""lfbrary
raCüLTY OF FORESTRY
ÖNIVERSITY OF TORONTO
■^jjgM^m
\
Handbuch
der
Nadelholzkunde.
Systematik, Beschreibung, Verwendung und Kultur der
Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Gnetaceen.
Für Gärtner, Forstleute und Botaniker
bearbeitet von
L. Beißner,
Kgl. Garteninspektor am botanischen Garten der Universität Bonn und Lehrer für Gartenbau
an der Kgl. Landw. Akademie zu Bonn-Poppelsdorf, Geschäftsführer der Deutschen Dendro-
loglschen Gesellschaft, Ehrenmitglied und korresp. Mitglied verschiedener Gesellschaften.
Zweite, völlig umgearbeitete, Yermehrte und verbesserte Auflage.
Mit 165 nach der Natur gezeichneten OriginÄlabhjl^iLrag^
\
fWüiTY OF fmsm
BERLIN. ÜHIVERSTTY OF TOWHK
Verlagsbuchhandlung Paul Parey.
Verlag für Landwirtschaft. Gartenbau und Forstwesen.
SW., Hedemannstrasse 10.
1909.
Alle Rechte, auch das der Übersetzung, vorbehalten.
Vorwort zur zweiten Auflage.
Seit dem Erscheinen der ersten Auflage dieses Werkes sind 18 Jahre
verflossen, für unsere raschlebige Zeit eine ziemliche Spanne Zeit, die auch
auf dem Gebiete der „Nadelholzkunde" manches Neue gebracht hat.
Eine Neubearbeitung wurde daher dringend nötig, um das vor-
liegende Werk, welches vielen zum Ratgeber geworden ist, auf der Höhe zu
halten und so vollständig als möglich zu gestalten.
Gilt es doch, die Vorliebe für unsere schönen Freiland-Coniferen
in immer weitere Kreise zu tragen — unberechenbar ist ihr Nutz- und Zier-
wert — , aber eine richtige Verwendung in Wald, Park und Garten wird doch
erst erzielt, wenn wir sie genau kennen, sowohl in ihren Größenverhältnissen
wie in ihrem Verhalten in unserem Klima.
Dem heutigen Stande der Wissenschaft entsprechend, hielt ich eine
Abänderung der systematischen Einteilung für nötig, und zwar nach
Engler, Syllabus der Pflanzenfamilien; im übrigen ging mein Bestreben
dahin, soweit nicht wissenschaftlich begründete, notwendige Änderungen in
Frage kommen, in der Benennung möglichst jede einschneidende Umwälzung
zu vermeiden. —
Als ich 1887 für den Kongreß von Coniferen-Kennern und -Züchtern
in Dresden eine einheitliche Benennung der Coniferen ausgearbeitet
hatte, wurde dieselbe nach dem bis dahin in der Benennung herrschenden
Wirrwarr allseitig mit Freuden begrüßt und angenommen. In kürzester Zeit
fand dieselbe Eingang in alle Verzeichnisse der größeren Baumschulen Deutsch-
lands und Hollands. Mit ganz geringen Abweichungen finden wir die gleiche
Benennung in englischen Werken (ausdrücklich wird dieselbe von Masters
in Gard. Chron. 1893, p. 25 — 29 lobend anerkannt) ; italienische, französische,
russische und dänische Bearbeiter bedienen sich derselben, kurz, wir dürfen
dieselbe heute als eine internationale einheitliche Coniferen-Be-
nennung bezeichnen.
In den bis heute darüber hingegangenen 21 Jahren ist die Benennung
also zum Gemeingut geworden und hat sich in der Praxis fest einge-
JY Vorwort.
bürgert. Wer in der Praxis steht, weiß, daß dies keine leichte Sache für den
Praktiker war, es hieß mit mancher alten liebgewordenen Gewohnheit
brechen — aber die Befreiung aus einem Chaos von Namen, die unzählige,
schwerwiegende Verwechslungen und Schädigungen herbeiführten, erleichterten
ihm die Einführung und das Umlernen. —
In Anbetracht dieser Erfolge und nicht abzuleugnenden Tatsachen würde
ich es geradezu für ein Unrecht halten, jetzt wieder tief eingreifende Um-
änderungen in der Benennung, wie sie neuerdings wiederum angestrebt werden,
eintreten zu lassen. —
Unendlich schwer dürfte es auch sein, eine endgültige Einigung zu er-
zielen, da die Ansichten zu weit auseinander gehen — auch Majoritäts-
beschlüsse auf Kongressen werden den Übelstand nicht beseitigen, denn je
nach den Vertretern, den verschiedenen Anschauungen über Artenbegriff usw.
wird heute verworfen werden, was gestern beschlossen wurde. — Die An-
hänger strengster Priorität (also unter allen Umständen den ältesten Namen
zur Annahme zu bringen) werden nie zu befriedigen sein, für sie ist die Sache
ein Sport geworden, denn nur die Jahreszahl hat für sie Bedeutung. Als
abschreckendes Beispiel möge hier nur angeführt sein, daß man für Sequoia
den fossilen Namen Steinhauera Presl. ausgegraben hat. —
Auf Einzelheiten kann hier nicht eingegangen werden. Ich verweise
nur auf die „Mitteilungen der deutschen dendrologischen Gesellschaft 1895,
p. 5": Wahl einer Kommission für Aufstellung einer „Liste der in Deutsch-
land winterharten Laubgehölze", die später in der „Laubholz-
benennung" von Beißner, Schelle, Zabel ihren Ausdruck gefunden hat.
Auch hier wird das dringende Bedürfnis betont, für das pflanzende Publikum
Klarheit in der Benennung zu schaffen, in der gleichen Weise, wie es für die
Coniferen früher geschah.
Weiter wird hervorgehoben, daß eine stattliche Reihe von Bo-
tanikern gegen das Bestreben von O. Kuntze sind, die strengste Priorität
in der Benennung durchzusetzen. Je mehr diese Herren mit der Praxis
Fühlung haben, desto mehr erkennen sie das Unheil an, das daraus entstehen
muß, wenn nie gebrauchte Namen an die Stelle der alten, bewährten, in der
Praxis fest eingebürgerten gesetzt werden. Hierdurch kann nur Zwietracht
und Konfusion entstehen.
Mögen hier noch Nägel is Worte Platz finden: „Die Botanik hat kein
historisches, sondern nur naturwissenschaftliches Interesse. Der Name einer
Pflanze hat keinen anderen Wert, als daß er zur Verständigung unter den
Botanikern dient, wenn er allgemein bekannt und gebraucht wird, gibt es gar
keinen Grund, ihn zu ändern. Das Gesetz der Priorität hat nur den Zweck,
Vorwort. Y
diese Einheit der Benennung herbeizuführen, und wenn sie erreicht ist, bringt
ein älterer Name ebenso wie ein neuer Verwirrung hervor."
Wir sehen also, daß von allen Seiten energisch dagegen Verwahrung
eingelegt wird, fossile, nie gebrauchte, ganz unverständliche und
unmögliche Namen ausgraben und der Praxis aufzwingen zu wollen. —
Wir bleiben somit bei unserer alten, bewährten, fest einge-
bürgerten Benennung! —
Bedenken wir, wie tief einschneidend die Benennung für die
Praxis ist, für den Wald- und Gartenbau, Baumschulen, Samenhandel,
Holzhandel, die ihrerseits wieder in die verschiedenen technischen Gewerbe
eingreifen, so ergibt sich klar, daß wir für bestimmte Dinge sichere Be-
zeichnungen festsetzen müssen, und daß diese, wenn einmal ein-
gebürgert, nicht willkürlich abgeändert und umgestoßen werden dürfen! —
Jedenfalls verträgt die Praxis ein solches Vorgehen nicht, wodurch
wiederum unabsehbare Verwirrung und nach allen Richtungen Schädigungen
entstehen müssen! —
Wir sehen also unser Werk auf fester wissenschaftlicher Grundlage.
Im ersten Teil wird die Systematik aller bekannten Ginkgoaceen,
Coniferen und Gnetaceen gegeben und eine charakteristische Übersicht
der Abteilungen und Gattungen, mit Angabe der Artenzahl und des Vor-
kommens; hier sind auch gleichzeitig die wichtigsten literarischen
Quellenangaben aufgeführt, wo sie beschrieben, um den zweiten Teil nicht
zu sehr durch solche Angaben bei den Synonymen zu belasten.
Im zweiten Teil wird in systematischer Anordnung eine genaue Be-
schreibung aller bis jetzt bekannten, in Deutschland im freien
Lande ausdauernden Arten und Formen gegeben, und zwar gehen
genaue wissenschafthche, aber allgemein verständliche Beschreibungen der
Familien und Gattungen voran und alsdann folgen die Arten nach der Ver-
wandtschaft geordnet, wobei besonderer Wert darauf gelegt wurde, die Unter-
schiede nahe verwandter Arten recht scharf hervorzuheben. Jeder Art,
welche mit dem fettgedruckten nunmehr für dieselbe zu gebrauchenden
Hauptnamen wie mit dem deutschen, französischen und englischen,
sowie den in der betreffenden Heimat gebräuchlichen Namen bezeichnet
ist, sind sämtliche Synonyme, d. h. diejenigen wissenschaftlichen Namen bei-
gesetzt, welche der gleichen Art von anderen Autoren gegeben wurden.
Dabei betone ich ausdrücklich, daß ich die von Nelson unter dem Pseudonym
Senilis in ganz unverantwortlich leichtfertiger Weise für längst richtig benannte
Pflanzen gegebenen Namen absichtlich fortgelassen habe. Haben dieselben
auch leider in einigen wissenschaftlichen Werken ganz unverdienterweise
Beachtung gefunden, so sind sie zum Glück niemals in die Praxis gedrungen;
YJ Vorwort.
um SO mehr glaubte ich, die schon so verwickelte Coniferen-Benennung nicht
noch mit diesem unwürdigen Ballast von Coniferen-Synonymen belasten zu
sollen! — Das gleiche gilt für neuere, ganz zu verwerfende Benennungen,
die für uns als unberechtigt nicht in Betracht kommen! — Hierher sind auch
die von Sudworth in Check List of the Forest trees of the U. States 1898
vorgenommenen Namenänderungen zu zählen. Der Autor gibt, um Wieder-
holungen von gleichen Namen bei den betreffenden Gattungen zu vermeiden,
den Coniferen-Formen ganz neue Bezeichnungen, wie: pendens statt
pendula, parva statt nana, cyanea statt coerulea, crocea statt aurea, und dann
bildet er, um immer neue Ausdrücke zu gewinnen, Namen, wie: unifolia, minuti-
folia, penduHformis, cristatiformis, glaucifolia, griseifolia, aurifolia, argenti-
folia usw. usw.
Natürlich muß jedermann, der nicht weiß, daß hier nur willkürliche
Namenumänderungen für längst benannte und bekannte Pflanzen vorliegen,
an neue Formen glauben, und auch der Kenner hat Not, festzustellen, was der
Autor mit seinen neuen Namen eigentlich meint. — Ich beschränke mich also
darauf, auf diesen Umstand hinzuweisen und setze diese Namen nicht als
Synonyme bei, da sie die Praxis kaum berühren und nur verwirren können. —
Die deutschen Namen sind den Arten wie den wesentlichsten Formen bei-
gefügt worden, doch ist eine deutsche Benennung sämtlicher Formen geradezu
unausführbar, zumal in Fällen, wo z. B. zahlreiche Formen einer Art
geringe Unterschiede bieten und Bezeichnungen für Zwergformen, wie: com-
pacta, pygmaea, nana, pumila tragen, also eine Übersetzung die Unterschiede
kaum scharf auszudrücken imstande wäre, auch kaum je im praktischen Leben
gebraucht werden würde. Geradezu sinnlos ist aber eine deutsche Bezeich-
nung für Formen, denen, wie es häufig vorkommt, zwei Eigennamen beige-
setzt sind, z. B. Chamaecyparis Lawsoniana Rosenthalii, was verdeutscht
Rosenthals Lawsons-Cypresse heißen würde, ein Name, den in der Praxis nie
ein Mensch aussprechen dürfte, ebenso verhält es sich mit langen Gärtner-
Namen, wie Biota orientalis filiformis stricta: aufstrebender faden-
förmiger orientalischer Lebensbaum; diese Beispiele dürften beweisen,
daß auf deutsche Namen nur in beschränktem Maße Wert zu legen ist; dem-
entsprechend habe ich bei der Beschreibung der Formen, die durch die
botanischen Namen ausgedrückten Eigenschaften durch gesperrten
Druck kenntlich gemacht, wodurch zugleich eine Übersetzung, wenn auch in
umschreibender Weise, gegeben ist.
Weiter folgen alsdann genaue Angaben über Vaterland und die den
Arten nötigen Kulturbedingungen nebst wissenschaftlicher Beschreibung,
Nutz-, Zierwert und Verwendung, auch über ihr Verhalten und die bereits
erreichten Größenverhältnisse in deutschen Gärten.
Vorwort. VH
Die den Arten zugehörigen Formen, seien sie als eigentümliche Säm-
linge oder als Sportzweige entstanden, sind in eingehendster Weise
behandelt, ihrem dekorativen Wert nach gekennzeichnet und die ähnlichen
nach Wuchs und Färbung hintereinander aufgeführt, auch die wertvollen und
geringwertigen hervorgehoben, so daß jeder nach Bedürfnis und Geschmack
auswählen kann und zumal der Landschaftsgärtner sofort orientiert ist und
über den Wert des Pflanzenmaterials gar nicht im Zweifel sein kann. Dabei
muß ich noch besonders der Coniferen -Jugendformen gedenken, die oft
noch fälschlich als Retinispora- Arten aufgeführt werden, deren richtige.
Abstammung festgestellt und deren Einreihung bei den betreffenden Arten,
meinen eingehenden Beobachtungen und früheren Mitteilungen ent-
sprechend, erfolgt ist.
Von einer alphabetischen Anordnung der Pflanzen im Buche, wie sie
öfters von Praktikern gewünscht wird, mußte abgesehen werden, um auch in
wissenschaftlicher Hinsicht zu befriedigen und nicht die zusammengehörigen
Pflanzen weit voneinander aufzuführen, was beim Gebrauch auch für
den Praktiker sehr störend ist. Dazu ermöglicht ein ganz genau
ausgearbeitetes Register, in welchem die gebräuchlichen Hauptnamen
fett gedruckt sind, dem Praktiker das Auffinden jeder Art oder Form
sofort, und zwar unter jedem ihm geläufigen Namen. Somit dürfte also die
systematische Anordnung im Buche dem Praktiker die Benutzung desselben
nicht erschweren. Am Schlüsse jeder beschriebenen Gattung wurden Winke
über Verwendung, Vermehrung und alle erforderlichen Kulturangaben
gegeben, außerdem behandelt der dritte Teil noch im allgemeinen die Ver-
mehrung, die Anzucht, die Pflanzung und Pflege, die Schädlinge, den Schutz
und die mögliche Einbürgerung der Coniferen und wurde nach den bis-
herigen Kulturerfahrungen der etwaige forstliche Anbau mancher Coni-
feren besonders hervorgehoben.
Auf die dort aufgeführten Versuche, für die Einbürgerung aus-
ländischer Gehölze übersichtliche Gebiete zu schaffen, mag hier
noch besonders hingewiesen werden.
Schon bei Ausarbeitung der ersten Auflage vorliegenden W^erkes
benutzte ich außer den laufenden Fachzeitschriften : Pariatores, Bearbeitung
der Coniferen in Decand. Prodromus XVI, 2; C. Koch, Dendrologie; Eich 1er
in Engler und Prantl, die natürlichen Pflanzenfamilien; Carriere, Traite gene-
ral des Coniferes; Henkel und Hochstetter, Synopsis der Nadelhölzer; Will-
komm, forstliche Flora; Veitch, Manual of the Coniferae; Masters On the
Conifers of Japan und Contributions to the history of certain Conifers; Engel-
mann, Revis. Gen. Pinus in Trans. Acad. Sc. St. Louis und die kalifornischen
Abietaceen, deren Übersetzung in den forstlichen Blättern wir nebst anderen
Y 1 1 1 Vorwort.
wichtigen Mitteilungen Zabel verdanken; Mayr, Die Waldungen von Nord-
Amerika; Luerssen, Einführung japanischer Waldbäume; Schmidt, Reise im
Amurland und auf Sachalin.
Für diese zweite Auflage konnte ich noch benutzen die treffliche
„Deutsche Dendrologie" von Koehne; Sargent, Silva of North Amer. und
Man. of the trees; Veitch, Man. of the Conif. 2. ed. by Kent; Masters
fortlaufende Coniferen-Berichte in Journ. Linn. Soc. und in Gard. Chron. •
Mayr, Jap. Abietineen und Ausl. Wald- u. Parkbäume; Rehders Mitt. in
Sargent Trees and Shrubs u. a. O.; Parde, Arboretum Nat. des Barres;
Hickels Mitt. im Bull, de la Soc. dendrol. de France und schließlich meine
eigenen und andere fortlaufende Mitteilungen über Coniferen in den
Mitteilungen der deutschen dendrologischen Gesellschaft, auf
diese bezieht sich die Bezeichnung: Mitt. d. d. dendr. Gesell seh., welche
durch den ganzen beschreibenden Teil läuft.
Eine mehr als 45 jährige gärtnerische Tätigkeit, während welcher Zeit
ich sowohl im In- und Auslande praktisch tätig war oder auch auf Reisen
reiche Erfahrungen sammeln konnte und mir vorzugsweise das Studium der
Coniferen in verschiedenen Ländern und unter den verschiedensten klima-
tischen und Bodenverhältnissen angelegen sein ließ, setzt mich in den Stand,
in vorliegendem Werke die gesammelten Erfahrungen in umfassender Weise
bieten zu können.
Den wärmsten Dank spreche ich hiermit allen Herren aus, welche mich
durch gütige Mitteilungen, Zustellung von Beobachtungsmaterial und Literatur
unterstützten. Von den Herren und lieben Freunden, welche mich schon in
dieser Weise bei der ersten Auflage unterstützten, sind schon viele nicht
mehr unter den Lebenden, aber in Dankbarkeit habe ich bei dieser neuen
Bearbeitung oft ihrer gedacht.
Ganz besonderen Dank muß ich ferner der Verlagsbuchhandlung aus-
sprechen für die überaus gediegene, reiche Ausstattung des Werkes, durch
Zeichnungen, wie sie in Sorgfalt der Ausführung und Reichhaltigkeit bisher
nicht aufzuweisen sind, welche in der zweiten Auflage noch wesentlich ver-
mehrt wurden, wozu Herr H. Jensen aus dem Arboretum Spaeth vor-
wiegend schönes Material zur Verfügung stellte, ebenso die Herren Hesse-
Weener und Dahs, Reuter-Jüngsfeld. — Es handelt sich hier nicht um
zusammengetragene Klischees, sondern die meisten Zeichnungen sind
nach der Natur gefertigt, sei es nach lebendem Material, sei es nach
genau geprüftem Originalmaterial aus dem Botanischen Museum in Berlin.
Die mit peinlicher Sorgfalt von Herrn Paul Behrend ausgeführten
Detailzeichnungen haben den großen Vorteil, in natürlicher Größe
dem Beschauer vorgeführt zu werden und somit doppelten Wert, da man nicht
Vorwort. IX
erst nötig hat, einen Maßstab anzulegen, um die wahren Größenverhältnisse
sich klar zu machen, während Vergrößerungen einzelner Teile besondere
Eigentümlichkeiten mancher Arten scharf hervorheben. Wenn diese Detail-
bilder die charakteristischsten Arten jeder Gattung in handgreif-
licher Ähnlichkeit dem Kenner wie Pflanzenfreunde vor Augen führen, so
dienen die mit gleicher Sorgfalt und trefflich ähnlich von Fräulein Emma
Raatz nach der Natur gezeichneten Habitusbilder zumal dem Land-
schaftsgärtner, um ihm zu zeigen, wie sich seine Pflanzen aufbauen. Gerade
bei den Coniferen ist ja in dekorativer Hinsicht ein bedeutender Unterschied
zwischen jungen und alten Bäumen zu machen, wie dies in den Beschreibungen
sowohl wie auch durch die Abbildungen hervorgehoben worden ist, welche
möglichst den schönsten erreichbaren Exemplaren entlehnt sind, und
zwar meist aus den rauheren Gegenden Deutschlands, um die bisher
erreichte gute Entwickelung vorzuführen. Den Herren, welche in gütigster
Weise ihre Baumschätze für diesen Zweck zur Verfügung stellten, sage ich
auch an dieser Stelle besten Dank.
Wenn ich somit glaube, nichts versäumt zu haben, um dem Coniferen-
Freunde ein allen billigen Anforderungen genügendes, den Forschungen der
Jetztzeit entsprechend vollständiges Werk über unsere Freiland-Coniferen
zu bieten, so bin ich doch weit entfernt davon, dasselbe für vollkommen
anzusehen, werde daher für Winke zur Verbesserung und Vervollständigung
desselben stets sehr dankbar sein. Mein eifrigstes Bestreben wird es sein,
an der Vervollkommnung des Werkes zu arbeiten, solange mir die Kraft
dazu beschieden ist.
Möge denn das Werk in seiner neuen verbesserten Gestalt durch Wort
und Bild dazu beitragen, die schönen Coniferen immer richtiger erkennen
und verwenden zu lernen und demselben immer mehr Freunde zu erwerben.
Meine ganze Lebenserfahrung habe ich in dem Buche niedergelegt.
Bonn-Poppelsdorf, im Februar 1909.
Der Verfasser.
Inhalt.
Seite
Gymnospermae 1
Systematische Einteilung ' 3
Erster Teil.
Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen
und Gnetaceen.
Übersicht der Klassen, Familien und Gattungen 9
I. Klasse. Ginkgoales 9
Familie Ginkgoaceae 9
II. Klasse. Coniferae 9
Familie Taxaceae 9
1. Unterfamilie. Podocarpeae «^ • 9
2. „ Taxeae 11
3. „ Cephalotaxeae 18
Familie Pinaceae 13
1. Unterfamilie, Araucarieae 13
2. „ Abietineae 15
3. „ Taxodieae 22
4. „ Cupressineae 25
III. Klasse. Gnetales 31
Familie Gnetaceae • 31
1. Unterfamilie. Ephedroideae 31
Zweiter Teil.
Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen
und Ephedra- Arten.
I. Klasse. Ginkgoales 35
Familie Ginkgoaceae 35
Ginkgo L. 35
II, Klasse. Coniferae 39
Familie Taxaceae 39
1. Unterfamilie. Podocarpeae . • • • 39
Podocarpus l'Her. 40
Saxegothaea Lindl. 42
2. Unterfamilie. Taxeae 42
Taxus L. 43
Torreya Arn. 58
3. Unterfamilie. Cephalotaxeae 62
Cephalotaxus Sieb, et Zucc. 62
Familie Pinaceae 71
1. Unterfamilie. Araucarieae 71
Cunninghamia R. Br. • * • • 71
Araucaria Juss. 74
XII Inhalt.
Seite
2. Unterfamilie. Abietineae 79
Tsuga Carr. 79
Pseudotsuga Carr. 93
Abies Lk. U3
Keteleeria Carr. ;1^99
Picea Lk. 206
Pseudolarix Gord. 296
Larix Lk. 301
Cedrus Lk. 325
Pinus L. 340
3. Unterfamilie. Taxodieae 448
Sciadopitys Sieb, et Zucc. 448
Sequoia Endl. 453
Taxodium Rieh. 463
Cryptomeria Don. 475
Taiwania Hayata 484
4. Unterfamilie. Cupressineae 485
Sektion Thuyopsideae 485
Thuyopsis Sieb, et Zucc. 485
Libocedrus Endl. 489
Thuya Tourn. 495
Biota Endl. 517
Sektion Cupresseae 528
Chamaecyparis Spach. 528
Cupressus Tourn. 575
Sektion Junipereae 581
Juniperus L. 581
Nachtrag zu den Freiland-Coniferen 629
in. Klasse. Gnetales 631
Familie Gnetaceae 631
Ephedra L. 631
Dritter Teil.
Kultur der Freiland-Coniferen.
I. Die Vermehrung der Coniferen 645
Die Erziehung aus Samen 645
Die Aussaat 654
Das Verpflanzen der Coniferen-Sämlinge 658
Die Erziehung aus Stecklingen 660
Die Erziehung durch Veredelung 667
Die Erziehung durch Ableger oder Senker 674
II. Pflanzung und Pflege der Coniferen 676
Das Pflanzen der Coniferen an den festen Platz 678
Weitere Behandlung und Pflege der Coniferen 683
Schutzmittel für Coniferen gegen Kälte und andere schädliche Einflüsse 688
III. Schädlinge der Coniferen 692
.1. Pflanzliche Schädlinge 692
2. Tierische Schädlinge 694
IV. Einbürgerung ausländischer Coniferen, Naturalisation, Akklimatisation 695
Alphabetisches Register 711
Yerzeichnis der Textabbildungen.
Seite
Fig. 1. Ginkgo biloba L., junger Baum 37
„ 2. Ginkgo biloba L., Zweig mit männl. Blüten, Frucht und Blütenteile vergr. • • 38
„ 3. Taxus baccata L., alter Baum 44
„ 4. Taxus baccata L., Zweige mit Blüten und Früchten, vergrößerte Blüten- und
Fruchtteile 45
„ 5. Torreya taxifolia Arn., Zweig mit männl. und weibl. Blüten und Frucht .... 60
„ 6. Cephalotaxus pedunculata Sieb, et Zucc., Zweig mit weibl. Blüten und Früchten 63
„ 7. Cephalotaxus Fortunei Hook., Zweig mit männl. Blüten und Frucht 67
„ 8. Cunninghamia sinensis R. Br., Zweige mit Blüten und Zapfen, Blütenteile vergr. 73
„ 9. Araucaria imbricata Pav., männl. und weibl. Blüten, Samen und Staubblätter • • 76
„ 10. Araucaria imbricata Pav., Habitusbild 77
„ 11. Tsuga Sieboldii Carr., Originalzapfen, Samen, Zweig, Blatt und Samen vergr. • 80
Tsuga canadensis im Arnold-Arboretum 84
„ 12. Tsuga canadensis Carr., junger Baum 86
„ 13. Tsuga canadensis Carr., aller Baum 87
„ 14. Tsuga canadensis Carr., Zweige mit Blüten und Zapfen, Zapfenschuppen und Samen 88
„ 15. Tsuga caroliniana Engelm., Zapfen und Samen 91
„ 16. Tsuga Mertensiana Carr., Habitusbild 93
„ 17, Tsuga Pattoniana Engelm., älteres Exemplar 95
„ 18. Tsuga Pattoniana Engelm., Zweig mit Originalzapfen, Blatt und Blattquerschnitt
vergr. 96
„ 19. Pseudotsuga Douglasii Carr,, Habitusbild 100
„ 20. Pseudotsuga Douglasii Carr., Zweig mit Zapfen und mit männl. und weibl. Blüten,
Schuppen mit Samen, Übergänge der Blätter in die Fruchtblätter 101
,, 21. Abies pectinata D. C, alter Baum 116
„ 22. Abies pectinata D. C, Zweige mit männl. und weibl. Blüten und Zapfen, Schuppen,
Samen, Blatt und Blütenteile vergr., Keimpflanze 117
Abies Nordmanniana, Urwald 122
„ 23. Abies Nordmanniana Lk,, Habitusbild 123
„ 24. Abies insignis Carr. • 128
„ 25. Abies Nordmanniana X Pinsapo, Zweig 129
„ 26. Abies Pinsapo Boiss., Habitusbild, stärkerer Baum 137
„ 27, Abies cilicica Carr,, Habitusbild, üppiger Baum 142
„ 28. Abies firma Sieb, et Zucc, Zweig mit Originalzapfen, Schuppe, Samen, Blatt vergr. 144
„ 29. Abies amabilis Forb., Zweig mit Originalzapfen, Schuppe, Samen, Blätter, un-
fruchtbarer Zweig 149
„ 30. Abies Webbiana Lindl., Originalzapfen, Schuppe mit Bractee 152
„ 31. Abies concolor Lindl,, junger Baum 155
„ 32. Abies concolor Lindl., Zapfen, Schuppe, Samen, Zweig 156
„ 33. Abies concolor var. lasiocarpa Engelm., üppiger junger Baum 158
„ 34. Abies grandis Lindl., üppiger junger Baum 163
„ 35. Abies grandis Lindl,, Originalzapfen mit Zweig, Blätter vergr. • 164
vjy Verzeichnis der Textabbildungen,
Seite
Fig. 36, Abies magnifica Murr., Originalzapfen mit Zweig, Schuppe mit Bractee, Samen,
Blätter, Blattquerschnitt vergr, 166
37. Abies nobilis Lindl., Zweig mit Zapfen, Schuppe mit Bractee, Samen, Blätter
vom fruchtbaren und unfruchtbaren Zweig nebst Querschnitt vergr. 169
„ 38. Abies nobilis Lindl. var. glauca, üppiger junger Baum 170
39. Abies bracteata Hook, et Arn., Zapfen, Zweig, Schuppe mit Bractee, Samen • 173
„ 40. Abies subalpina Engelm., Habitusbild 181
j^ 41. Abies sachalinensis Masters, Zweig mit Zapfen, Schuppen mit Samen und Bractee,
Blatt vergr. 189
42. Abies Veitchii Carr., Zweig mit Zapfen; Blätter, Blüten und Fruchtteile vergr. • 191
„ 43. Blätter, Schuppen, Bracteen und Samen von Abies Nordmanniana, A. Veitchii und
A. Eichlerii Lauche 192
„ 44. Abies Mariesii Mast., Zweig mit Zapfen, Zapfenschuppen mit Bractee, Samen,
unfruchtbarer Zweig, Blätter vergr. 196
„ 45. Keteleeria Fortunei Carr., Zweig mit Originalzapfen, Schuppe, Samen, Zweig
mit männlichen Blüten, unfruchtbarer Zweig 201
„ 46. Abies Davidiana Franch., Originalzapfen, Zapfenschuppe, Samen, Blatt vergr. A.
Sacra Arm. David., Zapfenschuppe; Samen und Blatt vergr. 205
„ 47. Picea excelsa Lk., alter Baum 209
„ 48. Picea excelsa Lk., Zweige mit männl. und weibl. Blüten, Zapfen, Blatt; Blüten
und Fruchtteile vergr. 210
„ 49. Picea exelsa argenteo-spicata Hesse 240
„ 50. Picea Alcockiana Carr. (P. bicolor Maxim.), Originalzapfen, Zweig, Schuppe,
Samen 247
„ 51. Picea polita Carr., Zweig mit Zapfen, Zweigstück, Blätter mit Querschnitt, Schuppe
mit Samen vergr. 251
„ 52. Picea Orientalis Lk., Habitusbild 253
„ 53. Picea nigra Lk., älterer Baum 258
„ 54. Picea nigra Lk., Zweig mit Zapfen, Schuppen, Samen, Blätter 260
„ 55. Picea nigra Mariana hört,, Habitusbild 263
„ 56. Picea rubra Lk., junger Baum 265
„ 57. Picea rubra Lk., Zweig mit Zapfen, Schuppen, Samen, Blätter 267
„ 58. Picea alba Lk., Zweig mit männl. und weibl. Blüten, Blatt, Zapfenschuppe, Samen 269
„ 59. Picea Engelmannii Engelm., Zweig, Zapfen 274
„ 60. Picea pungens Kosteri, junger Baum 279
„ 61. Picea Breweriana VS^ats., Habitusbild 282
„ 62. Picea Omorica Panc, Zweig mit Zapfen 284
„ 63. Picea Omorica Panc, Habitusbild 285
„ 64. Picea ajanensis Fisch., Zapfen, Zweig, Schuppe, Samen; Blattspitze und Quer-
schnitt vergr. 290
„ 65. Picea sitkaensis Carr., Zapfen, Schuppe, Samen, Zweig 293
„ 66. Pseudolarix Kaempferii Gord., junger Baum 298
„ 67. Pseudolarix Kaempferii Gord., Zweige mit männl. Blüten und Zapfen, Zapfen-
schuppe, männl. Blüten und Staubblätter vergr. 299
„ 68. Larix occidentalis Nutt., Zweig mit Zapfen 302
„ 69. Larix Lyallii Pari., Zweig mit Zapfen und Samen 303
„ 70. Larix chinensis Beißn., Zweig mit Zapfen, Schuppe, Bractee, Samen 304
„ 71. Larix Griffithii Hook., Zweig mit jungen Zapfen, reifer Zapfen, Zapfenschuppe
mit Bractee vergr. 306
„ 72. Larix leptolepis Gord., Zweig mit reifen Zapfen und Samen 308
„ 73. Larix leptolepis Murrayana Maxim., Zweig mit Zapfen 310
„ 74. Larix europaea D. C, reifer Zapfen 312
Verzeichnis der Textabbildungen. XV
Seite
Fig. 75. Larix europaea D. C, alter Baum 313
„ 76, Larix sibirica Ledeb,, reifer Zapfen 318
„ 77. Larix dahurica Turcz., Zapfen 320
„ 78. Larix kurilensis Mayr. (dahurica japonica Maxim.), Zweig mit Zapfen .... 321
„ 79. Larix americana Mchx., Zapfen 323
„ 80. Cedrus Libani Barr., alte Bäume 327
„ 81. Cedrus Libani Barr., Zweig mit Zapfen, männl. Blüte, Staubblatt, Zapfen-
schuppe mit Samen 328
„ 82. Cedrus Libani brevifolia Hook., Originalzapfen 329
„ 83. Cedrus atlantica Manetti var. glauca, älterer Baum 332
„ 84. Cedrus Deodara Loud., starker Baum 336
„ 85. Pinus excelsa Wall., junger Baum 342
„ 86. Pinus Peuce Gris., junger Baum 345
„ 87. Pinus Strobus L., alter Baum 347
„ 88. Pinus Strobus L., Zapfen, Blätterbüschel, Schuppe, Samen 348
„ 89. Pinus flexilis James, Habitusbild 360
„ 90. Pinus Cembra L., Zapfen, Schuppen, Samen, Blattbüschel, Durchschnitt vergr, . 362
„ 91. Pinus Cembra L., alter Baum 363
„ 92. Pinus Cembra L., junger Baum 364
„ 93. Pinus koraiensis Sieb, et Zucc, Originalzapfen und Samen 368
„ 94. Pinus aristata Engelm., Baumgruppe 371
„ 95. Pinus rigida Mill., alter Baum 384
„ 96. Pinus rigida Mill., Zweig mit Zapfen, Schuppen und Samen 385
„ 97. Pinus ponderosa Dougl. mit var. scopulorum, alte Bäume 388
„ 98. Pinus ponderosa Dougl., Zweig mit Originalzapfen, Schuppen und Samen . . 389
„ 99. Pinus Jeffreyi Murr., junger Baum 392
„ 100. Pinus pungens Mchx., Zweig mit Zapfen, Blätter und Schuppen 403
„ 101. Pinus Laricio Poir., Zapfen weibl. Blüte, Blattpaar, Samen 407
„ 102. Pinus Laricio Poir., alter Baum 408
„ 103. Pinus Laricio austriaca, junger Baum 410
„ 104. Pinus silvestris L., alter Baum 425
„ 105. Pinus silvestris L., Zweige mit männl. und weibl. Blüten, Zapfen, Samen und
Blütenteile vergr. 426
„ 106. Sciadopitys verticillata Sieb, et Zucc, junger Baum 450
„ 107. Sciadopitys verticillata, Zweige mit Blüten, Doppelblatt im Querschnitt und
Staubblätter und Fruchtschuppe vergr. 451
„ 108. Sciadopitys verticillata Sieb, et Zucc, reifer Zapfen 452
„ 109. Sequoia sempervirens Endl., Zweig, Blüten und Zapfen 455
„ 110. Sequoia gigantea Torr. (Wellingtonia gigantea Lindl.), Habitusbild ..... 459
„ 111. Sequoia gigantea Torr., Zweig mit Zapfen, männl. Blüte 460
„ 112. Taxodium distichum Rieh., alter Baum 465
„ 113. Taxodium distichum Rieh., Zweig mit Zapfen, dazu Blüten und Fruchtteile • . 466
„ 114. Taxodium distichum pendulum Carr., Zweig 468
„ 115, Cryptomeria japonica Don., junger Baum 476
„ 116. Cryptomeria japonica Don., Zweig mit Blüten und Zapfen mit vergrößerten
Blüten und Fruchtteilen 477
„ 117. Cryptomeria japonica, Bestand in Nikko 478
„ 118. Cryptomeria japonica Don. var. elegans, Zweig mit Zapfen 480
„ 119. Thuyopsis dolabrata Sieb, et Zucc, Habitusbild 487
„ 120. Thuyopsis dolabrata Sieb, et Zucc, Zweig mit Blüten und Zapfen 488
„ 121. Libocedrus decurrens Torr., Habitusbild 490
„ 122. Libocedrus decurrens Torr., Zweig, Zapfen, Blüten, Samen 491
V^T Verzeichnis der Textabbildungen.
Seite
Fig. 123. Thuya occidentalis L., alter Baum 496
124. Thuya occidentalis L., Zweig mit Zapfen, Zweigteile vergr. 497
125. Thuya occidentalis ericoides und var. Ellwangeriana 502
„ 126. Thuya gigantea Nutt., Habitusbild 512
„ 127. Thuya gigantea Nutt,, Zweige mit Zapfen und Samen 513
„ 128. Biota Orientalis Endl., Zweig mit Zapfen, Zapfen und Samen im Durchschnitt
mit Zweigstück vergr. 518
^ 129. Biota Orientalis decussata Beißn. u. Höchst.; Biota Orientalis meldensis • • • 521
„ 130. Chamaecyparis sphaeroidea Spach., alter Baum 529
„ 131. Chamaecyparis sphaeroidea Spach., Zweig mit Zapfen • 530
„ 132. Chamaecyparis sphaeroidea ericoides Beißn. u. Höchst. 532
„ 133. Chamaecyparis sphaeroidea andelyensis Carr. 532
„ 134. Chamaecyparis nutkaensis Spach., Zweig, Zapfen, Samen 535
„ 135. Chamaecyparis nutkaensis ericoides 537
„ 136. Chamaecyparis nutkaensis pendula, Habitusbild 539
„ 137. Chamaecyparis Lawsoniana Pari., Habitusbild 541
„ 138. Chamaecyparis Lawsoniana Pari., Zweig mit Zapfen 542
„ 139. Chamaecyparis Lawsoniana intertexta, Habitusbild 550
„ 140. Chamaecyparis Lawsoniana nana, Habitusbild 553
„ 14 L Chamaecyparis obtusa Sieb, et Zucc., 'Zweig mit Zapfen 555
„ 142. Chamaecyparis obtusa ericoides 556
., 143. Chamaecyparis pisifera Sieb, et Zucc, Zweig mit Zapfen 565
„ 144. Chamaecyparis pisifera squarrosa Beißn. u. Höchst., Zweig 567
„ 145. Chamaecyparis pisifera plumosa hört., Zweig mit Zapfen 569
„ 146. Chamaecyparis pisifera filifera hört., Habitusbild 571
„ 147. Chamaecyparis pisifera filifera hört.. Zweig mit Zapfen 572
,, 148. Cupressus sempervirens L., Zweig mit Blüten und Zapfen, Blütenteile und
Samen vergr. 577
„ 149. Cupressus arizonica Greene, starker Baum 580
„ 150. Juniperus Sabina L,, Zweig mit Zapfen, Zweigstück und Samen vergr. • • • • 586
„ 151. Juniperus Sabina L., Strauch über Felsen hängend 587
„ 152. Juniperus virginiana L., Habitusbild 591
„ 153. Juniperus virginiana iripartita, Habitusbild 595
„ 154. Juniperus chinensis L., Habitusbild 603
„ 155. Juniperus chinensis L,, Zweige mit Blüten und Zapfen 604
„ 156. Juniperus chinensis Pfitzeriana Späth, Habitusbild 606
„ 157. Juniperus nana Willd., bei Kufstein 617
„ 158. Juniperus communis L., Zweige mit Blüten und Zapfen nebst vergrößerten
Blüten- und Fruchtteilen 620
„ 159. Juniperus communis L., alter Baum 621
„ 160. Juniperus communis L. var. suecica, alter Baum 621
„ 161. Juniperus communis hibernica, Habitusbild 623
„ 162. Ephedra distachya L., Zweig mit männl. und weibl. Blüten 636
„ 163. Ephedra procera, Strauch 638
Gymnospermae.
I. Grinkgoales.
Ginkgoaceae. Ginkgofamilie.
(Nach Engler, Sy Ilabus der Pllanzenfamilien.)
Stamm verzweigt, Gefäße im sekundären Holze fehlend. Langtriebe
und Kurztriebe vorhanden. Die Laubblätter eingeschnitten, keil- bis fächer-
förmig, bei ausgestorbenen Gattungen tief eingeschnitten mit schmalen Ab-
schnitten. Blüten eingeschlechtlich, zweihäusig. Staubblätter der männ-
lichen Blüten mit zwei Mikrosporangien (Pollensäcken), Spermatozoiden mit
je aus drei Spiralwindungen bestehendem Kopfe, zahlreichen Cilien und
spitzem Schwanzende. Samenanlagen aufrecht, 1 oder 2 am Ende der
schmal keilförmigen, am Ende oft zweispaltigen, an einer gemeinsamen Achse
stehenden Fruchtblätter. Befruchtung tritt erst in der abgefallenen Samenanlage
ein, nachdem zwei Monate vorher die Bestäubung und von der Pollenkammer
aus die Entwickelung eines verzweigten Pollenschlauches erfolgte.
Vor der Befruchtung Verschleimung des oberen Teiles der Embryo-
sackwandung und Abstreifung des gewimperten Teiles der Spermatozoiden,
wie bei den Cycadales.
IL Coniferae. Zapfenträger.
Die Coniferen (Zapfenträger, Nadelhölzer), eine höchst wichtige Familie
des Pflanzenreichs, machen mit den Cycadaceen, Ginkgoaceen und Gnetaceen
die Gymnospermen, d. h. Nacktsamigen aus, denn die Samenknospen sitzen,
ohne von einem Fruchtknoten eingeschlossen zu sein, frei an der Achse oder
auf einem schuppenförmigen Blatte, der Samenschuppe.
Die Blüten, ohne Blütenhüllen, sind einhäusig oder zweihäusig, die
Staubfadenblüten sind kätzchenförmig mit zwei- bis mehrfächerigen Antheren;
auf einer gemeinsamen Achse, die unten mit schuppenförmigen Deckblättchen
versehen ist, stehen zahlreiche Staubblätter. Die Samenknospenblüten stehen
selten einzeln, meist sind sie zu kätzchen- oder zapfenförmigen Blütenständen
vereinigt und bilden entweder einen in ein, zwei oder drei Jahren reifenden
Zapfen (conus oder strobilus) oder einen kugelig-fleischigen Zapfen (eine
falsche Beere), Beerenzapfen (galbulus), entstanden durch Verschmelzung
Beißner, Nadelholzkunde, 2. Aufl. 1'
2 Gymnospermae.
mehrerer Samenknospenblüten, oder einen nußartigen Samen in einem mehr
oder minder fleischig gewordenen Samenmantel (arillus).
Die Samen sind meist Nüßchen in lederartiger oder harter Schale, von
Gestalt eirund oder länglich, öfter zusammengedrückt und nicht selten geflügelt.
Das Holz der Coniferen besitzt keine Gefäße, sondern langgestreckte
Zellen, welche nach den Markstrahlen zu große Tüpfel zeigen; besonders
charakteristisch sind die häufig vorhandenen Harzgänge.
Die Coniferen sind mit wenigen Ausnahmen immergrüne Gehölze,
meist Bäume, seltener Sträucher; nicht selten erreichen sie eine Höhe von
50 bis über 100 m und wachsen stets an ihren Spitzen fort.
Die Blätter sind meist mehrjährig, selten einjährig, ungeteilt, entweder
spiralig angeordnet oder kreuzständig gegenüberstehend, oder zu drei quirl-
ständig, angewachsen herablaufend, oder an verkürzten Zweigen zu zwei,
drei, fünf, oder gehuschelt, an der Basis in eine trockenhäutige Scheide ein-
geschlossen; entweder sind alle Niederblätter (schuppenförmige Blätter) an
blattartigen Zweigen (bei Phyllocladus), oder alle sind Laubblätter, oder sie
wechseln wie bei den Abietineen mit häutigen Schuppen ab, die den Knospen
als Deckschuppen dienen, oft pfriemlich in die Länge gezogen (Nadeln genannt,
weshalb für diese Abteilung die Benennung „Nadelhölzer" angewendet wird)
oder flach lineal; weiter beide Formen nadel- oder dachziegelig-schuppen-
förmige Blättqr auf demselben Individuum (bei den Cupressineen), zumal auch
im jugendlichen Entwickelungsstadium, mit kurzen, linienförmigen Blättern,
seltener mit lanzettlichen, eirund lederartigen (bei Agathis oder Dammara),
selten mit Doppelblättern (Doppelnadeln) so bei Sciadopitys.
Bisher sind etwa 350 Arten bekannt, welche zum größten Teil Bewohner
der temperierten und kalten Regionen, zumal der nördlichen wie südlichen
Gebirge sind und auf der nördlichen Halbkugel ausgedehnte Waldungen bilden.
Der Nutzen, den uns die Coniferen gewähren, ist ein unschätzbarer;
sie liefern Nutz- und Brennholz, verschiedene Harze, Teer, Terpentin, Pech,
Balsame, Zucker, ätherische Öle, Stärkemehl- und ölhaltige, auch eßbare Samen
(Nüsse), außerdem sind junge Zweige, Blätter, Beerenzapfen offizineil.
Was die Stellung der Coniferen im natürlichen System anlangt, so
schließen sich die Gymnospermen als erste Gruppe der Blütenpflanzen (Phane-
rogamae) an die Lycopodiaceen an, und zwar zuerst die Cycadaceen, dann
die Ginkgoaceen, dann die Coniferen und darauf folgen die Gnetaceen, diesen
schließen sich die Monocotylen (Pflanzen mit einem Keimblatte) an.
Die systematische Einteilung der Coniferen ist je nach den Autoren
sehr verschieden. Vor allem empfiehlt es sich, die von der Natur scharf ab-
gegrenzten Familien und Gattungen festzuhalten; manche bilden gewissermaßen
Übergänge von einer Gattung zur anderen, werden aber doch, ihrer auf-
fälligen Unterschiede halber, am besten als Gattungen beibehalten, um so die
größtmöglichste Übersichtlichkeit zu schaffen.
Nach folgender systematischer Einteilung, die im wesentlichen sich auf
den Syllabus der Pflanzen familien von Professor Dr. A. Engler stützt, aber
auch den neuesten Forschungen, wie der von der Mehrzahl der Autoren
anerkannten Abgrenzung der Gattungen Rechnung trägt, teilen wir die Coni-
feren in folgende Familien, Unterfamilien und Gattungen.
Coniferae. 3
Wir haben somit eine feste wissenschaftliche Grundlage, welche
auch für den Praktiker die denkbar größte Übersichtlichkeit und scharfe Ab-
grenzung der Familien bietet, und danach ergibt sich folgende Einteilung:
Gymnospermae, Nacktsamige.
I. Klasse. Ginkgoales.
Familie Ginkgoaceae. Ginkgobäume.
Ginkgo Kaempf. Ginkgobaum.
II. Klasse. Coniferae. Zapfenträger, Nadelhölzer.
Familie Taxaceae. Eibenfamilie.
1. Unterfamilie: Podocarpeae. Steineiben- oder Fußfruchtgewächse.
Microcachrys Hook. fil. Kleinfrüchtige Eibe.
Saxegothaea Lindl. Mahin oder Patagonische Eibe.
Podocarpus L'Her. (einschl. Prumnopitys Phil.). Steineibe, Fußfrucht.
Sektion I. Nageia Gaertn. (als Gattung).
„ IL Eupodocarpus Endl.
„ III. Stachycarpus Endl,
„ IV. Dacrycarpus Endl.
Dacrydium Sol. (einschl. Lepidothamnus Phil, und Pherosphaera Arch.).
Harzeibe.
2. Unterfamilie: Taxeae. Eibengewächse.
Phyllocladus Rieh. Blatteibe.
Torreya Arn. Torreye, Stinkeibe.
Taxus Tourn. Eibe.
3. Unterfamilie: Cephalotaxeae. Kopfeibengewächse.
Cephalotaxus Sieb, et Zucc. Kopfeibe.
Familie Pinaceae. Tannenfamilie.
1. Unterfamilie: Araucarieae. Schmucktannengewächse.
Cunninghamia ^) R. Br. Cunninghamie, Spießtanne.
Agathis Salisb. (Dammara Lamb.). Dammaratanne.
Araucaria Juss. Schmucktanne.
Sektion I. Columbea Salisb.
„ IL Eutacta Lk.
2. Unterfamilie: Abietineae. Tannengewächse.
Tsuga Carr. Hemlockstanne, Schierlingstanne.
Sektion I. Eutsuga Engelm.
„ IL Hesperopeuce Engelm.
^) Eichler stellt in seinem Syllabus 1886 Cunninghamia mit Benth. et Hook, zu den
Araucarieen, 1887 in den „Natürlichen Pflanzenfamilien von Engler & Prantl", nach dem
Vorgange Pariatores, zu den Taxodieen, bemerkt aber, daß Cunninghamia den Übergang zu
den Araucarieen bilde. In Engler, „Syllabus der Pflanzenfamilien," ist sie ebenfalls bei den
Taxodieen eingereiht, während Masters sie zu den Araucarieen stellt. Ich folge hier letzterem
Autor, da doch Cunninghamia auch in Wuchs, Beaslung und Belaubung so ganz den Charakter
der Araucarieen trägt, zumal derer aus der Sektion Columbea, und z. B, der Araucaria brasi-
liensis so ähnlich ist, daß gewiß mancher weniger Bewanderte beide miteinander verwechseln würde.
1*
Gymnospermae.
Pseudotsuga Carr. (Abietia Kent.). Douglastanne.
Abies Lk. Tanne, Weißtanne, Edeltanne.
Keteleeria Carr. (Abietia Kent.). Keteleers Tanne.
Picea Lk. Fichte, Rottanne.
Sektion I. Eupicea Willk.
„ II. Omorica Willk.
Pseudolarix Gord. (Laricopsis Kent.). Goldlärche.
Larix Lk. Lärche.
Cedrus Lk. Ceder.
Pinus L. Kiefer.
Sektion I. Haploxylon (nach Koehne). Blätter mit einfachem Ge-
fäßbündel im Zentralstrang.
1. Subsektion. Cembra Pariatore.
1. Gruppe. Strobus Spach.
2. „ Eucembra.
2. Subsektion. Paracembra.
1. Gruppe. Balfouria Mayr.
2. „ Parrya Mayr.
Sektion II. Diploxylon (nach Koehne). Blätter mit doppeltem
Gefäßbündel.
3. Subsektion. Pseudostrobus Mayr.
4. „ Taeda Mayr.
5. „ Murraya Mayr.
6. „ Pinea Koehne.
3. Unterfamilie: Taxodieae. Eibencypressen.
Sciadopitys Sieb, et Zucc. Schirmtanne.
Athrotaxis Don. Tasmanische Cypresse.
Sequoia Endl. (einschl. Wellingtonia Lindl.). Sequoie.
Taxodium Rieh, (einschl. Glyptostrobus Endl.). Sumpfcypresse.
Cryptomeria Don. Cryptomerie.
Taiwania Hayata. Taiwanie (vorbehaltlich eingehender Untersuchung
hier eingereiht).
4. Unterfamilie: Cupressineae. Cypressengewächse.
Sektion I. Actinostrobeae.
Actinostrobus Miq. Strahlenzapfen.
Callitris Vent. Schmuckcypresse.
1. Untergattung. Frenela Mirb. Australische Cypresse.
2. „ Widdringtonia Endl. Afrikanische Cypresse.
Fitzroya Hook. fil. (einschl. Diselma Hook. fil.). Alercebaum.
Sektion II. Thuyopsideae.
Thuyopsis Sieb, et Zucc. Hiba.
Libocedrus Endl. (einschl. Heyderia K. Koch). Flußceder.
Thuya Tourn. L. Lebensbaum.
1. Subsektion. Euthuya Benth. et Hook. Echte Lebensbäume.
2. „ Macrothuya Benth. et Hook. Riesenlebensbäume.
Biota Endl. Orientalischer Lebensbaum.
Sektion III. Cupresseae.
Chamaecyparis Spach. Lebensbaumcypresse.
Cupressus Tourn. Echte Cypresse.
Coniferae.
Sektion IV. Junipereae.
Juniperus L. Wacholder.
1. Subsektion. Sabina Endl. Sadebäume.
2. „ Oxycedrus Endl. Echte Wacholder.
3. „ Caryocedrus Endl. Pflaumen- Wacholder.
III. Klasse. Gnetales.
Familie Gnetaceae. Meerträubelfamilie.
1. Unterfamilie: Ephedroideae.
Ephedra L. Meerträubel.
Sektion I. Alatae Stapf.
1. Subsektion. Tropidolepides Stapf.
2. ,, Habrolepides Stapf.
Sektion IL Asarca Stapf.
1. Subsektion. Asarca Stapf.
Sektion III. Pseudobaccatae Stapf.
1. Subsektion. Scandentes Stapf.
2. „ Pachycladae Stapf.
3. „ Leptocladae Stapf.
4. „ Antisyphiliticae Stapf.
2. Unterfamilie: Tumbooideae.
Welwitschia Hook. fil. Toumboa Naudin.
3. Unterfamilie: Gnetoideae.
Gnetum Forsk. L.
Erster Teil.
Systematik aller bekannten Ginkgoaceen,
Coniferen und Gnetaceen.
i
Übersicht der Klassen, Familien und Gattungen.
I. Klasse. Ginkgoales.
Familie Ginkgoaceae. Ginkgogewächse.
Gingko L. Kaempf. Ginkgobaum.
Weibliche Kätzchen oder beschuppte Knospen einblütig. Samenschuppe
lang gestielt, an der Spitze kurz, zwei bis mehrteilig, mit ausgebreiteten Lappen
in einem Ringe oder kurzem Näpfchen dem Samen angewachsen. Antheren-
fächer zwei, hängend. Blätter gestielt, fast fächerförmig eingeschnitten.
Großer, zweihäusiger Baum mit abfallenden Blättern. Samen steinfrucht-
artig eirund-kugelig, im ersten Jahre reifend.
Eine Art aus China.
Linn., Mant. II, 313, 314 (1771); Thunb., Fl. Jap. 358 (1784).
Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 506 (1868); Van Tiegh. in Ann. Sc. Nat.
ser. 5, X, 276; L. C. Rieh., Conif. 133, t. 3 et 3 bis; Sieb, et Zucc, Fl. Jap.
t. 136; V^ats., Dendr. Brit. t. 168; (SaHsburia) Salisburia Sm. in Trans. III, 330;
Loudon, Arb. et Frut. Brit. IV, 2094 (1838); Endl., Syn. Conif. 236; Gord.,
Pin. 298; Carr., Conif. 711; Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 432 (1880);
Koehne, Dendr. 2 (1893); Mast, in Journ. Linn., Soc. XXX, 3 (1893); Veitch,
Man. of the Conif. by Kent. 107 (1900); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl.
Pflf. II, S. 108 (1887); C. Koch, Dendr. II, 107; Henk. u. Höchst, Syn. d.
Nadelh. 373.
IL Klasse. Coniferae. Zapfenträger, Nadelhölzer.
Familie Taxaceae. Eibenfamilie.
1. Unterfamilie: Podocarpeae. Steineiben.
Schuppen des weiblichen Kätzchens sehr wenige oder mehrere, oft
fleischig, spiralförmig zusammengedrängt. Eichen eins, von der Spitze der
Schuppe oder der Samenschuppe her umgewendet. Samenschuppe sitzend
oder gestielt, bald dem Ei, bald der Schuppe angewachsen. Antherenfächer
zwei, dicht anstehend angewachsen. Pollen mit Flugblasen.
10 Erster Teil. Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnetaceen.
Microcachrys Hook. fil. Kleinfrüchtige Eibe.
Weibliches Kätzchen klein, mit halbkugeligen, mehrreihigen Schuppen.
Eichen von der Spitze der Schuppe her umgewendet, Samenschuppe zweifel-
haft. Zapfen klein, fast kugelig, reif scharlachrot, fleischig-saftig, maulbeeren-
förmig.
Immergrüner, zweihäusiger, kriechender, verzweigter Strauch. Blätter
klein, gegenständig, kreuzständig-dachziegelig.
Eine Art aus den Gebirgen Tasmaniens.
Hook. fil. in Lond. Journ. Bot. IV, 149 (1845); Endl., Syn. Conif. 227
ri847); Benth., Fl. austr. VI, 240; Hook., Ic. PI. t. 250; Bot. Mag. t. 5576 (1866);
Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 433 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl.
Pflf. II, S. 103 und 104, mit Abbild.; Carr., Conif. 2. ed., p. 687; Henk. u.
Höchst., Syn. d. Nadelh., S. 408; Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 10 (1893);
Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 161 (1900).
Saxegothaea Lindl. Mahin oder Patagonische Eibe.
Weibliches Kätzchen fast kugelig, mit wenigreihigen, dachziegeligen
Schuppen. Eichen eins, umgewendet. Samenschuppe fleischig, der Bractee
angewachsen, bald stark angeschwollen. Zapfen an den Spitzen der Bracteen
weichstachelig, kugelig, dickfleischig, mit dicklichen, fast verwachsenen Schuppen.
Immergrüner, einhäusiger Baum. Blätter lineal zerstreut oder zweireihig
abstehend.
Eine Art aus den Wäldern Süd-Chiles und den Anden Patagoniens.
Lindl. in Journ. Hort. Soc. Lond. VI, 258 (1851); Pari, in D. C. Prod. XVI,
II, 497; C. Gay, Fl. Chil. V, 411; Carr., Conif. 684; Gord., Pin. 300; Henk,
u. Höchst, Nadelh. 409; Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 434 (1881); Mast.
in Journ. Linn. Soc. XXX, 10 (1893); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 158
(1900), cum ic; Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 103 (1887).
Podocarpus L'Her. (inkl. Prumnopitys Phil.). Steineibe, Fußfrucht.
Weibliche Kätzchen ein- bis zweiblütig. Schuppen wenige, dem Stiele
angewachsen, mit diesem oft fleischig. Samenschuppe aus der Schuppe
hervorragend, mehr oder weniger gestielt, das umgewendete Eichen ein-
schließend und demselben angewachsen.
Immergrüne, zweihäusige, seltener einhäusige Bäume, seltener Sträucher,
durch die Blätter in mehrere Sektionen geteilt. Blüten achsel- oder endständig.
Gegen vierzig gut bekannte Arten in außertropischen Regionen
der südHchen Erdhälfte und im tropischen, bergigen und östlichen Asien
häufig, auch im tropischen Afrika, im bergigen Amerika weniger; in Europa,
dem westUchen Asien, Nordafrika und Nordamerika fehlen sie.
L'Herit, M. S. (1788) nov. gen.; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 507; Brogn.
et Gris. in Bull. Soc. Bot. Fr. XIII, 425, XVI, 325; Benth., Fl. Austral. VI, 246;
Rieh., Conif. 124; Endl., Syn. Conif. 206; R. Br. in Horsf. Plant. Jav. Rar. 35;
Carr., Conif. 643; Gord., Pin. 268; C. Koch., Dendr. II, 105; Henk. u. Höchst.,
Nadelh. 377; Nageia Gaertn. de fruct. I, 191; Gord., Pin. 135; Carr., Conif. 635;
Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 434 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl.
Pflf. II, S. 104 (1887); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 9 (1893); Veitch,
Man. of the Conif. by Kent. 147 (1900).
II. Klasse. Coniferae. H
Sektion I. Nageia Gaertn. (als Gattung). Blätter an den Haupttrieben
spiralig gestellt, an den Seitenzweigen gegenständig, laubblattartig verbreitert,
lanzettlich, lineal oder säbelförmig, in einen Stiel verschmälert, mit deutlichem
Mittelnerv, parallel und gegabelt vielnervig. Mehrere Fruchtschuppen in einen
Fruchtboden verwachsen, meist nur eins der obersten fruchtbar, mit einem
den Fruchtboden überragenden Samen.
Sektion II. Eupodocarpus Endl. Blätter alle zerstreut stehend,
lanzettlich-lineal, nur mit einem Mittelnerven, alles Andere wie bei Nageia.
Sektion III. Stachyearpus Endl. Blätter abwechselnd oder meist zwei-
zeilig, mit nur einem Mittelnerv. Weibliche Blüten ährenförmig, männliche
Ähren bildend. Samen der Fruchtschuppe etwas angewachsen, reif pflaumen-
artig; Fruchtboden kaum vergrößert. (Nach Bentham und Hook er gehört
in diese Sektion die Gattung Prumnopitys Phil.)
Sektion IV. Dacrycarpus Endl. Blätter spiralig, an den Spitzen und
fruchtbaren Trieben klein, mehr oder minder schuppenförmig zerstreut, an
unfruchtbaren Seitenzweigen zweizeilig gestellt, lineal. Blüten einzeln end-
ständig, weibliche mit 2 bis 3 Fruchtschuppen, von denen meist nur eine
fruchtbar, welche alsdann mit dem Samen verwachsen; Fruchtboden wenig
entwickelt.
Dacrydium Sol. Harzeibe
(inkl. Lepidothamnus Phil, und Pherosphaera Arch. in Hook. Kew. Journ. II, 52).
Weibliche Ähren ein- bis sechsblütig, Samenschuppe breit, hohl oder
schalenförmig, seitlich immer offen, bald die Schuppe schief überragend, mit
freiem Samen. Antherenfächer zwei, kugelig dicht anstehend.
Immergrüne, zwei-, selten einhäusige Bäume und Sträucher. Blätter klein,
zahlreich, spiralig dicht gedrängt, schmal oder borstenförmig. Samen eirund,
aufrecht oder halb umgewendet, in dünner, fast fleischiger Hülle, im zweiten
Jahre reifend.
Zwölf Arten, im Malaiischen Archipel, den Inseln des Großen Ozeans,
Neu-Kaledonien, Neuseeland, Tasmanien und Chile einheimisch.
Solander in Forsters Plant, escul. 80 (1786); Endl., Syn. Conif. 224 (1847);
Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 494; Lamb., Pin. t. 41, ed. min. t. 69; L. C. Rieh.,
Conif. t. 2; Forb., Pin. Wob. t. 67; Blume, Rumph. III, t. 172; Hook., Lond.
Journ. II, t. 2, IV, t. 6; Ic. PI. t. 544, 548, 815, 1218, 1219; Hook, fil., Fl. Tasm.
t. 100; A. Kirk. in Trans. New-Zeal. Inst. X, 383, t. 18—20; Brongn. et Gris.
in Bull. Soc. Bot. Fr. XVI, 328 et in Nouv. Arch. Mus. Par. IV, 5, t. 2; Carr.,
Conif. 690; Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 433 (1881); Eichl. in Engl. u.
Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 106 (1887); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 8 (1893);
Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 144 (1900).
2. rnterfamilie: Taxeae. Eibengewächse.
Schuppen des weiblichen Kätzchens dachziegelförmig, alle, ausgenommen
die endständigen, unfruchtbar oder mehrere fruchtbar. Samenschuppe von der
Bractee frei, sitzend oder lang gestielt, an der Spitze vollkommen oder un-
vollkommen ringförmig oder gebechert, oder das Eichen einhüllend. Eichen
auf der Schuppe oder in jeder Abteilung der Schuppe eins, aufrecht oder nach
der Blüte schief.
12 Erster Teil. Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnetaceen.
Samenlappen zwei, bei einzelnen Gattungen bei der Keimung über, bei
anderen unter der Erde.
Phyllocladus Rieh. Blatteibe.
Weibliche Kätzchen klein, mehrblütig. Samenschuppe zuerst ringförmig,
darauf becherförmig dem Samen angedrückt. Antherenfächer zwei, dicht an-
einander stehend. Zapfen oft fleischig, bald klein, einsamig, bald kugelig oder
eirund, mehrsamig.
Immergrüne, ein- oder zweihäusige Bäume und Sträucher. An den
Langtrieben Blätter klein, schuppenförmig, manchmal gänzlich fehlschlagend.
Kurztriebe blattähnlich, lederartig, ausgebreitet fast fächerförmig.
Drei Arten, Bewohner Tasmaniens, Neuseelands und der Insel Borneo.
L. C. Rieh., Syn. Conif. 129, t. 3; Hook, fil, Fl. New-Zeal. t. 53; Hook.,
Ic. PI. 549, 551, 889; Endl., Syn. Conif. 234; Carr., Conif. 704; Pari, in D. C.
Prod. XVI, II, 498; Henk. u. Höchst., Syn. d. Nadelh. 370; Benth. et Hook.,
Gen. Plant. III, 432 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. 11, 108; Mast,
in Journ. Linn. Soc. XXX, 7 (1893); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 121
(1900).
Torreya Arn. Torreye.
Weibliches Kätzchen einblütig. Samenschuppe zuerst becherartig, darauf
das Ovarium einschließend, dann dem Samen fest angewachsen. Samenkern
gefurcht oder tief zerklüftet. Die Antherenfächer im Halbkreis verwachsen.
Immergrüne, zweihäusige Bäume. Blätter fast spiralig angeheftet, zwei-
reihig abstehend, sehr kurz gestielt, lineal, flach mit stechender Spitze. Samen
im zweiten Jahre reifend.
Vier Arten, zwei Bewohner Nord-Amerikas, zwei Japans und Nord-
Chinas.
Arn. in Ann. Nat. Hist. I, 130; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 504; Hook.,
Ic. PL t. 232, 233; Bot. Mag. t. 4780; Sieb, et Zucc, FL Jap. t. 129; Nutt.,
N.-Am. Sylv. t. 109; Newb., PL Williams. Exp. 62, cumic; EndL, Syn. ConiL
240; Gord., Pin. 326; Koch, Dendr. II, 97; Carr., Conif. 723; Benth. et Hook.,
Gen. Plant. III, 431 (1881); Mayr, Wald. N.-Am. 197, 273 (1890); Eichl. in
Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, 111; Zucc. msc, Henk. u. Höchst., Nadelh.
365 (Caryotaxus); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 5 (1893); Koehne, Dendr.
3 (1893); (Tumion) Rafinesque, Amenit. of Nat. 63 (1840), ex Sargent, Sylv.
N.-Am. X, 55 (1896), et Sargent, Man. of the Trees of N.-Am. 97 (1905);
Veitch, Man. of the ConiL by Kent. 116 (1900).
Taxus Tourn. Eibe.
Weibliches Kätzchen einblumig. Samenschuppe zuerst ringförmig, bald
darauf gebechert, fleischig, dann beerenförmig den Samen einschließend, aber
nicht demselben angewachsen, an der Spitze offen. Die Staubblätter nach
dem Aufblühen schirmförmig, Fächer im Kreise verwachsen.
Immergrüne, zweihäusige, selten einhäusige Bäume, seltener Sträucher.
Blätter fast spiralig angeheftet, meistens zweireihig abstehend, sehr kurz gestielt,
lineal flach, oft sichelförmig. Samen im ersten Jahre reifend.
Arten je nach den Autoren 2 — 8, von manchen zu einer Art vereinigt,
durch die temperierten Regionen der nördlichen Halbkugel weit verbreitet.
II. Klasse. Coniferae. 13
Linn., Sp. Plant. II, 1040 (1753); Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 499; L.
C. Rieh., Conif. 131, t. 2; Zucc. in Abhandl. Bayer. Acad. München III, 803,
t. 5; Nees, Gen. PI. Germ. Monochl n. 14; Rchb., Ic. Fl. Germ. t. 538; Wall.,
Tent. Fl. Nap. t. 44; Sieb, et Zucc, Fl. Jap. t. 128; Nutt, N.-Am. Sylv. t. 108;
Endl, Syn. Conif. 242; Carr., Conif. 729; Gord., Pin. 310; Koch, Dendr. II,
90; Henk. u. Höchst, Syn. d. Nadelh. 352; Benth. et Hook., Gen. Plant. III,
431 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, 112; Willkomm., Forstl.
Flora 270 (1887); Mayr, Wald. N.-Am. 344 (1890); Koehne, Dendr. 3 (1893);
Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 7 (1893); Veitch, Man. of the Conif. by
Kent. 124 (1900); Sargent, Man. of the Trees of N.-Am. 99 (1905).
3. Unterfamilie: Cephalotaxeae. Kopfeibengewächse.
Fruchtblätter in gekreuzten Paaren mit je 2 Samen.
Cephalotaxiis Sieb, et Zucc. Kopfeibe.
Die Samenschuppe ist klein, mit der Bractee nach der Fruchtreife kaum
vergrößert, Eichen 2. Samen groß, steinfruchtförmig, aus der Schuppe lang
hervorragend, im ersten Jahre reifend.
Immergrüne, zweihäusige (auch einhäusig beobachtete) Bäume. Blätter
abwechselnd, fast spiralig angeheftet, zweireihig abstehend, sehr kurz gestielt,
lineal flach, denen des Taxus sehr ähnlich.
Fünf bis sechs Arten, nach den Autoren aus Japan, China und Ost-
Himalaya, die einander sehr ähnlich und teils vielleicht nur Varietäten einer
Art sind.
Sieb, et Zucc, Fl. Jap. Fam. Nat. II, 108 (1842); Pari, in D. C. Prod. XVI,
II, 502; Forb., Pin. Wob. t. 66; (Taxus) Bot. Mag. t. 4499; Sieb, et Zucc. in
Endl. Gen. PI. Suppl. II et Syn. Conif. 237; Carr., Conif. 715; Gord., Pin. 44;
C. Koch, Dendr. II, 102; Henk. u. Höchst, Syn. d. Nadelh. 361; Benth. et
Hook., Gen. Plant. III, 430 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II,
109 (1887); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 4 (1893); Koehne, Dendr. 3 (1893);
Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 111 (1900).
Familie Pinaceae. Tannenfamilie.
1. XJnterfamilie: Araucarieae. Schmucktanne.
Schuppen des weiblichen Kätzchens sehr zahlreich, mehrreihig, spiral-
förmig, dachziegelig, der Beschaffenheit nach einfach, die Samenschuppe der
Bractee eng angewachsen. Eichen 1—3, in der Mitte oder unterhalb der
Mitte der Schuppe beiderseits anliegend, umgewendet. Samen ungeflügelt
oder seitlich geflügelt, nicht ein unechter, flügelfruchtartiger Flügel.
Samenschuppe dünn, an der Spitze in eine wenig hervorragende
Linie oder ein kleines Spitzchen endigend.
Cunninghamia R. Br. Cunninghamie oder Spießtanne.
Antherenfächer 2 — 4, Samenschuppe viel kürzer als die Schuppe. Eichen 3.
Samen von einem schmalen Flügel umgeben, im ersten Jahre reifend.
14 Erster Teil. Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnetaceen.
Immergrüne, einhäusiger Bäume. Blätter schief spiralig angeheftet, fast
zweireihig abstehend, lineal-lanzettlich, oft gebogen, glänzend, sehr spitz, an
der Basis herablaufend.
Zwei Arten, eine Art, Bewohnerin Südchinas, in Japan kultiviert, eine
Art auf Formosa entdeckt.
R. Br. in Rieh. Conif. 149; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 432; Lamb.,
Pin. t. 34 ed. min. t. 53 (Pinus); Forb., Pin. Wob. t. 57; Sieb, et Zucc,
Fl. Jap. II, t. 103, 104; Bot. Mag. t. 2743; Endl., Syn. Conif. 192; Carr.,
Conif. 227; Gord., Pin. 54; Henk. u. Höchst., Syn. d. Nadelh. 217; Benth.
et Hook., Gen. Plant. III, 435; Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II,
S. 85; Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 25 (1893); Veitch, Man. of the Conif.
by Kent. 291 (1900); Hayata in Tokyo Bot. Mag. XIX, p. 43—60 (1907);
Gard., Chron. 1908, p. 194 (für die Art auf Formosa). — BeHs Salisb. in
Trans. Linn. Soc. VIII, 315; C. Koch, Dendr. II, 202. Der Name Belis wurde
zugunsten des von R. Brown und Richard gegebenen, wegen der großen
Ähnlichkeit im Klange mit Bellis verworfen.
Agathis^) Salisb. (Dammara Lamb.). Dammaratanne.
Antherenfächer fünf bis mehr, Samenschuppe viel kürzer als die Schuppe.
Eichen eins, selten zwei. Samen einseitig oder doppelt breit geflügelt. Zapfen
kugelig, mit breiten, eng anliegenden, später aufspringenden Schuppen. Samen
im zweiten Jahre reifend.
Immergrüne, zwei-, selten einhäusige, hohe, harzliefernde Bäume mit
eirund-länglichen oder lanzettlichen, dick lederartigen Blättern.
A. Dammara Rieh. (Dammara orientalis Lamb., D. alba Rumph.) liefert
das Dammaraharz, Agathis australis Salisb. (Dammara austrahs Lamb.), die
Kaurifichte, das aromatisch duftende und schmeckende Kaurikopal.
Acht bis zehn beschriebene Arten heimisch im Malaiischen Archipel,
den Inseln des Großen Ozeans, Neu-Kaledonien, Neuseeland, Australien.
Dammara Rumph. Herb, amboin. II, 174; Pari, in D. C. Prod. XVI, II,
374; Lamb., Pin. ed. II, 70; Endl., ConiL 188; Hook, fil., Fl. of New-Zeal. 231;
Forb., Pin. Wob. t. 58, 59; Carr., Conif. 647; Gord., Pin. 77; Henk. u. Höchst,
Nadelh. 209; Agathis Salisb. Linn. Trans. VIII, 311; Rieh., Conif. 151, t. 19;
Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 436 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl.
Pflf. II, S. 66; Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 25 (1893); Veitch, Man. of the
Conif. by Kent. 293 (1900).
Araucaria Juss. Schmucktanne.
Antherenfächer sechs bis mehr, Samenschuppe kaum kürzer als die
Schuppe. Eichen eins. Der Samen der Schuppe angewachsen, beiderseits
geflügelt oder ungeflügelt.
Zwei-, seltener einhäusige, hohe, immergrüne Bäume. Blätter lederartig,
spiralig vielreihig angeheftet, bald schuppenförmig, locker dachziegelig, die
Zweige allerseits bedeckend, bald lanzettlich, länglich, dolchartig spitz abstehend,
bei einigen Arten biform. Samen im zweiten Jahre reifend.
1) Nach Eichler (in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf.) hat Agathis Salisb. als älterer Name
vor Dammara Lamb. den Vorzug. Hook er stimmt dem zu und sagt, daß Rumphius unter
seiner Dammara nicht nur diesen Baum, sondern im allgemeinen harzliefernde Bäume verstand.
II. Klasse, Coniferae. 15
Zehn bekannte Arten, Bewohner Südamerikas, Australiens, Neu-
Kaledoniens und der Inseln des südlichen Großen Ozeans.
Juss., Gen. Plant. 413 ri789); Endl., Synops. Conif. 184 (1847); Pari, in
D. C. Prod. XVI, II, 369; L. C. Rieh., Conif. t. 20, 21; Lamb., Pin. t. 39, 40
(Dombeya), II, t. 4, 5. ed. min. t. 56—62; Forb, Pin. Wob. t. 50—60; Hook.,
Lond. Journ. II, t. 18; Bot. Mag. t. 4635; ic. in Fl. des Serres t. 733, Fl. des
Serres t. 1577, 1580, 2221; Sieb., Fl. Jap. t. 138—140; Brongn. et Gris. in Nouv.
Arch. Mus. Par. VII, 205, t. 13—16; Eichl. in Mart. Fl. Bras. IV, I, 123, t. HO
bis 112; Carr., Conif. 595; Gord., Pin. 21; C. Koch, Dendr. II, 204; Henk,
u. Höchst., Nadelh. 2; Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 437 (1881); Eichl. in
Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 67; Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 26
(1893); Koehne, Dendr. 8 (1893); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 294 (1900).
Von den Autoren in zwei Sektionen geteilt:
Sektion I. Columbea Salisb., amerikanische Arten mit nicht oder kaum
geflügelten Schuppen, mit zwei Kotyledonen und unterirdischer Keimung.
Columbea Salisb. in Trans. Linn. Soc. VIII, 317.
Sektion II. Eutacta Lk. (Eutassa Salisb.), Arten der alten Welt mit an
der Basis seitlich geflügelten Schuppen, mit vier Kotyledonen und ober-
irdischer Keimung. Altingia, Loud. Hort. Brit. 403, non Nor. Eutassa
Salisb. in Trans. Linn. Soc. VIII, 316. Eutacta Lk. in Linn. XV, 543. Die
Kotyledonen ändern sich jedoch in der Zahl bei derselben Art. Keimung bei
Araucaria Bidwillii sicher unterirdisch. Blätter der meisten Arten der alten
Welt kurz, stumpf und dachziegelig, aber bei A. Bidwillii aus Australien und
A. MüUeri aus Neu-Kaledonien lanzettlich und spitz, fast wie bei A. brasiliensis.
Bentham'und Hooker sagen: „Wir sind unsicher, ob die Flügel der
Schuppen bei der Sektion Eutacta zur Schuppe selbst (Samenschuppe) oder
vielmehr zur Samenschale gehören".
2. Unterfamilie: Abietineae. Tannengewächse.
Schuppen des weiblichen Kätzchens doppelt. Samenschuppe von der
Bractee frei oder nur der Basis angewachsen, erst sehr vergrößert, im Zapfen
oft allein sichtbar. Eichen zwei umgewendet, nahe der Basis der Schuppe
angeheftet. Samen mit unechtem Flügel (von der inneren Lage, der Schuppe
abgelöst) flügelfruchtartig, selten mit abfallendem oder kaum entwickeltem
Flügel, entblößt oder nackt.
Tsuga Carr. Hemlockstanne, Schierlingstanne.
Blätter auf einem bleibenden Blattkissen, mit einem besonderen, knie-
förmig gebogenen Stiele befestigt, breit und flach, meist am Rande sehr fein
gesägt und unterseits mit Spaltöffnungen versehen, mit einem Harzgang im
Kiel. Männliche Blüten in den Achseln einzeln, Pollenkörner scheibenförmig,
öfter ohne Flugblasen. Deckblätter des weiblichen Kätzchens kleiner als die
Schuppen. Zapfen klein, hängend, mit bleibenden Schuppen, Samen mit Harz-
bläschen. Bei • einer Art Blätter schmäler, beiderseits gekielt und mit Spalt-
öffnungslinien. Pollenkörner zweilappig, Zapfen bis dreimal größer als bei
den andern Arten. Samen im ersten Jahre reifend.
Immergrüne, sehr verästelte, einhäusige Bäume.
\Q Erster Teil. Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnetaceen.
Neun Arten, von denen fünf aus Asien, vier aus Nordamerika stammen.
Carr., Conif. 245; Endl., Conif. p. 83 (Sapini Sect); Pari, in D. C. Prod.
XVI, II, 427 (Piai Sect.); Engelm., Bot. of Calif. II, 120; Lamb., Pin. t. 32 ed.
min. t. 45—47 (Pinus); Sieb, et Zucc, Fl. Jap. t. 106 (Abies); Wall., PL As.
rar. t. 247 (Pinus); Nutt., N.-Am. Sylv. t. 116; Newb., Bot. Williams Exp.
t. 7; C. Koch, Dendr. II, 248 (Subgenus); Henk. u. Höchst, Nadelh. 148
rSect. I von Abies); Spach., Hist. veg. phan. XI, 424 (Sapinus Sect. Micro-
peuce); Coulters Bot. Gaz. VI, 223; Chapman, Fl. S. States Suppl. 650; Maxim.,
Mel. Biol. VI, p. 373; Franch. et Savat, Enum PI. Japon. ; Benth. et Hook.,
Gen. Plant. III, 440 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 80;
Willkomm., Forstl. Flora S. 102 (1887); Mayr, Wald. N.-Am. 195 etc. (1890)
u. Abietin. d. jap. Reichs 59 (1890); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 28 (1893);
Koehne, Dendr. 10 (1893); Sargent, Sylv. N.-Am. XII, 73 (1898) et Man. of
the Trees of N.-Am. 47 (1905); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 457 (1900).
Sektion I. Eutsuga Engelm. Echte Hemlockstanne. Blätter flach,
stumpf, meist am Rande sehr fein gesägt, nur auf der Unterseite mit Spalt-
öffnungslinienversehen. Pollenkörner scheibenförmig, Zapfen klein, 2— 3 cm lang.
Sektion II. Hesperopeuce Engelm. Blätter sehr konvex, auch oben
gekielt, spitzlich, beiderseits mit Spaltöffnungslinien. Pollenkörner zweilappig,
Zapfen groß, bis 7^/« cm lang.
Pseudoisuga Carr. Douglastanne, Douglasfichte.
Knospen spitz, glänzend braun. Blätter flach, an der Basis kurz stielartig
verschmälert, ohne auffallende Verbreiterung auf einem wenig hervortretenden
Blattkissen, mit zweiseitlichen Harzgängen. Pollenkörner ohne Flugblasen.
Schuppen des hängenden, 5 bis über 10 cm langen Zapfens bleibend. Die drei-
spitzige Bractee die Schuppe weit überragend. Samen ohne Harzbläschen, im
ersten Jahre reifend.
Hoher, pyramidaler, immergrüner, einhäusiger Baum.
Drei Arten, zwei in den westlichen Gebirgen Nordamerikas von Mexiko
bis Oregon verbreitet, eine in Japan.
Carr., Conif. 254 et in Rev. Hort. 1868, 152 c. ic; Pari, in D. C. Prod.
XVI, II, 430 (PiniSect. Tsuga); Spach., Hist. veg. phan. XI, 423 (Peucoides);
Link in Linn. XV, 524 (1841) (Picea); Endl., Syn. Conif. 87 (Pinus); Engelm.,
Bot. Calif. II, 119; Forb., Pin. Wob. t. 45; Nutt., N.-Am. Sylv. t. 115 (Abies);
Hook., Flor. bor. Am. t. 183 (Pinus); Newb., Bot. Williams Exp. t. 8; C. Koch,
Dendr. II, 255 (Abies); Henk. u. Höchst., Nadelh. 155 (Abies); Benth. et Hook.,
Gen. Plant. III, 441 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 80
(Tsuga Sect. Pseudotsuga); Willkomm., Forstl. Flora S. 103 (1887); Mayr,
Wald. N.-Am. 290 (1890); Koehne, Dendr. 8 (1893); Mast, in Journ. Linn.
Soc. XXX (1893); Shirasawa, Tokio, Bot. Mag. 1894; Sargent, Sylv. N.-Am.
XII, 87, t. 607 (1898) et Man. of the Trees N.-Am. 52 (1905); Veitch, Man.
of the Conif. by Kent. 474 (1900) (Abietia).
Abies Lk. Tanne, Weißtanne, Edeltanne.
Blätter spiralig zerstreut, mehr oder minder deutlich zweizeilig, auf einem
kaum bemerkbaren Blattkissen mit verbreiterter, rundlicher Basis sitzend, über
der Basis oft stielartig verschmälert oder gedreht, oberseits meist gerinnt,
IL Klasse, Coniferae. |7
Linterseits mit weißlichen Spaltöffnungslinien, mit 2, selten 1 Gefäßbündel im
Zentralstrang; Harzgänge 2, selten 4. Männliche Blüten in den Achseln
einzeln^ durch das Mittelband der Antheren über die Fächer hinaus genabelt
oder kaum hervorragend. Pollenkörner mit Flugblasen. Schuppen des
aufrechten Zapfens mit den Samen bei der Reife von der stehen-
bleibenden Spindel abfallend. Bractee kürzer als die Schuppe oder
dieselbe oft weit überragend. Samen mit Harzbläschen, im ersten Jahre
reifend.
Große, pyramidale, immergrüne, einhäusige Bäume.
Dreiunddreißig Arten, hauptsächlich durch die außertropischen,
bergigen Regionen der nördlichen Halbkugel weit zerstreut.
Link in Abhandl. d. Akad. d. Wissensch. Berl. 1827, 181; Picea Don.
in Loud. Arb. Brit. IV, 2293; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 418 (Pini Sect);
Engelm., Bot. Calif. II, 117; L. C. Rieh., Conif. t. 16, 17; Lamb., Pin. t. 30, 31;
IL t. 2 ed. min. t. 40-44; Forb., Pin. Wob. t. 37—44; Nees, Gen. Fl. Germ.
Monochl. n. 8; Reich., Ic. Fl. Germ. t. 533; Boiss. Voy. Exp. t. 167—169; Fl.
des Serres t. 1437; Ledeb., Ic. Fl. Ross. t. 500; Sieb, et Zucc, Fl. jap. t. 107
bis HO; Nutt., N.-Am. Sylv. III, t. 117—119; Newb., Bot. Will. Exp. t. 6;
Carr., Conif. 265; C. Koch, Dendr. II, 208 (Picea Don.); Henk. u. Höchst,
Nadelh. 157; Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 441 (1881); Eichl. in Engl. u.
Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 81; Willkomm., Forstl. Flora S. 106; Mayr, Wald. N.-Am.
217 etc. (1890) u. Abietin. d. jap. Reichs '31 (1890); Koehne, Dendr. 13 (1893);
Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 34 (1893); Sargent, Sylv. N.-Am. XII, 125
(1898) et Man. of the Trees N.-Am. 55 (1905); Veitch, Man. of the Conif. by
Kent. 486 (1900).
Keteleeria Carr. Keteleers Tanne.
Blätter sitzend, zerstreut, weitstehend, steif, lineal, flach, an unfrucht-
baren Zweigen öfter dolchartig, scharf gespitzt, an fruchtbaren mehr stumpf,
unterseits blaßgrün, ohne deutliche weiße Spaltöffnungslinien. Männliche
Blüten ähnlich denen von Pseudolarix, doldenständig; jeder Blüten-
stand trägt 9 — 10 etwa 1 cm lange Blüten. Zapfen mit großen, leder-
artig holzigen, bleibenden Schuppen. Bractee halb so lang als die
Schuppe, großer Samen mit über die Schuppen etwas vorsehendem Flügel,
im ersten Jahre reifend.
Große, immergrüne, einhäusige Bäume, im Alter öfter mit breiter, der
Libanon-Ceder ähnlicher Krone.
Fünf Arten bekannt, bisher nur in China beobachtet.
Carr., Rev. hört. 1866, 449 (cum ic); Carr., Conif. 260; Pari, in D. C.
Prod. XVI, II, 430 (Tsuga Pini Sect.); C. Koch, Dendr. II, 231 (Picea Don.);
Abies Lindl. in Faxt. Flow. Gard. 1850, p. 43; A. Murr. fil. the Pines and Firs
of Jap. p. 49; Henk. u. Höchst, Nadelh. 183; Hance in Journ. of Bot XX (1882),
p. 32; Gord., Pin. ed. 2, p. 27; Mast in Journ. Linn. Soc. vol. XVIII, p. 522
et in Gard. Chron. 1884 u. 1866 cum ic; Mast, in Linn. Soc Journ. Botany vol.
XXII, S. 197 cum ic. 1886; Pirotta in Bull. d. R. Soc. tose d. orticult. 1887,
p. 269; Gard. Chron. 1887, No. 52; Mayr, Abietin. d. jap. Reichs 99 (1890);
Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 485 (1900) (Abietia); Mast., Ind. Flor. sin.
Journ. Linn. Soc. Bot. XXVI et Gard. Chron. 1903, p. 194.
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl.. 2
Ig Erster Teil. Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnetaceen.
Picea Lk. Fichte, Rottanne.
Blätter zerstreut, bleibend, auf einem mehr oder weniger höckerförmig
hervorragenden Blattkissen sitzend, entweder viereckig steif, oder flacher
tannenähnlich, mit zwei Harzgängen, von denen einer oder beide fehlen
können. Männliche Blüten einzeln in den Achseln, durch das Mittelband der
Antheren in ein schuppenförmiges Anhängsel verlängert. Pollenkörner mit
Flugblasen. Schuppen des hängenden Zapfens bleibend, Bracteen
klein oder verkümmert. Samen im ersten Jahre reifend, ohne Harzbläschen.
Große, immergrüne, einhäusige Bäume.
Sechsundzwanzig Arten. Bewohner der außertropischen Regionen
der nördlichen Halbkugel.
Link in Abhandl. Akad. Wiss. Berlin 1827, 179; Abies Don. in Loud.
Arb. Brit. IV, 2329; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 413 (Pini Sect.); Engelm.,
Bot. Calif. II, 121; Nees, Gen. Fl. Germ. Monochl. n. 7; Rchb., Ic. Fl. Germ,
t. 532; L. C. Rieh., Conif. t. 15; Lamb., Pin. t. 25—29, ed. min. t. 35—39;
Forb., Pin. Wob. t. 32—36; Jaub. et Spach., 111. PI. Or. t. 14; Ledeb., Ic. Fl.
Ross. t. 499; Wall, PL As. Rar. t. 246; Sieb, et Zucc, Fl. Jap. t. 111; Nutt.,
N.-Am. Sylv. t. 146—148; Newb., Bot. Williams Exp. t. 9; Carr., Conif. 317;
C. Koch, Dendr. II, 232 (Abies Don.); Pancic, Eine neue Conif. in den östl.
Alpen, Belgrad 1876; Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 439 (1881); Eichl. in
Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 77; Willkomm., Forstl. Flora S. 65 (1887);
Mayr, Wald. N.-Am. 218 etc. (1890) und Abietin. d. jap. Reichs 43 (1890);
Sargent, Sylv. N.-Am. XII, 37 (1898) und Man. of the Trees 38 (1905); Koehne,
Dendr. 19 (1893); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 28 (1893), et Ind. Flor,
sin. Journ. Linn. Soc. XXVI, 553, et Card. Chron. 1903, p. 116, 117, 133;
Rehder in Sargent Trees and Shrubs Heft 2, p. 95, t. XLVIII; Veitch, Man. of
the Conif. by Kent. 422 (1900).
Die Gattung Veitchia Lindl. u. Gord. Pin. Suppl. 105 wurde irrtümhch
aufgestellt, indem Lindley die von einer Chermesart erzeugten Gallen an
Zweigen der Picea ajanensis Fisch. (P. Alcockiana hört.) für Zapfen hielt;
dieselbe ist somit als unberechtigt zu tilgen.
Sektion I. Eupicea Willk. Echte Fichten. Blätter (Nadeln) vier-
flächig und vierkantig, auf allen Flächen mit Spaltöffnungsreihen, auf dem
Querschnitt entweder ein fast rechtwinkliges oder ein schiefwinkliges Viereck
darstellend (im letztern Falle ist das Blatt von oben nach unten zusammen-
gedrückt). Alle reifen und reifenden Zapfen hängend.
Sektion II. Omorica Willk. Fichten mit tannenartigen Blättern.
Blätter zweiflächig, tannenähnlich, beiderseits stark gekielt, nur auf der oberen
Seite Spaltöffnungsreihen besitzend. Alle oder nur die unteren Zapfen hängend,
die übrigen abstehend oder etwas aufwärts gerichtet.
Pseudolarix Gord. Goldlärche.
Blätter abfallend, weich, flach, lineal sitzend, an Kurztrieben in Bündeln,
an jungen Zweigen (Langtrieben) einzeln oder zerstreut. Männliche Blüten
in laubblattlosen Dolden an den Spitzen kurzer Sprosse, Zapfenschuppen
groß und dick, spitz, abfallend. Bractee am Grunde angewachsen. Samen
im ersten Jahre reifend (durch diese Merkmale unbedingt generisch von
Larix verschieden).
1
II. Klasse. Coniferae. 19
Eine Art aus China, hoher, einhäusiger Baum mit abfallenden Blättern,
aber auch als Zwergform in Gärten kultiviert.
Gord., Pin. 292; Carr., Conif. 363; Mast., Contrib. to Hist. of cert. Spec.
of Conif. in Linn. Soc. Journ. vol. XXII, p. 208 et XXX, 32; Henk. u. Höchst.,
Nadelh. 139; Pari, in D. C. Prod. 412 (Pini Sect.); C. Koch, Dendr. 265 (Sub-
genus); Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 442 (in part.) (Larix); Eichl. in Engl,
u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 77 (1887); Mayr, Abietin. d. jap. Reichs 99 (1890);
Koehne, Dendr. 25 (1893); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 403 (1900)
(Laricopsis).
Larix Lk. Lärche.
Blätter dünn, abfallend, in einer beschuppten Knospe (Kurztrieb) dicht,
fast quirlförmig büschelig oder an den jungen Trieben (Langtrieben) zerstreut.
Männliche Blüte in einer beschuppten blattlosen Knospe, einzeln, mit dem
Mittelbande der Antheren nicht über die Fächer hinaus oder kaum hervor-
ragend. Zapfenschuppen bleibend, die darunter befindliche Bractee entweder
sichtbar, oder kürzer als die Schuppe, oder derselben gleich. Samen im
ersten Jahre reifend.
Hohe, einhäusige Bäume mit abfallenden Blättern.
Zwölf Arten. Bewohner der temperierten Regionen der nördlichen
Halbkugel, eine in Europa, fünf in Asien und drei in Nordamerika.
Salisb. in Trans. Linn. Soc. VIII, 313 (1805); Link in Linn. XV, 533;
Spach., Hist. Veg. phan. XI, 431; Carr., Conif. 351; C. Koch, Dendr. II, 257;
Gord., Pin. 123; Henk. u. Höchst., Nadelh. 128; Endl., Syn. Conif. 128
(Pinus Sect. Larix); Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 409 (Pinus Sect. Larix);
Regel in Gartenfl. XX, 91 (1871); Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 442 (1881);
Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 75; Willkomm., Forstl. Flora
S. 136 (1887); Mayr, Wald. N.-Am. 221 etc., et Abietin. d. jap. Reichs 62 (1890);
Koehne, Dendr. 25 (1893); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 31 (1893); Beißner,
Mitt. d. dendr. Ges. 1896, p. 68 und Nuov. Giorn. Bot. Ital. IV, 1897, mit
Abbild.; Sargent, Sylv. N.-Am. XII (1898), et Man. of the Trees of N.-Am. 35
(1905); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 387 (1900).
Cedrus Lk. Ceder.
Nadeiförmige Blätter, fast vierseitig, steif, in der beschuppten Knospe
(Kurztrieb) dicht, fast quirlförmig gehuschelt, oder an den jungen Trieben
(Langtrieben) zerstreut. Männliche Blüten in einem Blattbüschel einzeln, durch
das Mittelband der Antheren in ein schuppenförmiges Anhängsel verlängert
Schuppen des großen Zapfens dicht dachziegelig, breit, flach, bleibend, später
auseinanderfallend. Bractee klein, enge angewachsen. Samen im zweiten
oder dritten Jahre reifend.
Hohe, immergrüne, verzweigte, einhäusige Bäume.
Drei Arten (oder ausgezeichnete Varietäten). Eine im Himalaya, die
andere im Orient, die dritte gemeinsam mit der zweiten im Atlas heimisch.
Link in Linn. XV, 537; Loud., Arb. et Frut. Brit. IV, 2402 (1838); Pari,
in D. C. Prod. XVI, II, 407 (Pini Sect.); L. C. Rieh., Conif. t. 14; Lamb.,
Pin. II, t. 37, ed. min. t. 51, 52 (Pinus); Forb., Pin. Wob. t. 48, 49 (Pinus);
Hook. fil. in Nat. Hist. Rev. 1862, XI, t. 1—3; Carr., Conif. 366; C. Koch,
Dendr. II, 265; Gord., Pin. 39; Henk. u. Höchst, Nadelh. 140; Benth. et Hook.,
2*
20 Erster Teil. Systematik aller bekannten Giiikgoaceen, Conifereii und Gnetaceen.
Gen. Plant. III, 439 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 74;
Willkomm., Forstl. Flora S. 158; Koehne, Dendr. 28 (1893); Mast, in Journ.
Linn. Soc. XXX, 30 (1893); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 406 (1900).
Pinus L. Kiefer.
Erstlingsblätter sehr klein, schuppenförmig, trockenhäutig, zerstreut.
Blätter der Jugendform kurz, flach, lang zugespitzt, blaugrün; die zweiter
Ordnung ziemlich lang oder lang nadeiförmig, dreikantig bis halbrund, seltener
stielrund, zu 2 — 5 (ausnahmsweise 1 — 7) gehuschelt, in einer trockenhäutigen
Scheide. Männliche Blüten fast ährenförmig am Grunde des jungen Triebes,
durch das Mittelband (connectivum) der Antheren oft in ein schuppenförmiges
Anhängsel verlängert. Zapfenschuppen bleibend, mit genabelter Endfläche.
Immergrüne, einhäusige, harzreiche Bäume, seltener Sträucher. Samen
im zweiten Jahre reifend.
Arten gegen siebzig, durch die außertropischen Regionen der nörd-
lichen Halbkugel weit zerstreut, wenige in den Tropen im östlichen Asien,
westlichen Indien und Zentral- Amerika verbreitet.
Linn., Gen. ed. 2 n. 879; Lamb., Gen. Pinus I in part. (1803); Endl.,
Conif. 81, et Gen. Plant. 260; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 377 (Subgenus);
Carr., Conif. 381; Gord., Pin. 162; C. Koch, Dendr. II, 269; Henk. u. Höchst.,
Nadelh. 19; Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 438 (1881); Eichl. in Engl. u.
Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 70; Willkomm., Forstl. Flora S. 161 (1887); Mayr,
Wald. N.-Am. 109 etc. und Jap. Abietin. 67 (1890); Koehne, Dendr. 28 (1893);
Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 37 (1893); Sargent, Sylv. N.-Am. XI (1898),
et Man. of the Trees of N.-Am. 2 (1905).
Nach Engelmanns eingehenden Studien (Engelm., Rev. Gen. Pinus in
Trans. Acad. Sc. St. Louis IV, 161, t. 1 — 3) wird die Gattung Pinus nach der
Form der Fruchtschuppen, verbunden mit einer Reihe anderer Charaktere, in
zwei sehr natürliche Sektionen: I. Strobus, IL Pinaster geteilt, während
die Subsektionen auf genaue anatomische Untersuchung der Blätter be-
gründet sind.
Mayr, Wald, von N.-Am. 425 (1890), gibt nach sehr genauen Unter-
suchungen, auf Grund der Anatomie des Holzes, eine Einteilung in zehn
Sektionen, die er besonders für biologische und forstliche Betrachtungen
für wertvoll hält, weil die Verwandten darin sehr gut zusammengebracht
werden.
Koehne, Deutsche Dendr. 28 (1903), schließt sich in seinen sehr ein-
gehenden Untersuchungen eng an die von Mayr gegebene Einteilung an,
vereinfacht dieselbe aber noch und bringt die verwandten Pinusarten trefflich
übersichtlich zusammen.^) Wir legen diese Einteilung deshalb auch hier zu-
grunde.
Blätter mit einfachem Gefäßbündel im Zenfralsfrang.
Sektion I. Uaploxylon Koehne. Scheiden ganz abfallend, selten anfangs
nur in zurückgerollte Schuppen sich lösend und erst später bis auf einen
kleinen Rest abfallend.
^) Masters in Linn, Soc. Tourn. Botany XXXV: „A General View of the genus Pinus",
kommt in seiner sehr eingehenden, sorgfältigen Arbeit auch zu den glichen Resultaten, die
nächsten Verwandten übersichtlich zusammenzustellen.
IL Klasse. Coniferae. 21
1. Subsektion. Cembra Pari. Endfläche der Fruchtschuppen nicht ge-
wölbt, mit endständigem Nabel. Blätter zu 5, ihre Scheiden ganz abfallend.
Staubbeutel mit Endknopf, kurzem Zahn oder unvollständigem Kamm. (Strobus
und Cembra Spach., Strobus Engelm.)
1. Gruppe. Strobus Spach., verengert, Mayr. Zapfen lang, hängend,
dünnschuppig. Samen flugfähig, der lange Flügel den Samen nur auf einer
Seite bedeckend und fest mit ihm verwachsen. Harzgänge der Blätter an
der Epidermis.
2. Gruppe. Eucembra. Zapfen meist kurz und dick, dickschuppig.
Samen nicht flugfähig, groß. Flügel sehr kurz oder fehlend. (Cembra
Spach. Mayr.)
2. Subsektion. Paracembra Koehne. Fruchtschuppen wie bei Diploxylon.
Blätter zu 1 — 3 (selten bis 5), ihre Scheiden abfallend oder in zurückgerollte
Schuppen sich lösend. Harzgänge stets an der Epidermis. Staubbeutel wie
bei Cembra oder wie bei Diploxylon.
1. Gruppe. Balfouria Mayr. Blätter zu 5, ihre Scheiden abfallend.
Zapfen walzlig. Samen flugfähig, auf einer Seite mit dem Flügel fest ver-
wachsen. (Balfourianae Engelm.)
2. Gruppe. Parrya Mayr. Blätter zu 1 — 3 (bis 5). Zapfen kurz und
dick. Samen nicht flugfähig. (Cembroides und Gerardianae Engelm.)
Bläffer mif doppelfem Gefäßbündel.
Sektion II. Diploxylon Koehne. Blätter stets fein gesägt, rauh; Scheiden
als fest geschlossene, höchstens an der Spitze zerschlissene Röhren bleibend
(ausgen. P. chihuahuana). Endfläche der Fruchtschuppen gewölbt bis pyra-
midal, mit dem Nabel auf der Mitte, dieser oft mit Spitze. Staubbeutel
(ausgen. P. silvestris) mit halbkreis- bis kreisförmigem Kamm.
A. Bläffer zu 5 (jedoch in der Jugend zuweilen nur zu 3).
3. Subsektion. Pseudostrobus Mayr. Harzgänge der Blätter stets (?) im
Parenchym oder am Gefäßbündel. Zapfen mittelgroß, kugelförmig. Samen
flugfähig (ausgen. P. Torreyana), vom Flügel zangenförmig gefaßt. (Pseudo-
strobus und Euaustrales zum Teil bei Engelm.)
B. Bläffer überwiegend zu 3—2.
a) Blätter zu 3 (daneben zuweilen zu 4 oder 5).
4. Subsektion. Taeda Mayr. Harzgänge der Blätter stets im Parenchym
oder am Gefäßbündel. Zapfen oft sehr groß, meist aus Quirlknospen. Samen
flugfähig (ausgen. P. Sabiniana), vom Flügel zangenförmig gefaßt. (Eupon-
derosae, Eutaedae, Euaustrales zum Teil, Elliotiae bei Engelm.)
b) Blätter zu 2 (zuweilen in der Jugend zu 3).
5. Subsektion. Murraya Mayr. Harzgänge der Blätter im Parenchym.
Zapfen kegelförmig, meist aus Knospen am Längstrieb zwischen zwei Quirlen.
Samen flugfähig, vom Flügel zangenförmig gefaßt, aber auf einer Seite mehr
als auf der anderen vom Flügel bedeckt. (Laricipnes, Pungentes und Mites
Engelm.)
6. Subsektion. Pinea Koehne. Harzgänge an der Epidermis. Zapfen
mittelgroß, kegelförmig, meist aus Quirlknospen. Samen flugfähig (ausgen. P.
22 Erster Teil, Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnetaceen.
Pinea), vom Flügel zangenförmig gefaßt. (Eusilvestres, Pinea und Euhale
penses Engelm.)
3. Unterfamilie: Taxodieae. Eibencypressen.
Die Schuppen des weiblichen Kätzchens dicht spiralförmig angeordnet,
Eichen unter den fruchtbaren Schuppen 2 — 9 aufrecht, bei drei Gattungen
(Sequoia, Sciadopitys und Athrotaxis) nach der Blüte schief horizontal oder
umgewendet. Blätter spiralig angeheftet, nach verschiedenen Seiten oder zwei-
reihig abstehend. Die Samenschuppe der Bractee angeheftet, dann wie bei
den Cupressineen sehr vergrößert, fast die ganze Schuppe ausmachend, selten
unter dem reifen Samen unverändert und klein.
Sciadopitys Sieb, et Zucc. Schirmtanne.
Männliche Blüten am Grunde der nach der Blütezeit auswachsenden
jungen Sprosse kopfförmig gehäuft. Antherenfächer 2, Eichen 7 — 9, um-
gewendet. Zapfenschuppen holzig, dicht dachziegelig, bleibend. Samen im
zweiten Jahre reifend.
Hoher, immergrüner, einhäusiger Baum. Triebe zweigestaltig. Lang-
triebe mit kleinen, trockenhäutigen, zerstreuten Niederblattschuppen besetzt.
Kurztriebe gipfelständig, nach Engelmann, Bot. Zeit. 1866, S. 486, mit zahl-
reichen, schirmförmig in deutlichen Scheinquirlen zusammengedrängten „Doppel-
blättern" (Doppelnadeln) besetzt, welche nach anatomischer Untersuchung
dadurch entstanden, daß zwei Blätter mit ihren Hinterrändern verwachsen
sind. (Dickson und Bentham u. Hooker bezeichnen diese Doppelblätter
als Phyllodien.)
Eine Art, aus Japan.
Sieb, et Zucc, Fl. Jap. II, p. 1, t. 101, 102; Endl., Synops. Conif. 198
(1847); Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 435; Fl. des Serres t 1483; Carr. in
Rev. Hort. 1868, 150; Carr., Conif. 231; Gord., Pin. 301; C. Koch, Dendr. II,
S. 200; Henk. u. Höchst, Nadelh. 201; Lindl. in Gard. Chron. 1861, p. 22
und 360, mit Abbild.; Dickson, Report. Bot. Congr. Lond. 1866, p. 124; Benth.
et Hook., Gen. Plant. III, 437 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II,
S. 84 (1887); Koehne, Dendr. 44, mit Abbild. (1893); Mast, in Journ. Linn.
Soc. XXX, 21 (1893); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 286 (1900).
Athrotaxis Don. (Arthrotaxis Endl.). Glied er flehte.
Alles wie bei Sequoia, nur die Spitze der Zapfenschuppen ist auf dem
Rücken mit einer scharfen Spitze oder einem kegelförmigen Nabel versehen.
Immergrüne, einhäusige Bäume. Blätter klein, spiralig gedrängt, dicht
oder locker dachziegelig, bald sehr kurz, stumpf angedrückt, bald locker,
lanzettlich. Zapfen kugelig, erhärtet, fast holzig, oft 1^/2 — 2 cm im Durchmesser.
Im ersten Jahre reifend.
Drei Arten, aus Tasmanien und Victoria.
Don. in Linn. Trans. XVIII, 171; Endl., Syn. Conif. 193; Brongn., Dict.
univ. d'hist nat. IV, 464; Benth., Fl. austr. VI, 241; Hook., Ic. PI. t. 559,
573, 574; Carr., Conif. 2. ed. p. 203; Henk. u. Höchst, Syn. d. Nadelh. 219;
Pari, in D. C. Prod. XVI, 433 (1868); Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 430
II. Klasse. Coniferae. 23
(1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 89 (1887); Mast, in Journ.
Linn. Soc. XXX, 21 (1893); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 259 cum ic. (1900).
Sequoia Endl. (inkl. Wellingtonia Lindl.). Sequoie.
Samenschuppe ganzrandig, Eichen 5-7, nach der Blüte oft horizontal
oder fast nach unten gerichtet. Zapfen klein, rundlich (bei Sequoia [typica]
sempervirens) oder größer, fast zylindrisch (bei Sequoia [Wellingtonia]
gigatitea). Zapfenschuppen holzig, an der Spitze in eine kreisrunde oder schief-
längliche, dicke, auf dem Rücken in der Mitte niedergedrückte, scharf gespitzte
Scheibe erweitert. Samen der Sequoia (typica) sempervirens im ersten Jahre
reifend, die der Sequoia (Wellingtonia) gigantea werden meist als erst im
zweiten Jahre reifend angegeben, reifen aber, nach Dr. Mayr, auch in einem
Jahre, so daß auch dieser Unterschied zwischen den Verwandten fortfällt.
Männliche Blüten einzeln oder zu 2 — 3 aus gemeinsamer Knospenhülle am
Ende kurzer Zweige oder in den obersten Blattwinkeln.
Riesige, immergrüne, einhäusige Bäume mit unbehüllten Knospen und
flachen, linealen, zweizeiligen, seltener fast schuppenförmigen, dachziegeligen
oder fast pfriemHchen, nadeiförmigen, steifen, stark herablaufenden Blättern.
Die verschiedenen Blattformen wurden an beiden Bäumen beobachtet.
Zwei Arten, aus Kalifornien.
Endl, Syn. Conif. 197; Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, 435; Carr., Conif. 209;
Gord., Pin. 303; Koch, Dendr. II, 193; Lamb., Pin. ed. min. t. 64 (Taxodium);
Lindl. in Gard. Chron. 1853, p. 819; Bot. Mag. t. 4777 u. 4778 (Wellingtonia);
Gord., Pin. 330; Carr., Conif. 216; Koch, Dendr. II, 187; Henk. u. Höchst,
Syn. d. Nadelh. 221; Ic. in Flor, des Serres t. 892 u. 893; Dcne. in Rev. hört.
Ser. 4, iv. 10 et 11, Fig. 12; Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 429 (1881); Eichl.
in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 85; Mayr, Wald. N.-Am. 267, 341 (1890);
Koehne, Dendr. 43, mit Abbild. (1893); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 22
(1893); Sargent, Forest Trees N.-Am. 10, Cens. IX, 184; Sargent, Sylv. N.-
Am. X, 141, 145, et Trees of N.-Am. 68 (1905).
Taxodium Rieh. (inkl. Glyptostrobus Endl.). Sumpfcypresse.
Samenschuppe ganzrandig, Eichen 2. Zapfenschuppen an der Spitze
holzig, ausgebreitet, abgestutzt, auf dem Rücken kaum, in der Mitte genabelt
oder scharf gespitzt, die im erstenjahre reifenden Samen einschließend.
Einhäusige, locker beästete Bäume mit abstehenden oder hängenden
Ästen und behüllten Knospen. Blätter mit jungen Zweigen abfallend oder
halbimmergrün, abwechselnd fast spiralig angeheftet, bald lineal zweireihig
abstehend, bald, aber seltener, klein, angedrückt, schuppenförmig. Männliche
Blüten in langen Ähren, öfter fast rispenständig, weibliche Kätzchen wenige,
während der Blüte klein.
Drei Arten, von denen zwei typische Bewohner Nord-Amerikas und
Mexikos sind und eine in China heimisch ist.
L. C. Rieh, in Ann. Mus. Par. XVI, 298, et Conif. 143, t. 10; Schubertia
Mirb. in Nouv. Bull. Soc. Philom. III, 123; Glyptostrobus Endl., Syn. Conif.
69; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 440; Lamb., Pin. ed. min. t. 63; Forb., Pin.
Wob. t. 60; Nutt, N.-Am. Sylv. t. 151 (Cupressus); Ten. in Mem. Acad. Ital.
Moden. XXV, II, 200 cum tab. 2; Bot. Mag. t. 5603 (Glyptostrobus); Koch,
24 Erster Teil. Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnelaceen.
Dendr., II, 2, 195; Benth. et Hook., Gen. Plant. III, 429 (1881); Eichl. in Engl,
u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 90; Mayr, Wald. N.-Am. 120 (1890); Koehne,
Dendr. 42, mit Abb. (1893); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 24 (1893);
Sargent, Forest Trees N.-Am. X, Cens. IX, 183; Sargent, Sylv. N.-Am. X,
151, et Trees of N.-Am. 70 (1905); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 280
(1900).
Die dritte chinesische Art (oder vielleicht Form von T. distichum?) T.
heterophyllum Brongn. von Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 438 als eigene Gattung
(Glyptostrobus) beibehalten, mit reif verkehrt-eiförmigen, an der Basis lang
zusammengezogenen Zapfen mit kaum geflügelten Samen, an der Basis in
einen auf einer Seite geflügelten Stiel zusammengezogen. Blühende weibliche
Kätzchen und Habitus gänzlich wie bei einigen Varietäten von Taxodium
distichum. Männliche Blüten jedoch bisher unbekannt, wenn auch der Baum
schon lange in den Gärten hier und dort kultiviert wird.
Cryptomeria Don. Cryptomerie.
Samenschuppe angewachsen, an der Spitze fingerförmig fünfteilig. Eichen
3 — 6, Zapfenschuppen wegen der Lappen der Samenschuppe und der hervor-
ragenden Spitzen der Bracteen stachelig.
Samen im ersten Jahre reifend.
Immergrüner, einhäusiger Baum. Blätter spiralig zusammengedrängt,
schmal-lineal, sichelförmig einwärts gekrümmt, aufrecht, drei- bis vierkantig,
mit der hervorragenden Rückenkante angewachsen herablaufend. Weibliche
Köpfchen oder Kätzchen während der Blüte endständig, zuweilen durch einen
Blätterbüschel aus der Spitze fleischig auswachsend.
Eine Art, aus Japan und Nordchina.
Don. in Linn. Trans. XVIII, 166; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 437;
Sieb, et Zucc, Fl. Jap. II, t. 124 u. 124b; Hook., Ic. PI. t. 668; Brongn., Ann.
Sc. nat. 2, ser. XII, 231; Endl., Conif. 71; Carr., Conif. 191; Gord., Pin. 52;
Koch, Dendr. II, 188; Henk. u. Höchst, Syn. d.. Nadelh. 266; Benth. et Hook.,
Gen. Plant. III, 428 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 89;
Koehne, Dendr. 41, mit Abbild. (1893); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 23
(1893); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 263 cum ic. (1900).
Taiwania Hayata (hier eingereiht vorbehaltlich eingehenderen Studiums).
Zapfenschuppen vielreihig, locker, spiralig-dachziegelig, etwas härtlich,
an der Spitze sparrig abstehend, bleibend, verkehrt-eiförmig, an der Spitze
leicht stachelspitzig, an der Basis keilförmig. Samen in der Mitte der frucht-
baren Schuppen 2, rückwärts gerichtet, länglich, mit härtlich lederartiger Schale,
von einem schmalen Flügel umgeben.
Immergrüner, einhäusiger Baum, dicht belaubt, mit abstehenden Ästen.
Blätter schuppenförmig, spiralig, dicht gedrängt, angewachsen herablaufend,
an jungen sterilen Zweigen schmal lineal-sichelförmig, eingebogen-aufrecht,
vierkantig, mit vorstehender Rückenkante.
Eine Art, auf der Insel Formosa.
Journ. of the Linn. Soc. Bot. XXXVII, p. 330, pl. 16; Mitt. d. dendr.
Ges. 1907. S. 114. . .
II. Klasse. Coniferae. 25
4. Unterfamilie: Cupressineae. Cypressengewächse.
Schuppen des weiblichen Kätzchens zwei- bis mehrreihig einander
gegenüberstehend oder drei-, selten vierfach quirlständig. Eichen aufrecht,
unter den fruchtbaren Schuppen 2 oder mehr, selten 1. Blätter der frucht-
tragenden Zweige gegenüberstehend oder dreifach quirlständig, oft klein
und dick, schuppenförmig. Die Samenschuppe ist der Bractee angewachsen,
zuerst ist dieselbe kürzer, bald größer, macht später fast die ganze Schuppe
aus und ist an der Spitze der Bractee in einen Nabel oder eine rückenständige
Stachelspitze ausgezogen. Die Zapfenschuppen, ausgenommen bei Juniperus,
sind später offen und bleibend. Samenlappen 2—4 (manchmal bis 6).
Sektion I. Actinostrobeae.
Zapfen holzig, Schuppen klappig, Blätter quirl- oder kreuzständig.
Actinostrobus Miq. Strahlenzapfen. Schuppencypresse.
Zapfenschuppen 6, fruchtbar, in der Regel zweireihig, aber auch ein-
reihig, zwischenklappig, jede auf dem Rücken durch die angedrückten äußeren
unfruchtbaren Schuppen mit einem Anhängsel versehen.
Zwei Arten. Bewohner Südwest- Australiens. Einhäusig. Sehr ver-
zweigte, immergrüne Sträucher. Blätter dreifach quirlständig, die meisten
klein, schuppenförmig, steif, scharf zugespitzt, an sterilen Zweigen öfter
länglich-nadelförmig. Zapfen eirund-kugelig oder zugespitzt. Samen im ersten
Jahre reifend.
Miq., Plant. Preiss. I, 644; EndL, Conif. 39; Carr., Conif. t. 77; Gord.,
Pin. 40; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 444; Benth., Fl. Austr. VI, 239; Hook.,
Ic. PI. A. 1272; Henk. u. Höchst., Syn. 305; Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl.
Pflf. II, S. 93; Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX, 16 (1893).
Callitris Vent. Schmuckcypresse.
Zapfenschuppen 4, alle fruchtbar, auf dem Rücken gekielt, unterhalb
der Spitze kurz stachelspitzig.
Eine Art. Mittelhoher, immergrüner Baum aus Nordafrika, einhäusig,
mit zahlreichen zerstreut stehenden, gabelteiligen Ästen. Zweige und Zweigchen
zusammengedrückt gegliedert. Erstlingsblätter zu 3 oder 4, lang-lineal, flach,
die folgenden nadelförmig-lineal, gegenüber-kreuzständig, dann kürzer, schuppen-
förmig, die älterer Zweige sehr klein am Grunde der Glieder. Zapfen kugelig.
Samen im ersten Jahre reifend. Liefert das Sandarakharz.
Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 452; Decad. 1808 excl. spec. Nov. Holland.;
Spach., Hist. veg. phan. XI, 343; Rieh., Conif. 46; Brongn. in Ann. sc. nat.
vol. 30, p. 189 (excl. spec); Endl., Syn. Conif. 40; Carr., Conif. 80; Gord.,
Pin. 37; Henk. u. Höchst., Nadelh. 290; Mirb., Mem. Mus. XIII, 30 (Eu-
callitris Brongn.); Mast, in Linn. Soc. XXX, 14 (Tetraclinis).
Zu Callitris gehören als sehr nahestehende, aber charakteristische Unter-
gattungen:
1. Frenela Mirb. Australische Cypresse. Zapfenschuppen 6, sehr
selten 7 — 8, alle fruchtbar, auf dem Rücken glatt, runzelig oder höckerig.
26 Erster Teil. Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnetaceen.
Sechzehn Arten (nach Pariatore), in Neuholland, Tasmanien und Neu-
kaledonien heimisch.
Immergrüne, einhäusige Bäume oder Sträucher, meist dicht bezweigt.
Erstlingsblätter lineal abstehend, Blätter älterer Zweige schuppenförmig, drei-
oder seltener vierfach quirlständig angewachsen. Zapfen eirund oder fast
kugelig. Samen im zweiten Jahre reifend.
Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 445; Mirb. in Mem. Mus. XIII, 74 (excl.
sp. atlant.); Spach., Hist. veg. phan. XI, 345; Endl., Conif. 35; Carr., Conif. 63;
Hook, fil., Flor, of Tasman. 351; Gord., Pin. 82; Henk. u. Höchst, Syn. d.
Nadelh. 298; Rieh., Conif. 47—48 (excl. sp. atlant.); Callitris Vent. Nov. gen.
Dec. 1808; Leichhardtia, Shepherd Cat. of Plants cultivated at Sidney 15 non
R. Br.; Octoclinis Ferd. Muell. in Trans, of the Philos. Instit. of Victoria II,
20, cum ic. Zapfenschuppen 8.
2. Widdringtonia Endl. Widdringtonie. Zapfenschuppen 4, alle
fruchtbar, dick, holzig, unterhalb der Spitze stachelspitzig.
Fünf Arten, davon drei in Südafrika, eine auf Insel Mauritius und
Madagaskar und eine im tropischen Afrika einheimisch.
Zweihäusige, immergrüne Bäume oder Sträucher von cypressenartigem
Ansehen. Blätter spiralig angeordnet, an jungen Pflanzen oft nadeiförmig,
flach, fast dreinervig, an den oberen Zweigen älterer Pflanzen schuppen-
förmig, mehr oder minder abstehend, auf dem Rücken oft mit einer Drüse
versehen. Zapfen fast kugelig glänzend, rotbraun. Samen im zweiten Jahre
reifend.
Endl., Cat. Hort. Vindob. I, 209, et Syn. Conif. 31; Carr., Conif. 57;
Gord., Pin. 332; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 442; Thuyae sp. Linn. Mant. 125;
Cupressi sp. Mill. Dict. n. 6; Pachylepsis Brongn. in Ann. d. scienc. nat. 1,
ser. XXX, 189; Spach., Hist. veg. phan. XI, 346; Parolinia Endl., Gen. Plant.
Suppl. I, 1372 n. 1793; Henk. u. Höchst, Syn. d. Nadelh. 292; Mast in Linn.
Soc. XXX, 16 (1893).
Fitzroya Hook. fil. Alercebaum.
Zapfenschuppen 2 — 3, fruchtbar, einreihig, zwischenklappig, durch die
äußeren unfruchtbaren ein- bis zweireihig. Samen unter der Schuppe 2 — 3,
zwei- oder dreiflügelig.
Sehr verzweigte einhäusige Bäume und Sträucher. Blätter klein, drei-
fach quirlständig oder kreuzständig, gegenüberstehend, dachziegelig.
Zwei Arten, die eine der typische Baum in den Gebirgen Süd-
Chiles.
Hook. fil. in Bot Mag. t 4616 (1851); Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 463;
Lemaire, Illustr. Hortic. i. Mise. 30, cum ic. Fl. des Serres VII, 130; Carr.,
Conif. 115; Gord., Pin. 81; Henk. u. Höchst., Nadelh. 295; Benth. et Hook.,
Gen. Plant. III, 425 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 95;
Koehne, Dendr. 48, mit Abbild. (1893); Mast in Journ. Linn. Soc. XXX, 17
(1893); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 196 (1900).
Die andere Art in Tasmanien, aufrechter Strauch.
Benth., Fl. Austr. VI, 240 (Diselma Hook. fil.).
I
II. Klasse. Coniferae. 27
Sektion II. Thuyopsideae.
Zapfen holzig, sich öffnend. Schuppen dachig übereinandergreifend.
Thuyopsis Sieb, et Zucc. Hiba.
Reife Zapfen kugehg, fast aufrecht. Schuppen verdickt, hart, 6 — 10,
fruchtbare 4 — 6 oder selten 8. Samen schmal, zweiflügelig, unter jeder Schuppe
öfter 4 oder 5, im zweiten (?) Jahre reifend.
Eine Art. Hoher, immergrüner, einhäusiger Baum aus Japan. Äste
quirlständig. Zweige und Zweigchen zweizeilig zusammengedrückt. Blätter
kreuzweise gegenüberstehend, vierfach dachziegelig.
Thuya Linn., Suppl. Syst. 420 (1781); Thunb., Fl. Jap. 266 (1784); Lamb.,
Pin. ed. min. t. 68; Mast, in Gard. Chron. XVIII (1882), p. 556, cum ic. Journ.
Linn. Soc. XVIII, 486 und Journ. R. Hort. Soc. XIV, 251; Veitch, Man. of
the Conif. by Kent. 236 (1900); Thuyopsis Sieb, et Zucc, Fl. Jap. II, 32, t. 119,
120; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 460; Endl., Conif. 53; Carr., Conif. 117;
Gord., Pin. 319; Koch, Dendr. II, 185; Henk. u. Höchst, Nadelh. 287; Eichl.
in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. 11, S. 95; Koehne, Dendr. 46 (1893), mit Abbild.
Libocedrus Endl. (inkl. Heyderia C. Koch). Flußceder.
Zapfenschuppen zwei fruchtbar, zwei äußere und zuweilen zwei innere
unfruchtbar. Samen unter der Schuppe 2, oberwärts geflügelt, flügelfrucht-
artig, im ersten Jahre reifend.
Immergrüne, einhäusige Bäume von Tracht der Thuya. Blätter schuppen-
förmig, gegenständig, vierfach dachziegelig, bald alle gleich kreuzständig
angedrückt oder abstehend, bald in flachen Zweigchen, die seitlichen hoch
gekielt. Zapfen eirund oder länglich.
Acht gut bekannte Arten nach Bentham et Hooker, Gen. Plant.,
von denen zwei Bewohner Chiles, zwei Neuseelands, eine Neukaledoniens, eine
Japans, eine Chinas, eine Kaliforniens sind.
Endl., Syn. Conif. 42; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 453; Brongn. et Gris.
in Bull. Soc. Bot. Fr. XVIII, 140; Hook., Lond. Journ. I, t. 18, II, t. 4, III, t. 4
(Thuya); Poepp et Endl, Nov. Gen. et Spec. III, t. 220 (Thuya); Carr., Conif.
2. ed., p. 85; Henk. u. Höchst, Syn. S. 282; Benth. et Hook., Gen. Plant III,
426 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 95 (1887); Mayr, V^ald.
N.-Am. 321 (1890); Koehne, Dendr. 47 (1893); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXX,
19 (1893); Sargent, Sylv. N.-Am. X, t 534 (1898), et Trees of N.-Am. 72 (1905);
Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 251 (1900).
Heyderia C. Koch, Dendr. II, II, 179 (L. decurrens aus Kalifornien),
und Calocedrus Kurz in Trim. Journ. Bot. 1873, 196, t. 133 (L. macrolepis
aus der Provinz Yunnan, China) sind nach den Samen und wichtigsten
Charakteren Libocedrus; von den übrigen Arten sind sie durch die inneren
gut entwickelten, wenn auch tauben Zapfenschuppen verschieden und halten
fast die Mitte zwischen Thuya und Libocedrus.
Thuya Tourn.^) Lebensbaum.
Zapfen eiförmig oder länglich, Schuppen 6 — 8, selten 12, davon 2 — 6
(auch 1 — 3) fruchtbar. 2, selten 4 äußere und 2 innere unfruchtbar. Samen
^) Bentham und Hook er vereinigen mit Thuya als Untergattungen: Thuyopsis, Biota,
Chamaecyparis und sagen: Dieselben zeigten kaum hervorragende Charaktere von spezifischem
28 Erster Teil, Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnetaceen.
unter der Schuppe 2, beiderseits geflügelt, mit Harzbläschen, im ersten Jahre
reifend.
Immergrüne, einhäusige Bäume oder Sträucher. Erstlingsblätter linien-
förmig flach abstehend. Blätter älterer Zweige klein, gegenständig, schuppen-
förmig angedrückt, vierfach dachziegelig, alle fast gleich oder oft an flachen
Zweigchen die seitlichen hoch gekielt, auf den Breitseiten flach und kleiner.
1. Euthuya Benth. et Hook. Echte Lebensbäume. Reife Zapfen
eirund-länglich übergebogen, Schuppen nur wenig verdickt, nur 2, wie bei
Libocedrus, fruchtbar. Samen breit, fast gleich zweiflügelig, unter jeder
Schuppe 2 oder 3.
Eine Art, Linnes typische Art in Nordamerika.
L. C. Rieh., Conif. t. 7, f. 1; Mich., Sylv. N.-Am. t. 156; Wats., Dendr.
Brit. t. 150; Nees, Gen. Fl. Germ. Mon. No. 11.
2. Macrothuya Benth. et Hook. Riesenlebensbäume. Fruchtbare
Schuppen des Zapfens 4 oder 6, die Flügel der Samen schmaler als bei Th.
occidentalis, das Übrige wie Euthuya.
Drei Arten, eine in Nordamerika (Nutt., Sylv. N.-Am. t. 111), eine in
Japan (Maxim, in Diagn. PI. Jap. dec, 1, p. 26), eine in China (Franch. in
Journ. de Bot. 1899, p. 262).
Thuya, wie sie von Pari, in D C. Prod. XVI, II, 456 begrenzt wurde,
schließt Euthuya und Macrothuya ein.
Biota Endl. Orientalischer Lebensbaum.
Junger Zapfen kugelig, fast fleischig, reif fast eirund, hart. Zapfenschuppen
6 — 8, davon oft 4 fruchtbar, unterhalb der Spitze stachelspitzig. Samen unge-
flügelt, unter jeder Schuppe 2 in härtlicher Schale, im ersten Jahre reifend.
Eine Art, in Japan und Nord-China heimisch. Immergrüner, einhäusiger
Baum von pyramidalem Wuchs. Zweige zweizeilig, zusammengedrückt. Erst-
lingsblätter nadeiförmig kreuzständig, Blätter älterer Zweige schuppenförmig,
vierfach dachziegelig.
Thuya L. Sp. Plant. II, 1002 (1758); Thunb., Fl. Jap. 266 (1784); Lamb.,
Pin. ed. min. t. 76; L. C. Rieh., Conif. t. 7, f. 2; Forb., Pin. Wob. t. 63; Bot.
Reg. 1842, t. 20; Nees, Gen. Fl. Germ. Monochl. n. 11; Sieb. et. Zucc, FL
Jap. t. 117, 118; Loud., Arb. et Frut. Brit. IV, 2459 cum ic; Koehne, Dendr. 48
(1893); Mast, in Journ. Linn. Soc. XVIII, 488, et Journ. R. Hort. Soc. XIV,
252; Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 248 (1900); Biota Endl., Syn. Conif.
46; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 461; Koch, Dendr. II, 180; Carr., Conif. 92;
Gord., Pin. 32. Platycladus Spach. Suites Buff. XI, 333 schließt Thuyopsis und
Biota ein. Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, S. 98; Boiss., Fl. Orient.
V, 704.
Werte. — Wir halten dieselben, der Mehrzahl der Autoren folgend, als Gattungen, die auf
den ersten Blick zu unterscheiden, fest, Sie bilden gewissermaßen Verbindungsglieder
von einer Gattung zur anderen, so z. B. steht Macrothuya zwischen Euthuya und Thuyopsis, Biota
zwischen Thuya und Chamaecyparis. Chamaecyparis verbindet Thuya mit Cupressus und steht
in der Frucht doch entschieden letzterer weit näher als Thuya, während sie sich dieser in der
Zweigbildung nähert. Der deutsche Name Leb ensbaumcy presse ist daher für Chamaecyparis
sehr passend gewählt.
II. Klasse. Coniferae. 29
Sektion III. Cupresseae.
Zapfen holzig, kugelig, Schuppen schildförmig, klappig aneinandergepreßt
Chamaecyparis Spach. Lebensbaumcypresse.
Die Schuppen des reifen, kugelförmigen, harten Zapfens 6 — 8, selten
4 — 12, an der Spitze verdickt, fruchtbare i — 6. Samen breit oder selten
schmal zweiflügelig, unter jeder Schuppe 2 — 5, im ersten Jahre reifend.
Immergrüne, einhäusige, teils hohe Bäume. Erstlingsblätter lineal ab-
stehend, flache Zweigchen mit kleinen Blättern des Lebensbaumes oder mit
kreuzständig dachziegeligen Blättern der Cypresse. Zapfen wie bei Cupressus,
aber viel kleiner.
Sechs Arten, nordamerikanische und japanische.
L. C. Rieh., Conif. t. 8; Cupressi spec. Lamb. Pin. t. 43, ed. min. t. 66;
Wats., Dendr. Brit. t. 156; Trautv., Imag. Fl. Ross. t. 7; Bot. Mag. t. 5581;
Mich., N.-Am. Sylv. t. 152; Chamaecyparis Spach., Suit. Buff. XI, 329; Pari,
in D. C. Prod. XVI, II, 463; Maxim, in Bull. Acad. Sc. Petersb. X, 489; Mel.
Biol. VI, 25; Chamaepeuce Zucc. Endl. Enchir. 139; Endl., Syn. Conif. 60;
Retinispora Sieb, et Zucc, Fl. Jap. II, 36, t. 121—123; Carr., Conif. 120; Gord.,
Pin. 48; Henk. u. Höchst, Nadelh. 247; Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II,
S. 100; Willkomm., Forstl. Flora S. 247 (1887); Mayr, Wald. N.-Am. 193 etc.
(1890); Koehne, Dendr. 50 (Sect. von Cupressus); Mast, in Journ. Linn. Soc.
XXXI, 353; Sargent, Sylv. N.-Am. X (Cupressus), et Trees of N.-Am. 81
(Chamaecyparis) (1905); Veitch, Man. of the Conif. by Kent. 199 (Cupressus)
(1900).
Cupressus Tourn. Cypresse.
Zapfen kugelförmig, holzig. Schuppen exzentrisch schildförmig, auf dem
Rücken stachelspitzig, 6 — 14; 4 oder 6 (auch 2 — 3) fruchtbar, 2, selten 4 äußere
und zuweilen 2 innere unfruchtbar. Mehrere bis viele Samen unter der Schuppe
schmal zweiflügelig. Im zweiten Jahre reifend.
Immergrüne, einhäusige, bisweilen hohe Bäume oder Sträucher. Blätter
oft klein, schuppenförmig angewachsen herablaufend, an der Spitze an-
gedrückt oder kurz abstehend, gegenständig, kreuzständig -dachziegelig, die
der unfruchtbaren Zweige oder jungen Pflanzen öfter nadeiförmig ab-
stehend.
Zwölf Arten, einheimisch im temperierten Asien, Südost-Europa, Nord-
Amerika und Mexiko.
Tourn., Inst. 358; Linn., Gen. pl. n. 1079; Endl., Conif. 55; Spach., Hist
phan. XI, 323; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 467; Lamb., Pin. t. 42, ed. min
t. 65; Rieh., Conif. t. 9; Forb., Pin. Wob. t. 61, 62; L'Her., Stirp. Nov. t. 8
Wats., Dendr. Brit. t. 155; Pall., Fl. Ross. t. 53; Carr., Conif. 143; Gord.^
Pin. 56; Koch, Dendr. II, 145; Henk. u. Höchst., Syn. d. Nadelh. 230; Benth
et Hook., Gen. Plant. III, 427 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II
S. 99; Willkomm., Forstl. Flora S. 245 (1887); Mayr, Wald. N.-Am. 235 etc
(1890); Koehne, Dendr. 50 (1893); Mast, in Journ. Linn. Soc. XXXI, 325 (1896)
Sargent, Sylv. N.-Am. X, et Trees of N.-Am. 77 (1905); Veitch, Man. of the
Conif. by Kent. 199 (1900).
30 Erster Teil. Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnetaceen.
Sektion IV. Junipereae.
Zapfen beeren- oder steinfruchtartig, geschlossen bleibend.
Juniperus L. Wacholder.
Zapfen kugelförmig, fleischig, steinfruchtförmig oder beerenförmig, nicht
aufsgringend. 2 — 6 Schuppen fruchtbar. Samen im Zapfen 1 — 6 in harter
Schale, deutlich abgeteilt oder in kugelförmiger, dicker, dem holzigen Endo-
carpium ähnlicher Masse verschmolzen. Im zweiten Jahre reifend. Zwei-,
seltener einhäusige, immergrüne Sträucher oder Bäume. Blätter gegenständig
oder dreifach quirlständig, klein, angewachsen herablaufend, oder entweder
abstehend lineal oder nadeiförmig.
Fündundzwanzig bis dreißig Arten, über die nördliche Halbkugel
weit zerstreut, in den temperierten und kalten Regionen häufig, in den
tropischen nur auf Gebirgen.
Linn., Spec. Plant. II, 1038 (1753); Koch, Dendr. II, 110 (1872); Endl.,
Syn. Conif. 8; Pari, in D. C. Prod. XVI, II, 475; Benth. et Hook., Gen. Plant.
III, 427 (1881); Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. 101 (1887); Willkomm.,
Forstl. Flora 251 (1887); Mayr, Wald. N.-Am. 194 etc. (1890); Mast, in Journ.
Linn. Soc. XXX, 12 (1892); Koehne, Dendr. 51 (1893); Sargent in Gard. and
Forest IV (1891), et Sylv. N.-Am. X, et Trees of N.-Am. 85 (1905); Veitch, Man.
of the Conif. by Kent. 164 (1900).
Diese Gattung ist von Endlicher in drei Sektionen geteilt, die von
einigen Autoren für besondere Gattungen gehalten werden.
1. SaMna Endl. Sadebäume. Blätter zweigestaltig, die der frucht-
tragenden Zweige meist klein, schuppenförmig, gegenständig und kreuzständig
dachziegelig, die der unfruchtbaren Zweige oder der jungen Pflanze auch
nadeiförmig, oft beiderlei Blattform untermischt auf derselben Pflanze.
Knospen nackt.
L. C. Rieh., Conif. t. 6; Forb., Pin. Wob. t. 64, 65; Andr., Bot. Rep.
t. 534; Hook., Lond. Journ. II; Reichb., Ic. Fl. Germ. t. 536; Guss., Fl. Rar.
t. 62; Vis. III, PL Nov. in Mus. Instit. Venet. VI, t. r^ 1**; Pall., Fl. Ross.
t. 55—57; Trautv., Imag. PI. Ross. t. 15; Sieb, et Zucc, Flor. Jap. t. 126, 127;
Mich., N.-Am. Sylv. t. 155; Newb., Bot. Williams Exp. t. 10.
2. Oxycedrus Endl. Echte Wacholder. Blätter nur nadeiförmig
oder lineal, mehr oder weniger abstehend, dreifach quirlständig. Männliche
Blüten in den Achseln einzeln. Knospen behüllt.
J. C. Rieh., Conif. t. 5; Nees, Gen. Fl. Germ. Monochl. n. 12; Reichb.,
Ic. Fl. Germ. t. 535, 537; Moggr., Fl. Merit t. 65; Ten., Fl. Nap. t. 247; Pall,
Fl. Ross. t. 54; Sieb, et Zucc, Fl. Jap. t. 125; Webb., Phytogr. Canar. t. 217.
3. Caryocedrus Endl. Pflaumenfrüchtiger Wacholder. Blätter
nadeiförmig, aber breiter wie bei Oxycedrus. Männliche Blüten sämtlich in
den Blattwinkeln stehend, aber 3 — 6 in einem Köpfchen vereinigt.
Knospen behüllt.
Eine einzige orientaHsche Art. Labill, Dec. PI. Syr. II, t. 8; Arceuthos
Ant. et Kotschy in Öster. Bot. Wochenbl. 1854, 249. Thuyaecarpus Trautv.
III. Klasse, Gnetales. 31
Imag. Ross. XI, t. 6 war als genus vorgeschlagen, unter dem Namen Juniperus
oblonga Bieb. ist diese Pflanze von den Autoren teils zu Juniperus communis
als Varietät gebracht.
IIl. Klasse. Gnetales.
Stamm einfach oder verzweigt. Gefäße im sekundären Holz vor-
handen. Blätter ungeteilt, gegenständig (selten zu drei- bis vierquirlig) und
zu kleinen, zweizähnigen oder in zwei lineale Nadeln auslaufenden Scheiden
verwachsen. Blüten eingeschlechtlich oder scheinbar zwitterig, mit Blüten-
hüllen, die der männlichen zweiteilig, die der weiblichen schlauchförmig, un-
gelappt, in Blütenständen vereint und mehr oder weniger von Hochblättern
bedeckt. Weibliche Blüten mit geradläufiger Samenanlage. Keimblätter 2,
Harzgänge fehlend.
Familie Gnetaceae. Meerträubelfamilie.
1. Unterfamilie: Ephedroideae.
Ephedra L. Meerträubel.
Blüten meist zweihäusig, männliche in einzeln oder zu mehreren stehenden,
kurzen bis geknäulten Ähren, mit 2 — 8 Staubblättern. Staubbeutel zweifächerig,
ohne Staubfäden, aber auf stielförmiger Blütenhülle erhoben. Weibliche Blüten
zu 1 — 3. Samenknospe 1, ihr röhrenförmiger Keimmund (Hals) aus der
Blütenhülle hervorgestreckt. Frucht von der verfolgenden Blütenhülle um-
schlossen. Sträucher mit gerillten Ästen von schachtelhalmähnlichem Aussehen.
Etwa dreißig Arten, in wärmeren gemäßigten Zonen.
Sektion I. Alatae Stapf. Früchte von freien oder fast freien, fast
ganz häutigen oder höchstens auf dem Rücken verhärteten, trockenen, am
Rande flügelartig verbreiterten Hochblättern umschlossen.
1. Subsektion. Tropidolepides Stapf. Hochblätter auf dem Rücken
dicklich verhärtet.
2. Subsektion. Haprolepides Stapf. Hochblätter fast ganz häutig.
Sektion II. Asarca Stapf. Subsektion. Asarca Stapf. Früchte mit ver-
härteten, kaum häutig geflügelten Hochblättern, die einzelnen hervorragenden
Samen an der Basis ganz dicht oder locker umhüllend.
Sektion III. Pseudobaccatae Stapf. Früchte zu 1—2 von 4—6 ver-
wachsenen, fleischig und rot werdenden Hochblättern umschlossen, dadurch
scheinbar beerenartig.
A. Fleischige Hochblätter der Scheinbeere ohne Hautrand.
a) Kletternde oder niedergestreckte bis hängende, selten
aufrechte Sträucher.
1. Subsektion. Scandentes Stapf. Vegetationszweige zart krautig.
Blattscheiden in lineale, halbstielrunde Blattflächen auslaufend. Männhche
32 Erster Teil, Systematik aller bekannten Ginkgoaceen, Coniferen und Gnetaceen.
Blüten mit 2 — 6 Staubblättern. Hals der Samenknospe wenigstens anfangs
gerade.
b) Aufrechte Sträucher.
2. Subsektion. Pachycladae Stapf. Kaum über 1 m hoch, mit dicken,
geraden, sehr starren Zweigen. Männliche Ähren dicht geknäuelt, Knäuel
oft groß, sitzend. Hals der Samenschuppe gedreht.
3. Subsektion. Leptocladae Stapf. Niedrig oder mittelhoch, mit meist
dünnen, meist etwas starren, selten etwas hin und her gebogenen Zweigen.
Hals der Samenknospe gedreht oder gerade.
B. Fleischige Hochbläffer der Scheinbeere mit schmalem, aber nicht flügelartig
vorgezogenem Hautrand.
4. Subsektion. Antisyphiliticae Stapf. Weibliche Blüten meist zu zwei.
Zweiter Teil.
Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-
Coniferen und Ephedra-Arten.
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl.
I. Klasse. Ginkgoales.
Familie Ginkgoaeeae. Ginkgobäume.
Ginkgo Kaempf. (Amoen. exot. p. 811, 813 cum ic. Salisburia Sm. in Linn.
Trans. III, p. 330). Ginkgobaum.
Blüten zweihäusig, männliche in den Achseln der Schuppen einzeln,
gestielt, ohne Bracteen. Staubfadensäule locker, zylindrisch; Antheren fast
spiralig dicht gedrängt, auf dünnem Stiele, Fächer 2, an der Spitze des Stieles
hängend, länglich, fast an der Basis deutlich nach innen aufspringend, mit
einem über die Fächer hinaus kaum mit sehr kurzem Anhängsel versehenen
Mittelbande. Weibliche Blüten in schuppiger Knospe einzeln. Samenschuppe
in der Achsel der Schuppe, von dieser frei, an der Basis in einen langen Stiel
zusammengezogen, an der Spitze kurz zweispaltig, selten unregelmäßig drei-
bis sechsspaltig. Lappen in eine Scheibe oder kurze Becherhülle erweitert,
dem Ei angewachsen. Eichen an jedem Lappen einzeln, sitzend aufrecht.
Samen steinfruchtartig, an der Basis dem wenig vergrößerten Lappen der
Samenschuppe angewachsen; äußere Schicht der Schale fleischig-markig, innere
hart, fast knochenartig; Kotyledonen zwei.
Baum mit abstehenden Ästen und zwiefach geformten Zweigen; junge,
nicht blütentragende, oft hängend, mit entfernten, wechselständigen Blättern;
blütentragende an den Knoten spät entwickelt oder auch endständig dick, sehr
kurz, nach mehreren Jahren wenig verlängert. Blätter abfallend, Erstlings-
blätter der unfruchtbaren oder jungen Zweige lang gestielt, fast rhomben-
fächerförmig, eingeschnitten zweilappig oder unregelmäßig mehrlappig, fächer-
förmig geädert. Die anderen, achselständigen, im ersten Jahre knospenförmigen,
dachziegelig-schuppenförmigen Zweigchen tragen ein Bündel Blätter, kleiner
als die Erstlingsblätter, alsdann alljährlich unterhalb des doppelt quirlständigen
Blätterbündels dachziegelige, bleibende Schuppen; diese blütentragenden Zweig-
chen sind im 3. oder 4. Jahre kaum 2 cm lang. Die Blüten erscheinen in
den Achseln der Schuppen unterhalb der später entwickelten Blätter. Samen
durch Fehlschlagen oft einzeln, steinfruchtartig, eirund-kugelig, fast 3 cm lang,
mit einem oft kurzen Stiele.
1. Ginkgo biloba L. (Mant. II, p. 313, 314 [1771]). Echter Ginkgobaum.
(Fig. 1 u. 2.)
Syn. Salisburia adiantifolia Smith in Linn. Trans. III, 330 (1797).
Ginkgo^) oder Gin an der Chinesen.
Ichö der Japaner.
^) Nach Mayr soll Gingkyo, Ginkyo die richtige Schreibweise sein.
36 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Syn. Arbre aux quarante ecus der Franzosen.
Maiden-Hair Tree der Engländer.
In China und Japan kultiviert, zumal auch an Tempeln und um Gräber
angepflanzt und deshalb als geheiligter, besonderer Baum besonders behütet
und geschont. Heimat wohl ziemlich sicher China; mächtige Bäume, die nicht
von Menschenhand gepflanzt sein können, wurden in den herrlichen Wäldern
an den Quellen des großen Goldflusses und in Szechuen gefunden (Gard.,
Chron. 1905, p. 5). Auch Korea ist als mutmaßliches Vaterland genannt worden.
Eingeführt im Jahre 1754.
Baum von über 30 m Höhe mit geradem Stamme, glatter, grauer Rinde
und pyramidaler Krone. Alte Bäume tragen an Stamm und Ästen eigenartige
zylindrische, kürzere oder längere, abwärts gerichtete Auswüchse. Äste wechsel-
ständig oder zerstreut horizontal oder öfter überhängend, Blätter lederartig,
groß, etwa 10 — 12 cm lang und 6 — 8 cm breit, breit-rhombisch-fächerförmig,
eingeschnitten zweilappig oder unregelmäßig gekerbt-gelappt. Männliche Kätz-
chen 25 — 30 mm lang, 6 mm breit. Frucht von unangenehmem, ranzigem
Geruch, fast 3 cm lang, 24 — 28 mm breit, erst grün, dann gelblich, geröstet zu
genießen (in China wie in Japan unter dem Namen Pa-Kewo sehr beliebt)
nd ein gutes Ol liefernd. Nach Kämpfer ist das weiße Holz weich und
ziemlich wertlos, während Delile es als sehr gut, fein und dicht und dem
Ahornholz ähnlich bezeichnet; es ist ohne alle Harzgänge. Ginkgo treibt
Wurzelausschläge und ist befähigt, aus abgeschlagenen Stämmen zahlreiche
Stockausschläge zu entwickeln.
Der Ginkgobaum steht in seiner Erscheinung, als eine Pflanzengestalt
aus längst entschwundenen Zeiten für die Jetztzeit gerettet, als letzter lebender
Repräsentant einer Gruppe von Bäumen, die noch in der Tertiärzeit über die
ganze nördliche Hemisphäre verbreitet war, einzig da und ist ein schöner,
höchst interessanter Baum, der, was die Blattform anbelangt, in der nordischen
Baumwelt nicht seinesgleichen hat. Derselbe ist ganz hart und nicht wählerisch
im Boden, denn wir finden in unseren Gärten in leichtem wie schwerem Boden
alte schöne Bäume, er muß aber stets ganz frei gestellt werden.
Das schönste Exemplar, was ich in Europa zu sehen Gelegenheit hatte,
steht im kleinen botanischen Garten zu Mailand, ein herrlicher, kerngesunder,
männlicher Baum mit mächtiger Krone, von etwa 40 m Höhe bei 1,20 m
Stammdurchmesser. Bis zu 10 m Höhe ist der Stamm astlos; dicht dabei
steht ein weiblicher Baum von etwa 17 m Höhe, der jährlich mit Früchten
bedeckt ist. Auch im Schloßgarten zu Karlsruhe stehen Bäume von 25,50
bis 30 m Höhe bei 1,90 und 1,80 m Stammumfang beider Geschlechter, so
daß dort in günstigen Jahren reichlich keimfähige Samen geerntet werden.
Auch in anderen älteren Gärten findet man in Deutschland stattliche alte Bäume.
Bei älteren Bäumen hängen oft Wipfel und Äste über. Hat man im
Garten nicht Bäume beider Geschlechter, so kann man zur Fruchtgewinnung
Zweige des männlichen Baumes auf den weiblichen oder umgekehrt veredeln.
Auf diesem Wege gewinnt man in manchen älteren deutschen Gärten keim-
fähige Samen.
Man sollte nur Bäume aus Samen erziehen, welcher möglichst bald nach
der Reife zu säen ist, denn nur so erhält man schöne, schlanke Stämme und
spitz-pyramidale Kronen. Samenbäume beider Geschlechter zeigen
I, Klasse, Ginkgoales.
37
weder im Wuchs noch in der Belaubung durchgreifende Unter-
schiede. Aus SteckHngen oder durch Ableger im Freien erzogene Pflanzen
&^*i^W*|«!*g»J-
Fig. 1. Ginkgo biloba L., junger Baum.
38 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
ergeben nie regelmäßige, sondern meist schiefe, unschöne Exemplare. Diese
Art der Vermehrung wird nur angewendet bei den nachfolgenden Formen,
die nicht durch Samen, sondern nur auf ungeschlechtlichem Wege echt fort-
zupflanzen sind. Exemplare solcher Abstammung haben auch die falsche
Angabe verursacht, daß sich männliche und weibliche Bäume schon am
Wuchs unterscheiden ließen; dem ist aber nicht so, denn wir finden von
beiden Geschlechtern unschöne, unregelmäßige Exemplare und tadellose, nor-
male, äußerlich nicht unterscheidbare Samenbäume. Man macht holzige Steck-
Fig. 2. Ginkgo biloba L. i Kurztrieb mit männlichen Blütenständen; 2, 3 Staubblatt; 4 weibliche
Blüte; 5 Frucht; 6 Samen; 7 Längsschnitt durch den Samen; 8 Querschnitt durch den Samen. 2, 3
und 4 vergr., alle anderen nat. Größe.
linge Ende Sommer, oder auch von jungen Trieben Anfang Sommer im
Kasten, veredelt auch auf die Art durch Kopulieren und Pfropfen vor dem
Austreiben im Frühjahr im Vermehrungshause. Sehr billig bezieht man kräftige
Sämlinge aus südeuropäischen Baumschulen, welche bis zur Erstarkung in
kalten Wintern leichten Schutz erhalten.
Wuchsformen.
Ginkgo biloba pendula hört.
Syn. Salisburia adiantifolia pendula bort.
Eine Form mit mehr oder minder überhängenden oder schirm-
förmig ausgebreiteten Ästen, welche sich eigentümlich ausnimmt, entweder
II. Klasse. Coniferae. 39
ganz freistehend, am besten möglichst hoch veredelt, oder über Stangengerüst
laubenartig geheftet, selbst an Wände geheftet und diesen dann einen ganz
eigenartigen frischgrünen Schmuck verleihend.
Wir finden sehr alte Exemplare dieser Form in den Gärten.
Ginkgo biloba fastigiata Fröbel.
Eine spitz-pyramidale bis Säulenform, mit aufstrebenden Ästen; eine
auffallende Erscheinung, für Kontraste geeignet.
Abweichende Belaubung.
Ginkgo biloba laciniata hört.
Syn. Salisburia macrophylla Reynier.
„ adiantifolia laciniata Carr., Conif. I, ed. 504.
„ „ macrophylla Gord. Pin. 299.
„ „ „ incisa hört.
„ „ dissecta hört.
Diese Form unterscheidet sich von der Art durch weit größere, in 2,
3, auch 5 Hauptlappen zerteilte und oft noch wieder mehrfach unregelmäßig
zerschlitzte Blätter.
Abweichende Blafffärbung.
Ginkgo biloba variegata hört.
Syn. Salisburia adiantifolia variegata hört.
Eine etwas empfindlichere Form mit goldgelb gestreiften Blättern.
Ginkgo biloba aurea Mast. (List of Conif. and Taxad. p. 34).
Eine Form mit goldgelber Belaubung.
Die Japaner kultivieren auch in Töpfen künstlich erzogene Zwerge von
Ginkgo, welche als 50 — 100jährige Pflanzen nur eine Höhe von 50 — 60 cm
haben und als Erzeugnisse der in diesem Fache eine unglaubliche Geschick-
lichkeit entwickelnden japanischen Gärtner besonders hochgeschätzt und be-
zahlt werden.
II. Klasse. Coniferae.
Familie Taxaceae. Eibenfamilie.
