfen; Blätter, Blüten und Fruchtteile vergr. • 191 
„ 43. Blätter, Schuppen, Bracteen und Samen von Abies Nordmanniana, A. Veitchii und 

A. Eichlerii Lauche 192 

„ 44. Abies Mariesii Mast., Zweig mit Zapfen, Zapfenschuppen mit Bractee, Samen, 

unfruchtbarer Zweig, Blätter vergr. 196 

„ 45. Keteleeria Fortunei Carr., Zweig mit Originalzapfen, Schuppe, Samen, Zweig 

mit männlichen Blüten, unfruchtbarer Zweig 201 

„ 46. Abies Davidiana Franch., Originalzapfen, Zapfenschuppe, Samen, Blatt vergr. A. 

Sacra Arm. David., Zapfenschuppe; Samen und Blatt vergr. 205 

„ 47. Picea excelsa Lk., alter Baum 209 

„ 48. Picea excelsa Lk., Zweige mit männl. und weibl. Blüten, Zapfen, Blatt; Blüten 

und Fruchtteile vergr. 210 

„ 49. Picea exelsa argenteo-spicata Hesse 240 

„ 50. Picea Alcockiana Carr. (P. bicolor Maxim.), Originalzapfen, Zweig, Schuppe, 

Samen 247 

„ 51. Picea polita Carr., Zweig mit Zapfen, Zweigstück, Blätter mit Querschnitt, Schuppe 

mit Samen vergr. 251 

„ 52. Picea Orientalis Lk., Habitusbild 253 

„ 53. Picea nigra Lk., älterer Baum 258 

„ 54. Picea nigra Lk., Zweig mit Zapfen, Schuppen, Samen, Blätter 260 

„ 55. Picea nigra Mariana hört,, Habitusbild 263 

„ 56. Picea rubra Lk., junger Baum 265 

„ 57. Picea rubra Lk., Zweig mit Zapfen, Schuppen, Samen, Blätter 267 

„ 58. Picea alba Lk., Zweig mit männl. und weibl. Blüten, Blatt, Zapfenschuppe, Samen 269 

„ 59. Picea Engelmannii Engelm., Zweig, Zapfen 274 

„ 60. Picea pungens Kosteri, junger Baum 279 

„ 61. Picea Breweriana VS^ats., Habitusbild 282 

„ 62. Picea Omorica Panc, Zweig mit Zapfen 284 

„ 63. Picea Omorica Panc, Habitusbild 285 

„ 64. Picea ajanensis Fisch., Zapfen, Zweig, Schuppe, Samen; Blattspitze und Quer- 
schnitt vergr. 290 

„ 65. Picea sitkaensis Carr., Zapfen, Schuppe, Samen, Zweig 293 

„ 66. Pseudolarix Kaempferii Gord., junger Baum 298 

„ 67. Pseudolarix Kaempferii Gord., Zweige mit männl. Blüten und Zapfen, Zapfen- 
schuppe, männl. Blüten und Staubblätter vergr. 299 

„ 68. Larix occidentalis Nutt., Zweig mit Zapfen 302 

„ 69. Larix Lyallii Pari., Zweig mit Zapfen und Samen 303 

„ 70. Larix chinensis Beißn., Zweig mit Zapfen, Schuppe, Bractee, Samen 304 

„ 71. Larix Griffithii Hook., Zweig mit jungen Zapfen, reifer Zapfen, Zapfenschuppe 

mit Bractee vergr. 306 

„ 72. Larix leptolepis Gord., Zweig mit reifen Zapfen und Samen 308 

„ 73. Larix leptolepis Murrayana Maxim., Zweig mit Zapfen 310 

„ 74. Larix europaea D. C, reifer Zapfen 312 



Verzeichnis der Textabbildungen. XV 

Seite 

Fig. 75. Larix europaea D. C, alter Baum 313 

„ 76, Larix sibirica Ledeb,, reifer Zapfen 318 

„ 77. Larix dahurica Turcz., Zapfen 320 

„ 78. Larix kurilensis Mayr. (dahurica japonica Maxim.), Zweig mit Zapfen .... 321 

„ 79. Larix americana Mchx., Zapfen 323 

„ 80. Cedrus Libani Barr., alte Bäume 327 

„ 81. Cedrus Libani Barr., Zweig mit Zapfen, männl. Blüte, Staubblatt, Zapfen- 
schuppe mit Samen 328 

„ 82. Cedrus Libani brevifolia Hook., Originalzapfen 329 

„ 83. Cedrus atlantica Manetti var. glauca, älterer Baum 332 

„ 84. Cedrus Deodara Loud., starker Baum 336 

„ 85. Pinus excelsa Wall., junger Baum 342 

„ 86. Pinus Peuce Gris., junger Baum 345 

„ 87. Pinus Strobus L., alter Baum 347 

„ 88. Pinus Strobus L., Zapfen, Blätterbüschel, Schuppe, Samen 348 

„ 89. Pinus flexilis James, Habitusbild 360 

„ 90. Pinus Cembra L., Zapfen, Schuppen, Samen, Blattbüschel, Durchschnitt vergr, . 362 

„ 91. Pinus Cembra L., alter Baum 363 

„ 92. Pinus Cembra L., junger Baum 364 

„ 93. Pinus koraiensis Sieb, et Zucc, Originalzapfen und Samen 368 

„ 94. Pinus aristata Engelm., Baumgruppe 371 

„ 95. Pinus rigida Mill., alter Baum 384 

„ 96. Pinus rigida Mill., Zweig mit Zapfen, Schuppen und Samen 385 

„ 97. Pinus ponderosa Dougl. mit var. scopulorum, alte Bäume 388 

„ 98. Pinus ponderosa Dougl., Zweig mit Originalzapfen, Schuppen und Samen . . 389 

„ 99. Pinus Jeffreyi Murr., junger Baum 392 

„ 100. Pinus pungens Mchx., Zweig mit Zapfen, Blätter und Schuppen 403 

„ 101. Pinus Laricio Poir., Zapfen weibl. Blüte, Blattpaar, Samen 407 

„ 102. Pinus Laricio Poir., alter Baum 408 

„ 103. Pinus Laricio austriaca, junger Baum 410 

„ 104. Pinus silvestris L., alter Baum 425 

„ 105. Pinus silvestris L., Zweige mit männl. und weibl. Blüten, Zapfen, Samen und 

Blütenteile vergr. 426 

„ 106. Sciadopitys verticillata Sieb, et Zucc, junger Baum 450 

„ 107. Sciadopitys verticillata, Zweige mit Blüten, Doppelblatt im Querschnitt und 

Staubblätter und Fruchtschuppe vergr. 451 

„ 108. Sciadopitys verticillata Sieb, et Zucc, reifer Zapfen 452 

„ 109. Sequoia sempervirens Endl., Zweig, Blüten und Zapfen 455 

„ 110. Sequoia gigantea Torr. (Wellingtonia gigantea Lindl.), Habitusbild ..... 459 

„ 111. Sequoia gigantea Torr., Zweig mit Zapfen, männl. Blüte 460 

„ 112. Taxodium distichum Rieh., alter Baum 465 

„ 113. Taxodium distichum Rieh., Zweig mit Zapfen, dazu Blüten und Fruchtteile • . 466 

„ 114. Taxodium distichum pendulum Carr., Zweig 468 

„ 115, Cryptomeria japonica Don., junger Baum 476 

„ 116. Cryptomeria japonica Don., Zweig mit Blüten und Zapfen mit vergrößerten 

Blüten und Fruchtteilen 477 

„ 117. Cryptomeria japonica, Bestand in Nikko 478 

„ 118. Cryptomeria japonica Don. var. elegans, Zweig mit Zapfen 480 

„ 119. Thuyopsis dolabrata Sieb, et Zucc, Habitusbild 487 

„ 120. Thuyopsis dolabrata Sieb, et Zucc, Zweig mit Blüten und Zapfen 488 

„ 121. Libocedrus decurrens Torr., Habitusbild 490 

„ 122. Libocedrus decurrens Torr., Zweig, Zapfen, Blüten, Samen 491 



V^T Verzeichnis der Textabbildungen. 

Seite 

Fig. 123. Thuya occidentalis L., alter Baum 496 

124. Thuya occidentalis L., Zweig mit Zapfen, Zweigteile vergr. 497 

125. Thuya occidentalis ericoides und var. Ellwangeriana 502 

„ 126. Thuya gigantea Nutt., Habitusbild 512 

„ 127. Thuya gigantea Nutt,, Zweige mit Zapfen und Samen 513 

„ 128. Biota Orientalis Endl., Zweig mit Zapfen, Zapfen und Samen im Durchschnitt 

mit Zweigstück vergr. 518 

^ 129. Biota Orientalis decussata Beißn. u. Höchst.; Biota Orientalis meldensis • • • 521 

„ 130. Chamaecyparis sphaeroidea Spach., alter Baum 529 

„ 131. Chamaecyparis sphaeroidea Spach., Zweig mit Zapfen • 530 

„ 132. Chamaecyparis sphaeroidea ericoides Beißn. u. Höchst. 532 

„ 133. Chamaecyparis sphaeroidea andelyensis Carr. 532 

„ 134. Chamaecyparis nutkaensis Spach., Zweig, Zapfen, Samen 535 

„ 135. Chamaecyparis nutkaensis ericoides 537 

„ 136. Chamaecyparis nutkaensis pendula, Habitusbild 539 

„ 137. Chamaecyparis Lawsoniana Pari., Habitusbild 541 

„ 138. Chamaecyparis Lawsoniana Pari., Zweig mit Zapfen 542 

„ 139. Chamaecyparis Lawsoniana intertexta, Habitusbild 550 

„ 140. Chamaecyparis Lawsoniana nana, Habitusbild 553 

„ 14 L Chamaecyparis obtusa Sieb, et Zucc., 'Zweig mit Zapfen 555 

„ 142. Chamaecyparis obtusa ericoides 556 

., 143. Chamaecyparis pisifera Sieb, et Zucc, Zweig mit Zapfen 565 

„ 144. Chamaecyparis pisifera squarrosa Beißn. u. Höchst., Zweig 567 

„ 145. Chamaecyparis pisifera plumosa hört., Zweig mit Zapfen 569 

„ 146. Chamaecyparis pisifera filifera hört., Habitusbild 571 

„ 147. Chamaecyparis pisifera filifera hört.. Zweig mit Zapfen 572 

,, 148. Cupressus sempervirens L., Zweig mit Blüten und Zapfen, Blütenteile und 

Samen vergr. 577 

„ 149. Cupressus arizonica Greene, starker Baum 580 

„ 150. Juniperus Sabina L,, Zweig mit Zapfen, Zweigstück und Samen vergr. • • • • 586 

„ 151. Juniperus Sabina L., Strauch über Felsen hängend 587 

„ 152. Juniperus virginiana L., Habitusbild 591 

„ 153. Juniperus virginiana iripartita, Habitusbild 595 

„ 154. Juniperus chinensis L., Habitusbild 603 

„ 155. Juniperus chinensis L,, Zweige mit Blüten und Zapfen 604 

„ 156. Juniperus chinensis Pfitzeriana Späth, Habitusbild 606 

„ 157. Juniperus nana Willd., bei Kufstein 617 

„ 158. Juniperus communis L., Zweige mit Blüten und Zapfen nebst vergrößerten 

Blüten- und Fruchtteilen 620 

„ 159. Juniperus communis L., alter Baum 621 

„ 160. Juniperus communis L. var. suecica, alter Baum 621 

„ 161. Juniperus communis hibernica, Habitusbild 623 

„ 162. Ephedra distachya L., Zweig mit männl. und weibl. Blüten 636 

„ 163. Ephedra procera, Strauch 638 



Gymnospermae. 



I. Grinkgoales. 
Ginkgoaceae. Ginkgofamilie. 

(Nach Engler, Sy Ilabus der Pllanzenfamilien.) 

Stamm verzweigt, Gefäße im sekundären Holze fehlend. Langtriebe 
und Kurztriebe vorhanden. Die Laubblätter eingeschnitten, keil- bis fächer- 
förmig, bei ausgestorbenen Gattungen tief eingeschnitten mit schmalen Ab- 
schnitten. Blüten eingeschlechtlich, zweihäusig. Staubblätter der männ- 
lichen Blüten mit zwei Mikrosporangien (Pollensäcken), Spermatozoiden mit 
je aus drei Spiralwindungen bestehendem Kopfe, zahlreichen Cilien und 
spitzem Schwanzende. Samenanlagen aufrecht, 1 oder 2 am Ende der 
schmal keilförmigen, am Ende oft zweispaltigen, an einer gemeinsamen Achse 
stehenden Fruchtblätter. Befruchtung tritt erst in der abgefallenen Samenanlage 
ein, nachdem zwei Monate vorher die Bestäubung und von der Pollenkammer 
aus die Entwickelung eines verzweigten Pollenschlauches erfolgte. 

Vor der Befruchtung Verschleimung des oberen Teiles der Embryo- 
sackwandung und Abstreifung des gewimperten Teiles der Spermatozoiden, 
wie bei den Cycadales. 



IL Coniferae. Zapfenträger. 

Die Coniferen (Zapfenträger, Nadelhölzer), eine höchst wichtige Familie 
des Pflanzenreichs, machen mit den Cycadaceen, Ginkgoaceen und Gnetaceen 
die Gymnospermen, d. h. Nacktsamigen aus, denn die Samenknospen sitzen, 
ohne von einem Fruchtknoten eingeschlossen zu sein, frei an der Achse oder 
auf einem schuppenförmigen Blatte, der Samenschuppe. 

Die Blüten, ohne Blütenhüllen, sind einhäusig oder zweihäusig, die 
Staubfadenblüten sind kätzchenförmig mit zwei- bis mehrfächerigen Antheren; 
auf einer gemeinsamen Achse, die unten mit schuppenförmigen Deckblättchen 
versehen ist, stehen zahlreiche Staubblätter. Die Samenknospenblüten stehen 
selten einzeln, meist sind sie zu kätzchen- oder zapfenförmigen Blütenständen 
vereinigt und bilden entweder einen in ein, zwei oder drei Jahren reifenden 
Zapfen (conus oder strobilus) oder einen kugelig-fleischigen Zapfen (eine 
falsche Beere), Beerenzapfen (galbulus), entstanden durch Verschmelzung 
Beißner, Nadelholzkunde, 2. Aufl. 1' 



2 Gymnospermae. 

mehrerer Samenknospenblüten, oder einen nußartigen Samen in einem mehr 
oder minder fleischig gewordenen Samenmantel (arillus). 

Die Samen sind meist Nüßchen in lederartiger oder harter Schale, von 
Gestalt eirund oder länglich, öfter zusammengedrückt und nicht selten geflügelt. 

Das Holz der Coniferen besitzt keine Gefäße, sondern langgestreckte 
Zellen, welche nach den Markstrahlen zu große Tüpfel zeigen; besonders 
charakteristisch sind die häufig vorhandenen Harzgänge. 

Die Coniferen sind mit wenigen Ausnahmen immergrüne Gehölze, 
meist Bäume, seltener Sträucher; nicht selten erreichen sie eine Höhe von 
50 bis über 100 m und wachsen stets an ihren Spitzen fort. 

Die Blätter sind meist mehrjährig, selten einjährig, ungeteilt, entweder 
spiralig angeordnet oder kreuzständig gegenüberstehend, oder zu drei quirl- 
ständig, angewachsen herablaufend, oder an verkürzten Zweigen zu zwei, 
drei, fünf, oder gehuschelt, an der Basis in eine trockenhäutige Scheide ein- 
geschlossen; entweder sind alle Niederblätter (schuppenförmige Blätter) an 
blattartigen Zweigen (bei Phyllocladus), oder alle sind Laubblätter, oder sie 
wechseln wie bei den Abietineen mit häutigen Schuppen ab, die den Knospen 
als Deckschuppen dienen, oft pfriemlich in die Länge gezogen (Nadeln genannt, 
weshalb für diese Abteilung die Benennung „Nadelhölzer" angewendet wird) 
oder flach lineal; weiter beide Formen nadel- oder dachziegelig-schuppen- 
förmige Blättqr auf demselben Individuum (bei den Cupressineen), zumal auch 
im jugendlichen Entwickelungsstadium, mit kurzen, linienförmigen Blättern, 
seltener mit lanzettlichen, eirund lederartigen (bei Agathis oder Dammara), 
selten mit Doppelblättern (Doppelnadeln) so bei Sciadopitys. 

Bisher sind etwa 350 Arten bekannt, welche zum größten Teil Bewohner 
der temperierten und kalten Regionen, zumal der nördlichen wie südlichen 
Gebirge sind und auf der nördlichen Halbkugel ausgedehnte Waldungen bilden. 

Der Nutzen, den uns die Coniferen gewähren, ist ein unschätzbarer; 
sie liefern Nutz- und Brennholz, verschiedene Harze, Teer, Terpentin, Pech, 
Balsame, Zucker, ätherische Öle, Stärkemehl- und ölhaltige, auch eßbare Samen 
(Nüsse), außerdem sind junge Zweige, Blätter, Beerenzapfen offizineil. 

Was die Stellung der Coniferen im natürlichen System anlangt, so 
schließen sich die Gymnospermen als erste Gruppe der Blütenpflanzen (Phane- 
rogamae) an die Lycopodiaceen an, und zwar zuerst die Cycadaceen, dann 
die Ginkgoaceen, dann die Coniferen und darauf folgen die Gnetaceen, diesen 
schließen sich die Monocotylen (Pflanzen mit einem Keimblatte) an. 

Die systematische Einteilung der Coniferen ist je nach den Autoren 
sehr verschieden. Vor allem empfiehlt es sich, die von der Natur scharf ab- 
gegrenzten Familien und Gattungen festzuhalten; manche bilden gewissermaßen 
Übergänge von einer Gattung zur anderen, werden aber doch, ihrer auf- 
fälligen Unterschiede halber, am besten als Gattungen beibehalten, um so die 
größtmöglichste Übersichtlichkeit zu schaffen. 

Nach folgender systematischer Einteilung, die im wesentlichen sich auf 
den Syllabus der Pflanzen familien von Professor Dr. A. Engler stützt, aber 
auch den neuesten Forschungen, wie der von der Mehrzahl der Autoren 
anerkannten Abgrenzung der Gattungen Rechnung trägt, teilen wir die Coni- 
feren in folgende Familien, Unterfamilien und Gattungen. 



Coniferae. 3 

Wir haben somit eine feste wissenschaftliche Grundlage, welche 
auch für den Praktiker die denkbar größte Übersichtlichkeit und scharfe Ab- 
grenzung der Familien bietet, und danach ergibt sich folgende Einteilung: 

Gymnospermae, Nacktsamige. 
I. Klasse. Ginkgoales. 

Familie Ginkgoaceae. Ginkgobäume. 
Ginkgo Kaempf. Ginkgobaum. 

II. Klasse. Coniferae. Zapfenträger, Nadelhölzer. 
Familie Taxaceae. Eibenfamilie. 

1. Unterfamilie: Podocarpeae. Steineiben- oder Fußfruchtgewächse. 

Microcachrys Hook. fil. Kleinfrüchtige Eibe. 
Saxegothaea Lindl. Mahin oder Patagonische Eibe. 
Podocarpus L'Her. (einschl. Prumnopitys Phil.). Steineibe, Fußfrucht. 
Sektion I. Nageia Gaertn. (als Gattung). 
„ IL Eupodocarpus Endl. 
„ III. Stachycarpus Endl, 
„ IV. Dacrycarpus Endl. 
Dacrydium Sol. (einschl. Lepidothamnus Phil, und Pherosphaera Arch.). 
Harzeibe. 

2. Unterfamilie: Taxeae. Eibengewächse. 

Phyllocladus Rieh. Blatteibe. 
Torreya Arn. Torreye, Stinkeibe. 
Taxus Tourn. Eibe. 

3. Unterfamilie: Cephalotaxeae. Kopfeibengewächse. 

Cephalotaxus Sieb, et Zucc. Kopfeibe. 

Familie Pinaceae. Tannenfamilie. 

1. Unterfamilie: Araucarieae. Schmucktannengewächse. 

Cunninghamia ^) R. Br. Cunninghamie, Spießtanne. 
Agathis Salisb. (Dammara Lamb.). Dammaratanne. 
Araucaria Juss. Schmucktanne. 
Sektion I. Columbea Salisb. 
„ IL Eutacta Lk. 

2. Unterfamilie: Abietineae. Tannengewächse. 

Tsuga Carr. Hemlockstanne, Schierlingstanne. 
Sektion I. Eutsuga Engelm. 

„ IL Hesperopeuce Engelm. 

^) Eichler stellt in seinem Syllabus 1886 Cunninghamia mit Benth. et Hook, zu den 
Araucarieen, 1887 in den „Natürlichen Pflanzenfamilien von Engler & Prantl", nach dem 
Vorgange Pariatores, zu den Taxodieen, bemerkt aber, daß Cunninghamia den Übergang zu 
den Araucarieen bilde. In Engler, „Syllabus der Pflanzenfamilien," ist sie ebenfalls bei den 
Taxodieen eingereiht, während Masters sie zu den Araucarieen stellt. Ich folge hier letzterem 
Autor, da doch Cunninghamia auch in Wuchs, Beaslung und Belaubung so ganz den Charakter 
der Araucarieen trägt, zumal derer aus der Sektion Columbea, und z. B, der Araucaria brasi- 
liensis so ähnlich ist, daß gewiß mancher weniger Bewanderte beide miteinander verwechseln würde. 

1* 



Gymnospermae. 

Pseudotsuga Carr. (Abietia Kent.). Douglastanne. 
Abies Lk. Tanne, Weißtanne, Edeltanne. 
Keteleeria Carr. (Abietia Kent.). Keteleers Tanne. 
Picea Lk. Fichte, Rottanne. 

Sektion I. Eupicea Willk. 
„ II. Omorica Willk. 
Pseudolarix Gord. (Laricopsis Kent.). Goldlärche. 
Larix Lk. Lärche. 
Cedrus Lk. Ceder. 
Pinus L. Kiefer. 

Sektion I. Haploxylon (nach Koehne). Blätter mit einfachem Ge- 
fäßbündel im Zentralstrang. 

1. Subsektion. Cembra Pariatore. 

1. Gruppe. Strobus Spach. 

2. „ Eucembra. 

2. Subsektion. Paracembra. 

1. Gruppe. Balfouria Mayr. 

2. „ Parrya Mayr. 

Sektion II. Diploxylon (nach Koehne). Blätter mit doppeltem 
Gefäßbündel. 

3. Subsektion. Pseudostrobus Mayr. 

4. „ Taeda Mayr. 

5. „ Murraya Mayr. 

6. „ Pinea Koehne. 

3. Unterfamilie: Taxodieae. Eibencypressen. 

Sciadopitys Sieb, et Zucc. Schirmtanne. 
Athrotaxis Don. Tasmanische Cypresse. 
Sequoia Endl. (einschl. Wellingtonia Lindl.). Sequoie. 
Taxodium Rieh, (einschl. Glyptostrobus Endl.). Sumpfcypresse. 
Cryptomeria Don. Cryptomerie. 

Taiwania Hayata. Taiwanie (vorbehaltlich eingehender Untersuchung 
hier eingereiht). 

4. Unterfamilie: Cupressineae. Cypressengewächse. 

Sektion I. Actinostrobeae. 

Actinostrobus Miq. Strahlenzapfen. 
Callitris Vent. Schmuckcypresse. 

1. Untergattung. Frenela Mirb. Australische Cypresse. 

2. „ Widdringtonia Endl. Afrikanische Cypresse. 
Fitzroya Hook. fil. (einschl. Diselma Hook. fil.). Alercebaum. 

Sektion II. Thuyopsideae. 

Thuyopsis Sieb, et Zucc. Hiba. 

Libocedrus Endl. (einschl. Heyderia K. Koch). Flußceder. 

Thuya Tourn. L. Lebensbaum. 

1. Subsektion. Euthuya Benth. et Hook. Echte Lebensbäume. 

2. „ Macrothuya Benth. et Hook. Riesenlebensbäume. 
Biota Endl. Orientalischer Lebensbaum. 

Sektion III. Cupresseae. 

Chamaecyparis Spach. Lebensbaumcypresse. 
Cupressus Tourn. Echte Cypresse. 



Coniferae. 

Sektion IV. Junipereae. 
Juniperus L. Wacholder. 

1. Subsektion. Sabina Endl. Sadebäume. 

2. „ Oxycedrus Endl. Echte Wacholder. 

3. „ Caryocedrus Endl. Pflaumen- Wacholder. 

III. Klasse. Gnetales. 

Familie Gnetaceae. Meerträubelfamilie. 

1. Unterfamilie: Ephedroideae. 

Ephedra L. Meerträubel. 
Sektion I. Alatae Stapf. 

1. Subsektion. Tropidolepides Stapf. 

2. ,, Habrolepides Stapf. 
Sektion IL Asarca Stapf. 

1. Subsektion. Asarca Stapf. 
Sektion III. Pseudobaccatae Stapf. 

1. Subsektion. Scandentes Stapf. 

2. „ Pachycladae Stapf. 

3. „ Leptocladae Stapf. 

4. „ Antisyphiliticae Stapf. 

2. Unterfamilie: Tumbooideae. 

Welwitschia Hook. fil. Toumboa Naudin. 

3. Unterfamilie: Gnetoideae. 

Gnetum Forsk. L. 



Erster Teil. 



Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, 
Coniferen und Gnetaceen. 



i 



Übersicht der Klassen, Familien und Gattungen. 



I. Klasse. Ginkgoales. 
Familie Ginkgoaceae. Ginkgogewächse. 

Gingko L. Kaempf. Ginkgobaum. 

Weibliche Kätzchen oder beschuppte Knospen einblütig. Samenschuppe 
lang gestielt, an der Spitze kurz, zwei bis mehrteilig, mit ausgebreiteten Lappen 
in einem Ringe oder kurzem Näpfchen dem Samen angewachsen. Antheren- 
fächer zwei, hängend. Blätter gestielt, fast fächerförmig eingeschnitten. 

Großer, zweihäusiger Baum mit abfallenden Blättern. Samen steinfrucht- 
artig eirund-kugelig, im ersten Jahre reifend. 

Eine Art aus China. 

Linn., Mant. II, 313, 314 (1771); Thunb., Fl. Jap. 358 (1784). 

Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 506 (1868); Van Tiegh. in Ann. Sc. Nat. 
ser. 5, X, 276; L. C. Rieh., Conif. 133, t. 3 et 3 bis; Sieb, et Zucc, Fl. Jap. 
t. 136; V^ats., Dendr. Brit. t. 168; (SaHsburia) Salisburia Sm. in Trans. III, 330; 
Loudon, Arb. et Frut. Brit. IV, 2094 (1838); Endl., Syn. Conif. 236; Gord., 
Pin. 298; Carr., Conif. 711; Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 432 (1880); 
Koehne, Dendr. 2 (1893); Mast, in Journ. Linn., Soc. XXX, 3 (1893); Veitch, 
Man. of the Conif. by Kent. 107 (1900); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. 
Pflf. II, S. 108 (1887); C. Koch, Dendr. II, 107; Henk. u. Höchst, Syn. d. 
Nadelh. 373. 



IL Klasse. Coniferae. Zapfenträger, Nadelhölzer. 

Familie Taxaceae. Eibenfamilie. 

1. Unterfamilie: Podocarpeae. Steineiben. 

Schuppen des weiblichen Kätzchens sehr wenige oder mehrere, oft 
fleischig, spiralförmig zusammengedrängt. Eichen eins, von der Spitze der 
Schuppe oder der Samenschuppe her umgewendet. Samenschuppe sitzend 
oder gestielt, bald dem Ei, bald der Schuppe angewachsen. Antherenfächer 
zwei, dicht anstehend angewachsen. Pollen mit Flugblasen. 



10 Erster Teil. Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnetaceen. 

Microcachrys Hook. fil. Kleinfrüchtige Eibe. 

Weibliches Kätzchen klein, mit halbkugeligen, mehrreihigen Schuppen. 
Eichen von der Spitze der Schuppe her umgewendet, Samenschuppe zweifel- 
haft. Zapfen klein, fast kugelig, reif scharlachrot, fleischig-saftig, maulbeeren- 
förmig. 

Immergrüner, zweihäusiger, kriechender, verzweigter Strauch. Blätter 
klein, gegenständig, kreuzständig-dachziegelig. 

Eine Art aus den Gebirgen Tasmaniens. 

Hook. fil. in Lond. Journ. Bot. IV, 149 (1845); Endl., Syn. Conif. 227 
ri847); Benth., Fl. austr. VI, 240; Hook., Ic. PI. t. 250; Bot. Mag. t. 5576 (1866); 
Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 433 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. 
Pflf. II, S. 103 und 104, mit Abbild.; Carr., Conif. 2. ed., p. 687; Henk. u. 
Höchst., Syn. d. Nadelh., S. 408; Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 10 (1893); 
Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 161 (1900). 

Saxegothaea Lindl. Mahin oder Patagonische Eibe. 

Weibliches Kätzchen fast kugelig, mit wenigreihigen, dachziegeligen 
Schuppen. Eichen eins, umgewendet. Samenschuppe fleischig, der Bractee 
angewachsen, bald stark angeschwollen. Zapfen an den Spitzen der Bracteen 
weichstachelig, kugelig, dickfleischig, mit dicklichen, fast verwachsenen Schuppen. 

Immergrüner, einhäusiger Baum. Blätter lineal zerstreut oder zweireihig 
abstehend. 

Eine Art aus den Wäldern Süd-Chiles und den Anden Patagoniens. 

Lindl. in Journ. Hort. Soc. Lond. VI, 258 (1851); Pari, in D. C. Prod. XVI, 
II, 497; C. Gay, Fl. Chil. V, 411; Carr., Conif. 684; Gord., Pin. 300; Henk, 
u. Höchst, Nadelh. 409; Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 434 (1881); Mast. 
in Journ. Linn. Soc. XXX, 10 (1893); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 158 
(1900), cum ic; Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 103 (1887). 

Podocarpus L'Her. (inkl. Prumnopitys Phil.). Steineibe, Fußfrucht. 

Weibliche Kätzchen ein- bis zweiblütig. Schuppen wenige, dem Stiele 
angewachsen, mit diesem oft fleischig. Samenschuppe aus der Schuppe 
hervorragend, mehr oder weniger gestielt, das umgewendete Eichen ein- 
schließend und demselben angewachsen. 

Immergrüne, zweihäusige, seltener einhäusige Bäume, seltener Sträucher, 
durch die Blätter in mehrere Sektionen geteilt. Blüten achsel- oder endständig. 

Gegen vierzig gut bekannte Arten in außertropischen Regionen 
der südHchen Erdhälfte und im tropischen, bergigen und östlichen Asien 
häufig, auch im tropischen Afrika, im bergigen Amerika weniger; in Europa, 
dem westUchen Asien, Nordafrika und Nordamerika fehlen sie. 

L'Herit, M. S. (1788) nov. gen.; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 507; Brogn. 
et Gris. in Bull. Soc. Bot. Fr. XIII, 425, XVI, 325; Benth., Fl. Austral. VI, 246; 
Rieh., Conif. 124; Endl., Syn. Conif. 206; R. Br. in Horsf. Plant. Jav. Rar. 35; 
Carr., Conif. 643; Gord., Pin. 268; C. Koch., Dendr. II, 105; Henk. u. Höchst., 
Nadelh. 377; Nageia Gaertn. de fruct. I, 191; Gord., Pin. 135; Carr., Conif. 635; 
Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 434 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. 
Pflf. II, S. 104 (1887); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 9 (1893); Veitch, 
Man. of the Conif. by Kent. 147 (1900). 



II. Klasse. Coniferae. H 

Sektion I. Nageia Gaertn. (als Gattung). Blätter an den Haupttrieben 
spiralig gestellt, an den Seitenzweigen gegenständig, laubblattartig verbreitert, 
lanzettlich, lineal oder säbelförmig, in einen Stiel verschmälert, mit deutlichem 
Mittelnerv, parallel und gegabelt vielnervig. Mehrere Fruchtschuppen in einen 
Fruchtboden verwachsen, meist nur eins der obersten fruchtbar, mit einem 
den Fruchtboden überragenden Samen. 

Sektion II. Eupodocarpus Endl. Blätter alle zerstreut stehend, 
lanzettlich-lineal, nur mit einem Mittelnerven, alles Andere wie bei Nageia. 

Sektion III. Stachyearpus Endl. Blätter abwechselnd oder meist zwei- 
zeilig, mit nur einem Mittelnerv. Weibliche Blüten ährenförmig, männliche 
Ähren bildend. Samen der Fruchtschuppe etwas angewachsen, reif pflaumen- 
artig; Fruchtboden kaum vergrößert. (Nach Bentham und Hook er gehört 
in diese Sektion die Gattung Prumnopitys Phil.) 

Sektion IV. Dacrycarpus Endl. Blätter spiralig, an den Spitzen und 
fruchtbaren Trieben klein, mehr oder minder schuppenförmig zerstreut, an 
unfruchtbaren Seitenzweigen zweizeilig gestellt, lineal. Blüten einzeln end- 
ständig, weibliche mit 2 bis 3 Fruchtschuppen, von denen meist nur eine 
fruchtbar, welche alsdann mit dem Samen verwachsen; Fruchtboden wenig 
entwickelt. 

Dacrydium Sol. Harzeibe 
(inkl. Lepidothamnus Phil, und Pherosphaera Arch. in Hook. Kew. Journ. II, 52). 

Weibliche Ähren ein- bis sechsblütig, Samenschuppe breit, hohl oder 
schalenförmig, seitlich immer offen, bald die Schuppe schief überragend, mit 
freiem Samen. Antherenfächer zwei, kugelig dicht anstehend. 

Immergrüne, zwei-, selten einhäusige Bäume und Sträucher. Blätter klein, 
zahlreich, spiralig dicht gedrängt, schmal oder borstenförmig. Samen eirund, 
aufrecht oder halb umgewendet, in dünner, fast fleischiger Hülle, im zweiten 
Jahre reifend. 

Zwölf Arten, im Malaiischen Archipel, den Inseln des Großen Ozeans, 
Neu-Kaledonien, Neuseeland, Tasmanien und Chile einheimisch. 

Solander in Forsters Plant, escul. 80 (1786); Endl., Syn. Conif. 224 (1847); 
Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 494; Lamb., Pin. t. 41, ed. min. t. 69; L. C. Rieh., 
Conif. t. 2; Forb., Pin. Wob. t. 67; Blume, Rumph. III, t. 172; Hook., Lond. 
Journ. II, t. 2, IV, t. 6; Ic. PI. t. 544, 548, 815, 1218, 1219; Hook, fil., Fl. Tasm. 
t. 100; A. Kirk. in Trans. New-Zeal. Inst. X, 383, t. 18—20; Brongn. et Gris. 
in Bull. Soc. Bot. Fr. XVI, 328 et in Nouv. Arch. Mus. Par. IV, 5, t. 2; Carr., 
Conif. 690; Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 433 (1881); Eichl. in Engl. u. 
Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 106 (1887); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 8 (1893); 
Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 144 (1900). 

2. rnterfamilie: Taxeae. Eibengewächse. 

Schuppen des weiblichen Kätzchens dachziegelförmig, alle, ausgenommen 
die endständigen, unfruchtbar oder mehrere fruchtbar. Samenschuppe von der 
Bractee frei, sitzend oder lang gestielt, an der Spitze vollkommen oder un- 
vollkommen ringförmig oder gebechert, oder das Eichen einhüllend. Eichen 
auf der Schuppe oder in jeder Abteilung der Schuppe eins, aufrecht oder nach 
der Blüte schief. 



12 Erster Teil. Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnetaceen. 

Samenlappen zwei, bei einzelnen Gattungen bei der Keimung über, bei 
anderen unter der Erde. 

Phyllocladus Rieh. Blatteibe. 

Weibliche Kätzchen klein, mehrblütig. Samenschuppe zuerst ringförmig, 
darauf becherförmig dem Samen angedrückt. Antherenfächer zwei, dicht an- 
einander stehend. Zapfen oft fleischig, bald klein, einsamig, bald kugelig oder 
eirund, mehrsamig. 

Immergrüne, ein- oder zweihäusige Bäume und Sträucher. An den 
Langtrieben Blätter klein, schuppenförmig, manchmal gänzlich fehlschlagend. 
Kurztriebe blattähnlich, lederartig, ausgebreitet fast fächerförmig. 

Drei Arten, Bewohner Tasmaniens, Neuseelands und der Insel Borneo. 

L. C. Rieh., Syn. Conif. 129, t. 3; Hook, fil, Fl. New-Zeal. t. 53; Hook., 
Ic. PI. 549, 551, 889; Endl., Syn. Conif. 234; Carr., Conif. 704; Pari, in D. C. 
Prod. XVI, II, 498; Henk. u. Höchst., Syn. d. Nadelh. 370; Benth. et Hook., 
Gen. Plant. III, 432 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. 11, 108; Mast, 
in Journ. Linn. Soc. XXX, 7 (1893); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 121 
(1900). 

Torreya Arn. Torreye. 

Weibliches Kätzchen einblütig. Samenschuppe zuerst becherartig, darauf 
das Ovarium einschließend, dann dem Samen fest angewachsen. Samenkern 
gefurcht oder tief zerklüftet. Die Antherenfächer im Halbkreis verwachsen. 

Immergrüne, zweihäusige Bäume. Blätter fast spiralig angeheftet, zwei- 
reihig abstehend, sehr kurz gestielt, lineal, flach mit stechender Spitze. Samen 
im zweiten Jahre reifend. 

Vier Arten, zwei Bewohner Nord-Amerikas, zwei Japans und Nord- 
Chinas. 

Arn. in Ann. Nat. Hist. I, 130; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 504; Hook., 
Ic. PL t. 232, 233; Bot. Mag. t. 4780; Sieb, et Zucc, FL Jap. t. 129; Nutt., 
N.-Am. Sylv. t. 109; Newb., PL Williams. Exp. 62, cumic; EndL, Syn. ConiL 
240; Gord., Pin. 326; Koch, Dendr. II, 97; Carr., Conif. 723; Benth. et Hook., 
Gen. Plant. III, 431 (1881); Mayr, Wald. N.-Am. 197, 273 (1890); Eichl. in 
Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, 111; Zucc. msc, Henk. u. Höchst., Nadelh. 
365 (Caryotaxus); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 5 (1893); Koehne, Dendr. 
3 (1893); (Tumion) Rafinesque, Amenit. of Nat. 63 (1840), ex Sargent, Sylv. 
N.-Am. X, 55 (1896), et Sargent, Man. of the Trees of N.-Am. 97 (1905); 
Veitch, Man. of the ConiL by Kent. 116 (1900). 

Taxus Tourn. Eibe. 

Weibliches Kätzchen einblumig. Samenschuppe zuerst ringförmig, bald 
darauf gebechert, fleischig, dann beerenförmig den Samen einschließend, aber 
nicht demselben angewachsen, an der Spitze offen. Die Staubblätter nach 
dem Aufblühen schirmförmig, Fächer im Kreise verwachsen. 

Immergrüne, zweihäusige, selten einhäusige Bäume, seltener Sträucher. 
Blätter fast spiralig angeheftet, meistens zweireihig abstehend, sehr kurz gestielt, 
lineal flach, oft sichelförmig. Samen im ersten Jahre reifend. 

Arten je nach den Autoren 2 — 8, von manchen zu einer Art vereinigt, 
durch die temperierten Regionen der nördlichen Halbkugel weit verbreitet. 



II. Klasse. Coniferae. 13 

Linn., Sp. Plant. II, 1040 (1753); Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 499; L. 
C. Rieh., Conif. 131, t. 2; Zucc. in Abhandl. Bayer. Acad. München III, 803, 
t. 5; Nees, Gen. PI. Germ. Monochl n. 14; Rchb., Ic. Fl. Germ. t. 538; Wall., 
Tent. Fl. Nap. t. 44; Sieb, et Zucc, Fl. Jap. t. 128; Nutt, N.-Am. Sylv. t. 108; 
Endl, Syn. Conif. 242; Carr., Conif. 729; Gord., Pin. 310; Koch, Dendr. II, 
90; Henk. u. Höchst, Syn. d. Nadelh. 352; Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 
431 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, 112; Willkomm., Forstl. 
Flora 270 (1887); Mayr, Wald. N.-Am. 344 (1890); Koehne, Dendr. 3 (1893); 
Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 7 (1893); Veitch, Man. of the Conif. by 
Kent. 124 (1900); Sargent, Man. of the Trees of N.-Am. 99 (1905). 

3. Unterfamilie: Cephalotaxeae. Kopfeibengewächse. 
Fruchtblätter in gekreuzten Paaren mit je 2 Samen. 

Cephalotaxiis Sieb, et Zucc. Kopfeibe. 

Die Samenschuppe ist klein, mit der Bractee nach der Fruchtreife kaum 
vergrößert, Eichen 2. Samen groß, steinfruchtförmig, aus der Schuppe lang 
hervorragend, im ersten Jahre reifend. 

Immergrüne, zweihäusige (auch einhäusig beobachtete) Bäume. Blätter 
abwechselnd, fast spiralig angeheftet, zweireihig abstehend, sehr kurz gestielt, 
lineal flach, denen des Taxus sehr ähnlich. 

Fünf bis sechs Arten, nach den Autoren aus Japan, China und Ost- 
Himalaya, die einander sehr ähnlich und teils vielleicht nur Varietäten einer 
Art sind. 

Sieb, et Zucc, Fl. Jap. Fam. Nat. II, 108 (1842); Pari, in D. C. Prod. XVI, 
II, 502; Forb., Pin. Wob. t. 66; (Taxus) Bot. Mag. t. 4499; Sieb, et Zucc. in 
Endl. Gen. PI. Suppl. II et Syn. Conif. 237; Carr., Conif. 715; Gord., Pin. 44; 
C. Koch, Dendr. II, 102; Henk. u. Höchst, Syn. d. Nadelh. 361; Benth. et 
Hook., Gen. Plant. III, 430 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, 
109 (1887); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 4 (1893); Koehne, Dendr. 3 (1893); 
Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 111 (1900). 

Familie Pinaceae. Tannenfamilie. 

1. XJnterfamilie: Araucarieae. Schmucktanne. 

Schuppen des weiblichen Kätzchens sehr zahlreich, mehrreihig, spiral- 
förmig, dachziegelig, der Beschaffenheit nach einfach, die Samenschuppe der 
Bractee eng angewachsen. Eichen 1—3, in der Mitte oder unterhalb der 
Mitte der Schuppe beiderseits anliegend, umgewendet. Samen ungeflügelt 
oder seitlich geflügelt, nicht ein unechter, flügelfruchtartiger Flügel. 

Samenschuppe dünn, an der Spitze in eine wenig hervorragende 
Linie oder ein kleines Spitzchen endigend. 

Cunninghamia R. Br. Cunninghamie oder Spießtanne. 
Antherenfächer 2 — 4, Samenschuppe viel kürzer als die Schuppe. Eichen 3. 
Samen von einem schmalen Flügel umgeben, im ersten Jahre reifend. 



14 Erster Teil. Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnetaceen. 

Immergrüne, einhäusiger Bäume. Blätter schief spiralig angeheftet, fast 
zweireihig abstehend, lineal-lanzettlich, oft gebogen, glänzend, sehr spitz, an 
der Basis herablaufend. 

Zwei Arten, eine Art, Bewohnerin Südchinas, in Japan kultiviert, eine 
Art auf Formosa entdeckt. 

R. Br. in Rieh. Conif. 149; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 432; Lamb., 
Pin. t. 34 ed. min. t. 53 (Pinus); Forb., Pin. Wob. t. 57; Sieb, et Zucc, 
Fl. Jap. II, t. 103, 104; Bot. Mag. t. 2743; Endl., Syn. Conif. 192; Carr., 
Conif. 227; Gord., Pin. 54; Henk. u. Höchst., Syn. d. Nadelh. 217; Benth. 
et Hook., Gen. Plant. III, 435; Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, 
S. 85; Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 25 (1893); Veitch, Man. of the Conif. 
by Kent. 291 (1900); Hayata in Tokyo Bot. Mag. XIX, p. 43—60 (1907); 
Gard., Chron. 1908, p. 194 (für die Art auf Formosa). — BeHs Salisb. in 
Trans. Linn. Soc. VIII, 315; C. Koch, Dendr. II, 202. Der Name Belis wurde 
zugunsten des von R. Brown und Richard gegebenen, wegen der großen 
Ähnlichkeit im Klange mit Bellis verworfen. 

Agathis^) Salisb. (Dammara Lamb.). Dammaratanne. 

Antherenfächer fünf bis mehr, Samenschuppe viel kürzer als die Schuppe. 
Eichen eins, selten zwei. Samen einseitig oder doppelt breit geflügelt. Zapfen 
kugelig, mit breiten, eng anliegenden, später aufspringenden Schuppen. Samen 
im zweiten Jahre reifend. 

Immergrüne, zwei-, selten einhäusige, hohe, harzliefernde Bäume mit 
eirund-länglichen oder lanzettlichen, dick lederartigen Blättern. 

A. Dammara Rieh. (Dammara orientalis Lamb., D. alba Rumph.) liefert 
das Dammaraharz, Agathis australis Salisb. (Dammara austrahs Lamb.), die 
Kaurifichte, das aromatisch duftende und schmeckende Kaurikopal. 

Acht bis zehn beschriebene Arten heimisch im Malaiischen Archipel, 
den Inseln des Großen Ozeans, Neu-Kaledonien, Neuseeland, Australien. 

Dammara Rumph. Herb, amboin. II, 174; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 
374; Lamb., Pin. ed. II, 70; Endl., ConiL 188; Hook, fil., Fl. of New-Zeal. 231; 
Forb., Pin. Wob. t. 58, 59; Carr., Conif. 647; Gord., Pin. 77; Henk. u. Höchst, 
Nadelh. 209; Agathis Salisb. Linn. Trans. VIII, 311; Rieh., Conif. 151, t. 19; 
Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 436 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. 
Pflf. II, S. 66; Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 25 (1893); Veitch, Man. of the 
Conif. by Kent. 293 (1900). 

Araucaria Juss. Schmucktanne. 

Antherenfächer sechs bis mehr, Samenschuppe kaum kürzer als die 
Schuppe. Eichen eins. Der Samen der Schuppe angewachsen, beiderseits 
geflügelt oder ungeflügelt. 

Zwei-, seltener einhäusige, hohe, immergrüne Bäume. Blätter lederartig, 
spiralig vielreihig angeheftet, bald schuppenförmig, locker dachziegelig, die 
Zweige allerseits bedeckend, bald lanzettlich, länglich, dolchartig spitz abstehend, 
bei einigen Arten biform. Samen im zweiten Jahre reifend. 

1) Nach Eichler (in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf.) hat Agathis Salisb. als älterer Name 
vor Dammara Lamb. den Vorzug. Hook er stimmt dem zu und sagt, daß Rumphius unter 
seiner Dammara nicht nur diesen Baum, sondern im allgemeinen harzliefernde Bäume verstand. 



II. Klasse, Coniferae. 15 

Zehn bekannte Arten, Bewohner Südamerikas, Australiens, Neu- 
Kaledoniens und der Inseln des südlichen Großen Ozeans. 

Juss., Gen. Plant. 413 ri789); Endl., Synops. Conif. 184 (1847); Pari, in 
D. C. Prod. XVI, II, 369; L. C. Rieh., Conif. t. 20, 21; Lamb., Pin. t. 39, 40 
(Dombeya), II, t. 4, 5. ed. min. t. 56—62; Forb, Pin. Wob. t. 50—60; Hook., 
Lond. Journ. II, t. 18; Bot. Mag. t. 4635; ic. in Fl. des Serres t. 733, Fl. des 
Serres t. 1577, 1580, 2221; Sieb., Fl. Jap. t. 138—140; Brongn. et Gris. in Nouv. 
Arch. Mus. Par. VII, 205, t. 13—16; Eichl. in Mart. Fl. Bras. IV, I, 123, t. HO 
bis 112; Carr., Conif. 595; Gord., Pin. 21; C. Koch, Dendr. II, 204; Henk, 
u. Höchst., Nadelh. 2; Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 437 (1881); Eichl. in 
Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 67; Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 26 
(1893); Koehne, Dendr. 8 (1893); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 294 (1900). 

Von den Autoren in zwei Sektionen geteilt: 

Sektion I. Columbea Salisb., amerikanische Arten mit nicht oder kaum 
geflügelten Schuppen, mit zwei Kotyledonen und unterirdischer Keimung. 
Columbea Salisb. in Trans. Linn. Soc. VIII, 317. 

Sektion II. Eutacta Lk. (Eutassa Salisb.), Arten der alten Welt mit an 
der Basis seitlich geflügelten Schuppen, mit vier Kotyledonen und ober- 
irdischer Keimung. Altingia, Loud. Hort. Brit. 403, non Nor. Eutassa 
Salisb. in Trans. Linn. Soc. VIII, 316. Eutacta Lk. in Linn. XV, 543. Die 
Kotyledonen ändern sich jedoch in der Zahl bei derselben Art. Keimung bei 
Araucaria Bidwillii sicher unterirdisch. Blätter der meisten Arten der alten 
Welt kurz, stumpf und dachziegelig, aber bei A. Bidwillii aus Australien und 
A. MüUeri aus Neu-Kaledonien lanzettlich und spitz, fast wie bei A. brasiliensis. 

Bentham'und Hooker sagen: „Wir sind unsicher, ob die Flügel der 
Schuppen bei der Sektion Eutacta zur Schuppe selbst (Samenschuppe) oder 
vielmehr zur Samenschale gehören". 

2. Unterfamilie: Abietineae. Tannengewächse. 

Schuppen des weiblichen Kätzchens doppelt. Samenschuppe von der 
Bractee frei oder nur der Basis angewachsen, erst sehr vergrößert, im Zapfen 
oft allein sichtbar. Eichen zwei umgewendet, nahe der Basis der Schuppe 
angeheftet. Samen mit unechtem Flügel (von der inneren Lage, der Schuppe 
abgelöst) flügelfruchtartig, selten mit abfallendem oder kaum entwickeltem 
Flügel, entblößt oder nackt. 

Tsuga Carr. Hemlockstanne, Schierlingstanne. 

Blätter auf einem bleibenden Blattkissen, mit einem besonderen, knie- 
förmig gebogenen Stiele befestigt, breit und flach, meist am Rande sehr fein 
gesägt und unterseits mit Spaltöffnungen versehen, mit einem Harzgang im 
Kiel. Männliche Blüten in den Achseln einzeln, Pollenkörner scheibenförmig, 
öfter ohne Flugblasen. Deckblätter des weiblichen Kätzchens kleiner als die 
Schuppen. Zapfen klein, hängend, mit bleibenden Schuppen, Samen mit Harz- 
bläschen. Bei • einer Art Blätter schmäler, beiderseits gekielt und mit Spalt- 
öffnungslinien. Pollenkörner zweilappig, Zapfen bis dreimal größer als bei 
den andern Arten. Samen im ersten Jahre reifend. 

Immergrüne, sehr verästelte, einhäusige Bäume. 



\Q Erster Teil. Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnetaceen. 

Neun Arten, von denen fünf aus Asien, vier aus Nordamerika stammen. 

Carr., Conif. 245; Endl., Conif. p. 83 (Sapini Sect); Pari, in D. C. Prod. 
XVI, II, 427 (Piai Sect.); Engelm., Bot. of Calif. II, 120; Lamb., Pin. t. 32 ed. 
min. t. 45—47 (Pinus); Sieb, et Zucc, Fl. Jap. t. 106 (Abies); Wall., PL As. 
rar. t. 247 (Pinus); Nutt., N.-Am. Sylv. t. 116; Newb., Bot. Williams Exp. 
t. 7; C. Koch, Dendr. II, 248 (Subgenus); Henk. u. Höchst, Nadelh. 148 
rSect. I von Abies); Spach., Hist. veg. phan. XI, 424 (Sapinus Sect. Micro- 
peuce); Coulters Bot. Gaz. VI, 223; Chapman, Fl. S. States Suppl. 650; Maxim., 
Mel. Biol. VI, p. 373; Franch. et Savat, Enum PI. Japon. ; Benth. et Hook., 
Gen. Plant. III, 440 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 80; 
Willkomm., Forstl. Flora S. 102 (1887); Mayr, Wald. N.-Am. 195 etc. (1890) 
u. Abietin. d. jap. Reichs 59 (1890); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 28 (1893); 
Koehne, Dendr. 10 (1893); Sargent, Sylv. N.-Am. XII, 73 (1898) et Man. of 
the Trees of N.-Am. 47 (1905); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 457 (1900). 

Sektion I. Eutsuga Engelm. Echte Hemlockstanne. Blätter flach, 
stumpf, meist am Rande sehr fein gesägt, nur auf der Unterseite mit Spalt- 
öffnungslinienversehen. Pollenkörner scheibenförmig, Zapfen klein, 2— 3 cm lang. 

Sektion II. Hesperopeuce Engelm. Blätter sehr konvex, auch oben 
gekielt, spitzlich, beiderseits mit Spaltöffnungslinien. Pollenkörner zweilappig, 
Zapfen groß, bis 7^/« cm lang. 

Pseudoisuga Carr. Douglastanne, Douglasfichte. 

Knospen spitz, glänzend braun. Blätter flach, an der Basis kurz stielartig 
verschmälert, ohne auffallende Verbreiterung auf einem wenig hervortretenden 
Blattkissen, mit zweiseitlichen Harzgängen. Pollenkörner ohne Flugblasen. 
Schuppen des hängenden, 5 bis über 10 cm langen Zapfens bleibend. Die drei- 
spitzige Bractee die Schuppe weit überragend. Samen ohne Harzbläschen, im 
ersten Jahre reifend. 

Hoher, pyramidaler, immergrüner, einhäusiger Baum. 

Drei Arten, zwei in den westlichen Gebirgen Nordamerikas von Mexiko 
bis Oregon verbreitet, eine in Japan. 

Carr., Conif. 254 et in Rev. Hort. 1868, 152 c. ic; Pari, in D. C. Prod. 
XVI, II, 430 (PiniSect. Tsuga); Spach., Hist. veg. phan. XI, 423 (Peucoides); 
Link in Linn. XV, 524 (1841) (Picea); Endl., Syn. Conif. 87 (Pinus); Engelm., 
Bot. Calif. II, 119; Forb., Pin. Wob. t. 45; Nutt., N.-Am. Sylv. t. 115 (Abies); 
Hook., Flor. bor. Am. t. 183 (Pinus); Newb., Bot. Williams Exp. t. 8; C. Koch, 
Dendr. II, 255 (Abies); Henk. u. Höchst., Nadelh. 155 (Abies); Benth. et Hook., 
Gen. Plant. III, 441 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 80 
(Tsuga Sect. Pseudotsuga); Willkomm., Forstl. Flora S. 103 (1887); Mayr, 
Wald. N.-Am. 290 (1890); Koehne, Dendr. 8 (1893); Mast, in Journ. Linn. 
Soc. XXX (1893); Shirasawa, Tokio, Bot. Mag. 1894; Sargent, Sylv. N.-Am. 
XII, 87, t. 607 (1898) et Man. of the Trees N.-Am. 52 (1905); Veitch, Man. 
of the Conif. by Kent. 474 (1900) (Abietia). 

Abies Lk. Tanne, Weißtanne, Edeltanne. 
Blätter spiralig zerstreut, mehr oder minder deutlich zweizeilig, auf einem 
kaum bemerkbaren Blattkissen mit verbreiterter, rundlicher Basis sitzend, über 
der Basis oft stielartig verschmälert oder gedreht, oberseits meist gerinnt, 



IL Klasse, Coniferae. |7 

Linterseits mit weißlichen Spaltöffnungslinien, mit 2, selten 1 Gefäßbündel im 
Zentralstrang; Harzgänge 2, selten 4. Männliche Blüten in den Achseln 
einzeln^ durch das Mittelband der Antheren über die Fächer hinaus genabelt 
oder kaum hervorragend. Pollenkörner mit Flugblasen. Schuppen des 
aufrechten Zapfens mit den Samen bei der Reife von der stehen- 
bleibenden Spindel abfallend. Bractee kürzer als die Schuppe oder 
dieselbe oft weit überragend. Samen mit Harzbläschen, im ersten Jahre 
reifend. 

Große, pyramidale, immergrüne, einhäusige Bäume. 

Dreiunddreißig Arten, hauptsächlich durch die außertropischen, 
bergigen Regionen der nördlichen Halbkugel weit zerstreut. 

Link in Abhandl. d. Akad. d. Wissensch. Berl. 1827, 181; Picea Don. 
in Loud. Arb. Brit. IV, 2293; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 418 (Pini Sect); 
Engelm., Bot. Calif. II, 117; L. C. Rieh., Conif. t. 16, 17; Lamb., Pin. t. 30, 31; 
IL t. 2 ed. min. t. 40-44; Forb., Pin. Wob. t. 37—44; Nees, Gen. Fl. Germ. 
Monochl. n. 8; Reich., Ic. Fl. Germ. t. 533; Boiss. Voy. Exp. t. 167—169; Fl. 
des Serres t. 1437; Ledeb., Ic. Fl. Ross. t. 500; Sieb, et Zucc, Fl. jap. t. 107 
bis HO; Nutt., N.-Am. Sylv. III, t. 117—119; Newb., Bot. Will. Exp. t. 6; 
Carr., Conif. 265; C. Koch, Dendr. II, 208 (Picea Don.); Henk. u. Höchst, 
Nadelh. 157; Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 441 (1881); Eichl. in Engl. u. 
Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 81; Willkomm., Forstl. Flora S. 106; Mayr, Wald. N.-Am. 
217 etc. (1890) u. Abietin. d. jap. Reichs '31 (1890); Koehne, Dendr. 13 (1893); 
Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 34 (1893); Sargent, Sylv. N.-Am. XII, 125 
(1898) et Man. of the Trees N.-Am. 55 (1905); Veitch, Man. of the Conif. by 
Kent. 486 (1900). 

Keteleeria Carr. Keteleers Tanne. 

Blätter sitzend, zerstreut, weitstehend, steif, lineal, flach, an unfrucht- 
baren Zweigen öfter dolchartig, scharf gespitzt, an fruchtbaren mehr stumpf, 
unterseits blaßgrün, ohne deutliche weiße Spaltöffnungslinien. Männliche 
Blüten ähnlich denen von Pseudolarix, doldenständig; jeder Blüten- 
stand trägt 9 — 10 etwa 1 cm lange Blüten. Zapfen mit großen, leder- 
artig holzigen, bleibenden Schuppen. Bractee halb so lang als die 
Schuppe, großer Samen mit über die Schuppen etwas vorsehendem Flügel, 
im ersten Jahre reifend. 

Große, immergrüne, einhäusige Bäume, im Alter öfter mit breiter, der 
Libanon-Ceder ähnlicher Krone. 

Fünf Arten bekannt, bisher nur in China beobachtet. 

Carr., Rev. hört. 1866, 449 (cum ic); Carr., Conif. 260; Pari, in D. C. 
Prod. XVI, II, 430 (Tsuga Pini Sect.); C. Koch, Dendr. II, 231 (Picea Don.); 
Abies Lindl. in Faxt. Flow. Gard. 1850, p. 43; A. Murr. fil. the Pines and Firs 
of Jap. p. 49; Henk. u. Höchst, Nadelh. 183; Hance in Journ. of Bot XX (1882), 
p. 32; Gord., Pin. ed. 2, p. 27; Mast in Journ. Linn. Soc. vol. XVIII, p. 522 
et in Gard. Chron. 1884 u. 1866 cum ic; Mast, in Linn. Soc Journ. Botany vol. 
XXII, S. 197 cum ic. 1886; Pirotta in Bull. d. R. Soc. tose d. orticult. 1887, 
p. 269; Gard. Chron. 1887, No. 52; Mayr, Abietin. d. jap. Reichs 99 (1890); 
Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 485 (1900) (Abietia); Mast., Ind. Flor. sin. 
Journ. Linn. Soc. Bot. XXVI et Gard. Chron. 1903, p. 194. 

Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl.. 2 



Ig Erster Teil. Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnetaceen. 

Picea Lk. Fichte, Rottanne. 

Blätter zerstreut, bleibend, auf einem mehr oder weniger höckerförmig 
hervorragenden Blattkissen sitzend, entweder viereckig steif, oder flacher 
tannenähnlich, mit zwei Harzgängen, von denen einer oder beide fehlen 
können. Männliche Blüten einzeln in den Achseln, durch das Mittelband der 
Antheren in ein schuppenförmiges Anhängsel verlängert. Pollenkörner mit 
Flugblasen. Schuppen des hängenden Zapfens bleibend, Bracteen 
klein oder verkümmert. Samen im ersten Jahre reifend, ohne Harzbläschen. 

Große, immergrüne, einhäusige Bäume. 

Sechsundzwanzig Arten. Bewohner der außertropischen Regionen 
der nördlichen Halbkugel. 

Link in Abhandl. Akad. Wiss. Berlin 1827, 179; Abies Don. in Loud. 
Arb. Brit. IV, 2329; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 413 (Pini Sect.); Engelm., 
Bot. Calif. II, 121; Nees, Gen. Fl. Germ. Monochl. n. 7; Rchb., Ic. Fl. Germ, 
t. 532; L. C. Rieh., Conif. t. 15; Lamb., Pin. t. 25—29, ed. min. t. 35—39; 
Forb., Pin. Wob. t. 32—36; Jaub. et Spach., 111. PI. Or. t. 14; Ledeb., Ic. Fl. 
Ross. t. 499; Wall, PL As. Rar. t. 246; Sieb, et Zucc, Fl. Jap. t. 111; Nutt., 
N.-Am. Sylv. t. 146—148; Newb., Bot. Williams Exp. t. 9; Carr., Conif. 317; 
C. Koch, Dendr. II, 232 (Abies Don.); Pancic, Eine neue Conif. in den östl. 
Alpen, Belgrad 1876; Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 439 (1881); Eichl. in 
Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 77; Willkomm., Forstl. Flora S. 65 (1887); 
Mayr, Wald. N.-Am. 218 etc. (1890) und Abietin. d. jap. Reichs 43 (1890); 
Sargent, Sylv. N.-Am. XII, 37 (1898) und Man. of the Trees 38 (1905); Koehne, 
Dendr. 19 (1893); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 28 (1893), et Ind. Flor, 
sin. Journ. Linn. Soc. XXVI, 553, et Card. Chron. 1903, p. 116, 117, 133; 
Rehder in Sargent Trees and Shrubs Heft 2, p. 95, t. XLVIII; Veitch, Man. of 
the Conif. by Kent. 422 (1900). 

Die Gattung Veitchia Lindl. u. Gord. Pin. Suppl. 105 wurde irrtümhch 
aufgestellt, indem Lindley die von einer Chermesart erzeugten Gallen an 
Zweigen der Picea ajanensis Fisch. (P. Alcockiana hört.) für Zapfen hielt; 
dieselbe ist somit als unberechtigt zu tilgen. 

Sektion I. Eupicea Willk. Echte Fichten. Blätter (Nadeln) vier- 
flächig und vierkantig, auf allen Flächen mit Spaltöffnungsreihen, auf dem 
Querschnitt entweder ein fast rechtwinkliges oder ein schiefwinkliges Viereck 
darstellend (im letztern Falle ist das Blatt von oben nach unten zusammen- 
gedrückt). Alle reifen und reifenden Zapfen hängend. 

Sektion II. Omorica Willk. Fichten mit tannenartigen Blättern. 
Blätter zweiflächig, tannenähnlich, beiderseits stark gekielt, nur auf der oberen 
Seite Spaltöffnungsreihen besitzend. Alle oder nur die unteren Zapfen hängend, 
die übrigen abstehend oder etwas aufwärts gerichtet. 

Pseudolarix Gord. Goldlärche. 
Blätter abfallend, weich, flach, lineal sitzend, an Kurztrieben in Bündeln, 
an jungen Zweigen (Langtrieben) einzeln oder zerstreut. Männliche Blüten 
in laubblattlosen Dolden an den Spitzen kurzer Sprosse, Zapfenschuppen 
groß und dick, spitz, abfallend. Bractee am Grunde angewachsen. Samen 
im ersten Jahre reifend (durch diese Merkmale unbedingt generisch von 
Larix verschieden). 



1 



II. Klasse. Coniferae. 19 

Eine Art aus China, hoher, einhäusiger Baum mit abfallenden Blättern, 
aber auch als Zwergform in Gärten kultiviert. 

Gord., Pin. 292; Carr., Conif. 363; Mast., Contrib. to Hist. of cert. Spec. 
of Conif. in Linn. Soc. Journ. vol. XXII, p. 208 et XXX, 32; Henk. u. Höchst., 
Nadelh. 139; Pari, in D. C. Prod. 412 (Pini Sect.); C. Koch, Dendr. 265 (Sub- 
genus); Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 442 (in part.) (Larix); Eichl. in Engl, 
u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 77 (1887); Mayr, Abietin. d. jap. Reichs 99 (1890); 
Koehne, Dendr. 25 (1893); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 403 (1900) 
(Laricopsis). 

Larix Lk. Lärche. 

Blätter dünn, abfallend, in einer beschuppten Knospe (Kurztrieb) dicht, 
fast quirlförmig büschelig oder an den jungen Trieben (Langtrieben) zerstreut. 
Männliche Blüte in einer beschuppten blattlosen Knospe, einzeln, mit dem 
Mittelbande der Antheren nicht über die Fächer hinaus oder kaum hervor- 
ragend. Zapfenschuppen bleibend, die darunter befindliche Bractee entweder 
sichtbar, oder kürzer als die Schuppe, oder derselben gleich. Samen im 
ersten Jahre reifend. 

Hohe, einhäusige Bäume mit abfallenden Blättern. 

Zwölf Arten. Bewohner der temperierten Regionen der nördlichen 
Halbkugel, eine in Europa, fünf in Asien und drei in Nordamerika. 

Salisb. in Trans. Linn. Soc. VIII, 313 (1805); Link in Linn. XV, 533; 
Spach., Hist. Veg. phan. XI, 431; Carr., Conif. 351; C. Koch, Dendr. II, 257; 
Gord., Pin. 123; Henk. u. Höchst., Nadelh. 128; Endl., Syn. Conif. 128 
(Pinus Sect. Larix); Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 409 (Pinus Sect. Larix); 
Regel in Gartenfl. XX, 91 (1871); Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 442 (1881); 
Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 75; Willkomm., Forstl. Flora 
S. 136 (1887); Mayr, Wald. N.-Am. 221 etc., et Abietin. d. jap. Reichs 62 (1890); 
Koehne, Dendr. 25 (1893); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 31 (1893); Beißner, 
Mitt. d. dendr. Ges. 1896, p. 68 und Nuov. Giorn. Bot. Ital. IV, 1897, mit 
Abbild.; Sargent, Sylv. N.-Am. XII (1898), et Man. of the Trees of N.-Am. 35 
(1905); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 387 (1900). 

Cedrus Lk. Ceder. 

Nadeiförmige Blätter, fast vierseitig, steif, in der beschuppten Knospe 
(Kurztrieb) dicht, fast quirlförmig gehuschelt, oder an den jungen Trieben 
(Langtrieben) zerstreut. Männliche Blüten in einem Blattbüschel einzeln, durch 
das Mittelband der Antheren in ein schuppenförmiges Anhängsel verlängert 
Schuppen des großen Zapfens dicht dachziegelig, breit, flach, bleibend, später 
auseinanderfallend. Bractee klein, enge angewachsen. Samen im zweiten 
oder dritten Jahre reifend. 

Hohe, immergrüne, verzweigte, einhäusige Bäume. 

Drei Arten (oder ausgezeichnete Varietäten). Eine im Himalaya, die 
andere im Orient, die dritte gemeinsam mit der zweiten im Atlas heimisch. 

Link in Linn. XV, 537; Loud., Arb. et Frut. Brit. IV, 2402 (1838); Pari, 
in D. C. Prod. XVI, II, 407 (Pini Sect.); L. C. Rieh., Conif. t. 14; Lamb., 
Pin. II, t. 37, ed. min. t. 51, 52 (Pinus); Forb., Pin. Wob. t. 48, 49 (Pinus); 
Hook. fil. in Nat. Hist. Rev. 1862, XI, t. 1—3; Carr., Conif. 366; C. Koch, 
Dendr. II, 265; Gord., Pin. 39; Henk. u. Höchst, Nadelh. 140; Benth. et Hook., 

2* 



20 Erster Teil. Systematik aller bekannten Giiikgoaceen, Conifereii und Gnetaceen. 

Gen. Plant. III, 439 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 74; 
Willkomm., Forstl. Flora S. 158; Koehne, Dendr. 28 (1893); Mast, in Journ. 
Linn. Soc. XXX, 30 (1893); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 406 (1900). 

Pinus L. Kiefer. 
Erstlingsblätter sehr klein, schuppenförmig, trockenhäutig, zerstreut. 
Blätter der Jugendform kurz, flach, lang zugespitzt, blaugrün; die zweiter 
Ordnung ziemlich lang oder lang nadeiförmig, dreikantig bis halbrund, seltener 
stielrund, zu 2 — 5 (ausnahmsweise 1 — 7) gehuschelt, in einer trockenhäutigen 
Scheide. Männliche Blüten fast ährenförmig am Grunde des jungen Triebes, 
durch das Mittelband (connectivum) der Antheren oft in ein schuppenförmiges 
Anhängsel verlängert. Zapfenschuppen bleibend, mit genabelter Endfläche. 
Immergrüne, einhäusige, harzreiche Bäume, seltener Sträucher. Samen 
im zweiten Jahre reifend. 

Arten gegen siebzig, durch die außertropischen Regionen der nörd- 
lichen Halbkugel weit zerstreut, wenige in den Tropen im östlichen Asien, 
westlichen Indien und Zentral- Amerika verbreitet. 

Linn., Gen. ed. 2 n. 879; Lamb., Gen. Pinus I in part. (1803); Endl., 
Conif. 81, et Gen. Plant. 260; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 377 (Subgenus); 
Carr., Conif. 381; Gord., Pin. 162; C. Koch, Dendr. II, 269; Henk. u. Höchst., 
Nadelh. 19; Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 438 (1881); Eichl. in Engl. u. 
Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 70; Willkomm., Forstl. Flora S. 161 (1887); Mayr, 
Wald. N.-Am. 109 etc. und Jap. Abietin. 67 (1890); Koehne, Dendr. 28 (1893); 
Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 37 (1893); Sargent, Sylv. N.-Am. XI (1898), 
et Man. of the Trees of N.-Am. 2 (1905). 

Nach Engelmanns eingehenden Studien (Engelm., Rev. Gen. Pinus in 
Trans. Acad. Sc. St. Louis IV, 161, t. 1 — 3) wird die Gattung Pinus nach der 
Form der Fruchtschuppen, verbunden mit einer Reihe anderer Charaktere, in 
zwei sehr natürliche Sektionen: I. Strobus, IL Pinaster geteilt, während 
die Subsektionen auf genaue anatomische Untersuchung der Blätter be- 
gründet sind. 

Mayr, Wald, von N.-Am. 425 (1890), gibt nach sehr genauen Unter- 
suchungen, auf Grund der Anatomie des Holzes, eine Einteilung in zehn 
Sektionen, die er besonders für biologische und forstliche Betrachtungen 
für wertvoll hält, weil die Verwandten darin sehr gut zusammengebracht 
werden. 

Koehne, Deutsche Dendr. 28 (1903), schließt sich in seinen sehr ein- 
gehenden Untersuchungen eng an die von Mayr gegebene Einteilung an, 
vereinfacht dieselbe aber noch und bringt die verwandten Pinusarten trefflich 
übersichtlich zusammen.^) Wir legen diese Einteilung deshalb auch hier zu- 
grunde. 

Blätter mit einfachem Gefäßbündel im Zenfralsfrang. 
Sektion I. Uaploxylon Koehne. Scheiden ganz abfallend, selten anfangs 
nur in zurückgerollte Schuppen sich lösend und erst später bis auf einen 
kleinen Rest abfallend. 



^) Masters in Linn, Soc. Tourn. Botany XXXV: „A General View of the genus Pinus", 
kommt in seiner sehr eingehenden, sorgfältigen Arbeit auch zu den glichen Resultaten, die 
nächsten Verwandten übersichtlich zusammenzustellen. 



IL Klasse. Coniferae. 21 

1. Subsektion. Cembra Pari. Endfläche der Fruchtschuppen nicht ge- 
wölbt, mit endständigem Nabel. Blätter zu 5, ihre Scheiden ganz abfallend. 
Staubbeutel mit Endknopf, kurzem Zahn oder unvollständigem Kamm. (Strobus 
und Cembra Spach., Strobus Engelm.) 

1. Gruppe. Strobus Spach., verengert, Mayr. Zapfen lang, hängend, 
dünnschuppig. Samen flugfähig, der lange Flügel den Samen nur auf einer 
Seite bedeckend und fest mit ihm verwachsen. Harzgänge der Blätter an 
der Epidermis. 

2. Gruppe. Eucembra. Zapfen meist kurz und dick, dickschuppig. 
Samen nicht flugfähig, groß. Flügel sehr kurz oder fehlend. (Cembra 
Spach. Mayr.) 

2. Subsektion. Paracembra Koehne. Fruchtschuppen wie bei Diploxylon. 
Blätter zu 1 — 3 (selten bis 5), ihre Scheiden abfallend oder in zurückgerollte 
Schuppen sich lösend. Harzgänge stets an der Epidermis. Staubbeutel wie 
bei Cembra oder wie bei Diploxylon. 

1. Gruppe. Balfouria Mayr. Blätter zu 5, ihre Scheiden abfallend. 
Zapfen walzlig. Samen flugfähig, auf einer Seite mit dem Flügel fest ver- 
wachsen. (Balfourianae Engelm.) 

2. Gruppe. Parrya Mayr. Blätter zu 1 — 3 (bis 5). Zapfen kurz und 
dick. Samen nicht flugfähig. (Cembroides und Gerardianae Engelm.) 

Bläffer mif doppelfem Gefäßbündel. 
Sektion II. Diploxylon Koehne. Blätter stets fein gesägt, rauh; Scheiden 
als fest geschlossene, höchstens an der Spitze zerschlissene Röhren bleibend 
(ausgen. P. chihuahuana). Endfläche der Fruchtschuppen gewölbt bis pyra- 
midal, mit dem Nabel auf der Mitte, dieser oft mit Spitze. Staubbeutel 
(ausgen. P. silvestris) mit halbkreis- bis kreisförmigem Kamm. 

A. Bläffer zu 5 (jedoch in der Jugend zuweilen nur zu 3). 

3. Subsektion. Pseudostrobus Mayr. Harzgänge der Blätter stets (?) im 
Parenchym oder am Gefäßbündel. Zapfen mittelgroß, kugelförmig. Samen 
flugfähig (ausgen. P. Torreyana), vom Flügel zangenförmig gefaßt. (Pseudo- 
strobus und Euaustrales zum Teil bei Engelm.) 

B. Bläffer überwiegend zu 3—2. 

a) Blätter zu 3 (daneben zuweilen zu 4 oder 5). 

4. Subsektion. Taeda Mayr. Harzgänge der Blätter stets im Parenchym 
oder am Gefäßbündel. Zapfen oft sehr groß, meist aus Quirlknospen. Samen 
flugfähig (ausgen. P. Sabiniana), vom Flügel zangenförmig gefaßt. (Eupon- 
derosae, Eutaedae, Euaustrales zum Teil, Elliotiae bei Engelm.) 

b) Blätter zu 2 (zuweilen in der Jugend zu 3). 

5. Subsektion. Murraya Mayr. Harzgänge der Blätter im Parenchym. 
Zapfen kegelförmig, meist aus Knospen am Längstrieb zwischen zwei Quirlen. 
Samen flugfähig, vom Flügel zangenförmig gefaßt, aber auf einer Seite mehr 
als auf der anderen vom Flügel bedeckt. (Laricipnes, Pungentes und Mites 
Engelm.) 

6. Subsektion. Pinea Koehne. Harzgänge an der Epidermis. Zapfen 
mittelgroß, kegelförmig, meist aus Quirlknospen. Samen flugfähig (ausgen. P. 



22 Erster Teil, Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnetaceen. 

Pinea), vom Flügel zangenförmig gefaßt. (Eusilvestres, Pinea und Euhale 
penses Engelm.) 

3. Unterfamilie: Taxodieae. Eibencypressen. 

Die Schuppen des weiblichen Kätzchens dicht spiralförmig angeordnet, 
Eichen unter den fruchtbaren Schuppen 2 — 9 aufrecht, bei drei Gattungen 
(Sequoia, Sciadopitys und Athrotaxis) nach der Blüte schief horizontal oder 
umgewendet. Blätter spiralig angeheftet, nach verschiedenen Seiten oder zwei- 
reihig abstehend. Die Samenschuppe der Bractee angeheftet, dann wie bei 
den Cupressineen sehr vergrößert, fast die ganze Schuppe ausmachend, selten 
unter dem reifen Samen unverändert und klein. 

Sciadopitys Sieb, et Zucc. Schirmtanne. 

Männliche Blüten am Grunde der nach der Blütezeit auswachsenden 
jungen Sprosse kopfförmig gehäuft. Antherenfächer 2, Eichen 7 — 9, um- 
gewendet. Zapfenschuppen holzig, dicht dachziegelig, bleibend. Samen im 
zweiten Jahre reifend. 

Hoher, immergrüner, einhäusiger Baum. Triebe zweigestaltig. Lang- 
triebe mit kleinen, trockenhäutigen, zerstreuten Niederblattschuppen besetzt. 
Kurztriebe gipfelständig, nach Engelmann, Bot. Zeit. 1866, S. 486, mit zahl- 
reichen, schirmförmig in deutlichen Scheinquirlen zusammengedrängten „Doppel- 
blättern" (Doppelnadeln) besetzt, welche nach anatomischer Untersuchung 
dadurch entstanden, daß zwei Blätter mit ihren Hinterrändern verwachsen 
sind. (Dickson und Bentham u. Hooker bezeichnen diese Doppelblätter 
als Phyllodien.) 

Eine Art, aus Japan. 

Sieb, et Zucc, Fl. Jap. II, p. 1, t. 101, 102; Endl., Synops. Conif. 198 
(1847); Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 435; Fl. des Serres t 1483; Carr. in 
Rev. Hort. 1868, 150; Carr., Conif. 231; Gord., Pin. 301; C. Koch, Dendr. II, 
S. 200; Henk. u. Höchst, Nadelh. 201; Lindl. in Gard. Chron. 1861, p. 22 
und 360, mit Abbild.; Dickson, Report. Bot. Congr. Lond. 1866, p. 124; Benth. 
et Hook., Gen. Plant. III, 437 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, 
S. 84 (1887); Koehne, Dendr. 44, mit Abbild. (1893); Mast, in Journ. Linn. 
Soc. XXX, 21 (1893); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 286 (1900). 

Athrotaxis Don. (Arthrotaxis Endl.). Glied er flehte. 

Alles wie bei Sequoia, nur die Spitze der Zapfenschuppen ist auf dem 
Rücken mit einer scharfen Spitze oder einem kegelförmigen Nabel versehen. 

Immergrüne, einhäusige Bäume. Blätter klein, spiralig gedrängt, dicht 
oder locker dachziegelig, bald sehr kurz, stumpf angedrückt, bald locker, 
lanzettlich. Zapfen kugelig, erhärtet, fast holzig, oft 1^/2 — 2 cm im Durchmesser. 
Im ersten Jahre reifend. 

Drei Arten, aus Tasmanien und Victoria. 

Don. in Linn. Trans. XVIII, 171; Endl., Syn. Conif. 193; Brongn., Dict. 
univ. d'hist nat. IV, 464; Benth., Fl. austr. VI, 241; Hook., Ic. PI. t. 559, 
573, 574; Carr., Conif. 2. ed. p. 203; Henk. u. Höchst, Syn. d. Nadelh. 219; 
Pari, in D. C. Prod. XVI, 433 (1868); Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 430 



II. Klasse. Coniferae. 23 

(1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 89 (1887); Mast, in Journ. 
Linn. Soc. XXX, 21 (1893); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 259 cum ic. (1900). 

Sequoia Endl. (inkl. Wellingtonia Lindl.). Sequoie. 

Samenschuppe ganzrandig, Eichen 5-7, nach der Blüte oft horizontal 
oder fast nach unten gerichtet. Zapfen klein, rundlich (bei Sequoia [typica] 
sempervirens) oder größer, fast zylindrisch (bei Sequoia [Wellingtonia] 
gigatitea). Zapfenschuppen holzig, an der Spitze in eine kreisrunde oder schief- 
längliche, dicke, auf dem Rücken in der Mitte niedergedrückte, scharf gespitzte 
Scheibe erweitert. Samen der Sequoia (typica) sempervirens im ersten Jahre 
reifend, die der Sequoia (Wellingtonia) gigantea werden meist als erst im 
zweiten Jahre reifend angegeben, reifen aber, nach Dr. Mayr, auch in einem 
Jahre, so daß auch dieser Unterschied zwischen den Verwandten fortfällt. 
Männliche Blüten einzeln oder zu 2 — 3 aus gemeinsamer Knospenhülle am 
Ende kurzer Zweige oder in den obersten Blattwinkeln. 

Riesige, immergrüne, einhäusige Bäume mit unbehüllten Knospen und 
flachen, linealen, zweizeiligen, seltener fast schuppenförmigen, dachziegeligen 
oder fast pfriemHchen, nadeiförmigen, steifen, stark herablaufenden Blättern. 
Die verschiedenen Blattformen wurden an beiden Bäumen beobachtet. 

Zwei Arten, aus Kalifornien. 

Endl, Syn. Conif. 197; Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, 435; Carr., Conif. 209; 
Gord., Pin. 303; Koch, Dendr. II, 193; Lamb., Pin. ed. min. t. 64 (Taxodium); 
Lindl. in Gard. Chron. 1853, p. 819; Bot. Mag. t. 4777 u. 4778 (Wellingtonia); 
Gord., Pin. 330; Carr., Conif. 216; Koch, Dendr. II, 187; Henk. u. Höchst, 
Syn. d. Nadelh. 221; Ic. in Flor, des Serres t. 892 u. 893; Dcne. in Rev. hört. 
Ser. 4, iv. 10 et 11, Fig. 12; Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 429 (1881); Eichl. 
in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 85; Mayr, Wald. N.-Am. 267, 341 (1890); 
Koehne, Dendr. 43, mit Abbild. (1893); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 22 
(1893); Sargent, Forest Trees N.-Am. 10, Cens. IX, 184; Sargent, Sylv. N.- 
Am. X, 141, 145, et Trees of N.-Am. 68 (1905). 

Taxodium Rieh. (inkl. Glyptostrobus Endl.). Sumpfcypresse. 

Samenschuppe ganzrandig, Eichen 2. Zapfenschuppen an der Spitze 
holzig, ausgebreitet, abgestutzt, auf dem Rücken kaum, in der Mitte genabelt 
oder scharf gespitzt, die im erstenjahre reifenden Samen einschließend. 

Einhäusige, locker beästete Bäume mit abstehenden oder hängenden 
Ästen und behüllten Knospen. Blätter mit jungen Zweigen abfallend oder 
halbimmergrün, abwechselnd fast spiralig angeheftet, bald lineal zweireihig 
abstehend, bald, aber seltener, klein, angedrückt, schuppenförmig. Männliche 
Blüten in langen Ähren, öfter fast rispenständig, weibliche Kätzchen wenige, 
während der Blüte klein. 

Drei Arten, von denen zwei typische Bewohner Nord-Amerikas und 
Mexikos sind und eine in China heimisch ist. 

L. C. Rieh, in Ann. Mus. Par. XVI, 298, et Conif. 143, t. 10; Schubertia 
Mirb. in Nouv. Bull. Soc. Philom. III, 123; Glyptostrobus Endl., Syn. Conif. 
69; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 440; Lamb., Pin. ed. min. t. 63; Forb., Pin. 
Wob. t. 60; Nutt, N.-Am. Sylv. t. 151 (Cupressus); Ten. in Mem. Acad. Ital. 
Moden. XXV, II, 200 cum tab. 2; Bot. Mag. t. 5603 (Glyptostrobus); Koch, 



24 Erster Teil. Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnelaceen. 

Dendr., II, 2, 195; Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 429 (1881); Eichl. in Engl, 
u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 90; Mayr, Wald. N.-Am. 120 (1890); Koehne, 
Dendr. 42, mit Abb. (1893); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 24 (1893); 
Sargent, Forest Trees N.-Am. X, Cens. IX, 183; Sargent, Sylv. N.-Am. X, 
151, et Trees of N.-Am. 70 (1905); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 280 
(1900). 

Die dritte chinesische Art (oder vielleicht Form von T. distichum?) T. 
heterophyllum Brongn. von Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 438 als eigene Gattung 
(Glyptostrobus) beibehalten, mit reif verkehrt-eiförmigen, an der Basis lang 
zusammengezogenen Zapfen mit kaum geflügelten Samen, an der Basis in 
einen auf einer Seite geflügelten Stiel zusammengezogen. Blühende weibliche 
Kätzchen und Habitus gänzlich wie bei einigen Varietäten von Taxodium 
distichum. Männliche Blüten jedoch bisher unbekannt, wenn auch der Baum 
schon lange in den Gärten hier und dort kultiviert wird. 

Cryptomeria Don. Cryptomerie. 

Samenschuppe angewachsen, an der Spitze fingerförmig fünfteilig. Eichen 
3 — 6, Zapfenschuppen wegen der Lappen der Samenschuppe und der hervor- 
ragenden Spitzen der Bracteen stachelig. 

Samen im ersten Jahre reifend. 

Immergrüner, einhäusiger Baum. Blätter spiralig zusammengedrängt, 
schmal-lineal, sichelförmig einwärts gekrümmt, aufrecht, drei- bis vierkantig, 
mit der hervorragenden Rückenkante angewachsen herablaufend. Weibliche 
Köpfchen oder Kätzchen während der Blüte endständig, zuweilen durch einen 
Blätterbüschel aus der Spitze fleischig auswachsend. 

Eine Art, aus Japan und Nordchina. 

Don. in Linn. Trans. XVIII, 166; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 437; 
Sieb, et Zucc, Fl. Jap. II, t. 124 u. 124b; Hook., Ic. PI. t. 668; Brongn., Ann. 
Sc. nat. 2, ser. XII, 231; Endl., Conif. 71; Carr., Conif. 191; Gord., Pin. 52; 
Koch, Dendr. II, 188; Henk. u. Höchst, Syn. d.. Nadelh. 266; Benth. et Hook., 
Gen. Plant. III, 428 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 89; 
Koehne, Dendr. 41, mit Abbild. (1893); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 23 
(1893); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 263 cum ic. (1900). 

Taiwania Hayata (hier eingereiht vorbehaltlich eingehenderen Studiums). 

Zapfenschuppen vielreihig, locker, spiralig-dachziegelig, etwas härtlich, 
an der Spitze sparrig abstehend, bleibend, verkehrt-eiförmig, an der Spitze 
leicht stachelspitzig, an der Basis keilförmig. Samen in der Mitte der frucht- 
baren Schuppen 2, rückwärts gerichtet, länglich, mit härtlich lederartiger Schale, 
von einem schmalen Flügel umgeben. 

Immergrüner, einhäusiger Baum, dicht belaubt, mit abstehenden Ästen. 
Blätter schuppenförmig, spiralig, dicht gedrängt, angewachsen herablaufend, 
an jungen sterilen Zweigen schmal lineal-sichelförmig, eingebogen-aufrecht, 
vierkantig, mit vorstehender Rückenkante. 

Eine Art, auf der Insel Formosa. 

Journ. of the Linn. Soc. Bot. XXXVII, p. 330, pl. 16; Mitt. d. dendr. 
Ges. 1907. S. 114. . . 



II. Klasse. Coniferae. 25 

4. Unterfamilie: Cupressineae. Cypressengewächse. 

Schuppen des weiblichen Kätzchens zwei- bis mehrreihig einander 
gegenüberstehend oder drei-, selten vierfach quirlständig. Eichen aufrecht, 
unter den fruchtbaren Schuppen 2 oder mehr, selten 1. Blätter der frucht- 
tragenden Zweige gegenüberstehend oder dreifach quirlständig, oft klein 
und dick, schuppenförmig. Die Samenschuppe ist der Bractee angewachsen, 
zuerst ist dieselbe kürzer, bald größer, macht später fast die ganze Schuppe 
aus und ist an der Spitze der Bractee in einen Nabel oder eine rückenständige 
Stachelspitze ausgezogen. Die Zapfenschuppen, ausgenommen bei Juniperus, 
sind später offen und bleibend. Samenlappen 2—4 (manchmal bis 6). 

Sektion I. Actinostrobeae. 

Zapfen holzig, Schuppen klappig, Blätter quirl- oder kreuzständig. 

Actinostrobus Miq. Strahlenzapfen. Schuppencypresse. 

Zapfenschuppen 6, fruchtbar, in der Regel zweireihig, aber auch ein- 
reihig, zwischenklappig, jede auf dem Rücken durch die angedrückten äußeren 
unfruchtbaren Schuppen mit einem Anhängsel versehen. 

Zwei Arten. Bewohner Südwest- Australiens. Einhäusig. Sehr ver- 
zweigte, immergrüne Sträucher. Blätter dreifach quirlständig, die meisten 
klein, schuppenförmig, steif, scharf zugespitzt, an sterilen Zweigen öfter 
länglich-nadelförmig. Zapfen eirund-kugelig oder zugespitzt. Samen im ersten 
Jahre reifend. 

Miq., Plant. Preiss. I, 644; EndL, Conif. 39; Carr., Conif. t. 77; Gord., 
Pin. 40; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 444; Benth., Fl. Austr. VI, 239; Hook., 
Ic. PI. A. 1272; Henk. u. Höchst., Syn. 305; Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. 
Pflf. II, S. 93; Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 16 (1893). 

Callitris Vent. Schmuckcypresse. 

Zapfenschuppen 4, alle fruchtbar, auf dem Rücken gekielt, unterhalb 
der Spitze kurz stachelspitzig. 

Eine Art. Mittelhoher, immergrüner Baum aus Nordafrika, einhäusig, 
mit zahlreichen zerstreut stehenden, gabelteiligen Ästen. Zweige und Zweigchen 
zusammengedrückt gegliedert. Erstlingsblätter zu 3 oder 4, lang-lineal, flach, 
die folgenden nadelförmig-lineal, gegenüber-kreuzständig, dann kürzer, schuppen- 
förmig, die älterer Zweige sehr klein am Grunde der Glieder. Zapfen kugelig. 
Samen im ersten Jahre reifend. Liefert das Sandarakharz. 

Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 452; Decad. 1808 excl. spec. Nov. Holland.; 
Spach., Hist. veg. phan. XI, 343; Rieh., Conif. 46; Brongn. in Ann. sc. nat. 
vol. 30, p. 189 (excl. spec); Endl., Syn. Conif. 40; Carr., Conif. 80; Gord., 
Pin. 37; Henk. u. Höchst., Nadelh. 290; Mirb., Mem. Mus. XIII, 30 (Eu- 
callitris Brongn.); Mast, in Linn. Soc. XXX, 14 (Tetraclinis). 

Zu Callitris gehören als sehr nahestehende, aber charakteristische Unter- 
gattungen: 

1. Frenela Mirb. Australische Cypresse. Zapfenschuppen 6, sehr 
selten 7 — 8, alle fruchtbar, auf dem Rücken glatt, runzelig oder höckerig. 



26 Erster Teil. Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnetaceen. 

Sechzehn Arten (nach Pariatore), in Neuholland, Tasmanien und Neu- 
kaledonien heimisch. 

Immergrüne, einhäusige Bäume oder Sträucher, meist dicht bezweigt. 
Erstlingsblätter lineal abstehend, Blätter älterer Zweige schuppenförmig, drei- 
oder seltener vierfach quirlständig angewachsen. Zapfen eirund oder fast 
kugelig. Samen im zweiten Jahre reifend. 

Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 445; Mirb. in Mem. Mus. XIII, 74 (excl. 
sp. atlant.); Spach., Hist. veg. phan. XI, 345; Endl., Conif. 35; Carr., Conif. 63; 
Hook, fil., Flor, of Tasman. 351; Gord., Pin. 82; Henk. u. Höchst, Syn. d. 
Nadelh. 298; Rieh., Conif. 47—48 (excl. sp. atlant.); Callitris Vent. Nov. gen. 
Dec. 1808; Leichhardtia, Shepherd Cat. of Plants cultivated at Sidney 15 non 
R. Br.; Octoclinis Ferd. Muell. in Trans, of the Philos. Instit. of Victoria II, 
20, cum ic. Zapfenschuppen 8. 

2. Widdringtonia Endl. Widdringtonie. Zapfenschuppen 4, alle 
fruchtbar, dick, holzig, unterhalb der Spitze stachelspitzig. 

Fünf Arten, davon drei in Südafrika, eine auf Insel Mauritius und 
Madagaskar und eine im tropischen Afrika einheimisch. 

Zweihäusige, immergrüne Bäume oder Sträucher von cypressenartigem 
Ansehen. Blätter spiralig angeordnet, an jungen Pflanzen oft nadeiförmig, 
flach, fast dreinervig, an den oberen Zweigen älterer Pflanzen schuppen- 
förmig, mehr oder minder abstehend, auf dem Rücken oft mit einer Drüse 
versehen. Zapfen fast kugelig glänzend, rotbraun. Samen im zweiten Jahre 
reifend. 

Endl., Cat. Hort. Vindob. I, 209, et Syn. Conif. 31; Carr., Conif. 57; 
Gord., Pin. 332; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 442; Thuyae sp. Linn. Mant. 125; 
Cupressi sp. Mill. Dict. n. 6; Pachylepsis Brongn. in Ann. d. scienc. nat. 1, 
ser. XXX, 189; Spach., Hist. veg. phan. XI, 346; Parolinia Endl., Gen. Plant. 
Suppl. I, 1372 n. 1793; Henk. u. Höchst, Syn. d. Nadelh. 292; Mast in Linn. 
Soc. XXX, 16 (1893). 

Fitzroya Hook. fil. Alercebaum. 

Zapfenschuppen 2 — 3, fruchtbar, einreihig, zwischenklappig, durch die 
äußeren unfruchtbaren ein- bis zweireihig. Samen unter der Schuppe 2 — 3, 
zwei- oder dreiflügelig. 

Sehr verzweigte einhäusige Bäume und Sträucher. Blätter klein, drei- 
fach quirlständig oder kreuzständig, gegenüberstehend, dachziegelig. 

Zwei Arten, die eine der typische Baum in den Gebirgen Süd- 
Chiles. 

Hook. fil. in Bot Mag. t 4616 (1851); Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 463; 
Lemaire, Illustr. Hortic. i. Mise. 30, cum ic. Fl. des Serres VII, 130; Carr., 
Conif. 115; Gord., Pin. 81; Henk. u. Höchst., Nadelh. 295; Benth. et Hook., 
Gen. Plant. III, 425 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 95; 
Koehne, Dendr. 48, mit Abbild. (1893); Mast in Journ. Linn. Soc. XXX, 17 
(1893); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 196 (1900). 

Die andere Art in Tasmanien, aufrechter Strauch. 

Benth., Fl. Austr. VI, 240 (Diselma Hook. fil.). 



I 



II. Klasse. Coniferae. 27 

Sektion II. Thuyopsideae. 

Zapfen holzig, sich öffnend. Schuppen dachig übereinandergreifend. 

Thuyopsis Sieb, et Zucc. Hiba. 

Reife Zapfen kugehg, fast aufrecht. Schuppen verdickt, hart, 6 — 10, 
fruchtbare 4 — 6 oder selten 8. Samen schmal, zweiflügelig, unter jeder Schuppe 
öfter 4 oder 5, im zweiten (?) Jahre reifend. 

Eine Art. Hoher, immergrüner, einhäusiger Baum aus Japan. Äste 
quirlständig. Zweige und Zweigchen zweizeilig zusammengedrückt. Blätter 
kreuzweise gegenüberstehend, vierfach dachziegelig. 

Thuya Linn., Suppl. Syst. 420 (1781); Thunb., Fl. Jap. 266 (1784); Lamb., 
Pin. ed. min. t. 68; Mast, in Gard. Chron. XVIII (1882), p. 556, cum ic. Journ. 
Linn. Soc. XVIII, 486 und Journ. R. Hort. Soc. XIV, 251; Veitch, Man. of 
the Conif. by Kent. 236 (1900); Thuyopsis Sieb, et Zucc, Fl. Jap. II, 32, t. 119, 
120; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 460; Endl., Conif. 53; Carr., Conif. 117; 
Gord., Pin. 319; Koch, Dendr. II, 185; Henk. u. Höchst, Nadelh. 287; Eichl. 
in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. 11, S. 95; Koehne, Dendr. 46 (1893), mit Abbild. 

Libocedrus Endl. (inkl. Heyderia C. Koch). Flußceder. 

Zapfenschuppen zwei fruchtbar, zwei äußere und zuweilen zwei innere 
unfruchtbar. Samen unter der Schuppe 2, oberwärts geflügelt, flügelfrucht- 
artig, im ersten Jahre reifend. 

Immergrüne, einhäusige Bäume von Tracht der Thuya. Blätter schuppen- 
förmig, gegenständig, vierfach dachziegelig, bald alle gleich kreuzständig 
angedrückt oder abstehend, bald in flachen Zweigchen, die seitlichen hoch 
gekielt. Zapfen eirund oder länglich. 

Acht gut bekannte Arten nach Bentham et Hooker, Gen. Plant., 
von denen zwei Bewohner Chiles, zwei Neuseelands, eine Neukaledoniens, eine 
Japans, eine Chinas, eine Kaliforniens sind. 

Endl., Syn. Conif. 42; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 453; Brongn. et Gris. 
in Bull. Soc. Bot. Fr. XVIII, 140; Hook., Lond. Journ. I, t. 18, II, t. 4, III, t. 4 
(Thuya); Poepp et Endl, Nov. Gen. et Spec. III, t. 220 (Thuya); Carr., Conif. 
2. ed., p. 85; Henk. u. Höchst, Syn. S. 282; Benth. et Hook., Gen. Plant III, 
426 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 95 (1887); Mayr, V^ald. 
N.-Am. 321 (1890); Koehne, Dendr. 47 (1893); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 
19 (1893); Sargent, Sylv. N.-Am. X, t 534 (1898), et Trees of N.-Am. 72 (1905); 
Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 251 (1900). 

Heyderia C. Koch, Dendr. II, II, 179 (L. decurrens aus Kalifornien), 
und Calocedrus Kurz in Trim. Journ. Bot. 1873, 196, t. 133 (L. macrolepis 
aus der Provinz Yunnan, China) sind nach den Samen und wichtigsten 
Charakteren Libocedrus; von den übrigen Arten sind sie durch die inneren 
gut entwickelten, wenn auch tauben Zapfenschuppen verschieden und halten 
fast die Mitte zwischen Thuya und Libocedrus. 

Thuya Tourn.^) Lebensbaum. 
Zapfen eiförmig oder länglich, Schuppen 6 — 8, selten 12, davon 2 — 6 
(auch 1 — 3) fruchtbar. 2, selten 4 äußere und 2 innere unfruchtbar. Samen 

^) Bentham und Hook er vereinigen mit Thuya als Untergattungen: Thuyopsis, Biota, 
Chamaecyparis und sagen: Dieselben zeigten kaum hervorragende Charaktere von spezifischem 



28 Erster Teil, Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnetaceen. 

unter der Schuppe 2, beiderseits geflügelt, mit Harzbläschen, im ersten Jahre 
reifend. 

Immergrüne, einhäusige Bäume oder Sträucher. Erstlingsblätter linien- 
förmig flach abstehend. Blätter älterer Zweige klein, gegenständig, schuppen- 
förmig angedrückt, vierfach dachziegelig, alle fast gleich oder oft an flachen 
Zweigchen die seitlichen hoch gekielt, auf den Breitseiten flach und kleiner. 

1. Euthuya Benth. et Hook. Echte Lebensbäume. Reife Zapfen 
eirund-länglich übergebogen, Schuppen nur wenig verdickt, nur 2, wie bei 
Libocedrus, fruchtbar. Samen breit, fast gleich zweiflügelig, unter jeder 
Schuppe 2 oder 3. 

Eine Art, Linnes typische Art in Nordamerika. 

L. C. Rieh., Conif. t. 7, f. 1; Mich., Sylv. N.-Am. t. 156; Wats., Dendr. 
Brit. t. 150; Nees, Gen. Fl. Germ. Mon. No. 11. 

2. Macrothuya Benth. et Hook. Riesenlebensbäume. Fruchtbare 
Schuppen des Zapfens 4 oder 6, die Flügel der Samen schmaler als bei Th. 
occidentalis, das Übrige wie Euthuya. 

Drei Arten, eine in Nordamerika (Nutt., Sylv. N.-Am. t. 111), eine in 
Japan (Maxim, in Diagn. PI. Jap. dec, 1, p. 26), eine in China (Franch. in 
Journ. de Bot. 1899, p. 262). 

Thuya, wie sie von Pari, in D C. Prod. XVI, II, 456 begrenzt wurde, 
schließt Euthuya und Macrothuya ein. 

Biota Endl. Orientalischer Lebensbaum. 

Junger Zapfen kugelig, fast fleischig, reif fast eirund, hart. Zapfenschuppen 
6 — 8, davon oft 4 fruchtbar, unterhalb der Spitze stachelspitzig. Samen unge- 
flügelt, unter jeder Schuppe 2 in härtlicher Schale, im ersten Jahre reifend. 

Eine Art, in Japan und Nord-China heimisch. Immergrüner, einhäusiger 
Baum von pyramidalem Wuchs. Zweige zweizeilig, zusammengedrückt. Erst- 
lingsblätter nadeiförmig kreuzständig, Blätter älterer Zweige schuppenförmig, 
vierfach dachziegelig. 

Thuya L. Sp. Plant. II, 1002 (1758); Thunb., Fl. Jap. 266 (1784); Lamb., 
Pin. ed. min. t. 76; L. C. Rieh., Conif. t. 7, f. 2; Forb., Pin. Wob. t. 63; Bot. 
Reg. 1842, t. 20; Nees, Gen. Fl. Germ. Monochl. n. 11; Sieb. et. Zucc, FL 
Jap. t. 117, 118; Loud., Arb. et Frut. Brit. IV, 2459 cum ic; Koehne, Dendr. 48 
(1893); Mast, in Journ. Linn. Soc. XVIII, 488, et Journ. R. Hort. Soc. XIV, 
252; Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 248 (1900); Biota Endl., Syn. Conif. 
46; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 461; Koch, Dendr. II, 180; Carr., Conif. 92; 
Gord., Pin. 32. Platycladus Spach. Suites Buff. XI, 333 schließt Thuyopsis und 
Biota ein. Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 98; Boiss., Fl. Orient. 
V, 704. 



Werte. — Wir halten dieselben, der Mehrzahl der Autoren folgend, als Gattungen, die auf 
den ersten Blick zu unterscheiden, fest, Sie bilden gewissermaßen Verbindungsglieder 
von einer Gattung zur anderen, so z. B. steht Macrothuya zwischen Euthuya und Thuyopsis, Biota 
zwischen Thuya und Chamaecyparis. Chamaecyparis verbindet Thuya mit Cupressus und steht 
in der Frucht doch entschieden letzterer weit näher als Thuya, während sie sich dieser in der 
Zweigbildung nähert. Der deutsche Name Leb ensbaumcy presse ist daher für Chamaecyparis 
sehr passend gewählt. 



II. Klasse. Coniferae. 29 

Sektion III. Cupresseae. 

Zapfen holzig, kugelig, Schuppen schildförmig, klappig aneinandergepreßt 

Chamaecyparis Spach. Lebensbaumcypresse. 

Die Schuppen des reifen, kugelförmigen, harten Zapfens 6 — 8, selten 
4 — 12, an der Spitze verdickt, fruchtbare i — 6. Samen breit oder selten 
schmal zweiflügelig, unter jeder Schuppe 2 — 5, im ersten Jahre reifend. 

Immergrüne, einhäusige, teils hohe Bäume. Erstlingsblätter lineal ab- 
stehend, flache Zweigchen mit kleinen Blättern des Lebensbaumes oder mit 
kreuzständig dachziegeligen Blättern der Cypresse. Zapfen wie bei Cupressus, 
aber viel kleiner. 

Sechs Arten, nordamerikanische und japanische. 

L. C. Rieh., Conif. t. 8; Cupressi spec. Lamb. Pin. t. 43, ed. min. t. 66; 
Wats., Dendr. Brit. t. 156; Trautv., Imag. Fl. Ross. t. 7; Bot. Mag. t. 5581; 
Mich., N.-Am. Sylv. t. 152; Chamaecyparis Spach., Suit. Buff. XI, 329; Pari, 
in D. C. Prod. XVI, II, 463; Maxim, in Bull. Acad. Sc. Petersb. X, 489; Mel. 
Biol. VI, 25; Chamaepeuce Zucc. Endl. Enchir. 139; Endl., Syn. Conif. 60; 
Retinispora Sieb, et Zucc, Fl. Jap. II, 36, t. 121—123; Carr., Conif. 120; Gord., 
Pin. 48; Henk. u. Höchst, Nadelh. 247; Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, 
S. 100; Willkomm., Forstl. Flora S. 247 (1887); Mayr, Wald. N.-Am. 193 etc. 
(1890); Koehne, Dendr. 50 (Sect. von Cupressus); Mast, in Journ. Linn. Soc. 
XXXI, 353; Sargent, Sylv. N.-Am. X (Cupressus), et Trees of N.-Am. 81 
(Chamaecyparis) (1905); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 199 (Cupressus) 
(1900). 

Cupressus Tourn. Cypresse. 

Zapfen kugelförmig, holzig. Schuppen exzentrisch schildförmig, auf dem 
Rücken stachelspitzig, 6 — 14; 4 oder 6 (auch 2 — 3) fruchtbar, 2, selten 4 äußere 
und zuweilen 2 innere unfruchtbar. Mehrere bis viele Samen unter der Schuppe 
schmal zweiflügelig. Im zweiten Jahre reifend. 

Immergrüne, einhäusige, bisweilen hohe Bäume oder Sträucher. Blätter 
oft klein, schuppenförmig angewachsen herablaufend, an der Spitze an- 
gedrückt oder kurz abstehend, gegenständig, kreuzständig -dachziegelig, die 
der unfruchtbaren Zweige oder jungen Pflanzen öfter nadeiförmig ab- 
stehend. 

Zwölf Arten, einheimisch im temperierten Asien, Südost-Europa, Nord- 
Amerika und Mexiko. 

Tourn., Inst. 358; Linn., Gen. pl. n. 1079; Endl., Conif. 55; Spach., Hist 
phan. XI, 323; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 467; Lamb., Pin. t. 42, ed. min 
t. 65; Rieh., Conif. t. 9; Forb., Pin. Wob. t. 61, 62; L'Her., Stirp. Nov. t. 8 
Wats., Dendr. Brit. t. 155; Pall., Fl. Ross. t. 53; Carr., Conif. 143; Gord.^ 
Pin. 56; Koch, Dendr. II, 145; Henk. u. Höchst., Syn. d. Nadelh. 230; Benth 
et Hook., Gen. Plant. III, 427 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II 
S. 99; Willkomm., Forstl. Flora S. 245 (1887); Mayr, Wald. N.-Am. 235 etc 
(1890); Koehne, Dendr. 50 (1893); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXXI, 325 (1896) 
Sargent, Sylv. N.-Am. X, et Trees of N.-Am. 77 (1905); Veitch, Man. of the 
Conif. by Kent. 199 (1900). 



30 Erster Teil. Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnetaceen. 

Sektion IV. Junipereae. 

Zapfen beeren- oder steinfruchtartig, geschlossen bleibend. 

Juniperus L. Wacholder. 

Zapfen kugelförmig, fleischig, steinfruchtförmig oder beerenförmig, nicht 
aufsgringend. 2 — 6 Schuppen fruchtbar. Samen im Zapfen 1 — 6 in harter 
Schale, deutlich abgeteilt oder in kugelförmiger, dicker, dem holzigen Endo- 
carpium ähnlicher Masse verschmolzen. Im zweiten Jahre reifend. Zwei-, 
seltener einhäusige, immergrüne Sträucher oder Bäume. Blätter gegenständig 
oder dreifach quirlständig, klein, angewachsen herablaufend, oder entweder 
abstehend lineal oder nadeiförmig. 

Fündundzwanzig bis dreißig Arten, über die nördliche Halbkugel 
weit zerstreut, in den temperierten und kalten Regionen häufig, in den 
tropischen nur auf Gebirgen. 

Linn., Spec. Plant. II, 1038 (1753); Koch, Dendr. II, 110 (1872); Endl., 
Syn. Conif. 8; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 475; Benth. et Hook., Gen. Plant. 
III, 427 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. 101 (1887); Willkomm., 
Forstl. Flora 251 (1887); Mayr, Wald. N.-Am. 194 etc. (1890); Mast, in Journ. 
Linn. Soc. XXX, 12 (1892); Koehne, Dendr. 51 (1893); Sargent in Gard. and 
Forest IV (1891), et Sylv. N.-Am. X, et Trees of N.-Am. 85 (1905); Veitch, Man. 
of the Conif. by Kent. 164 (1900). 

Diese Gattung ist von Endlicher in drei Sektionen geteilt, die von 
einigen Autoren für besondere Gattungen gehalten werden. 

1. SaMna Endl. Sadebäume. Blätter zweigestaltig, die der frucht- 
tragenden Zweige meist klein, schuppenförmig, gegenständig und kreuzständig 
dachziegelig, die der unfruchtbaren Zweige oder der jungen Pflanze auch 
nadeiförmig, oft beiderlei Blattform untermischt auf derselben Pflanze. 
Knospen nackt. 

L. C. Rieh., Conif. t. 6; Forb., Pin. Wob. t. 64, 65; Andr., Bot. Rep. 
t. 534; Hook., Lond. Journ. II; Reichb., Ic. Fl. Germ. t. 536; Guss., Fl. Rar. 
t. 62; Vis. III, PL Nov. in Mus. Instit. Venet. VI, t. r^ 1**; Pall., Fl. Ross. 
t. 55—57; Trautv., Imag. PI. Ross. t. 15; Sieb, et Zucc, Flor. Jap. t. 126, 127; 
Mich., N.-Am. Sylv. t. 155; Newb., Bot. Williams Exp. t. 10. 

2. Oxycedrus Endl. Echte Wacholder. Blätter nur nadeiförmig 
oder lineal, mehr oder weniger abstehend, dreifach quirlständig. Männliche 
Blüten in den Achseln einzeln. Knospen behüllt. 

J. C. Rieh., Conif. t. 5; Nees, Gen. Fl. Germ. Monochl. n. 12; Reichb., 
Ic. Fl. Germ. t. 535, 537; Moggr., Fl. Merit t. 65; Ten., Fl. Nap. t. 247; Pall, 
Fl. Ross. t. 54; Sieb, et Zucc, Fl. Jap. t. 125; Webb., Phytogr. Canar. t. 217. 

3. Caryocedrus Endl. Pflaumenfrüchtiger Wacholder. Blätter 
nadeiförmig, aber breiter wie bei Oxycedrus. Männliche Blüten sämtlich in 
den Blattwinkeln stehend, aber 3 — 6 in einem Köpfchen vereinigt. 
Knospen behüllt. 

Eine einzige orientaHsche Art. Labill, Dec. PI. Syr. II, t. 8; Arceuthos 
Ant. et Kotschy in Öster. Bot. Wochenbl. 1854, 249. Thuyaecarpus Trautv. 



III. Klasse, Gnetales. 31 

Imag. Ross. XI, t. 6 war als genus vorgeschlagen, unter dem Namen Juniperus 
oblonga Bieb. ist diese Pflanze von den Autoren teils zu Juniperus communis 
als Varietät gebracht. 



IIl. Klasse. Gnetales. 

Stamm einfach oder verzweigt. Gefäße im sekundären Holz vor- 
handen. Blätter ungeteilt, gegenständig (selten zu drei- bis vierquirlig) und 
zu kleinen, zweizähnigen oder in zwei lineale Nadeln auslaufenden Scheiden 
verwachsen. Blüten eingeschlechtlich oder scheinbar zwitterig, mit Blüten- 
hüllen, die der männlichen zweiteilig, die der weiblichen schlauchförmig, un- 
gelappt, in Blütenständen vereint und mehr oder weniger von Hochblättern 
bedeckt. Weibliche Blüten mit geradläufiger Samenanlage. Keimblätter 2, 
Harzgänge fehlend. 

Familie Gnetaceae. Meerträubelfamilie. 

1. Unterfamilie: Ephedroideae. 
Ephedra L. Meerträubel. 

Blüten meist zweihäusig, männliche in einzeln oder zu mehreren stehenden, 
kurzen bis geknäulten Ähren, mit 2 — 8 Staubblättern. Staubbeutel zweifächerig, 
ohne Staubfäden, aber auf stielförmiger Blütenhülle erhoben. Weibliche Blüten 
zu 1 — 3. Samenknospe 1, ihr röhrenförmiger Keimmund (Hals) aus der 
Blütenhülle hervorgestreckt. Frucht von der verfolgenden Blütenhülle um- 
schlossen. Sträucher mit gerillten Ästen von schachtelhalmähnlichem Aussehen. 

Etwa dreißig Arten, in wärmeren gemäßigten Zonen. 

Sektion I. Alatae Stapf. Früchte von freien oder fast freien, fast 
ganz häutigen oder höchstens auf dem Rücken verhärteten, trockenen, am 
Rande flügelartig verbreiterten Hochblättern umschlossen. 

1. Subsektion. Tropidolepides Stapf. Hochblätter auf dem Rücken 
dicklich verhärtet. 

2. Subsektion. Haprolepides Stapf. Hochblätter fast ganz häutig. 

Sektion II. Asarca Stapf. Subsektion. Asarca Stapf. Früchte mit ver- 
härteten, kaum häutig geflügelten Hochblättern, die einzelnen hervorragenden 
Samen an der Basis ganz dicht oder locker umhüllend. 

Sektion III. Pseudobaccatae Stapf. Früchte zu 1—2 von 4—6 ver- 
wachsenen, fleischig und rot werdenden Hochblättern umschlossen, dadurch 
scheinbar beerenartig. 

A. Fleischige Hochblätter der Scheinbeere ohne Hautrand. 

a) Kletternde oder niedergestreckte bis hängende, selten 

aufrechte Sträucher. 
1. Subsektion. Scandentes Stapf. Vegetationszweige zart krautig. 
Blattscheiden in lineale, halbstielrunde Blattflächen auslaufend. Männhche 



32 Erster Teil, Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnetaceen. 

Blüten mit 2 — 6 Staubblättern. Hals der Samenknospe wenigstens anfangs 

gerade. 

b) Aufrechte Sträucher. 

2. Subsektion. Pachycladae Stapf. Kaum über 1 m hoch, mit dicken, 
geraden, sehr starren Zweigen. Männliche Ähren dicht geknäuelt, Knäuel 
oft groß, sitzend. Hals der Samenschuppe gedreht. 

3. Subsektion. Leptocladae Stapf. Niedrig oder mittelhoch, mit meist 
dünnen, meist etwas starren, selten etwas hin und her gebogenen Zweigen. 
Hals der Samenknospe gedreht oder gerade. 

B. Fleischige Hochbläffer der Scheinbeere mit schmalem, aber nicht flügelartig 

vorgezogenem Hautrand. 

4. Subsektion. Antisyphiliticae Stapf. Weibliche Blüten meist zu zwei. 



Zweiter Teil. 



Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- 
Coniferen und Ephedra-Arten. 



Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 



I. Klasse. Ginkgoales. 
Familie Ginkgoaeeae. Ginkgobäume. 

Ginkgo Kaempf. (Amoen. exot. p. 811, 813 cum ic. Salisburia Sm. in Linn. 
Trans. III, p. 330). Ginkgobaum. 

Blüten zweihäusig, männliche in den Achseln der Schuppen einzeln, 
gestielt, ohne Bracteen. Staubfadensäule locker, zylindrisch; Antheren fast 
spiralig dicht gedrängt, auf dünnem Stiele, Fächer 2, an der Spitze des Stieles 
hängend, länglich, fast an der Basis deutlich nach innen aufspringend, mit 
einem über die Fächer hinaus kaum mit sehr kurzem Anhängsel versehenen 
Mittelbande. Weibliche Blüten in schuppiger Knospe einzeln. Samenschuppe 
in der Achsel der Schuppe, von dieser frei, an der Basis in einen langen Stiel 
zusammengezogen, an der Spitze kurz zweispaltig, selten unregelmäßig drei- 
bis sechsspaltig. Lappen in eine Scheibe oder kurze Becherhülle erweitert, 
dem Ei angewachsen. Eichen an jedem Lappen einzeln, sitzend aufrecht. 
Samen steinfruchtartig, an der Basis dem wenig vergrößerten Lappen der 
Samenschuppe angewachsen; äußere Schicht der Schale fleischig-markig, innere 
hart, fast knochenartig; Kotyledonen zwei. 

Baum mit abstehenden Ästen und zwiefach geformten Zweigen; junge, 
nicht blütentragende, oft hängend, mit entfernten, wechselständigen Blättern; 
blütentragende an den Knoten spät entwickelt oder auch endständig dick, sehr 
kurz, nach mehreren Jahren wenig verlängert. Blätter abfallend, Erstlings- 
blätter der unfruchtbaren oder jungen Zweige lang gestielt, fast rhomben- 
fächerförmig, eingeschnitten zweilappig oder unregelmäßig mehrlappig, fächer- 
förmig geädert. Die anderen, achselständigen, im ersten Jahre knospenförmigen, 
dachziegelig-schuppenförmigen Zweigchen tragen ein Bündel Blätter, kleiner 
als die Erstlingsblätter, alsdann alljährlich unterhalb des doppelt quirlständigen 
Blätterbündels dachziegelige, bleibende Schuppen; diese blütentragenden Zweig- 
chen sind im 3. oder 4. Jahre kaum 2 cm lang. Die Blüten erscheinen in 
den Achseln der Schuppen unterhalb der später entwickelten Blätter. Samen 
durch Fehlschlagen oft einzeln, steinfruchtartig, eirund-kugelig, fast 3 cm lang, 
mit einem oft kurzen Stiele. 

1. Ginkgo biloba L. (Mant. II, p. 313, 314 [1771]). Echter Ginkgobaum. 

(Fig. 1 u. 2.) 

Syn. Salisburia adiantifolia Smith in Linn. Trans. III, 330 (1797). 
Ginkgo^) oder Gin an der Chinesen. 
Ichö der Japaner. 



^) Nach Mayr soll Gingkyo, Ginkyo die richtige Schreibweise sein. 



36 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Syn. Arbre aux quarante ecus der Franzosen. 
Maiden-Hair Tree der Engländer. 

In China und Japan kultiviert, zumal auch an Tempeln und um Gräber 
angepflanzt und deshalb als geheiligter, besonderer Baum besonders behütet 
und geschont. Heimat wohl ziemlich sicher China; mächtige Bäume, die nicht 
von Menschenhand gepflanzt sein können, wurden in den herrlichen Wäldern 
an den Quellen des großen Goldflusses und in Szechuen gefunden (Gard., 
Chron. 1905, p. 5). Auch Korea ist als mutmaßliches Vaterland genannt worden. 

Eingeführt im Jahre 1754. 

Baum von über 30 m Höhe mit geradem Stamme, glatter, grauer Rinde 
und pyramidaler Krone. Alte Bäume tragen an Stamm und Ästen eigenartige 
zylindrische, kürzere oder längere, abwärts gerichtete Auswüchse. Äste wechsel- 
ständig oder zerstreut horizontal oder öfter überhängend, Blätter lederartig, 
groß, etwa 10 — 12 cm lang und 6 — 8 cm breit, breit-rhombisch-fächerförmig, 
eingeschnitten zweilappig oder unregelmäßig gekerbt-gelappt. Männliche Kätz- 
chen 25 — 30 mm lang, 6 mm breit. Frucht von unangenehmem, ranzigem 
Geruch, fast 3 cm lang, 24 — 28 mm breit, erst grün, dann gelblich, geröstet zu 
genießen (in China wie in Japan unter dem Namen Pa-Kewo sehr beliebt) 
nd ein gutes Ol liefernd. Nach Kämpfer ist das weiße Holz weich und 
ziemlich wertlos, während Delile es als sehr gut, fein und dicht und dem 
Ahornholz ähnlich bezeichnet; es ist ohne alle Harzgänge. Ginkgo treibt 
Wurzelausschläge und ist befähigt, aus abgeschlagenen Stämmen zahlreiche 
Stockausschläge zu entwickeln. 

Der Ginkgobaum steht in seiner Erscheinung, als eine Pflanzengestalt 
aus längst entschwundenen Zeiten für die Jetztzeit gerettet, als letzter lebender 
Repräsentant einer Gruppe von Bäumen, die noch in der Tertiärzeit über die 
ganze nördliche Hemisphäre verbreitet war, einzig da und ist ein schöner, 
höchst interessanter Baum, der, was die Blattform anbelangt, in der nordischen 
Baumwelt nicht seinesgleichen hat. Derselbe ist ganz hart und nicht wählerisch 
im Boden, denn wir finden in unseren Gärten in leichtem wie schwerem Boden 
alte schöne Bäume, er muß aber stets ganz frei gestellt werden. 

Das schönste Exemplar, was ich in Europa zu sehen Gelegenheit hatte, 
steht im kleinen botanischen Garten zu Mailand, ein herrlicher, kerngesunder, 
männlicher Baum mit mächtiger Krone, von etwa 40 m Höhe bei 1,20 m 
Stammdurchmesser. Bis zu 10 m Höhe ist der Stamm astlos; dicht dabei 
steht ein weiblicher Baum von etwa 17 m Höhe, der jährlich mit Früchten 
bedeckt ist. Auch im Schloßgarten zu Karlsruhe stehen Bäume von 25,50 
bis 30 m Höhe bei 1,90 und 1,80 m Stammumfang beider Geschlechter, so 
daß dort in günstigen Jahren reichlich keimfähige Samen geerntet werden. 
Auch in anderen älteren Gärten findet man in Deutschland stattliche alte Bäume. 

Bei älteren Bäumen hängen oft Wipfel und Äste über. Hat man im 
Garten nicht Bäume beider Geschlechter, so kann man zur Fruchtgewinnung 
Zweige des männlichen Baumes auf den weiblichen oder umgekehrt veredeln. 
Auf diesem Wege gewinnt man in manchen älteren deutschen Gärten keim- 
fähige Samen. 

Man sollte nur Bäume aus Samen erziehen, welcher möglichst bald nach 
der Reife zu säen ist, denn nur so erhält man schöne, schlanke Stämme und 
spitz-pyramidale Kronen. Samenbäume beider Geschlechter zeigen 



I, Klasse, Ginkgoales. 



37 



weder im Wuchs noch in der Belaubung durchgreifende Unter- 
schiede. Aus SteckHngen oder durch Ableger im Freien erzogene Pflanzen 




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Fig. 1. Ginkgo biloba L., junger Baum. 



38 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

ergeben nie regelmäßige, sondern meist schiefe, unschöne Exemplare. Diese 
Art der Vermehrung wird nur angewendet bei den nachfolgenden Formen, 
die nicht durch Samen, sondern nur auf ungeschlechtlichem Wege echt fort- 
zupflanzen sind. Exemplare solcher Abstammung haben auch die falsche 
Angabe verursacht, daß sich männliche und weibliche Bäume schon am 
Wuchs unterscheiden ließen; dem ist aber nicht so, denn wir finden von 
beiden Geschlechtern unschöne, unregelmäßige Exemplare und tadellose, nor- 
male, äußerlich nicht unterscheidbare Samenbäume. Man macht holzige Steck- 




Fig. 2. Ginkgo biloba L. i Kurztrieb mit männlichen Blütenständen; 2, 3 Staubblatt; 4 weibliche 

Blüte; 5 Frucht; 6 Samen; 7 Längsschnitt durch den Samen; 8 Querschnitt durch den Samen. 2, 3 

und 4 vergr., alle anderen nat. Größe. 

linge Ende Sommer, oder auch von jungen Trieben Anfang Sommer im 
Kasten, veredelt auch auf die Art durch Kopulieren und Pfropfen vor dem 
Austreiben im Frühjahr im Vermehrungshause. Sehr billig bezieht man kräftige 
Sämlinge aus südeuropäischen Baumschulen, welche bis zur Erstarkung in 
kalten Wintern leichten Schutz erhalten. 



Wuchsformen. 
Ginkgo biloba pendula hört. 

Syn. Salisburia adiantifolia pendula bort. 

Eine Form mit mehr oder minder überhängenden oder schirm- 
förmig ausgebreiteten Ästen, welche sich eigentümlich ausnimmt, entweder 



II. Klasse. Coniferae. 39 

ganz freistehend, am besten möglichst hoch veredelt, oder über Stangengerüst 
laubenartig geheftet, selbst an Wände geheftet und diesen dann einen ganz 
eigenartigen frischgrünen Schmuck verleihend. 

Wir finden sehr alte Exemplare dieser Form in den Gärten. 

Ginkgo biloba fastigiata Fröbel. 

Eine spitz-pyramidale bis Säulenform, mit aufstrebenden Ästen; eine 
auffallende Erscheinung, für Kontraste geeignet. 

Abweichende Belaubung. 
Ginkgo biloba laciniata hört. 

Syn. Salisburia macrophylla Reynier. 

„ adiantifolia laciniata Carr., Conif. I, ed. 504. 

„ „ macrophylla Gord. Pin. 299. 

„ „ „ incisa hört. 

„ „ dissecta hört. 

Diese Form unterscheidet sich von der Art durch weit größere, in 2, 
3, auch 5 Hauptlappen zerteilte und oft noch wieder mehrfach unregelmäßig 
zerschlitzte Blätter. 

Abweichende Blafffärbung. 
Ginkgo biloba variegata hört. 
Syn. Salisburia adiantifolia variegata hört. 
Eine etwas empfindlichere Form mit goldgelb gestreiften Blättern. 

Ginkgo biloba aurea Mast. (List of Conif. and Taxad. p. 34). 

Eine Form mit goldgelber Belaubung. 

Die Japaner kultivieren auch in Töpfen künstlich erzogene Zwerge von 
Ginkgo, welche als 50 — 100jährige Pflanzen nur eine Höhe von 50 — 60 cm 
haben und als Erzeugnisse der in diesem Fache eine unglaubliche Geschick- 
lichkeit entwickelnden japanischen Gärtner besonders hochgeschätzt und be- 
zahlt werden. 



II. Klasse. Coniferae. 

Familie Taxaceae. Eibenfamilie. 

1. Unterfamilie: Podocarpeae. Steineiben. 

Blüten zweihäusig oder selten an verschiedenen Zweigen einhäusig. 
Männliche Kätzchen endständig oder oft achselständig. Antherenfächer 2, 
dicht anstehend, angewachsen. Schuppen des weiblichen Kätzchens sehr 
wenige oder mehrere, oft fleischig, spiralförmig zusammengedrängt. Eichen 
1, von der Spitze der Schuppe oder der Samenschuppe her umgewendet. 
Samenschuppe sitzend oder gestielt, bald dem Ei, bald der Schuppe angewachsen. 

Immergrüne Bäume oder Sträucher. 



40 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Podocarpus L'Her. (H. B. et Kth., Nov. Gen. et Spec. II, 2, t. 97). 
Steineibe, Fußfrucht. 

Blüten ein- oder zweihäusig, männliche einzeln, entweder gehuschelt zu 
2 — 5 oder mehr längs der länglichen Spindel, locker ährenförmig, je eine 
von wenigen kleinen dachziegeligen Bracteen eng umgeben. Staubfadensäule 
zylindrisch-länglich und dicht oder seltener kürzer und locker oberhalb der 
Bracteen sitzend oder gestielt. Antheren spiralig gedrängt sitzend, Fächer 
zwei, parallel angewachsen, nach außen gerichtet oder fast seitlich zweiklappig, 
durch das Mittelband über die Fächer hinaus in ein kleines zugespitztes An- 
hängsel verlängert. Weibliche Blüten gewöhnlich einzeln oder seltener zu 
zweien, durch die blütentragende Bractee und die wenigen inneren, leeren 
Bracteen dem Blütenstiel angewachsen und mit demselben sozusagen einen 
länglichen, oft fleischig-saftigen Fruchtboden bildend, jedoch von den Spitzen 
der Bracteen oder den 1^ — 2 unten befindlichen kleinen Bracteen frei; seltener 
mehrere Blüten längs des Stieles entfernt ährenständig, mit kleinen Bracteen. 
Samenschuppe durch die blütentragende Bractee gestielt eiförmig, fleischig, 
das einzige umgewendete Eichen einschließend und demselben fast bis 
zur Spitze angewachsen. Frucht über dem Fruchtboden öfter kurz gestielt, 
kugelig oder eirund, Steinfrucht- oder nußartig mit einer äußeren (von der 
Samenschuppe gebildeten) fleischigen oder saftlosen Lage und einer inneren, 
erhärteten Samenschale von allen Seiten eingeschlossen. Embryo dünn, in 
fleischigem Eiweiß mit 2 Kotyledonen. 

Hohe, immergrüne Bäume, seltener Sträucher. 

1. Podocarpus chinensis Wall. (List. n. 6051 [1828]). 
Chinesische Steineibe. 

Syn. Taxus chinensis Roxb., Hort. Beng. p. 73 (1814). 

Juniperus chinensis Roxb., Fl. ind. orient. III, p. 840 (1832). 
Podocarpus macrophylla ß, Maki Sieb. (1844). 

Makoya Forb., Pin. Wob. p. 218 (1839). 
„ Makoyi hört., Lov. Blume. Rumph. III, 216. 

„ Maki Sieb, et Zucc, Fl. Jap. t. 134. 

Sin-Koja-Maki, Ken-sin der Chinesen. 
Inu-Maki der Japaner. 
In China und Japan kultiviert. 

Kleiner Baum oder Strauch, der in unseren Kulturen reichlich Früchte 
ansetzt, mit geradem Stamm und aschgrauer Rinde, mit zahlreichen kurzen, 
zerstreuten oder fast quirlständigen Ästen. Zweige zahlreich, etwas eckig, 
grün. Blätter dicht und zerstreut stehend, 4 — 8 cm lang, 4 — 6 mm breit, 
gerade abstehend, lederartig, lineal-lanzettlich, spitz, am Grunde verschmälert 
und etwas gedreht, am Rande etwas umgerollt, oben bräunlich-grün mit 
stumpf vorstehenden Längsnerven, unten blaßgrün, an jungen Blättern blaugrün. 
Frucht 9 — 10 mm lang, 7 — 8 mm breit, auf einem 10 — 12 cm langen, 7 — 8 mm 
breiten, dunkelvioletten Fruchtboden. 

Nur in den mildesten Lagen Deutschlands überdauert diese Art den 
Winter unter Decke. Sie erfriert noch in Paris und wird in England selten 
kuliviert. 



II. Klasse. Coniferae. 41 

2. Podocarpus macrophylla Don. (in Lamb. Pin. ed. 2, p. 123 [1824]). 
Großblättrige Steineibe. 

Syn. Taxus macrophylla Thunb., Fl. Jap. p. 276 (1784). 
Maki, Hon-Maki, Kusa-Maki der Japaner. 

In Japan bei Nagasaki häufig, bei Tokio, bei Yokoska und in Yunnan (China). 

Etwa um das Jahr 1804 in Europa eingeführt. 

Baum von 12 — 15 m Höhe mit geradem Stamm und aschgrauer Rinde, 
sehr dicht beästet, mit gedrängt stehenden, aufstrebenden Zweigen. Blätter 
zerstreut und abstehend, lederartig, gerade oder etwas sichelförmig, lanzettlich, 
kurz zugespitzt, oberhalb glänzend grün, wie lackiert, mit vorstehendem Mittel- 
nerv, unten blaßgrün, 6 — 10 cm lang, 7 — 9 mm breit. Früchte eirund, glatt, 
von der Größe einer Erbse, der Fruchtboden von zwei borstigen, abstehenden 
Bracteen gestützt. 

Nach Thunb erg soll das weiße Holz außerordentlich dauerhaft sein und 
nie von Insekten angegriffen werden. 

Auch von dieser Art erziehen die Japaner die öfter erwähnten künstlichen 
Zwergformen in Töpfen, welche bei einem Alter von 50 — 100 Jahren Kugel- 
formen von nur 50 — 60 cm Höhe darstellen. 

Diese Art dauert nur in den wärmsten Lagen Deutschlands unter Decke 
aus. Sie erfriert noch bei Paris, entwickelt sich aber in England in ge- 
schützten Lagen zu schönen Pflanzen. 

3. Podocarpus alpina R. Br. (ex Mirb. in Mem. du Museum 13, p. 75 [1825]). 

Alpen-Steineibe. 

Syn. Podocarpus Totara Don. alpina, Carr., Conif. d. 652 (1867). 

Auf Gebirgen des südöstlichen Neuhollands, Alpen Viktorias, Gebirge 
Tasmaniens, auf dem Berge Wellington, auf dem Malborough-Plateau, dem 
West-Gebirge in einer Höhe von 1000 — 1400 m vorkommend. 

Buschiger, dichtzweigiger Strauch von ca. 4 m Höhe mit abstehenden 
Ästen. Blätter zerstreut, dichtstehend, oder fast zweizeilig abstehend, leder- 
artig, gerade oder leicht sichelförmig, klein, 5—16 mm lang, 2 mm breit, lineal 
oder lineal-länglich stumpf, scharf gespitzt, an der Basis in einen etwas ge- 
drehten Stiel verschmälert, oben mit einer Längsfurche versehen. Frucht 
klein, auf fleischigem Stiele, an der Spitze ungleich schief zweispaltig. 

In unseren Kulturen ein dicht bezweigter, dunkelgrüner Busch mit auf- 
fallend kleinen Blättern, der sich ziemlich widerstandsfähig zeigte, z. B. im 
dendrologischen Garten der Forstakademie in Münden in Hann. nach Zabel 
normale Winter überdauerte. 

Die Podocarpus können für Deutschlands Klima kaum noch alsFreiland- 
Coniferen betrachtet werden, denn jeder härtere Winter tötet sie oder nimmt 
ihnen doch jeden Zierwert; nur deshalb, weil in besonders geschützten Lagen 
hier und da eine der hier beschriebenen Arten unter Decke ausdauerte, führte 
ich obige drei auf, die allenfalls für die wärmsten Lagen Deutschlands ein 
Gedeihen versprechen, jedoch kaum je Pflanzen von wirklichem Zierwert 
liefern dürften, sondern eben nur für Sammlungen Interesse haben. 

Die Vermehrung geschieht durch importierten Samen, durch Stecklinge 
im Herbst im Vermehrungshause oder durch Veredelung (Anplatten) der 



42 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

seltneren Arten auf eine Art, die gerade vorhanden ist oder leicht durch 
Samen oder Stecklinge herangezogen werden kann. Nie sollte man Taxus 
baccata als Unterlage wählen, da diese durchaus ungeeignet ist, wie auch 
Carriere ausdrücklich betont in Conif. S. 682, 

Die anderen zahlreichen, teils recht schönen und dekorativen Podocarpus 
verlangen die Kultur im Kalthause, selbst manche die im temperierten Hause. 

4. Podocarpus andina Popp. Mscr. Steineibe der Anden Chiles, 
Pflaumen- oder Kirschfrüchtige Eibe. 

Syn. Taxus spicata Dombey msc. ex Mirb. in Mem. du Mus. XIII, p. 76. 
Podocarpus spicata Popp., Nov. Gen. et spec. III, p. 18. 
Prumnopitys elegans Philip, in Linn. 30, p. 371 (1859). 
Lleuque der Chilenen. 
Plum-fruited Yew der Engländer. 
In den südlichen Anden Chiles in einer Erhebung von 1300 m vor- 
kommend und im Jahre 1860 in Kultur eingeführt, kann für Deutschland nicht 
mehr als Freiland-Conifere angesehen werden. Sie bildet als harte Topf- 
Dekorationspflanze bei uns zierliche, säulenförmig aufstrebende, feinzweigige 
Pflanzen und verdient als solche Verwendung. 

Sie dauert in geschützten Lagen in England aus, nach Carriere auch 
in Cherbourg. 

5. Saxegothaea conspicua Lindl. (in Paxt. Flow. Card. 1851 — 52, p. 111). 
Ansehnliche patagonische Eibe oder Mahin. 

Syn. Prince Alberts Yew der Engländer. 

In Valdivia und auf Chiloe öfter in feuchten Hainen wachsend, auch in 
den Anden Patagoniens vorkommend. ' 

Im Jahre 1847 durch Lobb in Europa eingeführt. 

Auch diese Pflanze ist für Deutschland nicht mehr als Freiland-Conifere 
zu betrachten, erfriert noch in Paris, ist selbst in England nur leidlich hart 
und nach Veitch von langsamem, unregelmäßigem Wuchs. Als solche tritt 
sie auch in unseren Kulturen auf, stellt einen buschigen, der Eibe ähnlichen 
Strauch von hellerem Grün mit mehr oder minder deutlich zweizeilig gestellten, 
sichelförmigen, unterseits blaugrünen Blättern dar. Sie bietet lediglich wissen- 
schaftliches Interesse und verdient sonst in dekorativer Hinsicht die Kultur nicht. 

2. Unterfamilie: Taxeae. Eibengewächse. 

Blüten zweihäusig oder selten einhäusig, männliche an kurzen Zweigen 
achselständig Antheren 2 — 8, hängend, fast kugelig, einfächerig, der Länge 
nach aufspringend. Schuppen der weiblichen Blüten dachziegelförmig, alle, 
ausgenommen die endständige, unfruchtbar oder mehrere fruchtbar. Samen- 
schuppe von der Bractee frei, sitzend oder lang gestielt, an der Spitze voll- 
kommen oder unvollkommen, ringförmig oder gebechert, oder das Eichen 
einhüllend. Eichen auf der Schuppe oder in jeder Abteilung der Schuppe 1, 
aufrecht. 

Immergrüne, sehr verzweigte Bäume oder Sträucher. 



IL Klasse. Coniferae. 43 

Taxus Tourn. (Inst. p. 362). Eibenbaum. 

Blüten zweihäusig, männliche in den Achseln einzeln, fast sitzend, von 
einigen schuppenförmigen, dachziegeligen Bracteen umgeben. Staubfadensäule 
kurz gestielt, kreisel-kugelförmig. Antheren 5 — 8, vor dem Aufspringen fast 
kugelig, nachher flachgedrückt, vier- bis sechsfurchig, mit kurzem Stiele. Fächer 
4 — 6, um die Spitze des Stieles herum verwachsen, unterhalb nach einwärts 
aufspringend; entleerte Antheren fast schirmförmig, vier- bis sechslappig, mit 
einem Mittelbande ohne Anhängselchen oder inmitten der Anthere kaum sehr 
kurz stachelspitzig. Weibliche Kätzchen achselständig sitzend, einblütig (oder 
sehr selten zweiblütig), mit mehreren tauben, breiten, enge dachziegeligen 
Schuppen, die oberen stufenweise größer, fast in ein Näpfchen zusammen- 
gedrängt. Samenschuppe innerhalb der obersten Schuppe, von dieser frei, 
während der Blüte ringförmig, kaum hervorragend, bald vergrößert, gebechert, 
abgestutzt, nachher länger als der Samen. Eichen 1, innerhalb der Samen- 
schuppe aufrecht. Der reife Samen eirund-kugelig, durch die vergrößerte, 
fleischig -breiige, beerenförmige, an der Spitze abgestutzte Samenschuppe 
(Samenmantel oder arillus) fast bis zur Spitze oder gänzlich eingeschlossen, 
von derselben dennoch, außer an der Basis, frei. Schale hart, fast holzig. 
Kotyledonen 2. 

1. Taxus baccata L. (Spec. pl. 1472 [1753]). Gemeiner Eibenbaum, 
Eibe, Taxusbaum, Taxbaum. (Fig. 3 u. 4.) 

Syn. nach Pari.: 

Taxus nucifera Wall., Tent. Fl. nep. 44, t. 57 exkl. Syn. 
„ virgata Wall. pl. exsicc. 
„ nepalensis Jacqem. pl. exsicc. 

„ WalHchiana Zucc. in Abhandl. d. math. phys. Kl. d, bayer. 
Akad. III, p. 803, t. 5. 
If commun der Franzosen. 
Common Yew der Engländer. 

In Europa, dem Kaukasus, Armenien, Nord -Afrika, im Himalaya, in 
China (in Hupeh, Shensi, Szechuen) und Japan und im westlichen Nord- 
Amerika vorkommend. 

Baum von 12 — 20 m Höhe und über 1 m Durchmesser, mit rundlicher 
Krone, in Kultur oft Strauch. Stamm mit rötlicher, in Blättern sich lösender 
Rinde bekleidet. Äste zerstreut, abstehend, Zweige kurz, etwas hängend, 
Blätter 18 — 28 mm lang, 2 — 2^/2 mm breit, immergrün, nicht abwechselnd und 
zweizeilig gestellt, lineal sichelförmig, flach zugespitzt, kurz stachelspitzig, an 
der Basis mit kurzem Stiel, etwas gedreht, oben glänzend schwarzgrün, unten 
beiderseits des Längsnerven matt blaßgrün. Früchte an kurzen Zweigen, ab- 
stehend oder etwas überhängend, 8 — 12 mm lang und breit, Fruchtbecher fast 
kugelig, rot, mit süßem, klebrigem Safte. Samen eirund zugespitzt, olivenbraun, 
punktiert, in knochenharter Schale. 

Ein schöner, höchst wertvoller Baum oder Strauch, welcher in der Land- 
schaft durch gefälligen Wuchs und dunkelgrüne Färbung besonders wirkungs- 
voll ist, zumal aber im Winter und wenn er mit roten Früchten dicht besetzt 
ist. Aus Samen erzogen, bildet er schöne Bäume und sollte so weit mehr 



44 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

angepflanzt werden, wie es jetzt der Fall ist; auch von forstlicher Seite im 
Mischwalde verdient er mehr Schonung, Beachtung und Neuanpflanzung beider 




i 



Geschlechter, da die alten malerischen Exemplare mit dicken, knorrigen 
Stämmen und oft enormer Kronenausdehnung leider immermehr ver- 



II. Klasse. Coniferae. 



45 



schwinden.^) Das langsame Wachstum des Eibenbaumes ist sicher mit ein 
Grund für seine spärHche Verwendung zu Nutzpfianzungen, da an einen 
Ertrag so bald nicht zu denken ist; er liefert übrigens ein außerordentlich 
hartes, schweres und dauerhaftes, rötliches Holz. Er wächst in jeder Lage 




Fig. 4. Taxus baccata L. 1 Zweig mit männlichen Blüten; 2 Zweig mit weiblichen Blüten; 3 Zweig 

mit junger und reifer Frucht; 4 männlicher Blütenstand; 5 männliche Blüte von oben; 6 dieselbe von 

unten; 7 weibliche Blüte; 8 weibliche Blüte im Durchschnitt; 9 Längsschnitt durch die reife Frucht 

mit dem Samenmantel; 10 Blatt; 11 Blattdurchschnitt. 4—11 vergr. 



^) Jeder, der dazu Gelegenheit findet, sollte den Anbau dieses schönen, immergrünen 
Baumes wieder fördern helfen. Da hier nicht der Raum ist, auf Einzelheiten einzugehen, wolle 
man darüber die interessanten Schriften: „ Fried r. Jännicke, Die Eibe, natur- und kultur- 
wissenschaftlich betrachtet", 42. Jahresbericht des Offenbacher Vereins für Naturkunde, 1901, und 
„Die Eibe, ein aussterbender Waldbaum", Conwentz, Abhandl. zur Landeskunde der Provinz 
Westpreußen Heft III, Danzig, nachlesen. 



46 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

und in jedem Boden, liebt Schatten und ist daher auch als Unterholz sehr 
schätzbar. Man sollte ihn, wie auch die nachstehenden Formen, stets frei- 
stellen, bildet aber auch von ihm dichte Gebüsche, die den Vögeln Schutz 
und Brutstätten gewähren; trefflich ist er zu Hecken, und alte regelmäßige 
Gärten liefern uns den Beweis, zu welchen verschiedenen Formen und künst- 
lichen Figuren der Eibenbaum sich durch Schnitt erziehen läßt. 

In sehr ausgesetzten und in rauhen Lagen leidet der Eibenbaum bei 
andauernden Kahlfrösten und scharfen, ausdörrenden Winden im Winter 
oft stark an den Blättern, so daß diese zum Teil sich bräunen und die Pflanzen 
für längere Zeit verunzieren; sogar als Unterholz findet man beschädigte 
Pflanzen. 

Die grünen Pflanzenteile zeigen scharf giftige Eigenschaften und werden 
zumal den Pferden, Eseln und dem Rindvieh gefährlich, welche, wenn sie 
davon fressen, oft plötzlich zusammenbrechen und verenden, man sollte deshalb 
mit der Anpflanzung an Stellen, wo Auffahrten und Haltestellen für Fuhr- 
werke sind, vorsichtig sein. Die roten Fruchthüllen zeigen dagegen, wie oft 
irrigerweise angegeben wird, keine giftigen Eigenschaften, werden oft von 
Kindern gegessen und wirken, nur wenn zu reichlich genossen, abführend. 

Wuchsformen. Säulenformen. 
Taxus baccata fastigiata Loud. (Encycl. of Trees 939, f. 1751). 
Irländischer oder Säuleneibenbaum. 
Syn. Taxus baccata hibernica hört. 

„ fastigiata Lindl. et Gord., Journ. Hort. Soc. V, 227. 
„ hibernica Hook., Mack. Fl. hybern. 260. 
„ pyramidalis hört. aliq. 
If d'Irlande der Franzosen. 

Irish Yew, Florence Court Yew der Engländer. 
Äste zahlreich, sehr dicht und steif aufrecht, wenig verzweigt, Blätter 
zerstreut, dicklich, lang zurückgerollt, oben abgestumpft, tief dunkelgrün, rings 
um den Zweig gestellt. Die Blattstellung entspricht ganz der von jungen 
Samenpflanzen. Diese Säulenform ist demnach als eine fixierte Jugendform 
zu betrachten, welche aus einem eigentümlichen Sämlinge zufällig erzeugt 
wurde. Eine sehr auffallende, eine schwarzgrüne Säule bildende, in älteren 
Exemplaren sich mehr breit auseinanderlegende Form, welche in Irland im 
Gebirge von Fermanagh bei Florence Court nach Loudon im Jahre 1780 wild 
gefunden wurde und daher den Namen hibernica (irländisch) erhielt,^) und 
zwar war es eine weibliche Pflanze, welche als Mutter der unzähligen, über 
die Welt verbreiteten Exemplare dieser Form zu betrachten ist, und welche, 
um sie echt fortzupflanzen, stets durch Stecklinge vermehrt wurde. Es sind 
an dieser Form auch männliche Blüten beobachtet worden, wie denn 
monözische Blüten sowohl an normalen Taxus wie an anderen Formen der- 
selben auch nachgewiesen worden sind. 

Diese sehr abweichende Form zeigt sich leider in rauhen Lagen 
empfindlich und verlangt geschützten, halbschattigen Standort. Sie ist sehr 
langsam von Wuchs, befähigt, starke Kontraste hervorzubringen, und als 



■•) Die genaue Geschichte der Entstehung findet sich in Gardeners Chronicle 1873, S. 1336. 



II. Klasse. Coniferae. 47 

Säulenform für regelmäßige Gartenanlagen, für Gräberschmuck etc. geeignet 
und, zumal reich mit roten Früchten besetzt, äußerst zierend. 

Sämlinge dieser Form gehen in Wuchs und Blattstellung zur Art zurück 
oder bilden teils Zwischenformen, wie solche auch unter den weiter be- 
schriebenen Formen aufgeführt sind. 

Unferformen der Säuleneibe. 
Taxus baccata fastigiata aurea Stand. 

Syn. Taxus fastigiata aurea hört. 
„ hibernica aurea hört. 

Eine Form der Säuleneibe, von fast rein goldgelber Färbung, 
deren Blätter nur noch mit einem grünen Streifen gezeichnet sind, auffallend, 
aber empfindlicher als die grüne Form. Für milde Lagen als ein besonderer 
Schmuck zu empfehlen. 

Taxus baccata fastigiata aureo-variegata hört. 

Syn. Taxus fastigiata aureo-variegata hört. 
„ hibernica aureo-variegata hört. 

Eine hübsche, goldbunte, beständige Form der Säuleneibe, von 
gleich üppigem Wuchs wie die grüne Form, welche sich an manchen 
Orten in harten Wintern als besonders widerstandsfähig gezeigt hat. An 
verschiedenen Orten in Kultur gewonnen, gibt es wertvolle und gering- 
wertigere Formen. 

Taxus baccata fastigiata aureo-variegata compacta hört. 

Syn. Taxus baccata fastigiata Standishii bort. 

Eine Form der vorigen, von dichtem, gedrungenem Wuchs, schwach- 
wüchsig, aber von leuchtend goldiger Färbung. 

Taxus baccata fastigiata argenteo-variegata hört. 

Syn. Taxus fastigiata argenteo-variegata hört. 
„ hibernica argenteo-variegata bort. 
Weißbunte, empfindlichere Form; die bunte Zeichnung ist über die 
ganze Pflanze verbreitet und auch die jungen Triebe erscheinen weißlich. 

Taxus baccata fastigiata aureo-marginata Fisher. 

Eine gleichfalls schöne, üppige Form mit goldgerandeten Blättern, 
aber im Gegensatz zu den vorstehenden Formen eine männliche Pflanze, 
welche von den Herren Fisher Son und Sibray in Handsworth (Sheffield) 
als Sport an einer sehr alten, unter dem Namen T. b. pyramidalis aureo-marg. 
lange bekannten, ebenfalls männlichen Pflanze gefunden wurde. Da somit 
beide Geschlechter von der Säuleneibe vertreten sind, sollten durch gegen- 
seitige Bestäubung, bei strengem Ausschluß von Bestäubung durch normale 
Taxus, Versuche angestellt werden, um Sämlinge derselben zu gewinnen und 
festzustellen, ob auch dann noch Rückschläge unter den Sämlingen zur nor- 
malen Eibe vorkommen. 



48 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Taxus baccata fastigiata nova hört. 

Eine in Forsteck bei Kiel bei einer Aussaat gewonnene Form, welche 
sich von der irländischen Pflanze durch etwas schnelleren, sehr schlanken, 
kräftigeren Wuchs, tief dunkelgrüne, weniger bläuliche, etwas feinere Belaubung 
und durch völlige Winterhärte auszeichnet. Sie litt in harten Wintern 
niemals, während die irländische Eibe bis zum Boden abfror. Sie wäre also 
besonders schätzbar für rauhere Lagen. 

Sämlinge der Fasfigata^Form und Übergangsformen. 
Taxus baccata columnaris Carr. (Conif. 2. ed. p. 738 [1867]). 
Diese Form bildet eine schmale, dichte Säule. Zweige sehr zahl- 
reich und aufrecht. Blätter klein, goldbunt gestreift. Es ist dies ein eigen- 
tümlicher Sämling von T.. baccata fastigiata. 

Taxus baccata Cheshuntensis Gord. (Pin. Suppl. 98 [1862]). 

Eine Form, welche aus Samen von T. baccata fastigiata gewonnen wurde, 
sich durch schlanken, aufstrebenden Wuchs und durch schmalere, dicht und 
rings um die Zweige gestellte, auffallend blaugrüne Blätter auszeichnet. 

Taxus baccata glauca Carr. (Conif. 2. ed. 735 [1867]). 

Syn. Taxus baccata subglaucescens Jaques. 
„ „ nigra hört. angl. 

„ „ Blue John hört. angl. 

Eine der vorigen im Wuchs sehr ähnliche Form, aber größer und üppiger 
von Wuchs. Blätter länger und schmaler als bei der Art, an seitUchen Zweigen 
oft sichelförmig gebogen; durch die dunkle bläuliche Färbung eine auf- 
fallende, dekorative, in England gewonnene Form. 

Taxus baccata Nedpath Castle hört. 
Syn. Taxus baccata Niopath hört. 
„ „ Nedpati hört. 

Eine Form von breit säulenförmigem Wuchs, mit langen, aufstrebenden 
Zweigen und feinen, blaugrünen Blättern, in größeren Exemplaren recht 
dekorativ. 

Taxus baccata compressa Carr. (Conif. 2. ed. p. 738). 
Ebenfalls ein Sämling von T. baccata fastigiata, der einen schmalen, 
kegelförmigen Busch bildet, mit dünnen, sehr zahlreichen, steif auf- 
strebenden Zweigen, gelblicher Rinde und zerstreut stehenden, ziemlich 
kurzen, hellgrünen Blättern. 

Taxus baccata intermedia Carr. (Conif. 1. c.) 
Auch ein SämHng von T. baccata fastigiata, eine üppige Pflanze von 
pyramidaler, kandelaberartiger Form, mit ziemlich weit gestellten, dicken, nicht 
sehr zahlreichen, steif aufstrebenden Ästen und wenigen sehr kurzen Zweigen, 
mit gelblicher Rinde; Blätter weit und zerstreut stehend, gestielt, gerade, 
leicht gebogen, in eine rötliche Spitze auslaufend. 