1. Unterfamilie: Podocarpeae. Steineiben.
Blüten zweihäusig oder selten an verschiedenen Zweigen einhäusig.
Männliche Kätzchen endständig oder oft achselständig. Antherenfächer 2,
dicht anstehend, angewachsen. Schuppen des weiblichen Kätzchens sehr
wenige oder mehrere, oft fleischig, spiralförmig zusammengedrängt. Eichen
1, von der Spitze der Schuppe oder der Samenschuppe her umgewendet.
Samenschuppe sitzend oder gestielt, bald dem Ei, bald der Schuppe angewachsen.
Immergrüne Bäume oder Sträucher.
40 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Podocarpus L'Her. (H. B. et Kth., Nov. Gen. et Spec. II, 2, t. 97).
Steineibe, Fußfrucht.
Blüten ein- oder zweihäusig, männliche einzeln, entweder gehuschelt zu
2 — 5 oder mehr längs der länglichen Spindel, locker ährenförmig, je eine
von wenigen kleinen dachziegeligen Bracteen eng umgeben. Staubfadensäule
zylindrisch-länglich und dicht oder seltener kürzer und locker oberhalb der
Bracteen sitzend oder gestielt. Antheren spiralig gedrängt sitzend, Fächer
zwei, parallel angewachsen, nach außen gerichtet oder fast seitlich zweiklappig,
durch das Mittelband über die Fächer hinaus in ein kleines zugespitztes An-
hängsel verlängert. Weibliche Blüten gewöhnlich einzeln oder seltener zu
zweien, durch die blütentragende Bractee und die wenigen inneren, leeren
Bracteen dem Blütenstiel angewachsen und mit demselben sozusagen einen
länglichen, oft fleischig-saftigen Fruchtboden bildend, jedoch von den Spitzen
der Bracteen oder den 1^ — 2 unten befindlichen kleinen Bracteen frei; seltener
mehrere Blüten längs des Stieles entfernt ährenständig, mit kleinen Bracteen.
Samenschuppe durch die blütentragende Bractee gestielt eiförmig, fleischig,
das einzige umgewendete Eichen einschließend und demselben fast bis
zur Spitze angewachsen. Frucht über dem Fruchtboden öfter kurz gestielt,
kugelig oder eirund, Steinfrucht- oder nußartig mit einer äußeren (von der
Samenschuppe gebildeten) fleischigen oder saftlosen Lage und einer inneren,
erhärteten Samenschale von allen Seiten eingeschlossen. Embryo dünn, in
fleischigem Eiweiß mit 2 Kotyledonen.
Hohe, immergrüne Bäume, seltener Sträucher.
1. Podocarpus chinensis Wall. (List. n. 6051 [1828]).
Chinesische Steineibe.
Syn. Taxus chinensis Roxb., Hort. Beng. p. 73 (1814).
Juniperus chinensis Roxb., Fl. ind. orient. III, p. 840 (1832).
Podocarpus macrophylla ß, Maki Sieb. (1844).
Makoya Forb., Pin. Wob. p. 218 (1839).
„ Makoyi hört., Lov. Blume. Rumph. III, 216.
„ Maki Sieb, et Zucc, Fl. Jap. t. 134.
Sin-Koja-Maki, Ken-sin der Chinesen.
Inu-Maki der Japaner.
In China und Japan kultiviert.
Kleiner Baum oder Strauch, der in unseren Kulturen reichlich Früchte
ansetzt, mit geradem Stamm und aschgrauer Rinde, mit zahlreichen kurzen,
zerstreuten oder fast quirlständigen Ästen. Zweige zahlreich, etwas eckig,
grün. Blätter dicht und zerstreut stehend, 4 — 8 cm lang, 4 — 6 mm breit,
gerade abstehend, lederartig, lineal-lanzettlich, spitz, am Grunde verschmälert
und etwas gedreht, am Rande etwas umgerollt, oben bräunlich-grün mit
stumpf vorstehenden Längsnerven, unten blaßgrün, an jungen Blättern blaugrün.
Frucht 9 — 10 mm lang, 7 — 8 mm breit, auf einem 10 — 12 cm langen, 7 — 8 mm
breiten, dunkelvioletten Fruchtboden.
Nur in den mildesten Lagen Deutschlands überdauert diese Art den
Winter unter Decke. Sie erfriert noch in Paris und wird in England selten
kuliviert.
II. Klasse. Coniferae. 41
2. Podocarpus macrophylla Don. (in Lamb. Pin. ed. 2, p. 123 [1824]).
Großblättrige Steineibe.
Syn. Taxus macrophylla Thunb., Fl. Jap. p. 276 (1784).
Maki, Hon-Maki, Kusa-Maki der Japaner.
In Japan bei Nagasaki häufig, bei Tokio, bei Yokoska und in Yunnan (China).
Etwa um das Jahr 1804 in Europa eingeführt.
Baum von 12 — 15 m Höhe mit geradem Stamm und aschgrauer Rinde,
sehr dicht beästet, mit gedrängt stehenden, aufstrebenden Zweigen. Blätter
zerstreut und abstehend, lederartig, gerade oder etwas sichelförmig, lanzettlich,
kurz zugespitzt, oberhalb glänzend grün, wie lackiert, mit vorstehendem Mittel-
nerv, unten blaßgrün, 6 — 10 cm lang, 7 — 9 mm breit. Früchte eirund, glatt,
von der Größe einer Erbse, der Fruchtboden von zwei borstigen, abstehenden
Bracteen gestützt.
Nach Thunb erg soll das weiße Holz außerordentlich dauerhaft sein und
nie von Insekten angegriffen werden.
Auch von dieser Art erziehen die Japaner die öfter erwähnten künstlichen
Zwergformen in Töpfen, welche bei einem Alter von 50 — 100 Jahren Kugel-
formen von nur 50 — 60 cm Höhe darstellen.
Diese Art dauert nur in den wärmsten Lagen Deutschlands unter Decke
aus. Sie erfriert noch bei Paris, entwickelt sich aber in England in ge-
schützten Lagen zu schönen Pflanzen.
3. Podocarpus alpina R. Br. (ex Mirb. in Mem. du Museum 13, p. 75 [1825]).
Alpen-Steineibe.
Syn. Podocarpus Totara Don. alpina, Carr., Conif. d. 652 (1867).
Auf Gebirgen des südöstlichen Neuhollands, Alpen Viktorias, Gebirge
Tasmaniens, auf dem Berge Wellington, auf dem Malborough-Plateau, dem
West-Gebirge in einer Höhe von 1000 — 1400 m vorkommend.
Buschiger, dichtzweigiger Strauch von ca. 4 m Höhe mit abstehenden
Ästen. Blätter zerstreut, dichtstehend, oder fast zweizeilig abstehend, leder-
artig, gerade oder leicht sichelförmig, klein, 5—16 mm lang, 2 mm breit, lineal
oder lineal-länglich stumpf, scharf gespitzt, an der Basis in einen etwas ge-
drehten Stiel verschmälert, oben mit einer Längsfurche versehen. Frucht
klein, auf fleischigem Stiele, an der Spitze ungleich schief zweispaltig.
In unseren Kulturen ein dicht bezweigter, dunkelgrüner Busch mit auf-
fallend kleinen Blättern, der sich ziemlich widerstandsfähig zeigte, z. B. im
dendrologischen Garten der Forstakademie in Münden in Hann. nach Zabel
normale Winter überdauerte.
Die Podocarpus können für Deutschlands Klima kaum noch alsFreiland-
Coniferen betrachtet werden, denn jeder härtere Winter tötet sie oder nimmt
ihnen doch jeden Zierwert; nur deshalb, weil in besonders geschützten Lagen
hier und da eine der hier beschriebenen Arten unter Decke ausdauerte, führte
ich obige drei auf, die allenfalls für die wärmsten Lagen Deutschlands ein
Gedeihen versprechen, jedoch kaum je Pflanzen von wirklichem Zierwert
liefern dürften, sondern eben nur für Sammlungen Interesse haben.
Die Vermehrung geschieht durch importierten Samen, durch Stecklinge
im Herbst im Vermehrungshause oder durch Veredelung (Anplatten) der
42 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
seltneren Arten auf eine Art, die gerade vorhanden ist oder leicht durch
Samen oder Stecklinge herangezogen werden kann. Nie sollte man Taxus
baccata als Unterlage wählen, da diese durchaus ungeeignet ist, wie auch
Carriere ausdrücklich betont in Conif. S. 682,
Die anderen zahlreichen, teils recht schönen und dekorativen Podocarpus
verlangen die Kultur im Kalthause, selbst manche die im temperierten Hause.
4. Podocarpus andina Popp. Mscr. Steineibe der Anden Chiles,
Pflaumen- oder Kirschfrüchtige Eibe.
Syn. Taxus spicata Dombey msc. ex Mirb. in Mem. du Mus. XIII, p. 76.
Podocarpus spicata Popp., Nov. Gen. et spec. III, p. 18.
Prumnopitys elegans Philip, in Linn. 30, p. 371 (1859).
Lleuque der Chilenen.
Plum-fruited Yew der Engländer.
In den südlichen Anden Chiles in einer Erhebung von 1300 m vor-
kommend und im Jahre 1860 in Kultur eingeführt, kann für Deutschland nicht
mehr als Freiland-Conifere angesehen werden. Sie bildet als harte Topf-
Dekorationspflanze bei uns zierliche, säulenförmig aufstrebende, feinzweigige
Pflanzen und verdient als solche Verwendung.
Sie dauert in geschützten Lagen in England aus, nach Carriere auch
in Cherbourg.
5. Saxegothaea conspicua Lindl. (in Paxt. Flow. Card. 1851 — 52, p. 111).
Ansehnliche patagonische Eibe oder Mahin.
Syn. Prince Alberts Yew der Engländer.
In Valdivia und auf Chiloe öfter in feuchten Hainen wachsend, auch in
den Anden Patagoniens vorkommend. '
Im Jahre 1847 durch Lobb in Europa eingeführt.
Auch diese Pflanze ist für Deutschland nicht mehr als Freiland-Conifere
zu betrachten, erfriert noch in Paris, ist selbst in England nur leidlich hart
und nach Veitch von langsamem, unregelmäßigem Wuchs. Als solche tritt
sie auch in unseren Kulturen auf, stellt einen buschigen, der Eibe ähnlichen
Strauch von hellerem Grün mit mehr oder minder deutlich zweizeilig gestellten,
sichelförmigen, unterseits blaugrünen Blättern dar. Sie bietet lediglich wissen-
schaftliches Interesse und verdient sonst in dekorativer Hinsicht die Kultur nicht.
2. Unterfamilie: Taxeae. Eibengewächse.
Blüten zweihäusig oder selten einhäusig, männliche an kurzen Zweigen
achselständig Antheren 2 — 8, hängend, fast kugelig, einfächerig, der Länge
nach aufspringend. Schuppen der weiblichen Blüten dachziegelförmig, alle,
ausgenommen die endständige, unfruchtbar oder mehrere fruchtbar. Samen-
schuppe von der Bractee frei, sitzend oder lang gestielt, an der Spitze voll-
kommen oder unvollkommen, ringförmig oder gebechert, oder das Eichen
einhüllend. Eichen auf der Schuppe oder in jeder Abteilung der Schuppe 1,
aufrecht.
Immergrüne, sehr verzweigte Bäume oder Sträucher.
IL Klasse. Coniferae. 43
Taxus Tourn. (Inst. p. 362). Eibenbaum.
Blüten zweihäusig, männliche in den Achseln einzeln, fast sitzend, von
einigen schuppenförmigen, dachziegeligen Bracteen umgeben. Staubfadensäule
kurz gestielt, kreisel-kugelförmig. Antheren 5 — 8, vor dem Aufspringen fast
kugelig, nachher flachgedrückt, vier- bis sechsfurchig, mit kurzem Stiele. Fächer
4 — 6, um die Spitze des Stieles herum verwachsen, unterhalb nach einwärts
aufspringend; entleerte Antheren fast schirmförmig, vier- bis sechslappig, mit
einem Mittelbande ohne Anhängselchen oder inmitten der Anthere kaum sehr
kurz stachelspitzig. Weibliche Kätzchen achselständig sitzend, einblütig (oder
sehr selten zweiblütig), mit mehreren tauben, breiten, enge dachziegeligen
Schuppen, die oberen stufenweise größer, fast in ein Näpfchen zusammen-
gedrängt. Samenschuppe innerhalb der obersten Schuppe, von dieser frei,
während der Blüte ringförmig, kaum hervorragend, bald vergrößert, gebechert,
abgestutzt, nachher länger als der Samen. Eichen 1, innerhalb der Samen-
schuppe aufrecht. Der reife Samen eirund-kugelig, durch die vergrößerte,
fleischig -breiige, beerenförmige, an der Spitze abgestutzte Samenschuppe
(Samenmantel oder arillus) fast bis zur Spitze oder gänzlich eingeschlossen,
von derselben dennoch, außer an der Basis, frei. Schale hart, fast holzig.
Kotyledonen 2.
1. Taxus baccata L. (Spec. pl. 1472 [1753]). Gemeiner Eibenbaum,
Eibe, Taxusbaum, Taxbaum. (Fig. 3 u. 4.)
Syn. nach Pari.:
Taxus nucifera Wall., Tent. Fl. nep. 44, t. 57 exkl. Syn.
„ virgata Wall. pl. exsicc.
„ nepalensis Jacqem. pl. exsicc.
„ WalHchiana Zucc. in Abhandl. d. math. phys. Kl. d, bayer.
Akad. III, p. 803, t. 5.
If commun der Franzosen.
Common Yew der Engländer.
In Europa, dem Kaukasus, Armenien, Nord -Afrika, im Himalaya, in
China (in Hupeh, Shensi, Szechuen) und Japan und im westlichen Nord-
Amerika vorkommend.
Baum von 12 — 20 m Höhe und über 1 m Durchmesser, mit rundlicher
Krone, in Kultur oft Strauch. Stamm mit rötlicher, in Blättern sich lösender
Rinde bekleidet. Äste zerstreut, abstehend, Zweige kurz, etwas hängend,
Blätter 18 — 28 mm lang, 2 — 2^/2 mm breit, immergrün, nicht abwechselnd und
zweizeilig gestellt, lineal sichelförmig, flach zugespitzt, kurz stachelspitzig, an
der Basis mit kurzem Stiel, etwas gedreht, oben glänzend schwarzgrün, unten
beiderseits des Längsnerven matt blaßgrün. Früchte an kurzen Zweigen, ab-
stehend oder etwas überhängend, 8 — 12 mm lang und breit, Fruchtbecher fast
kugelig, rot, mit süßem, klebrigem Safte. Samen eirund zugespitzt, olivenbraun,
punktiert, in knochenharter Schale.
Ein schöner, höchst wertvoller Baum oder Strauch, welcher in der Land-
schaft durch gefälligen Wuchs und dunkelgrüne Färbung besonders wirkungs-
voll ist, zumal aber im Winter und wenn er mit roten Früchten dicht besetzt
ist. Aus Samen erzogen, bildet er schöne Bäume und sollte so weit mehr
44 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
angepflanzt werden, wie es jetzt der Fall ist; auch von forstlicher Seite im
Mischwalde verdient er mehr Schonung, Beachtung und Neuanpflanzung beider
i
Geschlechter, da die alten malerischen Exemplare mit dicken, knorrigen
Stämmen und oft enormer Kronenausdehnung leider immermehr ver-
II. Klasse. Coniferae.
45
schwinden.^) Das langsame Wachstum des Eibenbaumes ist sicher mit ein
Grund für seine spärHche Verwendung zu Nutzpfianzungen, da an einen
Ertrag so bald nicht zu denken ist; er liefert übrigens ein außerordentlich
hartes, schweres und dauerhaftes, rötliches Holz. Er wächst in jeder Lage
Fig. 4. Taxus baccata L. 1 Zweig mit männlichen Blüten; 2 Zweig mit weiblichen Blüten; 3 Zweig
mit junger und reifer Frucht; 4 männlicher Blütenstand; 5 männliche Blüte von oben; 6 dieselbe von
unten; 7 weibliche Blüte; 8 weibliche Blüte im Durchschnitt; 9 Längsschnitt durch die reife Frucht
mit dem Samenmantel; 10 Blatt; 11 Blattdurchschnitt. 4—11 vergr.
^) Jeder, der dazu Gelegenheit findet, sollte den Anbau dieses schönen, immergrünen
Baumes wieder fördern helfen. Da hier nicht der Raum ist, auf Einzelheiten einzugehen, wolle
man darüber die interessanten Schriften: „ Fried r. Jännicke, Die Eibe, natur- und kultur-
wissenschaftlich betrachtet", 42. Jahresbericht des Offenbacher Vereins für Naturkunde, 1901, und
„Die Eibe, ein aussterbender Waldbaum", Conwentz, Abhandl. zur Landeskunde der Provinz
Westpreußen Heft III, Danzig, nachlesen.
46 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
und in jedem Boden, liebt Schatten und ist daher auch als Unterholz sehr
schätzbar. Man sollte ihn, wie auch die nachstehenden Formen, stets frei-
stellen, bildet aber auch von ihm dichte Gebüsche, die den Vögeln Schutz
und Brutstätten gewähren; trefflich ist er zu Hecken, und alte regelmäßige
Gärten liefern uns den Beweis, zu welchen verschiedenen Formen und künst-
lichen Figuren der Eibenbaum sich durch Schnitt erziehen läßt.
In sehr ausgesetzten und in rauhen Lagen leidet der Eibenbaum bei
andauernden Kahlfrösten und scharfen, ausdörrenden Winden im Winter
oft stark an den Blättern, so daß diese zum Teil sich bräunen und die Pflanzen
für längere Zeit verunzieren; sogar als Unterholz findet man beschädigte
Pflanzen.
Die grünen Pflanzenteile zeigen scharf giftige Eigenschaften und werden
zumal den Pferden, Eseln und dem Rindvieh gefährlich, welche, wenn sie
davon fressen, oft plötzlich zusammenbrechen und verenden, man sollte deshalb
mit der Anpflanzung an Stellen, wo Auffahrten und Haltestellen für Fuhr-
werke sind, vorsichtig sein. Die roten Fruchthüllen zeigen dagegen, wie oft
irrigerweise angegeben wird, keine giftigen Eigenschaften, werden oft von
Kindern gegessen und wirken, nur wenn zu reichlich genossen, abführend.
Wuchsformen. Säulenformen.
Taxus baccata fastigiata Loud. (Encycl. of Trees 939, f. 1751).
Irländischer oder Säuleneibenbaum.
Syn. Taxus baccata hibernica hört.
„ fastigiata Lindl. et Gord., Journ. Hort. Soc. V, 227.
„ hibernica Hook., Mack. Fl. hybern. 260.
„ pyramidalis hört. aliq.
If d'Irlande der Franzosen.
Irish Yew, Florence Court Yew der Engländer.
Äste zahlreich, sehr dicht und steif aufrecht, wenig verzweigt, Blätter
zerstreut, dicklich, lang zurückgerollt, oben abgestumpft, tief dunkelgrün, rings
um den Zweig gestellt. Die Blattstellung entspricht ganz der von jungen
Samenpflanzen. Diese Säulenform ist demnach als eine fixierte Jugendform
zu betrachten, welche aus einem eigentümlichen Sämlinge zufällig erzeugt
wurde. Eine sehr auffallende, eine schwarzgrüne Säule bildende, in älteren
Exemplaren sich mehr breit auseinanderlegende Form, welche in Irland im
Gebirge von Fermanagh bei Florence Court nach Loudon im Jahre 1780 wild
gefunden wurde und daher den Namen hibernica (irländisch) erhielt,^) und
zwar war es eine weibliche Pflanze, welche als Mutter der unzähligen, über
die Welt verbreiteten Exemplare dieser Form zu betrachten ist, und welche,
um sie echt fortzupflanzen, stets durch Stecklinge vermehrt wurde. Es sind
an dieser Form auch männliche Blüten beobachtet worden, wie denn
monözische Blüten sowohl an normalen Taxus wie an anderen Formen der-
selben auch nachgewiesen worden sind.
Diese sehr abweichende Form zeigt sich leider in rauhen Lagen
empfindlich und verlangt geschützten, halbschattigen Standort. Sie ist sehr
langsam von Wuchs, befähigt, starke Kontraste hervorzubringen, und als
■•) Die genaue Geschichte der Entstehung findet sich in Gardeners Chronicle 1873, S. 1336.
II. Klasse. Coniferae. 47
Säulenform für regelmäßige Gartenanlagen, für Gräberschmuck etc. geeignet
und, zumal reich mit roten Früchten besetzt, äußerst zierend.
Sämlinge dieser Form gehen in Wuchs und Blattstellung zur Art zurück
oder bilden teils Zwischenformen, wie solche auch unter den weiter be-
schriebenen Formen aufgeführt sind.
Unferformen der Säuleneibe.
Taxus baccata fastigiata aurea Stand.
Syn. Taxus fastigiata aurea hört.
„ hibernica aurea hört.
Eine Form der Säuleneibe, von fast rein goldgelber Färbung,
deren Blätter nur noch mit einem grünen Streifen gezeichnet sind, auffallend,
aber empfindlicher als die grüne Form. Für milde Lagen als ein besonderer
Schmuck zu empfehlen.
Taxus baccata fastigiata aureo-variegata hört.
Syn. Taxus fastigiata aureo-variegata hört.
„ hibernica aureo-variegata hört.
Eine hübsche, goldbunte, beständige Form der Säuleneibe, von
gleich üppigem Wuchs wie die grüne Form, welche sich an manchen
Orten in harten Wintern als besonders widerstandsfähig gezeigt hat. An
verschiedenen Orten in Kultur gewonnen, gibt es wertvolle und gering-
wertigere Formen.
Taxus baccata fastigiata aureo-variegata compacta hört.
Syn. Taxus baccata fastigiata Standishii bort.
Eine Form der vorigen, von dichtem, gedrungenem Wuchs, schwach-
wüchsig, aber von leuchtend goldiger Färbung.
Taxus baccata fastigiata argenteo-variegata hört.
Syn. Taxus fastigiata argenteo-variegata hört.
„ hibernica argenteo-variegata bort.
Weißbunte, empfindlichere Form; die bunte Zeichnung ist über die
ganze Pflanze verbreitet und auch die jungen Triebe erscheinen weißlich.
Taxus baccata fastigiata aureo-marginata Fisher.
Eine gleichfalls schöne, üppige Form mit goldgerandeten Blättern,
aber im Gegensatz zu den vorstehenden Formen eine männliche Pflanze,
welche von den Herren Fisher Son und Sibray in Handsworth (Sheffield)
als Sport an einer sehr alten, unter dem Namen T. b. pyramidalis aureo-marg.
lange bekannten, ebenfalls männlichen Pflanze gefunden wurde. Da somit
beide Geschlechter von der Säuleneibe vertreten sind, sollten durch gegen-
seitige Bestäubung, bei strengem Ausschluß von Bestäubung durch normale
Taxus, Versuche angestellt werden, um Sämlinge derselben zu gewinnen und
festzustellen, ob auch dann noch Rückschläge unter den Sämlingen zur nor-
malen Eibe vorkommen.
48 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Taxus baccata fastigiata nova hört.
Eine in Forsteck bei Kiel bei einer Aussaat gewonnene Form, welche
sich von der irländischen Pflanze durch etwas schnelleren, sehr schlanken,
kräftigeren Wuchs, tief dunkelgrüne, weniger bläuliche, etwas feinere Belaubung
und durch völlige Winterhärte auszeichnet. Sie litt in harten Wintern
niemals, während die irländische Eibe bis zum Boden abfror. Sie wäre also
besonders schätzbar für rauhere Lagen.
Sämlinge der Fasfigata^Form und Übergangsformen.
Taxus baccata columnaris Carr. (Conif. 2. ed. p. 738 [1867]).
Diese Form bildet eine schmale, dichte Säule. Zweige sehr zahl-
reich und aufrecht. Blätter klein, goldbunt gestreift. Es ist dies ein eigen-
tümlicher Sämling von T.. baccata fastigiata.
Taxus baccata Cheshuntensis Gord. (Pin. Suppl. 98 [1862]).
Eine Form, welche aus Samen von T. baccata fastigiata gewonnen wurde,
sich durch schlanken, aufstrebenden Wuchs und durch schmalere, dicht und
rings um die Zweige gestellte, auffallend blaugrüne Blätter auszeichnet.
Taxus baccata glauca Carr. (Conif. 2. ed. 735 [1867]).
Syn. Taxus baccata subglaucescens Jaques.
„ „ nigra hört. angl.
„ „ Blue John hört. angl.
Eine der vorigen im Wuchs sehr ähnliche Form, aber größer und üppiger
von Wuchs. Blätter länger und schmaler als bei der Art, an seitUchen Zweigen
oft sichelförmig gebogen; durch die dunkle bläuliche Färbung eine auf-
fallende, dekorative, in England gewonnene Form.
Taxus baccata Nedpath Castle hört.
Syn. Taxus baccata Niopath hört.
„ „ Nedpati hört.
Eine Form von breit säulenförmigem Wuchs, mit langen, aufstrebenden
Zweigen und feinen, blaugrünen Blättern, in größeren Exemplaren recht
dekorativ.
Taxus baccata compressa Carr. (Conif. 2. ed. p. 738).
Ebenfalls ein Sämling von T. baccata fastigiata, der einen schmalen,
kegelförmigen Busch bildet, mit dünnen, sehr zahlreichen, steif auf-
strebenden Zweigen, gelblicher Rinde und zerstreut stehenden, ziemlich
kurzen, hellgrünen Blättern.
Taxus baccata intermedia Carr. (Conif. 1. c.)
Auch ein SämHng von T. baccata fastigiata, eine üppige Pflanze von
pyramidaler, kandelaberartiger Form, mit ziemlich weit gestellten, dicken, nicht
sehr zahlreichen, steif aufstrebenden Ästen und wenigen sehr kurzen Zweigen,
mit gelblicher Rinde; Blätter weit und zerstreut stehend, gestielt, gerade,
leicht gebogen, in eine rötliche Spitze auslaufend.
II. Klasse. Coniferae. 49
Aufstrebende Formen.
Taxus baccata pyramidalis hört.
Syn, Taxus pyramidalis hört.
Eine üppig aufwachsende, schöne, breit-pyramidale, dicht bezweigte,
harte Form, welche Empfehlung verdient. Es gibt von derselben eine Form
mit goldgeränderten Blättern:
Taxus baccata pyramidalis aureo-marginata.
Taxus baccata erecta Loud. (Encycl. of Trees 940).
Syn. Taxus erecta hört,
„ stricta hört.
„ baccata Crowderi hört, (ex Gord. Pin. Suppl. 98).
Ein buschiger Strauch mit zahlreichen, schlanken, aufrechten Ästen
und feinen, aufstrebenden Zweigen. Blätter dunkelgrün, zerstreut, viel schmaler
und kürzer als bei der Art. Sehr empfehlenswerte Form, die zugleich in
Menge ein feines Grün liefert und sich als besonders winterhart bewährt hat.
Taxus baccata erecta glauca hört.
Eine blaugrüne Form der vorigen.
Taxus baccata erecta aureo-variegata hört.
Eine zierliche, hellgelb-bunte Form.
Taxus baccata erecta semper aurea hört.
Syn. Taxus baccata erecta lutea nova hört.
Eine schöne, beständige, goldgelbe Form.
Taxus baccata Mac Nabiana hört. angl.
Eine Form von aufstrebendem Wuchs, mit zierlicher, dichtstehender Be-
laubung.
Taxus baccata imperialis hört.
Syn. Taxus imperialis hört.
Eine schöne, schlank aufstrebende Form mit ziemlich kleinen,
schmalen, lebhaft grünen Blättern.
Überhängende Bezweigung.
Taxus baccata Dovastonii Carr. (Rev. hört. 1861, p. 175, mit Abbild.).
Syn. Taxus pendula hört.
„ Dovastonii hört.
„ umbraculifera hört.
„ cuspidata Sieb, et Zucc. variet. C. Koch, Dendr. II, S. 97.
Cephalotaxus umbraculifera Sieb, (in Endl., Syn. Conif. 239 [1847]).
Dovaston- oder Westfeiten Yew der Engländer.
Eine vorzüglich dekorative Form, zumal wenn sie mit aufstrebendem
Mittel trieb versehen ist und so mit quirlförmigen, überhängenden Ästen,
dazu reich mit Früchten besetzt, die zwischen den schwarzgrünen, meist etwas
sichelförmig gebogenen Blättern sich prächtig ausnehmen, eine besonders
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 4
50 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
auffallende Erscheinung bildet. — Zu einer guten Entwickelung bedarf diese
Form viel Platz und sollte daher stets ganz frei gestellt werden. Oft tritt
sie ohne Mitteltrieb, durch Stecklinge von Seitentrieben vermehrt, als breit
sich ausdehnender Busch mit überhängenden Zweigen auf, setzt
leicht Früchte an und ist auch so an Abhängen und zwischen Felsen schön.
Eine oft verkannte Pflanze, welche auch fälschlich einheimisch in
Nordchina und auf Bergen Japans genannt wird; dem ist jedoch nicht so,
denn Loudon gibt in Arb. et Frut. IV, p. 2082 an, daß die Mutterpflanze
von T. Dovastonii in England zufällig in Kultur gewonnen wurde. In Garden.
Chron. 1900, p. 147 wird dieselbe abgebildet und genau die Geschichte ihrer
Entstehung gegeben. Mr. JohnDovaston in Westfeiten bei Shrewburg fand
die Pflanze. Dieselbe bildet jetzt ein Prachtexemplar mit elegant über-
hängender Bezweigung, hat eine Höhe von 37 Fuß bei i^/., Fuß über dem
Boden gemessen, 9 Fuß Stammumfang und ein Alter von etwa 123 Jahren.
Sie gehört daher, wie auch andere sehr abweichende Formen, bestimmt
zu T, baccata, da Sämlinge von ihr meist wieder die gewöhnliche Eibe
ergeben, wenn auch manche Sämlinge mehr oder minder ihre Eigentümlichkeit
bewahrten, wie viele Aussaaten an verschiedenen Orten unwiderleglich bewiesen
haben.
Taxus baccata Dovastonii aureo-variegata hört.
Syn. Taxus baccata pendula aureo-variegata hört.
Eine goldbunte Form der vorigen, gleichfalls entweder mit auf-
strebendem Mitteltrieb und überhängenden Seitenästen oder als Busch niedrig
und dann mit den Ästen sich weit über den Boden ausbreitend, durch be-
ständige goldbunte Färbung auffallend, auch hoch veredelt schirmförmige
Hängebäumchen bildend und so als Schaustück sehr schön.
Taxus baccata horizontalis Knight. (Syn. Conif. 52 [1850]).
Syn. Taxus horizontalis hört
„ disticha Wendr.
Eine interessante, auffallende Form mit aufstrebendem Gipfeltrieb und
quirlständigen, ausgebreiteten, weitgestellten, an der Spitze aufgebogenen
Asten. Blätter weitstehend, oft sichelförmig zurückgerollt, oberseits gekielt.
Taxus baccata gracilis pendula hört.
Syn. Taxus baccata pendula hört.
Besonders zierliche, empfehlenswerte Form mit aufstrebendem Gipfel-
trieb und quirlständigen, leicht überhängenden Asten. Eine reizende,
elegante Erscheinung, ganz frei zu stellen.
Taxus baccata pendula gratiosa Overeynder.
Eine üppige, schöne Hängeform, welche noch zierlicher in der Be-
zweigung wie die eben genannte, einer Trauerweide ähnlich herabhängt.
Auch sie bildet, ganz frei auf Rasen, einen prächtigen Schmuck.
Taxus baccata recurvata Carr. (Conif. 2. ed. 737 [1867]).
Syn. Taxus recurvata Laws. ex Gord. Pin. 313.
Eine sehr charakteristische Form mit lang ausgebreiteten, öfter über-
gebogenen Asten und zurückgekrümmten Blättern.
II. Klasse, Coniferae. 51
Taxus baccata Jacksonii Gord. (Pin. Suppl. 99, 1862).
Syn. Taxus Jacksonii hört.
Eine Form mit ausgebreiteten, an den Spitzen leicht übergebogenen
Ästen. Zweige zahlreich, kurz, schief, öfter übergebogen; Blätter sehr dicht-
stehend, ziemlich breit, sichelförmig einwärts gekrümmt, hellgrün.
Abweichende Belaubung.
Taxus baccata cuspidata Carr. (Conif. 2. ed. 733 [1867]).
Syn. Taxus baccata Thunb., Fl. Jap. 275 (1784).
„ cuspidata Sieb, et Zucc, Fl. Jap. t. 128, Fam. Nat. II, 108 (1842).
Ichii, Araragi der Japaner.
Japanese Yew der Engländer.
If du Japon der Franzosen, 1852 eingeführt.
In Japan heimisch, häufig in der Provinz Hida, öfter Strauch- als
baumartig im Laubwalde eingesprengt, auf der Insel Eso kultiviert, von Maxi-
mowicz bei Yokohama und in der südöstlichen Mandschurei beobachtet, noch
im rauhen Klima des Hochgebirges gedeihend und ein außerordentlich hartes,
elastisches, wohlriechendes, feinmaseriges, rotes und zur Möbelfabrikation
geschätztes Holz liefernd. Mayr (Fremdländische Wald- und Parkbäume, 1906,
S. 418) fand auf Eso im Laubwalde am Ufer des Ischikari Bäume von 22 m Höhe.
Eine charakteristische Form mit aufstrebenden oder ausgebreiteten Ästen
und von gedrungenem Wuchs, mit zahlreichen kurzen Zweigen. Blätter leder-
artig, dicklich, sichelförmig, dunkelgrün, stark gekielt und oben fast gerinnt,
unten konkav, hellgrün, an den Rändern umgebogen, plötzlich in eine
schwärzliche Stachelspitze ausgezogen. Die Früchte sind von der
europäischen Eibe nicht verschieden. Wie Herr Otto Froebel in den
„Mitteil. d. d. dendrol. Gesellsch." 1905, S. 48 angibt, hat er von importierten
Pflanzen der Cuspidata-Form gelbe Früchte geerntet; wir hätten also auch
die Taxus baccata cuspidata fructu luteo in Kultur. Ob auch an anderen
Orten diese gelbfrüchtige Form vorkommt, wird sich ja ergeben, sobald stärkere
Exemplare fruchten. Samenpflanzen von Taxus bacc. cuspidata brachten
bei Herrn Froebel rote Früchte. In Kultur wäre nun weiter zu erproben,
ob die gelbfrüchtige Form, aus Samen erzogen, beständig bleibt oder zur rot-
früchtigen normalen zurückschlägt.
Vielfach als Art angesehen, ist dieselbe nach Maximowicz Urteil nur
Form von T. baccata; auch Carriere, als guter Beobachter, stellt sie als
Form dazu, sagt allerdings nicht, ob er Sämlinge, die zur Art zurückgingen,
beobachtete, wie es bei anderen, nicht minder abweichenden Formen geschehen.
Sehen wir die überaus zahlreichen Formen der gemeinen Eibe an, die
oft so auffallend von der Art abweichen, zumal die var. Dovastonii, welche,
wie nachgewiesen, europäischen Ursprungs, gerade in den Blättern mit var.
cuspidata große Ähnlichkeit hat und deshalb wohl auch von' C. Koch als
Form zu dieser gestellt wurde, so bietet diese japanische Form keine Ab-
weichungen, welche die Annahme einer besonderen Art rechtfertigen könnten,
sondern es ist nur eine nach Klima und Standort abweichende Form.
Selbst wenn Sämlinge solcher klimatischen Formen ihre seit langen
Zeiten vererbten Eigenschaften mehr oder minder ausgeprägt erhalten, ist dies
52 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
noch kein Beweis dafür, daß wir eine Art vor uns haben, denn solche Formen
können sich doch unter veränderten Verhältnissen nur sehr allmählich,
aber niemals bei einer gerade vorgenommenen Aussaat sofort umgestalten.
Diese japanische Form hat sich in harten Wintern als besonders wider-
standsfähig bewährt und ist daher warm zur Anpflanzung zu empfehlen.
Taxus baccata adpressa Carr. (Man. des PI. IV, 380; Conif. p. 731).
Syn. Taxus adpressa Gerd., Pin. 310.
„ sinensis tardiva Knight, Syn. Conif. 52.
„ brevifolia hört., nicht Nutt.
„ tardiva Law. ex Henk, et Höchst., Nadelh. 361; Pari, in D.
C. Prod. XVI, 502; Knight, Conif. p. 52.
„ parvifolia Wender, Conif. p. 42.
„ baccata microphylla Jacq.
„ cuspidata Sieb, et Zucc. variet. C. Koch, Dendr. II, p. 96.
Cephalotaxus tardiva Sieb. msc. Endl., Conif. p. 239.
„ adpressa bort.
„ brevifolia bort.
Kyara-boku, in Japan nur kultiviert, nicht einheimisch.
Eine sehr abweichende Form, welche irrtümlich als aus Japan und
China eingeführt bezeichnet, oft als besondere Art betrachtet und sogar als
Cephalotaxus beschrieben wurde, obgleich sie niemand dort wild gesehen
und weder Siebold noch Miquel sie in ihren Werken aufführen. Nachdem
über der Entstehung dieser interessanten Form lange tiefes Dunkel schwebte,
vielleicht nicht ganz unabsichtlich, um sie als fragliches Auslandsprodukt noch
interessanter zu machen — erfahren wir von Mrs. James Dickson &Sons
in ehester in The Garden XXIX, 1896, p. 268, daß diese Adpressa-Form
als eigentümlicher Taxus-Sämling auf einem Weißdornbeete in der
Baumschule im Jahre 1828 zufällig von seinem Vater Francis Dickson auf-
gefunden wurde. Die Firma Knight and Perry in Chelsea erwarb mehrere
von dieser Mutterpflanze vermehrte Stecklingspflanzen und verbreitete sie
als Taxus adpressa. In Knight and Perry s Synopsis of Coniferous
Plants ist sie aufgeführt als Taxus tardiva Endl. mit den Synon. T. adpressa
und brevifolia hört. Die Originalpflanze war weiblich und ebenso
natürlich die ganze von ihr erzielte vegetative Nachkommenschaft. Von
normalen Taxus bestäubt, brachte die Form adpressa Früchte in Massen, und
unter den von diesen erzielten Sämlingen stellten manche, wenn auch nur
geringe Prozente, die Charaktere der Mutterpflanze recht gut wieder dar.
Da war es ja nur natürlich, daß an manchen Orten auch männhche Exemplare
erzeugt wurden, die bei genauerer Prüfung dann später zufällig entdeckt wurden.
In der Revue horticole, Paris 1886, p. 106: „Les varietes de l'if commun
wird von Ed. Andre mitgeteilt, daß im Parc von Megaudais (Mayenne), dem
Grafen G. de Crouy gehörig, eine starke Taxus adpressa steht, die sowohl
starke Äste der Adpressa-Form, wie auch solche der typischen baccata als
Rückschläge untermischt trägt und somit die Abstammung schön veran-
schaulicht.
Als Stecklingspflanze von Seitentrieben, wie uns diese Pflanze meist
entgegentritt, bildet sie breite, unregelmäßige, oft über dem Boden sich aus
II, Klasse. Coniferae. 53
breitende, jedoch auch zu bedeutender Höhe aufsteigende Büsche. Äste zahl-
reich, zerstreut, Zweige dichtstehend, Blätter 5 — 8 mm lang und 3 — 4 mm
breit, flach eirund-stumpf, an beiden Enden abgerundet, glänzend, sehr kurz
gestielt, in ein kurzes Spitzchen endigend. Früchte meist, aber nicht immer,
mit hellerem, flacherem, oben tassenförmig erweitertem Arillus, Samen oben
oft dreikantig, ja selbst vierkantig, aber oft auch zusammengedrückt, eirund,
wie bei der normalen baccata, welche auch solche kleinen Abweichungen
zeigt, so daß die Merkmale an den Samen nicht beständig sind. Ich
habe viele Früchte daraufhin untersucht. Der verkürzte Arillus entspräche
ja auch den verkürzten Blättern, überhaupt der ganzen monströsen Er-
scheinung.
Eine beliebte, sofort als etwas Besonderes ins Auge fallende Pflanze.
Weit schöner ist:
Unferformen.
Taxus baccata adpressa stricta hört. (Standish, Ascott.)
Syn. Taxus baccata verticillata hört.
„ adpressa stricta hört.
„ „ erecta hört.
„ „ fastigiata hört.
Eine höchst dekorative, aus Kopfstecklingen erzogene Form der vorigen,
mit aufstrebendem Mitteltrieb und Ästen, die, ziemlich schnell in die
Höhe wachsend, eine schlanke bis Säulenform darstellt und als äußerst
zierlich, zumal auch für kleinere Gärten, eine recht weite Verbreitung verdiente.
Taxus baccata adpressa aureo-variegata hört.
Syn, Taxus adpressa variegata Fisher et Holmes.
Eine ganz reizende, außergewöhnliche Erscheinung; die kleinen Blätter
sind ganz beständig goldgelb mit grünen Mittelstreifen. Die Pflanze
ist sehr verzweigt und zeigt reichlich aufstrebende Wipfel triebe; sie ist eng-
lischen Ursprungs und ihre Verbreitung wäre sehr zu wünschen.
Taxus baccata adpressa aurea hört.
Eine hübsche Form, welche bei aufstrebendem gutem Wuchs eine
ganz goldgelbe Färbung zeigt. Dieselbe verdient zu Kontrasten, vor-
sichtig verwendet, Beachtung.
Taxus baccata linearis hört.
Eine abweichende, auffällige Form mit ausgebreiteten Ästen und langen,
sehr schmalen Blättern von gelblichem Grün.
Taxus baccata epacroides hört.
Eine gedrungene, buschige, dicht verzweigte, jedoch mehrere Meter
Höhe erreichende Form. Die Blätter sind kurz, scharf gespitzt, an älteren
Zweigen zweizeilig, an jüngeren üppigen und Spitzentrieben aber nach
allen Seiten abstehend, wodurch die Pflanze ein krauses, ganz ab-
weichendes Aussehen erhält, zumal die Blattoberseiten matt bräunlich-grün
erscheinen.
54 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Niedrige und Zwergformen.
Taxus baccata expansa Carr. (Conif. 2. ed. 738 [1867]).
Ein niederliegender Strauch mit sehr verzweigten, lang ausgestreckten
Ästen, die sich selten vom Boden erheben. Eine sowohl in Bezweigung wie
Belaubung von T. canadensis Willd. ganz verschiedene Form, welche für
Abhänge wie zwischen Felsen zur Geltung kommen würde.
Taxus baccata Sieboldii hört. Muskav.
Eine in den Muskauer Baumschulen lange vorhandene Form, weibliche
Pflanze, unbekannten Ursprungs, welche nach Parkinspektor Lauches Mit-
teilung als flachwachsende Form für Felspartien und Abhänge verwendet
wird. Ein altes Exemplar zeigt bei 1 m Höhe 3 m Ausdehnung und bildet
eine runde, flache Gruppe. In der Belaubung weicht sie nicht von der
normalen T. baccata ab.
Taxus baccata nana Knight. (Syn. Conif. 52 [1850]).
Syn. Taxus Foxii hört. angl.
Eine buschige, in England gewonnene Zwergform mit sehr kurzen,
dicklichen, öfter fast elliptischen, meist geraden, selten sichelförmigen, schwarz-
grünen, glänzenden Blättern, welche bei 1 m Höhe sehr in die Breite wächst.
Taxus baccata ericoides hört.
Syn. Taxus ericoides bort.
„ empetrifolia hört.
„ microphylla hört.
„ Mitchellii bort.
Eine schwachwüchsige Zwergform mit feinen Zweigen und schmalen,
sehr spitzigen, dicht und zerstreut stehenden Blättern.
Taxus baccata monstrosa hört.
Syn. Taxus monstrosa hört.
„ sparsifolia Loud., Encycl. of Trees 940.
Ein monströser Zwergbusch. Zweige ungleich entwickelt, auf-
strebend, manche sehr wenig verzweigt und Blätter von verschiedener Länge
tragend, welche zerstreut sitzen.
Abweichende Blattfärbung.
Taxus baccata Washingtonii hört.
Syn. Taxus canadensis Washingtonii bort.
Eine schöne Form von besonders gedrungenem, rundlichem Wuchs,
im Sommer von grüngelber, im Winter von gold bronzener, sehr auffälliger
Färbung, welche Empfehlung verdient.
Taxus baccata aureo-variegata hört.
Syn. Taxus variegata bort.
Eine goldbunte Form, welche, an verschiedenen Orten in Kultur ge-
wonnen, mehr oder minder beständig und auffallend auftritt.
II. Klasse. Coniferae. 55
Taxus baccata albo-variegata Spaeth.
Eine harte Form, bei welcher die weißbunte Zeichnung gleichmäßig
und beständig ist, mit eigentümlich gekräuselten Blättern.
Taxus baccata elvastonensis aurea hört.
Syn. Taxus elvastonensis aurea bort. angl.
„ Barronii bort. angl.
„ „ femina varieg. hört.
Eine gedrungene, langsam wachsende Form mit breiten, kurzen, gold-
gelben Blättern; besonders auch im Winter zierend.
Taxus baccata elegantissima hört.
Syn. Taxus elegantissima bort.
Eine üppig wachsende, zumal an den jungen Trieben lebhaft hell-
gelbe Form, die auch später heller gefärbt bleibt. Besonders schön ist sie
mit aufstrebendem Mitteltrieb und als weibHche Pflanze mit Früchten besetzt.
Abweichende Früchte.
Taxus baccata microcarpa Trautv. et Maxim. KleinfrüchtigerEibenbaum.
Eine kleinfrüchtige Form, welche von Schmidt auf seiner Reise im
Amurlande und auf Sachalin beobachtet wurde; zerstreut in Wäldern von
Dui und Arkai nach Süden, zuweilen auf Bergen ausgedehnte Hecken bildend,
so am Nuburipo; an manchen Stellen sah Schmidt bis mannesdicke, aber
immer kurzstämmige Bäume, so bei Tauro.
Taxus baccata macrocarpa. Großfrüchtiger Eibenbaum.
Im Samenverzeichnis des botanischen Gartens in Innsbruck werden 1890
Samen dieser großfrüchtigen Form angeboten. Die Samen sind wesent-
lich größer als die des normalen Baumes.
Taxus baccata fructu luteo hört. Gelbfrüchtiger Eibenbaum.
Eine Form mit schönen, orangegelben Fruchtbechern anstatt der normalen
roten, welche sich zu dem dunklen Laube ebenfalls sehr gut ausnehmen, so
daß große Exemplare im Fruchtschmucke sehr zierend sind. Nach Loud.,
Arb. et Frut. 2068, wurde diese wertvolle dekorative Form in Irland um das
Jahr 1817 aufgefunden.
Wie weiter vorn angegeben, ist auch von der japanischen Form cusp i-
data eine gelbfrüchtige Form aufgefunden worden, und Aussaatversuche
müssen ergeben, ob beide gelbfrüchtigen Eiben samenbeständig sind. Um sie
sicher echt fortzupflanzen, wurden sie bisher auf vegetativem Wege vermehrt.
Wir finden sie deshalb als buschige Strauchformen.
2. Taxus caiiadensis Willd. (Sp. pl. 4, p. 856 [1805]).
Kanadischer Eibenbaum.
Syn. Taxus baccata minor Mchx., Fl. amer. II, p. 245.
„ „ procumbens Loud., Encyclop. of Trees 940.
„ „ Hook., Fl. bor. amer. II, p. 167 zum Teil.
56 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Syn. Taxus procumbens Lodd., Cat. 1836, p. 67.
„ baccata var. canadensis Gray, Manual ed. II, 425.
If du Canada der Franzosen.
Canadian Yew der Engländer.
Im östlichen Nord-Amerika von Kanada bis Virginien auf Felsen, auf
sumpfigen Standorten oder im Waldesschatten als Unterholz wachsend.
Im Jahre 1800 in Europa eingeführt.
Verzweigter, oft niedriger, dem Boden aufliegender, meist nur meter-
hoher Strauch, der von manchen Autoren als Form zu T. baccata gestellt
wird und wahrscheinlich auch nur eine klimatische Form desselben darstellt,
da für eine besondere Art keine durchgreifenden Merkmale nachzuweisen sind.
Jedenfalls ist die echte Pflanze dieses Namens in unseren Kulturen sehr
selten; die meisten Pflanzen, welche wir unter diesem Namen finden, zumal
aber die bunten und aufstrebenden Formen, gehören sicher zu T. baccata,
aber nicht zu T. canadensis. Man findet meistens in den Gärten als Formen,
angeblich von T. canadensis, feinzweigige, kurzblättrige Pflanzen, die teilweise
Sämlinge von T. baccata fastigiata oder erecta darstellen möchten.
Die echte Taxus canadensis zeigt bei niedrigem Wuchs aufrecht
abstehende Äste mit rotbrauner Rinde und an der Spitze überhängende
Zweige. Blätter 11 — 20 mm lang, 1^/2 — 2 mm breit, ziemlich dicht, abwechselnd
zweizeilig gestellt, etwas sichelförmig, flach, stachelspitzig, mit kurzem, etwas
gedrehtem Stiele, an den Rändern etwas umgerollt, oberseits blaßgrün-gelb-
lich, unten beiderseits des vorstehenden Längsnerven matt hellgrün; die
Früchte sind kleiner als die von T. baccata und reifen schon im Juli. T. cana-
densis tritt oft monözisch auf, was Sargent angibt und was auch an Kultur-
pflanzen beobachtet wurde.
Eine mir von Herrn Peter Smith in Bergedorf zur Verfügung gestellte
Pflanze, welche ich für die echte halte, färbt sich im Winter fuchsrot,
nimmt aber im Frühjahr wieder die normale gelblich-grüne Färbung an, eine
Erscheinung, welche ich an anderen Taxus sonst niemals bemerkte.
Auch Reh der gibt an, daß T. canadensis im Winter in der Sonne eine
rotbraune Färbung annimmt.
3. Taxus brevifolia Nutt. (Sylv. III, p. 86, t. 108, nicht Hort. [1849]).
Kurzblättriger Eibenbaum.
Syn. Taxus occidentalis Nutt. 1. c.
„ Boursieri Carr., Rev. Hort. 1854, p. 228, et Conif. 2. ed., p. 739.
„ Lindleyana Murr, in Edinb. New. Phil. Journ. 1855, p. 294.
„ baccata Hook., Fl. bor. amer. II, p. 167 zum Teil.
Western Yew (westlicher Eibenbaum) der Amerikaner.
If ä feuilles courtes der Franzosen.
Californian Yew der Engländer.
Im westlichen Nord-Amerika von der Insel Vancouver bis nach Kali-
fornien auf Gebirgen, an Flußufern und in W^äldern mit Kiefernarten unter-
mischt wachsend. In geringerer Anzahl in niedrigen Regionen in Oregon und
im Washington-Territorium.
Im Jahre 1854 von Lobb in Europa eingeführt.
II. Klasse. Coniferae. 57
Baum von 10 — 25 m Höhe, mit braunroter, in Stücken sich lösender
Rinde. Äste aufrecht oder aufrecht abstehend; Zweige abstehend, leicht über-
hängend; Blätter 12 — 20 mm lang, 2 mm breit, mit sehr kurzem, gelbem Stiel,
ziemlich dicht und abwechselnd zweizeilig gestellt, lineal, leicht sichelförmig,
flach, plötzlich scharf zugespitzt, oberseits gelblich -grün, mit vorstehendem
Mittelnerv, unten mit blaßgelblichen Linien gezeichnet. Männliche Blüten an
kurzen Zweigen etwas hängend, Achse der Staubfadensäule die Schuppen
weit überragend, ein Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem sonst ähnlichen
T. canadensis. Antheren 6; Früchte oval, am oberen Rande stumpf-stachel-
spitzig, denen von T. baccata gleich.
Nach Dr. Mayr wächst er sehr langsam, verbreitet tiefen Schatten, bildet
einen schlecht geformten Schaft; das harte, sehr dauerhafte, tiefrote Kernholz
wird von den Indianern zu Speergriffen, Bogen, Fischangeln usw. benutzt.
Ein in unseren Kulturen sehr seltener Eibenbaum, welcher sich etwas
empfindlich zeigt, sogar nach Carriere noch in Paris oft gebräunte Blätter
aufweist.
In England bildet er nach Veitch Pflanzen von breit - kegelförmiger
Gestalt, welche sich sehr verschieden von T. baccata zeigen. Solche ledig-
lich habituellen Unterschiede bedingen jedoch noch keine abweichende Art.
Dr. Mayr sagt, daß T. brevifolia in Blättern, Rinde, Bau und Färbung des
Holzes ganz T. baccata ähnlich sei und sich von dieser, wie auch die japanische
T. cuspidata, wohl nicht genügend spezifisch unterscheide.
Der Eibenbaum neigt in Kultur sehr zu Abweichungen, wie die zahl-
reichen, vorstehend beschriebenen Formen von T. baccata beweisen. Viele
Autoren, unter ihnen auch Carriere als trefflicher Beobachter, nehmen nur
eine Stammart an und betrachten alle anderen als Standortsformen, welche
nach klimatischen und Bodenverhältnissen abändern. Ich möchte mich dieser
Ansicht anschließen; denn betrachten wir die geringfügigen Unterschiede,
welche die beiden letztbeschriebenen Arten darbieten, im Hinblick auf die oft
so sehr abweichenden, in Kultur gewonnenen Formen von T. baccata, welche
aber doch, durch Samen fortgepflanzt, alle in die Art zurückgehen, so gewinnt
die obige Annahme immer mehr an Wahrscheinlichkeit.
Des dekorativen Wertes des Eibenbaumes in seinen verschiedenen Formen
wurde schon gedacht, wertvoll sind zumal die Säulenformen und die mit
zierlich überhängenden Zweigen; die in der Färbung abweichenden sind
in der Landschaft sehr vorsichtig zu verwenden. Die Zwergformen, meist mehr
eigentümlich als schön, sind zu Vorpflanzungen oder in kleinen, regelmäßigen
Gärten, auch auf Felspartien zu verwenden.
Man erzieht den Eibenbaum am besten aus Samen, der möglichst bald
nach der Reife zu säen ist und erst im zweiten Jahre aufgeht, daher besser zu
stratifizieren ist; aus Samen erzieht man schöne Baumformen, während durch
fortdauernde Stecklingsvermehrung, zumal von Seitenzweigen, Buschformen
sich bilden. Kopftriebe liefern besonders schöne regelmäßige Pflanzen und
sollten nach Möglichkeit auch bei der Veredlung der zahlreichen Formen ver-
wendet werden, welche durch Pfropfen, Anplatten und Einspitzen unter Glas
vermehrt werden. Nur auf ungeschlechtHchem Wege pflanzen sich die Formen
echt fort, denn deren Sämlinge haben stets das Bestreben, in die Art zurück-
58 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
zuschlagen. Aussaaten von Formen liefern übrigens, wie wir gesehen haben,
interessante Zwischenformen, die oft sehr dekorativ sind.
Der Eibenbaum bildet zahlreiche feine Wurzeln, und es lassen sich somit
noch stärkere Exemplare mit Glück verpflanzen, wenn sie festen Ballen halten;
jedoch setze man sie nicht aus tiefem Schatten in sonnige Lagen, wo die
Pflanzen alsdann durch Sonnenbrand leiden und auch die jungen Triebe erfrieren.
Am besten pflanzt man junge, in der Baumschule öfter verschulte Pflanzen
mit festem Ballen. In das alte Holz zurückgeschnitten, treibt der Eibenbaum
gut aus und bildet lange, üppige Triebe.
Torreya Arn. (in Ann. Nat. Hist. ser. 1, 1, 130 [1838]; Tumion, Rafin. Amenit. 63
[1840]; Caryotaxus Zucc. msc. und Henk. u. Höchst., Nadelh. 365 [1865]).
Torreye, Stinkeibe.
Blüten zweihäusig, selten einhäusig, männliche in den Blattachseln einzeln,
fast sitzend, von einigen kreuzständigen, dachziegelig-schuppenförmigenBracteen
umgeben. Staubfadensäule eirund oder länglich; Antheren mehrreihig, spiral-
förmig zusammengedrängt auf kurzem Stiele ; Fächer vier, an der Spitze hängend,
an der Basis in einen Halbring verwachsen, nach einwärts zweiklappig, mit
einem über die Fächer kurz verlängerten, wenig verbreiterten, am oberen
Rande öfter gezähnelten Mittelbande. Weibliche Kätzchen achselständig,
sitzend, einblütig, mit kleinen leeren, fleischigen, drei- bis vierfach-dachziegeligen,
nach der Blüte unveränderten Schuppen. Samenschuppe innerhalb der obersten
Schuppe von dieser frei, während der Blütezeit becherartig dem Eichen gleich,
bald vergrößert, krugförmig, über dem Eichen geschlossen, dickfleischig. Eichen
innerhalb der Schuppe eins, aufrecht. Frucht eirund, steinfruchtförmig. Schuppe
durch die Becherhülle fleischig vergrößert bleibend, den Samen einschließend
und demselben mehr oder weniger angewachsen. Schale des Samens knochen-
hart. Embyro klein, mit zwei linealen Kotyledonen.
1. Torreya grandis Fort, (in Gord. Pin. 326).
Große Torreye.
Syn. Caryotaxus grandis Henk. u. Höchst., Nadelh. p. 367 (1865).
Fitchou der Chinesen.
Tall Torreya der Engländer.
In Nord-China im Che-Kiang-Gebirge von Fortune und in West-Fokien
von Armand David im Gebirge gefunden.
Von Fortune im Jahre 1847 in Europa eingeführt.
Im Vaterlande nach Fortune Baum von 20 — 25 m Höhe, mit graubrauner
Rinde und schirmförmiger Krone. Äste quirlständig, weit abstehend; Zweige
fast gegenständig, sehr abstehend oder leicht überhängend; Blätter regelmäßig
zweizeilig, lederartig steif, dicht wechelständig, lineal-lanzettlich, gerade oder
kaum sichelförmig, 18 — 30 mm lang, 3 — 4 mm breit, scharf zugespitzt, auf sehr
kurzem, etwas gedrehtem Stiele, oben konvex, stark glänzend, hell- bis
gelblich-grün, mit schwach vortretendem Längsnerven, unten beiderseits
des Kieles blaßgrün. Frucht eirund zugespitzt, grubig netzaderig, 28 — 30 mm
lang, 16 — 18 mm breit, erst grün, später gelblich, fleischig; abweichend von
den anderen Torreyen nebst den Blättern nicht übelriechend.
IL Klasse. Coniferae. 59
2. Torreya nucifera Sieb, et Zuec. (Fl. Jap. II, t. 129 [1842]).
Nußtragende Torreye."
Syn. Taxus nucifera Kaempf., Amoen. exot. p. 814 — 815 cum ic. (1712).
Podocarpus (?) nucifera Pers., Syn. II, p. 633 (1807).
Caryotaxus nucifera Zucc. msc. (1846), Henk. u. Höchst., Nadelh.
S. 366 (1865).
Tumion nuciferum Greene, Pittonia II (1891).
Torreya Fargesii Franchet in Journ. de Bot. 1899, p. 264.
Podocarpus coreana v. Houtte. Catal.
„ coriacea hört.
Fi, Kaya der Japaner.
Torreya porte-noix der Franzosen.
Japanese Torreya der Engländer.
In Japan auf Gebirgen der Inseln Hondo und Sikok in einer Höhe von
500 — 1000 m mit Taxus baccata cuspidata und Cephalotaxus drupacea, häufiger
Strauch- als baumartig in Laubwälder eingesprengt. Bei Nagasaki, Yokohama,
Yokoska, dann auch viel kultiviert. In Hupeh und Szechuen von Henry
und bei Thenke-outin von Farges gefanden (von Franchet als besondere
Art beschrieben, nach Masters ist sie jedoch gleich T. nucifera).
Ein geschätztes Nutzholz liefernd. Die Früchte werden in Japan ge-
gessen und liefern ein abführend wirkendes Öl.
Im Jahre 1818 in Europa eingeführt.
Kleiner Baum von etwa 10 m Höhe, mit brauner, sich lösender Rinde
und quirl- und wechselständigen, abstehenden Ästen; Zweige fast zweizeilig,
jung glänzend braun. Blätter lederartig, steif, zweizeilig abstehend, lineal-
lanzettlich, gerade oder leicht sichelförmig, scharf zugespitzt, mit einem sehr
kurzen, gedrehten Stiele, oben konvex, dunkelgrün, stark glänzend, unten
flach, mit kaum vortretendem Mittelnerv, beiderseits mit zwei schwachen bläu-
lichen Spaltöffnungslinien, 20 — 30 mm lang, 3 — 4 mm breit, an jungen Pflanzen
länger. Männliche Blütenstände länglich-elliptisch, etwa 13 mm lang. Früchte
eirund oder länglich- spitz, 21 — 35 mm lang, 14 — 16 mm breit, fleischig, zimmet-
braun, oft leicht der Länge nach gestreift. Ölhaltige Früchte wie Blätter
übelriechend.
In unseren Kulturen sehen wir öfter noch unregelmäßige, buschige
Pflanzen ohne Mitteltrieb, da die Vermehrung durch Stecklinge von Seiten-
trieben bewirkt wurde. Neuerdings sind aus Samen normale baumartige
Exemplare mit quirlförmiger Aststellung erzogen, welche erst die Schönheit
und den dekorativen Wert so recht erkennen lassen. An verschiedenen Orten,
z. B. in Wilhelmshöhe bei Kassel, hat diese Art keimfähige Samen geliefert.
3. Torreya taxifolia Arn. (in Tayl. Ann. of Nat. Hist. I, p. 130 [1838]).
Eibenblättrige Torreye, Stinkeibe, Stinkceder. (Fig. 5.)
Syn. Caryotaxus taxifolia Henk. u. Höchst., Nadelh. p. 367 exkl. Syn. (1865).
Tumion taxifolium Greene, Pittonia II, 194 (1891).
Torreya montana hört.
„ tenuifolia hört. Rovelli.
Stinking Cedar der Floridaner.
60 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Syn. Torreya ä feuilles d'If der Franzosen.
Fetid Yew der Engländer.
Im Innern Floridas auf Kalkfelsen, am östlichen Ufer des Appalaches,
am Zusammenflusse des Flint und des Chattahuchi und bei Fiat Creek, und
zwar nach Asa Gray nur hier, also sehr lokal vorkommend.
In Europa 1838 eingeführt.
Kleiner Baum von 12 — 15 m Höhe, mit rotbrauner, sich lösender Rinde,
ein außerordentlich dauerhaftes Holz liefernd. Äste quirlständig abstehend,
Fig. 5. Torreya taxifolia Arn. 1 Zweig mit männlichen Blüten; 2 Zweig mit weiblichen Blüten;
3 Staubblatt (vergr.); 4 Durchschnitt der Frucht von Torreya nucifera (nach Engl. u. Prantl. Nat. Pflf.).
Zweige fast zweizeilig, wenn jung grün, später dunkel-orangengelb. Blätter
lederartig steif, dicht und zweizeilig gestellt abstehend, lineal-lanzettlich, scharf
zugespitzt, oben konvex, grün, nicht so auffällig glänzend wie bei den
vorstehenden Arten, unten beiderseits des wenig vortretenden Mittelnerven
mit schmalen, bläulichen Spaltöffnungslinien gezeichnet, 22 — 30 mm lang,
2 — 2^/4 mm breit. Männliche Kätzchen fast kugelig, in den Blattachseln einzeln,
8 mm lang, 3 mm breit, blaßgelb. Frucht eirund spitz, 20 — 24 mm lang,
13 — 16 mm breit. Die Früchte, wie alle grünen Teile, verbreiten gerieben
einen sehr unangenehmen Geruch.
IL Klasse. Coniferae. 61
Diese durch die feinsten und schmälsten Blätter von den anderen
kenntliche Art ist sehr selten in deutschen Gärten, schon deshalb, weil sie
die empfindlichste ist und nur in den mildesten Lagen noch Gedeihen
verspricht.
Leider haben wir auch von dieser schönen Conifere in unseren Kulturen
meist nur unregelmäßige, buschige Pflanzen, aus Seitentrieben erzogen, welche
den wahren dekorativen Wert normaler Bäume gar nicht erkennen lassen.
Torreya taxifolia argentea.
Syn. Torreya tenuifolia argentea hört. Rovelli.
Eine, wie die Art feinzweigige, schmalblätterige Form, welche unregel-
mäßig verteilt weiße junge Triebe und Zeichnungen zeigt. Diese Form
ist nach Rovelli in Pallanza mehr gegen Sonnenbrand als gegen Kälte
empfindlich.
4. Torreya californica Torr, (in New York Journ. Pharm. III, p. 49 [1854], et
Whipples Report p. 84). Kalifornische Torreye, Muskatnuß-Torreye,
Stinkeibe.
Syn. Torreya Myristica Hook. fil. in Bot. Mag. t. 4780 (1854).
Caryotaxus Myristica Henk. u. Höchst., Nadelh. p. 368 (1865).
Tumion californicum Greene, Pittonia II, 195 (1891).
Californian Nutmeg der Amerikaner und der Engländer.
Torreya de Californie der Franzosen.
Auf der Sierra Nevada in Kalifornien, an den Westabhängen bis zu
1500 m emporsteigend, auf feuchten Standorten in der Nähe der Flüsse.
Im Jahre 1851 in Europa eingeführt.
Baum von 10 — 15, selbst bis 30 m Höhe, mit pyramidaler, im Alter mehr
rundlicher Krone; Stamm mit graubrauner Rinde bekleidet, ein gelbes, sehr
gutes Nutzholz Hefernd, das aber, gleichwie die Blätter und Früchte, einen
strengen Geruch besitzt, welcher dasselbe vor Angriffen der Insekten schützt.
Äste quirlförmig abstehend. Zweige fast zweizeilig. Blätter lederartig, steif,
fast zweizeilig abstehend, lineal-lanzettlich, scharf zugespitzt, mit einem sehr
kurzen, gedrehten Stiel, meist gerade, selten sichelförmig wie bei den anderen
Arten, oben konvex, dunkelgrün, etwas glänzend oder mattgrün, unten
beiderseits des nicht vortretenden Längsnerven mit schmalen, bläulichen
Linien gezeichnet, an jungen Pflanzen 5 — 6 cm lang, 3 — 3^/.2 mm breit, an
älteren kürzer. Männliche Kätzchen fast sitzend, länglich, von häutigen Schuppen
umgeben. Frucht groß, eirund, 28 — 40 mm lang, 20 mm breit, oben kurz
stachelspitzig.
Größere, gerade Blätter und Früchte unterscheiden diese Art sofort von
den anderen Arten.
Die Torreyen sind schöne, dekorative Pflanzen, können aber, um sich
unbeschädigt zu entwickeln, nur für wärmere Gegenden und geschützte Lagen
zur Anpflanzung empfohlen werden; in solchen finden wir allerdings auch in
Deutschland öfter recht ansehnliche Exemplare. Um normale Pflanzen zu ge-
winnen, erziehe man sie aus importiertem Samen, welcher mögHchst bald nach
der Reife zu säen ist, meist erst im zweiten Jahre keimt, daher auch ein Jahr
62 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten,
stratifiziert werden kann. Zu Stecklingen, die ziemlich gut wachsen, wählt
man möglichst Kopftriebe aus, ebenso zur Veredlung auf Taxus baccata.
Seitentriebe liefern nur unregelmäßige, dichtzweigige, lange einseitig bleibende
Büsche von geringem Zierwert, während Samenbäume mit der ausgeprägt
quirlförmigen Aststellung, der braunroten Rinde zu einer frischgrünen Be-
laubung eigenartig schön sind.
Man erzieht die Torreyen im Topfe und pflanzt sie erst erstarkt, aber
ohne sie zu lange im Topfe zu lassen, was ihnen nicht zusagt, an geschützten
Stellen aus; sie lieben einen leicht beschatteten Stand, da sie in der Sonne
leicht gelb werden. Feuchtes See- oder Gebirgsklima sagt ihnen am besten
zu, dazu ein mittelschwerer, gleichmäßig feuchter Boden. Die Torreyen er-
weisen sich meist als ziemlich trägwüchsig, wollen überhaupt in Deutschland
nicht recht freudig gedeihen und größere Exemplare sind empfindlich gegen
das Verpflanzen. Sagt ihnen Standort und Boden zu, entwickeln sie oft
plötzlich ein flottes Wachstum und es bilden sich stattliche Exemplare.
3. Unterfamilie : Cephalotaxeae. Kopfeibengewächse.
Fruchtblätter in gekreuzten Paaren mit je 2 Samen.
Cephalotaxus Sieb, et Zucc. (Fam. Nat. Fl. Jap. II, p. 108 [1842]; Fl. Jap. II,
65, t. 130—132). Kopfeibe.
Blüten zweihäusig, ausnahmsweise einhäusig, männhche mehrere (6 — 9)
in achselständigen, kugeligen Köpfchen, in schuppenförmige, dachziegelige
Bracteen eingehüllt, gedrängt, jede einzelne unter einer schuppenförmigen
Bractee. Staubfadensäule kurz, fast sitzend; Antheren wenige (4 bis mehr),
kurz gestielt; Fächer 2 — 4, rings um die Spitze des Stieles zurückgeschlagen,
innen fast abwärts aufspringend, durch das Mittelband über die Fächer hinaus
in ein kurzes, aufwärts eingekrümmtes Anhängselchen verlängert. Weibliche
Kätzchen eiförmig, an den Spitzen der Zweige, öfter zu 3, die einzelnen
zwischen schuppenförmigen, dachziegeligen Bracteen sitzend oder kurz ge-
stielt. Blütentragende Schuppen mehrere, spiralig gedrängt, lanzettlich oder
dreieckig, etwas fleischig verdickt, auf dem Rücken konvex, gekielt. Samen-
schuppe mit der Bractee enge verwachsen, innen oft mit einer etwas hervor-
ragenden Mittelrippe versehen, nach der Blüte öfter unverändert. Eichen
unter jeder Schuppe 2, aufrecht, oben auseinanderstehend, krugförmig, fleischig,
eirund, linsenförmig zusammengedrückt, meist eins fehlschlagend. Samen
groß, steinfruchtförmig, aus den verwelkten Schuppen gänzlich hervorstehend,
eiförmig oder länglich. Schale steinfruchtartig, außen fleischig, innen hart.
Eiweiß fleischig. Kodyledonen 2.
1. Cephalotaxus pedunculata Sieb, et Zucc. (Fl. Jap. Fam. Nat. II, p. 108,
et Fl. Jap. II, t. 133 [1842]. Gestielte Kopfeibe. (Fig. 6.)
Syn. Taxus Harringtonia Forb. ex Pin. Woburn. 217, t. 63 (1839).
„ Jnukaja Knight, Conif. p. 51 (1850).
Cepalotaxus drupacea var. Harringtonia Pilger (nach diesem Autor
nur Gartenvarietät).
Jnu-gaya der Japaner.
II. Klasse. Coniferae.
63
Syn. Cephalotaxus pedoncule der Franzosen.
Lord Harringtons Yew der Engländer.
In Japan auf Gebirgen Kiusius, auf dem Kamagona-Gebirge, auf Hondo
und Eso heimisch, auch in China, in Chusan und Shensi im TsinHng-
Gebirge gefunden.
In Europa 1837 eingeführt.
Baum von 6 — 8 m Höhe, mit bräunlicher Rinde. In unseren Kulturen
meist breiter, dicht bezweigter Busch. Äste sehr zahlreich, dicht quirlständig
Fig. 6. Cephalotaxus pedunculata Sieb, et Zucc. Zweig mit weiblichen Blüten und Früchten.
abstehend oder etwas überhängend, mit dunkelgrüner Rinde. Blätter steif,
ziemlich" nahe und abwechselnd, fast zweizeilig und an üppigen Zweigen
auffällig aufwärts gerichtet, lineal, leicht sichelförmig, scharf gespitzt.
54 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
auf sehr kurzem, etwas gedrehtem Stiele, oben dunkelgrün glänzend, mit
hervortretendem Längsnerven, unten beiderseits des kaum hervortretenden
Mittelnervs mit 2 mattbläulichen Linien gezeichnet, 3 — 4 cm lang, 2 — 3 mm
breit. Männliche Kätzchen 8 — 9 mm lang und fast so breit, fast kugelig,
hängend, einzeln in den Blattwinkeln der Jahrestriebe. Weibliche Kätzchen
an den Zweigspitzen; Früchte gestielt, eirund, 2^/2 cm lang. Vermehrung oft
durch Stecklinge und infolgedessen auch wohl meist als dicht buschiger
Strauch in unseren Kulturen.
Nach Masters Beobachtungen gehört ein Teil der in den Gärten als
C. Fortunei bezeichneten weiblichen Pflanzen zu C. pedunculata. Samen sind
von einigen dieser Pflanzen gewonnen, welche an übergebogenen, 1^/2 cm
langen Stielen saßen, selten kürzer als die eirunden, bräunlichen, fleischigen
Steinfrüchte. Fortune hat auf seiner zweiten chinesischen Reise festgestellt,
daß diese Pflanze ganz verschieden von C. Fortunei ist, und auf diese Autorität
hin ist C. pedunculata auch als chinesische Pflanze erwähnt, obgleich aus
dieser Gegend keine Exemplare im Herbarium sind. Später ist sie von
Abbe David in Shensi gefunden.
Cephalotaxus pedunculata sphaeralis Mast, (in Gard. Chron. XXI [1884], p. 113
und in Linn. Soc. Journ. vol. XXII, p. 203. mit Abbild.).
Rundfrüchtige Form.
Eine rundfrüchtige Form, welche in Sussex im Garten des Herrn
Gering aufgefunden wurde und unter dem Namen C. Fortunei aus einer
Baumschule in Bagshot gekauft war. Masters beschreibt sie wie folgt:
Äste blaß kastanienbraun, jüngere Zweige grün, glatt. Blätter 4 bis
5^/2 cm lang, lineal-sichelförmig, allmählich zugespitzt, flach oder leicht gebogen.
Schuppen der Endknospen längHch-spitz, nicht zugespitzt. Männliche Kätzchen
Fruchtstiele gegen die Basis der Zweige gehäuft, 1^/2 cm lang.
Steinfrüchte rund, nur wenig kürzer.
Masters meint, es sei dies möglicherweise die weibliche Pflanze von
der schon besprochenen chinesischen C. pedunculata, welche Fortune auf
seiner zweiten Reise nach seiner Ansicht „als neu für die Wissenschaft" zu
erkennen glaubte.
Wuchsform.
Cephalotaxus pedunculata fastigiata Carr. (Rev. hört. 1863, p. 349, Fig. 36;
Conif. 2. ed. p. 717). Säulen-Kopfeibe.
Syn. Podocarpus koraiana Sieb, in Ann. Soc. d'Hort. des Pay-Bas
1844, p. 35.
Cephalotaxus Bürgen^) Miq., Ann. Mus. Lug. Batav. III, p. 169 und
Prolusio, Fl. Jap. p. 333.
Cephalotaxus koraiana hört.
^) Aus Miquels Beschreibung seiner C. Biirgeri geht deutlich hervor, daß sie von Podo-
carpus koraiana Sieb, nicht verschieden ist. Blüten hat er auch im Vaterlande nicht gesehen,
so wenig sie bisher in Kultur beobachtet wurden. Er sagt, die Größe und Gestalt der Blätter
seien C. Fortunei Hook, ähnlich, aber der letzteren Blätter seien zweizeilig. Ferner bemerkt
er, ob es nicht vielmehr eine Taxus (?) sei und weiter, daß seine Pflanze kaum von Podocarpus
koraiana Sieb, abweiche. Maximowicz sagt in M^lang. biolog. VII, p. 563 in einer Anmerkung
II. Klasse. Coniferae. 55
Syn. Taxus japonica Lodd. ex Gord. Pin. 275.
Podocarpus coriacea hört.
„ koraiensis hört.
,, Sciadopitys hört.
Tö-gaya; Chösen-gaya; Shihö-gaya der Japaner.
Im Jahre 1861 aus Japan eingeführt.
Eine schöne, breit säulenförmige Pflanze. Äste steif aufrecht, lang ruten-
förmig, sehr selten verzweigt. Blätter sehr dicht stehend, sitzend, lederartig,
wechselständig, fast spiralig rings um die Zweige gestellt, gebogen, 3 — 5 cm
lang, 3 mm breit, kurz und scharf gespitzt, oben glänzend dunkelgrün, unten
mit zwei bläulichen Spaltöffnungslinien.
Eine viel verkannte Form, welche, da bisher keine Blüten und Früchte
beobachtet wurden, der Ähnlichkeit nach als Podocarpus beschrieben und
entweder als aus Japan oder von der Halbinsel Korea stammend angegeben
wurde, bis der Rückschlag zur normalen Pflanze durch Zweigbildung mit
zweizeilig gestellten Blättern, wie sie an üppigen Exemplaren oft beobachtet
werden kann, die Abstammung und Zugehörigkeit untrüglich bewies.
Es ist eine in der Blattstellung von der Art C. pedunculata abweichende
Säulenform, wie es auch Taxus baccata fastigiata von der gemeinen Eibe
(T. baccata) ist. Sie ist wie diese als die durch einen eigentümlichen zufällig
entstandenen Sämling fixierte Jugendform zu betrachten, das Geschlecht
ist unbekannt, sehr starke Exemplare brachten bis heute keine Blüten; weitere
genaue Beobachtungen sind daher sehr erwünscht, da doch die analoge
weibliche Taxusform sehr reich fruchtet.
Auf Grund sehr eingehender anatomischer Untersuchungen glaubt Herr
Professor Rothert^) annehmen zu müssen, daß hier keine bloße Wuchsform,
sondern eine besondere Art, Cephalotaxus koraiana Sieb., vorliegt.
Er fand den anatomischen Bau so abweichend, daß er bis auf weiteres zu
diesem Schlußresultat kam. Gibt der Autor auch zu, daß anatomische Merk-
male und Abweichungen allein nicht zur Spaltung und Aufstellung von Arten
genügen, so will er doch die Aufmerksamkeit auf diesen Umstand lenken.
zu Podocarpus: „Podocarpus koraiana Sieb., dessen Synonym Cephalotaxus Bürgeri Miq. ist,
ist nichts weiter als eine Form mit zerstreut stehenden Blättern von Cephalotaxus drupacea Sieb,
et Zucc. Ich konnte auch Zweige mit zweizeilig gestellten Blättern an ein und demselben
Individuum beobachten."
Somit gibt auch Maxim owicz zu, daß Podocarpus koraiana Sieb, nur Form von
Cephalotaxus ist, allerdings stellt er diese P'orm zu C. drupacea, während sie Carriere und nach
ihm andere Autoren zu C. pedunculata stellen, eine Frage, die bei der nahen Verwandtschaft
beider Arten und zumal, da die Form fastigiata noch nicht geblüht hat, jetzt kaum endgültig
entschieden werden kann. Immerhin ist es aber wahrscheinlicher, daß die Form fastigiata von
C. pedunculata, als von C. drupacea abstammt, zumal auCh die normalen Zweige mit zweizeiligen
Blättern, wie sie als Rückschlag zur normalen Pflanze an der Form fastigiata vorkommen,
durchaus die Zweigbildung, Blattstellung, Länge, Breite wie Zeichnung der Blattunterseiten der
C. pedunculata zeigen. Es bleibt ja auch noch festzustellen, ob wir von Cephalotaxus wirklich
drei Arten besitzen, oder ob wir es nicht möglicherweise mit abweichenden männlichen oder
weiblichen Pflanzen oder mit Standortsformen zu tun haben.
^) W. Rothert, „Über parenchymatische Tracheiden und Harzgänge im Mark von
Cephalotaxus- Arten". Berichte d. Deutsch. Botan. Gesellsch. 1899, Bd. XVII, Heft 7.
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 5
R(\ Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Recht eingehende Untersuchungen, sowohl im Vaterlande, wie an
Kulturpflanzen, die wir ja überall so reichlich besitzen, sollten daher gemacht
werden, um auch diese Frage endgültig zu entscheiden. Bisher spricht doch
alles so deutlich für eine Wuchsform mit Rückschlägen, daß alle anderen
Annahmen mit großer Vorsicht aufzunehmen sind, um nicht neuerdings die
Begriffe zu verwirren. Wie andere ähnliche heikle Fragen, so dürfte auch
diese mit der Zeit sicher gelöst werden. Für unsere Gärten ist diese Form
sehr dekorativ und wertvoll, hat sich in einigermaßen geschützten Lagen
recht widerstandsfähig und üppig von Wuchs gezeigt, während sie in rauhen
Lagen Winterdecke bedarf; wichtig ist, daß sie sich auch gegen schädHche
Ausdünstung, wie Rauch und Staub der Städte, wenig empfindlich zeigte,
auch als harte Dekorationspflanze in Gefäßen ist sie für rauhe Gegenden zu
verwenden und recht zu empfehlen.
Unferform.
Cephalotaxus pedunculata fastigiata aureo-variegata hört.
Es ist dies eine zierliche goldbunte Form der vorigen.
Unter dem Namen Cephalotaxus pedunculata gracilis erhielt ich
Zweige von einer Pflanze, die Zabel 1886 von Gh. van Geert in Antwerpen
bezog. Die Bezweigung ist aufstrebend, die Blätter stehen undeutlich zwei-
zeilig bis zerstreut, öfter rings um den Zweig, legen sich diesem an und bilden
eine augenscheinliche Übergangsform von der normalen zur Säulenform
fastigiata. Es dürfte sich wohl um einen eigentümlichen Sämling handeln,
der in betreff der Entwickelung großes Interesse bietet.
Cephalotaxus pedunculata nana compacta Froebel
stellt eine gedrungene buschige Form dar.
2. Cephalotaxus Fortunei Hook. (Bot. Mag. t. 4499 [1850]).
Fortunes Kopfeibe. (Fig. 7.)
Syn. Cephalotaxus Fortunei mas hört.
Cephalotaxus de Fortune der Franzosen.
Fortunes Cephalotaxus der Engländer.
In Nord-Ghina, zumal in der Provinz Gang-Sin, weiter in Kiangsu,
Chusan, Kiangsi, Fokien, Hupeh, Shensi, Szechuen, Yunnan vorkommend, auch
in Japan gefunden.
Im Jahre 1848 von Fortune in Europa eingeführt.
Baum mit grauer rissiger Rinde, der im Vaterlande bis 20 m Höhe er-
reichen soll, in unseren Kulturen niedriger Baum oder breitwüchsiger Strauch.
Äste quirlständig horizontal gestellt, etwas überhängend; Zweige fast zwei-
zeilig, leicht hängend, mit hellgrüner oder gelblicher Rinde. Blätter an
jungen üppigen Pflanzen oder Trieben 6—8^/2 cm lang und 6 — 8 mm breit;
an älteren Pflanzen und Zweigen weit kürzer und schmäler, wechselständig,
fast zweizeilig, lineal-lanzettlich , leicht sichelförmig, scharf zugespitzt, sehr
kurz gestielt, lederartig, oben glänzend frischgrün, zumal an üppigen männ-
lichen Pflanzen hellgrün, mit hervortretendem Längsnerven, unten beiderseits
des wenig vortretenden Längsnerven mit zwei bläulichen Spaltöffnungslinien
gezeichnet. Männliche Kätzchen auf kurzem, mit Deckblättern besetztem
II. Klasse. Coniferae.
67
Zweigchen, abstehend, fast kugelig, kleiner als die von C. pedunculata. Stein-
früchte 22 — 23 mm lang, 10 — 15 mm breit, zuerst blaugrün, dann olivenbraun,
eirund-elliptisch oder birnenförmig.
Nach Carriere sind die weiblichen Pflanzen meist etwas kurzblättriger,
mehr blaugrün von Färbung und gewöhnhch reich mit Früchten besetzt.
(Vergl. auch bei C. pedunculata Masters Beobachtungen.)
Fig. 7. Cephalotaxus Fortuiiei Hook. 1 Zweig mit männliclien Blüten; 2 männlicher Blutenstand
(vergr.); 3 Staubblatt (vergr.); 4 weiblicher Blütenzweig (vergr.); 5 Frucht; 6 Frucht im Durchschnitt.
Diese Art wurde verschiedentUch auch einhäusig beobachtet und ist als
üppige junge Pflanze mit ihren langen Blättern recht charakteristisch und dekorativ.
Cephalotaxus Fortunei robusta hört.
Syn. Cephalotaxus lanceolata hört.
Eine sehr schöne empfehlenswerte Form von mehr aufstrebendem, regel-
mäßigerem, üppigerem Wuchs und besonders langen, etwas breiteren
68
Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Blättern; hierher dürfte auch eine besonders langblättrige, üppige Form ge-
hören, welche ich unter den Namen C. lanceolata von Herrn Simon Louis
Fr er es in Plantieres bei Metz erhielt und schon in den Mitteil. d. dendr. Ge-
sellschaft 1901, S. 73 beschrieb. Die Pflanze stammte aus einer heute nicht
mehr bestehenden französischen Baumschule.
3. Cephalotaxus drupacea Sieb, et Zucc. (Fl. Jap. Fam. Nat. II, p. 108, et Fl.
Jap. II, t. 130, 131 [1842]). Steinfrüchtige Kopfeibe.
Syn. Taxus baccata Thunb., Fl. Jap. p. 275 exkl. Syn. (1784).
Cephalotaxus Fortunei femina hört. aliq.
„ coriacea Knight., Syn. Conif. 51 (1850).
Taxus coriacea Knight., 1. c.
„ japonica Hook, et Gord., Pin. 45, Suppl. 21.
Podocarpus drupacea hört. aliq.
Inu-gaya; Hebo-gaya der Japaner.
Cephalotaxus drupace der Franzosen.
Plum-fruited Cephalotaxus der Engländer.
In Japan in einer Höhe von 500 — 1000 m einheimisch, zusammen mit
Taxu^ baccata cuspidata und Torreya nucifera, häufiger Strauch- als baum-
artig in Laubwälder eingesprengt, im Kamagonagebirge, u. a. auf der Insel
Tsusima bei Nagasaki, hier auch kultiviert, auf Hondo, Eso, bei Yokoska und
Kunagawa.
In Europa im Jahre 1829 von Siebold in den botanischen Garten in
Leiden eingeführt.
Baum von 5 — 10 m Höhe mit braunroter, sich lösender Rinde; in unseren
Kulturen meist dichtzweigiger Strauch. Äste quirlförmig ausgebreitet. Zweige
zweizeilig, oft gegenständig, mit dunkelgrüner Rinde. Blätter steif, lederartig,
wechselständig, fast zweizeilig, lineal- sichelförmig, scharf gespitzt, auf sehr
kurzem, etwas gedrehtem Stiele, 20 — 40 mm lang, 3 — 4 mm breit, oben mit
vortretendem Längsnerven, glänzend, dunkelgrün, unten beiderseits des kaum
vortretenden Längsnerven mit zwei auffallend blauweißen Spaltöffnungs-
linien gezeichnet. Männliche Kätzchen an kurzen mit Deckblättern besetzten
Zweigen fast kugelig, 6 — 7 mm lang. Steinfrüchte meist einzeln, hängend,
eirund stumpf, braunrot, 22 — 30 mm lang, 14 — 18 mm breit.
Cephalotaxus drupacea steht jedenfalls C. Fortunei sehr nahe und
ist, wie auch Carriere meint, möglicherweise nur eine Form derselben von
dichterem Wuchs, dunklerem Grün und grösserer Fruchtbarkeit; die Blätter
sind kürzer und dichter gestellt. Sie wurde auch einhäusig beobachtet. Die
Blätter der oberen fruchtbaren Zweige sind kürzer, unregelmäßig wechsel-
ständig, wodurch die Pflanzen ein krauses Aussehen erhalten, die üppiger,
quirlästiger Schosse sind die längsten, zweizeilig und auffällig mit den
Spitzen nach unten umgebogen. Diese Merkmale neben den stets
breiteren Blättern unterscheiden diese Art gut von C. pedunculata.
Mit der Gattung Cephalotaxus verhält es sich wie mit der von Taxus;
erst eingehende Beobachtungen und Aussaatversuche werden entscheiden
können, ob wir es mit drei, zwei oder gar nur einer Art zu tun haben, zu
welcher etwa die andern als mehr oder minder abweichende männliche und
weibliche Pflanzen, wie auch klimatische oder Standortsformen gehören.
II. Klasse. Coniferae. 69
Nach Cornevin, Professor der Tierarzneischule in Lyon (Revue horti-
cole 1891, p. 248), sind auch die grünen Teile von Cephalotaxus gleich
Taxus giftig. Impfungen mit dem aus den Blättern gepreßten Saft bei Tieren
haben ergeben, daß die Vergiftungserscheinungen die gleichen sind, nur daß
Cephalotaxus sechsmal geringere Giftmengen als Taxus enthält, daher
die Vergiftungen langsamer vor sich gehen. Ist also auch Cephalotaxus
demnach den Tieren weniger gefährlich als Taxus, so sollte man doch ver-
meiden, sie da anzupflanzen, wo Fuhrwerk an Auffahrten usw. länger halten
muß, oder Vieh getrieben wird.
Durch fortgesetzte Stecklingsvermehrung finden wir die Cephalo-
taxus meist als buschige Sträucher in unseren Kulturen, welche uns keinerlei
Urteil zur Lösung obiger Frage erlauben.
Sie haben sich in rauhen Gegenden und in harten Wintern empfindlich
gezeigt, ja sind selbst völlig erfroren; sie lieben Halbschatten, zumal ist
C. Fortunei gegen Sonnenbrand empfindlich. Zur Anpflanzung können sie
somit nur für milde Gegenden und geschützte Standorte empfohlen werden,
ihr Zierwert ist dem des Eibenbaumes ähnlich, ein dunkles Grün zeichnet sie
aus, aber die Bezweigung ist eine leichtere, schönere. Sie sollten möglichst
stets aus importiertem Samen erzogen werden, der erst im zweiten Jahre auf-
geht, daher besser erst zu stratifizieren ist; nur so erzieht man baumartige
Pflanzen mit regelmäßigen, quirlständigen Ästen, die weit dekorativer sind.
Stecldinge, im Herbst gesteckt, wachsen leicht; man wähle dazu mögHchst
Kopftriebe mit quirlständigen Zweigen, um regelmäßige, schöne Pflanzen zu
gewinnen. Stecklinge von Seitentrieben ergeben unregelmäßige, dichte Büsche.
Veredelung ist wenig gebräuchlich, man kann aber die Formen auf eine der
Arten, wozu aus Seitentrieben erzogene Pflanzen, dienen können, oder auch
auf Taxus baccata veredeln, und zwar durch Anplatten oder Einspitzen im
Frühjahr oder im August.
Sie gedeihen in jedem nahrhaften Boden, nur nicht in zu schwerem
Tonboden oder in unfruchtbarem Sand.
In den milderen Lagen Deutschlands, z. B. am Rhein, finden wir oft
ansehnliche, starke Exemplare, so auch im Botanischen Garten zu Bonn; hier
entwickeln sich am Fuße starker Stämme öfter üppige Hauptachsen mit quirl-
förmiger Zweigstellung und doppelt so langen, weit breiteren, üppigen Blättern.
Solche Triebe wachsen in den Sträuchern empor und man glaubt auf den
ersten Blick zwei ganz abweichende Pflanzen vor sich zu haben, zumal die
üppigen Triebe regelmäßig zweizeilig gestellte Blätter zeigen, während die der
älteren Buschform unregelmäßiger, öfter gedreht, die bläuliche Unterseite zeigen.
Diese zweigestaltige Zweigbildung ist höchst interessant und beweist uns, wie
sehr die C. je nach Alter und Entwickelung abweichen. Außer dem schon ange-
deuteten Zierwert dürfte von irgend einem Nutzwert bei uns nie die Rede sein.
Es wäre nun noch einiger wohl kaum in Kultur befindlicher Arten zu
gedenken.
Cephalotaxus Griffithii Hook. fil. (Fl. of Brit. Ind. V [1800], p. 648 et
Ic. PI. vol. X, part. II, 3. Ser., tab. 1933 [1890]). Griffith-Kopfeibe.
In China in der Provinz Szechuen IVIt. Omei 1160 m. Hupeh (Faber),
Nord- und Süd-Shen-si (Giraldi), Ober-Assam (Griffith), Munnipore (Watt.),
Bernard myo, Brit. Birma (Hinterindien) 2150 m (Oliver).
7() Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Ansehnlicher Baum von ziemHch steifem Habitus, Rinde glatt, silbergrau,
in großen unregelmäßigen, papierartigen Platten sich ablösend. Jung mit
quirlförmiger Beastung, die sich später mehr verliert. Blätter zweizeilig, lineal,
zugespitzt, etwas sichelförmig auf kurzem, gedrehtem Stiel, oberseits gerinnt,
glänzend grün, unten beiderseits des vorstehenden grünen Mittelnervs und
der Ständer mehlweiß, bis 60 mm lang, 4 mm breit. Männliche Blüten
kugelig, etwa 6 blutig, Antheren fast sitzend. Weibliche Köpfchen 5 — 7 blutig,
kurz gestielt. Früchte olivenförmig, zugespitzt, bis 28 mm lang, 15 mm breit.
Eine prächtige, langblättrige Art. Mir liegen Exemplare vor, die ich
von Prof. Dr. Dietr. Brandis erhielt und solche, die Pater Giraldi sammelte;
erstere zeigen beide Geschlechter, letztere nur männliche Pflanzen, welche
aber genau übereinstimmen.
Cephalotaxus Oliveri Mast, (in Bull. Herb. Boiss. VI, p. 270 et in Journ.
Linn. Soc. XXVII, p. 545; Card. Chron. 1903, p. 226 cum ic).
Olivers Kopfeibe.
Syn. Ceph. Griffithii Oliver in Hook. Ic. PI. t. 1933, nicht Hook, fil., 1. c.
Im mittleren China, Hupeh (Henry), Szechuen (Wilson), Mount Omei
(Faber) Strauch- oder baumartig, junge Zweige gerillt. Blätter kurz, fast
zweizeilig, kammförmig, auffallend dicht gestellt, 20 — 25 mm lang, 4 mm breit,
lineallänglich, sichelförmig, stumpfstachelspitzig, fast sitzend, am Grunde herz-
förmig-zweilappig, unterseits mit breitem, vorragendem Mittelnerv und blassen
Spaltöffnungsreihen. Männliche Blüten gestielt, fast kugelig, 5 mm dick.
Bracteen fast kreisrund, kahnförmig zugespitzt; Antheren fast sitzend, weibliche
Köpfchen (teste Olivero) fünf- bis siebenblütig, kurz gestielt. Samen elliptisch-
spitz, in der Mitte mit kleinen Höckerchen.
Cephalotaxus Mannii Hook. fil. (in Hook. Ic. PI. t. 1523 et Fl. Brit. Ind. V,
p. 647; Franchet in Journ. de Bot. 1899, p. 265). Manns Kopfeibe.
Im Khasia-Gebirge von etwa 1600 m Erhebung (Mann), Szechuen (Pri nee
Henry v. Orleans ex Franchet). Kleiner Baum; Blätter lineal, verschmälert-
zugespitzt, lederartig, gerade, kaum sichelförmig, zweizeilig abstehend, ober-
seits glänzend, unterseits blasser grünlich, 40 mm lang, 4 mm breit. Männliche
Kätzchen gestielt, kugelig; Antheren herzförmig-eirund, am Grunde dreilappig,
oben gespitzt. Weibliche Blüten 3 — 4 an einem Stiele, kugelig. Samen
eirund-länglich, am Grunde verschmälert, somit birnförmig, 30 — 35 mm lang,
15 mm breit.
Dieser Beschreibung, die neben der Abbildung eine Cephalotaxus, ganz
ähnlich der uns bekannten Arten widergibt, ist eine ganz eigenartige Be-
merkung angehängt, es heißt da nämlich: „Eine sehr charakteristische Art,
die aber so gleich der Taxus baccata ist, daß man sie leicht mit derselben
verwechseln kann, das völlige Fehlen der weißen Blattunterseiten unterscheidet
sie von jeder anderen Art".
Diese Bemerkung, die so gar nicht mit der Beschreibung noch mit der
Abbildung in Einklang zu bringen ist, beweist, daß unter den Herbar-
exemplaren Verwechselungen vorgekommen sein müssen. Ich habe dafür
sogar den handgreiflichen Beweis in Händen, denn Exemplare, welche ich
II. Klasse, Coniferae. 71
Herrn Prof. Brandis, als Cephalotaxus Mannii bezeichnet, verdanke, welche
Oliver in Bernardino-Dali 1891 gesammelt hat, sind ganz unverkennbar,
nicht Cephalotaxus, sondern Taxus baccata, was auch Prof. Brandis
bestätigte, als ich ihn darauf aufmerksam machte.
Es ist ja vor allem zu wünschen, daß auch diese Arten bald in Europa
eingeführt werden. Für Deutschland dürften sie kaum oder doch höchstens
für die mildesten Lagen als Freiland-Coniferen in Betracht kommen, aber doch
für Sammlungen zum genauen Studium sehr willkommen sein.
Familie Pinaceae. Tannenfamilie.
1. Unterfamilie: Araucarieae. Schmucktannengewächse.
Blüten ein- und zweihäusig, männliche an den Spitzen der Zweige.
Schuppen des weiblichen Kätzchens sehr zahlreich, mehrreihig, spiralförmig,
dachziegelig, der Beschaffenheit nach einfach, die Samenschuppe der Bractee
eng angewachsen. Eichen 1 — 3, in der Mitte oder unterhalb der Mitte der
Schuppe beiderseits anliegend, umgewendet. Samen ungeflügelt oder seit-
lich geflügelt.
Immergrüne hohe Bäume.
Cunninghamia R. Br. (in Rieh. Conif. 149, t 18 [1826]; Belis Salisb. in Trans.
Linn. Soc. VIII, 315 [1807]). Cunninghamie, Spießtanne.
Blüten einhäusig, männliches Köpfchen und weibliches Kätzchen an den
Spitzen der Zweige oft 2 — 3; sie erscheinen zuerst endständig, kommen jedoch
bald durch das auswachsende Zweigchen seitHch heraus. Männliche zu mehreren
an den Spitzen der Zweige kopfförmig, je eine an der Basis von einer
Bractee umschlossen, durch mehrere äußere taube, vielreihig- dachziegelige
Bracteen die Hülle des Köpfchens bildend. Staubfadensäule locker zylindrisch;
die Antheren fast spiralig-vielreihig, mit einem dünnen Stiele, durch das
Anhängsel des schuppenförmigen Mittelbandes eirund, kaum oder nicht schild-
förmig, einwärts gekrümmt, Fächer 2 — 4 an der Basis des Anhängsels nach
unten zweiklappig. Weibliches Kätzchen fast kugelig, die Schuppen einfach,
vielreihig, spiralig-dachziegelig, sehr breit eirund, stachelspitzig, an der Basis
kurz zusammengezogen. Samenschuppe dünn, eng angewachsen, unterhalb
der Mitte der Schuppe wenig verdickt. Eichen an der Basis der fruchtbaren
Schuppen 3, umgewendet, mit einigen äußeren tauben und kleineren
Schuppen. Zapfen nach der Blüte vergrößert, im übrigen wenig verändert,
mit locker dachziegeligen, wenig erhärteten, am Rande dünnen, an der Spitze
oft sparrig abstehenden, bleibenden Schuppen. Samen umgewendet, länglich,
mit krustenartiger, härtlicher Schale, von einem schmalen Flügel umgeben.
Kotyledonen 2.
1. Cunninghamia sinensis R. Br. (in Rieh. Conif. p. 80, t. 18, f. 3 [1826]).
Chinesische Cunninghamie oder Spießtanne. (Fig. 8.)
Syn. Abies major sinensis etc. Plukn. Amalth. I, t. 35, 1, f. 1.
Pinus Abies Lour. Flor., Cochin. II, p. 270 exkl. Syn. (1790).
„ lanceolata Lamb., Pin. ed. I, vol. 1, p. 52, t. 34 (1803).
72 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Syn. Belis jaculifolia Salisb. in Linn. Trans. 8, sp. 315 (1807).
„ lanceolata Sw. Hort., brit. p. 475.
Abies lanceolata Desf. Cat. Hort , Paris ed. 3, p. 356.
Cunninghamia lanceolata Lamb., Pin. ed. 2, p. 59, t. 37 (1828).
Araucaria lanceolata hört.
Sanshu der Chinesen.
Köyözan, Riu-kiu-momi und Oranda-momi der Japaner.
Im südlichen China einheimisch, in Kiangsi (David), Formosa und
Hupeh (Henry), Shen-si (Giraldi), Szechuen (Faber), Yunnan (Delavay)
aufgefunden und in Japan kultiviert, in Yokohama von Maximowicz beobachtet.
Im Jahre 1804 in Europa eingeführt.
Baum von 10 — 15 m Höhe; Mayr fand an einem Buddhatempel Bäume
bis zu 25 m Höhe (Fremdland-, Wald- und Parkbäume). Im Ansehen der
Araucaria brasiliensis ähnlich, mit geradem, die unteren Äste bald abwerfendem,^)
verhältnismäßig zur Höhe sehr starkem Stamme, welcher befähigt ist, ab-
geschlagen zahlreiche Stockauschläge zu entwickeln. Äste quirlförmig, hori-
zontal abstehend, Zweige zweizeilig. Blätter sehr dicht und wechselständig,
zweizeilig abstehend, lederartig steif, 3 — 7 cm lang, 5 — 7 mm breit, lineal-
lanzettlich oder lineal-sichelförmig, scharf zugespitzt, an der Basis herablaufend,
am Rande schwach gesägt, oben frischgrün glänzend, unten mit zwei breiten,
blauweißen Spaltöffnungslinien gezeichnet. Männliche Kätzchen 10 — 15 mm
lang, 3 — 4 mm breit, gelb. Zapfen 3 — 4 cm lang und breit, zu mehreren am
Zweige vereinigt, selten einzeln. Mittlere Schuppen 15 — 18 mm lang und fast
breit. Samen 6 — 7 mm lang, 5 — 6 mm breit, sehr zusammengedrückt, gelblich-
braun, von einem schmalen, ausgerandeten Flügel umgeben.
Cunninghamia sinensis glauca hört,
zeichnet sich durch eine auffallend blaugrüne Färbung der Belaubung,
zumal an den jungen Trieben und durch eine auffallend silberweiße Blattunter-
seite von der Art aus, und ist in gut gewachsenen Exemplaren besonders schön.
Diese Form hat sich, wie manche blaue Formen anderer Coniferen, auch
meist widerstandsfähiger als normale Pflanzen gezeigt, wir finden daher unter
günstigen Bedingungen noch schöne Pflanzen, z. B. ein Prachtexemplar im
Schloßgarten in Baden-Baden, eine auffallend breite Pflanze, 6 m hoch, mit
45 cm Stammdurchmesser.
Die Cunninghamie ist als Samenpflanze mit quirlständigen Ästen an
Schönheit und dekorativem Wert den Araukarien gleich zu schätzen, aber
leider begegnet man, selbst im südlichen Europa, wo die Kulturbedingungen
günstige sind, meist nur struppigen, unregelmäßigen Pflanzen, bei oft be-
deutender Stammstärke. Man darf dies wohl zum großen Teil von der Steck-
lingsvermehrung und zwar von Seitenzweigen herleiten, welche immer mehr
buschige, schiefe Pflanzen ohne Hauptachse, (Kopf trieb) liefern. Obgleich die
^) In der durch reiche Gehölzsammlungen bekannten Domäne des Barres in Frankreich
sah ich eine starke Cunninghamia, welche untere Äste bis zu 3 m Länge abgestoßen hatte.
Dieselben hinterließen im Stamme runde trichterförmige Vertiefungen, genau in der-
selben Weise, wie auch Agathis (Dammara) ihre Äste abstößt. Diese eigentümliche, beiden Bäumen
gemeinsame Erscheinung dürfte vielleicht auch auf die Zugehörigkeit der Cunninghamia zu den
Araucarieen hindeuten.
II. Klasse. Coniferae.
73
C. in verschiedenen Gegenden Deutschlands in geschützten Lagen unter Decke
normale Winter überdauerte und wir in Parkanlagen, wo günstige Kultur-
Fig. 8. Cunninghamia sinensis R. Br. 1 Zweig mit Zapfen; 2 männliche Blütenstände; 3 weibliche
Blütenstände ; 4 Staubblatt von hinten und 5 Staubblatt von vorne ; 6, 7 Fruchtblatt in verschiedener
Entwickelung ; 8 Samen (doppelte Größe); 9 Fruchtschuppe ohne Samen; 10 Fruchtschuppe mit Samen;
11 Blattspitze (vergr., um Nervatur und Zähne am Rande zu zeigen).
bedingungen vorherrschen, oft mehrere Meter hohe Pflanzen finden, so wird
sie doch in strengen Wintern stark durch Frost mitgenommen und kann zur
Anpflanzung nur für milde Gegenden und geschützte Lagen empfohlen werden,
da nur hier einige Aussicht besteht, längere Zeit die Pflanzen unbeschädigt
74 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten,
ZU erhalten. Selbst in England leidet sie und man findet selten unbeschädigte
Exemplare. Die C. liebt leicht beschatteten Stand und mehr leichten, lehmigen
Sandboden von gleichmäßiger Feuchtigkeit.
Für rauhe Lagen ist die C. im Topf oder Kübel bei frostfreier Über-
winterung zu kultivieren.
Außer sehr beschränktem Zierwert bietet also die Cunninghamia für
Deutschland meist nur wissenschaftliches Interesse. Das sehr leichte Holz
wird als außerordentlich schön, fein und glänzend, trefflich Politur annehmend
und dabei äußerst dauerhaft im Vaterlande geschätzt.
Die Vermehrung geschieht am besten durch importierten Samen, der
möglichst bald nach der Reife zu säen ist, und durch Stecklinge im Herbst;
man wähle kurze Triebe aus und möglichst am Stamm oder an stärkeren
Ästen erscheinende Kopftriebe, keine Seitentriebe, welche die oben an-
geführten Übelstände zeigen. Man erzieht kräftige, gut bewurzelte Pflanzen
im Topfe, bei frostfreier Überwinterung, ohne sie zu verzärteln, und pflanzt
nur solche in das freie Land.
2. Cunnighamia Konishii (Hayata, Tokyo Bot. Mag. 1907, vol. XIX, p. 43—60,
et Gard. Chron. 1908 p. 194). Konishis Cunninghamie.
Auf Formosa auf dem Berge Randaisan, Nanta in 2300 m Erhebung von
N. Konihi 1907 gefunden. Nach dem Autor ein im Habitus zwischen
Cunninghamia sinensis und Taiwania stehender Baum, mit runden, glatten,
rotbraunen Ästen, die mit spiralig gedrängten Blattnarben gezeichnet sind.
Blütenknospen nackt, flach gedrückt kugelig, mit flach gedrückt-eirunden,
kurz begrannten Bracteen. Blätter älterer Zweige spiralig gedrängt, an-
gewachsen -herablaufend, schmal -lineal, sichelförmig, eingebogen, aufrecht,
spitz, auf dem Rücken leicht gekielt, an jungen Zweigen aufrecht-abstehend
und länger, 15 mm lang, 2,5 mm breit, an der Basis schief gedreht, an der
Spitze stumpflich, am Rande leicht gesägt, steif, lederartig, beiderseits
blaugrün und mit vielreihigen Spaltöffnungsreihen, etwa 8 Jahre, länger
als bei C. sinensis, am Baume grün bleibend. Reifer Zapfen eirund-kugelig,
20 mm lang, 15 mm breit. Schuppen rundlich, scharf gespitzt, deutlich kurz
genagelt, abstehend, herzförmig oder breit zusammengedrückt-eirund, ganz-
randig, holzig-lederartig, am Rande etwas wellig, auf dem Rücken leicht
gekielt, glatt, Bractee klein, Schüppchen 3 von der Basis der Schuppe getrennt.
Samen 3, am Grunde der Schuppe angeheftet, umgewendet, frei, eirund-
elliptisch, mit lederartiger, harter Schale und schmalem Flügel.
Nach dem Autor ist sie durch die genannnten Charaktere gut von
C. sinensis verschieden und verbindet gleichsam C. sinensis und Taiwania.
Hoffen wir, daß sie bald in Kultur eingeführt wird und sich annähernd wie
C. sinensis bei uns verhält, nach ihrem Vorkommen in bedeutender Erhebung
wäre dies nicht ausgeschlossen.
Araucaria Juss. (Gen. PI. 413 [1789], Dombeya Lam. Dict. II, 30],
t. 828 non Cav, [1786]). Araucarie, Schmucktanne.
Blüten zweihäusig oder seltener einhäusig, männliche endständig einzeln
oder seltener an verkürzten Zweigchen an den Spitzen der Zweige büschelig.
Staubfadensäule lang zylindrisch, zwischen den obersten Blättern sitzend.
II. Klasse. Coniferae. 75
Antheren sehr zahlreich, dicht spiralig gedrängt, vielreihig auf ziemlich
starrem Stiele, Fächer 6 — 8 an der Spitze des Stieles, lineal, hängend, nach
innen aufspringend, durch das Mittelband über die Fächer hinaus in ein
schuppenförmiges, einwärts gebogenes Anhängsel verlängert. Weibliches
Kätzchen eirund oder kugelig; Schuppen nach der Blüte von Beschaffenheit
einfach, vielreihig, spiralig, dicht dachziegelig, an den Spitzen öfter zugespitzt.
Samenschuppe dicht angewachsen, dünn, stumpf oder zugespitzt, unter der
Spitze der Bractee frei. Eichen eins, umgewendet. Zapfen kugelförmig,
oft groß, bis zu 22 cm Durchmesser, zuerst endständig, später durch das aus-
wachsende Zweigchen seitlich herauskommend, mit zahlreichen, dicklichen,
an der Spitze jedoch erhärteten Schuppen, an den Seiten verschmälert
oder in Flügel ausgezogen. Samen länglich, umgewendet. Schale mit der
Schuppe eng verwachsen; Eiweiß schmal. Kotyledonen 2 oder 3 — 4. Keimung
oberirdisch oder unterirdisch.
Sektion Coluftibea.
Amerikanische Arten mit nicht oder kaum geflügelten Zapfenschuppen,
mit zwei Kotyledonen und unterirdischer Keimung. Columbea Salisb. in
Trans. Linn. Soc. VIII, 317 (1807).
1. Araucaria imbricata Pav. (Mem. Acad. Madrit. I, p. 197 [1795]).
Chilenische Araucarie. (Fig. 9 u. 10.)
Syn. Pinus Araucana Molin., Chil. p. 182 (1782).
Dombeya chilensis Lamb., Dict. II, p. 301 (1786).
„ Araucana Raeusch., Nomenclat. (1797).
Columbea quadrifaria Salisb. in Linn. Trans. VIII, p. 315 (1807).
Abies Columbaria Desf., Hort. Paris 212 (1815).
„ Araucana Poir., Suppl. V, p. 35 (1817).
Araucaria chilensis Mirb. in Mem. du Museum XIII, p. 49 (1825).
„ Dombeyi Rieh., Conif. p. 86, t. 20, 21 (1826).
Quadrifaria imbricata Manett. ex Gord., Suppl. 14 (1862).
Columbea imbricata Carr., Conif. ed. 2, p. 598 (1867).
Pehuen der Chilenen, die Frucht wird Pinon genannt.
Araucaria du Chili der Franzosen.
Chili Pine der Engländer.
In den Gebirgen des südlichen Chili zwischen dem 36. — 48.^ große
Wälder bildend. Ein geschätztes Nutzholz liefernd, das Kernholz ist gelblich,
das jüngere weiß, feinfaserig, schön geädert und nimmt gut Politur an. Die
Früchte dienen den Bewohnern zur Nahrung.
In Europa 1791 von Menzies eingeführt.
Baum von 30 — 50 m Höhe mit geradem Stamme, an welchem die Blatt-
basen schuppenförmig stehen bleiben, an älteren Bäumen unten kahl mit viel-
eckig rißiger Rinde und mit stumpf-kegelförmiger Krone. Äste regelmäßig
quirlständig, horizontal ausgebreitet, die oberen aufstrebend, die unteren bis
zur Erde überhängend. Zweige gegenständig oder zerstreut, sehr lange mit
Blättern bedeckt. Blätter steif, lederartig, dachziegelig abstehend, eirund-lan-
zettlich spitz, scharf stachelspitzig, oben konkav, unten konvex, beiderseits
dunkelgrün, 3 — 5 cm lang, 8 — 20 mm breit. Zapfen aufrecht, groß, dunkel-
76 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
braun, 12 — 15 cm lang und breit, Schuppen zahlreich, dicht dachziegelig, läng-
lich-keilförmig mit langem, lineal- zugespitztem, übergebogenem Anhängsel,
fruchtbare Schuppen 6 cm lang, 17 — 19 mm breit. Samen etwa 35 — 45 mm lang,
12 — 13 mm breit, verkehrt-eirund-länglich, zusammengedrückt, glatt, glänzend
rotbraun, eßbar. Ein Zapfen enthält bis 300 Samen.
Fig. 9. Araucarla imbricata Pav. 1 männliche Blüte; 2 weibliche Blüte; 3 Staubblatt von der Seite;
4 Staubblatt von vorn; 5 und 6 Staubblätter von Araucaria brasiliensis ; 7 Samen von A. imbricata.
Die Chilenische Araucarie ist eine äußerst dekorative, eigenartig
schöne, auffallende Conifere, welche als Einzelpflanze stets ganz frei auf Rasen
stehen muß und gut entwickelt mit ihrer quirlförmigen Aststellung, den starr be-
schuppten Zweigen und dem dunklen Gründern Garten einen herrlichen Schmuck
verleiht; leider sehen wir unbeschädigte' Exemplare nur in geschützten oder
günstigen luftfeuchten, daher in milden Lagen, wo — 15 <^ C. nicht überschritten
werden, und sonst nur, wenn sie im Winter sorgfältig geschützt werden, am
besten, indem man die Bäume mit einer Bretterbude umgibt, diese unten
II. Klasse. Coniferae.
77
.j^^^-^«
Fig. 10. Araucaria imbricata Pav.
78 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
durch Laub schützt und alle Fugen sorgfältig mit Moos verstopft. So steht
die Pflanze ganz unberührt und bei wärmerem Wetter kann auch gelüftet
werden. Wo man sich solche Mühe nicht verdrießen läßt, kann man schöne
Exemplare finden, z. B. noch in der Umgebung Hamburgs, wo auch das
Seeklima günstig einwirkt. Es gedeihen 2 Exemplare unter leichter Winter-
decke auf Stubbenkammer (Insel Rügen) seit langen Jahren, ebenso früher
in rauher Lage bei Donaueschingen in einer Erhebung von 848 m nach
Kirchhoff, die später, weil wenig beachtet, eingingen; weiter stehen Pracht-
exemplare von 8 m Höhe in hoher Lage, bei Remscheid (Rgb. Düsseldorf).
Die genannten Exemplare habe ich auch selbst gesehen. Auf der Insel Mainau
im Bodensee sehen wir, neben einzelnen Prachtexemplaren bis gegen 10 m Höhe,
auch eine Allee von Araucarien angepflanzt. Bei Walzenhausen am Boden-
see steht ein schönes, tadelloses Exemplar von 12 m Höhe. Sonst kann die
Anpflanzung nur für die mildesten Gegenden Deutschlands empfohlen werden,
denn harte Winter töteten starke Exemplare, selbst unter guter Decke, oder
verunstalteten sie doch für alle Zeit. Für rauhe Lagen ist die A. in Kübeln
bei frostfreier Überwinterung zu kultivieren.
Sie wird aus importiertem Samen erzogen und als kräftiges Topfexemplar,
mit sorgfältigster Schonung jeder Wurzel, ins Freie ausgepflanzt.
Die Araucarie liebt einen nahrhaften, gleichmäßig feuchten, vor allem
aber durchlässigen Boden, in hitzigem, trockenem, zumal kalkhaltigem Boden
wird sie gelb und geht zugrunde. Gebirgs-, See- oder Inselklima sagen ihr
besonders zu; 3 — 5 m hohe Exemplare sind die dekorativ wertvollsten, da sie
bis zum Boden beästet sind, während ältere Bäume die unteren Äste ab-
stoßen, auch sich bald höher ausästen und unten kahl werden. — Sind auch
die klimatischen Verhältnisse in Deutschland der A. im allgemeinen nicht
günstig, und werden wir uns auch nie solcher Prachtexemplare, wie wir sie
in England und Frankreich antreffen, rühmen können, so sollte man doch in
den wärmeren Gegenden und sonstigen günstigen Lagen immer wieder die
Anpflanzung versuchen, selbst auf die Gefahr hin, sich nur für eine Reihe von
Jahren eines so seltenen, fremdartigen Schmuckes zu erfreuen.
Daß sich unter günstigen Bedingungen A. imbricata in Europa schon
eingebürgert hat, ist von besonderem Interesse; nach der Revue horticole
1889, p. 460 befinden sich in Pennandre, 16 km von Brest, die größten Exem-
plare Frankreichs. Bäume bis zu 25 m Höhe bilden einen undurchdringlichen
Urwald, indem die durcheinander gewachsenen Äste unmöglich machen, bis
zu den Stämmen zu gelangen, die bis 2,65 m Umfang haben. Sämlinge be-
decken hier und da den Boden; dieser dichte Bestand soll einen wilden,
finsteren Eindruck machen. Der stärkste Baum ist weiblich, andere männlich.
Nach der Revue horticole 1893, p. 561 haben etwa 30jährige Bäume in
Montpellier, wie in Bordeaux seit Jahren reichlich keimfähige Samen gebracht.
In der Heimat sollen weibliche Bäume viel höher und stärker werden
und 40 — 50 m Höhe erreichen, während männliche Bäume durchschnittlich
nur 15 — 18 m Höhe erlangen.
Am Eingang ins Bois de la Cambre in Brüssel sieht man in einer
prächtigen Gruppe von Araucarien Individuen sehr verschieden im Wuchs,
manche mehr gedrungen mit feinerer Bezweigung und Belaubung, andere mit
dickeren und weiteren Astquirlen, starreren, größeren Blättern und auch
IL Klasse. Coniferae. 79
Zapfen tragend. Wiederholt hatte ich Gelegenheit, diese Bäume genau zu
beobachten.
England erfreut sich durch die Gunst seines KHmas herrHcher und her-
vorragend schöner, starker Araucarien. Nach Gard. Chron. 1899, p. 195 wurde
in Pencarrow (Bodmin) auch ein monöcisches Exemplar beobachtet, welches
mehrere Zapfen und zahlreiche männliche Blüten trug.
2. Unterfamilie: Abietineae. Tannengewächse.
Blüten einhäusig, männliche Kätzchen einzeln, achselständig oder an
kurzen Zweigen endständig. Schuppen des weiblichen Kätzchens doppelt.
Samenschuppe von der Bractee frei oder nur an der Basis angewachsen, erst
sehr vergrößert, im Zapfen oft allein sichtbar. Eichen 2, umgewendet,
nahe der Basis der Schuppe angeheftet. Samen mit unechtem Flügel (von der
inneren Lage der Schuppe abgelöst flügelfruchtartig) selten mit abfallendem
oder kaum entwickeltem Flügel, entblößt oder nackt.
Hohe, meist immergrüne Bäume, selten mit abfallenden Blättern.
Nur Langfriebe, Blätter einzelnstehend, immergrün, Samen stets geflügelt.
1. Blätter mit einem Harzgang im Kiel.
Tsuga Carr. (Conif. 2, ed., p. 245 [1867]). Hemlockstanne,
Schierlingstanne.
Blüten einhäusig, männliche in den Achseln der oberern Blätter einzeln,
fast sitzend, mit schuppenförmigen , dachziegeligen Bracteen dicht umgeben.
Staubfadensäule klein, fast kugelig oder zylinderisch; zwischen den Bracteen
gestielt. Antheren dicht spiralig auf kurzem Stiele; Fächer 2, angewachsen,
fast kugelig, nach unten schräg zweiklappig, durch das Mittelband über die
Fächer hinaus in einen Nabel oder ein sehr kurzes, drüsenförmiges Spitzchen
verlängert. Weibliche Blüten endständig, einzeln, von wenigen tauben
Schuppen dicht umgeben, kugelig, Schuppen doppelt, bis zur Basis oder fast
bis zur Basis getrennt. Bracteen häutig, während der Blüte sichtbar. Samen-
schuppe schon während der Blüte der Bractee fast gleich, dann eine ansehn-
liche Schuppe bildend. Eichen 2, unten an der Basis der Samenschuppe
mit derselben zusammenhängend und umgewendet. Zapfen hängend, fast
kugelig, mit wenig vergrößerten, eingeschlossenen Bracteen; Schuppen aus
der Samenschuppe gebildet, locker-dachziegelig, nach dem Samenausfall
bleibend. Samen unter jeder Schuppe 2, umgewendet falsch-flügelfrucht-
artig. Haut dünn, trockenhäutig -durchsichtig, von der inneren Lage der
Schuppe getrennt und beiderseits gerandet, dann vom Flügel getrennt, eirund-
länglich-zusammengedrückt, mit krustenartiger Schale und mit Harzbläschen
versehen. Kotyledonen 3 — 6.
Immergrüne Bäume mit an den Spitzen oft hängenden, dünnen Zweigchen.
Blätter schmal-Hneal, flach oder eckig, spiralig zerstreut, zuweilen zweireihig
abstehend, oben flach, oder bei einer Art konvex, mit einem einzigen rücken-
ständigen Harzgange und mit einem besonderen, knieförmig gebogenen, kurzen
Stiele auf einem bleibenden, deutlich aber wenig hervorragenden langherab-
laufenden Blattkissen befestigt. Zapfen hängend, 2^/2 cm lang, oder bei einer
Art dreimal länger.
WQ Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Sektion I, Eutsuga Engelm, (Botany of Californ.).
Echte Hemlockstaiinen.
Blätter flach, stumpf, meist am Rande sehr fein gesägt, nur auf der
Unterseite mit Spaltöffnungslinien versehen, Pollenkörner scheibenförmig,
Zapfen klein, 2^/2 cm lang.
1. Tsuga Sieboldii Carr. (Conif. 1. ed., 186 [1855]).
Japanische Hemlockstanne. (Fig. 11.)
Syn. Abies Araragi Sieb., Verh. van het. Bat. Genotsch. XII, 12 (1830).
„ Tsuga Sieb, et Zucc, Fl Jap. II, 14, t. 106 (1842).
„ Araragi Loud., Encycl. of Trees 1036 (1842).
Pinus Tsuga Ant. Conif. 23, t. 32, f. 2 et Endl., Conif. p. 83 (1847).
Tsuga Tsuga Murr., Sketsch of the Conif. of Jap. in Proceed. Hort,
Soc. II, p. 508 (1862).
Tsuga Araragi Sargent in Card, and Forest X, 491, Fig. 62.
Araragi; Tsuga; Hon-tsuga; Kuro-tsuga oder Toga der Japaner.
Tsuga du Japon der Franzosen.
Japanese Hemlock Fir der Engländer.
Im Jahre 1853 von Siebold in Europa eingeführt.
In Japan nach Mayr dem blattabwerfenden Laubwalde angehörend, in
Kiushiu und Shikoku zahlreich in engen, felsigen, warmen Tälern, in tieferen
Fig. 11. Tsuga Sieboldii Carr. 1 Originalzapfen, gesammelt von Tschonoski auf Hondo; 2 Samen mit
Flügel; 3 Samen (vergr., um die Harzdrüsen zu zeigen); 4 unfruchtbarer Zweig; 5 Blatt (zweifache
Größe).
Lagen im Mischwalde mit Abies firma, in höheren Lagen teils in reinen Be-
ständen oder im Mischwalde mit Pinus parviflora. Auch in China vorkommend,
in Hupeh und Szechuen (Henry). Shensi im Tsinling Gebirge (David ex
Franchet) in Thae-pei-san (Giraldi, von denen mir Herbarexemplare zu-
gingen). Sie erreicht oft bedeutende Dimensionen, bis 34 m Höhe, 3 — 4 m
Stammdurchmesser und 12 — 14 m Schaftlänge; in dichten Beständen liefert
sie schöne, gerade Stämme, einzeln und freistehend wächst sie dagegen oft
gegabelt und krumm, in der Jugend wächst sie langsam. Das Holz ist rötlich,
II. Klasse. Coniferae. 81
vortrefflich fest, zähe und dauerhaft, besser wie das von Kiefer und Tanne,
wenig von Temperaturwechsel, Feuchtigkeit und Luft beeinflußt, geschätzt
als Bau- und Nutzholz, zu Schiffsbau, Dachschindeln, für Möbel- und Drechsler-
arbeiten verwendet. Die Rinde liefert Lohe.
Baum mit pyramidaler Krone, Äste unregelmäßig zerstreut, ausgebreitet,
mit den Zweigspitzen überhängend. Junge ausgereifte Zweige glatt,
hellbraun, mit roten Blattkissen, Blätter dichtstehend, fast zweizeihg,
lineal-flach, stumpf, ausgerandet, an den Rändern glatt, oben glänzend grün
mit flacher Längsrille, unten beiderseits des Längskiels mit weißen Spalt-
öffnungslinien gezeichnet, die längsten seitlichen Blätter bis 23 mm lang, 3 mm
breit, die oben am Zweige stehenden kürzer, oft nur 10 mm lang, männliche
Blüten zylindrisch gestielt. Zapfen an einem schuppigen Stiele hängend,
rundlich -elliptisch -stumpf, 20 — 25 mm lang und fast ebensobreit. Zapfen-
schuppen wenige, öfter abstehend, lederartig, kreisrund, ganzrandig oder
meist ausgerandet, auf dem Rücken leicht gestreift, glänzend braun, am
Grunde kurz gestielt. Bracteen abgestutzt, 5 mm lang, unregelmäßig-zweiteilig,
gezähnt-gewimpert, dreimal so kurz als die Schuppe. Samen klein, verkehrt-
eirund, braun, mit länglich-stumpfem, fast gleichlangem, weißlichem Flügel.
Die japanische Hemlockstanne ist von Tsuga canadenis und der
letzteren nahestehenden Tsuga Mertensiana durch ausgerandete, breitere, unter-
seits weißere Blätter, nicht behaarte junge Triebe und zylindrische männliche
Blüten, die bei den genannten Arten kugelig sind, und durch rundlichere
Zapfen verschieden.
Tsuga Sieboldii zeigte sich in Deutschland ziemlich hart, litt jedoch
auch in rauhen Lagen, und an unpassenden Standorten; sie ist oft sehr lang-
sam von Wuchs und man findet ältere Exemplare meist in Kultur als kleinere,
gedrungene, mehrwipfelige, mehrere Meter hohe Pflanzen mit unregelmäßig-
ausgebreiteten Ästen. Ein Umstand, der von der fortgesetzten Vermehrung
durch Stecklinge herrühren dürfte. Erst Samenbäume, die neuerdings
immer mehr herangezogen werden, zeigen uns den wahren Wert und die
Schönheit dieses Baumes, der als Bewohner des wärmeren Laubwaldes in
Japan auch bei uns die passenden Standorte erhalten muß. Mayr empfiehlt
auch forstliche Anbauversuche, im Laubwalde eingesprengt, soweit die Eiche
wächst, zumal in warmen, bodenfeuchten Flußtälern.
Tsuga Sieboldii fol. varieg. Hesse.
Eine bei Aussaaten gewonnene buntblättrige Form.
2. Tsuga (Abies) diversifolia Maxim, (in Mel. biolog. VI, p. 373 [1866] und
Franchet et Savat. Enum. PI. Jap. 468 [1875]). Verschiedenblättrige
Hemlockstanne.
Syn. Abies Tsuga nana Sieb, et Zucc, Fl. Jap. II, p. (1842).
Tsuga Sieboldii nana Carr., Conif. 2. ed., 246 (1867).^)
Kome-tsuga; Beni- tsuga; Hime-tsuga der Japaner.
^) Diese Namen gehören als Syn. hierher, wie schon Mayr in Monogr. d. Abietin. d.
jap. Reiches, S. 87 nachgewiesen hat. Ich habe Zweige und Blätter genau untersucht, die dies
unverkennbar beweisen.
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 6
g2 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
In Japan von Maximowicz auf den Bergen von Kiushiu, und von
Nagasawa auch auf dem Monte Morrison auf Formosa gefunden.^) Mayr
sah in Mittel-Japan auf Bergen ausgedehnte, selbst reine Waldungen im
Gebiete der Buche und einzelne Bäume nahe der alpinen Region.
Ende der sechziger Jahre in Kultur eingeführt durch den Botanischen
Garten zu St. Petersburg.
Nach Maximowicz Baum von 25 m Höhe, mit hohem Stamm, mit
dunkel-rotbrauner Borke und länglicher, schmal-kegelförmiger Krone, mit ruten-
förmigen Zweigen; ausgereifte junge Zweige rotbraun, braun behaart. Die
seitlichen längsten Blätter sind 10 — 14 mm lang, 2^/2 mm breit; die auf der
Oberseite der Zweige stehenden sind weit kürzer, nach den üppigen Zweig-
spitzen zu werden sie immer kürzer und zeigen ganz vorne oft nur 2 mm
Länge. Sie sind zweigestaltig (worauf der Name Bezug nimmt), flach, lineal,
ganzrandig, oberseits dunkelgrün, noch auffallender glänzend wie bei T.
Sieboldii, wie lackiert erscheinend, beiderseits des Mittelnervs mit ungefähr
zehn weißlichen Spaltöffnungslinien gezeichnet, sehr kurz gestielt, die end-
ständigen, welchem Zweige sie auch immer angehören mögen (und am meisten
bei der jugendlichen Pflanze), nach der Spitze zu ein wenig verschmälert,
selbst an der Spitze zugespitzt; die übrigen, viel zahlreicheren überall gleich-
breit, an der Spitze ausgerandet. Männliche Kätzchen dicht, sitzend,
zylindrisch-kugelig, weibliche zwischen häutigen Schuppen ver-
steckt, kurz gestielt, aufrecht. Zapfenstiel 4^/2 mm lang, gebogen;
Zapfen 2 cm lang, 1 cm breit, schmal-elliptisch-spitz, mit sehr kurzen,
eingeschlossenen, abgestutzten, ausgerandeten Bracteen; Schuppen an der
Basis breit-keilförmig-kreisrund oder rundlich-verkehrt-eirund, abgestutzt oder
leicht ausgerandet.
Tsuga diversifolia ist in ihrer Heimat ein herrlicher Baum; für uns
hat sie, als Baum der kühleren Regionen, den großen Vorzug absoluter Winter-
härte vor T. Sieboldii voraus. Dank der Einführung von reichlichem Saatgut
haben wir bereits einen prächtigen Vorrat von Pflanzen in allen Stärken.
Herrliche, elegante Exemplare erfreuen uns in den verschiedensten Gegenden
und werden sich rasch überall als ein auserlesener Schmuck einbürgern. Die
zierliche überhängende Bezweigung, die rötlichen jungen Zweige mit der
glänzenden Belaubung nehmen sich reizend aus.
Die Pflanzen sind einzeln oder in lichten Gruppen frei zu stellen, um
zur vollen Geltung zu kommen. Sie ertragen noch leichte Beschattung und
werden dadurch doppelt wertvoll.
Im Wuchs muß sie als eine der elegantesten Hemlockstannen genannt
und aufs wärmste zur Anpflanzung empfohlen werden.
3. Tsuga chinensis Mast. (Ind. Flor. sin. Journ. Linn. Soc. Bot. vol. XXVI,
p. 556). Chinesische Hemlockstanne.
Syn. Abies chinensis Franch. in Journ. de Bot. 1899, p. 259.
Thie Sha (Eisenholz) der Chinesen.
^) Hayata hat den Baum auf Formosa als besondere Art, Tsuga formosana Hayata,
in Gard. Chron. 1908, S. 194 aufgefaßt. Er betont die sehr nahe Verwandtschaft und
nennt als Unterschied längere Samenflügel und glatte junge Zweige; sie ähnelt Tsuga
II. Klasse. Coniferae. 33
In Szechuen (Tchenkeoutin) von Karges und auf Mount Omei von Wilson
aufgefunden.
Eine der T. diversifolia Maxim, ähnliche Art, mit 10 — 12 mm langen,
2 mm breiten, einfarbig dunkelgrünen, schief gestielten Nadeln, die glatt ge-
rundet sind. Die männlichen Blüten sind gestielt, die Zapfen sitzend.
4. Tsuga yunnanensis Mast. (Ind. Flor. sin. Journ. Linn. Soc. Bot. XXVI,
p. 556). Yunnan-Hemlockstanne.
Syn. Abies yunnanensis Franch. in Journ. de Bot. 1899, p. 258.
Thie Sha (Eisenholz) der Chinesen. Abbild. Gard. Chron. 1906,
p. 236.
In Yunnan bei Yanginchan und Likiang von Pater Delavay in 2800 m
Erhebung gefunden, dann von Henry in Szechuen, von Platt auf dem Mount
Omei und von Wilson in Hupeh gesammelt.
Sie bildet einen strauchartigen Baum mit ausgebreiteten Ästen, der T.
Sieboldii ähnlich. Die Blätter sind ganzrandig, 18 — 25 mm breit, abgestumpft
oder ganz seicht eingekerbt, oberseits grün und gerinnt, unterseits blaugrün
mit etwas umgerollten Rändern. Die fast kugeligen, horizontal abstehenden
Zapfen sind 25 — 30 mm dick; die Zapfenschuppen sind hellgelbbraun, leicht
gestreift, mit kurzer, eirund-spitzer Bractee. Die geflügelten Samen sind etwas
kürzer als die Schuppen.
Von den nächsten Verwandten unterscheidet sie sich durch die aus-
gebreiteten Äste, ihre ganzrandigen , nicht gewimperten Blätter und ihre
sitzenden, horizontal abstehenden, verhältnismäßig großen Zapfen.
Die Abbildungen lassen in allen Teilen die Unterschiede den anderen
Arten gegenüber erkennen. Bei James Veitch & Sons in Combe Wood
bei London sind schon Pflanzen vorhanden, welche sich wohl ebenso hart
wie T. Mertensiana, T. Sieboldii und T. Brunoniana zeigen dürften.
5. Tsuga Brunoniana Carr. (Conif. 1. ed., 188 [1855]).
Browns Hemlockstanne.
Syn. Pinus dumosa Don., Fl. nep., p. 55 (1825).
„ decidua Wall. msc.
Brunoniana Wall., PL asiat. rar. III, p. 24, t. 247 (1832).
Abies Brunoniana Lindl. in Penny Cycl. I, No. 9, 31 (1833).
„ dumosa Loud., Arb. brit. IV, 2325f., 2233, 2234 (1838).
Tsuga dumosa Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf. II, 1, 80 (1887).
Tangshing in Nepal, Semadung in Sikkim genannt.
Tsuga de l'Himalaya der Franzosen.
Indian Hemlock Fir der Engländer.
Im temperierten Himalaya in einer Erhebung von 2600 — 3500 m in Bootan,
zuerst in Nordost-Kamaon von Kapitän Webb entdeckt, im nordwestlichen
Nepal, in den inneren Tälern von Sikkim, hier fand Hooker Bäume von
etwa 40 m Höhe und gegen 9 m Stammumfang. Wallich nannte sie zuerst
Sieboldii in Zapfen und Samen, aber ist verschieden durch die Form der Bracteen und durcl»
kürzere Blätter. Sie scheint zwischen T. diversifolia und T. Sieboldii zu stehen.
G*
34 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Artcn.
Pinus decidua (mit abfallenden Blättern), weil abgebrochene oder abgeschlagene
Äste leicht die Blätter fallen lassen.
Das Holz ist weiß, weich und nicht dauerhaft, die Rinde wird zum
Dachdecken verwendet.
Im Jahre 1838 in Europa eingeführt.
Je nach dem Standort hoher und kleinerer Baum mit ausgebreiteten
Ästen und hängenden Zweigen, in Kultur meist buschiger Strauch. Junge
Zweige rotbraun, weichhaarig, Blätter sehr dichtstehend, fast zweizeilig, kurz,
steif, flach, lineal, stumpf, an den Rändern gesägt mit ganzrandiger Spitze,
kurzgestielt, 20 — 35 mm lang, 2^/2 mm breit, oben frischgrün leicht gerinnt,
unten beiderseits des Mittelkiels mit silberweißen Spaltöffnungslinien versehen.
Männliche Blüten fast kugelig, gestielt; Zapfen eirund-stumpf, sitzend und über-
hängend, 20 — 25 mm lang, 12 — 15 mm breit, Schuppen sitzend, lederartig, breit-
elliptisch, auf dem Rücken konvex und runzelig, am Rande gezähnt-gewimpert,
Bracteen mit abgerundetem oder abgestutztem, gewimpertem Rande, oder aus-
gerandet und fein gespitzt, drei- bis viermal kürzer als die Schuppe, Samen
klein länglich, mit länglichem, stumpfem, dünnem, dreimal so langem, hellem
Flügel.
Diese schöne, sehr zierliche Hemlockstanne kann nach den bisherigen
Erfahrungen kaum noch für die wärmsten Lagen Deutschlands als Freiland-
Gehölz zur Anpflanzung empfohlen werden; ich habe in Deutschland nie ein
unbeschädigtes, dekorativ schönes Exemplar im Freien gesehen. Nach
Carriere erfriert sie in Paris; Kent, in Veitch Manual p. 463 (1900) sagt,
daß in England viele Samen eingeführt wurden, daß aber eine Erfahrung von
40 Jahren bewiesen habe, daß es ausgeschlossen sei, diesen schönen Baum
in Großbritanien einzubürgern; es müßte denn gelingen, eine widerstandsfähigere
Rasse von Saatgut aus den höchsten Lagen, oder von den wenigen, in Eng-
land eingebürgerten Bäumen zu gewinnen. Nur in den günstigsten Lagen
von England (z. B. Dropmore) Cornwall und in Süd-Irland hält sich der
Baum eine Reihe von Jahren, erreicht aber auch nicht annähernd den herr-
lichen Bau wie im Vaterlande. Soweit Kent. Zu diesen Angaben steht die
Angabe Mayrs (Fremdländische Wald- und Parkbäume, S. 427) in vollstem
Widerspruch: daß sich T. Brunoniana in Grafrath bei München ebenso
frosthart erwiesen habe als die westamerikanischen Tsuga, und daß die An-
gabe, daß sie für Deutschland zu empfindlich sei, lediglich auf Vermutung
beruhe, weil der Baum aus Indien stammt. — Diesen seltsamen Ausspruch
können wir so lange nicht anerkennen, bis ein wirklich freudiges Gedeihen
dieser Art an verschiedenen Orten sicher nachgewiesen ist.
Tsuga Brunoniana Carr. var. chinensis (Franch. in Journ. de Bot. 1899, p. 258).
Eine chinesische Form, welche in Szechuen (F arg es) und in Yunnan
(Delavay) aufgefunden wurde.
6. Tsuga canadensis Carr. (Conif. 2. ed., 248 [1867]). Kanadische Hemlocks-
oder Schierlingstanne. (Fig. 12 — 14.)
Syn. Abies foliis solitariis confertis obtusis membranaceis Gronov. Virgin,
p. 191.
Pinus canadensis L. spec. pl. 1421 (1763).
Beißner, Nadelholzkiiude. 2. Aufl.
Zu Seite 84.
Tsuga canadensis im Arnold-Arboretum bei Boston, U. S. A.
IL Klasse. Coniferae. 85
Syn. Pinus americana Dur., Obs. bot. p. 41.
„ Abies americana Marsh., Ärb. 103 (1785).
Abies canadensis Mchx., Arb. Forest de TAmmer sept. I, p. 137,
t 13 (1810).
Picea canadensis Lk. in Linnaea XV, p. 524 (1841).
Hemlock-Spruce der Nordamerikaner und der Engländer.
Sapin du Canada der Franzosen.
Im kälteren Nord-Amerika, zumal im Osten von der Hudsonsbay bis
Nord-Karolina, je weiter nach Süden desto seltener und in der Nähe des
AUeghany-Gebirges die südlichste Grenze erreichend.
Nach Dr. Mayr ist ihre Heimat das Grenzgebiet der Laub- und Tannen-
wald-Region, sie bevorzugt die kühlen Lagen des Laubwaldes und die warmen
des Nadelwaldes, sie sucht die Nordseiten der Berge trotz mageren, felsigen
Bodens, liebt feuchte enge Talschluchten, selbst nasse kalte Sümpfe.
Im Jahre 1736 durch Peter Collinson in Europa eingeführt.
Baum von 25 bis über 30 m Höhe, mit schlankem Stamm und pyra-
midaler Krone. Äste horizontal mit den Spitzen überhängend, junge Zweige
zahlreich, rostfarbig, ausgereift glatt, nur die jüngsten dünn-weichhaarig, Blätter
dichtstehend, fast zweizeilig, kurz, gerade, steif, flach, lineal, stumpf, ganzrandig,
an den Rändern schärflich, kurz gestielt, 10 — 15 mm lang, 1^/2 mm breit, ober-
seits mit leichter Längsrille glänzend grün, unten beiderseits des wenig vor-
tretenden Mittelkiels mit weißlichen Spaltöffnungslinien versehen; männliche
Blüten klein, hellgelb, fast kugelig, gestielt. Weibliche Blüten blaßgrün.
Zapfen einzeln an kurzen Zweigen hängend, eirund oder eirund-länglich-stumpf,
17 — 25 mm lang, 12 — 15 mm breit, nach dem Samenausfall oft mehrere Jahre
am Baume hängen bleibend. Zapfenschuppen fast lederartig, verkehrt-eirund,
graubraun, auf dem Rücken konvex, etwas runzelig, am Rande gezähnelt.
Bracteen eirund, abgestutzt, zweispaltig, stumpf oder zugespitzt, gezähnelt,
drei- bis viermal kürzer als die Schuppen. Samen länglich, hellbraun, mit
länglichem, stumpfem, gleichfarbigem und ^/^ oder ^/g längerem Flügel.
Das Holz ist ohne Harzgänge, hellbraun-rötlich, leicht, weich, nicht fest
und nicht dauerhaft, grob-faserig, schwer zu bearbeiten, nach Dr. Mayr etwa
von der Güte des Tannenholzes, aber die aschgraue Rinde wird zum Gerben
sehr geschätzt. Nach Sargent werden in den Vereinigten Staaten Nord-
Amerikas enorme Wälder, etwa 4 Millionen Hektare, zur Gerberrinde-
Gewinnung ausgebeutet und stellt sich der Preis, der Eichenrinde gegen-
über, enorm billig. Aus den jungen Zweigen wird das Hetnlock-Öl destilliert.
Die kanadische Hemlockstanne ist vollkommen hart und eine der
schönsten, zierlichsten Coniferen mit leichter, im Bogen überhängender Be-
zweigung. Da der Stamm sich oft gabelförmig teilt, so ist der Kronenbau ein
leichter, mit tiefen Einschnitten und wechselnder Schattierung, daher in der
Landschaft außerordentlich wirkungsvoll. Dieser herrliche Baum sollte stets
ganz freigestellt werden, da er nur so zur Geltung kommt, er liebt genügend
feuchte, dabei hohe, luftige Lagen, gedeiht gut an Ufern, an nördlichen und
östlichen Abhängen, in heißen, trockenen Lagen verkümmert er. In Buschform,
als Unterholz angepflanzt, ist er wertvoll, da er Überschirmung erträgt und
daher bei hinreichender Feuchtigkeit mit Hex, Buxus, Mahonia, Taxus u. a. m.
zu diesem Zweck Verwendung finden kann, wie zur Ausfüllung von Lücken in
86 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
immergrünen Gruppen. In Deutschland gewachsener Samen ist oft nicht, oder
nur teilweise keimfähig, zumal, wenn er in ungünstigen Lagen gewonnen ist.
Fig. 12. Tsuga canadensis Carr., junger Baum.
Als Zierbaum allgemein seit langen Zeiten angepflanzt und geschätzt,
finden wir schon prächtige alte Bäume in älteren Parkanlagen, so z. B. im
Park zu Wörlitz malerisch schöne Bäume von über 20 m Höhe bei 1 m
Stammdurchmesser (siehe Fig. 13). Nach Dr. Bolle steht auf einem Wald-
II, Klasse, Coniferae.
87
Fig. 13. Tsuga canadensis Carr., alter Baum im Park zu Wörlitz bei Dessau,
ßß Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
hügel bei Boitzenburg in der Uckermark ein Baum, der, was Wuchs und Schön-
heit anlangt, mit mancher Libanon-Ceder wetteifert, ebenso in Dahlen bei Ziesar.
Fig. 14. Tsuga canadensis Carr. l Zweig mit männlichen Blüten; 2 Staubblatt (vergr.). daneben
Pollenkörner; 3 Zweig mit weiblichen Blüten; 4 Fruchtblatt; 5 Blatt (doppelte Größe); 6 Zweig mit
geschlossenem Zapfen; 7 offener Zapfen; 8 Schuppe von innen, mit Samen; 9 Schuppe von außen, mit
kleiner Bractee; 10 Schuppe von der Seite; 11 Samen.
In Kultur sind verschiedene, oft recht abweichende Formen gewonnen
worden.
Wuchsformen.
Tsuga canadensis nana Carr. (Conif. 1. ed., 190 [1855]).
Zwerg-Hemlockstanne.
Syn. Abies canadensis nana hört.
Buschiger Strauch, oft niedergedrückt und weitschweifig, kaum mehr
als 1 m Höhe erreichend. Die zahlreichen Äste sind horizontal und lang,
ausgebreitet, Zweige kurz und sparrig und die Blätter wie bei der Art.
Diese Form soll auch im Vaterlande nicht selten vorkommen.
Tsuga canadensis compacta nana hört.
Syn. Abies canadensis compacta nana hört.
Eine dichtzweigige, gedrungene, niedliche Kugelform mit
kleineren Blättern, mehrfach mit geringen Abweichungen in Kultur gewonnen.
Hierher gehört auch Tsuga canadensis minima Hesse.
II. Klasse. Coniferae. 89
Tsuga canadensis globosa hört. Kugel-Hemlockstanne.
Syn. Abies canadensis globosa hört.
Tsuga canadensis globularis hört.
Abies canadensis globularis hört.
Eine hübsche, runde, regelmäßige Kugelform, welche, ohne steif oder
verkrüppelt zu erscheinen, mit nickenden Zweigspitzen sich reizend ausnimmt.
Bei Aussaaten wurden an verschiedenen Orten mehr oder minder schöne
und regelmäßige Formen gewonnen.
Tsuga canadensis pumila Ordnung.
Eine in Eisenberg in Böhmen erzogene reizende, ganz dichtbezweigte
Zwerg-Kegelform mit nickendem Wipfel und allseitig zierlich überhängenden
Zweigspitzen; eine zehnjährige Pflanze ist 60 cm hoch und unten ebensobreit.
Tsuga canadensis atrovirens hört.
Eine Form von ziemlich gedrungenem Wuchs und von auffallend dunkel-
grüner Färbung.
Säulenformen.
Tsuga canadensis fastigiata hört.
Syn. Abies canadensis fastigiata hört.
Ein interessanter Sämling von schlank aufstrebendem Wuchs und
mit verkürzter, farnwedelartiger, niemals nickender Bezweigung.
Tsuga canadensis columnaris Bolle. Säulen-Hemlockstanne.
Eine von Dr. Bolle in Kultur gewonnene schöne Säulenform, eine
schlanke dekorative, bereits über 3 m hohe Pflanze bildend.
Trauerform.
Tsuga canadensis pendula hört. Trauer-Hemlockstanne.
Syn. Tsuga canadensis Sargentii pendula hört., amer. Parsons, Catal.
1896, p. 59.
Eine höchst dekorative Form, mit leicht im Bogen überhängender Be-
astung und Bezweigung, welche durch Aufbinden des Mittelastes künstlich
emporgezogen werden muß. Ganz frei gestellt, oder über Abhänge oder
Felsen herabhängend^ ist sie malerisch schön. Herr Reh der sandte die Ab-
bildung zweier Prachtexemplare, die im Fairmount-Park in Philadelphia stehen;
sie sind noch einmal so breit als hoch und wirken, mit ihrer allseitig im Bogen
überhängenden Bezweigung, wie eine Kaskade in der Landschaft. Solche
Pflanzen bilden einen auserlesenen Schmuck und sollten recht weite Ver-
breitung finden.
In den Bläffern abweichend.
Tsuga canadensis sparsifolia.
Ein eigentümlicher Sämling von gedru«genem Wuchs mit aufstrebenden
Zweigen und unregelmäßig zerstreut um die Zweige gestellten
Blättern, so daß die fast zweizeilige Blattstellung der Art ganz verschwindet
und die Pflanze auf den ersten Blick einem Juniperus ähnlich sieht.
90 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Tsuga canadensis gracilis Carr. (Conif. 2, ed., p. 246 [1867]).
Syn. Abies canadensis gracilis hört, ex Gord., Pin. Suppl. 9.
Eine zierliche Form, Äste und feine Zweige übergebogen, fast
hängend, besetzt mit sehr kurzen, nur 6 — 8 mm langen Blättern. Gleich-
sam eine Übergangsform zu den zwei folgenden. In England in Kultur
gewonnen.
Tsuga canadensis microphylla hört. Kleinblättrige Hemlockstanne.
Syn. Abies canadensis microphylla hört.
Eine besonders zierliche, sehr charakteristische und abweichende Form,
die auf den ersten Blick eine ganz fremde Erscheinung bietet und mit leichter,
feiner Bezweigung, als ein besonderer Schmuck, sehr die Anpflanzung verdient.
Die Blätter sind kleiner und feiner, nur 5 mm lang, 1 mm breit und mit
gleichen bläulichen Spaltöffnungslinien wie bei der Art. Ein eigentümlicher
Sämling, wie er bei Aussaaten öfter gefunden wurde.
Tsuga canadensis parvifolia P. Smith. Kleinblättrige Hemlockstanne.
Syn. Abies canadensis parvifolia hört.
Diese Form ist, was Wuchs und dekorativen Wert anlangt, der vorigen
gleich und ist ein ähnlicher, bei einer Aussaat gewonnener Sämling, welcher
noch kleinere, nur 3 — 4 mm lange, 1 mm breite Blätter hat, an denen
jedoch die bläulichen Spaltöffnungslinien nur sehr schwach hervortreten.
In der Färbung abweichend.
Tsuga canadensis aurea hört.
Syn. Abies canadensis aurea hört.
Eine goldgelb schimmernde Form von gedrungenem Wuchs, mit
leicht übergebogenen, goldgelben Zweigspitzen, welche recht zierlich und
dekorativ ist.
Tsuga canadensis argentea Hesse.
Eine leichtzweigige Form, welche sich mit silberweißen, langaus-
gestreckten Zweigspitzen reizend ausnimmt. Sie wächst sehr kräftig und zeigt
lange üppige Bezweigung.
Tsuga canadensis albo-spicata hört.
Syn. Abies canadensis albo-spica hört.
Eine Form mit weißen Zweigspitzen, die sich recht zierlich aus-
nimmt, bei Herrn Hesse in Weener a. Ems steht ein dichter Zwergkegel
von 1^/2 m Höhe, unten ebensobreit, welcher mit silberweißen Zweigspitzen
übersät ein Schaustück ersten Ranges bildet.
Tsuga canadensis argenteo-varieg. hört.
Syn. Abies canadensis fol. argent. varieg. hört.
Eine öfter in Kultur gewonnene silberbunte Form, die ziemlich
unbedeutend ist und sich je nach der Abstammung bald beständig oder un-
beständig in der Färbung zeigt.
II. Klasse. Coniferae. 91
7. Tsug^a caroliniana Engelm. (in Coulters botanical Gazette vol. VI, p. 223
(1881); Sargent, Forest, of N.-Am. [Final reports Tenth. census of Un. Stat]
vol. IX, p. 207). Karolina-Hemlockstanne. (Fig. 15.)
Syn. Abies caroliniana Chapman in the Fl. of the Southern States
Suppl. p. 650 (1887).
In Karolina längs der blauen Berge ziemlich weit zerstreut, nicht sehr
häufig, nur in geringer Anzahl beisammen gefunden, nach Sargent^) zieht
sie felsige Flußufer in einer Erhebung von 800 — 1000 m vor, obgleich sie
öfter auch 300 m höher an felsigen Abhängen wachsend, gemeinsam mit
T. canadensis gefunden wurde, von welcher sie sich sofort unterscheidet.
Im Jahre 1886 in Samen in Europa eingeführt.