II. Klasse. Coniferae. 49 

Aufstrebende Formen. 
Taxus baccata pyramidalis hört. 

Syn, Taxus pyramidalis hört. 

Eine üppig aufwachsende, schöne, breit-pyramidale, dicht bezweigte, 
harte Form, welche Empfehlung verdient. Es gibt von derselben eine Form 
mit goldgeränderten Blättern: 

Taxus baccata pyramidalis aureo-marginata. 

Taxus baccata erecta Loud. (Encycl. of Trees 940). 

Syn. Taxus erecta hört, 
„ stricta hört. 

„ baccata Crowderi hört, (ex Gord. Pin. Suppl. 98). 

Ein buschiger Strauch mit zahlreichen, schlanken, aufrechten Ästen 

und feinen, aufstrebenden Zweigen. Blätter dunkelgrün, zerstreut, viel schmaler 

und kürzer als bei der Art. Sehr empfehlenswerte Form, die zugleich in 

Menge ein feines Grün liefert und sich als besonders winterhart bewährt hat. 

Taxus baccata erecta glauca hört. 

Eine blaugrüne Form der vorigen. 

Taxus baccata erecta aureo-variegata hört. 

Eine zierliche, hellgelb-bunte Form. 

Taxus baccata erecta semper aurea hört. 

Syn. Taxus baccata erecta lutea nova hört. 
Eine schöne, beständige, goldgelbe Form. 

Taxus baccata Mac Nabiana hört. angl. 

Eine Form von aufstrebendem Wuchs, mit zierlicher, dichtstehender Be- 
laubung. 

Taxus baccata imperialis hört. 

Syn. Taxus imperialis hört. 

Eine schöne, schlank aufstrebende Form mit ziemlich kleinen, 
schmalen, lebhaft grünen Blättern. 

Überhängende Bezweigung. 
Taxus baccata Dovastonii Carr. (Rev. hört. 1861, p. 175, mit Abbild.). 
Syn. Taxus pendula hört. 

„ Dovastonii hört. 
„ umbraculifera hört. 

„ cuspidata Sieb, et Zucc. variet. C. Koch, Dendr. II, S. 97. 

Cephalotaxus umbraculifera Sieb, (in Endl., Syn. Conif. 239 [1847]). 

Dovaston- oder Westfeiten Yew der Engländer. 

Eine vorzüglich dekorative Form, zumal wenn sie mit aufstrebendem 

Mittel trieb versehen ist und so mit quirlförmigen, überhängenden Ästen, 

dazu reich mit Früchten besetzt, die zwischen den schwarzgrünen, meist etwas 

sichelförmig gebogenen Blättern sich prächtig ausnehmen, eine besonders 

Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 4 



50 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

auffallende Erscheinung bildet. — Zu einer guten Entwickelung bedarf diese 
Form viel Platz und sollte daher stets ganz frei gestellt werden. Oft tritt 
sie ohne Mitteltrieb, durch Stecklinge von Seitentrieben vermehrt, als breit 
sich ausdehnender Busch mit überhängenden Zweigen auf, setzt 
leicht Früchte an und ist auch so an Abhängen und zwischen Felsen schön. 
Eine oft verkannte Pflanze, welche auch fälschlich einheimisch in 
Nordchina und auf Bergen Japans genannt wird; dem ist jedoch nicht so, 
denn Loudon gibt in Arb. et Frut. IV, p. 2082 an, daß die Mutterpflanze 
von T. Dovastonii in England zufällig in Kultur gewonnen wurde. In Garden. 
Chron. 1900, p. 147 wird dieselbe abgebildet und genau die Geschichte ihrer 
Entstehung gegeben. Mr. JohnDovaston in Westfeiten bei Shrewburg fand 
die Pflanze. Dieselbe bildet jetzt ein Prachtexemplar mit elegant über- 
hängender Bezweigung, hat eine Höhe von 37 Fuß bei i^/., Fuß über dem 
Boden gemessen, 9 Fuß Stammumfang und ein Alter von etwa 123 Jahren. 
Sie gehört daher, wie auch andere sehr abweichende Formen, bestimmt 
zu T, baccata, da Sämlinge von ihr meist wieder die gewöhnliche Eibe 
ergeben, wenn auch manche Sämlinge mehr oder minder ihre Eigentümlichkeit 
bewahrten, wie viele Aussaaten an verschiedenen Orten unwiderleglich bewiesen 

haben. 

Taxus baccata Dovastonii aureo-variegata hört. 

Syn. Taxus baccata pendula aureo-variegata hört. 

Eine goldbunte Form der vorigen, gleichfalls entweder mit auf- 
strebendem Mitteltrieb und überhängenden Seitenästen oder als Busch niedrig 
und dann mit den Ästen sich weit über den Boden ausbreitend, durch be- 
ständige goldbunte Färbung auffallend, auch hoch veredelt schirmförmige 
Hängebäumchen bildend und so als Schaustück sehr schön. 

Taxus baccata horizontalis Knight. (Syn. Conif. 52 [1850]). 

Syn. Taxus horizontalis hört 
„ disticha Wendr. 

Eine interessante, auffallende Form mit aufstrebendem Gipfeltrieb und 
quirlständigen, ausgebreiteten, weitgestellten, an der Spitze aufgebogenen 
Asten. Blätter weitstehend, oft sichelförmig zurückgerollt, oberseits gekielt. 

Taxus baccata gracilis pendula hört. 

Syn. Taxus baccata pendula hört. 

Besonders zierliche, empfehlenswerte Form mit aufstrebendem Gipfel- 
trieb und quirlständigen, leicht überhängenden Asten. Eine reizende, 
elegante Erscheinung, ganz frei zu stellen. 

Taxus baccata pendula gratiosa Overeynder. 
Eine üppige, schöne Hängeform, welche noch zierlicher in der Be- 
zweigung wie die eben genannte, einer Trauerweide ähnlich herabhängt. 
Auch sie bildet, ganz frei auf Rasen, einen prächtigen Schmuck. 

Taxus baccata recurvata Carr. (Conif. 2. ed. 737 [1867]). 
Syn. Taxus recurvata Laws. ex Gord. Pin. 313. 

Eine sehr charakteristische Form mit lang ausgebreiteten, öfter über- 
gebogenen Asten und zurückgekrümmten Blättern. 



II. Klasse, Coniferae. 51 

Taxus baccata Jacksonii Gord. (Pin. Suppl. 99, 1862). 

Syn. Taxus Jacksonii hört. 

Eine Form mit ausgebreiteten, an den Spitzen leicht übergebogenen 
Ästen. Zweige zahlreich, kurz, schief, öfter übergebogen; Blätter sehr dicht- 
stehend, ziemlich breit, sichelförmig einwärts gekrümmt, hellgrün. 

Abweichende Belaubung. 
Taxus baccata cuspidata Carr. (Conif. 2. ed. 733 [1867]). 

Syn. Taxus baccata Thunb., Fl. Jap. 275 (1784). 

„ cuspidata Sieb, et Zucc, Fl. Jap. t. 128, Fam. Nat. II, 108 (1842). 
Ichii, Araragi der Japaner. 
Japanese Yew der Engländer. 
If du Japon der Franzosen, 1852 eingeführt. 

In Japan heimisch, häufig in der Provinz Hida, öfter Strauch- als 
baumartig im Laubwalde eingesprengt, auf der Insel Eso kultiviert, von Maxi- 
mowicz bei Yokohama und in der südöstlichen Mandschurei beobachtet, noch 
im rauhen Klima des Hochgebirges gedeihend und ein außerordentlich hartes, 
elastisches, wohlriechendes, feinmaseriges, rotes und zur Möbelfabrikation 
geschätztes Holz liefernd. Mayr (Fremdländische Wald- und Parkbäume, 1906, 
S. 418) fand auf Eso im Laubwalde am Ufer des Ischikari Bäume von 22 m Höhe. 

Eine charakteristische Form mit aufstrebenden oder ausgebreiteten Ästen 
und von gedrungenem Wuchs, mit zahlreichen kurzen Zweigen. Blätter leder- 
artig, dicklich, sichelförmig, dunkelgrün, stark gekielt und oben fast gerinnt, 
unten konkav, hellgrün, an den Rändern umgebogen, plötzlich in eine 
schwärzliche Stachelspitze ausgezogen. Die Früchte sind von der 
europäischen Eibe nicht verschieden. Wie Herr Otto Froebel in den 
„Mitteil. d. d. dendrol. Gesellsch." 1905, S. 48 angibt, hat er von importierten 
Pflanzen der Cuspidata-Form gelbe Früchte geerntet; wir hätten also auch 
die Taxus baccata cuspidata fructu luteo in Kultur. Ob auch an anderen 
Orten diese gelbfrüchtige Form vorkommt, wird sich ja ergeben, sobald stärkere 
Exemplare fruchten. Samenpflanzen von Taxus bacc. cuspidata brachten 
bei Herrn Froebel rote Früchte. In Kultur wäre nun weiter zu erproben, 
ob die gelbfrüchtige Form, aus Samen erzogen, beständig bleibt oder zur rot- 
früchtigen normalen zurückschlägt. 

Vielfach als Art angesehen, ist dieselbe nach Maximowicz Urteil nur 
Form von T. baccata; auch Carriere, als guter Beobachter, stellt sie als 
Form dazu, sagt allerdings nicht, ob er Sämlinge, die zur Art zurückgingen, 
beobachtete, wie es bei anderen, nicht minder abweichenden Formen geschehen. 

Sehen wir die überaus zahlreichen Formen der gemeinen Eibe an, die 
oft so auffallend von der Art abweichen, zumal die var. Dovastonii, welche, 
wie nachgewiesen, europäischen Ursprungs, gerade in den Blättern mit var. 
cuspidata große Ähnlichkeit hat und deshalb wohl auch von' C. Koch als 
Form zu dieser gestellt wurde, so bietet diese japanische Form keine Ab- 
weichungen, welche die Annahme einer besonderen Art rechtfertigen könnten, 
sondern es ist nur eine nach Klima und Standort abweichende Form. 

Selbst wenn Sämlinge solcher klimatischen Formen ihre seit langen 
Zeiten vererbten Eigenschaften mehr oder minder ausgeprägt erhalten, ist dies 



52 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

noch kein Beweis dafür, daß wir eine Art vor uns haben, denn solche Formen 
können sich doch unter veränderten Verhältnissen nur sehr allmählich, 
aber niemals bei einer gerade vorgenommenen Aussaat sofort umgestalten. 

Diese japanische Form hat sich in harten Wintern als besonders wider- 
standsfähig bewährt und ist daher warm zur Anpflanzung zu empfehlen. 

Taxus baccata adpressa Carr. (Man. des PI. IV, 380; Conif. p. 731). 

Syn. Taxus adpressa Gerd., Pin. 310. 

„ sinensis tardiva Knight, Syn. Conif. 52. 

„ brevifolia hört., nicht Nutt. 

„ tardiva Law. ex Henk, et Höchst., Nadelh. 361; Pari, in D. 

C. Prod. XVI, 502; Knight, Conif. p. 52. 
„ parvifolia Wender, Conif. p. 42. 
„ baccata microphylla Jacq. 

„ cuspidata Sieb, et Zucc. variet. C. Koch, Dendr. II, p. 96. 
Cephalotaxus tardiva Sieb. msc. Endl., Conif. p. 239. 
„ adpressa bort. 

„ brevifolia bort. 

Kyara-boku, in Japan nur kultiviert, nicht einheimisch. 
Eine sehr abweichende Form, welche irrtümlich als aus Japan und 
China eingeführt bezeichnet, oft als besondere Art betrachtet und sogar als 
Cephalotaxus beschrieben wurde, obgleich sie niemand dort wild gesehen 
und weder Siebold noch Miquel sie in ihren Werken aufführen. Nachdem 
über der Entstehung dieser interessanten Form lange tiefes Dunkel schwebte, 
vielleicht nicht ganz unabsichtlich, um sie als fragliches Auslandsprodukt noch 
interessanter zu machen — erfahren wir von Mrs. James Dickson &Sons 
in ehester in The Garden XXIX, 1896, p. 268, daß diese Adpressa-Form 
als eigentümlicher Taxus-Sämling auf einem Weißdornbeete in der 
Baumschule im Jahre 1828 zufällig von seinem Vater Francis Dickson auf- 
gefunden wurde. Die Firma Knight and Perry in Chelsea erwarb mehrere 
von dieser Mutterpflanze vermehrte Stecklingspflanzen und verbreitete sie 
als Taxus adpressa. In Knight and Perry s Synopsis of Coniferous 
Plants ist sie aufgeführt als Taxus tardiva Endl. mit den Synon. T. adpressa 
und brevifolia hört. Die Originalpflanze war weiblich und ebenso 
natürlich die ganze von ihr erzielte vegetative Nachkommenschaft. Von 
normalen Taxus bestäubt, brachte die Form adpressa Früchte in Massen, und 
unter den von diesen erzielten Sämlingen stellten manche, wenn auch nur 
geringe Prozente, die Charaktere der Mutterpflanze recht gut wieder dar. 
Da war es ja nur natürlich, daß an manchen Orten auch männhche Exemplare 
erzeugt wurden, die bei genauerer Prüfung dann später zufällig entdeckt wurden. 
In der Revue horticole, Paris 1886, p. 106: „Les varietes de l'if commun 
wird von Ed. Andre mitgeteilt, daß im Parc von Megaudais (Mayenne), dem 
Grafen G. de Crouy gehörig, eine starke Taxus adpressa steht, die sowohl 
starke Äste der Adpressa-Form, wie auch solche der typischen baccata als 
Rückschläge untermischt trägt und somit die Abstammung schön veran- 
schaulicht. 

Als Stecklingspflanze von Seitentrieben, wie uns diese Pflanze meist 
entgegentritt, bildet sie breite, unregelmäßige, oft über dem Boden sich aus 



II, Klasse. Coniferae. 53 

breitende, jedoch auch zu bedeutender Höhe aufsteigende Büsche. Äste zahl- 
reich, zerstreut, Zweige dichtstehend, Blätter 5 — 8 mm lang und 3 — 4 mm 
breit, flach eirund-stumpf, an beiden Enden abgerundet, glänzend, sehr kurz 
gestielt, in ein kurzes Spitzchen endigend. Früchte meist, aber nicht immer, 
mit hellerem, flacherem, oben tassenförmig erweitertem Arillus, Samen oben 
oft dreikantig, ja selbst vierkantig, aber oft auch zusammengedrückt, eirund, 
wie bei der normalen baccata, welche auch solche kleinen Abweichungen 
zeigt, so daß die Merkmale an den Samen nicht beständig sind. Ich 
habe viele Früchte daraufhin untersucht. Der verkürzte Arillus entspräche 
ja auch den verkürzten Blättern, überhaupt der ganzen monströsen Er- 
scheinung. 

Eine beliebte, sofort als etwas Besonderes ins Auge fallende Pflanze. 
Weit schöner ist: 

Unferformen. 
Taxus baccata adpressa stricta hört. (Standish, Ascott.) 

Syn. Taxus baccata verticillata hört. 
„ adpressa stricta hört. 
„ „ erecta hört. 

„ „ fastigiata hört. 

Eine höchst dekorative, aus Kopfstecklingen erzogene Form der vorigen, 
mit aufstrebendem Mitteltrieb und Ästen, die, ziemlich schnell in die 
Höhe wachsend, eine schlanke bis Säulenform darstellt und als äußerst 
zierlich, zumal auch für kleinere Gärten, eine recht weite Verbreitung verdiente. 

Taxus baccata adpressa aureo-variegata hört. 

Syn, Taxus adpressa variegata Fisher et Holmes. 

Eine ganz reizende, außergewöhnliche Erscheinung; die kleinen Blätter 
sind ganz beständig goldgelb mit grünen Mittelstreifen. Die Pflanze 
ist sehr verzweigt und zeigt reichlich aufstrebende Wipfel triebe; sie ist eng- 
lischen Ursprungs und ihre Verbreitung wäre sehr zu wünschen. 

Taxus baccata adpressa aurea hört. 

Eine hübsche Form, welche bei aufstrebendem gutem Wuchs eine 
ganz goldgelbe Färbung zeigt. Dieselbe verdient zu Kontrasten, vor- 
sichtig verwendet, Beachtung. 

Taxus baccata linearis hört. 

Eine abweichende, auffällige Form mit ausgebreiteten Ästen und langen, 
sehr schmalen Blättern von gelblichem Grün. 

Taxus baccata epacroides hört. 

Eine gedrungene, buschige, dicht verzweigte, jedoch mehrere Meter 
Höhe erreichende Form. Die Blätter sind kurz, scharf gespitzt, an älteren 
Zweigen zweizeilig, an jüngeren üppigen und Spitzentrieben aber nach 
allen Seiten abstehend, wodurch die Pflanze ein krauses, ganz ab- 
weichendes Aussehen erhält, zumal die Blattoberseiten matt bräunlich-grün 
erscheinen. 



54 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Niedrige und Zwergformen. 

Taxus baccata expansa Carr. (Conif. 2. ed. 738 [1867]). 

Ein niederliegender Strauch mit sehr verzweigten, lang ausgestreckten 

Ästen, die sich selten vom Boden erheben. Eine sowohl in Bezweigung wie 

Belaubung von T. canadensis Willd. ganz verschiedene Form, welche für 

Abhänge wie zwischen Felsen zur Geltung kommen würde. 

Taxus baccata Sieboldii hört. Muskav. 

Eine in den Muskauer Baumschulen lange vorhandene Form, weibliche 
Pflanze, unbekannten Ursprungs, welche nach Parkinspektor Lauches Mit- 
teilung als flachwachsende Form für Felspartien und Abhänge verwendet 
wird. Ein altes Exemplar zeigt bei 1 m Höhe 3 m Ausdehnung und bildet 
eine runde, flache Gruppe. In der Belaubung weicht sie nicht von der 
normalen T. baccata ab. 

Taxus baccata nana Knight. (Syn. Conif. 52 [1850]). 

Syn. Taxus Foxii hört. angl. 

Eine buschige, in England gewonnene Zwergform mit sehr kurzen, 
dicklichen, öfter fast elliptischen, meist geraden, selten sichelförmigen, schwarz- 
grünen, glänzenden Blättern, welche bei 1 m Höhe sehr in die Breite wächst. 

Taxus baccata ericoides hört. 

Syn. Taxus ericoides bort. 

„ empetrifolia hört. 

„ microphylla hört. 

„ Mitchellii bort. 
Eine schwachwüchsige Zwergform mit feinen Zweigen und schmalen, 
sehr spitzigen, dicht und zerstreut stehenden Blättern. 

Taxus baccata monstrosa hört. 
Syn. Taxus monstrosa hört. 

„ sparsifolia Loud., Encycl. of Trees 940. 
Ein monströser Zwergbusch. Zweige ungleich entwickelt, auf- 
strebend, manche sehr wenig verzweigt und Blätter von verschiedener Länge 
tragend, welche zerstreut sitzen. 

Abweichende Blattfärbung. 
Taxus baccata Washingtonii hört. 

Syn. Taxus canadensis Washingtonii bort. 

Eine schöne Form von besonders gedrungenem, rundlichem Wuchs, 
im Sommer von grüngelber, im Winter von gold bronzener, sehr auffälliger 
Färbung, welche Empfehlung verdient. 

Taxus baccata aureo-variegata hört. 
Syn. Taxus variegata bort. 

Eine goldbunte Form, welche, an verschiedenen Orten in Kultur ge- 
wonnen, mehr oder minder beständig und auffallend auftritt. 



II. Klasse. Coniferae. 55 

Taxus baccata albo-variegata Spaeth. 

Eine harte Form, bei welcher die weißbunte Zeichnung gleichmäßig 
und beständig ist, mit eigentümlich gekräuselten Blättern. 

Taxus baccata elvastonensis aurea hört. 
Syn. Taxus elvastonensis aurea bort. angl. 
„ Barronii bort. angl. 
„ „ femina varieg. hört. 

Eine gedrungene, langsam wachsende Form mit breiten, kurzen, gold- 
gelben Blättern; besonders auch im Winter zierend. 

Taxus baccata elegantissima hört. 

Syn. Taxus elegantissima bort. 

Eine üppig wachsende, zumal an den jungen Trieben lebhaft hell- 
gelbe Form, die auch später heller gefärbt bleibt. Besonders schön ist sie 
mit aufstrebendem Mitteltrieb und als weibHche Pflanze mit Früchten besetzt. 

Abweichende Früchte. 
Taxus baccata microcarpa Trautv. et Maxim. KleinfrüchtigerEibenbaum. 
Eine kleinfrüchtige Form, welche von Schmidt auf seiner Reise im 
Amurlande und auf Sachalin beobachtet wurde; zerstreut in Wäldern von 
Dui und Arkai nach Süden, zuweilen auf Bergen ausgedehnte Hecken bildend, 
so am Nuburipo; an manchen Stellen sah Schmidt bis mannesdicke, aber 
immer kurzstämmige Bäume, so bei Tauro. 

Taxus baccata macrocarpa. Großfrüchtiger Eibenbaum. 
Im Samenverzeichnis des botanischen Gartens in Innsbruck werden 1890 
Samen dieser großfrüchtigen Form angeboten. Die Samen sind wesent- 
lich größer als die des normalen Baumes. 

Taxus baccata fructu luteo hört. Gelbfrüchtiger Eibenbaum. 

Eine Form mit schönen, orangegelben Fruchtbechern anstatt der normalen 
roten, welche sich zu dem dunklen Laube ebenfalls sehr gut ausnehmen, so 
daß große Exemplare im Fruchtschmucke sehr zierend sind. Nach Loud., 
Arb. et Frut. 2068, wurde diese wertvolle dekorative Form in Irland um das 
Jahr 1817 aufgefunden. 

Wie weiter vorn angegeben, ist auch von der japanischen Form cusp i- 
data eine gelbfrüchtige Form aufgefunden worden, und Aussaatversuche 
müssen ergeben, ob beide gelbfrüchtigen Eiben samenbeständig sind. Um sie 
sicher echt fortzupflanzen, wurden sie bisher auf vegetativem Wege vermehrt. 
Wir finden sie deshalb als buschige Strauchformen. 

2. Taxus caiiadensis Willd. (Sp. pl. 4, p. 856 [1805]). 
Kanadischer Eibenbaum. 

Syn. Taxus baccata minor Mchx., Fl. amer. II, p. 245. 

„ „ procumbens Loud., Encyclop. of Trees 940. 

„ „ Hook., Fl. bor. amer. II, p. 167 zum Teil. 



56 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Syn. Taxus procumbens Lodd., Cat. 1836, p. 67. 

„ baccata var. canadensis Gray, Manual ed. II, 425. 
If du Canada der Franzosen. 
Canadian Yew der Engländer. 

Im östlichen Nord-Amerika von Kanada bis Virginien auf Felsen, auf 
sumpfigen Standorten oder im Waldesschatten als Unterholz wachsend. 

Im Jahre 1800 in Europa eingeführt. 

Verzweigter, oft niedriger, dem Boden aufliegender, meist nur meter- 
hoher Strauch, der von manchen Autoren als Form zu T. baccata gestellt 
wird und wahrscheinlich auch nur eine klimatische Form desselben darstellt, 
da für eine besondere Art keine durchgreifenden Merkmale nachzuweisen sind. 

Jedenfalls ist die echte Pflanze dieses Namens in unseren Kulturen sehr 
selten; die meisten Pflanzen, welche wir unter diesem Namen finden, zumal 
aber die bunten und aufstrebenden Formen, gehören sicher zu T. baccata, 
aber nicht zu T. canadensis. Man findet meistens in den Gärten als Formen, 
angeblich von T. canadensis, feinzweigige, kurzblättrige Pflanzen, die teilweise 
Sämlinge von T. baccata fastigiata oder erecta darstellen möchten. 

Die echte Taxus canadensis zeigt bei niedrigem Wuchs aufrecht 
abstehende Äste mit rotbrauner Rinde und an der Spitze überhängende 
Zweige. Blätter 11 — 20 mm lang, 1^/2 — 2 mm breit, ziemlich dicht, abwechselnd 
zweizeilig gestellt, etwas sichelförmig, flach, stachelspitzig, mit kurzem, etwas 
gedrehtem Stiele, an den Rändern etwas umgerollt, oberseits blaßgrün-gelb- 
lich, unten beiderseits des vorstehenden Längsnerven matt hellgrün; die 
Früchte sind kleiner als die von T. baccata und reifen schon im Juli. T. cana- 
densis tritt oft monözisch auf, was Sargent angibt und was auch an Kultur- 
pflanzen beobachtet wurde. 

Eine mir von Herrn Peter Smith in Bergedorf zur Verfügung gestellte 
Pflanze, welche ich für die echte halte, färbt sich im Winter fuchsrot, 
nimmt aber im Frühjahr wieder die normale gelblich-grüne Färbung an, eine 
Erscheinung, welche ich an anderen Taxus sonst niemals bemerkte. 

Auch Reh der gibt an, daß T. canadensis im Winter in der Sonne eine 
rotbraune Färbung annimmt. 

3. Taxus brevifolia Nutt. (Sylv. III, p. 86, t. 108, nicht Hort. [1849]). 
Kurzblättriger Eibenbaum. 

Syn. Taxus occidentalis Nutt. 1. c. 

„ Boursieri Carr., Rev. Hort. 1854, p. 228, et Conif. 2. ed., p. 739. 
„ Lindleyana Murr, in Edinb. New. Phil. Journ. 1855, p. 294. 
„ baccata Hook., Fl. bor. amer. II, p. 167 zum Teil. 
Western Yew (westlicher Eibenbaum) der Amerikaner. 
If ä feuilles courtes der Franzosen. 
Californian Yew der Engländer. 
Im westlichen Nord-Amerika von der Insel Vancouver bis nach Kali- 
fornien auf Gebirgen, an Flußufern und in W^äldern mit Kiefernarten unter- 
mischt wachsend. In geringerer Anzahl in niedrigen Regionen in Oregon und 
im Washington-Territorium. 

Im Jahre 1854 von Lobb in Europa eingeführt. 



II. Klasse. Coniferae. 57 

Baum von 10 — 25 m Höhe, mit braunroter, in Stücken sich lösender 
Rinde. Äste aufrecht oder aufrecht abstehend; Zweige abstehend, leicht über- 
hängend; Blätter 12 — 20 mm lang, 2 mm breit, mit sehr kurzem, gelbem Stiel, 
ziemlich dicht und abwechselnd zweizeilig gestellt, lineal, leicht sichelförmig, 
flach, plötzlich scharf zugespitzt, oberseits gelblich -grün, mit vorstehendem 
Mittelnerv, unten mit blaßgelblichen Linien gezeichnet. Männliche Blüten an 
kurzen Zweigen etwas hängend, Achse der Staubfadensäule die Schuppen 
weit überragend, ein Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem sonst ähnlichen 
T. canadensis. Antheren 6; Früchte oval, am oberen Rande stumpf-stachel- 
spitzig, denen von T. baccata gleich. 

Nach Dr. Mayr wächst er sehr langsam, verbreitet tiefen Schatten, bildet 
einen schlecht geformten Schaft; das harte, sehr dauerhafte, tiefrote Kernholz 
wird von den Indianern zu Speergriffen, Bogen, Fischangeln usw. benutzt. 

Ein in unseren Kulturen sehr seltener Eibenbaum, welcher sich etwas 
empfindlich zeigt, sogar nach Carriere noch in Paris oft gebräunte Blätter 
aufweist. 

In England bildet er nach Veitch Pflanzen von breit - kegelförmiger 
Gestalt, welche sich sehr verschieden von T. baccata zeigen. Solche ledig- 
lich habituellen Unterschiede bedingen jedoch noch keine abweichende Art. 
Dr. Mayr sagt, daß T. brevifolia in Blättern, Rinde, Bau und Färbung des 
Holzes ganz T. baccata ähnlich sei und sich von dieser, wie auch die japanische 
T. cuspidata, wohl nicht genügend spezifisch unterscheide. 

Der Eibenbaum neigt in Kultur sehr zu Abweichungen, wie die zahl- 
reichen, vorstehend beschriebenen Formen von T. baccata beweisen. Viele 
Autoren, unter ihnen auch Carriere als trefflicher Beobachter, nehmen nur 
eine Stammart an und betrachten alle anderen als Standortsformen, welche 
nach klimatischen und Bodenverhältnissen abändern. Ich möchte mich dieser 
Ansicht anschließen; denn betrachten wir die geringfügigen Unterschiede, 
welche die beiden letztbeschriebenen Arten darbieten, im Hinblick auf die oft 
so sehr abweichenden, in Kultur gewonnenen Formen von T. baccata, welche 
aber doch, durch Samen fortgepflanzt, alle in die Art zurückgehen, so gewinnt 
die obige Annahme immer mehr an Wahrscheinlichkeit. 

Des dekorativen Wertes des Eibenbaumes in seinen verschiedenen Formen 
wurde schon gedacht, wertvoll sind zumal die Säulenformen und die mit 
zierlich überhängenden Zweigen; die in der Färbung abweichenden sind 
in der Landschaft sehr vorsichtig zu verwenden. Die Zwergformen, meist mehr 
eigentümlich als schön, sind zu Vorpflanzungen oder in kleinen, regelmäßigen 
Gärten, auch auf Felspartien zu verwenden. 

Man erzieht den Eibenbaum am besten aus Samen, der möglichst bald 
nach der Reife zu säen ist und erst im zweiten Jahre aufgeht, daher besser zu 
stratifizieren ist; aus Samen erzieht man schöne Baumformen, während durch 
fortdauernde Stecklingsvermehrung, zumal von Seitenzweigen, Buschformen 
sich bilden. Kopftriebe liefern besonders schöne regelmäßige Pflanzen und 
sollten nach Möglichkeit auch bei der Veredlung der zahlreichen Formen ver- 
wendet werden, welche durch Pfropfen, Anplatten und Einspitzen unter Glas 
vermehrt werden. Nur auf ungeschlechtHchem Wege pflanzen sich die Formen 
echt fort, denn deren Sämlinge haben stets das Bestreben, in die Art zurück- 



58 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

zuschlagen. Aussaaten von Formen liefern übrigens, wie wir gesehen haben, 
interessante Zwischenformen, die oft sehr dekorativ sind. 

Der Eibenbaum bildet zahlreiche feine Wurzeln, und es lassen sich somit 
noch stärkere Exemplare mit Glück verpflanzen, wenn sie festen Ballen halten; 
jedoch setze man sie nicht aus tiefem Schatten in sonnige Lagen, wo die 
Pflanzen alsdann durch Sonnenbrand leiden und auch die jungen Triebe erfrieren. 
Am besten pflanzt man junge, in der Baumschule öfter verschulte Pflanzen 
mit festem Ballen. In das alte Holz zurückgeschnitten, treibt der Eibenbaum 
gut aus und bildet lange, üppige Triebe. 

Torreya Arn. (in Ann. Nat. Hist. ser. 1, 1, 130 [1838]; Tumion, Rafin. Amenit. 63 

[1840]; Caryotaxus Zucc. msc. und Henk. u. Höchst., Nadelh. 365 [1865]). 

Torreye, Stinkeibe. 

Blüten zweihäusig, selten einhäusig, männliche in den Blattachseln einzeln, 
fast sitzend, von einigen kreuzständigen, dachziegelig-schuppenförmigenBracteen 
umgeben. Staubfadensäule eirund oder länglich; Antheren mehrreihig, spiral- 
förmig zusammengedrängt auf kurzem Stiele ; Fächer vier, an der Spitze hängend, 
an der Basis in einen Halbring verwachsen, nach einwärts zweiklappig, mit 
einem über die Fächer kurz verlängerten, wenig verbreiterten, am oberen 
Rande öfter gezähnelten Mittelbande. Weibliche Kätzchen achselständig, 
sitzend, einblütig, mit kleinen leeren, fleischigen, drei- bis vierfach-dachziegeligen, 
nach der Blüte unveränderten Schuppen. Samenschuppe innerhalb der obersten 
Schuppe von dieser frei, während der Blütezeit becherartig dem Eichen gleich, 
bald vergrößert, krugförmig, über dem Eichen geschlossen, dickfleischig. Eichen 
innerhalb der Schuppe eins, aufrecht. Frucht eirund, steinfruchtförmig. Schuppe 
durch die Becherhülle fleischig vergrößert bleibend, den Samen einschließend 
und demselben mehr oder weniger angewachsen. Schale des Samens knochen- 
hart. Embyro klein, mit zwei linealen Kotyledonen. 

1. Torreya grandis Fort, (in Gord. Pin. 326). 
Große Torreye. 

Syn. Caryotaxus grandis Henk. u. Höchst., Nadelh. p. 367 (1865). 
Fitchou der Chinesen. 
Tall Torreya der Engländer. 

In Nord-China im Che-Kiang-Gebirge von Fortune und in West-Fokien 
von Armand David im Gebirge gefunden. 

Von Fortune im Jahre 1847 in Europa eingeführt. 

Im Vaterlande nach Fortune Baum von 20 — 25 m Höhe, mit graubrauner 
Rinde und schirmförmiger Krone. Äste quirlständig, weit abstehend; Zweige 
fast gegenständig, sehr abstehend oder leicht überhängend; Blätter regelmäßig 
zweizeilig, lederartig steif, dicht wechelständig, lineal-lanzettlich, gerade oder 
kaum sichelförmig, 18 — 30 mm lang, 3 — 4 mm breit, scharf zugespitzt, auf sehr 
kurzem, etwas gedrehtem Stiele, oben konvex, stark glänzend, hell- bis 
gelblich-grün, mit schwach vortretendem Längsnerven, unten beiderseits 
des Kieles blaßgrün. Frucht eirund zugespitzt, grubig netzaderig, 28 — 30 mm 
lang, 16 — 18 mm breit, erst grün, später gelblich, fleischig; abweichend von 
den anderen Torreyen nebst den Blättern nicht übelriechend. 



IL Klasse. Coniferae. 59 

2. Torreya nucifera Sieb, et Zuec. (Fl. Jap. II, t. 129 [1842]). 
Nußtragende Torreye." 
Syn. Taxus nucifera Kaempf., Amoen. exot. p. 814 — 815 cum ic. (1712). 
Podocarpus (?) nucifera Pers., Syn. II, p. 633 (1807). 
Caryotaxus nucifera Zucc. msc. (1846), Henk. u. Höchst., Nadelh. 

S. 366 (1865). 
Tumion nuciferum Greene, Pittonia II (1891). 
Torreya Fargesii Franchet in Journ. de Bot. 1899, p. 264. 
Podocarpus coreana v. Houtte. Catal. 

„ coriacea hört. 

Fi, Kaya der Japaner. 
Torreya porte-noix der Franzosen. 
Japanese Torreya der Engländer. 
In Japan auf Gebirgen der Inseln Hondo und Sikok in einer Höhe von 
500 — 1000 m mit Taxus baccata cuspidata und Cephalotaxus drupacea, häufiger 
Strauch- als baumartig in Laubwälder eingesprengt. Bei Nagasaki, Yokohama, 
Yokoska, dann auch viel kultiviert. In Hupeh und Szechuen von Henry 
und bei Thenke-outin von Farges gefanden (von Franchet als besondere 
Art beschrieben, nach Masters ist sie jedoch gleich T. nucifera). 

Ein geschätztes Nutzholz liefernd. Die Früchte werden in Japan ge- 
gessen und liefern ein abführend wirkendes Öl. 
Im Jahre 1818 in Europa eingeführt. 

Kleiner Baum von etwa 10 m Höhe, mit brauner, sich lösender Rinde 
und quirl- und wechselständigen, abstehenden Ästen; Zweige fast zweizeilig, 
jung glänzend braun. Blätter lederartig, steif, zweizeilig abstehend, lineal- 
lanzettlich, gerade oder leicht sichelförmig, scharf zugespitzt, mit einem sehr 
kurzen, gedrehten Stiele, oben konvex, dunkelgrün, stark glänzend, unten 
flach, mit kaum vortretendem Mittelnerv, beiderseits mit zwei schwachen bläu- 
lichen Spaltöffnungslinien, 20 — 30 mm lang, 3 — 4 mm breit, an jungen Pflanzen 
länger. Männliche Blütenstände länglich-elliptisch, etwa 13 mm lang. Früchte 
eirund oder länglich- spitz, 21 — 35 mm lang, 14 — 16 mm breit, fleischig, zimmet- 
braun, oft leicht der Länge nach gestreift. Ölhaltige Früchte wie Blätter 
übelriechend. 

In unseren Kulturen sehen wir öfter noch unregelmäßige, buschige 
Pflanzen ohne Mitteltrieb, da die Vermehrung durch Stecklinge von Seiten- 
trieben bewirkt wurde. Neuerdings sind aus Samen normale baumartige 
Exemplare mit quirlförmiger Aststellung erzogen, welche erst die Schönheit 
und den dekorativen Wert so recht erkennen lassen. An verschiedenen Orten, 
z. B. in Wilhelmshöhe bei Kassel, hat diese Art keimfähige Samen geliefert. 

3. Torreya taxifolia Arn. (in Tayl. Ann. of Nat. Hist. I, p. 130 [1838]). 
Eibenblättrige Torreye, Stinkeibe, Stinkceder. (Fig. 5.) 
Syn. Caryotaxus taxifolia Henk. u. Höchst., Nadelh. p. 367 exkl. Syn. (1865). 
Tumion taxifolium Greene, Pittonia II, 194 (1891). 
Torreya montana hört. 

„ tenuifolia hört. Rovelli. 
Stinking Cedar der Floridaner. 



60 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Syn. Torreya ä feuilles d'If der Franzosen. 
Fetid Yew der Engländer. 

Im Innern Floridas auf Kalkfelsen, am östlichen Ufer des Appalaches, 
am Zusammenflusse des Flint und des Chattahuchi und bei Fiat Creek, und 
zwar nach Asa Gray nur hier, also sehr lokal vorkommend. 

In Europa 1838 eingeführt. 

Kleiner Baum von 12 — 15 m Höhe, mit rotbrauner, sich lösender Rinde, 
ein außerordentlich dauerhaftes Holz liefernd. Äste quirlständig abstehend, 




Fig. 5. Torreya taxifolia Arn. 1 Zweig mit männlichen Blüten; 2 Zweig mit weiblichen Blüten; 
3 Staubblatt (vergr.); 4 Durchschnitt der Frucht von Torreya nucifera (nach Engl. u. Prantl. Nat. Pflf.). 

Zweige fast zweizeilig, wenn jung grün, später dunkel-orangengelb. Blätter 
lederartig steif, dicht und zweizeilig gestellt abstehend, lineal-lanzettlich, scharf 
zugespitzt, oben konvex, grün, nicht so auffällig glänzend wie bei den 
vorstehenden Arten, unten beiderseits des wenig vortretenden Mittelnerven 
mit schmalen, bläulichen Spaltöffnungslinien gezeichnet, 22 — 30 mm lang, 
2 — 2^/4 mm breit. Männliche Kätzchen fast kugelig, in den Blattachseln einzeln, 
8 mm lang, 3 mm breit, blaßgelb. Frucht eirund spitz, 20 — 24 mm lang, 
13 — 16 mm breit. Die Früchte, wie alle grünen Teile, verbreiten gerieben 
einen sehr unangenehmen Geruch. 



IL Klasse. Coniferae. 61 

Diese durch die feinsten und schmälsten Blätter von den anderen 
kenntliche Art ist sehr selten in deutschen Gärten, schon deshalb, weil sie 
die empfindlichste ist und nur in den mildesten Lagen noch Gedeihen 
verspricht. 

Leider haben wir auch von dieser schönen Conifere in unseren Kulturen 
meist nur unregelmäßige, buschige Pflanzen, aus Seitentrieben erzogen, welche 
den wahren dekorativen Wert normaler Bäume gar nicht erkennen lassen. 

Torreya taxifolia argentea. 

Syn. Torreya tenuifolia argentea hört. Rovelli. 

Eine, wie die Art feinzweigige, schmalblätterige Form, welche unregel- 
mäßig verteilt weiße junge Triebe und Zeichnungen zeigt. Diese Form 
ist nach Rovelli in Pallanza mehr gegen Sonnenbrand als gegen Kälte 
empfindlich. 

4. Torreya californica Torr, (in New York Journ. Pharm. III, p. 49 [1854], et 
Whipples Report p. 84). Kalifornische Torreye, Muskatnuß-Torreye, 

Stinkeibe. 

Syn. Torreya Myristica Hook. fil. in Bot. Mag. t. 4780 (1854). 

Caryotaxus Myristica Henk. u. Höchst., Nadelh. p. 368 (1865). 
Tumion californicum Greene, Pittonia II, 195 (1891). 
Californian Nutmeg der Amerikaner und der Engländer. 
Torreya de Californie der Franzosen. 

Auf der Sierra Nevada in Kalifornien, an den Westabhängen bis zu 
1500 m emporsteigend, auf feuchten Standorten in der Nähe der Flüsse. 

Im Jahre 1851 in Europa eingeführt. 

Baum von 10 — 15, selbst bis 30 m Höhe, mit pyramidaler, im Alter mehr 
rundlicher Krone; Stamm mit graubrauner Rinde bekleidet, ein gelbes, sehr 
gutes Nutzholz Hefernd, das aber, gleichwie die Blätter und Früchte, einen 
strengen Geruch besitzt, welcher dasselbe vor Angriffen der Insekten schützt. 
Äste quirlförmig abstehend. Zweige fast zweizeilig. Blätter lederartig, steif, 
fast zweizeilig abstehend, lineal-lanzettlich, scharf zugespitzt, mit einem sehr 
kurzen, gedrehten Stiel, meist gerade, selten sichelförmig wie bei den anderen 
Arten, oben konvex, dunkelgrün, etwas glänzend oder mattgrün, unten 
beiderseits des nicht vortretenden Längsnerven mit schmalen, bläulichen 
Linien gezeichnet, an jungen Pflanzen 5 — 6 cm lang, 3 — 3^/.2 mm breit, an 
älteren kürzer. Männliche Kätzchen fast sitzend, länglich, von häutigen Schuppen 
umgeben. Frucht groß, eirund, 28 — 40 mm lang, 20 mm breit, oben kurz 
stachelspitzig. 

Größere, gerade Blätter und Früchte unterscheiden diese Art sofort von 
den anderen Arten. 

Die Torreyen sind schöne, dekorative Pflanzen, können aber, um sich 
unbeschädigt zu entwickeln, nur für wärmere Gegenden und geschützte Lagen 
zur Anpflanzung empfohlen werden; in solchen finden wir allerdings auch in 
Deutschland öfter recht ansehnliche Exemplare. Um normale Pflanzen zu ge- 
winnen, erziehe man sie aus importiertem Samen, welcher mögHchst bald nach 
der Reife zu säen ist, meist erst im zweiten Jahre keimt, daher auch ein Jahr 



62 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten, 

stratifiziert werden kann. Zu Stecklingen, die ziemlich gut wachsen, wählt 
man möglichst Kopftriebe aus, ebenso zur Veredlung auf Taxus baccata. 
Seitentriebe liefern nur unregelmäßige, dichtzweigige, lange einseitig bleibende 
Büsche von geringem Zierwert, während Samenbäume mit der ausgeprägt 
quirlförmigen Aststellung, der braunroten Rinde zu einer frischgrünen Be- 
laubung eigenartig schön sind. 

Man erzieht die Torreyen im Topfe und pflanzt sie erst erstarkt, aber 
ohne sie zu lange im Topfe zu lassen, was ihnen nicht zusagt, an geschützten 
Stellen aus; sie lieben einen leicht beschatteten Stand, da sie in der Sonne 
leicht gelb werden. Feuchtes See- oder Gebirgsklima sagt ihnen am besten 
zu, dazu ein mittelschwerer, gleichmäßig feuchter Boden. Die Torreyen er- 
weisen sich meist als ziemlich trägwüchsig, wollen überhaupt in Deutschland 
nicht recht freudig gedeihen und größere Exemplare sind empfindlich gegen 
das Verpflanzen. Sagt ihnen Standort und Boden zu, entwickeln sie oft 
plötzlich ein flottes Wachstum und es bilden sich stattliche Exemplare. 

3. Unterfamilie : Cephalotaxeae. Kopfeibengewächse. 
Fruchtblätter in gekreuzten Paaren mit je 2 Samen. 

Cephalotaxus Sieb, et Zucc. (Fam. Nat. Fl. Jap. II, p. 108 [1842]; Fl. Jap. II, 

65, t. 130—132). Kopfeibe. 

Blüten zweihäusig, ausnahmsweise einhäusig, männhche mehrere (6 — 9) 
in achselständigen, kugeligen Köpfchen, in schuppenförmige, dachziegelige 
Bracteen eingehüllt, gedrängt, jede einzelne unter einer schuppenförmigen 
Bractee. Staubfadensäule kurz, fast sitzend; Antheren wenige (4 bis mehr), 
kurz gestielt; Fächer 2 — 4, rings um die Spitze des Stieles zurückgeschlagen, 
innen fast abwärts aufspringend, durch das Mittelband über die Fächer hinaus 
in ein kurzes, aufwärts eingekrümmtes Anhängselchen verlängert. Weibliche 
Kätzchen eiförmig, an den Spitzen der Zweige, öfter zu 3, die einzelnen 
zwischen schuppenförmigen, dachziegeligen Bracteen sitzend oder kurz ge- 
stielt. Blütentragende Schuppen mehrere, spiralig gedrängt, lanzettlich oder 
dreieckig, etwas fleischig verdickt, auf dem Rücken konvex, gekielt. Samen- 
schuppe mit der Bractee enge verwachsen, innen oft mit einer etwas hervor- 
ragenden Mittelrippe versehen, nach der Blüte öfter unverändert. Eichen 
unter jeder Schuppe 2, aufrecht, oben auseinanderstehend, krugförmig, fleischig, 
eirund, linsenförmig zusammengedrückt, meist eins fehlschlagend. Samen 
groß, steinfruchtförmig, aus den verwelkten Schuppen gänzlich hervorstehend, 
eiförmig oder länglich. Schale steinfruchtartig, außen fleischig, innen hart. 
Eiweiß fleischig. Kodyledonen 2. 

1. Cephalotaxus pedunculata Sieb, et Zucc. (Fl. Jap. Fam. Nat. II, p. 108, 
et Fl. Jap. II, t. 133 [1842]. Gestielte Kopfeibe. (Fig. 6.) 

Syn. Taxus Harringtonia Forb. ex Pin. Woburn. 217, t. 63 (1839). 
„ Jnukaja Knight, Conif. p. 51 (1850). 
Cepalotaxus drupacea var. Harringtonia Pilger (nach diesem Autor 

nur Gartenvarietät). 
Jnu-gaya der Japaner. 



II. Klasse. Coniferae. 



63 



Syn. Cephalotaxus pedoncule der Franzosen. 
Lord Harringtons Yew der Engländer. 

In Japan auf Gebirgen Kiusius, auf dem Kamagona-Gebirge, auf Hondo 
und Eso heimisch, auch in China, in Chusan und Shensi im TsinHng- 
Gebirge gefunden. 

In Europa 1837 eingeführt. 

Baum von 6 — 8 m Höhe, mit bräunlicher Rinde. In unseren Kulturen 
meist breiter, dicht bezweigter Busch. Äste sehr zahlreich, dicht quirlständig 




Fig. 6. Cephalotaxus pedunculata Sieb, et Zucc. Zweig mit weiblichen Blüten und Früchten. 



abstehend oder etwas überhängend, mit dunkelgrüner Rinde. Blätter steif, 
ziemlich" nahe und abwechselnd, fast zweizeilig und an üppigen Zweigen 
auffällig aufwärts gerichtet, lineal, leicht sichelförmig, scharf gespitzt. 



54 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

auf sehr kurzem, etwas gedrehtem Stiele, oben dunkelgrün glänzend, mit 
hervortretendem Längsnerven, unten beiderseits des kaum hervortretenden 
Mittelnervs mit 2 mattbläulichen Linien gezeichnet, 3 — 4 cm lang, 2 — 3 mm 
breit. Männliche Kätzchen 8 — 9 mm lang und fast so breit, fast kugelig, 
hängend, einzeln in den Blattwinkeln der Jahrestriebe. Weibliche Kätzchen 
an den Zweigspitzen; Früchte gestielt, eirund, 2^/2 cm lang. Vermehrung oft 
durch Stecklinge und infolgedessen auch wohl meist als dicht buschiger 
Strauch in unseren Kulturen. 

Nach Masters Beobachtungen gehört ein Teil der in den Gärten als 
C. Fortunei bezeichneten weiblichen Pflanzen zu C. pedunculata. Samen sind 
von einigen dieser Pflanzen gewonnen, welche an übergebogenen, 1^/2 cm 
langen Stielen saßen, selten kürzer als die eirunden, bräunlichen, fleischigen 
Steinfrüchte. Fortune hat auf seiner zweiten chinesischen Reise festgestellt, 
daß diese Pflanze ganz verschieden von C. Fortunei ist, und auf diese Autorität 
hin ist C. pedunculata auch als chinesische Pflanze erwähnt, obgleich aus 
dieser Gegend keine Exemplare im Herbarium sind. Später ist sie von 
Abbe David in Shensi gefunden. 

Cephalotaxus pedunculata sphaeralis Mast, (in Gard. Chron. XXI [1884], p. 113 

und in Linn. Soc. Journ. vol. XXII, p. 203. mit Abbild.). 

Rundfrüchtige Form. 

Eine rundfrüchtige Form, welche in Sussex im Garten des Herrn 

Gering aufgefunden wurde und unter dem Namen C. Fortunei aus einer 

Baumschule in Bagshot gekauft war. Masters beschreibt sie wie folgt: 

Äste blaß kastanienbraun, jüngere Zweige grün, glatt. Blätter 4 bis 
5^/2 cm lang, lineal-sichelförmig, allmählich zugespitzt, flach oder leicht gebogen. 
Schuppen der Endknospen längHch-spitz, nicht zugespitzt. Männliche Kätzchen 

Fruchtstiele gegen die Basis der Zweige gehäuft, 1^/2 cm lang. 

Steinfrüchte rund, nur wenig kürzer. 

Masters meint, es sei dies möglicherweise die weibliche Pflanze von 
der schon besprochenen chinesischen C. pedunculata, welche Fortune auf 
seiner zweiten Reise nach seiner Ansicht „als neu für die Wissenschaft" zu 
erkennen glaubte. 

Wuchsform. 
Cephalotaxus pedunculata fastigiata Carr. (Rev. hört. 1863, p. 349, Fig. 36; 
Conif. 2. ed. p. 717). Säulen-Kopfeibe. 
Syn. Podocarpus koraiana Sieb, in Ann. Soc. d'Hort. des Pay-Bas 
1844, p. 35. 
Cephalotaxus Bürgen^) Miq., Ann. Mus. Lug. Batav. III, p. 169 und 

Prolusio, Fl. Jap. p. 333. 
Cephalotaxus koraiana hört. 



^) Aus Miquels Beschreibung seiner C. Biirgeri geht deutlich hervor, daß sie von Podo- 
carpus koraiana Sieb, nicht verschieden ist. Blüten hat er auch im Vaterlande nicht gesehen, 
so wenig sie bisher in Kultur beobachtet wurden. Er sagt, die Größe und Gestalt der Blätter 
seien C. Fortunei Hook, ähnlich, aber der letzteren Blätter seien zweizeilig. Ferner bemerkt 
er, ob es nicht vielmehr eine Taxus (?) sei und weiter, daß seine Pflanze kaum von Podocarpus 
koraiana Sieb, abweiche. Maximowicz sagt in M^lang. biolog. VII, p. 563 in einer Anmerkung 



II. Klasse. Coniferae. 55 

Syn. Taxus japonica Lodd. ex Gord. Pin. 275. 
Podocarpus coriacea hört. 
„ koraiensis hört. 

,, Sciadopitys hört. 

Tö-gaya; Chösen-gaya; Shihö-gaya der Japaner. 

Im Jahre 1861 aus Japan eingeführt. 

Eine schöne, breit säulenförmige Pflanze. Äste steif aufrecht, lang ruten- 
förmig, sehr selten verzweigt. Blätter sehr dicht stehend, sitzend, lederartig, 
wechselständig, fast spiralig rings um die Zweige gestellt, gebogen, 3 — 5 cm 
lang, 3 mm breit, kurz und scharf gespitzt, oben glänzend dunkelgrün, unten 
mit zwei bläulichen Spaltöffnungslinien. 

Eine viel verkannte Form, welche, da bisher keine Blüten und Früchte 
beobachtet wurden, der Ähnlichkeit nach als Podocarpus beschrieben und 
entweder als aus Japan oder von der Halbinsel Korea stammend angegeben 
wurde, bis der Rückschlag zur normalen Pflanze durch Zweigbildung mit 
zweizeilig gestellten Blättern, wie sie an üppigen Exemplaren oft beobachtet 
werden kann, die Abstammung und Zugehörigkeit untrüglich bewies. 

Es ist eine in der Blattstellung von der Art C. pedunculata abweichende 
Säulenform, wie es auch Taxus baccata fastigiata von der gemeinen Eibe 
(T. baccata) ist. Sie ist wie diese als die durch einen eigentümlichen zufällig 
entstandenen Sämling fixierte Jugendform zu betrachten, das Geschlecht 
ist unbekannt, sehr starke Exemplare brachten bis heute keine Blüten; weitere 
genaue Beobachtungen sind daher sehr erwünscht, da doch die analoge 
weibliche Taxusform sehr reich fruchtet. 

Auf Grund sehr eingehender anatomischer Untersuchungen glaubt Herr 
Professor Rothert^) annehmen zu müssen, daß hier keine bloße Wuchsform, 
sondern eine besondere Art, Cephalotaxus koraiana Sieb., vorliegt. 
Er fand den anatomischen Bau so abweichend, daß er bis auf weiteres zu 
diesem Schlußresultat kam. Gibt der Autor auch zu, daß anatomische Merk- 
male und Abweichungen allein nicht zur Spaltung und Aufstellung von Arten 
genügen, so will er doch die Aufmerksamkeit auf diesen Umstand lenken. 



zu Podocarpus: „Podocarpus koraiana Sieb., dessen Synonym Cephalotaxus Bürgeri Miq. ist, 
ist nichts weiter als eine Form mit zerstreut stehenden Blättern von Cephalotaxus drupacea Sieb, 
et Zucc. Ich konnte auch Zweige mit zweizeilig gestellten Blättern an ein und demselben 
Individuum beobachten." 

Somit gibt auch Maxim owicz zu, daß Podocarpus koraiana Sieb, nur Form von 
Cephalotaxus ist, allerdings stellt er diese P'orm zu C. drupacea, während sie Carriere und nach 
ihm andere Autoren zu C. pedunculata stellen, eine Frage, die bei der nahen Verwandtschaft 
beider Arten und zumal, da die Form fastigiata noch nicht geblüht hat, jetzt kaum endgültig 
entschieden werden kann. Immerhin ist es aber wahrscheinlicher, daß die Form fastigiata von 
C. pedunculata, als von C. drupacea abstammt, zumal auCh die normalen Zweige mit zweizeiligen 
Blättern, wie sie als Rückschlag zur normalen Pflanze an der Form fastigiata vorkommen, 
durchaus die Zweigbildung, Blattstellung, Länge, Breite wie Zeichnung der Blattunterseiten der 
C. pedunculata zeigen. Es bleibt ja auch noch festzustellen, ob wir von Cephalotaxus wirklich 
drei Arten besitzen, oder ob wir es nicht möglicherweise mit abweichenden männlichen oder 
weiblichen Pflanzen oder mit Standortsformen zu tun haben. 

^) W. Rothert, „Über parenchymatische Tracheiden und Harzgänge im Mark von 
Cephalotaxus- Arten". Berichte d. Deutsch. Botan. Gesellsch. 1899, Bd. XVII, Heft 7. 
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 5 



R(\ Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Recht eingehende Untersuchungen, sowohl im Vaterlande, wie an 
Kulturpflanzen, die wir ja überall so reichlich besitzen, sollten daher gemacht 
werden, um auch diese Frage endgültig zu entscheiden. Bisher spricht doch 
alles so deutlich für eine Wuchsform mit Rückschlägen, daß alle anderen 
Annahmen mit großer Vorsicht aufzunehmen sind, um nicht neuerdings die 
Begriffe zu verwirren. Wie andere ähnliche heikle Fragen, so dürfte auch 
diese mit der Zeit sicher gelöst werden. Für unsere Gärten ist diese Form 
sehr dekorativ und wertvoll, hat sich in einigermaßen geschützten Lagen 
recht widerstandsfähig und üppig von Wuchs gezeigt, während sie in rauhen 
Lagen Winterdecke bedarf; wichtig ist, daß sie sich auch gegen schädHche 
Ausdünstung, wie Rauch und Staub der Städte, wenig empfindlich zeigte, 
auch als harte Dekorationspflanze in Gefäßen ist sie für rauhe Gegenden zu 
verwenden und recht zu empfehlen. 

Unferform. 
Cephalotaxus pedunculata fastigiata aureo-variegata hört. 

Es ist dies eine zierliche goldbunte Form der vorigen. 

Unter dem Namen Cephalotaxus pedunculata gracilis erhielt ich 
Zweige von einer Pflanze, die Zabel 1886 von Gh. van Geert in Antwerpen 
bezog. Die Bezweigung ist aufstrebend, die Blätter stehen undeutlich zwei- 
zeilig bis zerstreut, öfter rings um den Zweig, legen sich diesem an und bilden 
eine augenscheinliche Übergangsform von der normalen zur Säulenform 
fastigiata. Es dürfte sich wohl um einen eigentümlichen Sämling handeln, 
der in betreff der Entwickelung großes Interesse bietet. 

Cephalotaxus pedunculata nana compacta Froebel 

stellt eine gedrungene buschige Form dar. 

2. Cephalotaxus Fortunei Hook. (Bot. Mag. t. 4499 [1850]). 
Fortunes Kopfeibe. (Fig. 7.) 

Syn. Cephalotaxus Fortunei mas hört. 

Cephalotaxus de Fortune der Franzosen. 
Fortunes Cephalotaxus der Engländer. 

In Nord-Ghina, zumal in der Provinz Gang-Sin, weiter in Kiangsu, 
Chusan, Kiangsi, Fokien, Hupeh, Shensi, Szechuen, Yunnan vorkommend, auch 
in Japan gefunden. 

Im Jahre 1848 von Fortune in Europa eingeführt. 

Baum mit grauer rissiger Rinde, der im Vaterlande bis 20 m Höhe er- 
reichen soll, in unseren Kulturen niedriger Baum oder breitwüchsiger Strauch. 
Äste quirlständig horizontal gestellt, etwas überhängend; Zweige fast zwei- 
zeilig, leicht hängend, mit hellgrüner oder gelblicher Rinde. Blätter an 
jungen üppigen Pflanzen oder Trieben 6—8^/2 cm lang und 6 — 8 mm breit; 
an älteren Pflanzen und Zweigen weit kürzer und schmäler, wechselständig, 
fast zweizeilig, lineal-lanzettlich , leicht sichelförmig, scharf zugespitzt, sehr 
kurz gestielt, lederartig, oben glänzend frischgrün, zumal an üppigen männ- 
lichen Pflanzen hellgrün, mit hervortretendem Längsnerven, unten beiderseits 
des wenig vortretenden Längsnerven mit zwei bläulichen Spaltöffnungslinien 
gezeichnet. Männliche Kätzchen auf kurzem, mit Deckblättern besetztem 



II. Klasse. Coniferae. 



67 



Zweigchen, abstehend, fast kugelig, kleiner als die von C. pedunculata. Stein- 
früchte 22 — 23 mm lang, 10 — 15 mm breit, zuerst blaugrün, dann olivenbraun, 
eirund-elliptisch oder birnenförmig. 

Nach Carriere sind die weiblichen Pflanzen meist etwas kurzblättriger, 
mehr blaugrün von Färbung und gewöhnhch reich mit Früchten besetzt. 
(Vergl. auch bei C. pedunculata Masters Beobachtungen.) 




Fig. 7. Cephalotaxus Fortuiiei Hook. 1 Zweig mit männliclien Blüten; 2 männlicher Blutenstand 
(vergr.); 3 Staubblatt (vergr.); 4 weiblicher Blütenzweig (vergr.); 5 Frucht; 6 Frucht im Durchschnitt. 

Diese Art wurde verschiedentUch auch einhäusig beobachtet und ist als 
üppige junge Pflanze mit ihren langen Blättern recht charakteristisch und dekorativ. 

Cephalotaxus Fortunei robusta hört. 

Syn. Cephalotaxus lanceolata hört. 

Eine sehr schöne empfehlenswerte Form von mehr aufstrebendem, regel- 
mäßigerem, üppigerem Wuchs und besonders langen, etwas breiteren 



68 



Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 



Blättern; hierher dürfte auch eine besonders langblättrige, üppige Form ge- 
hören, welche ich unter den Namen C. lanceolata von Herrn Simon Louis 
Fr er es in Plantieres bei Metz erhielt und schon in den Mitteil. d. dendr. Ge- 
sellschaft 1901, S. 73 beschrieb. Die Pflanze stammte aus einer heute nicht 
mehr bestehenden französischen Baumschule. 

3. Cephalotaxus drupacea Sieb, et Zucc. (Fl. Jap. Fam. Nat. II, p. 108, et Fl. 
Jap. II, t. 130, 131 [1842]). Steinfrüchtige Kopfeibe. 
Syn. Taxus baccata Thunb., Fl. Jap. p. 275 exkl. Syn. (1784). 
Cephalotaxus Fortunei femina hört. aliq. 

„ coriacea Knight., Syn. Conif. 51 (1850). 

Taxus coriacea Knight., 1. c. 

„ japonica Hook, et Gord., Pin. 45, Suppl. 21. 
Podocarpus drupacea hört. aliq. 
Inu-gaya; Hebo-gaya der Japaner. 
Cephalotaxus drupace der Franzosen. 
Plum-fruited Cephalotaxus der Engländer. 
In Japan in einer Höhe von 500 — 1000 m einheimisch, zusammen mit 
Taxu^ baccata cuspidata und Torreya nucifera, häufiger Strauch- als baum- 
artig in Laubwälder eingesprengt, im Kamagonagebirge, u. a. auf der Insel 
Tsusima bei Nagasaki, hier auch kultiviert, auf Hondo, Eso, bei Yokoska und 
Kunagawa. 

In Europa im Jahre 1829 von Siebold in den botanischen Garten in 
Leiden eingeführt. 

Baum von 5 — 10 m Höhe mit braunroter, sich lösender Rinde; in unseren 
Kulturen meist dichtzweigiger Strauch. Äste quirlförmig ausgebreitet. Zweige 
zweizeilig, oft gegenständig, mit dunkelgrüner Rinde. Blätter steif, lederartig, 
wechselständig, fast zweizeilig, lineal- sichelförmig, scharf gespitzt, auf sehr 
kurzem, etwas gedrehtem Stiele, 20 — 40 mm lang, 3 — 4 mm breit, oben mit 
vortretendem Längsnerven, glänzend, dunkelgrün, unten beiderseits des kaum 
vortretenden Längsnerven mit zwei auffallend blauweißen Spaltöffnungs- 
linien gezeichnet. Männliche Kätzchen an kurzen mit Deckblättern besetzten 
Zweigen fast kugelig, 6 — 7 mm lang. Steinfrüchte meist einzeln, hängend, 
eirund stumpf, braunrot, 22 — 30 mm lang, 14 — 18 mm breit. 

Cephalotaxus drupacea steht jedenfalls C. Fortunei sehr nahe und 
ist, wie auch Carriere meint, möglicherweise nur eine Form derselben von 
dichterem Wuchs, dunklerem Grün und grösserer Fruchtbarkeit; die Blätter 
sind kürzer und dichter gestellt. Sie wurde auch einhäusig beobachtet. Die 
Blätter der oberen fruchtbaren Zweige sind kürzer, unregelmäßig wechsel- 
ständig, wodurch die Pflanzen ein krauses Aussehen erhalten, die üppiger, 
quirlästiger Schosse sind die längsten, zweizeilig und auffällig mit den 
Spitzen nach unten umgebogen. Diese Merkmale neben den stets 
breiteren Blättern unterscheiden diese Art gut von C. pedunculata. 

Mit der Gattung Cephalotaxus verhält es sich wie mit der von Taxus; 
erst eingehende Beobachtungen und Aussaatversuche werden entscheiden 
können, ob wir es mit drei, zwei oder gar nur einer Art zu tun haben, zu 
welcher etwa die andern als mehr oder minder abweichende männliche und 
weibliche Pflanzen, wie auch klimatische oder Standortsformen gehören. 



II. Klasse. Coniferae. 69 

Nach Cornevin, Professor der Tierarzneischule in Lyon (Revue horti- 
cole 1891, p. 248), sind auch die grünen Teile von Cephalotaxus gleich 
Taxus giftig. Impfungen mit dem aus den Blättern gepreßten Saft bei Tieren 
haben ergeben, daß die Vergiftungserscheinungen die gleichen sind, nur daß 
Cephalotaxus sechsmal geringere Giftmengen als Taxus enthält, daher 
die Vergiftungen langsamer vor sich gehen. Ist also auch Cephalotaxus 
demnach den Tieren weniger gefährlich als Taxus, so sollte man doch ver- 
meiden, sie da anzupflanzen, wo Fuhrwerk an Auffahrten usw. länger halten 
muß, oder Vieh getrieben wird. 

Durch fortgesetzte Stecklingsvermehrung finden wir die Cephalo- 
taxus meist als buschige Sträucher in unseren Kulturen, welche uns keinerlei 
Urteil zur Lösung obiger Frage erlauben. 

Sie haben sich in rauhen Gegenden und in harten Wintern empfindlich 
gezeigt, ja sind selbst völlig erfroren; sie lieben Halbschatten, zumal ist 
C. Fortunei gegen Sonnenbrand empfindlich. Zur Anpflanzung können sie 
somit nur für milde Gegenden und geschützte Standorte empfohlen werden, 
ihr Zierwert ist dem des Eibenbaumes ähnlich, ein dunkles Grün zeichnet sie 
aus, aber die Bezweigung ist eine leichtere, schönere. Sie sollten möglichst 
stets aus importiertem Samen erzogen werden, der erst im zweiten Jahre auf- 
geht, daher besser erst zu stratifizieren ist; nur so erzieht man baumartige 
Pflanzen mit regelmäßigen, quirlständigen Ästen, die weit dekorativer sind. 
Stecldinge, im Herbst gesteckt, wachsen leicht; man wähle dazu mögHchst 
Kopftriebe mit quirlständigen Zweigen, um regelmäßige, schöne Pflanzen zu 
gewinnen. Stecklinge von Seitentrieben ergeben unregelmäßige, dichte Büsche. 
Veredelung ist wenig gebräuchlich, man kann aber die Formen auf eine der 
Arten, wozu aus Seitentrieben erzogene Pflanzen, dienen können, oder auch 
auf Taxus baccata veredeln, und zwar durch Anplatten oder Einspitzen im 
Frühjahr oder im August. 

Sie gedeihen in jedem nahrhaften Boden, nur nicht in zu schwerem 
Tonboden oder in unfruchtbarem Sand. 

In den milderen Lagen Deutschlands, z. B. am Rhein, finden wir oft 
ansehnliche, starke Exemplare, so auch im Botanischen Garten zu Bonn; hier 
entwickeln sich am Fuße starker Stämme öfter üppige Hauptachsen mit quirl- 
förmiger Zweigstellung und doppelt so langen, weit breiteren, üppigen Blättern. 
Solche Triebe wachsen in den Sträuchern empor und man glaubt auf den 
ersten Blick zwei ganz abweichende Pflanzen vor sich zu haben, zumal die 
üppigen Triebe regelmäßig zweizeilig gestellte Blätter zeigen, während die der 
älteren Buschform unregelmäßiger, öfter gedreht, die bläuliche Unterseite zeigen. 
Diese zweigestaltige Zweigbildung ist höchst interessant und beweist uns, wie 
sehr die C. je nach Alter und Entwickelung abweichen. Außer dem schon ange- 
deuteten Zierwert dürfte von irgend einem Nutzwert bei uns nie die Rede sein. 

Es wäre nun noch einiger wohl kaum in Kultur befindlicher Arten zu 
gedenken. 

Cephalotaxus Griffithii Hook. fil. (Fl. of Brit. Ind. V [1800], p. 648 et 
Ic. PI. vol. X, part. II, 3. Ser., tab. 1933 [1890]). Griffith-Kopfeibe. 

In China in der Provinz Szechuen IVIt. Omei 1160 m. Hupeh (Faber), 
Nord- und Süd-Shen-si (Giraldi), Ober-Assam (Griffith), Munnipore (Watt.), 
Bernard myo, Brit. Birma (Hinterindien) 2150 m (Oliver). 



7() Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Ansehnlicher Baum von ziemHch steifem Habitus, Rinde glatt, silbergrau, 
in großen unregelmäßigen, papierartigen Platten sich ablösend. Jung mit 
quirlförmiger Beastung, die sich später mehr verliert. Blätter zweizeilig, lineal, 
zugespitzt, etwas sichelförmig auf kurzem, gedrehtem Stiel, oberseits gerinnt, 
glänzend grün, unten beiderseits des vorstehenden grünen Mittelnervs und 
der Ständer mehlweiß, bis 60 mm lang, 4 mm breit. Männliche Blüten 
kugelig, etwa 6 blutig, Antheren fast sitzend. Weibliche Köpfchen 5 — 7 blutig, 
kurz gestielt. Früchte olivenförmig, zugespitzt, bis 28 mm lang, 15 mm breit. 

Eine prächtige, langblättrige Art. Mir liegen Exemplare vor, die ich 
von Prof. Dr. Dietr. Brandis erhielt und solche, die Pater Giraldi sammelte; 
erstere zeigen beide Geschlechter, letztere nur männliche Pflanzen, welche 
aber genau übereinstimmen. 

Cephalotaxus Oliveri Mast, (in Bull. Herb. Boiss. VI, p. 270 et in Journ. 

Linn. Soc. XXVII, p. 545; Card. Chron. 1903, p. 226 cum ic). 

Olivers Kopfeibe. 

Syn. Ceph. Griffithii Oliver in Hook. Ic. PI. t. 1933, nicht Hook, fil., 1. c. 

Im mittleren China, Hupeh (Henry), Szechuen (Wilson), Mount Omei 
(Faber) Strauch- oder baumartig, junge Zweige gerillt. Blätter kurz, fast 
zweizeilig, kammförmig, auffallend dicht gestellt, 20 — 25 mm lang, 4 mm breit, 
lineallänglich, sichelförmig, stumpfstachelspitzig, fast sitzend, am Grunde herz- 
förmig-zweilappig, unterseits mit breitem, vorragendem Mittelnerv und blassen 
Spaltöffnungsreihen. Männliche Blüten gestielt, fast kugelig, 5 mm dick. 
Bracteen fast kreisrund, kahnförmig zugespitzt; Antheren fast sitzend, weibliche 
Köpfchen (teste Olivero) fünf- bis siebenblütig, kurz gestielt. Samen elliptisch- 
spitz, in der Mitte mit kleinen Höckerchen. 

Cephalotaxus Mannii Hook. fil. (in Hook. Ic. PI. t. 1523 et Fl. Brit. Ind. V, 
p. 647; Franchet in Journ. de Bot. 1899, p. 265). Manns Kopfeibe. 

Im Khasia-Gebirge von etwa 1600 m Erhebung (Mann), Szechuen (Pri nee 
Henry v. Orleans ex Franchet). Kleiner Baum; Blätter lineal, verschmälert- 
zugespitzt, lederartig, gerade, kaum sichelförmig, zweizeilig abstehend, ober- 
seits glänzend, unterseits blasser grünlich, 40 mm lang, 4 mm breit. Männliche 
Kätzchen gestielt, kugelig; Antheren herzförmig-eirund, am Grunde dreilappig, 
oben gespitzt. Weibliche Blüten 3 — 4 an einem Stiele, kugelig. Samen 
eirund-länglich, am Grunde verschmälert, somit birnförmig, 30 — 35 mm lang, 
15 mm breit. 

Dieser Beschreibung, die neben der Abbildung eine Cephalotaxus, ganz 
ähnlich der uns bekannten Arten widergibt, ist eine ganz eigenartige Be- 
merkung angehängt, es heißt da nämlich: „Eine sehr charakteristische Art, 
die aber so gleich der Taxus baccata ist, daß man sie leicht mit derselben 
verwechseln kann, das völlige Fehlen der weißen Blattunterseiten unterscheidet 
sie von jeder anderen Art". 

Diese Bemerkung, die so gar nicht mit der Beschreibung noch mit der 
Abbildung in Einklang zu bringen ist, beweist, daß unter den Herbar- 
exemplaren Verwechselungen vorgekommen sein müssen. Ich habe dafür 
sogar den handgreiflichen Beweis in Händen, denn Exemplare, welche ich 



II. Klasse, Coniferae. 71 

Herrn Prof. Brandis, als Cephalotaxus Mannii bezeichnet, verdanke, welche 
Oliver in Bernardino-Dali 1891 gesammelt hat, sind ganz unverkennbar, 
nicht Cephalotaxus, sondern Taxus baccata, was auch Prof. Brandis 
bestätigte, als ich ihn darauf aufmerksam machte. 

Es ist ja vor allem zu wünschen, daß auch diese Arten bald in Europa 
eingeführt werden. Für Deutschland dürften sie kaum oder doch höchstens 
für die mildesten Lagen als Freiland-Coniferen in Betracht kommen, aber doch 
für Sammlungen zum genauen Studium sehr willkommen sein. 

Familie Pinaceae. Tannenfamilie. 
1. Unterfamilie: Araucarieae. Schmucktannengewächse. 

Blüten ein- und zweihäusig, männliche an den Spitzen der Zweige. 
Schuppen des weiblichen Kätzchens sehr zahlreich, mehrreihig, spiralförmig, 
dachziegelig, der Beschaffenheit nach einfach, die Samenschuppe der Bractee 
eng angewachsen. Eichen 1 — 3, in der Mitte oder unterhalb der Mitte der 
Schuppe beiderseits anliegend, umgewendet. Samen ungeflügelt oder seit- 
lich geflügelt. 

Immergrüne hohe Bäume. 

Cunninghamia R. Br. (in Rieh. Conif. 149, t 18 [1826]; Belis Salisb. in Trans. 
Linn. Soc. VIII, 315 [1807]). Cunninghamie, Spießtanne. 
Blüten einhäusig, männliches Köpfchen und weibliches Kätzchen an den 
Spitzen der Zweige oft 2 — 3; sie erscheinen zuerst endständig, kommen jedoch 
bald durch das auswachsende Zweigchen seitHch heraus. Männliche zu mehreren 
an den Spitzen der Zweige kopfförmig, je eine an der Basis von einer 
Bractee umschlossen, durch mehrere äußere taube, vielreihig- dachziegelige 
Bracteen die Hülle des Köpfchens bildend. Staubfadensäule locker zylindrisch; 
die Antheren fast spiralig-vielreihig, mit einem dünnen Stiele, durch das 
Anhängsel des schuppenförmigen Mittelbandes eirund, kaum oder nicht schild- 
förmig, einwärts gekrümmt, Fächer 2 — 4 an der Basis des Anhängsels nach 
unten zweiklappig. Weibliches Kätzchen fast kugelig, die Schuppen einfach, 
vielreihig, spiralig-dachziegelig, sehr breit eirund, stachelspitzig, an der Basis 
kurz zusammengezogen. Samenschuppe dünn, eng angewachsen, unterhalb 
der Mitte der Schuppe wenig verdickt. Eichen an der Basis der fruchtbaren 
Schuppen 3, umgewendet, mit einigen äußeren tauben und kleineren 
Schuppen. Zapfen nach der Blüte vergrößert, im übrigen wenig verändert, 
mit locker dachziegeligen, wenig erhärteten, am Rande dünnen, an der Spitze 
oft sparrig abstehenden, bleibenden Schuppen. Samen umgewendet, länglich, 
mit krustenartiger, härtlicher Schale, von einem schmalen Flügel umgeben. 
Kotyledonen 2. 

1. Cunninghamia sinensis R. Br. (in Rieh. Conif. p. 80, t. 18, f. 3 [1826]). 
Chinesische Cunninghamie oder Spießtanne. (Fig. 8.) 

Syn. Abies major sinensis etc. Plukn. Amalth. I, t. 35, 1, f. 1. 

Pinus Abies Lour. Flor., Cochin. II, p. 270 exkl. Syn. (1790). 
„ lanceolata Lamb., Pin. ed. I, vol. 1, p. 52, t. 34 (1803). 



72 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Syn. Belis jaculifolia Salisb. in Linn. Trans. 8, sp. 315 (1807). 
„ lanceolata Sw. Hort., brit. p. 475. 

Abies lanceolata Desf. Cat. Hort , Paris ed. 3, p. 356. 

Cunninghamia lanceolata Lamb., Pin. ed. 2, p. 59, t. 37 (1828). 

Araucaria lanceolata hört. 

Sanshu der Chinesen. 

Köyözan, Riu-kiu-momi und Oranda-momi der Japaner. 
Im südlichen China einheimisch, in Kiangsi (David), Formosa und 
Hupeh (Henry), Shen-si (Giraldi), Szechuen (Faber), Yunnan (Delavay) 
aufgefunden und in Japan kultiviert, in Yokohama von Maximowicz beobachtet. 
Im Jahre 1804 in Europa eingeführt. 

Baum von 10 — 15 m Höhe; Mayr fand an einem Buddhatempel Bäume 
bis zu 25 m Höhe (Fremdland-, Wald- und Parkbäume). Im Ansehen der 
Araucaria brasiliensis ähnlich, mit geradem, die unteren Äste bald abwerfendem,^) 
verhältnismäßig zur Höhe sehr starkem Stamme, welcher befähigt ist, ab- 
geschlagen zahlreiche Stockauschläge zu entwickeln. Äste quirlförmig, hori- 
zontal abstehend, Zweige zweizeilig. Blätter sehr dicht und wechselständig, 
zweizeilig abstehend, lederartig steif, 3 — 7 cm lang, 5 — 7 mm breit, lineal- 
lanzettlich oder lineal-sichelförmig, scharf zugespitzt, an der Basis herablaufend, 
am Rande schwach gesägt, oben frischgrün glänzend, unten mit zwei breiten, 
blauweißen Spaltöffnungslinien gezeichnet. Männliche Kätzchen 10 — 15 mm 
lang, 3 — 4 mm breit, gelb. Zapfen 3 — 4 cm lang und breit, zu mehreren am 
Zweige vereinigt, selten einzeln. Mittlere Schuppen 15 — 18 mm lang und fast 
breit. Samen 6 — 7 mm lang, 5 — 6 mm breit, sehr zusammengedrückt, gelblich- 
braun, von einem schmalen, ausgerandeten Flügel umgeben. 

Cunninghamia sinensis glauca hört, 
zeichnet sich durch eine auffallend blaugrüne Färbung der Belaubung, 
zumal an den jungen Trieben und durch eine auffallend silberweiße Blattunter- 
seite von der Art aus, und ist in gut gewachsenen Exemplaren besonders schön. 
Diese Form hat sich, wie manche blaue Formen anderer Coniferen, auch 
meist widerstandsfähiger als normale Pflanzen gezeigt, wir finden daher unter 
günstigen Bedingungen noch schöne Pflanzen, z. B. ein Prachtexemplar im 
Schloßgarten in Baden-Baden, eine auffallend breite Pflanze, 6 m hoch, mit 
45 cm Stammdurchmesser. 

Die Cunninghamie ist als Samenpflanze mit quirlständigen Ästen an 
Schönheit und dekorativem Wert den Araukarien gleich zu schätzen, aber 
leider begegnet man, selbst im südlichen Europa, wo die Kulturbedingungen 
günstige sind, meist nur struppigen, unregelmäßigen Pflanzen, bei oft be- 
deutender Stammstärke. Man darf dies wohl zum großen Teil von der Steck- 
lingsvermehrung und zwar von Seitenzweigen herleiten, welche immer mehr 
buschige, schiefe Pflanzen ohne Hauptachse, (Kopf trieb) liefern. Obgleich die 

^) In der durch reiche Gehölzsammlungen bekannten Domäne des Barres in Frankreich 
sah ich eine starke Cunninghamia, welche untere Äste bis zu 3 m Länge abgestoßen hatte. 
Dieselben hinterließen im Stamme runde trichterförmige Vertiefungen, genau in der- 
selben Weise, wie auch Agathis (Dammara) ihre Äste abstößt. Diese eigentümliche, beiden Bäumen 
gemeinsame Erscheinung dürfte vielleicht auch auf die Zugehörigkeit der Cunninghamia zu den 
Araucarieen hindeuten. 



II. Klasse. Coniferae. 



73 



C. in verschiedenen Gegenden Deutschlands in geschützten Lagen unter Decke 
normale Winter überdauerte und wir in Parkanlagen, wo günstige Kultur- 




Fig. 8. Cunninghamia sinensis R. Br. 1 Zweig mit Zapfen; 2 männliche Blütenstände; 3 weibliche 

Blütenstände ; 4 Staubblatt von hinten und 5 Staubblatt von vorne ; 6, 7 Fruchtblatt in verschiedener 

Entwickelung ; 8 Samen (doppelte Größe); 9 Fruchtschuppe ohne Samen; 10 Fruchtschuppe mit Samen; 

11 Blattspitze (vergr., um Nervatur und Zähne am Rande zu zeigen). 



bedingungen vorherrschen, oft mehrere Meter hohe Pflanzen finden, so wird 
sie doch in strengen Wintern stark durch Frost mitgenommen und kann zur 
Anpflanzung nur für milde Gegenden und geschützte Lagen empfohlen werden, 
da nur hier einige Aussicht besteht, längere Zeit die Pflanzen unbeschädigt 



74 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten, 

ZU erhalten. Selbst in England leidet sie und man findet selten unbeschädigte 
Exemplare. Die C. liebt leicht beschatteten Stand und mehr leichten, lehmigen 
Sandboden von gleichmäßiger Feuchtigkeit. 

Für rauhe Lagen ist die C. im Topf oder Kübel bei frostfreier Über- 
winterung zu kultivieren. 

Außer sehr beschränktem Zierwert bietet also die Cunninghamia für 
Deutschland meist nur wissenschaftliches Interesse. Das sehr leichte Holz 
wird als außerordentlich schön, fein und glänzend, trefflich Politur annehmend 
und dabei äußerst dauerhaft im Vaterlande geschätzt. 

Die Vermehrung geschieht am besten durch importierten Samen, der 
möglichst bald nach der Reife zu säen ist, und durch Stecklinge im Herbst; 
man wähle kurze Triebe aus und möglichst am Stamm oder an stärkeren 
Ästen erscheinende Kopftriebe, keine Seitentriebe, welche die oben an- 
geführten Übelstände zeigen. Man erzieht kräftige, gut bewurzelte Pflanzen 
im Topfe, bei frostfreier Überwinterung, ohne sie zu verzärteln, und pflanzt 
nur solche in das freie Land. 

2. Cunnighamia Konishii (Hayata, Tokyo Bot. Mag. 1907, vol. XIX, p. 43—60, 
et Gard. Chron. 1908 p. 194). Konishis Cunninghamie. 

Auf Formosa auf dem Berge Randaisan, Nanta in 2300 m Erhebung von 
N. Konihi 1907 gefunden. Nach dem Autor ein im Habitus zwischen 
Cunninghamia sinensis und Taiwania stehender Baum, mit runden, glatten, 
rotbraunen Ästen, die mit spiralig gedrängten Blattnarben gezeichnet sind. 
Blütenknospen nackt, flach gedrückt kugelig, mit flach gedrückt-eirunden, 
kurz begrannten Bracteen. Blätter älterer Zweige spiralig gedrängt, an- 
gewachsen -herablaufend, schmal -lineal, sichelförmig, eingebogen, aufrecht, 
spitz, auf dem Rücken leicht gekielt, an jungen Zweigen aufrecht-abstehend 
und länger, 15 mm lang, 2,5 mm breit, an der Basis schief gedreht, an der 
Spitze stumpflich, am Rande leicht gesägt, steif, lederartig, beiderseits 
blaugrün und mit vielreihigen Spaltöffnungsreihen, etwa 8 Jahre, länger 
als bei C. sinensis, am Baume grün bleibend. Reifer Zapfen eirund-kugelig, 
20 mm lang, 15 mm breit. Schuppen rundlich, scharf gespitzt, deutlich kurz 
genagelt, abstehend, herzförmig oder breit zusammengedrückt-eirund, ganz- 
randig, holzig-lederartig, am Rande etwas wellig, auf dem Rücken leicht 
gekielt, glatt, Bractee klein, Schüppchen 3 von der Basis der Schuppe getrennt. 
Samen 3, am Grunde der Schuppe angeheftet, umgewendet, frei, eirund- 
elliptisch, mit lederartiger, harter Schale und schmalem Flügel. 

Nach dem Autor ist sie durch die genannnten Charaktere gut von 
C. sinensis verschieden und verbindet gleichsam C. sinensis und Taiwania. 
Hoffen wir, daß sie bald in Kultur eingeführt wird und sich annähernd wie 
C. sinensis bei uns verhält, nach ihrem Vorkommen in bedeutender Erhebung 
wäre dies nicht ausgeschlossen. 

Araucaria Juss. (Gen. PI. 413 [1789], Dombeya Lam. Dict. II, 30], 
t. 828 non Cav, [1786]). Araucarie, Schmucktanne. 

Blüten zweihäusig oder seltener einhäusig, männliche endständig einzeln 
oder seltener an verkürzten Zweigchen an den Spitzen der Zweige büschelig. 
Staubfadensäule lang zylindrisch, zwischen den obersten Blättern sitzend. 



II. Klasse. Coniferae. 75 

Antheren sehr zahlreich, dicht spiralig gedrängt, vielreihig auf ziemlich 
starrem Stiele, Fächer 6 — 8 an der Spitze des Stieles, lineal, hängend, nach 
innen aufspringend, durch das Mittelband über die Fächer hinaus in ein 
schuppenförmiges, einwärts gebogenes Anhängsel verlängert. Weibliches 
Kätzchen eirund oder kugelig; Schuppen nach der Blüte von Beschaffenheit 
einfach, vielreihig, spiralig, dicht dachziegelig, an den Spitzen öfter zugespitzt. 
Samenschuppe dicht angewachsen, dünn, stumpf oder zugespitzt, unter der 
Spitze der Bractee frei. Eichen eins, umgewendet. Zapfen kugelförmig, 
oft groß, bis zu 22 cm Durchmesser, zuerst endständig, später durch das aus- 
wachsende Zweigchen seitlich herauskommend, mit zahlreichen, dicklichen, 
an der Spitze jedoch erhärteten Schuppen, an den Seiten verschmälert 
oder in Flügel ausgezogen. Samen länglich, umgewendet. Schale mit der 
Schuppe eng verwachsen; Eiweiß schmal. Kotyledonen 2 oder 3 — 4. Keimung 
oberirdisch oder unterirdisch. 

Sektion Coluftibea. 

Amerikanische Arten mit nicht oder kaum geflügelten Zapfenschuppen, 
mit zwei Kotyledonen und unterirdischer Keimung. Columbea Salisb. in 
Trans. Linn. Soc. VIII, 317 (1807). 

1. Araucaria imbricata Pav. (Mem. Acad. Madrit. I, p. 197 [1795]). 

Chilenische Araucarie. (Fig. 9 u. 10.) 
Syn. Pinus Araucana Molin., Chil. p. 182 (1782). 

Dombeya chilensis Lamb., Dict. II, p. 301 (1786). 
„ Araucana Raeusch., Nomenclat. (1797). 

Columbea quadrifaria Salisb. in Linn. Trans. VIII, p. 315 (1807). 
Abies Columbaria Desf., Hort. Paris 212 (1815). 

„ Araucana Poir., Suppl. V, p. 35 (1817). 
Araucaria chilensis Mirb. in Mem. du Museum XIII, p. 49 (1825). 

„ Dombeyi Rieh., Conif. p. 86, t. 20, 21 (1826). 

Quadrifaria imbricata Manett. ex Gord., Suppl. 14 (1862). 
Columbea imbricata Carr., Conif. ed. 2, p. 598 (1867). 
Pehuen der Chilenen, die Frucht wird Pinon genannt. 
Araucaria du Chili der Franzosen. 
Chili Pine der Engländer. 
In den Gebirgen des südlichen Chili zwischen dem 36. — 48.^ große 
Wälder bildend. Ein geschätztes Nutzholz liefernd, das Kernholz ist gelblich, 
das jüngere weiß, feinfaserig, schön geädert und nimmt gut Politur an. Die 
Früchte dienen den Bewohnern zur Nahrung. 
In Europa 1791 von Menzies eingeführt. 

Baum von 30 — 50 m Höhe mit geradem Stamme, an welchem die Blatt- 
basen schuppenförmig stehen bleiben, an älteren Bäumen unten kahl mit viel- 
eckig rißiger Rinde und mit stumpf-kegelförmiger Krone. Äste regelmäßig 
quirlständig, horizontal ausgebreitet, die oberen aufstrebend, die unteren bis 
zur Erde überhängend. Zweige gegenständig oder zerstreut, sehr lange mit 
Blättern bedeckt. Blätter steif, lederartig, dachziegelig abstehend, eirund-lan- 
zettlich spitz, scharf stachelspitzig, oben konkav, unten konvex, beiderseits 
dunkelgrün, 3 — 5 cm lang, 8 — 20 mm breit. Zapfen aufrecht, groß, dunkel- 



76 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

braun, 12 — 15 cm lang und breit, Schuppen zahlreich, dicht dachziegelig, läng- 
lich-keilförmig mit langem, lineal- zugespitztem, übergebogenem Anhängsel, 
fruchtbare Schuppen 6 cm lang, 17 — 19 mm breit. Samen etwa 35 — 45 mm lang, 
12 — 13 mm breit, verkehrt-eirund-länglich, zusammengedrückt, glatt, glänzend 
rotbraun, eßbar. Ein Zapfen enthält bis 300 Samen. 





Fig. 9. Araucarla imbricata Pav. 1 männliche Blüte; 2 weibliche Blüte; 3 Staubblatt von der Seite; 
4 Staubblatt von vorn; 5 und 6 Staubblätter von Araucaria brasiliensis ; 7 Samen von A. imbricata. 



Die Chilenische Araucarie ist eine äußerst dekorative, eigenartig 
schöne, auffallende Conifere, welche als Einzelpflanze stets ganz frei auf Rasen 
stehen muß und gut entwickelt mit ihrer quirlförmigen Aststellung, den starr be- 
schuppten Zweigen und dem dunklen Gründern Garten einen herrlichen Schmuck 
verleiht; leider sehen wir unbeschädigte' Exemplare nur in geschützten oder 
günstigen luftfeuchten, daher in milden Lagen, wo — 15 <^ C. nicht überschritten 
werden, und sonst nur, wenn sie im Winter sorgfältig geschützt werden, am 
besten, indem man die Bäume mit einer Bretterbude umgibt, diese unten 



II. Klasse. Coniferae. 



77 




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Fig. 10. Araucaria imbricata Pav. 



78 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

durch Laub schützt und alle Fugen sorgfältig mit Moos verstopft. So steht 
die Pflanze ganz unberührt und bei wärmerem Wetter kann auch gelüftet 
werden. Wo man sich solche Mühe nicht verdrießen läßt, kann man schöne 
Exemplare finden, z. B. noch in der Umgebung Hamburgs, wo auch das 
Seeklima günstig einwirkt. Es gedeihen 2 Exemplare unter leichter Winter- 
decke auf Stubbenkammer (Insel Rügen) seit langen Jahren, ebenso früher 
in rauher Lage bei Donaueschingen in einer Erhebung von 848 m nach 
Kirchhoff, die später, weil wenig beachtet, eingingen; weiter stehen Pracht- 
exemplare von 8 m Höhe in hoher Lage, bei Remscheid (Rgb. Düsseldorf). 
Die genannten Exemplare habe ich auch selbst gesehen. Auf der Insel Mainau 
im Bodensee sehen wir, neben einzelnen Prachtexemplaren bis gegen 10 m Höhe, 
auch eine Allee von Araucarien angepflanzt. Bei Walzenhausen am Boden- 
see steht ein schönes, tadelloses Exemplar von 12 m Höhe. Sonst kann die 
Anpflanzung nur für die mildesten Gegenden Deutschlands empfohlen werden, 
denn harte Winter töteten starke Exemplare, selbst unter guter Decke, oder 
verunstalteten sie doch für alle Zeit. Für rauhe Lagen ist die A. in Kübeln 
bei frostfreier Überwinterung zu kultivieren. 

Sie wird aus importiertem Samen erzogen und als kräftiges Topfexemplar, 
mit sorgfältigster Schonung jeder Wurzel, ins Freie ausgepflanzt. 

Die Araucarie liebt einen nahrhaften, gleichmäßig feuchten, vor allem 
aber durchlässigen Boden, in hitzigem, trockenem, zumal kalkhaltigem Boden 
wird sie gelb und geht zugrunde. Gebirgs-, See- oder Inselklima sagen ihr 
besonders zu; 3 — 5 m hohe Exemplare sind die dekorativ wertvollsten, da sie 
bis zum Boden beästet sind, während ältere Bäume die unteren Äste ab- 
stoßen, auch sich bald höher ausästen und unten kahl werden. — Sind auch 
die klimatischen Verhältnisse in Deutschland der A. im allgemeinen nicht 
günstig, und werden wir uns auch nie solcher Prachtexemplare, wie wir sie 
in England und Frankreich antreffen, rühmen können, so sollte man doch in 
den wärmeren Gegenden und sonstigen günstigen Lagen immer wieder die 
Anpflanzung versuchen, selbst auf die Gefahr hin, sich nur für eine Reihe von 
Jahren eines so seltenen, fremdartigen Schmuckes zu erfreuen. 

Daß sich unter günstigen Bedingungen A. imbricata in Europa schon 
eingebürgert hat, ist von besonderem Interesse; nach der Revue horticole 
1889, p. 460 befinden sich in Pennandre, 16 km von Brest, die größten Exem- 
plare Frankreichs. Bäume bis zu 25 m Höhe bilden einen undurchdringlichen 
Urwald, indem die durcheinander gewachsenen Äste unmöglich machen, bis 
zu den Stämmen zu gelangen, die bis 2,65 m Umfang haben. Sämlinge be- 
decken hier und da den Boden; dieser dichte Bestand soll einen wilden, 
finsteren Eindruck machen. Der stärkste Baum ist weiblich, andere männlich. 

Nach der Revue horticole 1893, p. 561 haben etwa 30jährige Bäume in 
Montpellier, wie in Bordeaux seit Jahren reichlich keimfähige Samen gebracht. 

In der Heimat sollen weibliche Bäume viel höher und stärker werden 
und 40 — 50 m Höhe erreichen, während männliche Bäume durchschnittlich 
nur 15 — 18 m Höhe erlangen. 

Am Eingang ins Bois de la Cambre in Brüssel sieht man in einer 
prächtigen Gruppe von Araucarien Individuen sehr verschieden im Wuchs, 
manche mehr gedrungen mit feinerer Bezweigung und Belaubung, andere mit 
dickeren und weiteren Astquirlen, starreren, größeren Blättern und auch 



IL Klasse. Coniferae. 79 

Zapfen tragend. Wiederholt hatte ich Gelegenheit, diese Bäume genau zu 
beobachten. 

England erfreut sich durch die Gunst seines KHmas herrHcher und her- 
vorragend schöner, starker Araucarien. Nach Gard. Chron. 1899, p. 195 wurde 
in Pencarrow (Bodmin) auch ein monöcisches Exemplar beobachtet, welches 
mehrere Zapfen und zahlreiche männliche Blüten trug. 

2. Unterfamilie: Abietineae. Tannengewächse. 

Blüten einhäusig, männliche Kätzchen einzeln, achselständig oder an 
kurzen Zweigen endständig. Schuppen des weiblichen Kätzchens doppelt. 
Samenschuppe von der Bractee frei oder nur an der Basis angewachsen, erst 
sehr vergrößert, im Zapfen oft allein sichtbar. Eichen 2, umgewendet, 
nahe der Basis der Schuppe angeheftet. Samen mit unechtem Flügel (von der 
inneren Lage der Schuppe abgelöst flügelfruchtartig) selten mit abfallendem 
oder kaum entwickeltem Flügel, entblößt oder nackt. 

Hohe, meist immergrüne Bäume, selten mit abfallenden Blättern. 

Nur Langfriebe, Blätter einzelnstehend, immergrün, Samen stets geflügelt. 
1. Blätter mit einem Harzgang im Kiel. 
Tsuga Carr. (Conif. 2, ed., p. 245 [1867]). Hemlockstanne, 
Schierlingstanne. 
Blüten einhäusig, männliche in den Achseln der oberern Blätter einzeln, 
fast sitzend, mit schuppenförmigen , dachziegeligen Bracteen dicht umgeben. 
Staubfadensäule klein, fast kugelig oder zylinderisch; zwischen den Bracteen 
gestielt. Antheren dicht spiralig auf kurzem Stiele; Fächer 2, angewachsen, 
fast kugelig, nach unten schräg zweiklappig, durch das Mittelband über die 
Fächer hinaus in einen Nabel oder ein sehr kurzes, drüsenförmiges Spitzchen 
verlängert. Weibliche Blüten endständig, einzeln, von wenigen tauben 
Schuppen dicht umgeben, kugelig, Schuppen doppelt, bis zur Basis oder fast 
bis zur Basis getrennt. Bracteen häutig, während der Blüte sichtbar. Samen- 
schuppe schon während der Blüte der Bractee fast gleich, dann eine ansehn- 
liche Schuppe bildend. Eichen 2, unten an der Basis der Samenschuppe 
mit derselben zusammenhängend und umgewendet. Zapfen hängend, fast 
kugelig, mit wenig vergrößerten, eingeschlossenen Bracteen; Schuppen aus 
der Samenschuppe gebildet, locker-dachziegelig, nach dem Samenausfall 
bleibend. Samen unter jeder Schuppe 2, umgewendet falsch-flügelfrucht- 
artig. Haut dünn, trockenhäutig -durchsichtig, von der inneren Lage der 
Schuppe getrennt und beiderseits gerandet, dann vom Flügel getrennt, eirund- 
länglich-zusammengedrückt, mit krustenartiger Schale und mit Harzbläschen 
versehen. Kotyledonen 3 — 6. 

Immergrüne Bäume mit an den Spitzen oft hängenden, dünnen Zweigchen. 
Blätter schmal-Hneal, flach oder eckig, spiralig zerstreut, zuweilen zweireihig 
abstehend, oben flach, oder bei einer Art konvex, mit einem einzigen rücken- 
ständigen Harzgange und mit einem besonderen, knieförmig gebogenen, kurzen 
Stiele auf einem bleibenden, deutlich aber wenig hervorragenden langherab- 
laufenden Blattkissen befestigt. Zapfen hängend, 2^/2 cm lang, oder bei einer 
Art dreimal länger. 



WQ Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Sektion I, Eutsuga Engelm, (Botany of Californ.). 
Echte Hemlockstaiinen. 

Blätter flach, stumpf, meist am Rande sehr fein gesägt, nur auf der 
Unterseite mit Spaltöffnungslinien versehen, Pollenkörner scheibenförmig, 
Zapfen klein, 2^/2 cm lang. 

1. Tsuga Sieboldii Carr. (Conif. 1. ed., 186 [1855]). 
Japanische Hemlockstanne. (Fig. 11.) 
Syn. Abies Araragi Sieb., Verh. van het. Bat. Genotsch. XII, 12 (1830). 
„ Tsuga Sieb, et Zucc, Fl Jap. II, 14, t. 106 (1842). 
„ Araragi Loud., Encycl. of Trees 1036 (1842). 
Pinus Tsuga Ant. Conif. 23, t. 32, f. 2 et Endl., Conif. p. 83 (1847). 
Tsuga Tsuga Murr., Sketsch of the Conif. of Jap. in Proceed. Hort, 

Soc. II, p. 508 (1862). 
Tsuga Araragi Sargent in Card, and Forest X, 491, Fig. 62. 
Araragi; Tsuga; Hon-tsuga; Kuro-tsuga oder Toga der Japaner. 
Tsuga du Japon der Franzosen. 
Japanese Hemlock Fir der Engländer. 
Im Jahre 1853 von Siebold in Europa eingeführt. 

In Japan nach Mayr dem blattabwerfenden Laubwalde angehörend, in 
Kiushiu und Shikoku zahlreich in engen, felsigen, warmen Tälern, in tieferen 




Fig. 11. Tsuga Sieboldii Carr. 1 Originalzapfen, gesammelt von Tschonoski auf Hondo; 2 Samen mit 
Flügel; 3 Samen (vergr., um die Harzdrüsen zu zeigen); 4 unfruchtbarer Zweig; 5 Blatt (zweifache 

Größe). 

Lagen im Mischwalde mit Abies firma, in höheren Lagen teils in reinen Be- 
ständen oder im Mischwalde mit Pinus parviflora. Auch in China vorkommend, 
in Hupeh und Szechuen (Henry). Shensi im Tsinling Gebirge (David ex 
Franchet) in Thae-pei-san (Giraldi, von denen mir Herbarexemplare zu- 
gingen). Sie erreicht oft bedeutende Dimensionen, bis 34 m Höhe, 3 — 4 m 
Stammdurchmesser und 12 — 14 m Schaftlänge; in dichten Beständen liefert 
sie schöne, gerade Stämme, einzeln und freistehend wächst sie dagegen oft 
gegabelt und krumm, in der Jugend wächst sie langsam. Das Holz ist rötlich, 



II. Klasse. Coniferae. 81 

vortrefflich fest, zähe und dauerhaft, besser wie das von Kiefer und Tanne, 
wenig von Temperaturwechsel, Feuchtigkeit und Luft beeinflußt, geschätzt 
als Bau- und Nutzholz, zu Schiffsbau, Dachschindeln, für Möbel- und Drechsler- 
arbeiten verwendet. Die Rinde liefert Lohe. 

Baum mit pyramidaler Krone, Äste unregelmäßig zerstreut, ausgebreitet, 
mit den Zweigspitzen überhängend. Junge ausgereifte Zweige glatt, 
hellbraun, mit roten Blattkissen, Blätter dichtstehend, fast zweizeihg, 
lineal-flach, stumpf, ausgerandet, an den Rändern glatt, oben glänzend grün 
mit flacher Längsrille, unten beiderseits des Längskiels mit weißen Spalt- 
öffnungslinien gezeichnet, die längsten seitlichen Blätter bis 23 mm lang, 3 mm 
breit, die oben am Zweige stehenden kürzer, oft nur 10 mm lang, männliche 
Blüten zylindrisch gestielt. Zapfen an einem schuppigen Stiele hängend, 
rundlich -elliptisch -stumpf, 20 — 25 mm lang und fast ebensobreit. Zapfen- 
schuppen wenige, öfter abstehend, lederartig, kreisrund, ganzrandig oder 
meist ausgerandet, auf dem Rücken leicht gestreift, glänzend braun, am 
Grunde kurz gestielt. Bracteen abgestutzt, 5 mm lang, unregelmäßig-zweiteilig, 
gezähnt-gewimpert, dreimal so kurz als die Schuppe. Samen klein, verkehrt- 
eirund, braun, mit länglich-stumpfem, fast gleichlangem, weißlichem Flügel. 

Die japanische Hemlockstanne ist von Tsuga canadenis und der 
letzteren nahestehenden Tsuga Mertensiana durch ausgerandete, breitere, unter- 
seits weißere Blätter, nicht behaarte junge Triebe und zylindrische männliche 
Blüten, die bei den genannten Arten kugelig sind, und durch rundlichere 
Zapfen verschieden. 

Tsuga Sieboldii zeigte sich in Deutschland ziemlich hart, litt jedoch 
auch in rauhen Lagen, und an unpassenden Standorten; sie ist oft sehr lang- 
sam von Wuchs und man findet ältere Exemplare meist in Kultur als kleinere, 
gedrungene, mehrwipfelige, mehrere Meter hohe Pflanzen mit unregelmäßig- 
ausgebreiteten Ästen. Ein Umstand, der von der fortgesetzten Vermehrung 
durch Stecklinge herrühren dürfte. Erst Samenbäume, die neuerdings 
immer mehr herangezogen werden, zeigen uns den wahren Wert und die 
Schönheit dieses Baumes, der als Bewohner des wärmeren Laubwaldes in 
Japan auch bei uns die passenden Standorte erhalten muß. Mayr empfiehlt 
auch forstliche Anbauversuche, im Laubwalde eingesprengt, soweit die Eiche 
wächst, zumal in warmen, bodenfeuchten Flußtälern. 

Tsuga Sieboldii fol. varieg. Hesse. 

Eine bei Aussaaten gewonnene buntblättrige Form. 

2. Tsuga (Abies) diversifolia Maxim, (in Mel. biolog. VI, p. 373 [1866] und 
Franchet et Savat. Enum. PI. Jap. 468 [1875]). Verschiedenblättrige 

Hemlockstanne. 
Syn. Abies Tsuga nana Sieb, et Zucc, Fl. Jap. II, p. (1842). 
Tsuga Sieboldii nana Carr., Conif. 2. ed., 246 (1867).^) 
Kome-tsuga; Beni- tsuga; Hime-tsuga der Japaner. 



^) Diese Namen gehören als Syn. hierher, wie schon Mayr in Monogr. d. Abietin. d. 
jap. Reiches, S. 87 nachgewiesen hat. Ich habe Zweige und Blätter genau untersucht, die dies 
unverkennbar beweisen. 

Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 6 



g2 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

In Japan von Maximowicz auf den Bergen von Kiushiu, und von 
Nagasawa auch auf dem Monte Morrison auf Formosa gefunden.^) Mayr 
sah in Mittel-Japan auf Bergen ausgedehnte, selbst reine Waldungen im 
Gebiete der Buche und einzelne Bäume nahe der alpinen Region. 

Ende der sechziger Jahre in Kultur eingeführt durch den Botanischen 
Garten zu St. Petersburg. 

Nach Maximowicz Baum von 25 m Höhe, mit hohem Stamm, mit 
dunkel-rotbrauner Borke und länglicher, schmal-kegelförmiger Krone, mit ruten- 
förmigen Zweigen; ausgereifte junge Zweige rotbraun, braun behaart. Die 
seitlichen längsten Blätter sind 10 — 14 mm lang, 2^/2 mm breit; die auf der 
Oberseite der Zweige stehenden sind weit kürzer, nach den üppigen Zweig- 
spitzen zu werden sie immer kürzer und zeigen ganz vorne oft nur 2 mm 
Länge. Sie sind zweigestaltig (worauf der Name Bezug nimmt), flach, lineal, 
ganzrandig, oberseits dunkelgrün, noch auffallender glänzend wie bei T. 
Sieboldii, wie lackiert erscheinend, beiderseits des Mittelnervs mit ungefähr 
zehn weißlichen Spaltöffnungslinien gezeichnet, sehr kurz gestielt, die end- 
ständigen, welchem Zweige sie auch immer angehören mögen (und am meisten 
bei der jugendlichen Pflanze), nach der Spitze zu ein wenig verschmälert, 
selbst an der Spitze zugespitzt; die übrigen, viel zahlreicheren überall gleich- 
breit, an der Spitze ausgerandet. Männliche Kätzchen dicht, sitzend, 
zylindrisch-kugelig, weibliche zwischen häutigen Schuppen ver- 
steckt, kurz gestielt, aufrecht. Zapfenstiel 4^/2 mm lang, gebogen; 
Zapfen 2 cm lang, 1 cm breit, schmal-elliptisch-spitz, mit sehr kurzen, 
eingeschlossenen, abgestutzten, ausgerandeten Bracteen; Schuppen an der 
Basis breit-keilförmig-kreisrund oder rundlich-verkehrt-eirund, abgestutzt oder 
leicht ausgerandet. 

Tsuga diversifolia ist in ihrer Heimat ein herrlicher Baum; für uns 
hat sie, als Baum der kühleren Regionen, den großen Vorzug absoluter Winter- 
härte vor T. Sieboldii voraus. Dank der Einführung von reichlichem Saatgut 
haben wir bereits einen prächtigen Vorrat von Pflanzen in allen Stärken. 
Herrliche, elegante Exemplare erfreuen uns in den verschiedensten Gegenden 
und werden sich rasch überall als ein auserlesener Schmuck einbürgern. Die 
zierliche überhängende Bezweigung, die rötlichen jungen Zweige mit der 
glänzenden Belaubung nehmen sich reizend aus. 

Die Pflanzen sind einzeln oder in lichten Gruppen frei zu stellen, um 
zur vollen Geltung zu kommen. Sie ertragen noch leichte Beschattung und 
werden dadurch doppelt wertvoll. 

Im Wuchs muß sie als eine der elegantesten Hemlockstannen genannt 
und aufs wärmste zur Anpflanzung empfohlen werden. 

3. Tsuga chinensis Mast. (Ind. Flor. sin. Journ. Linn. Soc. Bot. vol. XXVI, 
p. 556). Chinesische Hemlockstanne. 

Syn. Abies chinensis Franch. in Journ. de Bot. 1899, p. 259. 
Thie Sha (Eisenholz) der Chinesen. 



^) Hayata hat den Baum auf Formosa als besondere Art, Tsuga formosana Hayata, 
in Gard. Chron. 1908, S. 194 aufgefaßt. Er betont die sehr nahe Verwandtschaft und 
nennt als Unterschied längere Samenflügel und glatte junge Zweige; sie ähnelt Tsuga 



II. Klasse. Coniferae. 33 

In Szechuen (Tchenkeoutin) von Karges und auf Mount Omei von Wilson 
aufgefunden. 

Eine der T. diversifolia Maxim, ähnliche Art, mit 10 — 12 mm langen, 
2 mm breiten, einfarbig dunkelgrünen, schief gestielten Nadeln, die glatt ge- 
rundet sind. Die männlichen Blüten sind gestielt, die Zapfen sitzend. 

4. Tsuga yunnanensis Mast. (Ind. Flor. sin. Journ. Linn. Soc. Bot. XXVI, 
p. 556). Yunnan-Hemlockstanne. 

Syn. Abies yunnanensis Franch. in Journ. de Bot. 1899, p. 258. 

Thie Sha (Eisenholz) der Chinesen. Abbild. Gard. Chron. 1906, 
p. 236. 

In Yunnan bei Yanginchan und Likiang von Pater Delavay in 2800 m 
Erhebung gefunden, dann von Henry in Szechuen, von Platt auf dem Mount 
Omei und von Wilson in Hupeh gesammelt. 

Sie bildet einen strauchartigen Baum mit ausgebreiteten Ästen, der T. 
Sieboldii ähnlich. Die Blätter sind ganzrandig, 18 — 25 mm breit, abgestumpft 
oder ganz seicht eingekerbt, oberseits grün und gerinnt, unterseits blaugrün 
mit etwas umgerollten Rändern. Die fast kugeligen, horizontal abstehenden 
Zapfen sind 25 — 30 mm dick; die Zapfenschuppen sind hellgelbbraun, leicht 
gestreift, mit kurzer, eirund-spitzer Bractee. Die geflügelten Samen sind etwas 
kürzer als die Schuppen. 

Von den nächsten Verwandten unterscheidet sie sich durch die aus- 
gebreiteten Äste, ihre ganzrandigen , nicht gewimperten Blätter und ihre 
sitzenden, horizontal abstehenden, verhältnismäßig großen Zapfen. 

Die Abbildungen lassen in allen Teilen die Unterschiede den anderen 
Arten gegenüber erkennen. Bei James Veitch & Sons in Combe Wood 
bei London sind schon Pflanzen vorhanden, welche sich wohl ebenso hart 
wie T. Mertensiana, T. Sieboldii und T. Brunoniana zeigen dürften. 

5. Tsuga Brunoniana Carr. (Conif. 1. ed., 188 [1855]). 
Browns Hemlockstanne. 
Syn. Pinus dumosa Don., Fl. nep., p. 55 (1825). 
„ decidua Wall. msc. 

Brunoniana Wall., PL asiat. rar. III, p. 24, t. 247 (1832). 
Abies Brunoniana Lindl. in Penny Cycl. I, No. 9, 31 (1833). 

„ dumosa Loud., Arb. brit. IV, 2325f., 2233, 2234 (1838). 
Tsuga dumosa Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, 1, 80 (1887). 
Tangshing in Nepal, Semadung in Sikkim genannt. 
Tsuga de l'Himalaya der Franzosen. 
Indian Hemlock Fir der Engländer. 
Im temperierten Himalaya in einer Erhebung von 2600 — 3500 m in Bootan, 
zuerst in Nordost-Kamaon von Kapitän Webb entdeckt, im nordwestlichen 
Nepal, in den inneren Tälern von Sikkim, hier fand Hooker Bäume von 
etwa 40 m Höhe und gegen 9 m Stammumfang. Wallich nannte sie zuerst 



Sieboldii in Zapfen und Samen, aber ist verschieden durch die Form der Bracteen und durcl» 
kürzere Blätter. Sie scheint zwischen T. diversifolia und T. Sieboldii zu stehen. 

G* 



34 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Artcn. 

Pinus decidua (mit abfallenden Blättern), weil abgebrochene oder abgeschlagene 
Äste leicht die Blätter fallen lassen. 

Das Holz ist weiß, weich und nicht dauerhaft, die Rinde wird zum 
Dachdecken verwendet. 

Im Jahre 1838 in Europa eingeführt. 

Je nach dem Standort hoher und kleinerer Baum mit ausgebreiteten 
Ästen und hängenden Zweigen, in Kultur meist buschiger Strauch. Junge 
Zweige rotbraun, weichhaarig, Blätter sehr dichtstehend, fast zweizeilig, kurz, 
steif, flach, lineal, stumpf, an den Rändern gesägt mit ganzrandiger Spitze, 
kurzgestielt, 20 — 35 mm lang, 2^/2 mm breit, oben frischgrün leicht gerinnt, 
unten beiderseits des Mittelkiels mit silberweißen Spaltöffnungslinien versehen. 
Männliche Blüten fast kugelig, gestielt; Zapfen eirund-stumpf, sitzend und über- 
hängend, 20 — 25 mm lang, 12 — 15 mm breit, Schuppen sitzend, lederartig, breit- 
elliptisch, auf dem Rücken konvex und runzelig, am Rande gezähnt-gewimpert, 
Bracteen mit abgerundetem oder abgestutztem, gewimpertem Rande, oder aus- 
gerandet und fein gespitzt, drei- bis viermal kürzer als die Schuppe, Samen 
klein länglich, mit länglichem, stumpfem, dünnem, dreimal so langem, hellem 
Flügel. 

Diese schöne, sehr zierliche Hemlockstanne kann nach den bisherigen 
Erfahrungen kaum noch für die wärmsten Lagen Deutschlands als Freiland- 
Gehölz zur Anpflanzung empfohlen werden; ich habe in Deutschland nie ein 
unbeschädigtes, dekorativ schönes Exemplar im Freien gesehen. Nach 
Carriere erfriert sie in Paris; Kent, in Veitch Manual p. 463 (1900) sagt, 
daß in England viele Samen eingeführt wurden, daß aber eine Erfahrung von 
40 Jahren bewiesen habe, daß es ausgeschlossen sei, diesen schönen Baum 
in Großbritanien einzubürgern; es müßte denn gelingen, eine widerstandsfähigere 
Rasse von Saatgut aus den höchsten Lagen, oder von den wenigen, in Eng- 
land eingebürgerten Bäumen zu gewinnen. Nur in den günstigsten Lagen 
von England (z. B. Dropmore) Cornwall und in Süd-Irland hält sich der 
Baum eine Reihe von Jahren, erreicht aber auch nicht annähernd den herr- 
lichen Bau wie im Vaterlande. Soweit Kent. Zu diesen Angaben steht die 
Angabe Mayrs (Fremdländische Wald- und Parkbäume, S. 427) in vollstem 
Widerspruch: daß sich T. Brunoniana in Grafrath bei München ebenso 
frosthart erwiesen habe als die westamerikanischen Tsuga, und daß die An- 
gabe, daß sie für Deutschland zu empfindlich sei, lediglich auf Vermutung 
beruhe, weil der Baum aus Indien stammt. — Diesen seltsamen Ausspruch 
können wir so lange nicht anerkennen, bis ein wirklich freudiges Gedeihen 
dieser Art an verschiedenen Orten sicher nachgewiesen ist. 

Tsuga Brunoniana Carr. var. chinensis (Franch. in Journ. de Bot. 1899, p. 258). 

Eine chinesische Form, welche in Szechuen (F arg es) und in Yunnan 
(Delavay) aufgefunden wurde. 

6. Tsuga canadensis Carr. (Conif. 2. ed., 248 [1867]). Kanadische Hemlocks- 
oder Schierlingstanne. (Fig. 12 — 14.) 
Syn. Abies foliis solitariis confertis obtusis membranaceis Gronov. Virgin, 
p. 191. 
Pinus canadensis L. spec. pl. 1421 (1763). 



Beißner, Nadelholzkiiude. 2. Aufl. 



Zu Seite 84. 




Tsuga canadensis im Arnold-Arboretum bei Boston, U. S. A. 



IL Klasse. Coniferae. 85 

Syn. Pinus americana Dur., Obs. bot. p. 41. 

„ Abies americana Marsh., Ärb. 103 (1785). 
Abies canadensis Mchx., Arb. Forest de TAmmer sept. I, p. 137, 

t 13 (1810). 
Picea canadensis Lk. in Linnaea XV, p. 524 (1841). 
Hemlock-Spruce der Nordamerikaner und der Engländer. 
Sapin du Canada der Franzosen. 

Im kälteren Nord-Amerika, zumal im Osten von der Hudsonsbay bis 
Nord-Karolina, je weiter nach Süden desto seltener und in der Nähe des 
AUeghany-Gebirges die südlichste Grenze erreichend. 

Nach Dr. Mayr ist ihre Heimat das Grenzgebiet der Laub- und Tannen- 
wald-Region, sie bevorzugt die kühlen Lagen des Laubwaldes und die warmen 
des Nadelwaldes, sie sucht die Nordseiten der Berge trotz mageren, felsigen 
Bodens, liebt feuchte enge Talschluchten, selbst nasse kalte Sümpfe. 

Im Jahre 1736 durch Peter Collinson in Europa eingeführt. 

Baum von 25 bis über 30 m Höhe, mit schlankem Stamm und pyra- 
midaler Krone. Äste horizontal mit den Spitzen überhängend, junge Zweige 
zahlreich, rostfarbig, ausgereift glatt, nur die jüngsten dünn-weichhaarig, Blätter 
dichtstehend, fast zweizeilig, kurz, gerade, steif, flach, lineal, stumpf, ganzrandig, 
an den Rändern schärflich, kurz gestielt, 10 — 15 mm lang, 1^/2 mm breit, ober- 
seits mit leichter Längsrille glänzend grün, unten beiderseits des wenig vor- 
tretenden Mittelkiels mit weißlichen Spaltöffnungslinien versehen; männliche 
Blüten klein, hellgelb, fast kugelig, gestielt. Weibliche Blüten blaßgrün. 
Zapfen einzeln an kurzen Zweigen hängend, eirund oder eirund-länglich-stumpf, 
17 — 25 mm lang, 12 — 15 mm breit, nach dem Samenausfall oft mehrere Jahre 
am Baume hängen bleibend. Zapfenschuppen fast lederartig, verkehrt-eirund, 
graubraun, auf dem Rücken konvex, etwas runzelig, am Rande gezähnelt. 
Bracteen eirund, abgestutzt, zweispaltig, stumpf oder zugespitzt, gezähnelt, 
drei- bis viermal kürzer als die Schuppen. Samen länglich, hellbraun, mit 
länglichem, stumpfem, gleichfarbigem und ^/^ oder ^/g längerem Flügel. 

Das Holz ist ohne Harzgänge, hellbraun-rötlich, leicht, weich, nicht fest 
und nicht dauerhaft, grob-faserig, schwer zu bearbeiten, nach Dr. Mayr etwa 
von der Güte des Tannenholzes, aber die aschgraue Rinde wird zum Gerben 
sehr geschätzt. Nach Sargent werden in den Vereinigten Staaten Nord- 
Amerikas enorme Wälder, etwa 4 Millionen Hektare, zur Gerberrinde- 
Gewinnung ausgebeutet und stellt sich der Preis, der Eichenrinde gegen- 
über, enorm billig. Aus den jungen Zweigen wird das Hetnlock-Öl destilliert. 

Die kanadische Hemlockstanne ist vollkommen hart und eine der 
schönsten, zierlichsten Coniferen mit leichter, im Bogen überhängender Be- 
zweigung. Da der Stamm sich oft gabelförmig teilt, so ist der Kronenbau ein 
leichter, mit tiefen Einschnitten und wechselnder Schattierung, daher in der 
Landschaft außerordentlich wirkungsvoll. Dieser herrliche Baum sollte stets 
ganz freigestellt werden, da er nur so zur Geltung kommt, er liebt genügend 
feuchte, dabei hohe, luftige Lagen, gedeiht gut an Ufern, an nördlichen und 
östlichen Abhängen, in heißen, trockenen Lagen verkümmert er. In Buschform, 
als Unterholz angepflanzt, ist er wertvoll, da er Überschirmung erträgt und 
daher bei hinreichender Feuchtigkeit mit Hex, Buxus, Mahonia, Taxus u. a. m. 
zu diesem Zweck Verwendung finden kann, wie zur Ausfüllung von Lücken in 



86 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

immergrünen Gruppen. In Deutschland gewachsener Samen ist oft nicht, oder 
nur teilweise keimfähig, zumal, wenn er in ungünstigen Lagen gewonnen ist. 







Fig. 12. Tsuga canadensis Carr., junger Baum. 



Als Zierbaum allgemein seit langen Zeiten angepflanzt und geschätzt, 
finden wir schon prächtige alte Bäume in älteren Parkanlagen, so z. B. im 
Park zu Wörlitz malerisch schöne Bäume von über 20 m Höhe bei 1 m 
Stammdurchmesser (siehe Fig. 13). Nach Dr. Bolle steht auf einem Wald- 



II, Klasse, Coniferae. 



87 




Fig. 13. Tsuga canadensis Carr., alter Baum im Park zu Wörlitz bei Dessau, 



ßß Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

hügel bei Boitzenburg in der Uckermark ein Baum, der, was Wuchs und Schön- 
heit anlangt, mit mancher Libanon-Ceder wetteifert, ebenso in Dahlen bei Ziesar. 




Fig. 14. Tsuga canadensis Carr. l Zweig mit männlichen Blüten; 2 Staubblatt (vergr.). daneben 

Pollenkörner; 3 Zweig mit weiblichen Blüten; 4 Fruchtblatt; 5 Blatt (doppelte Größe); 6 Zweig mit 

geschlossenem Zapfen; 7 offener Zapfen; 8 Schuppe von innen, mit Samen; 9 Schuppe von außen, mit 

kleiner Bractee; 10 Schuppe von der Seite; 11 Samen. 

In Kultur sind verschiedene, oft recht abweichende Formen gewonnen 
worden. 

Wuchsformen. 

Tsuga canadensis nana Carr. (Conif. 1. ed., 190 [1855]). 
Zwerg-Hemlockstanne. 

Syn. Abies canadensis nana hört. 

Buschiger Strauch, oft niedergedrückt und weitschweifig, kaum mehr 
als 1 m Höhe erreichend. Die zahlreichen Äste sind horizontal und lang, 
ausgebreitet, Zweige kurz und sparrig und die Blätter wie bei der Art. 

Diese Form soll auch im Vaterlande nicht selten vorkommen. 



Tsuga canadensis compacta nana hört. 

Syn. Abies canadensis compacta nana hört. 

Eine dichtzweigige, gedrungene, niedliche Kugelform mit 
kleineren Blättern, mehrfach mit geringen Abweichungen in Kultur gewonnen. 
Hierher gehört auch Tsuga canadensis minima Hesse. 



II. Klasse. Coniferae. 89 

Tsuga canadensis globosa hört. Kugel-Hemlockstanne. 
Syn. Abies canadensis globosa hört. 

Tsuga canadensis globularis hört. 
Abies canadensis globularis hört. 
Eine hübsche, runde, regelmäßige Kugelform, welche, ohne steif oder 
verkrüppelt zu erscheinen, mit nickenden Zweigspitzen sich reizend ausnimmt. 
Bei Aussaaten wurden an verschiedenen Orten mehr oder minder schöne 
und regelmäßige Formen gewonnen. 

Tsuga canadensis pumila Ordnung. 

Eine in Eisenberg in Böhmen erzogene reizende, ganz dichtbezweigte 
Zwerg-Kegelform mit nickendem Wipfel und allseitig zierlich überhängenden 
Zweigspitzen; eine zehnjährige Pflanze ist 60 cm hoch und unten ebensobreit. 

Tsuga canadensis atrovirens hört. 

Eine Form von ziemlich gedrungenem Wuchs und von auffallend dunkel- 
grüner Färbung. 

Säulenformen. 

Tsuga canadensis fastigiata hört. 
Syn. Abies canadensis fastigiata hört. 

Ein interessanter Sämling von schlank aufstrebendem Wuchs und 
mit verkürzter, farnwedelartiger, niemals nickender Bezweigung. 

Tsuga canadensis columnaris Bolle. Säulen-Hemlockstanne. 
Eine von Dr. Bolle in Kultur gewonnene schöne Säulenform, eine 
schlanke dekorative, bereits über 3 m hohe Pflanze bildend. 

Trauerform. 
Tsuga canadensis pendula hört. Trauer-Hemlockstanne. 

Syn. Tsuga canadensis Sargentii pendula hört., amer. Parsons, Catal. 
1896, p. 59. 

Eine höchst dekorative Form, mit leicht im Bogen überhängender Be- 
astung und Bezweigung, welche durch Aufbinden des Mittelastes künstlich 
emporgezogen werden muß. Ganz frei gestellt, oder über Abhänge oder 
Felsen herabhängend^ ist sie malerisch schön. Herr Reh der sandte die Ab- 
bildung zweier Prachtexemplare, die im Fairmount-Park in Philadelphia stehen; 
sie sind noch einmal so breit als hoch und wirken, mit ihrer allseitig im Bogen 
überhängenden Bezweigung, wie eine Kaskade in der Landschaft. Solche 
Pflanzen bilden einen auserlesenen Schmuck und sollten recht weite Ver- 
breitung finden. 

In den Bläffern abweichend. 

Tsuga canadensis sparsifolia. 

Ein eigentümlicher Sämling von gedru«genem Wuchs mit aufstrebenden 
Zweigen und unregelmäßig zerstreut um die Zweige gestellten 
Blättern, so daß die fast zweizeilige Blattstellung der Art ganz verschwindet 
und die Pflanze auf den ersten Blick einem Juniperus ähnlich sieht. 



90 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Tsuga canadensis gracilis Carr. (Conif. 2, ed., p. 246 [1867]). 

Syn. Abies canadensis gracilis hört, ex Gord., Pin. Suppl. 9. 

Eine zierliche Form, Äste und feine Zweige übergebogen, fast 
hängend, besetzt mit sehr kurzen, nur 6 — 8 mm langen Blättern. Gleich- 
sam eine Übergangsform zu den zwei folgenden. In England in Kultur 
gewonnen. 

Tsuga canadensis microphylla hört. Kleinblättrige Hemlockstanne. 

Syn. Abies canadensis microphylla hört. 

Eine besonders zierliche, sehr charakteristische und abweichende Form, 
die auf den ersten Blick eine ganz fremde Erscheinung bietet und mit leichter, 
feiner Bezweigung, als ein besonderer Schmuck, sehr die Anpflanzung verdient. 
Die Blätter sind kleiner und feiner, nur 5 mm lang, 1 mm breit und mit 
gleichen bläulichen Spaltöffnungslinien wie bei der Art. Ein eigentümlicher 
Sämling, wie er bei Aussaaten öfter gefunden wurde. 

Tsuga canadensis parvifolia P. Smith. Kleinblättrige Hemlockstanne. 

Syn. Abies canadensis parvifolia hört. 

Diese Form ist, was Wuchs und dekorativen Wert anlangt, der vorigen 
gleich und ist ein ähnlicher, bei einer Aussaat gewonnener Sämling, welcher 
noch kleinere, nur 3 — 4 mm lange, 1 mm breite Blätter hat, an denen 
jedoch die bläulichen Spaltöffnungslinien nur sehr schwach hervortreten. 

In der Färbung abweichend. 
Tsuga canadensis aurea hört. 

Syn. Abies canadensis aurea hört. 

Eine goldgelb schimmernde Form von gedrungenem Wuchs, mit 
leicht übergebogenen, goldgelben Zweigspitzen, welche recht zierlich und 
dekorativ ist. 

Tsuga canadensis argentea Hesse. 

Eine leichtzweigige Form, welche sich mit silberweißen, langaus- 
gestreckten Zweigspitzen reizend ausnimmt. Sie wächst sehr kräftig und zeigt 
lange üppige Bezweigung. 

Tsuga canadensis albo-spicata hört. 

Syn. Abies canadensis albo-spica hört. 

Eine Form mit weißen Zweigspitzen, die sich recht zierlich aus- 
nimmt, bei Herrn Hesse in Weener a. Ems steht ein dichter Zwergkegel 
von 1^/2 m Höhe, unten ebensobreit, welcher mit silberweißen Zweigspitzen 
übersät ein Schaustück ersten Ranges bildet. 

Tsuga canadensis argenteo-varieg. hört. 

Syn. Abies canadensis fol. argent. varieg. hört. 

Eine öfter in Kultur gewonnene silberbunte Form, die ziemlich 
unbedeutend ist und sich je nach der Abstammung bald beständig oder un- 
beständig in der Färbung zeigt. 



II. Klasse. Coniferae. 91 

7. Tsug^a caroliniana Engelm. (in Coulters botanical Gazette vol. VI, p. 223 

(1881); Sargent, Forest, of N.-Am. [Final reports Tenth. census of Un. Stat] 

vol. IX, p. 207). Karolina-Hemlockstanne. (Fig. 15.) 

Syn. Abies caroliniana Chapman in the Fl. of the Southern States 
Suppl. p. 650 (1887). 

In Karolina längs der blauen Berge ziemlich weit zerstreut, nicht sehr 
häufig, nur in geringer Anzahl beisammen gefunden, nach Sargent^) zieht 
sie felsige Flußufer in einer Erhebung von 800 — 1000 m vor, obgleich sie 
öfter auch 300 m höher an felsigen Abhängen wachsend, gemeinsam mit 
T. canadensis gefunden wurde, von welcher sie sich sofort unterscheidet. 

Im Jahre 1886 in Samen in Europa eingeführt. 

Mittelhoher oder kleiner Baum von dichtem, pyramidalem Wuchs, meist 
16 — 20 m hoch, bei 0,70 m Stammdurchmesser, mit ausgebreiteten Ästen, die 
hellgelbbraunen, jung kurz behaarten, später glatten, 
dunkelbraunen, etwas überhängenden Zweige sind dicht 
mit dunkelgrünen Blättern besetzt. 

Von T. canadensis unterscheidet sie sich durch 
größere, breitere und dunklere Blätter von 16 — 23 mm 
Länge und 2 mm Breite abgestumpft und öfter an der 
Spitze schwach gekerbt, oben dunkelgrün, unten mit 
weißen Spaltöffnungslinien und mit Hypodermzellen 
(welche in den Blättern der T. canadensis nicht ge- 
funden sind) unter der Epidermis am Kiel der Mittel- /^W^ 2} 
rippe und den Rändern; durch rötliche männliche Fig. 15. Tsuga caroliniana 
und purpurrote weibliche Blüten und durch längliche, Engeim. 1 Zapfen; 2 Samen, 
größere, 22 — 32 mm lange Zapfen, durch die länglichen 

Zapfenschuppen, welche länger als breit und wenn der Zapfen reif, fast im 
rechten W^inkel abstehen, durch die breiten, leicht zugespitzten Bracteen und 
durch die Samen, die kaum halb so lang als die schmalen Flügel sind. 

Nach dem Preisverzeichnis von H. P. Kelsey in Linville Mitchell County 
im Hochland des westlichen Nord-Karolina ist T. caroliniana schwer zu 
verpflanzen, zeigt sich aber, wenn eingewurzelt, ganz hart, wächst gut und 
bildet in Kultur einen schönen, gleichmäßig dichten, kegelförmigen 
Baum. 

In unseren Kulturen finden wir bereits stattliche Exemplare in den 
verschiedensten Lagen, die freudig gedeihen und als reizende, zierliche Er- 
scheinungen sich den anderen Arten würdig an die Seite stellen. 

8. Tsuga Mertensiana Carr. (Conif. 2. ed., 250 [18671). Mertens- oder 
Westamerikanische Hemlockstanne. (Fig. 16.) 
Syn. Pinus canadensis Bong. Mem. Acad. Imp. St. Petersb. II, 163 (1832) 
nicht Linne. 
Abies Mertensiana Lindl. et Gord., Journ. of the hört, Soc. V, p. 211. 
„ taxifolia Jeffr. ex Murr, hört., Soc. of London III, 145 (1863). 
„ Bridgesii Kellog. in Proceed. of the calif. Ac. of nat. sc. II, p. 37. 




1) Siehe Gard. and Forest. 1889, p. 267 und 269 mit Abbildung eines alten Baum- 
bestandes an einem Gebirgsstrom in den blauen Bergen in Nord-Karolina. 



92 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Syn. Abies Albertiana Murr., On the syn. of var. Conif. p. 9 (1863). 

Tsuga canadensis var. Mertensiana Newb. (nach Zabel in Forstl. 

Blatt. XL Jahrg., S. 209 und 210). 
Tsuga heterophylla^) Sarg., Silva N.-Am. XII, 73, t. 605 (1898). 
Californian Hemlock Spruce im Engl. Nord-Amerika. 
Tsuga de Californie der Franzosen. 
Western Hemlock Fir, Prince Alberts Fir der Engländer. 

Im westlichen Nord-Amerika ein der Küstenregion des Großen Ozeans 
von Marin County und speziell Mendocino bis Alaska eigentümlicher Baum, 
auf der Insel Sitka und Vancouver; nach Dr. Newberry (der sie nur als 
Varietät der ostamerikanischen T. canadensis gelten lassen will) tritt sie in 
höheren Regionen im Clarks Forktale am Kolumbiaflusse zuerst als Strauch 
oder niederer Baum auf, während sie am unteren Kolumbia gleich anderen 
Coniferen eine majestätische Höhe erreicht. 

Im Jahre 1851 von Jeffrey in Europa eingeführt. 

Nach Engelmann sehr großer Baum von 30 bis über 60 m Höhe. 
Stamm selten doppelt oder mehrwipfelig, daher als Nutzbaum wertvoller als 
T. canadensis, mit ziemlich dicker, rotbrauner Rinde bekleidet. Krone 
pyramidal, Äste horizontal, mit den Spitzen überhängend, die letzten Ver- 
ästelungen sind sehr dünn, etwas rauh und in der Jugend dicht behaart. 
Die Blätter sind lineal, 1 — 2 cm lang, l^/o mm breit, gestielt, mit abgerundeter 
Spitze, fein-dornig-gesägt, oben glänzend-hellgrün und in der Jugend unter- 
seits mit weißlichen Spaltöffnungslinien, später mehr verschwindend. Männ- 
liche Blüten gelb, kugelig, 4 — 5 mm im Durchmesser, kürzer als der Stiel, 
weibliche purpurn, weichhaarig. Zapfen länglich-zylindrisch-zugespitzt, fein 
weichhaarig, Schuppen länger als hreit, Bracteen abgestutzt. Samen 2 — 3 mm 
lang, Flügel zweimal so lang oder länger, kaum nach der Basis zu verbreitert. 

Der T. canadensis sehr nahe verwandt wird sie ein größerer Baum 
mit feinerem und dichter geädertem Holze und roterer Rinde, die zum Gerben 
sehr geschätzt ist und ist namentlich verschieden durch die mehr verlängerten, 
filzig behaarten Zapfenschuppen und die verhältnismäßig viel längeren und 
geraderen Samenflügel. Bei T. canadensis sind die Schuppen beinahe so 
breit als lang und die Samen größer, aber die an der Basis sehr breiten und 
fast dreieckigen Flügel nur ^/^ oder ^/g länger als der Samen. 

Tsuga Mertensiana macrophylla. 

Syn. Tsuga canadensis macrophylla hört. 
Abies canadensis macrophylla hört. 
Eine aus Frankreich unter letzterem Namen eingeführte, rasch und üppig 
aufwachsende dekorative Form, mit etwas längeren und breiteren Blättern, 

^) Es soll nachgewiesen worden sein, daß Bongard unter seiner Pinus Mertensiana 
nicht diese Art, sondern Tsuga Pattoniana verstanden hat. Sargent nannte daraufhin unsere 
T. Mertensiana, wohl bezugnehmend auf die sehr fragliche Abies heterophylla Rafin. Journ. 
Atlant. 119, T. heterophylla, eine in doppelter Beziehung unglückliche Benennung, erstens weil 
die Bezeichnung auf diese Art nicht zutrifft und dann, weil wir schon eine T. diversifolia 
Maxim, besitzen, ein Name, der doch, wenn auch in anderer Sprache, dasselbe bedeutet. Um 
steten Verwechselungen vorzubeugen, behalten wir somit den eingebürgerten Namen 
T. Mertensiana Carr. bei. 



II." Klasse. Coniferae. 



93 




Fig. 16. Tsuga Mertensiana Carr. 



94 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten, 

welche aber mit den filzigen, dicht braunbehaarten, jungen Trieben, den unter 
der Lupe deutlich fein-dornig-gesägten Blättern und den schon vorhandenen 
abweichenden Zapfen, zu der westamerikanischen, nicht aber wie fälsch- 
lich angegeben zu der kanadischen Hemlockstanne als Form gehört. 

Tsuga Mertensiana argenteo-variegata hört. 

Syn. Abies Albertiana argent. varieg. hört. 

Eine sehr zierliche Form, deren junge Triebe ganz weiß gepudert 
erscheinen und die Pflanze sehr schmücken. 

In Kultur zeichnet sich die westamerikanische Hemlockstanne 
vor der ostamerikanischen T. canadensis durch üppigeren, schnelleren, mehr 
aufstrebenden Wuchs, meist nur mit einem gut entwickelten Mitteltriebe und 
durch besonders zierliche, leicht überhängende Bezweigung aus und darf zu 
den reizendsten, dekorativsten Coniferen gezählt werden. Leider zeigt sie 
sich in manchen Gegenden in der Jugend empfindlich, besonders gegen 
scharfe Winde, in ausgesetzten Lagen und bei schneeloser Kälte, wo sie 
dann viele Blätter wirft, auch zum Teil bis ins ältere Holz zurückfriert und 
so für längere Zeit, oder dauernd verstümmelt erscheint. Man sorge für seit- 
lichen Schutz durch Pflanzungen bei genügender Boden- und Luftfeuchtigkeit. 

Wir finden in den verschiedensten Gegenden wahre Prachtexemplare 
von 10 — 15 m Höhe, die sich herrlich ausnehmen. Auch forstlich ist sie mit 
vielem Glück angebaut, wächst bei genügend feuchtem Stand üppig und 
schlank empor und mit der Douglastanne um die Wette. Sie leidet im Forst 
weit weniger als freistehend im Park, gereicht unseren Waldbeständen zur 
höchsten Zierde und wird hoffentlich, durch ihr treffliches Nutzholz, wie die 
zum Gerben sehr geschätzte Rinde, dereinst auch ein hervorragender Nutz- 
baum für uns werden. 

Sektion II, Hesperopeuce Emgelm, (Botany of California). 

Blätter sehr konvex und oben gekielt, spitzlich, beiderseits mit Spalt- 
öffnungen; Pollenkörner zweilappig; Zapfen groß bis 7^/2 cm lang. 

9. Tsuga Pattoniana Engelm. (in Botany of California et Wats. Fl. calif. II, 
p. 121 [1880]). Pattons Hemlockstanne. (Fig. 17 u. 18.) 

Syn. Pinus Mertensiana Bong., Veg. de Sitcha 54 (1832); Mem. de l'Acad. 

St. Petersb. II, 163 (1833). 
Abies Pattoni oder Pattoniana Jeffr. in Bot Exp. to Oregon p. 1, 

cum ic. (1853). 
Abies Hookeriana Murr, in Edinb. New. Phil. Journ. (1855). 

„ Williamsonii Newb., Pacif. realw. rep. VI, 53, t. 7 (J857). 
Pinus Pattoniana Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 429 (1868). 
Tsuga Hookeriana Carr., Conif. 2. ed., p. 252 (1867). 
Tsuga Mertensiana Sarg., Silva N.-Am. XII, 77, t. 606, nicht 

Carriere. 
Mountain Hemlock, Patton Spruce. 

Im westlichen Nord-Amerika in der Sierra Nevada in den höchsten 
Baumregionen in einer Erhebung von 2600—3300 m im Scotts-Gebirge, vom 



II. Klasse. Coniferae. 



95 



San Joaquin-Fluß nord- 
wärts und durch das 
Kaskaden -Gebirge, bei 
Crescent City bis nahe 
zur Küste hinabsteigend, 
nach der Baumgrenze 
zu immer niedriger wer- 
dend, zuletzt strauch- 
artig; am Frazer-Fluß in 
Brit. Columbien. 

Im Jahre 1851 in 
Europa eingeführt. 

Nach H. Engel- 
mann ^) ein großer, 

streng- pyramidaler 
Baum von 30 — 50 m 
Höhe und 0,70 bis sel- 
ten 1,30 m Stammdurch- 
messer, in hohen Lagen 
nur ein Strauch, von 
zierlichem Wuchs mit 
schlanken , hellbraun, 
weichhaarigen Zweigen 
und hellblau-grüner Be- 
laubung. Die wie bei 
den anderen Tsuga sehr 
gerbstoffreiche Rinde 
des Stammes ist dick, 
rötlichgrau, sehr gespal- 
ten und abblätternd, die 
Blätter sind 14—25 mm 
lang, lineal- viereckig- 
spitzlich, nach dem 
Grunde zu verschmälert, 
öfter gekrümmt, beider- 
seits mit Spaltöff- 




1) Vgl. Zabels Über- 
setzung in Forstl. Blätter, Juli- 
heft 1882, wo es heißt: „Ob- 
gleich in der Form der Blätter, 
der Verteilung der Spaltöff- 
nungen und namentlich in 
der Form der Pollenkörner, 
welche denen der Kiefern 
gleichen, sehr abweichend, 
kann ich dennoch diese Art 

nicht von Tsuga trennen, mit welcher sie die einzelnen Harzgänge der Blätter, die Form der 
männlichen Blüten und die Harzbläschen der Samen vereinigen". 



Fig. 17. Tsuga Pattoniana Engelm. aus den Baumschulen von 
Jürgens in Ottensen bei Hamburg. 



96 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

nungen versehen und stehen meist rings um den Zweig, Männhche Blüten 
violett-purpur, sehr zierend, 10 — 12 mm lang, mit sehr schlankem Stiel. Zapfen 
sitzend, oder kurzgestielt, zyHndrisch-länglich, 5 — l^j^ cm lang, jung blaupurpur. 
Zapfenschuppen eirund-stumpf-abgerundet, am Rande fein gekerbt, Bractee 
rautenförmig, vielmal kleiner als die Schuppe; Samen hellbraun, 5 mm lang 
mit einem schief- verkehrt-eiförmigen , 9 mm langen Flügel, der oben am 
breitesten ist 

Nach Sargent ist das Holz leicht, weich, nicht fest, dicht faserig, hell- 
braun oder rot, mit dünnem, weißlichem Splint, und wird gelegentlich zu 
Hausgerät verarbeitet. 




Fig. 18. Tsuga Pattoniana Engelm. l Zweig mit Zapfen nach einem Originalexemplar von SO. Alaska^ 
gesammelt von Getn Krause; 2 Blatt (zweifache Größe); 3 Blattdurchschnitt (vierfache Größe). 



Dr. Newberry nennt bei Beschreibung der Waldbäume im Gebiete der 
Northern Pacific-Bahn (s. Zabels Mitteilungen in Forstl. Blätter 1885, Heft 6) 
Tsuga Pattoniana die schönste aller Coniferen. 

Nach Engelmann und Sargent, welche die Original-Fundorte besuchten,, 
(s. Zabels Mitteilungen Forstl. Blätter 1884, Heft 8 u. 9) kennt man diese 
schöne Art jetzt allgemein als T. Pattoniana, aber in Edinburg wird sie, 
d. h. die Art mit viereckigen Blättern, Abies Hookeriana und eine Art mit 
flachen Blättern Abies Pattoniana genannt. Nun ersteigt Tsuga Mertensiana 
in den nördlichen Gebirgen (nur dort nicht in Kalifornien) woher auch 
die Edinburger flachblättrige T. Pattoniana angeblich stammt, dieselben Höhen,, 
wie ihre Verwandte, sie bleibt auf diesen zwar niedriger, ist aber sonst von 
der Form der Seeküste nicht zu unterscheiden. Die Anatomie der Blätter 



II. Klasse. Coniferae. 97 

dieses Baumes, aus dem Edinburger Garten, welcher aus Jeffreyschem Samen 
erzogen wurde und dort als Abies Pattoniana kultiviert wird, ist ferner die 
von Eutsuga und nicht von der T. Mertensiana verschieden. Aber die Original- 
Abbildung in den sogen. Oregon Commitees Report zeigt einen Baum mit 
viereckigen Blättern, der dort Ab. Pattoniana genannt wird, und jetzt unter 
diesem Namen geht, zuweilen aber auch Ab. Williamsoni heißt. Die Autoren 
glauben deshalb, daß die flachblättrige in Edinburg Ab. Pattoniana genannte 
Tanne die Gebirgsform der T. Mertensiana sei. Das einzige Bedenken 
scheint in der angegebenen Größe der Jeffreyschen Originalzapfen zu liegen, 
welche fast so groß als die der echten T. Pattoniana und viel größer als die 
der T. Mertensiana sein sollen, aber da könnte nach der Meinung der Autoren 
eine Verwechselung hinsichtlich der Zapfen vorgekommen sein.^) Jedenfalls 
ist die Edinburger T. Pattoniana nicht von T. Mertensiana und die kleine 
nördliche Gebirgsform von letzter Art nicht von deren kolossalen Stämmen 
in der Küstenregion zu unterscheiden und eine dritte dazwischen liegende 
Art nicht aufzufinden. 

Aus vorstehendem erklärt sich in erster Linie, weshalb T. Pattoniana 
und Hookeriana zumal in Englischen Gärten und von dort zu uns eingeführt, 
als zwei verschiedene Pflanzen beschrieben und verbreitet wurden, obgleich 
sie in Wirklichkeit nur eine Pflanze darstellen. Dann aber finden wir 
anderseits von der echten T. Pattoniana mit viereckigen Blättern eine 
grünliche oder besser graugrüne Form und eine schönere silbergraue 
Form, letztere ist in deutschen Handelsgärten meist als T. Hookeriana, die 
erste als T. Pattoniana verbreitet. Da es aber nun durchaus nicht statthaft 
ist, zwei ganz unwesentliche Formen einer Art unter zwei verschiedenen 
Namen zu führen, sollte daher für die normale, graugrünliche Form der 
richtige Name Tsuga Pattoniana Engelm., dagegen der Name: 

Tsuga Pattoniana argentea für die dekorativ schönere, weiß blaue oder 
silbergraue Form allgemein angenommen werden, denn in der Tat steht 
diese letzte oft an Schönheit in der Färbung der Picea pungens argentea 
kaum nach. 

Da, wie schon bei T. Mertensiana Carr. angegeben wurde, unter Pinus 
Mertensiana Bong, nicht diese Art, sondern T. Pattoniana verstanden sein 
soll, so nannte bedauerlicherweise Sargent letztere T. Mertensiana, ein Vor- 
gehen, welches selbst in wissenschaftlichen Kreisen auf energischen Wider- 
spruch stößt. Es wäre deshalb geradezu unverantwortlich, dem Praktiker 
einen Austausch dieser Namen für 2 von ihm unter den jetzigen Namen gut 
unterschiedene Coniferen zumuten zu wollen! Man denke sich, welche nie- 
mals endenden Verwechselungen, Irrtümer und geschäftlichen Ärgernisse, 
dadurch entstehen müßten. Wahrlich Grund genug, um solche Namenum- 
wälzung als unannehmbar energisch zurückzuweisen. 



^) Beide hier genannte Arten sind von den ersten Einführungen her, sowohl in Herbar- 
material, wie in den Beschreibungen, verwechselt und vermischt worden. Das geht auch aus 
Carrieres Beschreibung hervor, welcher in Trait. gen. et. Conif. 2. ed., p. 251 (1867) zuerst 
Tsuga Mertensiana, wie wir sie heute auffassen, beschreibt und die Ähnlichkeit mit T, canadensis 
betont, dann aber Beschreibungen anderer Autoren zitiert, die auf T. Pattoniana Bezug nehmen; 
Abies heterophylla Rafin. setzt er mit .►• als Syn. der T. Mertensiana bei und betont schon, daß 
zweifellos T. Pattoniana und Hookeriana den gleichen Baum darstellten. 

Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 7 



98 Zweiter Teil, Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Tsuga Pattoniana ist eine in Deutschland harte, aber langsam wachsende, 
zierliche, bereits allgemein geschätzte, äußerst auffallende, dekorative Conifere, 
die für Gärten jeder Größe empfohlen werden kann. Wir finden schon recht 
ansehnliche, ja oft wahre Prachtexemplare in Kultur, und zwar treten dieselben 
jung meist als kegelförmige, dichtzweigige Pflanzen auf und ziehen, zumal in 
der reizenden silbergrauen Form, sofort die Aufmerksamkeit, auch jeden Nicht- 
kenners, auf sich, können also zur Anpflanzung und recht weiten Verbreitung 
nicht warm genug empfohlen werden. Selbstredend darf eine so hervorragend 
schöne Conifere nur ganz frei auf Rasen stehen und nimmt sich, zumal 
gegen dunkle Coniferen gestellt, prächtig aus. 

Sie entwickelt sich schön in genügend frischen, luftfeuchten Lagen, 
fehlen diese, so kümmern die Pflanzen oft jahrelang, ohne von der Stelle zu 
wachsen. Prachtexemplare sehen wir z. B. bei Herrn Hesse-Weener, in 
Wilhelmshöhe bei Kassel und manchen anderen Orten. 

Nach Mayr käme für Mittel- und Nordeuropa auch ein forstlich zu 
empfehlender Anbau in Frage, da T. Pattoniana in der Heimat die kühlsten 
Waldregionen bewohnt. 

Alle genannten Hemlockstannen sind ohne Unterschied reizende 
Erscheinungen und gehören zu den zierlichsten Coniferen, die in jeder Größe 
willkommen und als ältere Bäume, wie bei T. canadensis bereits angeführt, 
oft malerisch schön sind ; um sich üppig entwickeln zu können, verlangen sie, 
ohne im Boden wählerisch zu sein, genügende Feuchtigkeit, und ein mittel- 
schwerer, sandiger Lehm sagt ihnen am meisten zu, dazu dann lieben sie als 
Gebirgsbäume freie, hohe, luftige Lagen und vor allem genügende Luft- 
feuchtigkeit. 

Man vermehrt sie, außer durch Samen, meist leicht durch Stecklinge 
unter Glas von Ende Sommer bis Herbst, seltener durch Veredelung auf Tsuga 
canadensis. 

Hoffentlich kommt dereinst auch eine forstliche Ausnutzung, auch zur 
Gewinnung von Gerberinde, für Deutschland ernstlich in Frage, die herrlichen 
alten Stämme, wie wir sie in forstlichen Beständen, z. B. in Anhalt, sehen, 
berechtigen ja vollauf zu dieser Hoffnung, und in forstästhetischer Hinsicht ge- 
reichen die reizenden Baumgestalten auch unseren Wäldern zur größten Zierde. 

2. Blätter mit zwei seitlichen Harzgängen, die nur selten fehlen. 
Blattnarben wenig oder gar nicht vorragend. 

Pseudotsuga Carr. (Conif. 2. ed., p. 256 und in Rev. Hort. 1868, p. 152 
cum ic). Douglastanne, Douglasfichte. 

Syn. Abietia Kent in Veitch Man. of the Conif. 1900, p. 474. 

Blüten einhäusig, männliche in den Achseln der oberen Blätter einzeln, 
fast sitzend, mit schuppenförmigen, dachziegeligen Bracteen dicht umgeben, 
wenige auf den Zweigchen. Staubfadensäule fast sitzend, länglich-zylindrisch, 
Antheren spiralig dichtstehend, auf kurzem Stiele, mit zwei angewachsenen, 
fast kugeligen, unten schief-zweiklappigen Fächern, durch das Mittelband über 
die Fächer hinaus in einen sehr kurzen Sporn auslaufend. Pollenkörner 
eiförmig-kugelig, ohne Flugblasen. Weibliche Blüten endständig, einzeln, mit 
wenigen tauben, dachziegeligen Schuppen dicht umgeben, eirund-länglich; 



II. Klasse. Coniferae. * 99 

Schuppen doppelt mehrreihig, spiralig-dachziegelig bis zur Basis getrennt; 
häutige Bractee während der Blüte sichtbar, nach der Blüte wenig vergrößert; 
Samenschuppe während der Blüte viel kürzer, dann vergrößert eine ansehn- 
liche Schuppe bildend, wenig verdickt mit abgerundeter Spitze und dünnem 
Rande, Eichen zwei, unten an der Basis der Schuppe umgewendet. Zapfen 
länglich; Bracteen hervorragend, dreispitzig, zweispaltig, die Rippe in eine 
Spitze oder eine die Schuppe überragende Granne verlängert. Schuppen 
aus der Samenschuppe gebildet, dachziegelig, nach dem Samenausfall 
bleibend. Samen ohne Harzbläschen, hinter jeder Schuppe zwei, umgewendet, 
falsch flügelfruchtartig. Haut dünn, trockenhäutig-durchsichtig, von der inneren 
Lage der Schuppe getrennt und beiderseits gerandet, dann vom Flügel ge- 
trennt eirund-länglich-zusammengedrückt, fast dreieckig mit krustenförmiger 
Schale. Kodyledonen 5 — 8. 

Sehr große, fichtenähnliche, immergrüne Bäume. Blätter am Grunde 
kurz stielartig verschmälert, schmal-lineal, flach, spiralig, zerstreut, durch eine 
Drehung an der Basis fast zweizeilig abstehend, nur an der unteren Oberfläche 
mit Spaltöffnungen, mit 2 der Epidermis der unteren Seite anliegenden, seit- 
lichen Harzgängen, keine hervorragende Narbe am Zweige zurücklassend, 
Zapfen überhängend bis 18 cm lang. 

1. Pseudotsuga Douglasii Carr, (Conif. 2. ed., p. 256 [1867]). Douglastanne, 
Douglasfichte. (Fig. 19 u. 20.) 

Syn. Pinus taxifolia Lamb., Pin. ed. 2, p. 51, t. 33 (1803). 
Abies taxifolia Poir. (1804). 
„ mucronata Rafin. (1832). 

„ Douglasii Lindl. in Penny Cyclop. I, p. 32 (1833). 
Pinus Douglasii Sab. Mscr. in Lamb. Pin. ed. 2, voll. III, t. 90 (1837). 
Picea Douglasii Lk. in Linnaea XV, p. 524 (1841). 
Tsuga Douglasii Carr., Conif. 1. ed., p. 192 (1855). 
Abies californica hört, aliqu. 
Pseudotsuga taxifolia Britton (1889). 

„ mucronata Sudw. (1895) in Sarg. Silva N.-Am. XII, 87, 

t. 607 (1898). 
Abietia Douglasii Kent in Veitch Man. of. the Conif. p. 476 (1900). 
Douglas Fir, Red Fir der Amerikaner. 
Sapin de Douglas der Franzosen. 
Douglas Fir der Engländer. 
Im westlichen Nord-Amerika zwischen dem 52. und 43. ^ n. Br. von der 
Insel Vancouver und den Ufern des Kolumbia-Flusses bis zur Sierra Nevada 
Kaliforniens, hier ausgedehnte Wälder bildend, und bis Neu-Mexiko. Durch 
das ganze Küstengebirge und in der Sierra Nevada, nach Engelmann in 
einer Erhebung von 2000—2600 m; sie erreicht ihre größten Dimensionen in 
Oregon und breitet sich in kleinerer Form bis zum Felsengebirge aus. 

Sie wurde von Menzies 1795 entdeckt und durch David Douglas 
1827 in Europa eingeführt. 

Riesiger, 60 bis über 100 m hoher und 2,50 bis über 4 m (nach Engel- 
mann) im Durchmesser haltender Baum, in der Jugend mit pyramidaler, 



100 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 




Fig. 19. Pseudotsuga Douglasii Carr. 



II. Klasse. Coniferae. 



101 



fichtenähnlicher, im Alter oft mehr ausgebreiteter Krone und mit sehr dicker, 
brauner, tief gespaltener Rinde. ^) Knospen eirund-spitz, glänzend-braun be- 
schuppt. Blätter lineal, an der Basis kurz stielartig verschmälert, meist stumpf 
oder stumpflich, 18 — 27, an üppigen Trieben selbst bis 35 mm lang und 




Fig. 20. Pseudotsuga Douglasii Carr. l Zweig mit Zapfen; 2 Blattquerschnitt (vergr.); 3 Zweig mit 

männlichen Blüten; 4 Staubblatt (vergr.); 5 Zweigspitze mit weiblicher Blüte; 6 Schuppe mit Samen 

von innen; 7 Samen; 8 Übergänge der Blätter in die Fruchtblätter von der Basis der weiblichen Blüte 

(nach Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf.). 



1^/2 mm breit, oben glänzend-grün, unten mit weißlichen Linien gezeichnet. 
Männliche Blüten länglich-zylindrisch, 12 — 23 mm lang, orangegelb. Weibliche 
Blüten tiefrot gezeichnet. Zapfen an kurzen Zweigen hängend, länglich- 



^) Je nach dem Standort, z. B. in sehr trockenen Gegenden, wie in den San Francisco 
Peaks im nördlichen Arizona und auf Höhen in Neu-Mexiko, wird die Borke heller und 
schwammig; daraufhin stellte Lemmon eine Varietät suberosa auf. 



102 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten. 

zylindrisch, 5 — 8, selbst 10 cm lang, 3 — 8^/2 cm breit. Nach Freiherr von 
Fürstenberg (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1904, S. 32) sind die Zapfen von 
der Küste bei Vancouver wohl doppelt so groß wie diejenigen aus dem 
Felsengebirge. Zapfenschuppen fast lederartig, konkav, kreisrund-rautenförmig, 
ganzrandig, gestreift, hellbraun, Bracteen dreispitzig, zweispaltig mit zugespitzten, 
gezähnten Lappen und über die Spitze hervorragender Mittelrippe. Die 
Zapfen zeigen eine große Wandelbarkeit sowohl in der Größe, wie auch in 
der Färbung von apfelgrün bis schön purpur, ebenso in der Länge der Brac- 
teen (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 68). Samen zusammengedrückt-drei- 
eckig, an der oberen Seite konvex und rötlich braun, an der unteren flach 
und weiß, 7 mm lang, Flügel 7 — 10 mm lang, an der Basis am breitesten, zu- 
letzt abbrechend. 

Im genannten Gebiete, zumal in Oregon, nach Engelmann der größte 
und wertvollste Bauholzbaum mit gelbem oder rötlichem, ziemlich grobem, 
aber sehr wertvollem Holze, welches sich von dem aller verwandten Coniferen 
durch die Menge spiralig verdickter Holzzellen unterscheidet. 

Nach Dr. Mayr besitzt das Holz der Douglastanne wie dasjenige 
der Lärche einen braunen Kern, die Markstrahlen zeigen den Bau des Lärchen- 
holzes, ferner zeigt es die Eigentümlichkeit, daß es um so schwerer, um so 
reicher an Substanz und Harz wird, je breiter die Jahresringe sind, also je 
rascher die Pflanze sich entwickelt, während unsere einheimischen Coniferen 
sich gerade umgekehrt verhalten. 

Das Holz kommt dem unserer besten einheimischen Fichten und Tannen, 
auch Kiefern gleich, wird aber von der Lärche übertroffen. Der Harzgehalt 
der Douglastanne ist größer als bei der Fichte und Tanne, aber geringer 
als bei der Lärche, besonders kommt aber die Schnellwüchsigkeit in Betracht. 
Die Rinde wird zum Gerben verwendet. 

Ein herrlicher, sehr schnell wachsender, äußerst dekorativer Baum, der 
in seiner ganzen Erscheinung, was Wuchs, Bezweigung, abweichende Blätter, 
spitze Knospen anlangt und besonders im Zapfenschmucke mit den lang hervor- 
stehenden Bracteen sich sofort als eine stolze, besondere, von Verwandten 
ganz abweichende Baumart kennzeichnet. 

In günstigen Lagen besitzen wir auch in Deutschland schon Pracht- 
exemplare von über 30 m Höhe, die etwa 60 jährige Bäume darstellen, diese 
wie auch noch jüngere Bäume brachten schon reichlich Zapfen und teils gute 
keimfähige Samen; je nach den Jahrgängen und der besseren oder schlechteren 
Ausbildung der Zapfen, ja unter günstigen Umständen kann man unter größeren 
Bäumen gut entwickelte Sämlinge finden. — Solche Bäume wie auch die 
in Deutschland unter günstigen Kulturbedingungen unternommenen 
größeren forstlichen Kulturen beweisen, daß die Douglastanne auch als Forst- 
baum^) eine Zukunft haben wird. Man darf nur nicht, wie es leider anfangs 



^) Vergl. John Booth, Die Douglasfichte, Berlin 1877, und John Booth, Naturalisation 
ausländischer Waldbäume in Deutschland, Berlin 1882. Berichte des Vereins mecklenb. Forst- 
wirte, Schwerin 1880, S. 21 und 1881, S. 85. Dankelmanns Zeitschrift 1881 und 1882. 
Bericht d. 10. Versammlung deutscher Forstmänner in Hannover 1882. Dr. Mayr, Die Waldungen 
von Nord- Amerika S. 290 (1890) und Mayr, Fremdl. Wald- und Parkbäume S. 396 (1906). 
Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1901, S. 1, mit Abbild., und in gleicher Schrift 1905, S. 2, wo 



II. Klasse. Coniferae. 103 

geschehen ist, dieselbe gleichsam als Universal-Kulturbaum anpreisen, der 
ohne Unterschied in jedem Boden und auf jedem Standort unsere ein- 
heimischen Forstbäume überflügeln und höhere Erträge wie diese geben 
soll. — Gerade die Kulturversuche mit der Douglastanne beweisen recht 
schlagend, daß es ein vergebliches Bemühen ist, einen Baum, ohne den Lebens- 
bedingungen, unter welchen er in seiner Heimat gedeiht, genügend Rechnung 
zu tragen, kultivieren zu wollen. 

Als Gebirgs- und Küstenbaum verlangt die Douglastanne vor allem 
zu einem guten Gedeihen genügende Luftfeuchtigkeit, ist diese vorhanden, 
so ist ihr Gedeihen ein freudiges, fehlt dieselbe, wie z. B. oft in ebenen Gegenden 
Mitteldeutschlands oder gar in Stadtanlagen, wo im Sommer große Dürre 
eintritt und Trockenheit der Luft vorherrscht, so kümmert sie, fristet ein 
elendes Dasein ohne nur annähernd einen Begriff von ihrer eigentlichen 
Schönheit zu geben, leidet, ohne in ihrer Heim.at gegen hohe Kälte empfindlich 
zu sein, unter solchen ungünstigen Bedingungen in schneelosen Wintern, bei 
ausdörrenden Winden durch Sonnenbrand an den Blättern, so daß diese 
gebräunt abfallen, und wir finden sie hier meist als krüppelige, buschige Pflanze 
ohne jeden Zier- geschweige denn Nutzwert. — Prachtexemplare dagegen 
finden wir an den norddeutschen Küsten, in Gebirgsgegenden dann noch in 
hohen, rauhen Lagen, z. B. in Donaueschigen (siehe Gartenflora 1889, S. 332) 
in einer Erhebung von 848 m, wo — 20 bis — 24 <^ R. keine Seltenheit sind. 
Ja in St. Petersburg (Gartenflora 1884, S. 165) ertrugen die typische Pflanze 
nebst der blaugrünen Form, welche aus Samen erzogen, die im höchsten 
Norden Amerikas gesammelt waren, drei nicht zu kalte Winter, ohne zu leiden. 
Weiter in allen waldreichen, mit genügenden, feuchten Niederschlägen und 
daher genügender Luftfeuchtigkeit versorgten Gegenden, somit auch in 
ausgedehnten Parkanlagen in sonst ebenen Gegenden. 

Einerseits hierdurch, anderseits dadurch, ob wir die härtere, grüne 
oder blaugrüne Gebirgsform, oder die empfindlichere Küstenform 
gepflanzt haben, erklären sich auch die scheinbaren Widersprüche, daß die 
Douglastanne bald als in rauhen Gegenden ausdauernd und freudig gedeihend 
und als zart und von Frösten leidend in sonst weit milderen Gegenden, die 
aber die anderen nötigen Kulturbedingungen nicht bieten, angegeben wird. — 
Auch im Innern von Nord-Amerika soll die Douglastanne, gleich wie in den 
Ebenen Mittel -Deutschlands, nach Strauch, nur kümmerlich gedeihen. Man 
wolle also nichts Unmögliches erzwingen, sondern beachte die Natur und 
lerne den Standorten und Kulturbedingungen gemäß die Pflanzen 
richtig behandeln. 

Ohne im Boden wählerisch zu sein, liebt die Douglastanne bei den 
angegeben günstigen Standorten zumal genügend feuchten und tiefgründigen, 
humusreichen Boden, gedeiht gut in mürbem, sandigem Lehmboden, kümmert 
in magerem Sand- und schwerem Tonboden, dazu zeigten Anpflanzungen 
auf Nord- und Nordwestabhängen in Gebirgen besonders freudiges Ge- 
deihen. 



auf Tafel 1 eine 37 jährige Kiefer und eine 25 jährige Douglastanne, beide in Sülldorf in Holstein 
auf gleichem Kieferboden IV. Klasse erwachsen, im Stammdurchschnitt vorgeführt werden, um 
die gewaltige Überlegenheit der Douglastanne zu zeigen. 



104 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Wie bei allen Coniferen und allen Kulturpflanzen überhaupt, so empfiehlt 
es sich auch bei der Sameneinfuhr von der Douglastanne, diese mög- 
lichst aus solchen Lagen ihres Vorkommens zu beziehen, die unseren 
klimatischen Verhältnissen am nächsten kommen und wo noch tadellose erst- 
klassige Bäume erwachsen, da die hieraus erzogenen Sämlinge, langer Er- 
fahrung gemäß, auch besonders widerstandsfähige Pflanzen liefern. 

Gewiß wurden auch vielfach Samen aus niedrigen wärmeren Lagen, die 
selbstredend leichter zu erlangen sind, wie solche aus hohen rauhen Lagen, 
eingeführt und erklärt sich auch hierdurch zum Teil die größere Empfindlichkeit 
mancher Pflanzen und damit die Mißerfolge. 

Eine Hauptbedingung ist auch, daß vor Eintritt der Eröste der Jahres- 
trieb gehörig ausreift.^) 

^) Dr. Mayr gibt an, daß die Douglastanne im Felsengebirge in Montana, Idaho und 
Kolorado keinen Johannistrieb mehr macht und hier — 25, ja bis — 35^ C. ohne Schaden er- 
trägt, während der Johannistrieb an der warmen, feuchten Küste eintritt. Mayr fügt hinzu, 
daß die Standfaktoren, wenn sie jahrtausendelang durch viele Generationen auf eine Pflanze ein- 
wirken, dieser endlich eine erblich gewordene Tendenz zu schnellerem oder langsamerem Wüchse 
anerziehen können; dies dürfte die Erscheinung bestätigen, daß Pflanzen aus Samen von Kolorado- 
bäumen und solche aus Samen von Küstenbäumen auf ganz dasselbe Beet gebracht und 
gleich behandelt, viele Jahre hindurch sofort an der Wachstumsgeschwindigkeit und ihrer ererbten 
Johannistriebbildung zu erkennen sind; erstere (die Koloradobäume) sind in Deutschland und Ost- 
Amerika völlig frosthart, letztere (die Küstenbäume) sind in Deutschland schwierig und in Ost- 
Amerika gar nicht aufzuziehen. — Weiter sagt Dr. Mayr, daß das Höhenwachstum zumal durch 
die Luftfeuchtigkeit während der Vegetation des Baumes gefördert werde und daß die Bäume 
im trockenen Felsengebirge nur die halbe Höhe erreichen gegen die Riesenbäume an der 
Küste des Westens, auch die Zapfen im Felsengebirge sind durchgehends kleiner (nur b^j^ cm) 
gegen die an der Küste (meist 8 cm). Sie sucht auch im Felsengebirge die feuchten Nord- 
abhänge auf. 

Dr. Mayr empfiehlt zu forstlichem Anbau, in kontinentalen Gebieten und weniger günstigen 
Lagen das Verhalten junger Pflanzen zu prüfen, welche aus Samen erzogen, der in Montana ge- 
sammelt wurde, da dieselben jedenfalls ganz unempfindlich gegen Frost, dagegen aber auch 
langsamer von Wuchs sein würden. Für die den Kulturbedingungen am günstigsten Lagen wäre 
der Samen aus Gegenden westlich vom Kaskadengebirge (Washington-Territorium) und Oregon 
(Portland) zu verwenden; die Pflanzen sind sehr raschwüchsig, aber in Forstlagen gegen Spät- 
und Frühfröste empfindlich, gegen welche in den ersten zehn Jahren geeignete Vorsichtsmaßregeln 
zu treffen seien. Samen aus Kolorado, wie er von amerikanischen Händlern als völlig frosthart 
für Ost- Amerika empfohlen wird, sei für Deutschland ungeeignet; die Pflanzen sind hart, aber 
auch sehr trägwüchsig. 

Weitere wichtige Angaben, welche den Rahmen dieses Werkes überschreiten würden, 
wolle man in Dr. Mayr, „Die Waldungen von Nord-Amerika", aufsuchen. 

Von der deutschen dendrologischen Gesellschaft sind die größten Anstrengungen 
gemacht worden, um ein für Deutschland durchaus passendes Saatgut zu beschafl"en und Herr 
Freiherr von Fürstenberg sammelte als Erster in British-Columbia, nördlich vom 49. Breiten- 
grade, bei Field (1860 m ü. d. M.) und Golden am oberen Columbia von der grünen Douglas- 
tanne, welche hier noch sehr bedeutende Dimensionen erreicht, reichlich Saatgut, welches zu 
den besten Hoffnungen berechtigt. 

In den betreffenden Gegenden machen die Bäume keinen Johannistrieb mehr und die 
aus der Saat erzogenen Bäumchen schließen auch bei uns ihren Trieb mit trefflichen Winter- 
knospen ab und erweisen sich als durchaus winterhart. 

Nach von Sivers bewährten sich die Sämlinge noch in Livland in angegebener Weise, 
schlössen rechtzeitig ausnahmslos ihren Trieb ab und zeigten sich winterhart. Es ist dies also 



II. Klasse, Coniferae. 105 

Von der normalen, raschwüchsigen Douglastanne haben wir in 
der Färbung zwei Formen zu unterscheiden: eine freudig-grüne, Pseudo- 
tsuga Douglasii viridis Schwerin, und eine graublaue (in gutem Wuchs 
und allen guten Eigenschaften nicht nachstehende Form), Pseudotsuga Dou- 
glasii caesia Schwerin (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1907, S. 257). Letzterer 
Name wurde gegeben, um sie von der schwachwüchsigen blauen Kegelform aus 
Colorado, Pseudotsuga Douglasii glauca, zu unterscheiden, welche für Gärten 
dekorativ recht schön ist, aber zum forstlichen Anbau ihrer geringeren Dimen- 
sionen halber weniger empfohlen werden kann. Zumal in hohen Gebirgslagen 
sind prächtige blaue bis silbergraue Färbungen beobachtet worden und solche 
finden wir auch bei Aussaaten, dabei auch üppigere und schwachwüchsigere 
Individuen (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1907, S. 19). 

Nach Dr. Di eck (siehe Humboldt, Die AkkUmatisation der Douglas.- 
fichte, Aprilheft 1889, S. 132) soll die in der Hauptkette des Felsengebirges 
bis in das nördliche British-Kolumbien und auf den inneren und östlichen 
Abhängen des Küstengebirges, auf trockenem, felsigem Boden wachsende un- 
empfindliche, oft graugrün gefärbte Form mit rotem Holze (Red fir, Rottanne) 
ein minderwertiges Holz liefern, als die nur an der nordpazifischen Küste 
zwischen dem 40. und 43.^ im Kaskadengebirge von British-Kolumbien, west- 
lich vom Fraserfluß im westlichen Washington-Territorium, Oregon und Nord- 
Kalifornien, im lockeren, humusreichen Boden mit durchlässigem Untergrund 
wachsende, empfindlichere, stete Luftfeuchtigkeit verlangende Yellow fir (Gelb- 
tanne) mit gelbem Holze. 

Sargent in Report of Forest, of N.-Am. ist der Ansicht, daß die Unter- 
schiede, welche zwischen Red fir und Yellow fir gemacht werden, im Alter 
der Bäume und in Standorts- und Bodenverhältnissen zu suchen seien. 

Herr Freiherr von Fürstenberg, welcher in British-Columbia für die 
deutsche dendrologische Gesellschaft Samen sammelte, teilt in den 
Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1904, S. 35 mit, daß eine bei Quesnel gefällte 
Douglastanne, welche auf tiefgründigem, angeschwemmtem Boden einer Ufer- 
bank des Fraserflusses gewachsen, 155 Jahre alt, 46 m hoch war und 1 m 
Durchmesser besaß, 10 cm weißen Splint zeigte; das übrige war hellrotgelb 
und wurde als Yellow fir (gelbe Tanne) bezeichnet. 

Es war nicht möglich, über Red oder Yellow fir auch nur zwei völlig 
übereinstimmende Antworten zu erlangen, obwohl an mindestens zwölf weit 
voneinander gelegenen Plätzen sowohl Holzhändler wie Holzverarbeiter be- 
fragt wurden. — Es dürfte feststehen, daß Yellow fir das rasch und breit- 
ringig aufgewachsene Holz bedeutet, also von gutem, tiefem, lehmig-sandigem 
Boden der Meeresküste, Flußniederungen usw., während Red fir auf ärmerem 
Boden, trockenen Berghalden zu finden ist und die rote Farbe um so stärker 
hervortritt, je langsamer der Baum gewachsen ist und je enger die Jahres- 
ringe liegen. 

Das rote Holz ist demnach härter, das gelbe weicher aber zäher; je nach 
den Gebrauchszwecken wird eines so hoch geschätzt wie das andere. Das 



eine Errungenschaft von weittragendster Bedeutung (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, S. 6), 
Zu vergleichen sind noch: Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1907, S. 122, 136, 183; JohnBooth, 
„Die Douglasfichte", Allgem. Forst- und Jagdzeit., 83. Jahrg., Januar-Aprilheft 1907. 



l^Qß Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

gelbe wird mit Vorliebe für Fußböden, das rote für Holzdecken und Wand- 
täfelungen verwendet. 

Nun gibt es zwischen Rot und Gelb Abstufungen und Schattierungen; 
was der eine noch als rot bezeichnet, nennt der andere schon gelb. Von 
zwei verschiedenen, etwa gar samenbeständigen Bäumen kann hier also nicht 
die Rede sein. 

Zu vergleichen ist auch John Booth, Die Naturalisation der Douglas- 
fichte (in Zeitschrift für Forst- und Jagdwesen von Dankelmann 1890, S. 32, 
302 und 354), wo unter anderem auch auf Heinrich Semmlers Angaben 
hingewiesen wird, daß man von einem Baum, der so verschiedene Standorte 
und Höhenlagen bewohnt, kein Holz gleicher Qualität erwarten dürfte; aber 
auffallend sei die Erscheinung, daß die Douglastanne, da wo sie ihre größte 
Entwickelung erreicht (im westlichen Washington, wo sie zusammenhängende 
Wälder bildet), bedeutende Abweichungen in der Qualität des Holzes zeige. 

Wir besitzen nun noch, teils aus dem Vaterlande eingeführte, teils in 
Kultur an verschiedenen Orten gewonnene, oft sehr dekorative Formen, welche 
beweisen, wie sehr auch die Douglastanne zu Abweichungen neigt. 

Pseudotsuga Douglasii taxifolia Carr. (Conif. 2. ed., p. 258 (1867). 

Syn. Abies Douglasii taxifolia Loud.^ Encycl. of Trees 1033 f, 1932 u. 
1933 (1838). 
Pinus Douglasii var. brevibracteata Antoine, Conif. 84, t. 33 (1840). 
Tsuga Douglasii taxifolia Carr., Conif. 1. ed., 193 (1855). 
Abies taxifolia Drummond ex Gord., Pin. Suppl. X (1858). 
„ Douglasii mexicana Hartw. ex Gord. Pin. (1858). 
„ Drummondii hört, ex Gord. 1. c. 
? Tsuga Lindleyana Roezl. Cat. Conif. Mexic. 1857, p. 8. 
Eine Form, welche in Oregon und auch auf dem Real del Monte in 
Mexiko in einer Erhebung von 2600 — 3000 m gefunden wurde, sie erreicht 
kaum die halbe Höhe der typischen Form und bildet eine breite, dichte Pyra- 
mide, die Äste sind stärker, die Blätter länger und dunkler. Die Zapfen 
sind weniger zugespitzt und die Bracteen kürzer und ragen kaum über die 
Schuppen vor. 

Pseudotsuga Douglasii glauca Mayr (Wald, von N.-Am., p. 307 [1890]). 
Blaugrüne Douglastanne. 

Syn. Pseudotsuga glauca Mayr, Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1901, p. 57 
und in Fremdl. Wald- u. Parkbäume 1906, p. 404. 
Tsuga Douglasii glauca hört. 
Abies Douglasii glauca hört. 
Pinus Douglasii glauca hört. 
Eine Form, die in Kolorado, Neu-Mexiko und Arizona vorkommt, welche 
durch prächtige blaugrüne Färbung, zumal zur Frühjahrszeit beim Be- 
ginn des jungen Triebes^ besonders in die Augen fällt und als sehr dekorativ 
die weiteste Verbreitung verdient. 

Sie bildet in der Jugend eine regelmäßige Kegelform, mit kürzeren, 
schräg nach oben stehenden Ästen; die Blätter sind oft kürzer, derber, mehr 
dem Zweige anliegend; die Zapfen sind nur 5 cm lang und 2^/2 cm dick, und 



IL Klasse. Cöniferae. 107 

öfter sind die dreispitzigen Bracteen über die Schuppen zurückgeschlagen 
(Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1898, S. 27). Dr. Mayr, welcher sie als besondere 
Art auffaßt, führt eine Übergangsform von dieser zu der normalen P. Douglasii 
an, welche kleinfrüchtig ist und in Montana wächst. In trockenem und im 
Winter kälteren Klima erwachsen, hat sie sich im Osten der Vereinigten 
Staaten, wie auch in Deutschland, frosthart gezeigt, erweist sich aber als 
langsam wachsend. Es ist dies für uns zumal ein herrlicher Parkbaum, der 
auch noch recht bedeutende Dimensionen erreicht. 

Wie bei manchen anderen Coniferen, so kommen auch hier alle Farben- 
abstufungen bis weiß blau und silbergrau vor; sie wurden sowohl im Vater- 
lande gefunden, wie in Kulturen bei Aussaaten gewonnen. Hierher gehört auch: 

Pseudotsuga Douglasii glaucescens. 

Syn. Pseudotsuga glaucescens Bailly, Rev. hört 1895, p. 88, cum ic. 

Abies glauca, A. glaucescens, A. Tlapalcatuda Roezl. in Carr. Trait. 
gen. d. Conif., p. 274 (1867). 
Eine von Roezl in den Gebirgen de la Cruces in Mexiko gefundene, 
prächtige weiß blaue Form, mit elegant überhängender Bezweigung, die an 
Schönheit mit einer blauen Deodar-Ceder wetteifern konnte. Dieselbe war 
von M. A. Seneclauze in Bourg-Argental in Frankreich in Kultur gewonnen. 
Weiter wurden in Kultur gewonnen: 

Pseudotsuga Douglasii argentea Koster. 

Eine Form von prächtiger weißblauer Färbung, welche bei einer 
Aussaat von M. Koster & Söhne in Boskoop (Holland) gewonnen wurde. 
Sie hebt sich als größere Pflanze herrlich in der Landschaft ab und ver- 
dient weiteste Verbreitung. Auch Dr. Dieck-Zöschen erzog aus Samen von 
Arizona eine prächtige silbergraue, winterharte Form. Ebenso Ansorge- 
Klein-Flottbek aus Kolorado-Samen. 

Trauerformen. 
Pseudotsuga Douglasii pendula Engelm. msc. Trauer-Douglastanne. 

Syn. Tsuga Douglasii pendula hört. 
Abies Douglasii pendula hört. 

Pinus Douglasii pendula Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 430 (1868). 
Abies taxifolia pendula Masse in Flor, des Serres VIII, p. 186. 
Eine schöne Form, bei welcher wenigstens alle unteren Äste oft in einer 
Länge von 2 — 3 m schlank und lang herabhängen, mit dunkelgrüner Be- 
laubung, die von Sisson in Tälern und an Abhängen um den Shastaberg 
herum gefunden wurde und auch in Kultur, durch Veredlung vermehrt, be- 
reits verbreitet ist. 

Pseudotsuga Douglasii glauca pendula P. Smith. Blaugrüne 
Trauer-Douglastanne. 

Syn. Tsuga Douglasii glauca pendula hört. 
Abies Douglasii glauca pendula hört. 
Pinus Douglasii glauca pendula hört. 



IQQ Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten. 

Eine in den Baumschulen von P. Smith in Bergedorf bei Hamburg ge- 
wonnene Form mit stark herabhängenden Ästen und von blaugrüner 
Färbung, welche sich in größeren Exemplaren, ganz freigestellt, herrlich 
ausnimmt. Auch Purpus fand in den La Sol Mountains, der höchsten Ge- 
birgskette Utahs, in über 3000 m Erhebung, wo alle Tannen und Fichten eine 
herrliche weißblaue Färbung zeigten, neben der Form glauca auch prächtige 
Exemplare von glauca pendula und konnte reichlich Samen davon einführen. 

Auch von aus Kolorado bezogenen Samen sind schöne blaue Trauer- 
formen gezogen. 

Pseudotsuga Douglasii argentea pendula Weiße-Kamenz. 
Eine von Weiße in Kamenz bei einer Aussaat gewonnene herrliche 
Form mit stark herabhängenden Ästen und von silbergrauer Färbung; 
ein ganz auserlesener Schmuck und befähigt, die stärksten Kontraste hervor- 
zubringen. 

Aufstrebende Formen. 

Pseudotsuga Douglasii fastigiata Carr. (Conif. 2. ed., p. 257 [1867]). 

Syn. Abies Douglasii fastigiata Knight., Syn. Conif. 37 (1850). 

Tsuga „ fastigiata Carr., Conif. 1. ed., p. 193 (1855). 

„ „ sparsifolia Carr., Rev. hört. 1861, p. 243. 

Eine üppige Form, welche eine dichte, aufstrebende Kegelform 
bildet mit zahlreichen, aufstrebenden Ästen, kurzen, dicht und oft zer- 
streut um den Zweig stehenden Blättern und dicken, kegelförmigen, rötlichen 
Knospen. Eine eigenartige auffallende Erscheinung. 

Pseudotsuga Douglasii stricta Carr. (Conif. 2. ed., p. 258 [1867]). 
Eine kleinere auffallende Form mit aufstrebenden Ästen, kurzen, 
zierlichen Zweigen und kurzen, meist zerstreut stehenden Blättern; alle Zweige 
bilden Wipfeltriebe. 

Pseudotsuga Douglasii denudata Carr. (Conif. Appendice p. 792 [1867]). 

Eigentümliche Form, eine üppige, dicke Rute (Mitteltrieb) bildend 
und selten kleine, ungleiche Nebenzweige entwickelnd. Knospen dick, Blätter 
zerstreut und ungleich groß. 

In den Blättern abweichend. 
Pseudotsuga Douglasii Standishii Mast, (in Journ. Hort. Soc. XIV 245). 

Syn. Abies Douglasii Standishii Gord., Pin. Suppl. 10 (1862). 

Eine auffallende Form, welche nach Veitch in der Gärtnerei von 
Standish aus Samen erzogen wurde, von Wuchs und Ansehen der Art 
gleicht, aber größere, oben dunkelgrünere, unten silberweiße Blätter 
besitzt. 

Nach Kent (Veitch, Man. of the Conif. 2. ed., 1900, p. 45) wurde diese 
Form von Gordon (Pin. ed. II, p. 26) als Abies pectinata x Pseudotsuga 
Douglasii aufgefaßt. Ob hier irgend ein Anhalt dafür vorliegt, oder ob nur 
auf die Ähnlichkeit in den Blättern hin ein Bastard vermutet wird, bliebe 
festzustellen. In England dürften doch sicher jetzt größere, zapfentragende 



II. Klasse. Coniferae. 109 

Bäume vorhanden sein. Es handelt sich hier sicher nur um eine ab- 
weichende Form. 

Gedrungene oder Zwergformen. 

Pseudotsuga Douglasii brevifolia Mast. (Journ. of. the Linn. Soc. XXVII, p. 244). 
Eine Pflanze, verhältnismäßig zwergig von Wuchs, mit kurzen, rings um 
die Zweige gestellten Blättern. 

Pseudotsuga Douglasii Fretsii (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1905, p. 74, 

mit Abbild.). 

Eine von Frets & Zonen in Boskoop aus amerikanischen Samen er- 
zogene schöne, frostharte Form. Dieselbe bildet eine gedrungene, aber 
locker bezweigte Pyramide mit üppigen, nach allen Seiten ausgestreckten 
Zweigen und gleichem Wipfeltrieb. Zweige und Knospen kleiner und zier- 
licher als bei der Art, Blätter sehr kurz, unten an den älteren Zweigen 
10 — 12 mm lang, 2 mm breit, mit abgerundeter Spitze, die Blätter der jüngsten 
Zweige 8 mm lang, nach den Spitzen zu immer kürzer werdend, oberseits 
dunkelgrün, unterseits mit blauen Spaltöffnungsreihen, dicht rings um den 
Zweig gestellt und so sehr an Abies Pinsapo erinnernd. 

Pseudotsuga Douglasii compacta hört. 

Syn. Pseudotsuga Douglasii elegans hört. 
Tsuga Douglasii compacta hört 
Abies Douglasii compacta hört. 
Eine hübsche, an verschiedenen Orten in Kultur gewonnene Form von 
dichtem, gedrungenem, kegelförmigem Wuchs und kurzer, dichter 
Belaubung, welche die Zw^eige zu Nebenwipfeln emporrichtet. 

Wir haben davon zwei zierliche Formen zu unterscheiden: 

Pseudotsuga Douglasii compacta viridis (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 

1902, p. 52). 

Eine von Hellemann in Moorende bei Bremen bei einer Aussaat ge- 
wonnene reizende, regelmäßige, ganz dicht bezweigte Kegelform von 80 cm 
Höhe, mit kurzen, gedrängt stehenden Zweigen und feinen, kurzen, frisch- 
grünen, kurz zugespitzten, auffallend wagerecht rings um den Zweig gestellten 
Blättern, an den Zweigspitzen rosettenförmig dicht zusammengedrängt, auf 
welchen sich die rötlichen Knospen sehr hübsch abheben. Diese schöne 
üppige Form hat nie vom Frost gelitten und wurde durch Stecklinge und 
durch Veredelung vermehrt. 

Pseudotsuga Douglasii compacta glauca (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 

1902, p. 53). 

Eine von Ansorge in Kl.-Flottbek gewonnene, gleich der vorigen dicht 
bezweigte, reizende Kegelform, mit gut entwickeltem Wipfeltrieb. Die älteren 
Zweigspitzen richten sich zu Leittrieben senkrecht auf und dienen zur Ver- 
edelung. Die kurzen Blätter sind rings um den Zweig gestellt, aber weniger 
wagerecht abstehend als bei der vorstehenden Form, sie sind weit derber, 
matt-bläulich-grün und scharf gespitzt. Die Knospen sind spitzer und 
braun beschuppt. 



HO Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Pseudotsuga Douglasii argentea compacta Hans. 

Eine dicht buschige, auffallend silbergrau gefärbte, schöne Form, 
welche W. Hans in Herrnhut aus Samen erzog, welcher in Kolorado ge- 
sammelt wurde. 

Professor Sargent fand in Montana bei 2000 m ü. d. M. einen Zwerg 
von nur 50 cm Höhe, welcher über und über mit Zapfen von normaler Größe 
bedeckt war. 

Pseudotsuga Douglasii pumila. 

(Als Abies von Anthony Waterer in Woking [England] ausgestellt 
und durch ein Wertzeugnis I. Klasse 1899 von der Royal Hort. Soc. in London 
ausgezeichnet) stellt eine gedrungene Buschform aus Colorado mit kurzen, 
ganz hellgrünen Blättern dar. 

Pseudotsuga Douglasii monstrosa hört. 

Syn. Pseudotsuga Douglasii dumosa Carr., Conif. 2. ed., p. 258 (1867). 
Abies Douglasii monstrosa hört. 
Tsuga Douglasii monstrosa hört. 

Eine bei Aussaaten von Andre Leroy in Angers (Frankreich) gewonnene 
interessante, aber unschöne buschige, monströse Form mit unregelmäßiger, 
dichter Bezweigung und sehr dichtstehenden kurzen, stumpfen Blättern, einen 
nur 2 m hohen, weit ausgebreiteten Busch bildend. 

Pseudotsuga Douglasii globosa (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1905, p. 75, 

mit Abbild.). 

Eine durch die Herren Carl Lutz Sohn in Stuttgart verbreitete, aus 
einer nahen Forstbaumschule stammende, ganz regelmäßige, locker be- 
zweigte Kugelform von 75 cm Durchmesser, von frischgrüner Färbung, 
Zweige, Knospen und Blätter sind normal, nur der gedrängten Form ent- 
sprechend etwas zierlicher. Diese schöne Form dürfte für kleine und zumal 
für regelmäßige Gärten sehr wertvoll und willkommen sein. 

Buntblätfrige und goldige Formen. 
Pseudotsuga Douglasii Stairii hört. 

Syn. Tsuga Douglasii Stairii hört. 
Abies Douglasii Stairii hört. 

Eine in Castle Kennedy in Wigtownshire, Sitz des Earl of Stair, nach 
Kent gewonnene Form, welche je nach guter Entwickelung mehr oder minder 
regelmäßige, gelblich-weiße Zeichnungen zeigt. Bei van Geert in Ant- 
werpen sah ich eine 6 m hohe Pyramide, deren junge Triebe ganz weiß er- 
schienen und sich in diesem Schmucke reizend ausnahm. 

Pseudotsuga Douglasii variegata Forbes (in Gard. Chron. 1903, p. 338). 

Eine bei Longleat (England) aufgefundene bunte Form, welche auf 
den ersten Blick den Eindruck macht, als habe sie vom Sonnenbrand oder 
Frost gelitten; sie ist jedenfalls mehr eigentümlich als schön und somit 
entbehrlich. 



II. Klasse. Coniferae. Hl 

Pseudotsuga Douglasii aurea hört. 
Eine goldige Douglastanne (Golden Douglas Fir in Gard. Chron. 
1894, p. 44) von Mr. Fluder, Gärtner bei Mr. Graham in Cultoquhey bei 
Crieff (England), aufgefunden. Erst zwei Jahre nach der Pflanzung zeigte der 
Baum im jungen Triebe ein schönes Hellgelb. Sollte sich diese Färbung 
beständig zeigen, so wäre dies eine schöne Bereicherung für die Coniferen- 
sammlungen. 

2. Pseudotsuga macrocarpa Mayr (Wald. N.-Am. S. 278 [1890]). 
Großfrüchtige Douglastanne. 

Syn. Abies Douglasii macrocarpa Torr, in Ives „Report in the Colorado 
River in the West" (1860). 
Abies macrocarpa Vasey. 
Pseudotsuga Douglasii macrocarpa Engelm., Bot. of Californ. II, 120. 

Im südlichen Kalifornien, in den engen heißen Schluchten des San 
Bernhardino-Gebirges, sowie in der Schlucht von San Filipe in einer Erhebung 
von 1000 — 1600 m gesellig mit Eichen wachsend. 

Ein kleiner, 12 — 16, selten 25 m Höhe, bei 45 — 90 cm Stammdurchmesser 
erreichender Baum, mit dicker, tiefgefurchter, rotbrauner Borke, langen, aus- 
gebreiteten Ästen, überhängender Bezweigung und behaarten jungen Trieben, 
eine breite, regelmäßige Pyramide bildend. Blätter blaugrau, länger als bei 
Douglasii und zugespitzt, Knospen größer, glänzend-braun, deren Schuppen 
ohne Fransen am Rande. Männliche Blüten 25 mm lang, blaßgelb; Zapfen 
auf kurzem, dickem Stiele, 14 — 18 cm lang, 5 cm dick; Zapfenschuppen groß, 
steif, dick, am Rande kahl; Bracteen dreispitzig, die mittlere Spitze nur 
wenig die Schuppe überragend. Samen dick, rundlich, auf der der Schuppe 
zugekehrten Seite weißlich, auf der oberen Seite hellbraun, 11 mm lang, mit 
gleichlangem Flügel. Das Kernholz ist dunkelbraunrot und das Sommerholz 
hat zahlreiche Spiralfasern. 

Anfänglich von den Autoren als klimatische Varietät von P. Douglasii 
aufgefaßt, hat zuerst Vasey und darauf Mayr sie als besondere Art beschrieben 
und Lemmon, Sudworth wie Sargent pflichten ihnen bei, da Übergänge 
nicht beobachtet wurden. 

Ihrem südlichen Vorkommen entsprechend, kann die großfrüchtige 
Douglastanne für uns nur für die günstigsten, wärmsten, geschütztesten Lagen, 
also etwa für das Weinbaugebiet, noch zur Anpflanzung in Betracht kommen. 
Da wir in der P. Douglasii mit ihren schönen Formen alles wünschenswerte 
besitzen, können wir sie auch recht wohl entbehren, da sie nach keiner Rich- 
tung hin der P. Douglasii gegenüber besondere Vorteile bietet. 

3. Pseudotsuga japonica Shirasawa. Japanische Douglastanne. 
Ursprünglich von Homi Shirasawa beschrieben als: 

Tsuga (Pseudotsuga) japonica Shirasawa (in Tokio Bot. Mag. IX, 
No. 96, 1895 [mit Abbild.]: „Eine neue Coniferenart in Japan"). 
Togasawara (d. h. Tsuga Chamaecyparis) der Japaner (vergl. Mitt. 
d. d. dendr. Gesellsch. 1896, S. 62) 



1X2 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten. 

Vom Autor im Juli 1893 im Walde auf dem Wege (etwa 10 engl. Meilen 
von der Küste entfernt, 2000 Fuß ü. d. M.) von Owashi, Provinz Kii, nach 
Yoshino, Provinz Yamato, gefunden, wo sie, mit Tsuga Sieboldii Carr., Fagus 
japonica Maxim., Acanthopanax ricinifolium Sieb, et Zucc, Magnolia hypo- 
leuca Sieb, et Zucc, Quercus grosseserrata Bl. gemischt, mit geradschäftigem 
Stamm, fast horizontal sich ausbreitenden Ästen und kegelförmiger Krone, 
einen schönen Bestand bildet und stattliche Dimensionen (von 15 — 20 m Höhe 
bei 3 m Stammumfang) erreicht. Die Blätter sind flach, etwas gebogen, ober- 
seits gerillt, unterseits mit vortretenden Mittelnerven, an der Spitze einge- 
kerbt, 20—25 mm lang, 2 mm breit, oberseits grün, unterseits mit zwei hell- 
weißen Streifen; auf dem Querschnitte zeigen sich zwei Harzgänge. Zapfen 
eiförmig-länglich, 4 — 5 cm lang, 2 —2^/2 cm dick, mit starken, hakenförmig ge- 
bogenen Stielen, hängend, oder rückwärts gewendet. Zapfenschuppen dunkel- 
violettbraun, teilweise schwärzlich, auf der Rückseite bläulich bereift, sich nicht 
von der Spindel lösend. Bracteen etwas länger als die Fruchtschuppen, 
meist dreispitzig und beim reifen Zapfen über die Schuppen zurück- 
geschlagen. Samen dreieckig, 9 mm lang, 5 mm breit, auf der unteren, der 
Schuppe zugekehrten Seite grauweiß, braun punktiert, auf der oberen Seite 
hellbraun. Der Flügel ist 1 — 1^/2 mal länger als der Samen und mit demselben 
verwachsen. Das Holz unterscheidet sich wesentlich von dem der japanischen 
Tsuga-Arten. Es ist leicht spaltbar, die Jahresringe sind schmal und regel- 
mäßig. Das Kernholz ist hellbraun, der Splint weißlich, die Borke ist dunkel- 
braun und langrissig, Trockengewicht von 0,48 — 0,50 und läßt unter dem Mikro- 
skop Harzkanäle erkennen. Nach den Zapfen und Samen zeigt sie eine auf- 
fallende Verwandtschaft mit Pseudotsuga Douglasii Carr. 

Die treffliche Abbildung zeigt einen Zweig mit zwei noch geschlossenen 
Zapfen, einen reifen aufgesprungenen Zapfen (5 cm lang) mit den zurück- 
geschlagenen dreispitzigen Bracteen, sowie alle einzelnen Teile, teils vergrößert,, 
in anschaulichster Weise. 

Ich konnte außerdem Originalmaterial, Zweig und Zapfen, aus Japan 
genau mit P. Douglasii vergleichen (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1898, S. 27) 
und erkennt man auf den ersten Blick die Zugehörigkeit zu Pseudotsuga. Die 
Triebe sind hellbraun und glatt, die Knospen länglich-spitz, glänzend-braun 
beschuppt. Die Zapfen sind rundlicher als die des amerikanischen Baumes, 
dunkelbraun, mit sehr festen, muschelförmigen, ganzrandigen, weitklaffenden 
Schuppen, die Bracteen sind über die Schuppen zurückgeschlagen, genau in 
derselben Weise, wie dies auch bei Zapfen der P. Douglasii glauca beobachtet 
wurde (siehe daselbst). Die Samen von P. japonica sind mehr als doppelt 
so groß wie die von Douglasii, die Flügel sind kürzer und nähern sich die 
Samen in Färbung und Gestalt denen von P. macrocarpa, welche etwa wieder 
doppelt so stark wie die von P. japonica sind. 

Erfreulich ist es, daß wir P. japonica schon in Kultur besitzen, sie ist 
allerdings noch sehr selten und braucht zu ihrem Gedeihen vor allem ge- 
nügende Luftfeuchtigkeit. Herr An sorge in Kl.-Flottbek hat wohl zuerst 
Pflanzen erzogen, er gibt (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1902, p. 53) an, daß 
die japanische Pseudotsuga seit 3 Jahren bei ihm im Freien stehe, das 
Klima scheine ihr wohl zu warm zu sein, denn sie treibe im Jahre dreimal, 
ohne vom Frost getötet zu werden, das spräche wohl für ihre Härte. 



II. Klasse. Coniferae. 113 

Er beabsichtigte, in rauheren Lagen und im Sandboden Kulturversuche zu 
machen. 

Ich verdanke Herrn An sorge eine veredelte junge Pflanze, welche bis 
heute leider kein recht freudiges Wachstum zeigt, ich schiebe dies auf un- 
genügende Luftfeuchtigkeit und die eingeschlossene v^arme Lage. Kürzlich 
sah ich bei Herrn Kommerzienrat Langen in Grevenbroich, welcher in 
seiner Besitzung eine schöne und reichhaltige Coniferensammlung besitzt, 
eine junge Pflanze, welche im üppigen Triebe stand. Diese jungen Triebe 
zeigten, besonders auf der Oberseite, eine schöne rote Färbung, welche 
neben den frischgrünen Blättern die Pflanze besonders zierten. 

Jedenfalls verspricht die japanische Douglastanne auch bei uns bestes 
Gedeihen, wenn wir ihr die nötigen Kulturbedingungen, zumal ausreichende 
Luftfeuchtigkeit, geben können, welche für die meisten japanischen Coniferen, 
für alle Douglastannen aber im besonderen, unerläßlich ist. 

Die Douglastannen, zumal aber die bei uns eingebürgerte P. Douglasii 
mit ihren Formen, von denen die hängenden und auffallend blaugrünen und 
silbergrauen besondere Beachtung verdienen, gehören, wie schon angegeben, 
zu den dekorativsten, edelsten Coniferen und sollten in den genannten 
günstigen Lagen recht weite Verbreitung finden; sie müssen zu einer guten 
Entwickelung stets ganz freigestellt werden. In ungünstigen Lagen verlohnt 
sich dagegen ihre Kultur nicht, zumal aber dort nicht, wo sich zu Mangel an 
Luftfeuchtigkeit auch noch magerer, trockener Boden gesellt, alle anderen 
Kulturbedingungen wurden schon eingehend besprochen. 

Die Vermehrung der Arten, zumal aber für forstlichen Anbau, sollte 
nur durch Aussaat geschehen und zwar in Kästen oder auf geschützten Saat- 
beeten, wo die jungen Pflanzen, ohne verweichlicht zu werden, einen leichten, 
naturgemäßen Schutz finden und bis zum Auspflanzen sich kräftig entwickeln 
können. Seltene Arten und die zahlreichen Formen werden durch Veredelung 
auf P. Douglasii im Spätsommer oder im Frühjahr im Vermehrungshause 
fortgepflanzt. 

Die Zwergformen können auch durch Stecklinge vermehrt werden, um 
sie in ihrer Eigenart zu erhalten, da veredelte Exemplare bei sehr günstigem 
Stand oft dazu neigen, zu normalen Pflanzen sich auszuwachsen. 

Abies Lk. (in Abhandl. d. Akad. d. Wiss. Berlin 1827, S. 181; Picea Don. in 

Loud. Arb. Brit. IV, 2293 [1838]). Tanne. 

Blüten einhäusig, männliche in den Achseln der oberen Blätter einzeln, 

fast sitzend, von dachziegeligen, schuppenförmigen Bracteen dicht umgeben. 

Staubfadensäule zylindrisch-länglich oder eirund; Antheren spiralig-gedrängt, 

auf kurzem Stiele, mit zwei angewachsenen, fast kugeligen, nach unten schief- 

oder querzweiklappigen Fächern, das Mittelband über die Fächer hinaus in 

einen Knopf endigend. Pollenkörner groß mit 2 Flugblasen. Weibliche 

Blüten aufrecht endständig, einzeln mit wenigen, tauben, dachziegeligen 

Schuppen dicht umgeben, kugelig, eirund oder länglich, Schuppen doppelt, 

mehrreihig, spiralig-dachziegelig, bis zur Basis oder fast bis zur Basis getrennt. 

Bractee häutig, während der Blüte hervorragend, nach der Blüte wenig 

vergrößert, kürzer als die Samenschuppe oder mit der Spitze hervorragend. 

Belßner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 8 



114 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Samenschuppe schon während der Blüte bisweilen größer als die ßractee, 
dann eine ansehnliche Schuppe bildend, wenig verdickt, an der Spitze abge- 
rundet mit dünnem Rande. Eichen 2 an der Basis der Samenschuppe um- 
gewendet. Zapfen aufrecht, eirund-länglich oder zylindrisch, mit wenig 
vergrößerten, ungeteilten oder zweilappigen, mit der Spitze jedoch öfter mehr 
oder weniger über die Schuppen hervorragenden Bracteen.^) Schuppen 
locker -dachziegelig, mit den Samen von der stehenbleibenden Achse ab- 
fallend. Samen mit Harzbläschen, hinter jeder Schuppe zwei abwärts ge- 
richtet, falsch flügelfruchtartig. Haut dünn, trocken, durchsichtig, von der 
inneren Lage der Schuppe getrennt und halb eingeschlossen, eirund oder 
länglich-zusammengedrückt mit bleibendem Flügel, Schale krustenartig oder 
häutig; Kodyledonen 4 — 8. — 

Immergrüne Bäume, Blätter schmal-lineal, mehr oder weniger flach, spitz, 
stumpf oder ausgerandet, zweispitzig, zweizeilig abstehend oder spiralig zer- 
streut, zumal an üppigen jungen Trieben und an fruchtbaren Zweigen immer 
dichter gestellt und mehr nach oben gerichtet, auch mehr zugespitzt, oberseits 
meist rinnenförmig oder bisweilen flach-gewölbt, daher im Querschnitt schmaler 
oder dicker, sichelförmig, stumpf-dreikantig, schief-rautenförmig bis schief- 
vierkantig von Figur, unten mit weißen Spaltöffnungslinien und mit wenig 
hervorragender Rippe, unten an der Basis oft stielartig verschmälert und ge- 
dreht, mit verbreiterter, rundlicher Basis sitzend und nach dem Blätterfall eine 
am Zweige nicht oder wenig hervorragende Narbe zurücklassend. Nur 
ausnahmsweise mit geschwollenen, herablaufenden Blattkissen. 

Knospen ohne Harz, Blätter stumpf und ausgerandet, Zapfen zylindrisch. 

1. Abies pectinata D. C. (Fl. Fr. III, p. 276 [1805]). Weißtanne, Edeltanne, 
Silbertanne, Taxtanne. (Fig. 21 u. 22.) 
Syn. Abies Plin., Hist. nat. XVI, 18. 

„ Caesalp. de Plant. Hb. III, cap. 53, p. 133. 
„ conis sursum spectantibus s. mas Bauh., Pin. p. 505. 
„ taxifolia fructu sursum spectante Tournf., Inst. p. 585. 
„ alba foemina C. B., Elssh. p. 295. 

^) Meist ist bei Aufzählung der Abies- Arten als Einteilungs-Merkmal die eingeschlossene 
oder über die Schuppe hervorragende Bractee benutzt worden. Meiner Ansicht nach 
hat man diesem Merkmal eine viel zu große Bedeutung beigelegt, da nicht nur, wie aus 
der weiteren Beschreibung der Arten hervorgehen wird, bei Individuen einer Art die Länge 
der Bracteen schwankt, sondern auch die nächstverwandten Arten dadurch auseinander- 
gerissen und weit voneinanderstehend beschrieben und aufgezählt werden, so z. B.: Abies 
balsamea und A. Fraseri; A. cephalonica und A. Pinsapo; A. nobilis und A. magnifica, aus 
diesem Grunde stehe ich davon ab, die Abies-Arten in solche mit eingeschlossenen oder hervor- 
ragenden Bracteen einzuteilen. 

Ebensowenig anwendbar ist die von Mayr vorgeschlagene Einteilung (Pichta, Momi, 
Pindrau) nach der Farbe der Zapfen unmittelbar vor der Reife, da sie denselben 
Übelstand, die Trennung der nächstverwandten Arten, bewirkt. Hickel in „Notes sur les 
Abietin6es" ; in Bull, de la Soc. dendr. de France, Paris, No. 3, 1907, hat in einer sehr fleißigen 
Arbeit die Gattung Abies versucht übersichtlich zusammenzustellen und zwar einmal mit 
„Hilfe der einzelnen Vegetationsorgane" und dann mit „Hilfe der Zapfen". So 
scliarf auch die Merkmale für einzelne Arten gekennzeichnet sind, so tritt doch auch hier der 



II. Klasse. Coniferae. X15 

Syn. Pinus Picea L., Spec. pl. p. 1420 (1753). 

„ Abies Dur., Observ. bot. p. 39 (1771) und Endl., Conif. p. 95. 
„ Abies Dur., a. pectinata Christ. Europ. Abietineen. 
„ pectinata Lam., Fl. franc. II, p. 202 (1778). 
Abies alba Mill.,i) Dict. No. 1 (nicht Mchx.) (1759). 
vulgaris Poir., Dict. Suppl. VI, p. 514 (1804). 
taxifolia Desf., Cat. Hort. Paris, ed. III, p. 356 (1809). 
„ excelsa Lk. in Abhandl. d. Berl. Akad. 1827, p. 182 (1830) 
„ Picea Lindl. in Penny Cyclop. I (1833) nee Mill. 
„ candicans Fisch, msc. 

„ argentea De Chambr., Tr. prat. Arb. res. 17, t. I, Fig. 1 — 2, 
t. V, Fig. 1 (1845). 
Picea pectinata Loud., Arb. brit. IV, 2329 f., 2237—2239 (1838). 
Sapin de Lorraine, S. des Vosges, S. de Normandie der Franzosen. 
Common Silver Fir der Engländer. 
In den »Gebirgen Mittel- und Süd-Europas; nach Willkomm in den 
Pyrenäen in einer Erhebung von 1000 — 1600 m, zumal in den nördlichen 
große Wälder bildend, ebenso in den Vogesen, im Jura zwischen 400 und 
1300 m Erhebung ausschließlich den Nadelwald bildend, im Schwarzwalde 
und im Frankenwalde, in der Schweiz, seltener in den Apenninen, auf den 
Gebirgen Korsikas, im bayerischen und Böhmerwalde, in Thüringen, im Erz- 
gebirge, in den Karpathen, nach Grisebach auch im bithynischen Olymp. 

Von der Ostgrenze der Verbreitung haben wir eine klimatische Varietät 
(Abies pectinata podolica Sr.), welche nach Schröder in Moskau ausdauerte, 
während Abies pectinata dort sonst über dem Schnee erfriert (Mitt. d. d. 
dendr. Gesellsch. 1899, p. 121). 

Außerdem viel forstlich, auch viel weiter nördlich angepflanzt. In Ost- 
friesland in Lütetsburg, der Besitzung des Fürsten zu Inn- und Knyphausen, 
finden sich herrliche Exemplare von riesigen Dimensionen und angesamte 
reine Bestände in allen Stärken. 

Baum von 30 bis über 65 m Höhe und 2 bis über 5 m Stammumfang, 
mit kerzengeradem, walzenförmigem Stamm und pyramidaler, im Alter oben 
abgeplatteter Krone. Stamm sich frühzeitig hoch hinaus ausästend (reinigend), 
mit weißgrauer Rinde, Äste quirlständig, horizontal ausgebreitet, Zweige rund, 
jüngste kurz-rauhhaarig, Knospen ohne Harz Überzug. Blätter an Wipfel- 
trieben spiralig ringsum stehend, an seitlichen zweizeilig, kammförmig ab- 



Übelstand ein, daß die zunächstverwandten Arten öfter zu weit getrennt werden. Besser ist 
Koehnes Einteilung nach anatomischen Merkmalen in den Blättern; 1. Harzgänge 
der Blätter nichtblühender Triebe an der Epidermis, 2. Harzgänge der Blätter nichtblühender 
Triebe im Parenchym. Aber auch hier kommen Abweichungen vor, so gut im allgemeinen 
auch die nächsten Verwandten dadurch zusammengebracht werden. In nachstehender Aufzählung 
werden die Arten, unter Anwendung aller zutreffenden Merkmale, ihrer unverkennbar nächsten 
Verwandtschaft entsprechend, hintereinander aufgeführt. 

^) Ich stelle diesen älteren Namen nicht als Hauptnamen auf, um steten unliebsamen Ver- 
wechselungen zu begegnen, die in der Praxis gar nicht ausbleiben können und die schwersten 
Schädigungen veranlassen müssen. Dieser Umstand dürfte auch den scharfblickenden Decan- 
dolle bewogen haben, seinen für jedermann verständlichen, zutreffenden Namen Abies pecti- 
nata zu geben. 

8* 



IIA Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Conifercn und Ephedra-Artcn. 



stehend, an der Basis gedreht, steif, 
gerade oder gebogen, lineal, flach, 
stumpf oder ausgerandet, selbst fast 
zweispitzig oder (an den Wipfel- 
trieben, zumal an älteren, stärkeren 
Bäumen) starr, derbgespitzt, ober- 
seits mit flacher Längsfurche, glän- 
zend-dunkelgrün, unten beiderseits 
des dicken, vorstehenden Kieles mit 
bläulich-weißen Spaltöffnungslinien 
versehen, 20 — 30 mm lang, 2 — 3 mm 
breit. Zapfen aufrecht, zylin- 
drisch-stumpf, 10 — 16 cm lang, 3 bis 
5 cm breit. Zapfenschuppen aus 
keilförmigem Grunde, breit abge- 
rundet, auf dem Rücken am Rande 
filzig, von der Spindel abfallend. 
Bracteen lineal -spateiförmig, ge- 

zähnelt, zugespitzt, über die 
Schuppen hervorragend und mit 
den Spitzen abwärts gebogen. 
Samen fast dreikantig, 7 — 9 mm 
lang, gelblich, mit keilförmig abge- 
stutztem, doppelt so langem, röt- 
lich-gelbem Flügel. 

Purkyne erwähnt aus Böhmen 
eine eigentümliche Zapfenbildung: 
der Zapfen trägt oben eine kurze, 
aufgesetzte Spitze (coni umbo- 
nati), die Bracteen sind kürzer, da- 
her nicht zurückgeschlagen, son- 
dern aufrecht. 

Die gemeine Weißtanne ist 
ein wertvoller Forstbaum; nach 
Willkomm ist das Holz weicher, 
doch spezifisch schwerer wie das 
Fichtenholz, dazu viel harzärmer, 
aber dennoch dauerhafter als Fich- 
tenholz, dazu astfrei, elastisch und 
leicht spaltbar; es ist geschätzt 
als Bau- und Werkholz, zumal 
aber zu Resonnanzböden , über- 
haupt Musikinstrumenten, außer- 
dem zur Streichholz- und Schach- 
telfabrikation und liefert den so- 
genannten Straßburger Terpentin. 
Wie auch bei anderen Tannen, zumal bei den amerikanischen Balsam tannen, 
bilden sich schon an^der jüngeren Rinde mit klarem Harz gefüllte Beulen, 




Flg. 21. Abies pectinata D. C. aus dem Park zu 
Wörlitz bei Dessau. 



II. Klasse. Coniferae. 



117 



die später aufplatzen, so daß das Harz an Stamm und Ästen herablaufend erstarrt. 
— In der Jugend sehr langsam, als kräftiger junger Baum schneller wachsend, 




Fig;. 22. Abies pectinata D. C. 1 Zweig mit männlichen Blüten ; 2 Zweig mit weiblicher Blüte; 3 Zweig 
mit reifem Zapfen; 4 männlicher Blütenstand (vergr.); 5 und 6 Antheren (vergr.); 7 Blatt, Unterseite 
mit Spaltöifnungsreihen (vergr.); 8 ßlattdurchschnitt (vergr.); 9 Fruchtblatt der weiblichen Blüte 
(vergr.); 10 Schuppe von innen mit Samen; 11 Schuppe von außen mit Bractee; 12 Samen mit Harz- 
bläschen; 13 Keimpflanze, 

entwickelt sie sich zu mächtigen, herrlichen, schnurgeraden Stämmen, wie wir 
sie in verschiedenen Gegenden in unseren deutschen Wäldern bewundern 
und öfter als berühmte, uralte, sogen. „Königstannen" finden können. 



118 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Sie ist in jeder Größe schön und bei freiem Stand, einzeln gestellt, oder 
in hainartiger Pflanzung, steht sie in dekorativer Hinsicht als geschätzter Park- 
baum verwandten Tannen kaum nach; nur der Umstand, daß sie früher wie 
andere die unteren Äste abstößt, läßt sie später meist dürftiger und kahler 
erscheinen. Da sie das Beschneiden gut verträgt, und zwar noch besser als 
die Fichte, weil sie noch am alten Holze austreibt, so läßt sie sich zu schönen, 
hohen Hecken (Schutzwänden) erziehen. Sie hält sich bei überschirmtem 
Stand und bildet so dichte Gebüsche, so daß sie als Unterpflanzung, z. B. für 
Fasanerien und sonstigen Wildschutz, geeignet und geschätzt ist. 

Die Weißtanne ist in betreff des Bodens anspruchsvoller als die Fichte 
und verlangt einen genügend tiefgründigen, lockeren und gleichmäßig feuchten, 
besonders aber Lehmboden; weder auf sandigem trockenen, noch auf schwerem, 
undurchlassendem Tonboden, oder auf Kalkboden gedeiht sie, sondern kümmert 
hier; sie fürchtet auch zu nassen, morastigen Boden. Wie genügende Boden- 
feuchtigkeit, so verlangt sie auch gleichmäßige Luftfeuchtigkeit zu einem 
freudigen Gedeihen, kommt daher im trockenen Steppenklima, wie die meisten 
immergrünen Gehölze, nicht fort. In Frostlagen leidet sie in harten Wintern 
oft bedeutend an den Blättern, ja man kann oft ganze junge Bestände erfroren 
sehen; da sie zeitig treibt, werden die jungen Triebe auch häufig von 
Spätfrösten beschädigt. Man sollte bei Anpflanzungen kaltgründige 
Niederungen vermeiden. 

Die Weißtanne neigt weit weniger zu Abweichungen als die Fichte; 
dennoch kommen folgende oft recht charakteristische Formen vor, welche teils 
auf ihrem natürlichen Standorte beobachtet, teils bei Aussaaten in Kultur ge 
Wonnen wurden. 

Wie von der Fichte, so kommen auch von der Weißtanne durch Sturm 
oder Schneedruck des Wipfels beraubte, sogen. „Wettertannen" in Gebirgen 
vor, die mehrere oder viele neue Wipfel bilden und einen eigentümlichen 
Anblick gewähren. Eine solche interessante „vielköpfige Weißtanne aus den 
Sevennen" findet sich u. a. abgebildet im Jahrbuch für Gartenkunde und 
Botanik von Bouche und Hermann 1884, S. 93. Abgehauene Stöcke bildeten 
auch hier und da Stockausschlag, wie es bei Coniferen im allgemeinen selten, 
aber z. B. bei der griechischen A. cephalonica var. Reginae Amaliae öfter 
vorkommt. Alsdann überwallen die Stöcke und aus dem Stumpfe ent- 
wickeln sich kräftige Sekundärwipfel, die öfter an Regelmäßigkeit Sämlingen 
nichts nachgeben. 

Abies pectinata ß Equi Trojani Asch, et Sint. (in litt.). 

Nach brieflicher Mitteilung des Herrn Professor Dr. Ascherson von 
Sintenis im nordwestlichen Kleinasien entdeckt, und zwar ist ihr Vorkommen 
ein beschränktes am Nordabhange des Gargaros (dem höchsten Gipfel des 
Kar-Dagh, dem Ida-Gebirge der Alten), in einer Erhebung von ungefähr 1300 
bis 1800 m. Es tritt dort häufig Marmor zutage und die Vegetation zeigt auf- 
fällig viele Repräsentanten unserer deutschen Flora, als: Vaccinium Myrtillus, 
Pyrola uniflora u. a. m. 

„Eine Form, die durch gespitzte, an der Spitze etwas breite, fast aus- 
gerandete Blätter und durch länglich -zylindrische Zapfen mit sehr hervor- 
ragenden Bracteen verschieden ist. 



II. Klasse. Coniferae. 119 

Von der typischen Pflanze und von A. Nordmanniana weicht sie durch 
die gespitzten Blätter, welche denen von A. Apollinis und A. cephalonica 
ähnlich, doch aber etwas ausgerandet sind, von diesen Arten außerdem durch 
die länger hervorragenden Bracteen, von der typischen A. pectinata durch die 
breiteren Zapfen ab. 

Durch diese in der Mitte stehende Varietät, welche neue Übergänge 
zwischen den aufgezählten Arten zeigt, werden wahrscheinlich alle zu einer 
Art zu vereinigen sein." (Ascherson, nach Boissier in Flora orientalis.) 

Eine jedenfalls botanisch recht interessante Form, welche die sehr nahe 
verwandten genannten Tannen mit unserer Weißtanne verbindet, zumal aber 
gleichsam den Übergang zu der Apollotanne (s. daselbst) bildet, welche in 
der Jugend der A. pectinata in der Blatt- und Zweigbildung so ähnlich ist und 
erst als älterer Baum mit spitzigen Blättern ihrerseits wieder den Übergang 
zu A. cephalonica bildet und wohl nur eine unwesentliche örtliche Form der- 
selben darstellt. 

Christ, welcher in der Übersicht der europäischen Abietineen die 
griechische Tanne mit ihren Formen neben unserer gemeinen Weißtanne als 
Formen unter Pinus Abies Du Roi vereinigt, sagt zum Schlüsse: „Die Formen 
a. pectinata D. C. und c. Apollinis Lk. sind Extreme einer Reihe, innerhalb 
welcher die Unterschiede schwanken und die Charaktere jeder Form sich teil- 
weise bei den anderen Formen wiederfinden, besonders in den entwickelteren 
oberen Teilen des Baumes. Auch die Gestalt des Zapfens von e. cephalonica 
läßt sich einzeln bei a. pectinata nachweisen (im Schwarzwald)." Er weist 
dann weiter darauf hin, daß analoge Verhältnisse sich bei den japanischen 
Tannen: Ab. firma, mit der Jugendentwickelung A. bifida und A. homolepis 
zeigen, wo bald stumpfe, bald spitze, bald zweispitzige Blätter vorkämen, ebenso 
bei der nordamerikanischen Balsamtanne Ab. balsamea. 

Wuchsformen. Säulen- und Kegelformen. 
Abies pectinata pyramidalis Carr. (Conif. 2. ed., p. 280 [1867]). 

Syn. Abies pectinata fastigiata hört. 

Eine in Frankreich im Depart. Isere in einem Gehölz aufgefundene Form 
vom Wuchs der italienischen Pappel, 12 m hoch (1867), deren Äste im 
spitzen Winkel aufwärts streben und die am Grunde etwa 3 m Durchmesser 
hat, daher eigentlich keine Pyramide, sondern mehr eine Säule bildend, 
weshalb die Bezeichnung fastigiata richtiger ist, die Äste sind mit zahlreichen 
kurzen, seitlichen Zweigen besetzt. Die Blätter stehen nicht zweizeilig, sondern 
sind rings um die Zweige zerstreut und sind ungefähr um ^/^ kürzer und 
weniger breit. 

Nach der Allgem. Forst- und Jagdzeit. 1891, S. 216, wurden in Württem- 
berg im Revier Liebenzell, Gemeindewald Unterbugenhardt, auf der Höhe 
zwischen Enz und Nagold etwa 600 m, ü. d. M., in einem Umkreis von 400 m, 
in einer Reihe von 10—30 Jahren und 0,5 — 3 m Höhe, teils in einer 25jährigen 
Tannensaat, teils natürlich angeflogen unter Föhren spitze, dunkelgrüne 
Kegel bildende Exemplare aufgefunden. 

In den Gärten finden wir bereits Prachtexemplare von 15 m Höhe, 
welche starke Kontraste in der Landschaft hervorbringen. 



120 'Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Abies pectinata stricta hört. (Carr., Conif. 1. ed., p. 207 [1855]). 

Syn. Abies pyramidalis Metensis hört. 

„ pectinata pyramidaHs Metensis hört. 

„ „ Rinzii hört. 

„ Metensis hört. 

„ Rinzii hört. 
Eine öfter bei Aussaaten gewonnene hübsche Form, die eine sehr dichte 
kegelförmige Pyramide bildet, der vorigen Form ähnlich, ist sie jedoch 
breiter in der Gestalt, die Äste sind zerstreut, ziemlich schwach und weniger 
aufstrebend, die Zweige sind zweizeilig gestellt und die Blätter etwas kürzer 
und schmaler als bei der Art. 

Abies pectinata columnaris Carr. (Rev. hört. 1859, p. 39). Säulentanne. 

Syn. Abies pectinata pyramidata hört. aliq. 

Eine schlanke Säulenform mit zahlreichen, sehr kurzen Ästen, die 
alle voh gleicher Länge sind, die Blätter sind etwas kürzer und breiter als 
bei der Art. Carriere führt 1867 einen Mutterstamm von 25 m Höhe, 
80 Jahre alt, an. 

Trauerform. 
Abies pectinata pendula hört. Trauertanne. 

Syn. Picea pectinata pendula Gord., Pin. 153 (1858). 

Eine Form mit quirlständigen, kürzer oder länger herabhängenden Ästen, 
so daß der Stamm oft ganz verdeckt wird. Solche Trauertannen wurden 
sowohl wild in den Vogesen im Tale von Gebweiler, ebenso auch in Ost- 
friesland, im Oberförstereibezirke Friedeberg bei Wittmund und, was besonders 
interessant ist, in kleinen Beständen von etwa 20jährigen, 10 — 15 m hohen 
Exemplaren aufgefunden (s. Berliner Gartenzeit. 1882, S. 406 mit Abbild.). 
Außerdem sind in Forsten und bei Aussaaten öfter Trauertannen gefunden 
und durch Veredlung als Zierbäume verbreitet worden. 

Wir finden in den Gärten hohe, säulenförmige Gestalten, an denen die 
Äste schlaff herabhängen, eigenartige, große Kontraste hervorbringende Baum- 
formen, die, wenn sie ihr eigenes Gewicht nicht tragen können, sich öfter in 
Nachbarbäume legen und wie Riesenschlangen darin emporsteigen. Exemplare 
ohne Wipfeltrieb zeigen flachen, schirmförmigen Bau, Trauereschen ähnlich. 

Abies pectinata virgata Casp. (in Hempels Österr. Forstzeit. 1883, S. 43). 
Schlangentanne, Rutentanne. 

Eine von Caspary im Elsaß und auch im Böhmerwald gefundene seltene 
Form, mit langen, schlaff herabhängenden Ästen, die dicht mit Blättern besetzt 
sind und nur an den Spitzen Verzweigungen zeigen. Ein einziger von Caspary 
in Böhmen 1879 entdeckter Baum maß 22 m Höhe und muß mit 4—5 m 
langen, schlaff abwärtshängenden Ästen sich eigentümlich ausnehmen. 

Abies pectinata virgata Casp. forma irramosa Moreillon (Bull, de la Soc. des 
Sciences nat. de Neuchätel t. XXIV, 1896, mit Abbild., Mitt. d. d. dendr. Ge- 

sellsch. 1897, S. 59). Astlose Schlangen- oder Rutentanne. 

De Coulon fand in den Wäldern von Chaumont diese eigenartige 
Form. Der Stamm ist aufstrebend ohne Ast, wo alle Knospen fehlschlagen, 



n. Klasse. Coniferae. 121 

mit Ausnahme der Endknospe oder sehr selten einer zweiten Endknospe. 
Durch diese Endknospe allein geschieht der Zuwachs; die Blätter sind dick, 
dicht aneinandergedrängt an den Trieben der letzten 10 — 20 Jahre und die 
fehlgeschlagenen Knospen bilden einen Wulst, welcher mit dem Alter ver- 
schwindet. Übergänge zur Form virgata, mit sehr magerer Bezweigung, sind 
nachgewiesen. Es handelt sich also wahrscheinlich hier um einen eigentüm- 
lichen Sämling der Form virgata, bei welchem die höchste Potenz von seit- 
licher Knospenverkümmerung eingetreten ist. Die Pflanzen fristen ein kümmer- 
Hches Dasein, vegetieren langsam unter günstigen Umständen, und gehen 
schließlich ein, bevor sie ein höheres Alter erreicht haben. Picea excelsa 
monocaulis Nördl. ist die gleiche Erscheinung bei der Fichte. 

Zwergformen. 
Abies pectinata tortuosa Booth. (Loud., Encycl. of Trees 1037 [1842]). 
Syn. Picea pectinata nana Knight., Syn. Conif. 39 (1850). 
tortuosa Gord., Pin. 153 (1858). 
Abies pectinata nana hört. 
„ „ prostrata hört. 

„ „ pumila hört. 

Eine Zwergform von unregelmäßigem, sparrigem Wuchs mit 
gedrehten Zweigen und gekrümmten, unregelmäßig gestellten Blättern, welche 
als eigentümlich und unschön die Kultur nicht verdient. 

Abies pectinata brevifolia hört. 

Eine eigentümliche, niedliche Zwergform, von Chretien in Versailles 
gewonnen, welche sich durch kürzere, breitere Blätter von der Art 
unterscheidet. 

Abies pectinata compacta. 

Syn. Picea pectinata compacta (Parsons Catal. p. 65). 

Ein in Nord- Amerika gewonnener, eigentümlicher Sämling, eine rund- 
liche Zwergform, breiter als hoch, gedrungen, dicht bezweigt, mit glänzend 
grüner Belaubung, eine der härtesten Tannenformen. 

Abies pectinata tenuiorifolia hört. 

Syn. Picea pectinata tenuiorifolia bort. 
„ tenuiorifolia hört. 
Abies tenuiorifolia bort. 

Form mit längeren, dünneren Blättern und bedeutend größeren 
Zapfen, die bis 30 cm Länge erreichen, deren Sämlinge aber nur einen 
ganz geringen Prozentsatz Pflanzen ergeben, die wieder große Zapfen bringen. 
Diese interessante Form soll im Park zu Wörlitz bei Dessau aus Samen ge- 
zogen sein und wird schon im Baumschulen-Verzeichnis von 1790 daselbst 
aufgeführt. 

Unter obigem Namen, der doch eigentlich auf dünnere Blätter sich 
bezieht, scheinen in Gärten und Samenhandlungen Weißtannen mit besonders 
großen Zapfen verstanden zu werden. Garteninspektor Schoch schreibt 1871: 
„Sie unterscheidet sich von der gemeinen Weißtanne bemerkbar nur durch 



j^22 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

ihre großen Zapfen, die an älteren Bäumen häufig 25 — 30 cm Länge erreichen 
und walzenförmig und am oberen Ende etwas schmaler sind. Aus Samen bringt 
nur ein ganz geringer Prozentsatz der jungen Pflanzen wieder größere 
Zapfen. Möglicherweise sind die größeren Zapfen durch den Boden, in dem 
die Bäume wachsen, bedingt." Die letzte Ansicht scheint mir wenig wahr- 
scheinlich, es dürfte sich vielmehr um eine großfrüchtige Form handeln, 
wie sie als eigentümliche, abweichende Sämlinge ja bei Aussaaten vorkommen. 

Abies pectinata tenuifolia van Geert. (Cat. 1862, p. 12). 
Eine eigentümliche, in Antwerpen in Kultur gewonnene Form von 
schwächerem Wuchs, deren Blätter dünn, fast hautartig gebildet sind. 

Abies pectinata variegata hört. 

Syn. Picea pectinata foliis variegatis Loud., Encycl. of Trees 1050 (1842). 

„ „ variegata Gord., Pin. 153 (1858). 

Eine schwachwüchsige, unschöne und unbeständige Form mit weiß- 
lich-gelbbunten Blättern. 

Abies pectinata aurea hört. 

Syn. Abies pectinata auricoma hört. 
Picea pectinata aurea bort. 

Eine wie vorige unbeständige bunte Form, bei welcher einzelne Blätter 
ganz goldgelb, andere grün erscheinen. 

Vorstehend verzeichnete Formen der Weißtanne werden durch 
Veredlung auf die Art fortgepflanzt, die Zwergformen wachsen auch durch 
Stecklinge im Herbst unter Glas. Bei Veredlungen trachte man nach Möglich- 
keit danach, Kopftriebe mit quirlförmiger Zweigstellung zu verwenden, um 
schnell regelmäßige Pflanzen zu erzielen, denn Veredlungen von Seitenzweigen 
wachsen lange einseitig in Zweigform fort. Die bunten Formen, wie die 
monströsen Zwergformen sind unschön, daher ohne dekorativen Wert. 

2. Abies Nordmanniana Lk. (in Linn. XV, p. 528 und Spach., Hist. Veg. [1842]; 
phan. XI, p. 418). Nordmannstanne. (Fig. 23.) 

Syn. Pinus Nordmanniana Stev., Bull. Soc. nat. Mosq. 1838, p. 45, t. 2. 
„ leioclada Stev., Bull. Soc. nat. Mosq. 1838, p. 44. 
Picea Nordmanniana Loud., Encycl. of Trees 1042 f., 1950 (1842). 
Abies pectinata leioclada Link. 

Pinus Abies C. leptoclada Endl., Syn. Conif. 96 (1847). 
Picea pectinata leioclada Gord., Pin. 152 (1858). 
Im westlichen Kaukasus und dem, den Kaukasus mit dem armenischen 
Hochlande verbindenden Quergebirge in einer Erhebung von gegen 2000 m, 
gemeinsam mit Picea orientalis Wälder bildend, aber nicht auf der Krim 
vorkommend, wie meist angegeben wird. Nach Scharrer hört mit dem 
Meridian von Tiflis A. Nordmanniana auf zu erscheinen, während Picea 
Orientalis mit vereinzelten Pinus silvestris etwas weiter nach Osten geht. 
Etwa um das Jahr 1840 in Europa eingeführt. 

Eine stolze, stattliche Tanne von 25—30 m Höhe mit kerzengeradem 
bis 1 m im Durchmesser haltendem Stamm, in dichten, regelmäßigen Quirlen 



Beiß II er, NadellioJzknnde. 2. AuH. 



Zu Sfiite 122. 




II. Klasse. Coniferae. 



123 




Fig. 23. Abies Nordmanniana Lk. 



124 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Stehenden Ästen und mit schwärzlich-grauer Rinde. Scharrer fand in den 
günstigsten feuchten Lagen Riesenbäume von 56 m Höhe und über 2 m 
Stammdurchmesser, so in Borschom Veteranen von 500 Jahren. Die Repro- 
duktionsfähigkeit ist eine enorme, jede WaldHchtung bildet dichte Saatkämpe. 
Knospen trocken ohne Harz. Jüngste Triebe gelbgrün, glatt, seltener etwas 
kurzhaarig. Blätter an jungen, üppigen Trieben dichtstehend und mehrreihig, 
auch nach oben gestellt, an älteren Zweigen unregelmäßig-zweizeilig, lineal 
flach bis 30 mm lang, an der Spitze stumpf, ausgerandet oder kurz zweispitzig, 
oberseits glänzend -dunkelgrün, unterseits mit weißen Spaltöffnungslinien. 
Männliche Blüten leuchtend rot, sehr zierend. Zapfen in der Größe verschieden, 
aufrecht, eirund-walzenförmig, an beiden Enden abgerundet, bis 15 cm lang, 
5 cm breit, braun, meist stark mit Harz bedeckt; Zapfenschuppen breit-keil- 
förmig, oben ganzrandig, an den Seiten gezähnelt, Bracteen aus verschmälertem 
Grunde ei- oder herzförmig, gezähnelt und mit verlängerter Spitze, über die 
Schuppen zurückgeschlagen. Samen eiförmig, fast dreieckig, 10 mm lang, mit 
breitem, hellbraunem, häutigem Flügel. 

Diese schöne, von A. v. Nord mann im Adschar-Gebirge in der Nähe 
der Quellen des Kur entdeckte und ihm zu Ehren benannte Tanne, die der 
gemeinen Weißtanne sehr nahesteht und von Pariatore mit dieser vereinigt 
wird, gehört unstreitig zu den edelsten, wertvollsten, dekorativsten 
Coniferen und unterscheidet sich von der gemeinen Weißtanne sofort durch 
den gedrungenen, üppigen Wuchs, die weit länger sich erhaltenden untersten 
Äste, die mehrreihigen, üppigen Blätter, welche die Bezweigung viel reicher 
und voller erscheinen lassen, so daß diese Tanne in dekorativer Hinsicht als 
Parkbaum weit schöner und wertvoller ist; als jüngerer Baum eine saftig 
dunkelgrüne Pyramide bildend, deren untere Äste dem Boden aufliegen. 

Sie sollte stets ganz frei, einzeln oder zu lichten Gruppen vereinigt 
aufgestellt werden. Wir finden denn auch bereits wahre Prachtexemplare, 
z. B. auf der Insel Scharf enberg im Tegeler See bei Berlin 16 m hohe Bäume, 
welche auch reichlich Zapfen, aber nicht immer keimfähige Samen brachten, 
an anderen Orten noch höhere, stärkere Exemplare. Unter günstigen Be- 
dingungen erreichten 30jährige Bäume 14 m Höhe bei 1,20 m Stammumfang. 

Für Abies Nordmanniana gilt in betreff der Kulturbedingungen alles 
bei A. pectinata Gesagte; wie diese wächst sie in der Jugend sehr langsam, 
später schneller, ist in normalen Wintern hart, leidet unter ungünstigen Um- 
ständen mehr oder minder, ohne in günstigen Lagen empfindlich zu sein. 
Am schädlichsten werden ihr in ausgesetzten Lagen, zumal in lufttrockenen 
Ebenen, Sonnenbrand im Winter und Frühjahr und scharfer, ausdörrender 
Nordostwind, wo dann die Blätter oft stark beschädigt werden und zum Teil 
abfallen. In solchem Falle ist der Zierwert vorübergehend oder auch wohl 
dauernd zerstört, oft aber ohne den Nutzwert zu beeinträchtigen, was nicht 
unerwähnt bleiben darf. Günstig ist, daß A. Nordmanniana im Frühjahr 
spät treibt und daher nicht wie A. pectinata von Spätfrösten leidet. In 
günstigen Lagen, wo die gemeine Weißtanne gedeiht, sollte daher auch die 
Nordmannstanne nicht nur als Zier-, sondern auch als Forstbaum zur Kultur 
immer mehr herangezogen werden, um so mehr, da in verschiedenen Gegenden 
forstliche Anpflanzungen, meist in lichten Beständen eingesprengt, bereits zu 
den besten Hoffnungen berechtigen; selbst wenn auch das Holz, das als ganz 



II. Klasse. Coniferae. 125 

vorzüglich gerühmt wird, dasjenige unserer Tanne an Güte nicht übertrifft, 
so wird doch dieser herrliche Baum in forstästhetischer Hinsicht auch unseren 
Wäldern zur größten Zierde gereichen. Es ist auch empfohlen worden, die 
Nordmannstanne zur Gewinnung von Weihnachts- oder Christbäumen in 
größerer Menge anzubauen; an manchen Orten hat man auch mit vollen, 
schönen Exemplaren recht gute Geschäfte gemacht, da diese von Liebhabern 
sehr gut bezahlt werden. Allerdings dürfte es manchem schwer werden, so 
schöne Bäume zu schlagen. 

Aus Samen, die aus dem Kaukasus bezogen wurden, sind wiederholt, 
so z. B. von Dr. Bolle in Berlin und Peter Smith in Bergedorf, Pflanzen 
erzogen worden, deren Blätter eine auffallend silberweiße Unterseite 
zeigen, die dekorativ besonders auffallend und wertvoll sind und als Abies 
Nordmanniana coerulescens bezeichnet werden mögen. Solche Pflanzen, 
zwischen denen und der Art es nach Scharrer in der Heimat zahlreiche 
Übergangsformen auch mit verschieden großen Zapfen gibt, kommen durch 
Verwechselung in den Gärten fälschlich als Abies Eichlerii-Sämlinge vor 
(siehe Näheres bei Abies Veitchii). 

Auch bei Aussaaten eigener Ernte sind sowohl im Wuchs wie in der 
Stellung und Üppigkeit der Blätter öfter kleine Abweichungen zu ver- 
zeichnen, was ja ganz natürlich ist. 

Wuchsformen. 
Abies Nordmanniana refracta Carr. (Conif. 2. ed., p. 277 [1867]). 

Syn. Abies Nordmanniana speciosa hört. 

Eine gleich der Art üppige, schöne Tanne, welche nur durch die mehr 
nach oben gerichteten Blätter verschieden ist, wodurch deren weißHche 
Blattunterseiten recht zur Geltung kommen und die Bezweigung noch üppiger 
und mehr blaugrün erscheint. Diese Form wurde sowohl in Frankreich wie 
auch in Deutschland öfter bei Aussaaten gefunden und sind solche Pflanzen, 
von welchen wir in manchen Gärten wahre Prachtexemplare finden, als be- 
sonders dekorativ willkommen und geschätzt. 

Abies Nordmanniana robusta Carr. (Conif. 2. ed., p. 278 [1867]). 
Eine üppige Form mit mehr aufstrebenden, dichtstehenden Ästen, 
Zweige dick und kurz, Blätter üppig dicklich, sehr dichtstehend und blaugrün. 
Üppige Exemplare, wie sie öfter in Kulturen gefunden wurden, zeigen, zumal 
an kräftigen Zweigspitzen, sehr derbe, rings um die Zweige gestellte, öfter 
gedrehte Blätter und sind auffallend und dekorativ (IMitt. d. d. dendr. Ge- 
sellsch. 1899, S. 134). 

Abies Nordmanniana brevifolia Carr. (Conif. 2. ed., p. 278 [1867];. 
Eine gedrungene Kegelform mit monströsen Ästen und mit viel kürzeren, 
öfter auch breiteren und mehr zweizeilig gestellten Blättern als bei der Art. 

Abies Nordmanniana erecta. 

Eine von FrangoisPittet in Lausanne gewonnene schöne, auffallende 
Form mit aufstrebenden Ästen. 



126 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Abies Nordmanniana pendula hört. Nordmanns Traiiertanne. 

Eine Form, bei welcher die Äste, vom Stamme beginnend, stark herab- 
hängen, also eine Trau er tanne, die sich in größeren Exemplaren, mit gleich 
üppiger Bezweigung wie bei der Art, sehr gut ausnimmt. Es gibt sehr deko- 
rative Exemplare in Deutschland, auch in Frankreich (s. Abbild. Rev. hört. 
1890, p. 440). 

In der Färbung abweichend. 

Abies Nordmanniana glauca hört. 

Eine Form mit sehr üppigen, blaugrünen Blättern, wie sie bei Aus- 
saaten vorkommt und besonders dekorativ ist. 

Abies Nordmanniana aurea hört. 

Eine bei Aussaaten gewonnene Form von goldgelber Färbung, die 
schön und auffallend ist, wenn sie vorsichtig zu Kontrasten Verwendung findet. 

Abies Nordmanniana aureo-spicata Hesse. 

Eine in den Baumschulen von Hesse in Weener (Ostfriesland) in Kultur 
gewonnene eigentümliche bunte Form, bei welcher jedes Blatt, von der 
Spitze beginnend, auf ^j^ der Länge goldgelb gefärbt ist. 

Abies Nordmanniana aureo-variegata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, S. 94). 

Eine von Forstrat Ganghof er in Augsburg gewonnene Form, bei 
welcher, unregelmäßig über die Pflanze verteilt, einzelne Triebe ganz oder 
teilweise goldgelb gefärbt sind. 

Abies Nordmanniana albo-spicata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1898, S. 40). 

Eine von Gebbers in Wiesenburg i. M. in Kultur gewonnene Form, 
welche im jungen Triebe ganz weißspitzig erscheint und so sehr dekorativ ist. 
Interessant sind ferner zwei Bastarde: 

Abies insignis Carr. (Rev. hört. 1890, p. 230 [mutmaßlich Abies 
Nordmanniana x A. Pinsapo]). 

In der Baumschule von Renault in Bulgneville (Vosges) wurde von 
einer 1848 oder 1849 auf Abies pectinata veredelten A. Pinsapo Samen ge- 
wonnen, auf deren Erzeugung nach Annahme des Züchters eine in der Nähe 
stehende, männliche Blüten tragende Abies Nordmanniana refracta Carr., die 
gleichfalls auf A. pectinata veredelt ist, eingewirkt haben dürfte. Von der 
Aussaat wurden 20 kräftige Pflanzen gewonnen, von denen die stärksten 2 m 
Höhe haben. Die erste Aussaat 1872 ergab ^/^ charakteristische A. Pinsapo 
und 2/3 stellten die genannten Bastarde dar. Zwei Jahre später ergab eine 
umfassendere Aussaat mehr charakteristische A. Pinsapo. Merkwürdig ist, 
daß, während die Bastarde sich zu üppigen, kräftigen Pflanzen ent- 
wickelten, die charakteristischen A. Pinsapo unter gleichen Kulturbedingungen 
nur Büsche bildeten. Die Bastarde ergaben folgende Merkmale: 

Sehr üppiger, schöner, regelmäßig pyramidaler Baum mit breiter Basis, 
Stamm sehr üppig, gerade, kegelförmig, 1,80 — 2,10 m hoch, mit aschgrauer 
Rinde, glänzend-rostbraunen jungen Trieben, Äste stark, quirlständig, leicht 



II. Klasse. Coniferae. 127 

aufwärts gebogen, Zweige dick, ausgebreitet, dicht mit Blättern besetzt, die 
zumal die Oberseite meist decken, während sie nach unten seitlich ausgebreitet 
sind ; Blätter lineal, gerade oder sichelförmig gebogen, dick lederartig, 20 — 30 mm 
lang, 2 — 3 mm breit, unten in einen kurzen gedrehten Stiel ausgezogen, an 
den unteren Ästen mit stumpflicher oder abgerundeter, sehr selten einge- 
schnittener Spitze, am Stamm steif, weißlich, zugespitzt stechend, frischgrün- 
glänzend, oben kaum gerinnt, unten stark gekielt mit dicken Rändern und 
mit mehlweißen Spaltöffnungslinien. Knospen harzig, dick, kurz, stumpf, 
eirund-kegelförmig. 

Alle Bäume zeigen ziemlich die gleiche Gestalt ohne wesentliche Ab- 
weichungen, nur zwei Exemplare zeichnen sich durch üppige, bis 46 mm lange, 
scharf-gespitzte Blätter aus. 

Diese Bastarde stehen zwischen A. Nordmanniana und A. Pinsapo, 
Gestalt, Bezweigung, Farbe und Stellung der Blätter erinnern an A. Nord- 
manniana, aber die dicke und lederartige Konsistenz derselben sind die von 
A. Pinsapo. 

Abies Nordmanniana speciosa hört. (Rev. hört. 1890, p. 231 [Abies 
Nordmanniana x A. Pinsapo]). 

Ein durch Kreuzung vorstehender Arten durch Croux in Aulnay 
bei Sceaux gezüchteter Bastard und zwar wurde A. Nordmanniana durch 
A. Pinsapo bestäubt im Jahre 1871 oder 1872 und war in Paris 1889 ein herr- 
liches Exemplar von gegen 5 m Höhe ausgestellt, welches in fast allen seinen 
Teilen mit der Beschreibung der vorstehend beschriebenen Abies insignis 
Carr. übereinstimmt. Bailly führt nur die sehr zahlreichen, öfter gedrehten, 
verhältnismäßig schwachen, an den Spitzen übergebogenen Äste an, dann 
die langen, zierlichen, biegsamen, überhängenden Zweige und die verhältnis- 
mäßig wenig auftretenden, ausgerandeten Blätter, meint aber, diese Merkmale 
möchten in dem mehr vorgeschrittenen Alter der A. Nordmanniana speciosa 
gegenüber der Abies insignis Carr. ihren Grund haben. 

Bemerkenswert ist jedenfalls, daß beide Bastarde sich durch besonders 
üppige Entwickelung auszeichnen, welche den normalen Sämlingen gegen 
über auffällig in die Augen fällt; Bailly glaubt im Interesse des Nutzwertes 
Forstleute auf diesen Umstand besonders aufmerksam machen zu müssen. 

Auch im Schloßgarten Bellevue bei Berlin sind unverkennbare Bastarde: 
A. Nordmanniana X A. Pinsapo aus Samen erzogen worden. Hofgärtner 
Jancke sandte mir Material und waren acht verschiedene Formen deut- 
lich unterscheidbar, welche ich in Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1894, S. 25 be- 
schrieben habe. Nach dem Habitus, der Zweig-, Blatt- und Knospenbildung, 
wie auch in bezug auf Blattquerschnitte, Spaltöffnungen und Harzgänge konnten 
alle Übergänge zu beiden Arten herausgefunden werden. Einerseits fast 
reine A. Nordmanniana, konnten andererseits Zwischenformen zu Pinsapo immer 
deutlicher erkannt werden, auch eine der genannten Abies insignis Carr. fast 
gleiche Form war darunter, und andererseits gingen die Sämlinge immer mehr 
zu A. Pinsapo über, bis dieselbe fast unverändert wieder erreicht war. Es ist 
dies jedenfalls ein äußerst interessanter Fall, wo in den Sämlingen die beiden 
Stammeltern, sowohl wie Bastarde, in allen Übergängen nach beiden Seiten 
hin so schön und deutlich vor Augen geführt werden. 



128 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten, 

Zur Geschichte dieser vermeintHchen Bastarde sei noch folgendes 
hinzugefügt: 

Hofgärtner Jancke sammelte Ende der achtziger Jahre im nordischen 
Garten im Park von Sanssouci Zapfen von A. Nordmanniana und einer 




Fig. 24. Abies insignis Carr. aus dem Arboretum Späth. 

danebenstehenden A. Pinsapo. Die Sämlinge von A. Pinsapo erfroren und 
die noch bleibenden Sämlinge sind somit Abkömmlinge der A. Nordmanniana. 
Etwa 10 Sämlinge von l^/g — 4^2 m Höhe zeigen die angegebenen Unter- 
schiede und im mageren Sandboden eine etwas dürftige Entwickelung. 
Jancke will nun, auf Grund späterer anatomischer Untersuchungen, festgestellt 
haben, daß hier keine Bastarde, sondern nur Formen der A. Nordmanniana 



II. Klasse. Coniferae. 



129 



vorliegen und meint, daß erst die Zapfen später darüber volle Aufklärung 
geben können. 

Ich bin in betreff Aufstellung von Bastarden sehr vorsichtig, hier möchte 
ich aber doch nach gesandten Bildern, Zweigen und besonders nach solchen 




Fig. 25. Abies Nordmanniana x A. Pinsapo. 



von üppigen, von den betreffenden Pflanzen in Bellevue veredelten Exem- 
plaren im Arboretum Spaeth (siehe Fig. 24 u. 25) an Bastarde glauben; auch 
die anatomische Untersuchung von Blattquerschnitten und der Ver- 
gleich mit solchen von den normalen A. Nordmanniana und Pinsapo scheinen 
mir doch unverkennbare Mittelformen in der Figur darzustellen, besonders 
gegenüber der schmalen, langgestreckten Form der A. Nordmanniana. Natürlich 
wird uns erst später die Entwickelung der Zapfen hier völlige Gewißheit geben. 

Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 9 



130 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Knospen harzig, Blätter spitz oder stechend. 

3. Abies cephalonica Loud. (Arb. ßrit IV, 2325 f., 2235—2236 [1838]) und Lk. 
(in Linn. XV, p. 529 [1841]). Cephalonische Tanne oder Kul^unaria. 
Syn. Pinus cephalonica Endl., Cat. Hort. Vindob. I, p. 218, et Conif. p. 98. 
(1842). 
Pinus Abies ß cephalonica Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 422 (1868). 
„ „ Dur. e. cephalonica Loud., Christ. Europ. Abietineen. 

Picea cephalonica Loud., Encycl. of Trees 1039 f, 1940—1946 (1842). 
Abies panachaica Heldr., pl. exsicc. in Reg. Gartenfl. X, 286 (1861). 
„ Luscombeana Loud., Arb. IV, 2325 cum ic. (1838). 
„ pectinata y cephalonica Cat. sem. h. Vratisl. 1863. 
„ calcedonica hört. 
Picea Kukunaria Wender, d. Pfl. bot. Gärten p. 11. 
Kukunaria der Griechen. 
Greek Silver Fir der Engländer. 

In Griechenland auf den jonischen Inseln, zumal auf dem Berge Enos 
auf Cephalonia, in einer Erhebung von 900 — 1300 m Wälder bildend. 

Im Jahre 1824 in Kultur eingeführt. 

Schöner Baum von 15 — 20 m Höhe, mit schlankem, bis zu 3 m im Um- 
fang messendem Stamm, horizontal abstehenden Ästen und sehr dicht stehenden 
Zweigen, junge Triebe bräunlich-grün, glatt, Knospen zugespitzt, mit Harz 
überzogen, Blätter an jungen Pflanzen und an älteren unfruchtbaren Zweigen 
fast zweizeilig, dagegen an den üppigen fruchttragenden und Wipfeltrieben 
nach allen Seiten abstehend, lineal, flach, lang zugespitzt, steif, dolchförmig 
stechend, oberseits glänzend -dunkelgrün, unten beiderseits der stark vor 
tretenden Mittelrippe mit bläulich-weißen Spaltöffnungslinien, 20 — 28 mm lang, 
2 mm breit. Männliche Blüten purpurrot, sehr zierend. Zapfen aufrecht, fast 
sitzend, walzenförmig, sich nach beiden Enden etwas verjüngend, an der Spitze 
abgestutzt, grünlich-braun, mit Harz überflössen, 12 — 20 cm lang, 3 — 5 cm breit, 
oft in dichten Reihen die oberen Astquirle zierend. Zapfenschuppen keilförmig, 
nach oben sehr breit, abgerundet, ganzrandig, an den Seiten gezähnelt, Bracteen 
lineal, dann rundlich verbreitert, gezähnelt und mit einer starren Spitze über 
die Schuppen zurückgeschlagen. Samen dreieckig-eirund, hellbraun, 7 mm lang 
mit 16 mm langem, an der Spitze verbreitertem Flügel. 

Abies cephalonica ist in der Heimat ihres trefflichen, harten und dauer- 
haften Holzes wegen, welches an Härte dem Eichenholz gleichkommen soll, 
geschätzt. 

Pariatore (1. c.) wie auch Grisebach stellen diese Art nur als Varietät 
zu Abies pectinata; A. cephalonica weicht aber ihrer ganzen Erscheinung nach, 
zumal aber durch die dichtere Bezweigung, die scharf stechenden Blätter, ent- 
schieden ganz bedeutend ab und unterscheidet sich von A. pectinata selbst 
für den Laien sofort auffällig durch die starren, dolchspitzigen Blätter, außer 
den anderen angegebenen Merkmalen, wie die spitzigen, harzüberzogenen 
Knospen, die größeren, breiteren Zapfenschuppen und größeren Samen. 

Eine herrliche, dekorative Tanne von streng-pyramidalem Wuchs, 
mit regelmäßig quirlförmiger Aststellung und zwar vom Boden an mit Ästen 
besetzt, welche unseren Gärten zum schönsten Schmuck gereicht. Sie gedeiht 



II. Klasse. Coniferae. 131 

in den schon bei A. pectinata angegebenen günstigen Lagen, hier finden wir 
denn auch oft prächtige, zapfentragende Exemplare, deren Samen, je nach 
der Gunst der Verhältnisse, schon eine gesunde Nachkommenschaft lieferten, 
anderenfalls aber auch nur sehr vereinzelt keimfähig sind, so steht z. B. im 
botanischen Garten zu Braunschweig ein 1884 gemessener Baum von 18 m 
Höhe bei 0,55 m Stammdurchmesser. Dekorativ am schönsten sind üppige, 
junge Bäume, silberig-schimmernde, tadellose Pyramiden, deren Äste sich 
über wohlgepflegtem Rasen ausbreiten, bei ganz freiem Stand. In ungünstigen, 
lufttrockenen, rauhen, scharfen Winden ausgesetzten Lagen leidet A. cephalonica 
oft bedeutend. Da sie im Frühjahr ziemlich zeitig, allerdings etwas später 
als A. pectinata treibt, so wird sie von Spätfrösten oft noch beschädigt; un- 
streitig sagt ihr, ihrem Vorkommen als Gebirgsbaum entsprechend, ein Stand 
in höheren Lagen und zumal wo genügende Luftfeuchtigkeit vorhanden ist 
am meisten zu. In einigermaßen günstigen, geschützten Gegenden, in Misch- 
pflanzungen, oder bei seitlichem Schutz kann daher die Anpflanzung dieser 
edlen griechischen Tanne nicht warm genug empfohlen werden. 

Abies cephalonica Lk. var. ApoUinis. Apollotanne, Wilde Tanne 

der Griechen. 
Syn. Abies Apollinis Lk. in Linn. XV, 528 (1841). 
Pinus Apolhnis Ant., Conif. 73 (1844). 
„ Picea ß graeca Fraas. f. Glass. (1845.) 
„ Abies ß Apollinis Endl., Syn. Conif. 96 (1847). 
„ „ Dur. c. Apollinis Lk., Christ. Europ. Abiet. 

Abies pectinata ß Apollinis Lindl. et. Gord., Journ. Hort. Soc. V, 

p. 210 (1850) und Laws., Pin. brit. V, mit Abbild. 
Picea Apollinis Rauch. Gord., Pin. Suppl. 44 (1862). 

„ cephalonica Apollinis hört. 
Abies cephalonica parnassica Henk, et Höchst., Syn. p. 181 (1865) 
„ Monte Draco hört. 
Im Jahre 1850 in Deutschland in Kultur eingeführt. 
In der subalpinen Region fast auf allen griechischen Gebirgen in einer 
Erhebung von 1500—1700 m vorkommend, so am Taygetos untermischt mit 
Pinus Laricio, am Malevo, Clenos, Chelmos, attischen Parnes, Parnass, 
Kytheron, Helikon, Delphi in Euboea, am thessalischen Olymp, auf dem Berge 
Athos in Macedonien. 

Schöner Baum von 20 — 25 m Höhe mit schlankem, fast von der Basis 
an verästeltem Stamm, der aber dicker und gedrungener als bei der folgenden 
Form sich entwickeln soll; Äste, zumal die obersten, horizontal-abstehend mit 
grauweißer Rinde bekleidet. Zweige gegenständig, junge Triebe glatt und 
gelbbraun. Blätter deutlicher zweizeilig und dichter als bei A. cephalonica, an 
den üppigen und fruchtbaren Zweigen mehr nach oben gestellt, lineal, flach, 
einfach- oder auch doppelt -gespitzt, kürzer, breiter und weniger starr, an 
jungen Pflanzen stumpf, mehr A. pectinata ähnlich, an älteren Pflanzen 
kurz- und scharf-gespitzt, oben glänzend-grün, unten beiderseits des stark vor- 
tretenden Kiels mit nur schwach weißlichen Spaltöffnungslinien und mit ge- 
drehter, gelblicher Basis. Zapfen lang zylindrisch, länger gestielt, stumpf, 
kegelförmig nach der Spitze zu auslaufend, bis 17 cm lang und 6 cm breit. 



132 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Schuppen gestielt, aus keilförmigem Grunde abgerundet, auf dem Rücken, 
nach dem Rande zu, sammetglänzend; Bracteen gestielt, spateiförmig in eine 
nur wenig über die Schuppe vorragende und zurückgeschlagene Spitze 
auslaufend. Samen kleiner als der keilförmige, etwas zusammengedrückte Flügel. 

Nach Heldreich und Link, ebenso nach Murray und C. Koch ist die 
Apollotanne eine gut unterschiedene Art. Pariatore hingegen vereinigt sie 
mit A. cephalonica und stellt diese selbst nur als Varietät zu A. pectinata. 

Jungen Kulturexemplaren nach zu urteilen steht die Apollotanne der 
A. pectinata näher als A. cephalonica, so daß sie gleichsam eine Zwischen- 
form zwischen beiden zu bilden scheint (s. auch A. pectinata var. Equi 
Trojani), auch Boissier sagt in Flora orientalis p. 702, daß sie, wie er an 
Kulturexemplaren beobachtet habe, durch zweizeilige Blätter und die Gestalt 
der Bracteen des Zapfens mehr der A. pectinata ähnlich sei und von dieser 
zumal durch die spitzen Blätter abweiche. 

Dr. Bolle besitzt auf seiner Insel Scharf enberg bei Berlin ein Exemplar 
von A. Apollinis, welches Heldreich selbst als die echte Pflanze dieses 
Namens anerkannte, welches auch ich kenne und das die eben angeführten 
Merkmale zeigt. Heldreich erklärte aber zugleich, daß dies, der Jugend- 
zustand, dem der gewöhnlichen Weißtanne nicht unähnlich sei, daß der 
erwachsene Baum dagegen einen struppigen und stacheligen Habitus annähme. 
Die Bevölkerung unterscheidet die Apollotanne von der folgenden Form als 
„wilde Tanne." 

Wir besitzen in manchen Gärten recht stattliche, von der ersten Ein- 
führung herrührende Exemplare. 

Abies cephalonica var. Reginae Amaliae. Königin Amalias Tanne, 
Arkadische Tanne, zahme Tanne der Griechen. 

Syn. Abies Reginae AmaHae Heldr., Gartenfl. 1860, p. 113, und 1861, 
p. 286, mit Abbild. 
Abies pectinata ß Reginae AmaHae Cat, sem. hört. Vratislav. 1863. 
„ cephalonica ß arcadica Henk. et. Höchst., Syn. p. 182 (1865). 
„ peloponnesiaca Haage. 
Pinus peloponnesiaca hört. 

Pinus Abies Dur. b. Reginae Amaliae Heldr., Christ. Europ. Abietin. 
Im Jahre 1856 durch Hofgärtner Schmidt in Athen in Deutschland 
eingeführt. 

Im Peloponnes, zumal in den Gebirgen Arkadiens vorkommend und zwar 
zuerst an der Ostküste von Forstbeamten auf dem Berge Rhondia und in den 
umliegenden Hochtälern in einer Erhebung von 1000 m entdeckt, 

Baum schlanker und hochstämmiger als vorstehender, man hat öfter 
Stämme von 18 m Höhe bei 0,70 bis fast 1 m Durchmesser aufgefunden, 
überhaupt wird die Üppigkeit der Vegetation und die Lebensfülle dieses 
Baumes besonders hervorgehoben. Die Blätter sind meist etwas kürzer, 
stumpfer, weniger starr. Nach Held reich ist aber dies auch nur bei jungen 
Bäumen der Fall und der erwachsene Baum zeigt später gleich der Art und 
der vorstehenden Form Apollinis ein struppiges, stacheliges Aussehen. Die 
Zapfen sind weit kleiner als bei der Apollotanne, während in den Zapfen- 
schuppen und den Samen kein Unterschied zu bemerken ist. Das Haupt- 



II. Klasse. Coniferae. 133 

merkmal ist aber der überaus kräftige Stammausschlag, derselbe ist von 
doppelter Natur, entweder neue Stämme aus den alten hervorbrechend, oder 
aus den horizontalen Ästen senkrecht aufsteigend und zwar von 6 — 7 m Höhe 
bei 0,30 — 0,40 m Stammdurchmesser, so werden im Walde oft armleuchter- 
artige, manchmal ganz regelmäßige Formen gebildet. Diese Befähigung, auch 
aus abgeschlagenen Stämmen Sekundärwipfel zu treiben, welche normale, wenn 
auch kürzere Stämme bilden, kommt bei Coniferen verhältnismäßig selten vor, 
ist jedoch auch bei A. pectinata, wenn auch in geringerem Grade, beobachtet 
worden. 

Die Bevölkerung nennt diese Tanne, zum Unterschiede von der Apollo- 
Tanne, die „zahme Tanne". 

V. Heldreich nimmt ursprünglich vier griechische Tannen an: A. cepha- 
lonica, A. ApolHnis, A. Reginae Amaliae und A. panachaica, letzte, welche 
auf dem Panachaikon wächst, ist aber mit ihren dolchspitzigen Blättern 
von A. cephalonica, wenigstens an Kulturexemplaren nicht zu unterscheiden, 
auch Boissier betont die große Ähnlichkeit in Flor. Orient, ebenso Christ 
(s. Europ. Abietineen); derselbe gibt die Blätter flacher an als bei var. Apollinis, 
allmählich in eine lange Spitze auslaufend. Zapfen nicht genau zylindrisch, 
sondern nach oben und unten etwas verjüngt. 

Sehen wir in unseren Kulturen die unter obigen zahlreichen Namen ver- 
breiteten griechischen Tannen an, die teils in schönen, sehr stattlichen und 
höchst dekorativen Exemplaren verbreitet sind und meist als aus griechischen 
Originalsamen erzogen angegeben werden, so finden wir, je nach Boden und 
Standort, üppige oder schwächer wachsende Bäume, die teils im Wuchs und 
mit spitzeren, stumpferen, dichter oder weiter gestellten, schmaleren oder 
breiteren, längeren oder kürzeren, unterseits mehr oder weniger weißen 
Blättern abweichen. Auch eine als Abies Monte Draco in Kultur vorkommende 
Form, mit kurzen, stumpfen, selbst an der Spitze gekerbten Blättern, dürfte 
am richtigsten wohl bei A. cephalonica Apollinis eingereiht werden. Ob außer 
A. cephalonica, deren Samen oft nicht keimen, in Deutschland zuverlässig 
richtig bestimmte Formen schon Zapfen trugen, ist mir nicht bekannt 
geworden. — Ich erhielt öfter Zapfen, die angeblich von var. Apollinis oder 
Reginae Amaliae stammen sollten, aber nach den Merkmalen zu A. cephalonica 
gehörten. Nach den bisherigen Erfahrungen dürfte es am richtigsten sein, 
dieselben als örtliche Varietäten von A. cephalonica, aber nicht als 
Arten zu unterscheiden, bis hoffentlich eingehende Studien im Vaterlande 
und genau kontrollierte, ausgedehnte Aussaatversuche völlige Klarheit bringen. 
Gartenexemplare, deren Herkunft oft nicht einmal mehr mit Sicherheit nach- 
zuweisen ist, können nicht als Untersuchungsmaterial genügen. 

Abies cephalonica robusta Carr. (Conif. 2. ed., p. 285 [1867]). Üppige 
cephalonische Tanne. 
Ein sehr üppiger Baum mit starken, langen, aufstrebenden Ästen, die 
unteren sind herabgebogen, ziemlich weit und so gestellt, daß sie eine Spirale 
bilden und zwar so, daß selten einer dem andern gegenübersteht. Zweige 
zahlreich, dick und dicht mit Blättern besetzt; Blätter sehr dichtstehend, dick- 
lich und steif, die der Äste sehr kurz zugespitzt, in eine stumpfe Spitze aus- 
laufend, die der jungen Triebe breit, plötzlich nach der Spitze zu verdünnt, 



134 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferea und Ephedra-Arten. 

manchmal stumpf und wie abgestutzt, nach der Oberseite der jungen Triebe 
gewendet und diese, wie es bei A. Nordmanniana der Fall ist, ganz deckend, 
Unterseite blau-weiß. Dem ganzen üppigen Wuchs entsprechend sind die 
Zapfen dick und lang ausgebildet, mit etwas breiteren, mehr vorragenden 
Bracteen, sonst aber nicht abweichend. 

Eine eigentümliche Form, die öfter bei Aussaaten beobachtet wurde, 
z B. ein prächtiges Exemplar bei A. Leroy in Angers in Frankreich, welches 
1867 bei 11 m Höhe 30 cm Durchmesser hatte, 20 Jahre alt war und auch 
mir bekannt ist. Ein anderes schönes Exemplar von 8,20 m Höhe und 
1,05 m Stammumfang befindet sich in Bois de Boulogne bei Paris (s. Revue 
hört. 1889, p. 309), welches sich sofort durch üppigen, gedrungenen Wuchs 
von allen anderen Bäumen dieser Art unterscheidet und eine breite, dichte 
Pyramide bildet, trotzdem sie in magerem Kiesboden steht, außerdem hat sie sich 
als die fruchtbarste aller in der Nähe befindlichen Abies erwiesen, denn sie 
brachte mindestens 300 Zapfen. 

Abies cephalonica rubiginosa Carr. (Conif. 2. ed., p. 285 [1867]). 

Eine Form, welche nach Carriere in größeren Mengen bei Aussaaten 
vorkommen soll und sich während der Entwickelung des jungen Triebes 
auffallend dadurch unterscheidet, daß dieser, abweichend von der Art, bei 
welcher er freudig grün erscheint, samt den Blättern dunkelrostfarbig auf- 
tritt, eine kurze Zeit sehr in die Augen fällt und sich nach und nach, bis zur 
Vollendung des Triebes, verliert. 

Abies cephalonica submutica Bailly (Rev. hört. 1888, p. 578). 
Eine gleichfalls im Bois de Boulogne bei Paris, und zwar in zwei Exem- 
plaren von 7 und 10 m Höhe beobachtete Form, deren Zapfen im mittleren 
Drittel eingeschlossene Bracteen zeigen, während sie am oberen und unteren 
Drittel wie beim normalen Zapfen hervorsehen. Außerdem sind die Zapfen 
kleiner, haben nur 10 — 12 cm Länge, sind mehr zylindrisch und an beiden 
Enden weniger abgestumpft. Diese Form ist also ein interessanter Beleg dafür, 
daß die Länge der Bracteen selbst bei der gleichen Art schwanken 
kann, dieses Merkmal daher am wenigsten geeignet erscheint, um bei Ein- 
teilung der Tannen eine hervorragende Rolle zu spielen, abgesehen davon, 
daß dadurch die zunächst verwandten Arten bei der Aufzählung weit von- 
einander getrennt aufgeführt werden (s. bei Abies die Gattungbeschreibung). 

Abies cephalonica aureo-variegata hört. 
Eine in Eisenberg (Böhmen) in Kultur gewonnene Form, bei welcher 
vereinzelt goldbunte junge Triebe erscheinen. 

Abies cephalonica aurea Carr. (Conif. 2. ed., p. 286 [1867]). 
Eine Form, bei welcher die jungen Triebe eine schöne goldgelbe 
Färbung zeigen. 

Abies cephalonica Lk. x A. Pinsapo Boiss. (Rev. hört. 1889, p. 115). 

Abbildungen von Zweigen und Zapfen in natürl. Größe, sowohl von den 
Stammeltern wie vom Bastard, in „Hybrid Conif ers" von Masters in Journ. 
of the Royal bort. Soc. vol. XXVI, 1 und 2 (1901). (Abies Vilmorini Mast.) 



II. Klasse. Coniferae. 135 

Nach Mitteilung von Bailly in der Revue horticole 1. c. bestäubte 
Vilmorin in Verrieres im Jahre 1867 eine weibHche Blüte von A. Pinsapo 
mit dem Pollen von A. cephalonica, zumal zu dem Zweck, um zu erfahren, 
ob durch diese Bestäubung fruchtbare Mischlinge oder solche, welchen 
die Fähigkeit, sich durch Samen fortzupflanzen, abgeht, erzielt würden. Die 
Blüte der A. Pinsapo entwickelte einen Zapfen, der nur einen keimfähigen 
Samen enthielt. Dieser Samen, sofort ausgesäet, ergab eine Pflanze, welche 
im Jahre 1868 ausgepflanzt wurde und nach nunmehr 20 Jahren 1888 zuerst 
Zapfen trug und folgende Charaktere zeigte: 

„Sehr üppiger Baum, breit pyramidal, von 7,80 m Höhe und 0,90 m 
Stammumfang, Rinde des Stammes rötlich, runzelig, die der Äste aschgrau, 
glatt, an den jungen Trieben glänzend-rostfarbig, glatt. Äste genähert, quirl- 
ständig, stark und sehr lang, die unteren und mittleren horizontal ausgebreitet 
und mit den Spitzen aufwärts gerichtet. Zweige zahlreich, gegenständig zu 
dreien oder quirlständig, seltener zerstreut, sehr lang übergebogen oder ganz 
hängend. Blätter zerstreut, diejenigen der Unterseite der Zweige aufwärts 
gerichtet, fast zweizeilig, alle lederartig, steif, lineal, leicht gebogen, 2 — 3 cm 
lang, 3 mm breit, an den Zweigen fast spitz, an den Ästen zugespitzt stechend, 
oberseits dunkelgrün, unterseits stark gekielt und blaugrün. Knospen dick, 
kurz, stumpf, hellbraun beschuppt. Zapfen gerade, spindelförmig, am Grunde 
verschmälert, kurz-kegelförmig an der Spitze, 14 — 16 cm lang, 4 — 5 cm breit, 
an der ganzen Oberfläche die pfriemliche Spitze der Bracteen zeigend, selten 
mehr als diese von der Bractee sichtbar. (Der von Masters 1. c. abgebildete 
Zapfen von Abies Vilmorini Mast, ist 20 cm lang, 4^/2 cm breit und die 
Bracteen sind gar nicht sichtbar; der üppige Zweig ist doppelt so stark 
[bei gleicher Blattslellung] wie bei A. Pinsapo.) Zapfenschuppen dick, keil- 
förmig, oben abgerundet, wellig, seitlich gezähnelt, Bracteen ziemlich lang 
gestielt, lineal, dann dreieckig verbreitert, abgestutzt und in eine pfriemliche, 
leicht übergebogene Spitze auslaufend. Samen dreieckig, glänzend -braun, 
mit häutigem, schief abgestutztem Flügel, an einer Seite des Samens herab- 
laufend." 

Dieser Bastard gleicht in seiner ganzen Erscheinung, der Länge und 
fast zweizeiligen Stellung sowie silberigen Färbung der Blätter, ebenso der 
Form der Zapfen (mit etwas vorstehenden Bracteen) nach also weit mehr dem 
Vater A. cephalonica, als der Mutter A. Pinsapo, von welcher er die starken, 
zahlreichen und langen Verzweigungen, die abwärts geneigten Zweige und 
die dicklichen Blätter hat. 

Der Bastard brachte Zapfen, aber taube Samen, womit jedoch noch 
nicht bewiesen sein dürfte, daß hieran nur der Bastard Schuld ist, denn 
erstens sind die Samen genannter Tannen in Kultur oft und zum größten 
Teil taub und in erhöhtem Maße ist dies bei Bäumen der Fall, die zum ersten- 
mal Früchte bringen, also werden erst weitere Ernten abzuwarten sein. 

Im Jahre 1900 brachte der Bastard denn auch zum erstenmal gute Samen 
und man kann auf die daraus erzogenen Sämlinge gespannt sein. 1901 hatte 
der Baum nach Philippe de Vilmorin I41/2 m Höhe erreicht. 

Jedenfalls bietet dieser Baum botanisches Interesse, wenn er auch in 
dekorativer Hinsicht, zu geringer Unterschiede halber, kaum weitere Beachtung 
verdient. 



136 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

In Partenit (Süd-Rußland), wo Abies cephalonica und A. Pinsapo unter 
den günstigsten Bedingungen nebeneinander wachsen und sich gegenseitig 
bestäuben, brachte A. Pinsapo stets keimfähige Samen, aber die daraus er- 
zogenen Sämlinge ergaben nach Lieb Pflanzen, welche von A. cephalonica, dem 
Vater, kaum zu unterscheiden waren; hier hatte also dieser ganz das Über- 
gewicht über die Mutter, A. Pinsapo, behalten (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 
1902, p. 75). Solche abweichende Sämlinge wurden auch an anderen Orten 
beobachtet. Man vergleiche auch die normalen Sämlinge von A. Pinsapo. 

4. Abies Pinsapo Boiss. (in Bibl. univ. de Geneve 1838 in Elench. PI. hisp. 
No. 179; Voy. en Espagne II, p. 584, t. 167 — 169). Spanische Tanne, 

Pinsapo. (Fig. 26.) 

Syn. Picea Pinsapo Loud., Encycl. of Trees 1041 f., 1947—1948 (1842). 
Pinus Pinsapo Boiss. in epist. und Ant., Conif. p. 65, t. 26 f., 2 (1844). 
Abies hispanica de Chambr., Tr. prat. arb. resin. 339 (1845). 
Pinsapo der Spanier. 
Sapin d'Espagne der Franzosen. 
Spanish Silver Fir der Engländer. 

In Spanien, und zwar nach Willkomm nur in der Provinz Malaga in 
der Gebirgsgruppe der Serrania de Ronda und zumal innerhalb der Sierra de 
Yunguera oder Sierra de la Nieve in einer Erhebung von 974 — 1148 m einen 
aus einzelnen Beständen und größeren geschlossenen Gehölzen bestehenden 
Waldgürtel bildend, aber früher tiefer hinab verbreitet gewesen. In Algier 
kommt die Pinsapotanne nicht vor und beruht diese Angabe auf Ver- 
wechslung mit der nicht als Form zu A. Pinsapo zu stellenden A. numidica 
de Lannoy (A. Pinsapo var. baboriensis Coss.).^) 

Im Jahre 1839 in Kultur eingeführt. 

Baum bis zu 25 m Höhe und bis über 1 m Stammdurchmesser. Der 
verhältnismäßig starke Stamm ist meist vom Grunde an dicht beästet und es 
wird eine breit- pyramidale Krone gebildet. Äste in regelmäßigen Quirlen 
horizontal abstehend. Zweige zahlreich gegenüberstehend, zu dreien oder quirl- 
ständig, seltener zerstreut, die jüngsten gelblich, glatt. Knospen eirund, mit 
Harz überzogen. Blätter abwechselnd, sehr dicht und rings um die Zweige 
gestellt, 8 — 13 mm lang, l^/g — 2 mm breit, lederartig, dicklich, fast flach ge- 
wölbt, steif, spitz stechend, dunkelgrün, beiderseits mit wenig ins Auge 
fallenden weißlichen Spaltöffnungslinien, mit kreisrunder, nicht gedrehter Basis, 
sitzend. Männliche Blüten eirund, sehr zahlreich, dunkel -purpurrot, sehr 
zierend. Zapfen aufrecht sitzend, zylindrisch-eirund-stumpf und kurz bespitzt, 
hellbraun, 10 — 15 cm lang, 4 — 5 cm breit. Zapfenschuppen aus keilförmigem 
Grunde fast dreieckig, oben abgerundet, Bractee aus verschmälertem Grunde 
eirund zugespitzt, fünf- bis sechsmal kürzer als die Schuppe. Samen verkehrt- 
eirund, kantig, dunkelbraun, 7 mm lang, mit breitem, verkehrt-keilförmigem, 
bis 15 mm langem, hellbraunem, dünnhäutigem Flügel. 

A. Pinsapo ist unstreitig eine der schönsten, eigentümlichsten und auf 
den ersten Blick von anderen zu unterscheidende Tanne, welche unter günstigen 



^) Vergl, L'Abies numidica par Trabut in Revue generale de Botanique par Gaston 
Bonnier 1889. p. 405. 



IL Klasse. Coniferae. 



137 




Pig. 26. Abies Pinsapo Boiss. im alten Botanischen Garten zu Berlin. 



138 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten, 

Bedingungen, d. h. geschütztem Stand, genügender Luftfeuchtigkeit und den 
für einen Gebirgsbaum schon bei den vorstehend beschriebenen Arten er- 
wähnten Bedingungen sich, trotz ihres südlichen Vorkommens, auch bei uns 
zu herrhchen Exemplaren entwickelt, die in dichtbezweigten, regelmäßigen 
Pyramiden, von mehr oder minder blau- oder graugrüner Färbung, oft fast 
wie versilbert erscheinen. Unter diesen günstigen Bedingungen trägt sie oft 
reichlich Zapfen und bringt auch keimfähige Samen und gesunde Sämlinge. 
Interessant und weiter genau zu verfolgen ist der Umstand, daß solche Säm- 
linge mit verschiedener Blattlänge und Blattstellung oft täuschend A. cepha- 
lonica gleichen oder auch zwischen A. cephalonica und A. Pinsapo stehende 
Bildungen zeigen, auch wenn eine Kreuzung beider ganz ausgeschlossen ist. 
Ich berichtete darüber in den Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p. 145. In 
rauhen Lagen bedarf sie in der Jugend des Schutzes, ist aber in größeren 
Exemplaren meist widerstandsfähiger, sie erfordert Schutzpflanzung gegen 
Sonnenbrand im Winter; eisige, rauhe Winde und scharfe Zugluft, wie sie 
z. B. zwischen Gebäuden durchpfeift, fürchtet sie und werden hier oft Bäume 
zum Teil entblättert. Strenge Winter töteten oft starke Exemplare oder ver- 
unstalteten sie dauernd; zumal wenn die Spitzen stark litten, wurden die 
Bäume oft struppig und unschön. 

Im Boden nicht gerade wählerisch, fürchtet sie nasse kalte Lagen, gedeiht 
gut in kalkhaltigem Boden und liebt freien Stand, vor allem einzeln oder zu 
mehreren auf gut gepflegtem Rasen ist sie ein herrlicher Schmuck. 

Über die Bastarde, welche A. Pinsapo sowohl mit A. Nordmanniana und 
A. cephalonica gebildet hat, wolle man bei beiden genannten Arten nachlesen. 

In der Färbung abweichend. 
Abies Pinsapo glauca hört. Blaugrüne spanische Tanne. 

Syn. Picea Pinsapo glauca hört. 
Pinus Pinsapo glauca hört. 

Eine herrliche Form, welche durch auffallend blaugrüne Färbung 
besonders wirkungsvoll wird und sich außerdem durch den schützenden, bläu- 
lichen, wachsartigen Überzug widerstandsfähiger zeigte; ein Umstand, den 
wir auch bei anderen blauen Coniferenformen beobachten können. Wir finden 
Prachtexemplare z. B. in Baden-Baden und an anderen günstigen Standorten. 

Abies Pinsapo argentea hört. 

Eine besonders auffallende, blaugraue bis silberfarbige Form, die 
zumal im Schmuck der purpurroten männlichen Blüten sich reizend ausnimmt. 

Abies Pinsapo variegata hört. 

Syn. Picea Pinsapo variegata Gord., Pin. 160. 

Pinus Pinsapo variegata Laws. ex Gord, 1. c. 
Eine wenig schöne, unbeständige Form, mit teils gelblichen, teils 
grünen Blättern. 

Wuchsformen. 

Abies Pinsapo Hamondii Veitch. (A Man. of the Conif. p. 105 [1881]). 
Eine eigentümliche, abnorme Form mit kurzem Stamme, lang entwickelten, 
weit über den Boden hingestreckten Ästen und kürzeren Zweigen 
und Blättern wie bei der Art. 



II. Klasse. Coniferae. 139 

Abies Pinsapo pendula hört. Spanische Trauertanne. 
Form mit herabhängenden Ästen. 

Abies Pinsapo fastigiata hört. 

Eine Säulenform mit langen, im spitzen Winkel aufstrebenden Ästen 
und kurzen Zweigen, die sehr auffallend und charakteristisch ist. Ich sah ein 
schönes Exemplar im Arboretum Segrezianum des Herrn Lavallee (Mitt. 
d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 109.) 

Abies Pinsapo pyramidata hört. 

Eine niedrige Form mit aufstrebenden Ästen, so daß ein gedrungener 
Kegel gebildet wird. Blätter der Art gleich. 

Knospen harzig, Blätter stumpf oder ausgerandet; Zapfen groß, zylindrisch, vor der 

Reife grünlich. 
5. Abies numidica de Lannoy Carr. (Rev. bort. 1866, p. 106 und 168). 

Numidische Tanne. 

Syn. Abies Pinsapo var. baboriensis Cosson, Bull. Soc. bot. France 1861; 
Ann. Soc. d'Acclim. 1863; Compend. Fl. Atl. 1881. 
Abies baboriensis Letourneux, Cat. des arbr. et arbust. d'Algerie 1888. 
Picea numidica Gord., Pin. ed. II, 220. 
Sapin d'Algerie der Franzosen. 
Algerian Silver Fir der Engländer. 

In Nord-Afrika in Kabylien (Numidien der Alten) auf den Berggipfeln 
des Tababor und Babor in einer Erhebung von 1600 — 2000 m und zwar 
gemeinsam mit Cedrus atlantica, Taxus baccata, Acer obtusatum. Hex Aqui- 
folium, Quercus Mirbeckii u. a. wachsend. Nach Carriere in nördlichen Lagen 
auf Kalkfelsen, die oft nur mit dünner Humusschicht bedeckt sind und wo so 
enorme Schneemassen fallen, daß der Schnee in den Schluchten oft das ganze 
Jahr über liegen bleibt. 

Im Jahre 1861 durch Capitaine de Guibert entdeckt, von Cosson für 
eine Varietät der A. Pinsapo gehalten, von deLannoyals besondere Art erkannt 
und benannt. Die ersten Samen wurden nach Carriere in Frankreich 1862 
von Davout eingeführt. 

Pariatore räumt dieser Tanne nicht einmal das Recht einer Varietät ein, 
sondern wirft sie mit Abies Pinsapo zusammen. Die meisten Autoren stellen 
sie, Cosson folgend, als Form zu A. Pinsapo. Trabut gibt nach eingehendem 
Studium und Besuch der Fundorte in der Revue general de Botanique von 
Bonnier 1889, p. 405 eine treffliche Abhandlung nebst Abbildungen, der ich 
manches hier entlehne, und erklärt, daß A. numidica die einzige Tannen- 
art dort sei, ferner, daß sie von A. Pinsapo so verschieden sei, wie A. cilicica und 
A. cephalonica, ja daß sie sich weit mehr den letzten beiden Arten als 
A. Pinsapo nähere, zumal aber A. cilicica, sowohl was die äußeren Vegetations- 
organe, wie auch die anatomischen Merkmale anlange. Wie A. cilicica in 
Gemeinschaft mit Cedrus Libani den cilicischen Taurus bewohne, so auch 
bewohne A. numidica gemeinsam mit Cedrus atlantica, der nahen Verwandten 
der Libanonceder, die Gebirge Algiers. — Es bietet somit A. numidica nicht 



140 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

nur Interesse in betreff der systematischen Botanik, sondern auch in pflanzen- 
geographischer Hinsicht.^) 

Baum von 15 — 20 m Höhe, sehr verzweigter, dichter, regelmäßig pyra- 
midaler Krone. Stamm stark und gerade, mit aschgrauer, leicht runzeliger 
Rinde bekleidet; Äste zahlreich, quirlständig, sehr verzv^eigt, horizontal aus- 
gebreitet. Junge Triebe glatt, gelblich-grün. Knospen dick, mit lockeren, 
aschgrauen Schuppen, jung harzig, später, wenn ausgereift, trocken. Blätter 
16 — 22 mm lang, 2^/2 mm breit, an jungen Pflanzen einspitzig, an älteren steif, 
stumpf, mit dicklichen Rändern, am Grunde mehr oder minder gedreht, ober- 
seits flach, an der Basis gerillt, dunkelgrün, nach der Spitze zu mit weißen 
Spaltöffnungsreihen (ein gutes Merkmal), unten beiderseits des stark vor- 
tretenden Kiels mit zwei bläulichen, zehnreihigen Spaltöffnungslinien. An den 
oberen Ästen sehr zahlreich rings um die Zweige gestellt, durch die Drehung 
am Grunde steif, bürstenförmig aufwärts gerichtet und öfter die untere Seite 
des Zweiges freilassend. In den unteren Ästen weniger steif, oft sehr un- 
gleich und zweireihig wie bei A. pectinata. Zapfen zu 4 — 5 auf den oberen 
Ästen aufrecht, länglich -zylindrisch -stumpf, 16 — 20 cm lang, 4 — 6 cm breit. 
Schuppen oben sehr breit, an den Seiten zu stumpfen Haken umgebogen, 
plötzlich nach dem Grunde zu in einen Stiel ausgezogen, aschgrau, sehr leicht 
abfallend. Bractee etwa halb so lang als die Schuppe, lineal, oben abgerundet 
und kurz gespitzt; Samen verkehrt-eirund-keilförmig, 12 mm lang mit 18 mm 
langem, nach innen abgerundetem, oben abgestutztem und nach außen sichel- 
förmig verlängertem, schrotsägezähnigem Flügel. 

A. numidica unterscheidet sich von A. Pinsapo durch längere, flache, 
stumpfe, oben, an üppigen Pflanzen immer nach den Spitzen zu mit Spalt- 
Öffnungslinien versehenen, am Grunde gedrehten Blättern, durch viel längere 
Zapfen, durch die Zapfenschuppen mit den stumpfen Haken an den Seiten 
(durch welche sie sich besonders A. cilicica nähert) und durch die größere, 
lineale Bractee. 

A. numidica ist eine sehr schöne, üppige, dunkelgrüne Tanne, 
die schon in recht stattlichen Exemplaren auch in Deutschland vertreten ist 

^) Trabut kommt zu dem Schlüsse: Die unstreitig sehr nahe verwandten Tannen der 
Mittelmeerländer möchten einer einst sehr verbreiteten, später auf mehr und mehr voneinander 
entfernte Stationen beschränkten Stammform (Abies intermedia Saporta? Tertiaire de Cantal.), 
viel älter als Abies pectinata, entstammen, weiche gegen die Mittelmeerküsten und auf entfernte 
Berggipfel verschlagen, wo sich Lokal-Rassen oder -Arten gebildet und erhalten, und ihre ur- 
sprüngliche Beschaffenheit etwas geändert hätten, so daß man sie in strenger Auffassung noch 
als Varietäten einer Art ansehen könnte. Er fügt aber hinzu, daß es besser sei, nach den jetzt 
bestehenden Verhältnissen sich zu bemühen, die eigentümlichen Charaktere dieser 
Formen scharf zu umgrenzen, als unter demselben Namen Individuen zu vereinigen, 
die sicher nicht gleich sind, weder ihrem natürlichen Vorkommen noch ihrem 
Verhalten in unseren Kulturen nach. — 

Es wäre hier somit dieselbe Ansicht ausgesprochen, wie ich sie öfter betont habe. — 
Dann sagt Trabut, daß es keine natürliche Einteilung sei, die Abies in zwei Sektionen, be- 
gründet auf die Lage der Harzgänge in den Blättern, einteilen zu wollen (s. Bertrand, Anatomie 
des feuilles de Coniferes Ann. sc, nat,, 5. Ser., t. XX, 1874), da die anatomischen Merkmale 
wohl viel zur besseren Erkenntnis der Arten beitrügen, aber dahin führten, nahe verwandte 
Formen zu weit voneinander zu trennen. — Der gleiche Umstand, der auch eintritt, wie ich 
schon früher bemerkte, wenn man die Länge der Bracteen (ob über die Schuppe hervorragend 
oder eingeschlossen") als Einteilungsmerkmal für die Tannen annimmt. 



II. Klasse. Coniferae. 141 

und sich widerstandsfähiger, härter als A. Pinsapo zeigte. Auf den ersten 
Blick ähnelt sie A. Nordmanniana, aber die kürzeren, steifen, aufwärts ge- 
richteten Blätter unterscheiden sie sofort. Wohl vermöge ihres Vorkommens 
in hohen, rauhen Gebirgslagen und auf trockenem Boden scheint sie auch 
bei uns gar nicht wählerisch zu sein und nach den bisherigen Erfahrungen 
jedenfalls nicht empfindlicher wie die Nordmannstanne und Verwandte; sie 
sollte daher zur Dekoration, bei seitlichem Schutz ganz freigestellt, recht aus- 
gedehnte Verwendung finden. 

Bemerkenswert sind an Kulturexemplaren Unterschiede in den 
Blättern, welche in dekorativer Hinsicht die Pflanzen recht verschieden er- 
scheinen lassen. So fand ich in der an Pflanzenschätzen so reichen D omaine 
desBarres in Frankreich ein herrliches, tadellos gewachsenes Exemplar von 
15 m Höhe bei 0,82 m Stammumfang, welches an weitgestellten Ästen und 
Zweigen ganz kurze, starre, bläuliche, bürstenförmig nach oben gestellte 
Blätter trug; durch die beiderseits sehr auffällig hervortretenden weißen Spalt- 
öffnungsreihen wurde dem Baume ein Silberschimmer von seltener Schönheit 
verliehen, auch erinnerte derselbe sehr an A. Pinsapo, wenn nicht die ganz 
abweichende Gestalt, Astbildung und der Form der Zapfen gewesen wäre. 

Zwischen dieser extremsten kurzblättrigen Form glauca konnten nun 
wieder unverkennbare Zwischenformen bis zum normalen Baume beobachtet 
werden (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 100 u. 104). i) 

6. Abies cilicica Carr. (Conif. 2. ed., p. 307 [1867]). Cilicische 
Tanne. (Fig. 27.) 

Syn. Pinus cilicica Ant. et Kotschy, Ost. Bot. Wochenbl. Dec. 1853, p. 409. 
„ Tschugatskoi Fisch, msc. 
Abies Tschugatskoi Laws. ex Gord., Pin. Suppl. 50 (1862). 
Picea cilicica Rauch, ex Gord., Pin. 1. c. 
lUeden der Türken (nach Kotschy). 
Tschugatskoi der Russen. 

In Kleinasien auf den taurischen und karamanischen Gebirgen, zumal 
in Cilicien, im nordwestlichen GüUek Boghus und am Südabhang des Bulgar 
Dagh (Taurus) in einer Erhebung von 1300 — 2000 m, öfter gemischt mit Cedrus 
Libani, ausgedehnte Wälder bildend, dann auf dem Antitaurus, dem Libanon 
und in Afghanistan. 

Im Jahre 1853 von Kotschy entdeckt und in Europa eingeführt. 

Baum von 20 — 30 m Höhe mit vom Boden an beästeter, schmal-kegel- 
förmiger Krone. Stamm mit aschgrauer, im Alter tiefrissiger Rinde, ein weiches, 
aber dauerhaftes Holz liefernd, welches sich nicht wirft und zum Dachdecken 
besonders verwendet wird. Äste sehr dicht und quirlständig, die unteren 
horizontal ausgebreitet und übergeneigt, die oberen aufstrebend. Zweige zwei- 
reihig gegenüberstehend, die jüngsten gelblich und glatt. Knospen mit Harz 
bedeckt. Blätter 25 — 35 mm lang, 1^/2 — 2^/2 mm breit, lineal, ziemlich gerade, 
an der Spitze abgerundet oder ausgerandet, am Grunde sehr gedreht, oben 
glänzend dunkelgrün, unten mit bläulichen, siebenreihigen Spaltöffnungslinien, 

^) Als Abies maroccanaTrabut ist neuerdings eine angeblich in der Tracht zwischen 
A. numidica und'A. Pinsapo stehende Tanne beschrieben worden. Genaue Untersuchungen müßten 
feststellen, ob hier eine neue Art oder etwa die oben genannten Abweichungen vorliegen. 



J^42 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten. 



fast zweizeilig, doppelt zwei- 
zeilig, d e u 1 1 i c h g e s c h e i t e 1 1 , 
so daß der Zweig oben frei 
bleibt, oder, nur an jungen, 
üppigen Trieben, nach oben 
stehend und den Zweig zum 
Teil deckend. Zapfen aufrecht, 
sitzend, zylindrisch - stumpf 
und etwas vertieft an der 
Spitze, 20 — 28 cm lang, 4 bis 
6 cm breit, rötlich. Zapfen- 
schuppen sehr breit, am 
Grunde keilförmig, oben ganz- 
randig, an den Seiten mit 
stumpfen Haken und gezäh- 
nelt (ähnlich wie bei A. nu- 
midica). Bracteen spateiförmig 
zugespitzt, über halbsolang als 
die Schuppe. Samen verkehrt- 
eirund, fast dreieckig, braun- 
rot, 13 — 14 mm lang, mit gelb- 
rotem, schief - keilförmigem, 
18 mm langem Flügel. 

Eine sehr schöne Tanne, 
welche in ihrer Erscheinung 
am meisten an A. Nordmanni- 
ana erinnert, aber zierlicher 
von Wuchs ist, dabei beson- 
ders regelmäßige, dicht- 
zweigige , kegelförmig - spitze 
Pflanzen bildet, mit weniger 
üppigen, dünneren Zweigen; 
von ihr wie von A. pectinata 
weicht sie durch die längeren, 
schmalen, weniger gebogenen 

Blätter, die meist glatten 
jungen Triebe und die einge- 
schlossenen Bracteen ab. 

In deutschen Gärten sind 
schon sehr schöne Exemplare 
vorhanden (so z. B. auf der 
Insel Scharfenberg ein schö- 
ner, etwa 10 m hoher Baum), 
die schnellen Wuchs und 
freudiges Gedeihen zeigen, ja 
in recht rauhen Lagen, aber 
bei sonst günstigen Bedingungen, z. B. am Starnberger See, sah ich diese 
Art nicht leiden. Dahingegen geben Veite h wie auch Carriere an, daß sie 




Fig. 27. Abies cilicica Carr. auf der Insel Scharfenberg im 
Tegeler See bei Berlin. 



II. Klasse. Coniferae. 143 

sowohl in England wie in Frankreich ihres frühen Treibens halber stets von 
Spätfrösten leide. Veitch sagt sogar, daß sie in England gar nicht zur An- 
pflanzung empfohlen werden dürfe und sich nur in ausnahmsweise günstigen 
Lagen zu schönen Exemplaren entwickle. In Deutschland zeigten sich solche 
üble Einflüsse weniger, wenn auch hier und da über Beschädigung durch 
Spätfröste geklagt wird; somit kann A. cilicica, als eine besonders dekorative 
Tanne, auf das wärmste zur Anpflanzung empfohlen werden. 

Knospen harzig; Blätter einspifzig, off stechend oder jung gabelspifzig; 
Zapfen vor der Reife grün. 

7. Abies firma Sieb, et Zucc. (Fl. Jap. II, p. 15, t. 107 [1842]). 
Japanische Tanne, Momitanne. (Fig. 28.) 

Syn. Abies Momi Sieb., Verband, van het. Batav. Genotsch. XII, p. 12 
(1830). 

Abies bifida Sieb, et Zucc, Fl. Jap. II, p. 18, t. 109 (1842). Jugend- 
form, Blätter gabelspitzig. 

Pinus firma Ant., Conif. p. 70, t. 27 (1844). 
„ bifida Ant, Conif. p. 79, t. 31 f., 2 (1844). 

Picea firma Gord., Pin. p. 147 (1858). 

Abies chensiensis van Tiegh. in Bull. Soc. Bot. Fr. 1891. 

Momi der Japaner. 

To momi der Chinesen. 
In Japan nach Mayr in natürlicher Verbreitung bis zum 40.^ n. Br., ver- 
einzelt in kleineren, reinen Beständen, aber meist in Laubwäldern; im südlichen 
Teile kultiviert. In China gefunden in Shensi (von David), in Yunnan (von 
Kanitz), in Korea (von Veitch). 

Im Jahre 1861 von J. G. Veitch in Europa eingeführt. 
Ein bis 50 m Höhe erreichender schöner Baum von pyramidalem, 
A. pectinata ähnlichem Wuchs. Äste stark, horizontal-abstehend, hellbraun; 
Zweige dichtstehend, junge Triebe gelbgrün, glatt, streifenweise kurz braun- 
haarig. Knospen kegelförmig, mit Harz dünn überzogen. Blätter sehr ver- 
schieden in Länge und Form, dichtstehend, fast zweizeilig, oder an üppigen 
und fruchttragenden Trieben doppelzeilig und die oberen dann kürzer, steif, 
derb lederartig (daher der Name firma), 20 — 30 mm lang, 2^/2 — 3 mm breit, 
lineal, flach, gerade oder etwas gebogen oder leicht sichelförmig, mit schild- 
förmiger Basis, kaum gedreht, stumpfspitzig oder schwach gekerbt (an den 
fruchtbaren Zweigen), oder auch tief-gabelspitzig, also lang-zweispitzig 
(an den unfruchtbaren Zweigen), auf diese Jugendform hin wurde der Name 
A. bifida gegeben; oberseits schwach gefurcht, glänzend-dunkelgrün, unten 
beiderseits des Mittelkiels hellgrün, nicht, wie bei den meisten Arten, mit 
bläulich-weißen Spaltöffnungslinien gezeichnet, nur an üppigen Fruchtzweigen 
werden die Unterseiten etwas bläulicher. Zapfen in Größe und Gestalt sehr 
verschieden, zylindrisch, beiderseits stumpf, gerade oder etwas gekrümmt, 
dunkelbraun, 8 — 15 cm lang, 3^/.2 — 5 cm breit. Zapfenschuppen am Grunde keil- 
förmig, breit-nierenförmig, oben und an den Seiten abgerundet und unregel- 
mäßig gezähnelt; Bractee aus breit-keilförmigem Grunde rautenförmig, lanzett- 
lich-zugespitzt, oben unregelmäßig gezähnt, mit der Spitze die Schuppe 



J^44 >^weiter Teil, Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

überragend. Samen verkehrt-eirund, keilförmig-eckig, hellbraun, dunkel ge 
scheckt, mit breitem, bräunlichem Flügel. 

Maximowicz" verwahrt sich dagegen, daß Masters seine A. holophylla 
für synonym mit A. firma erklärt, da man diese schon an einer einzelnen 
Zapfenschuppe unterscheiden könne, es überdies die einzige Tanne sei, die 




Fig. 28. Abies flrma Sieb, et Zucc. 1 Zweig mit reifem Zapfen ; 2 Blatt (vergr.); 3 Zapfenscbuppe von 
außen mit Bractee; 4 Samen. Alle Figuren nach einem Originalzapfen aus Japan. 



stets an der Spitze ganzrandige (fichten-ähnliche) Blätter habe, während gerade 
A. firma die am tiefsten gespaltenen Blätter unter allen Tannen besitze, die 
aber niemals dolchartig zugespitzt und nicht seitlich gebogen seien (s. andere 
Unterschiede bei der folgenden A. holopylla). 

Nach Nakamura ist das Holz gelblich oder rötlich- weiß und gerade- 
faserig; während das im Süden gewachsene von schlechter Qualität ist, soll das 
im Norden gewachsene hart und elastisch an Güte dem von Tsuga fast gleich- 



II. Klasse. Coniferae. 145 

kommen. — In der Jugend langsam von Wuchs, wird A. firma in Japan viel 
zur Zierde angepflanzt, wird dort auch durch Stecklinge vermehrt und häufig 
künstlich zu den beliebten Zwergformen herangezogen. 

In Deutschland hat sie sich in manchen Gegenden in harten Wintern 
empfindlich gezeigt, litt auch, da sie frühzeitig treibt, zumal bei freiem Stand 
ohne seitlichen Schutz, von Spätfrösten; an Orten, die im allgemeinen dem 
Gedeihen der Tannen günstig sind, zeigte sie sich hingegen ziemlich wider- 
standsfähig. Die herrliche Momitanne dürfte daher nur für die günstigsten 
Lagen, also zumal für das Weinbaugebiet, bei uns als Schmuckbaum in Frage 
kommen. Nach Mayr dürfte von einem waldbaulichen Nutzen kaum jemals 
die Rede sein. 

8. Abies holophylla Maxim. (Melanges biol. VI, p. 22 [1866]). 
Ganzblättrige Tanne. 

Syn. Pinus holophylla Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 424 (1868). 

In der südöstlichen Mandschurei am Victoriabusen auf höheren Gebirgen 
heimisch. 

Wohl kaum in Kultur eingeführt. . 

Baum im Wuchs der Abies pectinata oder der A. firma ähnlich. Junge 
Zweige behaart. Blätter derb, dichtstehend, breit-lineal, flach, rundlich-ab- 
gestumpft, unterseits gekielt und mit weißlichen Spaltöffnungslinien, die der 
fruchttragenden Zweige seitlich gebogen und kürzer dolchartig-spitz, mit kreis- 
runden Blattnarben und etwas hervorragenden Blattkissen. Zapfen seiten- 
ständig aufrecht, zylindrisch oder länglich-zylindrisch-stumpf, Schuppen fast 
wagerecht, mondförmig, aus kurzgestieltem Grunde plötzlich breit-herz-keil- 
förmig-rundlich, seitlich geohrlappt-herabgebogen, lederartig, ganzrandig oder 
kaum stumpf, schwach gezähnelt. Bracteen kaum halb so lang als die Schuppen, 
vom Grunde an gleich breit, rundlich, ausgefressen, häutig, Rippe in eine 
Stachelspitze auslaufend. Samen verkehrt-eirund-keilförmig, scherbengelb mit 
fast gleichlangem, vierseitigem Flügel. 

Die Merkmale, durch welche sie sich, nach Maximowiczs Angaben, von 
A. firma unterscheidet, wurden bereits bei dieser angeführt. Die nahestehende 
A. homolepis (A. brachyphylla) unterscheidet sich durch stets ausgerandete, 
unten silberweiße, wenigstens doppelt so kurze, aber nicht schmälere, auf 
wärtsstehende Blätter, durch schmälere Zapfen, mit doppelt kleineren und 
fast doppelt so zahlreichen Schuppen, welche am Rande flach, plötzlich in 
schmale seithche Ohrlappen übergehen und durch doppelt so kleine, schwärz- 
liche (nicht scherbengelbe) Samen, besonders aber auch durch den gänzlich 
abweichenden Habitus. 

Nach dieser von Maximowicz gegebenen Beschreibung ist es recht 
schwer nachzuweisen, ob diese Tanne etwa mit einer uns schon bekannten 
Art zusammenfällt. Nach geringem Material, welches ich besitze und welches 
den großen, scherbengelben Samen, den einspitzigen Blättern und einigen 
Zapfenschuppen nach mit der Beschreibung sich deckt, dann auch nach 
einem aus über London erhaltenen Samen erzogenen Sämling, der sehr üppige, 
einspitzige Blätter zeigt, und augenscheinlich als zwischen A. firma und 
A. homolepis stehend anzusehen ist, wäre es möglich, daß diese Art sich 
später als mit A. umbilicata Mayr übereinstimmend herausstellte. Erst eine 
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 10 



146 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

weitere Entwickelung kann hierüber Klarheit geben. Vielleicht würden, be- 
genauerer Untersuchung, in England noch Pflanzen von A. holophylla 
Maxim, aufgefunden, die uns Aufschluß geben könnten. 

9. Abies umbilicata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1894, p. 31). 
Mitzuminetanne. 

Syn. Abies umbellata Mayr (Druckfehler), Monogr. d. Abietin. d. jap. 
Reiches, p. 34 (1890), mit Abbild. 
Mitzumine-Momi; Heso-Momi; Urashiro-Momi der Japaner. 

In Japan an wenigen Orten, am "Gipfel des Mitzumine-san im Chichibu- 
göri (Musashi) gemeinsam mit A. homolepis in der Buchenregion, ferner mit 
dieser im Jumonjitoge und in den Gebirgen von Hida und Kai. 