Mittelhoher oder kleiner Baum von dichtem, pyramidalem Wuchs, meist
16 — 20 m hoch, bei 0,70 m Stammdurchmesser, mit ausgebreiteten Ästen, die
hellgelbbraunen, jung kurz behaarten, später glatten,
dunkelbraunen, etwas überhängenden Zweige sind dicht
mit dunkelgrünen Blättern besetzt.
Von T. canadensis unterscheidet sie sich durch
größere, breitere und dunklere Blätter von 16 — 23 mm
Länge und 2 mm Breite abgestumpft und öfter an der
Spitze schwach gekerbt, oben dunkelgrün, unten mit
weißen Spaltöffnungslinien und mit Hypodermzellen
(welche in den Blättern der T. canadensis nicht ge-
funden sind) unter der Epidermis am Kiel der Mittel- /^W^ 2}
rippe und den Rändern; durch rötliche männliche Fig. 15. Tsuga caroliniana
und purpurrote weibliche Blüten und durch längliche, Engeim. 1 Zapfen; 2 Samen,
größere, 22 — 32 mm lange Zapfen, durch die länglichen
Zapfenschuppen, welche länger als breit und wenn der Zapfen reif, fast im
rechten W^inkel abstehen, durch die breiten, leicht zugespitzten Bracteen und
durch die Samen, die kaum halb so lang als die schmalen Flügel sind.
Nach dem Preisverzeichnis von H. P. Kelsey in Linville Mitchell County
im Hochland des westlichen Nord-Karolina ist T. caroliniana schwer zu
verpflanzen, zeigt sich aber, wenn eingewurzelt, ganz hart, wächst gut und
bildet in Kultur einen schönen, gleichmäßig dichten, kegelförmigen
Baum.
In unseren Kulturen finden wir bereits stattliche Exemplare in den
verschiedensten Lagen, die freudig gedeihen und als reizende, zierliche Er-
scheinungen sich den anderen Arten würdig an die Seite stellen.
8. Tsuga Mertensiana Carr. (Conif. 2. ed., 250 [18671). Mertens- oder
Westamerikanische Hemlockstanne. (Fig. 16.)
Syn. Pinus canadensis Bong. Mem. Acad. Imp. St. Petersb. II, 163 (1832)
nicht Linne.
Abies Mertensiana Lindl. et Gord., Journ. of the hört, Soc. V, p. 211.
„ taxifolia Jeffr. ex Murr, hört., Soc. of London III, 145 (1863).
„ Bridgesii Kellog. in Proceed. of the calif. Ac. of nat. sc. II, p. 37.
1) Siehe Gard. and Forest. 1889, p. 267 und 269 mit Abbildung eines alten Baum-
bestandes an einem Gebirgsstrom in den blauen Bergen in Nord-Karolina.
92 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Syn. Abies Albertiana Murr., On the syn. of var. Conif. p. 9 (1863).
Tsuga canadensis var. Mertensiana Newb. (nach Zabel in Forstl.
Blatt. XL Jahrg., S. 209 und 210).
Tsuga heterophylla^) Sarg., Silva N.-Am. XII, 73, t. 605 (1898).
Californian Hemlock Spruce im Engl. Nord-Amerika.
Tsuga de Californie der Franzosen.
Western Hemlock Fir, Prince Alberts Fir der Engländer.
Im westlichen Nord-Amerika ein der Küstenregion des Großen Ozeans
von Marin County und speziell Mendocino bis Alaska eigentümlicher Baum,
auf der Insel Sitka und Vancouver; nach Dr. Newberry (der sie nur als
Varietät der ostamerikanischen T. canadensis gelten lassen will) tritt sie in
höheren Regionen im Clarks Forktale am Kolumbiaflusse zuerst als Strauch
oder niederer Baum auf, während sie am unteren Kolumbia gleich anderen
Coniferen eine majestätische Höhe erreicht.
Im Jahre 1851 von Jeffrey in Europa eingeführt.
Nach Engelmann sehr großer Baum von 30 bis über 60 m Höhe.
Stamm selten doppelt oder mehrwipfelig, daher als Nutzbaum wertvoller als
T. canadensis, mit ziemlich dicker, rotbrauner Rinde bekleidet. Krone
pyramidal, Äste horizontal, mit den Spitzen überhängend, die letzten Ver-
ästelungen sind sehr dünn, etwas rauh und in der Jugend dicht behaart.
Die Blätter sind lineal, 1 — 2 cm lang, l^/o mm breit, gestielt, mit abgerundeter
Spitze, fein-dornig-gesägt, oben glänzend-hellgrün und in der Jugend unter-
seits mit weißlichen Spaltöffnungslinien, später mehr verschwindend. Männ-
liche Blüten gelb, kugelig, 4 — 5 mm im Durchmesser, kürzer als der Stiel,
weibliche purpurn, weichhaarig. Zapfen länglich-zylindrisch-zugespitzt, fein
weichhaarig, Schuppen länger als hreit, Bracteen abgestutzt. Samen 2 — 3 mm
lang, Flügel zweimal so lang oder länger, kaum nach der Basis zu verbreitert.
Der T. canadensis sehr nahe verwandt wird sie ein größerer Baum
mit feinerem und dichter geädertem Holze und roterer Rinde, die zum Gerben
sehr geschätzt ist und ist namentlich verschieden durch die mehr verlängerten,
filzig behaarten Zapfenschuppen und die verhältnismäßig viel längeren und
geraderen Samenflügel. Bei T. canadensis sind die Schuppen beinahe so
breit als lang und die Samen größer, aber die an der Basis sehr breiten und
fast dreieckigen Flügel nur ^/^ oder ^/g länger als der Samen.
Tsuga Mertensiana macrophylla.
Syn. Tsuga canadensis macrophylla hört.
Abies canadensis macrophylla hört.
Eine aus Frankreich unter letzterem Namen eingeführte, rasch und üppig
aufwachsende dekorative Form, mit etwas längeren und breiteren Blättern,
^) Es soll nachgewiesen worden sein, daß Bongard unter seiner Pinus Mertensiana
nicht diese Art, sondern Tsuga Pattoniana verstanden hat. Sargent nannte daraufhin unsere
T. Mertensiana, wohl bezugnehmend auf die sehr fragliche Abies heterophylla Rafin. Journ.
Atlant. 119, T. heterophylla, eine in doppelter Beziehung unglückliche Benennung, erstens weil
die Bezeichnung auf diese Art nicht zutrifft und dann, weil wir schon eine T. diversifolia
Maxim, besitzen, ein Name, der doch, wenn auch in anderer Sprache, dasselbe bedeutet. Um
steten Verwechselungen vorzubeugen, behalten wir somit den eingebürgerten Namen
T. Mertensiana Carr. bei.
II." Klasse. Coniferae.
93
Fig. 16. Tsuga Mertensiana Carr.
94 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten,
welche aber mit den filzigen, dicht braunbehaarten, jungen Trieben, den unter
der Lupe deutlich fein-dornig-gesägten Blättern und den schon vorhandenen
abweichenden Zapfen, zu der westamerikanischen, nicht aber wie fälsch-
lich angegeben zu der kanadischen Hemlockstanne als Form gehört.
Tsuga Mertensiana argenteo-variegata hört.
Syn. Abies Albertiana argent. varieg. hört.
Eine sehr zierliche Form, deren junge Triebe ganz weiß gepudert
erscheinen und die Pflanze sehr schmücken.
In Kultur zeichnet sich die westamerikanische Hemlockstanne
vor der ostamerikanischen T. canadensis durch üppigeren, schnelleren, mehr
aufstrebenden Wuchs, meist nur mit einem gut entwickelten Mitteltriebe und
durch besonders zierliche, leicht überhängende Bezweigung aus und darf zu
den reizendsten, dekorativsten Coniferen gezählt werden. Leider zeigt sie
sich in manchen Gegenden in der Jugend empfindlich, besonders gegen
scharfe Winde, in ausgesetzten Lagen und bei schneeloser Kälte, wo sie
dann viele Blätter wirft, auch zum Teil bis ins ältere Holz zurückfriert und
so für längere Zeit, oder dauernd verstümmelt erscheint. Man sorge für seit-
lichen Schutz durch Pflanzungen bei genügender Boden- und Luftfeuchtigkeit.
Wir finden in den verschiedensten Gegenden wahre Prachtexemplare
von 10 — 15 m Höhe, die sich herrlich ausnehmen. Auch forstlich ist sie mit
vielem Glück angebaut, wächst bei genügend feuchtem Stand üppig und
schlank empor und mit der Douglastanne um die Wette. Sie leidet im Forst
weit weniger als freistehend im Park, gereicht unseren Waldbeständen zur
höchsten Zierde und wird hoffentlich, durch ihr treffliches Nutzholz, wie die
zum Gerben sehr geschätzte Rinde, dereinst auch ein hervorragender Nutz-
baum für uns werden.
Sektion II, Hesperopeuce Emgelm, (Botany of California).
Blätter sehr konvex und oben gekielt, spitzlich, beiderseits mit Spalt-
öffnungen; Pollenkörner zweilappig; Zapfen groß bis 7^/2 cm lang.
9. Tsuga Pattoniana Engelm. (in Botany of California et Wats. Fl. calif. II,
p. 121 [1880]). Pattons Hemlockstanne. (Fig. 17 u. 18.)
Syn. Pinus Mertensiana Bong., Veg. de Sitcha 54 (1832); Mem. de l'Acad.
St. Petersb. II, 163 (1833).
Abies Pattoni oder Pattoniana Jeffr. in Bot Exp. to Oregon p. 1,
cum ic. (1853).
Abies Hookeriana Murr, in Edinb. New. Phil. Journ. (1855).
„ Williamsonii Newb., Pacif. realw. rep. VI, 53, t. 7 (J857).
Pinus Pattoniana Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 429 (1868).
Tsuga Hookeriana Carr., Conif. 2. ed., p. 252 (1867).
Tsuga Mertensiana Sarg., Silva N.-Am. XII, 77, t. 606, nicht
Carriere.
Mountain Hemlock, Patton Spruce.
Im westlichen Nord-Amerika in der Sierra Nevada in den höchsten
Baumregionen in einer Erhebung von 2600—3300 m im Scotts-Gebirge, vom
II. Klasse. Coniferae.
95
San Joaquin-Fluß nord-
wärts und durch das
Kaskaden -Gebirge, bei
Crescent City bis nahe
zur Küste hinabsteigend,
nach der Baumgrenze
zu immer niedriger wer-
dend, zuletzt strauch-
artig; am Frazer-Fluß in
Brit. Columbien.
Im Jahre 1851 in
Europa eingeführt.
Nach H. Engel-
mann ^) ein großer,
streng- pyramidaler
Baum von 30 — 50 m
Höhe und 0,70 bis sel-
ten 1,30 m Stammdurch-
messer, in hohen Lagen
nur ein Strauch, von
zierlichem Wuchs mit
schlanken , hellbraun,
weichhaarigen Zweigen
und hellblau-grüner Be-
laubung. Die wie bei
den anderen Tsuga sehr
gerbstoffreiche Rinde
des Stammes ist dick,
rötlichgrau, sehr gespal-
ten und abblätternd, die
Blätter sind 14—25 mm
lang, lineal- viereckig-
spitzlich, nach dem
Grunde zu verschmälert,
öfter gekrümmt, beider-
seits mit Spaltöff-
1) Vgl. Zabels Über-
setzung in Forstl. Blätter, Juli-
heft 1882, wo es heißt: „Ob-
gleich in der Form der Blätter,
der Verteilung der Spaltöff-
nungen und namentlich in
der Form der Pollenkörner,
welche denen der Kiefern
gleichen, sehr abweichend,
kann ich dennoch diese Art
nicht von Tsuga trennen, mit welcher sie die einzelnen Harzgänge der Blätter, die Form der
männlichen Blüten und die Harzbläschen der Samen vereinigen".
Fig. 17. Tsuga Pattoniana Engelm. aus den Baumschulen von
Jürgens in Ottensen bei Hamburg.
96 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
nungen versehen und stehen meist rings um den Zweig, Männhche Blüten
violett-purpur, sehr zierend, 10 — 12 mm lang, mit sehr schlankem Stiel. Zapfen
sitzend, oder kurzgestielt, zyHndrisch-länglich, 5 — l^j^ cm lang, jung blaupurpur.
Zapfenschuppen eirund-stumpf-abgerundet, am Rande fein gekerbt, Bractee
rautenförmig, vielmal kleiner als die Schuppe; Samen hellbraun, 5 mm lang
mit einem schief- verkehrt-eiförmigen , 9 mm langen Flügel, der oben am
breitesten ist
Nach Sargent ist das Holz leicht, weich, nicht fest, dicht faserig, hell-
braun oder rot, mit dünnem, weißlichem Splint, und wird gelegentlich zu
Hausgerät verarbeitet.
Fig. 18. Tsuga Pattoniana Engelm. l Zweig mit Zapfen nach einem Originalexemplar von SO. Alaska^
gesammelt von Getn Krause; 2 Blatt (zweifache Größe); 3 Blattdurchschnitt (vierfache Größe).
Dr. Newberry nennt bei Beschreibung der Waldbäume im Gebiete der
Northern Pacific-Bahn (s. Zabels Mitteilungen in Forstl. Blätter 1885, Heft 6)
Tsuga Pattoniana die schönste aller Coniferen.
Nach Engelmann und Sargent, welche die Original-Fundorte besuchten,,
(s. Zabels Mitteilungen Forstl. Blätter 1884, Heft 8 u. 9) kennt man diese
schöne Art jetzt allgemein als T. Pattoniana, aber in Edinburg wird sie,
d. h. die Art mit viereckigen Blättern, Abies Hookeriana und eine Art mit
flachen Blättern Abies Pattoniana genannt. Nun ersteigt Tsuga Mertensiana
in den nördlichen Gebirgen (nur dort nicht in Kalifornien) woher auch
die Edinburger flachblättrige T. Pattoniana angeblich stammt, dieselben Höhen,,
wie ihre Verwandte, sie bleibt auf diesen zwar niedriger, ist aber sonst von
der Form der Seeküste nicht zu unterscheiden. Die Anatomie der Blätter
II. Klasse. Coniferae. 97
dieses Baumes, aus dem Edinburger Garten, welcher aus Jeffreyschem Samen
erzogen wurde und dort als Abies Pattoniana kultiviert wird, ist ferner die
von Eutsuga und nicht von der T. Mertensiana verschieden. Aber die Original-
Abbildung in den sogen. Oregon Commitees Report zeigt einen Baum mit
viereckigen Blättern, der dort Ab. Pattoniana genannt wird, und jetzt unter
diesem Namen geht, zuweilen aber auch Ab. Williamsoni heißt. Die Autoren
glauben deshalb, daß die flachblättrige in Edinburg Ab. Pattoniana genannte
Tanne die Gebirgsform der T. Mertensiana sei. Das einzige Bedenken
scheint in der angegebenen Größe der Jeffreyschen Originalzapfen zu liegen,
welche fast so groß als die der echten T. Pattoniana und viel größer als die
der T. Mertensiana sein sollen, aber da könnte nach der Meinung der Autoren
eine Verwechselung hinsichtlich der Zapfen vorgekommen sein.^) Jedenfalls
ist die Edinburger T. Pattoniana nicht von T. Mertensiana und die kleine
nördliche Gebirgsform von letzter Art nicht von deren kolossalen Stämmen
in der Küstenregion zu unterscheiden und eine dritte dazwischen liegende
Art nicht aufzufinden.
Aus vorstehendem erklärt sich in erster Linie, weshalb T. Pattoniana
und Hookeriana zumal in Englischen Gärten und von dort zu uns eingeführt,
als zwei verschiedene Pflanzen beschrieben und verbreitet wurden, obgleich
sie in Wirklichkeit nur eine Pflanze darstellen. Dann aber finden wir
anderseits von der echten T. Pattoniana mit viereckigen Blättern eine
grünliche oder besser graugrüne Form und eine schönere silbergraue
Form, letztere ist in deutschen Handelsgärten meist als T. Hookeriana, die
erste als T. Pattoniana verbreitet. Da es aber nun durchaus nicht statthaft
ist, zwei ganz unwesentliche Formen einer Art unter zwei verschiedenen
Namen zu führen, sollte daher für die normale, graugrünliche Form der
richtige Name Tsuga Pattoniana Engelm., dagegen der Name:
Tsuga Pattoniana argentea für die dekorativ schönere, weiß blaue oder
silbergraue Form allgemein angenommen werden, denn in der Tat steht
diese letzte oft an Schönheit in der Färbung der Picea pungens argentea
kaum nach.
Da, wie schon bei T. Mertensiana Carr. angegeben wurde, unter Pinus
Mertensiana Bong, nicht diese Art, sondern T. Pattoniana verstanden sein
soll, so nannte bedauerlicherweise Sargent letztere T. Mertensiana, ein Vor-
gehen, welches selbst in wissenschaftlichen Kreisen auf energischen Wider-
spruch stößt. Es wäre deshalb geradezu unverantwortlich, dem Praktiker
einen Austausch dieser Namen für 2 von ihm unter den jetzigen Namen gut
unterschiedene Coniferen zumuten zu wollen! Man denke sich, welche nie-
mals endenden Verwechselungen, Irrtümer und geschäftlichen Ärgernisse,
dadurch entstehen müßten. Wahrlich Grund genug, um solche Namenum-
wälzung als unannehmbar energisch zurückzuweisen.
^) Beide hier genannte Arten sind von den ersten Einführungen her, sowohl in Herbar-
material, wie in den Beschreibungen, verwechselt und vermischt worden. Das geht auch aus
Carrieres Beschreibung hervor, welcher in Trait. gen. et. Conif. 2. ed., p. 251 (1867) zuerst
Tsuga Mertensiana, wie wir sie heute auffassen, beschreibt und die Ähnlichkeit mit T, canadensis
betont, dann aber Beschreibungen anderer Autoren zitiert, die auf T. Pattoniana Bezug nehmen;
Abies heterophylla Rafin. setzt er mit .►• als Syn. der T. Mertensiana bei und betont schon, daß
zweifellos T. Pattoniana und Hookeriana den gleichen Baum darstellten.
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 7
98 Zweiter Teil, Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Tsuga Pattoniana ist eine in Deutschland harte, aber langsam wachsende,
zierliche, bereits allgemein geschätzte, äußerst auffallende, dekorative Conifere,
die für Gärten jeder Größe empfohlen werden kann. Wir finden schon recht
ansehnliche, ja oft wahre Prachtexemplare in Kultur, und zwar treten dieselben
jung meist als kegelförmige, dichtzweigige Pflanzen auf und ziehen, zumal in
der reizenden silbergrauen Form, sofort die Aufmerksamkeit, auch jeden Nicht-
kenners, auf sich, können also zur Anpflanzung und recht weiten Verbreitung
nicht warm genug empfohlen werden. Selbstredend darf eine so hervorragend
schöne Conifere nur ganz frei auf Rasen stehen und nimmt sich, zumal
gegen dunkle Coniferen gestellt, prächtig aus.
Sie entwickelt sich schön in genügend frischen, luftfeuchten Lagen,
fehlen diese, so kümmern die Pflanzen oft jahrelang, ohne von der Stelle zu
wachsen. Prachtexemplare sehen wir z. B. bei Herrn Hesse-Weener, in
Wilhelmshöhe bei Kassel und manchen anderen Orten.
Nach Mayr käme für Mittel- und Nordeuropa auch ein forstlich zu
empfehlender Anbau in Frage, da T. Pattoniana in der Heimat die kühlsten
Waldregionen bewohnt.
Alle genannten Hemlockstannen sind ohne Unterschied reizende
Erscheinungen und gehören zu den zierlichsten Coniferen, die in jeder Größe
willkommen und als ältere Bäume, wie bei T. canadensis bereits angeführt,
oft malerisch schön sind ; um sich üppig entwickeln zu können, verlangen sie,
ohne im Boden wählerisch zu sein, genügende Feuchtigkeit, und ein mittel-
schwerer, sandiger Lehm sagt ihnen am meisten zu, dazu dann lieben sie als
Gebirgsbäume freie, hohe, luftige Lagen und vor allem genügende Luft-
feuchtigkeit.
Man vermehrt sie, außer durch Samen, meist leicht durch Stecklinge
unter Glas von Ende Sommer bis Herbst, seltener durch Veredelung auf Tsuga
canadensis.
Hoffentlich kommt dereinst auch eine forstliche Ausnutzung, auch zur
Gewinnung von Gerberinde, für Deutschland ernstlich in Frage, die herrlichen
alten Stämme, wie wir sie in forstlichen Beständen, z. B. in Anhalt, sehen,
berechtigen ja vollauf zu dieser Hoffnung, und in forstästhetischer Hinsicht ge-
reichen die reizenden Baumgestalten auch unseren Wäldern zur größten Zierde.
2. Blätter mit zwei seitlichen Harzgängen, die nur selten fehlen.
Blattnarben wenig oder gar nicht vorragend.
Pseudotsuga Carr. (Conif. 2. ed., p. 256 und in Rev. Hort. 1868, p. 152
cum ic). Douglastanne, Douglasfichte.
Syn. Abietia Kent in Veitch Man. of the Conif. 1900, p. 474.
Blüten einhäusig, männliche in den Achseln der oberen Blätter einzeln,
fast sitzend, mit schuppenförmigen, dachziegeligen Bracteen dicht umgeben,
wenige auf den Zweigchen. Staubfadensäule fast sitzend, länglich-zylindrisch,
Antheren spiralig dichtstehend, auf kurzem Stiele, mit zwei angewachsenen,
fast kugeligen, unten schief-zweiklappigen Fächern, durch das Mittelband über
die Fächer hinaus in einen sehr kurzen Sporn auslaufend. Pollenkörner
eiförmig-kugelig, ohne Flugblasen. Weibliche Blüten endständig, einzeln, mit
wenigen tauben, dachziegeligen Schuppen dicht umgeben, eirund-länglich;
II. Klasse. Coniferae. * 99
Schuppen doppelt mehrreihig, spiralig-dachziegelig bis zur Basis getrennt;
häutige Bractee während der Blüte sichtbar, nach der Blüte wenig vergrößert;
Samenschuppe während der Blüte viel kürzer, dann vergrößert eine ansehn-
liche Schuppe bildend, wenig verdickt mit abgerundeter Spitze und dünnem
Rande, Eichen zwei, unten an der Basis der Schuppe umgewendet. Zapfen
länglich; Bracteen hervorragend, dreispitzig, zweispaltig, die Rippe in eine
Spitze oder eine die Schuppe überragende Granne verlängert. Schuppen
aus der Samenschuppe gebildet, dachziegelig, nach dem Samenausfall
bleibend. Samen ohne Harzbläschen, hinter jeder Schuppe zwei, umgewendet,
falsch flügelfruchtartig. Haut dünn, trockenhäutig-durchsichtig, von der inneren
Lage der Schuppe getrennt und beiderseits gerandet, dann vom Flügel ge-
trennt eirund-länglich-zusammengedrückt, fast dreieckig mit krustenförmiger
Schale. Kodyledonen 5 — 8.
Sehr große, fichtenähnliche, immergrüne Bäume. Blätter am Grunde
kurz stielartig verschmälert, schmal-lineal, flach, spiralig, zerstreut, durch eine
Drehung an der Basis fast zweizeilig abstehend, nur an der unteren Oberfläche
mit Spaltöffnungen, mit 2 der Epidermis der unteren Seite anliegenden, seit-
lichen Harzgängen, keine hervorragende Narbe am Zweige zurücklassend,
Zapfen überhängend bis 18 cm lang.
1. Pseudotsuga Douglasii Carr, (Conif. 2. ed., p. 256 [1867]). Douglastanne,
Douglasfichte. (Fig. 19 u. 20.)
Syn. Pinus taxifolia Lamb., Pin. ed. 2, p. 51, t. 33 (1803).
Abies taxifolia Poir. (1804).
„ mucronata Rafin. (1832).
„ Douglasii Lindl. in Penny Cyclop. I, p. 32 (1833).
Pinus Douglasii Sab. Mscr. in Lamb. Pin. ed. 2, voll. III, t. 90 (1837).
Picea Douglasii Lk. in Linnaea XV, p. 524 (1841).
Tsuga Douglasii Carr., Conif. 1. ed., p. 192 (1855).
Abies californica hört, aliqu.
Pseudotsuga taxifolia Britton (1889).
„ mucronata Sudw. (1895) in Sarg. Silva N.-Am. XII, 87,
t. 607 (1898).
Abietia Douglasii Kent in Veitch Man. of. the Conif. p. 476 (1900).
Douglas Fir, Red Fir der Amerikaner.
Sapin de Douglas der Franzosen.
Douglas Fir der Engländer.
Im westlichen Nord-Amerika zwischen dem 52. und 43. ^ n. Br. von der
Insel Vancouver und den Ufern des Kolumbia-Flusses bis zur Sierra Nevada
Kaliforniens, hier ausgedehnte Wälder bildend, und bis Neu-Mexiko. Durch
das ganze Küstengebirge und in der Sierra Nevada, nach Engelmann in
einer Erhebung von 2000—2600 m; sie erreicht ihre größten Dimensionen in
Oregon und breitet sich in kleinerer Form bis zum Felsengebirge aus.
Sie wurde von Menzies 1795 entdeckt und durch David Douglas
1827 in Europa eingeführt.
Riesiger, 60 bis über 100 m hoher und 2,50 bis über 4 m (nach Engel-
mann) im Durchmesser haltender Baum, in der Jugend mit pyramidaler,
100 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Fig. 19. Pseudotsuga Douglasii Carr.
II. Klasse. Coniferae.
101
fichtenähnlicher, im Alter oft mehr ausgebreiteter Krone und mit sehr dicker,
brauner, tief gespaltener Rinde. ^) Knospen eirund-spitz, glänzend-braun be-
schuppt. Blätter lineal, an der Basis kurz stielartig verschmälert, meist stumpf
oder stumpflich, 18 — 27, an üppigen Trieben selbst bis 35 mm lang und
Fig. 20. Pseudotsuga Douglasii Carr. l Zweig mit Zapfen; 2 Blattquerschnitt (vergr.); 3 Zweig mit
männlichen Blüten; 4 Staubblatt (vergr.); 5 Zweigspitze mit weiblicher Blüte; 6 Schuppe mit Samen
von innen; 7 Samen; 8 Übergänge der Blätter in die Fruchtblätter von der Basis der weiblichen Blüte
(nach Eichl. in Engl. u. Prantl. Natürl. Pflf.).
1^/2 mm breit, oben glänzend-grün, unten mit weißlichen Linien gezeichnet.
Männliche Blüten länglich-zylindrisch, 12 — 23 mm lang, orangegelb. Weibliche
Blüten tiefrot gezeichnet. Zapfen an kurzen Zweigen hängend, länglich-
^) Je nach dem Standort, z. B. in sehr trockenen Gegenden, wie in den San Francisco
Peaks im nördlichen Arizona und auf Höhen in Neu-Mexiko, wird die Borke heller und
schwammig; daraufhin stellte Lemmon eine Varietät suberosa auf.
102 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten.
zylindrisch, 5 — 8, selbst 10 cm lang, 3 — 8^/2 cm breit. Nach Freiherr von
Fürstenberg (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1904, S. 32) sind die Zapfen von
der Küste bei Vancouver wohl doppelt so groß wie diejenigen aus dem
Felsengebirge. Zapfenschuppen fast lederartig, konkav, kreisrund-rautenförmig,
ganzrandig, gestreift, hellbraun, Bracteen dreispitzig, zweispaltig mit zugespitzten,
gezähnten Lappen und über die Spitze hervorragender Mittelrippe. Die
Zapfen zeigen eine große Wandelbarkeit sowohl in der Größe, wie auch in
der Färbung von apfelgrün bis schön purpur, ebenso in der Länge der Brac-
teen (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 68). Samen zusammengedrückt-drei-
eckig, an der oberen Seite konvex und rötlich braun, an der unteren flach
und weiß, 7 mm lang, Flügel 7 — 10 mm lang, an der Basis am breitesten, zu-
letzt abbrechend.
Im genannten Gebiete, zumal in Oregon, nach Engelmann der größte
und wertvollste Bauholzbaum mit gelbem oder rötlichem, ziemlich grobem,
aber sehr wertvollem Holze, welches sich von dem aller verwandten Coniferen
durch die Menge spiralig verdickter Holzzellen unterscheidet.
Nach Dr. Mayr besitzt das Holz der Douglastanne wie dasjenige
der Lärche einen braunen Kern, die Markstrahlen zeigen den Bau des Lärchen-
holzes, ferner zeigt es die Eigentümlichkeit, daß es um so schwerer, um so
reicher an Substanz und Harz wird, je breiter die Jahresringe sind, also je
rascher die Pflanze sich entwickelt, während unsere einheimischen Coniferen
sich gerade umgekehrt verhalten.
Das Holz kommt dem unserer besten einheimischen Fichten und Tannen,
auch Kiefern gleich, wird aber von der Lärche übertroffen. Der Harzgehalt
der Douglastanne ist größer als bei der Fichte und Tanne, aber geringer
als bei der Lärche, besonders kommt aber die Schnellwüchsigkeit in Betracht.
Die Rinde wird zum Gerben verwendet.
Ein herrlicher, sehr schnell wachsender, äußerst dekorativer Baum, der
in seiner ganzen Erscheinung, was Wuchs, Bezweigung, abweichende Blätter,
spitze Knospen anlangt und besonders im Zapfenschmucke mit den lang hervor-
stehenden Bracteen sich sofort als eine stolze, besondere, von Verwandten
ganz abweichende Baumart kennzeichnet.
In günstigen Lagen besitzen wir auch in Deutschland schon Pracht-
exemplare von über 30 m Höhe, die etwa 60 jährige Bäume darstellen, diese
wie auch noch jüngere Bäume brachten schon reichlich Zapfen und teils gute
keimfähige Samen; je nach den Jahrgängen und der besseren oder schlechteren
Ausbildung der Zapfen, ja unter günstigen Umständen kann man unter größeren
Bäumen gut entwickelte Sämlinge finden. — Solche Bäume wie auch die
in Deutschland unter günstigen Kulturbedingungen unternommenen
größeren forstlichen Kulturen beweisen, daß die Douglastanne auch als Forst-
baum^) eine Zukunft haben wird. Man darf nur nicht, wie es leider anfangs
^) Vergl. John Booth, Die Douglasfichte, Berlin 1877, und John Booth, Naturalisation
ausländischer Waldbäume in Deutschland, Berlin 1882. Berichte des Vereins mecklenb. Forst-
wirte, Schwerin 1880, S. 21 und 1881, S. 85. Dankelmanns Zeitschrift 1881 und 1882.
Bericht d. 10. Versammlung deutscher Forstmänner in Hannover 1882. Dr. Mayr, Die Waldungen
von Nord- Amerika S. 290 (1890) und Mayr, Fremdl. Wald- und Parkbäume S. 396 (1906).
Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1901, S. 1, mit Abbild., und in gleicher Schrift 1905, S. 2, wo
II. Klasse. Coniferae. 103
geschehen ist, dieselbe gleichsam als Universal-Kulturbaum anpreisen, der
ohne Unterschied in jedem Boden und auf jedem Standort unsere ein-
heimischen Forstbäume überflügeln und höhere Erträge wie diese geben
soll. — Gerade die Kulturversuche mit der Douglastanne beweisen recht
schlagend, daß es ein vergebliches Bemühen ist, einen Baum, ohne den Lebens-
bedingungen, unter welchen er in seiner Heimat gedeiht, genügend Rechnung
zu tragen, kultivieren zu wollen.
Als Gebirgs- und Küstenbaum verlangt die Douglastanne vor allem
zu einem guten Gedeihen genügende Luftfeuchtigkeit, ist diese vorhanden,
so ist ihr Gedeihen ein freudiges, fehlt dieselbe, wie z. B. oft in ebenen Gegenden
Mitteldeutschlands oder gar in Stadtanlagen, wo im Sommer große Dürre
eintritt und Trockenheit der Luft vorherrscht, so kümmert sie, fristet ein
elendes Dasein ohne nur annähernd einen Begriff von ihrer eigentlichen
Schönheit zu geben, leidet, ohne in ihrer Heim.at gegen hohe Kälte empfindlich
zu sein, unter solchen ungünstigen Bedingungen in schneelosen Wintern, bei
ausdörrenden Winden durch Sonnenbrand an den Blättern, so daß diese
gebräunt abfallen, und wir finden sie hier meist als krüppelige, buschige Pflanze
ohne jeden Zier- geschweige denn Nutzwert. — Prachtexemplare dagegen
finden wir an den norddeutschen Küsten, in Gebirgsgegenden dann noch in
hohen, rauhen Lagen, z. B. in Donaueschigen (siehe Gartenflora 1889, S. 332)
in einer Erhebung von 848 m, wo — 20 bis — 24 <^ R. keine Seltenheit sind.
Ja in St. Petersburg (Gartenflora 1884, S. 165) ertrugen die typische Pflanze
nebst der blaugrünen Form, welche aus Samen erzogen, die im höchsten
Norden Amerikas gesammelt waren, drei nicht zu kalte Winter, ohne zu leiden.
Weiter in allen waldreichen, mit genügenden, feuchten Niederschlägen und
daher genügender Luftfeuchtigkeit versorgten Gegenden, somit auch in
ausgedehnten Parkanlagen in sonst ebenen Gegenden.
Einerseits hierdurch, anderseits dadurch, ob wir die härtere, grüne
oder blaugrüne Gebirgsform, oder die empfindlichere Küstenform
gepflanzt haben, erklären sich auch die scheinbaren Widersprüche, daß die
Douglastanne bald als in rauhen Gegenden ausdauernd und freudig gedeihend
und als zart und von Frösten leidend in sonst weit milderen Gegenden, die
aber die anderen nötigen Kulturbedingungen nicht bieten, angegeben wird. —
Auch im Innern von Nord-Amerika soll die Douglastanne, gleich wie in den
Ebenen Mittel -Deutschlands, nach Strauch, nur kümmerlich gedeihen. Man
wolle also nichts Unmögliches erzwingen, sondern beachte die Natur und
lerne den Standorten und Kulturbedingungen gemäß die Pflanzen
richtig behandeln.
Ohne im Boden wählerisch zu sein, liebt die Douglastanne bei den
angegeben günstigen Standorten zumal genügend feuchten und tiefgründigen,
humusreichen Boden, gedeiht gut in mürbem, sandigem Lehmboden, kümmert
in magerem Sand- und schwerem Tonboden, dazu zeigten Anpflanzungen
auf Nord- und Nordwestabhängen in Gebirgen besonders freudiges Ge-
deihen.
auf Tafel 1 eine 37 jährige Kiefer und eine 25 jährige Douglastanne, beide in Sülldorf in Holstein
auf gleichem Kieferboden IV. Klasse erwachsen, im Stammdurchschnitt vorgeführt werden, um
die gewaltige Überlegenheit der Douglastanne zu zeigen.
104 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Wie bei allen Coniferen und allen Kulturpflanzen überhaupt, so empfiehlt
es sich auch bei der Sameneinfuhr von der Douglastanne, diese mög-
lichst aus solchen Lagen ihres Vorkommens zu beziehen, die unseren
klimatischen Verhältnissen am nächsten kommen und wo noch tadellose erst-
klassige Bäume erwachsen, da die hieraus erzogenen Sämlinge, langer Er-
fahrung gemäß, auch besonders widerstandsfähige Pflanzen liefern.
Gewiß wurden auch vielfach Samen aus niedrigen wärmeren Lagen, die
selbstredend leichter zu erlangen sind, wie solche aus hohen rauhen Lagen,
eingeführt und erklärt sich auch hierdurch zum Teil die größere Empfindlichkeit
mancher Pflanzen und damit die Mißerfolge.
Eine Hauptbedingung ist auch, daß vor Eintritt der Eröste der Jahres-
trieb gehörig ausreift.^)
^) Dr. Mayr gibt an, daß die Douglastanne im Felsengebirge in Montana, Idaho und
Kolorado keinen Johannistrieb mehr macht und hier — 25, ja bis — 35^ C. ohne Schaden er-
trägt, während der Johannistrieb an der warmen, feuchten Küste eintritt. Mayr fügt hinzu,
daß die Standfaktoren, wenn sie jahrtausendelang durch viele Generationen auf eine Pflanze ein-
wirken, dieser endlich eine erblich gewordene Tendenz zu schnellerem oder langsamerem Wüchse
anerziehen können; dies dürfte die Erscheinung bestätigen, daß Pflanzen aus Samen von Kolorado-
bäumen und solche aus Samen von Küstenbäumen auf ganz dasselbe Beet gebracht und
gleich behandelt, viele Jahre hindurch sofort an der Wachstumsgeschwindigkeit und ihrer ererbten
Johannistriebbildung zu erkennen sind; erstere (die Koloradobäume) sind in Deutschland und Ost-
Amerika völlig frosthart, letztere (die Küstenbäume) sind in Deutschland schwierig und in Ost-
Amerika gar nicht aufzuziehen. — Weiter sagt Dr. Mayr, daß das Höhenwachstum zumal durch
die Luftfeuchtigkeit während der Vegetation des Baumes gefördert werde und daß die Bäume
im trockenen Felsengebirge nur die halbe Höhe erreichen gegen die Riesenbäume an der
Küste des Westens, auch die Zapfen im Felsengebirge sind durchgehends kleiner (nur b^j^ cm)
gegen die an der Küste (meist 8 cm). Sie sucht auch im Felsengebirge die feuchten Nord-
abhänge auf.
Dr. Mayr empfiehlt zu forstlichem Anbau, in kontinentalen Gebieten und weniger günstigen
Lagen das Verhalten junger Pflanzen zu prüfen, welche aus Samen erzogen, der in Montana ge-
sammelt wurde, da dieselben jedenfalls ganz unempfindlich gegen Frost, dagegen aber auch
langsamer von Wuchs sein würden. Für die den Kulturbedingungen am günstigsten Lagen wäre
der Samen aus Gegenden westlich vom Kaskadengebirge (Washington-Territorium) und Oregon
(Portland) zu verwenden; die Pflanzen sind sehr raschwüchsig, aber in Forstlagen gegen Spät-
und Frühfröste empfindlich, gegen welche in den ersten zehn Jahren geeignete Vorsichtsmaßregeln
zu treffen seien. Samen aus Kolorado, wie er von amerikanischen Händlern als völlig frosthart
für Ost- Amerika empfohlen wird, sei für Deutschland ungeeignet; die Pflanzen sind hart, aber
auch sehr trägwüchsig.
Weitere wichtige Angaben, welche den Rahmen dieses Werkes überschreiten würden,
wolle man in Dr. Mayr, „Die Waldungen von Nord-Amerika", aufsuchen.
Von der deutschen dendrologischen Gesellschaft sind die größten Anstrengungen
gemacht worden, um ein für Deutschland durchaus passendes Saatgut zu beschafl"en und Herr
Freiherr von Fürstenberg sammelte als Erster in British-Columbia, nördlich vom 49. Breiten-
grade, bei Field (1860 m ü. d. M.) und Golden am oberen Columbia von der grünen Douglas-
tanne, welche hier noch sehr bedeutende Dimensionen erreicht, reichlich Saatgut, welches zu
den besten Hoffnungen berechtigt.
In den betreffenden Gegenden machen die Bäume keinen Johannistrieb mehr und die
aus der Saat erzogenen Bäumchen schließen auch bei uns ihren Trieb mit trefflichen Winter-
knospen ab und erweisen sich als durchaus winterhart.
Nach von Sivers bewährten sich die Sämlinge noch in Livland in angegebener Weise,
schlössen rechtzeitig ausnahmslos ihren Trieb ab und zeigten sich winterhart. Es ist dies also
II. Klasse, Coniferae. 105
Von der normalen, raschwüchsigen Douglastanne haben wir in
der Färbung zwei Formen zu unterscheiden: eine freudig-grüne, Pseudo-
tsuga Douglasii viridis Schwerin, und eine graublaue (in gutem Wuchs
und allen guten Eigenschaften nicht nachstehende Form), Pseudotsuga Dou-
glasii caesia Schwerin (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1907, S. 257). Letzterer
Name wurde gegeben, um sie von der schwachwüchsigen blauen Kegelform aus
Colorado, Pseudotsuga Douglasii glauca, zu unterscheiden, welche für Gärten
dekorativ recht schön ist, aber zum forstlichen Anbau ihrer geringeren Dimen-
sionen halber weniger empfohlen werden kann. Zumal in hohen Gebirgslagen
sind prächtige blaue bis silbergraue Färbungen beobachtet worden und solche
finden wir auch bei Aussaaten, dabei auch üppigere und schwachwüchsigere
Individuen (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1907, S. 19).
Nach Dr. Di eck (siehe Humboldt, Die AkkUmatisation der Douglas.-
fichte, Aprilheft 1889, S. 132) soll die in der Hauptkette des Felsengebirges
bis in das nördliche British-Kolumbien und auf den inneren und östlichen
Abhängen des Küstengebirges, auf trockenem, felsigem Boden wachsende un-
empfindliche, oft graugrün gefärbte Form mit rotem Holze (Red fir, Rottanne)
ein minderwertiges Holz liefern, als die nur an der nordpazifischen Küste
zwischen dem 40. und 43.^ im Kaskadengebirge von British-Kolumbien, west-
lich vom Fraserfluß im westlichen Washington-Territorium, Oregon und Nord-
Kalifornien, im lockeren, humusreichen Boden mit durchlässigem Untergrund
wachsende, empfindlichere, stete Luftfeuchtigkeit verlangende Yellow fir (Gelb-
tanne) mit gelbem Holze.
Sargent in Report of Forest, of N.-Am. ist der Ansicht, daß die Unter-
schiede, welche zwischen Red fir und Yellow fir gemacht werden, im Alter
der Bäume und in Standorts- und Bodenverhältnissen zu suchen seien.
Herr Freiherr von Fürstenberg, welcher in British-Columbia für die
deutsche dendrologische Gesellschaft Samen sammelte, teilt in den
Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1904, S. 35 mit, daß eine bei Quesnel gefällte
Douglastanne, welche auf tiefgründigem, angeschwemmtem Boden einer Ufer-
bank des Fraserflusses gewachsen, 155 Jahre alt, 46 m hoch war und 1 m
Durchmesser besaß, 10 cm weißen Splint zeigte; das übrige war hellrotgelb
und wurde als Yellow fir (gelbe Tanne) bezeichnet.
Es war nicht möglich, über Red oder Yellow fir auch nur zwei völlig
übereinstimmende Antworten zu erlangen, obwohl an mindestens zwölf weit
voneinander gelegenen Plätzen sowohl Holzhändler wie Holzverarbeiter be-
fragt wurden. — Es dürfte feststehen, daß Yellow fir das rasch und breit-
ringig aufgewachsene Holz bedeutet, also von gutem, tiefem, lehmig-sandigem
Boden der Meeresküste, Flußniederungen usw., während Red fir auf ärmerem
Boden, trockenen Berghalden zu finden ist und die rote Farbe um so stärker
hervortritt, je langsamer der Baum gewachsen ist und je enger die Jahres-
ringe liegen.
Das rote Holz ist demnach härter, das gelbe weicher aber zäher; je nach
den Gebrauchszwecken wird eines so hoch geschätzt wie das andere. Das
eine Errungenschaft von weittragendster Bedeutung (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, S. 6),
Zu vergleichen sind noch: Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1907, S. 122, 136, 183; JohnBooth,
„Die Douglasfichte", Allgem. Forst- und Jagdzeit., 83. Jahrg., Januar-Aprilheft 1907.
l^Qß Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
gelbe wird mit Vorliebe für Fußböden, das rote für Holzdecken und Wand-
täfelungen verwendet.
Nun gibt es zwischen Rot und Gelb Abstufungen und Schattierungen;
was der eine noch als rot bezeichnet, nennt der andere schon gelb. Von
zwei verschiedenen, etwa gar samenbeständigen Bäumen kann hier also nicht
die Rede sein.
Zu vergleichen ist auch John Booth, Die Naturalisation der Douglas-
fichte (in Zeitschrift für Forst- und Jagdwesen von Dankelmann 1890, S. 32,
302 und 354), wo unter anderem auch auf Heinrich Semmlers Angaben
hingewiesen wird, daß man von einem Baum, der so verschiedene Standorte
und Höhenlagen bewohnt, kein Holz gleicher Qualität erwarten dürfte; aber
auffallend sei die Erscheinung, daß die Douglastanne, da wo sie ihre größte
Entwickelung erreicht (im westlichen Washington, wo sie zusammenhängende
Wälder bildet), bedeutende Abweichungen in der Qualität des Holzes zeige.
Wir besitzen nun noch, teils aus dem Vaterlande eingeführte, teils in
Kultur an verschiedenen Orten gewonnene, oft sehr dekorative Formen, welche
beweisen, wie sehr auch die Douglastanne zu Abweichungen neigt.
Pseudotsuga Douglasii taxifolia Carr. (Conif. 2. ed., p. 258 (1867).
Syn. Abies Douglasii taxifolia Loud.^ Encycl. of Trees 1033 f, 1932 u.
1933 (1838).
Pinus Douglasii var. brevibracteata Antoine, Conif. 84, t. 33 (1840).
Tsuga Douglasii taxifolia Carr., Conif. 1. ed., 193 (1855).
Abies taxifolia Drummond ex Gord., Pin. Suppl. X (1858).
„ Douglasii mexicana Hartw. ex Gord. Pin. (1858).
„ Drummondii hört, ex Gord. 1. c.
? Tsuga Lindleyana Roezl. Cat. Conif. Mexic. 1857, p. 8.
Eine Form, welche in Oregon und auch auf dem Real del Monte in
Mexiko in einer Erhebung von 2600 — 3000 m gefunden wurde, sie erreicht
kaum die halbe Höhe der typischen Form und bildet eine breite, dichte Pyra-
mide, die Äste sind stärker, die Blätter länger und dunkler. Die Zapfen
sind weniger zugespitzt und die Bracteen kürzer und ragen kaum über die
Schuppen vor.
Pseudotsuga Douglasii glauca Mayr (Wald, von N.-Am., p. 307 [1890]).
Blaugrüne Douglastanne.
Syn. Pseudotsuga glauca Mayr, Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1901, p. 57
und in Fremdl. Wald- u. Parkbäume 1906, p. 404.
Tsuga Douglasii glauca hört.
Abies Douglasii glauca hört.
Pinus Douglasii glauca hört.
Eine Form, die in Kolorado, Neu-Mexiko und Arizona vorkommt, welche
durch prächtige blaugrüne Färbung, zumal zur Frühjahrszeit beim Be-
ginn des jungen Triebes^ besonders in die Augen fällt und als sehr dekorativ
die weiteste Verbreitung verdient.
Sie bildet in der Jugend eine regelmäßige Kegelform, mit kürzeren,
schräg nach oben stehenden Ästen; die Blätter sind oft kürzer, derber, mehr
dem Zweige anliegend; die Zapfen sind nur 5 cm lang und 2^/2 cm dick, und
IL Klasse. Cöniferae. 107
öfter sind die dreispitzigen Bracteen über die Schuppen zurückgeschlagen
(Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1898, S. 27). Dr. Mayr, welcher sie als besondere
Art auffaßt, führt eine Übergangsform von dieser zu der normalen P. Douglasii
an, welche kleinfrüchtig ist und in Montana wächst. In trockenem und im
Winter kälteren Klima erwachsen, hat sie sich im Osten der Vereinigten
Staaten, wie auch in Deutschland, frosthart gezeigt, erweist sich aber als
langsam wachsend. Es ist dies für uns zumal ein herrlicher Parkbaum, der
auch noch recht bedeutende Dimensionen erreicht.
Wie bei manchen anderen Coniferen, so kommen auch hier alle Farben-
abstufungen bis weiß blau und silbergrau vor; sie wurden sowohl im Vater-
lande gefunden, wie in Kulturen bei Aussaaten gewonnen. Hierher gehört auch:
Pseudotsuga Douglasii glaucescens.
Syn. Pseudotsuga glaucescens Bailly, Rev. hört 1895, p. 88, cum ic.
Abies glauca, A. glaucescens, A. Tlapalcatuda Roezl. in Carr. Trait.
gen. d. Conif., p. 274 (1867).
Eine von Roezl in den Gebirgen de la Cruces in Mexiko gefundene,
prächtige weiß blaue Form, mit elegant überhängender Bezweigung, die an
Schönheit mit einer blauen Deodar-Ceder wetteifern konnte. Dieselbe war
von M. A. Seneclauze in Bourg-Argental in Frankreich in Kultur gewonnen.
Weiter wurden in Kultur gewonnen:
Pseudotsuga Douglasii argentea Koster.
Eine Form von prächtiger weißblauer Färbung, welche bei einer
Aussaat von M. Koster & Söhne in Boskoop (Holland) gewonnen wurde.
Sie hebt sich als größere Pflanze herrlich in der Landschaft ab und ver-
dient weiteste Verbreitung. Auch Dr. Dieck-Zöschen erzog aus Samen von
Arizona eine prächtige silbergraue, winterharte Form. Ebenso Ansorge-
Klein-Flottbek aus Kolorado-Samen.
Trauerformen.
Pseudotsuga Douglasii pendula Engelm. msc. Trauer-Douglastanne.
Syn. Tsuga Douglasii pendula hört.
Abies Douglasii pendula hört.
Pinus Douglasii pendula Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 430 (1868).
Abies taxifolia pendula Masse in Flor, des Serres VIII, p. 186.
Eine schöne Form, bei welcher wenigstens alle unteren Äste oft in einer
Länge von 2 — 3 m schlank und lang herabhängen, mit dunkelgrüner Be-
laubung, die von Sisson in Tälern und an Abhängen um den Shastaberg
herum gefunden wurde und auch in Kultur, durch Veredlung vermehrt, be-
reits verbreitet ist.
Pseudotsuga Douglasii glauca pendula P. Smith. Blaugrüne
Trauer-Douglastanne.
Syn. Tsuga Douglasii glauca pendula hört.
Abies Douglasii glauca pendula hört.
Pinus Douglasii glauca pendula hört.
IQQ Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten.
Eine in den Baumschulen von P. Smith in Bergedorf bei Hamburg ge-
wonnene Form mit stark herabhängenden Ästen und von blaugrüner
Färbung, welche sich in größeren Exemplaren, ganz freigestellt, herrlich
ausnimmt. Auch Purpus fand in den La Sol Mountains, der höchsten Ge-
birgskette Utahs, in über 3000 m Erhebung, wo alle Tannen und Fichten eine
herrliche weißblaue Färbung zeigten, neben der Form glauca auch prächtige
Exemplare von glauca pendula und konnte reichlich Samen davon einführen.
Auch von aus Kolorado bezogenen Samen sind schöne blaue Trauer-
formen gezogen.
Pseudotsuga Douglasii argentea pendula Weiße-Kamenz.
Eine von Weiße in Kamenz bei einer Aussaat gewonnene herrliche
Form mit stark herabhängenden Ästen und von silbergrauer Färbung;
ein ganz auserlesener Schmuck und befähigt, die stärksten Kontraste hervor-
zubringen.
Aufstrebende Formen.
Pseudotsuga Douglasii fastigiata Carr. (Conif. 2. ed., p. 257 [1867]).
Syn. Abies Douglasii fastigiata Knight., Syn. Conif. 37 (1850).
Tsuga „ fastigiata Carr., Conif. 1. ed., p. 193 (1855).
„ „ sparsifolia Carr., Rev. hört. 1861, p. 243.
Eine üppige Form, welche eine dichte, aufstrebende Kegelform
bildet mit zahlreichen, aufstrebenden Ästen, kurzen, dicht und oft zer-
streut um den Zweig stehenden Blättern und dicken, kegelförmigen, rötlichen
Knospen. Eine eigenartige auffallende Erscheinung.
Pseudotsuga Douglasii stricta Carr. (Conif. 2. ed., p. 258 [1867]).
Eine kleinere auffallende Form mit aufstrebenden Ästen, kurzen,
zierlichen Zweigen und kurzen, meist zerstreut stehenden Blättern; alle Zweige
bilden Wipfeltriebe.
Pseudotsuga Douglasii denudata Carr. (Conif. Appendice p. 792 [1867]).
Eigentümliche Form, eine üppige, dicke Rute (Mitteltrieb) bildend
und selten kleine, ungleiche Nebenzweige entwickelnd. Knospen dick, Blätter
zerstreut und ungleich groß.
In den Blättern abweichend.
Pseudotsuga Douglasii Standishii Mast, (in Journ. Hort. Soc. XIV 245).
Syn. Abies Douglasii Standishii Gord., Pin. Suppl. 10 (1862).
Eine auffallende Form, welche nach Veitch in der Gärtnerei von
Standish aus Samen erzogen wurde, von Wuchs und Ansehen der Art
gleicht, aber größere, oben dunkelgrünere, unten silberweiße Blätter
besitzt.
Nach Kent (Veitch, Man. of the Conif. 2. ed., 1900, p. 45) wurde diese
Form von Gordon (Pin. ed. II, p. 26) als Abies pectinata x Pseudotsuga
Douglasii aufgefaßt. Ob hier irgend ein Anhalt dafür vorliegt, oder ob nur
auf die Ähnlichkeit in den Blättern hin ein Bastard vermutet wird, bliebe
festzustellen. In England dürften doch sicher jetzt größere, zapfentragende
II. Klasse. Coniferae. 109
Bäume vorhanden sein. Es handelt sich hier sicher nur um eine ab-
weichende Form.
Gedrungene oder Zwergformen.
Pseudotsuga Douglasii brevifolia Mast. (Journ. of. the Linn. Soc. XXVII, p. 244).
Eine Pflanze, verhältnismäßig zwergig von Wuchs, mit kurzen, rings um
die Zweige gestellten Blättern.
Pseudotsuga Douglasii Fretsii (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1905, p. 74,
mit Abbild.).
Eine von Frets & Zonen in Boskoop aus amerikanischen Samen er-
zogene schöne, frostharte Form. Dieselbe bildet eine gedrungene, aber
locker bezweigte Pyramide mit üppigen, nach allen Seiten ausgestreckten
Zweigen und gleichem Wipfeltrieb. Zweige und Knospen kleiner und zier-
licher als bei der Art, Blätter sehr kurz, unten an den älteren Zweigen
10 — 12 mm lang, 2 mm breit, mit abgerundeter Spitze, die Blätter der jüngsten
Zweige 8 mm lang, nach den Spitzen zu immer kürzer werdend, oberseits
dunkelgrün, unterseits mit blauen Spaltöffnungsreihen, dicht rings um den
Zweig gestellt und so sehr an Abies Pinsapo erinnernd.
Pseudotsuga Douglasii compacta hört.
Syn. Pseudotsuga Douglasii elegans hört.
Tsuga Douglasii compacta hört
Abies Douglasii compacta hört.
Eine hübsche, an verschiedenen Orten in Kultur gewonnene Form von
dichtem, gedrungenem, kegelförmigem Wuchs und kurzer, dichter
Belaubung, welche die Zw^eige zu Nebenwipfeln emporrichtet.
Wir haben davon zwei zierliche Formen zu unterscheiden:
Pseudotsuga Douglasii compacta viridis (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch.
1902, p. 52).
Eine von Hellemann in Moorende bei Bremen bei einer Aussaat ge-
wonnene reizende, regelmäßige, ganz dicht bezweigte Kegelform von 80 cm
Höhe, mit kurzen, gedrängt stehenden Zweigen und feinen, kurzen, frisch-
grünen, kurz zugespitzten, auffallend wagerecht rings um den Zweig gestellten
Blättern, an den Zweigspitzen rosettenförmig dicht zusammengedrängt, auf
welchen sich die rötlichen Knospen sehr hübsch abheben. Diese schöne
üppige Form hat nie vom Frost gelitten und wurde durch Stecklinge und
durch Veredelung vermehrt.
Pseudotsuga Douglasii compacta glauca (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch.
1902, p. 53).
Eine von Ansorge in Kl.-Flottbek gewonnene, gleich der vorigen dicht
bezweigte, reizende Kegelform, mit gut entwickeltem Wipfeltrieb. Die älteren
Zweigspitzen richten sich zu Leittrieben senkrecht auf und dienen zur Ver-
edelung. Die kurzen Blätter sind rings um den Zweig gestellt, aber weniger
wagerecht abstehend als bei der vorstehenden Form, sie sind weit derber,
matt-bläulich-grün und scharf gespitzt. Die Knospen sind spitzer und
braun beschuppt.
HO Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Pseudotsuga Douglasii argentea compacta Hans.
Eine dicht buschige, auffallend silbergrau gefärbte, schöne Form,
welche W. Hans in Herrnhut aus Samen erzog, welcher in Kolorado ge-
sammelt wurde.
Professor Sargent fand in Montana bei 2000 m ü. d. M. einen Zwerg
von nur 50 cm Höhe, welcher über und über mit Zapfen von normaler Größe
bedeckt war.
Pseudotsuga Douglasii pumila.
(Als Abies von Anthony Waterer in Woking [England] ausgestellt
und durch ein Wertzeugnis I. Klasse 1899 von der Royal Hort. Soc. in London
ausgezeichnet) stellt eine gedrungene Buschform aus Colorado mit kurzen,
ganz hellgrünen Blättern dar.
Pseudotsuga Douglasii monstrosa hört.
Syn. Pseudotsuga Douglasii dumosa Carr., Conif. 2. ed., p. 258 (1867).
Abies Douglasii monstrosa hört.
Tsuga Douglasii monstrosa hört.
Eine bei Aussaaten von Andre Leroy in Angers (Frankreich) gewonnene
interessante, aber unschöne buschige, monströse Form mit unregelmäßiger,
dichter Bezweigung und sehr dichtstehenden kurzen, stumpfen Blättern, einen
nur 2 m hohen, weit ausgebreiteten Busch bildend.
Pseudotsuga Douglasii globosa (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1905, p. 75,
mit Abbild.).
Eine durch die Herren Carl Lutz Sohn in Stuttgart verbreitete, aus
einer nahen Forstbaumschule stammende, ganz regelmäßige, locker be-
zweigte Kugelform von 75 cm Durchmesser, von frischgrüner Färbung,
Zweige, Knospen und Blätter sind normal, nur der gedrängten Form ent-
sprechend etwas zierlicher. Diese schöne Form dürfte für kleine und zumal
für regelmäßige Gärten sehr wertvoll und willkommen sein.
Buntblätfrige und goldige Formen.
Pseudotsuga Douglasii Stairii hört.
Syn. Tsuga Douglasii Stairii hört.
Abies Douglasii Stairii hört.
Eine in Castle Kennedy in Wigtownshire, Sitz des Earl of Stair, nach
Kent gewonnene Form, welche je nach guter Entwickelung mehr oder minder
regelmäßige, gelblich-weiße Zeichnungen zeigt. Bei van Geert in Ant-
werpen sah ich eine 6 m hohe Pyramide, deren junge Triebe ganz weiß er-
schienen und sich in diesem Schmucke reizend ausnahm.
Pseudotsuga Douglasii variegata Forbes (in Gard. Chron. 1903, p. 338).
Eine bei Longleat (England) aufgefundene bunte Form, welche auf
den ersten Blick den Eindruck macht, als habe sie vom Sonnenbrand oder
Frost gelitten; sie ist jedenfalls mehr eigentümlich als schön und somit
entbehrlich.
II. Klasse. Coniferae. Hl
Pseudotsuga Douglasii aurea hört.
Eine goldige Douglastanne (Golden Douglas Fir in Gard. Chron.
1894, p. 44) von Mr. Fluder, Gärtner bei Mr. Graham in Cultoquhey bei
Crieff (England), aufgefunden. Erst zwei Jahre nach der Pflanzung zeigte der
Baum im jungen Triebe ein schönes Hellgelb. Sollte sich diese Färbung
beständig zeigen, so wäre dies eine schöne Bereicherung für die Coniferen-
sammlungen.
2. Pseudotsuga macrocarpa Mayr (Wald. N.-Am. S. 278 [1890]).
Großfrüchtige Douglastanne.
Syn. Abies Douglasii macrocarpa Torr, in Ives „Report in the Colorado
River in the West" (1860).
Abies macrocarpa Vasey.
Pseudotsuga Douglasii macrocarpa Engelm., Bot. of Californ. II, 120.
Im südlichen Kalifornien, in den engen heißen Schluchten des San
Bernhardino-Gebirges, sowie in der Schlucht von San Filipe in einer Erhebung
von 1000 — 1600 m gesellig mit Eichen wachsend.
Ein kleiner, 12 — 16, selten 25 m Höhe, bei 45 — 90 cm Stammdurchmesser
erreichender Baum, mit dicker, tiefgefurchter, rotbrauner Borke, langen, aus-
gebreiteten Ästen, überhängender Bezweigung und behaarten jungen Trieben,
eine breite, regelmäßige Pyramide bildend. Blätter blaugrau, länger als bei
Douglasii und zugespitzt, Knospen größer, glänzend-braun, deren Schuppen
ohne Fransen am Rande. Männliche Blüten 25 mm lang, blaßgelb; Zapfen
auf kurzem, dickem Stiele, 14 — 18 cm lang, 5 cm dick; Zapfenschuppen groß,
steif, dick, am Rande kahl; Bracteen dreispitzig, die mittlere Spitze nur
wenig die Schuppe überragend. Samen dick, rundlich, auf der der Schuppe
zugekehrten Seite weißlich, auf der oberen Seite hellbraun, 11 mm lang, mit
gleichlangem Flügel. Das Kernholz ist dunkelbraunrot und das Sommerholz
hat zahlreiche Spiralfasern.
Anfänglich von den Autoren als klimatische Varietät von P. Douglasii
aufgefaßt, hat zuerst Vasey und darauf Mayr sie als besondere Art beschrieben
und Lemmon, Sudworth wie Sargent pflichten ihnen bei, da Übergänge
nicht beobachtet wurden.
Ihrem südlichen Vorkommen entsprechend, kann die großfrüchtige
Douglastanne für uns nur für die günstigsten, wärmsten, geschütztesten Lagen,
also etwa für das Weinbaugebiet, noch zur Anpflanzung in Betracht kommen.
Da wir in der P. Douglasii mit ihren schönen Formen alles wünschenswerte
besitzen, können wir sie auch recht wohl entbehren, da sie nach keiner Rich-
tung hin der P. Douglasii gegenüber besondere Vorteile bietet.
3. Pseudotsuga japonica Shirasawa. Japanische Douglastanne.
Ursprünglich von Homi Shirasawa beschrieben als:
Tsuga (Pseudotsuga) japonica Shirasawa (in Tokio Bot. Mag. IX,
No. 96, 1895 [mit Abbild.]: „Eine neue Coniferenart in Japan").
Togasawara (d. h. Tsuga Chamaecyparis) der Japaner (vergl. Mitt.
d. d. dendr. Gesellsch. 1896, S. 62)
1X2 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten.
Vom Autor im Juli 1893 im Walde auf dem Wege (etwa 10 engl. Meilen
von der Küste entfernt, 2000 Fuß ü. d. M.) von Owashi, Provinz Kii, nach
Yoshino, Provinz Yamato, gefunden, wo sie, mit Tsuga Sieboldii Carr., Fagus
japonica Maxim., Acanthopanax ricinifolium Sieb, et Zucc, Magnolia hypo-
leuca Sieb, et Zucc, Quercus grosseserrata Bl. gemischt, mit geradschäftigem
Stamm, fast horizontal sich ausbreitenden Ästen und kegelförmiger Krone,
einen schönen Bestand bildet und stattliche Dimensionen (von 15 — 20 m Höhe
bei 3 m Stammumfang) erreicht. Die Blätter sind flach, etwas gebogen, ober-
seits gerillt, unterseits mit vortretenden Mittelnerven, an der Spitze einge-
kerbt, 20—25 mm lang, 2 mm breit, oberseits grün, unterseits mit zwei hell-
weißen Streifen; auf dem Querschnitte zeigen sich zwei Harzgänge. Zapfen
eiförmig-länglich, 4 — 5 cm lang, 2 —2^/2 cm dick, mit starken, hakenförmig ge-
bogenen Stielen, hängend, oder rückwärts gewendet. Zapfenschuppen dunkel-
violettbraun, teilweise schwärzlich, auf der Rückseite bläulich bereift, sich nicht
von der Spindel lösend. Bracteen etwas länger als die Fruchtschuppen,
meist dreispitzig und beim reifen Zapfen über die Schuppen zurück-
geschlagen. Samen dreieckig, 9 mm lang, 5 mm breit, auf der unteren, der
Schuppe zugekehrten Seite grauweiß, braun punktiert, auf der oberen Seite
hellbraun. Der Flügel ist 1 — 1^/2 mal länger als der Samen und mit demselben
verwachsen. Das Holz unterscheidet sich wesentlich von dem der japanischen
Tsuga-Arten. Es ist leicht spaltbar, die Jahresringe sind schmal und regel-
mäßig. Das Kernholz ist hellbraun, der Splint weißlich, die Borke ist dunkel-
braun und langrissig, Trockengewicht von 0,48 — 0,50 und läßt unter dem Mikro-
skop Harzkanäle erkennen. Nach den Zapfen und Samen zeigt sie eine auf-
fallende Verwandtschaft mit Pseudotsuga Douglasii Carr.
Die treffliche Abbildung zeigt einen Zweig mit zwei noch geschlossenen
Zapfen, einen reifen aufgesprungenen Zapfen (5 cm lang) mit den zurück-
geschlagenen dreispitzigen Bracteen, sowie alle einzelnen Teile, teils vergrößert,,
in anschaulichster Weise.
Ich konnte außerdem Originalmaterial, Zweig und Zapfen, aus Japan
genau mit P. Douglasii vergleichen (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1898, S. 27)
und erkennt man auf den ersten Blick die Zugehörigkeit zu Pseudotsuga. Die
Triebe sind hellbraun und glatt, die Knospen länglich-spitz, glänzend-braun
beschuppt. Die Zapfen sind rundlicher als die des amerikanischen Baumes,
dunkelbraun, mit sehr festen, muschelförmigen, ganzrandigen, weitklaffenden
Schuppen, die Bracteen sind über die Schuppen zurückgeschlagen, genau in
derselben Weise, wie dies auch bei Zapfen der P. Douglasii glauca beobachtet
wurde (siehe daselbst). Die Samen von P. japonica sind mehr als doppelt
so groß wie die von Douglasii, die Flügel sind kürzer und nähern sich die
Samen in Färbung und Gestalt denen von P. macrocarpa, welche etwa wieder
doppelt so stark wie die von P. japonica sind.
Erfreulich ist es, daß wir P. japonica schon in Kultur besitzen, sie ist
allerdings noch sehr selten und braucht zu ihrem Gedeihen vor allem ge-
nügende Luftfeuchtigkeit. Herr An sorge in Kl.-Flottbek hat wohl zuerst
Pflanzen erzogen, er gibt (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1902, p. 53) an, daß
die japanische Pseudotsuga seit 3 Jahren bei ihm im Freien stehe, das
Klima scheine ihr wohl zu warm zu sein, denn sie treibe im Jahre dreimal,
ohne vom Frost getötet zu werden, das spräche wohl für ihre Härte.
II. Klasse. Coniferae. 113
Er beabsichtigte, in rauheren Lagen und im Sandboden Kulturversuche zu
machen.
Ich verdanke Herrn An sorge eine veredelte junge Pflanze, welche bis
heute leider kein recht freudiges Wachstum zeigt, ich schiebe dies auf un-
genügende Luftfeuchtigkeit und die eingeschlossene v^arme Lage. Kürzlich
sah ich bei Herrn Kommerzienrat Langen in Grevenbroich, welcher in
seiner Besitzung eine schöne und reichhaltige Coniferensammlung besitzt,
eine junge Pflanze, welche im üppigen Triebe stand. Diese jungen Triebe
zeigten, besonders auf der Oberseite, eine schöne rote Färbung, welche
neben den frischgrünen Blättern die Pflanze besonders zierten.
Jedenfalls verspricht die japanische Douglastanne auch bei uns bestes
Gedeihen, wenn wir ihr die nötigen Kulturbedingungen, zumal ausreichende
Luftfeuchtigkeit, geben können, welche für die meisten japanischen Coniferen,
für alle Douglastannen aber im besonderen, unerläßlich ist.
Die Douglastannen, zumal aber die bei uns eingebürgerte P. Douglasii
mit ihren Formen, von denen die hängenden und auffallend blaugrünen und
silbergrauen besondere Beachtung verdienen, gehören, wie schon angegeben,
zu den dekorativsten, edelsten Coniferen und sollten in den genannten
günstigen Lagen recht weite Verbreitung finden; sie müssen zu einer guten
Entwickelung stets ganz freigestellt werden. In ungünstigen Lagen verlohnt
sich dagegen ihre Kultur nicht, zumal aber dort nicht, wo sich zu Mangel an
Luftfeuchtigkeit auch noch magerer, trockener Boden gesellt, alle anderen
Kulturbedingungen wurden schon eingehend besprochen.
Die Vermehrung der Arten, zumal aber für forstlichen Anbau, sollte
nur durch Aussaat geschehen und zwar in Kästen oder auf geschützten Saat-
beeten, wo die jungen Pflanzen, ohne verweichlicht zu werden, einen leichten,
naturgemäßen Schutz finden und bis zum Auspflanzen sich kräftig entwickeln
können. Seltene Arten und die zahlreichen Formen werden durch Veredelung
auf P. Douglasii im Spätsommer oder im Frühjahr im Vermehrungshause
fortgepflanzt.
Die Zwergformen können auch durch Stecklinge vermehrt werden, um
sie in ihrer Eigenart zu erhalten, da veredelte Exemplare bei sehr günstigem
Stand oft dazu neigen, zu normalen Pflanzen sich auszuwachsen.
Abies Lk. (in Abhandl. d. Akad. d. Wiss. Berlin 1827, S. 181; Picea Don. in
Loud. Arb. Brit. IV, 2293 [1838]). Tanne.
Blüten einhäusig, männliche in den Achseln der oberen Blätter einzeln,
fast sitzend, von dachziegeligen, schuppenförmigen Bracteen dicht umgeben.
Staubfadensäule zylindrisch-länglich oder eirund; Antheren spiralig-gedrängt,
auf kurzem Stiele, mit zwei angewachsenen, fast kugeligen, nach unten schief-
oder querzweiklappigen Fächern, das Mittelband über die Fächer hinaus in
einen Knopf endigend. Pollenkörner groß mit 2 Flugblasen. Weibliche
Blüten aufrecht endständig, einzeln mit wenigen, tauben, dachziegeligen
Schuppen dicht umgeben, kugelig, eirund oder länglich, Schuppen doppelt,
mehrreihig, spiralig-dachziegelig, bis zur Basis oder fast bis zur Basis getrennt.
Bractee häutig, während der Blüte hervorragend, nach der Blüte wenig
vergrößert, kürzer als die Samenschuppe oder mit der Spitze hervorragend.
Belßner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 8
114 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Samenschuppe schon während der Blüte bisweilen größer als die ßractee,
dann eine ansehnliche Schuppe bildend, wenig verdickt, an der Spitze abge-
rundet mit dünnem Rande. Eichen 2 an der Basis der Samenschuppe um-
gewendet. Zapfen aufrecht, eirund-länglich oder zylindrisch, mit wenig
vergrößerten, ungeteilten oder zweilappigen, mit der Spitze jedoch öfter mehr
oder weniger über die Schuppen hervorragenden Bracteen.^) Schuppen
locker -dachziegelig, mit den Samen von der stehenbleibenden Achse ab-
fallend. Samen mit Harzbläschen, hinter jeder Schuppe zwei abwärts ge-
richtet, falsch flügelfruchtartig. Haut dünn, trocken, durchsichtig, von der
inneren Lage der Schuppe getrennt und halb eingeschlossen, eirund oder
länglich-zusammengedrückt mit bleibendem Flügel, Schale krustenartig oder
häutig; Kodyledonen 4 — 8. —
Immergrüne Bäume, Blätter schmal-lineal, mehr oder weniger flach, spitz,
stumpf oder ausgerandet, zweispitzig, zweizeilig abstehend oder spiralig zer-
streut, zumal an üppigen jungen Trieben und an fruchtbaren Zweigen immer
dichter gestellt und mehr nach oben gerichtet, auch mehr zugespitzt, oberseits
meist rinnenförmig oder bisweilen flach-gewölbt, daher im Querschnitt schmaler
oder dicker, sichelförmig, stumpf-dreikantig, schief-rautenförmig bis schief-
vierkantig von Figur, unten mit weißen Spaltöffnungslinien und mit wenig
hervorragender Rippe, unten an der Basis oft stielartig verschmälert und ge-
dreht, mit verbreiterter, rundlicher Basis sitzend und nach dem Blätterfall eine
am Zweige nicht oder wenig hervorragende Narbe zurücklassend. Nur
ausnahmsweise mit geschwollenen, herablaufenden Blattkissen.
Knospen ohne Harz, Blätter stumpf und ausgerandet, Zapfen zylindrisch.
1. Abies pectinata D. C. (Fl. Fr. III, p. 276 [1805]). Weißtanne, Edeltanne,
Silbertanne, Taxtanne. (Fig. 21 u. 22.)
Syn. Abies Plin., Hist. nat. XVI, 18.
„ Caesalp. de Plant. Hb. III, cap. 53, p. 133.
„ conis sursum spectantibus s. mas Bauh., Pin. p. 505.
„ taxifolia fructu sursum spectante Tournf., Inst. p. 585.
„ alba foemina C. B., Elssh. p. 295.
^) Meist ist bei Aufzählung der Abies- Arten als Einteilungs-Merkmal die eingeschlossene
oder über die Schuppe hervorragende Bractee benutzt worden. Meiner Ansicht nach
hat man diesem Merkmal eine viel zu große Bedeutung beigelegt, da nicht nur, wie aus
der weiteren Beschreibung der Arten hervorgehen wird, bei Individuen einer Art die Länge
der Bracteen schwankt, sondern auch die nächstverwandten Arten dadurch auseinander-
gerissen und weit voneinanderstehend beschrieben und aufgezählt werden, so z. B.: Abies
balsamea und A. Fraseri; A. cephalonica und A. Pinsapo; A. nobilis und A. magnifica, aus
diesem Grunde stehe ich davon ab, die Abies-Arten in solche mit eingeschlossenen oder hervor-
ragenden Bracteen einzuteilen.
Ebensowenig anwendbar ist die von Mayr vorgeschlagene Einteilung (Pichta, Momi,
Pindrau) nach der Farbe der Zapfen unmittelbar vor der Reife, da sie denselben
Übelstand, die Trennung der nächstverwandten Arten, bewirkt. Hickel in „Notes sur les
Abietin6es" ; in Bull, de la Soc. dendr. de France, Paris, No. 3, 1907, hat in einer sehr fleißigen
Arbeit die Gattung Abies versucht übersichtlich zusammenzustellen und zwar einmal mit
„Hilfe der einzelnen Vegetationsorgane" und dann mit „Hilfe der Zapfen". So
scliarf auch die Merkmale für einzelne Arten gekennzeichnet sind, so tritt doch auch hier der
II. Klasse. Coniferae. X15
Syn. Pinus Picea L., Spec. pl. p. 1420 (1753).
„ Abies Dur., Observ. bot. p. 39 (1771) und Endl., Conif. p. 95.
„ Abies Dur., a. pectinata Christ. Europ. Abietineen.
„ pectinata Lam., Fl. franc. II, p. 202 (1778).
Abies alba Mill.,i) Dict. No. 1 (nicht Mchx.) (1759).
vulgaris Poir., Dict. Suppl. VI, p. 514 (1804).
taxifolia Desf., Cat. Hort. Paris, ed. III, p. 356 (1809).
„ excelsa Lk. in Abhandl. d. Berl. Akad. 1827, p. 182 (1830)
„ Picea Lindl. in Penny Cyclop. I (1833) nee Mill.
„ candicans Fisch, msc.
„ argentea De Chambr., Tr. prat. Arb. res. 17, t. I, Fig. 1 — 2,
t. V, Fig. 1 (1845).
Picea pectinata Loud., Arb. brit. IV, 2329 f., 2237—2239 (1838).
Sapin de Lorraine, S. des Vosges, S. de Normandie der Franzosen.
Common Silver Fir der Engländer.
In den »Gebirgen Mittel- und Süd-Europas; nach Willkomm in den
Pyrenäen in einer Erhebung von 1000 — 1600 m, zumal in den nördlichen
große Wälder bildend, ebenso in den Vogesen, im Jura zwischen 400 und
1300 m Erhebung ausschließlich den Nadelwald bildend, im Schwarzwalde
und im Frankenwalde, in der Schweiz, seltener in den Apenninen, auf den
Gebirgen Korsikas, im bayerischen und Böhmerwalde, in Thüringen, im Erz-
gebirge, in den Karpathen, nach Grisebach auch im bithynischen Olymp.
Von der Ostgrenze der Verbreitung haben wir eine klimatische Varietät
(Abies pectinata podolica Sr.), welche nach Schröder in Moskau ausdauerte,
während Abies pectinata dort sonst über dem Schnee erfriert (Mitt. d. d.
dendr. Gesellsch. 1899, p. 121).
Außerdem viel forstlich, auch viel weiter nördlich angepflanzt. In Ost-
friesland in Lütetsburg, der Besitzung des Fürsten zu Inn- und Knyphausen,
finden sich herrliche Exemplare von riesigen Dimensionen und angesamte
reine Bestände in allen Stärken.
Baum von 30 bis über 65 m Höhe und 2 bis über 5 m Stammumfang,
mit kerzengeradem, walzenförmigem Stamm und pyramidaler, im Alter oben
abgeplatteter Krone. Stamm sich frühzeitig hoch hinaus ausästend (reinigend),
mit weißgrauer Rinde, Äste quirlständig, horizontal ausgebreitet, Zweige rund,
jüngste kurz-rauhhaarig, Knospen ohne Harz Überzug. Blätter an Wipfel-
trieben spiralig ringsum stehend, an seitlichen zweizeilig, kammförmig ab-
Übelstand ein, daß die zunächstverwandten Arten öfter zu weit getrennt werden. Besser ist
Koehnes Einteilung nach anatomischen Merkmalen in den Blättern; 1. Harzgänge
der Blätter nichtblühender Triebe an der Epidermis, 2. Harzgänge der Blätter nichtblühender
Triebe im Parenchym. Aber auch hier kommen Abweichungen vor, so gut im allgemeinen
auch die nächsten Verwandten dadurch zusammengebracht werden. In nachstehender Aufzählung
werden die Arten, unter Anwendung aller zutreffenden Merkmale, ihrer unverkennbar nächsten
Verwandtschaft entsprechend, hintereinander aufgeführt.
^) Ich stelle diesen älteren Namen nicht als Hauptnamen auf, um steten unliebsamen Ver-
wechselungen zu begegnen, die in der Praxis gar nicht ausbleiben können und die schwersten
Schädigungen veranlassen müssen. Dieser Umstand dürfte auch den scharfblickenden Decan-
dolle bewogen haben, seinen für jedermann verständlichen, zutreffenden Namen Abies pecti-
nata zu geben.
8*
IIA Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Conifercn und Ephedra-Artcn.
stehend, an der Basis gedreht, steif,
gerade oder gebogen, lineal, flach,
stumpf oder ausgerandet, selbst fast
zweispitzig oder (an den Wipfel-
trieben, zumal an älteren, stärkeren
Bäumen) starr, derbgespitzt, ober-
seits mit flacher Längsfurche, glän-
zend-dunkelgrün, unten beiderseits
des dicken, vorstehenden Kieles mit
bläulich-weißen Spaltöffnungslinien
versehen, 20 — 30 mm lang, 2 — 3 mm
breit. Zapfen aufrecht, zylin-
drisch-stumpf, 10 — 16 cm lang, 3 bis
5 cm breit. Zapfenschuppen aus
keilförmigem Grunde, breit abge-
rundet, auf dem Rücken am Rande
filzig, von der Spindel abfallend.
Bracteen lineal -spateiförmig, ge-
zähnelt, zugespitzt, über die
Schuppen hervorragend und mit
den Spitzen abwärts gebogen.
Samen fast dreikantig, 7 — 9 mm
lang, gelblich, mit keilförmig abge-
stutztem, doppelt so langem, röt-
lich-gelbem Flügel.
Purkyne erwähnt aus Böhmen
eine eigentümliche Zapfenbildung:
der Zapfen trägt oben eine kurze,
aufgesetzte Spitze (coni umbo-
nati), die Bracteen sind kürzer, da-
her nicht zurückgeschlagen, son-
dern aufrecht.
Die gemeine Weißtanne ist
ein wertvoller Forstbaum; nach
Willkomm ist das Holz weicher,
doch spezifisch schwerer wie das
Fichtenholz, dazu viel harzärmer,
aber dennoch dauerhafter als Fich-
tenholz, dazu astfrei, elastisch und
leicht spaltbar; es ist geschätzt
als Bau- und Werkholz, zumal
aber zu Resonnanzböden , über-
haupt Musikinstrumenten, außer-
dem zur Streichholz- und Schach-
telfabrikation und liefert den so-
genannten Straßburger Terpentin.
Wie auch bei anderen Tannen, zumal bei den amerikanischen Balsam tannen,
bilden sich schon an^der jüngeren Rinde mit klarem Harz gefüllte Beulen,
Flg. 21. Abies pectinata D. C. aus dem Park zu
Wörlitz bei Dessau.
II. Klasse. Coniferae.
117
die später aufplatzen, so daß das Harz an Stamm und Ästen herablaufend erstarrt.
— In der Jugend sehr langsam, als kräftiger junger Baum schneller wachsend,
Fig;. 22. Abies pectinata D. C. 1 Zweig mit männlichen Blüten ; 2 Zweig mit weiblicher Blüte; 3 Zweig
mit reifem Zapfen; 4 männlicher Blütenstand (vergr.); 5 und 6 Antheren (vergr.); 7 Blatt, Unterseite
mit Spaltöifnungsreihen (vergr.); 8 ßlattdurchschnitt (vergr.); 9 Fruchtblatt der weiblichen Blüte
(vergr.); 10 Schuppe von innen mit Samen; 11 Schuppe von außen mit Bractee; 12 Samen mit Harz-
bläschen; 13 Keimpflanze,
entwickelt sie sich zu mächtigen, herrlichen, schnurgeraden Stämmen, wie wir
sie in verschiedenen Gegenden in unseren deutschen Wäldern bewundern
und öfter als berühmte, uralte, sogen. „Königstannen" finden können.
118 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Sie ist in jeder Größe schön und bei freiem Stand, einzeln gestellt, oder
in hainartiger Pflanzung, steht sie in dekorativer Hinsicht als geschätzter Park-
baum verwandten Tannen kaum nach; nur der Umstand, daß sie früher wie
andere die unteren Äste abstößt, läßt sie später meist dürftiger und kahler
erscheinen. Da sie das Beschneiden gut verträgt, und zwar noch besser als
die Fichte, weil sie noch am alten Holze austreibt, so läßt sie sich zu schönen,
hohen Hecken (Schutzwänden) erziehen. Sie hält sich bei überschirmtem
Stand und bildet so dichte Gebüsche, so daß sie als Unterpflanzung, z. B. für
Fasanerien und sonstigen Wildschutz, geeignet und geschätzt ist.
Die Weißtanne ist in betreff des Bodens anspruchsvoller als die Fichte
und verlangt einen genügend tiefgründigen, lockeren und gleichmäßig feuchten,
besonders aber Lehmboden; weder auf sandigem trockenen, noch auf schwerem,
undurchlassendem Tonboden, oder auf Kalkboden gedeiht sie, sondern kümmert
hier; sie fürchtet auch zu nassen, morastigen Boden. Wie genügende Boden-
feuchtigkeit, so verlangt sie auch gleichmäßige Luftfeuchtigkeit zu einem
freudigen Gedeihen, kommt daher im trockenen Steppenklima, wie die meisten
immergrünen Gehölze, nicht fort. In Frostlagen leidet sie in harten Wintern
oft bedeutend an den Blättern, ja man kann oft ganze junge Bestände erfroren
sehen; da sie zeitig treibt, werden die jungen Triebe auch häufig von
Spätfrösten beschädigt. Man sollte bei Anpflanzungen kaltgründige
Niederungen vermeiden.
Die Weißtanne neigt weit weniger zu Abweichungen als die Fichte;
dennoch kommen folgende oft recht charakteristische Formen vor, welche teils
auf ihrem natürlichen Standorte beobachtet, teils bei Aussaaten in Kultur ge
Wonnen wurden.
Wie von der Fichte, so kommen auch von der Weißtanne durch Sturm
oder Schneedruck des Wipfels beraubte, sogen. „Wettertannen" in Gebirgen
vor, die mehrere oder viele neue Wipfel bilden und einen eigentümlichen
Anblick gewähren. Eine solche interessante „vielköpfige Weißtanne aus den
Sevennen" findet sich u. a. abgebildet im Jahrbuch für Gartenkunde und
Botanik von Bouche und Hermann 1884, S. 93. Abgehauene Stöcke bildeten
auch hier und da Stockausschlag, wie es bei Coniferen im allgemeinen selten,
aber selbst wenn auch das Holz, das als ganz
II. Klasse. Coniferae. 125
vorzüglich gerühmt wird, dasjenige unserer Tanne an Güte nicht übertrifft,
so wird doch dieser herrliche Baum in forstästhetischer Hinsicht auch unseren
Wäldern zur größten Zierde gereichen. Es ist auch empfohlen worden, die
Nordmannstanne zur Gewinnung von Weihnachts- oder Christbäumen in
größerer Menge anzubauen; an manchen Orten hat man auch mit vollen,
schönen Exemplaren recht gute Geschäfte gemacht, da diese von Liebhabern
sehr gut bezahlt werden. Allerdings dürfte es manchem schwer werden, so
schöne Bäume zu schlagen.
Aus Samen, die aus dem Kaukasus bezogen wurden, sind wiederholt,
so z. B. von Dr. Bolle in Berlin und Peter Smith in Bergedorf, Pflanzen
erzogen worden, deren Blätter eine auffallend silberweiße Unterseite
zeigen, die dekorativ besonders auffallend und wertvoll sind und als Abies
Nordmanniana coerulescens bezeichnet werden mögen. Solche Pflanzen,
zwischen denen und der Art es nach Scharrer in der Heimat zahlreiche
Übergangsformen auch mit verschieden großen Zapfen gibt, kommen durch
Verwechselung in den Gärten fälschlich als Abies Eichlerii-Sämlinge vor
(siehe Näheres bei Abies Veitchii).
Auch bei Aussaaten eigener Ernte sind sowohl im Wuchs wie in der
Stellung und Üppigkeit der Blätter öfter kleine Abweichungen zu ver-
zeichnen, was ja ganz natürlich ist.
Wuchsformen.
Abies Nordmanniana refracta Carr. (Conif. 2. ed., p. 277 [1867]).
Syn. Abies Nordmanniana speciosa hört.
Eine gleich der Art üppige, schöne Tanne, welche nur durch die mehr
nach oben gerichteten Blätter verschieden ist, wodurch deren weißHche
Blattunterseiten recht zur Geltung kommen und die Bezweigung noch üppiger
und mehr blaugrün erscheint. Diese Form wurde sowohl in Frankreich wie
auch in Deutschland öfter bei Aussaaten gefunden und sind solche Pflanzen,
von welchen wir in manchen Gärten wahre Prachtexemplare finden, als be-
sonders dekorativ willkommen und geschätzt.
Abies Nordmanniana robusta Carr. (Conif. 2. ed., p. 278 [1867]).
Eine üppige Form mit mehr aufstrebenden, dichtstehenden Ästen,
Zweige dick und kurz, Blätter üppig dicklich, sehr dichtstehend und blaugrün.
Üppige Exemplare, wie sie öfter in Kulturen gefunden wurden, zeigen, zumal
an kräftigen Zweigspitzen, sehr derbe, rings um die Zweige gestellte, öfter
gedrehte Blätter und sind auffallend und dekorativ (IMitt. d. d. dendr. Ge-
sellsch. 1899, S. 134).
Abies Nordmanniana brevifolia Carr. (Conif. 2. ed., p. 278 [1867];.
Eine gedrungene Kegelform mit monströsen Ästen und mit viel kürzeren,
öfter auch breiteren und mehr zweizeilig gestellten Blättern als bei der Art.
Abies Nordmanniana erecta.
Eine von FrangoisPittet in Lausanne gewonnene schöne, auffallende
Form mit aufstrebenden Ästen.
126 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Abies Nordmanniana pendula hört. Nordmanns Traiiertanne.
Eine Form, bei welcher die Äste, vom Stamme beginnend, stark herab-
hängen, also eine Trau er tanne, die sich in größeren Exemplaren, mit gleich
üppiger Bezweigung wie bei der Art, sehr gut ausnimmt. Es gibt sehr deko-
rative Exemplare in Deutschland, auch in Frankreich (s. Abbild. Rev. hört.
1890, p. 440).
In der Färbung abweichend.
Abies Nordmanniana glauca hört.
Eine Form mit sehr üppigen, blaugrünen Blättern, wie sie bei Aus-
saaten vorkommt und besonders dekorativ ist.
Abies Nordmanniana aurea hört.
Eine bei Aussaaten gewonnene Form von goldgelber Färbung, die
schön und auffallend ist, wenn sie vorsichtig zu Kontrasten Verwendung findet.
Abies Nordmanniana aureo-spicata Hesse.
Eine in den Baumschulen von Hesse in Weener (Ostfriesland) in Kultur
gewonnene eigentümliche bunte Form, bei welcher jedes Blatt, von der
Spitze beginnend, auf ^j^ der Länge goldgelb gefärbt ist.
Abies Nordmanniana aureo-variegata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, S. 94).
Eine von Forstrat Ganghof er in Augsburg gewonnene Form, bei
welcher, unregelmäßig über die Pflanze verteilt, einzelne Triebe ganz oder
teilweise goldgelb gefärbt sind.
Abies Nordmanniana albo-spicata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1898, S. 40).
Eine von Gebbers in Wiesenburg i. M. in Kultur gewonnene Form,
welche im jungen Triebe ganz weißspitzig erscheint und so sehr dekorativ ist.
Interessant sind ferner zwei Bastarde:
Abies insignis Carr. (Rev. hört. 1890, p. 230 [mutmaßlich Abies
Nordmanniana x A. Pinsapo]).
In der Baumschule von Renault in Bulgneville (Vosges) wurde von
einer 1848 oder 1849 auf Abies pectinata veredelten A. Pinsapo Samen ge-
wonnen, auf deren Erzeugung nach Annahme des Züchters eine in der Nähe
stehende, männliche Blüten tragende Abies Nordmanniana refracta Carr., die
gleichfalls auf A. pectinata veredelt ist, eingewirkt haben dürfte. Von der
Aussaat wurden 20 kräftige Pflanzen gewonnen, von denen die stärksten 2 m
Höhe haben. Die erste Aussaat 1872 ergab ^/^ charakteristische A. Pinsapo
und 2/3 stellten die genannten Bastarde dar. Zwei Jahre später ergab eine
umfassendere Aussaat mehr charakteristische A. Pinsapo. Merkwürdig ist,
daß, während die Bastarde sich zu üppigen, kräftigen Pflanzen ent-
wickelten, die charakteristischen A. Pinsapo unter gleichen Kulturbedingungen
nur Büsche bildeten. Die Bastarde ergaben folgende Merkmale:
Sehr üppiger, schöner, regelmäßig pyramidaler Baum mit breiter Basis,
Stamm sehr üppig, gerade, kegelförmig, 1,80 — 2,10 m hoch, mit aschgrauer
Rinde, glänzend-rostbraunen jungen Trieben, Äste stark, quirlständig, leicht
II. Klasse. Coniferae. 127
aufwärts gebogen, Zweige dick, ausgebreitet, dicht mit Blättern besetzt, die
zumal die Oberseite meist decken, während sie nach unten seitlich ausgebreitet
sind ; Blätter lineal, gerade oder sichelförmig gebogen, dick lederartig, 20 — 30 mm
lang, 2 — 3 mm breit, unten in einen kurzen gedrehten Stiel ausgezogen, an
den unteren Ästen mit stumpflicher oder abgerundeter, sehr selten einge-
schnittener Spitze, am Stamm steif, weißlich, zugespitzt stechend, frischgrün-
glänzend, oben kaum gerinnt, unten stark gekielt mit dicken Rändern und
mit mehlweißen Spaltöffnungslinien. Knospen harzig, dick, kurz, stumpf,
eirund-kegelförmig.
Alle Bäume zeigen ziemlich die gleiche Gestalt ohne wesentliche Ab-
weichungen, nur zwei Exemplare zeichnen sich durch üppige, bis 46 mm lange,
scharf-gespitzte Blätter aus.
Diese Bastarde stehen zwischen A. Nordmanniana und A. Pinsapo,
Gestalt, Bezweigung, Farbe und Stellung der Blätter erinnern an A. Nord-
manniana, aber die dicke und lederartige Konsistenz derselben sind die von
A. Pinsapo.
Abies Nordmanniana speciosa hört. (Rev. hört. 1890, p. 231 [Abies
Nordmanniana x A. Pinsapo]).
Ein durch Kreuzung vorstehender Arten durch Croux in Aulnay
bei Sceaux gezüchteter Bastard und zwar wurde A. Nordmanniana durch
A. Pinsapo bestäubt im Jahre 1871 oder 1872 und war in Paris 1889 ein herr-
liches Exemplar von gegen 5 m Höhe ausgestellt, welches in fast allen seinen
Teilen mit der Beschreibung der vorstehend beschriebenen Abies insignis
Carr. übereinstimmt. Bailly führt nur die sehr zahlreichen, öfter gedrehten,
verhältnismäßig schwachen, an den Spitzen übergebogenen Äste an, dann
die langen, zierlichen, biegsamen, überhängenden Zweige und die verhältnis-
mäßig wenig auftretenden, ausgerandeten Blätter, meint aber, diese Merkmale
möchten in dem mehr vorgeschrittenen Alter der A. Nordmanniana speciosa
gegenüber der Abies insignis Carr. ihren Grund haben.
Bemerkenswert ist jedenfalls, daß beide Bastarde sich durch besonders
üppige Entwickelung auszeichnen, welche den normalen Sämlingen gegen
über auffällig in die Augen fällt; Bailly glaubt im Interesse des Nutzwertes
Forstleute auf diesen Umstand besonders aufmerksam machen zu müssen.
Auch im Schloßgarten Bellevue bei Berlin sind unverkennbare Bastarde:
A. Nordmanniana X A. Pinsapo aus Samen erzogen worden. Hofgärtner
Jancke sandte mir Material und waren acht verschiedene Formen deut-
lich unterscheidbar, welche ich in Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1894, S. 25 be-
schrieben habe. Nach dem Habitus, der Zweig-, Blatt- und Knospenbildung,
wie auch in bezug auf Blattquerschnitte, Spaltöffnungen und Harzgänge konnten
alle Übergänge zu beiden Arten herausgefunden werden. Einerseits fast
reine A. Nordmanniana, konnten andererseits Zwischenformen zu Pinsapo immer
deutlicher erkannt werden, auch eine der genannten Abies insignis Carr. fast
gleiche Form war darunter, und andererseits gingen die Sämlinge immer mehr
zu A. Pinsapo über, bis dieselbe fast unverändert wieder erreicht war. Es ist
dies jedenfalls ein äußerst interessanter Fall, wo in den Sämlingen die beiden
Stammeltern, sowohl wie Bastarde, in allen Übergängen nach beiden Seiten
hin so schön und deutlich vor Augen geführt werden.
128 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten,
Zur Geschichte dieser vermeintHchen Bastarde sei noch folgendes
hinzugefügt:
Hofgärtner Jancke sammelte Ende der achtziger Jahre im nordischen
Garten im Park von Sanssouci Zapfen von A. Nordmanniana und einer
Fig. 24. Abies insignis Carr. aus dem Arboretum Späth.
danebenstehenden A. Pinsapo. Die Sämlinge von A. Pinsapo erfroren und
die noch bleibenden Sämlinge sind somit Abkömmlinge der A. Nordmanniana.
Etwa 10 Sämlinge von l^/g — 4^2 m Höhe zeigen die angegebenen Unter-
schiede und im mageren Sandboden eine etwas dürftige Entwickelung.
Jancke will nun, auf Grund späterer anatomischer Untersuchungen, festgestellt
haben, daß hier keine Bastarde, sondern nur Formen der A. Nordmanniana
II. Klasse. Coniferae.
129
vorliegen und meint, daß erst die Zapfen später darüber volle Aufklärung
geben können.
Ich bin in betreff Aufstellung von Bastarden sehr vorsichtig, hier möchte
ich aber doch nach gesandten Bildern, Zweigen und besonders nach solchen
Fig. 25. Abies Nordmanniana x A. Pinsapo.
von üppigen, von den betreffenden Pflanzen in Bellevue veredelten Exem-
plaren im Arboretum Spaeth (siehe Fig. 24 u. 25) an Bastarde glauben; auch
die anatomische Untersuchung von Blattquerschnitten und der Ver-
gleich mit solchen von den normalen A. Nordmanniana und Pinsapo scheinen
mir doch unverkennbare Mittelformen in der Figur darzustellen, besonders
gegenüber der schmalen, langgestreckten Form der A. Nordmanniana. Natürlich
wird uns erst später die Entwickelung der Zapfen hier völlige Gewißheit geben.
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 9
130 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Knospen harzig, Blätter spitz oder stechend.
3. Abies cephalonica Loud. (Arb. ßrit IV, 2325 f., 2235—2236 [1838]) und Lk.
(in Linn. XV, p. 529 [1841]). Cephalonische Tanne oder Kul^unaria.
Syn. Pinus cephalonica Endl., Cat. Hort. Vindob. I, p. 218, et Conif. p. 98.
(1842).
Pinus Abies ß cephalonica Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 422 (1868).
„ „ Dur. e. cephalonica Loud., Christ. Europ. Abietineen.
Picea cephalonica Loud., Encycl. of Trees 1039 f, 1940—1946 (1842).
Abies panachaica Heldr., pl. exsicc. in Reg. Gartenfl. X, 286 (1861).
„ Luscombeana Loud., Arb. IV, 2325 cum ic. (1838).
„ pectinata y cephalonica Cat. sem. h. Vratisl. 1863.
„ calcedonica hört.
Picea Kukunaria Wender, d. Pfl. bot. Gärten p. 11.
Kukunaria der Griechen.
Greek Silver Fir der Engländer.
In Griechenland auf den jonischen Inseln, zumal auf dem Berge Enos
auf Cephalonia, in einer Erhebung von 900 — 1300 m Wälder bildend.
Im Jahre 1824 in Kultur eingeführt.
Schöner Baum von 15 — 20 m Höhe, mit schlankem, bis zu 3 m im Um-
fang messendem Stamm, horizontal abstehenden Ästen und sehr dicht stehenden
Zweigen, junge Triebe bräunlich-grün, glatt, Knospen zugespitzt, mit Harz
überzogen, Blätter an jungen Pflanzen und an älteren unfruchtbaren Zweigen
fast zweizeilig, dagegen an den üppigen fruchttragenden und Wipfeltrieben
nach allen Seiten abstehend, lineal, flach, lang zugespitzt, steif, dolchförmig
stechend, oberseits glänzend -dunkelgrün, unten beiderseits der stark vor
tretenden Mittelrippe mit bläulich-weißen Spaltöffnungslinien, 20 — 28 mm lang,
2 mm breit. Männliche Blüten purpurrot, sehr zierend. Zapfen aufrecht, fast
sitzend, walzenförmig, sich nach beiden Enden etwas verjüngend, an der Spitze
abgestutzt, grünlich-braun, mit Harz überflössen, 12 — 20 cm lang, 3 — 5 cm breit,
oft in dichten Reihen die oberen Astquirle zierend. Zapfenschuppen keilförmig,
nach oben sehr breit, abgerundet, ganzrandig, an den Seiten gezähnelt, Bracteen
lineal, dann rundlich verbreitert, gezähnelt und mit einer starren Spitze über
die Schuppen zurückgeschlagen. Samen dreieckig-eirund, hellbraun, 7 mm lang
mit 16 mm langem, an der Spitze verbreitertem Flügel.
Abies cephalonica ist in der Heimat ihres trefflichen, harten und dauer-
haften Holzes wegen, welches an Härte dem Eichenholz gleichkommen soll,
geschätzt.
Pariatore (1. c.) wie auch Grisebach stellen diese Art nur als Varietät
zu Abies pectinata; A. cephalonica weicht aber ihrer ganzen Erscheinung nach,
zumal aber durch die dichtere Bezweigung, die scharf stechenden Blätter, ent-
schieden ganz bedeutend ab und unterscheidet sich von A. pectinata selbst
für den Laien sofort auffällig durch die starren, dolchspitzigen Blätter, außer
den anderen angegebenen Merkmalen, wie die spitzigen, harzüberzogenen
Knospen, die größeren, breiteren Zapfenschuppen und größeren Samen.
Eine herrliche, dekorative Tanne von streng-pyramidalem Wuchs,
mit regelmäßig quirlförmiger Aststellung und zwar vom Boden an mit Ästen
besetzt, welche unseren Gärten zum schönsten Schmuck gereicht. Sie gedeiht
II. Klasse. Coniferae. 131
in den schon bei A. pectinata angegebenen günstigen Lagen, hier finden wir
denn auch oft prächtige, zapfentragende Exemplare, deren Samen, je nach
der Gunst der Verhältnisse, schon eine gesunde Nachkommenschaft lieferten,
anderenfalls aber auch nur sehr vereinzelt keimfähig sind, so steht z. B. im
botanischen Garten zu Braunschweig ein 1884 gemessener Baum von 18 m
Höhe bei 0,55 m Stammdurchmesser. Dekorativ am schönsten sind üppige,
junge Bäume, silberig-schimmernde, tadellose Pyramiden, deren Äste sich
über wohlgepflegtem Rasen ausbreiten, bei ganz freiem Stand. In ungünstigen,
lufttrockenen, rauhen, scharfen Winden ausgesetzten Lagen leidet A. cephalonica
oft bedeutend. Da sie im Frühjahr ziemlich zeitig, allerdings etwas später
als A. pectinata treibt, so wird sie von Spätfrösten oft noch beschädigt; un-
streitig sagt ihr, ihrem Vorkommen als Gebirgsbaum entsprechend, ein Stand
in höheren Lagen und zumal wo genügende Luftfeuchtigkeit vorhanden ist
am meisten zu. In einigermaßen günstigen, geschützten Gegenden, in Misch-
pflanzungen, oder bei seitlichem Schutz kann daher die Anpflanzung dieser
edlen griechischen Tanne nicht warm genug empfohlen werden.
Abies cephalonica Lk. var. ApoUinis. Apollotanne, Wilde Tanne
der Griechen.
Syn. Abies Apollinis Lk. in Linn. XV, 528 (1841).
Pinus Apolhnis Ant., Conif. 73 (1844).
„ Picea ß graeca Fraas. f. Glass. (1845.)
„ Abies ß Apollinis Endl., Syn. Conif. 96 (1847).
„ „ Dur. c. Apollinis Lk., Christ. Europ. Abiet.
Abies pectinata ß Apollinis Lindl. et. Gord., Journ. Hort. Soc. V,
p. 210 (1850) und Laws., Pin. brit. V, mit Abbild.
Picea Apollinis Rauch. Gord., Pin. Suppl. 44 (1862).
„ cephalonica Apollinis hört.
Abies cephalonica parnassica Henk, et Höchst., Syn. p. 181 (1865)
„ Monte Draco hört.
Im Jahre 1850 in Deutschland in Kultur eingeführt.
In der subalpinen Region fast auf allen griechischen Gebirgen in einer
Erhebung von 1500—1700 m vorkommend, so am Taygetos untermischt mit
Pinus Laricio, am Malevo, Clenos, Chelmos, attischen Parnes, Parnass,
Kytheron, Helikon, Delphi in Euboea, am thessalischen Olymp, auf dem Berge
Athos in Macedonien.
Schöner Baum von 20 — 25 m Höhe mit schlankem, fast von der Basis
an verästeltem Stamm, der aber dicker und gedrungener als bei der folgenden
Form sich entwickeln soll; Äste, zumal die obersten, horizontal-abstehend mit
grauweißer Rinde bekleidet. Zweige gegenständig, junge Triebe glatt und
gelbbraun. Blätter deutlicher zweizeilig und dichter als bei A. cephalonica, an
den üppigen und fruchtbaren Zweigen mehr nach oben gestellt, lineal, flach,
einfach- oder auch doppelt -gespitzt, kürzer, breiter und weniger starr, an
jungen Pflanzen stumpf, mehr A. pectinata ähnlich, an älteren Pflanzen
kurz- und scharf-gespitzt, oben glänzend-grün, unten beiderseits des stark vor-
tretenden Kiels mit nur schwach weißlichen Spaltöffnungslinien und mit ge-
drehter, gelblicher Basis. Zapfen lang zylindrisch, länger gestielt, stumpf,
kegelförmig nach der Spitze zu auslaufend, bis 17 cm lang und 6 cm breit.
132 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Schuppen gestielt, aus keilförmigem Grunde abgerundet, auf dem Rücken,
nach dem Rande zu, sammetglänzend; Bracteen gestielt, spateiförmig in eine
nur wenig über die Schuppe vorragende und zurückgeschlagene Spitze
auslaufend. Samen kleiner als der keilförmige, etwas zusammengedrückte Flügel.
Nach Heldreich und Link, ebenso nach Murray und C. Koch ist die
Apollotanne eine gut unterschiedene Art. Pariatore hingegen vereinigt sie
mit A. cephalonica und stellt diese selbst nur als Varietät zu A. pectinata.
Jungen Kulturexemplaren nach zu urteilen steht die Apollotanne der
A. pectinata näher als A. cephalonica, so daß sie gleichsam eine Zwischen-
form zwischen beiden zu bilden scheint (s. auch A. pectinata var. Equi
Trojani), auch Boissier sagt in Flora orientalis p. 702, daß sie, wie er an
Kulturexemplaren beobachtet habe, durch zweizeilige Blätter und die Gestalt
der Bracteen des Zapfens mehr der A. pectinata ähnlich sei und von dieser
zumal durch die spitzen Blätter abweiche.
Dr. Bolle besitzt auf seiner Insel Scharf enberg bei Berlin ein Exemplar
von A. Apollinis, welches Heldreich selbst als die echte Pflanze dieses
Namens anerkannte, welches auch ich kenne und das die eben angeführten
Merkmale zeigt. Heldreich erklärte aber zugleich, daß dies, der Jugend-
zustand, dem der gewöhnlichen Weißtanne nicht unähnlich sei, daß der
erwachsene Baum dagegen einen struppigen und stacheligen Habitus annähme.
Die Bevölkerung unterscheidet die Apollotanne von der folgenden Form als
„wilde Tanne."
Wir besitzen in manchen Gärten recht stattliche, von der ersten Ein-
führung herrührende Exemplare.
Abies cephalonica var. Reginae Amaliae. Königin Amalias Tanne,
Arkadische Tanne, zahme Tanne der Griechen.
Syn. Abies Reginae AmaHae Heldr., Gartenfl. 1860, p. 113, und 1861,
p. 286, mit Abbild.
Abies pectinata ß Reginae AmaHae Cat, sem. hört. Vratislav. 1863.
„ cephalonica ß arcadica Henk. et. Höchst., Syn. p. 182 (1865).
„ peloponnesiaca Haage.
Pinus peloponnesiaca hört.
Pinus Abies Dur. b. Reginae Amaliae Heldr., Christ. Europ. Abietin.
Im Jahre 1856 durch Hofgärtner Schmidt in Athen in Deutschland
eingeführt.
Im Peloponnes, zumal in den Gebirgen Arkadiens vorkommend und zwar
zuerst an der Ostküste von Forstbeamten auf dem Berge Rhondia und in den
umliegenden Hochtälern in einer Erhebung von 1000 m entdeckt,
Baum schlanker und hochstämmiger als vorstehender, man hat öfter
Stämme von 18 m Höhe bei 0,70 bis fast 1 m Durchmesser aufgefunden,
überhaupt wird die Üppigkeit der Vegetation und die Lebensfülle dieses
Baumes besonders hervorgehoben. Die Blätter sind meist etwas kürzer,
stumpfer, weniger starr. Nach Held reich ist aber dies auch nur bei jungen
Bäumen der Fall und der erwachsene Baum zeigt später gleich der Art und
der vorstehenden Form Apollinis ein struppiges, stacheliges Aussehen. Die
Zapfen sind weit kleiner als bei der Apollotanne, während in den Zapfen-
schuppen und den Samen kein Unterschied zu bemerken ist. Das Haupt-
II. Klasse. Coniferae. 133
merkmal ist aber der überaus kräftige Stammausschlag, derselbe ist von
doppelter Natur, entweder neue Stämme aus den alten hervorbrechend, oder
aus den horizontalen Ästen senkrecht aufsteigend und zwar von 6 — 7 m Höhe
bei 0,30 — 0,40 m Stammdurchmesser, so werden im Walde oft armleuchter-
artige, manchmal ganz regelmäßige Formen gebildet. Diese Befähigung, auch
aus abgeschlagenen Stämmen Sekundärwipfel zu treiben, welche normale, wenn
auch kürzere Stämme bilden, kommt bei Coniferen verhältnismäßig selten vor,
ist jedoch auch bei A. pectinata, wenn auch in geringerem Grade, beobachtet
worden.
Die Bevölkerung nennt diese Tanne, zum Unterschiede von der Apollo-
Tanne, die „zahme Tanne".
V. Heldreich nimmt ursprünglich vier griechische Tannen an: A. cepha-
lonica, A. ApolHnis, A. Reginae Amaliae und A. panachaica, letzte, welche
auf dem Panachaikon wächst, ist aber mit ihren dolchspitzigen Blättern
von A. cephalonica, wenigstens an Kulturexemplaren nicht zu unterscheiden,
auch Boissier betont die große Ähnlichkeit in Flor. Orient, ebenso Christ
(s. Europ. Abietineen); derselbe gibt die Blätter flacher an als bei var. Apollinis,
allmählich in eine lange Spitze auslaufend. Zapfen nicht genau zylindrisch,
sondern nach oben und unten etwas verjüngt.
Sehen wir in unseren Kulturen die unter obigen zahlreichen Namen ver-
breiteten griechischen Tannen an, die teils in schönen, sehr stattlichen und
höchst dekorativen Exemplaren verbreitet sind und meist als aus griechischen
Originalsamen erzogen angegeben werden, so finden wir, je nach Boden und
Standort, üppige oder schwächer wachsende Bäume, die teils im Wuchs und
mit spitzeren, stumpferen, dichter oder weiter gestellten, schmaleren oder
breiteren, längeren oder kürzeren, unterseits mehr oder weniger weißen
Blättern abweichen. Auch eine als Abies Monte Draco in Kultur vorkommende
Form, mit kurzen, stumpfen, selbst an der Spitze gekerbten Blättern, dürfte
am richtigsten wohl bei A. cephalonica Apollinis eingereiht werden. Ob außer
A. cephalonica, deren Samen oft nicht keimen, in Deutschland zuverlässig
richtig bestimmte Formen schon Zapfen trugen, ist mir nicht bekannt
geworden. — Ich erhielt öfter Zapfen, die angeblich von var. Apollinis oder
Reginae Amaliae stammen sollten, aber nach den Merkmalen zu A. cephalonica
gehörten. Nach den bisherigen Erfahrungen dürfte es am richtigsten sein,
dieselben als örtliche Varietäten von A. cephalonica, aber nicht als
Arten zu unterscheiden, bis hoffentlich eingehende Studien im Vaterlande
und genau kontrollierte, ausgedehnte Aussaatversuche völlige Klarheit bringen.
Gartenexemplare, deren Herkunft oft nicht einmal mehr mit Sicherheit nach-
zuweisen ist, können nicht als Untersuchungsmaterial genügen.
Abies cephalonica robusta Carr. (Conif. 2. ed., p. 285 [1867]). Üppige
cephalonische Tanne.
Ein sehr üppiger Baum mit starken, langen, aufstrebenden Ästen, die
unteren sind herabgebogen, ziemlich weit und so gestellt, daß sie eine Spirale
bilden und zwar so, daß selten einer dem andern gegenübersteht. Zweige
zahlreich, dick und dicht mit Blättern besetzt; Blätter sehr dichtstehend, dick-
lich und steif, die der Äste sehr kurz zugespitzt, in eine stumpfe Spitze aus-
laufend, die der jungen Triebe breit, plötzlich nach der Spitze zu verdünnt,
134 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferea und Ephedra-Arten.
manchmal stumpf und wie abgestutzt, nach der Oberseite der jungen Triebe
gewendet und diese, wie es bei A. Nordmanniana der Fall ist, ganz deckend,
Unterseite blau-weiß. Dem ganzen üppigen Wuchs entsprechend sind die
Zapfen dick und lang ausgebildet, mit etwas breiteren, mehr vorragenden
Bracteen, sonst aber nicht abweichend.
Eine eigentümliche Form, die öfter bei Aussaaten beobachtet wurde,
z B. ein prächtiges Exemplar bei A. Leroy in Angers in Frankreich, welches
1867 bei 11 m Höhe 30 cm Durchmesser hatte, 20 Jahre alt war und auch
mir bekannt ist. Ein anderes schönes Exemplar von 8,20 m Höhe und
1,05 m Stammumfang befindet sich in Bois de Boulogne bei Paris (s. Revue
hört. 1889, p. 309), welches sich sofort durch üppigen, gedrungenen Wuchs
von allen anderen Bäumen dieser Art unterscheidet und eine breite, dichte
Pyramide bildet, trotzdem sie in magerem Kiesboden steht, außerdem hat sie sich
als die fruchtbarste aller in der Nähe befindlichen Abies erwiesen, denn sie
brachte mindestens 300 Zapfen.
Abies cephalonica rubiginosa Carr. (Conif. 2. ed., p. 285 [1867]).
Eine Form, welche nach Carriere in größeren Mengen bei Aussaaten
vorkommen soll und sich während der Entwickelung des jungen Triebes
auffallend dadurch unterscheidet, daß dieser, abweichend von der Art, bei
welcher er freudig grün erscheint, samt den Blättern dunkelrostfarbig auf-
tritt, eine kurze Zeit sehr in die Augen fällt und sich nach und nach, bis zur
Vollendung des Triebes, verliert.
Abies cephalonica submutica Bailly (Rev. hört. 1888, p. 578).
Eine gleichfalls im Bois de Boulogne bei Paris, und zwar in zwei Exem-
plaren von 7 und 10 m Höhe beobachtete Form, deren Zapfen im mittleren
Drittel eingeschlossene Bracteen zeigen, während sie am oberen und unteren
Drittel wie beim normalen Zapfen hervorsehen. Außerdem sind die Zapfen
kleiner, haben nur 10 — 12 cm Länge, sind mehr zylindrisch und an beiden
Enden weniger abgestumpft. Diese Form ist also ein interessanter Beleg dafür,
daß die Länge der Bracteen selbst bei der gleichen Art schwanken
kann, dieses Merkmal daher am wenigsten geeignet erscheint, um bei Ein-
teilung der Tannen eine hervorragende Rolle zu spielen, abgesehen davon,
daß dadurch die zunächst verwandten Arten bei der Aufzählung weit von-
einander getrennt aufgeführt werden (s. bei Abies die Gattungbeschreibung).
Abies cephalonica aureo-variegata hört.
Eine in Eisenberg (Böhmen) in Kultur gewonnene Form, bei welcher
vereinzelt goldbunte junge Triebe erscheinen.
Abies cephalonica aurea Carr. (Conif. 2. ed., p. 286 [1867]).
Eine Form, bei welcher die jungen Triebe eine schöne goldgelbe
Färbung zeigen.
Abies cephalonica Lk. x A. Pinsapo Boiss. (Rev. hört. 1889, p. 115).
Abbildungen von Zweigen und Zapfen in natürl. Größe, sowohl von den
Stammeltern wie vom Bastard, in „Hybrid Conif ers" von Masters in Journ.
of the Royal bort. Soc. vol. XXVI, 1 und 2 (1901). (Abies Vilmorini Mast.)
II. Klasse. Coniferae. 135
Nach Mitteilung von Bailly in der Revue horticole 1. c. bestäubte
Vilmorin in Verrieres im Jahre 1867 eine weibHche Blüte von A. Pinsapo
mit dem Pollen von A. cephalonica, zumal zu dem Zweck, um zu erfahren,
ob durch diese Bestäubung fruchtbare Mischlinge oder solche, welchen
die Fähigkeit, sich durch Samen fortzupflanzen, abgeht, erzielt würden. Die
Blüte der A. Pinsapo entwickelte einen Zapfen, der nur einen keimfähigen
Samen enthielt. Dieser Samen, sofort ausgesäet, ergab eine Pflanze, welche
im Jahre 1868 ausgepflanzt wurde und nach nunmehr 20 Jahren 1888 zuerst
Zapfen trug und folgende Charaktere zeigte:
„Sehr üppiger Baum, breit pyramidal, von 7,80 m Höhe und 0,90 m
Stammumfang, Rinde des Stammes rötlich, runzelig, die der Äste aschgrau,
glatt, an den jungen Trieben glänzend-rostfarbig, glatt. Äste genähert, quirl-
ständig, stark und sehr lang, die unteren und mittleren horizontal ausgebreitet
und mit den Spitzen aufwärts gerichtet. Zweige zahlreich, gegenständig zu
dreien oder quirlständig, seltener zerstreut, sehr lang übergebogen oder ganz
hängend. Blätter zerstreut, diejenigen der Unterseite der Zweige aufwärts
gerichtet, fast zweizeilig, alle lederartig, steif, lineal, leicht gebogen, 2 — 3 cm
lang, 3 mm breit, an den Zweigen fast spitz, an den Ästen zugespitzt stechend,
oberseits dunkelgrün, unterseits stark gekielt und blaugrün. Knospen dick,
kurz, stumpf, hellbraun beschuppt. Zapfen gerade, spindelförmig, am Grunde
verschmälert, kurz-kegelförmig an der Spitze, 14 — 16 cm lang, 4 — 5 cm breit,
an der ganzen Oberfläche die pfriemliche Spitze der Bracteen zeigend, selten
mehr als diese von der Bractee sichtbar. (Der von Masters 1. c. abgebildete
Zapfen von Abies Vilmorini Mast, ist 20 cm lang, 4^/2 cm breit und die
Bracteen sind gar nicht sichtbar; der üppige Zweig ist doppelt so stark
[bei gleicher Blattslellung] wie bei A. Pinsapo.) Zapfenschuppen dick, keil-
förmig, oben abgerundet, wellig, seitlich gezähnelt, Bracteen ziemlich lang
gestielt, lineal, dann dreieckig verbreitert, abgestutzt und in eine pfriemliche,
leicht übergebogene Spitze auslaufend. Samen dreieckig, glänzend -braun,
mit häutigem, schief abgestutztem Flügel, an einer Seite des Samens herab-
laufend."
Dieser Bastard gleicht in seiner ganzen Erscheinung, der Länge und
fast zweizeiligen Stellung sowie silberigen Färbung der Blätter, ebenso der
Form der Zapfen (mit etwas vorstehenden Bracteen) nach also weit mehr dem
Vater A. cephalonica, als der Mutter A. Pinsapo, von welcher er die starken,
zahlreichen und langen Verzweigungen, die abwärts geneigten Zweige und
die dicklichen Blätter hat.
Der Bastard brachte Zapfen, aber taube Samen, womit jedoch noch
nicht bewiesen sein dürfte, daß hieran nur der Bastard Schuld ist, denn
erstens sind die Samen genannter Tannen in Kultur oft und zum größten
Teil taub und in erhöhtem Maße ist dies bei Bäumen der Fall, die zum ersten-
mal Früchte bringen, also werden erst weitere Ernten abzuwarten sein.
Im Jahre 1900 brachte der Bastard denn auch zum erstenmal gute Samen
und man kann auf die daraus erzogenen Sämlinge gespannt sein. 1901 hatte
der Baum nach Philippe de Vilmorin I41/2 m Höhe erreicht.
Jedenfalls bietet dieser Baum botanisches Interesse, wenn er auch in
dekorativer Hinsicht, zu geringer Unterschiede halber, kaum weitere Beachtung
verdient.
136 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
In Partenit (Süd-Rußland), wo Abies cephalonica und A. Pinsapo unter
den günstigsten Bedingungen nebeneinander wachsen und sich gegenseitig
bestäuben, brachte A. Pinsapo stets keimfähige Samen, aber die daraus er-
zogenen Sämlinge ergaben nach Lieb Pflanzen, welche von A. cephalonica, dem
Vater, kaum zu unterscheiden waren; hier hatte also dieser ganz das Über-
gewicht über die Mutter, A. Pinsapo, behalten (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch.
1902, p. 75). Solche abweichende Sämlinge wurden auch an anderen Orten
beobachtet. Man vergleiche auch die normalen Sämlinge von A. Pinsapo.
4. Abies Pinsapo Boiss. (in Bibl. univ. de Geneve 1838 in Elench. PI. hisp.
No. 179; Voy. en Espagne II, p. 584, t. 167 — 169). Spanische Tanne,
Pinsapo. (Fig. 26.)
Syn. Picea Pinsapo Loud., Encycl. of Trees 1041 f., 1947—1948 (1842).
Pinus Pinsapo Boiss. in epist. und Ant., Conif. p. 65, t. 26 f., 2 (1844).
Abies hispanica de Chambr., Tr. prat. arb. resin. 339 (1845).
Pinsapo der Spanier.
Sapin d'Espagne der Franzosen.
Spanish Silver Fir der Engländer.
In Spanien, und zwar nach Willkomm nur in der Provinz Malaga in
der Gebirgsgruppe der Serrania de Ronda und zumal innerhalb der Sierra de
Yunguera oder Sierra de la Nieve in einer Erhebung von 974 — 1148 m einen
aus einzelnen Beständen und größeren geschlossenen Gehölzen bestehenden
Waldgürtel bildend, aber früher tiefer hinab verbreitet gewesen. In Algier
kommt die Pinsapotanne nicht vor und beruht diese Angabe auf Ver-
wechslung mit der nicht als Form zu A. Pinsapo zu stellenden A. numidica
de Lannoy (A. Pinsapo var. baboriensis Coss.).^)
Im Jahre 1839 in Kultur eingeführt.
Baum bis zu 25 m Höhe und bis über 1 m Stammdurchmesser. Der
verhältnismäßig starke Stamm ist meist vom Grunde an dicht beästet und es
wird eine breit- pyramidale Krone gebildet. Äste in regelmäßigen Quirlen
horizontal abstehend. Zweige zahlreich gegenüberstehend, zu dreien oder quirl-
ständig, seltener zerstreut, die jüngsten gelblich, glatt. Knospen eirund, mit
Harz überzogen. Blätter abwechselnd, sehr dicht und rings um die Zweige
gestellt, 8 — 13 mm lang, l^/g — 2 mm breit, lederartig, dicklich, fast flach ge-
wölbt, steif, spitz stechend, dunkelgrün, beiderseits mit wenig ins Auge
fallenden weißlichen Spaltöffnungslinien, mit kreisrunder, nicht gedrehter Basis,
sitzend. Männliche Blüten eirund, sehr zahlreich, dunkel -purpurrot, sehr
zierend. Zapfen aufrecht sitzend, zylindrisch-eirund-stumpf und kurz bespitzt,
hellbraun, 10 — 15 cm lang, 4 — 5 cm breit. Zapfenschuppen aus keilförmigem
Grunde fast dreieckig, oben abgerundet, Bractee aus verschmälertem Grunde
eirund zugespitzt, fünf- bis sechsmal kürzer als die Schuppe. Samen verkehrt-
eirund, kantig, dunkelbraun, 7 mm lang, mit breitem, verkehrt-keilförmigem,
bis 15 mm langem, hellbraunem, dünnhäutigem Flügel.
A. Pinsapo ist unstreitig eine der schönsten, eigentümlichsten und auf
den ersten Blick von anderen zu unterscheidende Tanne, welche unter günstigen
^) Vergl, L'Abies numidica par Trabut in Revue generale de Botanique par Gaston
Bonnier 1889. p. 405.
IL Klasse. Coniferae.
137
Pig. 26. Abies Pinsapo Boiss. im alten Botanischen Garten zu Berlin.
138 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten,
Bedingungen, d. h. geschütztem Stand, genügender Luftfeuchtigkeit und den
für einen Gebirgsbaum schon bei den vorstehend beschriebenen Arten er-
wähnten Bedingungen sich, trotz ihres südlichen Vorkommens, auch bei uns
zu herrhchen Exemplaren entwickelt, die in dichtbezweigten, regelmäßigen
Pyramiden, von mehr oder minder blau- oder graugrüner Färbung, oft fast
wie versilbert erscheinen. Unter diesen günstigen Bedingungen trägt sie oft
reichlich Zapfen und bringt auch keimfähige Samen und gesunde Sämlinge.
Interessant und weiter genau zu verfolgen ist der Umstand, daß solche Säm-
linge mit verschiedener Blattlänge und Blattstellung oft täuschend A. cepha-
lonica gleichen oder auch zwischen A. cephalonica und A. Pinsapo stehende
Bildungen zeigen, auch wenn eine Kreuzung beider ganz ausgeschlossen ist.
Ich berichtete darüber in den Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p. 145. In
rauhen Lagen bedarf sie in der Jugend des Schutzes, ist aber in größeren
Exemplaren meist widerstandsfähiger, sie erfordert Schutzpflanzung gegen
Sonnenbrand im Winter; eisige, rauhe Winde und scharfe Zugluft, wie sie
z. B. zwischen Gebäuden durchpfeift, fürchtet sie und werden hier oft Bäume
zum Teil entblättert. Strenge Winter töteten oft starke Exemplare oder ver-
unstalteten sie dauernd; zumal wenn die Spitzen stark litten, wurden die
Bäume oft struppig und unschön.
Im Boden nicht gerade wählerisch, fürchtet sie nasse kalte Lagen, gedeiht
gut in kalkhaltigem Boden und liebt freien Stand, vor allem einzeln oder zu
mehreren auf gut gepflegtem Rasen ist sie ein herrlicher Schmuck.
Über die Bastarde, welche A. Pinsapo sowohl mit A. Nordmanniana und
A. cephalonica gebildet hat, wolle man bei beiden genannten Arten nachlesen.
In der Färbung abweichend.
Abies Pinsapo glauca hört. Blaugrüne spanische Tanne.
Syn. Picea Pinsapo glauca hört.
Pinus Pinsapo glauca hört.
Eine herrliche Form, welche durch auffallend blaugrüne Färbung
besonders wirkungsvoll wird und sich außerdem durch den schützenden, bläu-
lichen, wachsartigen Überzug widerstandsfähiger zeigte; ein Umstand, den
wir auch bei anderen blauen Coniferenformen beobachten können. Wir finden
Prachtexemplare z. B. in Baden-Baden und an anderen günstigen Standorten.
Abies Pinsapo argentea hört.
Eine besonders auffallende, blaugraue bis silberfarbige Form, die
zumal im Schmuck der purpurroten männlichen Blüten sich reizend ausnimmt.
Abies Pinsapo variegata hört.
Syn. Picea Pinsapo variegata Gord., Pin. 160.
Pinus Pinsapo variegata Laws. ex Gord, 1. c.
Eine wenig schöne, unbeständige Form, mit teils gelblichen, teils
grünen Blättern.
Wuchsformen.
Abies Pinsapo Hamondii Veitch. (A Man. of the Conif. p. 105 [1881]).
Eine eigentümliche, abnorme Form mit kurzem Stamme, lang entwickelten,
weit über den Boden hingestreckten Ästen und kürzeren Zweigen
und Blättern wie bei der Art.
II. Klasse. Coniferae. 139
Abies Pinsapo pendula hört. Spanische Trauertanne.
Form mit herabhängenden Ästen.
Abies Pinsapo fastigiata hört.
Eine Säulenform mit langen, im spitzen Winkel aufstrebenden Ästen
und kurzen Zweigen, die sehr auffallend und charakteristisch ist. Ich sah ein
schönes Exemplar im Arboretum Segrezianum des Herrn Lavallee (Mitt.
d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 109.)
Abies Pinsapo pyramidata hört.
Eine niedrige Form mit aufstrebenden Ästen, so daß ein gedrungener
Kegel gebildet wird. Blätter der Art gleich.
Knospen harzig, Blätter stumpf oder ausgerandet; Zapfen groß, zylindrisch, vor der
Reife grünlich.
5. Abies numidica de Lannoy Carr. (Rev. bort. 1866, p. 106 und 168).
Numidische Tanne.
Syn. Abies Pinsapo var. baboriensis Cosson, Bull. Soc. bot. France 1861;
Ann. Soc. d'Acclim. 1863; Compend. Fl. Atl. 1881.
Abies baboriensis Letourneux, Cat. des arbr. et arbust. d'Algerie 1888.
Picea numidica Gord., Pin. ed. II, 220.
Sapin d'Algerie der Franzosen.
Algerian Silver Fir der Engländer.
In Nord-Afrika in Kabylien (Numidien der Alten) auf den Berggipfeln
des Tababor und Babor in einer Erhebung von 1600 — 2000 m und zwar
gemeinsam mit Cedrus atlantica, Taxus baccata, Acer obtusatum. Hex Aqui-
folium, Quercus Mirbeckii u. a. wachsend. Nach Carriere in nördlichen Lagen
auf Kalkfelsen, die oft nur mit dünner Humusschicht bedeckt sind und wo so
enorme Schneemassen fallen, daß der Schnee in den Schluchten oft das ganze
Jahr über liegen bleibt.
Im Jahre 1861 durch Capitaine de Guibert entdeckt, von Cosson für
eine Varietät der A. Pinsapo gehalten, von deLannoyals besondere Art erkannt
und benannt. Die ersten Samen wurden nach Carriere in Frankreich 1862
von Davout eingeführt.
Pariatore räumt dieser Tanne nicht einmal das Recht einer Varietät ein,
sondern wirft sie mit Abies Pinsapo zusammen. Die meisten Autoren stellen
sie, Cosson folgend, als Form zu A. Pinsapo. Trabut gibt nach eingehendem
Studium und Besuch der Fundorte in der Revue general de Botanique von
Bonnier 1889, p. 405 eine treffliche Abhandlung nebst Abbildungen, der ich
manches hier entlehne, und erklärt, daß A. numidica die einzige Tannen-
art dort sei, ferner, daß sie von A. Pinsapo so verschieden sei, wie A. cilicica und
A. cephalonica, ja daß sie sich weit mehr den letzten beiden Arten als
A. Pinsapo nähere, zumal aber A. cilicica, sowohl was die äußeren Vegetations-
organe, wie auch die anatomischen Merkmale anlange. Wie A. cilicica in
Gemeinschaft mit Cedrus Libani den cilicischen Taurus bewohne, so auch
bewohne A. numidica gemeinsam mit Cedrus atlantica, der nahen Verwandten
der Libanonceder, die Gebirge Algiers. — Es bietet somit A. numidica nicht
140 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
nur Interesse in betreff der systematischen Botanik, sondern auch in pflanzen-
geographischer Hinsicht.^)
Baum von 15 — 20 m Höhe, sehr verzweigter, dichter, regelmäßig pyra-
midaler Krone. Stamm stark und gerade, mit aschgrauer, leicht runzeliger
Rinde bekleidet; Äste zahlreich, quirlständig, sehr verzv^eigt, horizontal aus-
gebreitet. Junge Triebe glatt, gelblich-grün. Knospen dick, mit lockeren,
aschgrauen Schuppen, jung harzig, später, wenn ausgereift, trocken. Blätter
16 — 22 mm lang, 2^/2 mm breit, an jungen Pflanzen einspitzig, an älteren steif,
stumpf, mit dicklichen Rändern, am Grunde mehr oder minder gedreht, ober-
seits flach, an der Basis gerillt, dunkelgrün, nach der Spitze zu mit weißen
Spaltöffnungsreihen (ein gutes Merkmal), unten beiderseits des stark vor-
tretenden Kiels mit zwei bläulichen, zehnreihigen Spaltöffnungslinien. An den
oberen Ästen sehr zahlreich rings um die Zweige gestellt, durch die Drehung
am Grunde steif, bürstenförmig aufwärts gerichtet und öfter die untere Seite
des Zweiges freilassend. In den unteren Ästen weniger steif, oft sehr un-
gleich und zweireihig wie bei A. pectinata. Zapfen zu 4 — 5 auf den oberen
Ästen aufrecht, länglich -zylindrisch -stumpf, 16 — 20 cm lang, 4 — 6 cm breit.
Schuppen oben sehr breit, an den Seiten zu stumpfen Haken umgebogen,
plötzlich nach dem Grunde zu in einen Stiel ausgezogen, aschgrau, sehr leicht
abfallend. Bractee etwa halb so lang als die Schuppe, lineal, oben abgerundet
und kurz gespitzt; Samen verkehrt-eirund-keilförmig, 12 mm lang mit 18 mm
langem, nach innen abgerundetem, oben abgestutztem und nach außen sichel-
förmig verlängertem, schrotsägezähnigem Flügel.
A. numidica unterscheidet sich von A. Pinsapo durch längere, flache,
stumpfe, oben, an üppigen Pflanzen immer nach den Spitzen zu mit Spalt-
Öffnungslinien versehenen, am Grunde gedrehten Blättern, durch viel längere
Zapfen, durch die Zapfenschuppen mit den stumpfen Haken an den Seiten
(durch welche sie sich besonders A. cilicica nähert) und durch die größere,
lineale Bractee.
A. numidica ist eine sehr schöne, üppige, dunkelgrüne Tanne,
die schon in recht stattlichen Exemplaren auch in Deutschland vertreten ist
^) Trabut kommt zu dem Schlüsse: Die unstreitig sehr nahe verwandten Tannen der
Mittelmeerländer möchten einer einst sehr verbreiteten, später auf mehr und mehr voneinander
entfernte Stationen beschränkten Stammform (Abies intermedia Saporta? Tertiaire de Cantal.),
viel älter als Abies pectinata, entstammen, weiche gegen die Mittelmeerküsten und auf entfernte
Berggipfel verschlagen, wo sich Lokal-Rassen oder -Arten gebildet und erhalten, und ihre ur-
sprüngliche Beschaffenheit etwas geändert hätten, so daß man sie in strenger Auffassung noch
als Varietäten einer Art ansehen könnte. Er fügt aber hinzu, daß es besser sei, nach den jetzt
bestehenden Verhältnissen sich zu bemühen, die eigentümlichen Charaktere dieser
Formen scharf zu umgrenzen, als unter demselben Namen Individuen zu vereinigen,
die sicher nicht gleich sind, weder ihrem natürlichen Vorkommen noch ihrem
Verhalten in unseren Kulturen nach. —
Es wäre hier somit dieselbe Ansicht ausgesprochen, wie ich sie öfter betont habe. —
Dann sagt Trabut, daß es keine natürliche Einteilung sei, die Abies in zwei Sektionen, be-
gründet auf die Lage der Harzgänge in den Blättern, einteilen zu wollen (s. Bertrand, Anatomie
des feuilles de Coniferes Ann. sc, nat,, 5. Ser., t. XX, 1874), da die anatomischen Merkmale
wohl viel zur besseren Erkenntnis der Arten beitrügen, aber dahin führten, nahe verwandte
Formen zu weit voneinander zu trennen. — Der gleiche Umstand, der auch eintritt, wie ich
schon früher bemerkte, wenn man die Länge der Bracteen (ob über die Schuppe hervorragend
oder eingeschlossen") als Einteilungsmerkmal für die Tannen annimmt.
II. Klasse. Coniferae. 141
und sich widerstandsfähiger, härter als A. Pinsapo zeigte. Auf den ersten
Blick ähnelt sie A. Nordmanniana, aber die kürzeren, steifen, aufwärts ge-
richteten Blätter unterscheiden sie sofort. Wohl vermöge ihres Vorkommens
in hohen, rauhen Gebirgslagen und auf trockenem Boden scheint sie auch
bei uns gar nicht wählerisch zu sein und nach den bisherigen Erfahrungen
jedenfalls nicht empfindlicher wie die Nordmannstanne und Verwandte; sie
sollte daher zur Dekoration, bei seitlichem Schutz ganz freigestellt, recht aus-
gedehnte Verwendung finden.
Bemerkenswert sind an Kulturexemplaren Unterschiede in den
Blättern, welche in dekorativer Hinsicht die Pflanzen recht verschieden er-
scheinen lassen. So fand ich in der an Pflanzenschätzen so reichen D omaine
desBarres in Frankreich ein herrliches, tadellos gewachsenes Exemplar von
15 m Höhe bei 0,82 m Stammumfang, welches an weitgestellten Ästen und
Zweigen ganz kurze, starre, bläuliche, bürstenförmig nach oben gestellte
Blätter trug; durch die beiderseits sehr auffällig hervortretenden weißen Spalt-
öffnungsreihen wurde dem Baume ein Silberschimmer von seltener Schönheit
verliehen, auch erinnerte derselbe sehr an A. Pinsapo, wenn nicht die ganz
abweichende Gestalt, Astbildung und der Form der Zapfen gewesen wäre.
Zwischen dieser extremsten kurzblättrigen Form glauca konnten nun
wieder unverkennbare Zwischenformen bis zum normalen Baume beobachtet
werden (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 100 u. 104). i)
6. Abies cilicica Carr. (Conif. 2. ed., p. 307 [1867]). Cilicische
Tanne. (Fig. 27.)
Syn. Pinus cilicica Ant. et Kotschy, Ost. Bot. Wochenbl. Dec. 1853, p. 409.
„ Tschugatskoi Fisch, msc.
Abies Tschugatskoi Laws. ex Gord., Pin. Suppl. 50 (1862).
Picea cilicica Rauch, ex Gord., Pin. 1. c.
lUeden der Türken (nach Kotschy).
Tschugatskoi der Russen.
In Kleinasien auf den taurischen und karamanischen Gebirgen, zumal
in Cilicien, im nordwestlichen GüUek Boghus und am Südabhang des Bulgar
Dagh (Taurus) in einer Erhebung von 1300 — 2000 m, öfter gemischt mit Cedrus
Libani, ausgedehnte Wälder bildend, dann auf dem Antitaurus, dem Libanon
und in Afghanistan.
Im Jahre 1853 von Kotschy entdeckt und in Europa eingeführt.
Baum von 20 — 30 m Höhe mit vom Boden an beästeter, schmal-kegel-
förmiger Krone. Stamm mit aschgrauer, im Alter tiefrissiger Rinde, ein weiches,
aber dauerhaftes Holz liefernd, welches sich nicht wirft und zum Dachdecken
besonders verwendet wird. Äste sehr dicht und quirlständig, die unteren
horizontal ausgebreitet und übergeneigt, die oberen aufstrebend. Zweige zwei-
reihig gegenüberstehend, die jüngsten gelblich und glatt. Knospen mit Harz
bedeckt. Blätter 25 — 35 mm lang, 1^/2 — 2^/2 mm breit, lineal, ziemlich gerade,
an der Spitze abgerundet oder ausgerandet, am Grunde sehr gedreht, oben
glänzend dunkelgrün, unten mit bläulichen, siebenreihigen Spaltöffnungslinien,
^) Als Abies maroccanaTrabut ist neuerdings eine angeblich in der Tracht zwischen
A. numidica und'A. Pinsapo stehende Tanne beschrieben worden. Genaue Untersuchungen müßten
feststellen, ob hier eine neue Art oder etwa die oben genannten Abweichungen vorliegen.
J^42 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten.
fast zweizeilig, doppelt zwei-
zeilig, d e u 1 1 i c h g e s c h e i t e 1 1 ,
so daß der Zweig oben frei
bleibt, oder, nur an jungen,
üppigen Trieben, nach oben
stehend und den Zweig zum
Teil deckend. Zapfen aufrecht,
sitzend, zylindrisch - stumpf
und etwas vertieft an der
Spitze, 20 — 28 cm lang, 4 bis
6 cm breit, rötlich. Zapfen-
schuppen sehr breit, am
Grunde keilförmig, oben ganz-
randig, an den Seiten mit
stumpfen Haken und gezäh-
nelt (ähnlich wie bei A. nu-
midica). Bracteen spateiförmig
zugespitzt, über halbsolang als
die Schuppe. Samen verkehrt-
eirund, fast dreieckig, braun-
rot, 13 — 14 mm lang, mit gelb-
rotem, schief - keilförmigem,
18 mm langem Flügel.
Eine sehr schöne Tanne,
welche in ihrer Erscheinung
am meisten an A. Nordmanni-
ana erinnert, aber zierlicher
von Wuchs ist, dabei beson-
ders regelmäßige, dicht-
zweigige , kegelförmig - spitze
Pflanzen bildet, mit weniger
üppigen, dünneren Zweigen;
von ihr wie von A. pectinata
weicht sie durch die längeren,
schmalen, weniger gebogenen
Blätter, die meist glatten
jungen Triebe und die einge-
schlossenen Bracteen ab.
In deutschen Gärten sind
schon sehr schöne Exemplare
vorhanden (so z. B. auf der
Insel Scharfenberg ein schö-
ner, etwa 10 m hoher Baum),
die schnellen Wuchs und
freudiges Gedeihen zeigen, ja
in recht rauhen Lagen, aber
bei sonst günstigen Bedingungen, z. B. am Starnberger See, sah ich diese
Art nicht leiden. Dahingegen geben Veite h wie auch Carriere an, daß sie
Fig. 27. Abies cilicica Carr. auf der Insel Scharfenberg im
Tegeler See bei Berlin.
II. Klasse. Coniferae. 143
sowohl in England wie in Frankreich ihres frühen Treibens halber stets von
Spätfrösten leide. Veitch sagt sogar, daß sie in England gar nicht zur An-
pflanzung empfohlen werden dürfe und sich nur in ausnahmsweise günstigen
Lagen zu schönen Exemplaren entwickle. In Deutschland zeigten sich solche
üble Einflüsse weniger, wenn auch hier und da über Beschädigung durch
Spätfröste geklagt wird; somit kann A. cilicica, als eine besonders dekorative
Tanne, auf das wärmste zur Anpflanzung empfohlen werden.
Knospen harzig; Blätter einspifzig, off stechend oder jung gabelspifzig;
Zapfen vor der Reife grün.
7. Abies firma Sieb, et Zucc. (Fl. Jap. II, p. 15, t. 107 [1842]).
Japanische Tanne, Momitanne. (Fig. 28.)
Syn. Abies Momi Sieb., Verband, van het. Batav. Genotsch. XII, p. 12
(1830).
Abies bifida Sieb, et Zucc, Fl. Jap. II, p. 18, t. 109 (1842). Jugend-
form, Blätter gabelspitzig.
Pinus firma Ant., Conif. p. 70, t. 27 (1844).
„ bifida Ant, Conif. p. 79, t. 31 f., 2 (1844).
Picea firma Gord., Pin. p. 147 (1858).
Abies chensiensis van Tiegh. in Bull. Soc. Bot. Fr. 1891.
Momi der Japaner.
To momi der Chinesen.
In Japan nach Mayr in natürlicher Verbreitung bis zum 40.^ n. Br., ver-
einzelt in kleineren, reinen Beständen, aber meist in Laubwäldern; im südlichen
Teile kultiviert. In China gefunden in Shensi (von David), in Yunnan (von
Kanitz), in Korea (von Veitch).
Im Jahre 1861 von J. G. Veitch in Europa eingeführt.
Ein bis 50 m Höhe erreichender schöner Baum von pyramidalem,
A. pectinata ähnlichem Wuchs. Äste stark, horizontal-abstehend, hellbraun;
Zweige dichtstehend, junge Triebe gelbgrün, glatt, streifenweise kurz braun-
haarig. Knospen kegelförmig, mit Harz dünn überzogen. Blätter sehr ver-
schieden in Länge und Form, dichtstehend, fast zweizeilig, oder an üppigen
und fruchttragenden Trieben doppelzeilig und die oberen dann kürzer, steif,
derb lederartig (daher der Name firma), 20 — 30 mm lang, 2^/2 — 3 mm breit,
lineal, flach, gerade oder etwas gebogen oder leicht sichelförmig, mit schild-
förmiger Basis, kaum gedreht, stumpfspitzig oder schwach gekerbt (an den
fruchtbaren Zweigen), oder auch tief-gabelspitzig, also lang-zweispitzig
(an den unfruchtbaren Zweigen), auf diese Jugendform hin wurde der Name
A. bifida gegeben; oberseits schwach gefurcht, glänzend-dunkelgrün, unten
beiderseits des Mittelkiels hellgrün, nicht, wie bei den meisten Arten, mit
bläulich-weißen Spaltöffnungslinien gezeichnet, nur an üppigen Fruchtzweigen
werden die Unterseiten etwas bläulicher. Zapfen in Größe und Gestalt sehr
verschieden, zylindrisch, beiderseits stumpf, gerade oder etwas gekrümmt,
dunkelbraun, 8 — 15 cm lang, 3^/.2 — 5 cm breit. Zapfenschuppen am Grunde keil-
förmig, breit-nierenförmig, oben und an den Seiten abgerundet und unregel-
mäßig gezähnelt; Bractee aus breit-keilförmigem Grunde rautenförmig, lanzett-
lich-zugespitzt, oben unregelmäßig gezähnt, mit der Spitze die Schuppe
J^44 >^weiter Teil, Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
überragend. Samen verkehrt-eirund, keilförmig-eckig, hellbraun, dunkel ge
scheckt, mit breitem, bräunlichem Flügel.
Maximowicz" verwahrt sich dagegen, daß Masters seine A. holophylla
für synonym mit A. firma erklärt, da man diese schon an einer einzelnen
Zapfenschuppe unterscheiden könne, es überdies die einzige Tanne sei, die
Fig. 28. Abies flrma Sieb, et Zucc. 1 Zweig mit reifem Zapfen ; 2 Blatt (vergr.); 3 Zapfenscbuppe von
außen mit Bractee; 4 Samen. Alle Figuren nach einem Originalzapfen aus Japan.
stets an der Spitze ganzrandige (fichten-ähnliche) Blätter habe, während gerade
A. firma die am tiefsten gespaltenen Blätter unter allen Tannen besitze, die
aber niemals dolchartig zugespitzt und nicht seitlich gebogen seien (s. andere
Unterschiede bei der folgenden A. holopylla).
Nach Nakamura ist das Holz gelblich oder rötlich- weiß und gerade-
faserig; während das im Süden gewachsene von schlechter Qualität ist, soll das
im Norden gewachsene hart und elastisch an Güte dem von Tsuga fast gleich-
II. Klasse. Coniferae. 145
kommen. — In der Jugend langsam von Wuchs, wird A. firma in Japan viel
zur Zierde angepflanzt, wird dort auch durch Stecklinge vermehrt und häufig
künstlich zu den beliebten Zwergformen herangezogen.
In Deutschland hat sie sich in manchen Gegenden in harten Wintern
empfindlich gezeigt, litt auch, da sie frühzeitig treibt, zumal bei freiem Stand
ohne seitlichen Schutz, von Spätfrösten; an Orten, die im allgemeinen dem
Gedeihen der Tannen günstig sind, zeigte sie sich hingegen ziemlich wider-
standsfähig. Die herrliche Momitanne dürfte daher nur für die günstigsten
Lagen, also zumal für das Weinbaugebiet, bei uns als Schmuckbaum in Frage
kommen. Nach Mayr dürfte von einem waldbaulichen Nutzen kaum jemals
die Rede sein.
8. Abies holophylla Maxim. (Melanges biol. VI, p. 22 [1866]).
Ganzblättrige Tanne.
Syn. Pinus holophylla Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 424 (1868).
In der südöstlichen Mandschurei am Victoriabusen auf höheren Gebirgen
heimisch.
Wohl kaum in Kultur eingeführt. .
Baum im Wuchs der Abies pectinata oder der A. firma ähnlich. Junge
Zweige behaart. Blätter derb, dichtstehend, breit-lineal, flach, rundlich-ab-
gestumpft, unterseits gekielt und mit weißlichen Spaltöffnungslinien, die der
fruchttragenden Zweige seitlich gebogen und kürzer dolchartig-spitz, mit kreis-
runden Blattnarben und etwas hervorragenden Blattkissen. Zapfen seiten-
ständig aufrecht, zylindrisch oder länglich-zylindrisch-stumpf, Schuppen fast
wagerecht, mondförmig, aus kurzgestieltem Grunde plötzlich breit-herz-keil-
förmig-rundlich, seitlich geohrlappt-herabgebogen, lederartig, ganzrandig oder
kaum stumpf, schwach gezähnelt. Bracteen kaum halb so lang als die Schuppen,
vom Grunde an gleich breit, rundlich, ausgefressen, häutig, Rippe in eine
Stachelspitze auslaufend. Samen verkehrt-eirund-keilförmig, scherbengelb mit
fast gleichlangem, vierseitigem Flügel.
Die Merkmale, durch welche sie sich, nach Maximowiczs Angaben, von
A. firma unterscheidet, wurden bereits bei dieser angeführt. Die nahestehende
A. homolepis (A. brachyphylla) unterscheidet sich durch stets ausgerandete,
unten silberweiße, wenigstens doppelt so kurze, aber nicht schmälere, auf
wärtsstehende Blätter, durch schmälere Zapfen, mit doppelt kleineren und
fast doppelt so zahlreichen Schuppen, welche am Rande flach, plötzlich in
schmale seithche Ohrlappen übergehen und durch doppelt so kleine, schwärz-
liche (nicht scherbengelbe) Samen, besonders aber auch durch den gänzlich
abweichenden Habitus.
Nach dieser von Maximowicz gegebenen Beschreibung ist es recht
schwer nachzuweisen, ob diese Tanne etwa mit einer uns schon bekannten
Art zusammenfällt. Nach geringem Material, welches ich besitze und welches
den großen, scherbengelben Samen, den einspitzigen Blättern und einigen
Zapfenschuppen nach mit der Beschreibung sich deckt, dann auch nach
einem aus über London erhaltenen Samen erzogenen Sämling, der sehr üppige,
einspitzige Blätter zeigt, und augenscheinlich als zwischen A. firma und
A. homolepis stehend anzusehen ist, wäre es möglich, daß diese Art sich
später als mit A. umbilicata Mayr übereinstimmend herausstellte. Erst eine
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 10
146 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
weitere Entwickelung kann hierüber Klarheit geben. Vielleicht würden, be-
genauerer Untersuchung, in England noch Pflanzen von A. holophylla
Maxim, aufgefunden, die uns Aufschluß geben könnten.
9. Abies umbilicata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1894, p. 31).
Mitzuminetanne.
Syn. Abies umbellata Mayr (Druckfehler), Monogr. d. Abietin. d. jap.
Reiches, p. 34 (1890), mit Abbild.
Mitzumine-Momi; Heso-Momi; Urashiro-Momi der Japaner.
In Japan an wenigen Orten, am "Gipfel des Mitzumine-san im Chichibu-
göri (Musashi) gemeinsam mit A. homolepis in der Buchenregion, ferner mit
dieser im Jumonjitoge und in den Gebirgen von Hida und Kai.
Nach Mayr sind junge Pflanzen ohne Zapfen kaum von A. homolepis
zu unterscheiden, wie diese erreicht sie eine Höhe von etwa 40 m. Stamm
und Äste mit kleinschuppiger Borke, junge Triebe glänzend-gelbgrün, Knospen
spitz-kegelförmig, mit Harz bedeckt. Die ersten Blätter an jungen Pflanzen
gabelspitzig, unterseits nicht so kreideweiß wie bei A. homolepis. Blätter
am Leittriebe, kurz-rechtwinkelig-abstehend, mit einfacher Spitze; die der
Seitenzweige an der Unterseite gekrümmt und etwas nach aufwärts gedrückt,
an der Oberseite rechtwinkelig-abstehend, oder etwas nach rückwärts gedrückt;
an zapfentragenden Exemplaren an seitlichen Trieben 1,4 cm lang, 2 mm breit,
kleinste Blätter auf der Oberseite der gleichen Triebe 0,9 cm lang, an Trieben,
an denen die nächstjährigen Zapfen angelegt werden, seitlich 2,7 cm lang,
2,5 mm breit, kleinste Blätter auf der Oberseite des gleichen Triebes 1,5 cm
lang. Weibliche Blüte grün. Reifer Zapfen zylindrisch, 8 — 10 cm lang, 4 cm
dick wenn geschlossen, unmittelbar vor der Reife grün-gelb, an der Spitze
auffällig genabelt, daher der Name umbilicata. Bracteen etwas kürzer als
die Zapfenschuppen, garnicht oder nur unten am Zapfen in einem feinen
Spitzchen sichtbar, 20 mm lang, 7 mm breit, in der Mitte eingeschnürt,
Zapfenschuppe 3 cm breit, 3,3 cm hoch. Samen bräunlich-grün, 1 cm lang,
6 mm breit, mit einem 12 mm langen, fast vierseitigem, abgestutztem Elügel.
Diese Tanne steht ganz unverkennbar zwischen A. firma und A. homolepis.
Die Zukunft muß lehren, ob wir diese schöne Tanne echt besitzen?
In den Baumschulen finden wir große Quartiere davon, ja meist mehr als
von A. homolepis. Alle diese sind aber nur aus japanischen Aussaaten, ge-
stützt auf Mayrs Beschreibung, ausgesucht worden, und bevor die Bäume
keine Zapfen bringen, ist die Echtheit nicht nachzuweisen. Je nachdem
A. homolepis aus Samen oder durch Veredelung fortgepflanzt wird, zeigen
sich oft Unterschiede im Wuchs und in längeren oder kürzeren Blättern, die
sich erst später, wenn sich die Bäume charakterisieren, ausgleichen. Es ist
daher gar nicht ausgeschlossen, daß sich viele der als A. umbilicata in den
Handel gegebenen Tannen später als A. homolepis erweisen werden.
Jedenfalls sind diese sehr nahe verwandten Tannen für uns gleich-
wertig, und erst die Zukunft muß lehren, ob sie in dekorativer Hinsicht als
hinreichend verschieden in die Augen fallen oder ob A. umbilicata etwa nur in
wissenschaftlicher Beziehung Interesse bietet.
Daß zwei so nahe verwandte Tannen wie die genannten, die selbst in
der Heimat im Volksmunde den gleichen Namen tragen, im eingeführten
II, Klasse. Coniferae. J^47
Saatgut viel miteinander verwechselt werden, darf uns ja nicht wundern;
werden doch schon A. firma mit homolepis, diese wieder mit der ganz ab-
weichenden A. Mariesii und A. Veitchii fortdauernd noch verwechselt; auch
ist vielfach A. sachalinensis unter dem Namen A. Mariesii verbreitet worden,
daher bleiben dann spätere Irrtümer in den Baumschulen selbstredend
nicht aus.
Zapfen vor der Reife dunkelblau.
10. Abies homolepis Sieb, et Zucc. (Fl. Jap. II, 17, t. 108 [1842]).
Nikkotanne.
Syn. Pinus homolepis Ant., Conif. 78 (1846).
Abies Tschonoskiana Regel Ind. Sem. Hort. Petrop. (1865).
„ brachyphylla Maxim., Melanges biolog. VI, p. 23 (1866).
Pinus brachyphylla Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 424 (1868).
Picea brachyphylla Gord., Pin. ed. 2, p. 201 (1875).
Pinus Finnhonoskiana Neumann, Cat. ex Pariatore.
„ Harryana Mac. Nab., Proc. Royal Irish Acad., p. 689, t. 47
(1876).
Abies Veitchii hört, (nicht Carr.). ) _ , , ^ ^^
Picea Veitchii hört, (nicht Lindl.). ^" verwerfende, auf Ver-
„ firma hört, (nicht Gord.). f wechselung beruhende
„ pinnosahort. I Gartennamen.
Dakemomi und Urashiromomi der Japaner.
In Japan zwischen dem 36. und 38.^ im Gebirge innerhalb der Buchen-
region; 1854 von Siebold in Europa eingeführt.
Schöner Baum von 40 m Höhe. Äste regelmäßig quirlständig, horizontal
abstehend mit hellgraubrauner Rinde bekleidet, Zweige zweizeilig steif, ab-
stehend; junge Triebe hellgelb glänzend, grubig vertieft durch die an-
geschwollenen, herablaufenden Blattkissen. Blätter dichtstehend, an Sämlingen
erst gabelspitzig, an den oberen Zweigen mehrreihig, gescheitelt, den Zweig
oben freilassend, an der Oberseite viel kürzer, steif, kurz, gerade oder gebogen,
lineal, flach, auf schildförmiger Basis mit abgerundeter, ausgerandeter Spitze,
oberseits leicht gerinnt, hellgrün, unten beiderseits des vortretenden Längs-
kiels mit silberweißen Spaltöffnungslinien, 10 — 17 mm lang, 2 mm breit
(an jungen Pflanzen und üppigen Trieben jedoch weit länger, bis 3^/2 cm,
und meist sehr üppig); weibliche Blüten violett-rot, sehr zierend. Zapfen
aufrecht, sitzend, zylindrisch-stumpf, 8 — 9 cm lang, etwa 3 cm breit, reif purpur-
braun. Zapfenschuppen sehr zahlreich, genagelt, verbreitert-nierenförmig,
oben abgerundet, seitlich gezähnelt und plötzlich in schmale Ohrlappen über-
gehend, Bractee unten breit-lineal, oben kreisförmig verbreitert, unregelmäßig
gezähnt und kurz gespitzt, kaum halb so lang als die Schuppe. Samen ver-
kehrt-eirund-keilförmig, schwärzlich mit fast gleich langem, vierseitigem Flügel.
Von der nahestehenden A. firma weicht sie durch die Blätter, durch die
kleineren Zapfenschuppen und die Bracteen, die nur halb so lang als die
Schuppen sind, wie durch kleinere, schwärzliche Samen ab.
Eine schon allgemein beliebte, weit verbreitete, schöne, üppige Tanne,
die eine^sehr regelmäßige Pyramide bildet und im Wuchs A. Nordmanniana
ähnelt, sich ganz widerstandsfähig zeigte, schon in sehr stattlichen Exemplaren
10*
148 Zweiler Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
bis ZU 13 m Höhe in deutschen Gärten vorhanden ist, ja, unter anderen in
WörHtz, ebenso in den Baumschulen von Hesse in Weener (Ostfriesland),
wie an anderen Orten, schon Zapfen brachte,
Sie dürfte daher als harter, wertvoller Zierbaum sich immer mehr ein-
bürgern und verdient weiteste Verbreitung und Empfehlung. Das Holz, von
etwas rötlicherem Ton als das von A. firma, wird nach Mayr in Japan viel
genutzt, und käme auch* für uns zum forstlichen Anbau in Betracht, jedenfalls
aber in forstästhetischer Hinsicht wäre diese herrliche Tanne ein wertvoller
Baum. Es muß besonders betont werden, daß A. homolepis öfter in
den Gärten mit der ganz abweichenden A. Mariesii, wie auch mit
A. Veitchii verwechselt wird und zwar sowohl als Pflanze, wie auch als
Saatgut.
Knospen harzig; Blätter stumpf ausgerandet; Zapfen groß,
zylindrisch, vor der Reife dunkelpurpur.
11. Abies amabilis Fori). (Pin. Wob. p. 125, t. 144 [1839]; Engelm. in Gard.
Chron. 1880, p. 720f., 136-141; Sargent, Rep. on the For. of North. Amer.
1884, p. 213). Liebliche Tanne, Purpurtanne. (Fig. 29.)
Syn. Pinus amabilis Dougl, Comp. Bot. Mag. II, p. 93 (1825).
„ grandis Lamb., descr. of the gen. pin. 2. ed., III, t. 26 (1837)
(nicht Dougl.).
Picea amabilis Loud., Arb. IV, 2342f., 2247—2248 (1838).
Abies grandis var. densiflora Engelm. in litt.
White Fir der Amerikaner.
Im Tal des Fraserflusses und wahrscheinlich weiter nach Norden,
südlich längs des Kaskadengebirges im Washington-Territorium und Oregon;
auf dem Silberberge in der Nähe des Fort Hope am Fraserflusse entdeckte
im Jahre 1880 Dr. Engelmann in Gemeinschaft mit Professor Sargent und
Dr. Parry diese Tanne in einer Erhebung von 1300 — 1600 m und wenige
Wochen später bestieg Sargent denselben Berg, gerade südlich von den
Columbiafällen und fand sie genau an derselben Stelle, wo Douglas diese
Tanne 55 Jahre früher (1825) entdeckte und auch 1831 schon in Europa
einführte.
Nach Engelmann ein prachtvoller Baum, von welchem die größten
Exemplare an den Ufern der Gebirgsflüsse von 50 bis über 60 m Höhe und
1,30 m Stammdurchmesser vorkommen, vom Boden an beästet bilden sie
herrliche Kegel mit dunkelgrüner Belauhung und haben in der Erscheinung
große Ähnlichkeit mit Abies Nordmanniana. Die Rinde älterer Bäume ist
4 — 5^/2 cm dick, gefurcht und rotgrau, die jüngerer Bäume, welche weniger
als 100 Jahre alt sind, ist ganz dünn und glatt, hellgrau oder fast weiß, die
Äste sind ausgebreitet, die unteren abwärts gebogen und stark verzweigt. Die
Zweige sind durch die länglich-rhombischen Blattkissen runzelig und mehr
oder minder dicht dunkel flaumhaarig; Knospen rundlich, glänzend purpur,
mit Harz überzogen. Blätter dichtgedrängt, zumal die Oberseite der Zweige
ähnlich wie bei A. Nordmanniana deckend, 25 — 30 mm lang, in der Mitte
über dem Zweige etwas kürzer, sehr aromatisch, dunkelgrün, glänzend, oben
gerinnt und ohpe Spaltöffnungen, unten gekielt und mit zwei weißen Spalt-
öffnungslinien, mit flach gekerbter Spitze an den seitlichen und unfruchtbaren
II. Klasse. Coniferae.
149
Zweigen, an den Leit- und fruchttragenden Zweigen spitz (und nach den
Spitzen zu auch öfter mit wenigen Spaltöffnungen auf der Oberseite). Harz-
gänge nahe der Epidermis auf der unteren Seite. MännHche Blüten rot,
Fig. 29. Abies amabilis Forb. l Zweig mit Zapfen (nat. Gr.) aus den Cascade Mount. (Oregon), ge-
sammelt von Engelmann; 2 Blatt vom fruchtbaren Zweige; 3 unfruchtbarer Zweig; 4 Blatt vom un-
fruchtbaren Zweige; 5 Zapfenschuppe mit Bractee; 6 Samen.
weibliche dunkelpurpur. Zapfen dunkelpurpur (daher Purpurtanne), 11 — 14 cm
lang, 5^/2 — 7 cm breit, eirund-kegelförmig mit eingedrückter Spitze, Zapfen-
schuppen kaum breiter als hoch, Bracteen oft über halb so lang als die
Schuppen, verkehrt-eiförmig, plötzlich zugespitzt, oben tief purpurfarben;
Samen hell gelbbraun; Samenflügel schief-keilförmig, so lang wie breit
oder länger.
150 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Eine in den Gärten echt immer noch seltene, vielfach zumal mit
Abies magnifica Murr, verwechselte Tanne. Wie auch bei A. subalpina
erwähnt, begreift Pariatore in D. C. Prod. XVI, 2, p. 426 diese Art neben
anderen unter Pinus amabilis Dougl. Mc. Nab und andere kalifornische
Botaniker halten Abies magnifica Murr, für die echte A. amabilis, daher wurden
und werden von Samensammlern aus Kalifornien immer noch Samen-
sendungen von A. magnifica als A. amabilis verbreitet, wodurch
wieder große Begriffsverwirrung entstand und worauf der Praktiker be-
sonders aufmerksam gemacht werden muß. Um die Verwirrung voll
zu machen, sind auch A. grandis wie A. concolor mit der Form lasiocarpa
(A. lasiocarpa hört.) in den Gärten als A. amabilis verbreitet worden.
Es ist daher um so erfreulicher, daß nunmehr von obigen berühmten
Botanikern die echte A. amabilis untrüglich festgestellt und wieder aufge-
funden und auch neuerdings echte Samensendungen in Europa eingeführt
wurden.
Während diese herrliche Tanne von der 'ersten Einführung durch
Douglas nur sehr selten, selbst in England, in Kultur vertreten ist und lange
Jahre nur eine Vermehrung durch Zweigveredelung oder Ableger möglich
war, die neben schönen Exemplaren öfter auch kümmerliche, schlecht ge-
deihende, krüppelige Exemplare lieferten, welche, zumal in für Tannen un-
günstigen Lagen, langsam zugrunde gingen und daher ohne Grund für
empfindlich angesehen wurden, sind neuerdings schon kräftige Samenpflanzen
in Kultur vorhanden, so daß zu hoffen steht, daß A. amabilis, eine der
schönsten, edelsten, harten Tannen, bald die ausgiebigste Verwendung
finden wird.
In manchen Gärten sehen wir recht ansehnliche Exemplare von der-
selben, die allerdings öfter dem Zufall ihre Einführung verdanken und unter
den schon genannten falschen Benennungen eingeführt wurden.
Häufig finden wir auch in Kultur durch Verwechselung unter dem Namen
A. amabilis Pflanzen von A. nobilis, und zwar meist jugendliche Exemplare,
deren matt-bläuliche Blätter noch sehr flach vom Zweige abstehen und
viel kürzere, die Unterseite nach oben drehende Blätter den Zweig ober-
seits dicht zudecken. Auch die braunroten, abstehenden Knospenschuppen
ohne Harz bieten ein gutes Unterscheidungsmerkmal.
12. Abies Webbiana Lindl. (in Penny Cyclop. 7 [1833]).
Webbs Tanne. (Fig. 30.)
Syn. Pinus Webbiana Wall, in Lamb. Gen. Pinus III, 77, t. 44 (1832).
„ spectabilis Lamb., Pin. 2. ed., I, 54, t. 34 (1837).
„ tinctoria Webb. mscr.
Picea Webbiana Loud., Arb. IV, 2344 f., 2251—2253 (1838).
Abies spectabilis Spach., Hist. des veg. phan. XI, p. 422 (1842).
„ densa Griff, mscr.
„ Chilrowensis hört.
Pinus striata Hamilt. mscr.
Chilrow, raisalla, Gobria, salla. Dun shing im Himalaya genannt.
Sapin de l'Himalaya der Franzosen.
Indian Silver Fir der Engländer.
II. Klasse. Coniferae. 151
Nach Dr. Brandis (in Forest Flora p. 528) in Nord -Afghanistan und
Karifistan zwischen 2600 — 3000 m Erhebung. Im Himalaya vom Indus bis
Bootan ausgedehnte Wälder bildend, im Nordwesten rein oder mit Acer oder
anderen Laubhölzern gemischt, in hohen Lagen mit Betula Bhojpattra, oft
gemeinsam mit Picea Morinda und Pinus excelsa, in Panjab bis 1800 m hinab
und bis 4100 m aufwärts steigend, auf dem Chur ist die niedrigste Grenze
bei 3100 m. In Jaunsar, Garhwal und Kamaon sind die Grenzen zwischen
2800 und 4300 m. In den inneren Gebirgsketten von Sikkim und Bootan
bildet A. Webbiana mit Tsuga Brunoniana und Taxus zusammen mit Eichen,
großen Rhododendron und kleinen Bambussen die oberste Grenze der Coni-
feren- Wälder zwischen 3000 und 4300 m. In den äußeren Gebirgsketten steigt
sie nicht unter 3300 m hinab.
Im Jahre 1822 in Europa eingeführt.
Baum von 40 — 50 m Höhe bei 3 — 5 m Stammumfang, ja selbst 6 — 10 m,
mit dichter, zylindrischer Krone i) und dunkelgrüner Belaubung, so daß Wälder
im nordwestlichen Himalaya den Namen Schwarzwald erhalten haben. Bei
nicht zu dichtem Stand bis zum Boden beästet. Äste verhältnismäßig kurz,
horizontal abstehend, wodurch eine der Cypresse oder italienischen Pappel
ähnliche Kronenform entsteht. Die Rinde junger Bäume ist sehr dünn und
silbergrau, die älterer dunkelgrau oder braungrau und rissig. Das Holz ist
weiß, geruchlos, lockerfaserig und weich, dem Wetter ausgesetzt nicht halt-
bar. In Bootan wird es als Bauholz verwendet und wird von Sikkim nach
Tibet eingeführt; es spaltet gut, ist weiß, weich und wird seiner Dauerhaftig-
keit halber hoch geschätzt. Junge Triebe braun behaart, mit angeschwollenen,
heraublauf enden Blattkissen, 2) Knospen braunrot-glänzend, mit Harz überzogen.
Blätter lineal, flach, lederartig und steif, an der Spitze gekerbt oder zwei-
spitzig, oberseits glänzend-dunkelgrün, gerinnt, unten beiderseits des vor-
stehenden Mittelnervs mit silberweißen Spaltöffnungslinien, mehr oder minder
zweizeilig angeordnet, an üppigen Zweigen dicht, zwei- bis vierreihig oder
rings um die Zweige gestellt, die nach oben stehenden weit kürzer, 3 — 5^/2 cm
lang. Zapfen aufrecht, fast sitzend, zylindrisch oder eirund, öfter gehäuft,
stumpf, 12 — 17 cm lang, 4 — 6 cm breit, jung dunkelpurpur, reif braunrot mit
Harz Überflossen. Die Eingeborenen in Neapel gewinnen aus den jungen
Zapfen eine schöne violette Farbe. Schuppen dicht dachziegelig, genagelt,
breit-keilförmig oder verkehrt-eirund, oben abgerundet, ganzrandig. Bracteen
eingeschlossen, breit-lineal, oben fast kreisrund, ausgerandet und kurz ge-
spitzt, am Rande gezähnelt-gewimpert, Samen groß, länglich oder ver-
kehrt-eirund-eckig, mit doppelt so langem, breitem, verkehrt-eirundem, abge-
stutztem Flügel.
Abies Webbiana, zu Ehren des Kapitän Webb benannt, ist unstreitig
eine der herrlichsten Tannen und in Gegenden, wo sie unbeschädigt bleibt,
darf sie mit ihrer oberseits dunklen, unterseits silberweißen Belaubung wohl
als die schönste ihres Geschlechts bezeichnet werden. Leider kann sie für
Deutschlands Klima nuer Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
et fils in Beuvronne bei Orleans, wo etwa 10 m hohe, tadellose Exemplare,
mehr oder minder blau in der Färbung, auch in Wuchs und Blättern unver
kennbare Übergangsformen zeigten (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 107).
Herr Hesse in Weener (Ostfriesland) wiederum erhielt bei Aussaaten
von Abies concolor und A. lasiocarpa von beiden ganz charakteristische
Pflanzen und besitzt von ein und derselben Aussaat von A. lasiocarpa
200, jetzt etwa 2 m hohe Pflanzen, die sich alle ganz gleich und unverändert
erhalten.
Abies concolor var. lasiocarpa pendula hört.
Eine Form mit stark herabhängenden Ästen, die bei einer Aussaat
gefunden wurde und sehr auffallend ist.
Abies concolor var. lasiocarpa variegata hört.
Eine in den fürstlich Lobkowitzschen Baumschulen in Eisenberg
(Böhmen) gewonnene Form, deren Blätter oberseits prächtig bläulich-grau-
bunt erscheinen.
In der Färbung abweichend.
Abies concolor violacea hört.
Syn. Picea concolor violacea Roezl., Card. Chron. XII, 1879, p. 684.
Eine, wie schon ausgeführt, auf dem natürlichen Standort aufgefundene
und hier und da bei Aussaaten gewonnene herrliche weißblaue Form^
welche in dekorativer Beziehung durch ihre auffallende Färbung als die
schönste, den größten Kontrast in der Landschaft hervorbringende
Tanne bezeichnet werden muß und darin, neben der prächtigen Picea pungens
var. argentea, fast einzig dasteht. Sie ist doppelt wertvoll, da sie wie die Art
ganz hart ist und wäre nur zu wünschen, daß bei Aussaaten recht oft diese
auffallende Form gefunden werden möchte, damit sie immer mehr verbreitet
werde. Wir finden schon Prachtexemplare in deutschen Gärten, die auch
schon keimfähige Samen lieferten. Außer durch Veredelung hat man diese
schöne Form auch mit Glück durch Stecklinge unter Glas vermehrt.
Abies concolor violacea compacta hört.
Eine bei Aussaaten gewonnene, besonders gedrungene, rundlich-
pyramidale Form von großer Schönheit und gleich auffallender Färbung wie
die vorige.
Abies concolor violacea fastigiata.
Syn. Abies concolor violacea (glauca) compacta pyramidalis bort.
„ „ „ erecta hört, und erecta glauca hört.
Eine prächtige blaue Säulenform, mit im spitzen Winkel aufstrebenden
Ästen und kurzen Zweigen, eine auffällige Erscheinung, als eigentümlicher
Sämling bei Aussaaten gewonnen. Ich fand schöne Exemplare bei Simon
Louis freres in Plantieres bei Metz und bei Weiße-Kamenz i. S.
Abies concolor argentea Niemetz (Mitt d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 58).
Herr Niemetz in Temesvär (Ungarn), welcher bei Aussaaten von Abies
concolor abweichende Sämlinge, wie klein- und großblättrige, dünn- und breit-
blättrige, ebenso alle Abstufungen in der Färbung erhielt, fand auch eine
II. Klasse. Coniferae. IQl
ganz silberweiße Form, welche an Schönheit der Picea pungens argentea
gleichkommt. Die Mutterpflanze hat sich sehr schön entwickelt.
Abies concolor Wattezii (in Het. Nederl. Tuinbouwblad 1900, p. 421
und Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1901, p. 80 und 1903, p. 58).
Eine ganz eigenartige, von D. Wattez in Bussum (Holland) aus einem
Sportzweige an Abies concolor aufgefundene und durch Veredelung fort-
gepflanzte Form. Die Pflanze treibt matt-gelblich aus, erhält sich länger
in dieser Färbung und geht nach und nach in Silberweiß über. Das einzelne
Blatt zeigt auf den Oberseiten eine matt-silberne Verfärbung, unterseits tritt
ein grüner Kiel zwischen den Spaltöffnungsreihen hervor. Es darf dies wohl
als das stärkste Stadium des Verblassens der Blätter aufgefaßt werden. Die
Originalpflanze hat im Winter 1901 in ihrer zarten Färbung an den Blättern
gelitten, dürfte sich daher für geschützte Standorte empfehlen, bietet aber hier
eine ganz eigenartige, auffällige Erscheinung, die trotz ihrer Zartheit nicht
vom Sonnenbrand litt.
Abies concolor aurea (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p. 144).
Eine von Ansorge-Kl.-Flottbek in Kultur gewonnene schöne robuste
Form, welche im Mai im jungen Triebe ganz goldgelb gefärbt ist
und dann allmählich in eine silbergraue Färbung übergeht. Eine ganz außer-
gewöhnliche, reizende Erscheinung, als Schaustück frei auf Rasen gestellt.
Im Wuchs abweichend.
Abies concolor pendula Simon Louis (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1896, p. 64).
Eine von Simon Louis Freres in Plantieres bei Metz in Kultur ge-
wonnene schöne Trauerform, mit am Stamme stark abwärts hängenden
Ästen, so daß eine auffallende schmale, säulenförmig aufstrebende Form ge-
bildet wird, die sich ganz freigestellt gut ausnimmt.
Abies concolor fastigiata hört. (Rev. hortic. 1889, p. 428).
Eine durch aufstrebende Äste und kurze Bezweigung auffallende, schöne
und dekorative Säulenform, nicht der blauen, sondern der normalen Abies
concolor zugehörig.
Abies concolor globosa Niemetz (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1905, p. 212).
Eine von Niemetz in Temesvär in Kultur gewonnene runde Form, mit
gleichmäßig kurzer Bezweigung, die eine Kugel von 70 cm Durchmesser bildet,
auch wie vorstehende der normalen concolor zugehörig.
In den Blättern abweichend.
Abies concolor recurva (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1904, p. 135).
Eine von Grootendorst in Boskoop gewonnene eigentümliche Form,
deren Blätter an den jungen Zweigen alle rückwärts dem Zweige zu ge-
bogen sind, die Blätter der älteren Zweige sind 35 mm lang, an den jüngsten
Zweigen sind die untersten 30 mm lang und werden nach den Spitzen zu
immer kürzer, bis 10 mm, an den Knospen sind sie nur 5 mm lang. Alle
Blätter sind ausnahmslos scharf gespitzt und auffallend blau gefärbt.
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 11
162 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Abies concolor falcata Niemetz (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1905, p. 212).
Eine von Niemetz in Temesvär gewonnene eigenartige Form, deren
Blätter sämtlich sichelförmig aufwärts gekrümmt sind und der Pflanze
ein sehr auffälliges Ansehen geben.
Abies concolor brevifolia (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p. 144).
Eine von Ansorge-Kl. Flottbek als eigentümlicher Sämling aufgefundene
stattliche, üppige Form, mit kurzen^ derben, stumpfen, aber doppelt so
breiten Blättern wie bei der Art; eine abweichende, absonderliche Erscheinung.
15. Abies grandis Lindl. (in Penny Cyclop. I, p. 30 [1833]; Engelm. in Bot.
Calif. II, p. 118). Große kalifornische Tanne, große Küstentanne,
Tanne von Vancouver. (Fig. 34 u. 35.)
Syn. Pinus grandis Dougl. in Bot. Mag. Comp. II, p. 147 (1836).
Picea grandis Loud. Arb. IV, 2344 f., 2245—2246 (1838).
Abies Gordoniana Carr Conif. 2. ed., p. 298 (1867).
„ grandis de Vancouver Bridg.
„ species Vancouver hört.
„ amabilis Murr., nicht anderer Autoren.
„ oregona hört.
White fir (Weißtanne) der Kalifornier.
Vorzugsweise auf die nördliche pazifische Küste beschränkt, von der
Insel Vancouver (hier die einzige Tanne) und von Britisch-Kolumbien bis
Nord-Kalifornien, südlich bis Mendocino verbreitet, in den inneren Tälern
des westlichen Washington-Territoriums, in Oregon, im Kaskaden-Gebirge
unter 130 m Erhebung und auf der westlichen Abdachung des Felsengebirges.
Im Jahre 1831 von David Douglas in Europa eingeführt.
Nach Engelmann wahrscheinlich die größte bekannte Tanne, sie ist in
Oregon ein wichtiger Bauholzbaum, obgleich sein Holz geringer als das der
Douglastanne und der Sitkafichte ist.
Baum von 30, 60 bis über 90 m Höhe und 1 — 1,30 m Stammdurchmesser
mit glatter bräunlicher Rinde, eine schöne längliche Pyramide mit schlanken
Ästen bildend. Junge Triebe erst gelbgrün, fein weichhaarig, dann glatt und
gelbbraun, Knospen violett, länglich-eirund, von Harz überzogen, glänzend.
Blätter flach, lineal, gerade, oben rinnenförmig und glänzend dunkelgrün,
unterseits mit zwei blassen oder weißen Spaltöffnungslinien, an der Spitze
gekerbt oder stumpf, 3 — 5^/2 cm lang, an älteren Zweigen zweireihig kamm-
förmig, an jüngeren, üppigen Zweigen doppelreihig, dann die oberen kürzerdoch meist nicht keimfähige Samen brachten. Durch künstliche
Befruchtung sind öfter keimfähige Samen erzielt worden. In ungünstigen
Lagen dagegen findet man Abies nobilis häufig als Krüppel, die, ohne freudig
zur Entwickelung zu kommen, langsam dahinsiechen. — Wie schon Carriere
angibt, ist A. nobilis aus Samen ziemlich schwer aufzuziehen und recht
empfindlich, während Veredelungen und selbst Ableger (wie es in England
gebräuchlich ist) schöne, freudiger gedeihende Exemplare ergeben, zumal gilt
dies von der typischen A. nobilis, während die folgende Form meist besser
und üppiger gedeiht und daher für die Kultur weit wertvoller ist.
Van Geert in Antwerpen empfiehlt in seinem Verzeichnis 1889, p. 53 als:
Abies nobilis oregona eine neuerdings aus Oregon eingeführte
Pflanzensendung, welche sich angeblich der europäischen Kultur besser als die
früher eingeführte Art anpassen soll, ein Umstand, der sehr erfreulich wäre,
wenn auch die Bezeichnung oregona nicht glücklich gewählt ist, da A.
nobilis überhaupt nur in Oregon vorkommt, wie Engelmann dies aus-
drücklich betont.
Abies nobilis glauca hört.
Eine öfter bei Aussaaten gefundene, noch prächtiger dunkelblau
gefärbte Form, welche besonders auffallend und wirksam in der Landschaft
ist und, wie schon angeführt, sich in Kultur meist weniger schwierig und
üppiger von Wuchs als die typische Pflanze gezeigt hat. Prächtige bis 15 m
hohe Exemplare brachten, z. B. in Wiesenburg in der Mark, schon Zapfen und
reife Samen.
Abies nobilis argentea hört.
Eine leider zu seltene Form von prächtig blauweißer Färbung mit
Silberschimmer, wie sie ausnahmsweise bei Aussaaten gefunden worden
und daher meist nur durch Veredelung fortgepflanzt wird. Als ein ganz be-
sonderer, auffallender Schmuck kommt sie in der Färbung und Wirkung den
prächtigen Abies concolor violacea und Picea pungens argentea gleich und
jeder Gartenbesitzer darf sich glücklich schätzen, wenn er ein schön ent-
wickeltes Exemplar sein eigen nennen kann. Vereinzelt finden wir schon
stärkere Exemplare dieser auserlesenen Form, bei Herrn v. St. Paul in Fisch-
bach (Schlesien) trug dieselbe, befruchtet mit eigenem Pollen, schon Zapfen,
die Sämlinge waren aber fast ausnahmslos grün, ebenso im Park zu Wiesenburg
in der Mark, wo Prachtexemplare von 15 m Höhe Längstriebe von 1 m bilden.
172 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Abies nobilis robusta hört, (nicht Carr.).
Eine besonders üppige, schöne. Form, mit weit längeren, stärkeren
Blättern, die alle Empfehlung verdient. Sie gehört mit flachen Blättern zu
Abies nobilis und darf nicht mit A. magnifica Murr., zu welcher A. nobilis
robusta Carr. als Synonym gehört, verwechselt werden.
Knospen glatt, groß und spitz; Blätter steif, scharf gespitzt; Zapfen rundlich,
igelförmig; Bracteen in eine lange Granne ausgezogen.
18. Abies bracteata Hook, et Arn. (in Beeschey, p. 394 [1841]). Santa
Luciatanne, Tanne mit langen Deckblättern. (Fig. 39.)
Syn. Pinus venusta Dougl. in Bot. Mag. Comp. II, p. 152 (1836).
„ bracteata Don. in Linn. Transact. 17, p. 442 (1837).
Picea bracteata Loud., Arb. Brit. IV, 2348 f., 2256 (1838).
Abies venusta C. Koch in Dendr. II, p. 210 (1873).
Sapin ä bractees der Franzosen.
Santa Lucia fir der Engländer.
Silver fir der Amerikaner.
In Süd-Kalifornien, nur im Santa Luciagebirge in kühlen und feuchten
Tälern in nördlichen Lagen in einer Erhebung von 1000 — 2000 m vorkommend,
von Coulter zuerst entdeckt.
Im Jahre 1853 in Europa von Lobb eingeführt.
Ein hoher, schlanker, breit-pyramidaler Baum von 30 — 60 m Höhe und
0,30 — 0,70 m Stammdurchmesser. Stamm mit brauner Rinde bekleidet. Äste
zahlreich dichtstehend, die unteren überhängend, die oberen kürzer; junge
Triebe fuchsrot glatt, Knospen eirund zugespitzt, hellbraun, ungewöhnlich groß,
14 mm lang mit dachziegeligen Schuppen, Blätter dichtstehend, meist etwas
zweizeilig, gescheitelt, steif, gerade oder etwas gebogen, lineal oder lineal-
lanzettlich, flach, scharf gespitzt, 3—5 cm lang, 2 — 3^/2 mm breit, oben frisch-
grün glänzend, unten beiderseits des dicken Kiels an jüngeren Blättern mit
silberweißen, an älteren mit blasseren Spaltöffnungslinien gezeichnet. Männ-
liche Blüten hellgelb in Massen erscheinend, weibliche Blüten hellgrün. Zapfen
eirund bis fast zylindrisch-stumpf, hellrotbraun, 8 — 10 cm lang, 4 — 5^/^ cm dick.
Zapfenschuppen genagelt, aus keilförmigem Grunde nieren- kreisförmig, am
Rande abgerundet und gekerbt, Bractee hellbraun, keilförmig, verkehrt-herz-
förmig, die Seitenlappen ausgefressen-gezähnelt, die Mittelrippe in eine
lineale, blattähnliche, 2^/2 — 4 cm lange, 1^/2 cm breite Granne aus-
laufend, die, meist mit Harzklümpchen besetzt, dem Zapfen ein ganz eigen-
tümliches igelartiges Ansehen gibt. Samen dunkelrotbraun, keilförmig-läng-
lich-eckig mit verkehrt-eirundem, ganzrandigem, dünnem, hellrotbraun glänzen-
dem Flügel.
Nach Dr. Mayr ist das Holz außerordentlich schwer.
Nach Lobbs Mitteilung ist diese herrliche Tanne ein hervorragender
Schmuck der heimatlichen Wälder; an westlichen, nach dem Meere zu ab-
fallenden Abhängen wächst sie in tiefen Schluchten und bildet den oben be-
schriebenen mächtigen Baum, während sie ebenso auf den höchsten Berg-
ketten im rauhesten Klima noch in Felsentrümmern, die ihr kaum die nötigste
II, Klasse. Coniferae.
173
Nahrung zu bieten scheinen, gedeiht und gedrungene, buschige Bäume bildet,
die mehr einer Ceder als einer Tanne gleichen.
In vollkommener Entwickelung bietet Abies bracteata durch die von
anderen ihres Geschlechtes abweichende breit-pyramidale Gestalt und die eigen-
artigen, interessanten Zapfen eine Erscheinung, die kaum ihresgleichen hat.
174 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten,
In Pallanza am Lago Maggiore brachte ein 5 — 6 m hoher Baum schon
Zapfen und keimfähigen Samen. Nach Bredemeier (s. Gartenflora 1887,
p. 327) waren die Zapfen 10 — 14 cm lang und die Schuppen fielen sehr leicht
auseinander. Dieser Baum hat sich herrlich entwickelt und dürfte jetzt eines
der schönsten Exemplare in Europa sein.
Leider kann diese prächtige Tanne für Deutschland nur für die
günstigsten, geschütztesten Lagen zur Anpflanzung empfohlen werden. Als
Gebirgsbaum sagen ihr höhere Lagen, also Gebirgsgegenden, wo der Trieb
später eintritt und sich normal entwickeln kann, am meisten zu, während sie
in warmen Niederungen zu früh treibt und der junge Trieb dann meist durch
Spätfröste zerstört wird. Noch sehr selten in Kultur; man wird in obigem
Sinne etwa im Weinbaugebiet Kulturversuche machen müssen. Kleinere
Pflanzen sind zu schützen; trotzdem leiden sie oft noch in strengen Wintern.
In Frankreich wie in dem für empfindlichere Coniferen so günstigen
England finden sich unter günstigen Bedingungen schon schöne Exemplare,
aber selbst hier sind sie selten und scheinen nach Veitch nicht die Entwicke-
lung und Üppigkeit wie in der Heimat zu erlangen. Im südlichen und west-
lichen England, in günstigen Lagen in Schottland und Irland ist sie hart und
man findet hier prächtige Exemplare, welche die besondere Schönheit dieser
Tanne zeigen. In manchen Gegenden litt sie sehr von Spätfrösten, welche
die jungen Triebe zerstörten (Abbild, bei Kent in Veitch Man. of the Conif.
1900, p. 497).
Knospen rundlich, mit bläulichen Schuppen; Blätter sfumpflich oder scharf
gespitzt; Zapfen groß, zylindrisch, vor der Reife dunkelblau.
19. Abies religiosa Lindl. (in Penny Cyclop. I, No. 6 [1833]). Heilige oder
Oyamel-Tanne.
Syn. Pinus religiosa H. B. et Kth., Nov. Gen. et Spec. II, 5 (1815).
„ hirtella H. B. et Kth. 1. c. (wird als Varietät betrachtet) (1815).
Abies hirtella Lindl. in Penny Cyclop. 11 (1833).
Picea religiosa Loud., Arb. IV, 2249 f., 2257 (1838).
„ hirtella Loud., Arb. IV, 2349 (1838).
^ Oyamel der Mexikaner.
Auf den Gebirgen Mexikos und Guatemalas in einer Erhebung von
1300 m wachsend. Von Humboldt 1799 entdeckt.
Baum von 30 — 50 m Höhe und bis 2 m Stammdurchmesser mit grau-
brauner Borke. Äste ausgebreitet, mit zweizeiliger Bezweigung. Zweige hell-
rotbraun, junge Triebe behaart. Knospen kugelig, mit hellbraunen Schuppen.
Blätter lineal, stumpflich oder spitz, öfter gebogen, spiralig angeordnet, etwa
4^/2 cm lang, die unteren Äste fast zweizeilig, an oberen üppigen Zweigen
drei- bis vierreihig, oben dunkelgrün, unten silberweiß. Zapfen sitzend, läng-
lich-zylindrisch, 11 — 17 cm lang, 5 — 7 cm breit, erst dunkelviolett, wenn reif
dunkelbraun. Bractee mit dreieckiger, zugespitzter, umgebogener Spitze. Samen
mit schiefem, eirundem Flügel.
Eine herrliche Tanne, die aber für Deutschlands Klima kaum noch als
Freiland-Conifere angesehen werden kann. Carriere gibt an, daß sie in
Paris erfriert, während er unter günstigen Bedingungen in Cherburg schon
II. Klasse. Coniferae. 175
1867 einen 10 m hohen Baum anführt. Veitch bezeichnet diese Art als zu
empfindUch für Englands Klima und empfiehlt sie dort nicht mehr zur An-
pflanzung. In Cornwall, in Süd-Irland und einigen anderen Orten gedeiht
sie noch.
Knospen harzig; Bläffer weich, stumpf, ausgerandef; Zapfen klein,
dunkelpurpur.
20. Abies Fraseri Lindl. (in Penny Cyclop. I, No. 5 [1833].
Fräsers Balsamtanne.
Syn. Pinus Fraseri Pursh., Flor. Bor. Amer. II, p. 639 (1814).
Picea Fraseri Loud., Arb. IV, 2340 f., 2243—2244 (1838).
Abies balsamea ß Fraseri Spach., Hist. Veg. phan. XI, 422 (1842).
Double Balsam fir, She Balsam der Amerikaner.
Nach Sargent (vergl. Garden and Forest 1889, p. 472 u. 475, mit Ab
bildung eines Waldbestandes) nur auf wenigen der höchsten Abhänge des
AUeghany-Gebirges von Carolina und Tennessee in einer Erhebung zwischen
1600 und 2100 m vorkommend, öfter bedeutende Wälder bildend, aber sehr
lokal auftretend. Nächst der kalifornischen Abies bracteata ist sie in ihrer
Ausbreitung von den amerikanischen Arten am meisten beschränkt.
Im Jahre 1811 von Fräser, dem zu Ehren sie benannt wurde, in Europa
eingeführt.
Ein kleiner, kurzlebiger Baum, der 18 — 24 m Höhe und 0,60 — 0,70 m
Stammdurchmesser erreicht; Stamm mit hell-zimtbrauner und bei eintretender
Fruchtbarkeit mit grauer Rinde bekleidet. Einen regelmäßigen, dichtbezweigten
schlanken Kegel oder fast Säulenform bildend.
Es ist nicht leicht, auf den ersten Blick und ohne Zapfen Abies Fraseri
von der sehr nahestehenden, durch alle nördlichen Staaten Nord-Amerikas,
vom Atlantischen bis zum Großen Ozean, als einzige Tanne weit verbreitete
A. balsamea zu unterscheiden.
Die beiden Bäume ähneln einander sowohl in der Gestalt wie in den
Blättern und auch das Aussehen der Rinde an älteren Bäumen ist das gleiche.
Aber die Struktur der Blätter bietet, wie Engelmann festgestellt hat, Charak-
tere, welche dazu dienen, die beiden Arten zu unterscheiden; die von Abies
balsamea sind ziemlich arm an Hypodermzellen, welche an der Oberseite der
Blätter erscheinen, bei A. Fraseri hingegen finden sie sich in fast zusammen-
hängenden Lagen. Die beiden Arten sind übrigens sofort durch die Zapfen
zu unterscheiden: die von A. Fraseri sind kürzerund mehr eirund von
Gestalt, dunkelpurpur, weichhaarig, 3 — 5 cm lang, 2 cm breit, mit hell-gelb-
grünen, lang hervorsehendeii, übergebogenen Bracteen, so daß die
Zapfen ganz durch sie verdeckt sind, während die Bracteen der reifen
Zapfen von A. balsamea zwischen den Schuppen eingeschlossen sind, oder
selten und dann nur mit ihren Spitzen über die Schuppen hinaussehen. Die
weißen Spaltöffnungslinien auf der Unterseite der Blätter sind viel breiter
und zeigen bei A. Fraseri 8 — 12 Spaltöffnungsreihen, während sich bei A.
balsamea gewöhnlich nur 6 Reihen finden, ein Merkmal, durch welches nicht
fruchttragende Pflanzen beider Arten unterschieden werden können. Die
männlichen Blüten sind gelb und rötlich angehaucht.
176 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Nach H. P. Kelsey, Baumschulenbesitzer in Linville, Mitchell County
im Hochland von Nordwest -Carolina, sind die Blätter kürzer, dichter und
mehr nach oben gestellt als bei der verwandten Abies balsamea, während der
Wuchs dichter als bei letzter ist. Sie ist sehr selten echt in Kultur.
Dr. Mayr gibt die Blätter an den kurz-braunhaarigen Seitentrieben 2^/2 cm,
die an den Längstrieben oft nur 1 cm lang an. Die Knospen sind kugelig
mit Harz überzogen.
Wie Sargent meint, dürfte Michaux Abies Fraseri mit A. balsamea
verwechselt haben; eine treffliche Abbildung der ersteren findet sich im
Pinetum Woburnense 1839 und zwar eine 16jährige Pflanze aus der Samm-
lung des Herzogs von Bedford, aber es ist sehr fraglich, ob irgendwo noch
alte Pflanzen in Kultur sind. Dieser Baum ist kurzlebig und Pflanzen von
Fräsers Einführung dürften schon lange abgestorben sein, während in späteren
Jahren von A. balsamea in Pennsylvanien und Kanada gesammelte Samen,
wo häufig Exemplare anzutreffen sind, bei denen die Spitzen der Bracteen
wenig über die Schuppen hervorragen, allgemein als A. Fraseri verbreitet
wurden und erst vom Jahre 1880 an war das Arnold Arboretum bei Boston
imstande, von A. Fraseri einen Teil Sämlinge unter die Coniferenliebhaber
in den Vereinigten Staaten und in Europa zu verteilen.
Abies Fraseri bildet als Zierpflanze einen zierlichen, dichten Kegel;
was den Nutzwert anlangt, so besitzen wenige amerikanische Bäume so ge-
ringen Wert wie sie. In Massachusetts hat sie sich ganz hart gezeigt und
2 m hohe Pflanzen brachten schon Zapfen.
Nach vorstehenden Angaben von Sargent dürfte es wohl kaum einem
Zweifel unterliegen, daß die Mehrzahl der älteren Exemplare, die wir in
deutschen Gärten unter dem Namen Abies Fraseri finden, A. balsamea sind,
und daß die geringfügigen Unterschiede, nach denen man an Kulturexemplaren
zu suchen pflegt, um die angegebenen Merkmale zwischen A. Fraseri und
A. balsamea herauszufinden, nur je nach Boden und Standort auf besseres
oder schlechteres Gedeihen, oder die mit den Spitzen etwas vorstehenden
Bracteen, oder auch darauf hinauszuführen sind, daß selbst die öfter etwas
kräftiger wachsende und besser gedeihende, gerade am meisten abweichende
A. balsamea longifolia noch mit in Betracht kommt und öfter fälschlich als
A. Fraseri in den Gärten gefunden wird.
Von neuerdings eingeführten, echten Samen sind bereits kräftige
Samenpflanzen vorhanden, ebenso wurden junge Pflanzen aus Nord-Carolina
eingeführt, welche z. B. bei Hesse in Weener (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch.
1896, p. 64 und 1897, p. 91) schon Zapfen brachten, so daß wir Abies Fraseri
wieder zweifellos echt in Kultur besitzen.
21. Abies balsamea Mill. (Dict. No. 3 [1768]). Balsamtanne.
Syn. Pinus balsamea L., Spec. pl., p. 1421 (1753).
Abies balsamifera Mchx., Fl. Bor. Amer. II, 207 (1810).
Picea balsamea Loud., Arb. IV., 2339 f., 2240—2241 (1838).
Balsam Fir, Balm of Gilead Fir der Amerikaner.
Baumier de Gilead der Franzosen.
Balsam Fir der Engländer.
II. Klasse. Coniferae. 177
Durch alle nördlichen Staaten Nord-Amerikas vom atlantischen bis zum
großen Ozean als einzige Tannenart weit verbreitet, meist auf Bergen und in
sumpfigen Lagen gemeinsam mit Picea alba.
Im Jahre 1697 von Bischof Compton in Europa eingeführt.
Baum von 15 — 25 m Höhe mit schlankem Stamm, der ein leichtes,
weiches, wenig geschätztes Holz liefert und mit spitz-kegelförmiger Krone; an
der glatten, schwarzgrauen Rinde des Stammes bilden sich zahlreiche Harz-
beulen, die ein klares Harz enthalten und den sogen. „Kanadabalsam oder
Balsam von Gilead" liefern. Junge Zweige gelbbraun, flaumhaarig. Knospen
rundlich, dicht mit Harz überzogen, glänzend, wie lackiert (ein gutes Er-
kennungsmerkmal anderen Arten gegenüber). Blätter unregelmäßig zweizeilig,
an üppigen oberen Zweigen mehrreihig, öfter sichelförmig aufwärts gebogen,
lineal, flach, stumpf oder ausgerandet, auch ausgerandet zweispitzig, mit breit
kreisrunder Basis, oberhalb derselben gedreht, oberseits glänzend dunkelgrün
und gerinnt, an sehr üppigen Zweigen auch nach den Spitzen zu mit weiß-
lichen Spaltöffnungen, unten beiderseits des wenig vortretenden Mittelnervs
mit blauweißen Spaltöffnungslinien gezeichnet (aber weniger weiß als bei Abies
Fraseri), 15 — 28 mm lang, 1^/2 mm breit, gerieben außerordentlich aro-
matisch duftend. Männliche Blüten eirund-länglich-stumpf, gelb und rötlich
angehaucht, weibliche Blüten zylindrisch-kegelförmig, grünlich. Zapfen eirund-
länglich, stumpf, 6 — 10 cm lang, 2^/2 cm breit, jung dunkelviolett, reif grau-
braun, meist stark mit Harz überzogen; Zapfenschuppen genagelt, oben breit
abgerundet, auf dem Rücken flaumhaarig, Bractee fast kreisrund, gefranst
gezähnelt, mit pfriemenförmiger Spitze, eingeschlossen oder nur mit der Spitze
über die Schuppe hervorsehend. Samen keilförmig, dreikantig, 5 mm lang,
braun, mit breitem, dünnhäutigem, 10 mm langem Flügel.
Wie schon bei Abies Fraseri angeführt wurde, dürften alle unter letzterem
Namen bis zu den neuesten Einführungen in deutschen Kulturen befindlichen
Tannen A. balsamea sein, welche hier und da geringe Abweichungen zeigt,
je nach Alter und Gedeihen überhaupt sehr in den Blättern, Größe und
Färbung der Zapfen abweicht und auch in der Heimat mit eingeschlossenen
und nur mit der Spitze über die Schuppen vorstehenden Bracteen vorkommt,
auch Willkomm führt in Forstl. Flora p. 112:
Abies balsamea var. brachylepis Willk. (in Delect. sem. bort. bot. Dorpat. 1868).
auf, deren Zapfen klein, 4 — 5 cm lang sind, Deckblätter um ^/g kürzer als
die Samenschuppen, daher stets zwischen diesen verborgen, Samenflügel stets
schön purpurrot. Diese Form scheint zumal in den baltischen Provinzen
vorzukommen.
In unseren Kulturen finden wir Abies balsamea meist nur in Exemplaren
von 10 — 15 m Höhe; als Baum rauher, nördUcher Gegenden gedeiht er nur
freudig in hohen, frischen Lagen bei genügender Luftfeuchtigkeit, wir finden
ihn daher zumal in Gebirgsgegenden in schönen Exemplaren, die der strengsten
Winterkälte trotzen, schnell heranwachsen und reizende, zierliche, regelmäßige
Bäume bilden. Gruppen solcher ganz spitz-kegelförmiger, fast säulenförmiger
Bäume nehmen sich in der Landschaft ganz eigenartig aus; wir finden Pracht-
exemplare von 16 m Höhe in üppigster Bezweigung, ganz bläulich-silbern
schimmernd, von seltener Schönheit (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 20).
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 12
178 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Hingegen in warmen, eingeschlossenen, niedrigen Lagen, zumal in lufttrockenen,
heißen Ebenen kümmert A. balsamea stets gleich A. sibirica, wir finden sie
hier häufig mit verkrüppelten Zweigspitzen und verharzten Knospen, als elende
Büsche, die die Kultur nicht verdienen und sollte man in solchen ungünstigen
Lagen die Anpflanzung besser unterlassen.
Sie setzt reichlich Zapfen an, jedoch sind die Samen öfter nicht keim-
fähig. Wir besitzen in Kultur zweifellos Formen, welche besser als
andere gedeihen, was uns bei dem enormen Verbreitungsgebiet dieser Art
ja nicht wundern braucht, gerade diese werden oft fälschlich als A. Fraseri
bezeichnet, wie schon bei dieser angegeben wurde. Natürlich wird man solche
schöne volle Pflanzen besonders wertschätzen und bevorzugen.
Abies balsamea longifolia Endl. (Syn. Conif. 103 [1847]).
Syn. Picea balsamea longifolia Booth ex Loud., Encyclop. of Trees
1044.
Abies ivalensis hört. aliq.
Diese Form ist durch etwas längere, schmalere und meist stumpfe
Blätter von der Art verschieden, pflegt kräftig zu wachsen mit etwas mehr
aufstrebenden Ästen und dürfte, wie schon erwähnt, öfter fälschlich für Abies
Fraseri gehalten werden, der geringen Abweichungen wegen, die sie von der
Art zeigt.
Abies balsamea macrocarpa (Garden and Forest V, 274 und X, 510).
Eine Form, deren untere Äste sich länger erhalten, die Blätter sind
länger und stehen dichter und die Zapfen sind größer als bei der Art.
Wuchsformen.
Abies balsamea hudsonica Sargent und Engelm. (in Trans, of the Acad. of
Science of St. Louis 1878).
Syn. Abies Hudsoni Carr. Conif. p. 271 (1867).
Picea Fraseri Hudsonia Knight., Syn. Conif. 39 (1850).
Abies hudsonica Bosc.
Picea hudsonica hört.
Eine unfruchtbare Zwergform, welche nach Engelmann auf den
weißen Bergen in New-Hampshire oberhalb der Baumgrenze gefunden wurde.
Sie bildet in die Breite wachsende, schwarzgrüne Büsche, welche auch als
alte Exemplare ganz niedrig bleiben und sich über dem Boden ausbreiten.
Äste sehr dichtstehend. Zweige zahlreich, kurz. Blätter kurz, breit und flach,
oben gerinnt, stumpf oder an der Spitze ausgerandet, oben schwarzgrün, unten
blaugrün. Wie andere Zwergformen wächst sie leicht durch Stecklinge, auch
durch Ableger und ist wohl meist auf diesem Wege durch Seitenzweige ver-
mehrt worden, da Kopfpflanzen sehr selten vorkommen und auch kein freudiges,
aufstrebendes Wachstum zeigen. Nach Koch, Dendrol. II, p. 216 sollen auf
Abies pectinata veredelte Exemplare in die Höhe wachsen und nicht zwergig
bleiben.
Diese schwarz grünen Zwerg büsche sind zu Kontrasten geeignet
und finden ihren Platz am besten an Abhängen oder zwischen Felsen.
II. Klasse. Coniferae. 179
Abies balsamea prostrata hört.
Syn. Picea balsamea prostrata Knight., Syn. Conif. 39 (1850).
Eine niederliegende Zwergform mit zahlreichen weitschweifigen,
zerstreuten Ästen, welche der var. hudsonica sehr nahesteht.
Abies balsamea nana hört.
Syn. Abies balsamea globosa hört.
Eine hübsche, zierliche, rundliche Zwergform mit dichtstehenden
ausgebreiteten Ästen und kurzen, dichtstehenden, stumpfen, dunkelgrünen,
unten blauweißen Blättern. Weniger schwarzgrün wie die var. hudsonica,
läßt sie mehr die Zugehörigkeit zu Abies balsamea erkennen.
Abies balsamea columnaris Frahm (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903,
p. 60 u. 94).
Syn. Abies balsamea pyramidalis hört.
Eine von Frahm in Elmshorn (Holstein) gewonnene schöne Säulen-
form von kräftigem Wuchs, mit kurzen, an den Spitzen aufwärtsgerichteten
Ästen und nur 5 mm langen Blättern, welche noch für die rauhesten Lagen,
bei den angegebenen günstigen Verhältnissen, eine willkommene Bereicherung
sein dürfte.
Abies balsamea denudata Carr. (Conif. 2. ed., p. 294 [1867]).
Eine merkwürdige Form mit aufstrebendem Mitteltrieb , fast ohne alle
Verzweigung, welche in der Baumschule von Cochet in Suynes in Frank-
reich aufgefunden wurde.
Abies balsamea nudicaulis Carr. (Conif. 2. ed., p. 294 [1867]).
Eine gleich der vorigen merkwürdige, monströse, üppige Form, welche
eine dicke Rute, ohne eine Spur von Verzweigung, darstellt und mit
dicken, angedrückten, zugespitzten Blättern dicht besetzt ist. Sie wurde in
den Baumschulen von A. Leroy in Angers (Frankreich) in Kultur gewonnen.
In der Färbung abweichend.
Abies balsamea glauca (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 121 und
1900, p. 99).
Eine an verschiedenen Orten aufgefundene schöne üppige, bläuliche
Form, bei welcher nicht nur die blauen Spaltöffnungsreihen schärfer hervor-
treten, sondern dieselben auch auf den Blattoberseiten erscheinen.
Abies balsamea coerulea Carr. (Conif. 2. ed., p. 294 [1867]).
Ein pyramidaler Strauch mit sehr* kurzen Ästen. Blätter 12 — 18 mm
lang, abstehend und in zwei Reihen angeordnet, oben dunkelblaugrün,
unten silberweiß.
Abies balsamea lutescens Schwerin (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 94).
Eine von Oberforstrat Ganghofer in Augsburg aufgefundene Form;
zwei Pflanzen wurden gewonnen und zeigen, soweit sie der Sonne ausgesetzt
12*
j^gO Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
sind, eine strohgelbe Färbung der Blätter, die später etwas verblaßt, aber
doch recht auffällig wirkt und sich auch beständig zeigte.
Abies balsamea variegata hört.
Syn. Picea balsamea fol. var. Knight. (Syn. Conif. 39 [1850]).
Eine zarte, zwergige, gelbbunte Form, die sich zumal gegen Sonnen-
brand empfindlich zeigt. An verschiedenen Orten in Kultur gewonnen, öfter
als dichte, breite Kegelform, findet man Pflanzen von beständiger oder unbe-
ständiger, gelbbunter Färbung.
Abies balsamea marginata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1894, p. 24).
Eine von Schröder in Moskau gewonnene Form, welche im jungen
Triebe regelmäßig gelblich-gerandete Blätter zeigt.
Abies balsamea argentea hört.
Eine Form mit weißgespitzten Blättern.
Abies balsamea x sibirica Schröder (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1897, p. 48
und 1901, p. 84).
Erst vom Autor als Abies sibirica parvula mitgeteilt (Mitt. d. d. dendr.
Gesellsch. 1897, p. 23). Die Pflanzen sind aus Samen, die im Agrarinstitut
in Moskau gesammelt wurden, entstanden; sie bilden gedrungene Kegel mit
kurzen Zweigen und kleinen Blättern, sie wurden sowohl unter Sämlingen
von sibirica, wie auch von balsamea gefunden, im ersten Falle zeigen die
Pflanzen gelbe, im zweiten Falle rötliche Knospen. Nicht recht erklärlich
ist es, warum die Pflanzen so klein und gedrungen bleiben, allerdings scheinen
einige auch höher werden zu wollen. Schröder möchte die Pflanzen als
Bastarde ansehen; sollten hier nicht etwa doch nur gedrungene Kegel-
formen von beiden Arten als eigentümliche Sämlinge vorliegen? Schröder
nennt seine A. sibirica parvula eine um die Hälfte verkleinerte A. sibirica,
auch sind Übergänge zu der normalen A. sibirica vorhanden, das spricht doch
sehr für Zwergformen.
22. Abies subalpina Engelm. (in Amer. Nat. X, p. 554 [1876];
Syn. Amer. Firs Trans. Acad. St. Louis 1878, p. 597). Westamerikanische
Balsamtanne. (Fig. 40.)
Syn. ? Pinus lasiocarpa Hook., Flor. Bor. Amer. II, p. 163 (zum Teil)
(1840).
Abies lasiocarpa Nutt. ex Safgent, Forest. Trees 1874, p. 211
(nicht Lindl. und hört.) und Sylva III, p. 138 (1849).
Abies bifolia Murr, in Proc. Hort. Soc. Loud. III, p. 320 f., 51—56
(1863).
Pinus amabiHs Pari, in D.'C. Prod. XVI, 2, p. 426 (zum Teil) (1868).
Picea bifolia Murr, in Gard. Chron. 1875, p. 106.
Abies subalpina fallax Engelm., Form aus Süd-Kolumbien.
Balsam fir der Amerikaner.
Im Tal des Stakhinflusses, in Alaska bis zum 60. ^ nördl. Br., durch
Britisch-Kolumbien und das Kaskaden-Gebirge, bis Nord-Oregon; durch die
II, Klasse. Coniferae.
181
blauen Berge von Ore-
gon und die Gebirge
von Idaho , Montana,
Wyoming, Utah und
Kolorado, das Kas-
kaden-Gebirge von Ore-
gon, am Kolumbiaflusse,
im Galton -Gebirge bis
2300 m Erhebung, an
der Ostseite des Kas-
kaden-Gebirges bis zum
49.0 nördl. Br. nicht
selten bis zu 2000 m
ü. d. M. Sie tritt über-
all zerstreut auf, ohne
allein größere Waldbe-
stände zu bilden; an
der Baumgrenze bildet
sie einen Strauch.
Nach Engelmann
ist Abies subalpina
der A. balsamea nahe
verwandt und er be-
trachtet sie als den
westlichen Vertreter der
letzteren; sie bildet stär-
kere Bäume von 20 bis
über 30 m Höhe bei
0,65 m Stammdurch-
messer, von schmalke-
gelförmiger bis säulen-
förmiger Gestalt (Mitt.
d. d. dendr. Gesellsch.
1904, p. 29, mit Abbil-
dung eines Bestandes),
das Holz ist weich und
geringwertig. Die jungen
Zweige sind graubraun,
weichhaarig, die Knos-
pen sind breit-eirund-
stumpf, braun und mit
Harz überzogen. Die
Blätter stehen oft mehr-
reihig, sind lineal, nach
der Spitze etwas ver-
breitert, fast spatelig,
gespitzt oder flach gekerbt, oberseits gerinnt und an üppigen Zweigen, zumal
nach den Spitzen zu, mit silberigen Spaltöffnungsreihen, ein sehr gutes Er-
Fig. 40. Abies subalpina Engelm.
182 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
kennungsmerkmal, unten, beiderseits des wenig vortretenden Mitteln ervs,
mit bläulichen, fünf Spaltöffnungsreihen zeigenden Linien, 15 — 25 mm lang,
1^/2 mm breit. Die Blätter der fruchttragenden Zweige sind scharf gespitzt.
Männliche Blüten dunkelblau in violett übergehend, weibliche dunkelviolettrot.
Zapfen aufrecht, zu mehreren beieinander, eirund-länglich, oben und unten
verschmälert, an der Spitze abgerundet, etwa 9 cm lang, 8^/2 — 4 cm breit,
dunkelpurpur, weichhaarig; Zapfenschuppen genagelt, fast kreisrund, oben ab-
gestutzt und ganzrandig, Bractee gestielt, fast kreisrund, gezähnelt mit langer,
pfriemenförmiger Spitze, ^/g so lang als die Schuppe. Samen keilförmig mit
breitem, halbrundem, dünnhäutigem, zweimal so langem, dunkel glänzendem
Flügel, welcher genau so lang und breit wie die halbe Schuppe ist, also diese
vollständig deckt.
Nach dem vorhandenen Material ist nicht mit Sicherheit mehr fest-
zustellen, was Hooker unter seiner Pinus lasiocarpa verstanden hat. Nach
den Regeln der Priorität müßte der ältere Name Abies lasiocarpa Nutt. den
Vorrang haben, aber abgesehen davon, daß die Tanne unter dem Namen
A. subalpina jetzt neuerdings eingeführt und allgemein verbreitet ist, würde
auch der Verwechselung in den Gärten mit A. lasiocarpa Lindl. und hört.,
der Form der Sierra Nevada von A. concolor, kein Ende sein und deshalb
ist es geratener, Engelmanns Namen festzuhalten. Nach Veitch sollen auch
Samen dieser Art unter dem Namen A. grandis eingeführt sein, weshalb es
möglich wäre, daß Pflanzen unter diesem Namen sich noch in den Gärten
vorfänden.
In deutschen Gärten sind schon recht ansehnliche Pflanzen vertreten,
deren Entwicklung nach zu urteilen die Einführung etwa Ende der vierziger
Jahre erfolgt sein dürfte. Es sind kräftige, pyramidale, kurz und dicht ver-
zweigte, ziemlich langsam wachsende, aber üppig gedeihende, ganz harte,
dekorative Pflanzen mit eigentümlich bläulichem Schimmer, welcher sie sofort
als etwas Besonderes erkennen läßt. Den bisherigen Erfahrungen nach ver-
dient diese schöne Tanne die weiteste Verbreitung und wärmste Empfehlung.
Pflanzen, welche im jungen Triebe von Frost getroffen wurden, litten nicht
im mindesten, während andere Coniferen böse mitgenommen wurden. In
lufttrockenen, heißen Lagen zeigen sich Mißbildungen an den Triebspitzen,
ähnlich wie bei anderen Tannen aus kühlen Regionen.
Abies subalpina coerulescens Fröbel.
Nach Zabels Mitteilung eine von Fröbel in Zürich in Kultur gewonnene,
besonders schöne Form, bei welcher ein stark bläulicher Anflug sehr
auffallend hervortritt, auch in den Baumschulen von Koster&Cie. in Boskoop
(Holland) ist bei Aussaaten eine stark blauweiß schimmernde Form ge-
wonnen worden. Purpus fand auch im Vaterlande bei 3300 m Erhebung
herrliche, blaue, üppige Exemplare, bei denen Blatt- und Zapfenlänge
schwanken, in der Färbung finden sich alle Farbenabstufungen bis zum
schönsten Blauweiß.
Abies subalpina Beißneri Hesse (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1902, p. 46).
Eine von Hesse in Weener in Kultur gefundene Form, deren Blätter
sämtlich sichelförmig gebogen sind und sich ringeiförmig ineinander rollen,
II. Klasse. Coniferae. 183
mit den Spitzen gegen den Zweig gerichtet, so daß jeder Zweig eine Locke
bildet. Da die blauen Blattunterseiten alle nach außen gedreht sind, ist die
Pflanze ganz hellblau gefärbt, so daß diese eigenartige „Lockentanne" recht
in die Augen fällt.
Abies subalpina compacta (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 64).
Eine dicht bezweigte, ganz regelmäßige blaue Kugelform. Ich
kenne Exemplare von 1 m Durchmesser, die sich sehr gut ausnehmen und
unter günstigen, genügend luftfeuchten Bedingungen für regelmäßige Gärten
erwünscht sein müssen. Herr Ordnung in Eisenberg sandte 1898 die Ab-
bildung eines bei ihm gefallenen Sämlings, welcher 8 Jahre alt eine Kugel
von 35 cm darstellte.
23. Abies arizonica Merriam (Proceed. of the Biol. Soc. Washington X,
p. 115—118 [1895]; Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1897, p. 54). Arizonatanne,
Korktanne.
In Arizona im San Franciscogebirge zwischen 2725 — 3000 m Erhebung,
am Walker Lake crater und im Hendrickgebirge. Im Sommer 1889 bei einer
biologischen Besichtigung von C. Hart. Merriam entdeckt, doch erst im
Jahre 1896 konnte er Zweige mit Zapfen und Rinde erlangen.
Mittelhoher, seltener kleiner Baum gegen 15 m hoch und selten mehr
als 30 cm Stammdurchmesser. Rinde ein sehr elastischer faseriger Kork,
weißlich oder grau von Farbe, gewöhnlich rahmweiß (an Korkeiche erinnernd).
Junge Triebe gelbgrün, mit Harz überzogen, Blätter an zapfentragenden
Zweigen dick, fast dreieckig im Durchschnitt, scharf gespitzt, etwa 20 mm
lang. Blätter der unteren Äste viel länger und flacher, stumpf und an der
Spitze gekerbt, 25 — 30 mm lang. Zapfen dunkelpurpur, dünn, mittelgroß oder
selten klein, die gesammelten waren 50 mm lang, 20 mm breit. Zapfen-
schuppen viel breiter als lang, stark seitlich konvex (Abbildungen zugleich
mit den mehr langen Schuppen und kleineren, längeren, gespitzten Bracteen
von Abies subalpina Engelm. zum Vergleich), beiderseits purpur. Bractee
(ohne Granne) bis zur Mitte oder über die Mitte der Schuppe reichend, die
ganze Bractee viel breiter als lang.
Die nächste Verwandte ist Abies subalpina Engelm., für welche der
Autor anfänglich die Arizoriatanne hielt, aber erstere ist verschieden durch
die Blätter der unteren Äste, durchschnittlich viel kürzer als bei A. arizonica;
die Rinde ist hart, gewöhnlich dunkelgrau, braun oder weißlich gefleckt. Die
Zapfen sind größer und die Schuppen und Bracteen weichen sehr ab in
Gestalt und Verhältnissen.
Abies arizonica ist ein viel kleinerer Baum als A. subalpina. Beide
sind hochnordische Arten der hudsonischen Zone, obgleich A. arizonica nicht
die obere oder den Baumgrenzengürtel dieser Zone erreicht.
Purp US, welcher zuerst Samen dieser herrlichen Tanne einführte, gibt
in der „Gartenwelt 1901, p. 427" nochmals eine Beschreibung und auf einer
Farbentafel Abbildung von Prachtexemplaren, welche die herrliche weiß-
blaue Färbung und die kerzengeraden Stämme eines Bestandes veran-
schaulichen. Er kann nicht genug die Schönheit dieses wunderbaren Baumes
rühmen, die alles übertrifft was er bisher in dieser Hinsicht gesehen. Diese
184 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Korktanne wächst in Beständen meist gemischt mit Pinus flexilis James und
Pseudotsuga Douglasii Carr. Die Rinde ist nicht bei allen schön weiß, am
schönsten an Bäumen der mittleren Region und solchen, welche nicht zu sehr
im Schatten stehen. Die charakteristische Rinde zeigt sich erst an Bäumchen
von 1 — 2 m Höhe. In der unteren bis zur mittleren Region ist sie, außer
genannten Coniferen, noch mit Populus tremuloides, in der oberen mit Picea
Engelmannii und Pinus aristata vertreten.
Purpus nennt auch eine alpine Form, die sich, den hohen Lagen
entsprechend, durch gedrungeneren Wuchs, auffallend silberweiße Be-
laubung und schneeweiße Korkrinde unterscheidet, aber mit keinem besonderen
Namen belegt werden sollte. In den blauen Färbungen finden sich ebenso
alle Übergänge bis zu den schönsten Blauweißen.
Sargent hält Abies arizonica nicht genügend von A. subalpina ver-
schieden, um sie als besondere Art zu unterscheiden, ja er hält sie sogar für
identisch mit A. subalpina, denn er erwähnt sie nicht einmal bei dieser in
seinem „Manual of the trees".
Wir besitzen von dieser schönen, einzig dastehenden Tanne schon
kräftige junge Pflanzen, die an günstigen, genügend luftfeuchten Standorten,
wie die nächstverwandten hochnordischen Arten, ein gutes Gedeihen zeigen
und weiter versprechen. Ob bei uns in Kultur der herrliche Schmuck der
rahmweißen Rinde, wie in den hohen Lagen an den heimatlichen Standorten
dereinst auch gut ausgebildet zur Geltung kommen wird, muß die Zukunft
lehren. Die stärksten Kulturexemplare zeigen schon Korkbildung.
24. Abies sibirica Ledeb. (Fl. alt. IV, p. 202 [1833]). Sibirische Tanne.
Syn. Pinus Picea Pall., Fl. Roß. I, p. 7 exkl Syn. et pl. caucas (1784).
„ Pichta Fisch, ex Lodd., Cat. 1836, p. 50; Endl., Conif. 108 (1847).
sibirica Turcz., Cat. Baikal. No. 1067 (1838).
Picea Pichta Loud., Arb. Brit. IV, 2338 (1838).
Abies Pichta Forb., Pin. Wob. 109, t. 37 (1839).
Abies Semenowii Fedtsch; Bot. Zentralbl. 1898, No. 7 und Mitt.
d. d. dendr. Gesellsch. 1898, p. 29 und 1903, p. 63.
Pichta der Russen.
Ak-cherschal der Tartaren.
Chadsura der Mongolen.
Sapin de la Siberie der Franzosen.
Siberian Silver fir der Engländer.
In Nord- und im mittleren Ost-Rußland, durch die Gebirge Sibiriens^
Dahuriens, Kamtschatkas und der Mongolei am Amur, hier mit Picea obovata,
Larix dahurica und Picea ajanensis und Birken Wälder bildend, zumal aber
im Altaigebirge in einer Erhebung von 650 — 1300 m bedeutende Wälder
bildend und bis über 1700 m aufsteigend.
Im Jahre 1820 in Europa eingeführt.
Baum, der im Vaterlande 30 — 40 m Höhe erreichen soll, bei uns aber
weit niedriger bleibt, mit schlank-kegelförmiger Krone. Stamm mit glatter,
schwärzlich-grauer Rinde bekleidet. Äste quirlständig, untere überhängend,
mittlere wagerecht abstehend. Zweige sehr dichtstehend und dicht mit Blättern
bedeckt, glatt. Knospen rundlich, braungelb, dicht mit Harz überzogen, Blätter
IL Klasse. Cöniferae. 185
weich, 15—27 mm lang, 1^/^ mm breit, lineal, flach, an der Spitze ausgerandet
oder stumpf, oberseits dunkelgrün glänzend, unterseits mit weißlichen Spalt-
öffnungslinien, die an älteren Blättern mehr verschwinden, an den Seiten-
zweigen fast zweizeilig, oberseits aufrecht abstehend, an den oberen und
fruchtbaren Zweigen meist sichelförmig aufwärts gekrümmt, spitz. Männliche
Blüten kugelig- zylindrisch, leuchtend gelb und rötlich angehaucht. Zapfen
aufrecht, sitzend, länglich-walzenförmig-stumpf, 6 — 8 cm lang, 3 cm breit, jung
purpurfarbig, reif hellbraun, meist mit Harz überflössen; Zapfenschuppen ge-
nagelt, breit-keilförmig, oberer Rand abgerundet und gezähnelt-gewimpert, an
den Seiten gezähnelt- gefranst. Bractee fast kreisrund an der Spitze aus-
gerandet und kurz gespitzt, am Rande gezähnelt, kaum halb so lang als die
Schuppe; Samen verkehrt-eirund-eckig, 6 — 7 mm lang mit purpurfarbigem,
10 mm langem dünnhäutigem Flügel.
Eine in unseren Kulturen in der ersten Jugend langsam wachsende,
aber zierliche Tanne, ähnlich den beschriebenen Balsamtannen, von besonders
schlankem, schmal-kegelförmigem Wuchs, welcher neben den weichen
schmalen Blättern ein besonders gutes Erkennungsmerkmal ist. Wir finden
in günstigen, d. h. freien hohen Lagen, bei genügender Luft- und Boden-
feuchtigkeit, schöne Exemplare von etwa 10 — 15 m Höhe, die auch Zapfen
und zum Teil keimfähige Samen bringen. Unter solchen ihr günstigen Be-
dingungen sollte man diese Tanne mehr anpflanzen, denn gut entwickelt ist
sie in der Landschaft eine sehr schöne Erscheinung.
Nach besonders harten Wintern in rauher Lage am Starnberger See
fand ichAbies sibirica zwischen gebräunten Tannen, Fichten und Schwarz-
kiefern in schönen stolzen Exemplaren prächtig grün und nicht im mindesten
beschädigt hervorragen. — In ungünstigen trockenen, zu warmen Lagen, be-
sonders in lufttrockenen Ebenen dagegen finden wir die sibirische Tanne
meist als Krüppel mit verkümmerten Spitzentrieben, sie treibt sehr zeitig aus
und der junge Trieb leidet von Spätfrösten; solche Pflanzen verdienen den
Platz im Garten nicht und man sollte, wo die günstigen Kulturbedingungen
fehlen, diese Tanne besser garnicht anpflanzen.
Zum forsdichen Anbau kann sie des zu langsamen Wuchses halber nicht
empfohlen werden.
Abies sibirica alba Fisch.
Syn. Abies Pichta longifolia hört.
„ „ alba hört.
Picea Pichta longifolia hört.
„ sibirica alba hört.
Eine Form mit längeren und auf der Unterseite weißeren Blättern,
welche im höheren Altai vorkommen soll.
Einen Beleg dafür, daß da wo Bäume normal gedeihen und ihre ganze
Kraft und Schönheit entfalten, auch in Kultur leicht abweichende Formen
entstehen, erbringen die nachstehend verzeichneten, von Schröder in Moskau
gewonnenen Formen (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1894, p. 23).
Abies sibirica candelabrum Schröder.
An den unteren Ästen bilden sich aufrechte Nebenstämme mit regel-
mäßigen Quirlen, was nach Schröder bei der sibirischen Tanne in geringerem
Grade öfter vorkommt, besonders auf fettem, nassem Boden.
186 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Abies sibirica monstrosa Schröder.
Eine monströse Form, an welcher sich kurze, büschelige Triebe entwickeln.
Abies sibirica pendula Schröder.
Eine Trauerform mit stark abwärts hängenden Ästen und Zweigen,
von denen die untersten dem Boden aufliegen.
Abies sibirica pyramidalis hört.
Eine Form mit aufstrebenden Ästen, von einer Gärtnerei in St. Peters-
burg in wenigen Exemplaren verbreitet.
Abies sibirica parvula Schröder.
Eine in allen Teilen um die Hälfte verkleinerte Abies sibirica,
von welcher Übergänge zur normalen Pflanze vorhanden sind. Es ist dies der
schon bei A. balsamea genannte mutmaßliche Bastard: A. balsamea x sibirica
(nach Schröders Meinung).
Abies sibirica pumila vel nana Schröder.
Eine Zwergform, die einen niedrigen Busch ohne Mitteltrieb darstellt.
Abies sibirica glauca Schröder.
Eine Form von auffallend bläulicher Färbung und nach oben ge-
drehten Blättern; auch in dieser Form vermutete Schröder einen Bastard
mit balsamea.
Eine schöne blaue Form wurde ferner bei einer Aussaat in Crenzow
(Pommern) gewonnen, ferner:
Abies sibirica compacta glauca, ein dichter, blauer Zwergkegel mit
kurzen Zweigen und derben, kurzen Blättern (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1907,
p. 44).
Abies sibirica variegata Schröder.
Eine bunte Form, bei welcher einzelne Triebe gelblich-weiß er-
scheinen. Eine ähnliche bunte Form fand auch Herr Gebbers in Wiesen-
burg i. Mark.
Abies sibirica elegans hört.
Syn. Abies Pichta elegans hört.
Eine in den fürstl. Lobkowitzschen Baumschulen in Eisenberg (Böhmen)
in Kultur gewonnene schöne Form von gedrungenem, araukarienähnlichem
Wuchs, die Blätter sind etwas kürzer, von derberer Beschaffenheit und mit
silberartig schimmernden Rändern.
25. Abies nephrolepis Maxim. (Mel. biol. VI, p. 22 [1866]).
Mandschurische oder Nierenschuppige Tanne.
Syn. Abies sibirica var. nephrolepis Trautv. ex Maxim., Primit. Flor,
amurens p. 260 (1859).
In der russischen Mandschurei auf Höhenzügen am Strande häufig, im
Süden der Provinz Mukden, in den Gebirgen der Bureja, am unteren Amur
und längs der tartarischen Meerenge. Wohl kaum in Kultur eingeführt.
II. Klasse. Coniferae. 187
Nach Maximowicz eine Abies Veitchii nahestehende Art. Blätter dicht-
stehend, Hneal-flach, unten gekielt, zwischen dem verdickten Rande und dem
Kiel silberweiß, an den Spitzen ausgerandet, oder an fruchttragenden Zweigen
zuweilen zugespitzt, mit kreisrunden Narben und wenig hervorragenden Blatt-
kissen. Zapfen seitlich, aufrecht, klein, zylindrisch oder eirund-zylindrisch-
stumpf. Zapfenschuppen fast horizontal, dicht dachziegelig, mondförmig, die
Platte der Bracteen abgerundet, kaum abstehend, mit dem Mucro immer kürzer
als die Schuppe.
Sie ist nahe verwandt Abies Veitchii Carr., welche sich unterscheidet
durch längere, immer ausgerandete Blätter, durch größere, immer zylindrische
Zapfen, horizontale, sehr zahlreiche, nur am Rande sehr hervorragende Zapfen-
schuppen, die ausgeprägt mondförmig, doch auch an der Basis mondförmig
ausgeschnitten sind, durch größere, den Schuppen gleiche Bracteen, deren
Platten, schräg abstehend, breiter als lang sind.
Sie nähert sich ein wenig der Abies sibirica Ledeb., aber diese unter-
scheidet sich sehr durch die um die Hälfte längeren Blätter der unfruchtbaren
Zweige und die immer spitzen, seitlich gebogenen, dickeren Blätter der
fruchtbaren Zweige, durch größere, breitere, oft eirunde oder eirund-
zylindrische Zapfen, durch die Schuppen, welche dachziegelig, weniger- zahl-
reich, am Rande breit hervorstehend, dreimal größer, keilförmig-trapezoid,
am Rande mehr gerundet gesägt sind. Der Flügel der Samen ist verlängert,
fast gleichseitig und nicht säbelförmig.
Nach Komarow in Flor. Mandsch. I, p. 204 (1901) (s. Mitt. d. d. dendr.
Gesellsch. 1903 p. 63) ist Abies nephrolepis ein schlanker Baum mit sehr
heller, glatter Rinde und dichter Krone, von Wuchs kleiner als die mit ihm
untermischt wachsenden Pinus koreensis und Picea ajanensis. Sie meidet
versumpften Boden und wächst fast ausschließlich an Bergabhängen, nirgends
bildet sie Waldungen, hebt sich aber durch ihre helle Rinde, die dunkeln
Blätter (ungeachtet der blauweißen Linien auf den Unterseiten) und die zahl-
reichen, anfangs rötlichen, später schwarzvioletten aufrechten Zapfen, auffällig
von den anderen Coniferen ab. An der Südgrenze ihrer Verbreitung trifft
man sie nicht unter 600 m ü. d. M. Masters hält unseren Baum für eine
Varietät von A. Veitchii Carr., macht aber aus A. sachalinensis eine besondere
Art, welche von Sctimidt als A. Veitchii var. sachaHnensis beschrieben ist,
während doch die Unterschiede zwischen A. nephrolepis und A. Veitchii
nicht geringer sind, nur daß Masters keine guten Exemplare von ersterer
hatte. Maximowicz nannte zuerst seine Abies von den Quellen des Lifundin
Abies Veitchii mandschu^ica (im russischen Herbar), trennte sie aber
später, nach genauer Untersuchung als besondere Art ab, nahestehend der
A. Veitchii, die aber wenig mit A. sibirica gemein hat.
26. AMes gracilis Komarow (in Flor. Mandschur. I, p. 203 [1901],
Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 62). Kamtschatkatanne.
In Kamtschatka im August 1890 gesammelt.
Baum mit glatter, weißlicher, glänzender Rinde, dünnen, zierlichen
Zweigen und dicht stehenden, flachen, an den Spitzen ausgerandeten, linealen,
unterseits blassen (nicht weißen und hechtblauen), 1—2 cm langen, 1^/^ cm
breiten Blättern. Reife Zapfen 2,5 — 5 cm lang, zylindrisch, Schuppen nieren-
188 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra- Arten.
förmig, unten sammetweich, sehr dicht mit kurzen, rotgelben Haaren bedeckt,
Bracteen lang, scharf-gespitzt, verkehrt-herzförmig, am Rande zerschlitzt, Flügel
so lang wie die Samen, an der Spitze abgestutzt. Komarow fügt dieser
Beschreibung hinzu:
„Die mit rötlichem Flaum bedeckten Zapfenschuppen stellen die kamt-
schatische Tanne der sachalinischen näher, die Bracteen der letzteren sind
aber viel stärker entwickelt, da hier ihre Länge gleich den Zapfenschuppen
ist, ihre Breite ist ebenfalls sehr ansehnlich.
Im Herbarium des botan. Gartens in St. Petersburg hat Abies gracilis
zwischen Exemplaren von A. nephrolepis gelegen, sie steht aber viel näher
zu A. sachalinensis, die mit Recht als gute Art bezeichnet wird, dem Bau
der Blätter nach steht sie sogar näher der A. sibirica und unterscheidet sich
scharf von A. nephrolepis.
Allgemeines haben sie nur in der nierenförmigen Gestalt der Zapfen-
schuppen, was der ganzen Gruppe von Abies Veitchii gemeinsam ist."
Zapfen klein, dunkel-olivengrün.
27. Abies sachalinensis Mast, (in Gard. Chron. 1879, p. 588 cum ic).
Sachalintanne (Fig. 41).
Syn. Abies Veitchii var. sachalinensis Fr. Schmidt. Reisen im Amur-
land und auf der Insel Sachalin in Mem. de l'Acad. Imp. des
Scienc. de St. Petersb. VII, Ser. Tom. XII, No. 2.
Todomatzu; Awo-todo der Japaner.
Auf der ganzen Insel Sachalin, besonders im Westen und Süden mit
Picea ajanensis den Hauptbestandteil der Wälder ausmachend. In Japan auf
Kokkaido.
Im Jahre 1879 von Maries in Europa eingeführt.
Baum von 40 m, höher wie Abies Veitchii mit schlanker Krone und
längeren, horizontalen Ästen, Stamm gerade mit hellgrauer, glatter Rinde
bekleidet; Zweige allseitig beblättert, aber die Blätter sind so gebogen, daß
sie fast zweizeilig, mehrreihig und deutlich gescheitelt erscheinen. Blätter
weich, lineal-sichelförmig, stumpf, an der Spitze ausgerandet, sitzend, an der
Basis gedreht, bis 28 mm lang, oben gerinnt, unten, zumal an den jungen
Blättern beiderseits des vortretenden Mittelnervs, mit nur mattweißen Spalt-
öffnungslinien gezeichnet. Blattnarben schief -kreisförmig; Blattkissen etwas
hervorragend, rautenförmig, herablaufend, an jungen Zweigen weichhaarig.
Zapfen aufrecht, sitzend, zylindrisch-stumpf, beiderseits etwas verschmälert,
6 — 8 cm lang, 2^/2 — 3 cm breit, Schuppen lederartig, gestielt, keilförmig, an
der Spitze breit-nierenförmig, am oberen Rande rund eingebogen, bestäubt-
weichhaarig, an den Seiten häutig gezähnelt, unten öfter in einen Zipfel aus-
laufend. Bractee häutig, an der Basis gestielt, der Schuppe angewachsen,
oben frei, schief -herz- oder kreisförmig, am Rande gezähnt, in eine feine
Spitze verlängert, über die Schuppe zurückgeschlagen. Samen 5 mm lang,
eckig-keilförmig mit gleichlangem, breitem, schiefem, grau- violettem Flügel.
Von Abies Veitchii unterscheidet sie sich sofort durch die schmaleren
Blätter, die blassen, nicht silberweißen Blattunterseiten, die vorstehenden
Bracteen, durch die kleineren, am Rande eingebogenen weichhaarigen, an den
II. Klasse. Coniferae.
189
Seiten gezä hnelten, nicht geohrlappten Schuppen, durch die wenig längeren
nicht sichelförmigen Flügel der Samen.
Schmidt stellt die Sachalintanne als Form zu Abies Veitchii,
nachdem er sie früher als Art (A. sachalinensis) beschrieben und Maximowicz
ist, nach briefhchen Mitteilungen, seiner Ansicht. Masters betrachtet sie
wohl mit Recht als Art; es ist eine recht charakteristische Tanne, die augen-
scheinhch zwischen A. Veitchii und A. sibirica steht. Von letzter sind junge
Pflanzen der A. sachalinensis nur an den rötlichen harzbedecktei^
Knospen, die kurz vor dem Aufbrechen immer lebhafter rot werden, zu
unterscheiden; dann auch durch die regelmäßiger gescheitelten, üppigeren
Blätter (s. Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1896, p. 65).
I
Fig. 41. Abies sachalinensis Masters. 1 Zweigmit reifen Zapfen; 2 Blatt, Unterseite (vergr.); 3 Zapfen-
schuppe, Außenseite mit Bractee; 4 Schuppe, Innenseite mit Samen.
Mayr in Monogr. d. Abietin. d. jap. Reiches 1890, p. 42 mit Farben-
tafel, unterscheidet:
Abies sachalinensis forma typica Mayr, bei welcher die hellgelb-grünen
Bracteen weit über die Schuppen zurückgeschlagen sind. Die dunkeloliven-
grünen Zapfen sind etwa 9,5 cm lang, 3 cm dick. Die Blätter an jungen
Pflanzen 3 — 4 cm an den Seiten und 2 — 2,5 cm an den Oberseiten der Triebe.
Die Triebe sind kurz behaart. Die Blätter des alten Baumes 3 — 4 cm lang,
an den Spitzen gekerbt. Diese Form kommt in West-Eso und auf Sachalin vor.
Abies sachalinensis nemorensis Mayr. Blätter an zapfentragenden Bäumen
2,5—2,7 cm lang, 1 mm breit, am Haupttrieb des Zweiges an der Basis gedreht,
Blätter sichelförmig, mit kurzer einfacher Spitze, Blätter der Seitentriebe mit
einer kleinen Kerbe an der Spitze, junge Triebe anfangs grün, später braun
190 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
behaart. Zapfen 6,5 cm (von 5,8 cm an), also kleiner, Bractee 1 cm hoch,
6 mm breit. Zapfenschuppe 1,2 cm hoch, 1,7 cm breit, halbmondförmig ge-
bogen. Die Bracteen sind also eingeschlossen. Die Länge der Bracteen
scheint bei dieser Art zu schwanken, nach von Maries gesammelten Exem-
plaren. Sie kommt auf Bergen in Nordost-Eso und auf den Kurilen vor.
Professor Sargent erwähnt eine Form mit roter Rinde, rotem Holze
und roten Bracteen der Zapfen, welche Prof. Miyabe bei Sapporo auffand
(Forest Flora of Japan 83).
Die Sachalintanne zeigt sich bei uns als eine raschwüchsige, sehr zierliche,
schlanke Tanne, die schon in recht stattlichen Exemplaren vorhanden und
gleich Abies Veitchii ein wertvoller Zierbaum ist, aber in Kultur häufig mit
anderen verwandten Tannen, sowohl in Pflanz- wie in Saatgut, verwechselt wird.
Zapfen klein, walzlich, dunkelblau.
28. Abies Veitchii Carr. (Conif. 2. ed., p. 309 [18671).
Veitchs Tanne. (Fig. 42.)
Syn. Picea Veitchii Lindl. in Gard. Chron. 1861, p. 23.
Pinus selenolepis Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 427 (1868).
„ Veitchii Mc. Nab., Proc. R. Irish Acad. p. 686 (1876).
Abies Eichlerii^) Lauche, Berlin. Gartenzeit. 1882, p. 63, mit Abbild.
Shirabe, Aobiso, Shira-tsuga, Riusen der Japaner.
Auf allen höheren Gebirgen Zentral- Japans bis zum 39. ^ n. Br. auf dem
Berge Fusi-Yama in einer Erhebung von 2000 — 2300 m. 1860 von J. G. Veitch
entdeckt. Nach Maxim owicz bei Hacodate kultiviert und auch in der süd-
1) Der verstorbene Garteninspektor W. Lauche in Potsdam beschrieb als Abies Eichlerii
eine neue Tannenart, welche er aus Samen erzogen hatte, der ihm 1870 von Herrn Dr. Radde
aus dem Kaukasus zugesendet war. Ein einziger Samen nur war gekeimt und dieser Sämling
zu einem 3 m hohen Baume erwachsen. Lauche hielt die Tanne, welche im Wuchs große
Ähnlichkeit mit der Nordmannstanne zeigte, für eine Form derselben mit auffallend silberweißen
Blattunterseiten und sah sie als aus dem Kaukasus stammend an.
Als der junge Baum 1881 Zapfen trug, glaubte Lauche, der abweichenden Zapfen
wegen, eine neue Art zu erkennen und nannte sie zu Ehren des verstorbenen Professors
Dr. Eichler, Direktor des Botanischen Gartens zu Berlin, Abies Eichlerii und gibt folgende
Beschreibung :
„Ein 80 m hoher, meist von der Basis an regelmäßig mit Ästen besetzter Baum; Rinde
bräunlich-grau; Blätter zweizeilig, oft fast ringsum gestellt, aufwärts gerichtet, gekerbt, an der
Spitze abgerundet, ünterseits mit zwei breiten, bläulich-weißen Längsstreifen versehen, junge
Triebe bläulich-grün; Zapfen 70 mm lang, 22 mm breit, schwarzblau, walzig, am Stiel abge-
rundet, an der Spitze kurz-kegelförmig, Deckschuppen schwach gezähnt, mit einer kurzen, hervor-
ragenden Spitze versehen, Fruchtschuppen deutlich gestielt, Samen geflügelt, Flügel so lang
wie die Fruchtschuppe. Von Abies Nordmanniana durch die schwarzblauen Zapfen, durch die
weiße, heller gefärbte Unterfläche der Blätter und durch die blaugrünen, jungen Triebe unter-
schieden."
Da männliche und weibliche Blüten zugleich am Baume erschienen, nahm Lauche eine
künstliche Befruchtung vor und erzog 14 gut ausgebildete Zapfen und keimfähigen Samen. Auch
Herr von St. Paul säete von demselben aus und erzog zwei Sämlinge, welche Sämlingen von
Abies Veitchii ähnlich sehen und ein kräftiges Gedeihen zeigen.
Zweige dieser schönen Tanne wurden von Lauche auf Abies Nordmanniana veredelt.
Herr von St. Paul besaß in Fischbach gegen 5 m hohe Exemplare davon und Herr Dr. Bolle
II. Klasse. Coniferae.
191
9-2
o
^ a
o
•- <x)
« S §
S > 9
dj "^ rt
«^ ö S
^.?
II
Tä m
O -fif Oi
> -5 .^
M a
,05 ü QO
a a ,^"
ir
5 >
192 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten. •
östlichen Mandschurei vorkommend. In China auf dem Thae-pei-san, Vigo-
san, Huan-tou-san von Pater Giraldi gefunden.
Im Jahre 1879 von Maries in Europa eingeführt.
Als Abies japonica (nomen nudum) nach Garden and Forest X, p. 511
in Nord-Amerika einige Jahre früher als in Europa eingeführt.
Schöner Baum von 30 — 40 m Höhe, dicht mit verhältnismäßig kurzen,
quirlständigen, horizontal abstehenden Ästen besetzt. Stamm und Äste mit
ein stattliches Exemplar; weiter wurden Zweigveredelungen durch die Firma P. Smith & Cie.
echt verbreitet, auch Verfasser besitzt solche Veredelung von der Originalpflanze und hielt sie
anfänglich mit manchen Autoren (in dem Glauben, daß diese Tanne aus dem Kaukasus stamme)
für eine kleinzapfige Form der Nordmannstanne, um so mehr, da von letzterer auch Sämlinge
mit auffallend weißen Blattunterseiten, dazu Übergangsformen und solche mit größeren odei
kleineren Zapfen vorkommen, die man in Gärten irriümlich heute noch als Sämlinge von A.
Eichlerii bezeichnet.
Da aber im Botanischen Garten in Bonn diese Originalpflanze zufällig neben einer jungen
Pflanze von Abies Veitchii Carr. steht, so fiel mir je länger je mehr die große Ähnlichkeit
beider auf; auch von anderen befreundeten Herren war die gleiche Beobachtung gemacht worden,
zumal auch von Herrn Hennings, welcher im Botanischen Museum in Berlin genau die in
Alkohol befindlichen Originalzapfen, die Lauche selbst nebst Blüten dem Museum geschenkt,
mit Zapfen von A. Veitchii verglich, welche von Maximowicz in Japan auf dem Fusi-Yama
gesammelt wurden. Genaue treffliche Zeichnungen (s. Fig. 43) und eingehende Beschreibung
der Zapfenschuppen, Bracteen, Samen und Blätter von Herrn Hennings ;^s. Gartenflora 1890,
io 11
Fig. 43. 1, 2, 3, 10 Abies Veitchii Carr. 4, 5, 6, 11 Abies Eichlerii Laucbe.
7, 8, 9, 12 Abies Nordmanniana Lk.
p. 379), wozu nach Koehne noch der genau übereinstimmende anatomische Bau der Blätter
kommt, ergeben denn auch auf das Genaueste die Gleichheit der A. Veitchii und
A. Eichlerii Lauche und zugleich, daß letztere unmöglich zu A. Nordmanniana
gehören kann. Es muß hier also eine Verwechslung vorliegen, entweder wurde der Samen
etwa mit aus Japan stammendem Samen verwechselt, oder auch durch Zufall könnte ja ein
Sämling von A. Veitchii anstatt des vermeintlichen Kaukasiers gepflanzt sein.
Inzwischen sind die größten Anstrengungen gemacht worden, Samen der Abies Eichlerii
aus dem Kaukasus einzuführen; aber trotz eifrigster Nachforschung ist es nie gelungen, eine
A. Eichlerii Lauche aufzufinden. Daba bei Borschom wurde als Fundort zumal genannt,
aber die nach großen Schwierigkeiten mühsam erlangten Samen der vermeintlich echten A.
Eichlerii ergaben dem Kaukasus eigentümliche A. Nordmanniana in den angeführten Abweichungen
und Übergängen. Ich selbst besitze durch die Güte des Herrn Scharrer eine solche Original-
pflanze, die dies unverkennbar bestätigt. Russische Botaniker, welche die im russischen Reiche
vorkommenden Coniferen genau kennen, haben auch erklärt, daß es keine A. Eichlerii im
Kaukasus gäbe und somit halten auch wir daran fest, zumal das hier abgebildete Original-
material die Gleichheit so unumstößlich sicher beweist.
IL Klasse. Coniferae. 193
weißlicher Rinde bekleidet. Zweige durch die Blattkissen etwas runzelig,
junge Triebe rötlich, kurz behaart, später grau -gelblich. Knospen rötlich,
glänzend, rundlich, mit Harz überzogen. Blätter sehr dichtstehend, die Ober-
seite der Zweige deckend und hier bedeutend kürzer als an den Seiten, 12 bis
25 mm lang, kaum 2 mm breit, an den unfruchtbaren Zweigen mit ausge-
randeter Spitze, an den fruchtbaren Zweigen stumpf-gespitzt, oberseits glänzend-
grün und gerinnt, unterseits mit vortretender Mittelrippe, beiderseits mit silber-
weißen Spaltöffnungslinien versehen. Zapfen aufrecht, fast zylindrisch,
sitzend, dunkelblau, 6 — 7 cm lang, 2^/2 — 3 cm breit. Zapfenschuppen sehr
dichtstehend, fast horizontal angedrückt, lang genagelt, oben fast halbmond-
förmig ganzrandig, an den Seiten ohrlappenförmig umgebogen; Bractee so
lang als die Schuppe oder mit den Spitzen hervorragend und zurückgeschlagen,
aus keilförmigem Grunde rundlich, oben ausgefressen-gezähnelt und gespitzt.
Samen verkehrt-eirund, keilförmig-eckig, gelblich, mit kurzem, sichelförmigem,
abgestutztem, schwärzlichem Flügel.
Mayr (in Monogr. d. Abietin. d. jap. Reiches 1890, p. 39, mit Farben-
tafel) unterscheidet zwei Formen, nämlich forma typica mit hervorstehen-
den und zurückgeschlagenen Bracteen, und eine var. nikkoensis mit ein-
geschlossenen oder nur mit den Spitzchen hervorragenden Bracteen ; dieselbe
hat zugleich kleinere Zapfen, meist nur 5 cm lang, 2 cm breit. Mayr glaubt
aber in Fremdländ. Wald- und Parkbäume 1906, p. 260 diese Nikkotanne kaum
als Varietät aufrecht erhalten zu können, da die Länge der Bracteen wie die
der Blätter sehr schwankt. Ich kann dem nur zustimmen aus eigener An-
schauung. Das oben genannte, von Pater Giraldi in Shen-si gesammelte
Material zeigt Abweichungen in Zapfengröße und Bracteenlänge, Blätterlänge
und Form; die Zapfen schwanken zwischen 4^/2 — 6^/2 cm Länge bei 3 cm
Breite; auch reichlich männliche gestielte, 10 mm lange, 5 mm breite rötlich-
braune Blüten und ganz kleine, schwarzblaue Zäpfchen waren dabei (Mitt. d.
d. dendr. Gesellsch. 1898, p. 31, 33; 1901, p. 76 und 1902, p. 70). Auch Hesse-
Weener führt Formen mit eingeschlossenen und hervorragenden Bracteen,
mit hellen Zapfen (light cones) und mit schwarzblauen Zapfen (black cones)
aus japanischen Samen an (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1902, p. 87). Außer-
dem finden wir Formen, welche die üppigen Blätter mehr nach oben stellen,
so daß die silbernen Blattunterseiten so recht zur Geltung kommen und
solche Exemplare dekorativ besonders wertvoll machen. Dies kommt ja
auch bei anderen Tannen, z. B. bei Abies Nordmanniana, vor; es darf uns
aber nicht verleiten, in solchen Erscheinungen besondere Varietäten erblicken
zu wollen.
Eine schlank und üppig aufwachsende reizende Tanne, die, wie schon
angeführt, in den Gärten öfter mit Abies homolepis (brachyphylla)
verwechselt wird, da leider früher Samen von letzterer unter dem Namen
A. Veitchii verbreitet wurden. Sie hat in Zweigen und Blättern auf den
ersten Blick Ähnlichkeit mit A. Nordmanniana, zumal auch von letzterer bei
Aussaaten Pflanzen mit auffallend weißen Blattunterseiten vorkommen. Als
Baum hoher Gebirge hat sie sich bisher ganz hart in unseren Kulturen ge-
zeigt und recht ansehnliche, bis 10 m hohe Exemplare, wie sie schon vor-
handen sind und auch schon reichhch Zapfen trugen, zeigen uns den hohen
dekorativen Wert dieser Tanne, die mit den silberweißen Blattunter-
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 13
194 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Seiten einen auserlesenen Sciimuck für unsere Gärten ausmacht und nicht
warm genug zur Anpflanzung empfohlen werden kann.
♦
29. Abies Delavayi Franch. (in Journ. de Bot. XIII, 1899, p. 255 und in
Gard. Chron. 1906, p. 212 und 213, mit Abbild.). Delavays Tanne.
In Yunnan (China) von Pater Delavay auf dem Gipfel des Tsang Chan in
3500 — 4000 m Erhebung und von Faber auf dem Gipfel des Omei aufgefunden.
Nach Wilson ein Baum von 7—17 m Höhe. Die Blätter sind 15—25 mm
lang, 1,5 mm breit und an den Spitzen flach eingekerbt, sie sind an den
Rändern eigentümlich eingerollt, so daß sich im Querschnitt eine
CO förmige Figur ergibt. Die Harzkanäle liegen in der Blattsubstanz. Die
Zapfen sind dunkelpflaumenblau, länglich-zylindrisch abgestutzt, 6 — 7 cm lang,
3 cm breit. Die Bracteen sind breit-länglich, spateiförmig, plötzlich in ein
kurzes, über die Schuppe hinausragendes Spitzchen, auslaufend. Die Schuppen
sind keilförmig, an der Basis rundlich und oben fast ganzrandig, die Samen
eirund mit etwas längerem, breitem, oben gerade abgestutztem Flügel.
Die Abbildung zeigt, neben allen beschriebenen Einzelheiten, einen Zweig
mit drei nebeneinander stehenden Zapfen, welche die festanliegenden, eng-
stehenden Schuppen und vorstehenden Spitzchen der Bracteen gut zeigen
und zugleich die unverkennbare Verwandtschaft mit Abies Veitchii,
wenn auch Blätter, Zapfenschuppen, Bracteen und Samen Unterschiede auf-
weisen.
Bläff er ausgerandef; Zapfen fonnenförmig, dunkelblau.
30. Abies Fargesii Franch. (in Journ. de Bot. XIII [1899], p. 265 und in
Gard. Chron. 1906, p. 213, mit Abbild.). Farges Tanne.
Lien Sha oder Tao Sha der Chinesen.
In Zentral- und West-China nie unter 2000 m hinabgehend, bis 3800 m
aufsteigend und ganze Waldungen bildend. Die Tempel in den höheren
Lagen sind alle aus ihrem Holze erbaut.
Nach Wilson hier die gemeine Tanne, er nennt sie sicher eine der
schönsten chinesischen Coniferen, von welcher er Bäume von nahezu 65 m
Höhe bei über 8 m Stammumfang gesehen habe. Von Abies Delavayi weicht
sie in den Blättern ab, welche auf den Unterseiten sehr weiß sind, fast flach,
obschon öfter nach unten umgerollt wie bei voriger. Sie sind am Zweige
mit männlichen Blüten 20 mm lang, 2 mm breit, etwas sichelförmig gebogen,
an der Spitze eingekerbt, am Zapfenzweige üppig rings um den Zweig gestellt,
10 — 15 mm, an den Spitzen nur 5 mm lang. Die Harzkanäle Hegen fast in
der Epidermis in den äußersten Kanten des Blattes. Die Zapfen sind tief
purpurrot gefärbt und tonnenförmig, 8 cm lang, 4 cm breit, die Bracteen
schmal an der Basis, spateiförmig, in ein kurzes, nicht die Schuppe über-
ragendes Spitzchen auslaufend. Die Zapfenschuppen sind breit, an der Basis,
unten mit Ohrlappen, nicht keilförmig, oben gerundet ganzrandig. Das Holz
wird als Werkholz viel genutzt, ist weich und von geringem Wert. Die gute,
sehr vollständige Abbildung aller Teile von A. Fargesii zeigt die unver-
kennbare nahe Verwandtschaft mit A. Mariesii Mast., wenn auch
hier in den einzelnen Organen sich Abweichungen von derselben ergeben.
Beide genannte chinesische Arten sind schon in gut gedeihenden Exemplaren
II. Klasse. Coniferae. X95
in der Gärtnerei von James Veitcli & Sons in Combe Wood bei London
vertreten.
31. Abies squamata Mast, (in Gard. Chron. 1906, p. 299, mit Abbild.).
Schuppenrindige Tanne.
To-ma der Chinesen.
Im westlichen China nahe Tatien-lu in Wäldern zwischen 4000 — 4600 m
Erhebung reine Bestände und Wälder bildend.
Schöner Baum von 17 — 40 m Höhe. Äste mit dünner, in papier-
artigen Streifen sich lösender, rotgelber Rinde bekleidet. Jüngste
Zweige schwärzlich behaart, Blattnarben kreisrund, blaß. Blätter dicht spiralig
angeordnet, 16 — 20 mm lang, 2 mm breit, lineal, gebogen, spitz oder stumpf,
oben gerinnt, unten gekielt, Harzkanäle in der Blattsubstanz Hegend. Männ-
liche Blüten 25 mm lang, zylindrisch, Antheren länglich-stumpf. Zapfen 5 — 6 cm
lang, 3^/.2 cm breit, länglich-eirund, violett. Bracteen mit der Spitze über die
Schuppen hervorragend, spateiförmig, am Rande gesägt und gespitzt, die Spitze
umgebogen und leicht abbrechend. Schuppen oben breit, gewölbt, an der
Basis keilförmig verschmälert. Samen länglich-eirund, 6 mm lang, 2 mm breit,
mit blaß-braunrotem, breitem, beilförmigem Flügel.
Eine der bemerkenswertesten von Wilson in West-China entdeckten
Coniferen, und besonders der eigentümlichen, sich lösenden Rinde wegen
auffallend.
Nach Wilson tritt diese Art in den für Tannen, überhaupt für Coniferen
höchsten Regionen in diesen Gegenden aaf.
Das Holz ist von guter Qualität und wird von den Tibetanern als Bauholz
geschätzt.
Sehr gute Abbildungen zeigen die eigenartig sich abblätternde Rinde
des Astes, Zweig mit Zapfen und alle einzelnen Teile, auch Blätter, Schuppen,
Samen, Blattquerschnitt vergrößert. Auch diese Tanne dürfte mit Abies
Fargesii als A. Mariesii nahe verwandt zu betrachten sein.
32. Abies Mariesii Masters (in Gard. Chron. 1879, p. 788 cum ic).
Mariestanne, Aomoritanne. (Fig. 44.)
Aobo-momi, Aomori-Todomatsu, Oshirabiso der Japaner.
In Nord- Japan bei Aomori auf dem Berge Hakoda und auf dem Nantaisan
bei Nikko in einer Erhebung von 1000 — 2300 m gemeinsam mit Abies Veitchii
in einer seichten Erdschicht auf vulkanischen Trümmern wachsend.
Im Jahre 1879 durch Maries in Europa eingeführt und ihm zu Ehren
benannt.
Nach Masters großer, pyramidaler Baum von etwa 25 m Höhe und
0,60 m Stammdurchmesser mit starken, abstehenden Ästen, die unteren über-
hängend und mit den Spitzen aufwärts gerichtet. Ältere Zweige glatt hellgrau
mit kaum vorstehenden Blattkissen, jüngere Zweige rötlich-braun und die
jungen Triebe dicht behaart. Knospen kugelig, dunkelbraun, mit Harz über-
zogen. Blätter an den Haupttrieben gerade und ringsum stehend, an den
seitlichen Zweigen stehen sie durch Drehung an der Basis zweiseitig, an den
jungen unfruchtbaren Zweigen fast vierreihig, die Blätter der mittleren Reihen
13*
196 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
o g
sind nur halb so lang (7 — 10 mm) als die seitlichen und liegen dem Zweige
dicht an. Alle sind flach, oberseits tief gefurcht, glänzend, unten gekielt
II. Klasse. Coniferae. 197
und mit zwei weißen Spaltöffnungslinien, an der Spitze ausgerandet, 15 — 25 mm
lang. Zapfen dunkelblau, tonnenförmig mit abgerundeter Spitze, 7 — 9 cm lang,
4 — 4^/2 cm breit, reif dunkelbraunrot; Zapfenschuppen aus keilförmigem Grunde,
oben breit, abgerundet, ganzrandig, an den Seiten mit stumpfen Haken. Bractee
unten keilförmig, nach oben kreisrund, dreilappig und gezähnelt, etwa um 1/3
kürzer als die Schuppe. Samen verkehrt-eirund, 10 mm lang, 5 mm breit,
hellgelb-rötlich, mit breitem beilförmigem Flügel, der fast so lang als die
Schuppe ist.
Diese, durch die ganz flachen, dicht mit Blättern bedeckten Zweige
junger Bäume, außerordentlich charakteristische Tanne ist noch sehr selten
echt in Kultur und meist, einerseits mit Abies sachalinensis, zumal aber mit
A. homolepis verwechselt; dadurch allein erklärt sich auch die sonst ganz
unverständliche Angabe, daß sie letzterer sehr ähnlich und nahe verwandt
sei, während sie gerade recht wenig mit homolepis gemein hat, sondern der
Veitch- und Sachalintanne viel nähersteht.
Es ist eine sehr zierliche Tanne, die sich unbedingt frosthart zeigte
und als hochnordischer Baum, unter günstigen Bedingungen, zumal bei ge-
nügender Frische und Luftfeuchtigkeit, zu schönen Exemplaren bei uns ent-
wickeln dürfte. ♦
33. Abies recurvata Mast. (Linn. Soc. Journ. Bot. XXXVII, 1906, p. 423),
Zurückgekrümmt blättrige Tanne.
Im westlichen China „Min Valey" in Wäldern in einer Erhebung von
2600— 3200 m (Wilson 3021).
Baum von 17 — 27 m Höhe mit rotbrauner Rinde, Zweige glatt, blaßgelb,
Blattkissen länglich-spatelförmig, runzelig, etwas vorstehend, Blattnarben kreis-
rund weißlich, jung rotgerandet. Knospen fast rund, blaßgelb mit Harz über-
zogen. Blätter dicht spiralig angeordnet, stark aufwärts gekrümmt, 10
bis 12 mm lang, 2 — 3 mm breit, lineal-zungenförmig, gebogen, an der Spitze
abgerundet spitzlich, oberseits gerinnt blaugrün, unterseits beiderseits des
vorspringenden gekielten Mittelnervs mit Spaltöffnungsreihen. Harzkanäle
zwei, rückenständig, unter der Epidermis am Rande liegend. Hypodermis
dick. Zapfen gehäuft, kurz gestielt, 7 — 8 cm lang, eirund-länglich? Bracteen
fast so lang als die Schuppen, spateiförmig, am oberen Rande gezähnt, nach
der Spitze zu dreieckig ausgezogen. Schuppen fast lederartig quer elliptisch,
2 cm lang, 1 cm breit, am Grunde zwischen runden abstehenden Lappen
keilförmig verschmälert.
Nach Mr. Wilson eine sehr merkwürdige Art, unähnlich irgend einer
anderen, durch ihre stark aufwärts gekrümmten Blätter. Er spricht
von ihr als einer sehr lokalen Art, die ganze Wälder im Min-Tal bildet, eine
Tagereise südlich von Sung-pan. Die Blätter sind dunkelgrün oder sehr
bläulich und sehr wandelbar in dieser Hinsicht. Diese Art wurde im Sep-
tember 1903 gesammelt, aber die Zapfen waren schon zerfallen, und W. konnte
nur noch halbe Zapfen sammeln. Die Zapfen sind klein, aufrecht, braun und
sitzen gehäuft an den Spitzen der Äste und nahe dem Wipfel der Bäume.
Das Holz ist hart, harzig und hoch geschätzt für Bauzwecke. Ich verfehlte, einige
Samen zu erlangen, so daß diese Art nicht in Kultur ist. — Wilson in litt.
IQg Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Die Tannen liefern uns die herrlichsten Dekorationspflanzen, alle
sollten ganz freigestellt werden, sei es einzeln, oder zu lichten Gruppen
vereinigt, da sie nur so, frei von jedem Druck, ihre ganze Schönheit entfalten
und ihre edlen Formen: der pyramidale Wuchs, die quirlförmige, mehr oder
minder leichte Beästung, die schöne Belaubung in verschiedener Färbung
nebst Zapfenschmuck zur wahren Geltung kommen. Der Zier- wie der etwaige
Nutzwert wurde schon bei den einzelnen Arten aufgeführt, ebenso was das
Ausdauern im Klima von Deutschland anlangt. Unstreitig sind die Tannen
(Weißtannen) (Abies) im allgemeinen empfindlicher und anspruchsvoller wie
die Fichten (Rottannen) (Picea), auch ist das Holz der letzteren als Nutzholz
ungleich wertvoller als das der ersteren. Bei Abies pectinata wurden schon
die den Tannen günstigen Kulturbedingungen angegeben, vor allem verlangen
sie leicht beschattete, geschützte Lagen und genügende Luftfeuchtigkeit, weshalb
feuchtes See- oder Gebirgsklima am günstigsten für sie ist, während sie in
lufttrockenen Ebenen kränkeln und oft gar nicht aufzubringen sind. Dies gilt
schon von A. pectinata, die hier kümmert und in sogen. Frostlagen (Talmulden, in
denen die kalten Niederschläge [Früh- und Spätfröste] so großen Schaden tun)
oft stark zurückfriert, geschweige denn von den zarteren, ausländischen
Arten. In solchen ungünstigen Lagen sollte man besser keine Tannen pflanzen,
oder man muß ihnen geschützte Lagen, seitlichen Schutz, ohne zu starke
Überschirmung, geben können, sie also z. B. in lichte Waldbestände ein-
sprengen. Ungleich gefährlicher als die Winterkälte w^rd den Tannen das
Frühjahr, wo so häufig durch zu zeitig eintretende Wärme der junge Trieb
hervorgelockt und dann durch Spätfröste wieder zugrunde gerichtet wird.
Weiter ist eine Einwirkung der Sonne sowohl im Winter auf die ge-
frorenen Pflanzen, wde die noch weit schädlichere Wirkung im März zu ver-
hindern, man sorge daher für Schutzpflanzungen gegen Osten und Süden,
da im Halbschatten das Gedeihen ein gutes ist, oder lasse es sich nicht
verdrießen, freistehende Exemplare seltener Arten durch leichte Schutzwände
von Nadelholzreisig, Packleinewand und Rohrdecken etc. zu schützen, wodurch
zugleich die schädlichen ausdörrenden Ostwinde abgehalten werden.
Die Tannen lieben frischen, gleichmäßig feuchten, genügend tief-
gründigen, besonders aber Lehmboden und kümmern in zu trockenem,
sandigem, zumal aber in hitzigem Kalkboden.
Die Vermehrung geschieht in erster Linie durch Aussaat, und zwar
sind die Samen möglichst bald nach der Reife zu säen, Arten, von denen
kein Samen zu erlangen ist und Formen werden durch Veredlung, Anplatten
oder Einspitzen auf Abies pectinata im Vermehrungshause im Juli, August,
September, wo sie meist besser als im Frühjahr anwachsen, seltener durch
Ableger, oder durch Stecklinge im Spätsommer und Herbst im Vermehrungs-
hause fortgepflanzt, auf letzte Weise vermehrt man mit Vorteil die Zwerg-
formen, welche weit leichter wie die normalen Pflanzen wachsen. Zu Steck-
lingen sowohl wie zu Veredlungen wählt man Zweige von jungem, gut
ausgereiftem Holz und sollten nach Möglichkeit Hauptachsen (Kopf triebe),
keine Seitentriebe, gewählt werden, da letztere in Zweigform fortwachsen und
schwer und oft sehr langsam erst Köpfe bilden und nur durch sorgfältiges
Aufbinden nach und nach zu regelmäßigen Pflanzen zu erziehen sind. Ver-
mehrung normaler Pflanzen durch Stecklinge ist in Europa wenig gebräuchlich;
II. Klasse, Coniferae. 199
je nach klimatischen und Bodenverhältnissen wird diese Vermehrungsart in
manchen Ländern wohl mit mehr Glück betrieben, so werden nach Scharrer
(Gartenflora 1887, p. 143) in Suchum Kaie am Schwarzen Meere, z. B. A. Nord-
manniana und A. Pinsapo mit großer Leichtigkeit durch Stecklinge vermehrt,
und wie angegeben vermehrt man in England A. nobilis durch Ableger.
Keteleeria Carr. (Conif. 2. ed., p. 260 [1867]). Keteleers Tanne.
Abietia Kent in Veitch Man. of the Conif. 1900, p. 485.
Blüten einhäusig, männliche zahlreich fast gehäuft, klein, lineal, stumpf,
kürzer als die Blätter (nach Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 431). Nach
Professor Pirotta in Bulletino della R. Societä toscana di Orticultura 1887,
p. 269: Sul genere Keteleeria di Carriere etc. gibt der Autor nach Beobachtung
des blühenden, weiter unten aufgeführten, wohl größten europäischen Exemplars
im Rovellischen Garten in Pallanza am Lago Maggiore, folgende Beschreibung:
„männliche Blüten ganz ähnlich denen von Pseudolarix Kaempferi, jeder
Blütenstand besteht aus einem ganz kurzen Stiel, oben mit einer Art Blüten-
boden voll trockenhäutiger, halb durchsichtiger Schuppen, die nach oben zu
allmählich länger werden; die Blüten stehen auf einer Verbreiterung des Stiels
und gerade auf seinem Rande, so daß sie einen Kreis oder falschen Quirl
bilden, nur eine oder zwei davon ragen aus der Mitte des erweiterten Stiels
hervor, alle sind von Schuppen, die etwas länger als sie selbst sind, um-
geben. Jeder Blütenstand trägt neun bis zehn etwa 1 cm lange Blüten, hat
eine fast prismatische Form und ist nach obenhin etwas verdünnt und
stumpf.
Die peripherischen Blüten sind leicht gebogen, d. h. konvex nach außen,
konkav nach innen und liegen den sie bedeckenden Schuppen ziemlich dicht
an, sie berühren sich mit dem oberen freien Ende und stehen nur später
etwas auseinander. Jede Blüte besteht aus einer kurzen Achse, die unten
auf eine kurze Strecke nackt, einen feinen aber deutlichen Stiel bildet. Alles
übrige ist dicht, mit den Staubbeuteln von fast kegelförmiger Gestalt besetzt
und gebildet aus einem kleinen, sitzenden Schüppchen, zwei Pollensäckchen
tragend, die sich beim Aufspringen in etwas schrägen Querspalten öffnen.
Pollen gelb. Seine Körnchen sind wie bei vielen anderen Abietineen mit
zwei seitlichen Luftbläschen versehen."
Zapfen aufrecht zylindrisch oder länglich-eirund-stumpf, Schuppen
bleibend, lederartig-holzig, Bracteen eingeschlossen, halb so lang als die
Schuppen, Samen groß, verkehrt-eirund-länglich mit gleich langem, breitem,
abgestutztem Flügel.
Große, immergrüne Bäume mit voller, im Alter schirmförmiger Krone,
Blätter fast zweizeilig, oder mehr oder minder zerstreut, steif, abstehend,
lineal flach, über der Basis gedreht, lang und scharf gespitzt, oder stumpf,
auf der Unterseite blaßgrün, ohne hervortretende weißliche Spaltöffnungslinien.
Masters gibt für die vier jetzt bekannten Keteleeriaarten folgende
Unterscheidungsmerkmale, wozu jedoch Einschränkungen zu machen sind in
betreff bedeutender Veränderlichkeiten in der Länge der Blätter und Größe
der Zapfen.
200 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Blätter scharf gespitzt, Mittelrippe beiderseits vortretend (Blätter 30—40 mm);
Zapfen 8—9 cm, Zapfenschuppen kreisrund.
1. Reteleeria Fortunei Carr. (Rev. hört. 1866 cum ic. und Conif. 2. ed.,
p. 260 [1867]). Fortunes Tanne. (Fig. 45.)
Syn. Abies jezoensis Lindl. in Faxt. Flow. Gard., Mai 1850, p. 43 (nicht
Sieb, et Zucc, nicht Maxim.).
Picea jezoensis Carr., Conif. 1. ed., p. 255 (1855) (in parte excl. Syn.).
„ Fortunei Murr., Proceed. Hort. Soc. 1862, p. 421.
Abies Fortunei Murr., Pines and Firs of Japan 1863, p. 49.
Pinus Fortunei Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 430 (1868).
Pseudotsuga jezoensis Bertrand in Ann. Soc. Nat. ser. V. Bot.,
t. XX, p. 87 (1874).
Abietia Fortunei Kent in Veitch Man. of the Conif. 1900, p. 485.
Von Fortune zuerst, nur ein einziger kleiner Baum, im südöstlichen
China bei Foo-Chow-Foo an einem Tempel stehend, entdeckt, und der Ent-
decker glaubte, der Baum möchte eingeführt sein, später fand jedoch Maries
diese Tanne häufig in den Gebirgen nördlich von Foo-Chow.
Sie wurde von Fortune im Jahre 1846 in Europa eingeführt.
Der zuerst gegebene Name Abies jezoensis ist schon deswegen zu ver-
werfen, weil der Baum gar nicht in Japan, also auch nicht auf der Insel
Eso vorkommt, außerdem ist dieser Name von verschiedenen Autoren für
ganz verschiedene und teils noch zweifelhafte Pflanzen gebraucht worden, so
daß, wenn der Speziesname auch für diese Tanne beibehalten würde, der
Verwechslung kein Ende wäre (s. Picea jezoensis Carr. und P. ajanensis var.
microsperma).
Nach Fortune ein hoher Baum mit horizontal-abstehenden Ästen, auf
denen sich die jung purpurroten, später rotbraunen, aufrechten, in dichten
Reihen stehenden Zapfen reizend ausnehmen und die Krone älterer Bäume
mit denen älterer Cedern Ähnlichkeit haben soll; jüngere Bäume haben
weniger steife Äste und die jungen Zweige hängen selbst etwas über. Der
Stamm ist mit dicker, rissiger, der Korkeiche ähnlicher Rinde bekleidet. Die
jüngeren Äste sind grau und, ähnlich wie bei den echten Tannen, mit kreis-
runden Blattnarben gezeichnet, junge Triebe glatt, rostrot, die jüngsten Triebe
rostfarbig-filzig, Knospen rundlich hellbraun, Blätter mehr oder minder zer-
streut nach allen Seiten abstehend, oder fast zweizeilig, auffallend weit von-
einander stehend, steif, sitzend, gerade oder säbelförmig gebogen, flach, an der
Basis gedreht, oberseits glänzend grün, mit kaum vortretendem Längsnerven,
unten beiderseits des kaum vortretenden grünen Längskiels blaßgrün und auf
jeder Seite etwa sechzehn Spaltöffnungsreihen zeigend, die Blätter der unteren
Zweige zugespitzt und dolchförmig spitz, die der oberen Zweige stumpf und
fast abgerundet (nach Pariatore) 25 — 30 mm lang, 2^/2 — 3^/2 mm breit. Zapfen
aufrecht und zahlreich auf den horizontalen Zweigen auf dickem, kurzem
Stiel, jung schön purpurrot-bläulich, reif braunrot, eirund-länglich-stumpf. Sie
sollen sehr in der Größe verschieden sein, werden auch von den Autoren
verschieden groß angegeben. Masters bildet in Linn. Journ. Botany vol. XXII,
p. 198 einen in Pallanza gereiften Zapfen von 8^/2 cm Länge und 5^/2 cm Breite
ab, Pariatore gibt 7 — 18 cm Länge zu 6^/2 cm Breite an und Murray gar
II. Klasse. Coniferae.
201
Fig. 45. Keteleeria Fortunei Carr. 1 Zweig mit Originalzapfen, die über die Schuppen vorsehenden
Samenflügel zeigend; 2 Blattdurchschnitt (vergr.j; 3 Blatt vom fruchtbaren Zweig; 4 Zapfenschuppe
von außen, die Bractee zeigend; 5 Samen; 6 Zweigspitze mit männlichem Blütenstand; 7 unfrucht-
barer Zweig.
202 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
151/2 — 21 cm Länge und 6^/2 cm Breite; zumal im letzten Falle möchte man
an eine Verwechslung der Zapfen mit der gleichfalls in China vorkommenden
nahe verwandten Keteleeria (Abies) Davidiana Franch. glauben, der, nach der
Abbildung in Plantae Davidianae, 15 cm Länge und 5 — 6 cm Breite hat. —
Zapfenschuppen groß, lederartig-holzig, bleibend, fast kreisrund, konkav,
auf dem Rücken runzelig, am oberen Rande abgerundet, an den seitlichen
Rändern etwas häutig gezähnelt, Bracteen eingeschlossen, halb so lang als die
Schuppen, unten lineal, nach oben rundlich, ausgerandet und zerrissen, Samen
verkehrt-eirund-länglich, bräunlich, 13 — 15 mm lang, 5 — 7 mm breit, mit gleich
langem, hellgelbem, breitem, oben abgestutztem Flügel, der so lang als die
Schuppe ist, ja dieselbe, wenn der Zapfen sich öffnet, meist überragt.
Über die eigentümliche Keimung der Samen finden wir näheres
in „Pirotta, R., Sulla germinazione e sulla struttura della piantina della
Keteleeria Fortunei Carr." (Rend. Lincei V, vol. 3, IL Sem., p. 286—289).
Die Keimpflänzchen besitzen hypogäische Kotyledonen, ihre Zahl beträgt stets
zwei, wodurch deutlich das hohe Alter dieser Gattung den anderen Abietineen
gegenüber, sowie die Trennung derselben von den heute lebenden Abietineen
und der Übergang zu den Cycadaceen hervortritt.
Die Basalteile der Samenlappen verlängern sich bei der Keimung bis
1 cm, sehen Blattstielen ähnlich und biegen sich positiv geotropisch. Der
Stengel entwickelt 2 cm oberhalb der Insertion der Kotyledonen beim aus-
gebildeten Pflänzchen acht bis zehn kurze schuppenförmige, sitzende, an-
liegende Blättchen, hierauf erst die normalen Laubblätter, von denen das
erste Paar ganz kurz bleibt. Die Stengelspitze schließt mit einer kurzen, end-
ständigen Knospe ab, welche außen von grünen, kurz zugespitzten Schuppen
bedeckt wird.
Meine eigene Beobachtungen über die Keimung, die das gleiche Resultat
ergaben, teilte ich in Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1896, p. 64 mit.
Eine noch wenig verbreitete und in Kultur erprobte Tanne, welche in
Deutschland bisher nicht freudig gedeihen wollte, auch vom Frost litt, aber
wieder kräftig austrieb. Meist sieht man junge, veredelte Exemplare, und man
wird, bevor nicht kräftige Samenpflanzen vorhanden sind und man nicht in
verschiedenen Lagen und Bodenarten Kulturversuche angestellt hat, sich kein
Urteil erlauben können, ob diese abweichende Tannenart in dekorativer
Hinsicht in Deutschland die Kultur lohnt und verdient. Veitch kennt von
den durch Fortune eingeführten Samen, die meist nicht keimten, nur ein
Exemplar in England, das eine buschige, nur einige Fuß hohe Pflanze darstellt,
und meint, die Pflanze böte lediglich wissenschaftliches Interesse. Auch Masters
gibt an, daß die Pflanze in England nicht gedeihen will. Carriere führte in
Frankreich schon 1867 schöne Exemplare von 4 m Höhe und 10 cm Stamm-
durchmesser an, an deren Stämmen die dicke, rissige Rinde sich schon aus-
bildete. Das größte und schönste in Europa befindliche Exemplar von Keteleeria
Fortunei dürfte das im Garten der Gebrüder Rovelli in Pallanza am Lago
Maggiore sein, das auch mir bekannt ist und jetzt eine schöne kegelförmige
Pyramide von über 18 m Höhe bildet, mit ziemlich dichten und quirlständigen,
horizontalen Ästen und ebenfalls schon dicker, korkiger Rinde des Stammes.
Die meisten, teils durch Stecklinge, teils durch Veredlung auf Tanne (Abies)
fortgepflanzten, in Kultur befindlichen Exemplare möchten dieser Pflanze ent-
II. Klasse. Coniferae. 203
Stammen. Auf diese Art durch Seitenzweige vermehrte Pflanzen zeigen längere
Zeit einseitigen Wuchs und bilden erst später, aber schneller als die Tannen
(Abies Lk.), normale, quirlförmige Zweigbildung.
In betreff der Unterlagen müßten noch Versuche angestellt werden; so
wäre zu prüfen, ob Keteleeria nicht auf der Douglastanne wüchse. Nach
Carriere ist Keteleeria auch mit Glück durch Ableger vermehrt worden.
Da bereits zuerst 1894 durch künstliche Befruchtung in Pallanza Samen
gereift sind, steht zu hoffen, daß bald kräftige Sämlinge zu weiteren Kultur-
versuchen in den günstigsten Lagen, z. B. im Weinbaugebiet, auch in Deutsch-
land eingeführt werden.
Blätter 40 mm; Zapfen 5—6 cm, Zapfenschuppen nach der Spitze zu kleiner werdend.
2. Keteleeria Evelyniana Mast, (in Gard. Chron. 1903, p. 194, mit Abbild.).
Evelyns Tanne.
In dem Gebirge nahe Yuanchiang in Yunnan im Jahre 1898 von Henry
gesammelt und nach dessen Freund John Evelyn benannt, der sich um die
Baumzucht verdient gemacht hat.
Baum mit glatten, dunkel-orangenbraunen Zweigen, Blätter glatt, 4 — 5 cm
lang, 2 mm breit, Hneal, gebogen, stumpflich, kurz spitzlich, an der Basis
kaum gestielt, gedreht, Mittelnerv beiderseits vorstehend; männHche Blüten
nicht gesehen. Zapfen aufrecht 5 — 6 cm lang, 8^/2 cm breit, zylindrisch-
länglich, nach der Basis allmählich verschmälert; Bracteen länglich zugespitzt,
an der Basis fast lederartig, über der Mitte trockenhäutig; Schuppen doppelt
so lang als die Bracteen, lederartig braunrot, länghch-eiförmig ganzrandig oder
ein wenig ausgebissen, zurückgebogen; Samen mit dem Flügel etwas kürzer
als die Schuppe verkehrt-eirund, Flügel doppelt bis dreifach länger, schief
länglich, am Rande der eine gerade, der andere gebogen.
Nach Dr. Henry kommt diese schöne Keteleeria, soweit ihm bekannt,
nur an der Bergseite der südlichen Grenze der weiten Schlucht des Roten
Flusses bei Yuanchiang in Yunnan vor, er fand sechs Bäume in einer Er-
hebung von 1330 m ü. d. M. Zuerst konnte er nur zwei Zapfen erlangen, später
gelang es ihm, durch seine Sammler noch mehr zu bekommen.
Die Bäume hatten 10 m Höhe, und ihre Erscheinung war eigenartig
schön durch die Blattfärbung. Diese Art ist viel schöner als K. Davidiana,
die gemein in Yunnan ist.
Blätter 20 mm, oben tief gefurcht; Zapfen 5 cm, Zapfenschuppen rundlich.
3. Keteleeria Fabri Mast, (in Journ. Linn. Soc. Bot. XXVI, 1902, p. 555).
Fabris Tanne.
In Szechuen: Berg Omei (Faber 984), Herb. Kew.
Zweige tiefbraun, die heurigen glänzend, mit vorstehenden Blattkissen,
Narben kreisrund. Blätter der fruchtbaren Zweige 20 mm lang, 2 mm breit,
aufwärts gebogen, an der Basis gedreht, kaum verschmälert, lineal-stumpf,
oberseits glänzend, mit einer Längsrinne, unten zwischen den schmal um-
gerollten Rändern und dem vorstehenden Mittelnerven silberweiß gebändert,
Spitze abgerundet oder kaum ausgerandet. Knospen fast kugelig, mit leder-
artigen, flaumhaarigen, zugespitzten Schuppen bedeckt. Männliche Blüten
204 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
nicht gesehen. Junge Zapfen 5 — 6 cm lang, 3 cm breit, aufrecht, purpur-
rötlich, länglich -stumpf, auf einem kurzen, mit Schuppen bedeckten Stiel.
Bracteen purpurrötHch, abgerundet, zerschlitzt dreilappig, in der Mitte in eine
lineale Spitze, anfänglich die Schuppe überragend, ausgezogen. Schuppen
ganzrandig, abgerundet.
Miffelrippe beiderseits vorstehend, Blätter 30—50 mm, oben leicht gefurcht;
Zapfen 15—20 cm. Zapfenschuppen nach der Spitze zu kleiner werdend.
4. Reteleeria Davidiana. Davids Tanne.
Syn. Abies (Tsuga) Davidiana Franch. (Fig. 46). Plantae Davidianae
ex sinarum imperio I part. Plant, de Mongolie du Nord et du
centre de la Chine 1884, p. 288—290 (PI. 13).
Pseudotsuga Davidiana Bertr. Soc. philom. de Paris, seance 10 Fev.
1872, Ann. d. Soc. Nat. Bot. t. XX (1874), p. 87, in notä.
Keteleeria sacra (Abies sacra Arm.) David, Journ. de voyage de
Chine II, p. 29 et Plant. David 1. c, p. 290 (PI. 14).
In China im nördlichen Szechuen in den Gebirgen von Lon-ngan-fou
von David im Dezember 1869 entdeckt, später auch von Wilson und Henry
dort aufgefunden. Gute Abbildung in Gard. Chron. 1903, p. 85.
Hoher Baum mit aschgrauen Ästen, junge Triebe dicht weichwarzig-
flaumhaarig, die oberen abstehend, fast zweizeilig; Blätter locker angeheftet,
flach, an der Ober- und Unterseite mit vorstehenden Längsnerven, an den
Rändern wenig umgebogen, beiderseits glänzend grün, unten beiderseits des
grünen Längskiels kaum etwas blasser, mit ungeteilter abgerundeter oder
schwach gekerbter Spitze, in einen kurzen, zusammengedrückten, öfter etwas
gedrehten Stiel verschmälert, mit schief-eiförmiger Basis dem Zweige eingefügt,
25 — 40 mm lang, 2 — 3 mm breit. Männliche Blüten in Dolden oder Bündeln
achselständig, an der Basis mit warzenförmigen, lederigen Schuppen bedeckt,
die nach den Zweigen hin sich verteilen, einzelne Blüten aufrecht stumpf,
zylindrisch, 1 cm lang. Antheren länglich, stumpf, orangegelb, schräg auf-
springend; Pollenkörner wie bei Pinus. Zapfen auf kurzem Zweige aufrecht,
zylindrisch-stumpf, 15 — 20 cm lang, 5 —6 cm breit. Zapfenschuppen dicklich,
außerhalb mit Längsstreifen und mit ganz kurzem glänzend-bräunlichem Flaum
bekleidet, mit dünnem, ringsherum ausgebissenem Rande, eirund-abgerundet,
kaum länger als breit, nach der Basis zu allmählich verschmälert und mit
etwas zurückgeschlagener Spitze. Bracteen halb so lang als die Schuppen,
dünnhäutig, eirund-lanzettlich, auf dem Rücken braun, an der Spitze aus-
gebissen-dreiteilig, mit dickerem, fast stechendem Mittellappen. Samen hellbraun,
10 mm lang, unten zugespitzt mit gleichfarbigem, messerförmigem, 15 — 18 mm
langem, 7 — 8 mm breitem Flügel, der so lang als die Schuppe ist oder dieselbe
beim Öffnen des Zapfens meist etwas überragt. (Unsere Abbildung zeigt
einen Originalzapfen von Nicholson in Kew gesammelt, welcher 11 cm lang,
4 cm breit ist und bei welchem die Samenflügel über die Schuppen her-
vorragen.)
Den Standorten nach zu urteilen, wo Abbe David diese Art zuerst
entdeckte, ist zu hoffen, daß sie sich widerstandsfähiger als Keteleeria Fortunei
erweisen wird.
II. Klasse. Coniferae.
205
Franchet fügt dieser Beschreibung bei, daß es eine schöne Tannenart
sei, welche in die Gruppe der Tsuga eingereiht werden müsse wegen ihrer
Zapfen mit bleibenden Schuppen, die aber von allen anderen bekannten
Arten dieser Gruppe durch die Größe ihrer Zapfen und die Dicke ihrer
Zapfenschuppen bedeutend abwiche. Er tadelt dann C. E. Bertrand (Ana-
tomie des Gnetacees et des Coniferes), dessen Auseinandersetzungen weit
entfernt seien, die verwandtschafdichen Beziehungen dieser Abies aufgeklärt
Fig. 46. Abies Davidiana Franch. l reifer Originalzapfen mit den über den Rand der Schuppen vor-
sehenden Samenflügeln; 2 Zapfenschnppe, Außenseite mitBractee; 3 Samen; 4 Blatt (vergr.). — Abies
Sacra Arm. David. 5 Zapfenschuppe von außen mit Bractee; 6 Samen (nicht ganz reif); 7 Blatt (vergr.).
zu haben, denn nachdem er auf einer Seite eine tabellarische Übersicht der
Untergattung Pseudotsuga gegeben, in welcher er, nach anatomischen Merk-
malen, die beiden asiatischen Pseudotsuga mit der nordamerikanischen Pseudo-
tsuga zusammenstellt, erklärt er auf einer anderen Seite, daß P. Davidiana
und P. jezoensis einander sehr ähnlich seien, die amerikanische Pflanze jedoch
anatomisch von den asiatischen Pseudotsuga sehr verschieden sei, also folglich
die Arten, welche denselben anatomischen Bau zeigten, in derselben Gegend
lebten, und daß somit eine Übereinstimmung zwischen der natürlichen Ein-
teilung der Arten und ihrer geographischen Verbreitung bestehe. — In der
206 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Tat ist diese Auseinandersetzung so verworren, daß sie anstatt aufzuklären,
nur verwirren kann. —
Keteleeria sacra (Abies Franchet)
von David in Shensi gesammelt, wo er sie um die Tempel angepflanzt fand,
dürfte, den beistehenden Abbildungen nach zu urteilen, wie auch Masters
in Journ. Linn. Soc. Botan. XXVI, p. 555 angibt, von Keteleeria Davidiana
nicht genügend verschieden sein, um sie als besondere Art festzuhalten, ich
habe sie deshalb als Synonym letzterer beigesetzt.
Von Franchet gleichfalls zu Tsuga gerechnet, ist sie der Abies Davidiana
ähnlich, weicht aber von dieser durch kürzere (nur 15 — 25 mm lange) Blätter,
durch glatte, nicht mit kurzem Flaum bekleidete junge Triebe, durch wenig
kürzere Zapfen mit nicht so dicken und an der Spitze nicht zurückgeschlagenen
Schuppen ab. Die männlichen Blüten sind kurz, kaum 10 mm lang und sitzen
an der Spitze oder weiter unten an den Zweigen zu drei bis vier beisammen.
Nach Franchet ist Abies sacra wahrscheinlich nur eine Varietät der
A. Davidiana.
Keteleeria formosana Hayata (in Gard. Chron. 1908, p. 194)
ist Keteleeria Davidiana ähnlich, aber verschieden durch spateiförmige Bracteen,
die über der Mitte etwas zusammengeschnürt sind, durch kürzere Zapfen
und schmalere Samenflügel.
5. Keteleeria n. sp. Mast, (in Journ. Linn. Soc. Botan. XXVI, 1902, p. 556).
Im botanischen Garten zu Hongkong kultiviert (Ford. 386) Herb. Kew.
Zweige grau, Blattnarben kreisrund. Zapfentragende Zweigchen borstig.
Blätter 30 mm lang, 2 mm breit, lineal-länglich, stumpf lederartig, glänzend,
Mittelnerv oberseits auf der ganzen Länge hervortretend, unterseits aber an
der Basis sehr erhaben, an den Rändern umgerollt. Männliche Blütchen in
Bündeln seitenständig, an der Basis durch häutige abstehende Schuppen
gestützt, die einzelnen gestielt, lineal-länglich, stumpf, 12 mm lang, 2 mm breit.
Antheren stumpf. Pollen wie bei Pinus. Junge Zapfen an kurzen borsten
Zweigen, an der Basis quersackförmig hervorragend, aufrecht, 50 mm lang,
20 mm breit, länglich, spitzig, rötlich. Bracteen angedrückt, olivenfarbig, an
der Spitze zerrissen, dreilappig, Mittellappen in eine blattartige, dreieckige,
aufrechte Verlängerung ausgezogen. Schuppen purpurrötlich, rundlich mit
Offnungen versehen.
Blatfnarben auf mehr oder minder vorspringenden, höckerförmig abstehenden,
herablaufenden und gefurchten Blatfkissen.
Picea Link (in Abhandl. Acad. d. Wissensch., Berlin 1827, p. 179; Abies
Don. in Loud. Arb. Brit. IV, 2329). Fichte, Rottanne.
Blüten einhäusig, männliche in den Achseln der oberen Blätter einzeln,
fast sitzend, von schuppenförmigen, dachziegeligen Bracteen dicht umgeben.
Staubfadensäule länglich oder zylindrisch. Antheren locker, spiralig gedrängt,
Fächer zwei, dem Stiele angewachsen, länglich-lineal, der Länge nach auf-
springend, durch das Mittelband über die Fächer hinaus in ein schuppen-
förmiges, eingebogenes, oft gezähntes Anhängsel verlängert. Weibliche Blüten
11. Klasse. Coniferae. 207
endständig, von wenigen tauben, dachziegeligen Sctiuppen dicht umgeben,
eirund oder länghch. Schuppen doppelt, vielreihig, spiralig-dachziegelig, bis
zur Basis gesondert. Bracteen häufig klein, nach der Blüte kaum vergrößert,
angedrückt. Samenschuppe schon während der Blüte größer als die Bractee,
dann eine ansehnliche Schuppe bildend, wenig verdickt, mit dünnem Rande.
Eichen zwei, am Grunde der Samenschuppe mit dieser zusammenhängend
und umgewendet. Zapfen hängend oder seitlich abstehend, eirund
oder länglich -zylindrisch mit unveränderten, bald verborgenen Bracteen;
Schuppen breit, aus der Samenschuppe gebildet, dachziegelig, nach dem
Samenausfall bleibend. Samen ohne Harzbläschen, unter jeder Schuppe
zwei, abwärts gerichtet, falsch flügelfruchtartig, doch die Haut über der Ein-
fügung dünne, trockenhäutig durchsichtig, von der inneren Lage der Schuppe
getrennt und beiderseits gerandet, der eigentliche Samen eirund oder länglich-
zusammengedrückt mit öfter bleibendem Elügel, Schale krustenartig oder
häutig; Kotyledonen vier bis acht.
Immergrüne Bäume, Blätter nadeiförmig, spiralig zerstreut, beiderseits
gekielt, mehr oder weniger vierkantig, oder undeutlich vierkantig, fast flach,
tannenähnlich, und dann an der Oberseite mit weißlichen Spaltöffnungsreihen,
auf den bleibenden herablaufenden Blattkissen sitzend, die nach dem Blätterfall
am Zweige höckerartig abstehend hervorragen.
Sektion I, Eupicea WillTc.^) Echte Fichten.
Blätter (Nadeln) vierflächig und vierkantig, auf allen Flächen mit Spalt-
öffnungsreihen, auf dem Querschnitt entweder ein fast rechtwinkliges, oder ein
schiefwinkliges Viereck darstellend (im letzten Falle ist das Blatt von oben
nach unten zusammengedrückt). Alle reifen und reifenden Zapfen hängend.
Zapfen 6—16 cm lang, walzenförmig, braun, Zapfenschuppen gewölbt, lederartig-
holzig, bis zur Reife fest zusammenschließend, breit abgerundet, ganzrandig
oder gezähnelt, oder nach der Spitze ausgezogen, abgestutzt oder ausgerandet.
1. Picea excelsa Lk. (in Linn. XV, p. 517 (1841). Fichte, Rottanne,
Pechtanne, Fichttanne. (Fig. 47 u. 48.)
A. Picea excelsa Lk., var. europaea Teplouchoff 1869.
Die europäische Fichte.
Syn. Picea Plin., Hist. Nat. XVI, 10.
„ Latinorum J. Bauh, Hist. I, 2, p. 238.
^) Professor Mayr gibt in seiner Monogr. d, Abietin. d. jap. Reichs 1890, p. 44 eine
Einteilung der Fichten in drei natürliche Sektionen:
1. Sektion Morinda. Blätter vierkantig, allerseits mit etwa gleichviel Spaltöffnungen;
Zapfenschuppen gewölbt, hart-holzig, bis zur Reife fest zusammenschließend.
2. Sektion Casicta. Blätter flach oder vierkantig, oberseits oder allerseits mit Spalt-
öffnungen; Zapfenschuppen von Jugend an locker, dünn, etwas längsfaltig, ausgefressen gezähnelt.
3. Sektion Omorica. Blätter nur (oder fast nur) oberseits mit zwei weißlichen Spalt-
öffnungsreihen, unterseiis glänzendgrün, stets mit zwei seitlichen Harzgängen; Zapfenschuppen
hart, gewölbt, fast bis zur Reife zusammenschließend.
Mayr stellt den Bau der Zapfen voran und läßt die Arten nach den Querschnittformen
der Blätter folgen. Leider stellt er auch eine Sektion Omorica auf, doch in ganz anderem Sinne,
208 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Syn. Abies tenuiore folio etc. Tourn., Inst. p. 585.
Picea major prima oder:
Abies rubra C. Bauh., Elssh. p. 297.
Pinus Abies L., Sp. pl. p. 1421 (1753).
Abies Picea Mill., Dict. No. 3 (1759).
Pinus Picea Dur., Obs. Bot. p. 37 (1774).
excelsa Lam., Fl. Franc, ed. I, II, p. 202 (1778).
„ cinerea Röhl, Deutschi. Fl. 376.
Abies excelsa D. C, Fl., Fr. III, p. 275 (1805).
Picea vulgaris Lk. in Abhandl. d. Berl. Acad. 1827, p. 180.
Picea vulgaris Lk., var. europaea Teplouchoff 1869.
Epicea commun, Pesse, Sapin de Norwege der Franzosen.
Common or Norway Spruce der Engländer.
In Nord -Europa und in den Gebirgen Mittel -Europas große dichte
Wälder bildend, in Lappland und Nord -Rußland fast bis zur äußersten
Baumgrenze vorkommend, entweder allein oder mit Pinus silvestris und Betula
pubescens gemischt; in den Alpen von 1300 bis über 2000 m Höhe, in den
Nord-Pyrenäen selten, häufig in den Karpathen bis zu 1500 m Höhe.
Baum von 30 bis über 50 m Höhe, mit schnurgeradem, säulenförmigem,
sich stark verjüngendem Stamme, der bis zu 2 m Durchmesser erreichen kann,
mit jung glatter, hellbrauner, später mit in dünnen Schuppen sich abblätternder
rotbrauner bis grauer Rinde (die Bäume mit grauweißer Rinde wurden als
Pinus cinerea Röhl. und Abies cinerea Borkh. & Bechst. bezeichnet) und
schöner, spitz-pyramidaler Krone, wagerecht abstehenden^ oder leicht abwärts-
stehenden Ästen, Zweige unbehaart oder kaum schwach flaumig, aufrecht oder
überhängend. Blätter sehr dicht spiralig gestellt, an üppigen jungen Trieben
rings um den Zweig, oder bürstenförmig nach oben stehend, gerade oder
etwas gebogen, steif, zusammengedrückt-vierkantig, kurz-stachelspitzig stechend,
allerseits glänzend-dunkelgrün, auf hervorragenden Blattkissen, 15 — 25 mm
lang, 1 mm breit. Knospen kegelförmig-spitz mit trockenhäutigen, hellbraunen,
harzlosen Schuppen. Männliche Blüten zwischen den Blättern, am Grunde
von hellgrünen Deckblättern umgeben, 20 — 25 mm lang, schön purpurrot.
Weibliche Blüten an den Spitzen vorjähriger Triebe, länglich -cylindrisch,
4 — 51/2 cm lang, aufrecht, schön purpurrot. Zapfen hängend, 10 — 16 cm
lang, 3 — 4 cm breit, zylindrisch-stumpf, jung grün, reif hellbraun, Schuppen
zahlreich, dachziegelig, glänzend lederartig verkehrt-eirund, konkav, am Rande
wellig ausgerandet oder ausgefressen gezähnelt, bis lang schnabelförmig aus-
gezogen und abgestutzt. (Carriere führt eine Picea excelsa integriquamis
Tr. gen. Conif. 1855, p. 246 an, welche sowohl wildwachsend wie auch in
Kultur beobachtet wurde.) Bracteen klein, länglich, gezähnt-gewimpert, viel
kürzer als die Schuppe. Samen eiförmig-spitz, dunkelbraun, 4 mm lang, mit
dreimal so langem, rotgelbem, glänzendem Flügel. Ausfliegen des Samens
wie sie lange vor ihm Willkomm auffaßte. Hier wäre eine andere Bezeichnung nötig ge-
wesen, um stete unliebsame Verwechselungen zu vermeiden, die gar nicht ausbleiben können.
Ich behalte nach Willkomm die beiden Sektionen Eupicea und Omorica, auf die
Blattquerschnittformen begründet, bei, denen die Arten, dem Bau der Zapfen entsprechend, folgen.
II. Klasse. Coniferae.
209
im Frühjahr, wo dann der Zapfen mit weitklaffenden Schuppen noch länger
am Baume hängen bleibt.
Als eine merkwürdige Bildung sab weich ung des Zapfens ist: Picea
excelsa f. acrocona
Fries in Bot. Notiser
Lund 1890, p. 255 zu
nennen; sie wurde in
der Nähe von Upsala
in Wäldern bei Ultuna
und Flottsuna spontan
gefunden. Im botani-
schen Garten in Upsala
sah ich Herbermaterial
und einen lebenden,
etwa 3 m hohen Baum.
Derselbe ist gesund und
ganz normal entwickelt,
trägt auch an Seiten-
zweigen normale Zap-
fen, aber zugleich auch
an den Zweigspitzen
langgestreckte,
monströse Zapfen.
Ganz junge Zap-
fen zeigen zwischen den
weichen zurückgerollten
Zapfenschuppen derbe,
kurze, breite, scharfge-
spitzte Nadeln, die nach
der Spitze zu schopfartig
stehen und auf eine
spätere Durchwachsung
hindeuten. (Mitt. d. d.
dendr. Gesellsch. 1907,
p. 49.)
Prächtiger, allge-
mein bekannter, ge-
schätzter Waldbaum, der
alljährlich zu Tausenden
als Christbaum oder
Tannenbaum auf den
Weihnachtsmärkten feil-
geboten wird und ein
treffliches, harzreiches,
weiß-rötliches Bau- und
Brennholz liefert, das je
nach Boden und Stand-
ort leichter und schwerer
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 14
Fig. 47. Picea excelsa Lk.
Olf) Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
und je nach diesen Eigenschaften zu verschiedenen Erzeugnissen verwendet
wird. Die Rinde ist reich an Gerbstoff und wird vielfach als Gerbmaterial
verwendet.
Fig. 48. Picea excelsa Lk. l reifer Zapfen; 2 Zweigspitze mit weibljchem Blütenzäpfclien; 3 Schuppe
aus demselben mit den beiden geflügelten Eichen (vergr.); 4 Zweig mit männlichen Blüten; 5 ein
männliches Blütenkätzchen (vergr.); 6 Staubblatt (vergr.); 7 Blatt mit Querschnitt (vergr.); 8 Samen;
9 Schuppe von außen, die sehr kleine Bractee zeigend; 10, 11 und 12 Vorderränder der Schuppen von
verschiedenen Zapfen, um die Abweichungen zu zeigen.
Die gemeine Fichte wird auch in größeren Gärten und Parks mit
Vorliebe angepflanzt, sie macht bei größeren Nadelholzpflanzungen meist den
II. Klasse. Coniferae. 211
Hauptbestand aus und wird oft zu häufig und an unpassenden Stellen ver-
wendet. Die richtige Verwendung ist nur da, wo der Baum seine ganze
Schönheit entfalten kann, also freistehend, so daß die unteren Äste dem Boden
aufliegen und tadellose, reichbezweigte Pyramiden sich entwickeln können.
So, einzeln oder zu lockeren Gruppen hainartig vereinigt, gehört die gemeine
Fichte zu den schönsten Coniferen, findet aber so nur in großen Gärten und
waldartig in ausgedehnten Parkanlagen Platz. Für kleine Gärten nimmt die
Fichte einen zu großen Umfang ein und kann nur als junge Pflanze und
vorübergehend Platz finden, vor allem aber hüte man sich, sie in dichte
Gruppen zu pflanzen, welche bald innen und unten kahl werden und dann
einen häßlichen Eindruck machen; ebenso darf die Fichte nie zu nahe an die
Wege gepflanzt werden, wie dies leider nur zu häufig geschieht, und dann
heckenförmig geschnitten werden muß, was schlecht und steif aussieht. Trefflich
eignet sich die Fichte zu Schutzpflanzungen und dichten hohen Hecken
und wird zu diesem Zwecke von keinem Baume übertroffen.
Äußerst schätzbar ist die Fichte ferner als Zwischenpflanzung, zum
Schutz bei hainartiger Anpflanzung feinerer Coniferen, die alsdann in der zu
ihrer tadellosen Entwickelung nötigen Entfernung gepflanzt und, ohne ver-
weichlicht zu werden, von den Fichten einen naturgemäßen leichten, seitlichen
Schutz empfangen. Nachdem die Fichten so für einige Zeit die Lücken ge-
füllt, die Gruppierungen verschönert haben, und nachdem die edleren Coniferen
genügend erstarkt sind und ihrerseits beginnen, ihren Platz auszufüllen, werden
sie entfernt.