Nach Mayr sind junge Pflanzen ohne Zapfen kaum von A. homolepis 
zu unterscheiden, wie diese erreicht sie eine Höhe von etwa 40 m. Stamm 
und Äste mit kleinschuppiger Borke, junge Triebe glänzend-gelbgrün, Knospen 
spitz-kegelförmig, mit Harz bedeckt. Die ersten Blätter an jungen Pflanzen 
gabelspitzig, unterseits nicht so kreideweiß wie bei A. homolepis. Blätter 
am Leittriebe, kurz-rechtwinkelig-abstehend, mit einfacher Spitze; die der 
Seitenzweige an der Unterseite gekrümmt und etwas nach aufwärts gedrückt, 
an der Oberseite rechtwinkelig-abstehend, oder etwas nach rückwärts gedrückt; 
an zapfentragenden Exemplaren an seitlichen Trieben 1,4 cm lang, 2 mm breit, 
kleinste Blätter auf der Oberseite der gleichen Triebe 0,9 cm lang, an Trieben, 
an denen die nächstjährigen Zapfen angelegt werden, seitlich 2,7 cm lang, 
2,5 mm breit, kleinste Blätter auf der Oberseite des gleichen Triebes 1,5 cm 
lang. Weibliche Blüte grün. Reifer Zapfen zylindrisch, 8 — 10 cm lang, 4 cm 
dick wenn geschlossen, unmittelbar vor der Reife grün-gelb, an der Spitze 
auffällig genabelt, daher der Name umbilicata. Bracteen etwas kürzer als 
die Zapfenschuppen, garnicht oder nur unten am Zapfen in einem feinen 
Spitzchen sichtbar, 20 mm lang, 7 mm breit, in der Mitte eingeschnürt, 
Zapfenschuppe 3 cm breit, 3,3 cm hoch. Samen bräunlich-grün, 1 cm lang, 
6 mm breit, mit einem 12 mm langen, fast vierseitigem, abgestutztem Elügel. 
Diese Tanne steht ganz unverkennbar zwischen A. firma und A. homolepis. 

Die Zukunft muß lehren, ob wir diese schöne Tanne echt besitzen? 
In den Baumschulen finden wir große Quartiere davon, ja meist mehr als 
von A. homolepis. Alle diese sind aber nur aus japanischen Aussaaten, ge- 
stützt auf Mayrs Beschreibung, ausgesucht worden, und bevor die Bäume 
keine Zapfen bringen, ist die Echtheit nicht nachzuweisen. Je nachdem 
A. homolepis aus Samen oder durch Veredelung fortgepflanzt wird, zeigen 
sich oft Unterschiede im Wuchs und in längeren oder kürzeren Blättern, die 
sich erst später, wenn sich die Bäume charakterisieren, ausgleichen. Es ist 
daher gar nicht ausgeschlossen, daß sich viele der als A. umbilicata in den 
Handel gegebenen Tannen später als A. homolepis erweisen werden. 

Jedenfalls sind diese sehr nahe verwandten Tannen für uns gleich- 
wertig, und erst die Zukunft muß lehren, ob sie in dekorativer Hinsicht als 
hinreichend verschieden in die Augen fallen oder ob A. umbilicata etwa nur in 
wissenschaftlicher Beziehung Interesse bietet. 

Daß zwei so nahe verwandte Tannen wie die genannten, die selbst in 
der Heimat im Volksmunde den gleichen Namen tragen, im eingeführten 



II, Klasse. Coniferae. J^47 

Saatgut viel miteinander verwechselt werden, darf uns ja nicht wundern; 
werden doch schon A. firma mit homolepis, diese wieder mit der ganz ab- 
weichenden A. Mariesii und A. Veitchii fortdauernd noch verwechselt; auch 
ist vielfach A. sachalinensis unter dem Namen A. Mariesii verbreitet worden, 
daher bleiben dann spätere Irrtümer in den Baumschulen selbstredend 
nicht aus. 

Zapfen vor der Reife dunkelblau. 

10. Abies homolepis Sieb, et Zucc. (Fl. Jap. II, 17, t. 108 [1842]). 

Nikkotanne. 
Syn. Pinus homolepis Ant., Conif. 78 (1846). 

Abies Tschonoskiana Regel Ind. Sem. Hort. Petrop. (1865). 

„ brachyphylla Maxim., Melanges biolog. VI, p. 23 (1866). 
Pinus brachyphylla Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 424 (1868). 
Picea brachyphylla Gord., Pin. ed. 2, p. 201 (1875). 
Pinus Finnhonoskiana Neumann, Cat. ex Pariatore. 

„ Harryana Mac. Nab., Proc. Royal Irish Acad., p. 689, t. 47 

(1876). 
Abies Veitchii hört, (nicht Carr.). ) _ , , ^ ^^ 

Picea Veitchii hört, (nicht Lindl.). ^" verwerfende, auf Ver- 

„ firma hört, (nicht Gord.). f wechselung beruhende 

„ pinnosahort. I Gartennamen. 

Dakemomi und Urashiromomi der Japaner. 

In Japan zwischen dem 36. und 38.^ im Gebirge innerhalb der Buchen- 
region; 1854 von Siebold in Europa eingeführt. 

Schöner Baum von 40 m Höhe. Äste regelmäßig quirlständig, horizontal 
abstehend mit hellgraubrauner Rinde bekleidet, Zweige zweizeilig steif, ab- 
stehend; junge Triebe hellgelb glänzend, grubig vertieft durch die an- 
geschwollenen, herablaufenden Blattkissen. Blätter dichtstehend, an Sämlingen 
erst gabelspitzig, an den oberen Zweigen mehrreihig, gescheitelt, den Zweig 
oben freilassend, an der Oberseite viel kürzer, steif, kurz, gerade oder gebogen, 
lineal, flach, auf schildförmiger Basis mit abgerundeter, ausgerandeter Spitze, 
oberseits leicht gerinnt, hellgrün, unten beiderseits des vortretenden Längs- 
kiels mit silberweißen Spaltöffnungslinien, 10 — 17 mm lang, 2 mm breit 
(an jungen Pflanzen und üppigen Trieben jedoch weit länger, bis 3^/2 cm, 
und meist sehr üppig); weibliche Blüten violett-rot, sehr zierend. Zapfen 
aufrecht, sitzend, zylindrisch-stumpf, 8 — 9 cm lang, etwa 3 cm breit, reif purpur- 
braun. Zapfenschuppen sehr zahlreich, genagelt, verbreitert-nierenförmig, 
oben abgerundet, seitlich gezähnelt und plötzlich in schmale Ohrlappen über- 
gehend, Bractee unten breit-lineal, oben kreisförmig verbreitert, unregelmäßig 
gezähnt und kurz gespitzt, kaum halb so lang als die Schuppe. Samen ver- 
kehrt-eirund-keilförmig, schwärzlich mit fast gleich langem, vierseitigem Flügel. 

Von der nahestehenden A. firma weicht sie durch die Blätter, durch die 
kleineren Zapfenschuppen und die Bracteen, die nur halb so lang als die 
Schuppen sind, wie durch kleinere, schwärzliche Samen ab. 

Eine schon allgemein beliebte, weit verbreitete, schöne, üppige Tanne, 
die eine^sehr regelmäßige Pyramide bildet und im Wuchs A. Nordmanniana 
ähnelt, sich ganz widerstandsfähig zeigte, schon in sehr stattlichen Exemplaren 

10* 



148 Zweiler Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

bis ZU 13 m Höhe in deutschen Gärten vorhanden ist, ja, unter anderen in 
WörHtz, ebenso in den Baumschulen von Hesse in Weener (Ostfriesland), 
wie an anderen Orten, schon Zapfen brachte, 

Sie dürfte daher als harter, wertvoller Zierbaum sich immer mehr ein- 
bürgern und verdient weiteste Verbreitung und Empfehlung. Das Holz, von 
etwas rötlicherem Ton als das von A. firma, wird nach Mayr in Japan viel 
genutzt, und käme auch* für uns zum forstlichen Anbau in Betracht, jedenfalls 
aber in forstästhetischer Hinsicht wäre diese herrliche Tanne ein wertvoller 
Baum. Es muß besonders betont werden, daß A. homolepis öfter in 
den Gärten mit der ganz abweichenden A. Mariesii, wie auch mit 
A. Veitchii verwechselt wird und zwar sowohl als Pflanze, wie auch als 
Saatgut. 

Knospen harzig; Blätter stumpf ausgerandet; Zapfen groß, 
zylindrisch, vor der Reife dunkelpurpur. 

11. Abies amabilis Fori). (Pin. Wob. p. 125, t. 144 [1839]; Engelm. in Gard. 

Chron. 1880, p. 720f., 136-141; Sargent, Rep. on the For. of North. Amer. 

1884, p. 213). Liebliche Tanne, Purpurtanne. (Fig. 29.) 

Syn. Pinus amabilis Dougl, Comp. Bot. Mag. II, p. 93 (1825). 

„ grandis Lamb., descr. of the gen. pin. 2. ed., III, t. 26 (1837) 

(nicht Dougl.). 
Picea amabilis Loud., Arb. IV, 2342f., 2247—2248 (1838). 
Abies grandis var. densiflora Engelm. in litt. 
White Fir der Amerikaner. 

Im Tal des Fraserflusses und wahrscheinlich weiter nach Norden, 
südlich längs des Kaskadengebirges im Washington-Territorium und Oregon; 
auf dem Silberberge in der Nähe des Fort Hope am Fraserflusse entdeckte 
im Jahre 1880 Dr. Engelmann in Gemeinschaft mit Professor Sargent und 
Dr. Parry diese Tanne in einer Erhebung von 1300 — 1600 m und wenige 
Wochen später bestieg Sargent denselben Berg, gerade südlich von den 
Columbiafällen und fand sie genau an derselben Stelle, wo Douglas diese 
Tanne 55 Jahre früher (1825) entdeckte und auch 1831 schon in Europa 
einführte. 

Nach Engelmann ein prachtvoller Baum, von welchem die größten 
Exemplare an den Ufern der Gebirgsflüsse von 50 bis über 60 m Höhe und 
1,30 m Stammdurchmesser vorkommen, vom Boden an beästet bilden sie 
herrliche Kegel mit dunkelgrüner Belauhung und haben in der Erscheinung 
große Ähnlichkeit mit Abies Nordmanniana. Die Rinde älterer Bäume ist 
4 — 5^/2 cm dick, gefurcht und rotgrau, die jüngerer Bäume, welche weniger 
als 100 Jahre alt sind, ist ganz dünn und glatt, hellgrau oder fast weiß, die 
Äste sind ausgebreitet, die unteren abwärts gebogen und stark verzweigt. Die 
Zweige sind durch die länglich-rhombischen Blattkissen runzelig und mehr 
oder minder dicht dunkel flaumhaarig; Knospen rundlich, glänzend purpur, 
mit Harz überzogen. Blätter dichtgedrängt, zumal die Oberseite der Zweige 
ähnlich wie bei A. Nordmanniana deckend, 25 — 30 mm lang, in der Mitte 
über dem Zweige etwas kürzer, sehr aromatisch, dunkelgrün, glänzend, oben 
gerinnt und ohpe Spaltöffnungen, unten gekielt und mit zwei weißen Spalt- 
öffnungslinien, mit flach gekerbter Spitze an den seitlichen und unfruchtbaren 



II. Klasse. Coniferae. 



149 



Zweigen, an den Leit- und fruchttragenden Zweigen spitz (und nach den 
Spitzen zu auch öfter mit wenigen Spaltöffnungen auf der Oberseite). Harz- 
gänge nahe der Epidermis auf der unteren Seite. MännHche Blüten rot, 




Fig. 29. Abies amabilis Forb. l Zweig mit Zapfen (nat. Gr.) aus den Cascade Mount. (Oregon), ge- 
sammelt von Engelmann; 2 Blatt vom fruchtbaren Zweige; 3 unfruchtbarer Zweig; 4 Blatt vom un- 
fruchtbaren Zweige; 5 Zapfenschuppe mit Bractee; 6 Samen. 



weibliche dunkelpurpur. Zapfen dunkelpurpur (daher Purpurtanne), 11 — 14 cm 
lang, 5^/2 — 7 cm breit, eirund-kegelförmig mit eingedrückter Spitze, Zapfen- 
schuppen kaum breiter als hoch, Bracteen oft über halb so lang als die 
Schuppen, verkehrt-eiförmig, plötzlich zugespitzt, oben tief purpurfarben; 
Samen hell gelbbraun; Samenflügel schief-keilförmig, so lang wie breit 
oder länger. 



150 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Eine in den Gärten echt immer noch seltene, vielfach zumal mit 
Abies magnifica Murr, verwechselte Tanne. Wie auch bei A. subalpina 
erwähnt, begreift Pariatore in D. C. Prod. XVI, 2, p. 426 diese Art neben 
anderen unter Pinus amabilis Dougl. Mc. Nab und andere kalifornische 
Botaniker halten Abies magnifica Murr, für die echte A. amabilis, daher wurden 
und werden von Samensammlern aus Kalifornien immer noch Samen- 
sendungen von A. magnifica als A. amabilis verbreitet, wodurch 
wieder große Begriffsverwirrung entstand und worauf der Praktiker be- 
sonders aufmerksam gemacht werden muß. Um die Verwirrung voll 
zu machen, sind auch A. grandis wie A. concolor mit der Form lasiocarpa 
(A. lasiocarpa hört.) in den Gärten als A. amabilis verbreitet worden. 

Es ist daher um so erfreulicher, daß nunmehr von obigen berühmten 
Botanikern die echte A. amabilis untrüglich festgestellt und wieder aufge- 
funden und auch neuerdings echte Samensendungen in Europa eingeführt 
wurden. 

Während diese herrliche Tanne von der 'ersten Einführung durch 
Douglas nur sehr selten, selbst in England, in Kultur vertreten ist und lange 
Jahre nur eine Vermehrung durch Zweigveredelung oder Ableger möglich 
war, die neben schönen Exemplaren öfter auch kümmerliche, schlecht ge- 
deihende, krüppelige Exemplare lieferten, welche, zumal in für Tannen un- 
günstigen Lagen, langsam zugrunde gingen und daher ohne Grund für 
empfindlich angesehen wurden, sind neuerdings schon kräftige Samenpflanzen 
in Kultur vorhanden, so daß zu hoffen steht, daß A. amabilis, eine der 
schönsten, edelsten, harten Tannen, bald die ausgiebigste Verwendung 
finden wird. 

In manchen Gärten sehen wir recht ansehnliche Exemplare von der- 
selben, die allerdings öfter dem Zufall ihre Einführung verdanken und unter 
den schon genannten falschen Benennungen eingeführt wurden. 

Häufig finden wir auch in Kultur durch Verwechselung unter dem Namen 
A. amabilis Pflanzen von A. nobilis, und zwar meist jugendliche Exemplare, 
deren matt-bläuliche Blätter noch sehr flach vom Zweige abstehen und 
viel kürzere, die Unterseite nach oben drehende Blätter den Zweig ober- 
seits dicht zudecken. Auch die braunroten, abstehenden Knospenschuppen 
ohne Harz bieten ein gutes Unterscheidungsmerkmal. 

12. Abies Webbiana Lindl. (in Penny Cyclop. 7 [1833]). 
Webbs Tanne. (Fig. 30.) 

Syn. Pinus Webbiana Wall, in Lamb. Gen. Pinus III, 77, t. 44 (1832). 

„ spectabilis Lamb., Pin. 2. ed., I, 54, t. 34 (1837). 

„ tinctoria Webb. mscr. 
Picea Webbiana Loud., Arb. IV, 2344 f., 2251—2253 (1838). 
Abies spectabilis Spach., Hist. des veg. phan. XI, p. 422 (1842). 

„ densa Griff, mscr. 

„ Chilrowensis hört. 
Pinus striata Hamilt. mscr. 

Chilrow, raisalla, Gobria, salla. Dun shing im Himalaya genannt. 
Sapin de l'Himalaya der Franzosen. 
Indian Silver Fir der Engländer. 



II. Klasse. Coniferae. 151 

Nach Dr. Brandis (in Forest Flora p. 528) in Nord -Afghanistan und 
Karifistan zwischen 2600 — 3000 m Erhebung. Im Himalaya vom Indus bis 
Bootan ausgedehnte Wälder bildend, im Nordwesten rein oder mit Acer oder 
anderen Laubhölzern gemischt, in hohen Lagen mit Betula Bhojpattra, oft 
gemeinsam mit Picea Morinda und Pinus excelsa, in Panjab bis 1800 m hinab 
und bis 4100 m aufwärts steigend, auf dem Chur ist die niedrigste Grenze 
bei 3100 m. In Jaunsar, Garhwal und Kamaon sind die Grenzen zwischen 
2800 und 4300 m. In den inneren Gebirgsketten von Sikkim und Bootan 
bildet A. Webbiana mit Tsuga Brunoniana und Taxus zusammen mit Eichen, 
großen Rhododendron und kleinen Bambussen die oberste Grenze der Coni- 
feren- Wälder zwischen 3000 und 4300 m. In den äußeren Gebirgsketten steigt 
sie nicht unter 3300 m hinab. 

Im Jahre 1822 in Europa eingeführt. 

Baum von 40 — 50 m Höhe bei 3 — 5 m Stammumfang, ja selbst 6 — 10 m, 
mit dichter, zylindrischer Krone i) und dunkelgrüner Belaubung, so daß Wälder 
im nordwestlichen Himalaya den Namen Schwarzwald erhalten haben. Bei 
nicht zu dichtem Stand bis zum Boden beästet. Äste verhältnismäßig kurz, 
horizontal abstehend, wodurch eine der Cypresse oder italienischen Pappel 
ähnliche Kronenform entsteht. Die Rinde junger Bäume ist sehr dünn und 
silbergrau, die älterer dunkelgrau oder braungrau und rissig. Das Holz ist 
weiß, geruchlos, lockerfaserig und weich, dem Wetter ausgesetzt nicht halt- 
bar. In Bootan wird es als Bauholz verwendet und wird von Sikkim nach 
Tibet eingeführt; es spaltet gut, ist weiß, weich und wird seiner Dauerhaftig- 
keit halber hoch geschätzt. Junge Triebe braun behaart, mit angeschwollenen, 
heraublauf enden Blattkissen, 2) Knospen braunrot-glänzend, mit Harz überzogen. 
Blätter lineal, flach, lederartig und steif, an der Spitze gekerbt oder zwei- 
spitzig, oberseits glänzend-dunkelgrün, gerinnt, unten beiderseits des vor- 
stehenden Mittelnervs mit silberweißen Spaltöffnungslinien, mehr oder minder 
zweizeilig angeordnet, an üppigen Zweigen dicht, zwei- bis vierreihig oder 
rings um die Zweige gestellt, die nach oben stehenden weit kürzer, 3 — 5^/2 cm 
lang. Zapfen aufrecht, fast sitzend, zylindrisch oder eirund, öfter gehäuft, 
stumpf, 12 — 17 cm lang, 4 — 6 cm breit, jung dunkelpurpur, reif braunrot mit 
Harz Überflossen. Die Eingeborenen in Neapel gewinnen aus den jungen 
Zapfen eine schöne violette Farbe. Schuppen dicht dachziegelig, genagelt, 
breit-keilförmig oder verkehrt-eirund, oben abgerundet, ganzrandig. Bracteen 
eingeschlossen, breit-lineal, oben fast kreisrund, ausgerandet und kurz ge- 
spitzt, am Rande gezähnelt-gewimpert, Samen groß, länglich oder ver- 
kehrt-eirund-eckig, mit doppelt so langem, breitem, verkehrt-eirundem, abge- 
stutztem Flügel. 

Abies Webbiana, zu Ehren des Kapitän Webb benannt, ist unstreitig 
eine der herrlichsten Tannen und in Gegenden, wo sie unbeschädigt bleibt, 
darf sie mit ihrer oberseits dunklen, unterseits silberweißen Belaubung wohl 
als die schönste ihres Geschlechts bezeichnet werden. Leider kann sie für 
Deutschlands Klima nur für die mildesten, geschütztesten, den Tannen günstig- 



^) Vergl. die nach der Natur von Dr. Brandis gezeichnete Abbildung in Engl. u. Prantl 
Natürl. Pflf. S. 59. 

^) Auf dieses Merkmal begründete Hickel eine Sektion Pseudopicea. 



152 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten. 




Fig. 30. Abies Webbiana Llndl. Originalzapfen vom Himalaya ; Zapfenscbuppe von außen mit Bractee. 



II. Klasse. Coniferae. 153 

sten Lagen zur Anpflanzung empfohlen werden und bedarf, zumal jung, 
schützender Winterdecke. Auf der Insel Mainau im Bodensee und in ähn- 
lichen Lagen finden wir noch gut entwickelte Exemplare. Da sie im Früh- 
jahr sehr zeitig treibt, wird sie auch in sonst milden Lagen meist von Spät- 
frösten beschädigt, erreicht daher kaum je die gerühmte Schönheit; selbst in 
Paris und dem für Coniferen so günstigen England leidet sie noch von den 
angegebenen Übelständen, während wir sonst dort unter günstigen Bedingungen 
Prachtexemplare finden, welche als jüngere Bäume einen breit-pyramidalen 
Wuchs und vom Boden an eine reiche Bezweigung zeigen. 

Dr. Brandis unterscheidet in seiner Forest Flora die sehr nahe ver- 
wandte Abies Pindrow, welche viele Autoren als Art beschreiben, nur als 
Form und gibt an, daß Abies Webbiana auf ausgesetzten Felsengraten in 
höheren Erhebungen als kleinerer Baum mit kürzeren, weniger zweispitzigen 
Blättern und meistens dickeren und kürzeren Zapfen vorkomme, während 
A. Pindrow auf besserem Boden und an geschützteren Plätzen ein größerer 
Baum mit längeren Blättern und meist zylindrischen Zapfen werde. 

Neuerdings hat auch Brandis sich für Trennung der doch recht gut 
unterschiedenen beiden Arten entschieden. 

Interessant ist, daß Carriere in Conif. 2. ed., p. 301 (1867) schon 
gleichsam eine Zwischenform zwischen beiden anführt, die aber Abies 
Webbiana näher steht, nämlich: 

Abies Webbiana affinis hört. 
Eine Form, die in allen ihren Charakteren der Art ziemlich ähnlich ist, 
aber sich gleich durch die unterseits kaum blaugrünen, nicht silberweißen 
Blätter unterscheidet. 

13. Abies Pindrow Spach. (Hist. veg. phan. XI, 423 [1842]). 
Pindrow- oder Pindrautanne. 

Syn. Taxus Lambertiana Wall., Cat. No. 6056 (1828). 

Picea Pindrow Loud., Arb. IV, 2346 f., 2254—2255 (1838). 
Pinus Pindrow Royle, Himalaya p. 354, t. 86 (1839). 
Picea Herbertiana Madd 
Pinus Naphta hört. Ant., Conif. p. 80 (1844). 
Picea Naphta Knight. ex Gord., Pin. 157 (1858). 
Abies Webbiana var. Pindrow Brandis, Forest Flora N.-W.-India 528. 
Pindrau, pindrai, Raho, row im Himalaya genannt. 
Im westlichen Himalaya, entweder in geschlossenen Waldungen oder 
mit Cedern und Fichten gemischt. 

Im Jahre 1837 durch Royle in Europa eingeführt. 

Eine herrliche Tanne, die auf günstigeren Standorten etwa 40 m hohe 
Bäume liefert, bei denen auch die spitz-kegelförmige bis zylindrische Gestalt 
besonders in die Augen fällt. Rinde dunkelgrau. Äste überhängend mit zwei- 
zeiHger Bezweigung, junge Triebe hellgelb, glatt, Knospen lang-kegelförmig, 
rotbraun, mit Harz überzogen. Die Blätter werden bis 8 cm lang, sind meist 
zweispitzig, oberseits glänzend dunkelgrün, unterseits hellgrün, nicht silber- 
weiß wie bei Webbiana, an üppigen Trieben mehrreihig; die untersten Blätter 
sind die längsten und stehen weit ab, kürzere Blätter decken oben den Zweig 



154 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

ganz zu. Männliche Blüten zylindrisch groß. Die Zapfen bis 18 cm lang, 
5^/2 cm breit, zylindrisch; sie zeigen die gleiche violette oder violett-braune 
Färbung wie bei Webbiana. 

Im übrigen gilt, was die Kultur anlangt, alles bei A. Webbiana Gesagte; 
so empfindlich wie diese, finden wir sie selten unbeschädigt, leider meist als 
dahinsiechende Krüppel. 

Unter günstigen Bedingungen, z. B. auf der Insel Mainau gedeiht sie 
noch, in Friedrichshafen am Bodensee im Württemberger Schloßpark steht 
ein Baum von 12 m Höhe, 0,45 m stark. Prof. Mayr erzog durch Wipfel- 
knospenveredelung bei 2^/2 m Höhe auf A. pectinata im Schutz anderer Tannen 
mehrere Pflanzen, welche sich in Grafrath bei München zu kräftigen Exem- 
plaren entwickelten, weil sie der größten Frostgefahr am Boden entrückt waren. 

Carriere glaubt sie kaum noch als Freiland- Conifere für Paris empfehlen 
zu dürfen, ebenso empfiehlt sie Veitch nicht zur allgemeinen Anpflanzung in 
England. Im südwestlichen England, in Schottland und Irland finden sich 
herrliche Exemplare. 

Knospen harzig; Bläffer sfumpf; Zapfen miffelgroß, vor der Reife 
blaßgrün oder purpur. 

14. Abies concolor Liudl. et Gord. (Journ. Hort. Soc. Lond. 1850, V, p. 210). 
Gleichfarbige Tanne. (Fig. 31 u. 32.) 

Syn. Pinus concolor Engelm. ex Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 426 (1868). 
Picea concolor Gord., Pin. 2. ed., p. 216 (1875). 
Abies grandis der kalifornischen Botaniker. 
White Fir (Weißtanne) der Kalifornier. 

Durch alle kalifornischen Gebirge in einer Erhebung von 1000 oder 
1300 — 2700 m eine gemeine Tanne, welche sich in Süd-Oregon hinein und 
durch die Gebirge von Arizona bis Utah und Süd-Kolorado ausbreitet. 

Im Jahre 1851 von Lobb in Europa eingeführt. 

Nach Engelmann ein Baum von 25 — 50 m Höhe und einem Stamm- 
durchmesser von 0,70 — ^1,30 m. Dr. Mayr maß einen Baum von 75 m bei 
1,28 m Durchmesser, mit hellgrauer, rauher Rinde. Äste quirlständig, hori- 
zontal ausgebreitet, junge Triebe glatt, gelblich, Knospen rundlich, mit Harz 
überzogen. Blätter meist stumpf, beiderseits matt, blaßgrün oder 
bläulich und mit Spaltöffnungen, steif lederartig, diejenigen jüngerer 
Bäume und unterer Äste länger, 5 — 7 und selbst 8 cm lang, zweizeilig oder 
unregelmäßig mehrreihig, oft aufwärts gebogen, öfter rinnenförmig und ein- 
gekerbt; die älterer Bäume und der oberen zapfentragenden Äste kürzer, 3 cm 
lang, breiter, dicker, oben konvex und oft sichelförmig und die obere Seite 
der Zweige bedeckend. Männliche Blüten dunkel- oder rosenrot. Zapfen 
länglich-zylindrisch, 8 — 11, ja selbst 14 cm lang, 3^/.2 — 5 cm breit, blaßgrün 
oder zuweilen trüb purpurfarben, Zapfenschuppen, wenigstens am jungen 
Zapfen, kurz flaumhaarig, aus keilförmigem Grunde, breit-fächerförmig, fast 
doppelt breiter als hoch, oben ganzrandig, an den Seiten gezähnelt, Bracteen 
^/g so lang als die Schuppe, aus keilförmigem Grunde fast viereckig, an den 
Rändern gezähnelt, mit oder ohne kurze Spitze. Samen verkehrt-eirund, keil- 
förmig-eckig, Samenflügel schief, so lang als breit. 



II. Klasse. Coniferae. 



155 




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Fig. 31. Abies concolor Lindl. aus den Baumschulen von L. Späth in Berlin, junger Baum. 



156 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Diese Art ist leicht erkennbar durch die graue Rinde des Stammes, 
weshalb sie in Kalifornien oft Weißtanne (White fir) genannt wird, und durch 
die blaße Farbe der Belaubung, welche zuletzt in ein mattes Grün übergeht. 

Ein sehr ornamentaler Baum, vorzüglich die blassere Form, 
das Holz wird nicht hoch geschätzt, ist aber nach Dr. Mayr nicht schlechter 
als das von A. grandis. Es wird gelegenthch in Nord-Kalifornien zu Pack- 
kisten und Butterfässern verarbeitet. 

Diese schöne charakteristische, von anderen abweichende Tanne ist 
anfangs vielfach als Abies grandis von Kalifornien aus verbreitet worden. 




Fig. 



Abies concolor Lindl. l Zapfen; 2 Zweig; 3 Schuppe mit Bractee; 4 Schuppe von der Seite; 

5 Samen. 



welcher sie allerdings sehr nahe steht, sich aber schon an kleineren Kultur- 
exemplaren sofort durch weniger regelmäßig zweizeilig gestellte, matte, beider- 
seits gleichfarbige Blätter unterscheidet, während die kammförmig gestellten 
bei A. grandis oberseits glänzend grün sind. Ebenso auch wurde sie mit der 
folgenden Form (lasiocarpa) zusammengeworfen, von welcher sie jedoch im 
Wuchs, in dekorativer Hinsicht, wie durch größere Widerstandsfähigkeit 
gegen unsere klimatischen Verhältnisse, außer den angegebenen Merkmalen 
abweicht. 

Jedenfalls ist es eine harte, äußerst dekorative, in betreff des Bodens 
wenig wählerische Tanne, die noch Höhenlagen und Trockenheit erträgt und 
welche auch in Deutschland schon in prächtigen Exemplaren vertreten ist, 
z. B. in Wilhelmshöhe bei Kassel über 12 m hoch, dann auf der Insel Scharfen- 



II. Klasse. Coniferae. 157 

berg bei Berlin ein 10 m hoher Baum und ein etwa gleich hoher Baum in 
Gadow bei Lanz, Besitzung des Herrn Grafen Wilamowitz, welch letzterer 
Baum schon Zapfen trug und zwar genau, wie sie Engelmann beschreibt 
und trüb purpurfarben, während in der Gestalt wenig abweichende, auch da- 
selbst an einem noch höheren Baume von A. concolor var. lasiocarpa erwachsene, 
etwas kürzere, weniger zylindrische Zapfen eine blaßgrüne Färbung aufweisen; 
beider Zapfen, obgleich noch nicht ausgereift, beweisen unzweifelhaft, daß die 
Bäume nur Formen einer Art darstellen. 

Bäume von 25 Jahren erreichten eine Höhe von 10 m und auf günstigen 
Standorten überholte A. concolor sogar die Fichte. Ihrer Raschwüchsigkeit 
und Unempfindlichkeit halber ist sie daher auch mit Recht zum forstlichen 
Anbau empfohlen, und selbst wenn das Holz auch unserer Tanne gegenüber 
keine Vorteile bietet, so ist sie doch in forstästhetischer Hinsicht eine herr- 
liche Errungenschaft auch für unsere Wälder. 

Neben der normalen A. concolor bietet zumal die herrliche blau weiße 
Form (var. violacea), welche schon Engelmann als die blasse Form vom 
natürlichen Standort anführt und Purpus in Prachtexemplaren fand und von 
ihnen Saatgut einführte, einen auserlesenen Schmuck für unsere Gärten. 

Abies concolor var. lasiocarpa Engelm. und Sarg. (Fig. 33.) 

Die Bezeichnung lasiocarpa (rauhfrüchtig) bezieht sich auf die, auch bei 

A. concolor kurz flaumhaarigen Zapfenschuppen. 

Syn. Abies lasiocarpa Lindl. et Gord., Journ. Hort. Soc. V, p. 210 (1850) 
(nicht Nutt. und Hook.). 
Picea lasiocarpa hört, (nicht Nutt. und Hook.). 
„ Parsonsiana Barron Cat., 1859. 
„ Lowiana Gord., Pin. Suppl. 1862, p. 75. 
Abies Parsonsiana hört. 

„ Lowiana Murr, in Proc. R. Hort. Soc. III, cum ic. (1863). 
„ Lowiana Mc. Nab. in Gard. Chron. 1876, V, p. 78. 
Pinus Lowiana Mc. Nab. Proc. Irish. Acad. 2. ser., II, p. 620, t. 46, 

Fig. 5. 
Abies grandis var. Lowiana Mast., Contrib. to the bist, of cert. 

conif. p. 175. 
Abies concolor var. Lowiana Lemmon West., Amer. Cone Bearers 64 

(1895). 
Abies amabilis bort, (nicht Forb. u. a.). 
„ californica vera hört. 
Sie wurde gemeinsam mit der Art im Jahre 1851 in Europa eingeführt. 
Dies ist nach Sargent die Form der Sierra Nevada Kaliforniens 
(Engelmann nennt sie einen üppigen Jugendzustand der Art: A. concolor). 
Sie ist unterschieden durch einen etwas steiferen Wuchs, durch mehr 
regelmäßig quirlständige, nach oben rascher an Länge abnehmende Äste, 
so daß sie besonders regelmäßige spitze Pyramiden bildet, durch längere, 
flachere Blätter mit weniger Spaltöffnungen an der Oberseite, sie sind lineal, 
stumpf-gespitzt, ziemlich regelmäßig zweizeilig, meist zweireihig, horizontal 
ausgebreitet und oft auch nach oben gekrümmt (wodurch sie leicht von der 



1 F\ö Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 



durch regelmäßig kamm- 
f örmig-zweizeilige Blatt- 
stellung ausgezeichnete 
A. grandis unterschie- 
den wird) oberseits matt 
hell- oder bläulich-grün, 
unterseits mit mehr oder 
minder deutlichen weiß- 
lichen Spaltöffnungs- 
linien. 

Wie die zahlreichen 
Synonyme beweisen, ist 
diese Form vielfach ver- 
wechselt und als beson- 
dere Art beschrieben 
worden, von kaliforni- 
schen Samenhändlern 
wird sie auch als Abies 
grandis bezeichnet. Vor 
allem darf sie nicht mit 
A. lasiocarpa Nutt. und 
Hook., die gleich A. sub- 
alpina Engelm. ist, ver- 
wechselt werden. Mas- 
ters hat sie 1. c. als 
Form zu A. grandis ge- 
stellt, während Engel- 
mann und Sargent sie 
nach eingehenden Stu- 
dien der Bäume an ihren 
natürlichen Standorten 
als die Sierra Nevada- 
form von A. concolor 
erkannt haben. 

Mayr in fremdländ. 
Wald- und Parkbäume 
1906, p. 247 faßte sie als 
besondere Art auf, be- 
geht aber den Irrtum, in 
der Annahme, daß Sar- 
gent das Gleiche tue, 
Abies lasiocarpa Nuti == 
A. subalpina Engelm. mit 
A. Lowiana Mc. Nab., 
also zwei ganz verschie- 
dene Tannenzusammen- 
zuwerf an, während Sargent in seinen neueren Werken die A. concolor lasiocarpa 
gar nicht erwähnt, ihr also nicht einmal den Platz einer Standortsform einräumt. 




Fig. 33. 



Abies concolor var. lasiocarpa Engelm. auf der Insel 
Scharfenberg. 



IL Klasse. Coniferae. 159 

Den genannten Autoren folgend halten wir denn diese schöne Tanne 
als eine auch in unseren Kulturen sehr charakteristische, dekorativ 
verschiedene Form fest. Im übrigen stimmen die meisten Autoren darin 
überein, daß Abies grandis der A. concolor mit ihrer Form lasiocarpa sehr 
nahe steht, daß aber jede einen ziemlich scharf abgegrenzten Verbreitungs 
bezirk innehält und auch vermischt miteinander ihre Eigentümlichkeiten be- 
wahrt, die Bäume daher am richtigsten wie angegeben zu unterscheiden sind. 

In Deutschland hat sich var. lasiocarpa in rauhen und für Tannen 
weniger günstigen Lagen und hier und da in harten Wintern weniger wider- 
standsfähig als die Art Abies concolor gezeigt, jedoch finden wir in günstigen 
Lagen, vielleicht auch je nach Herkunft des Saatgutes, von dieser schönen, 
üppig wachsenden Tanne wahre Prachtexemplare, z. B. dürfte ein solches 
von etwa 19 m Höhe auf der Insel Scharfenberg im Tegeler See bei Berlin, 
Herrn Dr. Bolle gehörig, und ein gleich hoher Baum in Gadow bei Lanz, 
der, wie erwähnt, schon Zapfen brachte, was Größe und Schönheit der Ent- 
wicklung anlangt, ihresgleichen suchen. — Im Garten der Forstakademie 
Hann. Münden, von Zabel gepflanzt, zeigt sich ein Prachtexemplar allen 
gleichzeitig gepflanzten Coniferen gegenüber vorwüchsig und hat nie vom 
Frost gelitten. Ähnliche herrliche Bäume davon stehen im Park zu Wörlitz 
in Anhalt. Schon allgemein beliebt und in allen Größen vorhanden, darf 
dieselbe nirgends fehlen, wo es sich darum handelt, schöne und seltene 
Coniferen anzupflanzen. 

Interessant sind Aussaaten von Abies concolor, die große Wandel- 
barkeit in den Sämlingen zeigen und zugleich beweisen, daß A. concolor und 
var. lasiocarpa zweifellos zueinander gehören und gleichsam Übergänge von 
einer zur anderen vorkommen. 

Herr Graf Wilamowitz-Möllendorf ließ zum Zweck forstlicher Anbau- 
versuche aus Erfurt Samen von Abies grandis kommen; 1883 ausgesäet, wurden 
1885 etwa 100 Pflanzen aus kleinen Töpfen in Gadow ins Freie ausgepflanzt, 
die Pflanzen stellten sich jed*och als A. concolor heraus (welche ja, 
wie schon erwähnt, von kalifornischen Händlern oft unter dem Namen A. 
grandis verkauft wird). Die Pflanzen, etwa 1 m hoch (1890), haben wesent- 
liche Wandelungen in der Form gezeigt. Von unverkennbaren A. concolor 
gingen 1887 einzelne Pflanzen in die Form lasiocarpa über, 1888 war je die 
Hälfte A. concolor resp. var. lasiocarpa, 1889 zeigten sich noch etwa 6 Stück 
als A. concolor, alle anderen als var. lasiocarpa, 1890 ist das Bild wieder 
anders, man kann etwa je 6 Stück von jeder Form feststellen, der größere 
Teil ist charakterlos und kann noch beides werden, die Schwankungen sind 
somit noch keineswegs abgeschlossen. Ein öfteres Verschulen und Abstechen 
der Ballen scheint auf die Schwankungen nicht ohne Einfluß gewesen zu sein, 
was zuletzt im Herbst 1889 vorgenommen wurde. Es bleibt somit eine weitere 
Entwickelung abzuwarten, die Beurteilung erfolgte nach Färbung und Blatt- 
entwickelung der jungen Pflanzen. 

Auch Herr v. St. Paul erhielt aus Samen, angeblich von Abies grandis, 
erst nach 7—8 Jahren deutlich charakterisierte Pflanzen von A. concolor und 
var. lasiocarpa. 

Einen prächtigen Beleg für die Wandelbarkeit der beiden Formen 
fand ich in einer schönen Doppelallee in der Baumschule der Herren Barbier 



IQQ Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

et fils in Beuvronne bei Orleans, wo etwa 10 m hohe, tadellose Exemplare, 
mehr oder minder blau in der Färbung, auch in Wuchs und Blättern unver 
kennbare Übergangsformen zeigten (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 107). 
Herr Hesse in Weener (Ostfriesland) wiederum erhielt bei Aussaaten 
von Abies concolor und A. lasiocarpa von beiden ganz charakteristische 
Pflanzen und besitzt von ein und derselben Aussaat von A. lasiocarpa 
200, jetzt etwa 2 m hohe Pflanzen, die sich alle ganz gleich und unverändert 
erhalten. 

Abies concolor var. lasiocarpa pendula hört. 

Eine Form mit stark herabhängenden Ästen, die bei einer Aussaat 
gefunden wurde und sehr auffallend ist. 

Abies concolor var. lasiocarpa variegata hört. 

Eine in den fürstlich Lobkowitzschen Baumschulen in Eisenberg 
(Böhmen) gewonnene Form, deren Blätter oberseits prächtig bläulich-grau- 
bunt erscheinen. 

In der Färbung abweichend. 
Abies concolor violacea hört. 

Syn. Picea concolor violacea Roezl., Card. Chron. XII, 1879, p. 684. 

Eine, wie schon ausgeführt, auf dem natürlichen Standort aufgefundene 
und hier und da bei Aussaaten gewonnene herrliche weißblaue Form^ 
welche in dekorativer Beziehung durch ihre auffallende Färbung als die 
schönste, den größten Kontrast in der Landschaft hervorbringende 
Tanne bezeichnet werden muß und darin, neben der prächtigen Picea pungens 
var. argentea, fast einzig dasteht. Sie ist doppelt wertvoll, da sie wie die Art 
ganz hart ist und wäre nur zu wünschen, daß bei Aussaaten recht oft diese 
auffallende Form gefunden werden möchte, damit sie immer mehr verbreitet 
werde. Wir finden schon Prachtexemplare in deutschen Gärten, die auch 
schon keimfähige Samen lieferten. Außer durch Veredelung hat man diese 
schöne Form auch mit Glück durch Stecklinge unter Glas vermehrt. 

Abies concolor violacea compacta hört. 

Eine bei Aussaaten gewonnene, besonders gedrungene, rundlich- 
pyramidale Form von großer Schönheit und gleich auffallender Färbung wie 
die vorige. 

Abies concolor violacea fastigiata. 

Syn. Abies concolor violacea (glauca) compacta pyramidalis bort. 
„ „ „ erecta hört, und erecta glauca hört. 

Eine prächtige blaue Säulenform, mit im spitzen Winkel aufstrebenden 
Ästen und kurzen Zweigen, eine auffällige Erscheinung, als eigentümlicher 
Sämling bei Aussaaten gewonnen. Ich fand schöne Exemplare bei Simon 
Louis freres in Plantieres bei Metz und bei Weiße-Kamenz i. S. 

Abies concolor argentea Niemetz (Mitt d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 58). 

Herr Niemetz in Temesvär (Ungarn), welcher bei Aussaaten von Abies 
concolor abweichende Sämlinge, wie klein- und großblättrige, dünn- und breit- 
blättrige, ebenso alle Abstufungen in der Färbung erhielt, fand auch eine 



II. Klasse. Coniferae. IQl 

ganz silberweiße Form, welche an Schönheit der Picea pungens argentea 
gleichkommt. Die Mutterpflanze hat sich sehr schön entwickelt. 

Abies concolor Wattezii (in Het. Nederl. Tuinbouwblad 1900, p. 421 
und Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1901, p. 80 und 1903, p. 58). 
Eine ganz eigenartige, von D. Wattez in Bussum (Holland) aus einem 
Sportzweige an Abies concolor aufgefundene und durch Veredelung fort- 
gepflanzte Form. Die Pflanze treibt matt-gelblich aus, erhält sich länger 
in dieser Färbung und geht nach und nach in Silberweiß über. Das einzelne 
Blatt zeigt auf den Oberseiten eine matt-silberne Verfärbung, unterseits tritt 
ein grüner Kiel zwischen den Spaltöffnungsreihen hervor. Es darf dies wohl 
als das stärkste Stadium des Verblassens der Blätter aufgefaßt werden. Die 
Originalpflanze hat im Winter 1901 in ihrer zarten Färbung an den Blättern 
gelitten, dürfte sich daher für geschützte Standorte empfehlen, bietet aber hier 
eine ganz eigenartige, auffällige Erscheinung, die trotz ihrer Zartheit nicht 
vom Sonnenbrand litt. 

Abies concolor aurea (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p. 144). 

Eine von Ansorge-Kl.-Flottbek in Kultur gewonnene schöne robuste 
Form, welche im Mai im jungen Triebe ganz goldgelb gefärbt ist 
und dann allmählich in eine silbergraue Färbung übergeht. Eine ganz außer- 
gewöhnliche, reizende Erscheinung, als Schaustück frei auf Rasen gestellt. 

Im Wuchs abweichend. 
Abies concolor pendula Simon Louis (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1896, p. 64). 
Eine von Simon Louis Freres in Plantieres bei Metz in Kultur ge- 
wonnene schöne Trauerform, mit am Stamme stark abwärts hängenden 
Ästen, so daß eine auffallende schmale, säulenförmig aufstrebende Form ge- 
bildet wird, die sich ganz freigestellt gut ausnimmt. 

Abies concolor fastigiata hört. (Rev. hortic. 1889, p. 428). 
Eine durch aufstrebende Äste und kurze Bezweigung auffallende, schöne 
und dekorative Säulenform, nicht der blauen, sondern der normalen Abies 
concolor zugehörig. 

Abies concolor globosa Niemetz (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1905, p. 212). 
Eine von Niemetz in Temesvär in Kultur gewonnene runde Form, mit 
gleichmäßig kurzer Bezweigung, die eine Kugel von 70 cm Durchmesser bildet, 
auch wie vorstehende der normalen concolor zugehörig. 

In den Blättern abweichend. 
Abies concolor recurva (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1904, p. 135). 
Eine von Grootendorst in Boskoop gewonnene eigentümliche Form, 
deren Blätter an den jungen Zweigen alle rückwärts dem Zweige zu ge- 
bogen sind, die Blätter der älteren Zweige sind 35 mm lang, an den jüngsten 
Zweigen sind die untersten 30 mm lang und werden nach den Spitzen zu 
immer kürzer, bis 10 mm, an den Knospen sind sie nur 5 mm lang. Alle 
Blätter sind ausnahmslos scharf gespitzt und auffallend blau gefärbt. 
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 11 



162 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Abies concolor falcata Niemetz (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1905, p. 212). 
Eine von Niemetz in Temesvär gewonnene eigenartige Form, deren 
Blätter sämtlich sichelförmig aufwärts gekrümmt sind und der Pflanze 
ein sehr auffälliges Ansehen geben. 

Abies concolor brevifolia (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p. 144). 
Eine von Ansorge-Kl. Flottbek als eigentümlicher Sämling aufgefundene 
stattliche, üppige Form, mit kurzen^ derben, stumpfen, aber doppelt so 
breiten Blättern wie bei der Art; eine abweichende, absonderliche Erscheinung. 

15. Abies grandis Lindl. (in Penny Cyclop. I, p. 30 [1833]; Engelm. in Bot. 

Calif. II, p. 118). Große kalifornische Tanne, große Küstentanne, 

Tanne von Vancouver. (Fig. 34 u. 35.) 

Syn. Pinus grandis Dougl. in Bot. Mag. Comp. II, p. 147 (1836). 
Picea grandis Loud. Arb. IV, 2344 f., 2245—2246 (1838). 
Abies Gordoniana Carr Conif. 2. ed., p. 298 (1867). 

„ grandis de Vancouver Bridg. 

„ species Vancouver hört. 

„ amabilis Murr., nicht anderer Autoren. 

„ oregona hört. 
White fir (Weißtanne) der Kalifornier. 

Vorzugsweise auf die nördliche pazifische Küste beschränkt, von der 
Insel Vancouver (hier die einzige Tanne) und von Britisch-Kolumbien bis 
Nord-Kalifornien, südlich bis Mendocino verbreitet, in den inneren Tälern 
des westlichen Washington-Territoriums, in Oregon, im Kaskaden-Gebirge 
unter 130 m Erhebung und auf der westlichen Abdachung des Felsengebirges. 

Im Jahre 1831 von David Douglas in Europa eingeführt. 

Nach Engelmann wahrscheinlich die größte bekannte Tanne, sie ist in 
Oregon ein wichtiger Bauholzbaum, obgleich sein Holz geringer als das der 
Douglastanne und der Sitkafichte ist. 

Baum von 30, 60 bis über 90 m Höhe und 1 — 1,30 m Stammdurchmesser 
mit glatter bräunlicher Rinde, eine schöne längliche Pyramide mit schlanken 
Ästen bildend. Junge Triebe erst gelbgrün, fein weichhaarig, dann glatt und 
gelbbraun, Knospen violett, länglich-eirund, von Harz überzogen, glänzend. 
Blätter flach, lineal, gerade, oben rinnenförmig und glänzend dunkelgrün, 
unterseits mit zwei blassen oder weißen Spaltöffnungslinien, an der Spitze 
gekerbt oder stumpf, 3 — 5^/2 cm lang, an älteren Zweigen zweireihig kamm- 
förmig, an jüngeren, üppigen Zweigen doppelreihig, dann die oberen kürzer, 
an den höheren Ästen kürzer, etwas gekielt und gedrängt an deren oberer 
Seite stehend. Männliche Blüten zylindrisch, hellgelb, öfter purpur angehaucht, 
weibliche Blüten hellgelbgrün. Zapfen zylindrisch, an der Spitze eingedrückt, 
10 cm lang, 4 cm breit, grünlich-braun. Zapfenschuppen 3 cm breit, fast 
doppelt breiter als hoch, aus keilförmigem Grunde halbmondförmig, oben ganz- 
randig, Bractee sehr klein, in der Größe sehr wechselnd, meist ^/g so lang als 
die Schuppe, verkehrt-herzförmig oder zweilappig, am Rande gezähnelt, kürzer 
oder länger gespitzt, Samen hellbraun, keilförmig-eckig, Flügel sehr schief, 
keilförmig, fast so breit als lang, blaß, glänzend. 



II. Klasse. Coniferae. 



163 




Fig. 34. Abies grandis Lindl. aus dem Forstgarten zu Chorin in der Uckermark. 



11 



1Q4: Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arlen. 

Wie schon bei den letzten Arten angegeben, sind unter dem Namen 
Abies grandis die verschiedensten Tannen eingeführt und zumal die vor- 
stehenden verwandten Arten von manchen Autoren mit ihr vereinigt worden. 
Carriere in Conif. 2. ed., p. 297 faßt unter seiner A. grandis (nicht Lindl.) 
A. concolor mit var. lasiocarpa zusammen, während er unter seiner A. Gordo- 
niana p. 298 die echte A. grandis Lindl. beschreibt. 




Fig. Sb. Abies grandis Lindl. l Originalzapfen von Oregon mit Zweigstück und Blättern; 2 Blatt 
(Oberseite); 3 Blatt (Unterseite); 4 unfruchtbarer Zweig von einem Kulturexemplar. 

Dieselbe ist von den vorstehenden Arten durchaus verschieden, auch 
in dekorativer Beziehung, und sofort durch die glänzenden, kammförmig 
gestellten Blätter zu erkennen. In deutschen Gärten hat sie sich meist 
ganz hart gezeigt und ist schon in schönen, bis 20 m hohen Exemplaren ver- 
treten, die freigestellt bis zum Boden mit schlanker, leichter Bezweigung einen 
stolzen Eindruck machen und z. B. in Wiesenburg in der Mark, auch an anderen 
Orten, schon keimfähige Samen brachten. In günstigen Lagen bei genügender 
Bodenfeuchtigkeit ist sie schnellwüchsig, verdient als Zierbaum die weiteste 
Verbreitung und sollte auchzuforstlichen Anbauversuchen herangezogen werden. 



II. Klasse. Coniferae. Iß5 

Abies grandis aurea Hesse. 

Eine in den Baumschulen von Hesse in Weener (Ostfriesland) in Kultur 
gewonnene Form von goldgelber Färbung. 

Abies grandis compacta Hesse. 
Eine gleich voriger von Hesse in Kultur gewonnene Zwergform, mit 
nur halb so langen glänzenden Blättern als die der Art, welche im Bau Ähn- 
lichkeit mit Abies balsamea hudsonica zeigt. 

Abies grandis pendula Späth (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1896, p. 28). 
Eine von Späth-Berlin in Kultur gewonnene Trauerform, mit stark 
abwärtshängenden Ästen, welche 1896 bereits 2 m hoch war und ihren 
Charakter ganz beständig bewahrt. 

Knospen eirund, kastanienbraun; Blätter vierkantig, stumpf bis scharf gespitzt; 
Zapfen sehr groß, dick, purpurrot; Bracteen eingeschlossen. 

16. Abies magniflca Murr. (Proc. Hort. Soc. Lond. III, 1863, p. 318, 42—50). 
Prächtige Tanne. (Fig. 36.) 
Syn. Abies amabilis der kalifornischen Botaniker. 

„ campylocarpa Murr, in Trans. Bot. Soc. Edinb. VI, p. 370. 
„ nobilis robusta Carr., Conif. 2. ed., p. 269 (1867). 
Picea amabilis Lobb. 

Pinus amabilis Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 426 (zum Teil) (1868). 
Abies nobilis var. magnifica Mast, et Linn. , Soc. Journ. Botan. 

XXII. Contrib., p. 189 (1886). 
Pseudotsuga magnifica Mc. Nab. in Proc. R. Irish. Acad. ser. 2, II, 

p. 700, t. 49 f., 30 u. 30 a. 
Picea magnifica Gord., Pin. 2. ed., 219 (1875). 
Red fir der Amerikaner. 

In Kalifornien im Shastagebirge in einer Erhebung von 1500 — 2500 m 
große Wälder bildend und sich durch das Kaskaden-Gebirge bis zum Kolumbia- 
Flusse verbreitend, in allen höheren Sierras bis zu 3300 m Erhebung weit 
verbreitet und „Rottanne (Red fir)" genannt. Das hellrotbraune Holz ist ge- 
schätzt und soll besser als das anderer Tannen sein. 

Im Jahre 1851 in Europa durch Jeffrey eingeführt. 

Schöner Baum von über 60 m Höhe und 2 — 3 m Stammdurchmesser, 
Stamm mit dicker, rotbrauner Rinde bekleidet, schlank-kegelförmig, mit dicht 
quirlständigen, steifen, horizontalen, verhältnismäßig kurzen Ästen besetzt. 
Zweige zweizeilig steif, junge Triebe bräunlich, weichhaarig, Knospen eirund, 
kastanienbraun, Blätter steif, dick, beiderseits gekielt, viereckig (daher im 
Durchschnitt schräg quadratisch und das beste Unterscheidungsmerkmal bei 
jungen Pflanzen Abies nobilis gegenüber), meist sichelförmig gebogen nach 
der Spitze des Zweiges zu, stumpf gespitzt, blaugrün, sehr verschieden in 
Länge, 15 — 35 cm lang, an älteren und fruchttragenden Ästen kürzer und 
dicker, sehr dicht gestellt, die Oberseite der Zweige ganz deckend. Männliche 
Blüten dunkelpurpur, weibliche mit hellgrünen, rotgespitzten Bracteen. Zapfen 
15 — 22 cm lang, 7 — 9 cm breit, zylindrisch-abgestumpft, rötlich-braun. Zapfen- 



266 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 




Fig. 36. Ablas magniflca Murr. 1 Zweig mit Originalzapfen; 2 unfruchtbarer Zweig; 3 Blatt vom 
Frucbtzweig; 4 Blatt vom unfruchtbaren Zweig; 5 Blattquerschnitt (vergr.); 6 Zapfenschuppe von außen 

mit Bractee; 7 Samen. 



II. Klasse. Coniferae. 167 

schuppen sehr dichtstehend, lang gestielt, verkehrt-eirund, oben sehr breit, 
ganzrandig, Bracteen aus lanzettförmigem Grunde oval, gezähnelt und gespitzt, 
3/4 so lang als die Schuppen (also völlig eingeschlossen). Samen dunkel- 
rotbraun, schlank, der glänzende, rosenrote Flügel breiter, sehr schief, ver- 
kehrt-eiförmig-keilförmig. 

Abies magnifica var. shastensis Lemmon (Nordwest-Amerika, 
Conebearers 62 [1895]). 

Syn. Abies nobiHs robusta Mast, in Gard. Chron. XXIV (1885), p. 652 
(nicht Carriere). 
„ shastensis Lemm. in Gard. and Forest X, 184 (1897). 
„ magnifica var. xanthocarpa Mast., Kew. Handlist, Gard. 
Chron. 1907, p. 114, 115, mit Abbild. 

Nach Engelmann in Gard. Chron. 1882, XVII, p. 145, welchem Sargent 
in Gard. Chron. 2. Januar 1886 zustimmt, kommt im Shasta-Gebirge in Kali- 
fornien in Süd-Oregon und der südlichen Sierra-Nevada eine Form vor, an 
deren Zapfen die Bracteen öfter (aber nicht immer) herausragen und dann 
wagerecht abstehend, mehr oder weniger über die Schuppen zurück- 
gekrümmt sind, sie werden dadurch den Zapfen von Abies nobilis ähnHch, 
aber die viereckigen, etwas dünneren Blätter lassen keinen Zweifel, 
daß es sich hier nur um eine Form der A. magnifica handelt und geben 
wieder einen Beweis, wie wandelbar die Länge der Bracteen bei der gleichen 
Art auftreten kann. Es ist ein kleinerer Baum, die Zapfen sind kürzer, mehr 
elliptisch (nicht zylindrisch), purpurrot, auf denen sich die leuchtend gold- 
braunen, rundlichen, in eine lange Grannenspitze auslaufenden Bracteen, die 
öfter über die halbe Schuppe zurückgeschlagen sind, prächtig abheben. — 
Masters in Linn. Soc. Journ. Botany XXII. Contrib., p. 189 mit Abbild, hat 
hingegen obige Form mit hervorragenden Bracteen veranlasst, A. magnifica 
als Form zu A. nobilis zu stellen, jedoch der Umstand, daß in betreff der 
Blätter sich A. magnifica bei beiderlei Zapfenbildung stets gleichbleibt, ferner 
daß A. nobilis bisher nur auf den höheren Gebirgen Oregons, aber 
nicht in Kalifornien und Kolumbien gefunden wurde, bestimmen uns Engel- 
mann und S argen t, welche die Bäume im Vaterlande genau beobachtet 
haben, zu folgen. Lemmon 1. c. faßte später die Form als besondere Art 
auf (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1897, p. 52). Es sind jedoch alle Übergänge 
in der Bracteenlänge beobachtet worden. 

Wie die Synonyme beweisen, ist Abies magnifica vielfach, zumal mit 
A. amabilis verwechselt worden und noch immer werden Samen von A. mag- 
nifica von kalifornischen Samensammlern als A. amabilis eingeführt, worauf 
hier nochmals aufmerksam gemacht werden muß. 

Abies magnifica ist eine höchst dekorative, eigenartig schöne Tanne, 
mit ihren dicken, aufwärts gekrümmten, blaugrünen Blättern, es werden die 
Pflanzen in Gärten als: 

Abies magnifica glauca hört, bezeichnet, bei denen die blaue Färbung 
besonders auffallend hervortritt und als dekorativ noch wertvoller, höher 
geschätzt. 

Abies magnifica ist in einigermaßen geschützten Lagen hart und 
leidet, da sie spät treibt, nicht von Frühjahrsfrösten, wir finden denn auch in 



t ßg Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

deutschen Gärten schon prächtige, bis 10 m hohe Pflanzen, die, was Schön- 
heit anlangt, mit A. nobiUs wetteifern. 

Wenn auch anfänglich langsam von Wuchs, gedeiht sie doch im allge- 
meinen üppiger und freudiger und ist leichter aufzuziehen wie die verwandte 
typische Abies nobilis. Vor allem bildet sie leichter üppige Wipfeltriebe, um 
welche sich die Blätter eigentümlich spiralförmig drehen. Die schmal-pyra- 
midale Gestalt mit kurzen, vom Boden an ganz regelmäßig quirlförmig 
gestellten Ästen, unterscheidet sie sofort von der verwandten A. nobilis. 
Leider noch zu selten in den Gärten, ist eine recht weite Verbreitung dieses 
herrlichen Baumes sehr zu wünschen. 

Abies magnifica prostrata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1904, p. 141). 

In den Kulturen der Herren Jurissen in Naarden, Holland, entstand 
ein eigentümlicher Sämling, der, ohne jede Stammbildung, die Äste flach- 
schirmförmig, knieholzartig über dem Boden ausbreitet, bei auffallend blauer 
Färbung. Diese absonderliche Erscheinung würde sich, durch Veredelung 
fortgepflanzt, zwischen Felsen und für Abhänge eignen. 

Knospen eirund, kastanienbraun, mit abstehenden Schuppen; Blätter flach, einspitzig- 
rundlich; Zapfen sehr groß und dick, purpurrot; Bracteen weit über die Schuppen 

zurückgeschlagen. 

17. Abies nobilis Lindl. (in Penny Cyclop. I, No. 5 [1833]). 
Edle Tanne, Silbertanne. (Fig. 37 u. 38.) 

Syn. Pinus nobilis Dougl. mscr. in Comp. Bot. Mag. II, p. 147 (1836). 
Picea nobilis Loud., Arb. Brit. IV, 2342 f., 2249—2250 (1838). 
Pseudotsuga nobiHs Bertrand in Bull. Soc. Bot. Fr. XVIII, p. 86. 
Tuck-Tuck der Eingeborenen. 
Red Fir der Amerikaner, Larch Fir in Oregon. 

Nach Engelmann in Gard. Chron. 1882, XVII, p. 145 nur auf den 
höheren Gebirgen in Oregon, aber bisher wieder in Kalifornien noch im 
Kolumbia-Territorium gefunden. 

Im Jahre 1831 durch David Douglas in Europa eingeführt. 

Herrlicher Baum von 60 und je nach dem Stand bis gegen 90 m Höhe, 
mit schlankem, geradem und mit dicker, zimmtbrauner (im Innern roter) Rinde 
bekleidetem, oft bis 1,50 m Durchmesser haltendem, ein treffliches Nutzholz 
lieferndem Stamm, der vom Boden bis zum Wipfel mit Ästen besetzt ist. 
Äste regelmäßig quirlständig abstehend, die unteren überhängend, dicht 
bezweigt und beblättert, eine spitz-kegelförmige Krone bildend. Junge Triebe 
rotbraun, weichhaarig. Knospen eirund-längHch, rotbraun mit abstehenden 
Schuppen, nicht mit Harz überzogen. Blätter dicht gedrängt, flach, dicklich, steif, 
sichelförmig aufwärts gekrümmt, die obere Seite der Zweige bedeckend, dunkel- 
blaugrün, an der Ober- und Unterseite mit Spaltöffnungslinien versehen und 
gekielt, spitz oder stumpf, etwa 25 mm lang, nur an den jüngsten Bäumen 
und den untersten Ästen länger, bis 4 cm lang, flacher, schwach gerinnelt 
und etwas zweizeilig. Die Zweigoberseite mit viel kürzeren, die Unterseite 
nach oben drehenden Blättern dicht zudeckend. Männliche Blüten rötlich- 
purpur. Zapfen zylindrisch -länglich, dick, 16 — 24 cm lang, 7 — 8 cm breit, 



II. Klasse. Coniferae. 



169 




Fig. 37. Abies nobilis Lindl. 1 Zweig mit reifem Zapfen; 2 unfruchtbarer Zweig; 3 Blattspitze vom 

unfruclitbaren Zweig (vergr.); 4 Querschnitt durch das Blatt (vergr.); 5 Blattspitze vom Fruchtzweig 

(vergr.); 6 Zapfenschuppe von außen mit Bractee; 7 Bractee von der Seite; 8 Samen. 



170 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten, 




Fig. 38. Abies nobilis Lindl. var. glauca. 



II. Klasse, Coniferae. . 171 

stumpf, unreif meist purpurfarben, reif grünlich-braun, Zapfenschuppen kurz 
genagelt, stumpf- dreieckig, oberseits abgerundet, ganzrandig, flaumhaarig, 
Bracteen spateiförmig, an der Spitze zweilappig, ausgefressen-zerschlitzt, in 
der Mitte langgespitzt und weit über die Schuppen zurückgeschlagen, so daß 
der Zapfen ganz von denselben bedeckt wird. Samen keilförmig-eckig, mit 
keilförmig-dreieckigem, etwas eingekerbtem Flügel. 

An kleineren Kulturexemplaren bietet der Durchschnitt des flachen 
Blattes das beste Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem viereckigen Blatt- 
durchschnitte der verwandten, auf den ersten Blick sehr ähnlichen Abies 
magnifica Murr. 

Diese im wahren Sinne des Wortes edle Tanne ist auch in Deutschland 
schon in Lagen und Standorten, die den Tannen günstig sind, in prächtigen, 
12 — 15 m hohen Exemplaren vertreten, die in verschiedenen Gegenden schon 
Zapfen, jedoch meist nicht keimfähige Samen brachten. Durch künstliche 
Befruchtung sind öfter keimfähige Samen erzielt worden. In ungünstigen 
Lagen dagegen findet man Abies nobilis häufig als Krüppel, die, ohne freudig 
zur Entwickelung zu kommen, langsam dahinsiechen. — Wie schon Carriere 
angibt, ist A. nobilis aus Samen ziemlich schwer aufzuziehen und recht 
empfindlich, während Veredelungen und selbst Ableger (wie es in England 
gebräuchlich ist) schöne, freudiger gedeihende Exemplare ergeben, zumal gilt 
dies von der typischen A. nobilis, während die folgende Form meist besser 
und üppiger gedeiht und daher für die Kultur weit wertvoller ist. 

Van Geert in Antwerpen empfiehlt in seinem Verzeichnis 1889, p. 53 als: 

Abies nobilis oregona eine neuerdings aus Oregon eingeführte 
Pflanzensendung, welche sich angeblich der europäischen Kultur besser als die 
früher eingeführte Art anpassen soll, ein Umstand, der sehr erfreulich wäre, 
wenn auch die Bezeichnung oregona nicht glücklich gewählt ist, da A. 
nobilis überhaupt nur in Oregon vorkommt, wie Engelmann dies aus- 
drücklich betont. 

Abies nobilis glauca hört. 

Eine öfter bei Aussaaten gefundene, noch prächtiger dunkelblau 
gefärbte Form, welche besonders auffallend und wirksam in der Landschaft 
ist und, wie schon angeführt, sich in Kultur meist weniger schwierig und 
üppiger von Wuchs als die typische Pflanze gezeigt hat. Prächtige bis 15 m 
hohe Exemplare brachten, z. B. in Wiesenburg in der Mark, schon Zapfen und 
reife Samen. 

Abies nobilis argentea hört. 

Eine leider zu seltene Form von prächtig blauweißer Färbung mit 
Silberschimmer, wie sie ausnahmsweise bei Aussaaten gefunden worden 
und daher meist nur durch Veredelung fortgepflanzt wird. Als ein ganz be- 
sonderer, auffallender Schmuck kommt sie in der Färbung und Wirkung den 
prächtigen Abies concolor violacea und Picea pungens argentea gleich und 
jeder Gartenbesitzer darf sich glücklich schätzen, wenn er ein schön ent- 
wickeltes Exemplar sein eigen nennen kann. Vereinzelt finden wir schon 
stärkere Exemplare dieser auserlesenen Form, bei Herrn v. St. Paul in Fisch- 
bach (Schlesien) trug dieselbe, befruchtet mit eigenem Pollen, schon Zapfen, 
die Sämlinge waren aber fast ausnahmslos grün, ebenso im Park zu Wiesenburg 
in der Mark, wo Prachtexemplare von 15 m Höhe Längstriebe von 1 m bilden. 



172 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Abies nobilis robusta hört, (nicht Carr.). 
Eine besonders üppige, schöne. Form, mit weit längeren, stärkeren 
Blättern, die alle Empfehlung verdient. Sie gehört mit flachen Blättern zu 
Abies nobilis und darf nicht mit A. magnifica Murr., zu welcher A. nobilis 
robusta Carr. als Synonym gehört, verwechselt werden. 

Knospen glatt, groß und spitz; Blätter steif, scharf gespitzt; Zapfen rundlich, 
igelförmig; Bracteen in eine lange Granne ausgezogen. 

18. Abies bracteata Hook, et Arn. (in Beeschey, p. 394 [1841]). Santa 
Luciatanne, Tanne mit langen Deckblättern. (Fig. 39.) 

Syn. Pinus venusta Dougl. in Bot. Mag. Comp. II, p. 152 (1836). 
„ bracteata Don. in Linn. Transact. 17, p. 442 (1837). 
Picea bracteata Loud., Arb. Brit. IV, 2348 f., 2256 (1838). 
Abies venusta C. Koch in Dendr. II, p. 210 (1873). 
Sapin ä bractees der Franzosen. 
Santa Lucia fir der Engländer. 
Silver fir der Amerikaner. 

In Süd-Kalifornien, nur im Santa Luciagebirge in kühlen und feuchten 
Tälern in nördlichen Lagen in einer Erhebung von 1000 — 2000 m vorkommend, 
von Coulter zuerst entdeckt. 

Im Jahre 1853 in Europa von Lobb eingeführt. 

Ein hoher, schlanker, breit-pyramidaler Baum von 30 — 60 m Höhe und 
0,30 — 0,70 m Stammdurchmesser. Stamm mit brauner Rinde bekleidet. Äste 
zahlreich dichtstehend, die unteren überhängend, die oberen kürzer; junge 
Triebe fuchsrot glatt, Knospen eirund zugespitzt, hellbraun, ungewöhnlich groß, 
14 mm lang mit dachziegeligen Schuppen, Blätter dichtstehend, meist etwas 
zweizeilig, gescheitelt, steif, gerade oder etwas gebogen, lineal oder lineal- 
lanzettlich, flach, scharf gespitzt, 3—5 cm lang, 2 — 3^/2 mm breit, oben frisch- 
grün glänzend, unten beiderseits des dicken Kiels an jüngeren Blättern mit 
silberweißen, an älteren mit blasseren Spaltöffnungslinien gezeichnet. Männ- 
liche Blüten hellgelb in Massen erscheinend, weibliche Blüten hellgrün. Zapfen 
eirund bis fast zylindrisch-stumpf, hellrotbraun, 8 — 10 cm lang, 4 — 5^/^ cm dick. 
Zapfenschuppen genagelt, aus keilförmigem Grunde nieren- kreisförmig, am 
Rande abgerundet und gekerbt, Bractee hellbraun, keilförmig, verkehrt-herz- 
förmig, die Seitenlappen ausgefressen-gezähnelt, die Mittelrippe in eine 
lineale, blattähnliche, 2^/2 — 4 cm lange, 1^/2 cm breite Granne aus- 
laufend, die, meist mit Harzklümpchen besetzt, dem Zapfen ein ganz eigen- 
tümliches igelartiges Ansehen gibt. Samen dunkelrotbraun, keilförmig-läng- 
lich-eckig mit verkehrt-eirundem, ganzrandigem, dünnem, hellrotbraun glänzen- 
dem Flügel. 

Nach Dr. Mayr ist das Holz außerordentlich schwer. 

Nach Lobbs Mitteilung ist diese herrliche Tanne ein hervorragender 
Schmuck der heimatlichen Wälder; an westlichen, nach dem Meere zu ab- 
fallenden Abhängen wächst sie in tiefen Schluchten und bildet den oben be- 
schriebenen mächtigen Baum, während sie ebenso auf den höchsten Berg- 
ketten im rauhesten Klima noch in Felsentrümmern, die ihr kaum die nötigste 



II, Klasse. Coniferae. 



173 



Nahrung zu bieten scheinen, gedeiht und gedrungene, buschige Bäume bildet, 
die mehr einer Ceder als einer Tanne gleichen. 




In vollkommener Entwickelung bietet Abies bracteata durch die von 
anderen ihres Geschlechtes abweichende breit-pyramidale Gestalt und die eigen- 
artigen, interessanten Zapfen eine Erscheinung, die kaum ihresgleichen hat. 



174 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten, 

In Pallanza am Lago Maggiore brachte ein 5 — 6 m hoher Baum schon 
Zapfen und keimfähigen Samen. Nach Bredemeier (s. Gartenflora 1887, 
p. 327) waren die Zapfen 10 — 14 cm lang und die Schuppen fielen sehr leicht 
auseinander. Dieser Baum hat sich herrlich entwickelt und dürfte jetzt eines 
der schönsten Exemplare in Europa sein. 

Leider kann diese prächtige Tanne für Deutschland nur für die 
günstigsten, geschütztesten Lagen zur Anpflanzung empfohlen werden. Als 
Gebirgsbaum sagen ihr höhere Lagen, also Gebirgsgegenden, wo der Trieb 
später eintritt und sich normal entwickeln kann, am meisten zu, während sie 
in warmen Niederungen zu früh treibt und der junge Trieb dann meist durch 
Spätfröste zerstört wird. Noch sehr selten in Kultur; man wird in obigem 
Sinne etwa im Weinbaugebiet Kulturversuche machen müssen. Kleinere 
Pflanzen sind zu schützen; trotzdem leiden sie oft noch in strengen Wintern. 

In Frankreich wie in dem für empfindlichere Coniferen so günstigen 
England finden sich unter günstigen Bedingungen schon schöne Exemplare, 
aber selbst hier sind sie selten und scheinen nach Veitch nicht die Entwicke- 
lung und Üppigkeit wie in der Heimat zu erlangen. Im südlichen und west- 
lichen England, in günstigen Lagen in Schottland und Irland ist sie hart und 
man findet hier prächtige Exemplare, welche die besondere Schönheit dieser 
Tanne zeigen. In manchen Gegenden litt sie sehr von Spätfrösten, welche 
die jungen Triebe zerstörten (Abbild, bei Kent in Veitch Man. of the Conif. 
1900, p. 497). 

Knospen rundlich, mit bläulichen Schuppen; Blätter sfumpflich oder scharf 
gespitzt; Zapfen groß, zylindrisch, vor der Reife dunkelblau. 

19. Abies religiosa Lindl. (in Penny Cyclop. I, No. 6 [1833]). Heilige oder 

Oyamel-Tanne. 
Syn. Pinus religiosa H. B. et Kth., Nov. Gen. et Spec. II, 5 (1815). 

„ hirtella H. B. et Kth. 1. c. (wird als Varietät betrachtet) (1815). 
Abies hirtella Lindl. in Penny Cyclop. 11 (1833). 
Picea religiosa Loud., Arb. IV, 2249 f., 2257 (1838). 
„ hirtella Loud., Arb. IV, 2349 (1838). 
^ Oyamel der Mexikaner. 

Auf den Gebirgen Mexikos und Guatemalas in einer Erhebung von 
1300 m wachsend. Von Humboldt 1799 entdeckt. 

Baum von 30 — 50 m Höhe und bis 2 m Stammdurchmesser mit grau- 
brauner Borke. Äste ausgebreitet, mit zweizeiliger Bezweigung. Zweige hell- 
rotbraun, junge Triebe behaart. Knospen kugelig, mit hellbraunen Schuppen. 
Blätter lineal, stumpflich oder spitz, öfter gebogen, spiralig angeordnet, etwa 
4^/2 cm lang, die unteren Äste fast zweizeilig, an oberen üppigen Zweigen 
drei- bis vierreihig, oben dunkelgrün, unten silberweiß. Zapfen sitzend, läng- 
lich-zylindrisch, 11 — 17 cm lang, 5 — 7 cm breit, erst dunkelviolett, wenn reif 
dunkelbraun. Bractee mit dreieckiger, zugespitzter, umgebogener Spitze. Samen 
mit schiefem, eirundem Flügel. 

Eine herrliche Tanne, die aber für Deutschlands Klima kaum noch als 
Freiland-Conifere angesehen werden kann. Carriere gibt an, daß sie in 
Paris erfriert, während er unter günstigen Bedingungen in Cherburg schon 



II. Klasse. Coniferae. 175 

1867 einen 10 m hohen Baum anführt. Veitch bezeichnet diese Art als zu 
empfindUch für Englands Klima und empfiehlt sie dort nicht mehr zur An- 
pflanzung. In Cornwall, in Süd-Irland und einigen anderen Orten gedeiht 
sie noch. 

Knospen harzig; Bläffer weich, stumpf, ausgerandef; Zapfen klein, 

dunkelpurpur. 

20. Abies Fraseri Lindl. (in Penny Cyclop. I, No. 5 [1833]. 
Fräsers Balsamtanne. 
Syn. Pinus Fraseri Pursh., Flor. Bor. Amer. II, p. 639 (1814). 
Picea Fraseri Loud., Arb. IV, 2340 f., 2243—2244 (1838). 
Abies balsamea ß Fraseri Spach., Hist. Veg. phan. XI, 422 (1842). 
Double Balsam fir, She Balsam der Amerikaner. 

Nach Sargent (vergl. Garden and Forest 1889, p. 472 u. 475, mit Ab 
bildung eines Waldbestandes) nur auf wenigen der höchsten Abhänge des 
AUeghany-Gebirges von Carolina und Tennessee in einer Erhebung zwischen 
1600 und 2100 m vorkommend, öfter bedeutende Wälder bildend, aber sehr 
lokal auftretend. Nächst der kalifornischen Abies bracteata ist sie in ihrer 
Ausbreitung von den amerikanischen Arten am meisten beschränkt. 

Im Jahre 1811 von Fräser, dem zu Ehren sie benannt wurde, in Europa 
eingeführt. 

Ein kleiner, kurzlebiger Baum, der 18 — 24 m Höhe und 0,60 — 0,70 m 
Stammdurchmesser erreicht; Stamm mit hell-zimtbrauner und bei eintretender 
Fruchtbarkeit mit grauer Rinde bekleidet. Einen regelmäßigen, dichtbezweigten 
schlanken Kegel oder fast Säulenform bildend. 

Es ist nicht leicht, auf den ersten Blick und ohne Zapfen Abies Fraseri 
von der sehr nahestehenden, durch alle nördlichen Staaten Nord-Amerikas, 
vom Atlantischen bis zum Großen Ozean, als einzige Tanne weit verbreitete 
A. balsamea zu unterscheiden. 

Die beiden Bäume ähneln einander sowohl in der Gestalt wie in den 
Blättern und auch das Aussehen der Rinde an älteren Bäumen ist das gleiche. 
Aber die Struktur der Blätter bietet, wie Engelmann festgestellt hat, Charak- 
tere, welche dazu dienen, die beiden Arten zu unterscheiden; die von Abies 
balsamea sind ziemlich arm an Hypodermzellen, welche an der Oberseite der 
Blätter erscheinen, bei A. Fraseri hingegen finden sie sich in fast zusammen- 
hängenden Lagen. Die beiden Arten sind übrigens sofort durch die Zapfen 
zu unterscheiden: die von A. Fraseri sind kürzerund mehr eirund von 
Gestalt, dunkelpurpur, weichhaarig, 3 — 5 cm lang, 2 cm breit, mit hell-gelb- 
grünen, lang hervorsehendeii, übergebogenen Bracteen, so daß die 
Zapfen ganz durch sie verdeckt sind, während die Bracteen der reifen 
Zapfen von A. balsamea zwischen den Schuppen eingeschlossen sind, oder 
selten und dann nur mit ihren Spitzen über die Schuppen hinaussehen. Die 
weißen Spaltöffnungslinien auf der Unterseite der Blätter sind viel breiter 
und zeigen bei A. Fraseri 8 — 12 Spaltöffnungsreihen, während sich bei A. 
balsamea gewöhnlich nur 6 Reihen finden, ein Merkmal, durch welches nicht 
fruchttragende Pflanzen beider Arten unterschieden werden können. Die 
männlichen Blüten sind gelb und rötlich angehaucht. 



176 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Nach H. P. Kelsey, Baumschulenbesitzer in Linville, Mitchell County 
im Hochland von Nordwest -Carolina, sind die Blätter kürzer, dichter und 
mehr nach oben gestellt als bei der verwandten Abies balsamea, während der 
Wuchs dichter als bei letzter ist. Sie ist sehr selten echt in Kultur. 
Dr. Mayr gibt die Blätter an den kurz-braunhaarigen Seitentrieben 2^/2 cm, 
die an den Längstrieben oft nur 1 cm lang an. Die Knospen sind kugelig 
mit Harz überzogen. 

Wie Sargent meint, dürfte Michaux Abies Fraseri mit A. balsamea 
verwechselt haben; eine treffliche Abbildung der ersteren findet sich im 
Pinetum Woburnense 1839 und zwar eine 16jährige Pflanze aus der Samm- 
lung des Herzogs von Bedford, aber es ist sehr fraglich, ob irgendwo noch 
alte Pflanzen in Kultur sind. Dieser Baum ist kurzlebig und Pflanzen von 
Fräsers Einführung dürften schon lange abgestorben sein, während in späteren 
Jahren von A. balsamea in Pennsylvanien und Kanada gesammelte Samen, 
wo häufig Exemplare anzutreffen sind, bei denen die Spitzen der Bracteen 
wenig über die Schuppen hervorragen, allgemein als A. Fraseri verbreitet 
wurden und erst vom Jahre 1880 an war das Arnold Arboretum bei Boston 
imstande, von A. Fraseri einen Teil Sämlinge unter die Coniferenliebhaber 
in den Vereinigten Staaten und in Europa zu verteilen. 

Abies Fraseri bildet als Zierpflanze einen zierlichen, dichten Kegel; 
was den Nutzwert anlangt, so besitzen wenige amerikanische Bäume so ge- 
ringen Wert wie sie. In Massachusetts hat sie sich ganz hart gezeigt und 
2 m hohe Pflanzen brachten schon Zapfen. 

Nach vorstehenden Angaben von Sargent dürfte es wohl kaum einem 
Zweifel unterliegen, daß die Mehrzahl der älteren Exemplare, die wir in 
deutschen Gärten unter dem Namen Abies Fraseri finden, A. balsamea sind, 
und daß die geringfügigen Unterschiede, nach denen man an Kulturexemplaren 
zu suchen pflegt, um die angegebenen Merkmale zwischen A. Fraseri und 
A. balsamea herauszufinden, nur je nach Boden und Standort auf besseres 
oder schlechteres Gedeihen, oder die mit den Spitzen etwas vorstehenden 
Bracteen, oder auch darauf hinauszuführen sind, daß selbst die öfter etwas 
kräftiger wachsende und besser gedeihende, gerade am meisten abweichende 
A. balsamea longifolia noch mit in Betracht kommt und öfter fälschlich als 
A. Fraseri in den Gärten gefunden wird. 

Von neuerdings eingeführten, echten Samen sind bereits kräftige 
Samenpflanzen vorhanden, ebenso wurden junge Pflanzen aus Nord-Carolina 
eingeführt, welche z. B. bei Hesse in Weener (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 
1896, p. 64 und 1897, p. 91) schon Zapfen brachten, so daß wir Abies Fraseri 
wieder zweifellos echt in Kultur besitzen. 

21. Abies balsamea Mill. (Dict. No. 3 [1768]). Balsamtanne. 

Syn. Pinus balsamea L., Spec. pl., p. 1421 (1753). 

Abies balsamifera Mchx., Fl. Bor. Amer. II, 207 (1810). 
Picea balsamea Loud., Arb. IV., 2339 f., 2240—2241 (1838). 
Balsam Fir, Balm of Gilead Fir der Amerikaner. 
Baumier de Gilead der Franzosen. 
Balsam Fir der Engländer. 



II. Klasse. Coniferae. 177 

Durch alle nördlichen Staaten Nord-Amerikas vom atlantischen bis zum 
großen Ozean als einzige Tannenart weit verbreitet, meist auf Bergen und in 
sumpfigen Lagen gemeinsam mit Picea alba. 

Im Jahre 1697 von Bischof Compton in Europa eingeführt. 

Baum von 15 — 25 m Höhe mit schlankem Stamm, der ein leichtes, 
weiches, wenig geschätztes Holz liefert und mit spitz-kegelförmiger Krone; an 
der glatten, schwarzgrauen Rinde des Stammes bilden sich zahlreiche Harz- 
beulen, die ein klares Harz enthalten und den sogen. „Kanadabalsam oder 
Balsam von Gilead" liefern. Junge Zweige gelbbraun, flaumhaarig. Knospen 
rundlich, dicht mit Harz überzogen, glänzend, wie lackiert (ein gutes Er- 
kennungsmerkmal anderen Arten gegenüber). Blätter unregelmäßig zweizeilig, 
an üppigen oberen Zweigen mehrreihig, öfter sichelförmig aufwärts gebogen, 
lineal, flach, stumpf oder ausgerandet, auch ausgerandet zweispitzig, mit breit 
kreisrunder Basis, oberhalb derselben gedreht, oberseits glänzend dunkelgrün 
und gerinnt, an sehr üppigen Zweigen auch nach den Spitzen zu mit weiß- 
lichen Spaltöffnungen, unten beiderseits des wenig vortretenden Mittelnervs 
mit blauweißen Spaltöffnungslinien gezeichnet (aber weniger weiß als bei Abies 
Fraseri), 15 — 28 mm lang, 1^/2 mm breit, gerieben außerordentlich aro- 
matisch duftend. Männliche Blüten eirund-länglich-stumpf, gelb und rötlich 
angehaucht, weibliche Blüten zylindrisch-kegelförmig, grünlich. Zapfen eirund- 
länglich, stumpf, 6 — 10 cm lang, 2^/2 cm breit, jung dunkelviolett, reif grau- 
braun, meist stark mit Harz überzogen; Zapfenschuppen genagelt, oben breit 
abgerundet, auf dem Rücken flaumhaarig, Bractee fast kreisrund, gefranst 
gezähnelt, mit pfriemenförmiger Spitze, eingeschlossen oder nur mit der Spitze 
über die Schuppe hervorsehend. Samen keilförmig, dreikantig, 5 mm lang, 
braun, mit breitem, dünnhäutigem, 10 mm langem Flügel. 

Wie schon bei Abies Fraseri angeführt wurde, dürften alle unter letzterem 
Namen bis zu den neuesten Einführungen in deutschen Kulturen befindlichen 
Tannen A. balsamea sein, welche hier und da geringe Abweichungen zeigt, 
je nach Alter und Gedeihen überhaupt sehr in den Blättern, Größe und 
Färbung der Zapfen abweicht und auch in der Heimat mit eingeschlossenen 
und nur mit der Spitze über die Schuppen vorstehenden Bracteen vorkommt, 
auch Willkomm führt in Forstl. Flora p. 112: 

Abies balsamea var. brachylepis Willk. (in Delect. sem. bort. bot. Dorpat. 1868). 
auf, deren Zapfen klein, 4 — 5 cm lang sind, Deckblätter um ^/g kürzer als 
die Samenschuppen, daher stets zwischen diesen verborgen, Samenflügel stets 
schön purpurrot. Diese Form scheint zumal in den baltischen Provinzen 
vorzukommen. 

In unseren Kulturen finden wir Abies balsamea meist nur in Exemplaren 
von 10 — 15 m Höhe; als Baum rauher, nördUcher Gegenden gedeiht er nur 
freudig in hohen, frischen Lagen bei genügender Luftfeuchtigkeit, wir finden 
ihn daher zumal in Gebirgsgegenden in schönen Exemplaren, die der strengsten 
Winterkälte trotzen, schnell heranwachsen und reizende, zierliche, regelmäßige 
Bäume bilden. Gruppen solcher ganz spitz-kegelförmiger, fast säulenförmiger 
Bäume nehmen sich in der Landschaft ganz eigenartig aus; wir finden Pracht- 
exemplare von 16 m Höhe in üppigster Bezweigung, ganz bläulich-silbern 
schimmernd, von seltener Schönheit (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 20). 
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 12 



178 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Hingegen in warmen, eingeschlossenen, niedrigen Lagen, zumal in lufttrockenen, 
heißen Ebenen kümmert A. balsamea stets gleich A. sibirica, wir finden sie 
hier häufig mit verkrüppelten Zweigspitzen und verharzten Knospen, als elende 
Büsche, die die Kultur nicht verdienen und sollte man in solchen ungünstigen 
Lagen die Anpflanzung besser unterlassen. 

Sie setzt reichlich Zapfen an, jedoch sind die Samen öfter nicht keim- 
fähig. Wir besitzen in Kultur zweifellos Formen, welche besser als 
andere gedeihen, was uns bei dem enormen Verbreitungsgebiet dieser Art 
ja nicht wundern braucht, gerade diese werden oft fälschlich als A. Fraseri 
bezeichnet, wie schon bei dieser angegeben wurde. Natürlich wird man solche 
schöne volle Pflanzen besonders wertschätzen und bevorzugen. 

Abies balsamea longifolia Endl. (Syn. Conif. 103 [1847]). 
Syn. Picea balsamea longifolia Booth ex Loud., Encyclop. of Trees 
1044. 
Abies ivalensis hört. aliq. 

Diese Form ist durch etwas längere, schmalere und meist stumpfe 
Blätter von der Art verschieden, pflegt kräftig zu wachsen mit etwas mehr 
aufstrebenden Ästen und dürfte, wie schon erwähnt, öfter fälschlich für Abies 
Fraseri gehalten werden, der geringen Abweichungen wegen, die sie von der 
Art zeigt. 

Abies balsamea macrocarpa (Garden and Forest V, 274 und X, 510). 

Eine Form, deren untere Äste sich länger erhalten, die Blätter sind 
länger und stehen dichter und die Zapfen sind größer als bei der Art. 

Wuchsformen. 

Abies balsamea hudsonica Sargent und Engelm. (in Trans, of the Acad. of 

Science of St. Louis 1878). 
Syn. Abies Hudsoni Carr. Conif. p. 271 (1867). 

Picea Fraseri Hudsonia Knight., Syn. Conif. 39 (1850). 
Abies hudsonica Bosc. 
Picea hudsonica hört. 

Eine unfruchtbare Zwergform, welche nach Engelmann auf den 
weißen Bergen in New-Hampshire oberhalb der Baumgrenze gefunden wurde. 
Sie bildet in die Breite wachsende, schwarzgrüne Büsche, welche auch als 
alte Exemplare ganz niedrig bleiben und sich über dem Boden ausbreiten. 
Äste sehr dichtstehend. Zweige zahlreich, kurz. Blätter kurz, breit und flach, 
oben gerinnt, stumpf oder an der Spitze ausgerandet, oben schwarzgrün, unten 
blaugrün. Wie andere Zwergformen wächst sie leicht durch Stecklinge, auch 
durch Ableger und ist wohl meist auf diesem Wege durch Seitenzweige ver- 
mehrt worden, da Kopfpflanzen sehr selten vorkommen und auch kein freudiges, 
aufstrebendes Wachstum zeigen. Nach Koch, Dendrol. II, p. 216 sollen auf 
Abies pectinata veredelte Exemplare in die Höhe wachsen und nicht zwergig 
bleiben. 

Diese schwarz grünen Zwerg büsche sind zu Kontrasten geeignet 
und finden ihren Platz am besten an Abhängen oder zwischen Felsen. 



II. Klasse. Coniferae. 179 

Abies balsamea prostrata hört. 

Syn. Picea balsamea prostrata Knight., Syn. Conif. 39 (1850). 

Eine niederliegende Zwergform mit zahlreichen weitschweifigen, 
zerstreuten Ästen, welche der var. hudsonica sehr nahesteht. 

Abies balsamea nana hört. 

Syn. Abies balsamea globosa hört. 

Eine hübsche, zierliche, rundliche Zwergform mit dichtstehenden 
ausgebreiteten Ästen und kurzen, dichtstehenden, stumpfen, dunkelgrünen, 
unten blauweißen Blättern. Weniger schwarzgrün wie die var. hudsonica, 
läßt sie mehr die Zugehörigkeit zu Abies balsamea erkennen. 

Abies balsamea columnaris Frahm (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, 

p. 60 u. 94). 
Syn. Abies balsamea pyramidalis hört. 

Eine von Frahm in Elmshorn (Holstein) gewonnene schöne Säulen- 
form von kräftigem Wuchs, mit kurzen, an den Spitzen aufwärtsgerichteten 
Ästen und nur 5 mm langen Blättern, welche noch für die rauhesten Lagen, 
bei den angegebenen günstigen Verhältnissen, eine willkommene Bereicherung 
sein dürfte. 

Abies balsamea denudata Carr. (Conif. 2. ed., p. 294 [1867]). 

Eine merkwürdige Form mit aufstrebendem Mitteltrieb , fast ohne alle 
Verzweigung, welche in der Baumschule von Cochet in Suynes in Frank- 
reich aufgefunden wurde. 

Abies balsamea nudicaulis Carr. (Conif. 2. ed., p. 294 [1867]). 

Eine gleich der vorigen merkwürdige, monströse, üppige Form, welche 

eine dicke Rute, ohne eine Spur von Verzweigung, darstellt und mit 

dicken, angedrückten, zugespitzten Blättern dicht besetzt ist. Sie wurde in 

den Baumschulen von A. Leroy in Angers (Frankreich) in Kultur gewonnen. 

In der Färbung abweichend. 

Abies balsamea glauca (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 121 und 

1900, p. 99). 

Eine an verschiedenen Orten aufgefundene schöne üppige, bläuliche 
Form, bei welcher nicht nur die blauen Spaltöffnungsreihen schärfer hervor- 
treten, sondern dieselben auch auf den Blattoberseiten erscheinen. 

Abies balsamea coerulea Carr. (Conif. 2. ed., p. 294 [1867]). 
Ein pyramidaler Strauch mit sehr* kurzen Ästen. Blätter 12 — 18 mm 
lang, abstehend und in zwei Reihen angeordnet, oben dunkelblaugrün, 
unten silberweiß. 

Abies balsamea lutescens Schwerin (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 94). 

Eine von Oberforstrat Ganghofer in Augsburg aufgefundene Form; 

zwei Pflanzen wurden gewonnen und zeigen, soweit sie der Sonne ausgesetzt 

12* 



j^gO Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

sind, eine strohgelbe Färbung der Blätter, die später etwas verblaßt, aber 
doch recht auffällig wirkt und sich auch beständig zeigte. 

Abies balsamea variegata hört. 

Syn. Picea balsamea fol. var. Knight. (Syn. Conif. 39 [1850]). 

Eine zarte, zwergige, gelbbunte Form, die sich zumal gegen Sonnen- 
brand empfindlich zeigt. An verschiedenen Orten in Kultur gewonnen, öfter 
als dichte, breite Kegelform, findet man Pflanzen von beständiger oder unbe- 
ständiger, gelbbunter Färbung. 

Abies balsamea marginata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1894, p. 24). 
Eine von Schröder in Moskau gewonnene Form, welche im jungen 
Triebe regelmäßig gelblich-gerandete Blätter zeigt. 

Abies balsamea argentea hört. 

Eine Form mit weißgespitzten Blättern. 

Abies balsamea x sibirica Schröder (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1897, p. 48 

und 1901, p. 84). 

Erst vom Autor als Abies sibirica parvula mitgeteilt (Mitt. d. d. dendr. 
Gesellsch. 1897, p. 23). Die Pflanzen sind aus Samen, die im Agrarinstitut 
in Moskau gesammelt wurden, entstanden; sie bilden gedrungene Kegel mit 
kurzen Zweigen und kleinen Blättern, sie wurden sowohl unter Sämlingen 
von sibirica, wie auch von balsamea gefunden, im ersten Falle zeigen die 
Pflanzen gelbe, im zweiten Falle rötliche Knospen. Nicht recht erklärlich 
ist es, warum die Pflanzen so klein und gedrungen bleiben, allerdings scheinen 
einige auch höher werden zu wollen. Schröder möchte die Pflanzen als 
Bastarde ansehen; sollten hier nicht etwa doch nur gedrungene Kegel- 
formen von beiden Arten als eigentümliche Sämlinge vorliegen? Schröder 
nennt seine A. sibirica parvula eine um die Hälfte verkleinerte A. sibirica, 
auch sind Übergänge zu der normalen A. sibirica vorhanden, das spricht doch 
sehr für Zwergformen. 

22. Abies subalpina Engelm. (in Amer. Nat. X, p. 554 [1876]; 
Syn. Amer. Firs Trans. Acad. St. Louis 1878, p. 597). Westamerikanische 

Balsamtanne. (Fig. 40.) 

Syn. ? Pinus lasiocarpa Hook., Flor. Bor. Amer. II, p. 163 (zum Teil) 
(1840). 
Abies lasiocarpa Nutt. ex Safgent, Forest. Trees 1874, p. 211 

(nicht Lindl. und hört.) und Sylva III, p. 138 (1849). 
Abies bifolia Murr, in Proc. Hort. Soc. Loud. III, p. 320 f., 51—56 

(1863). 
Pinus amabiHs Pari, in D.'C. Prod. XVI, 2, p. 426 (zum Teil) (1868). 
Picea bifolia Murr, in Gard. Chron. 1875, p. 106. 
Abies subalpina fallax Engelm., Form aus Süd-Kolumbien. 
Balsam fir der Amerikaner. 
Im Tal des Stakhinflusses, in Alaska bis zum 60. ^ nördl. Br., durch 
Britisch-Kolumbien und das Kaskaden-Gebirge, bis Nord-Oregon; durch die 



II, Klasse. Coniferae. 



181 



blauen Berge von Ore- 
gon und die Gebirge 
von Idaho , Montana, 
Wyoming, Utah und 

Kolorado, das Kas- 
kaden-Gebirge von Ore- 
gon, am Kolumbiaflusse, 
im Galton -Gebirge bis 
2300 m Erhebung, an 
der Ostseite des Kas- 
kaden-Gebirges bis zum 
49.0 nördl. Br. nicht 
selten bis zu 2000 m 
ü. d. M. Sie tritt über- 
all zerstreut auf, ohne 
allein größere Waldbe- 
stände zu bilden; an 
der Baumgrenze bildet 
sie einen Strauch. 

Nach Engelmann 
ist Abies subalpina 
der A. balsamea nahe 
verwandt und er be- 
trachtet sie als den 
westlichen Vertreter der 
letzteren; sie bildet stär- 
kere Bäume von 20 bis 
über 30 m Höhe bei 
0,65 m Stammdurch- 
messer, von schmalke- 
gelförmiger bis säulen- 
förmiger Gestalt (Mitt. 
d. d. dendr. Gesellsch. 
1904, p. 29, mit Abbil- 
dung eines Bestandes), 
das Holz ist weich und 
geringwertig. Die jungen 
Zweige sind graubraun, 
weichhaarig, die Knos- 
pen sind breit-eirund- 
stumpf, braun und mit 
Harz überzogen. Die 
Blätter stehen oft mehr- 
reihig, sind lineal, nach 
der Spitze etwas ver- 
breitert, fast spatelig, 

gespitzt oder flach gekerbt, oberseits gerinnt und an üppigen Zweigen, zumal 
nach den Spitzen zu, mit silberigen Spaltöffnungsreihen, ein sehr gutes Er- 




Fig. 40. Abies subalpina Engelm. 



182 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

kennungsmerkmal, unten, beiderseits des wenig vortretenden Mitteln ervs, 
mit bläulichen, fünf Spaltöffnungsreihen zeigenden Linien, 15 — 25 mm lang, 
1^/2 mm breit. Die Blätter der fruchttragenden Zweige sind scharf gespitzt. 
Männliche Blüten dunkelblau in violett übergehend, weibliche dunkelviolettrot. 
Zapfen aufrecht, zu mehreren beieinander, eirund-länglich, oben und unten 
verschmälert, an der Spitze abgerundet, etwa 9 cm lang, 8^/2 — 4 cm breit, 
dunkelpurpur, weichhaarig; Zapfenschuppen genagelt, fast kreisrund, oben ab- 
gestutzt und ganzrandig, Bractee gestielt, fast kreisrund, gezähnelt mit langer, 
pfriemenförmiger Spitze, ^/g so lang als die Schuppe. Samen keilförmig mit 
breitem, halbrundem, dünnhäutigem, zweimal so langem, dunkel glänzendem 
Flügel, welcher genau so lang und breit wie die halbe Schuppe ist, also diese 
vollständig deckt. 

Nach dem vorhandenen Material ist nicht mit Sicherheit mehr fest- 
zustellen, was Hooker unter seiner Pinus lasiocarpa verstanden hat. Nach 
den Regeln der Priorität müßte der ältere Name Abies lasiocarpa Nutt. den 
Vorrang haben, aber abgesehen davon, daß die Tanne unter dem Namen 
A. subalpina jetzt neuerdings eingeführt und allgemein verbreitet ist, würde 
auch der Verwechselung in den Gärten mit A. lasiocarpa Lindl. und hört., 
der Form der Sierra Nevada von A. concolor, kein Ende sein und deshalb 
ist es geratener, Engelmanns Namen festzuhalten. Nach Veitch sollen auch 
Samen dieser Art unter dem Namen A. grandis eingeführt sein, weshalb es 
möglich wäre, daß Pflanzen unter diesem Namen sich noch in den Gärten 
vorfänden. 

In deutschen Gärten sind schon recht ansehnliche Pflanzen vertreten, 
deren Entwicklung nach zu urteilen die Einführung etwa Ende der vierziger 
Jahre erfolgt sein dürfte. Es sind kräftige, pyramidale, kurz und dicht ver- 
zweigte, ziemlich langsam wachsende, aber üppig gedeihende, ganz harte, 
dekorative Pflanzen mit eigentümlich bläulichem Schimmer, welcher sie sofort 
als etwas Besonderes erkennen läßt. Den bisherigen Erfahrungen nach ver- 
dient diese schöne Tanne die weiteste Verbreitung und wärmste Empfehlung. 
Pflanzen, welche im jungen Triebe von Frost getroffen wurden, litten nicht 
im mindesten, während andere Coniferen böse mitgenommen wurden. In 
lufttrockenen, heißen Lagen zeigen sich Mißbildungen an den Triebspitzen, 
ähnlich wie bei anderen Tannen aus kühlen Regionen. 

Abies subalpina coerulescens Fröbel. 

Nach Zabels Mitteilung eine von Fröbel in Zürich in Kultur gewonnene, 
besonders schöne Form, bei welcher ein stark bläulicher Anflug sehr 
auffallend hervortritt, auch in den Baumschulen von Koster&Cie. in Boskoop 
(Holland) ist bei Aussaaten eine stark blauweiß schimmernde Form ge- 
wonnen worden. Purpus fand auch im Vaterlande bei 3300 m Erhebung 
herrliche, blaue, üppige Exemplare, bei denen Blatt- und Zapfenlänge 
schwanken, in der Färbung finden sich alle Farbenabstufungen bis zum 
schönsten Blauweiß. 

Abies subalpina Beißneri Hesse (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1902, p. 46). 

Eine von Hesse in Weener in Kultur gefundene Form, deren Blätter 
sämtlich sichelförmig gebogen sind und sich ringeiförmig ineinander rollen, 



II. Klasse. Coniferae. 183 

mit den Spitzen gegen den Zweig gerichtet, so daß jeder Zweig eine Locke 
bildet. Da die blauen Blattunterseiten alle nach außen gedreht sind, ist die 
Pflanze ganz hellblau gefärbt, so daß diese eigenartige „Lockentanne" recht 
in die Augen fällt. 

Abies subalpina compacta (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 64). 
Eine dicht bezweigte, ganz regelmäßige blaue Kugelform. Ich 
kenne Exemplare von 1 m Durchmesser, die sich sehr gut ausnehmen und 
unter günstigen, genügend luftfeuchten Bedingungen für regelmäßige Gärten 
erwünscht sein müssen. Herr Ordnung in Eisenberg sandte 1898 die Ab- 
bildung eines bei ihm gefallenen Sämlings, welcher 8 Jahre alt eine Kugel 
von 35 cm darstellte. 

23. Abies arizonica Merriam (Proceed. of the Biol. Soc. Washington X, 
p. 115—118 [1895]; Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1897, p. 54). Arizonatanne, 

Korktanne. 

In Arizona im San Franciscogebirge zwischen 2725 — 3000 m Erhebung, 
am Walker Lake crater und im Hendrickgebirge. Im Sommer 1889 bei einer 
biologischen Besichtigung von C. Hart. Merriam entdeckt, doch erst im 
Jahre 1896 konnte er Zweige mit Zapfen und Rinde erlangen. 

Mittelhoher, seltener kleiner Baum gegen 15 m hoch und selten mehr 
als 30 cm Stammdurchmesser. Rinde ein sehr elastischer faseriger Kork, 
weißlich oder grau von Farbe, gewöhnlich rahmweiß (an Korkeiche erinnernd). 
Junge Triebe gelbgrün, mit Harz überzogen, Blätter an zapfentragenden 
Zweigen dick, fast dreieckig im Durchschnitt, scharf gespitzt, etwa 20 mm 
lang. Blätter der unteren Äste viel länger und flacher, stumpf und an der 
Spitze gekerbt, 25 — 30 mm lang. Zapfen dunkelpurpur, dünn, mittelgroß oder 
selten klein, die gesammelten waren 50 mm lang, 20 mm breit. Zapfen- 
schuppen viel breiter als lang, stark seitlich konvex (Abbildungen zugleich 
mit den mehr langen Schuppen und kleineren, längeren, gespitzten Bracteen 
von Abies subalpina Engelm. zum Vergleich), beiderseits purpur. Bractee 
(ohne Granne) bis zur Mitte oder über die Mitte der Schuppe reichend, die 
ganze Bractee viel breiter als lang. 

Die nächste Verwandte ist Abies subalpina Engelm., für welche der 
Autor anfänglich die Arizoriatanne hielt, aber erstere ist verschieden durch 
die Blätter der unteren Äste, durchschnittlich viel kürzer als bei A. arizonica; 
die Rinde ist hart, gewöhnlich dunkelgrau, braun oder weißlich gefleckt. Die 
Zapfen sind größer und die Schuppen und Bracteen weichen sehr ab in 
Gestalt und Verhältnissen. 

Abies arizonica ist ein viel kleinerer Baum als A. subalpina. Beide 
sind hochnordische Arten der hudsonischen Zone, obgleich A. arizonica nicht 
die obere oder den Baumgrenzengürtel dieser Zone erreicht. 

Purp US, welcher zuerst Samen dieser herrlichen Tanne einführte, gibt 
in der „Gartenwelt 1901, p. 427" nochmals eine Beschreibung und auf einer 
Farbentafel Abbildung von Prachtexemplaren, welche die herrliche weiß- 
blaue Färbung und die kerzengeraden Stämme eines Bestandes veran- 
schaulichen. Er kann nicht genug die Schönheit dieses wunderbaren Baumes 
rühmen, die alles übertrifft was er bisher in dieser Hinsicht gesehen. Diese 



184 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Korktanne wächst in Beständen meist gemischt mit Pinus flexilis James und 
Pseudotsuga Douglasii Carr. Die Rinde ist nicht bei allen schön weiß, am 
schönsten an Bäumen der mittleren Region und solchen, welche nicht zu sehr 
im Schatten stehen. Die charakteristische Rinde zeigt sich erst an Bäumchen 
von 1 — 2 m Höhe. In der unteren bis zur mittleren Region ist sie, außer 
genannten Coniferen, noch mit Populus tremuloides, in der oberen mit Picea 
Engelmannii und Pinus aristata vertreten. 

Purpus nennt auch eine alpine Form, die sich, den hohen Lagen 
entsprechend, durch gedrungeneren Wuchs, auffallend silberweiße Be- 
laubung und schneeweiße Korkrinde unterscheidet, aber mit keinem besonderen 
Namen belegt werden sollte. In den blauen Färbungen finden sich ebenso 
alle Übergänge bis zu den schönsten Blauweißen. 

Sargent hält Abies arizonica nicht genügend von A. subalpina ver- 
schieden, um sie als besondere Art zu unterscheiden, ja er hält sie sogar für 
identisch mit A. subalpina, denn er erwähnt sie nicht einmal bei dieser in 
seinem „Manual of the trees". 

Wir besitzen von dieser schönen, einzig dastehenden Tanne schon 
kräftige junge Pflanzen, die an günstigen, genügend luftfeuchten Standorten, 
wie die nächstverwandten hochnordischen Arten, ein gutes Gedeihen zeigen 
und weiter versprechen. Ob bei uns in Kultur der herrliche Schmuck der 
rahmweißen Rinde, wie in den hohen Lagen an den heimatlichen Standorten 
dereinst auch gut ausgebildet zur Geltung kommen wird, muß die Zukunft 
lehren. Die stärksten Kulturexemplare zeigen schon Korkbildung. 

24. Abies sibirica Ledeb. (Fl. alt. IV, p. 202 [1833]). Sibirische Tanne. 

Syn. Pinus Picea Pall., Fl. Roß. I, p. 7 exkl Syn. et pl. caucas (1784). 
„ Pichta Fisch, ex Lodd., Cat. 1836, p. 50; Endl., Conif. 108 (1847). 
sibirica Turcz., Cat. Baikal. No. 1067 (1838). 
Picea Pichta Loud., Arb. Brit. IV, 2338 (1838). 
Abies Pichta Forb., Pin. Wob. 109, t. 37 (1839). 
Abies Semenowii Fedtsch; Bot. Zentralbl. 1898, No. 7 und Mitt. 

d. d. dendr. Gesellsch. 1898, p. 29 und 1903, p. 63. 
Pichta der Russen. 
Ak-cherschal der Tartaren. 
Chadsura der Mongolen. 
Sapin de la Siberie der Franzosen. 
Siberian Silver fir der Engländer. 
In Nord- und im mittleren Ost-Rußland, durch die Gebirge Sibiriens^ 
Dahuriens, Kamtschatkas und der Mongolei am Amur, hier mit Picea obovata, 
Larix dahurica und Picea ajanensis und Birken Wälder bildend, zumal aber 
im Altaigebirge in einer Erhebung von 650 — 1300 m bedeutende Wälder 
bildend und bis über 1700 m aufsteigend. 
Im Jahre 1820 in Europa eingeführt. 

Baum, der im Vaterlande 30 — 40 m Höhe erreichen soll, bei uns aber 
weit niedriger bleibt, mit schlank-kegelförmiger Krone. Stamm mit glatter, 
schwärzlich-grauer Rinde bekleidet. Äste quirlständig, untere überhängend, 
mittlere wagerecht abstehend. Zweige sehr dichtstehend und dicht mit Blättern 
bedeckt, glatt. Knospen rundlich, braungelb, dicht mit Harz überzogen, Blätter 



IL Klasse. Cöniferae. 185 

weich, 15—27 mm lang, 1^/^ mm breit, lineal, flach, an der Spitze ausgerandet 
oder stumpf, oberseits dunkelgrün glänzend, unterseits mit weißlichen Spalt- 
öffnungslinien, die an älteren Blättern mehr verschwinden, an den Seiten- 
zweigen fast zweizeilig, oberseits aufrecht abstehend, an den oberen und 
fruchtbaren Zweigen meist sichelförmig aufwärts gekrümmt, spitz. Männliche 
Blüten kugelig- zylindrisch, leuchtend gelb und rötlich angehaucht. Zapfen 
aufrecht, sitzend, länglich-walzenförmig-stumpf, 6 — 8 cm lang, 3 cm breit, jung 
purpurfarbig, reif hellbraun, meist mit Harz überflössen; Zapfenschuppen ge- 
nagelt, breit-keilförmig, oberer Rand abgerundet und gezähnelt-gewimpert, an 
den Seiten gezähnelt- gefranst. Bractee fast kreisrund an der Spitze aus- 
gerandet und kurz gespitzt, am Rande gezähnelt, kaum halb so lang als die 
Schuppe; Samen verkehrt-eirund-eckig, 6 — 7 mm lang mit purpurfarbigem, 
10 mm langem dünnhäutigem Flügel. 

Eine in unseren Kulturen in der ersten Jugend langsam wachsende, 
aber zierliche Tanne, ähnlich den beschriebenen Balsamtannen, von besonders 
schlankem, schmal-kegelförmigem Wuchs, welcher neben den weichen 
schmalen Blättern ein besonders gutes Erkennungsmerkmal ist. Wir finden 
in günstigen, d. h. freien hohen Lagen, bei genügender Luft- und Boden- 
feuchtigkeit, schöne Exemplare von etwa 10 — 15 m Höhe, die auch Zapfen 
und zum Teil keimfähige Samen bringen. Unter solchen ihr günstigen Be- 
dingungen sollte man diese Tanne mehr anpflanzen, denn gut entwickelt ist 
sie in der Landschaft eine sehr schöne Erscheinung. 

Nach besonders harten Wintern in rauher Lage am Starnberger See 
fand ichAbies sibirica zwischen gebräunten Tannen, Fichten und Schwarz- 
kiefern in schönen stolzen Exemplaren prächtig grün und nicht im mindesten 
beschädigt hervorragen. — In ungünstigen trockenen, zu warmen Lagen, be- 
sonders in lufttrockenen Ebenen dagegen finden wir die sibirische Tanne 
meist als Krüppel mit verkümmerten Spitzentrieben, sie treibt sehr zeitig aus 
und der junge Trieb leidet von Spätfrösten; solche Pflanzen verdienen den 
Platz im Garten nicht und man sollte, wo die günstigen Kulturbedingungen 
fehlen, diese Tanne besser garnicht anpflanzen. 

Zum forsdichen Anbau kann sie des zu langsamen Wuchses halber nicht 
empfohlen werden. 

Abies sibirica alba Fisch. 

Syn. Abies Pichta longifolia hört. 
„ „ alba hört. 

Picea Pichta longifolia hört. 
„ sibirica alba hört. 
Eine Form mit längeren und auf der Unterseite weißeren Blättern, 
welche im höheren Altai vorkommen soll. 

Einen Beleg dafür, daß da wo Bäume normal gedeihen und ihre ganze 
Kraft und Schönheit entfalten, auch in Kultur leicht abweichende Formen 
entstehen, erbringen die nachstehend verzeichneten, von Schröder in Moskau 
gewonnenen Formen (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1894, p. 23). 

Abies sibirica candelabrum Schröder. 

An den unteren Ästen bilden sich aufrechte Nebenstämme mit regel- 
mäßigen Quirlen, was nach Schröder bei der sibirischen Tanne in geringerem 
Grade öfter vorkommt, besonders auf fettem, nassem Boden. 



186 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Abies sibirica monstrosa Schröder. 
Eine monströse Form, an welcher sich kurze, büschelige Triebe entwickeln. 

Abies sibirica pendula Schröder. 

Eine Trauerform mit stark abwärts hängenden Ästen und Zweigen, 
von denen die untersten dem Boden aufliegen. 

Abies sibirica pyramidalis hört. 

Eine Form mit aufstrebenden Ästen, von einer Gärtnerei in St. Peters- 
burg in wenigen Exemplaren verbreitet. 

Abies sibirica parvula Schröder. 

Eine in allen Teilen um die Hälfte verkleinerte Abies sibirica, 
von welcher Übergänge zur normalen Pflanze vorhanden sind. Es ist dies der 
schon bei A. balsamea genannte mutmaßliche Bastard: A. balsamea x sibirica 
(nach Schröders Meinung). 

Abies sibirica pumila vel nana Schröder. 
Eine Zwergform, die einen niedrigen Busch ohne Mitteltrieb darstellt. 

Abies sibirica glauca Schröder. 

Eine Form von auffallend bläulicher Färbung und nach oben ge- 
drehten Blättern; auch in dieser Form vermutete Schröder einen Bastard 
mit balsamea. 

Eine schöne blaue Form wurde ferner bei einer Aussaat in Crenzow 
(Pommern) gewonnen, ferner: 

Abies sibirica compacta glauca, ein dichter, blauer Zwergkegel mit 
kurzen Zweigen und derben, kurzen Blättern (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1907, 
p. 44). 

Abies sibirica variegata Schröder. 

Eine bunte Form, bei welcher einzelne Triebe gelblich-weiß er- 
scheinen. Eine ähnliche bunte Form fand auch Herr Gebbers in Wiesen- 
burg i. Mark. 

Abies sibirica elegans hört. 

Syn. Abies Pichta elegans hört. 

Eine in den fürstl. Lobkowitzschen Baumschulen in Eisenberg (Böhmen) 
in Kultur gewonnene schöne Form von gedrungenem, araukarienähnlichem 
Wuchs, die Blätter sind etwas kürzer, von derberer Beschaffenheit und mit 
silberartig schimmernden Rändern. 

25. Abies nephrolepis Maxim. (Mel. biol. VI, p. 22 [1866]). 
Mandschurische oder Nierenschuppige Tanne. 

Syn. Abies sibirica var. nephrolepis Trautv. ex Maxim., Primit. Flor, 
amurens p. 260 (1859). 

In der russischen Mandschurei auf Höhenzügen am Strande häufig, im 
Süden der Provinz Mukden, in den Gebirgen der Bureja, am unteren Amur 
und längs der tartarischen Meerenge. Wohl kaum in Kultur eingeführt. 



II. Klasse. Coniferae. 187 

Nach Maximowicz eine Abies Veitchii nahestehende Art. Blätter dicht- 
stehend, Hneal-flach, unten gekielt, zwischen dem verdickten Rande und dem 
Kiel silberweiß, an den Spitzen ausgerandet, oder an fruchttragenden Zweigen 
zuweilen zugespitzt, mit kreisrunden Narben und wenig hervorragenden Blatt- 
kissen. Zapfen seitlich, aufrecht, klein, zylindrisch oder eirund-zylindrisch- 
stumpf. Zapfenschuppen fast horizontal, dicht dachziegelig, mondförmig, die 
Platte der Bracteen abgerundet, kaum abstehend, mit dem Mucro immer kürzer 
als die Schuppe. 

Sie ist nahe verwandt Abies Veitchii Carr., welche sich unterscheidet 
durch längere, immer ausgerandete Blätter, durch größere, immer zylindrische 
Zapfen, horizontale, sehr zahlreiche, nur am Rande sehr hervorragende Zapfen- 
schuppen, die ausgeprägt mondförmig, doch auch an der Basis mondförmig 
ausgeschnitten sind, durch größere, den Schuppen gleiche Bracteen, deren 
Platten, schräg abstehend, breiter als lang sind. 

Sie nähert sich ein wenig der Abies sibirica Ledeb., aber diese unter- 
scheidet sich sehr durch die um die Hälfte längeren Blätter der unfruchtbaren 
Zweige und die immer spitzen, seitlich gebogenen, dickeren Blätter der 
fruchtbaren Zweige, durch größere, breitere, oft eirunde oder eirund- 
zylindrische Zapfen, durch die Schuppen, welche dachziegelig, weniger- zahl- 
reich, am Rande breit hervorstehend, dreimal größer, keilförmig-trapezoid, 
am Rande mehr gerundet gesägt sind. Der Flügel der Samen ist verlängert, 
fast gleichseitig und nicht säbelförmig. 

Nach Komarow in Flor. Mandsch. I, p. 204 (1901) (s. Mitt. d. d. dendr. 
Gesellsch. 1903 p. 63) ist Abies nephrolepis ein schlanker Baum mit sehr 
heller, glatter Rinde und dichter Krone, von Wuchs kleiner als die mit ihm 
untermischt wachsenden Pinus koreensis und Picea ajanensis. Sie meidet 
versumpften Boden und wächst fast ausschließlich an Bergabhängen, nirgends 
bildet sie Waldungen, hebt sich aber durch ihre helle Rinde, die dunkeln 
Blätter (ungeachtet der blauweißen Linien auf den Unterseiten) und die zahl- 
reichen, anfangs rötlichen, später schwarzvioletten aufrechten Zapfen, auffällig 
von den anderen Coniferen ab. An der Südgrenze ihrer Verbreitung trifft 
man sie nicht unter 600 m ü. d. M. Masters hält unseren Baum für eine 
Varietät von A. Veitchii Carr., macht aber aus A. sachalinensis eine besondere 
Art, welche von Sctimidt als A. Veitchii var. sachaHnensis beschrieben ist, 
während doch die Unterschiede zwischen A. nephrolepis und A. Veitchii 
nicht geringer sind, nur daß Masters keine guten Exemplare von ersterer 
hatte. Maximowicz nannte zuerst seine Abies von den Quellen des Lifundin 
Abies Veitchii mandschu^ica (im russischen Herbar), trennte sie aber 
später, nach genauer Untersuchung als besondere Art ab, nahestehend der 
A. Veitchii, die aber wenig mit A. sibirica gemein hat. 

26. AMes gracilis Komarow (in Flor. Mandschur. I, p. 203 [1901], 

Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 62). Kamtschatkatanne. 

In Kamtschatka im August 1890 gesammelt. 

Baum mit glatter, weißlicher, glänzender Rinde, dünnen, zierlichen 
Zweigen und dicht stehenden, flachen, an den Spitzen ausgerandeten, linealen, 
unterseits blassen (nicht weißen und hechtblauen), 1—2 cm langen, 1^/^ cm 
breiten Blättern. Reife Zapfen 2,5 — 5 cm lang, zylindrisch, Schuppen nieren- 



188 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra- Arten. 

förmig, unten sammetweich, sehr dicht mit kurzen, rotgelben Haaren bedeckt, 
Bracteen lang, scharf-gespitzt, verkehrt-herzförmig, am Rande zerschlitzt, Flügel 
so lang wie die Samen, an der Spitze abgestutzt. Komarow fügt dieser 
Beschreibung hinzu: 

„Die mit rötlichem Flaum bedeckten Zapfenschuppen stellen die kamt- 
schatische Tanne der sachalinischen näher, die Bracteen der letzteren sind 
aber viel stärker entwickelt, da hier ihre Länge gleich den Zapfenschuppen 
ist, ihre Breite ist ebenfalls sehr ansehnlich. 

Im Herbarium des botan. Gartens in St. Petersburg hat Abies gracilis 
zwischen Exemplaren von A. nephrolepis gelegen, sie steht aber viel näher 
zu A. sachalinensis, die mit Recht als gute Art bezeichnet wird, dem Bau 
der Blätter nach steht sie sogar näher der A. sibirica und unterscheidet sich 
scharf von A. nephrolepis. 

Allgemeines haben sie nur in der nierenförmigen Gestalt der Zapfen- 
schuppen, was der ganzen Gruppe von Abies Veitchii gemeinsam ist." 

Zapfen klein, dunkel-olivengrün. 

27. Abies sachalinensis Mast, (in Gard. Chron. 1879, p. 588 cum ic). 
Sachalintanne (Fig. 41). 

Syn. Abies Veitchii var. sachalinensis Fr. Schmidt. Reisen im Amur- 
land und auf der Insel Sachalin in Mem. de l'Acad. Imp. des 
Scienc. de St. Petersb. VII, Ser. Tom. XII, No. 2. 
Todomatzu; Awo-todo der Japaner. 

Auf der ganzen Insel Sachalin, besonders im Westen und Süden mit 
Picea ajanensis den Hauptbestandteil der Wälder ausmachend. In Japan auf 
Kokkaido. 

Im Jahre 1879 von Maries in Europa eingeführt. 

Baum von 40 m, höher wie Abies Veitchii mit schlanker Krone und 
längeren, horizontalen Ästen, Stamm gerade mit hellgrauer, glatter Rinde 
bekleidet; Zweige allseitig beblättert, aber die Blätter sind so gebogen, daß 
sie fast zweizeilig, mehrreihig und deutlich gescheitelt erscheinen. Blätter 
weich, lineal-sichelförmig, stumpf, an der Spitze ausgerandet, sitzend, an der 
Basis gedreht, bis 28 mm lang, oben gerinnt, unten, zumal an den jungen 
Blättern beiderseits des vortretenden Mittelnervs, mit nur mattweißen Spalt- 
öffnungslinien gezeichnet. Blattnarben schief -kreisförmig; Blattkissen etwas 
hervorragend, rautenförmig, herablaufend, an jungen Zweigen weichhaarig. 
Zapfen aufrecht, sitzend, zylindrisch-stumpf, beiderseits etwas verschmälert, 
6 — 8 cm lang, 2^/2 — 3 cm breit, Schuppen lederartig, gestielt, keilförmig, an 
der Spitze breit-nierenförmig, am oberen Rande rund eingebogen, bestäubt- 
weichhaarig, an den Seiten häutig gezähnelt, unten öfter in einen Zipfel aus- 
laufend. Bractee häutig, an der Basis gestielt, der Schuppe angewachsen, 
oben frei, schief -herz- oder kreisförmig, am Rande gezähnt, in eine feine 
Spitze verlängert, über die Schuppe zurückgeschlagen. Samen 5 mm lang, 
eckig-keilförmig mit gleichlangem, breitem, schiefem, grau- violettem Flügel. 

Von Abies Veitchii unterscheidet sie sich sofort durch die schmaleren 
Blätter, die blassen, nicht silberweißen Blattunterseiten, die vorstehenden 
Bracteen, durch die kleineren, am Rande eingebogenen weichhaarigen, an den 



II. Klasse. Coniferae. 



189 



Seiten gezä hnelten, nicht geohrlappten Schuppen, durch die wenig längeren 
nicht sichelförmigen Flügel der Samen. 

Schmidt stellt die Sachalintanne als Form zu Abies Veitchii, 
nachdem er sie früher als Art (A. sachalinensis) beschrieben und Maximowicz 
ist, nach briefhchen Mitteilungen, seiner Ansicht. Masters betrachtet sie 
wohl mit Recht als Art; es ist eine recht charakteristische Tanne, die augen- 
scheinhch zwischen A. Veitchii und A. sibirica steht. Von letzter sind junge 
Pflanzen der A. sachalinensis nur an den rötlichen harzbedecktei^ 
Knospen, die kurz vor dem Aufbrechen immer lebhafter rot werden, zu 
unterscheiden; dann auch durch die regelmäßiger gescheitelten, üppigeren 
Blätter (s. Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1896, p. 65). 



I 




Fig. 41. Abies sachalinensis Masters. 1 Zweigmit reifen Zapfen; 2 Blatt, Unterseite (vergr.); 3 Zapfen- 
schuppe, Außenseite mit Bractee; 4 Schuppe, Innenseite mit Samen. 



Mayr in Monogr. d. Abietin. d. jap. Reiches 1890, p. 42 mit Farben- 
tafel, unterscheidet: 

Abies sachalinensis forma typica Mayr, bei welcher die hellgelb-grünen 
Bracteen weit über die Schuppen zurückgeschlagen sind. Die dunkeloliven- 
grünen Zapfen sind etwa 9,5 cm lang, 3 cm dick. Die Blätter an jungen 
Pflanzen 3 — 4 cm an den Seiten und 2 — 2,5 cm an den Oberseiten der Triebe. 
Die Triebe sind kurz behaart. Die Blätter des alten Baumes 3 — 4 cm lang, 
an den Spitzen gekerbt. Diese Form kommt in West-Eso und auf Sachalin vor. 

Abies sachalinensis nemorensis Mayr. Blätter an zapfentragenden Bäumen 
2,5—2,7 cm lang, 1 mm breit, am Haupttrieb des Zweiges an der Basis gedreht, 
Blätter sichelförmig, mit kurzer einfacher Spitze, Blätter der Seitentriebe mit 
einer kleinen Kerbe an der Spitze, junge Triebe anfangs grün, später braun 



190 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

behaart. Zapfen 6,5 cm (von 5,8 cm an), also kleiner, Bractee 1 cm hoch, 
6 mm breit. Zapfenschuppe 1,2 cm hoch, 1,7 cm breit, halbmondförmig ge- 
bogen. Die Bracteen sind also eingeschlossen. Die Länge der Bracteen 
scheint bei dieser Art zu schwanken, nach von Maries gesammelten Exem- 
plaren. Sie kommt auf Bergen in Nordost-Eso und auf den Kurilen vor. 

Professor Sargent erwähnt eine Form mit roter Rinde, rotem Holze 
und roten Bracteen der Zapfen, welche Prof. Miyabe bei Sapporo auffand 
(Forest Flora of Japan 83). 

Die Sachalintanne zeigt sich bei uns als eine raschwüchsige, sehr zierliche, 
schlanke Tanne, die schon in recht stattlichen Exemplaren vorhanden und 
gleich Abies Veitchii ein wertvoller Zierbaum ist, aber in Kultur häufig mit 
anderen verwandten Tannen, sowohl in Pflanz- wie in Saatgut, verwechselt wird. 

Zapfen klein, walzlich, dunkelblau. 

28. Abies Veitchii Carr. (Conif. 2. ed., p. 309 [18671). 
Veitchs Tanne. (Fig. 42.) 

Syn. Picea Veitchii Lindl. in Gard. Chron. 1861, p. 23. 

Pinus selenolepis Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 427 (1868). 

„ Veitchii Mc. Nab., Proc. R. Irish Acad. p. 686 (1876). 

Abies Eichlerii^) Lauche, Berlin. Gartenzeit. 1882, p. 63, mit Abbild. 

Shirabe, Aobiso, Shira-tsuga, Riusen der Japaner. 

Auf allen höheren Gebirgen Zentral- Japans bis zum 39. ^ n. Br. auf dem 

Berge Fusi-Yama in einer Erhebung von 2000 — 2300 m. 1860 von J. G. Veitch 

entdeckt. Nach Maxim owicz bei Hacodate kultiviert und auch in der süd- 



1) Der verstorbene Garteninspektor W. Lauche in Potsdam beschrieb als Abies Eichlerii 
eine neue Tannenart, welche er aus Samen erzogen hatte, der ihm 1870 von Herrn Dr. Radde 
aus dem Kaukasus zugesendet war. Ein einziger Samen nur war gekeimt und dieser Sämling 
zu einem 3 m hohen Baume erwachsen. Lauche hielt die Tanne, welche im Wuchs große 
Ähnlichkeit mit der Nordmannstanne zeigte, für eine Form derselben mit auffallend silberweißen 
Blattunterseiten und sah sie als aus dem Kaukasus stammend an. 

Als der junge Baum 1881 Zapfen trug, glaubte Lauche, der abweichenden Zapfen 
wegen, eine neue Art zu erkennen und nannte sie zu Ehren des verstorbenen Professors 
Dr. Eichler, Direktor des Botanischen Gartens zu Berlin, Abies Eichlerii und gibt folgende 
Beschreibung : 

„Ein 80 m hoher, meist von der Basis an regelmäßig mit Ästen besetzter Baum; Rinde 
bräunlich-grau; Blätter zweizeilig, oft fast ringsum gestellt, aufwärts gerichtet, gekerbt, an der 
Spitze abgerundet, ünterseits mit zwei breiten, bläulich-weißen Längsstreifen versehen, junge 
Triebe bläulich-grün; Zapfen 70 mm lang, 22 mm breit, schwarzblau, walzig, am Stiel abge- 
rundet, an der Spitze kurz-kegelförmig, Deckschuppen schwach gezähnt, mit einer kurzen, hervor- 
ragenden Spitze versehen, Fruchtschuppen deutlich gestielt, Samen geflügelt, Flügel so lang 
wie die Fruchtschuppe. Von Abies Nordmanniana durch die schwarzblauen Zapfen, durch die 
weiße, heller gefärbte Unterfläche der Blätter und durch die blaugrünen, jungen Triebe unter- 
schieden." 

Da männliche und weibliche Blüten zugleich am Baume erschienen, nahm Lauche eine 
künstliche Befruchtung vor und erzog 14 gut ausgebildete Zapfen und keimfähigen Samen. Auch 
Herr von St. Paul säete von demselben aus und erzog zwei Sämlinge, welche Sämlingen von 
Abies Veitchii ähnlich sehen und ein kräftiges Gedeihen zeigen. 

Zweige dieser schönen Tanne wurden von Lauche auf Abies Nordmanniana veredelt. 
Herr von St. Paul besaß in Fischbach gegen 5 m hohe Exemplare davon und Herr Dr. Bolle 



II. Klasse. Coniferae. 



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192 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. • 

östlichen Mandschurei vorkommend. In China auf dem Thae-pei-san, Vigo- 
san, Huan-tou-san von Pater Giraldi gefunden. 

Im Jahre 1879 von Maries in Europa eingeführt. 

Als Abies japonica (nomen nudum) nach Garden and Forest X, p. 511 
in Nord-Amerika einige Jahre früher als in Europa eingeführt. 

Schöner Baum von 30 — 40 m Höhe, dicht mit verhältnismäßig kurzen, 
quirlständigen, horizontal abstehenden Ästen besetzt. Stamm und Äste mit 



ein stattliches Exemplar; weiter wurden Zweigveredelungen durch die Firma P. Smith & Cie. 
echt verbreitet, auch Verfasser besitzt solche Veredelung von der Originalpflanze und hielt sie 
anfänglich mit manchen Autoren (in dem Glauben, daß diese Tanne aus dem Kaukasus stamme) 
für eine kleinzapfige Form der Nordmannstanne, um so mehr, da von letzterer auch Sämlinge 
mit auffallend weißen Blattunterseiten, dazu Übergangsformen und solche mit größeren odei 
kleineren Zapfen vorkommen, die man in Gärten irriümlich heute noch als Sämlinge von A. 
Eichlerii bezeichnet. 

Da aber im Botanischen Garten in Bonn diese Originalpflanze zufällig neben einer jungen 
Pflanze von Abies Veitchii Carr. steht, so fiel mir je länger je mehr die große Ähnlichkeit 
beider auf; auch von anderen befreundeten Herren war die gleiche Beobachtung gemacht worden, 
zumal auch von Herrn Hennings, welcher im Botanischen Museum in Berlin genau die in 
Alkohol befindlichen Originalzapfen, die Lauche selbst nebst Blüten dem Museum geschenkt, 
mit Zapfen von A. Veitchii verglich, welche von Maximowicz in Japan auf dem Fusi-Yama 
gesammelt wurden. Genaue treffliche Zeichnungen (s. Fig. 43) und eingehende Beschreibung 
der Zapfenschuppen, Bracteen, Samen und Blätter von Herrn Hennings ;^s. Gartenflora 1890, 




io 11 



Fig. 43. 1, 2, 3, 10 Abies Veitchii Carr. 4, 5, 6, 11 Abies Eichlerii Laucbe. 
7, 8, 9, 12 Abies Nordmanniana Lk. 



p. 379), wozu nach Koehne noch der genau übereinstimmende anatomische Bau der Blätter 
kommt, ergeben denn auch auf das Genaueste die Gleichheit der A. Veitchii und 
A. Eichlerii Lauche und zugleich, daß letztere unmöglich zu A. Nordmanniana 
gehören kann. Es muß hier also eine Verwechslung vorliegen, entweder wurde der Samen 
etwa mit aus Japan stammendem Samen verwechselt, oder auch durch Zufall könnte ja ein 
Sämling von A. Veitchii anstatt des vermeintlichen Kaukasiers gepflanzt sein. 

Inzwischen sind die größten Anstrengungen gemacht worden, Samen der Abies Eichlerii 
aus dem Kaukasus einzuführen; aber trotz eifrigster Nachforschung ist es nie gelungen, eine 
A. Eichlerii Lauche aufzufinden. Daba bei Borschom wurde als Fundort zumal genannt, 
aber die nach großen Schwierigkeiten mühsam erlangten Samen der vermeintlich echten A. 
Eichlerii ergaben dem Kaukasus eigentümliche A. Nordmanniana in den angeführten Abweichungen 
und Übergängen. Ich selbst besitze durch die Güte des Herrn Scharrer eine solche Original- 
pflanze, die dies unverkennbar bestätigt. Russische Botaniker, welche die im russischen Reiche 
vorkommenden Coniferen genau kennen, haben auch erklärt, daß es keine A. Eichlerii im 
Kaukasus gäbe und somit halten auch wir daran fest, zumal das hier abgebildete Original- 
material die Gleichheit so unumstößlich sicher beweist. 



IL Klasse. Coniferae. 193 

weißlicher Rinde bekleidet. Zweige durch die Blattkissen etwas runzelig, 
junge Triebe rötlich, kurz behaart, später grau -gelblich. Knospen rötlich, 
glänzend, rundlich, mit Harz überzogen. Blätter sehr dichtstehend, die Ober- 
seite der Zweige deckend und hier bedeutend kürzer als an den Seiten, 12 bis 
25 mm lang, kaum 2 mm breit, an den unfruchtbaren Zweigen mit ausge- 
randeter Spitze, an den fruchtbaren Zweigen stumpf-gespitzt, oberseits glänzend- 
grün und gerinnt, unterseits mit vortretender Mittelrippe, beiderseits mit silber- 
weißen Spaltöffnungslinien versehen. Zapfen aufrecht, fast zylindrisch, 
sitzend, dunkelblau, 6 — 7 cm lang, 2^/2 — 3 cm breit. Zapfenschuppen sehr 
dichtstehend, fast horizontal angedrückt, lang genagelt, oben fast halbmond- 
förmig ganzrandig, an den Seiten ohrlappenförmig umgebogen; Bractee so 
lang als die Schuppe oder mit den Spitzen hervorragend und zurückgeschlagen, 
aus keilförmigem Grunde rundlich, oben ausgefressen-gezähnelt und gespitzt. 
Samen verkehrt-eirund, keilförmig-eckig, gelblich, mit kurzem, sichelförmigem, 
abgestutztem, schwärzlichem Flügel. 

Mayr (in Monogr. d. Abietin. d. jap. Reiches 1890, p. 39, mit Farben- 
tafel) unterscheidet zwei Formen, nämlich forma typica mit hervorstehen- 
den und zurückgeschlagenen Bracteen, und eine var. nikkoensis mit ein- 
geschlossenen oder nur mit den Spitzchen hervorragenden Bracteen ; dieselbe 
hat zugleich kleinere Zapfen, meist nur 5 cm lang, 2 cm breit. Mayr glaubt 
aber in Fremdländ. Wald- und Parkbäume 1906, p. 260 diese Nikkotanne kaum 
als Varietät aufrecht erhalten zu können, da die Länge der Bracteen wie die 
der Blätter sehr schwankt. Ich kann dem nur zustimmen aus eigener An- 
schauung. Das oben genannte, von Pater Giraldi in Shen-si gesammelte 
Material zeigt Abweichungen in Zapfengröße und Bracteenlänge, Blätterlänge 
und Form; die Zapfen schwanken zwischen 4^/2 — 6^/2 cm Länge bei 3 cm 
Breite; auch reichlich männliche gestielte, 10 mm lange, 5 mm breite rötlich- 
braune Blüten und ganz kleine, schwarzblaue Zäpfchen waren dabei (Mitt. d. 
d. dendr. Gesellsch. 1898, p. 31, 33; 1901, p. 76 und 1902, p. 70). Auch Hesse- 
Weener führt Formen mit eingeschlossenen und hervorragenden Bracteen, 
mit hellen Zapfen (light cones) und mit schwarzblauen Zapfen (black cones) 
aus japanischen Samen an (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1902, p. 87). Außer- 
dem finden wir Formen, welche die üppigen Blätter mehr nach oben stellen, 
so daß die silbernen Blattunterseiten so recht zur Geltung kommen und 
solche Exemplare dekorativ besonders wertvoll machen. Dies kommt ja 
auch bei anderen Tannen, z. B. bei Abies Nordmanniana, vor; es darf uns 
aber nicht verleiten, in solchen Erscheinungen besondere Varietäten erblicken 
zu wollen. 

Eine schlank und üppig aufwachsende reizende Tanne, die, wie schon 
angeführt, in den Gärten öfter mit Abies homolepis (brachyphylla) 
verwechselt wird, da leider früher Samen von letzterer unter dem Namen 
A. Veitchii verbreitet wurden. Sie hat in Zweigen und Blättern auf den 
ersten Blick Ähnlichkeit mit A. Nordmanniana, zumal auch von letzterer bei 
Aussaaten Pflanzen mit auffallend weißen Blattunterseiten vorkommen. Als 
Baum hoher Gebirge hat sie sich bisher ganz hart in unseren Kulturen ge- 
zeigt und recht ansehnliche, bis 10 m hohe Exemplare, wie sie schon vor- 
handen sind und auch schon reichhch Zapfen trugen, zeigen uns den hohen 
dekorativen Wert dieser Tanne, die mit den silberweißen Blattunter- 
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 13 



194 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Seiten einen auserlesenen Sciimuck für unsere Gärten ausmacht und nicht 
warm genug zur Anpflanzung empfohlen werden kann. 
♦ 

29. Abies Delavayi Franch. (in Journ. de Bot. XIII, 1899, p. 255 und in 
Gard. Chron. 1906, p. 212 und 213, mit Abbild.). Delavays Tanne. 

In Yunnan (China) von Pater Delavay auf dem Gipfel des Tsang Chan in 
3500 — 4000 m Erhebung und von Faber auf dem Gipfel des Omei aufgefunden. 

Nach Wilson ein Baum von 7—17 m Höhe. Die Blätter sind 15—25 mm 
lang, 1,5 mm breit und an den Spitzen flach eingekerbt, sie sind an den 
Rändern eigentümlich eingerollt, so daß sich im Querschnitt eine 
CO förmige Figur ergibt. Die Harzkanäle liegen in der Blattsubstanz. Die 
Zapfen sind dunkelpflaumenblau, länglich-zylindrisch abgestutzt, 6 — 7 cm lang, 
3 cm breit. Die Bracteen sind breit-länglich, spateiförmig, plötzlich in ein 
kurzes, über die Schuppe hinausragendes Spitzchen, auslaufend. Die Schuppen 
sind keilförmig, an der Basis rundlich und oben fast ganzrandig, die Samen 
eirund mit etwas längerem, breitem, oben gerade abgestutztem Flügel. 

Die Abbildung zeigt, neben allen beschriebenen Einzelheiten, einen Zweig 
mit drei nebeneinander stehenden Zapfen, welche die festanliegenden, eng- 
stehenden Schuppen und vorstehenden Spitzchen der Bracteen gut zeigen 
und zugleich die unverkennbare Verwandtschaft mit Abies Veitchii, 
wenn auch Blätter, Zapfenschuppen, Bracteen und Samen Unterschiede auf- 
weisen. 

Bläff er ausgerandef; Zapfen fonnenförmig, dunkelblau. 

30. Abies Fargesii Franch. (in Journ. de Bot. XIII [1899], p. 265 und in 

Gard. Chron. 1906, p. 213, mit Abbild.). Farges Tanne. 

Lien Sha oder Tao Sha der Chinesen. 

In Zentral- und West-China nie unter 2000 m hinabgehend, bis 3800 m 
aufsteigend und ganze Waldungen bildend. Die Tempel in den höheren 
Lagen sind alle aus ihrem Holze erbaut. 

Nach Wilson hier die gemeine Tanne, er nennt sie sicher eine der 
schönsten chinesischen Coniferen, von welcher er Bäume von nahezu 65 m 
Höhe bei über 8 m Stammumfang gesehen habe. Von Abies Delavayi weicht 
sie in den Blättern ab, welche auf den Unterseiten sehr weiß sind, fast flach, 
obschon öfter nach unten umgerollt wie bei voriger. Sie sind am Zweige 
mit männlichen Blüten 20 mm lang, 2 mm breit, etwas sichelförmig gebogen, 
an der Spitze eingekerbt, am Zapfenzweige üppig rings um den Zweig gestellt, 
10 — 15 mm, an den Spitzen nur 5 mm lang. Die Harzkanäle Hegen fast in 
der Epidermis in den äußersten Kanten des Blattes. Die Zapfen sind tief 
purpurrot gefärbt und tonnenförmig, 8 cm lang, 4 cm breit, die Bracteen 
schmal an der Basis, spateiförmig, in ein kurzes, nicht die Schuppe über- 
ragendes Spitzchen auslaufend. Die Zapfenschuppen sind breit, an der Basis, 
unten mit Ohrlappen, nicht keilförmig, oben gerundet ganzrandig. Das Holz 
wird als Werkholz viel genutzt, ist weich und von geringem Wert. Die gute, 
sehr vollständige Abbildung aller Teile von A. Fargesii zeigt die unver- 
kennbare nahe Verwandtschaft mit A. Mariesii Mast., wenn auch 
hier in den einzelnen Organen sich Abweichungen von derselben ergeben. 
Beide genannte chinesische Arten sind schon in gut gedeihenden Exemplaren 



II. Klasse. Coniferae. X95 

in der Gärtnerei von James Veitcli & Sons in Combe Wood bei London 
vertreten. 

31. Abies squamata Mast, (in Gard. Chron. 1906, p. 299, mit Abbild.). 
Schuppenrindige Tanne. 
To-ma der Chinesen. 

Im westlichen China nahe Tatien-lu in Wäldern zwischen 4000 — 4600 m 
Erhebung reine Bestände und Wälder bildend. 

Schöner Baum von 17 — 40 m Höhe. Äste mit dünner, in papier- 
artigen Streifen sich lösender, rotgelber Rinde bekleidet. Jüngste 
Zweige schwärzlich behaart, Blattnarben kreisrund, blaß. Blätter dicht spiralig 
angeordnet, 16 — 20 mm lang, 2 mm breit, lineal, gebogen, spitz oder stumpf, 
oben gerinnt, unten gekielt, Harzkanäle in der Blattsubstanz Hegend. Männ- 
liche Blüten 25 mm lang, zylindrisch, Antheren länglich-stumpf. Zapfen 5 — 6 cm 
lang, 3^/.2 cm breit, länglich-eirund, violett. Bracteen mit der Spitze über die 
Schuppen hervorragend, spateiförmig, am Rande gesägt und gespitzt, die Spitze 
umgebogen und leicht abbrechend. Schuppen oben breit, gewölbt, an der 
Basis keilförmig verschmälert. Samen länglich-eirund, 6 mm lang, 2 mm breit, 
mit blaß-braunrotem, breitem, beilförmigem Flügel. 

Eine der bemerkenswertesten von Wilson in West-China entdeckten 
Coniferen, und besonders der eigentümlichen, sich lösenden Rinde wegen 
auffallend. 

Nach Wilson tritt diese Art in den für Tannen, überhaupt für Coniferen 
höchsten Regionen in diesen Gegenden aaf. 

Das Holz ist von guter Qualität und wird von den Tibetanern als Bauholz 
geschätzt. 

Sehr gute Abbildungen zeigen die eigenartig sich abblätternde Rinde 
des Astes, Zweig mit Zapfen und alle einzelnen Teile, auch Blätter, Schuppen, 
Samen, Blattquerschnitt vergrößert. Auch diese Tanne dürfte mit Abies 
Fargesii als A. Mariesii nahe verwandt zu betrachten sein. 

32. Abies Mariesii Masters (in Gard. Chron. 1879, p. 788 cum ic). 
Mariestanne, Aomoritanne. (Fig. 44.) 
Aobo-momi, Aomori-Todomatsu, Oshirabiso der Japaner. 

In Nord- Japan bei Aomori auf dem Berge Hakoda und auf dem Nantaisan 
bei Nikko in einer Erhebung von 1000 — 2300 m gemeinsam mit Abies Veitchii 
in einer seichten Erdschicht auf vulkanischen Trümmern wachsend. 

Im Jahre 1879 durch Maries in Europa eingeführt und ihm zu Ehren 
benannt. 

Nach Masters großer, pyramidaler Baum von etwa 25 m Höhe und 
0,60 m Stammdurchmesser mit starken, abstehenden Ästen, die unteren über- 
hängend und mit den Spitzen aufwärts gerichtet. Ältere Zweige glatt hellgrau 
mit kaum vorstehenden Blattkissen, jüngere Zweige rötlich-braun und die 
jungen Triebe dicht behaart. Knospen kugelig, dunkelbraun, mit Harz über- 
zogen. Blätter an den Haupttrieben gerade und ringsum stehend, an den 
seitlichen Zweigen stehen sie durch Drehung an der Basis zweiseitig, an den 
jungen unfruchtbaren Zweigen fast vierreihig, die Blätter der mittleren Reihen 

13* 



196 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

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sind nur halb so lang (7 — 10 mm) als die seitlichen und liegen dem Zweige 
dicht an. Alle sind flach, oberseits tief gefurcht, glänzend, unten gekielt 



II. Klasse. Coniferae. 197 

und mit zwei weißen Spaltöffnungslinien, an der Spitze ausgerandet, 15 — 25 mm 
lang. Zapfen dunkelblau, tonnenförmig mit abgerundeter Spitze, 7 — 9 cm lang, 
4 — 4^/2 cm breit, reif dunkelbraunrot; Zapfenschuppen aus keilförmigem Grunde, 
oben breit, abgerundet, ganzrandig, an den Seiten mit stumpfen Haken. Bractee 
unten keilförmig, nach oben kreisrund, dreilappig und gezähnelt, etwa um 1/3 
kürzer als die Schuppe. Samen verkehrt-eirund, 10 mm lang, 5 mm breit, 
hellgelb-rötlich, mit breitem beilförmigem Flügel, der fast so lang als die 
Schuppe ist. 

Diese, durch die ganz flachen, dicht mit Blättern bedeckten Zweige 
junger Bäume, außerordentlich charakteristische Tanne ist noch sehr selten 
echt in Kultur und meist, einerseits mit Abies sachalinensis, zumal aber mit 
A. homolepis verwechselt; dadurch allein erklärt sich auch die sonst ganz 
unverständliche Angabe, daß sie letzterer sehr ähnlich und nahe verwandt 
sei, während sie gerade recht wenig mit homolepis gemein hat, sondern der 
Veitch- und Sachalintanne viel nähersteht. 

Es ist eine sehr zierliche Tanne, die sich unbedingt frosthart zeigte 
und als hochnordischer Baum, unter günstigen Bedingungen, zumal bei ge- 
nügender Frische und Luftfeuchtigkeit, zu schönen Exemplaren bei uns ent- 
wickeln dürfte. ♦ 

33. Abies recurvata Mast. (Linn. Soc. Journ. Bot. XXXVII, 1906, p. 423), 
Zurückgekrümmt blättrige Tanne. 

Im westlichen China „Min Valey" in Wäldern in einer Erhebung von 
2600— 3200 m (Wilson 3021). 

Baum von 17 — 27 m Höhe mit rotbrauner Rinde, Zweige glatt, blaßgelb, 
Blattkissen länglich-spatelförmig, runzelig, etwas vorstehend, Blattnarben kreis- 
rund weißlich, jung rotgerandet. Knospen fast rund, blaßgelb mit Harz über- 
zogen. Blätter dicht spiralig angeordnet, stark aufwärts gekrümmt, 10 
bis 12 mm lang, 2 — 3 mm breit, lineal-zungenförmig, gebogen, an der Spitze 
abgerundet spitzlich, oberseits gerinnt blaugrün, unterseits beiderseits des 
vorspringenden gekielten Mittelnervs mit Spaltöffnungsreihen. Harzkanäle 
zwei, rückenständig, unter der Epidermis am Rande liegend. Hypodermis 
dick. Zapfen gehäuft, kurz gestielt, 7 — 8 cm lang, eirund-länglich? Bracteen 
fast so lang als die Schuppen, spateiförmig, am oberen Rande gezähnt, nach 
der Spitze zu dreieckig ausgezogen. Schuppen fast lederartig quer elliptisch, 
2 cm lang, 1 cm breit, am Grunde zwischen runden abstehenden Lappen 
keilförmig verschmälert. 

Nach Mr. Wilson eine sehr merkwürdige Art, unähnlich irgend einer 
anderen, durch ihre stark aufwärts gekrümmten Blätter. Er spricht 
von ihr als einer sehr lokalen Art, die ganze Wälder im Min-Tal bildet, eine 
Tagereise südlich von Sung-pan. Die Blätter sind dunkelgrün oder sehr 
bläulich und sehr wandelbar in dieser Hinsicht. Diese Art wurde im Sep- 
tember 1903 gesammelt, aber die Zapfen waren schon zerfallen, und W. konnte 
nur noch halbe Zapfen sammeln. Die Zapfen sind klein, aufrecht, braun und 
sitzen gehäuft an den Spitzen der Äste und nahe dem Wipfel der Bäume. 
Das Holz ist hart, harzig und hoch geschätzt für Bauzwecke. Ich verfehlte, einige 
Samen zu erlangen, so daß diese Art nicht in Kultur ist. — Wilson in litt. 



IQg Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Die Tannen liefern uns die herrlichsten Dekorationspflanzen, alle 
sollten ganz freigestellt werden, sei es einzeln, oder zu lichten Gruppen 
vereinigt, da sie nur so, frei von jedem Druck, ihre ganze Schönheit entfalten 
und ihre edlen Formen: der pyramidale Wuchs, die quirlförmige, mehr oder 
minder leichte Beästung, die schöne Belaubung in verschiedener Färbung 
nebst Zapfenschmuck zur wahren Geltung kommen. Der Zier- wie der etwaige 
Nutzwert wurde schon bei den einzelnen Arten aufgeführt, ebenso was das 
Ausdauern im Klima von Deutschland anlangt. Unstreitig sind die Tannen 
(Weißtannen) (Abies) im allgemeinen empfindlicher und anspruchsvoller wie 
die Fichten (Rottannen) (Picea), auch ist das Holz der letzteren als Nutzholz 
ungleich wertvoller als das der ersteren. Bei Abies pectinata wurden schon 
die den Tannen günstigen Kulturbedingungen angegeben, vor allem verlangen 
sie leicht beschattete, geschützte Lagen und genügende Luftfeuchtigkeit, weshalb 
feuchtes See- oder Gebirgsklima am günstigsten für sie ist, während sie in 
lufttrockenen Ebenen kränkeln und oft gar nicht aufzubringen sind. Dies gilt 
schon von A. pectinata, die hier kümmert und in sogen. Frostlagen (Talmulden, in 
denen die kalten Niederschläge [Früh- und Spätfröste] so großen Schaden tun) 
oft stark zurückfriert, geschweige denn von den zarteren, ausländischen 
Arten. In solchen ungünstigen Lagen sollte man besser keine Tannen pflanzen, 
oder man muß ihnen geschützte Lagen, seitlichen Schutz, ohne zu starke 
Überschirmung, geben können, sie also z. B. in lichte Waldbestände ein- 
sprengen. Ungleich gefährlicher als die Winterkälte w^rd den Tannen das 
Frühjahr, wo so häufig durch zu zeitig eintretende Wärme der junge Trieb 
hervorgelockt und dann durch Spätfröste wieder zugrunde gerichtet wird. 

Weiter ist eine Einwirkung der Sonne sowohl im Winter auf die ge- 
frorenen Pflanzen, wde die noch weit schädlichere Wirkung im März zu ver- 
hindern, man sorge daher für Schutzpflanzungen gegen Osten und Süden, 
da im Halbschatten das Gedeihen ein gutes ist, oder lasse es sich nicht 
verdrießen, freistehende Exemplare seltener Arten durch leichte Schutzwände 
von Nadelholzreisig, Packleinewand und Rohrdecken etc. zu schützen, wodurch 
zugleich die schädlichen ausdörrenden Ostwinde abgehalten werden. 

Die Tannen lieben frischen, gleichmäßig feuchten, genügend tief- 
gründigen, besonders aber Lehmboden und kümmern in zu trockenem, 
sandigem, zumal aber in hitzigem Kalkboden. 

Die Vermehrung geschieht in erster Linie durch Aussaat, und zwar 
sind die Samen möglichst bald nach der Reife zu säen, Arten, von denen 
kein Samen zu erlangen ist und Formen werden durch Veredlung, Anplatten 
oder Einspitzen auf Abies pectinata im Vermehrungshause im Juli, August, 
September, wo sie meist besser als im Frühjahr anwachsen, seltener durch 
Ableger, oder durch Stecklinge im Spätsommer und Herbst im Vermehrungs- 
hause fortgepflanzt, auf letzte Weise vermehrt man mit Vorteil die Zwerg- 
formen, welche weit leichter wie die normalen Pflanzen wachsen. Zu Steck- 
lingen sowohl wie zu Veredlungen wählt man Zweige von jungem, gut 
ausgereiftem Holz und sollten nach Möglichkeit Hauptachsen (Kopf triebe), 
keine Seitentriebe, gewählt werden, da letztere in Zweigform fortwachsen und 
schwer und oft sehr langsam erst Köpfe bilden und nur durch sorgfältiges 
Aufbinden nach und nach zu regelmäßigen Pflanzen zu erziehen sind. Ver- 
mehrung normaler Pflanzen durch Stecklinge ist in Europa wenig gebräuchlich; 



II. Klasse, Coniferae. 199 

je nach klimatischen und Bodenverhältnissen wird diese Vermehrungsart in 
manchen Ländern wohl mit mehr Glück betrieben, so werden nach Scharrer 
(Gartenflora 1887, p. 143) in Suchum Kaie am Schwarzen Meere, z. B. A. Nord- 
manniana und A. Pinsapo mit großer Leichtigkeit durch Stecklinge vermehrt, 
und wie angegeben vermehrt man in England A. nobilis durch Ableger. 

Keteleeria Carr. (Conif. 2. ed., p. 260 [1867]). Keteleers Tanne. 
Abietia Kent in Veitch Man. of the Conif. 1900, p. 485. 

Blüten einhäusig, männliche zahlreich fast gehäuft, klein, lineal, stumpf, 
kürzer als die Blätter (nach Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 431). Nach 
Professor Pirotta in Bulletino della R. Societä toscana di Orticultura 1887, 
p. 269: Sul genere Keteleeria di Carriere etc. gibt der Autor nach Beobachtung 
des blühenden, weiter unten aufgeführten, wohl größten europäischen Exemplars 
im Rovellischen Garten in Pallanza am Lago Maggiore, folgende Beschreibung: 
„männliche Blüten ganz ähnlich denen von Pseudolarix Kaempferi, jeder 
Blütenstand besteht aus einem ganz kurzen Stiel, oben mit einer Art Blüten- 
boden voll trockenhäutiger, halb durchsichtiger Schuppen, die nach oben zu 
allmählich länger werden; die Blüten stehen auf einer Verbreiterung des Stiels 
und gerade auf seinem Rande, so daß sie einen Kreis oder falschen Quirl 
bilden, nur eine oder zwei davon ragen aus der Mitte des erweiterten Stiels 
hervor, alle sind von Schuppen, die etwas länger als sie selbst sind, um- 
geben. Jeder Blütenstand trägt neun bis zehn etwa 1 cm lange Blüten, hat 
eine fast prismatische Form und ist nach obenhin etwas verdünnt und 
stumpf. 

Die peripherischen Blüten sind leicht gebogen, d. h. konvex nach außen, 
konkav nach innen und liegen den sie bedeckenden Schuppen ziemlich dicht 
an, sie berühren sich mit dem oberen freien Ende und stehen nur später 
etwas auseinander. Jede Blüte besteht aus einer kurzen Achse, die unten 
auf eine kurze Strecke nackt, einen feinen aber deutlichen Stiel bildet. Alles 
übrige ist dicht, mit den Staubbeuteln von fast kegelförmiger Gestalt besetzt 
und gebildet aus einem kleinen, sitzenden Schüppchen, zwei Pollensäckchen 
tragend, die sich beim Aufspringen in etwas schrägen Querspalten öffnen. 
Pollen gelb. Seine Körnchen sind wie bei vielen anderen Abietineen mit 
zwei seitlichen Luftbläschen versehen." 

Zapfen aufrecht zylindrisch oder länglich-eirund-stumpf, Schuppen 
bleibend, lederartig-holzig, Bracteen eingeschlossen, halb so lang als die 
Schuppen, Samen groß, verkehrt-eirund-länglich mit gleich langem, breitem, 
abgestutztem Flügel. 

Große, immergrüne Bäume mit voller, im Alter schirmförmiger Krone, 
Blätter fast zweizeilig, oder mehr oder minder zerstreut, steif, abstehend, 
lineal flach, über der Basis gedreht, lang und scharf gespitzt, oder stumpf, 
auf der Unterseite blaßgrün, ohne hervortretende weißliche Spaltöffnungslinien. 

Masters gibt für die vier jetzt bekannten Keteleeriaarten folgende 
Unterscheidungsmerkmale, wozu jedoch Einschränkungen zu machen sind in 
betreff bedeutender Veränderlichkeiten in der Länge der Blätter und Größe 
der Zapfen. 



200 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Blätter scharf gespitzt, Mittelrippe beiderseits vortretend (Blätter 30—40 mm); 
Zapfen 8—9 cm, Zapfenschuppen kreisrund. 

1. Reteleeria Fortunei Carr. (Rev. hört. 1866 cum ic. und Conif. 2. ed., 
p. 260 [1867]). Fortunes Tanne. (Fig. 45.) 

Syn. Abies jezoensis Lindl. in Faxt. Flow. Gard., Mai 1850, p. 43 (nicht 
Sieb, et Zucc, nicht Maxim.). 
Picea jezoensis Carr., Conif. 1. ed., p. 255 (1855) (in parte excl. Syn.). 

„ Fortunei Murr., Proceed. Hort. Soc. 1862, p. 421. 
Abies Fortunei Murr., Pines and Firs of Japan 1863, p. 49. 
Pinus Fortunei Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 430 (1868). 
Pseudotsuga jezoensis Bertrand in Ann. Soc. Nat. ser. V. Bot., 

t. XX, p. 87 (1874). 
Abietia Fortunei Kent in Veitch Man. of the Conif. 1900, p. 485. 

Von Fortune zuerst, nur ein einziger kleiner Baum, im südöstlichen 
China bei Foo-Chow-Foo an einem Tempel stehend, entdeckt, und der Ent- 
decker glaubte, der Baum möchte eingeführt sein, später fand jedoch Maries 
diese Tanne häufig in den Gebirgen nördlich von Foo-Chow. 

Sie wurde von Fortune im Jahre 1846 in Europa eingeführt. 

Der zuerst gegebene Name Abies jezoensis ist schon deswegen zu ver- 
werfen, weil der Baum gar nicht in Japan, also auch nicht auf der Insel 
Eso vorkommt, außerdem ist dieser Name von verschiedenen Autoren für 
ganz verschiedene und teils noch zweifelhafte Pflanzen gebraucht worden, so 
daß, wenn der Speziesname auch für diese Tanne beibehalten würde, der 
Verwechslung kein Ende wäre (s. Picea jezoensis Carr. und P. ajanensis var. 
microsperma). 

Nach Fortune ein hoher Baum mit horizontal-abstehenden Ästen, auf 
denen sich die jung purpurroten, später rotbraunen, aufrechten, in dichten 
Reihen stehenden Zapfen reizend ausnehmen und die Krone älterer Bäume 
mit denen älterer Cedern Ähnlichkeit haben soll; jüngere Bäume haben 
weniger steife Äste und die jungen Zweige hängen selbst etwas über. Der 
Stamm ist mit dicker, rissiger, der Korkeiche ähnlicher Rinde bekleidet. Die 
jüngeren Äste sind grau und, ähnlich wie bei den echten Tannen, mit kreis- 
runden Blattnarben gezeichnet, junge Triebe glatt, rostrot, die jüngsten Triebe 
rostfarbig-filzig, Knospen rundlich hellbraun, Blätter mehr oder minder zer- 
streut nach allen Seiten abstehend, oder fast zweizeilig, auffallend weit von- 
einander stehend, steif, sitzend, gerade oder säbelförmig gebogen, flach, an der 
Basis gedreht, oberseits glänzend grün, mit kaum vortretendem Längsnerven, 
unten beiderseits des kaum vortretenden grünen Längskiels blaßgrün und auf 
jeder Seite etwa sechzehn Spaltöffnungsreihen zeigend, die Blätter der unteren 
Zweige zugespitzt und dolchförmig spitz, die der oberen Zweige stumpf und 
fast abgerundet (nach Pariatore) 25 — 30 mm lang, 2^/2 — 3^/2 mm breit. Zapfen 
aufrecht und zahlreich auf den horizontalen Zweigen auf dickem, kurzem 
Stiel, jung schön purpurrot-bläulich, reif braunrot, eirund-länglich-stumpf. Sie 
sollen sehr in der Größe verschieden sein, werden auch von den Autoren 
verschieden groß angegeben. Masters bildet in Linn. Journ. Botany vol. XXII, 
p. 198 einen in Pallanza gereiften Zapfen von 8^/2 cm Länge und 5^/2 cm Breite 
ab, Pariatore gibt 7 — 18 cm Länge zu 6^/2 cm Breite an und Murray gar 



II. Klasse. Coniferae. 



201 




Fig. 45. Keteleeria Fortunei Carr. 1 Zweig mit Originalzapfen, die über die Schuppen vorsehenden 
Samenflügel zeigend; 2 Blattdurchschnitt (vergr.j; 3 Blatt vom fruchtbaren Zweig; 4 Zapfenschuppe 
von außen, die Bractee zeigend; 5 Samen; 6 Zweigspitze mit männlichem Blütenstand; 7 unfrucht- 
barer Zweig. 



202 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

151/2 — 21 cm Länge und 6^/2 cm Breite; zumal im letzten Falle möchte man 
an eine Verwechslung der Zapfen mit der gleichfalls in China vorkommenden 
nahe verwandten Keteleeria (Abies) Davidiana Franch. glauben, der, nach der 
Abbildung in Plantae Davidianae, 15 cm Länge und 5 — 6 cm Breite hat. — 
Zapfenschuppen groß, lederartig-holzig, bleibend, fast kreisrund, konkav, 
auf dem Rücken runzelig, am oberen Rande abgerundet, an den seitlichen 
Rändern etwas häutig gezähnelt, Bracteen eingeschlossen, halb so lang als die 
Schuppen, unten lineal, nach oben rundlich, ausgerandet und zerrissen, Samen 
verkehrt-eirund-länglich, bräunlich, 13 — 15 mm lang, 5 — 7 mm breit, mit gleich 
langem, hellgelbem, breitem, oben abgestutztem Flügel, der so lang als die 
Schuppe ist, ja dieselbe, wenn der Zapfen sich öffnet, meist überragt. 

Über die eigentümliche Keimung der Samen finden wir näheres 
in „Pirotta, R., Sulla germinazione e sulla struttura della piantina della 
Keteleeria Fortunei Carr." (Rend. Lincei V, vol. 3, IL Sem., p. 286—289). 
Die Keimpflänzchen besitzen hypogäische Kotyledonen, ihre Zahl beträgt stets 
zwei, wodurch deutlich das hohe Alter dieser Gattung den anderen Abietineen 
gegenüber, sowie die Trennung derselben von den heute lebenden Abietineen 
und der Übergang zu den Cycadaceen hervortritt. 

Die Basalteile der Samenlappen verlängern sich bei der Keimung bis 
1 cm, sehen Blattstielen ähnlich und biegen sich positiv geotropisch. Der 
Stengel entwickelt 2 cm oberhalb der Insertion der Kotyledonen beim aus- 
gebildeten Pflänzchen acht bis zehn kurze schuppenförmige, sitzende, an- 
liegende Blättchen, hierauf erst die normalen Laubblätter, von denen das 
erste Paar ganz kurz bleibt. Die Stengelspitze schließt mit einer kurzen, end- 
ständigen Knospe ab, welche außen von grünen, kurz zugespitzten Schuppen 
bedeckt wird. 

Meine eigene Beobachtungen über die Keimung, die das gleiche Resultat 
ergaben, teilte ich in Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1896, p. 64 mit. 

Eine noch wenig verbreitete und in Kultur erprobte Tanne, welche in 
Deutschland bisher nicht freudig gedeihen wollte, auch vom Frost litt, aber 
wieder kräftig austrieb. Meist sieht man junge, veredelte Exemplare, und man 
wird, bevor nicht kräftige Samenpflanzen vorhanden sind und man nicht in 
verschiedenen Lagen und Bodenarten Kulturversuche angestellt hat, sich kein 
Urteil erlauben können, ob diese abweichende Tannenart in dekorativer 
Hinsicht in Deutschland die Kultur lohnt und verdient. Veitch kennt von 
den durch Fortune eingeführten Samen, die meist nicht keimten, nur ein 
Exemplar in England, das eine buschige, nur einige Fuß hohe Pflanze darstellt, 
und meint, die Pflanze böte lediglich wissenschaftliches Interesse. Auch Masters 
gibt an, daß die Pflanze in England nicht gedeihen will. Carriere führte in 
Frankreich schon 1867 schöne Exemplare von 4 m Höhe und 10 cm Stamm- 
durchmesser an, an deren Stämmen die dicke, rissige Rinde sich schon aus- 
bildete. Das größte und schönste in Europa befindliche Exemplar von Keteleeria 
Fortunei dürfte das im Garten der Gebrüder Rovelli in Pallanza am Lago 
Maggiore sein, das auch mir bekannt ist und jetzt eine schöne kegelförmige 
Pyramide von über 18 m Höhe bildet, mit ziemlich dichten und quirlständigen, 
horizontalen Ästen und ebenfalls schon dicker, korkiger Rinde des Stammes. 
Die meisten, teils durch Stecklinge, teils durch Veredlung auf Tanne (Abies) 
fortgepflanzten, in Kultur befindlichen Exemplare möchten dieser Pflanze ent- 



II. Klasse. Coniferae. 203 

Stammen. Auf diese Art durch Seitenzweige vermehrte Pflanzen zeigen längere 
Zeit einseitigen Wuchs und bilden erst später, aber schneller als die Tannen 
(Abies Lk.), normale, quirlförmige Zweigbildung. 

In betreff der Unterlagen müßten noch Versuche angestellt werden; so 
wäre zu prüfen, ob Keteleeria nicht auf der Douglastanne wüchse. Nach 
Carriere ist Keteleeria auch mit Glück durch Ableger vermehrt worden. 

Da bereits zuerst 1894 durch künstliche Befruchtung in Pallanza Samen 
gereift sind, steht zu hoffen, daß bald kräftige Sämlinge zu weiteren Kultur- 
versuchen in den günstigsten Lagen, z. B. im Weinbaugebiet, auch in Deutsch- 
land eingeführt werden. 

Blätter 40 mm; Zapfen 5—6 cm, Zapfenschuppen nach der Spitze zu kleiner werdend. 

2. Keteleeria Evelyniana Mast, (in Gard. Chron. 1903, p. 194, mit Abbild.). 

Evelyns Tanne. 

In dem Gebirge nahe Yuanchiang in Yunnan im Jahre 1898 von Henry 
gesammelt und nach dessen Freund John Evelyn benannt, der sich um die 
Baumzucht verdient gemacht hat. 

Baum mit glatten, dunkel-orangenbraunen Zweigen, Blätter glatt, 4 — 5 cm 
lang, 2 mm breit, Hneal, gebogen, stumpflich, kurz spitzlich, an der Basis 
kaum gestielt, gedreht, Mittelnerv beiderseits vorstehend; männHche Blüten 
nicht gesehen. Zapfen aufrecht 5 — 6 cm lang, 8^/2 cm breit, zylindrisch- 
länglich, nach der Basis allmählich verschmälert; Bracteen länglich zugespitzt, 
an der Basis fast lederartig, über der Mitte trockenhäutig; Schuppen doppelt 
so lang als die Bracteen, lederartig braunrot, länghch-eiförmig ganzrandig oder 
ein wenig ausgebissen, zurückgebogen; Samen mit dem Flügel etwas kürzer 
als die Schuppe verkehrt-eirund, Flügel doppelt bis dreifach länger, schief 
länglich, am Rande der eine gerade, der andere gebogen. 

Nach Dr. Henry kommt diese schöne Keteleeria, soweit ihm bekannt, 
nur an der Bergseite der südlichen Grenze der weiten Schlucht des Roten 
Flusses bei Yuanchiang in Yunnan vor, er fand sechs Bäume in einer Er- 
hebung von 1330 m ü. d. M. Zuerst konnte er nur zwei Zapfen erlangen, später 
gelang es ihm, durch seine Sammler noch mehr zu bekommen. 

Die Bäume hatten 10 m Höhe, und ihre Erscheinung war eigenartig 
schön durch die Blattfärbung. Diese Art ist viel schöner als K. Davidiana, 
die gemein in Yunnan ist. 

Blätter 20 mm, oben tief gefurcht; Zapfen 5 cm, Zapfenschuppen rundlich. 

3. Keteleeria Fabri Mast, (in Journ. Linn. Soc. Bot. XXVI, 1902, p. 555). 

Fabris Tanne. 
In Szechuen: Berg Omei (Faber 984), Herb. Kew. 
Zweige tiefbraun, die heurigen glänzend, mit vorstehenden Blattkissen, 
Narben kreisrund. Blätter der fruchtbaren Zweige 20 mm lang, 2 mm breit, 
aufwärts gebogen, an der Basis gedreht, kaum verschmälert, lineal-stumpf, 
oberseits glänzend, mit einer Längsrinne, unten zwischen den schmal um- 
gerollten Rändern und dem vorstehenden Mittelnerven silberweiß gebändert, 
Spitze abgerundet oder kaum ausgerandet. Knospen fast kugelig, mit leder- 
artigen, flaumhaarigen, zugespitzten Schuppen bedeckt. Männliche Blüten 



204 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

nicht gesehen. Junge Zapfen 5 — 6 cm lang, 3 cm breit, aufrecht, purpur- 
rötlich, länglich -stumpf, auf einem kurzen, mit Schuppen bedeckten Stiel. 
Bracteen purpurrötHch, abgerundet, zerschlitzt dreilappig, in der Mitte in eine 
lineale Spitze, anfänglich die Schuppe überragend, ausgezogen. Schuppen 
ganzrandig, abgerundet. 

Miffelrippe beiderseits vorstehend, Blätter 30—50 mm, oben leicht gefurcht; 
Zapfen 15—20 cm. Zapfenschuppen nach der Spitze zu kleiner werdend. 

4. Reteleeria Davidiana. Davids Tanne. 

Syn. Abies (Tsuga) Davidiana Franch. (Fig. 46). Plantae Davidianae 
ex sinarum imperio I part. Plant, de Mongolie du Nord et du 
centre de la Chine 1884, p. 288—290 (PI. 13). 

Pseudotsuga Davidiana Bertr. Soc. philom. de Paris, seance 10 Fev. 
1872, Ann. d. Soc. Nat. Bot. t. XX (1874), p. 87, in notä. 

Keteleeria sacra (Abies sacra Arm.) David, Journ. de voyage de 
Chine II, p. 29 et Plant. David 1. c, p. 290 (PI. 14). 

In China im nördlichen Szechuen in den Gebirgen von Lon-ngan-fou 
von David im Dezember 1869 entdeckt, später auch von Wilson und Henry 
dort aufgefunden. Gute Abbildung in Gard. Chron. 1903, p. 85. 

Hoher Baum mit aschgrauen Ästen, junge Triebe dicht weichwarzig- 
flaumhaarig, die oberen abstehend, fast zweizeilig; Blätter locker angeheftet, 
flach, an der Ober- und Unterseite mit vorstehenden Längsnerven, an den 
Rändern wenig umgebogen, beiderseits glänzend grün, unten beiderseits des 
grünen Längskiels kaum etwas blasser, mit ungeteilter abgerundeter oder 
schwach gekerbter Spitze, in einen kurzen, zusammengedrückten, öfter etwas 
gedrehten Stiel verschmälert, mit schief-eiförmiger Basis dem Zweige eingefügt, 
25 — 40 mm lang, 2 — 3 mm breit. Männliche Blüten in Dolden oder Bündeln 
achselständig, an der Basis mit warzenförmigen, lederigen Schuppen bedeckt, 
die nach den Zweigen hin sich verteilen, einzelne Blüten aufrecht stumpf, 
zylindrisch, 1 cm lang. Antheren länglich, stumpf, orangegelb, schräg auf- 
springend; Pollenkörner wie bei Pinus. Zapfen auf kurzem Zweige aufrecht, 
zylindrisch-stumpf, 15 — 20 cm lang, 5 —6 cm breit. Zapfenschuppen dicklich, 
außerhalb mit Längsstreifen und mit ganz kurzem glänzend-bräunlichem Flaum 
bekleidet, mit dünnem, ringsherum ausgebissenem Rande, eirund-abgerundet, 
kaum länger als breit, nach der Basis zu allmählich verschmälert und mit 
etwas zurückgeschlagener Spitze. Bracteen halb so lang als die Schuppen, 
dünnhäutig, eirund-lanzettlich, auf dem Rücken braun, an der Spitze aus- 
gebissen-dreiteilig, mit dickerem, fast stechendem Mittellappen. Samen hellbraun, 
10 mm lang, unten zugespitzt mit gleichfarbigem, messerförmigem, 15 — 18 mm 
langem, 7 — 8 mm breitem Flügel, der so lang als die Schuppe ist oder dieselbe 
beim Öffnen des Zapfens meist etwas überragt. (Unsere Abbildung zeigt 
einen Originalzapfen von Nicholson in Kew gesammelt, welcher 11 cm lang, 
4 cm breit ist und bei welchem die Samenflügel über die Schuppen her- 
vorragen.) 

Den Standorten nach zu urteilen, wo Abbe David diese Art zuerst 
entdeckte, ist zu hoffen, daß sie sich widerstandsfähiger als Keteleeria Fortunei 
erweisen wird. 



II. Klasse. Coniferae. 



205 



Franchet fügt dieser Beschreibung bei, daß es eine schöne Tannenart 
sei, welche in die Gruppe der Tsuga eingereiht werden müsse wegen ihrer 
Zapfen mit bleibenden Schuppen, die aber von allen anderen bekannten 
Arten dieser Gruppe durch die Größe ihrer Zapfen und die Dicke ihrer 
Zapfenschuppen bedeutend abwiche. Er tadelt dann C. E. Bertrand (Ana- 
tomie des Gnetacees et des Coniferes), dessen Auseinandersetzungen weit 
entfernt seien, die verwandtschafdichen Beziehungen dieser Abies aufgeklärt 




Fig. 46. Abies Davidiana Franch. l reifer Originalzapfen mit den über den Rand der Schuppen vor- 
sehenden Samenflügeln; 2 Zapfenschnppe, Außenseite mitBractee; 3 Samen; 4 Blatt (vergr.). — Abies 
Sacra Arm. David. 5 Zapfenschuppe von außen mit Bractee; 6 Samen (nicht ganz reif); 7 Blatt (vergr.). 



zu haben, denn nachdem er auf einer Seite eine tabellarische Übersicht der 
Untergattung Pseudotsuga gegeben, in welcher er, nach anatomischen Merk- 
malen, die beiden asiatischen Pseudotsuga mit der nordamerikanischen Pseudo- 
tsuga zusammenstellt, erklärt er auf einer anderen Seite, daß P. Davidiana 
und P. jezoensis einander sehr ähnlich seien, die amerikanische Pflanze jedoch 
anatomisch von den asiatischen Pseudotsuga sehr verschieden sei, also folglich 
die Arten, welche denselben anatomischen Bau zeigten, in derselben Gegend 
lebten, und daß somit eine Übereinstimmung zwischen der natürlichen Ein- 
teilung der Arten und ihrer geographischen Verbreitung bestehe. — In der 



206 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Tat ist diese Auseinandersetzung so verworren, daß sie anstatt aufzuklären, 
nur verwirren kann. — 

Keteleeria sacra (Abies Franchet) 

von David in Shensi gesammelt, wo er sie um die Tempel angepflanzt fand, 
dürfte, den beistehenden Abbildungen nach zu urteilen, wie auch Masters 
in Journ. Linn. Soc. Botan. XXVI, p. 555 angibt, von Keteleeria Davidiana 
nicht genügend verschieden sein, um sie als besondere Art festzuhalten, ich 
habe sie deshalb als Synonym letzterer beigesetzt. 

Von Franchet gleichfalls zu Tsuga gerechnet, ist sie der Abies Davidiana 
ähnlich, weicht aber von dieser durch kürzere (nur 15 — 25 mm lange) Blätter, 
durch glatte, nicht mit kurzem Flaum bekleidete junge Triebe, durch wenig 
kürzere Zapfen mit nicht so dicken und an der Spitze nicht zurückgeschlagenen 
Schuppen ab. Die männlichen Blüten sind kurz, kaum 10 mm lang und sitzen 
an der Spitze oder weiter unten an den Zweigen zu drei bis vier beisammen. 

Nach Franchet ist Abies sacra wahrscheinlich nur eine Varietät der 
A. Davidiana. 

Keteleeria formosana Hayata (in Gard. Chron. 1908, p. 194) 

ist Keteleeria Davidiana ähnlich, aber verschieden durch spateiförmige Bracteen, 
die über der Mitte etwas zusammengeschnürt sind, durch kürzere Zapfen 
und schmalere Samenflügel. 

5. Keteleeria n. sp. Mast, (in Journ. Linn. Soc. Botan. XXVI, 1902, p. 556). 

Im botanischen Garten zu Hongkong kultiviert (Ford. 386) Herb. Kew. 
Zweige grau, Blattnarben kreisrund. Zapfentragende Zweigchen borstig. 
Blätter 30 mm lang, 2 mm breit, lineal-länglich, stumpf lederartig, glänzend, 
Mittelnerv oberseits auf der ganzen Länge hervortretend, unterseits aber an 
der Basis sehr erhaben, an den Rändern umgerollt. Männliche Blütchen in 
Bündeln seitenständig, an der Basis durch häutige abstehende Schuppen 
gestützt, die einzelnen gestielt, lineal-länglich, stumpf, 12 mm lang, 2 mm breit. 
Antheren stumpf. Pollen wie bei Pinus. Junge Zapfen an kurzen borsten 
Zweigen, an der Basis quersackförmig hervorragend, aufrecht, 50 mm lang, 
20 mm breit, länglich, spitzig, rötlich. Bracteen angedrückt, olivenfarbig, an 
der Spitze zerrissen, dreilappig, Mittellappen in eine blattartige, dreieckige, 
aufrechte Verlängerung ausgezogen. Schuppen purpurrötlich, rundlich mit 
Offnungen versehen. 

Blatfnarben auf mehr oder minder vorspringenden, höckerförmig abstehenden, 
herablaufenden und gefurchten Blatfkissen. 

Picea Link (in Abhandl. Acad. d. Wissensch., Berlin 1827, p. 179; Abies 
Don. in Loud. Arb. Brit. IV, 2329). Fichte, Rottanne. 
Blüten einhäusig, männliche in den Achseln der oberen Blätter einzeln, 
fast sitzend, von schuppenförmigen, dachziegeligen Bracteen dicht umgeben. 
Staubfadensäule länglich oder zylindrisch. Antheren locker, spiralig gedrängt, 
Fächer zwei, dem Stiele angewachsen, länglich-lineal, der Länge nach auf- 
springend, durch das Mittelband über die Fächer hinaus in ein schuppen- 
förmiges, eingebogenes, oft gezähntes Anhängsel verlängert. Weibliche Blüten 



11. Klasse. Coniferae. 207 

endständig, von wenigen tauben, dachziegeligen Sctiuppen dicht umgeben, 
eirund oder länghch. Schuppen doppelt, vielreihig, spiralig-dachziegelig, bis 
zur Basis gesondert. Bracteen häufig klein, nach der Blüte kaum vergrößert, 
angedrückt. Samenschuppe schon während der Blüte größer als die Bractee, 
dann eine ansehnliche Schuppe bildend, wenig verdickt, mit dünnem Rande. 
Eichen zwei, am Grunde der Samenschuppe mit dieser zusammenhängend 
und umgewendet. Zapfen hängend oder seitlich abstehend, eirund 
oder länglich -zylindrisch mit unveränderten, bald verborgenen Bracteen; 
Schuppen breit, aus der Samenschuppe gebildet, dachziegelig, nach dem 
Samenausfall bleibend. Samen ohne Harzbläschen, unter jeder Schuppe 
zwei, abwärts gerichtet, falsch flügelfruchtartig, doch die Haut über der Ein- 
fügung dünne, trockenhäutig durchsichtig, von der inneren Lage der Schuppe 
getrennt und beiderseits gerandet, der eigentliche Samen eirund oder länglich- 
zusammengedrückt mit öfter bleibendem Elügel, Schale krustenartig oder 
häutig; Kotyledonen vier bis acht. 

Immergrüne Bäume, Blätter nadeiförmig, spiralig zerstreut, beiderseits 
gekielt, mehr oder weniger vierkantig, oder undeutlich vierkantig, fast flach, 
tannenähnlich, und dann an der Oberseite mit weißlichen Spaltöffnungsreihen, 
auf den bleibenden herablaufenden Blattkissen sitzend, die nach dem Blätterfall 
am Zweige höckerartig abstehend hervorragen. 

Sektion I, Eupicea WillTc.^) Echte Fichten. 

Blätter (Nadeln) vierflächig und vierkantig, auf allen Flächen mit Spalt- 
öffnungsreihen, auf dem Querschnitt entweder ein fast rechtwinkliges, oder ein 
schiefwinkliges Viereck darstellend (im letzten Falle ist das Blatt von oben 
nach unten zusammengedrückt). Alle reifen und reifenden Zapfen hängend. 

Zapfen 6—16 cm lang, walzenförmig, braun, Zapfenschuppen gewölbt, lederartig- 
holzig, bis zur Reife fest zusammenschließend, breit abgerundet, ganzrandig 
oder gezähnelt, oder nach der Spitze ausgezogen, abgestutzt oder ausgerandet. 

1. Picea excelsa Lk. (in Linn. XV, p. 517 (1841). Fichte, Rottanne, 
Pechtanne, Fichttanne. (Fig. 47 u. 48.) 

A. Picea excelsa Lk., var. europaea Teplouchoff 1869. 
Die europäische Fichte. 

Syn. Picea Plin., Hist. Nat. XVI, 10. 

„ Latinorum J. Bauh, Hist. I, 2, p. 238. 



^) Professor Mayr gibt in seiner Monogr. d, Abietin. d. jap. Reichs 1890, p. 44 eine 
Einteilung der Fichten in drei natürliche Sektionen: 

1. Sektion Morinda. Blätter vierkantig, allerseits mit etwa gleichviel Spaltöffnungen; 
Zapfenschuppen gewölbt, hart-holzig, bis zur Reife fest zusammenschließend. 

2. Sektion Casicta. Blätter flach oder vierkantig, oberseits oder allerseits mit Spalt- 
öffnungen; Zapfenschuppen von Jugend an locker, dünn, etwas längsfaltig, ausgefressen gezähnelt. 

3. Sektion Omorica. Blätter nur (oder fast nur) oberseits mit zwei weißlichen Spalt- 
öffnungsreihen, unterseiis glänzendgrün, stets mit zwei seitlichen Harzgängen; Zapfenschuppen 
hart, gewölbt, fast bis zur Reife zusammenschließend. 

Mayr stellt den Bau der Zapfen voran und läßt die Arten nach den Querschnittformen 
der Blätter folgen. Leider stellt er auch eine Sektion Omorica auf, doch in ganz anderem Sinne, 



208 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Syn. Abies tenuiore folio etc. Tourn., Inst. p. 585. 
Picea major prima oder: 
Abies rubra C. Bauh., Elssh. p. 297. 
Pinus Abies L., Sp. pl. p. 1421 (1753). 
Abies Picea Mill., Dict. No. 3 (1759). 
Pinus Picea Dur., Obs. Bot. p. 37 (1774). 

excelsa Lam., Fl. Franc, ed. I, II, p. 202 (1778). 
„ cinerea Röhl, Deutschi. Fl. 376. 
Abies excelsa D. C, Fl., Fr. III, p. 275 (1805). 
Picea vulgaris Lk. in Abhandl. d. Berl. Acad. 1827, p. 180. 
Picea vulgaris Lk., var. europaea Teplouchoff 1869. 
Epicea commun, Pesse, Sapin de Norwege der Franzosen. 
Common or Norway Spruce der Engländer. 

In Nord -Europa und in den Gebirgen Mittel -Europas große dichte 
Wälder bildend, in Lappland und Nord -Rußland fast bis zur äußersten 
Baumgrenze vorkommend, entweder allein oder mit Pinus silvestris und Betula 
pubescens gemischt; in den Alpen von 1300 bis über 2000 m Höhe, in den 
Nord-Pyrenäen selten, häufig in den Karpathen bis zu 1500 m Höhe. 

Baum von 30 bis über 50 m Höhe, mit schnurgeradem, säulenförmigem, 
sich stark verjüngendem Stamme, der bis zu 2 m Durchmesser erreichen kann, 
mit jung glatter, hellbrauner, später mit in dünnen Schuppen sich abblätternder 
rotbrauner bis grauer Rinde (die Bäume mit grauweißer Rinde wurden als 
Pinus cinerea Röhl. und Abies cinerea Borkh. & Bechst. bezeichnet) und 
schöner, spitz-pyramidaler Krone, wagerecht abstehenden^ oder leicht abwärts- 
stehenden Ästen, Zweige unbehaart oder kaum schwach flaumig, aufrecht oder 
überhängend. Blätter sehr dicht spiralig gestellt, an üppigen jungen Trieben 
rings um den Zweig, oder bürstenförmig nach oben stehend, gerade oder 
etwas gebogen, steif, zusammengedrückt-vierkantig, kurz-stachelspitzig stechend, 
allerseits glänzend-dunkelgrün, auf hervorragenden Blattkissen, 15 — 25 mm 
lang, 1 mm breit. Knospen kegelförmig-spitz mit trockenhäutigen, hellbraunen, 
harzlosen Schuppen. Männliche Blüten zwischen den Blättern, am Grunde 
von hellgrünen Deckblättern umgeben, 20 — 25 mm lang, schön purpurrot. 
Weibliche Blüten an den Spitzen vorjähriger Triebe, länglich -cylindrisch, 
4 — 51/2 cm lang, aufrecht, schön purpurrot. Zapfen hängend, 10 — 16 cm 
lang, 3 — 4 cm breit, zylindrisch-stumpf, jung grün, reif hellbraun, Schuppen 
zahlreich, dachziegelig, glänzend lederartig verkehrt-eirund, konkav, am Rande 
wellig ausgerandet oder ausgefressen gezähnelt, bis lang schnabelförmig aus- 
gezogen und abgestutzt. (Carriere führt eine Picea excelsa integriquamis 
Tr. gen. Conif. 1855, p. 246 an, welche sowohl wildwachsend wie auch in 
Kultur beobachtet wurde.) Bracteen klein, länglich, gezähnt-gewimpert, viel 
kürzer als die Schuppe. Samen eiförmig-spitz, dunkelbraun, 4 mm lang, mit 
dreimal so langem, rotgelbem, glänzendem Flügel. Ausfliegen des Samens 



wie sie lange vor ihm Willkomm auffaßte. Hier wäre eine andere Bezeichnung nötig ge- 
wesen, um stete unliebsame Verwechselungen zu vermeiden, die gar nicht ausbleiben können. 

Ich behalte nach Willkomm die beiden Sektionen Eupicea und Omorica, auf die 
Blattquerschnittformen begründet, bei, denen die Arten, dem Bau der Zapfen entsprechend, folgen. 



II. Klasse. Coniferae. 



209 



im Frühjahr, wo dann der Zapfen mit weitklaffenden Schuppen noch länger 
am Baume hängen bleibt. 

Als eine merkwürdige Bildung sab weich ung des Zapfens ist: Picea 
excelsa f. acrocona 
Fries in Bot. Notiser 
Lund 1890, p. 255 zu 
nennen; sie wurde in 
der Nähe von Upsala 
in Wäldern bei Ultuna 
und Flottsuna spontan 
gefunden. Im botani- 
schen Garten in Upsala 
sah ich Herbermaterial 
und einen lebenden, 
etwa 3 m hohen Baum. 
Derselbe ist gesund und 
ganz normal entwickelt, 
trägt auch an Seiten- 
zweigen normale Zap- 
fen, aber zugleich auch 
an den Zweigspitzen 

langgestreckte, 
monströse Zapfen. 

Ganz junge Zap- 
fen zeigen zwischen den 
weichen zurückgerollten 
Zapfenschuppen derbe, 
kurze, breite, scharfge- 
spitzte Nadeln, die nach 
der Spitze zu schopfartig 
stehen und auf eine 
spätere Durchwachsung 
hindeuten. (Mitt. d. d. 
dendr. Gesellsch. 1907, 
p. 49.) 

Prächtiger, allge- 
mein bekannter, ge- 
schätzter Waldbaum, der 
alljährlich zu Tausenden 
als Christbaum oder 
Tannenbaum auf den 
Weihnachtsmärkten feil- 
geboten wird und ein 
treffliches, harzreiches, 
weiß-rötliches Bau- und 
Brennholz liefert, das je 
nach Boden und Stand- 
ort leichter und schwerer 

Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 14 




Fig. 47. Picea excelsa Lk. 



Olf) Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

und je nach diesen Eigenschaften zu verschiedenen Erzeugnissen verwendet 
wird. Die Rinde ist reich an Gerbstoff und wird vielfach als Gerbmaterial 
verwendet. 




Fig. 48. Picea excelsa Lk. l reifer Zapfen; 2 Zweigspitze mit weibljchem Blütenzäpfclien; 3 Schuppe 
aus demselben mit den beiden geflügelten Eichen (vergr.); 4 Zweig mit männlichen Blüten; 5 ein 
männliches Blütenkätzchen (vergr.); 6 Staubblatt (vergr.); 7 Blatt mit Querschnitt (vergr.); 8 Samen; 
9 Schuppe von außen, die sehr kleine Bractee zeigend; 10, 11 und 12 Vorderränder der Schuppen von 
verschiedenen Zapfen, um die Abweichungen zu zeigen. 



Die gemeine Fichte wird auch in größeren Gärten und Parks mit 
Vorliebe angepflanzt, sie macht bei größeren Nadelholzpflanzungen meist den 



II. Klasse. Coniferae. 211 

Hauptbestand aus und wird oft zu häufig und an unpassenden Stellen ver- 
wendet. Die richtige Verwendung ist nur da, wo der Baum seine ganze 
Schönheit entfalten kann, also freistehend, so daß die unteren Äste dem Boden 
aufliegen und tadellose, reichbezweigte Pyramiden sich entwickeln können. 
So, einzeln oder zu lockeren Gruppen hainartig vereinigt, gehört die gemeine 
Fichte zu den schönsten Coniferen, findet aber so nur in großen Gärten und 
waldartig in ausgedehnten Parkanlagen Platz. Für kleine Gärten nimmt die 
Fichte einen zu großen Umfang ein und kann nur als junge Pflanze und 
vorübergehend Platz finden, vor allem aber hüte man sich, sie in dichte 
Gruppen zu pflanzen, welche bald innen und unten kahl werden und dann 
einen häßlichen Eindruck machen; ebenso darf die Fichte nie zu nahe an die 
Wege gepflanzt werden, wie dies leider nur zu häufig geschieht, und dann 
heckenförmig geschnitten werden muß, was schlecht und steif aussieht. Trefflich 
eignet sich die Fichte zu Schutzpflanzungen und dichten hohen Hecken 
und wird zu diesem Zwecke von keinem Baume übertroffen. 

Äußerst schätzbar ist die Fichte ferner als Zwischenpflanzung, zum 
Schutz bei hainartiger Anpflanzung feinerer Coniferen, die alsdann in der zu 
ihrer tadellosen Entwickelung nötigen Entfernung gepflanzt und, ohne ver- 
weichlicht zu werden, von den Fichten einen naturgemäßen leichten, seitlichen 
Schutz empfangen. Nachdem die Fichten so für einige Zeit die Lücken ge- 
füllt, die Gruppierungen verschönert haben, und nachdem die edleren Coniferen 
genügend erstarkt sind und ihrerseits beginnen, ihren Platz auszufüllen, werden 
sie entfernt. 

Die Fichte gedeiht fast in jedem Boden und in jeder Lage, kümmert 
jedoch in zu dürrem und magerem Boden, zumal in zu sonnigen Lagen und 
an heißen und trockenen Abhängen. Sie fürchtet vor allem Staub, Rauch 
und schädliche Ausdünstungen in Städten und deren Umgebung. Am voll- 
kommensten entwickelt sie sich in gleichmäßig feuchtem Boden bei genügender 
Luftfeuchtigkeit. 

Die Fichte neigt sehr zu Abweichungen, und überaus zahlreich sind 
die Formen, die in der Gestalt, der Bezweigung, den Blättern, den Zapfen 
(die auch durchwachsen vorkommen), wie in der Färbung abweichen. Manche 
sind als eigentümliche klimatische und Standortsformen beobachtet und in 
Kultur eingeführt, andere sind als eigentümliche Sämlinge bei Aussaaten oder 
auch durch Sportzweige gewonnen und alle werden, um sie charakteristisch 
fortzupflanzen, durch Veredlung oder die Zwergformen besser durch 
Stecklinge vermehrt, da sie, durch Veredlung auf die Art fortgepflanzt, 
öfter ihren charakteristischen Wuchs ganz verlieren, wie dies auch von 
anderen Coniferen beobachtet wurde. 

Öfter kommt es vor, daß in nordischen Gegenden und in Gebirgen 
durch Sturm oder Schneedruck Bäume der Spitze beraubt werden und dann 
mehrere Köpfe treiben, so daß eine breite, oft vielköpfige Kronenform ent- 
steht. Willkomm bezeichnet dieselbe als Schneebruchsfichte, der Stamm 
scheint alsdann kurz, von unten an stark beästet und dicht verzweigt und 
läuft in mehrere oder viele Wipfel aus, je nachdem die Wipfel wiederholt 
gebrochen sind. Man hat solche in der Krone mehrwipfelige Bäume auch 
Kandelaberfichten genannt. Schröter in „Vielgestaltigkeit der Fichte", 
Zürich 1898, p. 102 bildet einen solchen alten Baum von Buchental in 

14* 



919 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

rhüringen und p. 100 eine solche von St. Antonien mit 21 Sekundärwipfeln 
ab. Malerische alte Bäume davon stehen in Wilhelmshöhe bei den Fuchs- 
löchern. Auch in Thüringen bei Ohrdruf steht eine zwölfwipfelige Fichte 
von 26 m Höhe, ebenso bei Sommerau nahe bei Zittau eine alte berühmte, 
vielwipfelige Fichte, die „Harfe" genannt wird. Es kommt auch vor, daß 
untere, dem Boden aufliegende Äste Wurzeln schlagen und dann ihrerseits 
neue Wipfel bilden. Ein solcher interessanter Baum ist nach Prof. Schübelers 
Viridarium norvegicum in der Gartenflora 1888, p. 532 abgebildet; eine weitere 
interessante Form, wo ein umgeworfener Stamm mit der Spitze sich wieder 
senkrecht emporrichtete, an verschiedenen Stellen in den Boden Wurzeln 
schlug und auf dem horizontalliegenden Stamme noch mehrere Äste sich 
gleichsam als junge Stämme emporrichteten, finden wir ebenfalls nach 
Schübeier im gleichen Jahrgange p. 495 abgebildet, dann noch p. 469 eine 
nordische Fichtenform, die nach Schübeier eine interessante Säule bildet, 
indem die unteren Äste etwa bis zur halben Höhe so kurz sind, daß die 
Baumkrone bis zu 11 m Höhe nur 3,76 m Durchmesser besitzt, während von 
hierab bis zur Spitze in einer Höhe von 25 m die Zweige so kurz sind und 
dem Stamme so dicht anliegen, daß hier die obere Säulenform nur 62 cm 
Durchmesser hat. Diese werden als Spitzfichten oder Walzenfichten 
bezeichnet. Schröter bildet p. 106 eine Spitzfichte aus Finnland und p. 107 
einen Spitzfichtenwald von St. Antonien in Graubündten ab, der einen ganz 
eigenartigen Anblick gewährt. 

Als Standortsformen sind ferner aufzufassen: 

Picea excelsa Lk. f. palustris Berg. 1887 gleich P. excelsa aegra myelophthora 
Caspary 1874. Die Sumpffichte oder Krummfichte. 

Caspary fand sie in Ostpreußen, Graf Berg in Livland auf nassen 
Torfmooren oft zu Tausenden. Er bildet in „Einige Spielarten der Fichte", 
Dorpat 1887, Taf. X ein Exemplar ab. Der Wipfel, wie alle Äste, sind ab- 
wärts gebogen, und so gleicht der Baum einem großen Reisighaufen; alle 
innern Äste und Zweige sind abgestorben. Werden die Moore entwässert, 
so richten sich die Bäume allmähhch wieder auf, dasselbe tat ein in dem 
botan. Garten zu Königsberg verpflanzter Baum. Caspary faßte die Er- 
scheinung als Markkrankheit auf und gab deshalb den Namen. Graf Berg 
wies jedoch nach, daß diese Sumpfform nicht mehr krankes Mark zeigt als 
gesund aussehende, normal gewachsene Fichten und schlägt deshalb als 
richtiger den Namen palustris vor. 

Graf Berg 1. c. bildet Taf. VII noch eine Trauerfichte auf trockenem 
Lehmboden ab, die er Picea excelsa var. depressa nennt. Sie zeigt 
nickenden Wipfel und abwärts hängende Äste, die so dicht sich decken, daß 
sie fest aufeinander liegen. Die dichte Verzweigung trägt dicke lange Nadeln. 
Auf die interessanten norwegischen Schlangen- und Hängefichten, die auch 
an anderen Orten beobachtet wurden, werden wir später zurückkommen. 

Durch Beschädigungen, zumal durch Verbeißen von Vieh, entstehen 
Buschformen. Als Zwillingsfichten bezeichnet man (nach Schröter) 
solche Fichten, wo zwei Stämme sich tief unten bilden. Als Garbenfichten 
(1. ramosa) werden solche bezeichnet, welche tief unten mehrere Stämme 
bilden; als Polsterfichten solche, welche mit Stamm ein bis meterhohes 



II. Klasse. Coniferae. 213 

dichtes Polster bilden; als Mattenfichten solche, welche stammlos im Rasen 
kriechende, wurzelnde, ausläuferartige Äste bilden. 

Stelzenfichten nennt man Bäume, die öfter in urwaldartigen Forst 
beständen, z. B. von Göppert in Oberschlesien, beobachtet wurden, wo die 
Samen in modernde Stöcke oder Stämme fielen, durch diese, oder um die 
selben herum, ihre Wurzeln in den Bogen sandten, und nachdem die Stöcke 
verfault und zerfallen, dann auf den mächtigen, über dem Boden hervor 
ragenden Wurzeln in Form von Säulen oder Stelzen stehen. 

Weiter ist als charakteristische Form die sogen. Weiß- oder Hasel- 
fichte zu nennen, welche, nach Willkomm, sich durch einen eigentümlichen 
Habitus und Bau des Holzes auszeichnet, in einer Erhebung von 800 — 1500 m 
u. a. in den steierischen und oberbayerischen Alpen, im schwäbischen Hoch- 
gebirge, Bayerischen und Böhmer Walde vorkommt und meist vereinzelt auf 
Felsen oder in kleinen Horsten angetroffen wird. Ihr Holz zeigt fast gleich 
breite Jahresringe, und zwar eine sehr schmale, braune Herbstholzschicht 
und eine sehr breite, weiße Frühlingsholzschicht, welche angeschlagen einen 
hellen, lang vibrierenden Ton von sich gibt und deshalb für Resonnanzböden 
musikalischer Instrumente sehr gesucht und geschätzt ist. Im Böhmer und 
Bayerischen Walde wird es „Zargenholz" genannt. Nach Prof. Dr. Hartmann 
soll sie Kalk- und Glimmerschieferboden bevorzugen, unterscheidet sich von 
der gewöhnlichen Fichte durch eine auffallend zarte, helle, mehr glatte Rinde, 
treibt im Frühjahr weißblättrige Sprosse, die in sonnigen Lagen gelblich 
werden, soll auch mit langen, trauerweidenartigen, hängenden Zweigen vor 
kommen, an denen sich an mehreren Punkten Blätterbüschel ansetzen und so 
dem Baume ein ganz fremdartiges Aussehen geben. 

Purkyne, Professor an der Forstschule in Weißwasser (Böhmen), der 
sich gleich Engelmann durch eingehende anatomische Untersuchungen der 
Kiefernblätter, überhaupt durch genaue Studien über Coniferen, ein großes 
Verdienst erworben, hat zwei schon früher beobachtete Hauptformen der 
Fichte wissenschaftlich genau beschrieben, nämlich die rotzapf ige und die 
grünzapfige Fichte. 

Picea excelsa erythrocarpa Purk. (Allgem. Forst- und Jagdzeit. 53. Jahrg., 1877, 
p. 1—10; mit 2 Tafeln 1879, p. 340). Rotzapfige Fichte. (Frühfichte, 
weil sie sich früher im Jahre entwickelt.) 
Die Blätter sind stumpf-gespitzt und liegen dem Mitteltriebe dicht an. 
Die Blattkissen sind kurz, stehen wenig vor und sind in linkswindende 
Spiralen angeordnet. DieKnospen sind spitz, glänzend-gelbbraun. Schuppen 
spitz, die unteren deutlich gekielt und stachelspitzig. Weibliche Blüten im 
Knospenzustande eiförmig, eingehüllt in glänzend-gelbbraune Schuppen, die- 
selben aufgeblüht karmin-violett. Junge Zapfen (im August) dunkel-violett. 
Zapfenschuppen dicker, gewölbt, ihr Vorderrand an geschlossenen Zapfen 
abgerundet erscheinend. Samen mit kurzem, dickem Korn und breitem, rot- 
braunem Flügel. Holz in der Regel schwerer spaltbar und oft drehwüchsig fest. 

Picea excelsa chlorocarpa Purk. Grünzapfige Fichte. (Spätfichte, weil 
sie sich später im Jahre entwickelt.) 
Die Blätter sind scharf spitzig und stehen vom Mitteltriebe ab, sie sind 
viel lockerer gestellt als bei der rotzapf igen Fichte. Die Blattkissen sind 



214 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

in einen langen Schnabel ausgezogen und in rechtswindende Spiralen an- 
geordnet. Die Knospen sind groß, kugelig, häufig bläulich bereift; Schuppen 
bis auf die untersten nicht gekielt, die unteren spitz, die oberen abgerundet. 
Weibliche Blüten im Knospenzustande um die Hälfte größer, kugelig, 
Schuppen blauweiß bereift, dieselben aufgeblüht gelblich-zinnoberrot. Junge 
Zapfen (im August) hellgrün. Zapfenschuppen dünner, flacher, ihr Vorder- 
rand schon an geschlossenen Zapfen ausgekerbt erscheinend. Samen mit 
länglichem dünnem Korn und schmalem, hellgelbbraunem Flügel. Holz gerade 
und leicht spaltbar weich. 

Nicht ganz übereinstimmend mit diesen Angaben gibt, nach Willkomm, 
der Forstinspektor Brennet an, daß im französischen Jura die grünzapfige 
Fichte ein schwereres, schwerer brech- und spaltbares, gelbliches Holz besitze, 
während die rotzapfige Fichte ein leichteres, leicht spaltbares, weißes, schön 
Politur annehmendes habe. Weiter liebe die rotzapfige einen leichten, 
lockeren Boden und sonnige Lage auf hohen Bergen und besitze eine früher 
beginnende, langsame und regelmäßige Vegetation, während die grünzapfige 
am besten auf einem festeren, feuchteren Boden in frischer Lage und geringerer 
Höhe gedeihen soll, daher meist an Ufern und Bächen und am Rande von 
Torfmooren isoliert vorkommt und eine spät beginnende, aber rasch fort- 
schreitende Vegetation hat. Nach Schröder kommt sie bei Moskau besonders 
an feuchten Stellen viel vor. Dann meint Brennot, daß die rotzapfige 
Fichte mehr dazu neige, zur Haselfichte zu werden, während umgekehrt 
Purkyne glaubt, daß letztere zur grünzapfigen Fichte gehören möchte. 
Willkomm bemerkt hierzu, daß nur eingehende Beobachtungen solche Wider- 
sprüche lösen können und daß die Zapfenschuppen für Unterscheidung von 
Varietäten oder Rassen von Fichten nicht maßgebend sein können, da 
diese innerhalb ihres großen Verbreitungsbezirkes so außerordentlich zu Ab- 
weichungen neigen. 

Schröter, in Vielgestaltigkeit der Fichte, Zürich 1898, p. 97 meint- 
die rotzapfige, dicht benadelte Frühfichte scheine dem Gebirgsklima besser 
angepaßt zu sein. Die grünzapfige, locker benadelte Spätfichte gedeiht 
besser in der Ebene. 

Übergangsformen zwischen der typischen Picea excelsa Lk. und der extremen 
obovafa-Form. Zapfenschuppen vorwiegend vorn abgerundet, fein gezähnelf. 

Picea excelsa medioxima Nyland. Nordische oder mittelständige Fichte. 

Syn. Pinus Abies medioxima Nyland, Journ. de la Soc. Bot. de France X, 
p. 501 (1863). 
Abies medioxima Murr., Pin. Brit. Heft 27 (1870). 

In Nord-Europa, im Norden der skandinavischen Halbinsel, im nördlichen 
Rußland und in Finnland wachsend. Auch in Graubündten bei Oberhalbstein 
gefunden. 

Ein kleiner Baum oder selbst als Strauch auftretend. Zweige fein behaart, 
Blätter dicklig- vierkantig, kurz gespitzt, 12 — 18 mm lang, glänzend-grün, 
dicht gestellt und die Oberseite der Zweige dicht bedeckend; Zapfen an 
kurzen Zweigen, nicht hängend, sondern meist horizontal oder schief abwärts 



II. Klasse. Coniferae. 215 

gerichtet, weit kleiner, höchstens bis zu 8 cm lang, eirund-länglich, Zapfen 
schuppen ganzrandig oder kaum ausgerandet. 

In einer Versuchspflanzung im Forstgarten in Tharandt hatte diese 
nordische Fichte, gleichzeitig neben normale Fichten verschult, im gleichen 
Zeitraum kaum die halbe Höhe wie diese erreicht. 

Diese nordische Fichtenform ist mit der sibirischen oder Altaifichte 
(Picea obovata Ledeb.) verwechselt worden und gleicht im Aussehen der P. 
Orientalis Lk., für welche sie auch fälschlich gehalten wurde. 

Sehr nahestehend, wenn nicht identisch, ist: 

Picea excelsa fennica Rupr. (in seiner unvollendeten Flora Ingrica) und 
Pinus Abies fennica (Regl. in Gartenflora XII, 95, Febr. 1863). 
Die finnische Fichte. 
Picea vulgaris Lk., var. uralensis Teplouchoff 1869. 

In Rußland bei Petersburg und Moskau, in Livland und Polen, in Finn- 
land und Lappland, Nord-Schweden und Norwegen, im Amurland, am Ussuri 
in der Dsungarei vorkommend. 

Eine ausgesprochene Übergangsform , welche von der großzapfigen 
typischen obovata-Form kaum zu unterscheiden ist. Nach Schröder sind 
die Zapfen von verschiedenen Bäumen, im dendrologischen Garten der landw. 
Akademie in Moskau, meist 7 cm lang, 3 cm breit, nur ein Baum bringt 
Zapfen bis zu 10 cm Länge. Ein mir vorliegender Zapfen von einem Baume, 
welchen der Autor selbst als seine fennica bezeichnete, ist 9 cm lang und 
hat runde, ganzrandige Schuppen. 

Hierher gehören ferner: 

Picea excelsa septentrionalis hört., die skandinavisch-finnländische 
Fichte, und Picea excelsa borealis Glöers, die Polarfichte, in Norwegen 
am 67.^ n. Br. gesammelt; sie liefern nach Rafn ein Saatgut von vorzüglicher 
Keimkraft. Die Samen sind kleiner als die der Tieflandfichte und ergeben 
schwachwüchsigere, gedrungenere, breitwüchsige Pflanzen, die aber äußerst 
widerstandsfähig sind. Zum Anbau können sie nur für hohe, rauhe Lagen 
und nordische Länder empfohlen werden, sind aber hier dann trotz des lang- 
sameren Wuchses von größtem Werte. 

Herr Job. Rafn, Waldsamenhändler in Kopenhagen, hat sich um Be- 
schaffung und Verbreitung von Saatgut von dieser nordischen Fichte besonders 
verdient gemacht. 

Sehr nahe steht der nordischen Fichte die Alpenfichte, so daß beide 
auch vereinigt wurden, so von Heer in Verhandl. Schweizer Naturforsch. - 
Gesellsch. Solothurn 1869, p. 70. 

Professor Brügge r in Chur hat jedoch nachgewiesen, daß die Alpen- 
fichte hinreichend von der nordischen Fichte mit ihren glänzend-grünen 
Blättern abweicht, so daß er sie als charakteristische Unterart der gewöhnlichen 
Fichte aufführt wie folgt (Jahresbericht der Naturforsch.-Gesellsch. Graubündtens 
Jahrgang XXIX, 1884/85): 



216 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Picea (excelsa) alpestris Brügger. Alpenfichte. 

Syn. Picea excelsa alpestris Brügger, Jahresbericht XVII, p, 154; Flor. 
Cur. 49. 
Aviez selvadi (d. h. wilde Weißtanne) der Graubündtner. 

Auf den Graubündtner Alpen, um Parpan und auf der Lenzerheide, in 
einer Höhe von 1370 — 1600 m Wälder bildend, um den Kurort St. Bernhardin 
bei 1600 — 1800 m. Steht die Alpenfichte, wie es häufig dort vorkommt, unter- 
mischt mit der gemeinen Fichte, so unterscheidet sich erstere schon von 
weitem durch gedrungenen Wuchs, durch steife, starre Bezweigung, durch 
grauen oder blauweißen Duft auf den Blättern, besonders an den jungen 
Trieben, durch weißgraue Rinde des Stammes, so daß sie auf den ersten 
Blick mehr einer Weißtanne wie einer Fichte gleicht und daher schon von 
dem romanisch redenden Landvolke als besondere Baumart „Aviez selvadi" 
(wilde Weißtanne) zum Unterschiede von der Fichte (Rottanne) „pign" dort 
bezeichnet wird, die mit rotbrauner Rinde, schlanken, hängenden Zweigen 
und nicht bedufteten, dunkelgrünen Blättern abweicht. Noch mehr soll die 
Alpenfichte nach Brügger der amerikanischen Weiß- oder Schimmelfichte 
Picea alba Lk. in der Erscheinung und in der hellblaugrünen Färbung gleichen. 

In betreff des Holzes zeigt die Alpenfichte, wie auch andere auf 
Gebirgen langsam erwachsene Coniferenformen, eine größere Dichtigkeit und 
Regelmäßigkeit der Jahresringe. Brügger zählte an einem Stamm von 35 cm 
Dicke etwa 100 Jahresringe, an einem von 75 cm Dicke 150 — 160 Jahresringe. 
Das Holz ist ganz besonders als Resonnanzholz geeignet, ebenso wie dies 
schon von dem Holz der Weiß- oder Haselfichte angeführt wurde, und 
daher von Pianoforte-Fabrikanten besonders gesucht und geschätzt. 

Nach Brüggers Angaben würden sich, nach genauem Vergleich der 
Alpenfichte mit der gemeinen Fichte, folgende Unterschiede ergeben. 

Picea alpestris: Junge Triebe samthaarig (dichtkurzhaarig). Zweige 
und Blätter steifer, dicker, letztere fast rechtwinklig abstehend, einwärts ge- 
krümmt und an älteren Zweigen fast einerseitswendig; Blätter kürzer, 15 bis 
18 mm lang und deutlicher vierkantig (mit rhombischem Querschnitt), weniger 
zugespitzt, stumpflich oder spitzlich, kaum stechend, getrocknet ölgrün bis 
gelblich-grün (bei P. excelsa Lk. dunkelgrün). Blütenkätzchen heller, weißlich, 
etwa um ^/g kürzer, männliche mit schwächer und seichter gezähnelten 
Schuppen, weibliche 4 cm lang, Zapfen je nach guter Entwickelung hängend, 
auch horizontal oder selbst in hohen, rauhen Lagen infolge ungenügender 
Entwickelung etwas aufwärts gerichtet, i) etwa Vs kürzer, l^j^ — 12^/2 cm lang, 
Schuppen vorn abgerundet und ganzrandig. 

Ich konnte in Plaun Good bei Samaden in etwa 1750 m Erhebung 
diese interessante Alpen lichte kennen lernen. Sie zeigt weißgraue Stämme, 

^} Man hat früher oft diesen aufwärts gerichteten Zapfen ein besonderes Gewicht bei- 
gelegt. Wie Herr Graf Fr. Berg in seiner trefflichen Schrift „Einige Spielarten der Fichte", 
Dorpat 1887, nachgewiesen hat, sind diese kleinen, schlecht ausgebildeten Zapfen so leicht, daß 
sie sich mittelst ihrer Schwere nicht abwärts biegen können. Er sagt dann weiter, daß gut 
entwickelte ausgewachsene Fichtenzapfen hängen, „Wir haben jedenfalls kein Recht, die Fichten, 
aus denen bis jetzt aufwärts gerichtete Zapfen nachgewiesen wurden, als besondere Arten, oder 
auch nur als besondere Varietäten zu bezeichnen, es ist nur eine Folge unvollkommener Ent- 
wickelung," 



II. Klasse. Coniferae, 217 

eine gedrungene, schlank kegelförmige Gestalt, weitgestellte Äste, kurze 
steife Bezweigung und derbe bläuliche Blätter, Ich sammelte Zapfen von 
5 — 10 cm Länge. Die Zapfenschuppen sind teils rundlich, fast ganzrandig, 
oder seicht gezähnelt, teils nach den Spitzen zu mehr ausgezogen und ein- 
gekerbt. Sie zeigen also alle Übergänge in der Form; auch konnte ich 
grünzapfige (chlorocarpa) und rotzapfige (erythrocarpa) nebenein- 
ander beobachten. 

Die Alpenfichte wurde von Dr. M ad er, Note florist. di Liguria, Atti 
d. Soc. Ligustica di Sc. nat. et geog. XVI, 1905, auch in den Seealpen, auf 
der Baissa d'Urno, einem über 2000 m hohen Bergrücken, einen kleinen 
Wald bildend, südwestHch von Col di Tenda entdeckt (Mitt. d. d. dendr. 
Gesellsch. 1907, p. 115). 

Picea excelsa hercynica hört. Fichte vom Harz. 

Syn. Abies excelsa hercynica hört. 

Diese ist eine vom Lerchenfeld am Brocken stammende Form, welche sich 
von der Art durch gedrungenen Wuchs, dichtere Verzweigung, feine, kürzere 
Blätter und kleinere Zapfen unterscheidet, nach AI. Braun der sibirischen 
oder Altaifichte Picea obovata Ledeb. nahe steht und zu denjenigen klimatischen 
und Standortsformen gerechnet wird, welche den Übergang von P. excelsa 
zu P. obovata bilden sollen und welche mit ähnlichen Abweichungen in 
rauhen, nördlichen Gegenden und auf Gebirgen, so z. B. im Thüringer Wald, 
beobachtet wurden. Diese Form hat nach Zabel, im dendrologischen Garten 
der Forstakademie zu Münden seit 1876 kultiviert, dort ihren gedrungenen 
Wuchs und die kürzeren Blätter beibehalten, unterscheidet sich jedoch 
von der Alpenfichte sofort durch die völlig kahlen Zweige. 

Picea excelsa carpathica Loud. Karpathenfichte. 

Syn. Abies excelsa carpathica Loud., Encyclop. of Trees 1027 (1842). 
Picea excelsa tenuifolia Carr., Man. des pl. 340. 
Abies excelsa tenuifolia Loud., Encyclop. of Trees 1027 (1842). 

Eine auf den Karpathen vorkommende Form, die niedriger von Wuchs 
ist und mit fein behaarten Zweigen, dünneren, kürzeren, glänzend -dunkel- 
grünen, dem Zweige dicht anliegenden Blättern und kleineren Zapfen von 
der Art abweicht und somit anderen Formen nordischer Gegenden oder 
höherer Gebirge ähnlich ist. 

Picea excelsa sibirica Carr. (Conif. 2. ed., 331 [1867]). 

Syn. Abies excelsa sibirica hört. 

„ sibirica hört, nicht Ledeb. 

Diese Form bildet einen breiten, gedrungenen, dicht bezweigten Kegel. 
Die jungen ausgereiften Zweige sind glatt, hellbraun, die braunen, kegel- 
förmigen Knospen verhältnismäßig stark; feine, scharfgespitzte, 10—15 mm 
lange Blätter decken den Zweig dicht zu. 



218 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Zapfenschuppen breif-eiförmig oder fast herzförmig, gewölbt, weich und biegsam, 
ganzrandig, abgerundet oder abgestutzt. 

B. Picea excelsa Lk., var. altaica Teplouchoff (1869). 

Picea excelsa Lk., var. obovata Ledeb. (als Art) (Fl. altaic. IV, 201, 111, t. 
499 [1833]). Sibirische Fichte, Altaifichte. 

Syn. Pinus Abies Fall., Fl. Ross. II, p. 6 exkl. Syn. (1788). 

Picea obovata Ledeb., Fl. altaic. IV, p. 201, III, t. 499 (1833). 

Abies obovata Loud., Arb. Brit. IV, p. 2329 (1838). 

Pinus obovata Ant, Conif. p. 69, t. 37 f., 2 (1847). 

Picea vulgaris var. altaica Teplouchoff, Bull. d. 1. Soc. de Mose. 

XLI, 250 (1869). 
Abies excelsa var. obovata C. Koch, Dendr. II, p. 238 (1872). 
Kara-Schersae der Tartaren. 
Epicea de Siberie der Franzosen. 
Siberian Spruce der Engländer. 

In Nord- und Ost-Rußland, auf der Skandinavischen Halbinsel, durch 
ganz Sibirien vom Ural bis zum Jenisei, hier bis über den 69.^ n. B. ihre 
Nordgrenze erreichend, zumal im Altaigebirge bis zu 1300 m Erhebung große 
Waldungen bildend, bis Kamtschatka und auf die Kurilen vordringend, in der 
Mandschurei in der Nähe des Amur von Maximowicz aufgefunden. 

Etwa um das Jahr 1852 in Europa eingeführt. 

Die sibirische Fichte steht der gemeinen Fichte sehr nahe und 
wird heute von der Mehrzahl der Autoren nur als eine klimatische Abart 
derselben angesehen, schon Grisebach (in Vegetation der Erde I, p. 535) 
hielt die sibirische Fichte für eine klimatische Form der gemeinen Fichte und 
Teplouchoff (nach diesem auch Dr. Udo Dammer, Gartenflora 1888, p. 614) 
haben allmähliche Übergänge, was die Größe und Form der Zapfen und 
Zapfenschuppen anlangt, gefunden. 

Ohne hier die sehr reiche Literatur erschöpfend wiedergeben zu können, 
nenne ich nur als die wichtigsten: Graf Fr. Berg, „Einige Spielarten der 
Fichte", Dorpat 1887. In dieser trefflichen Schrift, worin alle Formen ein- 
gehend besprochen und viele Abbildungen beigegeben werden, sagt der Autor 
u. a. wörtlich: „Um auf den Vergleich der Varietas obovata mit unserer 
gewöhnlichen Picea excelsa Lk. zurückzukommen, so muß ich meine Ansicht 
dahin formulieren, daß nach der Form der Zapfenschuppenspitzen die Extreme 
der sibirischen und europäischen Varietät allerdings so sehr verschieden von- 
einander sind, daß die verschiedene Benennung: Picea excelsa var. obovata 
im Gegensatz zur europäischen Picea excelsa Lk. ganz berechtigt und sogar 
notwendig erscheint, obgleich die Kennzeichen der einen Form so allmählich 
in die der anderen übergehen, daß weder eine geographische Grenzscheide 
zwischen beiden gezogen werden kann, noch die genaueste Definition dazu 
hinreichen wird, um in allen Fällen mit Sicherheit zu bestimmen, zu welcher 
Varietät ein Zapfen gehört." 

Zu dem gleichen Resultat kommt Dr. C. Schröter, „Über die Viel- 
gestaltigkeit der Fichte", Zürich 1898, mit 37 Abbild. In eingehendster Weise 
werden hier alle Fichtenformen behandelt, auf welche ich weiter öfter zurück- 
kommen werde. 



II. Klasse. Coniferae. 219 

Weiter mögen hier noch die Schriften von: Klinge, Kihlman, 
Blomquist, Hissinger, Fries, Schübler, Ascherson u. Graebner, 
Beck, Caspary, Conwentz, Wilhelm, Willkomm, Wittrock genannt 
werden. 

Es könnte befremden, daß die extreme Varietas obovata, die 
sibirische Fichte, die ein riesiges Verbreitungsgebiet gegenüber der Picea 
excelsa Lk., der europäischen Fichte, hat, überdies auch als älter an- 
gesehen wird, zu letzterer als Varietät gestellt wird. Diese Bezeichnung ist 
jedoch jetzt nahezu allgemein angenommen, und die nahe Verwandtschaft 
wird dadurch ja auch am besten ausgedrückt. 

Ich schließe mich daher dieser Anschauung hier an, obgleich ich vom 
praktischen Standpunkte aus gerne Picea obovata Ledeb. als Art 
festgehalten hätte. — 

Willkomm, der die sibirische Fichte sowohl im botanischen Sinne, 
als auch in forstwissenschaftlicher Beziehung, von der gemeinen 
Fichte für nicht verschieden hält, führt sie dennoch, in seiner forstlichen Flora 
p. 93, ihres anderen Aussehens und des ganz anderen geographischen Ver- 
breitungsbezirks wegen, als eigene Art auf und weist mit Recht darauf hin, 
daß der Umstand, daß Picea obovata in Kultur bei Aussaaten ihren eigen- 
tümlichen Wuchs, Größe und Form der Zapfen behalte, noch kein Beweis 
für eine eigene Art sei, da auch klimatische Varietäten, welche ihre durch 
das Klima bedingten Eigenschaften seit Jahrtausenden auf ihre Nachkommen 
vererbten, wenn sie unter anderen klimatischen Verhältnissen aus Samen 
erzogen werden, nicht so rasch, sondern erst nach vielen Jahrzehnten oder 
wohl Jahrhunderten in eine ursprüngliche Stammform übergehen. 

Regel ist der Ansicht, daß an der Grenze der Verbreitungszone von 
Picea obovata einzelne eingesprengte Exemplare von P. excelsa vorkommen 
und daß sich im Laufe der Zeit zwischen beiden Arten Bastarde und Misch- 
formen gebildet haben. Er fügt weiter hinzu, daß P. obovata, aus Samen vom 
Ural und aus Sibirien bezogen, in Petersburger Baumschulen eine ganz andere 
Tracht als P. excelsa zeige, von welcher freilich in den Waldungen um Peters- 
burg und in Finnland auch im Wuchs sehr verschiedene Formen vorkämen. 
Picea obovata ist öfter fälschlich, selbst später von Ledebour in 
seiner Flora rossica, auch mit P. orientalis Lk. verwechselt worden, welche 
als ausgezeichnete Art durch Wuchs, dichtstehende, kurze, dickliche Blätter, 
schmale und kleine Zapfen so gut unterschieden ist. Don hielt dagegen P. 
obovata für eine nordische Form der Himalayafichte (P. Morinda Lk.). 

Die sibirische Fichte erreicht als Baum etwa 30 m Höhe und gleicht 
der europäischen Fichte im spitz-pyramidalen Wuchs, als älterer Baum mit 
leicht überhängender Bezweigung; die jungen Triebe sind schwach behaart, 
die Blätter stehen sehr dicht, sind ziemlich dünn, zusammengedrückt-vierkantig, 
beim Querschnitt rautenförmig, scharf-stachelspitzig, durch die allerseits weiß- 
lichen Spaltöffnungslinien mattgrün oder bläulich-grün erscheinend, 12 — 20 mm 
lang, Zapfen hängend, seltener schief-abwärts gerichtet oder horizontal (je 
nach der Entwickelung, wie schon bei der Alpenfichte nachgewiesen wurde), 
eirund oder länglich-zylindrisch-stumpf, dunkelbraun, S^j^—^^j^ cm lang, 2^/2 cm 
breit, Zapfenschuppen gewölbt, weich und ziemlich biegsam, verkehrt-eirund 
oder fast herzförmig, auf dem Rücken glatt, ganzrandig oder etwas ab- 



220 'i^weiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

gestutzt. Samen klein, schwärzlich, eirund mit verkehrt-eirundem, blaßgelb- 
lichem, fast dreimal so langem Flügel. 

Graf Fr. Berg bildet in seiner trefflichen Schrift auf einer Tafel 
12 Zapfen von var. obovata lapponica ab, welche ihm Blomquist aus 
Kunsomo von 66^ n. Er. sandte. Der kleinste ist 36 mm lang und die 
Schuppen sind flach abgerundet, andere sind mehr eiförmig und zeigen 
deutlich ausgezahnte Schuppen, andere deutlich rhombisch zugespitzte. Über- 
gänge von einer Form zur anderen sind vorhanden. Die größeren Zapfen 
maßen 53 mm Länge. Die Samen zeigten teils helle, teils violette Flügel, sie 
waren alle in demselben Walde gesammelt. Graf Berg erhielt noch eine 
vierte Sendung Zapfen aus Lappland, bei denen es absolut unmöglich war 
zu sagen, was noch obovata genannt werden kann und was nicht, so all- 
mählich gehen diese Formen ineinander über. 

Diese Fichte tritt in unsern Gärten an für sie passenden, kühlen, luft- 
feuchten Standorten als zierlicher, langsam wachsender Baum mit schöner, 
schlanker, leicht überhängender Bezweigung auf und verdient dort sehr die 
Anpflanzung als Zierbaum, auch für kleinere Gärten. Sie kümmert an un- 
passenden Standorten, ist oft nicht aufzubringen, ist übrigens wenig verbreitet 
und gewiß oft mit den genannten Übergangsformen verwechselt, wie das 
ja nicht zu verwundern ist, da zur Unterscheidung ein sehr geübtes Auge 
gehört. Als Forstbaum dürfte sie jedoch, nach Willkomm, den Anbau nicht 
verdienen, da sie bei uns kaum Vorzüge vor der europäischen Fichte bieten 
und auch kaum eine solche üppige Entwickelung wie diese erreichen möchte. 

Picea excelsa Lk., var. obovata japonica Maxim. 

Syn. Abies obovata japonica Maxim., Ind. sem. hört. Petrop. 1866. 

Picea Maximowiczii, Ind. sem. hört. Petrop. 1865, p. 33 in Japonia 

a Tschonoskio lecta. 
Abies Maximowiczii (Rob. Neumann Catal.). 
Picea Tschonoskii Mayr in Fremdl. Wald- u. Parkb. 1906, p. 339. 

Auf Hochalpen in Japan von Tschonoski gesammelt und von Maxi- 
mowicz als Gebirgsform von Picea obovata bezeichnet. 

Samen dieser Form wurden im Jahre 1865 durch den Botanischen 
Garten in St. Petersburg verbreitet. 

Diese Pflanze ähnelt sehr manchen Zwergformen von Picea excelsa und 
kann daher leicht mit diesen verwechselt werden, sie bildet eine gedrungene, 
kegelförmige, dicht- und kurzzweigige Pflanze; die jungen üppigen Triebe 
sind kurz, glatt, rotbraun, die Knospen bläulich mit Harz überzogen, die 
dicklichen, geraden, starren, vierkantigen, scharf und spitzig-stechenden Blätter 
stehen ringsum und oft im rechten Winkel vom Zweige ab. Die Blätter der 
älteren und kleineren Nebenzweige sind aber denen von P. obovata ganz 
gleich und zeichnen sich ebenso durch eine scharfe, stechende Spitze aus. 
Die Zapfen, welche wir in Europa schon an verschiedenen Orten an schönen, 
üppigen Exemplaren finden, sind herabgebogen, länglich, 4^/2—5 cm lang und 
geschlossen, l^/g — 2 cm breit, mit breiten, ganzrandigen Schuppen und gleichen 
vollkommen kleinen Zapfen der obovata-Form, am meisten denen, welche 
Graf F. Berg in „Einige Spielarten der Fichte", Tafel XII, als obovata lapponica 
beschreibt und abbildet. 



^ 



IL Klasse. Coniferae. 221 

In anatomischer Hinsicht zeigt diese Fichte, nach Hickel, weder Unter- 
schiede von Picea excelsa noch von obovata. 

(Zu vergleichen Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 128; 1900, p. 101; 
1902, p. 87; 1903, p. 23.) 

In deutschen Gärten finden wir bereits Pflanzen von 6 — 8 m Höhe, 
die einen gedrungenen Kegel darstellen, überhaupt einen besonders starren 
Charakter in allen Teilen aufweisen; die steifen, empfindlich stechenden Blätter 
der jungen Triebe zeigen eine gewisse Ähnlichkeit in Starrheit und Stellung 
mit denen von Picea excelsa Maxwellii und ähnlichen. 

Im Herbarium des botan. Gartens in St. Petersburg findet sich eine 
von Maximowicz gezeichnete Diagnose nebst folgender Bemerkung von 
Maximowiczs Hand: „Picea Maximowiczii est Abies obovata var. japo- 
nica Maxim." Also Maximowicz hat hier doch die Zugehörigkeit nach 
Blättern und Zapfen zu der weit verbreiteten P. obovata als Hochalpenform 
zweifellos anerkannt und die Pflanze genau beschrieben. 

Es kann also gar keinem Zweifel unterliegen, daß unsere in Kultur 
befindlichen Pflanzen, die ja auch schon Zapfen trugen, hier gemeint sind, 
denn die Diagnose stimmt haarscharf. Um so bedauerlicher ist es, daß 
Prof. Mayr sich stets von neuem bemüht, diese Identität und das Vorkommen 
in Japan zu leugnen, wenn er auch keine stichhaltigen Gründe anzuführen 
vermag. In seinen Fremdl. Wald- und Parkbäumen 1906, p. 339 behauptet 
er sogar: unsere hier in Betracht kommenden Pflanzen seien „nichts als Nadel- 
Synonyme von Picea bicolor". — Dieser Irrtum unterlief ihm, weil er zwei 
verschiedene, von St. Petersburg aus verbreitete Fichten verwechselte. 
Ich erbringe für die Richtigkeit dieser Tatsache nachfolgende, mir aus St. Peters- 
burg gesandte Notiz: „P. japonica Maxim. (Ind. sem. 1865, p. 33). Im Ind. 
sem. 1866, p. 3 korrigiert Maximowicz: P. japonica h. Petrop. = Abies bicolor 
Maxim. (Mel. Biol. VI, p. 24) = P. Alcockiana Carr." Also diese letztere und 
nicht, wie fälschlich von Mayr angegeben, P. obovata japonica kommt 
hier in Frage. — Mayrs neue Benennung P. Tschonoskii für unsere P. obovata 
japonica war also völlig überflüssig, ist zu kassieren und wird, anstatt 
zu korrigieren, wie Mayr dies beabsichtigte, leider nur die Synonymie be- 
reichern, die Sache erschweren und die Begriffe verwirren. 

Die Fichte zeigt in ihrer Gestalt, wie in allen ihren Organen, eine 
fast unbegrenzte Formenverschiedenheit. 

Die Veränderlichkeit der Zapfen in Größe und Schuppenform haben 
wir schon kennen gelernt. Wir sehen die größten Zapfen bis zu den kleinsten 
Kümmer- oder Zwergzapfen. Die Zapfenschuppen ändern von den 
runden obovata-Formen bis zu den schnabelförmig ausgezogenen Formen der 
excelsa, und zwar in der ausgeprägtesten Gestalt in der Dornfichte Picea 
excelsa Lk. var. acuminata Beck, deren Schuppen in eine lange aus- 
gerandete aufgebogene Spitze plötzlich wellig verschmälert auslaufen. Diese 
wurden an der Trauerfichte pendula gefunden (Abbild, in Schröter 1. c, 
p. 24). Als monströse Bildungen wäre die lappenschuppige Fichte P. 
excelsa Lk. lusus triloba Aschers, u. Graeb. 1897, p. 199 zu nennen, wo 
die Schuppen vorn dreilappig geteilt sind (Abbild. Schröter p. 84), dann die 
var. squarrosa Jacobasch mit sehr lang geschnäbelten, welligen, sparrig 
abstehenden, gerillten, dünnhäutigen Schuppen. 



222 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Krüppelzapfen, von Graf Berg aus Livland stammend, teils mit ganz 
zurückgeklappten Schuppen, werden p. 91 abgebildet. 

Abänderungen in der Rinde zeigen: Picea excelsa Lk. 1. corticata 
Schrot. Die dickrindige Fichte (Lärchenfichte), Abbild. Schröter 1. c. 
p. 66 und 67; die Rinde ist bis 9 cm dick, längsrissig, lärchen- oder kiefern- 
ähnlich, aber mit dem mikroskopischen Bau der Fichtenrinde; in allen anderen 
Teilen stimmt diese Form völlig mit der Hauptform überein. 

Dieselbe wurde an sechs Standorten beobachtet: in Niederösterreich 
(Badoux), im Urwald am Rubani (Purkinge), bei Gießen (Heß), vier 
Exemplare aus heimischer Saat (Förster), im Münchener Forstinstitut (von 
Tubeuf), in den Lausanner Gemeindewaldungen (Badoux), davon die Ab- 
bildungen. Weiter dann die Zitzenfichte Picea excelsa Lk. 1. tuberculata 
Schrot. Abbild, p. 69 und 70 vom Gußwerk in Österreich (Cieslar) und 
aus Oberbayern (von Tubeuf). Der Stamm ist, wenigstens am unteren Teil, 
mit kegelförmigen Korkwucherungen bedeckt, die bis 3 cm Höhe er- 
reichen und aus abwechselnden Schichten von Schwammkork und Phelloid 
zusammengesetzt sind. 

Abänderungen in den Blättern (Nadeln) treten im weitesten Umfange 
auf, sowohl in der Länge, in der Stärke, scharfgespitzt bis stumpfspitzig. Der 
Querschnitt zeigt daher eine rhombische bis stumpf-viereckige Figur; der ana- 
tomische Bau zeigt normal zwei Harzgänge, von denen häufig einer, ja hier 
und da beide fehlen können. Die Anordnung der Blätter ist sehr verschieden, 
was wir bei den folgenden Formen sehen werden, ebenso die Färbung. Am 
normalen jungen Baume sind die Blätter dünner und spitzer als oben am 
fruchtbaren Baume, wo die Blätter an üppigen Fruchtzweigen dick und vier- 
kantig, sichelförmig gebogen, mit stumpfer Spitze, am Zweige dicht bürsten- 
förmig aufwärts stehen. Hierhergehört diesogen. „Doppeltanne" desBerliner 
Weihnachtsmarktes, als Wipfel vom fruchtbaren Baume genommen. Die 
Fichten machen in dem Jahre, wo sie verpflanzt wurden, durch Störung, an 
dem neuen Triebe ganz kurze, dichtstehende, feine Blätter, die noch 
jahrelang sichtbar sind und sehr gegen den neuen normalen Trieb des nächsten 
Jahres abstechen. Dasselbe erkennen wir deutlich auch an anderen Coniferen. 

Einige auffallende Blattabänderungen mögen hier noch folgen: 

Picea excelsa nigra Loud. (in Willk. Forstl. Flora p. 77 [1887]). Schwarze 
gemeine Fichte, aber nicht zu verwechseln mit der amerikanischen Schwarz- 
fichte Picea nigra Lk. 

Syn. Abies excelsa nigra Loud., Arb. et frut. Brit. IV, 2294 (1838). 

Eine besonders üppige, angeblich in Norwegen häufig auftretende Form 
mit langen, dicklichen, dunkelgrünen Blättern, großen Zapfen und rötlicher 
Rinde, die auch in Deutschland in Parkanlagen angetroffen wird. 

Picea excelsa gigantea hört. Riesige gemeine Fichte. 
Syn. Abies excelsa gigantea hört. 

Eine üppige Form von schnellem Wuchs, mit schlanker Bezweigung und 
längeren, weicheren Blättern, 



II. Klasse. Coniferae. 223 

Picea excelsa acutissima hört. (Cat. PI. in Hort. Bot. Bergiano p. 78 [1890 bis 
1891] von Wittrock, mit Abbild.). Spitzblättrige gemeine Fichte. 

Syn. Abies excelsa acutissima hört. 
„ acutissima hört. 
Picea acutissima hört. 

Eine Form, welche sich durch besonders feine, dünne, scharfgespitzte 
Blätter auszeichnet. 

Im Botanischen Garten zu Stockholm wurde ein einziges Exemplar 
zwischen normalen Fichten gefunden. Das Bäumchen, 1891 zwölf Jahr alt, 
wächst sehr langsam und hat jetzt kaum die halbe Höhe wie die normalen 
Bäume erreicht. Die Blätter sind lang, sehr spitz, die seitlichen sehr zusammen- 
gedrückt. Die Abbildung zeigt das Bäumchen, die spitzen, langen Blätter von 
seitlichen Spitzentrieben nebst den vergrößerten zusammengedrückten 
Blattquerschnitten, daneben die vierseitigen Blattquerschnitte vom normalen 
Baume zum Vergleich. 

Picea excelsa microphylla Carr. (Tr. gen. de Conif. 1. ed., p. 251 [1855]). 

Syn. Abies excelsa microphylla hört. 
„ gracilis hört. 

Ein zierlicher Baum von normalem Wuchs mit feiner, etwas nickender 
Bezweigung und sehr kurzen, feinen Blättern, und dadurch an Picea orien- 
talis erinnernd. Graf Schwerin in IVIitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 94 
führt ein im Forstgarten zu Diedorf bei Augsburg entstandenes Exemplar auf. 
Zwei Bäumchen wurden auf dem IVIeliskopf bei Herrenwies in Baden gefunden 
(Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1907, p. 102). 

Picea excelsa parviformis hört. 

Syn. Abies excelsa parviformis bort. 

Eine zierliche Form, breit -pyramidal von Wuchs, mit dünner, feiner, 
regelmäßiger Bezweigung, die dicht mit feinen, ganz kurzen, scharf gespitzten 
Blättern von frischgrüner Färbung besetzt sind. 

Picea excelsa cincinnata Hesse (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1897, p. 92). 

Lockenfichte. 
Ein kräftiger Baum; untere Äste fast horizontal, obere etwas aufwärts 
gerichtet; Zweige hängend, rotbraun. Der junge Trieb zeigt 4 — 6 cm lange 
lockige Verzweigungen, die auffallend langen und breiten Blätter sind 
aufwärts gebogen und ringeiförmig ineinander gerollt. Diese von Herrn 
Hesse-Weener aufgefundene interessante Form hat in stärkeren Exemplaren 
schon Zapfen getragen. 

Wuchsformen. Schlangenfichfe. 
Picea excelsa virgata Jacques. Schlangenfichte, Rutenfichte. 
Syn. Abies excelsa virgata Jacques, in Ann. Soc. Hort. Paris 1853, 
XLVII, p. 652. 
Picea excelsa denudata Carr., Rev. hört. 1854, p. 102, mit Abbild. 
Abies excelsa denudata hört. Gord., Pin. Suppl. 3. 



224 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten, 

Eine höchst eigentümHche Form, welche in Norwegen, Schweden, Finn- 
land, Livland, Kurland, in verschiedenen Gegenden Deutschlands, in Böhmen, 
in Frankreich, der Schweiz, Tirol als eigentümlicher Sämling, sei es einzeln 
oder horstweise in Wäldern, auch oft bei Aussaaten aufgefunden wurde. 
Borkhausen (Handbuch d. Forstbot. I, p. 399) beobachtete sie in Thüringen 
und nennt sie „rutenförmige Rottanne". 

Professor Schübeier in Christiania, der in seinem Viridarium nor- 
vegicum zahlreiche interessante Baumformen beschreibt, hat diese merkwürdige 
Fichtenform in Norwegen an einigen zwanzig Orten aufgefunden, und zwar 
in Exemplaren von über 18 m Höhe, deren genaue Standorte nebst Ab- 
bildung in der Gartenflora 1887, p. 521 angegeben werden. Außerdem hat 
Professor Caspary in Königsberg eingehend die Unterschiede der Schlangen- 
und Hängefichten beschrieben und abgebildet in den Schriften der phys.-ökon. 
Gesellsch. zu Königsberg 1873, p. 115 — 136, ebenso Professor Koch in Vorles. 
über Dendrologie p. 366. 

Sehr eingehend beschreibt Graf F. Berg, „Einige Spielarten der Fichte", 
Dorpat 1887, diese Form und bildet in Tafel I und II die typische magere 
Schlangenfichte (oligoclada) und in Tafel III und IV größere Bäume und voller 
beastete Formen in Livland ab. 

Schröter, „Über die Vielgestaltigkeit der Fichte", Zürich 1898, gibt 
gleichfalls genaue Beschreibungen und bildet Bäume aus Finnland und Mähren 
ab. Erstere zeigt den mager beasteten Typus, letztere eine voller bezweigte 
Pflanze. Ein Spitzentrieb zeigt die volle, rings um den rotbraunen Zweig 
stehende, derbe, üppige, lange, scharfgespitzte Benadelung. 

In der „Garten weit" 1899, p. 523 ist eine typische magere Form im 
Park zu Schönberg a. d. Bergstraße abgebildet, und in Möllers deutsche 
Gärtnerzeitung 1894, p. 31 eine sehr dekorative, voll bezweigte Pflanze in 
Turnau (Böhmen), die schon eine Übergangsform zur Form viminalis darstellt, 
solche sind in allen Entwickelungsstadien vorhanden. Die Form virgata 
wächst sich oft im Alter zur Hängefichte viminalis aus, und Sämlinge der 
viminalis stellen in der Jugend oft virgata-Formen dar. Sie gehen also völlig 
ineinander über, wie die folgenden Übergangsformen dies beweisen. 

Auf die stete Verwechselung der Begriffe Schlangen- und Hängefichte 
in der Praxis, wie auch in der Literatur, muß hier noch besonders hingewiesen 
werden. 

Von aufstrebendem Wuchs zeigt die Schlangenfichte meist einzel- 
stehende, selten in unregelmäßigen Quirlen angeordnete, lang-wagerecht-aus- 
gestreckte Äste, von denen die unteren abwärts gerichtet sind und die oberen 
in schräger Richtung nach oben stehen, die Verzweigung ist sehr gering, da 
meist die seitlichen Knospen an den Ästen fehlen und diese nur an den 
Spitzen fortwachsen; alle Triebe breiten sich schlangen- oder peitschenförmig 
aus; die Hauptäste liegen auch wohl dem Boden auf und schlagen hier Wurzeln; 
die Blätter sind sehr verschieden lang, meist dicker, scharfgespitzt, bis 28 mm 
lang, oft mit der Spitze aufwärts gebogen, am Mitteltrieb angedrückt, an den 
Zweigen abstehend. 

Einen aus Samen erzogenen Baum dieser Form, welcher einer Pflanze 
von Caspary aus Königsberg entstammt, sah ich auf der Insel Scharf enberg 



II. Klasse. Coniferae. 225 

bei Berlin in die Art zurückschlagen, indem die oberen Zweige ganz wie bei 
der normalen Fichte sich ausbildeten. 
Als Unterform gehört hierher: 

Picea excelsa Cranstonii Carr. (Man. d. PI. IV, 340). 

Syn. Abies Cranstonii hört. 
Picea Cranstonii hört. 

„ excelsa Dicksonii hört. 
Abies excelsa Dicksonii hört. 

Eine Form, die von der vorigen kaum verschieden ist, höchstens in den 
Blättern, welche nach Carriere viel mehr seitlich zusammengedrückt 
und in eine längere Spitze ausgezogen sind. 

Nach Masters in Journ. Linn. Soc. XXVII, p. 283 (1889) wurde diese 
Form, vor etwa 50 Jahren, in der Baumschule von Cranston in Hereford 
als eigentümlicher Sämling gefunden. Der Baum maß 1887 8 m Höhe und 
5 m Durchmesser der Krone. Von einem ähnlichen Baume in Lilienfeld 
ergaben die Sämlinge meist normale Pflanzen, nur wenige zeigten den Wuchs 
der Mutterbäume. Die Zapfen sind denen der Art ganz gleich. Die Form 
Dicksonii ist etwas voller bezweigt, mit üppigen, dicht benadelten rötlichen 
jungen Zweigen. Ich sah bei Barbier et fils in Beuvronne bei Orleans mit 
Zapfen beladene recht dekorative Exemplare. 

Magere bis astlose Formen. 
Picea excelsa eremita Carr. (Man. d. PI. IV, 341). 

Syn. Abies excelsa crassifolia hört. 
„ „ eremita hört. 

„ „ arenata hört, (wohl Verstümmelung von eremita). 

Picea excelsa cremitii hört. gall. (gleichfalls verschriebener Name), 
Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 100. 
Eine monströse Form, einen schmalen Kegel bildend, mit zahl- 
reichen, schief aufwärts gerichteten Ästen und dicken, kurzen, wenig ver- 
zweigten, monströsen Zweigen mit orangeroter Rinde, dicken Knospen und 
weitstehenden, kurzen, dicken, unregelmäßig- vierkantigen, scharf gespitzten 
Blättern, eine sehr auffallende Erscheinung. Öfter in starken Bäumen ver- 
treten. 

Picea excelsa glomerulans Kihlm. (in Meddel. af Soc. pro Faun, 
et Fl. Fennica 1904, p. 255) 
nennt Kihlman eine monströse Form. Die Hauptäste verzweigen sich sehr 
reichlich, die Zweige entwickeln sich kaum und bilden kleine Knäuel an 
den Ästen entlang. Diese Form kommt auf verschiedenen Standorten in 
Finnland vor. 

Eine viel magerere, fast astlose Fichte bildet Graf Berg 1. c. Taf. V ab; 
sie steht in Sagnitz, Livland und zeigt an einem senkrechten Stamm ganz 
kurze Zweige. Hierher gehört auch Picea excelsa monstrosa Carr. (non 
Loud., Trait gen. d. Conif. p. 331). 

Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 15 



226 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Dann folgt die 

Astlose Form. 

Picea excelsa monstrosa Loud. (nicht Carr.). 

Syn. Abies excelsa monstrosa Loud., Encyclop. of Trees 1027 (1838). 
„ monstrosa hört. 
Picea aclada Savi, Flora 1844, p. 519. 

„ excelsa monocaulis Nördl. in Willk. Forstl. Flora 1876, p. 76, 

2. Aufl. 

Eine monströse Form mit zylindrischem Stamm, eine dicke, dicht mit 

ringsumstehenden Blättern besetzte Rute, ohne jede Verzweigung bildend, 

mit starren, langen, dicken, stumpfer oder schärfer zugespitzten, bis 35 mm 

langen Blättern besetzt. 

Diese Form ist nach Willkomm, Forstl. Flora p. 76, sehr selten und 
nur vereinzelt aufgefunden, nämlich je ein Baum im Garten zu Mariabrunn, 
in der Oberförsterei Altenbeken (Westfalen) und auf der Isola Bella im 
Lago Maggiore. Hier ein Exemplar kultiviert, welches Schröter 1. c. p. 53 
abbildet; es ist 5 m 80 cm hoch und macht Jahrestriebe bis zu 35 cm Länge. 
Schröter führt weiter Exemplare in Baden bei Stockach, in Mittelfranken 
bei Ansbach und in Böhmen, Domäne Zinkau, auf. Wir sehen in dieser 
astlosen Fichtenform also den höchsten Grad von seitlicher Knospen- 
verkümmerung, die als Monstrosität nur wissenschaftHches Interesse bietet. 

Übergangsformen von der Schlangen- zur Hängefichfe. 
Picea excelsa Uwarowii Kaufm. Uwarows Hängefichte. 

Syn. Picea vulgaris Lk., ß Uwarowii Kaufm., Flor. v. Moskau p. 605. 
Abies excelsa Uwarowii bort. 

Eine interessante, dekorative Form, welche in mehreren Exemplaren 
etwa 20 Meilen von Moskau in Poretschje gefunden und in der Gartenflora 1873, 
p. 177 abgebildet wurde. Sie bietet eine zierliche Erscheinung mit langen, 
dünnen, wenig verästeten Zweigen, die ringsum mit ziemlich kurzen Blättern 
dicht besetzt sind und leicht herabhängend gleichsam den Übergang von den 
Schlangen- zu den Hängefichten bilden, während wieder die Zapfen von nur 
8 — 9 cm Länge mit mehr abgestumpften, am oberen Teile ganzrandigen oder 
unbedeutend eingekerbten Schuppen große Ähnlichkeit mit denen der sibirischen 
Fichte (Picea obovata Ledeb.) zeigen. Ähnlichen Fichtenformen begegnen wir 
übrigens öfter in Parkanlagen oder in lichten Waldbeständen, u. a. auch im 
Zoologischen Garten in Dresden. 

Picea excelsa intermedia Carr. (Conif. 2. ed., p. 332 [1867]). 

Syn. Abies excelsa denudata bort. aliq. (nicht Carr.) 

nennt Carriere eine interessante Zwischenform, die einen üppigen, 
aufstrebenden, unregelmäßig beästeten Baum darstellt. Die Äste sind sehr 
ungleich, oft abwechselnd gestellt, dünn und sehr lang, die Zweige wenig 
zahlreich und unregelmäßig, meist sehr dünn, lang und peitschenförmig, die 
Blätter sehr ungleich, 10 — 25 mm lang, an manchen Zweigen dick und weit- 
gestellt, an anderen sehr dünn, dichtstehend und anliegend. 



II. Klasse. Coniferae. 227 

Sehr zahlreich sind die Fälle, wo im Walde oder bei Aussaaten durch 
Knospenvariation als eigentümliche Sämlinge ähnliche Übergangsformen, und 
zwar in allen Abstufungen, magerer und reicher bezweigt, unschön oder 
sehr dekorativ, aufgefunden wurden. Für die Praxis kommen nur letztere 
in Betracht. 

Die in Möllers Deutsche Gärtnerzeitung 1894, p. 31 abgebildete und 
von mir beschriebene, sehr dekorative Form aus Turnau in Böhmen wurde 
schon bei der Schlangenfichte genannt. In der „Gartenwelt" 1905, p. 411 wurde 
abgebildet und von mir beschrieben ein Prachtexemplar im Hofgarten in 
Bückeburg, äußerst dekorativ, mit langem, strickförmig herabwallendem Behang 
von Zweigen, ein Schaustück ersten Ranges, mehrere ähnliche Bäume wurden 
hier bei einer Aussaat gewonnen. Der Vergleich beider genannter Ab- 
bildungen läßt so recht deutlich die allmählichen Übergänge erkennen und 
zeigt gleichzeitig, daß es ganz unausführbar ist, jede geringe Abweichung, die 
ja jederzeit wieder entstehen kann, durch einen besonderen Namen näher zu 
bezeichnen. Die dekorativ wertvollsten Formen werden wir ja durch Ver- 
edelung vermehren und verbreiten. 

Hängefichfe. 

Picea excelsa Lk. var. viminalis Casp. (in Schrift, phys.-ökon. Gesellsch. 
Königsberg XIX [1878]). Hängefichte. 
Syn. Pinus Abies L., var procera, Fl. suec. ed. I (1745). 

„ „ X Pinus silvestris L., Fl. suec. ed. II (1755). 

„ „ viminalis Alstr., Abh. d. Acad. 1777; 39, p. 310 

Tab. 8 u. 9. 
Pinus hybrida Liljeblad (1792). 
Picea viminalis hört. 
Abies excelsa viminalis hört. 
„ viminalis bort. 

Diese gleichfalls merkwürdige Form wurde von Alströmer westlich 
von Stockholm aufgefunden. Linne kannte sie schon 1741 und hielt sie für 
einen Bastard der Fichte und der Kiefer. 

Diese dekorativ schöne Form zeigt wie der normale Baum üppigen 
Wuchs und gleiche Aststellung. Die Äste erster Ordnung stehen wagerecht, 
die unteren neigen etwas nach unten, die oberen richten sich schräg aufwärts. 
Die Äste zweiter Ordnung sind dünn und hängen sehr lang peitschen- oder 
strickartig, oft bis 3 m und selbst mehr Länge, senkrecht herab, und mit ihnen 
alle weiteren Verzweigungen. Die Blätter sind rings um die Zweige gestellt. 

So finden wir herrliche malerische Exemplare, welche dem Wald und 
Park zur schönsten Zierde gereichen. Bekannt und oft genannt ist ein starker, 
etwa 20 m hoher Baum an der Schloßkirche zu Reinhardtsbrunn im Thüringer 
Walde, welcher die Hängefichte in der schönsten, ausgeprägtesten Form zeigt. 
Sämlinge ergaben (nach Zabels Mitteilung) ein Gemisch von allerhand Formen, 
vom niedrigen Krüppel und mehr oder minder ausgeprägten Schlangenfichten 
bis zu normalen jungen Bäumen. Von diesen Schlangenfichten-Sämlingen 
besitze ich mehrere, und zwar magere und reicher bezweigte Exemplare, die 
also deutlich den Beweis erbringen, daß die Schlangenfichte im Alter zur 

15* 



228 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten. 

malerischen Hängefichte werden und diese aus Samen wieder die Schlangen- 
fichte erzeugen kann. Die verschiedenen, teils sehr dekorativen Übergangs- 
formen haben wir ja schon kennen gelernt. 

Außer in Thüringen sind in Tirol und Niederösterreich, in Steiermark, 
Kärnten, Krain, in der Schweiz, Ostpreußen, Polen, Livland, Schweden, Nor- 
wegen Bäume dieser Form mit allen Übergängen nachgewiesen worden. Man 
vergleiche dazu: Schub el er, Pflanzenwelt Norwegens 1873 u. 1875, Fig. 27, 
p. 161 (Abbild, einer Zwischenform); Gartenflora 1887, p. 469, 552; 1889, 
p. 136, 657; C. Wilhelm, Sitzungsb. d. K. K. zool. bot. Gesellsch. Wien 
XXXVII, 1887; Graf Berg, „Einige Spielarten der Fichte" 1887, p. 4 u. 11; 
Schröter, „Vielgestaltigkeit der Fichte" 1898, p. 30; Mitt. d. d. dendr. Ge- 
sellsch. 1902, p. 57 und 1905, p. 72; Schröder, in Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 
1899, p. 121 nennt eine der Form viminalis ähnliche schöne Form, mit 
sehr dichtstehenden, hängenden Zweigen: Picea excelsa plumosa 
Schröd., sie wurde bei Aussaaten im dendrologischen Garten der landw. 
Akademie in Moskau gewonnen. 

Trauerfichfe. 

Picea excelsa pendula Jacques et Hörincq. (Man. des PI., p. 340 [1857]). 

Trauerfichte. 

Syn. Abies excelsa pendula Loud., Encyclop. of Trees 1027 (1838). 
„ communis pendula Booth. ex Loud. 1. c. 

Eine, je nach Entwickelung, oft höchst dekorative, sowohl wild wie 
öfter bei Aussaaten gefundene, üppige Form, die, nach Willkomm, von der 
rot- und grünzapfigen Fichte vorkommt. 

Die ziemlich dünnen, zerstreut und unregelmäßig gestellten Äste erster 
Ordnung hängen, dem Stamme dicht anliegend, schlaff abwärts; die Zweige 
sind wenig verzweigt, dünn, zahlreich, hängen ebenfalls lang und schlaff 
herab und sind dicht mit Blättern besetzt. 

Die Zweigspitzen stehen oft wieder horizontal ab und selbst etwas auf- 
wärts. So entstehen ganz schmale, säulenförmige Kronen. 

Wohl das schönste bekannte Exemplar steht nach Conwentz, Beobacht. 
über seltene Waldbäume in Westpreußen, Danzig 1895, mit Abbild., im Stelliner 
Forst bei Elbing, dasselbe bildet eine schlanke, bis unten beastete, ganz dichte, 
regelmäßige, oben sich zuckerhutförmig zuspitzende Säule. Sie trägt Zapfen 
der schon vorn genannten Form acuminata mit schnabelförmig lang aus- 
gezogenen Schuppen. 

Ein etwas lockerer, beasteter, aber ebenfalls streng säulenförmiger Baum 
steht in Jegothen, Kr. Heilsberg, Ostpreußen. Ein dritter in Königsberg, 
Revier Schierke im Harz, dieser zeigt unten etwas längere, mehr schirmförmig 
abstehende Äste und geht dann plötzlich in eine ganz schmale Säule, mit 
schlaff am Stamme herunterhängenden Ästen, in die Höhe. Diese letzten 
beiden Bäume tragen Zapfen mit gerundeten Schuppen, die den Charakter 
der fennica-Form zeigen. Ein weiterer Baum, von Quitschenhäu, Revier 
Schierke im Harz, bildet, vermöge sehr dünner, schlaffer Äste, eine ganz 
schmale Säule. Jeder Baum zeigt also hier eine andere Form. Außer ge- 
nannten führt Schröter 1. c, p. 34 noch eine Trauerfichte von Kraemer 



n. Klasse. Coniferae. 229 

in einem Bergwald bei Glashütten bei Bad Kreuth in Oberbayern an, eine 
Säule von 20 — 23 m Höhe und unten kaum 4 — 5 m Durchmesser. Kihlman, 
in Meddel. af Soc. pro Faun, et Fl. Fennica, Helsingfors, nennt in Finnland 
ein schönes Exemplar von 10,25 m Höhe, Durchmesser der Krone unten 75 cm. 
Ferner sind Bäume in Nord-Ungarn, in der Bukowina, in Schweden und in 
der Schweiz im Eifischtal 12 m hoch beobachtet. Carriere nennt Trait. gen. 
d. Conif. 1867, p. 330 einen Baum von 10 m Höhe, den Briot in Trianon 
1835 bei einer Aussat erhielt. 

In der Domäne des Barres in Frankreich sah ich hohe, schmale Säulen, 
mit ganz schlaff am Stamme herabhängenden Ästen. 

Aussaatversuche ergaben einen sehr geringen Prozentsatz von Trauer- 
fichten. Die Mehrzahl waren normale Fichten. Auch hier sind alle 
Übergangsformen zu normalen Bäumen vorhanden. 

Picea excelsa inversa (nicht inverta) hort. 

Syn. Abies excelsa inverta Gord., Pin. Suppl. 4. 
„ inverta hort. 

Eine von R. Smith, Carrington bei Kinlet Hall Shropshire, nach The 
Garden XXV, 1884, p. 229 aufgefunden, der vorigen sehr ähnliche 
Trauerfichte, von gleich üppigem Wuchs wie die Art, mit stark hängenden, 
dem Stamm dicht anliegenden Ästen, schlaff herunterhängenden Zweigen und 
längeren, dickeren, glänzend-grünen Blättern, eine gleich der vorigen höchst 
dekorative Fichtenform, von der wir in Anlagen oft Prachtexemplare finden, 
so z. B. in Wilhelmshöhe bei Kassel einen 12 m hohen Baum. — Ein tadel- 
loses, gleich hohes Exemplar sah ich bei Barbier et fils in Beuvronne bei 
Orleans, eine schmale Säule bildend, mit dem Stamm dicht anliegenden Ästen, 
die sich unten dem Rasen auflegen und weit ausbreiten. 

Picea excelsa reflexa Carr. (Rev. hort. 1890, p. 259, mit Abbild.). 

Syn. Abies excelsa pendula Croux. 

Ein buschiger, sehr dicht bezweigter Strauch mit langen, im starken 
Bogen abwärts gerichteten Ästen, die oben an den knieförmigen 
Biegungen oft kahl sind; Zweige gleichfalls stark hängend, bis sie dem Boden 
aufliegen und auf diesem hinlaufen. Nebenzweige zweizeilig, dicht mit Blättern 
besetzt. Rinde gelbrötlich. Blätter sehr verschieden in der Länge. Diese 
Form ist besonders zwischen Felsen und an Abhängen schön, da sie hier am 
meisten zur Geltung kommt. Außer durch Veredlung oder durch Stecklinge 
läßt sich diese Form auch gut durch Ableger vermehren, indem man die dem 
Boden aufliegenden Zweige einschneidet, mit Erde bedeckt und gleichmäßig 
feucht hält. 

Picea excelsa pendula major hort. 

Eine Form, kräftig von Wuchs, deren Hauptäste etwas weniger stark, 
mehr in größerem Bogen abwärts gebogen sind. Die üppigen, blauroten 
jungen Zweige hängen senkrecht herab und tragen derbe, lange, säbelförmig 
aufwärts gekrümmte Blätter, besonders an den Spitzentrieben. 

Picea excelsa pendula monstrosa hort. 

Diese Form zeigt stärker abwärts geneigte Hauptäste wie die vorstehende 
Form und weniger üppige kürzere, meist rings um die Zweige gestellte Blätter. 



9^0 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra- Arten. 

Wir sehen also auch hier kleine Abweichungen, wie dies ja bei eigen- 
tümlichen Sämlingen, die an verschiedenen Orten entstanden, nur natürlich ist. 

Säulenfichfe. 
Picea excelsa columnaris Carr. (Conif. 1. ed., p. 248 [1855]). Säulenfichte. 

Syn. Abies excelsa columnaris Jaques. 

Eine üppige Form, welche mit kurzen, sehr verzweigten Ästen eine 
dichte, schmale Säule bildet. 

Während bei der Trauerfichte eine schlanke Säulenform durch die 
schlaff am Stamme herabhängenden Äste gebildet wird, sind es bei dieser 
Säulenform die kurzen, steifen, horizontalen oder wenig abwärts ge- 
neigten Mutteräste mit dichter, buschiger Bezweigung, welche die Säulenform 
bilden. 

Diese schöne auffallende Form ist lange in Kultur und an verschiedenen 
Orten als eigentümlicher Sämling gewonnen worden. Wildwachsend ist sie 
zumal in der Schweiz aufgefunden. Schröter 1. c. bildet p. 54, 56, 57 ver- 
schiedene Bäume ab und beschreibt sie genau. Ein Baum, von Prof. Engler 
auf dem Stanserhorn aufgefunden, zeigt unten zur Hälfte eine normale Fichte, 
welche oben in eine ganz schmale Säule aus wächst. Ähnliche Bäume ent- 
deckte Oberförster Puenzieux auf der Alp Chavannes. Dann fand Förster 
Pillich ody bei La Brdvine im Neuenburger Jura eine tadellose, 15 m hohe, 
etwa 40jährige Fichte als schlanke Säule und ein weiteres Prachtexemplar 
in la Chaux-de-Fond. 

Kihlman beschreibt und bildet ab in Meddel. af Soc. pro Fauna et 
Fl. Fennica Helsingfors 1904, p. 255 ein etwa lOOjähriges Exemplar in Finnland 
von 20 m Höhe, der Baum ist bis 4 m astlos, der Stammdurchmesser beträgt 
25 cm, die Länge der Äste etwa 1,25 m. Die Abbildung läßt die große 
Schönheit dieser Säulenform erkennen. 

Verfikalfichfe. 

Picea excelsa Lk. erecta Schröter (Vielgestaltigkeit der Fichte 1898, p. 38). 

Vertikalfichte. 

Syn. Picea excelsa pyramidata Carr., Conif. J. ed., p. 247 (1855). 
Abies excelsa pyramidalis Gord., Pin. Suppl. 5. 
Picea excelsa pyramidalis hört. 

Eine üppige, schlank kegelförmige Gestalt, gebildet durch vom 
Grunde an steil aufwärts gerichtete Hauptäste, die unten sehr lang 
sind und nach oben allmählich an Länge abnehmen, zeichnet diese schöne, 
auffallende Form aus. 

Wiederholt habe ich darauf hingewiesen, welcher Mißbrauch mit dem 
Worte „pyramidal", zumal bei Bäumen, die mit einer Pyramide nicht die 
mindeste Ähnlichkeit haben, wie Pyramidenpappel (muß heißen Säulen- 
pappel) u. a. m. getrieben wird; auch hier kann von einer Pyramidenfichte 
nicht die Rede sein, darum nehme ich den von Schröter sehr richtiger 
Weise vorgeschlagenen Namen an, der sich meiner Ansicht anschließt. Als 
eigentümliche Sämlinge sind, durch Knospenvariation entstanden, Pracht- 



n. Klasse. Coniferae. 231 

exemplare von 15—20 m Höhe in Gärten keine Seltenheit. Wildwachsend 
führt Graf Berg in „Einige Spielarten der Fichte" Dorpat 1887, Tafel VI 
einen Baum in Sagnitz-Livland an. Weiter Schröter in Bericht, d. Schweiz, 
bot. Gesellsch. XIII, 1903 von Forstinspektor E. Gu inier (L'epicea de St. 
Eustache Rev. savoisienne 1902, I-Annecy). Er bildet einen Prachtbaum ab, 
der bei etwa 1100 m Erhebung 1,90 m Stammumfang, 16 m Höhe und 10 m 
Kronendurchmesser hat. Die Abbildung zeigt einen dichten Kegel, wie mit der 
Schere geschnitten. 

Zypressenfichfe. 

Picea excelsa Lk. lusus cupressina Thomas (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1907, 

p. 252, mit Abbild.). 

Ein einziger Baum, 70 — 75 Jahre alt, steht auf dem Friedhofe in Tambach 
(Sachsen-Gotha), wohin er vor etwa 50 Jahren aus dem Tambacher Forstrevier 
verpflanzt wurde, wo er bei ca. 520 m ü. d. M. auf Rottotliegendem gewachsen 
und wohl als eigentümlicher Sämling entstanden war. 

Der Baum zeigt die Tracht einer geschlossenen, etwas breiten Säulen- 
zypresse, in der Landschaft wie eine breite Säulenpappel oder Säuleneiche 
wirkend, mit rundlichem Wipfel; er ist 16,4 m hoch, bei 1,85 m Stammumfang. 
Die Äste sind ziemlich dicht gestellt, die oberen und mittleren in einem Winkel 
von 25 — 39^ und nach den Spitzen zu ziemlich dicht verzweigt. Die Triebe 
sind hellrotgelb, spärlich kurzhaarig. Nadeln und Zapfen zeigen wenig Ab- 
weichungen, letztere erscheinen ziemlich spärlich, traten einmal zu 12 — 14 in 
einem Klumpen auf, sie sind 8,5 — 10 cm lang, geschlossen 2,5 — 3 cm dick, die 
Schuppenränder, ohne vorgezogene Spitze, sind schwach ausgerandet, Samen 
und Flügel sind normal. Diese schöne, dekorative Form wird durch Ver- 
edelung für die Kultur erhalten und dürfte, besonders auch für rauhe Lagen, 
als auffallender Kontrast in der Landschaft willkommen sein. 

Kugelfichte. 

Picea excelsa Lk. var. globosa Berg. (Einige Spielarten der Fichte 1887, 
p. 19, 20, mit Abbild.). Kugelfichte, Hexenbesenfichte. 

Graf Berg fand auf dem Gute Hellenorm bei Dorpat eine etwa 90 Jahre 
alte Fichte, welche unten ganz normal gewachsen war und am Wipfel plötzlich 
über 100 Äste trieb, so daß eine riesige Kugel (Hexenbesen) gebildet wurde; 
diese besteht aus einem Gewirr kleiner Zweige. Die Äste im Innern der 
großen Kugel sind von Zweigen ganz entblößt, sind aber an der Außenfläche 
sehr reich und dicht verzweigt und mit kurzen Blättern ganz dicht besetzt. 
Die Abbildung zeigt ein Prachtexemplar, das sich mit der mächtigen Kugel- 
krone ganz eigenartig ausnimmt. 

Graf Berg beobachtete weiter in Sagnitz an einer normalen, etwa 
30 jährigen Fichte, daß sich der Wipfel in eine birnenförmige Kuppel um- 
gewandelt hatte, indem eine große Anzahl Äste von einem Punkt des Stammes 
ausgehen. Das ganze dichte Bündel hat etwa 1 m Durchmesser und 1,50 m 
Höhe. Bei diesem Exemplar erinnert aber nichts an Hexenbesen, die Äste 
sind nicht struppig, sondern, obgleich sehr verzweigt, verlaufen sie glatt und 
die Belaubung ist normal, die Nadeln an den Zweigen sind stark nach vorn 
geneigt, oft fast anliegend. Aus dem dichten Bündel von Zweigen stehen 



232 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

mehrere normale Äste hervor, so daß es scheint, als wollte der Baum wieder 
in die normale Form zurückkehren. Doch haben die Wipfel so geringen 
Zuwachs, daß sie vielleicht von dem dichten Gezweig wieder eingeholt und 
umhüllt werden. 

Schröter (Vielgestaltigkeit der Fichte 1898, p. 59) bemerkt dazu, daß 
es bisher bei der Fichte nicht gelang, einen Parasiten als Ursache der 
Hexenbesenbildung festzustellen. Die große Ähnlichkeit mit zweifellos erb- 
lichen Spielarten spreche sehr zugunsten der spontanen Natur dieser Ab- 
änderung. Nach Schröter fand Dr. v. Tubeuf bei Großhesselohe, 2 Stunden 
von München, eine 15 m hohe Fichte, deren ganze Krone einen dicht- 
gedrungenen, dichtnadeligen Hexenbesen darstellt. Dort wurden noch mehr 
solche Hexenbesen beobachtet, die einzelnen Ästen als Kugelbusch aufsitzen. 

Aus der Schweiz sind zwei Kugelfichten bekannt; im Neuenburger Jura 
bei ca. 1200 m ein Baum bis 15 m hoch, unten durchaus normal, oben einen 
länglich-kugeligen Busch von 1,5 m Höhe und 1 m Durchmesser tragend. 

Im Sihlwald bei Zürich fand sich ein ganz ähnliches Exemplar. 

Quirlfichfe. 

Picea excelsa Lk. f. araucarioides (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1905, p. 73, 

mit ^Abbild.). 

Herr Stephan von Säghy in Kamon (Ungarn) fand in einer Fichten- 
schutzpflanzung einen üppigen jungen Baum, welcher bis zu einer Höhe von 
1^/2 m ganz normal gewachsen war und von da ab nur kräftige Quirläste 
bildete, während zwischen diesen am Stamme jede kürzere Bezweigung, wie 
sie an normalen Bäumen stets vorkommt, fehlte. So werden also ganz regel- 
mäßige kahle Zwischenräume, genau wie bei Araucaria excelsa, gebildet. An 
Üppigkeit und Höhe überragt dieser Baum alle danebenstehenden normalen 
Altersgenossen. 

Gedrungene Kegel- oder Pyramidenformen. 

Picea excelsa petrowskoensis Schröder (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, 

p. 121). 

Nach Schröder eine im dendrologischen Garten der landw. Akademie 
in Moskau aus Samen entstandene große Pyramide, die, so hoch wie breit, 
2^/2 m Höhe hat. Hier läge also der Form nach eine richtige Pyramide vor. 

Picea excelsa Shelesnowii (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1. c). 
Nach Schröder bildet sie eine dichte niedrige Pyramide, welche 
aus Nowgorod stammt. 

Picea excelsa pyramidalis robusta hört. 

Syn. Abies excelsa pyramidalis robusta hört. 

Sie bildet eine üppige, gedrungene Pyramide, bei welcher die 
dicken Knospen besonders auffallen. 

Picea excelsa pyramidalis gracilis hört. 

Syn. Abies excelsa pyramidalis gracilis hört. 



» 



II. Klasse. Coniferae. 233 

Eine kleinere, dichtbezweigte, zierliche Pyramidenform mit feiner 
Bezweigung und rötlichen Knospen. 

Picea excelsa elegans hört. 

Syn. Abies excelsa elegans hört. 

Eine besonders zierlich sich bauende, aufstrebende Kegelform mit 
sehr kurzen, dichtstehenden Zweigen, die dicht mit kurzen Blättern besetzt 
sind. Ich kenne reizende 4 m hohe, ganz regelmäßige Kegel. 

Picea excelsa archangelica hört. 

Syn. Abies archangelica hört. 

Ein gedrungener Kegel mit steifen, kurzen Zweigen, und starren, 
stechenden Blättern. 

Picea excelsa conica Carr. (Conif. 1. ed., p. 249 [1855]). Kegelfichte. 

Syn. Abies excelsa conica hört. 

Picea excelsa stricta Gord., Pin. Suppl. 5. 

Einen gedrungenen Kegel bildend, mit aufstrebenden, sehr dicht- 
stehenden Ästen und dünnen Zweigen, Blätter fein und seitlich sehr zusammen- 
gedrückt, auf beiden Seiten mit zwei bläulichen Spaltöffnungslinien gezeichnet 
und sehr fein und scharf zugespitzt. Eine reizende, regelmäßige Form. 

Picea excelsa compressa Schwerin (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 94). 

Eine von Oberforstrat Ganghofer im Forstgarten zu Diedorf bei 
Augsburg bei Aussaaten gewonnen, der vorigen im Wuchs ganz gleiche, 
regelmäßige Kegelform, welche sich aber durch ganz kurze Blätter 
von derselben unterscheidet. 

Picea excelsa Clanbrasiliana Carr. (Man. d. PI. IV, 341 [1857]). 

Syn. Abies excelsa Clanbrasiliana Loud., Encyclop. of Trees 1027 (1842). 
„ Clanbrasiliana hört. 

Eine rundliche oder kegelförmige, ganz gedrungene, allgemein be- 
liebte Zwergform, sehr kurz und dicht bezweigt, Blätter sehr dichtstehend, 
kurz und dicklich, Knospen auffallend rötlich. Ältere Exemplare wachsen sich 
zu breiten Kegeln aus; so steht z. B. ein Prachtexemplar, 6 m hoch, unten 
5,50 m breit, etwa 1870 gepflanzt, im Garten der Gartenbauschule in Weihen- 
stephan, beschrieben und abgebildet in IVlitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, 
p. 222, Taf. 13. — Das Originalexemplar wurde in IVIoira bei Belfast, der Be- 
sitzung des Lord Clanbrasil, entdeckt. Öfter sind in Forsten ähnliche 
Formen aufgefunden worden, die an Regelmäßigkeit des Wuchses kaum nach- 
stehen, und öfter hatte ich Gelegenheit, die var. Clanbrasiliana bei üppigem 
Stand, zumal auf nahrhaftem, schwerem Boden, in die Art zurückschlagen zu 
sehen, indem unten die breit und rundlich gebaute Zwergform erhalten war, 
aus welcher dann Picea excelsa üppig und ganz normal emporwuchs. 



234 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten. 
Unter der Bezeichnung: 

Picea excelsa Clanbrasiliana plumosa hört. 

finden wir gedrungene Kegel mit kurzen, derben Zweigen, um welche 
starke, etwas gebogene Blätter spiralig gestellt sind, und zumal nach den 
Spitzen zu sich drehen, die Knospen einhüllen und der ganzen Pflanze ein 
krauses Aussehen geben. 

Picea excelsa compacta pyramidalis hört. 

Syn. Abies excelsa compacta pyramidalis hört. 

Eine gleich der vorigen dichte, kurzzweigige, aber mehr breit pyra- 
midal aufstrebende, sehr zierliche Form, sehr regelmäßig und kräftig von 
Wuchs. 

Picea excelsa Remontii hört. 

Syn. Abies excelsa Remontii hört. 
„ Remontii hört. 
Picea Remontii hört. 
Eine besonders regelmäßige Eiform oder spitz -kegelförmig auf- 
strebende, niedliche Zwergform mit kurzen, dichtstehenden Zweigen, unstreitig 
eine der zierlichsten und wertvollsten für kleine und regelmäßige Gärten, die 
vor anderen ähnlichen ganz besondere Empfehlung verdient. 

Rundliche Zwergformen. 
Picea excelsa compacta hört. 

Syn. Abies excelsa compacta hört. 

Eine zierliche Form von dichtem, rundlichem Bau mit feinen Zweigen 
und kurzen, spitzen Blättern. Reizende Kugelformen wurden öfter in Kultur 
gewonnen, so von Renezeder in St. Martin, Innkreis, eine etwa 15jährige, 
fein und locker bezweigte Kugel von 8^/2 m Durchmesser (Mitt. d. d. dendr. 
Gesellsch. 1904, p. 94). 

Picea excelsa Ohlendorffii Späth. (Cat. 1904/5, p. 137). 

Syn. Abies orientalis pygmaea Ohlend. (durch Verwechselung). 

Eine regelmäßige, sehr dichte Kugelform, mit kurzer, sehr dichtstehender 
fächerförmiger Bezweigung und feinen, kurzen, scharfgespitzten Blättern. Eine 
unverkennbare excelsa-Form, die lange irrtümlich zu orientalis gestellt wurde. 
Eine etwa 30 jährige Pflanze im Späth sehen Arboretum stellt einen 1,70 m 
hohen und ebenso breiten, stumpfen Kegel dar. 

Picea excelsa Gregoryana hört. 

Syn. Abies excelsa Gregoryana Gord., Pin. Suppl. 4. 
„ Gregory ana hört. 

Eine auffallend gedrungene, von ähnlichen verschiedene Zwergform, 
die englischen Ursprungs ist und durch dichten, rundlichen Wuchs, feine, dichte 
Bezweigung, dicke, rundliche Knospen und dickliche, kurze, steife, ringsum die 
Zweige gestellte, plötzlich und scharf zugespitzte Blätter sich auszeichnet. 



II. Klasse. Coniferae. 235 

Picea excelsa humilis hört. 

Syn. Abies excelsa humilis hört. 

Eine von der vorigen nur geringe Abweichungen zeigende, aber noch 
kleinere, gleichsam dichte Kissen bildende Zwergform. 

Picea excelsa echiniformis hört. Igelfichte. 

Syn. Abies excelsa echiniformis hört. 

Eine dichte, ganz kurzzweigige Kugelform, die einem Igel gleicht, 
daher der Name „igelförmig"; diese Form wird auch auf Stämmchen veredelt 
und bildet dann eigenartige Kugelbäumchen für Liebhaber von Abnormitäten. 
Das dichte Konglomerat von Zweigchen ist als Hexenbesen aufzufassen. 

Picea excelsa Merki Th. Ohlendorff. 

Syn. Abies excelsa Merki hört. 
„ Merki hört. 
Picea Merki hört. 
Eine dichte, kurzzweigige, rundliche, mehr in die Breite wachsende, 
ganz niedrige Zwergform, die sich später zu breiten Kegeln auswächst. 

Picea excelsa nana Carr. (Conif. 2. ed., p, 332 [1867]). 

Syn. Abies excelsa nana hört. 

Picea excelsa brevifolia Gripps nach Wittrock. 

Eine ziemlich kräftige, rundlich-abgeblattete Zwergform mit sehr 
dichtstehenden, wagerecht abstehenden Ästen und kurzen, an den Spitzen oft 
etwas monströsen Zweigen und dicken Knospen. 

In Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p. 87 beschrieb ich als Picea excelsa 
nidiformis eine zierliche, von Rulemann Grisson jr. in Saselheide bei Ham- 
burg in Kultur gewonnene rundlich-abgeplattete Form mit kurzen, fächer- 
förmigen, fein und hellgrün benadelten Zweigen, die wagerecht, schichten- 
weise übereinander gestellt sind. Da jede Mitteltriebbildung fehlt, so zeigen 
die Pflanzen eine trichterförmige, nestartige Vertiefung. Diese scheint 
sich bei der großen Wandelbarkeit jedoch an Zwergformen später öfter aus- 
zubilden; so berichtet Graf v. Schwerin in Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1908 
von 4 Picea excelsa nana, welche bei ihm diese Umbildung zeigten, und auch 
ich konnte die gleiche Tatsache an mehreren Exemplaren feststellen. 

Picea excelsa pygmaea Carr. (Conif. 2. ed., p. 334 [1897]). 
Syn. Abies excelsa pygmaea Loud., Encyclop. of Trees 1027 (1842). 
„ pygmaea hört. 

„ parvula Knight., Syn. Conif. 36 (1850). 
„ minima hört. 
„ minuta hört. 
Einen ganz dichten, kegelförmig-aufstrebenden kleinen Busch 
mit sehr dichtstehenden, aufstrebenden Ästen und sehr zahlreichen, kurzen, 
ungleichen Zweigchen von hellgrüner Färbung bildend. Blätter rings um die 
Zweige gestellt. 



236 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Picea excelsa pumila hört. 

Syn. Abies excelsa pumila hört. 

„ pumila hört. 
Eine mehr in die Breite wachsende, plattrunde, gedrungene, dicht- 
zweigige Zwergform, die, je nach der Färbung, mehr blaugrün als: Picea 
excelsa pumila glauca und mehr schwarzgrün als: P. excelsa pumila nigra 
bezeichnet wird. 

Flach ausgebreitete Formen. 

Picea excelsa tabuliformis Carr. (Product. et fixation des variet. 52). 
Tischförmige Fichte. 

Syn. Abies excelsa tabuliformis bort. 

Eine interessante, sich nicht erhebende, sondern mit den Ästen sich dicht 
über dem Boden ausbreitende Form. Die dünnen Zweige stehen horizontal ab 
und bilden so eine Art Schirm oder gerade Fläche, so daß die ganze Pflanze 
einer Tischplatte ähnlich ist, daher der Name „tischförmig"; diese eigen- 
tümliche Form entstammt, nach Carriere, einem Sportzweige, der sich im 
Park zu Trianon an einer gemeinen Fichte gebildet hatte. 

Nach Torssander wurde in Södermanland (Schweden) ein 30 jähriges, 
nur 50 cm hohes Exemplar dieser eigenartigen Fichtenform gefunden. 

Picea excelsa procumbens Carr. (Conif. 2. ed., p. 333 [1867]). 

Syn. Abies excelsa procumbens bort. 
„ „ expansa hört. 

Eine ganz zwergige, sich über dem Boden mit den Ästen aus- 
breitende Form mit zahlreichen kleinen, sparrigen Zweigen und sehr dicht- 
stehenden, feinen, kurzen und spitzen Blättern. 

Picea excelsa dumosa Carr. (Conif. 2. ed., p. 332 [1867]). 

Syn. Abies excelsa dumosa bort. 

Wie vorige eine mit den Ästen sich fast horizontal über dem 
Boden ausbreitende Form mit zahlreichen dünnen, sparrigen Zweigen und 
kurzen, weitgestellten, geraden, kurz zugespitzten Blättern. 

Picea excelsa repens hört. Simon Louis (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1888, p. 85). 

Eine ganz flach und leichtzweigig über dem Boden hingestreckte, also 
direkt kriechende Form. 

Monströse, unregelmäßige Formen. 
Picea excelsa Barry hört. 

Syn. Abies excelsa Barry, auch Barri oder Bari bort. 

Eine auffällige Form mit langen, dicken, üppigen Haupttrieben und 
wenigen, sehr kurzen Nebentrieben, welche in größeren Exemplaren ein 
eigenartiges Aussehen hat. 

Picea excelsa capitata Croux. (Rev. bort. 1889, p. 393, mit Abbild.). 
Eine in den Baumschulen von Croux bei Sceaux in Frankreich in Kultur 
gewonnene Zwergform, welche buschig ihre Zweige nach allen Seiten aus- 



II. Klasse. Coniferae. 237 

breitet, an deren Spitzen kopfförmig gehäuft kurze Triebe dicht gedrängt 
stehen; eine eigentümHche Form, die beweist, welche absonderlichen Gebilde 
unsere vielgestaltige Fichte hervorzubringen vermag. 

Picea excelsa Ellwangeriana hört. 

Syn. Abies excelsa Ellwangeriana hört. 

Eine Form von breitem, gedrungenem Wuchs mit feiner, dichter Be- 
zweigung und feinen, kleinen und spitzigen Blättern. 

Picea excelsa mucronata Carr. (Conif. 2. ed., p. 329 [1867]). 

Syn. Abies excelsa mucronata Loud., Encyclop. of Trees 1027 (1842). 
„ mucronata hört. 

Eigentümliche Zwergform, je nach der Üppigkeit mit verworrenen, aus- 
gebreiteten oder mehr aufstrebenden Zweigen, rotgelber Rinde und dicklichen, 
geraden, sehr steifen, scharfgespitzten, dunkelgrünen Blättern. Wenn üppig, 
mit mehr aufstrebenden Ästen und dickeren, monströsen Zweigen, und so an 
die Form eremita erinnernd. 

Picea excelsa Maxwellii hört. 

Syn. Abies excelsa Maxwellii hört. 
„ Maxwellii hört. 
Picea Maxwellii hört. 
Eine höchst eigentümliche Form von flachem, gedrungenem Wuchs, mit 
auffallend braunen, jungen Zweigen, oft mit kurzen, monströs gebüschelten 
Seitenzweigen und steifen, scharf-stachelspitzigen, ziemlich weit und rings um 
die Zweige gestellten frischgrünen Blättern, welche sehr an Picea obovata 
japonica (P. Maximowiczii Neum.) erinnert. Eine starre, monströse Erscheinung. 

Picea excelsa concinna Carr. (Conif. 2. ed., p. 333 [1867]). 

Syn. Abies excelsa concinna Knight., Syn. Conif. 36 (1850). 

Nach Carriere eine sehr empfindliche Form mit aufstrebenden, außer- 
ordentlich dünnen Ästen, weißlicher Rinde und sehr dichtstehenden, dünnen, 
kurzen, fast zylindrischen, dem Zweige anliegenden Blättern. 

Picea excelsa attenuata Carr. (Conif. 2. ed., p. 333 [1867]). 

Syn. Abies excelsa attenuata Knight., Syn. Conif. 36 (1850). 

Eine gleich der vorigen sehr empfindliche, ähnliche Form, aber durch 
etwas stärkere, mehr aufstrebende Äste und ausgebreitete, öfter etwas über- 
gebogene Zweige, wie weiter gestellte, aber den Zweigen anliegende Blätter, 
verschieden. 

Picea excelsa phylicoides Carr. (Conif. 1. ed., p. 251 [1855]). 

Syn. Abies excelsa phylicoides hört. 

Eine gleich der vorigen empfindliche, sehr auffällige und abweichende 
Form von zwergigem, unregelmäßigem Wuchs, mit dünnen, abstehenden und 
übergebogenen, ziemlich weitstehenden, gelbroten Zweigen und weitgestellten, 
kurzen, starren, schmal-elliptischen, scharfgespitzten Blättern. 



238 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Ganz absonderliche Abweichungen. 
Picea excelsa Lk. f. interrupta (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p. 100). 
Eine seltsame, von Oberförster Pollich bei Wilflingen aufgefundene 
Fichtenform. Ein gesunder, kräftiger, gegen 3 m hoher Baum, der, wie gleich- 
altrige normale Bäume, 25 — 30 cm lange Höhentriebe macht. Ein um das 
andere Jahr jedoch entwickelt der Baum einen nur 17 cm langen, mon- 
strösen Trieb mit kurzen, breiten, fast schuppenförmig dicht dem Zweige 
anliegenden Blättern; dieselben sind 10 — 12 mm lang und bis 3 mm breit. 
Die frischen Blätter des jüngsten Triebes sind auf dem Rücken stark gekielt, 
lang zugespitzt und laufen in eine lange Grannenspitze aus. Über dem mon- 
strösen Triebe des Jahres sind schon wieder die normalen üppigen Quirl- 
knospen für das nächste Jahr angelegt. Der monströse, in regelmäßigen 
Abständen erscheinende Höhentrieb ist verdickt, auffallend dunkelgrün 
und gibt dem Bäumchen aus einiger Entfernung ein ganz eigenartiges Aussehen. 

Picea excelsa f. adnata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1907, p. 102). 

Eine ganz eigenartige Form, welche in zwei Sämlingen bei Herrn Kölln, 
Tannenzüchter in Niendorf bei Hamburg, entstand. Zwei neunjährige Fichten 
brachten aus der üppigen Wipfelknospe zwei gleichstarke Triebe, welche, 
nachdem sie etwa 7 cm Länge erreicht, seitlich wieder zusammen- 
wuchsen, so daß man deutlich die Teilung als ovale ringförmige Figur 
und darüber die seitliche Verwachsung der Stämmchen erkennen konnte. 
Jährlich wiederholt sich dieser eigenartige Vorgang bei beiden Bäumchen bei 
sonst ganz gesunder, üppiger Entwickelung. 

In der Färbung abweichend. 
Picea excelsa coerulea Breinig. 

Eine in starken Exemplaren bei Herrn Breinig in Mülheim a. Rhein 
vorhandene, in Kultur aufgefundene schöne Form, deren auffallend üppige, 
junge Triebe ganz stahlblau gefärbt sind und die in der Wirkung den 
schönsten, blauen Schimmelfichten nicht nachsteht. Leider noch zu wenig 
bekannt, verdient sie die weiteste Verbreitung. 

Von Forstinspektor Pillichody wurde im Neu enburger Jura gleichfalls 
eine blaue Form aufgefunden (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 111 und 
1905, p. 48). Auch Schröder in Moskau gewann in Kultur eine blaue Form 
(Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 121). 

Picea excelsa finedonensis hört. 

Syn. Abies excelsa finedonensis Gord, Pin. Suppl. 4. 
„ finedonensis hört. 
Picea finedonensis hört. 
Eine in England in Finedon-Hall in Kultur aufgefundene Form, deren 
junge Triebe blaßgelb, dann meist wie bronziert erscheinen, aber mehr 
den Eindruck machen, als seien sie von der Sonne verbrannt. 

Kihlman in Meddel. 1904, p. 255 führt von Finnland eine grüngelbe 
Form (pallida) an. 



II. Klasse. Coniferae. 239 

Picea excelsa aurea Carr. (Conif. 1. ed., p. 246 [1855]). 
Syn. Picea elegantissima hört. 

Abies excelsa elegantissima hört. 
Eine üppige, buschige Form, deren dem Licht zugewendete Blätter 
schön hell-goldgelb gefärbt sind und sich, zu Kontrasten gegen dunkle 
Coniferen gestellt und sparsam verwendet, recht gut ausnimmt. Man muß 
ihr einen Stand mehr im Halbschatten anweisen, da die Blätter bei starkem 
Sonnenbrande verbrennen und die Pflanzen dann häßlich aussehen. 

Nach Kihlman in Meddel. 1904, p. 255 auch in Finnland gefunden. 

Picea excelsa aurea magnifica Hans. 

Unstreitig von ähnlichen die wertvollste Form, von schnellem, leichtem 
Wuchs und von leuchtend goldgelber Färbung, die auch beständig und 
bedeutende Kontraste hervorzubringen fähig ist; auch diese Form ist in der 
Landschaft mit Vorsicht zu verwenden, aber wirklich empfehlenswert. 

Picea excelsa lubecensis Rose (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 58). 

Eine von Rose in Lübeck in Kultur gewonnene kräftige Pflanze von 
außerordentlich regelmäßigem, zierlichem Wuchs. Die Blätter, nur halb so 
lang als bei der Art, treiben goldgelb aus und werden nach Ausreifen des 
Triebes grün. Ohne gegen Sonnenbrand empfindlich zu sein, bildet diese 
Pflanze eine zierliche, an Picea orientalis erinnernde Erscheinung. 

Picea excelsa Diedorfiana Schwerin (in Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 94). 
Eine von Oberforstrat Ganghof er in Augsburg gewonnene, sehr zier- 
liche, ganz kurz blättrige Form. Beim Austreiben ist die erste Hälfte des 
jungen Triebes, auch im Schatten, bleibend goldgelb, der zuletzt entwickelte 
Teil zeigt wieder grüne Blätter. Die ganze Pflanze hat somit abwechselnd 
gelb- und grünblättrige Triebe. 

Picea excelsa cellensis Schiebler & Sohn (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, 

p. 58). 
Eine von Schiebler in Celle gewonnene reizende, regelmäßige Zwerg- 
Kegelform mit Wipfeltrieb und feiner, ericaartiger, kurzer Bezweigung und 
feinen, dichtstehenden, 3-4 mm langen, beim Austreiben gelbbunten Blättern. 

Picea excelsa Lk. „Helene Cordes" Frahm (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1898, 

p. 41). 
Eine von Frahm in Elmshorn gewonnene reizende Form von lockerem, 
rundlichem Wuchs, mit nach allen Seiten abstehenden jungen Jahrestrieben 
von 10 —15 cm Länge, von hellgelber Färbung, mit dünnen, feinen, scharf- 
gespitzten Blättern. Die gesunde schöne Form behält eine gelbhche Färbung 
und dürfte nur mittelgroß werden. 

Picea excelsa mutabilis Carr. (Tr. gen. d. Conif. 1867, p. 336). 
Syn. Picea excelsa aureo-spicata hört. 

Eine schöne, üppige Varietät, deren junge Triebe schön goldgelb 
austreiben und später in Hellgelb übergehen. Carriere schon nennt bei 



240 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Andre Leroy in Angers einen 7 m hohen Baum (1867). Diese schöne Form 
ist später öfter wieder in Kultur aufgefunden, so auch bei Hesse in Weener. 
Sie bietet zur Zeit des jungen Triebes einen hervorragenden Schmuck. 



Picea excelsa argenteo-spicata Hesse. (Fig. 49.) 
Syn. Abies excelsa argenteo-spicata. 

Eine reizende Form, die mit langen, üppigen, weißen Trieben 
erscheint und so einem mit Kerzen besetzten Weihnachtsbaume gleicht. 




Fig. 49. Picea excelsa argenteo-spicata Hesse. 2 m hoch in Späths Arboretnm. 

Sie wurde in den Baumschulen von Hesse in Weener gewonnen, wo ein 
jetzt 8 m hohes Schmuckstück ersten Ranges ist. 



II. Klasse. Coniferae. 241 

Picea excelsa argentea hört. 

Syn. Abies excelsa argentea hört. 

Eine weißbunte, ziemhch unbedeutende und wenig ins Auge fallende 
Form. 

Picea excelsa variegata hört. (Conif. 1. ed., p: 246 [1855]). 

Syn. Abies excelsa foliis variegatis Loud., Encyclop. of Trees 1027 (1842). 
„ „ variegata hört. 

Eine durch schwächeren Wuchs, durch Empfindlichkeit und durch ver- 
einzelte gelblich-bunte Färbung abweichende unbedeutende Form. 

Kihlman in Meddel. 1904, p. 255 führt diese Form auch aus Finnland an. 

Die Aufzählung der vorstehenden zahlreichen Formen, von denen ich 
mich bemühte, die wichtigsten ihrem Werte nach zu kennzeichnen, beweist, 
wie außerordentlich die gemeine Fichte zu Abweichungen neigt, 
nicht nur im Wuchs, sondern auch in den Blättern, Zapfen, Zapfenschuppen 
und Färbung. 

Was den dekorativen Wert anlangt, so ist derselbe bei den wichtigsten 
Formen bereits betont; diejenigen mit leicht überhängenden Zweigen oder 
regelmäßig kegel- oder säulenförmige Pflanzen sind in der Landschaft am auf- 
fallendsten, von den Zwergformen sind die regelmäßigen kleinen Kegel und 
Kugeln für kleine oder regelmäßige Gärten wie für die Felspartie recht brauch- 
bar, manche sind mehr interessant als schön und manche gleichwertig und 
oft so ähnlich, daß kaum ein nennenswerter Unterschied anzugeben ist. Es 
ist daher nur zu wünschen, daß weitere in Kultur gewonnene Formen recht 
genau geprüft werden, ob nicht schon dieselben oder doch sehr ähnliche be- 
reits vorhanden sind, um nicht durch neue Benennungen die Sache immer 
verwickelter zu gestalten. Wir haben bereits der verschiedensten dekorativen 
Formen so überreichlich, daß nur noch ganz besonders abweichende Be- 
achtung verdienen. 

2. Picea Mastersii Mayr (Fremdl. Park- und Waldbäume 1906, p. 328, 
mit Abbild.). Masters Fichte. 

In Wutaishan (China) von Mayr aufgefunden. 

Der Autor gibt folgende Beschreibung: „Einjähriger fertiger Trieb hell- 
ockerfarbig, zweijähriger rahmweiß; Knospe stumpf, hell-ockerfarbig, etwas 
glänzend; Nadeln der jungen Pflanze scharf stechend, vierkantig im Quer- 
schnitte, mit weißen Spaltöffnungsreihen auf allen Seiten; Nadeln des frucht- 
tragenden Baumes in Größe sehr wechselnd, die Abbildung zeigt solche von 
3 — 20 mm Länge bis 2 mm Dicke, die derb etwas sichelförmig gebogen sind; 
sie stehen in fast rechtem Winkel vom Zweige ab. Zapfen an einem kurzen, 
am Zweige verbleibenden Stiele, an der Basis kegelförmig, 5 — 6 cm lang, 
3 cm breit (wenn offen), hellgelb-braun, schwach glänzend, Schuppen abge- 
rundet, am obersten Rande schwach gekerbt. Die Blütenschuppe trägt zwei 
deuthch hervorragende Harzgänge. Die Rinde des erwachsenen Baumes ist 
kleinschuppig, hellgrau und erinnert sehr an eine Tanne. Der Baum trat 
zusammen mit Picea bicolor als Tempelhain auf." 

Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 16 



242 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Die Abbildung zeigt einen Zweig mit abstehenden, starren, kurzen Nadeln 
und zwei Zapfen, welche die unverkennbar nahe Verwandtschaft mit 
der sibirischen Fichte (obovata) zeigt, wie dies auch Masters feststellte. 

Da es Mayr gelang, lebende Pflanzen nach Europa zu bringen, so ist 
ja später eine genaue Prüfung und ein Vergleich mit den nächsten Ver- 
wandten möglich. 

Zapfen 8—16 cm, Schuppen ganzrandig oder fein gekerbt, junge Triebe kahl. 

3. Picea Schrenkiana Fisch, et Mey. (Bull. d. l'Acad. d. St. Petersb. X, p. 253). 

Schrenks Fichte. 
Syn. Pinus Schrenkiana Ant., Conif. p. 97 (1847). 

Abies Schrenkiana Lindl. et Gord., Journ. Hort. Soc. V, p. 212 (1850). 
Pinus obovata ß Schrenkiana Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 415 

(1868). 
Picea obovata Schrenkiana Carr., Conif. 2. ed., p. 338 (1867). 
„ „ ß Schrenkiana fol. longioribus Mast, On the Conif. 

of Jap. 506. 
? Picea thianschanica Rupr., Serum thianschanicum p. 72.^) 
Pinus Orientalis ß longifolia Ledeb., Fl. Ross. III, p. 671. 
Im Thian-Schan und im Alatau-Gebirge wie in der soongarisch-kirghi- 
sischen Steppe heimisch und dort Wälder bildend. 

Hoher Baum, in der Tracht mit überhängenden Ästen und Zweigen an 
Picea Morinda Lk. erinnernd. Dr. Albert v. Regel fand auf seiner Reise in 
Kuldscha Wälder diese Art und sagt, sie gleiche in der Tracht der gemeinen 
Fichte, nur besitze sie viel längere, dünnere Blätter und mache mit zahlreichen 
hängenden Zapfen einen wahrhaft guten Eindruck. Blätter 2 — 3^/2 cm lang, 
viereckig-spitzig, mattgrün, mit weißen Spaltöffnungslinien. Zapfen bis 9 cm 
lang, 2^/2 cm breit, zylindrisch. Zapfenschuppen keilförmig, abgerundet, ganz- 
randig, an der Spitze fast abgestutzt, glatt. P. obovata steht sie nahe, unter- 
scheidet sich aber nach Dr. Regel durch trockenhäutige, ausgebreitete 
Knospenschuppen, durch doppelt so lange Blätter, viel größere Zapfen und 
Zapfenschuppen und durch brüchiges Holz. Von P. Morinda Lk., der sie 
verwandt ist, unterscheidet sie sich durch weniger stark überhängende Äste 
und Zweige, durch etws.s kürzere Blätter und Zapfen. 

A. V. Regel (s. Gartenflora 1880, p. 49) fand in der Nähe der Quellen 
des kleinen luldus eine Form der Picea Schrenkiana mit viel kürzeren 
Zapfen als in Kuldscha, deren Schuppen platter abgerundet, deren Blätter 
blaugrüner und deren Wuchs weniger schlank als bei der gewöhnlichen 
Form waren. 

Eine dekorativ sehr wertvolle, ganz harte Fichte (Dr. Regel nennt sie 
die zierlichste aller Fichten), welche, nachdem sie schon früher eingeführt 



^) Den kurzen mir zugänglichen Mitteilungen über diese anscheinend ziemlich ungenau 
bekannte P'ichte nach zu urteilen, dürfte Picea thianschanica Rupr. gleich mit P. Schrenkiana 
sein. A. von Regel sagt in seinem Reisebericht aus Kuldscha (Gartenflora 1877, p. 69), sie 
scheine mit P. Schrenkiana identisch zu sein. Masters in On the Conifers of Japan nennt 
sie affmis (ähnlich) F. Schrenkianae und gibt an, sie nur dem Namen nach zu kennen; die 
Originalbeschreibung war mir nicht zugänglich. 



II. Klasse. Coniferae. 243 

sein soll, erst um das Jahr 1880 durch Dr. Regel wieder echt in Samen und 
kleinen Pflanzen verbreitet wurde, aber anfangs in den Gärten vielfach mit 
Picea obovata verwechselt und so versandt wurde, weshalb man bis heute 
über diese Fichte noch vielfach im Irrtum ist. 

Wir finden in deutschen Gärten bereits sehr stattliche Exemplare, welche 
den dekorativen Wert dieser absolut winterharten Fichte, ein gutes Gedeihen 
und im Wuchs Ähnlichkeit mit der schönen, für Deutschland leider zu empfind- 
lichen Picea Morinda zeigen und hoffentlich, wenn erst mehr verbreitet, einen 
Ersatz für diese bieten werden.^) 

Masters in Ind. Fl. sin. Journ. Linn. Soc. Bot. XXVI, p. 554 nennt: 

Picea Schrenkiana F. et M. subvar. Loczyi (Kanitz in PI. Exped. Szechuen 

p. 64, Yunnan [Szechenyi 247 ex Kanitz]). 

Picea Schrenkiana globosa Schelle. 

Eine etwa 25jährige, seinerzeit aus Muskau bezogene, unter normalen 
Pflanzen entstandene, im Botanischen Garten in Tübingen stehende hübsche 
Kugelform von 1,80 m Durchmesser, mit nach allen Seiten abstehenden 
unzähligen Kopftrieben, aus welchen durch Veredelung diese schöne, regel- 
mäßige, harte Form weiter vermehrt und verbreitet werden kann. Eine solche 
Kugelform fand ich auch im botanischen Garten in Würzburg. 

4. Picea Morinda Lk. (in Linn. XV, p. 522 [1841]). Himalaya- oder 

indische Fichte. 

Syn. Pinus Smithiana Wall., num. list 6063 (1827), und Lamb., Pin. III, 
t. 88 (1837). 
Pinus Khutrow Royle, Illustr. of Himal. Bot. p. 353, t. 84 f., 1 (1839). 
Abies Smithiana Forb., Pin. Wob. p. 103, t. 30 (1839). 

„ Khutrow Loud., Encyclop. of Trees 1032 f., 1931 (1842). 
„ pendula Griff, ex Gord., Pin. Suppl. 7. 
Morinda hört. 



^) Haben wir, den meisten Autoren folgend, die sibirische Fichte (obovata) als eine 
mit unserer europäischen Fichte durch alle Übergänge verbundene nächste Verwandte dargestellt, 
so halten wir es nicht für gerechtfertigt, nun auch Picea Schrenkiana hier gleichsam als Bindeglied 
und Form von obovata anzuschließen, wie einige Autoren dies tun. Manche gehen sogar so 
weit, auch die auf den ersten Blick zu unterscheidende P. orientalis Lk. als Form zu 
P. excelsa stellen zu wollen, ja selbst die so ganz abweichende P. Morinda möchte man 
anreihen, und manche Autoren neigen dazu, gar die japanische P. polita zu P. Morinda zu ziehen. 
— Bei solchem Vorgehen ginge dann der Artenbegriff völlig in die Brüche, wenn so gut 
charakterisierte, von allen Autoren anerkannte Arten zu Formen gemacht werden sollen ! — Wie 
man auf der einen Seite mit der Artenmacherei zu weit gehen kann, so kann dies auch im ent- 
gegengesetzten Sinne mit dem Zusammenwerfen der Arten geschehen. Wollten wir alle zahl- 
reichen, eigentümlichen Formen der P. excelsa nebeneinander stellen, so könnten wir An- 
näherungen an die verschiedensten P'ichten herausfinden; deshalb ist aber durchaus 
noch nicht gesagt, daß sie zu diesen auch nur im mindesten in Beziehung stehen, sondern wir 
haben eben vielfach monströse Formen in Bezweigung, Blättern und Zapfen oft gänzlich ab- 
weichend vor uns, die so leicht zu Irrtümern Anlaß geben. — Wohl können Ähnlichkeiten mit 
einzelnen Individuen, ja selbst mit einer größeren Anzahl derselben festgestellt werden, aber 
Ähnlichkeiten beweisen noch nicht die Identität. 