Die Fichte gedeiht fast in jedem Boden und in jeder Lage, kümmert
jedoch in zu dürrem und magerem Boden, zumal in zu sonnigen Lagen und
an heißen und trockenen Abhängen. Sie fürchtet vor allem Staub, Rauch
und schädliche Ausdünstungen in Städten und deren Umgebung. Am voll-
kommensten entwickelt sie sich in gleichmäßig feuchtem Boden bei genügender
Luftfeuchtigkeit.
Die Fichte neigt sehr zu Abweichungen, und überaus zahlreich sind
die Formen, die in der Gestalt, der Bezweigung, den Blättern, den Zapfen
(die auch durchwachsen vorkommen), wie in der Färbung abweichen. Manche
sind als eigentümliche klimatische und Standortsformen beobachtet und in
Kultur eingeführt, andere sind als eigentümliche Sämlinge bei Aussaaten oder
auch durch Sportzweige gewonnen und alle werden, um sie charakteristisch
fortzupflanzen, durch Veredlung oder die Zwergformen besser durch
Stecklinge vermehrt, da sie, durch Veredlung auf die Art fortgepflanzt,
öfter ihren charakteristischen Wuchs ganz verlieren, wie dies auch von
anderen Coniferen beobachtet wurde.
Öfter kommt es vor, daß in nordischen Gegenden und in Gebirgen
durch Sturm oder Schneedruck Bäume der Spitze beraubt werden und dann
mehrere Köpfe treiben, so daß eine breite, oft vielköpfige Kronenform ent-
steht. Willkomm bezeichnet dieselbe als Schneebruchsfichte, der Stamm
scheint alsdann kurz, von unten an stark beästet und dicht verzweigt und
läuft in mehrere oder viele Wipfel aus, je nachdem die Wipfel wiederholt
gebrochen sind. Man hat solche in der Krone mehrwipfelige Bäume auch
Kandelaberfichten genannt. Schröter in „Vielgestaltigkeit der Fichte",
Zürich 1898, p. 102 bildet einen solchen alten Baum von Buchental in
14*
919 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
rhüringen und p. 100 eine solche von St. Antonien mit 21 Sekundärwipfeln
ab. Malerische alte Bäume davon stehen in Wilhelmshöhe bei den Fuchs-
löchern. Auch in Thüringen bei Ohrdruf steht eine zwölfwipfelige Fichte
von 26 m Höhe, ebenso bei Sommerau nahe bei Zittau eine alte berühmte,
vielwipfelige Fichte, die „Harfe" genannt wird. Es kommt auch vor, daß
untere, dem Boden aufliegende Äste Wurzeln schlagen und dann ihrerseits
neue Wipfel bilden. Ein solcher interessanter Baum ist nach Prof. Schübelers
Viridarium norvegicum in der Gartenflora 1888, p. 532 abgebildet; eine weitere
interessante Form, wo ein umgeworfener Stamm mit der Spitze sich wieder
senkrecht emporrichtete, an verschiedenen Stellen in den Boden Wurzeln
schlug und auf dem horizontalliegenden Stamme noch mehrere Äste sich
gleichsam als junge Stämme emporrichteten, finden wir ebenfalls nach
Schübeier im gleichen Jahrgange p. 495 abgebildet, dann noch p. 469 eine
nordische Fichtenform, die nach Schübeier eine interessante Säule bildet,
indem die unteren Äste etwa bis zur halben Höhe so kurz sind, daß die
Baumkrone bis zu 11 m Höhe nur 3,76 m Durchmesser besitzt, während von
hierab bis zur Spitze in einer Höhe von 25 m die Zweige so kurz sind und
dem Stamme so dicht anliegen, daß hier die obere Säulenform nur 62 cm
Durchmesser hat. Diese werden als Spitzfichten oder Walzenfichten
bezeichnet. Schröter bildet p. 106 eine Spitzfichte aus Finnland und p. 107
einen Spitzfichtenwald von St. Antonien in Graubündten ab, der einen ganz
eigenartigen Anblick gewährt.
Als Standortsformen sind ferner aufzufassen:
Picea excelsa Lk. f. palustris Berg. 1887 gleich P. excelsa aegra myelophthora
Caspary 1874. Die Sumpffichte oder Krummfichte.
Caspary fand sie in Ostpreußen, Graf Berg in Livland auf nassen
Torfmooren oft zu Tausenden. Er bildet in „Einige Spielarten der Fichte",
Dorpat 1887, Taf. X ein Exemplar ab. Der Wipfel, wie alle Äste, sind ab-
wärts gebogen, und so gleicht der Baum einem großen Reisighaufen; alle
innern Äste und Zweige sind abgestorben. Werden die Moore entwässert,
so richten sich die Bäume allmähhch wieder auf, dasselbe tat ein in dem
botan. Garten zu Königsberg verpflanzter Baum. Caspary faßte die Er-
scheinung als Markkrankheit auf und gab deshalb den Namen. Graf Berg
wies jedoch nach, daß diese Sumpfform nicht mehr krankes Mark zeigt als
gesund aussehende, normal gewachsene Fichten und schlägt deshalb als
richtiger den Namen palustris vor.
Graf Berg 1. c. bildet Taf. VII noch eine Trauerfichte auf trockenem
Lehmboden ab, die er Picea excelsa var. depressa nennt. Sie zeigt
nickenden Wipfel und abwärts hängende Äste, die so dicht sich decken, daß
sie fest aufeinander liegen. Die dichte Verzweigung trägt dicke lange Nadeln.
Auf die interessanten norwegischen Schlangen- und Hängefichten, die auch
an anderen Orten beobachtet wurden, werden wir später zurückkommen.
Durch Beschädigungen, zumal durch Verbeißen von Vieh, entstehen
Buschformen. Als Zwillingsfichten bezeichnet man (nach Schröter)
solche Fichten, wo zwei Stämme sich tief unten bilden. Als Garbenfichten
(1. ramosa) werden solche bezeichnet, welche tief unten mehrere Stämme
bilden; als Polsterfichten solche, welche mit Stamm ein bis meterhohes
II. Klasse. Coniferae. 213
dichtes Polster bilden; als Mattenfichten solche, welche stammlos im Rasen
kriechende, wurzelnde, ausläuferartige Äste bilden.
Stelzenfichten nennt man Bäume, die öfter in urwaldartigen Forst
beständen, z. B. von Göppert in Oberschlesien, beobachtet wurden, wo die
Samen in modernde Stöcke oder Stämme fielen, durch diese, oder um die
selben herum, ihre Wurzeln in den Bogen sandten, und nachdem die Stöcke
verfault und zerfallen, dann auf den mächtigen, über dem Boden hervor
ragenden Wurzeln in Form von Säulen oder Stelzen stehen.
Weiter ist als charakteristische Form die sogen. Weiß- oder Hasel-
fichte zu nennen, welche, nach Willkomm, sich durch einen eigentümlichen
Habitus und Bau des Holzes auszeichnet, in einer Erhebung von 800 — 1500 m
u. a. in den steierischen und oberbayerischen Alpen, im schwäbischen Hoch-
gebirge, Bayerischen und Böhmer Walde vorkommt und meist vereinzelt auf
Felsen oder in kleinen Horsten angetroffen wird. Ihr Holz zeigt fast gleich
breite Jahresringe, und zwar eine sehr schmale, braune Herbstholzschicht
und eine sehr breite, weiße Frühlingsholzschicht, welche angeschlagen einen
hellen, lang vibrierenden Ton von sich gibt und deshalb für Resonnanzböden
musikalischer Instrumente sehr gesucht und geschätzt ist. Im Böhmer und
Bayerischen Walde wird es „Zargenholz" genannt. Nach Prof. Dr. Hartmann
soll sie Kalk- und Glimmerschieferboden bevorzugen, unterscheidet sich von
der gewöhnlichen Fichte durch eine auffallend zarte, helle, mehr glatte Rinde,
treibt im Frühjahr weißblättrige Sprosse, die in sonnigen Lagen gelblich
werden, soll auch mit langen, trauerweidenartigen, hängenden Zweigen vor
kommen, an denen sich an mehreren Punkten Blätterbüschel ansetzen und so
dem Baume ein ganz fremdartiges Aussehen geben.
Purkyne, Professor an der Forstschule in Weißwasser (Böhmen), der
sich gleich Engelmann durch eingehende anatomische Untersuchungen der
Kiefernblätter, überhaupt durch genaue Studien über Coniferen, ein großes
Verdienst erworben, hat zwei schon früher beobachtete Hauptformen der
Fichte wissenschaftlich genau beschrieben, nämlich die rotzapf ige und die
grünzapfige Fichte.
Picea excelsa erythrocarpa Purk. (Allgem. Forst- und Jagdzeit. 53. Jahrg., 1877,
p. 1—10; mit 2 Tafeln 1879, p. 340). Rotzapfige Fichte. (Frühfichte,
weil sie sich früher im Jahre entwickelt.)
Die Blätter sind stumpf-gespitzt und liegen dem Mitteltriebe dicht an.
Die Blattkissen sind kurz, stehen wenig vor und sind in linkswindende
Spiralen angeordnet. DieKnospen sind spitz, glänzend-gelbbraun. Schuppen
spitz, die unteren deutlich gekielt und stachelspitzig. Weibliche Blüten im
Knospenzustande eiförmig, eingehüllt in glänzend-gelbbraune Schuppen, die-
selben aufgeblüht karmin-violett. Junge Zapfen (im August) dunkel-violett.
Zapfenschuppen dicker, gewölbt, ihr Vorderrand an geschlossenen Zapfen
abgerundet erscheinend. Samen mit kurzem, dickem Korn und breitem, rot-
braunem Flügel. Holz in der Regel schwerer spaltbar und oft drehwüchsig fest.
Picea excelsa chlorocarpa Purk. Grünzapfige Fichte. (Spätfichte, weil
sie sich später im Jahre entwickelt.)
Die Blätter sind scharf spitzig und stehen vom Mitteltriebe ab, sie sind
viel lockerer gestellt als bei der rotzapf igen Fichte. Die Blattkissen sind
214 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
in einen langen Schnabel ausgezogen und in rechtswindende Spiralen an-
geordnet. Die Knospen sind groß, kugelig, häufig bläulich bereift; Schuppen
bis auf die untersten nicht gekielt, die unteren spitz, die oberen abgerundet.
Weibliche Blüten im Knospenzustande um die Hälfte größer, kugelig,
Schuppen blauweiß bereift, dieselben aufgeblüht gelblich-zinnoberrot. Junge
Zapfen (im August) hellgrün. Zapfenschuppen dünner, flacher, ihr Vorder-
rand schon an geschlossenen Zapfen ausgekerbt erscheinend. Samen mit
länglichem dünnem Korn und schmalem, hellgelbbraunem Flügel. Holz gerade
und leicht spaltbar weich.
Nicht ganz übereinstimmend mit diesen Angaben gibt, nach Willkomm,
der Forstinspektor Brennet an, daß im französischen Jura die grünzapfige
Fichte ein schwereres, schwerer brech- und spaltbares, gelbliches Holz besitze,
während die rotzapfige Fichte ein leichteres, leicht spaltbares, weißes, schön
Politur annehmendes habe. Weiter liebe die rotzapfige einen leichten,
lockeren Boden und sonnige Lage auf hohen Bergen und besitze eine früher
beginnende, langsame und regelmäßige Vegetation, während die grünzapfige
am besten auf einem festeren, feuchteren Boden in frischer Lage und geringerer
Höhe gedeihen soll, daher meist an Ufern und Bächen und am Rande von
Torfmooren isoliert vorkommt und eine spät beginnende, aber rasch fort-
schreitende Vegetation hat. Nach Schröder kommt sie bei Moskau besonders
an feuchten Stellen viel vor. Dann meint Brennot, daß die rotzapfige
Fichte mehr dazu neige, zur Haselfichte zu werden, während umgekehrt
Purkyne glaubt, daß letztere zur grünzapfigen Fichte gehören möchte.
Willkomm bemerkt hierzu, daß nur eingehende Beobachtungen solche Wider-
sprüche lösen können und daß die Zapfenschuppen für Unterscheidung von
Varietäten oder Rassen von Fichten nicht maßgebend sein können, da
diese innerhalb ihres großen Verbreitungsbezirkes so außerordentlich zu Ab-
weichungen neigen.
Schröter, in Vielgestaltigkeit der Fichte, Zürich 1898, p. 97 meint-
die rotzapfige, dicht benadelte Frühfichte scheine dem Gebirgsklima besser
angepaßt zu sein. Die grünzapfige, locker benadelte Spätfichte gedeiht
besser in der Ebene.
Übergangsformen zwischen der typischen Picea excelsa Lk. und der extremen
obovafa-Form. Zapfenschuppen vorwiegend vorn abgerundet, fein gezähnelf.
Picea excelsa medioxima Nyland. Nordische oder mittelständige Fichte.
Syn. Pinus Abies medioxima Nyland, Journ. de la Soc. Bot. de France X,
p. 501 (1863).
Abies medioxima Murr., Pin. Brit. Heft 27 (1870).
In Nord-Europa, im Norden der skandinavischen Halbinsel, im nördlichen
Rußland und in Finnland wachsend. Auch in Graubündten bei Oberhalbstein
gefunden.
Ein kleiner Baum oder selbst als Strauch auftretend. Zweige fein behaart,
Blätter dicklig- vierkantig, kurz gespitzt, 12 — 18 mm lang, glänzend-grün,
dicht gestellt und die Oberseite der Zweige dicht bedeckend; Zapfen an
kurzen Zweigen, nicht hängend, sondern meist horizontal oder schief abwärts
II. Klasse. Coniferae. 215
gerichtet, weit kleiner, höchstens bis zu 8 cm lang, eirund-länglich, Zapfen
schuppen ganzrandig oder kaum ausgerandet.
In einer Versuchspflanzung im Forstgarten in Tharandt hatte diese
nordische Fichte, gleichzeitig neben normale Fichten verschult, im gleichen
Zeitraum kaum die halbe Höhe wie diese erreicht.
Diese nordische Fichtenform ist mit der sibirischen oder Altaifichte
(Picea obovata Ledeb.) verwechselt worden und gleicht im Aussehen der P.
Orientalis Lk., für welche sie auch fälschlich gehalten wurde.
Sehr nahestehend, wenn nicht identisch, ist:
Picea excelsa fennica Rupr. (in seiner unvollendeten Flora Ingrica) und
Pinus Abies fennica (Regl. in Gartenflora XII, 95, Febr. 1863).
Die finnische Fichte.
Picea vulgaris Lk., var. uralensis Teplouchoff 1869.
In Rußland bei Petersburg und Moskau, in Livland und Polen, in Finn-
land und Lappland, Nord-Schweden und Norwegen, im Amurland, am Ussuri
in der Dsungarei vorkommend.
Eine ausgesprochene Übergangsform , welche von der großzapfigen
typischen obovata-Form kaum zu unterscheiden ist. Nach Schröder sind
die Zapfen von verschiedenen Bäumen, im dendrologischen Garten der landw.
Akademie in Moskau, meist 7 cm lang, 3 cm breit, nur ein Baum bringt
Zapfen bis zu 10 cm Länge. Ein mir vorliegender Zapfen von einem Baume,
welchen der Autor selbst als seine fennica bezeichnete, ist 9 cm lang und
hat runde, ganzrandige Schuppen.
Hierher gehören ferner:
Picea excelsa septentrionalis hört., die skandinavisch-finnländische
Fichte, und Picea excelsa borealis Glöers, die Polarfichte, in Norwegen
am 67.^ n. Br. gesammelt; sie liefern nach Rafn ein Saatgut von vorzüglicher
Keimkraft. Die Samen sind kleiner als die der Tieflandfichte und ergeben
schwachwüchsigere, gedrungenere, breitwüchsige Pflanzen, die aber äußerst
widerstandsfähig sind. Zum Anbau können sie nur für hohe, rauhe Lagen
und nordische Länder empfohlen werden, sind aber hier dann trotz des lang-
sameren Wuchses von größtem Werte.
Herr Job. Rafn, Waldsamenhändler in Kopenhagen, hat sich um Be-
schaffung und Verbreitung von Saatgut von dieser nordischen Fichte besonders
verdient gemacht.
Sehr nahe steht der nordischen Fichte die Alpenfichte, so daß beide
auch vereinigt wurden, so von Heer in Verhandl. Schweizer Naturforsch. -
Gesellsch. Solothurn 1869, p. 70.
Professor Brügge r in Chur hat jedoch nachgewiesen, daß die Alpen-
fichte hinreichend von der nordischen Fichte mit ihren glänzend-grünen
Blättern abweicht, so daß er sie als charakteristische Unterart der gewöhnlichen
Fichte aufführt wie folgt (Jahresbericht der Naturforsch.-Gesellsch. Graubündtens
Jahrgang XXIX, 1884/85):
216 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Picea (excelsa) alpestris Brügger. Alpenfichte.
Syn. Picea excelsa alpestris Brügger, Jahresbericht XVII, p, 154; Flor.
Cur. 49.
Aviez selvadi (d. h. wilde Weißtanne) der Graubündtner.
Auf den Graubündtner Alpen, um Parpan und auf der Lenzerheide, in
einer Höhe von 1370 — 1600 m Wälder bildend, um den Kurort St. Bernhardin
bei 1600 — 1800 m. Steht die Alpenfichte, wie es häufig dort vorkommt, unter-
mischt mit der gemeinen Fichte, so unterscheidet sich erstere schon von
weitem durch gedrungenen Wuchs, durch steife, starre Bezweigung, durch
grauen oder blauweißen Duft auf den Blättern, besonders an den jungen
Trieben, durch weißgraue Rinde des Stammes, so daß sie auf den ersten
Blick mehr einer Weißtanne wie einer Fichte gleicht und daher schon von
dem romanisch redenden Landvolke als besondere Baumart „Aviez selvadi"
(wilde Weißtanne) zum Unterschiede von der Fichte (Rottanne) „pign" dort
bezeichnet wird, die mit rotbrauner Rinde, schlanken, hängenden Zweigen
und nicht bedufteten, dunkelgrünen Blättern abweicht. Noch mehr soll die
Alpenfichte nach Brügger der amerikanischen Weiß- oder Schimmelfichte
Picea alba Lk. in der Erscheinung und in der hellblaugrünen Färbung gleichen.
In betreff des Holzes zeigt die Alpenfichte, wie auch andere auf
Gebirgen langsam erwachsene Coniferenformen, eine größere Dichtigkeit und
Regelmäßigkeit der Jahresringe. Brügger zählte an einem Stamm von 35 cm
Dicke etwa 100 Jahresringe, an einem von 75 cm Dicke 150 — 160 Jahresringe.
Das Holz ist ganz besonders als Resonnanzholz geeignet, ebenso wie dies
schon von dem Holz der Weiß- oder Haselfichte angeführt wurde, und
daher von Pianoforte-Fabrikanten besonders gesucht und geschätzt.
Nach Brüggers Angaben würden sich, nach genauem Vergleich der
Alpenfichte mit der gemeinen Fichte, folgende Unterschiede ergeben.
Picea alpestris: Junge Triebe samthaarig (dichtkurzhaarig). Zweige
und Blätter steifer, dicker, letztere fast rechtwinklig abstehend, einwärts ge-
krümmt und an älteren Zweigen fast einerseitswendig; Blätter kürzer, 15 bis
18 mm lang und deutlicher vierkantig (mit rhombischem Querschnitt), weniger
zugespitzt, stumpflich oder spitzlich, kaum stechend, getrocknet ölgrün bis
gelblich-grün (bei P. excelsa Lk. dunkelgrün). Blütenkätzchen heller, weißlich,
etwa um ^/g kürzer, männliche mit schwächer und seichter gezähnelten
Schuppen, weibliche 4 cm lang, Zapfen je nach guter Entwickelung hängend,
auch horizontal oder selbst in hohen, rauhen Lagen infolge ungenügender
Entwickelung etwas aufwärts gerichtet, i) etwa Vs kürzer, l^j^ — 12^/2 cm lang,
Schuppen vorn abgerundet und ganzrandig.
Ich konnte in Plaun Good bei Samaden in etwa 1750 m Erhebung
diese interessante Alpen lichte kennen lernen. Sie zeigt weißgraue Stämme,
^} Man hat früher oft diesen aufwärts gerichteten Zapfen ein besonderes Gewicht bei-
gelegt. Wie Herr Graf Fr. Berg in seiner trefflichen Schrift „Einige Spielarten der Fichte",
Dorpat 1887, nachgewiesen hat, sind diese kleinen, schlecht ausgebildeten Zapfen so leicht, daß
sie sich mittelst ihrer Schwere nicht abwärts biegen können. Er sagt dann weiter, daß gut
entwickelte ausgewachsene Fichtenzapfen hängen, „Wir haben jedenfalls kein Recht, die Fichten,
aus denen bis jetzt aufwärts gerichtete Zapfen nachgewiesen wurden, als besondere Arten, oder
auch nur als besondere Varietäten zu bezeichnen, es ist nur eine Folge unvollkommener Ent-
wickelung,"
II. Klasse. Coniferae, 217
eine gedrungene, schlank kegelförmige Gestalt, weitgestellte Äste, kurze
steife Bezweigung und derbe bläuliche Blätter, Ich sammelte Zapfen von
5 — 10 cm Länge. Die Zapfenschuppen sind teils rundlich, fast ganzrandig,
oder seicht gezähnelt, teils nach den Spitzen zu mehr ausgezogen und ein-
gekerbt. Sie zeigen also alle Übergänge in der Form; auch konnte ich
grünzapfige (chlorocarpa) und rotzapfige (erythrocarpa) nebenein-
ander beobachten.
Die Alpenfichte wurde von Dr. M ad er, Note florist. di Liguria, Atti
d. Soc. Ligustica di Sc. nat. et geog. XVI, 1905, auch in den Seealpen, auf
der Baissa d'Urno, einem über 2000 m hohen Bergrücken, einen kleinen
Wald bildend, südwestHch von Col di Tenda entdeckt (Mitt. d. d. dendr.
Gesellsch. 1907, p. 115).
Picea excelsa hercynica hört. Fichte vom Harz.
Syn. Abies excelsa hercynica hört.
Diese ist eine vom Lerchenfeld am Brocken stammende Form, welche sich
von der Art durch gedrungenen Wuchs, dichtere Verzweigung, feine, kürzere
Blätter und kleinere Zapfen unterscheidet, nach AI. Braun der sibirischen
oder Altaifichte Picea obovata Ledeb. nahe steht und zu denjenigen klimatischen
und Standortsformen gerechnet wird, welche den Übergang von P. excelsa
zu P. obovata bilden sollen und welche mit ähnlichen Abweichungen in
rauhen, nördlichen Gegenden und auf Gebirgen, so z. B. im Thüringer Wald,
beobachtet wurden. Diese Form hat nach Zabel, im dendrologischen Garten
der Forstakademie zu Münden seit 1876 kultiviert, dort ihren gedrungenen
Wuchs und die kürzeren Blätter beibehalten, unterscheidet sich jedoch
von der Alpenfichte sofort durch die völlig kahlen Zweige.
Picea excelsa carpathica Loud. Karpathenfichte.
Syn. Abies excelsa carpathica Loud., Encyclop. of Trees 1027 (1842).
Picea excelsa tenuifolia Carr., Man. des pl. 340.
Abies excelsa tenuifolia Loud., Encyclop. of Trees 1027 (1842).
Eine auf den Karpathen vorkommende Form, die niedriger von Wuchs
ist und mit fein behaarten Zweigen, dünneren, kürzeren, glänzend -dunkel-
grünen, dem Zweige dicht anliegenden Blättern und kleineren Zapfen von
der Art abweicht und somit anderen Formen nordischer Gegenden oder
höherer Gebirge ähnlich ist.
Picea excelsa sibirica Carr. (Conif. 2. ed., 331 [1867]).
Syn. Abies excelsa sibirica hört.
„ sibirica hört, nicht Ledeb.
Diese Form bildet einen breiten, gedrungenen, dicht bezweigten Kegel.
Die jungen ausgereiften Zweige sind glatt, hellbraun, die braunen, kegel-
förmigen Knospen verhältnismäßig stark; feine, scharfgespitzte, 10—15 mm
lange Blätter decken den Zweig dicht zu.
218 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Zapfenschuppen breif-eiförmig oder fast herzförmig, gewölbt, weich und biegsam,
ganzrandig, abgerundet oder abgestutzt.
B. Picea excelsa Lk., var. altaica Teplouchoff (1869).
Picea excelsa Lk., var. obovata Ledeb. (als Art) (Fl. altaic. IV, 201, 111, t.
499 [1833]). Sibirische Fichte, Altaifichte.
Syn. Pinus Abies Fall., Fl. Ross. II, p. 6 exkl. Syn. (1788).
Picea obovata Ledeb., Fl. altaic. IV, p. 201, III, t. 499 (1833).
Abies obovata Loud., Arb. Brit. IV, p. 2329 (1838).
Pinus obovata Ant, Conif. p. 69, t. 37 f., 2 (1847).
Picea vulgaris var. altaica Teplouchoff, Bull. d. 1. Soc. de Mose.
XLI, 250 (1869).
Abies excelsa var. obovata C. Koch, Dendr. II, p. 238 (1872).
Kara-Schersae der Tartaren.
Epicea de Siberie der Franzosen.
Siberian Spruce der Engländer.
In Nord- und Ost-Rußland, auf der Skandinavischen Halbinsel, durch
ganz Sibirien vom Ural bis zum Jenisei, hier bis über den 69.^ n. B. ihre
Nordgrenze erreichend, zumal im Altaigebirge bis zu 1300 m Erhebung große
Waldungen bildend, bis Kamtschatka und auf die Kurilen vordringend, in der
Mandschurei in der Nähe des Amur von Maximowicz aufgefunden.
Etwa um das Jahr 1852 in Europa eingeführt.
Die sibirische Fichte steht der gemeinen Fichte sehr nahe und
wird heute von der Mehrzahl der Autoren nur als eine klimatische Abart
derselben angesehen, schon Grisebach (in Vegetation der Erde I, p. 535)
hielt die sibirische Fichte für eine klimatische Form der gemeinen Fichte und
Teplouchoff (nach diesem auch Dr. Udo Dammer, Gartenflora 1888, p. 614)
haben allmähliche Übergänge, was die Größe und Form der Zapfen und
Zapfenschuppen anlangt, gefunden.
Ohne hier die sehr reiche Literatur erschöpfend wiedergeben zu können,
nenne ich nur als die wichtigsten: Graf Fr. Berg, „Einige Spielarten der
Fichte", Dorpat 1887. In dieser trefflichen Schrift, worin alle Formen ein-
gehend besprochen und viele Abbildungen beigegeben werden, sagt der Autor
u. a. wörtlich: „Um auf den Vergleich der Varietas obovata mit unserer
gewöhnlichen Picea excelsa Lk. zurückzukommen, so muß ich meine Ansicht
dahin formulieren, daß nach der Form der Zapfenschuppenspitzen die Extreme
der sibirischen und europäischen Varietät allerdings so sehr verschieden von-
einander sind, daß die verschiedene Benennung: Picea excelsa var. obovata
im Gegensatz zur europäischen Picea excelsa Lk. ganz berechtigt und sogar
notwendig erscheint, obgleich die Kennzeichen der einen Form so allmählich
in die der anderen übergehen, daß weder eine geographische Grenzscheide
zwischen beiden gezogen werden kann, noch die genaueste Definition dazu
hinreichen wird, um in allen Fällen mit Sicherheit zu bestimmen, zu welcher
Varietät ein Zapfen gehört."
Zu dem gleichen Resultat kommt Dr. C. Schröter, „Über die Viel-
gestaltigkeit der Fichte", Zürich 1898, mit 37 Abbild. In eingehendster Weise
werden hier alle Fichtenformen behandelt, auf welche ich weiter öfter zurück-
kommen werde.
II. Klasse. Coniferae. 219
Weiter mögen hier noch die Schriften von: Klinge, Kihlman,
Blomquist, Hissinger, Fries, Schübler, Ascherson u. Graebner,
Beck, Caspary, Conwentz, Wilhelm, Willkomm, Wittrock genannt
werden.
Es könnte befremden, daß die extreme Varietas obovata, die
sibirische Fichte, die ein riesiges Verbreitungsgebiet gegenüber der Picea
excelsa Lk., der europäischen Fichte, hat, überdies auch als älter an-
gesehen wird, zu letzterer als Varietät gestellt wird. Diese Bezeichnung ist
jedoch jetzt nahezu allgemein angenommen, und die nahe Verwandtschaft
wird dadurch ja auch am besten ausgedrückt.
Ich schließe mich daher dieser Anschauung hier an, obgleich ich vom
praktischen Standpunkte aus gerne Picea obovata Ledeb. als Art
festgehalten hätte. —
Willkomm, der die sibirische Fichte sowohl im botanischen Sinne,
als auch in forstwissenschaftlicher Beziehung, von der gemeinen
Fichte für nicht verschieden hält, führt sie dennoch, in seiner forstlichen Flora
p. 93, ihres anderen Aussehens und des ganz anderen geographischen Ver-
breitungsbezirks wegen, als eigene Art auf und weist mit Recht darauf hin,
daß der Umstand, daß Picea obovata in Kultur bei Aussaaten ihren eigen-
tümlichen Wuchs, Größe und Form der Zapfen behalte, noch kein Beweis
für eine eigene Art sei, da auch klimatische Varietäten, welche ihre durch
das Klima bedingten Eigenschaften seit Jahrtausenden auf ihre Nachkommen
vererbten, wenn sie unter anderen klimatischen Verhältnissen aus Samen
erzogen werden, nicht so rasch, sondern erst nach vielen Jahrzehnten oder
wohl Jahrhunderten in eine ursprüngliche Stammform übergehen.
Regel ist der Ansicht, daß an der Grenze der Verbreitungszone von
Picea obovata einzelne eingesprengte Exemplare von P. excelsa vorkommen
und daß sich im Laufe der Zeit zwischen beiden Arten Bastarde und Misch-
formen gebildet haben. Er fügt weiter hinzu, daß P. obovata, aus Samen vom
Ural und aus Sibirien bezogen, in Petersburger Baumschulen eine ganz andere
Tracht als P. excelsa zeige, von welcher freilich in den Waldungen um Peters-
burg und in Finnland auch im Wuchs sehr verschiedene Formen vorkämen.
Picea obovata ist öfter fälschlich, selbst später von Ledebour in
seiner Flora rossica, auch mit P. orientalis Lk. verwechselt worden, welche
als ausgezeichnete Art durch Wuchs, dichtstehende, kurze, dickliche Blätter,
schmale und kleine Zapfen so gut unterschieden ist. Don hielt dagegen P.
obovata für eine nordische Form der Himalayafichte (P. Morinda Lk.).
Die sibirische Fichte erreicht als Baum etwa 30 m Höhe und gleicht
der europäischen Fichte im spitz-pyramidalen Wuchs, als älterer Baum mit
leicht überhängender Bezweigung; die jungen Triebe sind schwach behaart,
die Blätter stehen sehr dicht, sind ziemlich dünn, zusammengedrückt-vierkantig,
beim Querschnitt rautenförmig, scharf-stachelspitzig, durch die allerseits weiß-
lichen Spaltöffnungslinien mattgrün oder bläulich-grün erscheinend, 12 — 20 mm
lang, Zapfen hängend, seltener schief-abwärts gerichtet oder horizontal (je
nach der Entwickelung, wie schon bei der Alpenfichte nachgewiesen wurde),
eirund oder länglich-zylindrisch-stumpf, dunkelbraun, S^j^—^^j^ cm lang, 2^/2 cm
breit, Zapfenschuppen gewölbt, weich und ziemlich biegsam, verkehrt-eirund
oder fast herzförmig, auf dem Rücken glatt, ganzrandig oder etwas ab-
220 'i^weiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
gestutzt. Samen klein, schwärzlich, eirund mit verkehrt-eirundem, blaßgelb-
lichem, fast dreimal so langem Flügel.
Graf Fr. Berg bildet in seiner trefflichen Schrift auf einer Tafel
12 Zapfen von var. obovata lapponica ab, welche ihm Blomquist aus
Kunsomo von 66^ n. Er. sandte. Der kleinste ist 36 mm lang und die
Schuppen sind flach abgerundet, andere sind mehr eiförmig und zeigen
deutlich ausgezahnte Schuppen, andere deutlich rhombisch zugespitzte. Über-
gänge von einer Form zur anderen sind vorhanden. Die größeren Zapfen
maßen 53 mm Länge. Die Samen zeigten teils helle, teils violette Flügel, sie
waren alle in demselben Walde gesammelt. Graf Berg erhielt noch eine
vierte Sendung Zapfen aus Lappland, bei denen es absolut unmöglich war
zu sagen, was noch obovata genannt werden kann und was nicht, so all-
mählich gehen diese Formen ineinander über.
Diese Fichte tritt in unsern Gärten an für sie passenden, kühlen, luft-
feuchten Standorten als zierlicher, langsam wachsender Baum mit schöner,
schlanker, leicht überhängender Bezweigung auf und verdient dort sehr die
Anpflanzung als Zierbaum, auch für kleinere Gärten. Sie kümmert an un-
passenden Standorten, ist oft nicht aufzubringen, ist übrigens wenig verbreitet
und gewiß oft mit den genannten Übergangsformen verwechselt, wie das
ja nicht zu verwundern ist, da zur Unterscheidung ein sehr geübtes Auge
gehört. Als Forstbaum dürfte sie jedoch, nach Willkomm, den Anbau nicht
verdienen, da sie bei uns kaum Vorzüge vor der europäischen Fichte bieten
und auch kaum eine solche üppige Entwickelung wie diese erreichen möchte.
Picea excelsa Lk., var. obovata japonica Maxim.
Syn. Abies obovata japonica Maxim., Ind. sem. hört. Petrop. 1866.
Picea Maximowiczii, Ind. sem. hört. Petrop. 1865, p. 33 in Japonia
a Tschonoskio lecta.
Abies Maximowiczii (Rob. Neumann Catal.).
Picea Tschonoskii Mayr in Fremdl. Wald- u. Parkb. 1906, p. 339.
Auf Hochalpen in Japan von Tschonoski gesammelt und von Maxi-
mowicz als Gebirgsform von Picea obovata bezeichnet.
Samen dieser Form wurden im Jahre 1865 durch den Botanischen
Garten in St. Petersburg verbreitet.
Diese Pflanze ähnelt sehr manchen Zwergformen von Picea excelsa und
kann daher leicht mit diesen verwechselt werden, sie bildet eine gedrungene,
kegelförmige, dicht- und kurzzweigige Pflanze; die jungen üppigen Triebe
sind kurz, glatt, rotbraun, die Knospen bläulich mit Harz überzogen, die
dicklichen, geraden, starren, vierkantigen, scharf und spitzig-stechenden Blätter
stehen ringsum und oft im rechten Winkel vom Zweige ab. Die Blätter der
älteren und kleineren Nebenzweige sind aber denen von P. obovata ganz
gleich und zeichnen sich ebenso durch eine scharfe, stechende Spitze aus.
Die Zapfen, welche wir in Europa schon an verschiedenen Orten an schönen,
üppigen Exemplaren finden, sind herabgebogen, länglich, 4^/2—5 cm lang und
geschlossen, l^/g — 2 cm breit, mit breiten, ganzrandigen Schuppen und gleichen
vollkommen kleinen Zapfen der obovata-Form, am meisten denen, welche
Graf F. Berg in „Einige Spielarten der Fichte", Tafel XII, als obovata lapponica
beschreibt und abbildet.
^
IL Klasse. Coniferae. 221
In anatomischer Hinsicht zeigt diese Fichte, nach Hickel, weder Unter-
schiede von Picea excelsa noch von obovata.
(Zu vergleichen Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 128; 1900, p. 101;
1902, p. 87; 1903, p. 23.)
In deutschen Gärten finden wir bereits Pflanzen von 6 — 8 m Höhe,
die einen gedrungenen Kegel darstellen, überhaupt einen besonders starren
Charakter in allen Teilen aufweisen; die steifen, empfindlich stechenden Blätter
der jungen Triebe zeigen eine gewisse Ähnlichkeit in Starrheit und Stellung
mit denen von Picea excelsa Maxwellii und ähnlichen.
Im Herbarium des botan. Gartens in St. Petersburg findet sich eine
von Maximowicz gezeichnete Diagnose nebst folgender Bemerkung von
Maximowiczs Hand: „Picea Maximowiczii est Abies obovata var. japo-
nica Maxim." Also Maximowicz hat hier doch die Zugehörigkeit nach
Blättern und Zapfen zu der weit verbreiteten P. obovata als Hochalpenform
zweifellos anerkannt und die Pflanze genau beschrieben.
Es kann also gar keinem Zweifel unterliegen, daß unsere in Kultur
befindlichen Pflanzen, die ja auch schon Zapfen trugen, hier gemeint sind,
denn die Diagnose stimmt haarscharf. Um so bedauerlicher ist es, daß
Prof. Mayr sich stets von neuem bemüht, diese Identität und das Vorkommen
in Japan zu leugnen, wenn er auch keine stichhaltigen Gründe anzuführen
vermag. In seinen Fremdl. Wald- und Parkbäumen 1906, p. 339 behauptet
er sogar: unsere hier in Betracht kommenden Pflanzen seien „nichts als Nadel-
Synonyme von Picea bicolor". — Dieser Irrtum unterlief ihm, weil er zwei
verschiedene, von St. Petersburg aus verbreitete Fichten verwechselte.
Ich erbringe für die Richtigkeit dieser Tatsache nachfolgende, mir aus St. Peters-
burg gesandte Notiz: „P. japonica Maxim. (Ind. sem. 1865, p. 33). Im Ind.
sem. 1866, p. 3 korrigiert Maximowicz: P. japonica h. Petrop. = Abies bicolor
Maxim. (Mel. Biol. VI, p. 24) = P. Alcockiana Carr." Also diese letztere und
nicht, wie fälschlich von Mayr angegeben, P. obovata japonica kommt
hier in Frage. — Mayrs neue Benennung P. Tschonoskii für unsere P. obovata
japonica war also völlig überflüssig, ist zu kassieren und wird, anstatt
zu korrigieren, wie Mayr dies beabsichtigte, leider nur die Synonymie be-
reichern, die Sache erschweren und die Begriffe verwirren.
Die Fichte zeigt in ihrer Gestalt, wie in allen ihren Organen, eine
fast unbegrenzte Formenverschiedenheit.
Die Veränderlichkeit der Zapfen in Größe und Schuppenform haben
wir schon kennen gelernt. Wir sehen die größten Zapfen bis zu den kleinsten
Kümmer- oder Zwergzapfen. Die Zapfenschuppen ändern von den
runden obovata-Formen bis zu den schnabelförmig ausgezogenen Formen der
excelsa, und zwar in der ausgeprägtesten Gestalt in der Dornfichte Picea
excelsa Lk. var. acuminata Beck, deren Schuppen in eine lange aus-
gerandete aufgebogene Spitze plötzlich wellig verschmälert auslaufen. Diese
wurden an der Trauerfichte pendula gefunden (Abbild, in Schröter 1. c,
p. 24). Als monströse Bildungen wäre die lappenschuppige Fichte P.
excelsa Lk. lusus triloba Aschers, u. Graeb. 1897, p. 199 zu nennen, wo
die Schuppen vorn dreilappig geteilt sind (Abbild. Schröter p. 84), dann die
var. squarrosa Jacobasch mit sehr lang geschnäbelten, welligen, sparrig
abstehenden, gerillten, dünnhäutigen Schuppen.
222 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Krüppelzapfen, von Graf Berg aus Livland stammend, teils mit ganz
zurückgeklappten Schuppen, werden p. 91 abgebildet.
Abänderungen in der Rinde zeigen: Picea excelsa Lk. 1. corticata
Schrot. Die dickrindige Fichte (Lärchenfichte), Abbild. Schröter 1. c.
p. 66 und 67; die Rinde ist bis 9 cm dick, längsrissig, lärchen- oder kiefern-
ähnlich, aber mit dem mikroskopischen Bau der Fichtenrinde; in allen anderen
Teilen stimmt diese Form völlig mit der Hauptform überein.
Dieselbe wurde an sechs Standorten beobachtet: in Niederösterreich
(Badoux), im Urwald am Rubani (Purkinge), bei Gießen (Heß), vier
Exemplare aus heimischer Saat (Förster), im Münchener Forstinstitut (von
Tubeuf), in den Lausanner Gemeindewaldungen (Badoux), davon die Ab-
bildungen. Weiter dann die Zitzenfichte Picea excelsa Lk. 1. tuberculata
Schrot. Abbild, p. 69 und 70 vom Gußwerk in Österreich (Cieslar) und
aus Oberbayern (von Tubeuf). Der Stamm ist, wenigstens am unteren Teil,
mit kegelförmigen Korkwucherungen bedeckt, die bis 3 cm Höhe er-
reichen und aus abwechselnden Schichten von Schwammkork und Phelloid
zusammengesetzt sind.
Abänderungen in den Blättern (Nadeln) treten im weitesten Umfange
auf, sowohl in der Länge, in der Stärke, scharfgespitzt bis stumpfspitzig. Der
Querschnitt zeigt daher eine rhombische bis stumpf-viereckige Figur; der ana-
tomische Bau zeigt normal zwei Harzgänge, von denen häufig einer, ja hier
und da beide fehlen können. Die Anordnung der Blätter ist sehr verschieden,
was wir bei den folgenden Formen sehen werden, ebenso die Färbung. Am
normalen jungen Baume sind die Blätter dünner und spitzer als oben am
fruchtbaren Baume, wo die Blätter an üppigen Fruchtzweigen dick und vier-
kantig, sichelförmig gebogen, mit stumpfer Spitze, am Zweige dicht bürsten-
förmig aufwärts stehen. Hierhergehört diesogen. „Doppeltanne" desBerliner
Weihnachtsmarktes, als Wipfel vom fruchtbaren Baume genommen. Die
Fichten machen in dem Jahre, wo sie verpflanzt wurden, durch Störung, an
dem neuen Triebe ganz kurze, dichtstehende, feine Blätter, die noch
jahrelang sichtbar sind und sehr gegen den neuen normalen Trieb des nächsten
Jahres abstechen. Dasselbe erkennen wir deutlich auch an anderen Coniferen.
Einige auffallende Blattabänderungen mögen hier noch folgen:
Picea excelsa nigra Loud. (in Willk. Forstl. Flora p. 77 [1887]). Schwarze
gemeine Fichte, aber nicht zu verwechseln mit der amerikanischen Schwarz-
fichte Picea nigra Lk.
Syn. Abies excelsa nigra Loud., Arb. et frut. Brit. IV, 2294 (1838).
Eine besonders üppige, angeblich in Norwegen häufig auftretende Form
mit langen, dicklichen, dunkelgrünen Blättern, großen Zapfen und rötlicher
Rinde, die auch in Deutschland in Parkanlagen angetroffen wird.
Picea excelsa gigantea hört. Riesige gemeine Fichte.
Syn. Abies excelsa gigantea hört.
Eine üppige Form von schnellem Wuchs, mit schlanker Bezweigung und
längeren, weicheren Blättern,
II. Klasse. Coniferae. 223
Picea excelsa acutissima hört. (Cat. PI. in Hort. Bot. Bergiano p. 78 [1890 bis
1891] von Wittrock, mit Abbild.). Spitzblättrige gemeine Fichte.
Syn. Abies excelsa acutissima hört.
„ acutissima hört.
Picea acutissima hört.
Eine Form, welche sich durch besonders feine, dünne, scharfgespitzte
Blätter auszeichnet.
Im Botanischen Garten zu Stockholm wurde ein einziges Exemplar
zwischen normalen Fichten gefunden. Das Bäumchen, 1891 zwölf Jahr alt,
wächst sehr langsam und hat jetzt kaum die halbe Höhe wie die normalen
Bäume erreicht. Die Blätter sind lang, sehr spitz, die seitlichen sehr zusammen-
gedrückt. Die Abbildung zeigt das Bäumchen, die spitzen, langen Blätter von
seitlichen Spitzentrieben nebst den vergrößerten zusammengedrückten
Blattquerschnitten, daneben die vierseitigen Blattquerschnitte vom normalen
Baume zum Vergleich.
Picea excelsa microphylla Carr. (Tr. gen. de Conif. 1. ed., p. 251 [1855]).
Syn. Abies excelsa microphylla hört.
„ gracilis hört.
Ein zierlicher Baum von normalem Wuchs mit feiner, etwas nickender
Bezweigung und sehr kurzen, feinen Blättern, und dadurch an Picea orien-
talis erinnernd. Graf Schwerin in IVIitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 94
führt ein im Forstgarten zu Diedorf bei Augsburg entstandenes Exemplar auf.
Zwei Bäumchen wurden auf dem IVIeliskopf bei Herrenwies in Baden gefunden
(Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1907, p. 102).
Picea excelsa parviformis hört.
Syn. Abies excelsa parviformis bort.
Eine zierliche Form, breit -pyramidal von Wuchs, mit dünner, feiner,
regelmäßiger Bezweigung, die dicht mit feinen, ganz kurzen, scharf gespitzten
Blättern von frischgrüner Färbung besetzt sind.
Picea excelsa cincinnata Hesse (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1897, p. 92).
Lockenfichte.
Ein kräftiger Baum; untere Äste fast horizontal, obere etwas aufwärts
gerichtet; Zweige hängend, rotbraun. Der junge Trieb zeigt 4 — 6 cm lange
lockige Verzweigungen, die auffallend langen und breiten Blätter sind
aufwärts gebogen und ringeiförmig ineinander gerollt. Diese von Herrn
Hesse-Weener aufgefundene interessante Form hat in stärkeren Exemplaren
schon Zapfen getragen.
Wuchsformen. Schlangenfichfe.
Picea excelsa virgata Jacques. Schlangenfichte, Rutenfichte.
Syn. Abies excelsa virgata Jacques, in Ann. Soc. Hort. Paris 1853,
XLVII, p. 652.
Picea excelsa denudata Carr., Rev. hört. 1854, p. 102, mit Abbild.
Abies excelsa denudata hört. Gord., Pin. Suppl. 3.
224 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten,
Eine höchst eigentümHche Form, welche in Norwegen, Schweden, Finn-
land, Livland, Kurland, in verschiedenen Gegenden Deutschlands, in Böhmen,
in Frankreich, der Schweiz, Tirol als eigentümlicher Sämling, sei es einzeln
oder horstweise in Wäldern, auch oft bei Aussaaten aufgefunden wurde.
Borkhausen (Handbuch d. Forstbot. I, p. 399) beobachtete sie in Thüringen
und nennt sie „rutenförmige Rottanne".
Professor Schübeier in Christiania, der in seinem Viridarium nor-
vegicum zahlreiche interessante Baumformen beschreibt, hat diese merkwürdige
Fichtenform in Norwegen an einigen zwanzig Orten aufgefunden, und zwar
in Exemplaren von über 18 m Höhe, deren genaue Standorte nebst Ab-
bildung in der Gartenflora 1887, p. 521 angegeben werden. Außerdem hat
Professor Caspary in Königsberg eingehend die Unterschiede der Schlangen-
und Hängefichten beschrieben und abgebildet in den Schriften der phys.-ökon.
Gesellsch. zu Königsberg 1873, p. 115 — 136, ebenso Professor Koch in Vorles.
über Dendrologie p. 366.
Sehr eingehend beschreibt Graf F. Berg, „Einige Spielarten der Fichte",
Dorpat 1887, diese Form und bildet in Tafel I und II die typische magere
Schlangenfichte (oligoclada) und in Tafel III und IV größere Bäume und voller
beastete Formen in Livland ab.
Schröter, „Über die Vielgestaltigkeit der Fichte", Zürich 1898, gibt
gleichfalls genaue Beschreibungen und bildet Bäume aus Finnland und Mähren
ab. Erstere zeigt den mager beasteten Typus, letztere eine voller bezweigte
Pflanze. Ein Spitzentrieb zeigt die volle, rings um den rotbraunen Zweig
stehende, derbe, üppige, lange, scharfgespitzte Benadelung.
In der „Garten weit" 1899, p. 523 ist eine typische magere Form im
Park zu Schönberg a. d. Bergstraße abgebildet, und in Möllers deutsche
Gärtnerzeitung 1894, p. 31 eine sehr dekorative, voll bezweigte Pflanze in
Turnau (Böhmen), die schon eine Übergangsform zur Form viminalis darstellt,
solche sind in allen Entwickelungsstadien vorhanden. Die Form virgata
wächst sich oft im Alter zur Hängefichte viminalis aus, und Sämlinge der
viminalis stellen in der Jugend oft virgata-Formen dar. Sie gehen also völlig
ineinander über, wie die folgenden Übergangsformen dies beweisen.
Auf die stete Verwechselung der Begriffe Schlangen- und Hängefichte
in der Praxis, wie auch in der Literatur, muß hier noch besonders hingewiesen
werden.
Von aufstrebendem Wuchs zeigt die Schlangenfichte meist einzel-
stehende, selten in unregelmäßigen Quirlen angeordnete, lang-wagerecht-aus-
gestreckte Äste, von denen die unteren abwärts gerichtet sind und die oberen
in schräger Richtung nach oben stehen, die Verzweigung ist sehr gering, da
meist die seitlichen Knospen an den Ästen fehlen und diese nur an den
Spitzen fortwachsen; alle Triebe breiten sich schlangen- oder peitschenförmig
aus; die Hauptäste liegen auch wohl dem Boden auf und schlagen hier Wurzeln;
die Blätter sind sehr verschieden lang, meist dicker, scharfgespitzt, bis 28 mm
lang, oft mit der Spitze aufwärts gebogen, am Mitteltrieb angedrückt, an den
Zweigen abstehend.
Einen aus Samen erzogenen Baum dieser Form, welcher einer Pflanze
von Caspary aus Königsberg entstammt, sah ich auf der Insel Scharf enberg
II. Klasse. Coniferae. 225
bei Berlin in die Art zurückschlagen, indem die oberen Zweige ganz wie bei
der normalen Fichte sich ausbildeten.
Als Unterform gehört hierher:
Picea excelsa Cranstonii Carr. (Man. d. PI. IV, 340).
Syn. Abies Cranstonii hört.
Picea Cranstonii hört.
„ excelsa Dicksonii hört.
Abies excelsa Dicksonii hört.
Eine Form, die von der vorigen kaum verschieden ist, höchstens in den
Blättern, welche nach Carriere viel mehr seitlich zusammengedrückt
und in eine längere Spitze ausgezogen sind.
Nach Masters in Journ. Linn. Soc. XXVII, p. 283 (1889) wurde diese
Form, vor etwa 50 Jahren, in der Baumschule von Cranston in Hereford
als eigentümlicher Sämling gefunden. Der Baum maß 1887 8 m Höhe und
5 m Durchmesser der Krone. Von einem ähnlichen Baume in Lilienfeld
ergaben die Sämlinge meist normale Pflanzen, nur wenige zeigten den Wuchs
der Mutterbäume. Die Zapfen sind denen der Art ganz gleich. Die Form
Dicksonii ist etwas voller bezweigt, mit üppigen, dicht benadelten rötlichen
jungen Zweigen. Ich sah bei Barbier et fils in Beuvronne bei Orleans mit
Zapfen beladene recht dekorative Exemplare.
Magere bis astlose Formen.
Picea excelsa eremita Carr. (Man. d. PI. IV, 341).
Syn. Abies excelsa crassifolia hört.
„ „ eremita hört.
„ „ arenata hört, (wohl Verstümmelung von eremita).
Picea excelsa cremitii hört. gall. (gleichfalls verschriebener Name),
Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 100.
Eine monströse Form, einen schmalen Kegel bildend, mit zahl-
reichen, schief aufwärts gerichteten Ästen und dicken, kurzen, wenig ver-
zweigten, monströsen Zweigen mit orangeroter Rinde, dicken Knospen und
weitstehenden, kurzen, dicken, unregelmäßig- vierkantigen, scharf gespitzten
Blättern, eine sehr auffallende Erscheinung. Öfter in starken Bäumen ver-
treten.
Picea excelsa glomerulans Kihlm. (in Meddel. af Soc. pro Faun,
et Fl. Fennica 1904, p. 255)
nennt Kihlman eine monströse Form. Die Hauptäste verzweigen sich sehr
reichlich, die Zweige entwickeln sich kaum und bilden kleine Knäuel an
den Ästen entlang. Diese Form kommt auf verschiedenen Standorten in
Finnland vor.
Eine viel magerere, fast astlose Fichte bildet Graf Berg 1. c. Taf. V ab;
sie steht in Sagnitz, Livland und zeigt an einem senkrechten Stamm ganz
kurze Zweige. Hierher gehört auch Picea excelsa monstrosa Carr. (non
Loud., Trait gen. d. Conif. p. 331).
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 15
226 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Dann folgt die
Astlose Form.
Picea excelsa monstrosa Loud. (nicht Carr.).
Syn. Abies excelsa monstrosa Loud., Encyclop. of Trees 1027 (1838).
„ monstrosa hört.
Picea aclada Savi, Flora 1844, p. 519.
„ excelsa monocaulis Nördl. in Willk. Forstl. Flora 1876, p. 76,
2. Aufl.
Eine monströse Form mit zylindrischem Stamm, eine dicke, dicht mit
ringsumstehenden Blättern besetzte Rute, ohne jede Verzweigung bildend,
mit starren, langen, dicken, stumpfer oder schärfer zugespitzten, bis 35 mm
langen Blättern besetzt.
Diese Form ist nach Willkomm, Forstl. Flora p. 76, sehr selten und
nur vereinzelt aufgefunden, nämlich je ein Baum im Garten zu Mariabrunn,
in der Oberförsterei Altenbeken (Westfalen) und auf der Isola Bella im
Lago Maggiore. Hier ein Exemplar kultiviert, welches Schröter 1. c. p. 53
abbildet; es ist 5 m 80 cm hoch und macht Jahrestriebe bis zu 35 cm Länge.
Schröter führt weiter Exemplare in Baden bei Stockach, in Mittelfranken
bei Ansbach und in Böhmen, Domäne Zinkau, auf. Wir sehen in dieser
astlosen Fichtenform also den höchsten Grad von seitlicher Knospen-
verkümmerung, die als Monstrosität nur wissenschaftHches Interesse bietet.
Übergangsformen von der Schlangen- zur Hängefichfe.
Picea excelsa Uwarowii Kaufm. Uwarows Hängefichte.
Syn. Picea vulgaris Lk., ß Uwarowii Kaufm., Flor. v. Moskau p. 605.
Abies excelsa Uwarowii bort.
Eine interessante, dekorative Form, welche in mehreren Exemplaren
etwa 20 Meilen von Moskau in Poretschje gefunden und in der Gartenflora 1873,
p. 177 abgebildet wurde. Sie bietet eine zierliche Erscheinung mit langen,
dünnen, wenig verästeten Zweigen, die ringsum mit ziemlich kurzen Blättern
dicht besetzt sind und leicht herabhängend gleichsam den Übergang von den
Schlangen- zu den Hängefichten bilden, während wieder die Zapfen von nur
8 — 9 cm Länge mit mehr abgestumpften, am oberen Teile ganzrandigen oder
unbedeutend eingekerbten Schuppen große Ähnlichkeit mit denen der sibirischen
Fichte (Picea obovata Ledeb.) zeigen. Ähnlichen Fichtenformen begegnen wir
übrigens öfter in Parkanlagen oder in lichten Waldbeständen, u. a. auch im
Zoologischen Garten in Dresden.
Picea excelsa intermedia Carr. (Conif. 2. ed., p. 332 [1867]).
Syn. Abies excelsa denudata bort. aliq. (nicht Carr.)
nennt Carriere eine interessante Zwischenform, die einen üppigen,
aufstrebenden, unregelmäßig beästeten Baum darstellt. Die Äste sind sehr
ungleich, oft abwechselnd gestellt, dünn und sehr lang, die Zweige wenig
zahlreich und unregelmäßig, meist sehr dünn, lang und peitschenförmig, die
Blätter sehr ungleich, 10 — 25 mm lang, an manchen Zweigen dick und weit-
gestellt, an anderen sehr dünn, dichtstehend und anliegend.
II. Klasse. Coniferae. 227
Sehr zahlreich sind die Fälle, wo im Walde oder bei Aussaaten durch
Knospenvariation als eigentümliche Sämlinge ähnliche Übergangsformen, und
zwar in allen Abstufungen, magerer und reicher bezweigt, unschön oder
sehr dekorativ, aufgefunden wurden. Für die Praxis kommen nur letztere
in Betracht.
Die in Möllers Deutsche Gärtnerzeitung 1894, p. 31 abgebildete und
von mir beschriebene, sehr dekorative Form aus Turnau in Böhmen wurde
schon bei der Schlangenfichte genannt. In der „Gartenwelt" 1905, p. 411 wurde
abgebildet und von mir beschrieben ein Prachtexemplar im Hofgarten in
Bückeburg, äußerst dekorativ, mit langem, strickförmig herabwallendem Behang
von Zweigen, ein Schaustück ersten Ranges, mehrere ähnliche Bäume wurden
hier bei einer Aussaat gewonnen. Der Vergleich beider genannter Ab-
bildungen läßt so recht deutlich die allmählichen Übergänge erkennen und
zeigt gleichzeitig, daß es ganz unausführbar ist, jede geringe Abweichung, die
ja jederzeit wieder entstehen kann, durch einen besonderen Namen näher zu
bezeichnen. Die dekorativ wertvollsten Formen werden wir ja durch Ver-
edelung vermehren und verbreiten.
Hängefichfe.
Picea excelsa Lk. var. viminalis Casp. (in Schrift, phys.-ökon. Gesellsch.
Königsberg XIX [1878]). Hängefichte.
Syn. Pinus Abies L., var procera, Fl. suec. ed. I (1745).
„ „ X Pinus silvestris L., Fl. suec. ed. II (1755).
„ „ viminalis Alstr., Abh. d. Acad. 1777; 39, p. 310
Tab. 8 u. 9.
Pinus hybrida Liljeblad (1792).
Picea viminalis hört.
Abies excelsa viminalis hört.
„ viminalis bort.
Diese gleichfalls merkwürdige Form wurde von Alströmer westlich
von Stockholm aufgefunden. Linne kannte sie schon 1741 und hielt sie für
einen Bastard der Fichte und der Kiefer.
Diese dekorativ schöne Form zeigt wie der normale Baum üppigen
Wuchs und gleiche Aststellung. Die Äste erster Ordnung stehen wagerecht,
die unteren neigen etwas nach unten, die oberen richten sich schräg aufwärts.
Die Äste zweiter Ordnung sind dünn und hängen sehr lang peitschen- oder
strickartig, oft bis 3 m und selbst mehr Länge, senkrecht herab, und mit ihnen
alle weiteren Verzweigungen. Die Blätter sind rings um die Zweige gestellt.
So finden wir herrliche malerische Exemplare, welche dem Wald und
Park zur schönsten Zierde gereichen. Bekannt und oft genannt ist ein starker,
etwa 20 m hoher Baum an der Schloßkirche zu Reinhardtsbrunn im Thüringer
Walde, welcher die Hängefichte in der schönsten, ausgeprägtesten Form zeigt.
Sämlinge ergaben (nach Zabels Mitteilung) ein Gemisch von allerhand Formen,
vom niedrigen Krüppel und mehr oder minder ausgeprägten Schlangenfichten
bis zu normalen jungen Bäumen. Von diesen Schlangenfichten-Sämlingen
besitze ich mehrere, und zwar magere und reicher bezweigte Exemplare, die
also deutlich den Beweis erbringen, daß die Schlangenfichte im Alter zur
15*
228 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten.
malerischen Hängefichte werden und diese aus Samen wieder die Schlangen-
fichte erzeugen kann. Die verschiedenen, teils sehr dekorativen Übergangs-
formen haben wir ja schon kennen gelernt.
Außer in Thüringen sind in Tirol und Niederösterreich, in Steiermark,
Kärnten, Krain, in der Schweiz, Ostpreußen, Polen, Livland, Schweden, Nor-
wegen Bäume dieser Form mit allen Übergängen nachgewiesen worden. Man
vergleiche dazu: Schub el er, Pflanzenwelt Norwegens 1873 u. 1875, Fig. 27,
p. 161 (Abbild, einer Zwischenform); Gartenflora 1887, p. 469, 552; 1889,
p. 136, 657; C. Wilhelm, Sitzungsb. d. K. K. zool. bot. Gesellsch. Wien
XXXVII, 1887; Graf Berg, „Einige Spielarten der Fichte" 1887, p. 4 u. 11;
Schröter, „Vielgestaltigkeit der Fichte" 1898, p. 30; Mitt. d. d. dendr. Ge-
sellsch. 1902, p. 57 und 1905, p. 72; Schröder, in Mitt. d. d. dendr. Gesellsch.
1899, p. 121 nennt eine der Form viminalis ähnliche schöne Form, mit
sehr dichtstehenden, hängenden Zweigen: Picea excelsa plumosa
Schröd., sie wurde bei Aussaaten im dendrologischen Garten der landw.
Akademie in Moskau gewonnen.
Trauerfichfe.
Picea excelsa pendula Jacques et Hörincq. (Man. des PI., p. 340 [1857]).
Trauerfichte.
Syn. Abies excelsa pendula Loud., Encyclop. of Trees 1027 (1838).
„ communis pendula Booth. ex Loud. 1. c.
Eine, je nach Entwickelung, oft höchst dekorative, sowohl wild wie
öfter bei Aussaaten gefundene, üppige Form, die, nach Willkomm, von der
rot- und grünzapfigen Fichte vorkommt.
Die ziemlich dünnen, zerstreut und unregelmäßig gestellten Äste erster
Ordnung hängen, dem Stamme dicht anliegend, schlaff abwärts; die Zweige
sind wenig verzweigt, dünn, zahlreich, hängen ebenfalls lang und schlaff
herab und sind dicht mit Blättern besetzt.
Die Zweigspitzen stehen oft wieder horizontal ab und selbst etwas auf-
wärts. So entstehen ganz schmale, säulenförmige Kronen.
Wohl das schönste bekannte Exemplar steht nach Conwentz, Beobacht.
über seltene Waldbäume in Westpreußen, Danzig 1895, mit Abbild., im Stelliner
Forst bei Elbing, dasselbe bildet eine schlanke, bis unten beastete, ganz dichte,
regelmäßige, oben sich zuckerhutförmig zuspitzende Säule. Sie trägt Zapfen
der schon vorn genannten Form acuminata mit schnabelförmig lang aus-
gezogenen Schuppen.
Ein etwas lockerer, beasteter, aber ebenfalls streng säulenförmiger Baum
steht in Jegothen, Kr. Heilsberg, Ostpreußen. Ein dritter in Königsberg,
Revier Schierke im Harz, dieser zeigt unten etwas längere, mehr schirmförmig
abstehende Äste und geht dann plötzlich in eine ganz schmale Säule, mit
schlaff am Stamme herunterhängenden Ästen, in die Höhe. Diese letzten
beiden Bäume tragen Zapfen mit gerundeten Schuppen, die den Charakter
der fennica-Form zeigen. Ein weiterer Baum, von Quitschenhäu, Revier
Schierke im Harz, bildet, vermöge sehr dünner, schlaffer Äste, eine ganz
schmale Säule. Jeder Baum zeigt also hier eine andere Form. Außer ge-
nannten führt Schröter 1. c, p. 34 noch eine Trauerfichte von Kraemer
n. Klasse. Coniferae. 229
in einem Bergwald bei Glashütten bei Bad Kreuth in Oberbayern an, eine
Säule von 20 — 23 m Höhe und unten kaum 4 — 5 m Durchmesser. Kihlman,
in Meddel. af Soc. pro Faun, et Fl. Fennica, Helsingfors, nennt in Finnland
ein schönes Exemplar von 10,25 m Höhe, Durchmesser der Krone unten 75 cm.
Ferner sind Bäume in Nord-Ungarn, in der Bukowina, in Schweden und in
der Schweiz im Eifischtal 12 m hoch beobachtet. Carriere nennt Trait. gen.
d. Conif. 1867, p. 330 einen Baum von 10 m Höhe, den Briot in Trianon
1835 bei einer Aussat erhielt.
In der Domäne des Barres in Frankreich sah ich hohe, schmale Säulen,
mit ganz schlaff am Stamme herabhängenden Ästen.
Aussaatversuche ergaben einen sehr geringen Prozentsatz von Trauer-
fichten. Die Mehrzahl waren normale Fichten. Auch hier sind alle
Übergangsformen zu normalen Bäumen vorhanden.
Picea excelsa inversa (nicht inverta) hort.
Syn. Abies excelsa inverta Gord., Pin. Suppl. 4.
„ inverta hort.
Eine von R. Smith, Carrington bei Kinlet Hall Shropshire, nach The
Garden XXV, 1884, p. 229 aufgefunden, der vorigen sehr ähnliche
Trauerfichte, von gleich üppigem Wuchs wie die Art, mit stark hängenden,
dem Stamm dicht anliegenden Ästen, schlaff herunterhängenden Zweigen und
längeren, dickeren, glänzend-grünen Blättern, eine gleich der vorigen höchst
dekorative Fichtenform, von der wir in Anlagen oft Prachtexemplare finden,
so z. B. in Wilhelmshöhe bei Kassel einen 12 m hohen Baum. — Ein tadel-
loses, gleich hohes Exemplar sah ich bei Barbier et fils in Beuvronne bei
Orleans, eine schmale Säule bildend, mit dem Stamm dicht anliegenden Ästen,
die sich unten dem Rasen auflegen und weit ausbreiten.
Picea excelsa reflexa Carr. (Rev. hort. 1890, p. 259, mit Abbild.).
Syn. Abies excelsa pendula Croux.
Ein buschiger, sehr dicht bezweigter Strauch mit langen, im starken
Bogen abwärts gerichteten Ästen, die oben an den knieförmigen
Biegungen oft kahl sind; Zweige gleichfalls stark hängend, bis sie dem Boden
aufliegen und auf diesem hinlaufen. Nebenzweige zweizeilig, dicht mit Blättern
besetzt. Rinde gelbrötlich. Blätter sehr verschieden in der Länge. Diese
Form ist besonders zwischen Felsen und an Abhängen schön, da sie hier am
meisten zur Geltung kommt. Außer durch Veredlung oder durch Stecklinge
läßt sich diese Form auch gut durch Ableger vermehren, indem man die dem
Boden aufliegenden Zweige einschneidet, mit Erde bedeckt und gleichmäßig
feucht hält.
Picea excelsa pendula major hort.
Eine Form, kräftig von Wuchs, deren Hauptäste etwas weniger stark,
mehr in größerem Bogen abwärts gebogen sind. Die üppigen, blauroten
jungen Zweige hängen senkrecht herab und tragen derbe, lange, säbelförmig
aufwärts gekrümmte Blätter, besonders an den Spitzentrieben.
Picea excelsa pendula monstrosa hort.
Diese Form zeigt stärker abwärts geneigte Hauptäste wie die vorstehende
Form und weniger üppige kürzere, meist rings um die Zweige gestellte Blätter.
9^0 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra- Arten.
Wir sehen also auch hier kleine Abweichungen, wie dies ja bei eigen-
tümlichen Sämlingen, die an verschiedenen Orten entstanden, nur natürlich ist.
Säulenfichfe.
Picea excelsa columnaris Carr. (Conif. 1. ed., p. 248 [1855]). Säulenfichte.
Syn. Abies excelsa columnaris Jaques.
Eine üppige Form, welche mit kurzen, sehr verzweigten Ästen eine
dichte, schmale Säule bildet.
Während bei der Trauerfichte eine schlanke Säulenform durch die
schlaff am Stamme herabhängenden Äste gebildet wird, sind es bei dieser
Säulenform die kurzen, steifen, horizontalen oder wenig abwärts ge-
neigten Mutteräste mit dichter, buschiger Bezweigung, welche die Säulenform
bilden.
Diese schöne auffallende Form ist lange in Kultur und an verschiedenen
Orten als eigentümlicher Sämling gewonnen worden. Wildwachsend ist sie
zumal in der Schweiz aufgefunden. Schröter 1. c. bildet p. 54, 56, 57 ver-
schiedene Bäume ab und beschreibt sie genau. Ein Baum, von Prof. Engler
auf dem Stanserhorn aufgefunden, zeigt unten zur Hälfte eine normale Fichte,
welche oben in eine ganz schmale Säule aus wächst. Ähnliche Bäume ent-
deckte Oberförster Puenzieux auf der Alp Chavannes. Dann fand Förster
Pillich ody bei La Brdvine im Neuenburger Jura eine tadellose, 15 m hohe,
etwa 40jährige Fichte als schlanke Säule und ein weiteres Prachtexemplar
in la Chaux-de-Fond.
Kihlman beschreibt und bildet ab in Meddel. af Soc. pro Fauna et
Fl. Fennica Helsingfors 1904, p. 255 ein etwa lOOjähriges Exemplar in Finnland
von 20 m Höhe, der Baum ist bis 4 m astlos, der Stammdurchmesser beträgt
25 cm, die Länge der Äste etwa 1,25 m. Die Abbildung läßt die große
Schönheit dieser Säulenform erkennen.
Verfikalfichfe.
Picea excelsa Lk. erecta Schröter (Vielgestaltigkeit der Fichte 1898, p. 38).
Vertikalfichte.
Syn. Picea excelsa pyramidata Carr., Conif. J. ed., p. 247 (1855).
Abies excelsa pyramidalis Gord., Pin. Suppl. 5.
Picea excelsa pyramidalis hört.
Eine üppige, schlank kegelförmige Gestalt, gebildet durch vom
Grunde an steil aufwärts gerichtete Hauptäste, die unten sehr lang
sind und nach oben allmählich an Länge abnehmen, zeichnet diese schöne,
auffallende Form aus.
Wiederholt habe ich darauf hingewiesen, welcher Mißbrauch mit dem
Worte „pyramidal", zumal bei Bäumen, die mit einer Pyramide nicht die
mindeste Ähnlichkeit haben, wie Pyramidenpappel (muß heißen Säulen-
pappel) u. a. m. getrieben wird; auch hier kann von einer Pyramidenfichte
nicht die Rede sein, darum nehme ich den von Schröter sehr richtiger
Weise vorgeschlagenen Namen an, der sich meiner Ansicht anschließt. Als
eigentümliche Sämlinge sind, durch Knospenvariation entstanden, Pracht-
n. Klasse. Coniferae. 231
exemplare von 15—20 m Höhe in Gärten keine Seltenheit. Wildwachsend
führt Graf Berg in „Einige Spielarten der Fichte" Dorpat 1887, Tafel VI
einen Baum in Sagnitz-Livland an. Weiter Schröter in Bericht, d. Schweiz,
bot. Gesellsch. XIII, 1903 von Forstinspektor E. Gu inier (L'epicea de St.
Eustache Rev. savoisienne 1902, I-Annecy). Er bildet einen Prachtbaum ab,
der bei etwa 1100 m Erhebung 1,90 m Stammumfang, 16 m Höhe und 10 m
Kronendurchmesser hat. Die Abbildung zeigt einen dichten Kegel, wie mit der
Schere geschnitten.
Zypressenfichfe.
Picea excelsa Lk. lusus cupressina Thomas (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1907,
p. 252, mit Abbild.).
Ein einziger Baum, 70 — 75 Jahre alt, steht auf dem Friedhofe in Tambach
(Sachsen-Gotha), wohin er vor etwa 50 Jahren aus dem Tambacher Forstrevier
verpflanzt wurde, wo er bei ca. 520 m ü. d. M. auf Rottotliegendem gewachsen
und wohl als eigentümlicher Sämling entstanden war.
Der Baum zeigt die Tracht einer geschlossenen, etwas breiten Säulen-
zypresse, in der Landschaft wie eine breite Säulenpappel oder Säuleneiche
wirkend, mit rundlichem Wipfel; er ist 16,4 m hoch, bei 1,85 m Stammumfang.
Die Äste sind ziemlich dicht gestellt, die oberen und mittleren in einem Winkel
von 25 — 39^ und nach den Spitzen zu ziemlich dicht verzweigt. Die Triebe
sind hellrotgelb, spärlich kurzhaarig. Nadeln und Zapfen zeigen wenig Ab-
weichungen, letztere erscheinen ziemlich spärlich, traten einmal zu 12 — 14 in
einem Klumpen auf, sie sind 8,5 — 10 cm lang, geschlossen 2,5 — 3 cm dick, die
Schuppenränder, ohne vorgezogene Spitze, sind schwach ausgerandet, Samen
und Flügel sind normal. Diese schöne, dekorative Form wird durch Ver-
edelung für die Kultur erhalten und dürfte, besonders auch für rauhe Lagen,
als auffallender Kontrast in der Landschaft willkommen sein.
Kugelfichte.
Picea excelsa Lk. var. globosa Berg. (Einige Spielarten der Fichte 1887,
p. 19, 20, mit Abbild.). Kugelfichte, Hexenbesenfichte.
Graf Berg fand auf dem Gute Hellenorm bei Dorpat eine etwa 90 Jahre
alte Fichte, welche unten ganz normal gewachsen war und am Wipfel plötzlich
über 100 Äste trieb, so daß eine riesige Kugel (Hexenbesen) gebildet wurde;
diese besteht aus einem Gewirr kleiner Zweige. Die Äste im Innern der
großen Kugel sind von Zweigen ganz entblößt, sind aber an der Außenfläche
sehr reich und dicht verzweigt und mit kurzen Blättern ganz dicht besetzt.
Die Abbildung zeigt ein Prachtexemplar, das sich mit der mächtigen Kugel-
krone ganz eigenartig ausnimmt.
Graf Berg beobachtete weiter in Sagnitz an einer normalen, etwa
30 jährigen Fichte, daß sich der Wipfel in eine birnenförmige Kuppel um-
gewandelt hatte, indem eine große Anzahl Äste von einem Punkt des Stammes
ausgehen. Das ganze dichte Bündel hat etwa 1 m Durchmesser und 1,50 m
Höhe. Bei diesem Exemplar erinnert aber nichts an Hexenbesen, die Äste
sind nicht struppig, sondern, obgleich sehr verzweigt, verlaufen sie glatt und
die Belaubung ist normal, die Nadeln an den Zweigen sind stark nach vorn
geneigt, oft fast anliegend. Aus dem dichten Bündel von Zweigen stehen
232 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
mehrere normale Äste hervor, so daß es scheint, als wollte der Baum wieder
in die normale Form zurückkehren. Doch haben die Wipfel so geringen
Zuwachs, daß sie vielleicht von dem dichten Gezweig wieder eingeholt und
umhüllt werden.
Schröter (Vielgestaltigkeit der Fichte 1898, p. 59) bemerkt dazu, daß
es bisher bei der Fichte nicht gelang, einen Parasiten als Ursache der
Hexenbesenbildung festzustellen. Die große Ähnlichkeit mit zweifellos erb-
lichen Spielarten spreche sehr zugunsten der spontanen Natur dieser Ab-
änderung. Nach Schröter fand Dr. v. Tubeuf bei Großhesselohe, 2 Stunden
von München, eine 15 m hohe Fichte, deren ganze Krone einen dicht-
gedrungenen, dichtnadeligen Hexenbesen darstellt. Dort wurden noch mehr
solche Hexenbesen beobachtet, die einzelnen Ästen als Kugelbusch aufsitzen.
Aus der Schweiz sind zwei Kugelfichten bekannt; im Neuenburger Jura
bei ca. 1200 m ein Baum bis 15 m hoch, unten durchaus normal, oben einen
länglich-kugeligen Busch von 1,5 m Höhe und 1 m Durchmesser tragend.
Im Sihlwald bei Zürich fand sich ein ganz ähnliches Exemplar.
Quirlfichfe.
Picea excelsa Lk. f. araucarioides (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1905, p. 73,
mit ^Abbild.).
Herr Stephan von Säghy in Kamon (Ungarn) fand in einer Fichten-
schutzpflanzung einen üppigen jungen Baum, welcher bis zu einer Höhe von
1^/2 m ganz normal gewachsen war und von da ab nur kräftige Quirläste
bildete, während zwischen diesen am Stamme jede kürzere Bezweigung, wie
sie an normalen Bäumen stets vorkommt, fehlte. So werden also ganz regel-
mäßige kahle Zwischenräume, genau wie bei Araucaria excelsa, gebildet. An
Üppigkeit und Höhe überragt dieser Baum alle danebenstehenden normalen
Altersgenossen.
Gedrungene Kegel- oder Pyramidenformen.
Picea excelsa petrowskoensis Schröder (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899,
p. 121).
Nach Schröder eine im dendrologischen Garten der landw. Akademie
in Moskau aus Samen entstandene große Pyramide, die, so hoch wie breit,
2^/2 m Höhe hat. Hier läge also der Form nach eine richtige Pyramide vor.
Picea excelsa Shelesnowii (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1. c).
Nach Schröder bildet sie eine dichte niedrige Pyramide, welche
aus Nowgorod stammt.
Picea excelsa pyramidalis robusta hört.
Syn. Abies excelsa pyramidalis robusta hört.
Sie bildet eine üppige, gedrungene Pyramide, bei welcher die
dicken Knospen besonders auffallen.
Picea excelsa pyramidalis gracilis hört.
Syn. Abies excelsa pyramidalis gracilis hört.
»
II. Klasse. Coniferae. 233
Eine kleinere, dichtbezweigte, zierliche Pyramidenform mit feiner
Bezweigung und rötlichen Knospen.
Picea excelsa elegans hört.
Syn. Abies excelsa elegans hört.
Eine besonders zierlich sich bauende, aufstrebende Kegelform mit
sehr kurzen, dichtstehenden Zweigen, die dicht mit kurzen Blättern besetzt
sind. Ich kenne reizende 4 m hohe, ganz regelmäßige Kegel.
Picea excelsa archangelica hört.
Syn. Abies archangelica hört.
Ein gedrungener Kegel mit steifen, kurzen Zweigen, und starren,
stechenden Blättern.
Picea excelsa conica Carr. (Conif. 1. ed., p. 249 [1855]). Kegelfichte.
Syn. Abies excelsa conica hört.
Picea excelsa stricta Gord., Pin. Suppl. 5.
Einen gedrungenen Kegel bildend, mit aufstrebenden, sehr dicht-
stehenden Ästen und dünnen Zweigen, Blätter fein und seitlich sehr zusammen-
gedrückt, auf beiden Seiten mit zwei bläulichen Spaltöffnungslinien gezeichnet
und sehr fein und scharf zugespitzt. Eine reizende, regelmäßige Form.
Picea excelsa compressa Schwerin (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 94).
Eine von Oberforstrat Ganghofer im Forstgarten zu Diedorf bei
Augsburg bei Aussaaten gewonnen, der vorigen im Wuchs ganz gleiche,
regelmäßige Kegelform, welche sich aber durch ganz kurze Blätter
von derselben unterscheidet.
Picea excelsa Clanbrasiliana Carr. (Man. d. PI. IV, 341 [1857]).
Syn. Abies excelsa Clanbrasiliana Loud., Encyclop. of Trees 1027 (1842).
„ Clanbrasiliana hört.
Eine rundliche oder kegelförmige, ganz gedrungene, allgemein be-
liebte Zwergform, sehr kurz und dicht bezweigt, Blätter sehr dichtstehend,
kurz und dicklich, Knospen auffallend rötlich. Ältere Exemplare wachsen sich
zu breiten Kegeln aus; so steht z. B. ein Prachtexemplar, 6 m hoch, unten
5,50 m breit, etwa 1870 gepflanzt, im Garten der Gartenbauschule in Weihen-
stephan, beschrieben und abgebildet in IVlitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906,
p. 222, Taf. 13. — Das Originalexemplar wurde in IVIoira bei Belfast, der Be-
sitzung des Lord Clanbrasil, entdeckt. Öfter sind in Forsten ähnliche
Formen aufgefunden worden, die an Regelmäßigkeit des Wuchses kaum nach-
stehen, und öfter hatte ich Gelegenheit, die var. Clanbrasiliana bei üppigem
Stand, zumal auf nahrhaftem, schwerem Boden, in die Art zurückschlagen zu
sehen, indem unten die breit und rundlich gebaute Zwergform erhalten war,
aus welcher dann Picea excelsa üppig und ganz normal emporwuchs.
234 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten.
Unter der Bezeichnung:
Picea excelsa Clanbrasiliana plumosa hört.
finden wir gedrungene Kegel mit kurzen, derben Zweigen, um welche
starke, etwas gebogene Blätter spiralig gestellt sind, und zumal nach den
Spitzen zu sich drehen, die Knospen einhüllen und der ganzen Pflanze ein
krauses Aussehen geben.
Picea excelsa compacta pyramidalis hört.
Syn. Abies excelsa compacta pyramidalis hört.
Eine gleich der vorigen dichte, kurzzweigige, aber mehr breit pyra-
midal aufstrebende, sehr zierliche Form, sehr regelmäßig und kräftig von
Wuchs.
Picea excelsa Remontii hört.
Syn. Abies excelsa Remontii hört.
„ Remontii hört.
Picea Remontii hört.
Eine besonders regelmäßige Eiform oder spitz -kegelförmig auf-
strebende, niedliche Zwergform mit kurzen, dichtstehenden Zweigen, unstreitig
eine der zierlichsten und wertvollsten für kleine und regelmäßige Gärten, die
vor anderen ähnlichen ganz besondere Empfehlung verdient.
Rundliche Zwergformen.
Picea excelsa compacta hört.
Syn. Abies excelsa compacta hört.
Eine zierliche Form von dichtem, rundlichem Bau mit feinen Zweigen
und kurzen, spitzen Blättern. Reizende Kugelformen wurden öfter in Kultur
gewonnen, so von Renezeder in St. Martin, Innkreis, eine etwa 15jährige,
fein und locker bezweigte Kugel von 8^/2 m Durchmesser (Mitt. d. d. dendr.
Gesellsch. 1904, p. 94).
Picea excelsa Ohlendorffii Späth. (Cat. 1904/5, p. 137).
Syn. Abies orientalis pygmaea Ohlend. (durch Verwechselung).
Eine regelmäßige, sehr dichte Kugelform, mit kurzer, sehr dichtstehender
fächerförmiger Bezweigung und feinen, kurzen, scharfgespitzten Blättern. Eine
unverkennbare excelsa-Form, die lange irrtümlich zu orientalis gestellt wurde.
Eine etwa 30 jährige Pflanze im Späth sehen Arboretum stellt einen 1,70 m
hohen und ebenso breiten, stumpfen Kegel dar.
Picea excelsa Gregoryana hört.
Syn. Abies excelsa Gregoryana Gord., Pin. Suppl. 4.
„ Gregory ana hört.
Eine auffallend gedrungene, von ähnlichen verschiedene Zwergform,
die englischen Ursprungs ist und durch dichten, rundlichen Wuchs, feine, dichte
Bezweigung, dicke, rundliche Knospen und dickliche, kurze, steife, ringsum die
Zweige gestellte, plötzlich und scharf zugespitzte Blätter sich auszeichnet.
II. Klasse. Coniferae. 235
Picea excelsa humilis hört.
Syn. Abies excelsa humilis hört.
Eine von der vorigen nur geringe Abweichungen zeigende, aber noch
kleinere, gleichsam dichte Kissen bildende Zwergform.
Picea excelsa echiniformis hört. Igelfichte.
Syn. Abies excelsa echiniformis hört.
Eine dichte, ganz kurzzweigige Kugelform, die einem Igel gleicht,
daher der Name „igelförmig"; diese Form wird auch auf Stämmchen veredelt
und bildet dann eigenartige Kugelbäumchen für Liebhaber von Abnormitäten.
Das dichte Konglomerat von Zweigchen ist als Hexenbesen aufzufassen.
Picea excelsa Merki Th. Ohlendorff.
Syn. Abies excelsa Merki hört.
„ Merki hört.
Picea Merki hört.
Eine dichte, kurzzweigige, rundliche, mehr in die Breite wachsende,
ganz niedrige Zwergform, die sich später zu breiten Kegeln auswächst.
Picea excelsa nana Carr. (Conif. 2. ed., p, 332 [1867]).
Syn. Abies excelsa nana hört.
Picea excelsa brevifolia Gripps nach Wittrock.
Eine ziemlich kräftige, rundlich-abgeblattete Zwergform mit sehr
dichtstehenden, wagerecht abstehenden Ästen und kurzen, an den Spitzen oft
etwas monströsen Zweigen und dicken Knospen.
In Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p. 87 beschrieb ich als Picea excelsa
nidiformis eine zierliche, von Rulemann Grisson jr. in Saselheide bei Ham-
burg in Kultur gewonnene rundlich-abgeplattete Form mit kurzen, fächer-
förmigen, fein und hellgrün benadelten Zweigen, die wagerecht, schichten-
weise übereinander gestellt sind. Da jede Mitteltriebbildung fehlt, so zeigen
die Pflanzen eine trichterförmige, nestartige Vertiefung. Diese scheint
sich bei der großen Wandelbarkeit jedoch an Zwergformen später öfter aus-
zubilden; so berichtet Graf v. Schwerin in Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1908
von 4 Picea excelsa nana, welche bei ihm diese Umbildung zeigten, und auch
ich konnte die gleiche Tatsache an mehreren Exemplaren feststellen.
Picea excelsa pygmaea Carr. (Conif. 2. ed., p. 334 [1897]).
Syn. Abies excelsa pygmaea Loud., Encyclop. of Trees 1027 (1842).
„ pygmaea hört.
„ parvula Knight., Syn. Conif. 36 (1850).
„ minima hört.
„ minuta hört.
Einen ganz dichten, kegelförmig-aufstrebenden kleinen Busch
mit sehr dichtstehenden, aufstrebenden Ästen und sehr zahlreichen, kurzen,
ungleichen Zweigchen von hellgrüner Färbung bildend. Blätter rings um die
Zweige gestellt.
236 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Picea excelsa pumila hört.
Syn. Abies excelsa pumila hört.
„ pumila hört.
Eine mehr in die Breite wachsende, plattrunde, gedrungene, dicht-
zweigige Zwergform, die, je nach der Färbung, mehr blaugrün als: Picea
excelsa pumila glauca und mehr schwarzgrün als: P. excelsa pumila nigra
bezeichnet wird.
Flach ausgebreitete Formen.
Picea excelsa tabuliformis Carr. (Product. et fixation des variet. 52).
Tischförmige Fichte.
Syn. Abies excelsa tabuliformis bort.
Eine interessante, sich nicht erhebende, sondern mit den Ästen sich dicht
über dem Boden ausbreitende Form. Die dünnen Zweige stehen horizontal ab
und bilden so eine Art Schirm oder gerade Fläche, so daß die ganze Pflanze
einer Tischplatte ähnlich ist, daher der Name „tischförmig"; diese eigen-
tümliche Form entstammt, nach Carriere, einem Sportzweige, der sich im
Park zu Trianon an einer gemeinen Fichte gebildet hatte.
Nach Torssander wurde in Södermanland (Schweden) ein 30 jähriges,
nur 50 cm hohes Exemplar dieser eigenartigen Fichtenform gefunden.
Picea excelsa procumbens Carr. (Conif. 2. ed., p. 333 [1867]).
Syn. Abies excelsa procumbens bort.
„ „ expansa hört.
Eine ganz zwergige, sich über dem Boden mit den Ästen aus-
breitende Form mit zahlreichen kleinen, sparrigen Zweigen und sehr dicht-
stehenden, feinen, kurzen und spitzen Blättern.
Picea excelsa dumosa Carr. (Conif. 2. ed., p. 332 [1867]).
Syn. Abies excelsa dumosa bort.
Wie vorige eine mit den Ästen sich fast horizontal über dem
Boden ausbreitende Form mit zahlreichen dünnen, sparrigen Zweigen und
kurzen, weitgestellten, geraden, kurz zugespitzten Blättern.
Picea excelsa repens hört. Simon Louis (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1888, p. 85).
Eine ganz flach und leichtzweigig über dem Boden hingestreckte, also
direkt kriechende Form.
Monströse, unregelmäßige Formen.
Picea excelsa Barry hört.
Syn. Abies excelsa Barry, auch Barri oder Bari bort.
Eine auffällige Form mit langen, dicken, üppigen Haupttrieben und
wenigen, sehr kurzen Nebentrieben, welche in größeren Exemplaren ein
eigenartiges Aussehen hat.
Picea excelsa capitata Croux. (Rev. bort. 1889, p. 393, mit Abbild.).
Eine in den Baumschulen von Croux bei Sceaux in Frankreich in Kultur
gewonnene Zwergform, welche buschig ihre Zweige nach allen Seiten aus-
II. Klasse. Coniferae. 237
breitet, an deren Spitzen kopfförmig gehäuft kurze Triebe dicht gedrängt
stehen; eine eigentümHche Form, die beweist, welche absonderlichen Gebilde
unsere vielgestaltige Fichte hervorzubringen vermag.
Picea excelsa Ellwangeriana hört.
Syn. Abies excelsa Ellwangeriana hört.
Eine Form von breitem, gedrungenem Wuchs mit feiner, dichter Be-
zweigung und feinen, kleinen und spitzigen Blättern.
Picea excelsa mucronata Carr. (Conif. 2. ed., p. 329 [1867]).
Syn. Abies excelsa mucronata Loud., Encyclop. of Trees 1027 (1842).
„ mucronata hört.
Eigentümliche Zwergform, je nach der Üppigkeit mit verworrenen, aus-
gebreiteten oder mehr aufstrebenden Zweigen, rotgelber Rinde und dicklichen,
geraden, sehr steifen, scharfgespitzten, dunkelgrünen Blättern. Wenn üppig,
mit mehr aufstrebenden Ästen und dickeren, monströsen Zweigen, und so an
die Form eremita erinnernd.
Picea excelsa Maxwellii hört.
Syn. Abies excelsa Maxwellii hört.
„ Maxwellii hört.
Picea Maxwellii hört.
Eine höchst eigentümliche Form von flachem, gedrungenem Wuchs, mit
auffallend braunen, jungen Zweigen, oft mit kurzen, monströs gebüschelten
Seitenzweigen und steifen, scharf-stachelspitzigen, ziemlich weit und rings um
die Zweige gestellten frischgrünen Blättern, welche sehr an Picea obovata
japonica (P. Maximowiczii Neum.) erinnert. Eine starre, monströse Erscheinung.
Picea excelsa concinna Carr. (Conif. 2. ed., p. 333 [1867]).
Syn. Abies excelsa concinna Knight., Syn. Conif. 36 (1850).
Nach Carriere eine sehr empfindliche Form mit aufstrebenden, außer-
ordentlich dünnen Ästen, weißlicher Rinde und sehr dichtstehenden, dünnen,
kurzen, fast zylindrischen, dem Zweige anliegenden Blättern.
Picea excelsa attenuata Carr. (Conif. 2. ed., p. 333 [1867]).
Syn. Abies excelsa attenuata Knight., Syn. Conif. 36 (1850).
Eine gleich der vorigen sehr empfindliche, ähnliche Form, aber durch
etwas stärkere, mehr aufstrebende Äste und ausgebreitete, öfter etwas über-
gebogene Zweige, wie weiter gestellte, aber den Zweigen anliegende Blätter,
verschieden.
Picea excelsa phylicoides Carr. (Conif. 1. ed., p. 251 [1855]).
Syn. Abies excelsa phylicoides hört.
Eine gleich der vorigen empfindliche, sehr auffällige und abweichende
Form von zwergigem, unregelmäßigem Wuchs, mit dünnen, abstehenden und
übergebogenen, ziemlich weitstehenden, gelbroten Zweigen und weitgestellten,
kurzen, starren, schmal-elliptischen, scharfgespitzten Blättern.
238 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Ganz absonderliche Abweichungen.
Picea excelsa Lk. f. interrupta (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p. 100).
Eine seltsame, von Oberförster Pollich bei Wilflingen aufgefundene
Fichtenform. Ein gesunder, kräftiger, gegen 3 m hoher Baum, der, wie gleich-
altrige normale Bäume, 25 — 30 cm lange Höhentriebe macht. Ein um das
andere Jahr jedoch entwickelt der Baum einen nur 17 cm langen, mon-
strösen Trieb mit kurzen, breiten, fast schuppenförmig dicht dem Zweige
anliegenden Blättern; dieselben sind 10 — 12 mm lang und bis 3 mm breit.
Die frischen Blätter des jüngsten Triebes sind auf dem Rücken stark gekielt,
lang zugespitzt und laufen in eine lange Grannenspitze aus. Über dem mon-
strösen Triebe des Jahres sind schon wieder die normalen üppigen Quirl-
knospen für das nächste Jahr angelegt. Der monströse, in regelmäßigen
Abständen erscheinende Höhentrieb ist verdickt, auffallend dunkelgrün
und gibt dem Bäumchen aus einiger Entfernung ein ganz eigenartiges Aussehen.
Picea excelsa f. adnata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1907, p. 102).
Eine ganz eigenartige Form, welche in zwei Sämlingen bei Herrn Kölln,
Tannenzüchter in Niendorf bei Hamburg, entstand. Zwei neunjährige Fichten
brachten aus der üppigen Wipfelknospe zwei gleichstarke Triebe, welche,
nachdem sie etwa 7 cm Länge erreicht, seitlich wieder zusammen-
wuchsen, so daß man deutlich die Teilung als ovale ringförmige Figur
und darüber die seitliche Verwachsung der Stämmchen erkennen konnte.
Jährlich wiederholt sich dieser eigenartige Vorgang bei beiden Bäumchen bei
sonst ganz gesunder, üppiger Entwickelung.
In der Färbung abweichend.
Picea excelsa coerulea Breinig.
Eine in starken Exemplaren bei Herrn Breinig in Mülheim a. Rhein
vorhandene, in Kultur aufgefundene schöne Form, deren auffallend üppige,
junge Triebe ganz stahlblau gefärbt sind und die in der Wirkung den
schönsten, blauen Schimmelfichten nicht nachsteht. Leider noch zu wenig
bekannt, verdient sie die weiteste Verbreitung.
Von Forstinspektor Pillichody wurde im Neu enburger Jura gleichfalls
eine blaue Form aufgefunden (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 111 und
1905, p. 48). Auch Schröder in Moskau gewann in Kultur eine blaue Form
(Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 121).
Picea excelsa finedonensis hört.
Syn. Abies excelsa finedonensis Gord, Pin. Suppl. 4.
„ finedonensis hört.
Picea finedonensis hört.
Eine in England in Finedon-Hall in Kultur aufgefundene Form, deren
junge Triebe blaßgelb, dann meist wie bronziert erscheinen, aber mehr
den Eindruck machen, als seien sie von der Sonne verbrannt.
Kihlman in Meddel. 1904, p. 255 führt von Finnland eine grüngelbe
Form (pallida) an.
II. Klasse. Coniferae. 239
Picea excelsa aurea Carr. (Conif. 1. ed., p. 246 [1855]).
Syn. Picea elegantissima hört.
Abies excelsa elegantissima hört.
Eine üppige, buschige Form, deren dem Licht zugewendete Blätter
schön hell-goldgelb gefärbt sind und sich, zu Kontrasten gegen dunkle
Coniferen gestellt und sparsam verwendet, recht gut ausnimmt. Man muß
ihr einen Stand mehr im Halbschatten anweisen, da die Blätter bei starkem
Sonnenbrande verbrennen und die Pflanzen dann häßlich aussehen.
Nach Kihlman in Meddel. 1904, p. 255 auch in Finnland gefunden.
Picea excelsa aurea magnifica Hans.
Unstreitig von ähnlichen die wertvollste Form, von schnellem, leichtem
Wuchs und von leuchtend goldgelber Färbung, die auch beständig und
bedeutende Kontraste hervorzubringen fähig ist; auch diese Form ist in der
Landschaft mit Vorsicht zu verwenden, aber wirklich empfehlenswert.
Picea excelsa lubecensis Rose (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 58).
Eine von Rose in Lübeck in Kultur gewonnene kräftige Pflanze von
außerordentlich regelmäßigem, zierlichem Wuchs. Die Blätter, nur halb so
lang als bei der Art, treiben goldgelb aus und werden nach Ausreifen des
Triebes grün. Ohne gegen Sonnenbrand empfindlich zu sein, bildet diese
Pflanze eine zierliche, an Picea orientalis erinnernde Erscheinung.
Picea excelsa Diedorfiana Schwerin (in Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 94).
Eine von Oberforstrat Ganghof er in Augsburg gewonnene, sehr zier-
liche, ganz kurz blättrige Form. Beim Austreiben ist die erste Hälfte des
jungen Triebes, auch im Schatten, bleibend goldgelb, der zuletzt entwickelte
Teil zeigt wieder grüne Blätter. Die ganze Pflanze hat somit abwechselnd
gelb- und grünblättrige Triebe.
Picea excelsa cellensis Schiebler & Sohn (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903,
p. 58).
Eine von Schiebler in Celle gewonnene reizende, regelmäßige Zwerg-
Kegelform mit Wipfeltrieb und feiner, ericaartiger, kurzer Bezweigung und
feinen, dichtstehenden, 3-4 mm langen, beim Austreiben gelbbunten Blättern.
Picea excelsa Lk. „Helene Cordes" Frahm (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1898,
p. 41).
Eine von Frahm in Elmshorn gewonnene reizende Form von lockerem,
rundlichem Wuchs, mit nach allen Seiten abstehenden jungen Jahrestrieben
von 10 —15 cm Länge, von hellgelber Färbung, mit dünnen, feinen, scharf-
gespitzten Blättern. Die gesunde schöne Form behält eine gelbhche Färbung
und dürfte nur mittelgroß werden.
Picea excelsa mutabilis Carr. (Tr. gen. d. Conif. 1867, p. 336).
Syn. Picea excelsa aureo-spicata hört.
Eine schöne, üppige Varietät, deren junge Triebe schön goldgelb
austreiben und später in Hellgelb übergehen. Carriere schon nennt bei
240 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Andre Leroy in Angers einen 7 m hohen Baum (1867). Diese schöne Form
ist später öfter wieder in Kultur aufgefunden, so auch bei Hesse in Weener.
Sie bietet zur Zeit des jungen Triebes einen hervorragenden Schmuck.
Picea excelsa argenteo-spicata Hesse. (Fig. 49.)
Syn. Abies excelsa argenteo-spicata.
Eine reizende Form, die mit langen, üppigen, weißen Trieben
erscheint und so einem mit Kerzen besetzten Weihnachtsbaume gleicht.
Fig. 49. Picea excelsa argenteo-spicata Hesse. 2 m hoch in Späths Arboretnm.
Sie wurde in den Baumschulen von Hesse in Weener gewonnen, wo ein
jetzt 8 m hohes Schmuckstück ersten Ranges ist.
II. Klasse. Coniferae. 241
Picea excelsa argentea hört.
Syn. Abies excelsa argentea hört.
Eine weißbunte, ziemhch unbedeutende und wenig ins Auge fallende
Form.
Picea excelsa variegata hört. (Conif. 1. ed., p: 246 [1855]).
Syn. Abies excelsa foliis variegatis Loud., Encyclop. of Trees 1027 (1842).
„ „ variegata hört.
Eine durch schwächeren Wuchs, durch Empfindlichkeit und durch ver-
einzelte gelblich-bunte Färbung abweichende unbedeutende Form.
Kihlman in Meddel. 1904, p. 255 führt diese Form auch aus Finnland an.
Die Aufzählung der vorstehenden zahlreichen Formen, von denen ich
mich bemühte, die wichtigsten ihrem Werte nach zu kennzeichnen, beweist,
wie außerordentlich die gemeine Fichte zu Abweichungen neigt,
nicht nur im Wuchs, sondern auch in den Blättern, Zapfen, Zapfenschuppen
und Färbung.
Was den dekorativen Wert anlangt, so ist derselbe bei den wichtigsten
Formen bereits betont; diejenigen mit leicht überhängenden Zweigen oder
regelmäßig kegel- oder säulenförmige Pflanzen sind in der Landschaft am auf-
fallendsten, von den Zwergformen sind die regelmäßigen kleinen Kegel und
Kugeln für kleine oder regelmäßige Gärten wie für die Felspartie recht brauch-
bar, manche sind mehr interessant als schön und manche gleichwertig und
oft so ähnlich, daß kaum ein nennenswerter Unterschied anzugeben ist. Es
ist daher nur zu wünschen, daß weitere in Kultur gewonnene Formen recht
genau geprüft werden, ob nicht schon dieselben oder doch sehr ähnliche be-
reits vorhanden sind, um nicht durch neue Benennungen die Sache immer
verwickelter zu gestalten. Wir haben bereits der verschiedensten dekorativen
Formen so überreichlich, daß nur noch ganz besonders abweichende Be-
achtung verdienen.
2. Picea Mastersii Mayr (Fremdl. Park- und Waldbäume 1906, p. 328,
mit Abbild.). Masters Fichte.
In Wutaishan (China) von Mayr aufgefunden.
Der Autor gibt folgende Beschreibung: „Einjähriger fertiger Trieb hell-
ockerfarbig, zweijähriger rahmweiß; Knospe stumpf, hell-ockerfarbig, etwas
glänzend; Nadeln der jungen Pflanze scharf stechend, vierkantig im Quer-
schnitte, mit weißen Spaltöffnungsreihen auf allen Seiten; Nadeln des frucht-
tragenden Baumes in Größe sehr wechselnd, die Abbildung zeigt solche von
3 — 20 mm Länge bis 2 mm Dicke, die derb etwas sichelförmig gebogen sind;
sie stehen in fast rechtem Winkel vom Zweige ab. Zapfen an einem kurzen,
am Zweige verbleibenden Stiele, an der Basis kegelförmig, 5 — 6 cm lang,
3 cm breit (wenn offen), hellgelb-braun, schwach glänzend, Schuppen abge-
rundet, am obersten Rande schwach gekerbt. Die Blütenschuppe trägt zwei
deuthch hervorragende Harzgänge. Die Rinde des erwachsenen Baumes ist
kleinschuppig, hellgrau und erinnert sehr an eine Tanne. Der Baum trat
zusammen mit Picea bicolor als Tempelhain auf."
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 16
242 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Die Abbildung zeigt einen Zweig mit abstehenden, starren, kurzen Nadeln
und zwei Zapfen, welche die unverkennbar nahe Verwandtschaft mit
der sibirischen Fichte (obovata) zeigt, wie dies auch Masters feststellte.
Da es Mayr gelang, lebende Pflanzen nach Europa zu bringen, so ist
ja später eine genaue Prüfung und ein Vergleich mit den nächsten Ver-
wandten möglich.
Zapfen 8—16 cm, Schuppen ganzrandig oder fein gekerbt, junge Triebe kahl.
3. Picea Schrenkiana Fisch, et Mey. (Bull. d. l'Acad. d. St. Petersb. X, p. 253).
Schrenks Fichte.
Syn. Pinus Schrenkiana Ant., Conif. p. 97 (1847).
Abies Schrenkiana Lindl. et Gord., Journ. Hort. Soc. V, p. 212 (1850).
Pinus obovata ß Schrenkiana Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 415
(1868).
Picea obovata Schrenkiana Carr., Conif. 2. ed., p. 338 (1867).
„ „ ß Schrenkiana fol. longioribus Mast, On the Conif.
of Jap. 506.
? Picea thianschanica Rupr., Serum thianschanicum p. 72.^)
Pinus Orientalis ß longifolia Ledeb., Fl. Ross. III, p. 671.
Im Thian-Schan und im Alatau-Gebirge wie in der soongarisch-kirghi-
sischen Steppe heimisch und dort Wälder bildend.
Hoher Baum, in der Tracht mit überhängenden Ästen und Zweigen an
Picea Morinda Lk. erinnernd. Dr. Albert v. Regel fand auf seiner Reise in
Kuldscha Wälder diese Art und sagt, sie gleiche in der Tracht der gemeinen
Fichte, nur besitze sie viel längere, dünnere Blätter und mache mit zahlreichen
hängenden Zapfen einen wahrhaft guten Eindruck. Blätter 2 — 3^/2 cm lang,
viereckig-spitzig, mattgrün, mit weißen Spaltöffnungslinien. Zapfen bis 9 cm
lang, 2^/2 cm breit, zylindrisch. Zapfenschuppen keilförmig, abgerundet, ganz-
randig, an der Spitze fast abgestutzt, glatt. P. obovata steht sie nahe, unter-
scheidet sich aber nach Dr. Regel durch trockenhäutige, ausgebreitete
Knospenschuppen, durch doppelt so lange Blätter, viel größere Zapfen und
Zapfenschuppen und durch brüchiges Holz. Von P. Morinda Lk., der sie
verwandt ist, unterscheidet sie sich durch weniger stark überhängende Äste
und Zweige, durch etws.s kürzere Blätter und Zapfen.
A. V. Regel (s. Gartenflora 1880, p. 49) fand in der Nähe der Quellen
des kleinen luldus eine Form der Picea Schrenkiana mit viel kürzeren
Zapfen als in Kuldscha, deren Schuppen platter abgerundet, deren Blätter
blaugrüner und deren Wuchs weniger schlank als bei der gewöhnlichen
Form waren.
Eine dekorativ sehr wertvolle, ganz harte Fichte (Dr. Regel nennt sie
die zierlichste aller Fichten), welche, nachdem sie schon früher eingeführt
^) Den kurzen mir zugänglichen Mitteilungen über diese anscheinend ziemlich ungenau
bekannte P'ichte nach zu urteilen, dürfte Picea thianschanica Rupr. gleich mit P. Schrenkiana
sein. A. von Regel sagt in seinem Reisebericht aus Kuldscha (Gartenflora 1877, p. 69), sie
scheine mit P. Schrenkiana identisch zu sein. Masters in On the Conifers of Japan nennt
sie affmis (ähnlich) F. Schrenkianae und gibt an, sie nur dem Namen nach zu kennen; die
Originalbeschreibung war mir nicht zugänglich.
II. Klasse. Coniferae. 243
sein soll, erst um das Jahr 1880 durch Dr. Regel wieder echt in Samen und
kleinen Pflanzen verbreitet wurde, aber anfangs in den Gärten vielfach mit
Picea obovata verwechselt und so versandt wurde, weshalb man bis heute
über diese Fichte noch vielfach im Irrtum ist.
Wir finden in deutschen Gärten bereits sehr stattliche Exemplare, welche
den dekorativen Wert dieser absolut winterharten Fichte, ein gutes Gedeihen
und im Wuchs Ähnlichkeit mit der schönen, für Deutschland leider zu empfind-
lichen Picea Morinda zeigen und hoffentlich, wenn erst mehr verbreitet, einen
Ersatz für diese bieten werden.^)
Masters in Ind. Fl. sin. Journ. Linn. Soc. Bot. XXVI, p. 554 nennt:
Picea Schrenkiana F. et M. subvar. Loczyi (Kanitz in PI. Exped. Szechuen
p. 64, Yunnan [Szechenyi 247 ex Kanitz]).
Picea Schrenkiana globosa Schelle.
Eine etwa 25jährige, seinerzeit aus Muskau bezogene, unter normalen
Pflanzen entstandene, im Botanischen Garten in Tübingen stehende hübsche
Kugelform von 1,80 m Durchmesser, mit nach allen Seiten abstehenden
unzähligen Kopftrieben, aus welchen durch Veredelung diese schöne, regel-
mäßige, harte Form weiter vermehrt und verbreitet werden kann. Eine solche
Kugelform fand ich auch im botanischen Garten in Würzburg.
4. Picea Morinda Lk. (in Linn. XV, p. 522 [1841]). Himalaya- oder
indische Fichte.
Syn. Pinus Smithiana Wall., num. list 6063 (1827), und Lamb., Pin. III,
t. 88 (1837).
Pinus Khutrow Royle, Illustr. of Himal. Bot. p. 353, t. 84 f., 1 (1839).
Abies Smithiana Forb., Pin. Wob. p. 103, t. 30 (1839).
„ Khutrow Loud., Encyclop. of Trees 1032 f., 1931 (1842).
„ pendula Griff, ex Gord., Pin. Suppl. 7.
Morinda hört.
^) Haben wir, den meisten Autoren folgend, die sibirische Fichte (obovata) als eine
mit unserer europäischen Fichte durch alle Übergänge verbundene nächste Verwandte dargestellt,
so halten wir es nicht für gerechtfertigt, nun auch Picea Schrenkiana hier gleichsam als Bindeglied
und Form von obovata anzuschließen, wie einige Autoren dies tun. Manche gehen sogar so
weit, auch die auf den ersten Blick zu unterscheidende P. orientalis Lk. als Form zu
P. excelsa stellen zu wollen, ja selbst die so ganz abweichende P. Morinda möchte man
anreihen, und manche Autoren neigen dazu, gar die japanische P. polita zu P. Morinda zu ziehen.
— Bei solchem Vorgehen ginge dann der Artenbegriff völlig in die Brüche, wenn so gut
charakterisierte, von allen Autoren anerkannte Arten zu Formen gemacht werden sollen ! — Wie
man auf der einen Seite mit der Artenmacherei zu weit gehen kann, so kann dies auch im ent-
gegengesetzten Sinne mit dem Zusammenwerfen der Arten geschehen. Wollten wir alle zahl-
reichen, eigentümlichen Formen der P. excelsa nebeneinander stellen, so könnten wir An-
näherungen an die verschiedensten P'ichten herausfinden; deshalb ist aber durchaus
noch nicht gesagt, daß sie zu diesen auch nur im mindesten in Beziehung stehen, sondern wir
haben eben vielfach monströse Formen in Bezweigung, Blättern und Zapfen oft gänzlich ab-
weichend vor uns, die so leicht zu Irrtümern Anlaß geben. — Wohl können Ähnlichkeiten mit
einzelnen Individuen, ja selbst mit einer größeren Anzahl derselben festgestellt werden, aber
Ähnlichkeiten beweisen noch nicht die Identität.
16*
014 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Artcn.
Syn. Picea Khutrow Carr., Conif. 1. ed., p. 258 (1855).
Pinus Morinda hört.
Morinda, Khutrow, Khutrau, Koondrow im Himalaya genannt.
Epicea de l'Himalaya der Franzosen.
Himalayan or Indian Spruce der Engländer.
Im westlichen temperierten Himalaya in einer Erhebung von 2000 bis
3600 m, nach Brandis Forest Flora meist an nördlichen und westlichen Ab-
hängen allein, oder öfter im Mischwald von Laubhölzern oder gemeinsam
mit Cedrus Deodara, Pinus excelsa und Abies Webbiana und 160 m höher
als letztere aufsteigend. Mayr bildet in Fremdl. Wald- und Parkbäume 1906,
p. 331 einen Bestand ab.
Im Jahre 1818 in Europa eingeführt.
Baum von 30 — 50 m Höhe mit schlankem, geradem Stamm mit grau-
brauner, in kleinen unregelmäßigen Stücken sich lösender Rinde, der von
2^/2 — 5 m, ja unter Umständen mehr Umfang erreichen kann, mit pyramidaler
Krone, freistehend vom Boden an beästet mit zierlichen, hängenden, hellgelb-
glänzenden Zweigen und von dunkelgrüner Färbung. Knospen glänzend-
braunrot. Blätter ziemlich dicht rund um die Zweige gestellt, gerade oder
etwas gebogen, steif, zusammengedrückt-vierkantig-pfriemlich, scharfgespitzt,
mit wenig sichtbaren weißlichen Spaltöffnungslinien, freudig-grün, 3 — 4, selten
bis 5 cm lang, 1^/2 mm breit. Männliche Blüten dick, länglich-stumpf, 23 bis
28 mm lang, 8 — 10 mm breit, an kleinen Zweigen hängend; weibliche Blüten
einzeln oder seltener mehrere an den Spitzen der Zweige, erst violett und
aufrecht, dann grün und hängend. Zapfen groß, hängend, länglich-zylindrisch
oder länglich-stumpf, 12 — 15 cm lang, 3—4 cm breit, reif dunkelbraun. Zapfen-
schuppen zahlreich dachziegelig, lederartig-holzig, breit-verkehrt-eirund, ganz-
randig, glatt und glänzend-dunkelbraun. Samen verkehrt-eirund, bis 5 mm
lang, 3 mm breit, schwarzbraun, mit dreimal so langem, breit-spatelförmigem,
gelbrotem Flügel.
Nach Brandis geben im Vaterlande im April die jungen hellgrünen
Triebe im Gegensatz zu den älteren dunkelgrünen Blättern den Bäumen ein
buntes Aussehen. Das Holz ist weiß, das äußere Holz färbt sich rot und ver-
wittert schnell. Es ist glatt, astfrei und dicht-faserig, wird zu Brettern und
Packkisten verarbeitet, ist aber als Bauholz, ausgenommen in gedeckten
Räumen, nicht dauerhaft. Von den Gebirgsbewohnern wird es indessen als
Bauholz und zu Schindeln benutzt. Es ist meist etwas schwerer als das von
Abies Webbiana. Die Rinde wird zum Decken der Schäferhütten und zur
Verfertigung von Wassertrögen verwendet.
Diese schöne Fichte kann leider nur für die wärmsten, geschütztesten
Lagen Deutschlands zur Anpflanzung empfohlen werden, denn in rauhen
Lagen finden wir sie stets vom Frost beschädigt und nach harten Wintern
sah ich stärkere Exemplare bis zur Schneedecke erfroren. Für mildere
Gegenden, wo sie unbeschädigt sich entwickeln kann, gehört sie zu den
dekorativsten Fichten, die, vom Grunde an beästet, mit der leicht herunter-
hängenden Bezweigung und langen Benadelung sich herrlich ausnimmt. Auf
der Insel Mainau im Bodensee und in den Gärten am Seeufer finden wir
noch tadellose Prachtexemplare, die an Eleganz der Cedrus Deodara nicht
nachstehen. Sie Hebt gleichmäßig feuchten, besonders milden Lehmboden
II. Klasse. Coniferae. 245
und kümmert in trockenem Boden, was ihrem Vorkommen nach in hoher
Lage im feuchten Gebirgsklima ja erklärlich ist. Zumal trägt auch der Mangel
einer für die Winterzeit andauernden schützenden Schneedecke die Schuld,
daß sonst keineswegs sehr empfindliche immergrüne Pflanzen hoher Gebirge
unseren an Kahlfrösten und schroffem Temperaturwechsel so reichen Wintern
zum Opfer fallen. Selbst in Paris wie in England, wo sie sonst gut ausdauert
und in herrlichen und alten, mächtigen, seit 1818 eingeführten Bäumen ver-
treten ist, zeigt sich Picea Morinda noch im obigen Sinne empfindlich und
Veitch empfiehlt, sie in nordwestliche Lagen oder geschützt durch höhere
Baumpflanzungen anzupflanzen.
Der Umstand, daß Picea Morinda, als besonders gut charakterisierte
Art, von manchen Autoren mit der nicht minder von allen Fichten ab-
weichenden, eigenartigen P. polita verwechselt, geschweige denn mit dieser
vereinigt werden konnte, ist wohl dahin zu erklären, daß P. polita als älterer
Baum mit überhängenden Zweigen und längeren, dünneren Blättern in der
Gestalt der P. Morinda ähnlich wird.
Der einheimische Name „Morinda" bedeutet „Nektartropfen oder Honig-
tränen" in bezug auf die mit durchsichtig hellen Harztropfen oder gleichsam
Tränen überflossenen Zapfen und Rinde.
5. Picea Alcockiana Carr. (Conif. 2. ed., p. 343 [1867]).
Alcocks Fichte. (Fig. 50.)
Syn. Abies Alcoquiana J. G. Veitch. ^) und Lindl. in Gar d. Chron. 1861,
p. 23, et 1862, p. 308.
^) Unter dem Namen Abies Alcoquiana J. G. Veitch. sind im Jahre 1861 von Veitch
(s. A Manual of the Coniferae p. 68) durch Unzuverlässigkeit der Sammler zu den Zweigen der
Ajanfichte, Picea ajanensis Fisch., irrtümlich die am Boden liegenden Zapfen der mit ihr zu-
sammen wachsenden P. Alcockiana Carr. gesammelt worden und weiter, durch Vermischung der
Samen beider, zwei ganz verschiedene Fichten verbreitet worden, nämlich: P. Alcockiana
Carr., welche P. obovata am nächsten steht, mit gekrümmten, spitzen, vierseitig-stumpfkantigen
Blättern, also eine echte Fichte, die demnach in die SektionEupicea gehört, und weiter:
P. ajanensis Fisch., mit linealen, beiderseits flachen, oberseits mit sechs silberweißen Spalt-
öffnungslinien gezeichneten, unten dunkelgrünen, stumpf-stachelspitzigen Blättern, die also in die
Sektion Omorica gehört. Da letztere (die Ajanfichte) schon früher unter obigem Namen von
Fischer beschrieben war, so muß sie also diesen Namen dauernd tragen, während die erstere
(P, Alcockiana Carr.), die von Veitch zu Ehren des Sir Alcock, brit. Minister in Tokio
(Yeddo), benannt wurde, diesen Namen behalten und der fünf Jahre später von Maximowicz
gegebene Name P. bicolor daher als Synonym zurückstehen muß. —
Carriere machte schon in Traite general des Conif eres 1867, p. 344 auf die falsche
Beschreibung der Abies Alcoquiana aufmerksam, dann wurde in Card. Chron. 1880, vol. XIII,
p. 115 zuerst auf die Verwechselung der Picea Alcockiana mit P. ajanensis hingewiesen und
p. 212 werden die falschen Beschreibungen beider Arten von Lindley und Murray ausführ-
licher besprochen, die Unterschiede genau angegeben und durch Abbildungen erläutert. In der
Gartenflora 1889, p. 216 gibt Hennigs nochmals, gestützt auf obige Angaben, genau die Unter-
schiede an und fügt Abbildungen von Zweigen, Blattdurchschnitte und Zapfen bei, letztere nach
Originalexemplaren von P. (Abies) bicolor Maxim, und P. ajanensis Fisch., die von Maximowicz
dem Berliner Museum zugesandt waren, so daß nunmehr jeder Zweifel ausgeschlossen ist, zumal
246 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Syn. Picea japonica Maxim,, Ind. sein. 1865, p. 33; 1866, p. 3. Von
Maxim, korrigiert: Picea japonica hört. Petrop. gleich Abies
bicolor Maxim., Mel. Biol. 1. c.
Abies bicolor Maxim., Mel. Biol. t. VI (1866), p. 24 in Bull. Acad.
Imp. Sc. St. Petersb. t. X, p. 488.
Pinus Alcoquiana Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 417 (1868).
Abies acicularis Maxim, in schedis. (Alpenform).
„ excelsa var. acicularis hört.
Picea bicolor Mayr, Abietin. d. jap. Reiches 1890, p. 49, Taf. III.
Ira-momi der Japaner.
In Japan auf dem Berge Fusi-Yama bei 2000 — 2300 m Höhe, auf der
Insel Hondo von Veitch und später auch von Maximowicz und Mayr
(1886) aufgefunden und von ersterem im Jahre 1861 in Europa eingeführt.
Baum von 30 bis zu 40 m Höhe; nach Veitch eine der schönsten
Fichten Japans, dort ein prächtiger, pyramidaler Baum, welcher im höheren
Alter mit am Wipfel verlängerten, stark verzweigten Ästen eine dichte, volle,
unserer Picea excelsa am meisten ähnliche Krone bildet. Zweige zierlich,
leicht übergebogen, jüngste üppige Längstriebe nach Mayr behaart; alle aus-
gereiften Triebe kahl, gelbbraun. Blätter sehr dichtstehend, den Zweigen
dicht anliegend und an den Spitzen die glänzend-rotbraun beschuppten
Knospen dicht umschließend und weit vorstehend, steif, mehr oder minder
gebogen, stechend, scharf gespitzt, deutlich vierseitig-stumpfkantig, zwei Seiten
oberseits bläulich-weiß durch die Spaltöffnungslinien, die unteren dunkelgrün,
12 — 18 mm lang, 1 — l^/g mm breit. Zapfen eirund-länglich-zylindrisch, reif
braunrot, 8, 10 bis 12 cm lang und bis 4'/2 cm breit; Zapfenschuppen leder-
artig, zahlreich, dicht-dachziegelig, breit-eirund, am Rande fein gezähnelt, auf
dem Rücken gestreift, kurz vor der Reife dreifarbig, unten braun, darüber
grünlich und rot gerandet. Bracteen eirund-spitz, leicht abfallend, an den
auch schon an verschiedenen Orten in Kultur gewonnene Zapfen der P. ajanensis Fisch, wie der
P. Alcockiana Carr. genau mit den Originalzapfen übereinstimmen.
Maximowicz, dem ich briefliche Mitteilungen vom 3. März 1887 verdanke, hat, nach-
dem er die Identität seiner Abies (Picea) bicolor mit Picea Alcockiana Carr. erkannte, den
Namen bicolor als Synonym beigesetzt, also ihm keinen Wert beigelegt. Weiter erhielt ich
von Herrn R. Regel aus dem Herbarium in St. Petersburg noch folgende Notiz: „P. japonica
Maxim. (Ind. sem, 1865, p. 33, dann in Ind. sem. 1866, p. 3) von Maxim, korrigiert: P. japonica
hört. Petrop. gleich Abies bicolor Maxim. 1. c. gleich P. Alcockiana Carr.". — Dann heißt
es weiter: „P. acicularis Maxim, ist Synonym von P. Alcockiana Carr. und nur Alpenform
derselben".
Weiter muß doch jeder zugeben, daß gerade bei Picea Alcockiana Carr. eine Zwei-
farbigkeit anderen Fichten, zumal aber P. ajanensis Fisch, gegenüber gar nicht vorhanden
ist, der Name also nicht einmal bezeichnend ist, Maximowicz meinte mit dieser Bezeichnung
die Zapfen, denn er sagt, indem er P. obovata mit P. bicolor vergleicht, von ersterer: „conis
minoribus concoloribus" (mit kleineren gleichfarbigen Zapfen) und von letzterer: „in nostra
bicoloribus" (bei unserer zweifarbig).
Die japanische Bezeichnung „Buntfichte" ist wohl darauf hinauszuführen, daß die Zapfen
kurz vor der Reife mit ihren unten braunen, darüber grünlichen und rotgerandeten, also drei-
farbigen (aber nicht zweifarbigen) Schuppen zieren. — Da Masters überdies noch ver-
mutet, daß Picea Alcockiana von bicolor verschieden sei, so sind dies alles Gründe genug, um
den Namen P. Alcockiana Carr. beizubehalten. Vergl. Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 71.
II, Klasse. Coniferae.
247
Seiten gezähnelt, etwa 3 mm lang. Samen verkehrt- eirund -länglich, etwa
5 mm lang, schwarzbraun, mit einem fast dreimal so langen, verkehrt-eiförmig-
schiefen Flügel.
Wir finden in den Gärten geringe Abweichungen zeigende Individuen.
So erhielt Herr Hesse-Weener aus Boskoop eine Fichte unter dem Namen
Picea jadonensis (vielleicht Verstümmelung von yeddoensis?), von der ich
auch ein Exemplar besitze. Es ist eine unverkennbare P. Alcockiana Carr.,
kräftig von Wuchs, mit derber, auffallend blauer Benadelung, hervor-
gerufen durch die sehr ausgeprägten weißlichen Spaltöffnungsreihen (Mitt. d.
d. dendr. Gesellsch. 1897, p. 90).
Fig. 50. Picea Alcockiana Carr. l Zweig mit aufgesprungenem Zapfen (Originalexemplar von Maxi-
mowicz [Picea bicolor Maxim.] im Berliner Museum); 2 Blatt vom Fruchtzweig ; 3 Blattspitze (vergr.);
4 Blattquerschnitt (vergr.); 5 Zapfenschuppe mit kleiner Bractee; 6 Samen: 7 unfruchtbarer Zweig.
Auch Herr Alfred Rehder teilte mir mit, daß er in Begleitung des
Herrn Prof. Sargent bei Besichtigung des Hunnewell- Gartens neben einer
großen zapfentragenden Picea Alcockiana Carr. auch abweichende Individuen
fand, die näher zu prüfen sein werden. Bei geringer Verschiedenheit in den
Zapfen ergab sich ein auffallender Unterschied im Wuchs (Mitt. d. d. dendr.
Gesellsch. 1903, p. 71). Auch Masters dürfte solche Abweichungen gemeint
haben, wenn er sagt P. Alcockiana sei von P. bicolor verschieden.
Nach Veitch ist das Holz von Picea Alcockiana von guter Qualität
und wird in Japan als Bauholz und für andere Zwecke verwendet. Sie ist
schneller von Wuchs als P. ajanensis Fisch., hat weniger steife Zweige als
diese und gehört zu den dekorativsten Fichten, die von bläulich -grüner
248 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten.
Färbung, von kräftigem, gedrungenem Wuchs und leichter Bezweigung, in
der Tracht der P. excelsa am ähnlichsten ist. Wir finden in deutschen
Gärten Pflanzen jeden Alters und dabei sehr stattliche, Zapfen tragende
Bäume. Diese Fichte treibt mit P. polita am spätesten von allen Arten, wird
daher nicht von Spätfrösten getroffen, ist absolut winterhart und daher auch
forstlich zu prüfen, zumal in ungünstigen und Frostlagen.
Hier schließen sich als nächste Verwandte noch einige, neuerdings aus
China eingeführte Arten an:
6. Picea Wilsonii Mast, (in Gard. Chron. 1903, p. 133, mit Abbild, nach
Herbarmaterial). Wilsons Fichte.
In Fang in der Provinz Hupeh von Wilson gesammelt (No. 1897).
Baum von 13 — 23 m Höhe, dicht bezweigt; Zweige blaßgrau, mit flaschen-
förmigen, dichtstehenden Blattkissen bedeckt; Knospen eiförmig, fast kugelig,
mit lederartigen, kastanienbraunen, dachziegeligen Schuppen bekleidet; Blätter
1 cm lang, gebogen, lineal, spitz, vierseitig, allseitig mit Spaltöffnungen, die
jugendlichen flaumhaarig. Männliche Blüten nicht gesehen. Zapfen gehäuft,
hängend, gestielt, 4 — 5 cm lang, 3 cm breit, länglich-zylindrisch, fast spitz.
Bracteen lineal-länglich, stumpf, kaum halb so lang als die Schuppen; Schuppen
lederartig, braunrot, fast kreisrund, ganzrandig oder ausgebissen, an der Basis
breit-keilförmig, am Rande etwas zurückgerollt. Samen verkehrt-eiförmig, mit
einem schiefen, verkehrt-eirunden, doppelt bis dreifach längeren Flügel.
Es ist nach Wilson augenscheinlich ein schöner Baum, was seine Eigen-
schaften als Holzproduzent anbelangt; wir müssen aber darüber noch mehr
erfahren. Diese Fichte steht der Picea Alcockiana Carr. nahe.
7. Picea montigena Mast, (in Gard. Chron. 1906, p. 146, mit Abbild.).
Bergfichte.
Im westlichen China bei Tatien-lu in einer Erhebung von 3300 m von
Wilson gesammelt.
Baum von 7 — 20 m Höhe mit dem der Fichte charakteristischen Wuchs;
ältere Zweige aschgrau, junge blaß-orangerot und behaart. Blattkissen vor-
stehend, herablaufend, symmetrisch nach der Spitze zusammengezogen, aber
nicht schief. Knospen breit-eiförmig, mit hellbraunen, länglich-eirunden, fast
lederartigen Schuppen bedeckt. Blätter vierseitig, 10 — 12 mm lang, 1^/2 bis
2 mm breit, lineal, gebogen, mit vorstehendem Mittelnerv, beiderseits mit
Spaltöffnungen und mit stumpflicher Knorpelspitze. Männliche Blüten seitlich,
fast sitzend, etwa 2 cm lang, 1 cm breit, länglich-zylindrisch; Antherenschuppen
kellenförmig, violett, an den Rändern zerschlitzt. Zäpfchen endständig, auf-
recht, mit zurückgeschlagenen, purpur- violetten, breit -länglichen Schuppen.
Reife Zapfen zylindrisch-länglich, stumpf, 10 — 12 cm lang, 4 — 5 cm breit;
Schuppen dicht angedrückt, fast lederartig, länglich, abgestutzt, wellig, hell-
braun, purpur angehaucht.
Ihrem Standort nach zu urteilen, dürfte diese Art sich wahrscheinlich
als hart erweisen. Die lebhafte Färbung, sowohl der männlichen wie der
weiblichen Blüten, gibt den Bäumen ein schönes Aussehen. Die Stellung der
jungen Zapfenschuppen, welche zuerst umgebogen und später aufrecht gestellt
II. Klasse. Coniferae. 249
sind, verdient Beachtung. Als nächste Verwandte dürfte sie bei Picea
Alcockiana Carr. einzureihen sein.
8. Picea Neoveitchii Mast. (Card. Chron. 1903, p. 116, 117, mit Abbild.).
Neue Veitchfichte.
In West-China, Provinz Hupeh, in einer Erhebung von 1830 m von
Wilson gesammelt (No. 2601).
Baum von 8 — 10 m Höhe mit glatten, hellbraunen, glänzenden Zweigen;
Blätter 15 mm lang, lineal, gebogen, zugespitzt, vierkantig, beiderseits mit
Spaltöffnungen; Knospen eiförmig, mit länglichen, lederartigen, glatten,
kastanienbraunen Schuppen. Männliche Blüten nicht gesehen. Zapfen hängend,
länglich-zylindrisch, etwas gebogen, nach beiden Seiten etwas verschmälert,
12 cm lang, geschlossen 4 cm breit, mit fest anliegenden Schuppen. ' Schuppen
fast lederartig, gelbbraun, schief-länglich oder fast kreisrund, nach der Spitze
kaum ausgezogen, ganzrandig, wellenförmig; Samen verkehrt-eiförmig, halb
so lang als der häutige, schief-verkehrt-eirund-längliche Flügel.
Masters wollte gern zu Ehren des Herrn Veitch diese Fichte benennen
und nannte sie, um in der Praxis unliebsame Verwechselungen von Abies
Veitchii und Picea Veitchii zu vermeiden, Neoveitchii.
Nach der Form des Zapfens und der Schuppen ähnelt diese Art der
Picea Morinda vom Himalaya, aber in der Benadelung der japanischen P.
polita; der Baum zeigt einen sehr regelmäßigen Wuchs.
Weiter werden noch kurz erwähnt:
Picea brachytila Mast. (Journ. Linn. Soc. Bot. XXVI [1902]).
Syn. Abies brachytila Franch. in Journ. de Bot. 1899, p. 258.
In Szechuen von F arges und in Yunnan von Delavay aufge-
funden.
Nach Franch et großer Baum, der Picea polita nahestehend und von
dieser durch halb so lange Blätter unterschieden; diese sind auf der Rück-
seite weiß, ein wenig zugespitzt und vierkantig. Masters nennt sie der P.
Alcockiana nahestehend.
Picea likiagensis Mast. (Journ. Linn. Soc. Bot. XXVI [1902]).
Syn. Abies likiagensis Franch. in Journ. de Bot. 1899, p. 257.
In Yunnan (Likiang) bei 2700 m Erhebung von Delavay gefunden.
Nach Franchet ein großer, Picea polita gleichender Baum; die Blätter
sind 10 — 12 mm lang, 1 mm breit, zusammengedrückt-vierkantig. Sie unter-
scheidet sich aber von derselben durch die Zapfenschuppen, die länger als
breit sind.
Wir sehen hier also sehr nahe verwandte Arten. Es wird einem ein
gehenden Studium vorbehalten bleiben müssen, festzustellen, ob hier ver-
schiedene Arten vorliegen, oder ob etwa manche durch Übergänge zu-
einander verbunden sind und als nicht genügend verschieden erkannt
werden.
250 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
9. Picea polita Carr. (Conif. 1. ed., p. 256 [1855]). Glattzweigige, Torano-,
Stachel-, Rosen- oder Tigerschwanz-Fichte. (Fig. 51.)
Syn. Pinus Abies Thunb., Flor. Jap. 275 (1784) (nicht L.).
Abies Torano Sieb, in Verhandl. v. het. Bat. Genotsch. 12, p. 12
(1830).
. . Abies polita Sieb, et Zucc, Flor. Jap. II, p. 20, t. 111 (1842).
Pinus polita Ant., Conif. p. 95, t. 36 f., 1 (1847).
Fälschlich auch: Picea oder Abies bicolor hört, (nicht Maxim.).
Hari-momi, Bara-momi, Tora-momi oder Torano-momi, d. h. Tiger-
schwanzfichte, der Japaner.
Jo-bi-sjo der Chinesen.
Epicea ä queue de tigre der Franzosen.
Tigers tail Spruce der Engländer.
In Mittel-Japan südlich vom 38.^ n. Br., zumal auf Hondo, vereinzelt im
Laubwalde auftretend, keine größeren Wälder bildend.
Im Jahre 1861 von J. G. Veitch in Europa eingeführt.
Stattlicher Baum von 20 — 30 und selbst mehr Meter Höhe, mit klein-
schuppiger, graubrauner Rinde; jung von kegelförmiger Gestalt, älter in der
Heimat mit mehr überhängenden Zweigen,^) an denen alsdann die Blätter
etwas länger, dünner und mehr den Zweigen angedrückt sind als an jungen,
üppigen Pflanzen, weshalb die Japaner der Ähnlichkeit nach den Namen
„Tigerschwanzfichte" gaben. Junge Triebe kurz, dick und glatt, hell-gelbbraun.
Knospen eiförmig, dick, glänzend -kastanienbraun, nicht harzig. Blätter auf
dicken, horizontal und weit vorstehenden Blattkissen, dicht, aber nach allen
Seiten abstehend, starr und dick, stumpf-vierkantig, sichelförmig aufwärts ge-
krümmt, in eine scharfe, stechende Spitze ausgezogen, allerseits frischgrün,
15 — 25 mm lang, 2 mm breit. Zapfen hängend, eirund-länglich, beiderseits
abgerundet, 8 — 12 cm lang, 4 — 5 cm breit, unreif gelbgrün (Mayr, Abietin.
d. jap. Reiches 1890, t. III), reif hell -kastanienbraun. Zapfenschuppen zahl-
reich, dicht-dachziegelig, lederartig, breit-verkehrt-eirund, mit abgerundetem,
unregelmäßig fein gezähneltem Rande. Bractee klein, lineal, stumpf, ganz-
randig, viermal kleiner als die Schuppe. Samen verkehrt-eirund-längHch,
dunkelbraun, 7,5 mm lang, 4 mm breit, mit drei- bis viermal so langem, gelb-
braun-glänzendem, verkehrt-eirundem Flügel.
In Japan auch als geheiligter Baum an Tempeln angepflanzt, wird das
Holz als Nutzholz zu Bauten und anderen Zwecken gelegentlich verwendet,
jedoch wird nach Matzuna der forstliche Anbau noch nicht planmäßig be-
trieben, eignet sich aber für hochgelegenen, lufttrockenen Boden am besten.
In Deutschland zeigte sich Picea polita hart, litt nur in ausnahmsweise
strengen Wintern und ist eine ganz eigenartig schöne, von allen anderen
Arten sofort zu unterscheidende Fichte, die in ihrer Gesamterscheinung als
junge Pflanze mit steif-aufstrebendem Wuchs, steifen Zweigen und dolch-
spitzig- stechenden Blättern die starrste aller kultivierten Fichten genannt
werden muß. Sie treibt von allen Fichten am spätesten aus. In deutschen
^) Diesem Umstände ist es wohl zuzuschreiben, daß manche Autoren Picea polita mit
P. Morinda vergleichen und vereinigen.
II. Klasse. Coniferae.
251
Gärten sind schon sehr schöne starke, zapfentragende Exemplare vorhanden;
sagt ihnen der Boden zu, so ist das Wachstum ein freudiges, üppiges; man
p
findet sie aber auch langsam, gedrungen von Wuchs und dazu neigend, daß
der Wipfeltrieb sich schlecht ausbildet und auch wohl verkümmert; es handelt
252 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
sich dann darum, den Mitteltrieb zu fördern und keine Nebenwipfel auf-
kommen zu lassen.
Maximowicz nennt seine Picea bicolor gleich P. Alcockiana Carr., der
P. polita zunächst verwandt; entweder ist dies der Grund, daß P. polita vielfach
in deutschen Gärten unter dem Namen P. bicolor angetroffen wird, oder sie
wurde auch unter diesem Namen vielleicht fälschlich eingeführt.
Als Forstbaum dürfte diese Fichte, schon ihres langsamen Wuchses
wegen, kaum in Betracht kommen. Vor Wildverbiß und Fegen des Rehbockes
schützen sie ihre dolchspitzigen Nadeln.
Mayr, in Fremdl. Wald- und Parkb. 1906, p. 336, gibt als Hinderungs-
grund für den Anbau noch an, daß Eichhörnchen mit Vorliebe die dicken
Knospen ausfressen und darum die Bäume nicht hochkommen. Junge
Exemplare könne man vielleicht durch Anteeren der Knospen vor diesen An-
griffen schützen.
Zu wehrsamen Hecken und Schutzpflanzungen wäre diese Fichte mit
Nutzen zu verwenden.
Zapfen 5,5—8,5 cm lang, mit rundlichen, lederarfigen, ganzrandigen Schuppen.
Bläffer 6—10 mm lang.
10. Picea orientalis Lk. et Carr. (Man. d. PI. IV, 340, et Tr. gen. d. Conif.
1. ed., p. 244 (1855).
Morgenländische oder Sapindusfichte. (Fig. 52.)
Syn. Pinus orientalis L., Spec. plant p. 1421 (1763).
Abies orientalis Poir., Encyclop. VI, p. 518 (1804).
Picea Wittmanniana Carr., Conif. 1. ed., p. 260 (1855).
Abies Wittmanniana hört.
Sapinette d' Orient der Franzosen.
Eastern Spruce der Engländer.
Auf dem Taurus und Kaukasus oft dichte Wälder bildend, häufig zwischen
Trapezunt und Erzerum in einer Erhebung von 1300 m, auf den meisten
Bergen des Taurus und Antitaurus zwischen 600 und 2200 m Erhebung, auf
den höheren Bergen Imeretiens, im oberen Mingrelien zwischen dem Adschar-
und Guriel-Gebirge.
Sie wurde zuerst von Tournefort in den Gebirgen südöstlich von
Trapezunt 1717 entdeckt.
Im Jahre 1837 in Europa eingeführt.
Baum, der im Vaterlande über 30 m Höhe erreichen soll — Medwiedew,
„Bäume und Sträucher des Kaukasus", berichtet von herrlichen, 50 — 60 m
hohen, 1,50 — 2,30 m Durchmesser haltenden Bäumen — , in Kultur aber meist
nur etwa 15 — 20 m hoch wird und eine dichte, vom Boden an beästete, zier-
liche, schlanke Pyramide darstellt, mit unregelmäßig-quirlständigen, abstehenden
Ästen und feinbehaarten Zweigen. Blätter sehr dichtstehend, die Zweige,
zumal aber die Oberseite, dicht deckend, 5 — 10 mm lang, gerade oder etwas
gebogen, dicklich, steif, abgestumpft-vierkantig, stumpf-gespitzt, glänzend-
dunkelgrün. Männliche Blüten an den Zweigspitzen, einzeln oder zu zweien,
eirund-zylindrisch-stumpf, karminrot, sehr zierend, ebenso die jungen violett-
purpurroten Zäpfchen. Reife Zapfen nickend, eirund-zylindrisch, 5 — 8 cm
II. Klasse. Coniferae.
253
'y^:\^
Fig. 52. Picea orientalis Lk.
254 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
lang, 2 cm breit, Zapfenschuppen lederartig, braun, fast kreisrund, ganzrandig,
auf dem Rücken gestreift. Bractee sehr klein, fast kreisrund, ganzrandig oder
ausgerandet, Samen klein, schwärzlich, verkehrt-eirund, mit dreimal so langem,
verkehrt-eirund-kreisförmigem Flügel.
Das Holz ist zähe und dauerhaft und nach C. Koch, Dendr. II, p. 239
(1872), so harzreich, daß die Späne im pontischen Gebirge allgemein zur Er-
leuchtung benutzt werden. Die an den Zweigen hervorquellenden Harztropfen
werden „Sapindustränen" genannt.
Von langsamem Wuchs, möchte Picea Orient alis in Deutschland als
Nutzbaum kaum eine Zukunft haben, aber als eine der zierlichsten, aus-
dauernden Fichten ist sie bereits allgemein beliebt und verdient als Einzel-
pflanze, besonders auch für kleinere Gärten, die größte Empfehlung, da sie
von breit-kegelförmigem Wuchs, mit dichter, feiner Bezweigung und den
glänzend-grünen, stumpfspitzigen Blättern (den kürzesten aller Fichten) sofort
jedem Laien kenntlich ist. Wir finden in deutschen Gärten schon etwa 15 m
hohe Exemplare, die auch schon keimfähige Samen brachten; in ausnahms-
weise rauhen Wintern wurden die Blätter gebräunt und fielen zum Teil ab,
wie dies jedoch ebenso bei der gemeinen Fichte vorkommt, wenn ein scharfer
Nordost pfeift und die Blätter zur Hälfte vertrocknet, so daß sie braunspitzig
lange die Bäume verunzieren; die morgenländische Fichte kann dem-
nach als harter, hocheleganter Zierbaum für Deutschland nicht warm genug
empfohlen werden. Besonders wertvoll wird sie noch dadurch, daß sie auch
als Unterholz im Druck, selbst unter Buchen noch gedeiht.
Wuchsformen.
Picea Orientalis nutans Niemetz (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1905, p. 212).
Eine schöne Form mit elegant überhängender Bezweigung.
Öfter fand ich in Parkanlagen wahrhaft malerische Exemplare dieser
Form, die schon die Beastung mehr senkten und mit zierlich hängender Be-
zweigung geschmückt waren.
Picea Orientalis gracilis (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1904, p. 94).
Eine in den großen Coniferenkulturen der Soc. anon. hört, de Calmp-
thout bei Antwerpen gewonnene hübsche Zwerg-Kugelform, mit feiner,
zierlicher Bezweigung. Ich konnte sicher die Zugehörigkeit zu Picea
Orientalis feststellen.
Picea Orientalis nana Carr. (Rev. hört. 1891, p. 120).
Ein breit-kegelförmiger, an der Basis weit auseinandergehender
Strauch. Die Äste gehen dicht über dem Boden entlang und sind horizontal
ausgebreitet, die Bezweigung ist dicht und zweizeilig, mit braunroten, fein-
behaarten jungen Trieben. Die kleinen, glänzend-dunkelgrünen Blätter decken
die Zweige dicht zu. Die Pflanzen, oft breiter als hoch, bilden einen ganz
eigenartigen Schmuck. Zur Vermehrung sind die üppigen, kräftig empor-
wachsenden Zweige auszuwählen, um schneller kräftige Pflanzen zu erzielen.
Die lange Zeit irrtümlich als Picea orientalis pygmaea Ohlendorff in
Kultur befindliche Pflanze ist: P. excelsa Ohlendorffii Späth.
IL Klasse. Coniferae. 255
In der Färbung abweichend.
Picea Orientalis aureo - spicata.
Eine reizende, zierliche Form, normal von Wuchs, beim Austreiben mit
jungen, goldgelben Trieben, wie mit goldenen Lichtern besteckt er-
scheinend. In größeren Exemplaren eine reizende Erscheinung, besonders
gegen dunkeln Hintergrund gestellt wirksam, wie ähnliche Formen von Picea
excelsa. Mit dem Ausreifen des Triebes tritt wieder die grüne Färbung ein.
Picea Orientalis aurea Hesse.
Eine Form mit wagerecht ausgebreiteter steifer Beastung und von
prächtiger, goldig-bronzierter Färbung, welche lange hält und sich gut aus-
nimmt. Sie wurde in den Baumschulen von Hesse in Weener (Ostfriesland)
in Kultur gewonnen.
11. Picea Glehnii Mast. (Card. Chron. 1880, p. 300). Glehns Fichte.
Syn. Abies Glehnii Fr. Schmidt, Reise im Amurland und auf Sachahn
1866, p. 176, mit Abbild. (Mem. Acad. Imp. Sc. St. Petersb. Ser.
VII, t. XII, No. 2).
Aka-matzu, Shiuko-matzu der Japaner.
Auf der Insel Sachalin von Fr. Schmidt und von Maries an der Süd-
ostküste von Eso aufgefunden worden, auch in der Mandschurei und auf
Formosa vorhanden.
Im südlichen Sachalin, nach Schmidt, in lichten Waldungen in den
Niederungen von Truotaga und Tepessani ein Baum von mittlerer Größe, der
selten über 30 cm dick wird, mit rötlicher, in blättrigen Stücken gespaltener
Rinde, mit abgestumpfter Krone, Äste horizontal, die älteren, unteren herab-
gebogen, das Grün hat im ganzen ein düsteres Aussehen.
Mayr in Japan. Abiet. 1890, p. 56, Taf. IV, Fig. 11, und Fremdl. Wald-
u. Parkb. 1906, p. 327, sah auf Eso 33 m hohe Bäume, sie sollen bis 40 und
50 m hoch vorkommen. Im verwitterten Bimssteingeröll in sumpfigen Lagen
an der Ostküste bildet sie reine Bestände und im westlichen Eso prächtige
Mischwaldungen mit Picea ajanensis. Als Nutzholzbaum wird diese Fichte
sehr geschätzt.
Junge Zweige braun, weichhaarig, Blätter kurz, gipfelwendig steif nach
oben, einwärts gebogen, stumpf- vierkantig, beiderseits gekielt, oberwärts grau-
grün, unten grün, mit 5 — 6 Spaltöffnungslinien, 6 — 7 mm lang, 1^/2 — 2 mm
breit. Die Blattkissen, ganz eigentümlich gebaut, fallen sofort in die Augen,
ragen etwa 2 mm vor, sind am unteren Teil zusammengedrückt-herablaufend,
birnförmig aufgetrieben und an der Spitze übergebogen. Eigentümlich nehmen
sich die Knospen aus, die gleichsam mit den Zweigspitzen verwachsen er-
scheinen, was von dem plötzlichen Übergang der dicken, gedrängten Blatt-
kissen zu den dünnen Knospenschuppen herrührt. Die länglich-zylindrischen
Zapfen sind meist bis 5^/2, öfter aber auch nur 3 cm lang und geschlossen
2 cm breit, herabgebogen, unreif blaurot, reif glänzend-braun, mit flachen,
verkehrt-eirund-kreisförmigen, an der Basis verschmälerten, an der Spitze
dünneren, ausgerandet-gezähnelten Schuppen, die Bracteen sind eirund-lanzett-
256 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
lich-spitz, am Rande ausgerandet, bleibend, ^/4 so lang als die Schuppe.
Samen klein, mit verkehrt-eirundem, 1^/2 — 2 mal so langem Flügel.
Picea Glehnii steht, nach Schmidt, zwischen P. (Abies) bicolor Maxim,
(in Bull. Acad. Imp. Sc. St. Petersb., t. X, p. 488) und P. obovata Ledeb.; von
ersterer unterscheidet sie sich durch die weit kleineren Zapfen mit am Rande
dünneren Schuppen mit bleibenden Bracteen und nach der Spitze zu breiteren
Samenflügeln, durch die aufrechten, birnförmigen, in eine Spitze verlängerten,
umgebogenen, nicht angedrückt-kantigen Blattkissen, durch stumpfere Blätter
und weichhaarige Zweige. Von P. obovata, für deren Varietät sie Schmidt
anfänglich hielt, weicht sie durch die Blätter, durch die birnenförmigen Blatt-
kissen, die Zapfenschuppen und durch kürzere, breitere Samenflügel ab.
Eine bei uns ganz harte Fichte, die leider echt noch selten und erst in
kleinen Exemplaren vertreten ist. Oft erhält man irrtümlich anstatt derselben
andere, zumal die Aj anflehte.
In dekorativer Hinsicht ist sie der reizend-zierlichen Picea orientalis
gleichwertig und derselben auch am ähnlichsten und muß im Schmuck der
blauroten Zapfen sich prächtig ausnehmen; eine recht baldige weite Ver-
breitung wäre daher sehr wünschenswert.
Ob ein forstlicher Anbau etwa für besondere, z. B. kalte, feuchte Lagen
lohnend sein wird, müssen Versuche ergeben.
Als nächste Verwandte dürften sich hier noch einige neuerdings in China
entdeckte Arten anschließen:
12. Picea Watsoniana Mast, (in Linn. Soc. Journ. Bot. XXXVII, 1906, p. 419).
Watsons Fichte.
Im westlichen China, an der Grenze von Tibet bei Sung Pan in einer
Erhebung von 2160 m von Wilson entdeckt.
Baum von 13 m Höhe. Ältere Zweige mit isabell- oder rotgelber, in
dünnen Platten sich lösender Rinde bekleidet. Junge Zweige glatt mit vor-
stehenden Blattkissen, diese länglich , verkehrt-eirund aufrecht, in einen kurzen
aufsteigenden Stiel verschmälert mit vierkantiger Narbe. Knospen eirund-
kegelförmig, mit fast lederartigen, eirund- spitzen, am Rande dünnen Schuppen.
Blätter 10 — 12 mm lang, lineal, gebogen, viereckig mit Knorpelspitzen, beider-
seits mit Spaltöffnungsreihen. Zapfen 5 — 6 cm lang, umgebogen, länglich.
Bracteen klein, breit, eirund-spitz. Schuppen fast lederartig, blaßbraun, glatt,
13 — 14 mm lang, spateiförmig, oberseits fast kreisrund, ganzrandig oder etwas
unregelmäßig gezähnelt. Samen mit häutigem, blassem, schlauchförmigem
Flügel. — Die in einen kurzen Stiel verschmälerten Blattkissen sind sehr
bemerkenswert.
13. Picea asperata Mast, (in Linn. Soc. Journ. Bot. XXXVII, 1906, p. 419).
Borstenfichte.
In West-China, nahe Tibet, in Wäldern bei Sung Pan in einer Erhebung
von 2000—3700 m von Wilson entdeckt.
Baum mit älteren orangegelben Zweigen. Blattkissen länglich, borstig,
nach der Spitze zu verschmälert, umgebogen, mit viereckigen Narben. Knospen
kegelförmig mit blaß-rostbraunen, dreieckig-lanzettlichen, harzigen Schuppen.
II. Klasse.. Coniferae. 257
Blätter 12 — 15 mm lang, lineal, gebogen, vierkantig, zwischen den vor-
stehenden Kanten mit Spaltöffnungsreihen. Zapfen 8 — 9 cm lang, 12 — 14 mm
breit, zylindrisch-länglich. Bracteen länglich-spatelförmig, gespitzt, viel kürzer
als die Schuppen. Diese angedrückt, fast lederartig, blaß-braunrot, an der
Basis verschmälert, oben abgerundet, fast ganzrandig. Samen mit häutigem,
geradem Flügel, blaß - rostbraun , länglich, stumpf, wenig länger als die
Schuppe.
Ähnlich der Picea Watsoniana, welche in dem gleichen Distrikt, aber
in geringerer Erhebung vorkommt, unterscheidet sie sich durch die Rinde,
durch die borstigen, weniger gestielten Blattkissen, durch die mehr lanzett-
lichen Knospenschuppen, durch die Blätter, die größeren Zapfen usw. Möglich,
daß ein Studium einer größeren Anzahl Individuen ergeben könnte, daß diese
Merkmale nicht absolut als Trennungsunterschiede anzusehen sind.
14. Picea aurantiaca Mast, (in Linn. Soc. Journ. Bot. XXXVII, 1906, p. 420).
Gelbrindige Fichte.
In West-China, Prov. Szechuen, in Wäldern in einer Erhebung von
4000 m von Wilson entdeckt.
Baum von 5 — 13 m Höhe. Ältere Zweige glatt, orangenfarbig. Blatt-
kissen glatt, glänzend, lineal-länglich, oben kaum eingeschnürt, aufrecht ab-
stehend, Narben fast viereckig. Knospenschuppen breit-eiförmig, häutig,
rostfarbig. Blätter 15 mm lang, lineal, gebogen, vierkantig, zwischen den
vorstehenden Kanten mit Spaltöffnungsreihen, in eine Knorpelspitze aus-
laufend. Unreifer Zapfen hängend, 5 — 6 cm lang, länglich, purpurfarbig.
Schuppen fast lederartig, angedrückt, violett, oben abgerundet. Diese Art
ist besonders merkwürdig durch die dunkel-orangegelbe Rinde und die
linealen, kaum, wenn bei allen, nach der Spitze zu verbreiterten Blatt-
kissen.
Zapfen klein, 2—5,5 cm lang, mit rundlichen, festen, muschelförmigen Schuppen.
15. Picea nigra Lk. (in Linn. XV, p. 520 [1841]). Nordamerikanische
Schwarzfichte. (Fig. 53 u. 54.)