16* 



014 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Artcn. 

Syn. Picea Khutrow Carr., Conif. 1. ed., p. 258 (1855). 

Pinus Morinda hört. 

Morinda, Khutrow, Khutrau, Koondrow im Himalaya genannt. 

Epicea de l'Himalaya der Franzosen. 

Himalayan or Indian Spruce der Engländer. 
Im westlichen temperierten Himalaya in einer Erhebung von 2000 bis 
3600 m, nach Brandis Forest Flora meist an nördlichen und westlichen Ab- 
hängen allein, oder öfter im Mischwald von Laubhölzern oder gemeinsam 
mit Cedrus Deodara, Pinus excelsa und Abies Webbiana und 160 m höher 
als letztere aufsteigend. Mayr bildet in Fremdl. Wald- und Parkbäume 1906, 
p. 331 einen Bestand ab. 

Im Jahre 1818 in Europa eingeführt. 

Baum von 30 — 50 m Höhe mit schlankem, geradem Stamm mit grau- 
brauner, in kleinen unregelmäßigen Stücken sich lösender Rinde, der von 
2^/2 — 5 m, ja unter Umständen mehr Umfang erreichen kann, mit pyramidaler 
Krone, freistehend vom Boden an beästet mit zierlichen, hängenden, hellgelb- 
glänzenden Zweigen und von dunkelgrüner Färbung. Knospen glänzend- 
braunrot. Blätter ziemlich dicht rund um die Zweige gestellt, gerade oder 
etwas gebogen, steif, zusammengedrückt-vierkantig-pfriemlich, scharfgespitzt, 
mit wenig sichtbaren weißlichen Spaltöffnungslinien, freudig-grün, 3 — 4, selten 
bis 5 cm lang, 1^/2 mm breit. Männliche Blüten dick, länglich-stumpf, 23 bis 
28 mm lang, 8 — 10 mm breit, an kleinen Zweigen hängend; weibliche Blüten 
einzeln oder seltener mehrere an den Spitzen der Zweige, erst violett und 
aufrecht, dann grün und hängend. Zapfen groß, hängend, länglich-zylindrisch 
oder länglich-stumpf, 12 — 15 cm lang, 3—4 cm breit, reif dunkelbraun. Zapfen- 
schuppen zahlreich dachziegelig, lederartig-holzig, breit-verkehrt-eirund, ganz- 
randig, glatt und glänzend-dunkelbraun. Samen verkehrt-eirund, bis 5 mm 
lang, 3 mm breit, schwarzbraun, mit dreimal so langem, breit-spatelförmigem, 
gelbrotem Flügel. 

Nach Brandis geben im Vaterlande im April die jungen hellgrünen 
Triebe im Gegensatz zu den älteren dunkelgrünen Blättern den Bäumen ein 
buntes Aussehen. Das Holz ist weiß, das äußere Holz färbt sich rot und ver- 
wittert schnell. Es ist glatt, astfrei und dicht-faserig, wird zu Brettern und 
Packkisten verarbeitet, ist aber als Bauholz, ausgenommen in gedeckten 
Räumen, nicht dauerhaft. Von den Gebirgsbewohnern wird es indessen als 
Bauholz und zu Schindeln benutzt. Es ist meist etwas schwerer als das von 
Abies Webbiana. Die Rinde wird zum Decken der Schäferhütten und zur 
Verfertigung von Wassertrögen verwendet. 

Diese schöne Fichte kann leider nur für die wärmsten, geschütztesten 
Lagen Deutschlands zur Anpflanzung empfohlen werden, denn in rauhen 
Lagen finden wir sie stets vom Frost beschädigt und nach harten Wintern 
sah ich stärkere Exemplare bis zur Schneedecke erfroren. Für mildere 
Gegenden, wo sie unbeschädigt sich entwickeln kann, gehört sie zu den 
dekorativsten Fichten, die, vom Grunde an beästet, mit der leicht herunter- 
hängenden Bezweigung und langen Benadelung sich herrlich ausnimmt. Auf 
der Insel Mainau im Bodensee und in den Gärten am Seeufer finden wir 
noch tadellose Prachtexemplare, die an Eleganz der Cedrus Deodara nicht 
nachstehen. Sie Hebt gleichmäßig feuchten, besonders milden Lehmboden 



II. Klasse. Coniferae. 245 

und kümmert in trockenem Boden, was ihrem Vorkommen nach in hoher 
Lage im feuchten Gebirgsklima ja erklärlich ist. Zumal trägt auch der Mangel 
einer für die Winterzeit andauernden schützenden Schneedecke die Schuld, 
daß sonst keineswegs sehr empfindliche immergrüne Pflanzen hoher Gebirge 
unseren an Kahlfrösten und schroffem Temperaturwechsel so reichen Wintern 
zum Opfer fallen. Selbst in Paris wie in England, wo sie sonst gut ausdauert 
und in herrlichen und alten, mächtigen, seit 1818 eingeführten Bäumen ver- 
treten ist, zeigt sich Picea Morinda noch im obigen Sinne empfindlich und 
Veitch empfiehlt, sie in nordwestliche Lagen oder geschützt durch höhere 
Baumpflanzungen anzupflanzen. 

Der Umstand, daß Picea Morinda, als besonders gut charakterisierte 
Art, von manchen Autoren mit der nicht minder von allen Fichten ab- 
weichenden, eigenartigen P. polita verwechselt, geschweige denn mit dieser 
vereinigt werden konnte, ist wohl dahin zu erklären, daß P. polita als älterer 
Baum mit überhängenden Zweigen und längeren, dünneren Blättern in der 
Gestalt der P. Morinda ähnlich wird. 

Der einheimische Name „Morinda" bedeutet „Nektartropfen oder Honig- 
tränen" in bezug auf die mit durchsichtig hellen Harztropfen oder gleichsam 
Tränen überflossenen Zapfen und Rinde. 

5. Picea Alcockiana Carr. (Conif. 2. ed., p. 343 [1867]). 
Alcocks Fichte. (Fig. 50.) 

Syn. Abies Alcoquiana J. G. Veitch. ^) und Lindl. in Gar d. Chron. 1861, 
p. 23, et 1862, p. 308. 



^) Unter dem Namen Abies Alcoquiana J. G. Veitch. sind im Jahre 1861 von Veitch 
(s. A Manual of the Coniferae p. 68) durch Unzuverlässigkeit der Sammler zu den Zweigen der 
Ajanfichte, Picea ajanensis Fisch., irrtümlich die am Boden liegenden Zapfen der mit ihr zu- 
sammen wachsenden P. Alcockiana Carr. gesammelt worden und weiter, durch Vermischung der 
Samen beider, zwei ganz verschiedene Fichten verbreitet worden, nämlich: P. Alcockiana 
Carr., welche P. obovata am nächsten steht, mit gekrümmten, spitzen, vierseitig-stumpfkantigen 
Blättern, also eine echte Fichte, die demnach in die SektionEupicea gehört, und weiter: 
P. ajanensis Fisch., mit linealen, beiderseits flachen, oberseits mit sechs silberweißen Spalt- 
öffnungslinien gezeichneten, unten dunkelgrünen, stumpf-stachelspitzigen Blättern, die also in die 
Sektion Omorica gehört. Da letztere (die Ajanfichte) schon früher unter obigem Namen von 
Fischer beschrieben war, so muß sie also diesen Namen dauernd tragen, während die erstere 
(P, Alcockiana Carr.), die von Veitch zu Ehren des Sir Alcock, brit. Minister in Tokio 
(Yeddo), benannt wurde, diesen Namen behalten und der fünf Jahre später von Maximowicz 
gegebene Name P. bicolor daher als Synonym zurückstehen muß. — 

Carriere machte schon in Traite general des Conif eres 1867, p. 344 auf die falsche 
Beschreibung der Abies Alcoquiana aufmerksam, dann wurde in Card. Chron. 1880, vol. XIII, 
p. 115 zuerst auf die Verwechselung der Picea Alcockiana mit P. ajanensis hingewiesen und 
p. 212 werden die falschen Beschreibungen beider Arten von Lindley und Murray ausführ- 
licher besprochen, die Unterschiede genau angegeben und durch Abbildungen erläutert. In der 
Gartenflora 1889, p. 216 gibt Hennigs nochmals, gestützt auf obige Angaben, genau die Unter- 
schiede an und fügt Abbildungen von Zweigen, Blattdurchschnitte und Zapfen bei, letztere nach 
Originalexemplaren von P. (Abies) bicolor Maxim, und P. ajanensis Fisch., die von Maximowicz 
dem Berliner Museum zugesandt waren, so daß nunmehr jeder Zweifel ausgeschlossen ist, zumal 



246 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Syn. Picea japonica Maxim,, Ind. sein. 1865, p. 33; 1866, p. 3. Von 
Maxim, korrigiert: Picea japonica hört. Petrop. gleich Abies 
bicolor Maxim., Mel. Biol. 1. c. 
Abies bicolor Maxim., Mel. Biol. t. VI (1866), p. 24 in Bull. Acad. 

Imp. Sc. St. Petersb. t. X, p. 488. 
Pinus Alcoquiana Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 417 (1868). 
Abies acicularis Maxim, in schedis. (Alpenform). 

„ excelsa var. acicularis hört. 
Picea bicolor Mayr, Abietin. d. jap. Reiches 1890, p. 49, Taf. III. 
Ira-momi der Japaner. 
In Japan auf dem Berge Fusi-Yama bei 2000 — 2300 m Höhe, auf der 
Insel Hondo von Veitch und später auch von Maximowicz und Mayr 
(1886) aufgefunden und von ersterem im Jahre 1861 in Europa eingeführt. 

Baum von 30 bis zu 40 m Höhe; nach Veitch eine der schönsten 
Fichten Japans, dort ein prächtiger, pyramidaler Baum, welcher im höheren 
Alter mit am Wipfel verlängerten, stark verzweigten Ästen eine dichte, volle, 
unserer Picea excelsa am meisten ähnliche Krone bildet. Zweige zierlich, 
leicht übergebogen, jüngste üppige Längstriebe nach Mayr behaart; alle aus- 
gereiften Triebe kahl, gelbbraun. Blätter sehr dichtstehend, den Zweigen 
dicht anliegend und an den Spitzen die glänzend-rotbraun beschuppten 
Knospen dicht umschließend und weit vorstehend, steif, mehr oder minder 
gebogen, stechend, scharf gespitzt, deutlich vierseitig-stumpfkantig, zwei Seiten 
oberseits bläulich-weiß durch die Spaltöffnungslinien, die unteren dunkelgrün, 
12 — 18 mm lang, 1 — l^/g mm breit. Zapfen eirund-länglich-zylindrisch, reif 
braunrot, 8, 10 bis 12 cm lang und bis 4'/2 cm breit; Zapfenschuppen leder- 
artig, zahlreich, dicht-dachziegelig, breit-eirund, am Rande fein gezähnelt, auf 
dem Rücken gestreift, kurz vor der Reife dreifarbig, unten braun, darüber 
grünlich und rot gerandet. Bracteen eirund-spitz, leicht abfallend, an den 



auch schon an verschiedenen Orten in Kultur gewonnene Zapfen der P. ajanensis Fisch, wie der 
P. Alcockiana Carr. genau mit den Originalzapfen übereinstimmen. 

Maximowicz, dem ich briefliche Mitteilungen vom 3. März 1887 verdanke, hat, nach- 
dem er die Identität seiner Abies (Picea) bicolor mit Picea Alcockiana Carr. erkannte, den 
Namen bicolor als Synonym beigesetzt, also ihm keinen Wert beigelegt. Weiter erhielt ich 
von Herrn R. Regel aus dem Herbarium in St. Petersburg noch folgende Notiz: „P. japonica 
Maxim. (Ind. sem, 1865, p. 33, dann in Ind. sem. 1866, p. 3) von Maxim, korrigiert: P. japonica 
hört. Petrop. gleich Abies bicolor Maxim. 1. c. gleich P. Alcockiana Carr.". — Dann heißt 
es weiter: „P. acicularis Maxim, ist Synonym von P. Alcockiana Carr. und nur Alpenform 
derselben". 

Weiter muß doch jeder zugeben, daß gerade bei Picea Alcockiana Carr. eine Zwei- 
farbigkeit anderen Fichten, zumal aber P. ajanensis Fisch, gegenüber gar nicht vorhanden 
ist, der Name also nicht einmal bezeichnend ist, Maximowicz meinte mit dieser Bezeichnung 
die Zapfen, denn er sagt, indem er P. obovata mit P. bicolor vergleicht, von ersterer: „conis 
minoribus concoloribus" (mit kleineren gleichfarbigen Zapfen) und von letzterer: „in nostra 
bicoloribus" (bei unserer zweifarbig). 

Die japanische Bezeichnung „Buntfichte" ist wohl darauf hinauszuführen, daß die Zapfen 
kurz vor der Reife mit ihren unten braunen, darüber grünlichen und rotgerandeten, also drei- 
farbigen (aber nicht zweifarbigen) Schuppen zieren. — Da Masters überdies noch ver- 
mutet, daß Picea Alcockiana von bicolor verschieden sei, so sind dies alles Gründe genug, um 
den Namen P. Alcockiana Carr. beizubehalten. Vergl. Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 71. 



II, Klasse. Coniferae. 



247 



Seiten gezähnelt, etwa 3 mm lang. Samen verkehrt- eirund -länglich, etwa 
5 mm lang, schwarzbraun, mit einem fast dreimal so langen, verkehrt-eiförmig- 
schiefen Flügel. 

Wir finden in den Gärten geringe Abweichungen zeigende Individuen. 
So erhielt Herr Hesse-Weener aus Boskoop eine Fichte unter dem Namen 
Picea jadonensis (vielleicht Verstümmelung von yeddoensis?), von der ich 
auch ein Exemplar besitze. Es ist eine unverkennbare P. Alcockiana Carr., 
kräftig von Wuchs, mit derber, auffallend blauer Benadelung, hervor- 
gerufen durch die sehr ausgeprägten weißlichen Spaltöffnungsreihen (Mitt. d. 
d. dendr. Gesellsch. 1897, p. 90). 




Fig. 50. Picea Alcockiana Carr. l Zweig mit aufgesprungenem Zapfen (Originalexemplar von Maxi- 
mowicz [Picea bicolor Maxim.] im Berliner Museum); 2 Blatt vom Fruchtzweig ; 3 Blattspitze (vergr.); 
4 Blattquerschnitt (vergr.); 5 Zapfenschuppe mit kleiner Bractee; 6 Samen: 7 unfruchtbarer Zweig. 



Auch Herr Alfred Rehder teilte mir mit, daß er in Begleitung des 
Herrn Prof. Sargent bei Besichtigung des Hunnewell- Gartens neben einer 
großen zapfentragenden Picea Alcockiana Carr. auch abweichende Individuen 
fand, die näher zu prüfen sein werden. Bei geringer Verschiedenheit in den 
Zapfen ergab sich ein auffallender Unterschied im Wuchs (Mitt. d. d. dendr. 
Gesellsch. 1903, p. 71). Auch Masters dürfte solche Abweichungen gemeint 
haben, wenn er sagt P. Alcockiana sei von P. bicolor verschieden. 

Nach Veitch ist das Holz von Picea Alcockiana von guter Qualität 
und wird in Japan als Bauholz und für andere Zwecke verwendet. Sie ist 
schneller von Wuchs als P. ajanensis Fisch., hat weniger steife Zweige als 
diese und gehört zu den dekorativsten Fichten, die von bläulich -grüner 



248 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten. 

Färbung, von kräftigem, gedrungenem Wuchs und leichter Bezweigung, in 
der Tracht der P. excelsa am ähnlichsten ist. Wir finden in deutschen 
Gärten Pflanzen jeden Alters und dabei sehr stattliche, Zapfen tragende 
Bäume. Diese Fichte treibt mit P. polita am spätesten von allen Arten, wird 
daher nicht von Spätfrösten getroffen, ist absolut winterhart und daher auch 
forstlich zu prüfen, zumal in ungünstigen und Frostlagen. 

Hier schließen sich als nächste Verwandte noch einige, neuerdings aus 
China eingeführte Arten an: 

6. Picea Wilsonii Mast, (in Gard. Chron. 1903, p. 133, mit Abbild, nach 
Herbarmaterial). Wilsons Fichte. 

In Fang in der Provinz Hupeh von Wilson gesammelt (No. 1897). 

Baum von 13 — 23 m Höhe, dicht bezweigt; Zweige blaßgrau, mit flaschen- 
förmigen, dichtstehenden Blattkissen bedeckt; Knospen eiförmig, fast kugelig, 
mit lederartigen, kastanienbraunen, dachziegeligen Schuppen bekleidet; Blätter 

1 cm lang, gebogen, lineal, spitz, vierseitig, allseitig mit Spaltöffnungen, die 
jugendlichen flaumhaarig. Männliche Blüten nicht gesehen. Zapfen gehäuft, 
hängend, gestielt, 4 — 5 cm lang, 3 cm breit, länglich-zylindrisch, fast spitz. 
Bracteen lineal-länglich, stumpf, kaum halb so lang als die Schuppen; Schuppen 
lederartig, braunrot, fast kreisrund, ganzrandig oder ausgebissen, an der Basis 
breit-keilförmig, am Rande etwas zurückgerollt. Samen verkehrt-eiförmig, mit 
einem schiefen, verkehrt-eirunden, doppelt bis dreifach längeren Flügel. 

Es ist nach Wilson augenscheinlich ein schöner Baum, was seine Eigen- 
schaften als Holzproduzent anbelangt; wir müssen aber darüber noch mehr 
erfahren. Diese Fichte steht der Picea Alcockiana Carr. nahe. 

7. Picea montigena Mast, (in Gard. Chron. 1906, p. 146, mit Abbild.). 

Bergfichte. 

Im westlichen China bei Tatien-lu in einer Erhebung von 3300 m von 
Wilson gesammelt. 

Baum von 7 — 20 m Höhe mit dem der Fichte charakteristischen Wuchs; 
ältere Zweige aschgrau, junge blaß-orangerot und behaart. Blattkissen vor- 
stehend, herablaufend, symmetrisch nach der Spitze zusammengezogen, aber 
nicht schief. Knospen breit-eiförmig, mit hellbraunen, länglich-eirunden, fast 
lederartigen Schuppen bedeckt. Blätter vierseitig, 10 — 12 mm lang, 1^/2 bis 

2 mm breit, lineal, gebogen, mit vorstehendem Mittelnerv, beiderseits mit 
Spaltöffnungen und mit stumpflicher Knorpelspitze. Männliche Blüten seitlich, 
fast sitzend, etwa 2 cm lang, 1 cm breit, länglich-zylindrisch; Antherenschuppen 
kellenförmig, violett, an den Rändern zerschlitzt. Zäpfchen endständig, auf- 
recht, mit zurückgeschlagenen, purpur- violetten, breit -länglichen Schuppen. 
Reife Zapfen zylindrisch-länglich, stumpf, 10 — 12 cm lang, 4 — 5 cm breit; 
Schuppen dicht angedrückt, fast lederartig, länglich, abgestutzt, wellig, hell- 
braun, purpur angehaucht. 

Ihrem Standort nach zu urteilen, dürfte diese Art sich wahrscheinlich 
als hart erweisen. Die lebhafte Färbung, sowohl der männlichen wie der 
weiblichen Blüten, gibt den Bäumen ein schönes Aussehen. Die Stellung der 
jungen Zapfenschuppen, welche zuerst umgebogen und später aufrecht gestellt 



II. Klasse. Coniferae. 249 

sind, verdient Beachtung. Als nächste Verwandte dürfte sie bei Picea 
Alcockiana Carr. einzureihen sein. 

8. Picea Neoveitchii Mast. (Card. Chron. 1903, p. 116, 117, mit Abbild.). 

Neue Veitchfichte. 

In West-China, Provinz Hupeh, in einer Erhebung von 1830 m von 
Wilson gesammelt (No. 2601). 

Baum von 8 — 10 m Höhe mit glatten, hellbraunen, glänzenden Zweigen; 
Blätter 15 mm lang, lineal, gebogen, zugespitzt, vierkantig, beiderseits mit 
Spaltöffnungen; Knospen eiförmig, mit länglichen, lederartigen, glatten, 
kastanienbraunen Schuppen. Männliche Blüten nicht gesehen. Zapfen hängend, 
länglich-zylindrisch, etwas gebogen, nach beiden Seiten etwas verschmälert, 
12 cm lang, geschlossen 4 cm breit, mit fest anliegenden Schuppen. ' Schuppen 
fast lederartig, gelbbraun, schief-länglich oder fast kreisrund, nach der Spitze 
kaum ausgezogen, ganzrandig, wellenförmig; Samen verkehrt-eiförmig, halb 
so lang als der häutige, schief-verkehrt-eirund-längliche Flügel. 

Masters wollte gern zu Ehren des Herrn Veitch diese Fichte benennen 
und nannte sie, um in der Praxis unliebsame Verwechselungen von Abies 
Veitchii und Picea Veitchii zu vermeiden, Neoveitchii. 

Nach der Form des Zapfens und der Schuppen ähnelt diese Art der 
Picea Morinda vom Himalaya, aber in der Benadelung der japanischen P. 
polita; der Baum zeigt einen sehr regelmäßigen Wuchs. 

Weiter werden noch kurz erwähnt: 

Picea brachytila Mast. (Journ. Linn. Soc. Bot. XXVI [1902]). 
Syn. Abies brachytila Franch. in Journ. de Bot. 1899, p. 258. 

In Szechuen von F arges und in Yunnan von Delavay aufge- 
funden. 

Nach Franch et großer Baum, der Picea polita nahestehend und von 
dieser durch halb so lange Blätter unterschieden; diese sind auf der Rück- 
seite weiß, ein wenig zugespitzt und vierkantig. Masters nennt sie der P. 
Alcockiana nahestehend. 

Picea likiagensis Mast. (Journ. Linn. Soc. Bot. XXVI [1902]). 

Syn. Abies likiagensis Franch. in Journ. de Bot. 1899, p. 257. 

In Yunnan (Likiang) bei 2700 m Erhebung von Delavay gefunden. 

Nach Franchet ein großer, Picea polita gleichender Baum; die Blätter 
sind 10 — 12 mm lang, 1 mm breit, zusammengedrückt-vierkantig. Sie unter- 
scheidet sich aber von derselben durch die Zapfenschuppen, die länger als 
breit sind. 

Wir sehen hier also sehr nahe verwandte Arten. Es wird einem ein 
gehenden Studium vorbehalten bleiben müssen, festzustellen, ob hier ver- 
schiedene Arten vorliegen, oder ob etwa manche durch Übergänge zu- 
einander verbunden sind und als nicht genügend verschieden erkannt 
werden. 



250 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

9. Picea polita Carr. (Conif. 1. ed., p. 256 [1855]). Glattzweigige, Torano-, 
Stachel-, Rosen- oder Tigerschwanz-Fichte. (Fig. 51.) 
Syn. Pinus Abies Thunb., Flor. Jap. 275 (1784) (nicht L.). 

Abies Torano Sieb, in Verhandl. v. het. Bat. Genotsch. 12, p. 12 
(1830). 
. . Abies polita Sieb, et Zucc, Flor. Jap. II, p. 20, t. 111 (1842). 

Pinus polita Ant., Conif. p. 95, t. 36 f., 1 (1847). 
Fälschlich auch: Picea oder Abies bicolor hört, (nicht Maxim.). 
Hari-momi, Bara-momi, Tora-momi oder Torano-momi, d. h. Tiger- 
schwanzfichte, der Japaner. 
Jo-bi-sjo der Chinesen. 
Epicea ä queue de tigre der Franzosen. 
Tigers tail Spruce der Engländer. 

In Mittel-Japan südlich vom 38.^ n. Br., zumal auf Hondo, vereinzelt im 
Laubwalde auftretend, keine größeren Wälder bildend. 

Im Jahre 1861 von J. G. Veitch in Europa eingeführt. 

Stattlicher Baum von 20 — 30 und selbst mehr Meter Höhe, mit klein- 
schuppiger, graubrauner Rinde; jung von kegelförmiger Gestalt, älter in der 
Heimat mit mehr überhängenden Zweigen,^) an denen alsdann die Blätter 
etwas länger, dünner und mehr den Zweigen angedrückt sind als an jungen, 
üppigen Pflanzen, weshalb die Japaner der Ähnlichkeit nach den Namen 
„Tigerschwanzfichte" gaben. Junge Triebe kurz, dick und glatt, hell-gelbbraun. 
Knospen eiförmig, dick, glänzend -kastanienbraun, nicht harzig. Blätter auf 
dicken, horizontal und weit vorstehenden Blattkissen, dicht, aber nach allen 
Seiten abstehend, starr und dick, stumpf-vierkantig, sichelförmig aufwärts ge- 
krümmt, in eine scharfe, stechende Spitze ausgezogen, allerseits frischgrün, 
15 — 25 mm lang, 2 mm breit. Zapfen hängend, eirund-länglich, beiderseits 
abgerundet, 8 — 12 cm lang, 4 — 5 cm breit, unreif gelbgrün (Mayr, Abietin. 
d. jap. Reiches 1890, t. III), reif hell -kastanienbraun. Zapfenschuppen zahl- 
reich, dicht-dachziegelig, lederartig, breit-verkehrt-eirund, mit abgerundetem, 
unregelmäßig fein gezähneltem Rande. Bractee klein, lineal, stumpf, ganz- 
randig, viermal kleiner als die Schuppe. Samen verkehrt-eirund-längHch, 
dunkelbraun, 7,5 mm lang, 4 mm breit, mit drei- bis viermal so langem, gelb- 
braun-glänzendem, verkehrt-eirundem Flügel. 

In Japan auch als geheiligter Baum an Tempeln angepflanzt, wird das 
Holz als Nutzholz zu Bauten und anderen Zwecken gelegentlich verwendet, 
jedoch wird nach Matzuna der forstliche Anbau noch nicht planmäßig be- 
trieben, eignet sich aber für hochgelegenen, lufttrockenen Boden am besten. 

In Deutschland zeigte sich Picea polita hart, litt nur in ausnahmsweise 
strengen Wintern und ist eine ganz eigenartig schöne, von allen anderen 
Arten sofort zu unterscheidende Fichte, die in ihrer Gesamterscheinung als 
junge Pflanze mit steif-aufstrebendem Wuchs, steifen Zweigen und dolch- 
spitzig- stechenden Blättern die starrste aller kultivierten Fichten genannt 
werden muß. Sie treibt von allen Fichten am spätesten aus. In deutschen 



^) Diesem Umstände ist es wohl zuzuschreiben, daß manche Autoren Picea polita mit 
P. Morinda vergleichen und vereinigen. 



II. Klasse. Coniferae. 



251 



Gärten sind schon sehr schöne starke, zapfentragende Exemplare vorhanden; 
sagt ihnen der Boden zu, so ist das Wachstum ein freudiges, üppiges; man 



p 




findet sie aber auch langsam, gedrungen von Wuchs und dazu neigend, daß 
der Wipfeltrieb sich schlecht ausbildet und auch wohl verkümmert; es handelt 



252 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

sich dann darum, den Mitteltrieb zu fördern und keine Nebenwipfel auf- 
kommen zu lassen. 

Maximowicz nennt seine Picea bicolor gleich P. Alcockiana Carr., der 
P. polita zunächst verwandt; entweder ist dies der Grund, daß P. polita vielfach 
in deutschen Gärten unter dem Namen P. bicolor angetroffen wird, oder sie 
wurde auch unter diesem Namen vielleicht fälschlich eingeführt. 

Als Forstbaum dürfte diese Fichte, schon ihres langsamen Wuchses 
wegen, kaum in Betracht kommen. Vor Wildverbiß und Fegen des Rehbockes 
schützen sie ihre dolchspitzigen Nadeln. 

Mayr, in Fremdl. Wald- und Parkb. 1906, p. 336, gibt als Hinderungs- 
grund für den Anbau noch an, daß Eichhörnchen mit Vorliebe die dicken 
Knospen ausfressen und darum die Bäume nicht hochkommen. Junge 
Exemplare könne man vielleicht durch Anteeren der Knospen vor diesen An- 
griffen schützen. 

Zu wehrsamen Hecken und Schutzpflanzungen wäre diese Fichte mit 
Nutzen zu verwenden. 

Zapfen 5,5—8,5 cm lang, mit rundlichen, lederarfigen, ganzrandigen Schuppen. 

Bläffer 6—10 mm lang. 

10. Picea orientalis Lk. et Carr. (Man. d. PI. IV, 340, et Tr. gen. d. Conif. 

1. ed., p. 244 (1855). 
Morgenländische oder Sapindusfichte. (Fig. 52.) 

Syn. Pinus orientalis L., Spec. plant p. 1421 (1763). 

Abies orientalis Poir., Encyclop. VI, p. 518 (1804). 

Picea Wittmanniana Carr., Conif. 1. ed., p. 260 (1855). 

Abies Wittmanniana hört. 

Sapinette d' Orient der Franzosen. 

Eastern Spruce der Engländer. 
Auf dem Taurus und Kaukasus oft dichte Wälder bildend, häufig zwischen 
Trapezunt und Erzerum in einer Erhebung von 1300 m, auf den meisten 
Bergen des Taurus und Antitaurus zwischen 600 und 2200 m Erhebung, auf 
den höheren Bergen Imeretiens, im oberen Mingrelien zwischen dem Adschar- 
und Guriel-Gebirge. 

Sie wurde zuerst von Tournefort in den Gebirgen südöstlich von 
Trapezunt 1717 entdeckt. 

Im Jahre 1837 in Europa eingeführt. 

Baum, der im Vaterlande über 30 m Höhe erreichen soll — Medwiedew, 
„Bäume und Sträucher des Kaukasus", berichtet von herrlichen, 50 — 60 m 
hohen, 1,50 — 2,30 m Durchmesser haltenden Bäumen — , in Kultur aber meist 
nur etwa 15 — 20 m hoch wird und eine dichte, vom Boden an beästete, zier- 
liche, schlanke Pyramide darstellt, mit unregelmäßig-quirlständigen, abstehenden 
Ästen und feinbehaarten Zweigen. Blätter sehr dichtstehend, die Zweige, 
zumal aber die Oberseite, dicht deckend, 5 — 10 mm lang, gerade oder etwas 
gebogen, dicklich, steif, abgestumpft-vierkantig, stumpf-gespitzt, glänzend- 
dunkelgrün. Männliche Blüten an den Zweigspitzen, einzeln oder zu zweien, 
eirund-zylindrisch-stumpf, karminrot, sehr zierend, ebenso die jungen violett- 
purpurroten Zäpfchen. Reife Zapfen nickend, eirund-zylindrisch, 5 — 8 cm 



II. Klasse. Coniferae. 



253 




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Fig. 52. Picea orientalis Lk. 



254 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

lang, 2 cm breit, Zapfenschuppen lederartig, braun, fast kreisrund, ganzrandig, 
auf dem Rücken gestreift. Bractee sehr klein, fast kreisrund, ganzrandig oder 
ausgerandet, Samen klein, schwärzlich, verkehrt-eirund, mit dreimal so langem, 
verkehrt-eirund-kreisförmigem Flügel. 

Das Holz ist zähe und dauerhaft und nach C. Koch, Dendr. II, p. 239 
(1872), so harzreich, daß die Späne im pontischen Gebirge allgemein zur Er- 
leuchtung benutzt werden. Die an den Zweigen hervorquellenden Harztropfen 
werden „Sapindustränen" genannt. 

Von langsamem Wuchs, möchte Picea Orient alis in Deutschland als 
Nutzbaum kaum eine Zukunft haben, aber als eine der zierlichsten, aus- 
dauernden Fichten ist sie bereits allgemein beliebt und verdient als Einzel- 
pflanze, besonders auch für kleinere Gärten, die größte Empfehlung, da sie 
von breit-kegelförmigem Wuchs, mit dichter, feiner Bezweigung und den 
glänzend-grünen, stumpfspitzigen Blättern (den kürzesten aller Fichten) sofort 
jedem Laien kenntlich ist. Wir finden in deutschen Gärten schon etwa 15 m 
hohe Exemplare, die auch schon keimfähige Samen brachten; in ausnahms- 
weise rauhen Wintern wurden die Blätter gebräunt und fielen zum Teil ab, 
wie dies jedoch ebenso bei der gemeinen Fichte vorkommt, wenn ein scharfer 
Nordost pfeift und die Blätter zur Hälfte vertrocknet, so daß sie braunspitzig 
lange die Bäume verunzieren; die morgenländische Fichte kann dem- 
nach als harter, hocheleganter Zierbaum für Deutschland nicht warm genug 
empfohlen werden. Besonders wertvoll wird sie noch dadurch, daß sie auch 
als Unterholz im Druck, selbst unter Buchen noch gedeiht. 

Wuchsformen. 
Picea Orientalis nutans Niemetz (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1905, p. 212). 

Eine schöne Form mit elegant überhängender Bezweigung. 

Öfter fand ich in Parkanlagen wahrhaft malerische Exemplare dieser 
Form, die schon die Beastung mehr senkten und mit zierlich hängender Be- 
zweigung geschmückt waren. 

Picea Orientalis gracilis (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1904, p. 94). 

Eine in den großen Coniferenkulturen der Soc. anon. hört, de Calmp- 
thout bei Antwerpen gewonnene hübsche Zwerg-Kugelform, mit feiner, 
zierlicher Bezweigung. Ich konnte sicher die Zugehörigkeit zu Picea 
Orientalis feststellen. 

Picea Orientalis nana Carr. (Rev. hört. 1891, p. 120). 

Ein breit-kegelförmiger, an der Basis weit auseinandergehender 
Strauch. Die Äste gehen dicht über dem Boden entlang und sind horizontal 
ausgebreitet, die Bezweigung ist dicht und zweizeilig, mit braunroten, fein- 
behaarten jungen Trieben. Die kleinen, glänzend-dunkelgrünen Blätter decken 
die Zweige dicht zu. Die Pflanzen, oft breiter als hoch, bilden einen ganz 
eigenartigen Schmuck. Zur Vermehrung sind die üppigen, kräftig empor- 
wachsenden Zweige auszuwählen, um schneller kräftige Pflanzen zu erzielen. 

Die lange Zeit irrtümlich als Picea orientalis pygmaea Ohlendorff in 
Kultur befindliche Pflanze ist: P. excelsa Ohlendorffii Späth. 



IL Klasse. Coniferae. 255 

In der Färbung abweichend. 
Picea Orientalis aureo - spicata. 
Eine reizende, zierliche Form, normal von Wuchs, beim Austreiben mit 
jungen, goldgelben Trieben, wie mit goldenen Lichtern besteckt er- 
scheinend. In größeren Exemplaren eine reizende Erscheinung, besonders 
gegen dunkeln Hintergrund gestellt wirksam, wie ähnliche Formen von Picea 
excelsa. Mit dem Ausreifen des Triebes tritt wieder die grüne Färbung ein. 

Picea Orientalis aurea Hesse. 

Eine Form mit wagerecht ausgebreiteter steifer Beastung und von 
prächtiger, goldig-bronzierter Färbung, welche lange hält und sich gut aus- 
nimmt. Sie wurde in den Baumschulen von Hesse in Weener (Ostfriesland) 
in Kultur gewonnen. 

11. Picea Glehnii Mast. (Card. Chron. 1880, p. 300). Glehns Fichte. 

Syn. Abies Glehnii Fr. Schmidt, Reise im Amurland und auf Sachahn 
1866, p. 176, mit Abbild. (Mem. Acad. Imp. Sc. St. Petersb. Ser. 
VII, t. XII, No. 2). 
Aka-matzu, Shiuko-matzu der Japaner. 

Auf der Insel Sachalin von Fr. Schmidt und von Maries an der Süd- 
ostküste von Eso aufgefunden worden, auch in der Mandschurei und auf 
Formosa vorhanden. 

Im südlichen Sachalin, nach Schmidt, in lichten Waldungen in den 
Niederungen von Truotaga und Tepessani ein Baum von mittlerer Größe, der 
selten über 30 cm dick wird, mit rötlicher, in blättrigen Stücken gespaltener 
Rinde, mit abgestumpfter Krone, Äste horizontal, die älteren, unteren herab- 
gebogen, das Grün hat im ganzen ein düsteres Aussehen. 

Mayr in Japan. Abiet. 1890, p. 56, Taf. IV, Fig. 11, und Fremdl. Wald- 
u. Parkb. 1906, p. 327, sah auf Eso 33 m hohe Bäume, sie sollen bis 40 und 
50 m hoch vorkommen. Im verwitterten Bimssteingeröll in sumpfigen Lagen 
an der Ostküste bildet sie reine Bestände und im westlichen Eso prächtige 
Mischwaldungen mit Picea ajanensis. Als Nutzholzbaum wird diese Fichte 
sehr geschätzt. 

Junge Zweige braun, weichhaarig, Blätter kurz, gipfelwendig steif nach 
oben, einwärts gebogen, stumpf- vierkantig, beiderseits gekielt, oberwärts grau- 
grün, unten grün, mit 5 — 6 Spaltöffnungslinien, 6 — 7 mm lang, 1^/2 — 2 mm 
breit. Die Blattkissen, ganz eigentümlich gebaut, fallen sofort in die Augen, 
ragen etwa 2 mm vor, sind am unteren Teil zusammengedrückt-herablaufend, 
birnförmig aufgetrieben und an der Spitze übergebogen. Eigentümlich nehmen 
sich die Knospen aus, die gleichsam mit den Zweigspitzen verwachsen er- 
scheinen, was von dem plötzlichen Übergang der dicken, gedrängten Blatt- 
kissen zu den dünnen Knospenschuppen herrührt. Die länglich-zylindrischen 
Zapfen sind meist bis 5^/2, öfter aber auch nur 3 cm lang und geschlossen 
2 cm breit, herabgebogen, unreif blaurot, reif glänzend-braun, mit flachen, 
verkehrt-eirund-kreisförmigen, an der Basis verschmälerten, an der Spitze 
dünneren, ausgerandet-gezähnelten Schuppen, die Bracteen sind eirund-lanzett- 



256 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

lich-spitz, am Rande ausgerandet, bleibend, ^/4 so lang als die Schuppe. 
Samen klein, mit verkehrt-eirundem, 1^/2 — 2 mal so langem Flügel. 

Picea Glehnii steht, nach Schmidt, zwischen P. (Abies) bicolor Maxim, 
(in Bull. Acad. Imp. Sc. St. Petersb., t. X, p. 488) und P. obovata Ledeb.; von 
ersterer unterscheidet sie sich durch die weit kleineren Zapfen mit am Rande 
dünneren Schuppen mit bleibenden Bracteen und nach der Spitze zu breiteren 
Samenflügeln, durch die aufrechten, birnförmigen, in eine Spitze verlängerten, 
umgebogenen, nicht angedrückt-kantigen Blattkissen, durch stumpfere Blätter 
und weichhaarige Zweige. Von P. obovata, für deren Varietät sie Schmidt 
anfänglich hielt, weicht sie durch die Blätter, durch die birnenförmigen Blatt- 
kissen, die Zapfenschuppen und durch kürzere, breitere Samenflügel ab. 

Eine bei uns ganz harte Fichte, die leider echt noch selten und erst in 
kleinen Exemplaren vertreten ist. Oft erhält man irrtümlich anstatt derselben 
andere, zumal die Aj anflehte. 

In dekorativer Hinsicht ist sie der reizend-zierlichen Picea orientalis 
gleichwertig und derselben auch am ähnlichsten und muß im Schmuck der 
blauroten Zapfen sich prächtig ausnehmen; eine recht baldige weite Ver- 
breitung wäre daher sehr wünschenswert. 

Ob ein forstlicher Anbau etwa für besondere, z. B. kalte, feuchte Lagen 
lohnend sein wird, müssen Versuche ergeben. 

Als nächste Verwandte dürften sich hier noch einige neuerdings in China 
entdeckte Arten anschließen: 

12. Picea Watsoniana Mast, (in Linn. Soc. Journ. Bot. XXXVII, 1906, p. 419). 

Watsons Fichte. 

Im westlichen China, an der Grenze von Tibet bei Sung Pan in einer 
Erhebung von 2160 m von Wilson entdeckt. 

Baum von 13 m Höhe. Ältere Zweige mit isabell- oder rotgelber, in 
dünnen Platten sich lösender Rinde bekleidet. Junge Zweige glatt mit vor- 
stehenden Blattkissen, diese länglich , verkehrt-eirund aufrecht, in einen kurzen 
aufsteigenden Stiel verschmälert mit vierkantiger Narbe. Knospen eirund- 
kegelförmig, mit fast lederartigen, eirund- spitzen, am Rande dünnen Schuppen. 
Blätter 10 — 12 mm lang, lineal, gebogen, viereckig mit Knorpelspitzen, beider- 
seits mit Spaltöffnungsreihen. Zapfen 5 — 6 cm lang, umgebogen, länglich. 
Bracteen klein, breit, eirund-spitz. Schuppen fast lederartig, blaßbraun, glatt, 
13 — 14 mm lang, spateiförmig, oberseits fast kreisrund, ganzrandig oder etwas 
unregelmäßig gezähnelt. Samen mit häutigem, blassem, schlauchförmigem 
Flügel. — Die in einen kurzen Stiel verschmälerten Blattkissen sind sehr 
bemerkenswert. 

13. Picea asperata Mast, (in Linn. Soc. Journ. Bot. XXXVII, 1906, p. 419). 

Borstenfichte. 

In West-China, nahe Tibet, in Wäldern bei Sung Pan in einer Erhebung 
von 2000—3700 m von Wilson entdeckt. 

Baum mit älteren orangegelben Zweigen. Blattkissen länglich, borstig, 
nach der Spitze zu verschmälert, umgebogen, mit viereckigen Narben. Knospen 
kegelförmig mit blaß-rostbraunen, dreieckig-lanzettlichen, harzigen Schuppen. 



II. Klasse.. Coniferae. 257 

Blätter 12 — 15 mm lang, lineal, gebogen, vierkantig, zwischen den vor- 
stehenden Kanten mit Spaltöffnungsreihen. Zapfen 8 — 9 cm lang, 12 — 14 mm 
breit, zylindrisch-länglich. Bracteen länglich-spatelförmig, gespitzt, viel kürzer 
als die Schuppen. Diese angedrückt, fast lederartig, blaß-braunrot, an der 
Basis verschmälert, oben abgerundet, fast ganzrandig. Samen mit häutigem, 
geradem Flügel, blaß - rostbraun , länglich, stumpf, wenig länger als die 
Schuppe. 

Ähnlich der Picea Watsoniana, welche in dem gleichen Distrikt, aber 
in geringerer Erhebung vorkommt, unterscheidet sie sich durch die Rinde, 
durch die borstigen, weniger gestielten Blattkissen, durch die mehr lanzett- 
lichen Knospenschuppen, durch die Blätter, die größeren Zapfen usw. Möglich, 
daß ein Studium einer größeren Anzahl Individuen ergeben könnte, daß diese 
Merkmale nicht absolut als Trennungsunterschiede anzusehen sind. 

14. Picea aurantiaca Mast, (in Linn. Soc. Journ. Bot. XXXVII, 1906, p. 420). 

Gelbrindige Fichte. 

In West-China, Prov. Szechuen, in Wäldern in einer Erhebung von 
4000 m von Wilson entdeckt. 

Baum von 5 — 13 m Höhe. Ältere Zweige glatt, orangenfarbig. Blatt- 
kissen glatt, glänzend, lineal-länglich, oben kaum eingeschnürt, aufrecht ab- 
stehend, Narben fast viereckig. Knospenschuppen breit-eiförmig, häutig, 
rostfarbig. Blätter 15 mm lang, lineal, gebogen, vierkantig, zwischen den 
vorstehenden Kanten mit Spaltöffnungsreihen, in eine Knorpelspitze aus- 
laufend. Unreifer Zapfen hängend, 5 — 6 cm lang, länglich, purpurfarbig. 
Schuppen fast lederartig, angedrückt, violett, oben abgerundet. Diese Art 
ist besonders merkwürdig durch die dunkel-orangegelbe Rinde und die 
linealen, kaum, wenn bei allen, nach der Spitze zu verbreiterten Blatt- 
kissen. 

Zapfen klein, 2—5,5 cm lang, mit rundlichen, festen, muschelförmigen Schuppen. 

15. Picea nigra Lk. (in Linn. XV, p. 520 [1841]). Nordamerikanische 
Schwarzfichte. (Fig. 53 u. 54.) 

Syn. Abies Piceae foliis brevioribus usw. Mill., Dict. Ic, t. I. 

„ Mariana" MilL, Dict. 7, No. 5 (1759). 
Pinus Mariana Dur., Obs. Bot., p. 38 (1771). 

„ nigra Ait., H. Kew. ed. I, vol. 3, p. 370 (1789). 
Abies marylandica hört. 

„ americana nigra hört. 

„ denticulata Poir., Dict. VI, p. 520 (1804). 

„ nigra Mchx. fil., Arb. forest. d'Amer. sept. I, p. 123, t. 11 
(1810). 

„ nigra variet. Mchx. fil. 1. c. und auch Sargent, als Form 
nasser kalter Sümpfe (A. rubra Mchx. 1. c. I, p. 123 [1810]). 
Picea Mariana, B. S. P. Prel., Cat. N. Y. 71 (1888). 
Black Spruce, Double Spruce der Amerikaner. 
Sapinette noire der Franzosen. 
Black Spruce der Engländer. 

Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 17 



258 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 




Fig. 53. Picea nigra Lk. im Park zu Wörlitz bei Dessau. 



IL Klasse. Coniferae. 259 

In Lamberts Genus Pinus I, London 1803, finden sich die besten Be- 
schreibungen und Abbildungen. Zu vergleichen auch Gard. and Forest 1896, 
p. 351, „The Spruce-trees of Lastern North Amerika". 

In Nord- Amerika von Labrador zum Mackenzie, 65 ^ n. Br., südwärts 
durch Newfoundland, Ost-Kanada und die nordöstlichen Staaten nach Penn- 
sylvanien, längs der Alleghany-Gebirge nach Nord-Virginien, in Nord-Manitoba 
große Länderstrecken bedeckend und hier den schönsten Wuchs erreichend; 
gemein in Newfoundland und in Ost-Kanada. In den Vereinigten Staaten 
weniger häufig und meist nur in kalten Sphagnum-Sümpfen. 

Etwa um das Jahr 1700 in Europa eingeführt. 

Baum von etwa 20 — 25 m Höhe von schlankem, pyramidalem Wuchs 
und quirlständigen, horizontalen oder leicht abwärts gerichteten Ästen. Stamm 
mit schwärzlicher Rinde, verhältnismäßig schwach bei der angegebenen Höhe, 
annähernd 50 cm Durchmesser. Blätter an fein behaarten rotbraunen Zweigen 
sehr dichtstehend, dünn, gerade oder etwas gebogen, zusammengedrückt- 
vierkantig, stumpf-gespitzt, dunkelgrün und durch die weißlichen Spaltöffnungs- 
reihen zwischen den Blattkanten blaugrün erscheinend, 7 — 12 mm lang. 
Knospen eirund, rotbraun, behaart. Männliche Blüten aufrecht, fast kugelig, 
dunkelrot. Weibliche Blüten an kurzen Zweigen aufrecht, gleich den jungen 
Zapfen schön violett und sehr zierend. Zapfen hängend, klein, eirund-stumpf, 
braunrot, 20 — 35 mm lang, 15 — 18 mm breit, auf sehr kurzem, gebogenem 
Stiele, nach dem Samenausfall meist mehrere Jahre am Baume hängen 
bleibend. Zapfenschuppen sehr dünn, verkehrt-eirund, gestreift, am Rande 
gezähnelt und kaum wellig, Bractee klein, viel kürzer als die Schuppe, eirund- 
spitz, am Grunde gezähnelt. Samen klein, braun, verkehrt-eirund, mit einem 
doppelt so langen, verkehrt-eirunden Flügel, auch in Deutschland reifend und 
meist keimfähig. 

Eine sehr schöne, zierliche, harte Fichte, die, vom Boden an beästet, mit 
ihrem dunklen oder bläulichen Grün unseren Gärten zur größten Zierde 
gereicht, aber langsam von Wuchs, bei weitem in Kultur nicht die oben an- 
gegebene Höhe und Stärke erreicht. Stärkere Samenbäume finden wir mit 
auffallend dunkler, leicht rissiger Rinde und öfter im spitzen Winkel abwärts 
stehenden Ästen, diese Merkmale neben der in allen Teilen schwächeren 
Entwickelung, größeren Zierlichkeit, wie enger gestellten, feineren, kürzeren 
Blättern, welche gerieben angenehm harzig aromatisch duften, gegenüber den 
derberen von Picea alba, die einen strengen Wildkatzengeruch verbreiten (nach 
Gard. and Forest 1896, p. 351), weiter die aufrechten männlichen Blüten, 
weit kleineren, jung violetten (bei P. alba grünen), länger am Baume 
bleibenden Zapfen, unterscheidet sie von der ähnlichen P. alba Lk. 

Sämlinge von beiden Arten sind, je nach Boden und Standort, bei 
üppiger Entwickelung nicht immer leicht zu unterscheiden. 

Da Picea nigra auch leicht durch Stecklinge und durch die dem Boden 
aufliegenden Zweige, auch durch Ableger vermehrt wird, so haben wir in 
dekorativer Beziehung die auf diese Weise erzogenen Pflanzen als viel ge- 
drungener und feinzweigiger zu nennen, meist als breite, vom Boden an 
beästete Pyramiden. 

Prächtige ältere Samenbäume finden wir in Wörlitz (s. Fig. 53), in 
Kassel in der Karls-Aue und zu Wilhelmshöhe, wo auch die nächstfolgende 

17* 



260 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

dekorative Form in unvergleichlichen Prachtexemplaren vertreten ist und 
beide reichlich Zapfen und keimfähige Samen bringen. 

Nach Gard, and Forest 1. c. beruht die allgemein früher verbreitete 
Angabe, daß im Vaterlande das weiße, elastische, leichte und zähe Holz sehr 




Fig. 54. Picea nigra Lk. l Zweig mit reifen Zapfen, nat. Gr.; 2 Schuppe, Innenseite mit Samen; 

3 Schuppe, Außenseite mit kleiner Bractee; 4 Schuppe, Seitenansicht; 5, 6, 7 Samen; 8, 9 Blatt von 

verschiedenen Seiten, 2 mal vergr. (aus der Karls- Aue hei Kassel). 



geschätzt, zumal zu Raaen viel verwendet wird, auch zu Bauholz und zu 
Eisenbahnschwellen, auf Irrtum, das Holz von Picea nigra wird nur gelegent- 
lich und ganz lokal genutzt und die P. rubra, als viel größerer Baum, ist, wie 
wir sehen werden, diejenige, welche nahezu all das Fichtenholz der Nord- 
staaten liefert. Die Irrtümer erklären sich, weil die betreffenden Holzarten 



II. Klasse. Coniferae. 261 

in der Praxis nicht immer auseinander getialten werden. In Kanada bereitet 
man aus den jungen Zweigen das sog. „Spruce beer" (Fichtenbier). Für 
Deutschland dürfte des schwachen Wachstums wegen ein forstUcher Anbau 
also wohl kaum in Frage kommen. Vielleicht könnte sie für Aufforstung 
kalter Hochmoore mit in Betracht gezogen werden. 

Je nach dem Standorte, ob in kühlen Gebirgslagen, ob in dumpfigen 
oder arktischen Regionen wachsend, tritt die Schwarzfichte als größerer 
Baum, oder als kümmerlich gedeihender kleiner Baum, selbst als den Boden 
bedeckender Strauch mit kurzen Zweigen und kurzen, bleichen Blättern auf. 
Hierher gehört auch als Form: 

Abies nigra var. Mchx. fil. (Abies rubra Mchx., Hist. d. Arb. for. de l'Amer. 

sept. I, p. 123 [1810]), 
welche der Autor selbst als Form von Picea nigra anführt, die infolge ört- 
licher Verhältnisse rötliches Holz besitzt, welches Veitch als weich anführt 
und hinzufügt, daß diese nordische Form Zapfen von außergewöhnlicher Größe 
besitze. Auch C. Koch gibt dies in Dendr. II, p. 241 an und sicher ist dies 
auch die P. rubra, die Sargent als Form nasser, kalter Sümpfe von P. nigra 
anführt. Dr. Mayr schreibt in „Die Waldungen von Nord-Amerika" P. 
nigra Lk. (Syn. P. rubra) und sagt, „die spitzkronigen, niedrigen Fichten in 
diesen Sümpfen werden vielfach als P. nigra aufgefaßt, andere betrachten sie 
als eine Varietät von P. nigra, ich halte sie für Weißfichten (P. alba), die von 
anderen nur wenig, von Höhe und Habitus abgesehen, verschieden sind".^) 

Unmöglich kann mit diesen Angaben Picea rubra Lk. gemeint sein, eine 
Art, die in unseren Kulturen weit üppiger aufwächst als P, nigra, die auf den 
ersten Blick, mit kurzen, frischgrünen, glänzenden, dicklichen, mehr dem 
Zweige anliegenden Blättern P. orientalis Lk. weit ähnlicher sieht als P. nigra, 
daher unmöglich eine Form von letztgenannter darstellen kann. 

Solche Standortsformen sind ferner: 

Picea nigra var. brevifolia Behd. (Cycl. of Amer. hört., p. 3 [1901]). 

Syn. Picea brevifolia Peck., 51 st. Ann. Rep. of the New York State 
Museum, p. 282—283 plat. A. 

Sumpfform. 

In Sümpfen und freien Mooren. 

Ein kleiner schlanker Baum oder Strauch, 6 — 10 m hoch, Zweige 
weich behaart. Blätter kurz, derb, gerade, stumpf oder stachelspitzig, meist 
blaugrün, 5 — 10 mm lang. Zapfen oval, zwei oder mehrere Jahre hängen 
bleibend, 17 — 25 mm lang; Zapfenschuppen am Rande ausgefressen, gezähnelt, 
purpurrot, oder grün mit rötlichem Rand wenn unreif. Samen 2 mm lang 
mit 4 mm langem Flügel. 

- Var. semiprostrata ist strauchartig, kriechend oder aufstrebend. 
Blätter blaugrün, 5 mm lang, auf freien Gipfeln hoher Berge. 

^) Im Berliner Herbarium findet sich eine Picea alba Lk. ß arctica, im südöstlichen 
Alaska gesammelt, diese Form führt auch Pariatore in D. C. Prodr. XVI, 2 p. 414, an von 
der Behringsstraße mit dickeren Blättern (Abies arctica A. Murr, in Seem. journ. 1867, p. 253, 



262 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

In Kultur sind folgende sehr wertvolle Formen entstanden: 

Wuchsformen. 
Picea nigra Mariana hört. Wilhelmshöher Schwarzfichte, (Fig. 55.) 

Syn. Abies nigra Mariana hört. 

(Es könnte befremden, daß für diese Form ein Synonym gebraucht wird, 
dieser Name ist jedoch seit der Entstehung in Gebrauch, allgemein verständlich 
und eine Änderung würde hier nur Verwirrung anrichten.) 

Eine außerordentlich dekorative Form von breit-kegelförmigem Wuchs, 
dichter Bezweigung, kürzeren Blättern und prächtiger blauer Färbung, die 
jedenfalls einst als eigentümlicher Sämling bei Aussaaten gewonnen wurde 
und dann, sei es durch Stecklinge oder durch Ableger, dauernd fort- 
gepflanzt, ihre Eigentümlichkeit bewahrte. 

Prachtexemplare von seltener Schönheit, bis zu 12 m Höhe, 
meist reich mit Zapfen behangen, finden sich u. a. in Kassel in der Karls- 
aue und in Wilhelmshöhe, wo sie in Gemeinschaft mit anderen schönen 
Coniferen sich herrlich ausnehmen, jeden Beschauer entzücken und dem 
Coniferenfreund und Züchter als die Wilhelmshöher Schwarzfichten 
bekannt sind. Diese herrlichen Exemplare konnten sich, unter den für sie 
günstigsten Bedingungen, im fruchtgründigen Park zu solcher Schönheit ent- 
wickeln. Die am Boden liegenden Äste schlagen hier Wurzeln, Sekundär- 
wipfel schießen empor, und so bilden sich aus einer breiten Mutterpflanze 
ganze malerische Gruppen, oft stahlblau, vor denen der Beschauer bewundernd 
steht. Diese schöne, harte Fichte kann daher zu Anpflanzungen nicht warm 
genug empfohlen werden und eignet sich, weil langsam von Wuchs, auch 
sehr für kleine Gärten. 

Sämhnge dieser, in Kassel stets durch Ableger fortgepflanzten Pracht- 
bäume sind jedoch sehr schwachwüchsig, haben dünne, feine, mehr zuge- 
spitzte Blätter und dadurch ein recht abweichendes Ansehen. — Hierbei muß 
übrigens hervorgehoben werden, daß jüngere Samenpflanzen von den meisten 
Fichten sich durch dünnere, spitzere Blätter von älteren, fruchtbaren Bäumen 
derselben Art unterscheiden und Zweige von beiden, miteinander verglichen, 
oft ganz verschieden erscheinen. 

Picea nigra Doumetii Carr. (Conif. 1. ed., p. 242 [1855]). 
Syn< Abies nigra Doumetii hört. 
Picea Mariana Doumetii hört. 
Abies Mariana Doumetii hört. 
„ Doumetii hört. 
Eine der vorigen in der Wirkung ähnliche, in Frankreich gewonnene 
Form, eine mehr schlanke, dichte, kegelförmige Pyramide bildend, 
mit zahlreichen, dichtstehenden, aufstrebenden Zweigen, heller- oder dunkel- 
rötlich behaart. Blätter sehr dichtstehend, dünn, spitz, 8 — 10 mm lang, 
blaugrün-violett. Zapfen eirund, an beiden Enden verschmälert, 5 cm lang, 
kaum 2 cm breit, erst grünlich-braun, dann rötlich-violett, reif rotbraun. 

Nach Carriere war die Mutterpflanze am Schloß Balene bei Moulins 
1867 schon 9 m hoch und von seltener Schönheit. 



n. Klasse. Coniferae. 



263 




264 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Wir finden auch in deutschen Gärten schon diese schöne, empfehlens- 
werte Form in ansehnHchen, fruchttragenden Exemplaren, welche durch die 
mehr kegelförmig aufstrebende Gestalt und noch auffallendere blaue Färbung 
sich von der vorigen unterscheidet. 

Picea nigra fastigiata Carr. (Conif. 1. ed., p. 242 [1855]). 
Syn. Abies nigra fastigiata hört. 

„ nigra pumila Knight ex Gord. Pin. 8. 
Eine von Briot in Trianon gewonnene empfindliche Säulenform mit 
aufstrebenden schlanken Ästen und kürzeren, dünneren, spitzen, nur 6 bis 
10 mm langen Blättern. 

Picea nigra pendula Schwerin (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 94). 
Eine schöne dekorative Form, mit fast senkrecht herabhängenden Ästen 
erster Ordnung. Die Originalpflanze, 5 m hoch, wurde vom Oberforstrat 
Ganghofer im Forstgarten zu Diedorf bei Augsburg zwischen normalen 
Bäumen aufgefunden. 

Auch ein sehr schönes, elegant überhängendes Exemplar sahen wir 
in Philippsburg (Ostfriesland). (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p. 24.) 

Picea nigra nana hört. Zwerg-Schwarzfichte. 
Syn. Picea Mariana nana hört. 
Abies nigra nana hört. 
„ Mariana nana hört. 
Eine zierliche, schwachwüchsige, feinbezweigte und benadelte, kugelige 
Zwergform von etwas hellerer, blaugrüner Färbung, für kleine oder regel- 
mäßige Gärten, wie zu Vorpflanzungen geeignet und als reizende, nicht 
krüppelige, stahlblau schimmernde Pflanze sehr zu empfehlen. 

In der Färbung abweichend. 
Picea nigra argenteo-variegata Hesse. 

Syn. Abies nigra argenteo-variegata hört. 
Eine weißbunte Form der normalen Pflanze. 

Picea nigra aureo-variegata Hesse. 

Eine schöne, aus Samen gewonnene Form, welche auf blaugrünem 
Grunde eine prächtige, goldgelbe Schattierung zeigt; zumal an jungen 
Trieben kontrastieren die beiden Farben sehr schön. Sie ist allen Liebhabern 
bunter Coniferen sehr zu empfehlen. 

Picea nigra aurea Hesse. 
Syn. Abies nigra aurea hört. 
Eine ganz goldig schimmernde, zierliche Form. 

16. Picea rubra Lk. (in Linn. XV, p. 521 [1841]). Nordamerikanische 

Rotfichte. (Fig. 56 u. 57.) 
Syn. Pinus americana rubra Wangenh., Beitr. p. 75, t. 16, f. 80 (1787). 
„ americana Gaertn., de Fruct. et sem. II, p. 60, t. 91 (1791). 



II. Klasse. Coniferae. 



265 




Fig. 56. Picea rubra Lk. in der Karls-Aue bei Kassel. 



266 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Syn. Pinus rubra Lamb., Pin. ed. II, p. 43, t. 28, et ed. III, p. 66, t. 38 

(1803). 
Abies rubra Poir., Encyclop. VI, p. 520 (1804). 

„ americana rubra bort. 

„ arctica Cunn. ex Gord. Pin. 11. 
Picea nigra var. rubra Engelm. in Gard. Chron. XI, p. 334 (1879). 

„ rubens Sarg., Silv. N.-Am. XII, p. 33, t. 597 (1898). 
Red Spruce (Rotfichte) der Amerikaner. 
Sapinette rouge der Franzosen. 
Red Spruce der Engländer. 

Im nordöstlichen Nord-Amerika, nach Sargent, Trees of N.-Am. 1905, 
p. 41 mit Abbild., in gut entwässerten Hochländern und Bergabhängen oft 
ausgedehnte Wälder bildend, von der Prince-Edward-Insel und St. Lawrence- 
Tal südwärts nach der Küste von Massachusetts längs des inneren Hügel- 
landes von Neu-England und New York und das AUeghany-Gebirge nach 
dem Hochgebirge von Nord-Karolina. Dieser Baum (durch Verwechselung 
die Black spruce der meisten Holzhändler und Botaniker) liefert nahezu all 
das Fichtennutzholz aus den genannten Staaten, welches früher irrtümlich 
auch Picea alba und P. nigra zugeschrieben wurde, wie ich schon bei P. nigra 
anführte. 

Einfuhr zuverlässig echten Saatgutes wäre also hoch erwünscht. 

Im Jahre 1755 in Europa eingeführt. 

Baum je nach dem Standort 20 bis über 30, ja selbst 40 m Höhe, mit 
rötlichem Holze, von schlank aufstrebendem, kegelförmigem Wuchs und 
mit leichter Bezweigung, der auf den ersten Blick viel Ähnlichkeit mit der 
orientalischen Fichte (Picea orientalis Lk.) hat, auch im Frühjahr später wie 
diese austreibt. Knospen eirund-spitz mit rotbraunen Schuppen. Blätter an 
filzigen, rotbraunen Zweigen sehr dichtstehend, dicklich, stumpf-vierkantig, 
mit kurzer, gelblicher Knorpelspitze, etwas gegen den Zweig gebogen, 
10 — 15 mm lang, frischgrün glänzend (nicht bläulich-grün, wie meist angegeben 
wird), da gerade bei dieser Art die weißlichen Spaltöffnungsreihen sehr wenig 
ins Auge fallen. Die Angaben der bläulichen Färbung und die auffallend 
blaugrünen Formen, welche in den Gärten unter den Namen: Picea rubra 
coerulea, Abies coerulescens, Abies coerulea, Abies rubra violacea, Pinus 
rubra violacea vorkommen, beruhen auf Verwechselung mit den blaugrünen 
Formen von Picea alba Lk. und gehören daher diese Namen als Synonyme 
zu P. alba coerulea (s. daselbst), männliche Blüten oval, sitzend, leuchtend rot. 

Die sehr kurz gestielten Zapfen hängen an kurzen Zweigen, stehen in 
der Größe zwischen denen von Picea alba und P. nigra, sind jung rötlich- 
violett, im geschlossenen Zustand oval-länglich, reif oval, rotbraun glänzend, 
3 — 4 cm lang, 15 — 20 mm breit, mit Harz übergössen, nach dem Samenausfall 
meist erst im zweiten Jahre abfallend; Zapfenschuppen konkav, steif, weich- 
haarig, fein und unregelmäßig gezähnelt, leicht wellenförmig und gestreift. 
Bractee sehr klein, länglich abgerundet. Samen klein, schwärzlich, 3 mm lang, 
mit dreimal so langem, hellbraunem Flügel. 

Abies rubra Mchx. fil. gehört nicht hierher, sondern ist die Form 
nasser, kalter Sümpfe von Picea nigra Lk. (s. daselbst). 



II. Klasse. Coniferae. 



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2QS Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Picea rubra ist in deutschen Gärten ziemlich selten, wenigstens selten 
echt vertreten und wird, wie schon angegeben, oft mit P. alba und P. nigra, 
ja selbst mit P. excelsa-Formen verwechselt. Prächtige Exemplare finden 
sich in Kassel in der Karls-Aue, etwa 15 m hoch, schlank von Wuchs, mit 
leichter, schöner Bezweigung, weiter sind schöne Bäume in Herrenhausen 
bei Hannover und in Wörlitz vorhanden. Prächtige 20 m hohe Bäume fand 
ich (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 103) in der Domaine des Barres 
(Frankreich), mit kerzengeraden Stämmen von 1,20 m Umfang, die auch den 
Wert als Forstbaum zeigten. Es ist eine schöne, sehr zur Anpflanzung zu 
empfehlende, harte Fichte, die an Eleganz der reizenden orientalischen Fichte 
gleichkommt und besonders für frische, genügend luftfeuchte Lagen und 
noch für rauhere Gegenden in Betracht kommt. 

Merkwürdigerweise, trotz der schon bei Picea nigra genannten guten 
Beschreibungen und Abbildungen in Lamberts Genus Pinus 1803, eine mehr 
von Botanikern als von Praktikern verkannte oder vernachlässigte Art. Wer 
diesen Baum einmal in seiner Eigenart richtig erkannt hat, wird ihn nimmer- 
mehr mit P. nigra und P. alba verwechseln, geschweige denn zusammen- 
werfen können. 

Picea rubra forma virgata Rehd. (Rhodora) 1907, Vol. 9, No. 103, p. 110. 

Syn. Picea Mariana „monstrous form", Gard. and Forest 8 : 45 fig. (1893). 
„ rubens „form" Sargent, Silv. N.-Am. 12 : 33 (1898). 
„ nigra var. virgata Rehd., Baileys Cyclop. Am. hört. 3 : 1334 
(1901). 
Eine Schlangenfichtenform, die lange, dünne, weit ausgestreckte 
Beastung, ohne jede Seitenbezweigung trägt. 

Sie wurde in Massachusetts am Fuße des Mt. Hopkins bei Willamstown 
nur in einem Exemplar gefunden von Mr. G. Walker. 

Wir haben hier also von der amerikanischen Rotfichte eine unserer 
Schlangenfichte Picea excelsa virgata in der Bildung ganz gleiche Form, 
welche ja auch in Amerika noch an anderen Standorten, so gut wie unsere 
Schlangenfichten, gefunden werden könnte. 

17. Picea alba Lk. (in Linn. XV, p. 519 [1841]). Nordamerikanische 

Weißfichte. (Fig. 58.) 

Syn. Pinus canadensis Dur., Observ. Bot, p. 38 (1771). 

„ glauca Mönch., Weißenb., p. 73 (1785). 

„ laxa Ehrh., Beitr. III, p. 24 (1788). 

„ alba Ait. hört. Kew. ed. 1, III, p. 371 (1788). 

„ tetragona Mönch., Meth., p. 364 (1794). 
Abies canadensis Mill., Dict. No. 1 (nicht Mchx.) (1798). 

„ alba Mchx., Fl. bor. amer. II, p. 207 (nicht Mill.) (1803) 
Picea canadensis Sarg., Silv. N.-Am. XII, p. 37, t. 598 (1898). 
Pinus americana alba hört. 
Abies americana alba hört. 

„ curvifolia hört. 
White Spruce der Amerikaner und der Engländer. 
Sapinette blanche der Franzosen. 



II. Klasse. Coniferae. 



269 



Im östlichen Nord-Amerika zwischen dem 70. ^ und 45. ^ n. Br., im 
enghschen Nord-Amerika, in Neu-England, um die Hudsonsbay, in Labrador, 
in Kanada, Neu-Braunschweig, Neu-Schottland, oft an Fluß-, See- und Meeres- 
ufern, gemeinsam mit Picea nigra wachsend, nach Norden seltener werdend 
und in den arktischen Regionen als Busch auftretend. Durch die blaugrüne 
hellere Färbung als „Weißfichte", gegenüber der dunkleren Schwarzfichte, 
unterschieden. In den kühlen Sümpfen der Nordstaaten bildet sie ganz 
schmale, säulenförmige Kronen, Abbildung von Alberta (Brit. Kolumbien), 
Mayr, Fremdl. Wald- u. Parkb. 1906, p. 320 (P. alba Lk. albertiana oder 
P. albertiana Stewardson Brown, Torreya VII, p. 126 [1907]). 



I 




Fig. 58. Picea albaLk. l Zweig mit männlichen Blüten; 2 Zweig mit weiblicher Blüte ; 3 Blattdurch- 
schnitt, vergrößert; 4 Blatt, vergrößert; 5 Zapfen, nat. Gr.; 6 Zapfenschuppe mit Bractee; 7 Samen. 



Im Jahre 1700 in Europa eingeführt. 

Baum meist von 15 — 25 m Höhe bei 0,40 — 0,50 m Stammdurchmesser, 
ausnahmsweise auch 50 m bei 1 m Stärke, und pyramidalem Wuchs, mit 
horizontalen, sehr dichtstehenden Ästen und Zweigen. Knospen eirund- 
stumpf mit hellbraunen, am Rande gewimperten Schuppen. Blätter an unbe- 
haarten graugelben Zweigen weniger dichtstehend, als bei den beiden vor- 
stehenden Arten, 10 — 18 mm lang, ziemlich stark, vierkantig, stumpf-gespitzt, 
etwas gegen den Zweig gebogen, graugrün, allseits mit weißen Spaltöffnungs- 
reihen, daher mehr oder minder blaugrün erscheinend; beim Reiben einen 
strengen Geruch aushauchend. Männliche Blüten überhängend, vor dem Auf- 
blühen lebhaft rot, sehr zierend. Zapfen an kurzen Zweigen, jung grün (bei 



270 Zweiter Teil, Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Picea nigra dunkelviolett), reif hellbraun, geschlossen länglich-walzenförmig, 
40 — 55 mm lang und geöffnet 20 mm breit, schon im Herbst oder im Laufe 
des Winters abfallend; Zapfenschuppen konkav, verkehrt-eirund-keilförmig, 
am Rande glänzend, auf dem Rücken gestreift, dünn und biegsam beim Druck 
mit dem Finger, während die von P. nigra und P. rubra spröde sind und 
brechen. Bractee klein, verkehrt-eirund-spatelförmig. Samen klein, 2 mm 
lang, verkehrt-eirund, braun, mit dreimal so langem, hellbraunem Flügel, 
auch in Deutschland meist gut reifend und keimfähig. 

Die Weiß f ich te scheidet in Menge ein sehr nützliches Harz aus, 
weshalb sie denn auch einen balsamischen Duft verbreitet; ihr Holz ist nach 
Sargent leicht, weich, hellgelb und wird in Ost-Kanada und in Alaska für 
Bauten und Papierfabrikation genutzt, auch in New-Hampshire und New York, 
kommt aber hier wenig für den Holzhandel in Betracht; dagegen ist er der 
hauptsächlichste Fichtenholzbaum in Neu-Braunschweig und den maritimen 
Provinzen. (Gard. and Forest 1896, p. 351.) 

In unseren Kulturen erreicht sie nicht die Höhe wie im Vaterlande, 
sondern wir finden meist Bäume von 15 — 20 m Höhe, bei passendem, genügend 
feuchtem Stand aber oft wahre Prachtexemplare; junge Bäume treten uns als 
vom Boden an beästete, gedrungene Pyramiden entgegen, die, von mehr oder 
minder blaugrüner Färbung, zu den schönsten harten, sehr dekorativen Coni- 
feren gehören, die in Gärten jeder Größe einen Platz verdienen und auch 
allgemein beliebt und verbreitet sind. 

Picea alba hat sich besonders an Seeküsten bewährt und gedeiht, den 
Winden ausgesetzt, noch gut an den nördlichen Seiten der Dünen. Wie in 
der Heimat, so ist sie auch bei uns als Windbrecher von größtem Wert 
und ist in Jütland, wie in den Kulturen des Heidekulturvereins von Schleswig- 
Holstein, der Schutzbaum für die jungen Pflanzungen, also zumal für Rand- 
pflanzungen zu verwenden. Man kann auch sehr schöne, dichte Hecken von 
ihr erziehen. Eine solche, tadellos 8 m hoch, steht z. B. in Häsede in Dänemark. 

Picea alba coerulea hört. Schimmelfichte. 
Syn. Picea alba glauca hört. 

„ alba argentea hört. 

„ coerulea Lk. in Linn. XV, p. 522 (1841). 
„ glauca hört. 
Abies coerulea hört. 
„ alba coerulea hört. 
„ glauca hört. 

„ rubra violacea Loud., Arb. IV, p. 2316 (1838). 
„ coerulea Forb., Pin. Wob. p. 99 (1839). 
Pinus rubra ß violacea Endl, Syn. Conif. p. 114 (1847). 
Abies rubra ß violacea Lindl. et Gord. Journ. hört. Soc. V, p. 211 
(1850). 
„ alba glauca Gord., Pin. p. 3 (1858). 
„ alba argentea hört. 
„ americana coerulea hört. 
Eine prächtige, blaugrüne bis silbergraue Form von gedrungenem, 
pyramidalem Wuchs, wie sie bei Aussaaten gewonnen wird und als besonders 



II. Klasse. Coniferae. 271 

dekorativ und auffallend in jedem Garten hoch willkommen ist. In älteren 
Parkanlagen finden wir öfter Prachtexemplare, so auch in den berühmten 
Gärten Kassels, wo alle Coniferen uns in so trefflicher Entwickelung entgegen- 
treten und die herrlichen blaugrünen Coniferen so bedeutende Kontraste in 
der Landschaft hervorbringen. 

Die zwei folgenden sind abweichende Sämlinge der Schimmelfichte. 

Picea alba coerulea Hudsoni hört. Späth (Cat. 1892). 
Eine zierliche, gedrungene Pyramide von intensiv blauer Färbung; die 
jüngeren Zweige sind lang wagerecht ausgestreckt, die älteren hängen etwas 
über; die kurzen Blätter stehen sehr dicht um die Zweige. Diese Form kann 
als auffallend und schön empfohlen werden. 

Picea alba woerlitziensis Späth (Cat. 1891/92). 

Eine schlank aufstrebende Form, gedrungen von Wuchs, mit feiner Be- 
zweigung und kurzen Nadeln, dazu blauer Färbung. Als eigentümlicher 
Sämling in Wörlitz bei Dessau gewonnen. 

Picea alba Pinsapoides van der Elch (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1897, p. 58). 
Ein eigentümlicher Sämling von Tottenham in Dedemsvaart bei ZwoUe, 
Niederlande, stammend, von aufstrebendem Wuchs mit kurzen, etwas mon- 
strösen, dicken Zweigen, dicken, hellbraunen Knospen und rings um den 
Zweig gestellten dicken, spitzen, 5 — 12 mm langen, blaugrauen Blättern, 
wodurch eine Ähnlichkeit mit Abies Pinsapo gegeben ist. 

Picea alba acutissima hört. 

Syn. Picea acutissima bort. 
Abies acutissima bort. 

Ist eine unwesentliche Form, welche sich nur durch etwas feinere, 
mehr gespitzte Blätter und etwas längere Zapfen von der Art unterscheidet 
und hier und dort in Gärten angetroffen wird, so z. B. in Wörlitz und im 
botanischen Garten zu Marburg. In ersterem Garten sind starke Exemplare 
vorhanden, welche schon im Jahre 1770 gepflanzt sein sollen, aber heute dort 
gar nicht mehr von der Art unterschieden werden. Im Schloßgarten in Karls- 
ruhe i. B. steht ein schöner, üppiger, breit-pyramidaler Baum. 

Zwergformen. 
Picea alba compressa hört. 

Eine in den Fürstl. von Lobkowitzschen Baumschulen in Eisenberg 
(Böhmen) bei einer Aussaat gewonnene zierliche Kugelform von sehr 
dichtem, langsamem Wuchs und bläulicher Färbung. 

Picea alba nana Carr. (Conif. p, 239 [1855]). 
Syn. Abies alba nana Loud., Encyclop. of Trees 1030 (1838). 

„ alba prostrata bort. 
Meist einen rundlichen, breiten Busch bildend von kaum 2 m Höhe. 
Die Blätter sind weiter gestellt und stehen mehr vom Zweige ab, wie es bei 
der Art der Fall ist. 



272 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Picea alba nana glauca hört. 
Syn. Abies alba nana glauca hört. 
Eine zierliche Zwergform von auffallend blauer Färbung. 

Picea alba echiniformis Carr. (Conif. p. 239 [1855]). 
Syn. Abies alba echiniformis hört. 

Eine eigentümliche, ganz niedrige, dicht -buschige Zwergform mit sehr 
kurzen, dicht zusammengedrängten Zweigen und dichtstehenden, sehr dünnen, 
fast nadelförmig-zyhndrischen, 16 — 22 mm langen, weichen Blättern, so daß 
sie, eine dichte Kugel bildend, in der Gestalt einem Igel gleicht, oder 
später breite Kissen bildet, wie ähnliche Zwergformen unserer gemeinen 
Fichte. 

Picea alba compacta gracilis Breinig. 

Syn. Picea alba compacta pyramidalis P. Smith. 
Abies alba compacta pyramidalis hört. 

Eine reizende, gedrungene, dichtbezweigte, regelmäßig eirunde oder 
gedrungen-kegelförmige Zwergform, von schöner blaugrauer Färbung, 
gegen welche sich die braunen Knospen eigenartig abheben. Sie wurde bei 
einer Aussaat von Herrn Breinig in Mülheim a. Rhein gewonnen, auch von 
Peter Smith in Bergedorf von auswärts eingeführt und unter obigen Namen 
verbreitet. Dauernd durch SteckHnge vermehrt, bewahrt sie die regelmäßige 
zierliche Gestalt, die sie wirklich wertvoll macht, und vor anderen oft 
krüppeligen, krankhaften Zwergformen vorteilhaft auszeichnet, sie ver- 
dient daher für kleine und regelmäßige Gärten ganz besondere 
Empfehlung. 

Säulenform. 
Picea alba fastigiata Carr. (Conif. p. 321 [1867]). 

Nach Carriere eine Form mit aufstrebenden Ästen, weißlicher 
Rinde, etwas sparrigen Zweigen, weitgestellten, dicklichen, kurzen, scharf- 
gespitzten Blättern, die als empfindhch angegeben wird. 

Trauerform. 
Picea alba pendula Carr. (Conif. p. 321 [1867]). Trauer-Weißfichte. 
Syn. Abies alba pendula hört. 

Eine schöne, dekorative, üppig wachsende Form mit stark hängenden 
Ästen. Zweige dichtstehend, mit rötlicher Rinde, dicht mit Blättern besetzt 
und von blauweißer Färbung, die recht weite Verbreitung verdiente. 



In der Färbung abweichend. 
Picea alba aurea hört. 

Syn. Abies alba aurea hört. 

Eine Form von goldgelber Färbung und kräftigem Wuchs, die, je 
nach Entwickelung und günstigem Stand, mit goldig-bronzierten Zweigober- 
seiten sich schön oder unansehnlich zeigt. 



II. Klasse. Coniferae. 273 

Picea alba aureo-variegata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1898, p. 26). 
Eine vom Schloßgärtner Braun in Rahm bei Düsseldorf aus ameri- 
kanischem Samen gewonnene Form, an welcher manche Triebe ganz gelb, 
manche goldbunt gezeichnet sind, so daß eine unregelmäßig bunte 
Zeichnung entsteht. 

Picea alba aureo-spicata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1897, p. 49). 

Eine, als eigentümlicher Sämling in Karlsruhe i. B. entstandene, schöne 
üppige Form, welche alljährlich beim Austreiben mit jungen goldgelben 
Trieben geschmückt ist, welche sich nach dem Austreiben in hellgrün 
umfärben. 

Picea alba variegato-spicata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1898, p. 26). 
Eine vom Schloßgärtner Braun in Rahm aus Samen gewonnene Form, 
welche alljährlich mit grünlich-weißen jungen Trieben geschmückt ist und 
nach dem Ausreifen sich grün verfärbt. Die Blätter sind nach dem Zweige 
zu grün, nach außen weiß, manche sind halb weiß, halb grün oder weiß mit 
grünen Spitzen, so daß ein eigentümlich bunter Trieb entsteht. 

Picea alba albertiana. 

Syn. Picea Albertiana Stewardson Brown, Torreya VII, p. 126 (1907), 
Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1907, p. 69. Alberta: Bankhead 
S. Brown. 

Eine Standortsform der Weißfichte, die schlanke Bäume von säulen- 
förmiger Gestalt, über 15 m hoch, liefert. Rehder gibt die Beschreibung 
und betont, daß er sich von der Artberechtigung dieser Fichte nicht über- 
zeugen könne, eine Unterscheidung als Varietät aber doch wünschenswert 
erscheine. Die Charaktere sind die der Picea alba Lk., und der Baum unter- 
scheidet sich von derselben durch die kürzeren und breiteren Zapfen, die 
gerundeten starren Schuppen, die eckigen Deckblätter, sowie auch die 
längeren Blattkissen. Rehder betont, daß ihm der Unterschied im Wuchs, 
gegenüber der östHchen Weißfichte, sofort aufgefallen sei. In der Nähe von 
Banff, in der kanadischen Provinz Alberta, bildet die Weißfichte große 
Waldungen. Eine treffliche Abbildung findet sich in Mayrs Fremdl. Wald- 
und Parkbäumen, p. 320. Auch Herr Baron von Fürstenberg sah diese 
mächtigen, schlanken Weißfichten und brachte Saatgut davon mit, so daß wir 
schon Pflanzen in Kultur besitzen, welche unverkennbare Weißfichten sind. 
(Zu vergleichen sind Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1904, p. 26 und 27.) Nach 
Rehder ist diese westliche Weißfichte, vom forstlichen Standpunkt aus, 
jedenfalls bedeutend wertvoller als die östliche, wegen ihres rascheren und 
bedeutend höheren Wuchses; ausnahmsweise hat man von derselben Bäume 
bis zu 50 m Höhe gemessen. 

Zapfen 4—10 cm lang, mit lockeren, dünnen, ausgefressen-gezähnelfen Schuppen. 

18. Picea Engelmannii Engelm. (in St. Louis Transact. II, p. 212 [1863]). 
Engelmanns Fichte. (Fig. 59.) 
Syn. Abies nigra Engelm. in Sill. Journ. 33, p. 330, nicht Poir. 

„ Engelmannii Parry in St. Louis Transact. II, p. 123 (1863). 
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 18 



274 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Syn. Pinus commutata Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 417 (1868) 
(nicht belgischer und holländischer Gärten, welche darunter die 
grüne Picea pungens verstehen). 
White Spruce, Engelmann Spruce. 



I 




Fig. 59. Picea Engelmannii Engelm. 1 Zapfen; 2 unfruchtbarer Zweig. 

Im westlichen Nord-Amerika auf hohen Gebirgen, oft große Wälder 
bildend in Alberta und Brit. Kolumbien, südwärts nach Nord-Neu-Mexiko und 
Arizona, in einer Erhebung von 2800 — 3800 m durch Montana und Idaho in 
die Cascade Mountains von Washington und Oregon, in den nördlichen 
Vereinigten Staaten ihre größte Höhe und Schönheit erreichend, bis zur 
Baumgrenze vordringend und diese in Buschform noch überschreitend. 

Im Jahre 1863 in Europa eingeführt. 



II. Klasse. Coniferae. 275 

Baum von 20— 50 ni Höhe, von dicht-pyramidaler oder schmaler, spitzer 
Kronenform (Abbild, von Waldbeständen in Mayr, Fremdl. Wald- und Park- 
bäume 1906, p. 325 u. 326) und horizontal-abstehenden Ästen, und an älteren 
Bäumen mit zierlich hängender Bezweigung. Stamm mit hell-zimmtbrauner, 
dünner und schuppiger Rinde bekleidet, die als sehr gerbstoffreich geschätzt 
wird. Knospen mit gelben, fest anliegenden Schuppen besetzt. Blätter an 
fein behaarten, rötlichen Zweigen, auf sehr vorragenden Blattkissen, ziemlich 
weich, zusammengedrückt-vierkantig, sehr kurz und stechend-gespitzt, zwischen 
den Kanten mit weißen Spaltöffnungsreihen versehen und daher mehr oder 
minder blaugrün erscheinend, 17 — 20 mm lang, l^/g — 2 mm breit; derber, 
kürzer, stumpfer und mehr gebogen am fruchtbaren Zweige, männliche Blüten 
dunkelpurpur, weibliche leuchtend Scharlach. Zapfen einzeln, horizontal oder 
wenn reif überhängend, eirund oder eirund-zylindrisch-stumpf, reif glänzend 
braunrot, 4 — 6 cm lang, 2^/2 — 3 cm breit; Zapfenschuppen zahlreich, locker- 
dachziegehg, dünn und biegsam, verkehrt-eirund-rhombisch, etwas abgestutzt 
oder ausgerandet und ausgefressen-gezähnelt. Bractee eirund-länglich-stumpf- 
lich, unregelmäßig gezähnt, dreimal kürzer als die Schuppe. Samen braun, 
klein, oval, mit schiefem, verkehrt-eirundem, 1^/2 mal so langem, bräunlich- 
violettem Flügel. 

Das Holz ist leicht und weich, nicht fest und dicht-faserig, hellgelb- 
rötlich, mit dickem Splintholz; der Baum wird als einer der wertvollsten 
Nutzbäume geschätzt, sowohl für Bauholz wie als Brenn- und Kohlenholz. 
Die Rinde wird als Gerbstoff verwendet. Nach Engelmann ist Picea 
Engel mannii ein echter Gebirgswaldbaum und dürfte daher nach seiner 
Meinung auch auf unseren Gebirgen am besten gedeihen, im Vaterlande leidet 
sie oft im Winter, wenn sie im Herbst zu stark getrieben hatte. Sie hat viel 
weichere, kürzere, mehr dem Zweige anliegende Blätter, kleinere Zapfen wie 
P. pungens Engelm., welche fast doppelt so große Zapfen und dickere, steifere 
und sehr stechende Blätter hat. Die jungen Zweige sind weich behaart, 
während sie bei letzterer glatt sind; dazu ist die Rinde der P. pungens grau, 
rissig und dicker. Nach Sargent ist bei P. pungens die Endknospe weit 
größer mit breiten, zurückgebogenen Schuppen und diese wächst weit 
schneller als P. Engelmannii, obgleich erstere zwei bis drei Wochen später 
austreibt. Dieses frühe Austreiben der P. Engelmannii ist die Ursache, 
daß sie in manchen Gegenden ernstlich von Spätfrösten im Frühjahr leidet. 
Selbst im Vaterlande ist sie in Kultur keine befriedigende Pflanze ; Exemplare 
im Alter von 20 Jahren sind nur wenig über I m hoch, während P. pungens, 
aus Samen erzogen, welcher in demselben Jahre gesammelt wurde, 5 und 
fast 6 m hoch sind. Es würde daher kaum ausführbar sein, P. Engelmannii 
in großem Maßstabe aufzuziehen, um die Borke zum Gerben zu verwenden. 
Sie wächst viel zu langsam für große Pflanzungen und ist viel zu teuer auf- 
zuziehen. Soweit genannte beide Autoritäten über die beiden wertvollen, 
oft in unseren Kulturen verwechselten Fichten. 

Daß diese Fichte, bei dem enormen Verbreitungsgebiet und den ver- 
schiedenen Höhenlagen, Abweichungen in Höhe, Färbung und in den ver- 
schiedenen Organen zeigt, ist doch nur natürlich. So führte Dr. Dieck in 
Zöschen, Catal. 1898/99, eine Fichte aus Brit. Kolumbien ein, welche er 
anfänglich als eine Zwischenform ansah und als var. pseudopungens 

18* 



276 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

bezeichnete, die sich aber später immer deutHcher als Picea Engelmannii 
kennzeichnete. Lemmon, in Gard. and Forest X, 1897, führt einen kleineren 
Baum, den Engelmann schon als Standortsform kennzeichnete, als besondere 
Art: P. Columbiana an. Von Purpus gesammeltes Material, aus den 
verschiedensten Höhenlagen, zeigt Unterschiede in Wuchs, Blättern, Zapfen- 
größe, Färbung. Er hebt die herrliche blaue Färbung aller Coniferen in 
den Hochgebirgen Utahs, bei 3000 m Erhebung, hervor, von Hol dt sah 
bei 4100 m in Colorado P. Engelmannii als für den Reiter gefährliches 
niedriges Gestrüpp, Purpus ebenso in Arizona. 

Picea Engelmannii finden wir in deutschen Gärten in schönen, dicht 
bezweigten, allerdings auch recht langsam wachsenden, pyramidalen Pflanzen, 
oft in sehr stattlichen, Zapfen tragenden Exemplaren und schätzen sie als 
eine ganz harte, außerordentlich dekorative Fichte, die besonders in ihren 
blaugrünen Formen für alle Zeiten ein auserlesener Schmuck unserer Gärten 
bleiben wird. 

Picea Engelmannii glauca hört. 

Syn. Abies Engelmannii glauca hört, 
ist von prächtig blauer, zu Zeiten, besonders im Frühjahr, von stahl- 
blauer Färbung, während sie im Winter die blaue Färbung mehr verliert, 
und sind solche bei Aussaaten gewonnenen Pflanzen vor allem willkommen 
und die dekorativ wertvollsten. 

Picea Engelmannii argentea hört. 

wird eine reizende, in der Färbung mehr silbergraue Form genannt, 
die, ausnahmsweise hier und da bei Aussaaten gewonnen, gleich der vorigen 
außerordentlich schön und auffallend ist; beide Formen werden, um die 
herrliche Färbung echt fortzupflanzen, durch Veredelung vermehrt, da bei 
Aussaaten von Samen blaugrüner Formen wohl auf einen gewissen Prozent- 
satz mehr oder minder blaugrüner Sämlinge, aber nie mit Bestimmtheit 
auf ein sicheres Erhalten der ausgeprägt blauen Färbung gerechnet werden 
darf. Man sucht bei Aussaaten die schönsten blauen und silbergrauen Pflanzen 
aus, die dann meist schönere, regelmäßigere Pflanzen als Veredelungen bilden. 

Picea Engelmannii microphylla Hesse. 

Syn. Abies Engelmannii microphylla hört. 

Eine zwergige Kugelform mit kleineren Blättern, welche in den 
Baumschulen von Hesse in Weener in Kultur gewonnen wurde. 

Picea Engelmannii glauca pendula (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 115 

und 144, und 1904, p. 48). 

Eine höchst dekorative, wertvolle, blaugraue Trauerform, mit stark 
abwärtshängenden Hauptästen. Purpus fand solche auffallenden Bäume in 
den Hochgebirgen Utahs wie in denen von Arizona; er berichtet auch von 
grünlichen Trauerformen und führte Saatgut von denselben ein. 

Solche Trauerformen wurden auch bei Aussaaten in Kultur gewonnen 
(Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1896, p. 62). 



II. Klasse. Coniferae. 277 

19. Picea pungens Engelm. (in Gard. Chron. XI, 1879, p. 334). Stech flehte, 

Blaufichte. 

Syn. Picea Parryana Barron und Sargent Silv. N.-Am. XII, p. 47, t. 600, 

(1898). 
Picea commutata Belgisch, und Holland. Gärten (die grünblättrige 

Form) nicht Pari. 
Abies pungens Engelni. 

„ Parryana hört. 
Blue Spruce der Amerikaner. 

Im Felsengebirge, Colorado und im östlichen Utah in einer Erhebung 
von 2000 — 3300 m, hier dann als kleiner Baum, in den günstigsten Lagen 
nach S argen t bis 50 m Höhe erreichend, vereinzelt an den Ufern der 
Gebirgsflüsse, auch im Sumpfboden, aber nie in ganzen Beständen vor- 
kommend wie Picea Engelmannii, welche weit höher im Gebirge aufsteigt 
und erst in einer Höhe auftritt, wo P. pungens bereits aufhört zu wachsen. 

Sie wurde im Jahre 1863 in Samen, der untermischt mit Samen von 
Picea Engelmannii gesandt wurde, in Europa eingeführt, ist daher vielfach 
unter letzterem Namen heute noch in den Gärten vorhanden und wird mit 
P. Engelmannii verwechselt, zumal in den blaugrünen Formen. Während sie 
anderseits anfänglich auch mit P. sitkaensis (Menziesii), die an den Küsten 
des großen Ozeans in Nord-Kalifornien und Oregon große Wälder bildet, 
aber im Felsengebirge gar nicht vorkommt, verwechselt worden ist und auch 
unter diesem Namen der Samen eingeführt wurde. 

Bei Picea Engelmannii (s. daselbst) wurden nach Engelmann und 
S argen t auf das klarste die Unterschiede zwischen dieser und P. pungens 
Engelm. angegeben, in zwei mir vorliegenden Schreiben der obigen beiden 
Autoren an Herrn v. St. Paul in Fischbach vom 5. Oktober und 5. November 
1883 erklären beide Herren Picea (Abies) pungens Engelm. und Picea (Abies) 
Parryana Barron für dieselbe Pflanze. Außerdem erkannte Engelmann bei 
seiner letzten Anwesenheit 1883 im Berliner Botanischen Garten die dort 
vorhandene P. Parryana (resp. P. commutata holländischer Gärten) als seine 
echte P. pungens und Sargent sagt, genau damit übereinstimmend, in seinem 
Schreiben, daß die berühmte „Blue Spruce" (Blaufichte) seines Arboretums, 
ein Exemplar von P. Parryana glauca von damals 5 m Höhe, P. pungens 
Engelm. sei. Schließlich läßt Engelmanns Beschreibung in Gard. Chron., 
wie sie Zabel in den ForstHchen Blättern in Übersetzung wiedergibt, gar 
keinen Zweifel, daß beide Pflanzen gleich sind. 

Picea pungens bildet, ziemlich schnell aufwachsend, junge Bäume von 
schönem, regelmäßig-pyramidalem Wuchs und quirlständiger, steifer Be- 
zweigung, nach Engelmann ist sie aber alt ein unschöner Baum mit langen, 
kahlen, unsymmetrischen Ästen, jedoch die großen, blassen Zapfen in ihren 
Wipfeln. bilden eine ausgezeichnete Erscheinung. 

Als Zierbäume sind die blauen und silbergrauen Formen wohl die 
schönsten auffallendsten Coniferen und werden stets eine hervorragende 
Rolle spielen, aber Engelmann sagt, daß sich im Alter sehr die blaue Be- 
reifung verliert und nur an den jungen Endtrieben erhält, ihre Schönheit 
dürfte kaum über 25 — 30 Jahre dauern, wo sie erneuert werden müßten. 



278 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Die großen, dicken Endknospen mitbreiten, zurückgeschlagenen 
Schuppen und die an den Zweigspitzen abstehenden Blätter sind dieser 
Fichte eigentümlich; die starken, sichelförmig gebogenen, dornig-gespitzten, 
stechenden, an jungen Pflanzen zusammengedrückt-vierkantigen, an alten 
etwas flachgedrückten, 15 — 25 mm langen, l^/g mm breiten Blätter stehen rings 
um die glatten, weißen oder hellbraunen, starken jungen Zweige, und zwar 
auf stark hervorragenden Blattkissen und mehr vom Zweige ab, als es bei der 
Picea Engelmannii der Fall ist. Die Blätter junger Sämlinge sind etwas ge- 
zähnelt. Männliche Blüten gelbrötHch, weibliche blaßgrün. Zapfen länglich- 
walzenförmig, 8 — 10 cm lang, 3 cm breit, sehr hellbraun, Zapfenschuppen 
wellig ausgerandet, Bracteen sehr klein. Samen größer wie bei P. Engelmannii, 
mit breitem Flügel. Rinde der Stämme dick und grau. 

Sie ändert sehr in der Färbung, und zwar gibt es von der grünen 
bis zu der prächtigen blau weißen Form zahlreiche Übergänge; die grüne 
Form, wo die weißen Spaltöffnungsreihen zwischen den Kanten der Blätter 
nur sehr schwach hervortreten, ist die, welche von belgischen und holländischen 
Gärten aus immer noch als Picea (Abies) commutata verbreitet wird, während 
die echte Pflanze dieses Namens Pinus commutata Pari, als Syn. zu Picea 
Engelmannii gehört, wieder ein Beweis, wie P. Engelmannii und P. pungens 
(Parryana) von der Einführung her stets miteinander verwechselt wurden, 
um so mehr, da letztere anfänglich nur zufällig mit Samen von P. Engelmannii 
eingeführt wurde. 

Picea pungens glauca hört. Blaufichte. 
Syn. Picea (Abies) Parryana glauca hört. 
Blue Spruce der Nord-Amerikaner. 
Es ist dies eine Form von hervorragender Schönheit mit ihren regel- 
mäßigen quirlständigen Ästen und starren, dolchspitzigen, rings um die Zweige 
stehenden Blättern, um so mehr, je auffallender die blaue Färbung her- 
vortritt und weil die Färbung auch den Winter über erhalten bleibt, als: 

Picea pungens coerulea hort. 

Syn. Picea (Abies) Parryana coerulea hort. 
bezeichnet man die Pflanzen, welche eine ausgeprägt weißblaue Färbung 
zeigen. 

Picea pungens argentea hort. (Fig. 60.) 

Syn. Picea (Abies) Parryana argentea hort. 

Fälschlich auch Picea Menziesii argentea hort. 
Picea Engelmannii glauca holländischer Gärten. 
Abies Engelmannii glauca holländischer Gärten. 
Eine silberweiße, herrliche Form, von einer Färbung, wie sie bei 
einer Conifere kaum zum zweiten Male angetroffen wird. Solche Pflanzen 
bilden einen auserlesenen Schmuck von um so höherem Werte, da dieselben 
ja nur ausnahmsweise einmal bei Aussaaten gefunden werden;- wir finden 
schon stattliche, zapfentragende Bäume in deutschen Gärten. 

Beim Samenimport ist man bestrebt gewesen, von den im Wuchs wie 
in der Färbung schönsten Bäumen Samen zu sammeln. Die Aussaat wird 
immer nur einen verhältnismäßig geringen Prozentsatz schön blauer Formen 



II. Klasse. Coniferae. 



279 



ergeben, aber dennoch tut man gut, größere Aussaaten zu machen und aus 
diesen die schönsten auszuwählen. Vor allen Dingen erhält man im Wuchs 
viel schönere, regelmäßigere Pflanzen als durch Veredelung. Eine solche 




Fig. 60. Picea pungens Kosteri aus dem Arboretum Späth. 



schöne, silbergraue Form ist z. B. in den Gärten als var. Kosteri be- 
kannt und mit Recht geschätzt; sie wurde in Boskoop aus Samen gezogen. 
Zwei prächtige Formen bezeichnete Weiße-Kamenz i. S., als bekannter 
Züchter auf diesem Gebiet, als „König Albert von Sachsen" und „Fürst 
Bismarck". 



900 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Es ist jedoch nicht tunlich, weitere Formen durch besondere Namen zu 
unterscheiden. Wir können bei Aussaaten locker beästete oder dichtere, 
kompaktere Pflanzen finden, solche mit derberen längeren, feineren und 
kürzeren, bis A. Pinsapo ähnlichen, rings um den Zweig stehenden Blättern; 
die Färbung schwankt von grün, schwachblaugrün bis zu den tiefblauesten 
und silberweißen Tönen. Kommerzienrat Kohl er- Altenburg legte, um dies 
klar zu machen, einst in Hamburg eine Tafel mit 16 verschiedenen Formen 
der Picea pungens vor (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1897, p. 33). Alle 
diese Formen werden, um sie in ihrer Eigentümlichkeit zu erhalten, durch 
Veredelung vermehrt. 

In der Heimat sowohl wie bei Aussaaten sind schöne Trauerformen 
gefunden. 

Purp US fand in den La Sol Moutains in den Hochgebirgen Utahs 
solche herrliche Exemplare, und zwar: 

Picea pungens glauca und argentea pendula, 

tiefblau und schön silberweiß in der Färbung, mit stark abwärts hängen- 
den Hauptästen, die einen herrlichen Anblick gewähren, und führte von 
den schönsten Bäumen Samen ein (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 115 
u. 144 und 1900, p. 46). 

Bei Aussaaten gewannen Koster & Co. -Boskoop, sowie auch Fröbel- 
Zürich schöne blaue Trauerformen, die unter sich kleine Abweichungen 
zeigen (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1898, p. 26 und 1899, p. 110). 

Eine Kriechform gewann An sorge- Kl. Flottbek bei einer Aussaat: 

Picea pungens glauca prostrata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p. 141). 

Eine Form, die, knieholzartig, ohne jeden Mitteltrieb, die Äste flach 
über den Boden ausbreitet und sich zwischen Felsblöcken im botanischen 
Garten in Hamburg ganz eigenartig ausnimmt. 

In der Färbung abweichend sind zwei von Niemetz-Temesvär 
(Ungarn) in Kultur gewonnene Formen (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1905, 
p. 212): 

Picea pungens aurea Niemetz. 

Dieselbe zeigt eine prächtige, goldgelbe Färbung; die schon 
12jährige Mutterpflanze ist ganz beständig. 

Picea pungens flavescens Niemetz. 

Diese Form ist viel matter in der Färbung als vorige; die dem Lichte 
ausgesetzten Blätter zeigen eine weißlich-gelbe Färbung, die ganz eigen- 
artig mit den in den Schattenteilen bläulich bleibenden Blättern kontrastieren. 

Diese prächtige, noch in den rauhesten Lagen, ja selbst noch in 
St. Petersburg harte Fichte ist die Freude eines jeden Coniferenfreundes. 
Wir finden schon zapfentragende Prachtexemplare von bedeutender Höhe in 
deutschen Gärten. Ein besonderer Vorteil ist noch, daß sich diese Schönheit 
ganz besonders widerstandsfähig gegen Rauch, Ruß, Staub und schädliche 
Ausdünstung der Städte erwiesen hat. 

Für den forstlichen Anbau würde die Stechfichte da, wo unsere gewöhn- 
liche Fichte nicht mehr fortkommt, also in nassen, bruchigen und Frostlagen, 



II. Klasse. Coniferae. 281 

in Frage kommen. Die scharfstechenden Nadeln schützen sie vor Wild- 
verbiß, und in forstästhetischer Hinsicht bietet sie einen herrlichen Schmuck. 
Herr Weiße hat in Kamenz i. S. auf dem Hutberge große Anpflanzungen 
gemacht, die später als „blauer Wald" seiner Vaterstadt zum größten 
Schmuck gereichen dürften. In den Kulturen des „Heidekultur- Vereins" von 
Schleswig-Holstein verspricht sie gute Erfolge (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 
1897, p. 86). 

Sektion II. Omorica Willk. Omorikafichten, Fichten mit 
tannenähnlichen Blättern. 

Blätter zweiflächig, tannenähnlich, beiderseits stark gekielt, nur auf der 
oberen Seite ^) Spaltöffnungsreihen besitzend. Alle oder nur die unteren 
Zapfen hängend, die übrigen abstehend oder etwas aufwärts gerichtet. 

a) Zapfenschuppen derb, rundlich, muschelförmig, ganzrandig, fest anliegend. 

20. Picea Breweriana Watson. (in Proc. Am. Acad. n. Ser. XII, p. 378 [1885]. 
Sargent in Gard. Chron. n. Ser. XXV, 493 f., 93, Sarg., Card, and Forest 
1890, p. 63, mit Abbild. Beschreibung und Abbild, in Mitt. d. d. dendr. 
Gesellsch. 1895, p. 42 von St. Paul). Brewers Fichte. Siskiyoufichte. 

(Fig. 61.) 

Im Juni 1884 von Th. Ho well an den nördlichen Abdachungen des 
Siskiyou-Gebirges, nahe der Quellen des Illinois-Flusses in dem nördlichsten 
Teile Kaliforniens bei 2300 m Erhebung auf ziemlich trockenem, felsigem 
Boden entdeckt und zu Ehren des verdienstvollen Professor Brewer benannt. 
Später wurde sie von Mr. Brandegee etwas südlicher in wenigen weit 
zerstreuten Exemplaren aufgefunden, wo sie gemeinsam mit der Douglas- 
tanne, der Zuckerkiefer, Abies concolor und wenigen kleinen Exemplaren 
von Chamaecyparis Lawsoniana wuchs, an beiden Standorten sind etwa 
hundert Bäume gesehen worden. Es gelang den Herren Douglas, Vater und 
Sohn, aus Waukegan reichlich Samen zu ernten, sie sprechen sich begeistert 
über die Schönheit der Bäume aus und entdeckten auch in Oregon noch 
einige Standorte. 

Nach des Autors Urteil ist es eine ungewöhnlich scharf abgegrenzte Art: 
Baum von 30 — 50 m Höhe und einem Stammdurchmesser von 0,30 — 1 m. 
Stamm mit rötlicher Rinde bekleidet. Äste schlank, wagerecht, oft langgestreckt, 
seitliche Zweige dünn, oft 2 — 3 m lang senkrecht, schlaff herabhängend. Zweige 
weichhaarig. Knospen kegelförmig, hellbraun, mit zurückgeschlagenen Schuppen. 
Blätter 12 — 27 mm lang, 1 mm breit, auf dünner Basis sitzend, glatt, stumpf, 
unterseits leicht gerundet oder schwach gekielt, dunkelgrün glänzend, oben 
flach, beiderseits des schwach vortretenden Mittelnervs mit weißen Spalt- 
öffnungslinien. MännHche Blüten dunkelpurpur. Zapfen schmal-zylindrisch. 



^) Daß dies morphologisch richtig die Oberseite ist, erkennt man daran, daß an den 
Wipfeltrieben, wie an allen aufstrebenden Zweigen, wo die Blätter nach allen Seiten abstehen, 
dieselben stets die mit dem weißen Wachsüberzuge bedeckten Spaltöffnungslinien dem Zweige 
zu und die grüne Blattunterseite nach außen kehren, wie dies z. B. auch bei Juniperus, zumal 
bei denen aus der Sektion Oxycedrus der Fall ist. 



282 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, P>eiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 




Fig. 61. Picea Breweriana Wats. 



II. Klasse. Coniferae. 283 

8 cm lang, an der Basis verschmälert; Zapfenschuppen weichhaarig, verkehrt- 
eirund mit rundlich verdicktem, glattem Rande, erst dunkelpurpur, oder grün 
mit purpur, reif gelbbraun. Bracteen lineal-länglich, viermal kürzer als die 
Schuppen. Samen 3 mm lang, mit 9 mm langem, 5 mm breitem Flügel. 

Nach Sargent tritt Picea Breweriana von allen amerikanischen 
Fichten am lokalsten auf und stellt durch ihren eigentümlichen Wuchs die 
auffallendste Erscheinung von allen dar. Mit ihren hängenden Zweigen soll 
sie im Wuchs einer Trauerweide gleichen. Die oben angeführten Abbildungen 
in Gard. and Forest zeigen eine Baumgruppe, deren einzelne Exemplare 
malerischen alten Hängefichten, wie wir sie in Wäldern und Gebirgen finden, 
gleichen, mit schlaff und peitschenförmig lang herabhängenden Zweigen. 

Von den anderen amerikanischen Fichten unterscheidet sie sich durch 
die stumpfen, rundlichen Blätter und die größeren Zapfen, deren dünne 
ganzrandige Schuppen etwas denen der Weißfichte (Picea alba) ähnlich sind, 
sie sind aber breiter und meist fast so breit als die von Picea excelsa, 
welcher dieser Baum außerordentlich ähnlich ist, sowohl in der 
Gestalt wie auch mit den lang herabhängenden Zweigen. Diese bilden das 
untrüglichste Kennzeichen für diesen Baum und hängen dünn und biegsam, 
oft über 2 m strickförmig herab. Die Zapfen, anstatt wie bei den anderen 
amerikanischen Fichten in den Wipfeln der Bäume zu erscheinen, wachsen 
an den unteren Ästen wie bei P. excelsa und hängen an den langen Zweigen 
herab. Der höchste, von Mr. Brandegee gemessene Baum hatte gegen 30 m 
Höhe bei 0,85 m Stammdurchmesser. 

Trotz öfterer Sameneinfuhr ist diese schöne Fichte noch sehr selten 
bei uns in Kultur zu finden. 

Es bleibt nur zu wünschen, daß Picea Breweriana recht bald mehr 
verbreitet werde, daß sie auch hier ihren charakteristischen, dekorativ schönen 
Wuchs beibehalte und sich auch genügend widerstandsfähig in Deutschland 
erweise. Alsdann würden unsere Gärten durch einen auserlesenen Schmuck 
bereichert werden, welcher, der Abbildung nach zu urteilen, den edelsten 
unserer Hängefichten in der Wirkung gleichkommen dürfte. 

Mayr ist der Ansicht, daß die herabhängende Bezweigung als Hoch- 
gebirgsbaum durch das Klima bedingt sei, wie die europäische Fichte sie in 
gleicher Lage zeige, und daß in der wärmeren Ebene die hängende Be- 
zweigung sich größtenteils verlieren müsse. Diese Ansicht hat viel für sich, 
damit ginge für uns der erhoffte dekorative Charakter ganz verloren. Ein 
Urteil wird man darüber also erst in ferneren Zeiten fällen können. 

21. Picea Omorica Pancic. Eine neue Conifere in den östl. Alpen, Belgrad 
1876.1) Omorikafichte. (Fig. 62 u. 63.) 

Syn. Pinus Omorica Panc. 

Omorika, Omora, Morika, Frenja, Volksnamen. 



^) Willkomm, Ein neuer Nadelholzbaum Europas (Zentralbl. für das gesamte Forst- 
wesen 1877, p. 365) und in Wien. Illust. Gartenz,, Dezember 1885. — Bolle, Die Omorika- 
Fichte (Monatsschr. z. Bef. d. Gartb. in d. preuß. Staat. 1877, p. 124, 158. — Purkyne, 
Eine asiatische Conifere in den Balkanländern (Österr. Monatsschr. f. Forstwes., Septemberh. 
1877, p. 446). — Stein, Picea Omorica Panc. Gartenflora 1887, p. 13, mit Abbild. 



^ 



284 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

In rauhen Berggegenden des südwestlichen Serbiens, in Bosnien und in 
Montenegro in einer Erhebung von 630 — 1300 m, auch in West-Bulgarien 
vorkommend, und hier „Morika" genannt. 

Ein höchst interessanter Baum, welcher einzeln oder horstweise in 
Laubholzwaldungen, meist in unzugänglichen Schluchten vorkommt, jedenfalls 




Fig. 62. Picea Omorica Panc. 

früher in großen Beständen vorhanden gewesen sein muß und wohl durch 
unvernünftiges Abholzen ausgerottet und auf die jetzigen wenigen Standorte 
beschränkt wurde, da der Name „Omorica" heute noch im Munde des 
Volkes allgemein ist. Professor Dr. Pancic in Belgrad, ein eifriger, besonders 
für seine heimische Flora begeisterter und sehr tätiger Botaniker, entdeckte 
1872 bei Zaovina in Serbien dieselbe, benannte und verbreitete sie durch 
Samensendungen in die europäischen Gärten und hat, wie mir ein junger in 



II. Klasse. Coniferae. 



285 



Bonn studierender Serbe mitteilte, 
auch in einem Sars^e von Omorika- 



letzte Ruhestätte ge- 



holz seine 
funden. 

Picea Omorica ist ein hoher, 
schlanker Baum, im Wuchs fast 
einer Säulenzypresse vergleichbar. 
Pancic ließ einen Stamm fällen, 
der 42,2 m Höhe, 38,5 cm Durch- 
messer hatte und 137 Jahresringe 
zählte. Die Krone ist schmal, kegel-, 
fast säulenförmig, die Äste sind 
kurz von ^j^ — 2 m Länge, oben auf- 
recht-abstehend, in der Mitte wage- 
recht und die unteren überhängend 
mit wieder aufstrebender Spitze, 
wodurch der Baum ein besonders 
zierliches Aussehen erhält, gehoben 
noch durch die silbergrau -schim- 
mernden Blätter. Der Stamm ist 
mit dünner, kaffeebrauner, in Platten 
sich lösender Rinde bekleidet und 
reinigt sich im dichten Stand bis 
zur halben Höhe. Die Zweige sind 
feinfilzig und durch die walzen- 
förmigen, wagerecht - abstehenden 
Blattkissen sehr höckerig, Blätter 
lineal, 8 — 14 mm lang, 1^/2 mm breit, 
zusammengedrückt- vierkantig , bei- 
derseits gekielt, oberseits mit weißen 
Spaltöffnungsreihen, unten glän- 
zend-dunkelgrün mit breiter Basis 
dem Blattkissen aufsitzend, an der 
Spitze abgerundet in eine kurze 
Knorpelspitze endigend, an den 
horizontalen Zweigen mehrreihig- 
zweizeilig angeordnet. Männliche 
Blüten sehr zahlreich, einzeln gegen- 
ständig oder quirlig gehäuft, ei- 
rund-länglich, gestielt, 12 — 15 mm 
lang, schön hellrot und sich reizend 
gegen die silbergrauen Blätter ab- 
hebend. Weibliche Blüten an den 
oberen Ästen auf kurzen Zweigen, 
einzeln aber gedrängt, kurzgestielt, 
aufrecht, länglich, purpurviolett. Fig. 63. Picea Omorica Panc. aus dem Arboretum Späth. 

Zapfen eirund-länglich, 4 — 6 cm lang, 2 — 2^/2 cm breit, jung bläulich-schwarz, reif 
glänzend-zimmetbraun, horizontal-abstehend oder hängend, die obersten auch 




286 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

wohl aufrecht; Zapfenschuppen breit, sehr konvex, mit einwärts gebogenem, 
welHg gezähneltem Rande, außen fein gestreift. Samen 2^/^ — 3 mm lang, 
verkehrt -eirund -zusammengedrückt, schwarzbraun mit verkehrt -eirundem, 
bräunlichem, 8 mm langem Flügel. Sie reifen im August und fliegen bald 
darauf aus, die leeren Zapfen fallen erst später ab. 

Nach Pancic dürfte das Holz, welches nach Bearbeitungsproben die 
Mitte zwischen dem Linden- und dem Fichtenholz halten soll, weniger zu 
Brettern taugen, da es starke Längsrisse zeigte, sondern vielmehr als ganzer 
Baum seines schlanken Wuchses und der dünnen Äste wegen, die geringe 
Astspuren zurücklassen, zu Mastbäumen sich eignen und vermutet der Autor, 
daß der Baum für diesen Zweck von den Venetianern ausgerottet sein dürfte, 
da von der Adria bis zur Donau der Name „Omorika" dem Volke wohl 
bekannt und selbst in Volksliedern vorkommt. 

Zunächst verwandt ist die Omorikafichte der Ajanfichte und der 
Sitkafichte, mit beiden hat sie die an der Blattoberseite befindlichen weißen 
Spaltöffnungslinien gemein und teilt mit erster die stumpfgespitzten Blätter, 
während die Sitkafichte scharfgespitzte Blätter besitzt, außerdem ist sie von 
beiden durch die Gestalt und Stellung der Zapfen verschieden. Pancic hielt 
die Omorikafichte zuerst für eine Form der Picea orientalis, die jedoch als 
eine echte Fichte mit vierkantigen Blättern sehr abweicht. In pflanzen- 
geographischer Hinsicht höchst interessant ist es, daß die europäische 
Omorikafichte ihre nächsten Verwandten in so ungeheurer Entfernung, in 
Ostasien und im westlichen Nord-Amerika hat. Purkyne glaubt diesen 
Umstand dahin erklären zu sollen, daß auf dem ganzen Zwischengebiete der 
P. Omorica ähnliche Fichten vorgekommen sein möchten, die später zugrunde 
gingen und nach Conwentz (Gartenflora 1886, p. 692) und nach Stein in 
der Gartenflora 1887, p. 13 wäre die „Bernsteinfichte", welche einst in 
ungeheuren Waldungen Nordeuropa und Asien bewohnte, eine nahe Ver- 
wandte der P. Omorica und wäre somit gewissermaßen eine Verbindung 
zwischen den jetzt durch tausende von Meilen voneinander getrennten Ver- 
wandten hergestellt. 

Diese reizende Fichte hat sich bei uns als ein durchaus frostharter, 
freudig gedeihender Baum gezeigt, der mit seinem schmalen, fast säulen- 
förmigen Wuchs, dem Silberschimmer der Belaubung, im Schmück der kleinen 
blauschwarzen Zapfen schon in Prachtexemplaren von über 10 m Höhe ver- 
treten ist und sicher dauernd einen Platz als hervorragender Zierbaum be- 
haupten wird. Ob er auch als Forstbaum, unter bestimmten Verhältnissen, 
Vorteile bieten wird, müssen Kulturversuche ergeben. 

Bei Fröbel in Zürich, welcher die Omorika zuerst verbreitete, wurden 
fruchttragende Zweige veredelt, welche mit tannenähnlichen, derben, oben silber- 
weißen Blättern sich reizend ausnehmen, aber von Samenpflanzen (gewonnen von 
Samen des gleichen Zweiges) die, noch nicht charakterisiert, wie bei allen 
anderen Fichten, noch mit feineren, dünneren, spitzeren Blättern naturgemäß 
ganz abweichend sich zeigten. Man sieht hieran wieder, wie man nach jungen 
Pflanzen sich noch gar kein Urteil über ihren späteren Zierwert bilden kann, 
es muß erst eine weitere Entwickelung abgewartet werden, und sollten 
Züchter vermeiden, junge, unentwickelte Pflanzen durch Veredelung 
fortzupflanzen, da solche nicht nur länger in der Jugendform verharren. 



II. Klasse. Cöniferae. 287 

sondern auch erst weit später sich zu normalen Pflanzen ausbilden werden. 
Überhaupt weichen fruchttragende und unfruchtbare Zweige bei Coniferen oft 
sehr voneinander ab, wie dies besonders bei Fichten und Tannen hervortritt. 
An den schönen, üppigen Kulturbäumen von Picea Omorica kann man so 
recht deutlich die allmähliche Umbildung der Blätter beobachten. 

22. Picea spinulosa Griff. Dornfichte. 

Syn. Abies spinulosa Griff., Journ. of Travels, p. 259 (1847), Itin., Notes, 

p. 145 (1848) et Icon. Plant. Asiat, t. 363 (1854). 
Picea morindoides Rehder in Sarg. Trees and Shrubs 2. Heft, 

p. 95, mit Abbild., Taf. XLVIII. (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 

1903, p. 69, 70 und 1906, p. 83; Gard. Chron. 1906, p. 218 

[Dr. Aug. Henry]). 
Picea Alcockiana var. morindoides Mottet, Conif. et Taxac, p. 273 

(1902), ohne Beschreibung. 

Von Griffith 1847 in den Rodoli-Bergen in Bhutan (Himalaya) entdeckt 
und der feinen, scharfgespitzten Blätter halber als Dornfichte bezeichnet. Der 
Baum ist selten in Sikkim und im Chumbithal, in Erhebungen von 2800 bis 
3300 m. Hooker fand diese Fichte 1849 in Sikkim, stellte richtig Griffiths 
Species fest, vereinigte sie aber später unglücklicherweise mit Picea Morinda 
Lk., die gar nicht in Sikkim und Bhutan heimisch, sondern auf den Nordwest- 
Himalaya und Afghanistan beschränkt ist. 

Baum mit quirlig ausgebreiteten Ästen und dünnen hängenden Zweigen, 
so daß eine elegante hängende Tracht, wie bei Picea Morinda gebildet wird. 
Blätter lineal gerade und dünn, von 2,5 — 3,5 cm Länge und 0,7 — 1,2 mm 
Breite, zugespitzt und in eine starre, scharfe Spitze auslaufend, etwas flach 
und deutlich gekielt, an der Oberseite (bei rhombischem Durchschnitt) mit 
6 — 8 weißen Spaltöffnungsreihen, unterseits dunkelblaugrün; unter der Epi- 
dermis rings herum mit einer Lage mechanischer Zellen, verdoppelt unter 
dem Kiel an jeder Seite, gewöhnlich mit zwei Harzgängen an der Unterseite, 
dicht an der Epidermis; Blattkissen dünne, vorwärts gespitzt, nicht oder nur 
leicht verdickt an der Basis. Zapfen länglich, etwa 8 cm lang, 4 cm breit 
wenn offen oder 3 cm geschlossen; Schuppen grünlich oder rötlich-grün, jung 
mit purpurnem Rand, reif gelbbraun glänzend, spatelförmig-verkehrt-eirund, 
2 cm lang, 1,2 cm breit, am oberen Teil rhombisch mit abgestutzter Spitze, 
fein gesägt, mit dünnem welligem Rande, jung angedrückt, aufwärts spreizend, 
und ziemlich dünn und biegsam zur Reife; Bracteen längHch-eiförmig, spitz, 
4 — 5 mm lang; Samen verkehrt-eirund, 5 mm lang, hellgraubraun, mit läng- 
lichem, durchsichtigem, 1,2 cm langem Flügel. 

Vorstehende Beschreibung gab Rehder nach einem schönen, eleganten 
Exemplar, welches im Arboretum des Herrn Allard in la Maulevrie bei 
Angers (Frankreich) steht, unbekannten Ursprungs, unter der Bezeichnung Picea 
microsperma. Das Material, welches auch ich untersuchen konnte, gab An- 
haltspunkte für die nächste Verwandtschaft und der Gedanke lag nahe, daß 
auch an anderen Orten diese Fichte eingeführt sein konnte. Dr. Henry, 
„A New Himalayan Spruce" in Gard. Chron. 1906, p. 132, hat nun nach- 
gewiesen, daß ein Sammler in Chumbi bei 3000 — 3300 m Erhebung 1877 



288 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten. 

diese flachblättrige Fichte gefunden, und Sir George King damals Samen in 
verschiedene europäische Gärten eingeführt hat. Sie dürfte gewiß öfter mit 
P. Morinda verwechselt sein. Dr. Henry fand dann auch in ^astelwellan 
Co. Down, der Besitzung des Lord Annes ly, einen schönen Baum von 7 m 
Höhe und 0,50 m Stammumfang und einer Ausbreitung der Äste von 13 m 
(Abbild. Gard. Chron. 1906, p. 218 u. 274). Diese Abbildung zeigt eine 
schöne, volle, schlanke Pyramide mit überhängender, leichter Bezweigung. 
Hoffentlich bürgert sich dieser elegante Baum jetzt mehr ein, in Kultur dürfte 
er sich wie P. Morinda verhalten und danach zu behandeln sein. 

Weiter wären hier noch zwei neuerdings aus China eingeführte 
Fichten einzureihen: 

23. Picea complauata Mast, (in Gard. Chron. 1906, p. 147, mit Abbild. No. 57). 

Flachblättrige Fichte. 

Im westlichen China in Wäldern der Provinz Szechuen in einer Er- 
hebung von 1700 — 2300 m von Wilson gesammelt. 

Baum von 13 — 33 m Höhe. Zweige glatt, orangenbraun. Blattkissen 
vorstehend, länglich unsymmetrisch, schief-dreiseitig. Knospen eirund, kugel- 
förmig, bedeckt mit lederartigen, glänzend braunen, länglichen Schuppen. 
Blätter 20 — 23 mm lang, 1 mm breit, lineal, spitz, flach, mit beiderseits 
vortretenden Nerven, oberseits mit blauen Spaltöffnungsreihen, unten grün. 
Junger Zapfen purpurrot, reif braunrot, 13 — 14 cm lang, in der Mitte 3 cm 
breit, zylindrisch-kegelförmig; Schuppen leicht angedrückt, braun, länglich 
oder rundlich, am Rande gezähnelt und leicht umgebogen. Samen mit 
langem, braunrotem, häutigem Flügel. Das Holz wird als Nutzholz ver- 
wendet. 

Eine schöne, zur Sektion Omorica zu rechnende Fichte, deren Blätter, 
obgleich kaum vierseitig, nicht so ausgeprägt flach sind als bei anderen 
Arten. Sie ist der Picea spinulosa zunächst verwandt. 



24. Picea purpurea Mast, (in Linn. Soc. Journ. Bot. XXXVII, November 1906). 

Purpurfichte. 

Im westlichen China in Wäldern bei Sung Pan, nahe Tibet, in einer 
Erhebung von 3200 — 3700 m von Wilson gesammelt. 

Baum von 20 m Höhe, ältere Äste grau, Blattkissen etwas vorstehend, 
an der Spitze gleich stark, abstehend. Junge Zweige orangengelb, dicht- 
borstig, Blattnarben fast elliptisch, etwas eckig. Knospen breit -eiförmig, 
mit breit-länglichen, fast lederartigen, rostfarbigen Schuppen bekleidet. 
Blätter 10 — 12 mm lang, lineal, spitz, gebogen, flach, oberseits gefurcht, 
blaugrün, unten mit vorstehendem Mittelnerv, gekielt, beiderseits mit Spalt- 
öffnungen. Unreife Zapfen 5 — 6 cm lang, purpurfarbig, länglich- 
zylindrisch, zugespitzt; Schuppen fast lederartig, breit-länglich, nach oben 
verlängert, an den Rändern wellig. Samen mit geradem, häutigem, schlauch- 
förmigem Flügel. 

Eine sehr bemerkenswerte Art der flachblättrigen Sektion, unter- 
schieden durch die Rinde, Blätter und Zapfen. 



f 



II. Klasse. Coniferae. 289 

b) Zapfenschuppen locker, dünn, ausgefressen-gezähnelf. 

25. Picea ajanensis Fisch, (in Trautvett. et Meyer, Florul. ochotensis, in 

Middendorffs Reise p. 87, t. 22—24 (1856); Maximowicz, Primit. Flor. amur. 

1859). Ajanfichte. (Fig. 64.) 

Syn. Abies jezoensis Sieb, et Zucc, Fl. Jap. II, p. 119, t. 110 (1842). 
„ „ Maxim, in Bull. Acad. St. Pet. XV., p. 235. 

„ ajanensis Lindl. et Gord., Journ. Hort. soc. Lond. V, p. 212 

(1850). 
Picea jezoensis Carr., Trait. gen. d. Conil. I. ed., 255 (1855). 
Abies Alcoquiana J. G. Veitch in Gard. Chron. (1861), p. 23 und 

der meisten Gärten. (Verwechselt, siehe Anmerkung bei 

Picea Alcockiana.) 
Pinus Menziesii Pari, in D. C. Prod. XVI, 2., p. 418 (1868) (die 

asiatische Pflanze mit Ausschluß d. Syn.). 
Abies sitchensis Koch, Dendr. IL, p. 247 (1873) zum Teil, nicht 

Bongard. Koch wirft gleich Pariatore fälschlich P. ajanensis 

und P. sitchensis zusammen. 
Tsuga ajanensis Rgl. Russ. Dendr. 2. Aufl., p. 39. 
Picea Yezomomi hört. 
Eso-matzu, Kuro-matzu, Shunku in Japan. 

Von Ajan längs der Ostküste Sibiriens bis zum Amurgebiete, auf der 
Insel Sachalin und in Japan auf den Hochgebirgen von Eso vorkommend. 

Im Jahre 1861 von J. G. Veitch aus Japan eingeführt mit Samen der 
Picea Alcockiana Carr., daher als P. (Abies) Alcockiana hört, fälschlich ver- 
breitet und noch unter diesem Namen in manchen Gärten in Kultur (siehe 
genaueres bei P. Alcockiana Carr.). 

Nach Fr. Schmidt (Reisen im Amurland und auf der Insel Sachalin 
in Memoir. de l'Acad. Imp. d. Scienc. de St. Petersb. VII. Ser. Tome XII. 
No. 2) wächst Picea ajanensis am Amurflusse im sumpfigen Walde zusammen 
mit Larix und mit Unterholz von Pinus pumila und Rhododendron 
chrysanthum. Nach Maximowicz bildet die Ajanfichte mit Larix dahurica 
im Tal am untern Amgun dichte Waldungen, kommt aber am Amgun sonst 
meist auf höheren Bergkuppen vor. Je näher den Quellen des Kerbi, desto 
häufiger tritt sie auf und bewaldet sumpfige Flächen. An der oberen Bureja 
ist sie meist Niederungsbaum an den Ufern der Gebirgsflüsse. Nach 
Middendorff wächst sie an den Küsten des ochotskischen Meeres vorzugs- 
weise auf Höhen. Auf der Insel Sachalin bildet P. ajanensis mit Abies 
sachalinensis den Hauptbestand auf den südlichen Gebirgen, kommt aber 
auch im Norden und Osten vor. Schmidt nennt ihn den Charakterbaum 
des Küstenlandes. 

Picea ajanensis ist im Wuchs der P. excelsa ähnlich, jedoch noch 
zierlicher und kommt je nach Boden und Standort als hoher oder kleinerer 
Baum vor. Durch ihr frisches Grün, hervorgerufen durch die glänzend grüne 
Blattunterseite, gegen die sich die weißblaue Blattoberseite auffallend abhebt, 
unterscheidet sie sich schon von weitem von P. obovata, deren vierseitige 
Blätter, jederseits mit weißen Spaltöffnungsreihen bedeckt, matt erscheinen. 
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 19 



290 



Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten. 



Nach Fr. Schmidt ändert übrigens Picea ajanensis sehr in der Blattform 
und Färbung, die Blätter sind entweder stachelspitzig oder ganz stumpf, unten 
grün und oben bläulich-weiß und stehen dann zweizeilig, oder sie stehen 
bürstenförmig dicht gedrängt auf der Oberseite der Zweige und sind dann 
beiderseits bläulich- weiß bereift oder grün, je nach Alter und Standort. Die 
Rinde ist ziemlich glatt und löst sich in kleinen, sechseckigen, dünnen Stücken 
ab, während die von P. obovata, ähnlich wie auch bei P. excelsa, wie mit 
Schuppen bedeckt erscheint. Die jungen Zweige sind hellgelbbraun mit hori- 
zontal und sehr abstehenden Blattkissen, Blätter 1 — 2 cm lang, 1^/2 — 2 mm 
breit, lineal, gebogen, durch den beiderseits wenig vortretenden Mittelnerv 
flach-zusammengedrückt, ganzrandig, meist stumpf-gespitzt oder seltener spitz- 
lich, oberseits mit sechs Spaltöffnungslinien unter einem silberweißen Wachs- 
überzuge, andererseits glänzend dunkelgrün. Die Zapfen sind 3 — 5, auch 6 




Fig. 64. Picea ajanensis Fisch, l Zapfen; 2 Blatt vom Fruchtzweig; 3 Blattspitze, vergr.; 
4 Blattdurchschnitt, vergr.; 5 Zapfenschuppe; 6 Samen; 7 unfruchtbarer Zweig. 

bis 8 cm (nach Mayr) lang, 1^/2 — 2 cm breit, elliptisch oder schief-länglich, an 
beiden Enden abgerundet, stehen einzeln an den Spitzen der Zweige, jung 
purpurfarben und schön gegen die Belaubung abstechend, reif hellbraun. 
Zapfenschuppen elliptisch oder länglich-elliptisch, am Rande sehr dünn, wellig- 
ausgerandet und ausgefressen-gezähnelt, auf dem Rücken gestreift, Bracteen 
sehr klein, länglich-elliptisch, kurz gespitzt, drei- bis viermal kürzer als die 
Schuppen. Samen 2 mm lang mit 5 mm langen, 3 mm breiten Flügeln. 
Middendorff unterscheidet zwei Formen: 

a) Picea ajanensis genuina mit Zapfenschuppen, die an der Spitze ent- 
weder abgerundet oder abgestutzt oder ausgerandet und am Rande deutlich 
unregelmäßig gezähnelt sind, welche Form auf dem Stanowoi-Gebirge bei 
Udskoi und auf der Insel Schantar von ihm entdeckt wurde und: 

b) Picea ajanensis subintegerrima mit Zapfenschuppen, welche an 
der Spitze ausgerandet, fast ganzrandig oder ausgeschweift-gezähnelt sind 
und bei Uessj-Samach und am Niman-Flusse gefunden wurde. 



II. Klasse. Coniferae. 291 

Wir sehen also, daß auch diese weitverbreitete Fichte ähnliche Ab- 
weichungen, wie unsere gemeine Fichte, in Blättern wie Zapfenschuppen zeigt, 
was ja nur natürlich ist. 

Picea sitkaensis Carr., welche P. ajanensis nahe steht, ist durch die nach 
der Spitze zu verschmälerten, scharf-gespitzten Blätter, welche durch die 
beiderseits sehr vorstehenden Mittelnerven mehr viereckig sind und durch 
die viel größeren lanzettlich-zugespitzten Bracteen der Zapfen verschieden. 

Nach Maxim owicz steht Picea ajanensis auch der P. (Abies) jezoensis 
Sieb, et Zucc, Fl. jap., p. 19, t. 110, nahe, ja sie dürfte ihr gleich sein. Die 
Ajanfichte zeigt die Eigentümlichkeit, daß, wie es auch an P. excelsa häufig 
vorkommt, an den jungen Jahrestrieben durch Stiche einer Chermes-Art 
Gallen (Anschwellungen) sich bilden, die öfter noch Blätter tragen, nach dem 
Ausschlüpfen der Insekten im trockenen Zustande eine entfernte Ähnlichkeit 
mit Zapfen haben und Maximowicz fügt hinzu, daß man auf der zitierten 
Abbildung der Fl. jap. etwas ähnliches sähe und weiter, daß der von Siebold 
zu Abies jezoensis zitierte Volksname: Ssungi in Sachalin auch für P. 
ajanensis gebraucht werde (jedenfalls ein Beleg dafür, daß beide Pflanzen 
sich sehr nahe stehen). Zweige mit solchen Gallenbildungen wurden auch 
von Japan nach England gebracht und Lindley ließ sich durch dieselben 
täuschen und begründete auf dieses Material hin die Gattung Veitchia 
Lindl. in Gord. Pinet. Supl. 105 und nannte die Pflanze Veitchia japonica, 
eine Bezeichnung, die somit keine Berechtigung hat. 

Da die Ajanfichte den meisten älteren Autoren unbekannt war, so 
erklärt sich daraus die Verwechselung derselben mit Picea sitkaensis Carr., 
P. Alcockiana Carr. (P. acicularis Maxim.), und gar mit P. obovata Ledeb. 
und P. Schrenkiana Fisch, et Mey. 

Picea ajanensis microsperma Mast. (Gard. Chron. 1879). Hondofichte. 

Syn. Abies microsperma Lindl., Gard. Chron., p. 22 (1861). 

Picea microsperma Carr., Trait. gen. d. Conif., p. 339 (1867). 
„ ajanensis japonica Maxim, in schedis, iter secundum. 
„ hondoensis Mayr, Abietin. d. jap. Reiches 1890, p. 51, Taf. IV, 9. 
Tohi der Japaner. 
Mayr sieht diese nur auf den Hochgebirgen des mittleren Japans, 
zwischen dem 35^/2- — 38. ^ n. Br. vorkommende Fichte als besondere Art an, 
worin ihm bis heute kein Autor zustimmt (man vergleiche Koehne, Dendr. 
1893, p. 24, Kent in Veitch. Man. 1900, p. 425; Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 
1902, p. 85). Die meisten ignorieren diese vermeintliche Art. Jedenfalls 
kann hier nur von einer klimatischen Varietät die Rede sein; für eine 
solche mögen hier die Unterschiede, die nur das geübte Auge eines Kenners 
herauszufinden vermag, wie sie sich an Kulturpflanzen bei uns zeigen, folgen: 
Die Hondofichte hat rötlich-braune, glänzende, ausgereifte Zweige, 
stumpfere, kürzere, dichter stehende, mehr dem Zweige anliegende, oberseits 
silberweiße, unten mehr stumpf-dunkelgrüne Nadeln. Die Blattkissen sind 
mehr birnförmig verdickt, gefurcht und nach vorn gerichtet. 

Der Zapfen ist etwas kürzer, bis 6—7 cm lang, öfter etwas gekrümmt, 
jung rötlich angehaucht, vor der Reife hellgrün. Mayr, Fremdl. Wald- und 

19* 



OQO Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Parkb. 1906, p. 328, maß einen Baum von 23 m Höhe und 0,73 m Stamm- 
durchmesser; ältere Stämme tragen eine kleinschuppige, dunkelgraue Borke, 
das Kernholz ist schwach rosa gefärbt. 

Demgegenüber zeigt die Ajanfichte einen gelbgrün glänzenden aus- 
gereiften Trieb, längere, weiter vom Zweige abstehende, mehr zugespitzte, 
in eine Grannenspitze auslaufende, oberseits blauweiße, unten stärker glänzende 
grüne Blätter. Die Blattkissen, ohne Anschwellung, sind rückwärts gerichtet. 
Die Zapfen sind etwas länger, bis 8 cm lang. 

Für die Praxis am wichtigsten aber ist, daß die typische Ajanfichte 
frühzeitig treibt und deshalb, wie dies auch bei anderen hochnordischen 
Coniferen vorkommt, an ihr ungünstigen Standorten von Spätfrösten leidet 
und deshalb oft mit verkrüppelten Trieben angetroffen wird und an manchen 
Orten gar nicht aufzubringen ist. 

Die später austreibende Hondofichte ist dieser Gefahr nicht ausgesetzt 
und ist deshalb für uns die dekorativ wertvollste, und zwar finden wir 
bereits in Deutschland wahre Prachtexemplare, reichlich Zapfen tragend, ein 
auserlesener Schmuck mit ihrer vollen Bezweigung und der einerseits matt- 
dunkelgrünen, andererseits silberglänzenden Belaubung, die besonders zur 
Geltung kommt, wenn der Wind in den Zweigen spielt, oder die Sonne diese 
reizende Fichte in erhöhtem Maße erglänzen läßt. 

Ob die Ajanfichte in passenden Lagen als Forstbaum in Betracht 
kommt, müssen Versuche ergeben; in forstästhetischer Hinsicht aber wird sie 
auch unseren Wäldern zur höchsten Zierde gereichen. 

Picea ajanensis aurea P. Smith. 

Eine von Herrn Peter Smith in Bergedorf bei Aussaaten gewonnene, 
goldgelb schimmernde Form, an welcher die Färbung besonders zu Anfang 
des Sommers auffallend hervortritt, indem die Oberseiten der Blätter wie 
bronziert erscheinen. Im Bonner botanischen Garten, im nahrhaften Boden, 
hat ein Exemplar diese Färbung ganz verloren. 

26. Picea sitkaensis^) Carr. (Conif. 1. ed., p. 260 [1855]; Trautv. et Mey. 
Florul. ochotensis 1856). Sitkafichte. (Fig. 65.) 

Syn. Pinus sitchensis Bong, in Mem. Acad. St. Petersb. VI, Ser. II, 

p. 104 (1832). 
Abies Menziesii Lindl. in Penn. Cyclop. I, p. 32 (1833). 
Pinus Menziesii Dougl. msc. Lamb., Pin. III, t. 89 (1837) 
Abies Menziesii Loud., Arb. IV, p. 2321 (1838). 

„ sitchensis Lindl. et Gord., Journ. hört. Soc. V, p. 212 (1850). 
Picea Menziesii Carr., 2. ed., p. 318 (1867). 

„ sitkaensis Mayr, in Wald. N.-Am. p. 338 (1890). 
Tideland-Spruce (Stromlandfichte) der Nord-Amerikaner. 



^) Die Schreibweisen Insel Sitka wie Sitcha sind gebräuchlich, die meisten Autoren 
schreiben Picea sitchensis, Pariatore schreibt sitkensis. Dr. Mayr in „Die Wald. Nord- 
Amerikas" schlägt die Schreibweise P. sitkaensis vor, welche ja, gleich der Bezeichnung 
nutkaensis (von der Nutka-Bucht stammend), jedenfalls ihre Berechtigung hat, um so mehr, 
da meist Insel Sitka geschrieben wird. 



II. Klasse. Coniferae. 



293 



Im nordwestlichen Nord-Amerika zwischen dem 57. — 40. ^ n. Br. vom 
Meeresstrande bis zu 2100 m aufsteigend. Auf der Insel Sitka und Vancouver, 
in Brit. Kolumbien, Nord-Kalifornien, Kolorado. In Oregon und im Washington- 
Territorium macht sie mit Pseudotsuga Douglasii und Thuya gigantea Nutt. 
in dichten Beständen die Hauptvegetation des Küstengebirges aus. Liebt 
feuchten Boden und Flußufer und ist der nördlichen pazifischen Küste eigen- 
tümlich, meist in nassem, sandigem Boden. 

Im Jahre 1831 von David Douglas in Europa eingeführt. 

Hoher Baum von über 60 m Höhe und bis 3 m Stammdurchmesser, 
von streng pyramidalem Wuchs mit schlankem, mit dünner rotbrauner Rinde 
bekleidetem Stamm. Äste quirlständig, steif abstehend, die oberen aufstrebend. 




Fig. 65. Picea sitkaensis Carr. 1 reifer Zapfen, aufgesprungen; 2 Zapfenschuppe von außen mit Bractee 

3 Samen; 4 unfruchtbarer Zweig. 



Zweige dick, steif und kahl, die jungen ausgereiften gelbgrün glänzend, durch 
die sehr abstehenden Blattkissen rauh, höckerig. Knospen eirund-spitz, rötlich 
glänzend. Blätter sehr dünn, 12 — 18 mm lang, kaum 1 mm breit, steif, gerade 
oder an der oberen Seite der Zweige etwas gebogen, an üppigen Trieben 
nach allen Seiten und oft wagerecht abstehend, an unteren horizontalen 
Zweigen fast zweizeilig, beiderseits gekielt, flach-zusammengedrückt-vierkantig, 
unterseits dunkelgrün, oberseits mit bläulich-weißen Spaltöffnungslinien, scharf 
nadelgleich zugespitzt. Männliche Blüten dunkelrot. Zapfen eirund-zylindrisch, 
5 — 8 cm lang, 2^/2 — 3 cm breit, hängend, vor der Reife gelbgrün, oft rot an- 
gehaucht, reif glänzend, blaßgelb; Zapfenschuppen länglich-abgerundet, dünn, 
ausgefressen-gezähnelt. Bracteen ansehnlich, lanzettlich, steif, ^/g oder 1/2 so 
lang als die Schuppe. Samen klein und dünn, 2—3 mm lang, braun, mit 
zwei- bis dreimal so langem schmal-länglichem, wenig schiefem Flügel. 



9Q4 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Nach Engelmann, Newberry und Gibbons ist Picea sitkaensis einer 
der wichtigsten Nutzholzbäume. Das Holz ist außerordentlich wertvoll als 
Bauholz, von bester Qualität, fein geädert und von blasser Farbe, deshalb 
sollte die Sitkafichte, welche sich in unseren Kulturen ganz hart zeigt, auch 
immer mehr zur Forstkultur herangezogen werden, zumal sie schon in manchen 
Gegenden Deutschlands, in forstliche Kultur genommen, ein gutes Gedeihen 
zeigt. Man muß Kulturversuche, ihrem Vorkommen entsprechend, allerdings 
nur in genügend tiefgründigem, feuchtem Boden vornehmen. Ja, in Erlen- 
brüchen und auf ähnlichen nassen Standorten hat sie sich trefflich bewährt, 
beim Grafen Wilamowitz in Gadow bei Lanz sah ich prächtige Bestände 
mit meterlangen Jahrestrieben, ebenso beim Fürsten Bismarck in Friedrichs- 
ruh, beim Fürsten Knyphausen in Ostfriesland. In den Kulturen des Heide- 
kulturvereins in Schleswig-Holstein hat sie sich glänzend bewährt und unsere 
Fichte um das Doppelte überholt. Schwappach bestätigt das freudige 
Wachstum und Gedeihen für die preußischen Forsten, Hartwig für die 
bayrischen Forsten. (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1895, p. 56; 1897, p. 86; 
1899, p. 17; 1901, p. 21, 25, 32, mit Abbild, eines Stammes aus Brit. Kolumbien.) 
Nach diesen trefflichen Resultaten, die doch deutlicher als alle Empfehlungen 
reden, nimmt sich Mayrs absprechendes Urteil in Fremdl. Wald- u. Parkb., 
p. 338 wunderbar aus, er dürfte wohl vereinzelt damit dastehen. — Auf 
günstigen Standorten, besonders im tiefen, nahrhaften Lehmboden, finden wir 
in Deutschland schon Prachtexemplare von über 25 m Höhe, die mit ihren 
feinen, nadelspitzen, stahlblau schimmernden Blättern sich reizend ausnehmen, 
als Parkbaum eine Zierde ersten Ranges bilden und sich sofort vor anderen 
Fichten auszeichnen, auch keimfähige Samen brachten. In trockenem, magerem, 
heißem Boden, besonders aber im Kalkboden, krüppelt sie, erscheint oft als 
jämmerlicher Busch, der die unteren Blätter abstößt, und man sollte sie in 
solchen zu lufttrockenen Lagen besser nicht pflanzen. 

Picea sitkaensis (Menziesii) ist früher auch mit P. pungens Engelm. 
(s. daselbst) verwechselt worden, und noch heute findet man z. B. die silber- 
graue Form der letzteren irrtümlich als P. Menziesii argentea in den 
Gärten. Einerseits hierdurch, andererseits dadurch, daß zwei Formen, ver- 
schieden in Üppigkeit und Wuchs, vorkommen, erklärt es sich, daß P. sitkaensis 
und P. Menziesii oft noch in den Gärten von weniger Kundigen als zwei 
verschiedene Pflanzen betrachtet und verbreitet werden. Nach dem Urteil 
aller Autoren gelten aber beide Namen derselben Pflanze und zwar 
muß der ältere Name P. sitkaensis vor P. Menziesii den Vorzug haben, denn 
Bongard benannte den Baum schon 1832, während Lindl. den Namen Abies 
Menziesii 1833 gab, außerdem ist die Sitkafichte in Amerika allgemein 
als P. sitkaensis bekannt, wenn auch anfänglich der Baum in Europa 
meist als P. Menziesii, zu Ehren von Archibald Menzies, der sie in Puget 
Sound schon 1793 entdeckte, ohne sie jedoch einzuführen, bezeichnet wurde 
und Endlicher in Syn. Conif., p. 123, Pinus sitkaensis Bong, als eine noch 
nicht genügend bekannte Art beschreibt. 

Früher wurde in Handelsgärten Picea Menziesii als die schlanker und 
üppiger aufwachsende Pflanze bezeichnet, während als P. sitkaensis eine 
Pflanze, meist langsamer, gedrungener und schwächer von Wuchs als vorige, 



II. Klasse. Coniferae. 295 

mit aufstrebenden Ästen und Zweigen, mit kürzeren, steiferen, oberseits 
leuchtend-hellblauen Blättern bezeichnet wurde. 

Wir haben also entschieden zwei charakteristische Formen in 
den Gärten zu unterscheiden, nämlich die obengenannte in der Praxis, 
als Picea Menziesii bezeichnete, schnellwüchsige Pflanze, welche in den 
verschiedensten Gegenden, Bodenverhältnissen und Lagen sich im Wachstum 
gleich verhält und daher allein in Betracht kommt, wenn es sich um 
Nutzpflanzungen, also um forstlichen Anbau handelt. Dr. Bolle 
besitzt von dieser Form (Menziesii) einen 13 m hohen üppigen Baum, während 
die oben beschriebene, schwachwüchsige Form (sitkaensis) kaum 6 m erreicht 
hatte. Herr Schober, welcher sich um Beobachtung und Kultur der Sitka- 
Fichte besondere Verdienste erworben und auf Schovenhorst bei Putten in 
Gelderland herrliche, bereits fruchtende Exemplare von zahlreichen aus- 
ländischen Coniferen im Heideboden seit 1848 im großen kultiviert, besitzt 
die schnellwachsende (Menziesii; von 17,50 m Höhe, mit am Grunde 2,38 m 
und einen Meter über dem Boden gemessen 1,63 m Stammumfang, während 
die schwachwüchsige (sitkaensis) 3,60 m Höhe mit am Grunde 0,39 und einen 
Meter über dem Boden gemessen 0,26 m Stammumfang besitzt. Letztere be- 
zeichnet Herr Schober als den schwachwüchsigen, empfindlicheren Baum 
der warmen Küste, (?) der bei ihm vom Froste litt, während er den schnell- 
wüchsigen (Menziesii) als den unempfindlichen Gebirgsbaum bezeichnet und 
ihm eine gute Zukunft verspricht als Forstbaum; üppige ältere Bäume bilden 
aus dem alten Holze junge Triebe, wie es z. B. bei Pinus rigida der Fall ist. 
Herr Gaeta sandte mir aus Florenz bei ihm gewachsene Zweige beider 
Formen, die sich ebenso wie angegeben, in Kultur verhielten; von zahlreichen 
anderen Orten erhielt ich die gleichen Resultate, so daß also zwei im 
Wachstum wie in dekorativer Hinsicht abweichende Formen zu 
unterscheiden sind. Da nun aber außer diesen Eigenschaften keinerlei durch- 
greifende botanische Unterschiede zu verzeichnen sind, so dürfen auch diese 
Formen einer Art nicht ferner unter zwei verschiedenen Artennamen wie 
frühere in der Praxis unterschieden werden, sondern für die schnellwüchsige 
(P. Menziesii der Gärten) hat der ältere, jetzt allgemein angenommene Name: 
P. sitkaensis Carr. in Kraft zu treten, hingegen sollte fernerhin bezeichnet 
werden als: 

Picea sitkaensis speciosa (P. sitkaensis der Gärten) die schwachwüchsigere, 
mit den Ästen mehr aufstrebende Form, mit kürzeren, steiferen, scharf- 
gespitzten Blättern, welche die blauweißen Blattoberseiten weit mehr zeigen 
und daher in dekorativer Beziehung auffallender sind. Diese Form wird 
häufig durch Veredelung fortgepflanzt und bewahrt dann um so mehr ihre 
Eigentümlichkeiten. 

Ich habe an den verschiedensten Orten Prachtexemplare dieser höchst 
dekorativen Fichtenform, so z. B. in Wiesenburg i. Mark, auch in Donau- 
eschingen gefunden, habe aber nie eine Empfindlichkeit, wie sie Herr Schober 
anführt, feststellen können, vielleicht haben hier andere ungünstige Umstände, 
vielleicht zu hohe Trockenheit im Sandboden, mitgewirkt. 

Die Fichten liefern uns für unsere Gärten die herrlichsten, dekorativsten 
Pflanzen in verschiedenster Größe, in den zierlichsten, edelsten Formen und 
oft von auffallender, prächtiger Färbung. Freigestellt, einzeln oder zu 



296 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

lichten Gruppen vereinigt, machen sie den schönsten Schmuck für Gärten 
jeder Größe aus. Die Zwergformen, oft mehr eigentümhch als schön, finden 
je nach Wert ihren Platz in kleinen, regelmäßigen Gärten, zu Vorpflanzungen, 
oder auf der Felspartie. Nach Möglichkeit wurde bei den einzelnen Arten 
ihr dekorativer Wert und ihre Verwendung bereits angegeben, ebenso der 
Nutzwert. Im allgemeinen weniger empfindlich und anspruchsvoll in Kultur, 
als Nutzbäume aber meist wertvoller wie die Tannen (Abies) gedeihen sie in 
jedem nahrhaften, gleichmäßig feuchten, nicht zu leichten, armen Boden. Sie 
wollen freien, luftigen Stand und gehen bei stärkerer Überschirmung zugrunde, 
fürchten auch Ausdünstung, Rauch und Staub der Städte, manche Arten sind 
daher in Stadtgärten weniger verwendbar und werden oft frühzeitig kahl 
und häßlich. 

Die Vermehrung aller Arten sollte soviel als möglich durch Samen 
geschehen, die bald nach der Reife zu säen sind; seltene Arten und Formen 
vermehrt man durch Anplatten oder Einspitzen auf Picea excelsa im Ver- 
mehrungshause im Spätsommer oder im Frühjahr, teils durch Ableger oder 
durch Stecklinge, welche im Spätsommer oder Herbst kühl gesteckt und 
später etwas wärmer gehalten werden. Die zahlreichen Zwergformen 
wachsen gut durch Stecklinge, und zwar sollten dieselben, zumal die von 
P. excelsa, nur auf diesem Wege vermehrt werden, da veredelte Zwerg- 
formen dazu neigen, in die Höhe zu wachsen und den zwergigen W^uchs oft 
ganz zu verlieren. 