Syn. Abies Piceae foliis brevioribus usw. Mill., Dict. Ic, t. I.
„ Mariana" MilL, Dict. 7, No. 5 (1759).
Pinus Mariana Dur., Obs. Bot., p. 38 (1771).
„ nigra Ait., H. Kew. ed. I, vol. 3, p. 370 (1789).
Abies marylandica hört.
„ americana nigra hört.
„ denticulata Poir., Dict. VI, p. 520 (1804).
„ nigra Mchx. fil., Arb. forest. d'Amer. sept. I, p. 123, t. 11
(1810).
„ nigra variet. Mchx. fil. 1. c. und auch Sargent, als Form
nasser kalter Sümpfe (A. rubra Mchx. 1. c. I, p. 123 [1810]).
Picea Mariana, B. S. P. Prel., Cat. N. Y. 71 (1888).
Black Spruce, Double Spruce der Amerikaner.
Sapinette noire der Franzosen.
Black Spruce der Engländer.
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 17
258 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Fig. 53. Picea nigra Lk. im Park zu Wörlitz bei Dessau.
IL Klasse. Coniferae. 259
In Lamberts Genus Pinus I, London 1803, finden sich die besten Be-
schreibungen und Abbildungen. Zu vergleichen auch Gard. and Forest 1896,
p. 351, „The Spruce-trees of Lastern North Amerika".
In Nord- Amerika von Labrador zum Mackenzie, 65 ^ n. Br., südwärts
durch Newfoundland, Ost-Kanada und die nordöstlichen Staaten nach Penn-
sylvanien, längs der Alleghany-Gebirge nach Nord-Virginien, in Nord-Manitoba
große Länderstrecken bedeckend und hier den schönsten Wuchs erreichend;
gemein in Newfoundland und in Ost-Kanada. In den Vereinigten Staaten
weniger häufig und meist nur in kalten Sphagnum-Sümpfen.
Etwa um das Jahr 1700 in Europa eingeführt.
Baum von etwa 20 — 25 m Höhe von schlankem, pyramidalem Wuchs
und quirlständigen, horizontalen oder leicht abwärts gerichteten Ästen. Stamm
mit schwärzlicher Rinde, verhältnismäßig schwach bei der angegebenen Höhe,
annähernd 50 cm Durchmesser. Blätter an fein behaarten rotbraunen Zweigen
sehr dichtstehend, dünn, gerade oder etwas gebogen, zusammengedrückt-
vierkantig, stumpf-gespitzt, dunkelgrün und durch die weißlichen Spaltöffnungs-
reihen zwischen den Blattkanten blaugrün erscheinend, 7 — 12 mm lang.
Knospen eirund, rotbraun, behaart. Männliche Blüten aufrecht, fast kugelig,
dunkelrot. Weibliche Blüten an kurzen Zweigen aufrecht, gleich den jungen
Zapfen schön violett und sehr zierend. Zapfen hängend, klein, eirund-stumpf,
braunrot, 20 — 35 mm lang, 15 — 18 mm breit, auf sehr kurzem, gebogenem
Stiele, nach dem Samenausfall meist mehrere Jahre am Baume hängen
bleibend. Zapfenschuppen sehr dünn, verkehrt-eirund, gestreift, am Rande
gezähnelt und kaum wellig, Bractee klein, viel kürzer als die Schuppe, eirund-
spitz, am Grunde gezähnelt. Samen klein, braun, verkehrt-eirund, mit einem
doppelt so langen, verkehrt-eirunden Flügel, auch in Deutschland reifend und
meist keimfähig.
Eine sehr schöne, zierliche, harte Fichte, die, vom Boden an beästet, mit
ihrem dunklen oder bläulichen Grün unseren Gärten zur größten Zierde
gereicht, aber langsam von Wuchs, bei weitem in Kultur nicht die oben an-
gegebene Höhe und Stärke erreicht. Stärkere Samenbäume finden wir mit
auffallend dunkler, leicht rissiger Rinde und öfter im spitzen Winkel abwärts
stehenden Ästen, diese Merkmale neben der in allen Teilen schwächeren
Entwickelung, größeren Zierlichkeit, wie enger gestellten, feineren, kürzeren
Blättern, welche gerieben angenehm harzig aromatisch duften, gegenüber den
derberen von Picea alba, die einen strengen Wildkatzengeruch verbreiten (nach
Gard. and Forest 1896, p. 351), weiter die aufrechten männlichen Blüten,
weit kleineren, jung violetten (bei P. alba grünen), länger am Baume
bleibenden Zapfen, unterscheidet sie von der ähnlichen P. alba Lk.
Sämlinge von beiden Arten sind, je nach Boden und Standort, bei
üppiger Entwickelung nicht immer leicht zu unterscheiden.
Da Picea nigra auch leicht durch Stecklinge und durch die dem Boden
aufliegenden Zweige, auch durch Ableger vermehrt wird, so haben wir in
dekorativer Beziehung die auf diese Weise erzogenen Pflanzen als viel ge-
drungener und feinzweigiger zu nennen, meist als breite, vom Boden an
beästete Pyramiden.
Prächtige ältere Samenbäume finden wir in Wörlitz (s. Fig. 53), in
Kassel in der Karls-Aue und zu Wilhelmshöhe, wo auch die nächstfolgende
17*
260 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
dekorative Form in unvergleichlichen Prachtexemplaren vertreten ist und
beide reichlich Zapfen und keimfähige Samen bringen.
Nach Gard, and Forest 1. c. beruht die allgemein früher verbreitete
Angabe, daß im Vaterlande das weiße, elastische, leichte und zähe Holz sehr
Fig. 54. Picea nigra Lk. l Zweig mit reifen Zapfen, nat. Gr.; 2 Schuppe, Innenseite mit Samen;
3 Schuppe, Außenseite mit kleiner Bractee; 4 Schuppe, Seitenansicht; 5, 6, 7 Samen; 8, 9 Blatt von
verschiedenen Seiten, 2 mal vergr. (aus der Karls- Aue hei Kassel).
geschätzt, zumal zu Raaen viel verwendet wird, auch zu Bauholz und zu
Eisenbahnschwellen, auf Irrtum, das Holz von Picea nigra wird nur gelegent-
lich und ganz lokal genutzt und die P. rubra, als viel größerer Baum, ist, wie
wir sehen werden, diejenige, welche nahezu all das Fichtenholz der Nord-
staaten liefert. Die Irrtümer erklären sich, weil die betreffenden Holzarten
II. Klasse. Coniferae. 261
in der Praxis nicht immer auseinander getialten werden. In Kanada bereitet
man aus den jungen Zweigen das sog. „Spruce beer" (Fichtenbier). Für
Deutschland dürfte des schwachen Wachstums wegen ein forstUcher Anbau
also wohl kaum in Frage kommen. Vielleicht könnte sie für Aufforstung
kalter Hochmoore mit in Betracht gezogen werden.
Je nach dem Standorte, ob in kühlen Gebirgslagen, ob in dumpfigen
oder arktischen Regionen wachsend, tritt die Schwarzfichte als größerer
Baum, oder als kümmerlich gedeihender kleiner Baum, selbst als den Boden
bedeckender Strauch mit kurzen Zweigen und kurzen, bleichen Blättern auf.
Hierher gehört auch als Form:
Abies nigra var. Mchx. fil. (Abies rubra Mchx., Hist. d. Arb. for. de l'Amer.
sept. I, p. 123 [1810]),
welche der Autor selbst als Form von Picea nigra anführt, die infolge ört-
licher Verhältnisse rötliches Holz besitzt, welches Veitch als weich anführt
und hinzufügt, daß diese nordische Form Zapfen von außergewöhnlicher Größe
besitze. Auch C. Koch gibt dies in Dendr. II, p. 241 an und sicher ist dies
auch die P. rubra, die Sargent als Form nasser, kalter Sümpfe von P. nigra
anführt. Dr. Mayr schreibt in „Die Waldungen von Nord-Amerika" P.
nigra Lk. (Syn. P. rubra) und sagt, „die spitzkronigen, niedrigen Fichten in
diesen Sümpfen werden vielfach als P. nigra aufgefaßt, andere betrachten sie
als eine Varietät von P. nigra, ich halte sie für Weißfichten (P. alba), die von
anderen nur wenig, von Höhe und Habitus abgesehen, verschieden sind".^)
Unmöglich kann mit diesen Angaben Picea rubra Lk. gemeint sein, eine
Art, die in unseren Kulturen weit üppiger aufwächst als P, nigra, die auf den
ersten Blick, mit kurzen, frischgrünen, glänzenden, dicklichen, mehr dem
Zweige anliegenden Blättern P. orientalis Lk. weit ähnlicher sieht als P. nigra,
daher unmöglich eine Form von letztgenannter darstellen kann.
Solche Standortsformen sind ferner:
Picea nigra var. brevifolia Behd. (Cycl. of Amer. hört., p. 3 [1901]).
Syn. Picea brevifolia Peck., 51 st. Ann. Rep. of the New York State
Museum, p. 282—283 plat. A.
Sumpfform.
In Sümpfen und freien Mooren.
Ein kleiner schlanker Baum oder Strauch, 6 — 10 m hoch, Zweige
weich behaart. Blätter kurz, derb, gerade, stumpf oder stachelspitzig, meist
blaugrün, 5 — 10 mm lang. Zapfen oval, zwei oder mehrere Jahre hängen
bleibend, 17 — 25 mm lang; Zapfenschuppen am Rande ausgefressen, gezähnelt,
purpurrot, oder grün mit rötlichem Rand wenn unreif. Samen 2 mm lang
mit 4 mm langem Flügel.
- Var. semiprostrata ist strauchartig, kriechend oder aufstrebend.
Blätter blaugrün, 5 mm lang, auf freien Gipfeln hoher Berge.
^) Im Berliner Herbarium findet sich eine Picea alba Lk. ß arctica, im südöstlichen
Alaska gesammelt, diese Form führt auch Pariatore in D. C. Prodr. XVI, 2 p. 414, an von
der Behringsstraße mit dickeren Blättern (Abies arctica A. Murr, in Seem. journ. 1867, p. 253,
262 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
In Kultur sind folgende sehr wertvolle Formen entstanden:
Wuchsformen.
Picea nigra Mariana hört. Wilhelmshöher Schwarzfichte, (Fig. 55.)
Syn. Abies nigra Mariana hört.
(Es könnte befremden, daß für diese Form ein Synonym gebraucht wird,
dieser Name ist jedoch seit der Entstehung in Gebrauch, allgemein verständlich
und eine Änderung würde hier nur Verwirrung anrichten.)
Eine außerordentlich dekorative Form von breit-kegelförmigem Wuchs,
dichter Bezweigung, kürzeren Blättern und prächtiger blauer Färbung, die
jedenfalls einst als eigentümlicher Sämling bei Aussaaten gewonnen wurde
und dann, sei es durch Stecklinge oder durch Ableger, dauernd fort-
gepflanzt, ihre Eigentümlichkeit bewahrte.
Prachtexemplare von seltener Schönheit, bis zu 12 m Höhe,
meist reich mit Zapfen behangen, finden sich u. a. in Kassel in der Karls-
aue und in Wilhelmshöhe, wo sie in Gemeinschaft mit anderen schönen
Coniferen sich herrlich ausnehmen, jeden Beschauer entzücken und dem
Coniferenfreund und Züchter als die Wilhelmshöher Schwarzfichten
bekannt sind. Diese herrlichen Exemplare konnten sich, unter den für sie
günstigsten Bedingungen, im fruchtgründigen Park zu solcher Schönheit ent-
wickeln. Die am Boden liegenden Äste schlagen hier Wurzeln, Sekundär-
wipfel schießen empor, und so bilden sich aus einer breiten Mutterpflanze
ganze malerische Gruppen, oft stahlblau, vor denen der Beschauer bewundernd
steht. Diese schöne, harte Fichte kann daher zu Anpflanzungen nicht warm
genug empfohlen werden und eignet sich, weil langsam von Wuchs, auch
sehr für kleine Gärten.
Sämhnge dieser, in Kassel stets durch Ableger fortgepflanzten Pracht-
bäume sind jedoch sehr schwachwüchsig, haben dünne, feine, mehr zuge-
spitzte Blätter und dadurch ein recht abweichendes Ansehen. — Hierbei muß
übrigens hervorgehoben werden, daß jüngere Samenpflanzen von den meisten
Fichten sich durch dünnere, spitzere Blätter von älteren, fruchtbaren Bäumen
derselben Art unterscheiden und Zweige von beiden, miteinander verglichen,
oft ganz verschieden erscheinen.
Picea nigra Doumetii Carr. (Conif. 1. ed., p. 242 [1855]).
Syn< Abies nigra Doumetii hört.
Picea Mariana Doumetii hört.
Abies Mariana Doumetii hört.
„ Doumetii hört.
Eine der vorigen in der Wirkung ähnliche, in Frankreich gewonnene
Form, eine mehr schlanke, dichte, kegelförmige Pyramide bildend,
mit zahlreichen, dichtstehenden, aufstrebenden Zweigen, heller- oder dunkel-
rötlich behaart. Blätter sehr dichtstehend, dünn, spitz, 8 — 10 mm lang,
blaugrün-violett. Zapfen eirund, an beiden Enden verschmälert, 5 cm lang,
kaum 2 cm breit, erst grünlich-braun, dann rötlich-violett, reif rotbraun.
Nach Carriere war die Mutterpflanze am Schloß Balene bei Moulins
1867 schon 9 m hoch und von seltener Schönheit.
n. Klasse. Coniferae.
263
264 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Wir finden auch in deutschen Gärten schon diese schöne, empfehlens-
werte Form in ansehnHchen, fruchttragenden Exemplaren, welche durch die
mehr kegelförmig aufstrebende Gestalt und noch auffallendere blaue Färbung
sich von der vorigen unterscheidet.
Picea nigra fastigiata Carr. (Conif. 1. ed., p. 242 [1855]).
Syn. Abies nigra fastigiata hört.
„ nigra pumila Knight ex Gord. Pin. 8.
Eine von Briot in Trianon gewonnene empfindliche Säulenform mit
aufstrebenden schlanken Ästen und kürzeren, dünneren, spitzen, nur 6 bis
10 mm langen Blättern.
Picea nigra pendula Schwerin (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 94).
Eine schöne dekorative Form, mit fast senkrecht herabhängenden Ästen
erster Ordnung. Die Originalpflanze, 5 m hoch, wurde vom Oberforstrat
Ganghofer im Forstgarten zu Diedorf bei Augsburg zwischen normalen
Bäumen aufgefunden.
Auch ein sehr schönes, elegant überhängendes Exemplar sahen wir
in Philippsburg (Ostfriesland). (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p. 24.)
Picea nigra nana hört. Zwerg-Schwarzfichte.
Syn. Picea Mariana nana hört.
Abies nigra nana hört.
„ Mariana nana hört.
Eine zierliche, schwachwüchsige, feinbezweigte und benadelte, kugelige
Zwergform von etwas hellerer, blaugrüner Färbung, für kleine oder regel-
mäßige Gärten, wie zu Vorpflanzungen geeignet und als reizende, nicht
krüppelige, stahlblau schimmernde Pflanze sehr zu empfehlen.
In der Färbung abweichend.
Picea nigra argenteo-variegata Hesse.
Syn. Abies nigra argenteo-variegata hört.
Eine weißbunte Form der normalen Pflanze.
Picea nigra aureo-variegata Hesse.
Eine schöne, aus Samen gewonnene Form, welche auf blaugrünem
Grunde eine prächtige, goldgelbe Schattierung zeigt; zumal an jungen
Trieben kontrastieren die beiden Farben sehr schön. Sie ist allen Liebhabern
bunter Coniferen sehr zu empfehlen.
Picea nigra aurea Hesse.
Syn. Abies nigra aurea hört.
Eine ganz goldig schimmernde, zierliche Form.
16. Picea rubra Lk. (in Linn. XV, p. 521 [1841]). Nordamerikanische
Rotfichte. (Fig. 56 u. 57.)
Syn. Pinus americana rubra Wangenh., Beitr. p. 75, t. 16, f. 80 (1787).
„ americana Gaertn., de Fruct. et sem. II, p. 60, t. 91 (1791).
II. Klasse. Coniferae.
265
Fig. 56. Picea rubra Lk. in der Karls-Aue bei Kassel.
266 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Syn. Pinus rubra Lamb., Pin. ed. II, p. 43, t. 28, et ed. III, p. 66, t. 38
(1803).
Abies rubra Poir., Encyclop. VI, p. 520 (1804).
„ americana rubra bort.
„ arctica Cunn. ex Gord. Pin. 11.
Picea nigra var. rubra Engelm. in Gard. Chron. XI, p. 334 (1879).
„ rubens Sarg., Silv. N.-Am. XII, p. 33, t. 597 (1898).
Red Spruce (Rotfichte) der Amerikaner.
Sapinette rouge der Franzosen.
Red Spruce der Engländer.
Im nordöstlichen Nord-Amerika, nach Sargent, Trees of N.-Am. 1905,
p. 41 mit Abbild., in gut entwässerten Hochländern und Bergabhängen oft
ausgedehnte Wälder bildend, von der Prince-Edward-Insel und St. Lawrence-
Tal südwärts nach der Küste von Massachusetts längs des inneren Hügel-
landes von Neu-England und New York und das AUeghany-Gebirge nach
dem Hochgebirge von Nord-Karolina. Dieser Baum (durch Verwechselung
die Black spruce der meisten Holzhändler und Botaniker) liefert nahezu all
das Fichtennutzholz aus den genannten Staaten, welches früher irrtümlich
auch Picea alba und P. nigra zugeschrieben wurde, wie ich schon bei P. nigra
anführte.
Einfuhr zuverlässig echten Saatgutes wäre also hoch erwünscht.
Im Jahre 1755 in Europa eingeführt.
Baum je nach dem Standort 20 bis über 30, ja selbst 40 m Höhe, mit
rötlichem Holze, von schlank aufstrebendem, kegelförmigem Wuchs und
mit leichter Bezweigung, der auf den ersten Blick viel Ähnlichkeit mit der
orientalischen Fichte (Picea orientalis Lk.) hat, auch im Frühjahr später wie
diese austreibt. Knospen eirund-spitz mit rotbraunen Schuppen. Blätter an
filzigen, rotbraunen Zweigen sehr dichtstehend, dicklich, stumpf-vierkantig,
mit kurzer, gelblicher Knorpelspitze, etwas gegen den Zweig gebogen,
10 — 15 mm lang, frischgrün glänzend (nicht bläulich-grün, wie meist angegeben
wird), da gerade bei dieser Art die weißlichen Spaltöffnungsreihen sehr wenig
ins Auge fallen. Die Angaben der bläulichen Färbung und die auffallend
blaugrünen Formen, welche in den Gärten unter den Namen: Picea rubra
coerulea, Abies coerulescens, Abies coerulea, Abies rubra violacea, Pinus
rubra violacea vorkommen, beruhen auf Verwechselung mit den blaugrünen
Formen von Picea alba Lk. und gehören daher diese Namen als Synonyme
zu P. alba coerulea (s. daselbst), männliche Blüten oval, sitzend, leuchtend rot.
Die sehr kurz gestielten Zapfen hängen an kurzen Zweigen, stehen in
der Größe zwischen denen von Picea alba und P. nigra, sind jung rötlich-
violett, im geschlossenen Zustand oval-länglich, reif oval, rotbraun glänzend,
3 — 4 cm lang, 15 — 20 mm breit, mit Harz übergössen, nach dem Samenausfall
meist erst im zweiten Jahre abfallend; Zapfenschuppen konkav, steif, weich-
haarig, fein und unregelmäßig gezähnelt, leicht wellenförmig und gestreift.
Bractee sehr klein, länglich abgerundet. Samen klein, schwärzlich, 3 mm lang,
mit dreimal so langem, hellbraunem Flügel.
Abies rubra Mchx. fil. gehört nicht hierher, sondern ist die Form
nasser, kalter Sümpfe von Picea nigra Lk. (s. daselbst).
II. Klasse. Coniferae.
267
N
(M
TJ
(D
1H
<o
O
S
£
U
>
'S
§
rQ
>
S
1
-<
•.<ä
i
S
U
00
w
l>"
a
eo
«M
n.
03
N
a
a>
«in
•fH
©
h
4^
•iH
a
.bC
'S
^
2QS Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Picea rubra ist in deutschen Gärten ziemlich selten, wenigstens selten
echt vertreten und wird, wie schon angegeben, oft mit P. alba und P. nigra,
ja selbst mit P. excelsa-Formen verwechselt. Prächtige Exemplare finden
sich in Kassel in der Karls-Aue, etwa 15 m hoch, schlank von Wuchs, mit
leichter, schöner Bezweigung, weiter sind schöne Bäume in Herrenhausen
bei Hannover und in Wörlitz vorhanden. Prächtige 20 m hohe Bäume fand
ich (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 103) in der Domaine des Barres
(Frankreich), mit kerzengeraden Stämmen von 1,20 m Umfang, die auch den
Wert als Forstbaum zeigten. Es ist eine schöne, sehr zur Anpflanzung zu
empfehlende, harte Fichte, die an Eleganz der reizenden orientalischen Fichte
gleichkommt und besonders für frische, genügend luftfeuchte Lagen und
noch für rauhere Gegenden in Betracht kommt.
Merkwürdigerweise, trotz der schon bei Picea nigra genannten guten
Beschreibungen und Abbildungen in Lamberts Genus Pinus 1803, eine mehr
von Botanikern als von Praktikern verkannte oder vernachlässigte Art. Wer
diesen Baum einmal in seiner Eigenart richtig erkannt hat, wird ihn nimmer-
mehr mit P. nigra und P. alba verwechseln, geschweige denn zusammen-
werfen können.
Picea rubra forma virgata Rehd. (Rhodora) 1907, Vol. 9, No. 103, p. 110.
Syn. Picea Mariana „monstrous form", Gard. and Forest 8 : 45 fig. (1893).
„ rubens „form" Sargent, Silv. N.-Am. 12 : 33 (1898).
„ nigra var. virgata Rehd., Baileys Cyclop. Am. hört. 3 : 1334
(1901).
Eine Schlangenfichtenform, die lange, dünne, weit ausgestreckte
Beastung, ohne jede Seitenbezweigung trägt.
Sie wurde in Massachusetts am Fuße des Mt. Hopkins bei Willamstown
nur in einem Exemplar gefunden von Mr. G. Walker.
Wir haben hier also von der amerikanischen Rotfichte eine unserer
Schlangenfichte Picea excelsa virgata in der Bildung ganz gleiche Form,
welche ja auch in Amerika noch an anderen Standorten, so gut wie unsere
Schlangenfichten, gefunden werden könnte.
17. Picea alba Lk. (in Linn. XV, p. 519 [1841]). Nordamerikanische
Weißfichte. (Fig. 58.)
Syn. Pinus canadensis Dur., Observ. Bot, p. 38 (1771).
„ glauca Mönch., Weißenb., p. 73 (1785).
„ laxa Ehrh., Beitr. III, p. 24 (1788).
„ alba Ait. hört. Kew. ed. 1, III, p. 371 (1788).
„ tetragona Mönch., Meth., p. 364 (1794).
Abies canadensis Mill., Dict. No. 1 (nicht Mchx.) (1798).
„ alba Mchx., Fl. bor. amer. II, p. 207 (nicht Mill.) (1803)
Picea canadensis Sarg., Silv. N.-Am. XII, p. 37, t. 598 (1898).
Pinus americana alba hört.
Abies americana alba hört.
„ curvifolia hört.
White Spruce der Amerikaner und der Engländer.
Sapinette blanche der Franzosen.
II. Klasse. Coniferae.
269
Im östlichen Nord-Amerika zwischen dem 70. ^ und 45. ^ n. Br., im
enghschen Nord-Amerika, in Neu-England, um die Hudsonsbay, in Labrador,
in Kanada, Neu-Braunschweig, Neu-Schottland, oft an Fluß-, See- und Meeres-
ufern, gemeinsam mit Picea nigra wachsend, nach Norden seltener werdend
und in den arktischen Regionen als Busch auftretend. Durch die blaugrüne
hellere Färbung als „Weißfichte", gegenüber der dunkleren Schwarzfichte,
unterschieden. In den kühlen Sümpfen der Nordstaaten bildet sie ganz
schmale, säulenförmige Kronen, Abbildung von Alberta (Brit. Kolumbien),
Mayr, Fremdl. Wald- u. Parkb. 1906, p. 320 (P. alba Lk. albertiana oder
P. albertiana Stewardson Brown, Torreya VII, p. 126 [1907]).
I
Fig. 58. Picea albaLk. l Zweig mit männlichen Blüten; 2 Zweig mit weiblicher Blüte ; 3 Blattdurch-
schnitt, vergrößert; 4 Blatt, vergrößert; 5 Zapfen, nat. Gr.; 6 Zapfenschuppe mit Bractee; 7 Samen.
Im Jahre 1700 in Europa eingeführt.
Baum meist von 15 — 25 m Höhe bei 0,40 — 0,50 m Stammdurchmesser,
ausnahmsweise auch 50 m bei 1 m Stärke, und pyramidalem Wuchs, mit
horizontalen, sehr dichtstehenden Ästen und Zweigen. Knospen eirund-
stumpf mit hellbraunen, am Rande gewimperten Schuppen. Blätter an unbe-
haarten graugelben Zweigen weniger dichtstehend, als bei den beiden vor-
stehenden Arten, 10 — 18 mm lang, ziemlich stark, vierkantig, stumpf-gespitzt,
etwas gegen den Zweig gebogen, graugrün, allseits mit weißen Spaltöffnungs-
reihen, daher mehr oder minder blaugrün erscheinend; beim Reiben einen
strengen Geruch aushauchend. Männliche Blüten überhängend, vor dem Auf-
blühen lebhaft rot, sehr zierend. Zapfen an kurzen Zweigen, jung grün (bei
270 Zweiter Teil, Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Picea nigra dunkelviolett), reif hellbraun, geschlossen länglich-walzenförmig,
40 — 55 mm lang und geöffnet 20 mm breit, schon im Herbst oder im Laufe
des Winters abfallend; Zapfenschuppen konkav, verkehrt-eirund-keilförmig,
am Rande glänzend, auf dem Rücken gestreift, dünn und biegsam beim Druck
mit dem Finger, während die von P. nigra und P. rubra spröde sind und
brechen. Bractee klein, verkehrt-eirund-spatelförmig. Samen klein, 2 mm
lang, verkehrt-eirund, braun, mit dreimal so langem, hellbraunem Flügel,
auch in Deutschland meist gut reifend und keimfähig.
Die Weiß f ich te scheidet in Menge ein sehr nützliches Harz aus,
weshalb sie denn auch einen balsamischen Duft verbreitet; ihr Holz ist nach
Sargent leicht, weich, hellgelb und wird in Ost-Kanada und in Alaska für
Bauten und Papierfabrikation genutzt, auch in New-Hampshire und New York,
kommt aber hier wenig für den Holzhandel in Betracht; dagegen ist er der
hauptsächlichste Fichtenholzbaum in Neu-Braunschweig und den maritimen
Provinzen. (Gard. and Forest 1896, p. 351.)
In unseren Kulturen erreicht sie nicht die Höhe wie im Vaterlande,
sondern wir finden meist Bäume von 15 — 20 m Höhe, bei passendem, genügend
feuchtem Stand aber oft wahre Prachtexemplare; junge Bäume treten uns als
vom Boden an beästete, gedrungene Pyramiden entgegen, die, von mehr oder
minder blaugrüner Färbung, zu den schönsten harten, sehr dekorativen Coni-
feren gehören, die in Gärten jeder Größe einen Platz verdienen und auch
allgemein beliebt und verbreitet sind.
Picea alba hat sich besonders an Seeküsten bewährt und gedeiht, den
Winden ausgesetzt, noch gut an den nördlichen Seiten der Dünen. Wie in
der Heimat, so ist sie auch bei uns als Windbrecher von größtem Wert
und ist in Jütland, wie in den Kulturen des Heidekulturvereins von Schleswig-
Holstein, der Schutzbaum für die jungen Pflanzungen, also zumal für Rand-
pflanzungen zu verwenden. Man kann auch sehr schöne, dichte Hecken von
ihr erziehen. Eine solche, tadellos 8 m hoch, steht z. B. in Häsede in Dänemark.
Picea alba coerulea hört. Schimmelfichte.
Syn. Picea alba glauca hört.
„ alba argentea hört.
„ coerulea Lk. in Linn. XV, p. 522 (1841).
„ glauca hört.
Abies coerulea hört.
„ alba coerulea hört.
„ glauca hört.
„ rubra violacea Loud., Arb. IV, p. 2316 (1838).
„ coerulea Forb., Pin. Wob. p. 99 (1839).
Pinus rubra ß violacea Endl, Syn. Conif. p. 114 (1847).
Abies rubra ß violacea Lindl. et Gord. Journ. hört. Soc. V, p. 211
(1850).
„ alba glauca Gord., Pin. p. 3 (1858).
„ alba argentea hört.
„ americana coerulea hört.
Eine prächtige, blaugrüne bis silbergraue Form von gedrungenem,
pyramidalem Wuchs, wie sie bei Aussaaten gewonnen wird und als besonders
II. Klasse. Coniferae. 271
dekorativ und auffallend in jedem Garten hoch willkommen ist. In älteren
Parkanlagen finden wir öfter Prachtexemplare, so auch in den berühmten
Gärten Kassels, wo alle Coniferen uns in so trefflicher Entwickelung entgegen-
treten und die herrlichen blaugrünen Coniferen so bedeutende Kontraste in
der Landschaft hervorbringen.
Die zwei folgenden sind abweichende Sämlinge der Schimmelfichte.
Picea alba coerulea Hudsoni hört. Späth (Cat. 1892).
Eine zierliche, gedrungene Pyramide von intensiv blauer Färbung; die
jüngeren Zweige sind lang wagerecht ausgestreckt, die älteren hängen etwas
über; die kurzen Blätter stehen sehr dicht um die Zweige. Diese Form kann
als auffallend und schön empfohlen werden.
Picea alba woerlitziensis Späth (Cat. 1891/92).
Eine schlank aufstrebende Form, gedrungen von Wuchs, mit feiner Be-
zweigung und kurzen Nadeln, dazu blauer Färbung. Als eigentümlicher
Sämling in Wörlitz bei Dessau gewonnen.
Picea alba Pinsapoides van der Elch (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1897, p. 58).
Ein eigentümlicher Sämling von Tottenham in Dedemsvaart bei ZwoUe,
Niederlande, stammend, von aufstrebendem Wuchs mit kurzen, etwas mon-
strösen, dicken Zweigen, dicken, hellbraunen Knospen und rings um den
Zweig gestellten dicken, spitzen, 5 — 12 mm langen, blaugrauen Blättern,
wodurch eine Ähnlichkeit mit Abies Pinsapo gegeben ist.
Picea alba acutissima hört.
Syn. Picea acutissima bort.
Abies acutissima bort.
Ist eine unwesentliche Form, welche sich nur durch etwas feinere,
mehr gespitzte Blätter und etwas längere Zapfen von der Art unterscheidet
und hier und dort in Gärten angetroffen wird, so z. B. in Wörlitz und im
botanischen Garten zu Marburg. In ersterem Garten sind starke Exemplare
vorhanden, welche schon im Jahre 1770 gepflanzt sein sollen, aber heute dort
gar nicht mehr von der Art unterschieden werden. Im Schloßgarten in Karls-
ruhe i. B. steht ein schöner, üppiger, breit-pyramidaler Baum.
Zwergformen.
Picea alba compressa hört.
Eine in den Fürstl. von Lobkowitzschen Baumschulen in Eisenberg
(Böhmen) bei einer Aussaat gewonnene zierliche Kugelform von sehr
dichtem, langsamem Wuchs und bläulicher Färbung.
Picea alba nana Carr. (Conif. p, 239 [1855]).
Syn. Abies alba nana Loud., Encyclop. of Trees 1030 (1838).
„ alba prostrata bort.
Meist einen rundlichen, breiten Busch bildend von kaum 2 m Höhe.
Die Blätter sind weiter gestellt und stehen mehr vom Zweige ab, wie es bei
der Art der Fall ist.
272 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Picea alba nana glauca hört.
Syn. Abies alba nana glauca hört.
Eine zierliche Zwergform von auffallend blauer Färbung.
Picea alba echiniformis Carr. (Conif. p. 239 [1855]).
Syn. Abies alba echiniformis hört.
Eine eigentümliche, ganz niedrige, dicht -buschige Zwergform mit sehr
kurzen, dicht zusammengedrängten Zweigen und dichtstehenden, sehr dünnen,
fast nadelförmig-zyhndrischen, 16 — 22 mm langen, weichen Blättern, so daß
sie, eine dichte Kugel bildend, in der Gestalt einem Igel gleicht, oder
später breite Kissen bildet, wie ähnliche Zwergformen unserer gemeinen
Fichte.
Picea alba compacta gracilis Breinig.
Syn. Picea alba compacta pyramidalis P. Smith.
Abies alba compacta pyramidalis hört.
Eine reizende, gedrungene, dichtbezweigte, regelmäßig eirunde oder
gedrungen-kegelförmige Zwergform, von schöner blaugrauer Färbung,
gegen welche sich die braunen Knospen eigenartig abheben. Sie wurde bei
einer Aussaat von Herrn Breinig in Mülheim a. Rhein gewonnen, auch von
Peter Smith in Bergedorf von auswärts eingeführt und unter obigen Namen
verbreitet. Dauernd durch SteckHnge vermehrt, bewahrt sie die regelmäßige
zierliche Gestalt, die sie wirklich wertvoll macht, und vor anderen oft
krüppeligen, krankhaften Zwergformen vorteilhaft auszeichnet, sie ver-
dient daher für kleine und regelmäßige Gärten ganz besondere
Empfehlung.
Säulenform.
Picea alba fastigiata Carr. (Conif. p. 321 [1867]).
Nach Carriere eine Form mit aufstrebenden Ästen, weißlicher
Rinde, etwas sparrigen Zweigen, weitgestellten, dicklichen, kurzen, scharf-
gespitzten Blättern, die als empfindhch angegeben wird.
Trauerform.
Picea alba pendula Carr. (Conif. p. 321 [1867]). Trauer-Weißfichte.
Syn. Abies alba pendula hört.
Eine schöne, dekorative, üppig wachsende Form mit stark hängenden
Ästen. Zweige dichtstehend, mit rötlicher Rinde, dicht mit Blättern besetzt
und von blauweißer Färbung, die recht weite Verbreitung verdiente.
In der Färbung abweichend.
Picea alba aurea hört.
Syn. Abies alba aurea hört.
Eine Form von goldgelber Färbung und kräftigem Wuchs, die, je
nach Entwickelung und günstigem Stand, mit goldig-bronzierten Zweigober-
seiten sich schön oder unansehnlich zeigt.
II. Klasse. Coniferae. 273
Picea alba aureo-variegata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1898, p. 26).
Eine vom Schloßgärtner Braun in Rahm bei Düsseldorf aus ameri-
kanischem Samen gewonnene Form, an welcher manche Triebe ganz gelb,
manche goldbunt gezeichnet sind, so daß eine unregelmäßig bunte
Zeichnung entsteht.
Picea alba aureo-spicata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1897, p. 49).
Eine, als eigentümlicher Sämling in Karlsruhe i. B. entstandene, schöne
üppige Form, welche alljährlich beim Austreiben mit jungen goldgelben
Trieben geschmückt ist, welche sich nach dem Austreiben in hellgrün
umfärben.
Picea alba variegato-spicata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1898, p. 26).
Eine vom Schloßgärtner Braun in Rahm aus Samen gewonnene Form,
welche alljährlich mit grünlich-weißen jungen Trieben geschmückt ist und
nach dem Ausreifen sich grün verfärbt. Die Blätter sind nach dem Zweige
zu grün, nach außen weiß, manche sind halb weiß, halb grün oder weiß mit
grünen Spitzen, so daß ein eigentümlich bunter Trieb entsteht.
Picea alba albertiana.
Syn. Picea Albertiana Stewardson Brown, Torreya VII, p. 126 (1907),
Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1907, p. 69. Alberta: Bankhead
S. Brown.
Eine Standortsform der Weißfichte, die schlanke Bäume von säulen-
förmiger Gestalt, über 15 m hoch, liefert. Rehder gibt die Beschreibung
und betont, daß er sich von der Artberechtigung dieser Fichte nicht über-
zeugen könne, eine Unterscheidung als Varietät aber doch wünschenswert
erscheine. Die Charaktere sind die der Picea alba Lk., und der Baum unter-
scheidet sich von derselben durch die kürzeren und breiteren Zapfen, die
gerundeten starren Schuppen, die eckigen Deckblätter, sowie auch die
längeren Blattkissen. Rehder betont, daß ihm der Unterschied im Wuchs,
gegenüber der östHchen Weißfichte, sofort aufgefallen sei. In der Nähe von
Banff, in der kanadischen Provinz Alberta, bildet die Weißfichte große
Waldungen. Eine treffliche Abbildung findet sich in Mayrs Fremdl. Wald-
und Parkbäumen, p. 320. Auch Herr Baron von Fürstenberg sah diese
mächtigen, schlanken Weißfichten und brachte Saatgut davon mit, so daß wir
schon Pflanzen in Kultur besitzen, welche unverkennbare Weißfichten sind.
(Zu vergleichen sind Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1904, p. 26 und 27.) Nach
Rehder ist diese westliche Weißfichte, vom forstlichen Standpunkt aus,
jedenfalls bedeutend wertvoller als die östliche, wegen ihres rascheren und
bedeutend höheren Wuchses; ausnahmsweise hat man von derselben Bäume
bis zu 50 m Höhe gemessen.
Zapfen 4—10 cm lang, mit lockeren, dünnen, ausgefressen-gezähnelfen Schuppen.
18. Picea Engelmannii Engelm. (in St. Louis Transact. II, p. 212 [1863]).
Engelmanns Fichte. (Fig. 59.)
Syn. Abies nigra Engelm. in Sill. Journ. 33, p. 330, nicht Poir.
„ Engelmannii Parry in St. Louis Transact. II, p. 123 (1863).
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 18
274 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Syn. Pinus commutata Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 417 (1868)
(nicht belgischer und holländischer Gärten, welche darunter die
grüne Picea pungens verstehen).
White Spruce, Engelmann Spruce.
I
Fig. 59. Picea Engelmannii Engelm. 1 Zapfen; 2 unfruchtbarer Zweig.
Im westlichen Nord-Amerika auf hohen Gebirgen, oft große Wälder
bildend in Alberta und Brit. Kolumbien, südwärts nach Nord-Neu-Mexiko und
Arizona, in einer Erhebung von 2800 — 3800 m durch Montana und Idaho in
die Cascade Mountains von Washington und Oregon, in den nördlichen
Vereinigten Staaten ihre größte Höhe und Schönheit erreichend, bis zur
Baumgrenze vordringend und diese in Buschform noch überschreitend.
Im Jahre 1863 in Europa eingeführt.
II. Klasse. Coniferae. 275
Baum von 20— 50 ni Höhe, von dicht-pyramidaler oder schmaler, spitzer
Kronenform (Abbild, von Waldbeständen in Mayr, Fremdl. Wald- und Park-
bäume 1906, p. 325 u. 326) und horizontal-abstehenden Ästen, und an älteren
Bäumen mit zierlich hängender Bezweigung. Stamm mit hell-zimmtbrauner,
dünner und schuppiger Rinde bekleidet, die als sehr gerbstoffreich geschätzt
wird. Knospen mit gelben, fest anliegenden Schuppen besetzt. Blätter an
fein behaarten, rötlichen Zweigen, auf sehr vorragenden Blattkissen, ziemlich
weich, zusammengedrückt-vierkantig, sehr kurz und stechend-gespitzt, zwischen
den Kanten mit weißen Spaltöffnungsreihen versehen und daher mehr oder
minder blaugrün erscheinend, 17 — 20 mm lang, l^/g — 2 mm breit; derber,
kürzer, stumpfer und mehr gebogen am fruchtbaren Zweige, männliche Blüten
dunkelpurpur, weibliche leuchtend Scharlach. Zapfen einzeln, horizontal oder
wenn reif überhängend, eirund oder eirund-zylindrisch-stumpf, reif glänzend
braunrot, 4 — 6 cm lang, 2^/2 — 3 cm breit; Zapfenschuppen zahlreich, locker-
dachziegehg, dünn und biegsam, verkehrt-eirund-rhombisch, etwas abgestutzt
oder ausgerandet und ausgefressen-gezähnelt. Bractee eirund-länglich-stumpf-
lich, unregelmäßig gezähnt, dreimal kürzer als die Schuppe. Samen braun,
klein, oval, mit schiefem, verkehrt-eirundem, 1^/2 mal so langem, bräunlich-
violettem Flügel.
Das Holz ist leicht und weich, nicht fest und dicht-faserig, hellgelb-
rötlich, mit dickem Splintholz; der Baum wird als einer der wertvollsten
Nutzbäume geschätzt, sowohl für Bauholz wie als Brenn- und Kohlenholz.
Die Rinde wird als Gerbstoff verwendet. Nach Engelmann ist Picea
Engel mannii ein echter Gebirgswaldbaum und dürfte daher nach seiner
Meinung auch auf unseren Gebirgen am besten gedeihen, im Vaterlande leidet
sie oft im Winter, wenn sie im Herbst zu stark getrieben hatte. Sie hat viel
weichere, kürzere, mehr dem Zweige anliegende Blätter, kleinere Zapfen wie
P. pungens Engelm., welche fast doppelt so große Zapfen und dickere, steifere
und sehr stechende Blätter hat. Die jungen Zweige sind weich behaart,
während sie bei letzterer glatt sind; dazu ist die Rinde der P. pungens grau,
rissig und dicker. Nach Sargent ist bei P. pungens die Endknospe weit
größer mit breiten, zurückgebogenen Schuppen und diese wächst weit
schneller als P. Engelmannii, obgleich erstere zwei bis drei Wochen später
austreibt. Dieses frühe Austreiben der P. Engelmannii ist die Ursache,
daß sie in manchen Gegenden ernstlich von Spätfrösten im Frühjahr leidet.
Selbst im Vaterlande ist sie in Kultur keine befriedigende Pflanze ; Exemplare
im Alter von 20 Jahren sind nur wenig über I m hoch, während P. pungens,
aus Samen erzogen, welcher in demselben Jahre gesammelt wurde, 5 und
fast 6 m hoch sind. Es würde daher kaum ausführbar sein, P. Engelmannii
in großem Maßstabe aufzuziehen, um die Borke zum Gerben zu verwenden.
Sie wächst viel zu langsam für große Pflanzungen und ist viel zu teuer auf-
zuziehen. Soweit genannte beide Autoritäten über die beiden wertvollen,
oft in unseren Kulturen verwechselten Fichten.
Daß diese Fichte, bei dem enormen Verbreitungsgebiet und den ver-
schiedenen Höhenlagen, Abweichungen in Höhe, Färbung und in den ver-
schiedenen Organen zeigt, ist doch nur natürlich. So führte Dr. Dieck in
Zöschen, Catal. 1898/99, eine Fichte aus Brit. Kolumbien ein, welche er
anfänglich als eine Zwischenform ansah und als var. pseudopungens
18*
276 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
bezeichnete, die sich aber später immer deutHcher als Picea Engelmannii
kennzeichnete. Lemmon, in Gard. and Forest X, 1897, führt einen kleineren
Baum, den Engelmann schon als Standortsform kennzeichnete, als besondere
Art: P. Columbiana an. Von Purpus gesammeltes Material, aus den
verschiedensten Höhenlagen, zeigt Unterschiede in Wuchs, Blättern, Zapfen-
größe, Färbung. Er hebt die herrliche blaue Färbung aller Coniferen in
den Hochgebirgen Utahs, bei 3000 m Erhebung, hervor, von Hol dt sah
bei 4100 m in Colorado P. Engelmannii als für den Reiter gefährliches
niedriges Gestrüpp, Purpus ebenso in Arizona.
Picea Engelmannii finden wir in deutschen Gärten in schönen, dicht
bezweigten, allerdings auch recht langsam wachsenden, pyramidalen Pflanzen,
oft in sehr stattlichen, Zapfen tragenden Exemplaren und schätzen sie als
eine ganz harte, außerordentlich dekorative Fichte, die besonders in ihren
blaugrünen Formen für alle Zeiten ein auserlesener Schmuck unserer Gärten
bleiben wird.
Picea Engelmannii glauca hört.
Syn. Abies Engelmannii glauca hört,
ist von prächtig blauer, zu Zeiten, besonders im Frühjahr, von stahl-
blauer Färbung, während sie im Winter die blaue Färbung mehr verliert,
und sind solche bei Aussaaten gewonnenen Pflanzen vor allem willkommen
und die dekorativ wertvollsten.
Picea Engelmannii argentea hört.
wird eine reizende, in der Färbung mehr silbergraue Form genannt,
die, ausnahmsweise hier und da bei Aussaaten gewonnen, gleich der vorigen
außerordentlich schön und auffallend ist; beide Formen werden, um die
herrliche Färbung echt fortzupflanzen, durch Veredelung vermehrt, da bei
Aussaaten von Samen blaugrüner Formen wohl auf einen gewissen Prozent-
satz mehr oder minder blaugrüner Sämlinge, aber nie mit Bestimmtheit
auf ein sicheres Erhalten der ausgeprägt blauen Färbung gerechnet werden
darf. Man sucht bei Aussaaten die schönsten blauen und silbergrauen Pflanzen
aus, die dann meist schönere, regelmäßigere Pflanzen als Veredelungen bilden.
Picea Engelmannii microphylla Hesse.
Syn. Abies Engelmannii microphylla hört.
Eine zwergige Kugelform mit kleineren Blättern, welche in den
Baumschulen von Hesse in Weener in Kultur gewonnen wurde.
Picea Engelmannii glauca pendula (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 115
und 144, und 1904, p. 48).
Eine höchst dekorative, wertvolle, blaugraue Trauerform, mit stark
abwärtshängenden Hauptästen. Purpus fand solche auffallenden Bäume in
den Hochgebirgen Utahs wie in denen von Arizona; er berichtet auch von
grünlichen Trauerformen und führte Saatgut von denselben ein.
Solche Trauerformen wurden auch bei Aussaaten in Kultur gewonnen
(Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1896, p. 62).
II. Klasse. Coniferae. 277
19. Picea pungens Engelm. (in Gard. Chron. XI, 1879, p. 334). Stech flehte,
Blaufichte.
Syn. Picea Parryana Barron und Sargent Silv. N.-Am. XII, p. 47, t. 600,
(1898).
Picea commutata Belgisch, und Holland. Gärten (die grünblättrige
Form) nicht Pari.
Abies pungens Engelni.
„ Parryana hört.
Blue Spruce der Amerikaner.
Im Felsengebirge, Colorado und im östlichen Utah in einer Erhebung
von 2000 — 3300 m, hier dann als kleiner Baum, in den günstigsten Lagen
nach S argen t bis 50 m Höhe erreichend, vereinzelt an den Ufern der
Gebirgsflüsse, auch im Sumpfboden, aber nie in ganzen Beständen vor-
kommend wie Picea Engelmannii, welche weit höher im Gebirge aufsteigt
und erst in einer Höhe auftritt, wo P. pungens bereits aufhört zu wachsen.
Sie wurde im Jahre 1863 in Samen, der untermischt mit Samen von
Picea Engelmannii gesandt wurde, in Europa eingeführt, ist daher vielfach
unter letzterem Namen heute noch in den Gärten vorhanden und wird mit
P. Engelmannii verwechselt, zumal in den blaugrünen Formen. Während sie
anderseits anfänglich auch mit P. sitkaensis (Menziesii), die an den Küsten
des großen Ozeans in Nord-Kalifornien und Oregon große Wälder bildet,
aber im Felsengebirge gar nicht vorkommt, verwechselt worden ist und auch
unter diesem Namen der Samen eingeführt wurde.
Bei Picea Engelmannii (s. daselbst) wurden nach Engelmann und
S argen t auf das klarste die Unterschiede zwischen dieser und P. pungens
Engelm. angegeben, in zwei mir vorliegenden Schreiben der obigen beiden
Autoren an Herrn v. St. Paul in Fischbach vom 5. Oktober und 5. November
1883 erklären beide Herren Picea (Abies) pungens Engelm. und Picea (Abies)
Parryana Barron für dieselbe Pflanze. Außerdem erkannte Engelmann bei
seiner letzten Anwesenheit 1883 im Berliner Botanischen Garten die dort
vorhandene P. Parryana (resp. P. commutata holländischer Gärten) als seine
echte P. pungens und Sargent sagt, genau damit übereinstimmend, in seinem
Schreiben, daß die berühmte „Blue Spruce" (Blaufichte) seines Arboretums,
ein Exemplar von P. Parryana glauca von damals 5 m Höhe, P. pungens
Engelm. sei. Schließlich läßt Engelmanns Beschreibung in Gard. Chron.,
wie sie Zabel in den ForstHchen Blättern in Übersetzung wiedergibt, gar
keinen Zweifel, daß beide Pflanzen gleich sind.
Picea pungens bildet, ziemlich schnell aufwachsend, junge Bäume von
schönem, regelmäßig-pyramidalem Wuchs und quirlständiger, steifer Be-
zweigung, nach Engelmann ist sie aber alt ein unschöner Baum mit langen,
kahlen, unsymmetrischen Ästen, jedoch die großen, blassen Zapfen in ihren
Wipfeln. bilden eine ausgezeichnete Erscheinung.
Als Zierbäume sind die blauen und silbergrauen Formen wohl die
schönsten auffallendsten Coniferen und werden stets eine hervorragende
Rolle spielen, aber Engelmann sagt, daß sich im Alter sehr die blaue Be-
reifung verliert und nur an den jungen Endtrieben erhält, ihre Schönheit
dürfte kaum über 25 — 30 Jahre dauern, wo sie erneuert werden müßten.
278 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Die großen, dicken Endknospen mitbreiten, zurückgeschlagenen
Schuppen und die an den Zweigspitzen abstehenden Blätter sind dieser
Fichte eigentümlich; die starken, sichelförmig gebogenen, dornig-gespitzten,
stechenden, an jungen Pflanzen zusammengedrückt-vierkantigen, an alten
etwas flachgedrückten, 15 — 25 mm langen, l^/g mm breiten Blätter stehen rings
um die glatten, weißen oder hellbraunen, starken jungen Zweige, und zwar
auf stark hervorragenden Blattkissen und mehr vom Zweige ab, als es bei der
Picea Engelmannii der Fall ist. Die Blätter junger Sämlinge sind etwas ge-
zähnelt. Männliche Blüten gelbrötHch, weibliche blaßgrün. Zapfen länglich-
walzenförmig, 8 — 10 cm lang, 3 cm breit, sehr hellbraun, Zapfenschuppen
wellig ausgerandet, Bracteen sehr klein. Samen größer wie bei P. Engelmannii,
mit breitem Flügel. Rinde der Stämme dick und grau.
Sie ändert sehr in der Färbung, und zwar gibt es von der grünen
bis zu der prächtigen blau weißen Form zahlreiche Übergänge; die grüne
Form, wo die weißen Spaltöffnungsreihen zwischen den Kanten der Blätter
nur sehr schwach hervortreten, ist die, welche von belgischen und holländischen
Gärten aus immer noch als Picea (Abies) commutata verbreitet wird, während
die echte Pflanze dieses Namens Pinus commutata Pari, als Syn. zu Picea
Engelmannii gehört, wieder ein Beweis, wie P. Engelmannii und P. pungens
(Parryana) von der Einführung her stets miteinander verwechselt wurden,
um so mehr, da letztere anfänglich nur zufällig mit Samen von P. Engelmannii
eingeführt wurde.
Picea pungens glauca hört. Blaufichte.
Syn. Picea (Abies) Parryana glauca hört.
Blue Spruce der Nord-Amerikaner.
Es ist dies eine Form von hervorragender Schönheit mit ihren regel-
mäßigen quirlständigen Ästen und starren, dolchspitzigen, rings um die Zweige
stehenden Blättern, um so mehr, je auffallender die blaue Färbung her-
vortritt und weil die Färbung auch den Winter über erhalten bleibt, als:
Picea pungens coerulea hort.
Syn. Picea (Abies) Parryana coerulea hort.
bezeichnet man die Pflanzen, welche eine ausgeprägt weißblaue Färbung
zeigen.
Picea pungens argentea hort. (Fig. 60.)
Syn. Picea (Abies) Parryana argentea hort.
Fälschlich auch Picea Menziesii argentea hort.
Picea Engelmannii glauca holländischer Gärten.
Abies Engelmannii glauca holländischer Gärten.
Eine silberweiße, herrliche Form, von einer Färbung, wie sie bei
einer Conifere kaum zum zweiten Male angetroffen wird. Solche Pflanzen
bilden einen auserlesenen Schmuck von um so höherem Werte, da dieselben
ja nur ausnahmsweise einmal bei Aussaaten gefunden werden;- wir finden
schon stattliche, zapfentragende Bäume in deutschen Gärten.
Beim Samenimport ist man bestrebt gewesen, von den im Wuchs wie
in der Färbung schönsten Bäumen Samen zu sammeln. Die Aussaat wird
immer nur einen verhältnismäßig geringen Prozentsatz schön blauer Formen
II. Klasse. Coniferae.
279
ergeben, aber dennoch tut man gut, größere Aussaaten zu machen und aus
diesen die schönsten auszuwählen. Vor allen Dingen erhält man im Wuchs
viel schönere, regelmäßigere Pflanzen als durch Veredelung. Eine solche
Fig. 60. Picea pungens Kosteri aus dem Arboretum Späth.
schöne, silbergraue Form ist z. B. in den Gärten als var. Kosteri be-
kannt und mit Recht geschätzt; sie wurde in Boskoop aus Samen gezogen.
Zwei prächtige Formen bezeichnete Weiße-Kamenz i. S., als bekannter
Züchter auf diesem Gebiet, als „König Albert von Sachsen" und „Fürst
Bismarck".
900 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Es ist jedoch nicht tunlich, weitere Formen durch besondere Namen zu
unterscheiden. Wir können bei Aussaaten locker beästete oder dichtere,
kompaktere Pflanzen finden, solche mit derberen längeren, feineren und
kürzeren, bis A. Pinsapo ähnlichen, rings um den Zweig stehenden Blättern;
die Färbung schwankt von grün, schwachblaugrün bis zu den tiefblauesten
und silberweißen Tönen. Kommerzienrat Kohl er- Altenburg legte, um dies
klar zu machen, einst in Hamburg eine Tafel mit 16 verschiedenen Formen
der Picea pungens vor (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1897, p. 33). Alle
diese Formen werden, um sie in ihrer Eigentümlichkeit zu erhalten, durch
Veredelung vermehrt.
In der Heimat sowohl wie bei Aussaaten sind schöne Trauerformen
gefunden.
Purp US fand in den La Sol Moutains in den Hochgebirgen Utahs
solche herrliche Exemplare, und zwar:
Picea pungens glauca und argentea pendula,
tiefblau und schön silberweiß in der Färbung, mit stark abwärts hängen-
den Hauptästen, die einen herrlichen Anblick gewähren, und führte von
den schönsten Bäumen Samen ein (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 115
u. 144 und 1900, p. 46).
Bei Aussaaten gewannen Koster & Co. -Boskoop, sowie auch Fröbel-
Zürich schöne blaue Trauerformen, die unter sich kleine Abweichungen
zeigen (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1898, p. 26 und 1899, p. 110).
Eine Kriechform gewann An sorge- Kl. Flottbek bei einer Aussaat:
Picea pungens glauca prostrata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p. 141).
Eine Form, die, knieholzartig, ohne jeden Mitteltrieb, die Äste flach
über den Boden ausbreitet und sich zwischen Felsblöcken im botanischen
Garten in Hamburg ganz eigenartig ausnimmt.
In der Färbung abweichend sind zwei von Niemetz-Temesvär
(Ungarn) in Kultur gewonnene Formen (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1905,
p. 212):
Picea pungens aurea Niemetz.
Dieselbe zeigt eine prächtige, goldgelbe Färbung; die schon
12jährige Mutterpflanze ist ganz beständig.
Picea pungens flavescens Niemetz.
Diese Form ist viel matter in der Färbung als vorige; die dem Lichte
ausgesetzten Blätter zeigen eine weißlich-gelbe Färbung, die ganz eigen-
artig mit den in den Schattenteilen bläulich bleibenden Blättern kontrastieren.
Diese prächtige, noch in den rauhesten Lagen, ja selbst noch in
St. Petersburg harte Fichte ist die Freude eines jeden Coniferenfreundes.
Wir finden schon zapfentragende Prachtexemplare von bedeutender Höhe in
deutschen Gärten. Ein besonderer Vorteil ist noch, daß sich diese Schönheit
ganz besonders widerstandsfähig gegen Rauch, Ruß, Staub und schädliche
Ausdünstung der Städte erwiesen hat.
Für den forstlichen Anbau würde die Stechfichte da, wo unsere gewöhn-
liche Fichte nicht mehr fortkommt, also in nassen, bruchigen und Frostlagen,
II. Klasse. Coniferae. 281
in Frage kommen. Die scharfstechenden Nadeln schützen sie vor Wild-
verbiß, und in forstästhetischer Hinsicht bietet sie einen herrlichen Schmuck.
Herr Weiße hat in Kamenz i. S. auf dem Hutberge große Anpflanzungen
gemacht, die später als „blauer Wald" seiner Vaterstadt zum größten
Schmuck gereichen dürften. In den Kulturen des „Heidekultur- Vereins" von
Schleswig-Holstein verspricht sie gute Erfolge (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch.
1897, p. 86).
Sektion II. Omorica Willk. Omorikafichten, Fichten mit
tannenähnlichen Blättern.
Blätter zweiflächig, tannenähnlich, beiderseits stark gekielt, nur auf der
oberen Seite ^) Spaltöffnungsreihen besitzend. Alle oder nur die unteren
Zapfen hängend, die übrigen abstehend oder etwas aufwärts gerichtet.
a) Zapfenschuppen derb, rundlich, muschelförmig, ganzrandig, fest anliegend.
20. Picea Breweriana Watson. (in Proc. Am. Acad. n. Ser. XII, p. 378 [1885].
Sargent in Gard. Chron. n. Ser. XXV, 493 f., 93, Sarg., Card, and Forest
1890, p. 63, mit Abbild. Beschreibung und Abbild, in Mitt. d. d. dendr.
Gesellsch. 1895, p. 42 von St. Paul). Brewers Fichte. Siskiyoufichte.
(Fig. 61.)
Im Juni 1884 von Th. Ho well an den nördlichen Abdachungen des
Siskiyou-Gebirges, nahe der Quellen des Illinois-Flusses in dem nördlichsten
Teile Kaliforniens bei 2300 m Erhebung auf ziemlich trockenem, felsigem
Boden entdeckt und zu Ehren des verdienstvollen Professor Brewer benannt.
Später wurde sie von Mr. Brandegee etwas südlicher in wenigen weit
zerstreuten Exemplaren aufgefunden, wo sie gemeinsam mit der Douglas-
tanne, der Zuckerkiefer, Abies concolor und wenigen kleinen Exemplaren
von Chamaecyparis Lawsoniana wuchs, an beiden Standorten sind etwa
hundert Bäume gesehen worden. Es gelang den Herren Douglas, Vater und
Sohn, aus Waukegan reichlich Samen zu ernten, sie sprechen sich begeistert
über die Schönheit der Bäume aus und entdeckten auch in Oregon noch
einige Standorte.
Nach des Autors Urteil ist es eine ungewöhnlich scharf abgegrenzte Art:
Baum von 30 — 50 m Höhe und einem Stammdurchmesser von 0,30 — 1 m.
Stamm mit rötlicher Rinde bekleidet. Äste schlank, wagerecht, oft langgestreckt,
seitliche Zweige dünn, oft 2 — 3 m lang senkrecht, schlaff herabhängend. Zweige
weichhaarig. Knospen kegelförmig, hellbraun, mit zurückgeschlagenen Schuppen.
Blätter 12 — 27 mm lang, 1 mm breit, auf dünner Basis sitzend, glatt, stumpf,
unterseits leicht gerundet oder schwach gekielt, dunkelgrün glänzend, oben
flach, beiderseits des schwach vortretenden Mittelnervs mit weißen Spalt-
öffnungslinien. MännHche Blüten dunkelpurpur. Zapfen schmal-zylindrisch.
^) Daß dies morphologisch richtig die Oberseite ist, erkennt man daran, daß an den
Wipfeltrieben, wie an allen aufstrebenden Zweigen, wo die Blätter nach allen Seiten abstehen,
dieselben stets die mit dem weißen Wachsüberzuge bedeckten Spaltöffnungslinien dem Zweige
zu und die grüne Blattunterseite nach außen kehren, wie dies z. B. auch bei Juniperus, zumal
bei denen aus der Sektion Oxycedrus der Fall ist.
282 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, P>eiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Fig. 61. Picea Breweriana Wats.
II. Klasse. Coniferae. 283
8 cm lang, an der Basis verschmälert; Zapfenschuppen weichhaarig, verkehrt-
eirund mit rundlich verdicktem, glattem Rande, erst dunkelpurpur, oder grün
mit purpur, reif gelbbraun. Bracteen lineal-länglich, viermal kürzer als die
Schuppen. Samen 3 mm lang, mit 9 mm langem, 5 mm breitem Flügel.
Nach Sargent tritt Picea Breweriana von allen amerikanischen
Fichten am lokalsten auf und stellt durch ihren eigentümlichen Wuchs die
auffallendste Erscheinung von allen dar. Mit ihren hängenden Zweigen soll
sie im Wuchs einer Trauerweide gleichen. Die oben angeführten Abbildungen
in Gard. and Forest zeigen eine Baumgruppe, deren einzelne Exemplare
malerischen alten Hängefichten, wie wir sie in Wäldern und Gebirgen finden,
gleichen, mit schlaff und peitschenförmig lang herabhängenden Zweigen.
Von den anderen amerikanischen Fichten unterscheidet sie sich durch
die stumpfen, rundlichen Blätter und die größeren Zapfen, deren dünne
ganzrandige Schuppen etwas denen der Weißfichte (Picea alba) ähnlich sind,
sie sind aber breiter und meist fast so breit als die von Picea excelsa,
welcher dieser Baum außerordentlich ähnlich ist, sowohl in der
Gestalt wie auch mit den lang herabhängenden Zweigen. Diese bilden das
untrüglichste Kennzeichen für diesen Baum und hängen dünn und biegsam,
oft über 2 m strickförmig herab. Die Zapfen, anstatt wie bei den anderen
amerikanischen Fichten in den Wipfeln der Bäume zu erscheinen, wachsen
an den unteren Ästen wie bei P. excelsa und hängen an den langen Zweigen
herab. Der höchste, von Mr. Brandegee gemessene Baum hatte gegen 30 m
Höhe bei 0,85 m Stammdurchmesser.
Trotz öfterer Sameneinfuhr ist diese schöne Fichte noch sehr selten
bei uns in Kultur zu finden.
Es bleibt nur zu wünschen, daß Picea Breweriana recht bald mehr
verbreitet werde, daß sie auch hier ihren charakteristischen, dekorativ schönen
Wuchs beibehalte und sich auch genügend widerstandsfähig in Deutschland
erweise. Alsdann würden unsere Gärten durch einen auserlesenen Schmuck
bereichert werden, welcher, der Abbildung nach zu urteilen, den edelsten
unserer Hängefichten in der Wirkung gleichkommen dürfte.
Mayr ist der Ansicht, daß die herabhängende Bezweigung als Hoch-
gebirgsbaum durch das Klima bedingt sei, wie die europäische Fichte sie in
gleicher Lage zeige, und daß in der wärmeren Ebene die hängende Be-
zweigung sich größtenteils verlieren müsse. Diese Ansicht hat viel für sich,
damit ginge für uns der erhoffte dekorative Charakter ganz verloren. Ein
Urteil wird man darüber also erst in ferneren Zeiten fällen können.
21. Picea Omorica Pancic. Eine neue Conifere in den östl. Alpen, Belgrad
1876.1) Omorikafichte. (Fig. 62 u. 63.)
Syn. Pinus Omorica Panc.
Omorika, Omora, Morika, Frenja, Volksnamen.
^) Willkomm, Ein neuer Nadelholzbaum Europas (Zentralbl. für das gesamte Forst-
wesen 1877, p. 365) und in Wien. Illust. Gartenz,, Dezember 1885. — Bolle, Die Omorika-
Fichte (Monatsschr. z. Bef. d. Gartb. in d. preuß. Staat. 1877, p. 124, 158. — Purkyne,
Eine asiatische Conifere in den Balkanländern (Österr. Monatsschr. f. Forstwes., Septemberh.
1877, p. 446). — Stein, Picea Omorica Panc. Gartenflora 1887, p. 13, mit Abbild.
^
284 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
In rauhen Berggegenden des südwestlichen Serbiens, in Bosnien und in
Montenegro in einer Erhebung von 630 — 1300 m, auch in West-Bulgarien
vorkommend, und hier „Morika" genannt.
Ein höchst interessanter Baum, welcher einzeln oder horstweise in
Laubholzwaldungen, meist in unzugänglichen Schluchten vorkommt, jedenfalls
Fig. 62. Picea Omorica Panc.
früher in großen Beständen vorhanden gewesen sein muß und wohl durch
unvernünftiges Abholzen ausgerottet und auf die jetzigen wenigen Standorte
beschränkt wurde, da der Name „Omorica" heute noch im Munde des
Volkes allgemein ist. Professor Dr. Pancic in Belgrad, ein eifriger, besonders
für seine heimische Flora begeisterter und sehr tätiger Botaniker, entdeckte
1872 bei Zaovina in Serbien dieselbe, benannte und verbreitete sie durch
Samensendungen in die europäischen Gärten und hat, wie mir ein junger in
II. Klasse. Coniferae.
285
Bonn studierender Serbe mitteilte,
auch in einem Sars^e von Omorika-
letzte Ruhestätte ge-
holz seine
funden.
Picea Omorica ist ein hoher,
schlanker Baum, im Wuchs fast
einer Säulenzypresse vergleichbar.
Pancic ließ einen Stamm fällen,
der 42,2 m Höhe, 38,5 cm Durch-
messer hatte und 137 Jahresringe
zählte. Die Krone ist schmal, kegel-,
fast säulenförmig, die Äste sind
kurz von ^j^ — 2 m Länge, oben auf-
recht-abstehend, in der Mitte wage-
recht und die unteren überhängend
mit wieder aufstrebender Spitze,
wodurch der Baum ein besonders
zierliches Aussehen erhält, gehoben
noch durch die silbergrau -schim-
mernden Blätter. Der Stamm ist
mit dünner, kaffeebrauner, in Platten
sich lösender Rinde bekleidet und
reinigt sich im dichten Stand bis
zur halben Höhe. Die Zweige sind
feinfilzig und durch die walzen-
förmigen, wagerecht - abstehenden
Blattkissen sehr höckerig, Blätter
lineal, 8 — 14 mm lang, 1^/2 mm breit,
zusammengedrückt- vierkantig , bei-
derseits gekielt, oberseits mit weißen
Spaltöffnungsreihen, unten glän-
zend-dunkelgrün mit breiter Basis
dem Blattkissen aufsitzend, an der
Spitze abgerundet in eine kurze
Knorpelspitze endigend, an den
horizontalen Zweigen mehrreihig-
zweizeilig angeordnet. Männliche
Blüten sehr zahlreich, einzeln gegen-
ständig oder quirlig gehäuft, ei-
rund-länglich, gestielt, 12 — 15 mm
lang, schön hellrot und sich reizend
gegen die silbergrauen Blätter ab-
hebend. Weibliche Blüten an den
oberen Ästen auf kurzen Zweigen,
einzeln aber gedrängt, kurzgestielt,
aufrecht, länglich, purpurviolett. Fig. 63. Picea Omorica Panc. aus dem Arboretum Späth.
Zapfen eirund-länglich, 4 — 6 cm lang, 2 — 2^/2 cm breit, jung bläulich-schwarz, reif
glänzend-zimmetbraun, horizontal-abstehend oder hängend, die obersten auch
286 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
wohl aufrecht; Zapfenschuppen breit, sehr konvex, mit einwärts gebogenem,
welHg gezähneltem Rande, außen fein gestreift. Samen 2^/^ — 3 mm lang,
verkehrt -eirund -zusammengedrückt, schwarzbraun mit verkehrt -eirundem,
bräunlichem, 8 mm langem Flügel. Sie reifen im August und fliegen bald
darauf aus, die leeren Zapfen fallen erst später ab.
Nach Pancic dürfte das Holz, welches nach Bearbeitungsproben die
Mitte zwischen dem Linden- und dem Fichtenholz halten soll, weniger zu
Brettern taugen, da es starke Längsrisse zeigte, sondern vielmehr als ganzer
Baum seines schlanken Wuchses und der dünnen Äste wegen, die geringe
Astspuren zurücklassen, zu Mastbäumen sich eignen und vermutet der Autor,
daß der Baum für diesen Zweck von den Venetianern ausgerottet sein dürfte,
da von der Adria bis zur Donau der Name „Omorika" dem Volke wohl
bekannt und selbst in Volksliedern vorkommt.
Zunächst verwandt ist die Omorikafichte der Ajanfichte und der
Sitkafichte, mit beiden hat sie die an der Blattoberseite befindlichen weißen
Spaltöffnungslinien gemein und teilt mit erster die stumpfgespitzten Blätter,
während die Sitkafichte scharfgespitzte Blätter besitzt, außerdem ist sie von
beiden durch die Gestalt und Stellung der Zapfen verschieden. Pancic hielt
die Omorikafichte zuerst für eine Form der Picea orientalis, die jedoch als
eine echte Fichte mit vierkantigen Blättern sehr abweicht. In pflanzen-
geographischer Hinsicht höchst interessant ist es, daß die europäische
Omorikafichte ihre nächsten Verwandten in so ungeheurer Entfernung, in
Ostasien und im westlichen Nord-Amerika hat. Purkyne glaubt diesen
Umstand dahin erklären zu sollen, daß auf dem ganzen Zwischengebiete der
P. Omorica ähnliche Fichten vorgekommen sein möchten, die später zugrunde
gingen und nach Conwentz (Gartenflora 1886, p. 692) und nach Stein in
der Gartenflora 1887, p. 13 wäre die „Bernsteinfichte", welche einst in
ungeheuren Waldungen Nordeuropa und Asien bewohnte, eine nahe Ver-
wandte der P. Omorica und wäre somit gewissermaßen eine Verbindung
zwischen den jetzt durch tausende von Meilen voneinander getrennten Ver-
wandten hergestellt.
Diese reizende Fichte hat sich bei uns als ein durchaus frostharter,
freudig gedeihender Baum gezeigt, der mit seinem schmalen, fast säulen-
förmigen Wuchs, dem Silberschimmer der Belaubung, im Schmück der kleinen
blauschwarzen Zapfen schon in Prachtexemplaren von über 10 m Höhe ver-
treten ist und sicher dauernd einen Platz als hervorragender Zierbaum be-
haupten wird. Ob er auch als Forstbaum, unter bestimmten Verhältnissen,
Vorteile bieten wird, müssen Kulturversuche ergeben.
Bei Fröbel in Zürich, welcher die Omorika zuerst verbreitete, wurden
fruchttragende Zweige veredelt, welche mit tannenähnlichen, derben, oben silber-
weißen Blättern sich reizend ausnehmen, aber von Samenpflanzen (gewonnen von
Samen des gleichen Zweiges) die, noch nicht charakterisiert, wie bei allen
anderen Fichten, noch mit feineren, dünneren, spitzeren Blättern naturgemäß
ganz abweichend sich zeigten. Man sieht hieran wieder, wie man nach jungen
Pflanzen sich noch gar kein Urteil über ihren späteren Zierwert bilden kann,
es muß erst eine weitere Entwickelung abgewartet werden, und sollten
Züchter vermeiden, junge, unentwickelte Pflanzen durch Veredelung
fortzupflanzen, da solche nicht nur länger in der Jugendform verharren.
II. Klasse. Cöniferae. 287
sondern auch erst weit später sich zu normalen Pflanzen ausbilden werden.
Überhaupt weichen fruchttragende und unfruchtbare Zweige bei Coniferen oft
sehr voneinander ab, wie dies besonders bei Fichten und Tannen hervortritt.
An den schönen, üppigen Kulturbäumen von Picea Omorica kann man so
recht deutlich die allmähliche Umbildung der Blätter beobachten.
22. Picea spinulosa Griff. Dornfichte.
Syn. Abies spinulosa Griff., Journ. of Travels, p. 259 (1847), Itin., Notes,
p. 145 (1848) et Icon. Plant. Asiat, t. 363 (1854).
Picea morindoides Rehder in Sarg. Trees and Shrubs 2. Heft,
p. 95, mit Abbild., Taf. XLVIII. (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch.
1903, p. 69, 70 und 1906, p. 83; Gard. Chron. 1906, p. 218
[Dr. Aug. Henry]).
Picea Alcockiana var. morindoides Mottet, Conif. et Taxac, p. 273
(1902), ohne Beschreibung.
Von Griffith 1847 in den Rodoli-Bergen in Bhutan (Himalaya) entdeckt
und der feinen, scharfgespitzten Blätter halber als Dornfichte bezeichnet. Der
Baum ist selten in Sikkim und im Chumbithal, in Erhebungen von 2800 bis
3300 m. Hooker fand diese Fichte 1849 in Sikkim, stellte richtig Griffiths
Species fest, vereinigte sie aber später unglücklicherweise mit Picea Morinda
Lk., die gar nicht in Sikkim und Bhutan heimisch, sondern auf den Nordwest-
Himalaya und Afghanistan beschränkt ist.
Baum mit quirlig ausgebreiteten Ästen und dünnen hängenden Zweigen,
so daß eine elegante hängende Tracht, wie bei Picea Morinda gebildet wird.
Blätter lineal gerade und dünn, von 2,5 — 3,5 cm Länge und 0,7 — 1,2 mm
Breite, zugespitzt und in eine starre, scharfe Spitze auslaufend, etwas flach
und deutlich gekielt, an der Oberseite (bei rhombischem Durchschnitt) mit
6 — 8 weißen Spaltöffnungsreihen, unterseits dunkelblaugrün; unter der Epi-
dermis rings herum mit einer Lage mechanischer Zellen, verdoppelt unter
dem Kiel an jeder Seite, gewöhnlich mit zwei Harzgängen an der Unterseite,
dicht an der Epidermis; Blattkissen dünne, vorwärts gespitzt, nicht oder nur
leicht verdickt an der Basis. Zapfen länglich, etwa 8 cm lang, 4 cm breit
wenn offen oder 3 cm geschlossen; Schuppen grünlich oder rötlich-grün, jung
mit purpurnem Rand, reif gelbbraun glänzend, spatelförmig-verkehrt-eirund,
2 cm lang, 1,2 cm breit, am oberen Teil rhombisch mit abgestutzter Spitze,
fein gesägt, mit dünnem welligem Rande, jung angedrückt, aufwärts spreizend,
und ziemlich dünn und biegsam zur Reife; Bracteen längHch-eiförmig, spitz,
4 — 5 mm lang; Samen verkehrt-eirund, 5 mm lang, hellgraubraun, mit läng-
lichem, durchsichtigem, 1,2 cm langem Flügel.
Vorstehende Beschreibung gab Rehder nach einem schönen, eleganten
Exemplar, welches im Arboretum des Herrn Allard in la Maulevrie bei
Angers (Frankreich) steht, unbekannten Ursprungs, unter der Bezeichnung Picea
microsperma. Das Material, welches auch ich untersuchen konnte, gab An-
haltspunkte für die nächste Verwandtschaft und der Gedanke lag nahe, daß
auch an anderen Orten diese Fichte eingeführt sein konnte. Dr. Henry,
„A New Himalayan Spruce" in Gard. Chron. 1906, p. 132, hat nun nach-
gewiesen, daß ein Sammler in Chumbi bei 3000 — 3300 m Erhebung 1877
288 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten.
diese flachblättrige Fichte gefunden, und Sir George King damals Samen in
verschiedene europäische Gärten eingeführt hat. Sie dürfte gewiß öfter mit
P. Morinda verwechselt sein. Dr. Henry fand dann auch in ^astelwellan
Co. Down, der Besitzung des Lord Annes ly, einen schönen Baum von 7 m
Höhe und 0,50 m Stammumfang und einer Ausbreitung der Äste von 13 m
(Abbild. Gard. Chron. 1906, p. 218 u. 274). Diese Abbildung zeigt eine
schöne, volle, schlanke Pyramide mit überhängender, leichter Bezweigung.
Hoffentlich bürgert sich dieser elegante Baum jetzt mehr ein, in Kultur dürfte
er sich wie P. Morinda verhalten und danach zu behandeln sein.
Weiter wären hier noch zwei neuerdings aus China eingeführte
Fichten einzureihen:
23. Picea complauata Mast, (in Gard. Chron. 1906, p. 147, mit Abbild. No. 57).
Flachblättrige Fichte.
Im westlichen China in Wäldern der Provinz Szechuen in einer Er-
hebung von 1700 — 2300 m von Wilson gesammelt.
Baum von 13 — 33 m Höhe. Zweige glatt, orangenbraun. Blattkissen
vorstehend, länglich unsymmetrisch, schief-dreiseitig. Knospen eirund, kugel-
förmig, bedeckt mit lederartigen, glänzend braunen, länglichen Schuppen.
Blätter 20 — 23 mm lang, 1 mm breit, lineal, spitz, flach, mit beiderseits
vortretenden Nerven, oberseits mit blauen Spaltöffnungsreihen, unten grün.
Junger Zapfen purpurrot, reif braunrot, 13 — 14 cm lang, in der Mitte 3 cm
breit, zylindrisch-kegelförmig; Schuppen leicht angedrückt, braun, länglich
oder rundlich, am Rande gezähnelt und leicht umgebogen. Samen mit
langem, braunrotem, häutigem Flügel. Das Holz wird als Nutzholz ver-
wendet.
Eine schöne, zur Sektion Omorica zu rechnende Fichte, deren Blätter,
obgleich kaum vierseitig, nicht so ausgeprägt flach sind als bei anderen
Arten. Sie ist der Picea spinulosa zunächst verwandt.
24. Picea purpurea Mast, (in Linn. Soc. Journ. Bot. XXXVII, November 1906).
Purpurfichte.
Im westlichen China in Wäldern bei Sung Pan, nahe Tibet, in einer
Erhebung von 3200 — 3700 m von Wilson gesammelt.
Baum von 20 m Höhe, ältere Äste grau, Blattkissen etwas vorstehend,
an der Spitze gleich stark, abstehend. Junge Zweige orangengelb, dicht-
borstig, Blattnarben fast elliptisch, etwas eckig. Knospen breit -eiförmig,
mit breit-länglichen, fast lederartigen, rostfarbigen Schuppen bekleidet.
Blätter 10 — 12 mm lang, lineal, spitz, gebogen, flach, oberseits gefurcht,
blaugrün, unten mit vorstehendem Mittelnerv, gekielt, beiderseits mit Spalt-
öffnungen. Unreife Zapfen 5 — 6 cm lang, purpurfarbig, länglich-
zylindrisch, zugespitzt; Schuppen fast lederartig, breit-länglich, nach oben
verlängert, an den Rändern wellig. Samen mit geradem, häutigem, schlauch-
förmigem Flügel.
Eine sehr bemerkenswerte Art der flachblättrigen Sektion, unter-
schieden durch die Rinde, Blätter und Zapfen.
f
II. Klasse. Coniferae. 289
b) Zapfenschuppen locker, dünn, ausgefressen-gezähnelf.
25. Picea ajanensis Fisch, (in Trautvett. et Meyer, Florul. ochotensis, in
Middendorffs Reise p. 87, t. 22—24 (1856); Maximowicz, Primit. Flor. amur.
1859). Ajanfichte. (Fig. 64.)
Syn. Abies jezoensis Sieb, et Zucc, Fl. Jap. II, p. 119, t. 110 (1842).
„ „ Maxim, in Bull. Acad. St. Pet. XV., p. 235.
„ ajanensis Lindl. et Gord., Journ. Hort. soc. Lond. V, p. 212
(1850).
Picea jezoensis Carr., Trait. gen. d. Conil. I. ed., 255 (1855).
Abies Alcoquiana J. G. Veitch in Gard. Chron. (1861), p. 23 und
der meisten Gärten. (Verwechselt, siehe Anmerkung bei
Picea Alcockiana.)
Pinus Menziesii Pari, in D. C. Prod. XVI, 2., p. 418 (1868) (die
asiatische Pflanze mit Ausschluß d. Syn.).
Abies sitchensis Koch, Dendr. IL, p. 247 (1873) zum Teil, nicht
Bongard. Koch wirft gleich Pariatore fälschlich P. ajanensis
und P. sitchensis zusammen.
Tsuga ajanensis Rgl. Russ. Dendr. 2. Aufl., p. 39.
Picea Yezomomi hört.
Eso-matzu, Kuro-matzu, Shunku in Japan.
Von Ajan längs der Ostküste Sibiriens bis zum Amurgebiete, auf der
Insel Sachalin und in Japan auf den Hochgebirgen von Eso vorkommend.
Im Jahre 1861 von J. G. Veitch aus Japan eingeführt mit Samen der
Picea Alcockiana Carr., daher als P. (Abies) Alcockiana hört, fälschlich ver-
breitet und noch unter diesem Namen in manchen Gärten in Kultur (siehe
genaueres bei P. Alcockiana Carr.).
Nach Fr. Schmidt (Reisen im Amurland und auf der Insel Sachalin
in Memoir. de l'Acad. Imp. d. Scienc. de St. Petersb. VII. Ser. Tome XII.
No. 2) wächst Picea ajanensis am Amurflusse im sumpfigen Walde zusammen
mit Larix und mit Unterholz von Pinus pumila und Rhododendron
chrysanthum. Nach Maximowicz bildet die Ajanfichte mit Larix dahurica
im Tal am untern Amgun dichte Waldungen, kommt aber am Amgun sonst
meist auf höheren Bergkuppen vor. Je näher den Quellen des Kerbi, desto
häufiger tritt sie auf und bewaldet sumpfige Flächen. An der oberen Bureja
ist sie meist Niederungsbaum an den Ufern der Gebirgsflüsse. Nach
Middendorff wächst sie an den Küsten des ochotskischen Meeres vorzugs-
weise auf Höhen. Auf der Insel Sachalin bildet P. ajanensis mit Abies
sachalinensis den Hauptbestand auf den südlichen Gebirgen, kommt aber
auch im Norden und Osten vor. Schmidt nennt ihn den Charakterbaum
des Küstenlandes.
Picea ajanensis ist im Wuchs der P. excelsa ähnlich, jedoch noch
zierlicher und kommt je nach Boden und Standort als hoher oder kleinerer
Baum vor. Durch ihr frisches Grün, hervorgerufen durch die glänzend grüne
Blattunterseite, gegen die sich die weißblaue Blattoberseite auffallend abhebt,
unterscheidet sie sich schon von weitem von P. obovata, deren vierseitige
Blätter, jederseits mit weißen Spaltöffnungsreihen bedeckt, matt erscheinen.
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 19
290
Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten.
Nach Fr. Schmidt ändert übrigens Picea ajanensis sehr in der Blattform
und Färbung, die Blätter sind entweder stachelspitzig oder ganz stumpf, unten
grün und oben bläulich-weiß und stehen dann zweizeilig, oder sie stehen
bürstenförmig dicht gedrängt auf der Oberseite der Zweige und sind dann
beiderseits bläulich- weiß bereift oder grün, je nach Alter und Standort. Die
Rinde ist ziemlich glatt und löst sich in kleinen, sechseckigen, dünnen Stücken
ab, während die von P. obovata, ähnlich wie auch bei P. excelsa, wie mit
Schuppen bedeckt erscheint. Die jungen Zweige sind hellgelbbraun mit hori-
zontal und sehr abstehenden Blattkissen, Blätter 1 — 2 cm lang, 1^/2 — 2 mm
breit, lineal, gebogen, durch den beiderseits wenig vortretenden Mittelnerv
flach-zusammengedrückt, ganzrandig, meist stumpf-gespitzt oder seltener spitz-
lich, oberseits mit sechs Spaltöffnungslinien unter einem silberweißen Wachs-
überzuge, andererseits glänzend dunkelgrün. Die Zapfen sind 3 — 5, auch 6
Fig. 64. Picea ajanensis Fisch, l Zapfen; 2 Blatt vom Fruchtzweig; 3 Blattspitze, vergr.;
4 Blattdurchschnitt, vergr.; 5 Zapfenschuppe; 6 Samen; 7 unfruchtbarer Zweig.
bis 8 cm (nach Mayr) lang, 1^/2 — 2 cm breit, elliptisch oder schief-länglich, an
beiden Enden abgerundet, stehen einzeln an den Spitzen der Zweige, jung
purpurfarben und schön gegen die Belaubung abstechend, reif hellbraun.
Zapfenschuppen elliptisch oder länglich-elliptisch, am Rande sehr dünn, wellig-
ausgerandet und ausgefressen-gezähnelt, auf dem Rücken gestreift, Bracteen
sehr klein, länglich-elliptisch, kurz gespitzt, drei- bis viermal kürzer als die
Schuppen. Samen 2 mm lang mit 5 mm langen, 3 mm breiten Flügeln.
Middendorff unterscheidet zwei Formen:
a) Picea ajanensis genuina mit Zapfenschuppen, die an der Spitze ent-
weder abgerundet oder abgestutzt oder ausgerandet und am Rande deutlich
unregelmäßig gezähnelt sind, welche Form auf dem Stanowoi-Gebirge bei
Udskoi und auf der Insel Schantar von ihm entdeckt wurde und:
b) Picea ajanensis subintegerrima mit Zapfenschuppen, welche an
der Spitze ausgerandet, fast ganzrandig oder ausgeschweift-gezähnelt sind
und bei Uessj-Samach und am Niman-Flusse gefunden wurde.
II. Klasse. Coniferae. 291
Wir sehen also, daß auch diese weitverbreitete Fichte ähnliche Ab-
weichungen, wie unsere gemeine Fichte, in Blättern wie Zapfenschuppen zeigt,
was ja nur natürlich ist.
Picea sitkaensis Carr., welche P. ajanensis nahe steht, ist durch die nach
der Spitze zu verschmälerten, scharf-gespitzten Blätter, welche durch die
beiderseits sehr vorstehenden Mittelnerven mehr viereckig sind und durch
die viel größeren lanzettlich-zugespitzten Bracteen der Zapfen verschieden.
Nach Maxim owicz steht Picea ajanensis auch der P. (Abies) jezoensis
Sieb, et Zucc, Fl. jap., p. 19, t. 110, nahe, ja sie dürfte ihr gleich sein. Die
Ajanfichte zeigt die Eigentümlichkeit, daß, wie es auch an P. excelsa häufig
vorkommt, an den jungen Jahrestrieben durch Stiche einer Chermes-Art
Gallen (Anschwellungen) sich bilden, die öfter noch Blätter tragen, nach dem
Ausschlüpfen der Insekten im trockenen Zustande eine entfernte Ähnlichkeit
mit Zapfen haben und Maximowicz fügt hinzu, daß man auf der zitierten
Abbildung der Fl. jap. etwas ähnliches sähe und weiter, daß der von Siebold
zu Abies jezoensis zitierte Volksname: Ssungi in Sachalin auch für P.
ajanensis gebraucht werde (jedenfalls ein Beleg dafür, daß beide Pflanzen
sich sehr nahe stehen). Zweige mit solchen Gallenbildungen wurden auch
von Japan nach England gebracht und Lindley ließ sich durch dieselben
täuschen und begründete auf dieses Material hin die Gattung Veitchia
Lindl. in Gord. Pinet. Supl. 105 und nannte die Pflanze Veitchia japonica,
eine Bezeichnung, die somit keine Berechtigung hat.
Da die Ajanfichte den meisten älteren Autoren unbekannt war, so
erklärt sich daraus die Verwechselung derselben mit Picea sitkaensis Carr.,
P. Alcockiana Carr. (P. acicularis Maxim.), und gar mit P. obovata Ledeb.
und P. Schrenkiana Fisch, et Mey.
Picea ajanensis microsperma Mast. (Gard. Chron. 1879). Hondofichte.
Syn. Abies microsperma Lindl., Gard. Chron., p. 22 (1861).
Picea microsperma Carr., Trait. gen. d. Conif., p. 339 (1867).
„ ajanensis japonica Maxim, in schedis, iter secundum.
„ hondoensis Mayr, Abietin. d. jap. Reiches 1890, p. 51, Taf. IV, 9.
Tohi der Japaner.
Mayr sieht diese nur auf den Hochgebirgen des mittleren Japans,
zwischen dem 35^/2- — 38. ^ n. Br. vorkommende Fichte als besondere Art an,
worin ihm bis heute kein Autor zustimmt (man vergleiche Koehne, Dendr.
1893, p. 24, Kent in Veitch. Man. 1900, p. 425; Mitt. d. d. dendr. Gesellsch.
1902, p. 85). Die meisten ignorieren diese vermeintliche Art. Jedenfalls
kann hier nur von einer klimatischen Varietät die Rede sein; für eine
solche mögen hier die Unterschiede, die nur das geübte Auge eines Kenners
herauszufinden vermag, wie sie sich an Kulturpflanzen bei uns zeigen, folgen:
Die Hondofichte hat rötlich-braune, glänzende, ausgereifte Zweige,
stumpfere, kürzere, dichter stehende, mehr dem Zweige anliegende, oberseits
silberweiße, unten mehr stumpf-dunkelgrüne Nadeln. Die Blattkissen sind
mehr birnförmig verdickt, gefurcht und nach vorn gerichtet.
Der Zapfen ist etwas kürzer, bis 6—7 cm lang, öfter etwas gekrümmt,
jung rötlich angehaucht, vor der Reife hellgrün. Mayr, Fremdl. Wald- und
19*
OQO Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Parkb. 1906, p. 328, maß einen Baum von 23 m Höhe und 0,73 m Stamm-
durchmesser; ältere Stämme tragen eine kleinschuppige, dunkelgraue Borke,
das Kernholz ist schwach rosa gefärbt.
Demgegenüber zeigt die Ajanfichte einen gelbgrün glänzenden aus-
gereiften Trieb, längere, weiter vom Zweige abstehende, mehr zugespitzte,
in eine Grannenspitze auslaufende, oberseits blauweiße, unten stärker glänzende
grüne Blätter. Die Blattkissen, ohne Anschwellung, sind rückwärts gerichtet.
Die Zapfen sind etwas länger, bis 8 cm lang.
Für die Praxis am wichtigsten aber ist, daß die typische Ajanfichte
frühzeitig treibt und deshalb, wie dies auch bei anderen hochnordischen
Coniferen vorkommt, an ihr ungünstigen Standorten von Spätfrösten leidet
und deshalb oft mit verkrüppelten Trieben angetroffen wird und an manchen
Orten gar nicht aufzubringen ist.
Die später austreibende Hondofichte ist dieser Gefahr nicht ausgesetzt
und ist deshalb für uns die dekorativ wertvollste, und zwar finden wir
bereits in Deutschland wahre Prachtexemplare, reichlich Zapfen tragend, ein
auserlesener Schmuck mit ihrer vollen Bezweigung und der einerseits matt-
dunkelgrünen, andererseits silberglänzenden Belaubung, die besonders zur
Geltung kommt, wenn der Wind in den Zweigen spielt, oder die Sonne diese
reizende Fichte in erhöhtem Maße erglänzen läßt.
Ob die Ajanfichte in passenden Lagen als Forstbaum in Betracht
kommt, müssen Versuche ergeben; in forstästhetischer Hinsicht aber wird sie
auch unseren Wäldern zur höchsten Zierde gereichen.
Picea ajanensis aurea P. Smith.
Eine von Herrn Peter Smith in Bergedorf bei Aussaaten gewonnene,
goldgelb schimmernde Form, an welcher die Färbung besonders zu Anfang
des Sommers auffallend hervortritt, indem die Oberseiten der Blätter wie
bronziert erscheinen. Im Bonner botanischen Garten, im nahrhaften Boden,
hat ein Exemplar diese Färbung ganz verloren.
26. Picea sitkaensis^) Carr. (Conif. 1. ed., p. 260 [1855]; Trautv. et Mey.
Florul. ochotensis 1856). Sitkafichte. (Fig. 65.)
Syn. Pinus sitchensis Bong, in Mem. Acad. St. Petersb. VI, Ser. II,
p. 104 (1832).
Abies Menziesii Lindl. in Penn. Cyclop. I, p. 32 (1833).
Pinus Menziesii Dougl. msc. Lamb., Pin. III, t. 89 (1837)
Abies Menziesii Loud., Arb. IV, p. 2321 (1838).
„ sitchensis Lindl. et Gord., Journ. hört. Soc. V, p. 212 (1850).
Picea Menziesii Carr., 2. ed., p. 318 (1867).
„ sitkaensis Mayr, in Wald. N.-Am. p. 338 (1890).
Tideland-Spruce (Stromlandfichte) der Nord-Amerikaner.
^) Die Schreibweisen Insel Sitka wie Sitcha sind gebräuchlich, die meisten Autoren
schreiben Picea sitchensis, Pariatore schreibt sitkensis. Dr. Mayr in „Die Wald. Nord-
Amerikas" schlägt die Schreibweise P. sitkaensis vor, welche ja, gleich der Bezeichnung
nutkaensis (von der Nutka-Bucht stammend), jedenfalls ihre Berechtigung hat, um so mehr,
da meist Insel Sitka geschrieben wird.
II. Klasse. Coniferae.
293
Im nordwestlichen Nord-Amerika zwischen dem 57. — 40. ^ n. Br. vom
Meeresstrande bis zu 2100 m aufsteigend. Auf der Insel Sitka und Vancouver,
in Brit. Kolumbien, Nord-Kalifornien, Kolorado. In Oregon und im Washington-
Territorium macht sie mit Pseudotsuga Douglasii und Thuya gigantea Nutt.
in dichten Beständen die Hauptvegetation des Küstengebirges aus. Liebt
feuchten Boden und Flußufer und ist der nördlichen pazifischen Küste eigen-
tümlich, meist in nassem, sandigem Boden.
Im Jahre 1831 von David Douglas in Europa eingeführt.
Hoher Baum von über 60 m Höhe und bis 3 m Stammdurchmesser,
von streng pyramidalem Wuchs mit schlankem, mit dünner rotbrauner Rinde
bekleidetem Stamm. Äste quirlständig, steif abstehend, die oberen aufstrebend.
Fig. 65. Picea sitkaensis Carr. 1 reifer Zapfen, aufgesprungen; 2 Zapfenschuppe von außen mit Bractee
3 Samen; 4 unfruchtbarer Zweig.
Zweige dick, steif und kahl, die jungen ausgereiften gelbgrün glänzend, durch
die sehr abstehenden Blattkissen rauh, höckerig. Knospen eirund-spitz, rötlich
glänzend. Blätter sehr dünn, 12 — 18 mm lang, kaum 1 mm breit, steif, gerade
oder an der oberen Seite der Zweige etwas gebogen, an üppigen Trieben
nach allen Seiten und oft wagerecht abstehend, an unteren horizontalen
Zweigen fast zweizeilig, beiderseits gekielt, flach-zusammengedrückt-vierkantig,
unterseits dunkelgrün, oberseits mit bläulich-weißen Spaltöffnungslinien, scharf
nadelgleich zugespitzt. Männliche Blüten dunkelrot. Zapfen eirund-zylindrisch,
5 — 8 cm lang, 2^/2 — 3 cm breit, hängend, vor der Reife gelbgrün, oft rot an-
gehaucht, reif glänzend, blaßgelb; Zapfenschuppen länglich-abgerundet, dünn,
ausgefressen-gezähnelt. Bracteen ansehnlich, lanzettlich, steif, ^/g oder 1/2 so
lang als die Schuppe. Samen klein und dünn, 2—3 mm lang, braun, mit
zwei- bis dreimal so langem schmal-länglichem, wenig schiefem Flügel.
9Q4 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Nach Engelmann, Newberry und Gibbons ist Picea sitkaensis einer
der wichtigsten Nutzholzbäume. Das Holz ist außerordentlich wertvoll als
Bauholz, von bester Qualität, fein geädert und von blasser Farbe, deshalb
sollte die Sitkafichte, welche sich in unseren Kulturen ganz hart zeigt, auch
immer mehr zur Forstkultur herangezogen werden, zumal sie schon in manchen
Gegenden Deutschlands, in forstliche Kultur genommen, ein gutes Gedeihen
zeigt. Man muß Kulturversuche, ihrem Vorkommen entsprechend, allerdings
nur in genügend tiefgründigem, feuchtem Boden vornehmen. Ja, in Erlen-
brüchen und auf ähnlichen nassen Standorten hat sie sich trefflich bewährt,
beim Grafen Wilamowitz in Gadow bei Lanz sah ich prächtige Bestände
mit meterlangen Jahrestrieben, ebenso beim Fürsten Bismarck in Friedrichs-
ruh, beim Fürsten Knyphausen in Ostfriesland. In den Kulturen des Heide-
kulturvereins in Schleswig-Holstein hat sie sich glänzend bewährt und unsere
Fichte um das Doppelte überholt. Schwappach bestätigt das freudige
Wachstum und Gedeihen für die preußischen Forsten, Hartwig für die
bayrischen Forsten. (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1895, p. 56; 1897, p. 86;
1899, p. 17; 1901, p. 21, 25, 32, mit Abbild, eines Stammes aus Brit. Kolumbien.)
Nach diesen trefflichen Resultaten, die doch deutlicher als alle Empfehlungen
reden, nimmt sich Mayrs absprechendes Urteil in Fremdl. Wald- u. Parkb.,
p. 338 wunderbar aus, er dürfte wohl vereinzelt damit dastehen. — Auf
günstigen Standorten, besonders im tiefen, nahrhaften Lehmboden, finden wir
in Deutschland schon Prachtexemplare von über 25 m Höhe, die mit ihren
feinen, nadelspitzen, stahlblau schimmernden Blättern sich reizend ausnehmen,
als Parkbaum eine Zierde ersten Ranges bilden und sich sofort vor anderen
Fichten auszeichnen, auch keimfähige Samen brachten. In trockenem, magerem,
heißem Boden, besonders aber im Kalkboden, krüppelt sie, erscheint oft als
jämmerlicher Busch, der die unteren Blätter abstößt, und man sollte sie in
solchen zu lufttrockenen Lagen besser nicht pflanzen.
Picea sitkaensis (Menziesii) ist früher auch mit P. pungens Engelm.
(s. daselbst) verwechselt worden, und noch heute findet man z. B. die silber-
graue Form der letzteren irrtümlich als P. Menziesii argentea in den
Gärten. Einerseits hierdurch, andererseits dadurch, daß zwei Formen, ver-
schieden in Üppigkeit und Wuchs, vorkommen, erklärt es sich, daß P. sitkaensis
und P. Menziesii oft noch in den Gärten von weniger Kundigen als zwei
verschiedene Pflanzen betrachtet und verbreitet werden. Nach dem Urteil
aller Autoren gelten aber beide Namen derselben Pflanze und zwar
muß der ältere Name P. sitkaensis vor P. Menziesii den Vorzug haben, denn
Bongard benannte den Baum schon 1832, während Lindl. den Namen Abies
Menziesii 1833 gab, außerdem ist die Sitkafichte in Amerika allgemein
als P. sitkaensis bekannt, wenn auch anfänglich der Baum in Europa
meist als P. Menziesii, zu Ehren von Archibald Menzies, der sie in Puget
Sound schon 1793 entdeckte, ohne sie jedoch einzuführen, bezeichnet wurde
und Endlicher in Syn. Conif., p. 123, Pinus sitkaensis Bong, als eine noch
nicht genügend bekannte Art beschreibt.
Früher wurde in Handelsgärten Picea Menziesii als die schlanker und
üppiger aufwachsende Pflanze bezeichnet, während als P. sitkaensis eine
Pflanze, meist langsamer, gedrungener und schwächer von Wuchs als vorige,
II. Klasse. Coniferae. 295
mit aufstrebenden Ästen und Zweigen, mit kürzeren, steiferen, oberseits
leuchtend-hellblauen Blättern bezeichnet wurde.
Wir haben also entschieden zwei charakteristische Formen in
den Gärten zu unterscheiden, nämlich die obengenannte in der Praxis,
als Picea Menziesii bezeichnete, schnellwüchsige Pflanze, welche in den
verschiedensten Gegenden, Bodenverhältnissen und Lagen sich im Wachstum
gleich verhält und daher allein in Betracht kommt, wenn es sich um
Nutzpflanzungen, also um forstlichen Anbau handelt. Dr. Bolle
besitzt von dieser Form (Menziesii) einen 13 m hohen üppigen Baum, während
die oben beschriebene, schwachwüchsige Form (sitkaensis) kaum 6 m erreicht
hatte. Herr Schober, welcher sich um Beobachtung und Kultur der Sitka-
Fichte besondere Verdienste erworben und auf Schovenhorst bei Putten in
Gelderland herrliche, bereits fruchtende Exemplare von zahlreichen aus-
ländischen Coniferen im Heideboden seit 1848 im großen kultiviert, besitzt
die schnellwachsende (Menziesii; von 17,50 m Höhe, mit am Grunde 2,38 m
und einen Meter über dem Boden gemessen 1,63 m Stammumfang, während
die schwachwüchsige (sitkaensis) 3,60 m Höhe mit am Grunde 0,39 und einen
Meter über dem Boden gemessen 0,26 m Stammumfang besitzt. Letztere be-
zeichnet Herr Schober als den schwachwüchsigen, empfindlicheren Baum
der warmen Küste, (?) der bei ihm vom Froste litt, während er den schnell-
wüchsigen (Menziesii) als den unempfindlichen Gebirgsbaum bezeichnet und
ihm eine gute Zukunft verspricht als Forstbaum; üppige ältere Bäume bilden
aus dem alten Holze junge Triebe, wie es z. B. bei Pinus rigida der Fall ist.
Herr Gaeta sandte mir aus Florenz bei ihm gewachsene Zweige beider
Formen, die sich ebenso wie angegeben, in Kultur verhielten; von zahlreichen
anderen Orten erhielt ich die gleichen Resultate, so daß also zwei im
Wachstum wie in dekorativer Hinsicht abweichende Formen zu
unterscheiden sind. Da nun aber außer diesen Eigenschaften keinerlei durch-
greifende botanische Unterschiede zu verzeichnen sind, so dürfen auch diese
Formen einer Art nicht ferner unter zwei verschiedenen Artennamen wie
frühere in der Praxis unterschieden werden, sondern für die schnellwüchsige
(P. Menziesii der Gärten) hat der ältere, jetzt allgemein angenommene Name:
P. sitkaensis Carr. in Kraft zu treten, hingegen sollte fernerhin bezeichnet
werden als:
Picea sitkaensis speciosa (P. sitkaensis der Gärten) die schwachwüchsigere,
mit den Ästen mehr aufstrebende Form, mit kürzeren, steiferen, scharf-
gespitzten Blättern, welche die blauweißen Blattoberseiten weit mehr zeigen
und daher in dekorativer Beziehung auffallender sind. Diese Form wird
häufig durch Veredelung fortgepflanzt und bewahrt dann um so mehr ihre
Eigentümlichkeiten.
Ich habe an den verschiedensten Orten Prachtexemplare dieser höchst
dekorativen Fichtenform, so z. B. in Wiesenburg i. Mark, auch in Donau-
eschingen gefunden, habe aber nie eine Empfindlichkeit, wie sie Herr Schober
anführt, feststellen können, vielleicht haben hier andere ungünstige Umstände,
vielleicht zu hohe Trockenheit im Sandboden, mitgewirkt.
Die Fichten liefern uns für unsere Gärten die herrlichsten, dekorativsten
Pflanzen in verschiedenster Größe, in den zierlichsten, edelsten Formen und
oft von auffallender, prächtiger Färbung. Freigestellt, einzeln oder zu
296 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
lichten Gruppen vereinigt, machen sie den schönsten Schmuck für Gärten
jeder Größe aus. Die Zwergformen, oft mehr eigentümhch als schön, finden
je nach Wert ihren Platz in kleinen, regelmäßigen Gärten, zu Vorpflanzungen,
oder auf der Felspartie. Nach Möglichkeit wurde bei den einzelnen Arten
ihr dekorativer Wert und ihre Verwendung bereits angegeben, ebenso der
Nutzwert. Im allgemeinen weniger empfindlich und anspruchsvoll in Kultur,
als Nutzbäume aber meist wertvoller wie die Tannen (Abies) gedeihen sie in
jedem nahrhaften, gleichmäßig feuchten, nicht zu leichten, armen Boden. Sie
wollen freien, luftigen Stand und gehen bei stärkerer Überschirmung zugrunde,
fürchten auch Ausdünstung, Rauch und Staub der Städte, manche Arten sind
daher in Stadtgärten weniger verwendbar und werden oft frühzeitig kahl
und häßlich.
Die Vermehrung aller Arten sollte soviel als möglich durch Samen
geschehen, die bald nach der Reife zu säen sind; seltene Arten und Formen
vermehrt man durch Anplatten oder Einspitzen auf Picea excelsa im Ver-
mehrungshause im Spätsommer oder im Frühjahr, teils durch Ableger oder
durch Stecklinge, welche im Spätsommer oder Herbst kühl gesteckt und
später etwas wärmer gehalten werden. Die zahlreichen Zwergformen
wachsen gut durch Stecklinge, und zwar sollten dieselben, zumal die von
P. excelsa, nur auf diesem Wege vermehrt werden, da veredelte Zwerg-
formen dazu neigen, in die Höhe zu wachsen und den zwergigen W^uchs oft
ganz zu verlieren.
Langfriebe und zahlreiche seitliche Kurzfriebe, in viel- bis zweiblätfrigen Büscheln,
diese in frockenhäufigen Scheiden.
Kurztriebe vielblätfrig, Blätter flach und dünn, im Winter abfallend.
Pseudolarix Gord. (Pin., p. 292 [1858]). Goldlärche.
Syn. Laricopsis Kent. in Veitch Man. of the Conif. 1900, p. 403.
Blüten einhäusig, männliche in Dolden an den Spitzen kurzer
laubblattloser Sprosse, von braunen, dünnhäutigen Schuppen umgeben.
Staubfadensäule, auf gebogenem Stiele hängend, eirund-länglich, 2 cm lang,
gelblich-grün. Die unteren Antheren sind fast kugelig, beinahe sitzend, die
oberen sind in ein langes, öfter lanzettliches und an der Spitze dreilappiges
Anhängsel ausgezogen. Weibliches Kätzchen eirund, an kurzen beblätterten
Zweigen. Zapfen an kurzen Stielen hängend, einzeln, eirund-länglich, Schuppen
locker-dachziegehg, groß, dick und spitz, abfallend, Bractee der Basis an-
gewachsen. Samen unter jeder Schuppe zwei, verkehrt-eirund, mit halb-
eirundem, länglichem, stumpfem, bräunlichem Flügel. Kotyledonen 5 — 6.
Hoher Baum mit abfallenden, weichen, flachen, sitzenden Blättern.
Zweige aus schuppig-dachziegeligen Knospen entwickelt, entweder Kurztriebe
mit bündelständigen Blättern, oder die oberen Längstriebe dünn, mit zer-
streuten, abstehenden Blättern besetzt, die auf dem Zweige angedrückten,
weit herablaufenden Blattkissen stehen.
Pseudolarix Kaempferi Gord. (Pin., p. 292 [1858]). Chinesische Goldlärche
(Fig. 66 u. 67.)
Syn. Larix Kaempferi Fortune (1853).
Abies Kaempferi Lindl. in Gard. Chron. 1854, p. 255, mit Abbild.
II. Klasse. Coniferae. 297
Syn. Pinus Kaempferi Pari. D. C. Prod. XVI, p. 412 (1868).
Pseudolarix Fortunei^) Mayr Abietin. d. jap. Reiches 1890, p. 99.
Laricopsis^) Kaempferi Kent. in Veitch 1. c. 1900, p. 404, mit Abbild.
Kin-le-Sung der Chinesen.
Meleze de Kaempfer der Franzosen.
Chinese golden Larch der Engländer.
Auf den Gebirgen des nordöstlichen China in der Provinz Che Kiang
n einer Erhebung von etwa 1000 m von Fortune 1853 entdeckt.
Im Jahre 1856 in Europa eingeführt.
Großer Baum, den Fortune neben einem Buddhisten-Kloster bei Che-
kiang bis zu einer Höhe von 40 m bei 1,50 m Stammdurchmesser auffand
und später dann noch einen Abhang, bestanden mit Prachtexemplaren, ent-
deckte, deren untere Äste dem Boden auflagen, mit pyramidaler Krone und
quirlständigen, fast horizontal abstehenden Ästen; nach Fortunes Beob-
achtungen schienen die Bäume gepflanzt und wäre dies in betreff seines
Vorkommens wichtig. Nach Masters Angabe wären dafür, daß man an
Tempeln und bei Klöstern oft besonders merkwürdige Bäume, z. B. auch
Keteleeria Fortunei vorfindet, zwei Erklärungen möglich, erstens, daß solche
auffallende Bäume anderswoher von den Buddhisten eingeführt sein können
(aber, wenn dies der Fall, woher?), während nach Dr. Hances Ansicht solche
Bäume neben den Heiligtümern als Überbleibsel ehemaliger einheimischer
Waldungen anzusehen sind, die, nachdem diese ausgebeutet, oder durch
irgend einen Umstand zerstört, aus Verehrung erhalten geblieben.
Die langen Blätter an den Kurztrieben, deren Knospen mit pfriemlich
zugespitzten Schuppen besetzt sind (ein gutes Unterscheidungsmerkmal
Larix gegenüber), stehen in Bündeln zu 15 — 20 schirmförmig ab, die der oberen
dünnen, rötlich-braunen Langtriebe stehen einzeln zerstreut, alle sind weich,
gerade, oder leicht gebogen, lineal-lanzettlich-zugespitzt, oben etwas konvex
grün, unten beiderseits des kaum vortretenden Kiels leicht gefurcht und
blaugrün, an den Rändern etwas umgebogen, 5 — 8 cm lang. Zapfen einzeln
an kurzem Zweige hängend, eirund-länglich, jung bläulich beduftet, reif rot-
braun, 6 — 7 cm lang, 4 — 5 cm breit. Schuppen an der runden, stumpfen
Spindel gleichsam nur durch eine Faser angeheftet, locker-dachziegelig, leder-
artig-holzig, abfallend, am Grunde kurz gestielt, herzförmig-lanzettlich, an
der Spitze abstehend und abgestutzt, zweizähnig, Bracteen klein, eirund-
lanzettlich-spitz, am Rande kaum gezähnt, unten angewachsen, viel kürzer
als die Schuppe. Samen verkehrt-eirund oder oval, 7 — 8 mm lang, 4 — 5 mm
breit, mit fast viermal so langem, halb-eirund-lanzettlichem, stumpfem, bräun-
lichem Flügel.
^) Es dürfte vollauf genügen, wenn für die Wissenschaft nachgewiesen wird, daß ur-
sprünglich mit Larix conifera Kaempfer (1712), die später in Pinus Kaempferi Lambert (1832)
umgewandelt wurde, nicht die chinesische Goldlärche, sondern die japanische Larix leptolepis
gemeint sein mußte, da Kaempfer nur Japan und nicht China kannte. Da jedoch dieser
Name nie für die japanische, sondern ausschließlich und zwar allgemein für die
chinesische Pseudolarix Kaempferi angewendet wurde, so sollte man es ruhig bei
diesem allgemein verständlichen Namen bewenden lassen und die Benennung nicht durch einen
neuen Namen belasten. Derselbe dürfte auch wenig Aussicht auf Annahme haben, so wenig,
wie der ebenso unnötige neue Gattungsname Laricopsis Kent.
298 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra- Arten.
Fig. 66. Pseudolarix Kaempferi Gord. aus den Beständen von Hesse-Weener.
II. Klasse. Coniferae.
299
Fig. 67. Pseudolarix Kaempferi Gord. l Zweig mit Zapfen, nat. Gr.; 2 Zweig mit männlichen Blüten;
3 männlicher Blütenstand im Längsschnitt; 4, 5, 6, 7 Staubblätter, vergrößert; 8 Schuppe von außen
mit kleiner Bractee am Grunde.
'•^00 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Pseudolarix Kaempferi ß nana. Zwerg-Goldlärche.
Syn. Kin-le-Sung der Chinesen.
Dieselbe stellt eine 0,30 bis kaum 1 m hohe Zwergform dar, welche
von den Chinesen in Gärten und vorwiegend als Topfpflanze künstlich als
Zwerg erzogen wird.
Fortune lernte Pseudolarix zuerst in China als solche Zwergform
kennen und berichtet darüber, daß die Chinesen eine wahre Meisterschaft
darin besitzen, solche Zwergformen auch von anderen Coniferen zu erziehen.
Kaum 0,5 m hohe Pflanzen dieser Art verstehen sie durch künstliches Zurück-
halten in der Vegetation, wie durch Kultur in kleineren Gefäßen und in
magerer Erde, durch Drehen der Äste, Umwickeln und Strangulieren der-
selben durch Draht, wodurch Saftstockung eintritt u. a. m. so umzugestalten,
daß sie das Ansehen von alten Libanon-Cedern in verkleinertem Maßstabe
erhalten. Erst später fand Fortune die oben angeführten normalen Pracht-
exemplare dieses schönen Baumes.
Pseudolarix stellt im Vaterlande einen prächtigen Baum dar, seine
ßelaubung ist im Frühjahr hellgrün und im Herbst vor dem Laubfall herrlich
goldgelb, daher der Name „Goldlärche". Das Holz soll sehr hart und dauer-
haft sein.
Auch in Deutschland zeigte sich diese eigenartig schöne Conifere ganz
hart, wir finden auch in manchen Gärten schon recht ansehnliche Exemplare
von derselben, so sah ich z. B. auf der Insel Scharfenberg bei Berlin einen
schönen gesunden Baum, ebenso in Wiesenburg in der Mark, in Düsseldorf,
in Karlsruhe i. B. steht im Schloßgarten ein starker, in den 60 er Jahren ge-
pflanzter Baum, der Zapfen trägt (Mitt d. d. dendr. Gesellsch. 1896, p. 14,
mit Abbild.). Der schönste Baum in Europa aber dürfte das Prachtexemplar
im Garten der Gebr. Rovelli in Pallanza sein, welches uns erst einen Be-
griff von der Schönheit dieses Baumes gibt. Leider muß auch zugestanden
werden, daß die Goldlärchen vielfach in unseren Kulturen als außerordentlich
trägwüchsig und als Krüppel anzutreffen sind. Es ist nun leicht möglich, daß
Samen der genannten Gartenzwergformen zu uns eingeführt wurden und von
diesen viele der verbreiteten Pflanzen abstammen, andererseits dürften auch
durch Veredlung auf Larix europaea, die vielfach gebräuchlich, und dadurch
herbeigeführte Saftstockung manche Krüppel erzogen werden, wie dies ja auch
bei anderen Coniferen vorkommt; weiter wird die Goldlärche auch durch Ab-
leger vermehrt, indem man Pflanzen niederlegt und die jungen Triebe in
Töpfe in nahrhafte, lockere Erde abgelegt werden, eine Schicht Moos erhält
die gleichmäßige Feuchtigkeit und die Bewurzelung tritt meist im zweiten Jahre
ein, auch diese Vermehrungsweise trägt zur Erzielung gedrungener, mehr
buschiger Pflanzen bei und sollte möglichst vermieden werden.
Um also die schöne Goldlärche für unsere Kulturen als den geschilderten
Prachtbaum, wie er im Vaterlande vorkommt, zu gewinnen, welcher sich, hain-
artig gepflanzt, herrlich in der Landschaft ausnehmen müßte, muß danach
gestrebt werden, die Samen aus dem Vaterlande von normalen Bäumen
einzuführen; nur Bäume solcher Abkunft versprechen Erfolg für die Zukunft
und erst nachdem diese für die Kultur gewonnen, wird man sich ein Urteil
über das Gedeihen und den wahren Zierwert dieses schönen Baumes bei uns
II. Klasse. Coniferae. 301
bilden können. Diese Erfahrungen verwertend, wird sich ja erst später fest-
stellen lassen, ob einst auch von einem Nutzwert bei uns wird die Rede sein
können. Wir finden jetzt schon in Baumschulen, z. B. bei Hesse-Weener,
ganze Quartiere üppiger gesunder Pflanzen, die prächtig gedeihen und die besten
Erfolge versprechen; sie werden unseren Gärten zur größten Zierde gereichen.
Die Goldlärche verlangt als Gebirgsbaum einen ganz freien, luftigen
und sonnigen Stand, dazu einen nahrhaften, gleichmäßig feuchten, durchlässigen
Boden, wie auch die nahe verwandten Lärchen, ist aber sonst in keiner Weise
empfindlich oder wählerisch im Boden.
Larix Lk. (in Linn. XV, p. 533 [1841]). Lärche.
Blüten einhäusig, männliche an kurzen, dicken, seitlichen, dachziegelig-
schuppigen, öfter blattlosen Knospen einzeln. Staubfadensäule kugelig-eirund
zwischen Schuppen sitzend. Antheren spiralig dichtstehend, auf kurzem Stiele
mit zwei angewachsenen, fast kugeligen, nach unten schief oder quer zwei-
klappigen Fächern, über die Fächer hinaus mit einem nackten, oder in einen
Nabel, oder ein sehr kurzes, drüsiges Spitzchen verlängerten Mittelbande.
Weibliche Kätzchen fast kugelförmig, an der Spitze der seitlichen kurzen,
öfter mit einem Blätterbündel gekrönten Knospe fast sitzend. Schuppen
deutlich doppelt, vielreihig spiralig-dachziegelig. Bractee der Samenschuppe
eng angeheftet, häutig, öfter zugespitzt, nach der Blüte unverändert. Samen-
schuppe fast kreisrund, nach dem Rande zu verschmälert. Eichen zwei an
der Basis der Schuppe abwärts gerichtet. Zapfen eirund oder fast zylindrisch.
Schuppen aus der stark vergrößerten Samenschuppe gebildet, angedrückt oder
locker-dachziegelig, kreisrund, steif, am Rande dünn, oft der Länge nach ge-
streift, nach dem Samenausfall bleibend, mit bald dürren verborgenen, bald
mehr oder weniger sichtbar vergrößerten, bleibenden Bracteen. Samen hinter
jeder Schuppe zwei, abwärts gerichtet, falsch flügelfruchtartig, Haut (Membran)
dünn, trockenhäutig, durchsichtig, länglich oder schief-verkehrt-eiförmig, beider-
seits gerandet, eirund-länglich, zusammengedrückt, dann vom Flügel getrennt,
Schale dünn, krustenartig, Kotyledonen 6 — 8.
Bäume im Winter entlaubt, mit zweigestaltigen Zweigen, von denen die
ersten verlängert, die zweiten seitlich knospenförmig (Kurztriebe). Blätter
lineal-pfriemlich, dünn, unten an der Basis gegliedert, abfallend, die der
Langtriebe fast spiralig zerstreut, auf dem Zweige angedrückten, weit herab-
laufenden Blattkissen und an seitlichen Knospen zwischen sehr kleinen,
trockenhäutigen, dachziegeligen Schuppen dicht gehuschelt.
Bracteen länger als die Schuppen, diesen fest anliegend. Schuppen zahlreich.
1. Larix occidentalis Nutt. (North. Amer. Silv. III, p. 143, t. 120 [1849]).
Westamerikanische Lärche. (Fig. 68.)
Syn. Larix americana brevifolia Carr. Conif., 2. ed., p. 357 (1867).
Pinus Nuttallii Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 412 (1868).
Tamarack der Amerikaner.
Western Larch der Engländer.
Im nordwestlichen Nord-Amerika auf Gebirgen, auf nassem Gelände,
auf hohen Rücken und trockenen Bergabhängen zwischen dem 40. ^ n. Br.
302 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten,
im Quellengebiete des Deschutes River in Oregon und nördlich in British-
Kolumbien bis zum 53. ^ n. Br. in einer Erhebung von 700 — 2300 m vor-
kommend und oft ausgedehnte Waldungen bildend. In Nord-Montana und
Nord-Idaho an Flußufern die stärksten Bäume erzeugend.
Ein 40 — 80 m hoher Baum von schlankem, schmal-pyramidalem Wuchs
mit kurzen, fast horizontalen Ästen und kahlen, glänzend-bräunlichen Zweigen.
Kurztriebe fast rundlich - schwärz-
lich. Knospenschuppen dunkel-
kastanienbraun, fast kahl. Blätter
bis zu zwanzig im Büschel, ab-
stehend, gerade, steif, dreieckig
scharf gespitzt, beiderseits des vor-
tretenden Längsnerven gerinnt, 20
bis 27 mm lang. Männliche Blüten
blaßgelb. Zapfen eirund -länglich,
25—40 mm lang, 18—20 mm breit.
Schuppen 8 — 12 reihig, dachziegelig,
bräunlich, fast knorpelig, kreisrund,
etwas abgestutzt oder leicht aus-
gerandet, ganzrandig, an der unteren
Hälfte weichhaarig. Bracteen ellip-
tisch in eine blattartige, nach der
Spitze zu gekerbte, meist über die
Schuppe hinausragende grüne Mit-
telrippe ausgezogen. Samen ver-
kehrt-eirund, weißlich mit läng-
lichem, blassem, doppelt so langem
Flügel.
Eine bereits echt in Kultur
eingeführte, aber leider noch zu
seltene, zierliche Lärche, welche
sich ihrem Vorkommen entspre-
chend ganz widerstandsfähig zeigte
und daher sich sicher bald mehr
einbürgern wird. Im Wuchs der
Larix americana ähnlich, ist sie von
dieser durch die weit größeren
Zapfen mit herausstehenden Bracteen, welch letzteres Merkmal sie auch sofort
von der europäischen Lärche unterscheidet, verschieden.
Sargent nennt Larix occidentalis einen prachtvollen Baum, er sah
im nördlichen Felsengebirge herrliche Stämme bis zu 80 m Höhe, die festeres
Holz als irgend eine andere amerikanische Conifere liefern, geschätzt als
Bau- und Werkholz, zu Eisenbahnschwellen und Zaunpfosten, und vermutet
derselbe, daß diese Lärche sich als einer der nützlichsten Bäume für An-
pflanzungen in Nord-Europa bewähren dürfte.
Julia Rogers, in Tree Book 1905, Newyork, stimmt dem zu, betont
aber das äußerst langsame Wachstum der Riesenstämme, ein Umstand, den
wir ja bei Gebirgsbäumen, je nach Standort, öfter finden.
Fig. 68. Larix occidentalis Nutt. Zweig mit reifem
Zapfen.
II. Klasse, Coniferae.
303
2. Larix Lyallii Pari, (in Enum. sem. hört. Reg. Mus. Flor. 1863),
Lyalls Lärche, Tamarack. (Fig. 69.)
Syn. Pinus Lyallii Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 214 (1868).
Im westlichen Nord-Amerika, nahe der Baumgrenze von Süd-Alberta
nach dem Felsengebirge und Brit. Columbien, im Kaskaden-Gebirge des
Washington-Territoriums in einer Erhebung von 2000 — 2300 m vorkommend
Kleiner, oft sparriger, nie-
driger Baum von 13 — 16, gelegent-
lich 25 m Höhe mit pyramidaler
Krone und fast horizontalen Ästen.
Knospenschuppen und junge Zweige
dicht grau-weichhaarig, Kurztriebe
oval-kugelig mit sehr kurzen, dach-
ziegeligen, kreisrunden, bräunlichen,
am Rande lang spinnwebenartig
zerschlitzten Schuppen. Blätter zu
40 — 50 gebüschelt, aufrecht -ab-
stehend, viereckig, steif, kurz ge-
spitzt, hellblaugrün, 22 — 23 mm
lang, männliche Blüten hellgelb,
weibliche eirund-länglich, mit dun-
kelroten oder gewöhnlich hellgelb-
grünen Schuppen und dunkelpur-
purroten Bracteen. Zapfen länger
und mehr länglich von Gestalt, als
bei Larix occidentalis, 4 cm lang,
2 cm breit. Zapfenschuppen zahl-
reich, dachziegelig, fast kreisrund,
dunkelpurpur, am Rande lang ge-
franst, gewimpert und auf dem
Rücken deutlich genervt. Bracteen
dunkelviolett, elliptisch - lanzettlich,
in eine lange, linienförmige Spitze^
viel länger als die Schuppen, aus-
laufend. Samen klein.
Echter Hochgebirgsbaum und eine durch die angegebenen Merkmale
recht gut von anderen, auch von Larix occidentalis, der sie sonst sehr nahe
steht, verschiedene Lärche, welche wohl kaum echt in Deutschland sich in
Kultur befinden möchte, aber ihrem natürlichen Vorkommen nach an passenden
Standorten recht gut bei uns fortkommen dürfte.
Fig. 69. Larix Lyallii Pari, l Zweig mit Zapfen;
2 Samen.
3. Larix chinensis Beißn. (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1896, p. 68 und
Nuovo Giorn. Bot. Ital. IV, No. 2, April 1897, p. 183, Tab. V; Mitt. d. d.
dendr. Gesellsch. 1901, p. 86; 1902, p. 70; 1906, p. 95). Chinesische Lärche.
(Fig. 70.)
In China in Nord-Chensi auf dem Gipfel des Berges Huon-tou-san,
auf der Bergkette des Peling auf dem Berge Thae-pei-san, in ungefähr
804 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten.
Flg. 70. Larlx chinensis Beißn. l Zweig mit Zapfen; la Schuppe von außen; Ib Schuppe von Innen;
ic Bractee; id Samen.
II. Klasse. Coniferae. 305
3000 m Erhebung von Pater Giuseppe Giraldi im August 1893 — 1894
entdeckt.
Baum mit älteren, aschgrauen Zweigen, junge Längstriebe gelb, glatt,
mit scharfkantigen, herablaufenden ßlattkissen, Kurztriebe kugelig bis walzlich,
am älteren Holze bis 8 mm lang. Knospen glänzend-hellbraun. Blätter
schmal-lineal, zugespitzt oder stumpflich, meist 20 — 30 mm lang, unten beider-
seits des Längsnerven mit bläulichen Spaltöffnungslinien. Männliche Blüten
einzeln, aus trockenhäutiger Knospenhülle, an den Spitzen unbeblätterter
Kurztriebe, auf 2 mm langem Stiele, gelb, eirund- kugelig, 7 mm lang; Staub-
blätter dicht gedrängt, schild-herzförmig, mit an der Spitze abwärts gebogenen,
gekerbten Bracteen. Zapfen eirund-länglich bis walzenförmig, 2,5 — 5 cm lang,
hellbraun; Zapfenschuppen kreisrund, lederartig, dachziegelig, ganzrandig,
muschelförmig gebogen, auf dem Rücken leicht gefurcht und zumal beim
jungen Zapfen deutlich filzig behaart. Bractee lanzettlich, oben abgerundet,
leicht gezähnelt, in eine Spitze ausgezogen, weit über die Schuppe vor-
ragend, sich dieser fest anlegend (nicht wie bei Larix Griffithii über
die Schuppe zurückgeschlagen). Charakteristisch sind die beim alten auf-
gesprungenen Zapfen ganz wagerecht abstehenden, weit klaffenden
Schuppen. Samen klein, verkehrt-eirund, glänzend dunkelbraun, 3 — 4 mm
lang, mit hellem, glänzendem, rundlichem Flügel, welcher so lang als der
Samen ist.
Eine, wie Fig. 70 deutlich erkennen läßt, von den anderen bekannten
Lärchen gut unterschiedene Art. Hoffentlich gelingt es, die wenigen
aus Samen erzogenen Individuen in Kultur zu erhalten, um an lebenden
Pflanzen weitere Studien machen zu können.
Bracteen über die Schuppen zurückgeschlagen.
4. Larix Griffithii Hook. fil. et Thoins (in Cathcart. Illustr. of Himal. plants,
t. 21 [1855]). Griffithslärche. (Fig. 71.)
Syn. Abies Griffithiana Lindl. et Gord. Journ. hört. Soc. V, p. 214
(1850).
Larix Griffithiana Gord. Pin., p. 126 (1858).
Pinus Griffithii Pari. D. C. Prod. XVI, 2, p. 411 (1868).
Sah oder Saar in Sikkim genannt.
Himalayan Larch der Engländer.
Im inneren Himalaya, in West-Bhootan, Sikkim und Ost-Neapel in einer
Erhebung von 2500 bis gegen 4000 m heimisch. Auch in West-Szechuen bei
3000—4300 m aufgefunden.
Etwa um das Jahr 1850 in Europa eingeführt.
Schöner zierlicher Baum von 12 — 20 m Höhe, mit kegelförmiger Krone
und wagerechten Hauptästen. Junge Zweige hellbraun, lang und zierlich
herabhängend, mit auffallend vorstehenden, braungespitzten, herablaufenden
Blattkissen. Knospen breit, kegelförmig, mit hellbraunen Schuppen. Blätter
in Büscheln von 30 — 50, sehr abstehend, steif, lineal, stumpf und flach,
beiderseits des stumpfen Längsnerven kaum gerinnt, frischgrün, 20 — 35 mm
lang, 1 mm breit. Männliche Blüten kugelig, mit zahlreichen Antheren, hell-
braun. Weibliche Blüten zylindrisch, die langen Bracteen leuchtend karmin
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 20
306 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
mit grünem Mittelnerv. Zapfen einzeln an kurzen Zweigen, zylindrisch-stumpf,
7 — 10 cm lang, 3 cm breit, grünlich oder grau, reif braun; Schuppen sehr
zahlreich, locker-dachziegelig, fast knorpelig, breit, kreisrund, etwas abgestutzt,
am Rande ausgefressen-gezähnelt. Bracteen über die Schuppe vorragend,
verkehrt-eirund-spatelförmig, etwas ausgerandet, breit und lang gespitzt, über
Fig. 71, Larix Grifflthii Hook, l Zweig mit jungen Zapfen; 2 Zapfenschuppe mit Bractee vergr.
3 reifer Zapfen in nat. Gr. Nach Dr. Regel in Gartenflora 1871.
die Spitze der Zapfenschuppe zurückgeschlagen. Samen länglich, mit läng-
lichem, viel längerem Flügel.
Das Holz ist nach Dr. Brandis weiß, weich, ohne Kernholz, aber spaltet
gut und wird als eins der dauerhaftesten Coniferen-Bauhölzer geschätzt.
Eine schöne, dekorative, im Wuchs und besonders in den Zapfen von
anderen Arten sehr abweichende Lärche, welche in Deutschland bis heute
nicht echt vertreten ist; häufig findet man unter diesem Namen andere
Lärchen, zumal aber Larix leptolepis. Bis heute besteht wenig Hoffnung,
diese elegante Lärche bei uns aufzubringen. Kleine Exemplare gingen stets
II. Klasse. Coniferae. 307
zugrunde. Auch in Frankreich hat man wenig Glück damit gehabt, ebenso
in England, wo alle zuerst erzogenen Sämlinge eingingen. Nach Bartlett,
Gard. Chron. 1907, p. 130, 131, existieren in England nur 3 gute Exemplare,
das schönste in Coldrenick, Cornwall bildet er ab, einen herrlichen Baum
von 19 m Höhe, mit geradem Stamm und von den wagerechten Hauptästen
lang herabhängenden, von dem leichtesten Winde bewegten zierlichen Zweigen.
Ein anderer schöner Baum steht in Strete Raleigh bei Exeter, er ist 16 m
hoch. Der abgebildete Zweig zeigt die leichte Bezweigung und drei gleich
große, 10 cm lange, 3 cm breite Zapfen, mit vorstehenden und zurück-
geschlagenen Bracteen; diese 'mächtigen, für eine Lärche ganz ungewöhnlichen
Zapfen sehen auf den ersten Blick denen unserer Tanne (Abies) täuschend
ähnlich. SämHnge sind schwer aufzubringen und verlangen große Sorgfalt;
die Wurzelspitzen sind rot.
Bracfeen kürzer als die Schuppen, aber sichtbar.
5. Larix Potanini Batalin. (in Act. Hort. Petrop. XIII, p. 385 [1894] und
Gard. Chron. 1906, p. 178, mit Abbild.). Potanins Lärche.
Syn. Larix thibetica Franch. in Journ. de Bot. 1899, p. 262 (Prinz
H. von Orleans). Hung-Sha der Chinesen.
In West-China, Szechuen bei Tatien-lu in einer Erhebung von 2800 bis
3700 m gemein.
Nach Masters dürften beide Namen die gleiche Art bezeichnen,
Wilson sammelte am gleichen Standorte Exemplare und Samenpflanzen sind
bei James Veitch in Combe Wood vorhanden.
Bäume von 7 — 20 m Höhe, das wertvollste Nutzholz in West-China
liefernd. Junge Triebe orangengelb, leicht behaart; an älteren Zweigen Rinde
glatt und aschgrau. Blattkissen etwas vorragend, lineal. Blätter 20 — 25 mm
(öfter auch kürzer), glatt, lineal, zugespitzt, flach mit vorstehender Mittelrippe.
Reife Zapfen 35 — 40 mm lang, 25 mm breit, sitzend herabgebogen, länglich-
eirund, stumpf, Bracteen sichtbar, kürzer als die Schuppen, an jungen Zapfen
länger als die Schuppen, häutig, länglich, oft zugespitzt und meist umgebogen;
Zapfenschuppen bräunlich-grau, rundlich abgestutzt. Samen geflügelt. Beißners
Larix chinensis ist aus einem anderen Distrikt (Nord Shensi) und ist von
dieser Art, außer anderen Merkmalen, hauptsächlich durch die Zapfen ver-
schieden. Treffliche, genaue Abbild, nach Wilsons Material, die beigefügt,
zeigen dies auf das Deutlichste.
Bracfeen kürzer als die Schuppen, nicht sichtbar, Schuppen am Rande
zurückgeschlagen.
6. Larix leptolepis Gord. (Pin. p. 128 [1858]; Murr, the Pines and firs of
Japan p. 89 [1863]). Dünnschuppige oder japanische Lärche.^) (Fig. 72.)
Syn. Pinus Larix Thunb. Fl. jap. p. 275, nicht L. (1784).
Abies leptolepis Sieb, et Zucc, Fl. jap. p. 12, t. 105 (1842).
^) Wie schon bei Pseudolarix ausgeführt wurde, konnte unter den Namen Larix conifera
Kaempfer und später Pinus Kaempferi Lamb. ursprünglich nicht die chinesische, sondern nur die
japanische Lärche gemeint sein. Diese Namen sind jedoch niemals, weder für die Praxis noch
für die Wissenschaft, in Betracht gekommen, noch in Gebrauch gewesen.
20*
308 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Pinus leptolepis Endl. Conif. p. 130 (1847).
Larix japonica Carr. Conif., 1. ed., p. 272 (1855).
Toga, Kara matzu, Fuji matzu der Japaner.
Meleze du Japon der Franzosen.
Japanese Larch der Engländer.
In Japan zwischen dem 34. und 38.^ n. Br. in einer Erhebung von
1700 — 2400 m auf den Gebirgen der Insel Hondo.
Fig. 72. Larix leptolepis Gord. l Zweig mit reifem Zapfen; 2 Samen.
Nach Dr. Regel in Gartenflora 1871.
Im Jahre 1861 durch J. G. Veitch in Europa eingeführt.
Schöner großer Baum bis zu 30 m Höhe, mit horizontal-abstehenden,
nicht überhängenden Ästen, später eine mehr breite, kegelförmige Krone
bildend, junge Zweige rotbraun glänzend, mit scharfkantigen, herablaufenden
Blattkissen, Kurztriebe dick und kugelig, Knospen glänzend dunkelbraun;
Blätter 15 — 35 mm lang, ^/g — 1 mm breit, schmal-lineal, weich, an der Spitze
abgerundet, am Grunde verschmälert, blaugrün bereift, später oberseits frisch-
grün, unten beiderseits des wenig vortretenden Längsnerven mit auffallend
II. Klasse. Coniferae. 309
blauweißen Spaltöffnungslinien, welche die Belaubung dauernd blaugrün er-
scheinen lassen. Weibliche Blüten gelbgrün mit purpurgerandeten Schuppen,
Zapfen rundlich-oval, fast kugelig, 25 — 30 mm lang, jung gelblich-grün, Schuppen
außerordentlich dünn und zart, wie aus Wachs geformt (daher der Name dünn-
schuppig), reif rötlich-hellbraun; Zapfenschuppen oval-kreisrund, locker-dach^
ziegelig, lederartig, an der Spitze abstehend ausgerandet und zurück-
geschlagen, auf dem Rücken leicht gestreift und kurz behaart, Bracteen
eirund oder lanzettlich-zugespitzt, braunrot, kaum halb so lang als die Schuppe.
Samen verkehrt-eirund, 3 — 4 mm lang, 2 mm breit, hellbraun mit halbeirundem,
dunkelbraun glänzendem Flügel, welcher so lang wie die Schuppe und mit
dieser an der Spitze zurückgeschlagen ist.
Larix leptolepis liebt, nach Matzuna, kältere Klimate. Nach
Nakamura ist das Holz schwer und glänzend, leicht zu spalten und wird
als eins der dauerhaftesten Hölzer zu Bauten, zum Schiffsbau, zu unter-
irdischen Bauten, wie auch zur Verfertigung von allerhand Waren sehr ge-
schätzt. Auch forstlich hat diese Lärche in Japan eine große Bedeutung,
kommt meist mit Tsuga und Tannen gemischt vor, gedeiht dort am besten
in einem kalten, trockenen Klima, im wärmeren Klima von Tokio wird sie
in Gärten selten groß. Sie soll in Japan auch häufig auf ungeschlechtlichem
Wege vermehrt werden. Weiter erzielen die japanischen Gärtner auch von
dieser schönen Lärche künstliche Zwerge in Töpfen, wie sie in Japan so
sehr beliebt sind und um hohe Preise verkauft werden.
Maximowicz beschrieb eine Form von der höchsten Grenze ihres Vor-
kommens als:
Larix leptolepis ß Murrayana Maxim, (in Ind. sem. hört. Petrop. 1866, p. 3).
Murrays Lärche. (Fig. 73.)
Syn. Larix japonica Murr, the pines and firs of Japan p. 94, nicht Carr.
Ko-fuji-matzu der Japaner.
In Japan in einer Erhebung von 2600 — 2800 m auf dem Fuji-Yama vor-
kommend, hier 0,50 — 6 m hoch, niederliegend wie Pinus pumila Rgl., auf
Shiranesan (Nikko), 4 — 8 m hoch oder auch niederliegend. (Japan. Conif.
von Alfr. Unger, p. 10).
Eine nach Maximowicz in allen Teilen kleinere Form, welche, nach
Aussage japanischer Gärtner, wenn sie vom natürlichen Standorte verpflanzt
wird, allmählich in die normale L. leptolepis zurückschlagen soll.
Die Kurztriebe sind dick, eirund oder walzig-länglich. Die schmal-
linealen Blätter sind nur 15 — 22 mm, die kugeligen Zapfen etwa 22 mm lang.
Die Zapfenschuppen sind öfter, aber nicht immer zurückgekrümmt.
Eine in Deutschland wohl kaum in Kultur vorhandene Lärche.
Larix leptolepis ist in Deutschland ganz hart, unstreitig die schönste
ihres Geschlechts und ein reizender dekorativer Baum, welcher mit seiner
blaugrünen Belaubung zu den leuchtend rotbraunen Zweigen und später in
goldiger Herbstfärbung einen auserlesenen Schmuck für unsere Gärten bietet,
während ihn auch die zurückgeschlagenen Zapfenschuppen sofort von anderen
Lärchen unterscheiden. Es kann deshalb seine Anpflanzung nicht warm
genug empfohlen werden.
s?1Q Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
In Deutschland sind schon recht ansehnliche, zapfentragende hohe Bäume
vorhanden, welche auch keimfähige Samen brachten. Auch forstlich ist sie
mit Glück angebaut worden. Schwappach redet ihr sehr das Wort und
bedeutend sind in Preußen die Areale, die sie einnimmt; das gleiche tut
Hartig für Bayern. Will Mayr ihr auch keine Vorteile unserer Lärche
gegenüber zugestehen, so kommt doch in forstästhetischer Hinsicht ihre
große Schönheit dazu, überdies sind gewiß für manche Lagen noch Vor-
Fig, 73. Larix leptolepis Murrayana Maxim. Zweig mit reifen Zapfen.
Nach Dr. Regel, Gartenflora 1871.
teile vorhanden. In den Heidekulturen in Schleswig - Holstein widersteht
sie besser den Winden und behält besser den Kopf als Larix europaea (Mitt.
d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p. 129). Prächtige Bestände sah ich in Gadow,
Friedrichsruh, Lütetsburg und anderen Orten. Jedenfalls sollte der Forst-
mann ihre Kultur in günstigen Lagen mit aller Energie fördern, sicher
wird er dies nicht zum Nachteil des Waldes tun. Vielfach ist die An-
sicht verbreitet, daß L. leptolepis nicht wie die europäische Lärche von
der Lärchenschabe oder Miniermotte (Tinea laricella) angegriffen werde;
leider ist dies nicht der Fall, ich fand junge üppige Bäume auch davon
befallen.
r
II. Klasse. Coniferae. 311
Wuchsformen.
Larix leptolepis pendula (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 104; 1902, p. 73
und 1903, p. 94). Japanische Trauerlärche.
Eine schöne, höchst dekorative Form, welche sich mit schwer herab-
hängenden Ästen, im Schmucke der üppigen blauen Belaubung, prächtig aus-
nimmt und auf Rasen als Schaustück ganz freizustellen ist.
Larix leptolepis Ganghoferi Schwerin (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 94).
Eine vom Oberforstrat Ganghofer im Forstgarten in Diedorf bei
Augsburg gewonnene schöne Kegelform, mit dicht gedrängten, senkrecht
aufstrebenden Ästen, die an Regelmäßigkeit nichts zu wünschen übrig läßt.
Larix leptolepis dumosa (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1902, p. 73; 1903, p. 94).
Eine schöne rundliche Buschform, wie vorige in Diedorf gewonnen.
Aus dem Wurzelstock entwickeln sich zahlreiche Höhentriebe, so daß eine
dicht gedrängt wachsende, üppig treibende große Kugel gebildet wird. Von
2 Exemplaren hat das eine etwa 1,50 m Höhe, bei 1 m Breite.
In der Färbung abweichend.
Larix leptolepis aureo-variegata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 113).
Eine von Dirken in Oudenbosch (Holland) als goldbunter Sport-
zweig an einer Larix leptolepis gefundene Form. Die Zweige zeigen eine
unregelmäßig über die Pflanze verteilte bunte Zeichnung, goldgelb-
gestreifte, oder zum Teil ganz goldgelbe Blätter.
Um diese Form zu erhalten, wird man stets die am schönsten gezeichneten
Zweige zur Veredelung auswählen müssen.
Schuppen gerade, fest anliegend.
7. Larix europaea D. C. (Fl. fr. III, p. 277 [1815]). Europäische oder
gemeine Lärche. (Fig. 74 u. 75.)
Syn. Pinus Larix L. spec. pl., p. 1420 (1753).
Larix decidua Mill. Dict. No. 1 (1759), (von Miller nicht L. decidua
genannt, sondern nur als Larix folio deciduo beschrieben).
Abies Larix Poir. in enc. meth. VI, 1804.
Larix pyramidahs Salisb. in Linn. Transact. VIII, p. 313 (1807).
„ excelsa Lk. in Abh. Berl. Akad. d. Wissensch. 1827, p. 182
(1830).
Larix europaea communis Laws. Man., p. 386 (1836).
„ vulgaris Fisch, in Spach. bist, des pl. phaner. XI, p. 432
(1842).
Pinus Larix a communis Endl. Conif., p. 134 (1847).
Larix decidua a communis Henk, et Höchst. Syn., p. 130 (1865).
Meleze d'Europe der Franzosen.
European or common Larch der Engländer.
Auf den Alpen Mittel-Europas, den Karpathen, im schlesisch-mährischen
Gesenke und im Süden des böhmisch-mährischen Waldgebietes heimisch, wo
Ol 2 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
sie in Erhebungen von 1000 —1800 m ausgedehnte Wälder bildet, oft mit
Weißtanne und Fichte, hier und da auch mit Pinus Cembra gemischt wachsend.
Baum von 25 — 30 m Höhe mit geradem Stamme und schlank kegel-
förmiger, öfter auch unregelmäßiger Krone. Stamm mit graubrauner, nach
innen rotbrauner Rinde bekleidet. Äste quirlständig, fast horizontal oder
überhängend und mit den Spitzen wieder aufstrebend. Zweige zierlich herab-
hängend, glatt, gelblich. Blätter an den Kurztriebien zu 30 — 40, selten zu 60
gehuschelt, ungleich lang, abstehend, weich, freudig grün, sehr schmal lineal,
stumpflich, oben schwach gekielt, unten mit vorstehendem Mittelnerv, l^/g bis
3 cm lang, ^/2 — ^/4 mm breit. Männliche Blüten eirund-kugelig, später walzig,
gelb. Weibliche Blüten länglich-walzenförmig, schön purpurrot. Zapfen
30 — 40 mm lang, 20 — 24 mm breit, ^) eirund oder eirund-länglich-stumpf auf
kurzem Zweige, hellbraun; Zapfenschuppen zahlreich, dachziegelig, lederartig,
oval-rundlich, mit wellig gebogenem Rande, kahl, fest anliegend, auf dem
Rücken gefurcht. Bracteen unten oval, eingeschlossen, durch den Mittelnerv
in eine kürzere oder längere, unten am Zapfen öfter über
die Schuppe vorsehende Spitze ausgezogen. Samen ver-
kehrt-eirund, 3 — 4 mm lang, mit einem halbeirunden, hell-
braunen, dünnhäutigen, doppelt so langen Flügel. — Der
Samen reift Ende Oktober, die Zapfen öffnen sich jedoch
erst im Frühjahr, wo dann der Samen abfliegt, während
die leeren Zapfen noch Jahre lang an den Bäumen sitzen
bleiben. Öfter begegnet man der Erscheinung, daß aus
der Spitze des Zapfens sich ein normaler kürzerer oder
längerer Trieb entwickelt. In Norddeutschland gereifter
Samen von Kulturbäumen, zumal von jüngeren Bäumen,
„ ^ ist oft nicht oder doch nur in einem geringen Prozentsatz
Fig. 74. Zapfen von , . , , . , , , ,, •
Larix europaea D. c. keimfähig, man tut daher gut, denselben aus seiner wahren
Alpenheimat, z. B. aus Tirol, kommen zu lassen.
Die Lärche ist als Forstbaum unschätzbar und daher allgemein angebaut,
das Holz ist harzreich und gehört zu den dauerhaftesten Nutzhölzern, ist für
Wasserbauten wie für Schiffsbau besonders gesucht und unverwüstlich, be-
sonders geeignet und dauerhaft auch für Gewächshausbauten und für Mist-
beetfensterrahmen, noch dauerhafter wie das harzige Kiefernholz. Für letztere
Zwecke sollte aber nur das mehr oder minder rote Kernholz, zumal das im
Gebirge gewachsene, verwendet werden, denn dies ist viel widerstandsfähiger,
wie das gelbliche Splintholz. Nach Willkomm findet sich in betreff des
Holzes in den Alpen in bedeutenden Höhen eine Lärchen varietät mit auf-
fallend rotem Kernholz, welches außerordentlich widerstandsfähig und daher
sehr gesucht ist, man nennt sie in den bayerischen und tiroler Alpen „Stein-
lärchen" oder „Jochlärchen", im Gegensatz zu den auf fettem Boden in
^) In der Zapfensammlung des Herrn Oberforstinspektors Dr. Coaz in Bern sah ich in
der Schweiz gesammelte ganz kleine Zapfen (microcarpa) und ebenso aus dem Münstertal
in Graubündten stammende sehr große Zapfen (macrocarpa), diese waren 6 cm lang und
mit offenen Schuppen 3,03 cm breit. Weiter als sehr seltene Erscheinung eine Monstrosität,
nämlich Doppelzapfen, welche, sichelförmig gebogen, unten und an den Spitzen zusammen-
gewachsen waren, so daß sich in der Mitte eine Öffnung bildete. Ferner noch knäuelförmige
Zapfenanhäufungen, sogen. Zapfensucht (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1905, p. 146).
II. Klasse. Coniferae,
313
Fig. 75. Larix europaea D. C.
^14 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
den Tälern gewachsenen sogen. „Grasläfchen", welche ein weniger gutes
Holz liefern.
Ein solcher Unterschied in der Güte des Holzes kommt, je nach dem
Standorte, wie schon bei anderen Coniferen betont wurde, häufig vor, derselbe
ist oft so groß, daß zu gewissen Industriezweigen nur das Holz von ganz
langsam auf Felsen erwachsenen Bäumen zu verwenden ist, während das von
dem gleichen Baume rasch auf üppigem Boden in der Ebene emporgewachsene
Holz dazu ganz unbrauchbar sich erweist. Die Lärche liefert weiter den
venetianischen Terpentin, auch sogen. Orenburger Gummi und die Rinde
jüngerer Bäume wird zum Gerben des Leders verwendet.
Die Lärche verlangt, als echter Hochgebirgsbaum, freie, lichte und
luftige Lagen, gedeiht daher auf Gebirgen und Anhöhen am besten; kommt,
nach Willkomm, jedoch in den Gebirgen vorzugsweise an vor trockenen
und kalten Winden geschützten Hängen, in Schluchten und Tälern vor und
meidet die Sturmlagen. Sie bildet auf ihren natürlichen Standorten immer
lichte Bestände, geschlossener Stand sagt ihr durchaus nicht zu, in engen
Tälern oder zwischen höherem Wald findet man sie oft ganz mit Flechten
überzogen und Krankheiten treten hier besonders auf. Ein gleichmäßig
feuchter, genügend tiefgründiger, lockerer Kalk- oder Tonboden sagt ihr am
meisten zu.
Leider wird die Lärche als Kulturbaum häufig von Krankheit und
Feinden heimgesucht. Zumal in Nord- und Mitteldeutschland tritt in ver-
heerender Weise der sogen. Lärchenkrebs auf, eine von parasitischen Pilzen
begleitete Krankheit, die oft ganze Bestände zugrunde richtet. Ursache ist
häufig falscher Anbau in dumpfigen, eingeschlossenen Lagen oder bei zu
dichtem Stand, z. B. im Mischbestand mit Fichten.
Ein böser Feind ist ferner die Lärchenschabe oder Miniermotte (Tinea
laricella), die den Bäumen oft beträchtlichen Schaden zufügt, indem sie von
der Spitze beginnend die jungen Blätter so aushöhlt, daß nur die äußere
Haut weißlich vertrocknet sitzen bleibt und so die Bäume oft im Mai ganz
weiß erscheinen läßt, sie tritt oft so schädigend auf, daß die Bäume zum Teil
neue Blätter treiben müssen.
Die Lärche ist ein raschwüchsiger, reizender Baum und für jeden
größeren Landschaftsgarten und für alle zum Nutzen wie zur Verschönerung
dienenden Pflanzungen sehr zu empfehlen, denn bei schönem Wuchs und
leichter Bezweigung bietet er das hellste, frischste Grün. Zumal im Frühjahr
im frischen Blätterschmuck, bedeckt mit den gelben männlichen und zarten,
wie aus Wachs geformten, purpurroten weiblichen Blüten ist er eine zarte,
liebliche Erscheinung; den ganzen Sommer über bleibt die hellgrüne Laub-
färbung erhalten, um im Herbst vor dem Blätterfall in eine goldgelbe überzu-
gehen, welche der Landschaft einen sonnigen Schimmer verleiht.
Die Lärche muß als lichtbedürftigster Nadelholzbaum stets ganz frei
an Waldrändern, oder ganz einzeln oder zu lichten Trupps im Walde mit
anderen Nadelhölzern untermischt stehen, in der Jugend pflegt er diese im
Wachstum meist zu überflügeln. Die Lärchen treten am wirkungsvollsten
in der Landschaft auf, wenn sie sich mit anderen Nadelhölzern mischen, so
daß z. B. dunkle Fichten und Tannen den Hintergrund bilden und hier und
II. Klasse. Coniferae. 315
da dunkel schattierend zwischen die Lärchen vorschieben. Reizend sind
Anhöhen mit Lärchen bestanden.
In der Färbung abweichend.
Larix europaea glauca hört.
Eine öfter in Kulturen aufgefundene, schöne üppige Form, von auf-
fallend blauer Färbung, die sehr in die Augen fällt und als dekorativ
besondere Beachtung verdient.
Wuchsformen.
Larix europaea 6 pendulina. Lärche mit abwärts gebeugten Ästen.
Syn. Pinus Larix 6 Paxa et y compacta Endl. Conif. p. 136 (1847).
Larix decidua pendula Henk, et Höchst. Conif. p. 134 (1865).
„ „ 6 pendulina Rgl. in Gartenfl. 1871, p. 101.
Hoher Baum von sparrigem, unregelmäßigem Wuchs^ oft mit geteiltem
Stamme, im Alter oft mehrere Spitzen bildend und mit abwärts gebeugten
Ästen. Die Zapfen sind eirund-länglich, fast walzenförmig, 4 cm lang. Die
Zapfenschuppen sind vorn abgerundet oder ausgerandet, die Bractee ist in eine
lange, lineale, mehr oder minder über die Schuppe vorsehende Spitze aus-
gezogen. In betreff des Blätterfalles verhält sie sich genau wie die normale
europäische Lärche.
Larix europaea pendula Laws. (Man. p. 386 [1836]). Europäische
Trauer-Lärche.
Syn. Pinus laricina Dur. Obs. bot. p. 49 (1771).
„ Larix nigra. Marsh. Arb. p. 103.
„ pendula Soland. in Ait. Hort. Kew. ed. 1; III. p. 369 (1789).
Larix pendula Salisb. in Linn. transact. VIII. p. 313 (1807).
„ intermedia Lodd. Cat. 1836, p. 50.
„ americana pendula Loud. Encyclop. of Trees p. 1057 (1842).
Pinus Larix repens Endl. Conif. p. 134 (1847).
Larix decidua y americana Henk, et Höchst. Conif. p. 133 (1865).
„ „ € pendula Rgl. in Gartenfl. 1871, p. 102.
Black Larch (Schwarzlärche) der Engländer und Amerikaner.
Diese Form soll ursprünglich aus Nord- Amerika gekommen sein, ohne
jedoch dort einheimisch zu sein, sie bildet mittelhohe Bäume mit oft
niederliegenden und wieder aufstrebenden Stämmen, oder die Stämme wachsen
erst gerade auf, um später den Wipfel überhängen zu lassen und mit der
Spitze wieder aufwärts zu streben. Die Äste hängen zierlich abwärts.
Die Zapfen sind groß, bis 4 cm lang, laufen nach der Spitze etwas kegel-
förmig zu, sind aber sonst denen der europäischen Lärche völlig gleich. Auf
keinen Fall gehört daher diese schöne Trauer-Lärche zu Larix ame-
ricana Mchx., mit welcher sie z. B. von Pariatore in D. C. Prodr. XVI, 2,
p. 409 verwechselt und ebenso von C. Koch, Dendr. II, p. 263 zusammen-
geworfen wurde, die aber mit ihren feinen Blättern und den kaum 2 cm
langen Zapfen (den kleinsten aller Lärchen) sofort zu unterscheiden ist. Zu
dieser Verwechselung zweier so außerordentlich voneinander abweichender
Qiß Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Lärchen kann wohl eben nur die zufällige Einführung aus Nord-Amerika
Anlaß gegeben haben, denn außer im Wuchs unterscheidet sie sich in nichts
von der europäischen Lärche. Schon Endlicher in Conif. p. 132 nennt
diese Lärche eine zweifelhafte Art, welche von nordamerikanischen Botanikern
richtiger als aus europäischen Gärten eingeführt betrachtet werde. So-
mit ist es sehr wahrscheinlich, daß diese europäische Trauer-Lärche nach
Amerika eingeführt, oder dort in Kultur gewonnen und dann als amerikanische
Lärche, mit der echten vielfach verwechselt, wieder nach Europa eingeführt
wurde.
Die dunkle Rinde des Stammes veranlaßte Marshai, dieser Lärche den
Namen „Schwarzlärche" beizulegen, zum Unterschiede von der echten
amerikanischen Lärche (Larix americana Mchx.), welche er, da sie eine hellere,
bräunlich-graue Rinde besitzt, „Rotlärche" nannte.
Duroi verstand unter seiner Pinus laricina, wie auch Endlicher angibt,
eben diese Trauerlärche und nannte die echte amerikanische Lärche (Larix
americana Mchx.) Pinus intermedia. Da somit hier zwei ganz verschiedene
Lärchen vorliegen, die nicht vereinigt werden können, so ist es auch ganz
ungerechtfertigt, für L. americana Mchx. im Sinne des Prioritätsgesetzes
den ältesten und dazu denkbar unpassendsten, garnicht hier in Betracht
kommenden Namen: L. laricina wieder hervorzusuchen.
Eine außerordentlich dekorative, oft malerisch schöne Form mit fast
senkrecht hängenden Ästen, die allgemeine Verbreitung verdient. Wie auch
bei hängenden Formen anderer Conif eren sind stets die als eigentümliche
Sämlinge öfter in Kultur wieder aus Samen gefallenen Pflanzen, die den
charakteristischen Wuchs besonders ausgeprägt zeigen, die dekorativ wert-
vollsten, bei Aussaaten von dieser Trauerlärche geht der größte Teil der
Sämlinge in die normale Art zurück, die wenigen hängenden Pflanzen wird
man besonders werthalten und zur Vermehrung heranziehen.
Die Vermehrung dieser Form geschieht durch hochstämmige Vered-
lung, indem man junge kräftige Stämme im Kreise um eine Trauerlärche
pflanzt und die Zweige ablaktiert, oder indem man im Frühjahr pfropft;
solche Pflanzen haben jedoch längere Zeit nötig, um den dekorativen Wert
eines bei Aussaaten entstandenen Sämlings zu erreichen. Je nachdem die
Veredlungen der stärker hängenden Form pendula, oder der vorstehenden
Form pendulina entstammen, sind sie entweder leicht oder stärker hängend
oft sehr dekorativ, oder im zweiten Falle mehr schirmförmig abstehend.
Larix europaea virgata (Bäume u. Sträucher d. Waldes von Hempel & Wilhelm,
I, p. 113 [1892] mit Abbild, und Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1905, p. 82, mit
Abbild.). Schlangenlärche.
Ein starker Baum steht in der Nähe von Rottenmann in Obersteiermark
und ein ähnHcher bei Kopfenberg bei Brück a. d. Mur in Steiermark.
Die Hauptäste sind lang, schlangenförmig gewunden und seitlich aus-
gestreckt, sie tragen sehr geringe seitliche Verzweigungen und vergabein sich
an den Spitzen. Der obere Teil des Stammes, wie Äste und Zweige sind
dicht beblättert, und zwar sitzen die Blätter so dicht ringsum, als wären die
Äste mit Moos bewachsen. Es handelt sich hier also um eine ganz abnorme,
monströse Bildung und der Baum erhält im Umriß eine abweichende
IL Klasse. Coniferae. 317
rundliche Kronenform. Seit 20 Jahren war kaum ein merklicher Zuwachs
vorhanden und Blüten trug der Baum nie.
Larix europaea fastigiata hört. Säulenlärche.
Eine Form von besonders schlankem, säulenförmigem Wuchs mit
gerade aufstrebenden Ästen.
Larix europaea multicaulis Schröder rin Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1894, p. 21).
Eine von Schröder in Moskau gewonnene schlanke, spitze Kegel-
form, mit zahlreichen, aufstrebenden, dichtstehenden Ästen und Zweigen,
ein löjähriger, 5 m hoher Baum nahm sich als Zierpflanze gut aus.
Zwergformen.
Larix europaea compacta hört.
Diese Form bildet dichtbezweigte, kurze, gedrungene Kegel.
Larix europaea Kellermannii hört.
Eine buschige Zwergform mit sehr kurzen, dicken, dicht mit Blättern
besetzten Zweigen.
Larix europaea cervicornis.
Eine eigentümliche Krüppelform mit hirschgeweihähnlichen Zweigen,
die vom Semmering stammt und welche Herr Dr. Di eck in Zöschen durch
Veredlung fortpflanzte.
Larix europaea repens (Willk. Forst. Fl. II, p. 143 [1887]). Kriechlärche.
Mit über den Boden hinkriechenden Ästen.
Abweichende Blüfenfarbe.
Larix europaea üore albo hört, oder var. alba hört.
Syn. Pinus Larix t, alba hört. Transact. IV, p. 416.
Eine Form, wo die sonst bei der europäischen Lärche so außerordentlich
zierenden, weiblichen, roten Blüten grünlich-weiß gefärbt sind, also
wohl botanisch interessant, aber als Zierbaum weit weniger schön.
Willkomm nennt einen Baum im botanischen Garten in Dorpat, dessen
weibliche Blüten über 2 cm lang, sehr stark zurückgekrümmte, bleiche Frucht-
blätter mit grüner Rippe und gezähneltem Rand zeigten und dessen Zapfen,
eiförmig-länglich, 5 cm lang, zurückgekrümmte, sparrige Schuppen hatten,
var. pallidiflora.
Schuppen locker, muschelförmig, klaffend.
8. Larix sibirica Ledeb. (Fl. alt. IV, p. 204 [1833]). Sibirische Lärche.
(Fig. 76.)
Syn. Pinus Larix Pall. Fl. ross. I, p. 1 (1784).
„ intermedia Fisch, in Schtschagl. Anz. Entdeck. VIII, p. B
(1831), nicht Dur.
Larix intermedia et archangelica Laws. (1836).
318 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Syn. Larix europaea ß sibirica Loud. Arb. et frut. Brit. IV, p. 2352
(1838).
Abies Ledebourii Rupr. in Beitr. z. Flor. Rußl. II, p. 56 (1845).
Pinus Ledebourii Endl. Conif. p. 131 (1847).
Larix decidua ß rossica Henk, et Höchst. Conif. p. 132 (1865)
zum Teil.
Larix decidua ß sibirica Rgl. Gartenflora 1871, p. 101.
Im nordöstlichen Rußland, Sibirien, im Amurgebiet und wahrscheinlich
auch in Kamtschatka heimisch. Diesseits des Ural im Archangelschen und
Wologdaschen Gouvernement große Waldungen bildend, im Permschen und
Orenburgschen Gouvernement häufig.
Alle russischen Beobachter und die meisten anderen Botaniker sind
sich darin einig, daß die sehr beständige sibirische Lärche als besondere
Art aufzufassen ist.
Schon als junger Baum ist er kenntlich durch
den schlanken geraden Wuchs, mit aufstrebenden Ästen,
von fast säulenförmiger Gestalt. In der Heimat erreicht
er 35 — 40 m Höhe und trägt auf schnurgeraden säulen-
förmigen Stämmen^) eine abgestumpfte pyramidale
Krone, die Hauptäste stehen wagerecht. Die jungen
ausgereiften Triebe sind hellgelb, glatt und glänzend.
Die dunkelbraunen Knospen sind an der Basis
schwarz umrandet. Die Blätter sind länger; die
Blätterbüschel der Kurztriebe stehen dichter, sie er-
scheinen etwa 8 Tage früher als die der europäischen
Lärche und fallen auch früher im Herbst ab. Männ-
liche Blüten (nach Willkomm) schief-halbkugelig, mit
aufwärts gekrümmter dicker Spindel. Die Zapfen sind
meist 4 cm lang, laufen nach der Spitze kegelförmig
zu; die Zapfen schuppen sind lockerer gestellt, größer, weniger zahlreich,
dicklicher, am Rande wellig, muschelförmig, nach innen (nie nach außen) ge-
krümmt, klaffend, auf dem Rücken gerinnt und filzig. Die Bracteen sind
eingeschlossen und ragen mit den Spitzen nicht vor. Samen fast doppelt so
groß als bei Larix europaea.
Es kommen in frühester Jugend rotbraune und bleichgrüne Zapfen vor,
ja selbst weiße Zäpfchen (Larix sibirica Tittelbachii Schröder), von
welchen ich Material zugesandt erhielt (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1894, p. 19).
Schröder glaubt, daß var. archangelica Laws. und rossica Rgl. zu der grün-
zapfigen Form gehören möchten. Die var. rossica kennt niemand in Rußland
und da Regel sie selbst in seiner russischen Dendrologie 1883 nicht mehr
aufführt, so wäre sie zu streichen. V^on der grünzapfigen Form liegen mir
große kegelförmige Zapfen, 5 cm lang, 3 cm breit, vor. Als L. rossica be-
zeichnete Kulturbäume zeigen die Zugehörigkeit zu L. sibirica. Schröder
Fig. 76. Zapfen von Larix
sibirica Ledeb.
Nach Dr. Regel in Gartenfl.
1871.
^) Ich erhielt Abbildungen von 100jährigen Prachtexemplaren von 29 und 24 m Höhe,
auch eine 800 Bäume zählende Doppelallee, welche zum landw. Akademiegebäude in Moskau
führt. Mayr in Fremdl. Wald- u. Parkb. 1906, p. 312 bildet einen Bestand, 155 jährig, bei
Raivola an der finnischen Grenze ab.
II. Klasse. Coniferae. 3X9
gewann in Kultur die Formen: fastigiata, glauca, longifolia, pendula
und robusta (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 121), die ja keiner
weiteren Erklärung bedürfen. Ob sie durch Veredelung der Kultur erhalten
geblieben sind, weiß ich nicht.
Hoffentlich wird dieser für Rußland so überaus wertvolle Forstbaum
auch für uns in günstigen Lagen ein solcher werden. Ich fand junge üppige
Anzuchten, mit Jahrestrieben von 60 cm Länge. In den Heidekulturen von
Schleswig-Holstein fiel sie in den Mischbeständen, als üppiger junger Baum,
mit aufstrebenden Ästen, von fast säulenförmiger Gestalt, sofort in die Augen
(Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p. 130). Die öfter auftretenden Klagen,
daß Larix sibirica sich in der Jugend bei uns sehr trägwüchsig zeige, erklärt
Mayr dahin, daß dieselbe sehr früh treibt, als kleine Pflanze am Boden, wo
die Kälte am intensivsten wirkt, vom Froste leidet und den Schaden wieder
ersetzen muß; später, wenn sie erstarkt, diesen schädlichen Einflüssen mehr
entrückt ist, wächst sie üppiger empor (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1904, p. 207).
Nach Forster-Klingenburg wächst sie auch gut auf Moorboden.
9. Larix Principis Rupprechtii Mayr (Fremdl. Wald- u. Parkbäume, p. 309
[1906], mit Abbild, eines Baumes und Zweig mit Zapfen). Prinz Rupprechts
Lärche.
In Wutaishan, Nord-China, in einem Tempelhofe gefunden.
Einjährige fertige Triebe hellgelb, an den herablaufenden Blattbasen
mit zwischenliegenden mattgraugrünen Tönen, kahl, an den Seitentrieben
Blätter sichelförmig gekrümmt. Knospen der Kurztriebe mit zahlreichen,
hellgelben, langen Haaren innerhalb der Schuppen, Knospen braun. Zapfen
an einem kräftigen, aufwärts gekrümmten, 2 cm langen Stiele sitzend, kegel-
förmig, etwas gebogen, 4 cm lang, 3 cm breit wenn geöffnet; Zapfenschuppen
nach dem Offnen ganz flach gedrückt, fein gezähnt, kahl. Blütenschuppen
nur an der Basis zwischen den Zapfenschuppen sichtbar. Diese rasch er-
wachsenden Lärchen zeigen in ihrer Heimat völlig geraden Schaftbau; sind im
übrigen in Tracht, Bau von Rinde und Borke der europäischen Lärche ähnlich.
Mayr hat eine Pflanze lebend nach Grafrath gebracht, die, nach seinen
Angaben, bei sehr kräftigem Wuchs ihre Verschiedenheit von allen bisher
bekannten Lärchen verrät.
Die abgebildeten Zapfen zeigen in Größe, Form, mit weitklaffenden,
muschelförmigen Schuppen, eine unverkennbare Ähnlichkeit mit denen von
Larix sibirica, ja ich besitze von letzteren solche, die ihnen haarscharf gleichen.
Zapfen klein, armschuppig, Schuppen muschelförmig, klaffend.
10. Larix dahurica Turcz. (in Bull. soc. nat. Mosq. 1838, p. 101).
Dahurische Lärche. (Fig. 77.)
Syn. Pinus Larix americana Pall. flor. Ross. I, p. 2, t. 1, fig. e (1784).
„ dahurica Fisch, in Endl. Conif. p. 128 (1847).
„ kamtschatica Endl. Conif. p. 135 (1847).
Abies Gmelini Rupr, fl. Samoj. n. 269 adnot.
Larix kamtschatica Carr. Conif. 1. ed, p. 279 (1855).
„ amurensis hört.
320 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten.
Im ganzen Amurgebiet der verbreitetste Baum, entweder Waldungen
bildend oder eingestreut in Waldungen wachsend, nach Fr. Schmidt (Reisen
im Amurland und auf der Insel Sachalin) im Dschuk-Tal gemeinsam mit
Picea ajanensis wachsend; auf den sumpfigen Niederungen des Dschuk kommt
eine auffallende Krüppelform vor mit niederliegendem Stamme, wie ähnliche
Zwergformen auch von der europäischen Lärche vorkommen (s. Beschreibung
bei den Formen), auch in Dahurien, sowohl in der Ebene wie auf die Alpen
aufsteigend und hier niederliegende Zwergformen bildend; auf der Insel
Sachalin der Hauptwaldbaum, die baumlosen Tundren sind oft mit un-
geheuren Flächen verkrüppelter Lärchen und Gebüsche von Pinus pumila
Rgl. bestanden.
Nach Dr. Regel mächtige Bäume von mehr als 20 m Höhe und bis
1 m Stammdurchmesser bildend. In der Jugend aufstrebend, regelmäßig-
pyramidal, als älterer Baum im Wuchs einem Laubholzbaum ähnlich, oft mit
mehreren Spitzen mit unregelmäßig gestellten, sparrig abstehenden und über-
hängenden Zweigen. Die die Blattbüschel tragenden Kurztriebe sind eirund
oder länglich-walzig, nur 6 mm lang, Blätter schmal-lineal, 28 — 35 mm lang,
^/2 — ^li mm breit. Zapfen klein, geschlossen länglich-oval,
etwa 20 — 25 mm lang, es kommen auch etwas größere
Zapfen vor, wie mir solche aus Moskau vorliegen; in
reifem Zustande stehen die Zapfenschuppen bis in die
Spitze hinein weit auseinander, was sie sofort von allen
anderen Lärchenarten unterscheidet und die Zapfen kugel-
förmig gestaltet; Zapfenschuppen steif, rundlich-oval bis
gestreckt-eirund, an der Spitze abgerundet oder abge-
Tnvcl NaciTür. Reget stützt, oft auch ausgerandet, gestreift, glänzend hellbraun,
Gartenflora 1871. muschelförmig mit steifem, aufrechtem Rande. Bracteen
lanzettlich oder elliptisch, in eine dünne Spitze ausge-
zogen, ganz eingeschlossen, nur an den unteren Schuppen vorsehend.
Neben der normalen rotzapfigen kommt auch eine grünzapf ige Form,
Larix dahurica chlorocarpa Schröd. (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1898,
p. 23 vor, von der ich Herrn Schröder in Moskau Material verdanke.
Die Dahurische Lärche, welche im Herbst etwas länger grün
bleibt als die europäische Lärche, ist in Deutschland selten echt vertreten,
häufig auch verwechselt mit anderen großzapfigen Arten oder Formen, zumal
mit der sibirischen Lärche; ob sie dereinst außer als botanisch interessanter
Parkbaum auch als Forstbaum, etwa für feuchte Moorgründe sich eignen
wird, müßten Kulturversuche ergeben und sollte zu diesem Zwecke aus ganz
zuverlässiger Quelle aus dem Vaterlande das Saatgut beschafft werden, um
allen unliebsamen Verwechselungen vorzubeugen, die, bei der Ähnlichkeit
der Lärchenarten, meist erst an fruchtbaren Bäumen mit Sicherheit erkannt
werden.
Standorfs-Krüppelformen.
Larix dahurica montaua vel alpina Schröder (in „Wirt oder Herr" 1894,
p. 227 und in Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1894, p. 22).
Herr Schröder sandte mir die Abbildung einer Gruppe von drei
Bäumen im botanischen Garten in Moskau, die etwa hundertjährig, 10—13 m
II. Klasse. Coniferac.
321
Höhe bei 1,30 — 1,60 m Stammumfang haben. Die ziemHch geraden 5 — 6 m
hohen Stämme tragen starke Äste in den malerischsten Drehungen, entweder
ganz schirmförmig, lang nach allen Seiten sich ausbreitend, oder knieförmig
gebogen, schräge aufwärts wachsend und sich dann wieder schirmförmig flach
hinstreckend. Die Zapfen sind kleiner und fast kugelförmig. Es ist dies in
Nordost-Sibirien die gewöhnliche, durchaus nicht kriechende Form auf
dem mehr als 1,60 m tief gefrorenen Boden, der nur im Sommer etwa 1 — 1,30 m
tief auftaut, so daß der Reisende selten einen geraden Baum antrifft.
Larix dahurica ß prostrata Rgl. (in Gartenfl. 1871, p. 105). Kriechende
dahurische Lärche.
Syn. Pinus dahurica Endl. Conif. p. 128 (1847).
Es ist dies die bereits oben angeführte, auf kalten sumpfigen Niederungen
und auf den höchsten dahurischen Alpen vorkommende Zwergform mit nieder-
liegendem Stamm, welche, auf End-
lichers Angabe hin, von der Mehr-
zahl der Autoren fälschlich für
die eigentliche dahurische Lärche
gehalten und diese daher allgemein
als Zwergbaum beschrieben wurde,
während die Sumpf-, Krüppel- oder
Zwergform nach Regel gerade die
seltenere Form ist, dagegen der
typische hohe Baum von Dahurien
bis Ost-Sibirien sich weit ausbreitet.
11. Larix kurilensis Mayr (Abiet.
d. jap. Reiches 1890, p. 66, Taf. V,
15). Kurilenlärche. (Fig. 78.)
Syn. Larix dahurica y japo-
nicaMaxim. (pl. exsicc.
fl. jap. iter sec).
Gui-Matzu; Shikotan-
Matzu der Japaner.
Diese Lärche bildet nach
Maxim owicz im nördlichen Japan
in der Umgegend von Hakcdate
große Bäume mit dichten Kronen.
Die die blattbüscheltragenden Kurz-
triebe sind außerordentlich dick und
stark. Die Blätter sind kürzer und
breiter als bei der Art, 2 cm lang
und 1^/2 mm breit und stumpflich-
gespitzt. Mir vorliegende, von Sap-
poro auf der Insel Eso stammende
Zapfen sind eirund-länglich, 15 — 25 mm lang, die Schuppen sind steif, eirund-
längUch, oben abgerundet, am Rande gekerbt, auf dem Rücken gestreift,
glänzend-hellbraun und spreizen am reifen Zapfen weit auseinander.
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 21
Fig. 78. Larix kurilensis Mayr gleich Larix dahurica
japonica Maxim. Zweig mit reifen Zapfen. Nach
Dr. Regel, Gartenfl. 1871.
322 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Nach Mayr sind die Bäume, die Maximowicz in Hakodate sah, dort
nicht einheimisch, sondern kultiviert, sie wächst auf den Kurilen und zwar
auf der Insel Shikotan als niedriger und auf der japanischen Kurileninsel
Iturupp als hoher, starker Baum. In Fremdl. Wald- und Parkbäume 1906,
p. 301 bildet Mayr einen alten malerischen, vom Sturme zerpeitschten Baum
ab. Er sieht diese Lärche als eigene Art an und nennt sie L. kurilensis,
Kurilenlärche, worin ihm manche nicht zustimmen, ja Kent in Veitch Man.
of the Conif. 1900, p. 390 setzt sie als Syn. der L. dahurica bei. Da diese
Lärche sich jedoch in Kultur, im Wuchs, Bezweigung, üppigen, breiteren
Blättern, wie in den Zapfen merklich von der typischen L. dahurica unter-
scheidet, so nehme ich nunmehr, früherer Anschauung entgegen, Mayrs
Namen an. Nach Mayr ist der üppige ausgereifte Trieb tief blaurot, etwas
bereift und behaart; die Blätter der Kurztriebe sind 2,5 cm lang, gebogen
0,8 cm dick, an den Längstrieben nehmen die Blätter in Länge und Breite
nach oben zu; Zapfen wie schon vorn beschrieben, Bracteen blaurot, am
Grunde spateiförmig in der Mitte eingeschnürt, mit nadeiförmiger Spitze.
Diese schöne Lärche zeigt bei uns ein treffliches Gedeihen, ist sehr
schnellwüchsig, ergrünt von allen Lärchen am frühesten und zeichnet sich
durch unten auffallend kurze, schirmförmig wagerecht abstehende Äste und
Zweige aus. Die stärksten Exemplare stehen in Grafrath bei München und
in Lütetsburg beim Fürsten zu Inn- u. Knyphausen (hier 9 m hoch, etwa
30 jährig). Man vergl. Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1894, p. 22; 1897, p. 47;
1899, p. 30; 1901, p. 54; 1902, p. 87; für forstlichen Anbau, an passenden
Standorten, dürfte diese Lärche wohl ernstlich in Frage kommen.
12. Larix Cajanderi Mayr (Fremdl. Wald- u. Parkb. p. 297 [1906], mit Abbild.).
Cajanders Lärche.
Syn. Larix dahurica Turcz. Act. soc. scient. Fennicae XXXII, p. 3
(1904), nach Cajander.
In Ost-Sibirien von der Mündung des Aldan in die Lena (63 ^ n. Br.)
an nordwärts Mischbestände mit Picea obovata oder Betula odorata bildend;
reine Bestände mit über 20 m Höhe nur auf Böden, welche nicht mehr über-
schwemmt werden; von der Aldanmündung südwärts scheint alles Larix
dahurica zu sein (nach Mayr).
Während Dr. A. K. Cajander diese Lärche mit Larix dahurica gleich,
oder doch als sehr nahe verwandt und nicht spezifisch verschieden hält,
erhebt Mayr sie zu einer besonderen Art und gibt folgende Beschreibung:
Die Blätter hatten Anfang Juni noch nicht ihre normale Größe erreicht;
an zapfentragenden Zweigen verbliebene Blätter hatten die außergewöhnliche
Länge von 4 — 5 cm. Beim Platzen der Knospen erscheint mit den neuen
Blättern ein dichter, weißgelber, lockiger Haarschopf, welche der Larix dahurica
fehlt. Einjährige Triebe hellgelbbraun, mit einzelstehenden Haaren besetzt;
mehrjährige Triebe helUachsf arbig. Zapfen kurz, mit etwa 20 Schuppen, diese
am oberen Rande ausgebuchtet, nicht gekerbt wie bei L. dahurica und L.
kurilensis. Zapfenspindel hellbraun behaart; Zapfenstiel haarlos.
Je nach Auffassung des Artenbegriffes liegt hier wohl nur eine klimatische
Form der weit verbreiteten dahurischen Lärche vor.
I
II. Klasse. Coniferae. 323
13. Larix americana Mchx. (fl. bor. am. II, p. 203 [1813]). Ost-Amerikanische
oder kleinzapfige Lärclie. (Fig. 79.)
Syn. Pinus Larix rubra Marsh. Arb. p. 103 (1785).
„ microcarpa Lamb. Pin. ed. I, t. 37 (1803).
„ intermedia Dur. Harbk. wild. Baumz. II, p. 115, nicht Fisch.
Larix tenuifoHa SaUsb. in Linn. Trans. VIII, p. 313 (1805).
„ microcarpa Bedf. Pin. Wob. p. 139, t. 47 (1839).
„ intermedia Lk. Linn. XV, p. 535 (1841).
„ americana rubra hört.
Abies microcarpa Lindl. et Gord. Journ. hört. soc. V, p. 213
(1850).
Larix Fraseri Curt. ex Gord. Pin. p. 129 (1858).
Pinus pendula Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 409, zum Teil (1868).
Larix laricina Koch. Dendr. II, p. 263, zum Teil (1872).
Tamarack und Hackmatac der Amerikaner.
Meleze d'Amerique der Franzosen.
American or Red Larch (Rotlärche) der Engländer.
In Nord-Amerika von Virginien bis Kanada große Waldungen bildend,
zumal auf frischem Gebirgsboden in Kanada ein mächtiger Baum.
In Europa 1739 eingeführt.
Baum von 25 — 30 m Höhe, mit geradem, schlankem, mit bräunlich-grauer
Rinde bekleidetem Stamme, in der Jugend schmaler, schlanker, später
breiterer Krone und überhängenden Zweigen. Rehder fielen
die auffallend spitzen Kronen in den Wäldern von Wisconsin
auf (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 110). Junge aus-
gereifte Triebe gelbrot, glatt; Knospen rotbraun. Kurztriebe,
welche die Blattbüschel tragen, sehr kurz, fast kugelig. Blätter
in Büscheln von 20 — 40, weich und zart, lineal-fadenförmig-
stumpflich, 20 — 28 mm lang, ^j^ mm breit, hellgrün. Männliche americana
Blüten kugelig, gelblich-weiß. Zäpfchen, die kleinsten aller Mchx.
Lärchen, 1^/2 — 2 cm lang, eirund oder fast kugelig, jung violett-
rot, reif gelbbraun, nach dem Samenausfall mit weit klaffenden Schuppen;
Zapfenschuppen wenige, glatt und glänzend, lederartig, oval bis kreisrund,
ganzrandig eingebogen. Auch an dieser Lärche sind durchwachsene Zapfen
beobachtet worden, d. h. aus der Spitze der Zapfen wuchs, als Verlängerung
der Spindel, ein normaler kleiner Zweig heraus. Samen klein, verkehrt-
eirund-länglich, mit eirund -länglichem, stumpfem, braunem, 5 mm langem
Flügel.
Ein außerordentlich zierlicher, leicht bezweigter und daher sehr zur
Anpflanzung zu empfehlender Parkbaum, welcher im Herbst etwas länger
grün bleibt als die europäische Lärche. Das Holz wird in Nord-Amerika als
sehr schwer, harzig und dauerhaft geschätzt und für Schiffsbau, Erdbauten,
z. B. zu Eisenbahnschwellen, verwendet, übertrifft aber Larix europaea an Güte
nicht. Nach Dr. Mayr wächst L. americana auf ihrer südlichsten Grenze auf
kaltem, sumpfigem Boden mit Balsamtanne, Lebensbaum und Fichte und ist
hier ihr Holz weich, leicht und wenig dauerhaft, hat dafür aber großen Wert
als Schutzbaum.
21*
t
324 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
In deutschen Parkanlagen finden wir recht schöne Bäume von 10 — 15 m
Höhe, die auch keimfähige Samen brachten, und zeigen dieselben ein gutes
Gedeihen. Freistehende Bäume mit leicht überhängenden Zweigen, im
Schmuck zahlreicher kleiner Zäpfchen, nehmen sich reizend aus, sind aber
leider viel zu selten in den Gärten. Ob sich die amerikanische Lärche zum
forstlichen Anbau unter bestimmten Verhältnissen empfiehlt, ob in unseren
Kulturen das Holz an Güte dem der einheimischen Lärche gleichkommt oder
je nach Boden und Standort etwa Vorteile bietet, ob für solchen Anbau das
Gedeihen ein genügend freudiges ist, müssen eingehende Kulturversuche
ergeben.
Schließlich ist noch zu bemerken, daß die amerikanische Lärche
vielfach mit Larix europaea pendula (siehe genaueres daselbst) verwechselt,
oder fälschlich mit derselben zusammengeworfen ist. Marshai nannte zum
Unterschied von letzterer (die er als „Schwarzlärche" bezeichnete) die ameri-
kanische Lärche „Rotlärche", ihrer bräunlich-grauen Rinde wegen.
Schröder in Moskau führt einen mutmaßlichen Bastard: Larix ame-
ricanax dahurica = L. hybrida Schröder an (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch.
1894, p. 22), der aus Samen aus dem botanischen Garten in St. Petersburg
gefallen, wo beide Arten nebeneinander stehen. Die Zapfen, in Form und
Farbe americana näherstehend, haben zahlreichere, glänzende, glatte Schuppen
und sind fast so groß als bei dahurica, 16 — 20 mm lang. Der Baum, unregel-
mäßig von Wuchs, ist kräftiger als americana, zierlicher als dahurica und
recht dekorativ.
Larix americana glauca (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1907, p. 48).
Im botanischen Garten in Stockholm fand ich ein freistehendes Exemplar,
reizend, leichtzweigig, in der Belaubung von stahlblauer Färbung, höchst
dekorativ, so daß eine Vermehrung durch Veredelung und weitere Verbreitung
sehr erwünscht wäre.
Für alle vorstehend beschriebenen Lärchen mit ihren Formen gilt
das bei Larix europaea in betreff der Kulturbedingungen, wie des dekorativen
Wertes Gesagte. Alle Lärchen verlangen, als echte Gebirgsbäume, freie,
luftige Lagen, müssen daher auch landschaftlich ganz frei oder zu lichten
Gruppen vereinigt werden; sie sind am wirkungsvollsten auf Anhöhen und
Abhängen, wo zumal auch die hängenden Formen zur Geltung kommen.
Die Vermehrung geschieht in erster Linie durch Aussaat, da nur so
normale Bäume erzogen werden und für Nutzzwecke von vornherein jede
andere Vermehrungsweise ausgeschlossen ist. Man macht die Aussaaten für
größeren Bedarf in leichten, sandigen Boden in das freie Land und sorgt
dafür, daß sie durch übergelegtes Nadelholzreisig geschützt werden, da die
jungen Pflanzen sonst leicht, von der Stammfäule ergriffen, umfallen. Bei
geringerem Bedarf oder Aussaat von selteneren Arten säet man selbstredend
in Schalen oder Kästen, um die Saaten besser beobachten und pflegen zu
können.
Ungeschlechtliche Vermehrung sollte bei den Arten, von denen
Samen zu erlangen sind, ausgeschlossen sein. Formen, die keine Samen
bringen, oder sich durch diese nicht echt fortpflanzen, werden durch Ver-
edelung auf Larix europaea, auch durch Stecklinge von Zweigspitzen, oder
I
II. Klasse. Coniferae. 325
durch Ableger vermehrt, indem man kräftige junge Pflanzen niederlegt, die
jungen Zweige einschneidet und in nahrhafte Erde niederhakt, durch eine
Moosschicht die Erde stets gleichmäßig feucht hält und so dann meist im
zweiten Jahre bewurzelte Pflanzen erzielt. Die Veredelung auf L. europaea
geschieht durch Pfropfen, Kopulieren oder durch seitliches Einspitzen im
Frühjahr vor dem Austreiben, am besten auf gut bewurzelte Sämlinge auf
den Wurzelhals. Die hängenden Formen vermehrt man auch, indem man
schlanke junge Stämmchen im Kreise um die Mutterpflanze setzt und passende
Zweige ablaktiert. Im allgemeinen scheint Veredelung bei Lärchen weniger
gute Resultate zu geben wie bei anderen Coniferen-Gattungen, oft findet
man krankhafte, krüppelige, schlecht gedeihende Exemplare, die selbst noch
eingehen. Anscheinend tritt keine innige Verwachsung ein, oder eine durch
die Veredelungsstelle herbeigeführte starke Saftstockung hindert ein freudiges
Gedeihen. Es wäre hier also der Fall eines schlechten Gedeihens veredelter
Pflanzen zu verzeichnen gegenüber den merkwürdigen Fällen, wo Veredelungen
besser gedeihen als Sämlinge derselben Art, wie z. B. bei Pinus Lambertiana
und Abies nobilis angeführt wurde.
Langtriebe und vielbläftrige Kurztriebe, Blätter vierkantig, immergrün, Zapfen groß,
Schuppen bleibend, Samen in 2—3 Jahren reifend.
Cedrus Lk. (in Linn. XV., p. 537 [1841]). Ceder.
Blüten einhäusig, männliche endständig an seitlichen kurzen Zweigchen,
zwischen gebüschelten, sternförmig-abstehenden Blättern fast sitzend, von
schuppenförmigen, eng-dachziegeligen Bracteen dicht umgeben. Staubfaden-
säule 3 — 5^/2 cm lang, zylindrisch zwischen Bracteen sitzend. Antheren sehr
zahlreich, zuerst sehr dicht, bald lockerer, spiralig dichtstehend, vielreihig an
einer Achse, fast sitzend, Fächer zwei, länglich-lineal, eng angewachsen, nach
außen der Länge nach aufspringend, durch das Mittelband über die Fächer
hinaus in ein schuppenförmiges, eirundes, eingebogenes, öfter am Rande
gezähneltes Anhängsel verlängert. Weibliche Blüten walzlich, an kurzen
Zweigen zwischen Blättern sitzend. Schuppen deutlich doppelt, spiralig
vielreihig, sehr dicht angedrückt-dachziegelig, fast bis zur Basis gesondert.
Bractee klein, eng verwachsen, eingeschlossen. Samenschuppe schon während
der Blüte viel größer als die Schuppe, an der Spitze gerundet, mit dünnem
Rande. Eichen zwei, nahe der Basis der Samenschuppe, mit dieser zusammen-
hängend und umgewendet. Zapfen 8 — 10 cm lang, eirund mit unveränderten
Bracteen. Schuppen durch die Samenschuppe sehr vergrößert, steif, wenig
verdickt, erhärtet, sehr eng dachziegelig, an der Basis einwärts gebogen,
lange bleibend, mit den reifen Samen erst abfallend. Samen, wie bei der
Kiefer, hinter jeder Schuppe zwei, falsch-flügelfruchtartig. Haut dünn, trocken-
häutig, durchsichtig, breit-schief-eiförmig, von der inneren Lage der Schuppe
getrennt, erst kaum vom Flügel gelöst, eirund-länglich-dreieckig, zusammen-
gedrückt. Schale dünn, krustenartig. In 2 — ^3 Jahren reifend. Kotyle-
donen 8 — 10.
Hohe immergrüne Bäume, Zweigchen aus dachziegelig- schuppigen
Knospen entwickelt, die Langtriebe dünn, entfernt stehende, spiralig ange-
heftete Blätter tragend, die blütentragenden Kurztriebe dick, kurz, an den
326 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten,
Jahrestrieben eine äußere Reihe dachziegeUger Schuppen und eine innere mit
einem dichten, fast zu einem Quirl zusammengedrängten Blätterbündel tragend.
Blätter nadeiförmig, fast vierkantig, steif, nahe der Basis gegliedert, mit
unterhalb der Gliederung nach dem Blätterabfall lange bleibenden, keulenförmig
abstehenden, lang herablaufenden Blattkissen.
1. Cedrus Libani Barr. (Icon. p. 499; Loud. Arb. IV p. 2402, cum icon. [1838]).
Libanonceder. (Fig. 80 u. 81.)
Syn. Pinus Cedrus L. spec. pl. p. 1001 (1753).
Larix Cedrus Mill. Dict. n. p. 3 (1759).
Abies Cedrus Poir. Dict. 6 p. 510 (1804).
Larix patula Salisb. in Linn. Trans. 8 p. 314 (1807).
Kateran Bujus der Türken.
Cedre du Liban der Franzosen.
Cedar of Lebanon der Engländer.
Bewohnt die Gebirge und subalpinen Regionen im südlichen Anatolien,
im cilicischen Taurus, wo sie ausgedehnte Wälder mit Abies cilicica und Juni-
perus foetidissima in einer Höhe von 1300 — 2000 m bildet; im Antitaurus in
2000 m Erhebung, auf dem Libanon oberhalb Eden, wo sich ein Wäldchen
von 400 Bäumen befindet, und auch auf dem Berge Gebel Barak des süd-
lichen Libanon; auf Cypern; in Algier auf dem Berge Tongour mit Cedrus
atlantica gemeinsam wachsend.
In Europa im Jahre 1683 eingeführt.
Baum von 25 — 40 m Höhe, oft von enormem Stammumfang, langsam
von Wuchs, in der Jugend mit breit-pyramidaler, im Alter flacher, breit-
schirmförmiger Krone. Äste sehr stark, horizontal ausgebreitet. Stamm mit
schwarz-grauer, rissiger Rinde bekleidet. Zweige zahlreich, kurz. Blätter an
der Spitze von Kurztrieben zu Bündeln von 30 — 40 gedrängt stehend, 15 bis
35 mm lang, 1 mm breit, gebogen oder gerade, steif, spitz, stumpf-viereckig,
dunkelgrün. Zapfen einzeln, gestielt, aufrecht, eirund oder eirund-länglich, an
der Spitze vertieft, harzüberflossen, braun, 8 — 10 cm lang, 5 — 7 cm breit.
Schuppen zahlreich, dicht-dachziegelig, fast holzig-korkig, aus verschmälertem
Grunde keilförmig, fast viereckig, auf dem Rücken seidenhaarig, runzelig,
oben etwas eingebogen, ganzrandig. Samen eirund-länglich-dreieckig, zusammen-
gedrückt, 15 mm lang, mit 2^/2 cm langem, dünnhäutigem, halbfächerförmigem,
oben gerade abgestutztem, braunem Flügel.
Nach Dr. Brandis in Forest Flora, p. 524 zeigt das Holz der Ceder
vom natürlichen Standort ein deutlich abgegrenztes Kernholz; dieses ist dicht-
faserig, braun und aromatisch, während das von kultivierten Bäumen in
Europa weißlich oder blaßrot, leicht, schwammig, weich und wenig aroma-
tisch ist.
Die Libanonceder ist ein seit den ältesten Zeiten berühmter, herr-
licher, dekorativer Baum und spielte als Spender eines trefflichen Nutzholzes
eine große Rolle; soll doch schon Salomon aus seinem Holze den Tempel zu
Jerusalem, erbaut haben; wie angegeben wird, verwendeten die alten Egypter
das weiße Harz zum Einbalsamieren ihrer Toten.
II. Klasse. Coniferae.
327
Es ist übrigens wohl als sicher anzunehmen, daß die alten Schriftsteller
unter dem Namen „Ceder" verschiedene Bäume verstanden, und daß da
z. B, verschiedene Juniperus-Arten, welche ja bekanntlich ein treffliches, hartes,
aromatisches Nutzholz liefern, mit einbegriffen sein dürften.
328 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten,
II. Klasse. Coniferae.
329
Leider ist die Ceder im allgemeinen für Deutschlands Klima zu empfind-
ich und kann nur für besonders günstige, geschützte Lagen, oder für die
Iwärmsten Gegenden zur Anpflanzung empfohlen werden.
In den Rheinländern, wie in Süddeutschland gedeiht sie noch gut, und
alte schöne Bäume bezeugen, daß sie hier auch harte Winter gut überdauerte;
so steht im botanischen Garten zu Bonn ein Doppelstamm von 20 m Höhe,
welcher am Fuße 1 m im Durchmesser hat und sich dann in zwei Stämme
von je 0,50 m Durchmesser teilt; derselbe ist als kleines Bäumchen etwa um
das Jahr 1820 gepflanzt worden; andere größere und kleinere Bäume finden
sich in der Umgegend, welche oft Zapfen, aber meist nur einen kleinen
Prozentsatz keimfähiger Samen brachten. In Hügel bei Essen an der Ruhr
sind starke Bäume, von deren Samen schon wieder stattlicher junger Nach-
wuchs erzogen wurde. In Heitorf bei Düsseldorf, Besitzung des Herrn
Grafen Spee, finden sich prächtige, ältere, besonders schön entwickelte
Exemplare, die auch eine gesunde Nachkommenschaft lieferten; ein mächtiger,
malerischer Baum mit riesigen über dem Boden sich ausbreitenden Ästen hat
1,45 m Stammdurchmesser; in Weinheim a. d. Bergstraße steht ein ähnlicher
malerisch schöner Baum von 3,30 m Stamm- ^^^^
umfang. Prachtexemplare von 20 m Höhe
sehen wir auf der Insel Mainau im Boden-
see. Alte starke Stämme trifft man im Elsaß
in alten Parkanlagen, nach Kirschleger steht
die schönste, 1750 gepflanzte Ceder im Garten
des Oberst Herve zu Dachstein. Ein 1734
gepflanzter Baum steht in Bollweiler im Garten
von Napoleon Baumann. Sonst gedeiht die
Ceder in Deutschland nur in ausnahmsweise
günstigen Lagen, so z. B. in Ohrberg bei
Hameln an der Weser, hier ein Baum, 1820
gepflanzt, 20 m hoch mit 2 m Stammumfang,
am Main und stellenweise an der Elbe, in
Düsternbrok bei Kiel u. a. Orten.
■•■"'.'r,u,ä«*ilii»,:
Cedrus Libani brevifolia J. D. Hook. (Journ.
Bot. 1880, p. 31). (Fig. 82.)
Auf den Gebirgen der Insel Cypern
zwischen Kyller und Krysokus (nach Baker)
in einer Erhebung von 1300 m wachsend.
Hartmann, in Mitt. d. d. dendr. Ge-
sellsch. 1905, p. 181 bespricht diese Cedern
inmitten des Kickuwaldes und hebt die breiten
Schirmkronen mit dichter blaugrauer Benade-
lung hervor; diese blaugrauen Individuen über-
wiegen. Die ältesten Stämme, auf 100 Jahre
geschätzt, haben bei 12 m Höhe etwa 2 m Stammumfang.
Eine Form mit kürzeren Blättern und kleineren Zapfen. Nach
Hooker ist diese Form wegen der nur unreif vorliegenden Zapfen noch
nicht genügend bekannt, scheint aber Cedrus atlantica sehr nahe zu stehen.
Fig. 82. Cedrus Libani brevifolia J.
ü. Hook. Zapfen vom Berge Troodas
auf Cypern, von Herrn v. St. Paul
eingeführt.
380 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Herrn v. St. Paul ist es gelungen, sich vom Standorte reife Zapfen
zu verschaffen, wie sie Fig. 82 zeigt, welche vom Berge Troodas auf Cypern
(dem alten Olymp) stammen, sie haben eine länglich-eirunde, mehr walzen-
förmige Gestalt, 6^/2 cm Länge, bei 4 cm Breite, und sind an der Spitze
vertieft; aus dieser Vertiefung tritt aber nochmals eine Spitze knopfförmig
hervor.
Jedenfalls steht die Ceder von Cypern der Atlasceder sehr nahe,
auffällig ist die mehr walzenförmige Gestalt der sonst in der Größe fast
gleichen Zapfen.
Sehr zu wünschen wäre es, daß durch eine größere Sameneinfuhr diese
interessante Form der Ceder bald eine recht weite Verbreitung fände, da zu
hoffen steht, daß dieselbe, aus den angeführten Höhenlagen auf Cypern ge-
wonnen, auch in rauheren Lagen sich widerstandsfähiger zeigt, als solche aus
wärmeren Gegenden zu uns eingeführten.
In der Färbung abweichend.
Cedrus Libani glauca Carr. (Conif. 1. ed., p. 284 [1855]).
Syn. Cedrus Libani argentea Ant. et Kotsch. Iter cilic. n. 417.
Eine Form von blaugrüner bis silbergrauer Färbung, welche auf
den verschiedenen Standorten, besonders aber im cilicischen Taurus, unter-
mischt mit der dunkelgrünen Art, vorkommt, und somit auch bei Aussaaten
in Kultur gewonnen wurde. Durch die auffallende Färbung ist sie dekorativ
besonders wertvoll und mit Recht gesucht und geschätzt.
Cedrus Libani viridis Carr. (Conif. 2. ed., p. 373 [1867]).
Eine widerstandsfähige, üppig wachsende Form, welche sich durch
frischgrüne, glänzende Blätter von der dunkelgrünen Art unterscheidet.
Wuchsformen.
Cedrus Libani nana Loud. (Encyclop. of Trees p. 1058 [1838]).
Eine öfter bei Aussaaten gewonnene, runde, buschige, dicht be-
zweigte Zwergform. Man findet in Kultur dichtgeschlossene Kugelformen
von 1^/2 m Durchmesser (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1905, p. 72).
Cedrus Libani nana pyramidata Carr. (Conif. 1. ed., p. 284 [1855]).
Eine gedrungene, kegelförmige Zwergform mit aufstrebenden^
dichtstehenden Zweigen.
Cedrus Libani denudata Carr. (Rev. hört. 1859, p. 103).
Eine Form mit geradem Stamm und ungleich gestellten und entwickelten
Ästen und kurzen, dunkelgrünen Blättern, welche ihres unregelmäßigen
Wuchses und der lückenhaften Beästung wegen eigentümlich, aber nicht
dekorativ genannt werden muß.
Cedrus Libani pendula Knight. (Syn. Conif. p. 42 [1850]).
Eine in England vorkommende Form mit überhängenden Ästen und
ebenfalls abwärts hängenden Zweigen. Man findet in Kultur auch prächtige
blaue Individuen von dieser schönen Trauerform.
II. Klasse. Coniferae. 331
Cedrus Libani stricta Carr. (Rev. hört. 1. c).
Eine Form mit schlankem, geradem Stamm, sehr dichten und auf-
strebenden, kurzen Ästen und glänzend - graugrünen bis silbergrauen
Blättern.
Nach Carriere eine schmale, kegelförmige und so dichte Pflanze
bildend, daß es nicht möglich ist, den Stamm durchzusehen. Ein 25 m
hohes, schönes Exemplar dieser charakteristischen Form steht in Houre bei
Auch in Frankreich.
Cedrus Libani decidua Carr. (Conif. 2. ed., p. 372 [1867]).
Eine buschige, langsam wachsende Pflanze mit zahlreichen, kurzen
Zweigen und im Winter abfallenden Blättern. Eine unschöne, nur
botanisch interessante Form, welche nach Carriere von Seneclauze in
Kultur 1851 gewonnen wurde und gleichsam einen Übergang von der Ceder
zur Lärche bildet, jedenfalls aber den Beweis liefert, daß von Pflanzen mit
immergrünen Blättern solche mit abfallenden Blättern entstehen können und
umgekehrt.
Cedrus Libani hybrida hört.
Syn. Cedrus Libani x atlantica.
Ein durch Kreuzung der Cedrus Libani mit C. atlantica entstandener
Bastard, von welchem nicht mehr nachzuweisen ist, ob er spontan oder in
Kultur entstanden ist. Es ist ein jetzt stattlicher Baum in der Besitzung des
verstorbenen Herrn Giuseppe Gaeta in Moncioni bei Florenz, welcher nach
Mitteilung des Besitzers keine nennenswerten Eigentümlichkeiten aufweist.
In der „Gartenwelt" 1900, p. 221 gibtT. Simon: „Nadelhölzer am Bosporus
und in Kl. Asien" an, auch diesen Bastard beobachtet zu haben. Er nennt
einen solchen von schönem pyramidalem Wuchs, mit vollkommen horizontaler
Beastung, in Färbung und Benadelung der Cedrus Libani ähnlich, an Schnell-
wüchsigkeit der C. atlantica gleich. Eine recht genaue Prüfung müßte hier
nachweisen, ob es sich wirklich um Bastarde oder nur um abweichende
Formen handelt.
2. Cedrus atlantica Manetti. (Cat. hört. Madoet. Suppl. p. 8 [1844]).
Atlasceder. (Fig. 83.)
Syn. Pinus atlantica Endl. Conif. p. 137 (1847).
Abies atlantica Lindl. et Gord. Journ. hört. Soc. V, p. 214 (1850).
Cedrus elegans Knight. Syn. Conif. p. 42 (1850).
„ africana Gord. Pin. p. 39 (1855).
„ argentea Loud. ex Gord. Pin. 1. c. (1855).
„ Libani var. atlantica J. D. Hook, in Nat. Hist. Rev. 1862
und C. Koch Dendr. II, p. 269 (1872).
Pinus Cedrus y atlantica Pari, in D. C. Prod. XVI, 2, p. 408 (1868).
Medad der Araber.
Cedre argente de 1' Atlas der Franzosen.
Mount Atlas or African Cedar der Engländer.
In Nord-Afrika auf dem Atlas bei Tiaret und auf dem Berge Aures in
einer Erhebung von 1000 — 1100 m dichte Wälder bildend, auf dem Pic von
332 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Tongour in Gesellschaft mit Cedrus Libani wachsend; auf den Bergen Babor
und Tababor.
Der Literatur nach im Jahre 1842 in Europa eingeführt. Den in Kultur
befindlichen viel älteren Bäumen nach zu urteilen, muß die Einführung
viel früher stattgefunden haben, wohl bevor Manetti die Atlasceder als
besondere Art unterschied.
Großer, auch im Alter pyramidaler Baum, so daß ein mehr
lockerer, durchsichtiger Kronenbau, gegenüber den viel massigeren,
II. Klasse, Coniferae. 333
breit-schirmförmigen Kronen der Libanonceder, gebildet wird, von 30 — 40 m
Höhe und 1,50 m Stammdurchmesser, mit horizontal abstehenden Ästen,
welcher Cedrus Libani sehr nahe steht und von manchen Autoren nur für
eine Form derselben angesehen wird. Von dieser unterscheidet sie sich durch
den stets pyramidalen Wuchs mit nicht übergebogenem Wipfel,
wie dies bei C. Libani stets der Fall ist, durch kürzere, weniger flach aus-
gebreitete Äste, durch steifere, kürzere, dickere, scharfgespitzte, vierkantige,
meist blaugrüne oder silbergraue Blätter (es kommen jedoch auch Formen
von hell- und dunkelgrüner Färbung vor), durch bedeutend kleinere, längliche,
gestielte, nur 5 — 6 cm lange, 4 cm breite, glänzend-hellbraune, eirunde Zapfen
mit kleineren Schuppen. Weitere Abweichungen von C. Libani sind nicht
zu verzeichnen, nur daß die Atlasceder etwas später im Frühjahr austreibt,
in der Jugend weit rascher wächst und als dekorativere Pflanze mit leichterer,
ausgebreiteter Bezweigung auftritt, sich auch in manchen Gegenden wider-
standsfähiger zeigte, daher mehr zur Anpflanzung empfohlen werden kann.
So besitzt Herr Dr. Bolle auf der Insel Scharfenberg einen stattlichen
Baum, im Park zu Wiesenburg in der Mark stehen schöne Exemplare; im
Seeklima, z. B. auf der Insel Rügen kommt sie noch fort; starke zapfen-
tragende Bäume finden wir zahlreich in den Rheinländern und in ähnlichen
günstigen Lagen oft in Prachtexemplaren.
In der Färbung abweichend.
Cedrus atlantica glauca hört,
wie auch
Cedrus atlantica nivea hört.
„ „ coerulea hört.
„ „ argentea hört.
Es sind dies Formen, bei welchen die blaugrüne, stahlblaue oder
selbst ausgeprägt silbergraue Färbung (argentea) besonders auffallend
hervortritt. Diese Färbungen kommen sowohl bei Bäumen im wilden Zu-
stande, wie auch bei Aussaaten in Kultur vor, und sind solche Exemplare
äußerst dekorativ und geeignet, bedeutende Kontraste in der Landschaft
hervorzubringen. Am Rhein gibt es starke Exemplare dieser herrlichen
Formen; so steht vor der Villa Asta in Bonn ein etwa 10 m hoher Baum,
welcher sich mit breiter, schattender Krone über dem Rasen ausbreitet, zu
Zeiten wie versilbert erscheint und so, reich mit Zapfen beladen, den
schönsten Schmuck der Besitzung ausmacht (s. Fig. 83). Die Samen waren
jedoch meist nicht keimfähig. Der auffallend gedrungene, breite Wuchs
ist hier durch den öfteren Verlust des Wipfels entstanden. Außer vielen
anderen starken Bäumen finden sich z. B. hohe, zapfentragende Exemplare
in Friedrichshof bei Cronberg am Taunus, einst Besitztum J. M. der Kaiserin
Friedrich, in alten Parkanlagen im Elsaß u. a. O.
Cedrus antlantica aurea hört.
Eine schöne Form, welche besonders im jungen Triebe schön goldig
gefärbt ist und im zweiten Jahre sich grün färbt. Sie hat sich auch ziemlich
widerstandsfähig gezeigt.
'-534 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Cedrus atlantica variegata Carr. (Conif. 2. ed., p. 374 [1867]).
Eine unbeständige, buntblättrige Form, bei welcher zumal die jungen
Triebe weißlich-gelbbunt erscheinen, eine Färbung, die nicht von Bestand ist.
Wuchsformen.
Cedrus atlantica pyramidalis Paillet. (Revue hört. 1889, p. 429).
Eine interessante Form mit kurzen, horizontalen Zweigen, die keine
Pyramide (wie man der Bezeichnung nach glauben sollte), sondern eine
schlanke, regelmäßige Säule von geringem Durchmesser bildet und bei
einer Aussaat in Kultur gewonnen wurde.
Cedrus atlantica columnaris Otin. (Revue hört. 1889, p. 476).
Eine der vorigen ähnliche Form, gleich dieser eine schlanke Säule
bildend, jedoch mit längeren, aufstrebenden Ästen, gleichfalls bei einer
Aussaat gewonnen.
Cedrus atlantica fastigiata Carr. (Revue hört. 1890, p. 32, mit Abbild.).
Eine von Lalande j. in Nantes in Kultur gewonnene, dekorative Form
von schlankem, schmalem Wuchs und aufstrebender Bezweigung, welche
bei regelmäßigem, dicht bezweigtem Wuchs sich recht zierlich ausnimmt und
Empfehlung verdient. Ich kenne über 7 m hohe Säulen von besonderer
Schönheit.
Cedrus atlantica glauca pendula (Gartenwelt 1900, p. 221, mit Abbild, und
Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 63, 115, 116).
Eine schöne blaue Trauerform, mit stark abwärtshängender Be-
astung und Bezweigung, von hohem dekorativem Wert, die nach F. Simon:
„Nadelhölzer am Bosporus und Kleinasien" auf ihrem natürlichen Standort
vorkommt, andererseits auch bei Aussaaten gewonnen wurde. Paillet fils
führte davon Prachtexemplare auf der Ausstellung 1900 in Paris vor.
Die Atlasceder ist gleich der Libanonceder höchst dekorativ, zumal
in den auffallenden blaugrünen oder silbergrauen Formen; diese haben sich
auch an verschiedenen Orten etwas widerstandsfähiger gezeigt als die mehr
grüne Form, haben z. B. in Proskau (Oberschlesien) in Schutz noch ziemlich
gut ausgehalten, ein Umstand, der mehrfach auch an anderen Coniferenformen
beobachtet wurde und wohl darauf hinauszuführen wäre, daß der bläuliche
Wachsüberzug das Blatt schützend umgibt und gegen schroffen Witterungs-
wechsel widerstandsfähiger macht.
Die Atlasceder darf, nach den bisherigen Erfahrungen, als die wider-
standsfähigste der drei Cedern angesehen werden, und als die raschwüchsigste
hätte sie in günstigen Lagen, z. B. im Weinbaugebiet, auch als Forstbaum
Wert, da das Holz als ganz vorzüglich gerühmt wird. In Wein he im an der
Bergstraße, in den Forsten des Grafen von Berkheim, finden wir mit
üppigen jungen Beständen ganze Abhänge bekleidet, und zwar herrschen
hier grüne Exemplare vor und blaue treten nur vereinzelt auf. Mit be-
sonderem Interesse wird jeder Baumfreund diese Kulturen, wo auch andere
Exoten in prächtiger Entwickelung vertreten sind, besuchen und studieren.
II. Klasse. Coniferae. 335
Je nach Auffassung des Artenbegriffes ist die Atlasceder als Art oder
als klimatische Form von Cedrus Libani angesehen worden.
Sehen wir die im Wuchs wie in der Färbung, auch selbst in der Größe
der Zapfen abweichenden Formen der Libanonceder an, zumal aber die kurz-
blättrige, kleinzapfige Form derselben, die auf Cypern wächst, zu welcher als
Verbindungsglied, zwischen dem Libanon, Cypern und dem Atlas noch, nach
Dr. Bolle, die von Freund in den Bergen der Cyrenaika (auf der Halbinsel
Barka in Nord- Afrika) gefundenen Cedern kommen, so wären Übergänge ge-
wissermaßen vorhanden.
Nach Ja min in Carr. Conif. 2. ed., p. 376, welcher die beiden Cedern
gemischt auf dem Pic de Tongour wachsen sah, sind dieselben auf den ersten
Blick zu unterscheiden; die Atlasceder war mit völlig reifen Zapfen bedeckt,
die der Libanonceder waren wenig entwickelt und die Blüten zeigten sich
noch auf einigen Zweigen. Der Wuchs der Cedrus atlantica erinnert an den
der Abies pectinata, er ist pyramidal und die Blätter sind silbergrau, während
die der Libanonceder dunkelgrün und die Zweige mehr horizontal gestellt
sind. — Diese Beobachtung vom natüdichen Standorte und das Verhalten
der Atlasceder in unseren Kulturen in Betracht ziehend, was größere Wider-
standsfähigkeit, schnelleren Wuchs und dekorative Unterschiede anlangt,
scheint es für die Praxis doch geratener, die drei Cedern als sehr nahe
stehende Arten scharf zu umgrenzen, als sie als fragliche Formen zusammen
zu werfen.
3. Cedrus Deodara Loud. (Arb. Brit. IV, p. 2428 f., 2283—2286 [1838]).
Deodarceder, Himalayaceder. (Fig. 84.)
Syn. Pinus Deodara Roxb. Fl. Ind. Or. III, p. 651 (1832).
Abies Deodara Lindl. in Penny cyclop. p. 9 (1833).
Cedrus indica de Chambr. Tr. prat. des arb. resin. p. 341 (1845).
„ Libani Barr. var. Deodara Hook. f. Himal. Journ. I, p. 257
and in Nat. Hist. Rev. 1861, II, t. 1—3.
Deodar, Devadaru (Gottesbaum) Nakhtar, Diar, Dewdar im Himalaya
genannt.
Cedre de THimalaya der Franzosen.
Indian Cedar, Deodar der Engländer.
Im Nordwest-Himalaya, auf den Gebirgen Afghanistans und Beludschistans.
Nach Dr. Brandis sind nicht einheimische Wälder von ihr östlich vom 80. ^
oder westlich vom 66. ^ L. bekannt. Im Himalaya kommt sie zwischen 1300 bis
3200 m Erhebung vor, aber steigt auch hinab bis 1100 m und höher hinauf
bis zu 4000 m. Sie wird in Kamaon gewöhnlich nahe an Dörfer und um
Tempel und hier und da in Nepal gepflanzt. Sie wächst gesellig und bildet
ausgedehnte Wälder, entweder allein, oder gemeinsam mit Pinus excelsa und
Picea Morinda, weniger häufig mit Abies Webbiana und Quercus incana,
Qu. dilatata und semecarpifolia; auch Cypresse, Birke, Taxus und Pinus
Gerardiana wachsen gemeinsam mit ihr.
Im Himalaya wächst sie auf Gneis, Granit und kieseligem Tonschiefer
und fehlt auch nicht auf Kalkgestein.
In Europa wurde sie 1822 eingeführt.
QQf) Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten,
f^^-
Fig. 84. Cedrus Deodara Loud.
r
II. Klasse. Coniferae. 337
Großer Baum, der im Vaterlande gegen 50 m Höhe bei 3 m Stamm-
durchmesser erreicht, mit schöner, voller, pyramidaler Krone und zumal in
der Jugend leicht im Bogen überhängenden Ästen und Zweigen, was sich
nach Hooker im Alter mehr verliert, so daß nach dessen Forschungen es
nicht möglich ist, die drei einander so nahe stehenden Cedern nach beständigen
spezifischen Charakteren zu unterscheiden, weshalb er die Atlas-Ceder wie
die Deodar-Ceder als Varietäten zu Cedrus Libani stellt.
Stamm gerade, mit dunkelgrauer Rinde bekleidet. Blätter nach Dr. Brand is
in Nordwest-Indien dunkelgrün, heller grün, öfter blaugrün bei jungen Bäumen;
sie kommt auch im Himalaya an manchen Standorten nur grün, an anderen
nur blaugrün vor. In England hat man in Handelsgärten lange bei Aussaaten
nur die blaugrünen Formen, des höheren Preises wegen, der dafür zu erzielen,
ausgewählt und die grünen schon aus den Saatbeeten entfernt, woher, nach
Dr. Brandis, die Angabe stammt, daß Cedrus Deodara nur blaugrün vor-
komme. Die Blätter sind 8^/2 — 5 cm lang, 1 mm breit und stehen bis zu
dreißig an der Spitze von Kurztrieben gedrängt, sind abstehend oder hängend,
gerade, steif, sturapflich-zugespitzt, viereckig, glänzend. Zapfen 8 — 12 cm
lang, etwa 6 cm breit, auf kurzem Zweige aufrecht, einzeln oder zu zwei,
eirund oder eirund-länglich-stumpf, an der Spitze nicht vertieft; in der
Jugend bläulich bereift, reif rötlich-braun. Schuppen zahlreich, kleiner als bei
C. Libani, dachziegelig, fast holzig, aus verschmälertem Grunde keilförmig,
verkehrt-länglich, auf dem Rücken glatt, nicht seidenhaarig. Samen ver-
kehrt-eirund, am Gründe verschmälert, weißlich, 16 — 17 mm lang, 6 — 7 mm breit
mit verkehrt-eirundem, großem, hellbraunem Flügel.
Nach Dr. Brandis bilden die Cedern in dichten Beständen schlanke,
zylindrische, hoch ausgeästete Stämme. Das Splintholz ist weißlich und nicht
dauerhaft, bei ausgebildeten Bäumen ist es 9 — 11 cm dick, das Kernholz hat
eine schöne hellbraune Farbe, ist duftend und etwas fettig, fest, glattfaserig,
wirft und spaltet sich nicht leicht und ist außerordentlich haltbar. Außerdem
gilt das schon bei Cedrus Libani in betreff des Holzes Angegebene.
In den ersten Lebensjahren langsam wachsend, pflegt sie später sich
schnell zu schönen dekorativen Bäumen zu entwickeln.
Es sind noch im Wuchs wie in der Färbung abweichende, teils recht
dekorative, bei Aussaaten gewonnene Formen zu verzeichnen:
Wuchsformen.
Cedrus Deodara crassifolia hört. (Carr. Man. des PL IV, p. 345, nicht Knight.).
Mit weitstehenden und wenig zahlreichen, kurzen Ästen, die ausgebreitet
und etwas aufwärts gerichtet sind. Zweige dick, steif und kurz. Blätter
weitgestellt, nicht zahlreich, gerade, dick, viel kürzer als bei der Art, kurz
gespitzt. Eine schwachwüchsige , abweichende, sofort durch die starken
Blätter ins Auge fallende Form.
Cedrus Deodara robusta hört. (Carr. Man. des PI. IV, p. 345).
Syn. Cedrus Deodara crassifolia Knight. Syn. Conif. p. 42, nicht hört.
„ „ gigantea hört, ex Knight. 1. c. (1850).
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 22
Q^ß Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Üppige Form mit im Bogen überhängenden Ästen, Zweige stark
und überhängend, dicht mit starken, fast doppelt so langen Blättern als bei
der Art besetzt. Junge Pflanzen bedürfen der schwer überhängenden Zweige
wegen der Stütze, ältere Pflanzen sind aber sehr dekorativ und üppig von
Wuchs, haben sich auch an verschiedenen Orten etwas widerstandsfähiger
als die Art gezeigt.
Cedrus Deodara compacta Carr. (Conif. 2. ed., p. 369 [1867]).
Gedrungen, rundlich von Wuchs, dichte Pyramiden von einigen
Metern Höhe bildend, mit sehr zahlreichen, übergebogenen Ästen und dicht-
stehenden, hängenden Zweigen.
Cedrus Deodara fastigiata Carr. (Conif. 2. ed., p. 368 [1867]).
Eine sehr auffallende Säulenform mit dicken, aufstrebenden, wenig
verzweigten, weitstehenden Ästen. Junge Triebe kurz, ziemlich dick, glatt
und rötlich-grau. Blätter sehr ungleich und weitgestellt, gerade, dicklich, die
einen lang abstehend, die anderen kurz aufwärts gerichtet.
Cedrus Deodara pendula (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 100, 101).
Eine Trauerform, welche künstlich an Stangen empor gezogen, ganz
schlaff am Stamm herabhängende Äste zeigt und so eine ganz schmale
Säule mit schwer überhängendem Wipfel darstellt, die ganz eigenartig in der
Landschaft kontrastiert. Sich selbst überlassen bildet sie auch niedrige, rund-
liche Formen, mit weit über dem Boden sich ausbreitenden und wieder auf-
strebenden Ästen, so daß gleichsam grüne Hügel gebildet werden.
In der Färbung abweichend.
Cedrus Deodara viridis Knight. (Syn. Conif. p. 42 [1850]).
Syn. Cedrus Deodara tenuifolia Gord. Pinet. Suppl. 20 (1862).
Form mit frischgrünen, glänzenden, weit dünneren Blättern als bei
der Art. Nach Carriere ist diese Form sehr empfindlich, erfriert noch in
Paris und entwickelt sich nur in warmen Ländern zu schönen üppigen Pflanzen.
Cedrus Deodara argentea hört.
Eine üppige Form von schnellem, aufstrebendem Wuchs, in der Ent-
wicklung an Cedrus atlantica erinnernd, mit auffallend blauen bis silber-
grauen Blättern.
Cedrus Deodara verticillata glauca hört.
Eine schöne, gedrungene, üppige Form mit um die jungen Langtriebe
quirlförmiger Blattstellung, welche gleichzeitig durch prächtige blaue
Färbung sehr dekorativ und wirkungsvoll ist.
Cedrus Deodara nivea (Gard. Chron. 1899, p. 399, mit Abbild, u. Mitt. d. d.
dendr. Gesellsch. 1899, p. 112).
Eine schöne, beim Grafen Anne sly in Castlewallan gewonnene schöne
auffallende Form, welche sich in ihrer schneeweißen Färbung prächtig
i
II. Klasse. Coniferae, 339
ausnimmt; sie bildet eine breite, buschige Pflanze mit elegant überhängender
Bezweigung.
Cedrus Deodara albo-spicata (Gard. Chron. 1899, p. 399 u. Mitt. d. d. dendr.
Gesellsch. 1899, p. 112).
Eine am gleichen Orte wie vorige gewonnene Form, welche grün aus-
treibt; erst nach dem Ausreifen des Triebes nehmen die Nadeln
eine weiße Färbung an.
Der umgekehrte Fall kommt auch vor (Gard. Chron. 1905, p. 44), wo
C. Page in Dropmoore-England eine schöne Form beschreibt, deren junge
Triebe im Frühling bis Anfang Sommer in einer Länge von 15 — 25 cm
ganz milchweiß erscheinen. Es kommen davon normale Bäume und auch
breite, buschige Exemplare von 4 m Höhe und 18 m Umfang vor, welche
sich im Schmucke ihrer überhängenden weißen Zweigspitzen reizend aus-
nehmen.
Cedrus Deodara aurea hört.
Eine Form mit goldgelben Blättern, welche sehr auffallend ist und,
mit elegant überhängender goldiger Bezweigung, in milden Gegenden in
großen, unbeschädigten Exemplaren, zu Kontrasten sparsam verwendet, sich
prächtig ausnehmen dürfte.
DieDeodar-Cederistfür milde Gegenden eine der schönsten Coniferen,
und hier, ganz frei gestellt, von schlankem, pyramidalem Wuchs, mit leicht bis
zum Boden überhängenden Ästen ein herrlicher Schmuck. — Leider kann
sie nur für die mildesten Lagen Deutschlands, zumal für das südwestliche
Deutschland und die Rheinländer, oder sonst besonders günstige und geschützte
Lagen, zur Anpflanzung empfohlen werden, denn sie ist die empfindlichste
der drei Cedern und erträgt harte Winter in rauheren Lagen nicht, oder ist
doch hier, trotz Winterdecke, selten unbeschädigt und daher ohne Zierwert.
Wenngleich sie selbst in den Rheinländern noch hier und da von Spätfrösten
leidet, so hält sie doch hier noch ohne Decke aus. Wir finden teils prächtige
Exemplare, und auch im Elsaß ist sie als Parkbaum verbreitet.
An den Ufern des Bodensees finden wir 30jährige Bäume 15 m hoch,
auf der Insel Mainau stehen herrliche dekorative Exemplare 23 m hoch, mit
13 m Kronendurchmesser und 2,90 m Stammumfang. An solchen Bäumen ver-
mag man erst die wahre Schönheit zu ermessen.
Im Park zu Wiesenburg in der Mark zeigt sie unter besonders günstigen
Bedingungen, in stattlichen Exemplaren, noch ein treffliches Gedeihen. Im
Forstgarten zu Chorin in der Uckermark ist eine besonders widerstandsfähige
Form in Kultur, welche aus Samen erzogen wurde, der von Dr. Brandis im
Himalaya in hohen, rauhen Lagen, mit besonderer Berücksichtigung für die
Mark Brandenburg, gesammelt wurde. Solche Pflanzen sind es, welche
besondere Beachtung verdienen und die günstigsten Erfolge für die
Zukunft versprechen.
Zeigen sich auch die anderen beiden Cedern im allgemeinen wider-
standsfähiger als die Deodar-Ceder, so gilt doch auch für sie das eben Gesagte.
Die Cedern lieben neben ausreichender Luftfeuchtigkeit einen gleich-
mäßig feuchten, zumal aber durchlässigen Boden, so daß stets für genügen-
den Wasserabzug gesorgt ist. Sie verlangen einen geschützten Standort und
22*
340 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
gedeihen vor allem auf Bergen und Anhöhen, bei seitlichem Schutz, wo das
Holz gehörig ausreifen kann, so daß der junge Trieb, genügend erstarkt, dem
Frost nicht zum Opfer fällt. Weiter hat man dann für gehörige Schutz-
pflanzungen, ohne Überschirmung, gegen scharfe Winde und gegen die plötz-
liche Einwirkung der Sonne im Winter und Frühling Sorge zu tragen.
Die Vermehrung geschieht in erster Linie durch Samen. Die Säm-
linge sind, da sie etwas schwer anwachsen, sorgfältig im Topfe heranzuziehen,
frostfrei zu überwintern, ohne sie aber unnötig zu verzärteln, und werden als
junge, kräftige, gut bewurzelte Topfexemplare an den Platz ausgepflanzt, wo
sie dann auch in der Jugend im Winter noch zu schützen sind. In Ermangelung
von Samen können die Arten und vor allem die Formen durch Einspitzen
oder Anplatten auf Cedrus Libani oder besser auf die widerstandsfähigere,
üppiger aufwachsende C. atlantica Ende Sommer oder im Herbst im Ver-
mehrungshause veredelt, oder auch durch Stecklinge im September, am besten
kurze Triebe, die sich aus dem alten Holze entwickeln, vermehrt werden.
Pinus Linn. (Gen. n. 1077). Kiefer, Föhre.
Blüten einhäusig, männliche an den Spitzen der Zweige oder zu mehreren
an der Basis junger Triebe ährenständig, je eine in den Achseln der Schuppen
fast sitzend und von einigen häutigen, dachziegeligen Schüppchen umgeben.
Staubfadensäule eirund-länglich oder zylindrisch. Antheren vielreihig, dicht
spiraHg auf kurzem Stiele, mit zwei länglichen, angewachsenen, parallelen,
der Länge nach aufspringenden Fächern, durch das Mittelband über die
Fächer hinaus in ein schuppenförmiges, einwärtsgebogenes, hahnenkamm-
artiges oder seltener kurzes gehöckertes Anhängsel verlängert. Weibliche
Kätzchen an den Spitzen der Zweige einzeln oder wenige, oft zurückgekrümmt,
mit wenigen tauben, dachziegeligen Schuppen umgeben, kugelförmig oder
eirund. Doppelte Schuppen mehrreihig spiralig-dachziegelig, mit bis zur
Basis, oder fast bis zur Basis gesonderten Schuppen (laminis). Bractee klein,
häutig, nach der Blüte unverändert. Samenschuppe schon während der Blüte
viel größer als die Bractee, oberwärts ausgebreitet oder dicklich, an der
Spitze rundlich eingedrückt, oder mehr oder weniger zugespitzt. Eichen
zwei, unten an der Basis der Samenschuppe mit derselben zusammenhängend
und abwärts gerichtet. Zapfen eirund-kegelförmig oder länglich mit un-
veränderten, welkenden oder verschwindenden Bracteen. Schuppen aus der
Samenschuppe allein gebildet, enge dachziegelig, holzig, bald an der Spitze
verdickt, durch gegenseitigen Druck quadratische Felder bildend, bald in
eine harte lange Spitze verlängert, oder an der Spitze gerundet und ver-
schmälert, bei der Reife öfter aufspringend, lange bleibend. Samen zu zweien
hinter jeder Schuppe, abwärts gerichtet, scheinbar flügelfruchtartig; der eigent-
liche Samen eirund-zusammengedrückt, vom Flügel oft erst getrennt. Schale
krustenartig, nackt oder seltener an der sehr verschmälerten Spitze durch
einen wahren Flügel gerandet. Kotyledonen zahlreich. Blätter zwei-
gestaltig (dimorph); Erstlingsblätter klein, schuppenförmig, trockenhäutig oder
durchsichtig, verwelkend, spiralig mehrreihig; die zweiten Blätter ansehnlich
in den Achseln der Schüppchen zu 2 — 5 (ausnahmsweise 1 — 7) gehuschelt,
nadeiförmig, länglich oder sehr lang, Blattbüschel am Grunde mit wenigen,
scheidenförmigen, trockenhäutig-durchsichtigen, im ganzen abfallenden Schuppen.
II. Klasse. Coniferae. 341
Zapfen oft sitzend, einzeln oder gebüschelt, aufrecht, horizontal oder herab-
hängend, sehr selten nur 3 cm breit und zuweilen bis über 30 cm lang. Bei
wenigen Arten ist der ausgefallene Samen nackt oder fast nackt mit einer
kleinen, flügeiförmigen oder von der Schuppe nicht lösenden Haut.
Die Einteilung der Gattung Pinus wurde vorn bei Besprechung der
Gattungen nach Mayr-Köhne genau aufgeführt, und dieser Anordnung nach
folgen hier die Beschreibungen der Arten, indem die Verwandten darin
trefflich zusammengebracht werden.
J. Sektion. Haplodcylon Köhne.
Blätter mit einfachem Gefäßbündel im Zentralstrang. Scheiden
ganz abfallend, selten anfangs nur in zurückgerollte Schuppen sich lösend
und erst später bis auf einen kleinen Rest abfallend.
/. Subsektion. Cemhra Pariatore.
Endfläche der Fruchtschuppe nicht gewölbt, mit endständigem Nabel.
Blätter zu 5, ihre Scheiden ganz abfallend. Staubbeutel mit Endknopf, kurzem
Zahn oder unvollständigem Kamm.
1. Gruppe. Strobus Spach., verengert, Mayr.
Zapfen lang, hängend, dünnschuppig. Samen flugfähig, der lange Flügel
den Samen nur auf einer Seite bedeckend und fest mit ihm verwachsen.
Harzgänge der Blätter an der Epidermis.
Junge Triebe kahl, glänzend, grünlich, ältere Rinde glatt, grau, erst später rissig
werdend. Blätter dünn und biegsam. Zapfen lang gestielt.
1. Pinus excelsa Wall. (msc. PI. As. Rar., t. 201 [1832]). Hohe Kiefer,
Tränenkiefer, Himalaya- Weymouthskiefer. (Fig. 85.)
Syn. Pinus Strobus Hamilt. Account of Nepal 83. nee L. nee Thunb.
Chylla Lodd. Cat. 1836, p. 50.
„ Strobus excelsa Loud. Encyclop. of Trees p. 1022; f. 1915
bis 1918 (1842).
„ Strobus argentea hört.
„ „ pendula hört.
„ nepalensis De Chamb. Tr. prat. Arbr. resin., p. 342 (1845).
„ pendula Griff. Journ. of Travels, p. 211, 237 usw. (1847).
„ Dicksoni hört.
Pin pleureur der Franzosen.
Himalayan Pine der Engländer.
Im südlichen und westlichen Himalaya in einer Höhe von 1800 — 4000 m
in Bhootan dichte Wälder bildend, in Nepal von 2300 — 3500 m zum Teil
Wälder bildend, zum Teil mit Pinus longifolia gemischt wachsend, in Kashmir
von 1600 — 3800 m und in Sikkim, wo sie kultiviert wird, in einer Höhe von
2000—3300 m (nach Pariatore). In Afghanistan von 2300—4000 m Erhebung.
Nach Dr. Brand is in Forest Flora wächst Pinus excelsa gesellig, bildet
aber nicht oft reine Wälder von großer Ausdehnung. Gewöhnlich wächst sie ge-
meinsam mit Cedrus Deodora, Abies Pindrow und Picea Morinda und kommt
oft am Saume gemischter Laubholzwälder vor. In höheren Regionen wächst
^42 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Fig. 85. Pinus excelsa Wall, aus den Beständen von Dahs, Reuter & Co. Jüngsfeld.
II. Klasse. Coniferae. 343
sie mit der alpinen Birke (Betula Bhojpattra) und in geringerer Höhe kommt
sie nicht selten mit Pinus longifolia vor, nahe der oberen Baumgrenze.
Im Jahre 1823 in Europa eingeführt.
Großer Baum von 30—50 m Höhe mit pyramidaler Krone und dunkel-
aschgrauer, glatter, später rissiger und in dünnen Stücken sich lösender Rinde,
Äste quirlständig, horizontal und öfter aufwärts gebogen, junge Triebe glänzend-
grünlich. Knospen kurz keulenförmig, mit dünnhäutigen, hellbraunen, ab-
fallenden Schuppen umgeben. Blätter zu fünf, lang, dünn, schlaff, gekielt-
dreieckig, an den Rändern rauh, auf dem Rücken grün, an den Seiten mit
blauweißen Längslinien gezeichnet, stumpfgespitzt, 12 — 15 cm lang, 1 mm
breit. Männliche Blüten in dichten Knäueln von 20 und mehr, zylindrisch-
stumpf, rosenrot. Junge Zapfen aufrecht, gestielt, hellpurpur, reife Zapfen
hellbraun, hängend, zylindrich-stumpf, etwas gebogen, 15—27 cm lang, 5 bis
7 cm breit, meist mit durchsichtigem Harz bedeckt; Zapfenschuppen leder-
artig-holzig, dicht dachziegelig, keilförmig, am Grunde schwärzlich, Schuppen-
schild nur wenig verdickt, konvex, längsstreifig, runzelig, gelbbraun, mit
stumpfem, dunkelbraunem Nabel. Samen eirund, zusammengedrückt, mit
scharfem Rande, braun, 8 — 9 mm lang, 5 — 6 mm breit, mit länglichem, schief
abgenutztem, 15 — 20 mm langem Flügel.
Nach Dr. Brandis reifen die Samen im Herbst des zweiten Jahres, die
samenlosen Zapfen mit weit geöffneten Schuppen bleiben lange an den Zweigen
hängen. Das Splintholz ist weißlich, das Kernholz hellbraun, öfter mit rötlichen
Linien und harzigen Astknoten, dicht, glatt -faserig, weich und leicht zu be-
arbeiten. Was die Dauerhaftigkeit anlangt, so kommt es von den Coniferen
des West-Himalaya gleich nach der Deodar-Ceder, wird Abies und Pinus
longifolia vorgezogen und wird da, wo das Holz der Deodar-Ceder nicht leicht
zu beschaffen ist, viel zu Hausbauten, zu Schindeln, Wasserrinnen und Trögen
und zur Verfertigung anderer hölzerner Geräte verwendet.
Pinus excelsaist unstreitig die schönste und eleganteste Kiefer und kann,
ganz frei gestellt, als prächtiger dekorativer Baum nicht warm genug zur
Anpflanzung empfohlen werden. Von der nahe verwandten Weymouthskiefer
unterscheidet sie sich auch als kleine Pflanze schon durch die langen, schlaff
hängenden Blätter, welche den Pflanzen mit ihrem bläulich -silberartigen
Schimmer einen besonderen Schmuck verleihen. In größeren Exemplaren
sind die Bäume in allen Teilen größer und zumal in milden Lagen im
Schmucke der langen, harzbedeckten Zapfen unvergleichlich schön. Hier
finden wir denn auch Prachtexemplare von 18 bis über 20 m Höhe und 1,10
bis 1,20 m Stammumfang.
Junge Exemplare litten in rauhen Lagen und harten Wintern öfter,
dennoch darf Pinus excelsa, da sie bei einigermaßen geschütztem Stand nor-
male Winter meist gut überdauert, sehr zur Anpflanzung empfohlen werden,
zumal sie nicht wählerisch im Boden ist. Man pflanze sie an geschützte Ab-
hänge, sorge für seitlichen Schutz, zumal auch gegen Besonnung im Winter
und Frühjahr. Noch in Norddeutschland finden wir schöne Exemplare, z. B.
auf der Insel Scharf enberg einen stattlichen, schönen Baum, der auch keim-
fähige Samen brachte, ebenso an vielen anderen Orten. (S. Fig. 85.)
Ob Pinus excelsa in milderen Lagen, neben der sehr nützlichen P.
Strobus, auch als Forstbaum den Anbau verdient, müssen Versuche ergeben.
344 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Wie Willkomm in seiner Forstlichen Flora angibt, möchte dies nach seiner
wie Nördlingers Meinung nicht der Fall sein.
Pinus excelsa zebrina Croux. (Revue bort. 1889, p. 392, cum ic). Zebra-
streifige Tränenkiefer.
Syn. Pinus Strobus excelsa zebrina bort.
Eine in den Baumschulen von Croux bei Sceaux in Frankreich in Kultur
gewonnene eigentümliche Form, die eine schlanke, schmale, regelmäßige Pyra-
mide bildet und bereits über 4 m hoch etwa 12 — 15 Jahre existiert, also um
das Jahr 1874 gewonnen sein muß. Alle Blätter ohne Ausnahme zeigen eine
etwa 1 cm breite ringförmige Zeichnung von rahmweißer Färbung, und zwar
immer 25 mm unterhalb der Blattspitze. Hier und da tritt auch eine gleiche
Zeichnung unten am Blatte auf; diese Zeichnungen stechen eigentümlich gegen
die blaugrüne Blattfärbung ab.
Interessant ist es, daß eine ganz ähnliche, gelbe Blattzeichnung an der
verwandten Pinus Strobus (s. daselbst) bei Herrn Zocher in Haarlem, und
zwar gleich in vier Exemplaren, aufgefunden wurde, nur trägt an diesen
Pflanzen jedes Blatt stets mehrere gelbe Ringzeichnungen.
Pinus excelsa monophylla Carr. (Conif. 2. ed., p. 398 [1867]). Einblättrige
Tränenkiefer.
Eine eigentümliche, nach Carriere ziemlich beständige Form, bei
welcher die fünf Blätter, gleichsam zusammengeklebt, nur ein Blatt bilden.
Diese merkwürdige abnorme Erscheinung bildete sich an einer dreijährigen
Pflanze, welche bis dahin keinerlei Abweichungen gezeigt hatte.
2. Pinus, Peuce Gris. (Spie. Flor, rumel. bithyn. II, p. 349 [1844]).
Rumelische Weymouthskiefer. (Fig. 86.)
Syn. Pinus excelsa var. Peuce Gris.
„ Cembra var. fruticosa Gris, Reis, in Rumelien p. 189 bis
191 (1839).
excelsa Pari, in D. C. Prodr. XVI, 2, p. 405 (1868).
„ excelsa Hook. Journ. Linn. Soc. VIII, p. 145.
Auf dem Peristerigebirge in IVIacedonien von Grisebach entdeckt; an
den Grenzen Montenegros auf dem Kom von Pancic gefunden, weiter am
Perimdagh im Balkan von v. Janka beobachtet, in einer Höhe von 1600 bis
1980 m auftretend. Sie soll in geschlossenen Beständen als niedriger bis
mittelhoher Baum vorkommen und in den höchsten Erhebungen als niedriger
Strauch sich vorfinden. Im Rila Dagh, Bulgarien, sah Graf von Schwerin
120 — 130jährige, 30 m hohe, 1 m Durchmesser haltende, graugrün benadelte
Bergriesen. Sie wurde im Jahre 1864 in Kultur eingeführt. Christ hat die
Pflanze des Balkan, welche dort an Pinus Pumilio grenzende dichte Waldungen
bildet und sich von der macedonischen Pflanze durch kürzere, dünnere Blätter
unterscheidet, var. vermiculata Christ, genannt.
Von manchen Autoren wird die rumelische Weymouthskiefer in
wissenschaftlicher Hinsicht nur als eine in allen Teilen kleinere und ge-
drungenere Form der Pinus excelsa angesehen. Sie bildet Bäume von 10 bis
II. Klasse. Coniferae.
345
)
14 m Höhe, mit verhältnis-
mäßig kurzen, wagerecht
abstehenden oder etwas
aufstrebenden Ästen, wo-
durch eine schmale und
schlanke Figur entsteht;
die Blätter sind nur 8 cm
lang, die Zapfen haben
ebenso nur 8 — 13 cm Länge
und geschlossen 3 — 4 cm
Breite. Zapfenschuppen
sehr breit mit grünlich-
gelbem Schilde.
Eine in unseren Kul-
turen ganz harte, hübsche,
schnellwachsende Kiefer,
die durch gedrängten,
spitz-kegelförmigen,
bis säulenförmigen
Wuchs sofort auffällt, we-
nig Raum einnimmt, daher
auch für kleinere Gärten
verwendbar und ihrer
Widerstandsfähigkeit und
Zierlichkeit halber sehr zur
Anpflanzung zu empfeh-
len ist.
In deutschen Gärten
finden wir schon recht an-
sehnliche, über 12 m hohe
Exemplare dieser inter-
essanten Kiefer, die stets
ihre charakteristische Form
und die angegebenen
Unterschiede von Pinus
excelsa aufweisen; so z. B.
auf der Insel Scharfen-
berg ein Prachtexemplar,
welches wohl mit das
schönste und größte in
Deutschland sein dürfte.
Sie setzt in Kultur ziemlich
reichlich Zapfen an, gibt
auch keimfähige Samen,
so daß erfreulicherweise
schon Sämlinge von Kultur
Fig.
Pinus Peuce Gris. im Park zu Wörlitz bei Dessau.
bäumen vorhanden sind. Auf den ersten Blick hat sie einige Ähnlichkeit
mit P. Cembra, für deren niedere Form sie ja selbst Grisebach anfänglich
346 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
hielt, aber später selbst wieder die Zugehörigkeit zu P. excelsa
Wall, anerkannte, nachdem er sie zuvor noch als besondere Art P. Peuce
beschrieb.
Wir wollen sie hier auch als eine, besonders für die Praxis durchaus
verschiedene Erscheinung als Art festhalten, die räumlich so außerordentlich
weit von der nächsten Verwandten im Himalaya getrennt ist. Ob die
rumelische Kiefer auch forstlich eine Bedeutung für uns erlangen kann,
zumal wenn sie sich gegen die verheerenden Krankheiten der Weymouths-
kiefer widerstandsfähiger zeigen sollte, müßten Kulturversuche ergeben.
Nach Professor Adamovic ist sie raschwüchsig und wäre zum Anbau
für Voralpenwälder zu empfehlen, da das Holz harzreich, dauerhaft und ge-
schätzt ist.
3. Pinus Strobus L. (Sp. pI. II, p. 1001 [1753]). Weymouthskiefer,
Strobe. (Fig. 87 u. 88.)
Syn. White Pine, Pumpkin Pine, SapHng Pine der Amerikaner.
Pin du Lord Weymouth der Franzosen.
Weymouth Pine, White Pine der Engländer und Amerikaner.
Im östlichen Nord-Amerika von Kanada zwischen dem 48. — 50.^ n. Br.
bis zum AUeghanie-Gebirge, in größerer Menge, zumal zwischen dem 48.
und 47.^, vorkommend, auf fettem, sandigem, feuchtem, ja sumpfigem Boden,
meist auf niederen Standorten, aber zwischen dem 43. und 44.^ n. Br. auch
auf trockenem Kies oder Geröll wachsend.
Im Jahre 1705 in Europa eingeführt. Nach Dr. Bolle (s. Gartenflora 1890,
p. 435) vorübergehend schon in Paris Mitte des 16. Jahrhunderts eingeführt.
Großer Baum von 40 — 50 m Höhe und 1,50 m Durchmesser, mit in der
Jugend schlank-pyramidaler, im Alter breiter Krone mit horizontal abstehenden
Ästen, Stamm gerade, lange mit glatter, glänzender, graugrüner, später mit
runzeliger, längsrissiger, dunkler Rinde. Junge Triebe mit glatter, glänzender
grünlicher Rinde, Knospen eirund-spitz, bedeckt mit rotgelben Schuppen und
mit Harz überflössen. Blätter zu fünf, sehr dünn, gerade, gekielt-dreieckig,
am Rande fein gesägt, stumpf-gespitzt, auf dem Rücken grün, an den Seiten
mit blauweißen Linien gezeichnet, 6 — 10 cm lang, in langen, gelbroten, bald
abfallenden Scheiden, männliche Blüten in elliptischen Ähren gelb, purpurn
angehaucht. Zapfen zu eins bis drei, länglich zylindrisch-spitz, kurz gestielt,
gebogen, unreif erst grün, bis zum Herbst dunkelviolett, im Herbst des zweiten
Jahres reifend und dann braun, 10 — 15 cm lang, 4 cm breit; die entleerten
Zapfen bleiben noch lange mit klaffenden Schuppen am Baume hängen.
Zapfenschuppen dünn, lederartig, keilförmig, braun, Schuppenschild gelbgrau,
wenig vortretend, in der Mitte gefurcht, mit stumpfem Nabel. Samen klein,
eirund, braun, 5 — 6 mm lang, 4 mm breit, mit 18 — 20 mm langem, länglichem,
stumpf-abgestutztem, braunem, gestreiftem Flügel.
Die Weymouthskiefer ist ein schöner, beliebter, allgemein verbreiteter
und eingebürgerter Baum. In England war es Lord Weymouth, der ihn zu-
erst anzog und in größerem Maßstabe anbaute (daher der Name), von da ver-
breitete sich derselbe bald und ist in Deutschland in alten, schönen Exemplaren
zahlreich vertreten. Bäume von 25, selbst bis zu 40 m Höhe bei 1 m und mehr
II. Klasse. Coniferae.
347
Stamm durchmesser sind keine Seltenheit. Jung schnell und schlank, bei regel-
mäßig quirlförmiger Aststellung, emporwachsend, behält er seine Äste bis
Fig. 87. Firnis Strobus L., im Schönhauser Sehloßgarten hei Berlin.
zum Boden bei freiem Stand und ist eine äußerst zierliche Erscheinung mit
dem glänzend -grünen Stamm, den feinen Blättern (welche bei Regenwetter
348 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
zusammenkleben, was den meisten zur Sektion Strobus gehörigen Kiefern
eigen ist) und später mit Zapfen behangen. Ältere Bäume behalten meist
lange die spitze Krone; geht die Spitze durch Sturm oder Schneedruck ver-
Fig. 88. Pinus Strobus L. l aufgesprungener Zapfen; 2 geschlossener Zapfen; 3 Zapfenschuppe:
4 Samen; 5 Blätterbüschel; 6 Blattquerschnitt, vergr.
leren, so bilden sich Nebenwipfel, und sie nehmen dann eine mehr schirm-
förmige, der Libanonceder ähnliche Kronenform an und treten uns oft als
äußerst malerische alte Bäume entgegen. Die Farbe der Blätter pflegt an
alten Bäumen eine dunklere zu werden, wogegen dann die zahlreichen braunen
Zapfen sich auffällig abheben. Eine gute Eigenschaft ist, daß Pinus Strobus
II. Klasse, Coniferae. 349
sich in der Nähe der Städte gegen Rauch und schädhche Ausdünstungen
ziemUch unempfindHch zeigt. Man kann vorzügHche hohe, dichte Schutz-
hecken von derselben erziehen.
Außer als schätzbarer Parkbaum ist die Weymouthskiefer auch als
Forstbaum schon lange angebaut, wovon alte, in verschiedenen Gegenden
vorhandene, z. B. zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel, im Lechlumer
Holz, 125jährige starke, schlanke, hohe Stämme von etwa 25 m Höhe bei
0,75 m Durchmesser Zeugnis geben. In Zerbst in Anhalt, im Friedrichsholz,
steht ein prächtiger, etwa 130jähriger Bestand von Pinus Strobus mit Tsuga
canadensis. Riesige Bäume stehen im Tiergarten zu Cleve. In Falkenberg
in Oberschlesien, Besitz des Grafen Praschma, finden sich die ältesten
Exemplare Schlesiens, Bäume bis 3,40 m Stammumfang, dazu durch natürhche
Ansamung alle Altersklassen (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1903, p. 19). Solche
natürhche Wiederverjüngung bildet Mayr in Fremdl. Wald- und Parkb. 1906,
p. 381 aus dem Forstamte Trippstadt (Rheinpfalz) ab. Nach der Forst- und
Jagdzeitung 1892, p. 143 haben zu Oberkammbach Weymouthskiefern in einem
52jährigen Buchenbestande 24 — 27 m Höhe erreicht. Ihre Kronenbildung
beginnt bei 17—20 m und der Durchmesser in Brusthöhe schwankt zwischen
42-75 cm, während die Buchen 15—20 m Höhe und 18 — 25 cm Durchmesser
aufweisen. Wenn die Buchen auch zum Teil von der Weymouthskiefer unter-
drückt werden, erhalten sie bei der dünnen Benadelung und sparrigen Be-
astung doch noch hinreichend Luft und Licht, um ihre Belaubung erhalten
und erneuern zu können, solange die Weymouthskiefern einzeln stehen. Sonst
kann man in den verschiedensten Gegenden Deutschlands Bestände aller
Altersklassen finden. Leider ist sie in Kultur bösen Krankheiten unterworfen,
von denen Wurzelkrebs und Blasenrost die schlimmsten sind, auf deren
Bekämpfung man gleich beim Erscheinen sofort Bedacht nehmen muß.
Die Weymouthskiefer liebt vor allem einen tiefgründigen, feuchten,
lehmhaltigen Boden, gedeiht zumal im Sumpfboden üppig und ist hier außer-
ordenthch schnellwüchsig, liefert Holzerträge, wie kaum eine andere Kiefer
und trägt auch zur Trockenlegung sumpfiger Gegenden bei, sie gedeiht im
Sandboden, wenn er genügend Grundfeuchtigkeit besitzt, noch trefflich, ja
kommt noch auf trockenem Boden fort, ist hier aber von kürzerer Lebens-
dauer. Gegen die härtesten Winter zeigt sie sich ganz unempfindlich.
Das Holz ist weiß oder gelblich-weiß, nach Dr. Mayr sehr harzreich
(nicht harzarm, wie Engelmann u. a. angeben), weich und leicht, aber sehr
wertvoll und sehr haltbar, astfrei, leicht zu bearbeiten, es reißt nicht in der
Luft, wirft sich nicht, schwindet nicht, ist gleich dauerhaft im Wasser wie in
der Erde, wo es nach Schochs Angaben länger als Eiche dauern soll und
wird vom Wurm nicht angegriffen. Von in Wörlitz gefällten Bäumen bewährte
sich das Holz, der genannten trefflichen Eigenschaften wegen, besonders zu
Deckläden. In Nord-Amerika wird das Holz zu Bauten und zur Verfertigung
allerlei Hausgeräts, zu Brettern, Latten, besonders aber zu Kisten, zur Streich-
hölzer-Fabrikation und zu Schindeln verwendet, und soll von Kanada viel
exportiert werden.
Dr. Mayr warnt davor, zu hohe Anforderungen bei der deutschen
Forstkultur an die Weymouthskiefer zu stellen, denn die gehegten Hoffnungen
bezüglich der Brennkraft, Festigkeit und Schwere des Holzes können sich
Q50 Zweiter Teil, Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
nicht erfüllen, weil das Holz diese Eigenschaften auch in der Heimat nicht
besitzt, sondern die Bezeichnung „vorzügliches Holz" sich auf seine Leichtig-
keit und seine leichte Bearbeitungsfähigkeit bezieht.
In Kultur sind verschiedene Formen gewonnen.
Wuchsformen.
Pinus Strobus nana hört. (Carr. Conif. 1. ed., p. 302 [1855]). Zwerg-
Weymouthskiefer.
Syn. Pinus Strobus pygmaea hört.
„ Strobus brevifolia Loud. Encyclop. of Trees p. 1018 (1842).
„ Strobus compressa Booth ex Knight. Syn. Conif. p. 34 (1850).
Eine buschige rundliche Zwergform mit etwas kürzeren Blättern und
dichter Bezweigung, die sich, ohne krüppelhaft zu erscheinen, als Kugelform
frei gestellt, zu Vorpflanzungen recht gut ausnimmt. Ich kenne schöne, tadel-
lose, bis 1 m Durchmesser zeigende Exemplare.
Pinus Strobus umbraculifera hört. (Carr. Conif. 1. ed., p. 304 [1855]).
Syn. Pinus tabuliformis hört.
Kleiner, buschiger, dicht bezweigter Strauch mit ungleichen, kürzeren
Blättern, dessen Zweige sich seitlich ausbreiten, daher die Bezeichnungen
schirm- oder tischförmig. Alte Exemplare breiten sich ganz flach aus.
Pinus Strobus pumila hört.
Syn. Pinus Strobus minima hört
Eine zwergig-buschige Form, eine Kugel bildend, mit ziemlich
langen, silbergrauen Blättern.
Pinus Strobus prostrata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 107 und 1903,
p. 27).
Eine eigentümliche kriechende Form. Der Stamm ist gleich über dem
Boden geknickt, knieholzförmig gebogen, ohne sich zu erheben, so daß die
Äste sich ganz horizontal über dem Boden nach allen Seiten ausbreiten.
Bezweigung und Benadelung sind normal.
Herr Rehder in Jamaica Piain Maß. U. S. A. fand diese Kriechform
dort, und ich fand später in Kultur im Friesschen Garten in Langensalza ein
Exemplar unbekannter Herkunft, das also jedenfalls als eigentümlicher Sämling
in einer Baumschule entstanden sein dürfte.
Pinus Strobus fastigiata hört. Säulen-Weymouthskiefer.
Syn. Pinus Strobus pyramidalis hört.
Eine Form mit lang aufstrebenden Ästen, von spitz-kegelförmiger
bis säulenförmiger Gestalt.
Pinus Strobus pendula (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1893, p. 29).
Eine hübsche Trauerform, die als eigentümlicher Sämling im Schloß-
garten in Benrath bei Düsseldorf entstand. Es ist ein rundliches, etwa 2 m
II. Klasse. Coniferae. 351
hohes Exemplar, dessen Beastung im starken Bogen abwärts hängt, so daß
sie den Boden berührt. Eine interessante Erscheinung.
Pinus Strobus monophylla tortuosa von Tubeuf (Forstl.-wissensch. Zeitschr.
1898, VII, Heft 1, p. 34).
Eine Form von Oberförster Schreiber in Blankenburg am Harz ge-
funden, wo die fünf Nadeln zu einer verwachsen sind, wie dies auch bei
Pinus excela beobachtet wurde. Es kommen alle Übergänge der Verwachsung
vor, dazu lösen sich die Nadeln öfter an den Spitzen auf und zeigen ganz
eigenartige monströse, spiralige Drehungen.
In der Färbung abweichend.
Pinus Strobus viridis Carr. (Conif. 2. ed., p. 400 [1867]).
Eine Form mit verhältnismäßig kurzen, dünnen Ästen und völlig
grünen Blättern.
Pinus Strobus gracilis viridis hört.
Eine Form mit zierlichen, dünnen, freudig-hellgrünen Blättern
und daher sehr abweichend.
Pinus Strobus nivea Carr. (Conif. 2. ed., p. 400 [1867]).
Syn. Pinus Strobus alba Loud. Encyclop. of Trees p. 1018 (1842).
„ „ argentea bort.
„ nivea Booth ex Knight. Syn. Conif. p. 34 (1850).
Form mit ausgebreiteten, oft übergebogenen, manchmal etwas aufstrebenden
und dann starken Ästen, daher niedrig und unregelmäßig von Wuchs. Die
Blätter sind dünn, öfter gedreht, und die blauweißen Längslinien treten so
stark hervor, daß die Blätter oft silberweiß erscheinen.
Pinus Strobus aurea hört. (Carr. Conif. 2. ed., p. 400 [1867]).
Bei dieser Form sind die Blätter, zumal die der jungen Triebe,
goldgelb, und selbst die Rinde der jüngeren Zweige zeigt sich gelb gestreift.
Sie zeigt eine recht beständige goldige Färbung und ist zu starken Kontrasten
geeignet.
Pinus Strobus glauca (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1893, p. 29 und 1904, p. 17).
Eine öfter bei Aussaaten gewonnene schöne blaue Form, die bei
voller Bezweigung mit der zierlichen blauen Benadelung sich reizend aus-
nimmt und daher, zumal für rauhe Lagen, besonders wertvoll wird.
Pinus Strobus variegata hört. (Carr. Conif, 2. ed., p. 400 [1867]).
Form mit teils gelbbunten, teils grünen Blättern, welche sich wenig
beständig zeigt.
Pinus Strobus zebrina Zocher.
Eine eigentümliche bunte Form, bei welcher jedes Blatt mit mehreren
gelben Ringen gezeichnet ist, in der Baumschule des Herrn Zocher in
Haarlem entstanden in Kultur gleichzeitig vier solcher Pflanzen, die ein ganz
QRO Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
eigenartiges Aussehen haben, zumal im Sommer, wo die Zeichnung scharf
und gleichmäßig hervortritt (s. ähnliche Zeichnung bei Pinus excelsa).
Alle genannten Formen sind durch Veredelung auf die Art fortzupflanzen.
Die Zwergformen, oft mehr eigentümlich als schön, können ihren Platz vor
höheren Coniferen-Pflanzungen, an Abhängen und zwischen Felsen finden.
Die Säulen- und Trauerform sind auffallend zu Kontrasten in der Landschaft
geeignet. Die blaue und goldige Form sind schön, die silberweißblättrige ist
wirkungsvoll, aber leider schlecht von Wuchs, während die buntblättrigen
teils als unschön keine Beachtung verdienen, oder als eigentümlich nur in
der Nähe betrachtet interessant sind.
Junge Triebe schokoladenbraun oder braunhaarig; Blätter derber und steifer.
4. Pinus monticola Dougl. (in Lamberts Gen. Pin. III, t. 87, [18371).
West-Amerikanische Weymouthskiefer.
Syn. Pinus Strobus monticola Nutt. Sylv. North, amer. II, p. 177 (1849).
„ porphyrocarpa Murr, in Law. Pin. Brit. I, p. 83 c. ic. (Nach
Kent in Veitch, Man. 1900, p. 349 der ausnahmsweise purpur-
roten jungen Zapfen wegen so benannt, welche nur an einem
in Schottland kultivierten Baum beobachtet wurden.)
Nach Engelmann in Kalifornien in der höheren Sierra Nevada von
2300 — 3300 m von der Kalaveras-Gruppe und dem Mount Raymond nord-
wärts; gemein in der Shasta-Region und dem Trinity-Gebirge und sich bis
Oregon und dem Washington-Territorium ausbreitend, außerdem in Kolumbien
vorkommend.
Diese Kiefer ist der westliche Vertreter der nordöstlichen Weymouths-
kiefer, von welcher sie sich durch die größeren Zapfen und steiferen und
viel weniger gesägten Blätter unterscheidet. In letzteren sind fast der ganzen
Epidermis Hypodermzellen (die aber nicht die Harzgänge umgeben) unter-
gelagert, während diese den weicheren Blättern von Pinus Strobus fehlen.
Das Holz soll weich und weiß, feinfaserig, zähe und haltbar sein, wie bei der
Weymouthskiefer.
Sie wurde im Jahre 1831 in Europa von David Douglas eingeführt.
Baum schlank von Wuchs, von 20 — 25 m Höhe und zuweilen bis 1 m
Stammdurchmesser, nach Dr. Mayr selbst 46 m Höhe bei 1,5 m Durchmesser
erreichend, mit ziemlich glatter, blasser, in quadratförmigen Platten spaltender
Rinde. Äste quirlständig abstehend, mit den Spitzen aufgerichtet. Junger
Trieb braun behaart. Blätter zu fünf, ziemlich steif, gerade, dreieckig, am
Rande mit sehr kleinen und entfernt stehenden Zähnen, stumpf gespitzt, grün,
an den Seiten mit blauweißen Längslinien gezeichnet, meist 5^/2, hier und da
bis 10 cm lang, männliche Blüten in dichten Knäueln von 20 — 30, zylindrisch-
stumpf, blaßgelb. Zapfen zu zwei bis fünf, quirlständig, kurz gestielt, hängend,
zylindrisch schlank, etwas gekrümmt, jung hellgrün oder purpur, reif gelblich-
braun, 14 — 20 cm lang, 3 — 5 cm breit. Zapfenschuppen fast lederartig, keil-
förmig, angedrückt, an - der Spitze abstehend; die untersten kleiner, stark
zurückgebogen, Schuppenschild kaum vortretend, auf dem Rücken konvex mit
einem Längskiel und scharfem Rande, hellbraun, Nabel zusammengedrückt-
vierseitig spitz, dunkelbraun mit hellem Harz überflössen. Samen blaß
IL Klasse. Coniferae. 353
braun, eirund, 6 mm lang, 3^/2 mm breit mit braunem, 20 — 23 mm langem
Flügel.
Eine zierliche, schlank und schnellwachsende Weymouthskiefer, welche
in dekorativer Hinsicht den vorstehenden Arten gleichwertig ist, bei freiem
Stand aber, pyramidal von Wuchs, und als junge Pflanze weit dichter
verzweigt als die weitästige Pinus Strobus und daher noch dekorativer wie diese
genannt werden muß; sie ist bereits in schönen, stattlichen zapfentragenden
Bäumen in Deutschland vertreten und zeigte sich durchaus frosthart. Sie
liebt genügend feuchte, luftige, freie Lagen, zumal Anhöhen und Gebirge,
ihrem natürlichen Vorkommen entsprechend. Leider hat auch sie von den
genannten bösen Krankheiten der Weymouthskiefern zu leiden.
5. Pinus Lambertiana DoiigL (in Linn. trans. 15, p. 500 [1828]). Riesen-
oder Zuckerkiefer.
Syn. Sugar-Pine der Kalifornier und der Engländer.
Pin gigantesque der Franzosen.
Im westlichen Nord-Amerika vom Felsengebirge bis zum großen Ozean
und vom Kolumbia-Flusse bis nach Mexiko. Nach Engelmann durch ganz
Kalifornien und nordwärts bis zum Kolumbia-Flusse, an beiden Abhängen der
Sierra Nevada in einer Höhe von 1000—1300 oder zuweilen 2300—2500 m
einen Waldgürtel mit Pinus ponderosa und Abies concolor bildend, im Küsten-
gebirge nur an den höchsten Punkten von den Santa-Lucia-Bergen bis Hum-
boldt-County.
Die Blätter sind derber als bei ihren Verwandten, mit einer Lage von
Hypoderm-Zellen unter der ganzen Epidermis und um die Harzgänge. Das
leichte, trefflich zu verarbeitende Holz gleicht dem der Weymouthskiefer, wird
ähnlich benutzt und in Nord-Amerika hoch geschätzt. Die Ausschwitzung
angebrannter Bäume verliert ihre harzigen Eigenschaften und bekommt einen
süßen Geschmack, ähnlich dem von Zucker und Manna, an deren Stelle sie
zuweilen benutzt und auch als Mittel gegen Husten gelobt wird, daher der
Name Zuckerkiefer (Sugar-Pine). Jedenfalls ist es ein sehr wertvoller Nutz-
baum in der Heimat.
In Europa 1827 von David Douglas eingeführt.
Ein mächtiger Baum, die riesigste aller Kiefern, 50 bis gegen 100 m
Höhe und 3 — 6 m Stammdurchmesser (nach Engel mann) erreichend, mit
hellbrauner, glatter, in kleine Abschnitte zerspaltender Rinde. Stamm tadellos
gerade, hoch sich ausästend. Äste quirlständig, horizontal, etwas überhängend,
eine eirunde Krone bildend. Junge Triebe schokoladenfarbig, Blätter zu fünf,
steif, scharf dreieckig, an den Rändern schärflich, scharf gespitzt, frischgrün
mit bläulichen Längslinien, die besonders in der Jugend hervortreten, 9 bis
11 cm lang. Männliche Blüten, in ziemlich dichten, zylindrischen Ähren, hell-
gelbbraun. Zapfen an 9 cm langen Stielen hängend, zyHndrisch, hellgelbrot,
nach Engelmann 30 — 50 cm lang, 8 — 11 cm dick. Nach Dr. Mayr sind die
Zapfen im südlichen Oregon (dem nördlichsten Vorkommen der Kiefer) be-
deutend kleiner, die größten messen 34, die kleinsten 26 cm ohne Stiel.
Zapfenschuppen lederartig, keilförmig, angedrückt; Schuppenschild leicht ver-
dickt, auf dem Rücken konvex, glatt, mit scharfem Rande und breitem, sehr
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 23
854 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten,
stumpfem Nabel. Samen groß, glatt, schwarz, eirund-länglich, 15 mm lang,
9 — 10 mm breit mit nicht ganz doppelt so langem, braunem, länglichem,
stumpfem Flügel, eßbar, süß von Geschmack und von den Bewohnern gesucht.
Kotyledonen 13 — 15.
Die Zuckerkiefer liebt besonders einen lockeren, sandigen, frischen
Lehmboden. Leider kann ihr Gedeihen bisher in Deutschland gerade nicht
als ein freudiges bezeichnet werden, denn sie wächst sehr langsam, was
allerdings, zumal in der Jugend, auch im Vaterlande der Fall sein soll,
während sie dort erst als größerer Baum ein schnelleres Wachstum zeigt;
Dr. Mayr nennt sie langsamwüchsig durch ihr ganzes Leben. Dies ist auch
wohl der Grund, warum der forstliche Anbau, zu welchem die Zuckerkiefer
öfter empfohlen und auch herangezogen ist, bisher leider abfällig beurteilt
wurde. Hier und da findet man in Kultur gesunde, gut gedeihende, stattliche
Bäume, ich kenne solche in verschiedenen Gegenden. Es scheint, wenn sie
die erste Jugend überschritten und sonst gute Bedingungen findet, daß sie
dann flott voran wächst und normal sich entwickelt.
Da die Zuckerkiefer sich in verschiedenen Gegenden widerstands-
fähig zeigte, so sollte man nichts unversucht lassen, sie in Kultur weiter zu
prüfen, denn als Zierbaum müßte sie in größeren Exemplaren, mit den langen
Zapfen behangen, ein auserlesener Schmuck für unsere Parkanlagen werden.
Dr. Mayr rät auch dazu, sie, ihrer guten Eigenschaften halber, für passende,
den Weymouthskiefern günstige Lagen weiter zu erproben, um vielleicht doch
noch dereinst im großen forstlichen Betriebe Nutzen davon zu ziehen. Aller-
dings sind die bisherigen Erfahrungen wenig ermutigend, und dennoch geht
auch hier probieren über studieren, und es werden vielleicht doch noch die
günstigen Bedingungen für diesen so wertvollen Baum auch bei uns gefunden.
Pinus Lambertiana gehört zu den Coniferen, welche, wie auch
Carriere betont, sich als Sämlinge schwach und langsam entwickeln und
schwer aufzuziehen sind, während sie veredelt freudiger und kräftiger gedeihen;
wir finden in der Tat auch häufig veredelte Exemplare in den Gärten, und
zwar veredelt man dieselbe auf die harte, verwandte P. Strobus. Natürlich
kommt diese Vermehrung nur für Zierbäume in Betracht.
Bläffer dünn und schlaff.
6. Pinus Ayacahuite Ehrenb. (ex SchlecAnd. in Linn. XII, p. 492 [1838]).
Mexikanische Weymouthskiefer.
Syn. Tablas, Ayacahuite der Mexikaner.
Von Roezl 1836 eingeführt.
Es ist die gemeine White Pine in Mexiko, zwischen den 16. — 18.^ n. Br.,
zumal in den Provinzen Chiapas und Oaxaca und südlich bis nach Guatemala,
immer in beträchtlicher Höhe bis 2500 m, in den Gebirgen Nord-Mexikos aus-
gedehnte Wälder bildend und das wertvollste Nutzholz liefernd.
Hoher Baum von 30 m und 1 — 1,30 m Stammdurchmesser, in der Tracht
sehr der Pinus excelsa ähnelnd, mit hellgrauer oder aschgrauer, glatter Rinde,
junge Triebe rostbraun behaart. Blätter zu fünf, dreikantig, schlaff, dünn,
überhängend, an den Rändern gesägt, 12 — 15 cm lang, durch die Spaltöffnungs-
reihen silberig schimmernd, mit 3 cm langen, abfallenden Blattscheiden.
I
11. Klasse. Coniferae. 355
Zapfen einzeln oder zu zwei oder drei, zylindriscti, hängend, gebogen, nach
der Basis zusammengezogen, 18 — 20, ja oft bis 30 cm lang, 5 — 6 cm breit.
Schuppen breit, elliptisch-länglich, schwammig, auf dem Rücken gerillt,
Apophyse in der Mitte etwas verdickt, mit verdünnten Rändern und um-
gebogener Spitze. Samen eirund zusammengedrückt, braun, öfter dunkler
gestreift, mit 25 mm langem, schief abgestutztem Flügel.
In Frankreich hält diese hoch elegante schöne Kiefer nach Carriere
unter günstigen Bedingungen aus. Kent in Veitch, Man. 1900, p. 312 bildet
die schönsten Exemplare in Westonbirt in Gloucestershire ab, nennt noch
andere schöne Exemplare und empfiehlt ihre Anpflanzung für geschützte Stand-
orte. Nach Peter Smith, früher in Bergedorf, hatten Exemplare dort gut
durchwintert (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1896, p. 58). Sehr wünschenswert
wäre Einführung zuverlässig echten Saatgutes aus den Hochgebirgen Nord-
Mexikos für uns. Es wäre alsdann zu hoffen, diese prächtige Kiefer, wenn
auch nur für besonders geschützte Lagen und günstige Verhältnisse bei uns
einzubürgern.
Samen länger als ihre Flügel.
7. Pinus strobiformis Engelin. (in Bot. Append. p. 102, to Wislizenus „Tour
in North Mexiko"). Hakenkiefer, White Pine.
Syn. Pinus reflexa Engelm. in Bot. Gaz. VII, p. 4.
„ flexilis var. reflexa Engelm. in Rothroks Rep. Bot. Exp.
Wheeler.
Von Dr. Wislizenus in Chihuahua in Nord-Mexiko 1846 entdeckt.
Nach Sargent gewöhnlich zerstreut, einzeln oder in kleinen Trupps
auf Felsrücken und Talabhängen der Santa Catalina, Santa Rita und
Chiracahua-Gebirge von Süd-Arizona und der Sierra Madre in Chihuahua.
Sie ist der Pinus Ayacahuite sehr nahe verwandt und wird von manchen
Autoren nur als kleinere klimatische Varietät betrachtet (Kent in Veitch.
Man. p. 313). Abbildungen finden sich in Sargent Silva of North Am. XI, p. 33,
t. 544, 545 und Manual of the trees 1905, p. 7.
Baum von 25 bis über 30 m Höhe und selten über 0,70 m Stammdurch-
messer mit schmal-pyramidaler Krone mit dünnen, oft hängenden Ästen und
Zweigen, diese erst orangenbraun, dann purpur und öfter blau beduftet, die
jüngsten blaurot, weichhaarig. Rinde 3 — 4 cm dick, unregelmäßig tiefrissig und
in schmalen kleinen rotbraunen S^uppen lösend. Das Holz ist hart, leicht,
nicht fest, hellrot. Die Blätter sincl dünn, steif, hellgrau mit weißlichen Spalt-
öffnungslinien, etwa 10 cm lang. Zapfen 15 — 25 cm lang, mit an der Spitze
zurückgebogenen Schuppen (daher der Name Hakenkiefer reflexa). Samen
breit eirund, 15 mm lang, 10 mm breit, dunkelrotbraun, mit einem dünnen,
muschelförmigen schmalen Rand, und rundlichem, etwa 5 mm breitem Flügel.
Sargent stellt diese Kiefer noch in die Sektion Strobus; mit den sehr
kurz geflügelten Samen bildet sie gleichsam einen Übergang zur Cembra-
Gruppe, zu welcher sie auch öfter gerechnet wurde.
8. Pinus scipioniformis Mast, (in Bull, de Fherb. Boiss. VI [1898]).
Chinesische Weymouthskiefer.
Im mittleren China, Provinz Hupeh von Dr. Aug. Henry gesammelt.
23*
QRß Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Nach Masters: Zweige rötlich, glatt, leicht gerillt. Zweigchen aufsteigend.
Knospen lineal beschuppt. Schuppen vom Grunde stufenweise zunehmend,
fast ledrig, hell kastanienbraun mit häutigen weißlichen Rändern. Blätter zu 5,
in sehr kurzen abfallenden Scheiden, bis zu 12 cm lang, dreieckig mit konvexem
Rücken, an den Seiten konkav mit 6 — 7 Spaltöffnungsreihen, an den Rändern
knorpelig gesägt; Harzkanäle unter der Epidermis. Männliche und weibliche
Blüten fehlen. Zapfen 3 — 5 cm lang, kaum 2 cm breit, mit einem holzigen,
aufrechten, gleich langen Stiel, aufgerichtet, länglich-stumpf. Bracteen häufig
dreieckig zugespitzt. Schuppe doppelt so lang als die Bractee, holzig, fast
kreisrund. Apophysen einwärts gekrümmt, mit Längsfurchen. Samen un-
bekannt.
9. Pinus peiitaphylla Mayr (Abiet. d. jap. Reich. 1890, p. 78, Taf. VI, 20).
Japanische Weymouthskiefer.
Syn. Goyo-matzu der Japaner.
Nach Mayr in Japan im kühleren Laubwalde bis in die Tannenregion
übergehend, nördlich vom 38.^ n. Br. inkl. Eso. In tieferen Lagen Baum von
25 — 30 m Höhe, in höheren Lagen 15 — 20 m mit starken, sehr abfälligen
Schäften. Das Holz wird nur gelegentlich genutzt. Dekorativ ist sie eine
sehr schöne wertvolle Kiefer.
Diese Kiefer ist von Anfang an, entweder mit Pinus parviflora Sieb, et
Zucc. verwechselt oder irrtümlich mit ihr zusammengeworfen worden. In
der älteren Literatur findet sich schon die Angabe, daß unter letzterem Namen
zwei verschiedene Kiefern in Japan vorkommen, dann werden die Samen
bald kaum geflügelt oder flügellos oder flugfähig mit längerem Flügel an-
gegeben. Erstere ist die P. parviflora, zur Cembra-Gruppe gehörig, letzte
unsere hier beschriebene Weymouthskiefer. (Vergl. Carriere Conif. 2. ed., p. 385,
[1867]. Veitch, Man. of the Conif. 1881, p. 182 und Jaeger u. Beißner, Zier-
gehölze p. 482, [1884].)
Die Borkenschuppen sind größer als die von Pinus parviflora, meist
5 cm breit, 10 cm lang, dünn, weich, am Rande etwas abstehend, rötlich, im
Lichte mit weißlicher Überfläche; Krone voll beästet, junge Triebe grünlich,
weichhaarig. Blätter derber, außen dunkelgrün, auf den Innenflächen mit
blauweißen Spaltöffnungsreihen, die drei Jahre deutlich hervortreten, während
sie bei P. parviflora im zweiten Jahre schon verschwinden, meist 3^/2 cm lang.
Männliche Blüten kurz gestielt, 7 mm lang, 3 mm breit, ährenförmig, am Scheitel
rötlich. Befruchteter Zapfen im ersten Jahre blauschwarz, reif 6 — 9 cm lang,
3 cm dick, wenn geschlossen. Vor der Reife grün, schwach bereift. Schuppen
flach, nicht gebuckelt, anliegend, Apophyse flach mit schwachen Vertiefungen
in der Mitte. Samen flugfähig, 1 cm lang, 5 mm breit, auf einer Seite
braun, auf der anderen mit hellem Rande dunkel gesprenkelt, mit 1,20 cm
langem, an einer Seite angewachsenem, 7 mm breitem Flügel.
Pinus pentaphylla wird, gleich P. parviflora, von japanischen Gärtnern
viel zu künstlichen Zwergen herangezogen; ich sah solche Zwerge öfter auf
Ausstellungen.
Mayr Abiet. d. jap. Reich., p. 94 erwähnt aus Japan eine kurznadelige
Form, brevifolia, Negishi-goyo, mit auffallend kurzen dicken Nadeln, und
eine gelockte Form, tortuosa, Kamuro-goyo.
n. Klasse. Coniferae. 357
2. Gruppe. Eucembra Köhne.
Zapfen meist kurz und dick, dickschuppig. Same nicht flugfähig, groß. Flügel
sehr kurz oder fehlend (Cembra Spach. Mayr).
A. Harzgänge der Blätter an der Epidermis.
a) Junge Triebe kurzhaarig.
10. Pinus parviflora Sieb, et Zucc. (Fl. jap. II, p. 27, t. 115 [1842]).
Kleinblütige Kiefer, Mädchenkiefer.
Syn. Pinus Cembra Thunb. Fl. jap., p. 274 (1784), non L.
„ ? heterophylla Presl. in Herb. Haenke. von der Nutka-Insel.
Himeko-matsu Kamuro-goyö der Japaner.
In Japan in Kiushiu und Shikoku, hier im kühleren Laubwalde, nach
Mayr, mit Tsuga größere Bestände bildend, in Kisso vereinzelt mit Chamae-
cyparis obtusa, kaum den 38. ^ n. Br. überschreitend. Auch auf Formosa
entdeckt. Hayata, in Gard. Chron. 1908, p. 194 hat den Baum von
Formosa als besondere Art bezeichnet und Pinus morrisonicola genannt,
verschieden durch zurückgebogene Zapfenschuppen und breitere Samenflügel.
Engel mann stellt Pinus parviflora in die Strobus-Gruppe und vereinigt
P. heterophylla Presl. mit dieser Art, welche sich durch dünne, weiterstehende
und sehr schwach gesägte Blätter und kaum vorhandene Hypodermzellen
unterscheidet. Masters folgt ihm in Agen. View of the genus Pinus, p. 571.
Pinus parviflora wurde 1846 in Europa eingeführt.
Je nach dem Standort niedriger oder mittelhoher, ja hoher Baum von
15 — 20, nach Mayr in günstigen Lagen bis 32 m Höhe von dichtem, pyra-
midalem Wuchs mit dicht und horizontal gestellten Ästen und dichtstehenden,
kurzen, bräunlich-filzigen jungen Zweigen. Stamm mit grauschwarzer, lange
glatt bleibender, später in 3 cm breiten Schuppen sich lösender Rinde.
Knospen länglich mit schmalen, gewimperten Schuppen besetzt. Blätter zu
fünf, dichtstehend, dünn, zart, gerade oder gebogen, auch gedreht, dreieckig,
an den Kanten schärf lieh, auf dem Rücken grün und an den Seiten mit
weißlich-blauen Längslinien, die früher als bei pentaphylla verschwinden.
Männliche Blüten 7 mm lang in lockeren Ähren, gelb, weibHche rötlich,
2 — 3^/., — 5 cm lang, 1 mm breit. Zapfen 4^ — 6 cm lang, 3 — 4 cm breit, sitzend,
fast horizontal abstehend, gerade, eirund oder eirund-länglich-stumpf. Schuppen
dicht dachziegelig, dick, braunrot, lederartig-holzig, breit-keilförmig. Schuppen-
schild aschgrau, ungleichseitig-rhombisch, auf dem Rücken konvex und glatt,
an der Spitze abgerundet, mit kaum vortretendem Nabel, am Rande wellen-
förmig, etwas einwärts gekrümmt. Samen elliptisch oder eirund-länglich,
schwärzlich, 10 mm lang, 7 — 8 mm breit, am oberen Rande und an der
Spitze mit einem dünnen, kurzen Flügelstummel, der, leicht abbrechend, im
Zapfen zurückbleibt.
Eine hübsche, bei uns gedrungene, charakteristische Zirbelkiefer,
welche besonders durch die gedrehten Blätter, welche die blauweißen Längs-
streifen hervortreten lassen, ins Auge fällt und als sehr zierend und ganz
hart recht weite Verbreitung verdiente. Sie liebt Lehmboden und eignet
sich auch für kleinere Gärten.
Wir finden in den verschiedensten Gegenden schon recht ansehnliche,
gut gedeihende, zapfentragende Bäume. Mayr empfiehlt sie in den Laub-
358 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
wald einzusprengen. Aus Alnarp in Schweden erhielt ich noch Zapfen mit
keimfähigen Samen, die dort an einem mannshohen Exemplar gereift waren.
Auf die Verwechselung und das irrtümliche Zusammenwerfen dieser
Kiefer mit pentaphylla wurde dort schon hingewiesen, obgleich beide auch
vom Volke mit besonderen Namen unterschieden werden.
Diese Kiefer wird in Japan viel angepflanzt, ist besonders beliebt bei
den dortigen Gärtnern und wird viel zur Erziehung der künstlichen, schon
öfter genannten Kultur-Zwergformen verwendet; solche oft mehr als hundert-
jährige Pflanzen in 50 — 60 cm hohen bizarren Formen, die kaum die Art noch
erkennen lassen, waren auch auf europäischen Ausstellungen schon vertreten.
Eine auffallend blau grüne Form wird als Pinus parviflora glauca bezeichnet.
Pinus parviflora nana.
Syn. Hime-goyo-matzu (Zwergkiefer mit 5 Nadeln).
Eine japanische Zwergform, wenig üppig, mit geringer kurzer, auf-
strebender Bezweigung und kürzeren Blättern.
Pinus parviflora brevifolia (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 95 u. 107).
Eine Pflanze, normal von Wuchs, mit feinen, nur halb so langen
Blättern als bei der Art, fand ich bei Barbier et fils in Orleans.
Mayr in Abiet. d. jap. Reiches 1890, p. 94 führt noch folgende Kultur-
formen dieser so beliebten Kiefer aus Japan an: brevifolia in drei Formen,
dabei auch eine niedrige, gebogene Form mit kurzen, nur halb so langen
Blättern, variegata mit teils ganz gelbweißen, teils gefleckten oder gerandeten
Blättern. Oculus draconis Drachenauge, die Blätter zeigen ziemlich regel-
mäßig gelbe und grüne Ringelungen, welche, von oben in den Zweig hinein-
gesehen, helle gelbe Kreise, die Form eines Drachenauges bilden, tortuosa
mit gelockten, d. h. spiralig um den Trieb gewundenen Blättern, recurva
mit hakenförmig gekrümmten Blättern.
11. Pinus pumila Rgl. (in Ind. sem. Hort. Petrop. 1858, p. 23 und 1859 und
in Bull. Soc. de nat. de Mose. I, p. 211 und Mayr in Abiet. d. jap. Reiches
1890, p. 80, Taf. VI, 21). Zwergkiefer, Kriechkiefer.
Syn. Pinus Cembra pumila Pall. Fl. Ross. I, p. 5, II (1784).
„ pygmaea Fisch. Flor. Ochot. 1856.
„ Cembra nana hört.
Hai-matzu (Kriechkiefer); Shimofuri-goyö der Japaner.
In Nordost-Sibirien auf Felsen an der oberen Baumgrenze in den
Gebirgen. Nach Fr. Schmidt (Reisen im Amurland und auf der Insel Sachalin)
am Amurflusse in einem sumpfigen Walde von Picea ajanensis und Larix als
Unterholz. An den Abhängen des Dschuktales, je höher im Gebirge, desto
häufiger auftretend, in dichtem Gewirr und Geflecht den ganzen Boden
bedeckend. Sie steigt auf die Anhöhen am Amgunfluß und krönt die höheren
Bergkämme, im Kerbital, an der Bureja bis zur Njuman-Mündung. Auf der
Insel Sachalin gemein auf den Tundren, über der höheren Laubwaldregion
einen fast undurchdringlichen Gürtel bildend und zugleich den Übergang zur
eigentlichen alpinen Vegetation.
I
II. Klasse. Coniferae. 359
Die Samen werden im Osten und Norden zur Nahrung eingesammelt.
Nach Mayr 1. c. in Japan in der alpinen Zone, oberhalb der Tannen
und Fichten; ganze Bestände bedecken die höchsten Bergspitzen von etwa
2800 m an aufwärts über dem 36.^ n. Br., auf der Insel Eso bei 1000 m
Erhebung.
• Diese weit verbreitete Zwergkiefer wurde von den europäischen Autoren
der Pinus Cembra als Zwergform zugeteilt, während die japanischen Autoren
sie wieder der P. parviflora zuschrieben.
Strauch bis 4 m Höhe, mit lang über dem Boden ausgebreiteten und
mit den Spitzen wieder aufstrebenden Ästen, einzeln oder zu dichtem Gewirr
verflochten. Junge Triebe erst grün, später rotbraun, filzig behaart. Blätter
zu fünf, etwas gedreht, dem Triebe angedrückt, 4 — 7 cm lang. Männliche
Blüten 15 mm lang, an den Spitzen rötlich, weibliche Blüten blaurot. Zapfen
3,5 — 4,5 cm lang, geschlossen 2,5 cm dick. Schuppen am Rande schneidig,
darunter mit wagerecht abstehender, quer zweischneidiger Spitze des starken
Nabels. Samen 6 — 10 mm lang, 4 — 7 mm dick, flügellos, eßbar.
Eine leider bei uns sehr selten echte, auch mit einer Zwergform
von Pinus Cembra öfter verwechselte Kriechkiefer. Ich sah im Hamburger
botanischen Garten auf einer Steinpartie (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906,
p. 141) die echte Pflanze, welche An sorge aus Samen erzog, die L. Böhmer
& Co. von Fuji-Yama gesandt hatte.
Einfuhr echten Saatgutes wäre sehr erwünscht, nicht nur für Zierzwecke,
sondern auch für Nutzzwecke, denn diese Kiefer würde, wie unsere Krumm-
holzkiefern verwendet, nicht nur zur Bodenbefestigung, sondern auch mit
eßbaren Samen doppelt nutzbringend für uns werden.
b) Junge Triebe kahl.
12. Pinus flexilis James (in Longs exped. II, p. 27 u. 34 [1823]). Biegsame
Kiefer, Nevada-Zirbelkiefer. (Fig. 89.)
Syn. Rocky Mountains White Pine (Weißkiefer des Felsengebirges) der
Amerikaner.
Californian Cembra Pine der Engländer.
Sargent Silva N. Am. XI, p. 35, t. 546 u. Trees of N. Am. 1907,
p. 7, mit Abbild.
Nach Engel mann in Kalifornien nur am Mount Silliman zusammen
mit Pinus albicaulis, sowie im Jnyo-Gebirge und von da ostwärts in den Ge-
birgen von Nevada und Arizona bis zum Felsengebirge in sandig-kiesigem
Boden auf sonnigen Standorten weitläuftige Waldungen bildend, während sie
von Neu-Mexiko bis Montana gemein ist.
Nach Purpus (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1904, p. 49 und Taf. VI)
tritt sie erst bei 2600 m auf und steigt bis 3300 m und selbst höher. Sie
wächst vereinzelt oder in gemischten Beständen und liebt felsige, steinige,
etwas feuchte Standorte. Die Fig. 89 zeigt einen freistehenden Baum mit
breiter, rundlicher Krone mit langer Beastung.
In Beständen sind die Stämme astfrei, die Benadelung, zumal an jüngeren
Exemplaren, ist silberig, das Holz weiß, gut und erstklassig.
SfiO Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Nach Hochderffer in Flagstaff (Arizona) ist sie dort ein überaus
fruchtbarer Samenproduzent; viele Wildarten leben im Winter monatelang
l&
-^ -^
1
m
j |,|,
>ii. ". , '-«^Ä:,. ,
'*i
«%i#ji.. ^
%
■ ¥f
I^B
W i
4
s%-
■•ii *'•■■<-*■
m
i
'' '.' #?
>
Wr % ^
B|
1
^'v.^'r
J' ■
!■ ■
Wrm^*
'i
i
, 1
M
■1
t'
r
m
d
' 1
^
1 *^^p
'OTP
ifc Vi
,•
"^L^T^
«1^.
r
V '
1 . ..,_
^^
i^ *>
\.
^ "^^-
■—
-^>
V
von ihren Samen. Sie ist eine der prächtigsten und nützlichsten Kiefern
und sie dürfte auch als solche in Deutschland vollauf anerkannt werden.
II. Klasse. Coniferae. 361
Sie macht geringe Bodenansprüche, wächst noch auf steinigem Felsboden,
wo andere Waldbäume nicht fortkommen, allerdings wächst sie üppiger und
rascher in gutem, tiefgründigem Boden.
Im Jahre 1851 von Jeffrey in Europa eingeführt.
Baum von 10—23 m Höhe und 1 — 1,50 m Stammdurchmesser mit ge-
furchter grauer Rinde und weißem festem Holze. (Nach Dr. Mayr ist es
in Zentral-Nevada der wertvollste Nutzbaum zu Schächten beim Bergbau ;
derselbe fügt hinzu, das Holz sei schwerer als das der europäischen Zirbel-
kiefer.) Krone voll, breit-eirund. Zweige sehr biegsam, die jüngsten gelbgrün,
feinweichhaarig, aber bald glatt und dunkler. Blätter zu fünf, 4 — 5^/2 cm lang,
selten länger, 1 mm dick, mit wenigen Reihen von Spaltöffnungen an den
Seiten und gewöhnlich sehr wenige auf dem Rücken, aufrecht, steif, gerade
oder gebogen, dreieckig, stumpf gespitzt. Männliche Blüten rötlich, weibliche in
Knäueln, dunkel purpur. Zapfen zu drei bis vier quirlständig, etwas hängend,
oval bis fast zylindrisch, 8 — 14 cm lang, glänzend-hellbraun mit etwas sparrigen,
dicken, holzigen, keilförmigen Schuppen, bei der Reife weit klaffend und rück-
wärts gekrümmt. Samen oval, zusammengedrückt, marmoriert, 1 — 1^/2 cm lang,
eßbar, sehr angenehm schmeckend und gesucht. Der kaum bemerkbare Flügel
1 mm breit, meist an der Schuppe haften bleibend, Kotyledonen sechs bis neun.
Nach Engelmann schließt sich diese Kiefer weit näher der Pinus
Cembra der alten Welt als den Weymouthskiefern an, unterscheidet sich aber
durch die Blattstruktur, welche in den gesägten Blättern der P. Cembra von
Parenchym umschlossene Harzgänge zeigt; die peripherischen Harzgänge der
P. flexilis sind nicht von Hypodermzellen umgeben.
Eine interessante, bei uns gut gedeihende, anspruchslose und schon in
recht stattlichen Exemplaren in Deutschland vertretene Kiefer, welche sich in
verschiedenen Lagen und Bodenverhältnissen widerstandsfähig zeigte, daher
Verbreitung verdient um so mehr, da sie so manche Vorteile bietet. In
Kultur bildet sie kräftige, schlank aufwachsende Exemplare von blaugrüner
Färbung und weit gestellten Nadelbüscheln, die auf den ersten Blick die Zu-
gehörigkeit zur Cembra-Gruppe zeigen.
13. Pinus albicaulis Engelm. (in Trans, of the Acad. of Scienc. of St.
Louis II, p. 209 [1863]). Weißstämmige Zirbelkiefer.
Syn. Pinus flexilis James var. albicaulis 1. c.
„ cembroides Newberry Rep. on the Bot. of Williamsons
Exped. VI, p. 44, fig. 15, non Zucc. non Gord.
„ Shasta Carr. Conif. 2. ed., p. 390 (1867).
White Pine der Amerikaner.
Nach Engelmann an allen alpinen Gipfeln der Sierra Nevada vom
Mono-Paß bis zum Shasta- und Scott-Gebirge, nordwärts bis British-Kolumbia
und gleichfalls in Montana vorkommend und von 1600 — 4000 m die Baumgrenze
bildend. Von Jeffrey 1851 eingeführt.
Früher von Engelmann als Varietät von Pinus flexilis beschrieben, ist
sie nach seinen letzten eingehenden Beobachtungen von dieser Art durch ihre
fast kugeligen, purpurfarbigen Zapfen mit kurzen dicken Schuppen, sowie
durch ihre dünne, weiße, zuletzt schuppige Rinde spezifisch verschieden.
362 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Ein 7 — 10 oder selten 20 m hoher Baum, in den höchsten Erhebungen
niedrig und strauchartig mit heller weißlicher Rinde, mit kurzem Stamm, sehr
biegsamen, oft aufstrebenden Ästen, eine sehr unregelmäßige, breite Krone
bildend. Mit rotbraunen oder gelblichen, erst weichhaarigen, später glatten
Zweigen. Blätter 4 — 5^/2 cm lang, aufrecht, steif, gerade oder gebogen, drei-
eckig, stumpf gespitzt. Blüten Scharlach. Zapfen oval oder fast kugelig,
4 — 8 cm lang und 4 — 6 cm breit, purpurbraun. Schuppen viel dicker als bei
Pinus flexilis und etwas zugespitzt oder mit Scharf gespitztem Nabel. Die
großen flügellosen Samen werden von den Indianern als Speise genossen.
Diese interessante Kiefer ist in Samen echt eingeführt, aber selten und
erst in kleinen Pflanzen in Deutschland vorhanden, so daß über ihr Verhalten
noch wenig zu berichten ist. Es unterliegt jedoch keinem Zweifel, daß sie
sich ganz wie die vorstehende Art verhalten wird und somit ihre baldige
Verbreitung nur zu wünschen ist.
ß. Harzgänge der Blätter im Parenchym.
14. Pinus CembraL. (Sp. pl. p. 1419 [1753]). Zirbel- oder Zürbelkiefer,
Arve, Zirme. (Fig. 90—92.)
Syn. Pinus montana Lam. flor. frang. III, p. 651, 1778, nicht Mill. und Dur.
Pin auvier de Suisse der Franzosen.
Swiss Stone Pine der Engländer.
Alvier, AroUe, Aroila der Schweizer.
Fig. 90. Pinus Cembra L. 1 reifer Zapfen; 2, 3, 4 Zapfenschuppen von verschiedenen Seiten; 5 Samen;
6 Blätterbüschel; 7 Blattspitze, vergr. ; 8 Querdurchschnitt durch einen Blätterbüschel, vergr. ; 9 Quer-
durchschnitt durch ein ausgewachsenes Blatt, vergr.
Mittel-Europa in den Alpen in einer Erhebung von 1300 — 2000 m, in
den Karpathen von 1300—1600 m, in Nord-Rußland und durch ganz Nord-
II. Klasse. Coniferae.
363
Sibirien in der Ebene wie
auf den Gebirgen, im Altai-
Gebirge in einer Höhe von
1300—2100 m vorkommend.
Baum von 10 — 20 m Höhe
mit in der Jugend dichter,
schmal -pyramidaler oder ei-
runder, im Alter in den Hoch-
alpen mit breiter, unregel-
mäßiger Krone. Wir sehen
sie in den Alpen stets in auf-
fallend lichten Beständen, oft
mit Lärchen, so daß jeder
Baum sich in seiner Eigenart
entwickeln kann. Junge Rinde
glatt und graugrün, später
graubraun, etwas warzig, an
alten Bäumen mit dicker,
rissiger, graubrauner Borke.
Junge Triebe mit rostgelbem
Filz bedeckt (was sie sofort
von ähnlichen Kiefern unter-
scheidet). Knospen harzlos,
rundlich, lang zugespitzt, mit
langen braunroten Schuppen
bedeckt. Blätter zu 5, in
braunen hinfälligen Scheiden,
aufrecht, gerade, dreieckig,
stumpf-gespitzt, fein gesägt,
beiderseits mit blauweißen
Längslinien gezeichnet, 5 bis
8 cm lang. Zapfen aufrecht-
abstehend, einzeln oder zwei
bis drei, kurz gestielt, eiförmig-
stumpf, 6 — 8 cm lang, 5 cm
breit, jung grünlich -violett,
später hellbraun; sie bedürfen
1^/2 Jahre von der Bildung
bis zur Reife; Schuppenschild
breit- rhombisch, etwas run-
zelig, am Rande etwas um-
gebogen, mit abstehendem
weißlichem Nabel. Samen
zwei, selten einer unter jeder
Schuppe, verkehrt-eirund oder
stumpf- dreikantig, in harter
rotbrauner Schale, 12 mm lang, 6 — 7 mm breit, flügellos, als Zirbel nuss^e
(Piniolen) bekannt und als wohlschmeckend beliebt. Eine Form mit gelb-
Fig. 91.
Pinus Cembra L., alter Baum im Park zu Wörlitz
bei Dessau.
'•^64 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
grünen Zapfen (chlorocarpa) beobachtete schon Christ im Engadin (Will-
komm, Forstl. Flora 1887, p. 172). Weiter fand Forster sie in Tirol bei
Fig. 92. Pinus Cembra L., junger Baum aus den Beständen von Dahs und Reuter, Jüngsfeld.
Floite in Zillertal, und auch Prof. Schinz verdanke ich Zapfen aus der
Schweiz von Silvaplana im Engadin (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1898, p. 23
und 1899, p. 113).
II. Klasse. Coniferae. 365
Nach Willkomm ist das Holz leicht, harzlos, frisch, weich aber sehr
dauerhaft, leicht schneidbar, im Kern rötlich bis rotbraun, im sehr schmalen
Splint weiß, von angenehmem Geruch. Es wird in den Alpen vielfach zu
Schnitzarbeiten verwendet.
Die Zirbelkiefer ist eine besonders schöne, zierliche Kiefer und zumal
schätzbar für rauhe Lagen. Während sie auf den Alpen außerordentlich
langsam emporwächst, entwickelt sie sich in Kultur ziemlich rasch zu schlanken,
spitz-eiförmigen Pflanzen, welche dichtbezweigt in jeder Größe, schon als
kleinere Pflanzen schön sind und auch in kleineren Gärten angepflanzt werden
können, da sie wenig Raum beanspruchen und vom Boden an gleichmäßig
beästet sind. Die Zirbelkiefer hat ein freudiges Grün, und durch die blau-
weißen Längslinien der Blätter wird eine wirkungsvolle Schattierung hervor-
gerufen. Als echter Gebirgsbaum gedeiht sie auf Gebirgen und in rauhen
Gegenden am besten und zeigt hier im Alter sturmzerpeitscht breite, stark-
ästige Kronen, an welchen sich häufig, nachdem die Hauptwipfel gebrochen,
Nebenwipfel gebildet haben; solche alte ehrwürdige Bäume, mit langen Bart-
flechten behangen, sind malerisch schön; aber auch in der Ebene gedeiht sie
freudig und wir finden in alten Parkanlagen prächtige Bäume; an solchen
Kulturbäumen pflegt früher Fruchtbildung einzutreten, als an Bäumen in den
Alpen, aber oft bleiben die Zapfen kleiner und erreichen auch die Samen die
normale Größe, so sind sie doch meist ohne Kern, also nicht keimfähig. Ein
genügend feuchter, nicht zu schwerer, toniger oder Lehmboden sagt ihr
besonders zu, übrigens ist sie im Boden nicht wählerisch, ja es ist geradezu
erstaunlich, wie gut sie sich jeder Lage und jedem Boden anpaßt.
Man pflanze sie vorzugsweise an nördliche Abhänge, vor allem aber
sorge man für einen ganz freien Stand ohne gegenseitigen Druck, denn nur
so entwickelt sie sich zu schönen Bäumen, in geschlossenen Waldbeständen
ästet sie sich hoch hinauf aus und ihr charakteristisch schöner Wuchs geht
ganz verloren,
Pinus Cembra sibirica hört. Sibirische Zirbelkiefer, auch
Sibirische Ceder genannt.
Syn. Pinus sibirica Mayr. Naturw. u. forstl. Stud. im nordwestl. Rußl.
Allgem. Forst- u. Jagdz. 1900.
Wie bereits angeführt, kommt die Zirbelkiefer durch ganz Sibirien vor;
es ist jedoch festgestellt, daß dieselbe der mitteleuropäischen Pflanze gegen-
über nur geringe Unterschiede zeigt, daher also auch nur als klimatische
Varietät zu betrachten ist. (Vergl. Grisebach, Vegetation der Erde I, p. 93
u. Willkomm, Forstl. Fl. 1887, p. 174. Mayr 1. c, welcher sie als besondere
Art auffaßt, empfiehlt ihren forstlichen Anbau in feuchten und Frostlagen zu
prüfen, wo sie, neben Pinus Strobus^ von Nutzen werden könnte.)
Die sibirische Zirbelkiefer ist durch üppigen höheren Wuchs, durch
eine schmälere Krone, üppige, aber kürzere Blätter, längliche, mehr walzen-
förmige größere Zapfen und größere Samen verschieden. Die Samen kommen
in Rußland als „Cedernüsse" auf den Markt.
Nach Willkomm kommt im Amurgebiet und im südlichen Ost-Sibirien
eine Form mit hellgrünen Blättern und längeren schmäleren
Zapfen vor.
366 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Bei der großen Verbreitung kommen naturgemäß auch Abweichungen
vor, so sandte mir Schröder-Moskau von der asiatischen Seite des Ural,
aus Katherinenburg, ein solches abweichendes Exemplar. Zapfen lang-kegel-
förmig, von 10 cm Länge und 5 cm Breite, von rötlich-brauner Farbe und mit
auffallend hervortretenden Apophysen. Solche Zapfen, die große Ähnlichkeit
mit Pinus koraiensis haben, sind irrtümlich auch als P. mandschurica Rupr.
aufgefaßt worden, was schon deshalb ausgeschlossen ist, weil P. Cembra in
der Mandschurei, nach Komarow Fl. mandsch., gar nicht vorkommt, wes-
halb P. mandschurica nur Syn. zu P. koraiensis Sieb, et Zucc. sein kann.
Die sibirische Zirbelkiefer bildet im Permschen Gouvernement
Waldungen von ganz riesigen Ausdehnungen, und zwar auf brüchigem, fast
nassem Boden, den sie besonders zu lieben scheint. Die Stämme sind glatt
und astlos bis zu einer Höhe von 20 — 25 m, die Bäume erreichen eine Höhe
von 40 m und bilden alt breite Kronen.
In Deutschland finden wir auch von der sibirischen Zirbelkiefer schon
starke^ schöne Bäume, sie muß also schon länger eingeführt sein, jüngere
Pflanzen zeichnen sich durch schlanken, aufstrebenden Wuchs aus und sind
ihres freudigen Gedeihens halber sehr zur Anpflanzung zu empfehlen.
Wuchsformen.
Pinus Cembra columnaris (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1897, p. 57).
Eine schöne, von Hellemann in Moorende bei Bremen in Kultur
gewonnene Säulenform, von vollem Wuchs, mit senkrecht aufstrebender,
dicht anliegender Bezweigung, die ganz freigestellt einen besonderen Schmuck
für unsere Gärten ausmacht.
Pinus Cembra pygmaea hört. (Carr. Conif. 1. ed., p. 277 [1855]).
Ein kleiner Strauch von kaum 40 cm Höhe, mit kurzen, sehr dünnen,
ausgebreiteten und übergebogenen Zweigen und kurzen, dünnen, zerknitterten,
in der Länge sehr ungleichen Blättern. Eine in Kultur gewonnene Zwerg-
form, welche nicht mit der weiter vorn beschriebenen Pinus pumila Rgl.
(Cembra pumila Pall.) verwechselt werden darf.
Pinus Cembra monophylla Carr. (Man. des PI. IV, p. 347, Tr. gen. Conif.
1. ed., p. 297 [1855]). Einblättrige Zirbelkiefer.
Wenig üppiger Zwergstrauch, langsam von Wuchs, dessen fünf Blätter,
der ganzen Länge nach zu einem Blatte verwachsen, gleichsam zusammen-
geklebt sind. Diese Form ist nach Carriere nicht beständig, sondern bei
üppigerem Wuchs bilden sich die Blattbüschel nach und nach wieder normal
aus, und zwar von den Spitzen beginnend.
Es ist dies also eine abnorme Bildung, wie sie bei Aussaaten, z. B.
auch bei Pinus silvestris, wie bei P. Thunbergii, P. excelsa und P. Strobus
beobachtet wurde.
In der Färbung abweichend.
Pinus Cembra viridis hört. (Carr. Conif. 2. ed., p. 389 [1867]).
Eine sehr ins Auge fallende Form mit völlig grünen Blättern.
II. Klasse. Coniferae. 367
Pinus Cembra variegata (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1897, p. 47.