Langfriebe und zahlreiche seitliche Kurzfriebe, in viel- bis zweiblätfrigen Büscheln, 

diese in frockenhäufigen Scheiden. 

Kurztriebe vielblätfrig, Blätter flach und dünn, im Winter abfallend. 

Pseudolarix Gord. (Pin., p. 292 [1858]). Goldlärche. 

Syn. Laricopsis Kent. in Veitch Man. of the Conif. 1900, p. 403. 

Blüten einhäusig, männliche in Dolden an den Spitzen kurzer 
laubblattloser Sprosse, von braunen, dünnhäutigen Schuppen umgeben. 
Staubfadensäule, auf gebogenem Stiele hängend, eirund-länglich, 2 cm lang, 
gelblich-grün. Die unteren Antheren sind fast kugelig, beinahe sitzend, die 
oberen sind in ein langes, öfter lanzettliches und an der Spitze dreilappiges 
Anhängsel ausgezogen. Weibliches Kätzchen eirund, an kurzen beblätterten 
Zweigen. Zapfen an kurzen Stielen hängend, einzeln, eirund-länglich, Schuppen 
locker-dachziegehg, groß, dick und spitz, abfallend, Bractee der Basis an- 
gewachsen. Samen unter jeder Schuppe zwei, verkehrt-eirund, mit halb- 
eirundem, länglichem, stumpfem, bräunlichem Flügel. Kotyledonen 5 — 6. 

Hoher Baum mit abfallenden, weichen, flachen, sitzenden Blättern. 
Zweige aus schuppig-dachziegeligen Knospen entwickelt, entweder Kurztriebe 
mit bündelständigen Blättern, oder die oberen Längstriebe dünn, mit zer- 
streuten, abstehenden Blättern besetzt, die auf dem Zweige angedrückten, 
weit herablaufenden Blattkissen stehen. 

Pseudolarix Kaempferi Gord. (Pin., p. 292 [1858]). Chinesische Goldlärche 

(Fig. 66 u. 67.) 

Syn. Larix Kaempferi Fortune (1853). 

Abies Kaempferi Lindl. in Gard. Chron. 1854, p. 255, mit Abbild. 



II. Klasse. Coniferae. 297 

Syn. Pinus Kaempferi Pari. D. C. Prod. XVI, p. 412 (1868). 

Pseudolarix Fortunei^) Mayr Abietin. d. jap. Reiches 1890, p. 99. 

Laricopsis^) Kaempferi Kent. in Veitch 1. c. 1900, p. 404, mit Abbild. 

Kin-le-Sung der Chinesen. 

Meleze de Kaempfer der Franzosen. 

Chinese golden Larch der Engländer. 
Auf den Gebirgen des nordöstlichen China in der Provinz Che Kiang 
n einer Erhebung von etwa 1000 m von Fortune 1853 entdeckt. 
Im Jahre 1856 in Europa eingeführt. 

Großer Baum, den Fortune neben einem Buddhisten-Kloster bei Che- 
kiang bis zu einer Höhe von 40 m bei 1,50 m Stammdurchmesser auffand 
und später dann noch einen Abhang, bestanden mit Prachtexemplaren, ent- 
deckte, deren untere Äste dem Boden auflagen, mit pyramidaler Krone und 
quirlständigen, fast horizontal abstehenden Ästen; nach Fortunes Beob- 
achtungen schienen die Bäume gepflanzt und wäre dies in betreff seines 
Vorkommens wichtig. Nach Masters Angabe wären dafür, daß man an 
Tempeln und bei Klöstern oft besonders merkwürdige Bäume, z. B. auch 
Keteleeria Fortunei vorfindet, zwei Erklärungen möglich, erstens, daß solche 
auffallende Bäume anderswoher von den Buddhisten eingeführt sein können 
(aber, wenn dies der Fall, woher?), während nach Dr. Hances Ansicht solche 
Bäume neben den Heiligtümern als Überbleibsel ehemaliger einheimischer 
Waldungen anzusehen sind, die, nachdem diese ausgebeutet, oder durch 
irgend einen Umstand zerstört, aus Verehrung erhalten geblieben. 

Die langen Blätter an den Kurztrieben, deren Knospen mit pfriemlich 
zugespitzten Schuppen besetzt sind (ein gutes Unterscheidungsmerkmal 
Larix gegenüber), stehen in Bündeln zu 15 — 20 schirmförmig ab, die der oberen 
dünnen, rötlich-braunen Langtriebe stehen einzeln zerstreut, alle sind weich, 
gerade, oder leicht gebogen, lineal-lanzettlich-zugespitzt, oben etwas konvex 
grün, unten beiderseits des kaum vortretenden Kiels leicht gefurcht und 
blaugrün, an den Rändern etwas umgebogen, 5 — 8 cm lang. Zapfen einzeln 
an kurzem Zweige hängend, eirund-länglich, jung bläulich beduftet, reif rot- 
braun, 6 — 7 cm lang, 4 — 5 cm breit. Schuppen an der runden, stumpfen 
Spindel gleichsam nur durch eine Faser angeheftet, locker-dachziegelig, leder- 
artig-holzig, abfallend, am Grunde kurz gestielt, herzförmig-lanzettlich, an 
der Spitze abstehend und abgestutzt, zweizähnig, Bracteen klein, eirund- 
lanzettlich-spitz, am Rande kaum gezähnt, unten angewachsen, viel kürzer 
als die Schuppe. Samen verkehrt-eirund oder oval, 7 — 8 mm lang, 4 — 5 mm 
breit, mit fast viermal so langem, halb-eirund-lanzettlichem, stumpfem, bräun- 
lichem Flügel. 

^) Es dürfte vollauf genügen, wenn für die Wissenschaft nachgewiesen wird, daß ur- 
sprünglich mit Larix conifera Kaempfer (1712), die später in Pinus Kaempferi Lambert (1832) 
umgewandelt wurde, nicht die chinesische Goldlärche, sondern die japanische Larix leptolepis 
gemeint sein mußte, da Kaempfer nur Japan und nicht China kannte. Da jedoch dieser 
Name nie für die japanische, sondern ausschließlich und zwar allgemein für die 
chinesische Pseudolarix Kaempferi angewendet wurde, so sollte man es ruhig bei 
diesem allgemein verständlichen Namen bewenden lassen und die Benennung nicht durch einen 
neuen Namen belasten. Derselbe dürfte auch wenig Aussicht auf Annahme haben, so wenig, 
wie der ebenso unnötige neue Gattungsname Laricopsis Kent. 



298 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra- Arten. 




Fig. 66. Pseudolarix Kaempferi Gord. aus den Beständen von Hesse-Weener. 



II. Klasse. Coniferae. 



299 




Fig. 67. Pseudolarix Kaempferi Gord. l Zweig mit Zapfen, nat. Gr.; 2 Zweig mit männlichen Blüten; 
3 männlicher Blütenstand im Längsschnitt; 4, 5, 6, 7 Staubblätter, vergrößert; 8 Schuppe von außen 

mit kleiner Bractee am Grunde. 



'•^00 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 



Pseudolarix Kaempferi ß nana. Zwerg-Goldlärche. 

Syn. Kin-le-Sung der Chinesen. 

Dieselbe stellt eine 0,30 bis kaum 1 m hohe Zwergform dar, welche 
von den Chinesen in Gärten und vorwiegend als Topfpflanze künstlich als 
Zwerg erzogen wird. 

Fortune lernte Pseudolarix zuerst in China als solche Zwergform 
kennen und berichtet darüber, daß die Chinesen eine wahre Meisterschaft 
darin besitzen, solche Zwergformen auch von anderen Coniferen zu erziehen. 
Kaum 0,5 m hohe Pflanzen dieser Art verstehen sie durch künstliches Zurück- 
halten in der Vegetation, wie durch Kultur in kleineren Gefäßen und in 
magerer Erde, durch Drehen der Äste, Umwickeln und Strangulieren der- 
selben durch Draht, wodurch Saftstockung eintritt u. a. m. so umzugestalten, 
daß sie das Ansehen von alten Libanon-Cedern in verkleinertem Maßstabe 
erhalten. Erst später fand Fortune die oben angeführten normalen Pracht- 
exemplare dieses schönen Baumes. 

Pseudolarix stellt im Vaterlande einen prächtigen Baum dar, seine 
ßelaubung ist im Frühjahr hellgrün und im Herbst vor dem Laubfall herrlich 
goldgelb, daher der Name „Goldlärche". Das Holz soll sehr hart und dauer- 
haft sein. 

Auch in Deutschland zeigte sich diese eigenartig schöne Conifere ganz 
hart, wir finden auch in manchen Gärten schon recht ansehnliche Exemplare 
von derselben, so sah ich z. B. auf der Insel Scharfenberg bei Berlin einen 
schönen gesunden Baum, ebenso in Wiesenburg in der Mark, in Düsseldorf, 
in Karlsruhe i. B. steht im Schloßgarten ein starker, in den 60 er Jahren ge- 
pflanzter Baum, der Zapfen trägt (Mitt d. d. dendr. Gesellsch. 1896, p. 14, 
mit Abbild.). Der schönste Baum in Europa aber dürfte das Prachtexemplar 
im Garten der Gebr. Rovelli in Pallanza sein, welches uns erst einen Be- 
griff von der Schönheit dieses Baumes gibt. Leider muß auch zugestanden 
werden, daß die Goldlärchen vielfach in unseren Kulturen als außerordentlich 
trägwüchsig und als Krüppel anzutreffen sind. Es ist nun leicht möglich, daß 
Samen der genannten Gartenzwergformen zu uns eingeführt wurden und von 
diesen viele der verbreiteten Pflanzen abstammen, andererseits dürften auch 
durch Veredlung auf Larix europaea, die vielfach gebräuchlich, und dadurch 
herbeigeführte Saftstockung manche Krüppel erzogen werden, wie dies ja auch 
bei anderen Coniferen vorkommt; weiter wird die Goldlärche auch durch Ab- 
leger vermehrt, indem man Pflanzen niederlegt und die jungen Triebe in 
Töpfe in nahrhafte, lockere Erde abgelegt werden, eine Schicht Moos erhält 
die gleichmäßige Feuchtigkeit und die Bewurzelung tritt meist im zweiten Jahre 
ein, auch diese Vermehrungsweise trägt zur Erzielung gedrungener, mehr 
buschiger Pflanzen bei und sollte möglichst vermieden werden. 

Um also die schöne Goldlärche für unsere Kulturen als den geschilderten 
Prachtbaum, wie er im Vaterlande vorkommt, zu gewinnen, welcher sich, hain- 
artig gepflanzt, herrlich in der Landschaft ausnehmen müßte, muß danach 
gestrebt werden, die Samen aus dem Vaterlande von normalen Bäumen 
einzuführen; nur Bäume solcher Abkunft versprechen Erfolg für die Zukunft 
und erst nachdem diese für die Kultur gewonnen, wird man sich ein Urteil 
über das Gedeihen und den wahren Zierwert dieses schönen Baumes bei uns 



II. Klasse. Coniferae. 301 

bilden können. Diese Erfahrungen verwertend, wird sich ja erst später fest- 
stellen lassen, ob einst auch von einem Nutzwert bei uns wird die Rede sein 
können. Wir finden jetzt schon in Baumschulen, z. B. bei Hesse-Weener, 
ganze Quartiere üppiger gesunder Pflanzen, die prächtig gedeihen und die besten 
Erfolge versprechen; sie werden unseren Gärten zur größten Zierde gereichen. 
Die Goldlärche verlangt als Gebirgsbaum einen ganz freien, luftigen 
und sonnigen Stand, dazu einen nahrhaften, gleichmäßig feuchten, durchlässigen 
Boden, wie auch die nahe verwandten Lärchen, ist aber sonst in keiner Weise 
empfindlich oder wählerisch im Boden. 

Larix Lk. (in Linn. XV, p. 533 [1841]). Lärche. 

Blüten einhäusig, männliche an kurzen, dicken, seitlichen, dachziegelig- 
schuppigen, öfter blattlosen Knospen einzeln. Staubfadensäule kugelig-eirund 
zwischen Schuppen sitzend. Antheren spiralig dichtstehend, auf kurzem Stiele 
mit zwei angewachsenen, fast kugeligen, nach unten schief oder quer zwei- 
klappigen Fächern, über die Fächer hinaus mit einem nackten, oder in einen 
Nabel, oder ein sehr kurzes, drüsiges Spitzchen verlängerten Mittelbande. 
Weibliche Kätzchen fast kugelförmig, an der Spitze der seitlichen kurzen, 
öfter mit einem Blätterbündel gekrönten Knospe fast sitzend. Schuppen 
deutlich doppelt, vielreihig spiralig-dachziegelig. Bractee der Samenschuppe 
eng angeheftet, häutig, öfter zugespitzt, nach der Blüte unverändert. Samen- 
schuppe fast kreisrund, nach dem Rande zu verschmälert. Eichen zwei an 
der Basis der Schuppe abwärts gerichtet. Zapfen eirund oder fast zylindrisch. 
Schuppen aus der stark vergrößerten Samenschuppe gebildet, angedrückt oder 
locker-dachziegelig, kreisrund, steif, am Rande dünn, oft der Länge nach ge- 
streift, nach dem Samenausfall bleibend, mit bald dürren verborgenen, bald 
mehr oder weniger sichtbar vergrößerten, bleibenden Bracteen. Samen hinter 
jeder Schuppe zwei, abwärts gerichtet, falsch flügelfruchtartig, Haut (Membran) 
dünn, trockenhäutig, durchsichtig, länglich oder schief-verkehrt-eiförmig, beider- 
seits gerandet, eirund-länglich, zusammengedrückt, dann vom Flügel getrennt, 
Schale dünn, krustenartig, Kotyledonen 6 — 8. 

Bäume im Winter entlaubt, mit zweigestaltigen Zweigen, von denen die 
ersten verlängert, die zweiten seitlich knospenförmig (Kurztriebe). Blätter 
lineal-pfriemlich, dünn, unten an der Basis gegliedert, abfallend, die der 
Langtriebe fast spiralig zerstreut, auf dem Zweige angedrückten, weit herab- 
laufenden Blattkissen und an seitlichen Knospen zwischen sehr kleinen, 
trockenhäutigen, dachziegeligen Schuppen dicht gehuschelt. 

Bracteen länger als die Schuppen, diesen fest anliegend. Schuppen zahlreich. 

1. Larix occidentalis Nutt. (North. Amer. Silv. III, p. 143, t. 120 [1849]). 
Westamerikanische Lärche. (Fig. 68.) 

Syn. Larix americana brevifolia Carr. Conif., 2. ed., p. 357 (1867). 

Pinus Nuttallii Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 412 (1868). 

Tamarack der Amerikaner. 

Western Larch der Engländer. 
Im nordwestlichen Nord-Amerika auf Gebirgen, auf nassem Gelände, 
auf hohen Rücken und trockenen Bergabhängen zwischen dem 40. ^ n. Br. 



302 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten, 



im Quellengebiete des Deschutes River in Oregon und nördlich in British- 
Kolumbien bis zum 53. ^ n. Br. in einer Erhebung von 700 — 2300 m vor- 
kommend und oft ausgedehnte Waldungen bildend. In Nord-Montana und 
Nord-Idaho an Flußufern die stärksten Bäume erzeugend. 

Ein 40 — 80 m hoher Baum von schlankem, schmal-pyramidalem Wuchs 
mit kurzen, fast horizontalen Ästen und kahlen, glänzend-bräunlichen Zweigen. 

Kurztriebe fast rundlich - schwärz- 
lich. Knospenschuppen dunkel- 
kastanienbraun, fast kahl. Blätter 
bis zu zwanzig im Büschel, ab- 
stehend, gerade, steif, dreieckig 
scharf gespitzt, beiderseits des vor- 
tretenden Längsnerven gerinnt, 20 
bis 27 mm lang. Männliche Blüten 
blaßgelb. Zapfen eirund -länglich, 
25—40 mm lang, 18—20 mm breit. 
Schuppen 8 — 12 reihig, dachziegelig, 
bräunlich, fast knorpelig, kreisrund, 
etwas abgestutzt oder leicht aus- 
gerandet, ganzrandig, an der unteren 
Hälfte weichhaarig. Bracteen ellip- 
tisch in eine blattartige, nach der 
Spitze zu gekerbte, meist über die 
Schuppe hinausragende grüne Mit- 
telrippe ausgezogen. Samen ver- 
kehrt-eirund, weißlich mit läng- 
lichem, blassem, doppelt so langem 
Flügel. 

Eine bereits echt in Kultur 
eingeführte, aber leider noch zu 
seltene, zierliche Lärche, welche 
sich ihrem Vorkommen entspre- 
chend ganz widerstandsfähig zeigte 
und daher sich sicher bald mehr 
einbürgern wird. Im Wuchs der 
Larix americana ähnlich, ist sie von 
dieser durch die weit größeren 
Zapfen mit herausstehenden Bracteen, welch letzteres Merkmal sie auch sofort 
von der europäischen Lärche unterscheidet, verschieden. 

Sargent nennt Larix occidentalis einen prachtvollen Baum, er sah 
im nördlichen Felsengebirge herrliche Stämme bis zu 80 m Höhe, die festeres 
Holz als irgend eine andere amerikanische Conifere liefern, geschätzt als 
Bau- und Werkholz, zu Eisenbahnschwellen und Zaunpfosten, und vermutet 
derselbe, daß diese Lärche sich als einer der nützlichsten Bäume für An- 
pflanzungen in Nord-Europa bewähren dürfte. 

Julia Rogers, in Tree Book 1905, Newyork, stimmt dem zu, betont 
aber das äußerst langsame Wachstum der Riesenstämme, ein Umstand, den 
wir ja bei Gebirgsbäumen, je nach Standort, öfter finden. 




Fig. 68. Larix occidentalis Nutt. Zweig mit reifem 
Zapfen. 



II. Klasse, Coniferae. 



303 



2. Larix Lyallii Pari, (in Enum. sem. hört. Reg. Mus. Flor. 1863), 
Lyalls Lärche, Tamarack. (Fig. 69.) 

Syn. Pinus Lyallii Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 214 (1868). 

Im westlichen Nord-Amerika, nahe der Baumgrenze von Süd-Alberta 
nach dem Felsengebirge und Brit. Columbien, im Kaskaden-Gebirge des 
Washington-Territoriums in einer Erhebung von 2000 — 2300 m vorkommend 

Kleiner, oft sparriger, nie- 
driger Baum von 13 — 16, gelegent- 
lich 25 m Höhe mit pyramidaler 
Krone und fast horizontalen Ästen. 
Knospenschuppen und junge Zweige 
dicht grau-weichhaarig, Kurztriebe 
oval-kugelig mit sehr kurzen, dach- 
ziegeligen, kreisrunden, bräunlichen, 
am Rande lang spinnwebenartig 
zerschlitzten Schuppen. Blätter zu 
40 — 50 gebüschelt, aufrecht -ab- 
stehend, viereckig, steif, kurz ge- 
spitzt, hellblaugrün, 22 — 23 mm 
lang, männliche Blüten hellgelb, 
weibliche eirund-länglich, mit dun- 
kelroten oder gewöhnlich hellgelb- 
grünen Schuppen und dunkelpur- 
purroten Bracteen. Zapfen länger 
und mehr länglich von Gestalt, als 
bei Larix occidentalis, 4 cm lang, 
2 cm breit. Zapfenschuppen zahl- 
reich, dachziegelig, fast kreisrund, 
dunkelpurpur, am Rande lang ge- 
franst, gewimpert und auf dem 
Rücken deutlich genervt. Bracteen 
dunkelviolett, elliptisch - lanzettlich, 
in eine lange, linienförmige Spitze^ 
viel länger als die Schuppen, aus- 
laufend. Samen klein. 

Echter Hochgebirgsbaum und eine durch die angegebenen Merkmale 
recht gut von anderen, auch von Larix occidentalis, der sie sonst sehr nahe 
steht, verschiedene Lärche, welche wohl kaum echt in Deutschland sich in 
Kultur befinden möchte, aber ihrem natürlichen Vorkommen nach an passenden 
Standorten recht gut bei uns fortkommen dürfte. 




Fig. 69. Larix Lyallii Pari, l Zweig mit Zapfen; 
2 Samen. 



3. Larix chinensis Beißn. (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1896, p. 68 und 
Nuovo Giorn. Bot. Ital. IV, No. 2, April 1897, p. 183, Tab. V; Mitt. d. d. 
dendr. Gesellsch. 1901, p. 86; 1902, p. 70; 1906, p. 95). Chinesische Lärche. 

(Fig. 70.) 

In China in Nord-Chensi auf dem Gipfel des Berges Huon-tou-san, 
auf der Bergkette des Peling auf dem Berge Thae-pei-san, in ungefähr 



804 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten. 




Flg. 70. Larlx chinensis Beißn. l Zweig mit Zapfen; la Schuppe von außen; Ib Schuppe von Innen; 

ic Bractee; id Samen. 



II. Klasse. Coniferae. 305 

3000 m Erhebung von Pater Giuseppe Giraldi im August 1893 — 1894 
entdeckt. 

Baum mit älteren, aschgrauen Zweigen, junge Längstriebe gelb, glatt, 
mit scharfkantigen, herablaufenden ßlattkissen, Kurztriebe kugelig bis walzlich, 
am älteren Holze bis 8 mm lang. Knospen glänzend-hellbraun. Blätter 
schmal-lineal, zugespitzt oder stumpflich, meist 20 — 30 mm lang, unten beider- 
seits des Längsnerven mit bläulichen Spaltöffnungslinien. Männliche Blüten 
einzeln, aus trockenhäutiger Knospenhülle, an den Spitzen unbeblätterter 
Kurztriebe, auf 2 mm langem Stiele, gelb, eirund- kugelig, 7 mm lang; Staub- 
blätter dicht gedrängt, schild-herzförmig, mit an der Spitze abwärts gebogenen, 
gekerbten Bracteen. Zapfen eirund-länglich bis walzenförmig, 2,5 — 5 cm lang, 
hellbraun; Zapfenschuppen kreisrund, lederartig, dachziegelig, ganzrandig, 
muschelförmig gebogen, auf dem Rücken leicht gefurcht und zumal beim 
jungen Zapfen deutlich filzig behaart. Bractee lanzettlich, oben abgerundet, 
leicht gezähnelt, in eine Spitze ausgezogen, weit über die Schuppe vor- 
ragend, sich dieser fest anlegend (nicht wie bei Larix Griffithii über 
die Schuppe zurückgeschlagen). Charakteristisch sind die beim alten auf- 
gesprungenen Zapfen ganz wagerecht abstehenden, weit klaffenden 
Schuppen. Samen klein, verkehrt-eirund, glänzend dunkelbraun, 3 — 4 mm 
lang, mit hellem, glänzendem, rundlichem Flügel, welcher so lang als der 
Samen ist. 

Eine, wie Fig. 70 deutlich erkennen läßt, von den anderen bekannten 
Lärchen gut unterschiedene Art. Hoffentlich gelingt es, die wenigen 
aus Samen erzogenen Individuen in Kultur zu erhalten, um an lebenden 
Pflanzen weitere Studien machen zu können. 

Bracteen über die Schuppen zurückgeschlagen. 

4. Larix Griffithii Hook. fil. et Thoins (in Cathcart. Illustr. of Himal. plants, 
t. 21 [1855]). Griffithslärche. (Fig. 71.) 
Syn. Abies Griffithiana Lindl. et Gord. Journ. hört. Soc. V, p. 214 
(1850). 
Larix Griffithiana Gord. Pin., p. 126 (1858). 
Pinus Griffithii Pari. D. C. Prod. XVI, 2, p. 411 (1868). 
Sah oder Saar in Sikkim genannt. 
Himalayan Larch der Engländer. 
Im inneren Himalaya, in West-Bhootan, Sikkim und Ost-Neapel in einer 
Erhebung von 2500 bis gegen 4000 m heimisch. Auch in West-Szechuen bei 
3000—4300 m aufgefunden. 

Etwa um das Jahr 1850 in Europa eingeführt. 

Schöner zierlicher Baum von 12 — 20 m Höhe, mit kegelförmiger Krone 
und wagerechten Hauptästen. Junge Zweige hellbraun, lang und zierlich 
herabhängend, mit auffallend vorstehenden, braungespitzten, herablaufenden 
Blattkissen. Knospen breit, kegelförmig, mit hellbraunen Schuppen. Blätter 
in Büscheln von 30 — 50, sehr abstehend, steif, lineal, stumpf und flach, 
beiderseits des stumpfen Längsnerven kaum gerinnt, frischgrün, 20 — 35 mm 
lang, 1 mm breit. Männliche Blüten kugelig, mit zahlreichen Antheren, hell- 
braun. Weibliche Blüten zylindrisch, die langen Bracteen leuchtend karmin 

Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 20 



306 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

mit grünem Mittelnerv. Zapfen einzeln an kurzen Zweigen, zylindrisch-stumpf, 
7 — 10 cm lang, 3 cm breit, grünlich oder grau, reif braun; Schuppen sehr 
zahlreich, locker-dachziegelig, fast knorpelig, breit, kreisrund, etwas abgestutzt, 
am Rande ausgefressen-gezähnelt. Bracteen über die Schuppe vorragend, 
verkehrt-eirund-spatelförmig, etwas ausgerandet, breit und lang gespitzt, über 





Fig. 71, Larix Grifflthii Hook, l Zweig mit jungen Zapfen; 2 Zapfenschuppe mit Bractee vergr. 
3 reifer Zapfen in nat. Gr. Nach Dr. Regel in Gartenflora 1871. 



die Spitze der Zapfenschuppe zurückgeschlagen. Samen länglich, mit läng- 
lichem, viel längerem Flügel. 

Das Holz ist nach Dr. Brandis weiß, weich, ohne Kernholz, aber spaltet 
gut und wird als eins der dauerhaftesten Coniferen-Bauhölzer geschätzt. 

Eine schöne, dekorative, im Wuchs und besonders in den Zapfen von 
anderen Arten sehr abweichende Lärche, welche in Deutschland bis heute 
nicht echt vertreten ist; häufig findet man unter diesem Namen andere 
Lärchen, zumal aber Larix leptolepis. Bis heute besteht wenig Hoffnung, 
diese elegante Lärche bei uns aufzubringen. Kleine Exemplare gingen stets 



II. Klasse. Coniferae. 307 

zugrunde. Auch in Frankreich hat man wenig Glück damit gehabt, ebenso 
in England, wo alle zuerst erzogenen Sämlinge eingingen. Nach Bartlett, 
Gard. Chron. 1907, p. 130, 131, existieren in England nur 3 gute Exemplare, 
das schönste in Coldrenick, Cornwall bildet er ab, einen herrlichen Baum 
von 19 m Höhe, mit geradem Stamm und von den wagerechten Hauptästen 
lang herabhängenden, von dem leichtesten Winde bewegten zierlichen Zweigen. 
Ein anderer schöner Baum steht in Strete Raleigh bei Exeter, er ist 16 m 
hoch. Der abgebildete Zweig zeigt die leichte Bezweigung und drei gleich 
große, 10 cm lange, 3 cm breite Zapfen, mit vorstehenden und zurück- 
geschlagenen Bracteen; diese 'mächtigen, für eine Lärche ganz ungewöhnlichen 
Zapfen sehen auf den ersten Blick denen unserer Tanne (Abies) täuschend 
ähnlich. SämHnge sind schwer aufzubringen und verlangen große Sorgfalt; 
die Wurzelspitzen sind rot. 

Bracfeen kürzer als die Schuppen, aber sichtbar. 

5. Larix Potanini Batalin. (in Act. Hort. Petrop. XIII, p. 385 [1894] und 

Gard. Chron. 1906, p. 178, mit Abbild.). Potanins Lärche. 

Syn. Larix thibetica Franch. in Journ. de Bot. 1899, p. 262 (Prinz 
H. von Orleans). Hung-Sha der Chinesen. 

In West-China, Szechuen bei Tatien-lu in einer Erhebung von 2800 bis 
3700 m gemein. 

Nach Masters dürften beide Namen die gleiche Art bezeichnen, 
Wilson sammelte am gleichen Standorte Exemplare und Samenpflanzen sind 
bei James Veitch in Combe Wood vorhanden. 

Bäume von 7 — 20 m Höhe, das wertvollste Nutzholz in West-China 
liefernd. Junge Triebe orangengelb, leicht behaart; an älteren Zweigen Rinde 
glatt und aschgrau. Blattkissen etwas vorragend, lineal. Blätter 20 — 25 mm 
(öfter auch kürzer), glatt, lineal, zugespitzt, flach mit vorstehender Mittelrippe. 
Reife Zapfen 35 — 40 mm lang, 25 mm breit, sitzend herabgebogen, länglich- 
eirund, stumpf, Bracteen sichtbar, kürzer als die Schuppen, an jungen Zapfen 
länger als die Schuppen, häutig, länglich, oft zugespitzt und meist umgebogen; 
Zapfenschuppen bräunlich-grau, rundlich abgestutzt. Samen geflügelt. Beißners 
Larix chinensis ist aus einem anderen Distrikt (Nord Shensi) und ist von 
dieser Art, außer anderen Merkmalen, hauptsächlich durch die Zapfen ver- 
schieden. Treffliche, genaue Abbild, nach Wilsons Material, die beigefügt, 
zeigen dies auf das Deutlichste. 

Bracfeen kürzer als die Schuppen, nicht sichtbar, Schuppen am Rande 

zurückgeschlagen. 

6. Larix leptolepis Gord. (Pin. p. 128 [1858]; Murr, the Pines and firs of 
Japan p. 89 [1863]). Dünnschuppige oder japanische Lärche.^) (Fig. 72.) 

Syn. Pinus Larix Thunb. Fl. jap. p. 275, nicht L. (1784). 

Abies leptolepis Sieb, et Zucc, Fl. jap. p. 12, t. 105 (1842). 

^) Wie schon bei Pseudolarix ausgeführt wurde, konnte unter den Namen Larix conifera 
Kaempfer und später Pinus Kaempferi Lamb. ursprünglich nicht die chinesische, sondern nur die 
japanische Lärche gemeint sein. Diese Namen sind jedoch niemals, weder für die Praxis noch 
für die Wissenschaft, in Betracht gekommen, noch in Gebrauch gewesen. 

20* 



308 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Pinus leptolepis Endl. Conif. p. 130 (1847). 
Larix japonica Carr. Conif., 1. ed., p. 272 (1855). 
Toga, Kara matzu, Fuji matzu der Japaner. 
Meleze du Japon der Franzosen. 
Japanese Larch der Engländer. 

In Japan zwischen dem 34. und 38.^ n. Br. in einer Erhebung von 
1700 — 2400 m auf den Gebirgen der Insel Hondo. 




Fig. 72. Larix leptolepis Gord. l Zweig mit reifem Zapfen; 2 Samen. 
Nach Dr. Regel in Gartenflora 1871. 



Im Jahre 1861 durch J. G. Veitch in Europa eingeführt. 

Schöner großer Baum bis zu 30 m Höhe, mit horizontal-abstehenden, 
nicht überhängenden Ästen, später eine mehr breite, kegelförmige Krone 
bildend, junge Zweige rotbraun glänzend, mit scharfkantigen, herablaufenden 
Blattkissen, Kurztriebe dick und kugelig, Knospen glänzend dunkelbraun; 
Blätter 15 — 35 mm lang, ^/g — 1 mm breit, schmal-lineal, weich, an der Spitze 
abgerundet, am Grunde verschmälert, blaugrün bereift, später oberseits frisch- 
grün, unten beiderseits des wenig vortretenden Längsnerven mit auffallend 



II. Klasse. Coniferae. 309 

blauweißen Spaltöffnungslinien, welche die Belaubung dauernd blaugrün er- 
scheinen lassen. Weibliche Blüten gelbgrün mit purpurgerandeten Schuppen, 
Zapfen rundlich-oval, fast kugelig, 25 — 30 mm lang, jung gelblich-grün, Schuppen 
außerordentlich dünn und zart, wie aus Wachs geformt (daher der Name dünn- 
schuppig), reif rötlich-hellbraun; Zapfenschuppen oval-kreisrund, locker-dach^ 
ziegelig, lederartig, an der Spitze abstehend ausgerandet und zurück- 
geschlagen, auf dem Rücken leicht gestreift und kurz behaart, Bracteen 
eirund oder lanzettlich-zugespitzt, braunrot, kaum halb so lang als die Schuppe. 
Samen verkehrt-eirund, 3 — 4 mm lang, 2 mm breit, hellbraun mit halbeirundem, 
dunkelbraun glänzendem Flügel, welcher so lang wie die Schuppe und mit 
dieser an der Spitze zurückgeschlagen ist. 

Larix leptolepis liebt, nach Matzuna, kältere Klimate. Nach 
Nakamura ist das Holz schwer und glänzend, leicht zu spalten und wird 
als eins der dauerhaftesten Hölzer zu Bauten, zum Schiffsbau, zu unter- 
irdischen Bauten, wie auch zur Verfertigung von allerhand Waren sehr ge- 
schätzt. Auch forstlich hat diese Lärche in Japan eine große Bedeutung, 
kommt meist mit Tsuga und Tannen gemischt vor, gedeiht dort am besten 
in einem kalten, trockenen Klima, im wärmeren Klima von Tokio wird sie 
in Gärten selten groß. Sie soll in Japan auch häufig auf ungeschlechtlichem 
Wege vermehrt werden. Weiter erzielen die japanischen Gärtner auch von 
dieser schönen Lärche künstliche Zwerge in Töpfen, wie sie in Japan so 
sehr beliebt sind und um hohe Preise verkauft werden. 

Maximowicz beschrieb eine Form von der höchsten Grenze ihres Vor- 
kommens als: 

Larix leptolepis ß Murrayana Maxim, (in Ind. sem. hört. Petrop. 1866, p. 3). 
Murrays Lärche. (Fig. 73.) 

Syn. Larix japonica Murr, the pines and firs of Japan p. 94, nicht Carr. 
Ko-fuji-matzu der Japaner. 

In Japan in einer Erhebung von 2600 — 2800 m auf dem Fuji-Yama vor- 
kommend, hier 0,50 — 6 m hoch, niederliegend wie Pinus pumila Rgl., auf 
Shiranesan (Nikko), 4 — 8 m hoch oder auch niederliegend. (Japan. Conif. 
von Alfr. Unger, p. 10). 

Eine nach Maximowicz in allen Teilen kleinere Form, welche, nach 
Aussage japanischer Gärtner, wenn sie vom natürlichen Standorte verpflanzt 
wird, allmählich in die normale L. leptolepis zurückschlagen soll. 

Die Kurztriebe sind dick, eirund oder walzig-länglich. Die schmal- 
linealen Blätter sind nur 15 — 22 mm, die kugeligen Zapfen etwa 22 mm lang. 
Die Zapfenschuppen sind öfter, aber nicht immer zurückgekrümmt. 

Eine in Deutschland wohl kaum in Kultur vorhandene Lärche. 

Larix leptolepis ist in Deutschland ganz hart, unstreitig die schönste 
ihres Geschlechts und ein reizender dekorativer Baum, welcher mit seiner 
blaugrünen Belaubung zu den leuchtend rotbraunen Zweigen und später in 
goldiger Herbstfärbung einen auserlesenen Schmuck für unsere Gärten bietet, 
während ihn auch die zurückgeschlagenen Zapfenschuppen sofort von anderen 
Lärchen unterscheiden. Es kann deshalb seine Anpflanzung nicht warm 
genug empfohlen werden. 



s?1Q Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

In Deutschland sind schon recht ansehnliche, zapfentragende hohe Bäume 
vorhanden, welche auch keimfähige Samen brachten. Auch forstlich ist sie 
mit Glück angebaut worden. Schwappach redet ihr sehr das Wort und 
bedeutend sind in Preußen die Areale, die sie einnimmt; das gleiche tut 
Hartig für Bayern. Will Mayr ihr auch keine Vorteile unserer Lärche 
gegenüber zugestehen, so kommt doch in forstästhetischer Hinsicht ihre 
große Schönheit dazu, überdies sind gewiß für manche Lagen noch Vor- 




Fig, 73. Larix leptolepis Murrayana Maxim. Zweig mit reifen Zapfen. 
Nach Dr. Regel, Gartenflora 1871. 



teile vorhanden. In den Heidekulturen in Schleswig - Holstein widersteht 
sie besser den Winden und behält besser den Kopf als Larix europaea (Mitt. 
d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p. 129). Prächtige Bestände sah ich in Gadow, 
Friedrichsruh, Lütetsburg und anderen Orten. Jedenfalls sollte der Forst- 
mann ihre Kultur in günstigen Lagen mit aller Energie fördern, sicher 
wird er dies nicht zum Nachteil des Waldes tun. Vielfach ist die An- 
sicht verbreitet, daß L. leptolepis nicht wie die europäische Lärche von 
der Lärchenschabe oder Miniermotte (Tinea laricella) angegriffen werde; 
leider ist dies nicht der Fall, ich fand junge üppige Bäume auch davon 
befallen. 



r 



II. Klasse. Coniferae. 311 

Wuchsformen. 

Larix leptolepis pendula (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 104; 1902, p. 73 
und 1903, p. 94). Japanische Trauerlärche. 
Eine schöne, höchst dekorative Form, welche sich mit schwer herab- 
hängenden Ästen, im Schmucke der üppigen blauen Belaubung, prächtig aus- 
nimmt und auf Rasen als Schaustück ganz freizustellen ist. 

Larix leptolepis Ganghoferi Schwerin (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 94). 

Eine vom Oberforstrat Ganghofer im Forstgarten in Diedorf bei 

Augsburg gewonnene schöne Kegelform, mit dicht gedrängten, senkrecht 

aufstrebenden Ästen, die an Regelmäßigkeit nichts zu wünschen übrig läßt. 

Larix leptolepis dumosa (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1902, p. 73; 1903, p. 94). 

Eine schöne rundliche Buschform, wie vorige in Diedorf gewonnen. 
Aus dem Wurzelstock entwickeln sich zahlreiche Höhentriebe, so daß eine 
dicht gedrängt wachsende, üppig treibende große Kugel gebildet wird. Von 
2 Exemplaren hat das eine etwa 1,50 m Höhe, bei 1 m Breite. 

In der Färbung abweichend. 
Larix leptolepis aureo-variegata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 113). 
Eine von Dirken in Oudenbosch (Holland) als goldbunter Sport- 
zweig an einer Larix leptolepis gefundene Form. Die Zweige zeigen eine 
unregelmäßig über die Pflanze verteilte bunte Zeichnung, goldgelb- 
gestreifte, oder zum Teil ganz goldgelbe Blätter. 

Um diese Form zu erhalten, wird man stets die am schönsten gezeichneten 
Zweige zur Veredelung auswählen müssen. 

Schuppen gerade, fest anliegend. 

7. Larix europaea D. C. (Fl. fr. III, p. 277 [1815]). Europäische oder 
gemeine Lärche. (Fig. 74 u. 75.) 

Syn. Pinus Larix L. spec. pl., p. 1420 (1753). 

Larix decidua Mill. Dict. No. 1 (1759), (von Miller nicht L. decidua 

genannt, sondern nur als Larix folio deciduo beschrieben). 
Abies Larix Poir. in enc. meth. VI, 1804. 
Larix pyramidahs Salisb. in Linn. Transact. VIII, p. 313 (1807). 

„ excelsa Lk. in Abh. Berl. Akad. d. Wissensch. 1827, p. 182 

(1830). 
Larix europaea communis Laws. Man., p. 386 (1836). 

„ vulgaris Fisch, in Spach. bist, des pl. phaner. XI, p. 432 

(1842). 
Pinus Larix a communis Endl. Conif., p. 134 (1847). 
Larix decidua a communis Henk, et Höchst. Syn., p. 130 (1865). 
Meleze d'Europe der Franzosen. 
European or common Larch der Engländer. 
Auf den Alpen Mittel-Europas, den Karpathen, im schlesisch-mährischen 
Gesenke und im Süden des böhmisch-mährischen Waldgebietes heimisch, wo 



Ol 2 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

sie in Erhebungen von 1000 —1800 m ausgedehnte Wälder bildet, oft mit 
Weißtanne und Fichte, hier und da auch mit Pinus Cembra gemischt wachsend. 
Baum von 25 — 30 m Höhe mit geradem Stamme und schlank kegel- 
förmiger, öfter auch unregelmäßiger Krone. Stamm mit graubrauner, nach 
innen rotbrauner Rinde bekleidet. Äste quirlständig, fast horizontal oder 
überhängend und mit den Spitzen wieder aufstrebend. Zweige zierlich herab- 
hängend, glatt, gelblich. Blätter an den Kurztriebien zu 30 — 40, selten zu 60 
gehuschelt, ungleich lang, abstehend, weich, freudig grün, sehr schmal lineal, 
stumpflich, oben schwach gekielt, unten mit vorstehendem Mittelnerv, l^/g bis 
3 cm lang, ^/2 — ^/4 mm breit. Männliche Blüten eirund-kugelig, später walzig, 
gelb. Weibliche Blüten länglich-walzenförmig, schön purpurrot. Zapfen 
30 — 40 mm lang, 20 — 24 mm breit, ^) eirund oder eirund-länglich-stumpf auf 
kurzem Zweige, hellbraun; Zapfenschuppen zahlreich, dachziegelig, lederartig, 
oval-rundlich, mit wellig gebogenem Rande, kahl, fest anliegend, auf dem 
Rücken gefurcht. Bracteen unten oval, eingeschlossen, durch den Mittelnerv 
in eine kürzere oder längere, unten am Zapfen öfter über 
die Schuppe vorsehende Spitze ausgezogen. Samen ver- 
kehrt-eirund, 3 — 4 mm lang, mit einem halbeirunden, hell- 
braunen, dünnhäutigen, doppelt so langen Flügel. — Der 
Samen reift Ende Oktober, die Zapfen öffnen sich jedoch 
erst im Frühjahr, wo dann der Samen abfliegt, während 
die leeren Zapfen noch Jahre lang an den Bäumen sitzen 
bleiben. Öfter begegnet man der Erscheinung, daß aus 
der Spitze des Zapfens sich ein normaler kürzerer oder 
längerer Trieb entwickelt. In Norddeutschland gereifter 
Samen von Kulturbäumen, zumal von jüngeren Bäumen, 

„ ^ ist oft nicht oder doch nur in einem geringen Prozentsatz 

Fig. 74. Zapfen von , . , , . , , , ,, • 

Larix europaea D. c. keimfähig, man tut daher gut, denselben aus seiner wahren 

Alpenheimat, z. B. aus Tirol, kommen zu lassen. 
Die Lärche ist als Forstbaum unschätzbar und daher allgemein angebaut, 
das Holz ist harzreich und gehört zu den dauerhaftesten Nutzhölzern, ist für 
Wasserbauten wie für Schiffsbau besonders gesucht und unverwüstlich, be- 
sonders geeignet und dauerhaft auch für Gewächshausbauten und für Mist- 
beetfensterrahmen, noch dauerhafter wie das harzige Kiefernholz. Für letztere 
Zwecke sollte aber nur das mehr oder minder rote Kernholz, zumal das im 
Gebirge gewachsene, verwendet werden, denn dies ist viel widerstandsfähiger, 
wie das gelbliche Splintholz. Nach Willkomm findet sich in betreff des 
Holzes in den Alpen in bedeutenden Höhen eine Lärchen varietät mit auf- 
fallend rotem Kernholz, welches außerordentlich widerstandsfähig und daher 
sehr gesucht ist, man nennt sie in den bayerischen und tiroler Alpen „Stein- 
lärchen" oder „Jochlärchen", im Gegensatz zu den auf fettem Boden in 




^) In der Zapfensammlung des Herrn Oberforstinspektors Dr. Coaz in Bern sah ich in 
der Schweiz gesammelte ganz kleine Zapfen (microcarpa) und ebenso aus dem Münstertal 
in Graubündten stammende sehr große Zapfen (macrocarpa), diese waren 6 cm lang und 
mit offenen Schuppen 3,03 cm breit. Weiter als sehr seltene Erscheinung eine Monstrosität, 
nämlich Doppelzapfen, welche, sichelförmig gebogen, unten und an den Spitzen zusammen- 
gewachsen waren, so daß sich in der Mitte eine Öffnung bildete. Ferner noch knäuelförmige 
Zapfenanhäufungen, sogen. Zapfensucht (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1905, p. 146). 



II. Klasse. Coniferae, 



313 

























Fig. 75. Larix europaea D. C. 



^14 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

den Tälern gewachsenen sogen. „Grasläfchen", welche ein weniger gutes 
Holz liefern. 

Ein solcher Unterschied in der Güte des Holzes kommt, je nach dem 
Standorte, wie schon bei anderen Coniferen betont wurde, häufig vor, derselbe 
ist oft so groß, daß zu gewissen Industriezweigen nur das Holz von ganz 
langsam auf Felsen erwachsenen Bäumen zu verwenden ist, während das von 
dem gleichen Baume rasch auf üppigem Boden in der Ebene emporgewachsene 
Holz dazu ganz unbrauchbar sich erweist. Die Lärche liefert weiter den 
venetianischen Terpentin, auch sogen. Orenburger Gummi und die Rinde 
jüngerer Bäume wird zum Gerben des Leders verwendet. 

Die Lärche verlangt, als echter Hochgebirgsbaum, freie, lichte und 
luftige Lagen, gedeiht daher auf Gebirgen und Anhöhen am besten; kommt, 
nach Willkomm, jedoch in den Gebirgen vorzugsweise an vor trockenen 
und kalten Winden geschützten Hängen, in Schluchten und Tälern vor und 
meidet die Sturmlagen. Sie bildet auf ihren natürlichen Standorten immer 
lichte Bestände, geschlossener Stand sagt ihr durchaus nicht zu, in engen 
Tälern oder zwischen höherem Wald findet man sie oft ganz mit Flechten 
überzogen und Krankheiten treten hier besonders auf. Ein gleichmäßig 
feuchter, genügend tiefgründiger, lockerer Kalk- oder Tonboden sagt ihr am 
meisten zu. 

Leider wird die Lärche als Kulturbaum häufig von Krankheit und 
Feinden heimgesucht. Zumal in Nord- und Mitteldeutschland tritt in ver- 
heerender Weise der sogen. Lärchenkrebs auf, eine von parasitischen Pilzen 
begleitete Krankheit, die oft ganze Bestände zugrunde richtet. Ursache ist 
häufig falscher Anbau in dumpfigen, eingeschlossenen Lagen oder bei zu 
dichtem Stand, z. B. im Mischbestand mit Fichten. 

Ein böser Feind ist ferner die Lärchenschabe oder Miniermotte (Tinea 
laricella), die den Bäumen oft beträchtlichen Schaden zufügt, indem sie von 
der Spitze beginnend die jungen Blätter so aushöhlt, daß nur die äußere 
Haut weißlich vertrocknet sitzen bleibt und so die Bäume oft im Mai ganz 
weiß erscheinen läßt, sie tritt oft so schädigend auf, daß die Bäume zum Teil 
neue Blätter treiben müssen. 

Die Lärche ist ein raschwüchsiger, reizender Baum und für jeden 
größeren Landschaftsgarten und für alle zum Nutzen wie zur Verschönerung 
dienenden Pflanzungen sehr zu empfehlen, denn bei schönem Wuchs und 
leichter Bezweigung bietet er das hellste, frischste Grün. Zumal im Frühjahr 
im frischen Blätterschmuck, bedeckt mit den gelben männlichen und zarten, 
wie aus Wachs geformten, purpurroten weiblichen Blüten ist er eine zarte, 
liebliche Erscheinung; den ganzen Sommer über bleibt die hellgrüne Laub- 
färbung erhalten, um im Herbst vor dem Blätterfall in eine goldgelbe überzu- 
gehen, welche der Landschaft einen sonnigen Schimmer verleiht. 

Die Lärche muß als lichtbedürftigster Nadelholzbaum stets ganz frei 
an Waldrändern, oder ganz einzeln oder zu lichten Trupps im Walde mit 
anderen Nadelhölzern untermischt stehen, in der Jugend pflegt er diese im 
Wachstum meist zu überflügeln. Die Lärchen treten am wirkungsvollsten 
in der Landschaft auf, wenn sie sich mit anderen Nadelhölzern mischen, so 
daß z. B. dunkle Fichten und Tannen den Hintergrund bilden und hier und 



II. Klasse. Coniferae. 315 

da dunkel schattierend zwischen die Lärchen vorschieben. Reizend sind 
Anhöhen mit Lärchen bestanden. 

In der Färbung abweichend. 
Larix europaea glauca hört. 

Eine öfter in Kulturen aufgefundene, schöne üppige Form, von auf- 
fallend blauer Färbung, die sehr in die Augen fällt und als dekorativ 
besondere Beachtung verdient. 

Wuchsformen. 
Larix europaea 6 pendulina. Lärche mit abwärts gebeugten Ästen. 

Syn. Pinus Larix 6 Paxa et y compacta Endl. Conif. p. 136 (1847). 
Larix decidua pendula Henk, et Höchst. Conif. p. 134 (1865). 
„ „ 6 pendulina Rgl. in Gartenfl. 1871, p. 101. 

Hoher Baum von sparrigem, unregelmäßigem Wuchs^ oft mit geteiltem 
Stamme, im Alter oft mehrere Spitzen bildend und mit abwärts gebeugten 
Ästen. Die Zapfen sind eirund-länglich, fast walzenförmig, 4 cm lang. Die 
Zapfenschuppen sind vorn abgerundet oder ausgerandet, die Bractee ist in eine 
lange, lineale, mehr oder minder über die Schuppe vorsehende Spitze aus- 
gezogen. In betreff des Blätterfalles verhält sie sich genau wie die normale 
europäische Lärche. 

Larix europaea pendula Laws. (Man. p. 386 [1836]). Europäische 

Trauer-Lärche. 

Syn. Pinus laricina Dur. Obs. bot. p. 49 (1771). 
„ Larix nigra. Marsh. Arb. p. 103. 

„ pendula Soland. in Ait. Hort. Kew. ed. 1; III. p. 369 (1789). 
Larix pendula Salisb. in Linn. transact. VIII. p. 313 (1807). 
„ intermedia Lodd. Cat. 1836, p. 50. 

„ americana pendula Loud. Encyclop. of Trees p. 1057 (1842). 
Pinus Larix repens Endl. Conif. p. 134 (1847). 
Larix decidua y americana Henk, et Höchst. Conif. p. 133 (1865). 

„ „ € pendula Rgl. in Gartenfl. 1871, p. 102. 

Black Larch (Schwarzlärche) der Engländer und Amerikaner. 
Diese Form soll ursprünglich aus Nord- Amerika gekommen sein, ohne 
jedoch dort einheimisch zu sein, sie bildet mittelhohe Bäume mit oft 
niederliegenden und wieder aufstrebenden Stämmen, oder die Stämme wachsen 
erst gerade auf, um später den Wipfel überhängen zu lassen und mit der 
Spitze wieder aufwärts zu streben. Die Äste hängen zierlich abwärts. 
Die Zapfen sind groß, bis 4 cm lang, laufen nach der Spitze etwas kegel- 
förmig zu, sind aber sonst denen der europäischen Lärche völlig gleich. Auf 
keinen Fall gehört daher diese schöne Trauer-Lärche zu Larix ame- 
ricana Mchx., mit welcher sie z. B. von Pariatore in D. C. Prodr. XVI, 2, 
p. 409 verwechselt und ebenso von C. Koch, Dendr. II, p. 263 zusammen- 
geworfen wurde, die aber mit ihren feinen Blättern und den kaum 2 cm 
langen Zapfen (den kleinsten aller Lärchen) sofort zu unterscheiden ist. Zu 
dieser Verwechselung zweier so außerordentlich voneinander abweichender 



Qiß Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Lärchen kann wohl eben nur die zufällige Einführung aus Nord-Amerika 
Anlaß gegeben haben, denn außer im Wuchs unterscheidet sie sich in nichts 
von der europäischen Lärche. Schon Endlicher in Conif. p. 132 nennt 
diese Lärche eine zweifelhafte Art, welche von nordamerikanischen Botanikern 
richtiger als aus europäischen Gärten eingeführt betrachtet werde. So- 
mit ist es sehr wahrscheinlich, daß diese europäische Trauer-Lärche nach 
Amerika eingeführt, oder dort in Kultur gewonnen und dann als amerikanische 
Lärche, mit der echten vielfach verwechselt, wieder nach Europa eingeführt 
wurde. 

Die dunkle Rinde des Stammes veranlaßte Marshai, dieser Lärche den 
Namen „Schwarzlärche" beizulegen, zum Unterschiede von der echten 
amerikanischen Lärche (Larix americana Mchx.), welche er, da sie eine hellere, 
bräunlich-graue Rinde besitzt, „Rotlärche" nannte. 

Duroi verstand unter seiner Pinus laricina, wie auch Endlicher angibt, 
eben diese Trauerlärche und nannte die echte amerikanische Lärche (Larix 
americana Mchx.) Pinus intermedia. Da somit hier zwei ganz verschiedene 
Lärchen vorliegen, die nicht vereinigt werden können, so ist es auch ganz 
ungerechtfertigt, für L. americana Mchx. im Sinne des Prioritätsgesetzes 
den ältesten und dazu denkbar unpassendsten, garnicht hier in Betracht 
kommenden Namen: L. laricina wieder hervorzusuchen. 

Eine außerordentlich dekorative, oft malerisch schöne Form mit fast 
senkrecht hängenden Ästen, die allgemeine Verbreitung verdient. Wie auch 
bei hängenden Formen anderer Conif eren sind stets die als eigentümliche 
Sämlinge öfter in Kultur wieder aus Samen gefallenen Pflanzen, die den 
charakteristischen Wuchs besonders ausgeprägt zeigen, die dekorativ wert- 
vollsten, bei Aussaaten von dieser Trauerlärche geht der größte Teil der 
Sämlinge in die normale Art zurück, die wenigen hängenden Pflanzen wird 
man besonders werthalten und zur Vermehrung heranziehen. 

Die Vermehrung dieser Form geschieht durch hochstämmige Vered- 
lung, indem man junge kräftige Stämme im Kreise um eine Trauerlärche 
pflanzt und die Zweige ablaktiert, oder indem man im Frühjahr pfropft; 
solche Pflanzen haben jedoch längere Zeit nötig, um den dekorativen Wert 
eines bei Aussaaten entstandenen Sämlings zu erreichen. Je nachdem die 
Veredlungen der stärker hängenden Form pendula, oder der vorstehenden 
Form pendulina entstammen, sind sie entweder leicht oder stärker hängend 
oft sehr dekorativ, oder im zweiten Falle mehr schirmförmig abstehend. 

Larix europaea virgata (Bäume u. Sträucher d. Waldes von Hempel & Wilhelm, 

I, p. 113 [1892] mit Abbild, und Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1905, p. 82, mit 

Abbild.). Schlangenlärche. 

Ein starker Baum steht in der Nähe von Rottenmann in Obersteiermark 
und ein ähnHcher bei Kopfenberg bei Brück a. d. Mur in Steiermark. 

Die Hauptäste sind lang, schlangenförmig gewunden und seitlich aus- 
gestreckt, sie tragen sehr geringe seitliche Verzweigungen und vergabein sich 
an den Spitzen. Der obere Teil des Stammes, wie Äste und Zweige sind 
dicht beblättert, und zwar sitzen die Blätter so dicht ringsum, als wären die 
Äste mit Moos bewachsen. Es handelt sich hier also um eine ganz abnorme, 
monströse Bildung und der Baum erhält im Umriß eine abweichende 



IL Klasse. Coniferae. 317 

rundliche Kronenform. Seit 20 Jahren war kaum ein merklicher Zuwachs 
vorhanden und Blüten trug der Baum nie. 

Larix europaea fastigiata hört. Säulenlärche. 

Eine Form von besonders schlankem, säulenförmigem Wuchs mit 
gerade aufstrebenden Ästen. 

Larix europaea multicaulis Schröder rin Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1894, p. 21). 
Eine von Schröder in Moskau gewonnene schlanke, spitze Kegel- 
form, mit zahlreichen, aufstrebenden, dichtstehenden Ästen und Zweigen, 
ein löjähriger, 5 m hoher Baum nahm sich als Zierpflanze gut aus. 

Zwergformen. 
Larix europaea compacta hört. 

Diese Form bildet dichtbezweigte, kurze, gedrungene Kegel. 

Larix europaea Kellermannii hört. 

Eine buschige Zwergform mit sehr kurzen, dicken, dicht mit Blättern 
besetzten Zweigen. 

Larix europaea cervicornis. 

Eine eigentümliche Krüppelform mit hirschgeweihähnlichen Zweigen, 
die vom Semmering stammt und welche Herr Dr. Di eck in Zöschen durch 
Veredlung fortpflanzte. 

Larix europaea repens (Willk. Forst. Fl. II, p. 143 [1887]). Kriechlärche. 
Mit über den Boden hinkriechenden Ästen. 

Abweichende Blüfenfarbe. 
Larix europaea üore albo hört, oder var. alba hört. 

Syn. Pinus Larix t, alba hört. Transact. IV, p. 416. 

Eine Form, wo die sonst bei der europäischen Lärche so außerordentlich 
zierenden, weiblichen, roten Blüten grünlich-weiß gefärbt sind, also 
wohl botanisch interessant, aber als Zierbaum weit weniger schön. 

Willkomm nennt einen Baum im botanischen Garten in Dorpat, dessen 
weibliche Blüten über 2 cm lang, sehr stark zurückgekrümmte, bleiche Frucht- 
blätter mit grüner Rippe und gezähneltem Rand zeigten und dessen Zapfen, 
eiförmig-länglich, 5 cm lang, zurückgekrümmte, sparrige Schuppen hatten, 
var. pallidiflora. 

Schuppen locker, muschelförmig, klaffend. 

8. Larix sibirica Ledeb. (Fl. alt. IV, p. 204 [1833]). Sibirische Lärche. 

(Fig. 76.) 

Syn. Pinus Larix Pall. Fl. ross. I, p. 1 (1784). 

„ intermedia Fisch, in Schtschagl. Anz. Entdeck. VIII, p. B 
(1831), nicht Dur. 
Larix intermedia et archangelica Laws. (1836). 



318 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 



Syn. Larix europaea ß sibirica Loud. Arb. et frut. Brit. IV, p. 2352 

(1838). 
Abies Ledebourii Rupr. in Beitr. z. Flor. Rußl. II, p. 56 (1845). 
Pinus Ledebourii Endl. Conif. p. 131 (1847). 
Larix decidua ß rossica Henk, et Höchst. Conif. p. 132 (1865) 

zum Teil. 
Larix decidua ß sibirica Rgl. Gartenflora 1871, p. 101. 

Im nordöstlichen Rußland, Sibirien, im Amurgebiet und wahrscheinlich 
auch in Kamtschatka heimisch. Diesseits des Ural im Archangelschen und 
Wologdaschen Gouvernement große Waldungen bildend, im Permschen und 
Orenburgschen Gouvernement häufig. 

Alle russischen Beobachter und die meisten anderen Botaniker sind 
sich darin einig, daß die sehr beständige sibirische Lärche als besondere 
Art aufzufassen ist. 

Schon als junger Baum ist er kenntlich durch 
den schlanken geraden Wuchs, mit aufstrebenden Ästen, 
von fast säulenförmiger Gestalt. In der Heimat erreicht 
er 35 — 40 m Höhe und trägt auf schnurgeraden säulen- 
förmigen Stämmen^) eine abgestumpfte pyramidale 
Krone, die Hauptäste stehen wagerecht. Die jungen 
ausgereiften Triebe sind hellgelb, glatt und glänzend. 
Die dunkelbraunen Knospen sind an der Basis 
schwarz umrandet. Die Blätter sind länger; die 
Blätterbüschel der Kurztriebe stehen dichter, sie er- 
scheinen etwa 8 Tage früher als die der europäischen 
Lärche und fallen auch früher im Herbst ab. Männ- 
liche Blüten (nach Willkomm) schief-halbkugelig, mit 
aufwärts gekrümmter dicker Spindel. Die Zapfen sind 
meist 4 cm lang, laufen nach der Spitze kegelförmig 
zu; die Zapfen schuppen sind lockerer gestellt, größer, weniger zahlreich, 
dicklicher, am Rande wellig, muschelförmig, nach innen (nie nach außen) ge- 
krümmt, klaffend, auf dem Rücken gerinnt und filzig. Die Bracteen sind 
eingeschlossen und ragen mit den Spitzen nicht vor. Samen fast doppelt so 
groß als bei Larix europaea. 

Es kommen in frühester Jugend rotbraune und bleichgrüne Zapfen vor, 
ja selbst weiße Zäpfchen (Larix sibirica Tittelbachii Schröder), von 
welchen ich Material zugesandt erhielt (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1894, p. 19). 
Schröder glaubt, daß var. archangelica Laws. und rossica Rgl. zu der grün- 
zapfigen Form gehören möchten. Die var. rossica kennt niemand in Rußland 
und da Regel sie selbst in seiner russischen Dendrologie 1883 nicht mehr 
aufführt, so wäre sie zu streichen. V^on der grünzapfigen Form liegen mir 
große kegelförmige Zapfen, 5 cm lang, 3 cm breit, vor. Als L. rossica be- 
zeichnete Kulturbäume zeigen die Zugehörigkeit zu L. sibirica. Schröder 




Fig. 76. Zapfen von Larix 

sibirica Ledeb. 

Nach Dr. Regel in Gartenfl. 

1871. 



^) Ich erhielt Abbildungen von 100jährigen Prachtexemplaren von 29 und 24 m Höhe, 
auch eine 800 Bäume zählende Doppelallee, welche zum landw. Akademiegebäude in Moskau 
führt. Mayr in Fremdl. Wald- u. Parkb. 1906, p. 312 bildet einen Bestand, 155 jährig, bei 
Raivola an der finnischen Grenze ab. 



II. Klasse. Coniferae. 3X9 

gewann in Kultur die Formen: fastigiata, glauca, longifolia, pendula 
und robusta (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 121), die ja keiner 
weiteren Erklärung bedürfen. Ob sie durch Veredelung der Kultur erhalten 
geblieben sind, weiß ich nicht. 

Hoffentlich wird dieser für Rußland so überaus wertvolle Forstbaum 
auch für uns in günstigen Lagen ein solcher werden. Ich fand junge üppige 
Anzuchten, mit Jahrestrieben von 60 cm Länge. In den Heidekulturen von 
Schleswig-Holstein fiel sie in den Mischbeständen, als üppiger junger Baum, 
mit aufstrebenden Ästen, von fast säulenförmiger Gestalt, sofort in die Augen 
(Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p. 130). Die öfter auftretenden Klagen, 
daß Larix sibirica sich in der Jugend bei uns sehr trägwüchsig zeige, erklärt 
Mayr dahin, daß dieselbe sehr früh treibt, als kleine Pflanze am Boden, wo 
die Kälte am intensivsten wirkt, vom Froste leidet und den Schaden wieder 
ersetzen muß; später, wenn sie erstarkt, diesen schädlichen Einflüssen mehr 
entrückt ist, wächst sie üppiger empor (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1904, p. 207). 
Nach Forster-Klingenburg wächst sie auch gut auf Moorboden. 

9. Larix Principis Rupprechtii Mayr (Fremdl. Wald- u. Parkbäume, p. 309 
[1906], mit Abbild, eines Baumes und Zweig mit Zapfen). Prinz Rupprechts 

Lärche. 

In Wutaishan, Nord-China, in einem Tempelhofe gefunden. 

Einjährige fertige Triebe hellgelb, an den herablaufenden Blattbasen 
mit zwischenliegenden mattgraugrünen Tönen, kahl, an den Seitentrieben 
Blätter sichelförmig gekrümmt. Knospen der Kurztriebe mit zahlreichen, 
hellgelben, langen Haaren innerhalb der Schuppen, Knospen braun. Zapfen 
an einem kräftigen, aufwärts gekrümmten, 2 cm langen Stiele sitzend, kegel- 
förmig, etwas gebogen, 4 cm lang, 3 cm breit wenn geöffnet; Zapfenschuppen 
nach dem Offnen ganz flach gedrückt, fein gezähnt, kahl. Blütenschuppen 
nur an der Basis zwischen den Zapfenschuppen sichtbar. Diese rasch er- 
wachsenden Lärchen zeigen in ihrer Heimat völlig geraden Schaftbau; sind im 
übrigen in Tracht, Bau von Rinde und Borke der europäischen Lärche ähnlich. 

Mayr hat eine Pflanze lebend nach Grafrath gebracht, die, nach seinen 
Angaben, bei sehr kräftigem Wuchs ihre Verschiedenheit von allen bisher 
bekannten Lärchen verrät. 

Die abgebildeten Zapfen zeigen in Größe, Form, mit weitklaffenden, 
muschelförmigen Schuppen, eine unverkennbare Ähnlichkeit mit denen von 
Larix sibirica, ja ich besitze von letzteren solche, die ihnen haarscharf gleichen. 

Zapfen klein, armschuppig, Schuppen muschelförmig, klaffend. 

10. Larix dahurica Turcz. (in Bull. soc. nat. Mosq. 1838, p. 101). 

Dahurische Lärche. (Fig. 77.) 
Syn. Pinus Larix americana Pall. flor. Ross. I, p. 2, t. 1, fig. e (1784). 
„ dahurica Fisch, in Endl. Conif. p. 128 (1847). 
„ kamtschatica Endl. Conif. p. 135 (1847). 
Abies Gmelini Rupr, fl. Samoj. n. 269 adnot. 
Larix kamtschatica Carr. Conif. 1. ed, p. 279 (1855). 
„ amurensis hört. 



320 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten. 

Im ganzen Amurgebiet der verbreitetste Baum, entweder Waldungen 
bildend oder eingestreut in Waldungen wachsend, nach Fr. Schmidt (Reisen 
im Amurland und auf der Insel Sachalin) im Dschuk-Tal gemeinsam mit 
Picea ajanensis wachsend; auf den sumpfigen Niederungen des Dschuk kommt 
eine auffallende Krüppelform vor mit niederliegendem Stamme, wie ähnliche 
Zwergformen auch von der europäischen Lärche vorkommen (s. Beschreibung 
bei den Formen), auch in Dahurien, sowohl in der Ebene wie auf die Alpen 
aufsteigend und hier niederliegende Zwergformen bildend; auf der Insel 
Sachalin der Hauptwaldbaum, die baumlosen Tundren sind oft mit un- 
geheuren Flächen verkrüppelter Lärchen und Gebüsche von Pinus pumila 
Rgl. bestanden. 

Nach Dr. Regel mächtige Bäume von mehr als 20 m Höhe und bis 
1 m Stammdurchmesser bildend. In der Jugend aufstrebend, regelmäßig- 
pyramidal, als älterer Baum im Wuchs einem Laubholzbaum ähnlich, oft mit 
mehreren Spitzen mit unregelmäßig gestellten, sparrig abstehenden und über- 
hängenden Zweigen. Die die Blattbüschel tragenden Kurztriebe sind eirund 
oder länglich-walzig, nur 6 mm lang, Blätter schmal-lineal, 28 — 35 mm lang, 
^/2 — ^li mm breit. Zapfen klein, geschlossen länglich-oval, 
etwa 20 — 25 mm lang, es kommen auch etwas größere 
Zapfen vor, wie mir solche aus Moskau vorliegen; in 
reifem Zustande stehen die Zapfenschuppen bis in die 
Spitze hinein weit auseinander, was sie sofort von allen 
anderen Lärchenarten unterscheidet und die Zapfen kugel- 
förmig gestaltet; Zapfenschuppen steif, rundlich-oval bis 
gestreckt-eirund, an der Spitze abgerundet oder abge- 
Tnvcl NaciTür. Reget stützt, oft auch ausgerandet, gestreift, glänzend hellbraun, 
Gartenflora 1871. muschelförmig mit steifem, aufrechtem Rande. Bracteen 

lanzettlich oder elliptisch, in eine dünne Spitze ausge- 
zogen, ganz eingeschlossen, nur an den unteren Schuppen vorsehend. 

Neben der normalen rotzapfigen kommt auch eine grünzapf ige Form, 
Larix dahurica chlorocarpa Schröd. (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1898, 
p. 23 vor, von der ich Herrn Schröder in Moskau Material verdanke. 

Die Dahurische Lärche, welche im Herbst etwas länger grün 
bleibt als die europäische Lärche, ist in Deutschland selten echt vertreten, 
häufig auch verwechselt mit anderen großzapfigen Arten oder Formen, zumal 
mit der sibirischen Lärche; ob sie dereinst außer als botanisch interessanter 
Parkbaum auch als Forstbaum, etwa für feuchte Moorgründe sich eignen 
wird, müßten Kulturversuche ergeben und sollte zu diesem Zwecke aus ganz 
zuverlässiger Quelle aus dem Vaterlande das Saatgut beschafft werden, um 
allen unliebsamen Verwechselungen vorzubeugen, die, bei der Ähnlichkeit 
der Lärchenarten, meist erst an fruchtbaren Bäumen mit Sicherheit erkannt 
werden. 

Standorfs-Krüppelformen. 

Larix dahurica montaua vel alpina Schröder (in „Wirt oder Herr" 1894, 
p. 227 und in Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1894, p. 22). 
Herr Schröder sandte mir die Abbildung einer Gruppe von drei 
Bäumen im botanischen Garten in Moskau, die etwa hundertjährig, 10—13 m 




II. Klasse. Coniferac. 



321 



Höhe bei 1,30 — 1,60 m Stammumfang haben. Die ziemHch geraden 5 — 6 m 
hohen Stämme tragen starke Äste in den malerischsten Drehungen, entweder 
ganz schirmförmig, lang nach allen Seiten sich ausbreitend, oder knieförmig 
gebogen, schräge aufwärts wachsend und sich dann wieder schirmförmig flach 
hinstreckend. Die Zapfen sind kleiner und fast kugelförmig. Es ist dies in 
Nordost-Sibirien die gewöhnliche, durchaus nicht kriechende Form auf 
dem mehr als 1,60 m tief gefrorenen Boden, der nur im Sommer etwa 1 — 1,30 m 
tief auftaut, so daß der Reisende selten einen geraden Baum antrifft. 

Larix dahurica ß prostrata Rgl. (in Gartenfl. 1871, p. 105). Kriechende 

dahurische Lärche. 

Syn. Pinus dahurica Endl. Conif. p. 128 (1847). 

Es ist dies die bereits oben angeführte, auf kalten sumpfigen Niederungen 
und auf den höchsten dahurischen Alpen vorkommende Zwergform mit nieder- 
liegendem Stamm, welche, auf End- 
lichers Angabe hin, von der Mehr- 
zahl der Autoren fälschlich für 
die eigentliche dahurische Lärche 
gehalten und diese daher allgemein 
als Zwergbaum beschrieben wurde, 
während die Sumpf-, Krüppel- oder 
Zwergform nach Regel gerade die 
seltenere Form ist, dagegen der 
typische hohe Baum von Dahurien 
bis Ost-Sibirien sich weit ausbreitet. 

11. Larix kurilensis Mayr (Abiet. 
d. jap. Reiches 1890, p. 66, Taf. V, 
15). Kurilenlärche. (Fig. 78.) 
Syn. Larix dahurica y japo- 
nicaMaxim. (pl. exsicc. 
fl. jap. iter sec). 
Gui-Matzu; Shikotan- 
Matzu der Japaner. 
Diese Lärche bildet nach 
Maxim owicz im nördlichen Japan 
in der Umgegend von Hakcdate 
große Bäume mit dichten Kronen. 
Die die blattbüscheltragenden Kurz- 
triebe sind außerordentlich dick und 
stark. Die Blätter sind kürzer und 
breiter als bei der Art, 2 cm lang 
und 1^/2 mm breit und stumpflich- 
gespitzt. Mir vorliegende, von Sap- 
poro auf der Insel Eso stammende 

Zapfen sind eirund-länglich, 15 — 25 mm lang, die Schuppen sind steif, eirund- 
längUch, oben abgerundet, am Rande gekerbt, auf dem Rücken gestreift, 
glänzend-hellbraun und spreizen am reifen Zapfen weit auseinander. 
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 21 




Fig. 78. Larix kurilensis Mayr gleich Larix dahurica 

japonica Maxim. Zweig mit reifen Zapfen. Nach 

Dr. Regel, Gartenfl. 1871. 



322 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Nach Mayr sind die Bäume, die Maximowicz in Hakodate sah, dort 
nicht einheimisch, sondern kultiviert, sie wächst auf den Kurilen und zwar 
auf der Insel Shikotan als niedriger und auf der japanischen Kurileninsel 
Iturupp als hoher, starker Baum. In Fremdl. Wald- und Parkbäume 1906, 
p. 301 bildet Mayr einen alten malerischen, vom Sturme zerpeitschten Baum 
ab. Er sieht diese Lärche als eigene Art an und nennt sie L. kurilensis, 
Kurilenlärche, worin ihm manche nicht zustimmen, ja Kent in Veitch Man. 
of the Conif. 1900, p. 390 setzt sie als Syn. der L. dahurica bei. Da diese 
Lärche sich jedoch in Kultur, im Wuchs, Bezweigung, üppigen, breiteren 
Blättern, wie in den Zapfen merklich von der typischen L. dahurica unter- 
scheidet, so nehme ich nunmehr, früherer Anschauung entgegen, Mayrs 
Namen an. Nach Mayr ist der üppige ausgereifte Trieb tief blaurot, etwas 
bereift und behaart; die Blätter der Kurztriebe sind 2,5 cm lang, gebogen 
0,8 cm dick, an den Längstrieben nehmen die Blätter in Länge und Breite 
nach oben zu; Zapfen wie schon vorn beschrieben, Bracteen blaurot, am 
Grunde spateiförmig in der Mitte eingeschnürt, mit nadeiförmiger Spitze. 

Diese schöne Lärche zeigt bei uns ein treffliches Gedeihen, ist sehr 
schnellwüchsig, ergrünt von allen Lärchen am frühesten und zeichnet sich 
durch unten auffallend kurze, schirmförmig wagerecht abstehende Äste und 
Zweige aus. Die stärksten Exemplare stehen in Grafrath bei München und 
in Lütetsburg beim Fürsten zu Inn- u. Knyphausen (hier 9 m hoch, etwa 
30 jährig). Man vergl. Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1894, p. 22; 1897, p. 47; 
1899, p. 30; 1901, p. 54; 1902, p. 87; für forstlichen Anbau, an passenden 
Standorten, dürfte diese Lärche wohl ernstlich in Frage kommen. 

12. Larix Cajanderi Mayr (Fremdl. Wald- u. Parkb. p. 297 [1906], mit Abbild.). 

Cajanders Lärche. 

Syn. Larix dahurica Turcz. Act. soc. scient. Fennicae XXXII, p. 3 
(1904), nach Cajander. 

In Ost-Sibirien von der Mündung des Aldan in die Lena (63 ^ n. Br.) 
an nordwärts Mischbestände mit Picea obovata oder Betula odorata bildend; 
reine Bestände mit über 20 m Höhe nur auf Böden, welche nicht mehr über- 
schwemmt werden; von der Aldanmündung südwärts scheint alles Larix 
dahurica zu sein (nach Mayr). 

Während Dr. A. K. Cajander diese Lärche mit Larix dahurica gleich, 
oder doch als sehr nahe verwandt und nicht spezifisch verschieden hält, 
erhebt Mayr sie zu einer besonderen Art und gibt folgende Beschreibung: 

Die Blätter hatten Anfang Juni noch nicht ihre normale Größe erreicht; 
an zapfentragenden Zweigen verbliebene Blätter hatten die außergewöhnliche 
Länge von 4 — 5 cm. Beim Platzen der Knospen erscheint mit den neuen 
Blättern ein dichter, weißgelber, lockiger Haarschopf, welche der Larix dahurica 
fehlt. Einjährige Triebe hellgelbbraun, mit einzelstehenden Haaren besetzt; 
mehrjährige Triebe helUachsf arbig. Zapfen kurz, mit etwa 20 Schuppen, diese 
am oberen Rande ausgebuchtet, nicht gekerbt wie bei L. dahurica und L. 
kurilensis. Zapfenspindel hellbraun behaart; Zapfenstiel haarlos. 

Je nach Auffassung des Artenbegriffes liegt hier wohl nur eine klimatische 
Form der weit verbreiteten dahurischen Lärche vor. 



I 



II. Klasse. Coniferae. 323 

13. Larix americana Mchx. (fl. bor. am. II, p. 203 [1813]). Ost-Amerikanische 
oder kleinzapfige Lärclie. (Fig. 79.) 

Syn. Pinus Larix rubra Marsh. Arb. p. 103 (1785). 

„ microcarpa Lamb. Pin. ed. I, t. 37 (1803). 
„ intermedia Dur. Harbk. wild. Baumz. II, p. 115, nicht Fisch. 
Larix tenuifoHa SaUsb. in Linn. Trans. VIII, p. 313 (1805). 
„ microcarpa Bedf. Pin. Wob. p. 139, t. 47 (1839). 
„ intermedia Lk. Linn. XV, p. 535 (1841). 
„ americana rubra hört. 
Abies microcarpa Lindl. et Gord. Journ. hört. soc. V, p. 213 

(1850). 
Larix Fraseri Curt. ex Gord. Pin. p. 129 (1858). 
Pinus pendula Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 409, zum Teil (1868). 
Larix laricina Koch. Dendr. II, p. 263, zum Teil (1872). 
Tamarack und Hackmatac der Amerikaner. 
Meleze d'Amerique der Franzosen. 
American or Red Larch (Rotlärche) der Engländer. 
In Nord-Amerika von Virginien bis Kanada große Waldungen bildend, 
zumal auf frischem Gebirgsboden in Kanada ein mächtiger Baum. 
In Europa 1739 eingeführt. 

Baum von 25 — 30 m Höhe, mit geradem, schlankem, mit bräunlich-grauer 
Rinde bekleidetem Stamme, in der Jugend schmaler, schlanker, später 
breiterer Krone und überhängenden Zweigen. Rehder fielen 
die auffallend spitzen Kronen in den Wäldern von Wisconsin 
auf (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 110). Junge aus- 
gereifte Triebe gelbrot, glatt; Knospen rotbraun. Kurztriebe, 
welche die Blattbüschel tragen, sehr kurz, fast kugelig. Blätter 
in Büscheln von 20 — 40, weich und zart, lineal-fadenförmig- 
stumpflich, 20 — 28 mm lang, ^j^ mm breit, hellgrün. Männliche americana 

Blüten kugelig, gelblich-weiß. Zäpfchen, die kleinsten aller Mchx. 

Lärchen, 1^/2 — 2 cm lang, eirund oder fast kugelig, jung violett- 
rot, reif gelbbraun, nach dem Samenausfall mit weit klaffenden Schuppen; 
Zapfenschuppen wenige, glatt und glänzend, lederartig, oval bis kreisrund, 
ganzrandig eingebogen. Auch an dieser Lärche sind durchwachsene Zapfen 
beobachtet worden, d. h. aus der Spitze der Zapfen wuchs, als Verlängerung 
der Spindel, ein normaler kleiner Zweig heraus. Samen klein, verkehrt- 
eirund-länglich, mit eirund -länglichem, stumpfem, braunem, 5 mm langem 
Flügel. 

Ein außerordentlich zierlicher, leicht bezweigter und daher sehr zur 
Anpflanzung zu empfehlender Parkbaum, welcher im Herbst etwas länger 
grün bleibt als die europäische Lärche. Das Holz wird in Nord-Amerika als 
sehr schwer, harzig und dauerhaft geschätzt und für Schiffsbau, Erdbauten, 
z. B. zu Eisenbahnschwellen, verwendet, übertrifft aber Larix europaea an Güte 
nicht. Nach Dr. Mayr wächst L. americana auf ihrer südlichsten Grenze auf 
kaltem, sumpfigem Boden mit Balsamtanne, Lebensbaum und Fichte und ist 
hier ihr Holz weich, leicht und wenig dauerhaft, hat dafür aber großen Wert 
als Schutzbaum. 

21* 



t 



324 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

In deutschen Parkanlagen finden wir recht schöne Bäume von 10 — 15 m 
Höhe, die auch keimfähige Samen brachten, und zeigen dieselben ein gutes 
Gedeihen. Freistehende Bäume mit leicht überhängenden Zweigen, im 
Schmuck zahlreicher kleiner Zäpfchen, nehmen sich reizend aus, sind aber 
leider viel zu selten in den Gärten. Ob sich die amerikanische Lärche zum 
forstlichen Anbau unter bestimmten Verhältnissen empfiehlt, ob in unseren 
Kulturen das Holz an Güte dem der einheimischen Lärche gleichkommt oder 
je nach Boden und Standort etwa Vorteile bietet, ob für solchen Anbau das 
Gedeihen ein genügend freudiges ist, müssen eingehende Kulturversuche 
ergeben. 

Schließlich ist noch zu bemerken, daß die amerikanische Lärche 
vielfach mit Larix europaea pendula (siehe genaueres daselbst) verwechselt, 
oder fälschlich mit derselben zusammengeworfen ist. Marshai nannte zum 
Unterschied von letzterer (die er als „Schwarzlärche" bezeichnete) die ameri- 
kanische Lärche „Rotlärche", ihrer bräunlich-grauen Rinde wegen. 

Schröder in Moskau führt einen mutmaßlichen Bastard: Larix ame- 
ricanax dahurica = L. hybrida Schröder an (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 
1894, p. 22), der aus Samen aus dem botanischen Garten in St. Petersburg 
gefallen, wo beide Arten nebeneinander stehen. Die Zapfen, in Form und 
Farbe americana näherstehend, haben zahlreichere, glänzende, glatte Schuppen 
und sind fast so groß als bei dahurica, 16 — 20 mm lang. Der Baum, unregel- 
mäßig von Wuchs, ist kräftiger als americana, zierlicher als dahurica und 
recht dekorativ. 

Larix americana glauca (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1907, p. 48). 

Im botanischen Garten in Stockholm fand ich ein freistehendes Exemplar, 
reizend, leichtzweigig, in der Belaubung von stahlblauer Färbung, höchst 
dekorativ, so daß eine Vermehrung durch Veredelung und weitere Verbreitung 
sehr erwünscht wäre. 

Für alle vorstehend beschriebenen Lärchen mit ihren Formen gilt 
das bei Larix europaea in betreff der Kulturbedingungen, wie des dekorativen 
Wertes Gesagte. Alle Lärchen verlangen, als echte Gebirgsbäume, freie, 
luftige Lagen, müssen daher auch landschaftlich ganz frei oder zu lichten 
Gruppen vereinigt werden; sie sind am wirkungsvollsten auf Anhöhen und 
Abhängen, wo zumal auch die hängenden Formen zur Geltung kommen. 

Die Vermehrung geschieht in erster Linie durch Aussaat, da nur so 
normale Bäume erzogen werden und für Nutzzwecke von vornherein jede 
andere Vermehrungsweise ausgeschlossen ist. Man macht die Aussaaten für 
größeren Bedarf in leichten, sandigen Boden in das freie Land und sorgt 
dafür, daß sie durch übergelegtes Nadelholzreisig geschützt werden, da die 
jungen Pflanzen sonst leicht, von der Stammfäule ergriffen, umfallen. Bei 
geringerem Bedarf oder Aussaat von selteneren Arten säet man selbstredend 
in Schalen oder Kästen, um die Saaten besser beobachten und pflegen zu 
können. 

Ungeschlechtliche Vermehrung sollte bei den Arten, von denen 
Samen zu erlangen sind, ausgeschlossen sein. Formen, die keine Samen 
bringen, oder sich durch diese nicht echt fortpflanzen, werden durch Ver- 
edelung auf Larix europaea, auch durch Stecklinge von Zweigspitzen, oder 



I 



II. Klasse. Coniferae. 325 

durch Ableger vermehrt, indem man kräftige junge Pflanzen niederlegt, die 
jungen Zweige einschneidet und in nahrhafte Erde niederhakt, durch eine 
Moosschicht die Erde stets gleichmäßig feucht hält und so dann meist im 
zweiten Jahre bewurzelte Pflanzen erzielt. Die Veredelung auf L. europaea 
geschieht durch Pfropfen, Kopulieren oder durch seitliches Einspitzen im 
Frühjahr vor dem Austreiben, am besten auf gut bewurzelte Sämlinge auf 
den Wurzelhals. Die hängenden Formen vermehrt man auch, indem man 
schlanke junge Stämmchen im Kreise um die Mutterpflanze setzt und passende 
Zweige ablaktiert. Im allgemeinen scheint Veredelung bei Lärchen weniger 
gute Resultate zu geben wie bei anderen Coniferen-Gattungen, oft findet 
man krankhafte, krüppelige, schlecht gedeihende Exemplare, die selbst noch 
eingehen. Anscheinend tritt keine innige Verwachsung ein, oder eine durch 
die Veredelungsstelle herbeigeführte starke Saftstockung hindert ein freudiges 
Gedeihen. Es wäre hier also der Fall eines schlechten Gedeihens veredelter 
Pflanzen zu verzeichnen gegenüber den merkwürdigen Fällen, wo Veredelungen 
besser gedeihen als Sämlinge derselben Art, wie z. B. bei Pinus Lambertiana 
und Abies nobilis angeführt wurde. 

Langtriebe und vielbläftrige Kurztriebe, Blätter vierkantig, immergrün, Zapfen groß, 
Schuppen bleibend, Samen in 2—3 Jahren reifend. 

Cedrus Lk. (in Linn. XV., p. 537 [1841]). Ceder. 

Blüten einhäusig, männliche endständig an seitlichen kurzen Zweigchen, 
zwischen gebüschelten, sternförmig-abstehenden Blättern fast sitzend, von 
schuppenförmigen, eng-dachziegeligen Bracteen dicht umgeben. Staubfaden- 
säule 3 — 5^/2 cm lang, zylindrisch zwischen Bracteen sitzend. Antheren sehr 
zahlreich, zuerst sehr dicht, bald lockerer, spiralig dichtstehend, vielreihig an 
einer Achse, fast sitzend, Fächer zwei, länglich-lineal, eng angewachsen, nach 
außen der Länge nach aufspringend, durch das Mittelband über die Fächer 
hinaus in ein schuppenförmiges, eirundes, eingebogenes, öfter am Rande 
gezähneltes Anhängsel verlängert. Weibliche Blüten walzlich, an kurzen 
Zweigen zwischen Blättern sitzend. Schuppen deutlich doppelt, spiralig 
vielreihig, sehr dicht angedrückt-dachziegelig, fast bis zur Basis gesondert. 
Bractee klein, eng verwachsen, eingeschlossen. Samenschuppe schon während 
der Blüte viel größer als die Schuppe, an der Spitze gerundet, mit dünnem 
Rande. Eichen zwei, nahe der Basis der Samenschuppe, mit dieser zusammen- 
hängend und umgewendet. Zapfen 8 — 10 cm lang, eirund mit unveränderten 
Bracteen. Schuppen durch die Samenschuppe sehr vergrößert, steif, wenig 
verdickt, erhärtet, sehr eng dachziegelig, an der Basis einwärts gebogen, 
lange bleibend, mit den reifen Samen erst abfallend. Samen, wie bei der 
Kiefer, hinter jeder Schuppe zwei, falsch-flügelfruchtartig. Haut dünn, trocken- 
häutig, durchsichtig, breit-schief-eiförmig, von der inneren Lage der Schuppe 
getrennt, erst kaum vom Flügel gelöst, eirund-länglich-dreieckig, zusammen- 
gedrückt. Schale dünn, krustenartig. In 2 — ^3 Jahren reifend. Kotyle- 
donen 8 — 10. 

Hohe immergrüne Bäume, Zweigchen aus dachziegelig- schuppigen 
Knospen entwickelt, die Langtriebe dünn, entfernt stehende, spiralig ange- 
heftete Blätter tragend, die blütentragenden Kurztriebe dick, kurz, an den 



326 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten, 

Jahrestrieben eine äußere Reihe dachziegeUger Schuppen und eine innere mit 
einem dichten, fast zu einem Quirl zusammengedrängten Blätterbündel tragend. 
Blätter nadeiförmig, fast vierkantig, steif, nahe der Basis gegliedert, mit 
unterhalb der Gliederung nach dem Blätterabfall lange bleibenden, keulenförmig 
abstehenden, lang herablaufenden Blattkissen. 

1. Cedrus Libani Barr. (Icon. p. 499; Loud. Arb. IV p. 2402, cum icon. [1838]). 
Libanonceder. (Fig. 80 u. 81.) 

Syn. Pinus Cedrus L. spec. pl. p. 1001 (1753). 
Larix Cedrus Mill. Dict. n. p. 3 (1759). 
Abies Cedrus Poir. Dict. 6 p. 510 (1804). 
Larix patula Salisb. in Linn. Trans. 8 p. 314 (1807). 
Kateran Bujus der Türken. 
Cedre du Liban der Franzosen. 
Cedar of Lebanon der Engländer. 

Bewohnt die Gebirge und subalpinen Regionen im südlichen Anatolien, 
im cilicischen Taurus, wo sie ausgedehnte Wälder mit Abies cilicica und Juni- 
perus foetidissima in einer Höhe von 1300 — 2000 m bildet; im Antitaurus in 
2000 m Erhebung, auf dem Libanon oberhalb Eden, wo sich ein Wäldchen 
von 400 Bäumen befindet, und auch auf dem Berge Gebel Barak des süd- 
lichen Libanon; auf Cypern; in Algier auf dem Berge Tongour mit Cedrus 
atlantica gemeinsam wachsend. 

In Europa im Jahre 1683 eingeführt. 

Baum von 25 — 40 m Höhe, oft von enormem Stammumfang, langsam 
von Wuchs, in der Jugend mit breit-pyramidaler, im Alter flacher, breit- 
schirmförmiger Krone. Äste sehr stark, horizontal ausgebreitet. Stamm mit 
schwarz-grauer, rissiger Rinde bekleidet. Zweige zahlreich, kurz. Blätter an 
der Spitze von Kurztrieben zu Bündeln von 30 — 40 gedrängt stehend, 15 bis 
35 mm lang, 1 mm breit, gebogen oder gerade, steif, spitz, stumpf-viereckig, 
dunkelgrün. Zapfen einzeln, gestielt, aufrecht, eirund oder eirund-länglich, an 
der Spitze vertieft, harzüberflossen, braun, 8 — 10 cm lang, 5 — 7 cm breit. 
Schuppen zahlreich, dicht-dachziegelig, fast holzig-korkig, aus verschmälertem 
Grunde keilförmig, fast viereckig, auf dem Rücken seidenhaarig, runzelig, 
oben etwas eingebogen, ganzrandig. Samen eirund-länglich-dreieckig, zusammen- 
gedrückt, 15 mm lang, mit 2^/2 cm langem, dünnhäutigem, halbfächerförmigem, 
oben gerade abgestutztem, braunem Flügel. 

Nach Dr. Brandis in Forest Flora, p. 524 zeigt das Holz der Ceder 
vom natürlichen Standort ein deutlich abgegrenztes Kernholz; dieses ist dicht- 
faserig, braun und aromatisch, während das von kultivierten Bäumen in 
Europa weißlich oder blaßrot, leicht, schwammig, weich und wenig aroma- 
tisch ist. 

Die Libanonceder ist ein seit den ältesten Zeiten berühmter, herr- 
licher, dekorativer Baum und spielte als Spender eines trefflichen Nutzholzes 
eine große Rolle; soll doch schon Salomon aus seinem Holze den Tempel zu 
Jerusalem, erbaut haben; wie angegeben wird, verwendeten die alten Egypter 
das weiße Harz zum Einbalsamieren ihrer Toten. 



II. Klasse. Coniferae. 



327 



Es ist übrigens wohl als sicher anzunehmen, daß die alten Schriftsteller 
unter dem Namen „Ceder" verschiedene Bäume verstanden, und daß da 




z. B, verschiedene Juniperus-Arten, welche ja bekanntlich ein treffliches, hartes, 
aromatisches Nutzholz liefern, mit einbegriffen sein dürften. 



328 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten, 




II. Klasse. Coniferae. 



329 



Leider ist die Ceder im allgemeinen für Deutschlands Klima zu empfind- 
ich und kann nur für besonders günstige, geschützte Lagen, oder für die 
Iwärmsten Gegenden zur Anpflanzung empfohlen werden. 

In den Rheinländern, wie in Süddeutschland gedeiht sie noch gut, und 
alte schöne Bäume bezeugen, daß sie hier auch harte Winter gut überdauerte; 
so steht im botanischen Garten zu Bonn ein Doppelstamm von 20 m Höhe, 
welcher am Fuße 1 m im Durchmesser hat und sich dann in zwei Stämme 
von je 0,50 m Durchmesser teilt; derselbe ist als kleines Bäumchen etwa um 
das Jahr 1820 gepflanzt worden; andere größere und kleinere Bäume finden 
sich in der Umgegend, welche oft Zapfen, aber meist nur einen kleinen 
Prozentsatz keimfähiger Samen brachten. In Hügel bei Essen an der Ruhr 
sind starke Bäume, von deren Samen schon wieder stattlicher junger Nach- 
wuchs erzogen wurde. In Heitorf bei Düsseldorf, Besitzung des Herrn 
Grafen Spee, finden sich prächtige, ältere, besonders schön entwickelte 
Exemplare, die auch eine gesunde Nachkommenschaft lieferten; ein mächtiger, 
malerischer Baum mit riesigen über dem Boden sich ausbreitenden Ästen hat 
1,45 m Stammdurchmesser; in Weinheim a. d. Bergstraße steht ein ähnlicher 
malerisch schöner Baum von 3,30 m Stamm- ^^^^ 

umfang. Prachtexemplare von 20 m Höhe 
sehen wir auf der Insel Mainau im Boden- 
see. Alte starke Stämme trifft man im Elsaß 
in alten Parkanlagen, nach Kirschleger steht 
die schönste, 1750 gepflanzte Ceder im Garten 
des Oberst Herve zu Dachstein. Ein 1734 
gepflanzter Baum steht in Bollweiler im Garten 
von Napoleon Baumann. Sonst gedeiht die 
Ceder in Deutschland nur in ausnahmsweise 
günstigen Lagen, so z. B. in Ohrberg bei 
Hameln an der Weser, hier ein Baum, 1820 
gepflanzt, 20 m hoch mit 2 m Stammumfang, 
am Main und stellenweise an der Elbe, in 
Düsternbrok bei Kiel u. a. Orten. 



■•■"'.'r,u,ä«*ilii»,: 









Cedrus Libani brevifolia J. D. Hook. (Journ. 
Bot. 1880, p. 31). (Fig. 82.) 

Auf den Gebirgen der Insel Cypern 
zwischen Kyller und Krysokus (nach Baker) 
in einer Erhebung von 1300 m wachsend. 

Hartmann, in Mitt. d. d. dendr. Ge- 
sellsch. 1905, p. 181 bespricht diese Cedern 
inmitten des Kickuwaldes und hebt die breiten 
Schirmkronen mit dichter blaugrauer Benade- 
lung hervor; diese blaugrauen Individuen über- 
wiegen. Die ältesten Stämme, auf 100 Jahre 
geschätzt, haben bei 12 m Höhe etwa 2 m Stammumfang. 

Eine Form mit kürzeren Blättern und kleineren Zapfen. Nach 
Hooker ist diese Form wegen der nur unreif vorliegenden Zapfen noch 
nicht genügend bekannt, scheint aber Cedrus atlantica sehr nahe zu stehen. 




Fig. 82. Cedrus Libani brevifolia J. 

ü. Hook. Zapfen vom Berge Troodas 

auf Cypern, von Herrn v. St. Paul 

eingeführt. 



380 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

Herrn v. St. Paul ist es gelungen, sich vom Standorte reife Zapfen 
zu verschaffen, wie sie Fig. 82 zeigt, welche vom Berge Troodas auf Cypern 
(dem alten Olymp) stammen, sie haben eine länglich-eirunde, mehr walzen- 
förmige Gestalt, 6^/2 cm Länge, bei 4 cm Breite, und sind an der Spitze 
vertieft; aus dieser Vertiefung tritt aber nochmals eine Spitze knopfförmig 
hervor. 

Jedenfalls steht die Ceder von Cypern der Atlasceder sehr nahe, 
auffällig ist die mehr walzenförmige Gestalt der sonst in der Größe fast 
gleichen Zapfen. 

Sehr zu wünschen wäre es, daß durch eine größere Sameneinfuhr diese 
interessante Form der Ceder bald eine recht weite Verbreitung fände, da zu 
hoffen steht, daß dieselbe, aus den angeführten Höhenlagen auf Cypern ge- 
wonnen, auch in rauheren Lagen sich widerstandsfähiger zeigt, als solche aus 
wärmeren Gegenden zu uns eingeführten. 

In der Färbung abweichend. 
Cedrus Libani glauca Carr. (Conif. 1. ed., p. 284 [1855]). 
Syn. Cedrus Libani argentea Ant. et Kotsch. Iter cilic. n. 417. 
Eine Form von blaugrüner bis silbergrauer Färbung, welche auf 
den verschiedenen Standorten, besonders aber im cilicischen Taurus, unter- 
mischt mit der dunkelgrünen Art, vorkommt, und somit auch bei Aussaaten 
in Kultur gewonnen wurde. Durch die auffallende Färbung ist sie dekorativ 
besonders wertvoll und mit Recht gesucht und geschätzt. 

Cedrus Libani viridis Carr. (Conif. 2. ed., p. 373 [1867]). 

Eine widerstandsfähige, üppig wachsende Form, welche sich durch 
frischgrüne, glänzende Blätter von der dunkelgrünen Art unterscheidet. 

Wuchsformen. 

Cedrus Libani nana Loud. (Encyclop. of Trees p. 1058 [1838]). 

Eine öfter bei Aussaaten gewonnene, runde, buschige, dicht be- 
zweigte Zwergform. Man findet in Kultur dichtgeschlossene Kugelformen 
von 1^/2 m Durchmesser (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1905, p. 72). 

Cedrus Libani nana pyramidata Carr. (Conif. 1. ed., p. 284 [1855]). 

Eine gedrungene, kegelförmige Zwergform mit aufstrebenden^ 
dichtstehenden Zweigen. 

Cedrus Libani denudata Carr. (Rev. hört. 1859, p. 103). 
Eine Form mit geradem Stamm und ungleich gestellten und entwickelten 
Ästen und kurzen, dunkelgrünen Blättern, welche ihres unregelmäßigen 
Wuchses und der lückenhaften Beästung wegen eigentümlich, aber nicht 
dekorativ genannt werden muß. 

Cedrus Libani pendula Knight. (Syn. Conif. p. 42 [1850]). 
Eine in England vorkommende Form mit überhängenden Ästen und 
ebenfalls abwärts hängenden Zweigen. Man findet in Kultur auch prächtige 
blaue Individuen von dieser schönen Trauerform. 



II. Klasse. Coniferae. 331 

Cedrus Libani stricta Carr. (Rev. hört. 1. c). 

Eine Form mit schlankem, geradem Stamm, sehr dichten und auf- 
strebenden, kurzen Ästen und glänzend - graugrünen bis silbergrauen 
Blättern. 

Nach Carriere eine schmale, kegelförmige und so dichte Pflanze 
bildend, daß es nicht möglich ist, den Stamm durchzusehen. Ein 25 m 
hohes, schönes Exemplar dieser charakteristischen Form steht in Houre bei 
Auch in Frankreich. 

Cedrus Libani decidua Carr. (Conif. 2. ed., p. 372 [1867]). 
Eine buschige, langsam wachsende Pflanze mit zahlreichen, kurzen 
Zweigen und im Winter abfallenden Blättern. Eine unschöne, nur 
botanisch interessante Form, welche nach Carriere von Seneclauze in 
Kultur 1851 gewonnen wurde und gleichsam einen Übergang von der Ceder 
zur Lärche bildet, jedenfalls aber den Beweis liefert, daß von Pflanzen mit 
immergrünen Blättern solche mit abfallenden Blättern entstehen können und 
umgekehrt. 

Cedrus Libani hybrida hört. 

Syn. Cedrus Libani x atlantica. 

Ein durch Kreuzung der Cedrus Libani mit C. atlantica entstandener 
Bastard, von welchem nicht mehr nachzuweisen ist, ob er spontan oder in 
Kultur entstanden ist. Es ist ein jetzt stattlicher Baum in der Besitzung des 
verstorbenen Herrn Giuseppe Gaeta in Moncioni bei Florenz, welcher nach 
Mitteilung des Besitzers keine nennenswerten Eigentümlichkeiten aufweist. 

In der „Gartenwelt" 1900, p. 221 gibtT. Simon: „Nadelhölzer am Bosporus 
und in Kl. Asien" an, auch diesen Bastard beobachtet zu haben. Er nennt 
einen solchen von schönem pyramidalem Wuchs, mit vollkommen horizontaler 
Beastung, in Färbung und Benadelung der Cedrus Libani ähnlich, an Schnell- 
wüchsigkeit der C. atlantica gleich. Eine recht genaue Prüfung müßte hier 
nachweisen, ob es sich wirklich um Bastarde oder nur um abweichende 
Formen handelt. 

2. Cedrus atlantica Manetti. (Cat. hört. Madoet. Suppl. p. 8 [1844]). 
Atlasceder. (Fig. 83.) 

Syn. Pinus atlantica Endl. Conif. p. 137 (1847). 

Abies atlantica Lindl. et Gord. Journ. hört. Soc. V, p. 214 (1850). 
Cedrus elegans Knight. Syn. Conif. p. 42 (1850). 
„ africana Gord. Pin. p. 39 (1855). 
„ argentea Loud. ex Gord. Pin. 1. c. (1855). 
„ Libani var. atlantica J. D. Hook, in Nat. Hist. Rev. 1862 
und C. Koch Dendr. II, p. 269 (1872). 
Pinus Cedrus y atlantica Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 408 (1868). 
Medad der Araber. 

Cedre argente de 1' Atlas der Franzosen. 
Mount Atlas or African Cedar der Engländer. 
In Nord-Afrika auf dem Atlas bei Tiaret und auf dem Berge Aures in 
einer Erhebung von 1000 — 1100 m dichte Wälder bildend, auf dem Pic von 



332 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Tongour in Gesellschaft mit Cedrus Libani wachsend; auf den Bergen Babor 
und Tababor. 

Der Literatur nach im Jahre 1842 in Europa eingeführt. Den in Kultur 
befindlichen viel älteren Bäumen nach zu urteilen, muß die Einführung 




viel früher stattgefunden haben, wohl bevor Manetti die Atlasceder als 
besondere Art unterschied. 

Großer, auch im Alter pyramidaler Baum, so daß ein mehr 
lockerer, durchsichtiger Kronenbau, gegenüber den viel massigeren, 



II. Klasse, Coniferae. 333 

breit-schirmförmigen Kronen der Libanonceder, gebildet wird, von 30 — 40 m 
Höhe und 1,50 m Stammdurchmesser, mit horizontal abstehenden Ästen, 
welcher Cedrus Libani sehr nahe steht und von manchen Autoren nur für 
eine Form derselben angesehen wird. Von dieser unterscheidet sie sich durch 
den stets pyramidalen Wuchs mit nicht übergebogenem Wipfel, 
wie dies bei C. Libani stets der Fall ist, durch kürzere, weniger flach aus- 
gebreitete Äste, durch steifere, kürzere, dickere, scharfgespitzte, vierkantige, 
meist blaugrüne oder silbergraue Blätter (es kommen jedoch auch Formen 
von hell- und dunkelgrüner Färbung vor), durch bedeutend kleinere, längliche, 
gestielte, nur 5 — 6 cm lange, 4 cm breite, glänzend-hellbraune, eirunde Zapfen 
mit kleineren Schuppen. Weitere Abweichungen von C. Libani sind nicht 
zu verzeichnen, nur daß die Atlasceder etwas später im Frühjahr austreibt, 
in der Jugend weit rascher wächst und als dekorativere Pflanze mit leichterer, 
ausgebreiteter Bezweigung auftritt, sich auch in manchen Gegenden wider- 
standsfähiger zeigte, daher mehr zur Anpflanzung empfohlen werden kann. 
So besitzt Herr Dr. Bolle auf der Insel Scharfenberg einen stattlichen 
Baum, im Park zu Wiesenburg in der Mark stehen schöne Exemplare; im 
Seeklima, z. B. auf der Insel Rügen kommt sie noch fort; starke zapfen- 
tragende Bäume finden wir zahlreich in den Rheinländern und in ähnlichen 
günstigen Lagen oft in Prachtexemplaren. 



In der Färbung abweichend. 

Cedrus atlantica glauca hört, 
wie auch 

Cedrus atlantica nivea hört. 
„ „ coerulea hört. 

„ „ argentea hört. 

Es sind dies Formen, bei welchen die blaugrüne, stahlblaue oder 
selbst ausgeprägt silbergraue Färbung (argentea) besonders auffallend 
hervortritt. Diese Färbungen kommen sowohl bei Bäumen im wilden Zu- 
stande, wie auch bei Aussaaten in Kultur vor, und sind solche Exemplare 
äußerst dekorativ und geeignet, bedeutende Kontraste in der Landschaft 
hervorzubringen. Am Rhein gibt es starke Exemplare dieser herrlichen 
Formen; so steht vor der Villa Asta in Bonn ein etwa 10 m hoher Baum, 
welcher sich mit breiter, schattender Krone über dem Rasen ausbreitet, zu 
Zeiten wie versilbert erscheint und so, reich mit Zapfen beladen, den 
schönsten Schmuck der Besitzung ausmacht (s. Fig. 83). Die Samen waren 
jedoch meist nicht keimfähig. Der auffallend gedrungene, breite Wuchs 
ist hier durch den öfteren Verlust des Wipfels entstanden. Außer vielen 
anderen starken Bäumen finden sich z. B. hohe, zapfentragende Exemplare 
in Friedrichshof bei Cronberg am Taunus, einst Besitztum J. M. der Kaiserin 
Friedrich, in alten Parkanlagen im Elsaß u. a. O. 

Cedrus antlantica aurea hört. 

Eine schöne Form, welche besonders im jungen Triebe schön goldig 
gefärbt ist und im zweiten Jahre sich grün färbt. Sie hat sich auch ziemlich 
widerstandsfähig gezeigt. 



'-534 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Cedrus atlantica variegata Carr. (Conif. 2. ed., p. 374 [1867]). 

Eine unbeständige, buntblättrige Form, bei welcher zumal die jungen 
Triebe weißlich-gelbbunt erscheinen, eine Färbung, die nicht von Bestand ist. 

Wuchsformen. 
Cedrus atlantica pyramidalis Paillet. (Revue hört. 1889, p. 429). 

Eine interessante Form mit kurzen, horizontalen Zweigen, die keine 
Pyramide (wie man der Bezeichnung nach glauben sollte), sondern eine 
schlanke, regelmäßige Säule von geringem Durchmesser bildet und bei 
einer Aussaat in Kultur gewonnen wurde. 

Cedrus atlantica columnaris Otin. (Revue hört. 1889, p. 476). 

Eine der vorigen ähnliche Form, gleich dieser eine schlanke Säule 
bildend, jedoch mit längeren, aufstrebenden Ästen, gleichfalls bei einer 
Aussaat gewonnen. 

Cedrus atlantica fastigiata Carr. (Revue hört. 1890, p. 32, mit Abbild.). 
Eine von Lalande j. in Nantes in Kultur gewonnene, dekorative Form 
von schlankem, schmalem Wuchs und aufstrebender Bezweigung, welche 
bei regelmäßigem, dicht bezweigtem Wuchs sich recht zierlich ausnimmt und 
Empfehlung verdient. Ich kenne über 7 m hohe Säulen von besonderer 
Schönheit. 

Cedrus atlantica glauca pendula (Gartenwelt 1900, p. 221, mit Abbild, und 
Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 63, 115, 116). 

Eine schöne blaue Trauerform, mit stark abwärtshängender Be- 
astung und Bezweigung, von hohem dekorativem Wert, die nach F. Simon: 
„Nadelhölzer am Bosporus und Kleinasien" auf ihrem natürlichen Standort 
vorkommt, andererseits auch bei Aussaaten gewonnen wurde. Paillet fils 
führte davon Prachtexemplare auf der Ausstellung 1900 in Paris vor. 

Die Atlasceder ist gleich der Libanonceder höchst dekorativ, zumal 
in den auffallenden blaugrünen oder silbergrauen Formen; diese haben sich 
auch an verschiedenen Orten etwas widerstandsfähiger gezeigt als die mehr 
grüne Form, haben z. B. in Proskau (Oberschlesien) in Schutz noch ziemlich 
gut ausgehalten, ein Umstand, der mehrfach auch an anderen Coniferenformen 
beobachtet wurde und wohl darauf hinauszuführen wäre, daß der bläuliche 
Wachsüberzug das Blatt schützend umgibt und gegen schroffen Witterungs- 
wechsel widerstandsfähiger macht. 

Die Atlasceder darf, nach den bisherigen Erfahrungen, als die wider- 
standsfähigste der drei Cedern angesehen werden, und als die raschwüchsigste 
hätte sie in günstigen Lagen, z. B. im Weinbaugebiet, auch als Forstbaum 
Wert, da das Holz als ganz vorzüglich gerühmt wird. In Wein he im an der 
Bergstraße, in den Forsten des Grafen von Berkheim, finden wir mit 
üppigen jungen Beständen ganze Abhänge bekleidet, und zwar herrschen 
hier grüne Exemplare vor und blaue treten nur vereinzelt auf. Mit be- 
sonderem Interesse wird jeder Baumfreund diese Kulturen, wo auch andere 
Exoten in prächtiger Entwickelung vertreten sind, besuchen und studieren. 






II. Klasse. Coniferae. 335 

Je nach Auffassung des Artenbegriffes ist die Atlasceder als Art oder 
als klimatische Form von Cedrus Libani angesehen worden. 

Sehen wir die im Wuchs wie in der Färbung, auch selbst in der Größe 
der Zapfen abweichenden Formen der Libanonceder an, zumal aber die kurz- 
blättrige, kleinzapfige Form derselben, die auf Cypern wächst, zu welcher als 
Verbindungsglied, zwischen dem Libanon, Cypern und dem Atlas noch, nach 
Dr. Bolle, die von Freund in den Bergen der Cyrenaika (auf der Halbinsel 
Barka in Nord- Afrika) gefundenen Cedern kommen, so wären Übergänge ge- 
wissermaßen vorhanden. 

Nach Ja min in Carr. Conif. 2. ed., p. 376, welcher die beiden Cedern 
gemischt auf dem Pic de Tongour wachsen sah, sind dieselben auf den ersten 
Blick zu unterscheiden; die Atlasceder war mit völlig reifen Zapfen bedeckt, 
die der Libanonceder waren wenig entwickelt und die Blüten zeigten sich 
noch auf einigen Zweigen. Der Wuchs der Cedrus atlantica erinnert an den 
der Abies pectinata, er ist pyramidal und die Blätter sind silbergrau, während 
die der Libanonceder dunkelgrün und die Zweige mehr horizontal gestellt 
sind. — Diese Beobachtung vom natüdichen Standorte und das Verhalten 
der Atlasceder in unseren Kulturen in Betracht ziehend, was größere Wider- 
standsfähigkeit, schnelleren Wuchs und dekorative Unterschiede anlangt, 
scheint es für die Praxis doch geratener, die drei Cedern als sehr nahe 
stehende Arten scharf zu umgrenzen, als sie als fragliche Formen zusammen 
zu werfen. 

3. Cedrus Deodara Loud. (Arb. Brit. IV, p. 2428 f., 2283—2286 [1838]). 
Deodarceder, Himalayaceder. (Fig. 84.) 

Syn. Pinus Deodara Roxb. Fl. Ind. Or. III, p. 651 (1832). 
Abies Deodara Lindl. in Penny cyclop. p. 9 (1833). 
Cedrus indica de Chambr. Tr. prat. des arb. resin. p. 341 (1845). 
„ Libani Barr. var. Deodara Hook. f. Himal. Journ. I, p. 257 
and in Nat. Hist. Rev. 1861, II, t. 1—3. 
Deodar, Devadaru (Gottesbaum) Nakhtar, Diar, Dewdar im Himalaya 

genannt. 
Cedre de THimalaya der Franzosen. 
Indian Cedar, Deodar der Engländer. 
Im Nordwest-Himalaya, auf den Gebirgen Afghanistans und Beludschistans. 
Nach Dr. Brandis sind nicht einheimische Wälder von ihr östlich vom 80. ^ 
oder westlich vom 66. ^ L. bekannt. Im Himalaya kommt sie zwischen 1300 bis 
3200 m Erhebung vor, aber steigt auch hinab bis 1100 m und höher hinauf 
bis zu 4000 m. Sie wird in Kamaon gewöhnlich nahe an Dörfer und um 
Tempel und hier und da in Nepal gepflanzt. Sie wächst gesellig und bildet 
ausgedehnte Wälder, entweder allein, oder gemeinsam mit Pinus excelsa und 
Picea Morinda, weniger häufig mit Abies Webbiana und Quercus incana, 
Qu. dilatata und semecarpifolia; auch Cypresse, Birke, Taxus und Pinus 
Gerardiana wachsen gemeinsam mit ihr. 

Im Himalaya wächst sie auf Gneis, Granit und kieseligem Tonschiefer 
und fehlt auch nicht auf Kalkgestein. 

In Europa wurde sie 1822 eingeführt. 



QQf) Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten, 






f^^- 




Fig. 84. Cedrus Deodara Loud. 



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II. Klasse. Coniferae. 337 

Großer Baum, der im Vaterlande gegen 50 m Höhe bei 3 m Stamm- 
durchmesser erreicht, mit schöner, voller, pyramidaler Krone und zumal in 
der Jugend leicht im Bogen überhängenden Ästen und Zweigen, was sich 
nach Hooker im Alter mehr verliert, so daß nach dessen Forschungen es 
nicht möglich ist, die drei einander so nahe stehenden Cedern nach beständigen 
spezifischen Charakteren zu unterscheiden, weshalb er die Atlas-Ceder wie 
die Deodar-Ceder als Varietäten zu Cedrus Libani stellt. 

Stamm gerade, mit dunkelgrauer Rinde bekleidet. Blätter nach Dr. Brand is 
in Nordwest-Indien dunkelgrün, heller grün, öfter blaugrün bei jungen Bäumen; 
sie kommt auch im Himalaya an manchen Standorten nur grün, an anderen 
nur blaugrün vor. In England hat man in Handelsgärten lange bei Aussaaten 
nur die blaugrünen Formen, des höheren Preises wegen, der dafür zu erzielen, 
ausgewählt und die grünen schon aus den Saatbeeten entfernt, woher, nach 
Dr. Brandis, die Angabe stammt, daß Cedrus Deodara nur blaugrün vor- 
komme. Die Blätter sind 8^/2 — 5 cm lang, 1 mm breit und stehen bis zu 
dreißig an der Spitze von Kurztrieben gedrängt, sind abstehend oder hängend, 
gerade, steif, sturapflich-zugespitzt, viereckig, glänzend. Zapfen 8 — 12 cm 
lang, etwa 6 cm breit, auf kurzem Zweige aufrecht, einzeln oder zu zwei, 
eirund oder eirund-länglich-stumpf, an der Spitze nicht vertieft; in der 
Jugend bläulich bereift, reif rötlich-braun. Schuppen zahlreich, kleiner als bei 
C. Libani, dachziegelig, fast holzig, aus verschmälertem Grunde keilförmig, 
verkehrt-länglich, auf dem Rücken glatt, nicht seidenhaarig. Samen ver- 
kehrt-eirund, am Gründe verschmälert, weißlich, 16 — 17 mm lang, 6 — 7 mm breit 
mit verkehrt-eirundem, großem, hellbraunem Flügel. 

Nach Dr. Brandis bilden die Cedern in dichten Beständen schlanke, 
zylindrische, hoch ausgeästete Stämme. Das Splintholz ist weißlich und nicht 
dauerhaft, bei ausgebildeten Bäumen ist es 9 — 11 cm dick, das Kernholz hat 
eine schöne hellbraune Farbe, ist duftend und etwas fettig, fest, glattfaserig, 
wirft und spaltet sich nicht leicht und ist außerordentlich haltbar. Außerdem 
gilt das schon bei Cedrus Libani in betreff des Holzes Angegebene. 

In den ersten Lebensjahren langsam wachsend, pflegt sie später sich 
schnell zu schönen dekorativen Bäumen zu entwickeln. 

Es sind noch im Wuchs wie in der Färbung abweichende, teils recht 
dekorative, bei Aussaaten gewonnene Formen zu verzeichnen: 

Wuchsformen. 

Cedrus Deodara crassifolia hört. (Carr. Man. des PL IV, p. 345, nicht Knight.). 

Mit weitstehenden und wenig zahlreichen, kurzen Ästen, die ausgebreitet 
und etwas aufwärts gerichtet sind. Zweige dick, steif und kurz. Blätter 
weitgestellt, nicht zahlreich, gerade, dick, viel kürzer als bei der Art, kurz 
gespitzt. Eine schwachwüchsige , abweichende, sofort durch die starken 
Blätter ins Auge fallende Form. 

Cedrus Deodara robusta hört. (Carr. Man. des PI. IV, p. 345). 
Syn. Cedrus Deodara crassifolia Knight. Syn. Conif. p. 42, nicht hört. 
„ „ gigantea hört, ex Knight. 1. c. (1850). 

Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 22 



Q^ß Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Üppige Form mit im Bogen überhängenden Ästen, Zweige stark 
und überhängend, dicht mit starken, fast doppelt so langen Blättern als bei 
der Art besetzt. Junge Pflanzen bedürfen der schwer überhängenden Zweige 
wegen der Stütze, ältere Pflanzen sind aber sehr dekorativ und üppig von 
Wuchs, haben sich auch an verschiedenen Orten etwas widerstandsfähiger 
als die Art gezeigt. 

Cedrus Deodara compacta Carr. (Conif. 2. ed., p. 369 [1867]). 
Gedrungen, rundlich von Wuchs, dichte Pyramiden von einigen 
Metern Höhe bildend, mit sehr zahlreichen, übergebogenen Ästen und dicht- 
stehenden, hängenden Zweigen. 

Cedrus Deodara fastigiata Carr. (Conif. 2. ed., p. 368 [1867]). 

Eine sehr auffallende Säulenform mit dicken, aufstrebenden, wenig 
verzweigten, weitstehenden Ästen. Junge Triebe kurz, ziemlich dick, glatt 
und rötlich-grau. Blätter sehr ungleich und weitgestellt, gerade, dicklich, die 
einen lang abstehend, die anderen kurz aufwärts gerichtet. 

Cedrus Deodara pendula (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 100, 101). 

Eine Trauerform, welche künstlich an Stangen empor gezogen, ganz 
schlaff am Stamm herabhängende Äste zeigt und so eine ganz schmale 
Säule mit schwer überhängendem Wipfel darstellt, die ganz eigenartig in der 
Landschaft kontrastiert. Sich selbst überlassen bildet sie auch niedrige, rund- 
liche Formen, mit weit über dem Boden sich ausbreitenden und wieder auf- 
strebenden Ästen, so daß gleichsam grüne Hügel gebildet werden. 

In der Färbung abweichend. 

Cedrus Deodara viridis Knight. (Syn. Conif. p. 42 [1850]). 

Syn. Cedrus Deodara tenuifolia Gord. Pinet. Suppl. 20 (1862). 

Form mit frischgrünen, glänzenden, weit dünneren Blättern als bei 

der Art. Nach Carriere ist diese Form sehr empfindlich, erfriert noch in 

Paris und entwickelt sich nur in warmen Ländern zu schönen üppigen Pflanzen. 

Cedrus Deodara argentea hört. 

Eine üppige Form von schnellem, aufstrebendem Wuchs, in der Ent- 
wicklung an Cedrus atlantica erinnernd, mit auffallend blauen bis silber- 
grauen Blättern. 

Cedrus Deodara verticillata glauca hört. 

Eine schöne, gedrungene, üppige Form mit um die jungen Langtriebe 
quirlförmiger Blattstellung, welche gleichzeitig durch prächtige blaue 
Färbung sehr dekorativ und wirkungsvoll ist. 

Cedrus Deodara nivea (Gard. Chron. 1899, p. 399, mit Abbild, u. Mitt. d. d. 
dendr. Gesellsch. 1899, p. 112). 

Eine schöne, beim Grafen Anne sly in Castlewallan gewonnene schöne 
auffallende Form, welche sich in ihrer schneeweißen Färbung prächtig 



i 



II. Klasse. Coniferae, 339 

ausnimmt; sie bildet eine breite, buschige Pflanze mit elegant überhängender 
Bezweigung. 

Cedrus Deodara albo-spicata (Gard. Chron. 1899, p. 399 u. Mitt. d. d. dendr. 

Gesellsch. 1899, p. 112). 

Eine am gleichen Orte wie vorige gewonnene Form, welche grün aus- 
treibt; erst nach dem Ausreifen des Triebes nehmen die Nadeln 
eine weiße Färbung an. 

Der umgekehrte Fall kommt auch vor (Gard. Chron. 1905, p. 44), wo 
C. Page in Dropmoore-England eine schöne Form beschreibt, deren junge 
Triebe im Frühling bis Anfang Sommer in einer Länge von 15 — 25 cm 
ganz milchweiß erscheinen. Es kommen davon normale Bäume und auch 
breite, buschige Exemplare von 4 m Höhe und 18 m Umfang vor, welche 
sich im Schmucke ihrer überhängenden weißen Zweigspitzen reizend aus- 
nehmen. 

Cedrus Deodara aurea hört. 

Eine Form mit goldgelben Blättern, welche sehr auffallend ist und, 
mit elegant überhängender goldiger Bezweigung, in milden Gegenden in 
großen, unbeschädigten Exemplaren, zu Kontrasten sparsam verwendet, sich 
prächtig ausnehmen dürfte. 

DieDeodar-Cederistfür milde Gegenden eine der schönsten Coniferen, 
und hier, ganz frei gestellt, von schlankem, pyramidalem Wuchs, mit leicht bis 
zum Boden überhängenden Ästen ein herrlicher Schmuck. — Leider kann 
sie nur für die mildesten Lagen Deutschlands, zumal für das südwestliche 
Deutschland und die Rheinländer, oder sonst besonders günstige und geschützte 
Lagen, zur Anpflanzung empfohlen werden, denn sie ist die empfindlichste 
der drei Cedern und erträgt harte Winter in rauheren Lagen nicht, oder ist 
doch hier, trotz Winterdecke, selten unbeschädigt und daher ohne Zierwert. 
Wenngleich sie selbst in den Rheinländern noch hier und da von Spätfrösten 
leidet, so hält sie doch hier noch ohne Decke aus. Wir finden teils prächtige 
Exemplare, und auch im Elsaß ist sie als Parkbaum verbreitet. 

An den Ufern des Bodensees finden wir 30jährige Bäume 15 m hoch, 
auf der Insel Mainau stehen herrliche dekorative Exemplare 23 m hoch, mit 
13 m Kronendurchmesser und 2,90 m Stammumfang. An solchen Bäumen ver- 
mag man erst die wahre Schönheit zu ermessen. 

Im Park zu Wiesenburg in der Mark zeigt sie unter besonders günstigen 
Bedingungen, in stattlichen Exemplaren, noch ein treffliches Gedeihen. Im 
Forstgarten zu Chorin in der Uckermark ist eine besonders widerstandsfähige 
Form in Kultur, welche aus Samen erzogen wurde, der von Dr. Brandis im 
Himalaya in hohen, rauhen Lagen, mit besonderer Berücksichtigung für die 
Mark Brandenburg, gesammelt wurde. Solche Pflanzen sind es, welche 
besondere Beachtung verdienen und die günstigsten Erfolge für die 
Zukunft versprechen. 

Zeigen sich auch die anderen beiden Cedern im allgemeinen wider- 
standsfähiger als die Deodar-Ceder, so gilt doch auch für sie das eben Gesagte. 

Die Cedern lieben neben ausreichender Luftfeuchtigkeit einen gleich- 
mäßig feuchten, zumal aber durchlässigen Boden, so daß stets für genügen- 
den Wasserabzug gesorgt ist. Sie verlangen einen geschützten Standort und 

22* 



340 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

gedeihen vor allem auf Bergen und Anhöhen, bei seitlichem Schutz, wo das 
Holz gehörig ausreifen kann, so daß der junge Trieb, genügend erstarkt, dem 
Frost nicht zum Opfer fällt. Weiter hat man dann für gehörige Schutz- 
pflanzungen, ohne Überschirmung, gegen scharfe Winde und gegen die plötz- 
liche Einwirkung der Sonne im Winter und Frühling Sorge zu tragen. 

Die Vermehrung geschieht in erster Linie durch Samen. Die Säm- 
linge sind, da sie etwas schwer anwachsen, sorgfältig im Topfe heranzuziehen, 
frostfrei zu überwintern, ohne sie aber unnötig zu verzärteln, und werden als 
junge, kräftige, gut bewurzelte Topfexemplare an den Platz ausgepflanzt, wo 
sie dann auch in der Jugend im Winter noch zu schützen sind. In Ermangelung 
von Samen können die Arten und vor allem die Formen durch Einspitzen 
oder Anplatten auf Cedrus Libani oder besser auf die widerstandsfähigere, 
üppiger aufwachsende C. atlantica Ende Sommer oder im Herbst im Ver- 
mehrungshause veredelt, oder auch durch Stecklinge im September, am besten 
kurze Triebe, die sich aus dem alten Holze entwickeln, vermehrt werden. 

Pinus Linn. (Gen. n. 1077). Kiefer, Föhre. 
Blüten einhäusig, männliche an den Spitzen der Zweige oder zu mehreren 
an der Basis junger Triebe ährenständig, je eine in den Achseln der Schuppen 
fast sitzend und von einigen häutigen, dachziegeligen Schüppchen umgeben. 
Staubfadensäule eirund-länglich oder zylindrisch. Antheren vielreihig, dicht 
spiraHg auf kurzem Stiele, mit zwei länglichen, angewachsenen, parallelen, 
der Länge nach aufspringenden Fächern, durch das Mittelband über die 
Fächer hinaus in ein schuppenförmiges, einwärtsgebogenes, hahnenkamm- 
artiges oder seltener kurzes gehöckertes Anhängsel verlängert. Weibliche 
Kätzchen an den Spitzen der Zweige einzeln oder wenige, oft zurückgekrümmt, 
mit wenigen tauben, dachziegeligen Schuppen umgeben, kugelförmig oder 
eirund. Doppelte Schuppen mehrreihig spiralig-dachziegelig, mit bis zur 
Basis, oder fast bis zur Basis gesonderten Schuppen (laminis). Bractee klein, 
häutig, nach der Blüte unverändert. Samenschuppe schon während der Blüte 
viel größer als die Bractee, oberwärts ausgebreitet oder dicklich, an der 
Spitze rundlich eingedrückt, oder mehr oder weniger zugespitzt. Eichen 
zwei, unten an der Basis der Samenschuppe mit derselben zusammenhängend 
und abwärts gerichtet. Zapfen eirund-kegelförmig oder länglich mit un- 
veränderten, welkenden oder verschwindenden Bracteen. Schuppen aus der 
Samenschuppe allein gebildet, enge dachziegelig, holzig, bald an der Spitze 
verdickt, durch gegenseitigen Druck quadratische Felder bildend, bald in 
eine harte lange Spitze verlängert, oder an der Spitze gerundet und ver- 
schmälert, bei der Reife öfter aufspringend, lange bleibend. Samen zu zweien 
hinter jeder Schuppe, abwärts gerichtet, scheinbar flügelfruchtartig; der eigent- 
liche Samen eirund-zusammengedrückt, vom Flügel oft erst getrennt. Schale 
krustenartig, nackt oder seltener an der sehr verschmälerten Spitze durch 
einen wahren Flügel gerandet. Kotyledonen zahlreich. Blätter zwei- 
gestaltig (dimorph); Erstlingsblätter klein, schuppenförmig, trockenhäutig oder 
durchsichtig, verwelkend, spiralig mehrreihig; die zweiten Blätter ansehnlich 
in den Achseln der Schüppchen zu 2 — 5 (ausnahmsweise 1 — 7) gehuschelt, 
nadeiförmig, länglich oder sehr lang, Blattbüschel am Grunde mit wenigen, 
scheidenförmigen, trockenhäutig-durchsichtigen, im ganzen abfallenden Schuppen. 



II. Klasse. Coniferae. 341 

Zapfen oft sitzend, einzeln oder gebüschelt, aufrecht, horizontal oder herab- 
hängend, sehr selten nur 3 cm breit und zuweilen bis über 30 cm lang. Bei 
wenigen Arten ist der ausgefallene Samen nackt oder fast nackt mit einer 
kleinen, flügeiförmigen oder von der Schuppe nicht lösenden Haut. 

Die Einteilung der Gattung Pinus wurde vorn bei Besprechung der 
Gattungen nach Mayr-Köhne genau aufgeführt, und dieser Anordnung nach 
folgen hier die Beschreibungen der Arten, indem die Verwandten darin 
trefflich zusammengebracht werden. 

J. Sektion. Haplodcylon Köhne. 

Blätter mit einfachem Gefäßbündel im Zentralstrang. Scheiden 
ganz abfallend, selten anfangs nur in zurückgerollte Schuppen sich lösend 
und erst später bis auf einen kleinen Rest abfallend. 

/. Subsektion. Cemhra Pariatore. 
Endfläche der Fruchtschuppe nicht gewölbt, mit endständigem Nabel. 
Blätter zu 5, ihre Scheiden ganz abfallend. Staubbeutel mit Endknopf, kurzem 
Zahn oder unvollständigem Kamm. 

1. Gruppe. Strobus Spach., verengert, Mayr. 
Zapfen lang, hängend, dünnschuppig. Samen flugfähig, der lange Flügel 
den Samen nur auf einer Seite bedeckend und fest mit ihm verwachsen. 
Harzgänge der Blätter an der Epidermis. 

Junge Triebe kahl, glänzend, grünlich, ältere Rinde glatt, grau, erst später rissig 
werdend. Blätter dünn und biegsam. Zapfen lang gestielt. 

1. Pinus excelsa Wall. (msc. PI. As. Rar., t. 201 [1832]). Hohe Kiefer, 
Tränenkiefer, Himalaya- Weymouthskiefer. (Fig. 85.) 

Syn. Pinus Strobus Hamilt. Account of Nepal 83. nee L. nee Thunb. 
Chylla Lodd. Cat. 1836, p. 50. 
„ Strobus excelsa Loud. Encyclop. of Trees p. 1022; f. 1915 

bis 1918 (1842). 
„ Strobus argentea hört. 
„ „ pendula hört. 

„ nepalensis De Chamb. Tr. prat. Arbr. resin., p. 342 (1845). 
„ pendula Griff. Journ. of Travels, p. 211, 237 usw. (1847). 
„ Dicksoni hört. 
Pin pleureur der Franzosen. 
Himalayan Pine der Engländer. 
Im südlichen und westlichen Himalaya in einer Höhe von 1800 — 4000 m 
in Bhootan dichte Wälder bildend, in Nepal von 2300 — 3500 m zum Teil 
Wälder bildend, zum Teil mit Pinus longifolia gemischt wachsend, in Kashmir 
von 1600 — 3800 m und in Sikkim, wo sie kultiviert wird, in einer Höhe von 
2000—3300 m (nach Pariatore). In Afghanistan von 2300—4000 m Erhebung. 
Nach Dr. Brand is in Forest Flora wächst Pinus excelsa gesellig, bildet 
aber nicht oft reine Wälder von großer Ausdehnung. Gewöhnlich wächst sie ge- 
meinsam mit Cedrus Deodora, Abies Pindrow und Picea Morinda und kommt 
oft am Saume gemischter Laubholzwälder vor. In höheren Regionen wächst 



^42 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 




Fig. 85. Pinus excelsa Wall, aus den Beständen von Dahs, Reuter & Co. Jüngsfeld. 



II. Klasse. Coniferae. 343 

sie mit der alpinen Birke (Betula Bhojpattra) und in geringerer Höhe kommt 
sie nicht selten mit Pinus longifolia vor, nahe der oberen Baumgrenze. 

Im Jahre 1823 in Europa eingeführt. 

Großer Baum von 30—50 m Höhe mit pyramidaler Krone und dunkel- 
aschgrauer, glatter, später rissiger und in dünnen Stücken sich lösender Rinde, 
Äste quirlständig, horizontal und öfter aufwärts gebogen, junge Triebe glänzend- 
grünlich. Knospen kurz keulenförmig, mit dünnhäutigen, hellbraunen, ab- 
fallenden Schuppen umgeben. Blätter zu fünf, lang, dünn, schlaff, gekielt- 
dreieckig, an den Rändern rauh, auf dem Rücken grün, an den Seiten mit 
blauweißen Längslinien gezeichnet, stumpfgespitzt, 12 — 15 cm lang, 1 mm 
breit. Männliche Blüten in dichten Knäueln von 20 und mehr, zylindrisch- 
stumpf, rosenrot. Junge Zapfen aufrecht, gestielt, hellpurpur, reife Zapfen 
hellbraun, hängend, zylindrich-stumpf, etwas gebogen, 15—27 cm lang, 5 bis 
7 cm breit, meist mit durchsichtigem Harz bedeckt; Zapfenschuppen leder- 
artig-holzig, dicht dachziegelig, keilförmig, am Grunde schwärzlich, Schuppen- 
schild nur wenig verdickt, konvex, längsstreifig, runzelig, gelbbraun, mit 
stumpfem, dunkelbraunem Nabel. Samen eirund, zusammengedrückt, mit 
scharfem Rande, braun, 8 — 9 mm lang, 5 — 6 mm breit, mit länglichem, schief 
abgenutztem, 15 — 20 mm langem Flügel. 

Nach Dr. Brandis reifen die Samen im Herbst des zweiten Jahres, die 
samenlosen Zapfen mit weit geöffneten Schuppen bleiben lange an den Zweigen 
hängen. Das Splintholz ist weißlich, das Kernholz hellbraun, öfter mit rötlichen 
Linien und harzigen Astknoten, dicht, glatt -faserig, weich und leicht zu be- 
arbeiten. Was die Dauerhaftigkeit anlangt, so kommt es von den Coniferen 
des West-Himalaya gleich nach der Deodar-Ceder, wird Abies und Pinus 
longifolia vorgezogen und wird da, wo das Holz der Deodar-Ceder nicht leicht 
zu beschaffen ist, viel zu Hausbauten, zu Schindeln, Wasserrinnen und Trögen 
und zur Verfertigung anderer hölzerner Geräte verwendet. 

Pinus excelsaist unstreitig die schönste und eleganteste Kiefer und kann, 
ganz frei gestellt, als prächtiger dekorativer Baum nicht warm genug zur 
Anpflanzung empfohlen werden. Von der nahe verwandten Weymouthskiefer 
unterscheidet sie sich auch als kleine Pflanze schon durch die langen, schlaff 
hängenden Blätter, welche den Pflanzen mit ihrem bläulich -silberartigen 
Schimmer einen besonderen Schmuck verleihen. In größeren Exemplaren 
sind die Bäume in allen Teilen größer und zumal in milden Lagen im 
Schmucke der langen, harzbedeckten Zapfen unvergleichlich schön. Hier 
finden wir denn auch Prachtexemplare von 18 bis über 20 m Höhe und 1,10 
bis 1,20 m Stammumfang. 

Junge Exemplare litten in rauhen Lagen und harten Wintern öfter, 
dennoch darf Pinus excelsa, da sie bei einigermaßen geschütztem Stand nor- 
male Winter meist gut überdauert, sehr zur Anpflanzung empfohlen werden, 
zumal sie nicht wählerisch im Boden ist. Man pflanze sie an geschützte Ab- 
hänge, sorge für seitlichen Schutz, zumal auch gegen Besonnung im Winter 
und Frühjahr. Noch in Norddeutschland finden wir schöne Exemplare, z. B. 
auf der Insel Scharf enberg einen stattlichen, schönen Baum, der auch keim- 
fähige Samen brachte, ebenso an vielen anderen Orten. (S. Fig. 85.) 

Ob Pinus excelsa in milderen Lagen, neben der sehr nützlichen P. 
Strobus, auch als Forstbaum den Anbau verdient, müssen Versuche ergeben. 



344 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Wie Willkomm in seiner Forstlichen Flora angibt, möchte dies nach seiner 
wie Nördlingers Meinung nicht der Fall sein. 

Pinus excelsa zebrina Croux. (Revue bort. 1889, p. 392, cum ic). Zebra- 
streifige Tränenkiefer. 

Syn. Pinus Strobus excelsa zebrina bort. 

Eine in den Baumschulen von Croux bei Sceaux in Frankreich in Kultur 
gewonnene eigentümliche Form, die eine schlanke, schmale, regelmäßige Pyra- 
mide bildet und bereits über 4 m hoch etwa 12 — 15 Jahre existiert, also um 
das Jahr 1874 gewonnen sein muß. Alle Blätter ohne Ausnahme zeigen eine 
etwa 1 cm breite ringförmige Zeichnung von rahmweißer Färbung, und zwar 
immer 25 mm unterhalb der Blattspitze. Hier und da tritt auch eine gleiche 
Zeichnung unten am Blatte auf; diese Zeichnungen stechen eigentümlich gegen 
die blaugrüne Blattfärbung ab. 

Interessant ist es, daß eine ganz ähnliche, gelbe Blattzeichnung an der 
verwandten Pinus Strobus (s. daselbst) bei Herrn Zocher in Haarlem, und 
zwar gleich in vier Exemplaren, aufgefunden wurde, nur trägt an diesen 
Pflanzen jedes Blatt stets mehrere gelbe Ringzeichnungen. 

Pinus excelsa monophylla Carr. (Conif. 2. ed., p. 398 [1867]). Einblättrige 

Tränenkiefer. 

Eine eigentümliche, nach Carriere ziemlich beständige Form, bei 
welcher die fünf Blätter, gleichsam zusammengeklebt, nur ein Blatt bilden. 
Diese merkwürdige abnorme Erscheinung bildete sich an einer dreijährigen 
Pflanze, welche bis dahin keinerlei Abweichungen gezeigt hatte. 

2. Pinus, Peuce Gris. (Spie. Flor, rumel. bithyn. II, p. 349 [1844]). 
Rumelische Weymouthskiefer. (Fig. 86.) 

Syn. Pinus excelsa var. Peuce Gris. 

„ Cembra var. fruticosa Gris, Reis, in Rumelien p. 189 bis 
191 (1839). 
excelsa Pari, in D. C. Prodr. XVI, 2, p. 405 (1868). 
„ excelsa Hook. Journ. Linn. Soc. VIII, p. 145. 

Auf dem Peristerigebirge in IVIacedonien von Grisebach entdeckt; an 
den Grenzen Montenegros auf dem Kom von Pancic gefunden, weiter am 
Perimdagh im Balkan von v. Janka beobachtet, in einer Höhe von 1600 bis 
1980 m auftretend. Sie soll in geschlossenen Beständen als niedriger bis 
mittelhoher Baum vorkommen und in den höchsten Erhebungen als niedriger 
Strauch sich vorfinden. Im Rila Dagh, Bulgarien, sah Graf von Schwerin 
120 — 130jährige, 30 m hohe, 1 m Durchmesser haltende, graugrün benadelte 
Bergriesen. Sie wurde im Jahre 1864 in Kultur eingeführt. Christ hat die 
Pflanze des Balkan, welche dort an Pinus Pumilio grenzende dichte Waldungen 
bildet und sich von der macedonischen Pflanze durch kürzere, dünnere Blätter 
unterscheidet, var. vermiculata Christ, genannt. 

Von manchen Autoren wird die rumelische Weymouthskiefer in 
wissenschaftlicher Hinsicht nur als eine in allen Teilen kleinere und ge- 
drungenere Form der Pinus excelsa angesehen. Sie bildet Bäume von 10 bis 



II. Klasse. Coniferae. 



345 



) 



14 m Höhe, mit verhältnis- 
mäßig kurzen, wagerecht 
abstehenden oder etwas 
aufstrebenden Ästen, wo- 
durch eine schmale und 
schlanke Figur entsteht; 
die Blätter sind nur 8 cm 
lang, die Zapfen haben 
ebenso nur 8 — 13 cm Länge 
und geschlossen 3 — 4 cm 
Breite. Zapfenschuppen 
sehr breit mit grünlich- 
gelbem Schilde. 

Eine in unseren Kul- 
turen ganz harte, hübsche, 
schnellwachsende Kiefer, 
die durch gedrängten, 
spitz-kegelförmigen, 
bis säulenförmigen 
Wuchs sofort auffällt, we- 
nig Raum einnimmt, daher 
auch für kleinere Gärten 
verwendbar und ihrer 
Widerstandsfähigkeit und 
Zierlichkeit halber sehr zur 
Anpflanzung zu empfeh- 
len ist. 

In deutschen Gärten 
finden wir schon recht an- 
sehnliche, über 12 m hohe 
Exemplare dieser inter- 
essanten Kiefer, die stets 
ihre charakteristische Form 
und die angegebenen 
Unterschiede von Pinus 
excelsa aufweisen; so z. B. 
auf der Insel Scharfen- 
berg ein Prachtexemplar, 
welches wohl mit das 
schönste und größte in 
Deutschland sein dürfte. 
Sie setzt in Kultur ziemlich 
reichlich Zapfen an, gibt 
auch keimfähige Samen, 
so daß erfreulicherweise 
schon Sämlinge von Kultur 




Fig. 



Pinus Peuce Gris. im Park zu Wörlitz bei Dessau. 



bäumen vorhanden sind. Auf den ersten Blick hat sie einige Ähnlichkeit 
mit P. Cembra, für deren niedere Form sie ja selbst Grisebach anfänglich 



346 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

hielt, aber später selbst wieder die Zugehörigkeit zu P. excelsa 
Wall, anerkannte, nachdem er sie zuvor noch als besondere Art P. Peuce 
beschrieb. 

Wir wollen sie hier auch als eine, besonders für die Praxis durchaus 
verschiedene Erscheinung als Art festhalten, die räumlich so außerordentlich 
weit von der nächsten Verwandten im Himalaya getrennt ist. Ob die 
rumelische Kiefer auch forstlich eine Bedeutung für uns erlangen kann, 
zumal wenn sie sich gegen die verheerenden Krankheiten der Weymouths- 
kiefer widerstandsfähiger zeigen sollte, müßten Kulturversuche ergeben. 

Nach Professor Adamovic ist sie raschwüchsig und wäre zum Anbau 
für Voralpenwälder zu empfehlen, da das Holz harzreich, dauerhaft und ge- 
schätzt ist. 

3. Pinus Strobus L. (Sp. pI. II, p. 1001 [1753]). Weymouthskiefer, 

Strobe. (Fig. 87 u. 88.) 

Syn. White Pine, Pumpkin Pine, SapHng Pine der Amerikaner. 
Pin du Lord Weymouth der Franzosen. 
Weymouth Pine, White Pine der Engländer und Amerikaner. 

Im östlichen Nord-Amerika von Kanada zwischen dem 48. — 50.^ n. Br. 
bis zum AUeghanie-Gebirge, in größerer Menge, zumal zwischen dem 48. 
und 47.^, vorkommend, auf fettem, sandigem, feuchtem, ja sumpfigem Boden, 
meist auf niederen Standorten, aber zwischen dem 43. und 44.^ n. Br. auch 
auf trockenem Kies oder Geröll wachsend. 

Im Jahre 1705 in Europa eingeführt. Nach Dr. Bolle (s. Gartenflora 1890, 
p. 435) vorübergehend schon in Paris Mitte des 16. Jahrhunderts eingeführt. 

Großer Baum von 40 — 50 m Höhe und 1,50 m Durchmesser, mit in der 
Jugend schlank-pyramidaler, im Alter breiter Krone mit horizontal abstehenden 
Ästen, Stamm gerade, lange mit glatter, glänzender, graugrüner, später mit 
runzeliger, längsrissiger, dunkler Rinde. Junge Triebe mit glatter, glänzender 
grünlicher Rinde, Knospen eirund-spitz, bedeckt mit rotgelben Schuppen und 
mit Harz überflössen. Blätter zu fünf, sehr dünn, gerade, gekielt-dreieckig, 
am Rande fein gesägt, stumpf-gespitzt, auf dem Rücken grün, an den Seiten 
mit blauweißen Linien gezeichnet, 6 — 10 cm lang, in langen, gelbroten, bald 
abfallenden Scheiden, männliche Blüten in elliptischen Ähren gelb, purpurn 
angehaucht. Zapfen zu eins bis drei, länglich zylindrisch-spitz, kurz gestielt, 
gebogen, unreif erst grün, bis zum Herbst dunkelviolett, im Herbst des zweiten 
Jahres reifend und dann braun, 10 — 15 cm lang, 4 cm breit; die entleerten 
Zapfen bleiben noch lange mit klaffenden Schuppen am Baume hängen. 
Zapfenschuppen dünn, lederartig, keilförmig, braun, Schuppenschild gelbgrau, 
wenig vortretend, in der Mitte gefurcht, mit stumpfem Nabel. Samen klein, 
eirund, braun, 5 — 6 mm lang, 4 mm breit, mit 18 — 20 mm langem, länglichem, 
stumpf-abgestutztem, braunem, gestreiftem Flügel. 

Die Weymouthskiefer ist ein schöner, beliebter, allgemein verbreiteter 
und eingebürgerter Baum. In England war es Lord Weymouth, der ihn zu- 
erst anzog und in größerem Maßstabe anbaute (daher der Name), von da ver- 
breitete sich derselbe bald und ist in Deutschland in alten, schönen Exemplaren 
zahlreich vertreten. Bäume von 25, selbst bis zu 40 m Höhe bei 1 m und mehr 



II. Klasse. Coniferae. 



347 



Stamm durchmesser sind keine Seltenheit. Jung schnell und schlank, bei regel- 
mäßig quirlförmiger Aststellung, emporwachsend, behält er seine Äste bis 




Fig. 87. Firnis Strobus L., im Schönhauser Sehloßgarten hei Berlin. 

zum Boden bei freiem Stand und ist eine äußerst zierliche Erscheinung mit 
dem glänzend -grünen Stamm, den feinen Blättern (welche bei Regenwetter 



348 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

zusammenkleben, was den meisten zur Sektion Strobus gehörigen Kiefern 
eigen ist) und später mit Zapfen behangen. Ältere Bäume behalten meist 
lange die spitze Krone; geht die Spitze durch Sturm oder Schneedruck ver- 




Fig. 88. Pinus Strobus L. l aufgesprungener Zapfen; 2 geschlossener Zapfen; 3 Zapfenschuppe: 
4 Samen; 5 Blätterbüschel; 6 Blattquerschnitt, vergr. 



leren, so bilden sich Nebenwipfel, und sie nehmen dann eine mehr schirm- 
förmige, der Libanonceder ähnliche Kronenform an und treten uns oft als 
äußerst malerische alte Bäume entgegen. Die Farbe der Blätter pflegt an 
alten Bäumen eine dunklere zu werden, wogegen dann die zahlreichen braunen 
Zapfen sich auffällig abheben. Eine gute Eigenschaft ist, daß Pinus Strobus 



II. Klasse, Coniferae. 349 

sich in der Nähe der Städte gegen Rauch und schädhche Ausdünstungen 
ziemUch unempfindHch zeigt. Man kann vorzügHche hohe, dichte Schutz- 
hecken von derselben erziehen. 

Außer als schätzbarer Parkbaum ist die Weymouthskiefer auch als 
Forstbaum schon lange angebaut, wovon alte, in verschiedenen Gegenden 
vorhandene, z. B. zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel, im Lechlumer 
Holz, 125jährige starke, schlanke, hohe Stämme von etwa 25 m Höhe bei 
0,75 m Durchmesser Zeugnis geben. In Zerbst in Anhalt, im Friedrichsholz, 
steht ein prächtiger, etwa 130jähriger Bestand von Pinus Strobus mit Tsuga 
canadensis. Riesige Bäume stehen im Tiergarten zu Cleve. In Falkenberg 
in Oberschlesien, Besitz des Grafen Praschma, finden sich die ältesten 
Exemplare Schlesiens, Bäume bis 3,40 m Stammumfang, dazu durch natürhche 
Ansamung alle Altersklassen (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 19). Solche 
natürhche Wiederverjüngung bildet Mayr in Fremdl. Wald- und Parkb. 1906, 
p. 381 aus dem Forstamte Trippstadt (Rheinpfalz) ab. Nach der Forst- und 
Jagdzeitung 1892, p. 143 haben zu Oberkammbach Weymouthskiefern in einem 
52jährigen Buchenbestande 24 — 27 m Höhe erreicht. Ihre Kronenbildung 
beginnt bei 17—20 m und der Durchmesser in Brusthöhe schwankt zwischen 
42-75 cm, während die Buchen 15—20 m Höhe und 18 — 25 cm Durchmesser 
aufweisen. Wenn die Buchen auch zum Teil von der Weymouthskiefer unter- 
drückt werden, erhalten sie bei der dünnen Benadelung und sparrigen Be- 
astung doch noch hinreichend Luft und Licht, um ihre Belaubung erhalten 
und erneuern zu können, solange die Weymouthskiefern einzeln stehen. Sonst 
kann man in den verschiedensten Gegenden Deutschlands Bestände aller 
Altersklassen finden. Leider ist sie in Kultur bösen Krankheiten unterworfen, 
von denen Wurzelkrebs und Blasenrost die schlimmsten sind, auf deren 
Bekämpfung man gleich beim Erscheinen sofort Bedacht nehmen muß. 

Die Weymouthskiefer liebt vor allem einen tiefgründigen, feuchten, 
lehmhaltigen Boden, gedeiht zumal im Sumpfboden üppig und ist hier außer- 
ordenthch schnellwüchsig, liefert Holzerträge, wie kaum eine andere Kiefer 
und trägt auch zur Trockenlegung sumpfiger Gegenden bei, sie gedeiht im 
Sandboden, wenn er genügend Grundfeuchtigkeit besitzt, noch trefflich, ja 
kommt noch auf trockenem Boden fort, ist hier aber von kürzerer Lebens- 
dauer. Gegen die härtesten Winter zeigt sie sich ganz unempfindlich. 

Das Holz ist weiß oder gelblich-weiß, nach Dr. Mayr sehr harzreich 
(nicht harzarm, wie Engelmann u. a. angeben), weich und leicht, aber sehr 
wertvoll und sehr haltbar, astfrei, leicht zu bearbeiten, es reißt nicht in der 
Luft, wirft sich nicht, schwindet nicht, ist gleich dauerhaft im Wasser wie in 
der Erde, wo es nach Schochs Angaben länger als Eiche dauern soll und 
wird vom Wurm nicht angegriffen. Von in Wörlitz gefällten Bäumen bewährte 
sich das Holz, der genannten trefflichen Eigenschaften wegen, besonders zu 
Deckläden. In Nord-Amerika wird das Holz zu Bauten und zur Verfertigung 
allerlei Hausgeräts, zu Brettern, Latten, besonders aber zu Kisten, zur Streich- 
hölzer-Fabrikation und zu Schindeln verwendet, und soll von Kanada viel 
exportiert werden. 

Dr. Mayr warnt davor, zu hohe Anforderungen bei der deutschen 
Forstkultur an die Weymouthskiefer zu stellen, denn die gehegten Hoffnungen 
bezüglich der Brennkraft, Festigkeit und Schwere des Holzes können sich 



Q50 Zweiter Teil, Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

nicht erfüllen, weil das Holz diese Eigenschaften auch in der Heimat nicht 
besitzt, sondern die Bezeichnung „vorzügliches Holz" sich auf seine Leichtig- 
keit und seine leichte Bearbeitungsfähigkeit bezieht. 
In Kultur sind verschiedene Formen gewonnen. 

Wuchsformen. 

Pinus Strobus nana hört. (Carr. Conif. 1. ed., p. 302 [1855]). Zwerg- 
Weymouthskiefer. 

Syn. Pinus Strobus pygmaea hört. 

„ Strobus brevifolia Loud. Encyclop. of Trees p. 1018 (1842). 
„ Strobus compressa Booth ex Knight. Syn. Conif. p. 34 (1850). 
Eine buschige rundliche Zwergform mit etwas kürzeren Blättern und 
dichter Bezweigung, die sich, ohne krüppelhaft zu erscheinen, als Kugelform 
frei gestellt, zu Vorpflanzungen recht gut ausnimmt. Ich kenne schöne, tadel- 
lose, bis 1 m Durchmesser zeigende Exemplare. 

Pinus Strobus umbraculifera hört. (Carr. Conif. 1. ed., p. 304 [1855]). 

Syn. Pinus tabuliformis hört. 

Kleiner, buschiger, dicht bezweigter Strauch mit ungleichen, kürzeren 
Blättern, dessen Zweige sich seitlich ausbreiten, daher die Bezeichnungen 
schirm- oder tischförmig. Alte Exemplare breiten sich ganz flach aus. 

Pinus Strobus pumila hört. 
Syn. Pinus Strobus minima hört 

Eine zwergig-buschige Form, eine Kugel bildend, mit ziemlich 
langen, silbergrauen Blättern. 

Pinus Strobus prostrata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 107 und 1903, 

p. 27). 

Eine eigentümliche kriechende Form. Der Stamm ist gleich über dem 
Boden geknickt, knieholzförmig gebogen, ohne sich zu erheben, so daß die 
Äste sich ganz horizontal über dem Boden nach allen Seiten ausbreiten. 
Bezweigung und Benadelung sind normal. 

Herr Rehder in Jamaica Piain Maß. U. S. A. fand diese Kriechform 
dort, und ich fand später in Kultur im Friesschen Garten in Langensalza ein 
Exemplar unbekannter Herkunft, das also jedenfalls als eigentümlicher Sämling 
in einer Baumschule entstanden sein dürfte. 

Pinus Strobus fastigiata hört. Säulen-Weymouthskiefer. 
Syn. Pinus Strobus pyramidalis hört. 

Eine Form mit lang aufstrebenden Ästen, von spitz-kegelförmiger 
bis säulenförmiger Gestalt. 

Pinus Strobus pendula (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1893, p. 29). 
Eine hübsche Trauerform, die als eigentümlicher Sämling im Schloß- 
garten in Benrath bei Düsseldorf entstand. Es ist ein rundliches, etwa 2 m 



II. Klasse. Coniferae. 351 

hohes Exemplar, dessen Beastung im starken Bogen abwärts hängt, so daß 
sie den Boden berührt. Eine interessante Erscheinung. 

Pinus Strobus monophylla tortuosa von Tubeuf (Forstl.-wissensch. Zeitschr. 

1898, VII, Heft 1, p. 34). 
Eine Form von Oberförster Schreiber in Blankenburg am Harz ge- 
funden, wo die fünf Nadeln zu einer verwachsen sind, wie dies auch bei 
Pinus excela beobachtet wurde. Es kommen alle Übergänge der Verwachsung 
vor, dazu lösen sich die Nadeln öfter an den Spitzen auf und zeigen ganz 
eigenartige monströse, spiralige Drehungen. 

In der Färbung abweichend. 
Pinus Strobus viridis Carr. (Conif. 2. ed., p. 400 [1867]). 

Eine Form mit verhältnismäßig kurzen, dünnen Ästen und völlig 
grünen Blättern. 

Pinus Strobus gracilis viridis hört. 

Eine Form mit zierlichen, dünnen, freudig-hellgrünen Blättern 
und daher sehr abweichend. 

Pinus Strobus nivea Carr. (Conif. 2. ed., p. 400 [1867]). 

Syn. Pinus Strobus alba Loud. Encyclop. of Trees p. 1018 (1842). 
„ „ argentea bort. 

„ nivea Booth ex Knight. Syn. Conif. p. 34 (1850). 
Form mit ausgebreiteten, oft übergebogenen, manchmal etwas aufstrebenden 
und dann starken Ästen, daher niedrig und unregelmäßig von Wuchs. Die 
Blätter sind dünn, öfter gedreht, und die blauweißen Längslinien treten so 
stark hervor, daß die Blätter oft silberweiß erscheinen. 

Pinus Strobus aurea hört. (Carr. Conif. 2. ed., p. 400 [1867]). 
Bei dieser Form sind die Blätter, zumal die der jungen Triebe, 
goldgelb, und selbst die Rinde der jüngeren Zweige zeigt sich gelb gestreift. 
Sie zeigt eine recht beständige goldige Färbung und ist zu starken Kontrasten 
geeignet. 

Pinus Strobus glauca (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1893, p. 29 und 1904, p. 17). 

Eine öfter bei Aussaaten gewonnene schöne blaue Form, die bei 
voller Bezweigung mit der zierlichen blauen Benadelung sich reizend aus- 
nimmt und daher, zumal für rauhe Lagen, besonders wertvoll wird. 

Pinus Strobus variegata hört. (Carr. Conif, 2. ed., p. 400 [1867]). 

Form mit teils gelbbunten, teils grünen Blättern, welche sich wenig 
beständig zeigt. 

Pinus Strobus zebrina Zocher. 

Eine eigentümliche bunte Form, bei welcher jedes Blatt mit mehreren 
gelben Ringen gezeichnet ist, in der Baumschule des Herrn Zocher in 
Haarlem entstanden in Kultur gleichzeitig vier solcher Pflanzen, die ein ganz 



QRO Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

eigenartiges Aussehen haben, zumal im Sommer, wo die Zeichnung scharf 
und gleichmäßig hervortritt (s. ähnliche Zeichnung bei Pinus excelsa). 

Alle genannten Formen sind durch Veredelung auf die Art fortzupflanzen. 
Die Zwergformen, oft mehr eigentümlich als schön, können ihren Platz vor 
höheren Coniferen-Pflanzungen, an Abhängen und zwischen Felsen finden. 
Die Säulen- und Trauerform sind auffallend zu Kontrasten in der Landschaft 
geeignet. Die blaue und goldige Form sind schön, die silberweißblättrige ist 
wirkungsvoll, aber leider schlecht von Wuchs, während die buntblättrigen 
teils als unschön keine Beachtung verdienen, oder als eigentümlich nur in 
der Nähe betrachtet interessant sind. 

Junge Triebe schokoladenbraun oder braunhaarig; Blätter derber und steifer. 

4. Pinus monticola Dougl. (in Lamberts Gen. Pin. III, t. 87, [18371). 
West-Amerikanische Weymouthskiefer. 

Syn. Pinus Strobus monticola Nutt. Sylv. North, amer. II, p. 177 (1849). 
„ porphyrocarpa Murr, in Law. Pin. Brit. I, p. 83 c. ic. (Nach 
Kent in Veitch, Man. 1900, p. 349 der ausnahmsweise purpur- 
roten jungen Zapfen wegen so benannt, welche nur an einem 
in Schottland kultivierten Baum beobachtet wurden.) 
Nach Engelmann in Kalifornien in der höheren Sierra Nevada von 
2300 — 3300 m von der Kalaveras-Gruppe und dem Mount Raymond nord- 
wärts; gemein in der Shasta-Region und dem Trinity-Gebirge und sich bis 
Oregon und dem Washington-Territorium ausbreitend, außerdem in Kolumbien 
vorkommend. 

Diese Kiefer ist der westliche Vertreter der nordöstlichen Weymouths- 
kiefer, von welcher sie sich durch die größeren Zapfen und steiferen und 
viel weniger gesägten Blätter unterscheidet. In letzteren sind fast der ganzen 
Epidermis Hypodermzellen (die aber nicht die Harzgänge umgeben) unter- 
gelagert, während diese den weicheren Blättern von Pinus Strobus fehlen. 
Das Holz soll weich und weiß, feinfaserig, zähe und haltbar sein, wie bei der 
Weymouthskiefer. 

Sie wurde im Jahre 1831 in Europa von David Douglas eingeführt. 
Baum schlank von Wuchs, von 20 — 25 m Höhe und zuweilen bis 1 m 
Stammdurchmesser, nach Dr. Mayr selbst 46 m Höhe bei 1,5 m Durchmesser 
erreichend, mit ziemlich glatter, blasser, in quadratförmigen Platten spaltender 
Rinde. Äste quirlständig abstehend, mit den Spitzen aufgerichtet. Junger 
Trieb braun behaart. Blätter zu fünf, ziemlich steif, gerade, dreieckig, am 
Rande mit sehr kleinen und entfernt stehenden Zähnen, stumpf gespitzt, grün, 
an den Seiten mit blauweißen Längslinien gezeichnet, meist 5^/2, hier und da 
bis 10 cm lang, männliche Blüten in dichten Knäueln von 20 — 30, zylindrisch- 
stumpf, blaßgelb. Zapfen zu zwei bis fünf, quirlständig, kurz gestielt, hängend, 
zylindrisch schlank, etwas gekrümmt, jung hellgrün oder purpur, reif gelblich- 
braun, 14 — 20 cm lang, 3 — 5 cm breit. Zapfenschuppen fast lederartig, keil- 
förmig, angedrückt, an - der Spitze abstehend; die untersten kleiner, stark 
zurückgebogen, Schuppenschild kaum vortretend, auf dem Rücken konvex mit 
einem Längskiel und scharfem Rande, hellbraun, Nabel zusammengedrückt- 
vierseitig spitz, dunkelbraun mit hellem Harz überflössen. Samen blaß 



IL Klasse. Coniferae. 353 

braun, eirund, 6 mm lang, 3^/2 mm breit mit braunem, 20 — 23 mm langem 
Flügel. 

Eine zierliche, schlank und schnellwachsende Weymouthskiefer, welche 
in dekorativer Hinsicht den vorstehenden Arten gleichwertig ist, bei freiem 
Stand aber, pyramidal von Wuchs, und als junge Pflanze weit dichter 
verzweigt als die weitästige Pinus Strobus und daher noch dekorativer wie diese 
genannt werden muß; sie ist bereits in schönen, stattlichen zapfentragenden 
Bäumen in Deutschland vertreten und zeigte sich durchaus frosthart. Sie 
liebt genügend feuchte, luftige, freie Lagen, zumal Anhöhen und Gebirge, 
ihrem natürlichen Vorkommen entsprechend. Leider hat auch sie von den 
genannten bösen Krankheiten der Weymouthskiefern zu leiden. 

5. Pinus Lambertiana DoiigL (in Linn. trans. 15, p. 500 [1828]). Riesen- 
oder Zuckerkiefer. 

Syn. Sugar-Pine der Kalifornier und der Engländer. 
Pin gigantesque der Franzosen. 

Im westlichen Nord-Amerika vom Felsengebirge bis zum großen Ozean 
und vom Kolumbia-Flusse bis nach Mexiko. Nach Engelmann durch ganz 
Kalifornien und nordwärts bis zum Kolumbia-Flusse, an beiden Abhängen der 
Sierra Nevada in einer Höhe von 1000—1300 oder zuweilen 2300—2500 m 
einen Waldgürtel mit Pinus ponderosa und Abies concolor bildend, im Küsten- 
gebirge nur an den höchsten Punkten von den Santa-Lucia-Bergen bis Hum- 
boldt-County. 

Die Blätter sind derber als bei ihren Verwandten, mit einer Lage von 
Hypoderm-Zellen unter der ganzen Epidermis und um die Harzgänge. Das 
leichte, trefflich zu verarbeitende Holz gleicht dem der Weymouthskiefer, wird 
ähnlich benutzt und in Nord-Amerika hoch geschätzt. Die Ausschwitzung 
angebrannter Bäume verliert ihre harzigen Eigenschaften und bekommt einen 
süßen Geschmack, ähnlich dem von Zucker und Manna, an deren Stelle sie 
zuweilen benutzt und auch als Mittel gegen Husten gelobt wird, daher der 
Name Zuckerkiefer (Sugar-Pine). Jedenfalls ist es ein sehr wertvoller Nutz- 
baum in der Heimat. 

In Europa 1827 von David Douglas eingeführt. 

Ein mächtiger Baum, die riesigste aller Kiefern, 50 bis gegen 100 m 
Höhe und 3 — 6 m Stammdurchmesser (nach Engel mann) erreichend, mit 
hellbrauner, glatter, in kleine Abschnitte zerspaltender Rinde. Stamm tadellos 
gerade, hoch sich ausästend. Äste quirlständig, horizontal, etwas überhängend, 
eine eirunde Krone bildend. Junge Triebe schokoladenfarbig, Blätter zu fünf, 
steif, scharf dreieckig, an den Rändern schärflich, scharf gespitzt, frischgrün 
mit bläulichen Längslinien, die besonders in der Jugend hervortreten, 9 bis 
11 cm lang. Männliche Blüten, in ziemlich dichten, zylindrischen Ähren, hell- 
gelbbraun. Zapfen an 9 cm langen Stielen hängend, zyHndrisch, hellgelbrot, 
nach Engelmann 30 — 50 cm lang, 8 — 11 cm dick. Nach Dr. Mayr sind die 
Zapfen im südlichen Oregon (dem nördlichsten Vorkommen der Kiefer) be- 
deutend kleiner, die größten messen 34, die kleinsten 26 cm ohne Stiel. 
Zapfenschuppen lederartig, keilförmig, angedrückt; Schuppenschild leicht ver- 
dickt, auf dem Rücken konvex, glatt, mit scharfem Rande und breitem, sehr 
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 23 



854 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten, 

stumpfem Nabel. Samen groß, glatt, schwarz, eirund-länglich, 15 mm lang, 
9 — 10 mm breit mit nicht ganz doppelt so langem, braunem, länglichem, 
stumpfem Flügel, eßbar, süß von Geschmack und von den Bewohnern gesucht. 
Kotyledonen 13 — 15. 

Die Zuckerkiefer liebt besonders einen lockeren, sandigen, frischen 
Lehmboden. Leider kann ihr Gedeihen bisher in Deutschland gerade nicht 
als ein freudiges bezeichnet werden, denn sie wächst sehr langsam, was 
allerdings, zumal in der Jugend, auch im Vaterlande der Fall sein soll, 
während sie dort erst als größerer Baum ein schnelleres Wachstum zeigt; 
Dr. Mayr nennt sie langsamwüchsig durch ihr ganzes Leben. Dies ist auch 
wohl der Grund, warum der forstliche Anbau, zu welchem die Zuckerkiefer 
öfter empfohlen und auch herangezogen ist, bisher leider abfällig beurteilt 
wurde. Hier und da findet man in Kultur gesunde, gut gedeihende, stattliche 
Bäume, ich kenne solche in verschiedenen Gegenden. Es scheint, wenn sie 
die erste Jugend überschritten und sonst gute Bedingungen findet, daß sie 
dann flott voran wächst und normal sich entwickelt. 

Da die Zuckerkiefer sich in verschiedenen Gegenden widerstands- 
fähig zeigte, so sollte man nichts unversucht lassen, sie in Kultur weiter zu 
prüfen, denn als Zierbaum müßte sie in größeren Exemplaren, mit den langen 
Zapfen behangen, ein auserlesener Schmuck für unsere Parkanlagen werden. 
Dr. Mayr rät auch dazu, sie, ihrer guten Eigenschaften halber, für passende, 
den Weymouthskiefern günstige Lagen weiter zu erproben, um vielleicht doch 
noch dereinst im großen forstlichen Betriebe Nutzen davon zu ziehen. Aller- 
dings sind die bisherigen Erfahrungen wenig ermutigend, und dennoch geht 
auch hier probieren über studieren, und es werden vielleicht doch noch die 
günstigen Bedingungen für diesen so wertvollen Baum auch bei uns gefunden. 

Pinus Lambertiana gehört zu den Coniferen, welche, wie auch 
Carriere betont, sich als Sämlinge schwach und langsam entwickeln und 
schwer aufzuziehen sind, während sie veredelt freudiger und kräftiger gedeihen; 
wir finden in der Tat auch häufig veredelte Exemplare in den Gärten, und 
zwar veredelt man dieselbe auf die harte, verwandte P. Strobus. Natürlich 
kommt diese Vermehrung nur für Zierbäume in Betracht. 

Bläffer dünn und schlaff. 

6. Pinus Ayacahuite Ehrenb. (ex SchlecAnd. in Linn. XII, p. 492 [1838]). 
Mexikanische Weymouthskiefer. 

Syn. Tablas, Ayacahuite der Mexikaner. 

Von Roezl 1836 eingeführt. 

Es ist die gemeine White Pine in Mexiko, zwischen den 16. — 18.^ n. Br., 
zumal in den Provinzen Chiapas und Oaxaca und südlich bis nach Guatemala, 
immer in beträchtlicher Höhe bis 2500 m, in den Gebirgen Nord-Mexikos aus- 
gedehnte Wälder bildend und das wertvollste Nutzholz liefernd. 

Hoher Baum von 30 m und 1 — 1,30 m Stammdurchmesser, in der Tracht 
sehr der Pinus excelsa ähnelnd, mit hellgrauer oder aschgrauer, glatter Rinde, 
junge Triebe rostbraun behaart. Blätter zu fünf, dreikantig, schlaff, dünn, 
überhängend, an den Rändern gesägt, 12 — 15 cm lang, durch die Spaltöffnungs- 
reihen silberig schimmernd, mit 3 cm langen, abfallenden Blattscheiden. 



I 



11. Klasse. Coniferae. 355 

Zapfen einzeln oder zu zwei oder drei, zylindriscti, hängend, gebogen, nach 
der Basis zusammengezogen, 18 — 20, ja oft bis 30 cm lang, 5 — 6 cm breit. 
Schuppen breit, elliptisch-länglich, schwammig, auf dem Rücken gerillt, 
Apophyse in der Mitte etwas verdickt, mit verdünnten Rändern und um- 
gebogener Spitze. Samen eirund zusammengedrückt, braun, öfter dunkler 
gestreift, mit 25 mm langem, schief abgestutztem Flügel. 

In Frankreich hält diese hoch elegante schöne Kiefer nach Carriere 
unter günstigen Bedingungen aus. Kent in Veitch, Man. 1900, p. 312 bildet 
die schönsten Exemplare in Westonbirt in Gloucestershire ab, nennt noch 
andere schöne Exemplare und empfiehlt ihre Anpflanzung für geschützte Stand- 
orte. Nach Peter Smith, früher in Bergedorf, hatten Exemplare dort gut 
durchwintert (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1896, p. 58). Sehr wünschenswert 
wäre Einführung zuverlässig echten Saatgutes aus den Hochgebirgen Nord- 
Mexikos für uns. Es wäre alsdann zu hoffen, diese prächtige Kiefer, wenn 
auch nur für besonders geschützte Lagen und günstige Verhältnisse bei uns 
einzubürgern. 

Samen länger als ihre Flügel. 

7. Pinus strobiformis Engelin. (in Bot. Append. p. 102, to Wislizenus „Tour 
in North Mexiko"). Hakenkiefer, White Pine. 

Syn. Pinus reflexa Engelm. in Bot. Gaz. VII, p. 4. 

„ flexilis var. reflexa Engelm. in Rothroks Rep. Bot. Exp. 
Wheeler. 

Von Dr. Wislizenus in Chihuahua in Nord-Mexiko 1846 entdeckt. 

Nach Sargent gewöhnlich zerstreut, einzeln oder in kleinen Trupps 
auf Felsrücken und Talabhängen der Santa Catalina, Santa Rita und 
Chiracahua-Gebirge von Süd-Arizona und der Sierra Madre in Chihuahua. 

Sie ist der Pinus Ayacahuite sehr nahe verwandt und wird von manchen 
Autoren nur als kleinere klimatische Varietät betrachtet (Kent in Veitch. 
Man. p. 313). Abbildungen finden sich in Sargent Silva of North Am. XI, p. 33, 
t. 544, 545 und Manual of the trees 1905, p. 7. 

Baum von 25 bis über 30 m Höhe und selten über 0,70 m Stammdurch- 
messer mit schmal-pyramidaler Krone mit dünnen, oft hängenden Ästen und 
Zweigen, diese erst orangenbraun, dann purpur und öfter blau beduftet, die 
jüngsten blaurot, weichhaarig. Rinde 3 — 4 cm dick, unregelmäßig tiefrissig und 
in schmalen kleinen rotbraunen S^uppen lösend. Das Holz ist hart, leicht, 
nicht fest, hellrot. Die Blätter sincl dünn, steif, hellgrau mit weißlichen Spalt- 
öffnungslinien, etwa 10 cm lang. Zapfen 15 — 25 cm lang, mit an der Spitze 
zurückgebogenen Schuppen (daher der Name Hakenkiefer reflexa). Samen 
breit eirund, 15 mm lang, 10 mm breit, dunkelrotbraun, mit einem dünnen, 
muschelförmigen schmalen Rand, und rundlichem, etwa 5 mm breitem Flügel. 

Sargent stellt diese Kiefer noch in die Sektion Strobus; mit den sehr 
kurz geflügelten Samen bildet sie gleichsam einen Übergang zur Cembra- 
Gruppe, zu welcher sie auch öfter gerechnet wurde. 

8. Pinus scipioniformis Mast, (in Bull, de Fherb. Boiss. VI [1898]). 
Chinesische Weymouthskiefer. 

Im mittleren China, Provinz Hupeh von Dr. Aug. Henry gesammelt. 

23* 



QRß Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Nach Masters: Zweige rötlich, glatt, leicht gerillt. Zweigchen aufsteigend. 
Knospen lineal beschuppt. Schuppen vom Grunde stufenweise zunehmend, 
fast ledrig, hell kastanienbraun mit häutigen weißlichen Rändern. Blätter zu 5, 
in sehr kurzen abfallenden Scheiden, bis zu 12 cm lang, dreieckig mit konvexem 
Rücken, an den Seiten konkav mit 6 — 7 Spaltöffnungsreihen, an den Rändern 
knorpelig gesägt; Harzkanäle unter der Epidermis. Männliche und weibliche 
Blüten fehlen. Zapfen 3 — 5 cm lang, kaum 2 cm breit, mit einem holzigen, 
aufrechten, gleich langen Stiel, aufgerichtet, länglich-stumpf. Bracteen häufig 
dreieckig zugespitzt. Schuppe doppelt so lang als die Bractee, holzig, fast 
kreisrund. Apophysen einwärts gekrümmt, mit Längsfurchen. Samen un- 
bekannt. 

9. Pinus peiitaphylla Mayr (Abiet. d. jap. Reich. 1890, p. 78, Taf. VI, 20). 
Japanische Weymouthskiefer. 

Syn. Goyo-matzu der Japaner. 

Nach Mayr in Japan im kühleren Laubwalde bis in die Tannenregion 
übergehend, nördlich vom 38.^ n. Br. inkl. Eso. In tieferen Lagen Baum von 
25 — 30 m Höhe, in höheren Lagen 15 — 20 m mit starken, sehr abfälligen 
Schäften. Das Holz wird nur gelegentlich genutzt. Dekorativ ist sie eine 
sehr schöne wertvolle Kiefer. 

Diese Kiefer ist von Anfang an, entweder mit Pinus parviflora Sieb, et 
Zucc. verwechselt oder irrtümlich mit ihr zusammengeworfen worden. In 
der älteren Literatur findet sich schon die Angabe, daß unter letzterem Namen 
zwei verschiedene Kiefern in Japan vorkommen, dann werden die Samen 
bald kaum geflügelt oder flügellos oder flugfähig mit längerem Flügel an- 
gegeben. Erstere ist die P. parviflora, zur Cembra-Gruppe gehörig, letzte 
unsere hier beschriebene Weymouthskiefer. (Vergl. Carriere Conif. 2. ed., p. 385, 
[1867]. Veitch, Man. of the Conif. 1881, p. 182 und Jaeger u. Beißner, Zier- 
gehölze p. 482, [1884].) 

Die Borkenschuppen sind größer als die von Pinus parviflora, meist 
5 cm breit, 10 cm lang, dünn, weich, am Rande etwas abstehend, rötlich, im 
Lichte mit weißlicher Überfläche; Krone voll beästet, junge Triebe grünlich, 
weichhaarig. Blätter derber, außen dunkelgrün, auf den Innenflächen mit 
blauweißen Spaltöffnungsreihen, die drei Jahre deutlich hervortreten, während 
sie bei P. parviflora im zweiten Jahre schon verschwinden, meist 3^/2 cm lang. 
Männliche Blüten kurz gestielt, 7 mm lang, 3 mm breit, ährenförmig, am Scheitel 
rötlich. Befruchteter Zapfen im ersten Jahre blauschwarz, reif 6 — 9 cm lang, 
3 cm dick, wenn geschlossen. Vor der Reife grün, schwach bereift. Schuppen 
flach, nicht gebuckelt, anliegend, Apophyse flach mit schwachen Vertiefungen 
in der Mitte. Samen flugfähig, 1 cm lang, 5 mm breit, auf einer Seite 
braun, auf der anderen mit hellem Rande dunkel gesprenkelt, mit 1,20 cm 
langem, an einer Seite angewachsenem, 7 mm breitem Flügel. 

Pinus pentaphylla wird, gleich P. parviflora, von japanischen Gärtnern 
viel zu künstlichen Zwergen herangezogen; ich sah solche Zwerge öfter auf 
Ausstellungen. 

Mayr Abiet. d. jap. Reich., p. 94 erwähnt aus Japan eine kurznadelige 
Form, brevifolia, Negishi-goyo, mit auffallend kurzen dicken Nadeln, und 
eine gelockte Form, tortuosa, Kamuro-goyo. 



n. Klasse. Coniferae. 357 

2. Gruppe. Eucembra Köhne. 

Zapfen meist kurz und dick, dickschuppig. Same nicht flugfähig, groß. Flügel 

sehr kurz oder fehlend (Cembra Spach. Mayr). 

A. Harzgänge der Blätter an der Epidermis. 

a) Junge Triebe kurzhaarig. 

10. Pinus parviflora Sieb, et Zucc. (Fl. jap. II, p. 27, t. 115 [1842]). 
Kleinblütige Kiefer, Mädchenkiefer. 

Syn. Pinus Cembra Thunb. Fl. jap., p. 274 (1784), non L. 

„ ? heterophylla Presl. in Herb. Haenke. von der Nutka-Insel. 
Himeko-matsu Kamuro-goyö der Japaner. 

In Japan in Kiushiu und Shikoku, hier im kühleren Laubwalde, nach 
Mayr, mit Tsuga größere Bestände bildend, in Kisso vereinzelt mit Chamae- 
cyparis obtusa, kaum den 38. ^ n. Br. überschreitend. Auch auf Formosa 
entdeckt. Hayata, in Gard. Chron. 1908, p. 194 hat den Baum von 
Formosa als besondere Art bezeichnet und Pinus morrisonicola genannt, 
verschieden durch zurückgebogene Zapfenschuppen und breitere Samenflügel. 

Engel mann stellt Pinus parviflora in die Strobus-Gruppe und vereinigt 
P. heterophylla Presl. mit dieser Art, welche sich durch dünne, weiterstehende 
und sehr schwach gesägte Blätter und kaum vorhandene Hypodermzellen 
unterscheidet. Masters folgt ihm in Agen. View of the genus Pinus, p. 571. 

Pinus parviflora wurde 1846 in Europa eingeführt. 

Je nach dem Standort niedriger oder mittelhoher, ja hoher Baum von 
15 — 20, nach Mayr in günstigen Lagen bis 32 m Höhe von dichtem, pyra- 
midalem Wuchs mit dicht und horizontal gestellten Ästen und dichtstehenden, 
kurzen, bräunlich-filzigen jungen Zweigen. Stamm mit grauschwarzer, lange 
glatt bleibender, später in 3 cm breiten Schuppen sich lösender Rinde. 
Knospen länglich mit schmalen, gewimperten Schuppen besetzt. Blätter zu 
fünf, dichtstehend, dünn, zart, gerade oder gebogen, auch gedreht, dreieckig, 
an den Kanten schärf lieh, auf dem Rücken grün und an den Seiten mit 
weißlich-blauen Längslinien, die früher als bei pentaphylla verschwinden. 
Männliche Blüten 7 mm lang in lockeren Ähren, gelb, weibHche rötlich, 
2 — 3^/., — 5 cm lang, 1 mm breit. Zapfen 4^ — 6 cm lang, 3 — 4 cm breit, sitzend, 
fast horizontal abstehend, gerade, eirund oder eirund-länglich-stumpf. Schuppen 
dicht dachziegelig, dick, braunrot, lederartig-holzig, breit-keilförmig. Schuppen- 
schild aschgrau, ungleichseitig-rhombisch, auf dem Rücken konvex und glatt, 
an der Spitze abgerundet, mit kaum vortretendem Nabel, am Rande wellen- 
förmig, etwas einwärts gekrümmt. Samen elliptisch oder eirund-länglich, 
schwärzlich, 10 mm lang, 7 — 8 mm breit, am oberen Rande und an der 
Spitze mit einem dünnen, kurzen Flügelstummel, der, leicht abbrechend, im 
Zapfen zurückbleibt. 

Eine hübsche, bei uns gedrungene, charakteristische Zirbelkiefer, 
welche besonders durch die gedrehten Blätter, welche die blauweißen Längs- 
streifen hervortreten lassen, ins Auge fällt und als sehr zierend und ganz 
hart recht weite Verbreitung verdiente. Sie liebt Lehmboden und eignet 
sich auch für kleinere Gärten. 

Wir finden in den verschiedensten Gegenden schon recht ansehnliche, 
gut gedeihende, zapfentragende Bäume. Mayr empfiehlt sie in den Laub- 



358 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

wald einzusprengen. Aus Alnarp in Schweden erhielt ich noch Zapfen mit 
keimfähigen Samen, die dort an einem mannshohen Exemplar gereift waren. 

Auf die Verwechselung und das irrtümliche Zusammenwerfen dieser 
Kiefer mit pentaphylla wurde dort schon hingewiesen, obgleich beide auch 
vom Volke mit besonderen Namen unterschieden werden. 

Diese Kiefer wird in Japan viel angepflanzt, ist besonders beliebt bei 
den dortigen Gärtnern und wird viel zur Erziehung der künstlichen, schon 
öfter genannten Kultur-Zwergformen verwendet; solche oft mehr als hundert- 
jährige Pflanzen in 50 — 60 cm hohen bizarren Formen, die kaum die Art noch 
erkennen lassen, waren auch auf europäischen Ausstellungen schon vertreten. 
Eine auffallend blau grüne Form wird als Pinus parviflora glauca bezeichnet. 

Pinus parviflora nana. 

Syn. Hime-goyo-matzu (Zwergkiefer mit 5 Nadeln). 

Eine japanische Zwergform, wenig üppig, mit geringer kurzer, auf- 
strebender Bezweigung und kürzeren Blättern. 

Pinus parviflora brevifolia (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 95 u. 107). 

Eine Pflanze, normal von Wuchs, mit feinen, nur halb so langen 
Blättern als bei der Art, fand ich bei Barbier et fils in Orleans. 

Mayr in Abiet. d. jap. Reiches 1890, p. 94 führt noch folgende Kultur- 
formen dieser so beliebten Kiefer aus Japan an: brevifolia in drei Formen, 
dabei auch eine niedrige, gebogene Form mit kurzen, nur halb so langen 
Blättern, variegata mit teils ganz gelbweißen, teils gefleckten oder gerandeten 
Blättern. Oculus draconis Drachenauge, die Blätter zeigen ziemlich regel- 
mäßig gelbe und grüne Ringelungen, welche, von oben in den Zweig hinein- 
gesehen, helle gelbe Kreise, die Form eines Drachenauges bilden, tortuosa 
mit gelockten, d. h. spiralig um den Trieb gewundenen Blättern, recurva 
mit hakenförmig gekrümmten Blättern. 

11. Pinus pumila Rgl. (in Ind. sem. Hort. Petrop. 1858, p. 23 und 1859 und 

in Bull. Soc. de nat. de Mose. I, p. 211 und Mayr in Abiet. d. jap. Reiches 

1890, p. 80, Taf. VI, 21). Zwergkiefer, Kriechkiefer. 

Syn. Pinus Cembra pumila Pall. Fl. Ross. I, p. 5, II (1784). 
„ pygmaea Fisch. Flor. Ochot. 1856. 
„ Cembra nana hört. 
Hai-matzu (Kriechkiefer); Shimofuri-goyö der Japaner. 
In Nordost-Sibirien auf Felsen an der oberen Baumgrenze in den 
Gebirgen. Nach Fr. Schmidt (Reisen im Amurland und auf der Insel Sachalin) 
am Amurflusse in einem sumpfigen Walde von Picea ajanensis und Larix als 
Unterholz. An den Abhängen des Dschuktales, je höher im Gebirge, desto 
häufiger auftretend, in dichtem Gewirr und Geflecht den ganzen Boden 
bedeckend. Sie steigt auf die Anhöhen am Amgunfluß und krönt die höheren 
Bergkämme, im Kerbital, an der Bureja bis zur Njuman-Mündung. Auf der 
Insel Sachalin gemein auf den Tundren, über der höheren Laubwaldregion 
einen fast undurchdringlichen Gürtel bildend und zugleich den Übergang zur 
eigentlichen alpinen Vegetation. 



I 



II. Klasse. Coniferae. 359 

Die Samen werden im Osten und Norden zur Nahrung eingesammelt. 

Nach Mayr 1. c. in Japan in der alpinen Zone, oberhalb der Tannen 
und Fichten; ganze Bestände bedecken die höchsten Bergspitzen von etwa 
2800 m an aufwärts über dem 36.^ n. Br., auf der Insel Eso bei 1000 m 
Erhebung. 

• Diese weit verbreitete Zwergkiefer wurde von den europäischen Autoren 
der Pinus Cembra als Zwergform zugeteilt, während die japanischen Autoren 
sie wieder der P. parviflora zuschrieben. 

Strauch bis 4 m Höhe, mit lang über dem Boden ausgebreiteten und 
mit den Spitzen wieder aufstrebenden Ästen, einzeln oder zu dichtem Gewirr 
verflochten. Junge Triebe erst grün, später rotbraun, filzig behaart. Blätter 
zu fünf, etwas gedreht, dem Triebe angedrückt, 4 — 7 cm lang. Männliche 
Blüten 15 mm lang, an den Spitzen rötlich, weibliche Blüten blaurot. Zapfen 
3,5 — 4,5 cm lang, geschlossen 2,5 cm dick. Schuppen am Rande schneidig, 
darunter mit wagerecht abstehender, quer zweischneidiger Spitze des starken 
Nabels. Samen 6 — 10 mm lang, 4 — 7 mm dick, flügellos, eßbar. 

Eine leider bei uns sehr selten echte, auch mit einer Zwergform 
von Pinus Cembra öfter verwechselte Kriechkiefer. Ich sah im Hamburger 
botanischen Garten auf einer Steinpartie (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, 
p. 141) die echte Pflanze, welche An sorge aus Samen erzog, die L. Böhmer 
& Co. von Fuji-Yama gesandt hatte. 

Einfuhr echten Saatgutes wäre sehr erwünscht, nicht nur für Zierzwecke, 
sondern auch für Nutzzwecke, denn diese Kiefer würde, wie unsere Krumm- 
holzkiefern verwendet, nicht nur zur Bodenbefestigung, sondern auch mit 
eßbaren Samen doppelt nutzbringend für uns werden. 

b) Junge Triebe kahl. 

12. Pinus flexilis James (in Longs exped. II, p. 27 u. 34 [1823]). Biegsame 
Kiefer, Nevada-Zirbelkiefer. (Fig. 89.) 

Syn. Rocky Mountains White Pine (Weißkiefer des Felsengebirges) der 
Amerikaner. 
Californian Cembra Pine der Engländer. 

Sargent Silva N. Am. XI, p. 35, t. 546 u. Trees of N. Am. 1907, 
p. 7, mit Abbild. 
Nach Engel mann in Kalifornien nur am Mount Silliman zusammen 
mit Pinus albicaulis, sowie im Jnyo-Gebirge und von da ostwärts in den Ge- 
birgen von Nevada und Arizona bis zum Felsengebirge in sandig-kiesigem 
Boden auf sonnigen Standorten weitläuftige Waldungen bildend, während sie 
von Neu-Mexiko bis Montana gemein ist. 

Nach Purpus (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1904, p. 49 und Taf. VI) 
tritt sie erst bei 2600 m auf und steigt bis 3300 m und selbst höher. Sie 
wächst vereinzelt oder in gemischten Beständen und liebt felsige, steinige, 
etwas feuchte Standorte. Die Fig. 89 zeigt einen freistehenden Baum mit 
breiter, rundlicher Krone mit langer Beastung. 

In Beständen sind die Stämme astfrei, die Benadelung, zumal an jüngeren 
Exemplaren, ist silberig, das Holz weiß, gut und erstklassig. 



SfiO Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Nach Hochderffer in Flagstaff (Arizona) ist sie dort ein überaus 
fruchtbarer Samenproduzent; viele Wildarten leben im Winter monatelang 



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von ihren Samen. Sie ist eine der prächtigsten und nützlichsten Kiefern 
und sie dürfte auch als solche in Deutschland vollauf anerkannt werden. 



II. Klasse. Coniferae. 361 

Sie macht geringe Bodenansprüche, wächst noch auf steinigem Felsboden, 
wo andere Waldbäume nicht fortkommen, allerdings wächst sie üppiger und 
rascher in gutem, tiefgründigem Boden. 

Im Jahre 1851 von Jeffrey in Europa eingeführt. 

Baum von 10—23 m Höhe und 1 — 1,50 m Stammdurchmesser mit ge- 
furchter grauer Rinde und weißem festem Holze. (Nach Dr. Mayr ist es 
in Zentral-Nevada der wertvollste Nutzbaum zu Schächten beim Bergbau ; 
derselbe fügt hinzu, das Holz sei schwerer als das der europäischen Zirbel- 
kiefer.) Krone voll, breit-eirund. Zweige sehr biegsam, die jüngsten gelbgrün, 
feinweichhaarig, aber bald glatt und dunkler. Blätter zu fünf, 4 — 5^/2 cm lang, 
selten länger, 1 mm dick, mit wenigen Reihen von Spaltöffnungen an den 
Seiten und gewöhnlich sehr wenige auf dem Rücken, aufrecht, steif, gerade 
oder gebogen, dreieckig, stumpf gespitzt. Männliche Blüten rötlich, weibliche in 
Knäueln, dunkel purpur. Zapfen zu drei bis vier quirlständig, etwas hängend, 
oval bis fast zylindrisch, 8 — 14 cm lang, glänzend-hellbraun mit etwas sparrigen, 
dicken, holzigen, keilförmigen Schuppen, bei der Reife weit klaffend und rück- 
wärts gekrümmt. Samen oval, zusammengedrückt, marmoriert, 1 — 1^/2 cm lang, 
eßbar, sehr angenehm schmeckend und gesucht. Der kaum bemerkbare Flügel 
1 mm breit, meist an der Schuppe haften bleibend, Kotyledonen sechs bis neun. 

Nach Engelmann schließt sich diese Kiefer weit näher der Pinus 
Cembra der alten Welt als den Weymouthskiefern an, unterscheidet sich aber 
durch die Blattstruktur, welche in den gesägten Blättern der P. Cembra von 
Parenchym umschlossene Harzgänge zeigt; die peripherischen Harzgänge der 
P. flexilis sind nicht von Hypodermzellen umgeben. 

Eine interessante, bei uns gut gedeihende, anspruchslose und schon in 
recht stattlichen Exemplaren in Deutschland vertretene Kiefer, welche sich in 
verschiedenen Lagen und Bodenverhältnissen widerstandsfähig zeigte, daher 
Verbreitung verdient um so mehr, da sie so manche Vorteile bietet. In 
Kultur bildet sie kräftige, schlank aufwachsende Exemplare von blaugrüner 
Färbung und weit gestellten Nadelbüscheln, die auf den ersten Blick die Zu- 
gehörigkeit zur Cembra-Gruppe zeigen. 

13. Pinus albicaulis Engelm. (in Trans, of the Acad. of Scienc. of St. 
Louis II, p. 209 [1863]). Weißstämmige Zirbelkiefer. 

Syn. Pinus flexilis James var. albicaulis 1. c. 

„ cembroides Newberry Rep. on the Bot. of Williamsons 

Exped. VI, p. 44, fig. 15, non Zucc. non Gord. 
„ Shasta Carr. Conif. 2. ed., p. 390 (1867). 
White Pine der Amerikaner. 
Nach Engelmann an allen alpinen Gipfeln der Sierra Nevada vom 
Mono-Paß bis zum Shasta- und Scott-Gebirge, nordwärts bis British-Kolumbia 
und gleichfalls in Montana vorkommend und von 1600 — 4000 m die Baumgrenze 
bildend. Von Jeffrey 1851 eingeführt. 

Früher von Engelmann als Varietät von Pinus flexilis beschrieben, ist 
sie nach seinen letzten eingehenden Beobachtungen von dieser Art durch ihre 
fast kugeligen, purpurfarbigen Zapfen mit kurzen dicken Schuppen, sowie 
durch ihre dünne, weiße, zuletzt schuppige Rinde spezifisch verschieden. 



362 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Ein 7 — 10 oder selten 20 m hoher Baum, in den höchsten Erhebungen 
niedrig und strauchartig mit heller weißlicher Rinde, mit kurzem Stamm, sehr 
biegsamen, oft aufstrebenden Ästen, eine sehr unregelmäßige, breite Krone 
bildend. Mit rotbraunen oder gelblichen, erst weichhaarigen, später glatten 
Zweigen. Blätter 4 — 5^/2 cm lang, aufrecht, steif, gerade oder gebogen, drei- 
eckig, stumpf gespitzt. Blüten Scharlach. Zapfen oval oder fast kugelig, 
4 — 8 cm lang und 4 — 6 cm breit, purpurbraun. Schuppen viel dicker als bei 
Pinus flexilis und etwas zugespitzt oder mit Scharf gespitztem Nabel. Die 
großen flügellosen Samen werden von den Indianern als Speise genossen. 

Diese interessante Kiefer ist in Samen echt eingeführt, aber selten und 
erst in kleinen Pflanzen in Deutschland vorhanden, so daß über ihr Verhalten 
noch wenig zu berichten ist. Es unterliegt jedoch keinem Zweifel, daß sie 
sich ganz wie die vorstehende Art verhalten wird und somit ihre baldige 
Verbreitung nur zu wünschen ist. 

ß. Harzgänge der Blätter im Parenchym. 
14. Pinus CembraL. (Sp. pl. p. 1419 [1753]). Zirbel- oder Zürbelkiefer, 
Arve, Zirme. (Fig. 90—92.) 
Syn. Pinus montana Lam. flor. frang. III, p. 651, 1778, nicht Mill. und Dur. 
Pin auvier de Suisse der Franzosen. 
Swiss Stone Pine der Engländer. 
Alvier, AroUe, Aroila der Schweizer. 




Fig. 90. Pinus Cembra L. 1 reifer Zapfen; 2, 3, 4 Zapfenschuppen von verschiedenen Seiten; 5 Samen; 
6 Blätterbüschel; 7 Blattspitze, vergr. ; 8 Querdurchschnitt durch einen Blätterbüschel, vergr. ; 9 Quer- 
durchschnitt durch ein ausgewachsenes Blatt, vergr. 

Mittel-Europa in den Alpen in einer Erhebung von 1300 — 2000 m, in 
den Karpathen von 1300—1600 m, in Nord-Rußland und durch ganz Nord- 



II. Klasse. Coniferae. 



363 



Sibirien in der Ebene wie 
auf den Gebirgen, im Altai- 
Gebirge in einer Höhe von 
1300—2100 m vorkommend. 
Baum von 10 — 20 m Höhe 
mit in der Jugend dichter, 
schmal -pyramidaler oder ei- 
runder, im Alter in den Hoch- 
alpen mit breiter, unregel- 
mäßiger Krone. Wir sehen 
sie in den Alpen stets in auf- 
fallend lichten Beständen, oft 
mit Lärchen, so daß jeder 
Baum sich in seiner Eigenart 
entwickeln kann. Junge Rinde 
glatt und graugrün, später 
graubraun, etwas warzig, an 
alten Bäumen mit dicker, 
rissiger, graubrauner Borke. 
Junge Triebe mit rostgelbem 
Filz bedeckt (was sie sofort 
von ähnlichen Kiefern unter- 
scheidet). Knospen harzlos, 
rundlich, lang zugespitzt, mit 
langen braunroten Schuppen 
bedeckt. Blätter zu 5, in 
braunen hinfälligen Scheiden, 
aufrecht, gerade, dreieckig, 
stumpf-gespitzt, fein gesägt, 
beiderseits mit blauweißen 
Längslinien gezeichnet, 5 bis 
8 cm lang. Zapfen aufrecht- 
abstehend, einzeln oder zwei 
bis drei, kurz gestielt, eiförmig- 
stumpf, 6 — 8 cm lang, 5 cm 
breit, jung grünlich -violett, 
später hellbraun; sie bedürfen 
1^/2 Jahre von der Bildung 
bis zur Reife; Schuppenschild 
breit- rhombisch, etwas run- 
zelig, am Rande etwas um- 
gebogen, mit abstehendem 
weißlichem Nabel. Samen 
zwei, selten einer unter jeder 
Schuppe, verkehrt-eirund oder 
stumpf- dreikantig, in harter 
rotbrauner Schale, 12 mm lang, 6 — 7 mm breit, flügellos, als Zirbel nuss^e 
(Piniolen) bekannt und als wohlschmeckend beliebt. Eine Form mit gelb- 




Fig. 91. 



Pinus Cembra L., alter Baum im Park zu Wörlitz 
bei Dessau. 



'•^64 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

grünen Zapfen (chlorocarpa) beobachtete schon Christ im Engadin (Will- 
komm, Forstl. Flora 1887, p. 172). Weiter fand Forster sie in Tirol bei 




Fig. 92. Pinus Cembra L., junger Baum aus den Beständen von Dahs und Reuter, Jüngsfeld. 

Floite in Zillertal, und auch Prof. Schinz verdanke ich Zapfen aus der 
Schweiz von Silvaplana im Engadin (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1898, p. 23 
und 1899, p. 113). 



II. Klasse. Coniferae. 365 

Nach Willkomm ist das Holz leicht, harzlos, frisch, weich aber sehr 
dauerhaft, leicht schneidbar, im Kern rötlich bis rotbraun, im sehr schmalen 
Splint weiß, von angenehmem Geruch. Es wird in den Alpen vielfach zu 
Schnitzarbeiten verwendet. 

Die Zirbelkiefer ist eine besonders schöne, zierliche Kiefer und zumal 
schätzbar für rauhe Lagen. Während sie auf den Alpen außerordentlich 
langsam emporwächst, entwickelt sie sich in Kultur ziemlich rasch zu schlanken, 
spitz-eiförmigen Pflanzen, welche dichtbezweigt in jeder Größe, schon als 
kleinere Pflanzen schön sind und auch in kleineren Gärten angepflanzt werden 
können, da sie wenig Raum beanspruchen und vom Boden an gleichmäßig 
beästet sind. Die Zirbelkiefer hat ein freudiges Grün, und durch die blau- 
weißen Längslinien der Blätter wird eine wirkungsvolle Schattierung hervor- 
gerufen. Als echter Gebirgsbaum gedeiht sie auf Gebirgen und in rauhen 
Gegenden am besten und zeigt hier im Alter sturmzerpeitscht breite, stark- 
ästige Kronen, an welchen sich häufig, nachdem die Hauptwipfel gebrochen, 
Nebenwipfel gebildet haben; solche alte ehrwürdige Bäume, mit langen Bart- 
flechten behangen, sind malerisch schön; aber auch in der Ebene gedeiht sie 
freudig und wir finden in alten Parkanlagen prächtige Bäume; an solchen 
Kulturbäumen pflegt früher Fruchtbildung einzutreten, als an Bäumen in den 
Alpen, aber oft bleiben die Zapfen kleiner und erreichen auch die Samen die 
normale Größe, so sind sie doch meist ohne Kern, also nicht keimfähig. Ein 
genügend feuchter, nicht zu schwerer, toniger oder Lehmboden sagt ihr 
besonders zu, übrigens ist sie im Boden nicht wählerisch, ja es ist geradezu 
erstaunlich, wie gut sie sich jeder Lage und jedem Boden anpaßt. 

Man pflanze sie vorzugsweise an nördliche Abhänge, vor allem aber 
sorge man für einen ganz freien Stand ohne gegenseitigen Druck, denn nur 
so entwickelt sie sich zu schönen Bäumen, in geschlossenen Waldbeständen 
ästet sie sich hoch hinauf aus und ihr charakteristisch schöner Wuchs geht 
ganz verloren, 

Pinus Cembra sibirica hört. Sibirische Zirbelkiefer, auch 
Sibirische Ceder genannt. 

Syn. Pinus sibirica Mayr. Naturw. u. forstl. Stud. im nordwestl. Rußl. 
Allgem. Forst- u. Jagdz. 1900. 

Wie bereits angeführt, kommt die Zirbelkiefer durch ganz Sibirien vor; 
es ist jedoch festgestellt, daß dieselbe der mitteleuropäischen Pflanze gegen- 
über nur geringe Unterschiede zeigt, daher also auch nur als klimatische 
Varietät zu betrachten ist. (Vergl. Grisebach, Vegetation der Erde I, p. 93 
u. Willkomm, Forstl. Fl. 1887, p. 174. Mayr 1. c, welcher sie als besondere 
Art auffaßt, empfiehlt ihren forstlichen Anbau in feuchten und Frostlagen zu 
prüfen, wo sie, neben Pinus Strobus^ von Nutzen werden könnte.) 

Die sibirische Zirbelkiefer ist durch üppigen höheren Wuchs, durch 
eine schmälere Krone, üppige, aber kürzere Blätter, längliche, mehr walzen- 
förmige größere Zapfen und größere Samen verschieden. Die Samen kommen 
in Rußland als „Cedernüsse" auf den Markt. 

Nach Willkomm kommt im Amurgebiet und im südlichen Ost-Sibirien 
eine Form mit hellgrünen Blättern und längeren schmäleren 
Zapfen vor. 



366 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Bei der großen Verbreitung kommen naturgemäß auch Abweichungen 
vor, so sandte mir Schröder-Moskau von der asiatischen Seite des Ural, 
aus Katherinenburg, ein solches abweichendes Exemplar. Zapfen lang-kegel- 
förmig, von 10 cm Länge und 5 cm Breite, von rötlich-brauner Farbe und mit 
auffallend hervortretenden Apophysen. Solche Zapfen, die große Ähnlichkeit 
mit Pinus koraiensis haben, sind irrtümlich auch als P. mandschurica Rupr. 
aufgefaßt worden, was schon deshalb ausgeschlossen ist, weil P. Cembra in 
der Mandschurei, nach Komarow Fl. mandsch., gar nicht vorkommt, wes- 
halb P. mandschurica nur Syn. zu P. koraiensis Sieb, et Zucc. sein kann. 

Die sibirische Zirbelkiefer bildet im Permschen Gouvernement 
Waldungen von ganz riesigen Ausdehnungen, und zwar auf brüchigem, fast 
nassem Boden, den sie besonders zu lieben scheint. Die Stämme sind glatt 
und astlos bis zu einer Höhe von 20 — 25 m, die Bäume erreichen eine Höhe 
von 40 m und bilden alt breite Kronen. 

In Deutschland finden wir auch von der sibirischen Zirbelkiefer schon 
starke^ schöne Bäume, sie muß also schon länger eingeführt sein, jüngere 
Pflanzen zeichnen sich durch schlanken, aufstrebenden Wuchs aus und sind 
ihres freudigen Gedeihens halber sehr zur Anpflanzung zu empfehlen. 

Wuchsformen. 

Pinus Cembra columnaris (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1897, p. 57). 

Eine schöne, von Hellemann in Moorende bei Bremen in Kultur 

gewonnene Säulenform, von vollem Wuchs, mit senkrecht aufstrebender, 

dicht anliegender Bezweigung, die ganz freigestellt einen besonderen Schmuck 

für unsere Gärten ausmacht. 

Pinus Cembra pygmaea hört. (Carr. Conif. 1. ed., p. 277 [1855]). 
Ein kleiner Strauch von kaum 40 cm Höhe, mit kurzen, sehr dünnen, 
ausgebreiteten und übergebogenen Zweigen und kurzen, dünnen, zerknitterten, 
in der Länge sehr ungleichen Blättern. Eine in Kultur gewonnene Zwerg- 
form, welche nicht mit der weiter vorn beschriebenen Pinus pumila Rgl. 
(Cembra pumila Pall.) verwechselt werden darf. 

Pinus Cembra monophylla Carr. (Man. des PI. IV, p. 347, Tr. gen. Conif. 
1. ed., p. 297 [1855]). Einblättrige Zirbelkiefer. 

Wenig üppiger Zwergstrauch, langsam von Wuchs, dessen fünf Blätter, 
der ganzen Länge nach zu einem Blatte verwachsen, gleichsam zusammen- 
geklebt sind. Diese Form ist nach Carriere nicht beständig, sondern bei 
üppigerem Wuchs bilden sich die Blattbüschel nach und nach wieder normal 
aus, und zwar von den Spitzen beginnend. 

Es ist dies also eine abnorme Bildung, wie sie bei Aussaaten, z. B. 
auch bei Pinus silvestris, wie bei P. Thunbergii, P. excelsa und P. Strobus 
beobachtet wurde. 

In der Färbung abweichend. 

Pinus Cembra viridis hört. (Carr. Conif. 2. ed., p. 389 [1867]). 

Eine sehr ins Auge fallende Form mit völlig grünen Blättern. 



II. Klasse. Coniferae. 367 

Pinus Cembra variegata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1897, p. 47. 

Eine im Jahre 1891 von Hans in Herrenhut in Kultur gewonnene 
Form, mit teils gelb gestreiften, ganz gelben Nadeln oder ganz gelben 
Nadelbüscheln, so daß eine unregelmäßige gelbe Zeichnung sich über 
die Pflanze verteilt. 

15. Pinus koraiensis Sieb, et Zucc. (Flor. jap. II, p. 28, t. 116 [18421). 
Koreakiefer. (Fig. 93.) 

Syn. Pinus Strobus Thunb. Fl. jap., p. 275 (1784 [nicht L.j). 

„ mandschurica Rupr. ex Rgl. Tent. fl. uss.; No. 455 in Maak 
Amur 1859, p. 89; Maxim. Mel. Biol. II, p. 567; Komarow FL 
mandsch., p. 183. (Man vergl. das bei Pinus Cembra sibirica 
Gesagte.) 
Hai-Sung-tse der Chinesen. 
Umi- oder Chösen-Matsu der Japaner. 
Corean Pine der Engländer. 

In Korea, im mittleren Japan im kühlen Laubwalde, in der Mandschurei 
am Ussur, in West-China und auf Formosa heimisch. Nach Maximowicz 
kommt sie weder auf Kamtschatka, noch auf der Insel Koräginsk vor, was 
besonders bemerkt werden muß, da dies die meisten Autoren angeben. 

Im Jahre 1846 in Europa eingeführt. 

Ein an der Küste von Korea zuerst als niedriger Baum von 3 — 4, bisweilen 
von 10 m Höhe, von Wuchs der Pinus Cembra ähnlich, aufgefunden und be- 
schrieben, der aber nach Komarow in der Mandschurei, wie nach Mayr in 
Mittel-Japan, als riesiger, bis 32 m hoher und fast 1 m Durchmesser haltender 
Baum auftritt. Stamm mit rötlich-grauer, ziemlich glatter Rinde. Junge 
Zweige bräunlich-grau, die jüngsten rotbraun, weichhaarig. Knospen länglich, 
mit schmalen fast ganzrandigen Schuppen. Blätter zu fünf, gerade, dreieckig, 
auf dem Rücken grün, an den Seiten mit blauweißen Längslinien gezeichnet, 
bis 15 cm lang, 1 mm breit. Männliche Blüten 2 cm lang, an der Spitze rot, 
weibliche röthch. Zapfen fast sitzend, aufrecht, kegelförmig- zylindrisch-stum.pf, 
13 — 15 cm lang, 5^ — 6 cm breit. Schuppen dicht dachziegelig, lederartig-holzig, 
breit keilförmig, gelbbraun, am Grunde schwärzlich. Schuppenschild fast 
rhombisch, auf dem Rücken konvex und längsstreifig runzelig, am Rande 
scharf, etwas wellenförmig und mit ausgezogener Spitze zurückgeschlagen. 
Samen verkehrt-eirund-länglich, etwas dreieckig, flügellos, graubraun, eßbar, 
15 — 17 mm lang, 9 — 11 mm breit. 

Nach Maximowicz in Melanges biol. XI, p. 349 ist Pinus mandschurica 
Rupr. Synonym Pinus koraiensis Sieb, et Zucc, aber nicht der P. pumila 
Rgl. (Cembra pumila Pall.), wie dies die meisten Autoren angeben. 

In Japan kultiviert soll die Koreakiefer viel an Tempeln als heiliger 
Baum angepflanzt werden. 

In unseren Kulturen stellt sie eine üppige, harte, Pinus Cembra ähnliche 
Kiefer dar, die wir zu den schönsten ihres Geschlechtes zählen dürfen, welche 
mit ihren langen bläulich schimmernden Blättern, dazu schon Zapfen tragend, 
eine ausgiebige Verwendung verdient. Wir finden in den verschiedensten 
Lagen schon Prachtexemplare, und vielleicht dürfte sie auch in forstlicher 
Hinsicht noch Erfolge versprechen. 



^fi« Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Mayr in Abiet. d. jap. Reiches 1890, p. 94 nennt als in Japan m 
Gärten kultivierte Formen: 




Fig. 93. Pinus koralensis Sieb, et Zucc. l Original-Zapfen aus Japan in natürl. Größe; 2 Samen. 

variegata, entweder mit ganz hellgelben, gelb gerandeten oder gelb 
gefleckten Blättern und 

tortuosa, eine gelockte Form, mit in spiraliger Form gewundenen 
Blättern, besonders an den Spitzen der Triebe. 



II. Klasse. Coniferae. 3ß9 

16. Pinus Armandii Fraiich. (Plant, David in Nouv.-Arch. du Museum VII (1884), 

p. 285, t. 12, et in Journ. de Bot. 1899, p. 254; Beißner in Giorn. Bot. Ital. 

n. s. IV, p. 184, t. V, fig. 2, et in Bull. Soc. Bot. Ital. 1899, p. 310.) 

Armands Kiefer. 

In China im Tsinling-Gebirge von David, in Süd-Shensi auf der Gebirgs- 
kette Lao-y-san (Tsinling) von Giraldi, in Szechuen von Karges und in 
Yunnan von Delavay gefunden. 

Eine der Pinus koraiensis sehr nahe verwandte Kiefer, mit glatten, 
grauen Ästen, von welcher ich von Pater Giraldi gesammeltes Material genau 
untersuchen und die Beschreibung der bisher noch fehlenden männlichen 
Blüten ergänzen konnte. 

Die Blätter der Pinus Armandii sind dünner und feiner als die der Korea- 
kiefer, 8 — 10 cm lang, blaßgrau, zu 5 in der Scheide, seltener zu 4 oder 3, 
dreieckig, am Rande gesägt, mit einem Harzkanal in der Mitte. Männliche 
Blüten gehäuft, zylindrisch, an der Basis von häutigen Schuppen umgeben, 
15 mm lang, gelb, die Bracteen der Antheren sind keilförmig, an der Spitze 
hahnenkammförmig. Zapfen gestielt, einzeln, 9 — 14 cm lang, 4 — 6 cm breit, 
kegelförmig-zylindrisch. Schuppen verkehrt-eiförmig, aus der Mitte verdickt 
kapuzenförmig, an der Spitze im breiten Winkel abgestumpft, mit großen, gelb- 
braunen Apophysen, breit rhombisch, von der geraden stumpfen Spitze 
strahlig gestaltet, mit dünnen, schmalen, umgebogenen Rändern, fast dem 
Zapfen anliegend und nicht wie bei P. koraiensis mit ausgezogenen Spitzen 
nach außen umgebogen (an diesem Merkmal sofort zu unterscheiden). Samen 
braunrot, 10 — 12 mm lang, eirund-zusammengedrückt, kaum merklich gerandet, 
flügellos, eßbar. Es bleibt nur zu wünschen, daß diese schöne Kiefer recht 
bald verbreitet werde. Zapfen mit Samen sind wiederholt eingeführt, aber es 
dürften bis jetzt sehr wenig Pflanzen sich in Kultur befinden. 

Hayata in Gard. Chron. 1908, p. 194 nennt als Pinus Armandii sehr 
nahe stehend: P. Mastersiana Hayata, welche durch größere Zapfen mit 
nach außen umgebogenen Schuppen unterschieden sei. Sollte dieses Merk- 
mal nicht auf P. koraiensis Sieb, et Zucc. hinweisen, welche auch auf Formosa 
nachgewiesen ist? — 

2. Subsektion Paracembra Köhne. 
Fruchtschuppen gewölbt bis pyramidal, mit dem Nabel in der Mitte öfter 
bedornt. Blätter zu 1 — 3, selten bis 5, ihre Scheiden abfallend oder in zurück- 
gerollten Schuppen sich lösend; Harzgänge stets an der Epidermis. 

Gruppe Balfouria Mayr. 

Bläffer zu 5, ihre Scheiden abfallend. Zapfen walzlich; Samen flugfähig, auf einer 
Seife mif dem Flügel fesf verwachsen (Balfouriana Engelmann). 

17. Pinus Balfouriana Murray. (Oregon Exped. I, t. 3, fig. 1 [1853]). 
Balfours Kiefer, Fuchsschwanzkiefer. 
Syn. Fox-tail Pine (Fuchsschwanzkiefer) der Kalifornier. 
Nach Engelmann in Kalifornien auf Bergen in der Nähe des Shasta- 
Gebirges, an den Seiten des Scott-Gebirges einen dunklen Gürtel bei 1500 bis 
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 24 



370 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

2500 m bildend, zwischen der heller gefärbten Pinus monticola unterwärts und 
P. albicaulis oberwärts, an den Quellengewässern des King- und Kern-Flusses 
und am Mount Whitney. In der südlichen Sierra Nevada die größten Dimen- 
sionen, nach Sargent bis 30 m Höhe erreichend und in den höchsten Regionen 
als niedriger, kriechender Strauch. 

Im Jahre 1852 von Jeffrey in Europa eingeführt. 

Ein mittelhoher, 15, selten bis 30 m hoher Baum und zuweilen von l^/.2 m 
Durchmesser, von regelmäßigem, pyramidalem Wuchs, mit rotbrauner, tief- 
gespaltener Rinde. An jungen Stämmen ist die Rinde dünn, weich und 
milchweiß. Äste kurz und derb, Zweige jung dunkelorangenbraun, weich- 
haarig, dann glatt und graubraun, nach den Spitzen dicht pinselförmig mit 
Blätter bekleidet. Blätter zu 5, gekrümmt, dichtstehend und dem Zweige 
angedrückt (wodurch derselbe eine Ähnlichkeit mit einem Fuchsschwanz erhält 
und der Baum daher „Fox-tail Pine" [Fuchsschwanzkiefer] genannt 
wird), 10 — 15 Jahre dauernd, 3 — 3^/2 cm lang, auf dem Rücken glänzend-dunkel- 
grau, an den unteren Seiten mit silberigen Spaltöffnungslinien. Männliche 
Blüten dunkel orangenrot, weibliche dunkelpurpur. Zapfen an den schlanken 
Zweigen hängend, fast zylindrisch, 9 — 11 oder selten 14 cm lang, dunkelpurpur; 
Schuppenschild dick, mit kurzen, abfallenden Dornen. Samen blaß bunt- 
scheckig, 7 — 8 mm lang, Flügel 13 — 22 mm lang, Kotyledonen 5. 

Nach Dr. Mayr ist das Holz schwer, fichtenähnlich, der Splint nur 
1 cm breit, der Kern schön rot, die Rinde wie die einer Eiche. 

Diese Art dürfte echt kaum bei uns in Kultur sein, sondern nur die 
folgende nahe Verwandte. 

18. Pinus aristata Engelm. (in Trans. St. Louis Acad. II, p. 205, t. 506, [1863]). 
Fuchsschwanzkiefer, Grannenkiefer. (Fig. 94.) 

Syn. Pinus Balfouriana var. aristata Engelm. in Brew. et Wats. Botan. 
Calif. II, p. 125. 
Foxtail Pine, Hickory Pine. 

An felsigen Abhängen an der Baumgrenze im Felsengebirge von Kolorado, 
im südlichen Utah, Zentral- und Süd-Nevada, im südöstlichen Kalifornien und 
im San Franzisko-Gebirge in Nord-Arizona heimisch. 

Buschiger Baum von 13 — 18 m Höhe und 0,60 — 1 m Durchmesser, mit 
kurzen derben, in der Jugend in regelmäßigen Quirlen stehenden Ästen, im 
Alter sehr unregelmäßig von Wuchs. Zweige derb, hell orangengelb, erst 
weichhaarig, dann glatt, später dunkel graubraun, dicht nach den Spitzen zu 
pinselförmig mit Blättern besetzt, diese derb, auf dem Rücken glänzend-dunkel- 
grün, an den Seiten mit silberigen Spaltöffnungsreihen, männliche Blüten 
dunkel orangenrot, weibliche dunkel purpur. Zapfen länglich-walzlich, gebogen, 
dunkel purpurbraun. Schuppenschild dick, mit grannenähnlichem Dorn 
an der Spitze. Samen oval, zusammengedrückt, hellbraun, schwarz gesprenkelt, 
7 mm lang, mit 7 — 11 mm langem Flügel. Eine Abbildung dieser interessanten 
Kiefer findet sich mit Purpus Beschreibung in Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 
1904, Taf. V (Fig. 94). Wir haben in Kultur schon recht stattliche Exemplare, 



II. Klasse. Coniferae. 



371 



welche die dichte, fuchsschwanzähnliche Bezweigung und die stets mit weißen 
Harzkörnern dicht besetzten Blätter als auffallendes Merkmal zeigen. Sie ist 




langsamwüchsig, aber als durchaus frosthart noch für die höchsten, rauhsten 
Lagen passend. 

24* 



372 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

2. Gruppe. Parrya Mayr. 

Blätter zu 1—3—5; Zapfen kurz und dick; Samen nicht flugfähig. 
(Cembroides und Gerardiana Engelmann.) 

A. Scheiden der Blattbüschel ganz abfallend; Blätter fein gesägt, rauh, zu 3. 

19. Pinus Gerardiana Wall. (msc. Lamb. Pin. 3. ed., t. 79 [1837]). 
Gerards Kiefer. 

Syn. Rhee, Shungtee, Newr von den Eingeborenen in den verschiedenen 
Gegenden genannt. 

' Im nordwestlichen Himalaya in Tälern mit trocknerem Klima in einer 
Erhebung von 2000 — 2800 m. In Kunavar meist an Bergabhängen nahe der 
Flüsse in einer Höhe von 2000 — 3300 m. Gemein in Nord- Afghanistan und 
Kafiristan. 

Etwa um das Jahr 1820 in Europa eingeführt. 

Mittelhoher Baum von 10 — 20 m Höhe, mit dichter, rundlicher Krone 
und aufrecht-abstehenden oder übergebogenen, mit den Spitzen wieder auf- 
gerichteten dicken Ästen. Stamm mit grauer, sich in breiten Stücken lösender 
Rinde. Junge Zweige gelblich -braun. Knospen eirund - kegelförmig, spitz. 
Blätter zu dreien mit abfallenden Scheiden, 6 — 9 cm lang, steif, aufrecht-ab- 
stehend, zusammengedrückt-dreieckig, am Rande rauh, scharf zugespitzt, blau- 
grün. Zapfen eirund-länglich, stumpf, sehr harzig, 12 — 20 cm lang, 7 — 11 cm 
breit, mit dicken, korkartigen Schuppen, im zweiten Jahre reifend. Schuppen- 
schild pyramidenförmig, mit scharfer Querleiste, rotbraun, öfter zurückgebogen, 
sich in einen dreieckigen, scharf zugespitzten Nabel fortsetzend. Samen 
zylindrisch, 20 — 25 mm lang, 8 — 9 mm breit, mit kurzem, abfallendem Flügel, 
eßbar und im Vaterlande Neoza oder Nioza genannt. Nach Dr. Brandis 
in Forest. Flora, p. 509 werden die Zapfen gepflückt, bevor sie sich öffnen, 
und warm gelegt, damit die Schuppen auseinandergehen und die Samen aus- 
fallen. Große Mengen von Samen werden zum Wintervorrate gesammelt, 
besonders von den Bewohnern von Kunawar. Sie werden auch in die Ebenen 
versandt, und bedeutende Quantitäten werden jährlich von Afghanistan nach 
Nordwest-Indien importiert. Die Samen sind ölig, mit einem unbedeutenden, 
nicht unangenehmen Terpentin -Geruch; das aus denselben gewonnene Ol 
wird im Vaterlande medizinisch verwendet. Das Holz ist sehr harzreich, und 
ein weißes Harz schwitzt reichlich aus der Rinde und den Zapfen aus. Aus 
der Rinde werden Tragkörbe und rohe Wassergefäße verfertigt. 

Pinus Gerardiana ist leider in deutschen Gärten wenig vertreten, 
sollte aber, da sie mit ihrer rundlichen, dichten Krone und dem sich schälenden 
Stamme eine eigentümliche, auffallende Erscheinung gewährt, in den wärmeren 
Gegenden angepflanzt werden, da sie hier gedeihen dürfte. Im botanischen 
Garten in Bonn hielt sie, durch etwas Nadelholzreisig geschützt, schon jahre- 
lang aus. Junge Pflanzen wachsen in Töpfen angezogen langsam. Nach 
Carriere gedeiht sie unter günstigen Bedingungen gut und bildet einen 
schönen Baum, zeigt aber mit einigen anderen Kiefern die Eigentümlichkeit, 
daß Sämlinge sehr schwer aufzuziehen sind, während sie veredelt, selbst auf 
P. silvestris, sehr gut heranwachsen. 



II. Klasse. Coniferae. 373 

Nach Veitch ist sie in England leidlich hart, aber trägwüchsig, im 
südlichen und westlichen England sind prächtige Exemplare vorhanden. 

20. Pinus Bungeana Zucc. (msc. in Endl. Conif. p. 166 [18471). 

Bunges Kiefer. 
Syn. Pinus excorticata hört. 

Kieu, Lungmu der Chinesen. 
Lace-bark Pine der Engländer. 

In Nord-China in rauhen Gegenden heimisch, außerdem in China viel- 
fach kultiviert, zumal auf der Insel Chusan, viel an Tempeln und Grabstätten 
angepflanzt. 

Im Jahre 1846 in Europa eingeführt und zu Ehren A. v. Bunge, 
welcher als Botaniker in Sibirien und China tätig war, benannt. 

Baum von 20—25 m Höhe mit kurzem, sich oft über dem Boden schon 
teilenden Stamm, mit langen, schlanken, graugrünen Ästen. Die Rinde jüngerer 
Stämme weich und dunkelgrün, die älterer Stämme aschgrau, alljährlich in 
dünnen Platten, ähnlich wie bei der Platane, sich ablösend und den Stamm 
mit großen weißen Stellen buntscheckig erscheinen lassend (daher auch die 
Bezeichnung Pinus excorticata, entrindete Kiefer). Junge Triebe gelbgrün, 
glatt, glänzend. Blätter zu 3 mit sehr kurzen, abfallenden Scheiden, 7 — 9 cm 
lang, sehr starr und spitz, hellgrün, glattrandig, durch die vorspringende 
Mittelrippe dreieckig. Männliche Blüten in schlaffer, langer Ähre, fast zylin- 
drisch, stumpf, an der Basis mit linealen, zugespitzten Bracteen umgeben. 
Zapfen seitenständig, eiförmig-stumpf, 5 — 6 cm lang. Schuppenschild flach 
vierseitig, mit einer Querleiste im Zentrum, mit gebogenem Nabel, in einen 
kleinen, hakenförmigen Dorn vorgezogen. Nach Maxim owicz sind die Samen 
denen von P. Cembra ähnlich, eßbar, 8 — 10 mm lang, 5 — ^6 mm breit, braun, 
mit dunkelmarmorierten Flecken, an der Spitze mit einem sehr leicht ab- 
fallenden, randförmigen Flügel umgeben, der 3 — 4 mal kürzer als der Samen 
ist. Samenschale ^j^ mm dick, Kotyledonen ca. 8. Blattepidermis wenigstens 
doppelt dicker als bei P. silvestris. 

Nach Fortune sollen alte Bäume einen nackten, unverzweigten Stamm 
haben. 

Ich konnte wiederholt von Pater Giraldi in Nord-Shensi gesammeltes 
Material untersuchen, dabei Zapfen in jeder Entwicklung. 

Eine höchst auffallende, interessante, auch in Deutschland schon in 
stattlichen Exemplaren verbreitete Kiefer, die sich ganz hart zeigte, mit den 
sehr steifen, weit gestellten Blätterbüscheln sich eigentümlich ausnimmt und 
daher sehr die Verbreitung verdient. Bei Simon Louis Freres in Plan- 
tieres bei Metz steht ein etwa 40 jähriger Baum, der viele Zapfen trägt und 
bis 80 ^/o keimfähige Samen brachte. Reich fruchtende Bäume sah ich weiter 
in der Domäne des Barres und im Arboretum Segrezianum in Frankreich. 

So dürfte uns denn diese interessante Kiefer hoffentlich als Zier-, viel- 
leicht auch als Nutzbaum nützlich werden. 

Das Holz soll weiß und harzreich sein. Nach Veitch ist sie in deko- 
rativer Hinsicht der verwandten Pinus Gerardiana noch vorzuziehen. 



374 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

B. Scheiden kurz, in zurückgerollte schmale Schuppen sich lösend, zuletzt mit Ausnahme 
eines kleinen Restes abfallend. Blätter meist ganzrandig und glatt. 

a) Blätter zu 3 — 5, meist zu 4. 

21. Piiius Parryana Engelm. (in Americ. Journ. Sc. ser. 2, XXXIV, p. 332 

[nicht Gordon, welcher darunter eine Form von Pinus ponderosa verstand]; 
Journ. 24, p. 332). Parrys Kiefer. 

Syn. Pinus Llaveana Torr. Bot. Bound. p. 208, t. 53^ nicht Schiede 
et Deppe. 
„ quadrifoHa Parry msc. et Sudworth (1897) ex Sargent Silv. 
N. Am. XI, p. 43, t. 549, et Trees of North Amer. 1905, p. 10, 
cum icon. 

Nach Engelmann von Dr. Parry in Süd-Kalifornien 40 Miles süd- 
östlich von San Diego in einer Erhebung von 600 — 1000 m aufgefunden. 
Nach Dr. Mayr in Nieder-Kalifornien, auf mexikanischem Gebiete an trockenen 
Höhenrücken und Hängen unweit der Küste ziemlich zahlreich, jedoch ver- 
einzelt, nie Bestände bildend. Mit ihrer weißblauen Färbung einen besonderen 
Schmuck des nur mit immergrünem Buschwerk bestandenen, trockenen, heißen 
Geländes bildend. 

Eine der vier Nußkiefern, welche nach Engel mann von Pinus mono- 
phylla (s. daselbst) hauptsächhch durch die Zahl der in einer Scheide befind- 
lichen Blätter verschieden ist. 

Ein kleiner, nur 6 — 9 m hoher Baum bei 0,30 — 0,50 m Stammdurchmesser, 
oder auch Strauch mit runder Krone mit dicken, abstehenden Ästen und jungen, 
hellgelbbraunen, anfänglich weichhaarigen Zweigen. Blätter zu 3 — 5 (meist zu 
4, nach Dr. Mayr meist zu 2), in sehr kurzen, zerschlitzten Scheiden, 3 bis 
4 cm lang, steif abstehend, gerade oder gebogen, zusammengedrückt-dreieckig, 
am Rande schärflich, scharf gespitzt. Männliche Blüten in länglichen Ähren, 
mit breiten Bracteen der Hüllen, weibliche fast sitzend. Zapfen fast kugelig, 
4 — 5^/2 cm dick, mit sehr erhabenen, gelb glänzenden, rückwärts gebogenen, 
kurz gespitzten Apophysen. Samen ungeflügelt, meist nur ein starker Samen 
unter der Schuppe, 1^/2 — 2 cm lang, eirund, in einer dünnen, hellbraunen, 
buntscheckigen Schale, eßbar, gleichfalls wie die anderen Nußkiefern Piüon 
genannt und von den Indianern als Nahrung gesammelt. 

Eine in unseren Kulturen noch seltene, schwachwüchsige, im Verhalten 
der Pinus monophylla ähnliche, sehr verzweigte, charakteristische Kiefer, welche, 
ihrem Vorkommen entsprechend, nur für die wärmsten Gegenden und Lagen 
bei uns noch als Freiland-Conifere in Betracht kommt. 

b) Blätter zu 3—1. 
1. Blätter zu 3, daneben auch zu 2. 

22. Pinus edulis Engelm. (in Wislz. Mem. not. p. 2 [1848]). 
Nußkiefer, Pifion. 
Syn. Sarg. Silv. N. Am. XI, p. 55, t. 552, et Trees of N. Am. 1905, 
p. 11, cum ic. 
Masters in A. Gen. View of the genus Pinus in Linn. Soc. Journ. 
Botan. XXXVI, p. 587, mit Abbild. 



II. Klasse. Coniferae. 375 

In Neu-Mexiko zwischen Cimaron und Santa Fe häufig, auch in Arizona 
gefunden; nach Dr. Mayr Hegt ihre Heimat südlich von Pikes Peak in Kolorado 
an trockenen, kiesigen Bodenpartien, in Kolorado bis 2500 m emporsteigend, 
er nennt sie „eine aufrechte Zwergkiefer". 

In Europa 1848 eingeführt. 

Kleiner Baum von 3 — 6, selten bis 10 m Höhe, sehr harzreich, mit aus- 
gebreiteter Krone, kurzem, oft geteiltem Stamm, derben Ästen und erst orangen- 
gelben, später hellgrauen Zweigen. Blätter zu 3 und zusammengedrückt, öfter 
zu 2, halbrund, immer dick und steif, abstehend, etwas gebogen, am Rande 
glatt, scharf gespitzt, auf dem Rücken grün, auf der oberen konkaven Seite 
blaugrün, 3^/2, selten 4 cm lang, bis l^/cj mm breit, in sehr kurzen, hier und 
da zerschlitzten Scheiden. Männliche Blüten in länglichen Ähren, dunkelrot, 
weibliche kurz gestielt. Zapfen sitzend, fast kugehg, 4 cm lang und fast so 
breit, Schuppenschild erhaben-pyramidenförmig, gelblich-glänzend, dick, fast 
vierkantig, an der Spitze abgestutzt, etwas zurückgebogen, mit scharfer Quer- 
leiste und mit niedergedrücktem, stumpfem Nabel. Samen unter jeder Schuppe 
zwei oder einzeln, länglich, sehr konvex, fast eckig, braun, in nicht harter 
Schale, 11 — 12 mm lang, 7 — 8 mm breit, flügellos, eßbar, wenn leicht geröstet 
von sehr angenehmem, mandelartigem Geschmack. (Pinon genannt.) 

Eine von den amerikanischen Nußkiefern, welche sich nach Engelmann 
von Pinus monophylla, der sie sehr nahe steht, hauptsächlich durch die Zahl 
der in einer Scheide befindlichen Blätter unterscheidet (vergl. auch P. mono- 
phylla und P. Parryana). 

Eine in Kultur noch seltene, langsam wachsende kleine Kiefer, welche 
in milden Gegenden oder in günstigen, geschützten Lagen erprobt werden 
sollte. Auf der Insel Scharf enberg bei Berlin sah ich ein kleines, etwa 1 m 
hohes Exemplar, welches sich dort als widerstandsfähig erwiesen hat und große 
Ähnlichkeit mit Pinus monophylla zeigte. 

Veitch empfiehlt diese Art als nicht widerstandsfähig genug, aus- 
genommen für milde Lagen, nicht zur Anpflanzung in England. 

23. Pinus cembroides Zucc. (Abb. Acad. München I, p. 392 [1832]). 
Mexikanische Nußkiefer, Pinon. 

Syn. Pinus Llaveana Schiede et Depp, in Linn. XII, p. 488 (1838). 
„ cembroides Gord. Journ. Hort. Soc. I, p. 236 (cum ic). 
„ fertilis Roezl. pl. exicc. 

„ osteosperma Engelm. Bot. App. 89, Wislizen. Mem. 1848. 
Nach Dr. Mayr an den trockenen heißen, kiesigen Hängen der Santa 
Catalina in Arizona und in Nord-Mexiko bei 1000 m Erhebung vorkommend. 
Im Jahre 1848 in Europa eingeführt. 

Kleiner, hin und her gedrehter Baum, von etwa 8 — 10 m Höhe, mit aus- 
gebreiteter Krone und abstehenden, etwas übergebogenen, mit der Spitze 
wieder aufstrebenden Ästen. Junge Zweige dunkel orangengelb, erst mit 
blassen abfallenden Haaren. Blätter zu 3 zusammengedrückt-dreieckig oder 
zu 2, immer kurz und steif, mehr oder minder gebogen oder gerade, am 
Rande glatt, scharf zugespitzt, freudig-grün, 3 — 4 cm lang, fast 1 mm breit. 
Männliche Blüten in kurzen Knäueln, gelb, weibliche dunkelrot. Zapfen 



376 



Zweiter Teil, Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 



eirund-kugelförmig, 3 — 5 cm lang, 3 — 4 cm breit, Schuppenschild rhombisch 
erhaben-pyramidenförmig, glänzend-braun, mit scharfer Querleiste und breitem, 
zusammengedrücktem, stumpfem Nabel. Samen verkehrt-eirund-länglich, stumpf- 
kantig, flügellos, schwärzlich, dem der Zirbelkiefer ähnlich, in harter Schale, 
13 — 15 mm lang, 8 — 9 mm breit, eßbar und von den Mexikanern Pinon genannt. 
Eine niedrige Gebirgskiefer, welche höchstens in den mildesten, geschütz- 
testen Lagen in Deutschland gedeihen dürfte und hier erprobt werden könnte. 
Durch Purp US eingeführte Samen ergaben kräftige junge Pflanzen von 
prächtiger blau weißer Färbung. In England tritt sie nach Veitch als langsam 
wachsende, dicht bezweigte, sehr charakteristische Kiefer auf und hat sich 
leidlich widerstandsfähig gezeigt. 



2. Blätter einzeln, aber auch zu 2 oder zu 3. 

24. Pinus monophylla Torr, et Fremont. (in Rep. of the expl. exped. to the 

Rocky Mount. 1842, and to Oregon and North Calif. in 1843/44, p. 319, t. 4). 

Einblättrige Nußkiefer, Pinon. 

Syn. Pinus Fremontiana Endl. Conif. p. 183 (1847). 
Nut pine (Nußkiefer) der Amerikaner. 

Die Samen (Pinon genannt) dienen den Indianern als unschätzbares 
Nahrungsmittel. 

In Kalifornien im Küstengebirge um das Fort Tejon, häufig von den 
östlichen Abhängen der Sierra Nevada, durch Nevada und Arizona bis Süd- 
Utah in den Gebirgen und oft in den unfruchtbarsten Gegenden. 

Von Hart weg im Jahre 1847 in Europa eingeführt. 

Kleiner Baum, etwa 6 — 8 m Höhe erreichend. Stamm mit aschgrauer,- 
jung glatter, später zerspaltener Rinde bekleidet. Äste unregelmäßig ausgebreitet. 
Zweige dichtstehend, jung hellgelb, später dunkelbraun. Blätter steif, dornig 
gespitzt, einzeln zylindrisch, hier und da zu 2 und dann halbzylindrisch, 
selbst ausnahmsweise zu 3; 4 — 7 cm lang, graugrün, die Scheiden 10—12 mm 
lang. Das runde Blatt ist nicht, wie man früher annahm, ein verwachsenes 
Blattpaar, wie dies ausnahmsweise bei anderen Kiefern vorkommt, sondern 
ein einzelnes Blatt; da seine Struktur einen einzelnen Gefäßbündel 
zeigt; stets mit peripherischen Harzgängen, die in der Zahl von 3 — 14 schwanken. 
Männliche Blüten dunkelrot, weibliche kurz gestielt. Zapfen rundlich, glänzend- 
braun, 4 — 7 cm lang und fast ebenso breit, zahlreich erscheinend, Schuppen 
dick, Schild pyramidenförmig gebogen, mit scharfer Querleiste. Nabel ab- 
gestutzt. Samen ungeflügelt, oval, 14 — 24 mm lang. Schale dick, zerbrechlich, 
gelbbraun und buntscheckig, angenehm von Geschmack. Kotyledonen 7 — 10. 

Eine durch langsamen, unregelmäßigen, dichten Wuchs kenntHche, 
wissenschaftlich besonders interessante Kiefer, welche, außerordentlich harz- 
reich, gerieben einen angenehmen Geruch verbreitet. Junge Pflanzen erhalten 
lange die blaugrünen Erstlingsblätter und nehmen sich später mit den starren, 
pfriemenartigen, einzelnen Blättern eigenartig aus. 

Diese Kiefer hat sich in verschiedenen Lagen als ziemlich widerstands- 
fähig erwiesen. 

Engelmann bemerkt zu dieser Nußkiefer, daß es eine offene Frage sei, 
ob die vier Arten seiner Subsektion Cembroides, nämHch: Pinus Parryana, 



II. Klasse. Coniferae. 377 

P. cembroides, P. edulis und P. monophylla nicht besser zu einer Art ver- 
einigt würden, da der Unterschied der Blüten und Früchte ein sehr geringer 
und der in den Blättern nur relativ sei. 

Im botanischen Garten zu Darmstadt haben Pflanzen von Pinus edulis, 
P. monophylla und P. Parryana, welche aus Samen erzogen wurden, die 
Purp US in der San Franzisko-Mount. in Arizona sammelte, gut ausgefallen; 
sie verlangen zu einem guten Gedeihen kalkig- sandigen Boden und sehr 
sonnigen, trockenen Standort. P. Parryana dürfte sich empfindlicher wie die 
beiden anderen zeigen (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p. 39). 

2, Sektion, Diploxylon Kähne, 

Blätter mit doppeltem Gefäßbündel, stets fein gesägt, rauh. 
Scheiden als fest geschlossene, höchstens an der Spitze zerschlitzte Röhren, 
bleibend. Endflächen der Fruchtschuppen gewölbt, bis pyramidal, mit dem 
Nabel auf der Mitte, dieser oft mit Spitze. Staubbeutel mit halbkreis- oder 
kreisförmigem Kamm. 

Blätter zu 5, in der Jugend hier und da zu 3. 
3. Subsektion. Pseudostrobus Mayr. 

Harzgänge der Blätter im Parenchym oder am Gefäßbündel. Zapfen 
mittelgroß, kegelförmig. Same meist flugfähig, vom Flügel zangenförmig 
gefaßt (Pseudostrobus und Euaustrales z. T. bei Engel mann). 

25. Pinus Torreyana Parry (in the Bot. of the Mexican. Boundary 1859). 

Torreys Kiefer. 

Syn. Pinus lophosperma Lindl. in Gard. Chron. 1860, p. 46. 

Nach Engelmann an der lehmig-sandigen, hügeligen Küste von Süd- 
Kalifornien von San Diego bis San Pedro von den Seewinden zerzaust und 
fast immer gekrümmt und sehr verunstaltet, oft am Boden liegend und hier 
an den Ästen Wurzeln bildend. Im Jahre 1888 von Mr. Brandegee auch 
auf der Insel Santa Rosa gefunden. 

Von Lobb 1850 eingeführt. 

Ein kleiner, kurzlebiger, 6 — 10 — 13 m hoher, ästiger Baum von 0,30 bis 
0,40 m Stammdurchmesser, Rinde hellgrau, jung glatt, später kleinschuppig. 
Knospen lang, mit lang zugespitzten, anliegenden, am Rande ausgefransten, 
nicht harzigen Schuppen. Junge Triebe weißlich bereift. Blätter an jungen 
Pflanzen zu drei oder vier, später meist zu fünf, an den Enden der dicken 
Zweige zusammengedrängt, in den Achseln von stark gewimperten Deck- 
schuppen, sehr derb, vielleicht die kräftigsten aller bekannten Kiefern, 20 bis 
30 cm lang, 2 mm breit, in Scheiden, welche in der Jugend 30 — 40 mm, im 
Alter nur 15 mm lang sind. Männliche Blüten in kurzen dichten Köpfen, 
gelb, weibliche fast endständig, an langen, dicken Stielen. Zapfen breit ei- 
förmig, frisch dunkelviolett, trocken glänzend-braun, 10 — 13 cm lang, 9 cm 
dick, an 3 cm langen Stielen ziemlich abstehend oder herabgebogen, Nabel 
kurz und stark oder zuweilen verlängert und einwärts gebogen. Samen wohl 
der größte aller Kiefern, dem von Pinus Sabiniana am ähnlichsten, oval, 
2 — 2^/o cm lang, 1 cm breit, eßbar, doppelt länger als der Flügel, welcher 



378 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten, 

das Korn mit einem dicken Rande umschließt. Kotyledonen dreizehn oder 
vierzehn. 

Nach Dr. Mayr in „Die Waldungen Nord-Amerikas" hat diese Kiefer in 
ihrer Heimat unmittelbar am Meere, solange sie existiert, nie ein Frosthauch 
berührt; von ihm nach Japan überführte Samen keimten dort gut, ergaben 
kräftige Pflanzen und ertrugen ohne Schutz — 12*^ C. ohne im mindesten 
zu leiden. 

Veitch nennt sie, ausgenommen für geschützte Lagen, zu zart für 
Englands Klima. 

In Deutschland ist diese eigentümliche, interessante Kiefer noch wenig 
verbreitet und erprobt, dürfte aber nur für die wärmsten, oder in besonders 
günstigen, geschützten Lagen Erfolg versprechen. 

26. Pinus arizonica Engelm. (in Bot. Wheeler p. 260 und in Gard. Chron. 

1882, XVII, p. 260 und Sargent Silva N. Am. XI 1897, p. 75, t. 559 et Trees 

of N. Am. 1905, p. 14, c. ic). Arizonakiefer, Yellow Pine. 

Gebirge des südlichen Arizona und Nord-Mexiko in Erhebungen von 
2000 — 2700 m, öfter nahezu reine Wälder bildend, die größte Vollkommenheit 
in den Gebirgen von Sonora und Chihuahua erreichend. 

Noch nicht eingeführt. 

Engelmann gibt über dieselbe folgende kurze Notiz: Sie wurde vom 
Autor sowohl als von späteren Reisenden gesammelt. Es ist die Frage auf- 
geworfen worden, ob sie nicht eine Varietät von Pinus ponderosa sei. 
Tatsächlich kommen fünfblättrige Formen der letzteren Art in den kalifor- 
nischen Sierras und den Gebirgen Arizonas vor, aber diese größere Zahl 
der Blätter ist reiner Zufall, die Zweige zeigen die der P. ponderosa eigen- 
tümliche bräunlich-grüne Färbung und die Blätter sind dunkelgrün. 

Pinus arizonica hat dagegen blaugrüne Zweige, beständig zu fünf 
stehende dünne Blätter von abweichender Struktur, ihre Zapfen sind dicker 
und kürzer mit viel mehr vorgezogenem Nabel, doch darf man auf diesen 
letzten Charakter nicht zu viel Gewicht legen. 

Nach Dr. Mayr in „Die Waldungen Nord-Amerikas" erreicht diese 
Kiefer in Arizona 30 m Höhe und steigt nicht unter 1800 m herab. Das 
Holz mit schönem rötlichem Kern zeigt den Typus der Taeda-Sektion. Die 
jungen Triebe sind hellblauweiß bereift wie bei Pinus Jeffreyi. Knospen- 
schuppen schmal, hellbraun, anliegend, nicht durch Harz verklebt, der er- 
wachsene Baum mit dunkelgrauen Borken schuppen und hellen Innenrändern 
derselben. Blätter zierlich, fünf in der Scheide, 10 — 17 cm lang, 1 mm breit. 
Blüten dunkelpurpur, männliche in kurzen Ähren, weibliche auf derbem Stiel, 
meist zu zweien. Zapfen oval, durchschnittlich 6 cm lang und geöffnet 5 cm 
breit, reif dunkelviolett, später braun, sitzend. Apophyse mit Längsrißchen 
und vorstehendem bedorntem Nabel. Samen voll und rund, nach der Spitze 
leicht zusammengedrückt, in dicker Schale, 12 mm lang, mit etwa doppelt so 
langem Flügel. 

Eine sehr schöne Kiefer, deren Einführung um so wünschenswerter 
wäre, da sie, ihrem Vorkommen entsprechend, auch bei uns, besonders im 
Weinbaugebiet, Erfolg versprechen dürfte. 



II. Klasse. Coniferae. 379 

B. Blätter vorwiegend zu 3 oder 2. 

a) Blätter zu 3, manchmal auch zu 4 oder 5. 

4. Subsektion. Taeda Mayr. 

Harzgänge der Blätter stets im Parenchym oder am Gefäßbündel. Zapfen 

oft sehr groß, meist aus Quirlknospen. Same meist flugfähig, vom Flügel 

zangenförmig gefaßt (Euponderosae, Eutaedae, Euaustrales z. T., Elliottiae 

bei Engelmann). 

A. Scheiden vollständig abfallend. 

27. Pinus chihuahuana Eugelm. (Wisliz. Rep. not. 26 [1848]; Sargent Silva XI 

1897, p. 63, t. 554, et Trees of N. Amer. 1905, p. 14 c. ic). 
Chihuahuakiefer. 

In den Gebirgen Neu-Mexikos in einer Erhebung von 1500 — 2500 m 
häufig, auch von Engelmann im Arizona-Gebirge aufgefunden; sie erweckt 
besonders Interesse dadurch, daß ihre Zapfen erst im dritten Jahre reifen. 
Die einzige amerikanische Art, die dieses sonst nur noch bei Pinus Pinea L. 
bekannte Merkmal zeigt. 

Noch nicht eingeführt. 

„Nach Dr. Mayr in Waldungen Nord-Amerikas, p. 237 ist die Kiefer 
von Chihuahua auf dem Unionsgebiete ziemlich selten, liefert aber in den 
anstoßenden mexikanischen Provinzen das wichtigste Nutzholz, bildet lichte 
Bestände, oder tritt in feuchten Talsohlen untermischt mit Laubhölzern auf. 

Baum von etwa 25 m Höhe bei 1 m Stammdurchmesser, Schaft ästig, 
Zweige oft knieförmig gebogen. Rinde eine grobe, dunkelgraue Borke, deren 
Schuppen im höheren Alter bis handgroß werden, aber stets dunkelgrau 
bleiben; junge Triebe glatt, gelblich bis ockerfarbig glänzend. Knospen- 
schuppen braun, mit hellen Wimpern, anliegend, ohne Harz. Blätter zu 3, 
dünn, gelbgrün, 10 — 12 cm lang. Männliche Blüten gelb, weibhche gelbgrün. 
Reife Zapfen 5 — 6^/2 cm lang, geöffnet 4 cm breit-eiförmig, blauviolett, mit 
hellockerfarbiger Apophyse. Der trockene Zapfen ist meist gelblich, mit weiß- 
licher Apophyse, wobei die Spitzchen größtenteils abgebrochen sind. Samen 
eirund mit dreimal so langem, messerförmigem Flügel. 

Das Holz zeigt den Typus der dreiblättrigen Kiefern, wobei die paren- 
chymatischen Tüpfel der Markstrahlen zahlreiche schmale, mandelförmige 
Wandverdünnungen darstellen. Die Kiefer gehört nach dem Bau ihres Holzes 
der Sektion der westlichen Taeda an." 

Eine bei uns noch kaum in Kultur vertretene Kiefer, welche im Wein- 
baugebiet noch Erfolg versprechen könnte. 

B. Scheiden bleibend. 

a) Junge Triebe bräunlich oder gelblich, unbereift. 

1. Zapfen auffallend schief, außenseits stark gekrümmt, mit stark gewölbten 

Schuppen, innenseits mit sehr flachen Schuppen, 

28. Pinus insignis Dougl. (msc. ex. Loud. Arb. IV, [1838], p. 2243 f., 2132 

bis 2137). Montereykiefer. 
Syn. Pinus California Loisl. in Nouv. Duham V, p. 243 [1812] (non 
Hartw.). 



380 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 



Beides ältere Namen, aber 
nur auf größere, resp. 
dünnere Zapfen begründet. 



Syn. Pinus radiata Don. in Linn. Trans. 

17, p. 442 [1836], gleich P. 

insignis macrocarpa Hartw. 

Journ. Hort. Soc. III, p. 226. 
„ tuberculata Don. in Linn. Trans. 

17, p. 442 (non Gord). 
„ adunca Bosc. msc. ex Endl. 1847. 
„ montereyensis hört. 
„ monteragensis hört. 
Monterey Pine der Engländer. 

In Kalifornien ein dem sandigen Boden der Seeküste von Pescadoro 
südlich von San Franzisko bis Monterey und San Simeon Bai eigentümlicher 
Baum, die größten Dimensionen in Point Pinos, im Süden von der Monterey- 
Bay, erreichend. 

Um das Jahr 1833 in Europa eingeführt. 

Nach Engelmann ein Baum von 25 bis über 30 m Höhe, mit pyramidaler 
Krone. Stamm mit dicker vielspaltiger Rinde und von 1 — 2 m Durchmesser. 
Junge Triebe braun und glatt, Knospen mit braunen, nicht ausgefransten, 
harzigen Schuppen. Blätter zu 3, freudiggrün, 10 — 14, selten 16 cm lang, nur 
1 mm breit, sehr dicht gesägt. Männliche Blüten in dichten Ähren, gelb, 
weibliche gehäuft, dunkelpurpur. Zapfen kurz gestielt, zu 2 — 5 quirlständig, 
herabgebogen, sehr schief, kurz-oval, zugespitzt, 8 — 15 cm lang, 5^/2 — 8 cm dick, 
dunkel kastanienbraun, lange dauernd und oft während vieler Jahre geschlossen 
bleibend. Die Schuppen der Außenseite (vorzugsweise nach der Basis zu) 
vergrößert, sehr dick und halbkugelig, selten flach; die der Binnenseite flach 
und viel kleiner, alle zuletzt fast dornenlos. Samen grubig und gekörnelt, 
schwarz, 5 — 7 mm lang. Flügel 17 — 21 mm lang. Kotyledonen 5 — 7. 

Das Holz soll zähe sein und zum Schiffsbau verwendet werden. 

Eine Art, die nach Engelmann großes Interesse nicht allein durch 
ihren schnellen Wuchs und ihre schöne frischgrüne, in Kultur so sehr zierende 
Belaubung erweckt, besonders auch dadurch, daß sie wahrscheinlich die alte 
Pinus californica ist. Letztere wurde niemals festgestellt, sollte aber von 
Monterey stammen und in ihren Zapfen der südeuropäischen P. Pinaster und 
in ihren großen Samen der P. Cembra gleichen — wie man jetzt keine Art 
in der Nähe jener Stadt findet. — P. Sinclairii Hook, et Arn. Bot. Beech. 
p 392, t. 93 ist eine künstliche Mischspezies, aufgestellt nach einem Zapfen von 
P. Montezumae (von Tepic) und von den Blättern von P. insignis, während 
P. radiata derselben Autoren L. c. 392 und 443, nach Ausweis der Exemplare 
des Herbars zu Kew, auf das Blattwerk der ersteren und den Zapfen der 
letzteren begründet ist. — Eine Varietät binata, mit den normalen Zapfen 
der P. insignis, aber nur zweizähligen Blättern, wurde von Dr. Palmer auf 
der Insel Guadalupe gesammelt. 

Eine sehr schöne, aber leider auch empfindliche Kiefer, welche ein 
dauerndes Gedeihen selbst kaum in den mildesten Lagen Deutschlands ver- 
sprechen dürfte, und nur hier oder an sehr geschützten und dabei luft- 
feuchten Plätzen zur Anpflanzung empfohlen werden kann. Nach kälteren 
Wintern findet man sie stets mit bis zur Hälfte gebräunten Blättern. 



II. Klasse. Coniferae. 381 

Zumal in der Jugend bedarf sie guten Schutzes, leidet noch in Paris, 
zeigte sich auch in England, ausgenommen im Süden, empfindlich, ist als eine 
echte Meerstrandskiefer zumal gegen kalte, rauhe Winde empfindlich, verlangt 
stete Luftfeuchtigkeit und wird daher nie im Klima lufttrockener, ebener 
Gegenden freudig gedeihen. 

Nach Masters in A. gen. View, of the Genus Pinus, p. 596 sind in 
Kultur deutlich zwei Varietäten, wenn nicht Arten, in englischen Gärten zu 
unterscheiden, die im Habitus, Größe der Zapfen, auch in der Widerstands- 
fähigkeit abweichen. Der Baum gedeiht ^zumal in der Nähe der Küsten gut 
und man findet öfter Prachtexemplare dieser schönen Kiefer. 

29. Pinus tuberculata Gord. (Pin. 1. ed., p. 211 [1849] [non Don.]). 
Höckerkiefer, Warzenkiefer. 

Syn. Pinus californica Hartw. in Journ. hört soc. II, p. 189 (1846) non Loisl. 
„ attenuata Lemmon (1892) Sargent Silva N. Am. XI, p. 107 
(1897). 
Knob-cone Pine (Knopfkiefer) der Kalifornier. 

Nach Engelmann in Kalifornien im Küstengebirge von San Bernar- 
dino und den Santa Lucia-Bergen bis zur Shasta-Region, hier und da auf 
den Vorbergen der Sierra Nevada in einer Höhe von 800 — 1300 m vor- 
kommend. 

Ein kleiner, unansehnlicher Baum oder auch Busch von 1^6 oder aus- 
nahmsweise 10 — 12 m Höhe und einem Stammdurchmesser von 0,15^ — 0,30 m, 
der oft schon bei kaum 1 m Höhe voll Zapfen hängend gefunden wurde, mit 
lichter, kegelförmiger Krone und dünner, hellbrauner, etwas rauher Rinde. 
Knospen lang zugespitzt, glänzend-braun. Blätter zu drei, gewöhnlich 10 bis 
20 cm lang, 1 — 1^1^ mm breit, fein und entfernt gesägt, steif aufrecht, zu- 
sammengedrückt-dreieckig, dunkelgrün. Männliche Blüten gelbbraun, weib- 
liche gehuschelt. Zapfen zu 2 — 4 quirlständig und oft mehrere solcher Quirle 
auf demselben Jahrestriebe, blaß lederbraun, zuletzt silbergrau, viele Jahre 
dauernd (oft ohne sich zu öffnen), gestielt, stark gebogen, 8 — 14 cm lang, 
5 — 6 cm dick, kegelförmig-zylindrisch, zugespitzt. Die äußeren Schuppen 
stark kegelförmig vergrößert, eckig (daher der Name Höckerkiefer), die inneren 
flach, alle mit scharfen Dornen. Samen schwarz, grubig, 7 mm lang, mit 
18—20 mm langem Flügel. Kotyledonen 5—8. Mayr in Wald. v. N. Am. 
1890, p. 275, Taf. VI, nennt eine Form von San Bernardino mit auffallend 
stechend scharf gespitzten Zapfenschuppen: Pinus tuberculata var. acuta 
Mayr. 

Engelmann fügt noch hinzu: Der Name Pinus tuberculata (Don.), ur- 
sprünglich eine unwesentliche Form von P. insignis Dougl. (siehe daselbst) 
bezeichnend, wurde infolge der Jeffreyschen Entdeckungen 1852 auf diese 
übertragen und wird seitdem für diese so ausschließlich angewandt, daß er 
ihr dauernd verbleiben sollte. Und das um so mehr, als Hartwegs Name 
P. californica, obgleich weit älter, nur allein infolge einer unrichtigen Identi- 
fizierung dieser P. tuberculata mit Loiseleurs P. californica gegeben wurde 
und deshalb nicht beibehalten werden kann. 



QQO Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Eine in unseren Gärten noch seltene Kiefer, welche, langsam von Wuchs, 
sich bisher ganz hart zeigte, ja selbst schon fruchtete. Herr C. Gebbers 
sandte mir aus Wiesenburg i. Mark einen üppigen Zweig mit zwei fast reifen 
Zapfen und in den Zweigspitzen schon wieder vorhandenen jungen Zapfen, 
doch ein Beweis dafür, daß diese Kiefer noch bei uns gedeiht. (Mitt. d. d. 
dendr. Gesellsch. 1902, p. 78.) 



2. Zapfen gerade oder kaum gekrümmt, 
«) Harzgänge ohne mechanische Zellen, oft ganz fehlend. 

30. Piiius Taeda L. (Sp. pl. II, p. 1000 [1753]). Weihrauchkiefer. 

Syn. Pinus virginiana tenuifolia Pluk. Almag. p. 267. 
„ foliis ternis Gronov. Virg. p. 152. 
Frankincense-Pine; LobloUy-Pine ; Old-field-Pine; Taeda der 

Amerikaner. 
Pin ä l'ensens der Franzosen. 
Torch-Pine der Engländer. 

In Virginien und Florida in feuchtem Sand- und Sumpfboden, zuweilen 
große Wälder bildend, auch in Nord-Karolina vorkommend. Nach Engel- 
mann ist sie auf die feuchten, sandigen, niedrigen Distrikte längs der Küste 
von Delaware bis Ost-Texas beschränkt. Im Inlande bei Atlanta in Georgien 
und Arkansas. 

Im Jahre 1713 in Europa eingeführt. 

Baum von 20 — 30 m Höhe bei 0,80 — 1 m Stammdurchmesser, mit aus- 
gebreiteter Krone. Stamm in der Jugend mit grauer oder gelblicher, glatter, 
später mit tief rissiger Rinde bekleidet, ein außerordentlich harzreiches, für 
Häuserbau in Virginien geschätztes Nutz- und Brennholz, dazu auch viel 
Terpentin liefernd. Knospen länglich-zugespitzt, mit Harz bedeckt. Blätter 
zu 3, lang, steif aufrecht oder etwas abstehend, zusammengedrückt-dreieckig, 
am Rande schärflich, kurz gespitzt, freudiggrün, 16 — 25 cm lang, kaum 2 mm 
breit, in länglichen, steifen, bräunlichen, öfter zerschlitzten Scheiden. Zapfen 
zu 2 — 5, quirlständig, sitzend, abstehend oder etwas nach unten gerichtet, 
eirund-länglich-stumpf, 8 — 10, selten 12 cm lang, 3 — 5 cm breit. Schuppen- 
schild glänzend - hellbraun, etwas zusammengedrückt -pyramidenförmig, mit 
scharfer Querleiste, Nabel mit geradem, scharfem Stachel. Samen braunrot, 
6 — 7 mm lang, 4 mm breit, mit braunrotem, 25 — 28 mm langem, 4 — 10 mm 
breitem Flügel. 

Die echte Pinus Taeda möchte in Deutschland in Kultur kaum vor- 
handen sein, dürfte auch dem natürlichen Vorkommen nach als zu empfindlich 
kaum Gedeihen versprechen. Carriere nennt sie empfindlich in Kultur in 
Frankreich, ebenso Veitch in England, obgleich dort vereinzelt schöne Bäume 
vorhanden sind. 

Was man in älteren Gärten bei uns unter dem Namen Pinus Taeda 
findet, erweist sich bei näherer Untersuchung meist entweder als irgend eine 
Form von P. Laricio oder auch als P. rigida, möglich, daß sie schon bei der 
Einführung mit letzter verwechselt wurde, obgleich sich diese sofort durch 
die zahlreichen jungen Triebe, welche aus dem älteren Holze hervortreiben, 
unterscheidet. 



II. Klasse. Coniferae. 383 

Die echt eingeführten Pinus Taeda dürften, weil nicht für unser Klima 
passend, zugrunde gegangen sein, und nur der Name blieb durch Verwechse- 
lung, irrtümlich für andere Arten angewendet, erhalten. 

31. Pinus rigida Mill. (dict. No. 10 [1768]). Steife Kiefer, Pechkiefer. 

(Fig. 95 u. 96.) 

Syn. Pinus Taeda rigida Ait. hört. Kew. 1. ed, vol. III, p. 268 (1789). 
Fraseri Lodd. Cat. 1836. 

Loddigesii Loud. Arb. Brit. IV, p. 2269 (1838). 
Pitch Pine, Black Pine, Sap Pine der Amerikaner. 
Pitch Pine der Engländer. 

In Nord-Amerika von Maine und vom Champlain-See in Vermont bis 
zum Alleghani-Gebirge, vom 44. — 38.^ n. Br., auf dürrem oder sumpfigem 
Boden große Flächen bedeckend oder gemeinsam mit Thuya occidentalis 
vorkommend. 

Im Jahre 1750 in Europa eingeführt. 

Baum mit ausgebreiteter Krone, je nach dem Standorte in fruchtbarem 
Boden und im südlichen Teile des Gebietes 10 — 15, ja 20 — 25 m hoch, im 
nördlichsten Teile und im mageren, dürren Boden niedrig, nur etwa 4 — 5 m 
hoch. Stamm mit schwarzgrauer, dicker und rissiger Rinde bekleidet. Äste 
stark, fast horizontal, junge Zweige mit hellbrauner, glänzender, glatter Rinde. 
Knospen länglich-kegelförmig, dicht mit Harz bedeckt. Blätter zu 3, sehr 
steif, dunkelgrün, zusammengedrückt-dreieckig, am Rande schärflich, kurz und 
scharf gespitzt, 6 — 12 cm lang, bis 2 mm breit, in kurzen, braunroten, öfter 
zerfetzten Scheiden. Männliche Blüten in kurzen, gedrängten Ähren, gelb 
oder selten purpur, weibliche öfter gehuschelt, hellgrün, mehr oder minder 
rötlich angehaucht. Zapfen zu 3—5 quirlständig, selten einzeln, kurz gestielt, 
jung abwärts gerichtet, reif rechtwinklig abstehend, hellgelb, lange am Zweige 
hängen bleibend, eirund-stumpf, 6 — 10 cm lang, 4 — 6 cm breit. Schuppen- 
schild fast rhombisch, etwas zusammengedrückt-pyramidenförmig, mit scharfer 
Querleiste, matt aschgrau, Nabel in einen umgebogenen stechenden Dorn 
auslaufend. Samen klein, verkehrt-eirund, braunrot, 4 mm lang, kaum 3 mm 
breit, mit bräunlichem, 15 — 16 mm langem, 5 mm breitem Flügel. 

Pinus rigida gedeiht sowohl auf trockenem wie auf Sumpfboden; je nach 
dem Standorte ist auch der Holzwert ein ganz verschiedener, auf trockenem, 
leichtem, kieseligem und felsigem Boden ist das Holz schwer und harzig und 
heißt hier „Pitch Pine" (Pechkiefer), auf feuchtem angeschwemmtem Boden 
dagegen ist das Holz leicht und weich und heißt hier „Sap Pine" (Splintkiefer); 
weil überaus harzreich, gibt sie in Menge Terpentin, Pech und Teer. 

Nach Dr. Mayr ist das Holz grobfaserig und durch keine hervorragend 
vorteilhaften Eigenschaften ausgezeichnet, also kein Nutzholz, aber als Brenn- 
und Kohlenholz bemerkenswert. 

Nach Sargent bildete Pinus rigida in New- Jersey in der Nähe des 
Meeres auf verlassenem, landwirtschaftlich ausgeraubtem Boden in 50 Jahren 
einen Bestand von 15 m mittlerer Höhe, mit einem mittleren Durchmesser 
von 0,25 m. Erfolgreich sind in Amerika unmittelbar an der Küste An- 



384 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 




Fig. 95. Pinus rigida Mill. im Park zu Wörlitz bei Dessau. 



II, Klasse, Coniferae. 



385 



flanzungen von der Pechkiefer gemacht worden, ebenso hat sie sich durch 
Naturbesamung dort angesiedelt. 

Nach Professor Meehan in Germantown bei Philadelphia steht Pinus 
rigida dort weit hinter unserer P. silvestris zurück. 

Dr. Mayr betont ferner, daß bei genauer Untersuchung Pinus rigida 
sich kaum harzreicher als andere Kiefern erweisen dürfte und daß in der 
Praxis auch das Holz von P. mitis und von P. resinosa als „Pitch Pine" 
bezeichnet würde. 

Auf die Eigenschaft, daß Pinus rigida aus abgeschnittenen Stämmen 
Stockausschlag treibt, wie dies auch bei P. mitis der Fall ist, ist auch über 




Fig. 96. Pinus rigida.Mill. l Zweig mit geschlossenem und aufgesprungenem Zapfen; 2 Blattbüschel; 
3 Zapfenschuppe von der Seite; 4, 5, 6 Samen. 



Gebühr Gewicht gelegt worden, denn Dr. Mayr betont, daß diese Eigenschaft 
forstlich kaum von Bedeutung sein dürfte. 

Unter Umständen könnte dennoch Nutzen daraus zu ziehen sein; so 
teilt Forstmeister Sprengel-Bonn (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1901, p. 56) 
mit, daß nach einem Waldbrande etwa ^j^ ha Stockausschlag von Pinus rigida 
entstand; an einer Pflanze zeigten sich oft bis 23 Austriebe, die in 3 Jahren 
etwa 3 m Höhe erreichten und ein vorzügliches Fasanendickicht abgaben. 

Vor allen Dingen ist aber auf einen groben Irrtum aufmerksam zu 
machen, nämlich, daß das zu uns aus Amerika eingeführte treffliche Kiefern- 
Nutzholz, welches fälschlich als Pitch Pine-Holz bezeichnet wird (obgleich 
es in Amerika nirgends so genannt wird), nicht von Pinus rigida, sondern 
von P, australis Mchx. (P. palustris Mill,) der südlichen oder Gelbkiefer 
(von Karolina bis Florida vorkommend) stammt, einer Kiefernart, welche bei 
uns nicht mehr im Freien gedeiht. Durch diese bedauerliche Verwechselung hat 
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 25 



Qöß Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

man der P. rigida (Pitch Pine) für forstliche Anbauversuche eine ihr nicht 
gebührende Stelle angewiesen, und Dr. Mayr sagt daher, daß er diese Kiefer 
glaube nur für den Anbau auf dem Dünensand am Meere empfehlen zu 
dürfen, da deren Holz im Werte kaum unserer P. silvestris nahe komme und 
sich im Binnenlande in Wuchskraft ungünstiger als diese verhalte (vergl. Mayr, 
Die Waldungen von Nord-Amerika, S. 188 und 423), 

Deutschland hat in alten Gärten schon starke Bäume aufzuweisen, so 
z. B. in Wörlitz bei Dessau 20 m hoch mit breit-schirmförmigen Kronen, 
welche hei 0,80 m Stammdurchmesser bis zu einer Höhe von 6 m einen gleich 
starken, walzenförmigen Stamm zeigen. Weiter in Potsdam, in Braunschweig, 
in Mecklenburg; nach Dr. Bolle stehen auf seiner Insel Scharfenberg Bäume 
ohne zu leiden 5 Monate des Jahres im Wasser. Solche ältere Bäume zeigen 
mehr lichte Kronen, und vor allem die Eigentümlichkeit, daß sich aus dem 
alten Holze, den stärkeren Ästen, ja selbst am oberen Stamm in Menge 
kurze junge Triebe entwickeln. Abgeholzt bilden die Stöcke, wie schon 
erwähnt, Stockausschlag und aus dem Wurzelstock neue Stämme, eine Eigen- 
schaft, die nur wenige Kiefern besitzen. 

Infolge unverdienter Anpreisung ist Pinus rigida bereits vielfach forst- 
lich angebaut. Nach Herrn Gebbers in Wiesenburg in der Mark, welcher 
seit 21 Jahren P. rigida kultiviert, erreicht dieselbe im 15. Jahre die Maturität; 
derselbe erntete von selbst gezogenen Bäumen reichlich Samen und gewann 
von diesen kräftigen Nachwuchs. Auf einer ausgedehnten Flugsandfläche, 
mit trockenem Untergrunde, gedeiht P. rigida sehr gut und überholt hier P. 
silvestris. Alljährlich sind dann auch Stämme abgeschnitten worden, um die 
Ausschlagsfähigkeit zu prüfen; Herr Gebbers gibt auch an, daß sich diese 
Kiefer besser als viele andere im späteren Alter, z. B. als 4- und 5 jährige 
Pflanzen, mit ziemlicher Sicherheit, ohne Ballen verpflanzen lasse und ist der 
Meinung, daß sich P. rigida, ihrer Anspruchslosigkeit halber, unter den an- 
gegebenen Verhältnissen bestimmt noch einen Platz in unseren deutschen 
Wäldern erobern wird. 

Pinus rigida aurea (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 113). 

von Oheimb-Woislowitz fand unter Sämlingen 4 Exemplare mit 
üppigen goldgelben Trieben, welche, in voller Sonne stehend, die lebhafte 
Färbung das ganze Jahr beibehalten. Der Jahrestrieb ist ganz goldgelb, 
während die älteren unteren Blätter sich wieder mehr grün färben. Es wäre 
diese Form also noch für die schlechtesten, magersten Sandböden eine will- 
kommene Bereicherung. 

ß) Harzgänge von mechanischen Zellen umgeben, 

32. Pinus ponderosa Dougl. (in 'Loud. Arb. p. 2243, f. 2132 u. 2137 [1838]). 
Schwerholzige Kiefer, Gelbkiefer. (Fig. 97 u. 98.) 

Syn. Pinus Sinclaireana Hook, et Arn. in bot. of Gap. Beech. voy. 

p. 392, t. 93 (1841). 
„ Benthamiana Hartw. Journ. of the hört. Soc. II, p. 189 et 

III, p. 223 (1847). 
„ brachyptera Engelm. in Mem. Wisliz. Tour. N. Mex., p. 89 

(1848). 



II, Klasse. Coniferae. 3g7 

Syn. Pinus Beardsleyi Murr. Edin. New. Phil. Journ. 1855, p. 286. 
„ Craigiana Murr. 

Engelmannii Torr, in Pacif. Rep. IV, p. 141 (1856), non 
Carriere. 
Yellow Pine der Amerikaner. 
Pin ä bois lourd der Franzosen. 

Heavy wooded or Western Pitch Pine der Engländer. 
Nach Engel mann die am weitesten verbreitete Kiefer des Westens, 
in Kalifornien und Oregon auf niedrigen und hohen Bergen, auf sandig- 
kiesigem Boden und selbst in der Ebene, oft gesellig mit Pinus Lambertiana 
und Abies concolor wachsend. Nach Dr. Mayr erreicht sie in den West- 
hängen der Sierra Nevada die schönste Entwickelung, während sie im Felsen- 
gebirge in ausgedehnten Waldungen auftritt und hier hauptsächlich das 
Gelbkiefernholz verarbeitet wird. 

Nach Purp US tritt sie im San Franzisko-Gebirge in Arizona bei 2300 m 
auf Basalt, Trachyt, Kalk und rotem Sandstein in lichten, parkartigen Be- 
ständen mit var. scopulorum auf (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1904, p. 49, 
Taf. III), Abbildung beider Bäume. (Fig. 97.) Weitere Abbildung in Mayr, 
Fremdl. Wald- u. Parkb. 1906, p. 370. 

Im Jahre 1826 in Europa eingeführt. 

Ein prächtiger Baum und eine der größten Kiefern von 60 — 90 m Höhe, 
mit Stämmen bis über 4 m Durchmesser, mit sehr dicker (8 — 10 cm) rot- 
brauner, tiefrissiger, in großen Platten sich lösender Rinde und mit un- 
gewöhnlich dickem Splint, welcher 100 — 200 Jahresringe zeigt, bevor das 
Kernholz beginnt. Letzteres ist gelb, schweV und sehr harzreich, es wurde 
gesagt, dasselbe sei so schwer, daß es im Wasser untersinke, was wohl auf. 
Übertreibung beruht, denn Dr. Mayr gibt an, daß es nicht schwerer als das 
unserer einheimischen Kiefer sei und den Namen ponderosa (schwer) nicht 
verdiene. Äste wenig zahlreich, stark, abstehend oder etwas überhängend, 
oft malerisch, knieförmig gebogen, mit wieder aufstrebenden Spitzen. Knospen 
sehr groß, walzenförmig-länglich, lang zugespitzt, harzig, junge Triebe 
bräunlich-grün, wodurch sich diese Art sofort von der sehr nahestehenden 
Pinus Jeffreyi mit weißblauen jungen Trieben unterscheidet. Blätter an 
kräftigen Zweigen, in den Achseln von stark gewimperten, längere Zeit 
bleibenden Deckschuppen, zu 3 in dünnen, 22 mm, später nur 10 mm langen 
Scheiden, 12 — 25 cm lang, steif^ aufrecht oder abstehend, zusammengedrückt- 
dreieckig, am Rande schärflich, zugespitzt, dunkelgrün. Männliche Blüten 
gelb, weibHche in Büscheln oder zu 2, dunkelrot. Zapfen meist zu 3 — 5 
quirlständig sitzend, abstehend oder leicht zurückgebogen, gerade, eirund- 
kegelförmig-abgestumpft, 9 — 11 cm lang, 4 — 5 cm breit, lebhaft braun gefärbt. 
Schuppenschild fast rhombisch, ziemlich erhaben-pyramidenförmig und strahlen- 
förmig gezeichnet, mit scharfer Querleiste. Nabel hoch, mit einem starken 
geraden oder einwärts gekrümmten Dorn. Samen dunkelbraun, 7 — 10 mm 
lang, 5 — 6 mm breit, mit 2^1^ — 3 cm langem, trockenhäutigem Flügel, der 
über der Mitte am breitesten ist. Kotyledonen 6 — 9. 

Eine schöne, üppige, dekorative Kiefer, welche sich bei einigermaßen 
geschütztem Stand, selbst in rauheren Lagen als hart bewährte und als junger 

25* 



QÖJ^ Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Baum mit regelmäßiger, quirlförmiger Aststellung, mit unten auffallend starkem 
Stamm, starken Zweigen und langen Blättern sich prächtig ausnimmt. 





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Wir finden auch in Deutschland schon recht ansehnliche Exemplare, 
oft stolze, üppige Bäume, welche auch schon Samen und aus diesen eine 
gesunde Nachkommenschaft lieferten. 



II. Klasse. Coniferae. 



389 



In passenden Lagen sollten auch Versuche zur Forstkultur gemacht 
werden, da das Holz so geschätzt ist und viel aus Nord-Amerika als wert- 




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volles Nutzholz zu uns eingeführt wird. Dr. Mayr meint zwar, daß Pinus 
ponderosa, wie auch P. Jeffreyi, im forstlichen Betriebe kaum einen Vorzug 
vor unserer gemeinen Kiefer bieten würden, jedoch müssen hier erst Er- 
fahrungen gesammelt werden. In manchen, z. B. in braunschweigischen 



OQA Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Forsten sind bereits mit Glück Anpflanzungen gemacht worden und zeigen 
diese ein freudiges Gedeihen, ebenso in Pfoerten in der Provinz Brandenburg, 
der Besitzung des Grafen von Brühl, weiter sehen wir prächtige, üppige 
Bestände in Weinheim an der Bergstraße, in den so interessanten Kulturen 
von Ausländern des Grafen von Berkheim. Wenn nach Schwappach: 
„Ergebnisse der Anbauvers, von fremdl. Holzarten", Berlin 1901, p. 57, die 
Versuche mit P. ponderosa an vielen Stellen erfolglos gewesen sind, so glaubt 
Freiherr v. Fürstenberg (in Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1904, p. 31) die 
Ursache vielleicht darin erblicken zu müssen, daß man dort den jungen 
Kulturen zu wenig Licht und Sonne, dagegen mehr Schutz und Beschattung 
gab, wie sie vertragen können. P. ponderosa wächst in Gebieten, die als 
äußerst trocken und regenarm bekannt sind. Jedenfalls sollte man nichts 
unversucht lassen, diese wertvolle Kiefer in Kultur zu erproben. 

Nach Hartig eignet sie sich für bessere Sandböden (Buntsandstein) 
und nicht zu schwere Lehmböden. Bei erst sehr langsamem Wuchs ent- 
wickelt sie sich später sehr kräftig; er empfiehlt sie einzeln oder horstweise 
in Buchenverjüngungen einzusprengen, wo sie seitlichen Schutz genießen, 
ohne in der Jugend überwachsen zu werden. 

Daß bei dem großen Verbreitungsgebiet je nach Herkunft auch abweichende 
Individiuen entstehen, darf uns ja nicht wundern. So fand ich in Versailles in der 
an Baumschätzen reichen Besitzung des Barons Mall et (Mitt. d. d. dendr. 
Gesellsch. 1900, p. 113) einen besonders schönen üppigen, regelmäßig gebauten 
Baum mit rötlich gefurchter Rinde, eine unverkennbare Pinus ponderosa, als 
P. Malletii bezeichnet. Auch in Gard. Chron. 1907, p. 77 erwähnt Masters 
diesen Baum in gleichem Sinne, der also Pinus ponderosa Malletii heißen muß. 

Pinus ponderosa pendula (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 107). 

Eine nach Reh der in Nord- Amerika aufgefundene, höchst dekorative 
Trauerform, welche sich mit der langbenadelten, stark abwärts hängenden 
Beästung und Bezweigung prächtig ausnimmt. Eine junge Pflanze davon 
sah ich bei Späth in Berlin. 

Pinus ponderosa var. scopulorum Engelm. (in Fl. calif. II, p. 125 [1880]). 

Felsen-Gelbkiefer. 

Syn. Pinus ponderosa der Botaniker des Felsengebirges. 

„ scopulorum Lemm. Gard. and Forest X, 1897, „Black Jack". 

Nach Engel mann durch das ganze Felsengebirge verbreitet. 

Ein kleiner, nur 25 — 30 m hoher Baum, aber mit starken, bis 1,20 m 
dicken Stämmen. Blätter 8 — 16 cm lang, öfter auch zu 2 in der Scheide. 
Zapfen kleiner, 5^/2 — 8, selten 10 cm lang, graubraun, die Schuppen mit starken 
Dornen versehen. Samen 5 — 6 mm lang, Flügel 20 — 27 mm lang. 

Diese in allen Teilen kleinere Form wächst mit Pinus ponderosa unter- 
mischt und unterscheidet sich durch gedrungenen Wuchs und die schwarz- 
graue rissige Rinde des Stammes sofort. Das Splintholz ist dicker, das 
Holz überhaupt als Werkholz weniger wertvoll, aber gut als Brennholz und 
deshalb von den Holzfällern nicht angerührt (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1897, 
p. 51; 1902, p. 81; 1903, p. 110; 1904, p. 30 und 49). Eine bei uns durchaus 



II. Klasse. Coniferae. 391 

frostharte, schöne Kiefer, welche auch auf ihren Nutzwert ernstUch bei uns 
geprüft werden sollte. 

Pinus deflexa Torr. (Rep. on the U. St. II 1859, p. 209). Kiefer mit über- 
gebogenen Zapfenschuppen. 

Diese Kiefer bezeichnet Engelmann als Übergangsform zwischen Pinus 
ponderosa und P. Jeffreyi. 

Sie bewohnt nach Parry die Gebirge Kaliforniens. Ein schöner Baum 
mit geradem Stamm, glatter Rinde. Blätter zu 3, 15 — 18 cm lang in kurzen 
Scheiden. Zapfen oval-zugespitzt. Schuppenschild pyramidal, sehr hervor- 
tretend, etwas übergebogen, mit großem, umgebogenem Nabel. 

Wir sehen an diesen einander sehr nahestehenden Kiefern wieder, wie 
dieselben von einigen Autoren als besondere Arten, von anderen nur als 
klimatische Varietäten betrachtet werden. Sargent faßt sogar Pinus Jeffreyi 
nur als Varietät von P. ponderosa auf, was mir doch zuweit gegangen scheint. 

b) Junge Triebe weifsblau bereift, Blätter blau- oder graugrün, 
Harzgänge von mechanischen Zellen umgeben. 

1. Same flugfähig. 

33. Pinus Jeffreyi Murr. (Oreg. Comm. p. 2 mit Abbild. [1853]). 
Jeffreys Kiefer. (Fig. 99.) 

Syn. Pinus ponderosa var. Jeffreyi Engelm. in Bot. Calif. II, p. 126. 
Bull Pine der Amerikaner. 

In Kalifornien bis nach Oregon hinein, zumal an den östlichen Abhängen 
der Sierra Nevada bis zu 1700 m Erhebung vorkommend und mit dem un- 
fruchtbarsten Boden fürlieb nehmend, am meisten liebt sie einen genügend 
feuchten, lockeren, kiesigen Sandboden an Flußufern, gemeinsam mit Abies 
concolor, während Pinus ponderosa höher aufsteigend in trockneren Lagen 
wächst. 

Im Jahre 1852 durch Jeffrey in Europa eingeführt und ihm zu Ehren 
benannt. 

Großer schöner Baum von 30 bis über 60 m Höhe und bis über 1 m 
Durchmesser, mit rundlicher Krone und starken, ausgebreiteten Ästen, Stamm 
mit feiner gespaltener dunkler Rinde. Zweige stark, junge Triebe weißblau 
bereift, von angenehmem, aromatischem Geruch, im Gegensatz zu der ähnlichen 
Pinus ponderosa, deren junge Zweige bräunlich-grün sind und nach Terpentin 
riechen. Knospen stark, länglich-kegelförmig, ohne Harz. Blätter zu 3, blau- 
grün und dünner als die dunkelgrünen von P. ponderosa, 10 — 15 cm lang, 
steif, zusammengedrückt -dreieckig, am Rande schärf lieh, scharf zugespitzt. 
Männliche Blüten gelbgrün. Zapfen groß, zu 6 quirlständig, nach Engelmann 
14 — 30 cm lang, eirund-kegelförmig (Dr. Mayr gibt sie 14 — 18 cm lang und 
10 cm stark an), hellbraun, kurz gestielt, weniger gehuschelt als die von P. 
ponderosa, mit dünneren Schuppen. Schuppenschild pyramidenförmig, zwei- 
schneidig. Nabel in einen schlanken, dornigen, rückwärts gebogenen Stachel 
auslaufend. Samen eirund-länglich oder fast dreikantig, 10 — 15 mm lang, 7 
bis 8 mm breit, mit einem etwa 3 cm langen Flügel. Kotyledonen 7 — 11. 



392 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 




Fig. 99. Pinna Jeffreyi Murr, anf der Insel Scharf enberg im Tegeler See bei Berlin. 



II. Klasse. Coniferae. 393 

Eine gleich der vorigen Art präctitige, üppige und sehr dekorative 
Kiefer, die sich ebenso widerstandsfähig zeigte wie jene, schon in prächtigen, 
ihre mächtigen Zapfen tragenden, meist noch freudiger gedeihenden Exem- 
plaren in Deutschland vertreten ist und wegen ihrer großen Genügsamkeit in 
betreff des Bodens die größte Verbreitung verdient. Auch diese schöne Kiefer 
zeigt an jungen Bäumen die regelmäßige, quirlständige Aststellung und starke, 
üppige junge Triebe, die durch die bläuliche Färbung neben den blaugrünen 
Blättern besonders zierend sind. 

Nach Dr. Bolle hat auf der Insel Scharfenberg ein 22 Jahre alter, 9 m 
hoher Baum noch nicht geblüht. In Bonn in Privatgärten brachten üppig ge- 
deihende Bäume Zapfen, keimfähige Samen und einen trefflich gedeihenden 
jungen Nachwuchs. 

Da Pinus Jeffreyi ein schönes rötliches Nutzholz liefert, welches in Ame- 
rika höher als das von P. ponderosa geschätzt wird, so gilt auch für forstliche 
Anbauversuche das bei P. ponderosa Gesagte; in braunschweigischen Forsten 
gedeiht P. Jeffreyi so freudig wie jene, nach Willkomm ebenso in Preußen, 
Sachsen und Bayern. In Weinheim an der Bergstraße steht sie in Beständen 
üppig neben P. ponderosa. 

34. Pinus Coulteri Don. (in Linn. Transact. 17, p. 440 [1836]). 
Coulters Kiefer. 

Syn. Pinus macrocarpa Lindl. in Bot. Reg. 1840, App. p. 61. 

Nach Engel mann in Kalifornien im Küstengebirge bis zu mäßiger Höhe 
von Monte Diabolo bis zur südlichen Grenze vorkommend, auf trockenen, 
warmen Standorten in kiesig-lehmigem Boden. 

Von Douglas 1835 in Europa eingeführt. 

Großer üppiger Baum von 25 — 35 m. Nach Dr. Mayr ausnahmsweise 
von 45 m Höhe, mit ausgebreiteten, horizontal- und quirlständigen, starken 
Ästen, eine lockere, durchsichtige Krone bildend. Rinde der jüngeren Zweige 
blaugrün -violett. Knospen zimtbraun, zylindrisch (Unterscheidungsmerkmal 
ähnlichen Arten gegenüber), ziemlich groß, länglich zugespitzt, mit Harz 
bedeckt. 

Stamm mit dicker, rauher, fast schwarzer Rinde. Blätter zu 3, selten 
zu 4 oder 5, steif abstehend, zusammengedrückt-dreieckig, an den Rändern 
schärflich, zugespitzt, an den Spitzen der dicken Zweige zusammengedrängt, 
20 — 25, selten 30 cm lang, 1^/2 — 2 mm breit, blaugrün, in 4 cm langen, im 
Alter kürzeren Scheiden. Männliche Blüten gelb, weibliche dunkelrotbraun. 
Zapfen kurz gestielt, lang-oval zugespitzt, sehr harzig, gelbbraun, hängend, 
einzeln oder zu mehreren, 25 — 28, nach Engel mann selbst bis 38 cm lang, 
10 — 12 cm dick, oft über 1 kg schwer, viele Jahre dauernd. Schuppenschild 
erhaben -pyramidenförmig, zweischneidig, in einen langen, lanzettlich zu- 
gespitzten, hakig gekrümmten und scharf gespitzten Nabel ausgezogen. Samen 
oval, leicht gekrümmt, schwarz, 18 — 22 mm lang, 9—10 mm breit, mit braun- 
rotem, 2 — 31/2 cm langem Flügel, eßbar, wird in Massen von den Indianern 
gesammelt. Das weiche, leichte Holz mit rötlichem Kern soll spröde sein. 

Pinus Coulteri steht der P. Sabineana in betreff der Zapfen und 
Samen nahe, unterscheidet sich aber sofort durch den ungeteilten, geraden 



394 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Stamm, die pyramidale, fichtenähnliche Krone, durch die dickeren, steiferen 
Zweige, die steiferen, aufwärts gerichteten (nicht hängenden), weniger blau- 
grünen Blätter, die größeren Zapfen mit stechendem, einwärts gekrümmtem 
Nabel, die kleineren langgeflügelten Samen. Nach Engelmann kommen die 
Zapfen zuweilen kürzer und dicker als gewöhnlich und mit kürzeren Dornen 
vor und werden dann irrtümlich für solche von P. Sabineana gehalten, aber 
die Samen und Flügel unterscheiden sie doch stets. 

Eine schöne, üppig und schnell wachsende, dekorative Kiefer, die sich 
ziemlich widerstandsfähig, meist noch härter als Pinus Sabineana zeigte und 
daher in geschützten Lagen recht häufig angepflanzt werden sollte, da sie 
von regelmäßiger, pyramidaler Gestalt, mit violetten jungen Trieben und 
langen Blättern sich prächtig ausnimmt. Lehmboden sagt ihr besonders zu, 
sie gedeiht auch noch gut auf Kalkboden. 

Auch in Deutschland finden wir schon üppige, Gedeihen versprechende 
junge Bäume. Man muß ihr seitlichen Schutz, zumal auch gegen Besonnung 
im Winter und Frühjahr und in der Jugend Reisigdecke geben. 

2. Same nicht flugfähig. 

35. Pinus Sabiiieana Dougl. (in comp, to Bot. Mag. II, p. 150 [1836]). 
Sabines Kiefer, Nußkiefer, Weißkiefer. 

Syn. Digger Pine, Nut Pine, White Pine, Sabines Pine der Amerikaner. 
Nut Pine der Engländer. 

In Nordwest-Amerika, zumal durch ganz Kalifornien verbreitet, zerstreut 
oder in kleinen Hainen auf den trockenen und heißen Hügeln des Küsten- 
gebirges im Sakramento-Tal und auf den Vorbergen der Sierra Nevada 
(nicht über 1300 m Erhebung) und gelegentlich an deren östlichem Abhänge. 

In Europa von Douglas 1832 eingeführt. 

Großer Baum von 30 — 50 m Höhe, ältere Stämme mit rotbrauner, tief- 
rissiger Rinde bekleidet, im Habitus von allen anderen Kiefern sehr abweichend, 
mit lichter Krone und rundem Wipfel. Nach Dr. Mayr teilt sich der Stamm 
mehrere Meter über dem Boden in starke Äste und gleicht mehr einer Weide 
als einem Nadelholzbaum aus der Ferne, mit schlanken blaugrünen Zweigen 
und dünner durchsichtiger Belaubung. Knospen länglich-kegelförmig, lang 
zugespitzt, hellbraun, sehr harzig. Blätter zu 3, selten zu 4, dünne, hängend, 
hell- oder blaugrün, 22 — 30 cm lang, 1^/2 mm breit, zusammengedrückt-drei- 
eckig, am Rande schärflich, scharf zugespitzt, in 3 cm langen, hellbraunen, 
seidenartigen, später zurückgerollten Scheiden. Männliche Blüten gelb, weib- 
liche an derben Stielen, dunkelpurpur. Zapfen einzeln oder zu mehreren, kurz 
gestielt, nickend, eirund-stumpf, dunkelmahagonibraun, massiv und dauernd, 
15 — 25 cm lang, 10 — 15 cm breit. Schuppenschild erhaben-pyramidenförmig, 
zweischneidig, mit starkem, etwas einwärts gebogenem, sehr verlängertem 
Nabel. Samen fast zylindrisch, 2 — 3 cm lang, dunkel, Flügel kaum halb so 
lang, mit breitem Rande, eßbar. Kotyledonen 15 — 16. 

Eine von den Nußkiefern, deren Früchte als Nahrungsmittel für die 
Indianer von größter Wichtigkeit sind. 

In Deutschland zeigte sie sich in rauhen Lagen empfindlich, sollte jedoch 
in den milderen Gegenden oder in geschützten Lagen weit mehr angepflanzt 



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II. Klasse. Coniferae. 395 

werden, denn unter günstigen Verhältnissen bildet sie schöne Bäume mit 
pyramidaler Krone, denen durch die blaugrünen Zweige und die blaugrünen 
Blätter, mit welchen die dunkelbraunen großen Zapfen eigenartig kontrastieren, 
ein ganz besonderer Schmuck verliehen wird. 

Die Pflanzen sollten im Schutze herangezogen und als kräftige junge 
Pflanzen an den Platz gesetzt werden, nie darf man sie länger in Töpfen 
stehen lassen, wo sie bald kahl und dünnzweigig werden. Sie lieben einen 
nahrhaften lehmigen, genügend durchlässigen, mehr trockenen Boden. 

b) Blätter 30 — 40 cm lang. Harzgänge von mechanischen Zellen umgeben. 

36. Pinus latifolia Sargent (in Garden and Forest. 1889, p. 496 u. 498, mit 

Abbild.). Breitblättrige Kiefer. 

Syn. Pinus Mayriana Sudworth., Abbild, in Fremdl. Wald- u. Parkb. 
Mayr 1906, p. 368. Zweig mit 2 Zapfen. 

Dr. H. Mayr entdeckte im Herbst 1887 an den südlichen Abhängen 
des Santa Rita-Gebirges im südlichen Arizona in einem bisher noch botanisch 
nicht ausgebeuteten Gebirgsteil diese neue Kiefer, und zwar fand er sie ge- 
meinsam mit Quercus hypoleuca und unter Pinus arizonica und P. chihua- 
huana wachsend. 

Durch die sehr langen, zu 3 in bleibenden Scheiden stehenden Blätter 
mit Hypodermzellen unter der Epidermis und um die Harzgänge herum ist 
sie in Engelmanns Sektion Euponderosae bei Pinus Engelmannii (macro- 
phylla) P. ponderosa, P. Jeffreyi und P. canariensis einzureihen. 

Nach Dr. Mayr ein mittelhoher Baum von etwa 20 — 25 m Höhe, mit 
dicker und tief gefurchter, dunkelbrauner Rinde und derben, gedrehten Ästen. 
Die Knospenschuppen sind zurückgeschlagen, 2 cm lang, zugespitzt, mit 
trockenhäutigen, geschlitzten Rändern und in eine lange, pfriemliche Spitze 
ausgezogen. Blätter zu 3, an den Spitzen der Zweige zusammengedrängt, 
gesägt, 30 — 40 cm lang, mit vorstehender Rippe, in bleibenden, länglichen, 
zerschlitzten, kastanienbraunen Scheiden. Zapfen fast endständig gehuschelt, 
sitzend, eirund-schief, 8 — 14 cm lang, 6 — 8 cm breit, hellbraun. Schuppen 
mit auswärts gekrümmten Apophysen und derbem, weit vortretendem, kegel- 
förmigem Nabel und kurzem Enddorn. Samen eirund, 4 mm lang, erhaben 
gestreift, hellbraun, mit breitem, 2 cm langem Flügel. Blüten wurden nicht 
beobachtet. 

Diese Art unterscheidet sich von Pinus ponderosa durch längere und 
breitere Blätter und durch den langen runden Nabel auf den Zapfenschuppen, 
welcher dem von P. Coulteri nicht unähnlich, obgleich weit kleiner ist; von 
P. Engelmannii (macrophylla), welcher sie sehr nahe zu stehen scheint, weicht 
sie ab durch die stets zu 3 stehenden, etwas kürzeren und breiteren Blätter, 
durch die viel kleineren Zapfen und das Fehlen der derben, breiten, stark 
zurückgekrümmten bleibenden Spitze des Nabels. 

37. Pinus Engelmannii Carr. (Rev. hört. 1854, p. 227). Engelmanns Kiefer. 

Syn. Pinus macrophylla Engelm. in Wisliz. Mem. p. 103, note 25 (1846 
bis 1847). 



396 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. 

Bewohnt die höchsten Gebirge von Cosiquiriachi westHch von Chihua- 
hua in Neu-Mexiko und soll dort gemein sein, wurde 1846 von Wislizenus 
entdeckt. 

Noch nicht eingeführt. 

Baum von 20 — 25 m Höhe. Knospenschuppen lang zugespitzt, gefranst- 
geschlitzt, trockenhäutig bleibend. Blätter zu 3 oder 4, selten zu 5, an den 
Spitzen der Zweige gehäuft, an den Rändern gesägt und an allen Flächen 
rauh, fast blaugrün, 30—40 cm lang, in 3^/2 — 4^/2 cm langen, angedrückten, 
zerschlitzten Scheiden. Zapfen 14 cm lang; Zapfenschuppen mit kegelförmigen 
Schildern, an der Spitze in einen zurückgebogenen Dorn auslaufend. Samen 
klein, geflügelt. 

Sargent in Silva N. Am. XI, p. 80 (1897) sieht Pinus Jeffreyi, latifolia 
(Mayriana) und Engelmannii (macrophylla) nur als Formen der weitverbreiteten 
P. ponderosa an und erklärt, dieselben gingen so ineinander über, daß sie 
ununterscheidbar seien. 

c) Blätter zu 2, in der Jugend zuweilen zu 3. 

5. Subsektion Murrayana Mayr (Köhne). 

Harzgänge der Blätter im Parenchym, Zapfen kegelförmig, meist aus 
Knospen am Längstrieb zwischen zwei Quirlen. Same flugfähig, vom Flügel 
zangenförmig gefaßt, aber auf einer Seite mehr als auf der anderen vom Flügel 
bedeckt. (Lariciones, Pungentes und Mites Engelmann.) 

A. Junge Triebe weißlich bereift, Harzgänge ohne mechanische Zellen. 
38. Pinus inops Sol. (ex Ait. H. Kew. I. vol. 3, p. 367 [1789]). Jerseykiefer. 

Syn. Pinus virginiana Mill. Dict. n. 9 (1768). 

„ variabilis Lamb. Pin. 1. ed., p. 22, t. 15 (1803). 
New Jersey Pine und Scrub Pine der Amerikaner. 
Pin pauvre, Pin chetif der Franzosen. 
Scrub Pine der Engländer. 
In Nord-Amerika vom rechten Ufer des Hudson bis Karolina in dürrem, 
sandigem Boden. Sie herrscht in den mittleren Vereinigten Staaten vor und 
nach Dr. Mayr wird ihr Holz zu Wasserleitungsröhren, zu Brenn- und 
Kohlenholz gesucht. 

Im Jahre 1739 in Europa eingeführt. 

Baum von 8 — 12 m Höhe, mit braunroter, rissiger Rinde, rotgelbem 
Holze und ausgebreiteter Krone. Äste unregelmäßig stehend, oft gedreht. 
Zweige ausgebreitet, mit glatter, weißblau bereifter Rinde, was neben den nie 
quirlförmig stehenden Ästen und Zweigen ein gutes Unterscheidungsmerkmal 
ähnlichen Kiefern gegenüber ist. Knospen spindelförmig rotbraun, öfter mit 
Harz überzogen. Blätter zu 2, selten an jungen Pflanzen zu 3 in weißer, 
braungeringelter Scheide, kurz, steif, etwas gedreht, halbrund, oben flach, am 
Rande scharf, kurz stachelspitzig, dunkelgrün, 4 — 5 cm lang. Männliche Blüten 
geknäuelt, gelbbraun, weibliche blaßgrün. Zapfen kurz gestielt oder fast sitzend 
zu 2 — 4, abstehend oder etwas hängend, gerade oder etwas gebogen, länglich- 
kegelförmig stumpflich, 4 — 7 cm lang, 25—35 mm breit, nach Dr. Mayr, wenn 
reif, rotblau. Schuppenschild fast rhombisch-pyramidenförmig, am oberen 



II. Klasse. Coniferae. 397 

Rande leicht gekerbt, Nabel in einen feinen, stechenden, nach oben ge- 
krümmten, leicht abbrechenden Dorn endigend. Samen eirund, an der Basis 
verschmälert, mit einem fast dreimal so langen, hobeiförmigen Flügel. 

Eine harte, in unseren Kulturen oft verwechselte, jedoch in stärkeren, zapfen- 
tragenden Exemplaren vorhandene, meist niedrig bleibende, buschige Kiefer 
von unregelmäßigem Wuchs, die so überaus harzreich ist, daß der Stamm in 
Menge Harz ausschwitzt und zumal bei warmer Witterung einen balsamischen 
Duft verbreitet. Da diese Art auf dem schlechtesten Boden gedeiht, so sollte 
sie zur Bewaldung öder, dürrer Landstriche, wie auch zur Befestigung der 
Dünen herangezogen werden, zumal Stürme dem niedrigen, buschigen Baum 
nicht viel anhaben können. Purkyne schlug ihn (nach Willkomm, Forst- 
botanik) zum Anbau auf heißen Tonschieferböden vor. Dr. Mayr gibt an, 
daß die Jerseykiefer auf geringwertigen, trockenen Höhenlagen in Amerika 
immer mehr an Ausdehnung gewinnt. 

Noch wäre zu bemerken, daß Pinus montana rotundata (uliginosa, vergl. 
daselbst) in unseren Kulturen vielfach mit P. inops verwechselt wird; erwiesen 
ist, daß genannte aufstrebende Form der P. montana auf den Mooren und 
Dünen Jütlands forstlich angebaut wird, aber häufig noch unter dem falschen 
Namen P. inops. 

39. Pinus mitis Mchx. (fl. bor. amer. II, p. 204 [1803]; Arbr. I, p. 52, t. 3 [1810]). 
Glatte Kiefer, Gelbkiefer, Fichtenkiefer. 
Syn. Pinus echinata Mill. dict. n. 12 (1768). 

„ Taeda y variabiHs Ait. Hort. Kew. I, 3. ed., p. 363 (1789). 
„ variabilis Lamb. Gen. Pinus I, p. 22, t. 15 (1803); Pursh. 

Flor, of North. Amer. II, p. 643 (1814). 
„ lutea Lodd. Cat. 1836. 

„ intermedia Fisch, ex Gord. Pin. p. 170 (1858). 
Yellow Pine, Spruce Pine, Short-leaved Pine der Amerikaner. 
Yellow Pine der Engländer. 
In Nord-Amerika weit verbreitet durch die mittleren und teilweise süd- 
lichen Staaten, selten in New-Jersey mit Pinus rigida lichte Bestände bildend 
und weiter nach Norden nicht gefunden, westlich in Arkansas und Missouri 
(hier die größte Entwickelung erreichend und ausgedehnte Wälder bildend), 
südlich vom Missouristrom bis Florida und Texas vordringend, wo sie die 
einzige Kiefernart ist, stets auf kieseligem, dürrem Boden. 
Etwa um das Jahr 1739 in Europa eingeführt. 

Baum von 15 — 30, gelegentlich bis 40 m Höhe, mit pyramidaler Krone, 
im Wuchs der Fichte (Rottanne) ähnlich, daher auch „Fichtenkiefer" genannt. 
Stamm gerade, mit dunkelgrauer, rissiger, viele Harzbeulen einschließender 
Rinde. Äste ausgebreitet, Rinde jüngerer Zweige bläulich-weiß, Knospen 
länglich, harzig. Blätter an älteren Bäumen stets zu 2, halbrund, an jungen 
Pflanzen öfter auch zu 3 und dann zusammengedrückt-dreieckig, dünn, steif 
abstehend, am Rande rauh, zugespitzt, dunkelblaugrün, 7 — 10 cm lang. Männ- 
liche Blüten in Knäueln hellpurpur, weibliche zu 2 oder 3, hellrosa. Zapfen 
hellbraun, einzeln oder zu zweien, fast sitzend, etwas hängend, eirund-kegel- 
förmig-stumpf, 5 — 6 cm lang, 3 cm breit, Schuppenschild fast rhombisch, etwas 
zusammengedrückt-pyramidenförmig, mit scharfer, wenig vortretender Quer- 



^Qft Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten. 

leiste, Nabel mit kurzem, scharfem, etwas eingebogenem Dorn. Samen klein, 
eirund, mit einem fast dreimal zu langen, breiten, hobeiförmigen Flügel. 

Eine Pinus inops nahestehende, als junge Pflanze oft mit ihr verwechselte 
Kiefer; aber durch dünnere, nicht gedrehte Blätter, kleinere Zapfen und 
schlanken Wuchs abweichend. 

Nach Dr. Mayr vermittelt Pinus mitis den Übergang von den zwei- 
nadeligen zu den dreinadeligen Kiefern, zeigt im Wuchs wie in biologischer 
Hinsicht große Ähnlichkeit mit P. rigida und besitzt auch wie letzte die Eigen- 
schaft, abgeschnitten aus schlafenden Augen des Stammes Ausschläge zu 
bilden, welche jedoch forstlich keinen Wert haben dürften. In den westlichen 
Staaten liefert P. mitis ein treffliches Nutzholz, was dem der Pechkiefer 
(P. rigida) vorzuziehen ist. 

Da diese Kiefer der gemäßigten warmen Region, und zwar deren süd- 
lichen Hälfte angehört, so dürfte ihre Kultur in Deutschland wenig Erfolg 
versprechen. Die Empfehlungen, Pinus mitis zur Aufforstung unfruchtbarer, 
sandiger Landstriche und Dünen zu verwenden, dürften daher sehr vorsichtig 
aufzunehmen zu sein, denn die echte P. mitis zeigt in Deutschland bisher ein 
wenig freudiges Gedeihen und erfror in verschiedenen Lagen. Jedenfalls wird 
sie in Kultur oft verwechselt, ja man findet dafür selbst die gemeine Kiefer; 
ob auf solchen Verwechselungen auch die Angaben beruhen, daß P. mitis 
noch in Ost-Preußen hart sei und Bäume bilde, bleibt zu entscheiden, oder 
ob Bäume je nach ihrer Abstammung aus den wärmeren oder nördlichsten 
Gegenden etwa die verschiedenen Angaben über Ausdauer und guter oder 
schlechterer Entwickelung bedingen. Jedenfalls ist dringend anzuraten, Saat- 
gut für fernere Kulturversuche stets aus den nördlichsten Gegenden, 
wo P. mitis noch normal vorkommt, zu beziehen und durch weitere Kulturver- 
suche unter günstigen Bedingungen ihren etwaigen Nutzwert für uns festzustellen. 

B. Junge Triebe grün bis braun, unbereift. 

a) Gefäfsbündel des Blattzentralstranges mindestens um ihre eigene Breite 

voneinander entfernt. 

1. Schuppenendflächen sehr flach, mit Ouerleiste und sehr kleinem, zeitig 

abfallendem Nabeldorn. Harzgänge der Blätter meist von ziemlich dickwandigen 

Zellen umgeben. 

40. Pinus Banksiana Lamb. (Pin. 1. ed. [1803], 2. ed., p. 7 [1828]). 
Banks Kiefer, Strauchkiefer. 

Syn. Pinus canadensis foliis curtis usw. Duham. Arb. II, p. 126. 

„ silvestris ö divaricata Ait. hört. Kew. 1. ed., p. 3, t. 366 (1789). 
„ divaricata Du Mont de Cours Bot. Cult. III, p. 760 (1802), 

Sargent Silva N. Am. XI, p. 147, t. 588 (1897). 
„ hudsonica Poir. Dict. Encyclop. V, p. 339 (1804). 
„ rupestris Mchx. Arb. forest. I, p. 49, t. 2 (1810). 
Jack-Pine, Gray-Pine der Amerikaner. 
Sir Joseph Banks Pine der Engländer. 
Im kälteren Nord-Amerika bis zum 68.^ n. Br., in Kanada auf Felsen 
an der Hudsons-Bay, in Neu-Schottland, häufig in Nord-Michigan und Wis- 
consin; im trockensten, magersten Sandboden wachsend. 



II. Klasse. Coniferae. 399 

Im Jahre 1785 in Europa eingeführt. 

Ein Baum von spitz-kegelförmigem Wuchs, der je nach Boden und 
Standort 10—20 m, ja, nach Macoun, in Kanada bis 35 m H