Eine im Jahre 1891 von Hans in Herrenhut in Kultur gewonnene
Form, mit teils gelb gestreiften, ganz gelben Nadeln oder ganz gelben
Nadelbüscheln, so daß eine unregelmäßige gelbe Zeichnung sich über
die Pflanze verteilt.
15. Pinus koraiensis Sieb, et Zucc. (Flor. jap. II, p. 28, t. 116 [18421).
Koreakiefer. (Fig. 93.)
Syn. Pinus Strobus Thunb. Fl. jap., p. 275 (1784 [nicht L.j).
„ mandschurica Rupr. ex Rgl. Tent. fl. uss.; No. 455 in Maak
Amur 1859, p. 89; Maxim. Mel. Biol. II, p. 567; Komarow FL
mandsch., p. 183. (Man vergl. das bei Pinus Cembra sibirica
Gesagte.)
Hai-Sung-tse der Chinesen.
Umi- oder Chösen-Matsu der Japaner.
Corean Pine der Engländer.
In Korea, im mittleren Japan im kühlen Laubwalde, in der Mandschurei
am Ussur, in West-China und auf Formosa heimisch. Nach Maximowicz
kommt sie weder auf Kamtschatka, noch auf der Insel Koräginsk vor, was
besonders bemerkt werden muß, da dies die meisten Autoren angeben.
Im Jahre 1846 in Europa eingeführt.
Ein an der Küste von Korea zuerst als niedriger Baum von 3 — 4, bisweilen
von 10 m Höhe, von Wuchs der Pinus Cembra ähnlich, aufgefunden und be-
schrieben, der aber nach Komarow in der Mandschurei, wie nach Mayr in
Mittel-Japan, als riesiger, bis 32 m hoher und fast 1 m Durchmesser haltender
Baum auftritt. Stamm mit rötlich-grauer, ziemlich glatter Rinde. Junge
Zweige bräunlich-grau, die jüngsten rotbraun, weichhaarig. Knospen länglich,
mit schmalen fast ganzrandigen Schuppen. Blätter zu fünf, gerade, dreieckig,
auf dem Rücken grün, an den Seiten mit blauweißen Längslinien gezeichnet,
bis 15 cm lang, 1 mm breit. Männliche Blüten 2 cm lang, an der Spitze rot,
weibliche röthch. Zapfen fast sitzend, aufrecht, kegelförmig- zylindrisch-stum.pf,
13 — 15 cm lang, 5^ — 6 cm breit. Schuppen dicht dachziegelig, lederartig-holzig,
breit keilförmig, gelbbraun, am Grunde schwärzlich. Schuppenschild fast
rhombisch, auf dem Rücken konvex und längsstreifig runzelig, am Rande
scharf, etwas wellenförmig und mit ausgezogener Spitze zurückgeschlagen.
Samen verkehrt-eirund-länglich, etwas dreieckig, flügellos, graubraun, eßbar,
15 — 17 mm lang, 9 — 11 mm breit.
Nach Maximowicz in Melanges biol. XI, p. 349 ist Pinus mandschurica
Rupr. Synonym Pinus koraiensis Sieb, et Zucc, aber nicht der P. pumila
Rgl. (Cembra pumila Pall.), wie dies die meisten Autoren angeben.
In Japan kultiviert soll die Koreakiefer viel an Tempeln als heiliger
Baum angepflanzt werden.
In unseren Kulturen stellt sie eine üppige, harte, Pinus Cembra ähnliche
Kiefer dar, die wir zu den schönsten ihres Geschlechtes zählen dürfen, welche
mit ihren langen bläulich schimmernden Blättern, dazu schon Zapfen tragend,
eine ausgiebige Verwendung verdient. Wir finden in den verschiedensten
Lagen schon Prachtexemplare, und vielleicht dürfte sie auch in forstlicher
Hinsicht noch Erfolge versprechen.
^fi« Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Mayr in Abiet. d. jap. Reiches 1890, p. 94 nennt als in Japan m
Gärten kultivierte Formen:
Fig. 93. Pinus koralensis Sieb, et Zucc. l Original-Zapfen aus Japan in natürl. Größe; 2 Samen.
variegata, entweder mit ganz hellgelben, gelb gerandeten oder gelb
gefleckten Blättern und
tortuosa, eine gelockte Form, mit in spiraliger Form gewundenen
Blättern, besonders an den Spitzen der Triebe.
II. Klasse. Coniferae. 3ß9
16. Pinus Armandii Fraiich. (Plant, David in Nouv.-Arch. du Museum VII (1884),
p. 285, t. 12, et in Journ. de Bot. 1899, p. 254; Beißner in Giorn. Bot. Ital.
n. s. IV, p. 184, t. V, fig. 2, et in Bull. Soc. Bot. Ital. 1899, p. 310.)
Armands Kiefer.
In China im Tsinling-Gebirge von David, in Süd-Shensi auf der Gebirgs-
kette Lao-y-san (Tsinling) von Giraldi, in Szechuen von Karges und in
Yunnan von Delavay gefunden.
Eine der Pinus koraiensis sehr nahe verwandte Kiefer, mit glatten,
grauen Ästen, von welcher ich von Pater Giraldi gesammeltes Material genau
untersuchen und die Beschreibung der bisher noch fehlenden männlichen
Blüten ergänzen konnte.
Die Blätter der Pinus Armandii sind dünner und feiner als die der Korea-
kiefer, 8 — 10 cm lang, blaßgrau, zu 5 in der Scheide, seltener zu 4 oder 3,
dreieckig, am Rande gesägt, mit einem Harzkanal in der Mitte. Männliche
Blüten gehäuft, zylindrisch, an der Basis von häutigen Schuppen umgeben,
15 mm lang, gelb, die Bracteen der Antheren sind keilförmig, an der Spitze
hahnenkammförmig. Zapfen gestielt, einzeln, 9 — 14 cm lang, 4 — 6 cm breit,
kegelförmig-zylindrisch. Schuppen verkehrt-eiförmig, aus der Mitte verdickt
kapuzenförmig, an der Spitze im breiten Winkel abgestumpft, mit großen, gelb-
braunen Apophysen, breit rhombisch, von der geraden stumpfen Spitze
strahlig gestaltet, mit dünnen, schmalen, umgebogenen Rändern, fast dem
Zapfen anliegend und nicht wie bei P. koraiensis mit ausgezogenen Spitzen
nach außen umgebogen (an diesem Merkmal sofort zu unterscheiden). Samen
braunrot, 10 — 12 mm lang, eirund-zusammengedrückt, kaum merklich gerandet,
flügellos, eßbar. Es bleibt nur zu wünschen, daß diese schöne Kiefer recht
bald verbreitet werde. Zapfen mit Samen sind wiederholt eingeführt, aber es
dürften bis jetzt sehr wenig Pflanzen sich in Kultur befinden.
Hayata in Gard. Chron. 1908, p. 194 nennt als Pinus Armandii sehr
nahe stehend: P. Mastersiana Hayata, welche durch größere Zapfen mit
nach außen umgebogenen Schuppen unterschieden sei. Sollte dieses Merk-
mal nicht auf P. koraiensis Sieb, et Zucc. hinweisen, welche auch auf Formosa
nachgewiesen ist? —
2. Subsektion Paracembra Köhne.
Fruchtschuppen gewölbt bis pyramidal, mit dem Nabel in der Mitte öfter
bedornt. Blätter zu 1 — 3, selten bis 5, ihre Scheiden abfallend oder in zurück-
gerollten Schuppen sich lösend; Harzgänge stets an der Epidermis.
Gruppe Balfouria Mayr.
Bläffer zu 5, ihre Scheiden abfallend. Zapfen walzlich; Samen flugfähig, auf einer
Seife mif dem Flügel fesf verwachsen (Balfouriana Engelmann).
17. Pinus Balfouriana Murray. (Oregon Exped. I, t. 3, fig. 1 [1853]).
Balfours Kiefer, Fuchsschwanzkiefer.
Syn. Fox-tail Pine (Fuchsschwanzkiefer) der Kalifornier.
Nach Engelmann in Kalifornien auf Bergen in der Nähe des Shasta-
Gebirges, an den Seiten des Scott-Gebirges einen dunklen Gürtel bei 1500 bis
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 24
370 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
2500 m bildend, zwischen der heller gefärbten Pinus monticola unterwärts und
P. albicaulis oberwärts, an den Quellengewässern des King- und Kern-Flusses
und am Mount Whitney. In der südlichen Sierra Nevada die größten Dimen-
sionen, nach Sargent bis 30 m Höhe erreichend und in den höchsten Regionen
als niedriger, kriechender Strauch.
Im Jahre 1852 von Jeffrey in Europa eingeführt.
Ein mittelhoher, 15, selten bis 30 m hoher Baum und zuweilen von l^/.2 m
Durchmesser, von regelmäßigem, pyramidalem Wuchs, mit rotbrauner, tief-
gespaltener Rinde. An jungen Stämmen ist die Rinde dünn, weich und
milchweiß. Äste kurz und derb, Zweige jung dunkelorangenbraun, weich-
haarig, dann glatt und graubraun, nach den Spitzen dicht pinselförmig mit
Blätter bekleidet. Blätter zu 5, gekrümmt, dichtstehend und dem Zweige
angedrückt (wodurch derselbe eine Ähnlichkeit mit einem Fuchsschwanz erhält
und der Baum daher „Fox-tail Pine" [Fuchsschwanzkiefer] genannt
wird), 10 — 15 Jahre dauernd, 3 — 3^/2 cm lang, auf dem Rücken glänzend-dunkel-
grau, an den unteren Seiten mit silberigen Spaltöffnungslinien. Männliche
Blüten dunkel orangenrot, weibliche dunkelpurpur. Zapfen an den schlanken
Zweigen hängend, fast zylindrisch, 9 — 11 oder selten 14 cm lang, dunkelpurpur;
Schuppenschild dick, mit kurzen, abfallenden Dornen. Samen blaß bunt-
scheckig, 7 — 8 mm lang, Flügel 13 — 22 mm lang, Kotyledonen 5.
Nach Dr. Mayr ist das Holz schwer, fichtenähnlich, der Splint nur
1 cm breit, der Kern schön rot, die Rinde wie die einer Eiche.
Diese Art dürfte echt kaum bei uns in Kultur sein, sondern nur die
folgende nahe Verwandte.
18. Pinus aristata Engelm. (in Trans. St. Louis Acad. II, p. 205, t. 506, [1863]).
Fuchsschwanzkiefer, Grannenkiefer. (Fig. 94.)
Syn. Pinus Balfouriana var. aristata Engelm. in Brew. et Wats. Botan.
Calif. II, p. 125.
Foxtail Pine, Hickory Pine.
An felsigen Abhängen an der Baumgrenze im Felsengebirge von Kolorado,
im südlichen Utah, Zentral- und Süd-Nevada, im südöstlichen Kalifornien und
im San Franzisko-Gebirge in Nord-Arizona heimisch.
Buschiger Baum von 13 — 18 m Höhe und 0,60 — 1 m Durchmesser, mit
kurzen derben, in der Jugend in regelmäßigen Quirlen stehenden Ästen, im
Alter sehr unregelmäßig von Wuchs. Zweige derb, hell orangengelb, erst
weichhaarig, dann glatt, später dunkel graubraun, dicht nach den Spitzen zu
pinselförmig mit Blättern besetzt, diese derb, auf dem Rücken glänzend-dunkel-
grün, an den Seiten mit silberigen Spaltöffnungsreihen, männliche Blüten
dunkel orangenrot, weibliche dunkel purpur. Zapfen länglich-walzlich, gebogen,
dunkel purpurbraun. Schuppenschild dick, mit grannenähnlichem Dorn
an der Spitze. Samen oval, zusammengedrückt, hellbraun, schwarz gesprenkelt,
7 mm lang, mit 7 — 11 mm langem Flügel. Eine Abbildung dieser interessanten
Kiefer findet sich mit Purpus Beschreibung in Mitt. d. d. dendr. Gesellsch.
1904, Taf. V (Fig. 94). Wir haben in Kultur schon recht stattliche Exemplare,
II. Klasse. Coniferae.
371
welche die dichte, fuchsschwanzähnliche Bezweigung und die stets mit weißen
Harzkörnern dicht besetzten Blätter als auffallendes Merkmal zeigen. Sie ist
langsamwüchsig, aber als durchaus frosthart noch für die höchsten, rauhsten
Lagen passend.
24*
372 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
2. Gruppe. Parrya Mayr.
Blätter zu 1—3—5; Zapfen kurz und dick; Samen nicht flugfähig.
(Cembroides und Gerardiana Engelmann.)
A. Scheiden der Blattbüschel ganz abfallend; Blätter fein gesägt, rauh, zu 3.
19. Pinus Gerardiana Wall. (msc. Lamb. Pin. 3. ed., t. 79 [1837]).
Gerards Kiefer.
Syn. Rhee, Shungtee, Newr von den Eingeborenen in den verschiedenen
Gegenden genannt.
' Im nordwestlichen Himalaya in Tälern mit trocknerem Klima in einer
Erhebung von 2000 — 2800 m. In Kunavar meist an Bergabhängen nahe der
Flüsse in einer Höhe von 2000 — 3300 m. Gemein in Nord- Afghanistan und
Kafiristan.
Etwa um das Jahr 1820 in Europa eingeführt.
Mittelhoher Baum von 10 — 20 m Höhe, mit dichter, rundlicher Krone
und aufrecht-abstehenden oder übergebogenen, mit den Spitzen wieder auf-
gerichteten dicken Ästen. Stamm mit grauer, sich in breiten Stücken lösender
Rinde. Junge Zweige gelblich -braun. Knospen eirund - kegelförmig, spitz.
Blätter zu dreien mit abfallenden Scheiden, 6 — 9 cm lang, steif, aufrecht-ab-
stehend, zusammengedrückt-dreieckig, am Rande rauh, scharf zugespitzt, blau-
grün. Zapfen eirund-länglich, stumpf, sehr harzig, 12 — 20 cm lang, 7 — 11 cm
breit, mit dicken, korkartigen Schuppen, im zweiten Jahre reifend. Schuppen-
schild pyramidenförmig, mit scharfer Querleiste, rotbraun, öfter zurückgebogen,
sich in einen dreieckigen, scharf zugespitzten Nabel fortsetzend. Samen
zylindrisch, 20 — 25 mm lang, 8 — 9 mm breit, mit kurzem, abfallendem Flügel,
eßbar und im Vaterlande Neoza oder Nioza genannt. Nach Dr. Brandis
in Forest. Flora, p. 509 werden die Zapfen gepflückt, bevor sie sich öffnen,
und warm gelegt, damit die Schuppen auseinandergehen und die Samen aus-
fallen. Große Mengen von Samen werden zum Wintervorrate gesammelt,
besonders von den Bewohnern von Kunawar. Sie werden auch in die Ebenen
versandt, und bedeutende Quantitäten werden jährlich von Afghanistan nach
Nordwest-Indien importiert. Die Samen sind ölig, mit einem unbedeutenden,
nicht unangenehmen Terpentin -Geruch; das aus denselben gewonnene Ol
wird im Vaterlande medizinisch verwendet. Das Holz ist sehr harzreich, und
ein weißes Harz schwitzt reichlich aus der Rinde und den Zapfen aus. Aus
der Rinde werden Tragkörbe und rohe Wassergefäße verfertigt.
Pinus Gerardiana ist leider in deutschen Gärten wenig vertreten,
sollte aber, da sie mit ihrer rundlichen, dichten Krone und dem sich schälenden
Stamme eine eigentümliche, auffallende Erscheinung gewährt, in den wärmeren
Gegenden angepflanzt werden, da sie hier gedeihen dürfte. Im botanischen
Garten in Bonn hielt sie, durch etwas Nadelholzreisig geschützt, schon jahre-
lang aus. Junge Pflanzen wachsen in Töpfen angezogen langsam. Nach
Carriere gedeiht sie unter günstigen Bedingungen gut und bildet einen
schönen Baum, zeigt aber mit einigen anderen Kiefern die Eigentümlichkeit,
daß Sämlinge sehr schwer aufzuziehen sind, während sie veredelt, selbst auf
P. silvestris, sehr gut heranwachsen.
II. Klasse. Coniferae. 373
Nach Veitch ist sie in England leidlich hart, aber trägwüchsig, im
südlichen und westlichen England sind prächtige Exemplare vorhanden.
20. Pinus Bungeana Zucc. (msc. in Endl. Conif. p. 166 [18471).
Bunges Kiefer.
Syn. Pinus excorticata hört.
Kieu, Lungmu der Chinesen.
Lace-bark Pine der Engländer.
In Nord-China in rauhen Gegenden heimisch, außerdem in China viel-
fach kultiviert, zumal auf der Insel Chusan, viel an Tempeln und Grabstätten
angepflanzt.
Im Jahre 1846 in Europa eingeführt und zu Ehren A. v. Bunge,
welcher als Botaniker in Sibirien und China tätig war, benannt.
Baum von 20—25 m Höhe mit kurzem, sich oft über dem Boden schon
teilenden Stamm, mit langen, schlanken, graugrünen Ästen. Die Rinde jüngerer
Stämme weich und dunkelgrün, die älterer Stämme aschgrau, alljährlich in
dünnen Platten, ähnlich wie bei der Platane, sich ablösend und den Stamm
mit großen weißen Stellen buntscheckig erscheinen lassend (daher auch die
Bezeichnung Pinus excorticata, entrindete Kiefer). Junge Triebe gelbgrün,
glatt, glänzend. Blätter zu 3 mit sehr kurzen, abfallenden Scheiden, 7 — 9 cm
lang, sehr starr und spitz, hellgrün, glattrandig, durch die vorspringende
Mittelrippe dreieckig. Männliche Blüten in schlaffer, langer Ähre, fast zylin-
drisch, stumpf, an der Basis mit linealen, zugespitzten Bracteen umgeben.
Zapfen seitenständig, eiförmig-stumpf, 5 — 6 cm lang. Schuppenschild flach
vierseitig, mit einer Querleiste im Zentrum, mit gebogenem Nabel, in einen
kleinen, hakenförmigen Dorn vorgezogen. Nach Maxim owicz sind die Samen
denen von P. Cembra ähnlich, eßbar, 8 — 10 mm lang, 5 — ^6 mm breit, braun,
mit dunkelmarmorierten Flecken, an der Spitze mit einem sehr leicht ab-
fallenden, randförmigen Flügel umgeben, der 3 — 4 mal kürzer als der Samen
ist. Samenschale ^j^ mm dick, Kotyledonen ca. 8. Blattepidermis wenigstens
doppelt dicker als bei P. silvestris.
Nach Fortune sollen alte Bäume einen nackten, unverzweigten Stamm
haben.
Ich konnte wiederholt von Pater Giraldi in Nord-Shensi gesammeltes
Material untersuchen, dabei Zapfen in jeder Entwicklung.
Eine höchst auffallende, interessante, auch in Deutschland schon in
stattlichen Exemplaren verbreitete Kiefer, die sich ganz hart zeigte, mit den
sehr steifen, weit gestellten Blätterbüscheln sich eigentümlich ausnimmt und
daher sehr die Verbreitung verdient. Bei Simon Louis Freres in Plan-
tieres bei Metz steht ein etwa 40 jähriger Baum, der viele Zapfen trägt und
bis 80 ^/o keimfähige Samen brachte. Reich fruchtende Bäume sah ich weiter
in der Domäne des Barres und im Arboretum Segrezianum in Frankreich.
So dürfte uns denn diese interessante Kiefer hoffentlich als Zier-, viel-
leicht auch als Nutzbaum nützlich werden.
Das Holz soll weiß und harzreich sein. Nach Veitch ist sie in deko-
rativer Hinsicht der verwandten Pinus Gerardiana noch vorzuziehen.
374 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
B. Scheiden kurz, in zurückgerollte schmale Schuppen sich lösend, zuletzt mit Ausnahme
eines kleinen Restes abfallend. Blätter meist ganzrandig und glatt.
a) Blätter zu 3 — 5, meist zu 4.
21. Piiius Parryana Engelm. (in Americ. Journ. Sc. ser. 2, XXXIV, p. 332
[nicht Gordon, welcher darunter eine Form von Pinus ponderosa verstand];
Journ. 24, p. 332). Parrys Kiefer.
Syn. Pinus Llaveana Torr. Bot. Bound. p. 208, t. 53^ nicht Schiede
et Deppe.
„ quadrifoHa Parry msc. et Sudworth (1897) ex Sargent Silv.
N. Am. XI, p. 43, t. 549, et Trees of North Amer. 1905, p. 10,
cum icon.
Nach Engelmann von Dr. Parry in Süd-Kalifornien 40 Miles süd-
östlich von San Diego in einer Erhebung von 600 — 1000 m aufgefunden.
Nach Dr. Mayr in Nieder-Kalifornien, auf mexikanischem Gebiete an trockenen
Höhenrücken und Hängen unweit der Küste ziemlich zahlreich, jedoch ver-
einzelt, nie Bestände bildend. Mit ihrer weißblauen Färbung einen besonderen
Schmuck des nur mit immergrünem Buschwerk bestandenen, trockenen, heißen
Geländes bildend.
Eine der vier Nußkiefern, welche nach Engel mann von Pinus mono-
phylla (s. daselbst) hauptsächhch durch die Zahl der in einer Scheide befind-
lichen Blätter verschieden ist.
Ein kleiner, nur 6 — 9 m hoher Baum bei 0,30 — 0,50 m Stammdurchmesser,
oder auch Strauch mit runder Krone mit dicken, abstehenden Ästen und jungen,
hellgelbbraunen, anfänglich weichhaarigen Zweigen. Blätter zu 3 — 5 (meist zu
4, nach Dr. Mayr meist zu 2), in sehr kurzen, zerschlitzten Scheiden, 3 bis
4 cm lang, steif abstehend, gerade oder gebogen, zusammengedrückt-dreieckig,
am Rande schärflich, scharf gespitzt. Männliche Blüten in länglichen Ähren,
mit breiten Bracteen der Hüllen, weibliche fast sitzend. Zapfen fast kugelig,
4 — 5^/2 cm dick, mit sehr erhabenen, gelb glänzenden, rückwärts gebogenen,
kurz gespitzten Apophysen. Samen ungeflügelt, meist nur ein starker Samen
unter der Schuppe, 1^/2 — 2 cm lang, eirund, in einer dünnen, hellbraunen,
buntscheckigen Schale, eßbar, gleichfalls wie die anderen Nußkiefern Piüon
genannt und von den Indianern als Nahrung gesammelt.
Eine in unseren Kulturen noch seltene, schwachwüchsige, im Verhalten
der Pinus monophylla ähnliche, sehr verzweigte, charakteristische Kiefer, welche,
ihrem Vorkommen entsprechend, nur für die wärmsten Gegenden und Lagen
bei uns noch als Freiland-Conifere in Betracht kommt.
b) Blätter zu 3—1.
1. Blätter zu 3, daneben auch zu 2.
22. Pinus edulis Engelm. (in Wislz. Mem. not. p. 2 [1848]).
Nußkiefer, Pifion.
Syn. Sarg. Silv. N. Am. XI, p. 55, t. 552, et Trees of N. Am. 1905,
p. 11, cum ic.
Masters in A. Gen. View of the genus Pinus in Linn. Soc. Journ.
Botan. XXXVI, p. 587, mit Abbild.
II. Klasse. Coniferae. 375
In Neu-Mexiko zwischen Cimaron und Santa Fe häufig, auch in Arizona
gefunden; nach Dr. Mayr Hegt ihre Heimat südlich von Pikes Peak in Kolorado
an trockenen, kiesigen Bodenpartien, in Kolorado bis 2500 m emporsteigend,
er nennt sie „eine aufrechte Zwergkiefer".
In Europa 1848 eingeführt.
Kleiner Baum von 3 — 6, selten bis 10 m Höhe, sehr harzreich, mit aus-
gebreiteter Krone, kurzem, oft geteiltem Stamm, derben Ästen und erst orangen-
gelben, später hellgrauen Zweigen. Blätter zu 3 und zusammengedrückt, öfter
zu 2, halbrund, immer dick und steif, abstehend, etwas gebogen, am Rande
glatt, scharf gespitzt, auf dem Rücken grün, auf der oberen konkaven Seite
blaugrün, 3^/2, selten 4 cm lang, bis l^/cj mm breit, in sehr kurzen, hier und
da zerschlitzten Scheiden. Männliche Blüten in länglichen Ähren, dunkelrot,
weibliche kurz gestielt. Zapfen sitzend, fast kugehg, 4 cm lang und fast so
breit, Schuppenschild erhaben-pyramidenförmig, gelblich-glänzend, dick, fast
vierkantig, an der Spitze abgestutzt, etwas zurückgebogen, mit scharfer Quer-
leiste und mit niedergedrücktem, stumpfem Nabel. Samen unter jeder Schuppe
zwei oder einzeln, länglich, sehr konvex, fast eckig, braun, in nicht harter
Schale, 11 — 12 mm lang, 7 — 8 mm breit, flügellos, eßbar, wenn leicht geröstet
von sehr angenehmem, mandelartigem Geschmack. (Pinon genannt.)
Eine von den amerikanischen Nußkiefern, welche sich nach Engelmann
von Pinus monophylla, der sie sehr nahe steht, hauptsächlich durch die Zahl
der in einer Scheide befindlichen Blätter unterscheidet (vergl. auch P. mono-
phylla und P. Parryana).
Eine in Kultur noch seltene, langsam wachsende kleine Kiefer, welche
in milden Gegenden oder in günstigen, geschützten Lagen erprobt werden
sollte. Auf der Insel Scharf enberg bei Berlin sah ich ein kleines, etwa 1 m
hohes Exemplar, welches sich dort als widerstandsfähig erwiesen hat und große
Ähnlichkeit mit Pinus monophylla zeigte.
Veitch empfiehlt diese Art als nicht widerstandsfähig genug, aus-
genommen für milde Lagen, nicht zur Anpflanzung in England.
23. Pinus cembroides Zucc. (Abb. Acad. München I, p. 392 [1832]).
Mexikanische Nußkiefer, Pinon.
Syn. Pinus Llaveana Schiede et Depp, in Linn. XII, p. 488 (1838).
„ cembroides Gord. Journ. Hort. Soc. I, p. 236 (cum ic).
„ fertilis Roezl. pl. exicc.
„ osteosperma Engelm. Bot. App. 89, Wislizen. Mem. 1848.
Nach Dr. Mayr an den trockenen heißen, kiesigen Hängen der Santa
Catalina in Arizona und in Nord-Mexiko bei 1000 m Erhebung vorkommend.
Im Jahre 1848 in Europa eingeführt.
Kleiner, hin und her gedrehter Baum, von etwa 8 — 10 m Höhe, mit aus-
gebreiteter Krone und abstehenden, etwas übergebogenen, mit der Spitze
wieder aufstrebenden Ästen. Junge Zweige dunkel orangengelb, erst mit
blassen abfallenden Haaren. Blätter zu 3 zusammengedrückt-dreieckig oder
zu 2, immer kurz und steif, mehr oder minder gebogen oder gerade, am
Rande glatt, scharf zugespitzt, freudig-grün, 3 — 4 cm lang, fast 1 mm breit.
Männliche Blüten in kurzen Knäueln, gelb, weibliche dunkelrot. Zapfen
376
Zweiter Teil, Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
eirund-kugelförmig, 3 — 5 cm lang, 3 — 4 cm breit, Schuppenschild rhombisch
erhaben-pyramidenförmig, glänzend-braun, mit scharfer Querleiste und breitem,
zusammengedrücktem, stumpfem Nabel. Samen verkehrt-eirund-länglich, stumpf-
kantig, flügellos, schwärzlich, dem der Zirbelkiefer ähnlich, in harter Schale,
13 — 15 mm lang, 8 — 9 mm breit, eßbar und von den Mexikanern Pinon genannt.
Eine niedrige Gebirgskiefer, welche höchstens in den mildesten, geschütz-
testen Lagen in Deutschland gedeihen dürfte und hier erprobt werden könnte.
Durch Purp US eingeführte Samen ergaben kräftige junge Pflanzen von
prächtiger blau weißer Färbung. In England tritt sie nach Veitch als langsam
wachsende, dicht bezweigte, sehr charakteristische Kiefer auf und hat sich
leidlich widerstandsfähig gezeigt.
2. Blätter einzeln, aber auch zu 2 oder zu 3.
24. Pinus monophylla Torr, et Fremont. (in Rep. of the expl. exped. to the
Rocky Mount. 1842, and to Oregon and North Calif. in 1843/44, p. 319, t. 4).
Einblättrige Nußkiefer, Pinon.
Syn. Pinus Fremontiana Endl. Conif. p. 183 (1847).
Nut pine (Nußkiefer) der Amerikaner.
Die Samen (Pinon genannt) dienen den Indianern als unschätzbares
Nahrungsmittel.
In Kalifornien im Küstengebirge um das Fort Tejon, häufig von den
östlichen Abhängen der Sierra Nevada, durch Nevada und Arizona bis Süd-
Utah in den Gebirgen und oft in den unfruchtbarsten Gegenden.
Von Hart weg im Jahre 1847 in Europa eingeführt.
Kleiner Baum, etwa 6 — 8 m Höhe erreichend. Stamm mit aschgrauer,-
jung glatter, später zerspaltener Rinde bekleidet. Äste unregelmäßig ausgebreitet.
Zweige dichtstehend, jung hellgelb, später dunkelbraun. Blätter steif, dornig
gespitzt, einzeln zylindrisch, hier und da zu 2 und dann halbzylindrisch,
selbst ausnahmsweise zu 3; 4 — 7 cm lang, graugrün, die Scheiden 10—12 mm
lang. Das runde Blatt ist nicht, wie man früher annahm, ein verwachsenes
Blattpaar, wie dies ausnahmsweise bei anderen Kiefern vorkommt, sondern
ein einzelnes Blatt; da seine Struktur einen einzelnen Gefäßbündel
zeigt; stets mit peripherischen Harzgängen, die in der Zahl von 3 — 14 schwanken.
Männliche Blüten dunkelrot, weibliche kurz gestielt. Zapfen rundlich, glänzend-
braun, 4 — 7 cm lang und fast ebenso breit, zahlreich erscheinend, Schuppen
dick, Schild pyramidenförmig gebogen, mit scharfer Querleiste. Nabel ab-
gestutzt. Samen ungeflügelt, oval, 14 — 24 mm lang. Schale dick, zerbrechlich,
gelbbraun und buntscheckig, angenehm von Geschmack. Kotyledonen 7 — 10.
Eine durch langsamen, unregelmäßigen, dichten Wuchs kenntHche,
wissenschaftlich besonders interessante Kiefer, welche, außerordentlich harz-
reich, gerieben einen angenehmen Geruch verbreitet. Junge Pflanzen erhalten
lange die blaugrünen Erstlingsblätter und nehmen sich später mit den starren,
pfriemenartigen, einzelnen Blättern eigenartig aus.
Diese Kiefer hat sich in verschiedenen Lagen als ziemlich widerstands-
fähig erwiesen.
Engelmann bemerkt zu dieser Nußkiefer, daß es eine offene Frage sei,
ob die vier Arten seiner Subsektion Cembroides, nämHch: Pinus Parryana,
II. Klasse. Coniferae. 377
P. cembroides, P. edulis und P. monophylla nicht besser zu einer Art ver-
einigt würden, da der Unterschied der Blüten und Früchte ein sehr geringer
und der in den Blättern nur relativ sei.
Im botanischen Garten zu Darmstadt haben Pflanzen von Pinus edulis,
P. monophylla und P. Parryana, welche aus Samen erzogen wurden, die
Purp US in der San Franzisko-Mount. in Arizona sammelte, gut ausgefallen;
sie verlangen zu einem guten Gedeihen kalkig- sandigen Boden und sehr
sonnigen, trockenen Standort. P. Parryana dürfte sich empfindlicher wie die
beiden anderen zeigen (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p. 39).
2, Sektion, Diploxylon Kähne,
Blätter mit doppeltem Gefäßbündel, stets fein gesägt, rauh.
Scheiden als fest geschlossene, höchstens an der Spitze zerschlitzte Röhren,
bleibend. Endflächen der Fruchtschuppen gewölbt, bis pyramidal, mit dem
Nabel auf der Mitte, dieser oft mit Spitze. Staubbeutel mit halbkreis- oder
kreisförmigem Kamm.
Blätter zu 5, in der Jugend hier und da zu 3.
3. Subsektion. Pseudostrobus Mayr.
Harzgänge der Blätter im Parenchym oder am Gefäßbündel. Zapfen
mittelgroß, kegelförmig. Same meist flugfähig, vom Flügel zangenförmig
gefaßt (Pseudostrobus und Euaustrales z. T. bei Engel mann).
25. Pinus Torreyana Parry (in the Bot. of the Mexican. Boundary 1859).
Torreys Kiefer.
Syn. Pinus lophosperma Lindl. in Gard. Chron. 1860, p. 46.
Nach Engelmann an der lehmig-sandigen, hügeligen Küste von Süd-
Kalifornien von San Diego bis San Pedro von den Seewinden zerzaust und
fast immer gekrümmt und sehr verunstaltet, oft am Boden liegend und hier
an den Ästen Wurzeln bildend. Im Jahre 1888 von Mr. Brandegee auch
auf der Insel Santa Rosa gefunden.
Von Lobb 1850 eingeführt.
Ein kleiner, kurzlebiger, 6 — 10 — 13 m hoher, ästiger Baum von 0,30 bis
0,40 m Stammdurchmesser, Rinde hellgrau, jung glatt, später kleinschuppig.
Knospen lang, mit lang zugespitzten, anliegenden, am Rande ausgefransten,
nicht harzigen Schuppen. Junge Triebe weißlich bereift. Blätter an jungen
Pflanzen zu drei oder vier, später meist zu fünf, an den Enden der dicken
Zweige zusammengedrängt, in den Achseln von stark gewimperten Deck-
schuppen, sehr derb, vielleicht die kräftigsten aller bekannten Kiefern, 20 bis
30 cm lang, 2 mm breit, in Scheiden, welche in der Jugend 30 — 40 mm, im
Alter nur 15 mm lang sind. Männliche Blüten in kurzen dichten Köpfen,
gelb, weibliche fast endständig, an langen, dicken Stielen. Zapfen breit ei-
förmig, frisch dunkelviolett, trocken glänzend-braun, 10 — 13 cm lang, 9 cm
dick, an 3 cm langen Stielen ziemlich abstehend oder herabgebogen, Nabel
kurz und stark oder zuweilen verlängert und einwärts gebogen. Samen wohl
der größte aller Kiefern, dem von Pinus Sabiniana am ähnlichsten, oval,
2 — 2^/o cm lang, 1 cm breit, eßbar, doppelt länger als der Flügel, welcher
378 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten,
das Korn mit einem dicken Rande umschließt. Kotyledonen dreizehn oder
vierzehn.
Nach Dr. Mayr in „Die Waldungen Nord-Amerikas" hat diese Kiefer in
ihrer Heimat unmittelbar am Meere, solange sie existiert, nie ein Frosthauch
berührt; von ihm nach Japan überführte Samen keimten dort gut, ergaben
kräftige Pflanzen und ertrugen ohne Schutz — 12*^ C. ohne im mindesten
zu leiden.
Veitch nennt sie, ausgenommen für geschützte Lagen, zu zart für
Englands Klima.
In Deutschland ist diese eigentümliche, interessante Kiefer noch wenig
verbreitet und erprobt, dürfte aber nur für die wärmsten, oder in besonders
günstigen, geschützten Lagen Erfolg versprechen.
26. Pinus arizonica Engelm. (in Bot. Wheeler p. 260 und in Gard. Chron.
1882, XVII, p. 260 und Sargent Silva N. Am. XI 1897, p. 75, t. 559 et Trees
of N. Am. 1905, p. 14, c. ic). Arizonakiefer, Yellow Pine.
Gebirge des südlichen Arizona und Nord-Mexiko in Erhebungen von
2000 — 2700 m, öfter nahezu reine Wälder bildend, die größte Vollkommenheit
in den Gebirgen von Sonora und Chihuahua erreichend.
Noch nicht eingeführt.
Engelmann gibt über dieselbe folgende kurze Notiz: Sie wurde vom
Autor sowohl als von späteren Reisenden gesammelt. Es ist die Frage auf-
geworfen worden, ob sie nicht eine Varietät von Pinus ponderosa sei.
Tatsächlich kommen fünfblättrige Formen der letzteren Art in den kalifor-
nischen Sierras und den Gebirgen Arizonas vor, aber diese größere Zahl
der Blätter ist reiner Zufall, die Zweige zeigen die der P. ponderosa eigen-
tümliche bräunlich-grüne Färbung und die Blätter sind dunkelgrün.
Pinus arizonica hat dagegen blaugrüne Zweige, beständig zu fünf
stehende dünne Blätter von abweichender Struktur, ihre Zapfen sind dicker
und kürzer mit viel mehr vorgezogenem Nabel, doch darf man auf diesen
letzten Charakter nicht zu viel Gewicht legen.
Nach Dr. Mayr in „Die Waldungen Nord-Amerikas" erreicht diese
Kiefer in Arizona 30 m Höhe und steigt nicht unter 1800 m herab. Das
Holz mit schönem rötlichem Kern zeigt den Typus der Taeda-Sektion. Die
jungen Triebe sind hellblauweiß bereift wie bei Pinus Jeffreyi. Knospen-
schuppen schmal, hellbraun, anliegend, nicht durch Harz verklebt, der er-
wachsene Baum mit dunkelgrauen Borken schuppen und hellen Innenrändern
derselben. Blätter zierlich, fünf in der Scheide, 10 — 17 cm lang, 1 mm breit.
Blüten dunkelpurpur, männliche in kurzen Ähren, weibliche auf derbem Stiel,
meist zu zweien. Zapfen oval, durchschnittlich 6 cm lang und geöffnet 5 cm
breit, reif dunkelviolett, später braun, sitzend. Apophyse mit Längsrißchen
und vorstehendem bedorntem Nabel. Samen voll und rund, nach der Spitze
leicht zusammengedrückt, in dicker Schale, 12 mm lang, mit etwa doppelt so
langem Flügel.
Eine sehr schöne Kiefer, deren Einführung um so wünschenswerter
wäre, da sie, ihrem Vorkommen entsprechend, auch bei uns, besonders im
Weinbaugebiet, Erfolg versprechen dürfte.
II. Klasse. Coniferae. 379
B. Blätter vorwiegend zu 3 oder 2.
a) Blätter zu 3, manchmal auch zu 4 oder 5.
4. Subsektion. Taeda Mayr.
Harzgänge der Blätter stets im Parenchym oder am Gefäßbündel. Zapfen
oft sehr groß, meist aus Quirlknospen. Same meist flugfähig, vom Flügel
zangenförmig gefaßt (Euponderosae, Eutaedae, Euaustrales z. T., Elliottiae
bei Engelmann).
A. Scheiden vollständig abfallend.
27. Pinus chihuahuana Eugelm. (Wisliz. Rep. not. 26 [1848]; Sargent Silva XI
1897, p. 63, t. 554, et Trees of N. Amer. 1905, p. 14 c. ic).
Chihuahuakiefer.
In den Gebirgen Neu-Mexikos in einer Erhebung von 1500 — 2500 m
häufig, auch von Engelmann im Arizona-Gebirge aufgefunden; sie erweckt
besonders Interesse dadurch, daß ihre Zapfen erst im dritten Jahre reifen.
Die einzige amerikanische Art, die dieses sonst nur noch bei Pinus Pinea L.
bekannte Merkmal zeigt.
Noch nicht eingeführt.
„Nach Dr. Mayr in Waldungen Nord-Amerikas, p. 237 ist die Kiefer
von Chihuahua auf dem Unionsgebiete ziemlich selten, liefert aber in den
anstoßenden mexikanischen Provinzen das wichtigste Nutzholz, bildet lichte
Bestände, oder tritt in feuchten Talsohlen untermischt mit Laubhölzern auf.
Baum von etwa 25 m Höhe bei 1 m Stammdurchmesser, Schaft ästig,
Zweige oft knieförmig gebogen. Rinde eine grobe, dunkelgraue Borke, deren
Schuppen im höheren Alter bis handgroß werden, aber stets dunkelgrau
bleiben; junge Triebe glatt, gelblich bis ockerfarbig glänzend. Knospen-
schuppen braun, mit hellen Wimpern, anliegend, ohne Harz. Blätter zu 3,
dünn, gelbgrün, 10 — 12 cm lang. Männliche Blüten gelb, weibhche gelbgrün.
Reife Zapfen 5 — 6^/2 cm lang, geöffnet 4 cm breit-eiförmig, blauviolett, mit
hellockerfarbiger Apophyse. Der trockene Zapfen ist meist gelblich, mit weiß-
licher Apophyse, wobei die Spitzchen größtenteils abgebrochen sind. Samen
eirund mit dreimal so langem, messerförmigem Flügel.
Das Holz zeigt den Typus der dreiblättrigen Kiefern, wobei die paren-
chymatischen Tüpfel der Markstrahlen zahlreiche schmale, mandelförmige
Wandverdünnungen darstellen. Die Kiefer gehört nach dem Bau ihres Holzes
der Sektion der westlichen Taeda an."
Eine bei uns noch kaum in Kultur vertretene Kiefer, welche im Wein-
baugebiet noch Erfolg versprechen könnte.
B. Scheiden bleibend.
a) Junge Triebe bräunlich oder gelblich, unbereift.
1. Zapfen auffallend schief, außenseits stark gekrümmt, mit stark gewölbten
Schuppen, innenseits mit sehr flachen Schuppen,
28. Pinus insignis Dougl. (msc. ex. Loud. Arb. IV, [1838], p. 2243 f., 2132
bis 2137). Montereykiefer.
Syn. Pinus California Loisl. in Nouv. Duham V, p. 243 [1812] (non
Hartw.).
380 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Beides ältere Namen, aber
nur auf größere, resp.
dünnere Zapfen begründet.
Syn. Pinus radiata Don. in Linn. Trans.
17, p. 442 [1836], gleich P.
insignis macrocarpa Hartw.
Journ. Hort. Soc. III, p. 226.
„ tuberculata Don. in Linn. Trans.
17, p. 442 (non Gord).
„ adunca Bosc. msc. ex Endl. 1847.
„ montereyensis hört.
„ monteragensis hört.
Monterey Pine der Engländer.
In Kalifornien ein dem sandigen Boden der Seeküste von Pescadoro
südlich von San Franzisko bis Monterey und San Simeon Bai eigentümlicher
Baum, die größten Dimensionen in Point Pinos, im Süden von der Monterey-
Bay, erreichend.
Um das Jahr 1833 in Europa eingeführt.
Nach Engelmann ein Baum von 25 bis über 30 m Höhe, mit pyramidaler
Krone. Stamm mit dicker vielspaltiger Rinde und von 1 — 2 m Durchmesser.
Junge Triebe braun und glatt, Knospen mit braunen, nicht ausgefransten,
harzigen Schuppen. Blätter zu 3, freudiggrün, 10 — 14, selten 16 cm lang, nur
1 mm breit, sehr dicht gesägt. Männliche Blüten in dichten Ähren, gelb,
weibliche gehäuft, dunkelpurpur. Zapfen kurz gestielt, zu 2 — 5 quirlständig,
herabgebogen, sehr schief, kurz-oval, zugespitzt, 8 — 15 cm lang, 5^/2 — 8 cm dick,
dunkel kastanienbraun, lange dauernd und oft während vieler Jahre geschlossen
bleibend. Die Schuppen der Außenseite (vorzugsweise nach der Basis zu)
vergrößert, sehr dick und halbkugelig, selten flach; die der Binnenseite flach
und viel kleiner, alle zuletzt fast dornenlos. Samen grubig und gekörnelt,
schwarz, 5 — 7 mm lang. Flügel 17 — 21 mm lang. Kotyledonen 5 — 7.
Das Holz soll zähe sein und zum Schiffsbau verwendet werden.
Eine Art, die nach Engelmann großes Interesse nicht allein durch
ihren schnellen Wuchs und ihre schöne frischgrüne, in Kultur so sehr zierende
Belaubung erweckt, besonders auch dadurch, daß sie wahrscheinlich die alte
Pinus californica ist. Letztere wurde niemals festgestellt, sollte aber von
Monterey stammen und in ihren Zapfen der südeuropäischen P. Pinaster und
in ihren großen Samen der P. Cembra gleichen — wie man jetzt keine Art
in der Nähe jener Stadt findet. — P. Sinclairii Hook, et Arn. Bot. Beech.
p 392, t. 93 ist eine künstliche Mischspezies, aufgestellt nach einem Zapfen von
P. Montezumae (von Tepic) und von den Blättern von P. insignis, während
P. radiata derselben Autoren L. c. 392 und 443, nach Ausweis der Exemplare
des Herbars zu Kew, auf das Blattwerk der ersteren und den Zapfen der
letzteren begründet ist. — Eine Varietät binata, mit den normalen Zapfen
der P. insignis, aber nur zweizähligen Blättern, wurde von Dr. Palmer auf
der Insel Guadalupe gesammelt.
Eine sehr schöne, aber leider auch empfindliche Kiefer, welche ein
dauerndes Gedeihen selbst kaum in den mildesten Lagen Deutschlands ver-
sprechen dürfte, und nur hier oder an sehr geschützten und dabei luft-
feuchten Plätzen zur Anpflanzung empfohlen werden kann. Nach kälteren
Wintern findet man sie stets mit bis zur Hälfte gebräunten Blättern.
II. Klasse. Coniferae. 381
Zumal in der Jugend bedarf sie guten Schutzes, leidet noch in Paris,
zeigte sich auch in England, ausgenommen im Süden, empfindlich, ist als eine
echte Meerstrandskiefer zumal gegen kalte, rauhe Winde empfindlich, verlangt
stete Luftfeuchtigkeit und wird daher nie im Klima lufttrockener, ebener
Gegenden freudig gedeihen.
Nach Masters in A. gen. View, of the Genus Pinus, p. 596 sind in
Kultur deutlich zwei Varietäten, wenn nicht Arten, in englischen Gärten zu
unterscheiden, die im Habitus, Größe der Zapfen, auch in der Widerstands-
fähigkeit abweichen. Der Baum gedeiht ^zumal in der Nähe der Küsten gut
und man findet öfter Prachtexemplare dieser schönen Kiefer.
29. Pinus tuberculata Gord. (Pin. 1. ed., p. 211 [1849] [non Don.]).
Höckerkiefer, Warzenkiefer.
Syn. Pinus californica Hartw. in Journ. hört soc. II, p. 189 (1846) non Loisl.
„ attenuata Lemmon (1892) Sargent Silva N. Am. XI, p. 107
(1897).
Knob-cone Pine (Knopfkiefer) der Kalifornier.
Nach Engelmann in Kalifornien im Küstengebirge von San Bernar-
dino und den Santa Lucia-Bergen bis zur Shasta-Region, hier und da auf
den Vorbergen der Sierra Nevada in einer Höhe von 800 — 1300 m vor-
kommend.
Ein kleiner, unansehnlicher Baum oder auch Busch von 1^6 oder aus-
nahmsweise 10 — 12 m Höhe und einem Stammdurchmesser von 0,15^ — 0,30 m,
der oft schon bei kaum 1 m Höhe voll Zapfen hängend gefunden wurde, mit
lichter, kegelförmiger Krone und dünner, hellbrauner, etwas rauher Rinde.
Knospen lang zugespitzt, glänzend-braun. Blätter zu drei, gewöhnlich 10 bis
20 cm lang, 1 — 1^1^ mm breit, fein und entfernt gesägt, steif aufrecht, zu-
sammengedrückt-dreieckig, dunkelgrün. Männliche Blüten gelbbraun, weib-
liche gehuschelt. Zapfen zu 2 — 4 quirlständig und oft mehrere solcher Quirle
auf demselben Jahrestriebe, blaß lederbraun, zuletzt silbergrau, viele Jahre
dauernd (oft ohne sich zu öffnen), gestielt, stark gebogen, 8 — 14 cm lang,
5 — 6 cm dick, kegelförmig-zylindrisch, zugespitzt. Die äußeren Schuppen
stark kegelförmig vergrößert, eckig (daher der Name Höckerkiefer), die inneren
flach, alle mit scharfen Dornen. Samen schwarz, grubig, 7 mm lang, mit
18—20 mm langem Flügel. Kotyledonen 5—8. Mayr in Wald. v. N. Am.
1890, p. 275, Taf. VI, nennt eine Form von San Bernardino mit auffallend
stechend scharf gespitzten Zapfenschuppen: Pinus tuberculata var. acuta
Mayr.
Engelmann fügt noch hinzu: Der Name Pinus tuberculata (Don.), ur-
sprünglich eine unwesentliche Form von P. insignis Dougl. (siehe daselbst)
bezeichnend, wurde infolge der Jeffreyschen Entdeckungen 1852 auf diese
übertragen und wird seitdem für diese so ausschließlich angewandt, daß er
ihr dauernd verbleiben sollte. Und das um so mehr, als Hartwegs Name
P. californica, obgleich weit älter, nur allein infolge einer unrichtigen Identi-
fizierung dieser P. tuberculata mit Loiseleurs P. californica gegeben wurde
und deshalb nicht beibehalten werden kann.
QQO Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Eine in unseren Gärten noch seltene Kiefer, welche, langsam von Wuchs,
sich bisher ganz hart zeigte, ja selbst schon fruchtete. Herr C. Gebbers
sandte mir aus Wiesenburg i. Mark einen üppigen Zweig mit zwei fast reifen
Zapfen und in den Zweigspitzen schon wieder vorhandenen jungen Zapfen,
doch ein Beweis dafür, daß diese Kiefer noch bei uns gedeiht. (Mitt. d. d.
dendr. Gesellsch. 1902, p. 78.)
2. Zapfen gerade oder kaum gekrümmt,
«) Harzgänge ohne mechanische Zellen, oft ganz fehlend.
30. Piiius Taeda L. (Sp. pl. II, p. 1000 [1753]). Weihrauchkiefer.
Syn. Pinus virginiana tenuifolia Pluk. Almag. p. 267.
„ foliis ternis Gronov. Virg. p. 152.
Frankincense-Pine; LobloUy-Pine ; Old-field-Pine; Taeda der
Amerikaner.
Pin ä l'ensens der Franzosen.
Torch-Pine der Engländer.
In Virginien und Florida in feuchtem Sand- und Sumpfboden, zuweilen
große Wälder bildend, auch in Nord-Karolina vorkommend. Nach Engel-
mann ist sie auf die feuchten, sandigen, niedrigen Distrikte längs der Küste
von Delaware bis Ost-Texas beschränkt. Im Inlande bei Atlanta in Georgien
und Arkansas.
Im Jahre 1713 in Europa eingeführt.
Baum von 20 — 30 m Höhe bei 0,80 — 1 m Stammdurchmesser, mit aus-
gebreiteter Krone. Stamm in der Jugend mit grauer oder gelblicher, glatter,
später mit tief rissiger Rinde bekleidet, ein außerordentlich harzreiches, für
Häuserbau in Virginien geschätztes Nutz- und Brennholz, dazu auch viel
Terpentin liefernd. Knospen länglich-zugespitzt, mit Harz bedeckt. Blätter
zu 3, lang, steif aufrecht oder etwas abstehend, zusammengedrückt-dreieckig,
am Rande schärflich, kurz gespitzt, freudiggrün, 16 — 25 cm lang, kaum 2 mm
breit, in länglichen, steifen, bräunlichen, öfter zerschlitzten Scheiden. Zapfen
zu 2 — 5, quirlständig, sitzend, abstehend oder etwas nach unten gerichtet,
eirund-länglich-stumpf, 8 — 10, selten 12 cm lang, 3 — 5 cm breit. Schuppen-
schild glänzend - hellbraun, etwas zusammengedrückt -pyramidenförmig, mit
scharfer Querleiste, Nabel mit geradem, scharfem Stachel. Samen braunrot,
6 — 7 mm lang, 4 mm breit, mit braunrotem, 25 — 28 mm langem, 4 — 10 mm
breitem Flügel.
Die echte Pinus Taeda möchte in Deutschland in Kultur kaum vor-
handen sein, dürfte auch dem natürlichen Vorkommen nach als zu empfindlich
kaum Gedeihen versprechen. Carriere nennt sie empfindlich in Kultur in
Frankreich, ebenso Veitch in England, obgleich dort vereinzelt schöne Bäume
vorhanden sind.
Was man in älteren Gärten bei uns unter dem Namen Pinus Taeda
findet, erweist sich bei näherer Untersuchung meist entweder als irgend eine
Form von P. Laricio oder auch als P. rigida, möglich, daß sie schon bei der
Einführung mit letzter verwechselt wurde, obgleich sich diese sofort durch
die zahlreichen jungen Triebe, welche aus dem älteren Holze hervortreiben,
unterscheidet.
II. Klasse. Coniferae. 383
Die echt eingeführten Pinus Taeda dürften, weil nicht für unser Klima
passend, zugrunde gegangen sein, und nur der Name blieb durch Verwechse-
lung, irrtümlich für andere Arten angewendet, erhalten.
31. Pinus rigida Mill. (dict. No. 10 [1768]). Steife Kiefer, Pechkiefer.
(Fig. 95 u. 96.)
Syn. Pinus Taeda rigida Ait. hört. Kew. 1. ed, vol. III, p. 268 (1789).
Fraseri Lodd. Cat. 1836.
Loddigesii Loud. Arb. Brit. IV, p. 2269 (1838).
Pitch Pine, Black Pine, Sap Pine der Amerikaner.
Pitch Pine der Engländer.
In Nord-Amerika von Maine und vom Champlain-See in Vermont bis
zum Alleghani-Gebirge, vom 44. — 38.^ n. Br., auf dürrem oder sumpfigem
Boden große Flächen bedeckend oder gemeinsam mit Thuya occidentalis
vorkommend.
Im Jahre 1750 in Europa eingeführt.
Baum mit ausgebreiteter Krone, je nach dem Standorte in fruchtbarem
Boden und im südlichen Teile des Gebietes 10 — 15, ja 20 — 25 m hoch, im
nördlichsten Teile und im mageren, dürren Boden niedrig, nur etwa 4 — 5 m
hoch. Stamm mit schwarzgrauer, dicker und rissiger Rinde bekleidet. Äste
stark, fast horizontal, junge Zweige mit hellbrauner, glänzender, glatter Rinde.
Knospen länglich-kegelförmig, dicht mit Harz bedeckt. Blätter zu 3, sehr
steif, dunkelgrün, zusammengedrückt-dreieckig, am Rande schärflich, kurz und
scharf gespitzt, 6 — 12 cm lang, bis 2 mm breit, in kurzen, braunroten, öfter
zerfetzten Scheiden. Männliche Blüten in kurzen, gedrängten Ähren, gelb
oder selten purpur, weibliche öfter gehuschelt, hellgrün, mehr oder minder
rötlich angehaucht. Zapfen zu 3—5 quirlständig, selten einzeln, kurz gestielt,
jung abwärts gerichtet, reif rechtwinklig abstehend, hellgelb, lange am Zweige
hängen bleibend, eirund-stumpf, 6 — 10 cm lang, 4 — 6 cm breit. Schuppen-
schild fast rhombisch, etwas zusammengedrückt-pyramidenförmig, mit scharfer
Querleiste, matt aschgrau, Nabel in einen umgebogenen stechenden Dorn
auslaufend. Samen klein, verkehrt-eirund, braunrot, 4 mm lang, kaum 3 mm
breit, mit bräunlichem, 15 — 16 mm langem, 5 mm breitem Flügel.
Pinus rigida gedeiht sowohl auf trockenem wie auf Sumpfboden; je nach
dem Standorte ist auch der Holzwert ein ganz verschiedener, auf trockenem,
leichtem, kieseligem und felsigem Boden ist das Holz schwer und harzig und
heißt hier „Pitch Pine" (Pechkiefer), auf feuchtem angeschwemmtem Boden
dagegen ist das Holz leicht und weich und heißt hier „Sap Pine" (Splintkiefer);
weil überaus harzreich, gibt sie in Menge Terpentin, Pech und Teer.
Nach Dr. Mayr ist das Holz grobfaserig und durch keine hervorragend
vorteilhaften Eigenschaften ausgezeichnet, also kein Nutzholz, aber als Brenn-
und Kohlenholz bemerkenswert.
Nach Sargent bildete Pinus rigida in New- Jersey in der Nähe des
Meeres auf verlassenem, landwirtschaftlich ausgeraubtem Boden in 50 Jahren
einen Bestand von 15 m mittlerer Höhe, mit einem mittleren Durchmesser
von 0,25 m. Erfolgreich sind in Amerika unmittelbar an der Küste An-
384 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Fig. 95. Pinus rigida Mill. im Park zu Wörlitz bei Dessau.
II, Klasse, Coniferae.
385
flanzungen von der Pechkiefer gemacht worden, ebenso hat sie sich durch
Naturbesamung dort angesiedelt.
Nach Professor Meehan in Germantown bei Philadelphia steht Pinus
rigida dort weit hinter unserer P. silvestris zurück.
Dr. Mayr betont ferner, daß bei genauer Untersuchung Pinus rigida
sich kaum harzreicher als andere Kiefern erweisen dürfte und daß in der
Praxis auch das Holz von P. mitis und von P. resinosa als „Pitch Pine"
bezeichnet würde.
Auf die Eigenschaft, daß Pinus rigida aus abgeschnittenen Stämmen
Stockausschlag treibt, wie dies auch bei P. mitis der Fall ist, ist auch über
Fig. 96. Pinus rigida.Mill. l Zweig mit geschlossenem und aufgesprungenem Zapfen; 2 Blattbüschel;
3 Zapfenschuppe von der Seite; 4, 5, 6 Samen.
Gebühr Gewicht gelegt worden, denn Dr. Mayr betont, daß diese Eigenschaft
forstlich kaum von Bedeutung sein dürfte.
Unter Umständen könnte dennoch Nutzen daraus zu ziehen sein; so
teilt Forstmeister Sprengel-Bonn (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1901, p. 56)
mit, daß nach einem Waldbrande etwa ^j^ ha Stockausschlag von Pinus rigida
entstand; an einer Pflanze zeigten sich oft bis 23 Austriebe, die in 3 Jahren
etwa 3 m Höhe erreichten und ein vorzügliches Fasanendickicht abgaben.
Vor allen Dingen ist aber auf einen groben Irrtum aufmerksam zu
machen, nämlich, daß das zu uns aus Amerika eingeführte treffliche Kiefern-
Nutzholz, welches fälschlich als Pitch Pine-Holz bezeichnet wird (obgleich
es in Amerika nirgends so genannt wird), nicht von Pinus rigida, sondern
von P, australis Mchx. (P. palustris Mill,) der südlichen oder Gelbkiefer
(von Karolina bis Florida vorkommend) stammt, einer Kiefernart, welche bei
uns nicht mehr im Freien gedeiht. Durch diese bedauerliche Verwechselung hat
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 25
Qöß Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
man der P. rigida (Pitch Pine) für forstliche Anbauversuche eine ihr nicht
gebührende Stelle angewiesen, und Dr. Mayr sagt daher, daß er diese Kiefer
glaube nur für den Anbau auf dem Dünensand am Meere empfehlen zu
dürfen, da deren Holz im Werte kaum unserer P. silvestris nahe komme und
sich im Binnenlande in Wuchskraft ungünstiger als diese verhalte (vergl. Mayr,
Die Waldungen von Nord-Amerika, S. 188 und 423),
Deutschland hat in alten Gärten schon starke Bäume aufzuweisen, so
z. B. in Wörlitz bei Dessau 20 m hoch mit breit-schirmförmigen Kronen,
welche hei 0,80 m Stammdurchmesser bis zu einer Höhe von 6 m einen gleich
starken, walzenförmigen Stamm zeigen. Weiter in Potsdam, in Braunschweig,
in Mecklenburg; nach Dr. Bolle stehen auf seiner Insel Scharfenberg Bäume
ohne zu leiden 5 Monate des Jahres im Wasser. Solche ältere Bäume zeigen
mehr lichte Kronen, und vor allem die Eigentümlichkeit, daß sich aus dem
alten Holze, den stärkeren Ästen, ja selbst am oberen Stamm in Menge
kurze junge Triebe entwickeln. Abgeholzt bilden die Stöcke, wie schon
erwähnt, Stockausschlag und aus dem Wurzelstock neue Stämme, eine Eigen-
schaft, die nur wenige Kiefern besitzen.
Infolge unverdienter Anpreisung ist Pinus rigida bereits vielfach forst-
lich angebaut. Nach Herrn Gebbers in Wiesenburg in der Mark, welcher
seit 21 Jahren P. rigida kultiviert, erreicht dieselbe im 15. Jahre die Maturität;
derselbe erntete von selbst gezogenen Bäumen reichlich Samen und gewann
von diesen kräftigen Nachwuchs. Auf einer ausgedehnten Flugsandfläche,
mit trockenem Untergrunde, gedeiht P. rigida sehr gut und überholt hier P.
silvestris. Alljährlich sind dann auch Stämme abgeschnitten worden, um die
Ausschlagsfähigkeit zu prüfen; Herr Gebbers gibt auch an, daß sich diese
Kiefer besser als viele andere im späteren Alter, z. B. als 4- und 5 jährige
Pflanzen, mit ziemlicher Sicherheit, ohne Ballen verpflanzen lasse und ist der
Meinung, daß sich P. rigida, ihrer Anspruchslosigkeit halber, unter den an-
gegebenen Verhältnissen bestimmt noch einen Platz in unseren deutschen
Wäldern erobern wird.
Pinus rigida aurea (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 113).
von Oheimb-Woislowitz fand unter Sämlingen 4 Exemplare mit
üppigen goldgelben Trieben, welche, in voller Sonne stehend, die lebhafte
Färbung das ganze Jahr beibehalten. Der Jahrestrieb ist ganz goldgelb,
während die älteren unteren Blätter sich wieder mehr grün färben. Es wäre
diese Form also noch für die schlechtesten, magersten Sandböden eine will-
kommene Bereicherung.
ß) Harzgänge von mechanischen Zellen umgeben,
32. Pinus ponderosa Dougl. (in 'Loud. Arb. p. 2243, f. 2132 u. 2137 [1838]).
Schwerholzige Kiefer, Gelbkiefer. (Fig. 97 u. 98.)
Syn. Pinus Sinclaireana Hook, et Arn. in bot. of Gap. Beech. voy.
p. 392, t. 93 (1841).
„ Benthamiana Hartw. Journ. of the hört. Soc. II, p. 189 et
III, p. 223 (1847).
„ brachyptera Engelm. in Mem. Wisliz. Tour. N. Mex., p. 89
(1848).
II, Klasse. Coniferae. 3g7
Syn. Pinus Beardsleyi Murr. Edin. New. Phil. Journ. 1855, p. 286.
„ Craigiana Murr.
Engelmannii Torr, in Pacif. Rep. IV, p. 141 (1856), non
Carriere.
Yellow Pine der Amerikaner.
Pin ä bois lourd der Franzosen.
Heavy wooded or Western Pitch Pine der Engländer.
Nach Engel mann die am weitesten verbreitete Kiefer des Westens,
in Kalifornien und Oregon auf niedrigen und hohen Bergen, auf sandig-
kiesigem Boden und selbst in der Ebene, oft gesellig mit Pinus Lambertiana
und Abies concolor wachsend. Nach Dr. Mayr erreicht sie in den West-
hängen der Sierra Nevada die schönste Entwickelung, während sie im Felsen-
gebirge in ausgedehnten Waldungen auftritt und hier hauptsächlich das
Gelbkiefernholz verarbeitet wird.
Nach Purp US tritt sie im San Franzisko-Gebirge in Arizona bei 2300 m
auf Basalt, Trachyt, Kalk und rotem Sandstein in lichten, parkartigen Be-
ständen mit var. scopulorum auf (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1904, p. 49,
Taf. III), Abbildung beider Bäume. (Fig. 97.) Weitere Abbildung in Mayr,
Fremdl. Wald- u. Parkb. 1906, p. 370.
Im Jahre 1826 in Europa eingeführt.
Ein prächtiger Baum und eine der größten Kiefern von 60 — 90 m Höhe,
mit Stämmen bis über 4 m Durchmesser, mit sehr dicker (8 — 10 cm) rot-
brauner, tiefrissiger, in großen Platten sich lösender Rinde und mit un-
gewöhnlich dickem Splint, welcher 100 — 200 Jahresringe zeigt, bevor das
Kernholz beginnt. Letzteres ist gelb, schweV und sehr harzreich, es wurde
gesagt, dasselbe sei so schwer, daß es im Wasser untersinke, was wohl auf.
Übertreibung beruht, denn Dr. Mayr gibt an, daß es nicht schwerer als das
unserer einheimischen Kiefer sei und den Namen ponderosa (schwer) nicht
verdiene. Äste wenig zahlreich, stark, abstehend oder etwas überhängend,
oft malerisch, knieförmig gebogen, mit wieder aufstrebenden Spitzen. Knospen
sehr groß, walzenförmig-länglich, lang zugespitzt, harzig, junge Triebe
bräunlich-grün, wodurch sich diese Art sofort von der sehr nahestehenden
Pinus Jeffreyi mit weißblauen jungen Trieben unterscheidet. Blätter an
kräftigen Zweigen, in den Achseln von stark gewimperten, längere Zeit
bleibenden Deckschuppen, zu 3 in dünnen, 22 mm, später nur 10 mm langen
Scheiden, 12 — 25 cm lang, steif^ aufrecht oder abstehend, zusammengedrückt-
dreieckig, am Rande schärflich, zugespitzt, dunkelgrün. Männliche Blüten
gelb, weibHche in Büscheln oder zu 2, dunkelrot. Zapfen meist zu 3 — 5
quirlständig sitzend, abstehend oder leicht zurückgebogen, gerade, eirund-
kegelförmig-abgestumpft, 9 — 11 cm lang, 4 — 5 cm breit, lebhaft braun gefärbt.
Schuppenschild fast rhombisch, ziemlich erhaben-pyramidenförmig und strahlen-
förmig gezeichnet, mit scharfer Querleiste. Nabel hoch, mit einem starken
geraden oder einwärts gekrümmten Dorn. Samen dunkelbraun, 7 — 10 mm
lang, 5 — 6 mm breit, mit 2^1^ — 3 cm langem, trockenhäutigem Flügel, der
über der Mitte am breitesten ist. Kotyledonen 6 — 9.
Eine schöne, üppige, dekorative Kiefer, welche sich bei einigermaßen
geschütztem Stand, selbst in rauheren Lagen als hart bewährte und als junger
25*
QÖJ^ Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Baum mit regelmäßiger, quirlförmiger Aststellung, mit unten auffallend starkem
Stamm, starken Zweigen und langen Blättern sich prächtig ausnimmt.
Biy^
Wrm
f .«^('..f.^
1
■
fi
1 W'^"'
1»
►
u
- --.^i _-
^^^^^^^^^^^^Bp
^^^^^^Hp^^
mtu
k
Wir finden auch in Deutschland schon recht ansehnliche Exemplare,
oft stolze, üppige Bäume, welche auch schon Samen und aus diesen eine
gesunde Nachkommenschaft lieferten.
II. Klasse. Coniferae.
389
In passenden Lagen sollten auch Versuche zur Forstkultur gemacht
werden, da das Holz so geschätzt ist und viel aus Nord-Amerika als wert-
^1
9^
«^ bi.
OQ CO
0) TS
&
tS3
a
'S
volles Nutzholz zu uns eingeführt wird. Dr. Mayr meint zwar, daß Pinus
ponderosa, wie auch P. Jeffreyi, im forstlichen Betriebe kaum einen Vorzug
vor unserer gemeinen Kiefer bieten würden, jedoch müssen hier erst Er-
fahrungen gesammelt werden. In manchen, z. B. in braunschweigischen
OQA Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Forsten sind bereits mit Glück Anpflanzungen gemacht worden und zeigen
diese ein freudiges Gedeihen, ebenso in Pfoerten in der Provinz Brandenburg,
der Besitzung des Grafen von Brühl, weiter sehen wir prächtige, üppige
Bestände in Weinheim an der Bergstraße, in den so interessanten Kulturen
von Ausländern des Grafen von Berkheim. Wenn nach Schwappach:
„Ergebnisse der Anbauvers, von fremdl. Holzarten", Berlin 1901, p. 57, die
Versuche mit P. ponderosa an vielen Stellen erfolglos gewesen sind, so glaubt
Freiherr v. Fürstenberg (in Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1904, p. 31) die
Ursache vielleicht darin erblicken zu müssen, daß man dort den jungen
Kulturen zu wenig Licht und Sonne, dagegen mehr Schutz und Beschattung
gab, wie sie vertragen können. P. ponderosa wächst in Gebieten, die als
äußerst trocken und regenarm bekannt sind. Jedenfalls sollte man nichts
unversucht lassen, diese wertvolle Kiefer in Kultur zu erproben.
Nach Hartig eignet sie sich für bessere Sandböden (Buntsandstein)
und nicht zu schwere Lehmböden. Bei erst sehr langsamem Wuchs ent-
wickelt sie sich später sehr kräftig; er empfiehlt sie einzeln oder horstweise
in Buchenverjüngungen einzusprengen, wo sie seitlichen Schutz genießen,
ohne in der Jugend überwachsen zu werden.
Daß bei dem großen Verbreitungsgebiet je nach Herkunft auch abweichende
Individiuen entstehen, darf uns ja nicht wundern. So fand ich in Versailles in der
an Baumschätzen reichen Besitzung des Barons Mall et (Mitt. d. d. dendr.
Gesellsch. 1900, p. 113) einen besonders schönen üppigen, regelmäßig gebauten
Baum mit rötlich gefurchter Rinde, eine unverkennbare Pinus ponderosa, als
P. Malletii bezeichnet. Auch in Gard. Chron. 1907, p. 77 erwähnt Masters
diesen Baum in gleichem Sinne, der also Pinus ponderosa Malletii heißen muß.
Pinus ponderosa pendula (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1899, p. 107).
Eine nach Reh der in Nord- Amerika aufgefundene, höchst dekorative
Trauerform, welche sich mit der langbenadelten, stark abwärts hängenden
Beästung und Bezweigung prächtig ausnimmt. Eine junge Pflanze davon
sah ich bei Späth in Berlin.
Pinus ponderosa var. scopulorum Engelm. (in Fl. calif. II, p. 125 [1880]).
Felsen-Gelbkiefer.
Syn. Pinus ponderosa der Botaniker des Felsengebirges.
„ scopulorum Lemm. Gard. and Forest X, 1897, „Black Jack".
Nach Engel mann durch das ganze Felsengebirge verbreitet.
Ein kleiner, nur 25 — 30 m hoher Baum, aber mit starken, bis 1,20 m
dicken Stämmen. Blätter 8 — 16 cm lang, öfter auch zu 2 in der Scheide.
Zapfen kleiner, 5^/2 — 8, selten 10 cm lang, graubraun, die Schuppen mit starken
Dornen versehen. Samen 5 — 6 mm lang, Flügel 20 — 27 mm lang.
Diese in allen Teilen kleinere Form wächst mit Pinus ponderosa unter-
mischt und unterscheidet sich durch gedrungenen Wuchs und die schwarz-
graue rissige Rinde des Stammes sofort. Das Splintholz ist dicker, das
Holz überhaupt als Werkholz weniger wertvoll, aber gut als Brennholz und
deshalb von den Holzfällern nicht angerührt (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1897,
p. 51; 1902, p. 81; 1903, p. 110; 1904, p. 30 und 49). Eine bei uns durchaus
II. Klasse. Coniferae. 391
frostharte, schöne Kiefer, welche auch auf ihren Nutzwert ernstUch bei uns
geprüft werden sollte.
Pinus deflexa Torr. (Rep. on the U. St. II 1859, p. 209). Kiefer mit über-
gebogenen Zapfenschuppen.
Diese Kiefer bezeichnet Engelmann als Übergangsform zwischen Pinus
ponderosa und P. Jeffreyi.
Sie bewohnt nach Parry die Gebirge Kaliforniens. Ein schöner Baum
mit geradem Stamm, glatter Rinde. Blätter zu 3, 15 — 18 cm lang in kurzen
Scheiden. Zapfen oval-zugespitzt. Schuppenschild pyramidal, sehr hervor-
tretend, etwas übergebogen, mit großem, umgebogenem Nabel.
Wir sehen an diesen einander sehr nahestehenden Kiefern wieder, wie
dieselben von einigen Autoren als besondere Arten, von anderen nur als
klimatische Varietäten betrachtet werden. Sargent faßt sogar Pinus Jeffreyi
nur als Varietät von P. ponderosa auf, was mir doch zuweit gegangen scheint.
b) Junge Triebe weifsblau bereift, Blätter blau- oder graugrün,
Harzgänge von mechanischen Zellen umgeben.
1. Same flugfähig.
33. Pinus Jeffreyi Murr. (Oreg. Comm. p. 2 mit Abbild. [1853]).
Jeffreys Kiefer. (Fig. 99.)
Syn. Pinus ponderosa var. Jeffreyi Engelm. in Bot. Calif. II, p. 126.
Bull Pine der Amerikaner.
In Kalifornien bis nach Oregon hinein, zumal an den östlichen Abhängen
der Sierra Nevada bis zu 1700 m Erhebung vorkommend und mit dem un-
fruchtbarsten Boden fürlieb nehmend, am meisten liebt sie einen genügend
feuchten, lockeren, kiesigen Sandboden an Flußufern, gemeinsam mit Abies
concolor, während Pinus ponderosa höher aufsteigend in trockneren Lagen
wächst.
Im Jahre 1852 durch Jeffrey in Europa eingeführt und ihm zu Ehren
benannt.
Großer schöner Baum von 30 bis über 60 m Höhe und bis über 1 m
Durchmesser, mit rundlicher Krone und starken, ausgebreiteten Ästen, Stamm
mit feiner gespaltener dunkler Rinde. Zweige stark, junge Triebe weißblau
bereift, von angenehmem, aromatischem Geruch, im Gegensatz zu der ähnlichen
Pinus ponderosa, deren junge Zweige bräunlich-grün sind und nach Terpentin
riechen. Knospen stark, länglich-kegelförmig, ohne Harz. Blätter zu 3, blau-
grün und dünner als die dunkelgrünen von P. ponderosa, 10 — 15 cm lang,
steif, zusammengedrückt -dreieckig, am Rande schärf lieh, scharf zugespitzt.
Männliche Blüten gelbgrün. Zapfen groß, zu 6 quirlständig, nach Engelmann
14 — 30 cm lang, eirund-kegelförmig (Dr. Mayr gibt sie 14 — 18 cm lang und
10 cm stark an), hellbraun, kurz gestielt, weniger gehuschelt als die von P.
ponderosa, mit dünneren Schuppen. Schuppenschild pyramidenförmig, zwei-
schneidig. Nabel in einen schlanken, dornigen, rückwärts gebogenen Stachel
auslaufend. Samen eirund-länglich oder fast dreikantig, 10 — 15 mm lang, 7
bis 8 mm breit, mit einem etwa 3 cm langen Flügel. Kotyledonen 7 — 11.
392 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Fig. 99. Pinna Jeffreyi Murr, anf der Insel Scharf enberg im Tegeler See bei Berlin.
II. Klasse. Coniferae. 393
Eine gleich der vorigen Art präctitige, üppige und sehr dekorative
Kiefer, die sich ebenso widerstandsfähig zeigte wie jene, schon in prächtigen,
ihre mächtigen Zapfen tragenden, meist noch freudiger gedeihenden Exem-
plaren in Deutschland vertreten ist und wegen ihrer großen Genügsamkeit in
betreff des Bodens die größte Verbreitung verdient. Auch diese schöne Kiefer
zeigt an jungen Bäumen die regelmäßige, quirlständige Aststellung und starke,
üppige junge Triebe, die durch die bläuliche Färbung neben den blaugrünen
Blättern besonders zierend sind.
Nach Dr. Bolle hat auf der Insel Scharfenberg ein 22 Jahre alter, 9 m
hoher Baum noch nicht geblüht. In Bonn in Privatgärten brachten üppig ge-
deihende Bäume Zapfen, keimfähige Samen und einen trefflich gedeihenden
jungen Nachwuchs.
Da Pinus Jeffreyi ein schönes rötliches Nutzholz liefert, welches in Ame-
rika höher als das von P. ponderosa geschätzt wird, so gilt auch für forstliche
Anbauversuche das bei P. ponderosa Gesagte; in braunschweigischen Forsten
gedeiht P. Jeffreyi so freudig wie jene, nach Willkomm ebenso in Preußen,
Sachsen und Bayern. In Weinheim an der Bergstraße steht sie in Beständen
üppig neben P. ponderosa.
34. Pinus Coulteri Don. (in Linn. Transact. 17, p. 440 [1836]).
Coulters Kiefer.
Syn. Pinus macrocarpa Lindl. in Bot. Reg. 1840, App. p. 61.
Nach Engel mann in Kalifornien im Küstengebirge bis zu mäßiger Höhe
von Monte Diabolo bis zur südlichen Grenze vorkommend, auf trockenen,
warmen Standorten in kiesig-lehmigem Boden.
Von Douglas 1835 in Europa eingeführt.
Großer üppiger Baum von 25 — 35 m. Nach Dr. Mayr ausnahmsweise
von 45 m Höhe, mit ausgebreiteten, horizontal- und quirlständigen, starken
Ästen, eine lockere, durchsichtige Krone bildend. Rinde der jüngeren Zweige
blaugrün -violett. Knospen zimtbraun, zylindrisch (Unterscheidungsmerkmal
ähnlichen Arten gegenüber), ziemlich groß, länglich zugespitzt, mit Harz
bedeckt.
Stamm mit dicker, rauher, fast schwarzer Rinde. Blätter zu 3, selten
zu 4 oder 5, steif abstehend, zusammengedrückt-dreieckig, an den Rändern
schärflich, zugespitzt, an den Spitzen der dicken Zweige zusammengedrängt,
20 — 25, selten 30 cm lang, 1^/2 — 2 mm breit, blaugrün, in 4 cm langen, im
Alter kürzeren Scheiden. Männliche Blüten gelb, weibliche dunkelrotbraun.
Zapfen kurz gestielt, lang-oval zugespitzt, sehr harzig, gelbbraun, hängend,
einzeln oder zu mehreren, 25 — 28, nach Engel mann selbst bis 38 cm lang,
10 — 12 cm dick, oft über 1 kg schwer, viele Jahre dauernd. Schuppenschild
erhaben -pyramidenförmig, zweischneidig, in einen langen, lanzettlich zu-
gespitzten, hakig gekrümmten und scharf gespitzten Nabel ausgezogen. Samen
oval, leicht gekrümmt, schwarz, 18 — 22 mm lang, 9—10 mm breit, mit braun-
rotem, 2 — 31/2 cm langem Flügel, eßbar, wird in Massen von den Indianern
gesammelt. Das weiche, leichte Holz mit rötlichem Kern soll spröde sein.
Pinus Coulteri steht der P. Sabineana in betreff der Zapfen und
Samen nahe, unterscheidet sich aber sofort durch den ungeteilten, geraden
394 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Stamm, die pyramidale, fichtenähnliche Krone, durch die dickeren, steiferen
Zweige, die steiferen, aufwärts gerichteten (nicht hängenden), weniger blau-
grünen Blätter, die größeren Zapfen mit stechendem, einwärts gekrümmtem
Nabel, die kleineren langgeflügelten Samen. Nach Engelmann kommen die
Zapfen zuweilen kürzer und dicker als gewöhnlich und mit kürzeren Dornen
vor und werden dann irrtümlich für solche von P. Sabineana gehalten, aber
die Samen und Flügel unterscheiden sie doch stets.
Eine schöne, üppig und schnell wachsende, dekorative Kiefer, die sich
ziemlich widerstandsfähig, meist noch härter als Pinus Sabineana zeigte und
daher in geschützten Lagen recht häufig angepflanzt werden sollte, da sie
von regelmäßiger, pyramidaler Gestalt, mit violetten jungen Trieben und
langen Blättern sich prächtig ausnimmt. Lehmboden sagt ihr besonders zu,
sie gedeiht auch noch gut auf Kalkboden.
Auch in Deutschland finden wir schon üppige, Gedeihen versprechende
junge Bäume. Man muß ihr seitlichen Schutz, zumal auch gegen Besonnung
im Winter und Frühjahr und in der Jugend Reisigdecke geben.
2. Same nicht flugfähig.
35. Pinus Sabiiieana Dougl. (in comp, to Bot. Mag. II, p. 150 [1836]).
Sabines Kiefer, Nußkiefer, Weißkiefer.
Syn. Digger Pine, Nut Pine, White Pine, Sabines Pine der Amerikaner.
Nut Pine der Engländer.
In Nordwest-Amerika, zumal durch ganz Kalifornien verbreitet, zerstreut
oder in kleinen Hainen auf den trockenen und heißen Hügeln des Küsten-
gebirges im Sakramento-Tal und auf den Vorbergen der Sierra Nevada
(nicht über 1300 m Erhebung) und gelegentlich an deren östlichem Abhänge.
In Europa von Douglas 1832 eingeführt.
Großer Baum von 30 — 50 m Höhe, ältere Stämme mit rotbrauner, tief-
rissiger Rinde bekleidet, im Habitus von allen anderen Kiefern sehr abweichend,
mit lichter Krone und rundem Wipfel. Nach Dr. Mayr teilt sich der Stamm
mehrere Meter über dem Boden in starke Äste und gleicht mehr einer Weide
als einem Nadelholzbaum aus der Ferne, mit schlanken blaugrünen Zweigen
und dünner durchsichtiger Belaubung. Knospen länglich-kegelförmig, lang
zugespitzt, hellbraun, sehr harzig. Blätter zu 3, selten zu 4, dünne, hängend,
hell- oder blaugrün, 22 — 30 cm lang, 1^/2 mm breit, zusammengedrückt-drei-
eckig, am Rande schärflich, scharf zugespitzt, in 3 cm langen, hellbraunen,
seidenartigen, später zurückgerollten Scheiden. Männliche Blüten gelb, weib-
liche an derben Stielen, dunkelpurpur. Zapfen einzeln oder zu mehreren, kurz
gestielt, nickend, eirund-stumpf, dunkelmahagonibraun, massiv und dauernd,
15 — 25 cm lang, 10 — 15 cm breit. Schuppenschild erhaben-pyramidenförmig,
zweischneidig, mit starkem, etwas einwärts gebogenem, sehr verlängertem
Nabel. Samen fast zylindrisch, 2 — 3 cm lang, dunkel, Flügel kaum halb so
lang, mit breitem Rande, eßbar. Kotyledonen 15 — 16.
Eine von den Nußkiefern, deren Früchte als Nahrungsmittel für die
Indianer von größter Wichtigkeit sind.
In Deutschland zeigte sie sich in rauhen Lagen empfindlich, sollte jedoch
in den milderen Gegenden oder in geschützten Lagen weit mehr angepflanzt
t
II. Klasse. Coniferae. 395
werden, denn unter günstigen Verhältnissen bildet sie schöne Bäume mit
pyramidaler Krone, denen durch die blaugrünen Zweige und die blaugrünen
Blätter, mit welchen die dunkelbraunen großen Zapfen eigenartig kontrastieren,
ein ganz besonderer Schmuck verliehen wird.
Die Pflanzen sollten im Schutze herangezogen und als kräftige junge
Pflanzen an den Platz gesetzt werden, nie darf man sie länger in Töpfen
stehen lassen, wo sie bald kahl und dünnzweigig werden. Sie lieben einen
nahrhaften lehmigen, genügend durchlässigen, mehr trockenen Boden.
b) Blätter 30 — 40 cm lang. Harzgänge von mechanischen Zellen umgeben.
36. Pinus latifolia Sargent (in Garden and Forest. 1889, p. 496 u. 498, mit
Abbild.). Breitblättrige Kiefer.
Syn. Pinus Mayriana Sudworth., Abbild, in Fremdl. Wald- u. Parkb.
Mayr 1906, p. 368. Zweig mit 2 Zapfen.
Dr. H. Mayr entdeckte im Herbst 1887 an den südlichen Abhängen
des Santa Rita-Gebirges im südlichen Arizona in einem bisher noch botanisch
nicht ausgebeuteten Gebirgsteil diese neue Kiefer, und zwar fand er sie ge-
meinsam mit Quercus hypoleuca und unter Pinus arizonica und P. chihua-
huana wachsend.
Durch die sehr langen, zu 3 in bleibenden Scheiden stehenden Blätter
mit Hypodermzellen unter der Epidermis und um die Harzgänge herum ist
sie in Engelmanns Sektion Euponderosae bei Pinus Engelmannii (macro-
phylla) P. ponderosa, P. Jeffreyi und P. canariensis einzureihen.
Nach Dr. Mayr ein mittelhoher Baum von etwa 20 — 25 m Höhe, mit
dicker und tief gefurchter, dunkelbrauner Rinde und derben, gedrehten Ästen.
Die Knospenschuppen sind zurückgeschlagen, 2 cm lang, zugespitzt, mit
trockenhäutigen, geschlitzten Rändern und in eine lange, pfriemliche Spitze
ausgezogen. Blätter zu 3, an den Spitzen der Zweige zusammengedrängt,
gesägt, 30 — 40 cm lang, mit vorstehender Rippe, in bleibenden, länglichen,
zerschlitzten, kastanienbraunen Scheiden. Zapfen fast endständig gehuschelt,
sitzend, eirund-schief, 8 — 14 cm lang, 6 — 8 cm breit, hellbraun. Schuppen
mit auswärts gekrümmten Apophysen und derbem, weit vortretendem, kegel-
förmigem Nabel und kurzem Enddorn. Samen eirund, 4 mm lang, erhaben
gestreift, hellbraun, mit breitem, 2 cm langem Flügel. Blüten wurden nicht
beobachtet.
Diese Art unterscheidet sich von Pinus ponderosa durch längere und
breitere Blätter und durch den langen runden Nabel auf den Zapfenschuppen,
welcher dem von P. Coulteri nicht unähnlich, obgleich weit kleiner ist; von
P. Engelmannii (macrophylla), welcher sie sehr nahe zu stehen scheint, weicht
sie ab durch die stets zu 3 stehenden, etwas kürzeren und breiteren Blätter,
durch die viel kleineren Zapfen und das Fehlen der derben, breiten, stark
zurückgekrümmten bleibenden Spitze des Nabels.
37. Pinus Engelmannii Carr. (Rev. hört. 1854, p. 227). Engelmanns Kiefer.
Syn. Pinus macrophylla Engelm. in Wisliz. Mem. p. 103, note 25 (1846
bis 1847).
396 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Bewohnt die höchsten Gebirge von Cosiquiriachi westHch von Chihua-
hua in Neu-Mexiko und soll dort gemein sein, wurde 1846 von Wislizenus
entdeckt.
Noch nicht eingeführt.
Baum von 20 — 25 m Höhe. Knospenschuppen lang zugespitzt, gefranst-
geschlitzt, trockenhäutig bleibend. Blätter zu 3 oder 4, selten zu 5, an den
Spitzen der Zweige gehäuft, an den Rändern gesägt und an allen Flächen
rauh, fast blaugrün, 30—40 cm lang, in 3^/2 — 4^/2 cm langen, angedrückten,
zerschlitzten Scheiden. Zapfen 14 cm lang; Zapfenschuppen mit kegelförmigen
Schildern, an der Spitze in einen zurückgebogenen Dorn auslaufend. Samen
klein, geflügelt.
Sargent in Silva N. Am. XI, p. 80 (1897) sieht Pinus Jeffreyi, latifolia
(Mayriana) und Engelmannii (macrophylla) nur als Formen der weitverbreiteten
P. ponderosa an und erklärt, dieselben gingen so ineinander über, daß sie
ununterscheidbar seien.
c) Blätter zu 2, in der Jugend zuweilen zu 3.
5. Subsektion Murrayana Mayr (Köhne).
Harzgänge der Blätter im Parenchym, Zapfen kegelförmig, meist aus
Knospen am Längstrieb zwischen zwei Quirlen. Same flugfähig, vom Flügel
zangenförmig gefaßt, aber auf einer Seite mehr als auf der anderen vom Flügel
bedeckt. (Lariciones, Pungentes und Mites Engelmann.)
A. Junge Triebe weißlich bereift, Harzgänge ohne mechanische Zellen.
38. Pinus inops Sol. (ex Ait. H. Kew. I. vol. 3, p. 367 [1789]). Jerseykiefer.
Syn. Pinus virginiana Mill. Dict. n. 9 (1768).
„ variabilis Lamb. Pin. 1. ed., p. 22, t. 15 (1803).
New Jersey Pine und Scrub Pine der Amerikaner.
Pin pauvre, Pin chetif der Franzosen.
Scrub Pine der Engländer.
In Nord-Amerika vom rechten Ufer des Hudson bis Karolina in dürrem,
sandigem Boden. Sie herrscht in den mittleren Vereinigten Staaten vor und
nach Dr. Mayr wird ihr Holz zu Wasserleitungsröhren, zu Brenn- und
Kohlenholz gesucht.
Im Jahre 1739 in Europa eingeführt.
Baum von 8 — 12 m Höhe, mit braunroter, rissiger Rinde, rotgelbem
Holze und ausgebreiteter Krone. Äste unregelmäßig stehend, oft gedreht.
Zweige ausgebreitet, mit glatter, weißblau bereifter Rinde, was neben den nie
quirlförmig stehenden Ästen und Zweigen ein gutes Unterscheidungsmerkmal
ähnlichen Kiefern gegenüber ist. Knospen spindelförmig rotbraun, öfter mit
Harz überzogen. Blätter zu 2, selten an jungen Pflanzen zu 3 in weißer,
braungeringelter Scheide, kurz, steif, etwas gedreht, halbrund, oben flach, am
Rande scharf, kurz stachelspitzig, dunkelgrün, 4 — 5 cm lang. Männliche Blüten
geknäuelt, gelbbraun, weibliche blaßgrün. Zapfen kurz gestielt oder fast sitzend
zu 2 — 4, abstehend oder etwas hängend, gerade oder etwas gebogen, länglich-
kegelförmig stumpflich, 4 — 7 cm lang, 25—35 mm breit, nach Dr. Mayr, wenn
reif, rotblau. Schuppenschild fast rhombisch-pyramidenförmig, am oberen
II. Klasse. Coniferae. 397
Rande leicht gekerbt, Nabel in einen feinen, stechenden, nach oben ge-
krümmten, leicht abbrechenden Dorn endigend. Samen eirund, an der Basis
verschmälert, mit einem fast dreimal so langen, hobeiförmigen Flügel.
Eine harte, in unseren Kulturen oft verwechselte, jedoch in stärkeren, zapfen-
tragenden Exemplaren vorhandene, meist niedrig bleibende, buschige Kiefer
von unregelmäßigem Wuchs, die so überaus harzreich ist, daß der Stamm in
Menge Harz ausschwitzt und zumal bei warmer Witterung einen balsamischen
Duft verbreitet. Da diese Art auf dem schlechtesten Boden gedeiht, so sollte
sie zur Bewaldung öder, dürrer Landstriche, wie auch zur Befestigung der
Dünen herangezogen werden, zumal Stürme dem niedrigen, buschigen Baum
nicht viel anhaben können. Purkyne schlug ihn (nach Willkomm, Forst-
botanik) zum Anbau auf heißen Tonschieferböden vor. Dr. Mayr gibt an,
daß die Jerseykiefer auf geringwertigen, trockenen Höhenlagen in Amerika
immer mehr an Ausdehnung gewinnt.
Noch wäre zu bemerken, daß Pinus montana rotundata (uliginosa, vergl.
daselbst) in unseren Kulturen vielfach mit P. inops verwechselt wird; erwiesen
ist, daß genannte aufstrebende Form der P. montana auf den Mooren und
Dünen Jütlands forstlich angebaut wird, aber häufig noch unter dem falschen
Namen P. inops.
39. Pinus mitis Mchx. (fl. bor. amer. II, p. 204 [1803]; Arbr. I, p. 52, t. 3 [1810]).
Glatte Kiefer, Gelbkiefer, Fichtenkiefer.
Syn. Pinus echinata Mill. dict. n. 12 (1768).
„ Taeda y variabiHs Ait. Hort. Kew. I, 3. ed., p. 363 (1789).
„ variabilis Lamb. Gen. Pinus I, p. 22, t. 15 (1803); Pursh.
Flor, of North. Amer. II, p. 643 (1814).
„ lutea Lodd. Cat. 1836.
„ intermedia Fisch, ex Gord. Pin. p. 170 (1858).
Yellow Pine, Spruce Pine, Short-leaved Pine der Amerikaner.
Yellow Pine der Engländer.
In Nord-Amerika weit verbreitet durch die mittleren und teilweise süd-
lichen Staaten, selten in New-Jersey mit Pinus rigida lichte Bestände bildend
und weiter nach Norden nicht gefunden, westlich in Arkansas und Missouri
(hier die größte Entwickelung erreichend und ausgedehnte Wälder bildend),
südlich vom Missouristrom bis Florida und Texas vordringend, wo sie die
einzige Kiefernart ist, stets auf kieseligem, dürrem Boden.
Etwa um das Jahr 1739 in Europa eingeführt.
Baum von 15 — 30, gelegentlich bis 40 m Höhe, mit pyramidaler Krone,
im Wuchs der Fichte (Rottanne) ähnlich, daher auch „Fichtenkiefer" genannt.
Stamm gerade, mit dunkelgrauer, rissiger, viele Harzbeulen einschließender
Rinde. Äste ausgebreitet, Rinde jüngerer Zweige bläulich-weiß, Knospen
länglich, harzig. Blätter an älteren Bäumen stets zu 2, halbrund, an jungen
Pflanzen öfter auch zu 3 und dann zusammengedrückt-dreieckig, dünn, steif
abstehend, am Rande rauh, zugespitzt, dunkelblaugrün, 7 — 10 cm lang. Männ-
liche Blüten in Knäueln hellpurpur, weibliche zu 2 oder 3, hellrosa. Zapfen
hellbraun, einzeln oder zu zweien, fast sitzend, etwas hängend, eirund-kegel-
förmig-stumpf, 5 — 6 cm lang, 3 cm breit, Schuppenschild fast rhombisch, etwas
zusammengedrückt-pyramidenförmig, mit scharfer, wenig vortretender Quer-
^Qft Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
leiste, Nabel mit kurzem, scharfem, etwas eingebogenem Dorn. Samen klein,
eirund, mit einem fast dreimal zu langen, breiten, hobeiförmigen Flügel.
Eine Pinus inops nahestehende, als junge Pflanze oft mit ihr verwechselte
Kiefer; aber durch dünnere, nicht gedrehte Blätter, kleinere Zapfen und
schlanken Wuchs abweichend.
Nach Dr. Mayr vermittelt Pinus mitis den Übergang von den zwei-
nadeligen zu den dreinadeligen Kiefern, zeigt im Wuchs wie in biologischer
Hinsicht große Ähnlichkeit mit P. rigida und besitzt auch wie letzte die Eigen-
schaft, abgeschnitten aus schlafenden Augen des Stammes Ausschläge zu
bilden, welche jedoch forstlich keinen Wert haben dürften. In den westlichen
Staaten liefert P. mitis ein treffliches Nutzholz, was dem der Pechkiefer
(P. rigida) vorzuziehen ist.
Da diese Kiefer der gemäßigten warmen Region, und zwar deren süd-
lichen Hälfte angehört, so dürfte ihre Kultur in Deutschland wenig Erfolg
versprechen. Die Empfehlungen, Pinus mitis zur Aufforstung unfruchtbarer,
sandiger Landstriche und Dünen zu verwenden, dürften daher sehr vorsichtig
aufzunehmen zu sein, denn die echte P. mitis zeigt in Deutschland bisher ein
wenig freudiges Gedeihen und erfror in verschiedenen Lagen. Jedenfalls wird
sie in Kultur oft verwechselt, ja man findet dafür selbst die gemeine Kiefer;
ob auf solchen Verwechselungen auch die Angaben beruhen, daß P. mitis
noch in Ost-Preußen hart sei und Bäume bilde, bleibt zu entscheiden, oder
ob Bäume je nach ihrer Abstammung aus den wärmeren oder nördlichsten
Gegenden etwa die verschiedenen Angaben über Ausdauer und guter oder
schlechterer Entwickelung bedingen. Jedenfalls ist dringend anzuraten, Saat-
gut für fernere Kulturversuche stets aus den nördlichsten Gegenden,
wo P. mitis noch normal vorkommt, zu beziehen und durch weitere Kulturver-
suche unter günstigen Bedingungen ihren etwaigen Nutzwert für uns festzustellen.
B. Junge Triebe grün bis braun, unbereift.
a) Gefäfsbündel des Blattzentralstranges mindestens um ihre eigene Breite
voneinander entfernt.
1. Schuppenendflächen sehr flach, mit Ouerleiste und sehr kleinem, zeitig
abfallendem Nabeldorn. Harzgänge der Blätter meist von ziemlich dickwandigen
Zellen umgeben.
40. Pinus Banksiana Lamb. (Pin. 1. ed. [1803], 2. ed., p. 7 [1828]).
Banks Kiefer, Strauchkiefer.
Syn. Pinus canadensis foliis curtis usw. Duham. Arb. II, p. 126.
„ silvestris ö divaricata Ait. hört. Kew. 1. ed., p. 3, t. 366 (1789).
„ divaricata Du Mont de Cours Bot. Cult. III, p. 760 (1802),
Sargent Silva N. Am. XI, p. 147, t. 588 (1897).
„ hudsonica Poir. Dict. Encyclop. V, p. 339 (1804).
„ rupestris Mchx. Arb. forest. I, p. 49, t. 2 (1810).
Jack-Pine, Gray-Pine der Amerikaner.
Sir Joseph Banks Pine der Engländer.
Im kälteren Nord-Amerika bis zum 68.^ n. Br., in Kanada auf Felsen
an der Hudsons-Bay, in Neu-Schottland, häufig in Nord-Michigan und Wis-
consin; im trockensten, magersten Sandboden wachsend.
II. Klasse. Coniferae. 399
Im Jahre 1785 in Europa eingeführt.
Ein Baum von spitz-kegelförmigem Wuchs, der je nach Boden und
Standort 10—20 m, ja, nach Macoun, in Kanada bis 35 m Höhe erreichen
soll. Stamm mit dunkelgrauer Rinde. Äste aufrecht, junger Baum kerzen-
gerade in die Höhe wachsend. Zweige dünn und biegsam, jung dunkelrot,
später hellgelbgrün. Knospen eirund-länglich, mit Harz bedeckt. Blätter
zu 2, sehr dichtstehend, 4—6 cm lang, steif, abstehend, etwas sichelförmig
gebogen, hellgrün, unten konvex, am Rande rauh, stumpf-stachelspitzig.
Männliche Blüten in Knäueln, gelb, weibliche dunkelpurpur, oft in 2 Büscheln
auf demselben Triebe. Zapfen grau, zu 1—3, meist zu 2, mit den Spitzen
gegen den Zweig hingebogen, eirund-zylindrisch-spitz, sichelförmig gekrümmt,
4— 5 cm lang, 2 — 3 cm breit. Nach Engelmann öffnen sich die Zapfen
oft erst spät und bleiben lange Zeit an den Bäumen hängen, auch ist es
wahrscheinlich die einzige Kiefer mit aufrechten oder wenigstens abstehenden
Zapfen; die kleinen Dornen auf den jungen Zapfen verschwinden bald, so daß
die reifen Zapfen unbewaffnet sind; Zapfenschuppen fast rhombisch, glänzend,
leicht pyramidenförmig. Querleiste wenig hervortretend. Nabel klein. Samen
klein, an der Spitze schief abgestutzt, schwärzHch. Engel mann sagt: „Die
Basis des ungeteilten Flügels bedeckt die äußere Seite des Samens und trennt
sich von ihr ab, gerade so, wie es bei Picea der Fall ist, und zwar in einer
Ausdehnung, wie ich es bei keiner anderen Kiefer gesehen habe."
Nach Dr. Mayr dürfte das braungefärbte Kernholz dem der gemeinen
Kiefer an Güte kaum nachstehen, derselbe glaubt daher diese bescheidene,
harte Kiefer für geringwertige, sandige Böden zu forstlichem Anbau empfehlen
zu sollen.
Eine harte, zierliche, auch in unseren Kulturen rasch und schlank auf-
wachsende Kiefer, welche schon jung in Menge Zapfen ansetzt und eine
eigenartige Erscheinung gewährt, daher mehr auch als Zierbaum angepflanzt
werden sollte.
Herr Dr. Bolle erhielt von einem auf seiner Insel Scharfenberg bei
Berlin 1876 gepflanztem Baume 1885 die ersten Zapfen und zeichnet sich der-
selbe durch zierlichen Wuchs und einen aromatischen Geruch besonders aus.
Diese genügsame Kiefer ist in letzter Zeit zur Aufforstung der magersten,
trockensten Sandböden und Ödländereien mit Glück angebaut und zu Milli-
onen, z. B. in Halstenbek, Pinneberg und Umgebung in den Gehölzmassen-
anzuchten erzogen und verbreitet worden. Sie hat den großen Vorzug, sich
gut verpflanzen zu lassen und hat sich auch auf feuchtem, ja nassem an-
moorigem Boden, selbst auf reinem Moorboden, z. B. auch in den Heide-
kulturen von Schleswig-Holstein, bewährt. Nach Schwappach haben die
Anbauversuche auf den schlechtesten Böden, sogen. Sandgallen, den An-
forderungen vollauf entsprochen. Sie zeichnet sich durch Widerstands-
fähigkeit gegen Dürre, Frost und Schütte und dabei durch Raschwüchsig-
keit aus.
Ihr Anbau kann also für genannte Verhältnisse nicht warm genug
empfohlen werden. Mayr in Fremdl. Wald- und Parkb. 1906, p. 355 bildet
in einem Mischbestand vierjährige Bankskiefern von 2 — 2,50 m Höhe, ab.
Vorzüglich haben sich Pflanzungen des Herrn Max von Sivers in Römers-
hof bei Riga bewährt.
400 'Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Pinus Banksiana „Annae" Schwerin (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1908).
Eine schöne gelbbunte Form, welche untermischt zahlreiche gelb-
lich-weiße Blätter trägt und von Frau Gräfin von Schwerin, deren Namen
sie trägt, aufgefunden wurde.
2. Schuppenflächen deutlich bis sehr stark pyramidal erhaben, mit Querleiste
und bleibendem, oft sehr starkem Nabeldorn. Harzgänge ohne mechanische
Zellen.
a) Zapfen kegelförmig, oft sehr schief, geschlossen mindestens doppelt so lang wie dick.
41. Pinus contorta Dougl. (in Loud. Arb. et frut. Brit. IV, p. 2292 [18381
et Encyclop. of trees p. 975, f. 915 [1842]). Drehkiefer.
Syn. Pinus inops Bong. Veg. Sitch., p. 45 (1838) (durch Verwechselung
mit P. inops Sol. ex Ait.).
„ Mac-Intoshiana Laws. ex Gord. Pin., p. 165 (1858).
„ Bolanderii Pari, in D. C. Prodr. XVI, 2, p. 379 (1868).
Scrub-Pine der Amerikaner.
Im westlichen Nord-Amerika von der Mündung des Kolumbia-Flusses
stammte nach Engelmann die Douglassche Originalpflanze, sie wächst an
der feuchten, sandigen Küste des großen Ozeans von Mendocina bis Alaska
in einer Ausdehnung von etwa 1500 Miles. Pinus Bolanderii Pari, (von Mendo-
cino in Kalifornien) ist dieselbe Pflanze.
Im Jahre 1831 von David Douglas in Europa eingeführt.
Ein niedriger, 2 — 5, selten 6 — 8 m hoher Baum bei 0,17 m Stamm-
durchmesser. Stamm mit dünner, glatter Rinde, Krone gerundet oder mit
eingedrücktem Wipfel. Junge Zweige erst hellorangengelb, später dunkel-
rotbraun. Engelmann nennt ihn einen echten Seeküstenbaum, der einen
außerordentlichen Schutz gegen die Pazifik - Stürme und deren Salzwellen
bietet, genau wie es Pinus halepensis für die Mittelmeerländer tut. Die
derben, gedrehten Blätter, sowie die dauernden und lange geschlossenen, sehr
schiefen Zapfen, welche den Baum so bedecken, daß zuweilen kaum etwas
Blattwerk sichtbar bleibt, charakterisieren ihn hinlänglich. Blätter 3 — 4 cm
lang und 1 mm breit, stark gedreht, dicht gesägt und stumpf zugespitzt, Deck-
schuppen kaum gewimpert. Blüten orangenrot. Zapfen gehuschelt, oval oder
fast zylindrisch, sehr schief, mit starken, kurz-pyramidalen Schuppenschildern
und feinen Dornen auf dem kurzen, schwarzen Nabel, 3 — 5 cm lang, 2 — 3 cm
breit, sehr oft während mehrerer, oder vieler Jahre geschlossen bleibend.
Samen schwarz, grubig, 5 mm lang, Flügel 14 mm lang, oben spitz zulaufend.
Eine in unseren Kulturen schöne, gedrungen und pyramidal aufwachsende,
ganz harte Kiefer, mit kurzen, quirlständigen Ästen, welche sich mit ihren frisch-
grünen, glänzenden Blättern gut ausnimmt und, weil sie nicht groß wird, recht
viel angepflanzt werden sollte; auch in forstlicher Beziehung sollten, ihrer
großen Widerstandsfähigkeit halber, an Küsten Kulturversuche gemacht werden,
zumal sie nach Dr. Mayr auch ein sehr schweres Holz liefert.
Pinus contorta var. Murrayana Engelm. (in Bot. of Californ. II, p. 126).
Murrays Kiefer. Lodge Pole Pine.
Syn. Pinus contorta Newb. und der kalifornischen Botaniker.
„ inops Benth. PI. Hartw., p. 337.
IL Klasse. Coniferae. 4Q]^
Syn. Pinus Murrayana Balf. Rep. Oregon Exp., p. 2, t. 3 (1863).
„ contorta latifolia Engelm. Porter, Fl. Colorado.
„ (?) Boursieri^) Carr. Revue hört. 1854, p. 223.
Nach Engelmann eine breitblätterigere Gebirgsform, ein gemeiner
Baum der höheren Sierra Nevada, bis zu einer Erhebung von 2300 — 3000 m.
Sie verbreitet sich bis nach Oregon hinein und im Felsengebirge südlich bis
Kolorado und Utah.
In der Sierra Nevada fallen die Zapfen früher ab, aber in Kolorado 2)
dauern sie so lange, als an der Küste. Engelmann fügt hinzu, daß Jeffreys
Exemplare, auf welche Pinus Murrayana begründet wurde, von den hohen
Sierras stammen und unzweifelhafte P. contorta sind, da P. muricata, mit
welcher sie verwechselt worden sind, niemals von der Küste entfernt vorkommt
und auch sonst sehr verschieden ist.
Baum von 25 — 40 m Höhe und 1,30 — 2 m Stammdurchmesser, mit kegel-
förmiger Krone und dünner, schuppiger, hellgrau-brauner Rinde. Blätter 3 — 8,
meist 5 cm lang, l^/g — 2 mm breit, hellgrün, fein gesägt. Zapfen sehr selten
seitenständig, weniger schief, oft zur Reifezeit sich öffnend und abfallend.
Samenflügel länger; andere Unterschiede sind nicht vorhanden.
Dr. Mayr glaubt, daß die meisten bei uns als Pinus contorta bezeichneten
Kiefern zu P. Murrayana zu ziehen sein dürften und empfiehlt letzte zu forst-
lichen Anbauversuchen auf nassen Böden und Hochmooren.
In Fremdl. Wald- u. Parkb. 1906, p. 359 bildet er einen Bestand der
Murraykiefer im westl. Alberta in Kanada ab.
Die Murraykiefer hat sich in unseren Kulturen bereits als eine durch
aus harte, raschwüchsige üppige schöne Kiefer gezeigt, welche nicht nur als
Zier-, sondern auch als wertvoller Nutzbaum unsere vollste Beachtung verdient.
In den Kulturen des Heidekulturvereins von Schleswig-Holstein sah ich sie
neben der Bankskiefer im Mischbestande mit mächtigen Jahrestrieben als üppige
Kandelaber alle Nachbarn weit überholen (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906,
p. 89 u. 130).
Nach von Hol dt in AUcott (Kolorado) hat
gewölbter Krone. Stamm gerade, mit schwarzgrauer, tiefrissiger Rinde. Äste
an jungen Bäumen regelmäßig quirlständig, mit dünner, glatter, grünlich-
brauner Rinde. Rinde der jungen Triebe grüngelb. Knospen braunrot,
harzig, eirund-länglich-spitz, mit silberweißen, dichtanliegenden Schuppen.
Blätter 8 — 15 cm lang, starr, mit gelbHcher Spitze, oberseits gerinnt, öfter
gedreht, dunkelgrün, in kurzen, gelbbraunen Scheiden zu 2, selten zu 3.
Fig. 101. Pinus Laricio Poir. 1 aufgesprungener Zapfen ; 2 frischer Spitzentrieb mit jungem Zäpfchen;
3 Blattpaav in der Scheide; 4 Zapfenschuppe; 5 Samen.
Männliche Blüten in dichten Knäueln, zylindrisch-blaßgelb. Zapfen 5 — 8 cm
lang, an der Basis 3 cm breit, eirund oder eirund-kegelförmig, sitzend, hori-
zontal abstehend od^r schief abwärts gerichtet, glänzend-gelbbraun, zu 2 — 4
quirlständig. Schuppenschild fast rhombisch, zuweilen strahlig-runzelig, mit
scharf vortretender Querleiste und mit großem, hellbraun-glänzendem, rhom-
bisch niedergedrücktem, stumpfem Nabel, obere Schuppen oft mit einem
kurzen Dorn. Samen eirund-länglich, 5 — 7 mm lang, aschgrau, mit großem,
4 — 5 mal so langem, hellem, braungestreiftem Flügel.
Holz, nach Willkomm, dem von Pinus silvestris ähnlich, äußerst
harzreich, daher von großer Brennkraft. Splint immer sehr breit, bei alten
Stämmen oft Hunderte von Jahresringen umfassend. Kern hell- und braunrot,
sehr harzreich.
Ein schöner, nutzbringender Baum, der in dem ausgedehnten Verbreitungs-
bezirk auch forstlich viel angebaut und auch in Deutschland als Parkbaum
408 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Flg. 102. Pinus Laricio Poir., alter Baum im Park zu Wörlitz bei Dessau.
II. Klasse. Coniferae. 409
angepflanzt wird. Man unterscheidet gewöhnlich vier Hauptformen, die
mit Unrecht auch als verschiedene Arten angesehen wurden und teils noch
so bezeichnet werden, jedoch vielfach ineinander übergehen und daher nicht
mit Sicherheit unterschieden werden können, weshalb Christ nur zwei
Hauptformen annimmt, nämlich: a) die feinblättrige (leptophylla) = Pinus
monspeliensis Salzm. und b) die dickblättrige, unter welcher er alle
anderen Formen von P. Laricio zusammenfaßt.
Blätter dick und steif.
Pinus Laricio calabrica Delam. Kalabrische oder südeuropäische
Schwarzkiefer.
Syn. Pinus calabrica Delam. Loud. arb. et frut. brit. IV, p. 2001 (1838).
„ Laricio stricta Carr. Conif. 1. ed., p. 385 (1855).
„ „ italica hört.
„ romana hört.
Pin de Calabre, Laricio de Calabre der Franzosen.
Calabrian Pine der Engländer.
In Italien, Sizilien, speziell in Kalabrien vorkommend. Die ältesten und
größten Bäume von riesigen Dimensionen, 45 bis über 50 m hoch, die über
tausend Jahre geschätzt sind, sollen in Kalabrien vorkommen.
Baum von sehr üppigem Wuchs, mit schlankem, sehr geradem Stamm
und mehr aufstrebenden, kurzen Ästen. Rinde der einjährigen Zweige licht-
braun. Die Blätter sind weniger schwarzgrün wie die der folgenden Form.
Zapfen eirund-kegelförmig, öfter etwas gekrümmt, 5 — 7 cm lang, gelb- bis
dunkelbraun. Schuppenschild mit scharfer Querleiste. In Kalabrien große
Wälder bildend, auch in Frankreich viel angebaut und für Schiffsbauten ver-
wendet. Noch in magerem Sand- und Kalkboden sich zu starken schönen
Bäumen entwickelnd.
Prächtige, kerzengerade, säulenförmige Stämme sah ich in der Domäne
des Barres bei Nogent sur Vernisson in Frankreich (Mitt. d. d. dendr. Ge-
sellsch. 1900, p. 100 u. 102), aber auch bei uns in Deutschland im Park zu
Heitorf bei Düsseldorf (1904, p. 15) und in der alten Boothschen Baumschule
in Kl. Flottbek bei Hamburg (1906, p. 146).
Pinus Laricio austriaca Endl. (Syn. Conif. p. 179 [1847]). Österreichische
Schwarzkiefer, Schwarzföhre. (Fig. 103.)
Syn. Pinus nigra Arnold. Reise nach Mariazell, p. 8 ff. (1785), nicht Ait.
nigricans Host. fl. aust. II, p. 628 (1826).
Pinus nigra Lk. in Abhandl. d. Berl. Akad. 1827, p. 173.
„ austriaca Höss. Monogr. der Schwarzföhre. Wien 1831.
„ Laricio y nigricans Pari, in D. C. Prodr. XVI, 2, p. 387 (1868).
„ Pinaster Bess. fl. Galiz. II, p. 294.
„ maritima Koch. Syn. 1. ed., p. 667.
„ dalmatica Vis.^) fl. dalmat I, p. 129.
„ silvestris Baumg. Fl. Transsylv. II, p. 203.
^) Nach Prof. Adamovic eine griechische Art, am Taygetos vorkommend, mit längeren,
locker gestellten Blättern.
4.10 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland- Coniferen und Ephedra-Arten.
Syn. Pin noir d'Autriche der Franzosen.
Austrian Pine der Engländer.
Flg. 103. Pinus Laricio austriaca, junger Jiaum, aus den Beständen von Dahs und Keuter-Jüngsfeld.
Einheimisch in Nieder-Österreich, Kärnten, Krain, dem Küstenlande,
Ungarn (Banat), Kroatien, Dalmatien, Bosnien, Herzegowina.
Auch diese Form nimmt riesige Dimensionen an; nach Willkomm
sollen im Wiener Walde wahre Riesenbäume vorkommen, andererseits
II. Klasse. Coniferae. 411
kommt sie auf dürrem Kalkboden auch strauchartig als aufrechter, pyrami-
daler Busch vor.
Sie wird in den genannten Ländern in bedeutender Ausdehnung forst-
hch angebaut; auch in Deutschland findet man schon ziemlich ausgedehnten
forstlichen Anbau von derselben und Ernten keimfähiger Samen.
Sie bildet üppige Bäume mit breit-eiförmiger Krone und in der Jugend
quirlständiger, kandelaberförmiger Aststellung. Einjährige Zweige mit grau-
brauner, ältere mit schwarzgrauer Rinde bekleidet. Blätter besonders steif
und dunkelgrün, auch dicker und mehr abstehend. Hübsch nehmen sich zu
dem dunklen Grün die jungen weißbeschuppten Triebe aus und erscheinen
wie Lichter auf einem Christbaume. Sie ist als junger Baum besonders schön,
will aber sonnigen und freien Stand haben, alte Bäume sind oft malerisch
schön, zumal auf oder an Felsen.
Pinus Laricio austriaca variegata hört.
Syn. Pinus austriaca variegata hört.
Dies ist die buntblätterige Form der vorstehenden, mit unregelmäßig
verteilten weißgelben Zeichnungen.
Pinus Laricio austriaca aurea hört. (Gartenfl. 1887, p. 643).
Nach Ilse mann eine besonders schöne Form, deren Blätter alle teils
gelb, teils grau, teils dunkelgrün gefärbt sind. Derselbe fand in einer Waldung
einen etwa 30jährigen Baum, der einen starken Kontrast hervorbrachte und
zählt ihn zu den wirkungsvollsten buntblätterigen Gehölzen.
Pinus Laricio Pallasiana Endl. (Conif. p. 179 [1847]). Taurische
Schwarzkiefer.
Syn. Pinus Pallasiana Lamb. Pin. 2. ed., p. 11, t. 5 (1828).
„ halepensis Bieb. Flor. Taur. Gaue. 2, p. 408 (1808) nee. Mill.
„ maritima Pall. Index, taur.
„ caramanica Oliv.
„ Laricio caramanica Spach. Hist. Veg. phan. XI, p. 385 (1842).
„ taurica hört.
„ tatarica hört.
„ Fenzlii Ant. et Kotschy. (Nach Willkomm niedriger von
Wuchs und mit kleineren Zapfen. Auf der Krim und auf
dem cilicischen Taurus in Kleinasien vorkommend.) Ein
junger Baum im botanischen Garten in Bonn wächst üppig
empor und zeigt orangegelbe junge Triebe.
Pin de Caramanie, Laricio de Caramanie der Franzosen.
Crimean Pine der Engländer.
Im Jahre 1790 in Kultur eingeführt.
Breitkroniger Baum von üppigem Wuchs, oft mit geteiltem Stamm, mit
langen, starken Ästen. Jüngere Zweige mit fahlgelber bis graubrauner Rinde
bekleidet. Blätter besonders starr, noch etwas länger und dicker wie bei vor-
stehender Form, dazu glänzend-dunkelgrün. Zapfen auch etwas größer, bis
10 cm und selbst länger, eiförmig. Schuppenschild hellbraun, mit stumpfer
412 /^weiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten.
Querleiste und stärker, strahlenförmig runzelig wie bei den anderen Formen.
Eine als Parkbaum oft malerisch schöne dekorative Kiefer, aber wegen der
geteilten Stämme, starken Äste und eine in die Breite gehenden Krone nicht
als Forstbaum in Betracht kommend, welche wie vorige Kalkboden liebt.
387 (1868).
III, p. 153.
Blätter dünn, weniger steif.
Pinus Laricio monspeliensis hört. Pyrenäen-Schwarz kiefer.
Syn. Pinus monspeliensis Salzm.
„ Salzmannii Dunal. in Mem. Acad. seien, de Montp. II, p. 81,
cum. ic.
„ Laricio tenuifolia Pari, in D. C. Prodr. XVI, 2, p.
„ „ ß pyrenaica Gren. et Godr. (nee. Lap.).
„ „ y cebennensis Gren. et Godr. Flor, franc.
„ „ leptophylla Christ. Europ. Abiet. p. 15.
In den Cevennen, den Pyrenäen und den Gebirgen Cataloniens heimisch.
Bildet schlank aufstrebende Bäume von 15 — 20 m Höhe. Junge Zweige
mit orangegelber oder rötlicher Rinde. Blätter viel dünner und weniger
steif, 10 — 15 cm lang, mehr dem Zweige anliegend. Zapfen gerade, 4 — 5 cm
lang. Samen eirund, 5 mm lang, graubraun.
Diese Form ist vielfach mit Pinus pyrenaica Lap., welche als Syn. zu P.
brutia Ten. zu stellen ist (siehe daselbst), verwechselt worden, welche der
P. halepensis sehr nahe steht und somit ganz verschieden ist.
Die Schwarzkiefer in ihren verschiedenen Formen ist als Parkbaum
mit ihrem üppigen Wuchs, ihrer kandelaberartigen Aststellung außerordentlich
schätzenswert, zumal sie sich als hart und dazu ziemlich unempfindlich gegen
Rauch und schädliche Ausdünstungen der Städte bewährt hat; sie sollte stets
ganz frei gestellt werden und nimmt sich dann mit ihrer eiförmigen Krone
sehr gut aus. Nie darf sie zu dichten Gruppen vereinigt werden, wo sie
bald unten kahl wird. Zumal hat sich die österreichische Schwarzkiefer
eingebürgert, auch als Forstbaum, der schnell heranwächst, aber leider der
dicken, dichtstehenden Äste halber ein sehr knotiges Stammholz liefert. In
Österreich wird sie vorzugsweise auf Harzung benutzt (nach Willkomm).
Ohne im Boden wählerisch zu sein, sagt ihr Kalkboden besonders zu, sie
gedeiht noch auf den dürrsten Kalkbergen oder anderem verwittertem Gestein,
fürchtet aber kalte Lagen. Auch als Schutzbaum im Sturm an Küsten hat
sie sich bewährt, z. B. im Lornsenhain auf Sylt. Außer der österreichischen
Schwarzkiefer dürfte auch wohl die kalabrische noch, nach den bisherigen
Erfahrungen, wenigstens für West-Deutschland, für forstlichen Anbau in Frage
kommen.
Willkomm führt an, daß die Schwarzkiefer sich gut auf Pinus silvestris
veredeln lasse und es um Fontainebleau große Bestände dieses Ursprunges
gäbe. Als vor Jahren im Braunschweiger botanischen Garten eine Schwarz-
kiefer eines Gewächshausbaues wegen gefällt werden mußte, gewahrte ich,
daß dieselbe, dicht über der Wurzel veredelt, zu einem besonders schönen,
üppigen Baume gediehen war, es muß also solche Veredelung früher, wo
die Schwarzkiefer noch weniger verbreitet war, häufiger in Gebrauch ge-
wesen sein.
II. Klasse. Coniferae. 413
Noch wären einige Gartenformen zu nennen:
Wuchsformen.
Pinus Laricio pendula hört. Trauer-Schwarzkiefer.
Eine üppige Form mit ausgebreiteten, quirlständigen, stark abwärts
hängenden Ästen.
Pinus Laricio columnaris Hartmann (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1906, p, 193).
Säulen-Schwarz kiefer.
Eine prächtige, in zwei Exemplaren von Ernst Hartmann auf
Cypern aufgefundene Säulenform. Der Stamm trägt ganz kurze, nach
oben gekrümmte Äste. Hoffentlich gelingt es, diese interessante Form durch
Veredelung der Kultur zu erhalten.
Pinus Laricio pyramidata (Carr. Conif. 1. ed., p. 385 [1855]).
Form mit straff aufgerichteten Ästen. Blätter ziemlich lang und gerade.
Zapfen 8 cm lang, gebogen, zugespitzt.
Pinus Laricio contorta (Carr. Conif. 1. ed., p. 385 [1855]).
Buschige Form mit dicken, lang ausgebreiteten und dann aufwärts ge-
richteten Ästen. Blätter dick und lang, an den Zweigspitzen zusammengedrängt,
dunkelgrün-glänzend, gedreht, eine eigenartige auffallende Form.
Zwergformen.
Pinus Laricio pygmaea Rauch. Zwerg-Schwarzkiefer.
Syn. Pinus Laricio nana hört.
Buschige Zwergform mit sehr dichtstehenden, kurzen Zweigen, eine
Kugel bildend. Blätter an den Spitzen der Zweige gehäuft.
Pinus Laricio monstrosa hört.
IMonströse Zwergform mit sehr kurzen, dicken, oft bandförmig ver-
breiterten Zweigen und dichtstehenden, dunkelgrünen Blättern.
Pinus Laricio balcanica (Velenovsky Fl. bulg. suppl. I).
Nach Prof. Adamovic führt der Autor, unter obigem Namen, eine in
der Krummholzregion vorkommende Krüppelform mit kürzeren, dichter
stehenden Blätter an.
Pinus Laricio Bujotii hört.
Syn. Pinus silvestris Bujotii hört.
Eine dichte Kugelform mit ganz kurzen, dichtgedrängten Zweigen
und dunkelgrünen, dichtstehenden, gedrehten Blättern.
Diese mehr eigentümlichen wie schönen Zwergformen können auf der
Felspartie Verwendung finden und werden durch Veredelung fortgepflanzt.
Pinus Laricio prostrata (IVIitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 26).
Eine echte Kriechform, wie die Krummholzkiefer, mit knieförmig,
sich weit über dem Boden ausbreitender Beastung und normaler Benadelung.
414 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
Ich fand ein Exemplar im botanischen Garten in Gießen, welches schon
Zapfen trug. Unbekannter Herkunft, dürfte diese Form als eigentümlicher
Sämling entstanden sein. Diese üppige, nicht krankhafte Form wäre ein
schöner Schmuck für Abhänge und für die Steinpartie, sie sollte, durch
Veredelung fortgepflanzt, der Kultur erhalten bleiben.
In der Färbung abweichend.
Pinus Laricio variegata hört.
Form mit weißgescheckten, teils mit ganz weißgelben Blättern, unschön
und wenig beständig.
Pinus Laricio zlatiborica Adam.
Eine nach Prof. Ad am o vi c in Zlatibor in Serbien vorkommende Form
mit goldgelben Blättern.
Pinus Laricio pumila aurea hört.
Eine gedrungene Zwergform von goldgelber Färbung.
Pinus Laricio Moseri (Journ. de la Soc. hört, de France 1900, p. 53 und
Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 62).
Eine von Moser-Versailles gewonnene kugelige Form, von 2 m
Durchmesser, welche die Eigentümlichkeit zeigt, daß die im Sommer lebhaft
grünen Nadeln sich während des Winters in ein prächtiges Goldgelb
verfärben und sich gegen dunkelen Hintergrund prächtig abheben.
Bierbach in Belgrad (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1900, p. 118) fand
eine Form, aureo-variegata, deren Nadeln ^/g goldgelb, ^/g hellgrün gefärbt
sind. Die Zapfen sind ganz helUederfarben, mit braunen Nabelspitzen. 30 ^/q
zeigten sich aus Samen erzogen wieder goldbunt.
Noch wären hier nach Focke, Pflanzen-Mischlinge, Berlin 1881, p. 419
einige Bastarde zu nennen, nämlich:
Pinus nigra Arnold (P. Laricio austriaca) x P. silvestris = P. Neilreichi-
anax, Reichhardt in Verh. der zool. botan. Ges. Wien XXVI, 1876, p. 461.
P. silvestri — Laricio Neilreich Nachtr. zu Maly Enum. p. 68 (1861).
Pinus silvestris L. x nigra Arn. = permixta Beck in Abb. d. k. k. zool.
Ges. Wien 1888, p. 766.
Pinus nigra x montana = P. Wettsteinii Fritsch in Österr. botan. Zeitsch.
1889, p. 108.
ß) Knospen harzlos.
46. Pinus Thunbergli Pari, (in D. C. Prodr. XVI, 2, p. 388 [1868]).
Thunbergs Kiefer, japanische Schwarzkiefer.
Syn. Pinus silvestris Thunb. Fl. jap. p. 274; non L. (1784).
„ rubra Sieb, in Verh. van het Batav. Genotsch. vol. 12 (1827).
„ Pinaster Loud. Arb. Brit p. 2218; non Sol (1838).
„ Massoniana Sieb, et Zucc. Fl. jap. II, p. 14, t. 113 und 114
(1842); non Lamb.
Kuro-Matzu (Schwarzkiefer)
jvuro-iviatzu (:5cnwarzKieier) ^
Omatzu (männliche Kiefer) / '^^'' J^P^ner.
II. Klasse, Coniferae. 415
Syn. Sjo vulgo Mats Kaempf. Amoen. exotic. p. 883 (1712),
Mayr, Abiet. d. jap. Reiches 1890, p. 69, Taf. V, Fig, 16, Taf, VII,
Fig. 1.
Ein durch ganz Japan, zumal an der Küste gemeiner Baum, der in der
Ebene allein, oder mit Pinus densiflora gemischt, große Waldungen bildet
und allmählich aufsteigend bei 1000 m Erhebung als Strauch auftritt. Auch
in China vorkommend.
Nach Masters Journ, Linn. Soc, Bot. XXVI, p. 553 sammelte sie in
Nord-China Williams, bei Peking Bretschneider, bei Shingking Roß, bei
Nord-Shen-si auf Gebirgen Pater Giraldi (von 3 Standorten, welches Material
ich genau geprüft habe [Mitt. d. d. dendr. Gesellsch. 1896, p, 69 u. 1901, p. 73
u. 75]), bei Szechuen Farges, bei Yunnan Delavay, auf Korea Oldham.
Etwa um das Jahr 1862 in Europa eingeführt.
Großer, bis 35 m, ja nach Mayr im guten Boden in Tempelhainen oft
von enormen Dimensionen und über 40 m hoher Baum mit breiter Krone
und abstehenden Ästen, der österreichischen Schwarzkiefer ähnlich. Stamm
mit dicker schwarzgrauer Rinde bekleidet. Junge Triebe hellbraun. Knospen
groß, zylindrisch, scharf gespitzt und dicht mit weißen seidenartigen, fest an-
liegenden Schuppen besetzt, Blätter zu zweien, steif, derb, etwas gedreht,
halbrund, am Rande schärflich, kurz und scharf gespitzt, frischgrün, 10 bis
14 cm lang. Männliche Blüten in dichten Ähren, zylindrisch, gelb, weibliche
rot. Öfter sind androgyne Blüten beobachtet: Mayr in Mitt, d, d. dendr,
Gesellsch, 1901, p, 16 und in Linn. Soc. Journ. Bot. XXXV, p. 629, mit
Abbild, von Masters. Zapfen im 2, Jahre reifend, einzeln, kurzgestielt, zu-
rückgekrümmt, 5 — 6 cm lang, 3 — 4 cm breit, eirund-kegelförmig oder kegel-
förmig-stumpf, Schuppenschild fast rhombisch, sehr flach, niedergedrückt-
pyramidenförmig, mit niedriger aber scharfer Querleiste, graubraun, mit wenig
vortretendem, stumpfem oder schwach gespitztem Nabel. Samen rhombisch-
eirund, mattgraubraun, 5 mm lang, mit glänzendem, hellbraunem, dunkel-
gestreiftem, 3 — 4 mal so langem, messerförmigem Flügel,
Diese Kiefer wird häufig mit der im südlichen, wärmeren China ein-
heimischen, sehr empfindlichen und in Deutschland nicht mehr aus-
dauernden Pinus Massoniana Lamb. verwechselt, welche aber leicht
durch die zarteren, 14 — 18 cm langen Blätter und die mächtigen, zylindrischen,
mit langen braunen, silberhaarig gewimperten, weichen Schuppen bedeckten
Knospen zu unterscheiden ist.
Nach Nakamura ist das Holz der Pinus Thunbergii geradefaserig, hart
und stark nach Harz riechend. In Japan ein wichtiger Forstbaum, dessen
Holz als Bau- und Brennholz auch zum Kohlenbrennen verwendet wird. Das
ast- und harzreiche Holz wird seiner Bilhgkeit wegen viel verwendet, aber
wenig geschätzt. Aus dem beim Verbrennen der Wurzeln sich bildenden
Ruß mit dem Öl von Brassica orientalis soll die geschätzte chinesische Tusche
hergestellt werden.
Pinus Thunbergii wächst als anspruchslosester Baum im Dünensande,
trockener, tiefgelegener Boden sagt ihr am meisten zu. Sie wird viel an Straßen,
als heiliger Baum an Tempeln und in Gärten angepflanzt und gleichfalls als
Strauch oder zu den so sehr behebten Zwergformen in Töpfen wie in Gärten
mit der größten Ausdauer erzogen, so daß uralte, künstlich in der Vegetation
416 Zweiter Teil. Besclireibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra- Arten,
zurückgehaltene Zwerge kaum mehr als von dieser Kiefer abstammend er-
kannt werden können.
Im Garten am Heidelberger Schloß steht eine Zwergform von Pinus
Thunbergii, die kaum 1 m hoch ist, aber bereits Zapfen trägt.
Pinus Thunbergii hat sich auch in Deutschland hart gezeigt; so sah ich
bei Herrn Dr. Bolle auf seiner Insel Scharf enberg bei Berlin einen stattlichen,
kräftigen, gesunden Baum, der reichlich Zapfen und keimfähige Samen brachte,
ebenso in Fischbach in Schlesien u. a. O. Nach Mayr verdient sie forstlich
die Kultur nicht, ebenso spricht sich Schwappach für Nord-Deutschland aus.
Aus Japan importierte Gartenformen sind z. B. auch:
Pinus Thunbergii variegata hört.
Syn. Shiraga-Matzu der Japaner.
Eine Form schwächer von Wuchs, mit teilweise gelbbunten oder
ganz gelb weißen Blättern.
Pinus Thunbergii monophylla hört.
Syn. Hitobano-Matzu der Japaner.
Eine Form gleichfalls schwächer von Wuchs, deren 2 Blätter verwachsen
sind und so gleichsam nur ein Blatt ausmachen.
Mayr in Abiet. d. jap. Reiches 1890, p. 89 führt außer diesen beiden
noch folgende in japanischen Gärten kultivierte Formen an:
Oculus draconis, Drachenauge. Die Blätter zeigen mehrere gelbe
Ringel, so daß, wenn man von der Knospe in den Zweig hineinsieht, ein
Auge, wie es den japanischen Drachen eingesetzt wird, entsteht.
tigrina, mit unregelmäßig goldgelb gefleckten Nadeln.
globosa, einen halbkugelförmigen, dichten Busch bildend.
tortuosa, mit korkzieherartig gedrehten Nadeln und rötlichen, zurück-
gerollten Knospenschuppen, vielleicht eine Kreuzung mit densiflora. Zweige
von dieser Form erhielt ich von Unger- Yokohama (Mitt. d. d. dendr. Gesellsch.
1901, p. 78).
pendula, mit stark abwärts hängenden Ästen.
pectinata, Nadeln alle nach einer Seite gerichtet.
Oculus draconis tortuosa, Drachenauge, mit gedrehten Nadeln.
Weiter führt Mayr dann p. 83 Bastarde an, nämlich:
Pinus Thunbergii x densiflora (Mayr 1. c. Taf. VII, Fig. 2 — 4).
Diese nähern sich mehr der Thunbergii. Die Nadeln zeigen zwei große
Harzgänge im Parenchym. Die männlichen Blüten und Zapfen sind ebenfalls
die von Thunbergii. Die Rinde hält die Mitte zwischen rot und grau. Blätter
und Knospen halten ebenfalls die Mitte. Solche Bastarde finden sich nur an
der Küste, dem natürlichen Standorte der Schwarzkiefer.
Pinus densiflora x Thunbergii (Mayr 1. c. Taf. VII, Fig. 3 u. 4).
Diese Bastarde zeigen den anatomischen Bau der Nadeln und der Zapfen
der densiflora. Die Knospen halten die Mitte zwischen beiden. Knospen-
form, Farbe und Bildung der Schuppen zeigen Übergänge. Diese Bastarde
II. Klasse. Cöniferae. 417
zeigen sich nur da, wo densiflora vorherrscht und sind viel seltener als die
ersteren.
47. Pinus Pinaster Sol. (in Ait. Hort. Kew. 1. ed., III, p. 367 [1789]).
Strandkiefer, Igelföhre, Kiefer von Bordeaux.
Syn. Pinaster caesalp. de plant, lib. 3, Cap. 52, p. 130.
Pinus maritima altera C. Bauh. Pin. d. 492.
„ silvestris ß L. spec. pl. p. 1418.
silvestris Mill. dict. No. 1 (1759), nee. L.
„ Laricio Savi Fl. Pis. II, p. 353 (1798), nee. Poir.
„ maritima Poir. Dict. Encyclop. V, p. 337 (1804).
Pinus Pinaster, als
trefflicher Nutzbaum
in den verschieden
sten Ländern einge-
bürgert, wurde dann
unter beistehenden
Namen aus den be-
treffenden Ländern
wieder in Europa ein-
geführt.
„ nepalensis Royle et Hort. aliq.
„ Latteri Madden ex Gord. pin. p. 176.
„ syrtica Thor. Prom. in Gascogn.
p. 161 (1810).
„ Novae Hollandiae Lodd. 1836.
„ Novae Zealandiae Lodd. 1836.
,, St. Helenica Loud.
„ neglecta Low.
„ japonica Hort. aliq.
„ chinensis Knight. ex Gord. pin. p. 176.
Pin maritime, Pin de Bordeaux, Pin des Landes der Franzosen.
Cluster Pine der Engländer.
Am Meeresufer und auf Anhöhen im südlichen Europa, besonders in
den Mittelmeerländern, auch vielfach kultiviert und in andere Länder ver-
breitet, wie die oben angeführten Namen beweisen.
Baum von 20—30 m Höhe, sehr harzreich, mit rotgrauer oder braunroter
Rinde und kegelförmiger Krone. Äste zahlreich, ausgebreitet und herabgebogen.
Junge Triebe rot. Knospen groß, länglich, ohne Harz, mit weißgewimperten
Schuppen. Blätter zu 2, an jungen Pflanzen hier und da zu 3, dicklich steif,
12—20 cm lang, 2 mm breit, abstehend, halbrund, öfter gedreht, meist am
Ende der Zweige gehuschelt, am Rande kaum schärflich, stachelspitzig,
glänzend-grün. Männliche Blüten in schlaffer Ähre, zylindrisch, stumpf, gelb-
braun. Zapfen auf kurzem, holzigem Stiele, zu 4 — 2, selten zu 5—7 oder
einzeln, quirlförmig um den Zweig gestellt, schief abwärts gerichtet, breit-ei-
kegelförmig sich zuspitzend, 10- -19 cm lang, 5—8 cm breit, jung purpur, dann
grün und wenn reif glänzend -braun. Schuppenschild glänzend, erhaben-
pyramidenförmig, mit scharfer Querleiste. Nabel stark hervortretend, breit
zusammengedrückt, spitz, hakig abwärts gebogen oder gerade, oder weniger
hervortretend (var. obtusisquama [stumpf schuppig] Boiss.). Samen groß, ei-
rund-länglich, graubraun, 7— 8 mm lang, mit einem 3— 4 mal längeren, an der
Spitze stumpf abgestutztem Flügel.
Die Strandkiefer ist ein außerordentlich schätzbarer Baum für die
oben genannten Länder oder solche, die ähnUche klimatische Verhältnisse
zeigen, sie gedeiht noch im unfruchtbaren Sandboden, wenn er nur hinreichend
Feuchtigkeit besitzt, ist äußerst wertvoll zur Aufforstung der Dünen, bildet
z. B. im südwestlichen Frankreich, in den sogen. Landes, ausgedehnte Wälder
Beißner, Nadelholzkunde. 2. Aufl. 27
418 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, P'reiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
und wird dort im großen zur Terpentingewinnung angebaut. Das Holz ist,
nach Willkomm, breitjährig, grobfaserig, anfangs gelblich-weiß, dann mit
Beginn der Kernbildung braunrot und schwer, überaus harzreich und daher
von großer Brennbarkeit, aber von geringer Dauer und Zähigkeit.
Leider zeigt sich diese schöne Kiefer in Deutschland empfindlich und
dürfte nur in den wärmsten Lagen ein dauerndes Gedeihen versprechen.
Anbauversuche an den Dünen der Ostsee mißlangen. Nachdem Dr. Bolle
auf seiner Insel Scharfenberg schon reife Zapfen (der Form minor [Escarena]
mit kurzen Zapfen) erhalten, erfroren im Winter 1870/71 alle Bäume bis auf
einen. Nach diesem Winter angepflanzte Bäume hatten bis 1886 schon 6 bis
8 m erreicht. — Im botanischen Garten in Bonn standen am Weiher früher
starke Bäume, die dann eingingen; im Weiherschlamm wurden noch die großen
Zapfen gefunden. Im nahen Kottenforst im Schutz finden sich vereinzelt
starke, zapfentragende Bäume. Trotz bevorstehender Verluste in kalten
Wintern sollte man, da sie so schnell heranzuziehen, in geschützten Lagen
diese schöne, langnadelige Kiefer dennoch anpflanzen, zumal junge Pflanzen
am schönsten und durch schlanken pyramidalen Wuchs, quirlständige Äste,
frisches Grün und die ihnen eigentümlichen roten jungen Triebe gut charakteri-
siert sind. Werden wir uns also in günstigen Lagen dieser Kiefer als eines
schönen Parkbaumes erfreuen können, so wird er als Nutzbaum bei uns
nie eine Rolle spielen, und jede Anpreisung für diesen Zweck sollte deshalb
unterbleiben.
Pinus Pinaster ändert, je nach Boden und Standort, ungemein ab in
der Länge der Blätter, der Größe der Zapfen oder was üppigeren oder magereren
Wuchs, geraden oder schwachen gekrümmten Stamm, oder gar mehr buschigen
Wuchs anlangt, so daß sie, mit dünneren, kürzeren Blättern und kleineren
Zapfen, auf den ersten Blick, z. B. mit P. Laricio Poir. und deren Formen
verwechselt werden könnte, zumal wenn keine Zapfen vorhanden sind.
Es ist daher kaum möglich, scharf und konstant unterschiedene Formen
aufzustellen, sondern diese möchten doch richtiger als klimatische oder Stand-
ortsformen anzusehen sein. Nach Pariatore und Carriere wären die drei
folgenden Formen festzuhalten:
Pinus Pinaster Hamiltonii Pari, (in D. C. Prodr. XVI, 2, p. 383 [1868]).
Syn. Pinus Hamiltonii Ten. Cat. Orto botan. Napol. 1845.
? Pinus Pinaster major Duham. Arbr. 2, p. 133, t. 28, No. 2, ex
D. C. Fl. Fr. III, p. 273.
Pinus Pinaster altissima Lamb.
„ Corteana hört.
Pin de Corte, Pin maritime de Corte der Franzosen.
Zumal auf Korsika, in den Apenninen, in Spanien und Portugal wie in
Ober-Italien vorkommend.
Sehr hoher Baum mit starken, ausgebreiteten Ästen. Blätter sehr stark,
steif, gerinnt, 18 — 25 cm lang, dunkelgrün. Zapfen meist einzeln, zylindrisch-
kegelförmig, etwa 20 cm lang, mit starken pyramidalen Schuppen.
Diese Form, welche üppigen Wuchs zeigt und besonders gerade, starke,
regelmäßige Stämme bildet, zeigte sich in verschiedenen Lagen widerstands-
fähiger und sollte deshalb zumal zu Kulturversuchen herangezogen werden.
II. Klasse. Coniferae. 419
Pinus Pinaster Lemoniana Endl. (Syn. Conif. p. 169 [1847]).
Syn. Pinus Lemoniana Benth. in Hort. Transact 2, ser. I, p. 512, t. 20.
Kleiner Baum von 8 — 10 m Höhe mit breiter, weitschweifiger Krone,
Äste zahlreich, dick, ausgebreitet. Zweige stark. Blätter glänzend-dunkelgrün,
sehr. steif, lang und dick, abstehend, öfter gedreht. Zapfen einzeln, endständig,
ziemHch lang gestielt, 6 — 11 cm lang, 3—4 cm breit, glänzend-rotbraun,
Schuppenschild mit scharfer Querleiste, Nabel stumpf, sehr charakteristisch
aschgrau.
Eine aus England stammende, in Gärten kultivierte Form, die als junge
Pflanze mit ihren langen, starken Blättern sofort auffällt.
Pinus Pinaster minor. Loisel. (in Nouv. Duham. V, p. 242, t. 72).
Syn. Pinus Pinaster Aberdoniae Loud. Encyclop. of trees p. 963.
„ „ Escarena Endl. Syn. Conif. p. 169 (1847).
„ Escarena Risso Hist. nat. Eur. mer. II, p. 459 (1826).
„ maritima minor Duham.
„ ,, trocata hört.
„ detritis Hort. Angl.
Lord Aberdeens Pine der Engländer.
Baum von 12 — 15 m Höhe, von weniger schönem Wuchs und empfind
lieber in Kultur. Blätter kürzer und mehr blaugrün. Zapfen klein, zu
mehreren, selten einzeln, 4 — 5 cm lang, 30 — 35 mm breit.
Nach Carriere ist der Name Pin ä trochet, Büschelkiefer (wo die
Zapfen büschel- oder traubenförmig beisammen stehen), den man hier und da
dieser Form beilegt, deswegen nicht gerechtfertigt, weil gerade sie wenig
Zapfen trägt; überdies wird dieser Name auch anderen Formen von Pinus
Pinaster, ja auch Formen von P. Laricio Poir. beigelegt, selbst P. silvestris
und auch P. montana uncinata wird so bezeichnet.
Pinus Pinaster variegata hört. (Carr. Conif. 1. ed., p. 366 [1855]).
Eine Form mit blaßgelbbunten Blättern, die sich empfindlicher als die
Art zeigte.
6. Siibsektion. Pinea Koehne.
Harzgänge an der Epidermis. Zapfen mittelgroß, kegelförmig, meist aus
Quirlknospen. Samen flugfähig (ausgenommen bei Pinus Pinea) vom Flügel
zangenförmig gefaßt (Eusilvestres, P. Pinea und Euhalepenses Engelmann).
A. Scheiden der Blattpaare in der Mitte gegliedert, die obere Hälfte zeitig abfallend.
48. Pinus resinosa Sol. (in Ait. Hort. Kew. 1. ed., III, p. 367 [1789]).
Amerikanische Rotkiefer.
Syn. Pinus rubra Mchx. fil. North. Amer. Sylv. III, p. 112, t. 134 (1810).
Red Pine (Rotkiefer) der Amerikaner.
Pin rouge d'Amerique der Franzosen.
Canadian Red Pine der Engländer.
In Nord-Amerika, besonders in Kanada und Neu-Schottland, im sandigen
Lehm oder an trockenen Bergabhängen große Wälder bildend und ein vor-
27*
420 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, PYeiland-Coniferen und Ephedra-Arten.
zügliches, festes, harzreiches, besonders zum Schiffsbau geschätztes Holz
liefernd. Die Rinde wird gelegentlich als Gerbemittel, die sehr harzreichen
Wurzeln werden als Fackeln verwendet.
Im Jahre 1756 eingeführt.
Baum von 20 — 30, gelegentlich bis 50 m Höhe bei 0,60 m Stammdurch-
messer, mit schlankem, gleichmäßig starkem Stamm, der mit ziemlich glatter,
hellgrau-gelber, in breiten dünnen Stücken sich lösender Rinde bekleidet ist
und eine pyramidale Krone trägt; Äste stark und abstehend. Knospen eirund-
länglich, braunrot, fein gespitzt, mit Harz bedeckt, junge Triebe hellrotbraun,
glatt. Blätter zu 2, an den Spitzen der Zweige büschelständig, 12 — 16 cm
lang, steif abstehend, am Rande schärflich, kurz zugespitzt, dunkelgrün, glänzend.
Männliche Blüten in dichten Ähren dunkelpurpur, weibliche kurzgestielt Scharlach.
Zapfen hellbraun, zu 2— 3 quirlständig, sitzend, wagerecht abstehend, eirund-
kegelförmig-stumpf, gerade oder gekrümmt, 4 — 5 cm lang, S^/g cm breit.
Schuppenschild schwach pyramidenförmig, mit wenig hervortretender Quer-
leiste und sehr stumpfem Nabel. Samen klein, oval, mit fast dreimal so
langem Flügel.
Eine ganz harte, raschwüchsige, durch den roten Stamm zierende Kiefer,
die gut im Sandboden gedeihen soll, aber leider und merkwürdigerweise in
Deutschland höchst selten vertreten ist. Es wäre sehr zu wünschen, daß diese
schöne Kiefer nicht nur als Parkbaum, sondern seiner guten Eigenschaften
halber auch in forstlicher Beziehung recht bald in Kultur mehr verbreitet und
eingehend geprüft würde.
Nach Dr. Mayr dürfte Pinus resinosa kaum mit geringerem Sandboden
fürlieb nehmen, wie P. silvestris bei uns, derselbe glaubt deshalb, daß sie
wohl keine Aussicht habe, im großen angebaut zu werden, rät aber, sie zu
prüfen. In dekorativer Hinsicht übertrifft sie P. silvestris.
In der Domäne des Barres, bei Nogent sur Vernisson in Frankreich,
sah ich im forstlichen Bestände schöne, starke Stämme.
B. Scheiden ungegliedert.
Unter der Blattepidermis Gruppen mechanischer Zellen, die auch die
vorhandenen, bis etwa 8 Harzgänge umfassen.
a) Samen flugfähig, mit grofsem Flügel.
49. Pinus halepensis Mill. (Dict. n. 8, Ic. t. 216 [1768]). Aleppokiefer,
Seekiefer.
Syn. Pinus hierosolimitana Duham Arb. II, p. 126 (1755).
„ genuensis Cook. Sk. in Spain II, p. 236.
„ alepensis Poir. in enc. meth. V, p. 338 (1804).
Pin blanc, Pin d'Alep, Pin de Jerusalem der Franzosen.
Aleppo Pine der Engländer.
Im ganzen Mittelmeergebiet von Portugal bis nach Asien, auch an der
Ostküste des schwarzen Meeres, eine echte Seestrandkiefer, im Meeressande
wie auf verwittertem Felsboden gedeihend und in der Region des Oliven-
baumes ein mildes Klima verlangend.
I
II. Klasse. Coniferae. 421
Im Jahre 1732 eingeführt.
Harzreicher Baum von 10 — 16 m Höhe, jung, mit pyramidaler, später
gewölbter, schirmförmiger Krone, oft auch strauchartig. Stamm erst mit
aschgrauer glatter, später mit rotbrauner rissiger Rinde, oft gebogen und
gedreht. Äste aufrecht-abstehend, sehr verzweigt. Zweige lang und dünn,
hellgrau. Knospen klein, länglich-kegelförmig, hellbraun, ohne Harz. Blätter
zu 2, selten zu 3, sehr dünn, 7 — 9 cm lang, schlaff, abstehend halbrund, am
Rande schärflich, blaugrün in silbergrauer Scheide. Blätter büschel-, oft
pinselartig, an den Spitzen der Zweige gehäuft, weshalb die Zweige, da die
Blätter nur 2 — 3 Jahre am Baume bleiben, sehr mager beblättert erscheinen.
Männliche Blüten in dichten Knäueln, rotbraun. Zapfen zu 2 — 3 quirlständig
oder einzeln an kurzen Stielen hängend, kegelförmig-länglich, gerade oder
selten gebogen, rotbraun-glänzend, 8 — 10 cm lang, 4 cm breit. Schuppen-
schild mit mehr oder weniger hervortretender Querleiste und großem, grauem,
meist stumpfem Nabel. Samen schwärzlich, eirund-länglich, 6 — 7 mm lang,
mit 3 — 4 mal längerem rötlich-braunem Flügel.
Die Aleppokiefer gedeiht als Bewohnerin warmer Gegenden auch in
den wärmsten Gegenden Deutschlands nicht mehr, oder fristet doch hier ein
kümmerliches Dasein und ist mit magerer, dünn beblätterter Krone ohne allen
Zierwert, verdient deshalb die Anpflanzung nicht.
Folgende Form hat sich etwas widerstandsfähiger gezeigt und könnte
somit in den mildesten Lagen Deutschlands in Kultur erprobt werden,
nämlich:
Pinus halepensis Pithyusa Stev. (ex Gord. Pin. p. 166 [1858]).
Syn. Pinus Pithyusa Strangw. in Gard. Mag. XVI 638.
maritima Lamb. Pin. 2. ed., I, p. 13, t. 6.
„ abasica Carr. Conif. 1. ed., p. 352 (1855).
„ abchasica Fisch, ex Gord. Pin. p. 166 (1858).
„ halepensis abasica Carr. Conif. 2. ed., p. 507 (1867).
„ arabica Sieber ex Spreng. Syst. III, p. 886.
„ colchica hört.
Am Fuße des westlichen Kaukasus, auf den Gebirgen Attikas, in Klein
Asien, speziell in Georgien vorkommend.
Sehr verzweigter, buschiger Baum, von etwa 6 — 10 m Höhe, mit zahl-
reichen, ausgebreiteten, weitschweifigen Ästen und dünnen Zweigen. Blätter
etwa 12 cm lang, sehr dünn, glatt oder kaum fein gesägt, gedreht. Zapfen
sehr klein, gestielt, eirund, leicht gebogen, glänzend, sehr spärlich auftretend.
Samen schwärzlich, 8 mm lang, mit großem, dunkelbraunem Flügel.
Pinus halepensi-Pinaster G. de Saporta. Über einige kürzlich in der Provence
beobachtete Baumbastarde (Comptes rendus 1889, T. CIX, p. 656).
Ein natürlicher Bastard zwischen Pinus halepensis und P. Pinaster.
Nach dem Autor sind spontane Bastarde von Holzpflanzen meist sehr
selten.
Die Bestäubung ist durch den Wind vermittelt, außerdem ist das Zu-
tun des Menschen oder der Tiere bei der Aussaat und dem Verscharren der
422 Zweiter Teil. Beschreibung der Ginkgoaceen, Freiland-Coniferen und Ephedra-Arten,
hybriden Samen hinzugekommen. Sich selbst überlassen würden die Samen
von Pinus halepensi-Pinaster vielleicht niemals gekeimt haben.
50. Pinus brutia Ten. (